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Full text of "Die Entwickelung des niederrheinisch-westfälischen Steinkohlen-bergbaues in ..."

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H 115 32 6-b 



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Die Entwlckelung 

des 

Niederrheinisch -Westfälischen 
Steinkohlen -Bergbaues 

in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Herausgegeben vom 

Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund 

in Gemeinschaft mit der Westfälischen Berggewerkschaftskasse 

und dem Rheinisch -Westßilischen Kohlensyndikat. 



II. 

Ausrichtung, Vorrichtung, Abbau, Grubenausbau. 



Mit 144 Textflguren und 18 Tafeln. 



1902. 

Verlagsbuchhandlung von, Julius Springer in Berlin. 



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Alle Rechte, insbesondere das der Ueberseteung in fremde Sprachen, vorbehalten. 



Druck von H. S. Hermann in Berlin. 



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Inhaltsverzeichnis. 



I. Abschnitt: Ausrichtung:. 

Seite 

I. Einleitung 3 

II. Grösse und Form der Gmbenfelder 5 

III. Zahl nnd Lage der Schächte 10 

IV. SohlenbUdnng. 

1. Die Ausrichtung der einzelnen Sohlen 13 

2. Sohlenabstand und Teilsohlenbildung 21 

3. Verteilung des Betriebes auf mehrere Sohlen 29 

V. Schlnssbetrachtnng 32 



11. Abschnitt: Geschichtliche Entwickelungr von Vorrichtung 

und Abbau. 

1. Kapitel: Vorrichtung und Abbau in ihrer Besiehung zur 
Geschichte des niederrheinisch -westfälischen Bergbaues. 

I. Der Zeitabschnitt bis asur einheitlichen Regelung der bergrechtlichen 
Verhältnisse im Ruhrkohlenbezirk. 

1. Die Zeit vor 1737 37 

2. Der Zeitabschnitt von 1737 bis 1766 38 

3. Die Cleve-Märkische Bergordnung von 1766 40 

4. Der Stand des Bergbaues am Ende des 18. Jahrhunderts 

in der Mark und den Nachbargebieten 42 

II. Die allgemeinen VerhMltnisse, welche im Laufe des 19. Jahrhunderts 
Vorrichtung von Abbau beeinflnsst haben 44 



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rV' InhalttYeraeichnit. 

Srilc 

2. Kapitel: Die Entwiokelimg der Vorrichtung und des Abbaues 
seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. 

I. Entwickelnng der Vorrichtung. 

1. Das allgemeine System der Vorrichtung 46 

2. Die Art der Vorrichtungsbaue 47 

3. Die Grösse der Bauabteilungen 49 

4. Gemeinschaftliche Vorrichtung von Flötzgruppen ... 50 

5. Einfluss der Wetterverhältnisse auf die Vorrichtu.ng . 51 

II. Die Entwickelung der Abbanarten. 

1. Abbau ohne Bergeversatz. 

a) Entwickelung und Bedeutung des streichenden Pfeilerbaues im 
Bezirke 52 

b) Diagonaler und schwebender Pfeilerbau 55 

2. Abbau mit Bergeversatz. 

a) Versatzbau mit »eigenent Bergen 56 

b) Erste Versuche mit planmässigem Versatzbau unter Zuhülfe- 
nahme »fremder« Berge 60 

c) Aeussere Beeinflussung der Abbauvertiältnis.se 61 

Die Rücksicht auf die Abbauwirkung 62 

Vorzüge des Versatzbaues 63 

Sonstige ausserhalb des natürlichen Flötz Verhaltens liegende 

Gründe für den Uebergang zum Abbau mit Bergeversatz 64 

d) Das Wesen des Bergeversatzbaues in der Neuzeit 65 



III. Abschnitt: Vorrichtung. 

1. S[apitel: Arten der Vorriohtungsbaue 69 

2. Kapitel: Verflethren bei der Einteilung und der InangrifiFhahme 

des Baufeldes. 

I. Das allgemeine System der Vorrichtung und die Reihenfolge beim 
Abbau der Bauabteilungen 70 

II. Oberwerksbau und ünterwerksbau 72 

III. Grösse der selbständigen Abbauflächen (Teilsohlenbildnng, Baulängen) 74 

IV. Reihenfolge bei der Inangriffnahme der durch die Teilsohlen inner- 
halb einer Bauabteilung gebildeten Abschnitte 75 

V. EinzelTorrichtung und gemeinschaftliche Vorrichtung der Flötze . . 75 

3. Kapitel: Die praktische Ausfährung der Vorrichtung. 
I. Der Gang der Vorrichtung 78 



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InhalttTeneiehnit. V 

Seite 

n. Der Betrieb der streichenden Vorrichtnngsbane. 

1. Das Auffahren der Grund- und Teilsohlenstrecken ... 80 

2. Das Auffahren streichender Abbaustrecken zur Vor- 
richtung beim Pfeilerbau 83 

3. Form und Weite der Streckenquerschnitte ........ 85 

4. Ausbau der streichenden Vorrichtungsstrecken 88 

ni. Vorriehtnngsbetriebe in der Falllinie der Flötze. 

1. Anwendung und Herstellung von Ueberhauen und Ab- 
hauen 91 

a) Ueberhauen 91 

b) Abhauen 93 

2. Bremsberge. 

a) Herstellung der Bremsberge 95 

b) Ausbau der Bremsberge 99 

c) Das Legen der Fördergestänge in Bremsbergen 102 

d) Einmündung der Bremsberge in die Grundstrecken 103 

3. Rolllöcher 104 

4. Schwebende Abbaustreckeu -. 107 

IV. Vorrichtnngsbetriebe im Gestein. 

1. Seigere blinde Schächte 108 

2. Ortsquerschläge 113 



IV. Abschnitt: Abbau. 

Die vorkommenden Abbauarten 117 

1. Kapitel: Abbau ohne BergeyersatB. 

1. Streichender Pfeilerbau. 

1. Bedeutung und Verbreitung desselben 118 

2. Das allgemeine Wesen der Bauart und die hauptsäch- 
lichsten Verhältnisse, unter welchen die Ausführung 
Verschiedenheiten zeigt 119 

3. Die Bemessung des Baufeldes 120 

4. Die Einteilung des Baufeldes (Pfeilerbildungj 121 

5. Reihenfolge und gegenseitige Stellung der Pfeiler beim 
Rückbau. Stehenlassen von Schweben. Ersatz der 
Schweben 126 

6. Zeitlich getrennter Abbau der einzelnen Pfeiler .... 132 

7. Verhiebsarten 133 

8. Ausbau 139 



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VI InhalttTerselehnit. 

Seite 

9. Rauben der Zimmerung 144 

10. Bewetterung der Pfeiler beim Rückbau 145 

II. Schwebender Pfeilerbaa 147 

2. Kapitel: Abbau mit BergeyerBats. 

I. Anwendnng und Ansfühmng des Bergeveraetzens, Bedeutung der 
verschiedenen Abbauarten mit Versatz 152 

IL Stossbau. 

1. Wesen, Arten und Verbreitung des Stossbaues 155 

2. Anwendung des streichenden Stossbaues und Unter- 
schiede in der Ausführung desselben 158 

3. Allgemeine Anordnung des Betriebes und Mittel zur 
Konzentration desselben 160 

4. Die Anordnung der Förderwege für Kohlen- und Berge- 
förderung 162 

5. Die Höhe bezw. Breite der Stösse 165 

6. Verhieb und Gewinnung der einzelnen Stösse 174 

7. Das Einbringen des Versatzes in den Stossraum .... 180 

8. Streichender Stossbau mit unvollständigem Versatz . . 183 

III. Schwebender Stossbau. 

1. Die Grundzüge der Bauart und der gewöhnliche Betrieb 
der schwebenden Stösse 187 

2. Die Anwendung und Einrichtung des schwebenden 
Stossbaues bei flacher Lagerung 191 

3. Der Abbau steiler Flötze durch schwebenden Stossbau 194 

IV. Abfallender Stossbau 196 

V. Wesen, Arten und Verbreitung des Strebbaues 199 

VI. Streichender Strebbau. 

1. Anwendung des streichenden Strebbaues 202 

2. Die hauptsächlichsten Verschiedenheiten in der Aus- 
führung des streichenden Strebbaues 205 

3. Vorrichtung und allgemeine Betriebsanordnung beim 
streichenden Strebbau 211 

4. Die Anzahl der Strecken und Stösse bezw. die flache 
Höhe beim Strebbau mit eigenen und fremden Bergen 212 

5. Der Betrieb der Streben bei der gewöhnlichen gegen- 
seitigen Stellung derselben und der gewöhnlichen Lage 
der Strecken 217 

6. Die Voranstellung der oberen Streben gegen die 
unteren 219 



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Inhaltsverzeichnis. VII 

Seite 

7. Gleichstellung' aller Streben 222 

8. Mittellage der Stebstrecken 223 

9. Ansteigen der Strebstrecken, Verhieb, Versetzen und 
Bewetterung der Strebstösse 223 

Vir. Schwebender Strebbau. 

1. Anwendung und Ausführung des schwebenden Streb- 
baues unter gewöhnlichen Verhältnissen 224 

2. Schwebender Strebbau bei steiler Lagerung 228 

Vin. Vereinigter Streb- und Pfeilerban. 

1. Wesen und Verbreitung der Bauart 231 

2. Anwendung und Ausführung des vereinigten Streb- 
und Pfeilerbaues 233 

IX. Pfeilerban nnd Bergeyersatz. 

1. Grundzüge und Arten des Pfeilerbaues mit Bergeversatz 236 

2. Verbreitung und Anwendung des Pfeilerbaus mit 
Versatz 238 

3. Das Verfahren beim Abbau und Versetzen der Pfeiler 242 

X. Eirstenbau. 

1. Wesen und Verbreitung des Firstenbaues 248 

2. Anwendung, Vorzüge und Nachteile des Firstenbaues 250 

3. Beispiele für die Ausführung des Firstenbaues 254 

XI. Ansban beim Abban mit Bergeversats. 

1. Vorbemerkungen 264 

2. Der Ausbau von Bremsbergen, Abhauen und schweben- 
den Strecken sowie von streichenden Strecken bei 
flachem und mittlerem Einfallen 265 

3. Zimmerung in streichenden Strecken bei stärker ge- 
neigten Plötzen 268 

4. Mittel zur Entlastung der Zimmerung vom Gebirgsdruck 269 

5. Nähere Beschreibung einiger Fälle 271 

XII. Die Bergewirtschaft beim Abban mit Versatz. 

1. Die zum Versatz kommenden Bergemengen 276 

2. Verfahren bei der Förderung der Berge zu den Ver- 
satzstellen 278 

3. Das Zufeldpfördern der Berge auf der Wettersohle . . . 279 

4. Das Abwärtsfördern der Versatzberge von der Wetter- 
sohle innerhalb der Bauabteilungen 281 

5. Das Zufeldefördern der Berge auf der Bausohle 282 



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Vm InhaltsTerzeiehnis. 

Seite 

6. Das Aufwärtsfördern der Berge innerhalb der Bau- 
abteilungen 283 

7. Die Abwärtsförderung der Berge bei Unterwerksbau . . 285 

8. Das Entladen der Bergewagen an der Versatzstelle . . . 286 

9. Kosten des Bergeversatzes 290 

3. Kapitel: Der Abbau in Flötsgrappen sowie der Abbau nahe 

zusammenliegender bezw. sehr mächtiger Flötze. 

I. Der Abbau in Flötzgruppen 293 

II. Der Abbau nahe zusanimenliegender bezw. sehr mächtiger Flötze. 

1. Vorbemerkungen und Zusammenstellung der Abbauver- 
fahren 295 

2. Erläuterung der verschiedenen Verfahren , . . . 297 

Verfahren I. 

a) Gleichzeitiger Abbau in beiden Flötzen 297 

b) Zeitlich getrennter Abbau der beiden Flötze 299 

Verfahren 11. 

a) Gleichzeitiger Abbau der beiden Flötze bezw. Flötzbänke . 301 

b) Nachträgliche Gewinnung des zweiten Flötzes von den in 
dem ersten bereits abgebauten Flötze liegenden Strecken 

aus 303 

Verfahren III. 

a) Pfeilerbau 306 

b) Abbau mit Bergeversatz 310 

4. Kapitel: Statistische TJebersioht über die AbbauTerhältnisse . 315 



V. Abschnitt: Grubenausbau. 

1. Kapitel: Einfluss des Oebirgsdrueks auf die Erhaltung 

der Grubenbaue 349 

2. Kapitel: Der Streekenausbau 
(Tomehmlieh Quersehläge und Biehtstrecken). 

I. Holzansbau. 

1. Ausführung des Ausbaues mit Holz 354 

2. Das Material des Holzausbaues 357 

II. Holzausbau mit eiserner Kappe 359 

III. Eisenausban 362 



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InhalttTeneiehnte. IX 

Sdte 

IV. Kosten dos Eisen- nnd Holnansbraes 366 

V. Manernng 368 

3. Kapitel: Ausbau grösserer Bäume 371 

4. Kapitel: Ausbau Yon blinden Sohäohten und Bremsbergen . 374 

6. Kapitel: Die Beparaturarbeiten . 375 



Verzeichnis der Tafeln. 



zu 
Absdinitt 

Tafel 1. Vorrichtung und Abbau in Flötz 13 der Zeche Rhein-Eibe . . I 
II. Hauptgrundriss der V. Sohle der Zeche Consolidation .... I 

III. Grundriss der n. und UI. Sohle der Zeche Shamrock TüßV . . I 

IV. Uebersichtskarte der Zeche Ewald I 

V. Hauptgrundriss der V. und VII. Sohle der Zeche Zollverein III I 

VI. Gemeinschaftliche Vorrichtung einer Flötzgruppe auf Zeche 

Mont-Cenis III 

Vn. Ganze Thürstockzimmerung in Holz III 

Vin. Ganze Thürstockzimmerung in Eisen bezw. Holz und Eisen UI 

IX. Halbe Thürstockzimmerung in Holz und Eisen in 

X. Stempelzimmerung in Holz und Eisen III 

XI. Schalholzzimmerung in Holz und Eisen UI 

Xn. Verbindungen von Thürstock- und Schalholzzimmerung ... UI 

Xm. Streckenmauerung in 

XIV. Verzimmerung der Anschläge an Bremsbergen in 

XV. Einrichtung der Anschläge und Umbrüche am Fusse der 

Bremsberge IQ 

XVI. Schwebender und streichender Pfeilerbau im Flötz 8 der Zeche 

Dahlbusch UI IV 

XVn. Streckenzimmerung über offenen Räumen IV 

XVin. Abfangen des Bergeversatzes IV 



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Benutzte LItteratv. 



Benutzte Litteratur. 



Preussische Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen. 

Glückauf. 

Der Bergbau. 

Der Berggeist. 

Karstens Archiv für Bergbau und Hüttenwesen (besonders Jalirgang 1823, 
Band VII). 

Villefosse, Mineralreichtum (Uebersetzung von Hartmann). 

Ponson-Hartmann, Stein- und Braunkohlenbergbau. 

Akten des Königl. Oberbergamts zu Dortmund. 



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Ausrichtung. 



Von Bergassessor W o 1 f f. 



Sammelwerk. II. 



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I. Emleitung. 

Die unveränderliche Grundlage für die Entwickelung der bergmänni- 
schen Technik in einem bestimmten Gebiete ist die Lagerstätte. Ihren 
hutzbaren Inhalt so vollständig wie möglich mit den geringsten Kosten zu 
Tage zu fördern, bleibt stets das Ziel des eigentlichen Bergbaues. Die 
Eingliederung der Lagerstätte in den geologischen Aufbau des Bezirks, die 
Eigentümlichkeiten ihrer Struktur und die Beschaffenheit ihres Nebenge- 
steins stellen ihm seine Hauptaufgaben. 

Für das lebende Geschlecht kaum weniger unveränderlich als die 
natürlichen sind auch die rechtlichen Grundlagen des Bergbaues, die Be- 
stimmungen über den Erwerb, den räumlichen Umfang und das Ver- 
fügungsrecht, welches den Bergbautreibenden gesetzlich über die Lager- 
stätten eingeräumt wird. Auch mit ihnen hat die Technik des Berg- 
baues zu rechnen, besonders wenn sie zu lange als starre Zeugen einer 
vergangenien, technisch rückständigen Zeit in eine fortgeschrittene Gegen- 
wart hineinragen. Deshalb ist der um die Mitte des Jahrhunderts begonnene 
und mit dem Berggesetz von 1865 zum Abschluss gekommene Vorgang, die 
veraltete preussische Berggesetzgebung den Erfordernissen der Jetztzeit 
anzupassen, auch für die Bergbautechnik der Ausgangspunkt einer neuen 
Zeit geworden. Nicht nur gewährte erst die Reform der Berggesetzgebung 
dem Bergbau ein hinreichend grosses und rechtlich vorzüglich gesichertes 
Feld, sondern ihr Hauptwert für die Technik liegt vielmehr auch darin, dass 
der Bergmann erst mit dem Verschwinden der staatlichen Bevormundung das 
volle Interesse und die volle Freiheit erhielt, seine ganze Kraft für den 
Fortschritt auf dem Gebiet seiner Thätigkeit einzusetzen. 

Dieser Fortschritt ist seit jener Zeit im rheinisch-westfälischen Be- 
zirk aufs kräftigste in Erscheinung getreten. Er hat fast alle Seiten der 
Technik mehr oder weniger berührt und war notwendig, um dfen zu- 
nehmenden Schwierigkeiten, die sich mit grösserer Teufe und beim Vor- 

1* 



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J 



4 Auirichtunf. 

rücken des Bergbaues nach Norden aus der sich dort verstärkenden Mergel- 
überdeckung ergaben, zu begegnen. 

Die stetig steigende Leistungsfähigkeit des Bergbaues wurde der 
Haupthebel für den ausserordentlichen Aufschwung der rheinisch-west- 
fälischen Industrie. Dann aber wurden auch wieder die rasch ins Grosse 
wachsenden Anforderungen des Wirtschaftslebens an den Bergbau für 
diesen ein starker Sporn zu weiterer Entwickelung und oft lassen sich hier 
Ursache und Wirkung nicht unterscheiden. In immer steigendem Masse 
erfuhr der Bergbau endlich auch die Unterstützung des Kapitals, das sich 
ihm gern zur Durchführung neuer Pläne imd verbesserter Arbeitsweisen 
in richtiger Erkenntnis ihres Wertes zur Verfügung stellte. 

Welche bedeutende Arbeit in technischer Beziehung während der 
letzten Hälfte des verflossenen Jahrhunderts geleistet ist, welche Fort- 
schritte gemacht sein müssen, lässt schon die Steigerung der Förderung 
fast um das Vierzigfache von 1 V2 Millionen Tonnen im Jahre 1850 auf beinahe 
60 Millionen Tonnen im Jahre 1900 ersehen, zumal wenn man berücksichtigt, dass 
die Zahl der betriebenen Bergwerke in dem gleichen Zeitraum von 198 
auf 172 gefallen ist mit z. Z. 225 selbständigen Förderanlagen. Jede einzelne 
Anlage leistet demnach heute unter schwierigeren Verhältnissen im Diirch- 
schnitt 30 bis 40 mal soviel, wie ein Bergwerk im Jahre 1850. Den Höchst- 
leistungen der Gruben Friedrich Wilhelm und Königin Elisabeth von etwa 
80000 t im Jahre 1854 steht heute die Höchstleistung der Förderanlage 
Prosper n mit %9120 t gegenüber. Diese Zahlen besagen nichts anderes, 
als dass der rheinisch-westfälische Bergbau sich in jener kurzen Zeit vom 
Kleinbetrieb nn jeder Richtung zu einer Grossindustrie ersten Ranges aus- 
gewachsen hat. 

Welche technische Vervollkommnung diesen Uebergang im einzelnen 
am meisten begünstigt hat, ist schwer zu sagen. Man würde sich den 
heutigen Grubenbetrieb ebensowenig ohne die neuen Maschinen für eine 
leistungsfähige Schacht- und Streckenförderung, für Bewetterung und 
Wasserhaltung vorstellen können, wie ohne die jetzigen Sprengmittel und 
Bohrmaschinen oder in vielen Fällen ohne die heutigen Abbauweisen. 
Und doch dürfte es dem Betriebsführer einer früheren Zeit, wenn ihm 
auch alle diese Hilfsmittel zur Verfügung gestellt wären, dennoch nicht 
möglich geworden sein, seine Förderung dauernd auf einer der heutigen 
Durchschnittsleistung gleichkommenden Höhe zu halten. Die Planmässig- 
keit, welche heute den ganzen Bergbau durchdringt und allein seine 
grossen Leistungen auf die Dauer verbürgen kann, ist ebenso wie alle die 
Fortschritte im einzelnen eine Errungenschaft der Neuzeit und vielleicht 
die wichtigste von allen. 

An Stelle der früheren Betriebe, die nur für den Augenblick lebten, 
sind Werke getreten, die nach weit vorausschauendem Plan arbeiten und 



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n. QrOsse und Form der Orubenfelder. 5 

wissen, dass sie bei ihrem grossen Umfang nie ungestraft die Interessen 
der Zukunft denen der Gegenwart opfern dürfen. Ganz andere Grund- 
sätze als vor 50 Jahren beherrschen heute das Vorgehen des Bergmanns 
bei der Inangriffnahme einer Lagerstätte und bestimmen ebenso gut die 
grossen Hauptgrundzüge des Betriebsplanes als die Wahl der Vorrichtung 
und des Abbauverfahrens für jeden einzelnen Flötzteil. In dem einheit- 
lichen Plan, zu dem diese verschiedenen sich gegenseitig beeinflussenden 
Erwägungen unter Berücksichtigung aller dem Bergbau zu Gebote 
stehenden Hilfsmittel zusammengefasst werden, kommt daher der Stand 
der jeweiligen technischen Gesamtentwickelung einer Grube oder bei 
Durchschnittsanlagen der des ganzen Bezirks zum Ausdruck. Die Dar- 
stellung der Gesichtspunkte und der Verfahren, nach denen der Angriff 
auf die Lagerstätte unter den verschiedenen Verhältnissen angesetzt und 
bis ins einzelne durchgeführt wird und wurde, in anderen Worten, die An- 
ordnung der unterirdischen Anlage, wde sie auf dem Grubenbild in Er- 
scheinung tritt, soll uns im folgenden beschäftigen. 

Der natürlichen Einteilung der Bergbaukunde folgend soll dieser Stoff 
weiter in Ausrichtung, Vorrichtung und Abbau gegliedert werden, doch 
soll die eigentliche Ausführung der diesen Zwecken dienenden berg- 
männischen Arbeiten, wie z. B. das Schachtabteufen, die Gewinnungsarbeiten, 
als da sind : Das Auffahren von Querschlägen und Strecken oder die Arbeit 
des Kohlenhauers, in einem Hauptteil für sich beschrieben werden. 

Die Darstellung der Ausrichtung hat von der Grösse, der Form 
und gegebenenfalls der Einteilung des auszurichtenden Feldes auszugehen* 
Sie hat dann die Zahl und Anordnung der Schächte und endlich die Auf- 
schliessung der Lagerstätte von den Schächten aus zu betrachten, worin 
zur Zeit der Schwerpunkt der Ausrichtung liegt. Die Bildung, Einteilung 
und Ausrüstung der Sohlen mit Hauptverbindungen, der Sohlenabstand 
und die Verteilung des Betriebes über mehrere Sohlen werden hier die 
Hauptgegenstände der Erörterung bilden. 



II. Grösse und Form der Grubenfelder. 

Das Feld der älteren Zeit entsprach nach Grösse und Form dem 
Zustande der damaligen Technik, welcher sich in der Berggesetzgebung 
wiederspiegelte. Die Längenverleihungen, welche bis in die Mitte des 
19. Jahrhunderts überwogen, waren an den Verlauf eines bestimmten 
Flötzes gebunden, dessen Streichen sie über eine zuweilen recht ausge- 
dehnte Erstreckung folgten, während sie im Einfallen mit dem Mulden- 
tiefsten abschnitten. Ursprünglich blieb cfie Verleihung praktisch 



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6 Ausrlehtani;. 

auf ein Flötz beschränkt und erst 1821 wurde durch Gesetz die bis dahin 
unbedeutende Vierung auf insgesamt 1000 m erhöht und damit den neu- 
verliehenen Bergwerken neben anderen Vorteilen die Möglichkeit gegeben, 
eine grössere Zahl von Plötzen in ihren Bau hineinzubeziehen. That- 
sächlich war aber bis dahin ein enges Haften am Flötz technisch bedingt; 
nur allmählich konnte sich die Loslösung vom Flötz Bahn brechen» die 
einen Grundzug der heutigen Bergbautechnik bildet, ohne darum schon 
überall in gleichem Masse zum Durchbruch gekommen zu sein- Der 
Grund lag in der Kleinheit der Betriebe, deren Förderung aus einem 
Flötz bequem bewältigt wurde, und mehr noch in der für jene Zeit kaum 
überwindbaren Schwierigkeit der Gesteinsarbeiten. Alle Grubenbaue be- 
wegten sich deshalb in der Lagerstätte, die in der Mehrzahl tonnlägigen 
Schächte nicht ausgenommen. Selbst vor dem Auffahren kleiner Quer- 
schläge scheute man zurück und die Herstellung eines Stollens galt noch 
als hervorragende bergmännische Leistung. Mit der Entstehung einer 
regelmässigen und stärkeren Nachfrage nach Kohlen traten aber auch die 
Nachteile der gestreckten Felder schärfer hervor. Die Aufrechterhaltung 
der langen Strecken im Flötz verursachte Kosten und zahlreiche Störungen 
in der Förderung, welche die nur auf ein oder wenige Flötze ange- 
wiesenen Gruben auf das empfindlichste berührten. Mit zunehmender 
Teufe und Längenausdehnung vermehrten sich gleichzeitig die Kollisionen 
mit anderen Berechtsamen, die auf den Betrieb zurückwirkten, und in 
noch höherem Masse machten sich bei lebhaftem Betrieb die Nachteile 
.bemerkbar, welche das Ueber- und Untereinanderbauen verschiedener 
Gruben, namentlich bei nahegelegenen Flötzen auf den Bergbau der 
Beteiligten ausübten. Noch heute sollen da, wo sich alte Längenberecht- 
same erhalten haben, Fälle vorkommen, dass mangels Verständigung eine 
Grube der andern die Flötze zu Bruch baut. 

Das unabhängig vom Verlauf der Lagerstätte verliehene und von 
senkrechten Ebenen nach der Teufe begrenzte Geviertfeld war zwar 
schon lange bekannt, durfte aber ursprünglich nur auf ganz flache Lager- 
stätten mit weniger als 15® Einfallen verliehen werden. Erst 1821 wurde 
die Verleihung in der einen oder anderen Form in das Ermessen der Berg- 
behörde gestellt, die bis dahin zweifelhafte ewige Teufe des Geviertfeldes 
rechtlich festgelegt und sein grösster Umfang auf ungefähr die Hälfte der 
heutigen Maximalfelder mit der Massgabe erhöht, dass innerhalb dieser 
Grenzen die Bergbehörde ein so grosses Feld verleihen solle, als zu einem 
zusammenhängenden Bau erforderlich sei. So lagen die Feldesverhält- 
nisse auch noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Um jene Zeit gingen 
aber die oberhalb der zahlreichen Stollensohlen anstehenden Kohlen, welche 
bis dahin den Gegenstand des Bergbaues gebildet hatten, allmählich dem 
Verhau entgegen, während die Fertigstellung der ersten westfälischen 



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IL Grösse und Form der Grubenfelder. 7 

Bahnen um die gleiche Zeit eine sehr rasche Steigerung der Nachfrage 
nach Kohlen veranlasste. Man sah sich daher überall genötigt unter 
die Stollensohle hinabzugehen und Tiefbauanlagen mit künstlicher 
Wasserhaltung und umfangreichen Einrichtungen für Schachtförderung 
und Wetterführung zu schaffen, für welche die alten tonnlägigen Schächte 
nicht mehr genügende Betriebssicherheit boten. Mit der Verbreitung der 
Ausrichtung durch saigere Schächte hatte sich aber das alte Längenfeld 
überlebt, da sein wichtigster Ausrichtungsbau nicht nur nicht in der Lager- 
stätte, sondern meist nicht einmal im eigenen Felde bleiben konnte. Die 
Beseitigung der Längenverleihung bildete seitdem den Gegenstand zahl- 
reicher Gesetzesvorschläge. Mittlerweile suchte man in der Praxis die 
Nachteile der Längenfelder durch umfassende Konsolidationen zu über- 
winden, die in ihren technischen Zielen dadurch gekennzeichnet werden, 
dass sich die so entstandenen Betriebsvereinigungen mit Vorliebe um die 
früher auf flachen Flötzstücken niedergebrachten Saigerschächte gruppierten. 
Aber auch die Geviertfelder der oben angegebenen Art reichten mit der 
Zeit nicht mehr aus, mit ihrem Kohleninhalt eine hinreichende Sicherheit 
für die Verzinsung der grossen Kapitalien zu verbürgen, welche für 
leistungsfähige Tiefbauschächte in Tagesanlagen und Ausrichtungsarbeiten 
hineingesteckt werden mussten. Zwar bestand die Möglichkeit der Kon- 
solidation, durch welche viele der jetzt bekanntesten Werke entstanden 
sind; aber die Bestimmungen des Berggesetzes von 1865, nach dem nur 
noch Geviertfelder, und zwar von dem doppelten Umfang der früheren, 
nämlich etwa 218 ha, verliehen werden sollten, waren auch nach 
dieser Richtung ein grosser Fortschritt, da sie den Erwerb für einen 
grossen Betrieb geeigneter Grubenfelder wesentlich vereinfachten und 
verbilligten. 

Das seitdem verflossene Menschenalter hat in die Gesetzgebung über 
die Feldesbemessung keine Aenderungen weiter gebracht, wohl aber ist 
in den letzten Jahren gerade aus dem westfälischen Bergbau heraus eine 
abermalige Erweiterung des Feldesumfangs im Abgeordnetenhause lebhaft 
befürwortet worden. Mit Recht wurde neben dem mit den vielen Boh- 
rungen verbundenen wirtschaftlichen Verlust der Umstand geltend gemacht, 
dass die Berggesetzgebung immer davon ausgegangen sei^ ein Feld zu 
verleihen, welches einen zeitgemässen Betrieb gestatte, dass dies aber 
heute von dem gesetzlichen Maximalfelde nicht mehr behauptet werden 
könne. In der That giebt es unter den vielen Gruben, die nur über ein 
Maximalfeld oder weniger verfügen, sehr wenige mit einigermassen be- 
deutender Förderung, ein deutliches Zeichen der Scheu, die davor be- 
steht, grössere Aufwendungen für so kleine Felder zu machen. Damit ist 
nicht gesagt, dass ein Maximalfeld an sich bei grossem Kohlenreichtum 
nicht für eine starke Förderung genügte. Gruben mit sehr hohen Förder- 



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J 



8 Ausrichtung. 

Ziffern, wie Consolidation, Dahlbusch haben mehr Schachtanlagen als 
Maximalfelder, und annähernd findet sich dies Verhältnis auch auf Zoll- 
verein, der Zeche mit der grössten Förderung. 

Der technische Vorteil des grösseren Feldes liegt vor allem in der 
Herabsetzung des Risikos. Kleine Felder können durch ungünstig ver- 
laufende Grenzen, Störungszonen oder flötzleere Mittel einfach unbau- 
würdig werden, das Schachtabteufen und die Wasserhaltung können un- 
verhältnismässige Kosten verursachen. Bei einem grossen Felde finden 
solche Verhältnisse fast immer ihren Ausgleich und dazu gesellt sich noch 
der Vorteil, dass die späteren Schachtanlagen, wenn das Bedürfnis danach 
eintritt, in dem aufgeschlossenen Feld an die technisch richtigen Stellen 
gesetzt werden können. Am grössten müssen die Felder im Norden des 
Industriebezirks gewählt werden, wo der Kohleninhalt unter der mächtigen 
Mergelüberdeckung sehr zurückgeht und der Bergbau in einer Teufe be- 
ginnt, die im Süden von vielen älteren Anlagen noch gar nicht erreicht ist, 
und wo femer bei dem Mangel an Aufschlüssen auch mehr wie dort mit un- 
bekannten Verhältnissen zu rechnen ist. Demnach baut in den nördlichsten 

— Recklinghauser — Revieren nur eine Grube auf weniger als 9 Maximal- 
feldern, die anderen dagegen durchschnittlich auf 12 bis 15. Auch im 
Osten finden sich ähnliche Feldesfiächen, an der Spitze die der Zeche 
Monopol mit 41 Maximalfeldem. Sind nun auch solche Riesenfelder keine 
technische Notwendigkeit, so zeigen sie doch die Richtung der Ent- 
wickelung. Da sie in vielen Fällen nicht zusammengekauft, sondern nach 
einem festen Plan gemutet sind, zeigen sie ferner, wie sehr es trotz des 
gesetzlichen kleinen Feldesmasses gelungen ist, das Berggesetz durch ge- 
schickte Auslegung und Ausnützung seines Wortlauts, — in wichtigen 
Fällen unter Anerkennung durch die Rechtsprechung des Reichsgerichts 

— auch für die heutigen Bedürfnisse brauchbar zu machen. 

Die Form der Grubenfelder ist zum grossen Teil von Zufälligkeiten 
abhängig, doch besteht sehr zum Vorteil des Betriebes das Bestreben, die 
Grenzen parallel und querschlägig zum Flötzstreichen zu legen. Hiervon 
abgesehen kommt für den Betrieb bei grösseren Feldern weniger die Form 
des Ganzen in Betracht, als seine Zerlegung in Teile für die einzelnen 
Betriebsanlagen. In diesen, die sich im Laufe der Zeit immer selb- 
ständiger entwickelt haben, liegt heute beim Ruhrbergbau der Schwerpunkt 
des Grubenbetriebes. Bei der geringen Förderung und mangelnden Er- 
fahrung früherer Jahre glaubte man auch grosse Felder mit einer geringen 
Anzahl von Schächten ausbeuten zu können, die zwar bei räumlicher 
Trennung verschiedenen Betriebsführern unterstellt wurden, aber doch in 
sehr vielen Beziehungen, namentlich auch in Bezug auf die Wetterführung, 
zusammen arbeiten mussten. Wie weit man gelegentlich die Baue aus- 
dehnte, zeigt beispielsweise die Grube Zollverein, die anfänglich fast das 



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II. GrOsM und Form dtt Grubenfelder. 9 

ganze Feld der drei heute bestehenden grossen Doppelschachtanlagen von 
ihrer ersten Anlage aus aufgeschlossen und abgebaut hat. Dass Förderung 
und Wetterführung bei solchen Streckenlängen äusserst schwierig und 
kostspielig werden mussten, liegt auf der Hand. Es musste daher, zumal 
sich auch die Kunst des Schachtabteufens im Mergel und Schwimmsand 
ständig vervollkommnete, allmählich sich die jetzige Praxis Bahn brechen, 
das Feld jeder einzelnen Förderanlage angemessen zu beschränken, bei 
grösserem Felde aber von vornherein mit mehreren Förderanlagen zu 
rechnen, selbst wenn ihre Leistungsfähigkeit nicht gleich voll zur Aus- 
nutzung kommen konnte. 

Die gesteigerten Anforderungen der Bergpolizei haben es ferner 
unbedingt erforderlich gemacht, jede einzelne Anlage auf eigene Ftisse 
zu stellen und die verantwortlichen Betriebsführer ganz besonders in 
Bezug auf die Wetterführung von einander völlig unabhängig zu machen. 
Die verschiedenen Förderanlagen wurden so allmählich selbständige 
Gruben, die zwar nach einem gemeinsamen Plan ausgerichtet und gebaut 
werden, aber im laufenden Betrieb in keiner Weise mehr aufeinander an- 
gewiesen sind. 

Die Grösse der diesen Anlagen zugewiesenen Feldesteile oder um- 
gekehrt die Zahl der Anlagen für eine gewisse Feldesgrösse hängt von 
dem Kohlenreichtum, den Lagerungs- und den Betriebsverhältnissen ab. 
Je geringer die Kohlenmenge oder je teurer der Schacht ist, eines desto 
grösseren Feldes bedarf man, um dieselbe Verzinsung zu erzielen. Aehn- 
liche Erwägungen würden dazu führen, den tiefen und kostspieligen 
Schächten des Nordens grössere Baufelder zuzuweisen; doch hat sich dort, 
als dieser wirtschaftlich richtige Grundsatz technisch durchgeführt wurde, 
bald herausgestellt, dass mit zunehmender Teufe die Herabdrückung der 
Temperatur auf einen erträglichen Grad und die Beschaffung der grossen 
dazu nötigen Luftmenge der Ausdehnung der Felder wieder im Wege 
steht. Nur eine sehr gute Ausrichtung unter Tage kann hier einigermassen 
entgegenarbeiten und sich unter Umständen allein aus der Ersparnis an 
Schächten bezahlt machen. Auch dafür, ob der Betrieb der einzelnen An- 
lagen sich mehr in querschlägiger oder streichender Richtung auszudehnen 
hat, werden in erster Linie wieder die Aufwendungen massgebend, welche 
in jedem Falle die Ausrichtung unter Tage in Abhängigkeit von den 
Lagerungsverhältnissen erfordert. 

Eine mehr querschlägige Form des Baufeldes "|^ist dann vorteilhaft, 
wenn wie gewöhnlich bei steiler, flötzreicher Lagerung, das ganze Gruben- 
feld auf jeder Sohle querschlägig zu durchörtem ist. Man erreicht dann 
mit ihr ohne weiteres kurze streichende Strecken im Flötz, die den Be- 
trieb in jeder Weise begünstigen. Auch die natürlichen Grenzen der Bau- 
felder, die Sprünge, verlaufen meist in querschlägiger Richtung. In dieser 



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10 Ausrichtung. 

Art ist das Feld von Consolidation — 4 Maximalfelder — in drei Teile ^re- 
schieden, deren jeder in querschlägiger Richtung doppelt so lang ist, als 
in streichender. Würde man sich das Feld in drei streichende Streifen 
zerschnitten denken, so würden allerdings zwei Quer- 
schlaglängen wegfallen, aber doch nur scheinbar, da sie 
aJs Abteilungsquerschläge wieder in Erscheinung treten 
müssten (Fig. 1). 

Eine mehr streichende Ausdehnung der Felder er- 



„. . giebt sich dagegen leicht bei flacherer Lagerung und 

wenig zahlreichen Flötzen, die sich dann in querschlägiger 
Richtung zu rasch vom Schacht entfernen und sehr lange Querschläge 
erfordern würden. Auch wenn ein steiler und ein flacher Flügel anein- 
anderstossen, empfiehlt es sich oft, den Betrieb nach ihnen zu trennen und 
die Schächte hintereinander zu setzen. 

Eine Ausnahme, die sich aber in Zukunft leicht wiederholen dürfte, 
ist es, wenn in einem Felde zwei selbständige Anlagen untereinander 
bauen. Dies wird zur Zeit bei ganz flacher Lagerung auf Rhein-Elbe ein- 
geführt, wo mit einer besonderen Schachtanlage die Fettkohlenpartie unter 
der noch im flottesten Abbau befindlichen Gaskohlenpartie gewonnen 
werden soll. 



III. Zahl und Lage der Schächte. 

Da jedes Baufeld auch in Bezug auf die Förderung völlig in der 
Hand des verantwortlichen Betriebsführers sein muss, so erhält es in der 
Regel nur eine Förderanlage. Die Zahl der Schächte hängt dann wesent- 
lich von der Wetterführung ab. Ist nur ein einziger Schacht vorhanden, 
was seit den 1887 erlassenen polizeilichen Bestimmungen über zwei fahr- 
bare Ausgänge das Bestehen einer zweiten Betriebsanlage auf demselben 
Bergwerk voraussetzt, so dient er heute gewöhnlich zum Einfallen wie 
zum Ausziehen der Wetter. Diese Anordnung stellt gegenüber dem früher 
häufigen Zustand der gemeinsamen Bewetterung mehrerer Betriebsanlagen 
einen erhe])lichen Fortschritt dar, ist aber jetzt gleichfalls im Verschwinden 
begriffen. Sie ist noch am meisten im Norden anzutreffen, wo sie in den 
oft ganz ausserordentlich hohen Kosten des Abteufens, mehr aber noch in 
dem geringen Schlagwettergehalt der dort bisher gebauten Flötzgruppen 
ihre Rechtfertigung findet. Werden aber hier erst die Schlagwetterflötze 
erreicht, so dürften selbst die Zechen, welche ihre Schächte durch die 
mächtigen Schwimmsandschichten des Rheinthals hinunterzubringen haben, 
zur Anlage getrennter Ein- und Ausziehschächte übergehen müssen. In den 



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III. Zahl und Lage der Schächte. 11 

meisten Revieren hat sich diese Entwickelung schon vollzogen, in vielen 
Fällen begünstigt durch die Syndikatsbestimmungen über die Förderbe- 
teiligung, die mittelbar sehr zur Schaffung eines gesunden und leistungs- 
fähigen Zustandes der Gruben mitgeholfen haben. 

Es ist dabei im Ruhrbezirk zur Regel geworden, die beiden Schächte 
eines Baufeldes zu einer Doppelschachtanlage zu vereinigen. Der 
Ursprung dieses Verfahrens liegt wohl in dem Umstände, dass der zweite 
Schacht auf älteren Anlagen meist als selbständiger Ausziehschacht an 
die Stelle des bisherigen ausziehenden Trumms im Hauptförderschachte 
trat. Setzte man ihn dann einfach daneben, so brauchte die Wetter- 
führung in der Grube nicht geändert zu werden, man sparte an Grund- 
erwerbskosten und Sicherheitspfeilern, benötigte keiner neuen Kraftanlage 
und behielt die volle Uebersicht über den Betrieb. Als sich dann diese 
Anordnung auch in anderer Beziehung bewährte, gelangte sie ganz allge- 
mein zur Durchführung, sodass heute alle neu in Angriff genommenen 
Bergwerke mit Doppelanlagen, teilweise, wie Gladbeck, gleich mit 
mehreren ausgerüstet werden. Man könnte nun einwenden, dass ein Aus- 
einanderrücken der beiden Schächte die Wetterführung erleichtern würde. 
Dieser Vorteil würde sich in all den Fällen erreichen lassen, wo der 
Hauptförderschacht aus einem oder dem anderen Grunde an die Bau- 
grenze gesetzt ist. Tagesverhältnisse wie Eisenbahnanschlüsse, Chausseen 
und Erwerb des Grundeigentums oder Rücksichten auf die zu durchteufen- 
den Schichten — in den nördlichen Revieren wurden die Schächte wegen 
der nahe der Südgrenze geringeren Mergelmächtigkeit gern dort ab- 
geteuft — können unter Um.ständen einen solchen Ansatzpunkt bedingen. 
Aber abgesehen davon, dass Doppelschachtanlagen ihrer allgemeinen 
Vorzüge wegen auch mehrfach an der Grenze der Baufelder zur Aus- 
führung gekommen sind, wird im Ruhrbezirk immer danach getrachtet, die 
Hauptschachtförderung in die Mitte des Baufeldes zu verlegen oder, wo 
ihre Lage gegeben ist, das Baufeld so zu begrenzen, dass sie nach Mög- 
lichkeit doch in die Mitte kommt. In diesem Falle aber kann die Wetter- 
führung mit zwei Schächten gar nicht günstiger gedacht werden, als 
wenn beide im Mittelpunkte des Betriebes als Ein- und Ausziehschacht 
nebeneinander liegen. Nur mit mehreren besonderen Wetterschächten 
Hesse sich eine günstigere Anordnung treffen, aber, wenigstens bei 
tieferen Gruben, nur unter Aufwendung sehr beträchtlicher Kosten. Wo 
deshalb ein dritter Schacht aus Gründen der Wetterführung nicht zu um- 
gehen ist, bildet er gewöhnlich auch den Ausgangspunkt einer neuen voll 
ausgerüsteten Betriebsanlage, um mit den dafür angelegten Geldern 
zugleich eine höhere Förderung zu erzielen. Der früher oft beliebte um- 
gekehrte Weg, die Kosten durch Wahl eines kleinen Durchmessers herab- 
zumindern, hat sich, wenn später der Betrieb ausgedehnt oder eine er- 



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12 Aufrichtang. 

höhte Sjoidikatsbeteüigung erreicht werden sollte, oft als ein schwerer 
Fehler erwiesen. 

Eine Dopj^elschachtanlage im Schwerpunkte des von ihr aus bewirt- 
schafteten Teilen der Lagerstätte bietet nach jeder Richtung hin die beste 
Gewähr für Betriebssicherheit und Leistungsfähigkeit. Die auch für die 
Wetterführung günstige gleichmässige Entfernung der Baugrenzen von 
der Schachtanlage bringt ebenso die denkbar günstigste Abkürzung der 
Wege für die Förderung mit sich. Bei den gewaltigen in Frage kommen- 
den Fördermassen liegt darin eine Ersparnis an Betriebskosten, die 
jährlich in die Hunderttausende gehen kann und in gleichem Masse der 
Verminderung der Tonnenkilometer wie der Ermässigung der Strecken- 
kosten zu danken ist. Dass das Grubenfeld nach allen Seiten vom 
Schacht aus aufgeschlossen werden kann und die Förderung demnach von 
mehreren Seiten, mindestens aber aus zwei Querschlägen zum Schachte 
herankommt, erleichtert ausserdem die ^Vorrichtung und erhöht die 
Förderleistung jeder einzelnen Sohle, begünstigt also die sehr wünschens- 
werte Beschränkung des Betriebes auf wenige Sohlen. 

Der besondere Betriebsvorteil der Doppelschächte liegt darin, 
dass Ein- und Ausziehschacht nebeneinander sich vorzüglich als Förder- 
schächte ergänzen können. Die Förderleistungen eines Ausziehschachtes 
sind bei dem augenblicklichen Stand der Schleuseneinrichtungen noch 
immer beschränkt und würden bei getrennter Lage schon an sich kaum 
genügen, eine besondere Förderanlage bezahlt zu machen. Neben dem 
Einziehschacht ist ein Ausziehschacht aber vortrefflich geeignet, die 
Förderung von einer in Vorrichtung begriffenen oder sonst nicht voll 
fördernden Sohle zu übernehmen und den ersteren zu entlasten. Es ist 
vorgekommen, dass ein zweiter Schacht nur zu dem Zweck abgeteuft 
werden musste, um eine neue Sohle in Betrieb setzen zu können, ohne die 
Förderung der anderen leiden zu lassen. Selbst für die immer allge- 
meiner eingeführte Doppelförderung in einem Schacht ist eine weitere 
Ergänzung oft sehr nützlich, zumal eine flotte Förderung heute verlangt, 
dass jede Maschine nur eine Sohle bedient. Die für grössere Teufen an 
Beliebtheit gewinnende Koepeförderung lässt sogar ein Umspannen der 
Körbe überhaupt nicht mehr zu. 

Der Ausziehschacht mit Förderung ist aber nicht nur eine Ergänzung, 
sondern auch eine ausgezeichnete Reserve für die Hauptförderung. Wie 
sehr man dies in der Praxis zu schätzen weiss, zeigt der Umstand, dass 
man in jüngster Zeit häufig beide Schächte ganz gleichmässig mit Förder- 
einrichtungen ausstattet, sei es für einfache oder Doppelförderung, so z. B. 
auf Neumühl, und dazu alle Vorkehrungen trifft, um im Fall irgend einer 
Betriebsstörung im Einziehschachte diesen zum Ausziehschacht zu 
machen. Die Hauptförderung kann dann sofort in den früher aus- 



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IV. SohlenbUdunf. 13 

ziehenden, nunmehr einziehenden Schacht in vollem Umfange wieder aufge- 
nommen werden. Auch bei Unfällen im Schacht wie in der Grube kann 
die Umstellbarkeit der Wetterführung in den beiden Schächten, welche 
auch die der ganzen Grube erleichtert, von grösstem Nutzen sein. 



IV. Sohlenbildung. 

1. Die Ausrichtung der einzelnen Sohlen. 

Sobald das flötzführende Steinkohlengebirge mit einem bezw. beiden 
Schächten erreicht ist, wird es die Hauptaufgabe des Bergmanns, die 
Grube rasch in Förderung zu bringen, damit nach der Zeit grosser, ertrag- 
loser Ausgaben so bald wie möglich verdient werde. 

Eine günstige Geschäftslage, die es noch mit auszunutzen gilt, die 
Finanzlage des Unternehmens oder auch rein privatwirtschaftliche Gründe 
des Unternehmers mögen das natürliche Bestreben, schnell in Förderung 
zu kommen, noch verstärken. Trotzdem muss es durch wichtige Rück- 
sichten gezügelt werden, die zu nehmen sind, um dem zukünftigen Betriebe 
bei grosser Förderung dauernde Stetigkeit, niedrige Selbstkosten und die 
Fähigkeit zu sichern, alle anstehenden Kohlenmassen auch wirklich herein- 
zugewinnen. 

Diese Ziele können nur erreicht werden durch eine rechtzeitige, aus- 
reichende und dauerhafte Verbindung sämtlicher Teile der Grube mit dem 
Schachte, welche als das Ziel aller weiteren Ausrichtung zu bezeichnen ist. 
Wo sie unterlassen wurde, sind die kohlenreichsten Gruben in die aller- 
schwierigste Lage gekommen, aus der sie nur durch Aufwendung grosser 
Mittel und unter Aufgabe ganzer Flötzpartien herausgerissen werden konnten. 
Meist war dazu erst der Uebergang in andere Hände erforderlich, und es 
ist bezeichnend, dass mehrere der heute bedeutendsten und gewinn- 
bringendsten Gesellschaften mit dem ihnen zur Verfügung gestellten 
Kapital nicht neue Bergwerke eröffnet, sondern ältere, trotz günstiger 
Flötzverhältnisse in schlechter wirtschaftlicher Lage befindliche Gruben 
erworben haben, auf denen infolge von Verständnislosigkeit, Streben nach 
zu raschem Gewinn, Scheu vor weiteren Opfern oder auch infolge des 
Unvermögens, weitere Opfer zu bringen, eine sachgemässe Ausrüstung 
unterblieben war. 

Wollte man bei der heutigen Massenförderung sich damit begnügen, 
die Kohlen wie früher ausschliesslich auf den Wegen zum Schacht oder 
Querschlag zu schaffen, welche für die Vorrichtung des Abbaues unter 
allen Umständen herzustellen sind, so würde ein endloses Netz von Gruben- 
bauen im Flötz unter schwierigen Druckverhältnissen aufrecht zu erhalten 



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14 Aasrichtung. 

Sein, durch das weder eine grössere Förderung noch eine ausreichende 
Wettermenge hindurchzutreiben wäre. Die damit verbundenen Bedenken 
würden ins Ungemessene wachsen, wenn der Gewohnheit früherer Zeit 
folgend der Abbau der Flötze vom Schacht nach der Grenze vorgehen 
würde, Förderung und Wetterführung sich also gewissermassen im alten 
Mann bewegen müssten. Es war daher ein erster wichtiger Schritt in der 
Richtung auf die Ziele eiiier guten Ausrichtung, dass sich allmählich die 
üeberzeugung von der grossen Bedeutung des Abbaues von der Grenze 
zum Schacht Bahn brach, dessen thatkräftige Durchführung für viele 
Gruben, namentlich in der flachliegenden Gaskohlenpartie der Anfang einer 
neuen Zeit gesteigerter Förderung und Ausbeute geworden ist. Obwohl 
inzwischen die Vervollkommnung der Bohr- und Sprengtechnik und die 
mit der Einführung des Bergeversatzes gebotene Möglichkeit, grosse Mengen 
von Bergen in der Grube zu lassen, besonderen Ausrichtungsbauen die 
weiteste Verbreitung verschafft haben, sind auch heute noch Fälle möglich, 
in denen ein geordneter und gut geleiteter Rückbau von der Grenze her sie 
thatsächlich entbehrlich machen kann. Im allgemeinen lassen sich aber 
die jetzt an den Grubenbetrieb -gestellten Anforderungen nicht mehr ohne 
eine die ganze Grube umfassende betriebssichere Ausrichtung erfüllen, 
deren Grundzüge in Abhängigkeit von dem Grundcharakter der Lagerung, 
dem steilen, flachen und mittelflachen Flötzeinfallen, dem grösseren oder 
geringeren Kohlenreichtum, zur Ausbildung gelangt sind. Ueberaö aber 
hat sie sich so sehr nach demselben Ziele, nämlich Einheitlichkeit und 
Unabhängigkeit von den rein örtlichen Flötz- und Abbauverhältnissen, ent- 
wickelt, dass gerade die hervorragendsten Beispiele für jede Art des Vor- 
kommens unter sich wieder die meiste Uebereinstimmung zeigen. 

Die ganze Ausrichtung und damit der ganze Betrieb wird von dem 
natürlichen Grundsatz der Sohlen bildung beherrscht, nach dem in be- 
stimmten Teufenabständen der ganze Körper des Bergw-erks mit annähernd 
horizontalen Strecken vom Schachte aus durchörtert und aufgeschlossen 
wird. Wo die Flötze ganz oder fast horizontal gelagert sind, können 
diese Strecken natürlich immer nur in einem Flötz liegen; bei der im 
hiesigen Bezirk weit überwiegenden geneigten Lagerung ist es dagegen 
gerade die erste ihrer Aufgaben, durch das Nebengestein hindurchzugehen 
und Aufklärung über die Zahl und Beschaff'enheit der im Felde auf- 
tretenden Flötze zu geben. Am raschesten und billigsten geschieht dies in 
querschlägiger Richtung, und jede Zeche mit geneigter Lagerung muss 
daher auf jeder Sohle über einen vom Schacht aus das Gnibenfeld durch- 
ziehenden Haupt querschlag verfügen. 

Die wenigen Beispiele für flache Lagerung finden sich im Tiefsten 
der breiten Mulden oder auf den Köpfen flacher Sättel, wie sie im Osten 
des Steinkohlengebirges zuweilen auftreten. Eine Andeutung der Mulden- 



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Tafel I. 




,i Mftller in Ldpng. 

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IV. Sohlenbilduns. HS 

oder Sattelbildung findet sich immer erhalten und wird für die weitere Aus- 
richtung bestimmend. Steht der Schacht im Tiefsten, wie z. B. annähernd 
auf Dahlbusch III, IV und VI, so wird ihm die Kohle von allen Seiten auf 
radial verlaufenden Strecken zugeführt, die aber auf halber Länge durch 
eine dem Streichen folgende Hauptsammeistrecke miteinander verbunden 
sind. Diese Strecken, welche sich nur durch grössere Abmessungen von den 
gewöhnlichen Vorrichtungsbauen unterscheiden, sind durch starke Sicherheits- 
pfeiler zu beiden Seiten geschützt. Auf Rhein-Elbe, dem grössten auf 
flachen Plötzen umgehenden Betriebe, hat der Schacht die Mulde gerade 
auf halber Höhe zwischen Muldentiefstem und Feldesgrenze getroffen. Die 
Förderung wird ihm durch eine Hauptgrundstrecke zugeführt, die in jedem 
Flötz vom Schacht ausgeht und die ganze Muldenwendung umfährt (s. Grund- 
riss und Profil, Tafel I). Zur Abkürzung der Förderwege wird sie auf 
dem Gegenflügel vom Schacht aus wiedfer mit einem Querschlage angefahren. 
Was vom Flötz unterhalb der Hauptgrundstrecke liegt, kann in Anbetracht 
des unbedeutenden Fallwinkels leicht mit Pferden herausgebracht werden, 
an deren Stelle neuerdings auch Lufthaspel getreten sind. 

Der Schacht Grimberg der Zeche Monopol traf in völlig unbekanntem 
Felde auf einen so flachen Sattel, dass dessen Aufschliessung gleichfalls 
nur im Flötz erfolgen konnte. Die Einrichtung maschineller Strecken- 
förderung gestattete dann, an die nach allen Richtungen vom Schacht aus 
vorgetriebenen Hauptstrecken auch den eigentlichen Betrieb anzuschliessen, 
trotz gelegentlicher Zunahme des Einfallwinkels. Eine auf der Grube 
getroffene Anordnung, welche ohne Schwierigkeiten in kürzester Zeit die 
Verlängerung der Seilförderung ermöglicht (s. Band V S. 217 u. 218), kommt 
dieser Ausrichtung sehr zu statten. Gesteinsarbeiten sind in all diesen Fällen 
nur zur Ausrichtung von Störungen unbedingt erforderlich. Da aber bei flacher 
Lagerung jede kleine Unregelmässigkeit zu Wellenbildungen im Flötz führt, 
sind bei schwebenden Strecken ungleichmässiges Einfallen, bei streichenden 
starke Gewundenheit und dadurch veranlasste übermässige Verlängerung not- 
wendige Uebel, zu deren Einschränkung ein immer unangenehmes Ein- 
schneiden in das Nebengestein oft nicht zu umgehen ist. Bemerkenswert 
ist in dieser Richtung das Vorgehen auf Zollern; um in flacher Lagerung 
eine gleichmässig verlaufende Strecke zu erhalten, treibt man hier das 
Nebenort auf eine grössere Erstreckung vor und bestimmt von da aus den 
Punkt, auf den die Hauptstrecke geradlinig vorzutreiben ist. Die so erhaltenen 
den Sattel umfahrenden Strecken gestatten die Aufnahme maschineller 
Förderung, deren Einbau sonst die natürlichen Schlangen Windungen ein 
unüberwindliches Hindernis entgegensetzen würden. 

Eine gewisse Schwierigkeit liegt bei flacher Lagerung auch in der 
Wetterführung, da der Wetterstrom sich nur in einem Flötze bewegt und 
darin, falls keine besonderen Wetterschächte an der Grenze stehen, zum 



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16 ^ Antflehtimc. 

Einfallpunkt wieder zurtickgeleitet wird. Bei schlagwetterreichen Plötzen, 
die aber bisher noch wenig in flacher Lagerung gebaut sind, würde eine 
solche mit flach abfallendem Strom arbeitende Bewetterung leicht zu Be- 
denken Anlass geben. 

Mit wachsender Neigung der Plötze wird es sehr bald unmöglich, 
den Schnittpunkt des Schachtes mit den Plötzen zum Ausgangspunkt des 
weiteren Vorgehens zu machen. An Stelle der durch die flachen Plötze 
gegebenen natürlichen Sohle tritt dann die künstliche Sohlenbildung 
durch Querschläge. Letztere, welche * übrigens auch eine mehr oder 
weniger diagonale Richtung erhalten können, wenn der Verlauf der Haupt- 
störungen oder die ungleichmässige Porm des Peldes es verlangen, haben 
ihr Vorbild in den alten Stollen. 

Auch die Stollen erschlossen das Gebirge möglichst rechtwinklig zum 
Streichen, führten die Wasser, die ihnen zuflelen, ab und brachten Wetter 
ein. Später wurden sie auch, ganz wie die heutigen Querschläge, zur 
Pörderung der über ihnen anstehenden Kohlen benutzt, welche ihnen aus den 
oft verschiedenen Bergwerksbesitzem gehörenden Plötzen zur Beförderung 
an das Mundloch oder einen Schacht zugingen. In ähnlicher Weise 
erhielten auch die Schachtquerschläge anfänglich die Pörderung jedes 
einzelnen Plötzes aus einer in diesem Plötze aufgefahrenen Grundstrecke. 
Die Erhaltung aller dieser Strecken in ihrer ganzen Länge in einem für 
die unentbehrliche Pferdeförderung brauchbaren Zustande wurde aber bald 
als eine schwere Last erkannt, die bei schlechtem Nebengestein unerträg- 
lich werden konnte. Man hat deshalb schon früh begonnen, wenigstens 
für mehrere nah beieinander gelegene Plötze die Pörderung ausschliess- 
lich in die Grundstrecke desjenigen Plötzes zu verlegen, dessen Neben- 
gestein ihrer Erhaltung am günstigsten ist, und die Grundstrecken der 
anderen Plötze in bestimmten Abständen mit der Hauptgrundstecke durch 
Hülfsquerschläge zu verbinden. Die letztgenannten Grundstrecken werden 
dann zu reinen Vorrichtungsbauen und können nach Abbau der einzelnen 
durch die Hülfsquerschläge gebildeten Abteilungen stückweise abge- 
worfen werden. 

Durch die Vereinigung der Pörderung aus mehreren Plötzen in einer 
Hauptstrecke entstehen auch für die Pörderung selbst günstigere Bedingungen; 
sie kann mehr zu grossen Zügen zusammengestellt werden und erfordert 
weniger Aufsicht. Der Pörderaufseher kann immer zur Stelle sein, wenn 
eine Störung eintritt, und braucht nicht erst in einer Mehrzahl von Strecken 
mit Zeitverlust für den ganzen Betrieb gesucht zu werden. Auch die 
Wetterführung gewinnt, da die Wetter in einer Strecke besser zusammen- 
gehalten und weiter vorgebracht werden können. 

In manchen Plötzpartieen werden stets dieselben Plötze ihres guten 
Hangenden wegen zum Auff"ahren der Hauptförderstrecken benutzt, so 



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IV. SohlenbilduDg. 17 

z. B. in der Magerkohlenpartie das Flötz Mausegatt. Nicht selten fehlt es 
aber auch gänzlich an geeigneten Plötzen oder sie sind durch Abbau in 
ihrer Nähe zu stark in Druck geraten. In solchen Fällen ist man dazu 
übergegangen, die Strecke in ein nicht abbauwürdiges Flötz zu legen, 
und zwar am liebsten in das Liegende der Flö tze, für deren Förderung 
sie bestimmt ist, da sie hier vor den Druckwirkungen des Abbaues am 
besten geschützt ist. 

Die Förderstrecke wird damit zu einem reinen Ausrichtungsbau, da 
sie nun in keiner Weise mehr dem Betrieb innerhalb einer Bauabteilung, 
sondern nur noch der Verbindung der Abteilungen unter sich und mit dem 
Schachte dient. Andererseits wird auch der Abbau von ihr wieder unab- 
hängig und kann sich freier entwickeln. Das Auffahren der Förderstrecke 
in einem Nebenflötz geschieht, um die Kosten niedrig zu halten und 
grössere Leistungen im Auffahren zu erzielen. Wird das Streichen der 
Flötze unregelmässig und häufiger die Durchörterung von Störungen 
erforderlich, so können die genannten Vorteile zum Teil wieder verloren 
gehen, während gleichzeitig eine Strecke entsteht, die für die Förderung 
keineswegs ideal ist. Allein die Begradigung der Ecken und Krümmungen 
kann in festem Hangenden sehr bedeutende Mittel verschlingen. Es ist 
daher oft schon der letzte Schritt gethan, die streichenden Hauptstrecken 
nach einer bestimmten Stunde ganz im Gestein aufzufahren. Derartige 
Strecken heissen Richtstrecken, eine Bezeichnung, die aber allgemein 
auch auf die Strecken in Nebenflötzen angewandt wird. Sie haben den 
Vorzug, dass sie in das ihrer Halt barkeit günstigste Gebirge hi neingelegt 
werden können und unter allen Umständen eine geradlinige Förderbahn 
geben, wie sie für Seilförderung verlangt wird. Diesen Vorzügen stehen 
die recht bedeutenden Kosten der Auffahrung gegenüber. Auch können 
Geste insstrecken nie so rasch aufgefahren werden, wie Strecken in der 
Kohle. Bei Anwendung von Richtstrecken muss daher die Ausrichtung 
dem Abbau um Jahre voraussein, ein Umstand, der namentlich früher 
ihre Verbreitung hinderte. Im einzelnen Fall wird das Vorgehen mit 
Haupt-, Grund- oder Richtstrecken durch die Art des Gesteins und durch 
die Lagerungsverhältnisse bedingt. Vor allem sucht man ertraglose Längen 
bei Abteilungsquerschlägen zu vermeiden. Diese werden immer länger 
je flacher die Lagerung wird, welche also von vornherein der Vereinigung der 
Förderung auf streichenden Hauptförderstrecken entgegenzustehen scheint. 

Bei steiler Lagerung gelingt es leichter, so viel Flötze mit nicht all- 
zulangen Abteilungsquerschlägen zu fassen, dass es sich lohnt, dafür eine 
Gesteinsstrecke aufzufahren. Grössere flötzleere Mittel wird man auch bei 
steiler Lagerung nicht gern mit den Abteilungsquerschlägen durchörtern, 
zumal wenn der schlechte Zustand der Grundstrecke in den Flötzen oder 
Rücksichten auf die Abhauart einen geringen Abstand der Querschläge 
Sammelwerk. II. 2 



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18 Ausrichtune^. 

voneinander verlangen. Ausserdem kann die Baulänge in den einzelnen 
Flötzgruppen wechseln. So beträgt auf Consolidation (s. Grundriss und 
Profil auf Tafel II) der Abstand der Abteilungsquerschläge in der Fett- 
kohlenpartie 350, in der Gaskohlenpartie 250 m, auf Preussen 400 und 
250 m. In solchen Fällen wird man jede Gruppe für .sich von einer 
Richtstrecke aus lösen, möglichst je einer im Hangenden und Liegenden 
des Schachtes. Wo aber die Flötze ziemlich gleichmässig verteilt und 
die Abteilungsquerschläge nicht zu zahlreich sind, macht sich die neuere 
Technik gern den grossen Vorteil zu nutze, den die Vereinigung der 
ganzen streichenden Förderung auf einer einzigen Richtstrecke bietet. 
Es ergiebt sich dann, da die Richtstrecke, wenn irgend angängig, unmittel- 
bar am Schacht angesetzt wird, das umgekehrte Bild wie früher, statt 
eines Haupt quer Schlages, dem die Förderung auf einer Reihe von 
streichenden Strecken zugebracht wird, eine streichende Strecke 
mit Querschlägen als Zubringern. Vom betrieblichen Standpunkt aus be- 
trachtet, hat die letztere Anordnung alle Vorteile für sich. Die Unter- 
haltungskosten des ganzen Netzes erniedrigen sich, da Querschläge unter 
allen Umständen die wenigsten Reparaturen erfordern und die ganzen 
kostspieligen Strecken im Flötz aus der durchgehenden Förderung ver- 
schwinden. 

Fast immer verkürzen sich auch die Förderwege, da jede Rück- 
förderung fortfällt. Am Schacht treffen statt des früheren Süd- und Nord- 
querschlages vier grosse Adern mit ihrer Förderung zusammen, da der 
Hauptquerschlag schon der Fe Idesauf Schliessung wegen erhalten bleibt. 
Der Wettenstrom, dessen Geschwindigkeit durch Polizei Vorschriften be- 
grenzt ist, kann dann gleich am Schachte in vier grosse Teilströme geteilt 
werden. Endlich kann sich der Abbau im ganzen Felde nach Belieben 
am Schacht oder an der Grenze bewegen, da jeder Feldesteil in einer 
Weise mit dem Schacht verbunden ist, die unter gewöhnlichen Verhält- 
nissen von den Einwirkungen des Abbaues nicht viel zu fürchten hat. 
All diese Umstände gestatten auch dem Baufeld in streichender Richtung 
eine erheblich grössere Ausdehnung zu geben. Ein Beispiel für eine Haupt- 
richtstrecke bei steiler Lagerung bietet Tafel III, Grundri.ss imd Profil von 
Shamrock III/IV. 

Es ist schon erwähnt, dass bei flacher Lagerung die Kosten für das 
Auffahren der Querschläge bei dem grossen Flötzabstand mehr hervor- 
treten. In den flachliegenden Schiefern der Gaskohlenpartie zeigen sich 
ausserdem infolge des Abbaues Druckerscheinungen, welche selbst den 
Querschlägen verhängnisvoll werden können. Man sieht hier deshalb 
häufig ganz von Abteilungsquerschlägen ab, falls sie nicht durch Störungen 
geboten sind, und begnügt sich mit einem durch einen grossen Sicherheits- 
pfeiler geschützten Hauptquerschlag. Das ganze weitere Vorgehen wird 



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Die EntwickliJ 



Tafel II. 











li i 



Yerlagsbachhai 



Techn.-art Anst. von Alfred Müller in Leipzig. 



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Die Entwicklung d 



. mederrh6in.-we6tf. Steinkohlen - ^ 



Tafel lU. 




VerJ 



Jagsbuchhandlung von Julius Springer in Berlin. | 



Techn.-art. Anst. von Alfred Müller in Leip^g- 



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IV. SohlenbUduns. 19 

dann von der Notwendigkeit beherrscht, die streichenden Strecken in 
brauchbarem Zustande zu erhalten, was durch Rückbau von der Grenze 
und Abbau der hangenden Flötze vor den liegenden angestrebt wird. 
Hier ist also die engste Abhängigkeit zwischen Ausrichtung und Abbau 
wahrzunehmen, die nur bei ungestörter Lagerung ohne Nachteile bleiben 
kann. Nur in diesem Falle kann ein solcher Betrieb, wie z. B. auf Zoll- 
verein III, auch mit gutem finanziellen Erfolge geführt werden. Auf alle 
Fälle ergeben sich hohe Reparaturkosten. Im allgemeinen verlegt man 
daher auch bei flacher Lagerung, namentlich auf den nördlichen Gruben, die 
in der mit besserem Nebengestein ausgestatteten Gasflammkohlenpartie 
bauen, die Ausrichtung in das Nebengestein. 

Den Höhepunkt der Entwickelung bezeichnet endlich die Ausrichtung 
auf Rhein-Elbe, wo zur Lösung der neu in Angrifi^ genommenen ganz flach ^ 
gelagerten Fettkohlenflötze unter ihnen her ein Netz von Gesteinsstrecken, 
aus einer mittleren Richtstrecke und Querschlägen bestehend, aufgefahren 
w^ird (s. Grundriss und Profil auf Tafel I). Wenn auch Besorgnis 
um die Wetterführung in dieser schlagwetterreichen Partie dafür aus- 
schlaggebend gewesen sein mag, von vornherein die nötigen Opfer zu 
bringen, um kürzere Wetterwege, grosse Wettermengen und Selb.ständig- 
keit der einzelnen Ströme zu erhalten, ist doch wohl zu beachten, da.ss alle 
die.se Ziele denen einer vollkommenen Förderung durchaus entsprechen 
und mit genau denselben Mitteln erreicht werden. Grosse und billige 
Förderung, regelmässiger, durch Störungen nicht gehinderter Betrieb und 
niedrigere Reparaturkosten als bei Förderstrecken in der Fettkohle dürften 
daher die zunächst für die Wetterführung gebrachten Opfer wiederein- 
bringen. 

Die ersten Ausgaben werden in diesem Falle dadurch besonders hoch, 
dass für die oberste Abbausohle fast die gleiche Ausrichtung auch noch 
einmal über den Flötzen als Wettersohle auszuführen ist. Bei der flachen 
Lagerung lässt sich aber dem bergpolizeilichen Grundsatz der Wetter- 
führung von unten nach oben, von dem in der schlagwetterreichen Fett- 
kohle nicht abgewichen werden darf, gar nicht anders genügen, als durcli 
eine eigene Wettersohle im Gestein mit Abzweigungen nach allen Bauab- 
teilungen hin. Bei geneigter Lagerung bestehen für die unter dem Mergel 
nötige Wettersohle die Gesteinsarbeiten allerdings meist nur in einem 
Haupt wetterquerschlag, auf den im Flötz getriebene Wetterstrecken 
münden. 

Eine streichende Wetterstrecke im Gestein besteht z. B. schon 
auf Hansa, solche in unbauwürdigen Flötzen finden sich mehrfach auf 
Alma, und auf Preussen und anderen Zechen wiederholen sich die Ab- 
teilungsquerschläge auch auf der Wettersohle. Das hierin zum Ausdruck 
kommende Bestreben, die Wetterwege zu verbessern und zu sichern, wird 

2* 



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20 Autrichtaner. 

von zwei anderen Erwägungen unterstützt. Einmal wird durch die Zu- 
nahme des Abbaues mit Bergeversatz die Wettersohle wieder zur Förder- 
sohle, auf der es gilt. Berge mit den geringsten Kosten zur Verteilung 
in die unterhalb liegenden Baue an bestimmte Punkte zu bringen. Dann 
aber sucht man heute so viel als möglich an Sicherheitspfeilern zu sparen, 
die, soweit sie für Wetterstrecken stehen gelassen werden müssen, meist 
verloren sind. Denn da man sie er.st fortnehmen kann, wenn die be- 
treffenden Strecken auch als Wetterstrecken nicht mehr gebraucht werden, 
müsste der Abbau oft geradezu mit Sonderbewetterung geschehen, die 
einzurichten sich selten lohnen würde. Fallen solche Pfeiler fort, so ist die 
entsprechende Kohlenmenge gewissermassen reiner Verdienst, da nur die 
Hauer- und Förderkosten auf sie entfallen, ein Gewinn, der mit der 
^ auch sonst vorteilhaften Verlegung der Wetterstrecke in unbauwürdige 
Flötze oder ins Gestein sehr billig erkauft ist. Derselbe Gesichtspunkt 
kommt übrigens ebensogut bei der Ausrichtung jeder Fördersohle zur 
Geltung, die später einmal als Wettersohle dienen muss, und das ist die 
Mehrzahl von allen; denn grundsätzlich wird schon des besseren Zustandes 
der Strecken wegen immer die tiefste Sohle, über der kein Bau mehr um- 
geht, als Wettersohle benutzt. Mehrere besondere Wettersohlen werden 
nur in Ausnahmefällen nötig, wenn in gefährlichen Schlagwettergruben 
eine Anzahl von Sohlen übereinander gebaut wird. Dann ist es der 
Sicherheit wegen angebracht, dass jede Abbausohle ihre eigene Wetter- 
abführung erhält. Dementsprechend wird z. B. auf Hibernia unter jedem 
Hauptquerschlag ein Wetterquerschlag für die nächst untere Sohle aufge- 
fahren und in derselben Höhe auch noch ein besonderer Wetterquerschlag 
für jede Abteilung, der besseren Sammlung der Wetter und des Berge- 
versatzes wegen. Hier ist also ganz ähnlich, wie es bei Rhein-Elbe III 
vorläufig nur für die oberste Sohle vorgesehen ist, jede Sohle mit einer 
doppelten Gesteinsausrichtung ausgerüstet. 

Die Ausrichtung sämtlicher Sohlen eines Bergwerks sollte möglichste 
Uebereinstimmung zeigen, zunächst auch wieder, um die Sicherheitspfeiler, 
die unter und bei gewissen Druckverhältnissen auch über wichtigen Quer- 
schlägen stehenzulassen sind, auf ein Mindestmass zu beschränken. Es 
sei bei dieser Gelegenheit erwähnt, dass auf Zollverein III die einander 
überdeckenden Hauptquerschläge durch Sicherheitspfeiler von der Breite 
eines Abteilungsfeldes geschützt sind. Diese können, sobald der Betrieb 
es gestattet, unter ganz natürlichen Verhältnissen abgebaut werden und 
brauchen nicht verlorengegeben zu werden, wie es bei schmäleren 
Sicherheitspfeilern meistens der Fall ist. 

Durch Wetterführung und Bergeversatz treten aber auch die oberen 
und die unteren Sohlen mehr denn je und mei.st schon lange vor Abbau 
der oberen Sohle in eine Art Betriebsverbindung, die sie zwingt, sich auf- 



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IV. Sohlenbildung. 21 

einander einzurichten. Der Betrieb verlangt heute, dass eine Abteilung: 
nicht nur unten, sondern auch oben mit der Gesamtausrichtung in Ver- 
bindung gesetzt wird. Das hat bei steiler Lagerung dazu geführt, 
die Abteilungsquerschläge namentlich dann, wenn Sicherheitspfeiler ent- 
behrt werden können, nicht mehr über, sondern abwechselnd zwischen 
einander zu setzen. Damit erreicht man die kürzesten Wetterwege und 
eine grosse Vereinfachung bestimmter, in steiler Lagerung vorteilhafter 
Abbauarten, z. B. des Stossbaues. Die Berge kommen von dem oberen 
Querschlag am Ende des Abbaufeldes herunter und die Kohlen gehen 
auf den unteren in der Mitte gelegenen Querschlag hinab. Aus demselben 
Grunde werden auch die Abteilungsquerschläge der Wettersohlen z. B. 
auf Zeche Hibemia zwischen den Bauquerschlägen angesetzt. 

Dass die in den vorgeschilderten Beispielen unter den verschiedensten 
Verhältnissen durchgeführte Ausbildung der Sohlen als ein in sich selbst- 
ständiges Netz von Gesteinsstrecken noch grosse Verbreitung gewinnen 
wird, ist als sicher anzunehmen. Die weitere Erhöhung der Ansprüche an 
die Förderung wird auch Gruben dazu drängen, die es heute noch nicht 
nötig zu haben glauben. Die Erfahrungen anderer Betriebe im Verein 
mit der weiteren Vervollkommnung der Gesteinsarbeiten werden ihnen die 
Ausführung erleichtem. Auch ein mehr äusserer Umstand, das Tiefer- 
werden der Gruben, wird den natürlichen Gang des Fortschritts unter- 
stützen. 

In den Mulden werden allmählich auch die Fettkohlen in der bisher 
für sie fast unbekannten flachen Lagerung aufgeschlossen werden, ohne 
dass es möglich sein dürfte, sie darin mit den einfachen Mitteln auszu- 
richten, welche für flachgelagerte Gas- und Gasflammkohlen ausreichen. 

. Allgemein wird femer die zunehmende Temperatur in der Tiefe die 
Förderung mit Pferden so behindern, dass grosse Leistungen ohne all- 
gemeine Anwendung von SeUförderungen ausgeschlossen sein werden. Seil- 
förderungen aber — für Lokomotiven besteht im Industriebezirk keine Mei- 
nung — haben geradlinige und dem Druck möglichst entzogene Strecken 
zur notwendigen Voraussetzung. 

2. Sohlenabstand und Teilsohlenbildung. 

Angesichts der hohen Kosten, welche die erste Anlage einer Sohle 
für Gesteins- und andere Streckenarbeiten, Seilförderung, Kraftversorgung 
und Aehnliches erfordert, liegt es natürlich nahe, diese Ausgaben auf eine 
möglichst grosse Kohlenmenge zu verteilen. Daraus entspringt mit wachsen- 
den Kosten das Bestreben, den Saigerabstand zwischen zwei Sohlen zu 
vergrössern. Ein grosser Sohlenabstand gestattet aber nur dann einen vor- 
teilhaften Betrieb, wenn die in dem Raum zwischen zwei Sohlen befind- 



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22 Ausrichtung. 

liehen Abbau- und Vorrichtungsarbeiten in solcher Weise miteinander 
und mit der Sohle verbunden werden, dass eine billige und zuverlässige 
Förderung und Wetterführung für die ganze Betriebsdauer sichergestellt 
ist. Je mehr daher die Ausrichtung im Niveau der Sohle vervollkommnet 
wird, desto nötiger wird es, sie auch auf den Raum über der Sohle auszu- 
dehnen, um so eine vorteilhafte Erhöhung des Sohlenabstandes erreichen 
zu können. 

Das natürliche und ursprüngliche Mass des Sohlenabstandes war die 
flache Höhe, welche unmittelbar zwischen zwei Sohlen vorgerichtet werden 
konnte. Solange die Vorrichtung noch mit Diagonalen erfolgte, wie es 
bei flacher Lagerung üblich war, blieb die Sohlenhöhe auf das Geringste 
beschränkt. Saigerhöhen von nur 20 m waren bei jener Vorrichtung nichts 
Seltenes, während bei steiler Lagerung mit Rolllochbetrieb in älterer Zeit 
grössere Abstände vorhanden waren. Seit der Mitte des Jahrhunderts sindaber 
die Diagonalen überall, die Rolllöcher meist, zu Gunsten der Bremsberge 
zurückgetreten, deren flache Höhe nunmehr für den Sohlenabstand be- 
stimmend wurde. Damit entstand ein grosser Unterschied zwischen den 
Abständen in flacher und steiler Lagerung. Bei flachem Einfallen kann 
man auch heute kaum mehr als 25 bis 35 m Saigerhöhe mit einem Brems- 
berg erreichen, trotzdem es gelungen ist, ihre flache Höhe erheblich aus- 
zudehnen. Durch sorgfältigen Bau der Förderbahnen, Anhängen mehrerer 
Wagen und ununterbrochenen Betrieb mit Seil ohne Ende ist es angängig 
geworden, die Grenze, welche sich für flache Bremsberge sonst bald aus 
dem Versagen der Anzugskraft ergiebt, unter Umständen bis auf 300 m 
und mehr zu erweitern. Infolge der weiten querschlägigen Abstände flach - 
liegender Flötze werden aber selbst mit Saigerhöhen von 30 bis 40 m noch 
keine grossen Kohlenmengen aufgeschlossen. Die flache Höhe steilstehender 
Bremsberge wird in den wenigsten Fällen, durch die an sich viel grössere, 
aber nur in engen Grenzen zu erhöhende Anzugskraft bestimmt, sondern 
meist durch die Unterhaltungsarbeiten. Sie darf nicht die Länge über- 
schreiten, welche in den Schichten ohne Förderung instanderhalten 
werden kann. Da immer nur eine Partie von Reparaturhauern in steilen 
Bremsbergen thätig sein kann, darf deren flache Höhe auch kaum über 
100 bis 110 m hinausgehen. Damit wird aber immerhin schon ein Körper 
von 70 bis 80, zuweilen auch 100 m Saigerhöhe vorgerichtet. Geringere 
Abstände sind meist die Folge schlechter Haltbarkeit des Gebirges. 

Die grossen, in ungünstigem Gebirge erforderlichen Unterhaltungs- 
kosten der Bremsberge haben aber schon seit längerer Zeit eine Entwicke- 
lung angebahnt, die auch der Vorrichtungshöhe und damit dem Sohlenab- 
stand zu gute kommt. Aehnlich wie auf den Sohlen die Grundstrecken, 
beschränkte man zunächst die Zahl der hintereinander stehenden Bremsberge, 
indem man einen dadurch für mehrere Flötze nutzbar machte, dass man diese 



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IV. Sohlenbilduns. 23 

in der Höhe jeder Abbaustrecke durch einen kleinen Ortsquerschlag mit ihm 
verband. Den gemeinsamen Bremsberg legte man natürlich in das Flötz 
mit dem besten Nebengestein. In dieser Weise ist man z. B. vielfach auf 
Alma vorgegangen. Bei starkem Druck und schlechtem Nebengestein ist 
man selbst hierbei nicht stehen geblieben und hat, nachdem die Scheu vor 
den ungewohnten Geste insarbeiten einmal überwunden war, den Abteilungs- 
bremsberg immer häufiger durch einen blinden Schacht ersetzt, für den 
sich nach dem von englischen Arbeitern herübergebrachten englischen 
Ausdruck »staple« ganz allgemein die Bezeichnung Stapel oder Stapel- 
schacht eingeführt hat. Da ein Stapel sehr viel leichter zu unterhalten 
i.st, als ein Bremsberg und gleichzeitig mehr leistet, ist es auch möglich, 
mit ihm einen höheren Sohlenabstand zu erzielen, der jedoch über 100 m 
praktisch nicht hinausgeht, und bei Gegengewichtsförderung 50 — 60 m 
besser nicht überschreitet. Stapelschächte und Abteilungsbremsberge 
nähern sich dadurch, dass sie aus mehreren Plötzen Kohlen bekommen und 
Gesteinsarbeiten erfordern, schon den Ausrichtungsbauen. Ihr Zweck ist 
aber so überwiegend auf den eigentlichen Abbau gerichtet, der von den 
Ortsquerschlägen aus ohne weiteres beginnen kann, dass sie besser wohl 
als in das Gestein verlegte Vorrichtungsarbeiten aufgefasst werden. 

Bei dem heutigen Stande der Vorrichtung dürften in der meist 
kohlenreichen steilen Lagerung häufig mit einer Vorrichtungshöhe so viele 
Kohlen aufgeschlossen werden, dass die Kosten einer guten Ausrichtung 
nicht zu schwer auf ihnen lasten. Wo dies nicht der Fall ist, vor allem 
also in flacher Lagerung oder dort, wo starke Störungen die Ausrich- 
tung besonders verteuern, hat man zur Erniedrigung der Ausrichtungs- 
kos en schon früh zu dem Mittel greifen müssen, den Sohlenabstand durch 
Wiederholung der Vorrichtung übereinander zu vergrössem. Das Ueber- 
einandersetzen mehrerer Bremsberge findet sich sogar schon zu einer Zeit, 
als von Richtstrecken und Abteilungsquerschlägen noch gar keine Rede 
war, allerdings aber die Kosten des Hauptquerschlags und Füllortes noch 
mehr als heute ins Gewicht fielen. Mit dieser ursprünglichen Anordnung 
Bremsberg über Bremsberg zu setzen und die Förderung des obersten 
über den unteren zur Grundstrecke zu bringen, sind aber zahllose Miss- 
stände verknüpft. Zunächst schiebt sich eine äusserst kostspielige Zwischen- 
förderung ein. Jeder Absatz in der Förderung, das Uebergehen derselben 
von einem Bremsberg zum anderen u. s. w. verlangt neue Arbeitskräfte, 
die noch dazu schlecht ausgenutzt werden und kaum je so zusammen- 
arbeiten, dass grössere Stockungen in der Förderung ausgeschlossen wären. 
Des weiteren ist der Abbau gezwungen, sich von den oberen nach den 
unteren Bremsbergfeldem zu bewegen, da die Benutzung eines Brems- 
berges für durchgehende Förderung als »Transportberg« und gleichzeitiger 
Abbau sich gegenseitig ausschliessen und es nicht möglich sein würde, in 



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24 Autrlchtung. 

abgebautem Felde, also bei Vorwegnahme der unteren Feldesteile, Trans- 
portbremsberge für die oberen betriebsfähig zu erhalten. Infolgedessen er- 
halten nun aber die unteren Bremsberge eine so lange Betriebsdauer, dass die 
grossen ihrer Aufrechterhaltung zu bringenden Opfer die Selbskosten be- 
denklich erhöhen und doch oft den Zusammenbruch nicht verhindern 
können. Das bedeutet aber entweder einen grossen Verlust von Geld und 
Zeit, wenn man sich zur Auffahrung eines neuen Bremsberges entschliesst, 
oder, und meist eben so häufig, die Aufgabe des ganzen Bremsbergfeldes 
mit den darin übriggebliebenen Kohlen. 

So entsteht, wo bei grossem Sohlenabstand wirtschaftlich gearbeitet 
werden soll, die Notwendigkeit, die Kohle der oberen Bremsberge unab- 
hängig vom Abbau der unteren auf die Fördersohle zu bringen. Das 
führt dazu, jede Reihe der oberen Bremsberge mittelst einer Teilsohle zu 
verbinden, auf der ihre Förderung einem oder mehreren vor Abbau 
geschützten Haupttransportbergen zugeführt wird. Ist für jedes Flötz nur 
einer vorhanden, so liegt dieser gewöhnlich über dem Hauptquerschlag. 
Auch hier ist aber die Abteil ungsbildung Regel geworden, wieder zu 
demselben Zwecke, wie auf den Hauptfördersohlen, nämlich um die 
Unterhaltungskosten der Teilsohlengrundstrecken zu ermässigen. Fördert 
wie gewöhnlich eine Abteilung von 3 bis 5 Abbaubremsbergen einem 
Transportbremsberge zu, so braucht die Teilsohle, falls sie nicht für andere 
Zwecke, wie die Wetterführung, oifenerhalten werden muss, den Abbau 
dieses Feldes nicht zu überdauern- Die Förderung erfährt durch die 
Vereinigung in dem Hauptbremsberge eine wesentliche Vereinfachung 
und Verbilligung. Noch günstiger gestalten sich aber die Verhältnisse 
für die Förderung wie für den selbständigen Betrieb der unteren Vor- 
richtungshöhen, wenn die Abteilungsbildung auch in querschlägiger 
Richtung ausgedehnt wird und durch Teilsohlenquerschläge, die den 
Abteilungsquerschlägen der Hauptsohle genau entsprechen, ganze Flötz- 
gruppen zusammengefasst werden. Der damit erzielte Fortfall der Unter- 
haltung zahlreicher Transportbremsberge wiegt die Kosten des Querschlages 
vollkommen auf, während die Förderkosten durch bessere Ausnutzung der 
vorhandenen Anlagen, die Verminderung der Zahl der Bremser und Ab- 
nehmer noch weiter herabgedrückt werden. Die dieser Anordnung noch 
anhaftenden Mängel bestehen darin, dass bei mehreren Teilsohlen über- 
einander immer noch auf jeder eine Umförderung eintritt und dass bei der 
gesteigerten Bedeutung der Transportberge die allen Bremsbergen 
eigentümlichen häufigen Betriebsstörungen besonders unangenehm werden 
können. 

Die letzte Entwickelungsstufe der Teilsohlenbildung zeigt nun auch 
diese Nachteile beseitigt. Wieder treten die Baue im Flötz zu Gunsten 
von reinen Gesteinsarbeiten zurück, die zwar in der Anlage teuerer, im 



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IV. Sohlenbildung. 25 

Betrieb aber sicherer, leistungsfähiger und von den Arbeiten im Flötz 
unabhängiger sind. Statt durch Transportbremsberge wird die Ver- 
bindung der Teilsohlen mit den Hau'ptsohlen in immer steigendem Masse 
durch blinde Schächte bewerkstelligt, am meisten natürlich bei flachem 
Einfallen, denn hier tritt ein kürzerer Aufbruch an die Stelle eines oder 
auch mehrerer sehr langer Bremsberge. Auch hält sich ein blinder 
Schacht besser in flacher als in steiler Lagerung. Liegt ein flötzleeres 
Mittel im Liegenden der so gelösten Flötzgruppe, so kann es allerdings 
vorkommen, dass die Abteilungsquerschläge der Hauptsohlen allein zu 
dem Zwecke verlängert werden müssen, um die blinden Schächte zu 
unterfahren. Auch diese Mehrausgabe verschlägt aber nichts gegenüber 
den sich daraus ergebenden Betriebsvorteilen und findet ausserdem häufig 
einen Ausgleich darin, dass bei flacher Lagerung die Teilsohlenquerschläge 
bei einiger Länge gänzlich aufgegeben werden. Statt dessen wird in be- 
stimmten von der flachen Bremsberghöhe abhängigen querschlägigen Ab- 
ständen der ganze Sohlenabstand mit blinden Schächten durchbrochen. 
Jeder Schnittpunkt des Schachtes mit einem der Flötze wird alsdann 
Ansatzpunkt einer Teilsohle, höchstens dass ganz nahe gelegene Flötze 
noch durch Teilsohlenquerschläge verbunden werden. Da auf diese Wei.se 
in einem blinden Schacht mehrere Anschlagspunkte entstehen, Förderung 
mit Gegengewicht, die allein diese verschiedenen Punkte gleichzeitig be- 
dienen könnte, aber zu wenig leistet, so entsteht hier allerdings die Not- 
wendigkeit, entweder immer nur von einer Teilsohle zu fördern oder den 
blinden Schacht einmal, in seltenen Fällen auch zweimal abzusetzen. Der 
Bau vom Hangenden ins Liegende, zu welchem die Beschränkung auf den 
Abbau einer Teilsohle sachgemäss führt, ist aber an und für sich das 
Richtige bei flachem Einfallen und kann auch im vollsten Masse durchge- 
führt werden, da das hängendste Flötz auf allen Teilsohlen, in die es 
durch die verschiedenen blinden Schächte zerlegt ist, gleichzeitig in 
Angriff genommen werden kann. Der Bau vom Hangenden ins Liegende 
in diesem Falle ist etwas ganz anderes, als der von oben nach unten bei 
übereinandergesetzten Bremsbergen, wo in jedem Flötz der höher ge- 
legene Teil vor dem daran anschliessenden unteren gebaut werden mu.ss. 
Der Wert, den die Ausrichtung der Teilsohlen durch blinde Schächte 
mit oder ohne querschlägige Verbindung für den Betrieb hat, liegt daher 
nicht nur in der grossen Ersparnis an Förder- und Reparaturkosten gegen- 
über dem Bremsbergbetrieb. Mehr schon tritt die erhöhte Leistungsfähig- 
keit und Betriebszuverlässigkeit der blinden Schächte hervor, das Wesent- 
lichste aber ist die grosse Freiheit der Bewegung, welche den ganzen 
Grubenbetrieb auf eine viel breitere und sichere Grundlage stellt und 
mehr noch als die Betriebstüchtigkeit des einzelnen Baues jede ge- 
wünschte Förderung dauernd erzielbar macht. 



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26 Ausrichtung. 

Die grösste Bedeutung hat die geschilderte Entwickelung natürlich 
für die flachgelagerten Flötze, wie z. B. die flachliegende Gasflamm- 
kohlenpartie der Recklinghauser Mulde; hier lässt sie sich auch am besten 
verfolgen. Selbst heute noch kann man dort finden, dass die Kohlen über 
3 oder 4 Bremsberge ohne jede Teilsohlenbildung zur Grundstrecke ge- 
bracht werden. Im Gegensatz dazu zeigt dann die Grube Hugo die Teil- 
sohlenbildung dank dem guten Hangenden des Flötzes Bismarck durch 
die ganze Grube durchgeführt. Die unterste Abbausohle ist dort in nicht 
weniger als vier Teilsohlen zerlegt, welche die Förderung aus dem ganzen 
Felde in eine einzige mit dem Schacht querschlägig verbundene geneigte 
Strecke bringen, auf der sie zur Zeit mittelst Pressluft hochgezogen wird, 
später aber abgebremst werden soll. Dagegen wird beispielsweise auf 
Ewald (s. Grundriss und Profil auf Tafel IV) das Grubenfeld von einer Haupt- 
Richtstrecke aus in gewissen Abständen (700 — 800 m) mit Querschlägen durch- 
fahren, von denen aus zahlreiche Teilsohlen mit Auf brüchen gelöst werden. 
Dabei werden zur Verminderung der Zahl der letzteren noch immer 
zwei Teilsohlen in der Art zusammengefasst, dass die Förderung der 
oberen auf die untere Teilsohle abgebremst wird. Auf diese Weise 
kommen auf der unteren Teilsohle auch genug Wagen zusammen, um 
Pferdeförderung bis zu dem blinden Schacht bezahlt zu machen. 

Legen sich die Flötze ganz flach, so bleiben blinde Schächte das 
einzige Mittel zur Teilsohlenbildung. Solange man mit ihnen noch nicht 
zu arbeiten wagte, war man daher auf Rhein-Elbe, Dahlbusch u, s. w. ge- 
zwungen, jedes einzelne Flötz als Hauptsohle auszurichten. Heute legt 
man die Hauptgrundstrecke in ein liegendes Flötz mit gutem Hangenden 
und betrachtet ein oder mehrere hangende Flötze als Teilsohlen, die man 
abteilungsweise durch nah an der Hauptgrundstrecke angesetzte Aufbrüche 
löst. Die Teilsohlengrundstrecken können dann nach Verhieb jeder Ab- 
teilung abgeworfen werden. Wird die Ausrichtung wie auf Rhein-Elbe III 
ganz ins Gestein verlegt, so erhält auch das unterste Flötz, das mit der 
Sohle gleich den anderen durch Aufbrüche verbunden wird, den Charakter 
einer Teilsohle, womit die Notwendigkeit ganz verschwindet, Hauptstrecken 
im Flötz lange Zeit off*en zu erhalten. Viele Flötze, deren Kohleninhalt 
oder deren Nebengestein eine eigene Ausrichtung nicht zulassen würde, 
werden durch die Teilsohlenbildung überhaupt erst abbaufähig; auch das 
Zubruchebauen dicht aufeinanderfolgender Flötze durch das Vorwegbauen 
des besseren liegenden wird dadurch eingeschränkt. 

Ein sehr wesentlicher Vorteil der Teilsohlenbildung liegt auch noch 
darin, dass sie für jede Abteilung der Flötzgruppe einer Grube ganz nach 
Bedürfnis ausgebildet werden kann und damit die vollkommene Anpassung 
der Ausrichtung an alle in einem Felde anzutrefl"enden Lagerungsverhält- 
nisse ermöglicht. 



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Die Entwicklung d. niedexi 




che Ewald. 

Jebersichtskarte. 

MaTsstab 1:15000. 



Vorlagsbuchhaadlang von J 



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Tafel IV. 



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Techn.-art. Anst. von Alfred MOiler in Leipzig, f 

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IV. Sohlenbildung. 27 

Würde bei Verzicht auf Teilsohlen die Hauptsohle nur mit Rücksicht 
auf eine flache Partie bestimmt, so würde sich der Bau steilstehender Flötze 
in derselben Grube sehr unvorteilhaft gestalten, während umgekehrt in 
flacher Lagerung ohne Teilsohlen schon längst nicht mehr gebaut werden 
kann bei einem Sohlenabstand, det einer massigen Bremsberghöhe in steiler 
Lagerung entspricht. Die Sohlenhöhe wird denn auch oft bei Gruben mit 
ungleichmässiger Lagerung so gewählt, dass die steile Partie mit keiner 
oder einer, die flache aber mit mehreren Teilsohlen abgebaut werden kann. 

Auch bei der gelegentlichen plötzlichen Aenderung des Einfallens 
im Flötz bei Sattelköpfen und dergleichen, sowie bei Störungen werden 
Teilsohlen erforderlich. Der Bildung der Hauptsohle, für welche oft noch 
besondere Gesichtspunkte in Frage kommen, wird damit ein viel grösserer 
Spielraum gelassen. So kann es erwünscht werden, die Hauptsohlen aus- 
nahmsweise so hoch oder so tief zu legen, dass Füllort und Querschläge 
in gutes Gebirge, vielleicht in festen Sandstein zu stehen kommen. In 
anderen Fällen hat man sich so einzurichten, dass mit der Sohle eine Flötz- 
gruppe, die aus der Markscheide herausfällt, oder eine Mulde noch im 
tiefsten Punkte gefasst wird, oder dass eine Sattelbildung sich nicht 
gerade innerhalb der Sohle vollzieht, was die Zufuhr von Versatzbergen er- 
schweren würde. In sehr vielen Fällen wird endlich auch der Durchschlag 
mit der älteren Sohle benachbarter Anlagen oder die gegebene Höhe der 
Pumpensätze für den Ansatz der Sohle massgebend. 

Ihre Grenze findet die Höhe der Sohlenabstände entweder in tech- 
nfschen Schwierigkeiten oder in den Kosten. In ersterer Beziehung ist 
besonders die Herstellung der Durchhiebe im Flötz, welche zur ersten 
Wetterverbindung zweier Sohlen nötig sind, von Einfluss. Diese Arbeit 
gehört bei einiger Länge der Durchhiebe zu den unangenehmsten berg- 
männischen Aufgaben, selbst wenn es möglich ist. Aufhauen und Abhauen 
sich von unten und oben entgegenarbeiten zu lassen. In dem ersteren 
wird bald die Bewetterung, in dem letzteren die Hebung des Wassers 
und die Förderung schwierig. In steiler Lagerung sind die Schwierigkeiten 
bedeutend grösser als in flacher, welche es unter Umständen sogar erlaubt, 
mit blinden Schächten der Arbeit zu Hülfe zu kommen. Die Durchhiebe 
führen deshalb bei steiler Lagerung, wo sie übrigens infolge der ge- 
wöhnlich grösseren Flötzzahl auch häufiger zu wiederholen sind, schon in 
verhältnismässig geringer flacher Länge zur Einschränkung des Sohlen- 
abstandes. Gleichwohl kann die viel grössere Länge der Durchhiebe in 
flacher Lagerung des Einfallens wegen doch einen kleineren Sohlenabstand 
bedingen. Auch die Wetterführung kann unter Umständen verbieten, mit 
der Sohlenhöhe über ein bestimmtes Mass hinauszugehen. 

Was die Kosten frage betriftt, so sprechen die Anlagekosten inner- 
halb der dem Sohlenabstand überhaupt gesteckten Grenzen wohl stets 



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28 Ausrichtung. 

dafür, ihn so gross wie möglich zu nehmen. Denkt man sich ein Maximal- 
feld von quadratischem Grundriss, also 1475 m Seitenlänge auf das Aller- 
vollkommenste mit einer Richtstrecke und mit drei in Abständen von 500 m 
das ganze Feld durchziehenden Querschlägen ausgerichtet, so ergeben sich 
1475.4 = 5900 m Gesteinsarbeiten für die Hauptsohle, die im Durchschnitt 
mit 100 M. pro Meter angesetzt, eine Ausgabe von 590000 M. darstellen. 
Mit Füllort, Schachtumbrüchen, Sumpfort und der Einrichtung zur Seil- 
förderung mag sich diese auf '/4 Millionen M. steigern. Nimmt man nun 
das Verhältniss der abbauwürdigen Kohlen zur Gebirgsmächtigkeit als V30 
an — nach Runge findet sich nur in der mageren Partie ein ungünstigeres 
Verhältnis — so enthält ein Maximalfeld im Durchschnitt auf jede 10 m 
Sohlenabstand 726000 t Kohlen, wenn nach westfälischer Praxis zum Aus- 
gleich der Verluste ein Kubikmeter Kohle einer Tonne gleichgesetzt 
wird. Die Anlage einer Hauptsohle belastet demnach bei 50 m Saiger- 
höhe die Tonne Förderung etwa mit 20 Pf., bei 100 m dagegen mit nur 
10 Pf. Ausrichtungskosten u. s. w. Dazu kommen allerdings die Aus- 
richtungskosten der Teilsohlen, die je nach den Lagerungsverhältnissen in 
weiten Grenzen schwanken. Da ausser den Aufbrüchen nur kurze Ver- 
bindungsquerschläge von geringem Querschnitt in Frage kommen, müsste 
der Sohlenabstand schon recht gross werden, wenn die wachsende Höhe 
der Aufbrüche solche Mehrkosten verursachen sollte, dass sie das gleich- 
zeitige Sinken des Anteils der Hauptausrichtung an den Selbstkosten auf- 
wiegen würden. Bei Einlegung von Teilsohlen in Abständen von 50 m 
über der Hauptsohle dürften die Kosten für jede einzelne, wenn sie über 
das ganze Feld durchgeführt wird, vielleicht Vi» höchstens Vs von denen 
einer Hauptsohle ausmachen. 

Unter den laufenden Kosten sprechen die der Unterhaltung gleich- 
falls für möglichst hohe Sohlen, da die Reparaturkosten der für die Teil- 
sohle nötigen Ausrichtungsarbeiten nicht entfernt an die Ausgaben für 
Unterhaltung einer Hauptsohle heranreichen. In manchen Fällen dürfte 
sich der Ersatz einer Hauptsohle durch eine Teilsohle allein aus der Er- 
sparnis an Streckenreparaturkosten bezahlt machen. Es ist aber zu be- 
rücksichtigen, dass nach einem gewissen Zeiträume die jährlichen Re- 
paraturkosten sehr rasch zunehmen, der Abbau einer Sohle also nach einer 
von den örtlichen Umständen abhängigen Reihe von Jahren beendet sein 
sollte. Allein aus diesem Grunde wird man bei kohlenreicher Lagerung 
den Abstand nicht zu gross nehmen, zumal auch Wetterführung und 
namentlich Berge versatz zur Zeit erheblich erhöhte Anforderungen an die 
Lebensdauer der Ausrichtung stellen. Am meisten drängen aber die 
Förderkosten auf Masshalten in der Sohlenhöhe hin. Jede Umförderung 
verteuert die Kosten pro Tonne so sehr, dass die Ersparnis an Anlage- 
und Unterhaltungskosten dagegen bald verschwindet. 



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Tafel V. 



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IV. Sohlenbildung. 29 

Im allgemeinen ist es daher Regel geworden, eine mehr als zwei- 
malige Umförderung auf dem Wege zur Hauptsohle, wenn irgend möglich, 
zu vermeiden und lieber die Sohlenhöhe entsprechend zu verringern. Je 
niedriger nun die Ausrichtungskosten pro Tonne sind, desto eher wird eine 
Ermässigung bei ihnen durch Verbilligung der Förderung aufgehoben. 
Auch hier wieder empfiehlt es sich demnach, den Sohlenabstand um so 
kleiner zu nehmen, je grösser die Kohlenmenge ist. 

Im allgemeinen kann heute ein Sohlenabstand von 80 bis 100 m als 
das liebliche angesehen werden. Bei flacher Lagerung geht man bis auf 50 m 
herunter, bei mittelsteiler und steiler bis zu 150 m hinauf. Dies letztere 
entspricht dann meist zwei Bremsberghöhen mit einer Teilsohle. Die Aus- 
richtung mit blinden Schächten gestattet aber auch in der flachen Partie 
die Sohlenhöhe zu vergrössem, die sich ohne Bedenken aus einer Brems- 
berghöhe und der grössten wirksamen Höhe eines blinden Schachtes zu- 
sammensetzen Hesse. Die kleinste Sohlenhöhe, nämlich 25 — 30 m hat die Zeche 
Zollverein III, (s. Grundriss und Profil auf Tafel V) welche es sich, hauptsäch- 
lich wohl aus Rücksicht auf die Druckhaftigkeit des Gebirges, zum Grund- 
satz gemacht hat, auch in flacher Lagerung mit einer Bremsberghöhe aus- 
zukommen. Damit ist auch die Zahl der Schlepper, die nicht immer zu 
den besten und zuverlässigsten Elementen gehören, auf einen sonst unbe- 
kannten Prozentsatz heruntergebracht. 

3. Verteilung des Betriebes auf mehrere Sohlen. 

Eine weitere Entwicklung ist für die Zukunft vielleicht noch von 
der völligen Verwerfung des althergebrachten Grundgedankens der Sohlen- 
bildung zu erwarten. Bisher gingen den Sohlen wie die Wasser so auch 
die Kohlen durch ihr eigenes Gewicht zu. Mit der Einführung der 
mechanischen Kraft in die Grube in Gestalt von Druckluft und Electrizität 
ist die Notwendigkeit zum Abwärtsfördem der Kohlen beseitigt und dem 
sonst nur im Notfall angewandten Unterwerksbau, d. h. dem Abbau von unten 
auf eine höhere Sohle, der Weg geöffnet. Dazu kommt, dass überall, wo 
Bergeversatz eingeführt worden ist, etwa hochgehenden Kohlen so viel 
abwärtsgehende Berge begegnen, da.ss die Gewichte sich fast völlig aus- 
gleichen, bei entsprechender Einrichtung des Betriebes also nur ein sehr 
geringer Kraftbedarf zum Hochfördern der Kohlen erforderlich ist. Beide 
Umstände haben in letzter Zeit dem Unterwerksbau immer mehr Eingang 
verschafft, der unter solchen Umständen häufig die Kohle billiger liefert 
als sie zu stehen käme, w-enn sie dicht unter der oberen Strecke weg 
erst auf umständlichen Wegen zur tieferen Sohle heruntergelassen würde. 
Auch baut man zuweilen mit Unterwerksbau, um die Förderung, solange 
bis der Schwerpunkt auf die untere Sohle verlegt werden kann, der Schacht- 



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J 



30 Ausrichtung. 

förderung wegen auf einer Sohle zu vereinigen, oder auch, und dies ist ein 
ziemlich häufiger Fall, um die Kohlen mit einer nur auf der oberen Sohle 
vorhandenen Seilförderung billig an den Schacht zu bringen. 

Planmässiger Unterwerksbau würde manche Bedenken gegen die Er- 
höhung der Sohlenabstände zurücktreten lassen oder aber bei gleichbleiben- 
den Sohlenabständen die Ausrichtung erheblich vereinfachen, da Teilsohlen 
und Querschläge gespart würden. Da gleichzeitig nach oben und unten 
gebaut werden könnte, würde auch die Leistungsfähigkeit einer Sohle er- 
höht und die Lebensdauer in gleichem Verhältnis gekürzt werden. Trotz 
mancher Schwierigkeiten erscheint daher der in der Praxis mehrfach er- 
wogene Gedanke, die Sohle in die Mitte statt an das untere Ende der von 
ihr aus abzubauenden Flötzhöhe zu legen, in vieler Hinsicht der Be- 
achtung wert. 

Je niedriger endlich die Sohlenabstände gewählt werden, desto eher 
entsteht die Notwendigkeit, zwei oder mehrere Sohlen in Betrieb zu haben, 
um die verlangte Förderung zu leisten. Zollverein III hat z. B. deshalb 
ständig mit 4 Sohlen zu arbeiten, von denen je zwei zu einer Wetterführung 
vereinigt in Abbau und weitere zwei in Vorrichtung stehen. Die möglichste 
Beschränkung der Sohlenzahl ist aber aus verschiedenen Gründen geboten. 
Die Kosten der Unterhaltung und der Aufsicht werden um so geringer, 
auf je weniger Sohlen es gelingt, die Förderung zusammenzudrängen. 

Kann die Anlage einer tieferen Sohle um Jahre hinausgeschoben 
w^erden, so bedeutet das auch einen schätzenswerten Zinsgewinn. Vor 
allem aber wird die Wetterführung vereinfacht, die in Schlagwettergruben 
den gleichzeitigen Betrieb mehrerer Sohlen durch die kostspieligen Ein- 
richtungen zur besonderen Abführung des Wetterstromes von jeder Sohle 
ins Ungemessene verteuern kann, aber auch in weniger gefährlichen Ver- 
hältnissen stets besondere Aufwendungen erheischt. Oft auch reicht die 
Anzahl der Schachtförderungen nur für eine beschränkte Anzahl von 
Sohlen aus, da die Bedienung mehrerer Sohlen mit einer Fördermaschine 
ebenso lästig wie unvorteilhaft ist. Hier liegt allerdings eine auch in 
grö.sserem Umfang benutzte Abhülfe nahe, nämlich die Vereinigung zweier 
Sohlen für die Schachtförderung mittels eines nahe am Hauptschacht an- 
gesetzten blinden Schachtes, durch welchen die Förderung der einen auf 
die andere herabgelassen oder auch hochgezogen wird. Auch dieses Hülfs- 
mittel bringt aber immer eine Verteuerung mit sich. 

In sehr vielen Fällen ist die Zersplitterung des Betriebs über mehrere 
Sohlen nur eine Folge älterer oder neuerer Fehler. Bei der früheren 
unvollkommenen Ausrichtung war man leicht geneigt, wenn sich auf einer 
Sohle Schwierigkeiten ergaben, rasch zu einer anderen überzugehen. Oft 
auch .suchte man Flötze, die viele und billige Kohlen schütteten, an mög- 
lichst vielen Stellen anzugreifen und lie.ss weniger wertvolle auf der oberen 



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IV. SohlenbUdung. 31 

Sohle einfach sitzen, wie denn die Neigung, Kohle überall da zu gewinnen, 
w^o man sie gerade billig erreichen kann, noch keineswegs ausgestorben ist. 

Nicht selten aber wird es auch notwendig, den Betrieb auf mehrere 
Sohlen aus technischen oder überwiegend geschäftlichen Rücksichten zu 
verteilen. In letzterer Beziehung .spielen die in einer Grube je nach der 
Teufe verschieden gearteten Kohlensorten eine gewisse Rolle. Gruben, die 
z. B. gleichzeitig Fett- und Gas- oder Gas- und Flammkohlen fördern, thuen 
oft gut mit Rücksicht auf ihren Absatz ein bestimmtes Verhältnis in der 
Förderung der einzelnen Kohlensorten möglichst lange beizubehalten. Nur, 
um Betriebszersplitterung zu vermeiden, erst die eine und dann die andere 
Sorte abzubauen, würde unter Umständen eine plötzliche Aenderung der 
Absatzverhältnisse der Zeche zur Folge haben. So haben die hohen Koks- 
preise der letzten Jahre viele Zechen veranlasst, neue Sohlen nur zur Ver- 
stärkung der Fettkohlenförderung auszurichten, obgleich die höheren Sohlen 
noch jede beliebige Fördermenge anderer Sorten auf lange hinaus liefern 
konnten. Ist eine Gesellschaft im Besitz mehrerer Zechen, so wird sie statt 
dessen allerdings besser den Betrieb der einen gegenüber dem der anderen 
verstärken. 

Technisch spitzt sich die Frage nach der Zahl der gleichzeitig zu 
betreibenden Sohlen gewöhnlich darauf zu, ob es sich unter den jeweils 
vorliegenden Verhältnissen mehr empfiehlt, den Betrieb möglichst zusammen- 
zudrängen oder ihn zu verteilen. Gelingt es, den Abbau auf eine kleine 
Anzahl von Betriebsabteilungen zu vereinigen, so kommt man auch mit 
weniger Sohlen aus, als wenn man eine grössere Anzahl Abteilungen in 
Betrieb halten muss. Möglichst verstärkter Betrieb jeder einzelnen Ab- 
teilung gilt aber auch schon an sich als ein sehr erstrebenswertes Ziel, da 
er die beste Ausnützung der Bremsberge, Stapel u. s. w., wie der dabei 
beschäftigten Menschen, gestattet, Schlepper- und Reparaturlöhne auf das 
günstigste beeinflusst und oft allein den vollkommenen Abbau der Flötze 
sichert. 

Immer ist aber dieser Grundsatz doch nicht durchzuführen. In schlag- 
wetterreichen Flötzen würden die Wetterströme mit ihren meist durch den 
Sohlenabstand gegebenen kleinsten Längen zu viele Betriebspimkte zu 
bestreichen haben und sich zu rasch mit Grubengas überladen. Auch ist 
die Zahl der in jedem Teilstrom zu beschäftigenden Arbeiter bei Auftreten 
von Grubengas polizeilich beschränkt. 

Auch dann ist es nicht möglich, den Abbau auf wenige Abteilungen 
zu beschränken, wenn die Druckverhältnisse das rasche Entblössen grösserer 
zusammenhängender Flächen verbieten. Es kommt vor, dass z. B. Brems- 
berge nicht zu halten sind, wenn der Pfeilerrückbau sich ihnen über die 
ganze Bremsberghöhe gleichmässig nähert, wohl aber, wenn die Pfeiler 
allmählich nach einander bis in die Nähe des Bremsbergs abgebaut werden. 



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32 Autrichtung. 

Jede Grube hat in dieser Beziehung ihre Eigenheiten und es kann ebenso 
gut auch das Gegenteil eintreten und rascher Abbau das beste Mittel 
werden, um sich den erst langsam eintretenden Druckwirkungen zu ent- 
ziehen. Meist werden Rücksichten ähnlicher Art in der Wahl des Abbau- 
verfahrens ihren Au.sdruck finden. Ist der Druck so stark, dass die Abbau- 
strecken nicht halten, wird man beispielsweise zu ganz kurzen Abbau- 
strecken tibergehen müssen. Für diese kurzen Strecken lohnt es sich aber 
nicht, andere als die einfachsten Bremsvorrichtungen zu beschaffen, die 
gewöhnlich nicht imstande sind, von mehr als einer Abbaustrecke zu 
fördern. Zum Ausgleiche bedarf es dann des gleichzeitigen Betriebes 
einer grossen Anzahl von Bremsbergen, die sich meist wieder über eine 
grössere Anzahl von Sohlen verteilen. 

Die hohe Belastung der Selbstkosten durch Schlepperlöhne und 
Druckluftverbrauch, aber auch Reparaturen, drängt dann auch wohl 
noch darauf hin, einen Ausgleich durch verstärkte Förderung zu schaffen 
und hat damit einen noch weiter verzweigten Betrieb zur Folge, wenn sie 
unter Verhältnissen, wie den beschriebenen, dauernd gesichert sein .soll. 

Gar keine Wahl bleibt den Zechen, die nur über wenige Flötze in 
nicht ganz flacher, oder gar in gestörter Lagerung verfügen. Sie haben 
sofort eine Mehrzahl von Sohlen in Betrieb zu nehmen, um durch möglichst 
viele Angriffspunkte in denselben Flötzen eine so hohe Förderung zu 
erreichen, dass die Verzinsung des Anlagekapitals gewährleistet ist. Kohlen- 
reiche Zechen dagegen, die unter günstigen Druckverhältnissen arbeiten, 
können mit Hilfe einer ausreichenden und den Verhältnissen angepassten 
Ausrichtung heute ohne Schwierigkeit das Ziel erreichen, auf einer einzigen 
Sohle soviel Kohle heranzubringen, dass eine Doppelschachtanlage damit 
vollständig in Ansprucji genommen wird. 

V. Schlussbetrachtimg. 

Der Erfolg der heutigen Betrieb.sweise, die gestützt auf eine sorg- 
fältige, betriebs.sichere und selbständige Ausrichtung nach festem Plan vor- 
geht, statt wie der alte Bergbau sich ausschliesslich in der Kohle selb.st zu 
bewegen und diese nach dem Gutdünken des Augenblicks abzubauen, tritt 
besonders in zwei Richtungen in Erscheinung. 

Der grossartigste Fortschritt liegt in der glänzenden Entwickelung, 
welche die Förderleistung der einzelnen Schachtanlagen in den letzten 
30 Jahren genommen hat. Daneben fällt es weniger in die Augen, ist aber 
volkswirtschaftlich von kaum geringerer Bedeutung, dass die vervollkomm- 
nete Ausrichtung auch eine vollkommnere Gewinnung der Kohle im Ge- 
folge gehabt hat. Flötzstücke namentlich an den Feldesgrenzen, auf deren 
Abbau man früher verzichtete, da die Kohlen wegen der schlechten Ver- 



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V. Schlussbetrachtung. 33 

bindunj^ dieser Stücke mit dem Schacht zu teuer j^ewordeu wären, 
werden heute ohne Anstand gewonnen. 

Noch wichtiger in dieser Beziehung ist aber, dass früher jedes ein- 
zelne Flötz für sich aufgeschlossen w'urde und die Kosten dafür zu tragen 
hatte, während jetzt jedes Felderstück im ganzen aufgeschlossen wird. 
Plötze, deren besondere Aufschliessung sich nicht gelohnt hätte, werden 
damit bauwürdig, ihr Abbau, wird sogar erwünscht, um die Kosten der 
Gesamtausrichtung auf möglichst viel Kohle zu verteilen. Dazu kommt 
dann noch der gar nicht unbedeutende Gewinn aus dem Fortfall vieler 
Sicherheitspfeiler an Grund- und Wetterstrecken. 

Endlich hat die heutige Anordnung auch die Betriebskosten ermässigt; 
doch sind hier die Verhältnisse so verwickelt, auch sind soviel entgegen- 
gesetzte Einflüsse, wie Lohnerhöhungen, gestiegene Holz- und Material- 
preise wirksam gewesen, dass ein Urteil über das Mass der Einwirkung fehlt. 

Das Verdienst an diesen grossen Fortschritten gebührt nun nicht aus- 
schliesslich der Technik. Gewiss hat sie den Weg gezeigt und durch die 
Vervollkommnung aller Hülfsmittel geebnet; aber deshalb wären doch sehr 
viele Gruben weder geneigt noch in der Lage gewesen, ihn zu betreten. 
Fasst man alles zusammen, so liegt der Kernpunkt der Entwickelung darin, 
dass man sich entschlossen hat, zu Gunsten eines geregelten Betriebes mit 
massigen laufenden Kosten und besserer Ausgewinnung der Kohle die 
Kosten der ersten Anlage ganz bedeutend zu erhöhen und im Anfang 
länger als früher auf Verzinsung zu verzichten. 

Bei grösseren Feldern handelt es sich um recht bedeutende Summen 
für diese Zwecke, die bei der ersten Bausohle der zugehörigen Wettersohle 
wegen in die Millionen gehen können und sich bei jeder neuen Sohle, 
wenn auch in geringerem Masse, w'iederholen. Bei der ersten Sohle treten 
sie ausserdem geschlossen in Erscheinung und bedingen eine entsprechende 
Erhöhung des Aktienkapitals oder Zubussen. 

Es ist daher ein Glück für den rheinisch-westfälischen Bergbau ge- 
wesen, dass sich immer kapitalkräftige Leute gefunden haben, die im Ver- 
trauen auf die Fortschritte der Technik bereitwilligst diese Opfer brachten. 
Eine grosse Anzahl von Gruben, die den Betrieb schon eingestellt hatten, 
sind dadurch wieder emporgebracht und stehen jetzt, dank der Einsicht 
ihrer heutigen Besitzer, mit an der Spitze der Förderung. Die Summen, 
mit denen dabei gearbeitet wird, würden früher einfach unglaublich 
erschienen sein. So wurde vor einigen Jahren der Uebergang einer nicht 
unbedeutenden, in vollem Betriebe befindlichen nördlichen Zeche in die 
Hände einer geldkräftigen Gesellschaft dadurch gekennzeichnet, dass in den 
beiden auf den Verkauf folgenden Jahren je 8000 m Querschlag aufgefahren 
wurden, die zusammen mit anderen dahin gehörigen Arbeiten allein 
2 Millionen gekostet haben dürften. 

Sammelwerk. II. 3 



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34 Ausrichtung. 

Im geregelten Betriebe treten übrigens später die Anlagekosten für 
tiefere Sohlen nicht mehr so hervor, da eine geschickte Leitung ihre Aus- 
richtung so frühzeitig wie möglich in Angriff nehmen wird, wodurch sich 
die übrigens unter den laufenden Betriebsausgaben verrechneten Kosten 
auf eine Reihe von Jahren verteilen. 

Trotz einigen Zins Verlustes und längerer Unterhaltung ist dies Ver- 
fahren in jeder Hinsicht gerechtfertigt, technisch, da bei unerwarteten 
Ereignissen, sei es auch nur einem unerwartet lebhaften Absatz, eine vor- 
geschrittene Ausrichtung sehr nützlich werden kann und das teure Ueber- 
hasten der Querschlagsbetriebe vermieden wird, wirtschaftlich, weil regel- 
mässige Erträgnisse ein Werk nach allen Seiten hin am besten festigen 
und plötzliche hohe Summen für Ausrichtung anderenfalls leicht in Jahren 
nötig werden könnten, wo man sie weder an der Dividende missen möchte 
noch sonst günstig beschaffen kann. 

Dass der rheinisch-westfälische Bergbau die günstige Geschäftslage 
der letzten Jahre trotz der grossen Kraftentfaltung bei der Förderung nicht 
unbenutzt gelassen hat, um die Ausrichtung der Gruben nach Kräften zu 
betreiben, wird ihn bei einem Umschlag der Konjunktur in eine unver- 
gleichlich viel günstigere Lage versetzen, als die, in welcher er sich beLspiels- 
weise nach der geschäftlichen Hochflut der siebziger Jahre befand. 



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Geschichtliche Entwickelung von 
Vorrichtung und Abbau. 



Von Bergassessor Trainer. 



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L Kapitel: Vorrichtung und Abbau in ihrer 
Beziehung zur Geschichte des niederrheinisch-west- 
fälischen Bergbaues. 

I. Der Zeitabschnitt bis zur einheitlichen Regelung der berg- 
rechtlichen Verhältnisse im Ruhrkohlenbezirk. 

1. Die Zeit vor 1737. 

Nach den geschichtlichen Nachrichten über den niederrheinisch- 
westfälischen Steinkohlenbergbau ist anzunehmen, dass sich die ursprüng- 
liche Art der Steinkohlengewinnung in den Thälem des Ruhr- und Emscher- 
gebietes, die rohe und planlose Kohlengräberei am Ausgehenden der Flötze, 
Jahrhunderte lang im allgemeinen unverändert erhalten hat. Ein einiger- 
massen bergmännischer Betrieb hat sich erst im Laufe des 18. Jahrhunderts, 
des fünften seit den geschichtlich bekannten Anfängen der Steinkohlen- 
gewinnung in unserem Bezirke entwickelt. 

Der erste Cirund hierzu wurde gelegt durch das in genanntem Jahr- 
hundert in der Grafschaft Mark beginnende thatkräftige Eingreifen der 
preussischen Berggesetzgebung und Bergverwaltung. Die dort zuerst ge- 
schaffenen Rechts- und Betriebszustände des Bergbaues sind später vor- 
bildlich geworden für die gesunde Gestaltung der bergbaulichen Verhält- 
nisse in den erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit Preussen vereinigten 
übrigen Landesteilen, welche zusammen mit dem Gebiete der Grafschaft 
Mark den jetzigen niederrheinisch-westfälischen Steinkohlenbezirk bilden. 

Der Entwicklungsgang der hiesigen Grubenbaupraxis seit jenen 
Zeiten und die Verhältnisse, welche auf dieselbe jeweilig von Einfluss 
gewesen sind, sollen nachstehend in etwa beleuchtet werden. 

Ein anschauliches Bild der Zustände, welche noch zu Anfang des 
18. Jahrhunderts bei der Steinkohlengewinnung im hiesigen Bezirke 
herrschten, liefern die aus den 1730 er Jahren stammenden Berichte der von 



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38 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

der preussischcn Ret^ierun^ mit der Untersuchung der Verhältnisse in der 
Grafschaft Mark beauftragten Beamten, insbesondere des damaligen Berg- 
meisters Decker*). 

Hiemach charakterisierte sich der damalige Grulienbetriel) in der 
Cirafschaft Mark in der Hauptsache als ein Raubbau im wahrsten Sinne 
des Wortes. Es wurde von den zumeist im Bergbau unerfahrenen Ein- 
wohnern das Ausgehende des Flötzes bearbeitet, indem man mit kleinen 
Schächten »bis auf die Wasser« niederging, die Kohle »ohne Rücksicht auf 
die Nachw^elt« wegnahm, soweit es ohne viel Mühe und Kosten geschehen 
konnte, demnächst den Bau verliess und an einem anderen Orte in gleicher 
Weise wieder anfing. Die Lösung der Flötze durch bergmännisch ange- 
legte Stollen bildete damals in der Mark noch eine Seltenheit. Höchstens 
wurden an den Thalgehängen dem Flötzstreichen folgend sogenannte 
»Acketruiften« hergestellt, welche lediglich zum Wasserabzuge dienten und 
nicht fahrbar unterhalten wurden, w^ährend die Förderung aus den 
kleinen flachen Schächten mittels Haspels erfolgte. Die Kohlenhöhe, 
welche durch die Acketruiften »abgetrocknet« wurde, war meist sehr gering. 
An eine Verfolgung der Flötze unter die Sohle der Acketruiften durch 
tiefe Stollen oder Kunstschächte unter Anwendung von Pumpen oder 
Wassermaschinen, dachte man zu Deckers gerechter Entrüstung überhaupt 
nicht. »Es weiss aber kein Gewerke oder Kohlenhäuer zu sagen, wie tief 
eine Bank gesetzet oder sich in einer gewissen Teufe abgeschnitten hätte, 
sondern es bleiben alle diese sogenannten Köhlers darbey, dass es nicht 
möglich sei, die Kohlen tieifer als jetzo geschehen aus der Erden zu 
fordern; Wissen auch nicht, wie ein rechter Stollen angelegt und durch 

Quergestein getrieben pp «. Störungen in der Kohlenbank setzten 

dem Bau anscheinend regelmässig ein Ende, man verstand dieselben nicht 
auszurichten oder man scheute die Kosten der Durchfahrung des Ge- 
steins. Auf Bergfesten oder Sicherheitspfeilcr für die Grube selbst wurde 
keinerlei Bedacht genommen. 

2. Der Zeltabschnitt von 1737 bis 1766. 

Es ist bekannt, dass wesentlich die Deckerschen Arbeiten den Anlass 
zur Revision der Bergordnungen von 1542 und 1639 gaben und schliesslich 
zum Erlasse der revidierten Bergordnung vom Jahre 1737 sowie zugleich 
zur Einsetzung des Bergamts in Bochum in demselben Jahre führten. 
Jedoch konnte sich trotz der sorgfältigeren Ueberwachung der rechtlichen 
und betrieblichen Verhältnisse des Berg])aues in der Mark von dieser Zeit 
ab naturgemäss nicht mit einem Schlage ein geregelter Grubenbau daselb.st 

*) Achenbach in Z. f B. H. S. 1869 S. 193 if. 



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1. Kap.: Vorrichtung u. Abbau i. Bezieh, z. Geschichte d. niederrh.-we8tf. Bergb. 39 

erzwingen lassen. Der Kampf, den die neue Bergbehörde begann gegen 
die auf den Gruben vorgefundene »Bergunordnung«, wie sich Decker be- 
zeichnend ausdrückte, konnte nur allmählich einige Fortschritte erzielen. 
Andererseits scheinen aber auch gewisse Bestimmungen der neuen Berg- 
ordnung, welche auf eine bessere wirtschaftliche Ausnutzung der an- 
stehenden Mineralschätze abzielten, der gesunden Entwicklung des Gruben- 
betriebes nicht förderlich gewesen zu sein. Ein wesentlicher Mangel der 
herkömmlichen Betriebsweise lag in der auch von Decker scharf gerügten 
Gewohnheit, dass man nicht tiefer baute als »bis auf die Wasser«, bezw. 
die Kohle nur gewann, soweit sie durch die nur geringe Teufe ein- 
bringenden Acketruiften abgetrocknet werden konnte, die besten und 
meisten Kohlen aber in der Teufe stehen Hess. Hieraus jiahm die Berg- 
behörde Veranlassung, mit Nachdruck auf eine Ausbeutung der tieferen 
Flötzteile zu dringen. In der neuen Bergordnung von 1737 wurde daher 
das Niedergehen unter den Wasserspiegel bezw. unter die Stollensohle, 
das sogenannte »Nasskohlen« den Bergbautreibenden geradezu zur Pflicht 
gemacht. Diese Neuerung konnte, um nicht neue Kollisionen der Berg- 
bautreibenden untereinander herbeizuführen, nur auf dem Wege durch- 
gesetzt werden, dass gleichzeitig das alte Gewohnheitsrecht des Stöllners, 
mit einem tiefer eingebrachten Stollen den oberen Stöllner aus dem Felde 
zu treiben, unter Androhung hoher Strafe im Falle des Dawiderhandelns 
beseitigt wurde. Die betreffende Bestimmung — Kap. 25 § 4 der B. O. 
vom 18. Juli 1737 — besagte im Wortlaut folgendes*): 

„ das Bergamt, insonderheit der BergmeLster und Ge- 
schworene mit allem Fleiss dahin sehen müssen, dass die Kohlen und Erze 
aus der Teufe unter die Stollen, es geschehe vermittelst Maschinen so 
durch Wasser, Thiere, Menschen oder andere Bewegungskräfte wie sie 
anzubringen sein, betrieben, heraus gefördert werden, und durchaus nicht 
gestatten, dass ein Gewerke wie bisher geschehen, mit seine Ackeldruflft 
den andern aus seinem rechtmässigen Felde treiben dürfe, viel weniger 
zuzulassen, dass einer dem anderen seine Schächte, Stollen u. s. w. 
ruinieren, einwerfe oder in Stücke haue. Derjenige nun, so dawider ge- 
handelt zu haben überführet wird, soll als ein Bergwerksschänder um 
100 Gold-Gulden bestrafet und wenn es ein (iewerke ist, noch überdem 
seiner Bergtheile und Kuxe ipso facto verlustig und selbige Uns anheim- 
gefallen sein." 

Das aus dieser Bestimmung hervortretende Be.stre])en, eine möglichst 
vollständige Ausbeutung der anstehenden Kohlenvorräte seitens der Ge- 
werkschaften zu erzielen, hatte nun zwar den thatsächlichen Erfolg, dass 
der Grubenbau in der Grafschaft Mark sich weiterhin auch auf die Ge- 

♦) Nach Achenbach in Z. f. B. H. S. 1869. 



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40 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

winnung der tieferen Flötztcile richtete; jedoch geschah dies in einer 
Weise, die ])ald ebensowenig als wünschenswert und wirtschaftlich richtig 
erscheinen musste wie der frühere Raubbau. Denn die Fassung obiger 
Bestimmung gestattete es, dass sich nunmehr das unter dem Nam.en »Unter- 
werksbau« bekannte Verfahren in bedenklichem Masse und in nicht be- 
absichtigter Form verbreiten, sogar sich mehr und mehr als vorherrschende 
Art des Gruben])etriebes aus])ilden konnte, während die Lösung der Gniben 
durch tiefere Stollen vernachlässigt wurde. 

Es wurde also zur Regel, von den meist in der Höhe über dem Thale 
angesetzten Stollen aus die Flötze auch unter die Stollensohle durch flache 
Gesenke zu verfolgen, so tief und so weit es die Bewältigung der Wasser 
durch Handpumpenbetrieb — das gewöhnlichste den damaligen Gruben- 
besitz- und Betriebsverhältnissen entsprechende Mittel der Wasserge- 
wältigimg — jeweilig zuliess. Ein regelmässiger Grubenbau konnte sich 
bei der Unzulänglichkeit dieses Mittels zur Wasserhebung in den meisten 
Fällen nicht entwickeln, vielmehr musste der Betrieb in den Gesenken 
unter solchen Verhältnissen notwendigerweise fast immer wieder auf die 
Stufe des Raubbaues zurückgedrängt werden. 

Allein diese Betriebsweise war nicht nur an sich unwirtschaftlich, 
sondern sie wirkte ausserdem nachhaltig schädigend auf die fernere 
Gestaltung des Grubenbaues ein, indem die alten Unterw^erksbaue auch 
bei dem späteren Betriebe tieferer Stollensohlen die planmässige Durch- 
führung der Vorrichtung und des Abbaues erheblich beeinträchtigten und 
oft unmöglich machten. Von den hierdurch auf den Gruben häufig 
geschaff'enen Zuständen wird unten noch die Rede sein. 



3. Die Cleve-Märkische Bergordnung von 1766. 

Die schädliche Entwickelung des Grubenbaues nach dieser Richtung 
hin in den ersten 30 Jahren der Wirksamkeit des märkischen Bergamtes 
spricht sich in dem Inhalte der unter dem 29. April 1766 erlassenen aber- 
mals revidierten Cleve-Mä/kischen Bergordnung deutlich aus, indem bei 
der Abfassung derselben Anlass genommen wurde, auch des »Unterwerkens« 
besonders ausführlich zu gedenken und die missbräuchliche Anwendung 
desselben scharf zu rügen sowie unter Strafe zu stellen. Es mögen daher 
die für den Zustand der damaligen Grubenbaupraxis bezeichnenden Stellen 
der Bergordnung hier Platz finden. 

Die letztere hebt in dem die Erbstolln betreff*enden Kap. XIII § 2 
zunächst ausdrücklich wieder hervor, dass dem Erbstolln, der die Erbteufe 
einbringe, Wetter bringe, Wasser benehme und den sonstigen Bedingungen 
entspreche, zwar das Anrecht auf den Neunten bezw. auf die sonstigen 



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1. Kap.: Vorrichtung u. Abbau S. Bezieh, z. Geschichte d. niederrh.-westf. Bergb. 4t 

Vergütungen zustehe, der Erbstöllner solle keineswegs aber die Zechen 
aus dem Tiefsten vertreiben und sich deren Bearbeitung unter dem Stollen 
selbst anmassen, ausser mit ausdrticklicher, vor dem Bergamte beigebrachter 
Genehmigung der auf die betreffenden gelösten Zechen beliehenenGewerken. 
Ebenso wurde im Sinne der alten oben aufgeführten Bestimmung die 
thätliche Beschädigung der Grubenbaue seitens der in Kollision geratenen 
Gewerkschaften unter ähnlicher Strafandrohung wie früher wiederum streng 
verboten (Kap. XXVIII). Besonders bezeichnend für die Geschichte der 
Vorrichtung und des Abbaues sind die Bestimmungen des Kap. XLIII, wo 
den Bergbeamten zur Pflicht gemacht wird, gute Achtung auf den Berg- 
bau zu geben, »dass nützlicher Bau angeleget und gefordert, unnützer aber 
insonderheit der Raub-Bau auf Kohlen in Schächten und Stollen abgeschafft 
werden«. 

Hier wird zimächst die Thatsache hervorgehoben, dass vielfach »nur 
auf den Raub gebauet, die besten Erze und Kohlen aber in der Teuffe zu 
des Landes und der Gewerken eigenem Schaden zurückgelassen und ver- 
stürzet werden«, dass verschiedene Werke infolge schlechter Anordnung 
des Baues schliesslich gänzlich liegen gelassen werden müssten und dergl. 
Daher solle das Bergamt, besonders Bergmeister und Geschworene, mit 
allem Fleisse dahin sehen, dass künftig ordentlich und besser auf Stollen, 
Strecken und Schächten gebauet werde, überflüssige Arbeiter abgeschafft 
werden u. s. w. (§ 1). »Ingleichen (§ 2) sollen sie dahin sehen, dass auf 
allen Gängen und Bänken, so viel möglich ist, das tiefeste gestrecket, und 
eine Strecke unter der anderen getrieben, Pfeiler und Berg-Vesten aber 
wo es nötig, zur Konservation des Bergwerks stehen und zurückzulassen, 
aber nicht verstürzet und auf Raub hinweg genommen, wohl aber überall 
ein guter Bergmännischer Bau eingeführt, der unnütze und Raub-Bau aber 
gänzlich vermieden und abgeschafft werde«. »Dahero auch (§ 3), welche 
Gewerken in ihrer Zeche, es sey dieselbe alt oder neu, das tiefeste nicht 
strecken, oder die nöthige Berg-Veste nicht stehen lassen wollen, denen- 
selben sollen sie auch nicht gestatten, die oberen Oerter allein zu belegen, 
und auf Ruin zu bauen«. 

Von besonderem Interesse im Vergleich mit den entsprechenden 
Bestimmungen der älteren Bergordnung sind namentlich noch die §§ 4 und 5 
desselben Kapitels. Hier heisst es: 

§ 4. »Femer sollen sie mit allem Fleisse dahin sehen, dass die Erze und 
Kohlen aus der Teuffe unter den Stollens herausgefordert werden, es ge- 
schehe vermittelst Maschinen, so durch Wasser, Thiere oder Menschen ge- 
trieben werden, oder durch andere Bewegungskräfte, wie sie anzubringen 
seyn, wobei aber wohl zu merken, dass dieser Paragraphus nur 
auf das tiefeste, unter dem am tiefesten eingebrachten Stollen, 
und wo kein tieferer Stolle mehr einzubringen stehet, spricht; 



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42 Geschichtliche Ent Wickelung von Vorrichtung und Abbau. 

nicht aber, wie l)ey denen Stein-Kohlen-Bergwerken bisher ge- 
schehen, dass Gewerken ihre erste Stollen oder Ackeldruften in 
der Höhe ansetzen, und wo sie mit denenselben in gute Mittel 
komrr>en, diesel])ige auf 30, 40 bis 50 Fuss tief mit Hand-Pumpen- 
Werk auskohlen, hiedurch aber oft die beste Werke verderben, 
sodass dieselbige ruiniret, und weiter in die Tiefe garnichtmehr 
bearbeitet werden können.« 

§ 5 wiederholt nochmals ausdrücklich, dass »dieses vorgedachte 
Schädliche bishero sogenannte Unterwerken gänzlich verbothen ist, solange 
noch ein tieferer Stolle hinter dem Werke zurückstehet oder nur immer 
möglich angebracht werden kann«, und verpflichtet die Bergbeamten zur 
Untersagung derartiger Baue und zur Anzeigeerstattung an das Bergamt. 

Andererseits schreibt § 6 entsprechend den oben wiedergegebenen 
Bestimmungen des Kapitels XXVIII auch den Bergbeamten noch besonders 
vor, darauf zu sehen, dass kein Gewerke mit seinen Stollen oder Ackel- 
druft den andern aus seinem rechtmässigen Felde verjage, sowie nicht zu- 
zulassen, dass gegenseitige thätliche Beschädigungen oder Zerstörungen 
der Grubenbaue seitens der kollidierenden Gewerken stattfänden. 

Die vorstehend wiedergegebenen Teile des Inhaltes der Bergordnung 
von 1 766 lassen erkennen, welche Missstände beim Grubenbau in der Graf- 
schaft Mark damals noch der Beseitigung harrten. 



4. Der Stand des Bergbaues am Ende des 18. Jahrhunderts in der 
Mark und den Nachbargebieten. 

Erst unter der Herrschaft dieser neuen Bergordnung, w^elche eine 
bessere Unterlage für eine gedeihliche Entwicklung des märkischen Berg- 
wesens schuf und zum Segen desselben die ganze technische und wirt- 
schaftliche Leitung des Grubenbetriebes auf die Bergbehörde selbst über- 
trug, wurde der Grubenbau in der Mark allmählich in die richtigen Bahnen 
geleitet. In diesem Zeital)schnitte nach 1766 begann eigentlich erst ein 
regelrechter Bergbau daselbst sich zu entwickeln, dessen erste Grundbe- 
dingung nach Lage der örtlichen Verhältnisse die Lösung der (aruben 
durch tiefe Wasser- und Förderstollen bilden musste. Begünstigt wurde 
das Aufblühen des märkischen Bergbaues in diesem letzten Drittel des 
18. Jahrhunderts bekanntlich u. a. auch durch die auf die Absatz Verhält- 
nisse gerichteten Massnahmen der Regierung, indem besonders die Ver- 
besserungen der Kohlenabfuhrw^ege und die Fertigstellung des schon in 
den 1730 er Jahren geplanten Ruhrschiffahrtsprojektes im Jahre 1780 die 
Anlage von Lösungsstollen wesentlich vermehrten. 



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1. Kap.: Vorrichtung u. Abbau i. Bezieh, z. Geschichte d. niederrh.-weatf. Bergb. 43 

Während hiernach in der Mark gegen Ende des 18. Jahrhunderts im 
allgemeinen schon gesundere Verhältnisse beim Kohlenbergbau eingekehrt 
waren, herrschten nach den geschichtlichen Nachrichten in den erst später 
preussisch gewordenen benachbarten Gebieten (Essen, Werden, Mtilheim 
u. s. w.) auf den dortigen infolge der rechtlichen und politischen Verhält- 
nisse arg vernachlässigten Steinkohlengruben noch zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts grösstenteils ähnliche Zustände wie vor 1766 beim märkischen 
Bergbau. Mangels sachgemässer Lösung der Gruben durch tiefe Stollen, 
zum Teil aber auch infolge Erschöpfung der Plötze oberhalb der Thal- 
sohle bildete auch hier das Unterwerken mit Handpumpenbetrieb die fast 
allein übliche Betriebsart. 

Aehnlich wie vordem in der Mark trat in diesen Gebieten eine Besse- 
rung der Grubenbauverhältnisse erst ein, nachdem mit dem Uebergang 
derselben in preussischen Besitz zu Anfang des 19. Jahrhunderts die recht- 
lichen Grundlagen des ganzen Bergwesens neu geordnet und befestigt 
worden waren. Wie hiernach für die Mark das letzte Drittel des 18. Jahr- 
hunderts als die Zeit des Ueberganges zu geregeltem bergmännischen Be- 
triebe gelten muss, so sind dies bezüglich der übrigen Landesteüe in der 
Hauptsache die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts gewesen. 

Naturgemäss Hessen sich die in der neuen Bergordnung niedergelegten 
Grundsätze für die planmässige Gestaltung des Grubenbaues nicht ohne 
die grössten Schwierigkeiten auf die Praxis übertragen und in derselben 
durchführen. Denn die herkömmliche Betriebsweise war überhaupt nicht 
ohne weiteres gänzlich zu beseitigen und zudem konnte gegenüber dem 
Bestreben der Behörde, dieselbe nach Möglichkeit einzuschränken, erklär- 
licherweise auch der Widerstand der Gewerken nicht fehlen. 

Die amtlichen Grubenbetriebsberichte vom Ende des 18. und vom 
Anfange des 19. Jahrhunderts*) gewähren in dieser Hinsicht interes.sante 
nähere Einblicke in die Zustände des Grubenbaues während jener Ueber- 
gangszeiten. Man ersieht aus denselben, wie der Unterw^erksbau die Quelle 
fortgesetzten Kampfes zwischen Bergbehörde und Bergbautreibenden 
bildete, und findet immer wieder die nachhaltige Schädlichkeit jener 
früheren Betriebsweise bestätigt. Um so mehr bildete das Vorhandensein 
dieser regellos geführten Baue ein Hemmnis für die normale Entfaltung 
der Vorrichtung und des Abbaues auf den neuen tieferen Stollensohlen, 
Als zuverläs.sige Aufzeichnungen über die Lage und Ausdehnung jener 
Baue fast immer fehlten. So traf häufig ein neuangelegter Stollen einen 
grossen Teil der von ihm gelösten Bauhöhe bereits durch frühere Unter- 
werke abgebaut an, oder es stellte sich gar heraus, dass die alten Gesenk- 
baue noch unter die neue Stollensohle hinal)reichten. Erklärlicherweise 



*) Akten des Königlichen Oberbergamts zu Dortmund. 



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44 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

traben solche Fälle immer wieder Aiilass zu dem freilich meistens ver- 
geblichen Versuche, die behördliche Genehmigung zur Eröffnung neuer 
Unterwerksbaue von der Stollensohle aus zu erhalten, um Ersatz für den 
unerwarteten Ausfall an der erhofften Kohlenmenge zu schaffen. Aller- 
dings scheint man auch mitunter nur der Form wegen einen neuen kurzen 
Stollen in geringer Tiefe unter den alten Bauen angelegt zu haben, um 
sodann durch Berufung auf die hierbei aufgewendeten Kosten den Betrieb 
von weiteren Gesenkbauen unter der neuen Stollensohle zu begründen. 
Häufig wurden die alten Unterwerksbaue ausserdem gefahrbringend durch 
die in denselben angesammelten Wassermengen. Die neuen Baue 
mussten daher oft mit regelmässigem Vorbohren betrieben werden. Gleich- 
wohl kamen nicht selten Wasserdurchbrüche vor, die die betreffende 
Gru])e mitunter für lange Zeit ganz oder teilweise zum Ersaufen 
brachten. 

Unter solchen Verhältnissen war eine planmässige Vorrichtung und 
ein geregelter A])bau, wie auf den Gruben mit regelmässigerem Baufelde, 
noch vielfach unmöglich. Man musste sich meistens auf den Betrieb 
streichender Abbaustrecken beschränken, die von den mit Förderhaspeln 
versehenen flachen Schächten bezw. Gesenken oder von besonderen neben 
diesen angelegten Diagonalen oder schwebenden Strecken ausgingen. Die 
Strecken wurden hierbei gewöhnlich, um sich nicht die ganze zu er- 
wartende Wassermenge auf einmal in den Bau zu ziehen, einzeln und in 
der Reihenfolge von oben nach unten nahe untereinander aufgefahren. 

Im übrigen aber kennzeichnet sich der in jenen Zeitraum nach 1766 
entfallende Anfang der allgemeineren Durchführung des Grubenbaues 
nach technisch wirtschaftlichen Grundsätzen durch den Uebergang zu 
sachgemässer Ausrichtung der Gruben vermittels tiefer Lösungsstollen 
und hiermit zusammenhängend durch das allmähliche Eintreten des Ober- 
werksbaues an Stelle des Unterwerkens, femer durch die schärfere Tren- 
nung der Aus- und Vorrichtung vom Abbau seit dieser Zeit und die be- 
ginnende Ausbildung regelmä.ssiger Abbauarten. 



II. Die allgemeinen Verhältnisse, welche im Laufe des 
19. Jahrhunderts Vorrichtung und Abbau beeinflusst haben. 

Nachdem einmal eine gesunde Grundlage für unseren Steinkohlen- 
bergbau geschaffen war, hat sich derselbe im Laufe des 19. Jahrhunderts 
verhältnismässig rasch weiter entwickelt. 

Der ursprüngliche Kleinbetrieb musste mehr und mehr verschwinden 
in dem Masse, in welchem die leicht zu crschliessenden oberen Flötzteile 



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1. Kap.: Vorrichtung u. Abbau i. Bezieh, z. Geschichte d. niederrh.-w'estf. Bergb. 45 

sich erschöpften und die Schwierigkeiten der Lösung und des Betriebes 
der Gruben mit dem notwendig werdenden Eindringen in grössere Tiefen 
wuchsen. 

Schon die Anlage tiefer und der tiefsten oft weit herangeholten 
Stollen, welche, wie bemerkt, im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in 
der Mark begann und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im ganzen 
Bezirke schwunghaft fortgesetzt wurde, musste zur Vereinigung der zer- 
splitterten Kräfte führen. In erhöhtem Grade musste diese Folge ein- 
treten beim Uebergang zum planmässigen Tiefbau, der sich infolge Er- 
schöpfung der Plötze über den Thalsohlen oder wegen der für Stollenbau 
weniger günstigen OberflächenbeschafFenheit bei einzelnen Gruben schon 
im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts als erforderlich erwies und wobei 
die inzwischen erzielten Fortschritte der Technik, namentlich die Ein- 
führung der Dampfmaschine zur Wasserhebung und Förderung dem Berg- 
bau zu Hülfe kommen konnten. 

So kennzeichnet sich die Weiterentwickelung des hiesigen Bergbaues 
während der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts besonders auch durch 
die zahlreichen Vereinigungen der einzelnen kleinen Gruben zu gemein- 
schaftlicher Lösung und gemeinsamem Betriebe, sowie durch die Konsoli- 
dation benachbarter Grubenfelder zu einem einheitlichen Ganzen. 

Auch die gesetzHchen Aenderungen bezüglich der Art und Grösse 
der Bergwerksfelder bei der Verleihung auf Flötzen*) sind bezeichnend 
für den damals beginnenden Uebergang zum Grossbetriebe. 

Immerhin blieb jedoch unser Bergbau bis gegen die Mitte des 
19. Jahrhunderts vorwiegend Stollenbau. Erst die zweite Hälfte des Jahr- 
hunderts brachte im Zusammenhange mit der gewaltigen Entwickelung 
der Schienenwege und dem ständig sich steigernden Kohlenbedarf der 
allenthalben aufblühenden Industrie den Tiefbaubetrieb allgemein zur 
Vorherrschaft und verlegte zugleich den Schwerpunkt unseres Bergbaues 
mehr und mehr in die nördlichen Gegenden des Bezirkes, wo die Be- 
deckung des Steinkohlengebirges durch die mächtigen Kreidemergel- 
schichten ein Bergbauuntemehmen nicht anders als im grossen Massstabe 
zulässt. So wurde schliesslich der niederrheinisch-westfälische Stein- 
kohlenbergbau auf die Stufe der mit allen Hülfsmitteln der wissenschaft- 
lichen Technik arbeitenden und die möglichste Vollkommenheit des 
Betriebes anstrebenden Grossindustrie emporgehoben. 

Es gehört nicht in den Rahmen des vorliegenden geschichtlichen 
Rückblickes diese nur flüchtig angedeutete Entwickelung unseres Berg- 
baues während des 19. Jahrhunderts näher zu verfolgen und die Be- 



*) Gesetz, die Verleihung des Bergeigentums auf Fl()tzen betreffend, vom 
1. Juli 1821. 



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46 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

Ziehungen zu erörtern, in welchen dieselbe zu den in diesem Zeiträume 
eingetretenen Wandlungen auf technischem, vvirtschai'tlichem und recht- 
lichem Gebiete gestanden hat. Naturgemäss konnte jedoch diese Umge- 
staltung unserer ganzen bergbaulichen Verhältnisse im Laufe des 19. Jahr- 
hunderts auch den Kern des praktischen Grubenbetriebes, die Vorrichtung 
und den Abbau, nicht unberührt lassen. Denn die maschinentechnischen 
Fortschritte, die Aenderungen der wirtschaftlichen Verhältnisse beim 
Bergbaubetriebe, zugleich femer die durch das Vordringen derselben in 
grössere Teufen und in die hängenderen Flötzgruppen unter der Mergel- 
bedeckung bedingten Aenderungen des Charakters der Gruben, schliesslich 
auch die mit der Ausbreitung des Bergbaues und der auf ihn sich grün- 
denden Industrie und mit der Bevölkerungszunahme in den betreffenden 
Gegenden zusammenhängenden Wandlungen, der Oberflächenverhältnisse 
sowie die mehr und mehr notwendig w^erdende Rücksichtnahme auf 
letztere, alle diese Umstände wirkten zusammen, um im Laufe der Zeit 
zum Teil gänzlich neue Bedingungen für den Betrieb der Vorrichtung und 
des Abbaues zu schaffen. Ausgehend von dem normalen Stande des 
Grubenbaues, wie sich derselbe nach dem früher Gesagten im letzten 
Drittel des 18. Jahrhunderts auszubilden begann, sollen daher die nach- 
folgenden Ausführungen die besondere Weiterentwickelung der hier inter- 
essierenden Betriebszweige bis zur Gegenwart in den wesentlichsten 
Punkten näher erläutern. 



2. Kapitel: Die Entwickelung der Vorrichtung und 
des Abbaues seit dem Ende des 18. Jahrhunderts. 

I. Entwickelung der Vorrichtung. 

1. Das allgemeine System der Vorrichtung. 

Erst der Uebergang zum regelmässigen Stollenbergbau hatte über- 
haupt, wde oben bemerkt, eine schärfere Trennung der Vorrichtung vom 
Abbau hervorgebracht und die Möglichkeit geschaffen, das Baufeld nach 
wirtschaftlich-technischem Plane einzuteilen und abzubauen. Solange der 
Unterwerksbau das vorherrschende System der Kohlengewinnung bildete, 
war diese Möglichkeit nicht gegeben. An die Stelle desselben trat in der 



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2. Kap.: EntWickelung seit Ende d. 18. Jahrh. 47 

Folge grundsätzlich und dauernd der Oberwerksbau, d. h. das Verfahren, 
bei welchem sich V^orrichtunij und Abbau auf die oberhalb der jeweiligen 
tiefsten Wasserlösungsstrecken, also oberhalb der Stollen- bezw. Tiefbau- 
sohlen anstehenden Lagerstättenteile beschränken. Allerdings ist der 
Unterwerksbau seitdem nicht vollständig verschwunden, hat vielmehr eine 
gewisse Bedeutung auch fernerhin bis zur Gegenwart neben dem Ober- 
werksbau behalten In der Hauptsache blieb derselbe jedoch schliesslich 
auf gewisse unter den obwaltenden Lagerungs- und Flötzverhältnissen beim 
hiesigen Bergbau immer wiederkehrende Einzelfälle beschränkt, in welchen 
seine An\vendung vom wirthschaftlich-bergmännischen Standpunkte aus 
als gerechtfertigt erscheinen muss. 

Wir finden hiernach seit der Zeit des ordentlichen Stollenbaues das 
Bestreben, an die Stelle des unmittelbaren Abbaues der nächst erreich- 
])aren Kohlenmengen ein S3'stem der vorgängigen planmässigen Zerlegung 
des Feldes mit nachfolgendem Abbau der abgeteilten Feldesstücke treten 
zu lassen. Dementsprechend w'urde es zur Regel, die tiefste Strecke 
(Grundstrecke, Stollensohlenstrecke) mit Begleitort in das Feld vorzutreiben 
und letzteres in angemessenen streichenden Abständen durch Tagesschächte 
bezw. Tagesüberhauen oder Diagonalen und Bremsberge in Bauabteilungen 
zu zerlegen. Der Abbau konnte so abteilungsweise der Vorrichtung nach- 
rücken. 

Deutlicher noch und regelmässiger prägte sich dieses System des 
Voraufeilens der Vorrichtung auf den Sohlen um Abteilungslänge in Ver- 
bindung mit abteilungsweise zu Felde gehendem Abbau auf den ununter- 
brochenen Betrieb und gleichmässigere Förderung erheischenden Tiefbau- 
gruben aus und hat sich seitdem in allgemeiner Verbreitung bis zur Gegen- 
wart erhalten. Daneben aber hat sich, nachdem der Grossbetrieb die 
Vorbedingung unseres Bergbaues geworden und letzterer demgemäss in 
die Hand von kapitalkräftigen Gesellschaften oder Grossfirmen über- 
gegangen ist, in den letzten Jahrzehnten das noch vollkommenere System 
des von den Feldesgrenzen nach dem Schachte zu vorsclireitenden Abbaues 
vielfach Eingang verschafft, sodass gegemvärtig beide Systeme in An- 
wendung stehen. 

2. Die Art der Vorrichtungsbaue. 

Der Einfluss der maschinentechnischen Fortschritte des 19. Jahr- 
hunderts machte sich auf dem in Rede stehenden Gebiete hauptsächlich 
insofern geltend, als dieselben gewisse Aenderungen in der Art der Vor- 
richtungsbaue zur Folge gehabt haben. 

Noch im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts waren Bremsberge bei 
der Vorrichtung eine Seltenheit und beschränkten sich überhaupt zufolge 



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48 Geschichtliche Entwiclcelung von Vorrichtung und Abbau. 

des derzeitigen Standes der Fördereinrichtungen (Bremswerke, Gestänge, 
Fördergefässe) im allgemeinen auf Fallwinkel von nicht unter 10° und nicht 
über 35 °.*) 

Die streichenden Strecken gingen, wie oben bereits bemerkt wurde, 
entweder von den tonnlägigen Tagesschächten bezw. Gesenken unmittelbar 
aus, oder man legte für die Oberörter, wahrscheinlich auch erst seit dem 
letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, für Schlepperförderung berechnete 
diagonale bezw. schwebende Strecken an. Die Diagonalen haben lange 
Zeit die Hauptrolle unter den Vorrichtungsbetrieben gespielt. Die An- 
wendung derselben beschränkte sich auch nicht auf flache Lagerung, 
sondern sie standen ebensowohl bei starkem Fallwinkel der Flötze trotz 
ihrer bekannten Nachteile unter solchen Verhältnissen in Gebrauch, 
sofern man hierbei nicht vorzog, wie es anfänglich vielfach geschah, aus 
den einzelnen Oertern unmittelbar in dem tonnlägigen Schachte bezw. 
Gesenke aufwärts zu fördern. Auch zur Aufwärtsförderung bei Gesenkbau 
wurden wohl Diagonalen benutzt. Die Vorrichtung durch Rolllöcher bei 
stärkerem Einfallen scheint von jeher wegen der Nachteile der Rolllochs- 
förderung, besonders der Zerkleinerung der vielfach allein wertvollen 
Stückkohlen und der Schwierigkeit des Förderns von Zwischenörtern, wenig 
beliebt gewesen zu sein und sich auf dünne Flötze von steilem Einfallen 
beschränkt zu haben, wo also zu den allgemeinen Nachteilen der Diagonalen 
noch das kostspielige Nachreissen des Nebengesteins hinzutrat.**) Einen 
wesentlichen Fortschritt für die Vorrichtung im hiesigen Bezirke bedeutete 
es daher, als es Mitte der 1820 er Jahre gelang, Bremsberge auch bei stark 
geneigten Flötzen bis 60 ° Einfallen herzustellen. Die Zechen ver. General 
und Erbstolln, Stock und Scherenberg, Glückauf u. a. gehörten mit zu den 
ersten, welche diese Neuerung versuchten. Indessen legte man noch bis 
um die Mitte des Jahrhunderts bei stärkerem Flötzfallen die Bremsberge 
nicht immer in die Falllinie, sondern auch diagonal als sogenannte 
Bremsdiagonalen***) an. Ferner erweiterte sich auch die untere Grenze der 
Anwendbarkeit der Bremsberge durch die im Laufe der Zeit eri'olgte 
allgemeinere Einführung des vollkommneren Fördergestänges und der Spur- 
kranzräder. Im letzten Drittel des Jahrhunderts wurden die Diagonalen 
gänzlich verdrängt, während die in der Falllinie hergestellten Bremsberge 
allgemein zur Vorherrschaft gelangten und die Rolllöcher daneben in ein- 
zelnen besonderen Fällen in Gebrauch blieben. 



*) Vergl. V. Oeynhausen und v. Dechen: »Ueber die Förderungsmethoden 
auf den Steinkohlengruben im Königlich Preussischen Märkischen Bergamtsbezirk«. 
Karstens Archiv, Band 7 1823, S. 407. 

**) Vergl. Ponson-Hartmann, Handbuch des Stein- und Braunkohlenbergbaues. 
1862. Abschnitt VI, S. 671—74. 

**♦) Ponson-Hartmann a. a. O. S. 674. (Zeche Graf Beust.) 



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I 



2. Kap.: EntWickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 49 

Erwägungen wirtschaftlicher Natur führten schliesslich in den letzten 
Jahrzehnten dazu, in gewissen unten noch zu berührenden Fällen als Er- 
satz der Flötzbremsberge seigere Gesteinsbremsschächte bei der Vor- 
richtung anzuwenden.*) 

3. Die Grösse der Bauabteilungen. 

In Bezug auf die Einteilung des Feldes bei der Vorrichtung hat sich 
femer ein bemerkenswerter Wechsel im Laufe des 19. Jahrhunderts voll- 
zogen. Hierbei machte sich der Einfluss der durch das Eindringen unseres 
Bergbaues in grössere Tiefen und in die hängenderen Flötzgruppen unter 
der Mergelbedeckung bedingten Aenderungen im Gebirgs- und Flötzver- 
halten mehr und mehr geltend. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts be- 
wegte sich unser Bergbau nur in der Mager- und Fettkohlengruppe der 
südlichsten Mulden des Steinkohlengebirges und in geringen, vorzugsweise 
noch durch Stollen zu lösenden Teufen. Hinsichtlich der Gebirgsbe- 
schaffenheit und des Gebirgsdruckes arbeitete man hier unter günstigen 
Bedingungen, insbesondere war auch das Auftreten des quillenden 
Liegenden kaum bekannt.**) Unter solch natürlichen Verhältnissen und 
da der Grundsatz der bestmöglichen Steigerung der Leistung des Ein- 
zelnen beim Grubenbetriebe noch nicht zur Durchbildung gelangt war, 
kennzeichnete sich die Einteilung des Baufeldes allgemein durch die 
grosse streichende Länge der Bauabteilungen. Streichende Längen von 
250 — 300 Lachtem (ca. 500 — 600 m) für einen Bremsberg- bezw. Diagonalen- 
flügel waren daher gamicht ungewöhnlich; nicht selten war die Baulänge 
aber auch noch grösser. 

Die in grösseren Tiefen und in den höheren Flötzgruppen der Gas- 
und Ga.sflammkohlengruppen bauenden Tiefbaugruben mussten dagegen 
schon mit Rücksicht auf den hier eintretenden stärkeren Gebirgsdruck zur 
Kürzung der Bauabteilungen schreiten. Zu derselben Folge musste aber 
auch allgemein der Grossbetrieb an sich führen, selbst dort, wo das Ge- 
birgsverhalten die Beibehaltung von grossen Baulängen gestattet hätte; 
denn einmal erforderte der auf Massenbewältigung begründete Grossbetrieb 
die wirtschaftlichere Ausnutzung aller Kräfte und in dieser Hinsicht 
namentlich auch die Erzielung möglichst günstiger Förderleistungen durch 
angemessene Abgrenzung der Förderlängen bei der Schlepperförderung in 
den Strecken, Leistungen, wie dieselben bei der früheren oft übermässig 

*) Seigere Bremsschächte zur Ausrichtung unterfahrener Mulden wurden 
schon Ende der 1850 er Jahre eingeführt. Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Sa- 
linenwesen 1860 S. 178. 

♦•) Lottner: „Ueber die Grundsätze beim Abbau der SteinkohlenHötze in 
Westfalen pp." in Z. f B. H. S. Band VII, 1859 S. 283. 

Sammetvcrk. II. 4 



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50 Geschichtliche Ent Wickelung von Vorrichtung und Abbau. 

grossen Länge der einzelnen Abbaustrecken nicht erreicht werden konnten, 
dann aber bedingte die Schaffung der für die .gesteigerte Produktion er- 
forderlichen Zahl von Angriffspunkten auch eine Einteilung des Feldes in 
entsprechend abgekürzte, wenngleich zahlreichere Bauabteilungen. Die 
Aus- und Vorrichtung der Flötze in kurzen Abteilungen kam unter den 
angeführten Umständen namentlich seit den 1860 er Jahren immer mehr 
in Aufnahme. 

4. Gemeinschaftliche Vorrichtung von Flötzgruppen. 

Die Vereinigung der schmalen Längenfelder zu gemeinschaftlichem 
Betriebe oder zu einem einheitlichen Ganzen durch Konsolidation, ebenso 
die Einführung der gestreckten Felder mit grosser Vierung und der grossen 
von der Flötzlagerung unabhängigen Geviertfelder (Ges. vom 1. Juli 1821) 
ermöglichte es weiter in ausgedehnterem Masse, als dies bei dem Einzel- 
betriebe der zahlreichen kleinen Gruben mit schmalem Felde geschehen 
konnte, die Aus- und Vorrichtung und den Abbau der Flötze gruppen- 
weise zu betreiben. Die natürlichen Verhältnisse waren der Einführung 
der gemeinschaftlichen Aus- und Vorrichtung mehrerer Flötze von jeher 
sehr günstig, da im hiesigen Steinkohlengebirge häufig eine Gruppe nahe- 
zusammenliegender Flötze auftritt und da ferner gerade in den älteren 
südlichen Revieren des Bezirkes die Schichtenlage vorherrschend .steil ist, 
sodass die Lösungsquerschläge für eine Flötzgruppe eine geringe Länge 
erhalten. Schon Ende des 18. Jahrhunderts finden wir daher in der Mark 
.stellenweise die Au.srichtung einer Flötzgruppe durch eine im liegendsten 
Flötze angelegte streichende Hauptförderstrecke (Stollenstrccke) nebst 
Lösung der hangenden Flötze durch Stollenquerschläge. Die Stollen.strecke 
wurde zwecks dauernder Benutzung zum Wasserabfluss und zur Förderung 
aus der betreffenden Gruppe besonders .sorgfältig in Zimmerung oder 
Mauerung gesetzt und in nicht grösseren Abmessungen aufgefahren, als es 
die vorgedachten Zwecke erforderten, auch durch einen stehenbleibenden 
Streckensicherheitspfeiler geschützt. Die übrigen Grundstrecken wurden 
dagegen unter solchen Verhältnissen als gewöhnliche Abbaustrecken be- 
handelt und in der für letztere charakteristischen grossen Weite betrieben. 
Dieses System der Ausrichtung von Flötzgruppen vermittelst einer gemein- 
schaftlichen .streichenden Hauptförder- und Hauptwetterstrecke in einem 
hierzu besonders geeigneten Flötze und Lösung der übrigen durch Ab- 
teilungsquerschläge, bildete sich seit den 1860 er Jahren zur .ständigen 
Regel aus.*) Im Anschlüsse hieran ging man auch mehr und mehr von 

♦) Z. f. B. H. S. 1862 S. 203, Versuche und Verbesserung^en beim Bergwerks- 
betriebe. 



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2. Kap.: EntWickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 51 

der Einzelvorrichtung und dem Einzelbau der Flötze zur gemeinschaft- 
lichen Vorrichtung ganzer Flötzgruppen über, welche darin besteht, dass 
man eine solche Gruppe in jeder Bauabteilung nur durch einen einzigen 
gemeinschaftlichen Bremsberg in einem der Flötze in Verbindung mit 
einspurigen Querschlägen auf jedem Orte vorrichtet. In der Gegenwart 
hat dieses Verfahren der gemeinschaftlichen Vorrichtung die ausgedehnteste 
Verbreitunggefunden und ist schliesslich noch weiter vervollkommnet worden 
durch die Einführung der schon oben erwähnten seigeren Gesteinsschächte 
als Ersatz der Bremsberge. 

5. Einfluss der Wetterverhältnisse auf die Vorrichtung. 

Schliesslich ist bezüglich der Entwickelung der Vorrichtung noch hin- 
zuweisen auf die im Laufe des 19. Jahrhunderts eingetretenen Aenderungen 
des Charakters der Gruben hinsichtlich ihrer Bewetterungsverhältnisse. 

Das Fehlen eines Deckgebirges über dem südlichen Teile unseres 
Steinkohlengebirges, das hohe Alter der dort auftretenden Flötze, welche 
vorherrschend der liegendsten Flötzgruppe, der Magerkohle, und zum Teil 
der darüberliegenden Fettkohlengruppe angehören, femer die geringe 
Tiefe des älteren Bergbaues in den südlichen Revieren des Bezirkes, diese 
Umstände bewirkten, dass eine Grubengasentwickelung in den hiesigen 
Gruben lange Zeit garnicht oder nur in unbedeutendem Masse bekannt 
war. Nur vereinzelt traten schon zur Zeit des Stollenbergbaues schlagende 
Wetter in gefahrbringenden Mengen auf, z.B. im Jahre 1827 auf der Zeche 
St. Peter im Volmarstein'schen, wo infolgedessen eine Zeitlang mit 
Davy'schen Lampen gearbeitet werden musste, auch Versuche zur Be- 
seitigung der Schlagwetter mittels salzig-saurer Dämpfe und durch Spritzen 
mit Wasser gemacht wurden*). Abgesehen von solchen Einzelfällen hat 
jedoch unser Bergbau bis über die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der 
Schlagwettergefahr kaum zu rechnen gehabt. 

Andererseits entstanden jedoch auf den Stollengruben nicht selten 
Schwierigkeiten bei der Aus- und Vorrichtung und beim Abbau infolge 
des Austretens matter Wetter aus den alten Bauen und mangels aus- 
reichenden Wetterwechsels in den in Betrieb befindlichen Bauen selbst. 
Erklärlich erscheint dies einmal aus der geringen Sorgfalt, welche man 
bei dem Fehlen einer unmittelbaren dauernden Wettergefahr meistens auf 
die W^etterführung zu legen pflegte, wie denn die Bewetterung durch 
Diffusion bei der Aus- und Vorrichtung bis aufs äusserste Mass getrieben 
wurde, sodann auch aus der Abhängigkeit des auf den Stollengruben aus- 
schliesslich benutzten natürlichen Wetterwechsels von der Jahreszeit. 

*) Akten des Kgl. Oberbergamtes zu Dortmund. 



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52 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

Zeitweilige Unterbrechungen des Betriebes oder die Stundung mancher 
Baue auf den Gruben während der für die Bewetterung ungünstigen 
warmen Jahreszeit waren unter solchen Umständen auf den Stollengruben eine 
ständig wiederkehrende Erscheinung. Derartige Betriebsunterbrechungen 
waren allerdings wiederum mit den damaligen wirtschaftlichen Verhältnissen 
für gewöhnlich gut vereinbar, insofern als die warme Jahreszeit ohnehin 
fast regelmässig zur Einschränkung des Betriebes nötigte wegen Mangels 
an Absatz, und da auch die landwirtschaftlichen Arbeiten namentlich zur 
Erntezeit den Gruben einen erheblichen Teil der Arbeitskräfte zu ent- 
ziehen pflegten. 

Dauernde Schlagwettergefahr brachte erst die Eröffnung der Tief- 
baue in den von Mergel überdeckten Grubenfeldern seit dem Ende der 
1850er Jahre.*) Seitdem hat die allgemeine Tiefenzunahme bei unserem 
Bergbau und die Ausbreitung desselben unter der Mergelbedeckung sowie 
in der Fett-, Gas- und Gasflammkohlengruppe bei weitem den meisten 
unserer Gruben den Charakter der Schlagwettergruben aufgeprägt, w^ährend 
nur ein geringer Teil noch den früheren harmlosen Charakter zeigt. Die 
Bewetterungsfrage, welche ehemals eine ganz untergeordnete Rolle bei der 
Vorrichtung und beim Abbau spielte, ist infolgedessen mehr und 
mehr in den Vordergrund getreten und derselben musste sich namentlich 
auch die besondere Aufmerksamkeit der Bergbehörde zuwenden. Die 
Grundsätze, welche von letzterer durch den in den 1860er Jahren be- 
ginnenden Erlass polizeilicher Vorschriften bezüglich der Bewetterung der 
Steinkohlengruben des hiesigen Bezirkes festgelegt wurden, erlangten die 
einschneidendste Bedeutung für den Grubenbetrieb und mussten im be- 
sonderen für die Gestaltung der Vorrichtung und des Altbaues in der 
Praxis an erster Stelle mitbestimmend werden. 



II. Die Entwicklung der Abbauarten. 

1. Abbau ohne Bergeversatz. 
a) Entwickelung und Bedeutung des streichenden Pfeilerbaues. 

Die Entwickelung normaler Abbauarten begann, wie früher bemerkt, 
gleichfalls erst nach 1766. An erster Stelle hervorzuheben ist der in 
diesen Zeitabschnitt entfallende Uebergang vom einfachen Oerterbe trieb, 
welcher bis dahin die ganze Kohlengewinnung ausmachte, zum streichenden 
Pfeilerbau. Letzterer gewann nach und nach die allgemeinste Verbreitung 

*) Lottner, Z. f. B. H. S. Bd. VIT, 1859, S. 283. 



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a. Kap.: Entwickehing seit Ende des 18. Jahrhunderts. 53 

im ganzen Bezirke, da er den Gebirgs- und Flötz Verhältnissen in den 
meisten Fällen am besten entsprach. Allerdings wich die Ausführung 
dieser Bauart anfangs und auch lange Zeit noch mehrfach von der 
späteren Form ab und Hess an Regelmässigkeit und Vollkommenheit viel 
zu wünschen übrig. 

Bezeichnend für die ursprüngliche Ausführung des streichenden 
Pfeilerbaues und erklärlich aus der Vorgeschichte der Grubenbaupraxis 
war namentlich das Verhältnis der Streckenbreite bezw. -Höhe zu der 
Pfeilerstärke, insofern als beide Grössen gewöhnlich zum mindesten ein- 
ander gleich waren oder gar die Strecken noch breiter genommen wurden 
als die Pfeiler, auch ohne dass immer starker Bergefall beim Ortsbetriebe 
die grosse Streckenweite erfordert hätte. Die Strecken hatten daher noch 
nicht den Charakter von Vorrichtungsbetrieben, sondern es waren wirkliche 
Abbaustrecken, auf deren Betrieb durchschnittlich mehr als die Hälfte der 
ganzen Kohlengewinnung beruhte. Das übermässige Breithauen der 
Oerter und die geringe Pfeilerstärke hatte begreiflicherweise nicht nur im 
allgemeinen einen sehr unvollkommenen Abbau der Pfeiler, sondern recht 
oft auch die völlige Preisgabe derselben zur Folge. 

Auch insofern erinnerte der Pfeilerbau zunächst noch oftmals an die 
ursprünglichen Zustände, als die Strecken vielfach einzeln aufgefahren, 
und ebenso die durch dieselben gebildeten Pfeiler nicht gleichzeitig, 
sondern einzeln für sich abgebaut wurden. Dies war zum Teil in dem 
damaligen Kleinbetrieb der Gruben begründet, für welche die gleichzeitige 
Inangriffnahme mehrerer Betriebspunkte oft schon infolge der zeitweilig 
eintretenden Unterbrechung der Arbeiten zur Erntezeit oder wegen 
Absatzmangel nicht immer angängig erschien. 

Endlich herrschten bezüglich der Reihenfolge, in welcher die 
einzelnen Pfeiler gebildet und abgebaut wurden, anfangs keine festen 
Grundsätze. Das bei Unterwerksbauen damals übliche Verfahren, mit dem 
Abbau im Tiefsten zu beginnen, um die Wasser in den abgebauten unteren 
Räumen allmählich aufgehen lassen zu können und nicht dauernd die 
ganze Wassermenge aus dem Tiefsten heben zu müssen, ist allem Anschein 
nach auch öfter auf den Pfeilerabbau über der Stollensohle übertragen 
worden, um in kürzerer Zeit an den Abbau zu gelangen. Man begann 
nämlich mit dem Auffahren der unteren Abbaustrecken, sobald die zum 
Ansetzen derselben dienende diagonale oder schwebende Strecke ein ent- 
sprechendes Stück hochgebracht war, und Hess in dem Masse, wie die 
letztere erlängt wurde, die höheren Strecken folgen. Die untersten 
Strecken erreichten also zuerst die Baugrenze, und der betreffende Pfeiler 
konnte alsbald in Angriff genommen werden. Auch bei dem Pfeilerbau 
der märkischen Stollengruben finden wir zu Anfang des 19. Jahrhunderts 
den Abbau der Pfeiler in der Reihenfolge von unten nach oben, abge- 



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54 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

sehen von dem etv^^a vorläufig stehenbleibenden Stollenstreckenpfeiler.*) 
Die Innehaltung dieser Reihenfolge beim Pfeilerabbau hing vermutlich 
auch teilweise mit dem Umstände zusammen, dass man auch auf den 
Stollengruben anfangs zur Förderung meistens noch die flachen bezw. 
gebrochenen Tagesschächte beibehielt und von diesen aus unmittelbar die 
Oerter ansetzte, während der Stollen nur zur Wasser- und Wetterlosung 
diente. Beim Vorschreiten des Streckenbetriebes und Abbaues in dieser 
Weise von unten nach oben brauchte der Schacht nicht dauernd auf seine 
ganze Tiefe zur Förderung unterhalten zu werden, sondern konnte stück- 
weise abgeworfen werden, wobei gleichzeitig die Förderteufe sich nach 
und nach verringerte. 

Mit dem Fortschritte des regelmässigen Stollen- und Tiefbaues im 
Laufe des 19. Jahrhunderts gelangte der streichende Pfeilerbau zu 
grösserer Vollkommenheit hinsichtlich des Streckenbetriebes und der 
Reihenfolge bei der Inangrifl'nahme der Pfeiler, indem es schliesslich zur 
bleibenden Regel wurde, den Abbau beim obersten Pfeiler zu beginnen 
und die unteren nach und nach folgen zu lassen. 

Weit in das 19. Jahrhundert hinein hat sich jedoch vielfach jenes 
Missverhältnis zwischen der flachen Ortshöhe und der Pfeilerstärke 
erhalten. Noch in den 1850 er Jahren bewegte sich die flache Ortshöhe beim 
streichenden Pfeilerbau im allgemeinen zwischen IV2 — 4- Lachtern (3 — 8 m) 
bei einer gleichzeitigen Pfeilerstärke von 2 — 4 Lachtern (4 — 8 m)**). Neben 
wirtschaftlichen Ueberlegungen führten dann namentlich die schwieriger 
gewordenen Gebirgsverhältnisse allmählich zur Ausbildung des Grund- 
satzes, dass die Qerter beim Pfeilerbau in erster Reihe als Vorrichtungs- 
betriebe zu behandeln sind und daher das Mass der Kohlengewinnung 
beim Auff'ahren derselben nur in untergeordnetem Grade für ihre Weite 
entscheidend sein sollte. *) Dieser Grundsatz gelangte schliesslich in den 
letzten Jahrzehnten zur allgemeinen Geltung im hiesigen Bezirke, sodass 
im Gegensatz zu früher beim Pfeilerbau gegenwärtig dem Rückbau 
der Pfeiler bei weitem der Hauptanteil an der Kohlengewinnung im 
Vergleiche zu den von den Abbaustrecken gelieferten Kohlenmengen 
zufällt. 



♦) Villefosse-Hartmann, Mineral-Reichtum 1822. Bd. IL S. 548 und 583. 
**) Lettner in Z. f. B. H. S. Bd. VH, 1859. S. 287. 

***) So wird z. B. über die günstigen Erfolge berichtet, welche man auf der 
Zeche ver. Sälzer Neuack in den 1860 er Jahren mit der Ermässigung der Oerter- 
breite von 1,5 — 2,5 Lachter (ca. 3— 5 m) auf 6Fuss (ca. 2 m) erzielte (rasches Vor- 
rücken der Oerter, Vermeidung des Pfeilerdruckes, grosse Kohlenmenge und 
reicher Stückkohlenfall im Pfeiler). Versuche und Verbesserungen beim Berg- 
werksbetriebe während der Jahre 1863 — 67 in Zeitschrift für Berg-, Hütten- und 
Salinenwesen 1869, S. 59. 



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2. Kap.: EntWickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 55 

Wie allgemein bei der Vorrichtung, so führten auch beim Auffahren 
der Pfeilerabbaustrecken die schwierigeren Wetterverhältnisse dazu, die 
Wetterführung zu vervollkommnen durch Abkürzung der Wetterwege und 
dadurch, dass die Bew^etterung der Oerter durch DiiTussion auf geringere 
Längen beschränkt wurde. Mit der hierdurch bedingten Notwendigkeit der 
Herstellung zahlreicher schwebender Durchhiebe beim Streckenbetriebe 
stehen in Zusammenhang die Bestrebungen, das Auffahren dieser unent- 
behrlichen aber selbst wieder wegen ihrer besonderen Wettergefährlich- 
keit oft schwierig auszuführenden Hülfsbaue zu erleichtem und zu ver- 
billigen. Diesen Bestrebungen entsprang u. a. die Einführung von Hand- 
Bohrmaschinen zum Durchbohren ganzer Pfeiler von unten her, wie solche 
wahrscheinlich zuerst 1852 auf der Zeche Bickefeld angewandt worden 
und seit Anfang der 1860er Jahre immer allgemeiner in Aufnahme ge- 
kommen sind.*) Schliesslich hat das ständige Auftreten von Schlagwettern 
auf vielen Gruben zu der Notwendigkeit geführt, beim Streckenbetriebe 
die Bewetterung der Oerter überhaupt nicht mehr der Diffussion zu über- 
lassen, sondern hierbei den frischen Wetterstrom stets unmittelbar bis vor 
Ort zu bringen. 

Auch in den Einzelheiten der Ausführung des streichenden Pfeiler- 
baues brachte im übrigen die Ausbreitung des Tiefbaues in den höheren 
Flötzgruppen in der zweiten Jahrhunderthälfte mancherlei Aenderungen 
hervor, von denen in einem späteren Abschnitt die Rede sein wird. 

Bis in das letzte Viertel des 19. Jahrhunderts hat der streichende 
Pfeilerbau im hiesigen Bezirke seine unbestrittene Vorherrschaft allen 
anderen Abbauarten gegenüber behauptet. Eine untergeordnete Be- 
deutung hatten bis dahin neben demselben der diagonale bezw. schwebende 
Pfeilerbau, femer von den Abbauarten mit Bergeversatz der Streb- und 
Stossbau. 

b) Diafi^onaler und schwebender Pfeilerbau. 

Diagonale und schwebende Abbauarten konnten in den älteren Revieren 
infolge der vorwiegend stärker geneigten, auch im Einfallen oft wechseln- 
den Flötzlagerung niemals die allgemeine Verbreitung erlangen, wie 
streichender Abbau. Daher blieb auch die Anwendung des diagonalen 
Pfeilerbaues, dessen erste Ausbildung wahrscheinlich wie diejenige des 
streichenden in das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts zurückreicht, 
eine beschränkte.**) Ausgesprochen schwebender Pfeilerbau, welcher 
mit Rücksicht auf die schwierige Förderung in den Strecken früher 

*) Zeitschrift für Berg-, Hütten und Salinenwesen 1860 S.200, 1862 S.210, 1863 
S. 264, 1865B S. 54, 1879 S. 255, 1880 S. 237, 1881 S. 238. 

**) Vergl. Lettner, Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen, Band VII 
1859 S. 293. 



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^ Ge«chichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

eine äusserst flache Flötzlagerung erforderte, dürfte wohl überhaupt 
erst zur Ausführung gekommen sein mit dem Aufschlüsse der nörd- 
lichen Mergelzechen, wo das Vorkommen von sehr flach und regel- 
mässig gelagerten Schichten den ersten Vorbedingungen für diese Bauart 
entsprach. Hier lernte man als Vorzug beider Bauarten besonders den 
Umstand schätzen, dass dieselben zahlreichere Angriftspunkte als der 
streichende Bau bieten und daher einen raschen Abbau ermöglichen, wie 
derselbe bei dem schlechten Gebirge in den hangenden Flötzgruppen oft 
zur Notwendigkeit wurde. 

Aus diesem Grunde gingen z. B. die Gruben Neu-Cöln und Zoll- 
verein 1859 zum diagonalen bezw. schwebenden Pfeilerbau über.*) 

Andererseits verhinderte jedoch wieder die Schlagwettergefahr, 
welche infolge der zahlreichen ansteigenden Betriebe bei diesen Bauarten 
besonders zu berücksichtigen war, eine allgemeinere Verbreitung der 
letzteren bei unserem neuzeitlichen Bergbau. Aus diesem Grunde und 
wegen seiner sonstigen Vorzüge ist somit auch in den nördlichen Revieren 
mit flacher Lagerung der streichende Pfeilerbau an erster Stelle unter 
den Abbauarten ohne Versatz geblieben, hat sich aber wiederum gerade 
hier auch in Formen entwickelt, welche in etwa dem schwebenden Bau 
nahekommen. 

Nur letzterer hat sich überhaupt neben dem streichenden Pfeilerbau 
in geringem Umfange erhalten können, während die diagonale Bauart 
infolge des allgemeinen Abwerfens der diagonalen Förderung aus den 
früher schon angegebenen Gründen schliesslich gänzlich verschwinden 
musste. 



2. Abbau mit Bergeversatz. 

a) Versatzbau mit eififenen Bergen. 

Offenbar hat beim hiesigen Steinkohlenbergbau von jeher die Grund- 
regel bestanden, die bei Betrieben in der Lagerstätte selbst fallenden 
Berge an Ort und Stelle unterzubringen. Namentlich musste dieser Grund- 
satz unumschränkte Geltung haben, solange die Förderung zu Tage noch 
durch Haspelschächte erfolgte. Erst bei vollkommneren Einrichtungen 
zur Tagesförderung, wie dieselben durch Förderstollen und Tiefbauschächte 
geschafl'en wurden, konnte überhaupt ein Zutagefördern von Grubenbergen 
in Aufnahme kommen. Unter diesen Umständen war das an anderer Stelle 
schon berührte Breithauen der Oerter teilweise bedingt . durch den 
Charakter der hiesigen Flötze, in welchen der Aushieb der Streckenquer- 

*) Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1860. S. 178. 



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2« Kap.: EntWickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 57 

schnitte häufig zum Nachreissen des Nebengesteins nötigt oder wegen 
vorhandener Bergemittel einen starken Bergefall mit sich bringt. Während 
daher die Mitnahme eines Bergedammes beim Streckenbetriebe hierselbst 
stets üblich gewesen sein muss, dürfte die Anwendung eines planmässigen 
Versatzbaues nicht weit über den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück- 
reichen. Denn einmal sind unter den an sich bauwürdigen Plötzen des 
Steinkohlengebirges im Ruhrgebiet überhaupt wenige, welche bei der 
Gewinnung einen für Versatzbau hinreichenden Bergefall selbst liefern. 
Ueberdies ist anzunehmen, dass man solche von Natur zum Bergeversatz- 
bau geeignete Plötze, also die sehr dünnen oder durch starke Bergmittel 
verunreinigten Plötze in der Regel erst näher gewürdigt haben wird, 
seitdem man anfing, den Bergbau mehr auf wirtschaftlich-technischer 
Grundlage zu betreiben, und nachdem der Abbau der stärkeren und reineren 
Flötze, auf welche sich die Kohlengewinnung vor dieser Zeit in der Haupt- 
sache gerichtet haben dürfte, sich seinem Ende zuneigte. 

Die erste Versatzbauart, welche sich im hiesigen Bezirke zufolge des 
ot>en angedeuteten natürlichen Plötzverhaltens entwickelte, ist wahrschein- 
lich der streichende Strebbau gewesen. Jedenfalls finden wir einen den 
Cliarakter dieser Bauart tragenden Abbau durch streichende Versatzstösse 
wiit im Versätze nachgeführten und ofi'enbleibenden Pörderstrecken zu 
Anfang des 19. Jahrhunderts mehrfach auf Gruben in der Gegend von 
V'erden und Essen. Man baute dort Plötze von flachem oder mittlerem 
ßinfallen und von geringer Mächtigkeit bis hinab zu .stellenweise 10 — 12 Zoll 
fca. 0,26 — 0,31 m) mit streichenden Strebstössen ab. Letztere wurden hierbei 
^iisc::l::ieinend oft einzeln der Reihe nach beim untersten beginnend betrieben 
und erhielten infolge der geringen Plötzmächtigkeit oft eine grosse Breite 
^^^:^s^Kr. flache Höhe, welche stellenweise 30 — 40 m erreichte. Ebenso war 
^'^ ^streichende Länge, auf welche derartige Strebstösse fortgetrieben 
^^'^^'~<:i«n, den damaligen Gebirgs- und Betriebsverhältnissen entsprechend 
^*^ s^^hr erheblich, wie denn Längen von 300 — 400 m hierbei nicht 
"^S"^ ^wohnlich gewesen sein dürften. So baute z. B. die Zeche Glückauf- 
*^"^^t>ank ihr flach gelagertes 0,42 m mächtiges Hauptflötz mit 18 m breiten 
^tr^'t^^^^gg^j^ g^^^ wobei die Pörderstrecken in der Mitte jedes Strebstosses 
^^^^ geführt wurden. Auf der Zeche Vereinigung stand das 0,31— 0,47 m 
^^^^^^"tige mit 40 ° einfallende Nebenflötz der Schockenbank im Abbau 
^^^'"^^Ix streichende Strebstösse, auf Mecklingsbank ein Plötz von 0,66 m ein- 
s^ *^^isslich 0,26 m Bergmittel, auf Neuglück das bei einer Mächtigkeit 
vorx 0,26—0,63 m noch ein Bergmittel von 0,10 m einschliessende Plötz 

*) Akten des Königl. Oberbergamts Dortmund, betr. Betriebsberichte des 
^ ^^^teigers Schultheiss, bezw. Worch, Rellinghausen 1811. 



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58 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

Neben dem Strebbau, jedoch in sehr beschränktem Masse, war zu 
Anfang des Jahrhunderts auch streichender Stossbau bekannt. Derselbe 
kam vereinzelt zur Anwendung auf stark fallenden Plötzen von grösserer 
Mächtigkeit, welche infolge mächtiger Bergmittel und starken Nachfalles 
eine erhebliche Bergemenge bei der Gewinnung lieferten und wegen eines 
schlechten Hangenden sich zum Pfeilerbau nicht eigneten. Bei dieser 
Bauart wurde, von einem Rollloche, einem tonnlägigen Schachte oder einer 
Diagonalen aus beginnend, über einer zuvor aufgefahrenen streichenden 
Strecke jedesmal ein streichender Stoss, gewöhnlich von nicht viel mehr 
als einfacher Streckenhöhe, abwechselnd zu Pelde und wieder zurück- 
getrieben. Die im Plötze vor den Stössen fallenden Berge dienten zum 
Ausfüllen immer des vorhergehenden Stosses und bildeten so die Sohle 
für die jeweilige Pörderbahn. Als schätzenswerte Vorteile dieses Baues 
galten, hinreichend starken Bergefall vorausgesetzt, der reine Abbau bei 
jeder GebirgsbeschaflFenheit, die bequeme Gewinnung, die Schonung der 
Kohle wegen der geringen Sturzhöhe sowie der massige Holzverbrauch.*) 

Bis über die Mitte des Jahrhunderts hat die Anwendung der ge- 
nannten Versatzbauarten immer eine Seltenheit gebildet. Insbesondere 
scheint der Strebbau lange eine Eigentümlichkeit der Essen-Werdener 
Gegend geblieben zu sein, wo derselbe um die Mitte des Jahrhunderts auf 
den sog. Girondeller Plötzen gebräuchlich war.*) Mit der dann erfolgten 
grossen Ausbreitung des Bergbaues im Bezirke und der dadurch ge- 
gebenen Zunahme der Pälle, in welchen Versatzbau mit eigenen Bergen 
des Plötzes möglich war, hängt es wohl zusammen, dass der Strebbau 
seit dem Ende der 1850 er Jahre auch anderweitig mehrfach an Stelle des 
Pfeilerbaues auf schmalen schwachgeneigten Plötzen in Aufnahme kam.**) 

*) v. Oeynhausen und v. Dechen »Ueber die Förderungsmethoden auf den 
Steinkohlengruben im Königl. Preuss. Mark. Bergamts-Bezirke«. Karstens Archiv 
Bd. VII, 1823, S.414 (Zweite Art des Stossbaues). Der ebenda S.412 als erste eben- 
falls seltene Art des Stossbaues bezeichnete Abbau ist nach der Beschreibung 
keine besondere selbständige Abbauart, welcher das Wesen eines Versatzbaues 
eigen oder bei welcher das Bergeversetzen Mittel zum Zwecke gewesen wäre. E^ 
handelt sich vielmehr dabei einfach um den Rückbau eines 24—30 m hohen Pfeilers 
in massig geneigten, höchstens mit 35—45° einfallenden unreinen Plötzen von 
gutem Hängenden, wobei man zur grösseren Sicherheit der Arbeit in dem hohen 
Pfeiler den Pfeilerstoss firstenbauartig absetzte, die bei dem Rückpfeilem fallenden 
Berge hinter sich in den Pfeilerraum stürzte und durch die den einzelnen Teil- 
stössen nachgeführten Stempelreihen, nötigenfalls mit darüber gelegten Faschinen, 
am Abrutschen verhinderte. 

Lottner, Zeitschrift f. B. H. u. S.-Wesen Band VII, 1859 S. 295/%; Ponson-Hart- 
mann, Steinkohlenbergbau 1862, S. 675 (Zeche Duvenkampsbank bei Werden). 

**) Versuchsweise wurde damals Strebbau eingeführt u. a. auf der Zeche 
Glückaufsegen und mit bestem Erfolge auf der Zeche Carolinenglück. 

Lottner, Ueber die Grundsätze beim Abbau der Steinkohlenflötze in West- 
falen. Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen Band Vü, 1859, Seite 296. 



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2. Kap.: Entwickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 59 

Ebenso bildete sich anscheinend seit den 1850 er Jahren auf schwach- 
geneigten wenig mächtigen Plötzen, deren Bergefall zu einem vollständigen 
Strebbau nicht hinreichte, der vereinigte Streb- und Pfeilerbau in strei- 
chender Form als selbständige Abbauart aus, indem sich aus dem gewöhn- 
lichen Auffahren der Pfeilerabbaustrecken mit breitem Bergedamm ein 
ausgeprägt strebstossartiger Betrieb der Oerter mit Nachführung einer 
Strecke am oberen und unteren Stosse entwickelte. Auch diese Bauart 
war jedoch vereinzelt.*) 

Auch den lediglich mit eigenen Bergen des Flötzes in der oben an- 
gegebenen Form geführten streichenden Stossbau finden wir um 1860 noch 
in fast derselben beschränkten Verbreitung wie zu Anfang des Jahr- 
hunderts**) 

Noch seltener war um diese Zeit der Abbau stark geneigter Flötze 
von ähnlichem Verhalten, wie dasselbe der Anwendung des oben ge- 
dachten Stossbaues zu Grunde lag — starker Bergefall infolge von Berg- 
mitteln oder Nachfall — durch eine Art streichenden Strebbaues mit nach- 
geführten und offenbleibenden Förderstrecken. Hierbei wurden ausgehend 
von einem Rollloche streichende Stösse in firstenbauartiger Folge zu Felde 
getrieben und die ausschliesslich vom Flötz selbst gelieferten Versatzberge 
ruhten auf der starken Verzimmerung der Strecken, ähnlich wie bei einem 
Hrstenkasten.***) 

Ein unter besonderen Verhältnissen im hiesigen Bezirke vorgekom- 
'^eiier vereinzelter Fall, in welchem Bergeversatz aus eigenen Bergen in 
^orm von Steinpfeilern zur Aufrechterhaltung des Hangenden beim 



Versuche und Verbesserungen pp. in Zeitschrift für Berg-, Hütten- und 
^'^irx^nwGsen. 1860. Seite 178. 

Desgl. 1862 Seite 203; 1863 Seite 253. 

p *) Dieselbe wurde z.B. anfangs der 1860 er Jahre mit vorzüglichem Erfolge im 

^^-5=^« No. 3 der Zeche Freie Vogel bei Horde angewandt. 

Lettner, Grundsätze beim Abbau in Westfalen, Zeitschrift für Berg-, Hütten- 
'^^^ Salinenwesen, Band VII, 1859, Seite 293. 
Desgl. Z. f. B. H. S. 1863, Seite 253. 

g . ""**) Lottner in Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinen wesen. Band VII, 1859, 

*^^ 2%. 

^ **==»**) Ein solcher Strebbau auf steiler Lagerung stand z. B. in Anwendung aul 

^^^ -^^eche Hardenberg in einem mit 85 ^ einfallenden, 2,30 m mächtigen Flötze, 

^^-^^es ein Bergemittel von 0,45 m führte. 
S. ^ Lottner, Z. f. B. H. u. S.-W. Bd. VII, 1859, S. 297 und Ponson-Hartmann 

'^ ^^* -A.uch diese Bauart wird a. a. O. als eine zweite Art des Stossbaues be- 

j^^ *^^^»iet, unterscheidet sich jedoch wesentlich und deutlich von der sonst mit 

«^ ^^tn Namen benannten Bauart und ebenso von dem in der Anmerkimg zum 

^^^^"bau erwähnten Abbau. Nach der Beschreibung und Zeichnung a. a. O. ent- 

'JlT/'^^fct vielmehr der in Rede stehende Bau dem Wesen nach vollständig einem 

^^^^V>bau. 



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60 Geschichtliche Ent Wickelung von Vorrichtung und Abbau. 

Pfeilerrückbau angewandt worden ist, ward an anderer Stelle noch be- 
rührt werden. 

b) Erste Versuche mit planmässigem Versatzbau unter Zuhülfenahme 

„fremder" Berste. 

Im ganzen ist es für die Entwickelung des Abbaues im hiesigen Be- 
zirke charakteristisch, dass Abbauarten mit Bergeversatz anfänglich mit 
wenigen Ausnahmen bis in das vorletzte Jahrzehnt hinein nur in solchen 
Fällen zur Anwendung gelangten, in welchen die Lagerstätte selbst die 
erforderlichen Versatzberge liefern konnte. Zwar war das Versetzen der 
anderweitig durch Gesteinsarbeit bei Aus- und Vorrichtungsbetrieben und 
bei Reparaturarbeiten in der Grube fallenden Berge vor jenem Zeitab- 
schnitte nicht gänzlich unbekannt, vielmehr ist das Unterbringen solcher 
»fremden« Grubenberge in Strecken und Abbauen wahrscheinlich so alt, 
wie die Anwendung jener mit Gesteinsarbeit verknüpften Betriebe 
(Stollen, Querschläge, Bremsberge und dergl.) überhaupt. Jedoch handelt 
es sich in solchen Fällen zunächst nicht um einen planmässig mit fremden 
Bergen betriebenen Abbau, sondern nur um ein gelegentliches Unter- 
bringen jener Grubenberge in leicht zu erreichenden Bauen, um die Kosten 
eines weiten Bergetransportes zu vermeiden, auch wohl um den Halden- 
raum über Tage nicht mehr wie nötig zu beanspruchen.*) Von derartigen 
Einzelfällen abgesehen, war es im hiesigen Bezirke bei der Vorliebe, 
welche der Pfeilerbau wegen des vorherrschend massigen Bergefalles in 
den Flötzen selbst genoss, und infolge der Schwierigkeiten, welche die 
Zufuhr von Bergen in die Abbaue mit sich bringt, allgemein zur Gew-ohn- 
heit geworden, die nicht unmittelbar bei der Kohlengewdnnung fallenden 
Grubenberge zu Tage zu fördern. In den riesenhaft angewachsenen 
Bergehalden auf den Gruben unseres Bezirkes tritt die Allgemeinheit 
dieser Gewohnheit noch jetzt äusserlich sichtbar hervor. 

*) Auf der Zeche General im Bochumer Bergamts-Bezirk wurde z. B. im 
Jahre 1806 ein schmaler Sohl enstreckenp feil er abgebaut, um die Berge vom Stollen- 
betriebe unterzubringen. Auf der Zeche Besserglück im nämlichen Bezirke wurden 
damals Querschlagsberge in einem Ortsbetriebe versetzt (Grubenbetriebsberichte 
in den Akten des Königl. Oberbergamts Dortmund). Auf der Zeche Ver. Seller- 
beck wurde Ende der 1860 er Jahre eine Wasserbremse (Bremsberg mit Wasser- 
kasten als Gegengewicht) zum Aufziehen von Bergen benutzt, welche in alten 
Bauen der oberen Tiefbausohle versetzt wurden, weü der Haldenraum über Tage 
zu beschränkt war. (Zeitschr. f. B. H. u. S. 1869, S. 77). Auch gegenwärtig 
noch pflegt man z. B. die bei der Erweiterung eines Ueberhauens zu einem Brems- 
berge fallenden Berge häufig in dem untersten oder zweituntersten PfeÜer in der 
Nähe des Bremsberges zu versetzen und daher ein angemessenes Stück dieser 
Pfeiler ganz unabhängig von dem sonstigen Abbau in der betreffenden Abteilung 
schon vorweg abzubauen. 



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a. Kap.: Entwickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 61 

Vereinzelte Fälle, in welchen ausgesprochener Abbau mit Versatz 
unter Zuhülfenahme fremder Grubenberge zur Anwendung kam, sind aus 
den 1860er Jahren bekannt geworden und zwar handelt es sich hierbei um 
Versuche mit Firstenbau.*) Jedoch scheint derselbe nur in einem Falle 
damals regelmässig durchgeführt worden zu sein, nämlich auf der Grube 
Stolberg I bei Hattingen, wo das in der Magerkohlengruppe dieser Gegend 
auftretende 0,52—0,94 m mächtige und mit 50 ^ einfallende Spatheisen- 
steinflötz mittels desselben gewonnen wurde. Hier wurde der Bau nach 
Art des Firstenbaues auf Erzgängen zweiflügelig von Ueberhauen aus be- 
trieben, welch letztere sodann als Rolllöcher zum Bergestürzen von der 
oberen Sohle her dienten, während zur Eisensteinförderung Rolllöcher 
nach der unteren Sohle im Versätze offengehalten wurden.**) 

c) Aeussere Beeinflussung der Abbauverhältnisse. 

Allen erwähnten Bauarten gegenüber behauptete, wie schon bemerkt, 
der streichende Pfeilerbau seine unbestrittene Vorherrschaft im hiesigen 
Bezirke bis in das vorletzte Jahrzehnt hinein. Erst seit dem Anfang der 
1880er Jahre begann der Abbau mit Berge versatz neben dem Pfeilerbau 
eine grö.ssere Verbreitung zu gewinnen und erlangte sodann in verhältnis- 
mässig kurzer Zeit eine derartige Bedeutung, dass gegenwärtig nur wenige 
Gruben noch gänzlich ohne, zahlreiche dagegen vorherrschend mit Ver- 
satzbau arbeiten und im ganzen ungefähr 40 % der Steinkohlenförderung 
des Ruhrbezirkes durch Bergeversatzbau der verschiedensten Formen ge- 
wonnen werden.***) 

Die Ursachen dieses raschen Umschwunges sind weniger in Aende- 
rungen des natürlichen Flötzverhaltens während der letzten 20 Jahre be- 
gründet, als vielmehr in gewissen anderen zum Teil ausserhalb des Berg- 
baues liegenden Verhältni.ssen, deren Berücksichtigung hier bei der Wahl 
der Abbauart in den beiden letzten Jahrzehnten mehr und mehr in den 
Vordergrund treten musste. 



*) Solcher wurde z. B. neben anderen Bauarten versucht auf steilstehenden 
Kohleneisensteinflötzen, musste jedoch meistens wieder dem streichenden Pfeiler- 
bau weichen. Ebenso kam seine Anwendung auf zwei 0,47 und 0,60 m mächtigen 
Kohlenflötzen der Zeche Neu-Düsseldorf bei Dortmund infolge von Aenderungen 
in den Lagerungsverhältnissen und wegen der Beeinträchtigung des Stückkohlen- 
falles hierbei nicht über den Versuch hinaus. 

Versuche und Verbesserungen in Zeitschrift für Berg:-, Hütten- und Salinen- 
wesen. 1860 S. 179; 1863 S. 253. 

**) Nähere Beschreibung und bildliche Darstellung in Zeitschrift für Berg-, 
Hütten- und Salinenwesen. 1862, S. 204. 

***) Vergl. statistische Zusammenstelhmg im Anhang. 



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62 Geschichtliche Entwickelung von Vorrichtung und Abbau. 

Die Rücksicht auf die Abbauwirkung. 

An erster Stelle ist in dieser Beziehung hervorzuheben die Berück- 
sichtigung der Einwirkung des Abbaus auf die hängenderen Gebirgs- 
schichten bezw. auf die Tages Oberfläche. Diese Rücksicht hatte für 
unseren Bergbau vor den 1860er Jahren überhaupt nur eine untergeordnete 
Bedeutung, da derselbe sich bis dahin im allgemeinen noch in weniger 
stark bebauten Gegenden unter geringwertigen Grundflächen bewegte. 
Wo wirklich die Frage der Abbauwirkung praktische Geltung bei der 
Wahl der Abbauart erhalten musste, führten die diesbezüglichen Er- 
wägungen zunächst fast ausschliesslich zur Anwendung des unvollständigen 
Abbaus. Dieser war gebräuchlich in der Form des Oerterbaues, bei 
welchem nur breite Abbaustrecken zu Felde getrieben, die Pfeiler dagegen 
nicht abgebaut wurden, sowie als schachbrettförmiger Pfeilerbau, wobei 
die vorgerichteten Pfeiler nur teilweise abgebaut wurden, indem ab- 
wechselnd ein Pfeilerabschnitt gewonnen und ein solcher von annähernd 
gleicher Fläche anstehen gelassen wurde. Noch in den 1870er Jahren 
bildete der schachbrettförmige Pfeilerbau das gewöhnliche Mittel, um die 
Einwirkung des Abbaues auf die Tagesoberfläche zu verhüten. 

Die Veranlassung zur Sicherung des hangenden Gebirges gegen das 
Zubruchgehen in dieser Weise war übrigens oft weniger die Rücksicht 
auf die Sicherheit der Tagesoberfläche als auf die Sicherheit der Gruben- 
baue selbst. So wurde solcher Bau z. B. wohl unter Stollensohlen an- 
gewandt, um die Stollenwasser nicht in die Tiefe zu ziehen. Ebenso auf 
Gruben, welche unter den Bauen einer hängenderen Grube abbauten.*) 
Besonders bekannt geworden ist in dieser Beziehung aus den 1850er 
Jahren der Abbau des FlÖtzes Oelzweig (Sonnenschein) der Zeche Gewalt 
bei Steel e, wo die Gefahr des Durchbruches von Wassern aus einem ab- 
gebauten hängenderen Flötze und der Tagewasser des Ruhrthaies den 
Anlass gab, einen Abbau mit Aufrechthaltung des Hangenden einzurichten. 
Nach anfänglicher Anwendung des schachbrettförmigen Pfeilerbaues, der 
wie meistens den beabsichtigten Zweck trotz der Preisgabe von wenigstens 
der Hälfte der vorgerichteten Pfeilerkohle nur sehr unvollkommen erfüllte, 
ging man hier mit gutem Erfolge dazu über, bei vollständigem Abbau der 
Pfeiler die abgebauten Räume durch Einbau von darin angemessen ver- 
teilten, 16 -25 qm grossen Steinpfeilern aus trockener Bergemauerung gegen 
das Zubruchegehen zu sichern. Die nötigen Berge wurden vom Hangenden 
des FlÖtzes selbst gewonnen. Die Anwendbarkeit solcher Steinpfeiler be- 
schränkte sich daselbst jedoch auf flache Lagerung, während man bei 

*) Ein solcher Fall lag z. B. vor auf der Zeche Frischauf bei Witten, deren 
Abbau im Liegenden der Baue der Zeche Franziska umging. 

Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen. Band 11, 1855, A. S. 353. 



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2. Kap.: EntWickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 63 

starker Flötzneigung den unvollständigen Abbau beibehalten musste, den- 
selben jedoch dadurch verbesserte, dass man die Streckenräume zwischen 
den jedesmal in der Falllinie untereinander stehengelassenen Pfeiler- 
stücken gleichfalls mit trockener Bergemauerung dicht ausfüllte und so 
die letzteren am Abrutschen verhinderte.*) 

Dieser Abbau mit Steinpfeilern auf der Zeche Gewalt ist wohl der 
erste Fall gewesen und bis in die neuere Zeit der einzige geblieben, in 
welchem Bergeversatz in der Absicht angewandt wurde, den Einfluss des 
Abbaues auf die überlagernden Gebirgsschichten bezw. die Oberfläche 
zu verhindern. 

Als mit der zunehmenden Ausdehnung des Steinkohlenbergbaues dcus 
Ruhr- und Emschergebiet vornehmlich seit den 1860er Jahren seinen 
früheren landwirtschaftlichen Charakter zum grossen Teile verlor und sich 
zur Industriegegend mit dichtbebauter Oberfläche entwickelte, musste die 
Rücksicht auf die häufiger, umfangreicher und nachhaltiger sich ein- 
stellenden Bergschäden von oft gemeinschädlichem Charakter**) mehr und 
mehr an Bedeutung bei der Wahl der Abbauarten gewinnen. Das Stehen- 
lassen zahlreicher Sicherheitspfeiler zum Schutze von Tagesgegenständen 
und zur Vermeidung von Bodensenkungen oder die Anwendung des unvoll- 
ständigen Abbaues in der angeführten Weise konnte auf die Dauer nicht 
als das geeignete Mittel erscheinen, um den Oberflächenverhältnissen ge- 
recht zu werden; denn einerseits lehrte die Erfahrung, dass diese Mittel 
ihren Zweck meist nur zum Teil, oft aber auch gar nicht erfüllten, 
andererseits bedeuteten auch die hierdurch herbeigeführten Kohlenver- 
luste nicht allein eine empfindliche Einbusse am Vermögen der einzelnen 
Grube, sondern von höherem Standpunkte aus betrachtet auch am National- 
vermögen. Unter diesen Umständen war schliesslich in der Anwendung 
des Bergeversatzes beim Abbau das zweckmässigste Mittel zu erblicken, 
um einmal jene Schäden zu verhindern oder doch zu beschränken und 
dann auch grosse Kohlenverluste zu vermeiden. 

Vorzüge des Versatzbaues. 

Wenn somit die Rücksicht auf die ausserhalb des Grubenbetriebes 
als solchen liegenden Verhältnisse an der Tagesoberfläche den ersten und 
zwingendsten Grund bildete, welcher den Abbau mit Bergeversatz auf den 

*) Nähere Beschreibung und bildliche Darstellung siehe: Huyssen, Pfeiler- 
abbau auf dem Steinkohlenflötze Oelzweig der Grube Gewalt. Zeitschrift für 
Berg-, Hütten- und Salinenwesen, Band 11, 1855, B. S. 178. Ebenda A. S. 353. 

*♦) Vergl. Zeitschrift für Bergrecht 1897, Band 38 S. 191: Vorflutstörungen im 
Emschergebiete. Ferner Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1897, 
Band 45 S. 372. Einwirkung des Steinkohlenbergbaues auf die Erdoberfläche im 
Oberbergamtsbezirk Dortmund. 



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64 Geschichtliche Entwickelung 7on Vorrichtun|r und Abbau. 

hiesigen Gruben in den beiden letzten Jahrzehnten allgemeiner in Auf- 
nahme brachte, so waren es gleichzeitig die im Betriebe selbst zur Geltung 
kommenden erheblichen Vorzüge der Versatzbauarten gegenüber dem 
Pfeilerbau, welche diesen Bauarten so rasch immer weitere Verbreitung 
verschafften und den einzelnen Grubenverwaltungen den Entschluss zur 
Einführung derselben auf ihren Gruben sehr erleichterten. In dieser Be- 
ziehung mag hier nur hervorgehoben werden der Fortfall der Abbauver- 
luste auch unter den ungünstigsten Flötzverhältnissen, die einfache und 
gute Wetterführung, die grössere Sicherheit der Arbeit, die Erweiterung 
der Grenzen der Bauwürdigkeit bei unreinen und dünnen Plötzen u. s. w. 
Diese und die sonstigen Vorzüge des Versatzbaues an sich im Betriebe, 
welche man bald näher würdigen lernte, nachdem einmal der Anfang mit 
dem planmässigen Versetzen aller Grubenberge auf einzelnen Gruben*) 
gemacht worden war, dürften allein für sich genügen, um dem Versatzbau 
im hiesigen Bezirke einen dauernden Platz zu sichern. Hierauf deutet 
wenigstens die Menge der Fälle hin, in w^elchen gegenwärtig solcher Bau 
hauptsächlich wegen seiner rein betrieblichen Vorzüge an sich ange- 
wandt wird. 

Sonstige ausserhalb des natürlichen Flötzverhaltens liegende 
Gründe für den Uebergang zum Abbau mit Bergeversatz. 

Auch noch andere Umstände begünstigten in den beiden letzten 
Jahrzehnten hier und dort die Einführung des Bergeversatzbaues neben 
dem Pfeilerbau. Auf manchen Gruben, auf welchen die oben angeführten 
Gründe allein hierfür nicht ausschlaggebend gewesen sein würden oder 
auf welchen an und für sich überhaupt kein Bedürfnis zum Aufgeben 
des Pfeilerbaues vorgelegen haben würde, wurde z. B. die Platzfrage be- 
züglich der Bergehalden über Tage entscheidend. Vielfach reichte die 
ursprünglich für die Bergehalde vorgesehene Grundfläche nicht mehr aus, 
um weiterhin die Berge stürzen zu können. Der Neuerwerb von ge- 
eigneten Grundstücken für die Erweiterung der Bergehalde wurde für 
manche ringsherum dicht umbaute Zechenanlagen unmöglich oder war 
doch nur mit den grössten Kosten ausführbar. Oft trat auch die Not- 
wendigkeit ein, bereits vorhandene Halden fortschaffen zu müssen, um den 
erforderlichen Platz für Umbauten und Neuanlagen freizulegen. 

Dazu kommen in manchen Fällen noch die Unannehmlichkeiten, 
welche den Zechen durch das Aufschütten der Bergehalden ohnehin er- 



*) Eine der ersten Gruben, welche das planmässige Versetzen aller Gruben- 
berge einführten, war die Zeche Helene und Amalie. Vergl. Backwinkel, Abbau 
mit Verwendung aller beim Grubenbetriebe fallenden Berge auf dem Schachte 
Amalie. Z. f. B. H. S. 1883, Bd. 31 B. S. 133. 



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2. Kap.: Entwickelung seit Ende des 18. Jahrhunderts. 65 

wachsen. Die leicht entstehenden und schwierig zu unterdrückenden 
Haldenbrände werden häufig zu einem Gemeinschaden und veranlassen 
daher das Einschreiten der Behörden und kostspielige Auflagen seitens 
der letzteren behufs Beseitigung des Uebelstandes. 

Die verschiedenen derartigen Vorkommnisse zwangen stellenweise 
geradezu zur Einführung des Bergeversatzbaues oder sie Hessen denselben 
wenigstens als die vorteilhafteste Art erscheinen, um die mit der 
Unterbringung der Grubenberge über Tage verknüpften Schwierigkeiten 
zu lösen. 

d) Das Wesen des Berge versatzbaues in der Neuzeit. 

Hauptsächlich unter dem Einflüsse der angedeuteten äusseren Um- 
stände gewann der Abbau mit Bergeversatz während der beiden letzten 
Jahrzehnte beim hiesigen Steinkohlenbergbau eine solch ausserordentliche 
Bedeutung. Hieraus erklärt es sich, dass seitdem auch das natürliche 
Flötzverhalten in Bezug auf den Bergefall in der Lagerstätte selbst in 
zahlreichen Fällen nur noch einen untergeordneten Faktor bei der Wahl 
der Abbauart bildet. Namentlich hierdurch unterscheidet sich die An- 
wendung des Versatzbaues in der Gegenwart von derjenigen in früheren 
Zeiten, indem derselbe zur Jetztzeit in den meisten Fällen von der Ver- 
wendung fremder, d. h. nicht an der Versatzstelle selbst gewonnener 
Berge abhängt. Dem praktischen Grubenbetriebe hat sich infolgedessen 
ein neuer Zweig, die geordnete Bergewirtschaft eingereiht. Die Be- 
deutung, welche die Bergewirtschaft für den Grubenbetrieb im hiesigen 
Bezirke gegenwärtig erlangt hat, erhellt bei der Erwägung der zahlreichen 
Schwierigkeiten, mit welchen zunächst die regelmässige Beschafl*ung der 
erforderlichen grossen Bergemengen, sodann die Förderung derselben von 
den einzelnen Ursprungsorten bis zu den einzelnen Verbrauchspunkten in 
der Grube, sowie endlich die Einrichtung der eigentlichen Versatzarbeit 
an Ort und Stelle verknüpft ist. Die Kohlenförderung ist heute bei einer 
grossen Zahl unserer Gruben in völlige Abhängigkeit auch von diesen 
Faktoren gebracht worden und die früher wertlosen Berge sind zu einer 
gesuchten Ware geworden. Auf zahlreichen Gruben ist man daher, um 
den Betrieb regelmässig fortführen zu können, schon längst dazu überge- 
gangen, nicht nur ständig sämtliche in der Grube fallenden Berge zu 
versetzen, sondern auch noch einen grossen Teil Berge von Tage zum 
Versetzen in die Grube hineinzufördem. Das Material geben in letzterem 
Falle die Klaub- und Waschberge von der Kohlenaufbereitung, sowie die 
vorhandenen Haldenberge. Die alten Bergehalden haben daher vielfach 
zu verschwinden begonnen. Verschiedene Gruben ergänzen ihren Bedarf 
an Versatzmaterial auch durch Zufuhr von Schutt und Müll aus den um- 
liegenden Städten und Ortschaften (z. B. Shamrock III/IV) oder bei 
Sammelwerk. II. 5 



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66 Geschichtliche Entwickelung ron Vorrichtung und Abbau. 

günstiger Lage durch Verwendung von Hüttenschlacke (z. B. ver. Sälzer 
und Neuack, Deutscher Kaiser). Schätzungsweise belief sich 1898 die 
Menge der im ganzen Bezirke täglich versetzten fremden, d. h. nicht un- 
mittelbar an den Versatzstellen selbst gewonnenen Berge (Grubenberge 
und Tageberge) auf etwa 40 000 Förderwagenladungen von je ca. 0,5 cbm 
Inhalt. *) 

Was die besonderen Arten des neuzeitlichen Berge versatzbau es im 
Ruhrkohlengebiete anlangt, so hat sich derselbe vorwiegend in der Form 
des Stossbaues un^ des Strebbaues, femer auch als Firstenbau und als 
Pfeilerbau mit Versatz entwickelt. Infolge mannigfaltiger Verschieden- 
heiten bei der Ausführung dieser einzelnen Abbauarten gewährt der 
Versatzbau im hiesigen Bezirke gegenwärtig ein sehr abwechslungs- 
reiches Bild. 



*) Vergl. statistische Zusammenstellung im Anhange. 



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Vorrichtung. 



Von Bergassessor Trainer. 



5* 



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1. Kapitel: Arten der Vorrichtungsbaue. 

Begreift man unter »Vorrichtung« alle diejenigen Baue, welche die 
dem Abbau unmittelbar vorausgehende nähere Einteilung der einzelnen 
Lagerstätten in für den Abbau geeignete Abschnitte bezwecken oder 
diesem Zwecke als Hülfsbetriebe dienen, so kommen im niederrheinisch- 
westfälischen Steinkohlenbezirke als Vorrichtungsbetriebe in Betracht: 
Streichende und schwebende bezw. einfallende Strecken aller Art in den 
Plötzen selbst, ferner seigere blinde Schächte und Ortsquerschläge. An 
streichenden Vorrichtungsbauen in den Plötzen sind zu nennen die 
Sohlen- oder Grundstrecken, die Teilsohlen- und Wetterstrecken, sowie 
die sogenannten >Abbau«-Strecken beim streichenden Pfeilerbau. Die 
zahlreichen in der Palllinie liegenden Vorrichtungsbaue werden hier je 
nach Herstellungsart, Zweck und Benutzung oder nach dem besonderen 
Charakter unterschieden als Ueberhauen (Wetterüberhauen oder Wetter- 
durchhiebe, Pahrüberhauen, Bremsbergüberhauen etc.), Abhauen oder ein- 
fallende Strecken, Rolllöcher, Bremsberge, schwebende Abbaustrecken. 
Unter diesen schwebenden Betrieben nehmen die Bremsberge die hervor- 
ragendste Stelle ein als diejenigen Anlagen, von denen die weitere Vor- 
richtung und der Abbau in der Mehrzahl der Fälle ausgeht. Bei den 
heutigen vervollkommneten Pörder- und Bremswerkeinrichtungen sind der 
F3remsbergf()rderung erheblich weitere Grenzen gezogen im Vergleich 
gegen frühere Zeiten, sodass man im hiesigen Bezirke sowohl bei flachem, 
wie auch bei mittlerem und steilem Einfallen regelmässig mit Brems- 
bergen zu arbeiten pflegt. 

Nur in seltenen Fällen geht die Vorrichtung von Rolllöchem anstatt 
von Bremsbergen aus. Viel verbreitet sind dagegen die Kolllöcher als 



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70 Vorrichtung. 

Hülfsbetriebe zum Zwecke der Bergeförderung beim Abbau mit Versatz 
auf stärker geneigten Plötzen. 

Für die Vorrichtung unter der Fördersohle bei Unterwerksbauen 
spielen die Abhauen oder einfallenden Strecken dieselbe Rolle wie sonst 
die Bremsberge. 

Die planmässige Anwendung von Diagonalen zur Vorrichtung, sei es 
als Hauptvorrichtungsstrecken entsprechend den Bremsbergen oder als 
Abbaustrecken, ist jetzt hierselbst verschwunden. Nur gelegentlich macht 
man von diagonalen Strecken noch beschränkten Gebrauch. 

Die oben genannten Vorrichtungsbetriebe im Gestein, seigere blinde 
Schächte und Ortsquerschläge, kommen bei der im hiesigen Bezirke sehr 
beliebten gemeinschaftlichen Vorrichtung stärker geneigter Flötzgruppen 
zur Anwendung. 



2. Kapitel: Verfahren bei der Einteilung und der 
Inangriffnahme des Baufeldes. 

I. Das aUgemeine System der Vorrichtung und die Reihen- 
olge beim Abbau der Bauabteilungen. 

Das allgemeine System der Vorrichtung hierselbst ist zunächst da- 
durch gekennzeichnet, dass man regelmässig die ausgerichteten Baufelder 
nach dem Streichen in Bauabteilungen von angemessener Länge einteilt, 
innerhalb dieser einzelnen Bauabteilungen nötigenfalls durch Teilsohlen- 
bildung eine Unterteilung der flachen Bauhöhe vornimmt und so Abbau- 
felder von geeigneter Grösse abgrenzt. Bei der praktischen Durchführung 
dieser Einteilung des Baufeldes ist man bestrebt, die Vorrichtung der 
Abteilungen genügend weit vorauszuhalten, um mit dem erfolgten Abbau 
einer Abteilung ohne Störung der regelmässigen Förderung den Abbau 
der folgenden Abteilung in Angriff nehmen zu können. Hierbei bildet es 
auch heute noch bei der Mehrzahl der Gruben die Regel, die Vor^ 
richtung und dementsprechend auch den Abbau abteilungsweise vom 
Schachte bezw. von der Mitte des Baufeldes aus nach den Grenzen 
desselben vorrücken zu lassen mit Rücksicht auf die hierbei nach ver- 



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a. Kap.: Verfahren bei der Einteilung und Inangriffnahme des Baufeldee. 71 

hältnismässig kurzer Betriebszeit beginnende Verzinsung des Anlage- 
kapitals. In der Erkenntnis jedoch der Vorzüge des umgekehrten Ver- 
fahrens, bei welchem also die Vorrichtung und der Abbau von den 
äussersten Bauabteilungen des Feldes ihren Ausgang nehmen und nach 
dem Schachte bezw. der Feldesmitte zu fortschreiten, ist eine grosse 
Zahl von Gruben bestrebt, nach diesem Verfahren zu arbeiten. So war 
letzteres Verfahren nach einer aus dem Jahre 1898 stammenden Zählung, 
welche 201 in Vorrichtung und Abbau stehende selbständige Gruben- 
anlagen des Bezirkes umfasste, auf 94 Gruben ( = 47 ^Iq\ durchgeführt 
oder grundsätzlich soweit als möglich in Aussicht genommen. Der 
Verzicht auf einen frühzeitigen Beginn der Verzinsung des Anlagekapitals 
findet bei letzterem Verfahren in zahlreichen Fällen vollständigen Aus- 
gleich durch erhebliche Ersparnisse an Betriebs- und Unterhaltungskosten 
für die Förder- und Wetterwege, welche hier in fast unverritztem Felde 
stehen und abteilungsweise abgeworfen werden können, bei dem anderen 
Verfahren dagegen in abgebauten Flötzteilen auf die ganze Baulänge 
aufrecht erhalten werden müssen. Allerdings besteht in dieser Hinsicht 
ein Unterschied, jenachdem der Abbau ohne oder mit Versatz geführt 
wird und die Ausrichtung flötzweise oder gruppenweise erfolgt. Ist 
letzteres der Fall, hat man also eine gemeinschaftliche Hauptgrundstrecke 
sowie eine gemeinsame Wetterstrecke in einem der Flötze, womöglich in 
einem unbauwürdigen, von welchem aus die bauwürdigen Flötze durch 
Abteilungsquerschläge in angemessenen Abständen gelöst werden, so ver- 
schwindet auch bei dem älteren und bisher noch am häufigsten ange- 
wandten Verfahren der oben angegebene wirtschaftliche Nachteil bis zu 
einem gewissen Grade. Unter solchen Verhältnissen kann nämlich der 
Abbau der Flötze meist unbedenklich in der ersten Abteilung beginnen, 
sofern nur in dem betreffenden die Hauptförder- und Hauptwetterwege 
enthaltenden Flötze selbst der umgekehrte Weg eingeschlagen wird bezw. 
sofern dasselbe, weil unbauwürdig, überhaupt anstehen bleibt und eine 
solche Lage zu den übrigen Flötzen hat, dass die fraglichen Haupt- 
strecken von der Abbauwirkung derselben nicht getroffen werden. Viele 
derartige Fälle finden sich auf den neueren Gruben und den neuen 
Sohlen älterer Gruben des Bezirkes. Denn gerade die gruppenweise 
Ausrichtung unter Verlegung der streichenden Haupti'örder- und Wetter- 
strecken in ein unbauwürdiges Flötz oder ganz ins Gestein ist mehr und 
mehr in Aufnahme gekommen. Dieser Umstand dürfte zur Folge haben, 
dass die Betriebsanordnung mit an den Feldesgrenzen beginnendem 
Abbau nicht so bald zur allgemeinen Regel wird, weil eben dieses Ver- 
fahren unter solchen Verhältnissen keine erheblichen Vorteile gegenüber , 
dem umgekehrten Verfahren gewährt. 



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72 Vorrichtung. 

II. Oberwerksbau und Unterwerksbau. 

Entsprechend dem auf die allgemeine praktische Erfahrung beim 
Grubenbetriebe gestützten Grundsatze, nach welchem die gewonnenen 
Massen innerhalb des Grubengebäudes ausser der horizontalen Förderung 
möglichst nur durch die die Schwerkraft nutzbar machende abwärts- 
gehende Förderung bewegt werden sollen und ebenso die erschrotenen 
Wasser selbstthätig dem Schachtsumpfe zugehen sollen, während die 
hebenden Kräfte sämtlich in den Schachtmaschinen konzentriert werden, 
bildet auch beim hiesigen Steinkohlenbergbau dieses Bausystem mit ab- 
wärtsgehender Förderung und selbstthätigem Wasserabflüsse zum Schachte, 
der Oberwerksbau, die allgemeine Regel. Zum Abbau gelangen also 
regelmässig nur die vom Schachte aus unterfahrenen, d. h. die jeweilig 
oberhalb der Bausohlen anstehenden Flötzteile. 

Die Anwendung des gegenteiligen Verfahrens, des Unterwerks- 
baues unter dem Niveau der vom Schachte her ausgerichteten Sohle, 
beschränkt sich auf den hiesigen Gruben gegenwärtig in der Hauptsache 
auf solche Einzelfälle innerhalb des normalen Betfiebes, in welchen sich 
die Lösung des betreftenden Flötzstückes auf gewöhnlichem W^ege von der 
tieferen Sohle aus nicht lohnt. Derartige Fälle kehren allerdings hierselbst 
immer wieder, da es wegen der wechselvollen Lagerung und der viel- 
fachen Störungen des Steinkohlengebirges und zufolge der durch die 
Markscheiden und Sicherheitspfeiler geschaffenen künstlichen Baugrenzen 
immer wieder vorkommt, dass kleinere Flötzstücke in geringer Tiefe unter 
einer Sohle durch eine Störung oder eine künstliche Baugrenze ab- 
geschnitten werden oder nahe unter der Sohle mulden. Gänzlich zu ent- 
behren ist der Unterwerksbau beim hiesigen Bergbau daher auch bei 
regelmässiger Sohlenbildung nicht. Mitunter liegen die Verhältnisse auch 
so, dass überhaupt die Anlage einer tieferen Sohle in dem Grubenfelde 
oder in einem bestimmten Teile desselben nicht mehr als lohnend erachtet 
wird und aus diesem Grunde die Gewinnung der tiefsten Flötzstücke durch 
Unterwerksbau erfolgt. Fälle dieser Art sind auf einzelnen Gruben anzu- 
treffen, welche durch ihre Berechtsamsverhältnisse (Verleihung eines 
Längenfeldes, strittige Berechtsame) oder durch ihr Flötzniveau (untere 
Magerkohlengruppe) in ihrer Abbauteufe beschränkt sind.*) 

Im übrigen handelt es sich im hiesigen Bezirke beim Abbau unter- 
halb einer Sohle mit aufwärtsgehender Förderung nicht immer um wirk- 
lichen Unterwerksbau. Vielfach werden nämlich auf den Gruben mit 
flacher Lagerung, besonders in den nördlichen Revieren, ausgedehnte 

*) Beispiele liefern die Unterwerksbaue auf den Zechen Roland, Freil>erg:, 
ver. Trappe. 



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2. Kap.: Verfahren bei der Einteilung und InangrifTnahme des Baufeldes. 73 

Flötzflächen anstatt durch Bremsberge von Abhauen aus bezw. mit auf- 
wärts gehender Förderung der gewonnenen Kohlen in der betreffenden 
schwebenden Hauptstrecke zum Verhiebe gebracht, obwohl das Tiefste 
des fraglichen Baufeldes auch von der unteren Sohle aus durch seigere 
blinde Schächte oder durch Bremsberge gelöst ist. Diese Betriebsanordnung 
unterscheidet sich also wesentlich vom eigentlichen Unterwerksbau, welchem 
die Lösung von einer tieferen Sohle mangelt, und sie bezweckt einerseits 
die Abkürzung des Förderweges, welcher bei der gewöhnlichen abwärts- 
gehenden Förderung zufolge grosser flacher Bauhöhe zwischen den Sohlen 
bezw. Teilsohlen sehr lang werden kann; andererseits wird das Verfahren 
mit Rücksicht auf die hierbei meist zur Anwendung kommende Abbauart 
gewählt, welche gewöhnlich in streichendem Stossbau mit Versatz besteht, 
und für welche die Vorrichtung durch Abhauen unter Umständen besser 
geeignet erscheint als diejenige durch Bremsberge (vergl. streichender 
Stossbau). 

Die Anlage und der Betrieb der Unterwerksbaue unterliegt wegen 
der hiermit verbundenen Gefahren der besonderen Ueberwachung seitens 
der Bergbehörde. Dieselbe pflegt solche Baue in der Regel nur unter 
folgenden Bedingungen zu gestatten: 

1. Anordnung der Wetterführung in dem Unterwerksbau derart, dass 
der frische Strom unmittelbar in das Tiefste gelangt, ohne die Betriebs- 
punkte des Baues zu berühren, und dass letztere stets mit aufsteigendem 
Strome bewettert werden; 

2. Aufnahme des Unterwerksbaues durch Präzisionsmessung vor dem 
Beginne des Abbaues; 

3. möglichst dichte und vollständige Ausfüllung der abgebauten Räume 
mit Bergeversatz.*) 



*) Die erste Bestimmung entspricht dem allgemein für Schlagwettergruben 
des hiesigen Bezirks geltenden Grundsatze, nach welchem der Wetterstrom inner- 
halb der einzelnen Bausohlen stets aufwärts geführt werden muss (§19 d. B.-P.-V. 

vom * j -.. jyy. ). Die zweite Bestimmung bezweckt die möglichste Aus- 
schliessung von Zweifeln über die Lage und Ausdehnung des Unterwerksbaues 
und somit die Verhütung von unvermuteten Wasserdurchbrtichen bei der An- 
näherung benachbarter Baue an den verlassenen Unter\verksbau oder bei der 
späteren Lösung desselben. Durch das Versetzen der abgebauten Räume soll die 
Menge der in denselben sich ansammelnden Wasser beschninkt werden. 

Die Bergbehörde entscheidet über die Zulässigkeit des Unterwerksbaues 
bisher von Fall zu Fall bei der Prüfung des Betriebsplanes gemäss § 67 A. B.-G. 
Durch § 20 der am 1. I. 1902 in Kraft tretenden B.-P.-V. vom 12. XIL 1900 sind 
jedoch für den Betrieb von Unterwerksbauen von mehr als 15 m flacher Tiefe 
allgemein la^ültiiare Bedingunpren festjerelegt worden, welche den oben anß^egebenen 
im wesentlichen entsprechen. 



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74 Vorrichtung. 

III. Grösse der selbständigen Abbanflächen (Teilsohlen- 
bildung, Baulängen). 

Die nähere Einteilung der einzelnen Baufelder, also die jedesmalige 
Grösse der Flötzfläche, welche einheitlich vorgerichtet und abgebaut wird, 
ist ausserordentlich verschieden je nach dem Gebirgs- und Flötz verhalten 
und nach der Abbauart. Allgemein lässt sich an dieser Stelle nur be- 
merken, dass man mit Rücksicht auf die Streckenunterhaltungskosten, die 
Förderleistung sowie auch auf die Vermehrung der Angriffspunkte im grossen 
und ganzen vorzieht, die Baulängen abzukürzen, also eine grössere Zahl 
von selbständigen Abbauflächen durch Vermehrung der Anzahl der Brems- 
berge und dergl. und gegebenenfalls durch mehrfache Teilung der flachen 
Bauhöhe mittels Teilsohlenbildung zu schafi'en. Die Notwendigkeit der 
Teilsohlenbildung ergiebt sich fast regelmässig auf den Gruben mit flacher 
Lagerung, wo die flache Bauhöhe trotz der geringeren Sohlenabstände meist 
zu gross ausfällt, um ungeteilt in Abbau genommen werden zu können. 
Die Teil§ohlenbildung erfolgt hierbei flötzweise, d. h. in jedem Flötze für 
sich unabhängig von dem anderen und zwar durch Anwendung seigerer 
blinder Schächte von der Bausohle bis zu dem bestimmten Niveau im 
Flötze. Bei steiler Lagerung werden die Sohlenabstände im allgemeinen 
so bemessen, dass eine Teilung der flachen Bauhöhe nicht erforderlich 
ist. Gegebenenfalls teilt man jedoch hier die flache Bauhöhe für eine 
bestimmte Flötzgruppe durch Teilungsquerschläge, welche entweder von 
einem Bremsberge in einem Flötze der betreifenden Gruppe oder von 
einem seigeren blinden Bremsschacht ausgehen. 

Durch die Einteilung der Flötze in zahlreichere und kleinere selb- 
ständige Abschnitte unterscheidet sich die moderne Vorrichtung von 
der früheren Praxis, bei welcher oft übermässig grosse Baulängen auf 
Kosten der Streckenunterhaltung und der Förderleistung gewählt wurden. 
Die Grenzen für die gegenwärtigen Abmessungen der einzelnen Baufelder 
liegen im allgemeinen für streichende Abbauarten bei 200 — 300 m für die 
Länge eines Bremsbergflügels und bei 100 — 150 m für die flache Bauhöhe 
desselben. Soweit als möglich werden bei der Bildung der Bauabteilungen 
die etwa auftretenden Gebirgsstörungen als natürliche Baugrenzen ange- 
nommen, um ein häufiges Durchörtern derselben zu vermeiden. Bei 
schwebenden Abbauarten geht man mit der schwebenden Längenerstreckung 
der Pfeiler oder Stösse selten über 150 m hinaus, wobei die auf ein- 
mal in Abbau genommene streichende Gesamtbreite einer Bauabteilung 
gewöhnlich ebenfalls nicht mehr als 150 m erreicht. Während die an- 
gegebenen Masse im allgemeinen die äussersten Grenzen für die Ab- 
messungen der Bauabteilungen bezeichnen, welche nach oben selten über- 
schritten werden, schwanken die Masse für Baulänge und Bauhöhe der 



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2. Kap.: Verfahren bei der Einteilung und Inangriffnahme des Baufeldes. 75 

einzelnen Baufelder unterhalb jener Grenzen örtlich naturgemäss zum 
Teil erheblich, da in jedem einzelnen Falle besonders das Gebirgs- 
verhalten und die Abbauart die zulässigen Abmessungen der Bau- 
abteilungen bestimmen mtissen. Diese Verhältnisse sind bei der Besprechung 
der einzelnen Abbauarten zu berühren. 

rv. Reihenfolge bei der Inangriffnahme der durch die Teil- 
sohlen innerhalb einer Bauabteilung gebildeten Abschnitte. 

Bei Teilsohlenbildung in den Plötzen, wie dieselbe bei flacher Lagerung 
in der Regel stattfindet, aber auch bei steiler Lagerung zuweilen erforder- 
lich werden kann, beginnt die Vorrichtung und der Abbau innerhalb jeder 
Bauabteilung gewöhnlich über der obersten Teilsohle. Naph dem Verhiebe 
dieses oberen Abschnittes wird der nächst untere in Angriff genommen 
und so fort. Jedoch spielt hierbei auch das Gebirgs verhalten und die Ab- 
bauart wieder eine Rolle, indem unter Umständen, namentlich bei gewissen 
Abbauarten mit Versatz, die durch die Sohlen und Teilsohlen innerhalb 
einer Bauabteilung im Plötze gebildeten Abschnitte alle gleichzeitig in 
Angriff genommen werden, um eine genügende Anzahl von Betriebspunkten 
in der Abteilung zu erhalten. Letzteres ist sogar der Grund, weshalb 
bei den betreffenden Abbauarten oft eine Teilsohlenbildung vorgenommen 
wird, welche an sich mit Rücksicht auf die Grösse der flachen Bau- 
höhe nicht erforderlich sein würde. 

y. Einzelvorrichtung und gemeinschaftliche Vorrichtung 

der Flötze. 

Je nach den Lagerungsverhältnissen erfolgt im hiesigen Bezirke die 
Vorrichtung der Flötze einzeln derart, dass jedes Plötz seine Hauptvor- 
richtungsbaue (Bremsberge u. s. w. ) für sich erhält, oder es findet eine ge- 
meinschaftliche Vorrichtung mehrerer Plötze statt. Ersteres ist die Regel 
bei flacher Lagerung und überhaupt bei grösserem Horizontalabstande 
der Plötze voneinander, während für Gruppen von nahe zusammen- 
liegenden steilen Plötzen eine gemeinschaftliche Vorrichtung sehr beliebt 
ist. Schon seit längerer Zeit pflegt man unter Verhältnissen der letzteren 
Art auf vielen Gruben neben der bereits oben berührten gemeinsamen 
Ausrichtung der Flötzgruppen durch eine Hauptgrundstrecke mit Ab- 
teilungsquerschlägen auch eine gemeinsame Vorrichtung der Plötze inner- 
halb der einzelnen Bauabteilungen durch jedesmal einen einzigen Brems- 
berg und Querschläge auf den Abbauörtem anzuwenden. Der Bremsberg 
wird in dem hierzu am besten geeigneten Plötze, wenn möglich im 
liegendsten der betreft'enden Gruppe, stellenweise auch in einem nahege- 



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76 Vorrichtung. 

legenen unbauwürdigen Flötze hergestellt. Dieses Verfahren findet seine 
Begründung hauptsächlich in den erfahrungsmässig hohen Betriebs- und 
Unterhaltungskosten der Flötzbremsberge, an welchen man durch die Ver- 
ringerung der Zahl der letzteren zu sparen beabsichtigt. Diese Ersparnis 
ist thatsächlich auch, wie die Erfahrung auf vielen Gruben gezeigt hat, 
im allgemeinen so erheblich, dass dagegen die durch die vielen Quer- 
schläge verursachten höheren Anlagekosten nicht ins Gewicht fallen. Ein 
Beispiel für eine derartige gemeinsame Vorrichtung einer Flötzgruppe 
liefert Tafel VI, Vorrichtung und Abbau (Pfeilerbau) in einer Flötzgruppe 
der Zeche Mont-Cenis darstellend. 

Seit den letzten 10 — 15 Jahren etwa hat man in sehr zahlreichen 
Fällen die Flötzbremsberge bei der gemeinsamen Vorrichtung von Flötz- 
gruppen gänzlich abgeworfen und durch seigere Bremsschächte im Gestein 



yord , lSoTiU Süd 




77 / I l / l\ \\ ^^-^ 

^ ZLSo?il& 

Fig. 2. 

Gemeinschaftliche Vorrichtung von Flötzgruppen durch einen seigeren 

Bremsschacht mit Ortsquerschlägen (Zeche Königsborn). 



ersetzt. Die Flötze werden dabei wiederum durch Querschläge auf den 
einzelnen Oertern gelöst. Diese Art der gemeinschaftlichen Vorrichtung 
findet jetzt fast stets bei druckhaftem und gestörtem Gebirge und 
bei ungleichmässiger Lagerung in der betreifenden Flötzgruppe An- 
wendung. Die seigeren Bremsschächte weisen in solchen Fällen erhebliche 
Vorzüge auf. Nicht nur sind die Betriebs- und Unterhaltungskosten bei 
denselben meist verschwindend gering im Vergleiche mit Bremsbergen, 
sondern sie besitzen auch eine grössere Leistungsfähigkeit bei der 
Förderung, ein Umstand, der bei der gemeinschaftlichen Bedienung 
mehrerer Flötze mit zahlreichen Betrieben sehr ins Gewicht fällt. Selbst- 
redend muss den hohen Anlagekosten der seigeren Bremsschächte in 
solchen Fällen eine entsprechend grosse Kohlenmenge bezw. eine ange- 
messene Betriebsdauer gegenüberstehen. Beispiele für die gemeinschaft- 
liche Vorrichtung von Flötzgruppen durch einen seigeren Gesteinsbrems- 
schacht mit Ortsquerschlägen liefert Fig. 2 (Zeche Königsborn). 



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Die Entwickelung 





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a. Kap.: Verfahren bei der Einteilung und Inangriffnahme des Baufeldea. 77 

Sehr vereinzelt findet man im hiesigen Bezirke die gemeinschaftliche 
Vorrichtung einer Flötzgruppe in der Weise durchgeführt, dass überhaupt 
nur ein einziger Bremsberg bezw. Bremsschacht in der ersten Bauabteilung 
angelegt wird und dass die folgenden Abteilungen ebenfalls von diesem 
aus vorgerichtet werden. Zu dem gemeinschaftlichen Bremsberge bezw. 
Bremsschachte treten alsdann hinzu streichende Vorrichtungsstrecken im 



a. Profil. 



Norden 



Sütim 





b. Orundriss. 
Fi. Süitptrv OH' » 



yi. Gertgrsba/ik 



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Orr^^fisibanA 






17, Eoatr^ank 



Fig. 3, 

Zeche Stock u. Scherenberg. Vorrichtung einer Flötzgruppe durch einen Bremsberg 

für mehrere Bauabteilungen, streichende Gesteinsörter und Ortsquerschläge. 



Gestein oder in einem unbauwürdigen Flötze auf den einzelnen Oertern. 
Dieselben überfahren die weiter zu Felde liegenden Bauabteilungen und 
ermöglichen es, auch in diesen die Ortsquerschläge durch die Flötz- 
gruppe hindurchtreiben, sowie zur weiteren Vorrichtung und zum Abbau 
schreiten zu können. Einen Fall dieser Art stellt Fig. 3a u. b (Zeche 
Stock und Scherenberg) dar. 

Dass die gruppenweise ausgeführte Vorrichtung der Flötze im hiesigen 
Bezirke sehr geschätzt wird, zeigt der Umstand, dass im Jahre 1898 auf 104 



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78 Vorrichtung. 

von 201 Gruben, also auf rund 52 % derselben, eine gemeinschaftliche 
Vorrichtung von Flötzgruppen gebräuchlich war. 

Im allgemeinen wird sich letzteres Verfahren nur ausnahmsweise als 
vorteilhaft erweisen, wenn nämlich die Bauabteilungen mit Rücksicht auf 
das Flötzverhalten eine aussergewöhnlich geringe Länge erhalten müssen. 
Im übrigen ist es klar, dass bei dieser Art der gemeinschaftlichen 
Vorrichtung die Nachteile vorherrschen, da sich für die Schlepperförderung 
in den Strecken schliesslich zu grosse Förderlängen ergeben und die zahl- 
reichen unproduktiven streichenden Strecken sich bei grosser Länge nicht 
billiger in der Anlage und Unterhaltung stellen werden, als die Anlage 
je eines Bremsberges bezw. Bremsschachtes in jeder Bauabteilung. 



3. Kapitel: Die praktische Ausführung der 
Vorrichtung. 

L Der Gang der Vorrichtung. 

Auf den Gang der Vorrichtung haben in erster Reihe die bestehenden 
bergpolizeilichen Vorschriften über die Wetterführung wesentlichen Einfluss. 
Wird von den wenigen Gruben des Bezirkes abgesehen, die noch nicht 
als Schlagwettergruben gelten und für welche daher hinsichtlich der 
Wetterführung weniger strenge Vorschriften bestehen, so ist der Gang 
der Vorrichtung innerhalb eines Flötzes im allgemeinen folgender: Die 
Vorrichtungsarbeiten beginnen mit der Herstellung eines Durchschlages 
in der Nähe des Hauptquerschlages zwischen der Bausohle und der 
als Wettersohle für dieselbe dienenden oberen Sohle, um eine gute 
vorschriftsmässige Bewetterung der ferneren Vorrichtungsbetriebe zu er- 
möglichen. Dieser erste Durchschlag zwischen der Bausohle und der 
oberen Sohle wird durch Hochbringen eines Ueberhauens oder bei 
flacher Lagerung auch eines Bremsberges hergestellt. In letzterem 
Falle wird auch wohl gleichzeitig von der unteren Sohle aufgehauen 
und von der oberen abgehauen, um den Durchschlag zwischen beiden 
Sohlen zu beschleunigen. Auch benutzt man nach Möglichkeit die zur Teil- 
sohlenbildung bei flachen Plötzen angelegten seigeren Bremsschächte zur 
Vereinfachung und Beschleunigung des Durchschlages. Mitunter wird der 
erste Durchschlag zwischen zwei Sohlen auch ausschliesslich durch ein 
Abhauen (einfallende Strecke) von der oberen Sohle aus hergestellt, um 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 



79 



ohne Zeitverlust auf der unteren Sohle die weitere Vorrichtung desFlötzes 
betreiben zu können, sobald daselbst der QuerscWag vom Schachte her 
das betreiFende Flötz erreicht hat*) Das Ueberhauen oder Abhauen wird 
nachträglich zum Bremsberge erweitert und als solcher eingerichtet, sofern 
dasselbe nicht von vornherein in Bremsbergweite angelegt war. 

An die Herstellung des Durchschlages schliesst sich das Auffahren der 
Grundstrecke, sowie gegebenenfalls der Teilsohlenstrecken an, während 
weitere Vorrichtungsarbeiten in der ersten Bauabteilung ausser der Ein- 
richtung des Bremsberges nebst Zubehör vorläufig nicht stattfinden. Es 



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^ Grundstrethe derM SohU 

Fig. 4. 

Auffahren der Grundstrecke mit unmittelbarer Abführung des hierbei benutzten 

Wetterstromes zur oberen Sohle (II. Bauabteilung), Auffahren und Bewetterung der 

Abbaustrecken beim streichenden Pfeilerbau (I. Bauabteilung). 



besteht nämlich die bergpolizeiliche Vorschrift, dass der b^im Grund- 
streckenvortriebe, ebenso beim Teilstreckenvortriebe benutzte Wetterstrom 
für sich gesondert, ohne andere Betriebspunkte zu berühren, zur oberen 
(Wetter ) Sohle abgeführt werden muss wegen der erfahrungsmässig be- 
sonders starken Schlagwetterentwickelung bei diesen das frische Feld zu- 
erst anschneidenden Betrieben.**) Der Regel nach unterbleibt daher die 
weitere Vorrichtung und der Abbau in der ersten Bauabteilung, bis von 
der inzwischen zu Felde getriebenen Grund- bezw. Teilstrecke aus ein 
neuer Durchschlag nach der oberen Wettersohlenstrecke in angemessener, 
der bestimmten Bauabteilungslänge entsprechender Entfernung von dem 
ersten hergestellt worden ist. Nunmehr dient letzterer beim Weiterauf- 



*) Ein für die normale Vorrichtung nicht in Betracht kommender Fall ist der, 
dass die ganze Ausrichtung der tieferen Sohle von einem später auch Vor- 
richtungszwecken dienenden Abhauen ihren Ausgang nimmt. 

**) § 21 der B.-P.-V. vom i~^\i i888 ^^*^* ^^^ Wetter\'ersorgung pp. 



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80 Vorrichtung. 

fahren jener Strecken zur Abführung des hierbei benutzten Wetterstromes ; 
und in der ersten Bauabteilung kann das Auffahren der Abbaustrecken 
oder der Abbau selbst beginnen, da dieselbe jetzt ohne Schwierigkeit un- 
abhängig von dem Grund- oder Teilstreckenbetriebe bewettert werden 
kann (vergl. Figur 4, welche diese gegenseitige Stellung des Grund- 
streckenbetriebes und der übrigen Vorrichtungen bezw. des Abbaues 
unter Annahme der Anwendung des streichenden Pfeilerbaues veranschau- 
licht). 

Soll der Abbau an der Feldesgrenze beginnen, so lässt man beim 
Vortriebe der Grund- und Teilstrecken die Durchschläge in den mittleren 
Abteilungen unter Umständen zunächst zum Teil ausfallen. Oft wird je- 
doch auch in diesem Falle die Herstellung derselben in der gewöhnlichen 
Reihenfolge vorgezogen, um das Dichthalten der vorderen Durchhiebe 
zwischen Grundstrecke und Begleitort entbehrlich zu machen und um die 
zahlreichen Verschlage in diesen Durchhieben durch einige auf den Be- 
gleitorten entsprechend angebrachte Wetterthüren ersetzen zu können. 
Ebenso stellt man beim Auffahren der Grundstrecke mit Sonderbewetterung, 
um die Länge der letzteren abzukürzen, auch in den mittleren Abteilungen 
vielfach die Durchschläge nach der oberen Sohle in der gewöhnlichen 
Reihenfolge her, selbst wenn die Absicht vorliegt, mit dem Abbau erst an 
der Markscheide zu beginnen/ 

II. Der Betrieb der streichenden Vorrichtungsbaue. 

1. Das Auffahren der Grund- und Teilsohlenstrecken. 

Das Auffahren der Grundstrecken und der Teilsohlenstrecken erfolgt, 
wie bereits bemerkt, für sich unabhängig von den sonstigen streichen- 
den Strecken und zwar vorzugsweise mittels Parallelbetriebes, indem der 
frische Wetterstrom in die Grundstrecke einzieht und das meist 10 — 15 m 
höher liegende Begleitort zum Abführen des Stromes dient. Zu diesem 
Zweck wird der zwischen beiden Oertern anstehende Kohlenpfeiler von 
Zeit zu Zeit mit Wetterdurchhieben durchbrochen. Die Abstände, in 
welchen diese Durchhiebe hergestellt werden, sind auf Schlagwettergruben 
bergi)olizeilich gewissen Beschränkungen unterworfen, indem bei diesen 
Strecken sowohl wie bei allen sonstigen im Streichen aufgefahrenen 
Strecken eine Bewetterung der letzten Streckenenden durch Diffusion nur 
auf eine Länge von höchstens 20 m gestattet wird.*) Bei einfachem Parallel- 

12 Okt 1887 
*) § 23 der B.-P.-V. vom 4 luH ^ls^' ^'^^ ^- Januar 1902 ab ist die Be- 
wetterung der Streckenenden lediglich durch Diffusion gänzlich untersagt. B.-P.-V. 
vom 12. Dezember 1900, § 15. 



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3. Kap. : Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 81 

betriebe müssen daher beide Strecken in Abständen von höchstens 20 m 
mit Wetterdurchhieben verbunden werden. Macht sich jedoch beim Be- 
triebe dieser Strecken Schlagwetterentwickelung bemerkbar, somuss stets, 
also auch beim Parallelbetriebe, der Wetterstrom bis unmittelbar vor Ort 
nachgeführt werden. Letzteres geschieht in vielen Fällen auch ohnehin, 
um die Zahl der Durchhiebe zu beschränken, deren Herstellung nicht nur 
Zeitverlust und Kosten verursacht, sondern auch den Grundstreckenpfeiler 
schwächt. Für die Nachführung des Stromes bis vor Ort in einfacher 
Weise liegen die Verhältnisse häufig günstig, insofern als beim Strecken- 
betriebe sehr oft Berge vom Nachreissen des Nebengesteins oder aus Berg- 
mitteln fallen. Diese bleiben, wenn auch bei Grund- und Teilstrecken nicht 
ausnahmslos, so doch für gewöhnlich an Ort und Stelle und werden in dem 
zu diesem Zwecke am unteren Stosse ausgehauenen Damme versetzt. Ein 
einfacher, aber mit dem sonstigen Ausbau der Strecke verbundener Stempel- 
schlag mit Verzug oder Verschalung hält im Damme hinter bezw. unter dem 
Versätze eine Wetterrösche offen, welche jedesmal zur Nachführung des 
Stromes vom letzten Durchhiebe bis vor Ort dient und nach erfolgter Her- 
stellung eines neuen Durchhiebes in angemessener Entfernung stückweise 
wieder abgeworfen werden kann. Reicht der Bergefall zur Herstellung 
eines Dammes nicht aus, so schliesst man meist hölzerne Wetterscheider 
oder solche aus Wettertuch an den letzten Durchhieb an. 

Da die Grund- und Teilsohlenstrecken zunächst als Förderwege für 
den betreffenden Flötzteil, erstere auch später zum Teil als Wetterstrecken 
für die tiefere Sohle aufrecht erhalten werden müssen, so bleibt 
der Kohlenpfeiler zwischen der Grund- und Parallelstrecke vorläufig 
vom Abbau ausgeschlossen und wird nachträglich gewonnen, wenn der 
betreffende Streckenteil auch als Wetterstrecke entbehrlich geworden ist. 
In zahlreichen Fällen jedoch giebt man diesen Pfeiler auch gänzlich ver- 
loren, da die Gewinnung desselben oft erst nach Jahren möglich ist, in- 
zwischen aber derselbe infolge des oberhalb liegenden Abbaues stark zer- 
drückt worden, die Kohle minderwertig und die Strecke als Förderstrecke 
mangelhaft geworden ist, sodass der Abbau dieser Pfeiler gegenüber den 
Schwierigkeiten und Kosten der Gewinnung nicht mehr lohnend erscheint. 

Diesen mit dem Anstehenlassen des Sicherheitspfeilers für die Grund- 
und Teilstrecken verbundenen Nachteilen geht man bisweilen, vorzugs- 
weise bei flachgelagerten dünnen Plötzen, mit Erfolg dadurch aus dem 
Wege, dass dieser Pfeiler von vornherein beim Auffahren der Grundstrecke 
abgebaut und durch einen Bergeversatzpfeiler ersetzt wird. Bei diesem 
Verfahren wird die Grundstrecke mit dem Begleitort zusammen wie ein 
breiter Strebstoss zu Felde getrieben, der erforderliche Versatz fällt beim 
Nachreissen des Nebengesteins in der unteren und oberen Strecke sowie 
aus etwa vorhandenen Bergmitteln und wird nötigenfalls durch Berge 
Sammelwerk. II. 6 



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82 Vorrichtung. 

aus anderen Betrieben ergänzt. In der Gnindstrecke bezw. Teilstrecke 
wird hierbei zweckmässig ebenfalls wieder ein Bergedamm am unteren 
Stosse mitgenommen, sodass die Stösse desselben beiderseits in Versatz 
stehen. Wird der Bergeversatz sorgfältig und dicht eingebracht, wo die 
Streckenstösse unabhängig von dem sonstigen Ausbau der Strecken durch 
Aufziehen trockener Bergemauern, nötigenfalls mit Zuhülfenahme von auf- 
geschichteten Holzpfeilem verwahrt werden, so schützt ein solcher Berge- 
versatzpfeiler erfahrungsgemäss in der Regel die Strecken mindestens 
ebenso gut gegen den Gebirgsdruck, als der schwache Kohlensicher- 
heitspfeiler. Dieses Verfahren besitzt in mehrfacher Hinsicht Vorzüge. 
Einfach und vorteilhaft ist der Grundstreckenbetrieb in dieser Form 
schon mit Rücksicht auf die leichtere Gewinnbarkeit und grössere Leistung 
vor dem breiten Stosse im Vergleiche mit dem Einzelbetriebe der 
beiden engen Strecken beim gewöhnlichen Parallelbetriebe. Ebenso 
erscheint die Einfachheit der Bewetterung beim Auffahren unter Fortfall 
der zeitraubenden und stets wieder eine Gefahrenquelle bildenden Durch- 
hiebe als ein Vorteil dieses Verfahrens. Dazu kommt die gänzliche Ver- 
meidung des Abbauverlustes und der Wert Verminderung der Kohle, Uebel- 
stände, wie sie beim Anstehenlassen des Kohlensicherheitspfeilers meistens 
unausbleiblich sind. Vornehmlich auf den Gruben der nördlichen Reviere, 
innerhalb der flachgelagerten Gas- und Gasflammkohlengruppe ergiebt sich 
diese Art des Grund- und Teilstreckenbetriebes häufig aus dem Flötz- 
verhalten von selbst als die zweckmässigste. Aber auch auf Flötzen 
der anderen Gruppen und selbst bei steiler Lagerung bisweilen schätzt 
man die angegebenen Vorzüge des Bergeversatzpfeilers so hoch, dass man 
sich desselben nach Möglichkeit bedient, sofern die Gebirgs- und Flötz- 
verhältnisse den Voraussetzungen dieses Verfahrens einigermassen ent- 
sprechen, namentlich das Hangende nicht zu kurzklüftig ist. Es sei hier 
vorweg gleich bemerkt, dass derselbe Grundsatz — Ersatz des Kohlen- 
sicherheitspfeilers durch einen Berge versatzpf eiler — unter denselben Ver- 
hältnissen zugleich auch bei Bremsbergen und ähnlichen Vorrichtungs- 
bauen häufig beobachtet wird (vergl. Bremsberge). 

Seltener als der Parallelbetrieb und der strebstossartige Betrieb 
beim Auffahren der Grund- und Teilstrecken findet das Auffahren dieser 
Strecken mittels Wetterscheiders oder mittels Separatventilation statt. 
Beides ist meist nur bei Hauptstrecken dieser Art von grösserem Quer- 
schnitt der Fall, welche als Ausrichtungs- und Hauptförderstrecken für 
eine Flötzgruppe dienen sollen, namentlich auch, wenn dieselben in 
einem unbauwürdigen Flötze aufgefahren werden, also mehr Gesteins- 
betriebe darstellen. Einzelne Gruben wenden regelmässig Wetter- 
scheider beim Auffahren der wichtigeren Grundstrecken an. Typisch 
ist in dieser Hinsicht die Zeche Neu-Iserlohn, wo die vorherrschend flache 



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3. Kap.: Die praktische AusfOhning der Vorrichtung. d3 

Lagerung die Anwendung der Wetterscheider begünstigt, aber auch ausser- 
ordentliche Sorgfalt auf die Wahl des Materials für die hölzernen Wetter- 
scheider sowie auf die Ausführung der Arbeit beim Einbau derselben 
verwendet wird. 

Soll bei steiler Lagerung die Grundstrecke ohne Begleitort auf- 
gefahren werden, so zieht man meistens die Separatventilation mittels 
Strahl gebläses oder mo orisch angetriebenen Ventilators und Zink- oder 
Eisenblechlutten vor. 

2. Das Aufiahren streichender Abbaustrecken zur Vorrichtung 

beim Pfeilerbau. 

Auch das Auffahren der als Vorrichtungsbaue aufzufassenden Abbau- 
strecken beim streichenden Pfeilerbau wird wesentlich beeinflusst von 
den bestehenden bergpolizeilichen Vorschriften. So ist zunächst bezüglich 
des der Vorrichtung zu Grunde zu legenden Zeitplanes die Vorschrift von 
Wichtigkeit, dass das Auffahren dieser Oerter auf den Schlagwettergruben, 
abgesehen von der als Begleitort für die Grundstrecke dienenden Strecke, 
nicht eher erfolgen darf, bis das Ueberhauen bezw. der Bremsberg, aus 
welchem dieselben angesetzt werden, mit der oberen Sohle durchschlägig 
ist.*) Während des Auffahrens darf sich ferner der Ortstoss auch hier 
nicht mehr als 20 m vom frischen Wetterstrome entfernen. Dieser 
Vorschrift wird durch Herstellung von Durchhieben zwischen den ein- 
zelnen gleichzeitig betriebenen Strecken in Abständen von 20 m bezw. 
bei wechselständiger Anordnung der Durchhiebe in solchen von 40 m 
entsprochen (vergl. Fig. 4 auf Seite 79). Jedoch kann man sich in zahl- 
reichen Fällen nicht mit der Bewetterung der letzten Streckenenden 
durch die Diffusion begnügen, sondern muss jedesmal an den letzten 
offenen Durchhieb einen Wetterscheider oder eine Wetterrösche an- 
schliessen, sodass der Wetterstrom bis unmittelbar vor Ort gelangt. 
Als Stoff für die Wetterscheider wird bei den Abbaustrecken haupt- 
sächlich getheertes Segelleinen verwendet. Ist der Bergefall beim 
.Streckenbetriebe ausreichend, so zieht man meist eine durch den Versatz 
gebildete Rösche vor; denn bei dem Abbaustreckenbetriebe gilt fast aus- 
nahmslos der Grundsatz, die fallenden Berge an Ort und Stelle im 
Damme unter oder neben der Förderbahn zu versetzen. Die An- 
wendung der Wetterscheider oder Wetterröschen gestattet dann auch, 
den Durchhieben einen grösseren Abstand als 20 bezw. 40 m zu geben. 
Gleichwohl überschreitet man auch bei einer solchen Nachführung des 
Wetterstromes bis vor Ort im allgemeinen jene Abstände der Durch- 

*^ & nn A n D A7 ^2. Oktober 1887 

*) § 22 der B. P.-V. vom - - j^-j. ^^~ • 



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84 Vorrichtung. 

hiebe nicht sehr erheblich, zumal da bei den Tuchwetterscheidern 
und auch bei den Wetterröschen, wenn der Versatzstreifen nur 
schmal ist, Wetterverluste nicht zu vermeiden sind, und da auch auf die 
Abkürzung des Wetterweges durch häufigere Verbindung der Strecken 
durch Durchhiebe Wert gelegt wird. *) Nur in gewissen Fällen finden 
sich Ausnahmen, nämlich bei sehr dünnen Plötzen oder solchen mit 
stärkeren Bergmitteln, wobei die Strecken einen reichlichen Bergefall 
liefern und dementsprechend einen tiefen Damm und breiten Versatz- 
streifen erhalten, also ein strebstossartiges Aussehen bekommen (vergl. 
auch »vereinigter Streb- und Pfeilerbau«.) Da der Abbau von Plötzen 
von geringer Mächtigkeit auch hohe Pfeiler bezw. einen grossen 
Streckenabstand verlangt, so erfordert das Herstellen eines Wetterdurch- 
hiebes unter solchen Verhältnissen jedesmal viel Zeit und Kosten und das 
Aufhauen der Durchhiebe verursacht bei Schlagwetterentwickelung wegen 
der grossen Höhe und der geringen Weite Schwierigkeiten. Daher findet 
man unter solchen Pällen mitunter grössere als die oben angegebenen 
Abstände der Durchhiebe. 

Bei steiler Plötzlage wendet man in den Abbaustrecken weniger 
häufig Wetterscheider und Wetterröschen zur Nachführung des Stromes 
bis vor Ort an, sondern zieht hier im allgemeinen die Herstellung von 
Durchhieben in den vorgeschriebenen Abständen vor. Dies geschieht 
einmal, weil Wetterscheider und Wetterröschen hier weniger einfach an- 
zubringen sind, dann auch weil die Herstellung von Durchhieben sich 
bei steiler Lagerung durch das hier mögliche Voraustreiben eines Wetter- 
bohrloches mittels Bohrmaschinen wesentlich vereinfacht. Wird die Nach- 
führung des Stromes bis vor Ort gleichwohl erforderlich, so wird eine 
Wetterrösche im Damm gebildet oder man verblendet jedesmal den 
letzten offenen Durchhieb und schliesst eine bis vor Ort reichende Lutten- 
tour an die Blende an, oder man bedient sich auch der horizontal 
unterhalb der Pirste angebrachten Wetterscheider aus Brettern. 

Bei flach gelagerten und hinreichend mächtigen Plötzen hat man 
früher vereinzelt, z. B. auf Zeche Neu-Iserlohn, auch folgendes Verfahren 
angewendet, um Schlagwetteransammlungen vor Ort beim Streckenbetriebe 
in gasreicher Kohle zu vermeiden, ohne Wetterröschen oder Wetter- 
scheider bis vor Ort nachführen zu müssen: Man fuhr jedesmal vom 
letzten Durchhiebe ab (Pig. 5) die Strecken zunächst mit allmählich ab- 
fallender Oberstrosse auf, sodass sich auf 20 m Länge die flache Strecken- 
höhe um etwa ein Drittel verjüngte; dadurch bewirkte man den selbst- 



*) Tuchwetterscheider dürfen für die Folge ohne besondere Genehmigung 
des Bergrevierbeamten nur bis auf 50 m Länge Verwendung finden. § 15 Abs. 2 
der B. P.-V. vom 12. Dezember 1900; 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 85 

thätigen Abzug der Wetter vom Orte. Bei dieser Entfernung des Ortes 
vom letzten Durchhiebe wurde ein neuer Durchhieb zwischen der be- 
treffenden und der demnächst unteren oder oberen Strecke, und zwar regel- 
mässig durch Abhauen, hergestellt, nach erfolgtem Durchscjjjlage der Ober- 
stoss auf die gewöhnliche Höhe nachgehauen und der endgiltige Ausbau 
des betreifenden Streckenstückes eingebracht. 

Natürlich ist dies Verfahren nur unter besonderen Flötzverhältnissen 
anwendbar und namentlich bei geringmächtigen Plötzen, welche ein Nach- 



Fig. 5. 
Auffahren der Abbaustrecken auf Neu-Iserlohn. (Jetzt nicht mehr in Anwendung.) 



reissen des Nebengesteins in den Strecken erfordern, ausgeschlossen. Einer 
weiteren Verbreitung dieses Verfahrens stehen ausserdem aber auch die 
hohen Kosten und der Zeitverlust entgegen, welche mit dem Nachhauen 
des Oberstosses verknüpft sind. 

Das Auffahren der Strecken nach dem Meissnerschen Verfahren, 
ausschliesslich mit Wetterscheidern bezw. Wetterröschen unter Fortfall 
jeglicher Durchhiebe und getrennter Bewetterung jedes einzelnen Ortes 
für sich, hat im hiesigen Bezirke keinen Eingang gefunden. 

3. Form und Weite der Streckenquerschnitte. 

Die Form und Weite der Streckenquerschnitte hängt im hiesigen 
Bezirke zwar in erster Linie ab von der jeweiligen Mächtigkeit und dem 



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86 Vorrichtung. 

Einfallen des Flötzes, also von dem Flötzprofile, jedoch fallen dabei Rück- 
sichten auf das Verhalten des Nebengesteins, sowie auf die Erfordernisse 
des Betriebes, insbesondere auf Wetterführung und Förderung, wesentlich 
mit ins Gewicht. Das Flötzprofil bestimmt insofern die Streckenquerschnitte 
in erster Linie, als man den Streckenaushieb möglichst auf den Flötzkörper 
selbst zu beschränken, also den Streckenquerschnitt dem Flötzprofil an- 
zupassen sucht. Häufig genügt der Aushieb der Flötzmasse wegen zu 
geringer Flötzmächtigkeit nicht, sondern es wird ein Nachreissen des 
Nebengesteins erforderlich, um einen für die Zwecke der Förderung und 
Wetterführung geeigneten oder genügenden Streckenquerschnitt zu 
schaffen; denn bezüglich der Förderung gilt, von Einzelfällen abgesehen, 
allgemein der Grundsatz, dass die Streckenquerschnitte eine Verwendung 
der gewöhnlichen Förderwagen der Grube in allen Flötzen gestatten 
müssen. Dies lässt sich in vielen Fällen nur durch Nachreissen des 
Nebengesteins ermöglichen, obwohl die Strecken, auch die gewöhnlichen 
Grund- und Teilstrecken, einspurig angelegt werden. Daneben aber er- 
fordert die Rücksicht' auf die Bewetterung der Grube häufig ein Ueber- 
schreiten der Flötzmächtigkeit beim Streckenaushiebe, vornehmlich bei 
den Grund- und Teilstrecken der Schlagwettergruben, für welche berg- 
polizeilich ein freier Querschnitt von wenigstens 2 qm verlangt wird, im 
übrigen aber auch, um nicht nur eine rechnungsmässig genügende, 
sondern auch eine für die Wetterwirtschaft günstige Querschnittsform zu 
erhalten. 

Die Art und Ausführung des Nachreissens des Nebengesteins in den 
Strecken richtet sich wieder nach dem besonderen Verhalten des Flötzes 
und seines Nebengesteins. In der Regel wird nur das Liegende oder nur 
das Hangende nachgerissen, während die Fälle, in welchen die nötige 
Streckenweite durch gleichzeitiges Nachreissen im Liegenden und 
Hangenden geschaffen wird, weniger häufig sind. Sind Liegendes und 
Hangendes ganz gleich geartet, so ist es vorteilhafter, nur eins von beiden 
nachzureissen. Die Arbeit vereinfacht sich dadurch; auch wird bei An- 
wendung der Sprengarbeit namentlich die Anzahl der Bohrlöcher und der 
Sprengstoffverbrauch geringer bezw. die Ausnutzung des Sprengstoffes 
eine bessere. Eine Ausnahme hiervon macht man wohl bei zweispurigen 
Grund- und Teilstrecken, welche als Hauptförderstrecken dienen oder von 
längerer Standdauer sein sollen und daher am zweckmässigsten einen der 
Form des Thürstockausbaues sich anpassenden Querschnitt erhalten. Dies 
erheischt, wenn das Flötzprofil möglichst für den Streckenquerschnitt aus- 
genutzt, also ein überflüssiges Nachreissen des Gesteins vermieden werden soll, 
das Einfallen aber weder sehr flach noch sehr steil ist, eine Verteilung der 
fehlenden Querschnittsfläche auf das Hangende und Liegende. Wie ver- 
schiedenartig im übrigen das Flötz- und Gebirgsverhalten auf die Form des 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 87 

Streckenquerschnittes und die Lage desselben zu dem Flötzprofil einzuwirken 
vermag, zeigen noch folgende Erwägungen. Je nach der besonderen Be- 
schaffenheit des Hangenden oder Liegenden, sowie je nach dem Einfallen und 
der Flötzmächtigkeit erstreckt sich das Nachreissen auf eine einzelne Schicht 
oder Schale des Nebengesteins, welche also in der ganzen Breite bezw. flachen 
Höhe des freien Streckenraumes mitgenommen wird; oder der Einschnitt 
in das Nebengestein erfolgt unabhängig von der Schichtung desselben, 
indem Flächen von dreieckiger Form herausgearbeitet werden, um den 
durch das Flötzprofil gegebenen und nicht ausreichenden Streckenquer- 
schnitt auf die erforderliche Weite und Form zu bringen. Häufig nötigt 
die Beschaffenheit des Nebengesteins an sich dazu, dasselbe in den 
Strecken mitzunehmen, ohne dass die angegebenen Rücksichten auf 
Förderung und Wetterführung dies erfordern würden. Oft liegt nämlich 
unmittelbar über dem Flötze eine leicht nachbrechende Schieferthon- oder 
Brandschieferschicht, der sogenannte Nachfall, welcher in den Strecken 
mit hineingerissen werden muss, um den Druck desselben auf den 
Streckenausbau zu vermeiden. In anderen Fällen nötigt dagegen die 
grössere Mächtigkeit einer dünnschieferigen, gebrächen und daher an sich 
leicht gewinnbaren Schicht am Hangenden oder die starke Zerklüftung 
des letzteren dazu, von einer Entblössung desselben in den Strecken ab- 
zusehen und einen Kohlenpacken am Hangenden anzubauen und den 
etwa noch fehlenden Querschnittsraum durch Nachreissen des Liegenden 
zu schaffen, mag letzteres auch wegen grösserer Festigkeit schwieriger 
gewinnbar sein. Andererseits giebt das besonders in der Gas- und Gas- 
flammkohlengruppe häufig vorkommende Quellen des Liegenden auf 
manchen Gruben Anlass, in den Strecken grundsätzlich nur das Hangende 
anzufassen, das Liegende dagegen unberührt zu lassen, in der allerdings 
nicht immer erreichbaren Absicht, dem Aufquellen des Liegenden in den 
Streckenraum hinein vorzubeugen. Uebersteigt die Flötzmächtigkeit den 
für den Streckenraum erforderlichen Querschnitt nicht erheblich, so er- 
folgt der Streckenaushieb meist in voller Mächtigkeit. Bei grösserer 
Mächtigkeit nutzt man dieselbe jedoch oft nur zum Teil für den Strecken- 
querschnitt aus, baut also einen Flötzpacken an, um die Strecken nicht 
unnötig weit und kostspielig zu machen. Insbesondere muss das Anbauen 
eines Flötzpackens in mächtigeren Flötzen häufig schon mit Rücksicht auf 
die Beschaffenheit des Nebengesteins geschehen, oder es erscheint wegen 
des Vorhandenseins eines stärkeren Bergmittels zweckmässig, die Strecken 
nur in einen der Flötzpacken zu verlegen. In anderen Fällen findet aber 
auch der Streckenbetrieb in mächtigen, durch ein stärkeres Bergmittel 
geteilten Flötzen bezw. in zwei nahe zusammenliegenden und gemein- 
schaftlich gebauten Flötzen in der Weise statt, dass die ganze Mächtigkeit 
einschliesslich des Bergmittels lagenweise zum Aushiebe gelangt, das 



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88 Vorrichtung. 

hereingebrochene Bergmittel aber zum Auffüllen der Sohle oder zum 
Versatz an einem Stosse benutzt wird und somit nur ein freier Strecken- 
querschnitt von gewöhnlicher Weite verbleibt. 

Bezüglich der Querschnittsformen der Strecken sei im übrigen noch 
auf den folgenden, den Ausbau der Strecken behandelnden Abschnitt und 
die Figurensammlung verwiesen. 

4. Ausbau der streichenden Vorrichtungsstrecken. 

Dass die Verschiedenartigkeit des Flötzverhaltens auch mannigfaltige 
Formen und Ausführungen des Ausbaues der Strecken zur Folge hat, ist 
erklärlich. Im Gegensatze zu anderen Bezirken, in welchen grössere Flötz- 
mächtigkeit und ungestörte Lagerung die allgemeinere Anwendung einer 
bestimmten Ausbauart gestatten, muss sich im Ruhrbezirk der Ausbau der 
Strecken im allgemeinen der durch die Natur des Flötzes bedingten Quer- 
schnittsform anpassen und zugleich den verschiedensten Druckverhältnissen 
begegnen. 

Bei der geringen Standdauer der Strecken wird als Material für den 
Ausbau derselben überwiegend Nadelholz, — Fichte und Tanne — ver- 
wendet. Demnächst ist Eichenholz die in Strecken am meisten gebräuch- 
liche Holzart, welche besonders in den Grund-, Teil- und Wetterstrecken 
oder bei grösserem Drucke das Nadelholz vertritt, daneben aber auch 
öfter in der Form des Schalholzes in Verbindung mit Nadelholzstempeln 
bei gewöhnlichen Abbaustrecken Anwendung findet. Der Gebrauch des 
Buchenholzes für Streckenzimmerung ist ein sehr beschränkter. Dasselbe 
dient diesem Zweck in grösseren Mengen nur auf einigen im Süden des 
Bezirks gelegenen Gruben (Ver. Trappe, Ver. Bommerbänker Tiefbau, Ver. 
Stock- und Scherenberg). 

Die Hauptarten des hölzernen Streckenbaues sind Stempel-, Thür- 
stock- und Schalholzzimmerung; ausserdem haben sich noch eine 
ganze Reihe von Formen herausgebildet, welche als Uebergänge und Ver- 
bindungen der genannten Zimmerungsarten aufzufassen sind. 

Die Begriffe »Thürstock«- und »Schalholzzimmerung« sind nach dem 
Sprachgebrauche im hiesigen Bezirk nicht scharf voneinander zu trennen. 
Die eigentliche Thürstockzimmerung in streichenden Strecken setzt das 
Vorhandensein annähernd söhliger und seigerer Druck- bezw. Begrenzungs- 
flächen des Streckenraumes voraus, sodass die Kappe eine annähernd 
horizontale und die Beine eine annähernd vertikale Lage erhalten. Bei 
den Querschnittsformen der streichenden Strecken hat man es jedoch 
häufig mit Begrenzungs- oder Druckflächen zu thun, welche erheblich 
von der söhligen und seigeren Lage abweichen und daher einen eigent- 
lichen Ausbau mit Thürstöcken nicht zulassen. Derartige Flächen — das 



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3* Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 89 

Hangende und Liegende bei mittlerer Flötzneigung — werden durch in 
die Falllinie gelegte Hölzer, die in der Regel Halbhölzer (»Schalhölzer«) sind, 
abgefangen. Die Schalhölzer werden hierbei durch eine rechtwinklig zum 
Einfallen gerichtete Verstempelung oder auch durch die Verbindung mit 
halber Thürstockzimmerung abgespreizt oder auch wohl mit den übrigen 
Hölzern verblattet. Einerseits werden nun derartige von der Thürstockform 
mehr oder weniger erheblich abweichende Ausbauformen als »Schalholz- 
zimmerung« auch dann bezeichnet, wenn in Wirklichkeit keine Schalhölzer, 
sondern anstatt dieser Rundhölzer benutzt werden; andererseits wird über- 
haupt jede Zimmerung, welche teilweise aus Halbhölzern besteht, »Schal- 
holzzimmerung« genannt, mag dieselbe auch der Form nach vollkommen 
der Thürstockzimmerung entsprechen, wie dies z. B. in streichenden 
Strecken bei sehr flacher Lagerung der Fall ist, wo das unter das Hangende 
gelegte und von einem Stempel an den Enden unterstützte, vielleicht auch 
mit denselben verblattete Schalholz vollständig der Kappe eines Thür- 
stocks entspricht. 

Mitunter, und zwar besonders in der sandstein- und konglomerat- 
reichen Magerkohlengruppe, dann aber auch örtlich in einzelnen Flötzen 
der Fettkohlengruppe, sind die Gebirgsverhältnisse so gute, dass als Ausbau 
in den Strecken einfache Stempel mit Anpfahl (Firstenstempel, Stoss- 
stempel) genügen. Selten tritt der Fall ein, dass jeglicher Ausbau in den 
Strecken entbehrlich ist. 

Eiserner Ausbau findet in gewöhnlichen Vorrichtungs- und Abbau- 
strecken keine Anwendung. Dagegen hat in denjenigen Grund- und Teil- 
strecken, welche als Hauptförder- und Wetterstrecken in grösseren Ab- 
messungen, meist zweispurig, aufgefahren werden oder für längere Dauer 
berechnet sind, im letzten Jahrzehnt das sonst hierfür meist gebräuchliche 
Eichenholz zum Teil dem Eisen in der Form von Eisenbahnschienen und 
I - Eisen entsprechender Profilgrösse weichen müssen.**) Besonders beliebt 
ist die Verwendung solcher Eisenschienen als Kappen der Thürstöcke, 
während zu den Beinen das Holz gern beibehalten wird, da das Schienen- 
profil für eine stärkere Beanspruchung auf Säulenfestigkeit nicht geeignet 
ist. Die Verbindimg der eisernen Kappe mit den hölzernen oder eisernen 
Beinen wird teils mittels einfacher Schuhe aus Guss- oder Schmiedeeisen 
oder schmiedeeiserner angenieteter oder angeschraubter Winkel bezw. 
Laschen, teils auch durch einfache Ausblattung der Beinhölzer hergestellt.*) 
Auf den meisten Gruben des Bezirks wird gegenwärtig der Eisenausbau 
nur noch in der angegebenen Form als Thürstockausbau angewendet, 



*) Vergl. auch Kap. Grubenausbau. 

**) Vergl. u. a. Cremer, Auflagerungssysteme eiserner Kappen beim Gruben- 
ausbau. Glückauf 1893, Bd. 29 S. 580, sowie Kap. Grubenausbau. 



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90 Vorrichtung. 

während der in früheren Jahren häufiger gebräuchliche Ausbau mit ge- 
schlossenen oder unten offenen Streckenbogen aus I -Eisen schwächeren 
Profils nur noch auf wenigen Gruben beibehalten ist. Vereinzelt hat 
man neuerdings auch den Ausbau mit Eisenschienen in der Form der 
Schalholzzimmerung angewandt. 

Die einzelnen Geviere bei der Streckenzimmerung erhalten nur 
stellenweise untereinander einen festen Verband durch Bolzen, welche an 
den Verbindungsstellen der Kappen mit den Beinen bezw. der Firsten- 
hölzer mit den Schalhölzern zwischen die Geviere getrieben werden und 
dieselben gegenseitig abstützen. Die Stoss- und Firstenflächen zwischen 
den einzelnen Gevieren werden fast ausschliesslich in einfachster Weise 
mit hölzernem Verzuge verwahrt, wozu schwache geschnittene oder ge- 
rissene Hölzer (Nadel- oder Eichenholz, sogenannte Spitzen oder Scheite) 
oder tannene Bretter gebraucht werden. In Hauptstrecken, zumal bei 
Eisenausbau, verzieht man die Felder zwischen den Gevieren stellenweise 
auch mit dünnen Eisenschienen (alte Grubenschienen u. dergl.). 

Mörtelmauerung wird nur in Hauptförderstrecken und auch hier ver- 
hältnismässig selten angewandt. Es ist dann meist Ziegelmauerwerk in 
Gewölbeform. Auch kommt Scheibenmauerung in Verbindung mit Eisen- 
bahnschienen als Kappen vor. Einzelne Gruben wenden bisweilen auch 
Mörtelmauerung unter Benutzung der beim Streckenauffahren oder bei 
sonstigen Gesteinsarbeiten fallenden Berge an. Trockene Mauerung aus 
den im Betriebe fallenden Bergen wird in ausgedehntem Masse bei flacher 
Lagerung für die Streckenstösse an Stelle oder neben der sonstigen 
Streckenzimmerung ausgeführt. 

Die Mannigfaltigkeit in den Querschnittsformen und dem Ausbau 
streichender Vorrichtungsstrecken beim hiesigen Steinkohlenbergbau 
wird durch die beigegebene Sammlung von Beispielen (Tafeln VII — XIU) 
veranschaulicht, wozu sich nach obigen Ausführungen weitere Erläuterungen 
im einzelnen erübrigen dürften. 

Die gewählten Beispiele sind nach der Art des Ausbaues folgender- 
massen gruppiert: 

Tafel VII, Fig. 1 — 6. Ganze Thürstockzimmerung in Holz. 

Ganze Thürstockzimmerung in Eisen, bezw. 
Eisen und Holz. 

Halbe Thürstockzimmerung in Holz und Eisen. 
Stempelzimmerung in Holz und Eisen. 
Schalholzzimmerung in Holz und Eisen. 
-14. Verbindungen von Thürstock- und Schalholz- 
zimmerung. 
XIU, „ 1 — 4. Streckenmauerung. 



VII, Fig. 


1—6. 


VIII, „ 


1—4. 


IX, „ 


1—6. 


X, „ 


1—6. 


XI, „ 


1—11 


XU, „ 


1—14 



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Die Entwickelung d. niederrhein.-westf. Steinkohlen-Bergbaues, li 

Ganze Thürst 



Tafel VI 






indstrecke. 
3rundstrecke. 



1. Zeche Caroline, Flötz Helene, Grundstrecke« 

2. Zeche Shamrock III/IV, Flötz 5 a, Grundstre 

3. Zeche Herkules, Flötz Mausegatt, Grundstrecke. 



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Die EntWickelung d. niedcrrhein.-westf. Steinkohlen- Bergbaues. II. 



Tafel VIII, 



Ganze Thürstockzimmerung In Eisen bezw. Eisen und Holz. 







1. Zeche Daanenbaum II. Flötz Johann, Grundstrecke. 

2. Zeche Fröhliche Morgensonne, Flötz Dickebank, 

Grundstrecke. 



3. Zeche Dannenbaum II, Grundstrecke. 

4. Zeche Mansfeld, Flötz 30, Grundstrecke. 



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Die Entvickelung d. niederrheiii.-westf. Steinkohlen- BJ 



Halbe; 

1 
I 

i 

I 





1. Zeche Dannenbaum I, Flötz 34, Grunl 

2. Zeche Prinz v. Preussen, Flötz Wilhel^ 
i Zeche Herkules, Flötz Sarnsbänkschej 



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I 

I 



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Die Entwickelunfi: d. niederrheij 





1. Zeche ver. Bonifacii: 

Grundstrecke. 

2. Zeche Wallfisch, F\ 

strecke. 



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Tafel XL 




7. Zeche Friedrich Wilhelm, FIou GoyenFeld No. 0, Abbaustrecke. 
8- Zeche Pluto, Flötz 11, Abbaustrecke. 
a Zeche Pluto, Flötz 9, Abbaustrecke. 
Flötz 3, Grundstrecke. 



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Die Eniwid»lnnc d. niedenlMiil 





1. Zeche Vic 

2. Zeche Vi< 



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3. Kap.: Die praküsche Ausführung der Vorrichtung. 91 



III. Vorrichtungsbetriebe in der Falllinie der Flötze. 

1. Anwendung und Herstellung von Ueberhauen 
und Abhauen. 

a) Ueberhauen. 

Für die Herstellung aller in der Falllinie liegenden Betriebe spielt 
das Aufhauen bei weitem die Hauptrolle. 

Das Aufhauen solcher Strecken wird im allgemeinen dem Abhauen 
derselben vorgezogen, weil es eine einfache und billige Abw^ärtsförderung 
der Massen, sowie selbstthätigen Wasserabfluss gestattet, dann aber auch, 
weil allein das Ueberbrechen die Möglichkeit gewährt, einen Durchschlag 
zunächst in geringen Abmessungen herstellen, also denselben auch bei 
geringer Flötzmächtigkeit ohne Nachreissen des Nebengesteins bewirken 
zu können. Nicht geringe Schwierigkeiten bereitet dem Hochbringen der 
Ueberhauen jedoch häufig starke Schlagwetterentwickelung. Hierin liegt 
mitunter, besonders auf den Gruben mit flacher Lagerung, wo das Auf- 
wärtsfördern weniger Schwierigkeiten verursacht, ein Grund, das Abhauen 
der in der Falllinie herzustellenden Baue an Stelle des Aufhauens treten 
zu lassen oder doch neben demselben anzuwenden. 

Ist die Höhe der Ueberhauen gering, wie z. B. in den Pfeilerdurch- 
hieben beim Grund- und Abbaustreckenbetriebe, so sind die gewöhnlichsten 
Mittel zur Bewetterung Wetterscheider aus Segelleinen und saugende oder 
blasende Handventilatoren mit angeschlossenen Luttentouren, deren Ein- 
richtung und Aufstellung gewissen bergpolizeilichen Vorschriften unterliegt. 
Bei steiler Lagerung werden auf manchen Gruben besondere Handbohr- 
maschinen, meist zweimännisch betrieben, zum Vorbohren der Ueberhauen 
zwecks Vermeidung der Wetteransammlungen beim Aufhauen benutzt. 
Da für solche Pfeilerdurchhiebe zwischen den Abbaustrecken nur ein 
freier Querschnitt von 1 qm bergpolizeilicherseits verlangt wird, so 
werden dieselben bei grösserer Mächtigkeit des Flötzes vielfach nur in 
einem Teile des letzteren, in dem am leichtesten gewinnbaren Packen, 
angelegt. Bei grösserer Höhe der Ueberhauen, vornehmlich, wenn es sich 
um den Durchschlag zwischen zwei Sohlen bezw. Teilsohlen handelt, 
reichen die erwähnten einfachen Mittel zur Bewetterung meistens nicht 
aus. Da diese Durchschläge selten dauernd lediglich der Wetterführung, 
sondern meist später auch Förderzwecken dienen sollen, so • bildet 
in diesem Falle der Parallelbetrieb beim Aufhauen die Regel und das 
zweite Ueberhauen wird späterhin das Fahrüberhauen für den Bremsberg, 
zu dem das erste Ueberhauen eingerichtet wird. Die beiden Ueberhauen 
werden in einem Abstände von 10 — 15 m gleichzeitig miteinander auf- 



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92 Vorrichtung. 

gehauen und in Höhe der einzelnen später zu treibenden Abbauörter durch 
streichende Durchhiebe miteinander verbunden. An den letzten Durch- 
hieb wird in beiden Ueberhauen nötigenfalls ein Wetterscheider aus Holz 
oder Segelleinen oder eine Luttentour angeschlossen zur Nachführung des 
Wetterstromes bis vor Ort. 

Im übrigen wird beim Treiben langer Ueberhauen in zunehmendem 
Umfange die Sonderbewetterung mittels motorisch angetriebenen Ven- 
tilators oder mittels Strahlgebläses angewandt. In dieser Hinsicht hat 
besonders auch die in den letzten Jahren eingeführte Berieselung der 
Grubenbaue durch Spritzwasserleitungen günstig gewirkt, indem hierdurch 
die Gelegenheit zur Verwendung von Kraftwasser innerhalb des Gruben- 
gebäudes erheblich vermehrt worden ist und von den Gruben für die 
Zwecke der Sonderbewetterung gern ausgenutzt wird. 

Auf einzelnen Gruben (z. B. Neu-Iserlohn) bewettert man auch lange 
Aufhauen mittels des durchgehenden Wetterstromes unter Anwendung 
sorgfaltig ausgeführter Wetterscheider. Im allgemeinen ist dies Verfahren 
jedoch seltener in Gebrauch, ebenso wie die Bewetterung mit Lutten, 
die an den durchgehenden Strom angeschlossen sind. 

Die beim Auffahren langer Ueberhauen gewonnenen Massen werden 
bei starkem Flötzfallen in einem Fördertrum (Rollloch) abgestürzt, welches 
durch Bretterverschlag von dem Fahrtrum abgetrennt wird. Auch kommen 
hierbei hölzerne, aus Sohlen- und Seitenbrettem bestehende Rutschen, 
neuerdings mitunter auch Rutschen aus Eisenblech von halbkreisförmigem 
Querschnitte oder ganz geschlossene Eisenblechrutschen zur Anwendung; 
derartige Blechrutschen werden z. B. von der Firma Würfel & Neuhaus 
hergestellt. 

Lange Ueberhauen auf flach gelagerten Flötzen werden, um das 
umständliche und schwierige Werfen der Kohle mit der Schaufel oder die 
gleichfalls wenig beliebte Schlittenförderung zu vermeiden, gewöhnlich 
gleich in solcher Weite hergestellt, dass ein Abbremsen der herein- 
gewonnenen Massen in Förderwagen möglich ist. Da sich auf schmalen 
Flötzen infolgedessen ein reichlicher Bergefall beim Aufhauen ergiebt, so 
wird hier häufig dem Parallelbetriebe das Aufhauen eines einzigen breiten 
schwebenden Stosses unter Versatz der Berge und Aussparung einer Wetter- 
rösche vorgezogen (vergl. Bremsberge). Im übrigen erfolgt das Auffahren 
auch der wichtigeren Wetterüberhauen für gewöhnlich, um den Durchschlag 
zu beschleunigen und zu verbilligen, ohne Nachreissen des Gesteins, indem 
die bei solchen Ueberhauen bergpolizeilich verlangte lichte Weite von 2 qm 
bei geringer Flötzmächtigkeit durch entsprechende Breite des Querschnittes 
erzielt wird. Auch bei grösserer Flötzmächtigkeit und genügend starkem 
Einfallen pflegt man aus denselben Gründen die Weite nicht unnötig gross 
zu nehmen und legt daher häufig, wie schon bezüglich der gewöhnlichen 



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3. Kap.: Die praktische AusfOhrung der Vorrichtung. 93 

Pfeilerdurchhiebe bemerkt, das Aufhauen nur in einem geeigneten Flötz- 
packen an. 

Der Ausbau gewöhnlicher Ueberhauen zur Wetterführung oder 
Fahrung ist, sofern er überhaupt erforderlich wird, einfachster Natur. 
Je nach den Verhältnissen besteht derselbe aus einfachen Stoss- 
stempeln, aus Thürstockzimmerung oder thürstockartiger Schalholz- 
zimmerung und bei stärkerer Flötzneigung auch aus vollständigen Rund- 
holzgevieren, die in den 4 Ecken gegeneinander abgebolzt sein können, 
also der Bolzenschrotzimmerung in Schächten entsprechen. 

b) Abhauen. 

In welchen Fällen man im hiesigen Bezirke abzuhauen statt aufzu- 
hauen pflegt und dass im allgemeinen die Herstellung schwebender Baue 
durch Abhauen weniger beliebt ist, wurde bereits hervorgehoben. Das 
Abhauen in der Falllinie von Sohle zu Sohle oder überhaupt auf grössere 
Tiefe, z. B. bei Unterwerksbauen, erfordert regelmässig den Aushieb eines 
grösseren Querschnittes von Anfang an als das Aufhauen, ausgenommen 
bei flacher Lagerung, wo der für eine zweckmässige Förderung und für 
eine genügende Arbeitsleistung nötige Querschnitt bei Aufhauen und Ab- 
hauen ungefähr derselbe ist (vergl. Bremsberge). In schmalen Flötzen er- 
fordert daher das Abhauen bei jedem Fallwinkel von vornherein ein Nach- 
reissen des Nebengesteins. Hierin liegt ein wesentlicher Nachteil, wenn 
das Abhauen später zu Förderzwecken dienen soll; denn man ist nicht in 
der Lage zu übersehen, wie mit Rücksicht auf Störungen oder auf etwaige 
Aenderungen des Einfallens das Nachreissen des Gesteins an jeder Stelle 
am zweckmässigsten zu erfolgen hat, um eine Förderbahn von gleich- 
bleibender Neigung zu erhalten. 

Das Verfahren bei der Herstellung der Abhauen, insbesondere hin- 
sichtlich der Bewetterung, entspricht im übrigen demjenigen bei Ueber- 
hauen und Bremsbergeh. Meist wird ein Begleitabhauen mitgenommen; 
man stellt dasselbe auch wohl, um den Betrieb, besonders die För- 
derung einfacher zu gestalten, stückweise durch jedesmaliges Aufhauen 
von dem neuen streichenden Durchhiebe aus her. Vielfach beliebt auf 
den Gruben mit flachgelagerten, reichen Bergefall liefernden Flötzen ist 
auch bei Abhauen anstatt des ParaDelbetriebes das AuflFahren mit breitem 
Stosse unter Versatz der Berge und Bildung einer Wetterrösche (Fig. 6 a u. b 
Zeche Dahlbusch) bezw. das strebstossartige AuflFahren mit Fahr- und Förder- 
strecke wie bei Bremsbergen. 

Eine wichtige Rolle spielt das Arbeiten in abfallender Richtung für 
die nachträgliche Erweiterung von Ueberhauen zu Bremsl^ergen (vergl. 
Bremsberge). 



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94 



VorrichtuDg. 
a. Grundriss. 




Sohltnstrtcke 




Fig, 6. 
Zeche Dahlbuscb, Fl. 6, Abhauen mit Wetterrösche. 



Der Ausbau der Abhauen entspricht vollständig demjenigen derUeber- 
hauen und Bremsberge. 

Die Förderung bei der Herstellung der Abhauen erfolgt bei geringer 
flacher Tiefe und schwachem Einfallen mittels Handhaspels oder Hand- 
ka])els, ])ei grösserer Tiefe auch mit Pferden, am häufigsten jedoch ver- 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 95 

mittels Lufthaspels. Bei flache Lagerung versieht man in letzterem Falle 
gern jedes der beiden Abhauen bezw. die beiden durch den Versatz 
getrennten Strecken mit einem einfachen Geleise, stellt den Haspel über 
der einen Strecke auf und führt durch kleine Seilscheiben das eine Seil 
der zweiten Strecke zu, sodass mit demselben Haspel aus beiden Abhauen 
gefördert werden kann. Als Fördergefässe beim Abhauen verwendet man, 
soweit angängig, die gewöhnlichen Förderwagen, bei stärkerer Flötzneigung 
auf Schienen laufende oder auf Leitbäumen gleitende Kasten von geeig- 
neter Form, welche am oberen Anschlag, nachdem die Abhauenmündung 
geschlossen ist, in einen untergeschobenen Fö derwagen entleert werden 
können. GesteDförderung der gewöhnlichen Art während des Abteufens 
ist wegen des schwierigeren Einladens bei stark geneigten Abhauen 
weniger beliebt. Macht sich eine beständige Wasserhebung beim Nieder- 
bringen der Abhauen erforderlich, so erfolgt dieselbe meist durch kleine 
mit Druckluft arbeitende Druckpumpen oder Strahlapparate. 

2. Bremsberge. 

a) Herstellung der Bremsberge. 

Die He Stellung der Bremsberge ist, wie aus den vorhergegangenen 
Ausführungen hervorgeht, mit derjenigen der Ueberhauen und Abhauen 
eng verknüpft. In zahlreichen Fällen nimmt die Herstellung eines Brems- 
berges ihren Ausgang von einem gewöhnlichen Ueberhauen in Flötzmächtig- 
keit, welches dann nachträglich auf Bremsbergquerschnitt erweitert und 
mit dem entsprechenden Ausbau und der Fördereinrichtung versehen wird. 
In dieser Weise wird fast regelmässig bei mittlerer und starker Flötzneigung 
gearbeitet, einmal um zunächst der Wetterführung wegen den Durchschlag 
zu beschleunigen, sodann um das Flötzverhalten kennen zu lernen und et- 
waige Veränderungen und Un egelmässigkeiten des Einfallens besser aus- 
gleichen zu können. Ob das Erweitern de Bremsbe gauf hauen von unten 
nach oben oder von oben nach unten erfolgt, hängt hauptsächlich von der 
Stärke des Einfallens ab. Bei mittlerem Fallwinkel beginnt man mit dem Er- 
weitem meistens unten, wobei die fallenden Berge und Kohlen entweder 
einfach abgestürzt werden oder, falls dies wegen zu geringer Neigung des 
Flötzes (unter 30 — 35®) nicht mehr angängig ist, mittels einer leicht ver- 
rückbaren Bremsvorrichtung in Förderwagen abgebremst werden. Man 
stellt dann also gleich beim Vorrücken der Erweite ungsarbeit ein Doppel- 
geleise in dem Bremsberge her und setzt von Zeit zu Zeit die Bremse 
höher. Das Fördergeleise wird möglichst gleich für die spätere endgültige 
Bremsbergförderung passend gelegt. Soll letztere z. B. eine solche mit 
Gestell werden, so legt man wenigstens die beiden äusseren Schienen des 
vorläufigen Doppelgeleises gleich auf die Spurweite des Gestells. Als 



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96 Vorrichtung. 

Bremswerke werden bei dieser Erweiterungsarbeit gewöhnliche Trommel- 
bremsen mit kleinem Durchmesser oder kleine Scheibenbremsen benutzt. 
Namentlich die letzteren sind zu solchen Zwecken als „fliegende Bremsen" 
sehr beliebt, da sie in einfachster Weise mittels eines Hakens an einen 
Stempel angehängt werden können, ohne weiterer Verlagerung zu be- 
dürfen. Bei diesen Scheibenbremsen benutzt man ein Seil von der 
ganzen oder zunächst ein solches von der halben Länge des Bremsberges, 
indem man mittels Seilklemmen eine Schlinge an der jede.smal erforder- 
lichen Stelle des einen Seilendes zum Anhängen des Wagens herstellt und 
das überschüssige Seil in losen Windungen aufgerollt auf den 
Wagen legt. 

Bei stärkerer Neigung des Flötzes nimmt man die Erweiterungsarbeit 
von oben nach unten vor. Dies geschieht wegen der grösseren 
Sicherheit dieses Verfahrens für die Arbeiter, besonders mit Rücksicht auf 
die Schwierigkeit und Gefahr, welche das Einbauen der schweren Zimme- 
rung von unten herauf, von einer felderweise höher zu legenden Bühne 
aus, mit sich bringen würde, während im ersteren Falle die Erweiterungs- 
ünd Zimmerarbeit von fester Sohle aus erfolgt. Hierbei stürzt man die 
beim Erweitem fallenden Massen nach unten durch das noch nicht er- 
weiterte Stück des Ueberhauens ab. Das Fördergestänge wird entweder 
dem Vorrücken der Erweiterungsarbeit entsprechend stückweise oder auch 
erst nach gänzlicher Beendigung der Erweiterungsarbeit im ganzen ein- 
gebaut. 

Bei flacher Lagerung bildet es die Regel, die Bremsberge durch Auf- 
hauen gleich in voller Weite herzustellen. Hierzu nötigen im allgemeinen 
schon die Schwierigkeiten und die Kosten, welche das Abwärtsfördem der 
beim Aufhauen fallenden Massen in einem flachen Ueberhauen von grösserer 
Länge verursacht. Die vorteilhafteste Förderungsart in solchen Aufhauen, 
das Abbremsen der gewonnenen Massen in den gewöhnlichen Förderwagen 
in derselben Weise, wie beim Erweitem von unten nach oben, setzt eine 
genügende Weite des Aufhauens von Anfang an voraus. Daher bildet es 
hier im allgemeinen auch auf dünneren Flötzen die Regel, solche flachen 
Bremsberge gleich in grösserer Weite, als sie die Flötzmächtigkeit bieten 
würde, aufzufahren, also das Nebengestein gleich von vornherein nach- 
zureissen. Dieses Verfahren ist bei der geringen Schwierigkeit, welche 
in flach gelagerten Flötzen die Herstellung und der Ausbau der Bremsberge, 
sowie auch massige Aenderungen des Fallwinkels verursachen, umsomehr 
dann am Platze, wenn das Flötzverhalten als regelmässig bekannt ist 

Bei der Herstellung stärker geneigter Bremsberge auf die gewöhn- 
liche oben angegebene Art pflegt man meistens die aus dem Flötze oder 
vom Nebengestein fallenden Berge wegzufördern. Der Versatz der- 
selben an Ort und Stelle durch Breithauen des Kohlenstosses wird ver- 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 



97 



mieden, um eine möglichst geringe Weite des ausgehauenen Querschnittes 
und somit eine grössere Widerstandsfähigkeit des Bremsberges gegen den 
Gebirgsdruck zu erhalten. Aus demselben Grunde pflegt man in solchen 
Fällen selten ein Fahrtrum im Bremsberge selbst anzulegen, sondern 



a Profil. 




b Urundriss. 

Fig. 7. 

Zeche Prosper, Fl. K, Bremsberg mit Wetterrösche. 



stellt meistens ein besonderes Fahrüberhauen her. Bei zweiflügelig 
betriebenen Bremsbergen ist bergpolizeilich auf jeder Seite des Brems- 
berges ein Fahrüberhauen vorgeschrieben, sofern nicht ein Umbruch 
auf jedem Ort vorhanden ist, der es gestattet, ohne Betreten des Brems- 
Stmmelverk. II 7 



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96 



Vorrichtung. 



berges von einer Seite zur anderen zu gelangen. Der Kohlenpfeüer 
zwischen Bremsberg und Fahrüberhauen bildet den Sicherheitspfeiler 
für ersteren und wird meistens vom Abbau ausgeschlossen bezw. erst 
nach dem Verhiebe der ganzen Abteilung noch so weit als möglich 
gewonnen. Auch wenn der Abbau der betreffenden Bauabteilung mit Ver- 
satz erfolgt, pflegt man mit dem Abbau in der Regel erst am Fahrüber- 
hauen zu beginnen bezw. denselben hier vorläufig zu beenden. 

Auf flach gelagerten Flötzen von geringer Mächtigkeit oder mit 
starken Bergmitteln und Nachfall, wie sie in den nördlichen Revieren anzu- 
treffen sind, werden dagegen die Bremsberge nicht selten unter Breithauen 
des Kohlenstosses, Versatz der Berge an Ort und Stelle und Bildung einer 
Wetterrösche aufgefahren (Fig. 7 a u. b). Auch ist man unter solchen Ver- 
hältnissen vielfach bei der HersteUung der Bremsberge in derselben Weise 




Fig. 8. 
Vorrichtung im Fl. No. 3 Süd der Zeche Graf Bismarck. 



wie bei den Grundstrecken zum Ersätze des Kohlensicherheitspfeilers durch 
einen Bergeversatzpfeiler übergegangen, indem man das Bremsbergaufhauen 
bezw. -Abhauen zusammen mit Parallelort wie einen breiten schwebenden 
bezw. abfallenden Strebstoss auffährt und die vom Nachreissen des Gesteins 
und aus Bergmitteln fallenden Berge zwischen beiden Strecken und ge- 
gebenenfalls auch noch an den seitlichen Kohlenstössen versetzt (Fig. 8). 



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3. Kap.: Die praktische Ausftthrung der Vorrichtung. 



99 



Auch hiermit hat man im allgemeinen gute Erfahrungen gemacht, sofern 
auf die sorgfältige Ausfühnmg deS Versatzes und einen angemessenen 
Ausbau (nötigenfalls mit Holzpfeilern) Bedacht genommen war. 

Bei Anwendung des Abbaues mit Bergeversatz (z. B. bei streichendem 
Stoss- oder Strebbau) werden die Bremsberge unter Umständen erst im 
Anschlüsse an den Abbau hergestellt, indem dieselben an der Baugrenze 
der Versatzstösse ausgespart werden. Der Fortfall der Kohlensicherheits- 
pfeiler in solchen Fällen hat sich auch bei stärker geneigten Flötzen 
häufig bewährt. 

b) Ausbau der Bremsbei^e. 

Zum Ausbau der Bremsberge wird je nach der Standdauer und dem 
Drucke Eichen- oder Tannenholz benutzt. Ausbau in Eisen ist nur ver- 
einzelt in flachen Bremsbergen zu finden und zwar handelt es sich dabei 
wie in Grundstrecken um Thürstöcke aus Eisenschienen oder häufiger 




aus hölzernen Beinen mit Eisenschienen als Kappen. Die Form des Holz- 
ausbaues ist bei flacher Lagerung ebenfalls gewöhnlich Thürstockzimmerung 
oder thürstockartige Schalholzzimmerung. Regelmässig wird dabei eine für 
Firstendruck berechnete Verblattung oder Scharung der Hölzer angewendet. 
Die Geviere werden nahezu rechtwinklig zum Einfallen des Bremsberges 
gesetzt. Auch einfache Stempelzimmerung, aus Stossstempeln bestehend, 
kommt vor, sofern das Hangende sehr fest ist (Fig. 9). 

Bei flacher Lagerung unterscheidet sich der Bremsbergausbau kaum 
von demjenigen streichender Strecken. In stärker geneigten Bremsbergen 
besteht der Ausbau gleichfalls oft lediglich aus einer Kappe am Hangenden 
und zwei mit derselben thürstockartig verblatteten Stosshölzern nebst dem ge- 

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100 



Vorrichtung. 



wohnlichen Verzuge des Hangenden und der Stösse. Eine andere vielfach 
beliebte Verbindung von Kappe und Stosshölzern ist das Einzapfen der 
letzteren mit verjüngten Schwalbenschwanzzapfen (Fig. 10). Die einzelnen 
Ge viere werden entweder durch Tragestempel, die meist unter jeden Stoss- 
stempel der Geviere gelegt werden und zwischen Hangendes und Liegendes 
eingetrieben oder darin eingebühnt sind, gegen Abrutschen gesichert, oder 
man giebt zu demselben Zwecke bei eingezapften Stosshölzern den 
Kappen beiderseits Vorköpfe zum Einbühnen in die Seitenstösse. Ist bei 
starkem Einfallen des Bremsberges £ein Hereinbrechen und Abrutschen 



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Fig. 10. 
Zeche Mansfeld, Fl. 15. Bremsbergausbau. 



des Liegenden zu befürchten, so erhält derselbe einen vollständigen, ge- 
wöhnlich eichenen Rahmenausbau aus Kappe am Hangenden, . Grundsohle 
am Liegenden und zwei Stosshölzern nebst dem nötigen Verzuge hinter 
den Gevieren (Fig. 11). Die Holzverbindung bei letzteren erfolgt ent- 
weder durch einfache thürstockartige Verblattung oder die Stosshölzer 
werden durch Schwalbenschwanzzapfen mit Grundsohle und Kappe ver- 
bunden. Die Geviere, oder wenigstens Kappe und Grundsohle, be- 
stehen in letzterem Falle oft aus vierkantigem Holz. Mitunter werden 
die einzelnen Geviere in steilen Bremsbergen noch untereinander durch 
in der Falllinie stehende Eckbolzen verbunden oder abgesteift, sodass ein 
der Bolzenschrotzimmerung in seigeren Schächten entsprechender Ausbau 
entsteht. Häufig lässt man jedoch eine solche Verbolzung fehlen, da 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 



101 



man im allgemeinen mit Rücksicht auf die oft unvermeidlichen zahl- 
reichen Reparaturen am Ausbau der Bremsberge ohnehin jedes Gevier 
für sich zu verlagern pflegt, also nicht, wie meist in seigeren Schächten, 
mehrere Ge viere durch ein gemeinschaftliches Trageholz abfängt. Auf 
diese Weise kann jedes Gevier für sich unabhängig von den anderen 
eingebaut und ausgewechselt werden. Die selbständige Verlagerung der 
einzelnen Geviere erfolgt auch beim Rahmenausbau entweder durch 
Unterlegen je eines Trageholzes unter jedes Stossholz oder, wie es bei 




70-75* 

Fig. 11. 
Zeche Zollverein IV, Fi. 16. Bremsbergausbau. 



Schwalbenschwanzverzapfung der Rahmenhölzer meist geschieht, durch 
Vorköpfe an Kappe und Grundsohle, welche in den Seitenstössen einge- 
bühnt werden. 

Bei den versatzstossartig aufgefahrenen oder im Versätze aus- 
gesparten Bremsbergen wendet man neben dem gewöhnlichen Ausbau 
namentlich noch Bergemauerung und Holzpfeiler aus paarweise über- 
einander geschichtetem Stempelholze zum Verwahren der Stösse an. Im 
übrigen gelten hierbei die Grundsätze, welche bezüglich des Ausbaues 
bei Versatzbau beobachtet werden (vergl. Abbau mit Bergeversatz). 

An den Einmündungsstellen der streichenden Strecken in den 
Bremsberg, wo die die Anschläge versperrenden Stosshölzer in Fortfall 
kommen müssen, andererseits aber ein besonders kräftiger Ausbau er- 
forderlich ist, wird gewöhnlich beiderseits am Stosse des Bremsberges, 
also in der Flucht der Stosshölzer, ein starkes Unterzugsgevier von einer 
der flachen Höhe des Anschlags entsprechenden Spannweite eingebaut. 



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102 



Vorrichtung. 



Die Kappen der beiden Ge viere entsprechen in ihrer Lage den Firsten- 
hölzern der Anschlagszimmerung in der betreffenden Strecke und liegen 
daher bald in der Falllinie des Bremsberges, bald mehr oder weniger 
söhlig, jenachdem, wie der Anschlagsquerschnitt in das Bremsbergprofil 
einschneidet. Auf diesen Unterzugskappen kann eine Anzahl Bremsberg- 
kappenhölzer oder starker Schalhölzer Auflage finden, ohne dass der 
Bremsberg dabei an lichter Weite verliert. 

Zur weiteren Erläuterung der an den Anschlagspunkten der Brems- 
berge gebräuchlichen Zimmerungsarten mögen die Figuren 1 bis 6 auf 
Tafel XIV dienen. 

c) Das Legten der Pörderg^estäng^e in den Bremsberg^en. 

Die Fördergestänge der Bremsberge sucht man möglichst unabhängig 
von dem Ausbau der letzteren zu verlegen, um beide Teile für sich nach 
Bedarf auswechseln und abändern zu können. Daher bringt man die 
Schwellen für das Gestänge nicht unnötig in festen Verband mit der 




Fig. 12. 
Zeche Concordia, Fl. Q, Befestigung der Schwellen. 



Bremsbergzimmerung und wendet ganzen Rahmenausbau selten in der 
Absicht an, um die Grundsohlen als Schwellen für die Geleise zu benutzen. 
Auch in stärker geneigten Bremsbergen, wo an sich ein Rahmenausbau 
erforderlich ist, benutzt man gewöhnlich nicht die Grundsohlen desselben 
zum Befestigen der Fördergeleise, sondern legt dieselben auf besondere 
Schwellen, welche in den Seitenstössen eingebühnt werden oder nur hinter 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 



103 



den Grundsohlen bezw. den Stosshölzern des Ausbaues Auflage finden 
und mit denselben durch Nägel oder Klammem verbunden sind, um sie in 
ihrer Lage zu erhalten (Fig. 12). 

Zur Unterstützung der Schwellen und zum Ausgleich von Uneben- 
heiten des Liegenden werden auch wohl kurze, im Liegenden eingebühnte 
Bockstempel angebracht (Fig. 13). 



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Fig. 13, 
Zeche Mansfeld, Fl. Sonnenschein. 



d) Einmündung der Bremsberge in die Qrundstrecken. 

Bergpolizeilicher Vorschrift entsprechend müssen am Fusse der 
Bremsberge, wo dieselben in Förderstrecken einmünden, geeignete Vor- 
richtungen angebracht sem, welche die daselbst beschäftigten Personen 
gegen Beschädigung durch abgehende Wagen und etwa im Brems- 
berge herabfallende Gegenstände schützen.*) Man genügt dieser Vor- 
schrift im hiesigen Bezirke je nach den Verhältnissen und der Gewohnheit 
auf den einzelnen Gruben in verschiedener Weise. Die Schutzvorrichtung 
besteht bald aus einer genügend starken Stempelreihe am Fusse des Brems- 
berges, bald aus einer Schutzmauer aus Ziegelsteinen oder durch Stempel- 
reihen verstärkter, trockener Bergemauerung, bald aus einem starken Holz- 



•) § 17 der B.-P.-V. vom -. 



6. Oktober 1887 



1. Juli 1888 
Bremsbergen, Abhauen pp. beschäftigten Personen. 



betr. den Schutz der in Schächten, 



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104 Vorrichtung. 

verschlage oder einer Verumbruchung der Grundstrecke durch dgts Gestein. 
Häufig dient eine solche Schutzvorrichtung zugleich zum wetterdichten 
Abschluss des Bremsbergfusses. 

Die Figuren 1 — 6 auf Tafel XV liefern Beispiele für die Einrichtung 
der Anschläge und Umbrüche am Fusse der Bremsberge. 



3. Rolllöchen 

Rolllöcher werden im hiesigen Bezirke ihrer bekannten Nachteile 
wegen nur selten zur Vorrichtung und Kohlenförderung an Stelle von 
Bremsbergen angewandt. Meist handelt es sich dabei um den Abbau 
stark geneigter Flötze von geringer Mächtigkeit, bei welchen auch die 
Lage und Ausdehnung des betreffenden Flötzstückes die Vorrichtung 
mittels Bremsberges nicht zweckmässig erscheinen lassen oder bei welchen 
die Rolllochsförderung durch die besondere Art des Abbaues bedingt 
wird (vergl. z. B. schwebende Abbaustrecken und schwebenden Pfeiler- 
bau). In zahlreichen Fällen dienen Rolllöcher andererseits als Hülfsbetriebe 
beim Abbau mit Versatz zur Bergeförderung. 

Als Rolllöcher einzurichtende Ueberhauen werden gewöhnlich mit 
Rundholzge vieren ausgebaut und erhalten eine solche Breite, dass neben 
der Förderabteilung noch ein Fahrtrum hergestellt werden kann, um 
Reparaturen besser ausführen und fetwa eintretende Verstopfungen des 
Fördertrummes beseitigen zu können. Das Fördertrum wird durch Ein- 
strichhölzer und Verschlag aus Bohlen oder Schalhölzern von der Fahr- 
abteilung getrennt und erhält häufig ausser dem Liegenden auch noch 
an den Stössen und am Hangenden eine Holzverschalung. Bisweilen 
ersetzt man die Abtrennung und Auskleidung eines Fördertrummes in dem 
Rolllochsüberhauen durch das Einbauen einer geräumigen Eisenblechlutte 
bezw. einer geschlossenen Eisenblechrutsche. So sind z. B. auf der Zeche 
ver. Constantin d. Grosse Schacht III seit einiger Zeit geschlossene eiserne 
Rutschen als Sammelrollen für die in der Nachmittagsschicht bezw. beim 
Stillstande der Förderung gewonnenen Kohlenmengen in Gebrauch. Die 
für gewöhnlich lästige Förderung von Zwischenörtern lässt sich hierbei 
in einfacher Weise ermöglichen, indem unterhalb der Oerter Zweiglutten 
in spitzem Winkel an die Hauptlutte angeschlossen werden, welche sich 
nach oben trichterartig erweitern (Fig. 14). 

Bergerolllöcher werden bisweilen besonders kräftig mit beschlagenem 
oder geschnittenem Schachtholze ausgebaut (Fig. 15). 

Stets werden die Rolllöcher im hiesigen Bezirke als geschlossene 
Rollen eingerichtet und dementsprechend am unteren Ende mit Verschluss- 



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3. Kap.: Die praktische Auaftthrung der Vorrichtung. 



105 




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106 



Vorrichtung. 



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Fig, 15, 
Zeche Massener Tiefhau, Bergerolllocb. 



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Fig. 17. 
Kölner Bergwerksverein, Seht. Anna. 
Bergerollloch mit Rost aus Gruben- 
schienen. 




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Fig. 16. 
Zeche Massener Tiefbau. 

Schieber und einfachem, quer zur Strecke gerichtetem oder mit doppeltem, 
in der Streckenrichtung liegenden Ladetische versehen (Fig. 16a u. b). 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 107 

Bei Bergerolllöchern wird die obere Oeffnung gern mit einem Roste 
überdeckt, um das Hineinstürzen zu grosser Gesteinsstücke zu verhindern 
(Fig. 17a u. b). \ 

4. Schwebende Abbaustrecken. 

Das Auifahren der schwebenden Abbaustrecken bei der Vorrichtung 
zum schwebenden Pfeilerbau, dessen Anwendung sich auf wenige Gruben 
mit flacher Lagerung beschränkt, unterscheidet sich höchstens in Bezug 
auf die Bewetterung von dem Auffahren der Bremsberge. Die etwa 
fallenden Berge werden hier regelmässig an Ort und SteUe am Stosse 
versetzt und auch zur Bildung einer Wetterrösche benutzt. Auch die 
Förderung ist dieselbe wie dort, indem die Strecken bei einem Ansteigen 
über 4 — 5^ als doppeltrümmige Wagenbremsberge eingerichtet werden. 
Bei mittlerer und steiler Flötzneigung, wo Förderimg dieser Art nicht 
mehr anwendbar ist, sieht man im hiesigen Bezirke vom Abbau mit 
schwebenden Abbauörtern gänzlich ab und geht zu Bauarten mit strei- 
chenden Oertem (streichendem Pfeilerbau) über. Nur vereinzelt findet 
sich schwebender Pfeilerbau auf stärker geneigten, besonders ganz steilen 
schwachen Plötzen, wobei die Abbaustrecken durch Rolllöcher vertreten 
werden (vergleiche schwebender Pfeilerbau). 

Hinsichtlich der Bewetterung ist bei dem Betriebe der schwebenden 
Abbaustrecken, soweit es sich um Schlagwettergruben handelt, zunächst 
der Durchschlag der ersten Strecke mit der oberen Sohle bezw. Teilsohle 
erforderlich, bevor das Auffahren der übrigen beginnen darf. Damit der 
Wetterstrom in der betreffenden Bauabteilung der allgemeinen Vorschrift 
entsprechend aufsteigend geführt werden kann, müssen in geeigneten Ab- 
ständen streichende Durchhiebe von Strecke zu Strecke hergestellt werden. 

Das Auffahren der Abbaustrecken unter vollständiger Abwärtsführung 
des Stromes in jeder einzelnen Strecke ist nach den bergpolizeilichen 
Bestimmungen unzulässig, da eine solche Abwärtsführung des Stromes 
allein bei den im Aufhiebe begriffenen Ueberhauen gestattet ist, eine 
Ausnahme, welche sinngemäss nicht für das Auffahren der den Charakter 
von Abbauörtern tragenden und meist in grösserer Anzahl gleichzeitig be- 
triebenen schwebenden Baue gelten soll.*) Bei letzteren muss sich daher 
die Abwärtsführung des Stromes in den einzelnen Strecken auf geringe 
Längen beschränken, nämlich auf die Streckenenden oberhalb der jeweiligen 
letzten streichenden Durchhiebe, wo dieselbe nicht zu vermeiden ist. 



•) Vergl. § 19 d. B.-P.-V. v. 'J^J^;^. 



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108 



Vorrichtung. 



IV. Vorrichtimgsbetriebe im Gestein. 

1. Seigere blinde Schächte. 

Die bei der gemeinsamen Vorrichtung starkgeneigter Flötzgruppen 
sehr verbreiteten seigeren Gesteinsbremsschächte unterscheiden sich be- 
züglich der Herstellungsart in keiner Weise von den zur Ausrichtung 
flach gelagerter Flötze ebenfalls sehr häufig in Anwendung stehenden 
seigeren blinden Schächten. Dieselben werden, sofern es sich nicht um 
Unterwerksbau handelt, regelmässig als Aufbruchschächte hergestellt, da 
die Gewdnnungsarbeit, Wasserhaltung und Förderung sich beim Auf- 




Fig. 18, 
Zeche Hibernia. Bewetterung eines im Aufbrechen begriffenen blinden Schachtes. 



brechen bei weitem günstiger gestaltet als beim Abteufen. Man verfährt 
hierbei in der Weise, dass ein Trum des Schachtes während des Auf- 
brechens gegen die übrigen abgekleidet und zum Abstürzen der Berge 
benutzt wird. Man hält dasselbe jedoch möglichst mit Bergen angefüllt, 
um die Sturzhöhe der Berge zur Schonung des Schachtausbaues zu ver- 
ringern. Am Fusse des Schachtes wird das Bergetrum mit einer roU- 
lochartigen Entladevorrichtung versehen. Die Bewetterung beim Auf- 
brechen erfolgt meistens durch Sei3aratventilation, indem in einem der 
freien Trumme eine mit einem Ventilator verbundene T-*uttentour nachge- 
führt wird, während der übrige freie Querschnitt zum Ein- bezw. Abziehen 
des Wetterstromes dient. Bisweilen arbeitet man jedoch auch bei den 



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3. Kap.: Die praktische Aufführung der Vorrichtung. 



109 



Aufbruchschächten mit dem durchgehenden Wetterstrome, indem ein 
Trum — meist das spätere Fahrtrum — gegen die übrigen Trumme und 
die Schachtstösse dicht verschlagen wird und dadurch 2 getrennte Wetter- 
wege hergestellt werden (z. B. auf Zeche Neu-Iserlohn). Anstatt durch eine 
solche allseitige Verschalung des betreffenden Trummes bewirkt man die 
Abdichtung desselben auch auf die in Fig. 18 dargestellte Weise, indem 




Einfache Verblattung. Doppelte VerblattunK. 

Fig. 19, 

Eck-Verbindung der Schachtgeviere beim Ausbau seigerer blinder Schächte. 





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Fig, 20. 
Zeche Hercules. Eintrümmiger seigerer Bremsschacht zur Vorrichtung 

einer Flötzgruppe. 



man nur die dem Nachbartrum zugewendete Seite verschalt, hinter dem 
Schachtholze abmauert und das Verzugholz der Stösse mit feinen Bergen 
hinterfüllt (Zeche Hibernia). 

Der Querschnitt dieser Bremsschächte ist dem regelmässig zur An- 
wendung kommenden Holzausbau entsprechend stets rechteckig oder 



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110 



Vorrichtung. 



quadratisch. Der Ausbau besteht in einer Bolzenschrotzimmerung aus 
vierkantig geschnittenem Eichenholze und gleicht in Bezug auf die Holz- 
verbindungen im allgemeinen dem auch in den älteren seigeren Förder- 
schächten des hiesigen Bezirkes anzutreffenden Ausbau (vergl. Fig. 19, 
sowie Abschnitt »Grubenausbau«). In Bezug auf die Grösse und Einteilung 
des Schachtquerschnittes unterscheiden sich die hier in Rede stehenden 
Bremsschächte zur Vorrichtung in der Regel von den erwähnten Aus- 
richtungsschächten. Erstere werden nämlich vorzugsweise eintrümmig 
angelegt, da sie von mehreren Oertern zur Sohle fördern müssen; sie er- 
halten daher ausse dem Fahrtrum nur e i n Fördertrum und ein kleines 
Gegengewichtstrum (Fig. 20). Die Ausrichtungsschächte, welche ein 
flachgelagertes Flötz von der Sohle aus lösen sollen, werden dagegen 







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Fig, 21. 
Zeche Massener Tiefbau. Bremsschacht zur Vorrichtung einer Flötzgruppe. 



meist doppeltrümmig eingerichtet , da dieselben nur zwischen zwei 
Punkten ohne Zwischenanschläge, nämlich von der betreffenden Teil- 
sohle im Flötz bis zur Hauptsohle zu fördern haben. Eine Ausnahme 
bezüglich der Einrichtung der ersteren Schächte macht man jedoch stellen- 
weise insofern, als auch diese wohl doppeltrümmig angelegt werden bei 
Abbau mit Bergeversatz, wenn Bergewagen mittels der Schwerkraft auf- 
wärts gefördert werden sollen (vergl. Bergeförderung bei Versatzbau), oder 
wenn man sie späterhin als Transportbremsschächte zur Förderung zwischen 
den beiden Sohlen benutzen will. In letzterem Falle lässt man sie zunächst 
nur eintrümmig arbeiten (Fig. 21). 



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3. Kap.: Die praktische Ausführung der Vorrichtung. 



111 



Die Lage des Schachtes zu der Flötzgruppe, für welche er dienen 
soll, wird möglichst so gewählt, dass einerseits die Ortsquerschläge die 
geringste Länge erhalten, und dass andererseits der Schacht der Abbau- 
wirkung am wenigsten ausgesetzt ist. Derselbe steht daher zwar gewöhnlich 
innerhalb der betreffenden Flötzgruppe, aber möglichst nahe dem liegendsten 
Plötze (vergl. Fig. 2 auf S. 76). Bei starkem Gebirgsdrucke setzt man 
den Bremsschacht jedoch auch wohl vollständig in das Liegende der Gruppe, 
um die Einwirkung des Abbaues auf denselben ganz zu vermeiden und 
das Anstehenlassen eines Sicherheitspfeilers in den Flötzen zum Schutze 
für den Schacht entbehrlich zu machen. 

Die Lage des Bremsschachtquerschnittes zu den Gebirgsschichten ist 
verschieden, jenachdem der Schacht unmittelbar an dem betreffenden Ab- 




BremssduLotil 




^ Bremsschujcht' 



a. Anschlag: querschlägis. b. Anschlag streichend. 

Fig. 22. 
Lage der seigeren Bremsschächte zu den Abteiiungsquerschlägen. 



teilungsquerschlag oder einige Meter seitwärts von demselben angesetzt 
ist. Im ersteren Falle liegt der Anschlag querschlägig, in letzterem Falle 
streichend (Fig. 22 a u. b). 

Auch bei Unterwerksbauen bedient man sich zuweilen seigerer Ge- 
senke im Gestein zur Vorrichtung. Da jedoch Unterwerksbau für gewöhn- 
lich nur bei flacher Lagerung betrieben wird und hierbei die Vorrichtung 
durch Abhauen günstiger ist, beschränkt sich der Gebrauch seigerer Ge- 
senke zu diesem Zwecke auf einzelne besondere Fälle, in welchen FJötz- 
gruppen von stärkerem Einfallen unterhalb der Bausohlen gewonnen 
werden sollen (z. B. auf der Zeche Roland). 



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112 



Vorrichtung 




Fig. 23. 

Zeche Massener Tiefbau, 6V2ni Flötz. Vorrichtung durch seigeren Bremsschacht 
und Ortsquerschllge bei Anwendung von streichendem Stossbau mit Stössen 

von Streckenhöhe. 

2. Ortsquerschläge. 

Die bei der gemeinschaftlichen Vorrichtung von Flötzgruppen durch 
einen Bremsberg oder Bremsschacht erforderlichen Ortsquer schlage werden 
gewöhnlich einspurig aufgefahren. Bei Vorrichtung durch Bremsberge, 
bei welchem die Anschläge immer streichend liegen, werden die Quer- 
schläge in 5 — 10 m streichender Entfernung von demselben angesetzt, um 
genügenden Raum für die Anschläge zu erhalten. Bei Anwendung von 
Bremsschächten hängt die Lage der Ortsquerschläge von der Lage der 
Fördertrumme zu den Gebirgsschichten ab, entspricht also im allgemeinen 
derjenigen des Sohlenquerschlages. 



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3. Kap.: Die praktitche Ausführung der Vorrichtung. 113 

Eigentümlich gestaltet sich die Vorrichtung mit seigerem Brems- 
schachte und Ortsquerschlägen bisweilen bei der Anwendung einer be- 
sonderen Abbauart, des streichenden Stossbaues mit Stössen von 
gewöhnlicher Streckenhöhe. Wenn hierbei jeder einzelne Stoss des 
Flötzes vom Bremsschachte aus querschlägig gelöst wird, so 
liegen die nacheinander in der Reihenfolge von unten nach oben auf- 
zufahrenden Querschläge unmittelbar tibereinander ohne Trennung durch 
ein Gesteinsmittel, sodass dieselben einen vom Bremsschachte bis zum 
Flötze durchgehenden, nach und nach höher geführten, und stossweise 
wieder mit Bergen ausgefüllten Schlitz bilden. Die Firste desselben 
wird also jedesmal um eine Querschlagshöhe nachgeschossen, sobald der 
nächst höhere Stoss in Abbau genommen werden soll. Zur Erläuterung 
möge der in Fig. 23 a u. b dargestellte Fall dienen, welcher unter besonderen 
Verhältnissen beim Abbau des 6 Va m mächtigen Flötzes der Zeche Massener 
Tiefbau vorgekommen ist. Bezüglich der näheren Umstände hierbei vergl. 
„streichender Stossbau" und „Abbau mächtiger Flötze". 



Sammelwerk. II. 



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Abbau. 

Von Bergassessor Trainer. 



8* 



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Die vorkommenden Abbauarten. 

Im Ruhrkohlenbezirke lassen sich zur Zeit folgende Abbauarten unter- 
scheiden: 

1. Streichender Pfeilerbau. 

2. Schwebender Pfeilerbau. 

3. Streichender Stossbau. 

4. Schwebender und abfallender Stossbau. 

5. Streichender Strebbau. 

6. Schwebender Strebbau. 

7. Vereinigter Streb- und Pfeilerbau, streichend. 

8. Vereinigter Streb- und Pfeilerbau, schwebend. 

9. Streichender Pfeilerbau mit Versatz. 
10. Firstenbau. 

Diese Hauptarten sind durch die jeder derselben eigenen charak- 
teristischen Merkmale im allgemeinen ziemlich scharf gegeneinander abzu- 
grenzen.*) Jedoch finden sich auch Uebergänge der einen Abbauart zur 
anderen, sodass mitunter der reine Charakter einer bestimmten Abbau- 
art bis zu einem gewissen Grade verwischt wird. Dies ist namentlich der 
Fall bei flacher Flötzlagerung, wie sie in den grossen nördlichen Mulden 
unseres Steinkohlengebirges vorherrscht, während bei stärkerer Flötz- 
neigung die charakteristischen Merkmale meist unverkennbar hervortreten. 

Der Abbau ohne Versatz wird durch die beiden Arten des Pfeiler- 
baues vertreten. 

Der schwebende Pfeilerbau wird nur sehr vereinzelt angewandt; er 
lieferte 1898 nur 0,7 % der Förderung des Bezirkes. Der streichende 

*) Vergl. Glückauf, Jahrg. 34, 1898, No. 35 >Ueber eine einheitliche Be- 
nennung der Abbauarten«. 



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118 Abbau. 

Pfeilerbau ist dagegen die allgemeinste und am meisten verbreitete 
Abbauart. Im Jahre 1898 wurden ungefähr 58 % der ganzen Förderung 
des Ruhrkohlenbezirkes mit streichendem Pfeilerbau gewonnen. Den 
Typus eines regelmässigen gemischten Abbaues, d. h. eines solchen, bei 
welchem ein planmässiges Versetzen des Abbauraumes nur in einem und 
zwar im ersten Stadium des Betriebes stattfindet, während im zweiten 
Betriebsstadium ohne Versatz abgebaut wird, bilden die unter No. 7 und 8 
aufgeführten beiden Arten des vereinigten Streb- und Pfeilerbaues. Beide 
gelangen hier nur in beschränktem Masse zur Anwendung (zusammen 
ca. 2 % der Förderung). Die grösste Mannigfaltigkeit bietet der jetzt sehr 
verbreitete Abbau mit Berge versatz, welcher durch die übrigen oben- 
genannten Abbauarten vertreten ist und an der gesamten Förderung des 
Ruhrkohlenbezirkes im Jahre 1898 mit nahezu 40% beteiligt war. 

Ueber die Verbreitung der verschiedenen Abbauarten auf den einzelnen 
Gruben des Bezirks und die Bedeutung derselben für die einzelne Grube 
sowie für den ganzen Bezirk giebt die das Jahr 1898 betreifende statistische 
Zusammenstellung auf S. 315 if. näheren Aufschluss. 



1. Kapitel: Abbau ohne Berge versatz* 



I. streichender Pfeilerbau. 

1. Bedeutung und Verbreitung desselben. 

Der streichende Pfeilerbau ist, wie im geschichtlichen Teile hervor- 
gehoben wurde, die erste Abbauart, welche allgemeine Verbreitung im Ruhr- 
gebiete gefunden und auch bis heute die erste Stelle behauptet hat. Der 
Grund hierfür liegt in den Flötz- und Lagerungsverhältnissen, welche 
infolge des meistens nicht besonders reichlichen Bergefalles in den Plötzen 
im allgemeinen mehr auf Abbau ohne Versatz hinweisen und zugleich 
wegen des sehr wechselnden und oft steilen Einfallens streichend geführten 
Bau gewöhnlich als den geeignetsten erscheinen lassen. In dieser Hinsicht 
entspricht daher der streichende Pfeilerbau an sich in den meisten Fällen 
dem natürlichen Flötzverhalten im hiesigen Bezirke am besten. Dem- 
entsprechend ist diese Bauart auch zur Zeit noch auf den meisten Gruben 
anzutreffen; auf sehr vielen überwiegt dieselbe im Vergleiche mit den 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeyeraatz. 119 

auf den betreffenden Gruben gebräuchlichen übrigen Abbauarten erheblich; 
oft bildet dieselbe auch die ausschliessliche Abbauart auf einer Grube. 

Der Umstand, dass in der neueren Zeit, hauptsächlich seit den 1880 er 
Jahren, diese bis dahin fast ausschliesslich angewandte Bauart mehr und 
mehr durch Bergeversatzbau verdrängt worden ist, hat, wie schon früher 
bemerkt wurde, nur zum geringen Teile seinen Grund in Veränderungen 
bezüglich des Bergefalles in den Plötzen während der letzten Jahrzehnte. 
Die Hauptursache liegt vielmehr in äusseren Einflüssen, die zur Ein- 
führung des Versatzbaues nötigten, sowie in dem zunehmenden Bestreben, 
gewisse Mängel oder betriebliche Nachteile des Pfeilerbaues zu vermeiden, 
welche demselben, ganz abgesehen von dem Gebirgs- und Plötzverhalten, 
stets anhaften (vergl. geschichtlichen Teil). 

2. Das allgemeine Wesen der Bauart und die hauptsächlichsten Ver- 
hältnisse, unter welchen die Ausführung Verschiedenheiten zeigt. 

So einfach und charakteristisch das Wesen des streichenden Pfeiler- 
baues auch ist — Zerlegung des Baufeldes durch ein System streichender 
Strecken und Rückbau der so gebildeten Pfeiler — so treten doch in der 
praktischen Ausführung dieser Bauart gegenwärtig mancherlei Ver- 
schiedenheiten hervor, welche oft auf den ersten Blick den Charakter 
dieser Abbauart in einem gegebenen Falle verkennen lassen. Die Ur- 
sache dieser Verschiedenheiten bei der Ausführung des streichenden 
Pfeilerbaues ist das innerhalb des Bezirks ausserordentlich wechselnde 
Gebirgs- und Flötzverhalten; ein Teil der Unterschiede hat sich erst in der 
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herausgebildet, seitdem unser Bergbau 
in grössere Tiefen und mehr in die hangenden Flötzgruppen vorgedrungen 
ist. In dem gleichmässigeren und im allgemeinen besseren Gebirge, mit 
welchem der früher in massigen Tiefen umgehende Bergbau in den süd- 
lichen Teilen des Bezirks zu thun hatte, zeigte der Pfeilerbau kaum wesent- 
liche Abweichungen auf den verschiedenen Gruben. 

Die Verschiedenheiten in der Ausführung des streichenden Pfeiler- 
baues ergeben sich hauptsächlich in Bezug auf folgende Punkte: 

1. in der Bemessung der Grösse des Baüfeldes, 

2. in der näheren Einteilung desselben, also in der Zahl bezw. dem Ab- 
stände der Abbaustrecken oder in der Pfeilerstärke, 

3. in Bezug, auf die zeitliche Aufeinanderfolge des Auffahrens der ver- 
schiedenen Abbaustrecken und des Abbaues der einzelnen Pfeiler, 

4. in Bezug auf die beim Abbau der einzelnen Pfeiler angewandte 
Verhiebsart. 



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120 Abbau. 

Die folgenden Abschnitte geben über die Einzelheiten bei der Aus- 
führung des streichenden Pfeilerbaues näheren Aufschluss, wobei obige 
Punkte besondere Berücksichtigung finden werden. 

3. Die Bemessung des Baufeldes beim streichenden Pfeilerbau. 

Bei der Abgrenzung der einzelnen Baufelder (Bremsbergabteilungen), 
welche durch streichenden Pfeilerbau gewonnen werden sollen, macht 
sich im hiesigen Bezirke namentlich in Bezug auf die Bemessung 
der streichenden Flügellängen eine starke Verschiedenheit bemerkbar. 

Wie schon im geschichtlichen Teile hervorgehoben wurde, ist man 
allgemein von den sehr erheblichen Baulängen früherer Zeiten mit Rück- 
sicht auf die Streckenförderleistung und die Streckenunterhaltungskosten 
abgekommen und nimmt daher einflügelige Bauabteilungen beim streich- 
enden Pfeilerbau jetzt nicht über 250 — ^300 m, zweiflügelige entsprechend 
nicht über 500 — 600 m lang. Das Auftreten von Störungen, welche man als 
natürliche Baugrenzen bei der Einteilung des Feldes möglichst berücksichtigt, 
bedingt naturgemäss häuflg ein Abweichen von den Massen, welche man sonst 
unter denselben Flötzverhältnissen wählen würde; infolgedessen sinkt die 
Flügellänge der Bremsberge nicht selten erheblich unter den angegebenen 
Maximalwert, etwa auf 100 — 150 m herab. Stellenweise erhalten die Brems- 
bergflügel sogar nur eine Länge von je 25 — 30 m. Auf diese Weise kann 
der Bau schhesslich dem schwebenden Pfeilerbau sich nähern, indem die 
Bremsberge so nahe aneinander rücken, dass das Baufeld durch dieselben 
immittelbar in Pfeiler von schwebender Längenerstreckung zerlegt erscheint 
Derartige aussergewöhnliche Abweichungen in Bezug auf die streichende 
Länge der Pfeiler sind auf einzelnen der nördlichen Gruben in Flötzen von 
massigem Einfallen und sehr druckhaftem Nebengestein zu finden. Hier- 
mit sind dann meistens auch noch gewisse andere Eigentümlichkeiten des 
Abbauverfahrens verknüpft, welche dem Bau im ganzen ein von dem nor- 
malen streichenden Pfeilerbau verschiedenes Gepräge geben (vergl. Fig. 24, 
Zeche Prosper). 

Die grosse Zahl der Bremsberge fällt hierbei weniger ins Gewicht, 
da die Herstellung derselben in flach und regelmässig gelagerten Flötzen 
einfach ist und ohne grosse Kosten erfolgen kann. 

Bei stärkerer Flötzneigung verbieten es gewöhnlich die hohen Kosten 
für die Herstellung und Unterhaltung der Bremsberge, die FlügeDänge der 
letzteren allzu gering — unter 150 — 200 m — zu bemessen. Auch wenn 
es sich um eine durch einen Bremsberg oder Bremsschacht gemein- 
schaftlich vorgerichtete Flötzgruppe handelt, wird die FlügeDänge unter 
100 — 150 m genommen. Besondere Umstände können allerdings beim PfeDer- 
bau in solch steilen Flötzgruppen eine noch weitergehende Abkürzung 



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X. Kap.: Abbau ohne Bergeyenatz. 



121 



der Bauabteilungen veranlassen (vergl. z. B. den in Fig. 3 a und b a. S. 77 
dargestellten und bereits im Abschnitte Vorrichtung erläuterten Fall von 
der Zeche ver. Stock und Scherenberg). 

Die flache Bauhöhe der Bremsbergfelder schwankt beim streichenden 
Pfeilerbau nicht in so weiten Grenzen, wie die streichende Baulänge. 
Die in dieser Beziehung hervortretenden Unterschiede werden weniger 
durch die Abbauart an sich bedingt, als durch die sonstigen bei der 
Bildung der Sohlen bezw. der Teilsohlen massgebenden Verhältnisse, 




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Fig. 24, 
Zeche Prosper, streichender Pfeilerbau. 



unter welchen die Rücksicht auf eine günstige Bremsberg- bezw. Brems- 
schachtförderung an erster Stelle steht. Für gewöhnlich entspricht daher 
die flache Höhe der gleichzeitig zum Abbau gelangenden Flötzfläche beim 
streichenden Pfeilerbau dem flachen Sohlen- bezw. Teilsohlenabstande, wie 
derselbe nach den allgemeinen für die Sohlen- und Teilsohlenbildung mass- 
gebenden Gesichtspunkten bemessen worden ist. Hierbei übersteigt die 
flache Höhe einer Bremsbergabteilung in der Regel 100—150 m nicht, 
zumal da ein zur Förderung von einer grösseren Zahl von Anschlags- 
punkten bestimmter Bremsberg bezw. Bremsschacht bei dieser Höhe 
meistens die Grenze seiner Leistungsfähigkeit erreicht. 

4. Die Einteilung des Baufeldes beim streichenden Pfeilerbau 

(Pfeilerbildung). 

Im geschichtlichen Teile ist schon auf den Wechsel hingewiesen 
worden, welcher beim Pfeilerbau in Bezug auf das Verhältnis der Oerter- 



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122 Abbau. 

breite zur Pfeilerstärke im Laufe der Zeit eingetreten ist. Es gilt jetzt 
als Regel, durch verhältnismässig schmale Strecken das Baufeld in Pfeiler 
zu zerlegen. Die Streckenweite wird also im allgemeinen nicht grösser 
genommen als zur Herstellung einer einspurigen Förderbahn und zur Unter- 
bringung der etwa beim Auffahren fallenden Berge notwendig ist. Die 
flache Höhe der Oerter ist daher durchweg geringer als diejenige der 
Pfeiler. 

Nur in dünnen Plötzen mit sehr starkem Bergefall vom Nachreissen 
der Strecken kann die flache Ortshöhe der Pfeilerhöhe annähernd gleich- 
kommen. Der Bau verliert alsdann seinen Charakter als gewöhnlicher 
Pfeilerbau und wird zum vereinigten Streb- und Pfeilerbau (vergl. daselbst). 

Der Abstand der Abbaustrecken voneinander, also die Pfeilerstärke, 
schwankt in Westfalen in weiten Grenzen und ist namentlich vom 
Einfallen der Mächtigkeit und dem Nebengestein des Flötzes abhängig. Unter 
sonst gleichen Verhältnissen spricht dabei auch die besondere Gewohnheit 
auf den einzelnen Gruben mit. Hiernach bewegt sich die Pfeilerstärke 
beim streichenden Pfeilerbau ungefähr zwischen 8 und 40 m flach gemessen; 
gewöhnlich beträgt sie 10 — 15 m. Diese Grenze wird bei steiler Lagerung 
nur ausnahmsweise und auch dann nur wenig überschritten, wenn viel- 
leicht das Flötz bei geringer Mächtigkeit sehr gutes, festes Nebengestein 
besitzt. Dagegen führt eine starke Flötzneigung namentlich bei grösserer 
Mächtigkeit oder bei leicht nachbrechendem Nebengestein, oder bei 
weicher Kohle nicht selten dazu, die Pfeilerhöhe bis auf etwa 7 — 8 m zu 
verringern mit Rücksicht auf die Gefahr der Arbeit in hohen stehenden 
Pfeilern. Unter diese Grenze geht man beim streichenden Pfeilerbau 
planmässig überhaupt kaum hinab. 

Viel weitere Grenzen sind der Wahl der Pfeilerhöhe bei flacher und 
mittelstark geneigter Lagerung gezogen. In solchen Fällen sind im 
hiesigen Bezirke Pfeilerstärken bis 20 m nicht ungewöhnlich; ver- 
schiedentlich wird diese Höhe aber auch überschritten und eine solche 
von 30 — 40 m erreicht; denn bei massiger Flötzneigung lässt sich die 
Gefahr, welche an und für sich mit der Arbeit in hohen Pfeilern ver- 
knüpft ist und welche besonders im Stein- und Kohlenfall, sowie im 
Zubruchegehen des Pfeilerraumes liegt, durch die Anwendung einer 
geeigneten Verhiebsart und eines entsprechenden Ausbaues bedeutend 
herabmindern, während diese Möglichkeit bei starkem Flötzeinfallen nicht 
in gleichem Grade gegeben ist. 

Die Gründe für die Wahl solch ausserordentlicher Pfeilerhöhen 
sind einmal in der Absicht zu suchen, die Vorrichtungskosten dadurch 
herabzumindern, dass der verhältnismässig teuere Ortsbetrieb auf das 
geringste Mass beschränkt wird. Die Kohlengewinnung soll also zu einem 
möglichst höhen Prozentsatze beim Rückbau der Pfeiler geschehen, welcher 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 



123 



bei niedrigerem Gedinge eine höhere Leistung erzielen lässt. Hierbei ist 
zugleich der weitere Vorteil ins Auge gefasst, dass infolge der geringen 
Streckenzahl auch die Streckenunterhaltungskosten sich nicht nur der ge- 
ringeren Gesamtlänge der Strecken entsprechend ermässigen, sondern 
auch an sich wesentlich herabgedrückt werden, da die geringfügige 
Durchörterung der Bauabteilung bei diesem Verfahren den Gebirgs- 
druck bei weitem nicht so entfesselt, wie bei dem gewöhnlichen Pfeilerbau 




Fig. 25. 
Schema des streichenden Pfeilerbaues der Zeche Neu-Essen. 



mit zahlreichen Strecken und Durchhieben. Gerade bei dem druckhaften 
Gebirge, wie es besonders die nördlichen Gruben infolge des häufigen 
Auftretens von zum Quellen neigenden Schieferthonschichten besitzen, ist 
aus vorstehenden Gründen eine grosse Höhe der Pfeiler oft vorteilhaft. 
Ein solcher Pfeilerbau mit stellenweise über 30 m hohen Pfeilern ist z. B. 
auf den Gruben Neu-Essen und Hannover charakteristisch entwickelt. 
(Fig. 25 und 26; vergl. auch »Verhieb der Pfeiler«). 

Auf der Zeche Neu-Essen tritt noch die weitere Eigentümlichkeit in 
der Ausführung des streichenden Pfeilerbaues hinzu, dass die einzelnen 
Abbaustrecken einer Bauabteilung gewöhnlich nicht von einem gemein- 
samen Bremsberge bedient werden, sondern dass jedesmal für einige 
Strecken oder für jede einzelne ein besonderer Bremsberg angelegt wird 



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124 



Abbau. 



(Fig. 25). Die starke Förderung aus den einzelnen Pfeilern und die geringen 
Herstellungskosten der Bremsberge, welch letztere von den Kamerad- 
schaften selbst bedient werden, lassen es angebracht erscheinen, auf diese 
Weise die einzelnen Förderpunkte unabhängig voneinander zu machen*). 
Die grosse Höhe der Pfeiler bei flacher Lagerung verlangt be- 
sondere Vorkehrungen zur Vereinfachung der Förderung aus dem Pfeiler- 
raume, um ein mehrmaliges Werfen der Kohle bis zur Strecke zu ver- 




Fig, 26, 

Zeche Hannover III/IV, Fl. 22. Streichender Pfeilerbau mit hohen Pfeilern und 
schwebendem Verhiebe derselben. 



meiden. Man pflegt daher in solchen Fällen möglichst auch im Pfeiler 
hinauf Wagenförderung einzurichten. Zu diesem Zwecke wird das Strecken- 
gestänge jedesmal mit einer Kurve in den Pfeiler hinein verlängert und 
am Stosse desselben hinaufgeführt, oder man schliesst an das Strecken- 
gestänge mittels einer einfachen Eisenplatte zum Drehen des Wagens ein 
schwebend gelegtes Pfeilergestänge an. Ist die Flötzneigung für Hand- 
förderung zu stark, so führt man eine doppelspurige Schienenbahn 
schwebend im Pfeiler mit hinauf und fördert wie beim Aufhauen 
eines Bremsberges mit Hülfe eines kleinen »fliegenden« Bremswerkes 

*) Vergl. Lüttgen, Abbaumethoden im Ruhrkohlengebiete, Z. f B. H. und 
S. 1892 Bd. XL. S. 289, Pfeilerbau der Zeche Neu-Essen. 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeveraatz. 



125 



(Fig. 27). Man scheut dabei unter Umständen auch ein Nach- 
reissen des Nebengesteins für die Bahn nicht und sichert letztere 
und den Arbeitsraum im Pfeiler gewöhnlich durch Anwendung des 
schwebenden Pfeilerverhiebes, ausserdem durch entsprechenden Ausbau 
unter Umständen mit Zuhülfenahme von Holzpfeilern (Zeche Hannover), 
beim Vorhandensein von Bergen auch durch Aufführen einer Berge- 
mauer an der dem offenen Pfeilerraum zugewendeten Seite der Bahn 



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Fig. 27. 

Verhieb eines Pfeilers und Förderung im Preilerraum beim streichenden 

Pfeilerbau der Zeche Neu-Essen. 



(Zeche Neu-Essen). Auch kommt stellenweise Schlitten- oder Schlepptrog- 
förderung in hohen Pfeilern zur Anwendung, wobei man wohl eine Gleit- 
bahn aus Brettern herstellt (Zeche Königsgrube). In den letzten Jahren haben 
ausserdem zur Erleichterung und Vereinfachung der Wegfüllarbeit vor 
den Pfeilerstössen bei flacher Lagerung muldenförmige Eisen- oder Zink- 
blechrutschen (Fig. 28 au. b) Eingang gefunden, wie solche mehrfach auch 
beim Bergeversatzbau zur Kohlen- und Bergeförderung vor den Abbau- 
stössen gebraucht werden. 

Uebrigens kann die Einteilung der Bremsbergfelder in streichende 
Pfeiler von grosser flacher Höhe mitunter auch zu Abbauformen führen, 
welche eine Vereinigung des streichenden mit dem schwebenden Pfeiler- 



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126 



Abbau. 



bau darstellen. So lässt sich der in Fig. 29 dargestellte Abbau des Flötzes 
»Bismarck« der Zeche Hugo I auch als ein streichender Pfeilerbau mit 
40—60 m hohen Pfeilern auffassen, welche beim Rückbau in 20 m breite 
schwebende Abschnitte zerlegt werden. (Näheres hierüber im Abschnitte 
betreffend den schwebenden Pfeilerbau). 

Bei den häufigen Aenderungen des Einfallens der Plötze auf kurze 
streichende Entfernungen im hiesigen Bezirke behalten die Pfeiler in der- 
sen)en Bauabteilung oft nicht ihre anfängliche, nach dem Flötzverhalten 
am Bremsberge bemessene Stärke. Man kommt daher beim Abbau- 
streckenbetriebe nicht selten in die Lage einen zu stark gewordenen 







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a. Seifenansicht. 



b. Schnitt a-b. 



F'm. 28. 
Kohlenrutsche. 



Pfeiler teilen oder umgekehrt zwei zu schwach gewordene Pfeiler zu 
einem einzigen Pfeiler zusammenlegen zu müssen. Im ersteren Falle wird 
dort, wo die Pfeilerstärke zu gross geworden ist, von der betreffenden 
Abbaustrecke aus diagonal oder schwebend aufgehauen und in halber 
Pfeilerhöhe eine neue streichende Strecke eingeschaltet, welche mit den 
übrigen Strecken weiter zu Felde getrieben wird. Im anderen Falle lässt 
man von der betreffenden Stelle aus, wo die Pfeilerstärke zu gering ge- 
worden ist, eine Strecke ausfallen. 

Das Nähere über die praktische Ausführung der Pfeilerbildung, also 
das Auffahren der Abbaustrecken, ist bereits unter »Vorrichtung« behandelt 
worden, da diese Strecken ihrem ganzen Charakter nach Vorrichtungsbaue 
darstellen. 

5. Reihenfolge und gegenseitige Stellung der Pfeiler beim Rückbau. 
Abbauverluste durch Stehenlassen von Schweben. Ersatz der 

Schweben. 

Die Inangriffnahme der einzelnen Pfeiler beim Rückbau erfolgt hier- 
selbst der allgemeinen Regel entsprechend in der Reihenfolge von oben 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 



127 




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128 Abbau. 

nach unten derart, dass jeder Pfeiler hinter dem nächst höheren stets um 
einige Meter im Abbau zurückbleibt (vergl. schematische Fig. 30). Der 
Abbau des einzelnen Pfeilers geschieht bei jeder Flötzneigung regelmässig 
von der unter demselben liegenden Abbaustrecke aus. Um ohne Verzug 
auf jeder Strecke mit dem Pfeilerrückbau beginnen zu können, wird daher 
schon der Streckenbetrieb möglichst so geregelt, dass die oberste Strecke 
zuerst die Baugrenze erreicht und die unteren entsprechend nachfolgen. 
Bei dieser gegenseitigen Pfeilerstellung bildet jede Abbaustrecke während 
des Rückbaues der Pfeiler ständig einen durch einen festen Unterstoss 
bezw. bei steiler Lagerung durch eine feste Sohle gesicherten Förder- und 
Fahrweg von ihrem jeweiligen Pf eilerstosse bis zum Bremsberge. In dieser 
Weise pflegt man den Abbau der Pfeiler auch dann zu regeln, wenn, wie 
unter Umständen bei flacher Lagerung, die Streckensicherheit auch bei 
gegenseitiger Gleichstellung aller Pfeilerstösse nicht beeinträchtigt werden 
würde. Denn es entspricht der ganzen Anordnung des Betriebes am 
besten, dass sich die Erschöpfung einer Bauabteilung nach und nach voll- 
zieht, dass daher nicht die ganze Belegschaft derselben auf einmal 
anderweitig beschäftigt werden muss, sondern die Verlegung kamerad- 
schaftsweise erfolgen kann. 

Andererseits macht die Voranstellung des oberen Pfeilers gegen den 
unteren bei steilem Flötzeinfallen fast immer das Stehenlassen eines Streifens 
Pfeilerkohle, der sogenannten Schwebe, über dem Pfeilerraume bezw. 
unter jeder Abbaustrecke erforderlich zum Schutze gegen niedergehendes 
Gestein aus dem oberhalb jedes Pfeilers befindlichen alten Manne der 
höheren Pfeiler. Die Stärke der Schweben beträgt gewöhnlich etwa 1 m, 
erreicht jedoch bei steilen Plötzen von grösserer Mächtigkeit und mit 
besonders schlechtem Gebirge auch wohl 2 — 3 m. Häufig bestimmt sich 
die Stärke der Schwebe von selbst aus der durch den Abbaustrecken- 
betrieb hervorgerufenen Wirkung des Gebirgsdruckes, welcher den Kohlen- 
stoss an den Strecken entlang in einer Breite von dem genannten Betrage 
stark zusammendrückt und von der übrigen Pfeilermasse absondert. Eine 
solche von den Streckenstössen sich lösende Kohlenwand w^ird als »Ab- 
drucktf und die Absonderungskluft derselben als »Bahnschnitt« (d. h. Schnitt 
an der Förderbahn entlang) oder als »Drucklösen« bezeichnet. 

Der Wetterführung wegen wird die Schwebe sowie der etwa noch 
darüberliegende Bergedamm der höheren Abbaustrecke in Abständen von 
etwa 5 — 10 m durchbrochen. Das Abfangen und Verzimmern der Schwebe 
erfordert namentlich in mächtigen steilen Plötzen besondere Vorsicht und 
Sorgfalt, um ein Abrutschen derselben zu verhüten. In solchen Fällen 
geschieht daher das Unterfangen der Schwebe wohl auch durch ständiges 
Vortreiben eines sogenannten Anbau- oder Mittelortes unmittelbar unter 
derselben während des Rückbaues der Pfeiler (z. B. auf den Zechen Courl, 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 



129 




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Sammelwerk. II. 



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130 



Abbau. 



Blankenburg, Steingatt u. a., vergl. Fig. 31 a u. b). Dadurch, dass man 
ein solches in Flötzmächtigkeit und in Streckenhöhe hergestelltes Ort 
dem Pfeilerstosse stets einige Meter voraushält, wird es möglich, den 
Ausbau des oberen Pfeilerraumes unter der Schwebe von fester Sohle aus 
einbringen zu können. Die Zimmerarbeit wird infolgedessen erheblich 



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a. Strossenbauartiger Verhieb der Pfeiler und Vortreiben eines Anbauorles. 
* 2m^ 



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b. Verzimmening des Anbauortes. 

Fig. 81, 

Zeche Courl. 

leichter und gefahrloser, als wenn dieselbe im freien Pfeilerraume von einer 
auf dem Pfeilerholze hergestellten Bühne aus vorgenommen werden muss. 
Der mit dem Stehenlassen der Schweben verbundene Abbauverlust 
ist bei starker Flotzneigung um so erheblicher, als das steile Einfallen an 
und für sich nur massige Pfeilerhöhen zulässt und daher die Zahl der 
Pfeiler und Schweben verhältnismässig gross ausfällt. Infolgedessen hat 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversati. 131 

es in , Westfalen an Versuchen zur vollständigen Gewinnung der 
Pfeiler ohne Stehenlassen von Schweben nicht gefehlt. Nach den 
hierbei gemachten Erfahrungen ist ein Rückbau ohne Schweben unter 
Umständen, insbesondere bei starkem Bergefall in den Abbaustrecken, 
möglich. Man ersetzt nämlich die Schweben durch die Bergedämme 
der Abbaustrecken, indem man beim Auffahren der letzteren die Berge 
nicht unmittelbar auf die Sohle des Dammes, also auf die anstehende 
Pfeilerkohle verstürzt, sondern eine Rösche imter dem Damme her- 
stellt durch Mitnahme eines starken, aus Stempeln mit darübergelegten 
Schalhölzern bestehenden Kastens, welcher die Berge trägt. (Derartige 
Fälle finden sich unter den auf Tafel VII — Xll dargestellten Beispielen von 
Streckenquerschnitten). Vorausgesetzt , dass die streichende Baulänge 
der Abteilung nicht zu gross ist, also der Rückbau der Pfeiler dem Orts- 
betriebe rasch nachfolgt, lässt sich alsdann später die Kohle in der Regel 
ohne Gefahr vollständig bis an den Bergekasten gewinnen. Denn dieser 
kann bei guter Ausführung und nicht zu langer Standdauer den gleichen 
Schutz gegen den alten Mann gewähren, wie eine Schwebe von gewöhn- 
licher Stärke. Die Mehrkosten für Holz beim Streckenbetriebe fallen 
hierbei — ganz abgesehen von dem durch den vollständigen Abbau der 
Kohle erzielten Mehrgewinne und von dem mit der Bildung der Röschen 
verbundenen Vorteile für die Wetterführung — nicht wesentlich ins 
Gewicht, da ja die gleichfalls kostspielige Verzimmerung der Schweben 
in den Pfeilern wegfällt. Das vorstehend beschriebene Verfahren wurde 
schon i. J. 1860 auf Zeche Altendorf beim Abbau des 2 m mächtigen, 
steil gelagerten Flötzes »Grossevaerstbank«, sowie auf Kohleneisenstein- 
flötzen versucht.*) 

In stark geneigten Plötzen von reiner Kohle und solcher Mächtigkeit, 
dass ein Nachreissen des Nebengesteins beim Auffahren der Abbau- 
strecken nicht erforderlich ist, hat man stellenweise (Zeche Reckling- 
hausen II) ein anderes Verfahren behufs vollständiger Gewinnung der 
Pfeiler ohne Stehenlassen von Schweben angewandt. Da in solchen Fällen 
die Strecken keinen Bergedamm besitzen, sondern jeder Pfeiler unmittelbar 
die Sohle der nächst höheren Abbaustrecke bildet, so lässt sich beim Rück- 
bau der Pfeiler die sonst durch die Schwebe erzielte Abgrenzung des 
Pfeilerraumes gegen den nächst höheren im Abbau bereits weiter voraus- 
stehenden Pfeiler dadurch herstellen, dass während des Pfeilerrückbaues 
und mit demselben fortschreitend unterhalb jedes Pfeilers in dem ab- 
geworfenen Teile der zugehörigen Abbaustrecke eine kräftige Schutzbühne 
nachgeführt wird. Dieselbe wird hergestellt aus einer Reihe starker 
zwischen Hangendem und Liegendem eingetriebener bezw. eingebühnter 

*) Zeitschrift für Berg-, Hütten- und Salin enwesen, 1860, S. 179. 

9* 



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132 Abbau. 

Stempel, welche nötigenfalls noch durch Bockstempel abgestrebt, mit 
Schal- oder Rimdhölzern dicht abgedeckt und mit einer starken Lage von 
Schanzen (Reisigbündeln), altem Holz und Bergen belegt wird. Die Aus- 
führung dieser Arbeit bietet keine grossen Schwierigkeiten; denn dieselbe 
geht unmittelbar von der festen Streckensohle aus vor sich, da ja der 
untere Pfeiler gegen den nächst höheren immer etwas zurücksteht. 
Aehnlich verfährt man beim Pfeilerrückbau mitunter zum Zweck der 
Offenhaltung einer Wetterrösche im abgebauten Räume von einem Pfeiler 
zum andern. Bei sorgfältiger Ausführung kann eine solche Bühne einen 
gewissen Schutz gegen Steinfsdl aus dem abgebauten oberen Pfeil erraume 
bieten, jedoch dürfen die einzelnen Pfeiler nicht zu weit hintereinander 
zurückstehen, damit sich der Arbeitsraum in jedem Pfeiler möglichst immer 
unter dem neuhergestellten und noch nicht wesentlich vom Gebirgsdruck 
beeinflussten Ende der betreffenden Schutzbühne befindet. Das Verfahren, 
welches natürlich nur in einigermassen haltbarem Nebengestein angewandt 
werden kann, hat eine erhebliche Verbreitung im hiesigen Bezirke nicht 
gefunden; man geht vielmehr, um bei mächtigen, steil stehenden Plötzen 
reinen Abbau zu erzielen, jetzt meist zum Versatzbau über. 

6. Zeitlich getrennter Abbau der einzelnen Pfeiler. 

Abweichend von dem gewöhnlichen und allgemein verbreiteten Ver- 
fahren werden die Pfeiler mitunter auch in zeitlich getrennter Auf- 
einanderfolge einzeln beim obersten beginnend gebildet und ebenso im 
Anschlüsse an die Auffahrung der betreffenden Strecke einzeln abgebaut. 
Hierfür liefert der schon erwähnte Pfeilerbau der Zeche Prosper (Fig. 24, 
S. 121) ein charakteristisches Beispiel. Auf den flach gelagerten druck- 
haften Fettkohlenflötzen dieser Zeche wird der streichende Pfeilerbau 
zweiflügelig aus Bremsbergen von nur je 30 m Flügellänge betrieben, 
welche sich zu einer grösseren Anzahl hintereinander gleichzeitig im Bau 
befinden. 

In jedem Bremsberge wird jedesmal nur ein Ort aufgefahren bezw. 
ein Pfeiler abgebaut. Dabei wird die Vorrichtung und der Al)bau in den 
verschiedenen Bremsl^ergen möglichst so geregelt, dass der äusserste, d. h. 
der der Grenze des Schachtbaufeldes am nächsten gelegene Bremsberg 
mit dem Abbau beginnt und dass weiterhin jeder vorhergeh nde Brems- 
berg gegen den nächsten weiter im Felde folgenden um eine Pfeilerhöhe 
im Abbau zurücksteht (von der Feldesgrenze nach d r Feldesmitte fort- 
schreitender Abbau). 

Das Gesamtbild dieses Baues in mehreren hintereinander folgenden 
Bremsbergfeldern zeigt daher eine gewisse Annäherung an den schweben- 
den Pfeilerbau. Der Zweck dieses Verfahrens ist die Verminderung des 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 133 

Gebirgsdruckes beim Streckenbetriebe und Abbau. Dieser Zweck wird 
hier erreicht durch die geringe Länge der Strecken und die geringe Grösse 
der jedesmal in dem einzelnen Bremsbergfelde zum Verhiebe gelangenden 
Flötzfläche. Die grosse Zahl der gleichzeitig in dieser Weise betriebenen 
Bremsbergfelder «rmöglicht es, hierbei gleichwohl eine genügend hohe 
Förderung zu erzielen und eine zu starke Verzögerung des Abbaues im 
ganzen zu vermeiden. Gegenüber der gewöhnlichen Form des streichenden 
Pfeilerbaues zeigt das in Rede stehende Verfahren den Nachteil des 
schwebenden Pfeilerbaues, dass die verbrauchten Wetterströme lange 
Wege mitten durch den alten Bau hindurch zurücklegen müssen, anstatt 
wie gewöhnlich geschlossen an den Pfeilerstössen entlang aufzusteigen 
(vergl.: »Bewetterung der Pfeiler beim Rückbau«). 

Dieselbe Bauart ist stellenweise auch auf verschiedenen anderen 
Gruben gebräuchlich (Christian Levin, Dahlbusch II/V, Graf Beust, Deutscher 
Kaiser). 

7. Verhiebsarten beim Pfeilerabbau. 

Beim Verhiebe der einzelnen Pfeiler treten bemerkenswerte Unter- 
schiede in Bezug auf die Stellung, welche man dem Arbeitsstosse giebt, 
hervor. Derselbe wird nämlich bald streichend, bald mehr oder weniger 
in der Falllinie, also schwebend bezw. diagonal gehalten, wobei er 
geradlinig verläuft oder firstenbauartig bezw. strossenbauartig abgesetzt 
wird. Die AngrifFsrichtung ist also im ersten' Falle schwebend, in den 
letzteren Fällen mehr oder weniger streichend bezw. diagonal (vergl. die 
schematischen Figuren 32a — h, S. 135). 

Massgebend für die Art des Verhiebes ist zunächst der Verlauf der 
häufig im Flötze auftretenden Schlechten. Die Richtung derselben 
wechselt infolge der vielfachen Faltungen und sonstigen Störungen des 
hiesigen Steinkohlengebirges sowohl bei den einzelnen Flötzen als auch 
auf grösser oder geringere Entfernungen bei demselben Flötz ausser- 
ordentlich. Die Schlechten liegen bald schwebend, bald diagonal, bald 
streichend und sind dabei zugleich unter verschieden starken Winkeln 
gegen die Flötzebene geneigt. Da das Arbeiten gegen die Schlechten für 
die Hauerleistung am günstigsten ist und man daher bestrebt ist, den 
Arbeitsstoss möglichst parallel den Schlechten zu stellen, so ergiebt sich, 
dass der Verhieb der Pfeiler im hiesigen Bezirke verschieden gehand- 
habt werden muss. 

Nicht immer sind jedoch die Flötze von ausgeprägt hervortretenden 
Schlechten durchsetzt, sondern manchmal nur von verschieden verlaufenden 
Schnitten, welche die Kohle kurzklüftig machen; oder der Flötzkörper be- 
sitzt, abgesehen von etwaigen Schichtungsflächen, überhaupt keine näher 



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134 Abbau. 

beieinander liegenden Ablösungen, sondern bildet eine mehr kompakte 
Masse. Unter diesen Umständen und bei dem sehr wechselnden sonstigen 
Flötz- und Gebirgs verhalten sind die Schlechten im hiesigen Bezirk nicht 
immer allein bestimmend für die Verhiebsart. Vielmehr wird hier- 
bei zugleich wesentlich mit der Gefahr des Stein-- und Kohlenfalles 
bei der Gewinnung-sarbeit im Pfeiler, sowie mit der besonderen Gefahr 
gerechnet, welche das im Wesen des Pfeilerbaues liegende, mit dem Ab- 
bau fortschreitende Zubruchegehen des abgebauten Raumes in sich birgt. 
Der Grad dieser Gefahren kann bei gleicher Stellung des Pfeilerstosses 
ein sehr verschiedener sein, je nach dem Einfallen und der Mächtigkeit 
des Flötzes, nach der besonderen Beschaffenheit der Flötzmasse und des 
Nebengesteins, sowie nach der Höhe des Pfeilers. Die Rücksichtnahme 
auf diese Gefahren drückt sich daher ebenfalls in den im hiesigen Bezirke 
beim Pfeilerbau gebräuchlichen Verhiebsarten aus. 

Am häufigsten und bei allen Fallwinkeln findet es sich, dass der Ar- 
beitsstoss des Pfeilers geradlinig in der Falllinie oder etwas diagonal mit 
Vorausstellung am unteren bezw. am oberen Ende gehalten wird, dass also 
die AngrifFsrichtung eine mehr oder weniger streichende ist (Fig. 32 a — c). 
Diese Verhiebsarten kommen auf fast allen Gruben vor. Im übrigen wird 
die Voranstellung des Pfeilerstosses am imteren Ende (Fig. 32b), abgesehen 
von der etwaigen Rücksicht auf die Lage der Schlechten namentlich bei 
starkem Flötzeinfallen der entgegengesetzten Stossstellung vorgezogen, 
wenn das Gebirge schlecht und daher ein dem Abbau alsbald folgendes 
Zubruchegehen des Pfeilers bis nahe vor den Stoss zu befürchten ist; 
denn diese Stossstellung gestattet dem im Pfeiler arbeitenden Hauer 
leichter die Flucht aus dem letzteren bei eintretendem Pfeil erbruche als 
die Voranstellung des Pfeilers am oberen Ende. 

Bei grösserer Pfeilerhöhe setzt man unter gleichen Verhältnissen, wie 
sie bezüglich der Fig. 32b angedeutet wurden, den Pfeilerstoss auch wohl 
firstenbauartig in 2 bis 3 Sätzen ab (Fig. 32g, z. B. vorkommend auf den 
Zechen Eintracht-Tiefbau I, Pluto Schacht Thies, Kölner Bergwerksverein 
Schacht Anna). 

Die Voranstellung des Pfeilers am oberen Ende (Fig. 32 c) wählt 
man hiernach bei flachem wie bei steilem Einfallen im allgemeinen nur 
dann, wenn die Standhaftigkeit des Gebirges die oben angedeutete Gefahr 
beim Zubruchegehen des Pfeilers ausschliesst. In diesem Falle setzt man 
höhere Pfeilerstösse auch wohl strossenbauartig ab (Fig. 32 h), was na- 
mentlich auf mächtigen, stehenden Flötzen beliebt ist, weil dadurch eine 
feste Sohle bei der Pfeilerarbeit geschaffen wird. Dies gewährt mehr 
Sicherheit bei der Gewinnungsarbeit, wie auch das lange und schwere 
Pfeilerholz sich von den festen Stufen des Kohlenstosses aus leichter und 
sicherer einbauen lässt (z. B. Zeche Courl, s. Fig. 31a und b, Blanken- 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeveraatz. 



135 




a. Streichender Verhieb. 




b. DiagonalerVerhicbmitVorausstellung c. Diagonaler Verhieb mit Vorausstelliing 
des Stosses am unteren Ende. des Stosses am oberen Ende. 



d. Schwebender Verhieb. 




e. Verhieb schwebend mit ab-] 
gesetztem Stosse. 




f. Schwebender nnd abfallender 
Verhieb vereinigt. 





g. Firstenbauartiger Verhieb. h. Strosscnbauartiger Verhieb. 

Fig. 32a'h. 
Verschiedene Arten des Verhiebes der einzelnen Pfeiler beim streichenden Pfeilerbau. 
Die Pfeile l|! »> ||^ geben die Richtung des Verhiebes an. 



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136 Abbau. 

bürg, Eintracht Tiefbau I, Shamrock I/II, Pluto Schacht Thies, Centrum I/IIl, 
Köhier Bergwerksverein Schacht Anna, Wolfsbank). 

Der schwebende Verhieb der Pfeiler erhöht bei starker Flötzneigung 
die Gefahr des Kohlenfalles und beschränkt sich daher auf Plötze von 
flachem und mittlerem Einfallen. 

Bei flacher Lagerung kann naturgemäss die grösste Rücksicht auf die 
Lage der Schlechten genommen werden. Diese wird hier daher in der 
Regel ohne weiteres bestimmend für die Verhiebsart, derart, dass bei 
streichendem Verlaufe der Schlechten in jedem Falle der schwebende 
Verhieb gewählt wird, sofern nicht vielleicht wegen sehr geringer Mäch- 
tigkeit des Flötzes, das Arbeiten in streichender Richtung zweckmässiger 
erscheint. Die schwebenden Abschnitte werden gewöhnlich 2—3 m breit, 
auf verschiedenen Gruben auch 5 — 10 m breit genommen. Oft anzutreffen 
ist der schwebende Verhieb erklärlicherweise in den nördlichen Revieren 
des Bezirkes, wo die flache Lagerung vorherrscht. Zu der häufigen An- 
wendung dieser Verhiebsart daselbst trägt besonders der Umstand bei, 
dass auf diesen Gruben mit Rücksicht auf das ausserordentlich druckhafte 
Gebirge gern sehr grosse Pfeilerhöhen gewählt werden, wie schon bei 
anderer Gelegenheit bemerkt wurde (vergl. »Pfeilerbildung«). Charakteri- 
stische Beispiele des streichenden Pfeilerbaues mit schwebendem Verhiebe 
der Pfeiler sind u. a, zu finden auf den Gruben Neu-Essen, Hannover, 
Prosper, deren Pfeilerbau bereits wegen sonstiger Eigentümlichkeiten (grosse 
Pfeilerhöhe bezw. geringe Baulänge) erwähnt worden ist. Auf der Zeche 
Neu-Essen insbesondere ist dieser Pfeilerbau mit hohen Pfeilern und 
schwebendem Verhiebe derselben in 5 — 8 m breiten Abschnitten unter 
Nachführung einer doppelgleisigen Bremsbahn in den schwebenden 
Pfeilerabschnitten gebräuchlich (vergl. Fig. 25 u. 27 auf S. 123 und 125)- 

Mitunter wird beim schwebenden Verhiebe der Stoss auch wohl noch 
abgesetzt, wie bei Fig. 32 e. 

Nur selten wird der schwebende Verhieb mit vorläufigem Stehen- 
lassen eines Kohlenbeines gegen den alten Mann ausgeführt, welch letzteres 
nachträglich in abfallender Richtung gewonnen wird (Fig. 32 f). Für 
gewöhnlich wird in dieser Weise nur verfahren, wenn ein Pfeiler bis 
vor den Stoss zu Bruche gegangen ist und daher von neuem aufgehauen 
werden muss. 

Aehnlich wie auf die letztgenannte Art, jedoch mit dem Unterschiede, 
dass der abfallende Verhieb die Hauptrolle spielt, werden zuweilen die 
Pfeiler in mächtigen stehenden Plötzen abgebaut, welche mürbe zum 
«Auslaufen» in Grussform oder überhaupt zum Hereinbrechen neigende 
Kohle führen, und deren Nebengestein nicht besonders haltbar ist. Man 
bringt unter solchen Verhältnissen gewöhnlich jedesmal einen etwa 2 — 3 m 
breiten Pfeilerabschnitt zum Verhiebe, indem man in entsprechendem Ab- 



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1. Kap.: Abbau ohne BergeTeraatz. 137 

Stande vom freien Pfeilerstosse jedesmal ein Ueberhauen von der Abbau- 
strecke bis unter die Schwebe hochbringt und von demselben aus das so 
abgetrennte Pfeilerstück in abfallender Richtung fortschreitend niederbaut. 
Die Schwebe wird hierbei wie gewöhnlich bei steilen mächtigen Plötzen 
durch ein Anbauort abgefangen, welches jedesmal aus dem neuen Ueber- 
hauen stückweise vorgetrieben wird. Die hereingewonnene Kohle wird 
durch das Ueberhauen zur Abbaustrecke gestürzt. Dieses Verfahren bietet 
bei dem angegebenen Flötzverhalten eine gewisse Sicherheit, insofern als 
das Arbeiten im Rücken des Pfeilers fortfällt, der Arbeitsraum also immer 
nur eine beschränkte freie Fläche über sich hat und der Kohlengewinnungs- 
stoss nicht freihängt 

Eine Abänderung der letzteren Verhiebsart stellt das beim Pfeilerrück- 
bau im hiesigen Bezirke unter der Bezeichnung «Bruchbau» bekannte 
Verfahren dar, welches gleichfalls auf steilen mächtigen Plötzen, welche 
jedoch reine Kohle und haltbares Nebengestein haben müssen, stellenweise 
angewandt wird. Der Bruchbau ist zuerst in den 1850 er Jahren von der 
Zeche Steingatt*) bekannt geworden und findet sich z. Z. noch gelegentlich 
auf Zeche Courl, z. B. im Flötz 10, welches 2 m Kohle in 3 Bänken ohne 
Bergmittel enthält (Fig. 33a— d). Man teilt hier den Pfeiler gleich- 
falls durch Ueberhauen, welche in der Unterbank alle 2 — 3 m hergestellt 
werden, in entsprechend breite Streifen («Klötze»), unterschrämt mit Zu- 
hülfenahme langer Schrämspiesse, jedesmal das letzte derartige Pfeilerstück 
von dem dasselbe abgrenzenden Ueberhauen sowie vom Anbauorte und 
von der Abbaustrecke aus, wobei gewöhnlich in der Mitte begonnen 
wird (Fig. 33 d), und bewirkt schliesslich durch Rauben der Strecken- 
zimmerung unterhalb des unterschrämten Klotzes das Hereinbrechen 
desselben („Bruchbau"). Während die so hereingewonnenen Kohlen- 
massen, welche gewöhnlich für mehrere Tage reichen, weggefördert 
werden, bereitet man das nächste Pfeilerstück in gleicher Weise zum 
Hereinbrechen vor und stellt wieder neue Ueberhauen näher dem Brems- 
berge her. Das die Pfeilerstücke nach oben begrenzende und zum Ab- 
fangen der Kohlenschwebe dienende Anbauort wird wiederum aus den 
Ueberhauen stückweise ausgelängt. Das neu hergestellte Ueberhauen 
bildet jedesmal einen sicheren Fahrweg von und nach dem Anbauorte und 
wird zu diesem Zwecke mit Fahrten versehen. Der Ausbau während des 
Pfeilerbaues beschränkt sich bei diesem Verfahren auf das Anbauort (vergl. 
Fig. 33b u. c), während die Ueberhauen in der Regel und der Pfeilerraum 
immer ohne Ausbau gelassen werden. Auch der Streckenausbau wird, 
wie bemerkt, durch Rauben wieder gewonnen. Die Gewinnung wird 



Pfeilerbau auf dem Plötze Dickebank der Zeche Steingatt. Berggeist 1859, 
Bd. IV, No. 2, Seite 12. 



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138 



Abbau. 



Schj^^e 



zum 








b. Ausbau der Abbaustrecken und 

des Anbauortes bei sehr steiler 

Flötzstellung (80-90°). 



a. Seigcrriss eines Pfeilers. 



tSfJiäs*'^^ St 




c, Ausbau der Abbaustrecke und des Anbau- 
ortes bei unter 80° Flötzfallen. 

Flg. 33. 
Bruchbau im Fl. 10 der Zeche Courl. 



a^gtf^i^ler ok Pfvdi 




d. Unterschrämen der Pfcilcrstücke 

von den Ueberhauen aus. 

(Schnitt A B des Scigerrisscs.) 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 139 

auf diese Weise billig und bei sorgfältiger Ausführung der Schräm- und 
Gewinnungsarbeit weniger gefahrvoll, da das Arbeiten in einem offenen 
Pfeilerraum gänzlich in Fortfall kommt. 

8. Ausbau beim Pfeilerbau. 

Bezüglich des Ausbaues der Strecken beim Pfeilerbau wird auf den 
betreffenden Abschnitt unter »Vorrichtung« verwiesen. 

Die Gebirgs- und Lagerungsverhältnisse im hiesigen Bezirke bedingen 
in den meisten Fällen auch einen Ausbau der Pfeiler, um den Arbeits- 
raum zu sichern. Der Ausbau ist alsdann entweder Stempelzimmerung 
oder Schalholzzimmerung in verschiedenen Formen. Das hierbei ver- 





Fig. 34, Fig. 35. 

Stempel mit Anpfahl (Kopfholz). Stempel mit Kopf- und Fussholz. 



wendete Holz ist fast ausschliesslich Nadelholz. Untergeordnet wird hin 
und wieder Buchenholz zu Stempeln gebraucht. Eichenholz wird beim Ab- 
bau nur in Form von Schalhölzern und Verzughölzern (Spitzen, Scheiten) 
benutzt. Die besondere Art des Ausbaues bestimmt sich nach dem Gebirgs- 
verhalten, der Lagerung, Mächtigkeit, Verhiebsart und jenachdem ein auf 
dem Flötze liegender Nachfall im Pfeiler angebaut oder mitgenommen wird. 
Häufig wird einfacher Stempelschlag angewandt, wobei man die Stempel 
in der Regel am Liegenden einbühnt und mit einem Kopfholze (Anpfahl) 
gegen das Hangende antreibt (Fig. 34). Es wird namentlich bei stärkerem 
Flötzeinfallen Wert auf Befolgung der alten Regel gelegt, dass die Stempel 
nicht genau rechtwinklig zur Flötzebene gestellt werden, sondern noch 



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140 



Abbau. 




Fig. 36. 
'.Stempel mit hangendem und liegendem Schalholz, 



a. Ort. 





Fig. 38. 
Zeche Shamrock, FI. Präsident. 



Fig. 37. 

Zimmerung in steilen Plötzen mit druckhaftcm 
Hangenden und Liegenden. 



»Strebe« behalten sollen. Bei weichem Liegenden erhält der Stempel auch 
ein Fussholz (Fig. 35). 

Oft genügen einfache Kopfhölzer nicht, sondern das Hangende 
muss mit Schalhölzern abgefangen und mit Verzug versehen werden 
(Fig. 36). Je nach der Stärke des Einfallens und der Art des Verhiebes 
des Pfeilers werden die Schalhölzer parallel zum Streichen oder parallel 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 



Hl 





Fig, 39. 
Verzimmerung der Schweben. 





a. Ort. 



Fig. 40. 
Zeche Shamrock, Fl. 5. 



b. Pfeiler. 



der Falllinie unter das Hangende gelegt und mit einem Stempel an jedem 
Ende, unter Umständen auch einem dritten in der Mitte (Fig. 37) fest- 
getrieben. Streichend werden die Schalhölzer überhaupt nur bej flacher 
Lagerung gelegt, wo im übrigen auch die schwebende Lage derselben je 
nach der Verhiebsart und dem Verlaufe der Schnitte im Hangenden vor- 



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142 



Abbau. 





a. Bei druckhaftem Hangenden. b. Bei druckhafter Kohle. 

Fig. 41. 
Zeche Shamrock, Fl. Sonnenschein, Verzimmerung. 





a. Ort. 



b. Pfeiler. 



Fig. 42. 
Zeche Shamrock, Fl. Präsident. 




r^^ ^^ 



"W" 



(^ © 



Fig. 4H. 
Zeche Shamrock, Fl. 23. Abfangen der Schwebe. 



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1. Kap.: Abbau ohne Ber^^eversatz. 143 

kommt Bei stärkerer Flötzneigung werden die Schalhölzer ausschliesslich 
schwebend gelegt, um ein Abgleiten des Stempelkopfes von dem Holze 
bei Abwärtsbewegung des Gebirges zu verhüten. Ist das Hangende bei 
steiler Lagerung gut, dagegen das Liegende brüchig, so verwahrt man 
letzteres durch schwebend gelegte Schalhölzer und Verzug unter denselben, 
während die Stempel am Hangenden mit Kopfhölzern angetrieben werden 
(Fig. 38). Oft muss bei steiler Lagerung das Hangende sowohl wie das 
Liegende auf diese Weise verbaut werden (Fig. 37 u. 39). Die einzelnen 
Schalhölzer liegen hierbei in der Falllinie unmittelbar übereinander und 
ruhen unten auf der Streckenzimmerung (Fig. 40). Der gänzliche Fort- 
fall des Ausbaues bei sehr steilem Einfallen kommt nur vor bei der Ge- 
winnung der Pfeiler durch den sogenannten Bruchbau vor. 




a. Ort b. Pfeil«-. 

Fig. 44. 

Zeche Shamrock, FL 23. 

Das Verbauen der bei stärker geneigten Flötzen stehenbleibenden 
Schweben geschieht bei Anwendung einfacher Stempelzimmerung im Pfeiler 
teils durch beiderseits eingebühnte Firstenstempel, teils durch eine in 
verschiedener Weise ausgeführte doppelte Verstempelung unter der Firste. 
So werden zum Beispiel die Firstenstempel dicht unter der Schwebe am 
Hangenden und Liegenden eingebühnt und mit einer zweiten Reihe von 
Stempeln mit Kopfhölzern noch besonders unterfangen (Fig. 41). Auch 
legt man mitten unter die Firstenstempel, zumal wenn dieselben mit Kopf- 
holz an das Hangende angetrieben werden, einen Unterzug aus Rundholz 
in der Streichrichtung und fängt denselben durch eine zweite Stempel- 
reihe, deren Stempel unterhalb der von den Firstenstempeln freigelassenen 
Felder geschlagen werden, ab (Fig. 42 u. 43). Ferner wählt man auch eine 
doppelte Stempelreihe mit Kopthölzern, und versteift das übereinander- 
liegende Stempelpaar mit aufrechtstehenden Bolzen (Fig. 44). Bei ganzer 



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144 Abbau. 

Schalholzzimmerung werden die Firstenstempel gewöhnlich mit dem 
hangenden und liegenden Schalholze verblattet, sodass der Ausbau im 
oberen Teile des Pfeilers ungefähr einer Schalholzzimmerung in Strecken 
entspricht. (Vergl. Fig. 40.) Vollkommen streckenartig wird der Ausbau 
unter der Schwebe mitunter beim Abfangen der letzteren durch Vortreiben 
eines Anbau- oder Mittelortes. 

9. Rauben der Zimmerung beim Pfeilerbau. 

Eine Wiedergewinnung des Holzes aus den Pfeilern beim Rückbau 
derselben findet im allgemeinen nur in beschränktem Masse statt, insofern 
als die Kameradschaften gelegentlich einige leicht und ohne Gefahr erreich- 
bare Hölzer aus dem zurückliegenden PfeUerraume wieder zu verwenden 
pflegen. Gewöhnlich handelt es sich dabei nicht um unversehrtes und zu 
gleichem Zwecke abermals zu benutzendes Holz, sondern um bereits ge- 
brochene Hölzer, welche nur noch zu Anpfählen und dergl. zu gebrauchen 
sind. Denn selten ist das Gebirge so haltbar, dass die abgebauten Pfeiler- 
räume längere Zeit auf dem Holze ständen, ohne dasselbe zu beanspruchen. 
Der Gewinn, welchen die allgemeinere Durchführung des planmässigen 
Rauhens der Zimmerung unter den hiesigen Verhältnissen, bei dem häufigen 
Vorkommen starker Flötzneigungen und grossen Gebirgsdruckes, in Aus- 
sicht stellen könnte, entspricht daher meistens nicht der Grösse der mit 
dieser Arbeit verknüpften Gefahren. Dagegen kann örtlich begrenzt auf 
einzelnen Gruben bezw. auf einzelnen Plötzen einer Grube bei grosser 
Haltbarkeit des Gebirges eine regelmässige Wiedergewinnung des Holzes 
stattfinden, wie z. B. bei flacher Lagerung auf den Plötzen der Mage kohlen- 
gruppe oder auf einzelnen Plötzen der Fettkohlengruppe. 

Versuche mit der planmässigen Wiedergewinnung des Holzes sind 
im hiesigen Bezirke schon früher gemacht worden. So wurde dieselbe in 
den 1820er Jahren auf der Zeche Ver. Sälzer und Neuack eingeführt, wo 
man im Jahre 1828 für 1107 Thaler Holz wiedergewann. Nach Abzug der 
hierbei entstandenen Unkosten verblieb ein Reingewinn von 755 Thalern. 
Im Jahre 1831 gewannen die Zechen Ver. Sälzer und Neuack, Kunstwerk und 
Gewalt zusammen für 3853 Thaler Holz wieder und erzielten dabei einen 
Reingewinn von 2783 Thalern. (Akten des Königlichen Oberbergamtes Dort- 
mund.) Auf Bickefeld wurde in den 1850 er jEihren die Wiedergewinnung 
des Holzes unter Zuhülfenahme besonderer Vorrichtungen eingeführt.*) 

Unter den obwaltenden Gebirgsverhältnissen ist das Rauben der 
Pfeilerzimmerung als Mittel, um das rechtzeitige Zubruchegeben der Pfeiler 
zu befördern, selten erforderlich. In der Regel bedarf das Gebirge bei 

*) Eckart, Wiedergewinnung des Grubenholzes auf Bickefeld, Zeitschrift für 
Berg-, Hütten- und Salinenwesen 1857, Band IV B. S. 243. 



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1 



1. Kap.: Abbau ohne Bergevenatz. 145 

den jetzigen Teufen des Bergbaues dieser künstlichen Nachhülfe nicht, 
vielmehr folgt das Zubruchegehen der Pfeiler dem Abbau oft so rasch 
nach, dass, wie aus dem über den Verhieb der Pfeiler Gesagten hervorgeht, 
ständig mit der Gefahr des Nachbrechens bis vor den Pfeilerstoss ge- 
rechnet werden muss. Stellenweise ist allerdings das Gebirge in 
der Mager- und unteren Fettkohlengruppe so standhaft, dass die ab- 
gebauten Pfeilerräume, ohne in Druck zu kommen, längere Zeit oflPen 
bleiben. Ein solches Verhalten zeigt z. B. das Leitflötz der Esskohlen- 
gruppe Sonnenschein auf den Gruben bei Herne, woselbst durch längeres 
Offenstehen der abgebauten Pfeilerräume im flachen Gebirge und schliess- 
lich im ganzen erfolgendes Zusammenbrechen grösserer Abbauflächen schon 
mehrfach erdbebenartige Erschütterungen entstanden sind (u. a. Zeche 
Recklinghausen II i. J. 1899). Der Pfeilerausbau hat in solchen Fällen 
weniger den Zweck, das Gebirge im ganzen eine Zeitlang vor dem Zu- 
sammenbrechen zu bewahren, als vielmehr einzelne sich aus dem Zu- 
sammenhange mit dem ganzen Gebirge leicht lösende Gesteinsmassen, 
wie sog. Kessel oder Sargdeckel abzufangen, sowie ausserdem bei stärkerem 
Einfallen einen Halt bei der Arbeit zu gewähren und in etwa das bevor- 
stehende Zubruchegehen des Hangenden wahrnehmbar zu machen (»Warnen 
des Holzes«). Daher ist in solcheh Fällen der Pfeilerausbau im allgemeinen 
an sich schwächer wie gewöhnlich, sodass derselbe weder die Standdauer 
der Pfeiler bezw. des eigentlichen festen Hangenden zu verlängern noch 
ein Rauben der Zimmerung das Zubruchegehen der Pfeiler zu befördern 
vermag. 

10. Bewetterung der Pfeiler beim RQckbau. 

Ueber die Bewett rung der Pfeiler während des Rückbaues ist zu 
bemerken, dass man den Wetterstrom an den Pfeilerstössen entlang auf- 
steigend führt und zu diesem Zwecke die etwa stehenbleibenden Schweben 
über den Pfeilern wie auch die Streckendämme nach Bedarf durchbricht. 
(Vergl. Fig. 30 auf S. 129.) Die übliche Vorausstellung des oberen Pfeilers 
gegen den unteren entspricht am besten dem natürlichen Bestreben des 
Wetterstromes, auf dem kürzesten Wege aufwärts zu steigen. Stehen die 
Pfeiler nicht allzuweit gegen einander zurück und wird auf ein regel- 
mässiges Durchbrechen der Schweben geachtet, so hat man mit der Be- 
wetterung der Pfeiler während des Rückbaues wenig Schwierigkeiten. 
Es macht sich im allgemeinen weder eine besondere Schlagwetterentwick- 
lung beim Pfeilerabbau bemerkbar, da die Entgasung in der Hauptsache 
bereits durch den Abbaustreckenbetrieb beendet ist, noch gehören gefähr- 
liche Stockungen des Wetterzuges und Ansammlungen von Schlagwettern, 
matten Wettern oder anderen schädlichen Gasen vor den Pfeilern zu den 
Sammelwerk. II. 10 



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146 Abbau. 

häufigen Erscheinungen. Denn in der Regel findet der Wetterstrom auch 
l^eim Zubruchegehen eines Pfeilers noch einen Ausweg durch den ver- 
brochenen Raum nach oben und sucht seinen natürlichsten Weg in der 
Nähe der Pfeilerstösse wiederzugewinnen, sofern nicht die Pfeiler in ausser- 
gewöhnlich grossen Abständen hinter einander abgebaut werden. Ist der 
alte Mann über einem Pfeiler so dicht zu Bruche gegangen, dass der 
Wetterstrom nicht unmittelbar zum nächsten Pfeiler gelangen kann und 
eine Stockung erleidet, so hilft man sich bis zur Wiederherstellung des 
Durchschlages in der Weise, dass man den Wetterstrom durch den letzten 
vom Abbaustreckenbetriebe vorhandenen Durchhieb nach der nächst 
höheren Strecke leitet und aus dieser wieder dem offenen Pfeilerraum 
über derselben zuführt. 

Besondere Vorkehrungen zur Leitung des Wetterstromes von Pfeiler 
zu Pfeiler durch den abgebauten Raum hindurch trifft man bisweilen, 
wenn die Pfeiler im Abbau sehr weit hintereinander zurückstehen und 
daher zu befürchten ist, dass der Strom durch den zurückliegenden alten 
Mann statt an den Pfeilerstössen entlang aufsteigt. Man führt alsdann wohl 
entsprechend dem Vorrücken des Abbaues der einzelnen Pfeiler hinter 
denselben in den abgeworfenen Streckenenden eine Wetterrösche nach, 
indem man einen Kastenschlag aus einer Stempelreihe, welche mit Schal- 
hölzern und darauf gepackten Bergen dicht abgedeckt ist, über der Sohle 
jeder Strecke herstellt (Zeche Zollverein IV/V). 

Häufiger liegt bei dem obersten Pfeiler einer Bauabteilung oder beim 
Abbau der vorläufig stehen gebliebenen Sohlenstreckenpfeiler das Bedürfnis 
vor, besondere Vorkehrungen zur Leitung des Wetterstromes zu treflTen, 
falls nämlich die darüber liegende W^etterstrecke (Sohlenstrecke der höheren 
Sohle, Teilstrecke bezw. deren Begleitort) zu Bruche liegt. Da alsdann die 
Abbau- bezw. Förderstrecke des betreifenden Pfeilers zugleich als Wetter- 
strecke für den abziehenden Strom dienen muss, der Pfeilerstoss jedoch 
nicht immer lediglich der Bewetterung durch Diffusion überlassen bleiben 
darf,*) so pflegt man in dem Pfeilerraum einen Wetterscheider, gewöhnlich 
aus Wettertuch, aufzuziehen. Hierdurch zwingt man den von unten 
heraufkommenden Strom im Pfeiler aufzusteigen und den Stoss abfallend 
zu bestreichen, bevor er durch die Abbaustrecke zum Bremsberge zurück- 
zieht (Fig. 45). Eine derartige Abwärtsführung des Wetterstromes ist 
auch nach der neuen Bergpolizeiverordnung vom 12. Dezember 1900 bei 
den im Rückbau stehenden Grundstreckenpfeilern über Bau- und Wetter- 
sohlen gestattet (§ 12 Ziffer 1b daselbst). 



*) Vom I.Januar 1902 ab gilt allgemein das Verbot, die Bewetterung eines 
Abbaustosses der Diffusion zu überlassen. § 12 Ziffer 4 d. B. F. V. vom 12. De- 
zember 1900. 



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1. Kap.: Abbau ohne Berge venatz. 



147 



Anders wie beim gewöhnlichen streichenden Pfeilerbau, bei welchem 
der Wetterstrom geschlossen an den Pfeilerstössen entlang aufsteigen kann 
gestaltet sich die Wetterführung bei der in Fig. 24 auf S. 121 dargestellten be- 
sonderen Form des streichenden Pfeilerbaues auf Zeche Prosper. Bei dieser 
durch den Einzelabbau der Pfeiler charakterisierten Bauart muss der 
Wetterstrom ähnlich wie beim schwebenden Pfeilerbau von dem im Ab- 
bau begriffenen Pfeilerstosse aus mitten durch den alten Bau aufsteigen, 
wenigstens ist das natürliche Bestreben des Wetterzuges auf das Ein- 
schlagen dieses Weges mehr gerichtet, als auf den Weg von Pfeilerstoss 




Fig, 45. 
Bewetterung des obersten Pfeilers bei zu Bruche liegender Wetterstrecke. 



zu Pfeilerstoss der verschiedenen gleichzeitig in Abbau stehenden Brems- 
bergabteilungen. Dementsprechend werden gewöhnlich bei dieser Bauart 
auch die in den verschiedenen Bremsbergabteilungen gleichzeitig in Abbau 
stehenden Pfeiler jeder einzeln für sich und unabhängig von den übrigen 
bewettert, indem jede Bremsbergabteilung zugleich eine selbständige 
Wetterabteilung bildet.*) 

II. Schwebender Pfeilerbau. 

Schwebender Pfeilerbau — gekennzeichnet durch die Zerlegung des 
Baufeldes in Pfeiler von schwebender Längenerstreckung mittels eines 
Systems schwebender Strecken und durch den Rückbau der so gebildeten 



*) Es erscheint fraglich, ob derartige Bauarten in der jetzigen Form auch 
für die Folge beibehalten werden können, da nach § 12 Ziffer 3 der B. P. V. vom 
12. Dezember 1900 die Abführung der Wetter von belegten Bauen ausschliesslich 
durch den alten Mann ohne Erhaltung einer Wetterabzuß:sstrecke in Zukunft unter- 
sagt ist. 

10» 



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148 



Abbau. 



schwebenden Pfeiler von oben nach unten (vergl. schematische Fig. 46) 
— ist gegenwärtig nur sehr vereinzelt im hiesigen Bezirke zu 
linden. Nach statistischer Zusammenstellung aus dem Jahre 1898 ent- 
fallen auf den schwebenden Pfeilerbau nur 0,72 % der Förderung 
des Ruhrbezirkes. In der Hauptsache beschränkt sich das Vorkommen 
desselben auf die Gruben inmitten der nördlichen Mulden, wo die 
Lagerung flach wellenförmig ist und infolgedessen Streichrichtung und 
Fallrichtung sehr leicht wechseln bezw. ineinander übergehen (Dahl- 
busch, Zollverein, Hugo, Graf Bismarck u. a.). Auf derartig gelagerten 



LSa/iie 




m Sohle 



Fig. 46. 

Schema des schwebenden Pfeilerbaues. Verhieb der Pfeiler abfallend (Pfeiler No. 1) 

oder streichend (Pfeiler No. 2). 



Plötzen werden die Bremsberge und Abbaustrecken häufig nach der 
Stunde aufgefahren ohne Rücksicht aut genaue Innehaltung der jedes- 
maligen Streich- und Fallrichtung, um geradlinige Wege, eine bessere 
Einteilung des Baufeldes und gleiche Pfeilerstärken zu erhalten. Der 
Pfeilerbau auf diesen Gruben wird daher manchmal thatsächlich zu einem 
schwebenden oder auch diagonalen, ohne dass die bestimmte Absicht vor- 
läge, diesen Bau planmässig an Stelle des streichenden Pfeilerbaues durch- 
zuführen. Unmittelbar aneinander liegende Flötzflächen von gleichem 
natürlichen Verhalten werden unter diesen Umständen häufig teils durch 
streichenden, teils durch schwebenden bezw. diagonalen Pfeilerbau abge- 



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Tafel XVI. 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 149 

baut. Die grubenrissliche Darstellung solcher Flötzabschnitte lässt deutlich 
erkennen, wie der Bau in dieser Hinsicht häufig unabhängig von der 
Lagerung angeordnet zu werden pflegt. (Vergl. Tafel XVI). 

Die Ausführung des schwebenden Pfeilerbaues unter solchen Verhält- 
nissen unterscheidet sich naturgemäss im allgemeinen nicht vom gewöhn- 
lichen streichenden Pfeilerbau. Auch die Förderung in den Abbaustrecken 
kann infolge des nur wenige Grad betragenden Einfallens meistens noch 
mit der Hand erfolgen. Wird das Einfallen stärker, so wird mit »fliegen- 
den« Bremswerken auf doppelgleisiger Bahn gefördert (vergl. im übrigen 
»Vorrichtung, schwebende Abbaustrecken«). 

Der Rückbau der Pfeiler erfolgt beim schwebenden Pfeilerbau ent- 
weder indem von jeder Abbaustrecke aus wie in Fig. 46 einseitig der ganze 
anliegende Pfeiler, oder auch wohl beiderseits die anliegenden Pfeiler je 
zur Hälfte in Verhieb genommen werden. Das System der Pfeilerbildung 
ist in letzter m Falle dahin aufzufassen, dass jede Abbaustrecke die 
Mittellinie des zugehörigen Pfeilers darstellt. Der Zweck dieses Verfahrens 
ist die Vereinfachung der Wegfüllarbeit vor den Pfeilerstössen bezw. die 
Möglichkeit den Pfeilern eine entsprechend grössere Breite geben zu 
können, ohne dass in mehrmaliges Werfen der Kohle aus dem Pfeilerraum 
bis zur Abbaustrecke erforderlich wird. 

Der Verhieb der Pfeiler kann beim schwebenden Pfeilerbau abfallend 
oder in streichenden Streifen erfolgen (vergl. Fig. 46). 

Bisweilen entwickelt sich der Pfeilerbau bei der flachen Lagerung in 
den nördlichen Revieren auch zu einer deutlich als solche erkennbaren 
Mittelform zwischen streichendem und schwebendem Bau (vergl. streichen- 
der Pfeilerbau unter 4. »Pfeilerbildung«). Ein Beispiel dieser Art liefert 
der in Fig. 29 a. S. 127 dargestellte Pfeilerbau in dem sehr flach und regel- 
mässig gelagerten Flötze Bismarck der Zeche Hugo L Das Flötz ist da- 
selbst 1 m mächtig, besitzt in der Regel ein haltbares Hangendes aus 
Sandstein, welcher jedoch stellenweise nicht unmittelbar auf dem Flötze 
liegt, sondern von demselben durch einen Schiefernachfall getrennt ist. 
Das Liegende wird von Schieferthon gebildet, welcher zum Aufquellen 
neigt. Hier ist das Baufeld zwischen den Sohlen bezw. Teilsohlen durch 
Bremsberge bezw. Abhauen in zweiflügelige Bauabteilungen von je 
100 m Flügellänge zerlegt. Innerhalb der einzelnen Abteilung werden 
durch streichende Strecken Pfeiler von 40 — 60 mHöhe gebildet und diese 
nach Erreichung der Baugrenze wiederum durch schwebende Strecken in 
20 m breite schwebende Pfeiler zerlegt, welche der Reihe nach einzeln 
oder auch zu zweien gleichzeitig, von der Baugrenze nach dem Brems- 
berge fortschreitend gebildet und abgebaut werden. Der Abbau der 
einzelnen schwebenden Pfeilerabschnitte erfolgt jedesmal von der be- 
treifenden schwebenden Strecke aus einseitig nach der Baugrenze 



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150 Abbau. 

zu in 8 — 10 m breiten streichend n Streifen von oben nach unten 
fortschreitend. 

Diese Bauart entspringt im vorliegenden Falle folgenden Erwägungen : 
Die Schlechten der Kohle verlaufen schwebend, sodass an und für sich ein 
gewöhnlicher streichender Pfeilerbau mit streichendem Verhiebe der Pfeiler 
angebracht erscheint. Die Anwendung desselben würde jedoch eine Herab- 
setzung der flachen Pfeilerhöhen auf stellenweise ein Drittel bis ein Viertel 
der jetzigen Höhe bedingen, da das streichende Arbeiten im freien Pfeiler- 
raume bei dieser grossen Pfeilerhöhe zu gefahrvoll imd bei der Neigung 
des Liegenden zum Aufquellen überhaupt nicht durchführbar sein würde. 
Eine Herabsetzung der Pfeilerhöhe, sdsoeine mehrfache Teilung der flachen 
Bauhöhe durch eine entsprechend grössere Zahl streichender Strecken wird 
jedoch wiederum gescheut mit Rücksicht auf die dabei zu erwartende Zu- 
nahme des Gebirgsdruckes und der Streckenunterhaltungskosten. Bei dieser 
Sachlage bietet die jedesmalige Abtrennung eines schwebenden Pfeilerab- 
schnittes von den hohen streichenden Pfeilern durch einen streckenartigen 
Aufhieb und die Gewinnung des ersteren von dieser schwebenden Strecke 
aus in streichenden Streifen die Möglichkeit, den streichenden Verhieb 
trotz der grossen flachen Höhe der streichenden Pfeiler ohne Schwierigkeit 
und Gefahr anwenden zu können. 

Ausgesprochen schwebender Pfeilerbau bei flacher Lagerung, jedoch 
mit deutlich erkennbarem Streichen und Fallen ist gegenwärtig auf den 
Gruben des Bezirkes kaum irgendwo zu finden. Vielfach bleibt die 
Lagerung bei solcher Flötzneigung im hiesigen Bezirke auf längere Er- 
streckungen nicht so gleichmässig und ungestört, wie es für eine plan- 
mässige Durchführung des schwebenden Pfeilerbaues, insbesondere für eine 
glatte, in diesem Falle nach den hiesigen Gewohnheiten nur durch Brems- 
vorrichtungen zu bewirkende Förderung in den schwebenden Strecken er- 
wünscht ist. Femer scheut man auch die zahlreichen schwebenden Be- 
triebe mit Rücksicht auf die Schlagwettergefahr. 

Der im übrigen gegenüber dem streichenden Pfeilerbau geschätzte 
Vorteil des schwebenden Pfeilerbaues, dass man infolge der grösseren Aus- 
dehnung der Baufelder nach dem Streichen als nach dem Fsdlen eine 
grössere Zahl von Betriebspunkten und einen raschen Abbau der be- 
treffenden Flötzfläche erzielt, gilt hier im allgemeinen nicht für schwer- 
wiegend genug, um den streichenden Pfeilerbau verdrängen zu können. 
Häufiger nimmt dagegen der streichende Pfeilerbau in Fällen, in welchen 
die Lagerung an sich für schwebenden Pfeilerbau geeignet sein würde, 
eine dem schwebenden Bau sich nähernde Form an. (Vergl. Pfeilerbau 
der Zeche Prosper, Fig. 24 auf S. 121). 

Hierzu kommt auch noch der Umstand, dass in vielen Fällen die 
massig stark geneigten und nach ihrem sonstigen Verhalten schwebenden 



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1. Kap.: Abbau ohne Bergeversatz. 



151 



Bau zulassenden Flötze sich besser zum Abbau mit Bergeversatz eignen 
und daher alsdann schwebender Strebbau oder schwebender Stossbau dem 
Pfeilerbau vorgezogen wird. 

Vereinzelt werden Flötze von solch starkem Einfallen, dass Wagen- 
förderung ohne Gestell in den schwebenden Betrieben nicht mehr möglich 
ist (über30<>), durch schwebenden Pfeilerbau mit Rolllöchern abgebaut (vgl. 



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Fig, 47, 
Zeche Wallfisch, Fl. Stephansbank. Schwebender Pfeilerbau mit Rolllöchem 

(Seigerriss). 

unter »Vorrichtung« »schwebende Abbaustrecken«). Es handelt sich als- 
dann in der Regel um ganz steile schlagwetterfreie Flötze von geringer 
Mächtigkeit, reiner Kohle und festem Nebengestein, in welchen der sonst 
bei steiler Lagerung unter den Abbauarten ohne Versatz ausschliesslich in 
Betracht kommende streichende Pfeilerbau wegen des kostspieligen Strecken- 
auffahrens gescheut wird. Der schwebende Pfeilerbau mit Rolllöchern, 
welche nur in Flötzmächtigkeit hergestellt zu werden brauchen und die 
Wagenförderung gänzlich entbehriich machen, stellt sich alsdann vorteil- 
hafter. Diese Bauart findet z. B. stellenweise in dem 0,6 m mächtigen 
Flötze Stephansbank der Zeche Franziska, Schachtfeld Wallfisch, An- 



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152 Abbau. 

Wendung (Fig. 47). Die in Abständen von 10— 12m hochgebrachten Ueber- 
hauen bezw. Rolllöcher werden hier alle 10 m durchstreichende, gleichfalls 
nur in Flötzmächtigkeit hergestellte Durchhiebe zur Wetterführung und 
Fahrung verbunden. Ein geeignet gelegenes Ueberhauen wird jedesmal 
als Fahrüberhauen eingerichtet. Der Rückbau der Pfeiler beginnt am 
äussersten Rollloche und jedes folgende Rollloch bleibt mit dem Abbau 
etwa 10 m oberhalb des Abbaues des vorhergehenden Rolllochs zurück. 
Von jedem Rollloch aus baut man die dasselbe einschliessenden Pfeiler bis 
an die Mittellinie derselben ab, wobei der Verhieb teils streichend, teils 
abfallend ist. Zum Schutze gegen Steinfall aus dem bereits abgebauten 
Räume wird unter den streichenden Durchhieben jedesmal eine Schwebe 
angebaut, welche verloren geht. 

Der in Fig. 47 dargestellte Abbau weicht insofern von dem 
normalen Betriebe ab, als hier der Wetterstrom die im Aufhiebe befind- 
lichen und einander entsprechend vorausstehenden Ueberhauen der Reihe 
nach bestreicht, sodann aber nach Erreichung des höchsten Betriebspunktes 
an den im Rückbau befindlichen Pfeilern entlang absteigend geführt wird. 
Die gänzliche Abwesenheit von Schlagwettern Hess die Abwärtsführung 
des Wetterstromes hier unbedenklich erscheinen. 

Derartiger schwebender Pfeilerbau in geringmächtigen stehenden 
Plötzen verschwindet in neuerer Zeit immer mehr, indem derselbe jetzt 
meistens durch den unter solchen Verhältnissen erheblich sicheren und 
wirtschaftlicheren Firstenbau ersetzt wird. Auch in dem vorstehend er- 
wähnten Falle auf der Zeche Franziska bezw. Wallfisch geschieht dies, so- 
weit die Möglichkeit der Bergezufuhr gegeben ist (vgl. »Firstenbau«). 



2. Kapitel: Abbau mit Bergeversatz. 

I. Anwendung und Ausführung des Bergeversetzens. 
Bedeutung der verschiedenen Abbauarten mit Versatz. 

Nach dem gegenwärtigen Stande des Bergeversatzbaues im hiesigen 
Bezirke sind die im geschichtlichen Teile näher erörterten Gründe, welche 
in den zahlreichen Fällen der Anwendung solcher Bauarten in Betracht 
kommen, von zweierlei Art. Das Versetzen der Berge beim Abbau ist einmal 
Mittel zum Zwecke, d. h. es geschieht, um den Abbau des betreffenden 
Flötzes an sich überhaupt oder doch mit grösserem Vorteile in technischer 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 153 

und wirtschaftlicher Hinsicht zu ermöglichen, unter Vermeidung gewisser 
Schwierigkeiten, Nachteile und Gefahren, welche der Abbau ohne Versatz 
unter den betreffenden Verhältnissen mit sich bringen würde. In dieser 
Beziehung spielen hauptsächlich folgende Umstände eine entscheidende 
Rolle: Starker Bergefall im Flötze beim Streckenauffahren und beim Abbau 
infolge geringer Mächtigkeit, starker Bergmittel oder starken Nachfalles, 
ferner die oft günstigere Leistung beim Abbau mit Versatzstössen, sodann 
schlechte Gebirgsbeschaffenheit, starker Druck des Nebengesteins oder 
der Kohle, hohe Holz- und Reparaturkosten, starke Abbauverluste beim 
Abbau ohne Versatz, Ueberlegenheit gewisser Versatzbauarten hinsichtlich 
der Erhaltung der Kohlenqualität (Stückkohlenfall, Gasgehalt), Neigung des 
Flötzes zu Grubenbrand bei unreinem Abbau, Gefahr der Schlagwetter- 
ansammlungen in Strecken und Ueberhauen sowie grössere Gefahr durch 
Stein- und Kohlenfall beim Abbau ohne Versatz, bei Unterwerksbau Gefahr 
der Ansammlung grosser Wassermengen in den alten unversetzt gelassenen 
Bauen und dergl. 

Andererseits ist die Veranlassung zum Versetzen der abgebauten 
Räume in zahlreichen Fällen eine äussere, bedingt durch an und für sich 
mit der rein betriebstechnischen Seite des Abbaues in keinem unmittelbaren 
Zusammenhange stehende Verhältnisse. Als Gründe für das Versetzen der 
abgebauten Räume bezw. für die Gewinnung der Kohle mittels Versatzbaues 
sind nach dieser Richtung hin a. a. O. bereits angeführt worden die Rücksicht 
auf die Tagesoberfiäche (Bergschäden), der Mangel an Haldenplatz über 
Tage bezw. die hohen Kosten des letzteren, die Notwendigkeit des Frei- 
legens eines vorhandenen Haldenplatzes infolge von Betriebsänderungen 
und Neuanlagen über Tage, das Bestreben, Haldenbrände zu vermeiden 
und dergl. 

Die verschiedenen Gründe, aus welchen man hiemach zum Versatzbau 
schreitet, oder die verschiedenen Zwecke, welchen der letztere dienen soll, 
sind wesentlich mitbestimmend für die Wahl der besonderen Art desselben, 
also ob Stossbau, Strebbau oder eine andere Bauart anzuwenden ist, sowie 
auch für die Ausführung der betreffenden Bauart im einzelnen. Denn je 
nach den Verhältnissen muss mehr oder weniger Wert gelegt werden auf 
die Vollständigkeit und Dichtigkeit der Ausfüllung sowohl der einzelnen 
Abbaustösse wie auch der abgebauten Fläche im ganzen, letzteres insofern 
als unter Umständen auch ein Aussparen von etwa für den Abbau selbst 
erforderlichen Förder- und Fahrstrecken im Versätze vermieden werden 
muss. Je nach Lage der Sache gewinnt demgemäss auch die Ergänzung 
der Versatzberge durch Zufuhr fremder, nicht an Ort und Stelle selbst 
gewonnener Berge mehr oder weniger an Bedeutung. 

Der Versatz als solcher spielt beim Abbau eine so verschiedene 
Rolle, dass die Grenze zwischen Abbau ohne und mit Versatz 



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154 Abbau. 

nicht scharf zu ziehen ist, wenn lediglich der Grad der Ausfüllung des 
abgebauten Raumes oder die Menge der hierzu verwendeten Berge als 
Massstab für die Beurteilung herangezogen wird. Das Versetzen der 
Berge beim sogenannten Versatzbau ist in Wirklichkeit zuweilen nur 
von untergeordneter und nicht viel höherer Bedeutung als das Versetzen 
von Bergen in Streckendämmen oder das Zurseitewerfen von solchen beim 
Pfeilerabbau. Der Versatz beschränkt sich mitunter auf schmale Streifen 
oder Bergemauem zur Seite der offenzuhaltenden Förder-, Fahr- oder 
Wetterwege, während von einer dichten Ausfüllung des Abbauraumes keine 
Rede ist (vergl. bes. »Stossbau« und »Strebbau«). Gleichwohl erscheint es 
zweckmässig und begründet, auch derartigen Abbau als Bergeversatzbau 
zu behandeln, sofern die allgemeine Ausführung der betreffenden Abbauart 
dem Wesen des echten Versatzbaues entspricht. Dies ist der Fall, wenn 
das Unterbringen von Bergen im abgebauten Räume planmässig, nicht nur 
gelegentlich stattfindet, insbesondere auch, wenn die Abbaustösse un- 
mittelbar zu Felde rücken und die Fahr-, Förder- oder Wetterwege nicht 
in der anstehenden Lagerstätte, sondern im abgebauten Felde liegen. 
Dementsprechend ist hier unter Berge versatzbau jeder Abbau verstanden 
worden, bei welchem der abgebaute Raum thatsächlich nach einem be- 
stimmten Plane mit eigenen Bergen des Flötzes oder mit fremden Bergen 
ganz oder teilweise ausgefüllt wird, oder auch ein solcher, bei welchem 
abgesehen von der Vollständigkeit oder Unvollständigkeit des Versatzes 
die ganze Anordnung des Betriebes nach Art eines wirklichen Bergeversatz- 
baues getroffen ist. 

Auch die ihrem Wesen nach als gemischte Abbauarten aufzufassenden 
beiden Arten des vereinigten Streb- und Pfeilerbaues sind aus Zweck- 
mässigkeitsgründen im Anschlüsse an den Strebbau behandelt worden.*) 

Der Umfang und die Bedeutung des Bergeversatzbaues beim nieder- 
rheinisch-westfälischen Steinkohlenbergbau geht aus der statistischen Zu- 
sammenstellung auf S. 315 ff. näher hervor. Es ergiebt sich hiemach ein Ver- 
hältnis von rund 60^0 ^ür Pfeilerbau einschliesslich des ver. Streb- und 
Pfeilerbaues und von 40% ^^r Bergeversatzbau. 

Unter den verschiedenen Versatzbauarten besitzt der streichende 
Stossbau bei weitem die grösste Verbreitung und Bedeutung im Bezirke, 
sowohl hinsichtlich der Anzahl der Gruben, auf welchen derselbe zu finden 
ist, als auch hinsichtlich der Fördermenge, welche derselbe im ganzen 
liefert. Letztere machte im Jahre 1898 annähernd 20% der ganzen Förde- 
rung des Ruhrkohlenbezirkes und fast 50% aller mit Versatzbau gewonnenen 



*) In der statistischen Zusammenstellung sind diese Abbauarten, deren Be- 
deutung im übrigen untergeordnet ist, dem Abbau ohne Versatz zugerechnet 
worden. 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz. 155 

Kohlenmengen aus. An zweiter Stelle folgt der streichende Strebbau, der 
1898 etwa 12% der Gesamtförderung und 30^/o der mit Bergeversatzbau 
gewonnenen Kohlen lieferte. Nur beschränkte Anwendung finden der 
schwebende Strebbau, der streichende Pfeilerbau mit Versatz, streichender 
vereinigter Streb- und Pfeilerbau, der schwebende Stossbau einschliesslich 
des abfallenden sowie Firstenbau und schwebender vereinigter Streb- und 
Pfeilerbau. Die Betheiligung aller dieser letztgenannten Abbauarten an der 
Förderung bewegt sich zwischen 2,37ü und 0,27o der Gesamtförderung 
oder zwischen 5,5% und 0,5%, der gesamten durch Abbau mit Versatz 
gewonnenen Mengen. 

II. Stossbau. 

1. Wesen, Arten und Verbreitung des Stossbaues. 

Mit dem Namen Stossbau wurde im hiesigen Bezirke ursprünglich 
eine vereinzelt auf mächtigen steilen Plötzen mit reichlichem Bergefall 
aus Bergmitteln und Nachfall angewandte Abbauart belegt, deren Wesen 
darin bestand, dass man das Baufeld, ausgehend von einer schwebenden 
oder diagonalen Vorrichtungsstrecke in streichenden, einzeln für sich in 
der Reihenfolge von unten nach oben betriebenen, 2 — 3 m hohen Streifen 
oder Stössen unter stetiger VerfüUung des vorhergegangenen Stosses mit 
den bei der Gewinnung fallenden Bergen abbaute. 

Dieser Bau entspricht also einem wiederholten Stossortsbetriebe mit 
Versatz (vergl. im geschichtlichen Teile »Entwicklung des Abbaues mit 
Bergeversatz«). Ein dieser Bauart grundsätzlich entsprechendes Wesen — 
gekennzeichnet durch die Einteilung des Baufeldes in streichende Streifen 
oder Stösse und den Einzelabbau derselben der Reihe nach mit stets 
nachgeführtem vollständigem Versätze der einzelnen Stösse — zeigt 
der Stossbau hierselbst gegenwärtig in der Mehrzahl aller Fälle, ob- 
wohl sich in der Ausführung verschiedene Abweichungen gegen jene 
ursprüngliche Form ausgebildet haben. So beschränkt sich der Stossbau 
gegenwärtig nicht auf Plötze von oben angegebenen Verhalten, in welchen 
steiles Einfallen, grosse Mächtigkeit, Vorhandensein eigenen ausreichenden 
Bergefalles und schlechte Gebirgsbeschaffenheit eine andere Abbauart gar 
nicht oder nur mit grossen Abbauverlusten und Gefahren zulassen, sondern 
derselbe findet sich sowohl bei steiler als auch bei mittlerer und flacher 
Lagerung, beim Versetzen mit eigenen Bergen des Flötzes wie auch mit 
zugeführten fremden Bergen und wird ferner mit Stössen von einfacher 
Streckenhöhe bezw. Streckenbreite wie mit solchen von der Höhe oder 
Breite hoher Streb- oder Firstenstösse betrieben (vergl. die schematischen 
Fig. 48—52). Weiter wird dasselbe System des Abbaues in einzelnen nach 



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156 



Abbau. 




Kohlenbremsberg. 
a. Verhieb der Stösse schwebend. b. Verhieb der Stösse streichend. 

Fig, 48. 
Streichender Stossbau mit zweiflügeligem Kohlenbremsberg. 




Bcrgerolle. 
a. Fitstenbauartiger Verhieb der Stösse. b. Strossenbauartiger Verhieb der Stösse. 

Fig. 49. 
Streichender Stossbau mit zweiflügeligem BergerolUoch. 




a. Orundriss. Kohlenbremsberg. 

Fig. 50. 

Streichender Stossbau 
mit Stössen von Slreckenhöhe (Stossortsbctrieb mit Versatz). 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



157 



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158 Abbau. 

einander betriebenen Versatzstössen auch unter Einteilung: des Baufeldes 
in schwebende Stösse zur Anwendung gebracht. Jeder in seinen Gnindzügen 
nach dem vorstehend gekennzeichneten System ausgeführte Bergeversatz- 
bau wird hierselbst dem Stossbau zugerechnet, wobei der streichende, 
schwebende und unter Umständen noch der abfallende Stossbau unter- 
schieden werden, je nachdem das Baufeld in streichend liegende Stösse 
wie bei der ursprtinglichen Form, oder in Stösse von schwebender Längen- 
erstreckung eingeteilt wird, und je nachdem im letzteren Falle die Richtung, 
in welcher der Abbau der Stösse fortschreitet, schwebend oder abfallend ist. 

Der streichende Stossbau ist die verbreitetste Abbauart mit 
Bergeversatz; denn er liefert, wie bereits oben bemerkt, etwa 207o ^^^ ge- 
samten Förderung und SO^o <ier überhaupt mit Versatz gewonnenen Kohlen- 
mengen. Der schwebende Stossbau zusammen mit dem abfallenden, welch 
letzterer nur ganz vereinzelt vorkommt, liefert dagegen nur ca. 1,5%bezw. 
3,5% der entsprechenden Fördermengen. 

Auf zahlreichen Gruben überwiegt der streichende Stossbau im 
Vergleiche mit den übrigen auf denselben gebräuchlichen Abbauarten; 
auf vielen ist er aber auch die unbedingt vorherrschende, mitunter fast 
die ausschliessliche Abbauart geworden (vergl. in der statistischen Tabelle 
auf S. 315 if. z. B. Massener Tiefbau, Courl, Minister Stein, Hansa, Westhausen, 
Borussia, Königsborn, Mansfeld, Shamrock III/IV, Centrum I/Ill, Rhein- 
Elbe, Ver. Sälzer und Neuack). 

Der schwebende Stossbau ist dagegen nur auf einzelnen Gruben 
neben den sonstigen Abbauarten verhältnismässig stark vertreten oder als 
vorherrschende Abbauart gebräuchlich (vergl. in der gen. Tabelle z. B. 
Schlägel und Eisen I/II, Hibernia, Dahlbusch I, Prosper II). 

2. Anwendung des streichenden Stossbaues und Unterschiede in der 

Ausführung desselben. 

Streichender Stossbau im oben bezeichneten, weitergefassten Sinne 
ist seit den 1880er Jahren*) zur häufigsten und allgemeinsten Abbauart 
mit Bergeversatz geworden. Der Uebergang zum planmässigen Versetzen 
fremder, nicht am Versatzorte selbst gewonnener Berge seit jener Zeit 
beseitigte die bis dahin bestehende Abhängigkeit der Abbauarten von dem 
eigenen Bergefall der Flötze und ermöglichte es, den Stossbau im Gegensab^p 
zu seiner früheren, auf bestimmte Einzelfälle beschränkten Anwendung nun- 
mehr unter den verschiedenartigsten Flötzverhältnissen zur Ausführung zu 

*) Derselbe wurde damals zuerst auf dem Schachte Amalie der Zeche Ver. 
Helene und Amalie in grösserem Umfange mit bestem Erfolge eingeführt (Back- 
winkel, »Abbau mit Verwendung aller beim Grubenbetriebe fallenden Berge auf 
Schacht Amalie«. Zeitschr. f. B. H. u. S. 1883 Bd. XXXI B. S. 133.) 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz. 159 

bringen. Der Umstand, dass gerade dieser Bau zur gewöhnlichsten Berge- 
versatzbauart im hiesigen Bezirke geworden ist, erklärt sich aus der grossen 
Anpassungsfähigkeit desselben an die verschiedensten Flötz-, Gebirgs- und 
Lagerungsverhältnisse, eine Eigenschaft, in welcher derselbe von keiner der 
übrigen Bergeversatzbauarten tibertroffen wird. Während jede andere Ver- 
satzbauart gewisse Bedingungen bezüglich des Flötz- und Gebirgsverhaltens 
oder der Lagerung voraussetzt, lässt sich nach den Erfahrungen im 
hiesigen Bezirke behaupten, dass der streichende Stossbau vollständig 
unabhängig von diesen Faktoren ist, dass seine Anwendbarkeit also 
weder durch die Grösse des Fallwinkels, noch durch die Flötz- 
mächtigkeit, die besondere Beschaffenheit des Flötzkörpers, das Fehlen 
oder Vorhandensein von Bergmitteln, die Beschaffenheit des Neben- 
gesteins u. s. w. eine Beschränkung erleidet. In irgend einer Form 
lässt sich ein Abbau mit einzeln betriebenen Versatzstössen, wobei 
jedesmal nur eine verhältnismässig geringe Abbaufläche gleichzeitig 
freigelegt wird, bei jedem beliebigen, auch bei dem ungünstigsten Flötz- 
und Gebirgsverhalten ohne besondere Abbauverluste und Gefahren 
durchführen. Hierin liegen die hauptsächlichsten Vorzüge des Stossbaues. 
Bei den ausserordentlich wechselnden Verhältnissen auf unseren Gruben 
war daher, als sich mehr und mehr die Notwendigkeit des üebergangs 
zum Abbau mit Versatz einstellte, keine Abbauart einer so allgemeinen 
Verbreitung fähig wie der streichende Stossbau. 

Diese Bauart wird hiemach in erster Reihe als Ersatz für den 
Pfeilerbau herangezogen, sei es, dass letzterer wegen seiner betrieb- 
lichen Nachteile und Gefahren aufgegeben wird, sei es, dass dies zur 
Vermeidung oder Verringerung schädlicher Abbauwirkungen oder aus 
sonstigen äusseren Gründen geschieht. Insbesondere ist der Stossbau 
gegenwärtig bei ungünstigstem Flötz verhalten, wie beim Abbau steiler 
mächtiger Flötze mit schlechtem und druckhaftem Nebengestein, unter 
allen Bauarten am meisten verbreitet. Der Umstand, dass der Betrieb des 
Stossbaues vielfach gerade unter den schwierigsten und gefährlichsten 
Verhältnissen, welche überhaupt vorkommen, stattfindet, ist besonders zu 
berücksichtigen, wenn aus den Fällen der Anwendung dieser Bauart und 
anderer Abbauarten vergleichende Schlüsse gezogen werden sollen in Bezug 
auf die Gewinnungskosten, die Leistung, den Gefahrengrad hinsichtlich 
des Stein- und Kohlenfalles u. dergl. Im übrigen ist der streichende Stoss- 
bau auch häufig unter Verhältnissen beliebt, welche an und für sich viel- 
leicht ebensowohl eine andere Bauart mit Versatz, etwa Strebbau, zulassen 
würden. Dies erklärt sich dann ausser durch die Gewohnheit auf der be- 
treffenden Grube namentlich dadurch, dass der Stossbau ein vollständiges 
Versetzen der abgebauten Flächen ohne Offenhalten von Strecken er- 
möglicht. Dieser Umstand wird teils an und für sich als betrieblicher 



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1 60 Abbau. 

Vorzug gegenüber dem Strebbau geschätzt, sodass man aus diesem Grunde 
den Stossbau wählt, teils wird die Vollständigkeit des Versatzes mit Rück- 
sicht auf den besseren Schutz der Tagesoberfläche bestimmend für die Wahl 
des Stossbaues. 

Bei der Verschiedenheit der Verhältnisse, unter welchen der streichende 
Stossbau im hiesigen Bezirke zur Anwendung gelangt, ist auch die Aus- 
führung desselben im einzelnen in mehrfacher Hinsicht eine verschiedene. 
Die Unterschiede betreffen hauptsächlich folgende Punkte: 

1. die Anordnung der Förderwege für Kohle und Berge, 

2. die Höhe bezw. Breite der Stösse, 

3. die Verhiebsart der Stösse, 

4. die Art des Versetzens der Berge in dem Stossraume und den 
Grad der Vollständigkeit des Versatzes, 

5. die Reihenfolge bei der Inangriffnahme der einzelnen Stösse. 

Aus der nachstehenden Beschreibung der Ausführung dieser Bauart 
im einzelnen und den dabei angeführten Beispielen gehen diese Unter- 
schiede näher hervor. 

3. Allgemeine Anordnung des Betriebes und Mittel zur 
Konzentration desselben. 

Der Abbau mit einzelnen der Reihe nach betriebenen streichenden 
Versatzstössen hat als solcher im Vergleiche mit dem Pfeilerbau und mit 
anderen Versatzbauarten, wie Firsten- und Strebbau, bei welchen eine 
grössere Zahl von aneinandergereihten Betriebspunkten gleichzeitig zu 
Felde geht, den Nachteil, dass derselbe jedesmal nur einen bezw. zwei 
Angriffspunkte in dem betreffenden Baufelde liefert. Dieser Nachteil fällt 
zwar gegenüber den Vorzügen des Stossbaues nicht so sehr ins Gewicht, 
wenn dieser Bau nur untergeordnet neben dem Pfeilerbau oder neben 
anderen Versatzbauarten betrieben wird. Wo jedoch der Pfeilerbau in 
grösserem Umfange durch Bergeversatzbau ersetzt werden muss und dieser 
Ersatz zufolge des Flötz- und Gebirgsverhaltens nur im Stossbau gefunden 
werden kann, da wird eine besondere Anordnung des ganzen Betriebes 
erforderlich, um den jener Bauart anhaftenden Nachteil unwirksam zu 
machen, also um gleichwohl eine hinreichende Förderung ohne allzugrosse 
Zersplitterung des Betriebes zu erzielen. Es wird daher in solchen Fällen 
eine von der gewöhnlichen abweichende Einteilung des ganzen Bau- 
feldes getroffen. Die Zerlegung des letzteren in zahlreichere und ent- 
sprechend kleinere selbständige Bauabteilungen, sowie der gleichzeitige 
Betrieb des Abbaues in mehreren derselben, kennzeichnen alsdann im 
allgemeinen die Anordnung des Betriebes beim Stossbau. Diese Gleich- 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeveraats. 161 

zeitigkeit des Betriebes in mehreren kleineren Abbauflächen erstreckt sich 
femer sowohl auf diejenigen desselben Flötzes, als auch auf diejenigen 
mehrerer übereinander liegender Flötze derselben Bauabteilung, welche 
anderenfalls gewöhnlich wiederum zeitlich getrennt in Angriff genommen 
werden würden. Auf die angedeutete Weise ist man bestrebt, die in dem 
Wesen des Stossbaues an sich begründete Zersplitterung des Betriebes 
zu beseitigen und letzteren im ganzen wieder innerhalb eines enger 
begrenzten Teiles des Grubenfeldes zusammenzudrängen. 

Die Mittel zur Erreichung dieses Zweckes sind dementsprechend 
folgende : 

1. Abkürzung der streichenden Länge der einzelnen Bauabtheilungen 
und gleichzeitiger Abbau in mehreren sich aneinanderreihenden 
Abteilungen (vergl. Figuren 52, 56, 59—60) ; 

2. Mehrfache Teilung der flachen Bauhöhe in den Bauabteilungen und 
gleichzeitiger Abbau über der Grundstrecke und den Teilstrecken 
(vergl. Figuren 50, 54, 55, 57—59, 64); 

3. Zweiflügeliger Betrieb in jeder Bauabteilung, gegebenenfalls über 
der Sohle und den Teilsohlen (vergl. Fi^ren 48, 49, 51, 52, 
55—57, 64); 

4. Gleichzeitiger Betrieb in dieser Weise in mehreren Flötzen einer 
Gruppe. 

In Bezug auf den letzteren Punkt sei hier noch bemerkt, dass dieses 
Mittel besonders bei steil gelagerten Flötzgruppen beliebt ist, welche ge- 
wöhnlich durch einen Bremsberg oder Bremsschacht mit Ortsquerschlägen 
gemeinsam vorgerichtet werden. Um jede nachteilige Einwirkung des 
Abbaues der liegenden Flötze der Gruppe auf die hängenderen zu ver- 
meiden, richtet man hierbei den Betrieb in den verschiedenen Flötzen 
auch wohl so ein, dass jedes derselben dem nächstfolgenden liegenderen 
Flötze um eine Stosshöhe mit dem Abbau vorausbleibt. Manche Gruben 
erblicken andererseits einen grösseren Vorteil darin, den Abbau in allen 
Flötzen stets in gleicher Höhe zu halten und dadurch die Kohlen- und 
Bergeförderung immer auf 2 Anschlagspunkte des Bremsbergs bezw. Brems- 
schachtes zu beschränken. 

Hat man hiernach auf die eine oder andere Weise oder durch Ver- 
bindung mehrerer dieser Mittel miteinander für eine genügende Anzahl 
von Angriff^spunkten innerhalb eines enger begrenzten Teiles des Gruben- 
feldes Sorge getragen, so bleibt noch als weiteres Mittel zu gedachtem 
Zwecke die Wahl möglichst grosser Stosshöhen bezw. Stossbreiten, um 
hierdurch die Leistungsfähigkeit des einzelnen Betriebspunktes nach Mög- 
lichkeit zu steigern. 

Sammelwerk. II. IX 



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162 



Abbau. 



4. Anordnung der Förderwege für Kohlen- und Bergeförderung. 

Die Anordnung der Förderwege für die Kohlen- und Bergeförderung 
innerhalb des einzelnen Flötzes kann beim Stossbau eine verschiedene 
sein, sodass sich dementsprechend auch die der Eröffnung desselben vorauf- 
gehende Vorrichtung des betreffenden Baufeldes ungleichartig gestaltet. In 
dieser Beziehung kann der Stossbau unterschieden werden als ein solcher 
mit getrennten Förderwegen für Kohlen- und Bergeförderung und als ein 
solcher mit gemeinschaftlichen Förderwegen für beide Zwecke. 

Der Umstand, dass der Regel nach die Förderbahn, welche jeder 
Stoss an seiner Firste nachführt, jedesmal beim Vorrücken des Abbaues 




Fig. 5S. 
Stossbau im Fl. Röttgersbank der Zeche Helene Amalie. 



des nächstfolgenden Stosses entsprechend wieder mit versetzt wird, sowie 
der weitere Umstand, dass der Stossbau gegenwärtig vorwiegend mit Zu- 
hülfenahme fremder, nicht vor den Stössen selbst fallender Berge geführt 
wird, endlich die Rücksicht auf eine möglichst einfache und praktische 
Gestaltung der Gewinnungs- und Versatzarbeit lassen es bei hohen Stössen 
und starker Flcitzneigung notwendig erscheinen, die Kohlenförderung und 
Bergeförderung getrennt voneinander zu halten. 

Die Trennung der Bergezufuhr und Kohlenabfuhr wird daher in der 
Regel in der Weise bewirkt, dass erstere von derjenigen Seite des Bau- 
feldes aus erfolgt, an welcher der Abbau beginnt, und zwar auf der neuen 



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2. Kap.: Abbau mit Berge ver8at2. 163 

mit dem Vorrücken des betreffenden Stosses gleichzeitig hergestellten 
Förderstrecke, während die gewonnenen Massen über die untere alte und 
hinter dem Abbaustosse wieder versetzte Strecke nach dem anderen Ende 
des betreffenden Bauflügels abgefahren werden. Hierdurch ergiebt sich 
bei einflügeligem Betriebe die Anordnung, dass sich an einem Ende der 
Bauabteilung ein schwebender Kohlenförderweg befindet (Bremsberg, Roll- 
loch bezw. bei Unterwerksbau Abhauen), an dem anderen Ende ein 
schwebender Bergeförderweg (Bremsberg eventl. mit Einrichtung zum 
Aufziehen der Berge, Rollloch, Abhauen, vergl. z. B. Fig. 50 und 53). Bei 
zweiflügeligem Betriebe ist die Anordnung entweder so, dsiss der Kohlen- 
bremsberg oder dergl. in der Mitte des Baufeldes angelegt wird, also zwei- 
flügelig arbeitet, während an jedem Ende des Baufeldes ein BergeroUloch 
oder dergl. sich befindet (Fig. 48), oder umgekehrt derart, dass das 
letztere in der Mitte des Baufeldes liegt, welches dann an seinen beiden 
Baugrenzen je einen Kohlenbremsberg besitzt (Fig. 49). Soll sich der 
Stossbau auf mehrere hintereinander liegende Bauabteilungen erstrecken, 
so verbindet man beide Arten der zweiflügeligen Anordnung mit einander, 
indem man in angemessenen streichenden Abständen die schwebenden 
bezw. abfallenden Kohlen- und Berge förderwege miteinander wechseln 
lässt. Jeder Kohlenbremsberg arbeitet alsdann zweiflügelig und ebenso 
liefert jedes BergeroUloch die Berge nach beiden Seiten hin (Fig. 56, 61, 62). 

Die vorstehend erläuterten Anordnungen des Stossbaues mit Trennung 
der Kohlen- und Bergeförderwege sind im Ruhrkohlenbezirke vorwiegend 
beim Abbau über der Sohle mit abwärtsgehender Kohlenförderung (Ober- 
werksbau) beliebt. Die Kohlenbremsberge können hierbei übrigens unter 
Umständen auch stückweise mit dem Abbau fortschreitend hergestellt 
werden, brauchen also nicht immer vor Eröffnung des Abbaues vollständig 
fertiggestellt zu sein (vergl. z. B. Fig. 56 und 64). 

Bei flacher Lagerung ist eine Trennung der Förderwege für Kohlen 
und Berge nicht erforderlich, vielmehr lässt sich ohne besondere Schwierig- 
keit jedesmal die neue Strecke oberhalb des Versatzes zu beiden Zwecken 
benutzen. Die untere alte Strecke dient dann nur als Wetterstrecke für 
den neuen Stoss. Die Arbeit vor den Stössen ändert sich alsdann nur in- 
sofern, als die hereingewonnene Kohle aus dem Stossraume aufwärts zur 
Strecke geworfen werden muss, wie beim Auffahren einer Strecke mit 
breitem Bergedamme. Bei der flachen Lagerung wird hierdurch die Ge- 
winnungsarbeit kaum erschwert, zumal da unter solchen Verhältnissen die 
Stossbreite gewöhnlich ohnehin nur gering genommen werden kann mit 
Rücksicht auf die grössere Schwierigkeit des Bergeversetzens in flachem 
Gebirge. Auch lässt sich das Hinauffördern der Kohle aus dem Stossraume 
in solchen Fällen häufig mit Hülfe einer in der Fallrichtung jedesmal 
zwischen Versatz und Kohlenstoss gelegten »fliegenden<c Schienenbahn 



11 



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ie>4 Abbau. 

ermöglichen, auf welcher der Förderwagen mittels eines einfachen Hand- 
haspels in den Stossraum hinabgelassen und gefüllt wieder aus demselben 
heraufgezogen werden kann. 

Ganz allgemein und bei jeder Flötzneigung können femer beim 
Stossbau dieselben Förderwege für Kohle und Berge gemeinschaftlich 
benutzt werden, sofern die Stossbreite bezw. Stosshöhe nicht grösser ge- 
nommen wird als diejenige einer gewöhnlichen Strecke (Stossbau mit 
Stössen von Streckenhöhe, bezw. Stossortsbetrieb mit Versatz). Auch in 
diesen Fällen braucht die untere alte und nach und nach wieder ver- 
setzte Strecke jedesmsd nur noch als Wetterstrecke für den frischen bezw. 
abziehenden Wetterstrom zu dienen. 

Bei dieser zweiten Anordnung des Stossbaues, wobei die Kohlen- und 
Bergeförderung auf derselben Strecke, der neuen Stossstrecke, stattfindet, 
vereinfacht sich auch die ganze Vorrichtung des Baufeldes, da alsdann die 
schwebenden Förderwege (Bremsberge, Abhauen) ebenfalls der Kohlen- 
und Bergeförderung gemeinschaftlich dienen und daher jedesmal nur in 
der Mitte eines Baufeldes ein Bremsberg bezw. Abhauen erforderlich Lst, 
während solche schwebenden Förderwege an den Grenzen des Baufeldes 
ganz in Fortfall kommen. Die Anordnung des Betriebes in dieser Weise 
mit gemeinschaftlichen Förderwegen für Kohle und Berge ist im hiesigen 
Bezirke bei flacher Lagerung vielfach beliebt sowohl beim Abbau zwischen 
zwei Sohlen von Bremsbergen aus, als auch besonders, wenn der Abbau 
von Abhauen aus als Unterwerksbau, also mit aufwärtsgehender Kohlen- 
förderung betrieben wird. Gewöhnlich findet auch hierbei wieder ein 
gleichzeitiger Betrieb in mehreren hintereinander liegenden Brems- 
berg- bezw. Abhauenfeldem oder ein gleichzeitiger Abbau in mehreren 
Niveaus derselben Bauahteilung statt, um eine genügende Zahl von Be- 
triebspunkten zu erhalten. Derartige Anordnungen des Baues sind aus 
den im übrigen später erläuterten Figuren 51, 52, 57—60 zu ersehen. 

Auch bei dem Betriebe mit Stössen von Streckenhöhe in stehenden 
Flötzen zieht man es wegen der Einfachheit der Vorrichtung häufig vor, 
jedesmal nur die neue Stossstrecke zur Förderung zu benutzen, besonders 
wenn das Offenhalten der alten Strecke infolge .starken Gebirgsdruckes 
Schwierigkeiten verursacht (vergl. Fig. 54). Dass andererseits beim 
Stossbau mit Stössen von Streckenhöhe auch die andere Anordnung mit 
Trennung der Kohlen- und Bergeförderung unter Umständen vorgezogen 
wird, zeigen die Figuren 55 und 57. 

In Bezug auf diese Unterschiede in der ganzen Anordnung des 
Betriebes ist noch bemerkenswert die sich hierbei ergebende Verschieden- 
heit der Streckengefälle. Bei Trennung der Kohlenabfuhr und Berge- 
zufuhr in vorgedachter Weise erhält die Förderstrecke über jedem Stosse 
bezw. die Firste des Stosses jedesmal ein schwaches Gefälle nach dem 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz. 165 

Stosse zu, sodass, da die Bewegungsrichtung der Kohlenabfuhr und Berge- 
zufuhr hierbei die gleiche ist, die beladenen Wagen stets mit Gefälle 
ihrem Bestimmungspunkte zugehen. Das Abfallen der Firste der Stösse 
ist übrigens auch für die Bewetterung von Vorteil, da dasselbe eine An- 
sammlung von Schlagwettern vor dem Stosse zu verhindern geeignet ist. 
Im anderen Falle bedingt der Umstand, dass Kohle und Berge auf 
derselben Strecke in entgegengesetzter Richtung zu bewegen sind, ein 
Auffahren der Stösse mit genau söhliger Firste und Förderbahn, um ein 
Bewegen der Last auf ansteigender Bahn zu vermeiden. 



5. Die Höhe bezw. Breite der Stösse. 

Wie bereits bemerkt, wird die flache Höhe bezw. die Breite der 
einzelnen Stösse sehr verschieden bemessen. Dieselbe sinkt herab bis zu 
einfacher Streckenhöhe und steigt andererseits bei steiler Lagerung bis 
auf 10, 20, 30 m und mehr, wodurch der Bau schliesslich einen anderen 
Charakter, besonders denjenigen des Firstenbaues annehmen kann. Einer- 
seits und in der Hauptsache sind hierbei massgebend das Gebirgsverhalten, 
die Lagerung und die Beschaff'enheit der Kohle, andererseits spielt bei der 
Wahl der Stosshöhen auch die Gewohnheit auf den einzelnen Gruben und 
die ganze Betriebsanordnung eine gewisse Rolle, indem insbesondere die 
Anforderungen, welche im einzelnen Falle an die Leistungsfähigkeit des 
Stossbaues gestellt werden, zu berücksichtigen sind. 

Bei der geringsten Stosshöhe, welche einfacher Streckenhöhe ent- 
spricht, wird der Stossbau zu einem Stossortsbetriebe mit jedesmaligem 
Versätze des vorhergehenden Ortes. Diesen Charakter trug, wie früher 
bemerkt, im wesentlichen die ursprüngliche Form des Stossbaues im hiesigen 
Bezirke. Dieselbe kommt auch jetzt noch unter den ungünstigsten Flötz- 
und Gebirgsverhältnissen zur Anwendung, nämlich bei steiler Lagerimg in 
Verbindung mit schlechtem Gebirge und zum Ausschlagen oder Auslaufen 
neigender Kohle, Verhältnisse, wie sich dieselben häufig in mächtigen 
Flötzen der Mager- und Fettkohlengruppe finden. Gerade bei Flötzen 
derartigen Verhaltens bietet einzig diese Art des Stossbaues die Möglich- 
keit eines reinen und gefahrlosen Abbaues und wird jetzt meistens an 
Stelle des Pfeilerbaues angewandt (z. B. auf den Zechen Massener Tiefbau, 
Hörder Kohlenwerk, Königsbom, Siebenplaneten, Prinz von Preussen). 

Da ein solcher Stossortsbetrieb nur eine beschränkte Förderung von 
dem einzelnen Stossorte ermöglicht, so pflegt man gerade bei diesem mög- 
lichst für eine Vermehrung der Zahl der gleichzeitig betriebenen Stösse 
Sorge zu tragen, indem man bei geringen Baulängen mehrere Bauab- 



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166 



Abbau. 



teilungen hintereinander in Betrieb nimmt und zu einer mehrfachen 
Teilung der flachen Bauhöhe schreitet. 

Als charakteristische Beispiele dieser Stossbauart können die in den 
Fig. 54a— b, 55 a — c und 56 dargestellten Fälle dienen (Zeche Sieben- 
planeten, Königsbom, Prinz von Preussen). 

Das erste Beispiel betrifft den Stossbau in seiner reinen ursprüng- 
lichen Form, wobei eine Zufuhr fremder Berge nicht erfolgt. Das ein- 
schliesslich eines Bergmittels von 0,8 m Stärke 2,2 m mächtige Flötz No. 7 
der Zeche Siebenplaneten (Flötz Röttgersbank der Fettkohlengruppe) ent- 




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Fig, 54. 

Zeche Siebenplaneten, Flötz Röttgersbank. Streichender Stossbau mit Stössen von 
Streckenhöhe (Stossortsbetrieb). Gleichzeitiger Betrieb desselben über mehreren 

Teilörtem. 



wickelt beim Streckenbetriebe oft einen solchen Druck, dass die Strecken 
schon bei geringer Länge zusammenquellen und den Förderwagen nicht 
mehr durchlassen. Die alsdann vor dem neuen, darüber angesetzten Stoss- 
orte aus dem Bergmittel fallenden Berge genügen daher, um den noch 
verbliebenen Querschnitt des alten Ortes bezw. Stossortes auszufüllen. Das 
Flötz ist in dem dargestellten Falle durch einen seigeren Bremsschacht 
und Teilortsquerschläge vorgerichtet worden und der Bau findet gleich- 
zeitig über der Grundstrecke und den Teilörtem statt. Von den einzelnen 
Stössen bis zur Teilstrecke bezw. Grundstrecke findet Förderung in RoU- 
löchem statt, welche an der Ansatzstelle der Stösse offengehalten werden. 

Auf den Zechen Königsbom und Prinz von Preussen wird derselbe 
Bau unter ähnlichen Verhältnissen, jedoch mit Zuhülfenahme fremder Ver- 
satzberge ausgeführt. Die Figuren 55 und 56 zeigen die Anordnung dieses 



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168 Abbau. 

Stossbaues bei getrennter Berge- und Kohlenförderung, sowie die Anein- 
anderreihung mehrerer in dieser Weise betriebenen Bauabteilungen. Auf 
der Zeche Königsbom kommt hierzu ausserdem wieder die Teilung der 
flachen Bauhöhe innerhalb der einzelnen Abteilungen zur Vermehrung der 
Betriebspunkte. Die Vorrichtung ist in beiden Fällen durch Bremsberge 
für die Kohle und Rolllöcher für die Berge erfolgt. 

Der Ausbau solcher Stossörter besteht gewöhnlich aus Thürstocks- 
gevieren, deren Klappe überdies im Liegenden eingebühnt wird. Die 
einzelnen Geviere werden gegeneinander auch durch Bolzen zwischen den 
Verblattungsstellen der Hölzer abgestützt. Die Geviere werden meistens 
auf diejenigen des vorhergegangenen Stossortes gestellt (Fig. 54b und 55b). 

Mittelst desselben Baues werden hierselbst unter Umständen auch 
steil gelagerte nahezusammenliegende Flötze bezw. solche von ausser- 
ordentlich grosser Mächtigkeit zum Abbau gebracht, wobei sich nur in der 
Ausführung gewisse Abweichungen von den vorstehend beschriebenen 
Fällen ergeben (vergl. »Abbau mächtiger und nahe zusammenliegender 
Flötze«). . 

Als mittlere Stossbreiten bezw. Stosshöhen einschliesslich der jedes- 
mal mitgenommenen Strecke kann man nach den hiesigen Verhältnissen 
solche von etwa 5— 10 m bei flachen und massig geneigten Flötzen 
und von 10—20 m bei mittlerem und steilem Einfallen annehmen. Im 
Gegensatze zu der Pfeilerstärke beim Pfeilerbau finden sich hier also bei 
flacher Lagerung im allgemeinen geringere Stosshöhen als bei steiler, wo 
die grössten, auch 20 m nicht selten übersteigenden Stosshöhen erreicht 
werden. Der Grund hierfür liegt in der Schwierigkeit und Umständlich- 
keit des Versetzens der zugeförderten Berge in flachem Gebirge, wo der 
Stossraum nicht durch einfaches Stürzen der Bergewagen von der Strecke 
aus versetzt werden kann, sondern die Zuhülfenahme von Handarbeit zum 
Entleeren der Bergewagen und zum Verpacken der gröberen Gesteins- 
stücke, oder von Schaufelarbeit, Blechrutschen und dergl. für die feineren 
Berge erforderlich wird. Nur bei Flötzneigungen, welche sich der söhligen 
Lage nähern, sodass die Berge bis in den Stossraum hineingefahren werden 
können, oder wenn die Versatzberge zum grössten Teile an Ort und Stelle 
selbst gewonnen werden, nimmt man die Stösse auch bei flacher Lagerung 
wohl breiter als die oben genannten Zahlen angeben. Die bezeichnete 
Grenze wird im übrigen bei flacher Lagerung nicht überschritten, wenn 
die neue Strecke zugleich Kohlenförderstrecke ist (Stossbau mit gemein- 
schaftlichen Förderwegen für Kohlen und Berge). 

Beispiele der unter verschiedenen Verhältnissen vorkommenden Stoss- 
höhen bezw. Stossbreiten geben die Fig. 53, 57—61 , 64. Von diesen mögen 
an dieser Stelle die Fig. 57 — 60 als Beispiele für den Stossbau bei flacher 
Lagerung erläutert werden. 



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a. Kap.: Abbau mit BergeTeraatz. 



169 



Auf den flach gelagerten Plötzen der Zeche ver. Sälzer und Neuack, 
deren Abbau unter dicht bebauter Tagesoberfläche umgeht, wird fast aus- 
schliesslich streichender Stossbau geführt und zwar nach Möglichkeit in 
der durch die schematische Figur 57 erläuterten Form. 

Hierbei ist einerseits der Grundsatz, den Abbau an mehreren Stellen 
der flachen Bauhöhe gleichzeitig beginnen zu lassen, andererseits die ge- 
trennte Bewetterung der einzelnen Stösse durch selbständige Teilströme 
in zweckmässigster Weise zur Durchführung gelangt. Kohlen- und Berge- 




Fig. 57. 
Schema des streichenden Stossbaues der Zeche ver. Sftlzer und Neuack. 



förder wege sind die gleichen, sodass die alte Stossstrecke jedesmal nur 
noch als Wetterzuführungsstrecke dient. Fig. 58 zeigt die Ausführung 
dieses Abbauverfahrens auf genannter Zeche an einem der Wirklichkeit 
entnommenen Falle. 

Auf den flach gelagerten Flötzen der Zeche Minister Stein und Fürst 
Hardenberg (Fig. 59 und 60) wird der Stossbau sowohl oberhalb der 
Bausohlen in ausgedehntem Masse betrieben als auch bildet derselbe bei 
ünterwerksbau die gewöhnliche Bauart. 

In beiden Fällen ist der Betrieb wieder zweiflügelig und die Kohlen- 
und Bergeförderwege sind nicht getrennt. 



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170 



Abbau. 



Die verschiedenen Betriebspunkte einer Sohle bezw. Teilsohle werden 
hierbei gewöhnlich einheitlich mit demselben Strome bewettert, wobei 
derselbe jedesmal vor den Stössen auf dem einen Flügel der Bremsberge 






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bezw. Abhauen aufsteigt, diejenigen des andern Flügels dagegen abfallend 
bestreicht. Bei der flachen Lagerung erscheint das Abwärtsführen der 
Wetter unbedenklich. 



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172 



Abbau. 



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2, Kap.: Abbaa mit Bergeyenatz. 173 

In ungefähr derselben Ausführung wie auf den beiden letztgenannten 
Zechen steht der Stossbau auch auf manchen anderen Gruben mit ähn- 
lichen Lagerungsverhältnissen, wie Monopol Schacht Grimberg, Rhein- 
Elbe, Mathias Stinnes in Anwendung. 

Dass auch allgemein auf den Gruben mit flacher Lagerung der 
streichende Stossbau in der einen oder anderen Anordnung sehr verbreitet 
ist, lässt die statistische Zusammenstellung a. S. 315 S. erkennen (vergl. da- 
selbst ausser bei den bereits genannten Zechen u. a. noch bei Hansa, Ger- 
mania, Victor, Shamrock l/U und III/IV, Hibemia). 

Bei Fallwinkeln über 35—40^, bei welchen sowohl die hereingewonnenen 
Kohlen als auch die zu verstürzenden Berge in der Hauptsache selbst- 
thätig im Stossraume abwärtsgefordert werden können und wo daher 
abgesehen von gewissen Fällen des reinen Stossortsbetriebes, regelmässig 
die untere Strecke zur Kohlenförderung, die obere zur Bergeförderung 
benutzt werden muss, findet die Stosshöhe ihre Begrenzung gewöhnlich 
nur durch die Gebirgsbeschaffenheit und die etwaige Rücksicht auf die 
Erhaltung des Stückkohlenfalles oder auch durch die langjährige beim 
Pfeilerbau eingebürgerte Gewohnheit. 

Hinsichtlich des Gebirgsverhaltens gestattet das Versetzen des ab- 
gebauten Raumes im allgemeinen jedoch eine grössere Stosshöhe, als beim 
Pfeilerbau. Wo daher die Rücksicht auf den Stückkohlenfall wegfällt, wie 
beim Abbau solcher Fettkohlenflötze, deren Kohle in der Hauptsache zur 
Verkokung verwendet werden soll, erreicht die Stosshöhe unter Umständen 
einen die gewöhnliche Pfeilerhöhe beim Pfeilerbau erheblich übersteigenden 
Betrag. Hieraus ergiebt sich stellenweise ein Uebergang des Stossbaues 
zum Firstenbau, indem die hohen Stösse häufig firstenbauartig abgesetzt 
werden (Fig. 50). Die Grenze zwischen dem streichenden Stossbau mit 
firstenbauartig abgesetztem Stosse und dem reinen Firstenbau dürfte dann 
erreicht sein, wenn der betreifende in einem Stücke gleichzeitig zum 
Abbau gelangende Flötzstreifen nicht mehr als ein einziger Stoss auf- 
gefasst werden kann, sondern ein ganzes Baufeld, eine vollständige Bau- 
abteilung für sich darstellt. 

Bei mittlerem und steilem Einfallen ist Stossbau mit Stössen von ge- 
wöhnlicher Pfeilerhöhe oder mit solchen, welche letztere noch übersteigen, 
in Westfalen ausserordentlich verbreitet. Gerade bei stärkerer Flötz- 
neigung liegt in zahlreichen Fällen das Bedürfnis zum Ersätze des 
Pfeilerbaues durch einen Berge versatzbau vor, einerseits mit Rücksicht 
auf die erheblichen Bergschäden beim Abbau der stark geneigten Flötze, 
andererseits wegen der gerade bei steiler Lagerung besonders starken 
Kohlenverluste beim Pfeilerbau sowie wegen der gerade bei starker Flötz- 
neigung besonders hervortretenden Vorteile des Bergeversatzbaues hin- 
sichtlich der Wetterführung, der Haltbarkeit des Gebirges und dergl. 



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174 Abbau. 

Von den zahlreichen Zechen, auf welchen der Stossbau unter solchen 
Verhältnissen Eingang gefunden hat, mögen hier nur genannt werden: 
ver. Helene und Amalie*), Mansfeld**), Centrum, Zollverein IV/V, Sham- 
rock I/II und 111/ IV, Recklinghausen 11, Courl, Kaiserstuhl I, West- 
hausen, Siebenplaneten, Bruchstrasse, Prinz von Preussen, Wolfsbank, 
Herkules. 

6. Verhieb und Gewinnung der einzelnen Stösse. 

Für die Art des Verhiebes der einzelnen Stösse sind im grossen und 
ganzen dieselben Verhältnisse meissgebend, wie beim Pfeilerbau, sodass 
auf die bezüglichen Ausführungen Bezug genommen werden kann. Es 
besteht jedoch der Unterschied, dass beim Stossbau mehr Freiheit hin- 
sichtlich der Stellung des Arbeitsstosses herrscht, da zufolge der Anwendung 
des Bergeversatzes und der verhältnismässig geringen Grösse der jedesmal 
freigelegten Abbaufläche mit der Gefahr des Zubruchegehens des Stoss- 
raumes weniger gerechnet zu werden braucht. 

Am häufigsten und bei allen Fallwinkeln vertreten ist auch hier eine 
Stellung des Arbeitsstosses mehr oder weniger nach der Falllinie, also ein 
streichender Verhieb (Fig. 48, 51, 53, 57—60). Hohe Stösse werden bei 
steiler Lagerung auch firstenbauartig oder strossenbauartig abgesetzt (Stoss- 
bau mit firstenbauartigem bezw. strossenbauartigem Verhiebe der Stösse, 
Fig. 49, 58, 61). Einzelne Gruben wenden die eine oder andere dieser 
letzteren Verhiebsarten regelmäsig an, z. B. Zeche Courl den strossenbau- 
artigen Verhieb in ihren steilen bis 2,5 m mächtigen Plötzen, wobei die 
Stösse 14—16 m hoch genommen werden (Fig. 61). Die genannte Zeche 
baut in dieser Weise auch die Grundstreckenpfeiler unter der Bausohle 
auf ca. 15 m Tiefe ab, wobei die Kohlen mit Wasseraufzügen aus dem 
Gesenk gehoben werden. Dieselbe Verhiebsart ist daselbst auch beim 
Pfeilerbau gebräuchlich. Vergl. »Verhiebsarten beim Pfeilerbau«. Derselbe 
Verhieb findet sich auch auf Zeche Centrum (Fig. 62). Firstenbauartig 
ist der Verhieb z. B. stellenweise auf den Schächten Shamrock und Zoll- 
verein I und IV/V. Ein solcher Stossbau kann schliesslich zum reinen 
Firstenbau werden. 

Auf den steil gelagerten Plötzen der Zeche Mansfeld, welche 
fa.st ausschliesslich mit Stossbau arbeitet, wird der Stoss gewöhnlich unten 
voraus und so schräg gestellt, dass derselbe der Böschung des Ver- 

*) Die Zeche Ver. Helene und Amalie war, wie schon bemerkt, die erste, 
welche streichenden Stossbau mit fremden Bergen in den 1880er Jahren planmässig 
einführte. 

**) Auf der Zeche Mansfeld ist der Stossbau fast die ausschliessliche Ab- 
bauart. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 



175 





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176 Abbau. 

Satzes gleichläuft. Letzterer wird möglichst so nahe beigehalten, dass er 
anfänglich die Sohle bei der Gewinnungsarbeit bilden und dass die Kohle 
auf demselben hinabgleiten kann (Fig. 66a und b auf S. 181, vergl. »Ein- 
bringen des Versatzes«). 

Der an und für sich gewöhnlich überhaupt nur bei flachem und 
mittlerem Einfallen geeignete schwebende Verhieb (Fig. 48 a S. 156) ist beim 
streichenden Stossbau nicht so häufig vertreten wie z. B. beim streichenden 
Pfeilerbau. Zunächst liegt hier nicht in dem Masse das Bedürfnis nach 
Sicherstellung des Arbeitsraumes durch Anwendung dieser Verhiebsart 
vor wie beim Pfeilerbau, da diese Sicherstellung hier durch den nach- 
rückenden Versatz gegeben ist, und da die Stosshöhe im Gegensatz zur 
Pfeilerhöhe gerade bei flacher Lagerung nur gering zu sein pflegt. Der 
streichende Verhieb braucht daher beim Stossbau aus Gründen der Sicher- 
heit weniger häufig verlassen zu werden und erscheint dann auch im all- 
gemeinen vorteilhafter, da bei demselben das Kerben der Kohle an einem 
festen seitlichen Stosse wie beim schwebenden Verhiebe in Wegfall kommt. 
Zudem kann überhaupt der schwebende Verhieb beim Stossbau zweck- 
mässiger Weise nur Anwendung finden, sofern die Kohlenförderung auf 
der unteren alten Strecke erfolgt, eine Voraussetzung, welche wiederum 
beim Stossbau auf flacher Lagerung in zahlreichen Fällen nicht gegeben 
ist. In denjenigen Fällen also, in welchen der schwebende Verhieb mit 
Rücksicht auf einen streichenden Verlauf der Schlechten an und für sich 
angebracht erscheinen würde, steht der Anwendung desselben sehr häufig 
die Anordnung der Kohlen- und Bergeförderung im Wege, zufolge welcher 
alsdann der abfallende Verhieb vorgezogen wird. 

Die letztere Verhiebsart ist beim Stossbau ungleich häufiger in Ge- 
brauch. Hierbei wird der Stoss jedesmal zunächst oben einige Meter 
streichend in der für die neue Strecke erforderlichen Breite vorgearbeitet 
und sodann in einem gewöhnlich 2—3 m breiten Streifen abfallend verhauen. 
Die streckenmässige Erweiterung und Verzimmerung des oberen Stoss- 
raumes folgt entsprechend nach (Fig. 52, 60, 63 — 65). Diese Arbeitsweise 
ist, wie oben angedeutet, beim Stossbau in flachen Plötzen mit streichend 
verlaufenden Schlechten in der Regel günstiger als diejenige mit schwebenden 
Abschnitten, da bei dieser Lagerung die neue Stossstrecke meistens gleich- 
zeitig als Kohlen- und Bergeförderstrecke dient, also die gewonnenen 
Kohlen aus dem Stossraume aufwärts gefördert werden müssen. Dieser 
Aufwärtsförderung entspricht der abfallende Verhieb praktisch besser als 
der schwebende, zumal da der erstere ein Beihalten des Versatzes bis fast 
unmittelbar an den freien Stoss des im Verhiebe befindlichen Abschnittes 
gestattet, ohne dass hierdurch das Hinaufschaff"en der Kohle aus dem 
Stossraume zur Strecke behindert würde. Letzterer Umstand kann bei der 
in Rede stehenden Betriebsanordnung des Stossbaues in flachen Plötzen 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



177 



gleichfalls zur Anwendunjx des abfallenden Verhiebes an Stelle des sonst 
vielleicht gewählten streichenden Verhiebes führen, sofern das Hangende 
schlecht ist und daher der freie Stossraum stets möglichst klein gehalten 
werden muss. 

Aber auch beim Stossbau in Plötzen von mittlerem und steilem 
Einfallen, wo die Kohlenförderung auf der unteren Strecke stattfindet, 
nimmt man manchmal Veranlassung zum Verhiebe der Stösse in abfallender 
Richtung, denn derselbe ist alsdann, besonders beiVrösserer Flötzmächtigkeit 
und bei schlechtem Gebirge geeignet, die Gefahr des Stein- und Kohlen- 
falles zu vermindern, da das Arbeiten vor einem überhängenden Stosse 
fortfällt. 




Fig. 63. 
^^che Shamrock III/IV Flötz 5. Streichender Stossbau bei grosser Flötzmächtigkeit. 



Sammelwerk. II 



12 



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178 



Abbau. 




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2. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz 



179 



Ein Beispiel für die Anwendung des abfallenden Verhiebes bei flacher 
Lagerung liefert der in Fig. 60 a. S. 172 dargestellte Fall (Zeche Fürst Harden- 
berg). Ein weiteres Beispiel für abfallenden Verhieb beim streichenden 
Sto5sbau in einem mächtigen Flötze von mittlerem Einfallen ist in Fig. 63 
a. S. 177 dargestellt worden (Flötz 5 der Zeche Shamrock III/IV). Hier be- 
gegnet man der Gefahr des Stein- und Kohlenfalles, welche zufolge der 
grossen, 3—4 m erreichenden Flöfzmächtigkeit und wegen der Brüchigkeit des 
Hangenden besonders gross ist und ein vorsichtiges Arbeiten erfordert, 




AusschräiiiLii 

der Obtrt itik 

mit abfalltiklem 

Vcrhieinr. 




a. Seitenansicht. 



b. Profil nach der Linie A-B. 



Mg. 65. 
Zeche Mansfeld. Hereingewinnung beim Stossbau im Flötze Dicke Urbanusbank. 

durch eine zweckentsprechende Gestaltung des abfallenden Verhiebes in 
Verbindung mit einem demselben angepassten Ausbau, welcher ein ständiges 
Unterfangen des entblössten Hangenden über dem Arbeitsraume durch 
Vortreiben der Verzughölzer ermöglicht (sog. Pfändung des Hangenden, 
vergl. »Ausbau beim Versatzbau«). 

Ebenso findet abfallender Verhieb, jedoch mit abgesetztem Stosse, 
beim streichenden Stossbau in dem 2,5 m mächtigen, mit 55® einfallenden 
Flötze 5 der Zeche Recklinghausen II statt (Fig. 64). Bei der grossen 
Höhe der Stösse, welche 26 m erreicht, sowie wegen des steilen Einfallens 
und der grossen Flötzmächtigkeit ist daselbst diese Verhiebsart sicherer 
und vorteilhafter als sonstige Verfahren. 

Ein weiteres Beispiel für die Gewinnung der Stösse mit abfallendem 
Verhiebe bei steiler Lagerung liefert Fig. 65a u. b, welche den streichenden 
Stossbau im Flötze dicke Urbanusbank der Zeche Mansfeld darstellt. DasÄbst 
wird zunächst die unreine aus Brand seh iefernachf all bestehende Oberbank 

12* 



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180 Abbau. 

jedesmal in einem 4—5 m breiten Abschnitte abfallend herausgeschrämt und 
die hereingewonnenen Massen in dem Stossraume versetzt, sodann die auf 
diese Weise freigelegte Unterbank an der Firste durchgekerbt und in 
grossen Stücken hereingebrochen. 

7. Das Einbringen des Versatzes in den Stossraum. 

Während eine Aufwärtsförderung der Kohle im Stossraume bei flacher 
Lagerung nicht ungewöhnlich ist (Stossbau mit gemeinschaftlichen 
Förderwegen für Kohle und Berge), vermeidet man das Einbringen 
des Bergeversatzes von unten herauf. Soweit daher die vor den Stössen 
selbst gewonnenen Berge aus Bergmitteln, Nachfall oder vom Nachreissen 
der neuen oberen Strecke zum Versätze nicht ausreichen und die Zufuhr 
fremder Berge erforderlich ist, erfolgt die letztere stets über die neue 
obere Strecke. Regel ist hierbei, Kohlengewinnung und Bergeversetzen 
gleichzeitig in derselben Schicht neben einander stattfinden zu lassen, so- 
dass also das Niederfallen der vor dem Stosse gewonnenen Kohle auf den 
Versatz gewöhnlich vermieden werden muss. 

Je nach der Lagerung, Gebirgsbeschaflfenheit und Mächtigkeit des 
Flötzes sowie nach der Verhiebsart der Stösse ist das Einbringen der Ver- 
satzberge in den Stossraum, verschieden. Am einfachsten gestaltet sich die 
Versatzarbeit bei stärkerem Fl ötzeinf allen, wo die gestürzten Berge selbst- 
thätig in den Stossraum abrollen. Häufig können die Berge alsdann gestürzt 
werden ohne weitere Vorkehrungen zum Zurückhalten derselben hinter dem 
Arbeitsraume, indem man dieselben sich nach ihrem natürlichen Schüttungs- 
winkel abböschen lässt. Gewöhnlich steht in diesem Falle auch der Kohlen- 
stoss unten voraus, geradlinig oder firstenbauartig abgesetzt, sodass es 
möglich ist, den Versatz immer bis nahe hinter dem Kohlenstosse beizuhalten. 
Den freien Raum zwischen Versatz und Stoss pflegt man hierbei nicht grösser 
werden zu lassen, als dass die gewonnenen Kohlen, noch ohne auf die Berge 
zu trefl'en, zur Strecke niederfallen können. Nötigenfalls begrenzt man 
auch den freien Fall der Kohle durch Aufl"angen derselben auf den Arbeits- 
bühnen, welche dann von Zeit zu Zeit gelüftet werden, oder man hält die 
niederfallende Kohle durch eine Reihe von Brettern oder Schalhölzern zu- 
rück, welche an den Stempeln befestigt werden und eine solche Neigung 
erhalten, dass die Kohle daran entlang abwärts zur Förderstrecke 
gleiten muss. 

Mitunter ist eine vollständige Parallelstellung des Kohlenstosses mit 
der Versatzböschung und ein Beihalten des Versatzes bis dicht unter den 
ersteren üblich, wie z. B. bei dem schon erwähnten Stossbau auf der 
Zeclte Mansfeld, wobei der Versatz aus Wasch- und Haldenbergen besteht 
(Fig. 66a u. b). Hier lässt man die Kohle unmittelbar auf den als Sohle bei 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



181 



der Arbeit dienenden Versatz fallen und auf demselben abwärts gleiten. 
Der Feuchtigkeitsgehalt und die Feinkörnigkeit derartigen Versatzmaterials 
verleihen demselben nach kurzer Zeit eine dichte glatte Oberfläche, sodass 
die Kohle sich gut von derselben sondert und auch das Kohlenklein sich 




a. Zustand nach erfolgtem Vorbringen des Bergeversatzes. 




Parallelstellung des Kohlenstosses mit der Versatzböschung beim streichenden 
Stossbau der Zeche Mansfeld. 



nicht leicht zwischen den Bergen verliert. Die Kohlengewinnung und das 
Bergestürzen müssen in diesem Falle in getrennten Schichten stattfinden. 
Es werden hierbei immer einige Meter streichend abgekohlt, anfänglich 
unmittelbar vom Versätze zuletzt von Arbeitsbühnen aus, die durch 
einige Stempel und Bretter hergestellt werden (s. Fig. 66 b). Sodann wird 
die Kohlenarbeit eingestellt, die noch auf dem Versätze liegen gebliebenen 
Kohlenreste werden sorgfältig entfernt, und der Versatz dicht nach- 



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182 Abbau. 

gestürzt, wobei das Holz wiedergewonnen wird. Auch das Versetzen 
wird von der Kameradschaft selbst besorgt. Gegentiber dem Nachteile, 
welcher in der allerdings nur geringen Verunreinigung der Kohle bei 
diesem Verfahren liegt, wird andrerseits der Vorteil erreicht, dass 
der Bau auch bei schlechtem Gebirge und beim Durchsetzen von 
Störungen sicher und mit geringem Holz verbrauche durchgeführt werden 
kann, und dass zugleich der Welterstrom stets geschlossen am Arbeitsstosse 
vorbeistreicht, sodass die Möglichkeit einer Schlagwetteransammlung aus- 
geschlossen erscheint. Der Umstand, dass das Versetzen der Berge und 
die Kohlengewinnung in getrennter Schicht stattfinden müssen, bedeutet in 
diesem Falle bei der ausgedehnten Anwendung des Stossbaues auf genannter 
Zeche keinen Nachteil, da die grosse Zahl der Stösse eine entsprechende 
Anordnung der Versatzarbeit gestattet, ohne die Bergewirtschaft und die 
regelmässige Förderung zu erschweren. Der Betrieb der Stösse wird demnach 
so geregelt, dass stets eine genügende Anzahl von Arbeitspunkten Kohlen 
liefert, während die übrigen mit der Versatzarbeit beschäftigt sind. 
In ähnlicher Weise wie auf der Zeche Mansfeld beim Stossbau verfährt man 
stellenweise auch beim Firstenbau. 

Das einfache Abstürzen der Berge nach ihrer natürlichen Böschung 
kann bei haltbarem Gebirge auch dann noch genügen, wenn der Kohlen- 
stoss in der Falllinie gehalten wird oder sogar oben voraussteht bezw. 
strossenbauartig abgesetzt ist. Ein Beispiel hierfür liefert der Stoss- 
bau mit strossenbauartigem Verhiebe der Stösse auf der Zeche Courl 
(Fig. 61 auf S. 175). 

Bei weniger gutem Gebirge und Stossstellungen der letzteren Art 
ist man jedoch meistens genötigt, besondere Vorkehrungen zu treffen, um 
den Versatz unten zurückzuhalten und oben näher an den Stoss heran- 
bringen zu können, als es die natürliche Abböschung zulassen würde. Der 
Stossraum wird dann also in getrennten, annähernd schwebenden Ab- 
schnitten verfüllt. Auch bei mittlerer und schwacher Flötzneigung, wo 
ein einfaches Stürzen und Abböschen der Berge häufig zu der ange- 
wandten Verhiebsart nicht passt bezw. nicht mehr angängig ist, da der 
Stossraum hierbei nicht vollständig ausgefüllt werden würde, erfolgt das 
Verfüllen gewöhnlich abschnittsweise in schwebenden Streifen unter Zu- 
hülfenahme von Eisenblechrutschen zur Abwärtsförderung der Berge. 

Die gebräuchlichen Mittel zum Zurückhalten der Berge sind die 
Herstellung von Holzverschlägen, das Aufziehen von Bergemauem und 
das Ausspannen von Sackleinwand. Holzverschläge werden am häufigsten, 
besonders bei stärkerer Flötzneigung angewandt. Man benutzt zur Her- 
stellung derselben gewöhnlich Schwarten, Schalhölzer oder rohe Bretter, 
welche an die Stempel des Ausbaues angenagelt werden. Der Verschlag 
wird gewöhnlich annähernd in der Falllinie hochgeführt. Eine Wieder- 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevertatz. 183 

gewinnung der Bretter ist wegen der Gefahr des Durchbrechens der Berge 
nur in sehr beschränktem Masse und nur bei geringem Einfallen möglich. 

Mit gutem Erfolge hat man seit einigen Jahren auf mehreren Gruben 
begonnen, solche auch bei anderen Versatzbauarten häufig erforderlichen 
Verschlage zum Zurückhalten der Berge nach Möglichkeit durch Blenden 
aus Sackleinwand (baggins) zu ersetzen. Hierbei bedarf es nur einer 
Anzahl von Brettern am Hangenden und Liegenden entlang, bei grösserer 
Mächtigkeit des Flötzes nötigenfalls noch in der Mitte, um das Leinen 
daran anzunageln. Als Vorteile ergeben sich hierbei bemerkenswerte 
Zeit- und Kostenersparnisse (Consolidation , Kölner Bergwerksverein, 
Shamrock lü/IV u. a.).*) 

Neuerdings erzielt man stellenweise weitere Ersparnisse durch Ver- 
wendung von Eisendraht, welcher vor der Leinwand ausgespannt wird und 
den Druck des Versatzes aufnehmen hilft, sodass der Verbrauch an Be- 
festigungsbrettern auf das geringste Mass beschränkt werden kann (Zeche 
Consolidation). 

Das Aufziehen von Bergemauern in der Falllinie ist bei flacher 
Lagerung das gewöhnlichste Mittel zur Trennung der einzelnen schwebenden 
Versatzabschnitte imd wird häufig auch in Verbindung mit dem Ausspannen 
von Sackleinen angewandt. 



8. Streichender Stossbau mit unvollständigem Versätze. 

Der Versatz ist beim Stossbau in Plötzen von über 40^ Einfallen im 
allgemeinen ein vollständiger, sowohl was die Ausfüllung des Stossraumes 
als auch diejenige der Strecken anlangt. Am vollständigsten und dichte- 
sten ist natürlich die Ausfüllung bei steiler Lagerung, wo dementsprechend 
auch die verhältnismässig grösste Menge Berge erforderlich ist, um den 
Bau zu führen. 

Auch bei flacher Lagerung ist zwar grundsätzlich der regelmässige 
Stossbau ebenfalls ein solcher mit vollständigem Versätze, insofern als 
man für gewöhnlich nicht absichtlich oder planmässig nur einen Teil 
des abgebauten Raumes zu versetzen pflegt. Thatsächlich allerdings 
ist die Ausfüllung des Abbauraumes bei flacher Lagerung häufig eine 
unvollkommene und es bedarf hier einer besonders sorgfältigen Ueber- 

*) Versuche und Verbesserungen beim Bergwerksbetriebe. Zeitschrift für 
B. H. u. S. W. 1896, Band XLIV. B. S. 173 (Consolidation), desgl. 1899, Bd. 47, 
B. S. 179 (Kölner Bergwerks verein). Auf den Schächten des letzteren stellte sich 
das Quadratmeter Verschlag bei Sackleinen 0,44 M, billiger als bei Holz, sodass in 
den Monaten Februar — November 1898 hierdurch eine Ersparnis von 8(X)0 M. er- 
zielt wurde. 



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184 



Abbau. 



wachung der Versatzarbeit, sofern aus besonderen Gründen, etwa mit 
Rücksicht auf die Tageso berfiäche, auf eine dichte Ausfüllung des abge- 
bauten Raumes Wert gelegt werden muss. 

Im Gegensatze zu einer solchen thatsächlichen, aber nicht eigentlich 
grundsätzlichen oder im Wesen der Bauart liegenden Unvollständigkeit 
des Versatzes bei dem gewöhnlichen und im übrigen der Regel ent- 
sprechend geführten Stossbau, wird bei vereinzelten Ausführungsformen 
des streichenden Stossbaues überhaupt nicht mit einem vollständigen Ver- 
sätze gerechnet. Solche Fälle kommen bei flacher Lagerung vor, wenn 



/^ ff^t/r/vrim^'t^ 




r\ ^^r-ufffijdn — - T" 



Fig. 67. 
Stossbau der Zeche Kaiser Friedrich. 



der Bau ausschliesslich mit eigenen Bergen des Flötzes geführt wird. 
Hiermit sind dann meistens auch sonstige Abweichungen von der gewöhn- 
lichen Form verbunden. Als Beispiele mögen die in den Figuren 67—69 
dargestellten Stossbauarten angeführt werden. 

Die in Fig. 67 dargestellte Art des Stossbaues ist auf den mit 20 — 25^ 
einfallenden 0,6 — 1,25 m mächtigen Flötzen der Zeche Kaiser Friedrich 
allgemein gebräuchlich. Dieser Bau stellt sich als ein streichender Stoss- 
bau mit Stosshühen von 10 — 15 und einer streichenden Stosslänge von 
20 — 25 m dar. In Abständen von letzterem Betrage wird jedesmal ein 
Bremsberg strebstossartig aufgehauen, während gleichzeitig in der ge- 
wöhnlichen Reihenfolge von unten nach oben die streichenden Stösse 
am vorhergehenden Bremsberge beginnend, zum Abbau gelangen. Die 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



185 



Kohle wird auf der unteren alten Strecke zu dem neuen Bremsberge ab- 
gefahren, welcher sich entsprechend dem von Stoss zu Stoss höher hinauf- 
rückenden Abbau noch weiter im Aufhiebe befindet. Der Versatz beschränkt 
sich vor den Stössen auf einen schmalen Streifen unterhalb der jedes- 
maligen neuen Strecke und wird durch Nachreissen des Nebengesteins in 
der letzteren, gegebenenfalls auch vom Nachfall und aus Bergmitteln ge- 
wonnen. Dadurch, dass auch der Bremsberg mit breitem Kohlenstosse 
unter Bildung einer Wetterrösche aus den beim Nachreissen des Gesteins 
in demselben [fallenden Berge aufgefahren wird, erhält derselbe gleich- 
falls den Charakter eines Abbaustosses und die Bauart stellt sich im ganzen 



-=•; 




Bremsberg f 



-^ 



a b 

Fig. 68, 

Streichender Stossbau bei Abbau der Stösse in der Reihenfolge von oben nach 
unten, a. ohne, b. mit Versatz der Strecken. 



betrachtet gewissermassen als eine Verbindung von streichendem mit 
schwebendem Stoss- bezw. Strebbau dar. Die Unvollständigkeit des 
Versatzes verursacht hier wegen der geringen Länge der Stösse, der 
flachen Lagerung und der kurzen Dienstzeit der Strecken keine Be- 
denken. Bezüglich ihrer Betriebsanordnung zeigt diese Bauart die 
Vorteile eines echten Versatzbaues ohne vorgängigen Abbaustrecken- 
betrieb. Dieselbe hat sich auf genannter Grube bei dem druckhaften 
Gebirge, in welchem die Abbaustrecken bei dem früher gebräuchlichen 
streichenden Pfeilerbau trotz der geringen Abbaulänge von etwa 50 m nur 
unter grossen Kosten aufrecht zu erhalten waren, gut bewährt.*) 

*) Zeitschrift für B. H. u. S. W. 1899 B. S. 179. 



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186 



Abbau. 



Die zweite, in den Figuren 68 und 69 dargestellte Stossbauart 
findet sich ebenfalls vereinzelt auf flach gelagerten Plötzen in 
Anwendung (Zeche Zollverein I/II, III und IV). Dieselbe unterscheidet 




Fig. 69. 

Zeche Zollverein III, Flötz 1. Streichender Stossbau, Abbau der Stösse 
von oben nach unten. 

sich von der gewöhnlichen Form des streichenden Stossbaues dadurch, 
dass die Stösse in der Reihenfolge von oben nach unten zum Abbau 
gelangen. Hierbei ergiebt sich zunächst mit Rücksicht auf die Bewetterung 
in der Regel die Notwendigkeit, die jedesmal unterhalb des Stosses her- 



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2. Kap.: Abbau mit Bergevertatz. 187 

gestellte Kohlenförderstrecke als Wetterabzugsstrecke für den nächst 
folgenden Stoss offen zu lassen (Fig. 68 a),*) sofern man nicht (wie in Fig. 68 b) 
an der Baugrenze eine schwebende Wetterabftihrungsstrecke ausspart oder 
wie in Fig. 69 den verbrauchten Wetterstrom abfallend führt. Aber auch ab- 
gesehen davon, ob die streichenden Strecken bei dieser Bauart versetzt 
werden können oder nicht, bleibt der Versatz im ganzen gewöhnlich 
ein unvollständiger, da derselbe nur mit den eigenen Bergen des Flötzes 
geführt zu werden pflegt, und da die Bauart an sich einen vollständigen 
Versatz nicht erfordert. 

Muss der Versatz aus besonderen Gründen, etwa mit Rücksicht auf 
die Tagesoberfläche, ein vollständiger sein, so ist bei dieser Stossbauart auch 
ein Zufördern fremder Berge möglich, da es bei der flachen Lagerung 
keine besonderen Schwierigkeiten macht, solche in den Bremsbergen ver- 
mittels der Schwerkraft, mit Hülfe von Handkabeln, Lufthaspeln oder 
dergl. aufwärts zu fördern. 

Ein Vorteil derartigen Stossbaues mit Abbau der Stösse in der 
Reihenfolge von oben nach unten liegt unter Umständen darin, dass die 
Bremsberge stückweise abgeworfen werden können und, soweit dieselben 
noch zur Förderung benutzt werden müssen, stets in der anstehenden 
Lagerstätte liegen, also nicht im Versätze unterhalten zu werden brauchen. 
Hierdurch wird solcher Bau in den Fällen, in welchen derselbe lediglich 
mit eigenen Bergen und unvollständigem Versätze betrieben wird, überhaupt 
nur möglich, da die Bremsberge immerhin eine längere Dienstzeit haben, 
als dies z. B. bei der Bauart der Zeche Kaiser Friedrich der Fall ist. 



ni. Schwebender Stossbau. 

1. Grundzüge der Bauart und der gewöhnliche Betrieb der 
schwebenden Stösse. 

Der schwebende Stossbau ist dadurch gekennzeichnet, dass das 
von zwei streichenden Vorrichtungsstrecken (Grundstrecken, Teilstrecken) 
begrenzte Baufeld ideal (nicht wirklich durch Abbaustrecken) in schwebende 
Streifen eingeteilt wird, welch letztere einzeln der Reihe nach in der 
Richtung von unten nach oben fortschreitend abgebaut werden. Beim 

*) In dieser Form gleicht der Bau in etwa einem Strebbau, dessen Streb- 
stösse der Reihe nach einzeln getrieben werdeD. Der letztere Umstand giebt 
dem Bau jedoch den Charakter des Stossbaues, als dessen wesentlichstes Merk- 
mal der Einzel betrieb auf einander folgender Abbaustösse gelten muss. Ein 
solcher Stossbau, bei welchem die Strecken regelmässig offen bleiben, lässt sich 
auch als Strebstossbau bezeichnen. 



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188 



Abbau. 



Betriebe jedes derartigen schwebenden Stosses wird der Regel nach 
der freie Stossraum einschliesslich der vom vorhergehenden Stosse noch 
vorhandenen Förder- oder Fahrstrecke mit den bei der Gewinnung fallenden 
oder auch mit zugeförderten Bergen versetzt, während gleichzeitig wieder 
ein neuer Förder- oder Fahrweg an der Seite des festen Kohlenstosses 
nachgeführt wird. 

Der Abbau nach dem vorstehend angedeuteten Systeme beschränkt 
sich in der Hauptsache auf flache Lagerung und ist nur ausnahmsweise, 
meist auch in etwas abweichender Ausführung, bei starker Flötzneigung 
gebräuchlich. 

Die gewöhnliche Ausführung des schwebenden Stossbaues wird durch 
die schematische Figur 70 erläutert. Der Bau wird eingelotet durch 



LSohU ( Talsohle) 




n. Sohle 
a b 

Fig, 10. 

Schwebender Stossbau. Verhieb der Stösse: a streichend, b schwebend. 



ein Ueberhauen oder einen schwebenden Versatzstoss zur Herstellung einer 
Wetterverbindung zwischen den beiden streichenden Begrenzungsstrecken 
der Stösse (Sohlenstrecken bezw. Teilstrecken). Hieran schliesst sich als- 
dann entweder nur einseitig oder auch, wie in Fig. 70 angenommen ist, 
nach beiden Seiten der Abbau immer je eines Stosses an. Jeder Stoss 
erhält an seiner inneren ]^Seite je nach dem Einfallen des Flötzes eine ein- 
fache schwebende Schienenbahn für Schlepperförderung oder eine zwei- 
spurige Bahn zur Förderung mit einem »fliegenden« Bremswerke, wie solche 
beim Aufhauen von Bremsbergen oder beim schwebenden Verhiebe hoher 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz. 189 

Pfeiler im Pfeilerbau gebräuchlich sind. Die neue Bahn dient der Regel 
nach zur Kohlenförderung und zur Zuführung des frischen Wetterstromes, 
I während die etwa erforderliche Bergezufuhr von oben her durch die alte 

i Bahn des vorhergehenden Stosses erfolgt, durch welche ausserdem der 

I Wetterstrom abzieht. Die Berge werden gegebenenfalls in der alten Strecke 

j in Förderwagen abwärts gefördert oder abgestürzt Im ersteren Falle 

werden die Bergewagen, sofern die Bahn doppelspurig und mit Brems- 
vorrichtung versehen ist, gleichfalls abgebremst, indem man die Brems- 
vorrichtung der alten Strecke einstweilen noch an ihrem Platze lässt und 
das Gestänge nur stückweise entfernt in dem Masse, wie dasselbe für die 
neue Kohlenstrecke gebraucht werden muss und wie der Versatz der alten 
Strecke höher hinaufrückt. Das Abstürzen der Berge erfolgt von der 
oberen streichenden Strecke aus entweder ohne weitere Vorkehrungen 
oder auch unter Zuhülfenahme von Blechrutschen. 

Häufig wird der Bau auch ausschliesslich mit den eigenen vor 
den Stössen fallenden Bergen des Flötzes ausgeführt und der Versatz 
ist alsdann nicht immer ein vollständiger, sondern er beschränkt sich auf 
einen Teil des Stossraumes oder einen Streifen neben der Förderbahn. 
Ein solcher Bau kann bei entsprechender Anordnung des Betriebes in dem 
Baufelde zwischen zwei Sohlen den Uebergang zum streichenden Pfeilerbau 
mit hohen Pfeilern und schwebendem Verhiebe derselben bilden. Auf vor- 
wiegend eigenen Bergefall des Flötzes rechnet man überhaupt beim 
schwebenden Stossbau in der Regel. Mit vorwiegend fremden Bergen 
wird derselbe nur aus besonderen Gründen betrieben, namentlich, wenn 
auf einen vollständigen Versatz mit Rücksicht auf die Tagesoberfläche 
Wert gelegt werden muss. Dies trifft u. a. zu auf der Zeche Hibemia, 
wo derartiger Abbau unter stark bebauten Grundflächen umgeht. (Vergl. 
Fig. 71 auf S. 190). 

Ausschliesslich mit fremden Bergen arbeitet die stellenweise auf 
steilen Flötzen gebräuchliche Form des schwebenden Stossbaues (Fig. 73 
und 74 auf S. 195). 

Neben diesen den Bergeversatz betreffenden Verschiedenheiten finden 
sich ferner ähnlich wie beim streichenden Stossbau, jedoch nicht in dem 
Masse wie dort, Abweichungen in Bezug auf die Breite der Stösse und 
die Verhiebsart derselben. 

Die Stossbreite übersteigt gewöhnlich 10 — 15 m nicht, beschränkt sich 
zuweilen auch auf 3 — 4 m, sodass jeder Stoss nur aus einer breiten 
schwebenden Strecke besteht. 

Der Verhieb der Stösse erfolgt in der Regel schwebend, also mit 
streichendem Arbeitsstosse. Jedoch kann der Verhieb auch in streichenden 
Streifen erfolgen, indem entweder an der Seite des festen Kohlenstosses 
das Ort um ein entsprechendes Stück vorgearl)eitet und sodann der Streifen 



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190 



Abbau. 





■a 

c 

Xi 
o 



tO 









Ce^lur/ 



in der Richtung nach der alten Strecke hin abgebaut, oder umgekehrt 
an letzterer der Anfang gemacht und streifenweise in der Richtung nach 
der neuen Strecke hin gearbeitet wird (vergl. Fig. 70 auf S. 188). 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 191 

2. Anwendung und Einrichtung des schwebenden Stossbaues bei 

flacher Lagerung. 

Die wenigen Gruben, auf welchen mit schwebendem Stossbau häufiger 
und in grösserem Umfange gebaut w'ird, gehören sämtlich den nördlichen 
Revieren an (Dahlbusch, Hibernia, Schlägel und Eisen, General Blumenthal, 
Prosper u. a.). Die flache Lagerung und der oft grosse Gebirgsdruck 
(quellendes Liegendes) oder auch starke Schlagwetterentwicklung lassen 
hier einen unmittelbaren Abbau mit Versatzstössen häufig günstiger er- 
scheinen als einen Pfeilerbau mit vielen Strecken und üeberhauen, oder 
es zwingen äussere Gründe, wie die Rücksicht auf die Tagesoberfläche, 
zum Abbau mit Versatz. Ein Strebbau ist dabei nicht immer am Platze, 
sei es, weil das Gebirge die gleichzeitige Entblössung einer zusammen- 
hängenden grösseren Abbaufläche nicht gestattet, sei es, dass der Berge- 
fall vom Nachreissen der Strecken und aus Bergmitteln oder Nachfall 
zu stark ist, als dass die Berge bei Oflfenhaltung von Strecken sämtlich 
untergebracht werden könnten, sei es endlich auch, weil die äusseren Rück- 
sichten, welche zum Versatzbau nötigen, zugleich einen vollständigen Ver- 
satz des Feldes einschliesslich der Strecken erforderlich machen. Es bleibt 
dann gewöhnlich nur die Wahl zwischen dem streichenden und dem 
schwebenden Stossbau. Die Veranlassung zur Entscheidung für den letzteren 
ist hierbei zwar in der Regel, jedoch nicht immer, lediglich in dem Vor- 
handensein streichender Schlechten zu finden; vielmehr ist mitunter, wie 
dies beim Abbau in dem flachen Gebirge mehrfach der Fall ist, kein be- 
stimmter Grund für die Anwendung gerade dieser Bauart erkennbar. Die 
.Gewohnheit auf den einzelnen Gruben spricht hierbei wieder wesentlich 
mit. Unter Umständen führen allerdings auch besondere Gründe dazu, 
den schwebenden Stossbau dem streichenden vorzuziehen. So bildet 
der bereits erwähnte schwebende Stossbau auf der Zeche Hibernia die 
vorherrschende Abbauart, da sich derselbe dort gegenüber dem streichen- 
den Bau bei sehr starker Schlagwetterentwicklung als günstiger hinsichtlich 
der Wetterführung erwiesen hat.*) 

Die regelmässige und ausgedehntere Anwendung des schwebenden 
Stossbaues bedingt ähnlich wie beim streichenden Stossbau eine zweckent- 
sprechende Anordnung des ganzen Betriebes, um einer zu grossen Zer- 
splitteirung der Gewinnungspunkte vorzubeugen und den Bau leistungsfähig 
zu gestalten. Dies führt wieder zur Einteilung des Baufeldes in eine 
grössere Anzahl von selbständigen Abbauabschnitten, deren mehrere als- 
dann gleichzeitig in Angriff" genommen werden. 

*) Zeitschrift für B. H. u. S. W. Bd. 46. 1898. Versuche und Verbesse- 
rungen, S. 109. 



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192 



Abbau. 



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*M€t/rfTäscftt* zu^ Ta/^tre^ke 



Fif/. 72 a. 
Zeche Dahlbusch III/IV. Flötz Nr. 5. Betriebsanordnung beim schwebenden Stossbau. 



Demgemäss kürzt man die selbständigen Abbauflächen z. B. nach dem 
Streichen ab, indem man über der betreffenden streichenden Vorrichtungs- 
strecke (Grundstrecke, Teilstrecke) an mehreren in kurzen Abständen ver- 
teilten Punkten gleichzeitig mit der Eröffnung eines Stossbaues beginnt. In 
dieser Weise verfährt man beim Abbau des flachgelagerten Flötzes No. 5 
der Zeche Dahlbusch III/IV, wo in Abständen von jedesmal 40 — 50 m der 
Anfang mit einer Stossreihe gemacht wird (Fig. 72 a — d). Das genannte 



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2. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 



193 



BoruiafrUale 




b. Querschnitt der Teilstrecke. 




c. Querschnitt des ersten schwebenden Stosses. 



5" 




d. Qrundriss des ersten schwebenden Stosses. 

Fig. 72 h— d, 
Zeche Dahlbusch III/IV. Flötz Nr. 5. Betriebsanordnung beim schwebenden Stossbau. 



Flötz führt ein stärkeres gebräches Bergmittel, welches überall hereinge- 
wonnen wird und in der Hauptsache den Versatz liefert. Die fehlenden 
Berge können bei der schwachen Flötzneigung in den schwebenden Förder- 
strecken aufwärts zugefördert werden. Die Vorrichtung zu diesem Bau 
beginnt mit dem Auffahren der Grund- bezw. Teilstrecke nebst Begleitort, 
beide mit Wetterrösche betrieben (Fig. 72a und b). Die schwebenden 

Sammelwerk. II. J3 



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194 Abbau. 

Abbaustösse werden von dem Begleitorte aus angesetzt. Der erste 
Durchschlag jeder Stossreihe mit der 100 — 200 m höher liegenden oberen 
Teil- oder Wetterstrecke wird durch einen 10 — 15 m breiten schwebenden 
Stoss mit Doppelbahn — je ein Gestänge an jeder Seite — hergestellt 
(Fig. 72 a, c, d). Daran schliesst sich jedesmal zweiseitig der Betrieb 
einfacher Stösse von etwa 8 — 10 m Breite, welcher bis an die abgebaute 
Fläche der benachbarten Stossreihe fortgesetzt wird. 

In anderer Weise erreicht man bei dem schon erwähnten schwebenden 
Stossbau auf der Zeche Hibernia dasselbe Ziel, die Konzentration der Ge- 
winnungspunkte. Hier erhalten die Bauabteilungen im Streichen die ge- 
wöhnliche Länge, jedoch wird die flache Bauhöhe zwischen den beiden 
Sohlen durch streichende Teilörter alle 30 — ^50 m je nach Bedarf geteilt 
und der Abbau über denselben gleichzeitig betrieben. Fig. 71, den 
schwebenden Stossbau im Flötze Nr. 17 genannter Zeche betreffend, 
lässt dies erkennen. Der Versatz wird in dem dargestellten Falle 
hauptsächlich aus fremden Bergen gebildet, welche jedem Stosse durch 
das über ihm befindliche Ort und die alte schwebende Stossstrecke zuge- 
führt werden. Der Abbau der einzelnen Stösse über jeder streichenden 
Strecke schreitet von der Markscheide bezw. von der Baugrenze des be- 
treffenden Feldesteiles nach der Feldesmitte zu fort, wobei der Stoss- 
betrieb auf der Sohlenstrecke den Anfang macht und derjenige der höheren 
Strecken sich allmählich anschliesst. Von seinem Charakter als echter Ver- 
satzbau abgesehen, zeigt dieser Bau eine gewisse Aehnlichkeit mit einem 
streichenden Pfeilerbau, dessen Pfeiler sehr hoch sind und mit schweben- 
dem Verhiebe gewonnen werden, wobei jedoch die gegenseitige Pfeiler- 
stellung umgekehrt ist, wie gewöhnlich. In gewissem Sinne kann dieser 
Bau daher auch als streichender Pfeilerbau mit Versatz gelten (vergl. 
»Pfeilerbau mit Versatz« und zugehörige Figuren). 

3. Abbau steiler Flötze durch schwebenden Stossbau. 

In den seltenen Fällen, in welchen steil stehende Flötze nach dem 
Systeme des schwebenden Stossbaues abgebaut werden, handelt es sich 
um solche von sehr geringer Mächtigkeit und reiner Kohle, deren Neben- 
gestein einigermassen haltbar sein muss, wenn der Bau mit Vorteil an- 
gewandt werden soll. Derselbe ist nur auf wenigen Gruben zu finden, z. B. 
auf ver. Constantin der Grosse Schacht IV, Tremonia, Franziska Schacht 
Wallfisch. 

Die Ausführung dieser Bauart wird durch die Figuren 73 und 74 er- 
läutert. Man nimmt, ohne irgendwie das Nebengestein nachzureissen, 
jedesmal einen Stoss von etwa 6 — 12 m Breite, von welchem man durch 
einen in der Falllinie mitgeführten Holzverschlag einen etwa 1 m breiten 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevenat2. 



195 




a. Der abgebaute Raum bleibt bis zum gänz- 
lichen Verhieb des Stosses mit den gewonnenen 
Kohlen geffillt. 

Fig. 73. 



b. Der abgebaute Raum steht bis zum gänz- 
lichen Verhieb des Stosses offen. 



Schwebender Stossbau mit nachträglichem Versatz. 



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Zeche ver. Constantin der Grosse Seh. IV, Fl. 8. Schwebender Stossbau. 

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196 Abbau. 

Fahr- und Wetterweg abkleidet Auch werden wohl zwei solcher Stösse 
in angemessenem Abstände nacheinander in Angriff genommen, wie 
dies in Fig. 74 (Zeche ver. Constantin der Grosse Schacht IV) der Fall 
ist.*) Der Stossraum bleibt, abgesehen von etwaiger Verzimmerung, 
zunächst entweder vollständig frei, indem die hereingewonnene Kohle 
in demselben rolllochartig abgestürzt wird und die Hauer auf Arbeits- 
bühnen stehen, oder derselbe wird bei weniger gutem Gebirge vor- 
läufig mit Kohlen gefüllt gehalten, indem nur die überschüssigen Kohlen- 
mengen unten abgezogen werden. In letzterem Falle dient die herein- 
gewonnene Kohle zugleich als Sohle bei der Gewinnungsarbeit. Erst 
nachträglich, nachdem der betreffende Stoss bis zur oberen Sohle bezw. 
Teilsohle verhauen und der Stossraum von den darin befindlichen Kohlen 
entleert ist, wird der letztere im ganzen von der oberen Sohlen- bezw. 
Teilstrecke aus mit zugeförderten Bergen bis an den Verschlag verfüllt 
(Schwebender Stossbau mit nachträglichem Versätze der Stösse). Der Bau 
erfordert ausser den Sohlenstrecken und einer bei grosser Bauhöhe vielleicht 
noch notwendig werdenden Teilstrecke keinerlei Förder- und Abbau- 
strecken, welche bei der geringen Flötzmächtigkeit und der steilen 
Lagerung in Herstellung und Unterhaltung zu kostspielig werden würden. 
Andererseits haftet der Methode allerdings der Nachteil an, dass die herein- 
gewonnene Kohle bei gebrächem Nebengestein oder Vorhandensein eines 
Nachfalles und Einlagerung eines Bergmittels leicht verunreinigt wird, da 
ein Aushalten der Berge kaum möglich ist. Auch kann es, zumal bei grosser 
Bauhöhe und etwas druckhaftem Gebirge vorkommen, dass ein grösserer 
Teil der hereingewonnenen Kohle sich im Stossraume festsetzt. Die Be- 
seitigung solcher Massen muss meistens der mit dieser Arbeit verbundenen 
Schwierigkeit und Gefahr wegen unterbleiben. Der Verlust ist dann ein 
doppelter, da nicht nur die betreffende Kohlenmenge verloren geht, sondern 
auch die Gewinnungskosten für dieselbe vergeblich gezahlt werden müssen. 
In der Regel wird es möglich sein, diese Bauart durch den im all- 
gemeinen vorteilhafteren Firstenbau zu ersetzen, welcher ungefähr unter 
denselben Verhältnissen anwendbar ist und eine ebenso einfache Vor- 
richtung erfordert. 

IV. Abfallender Stossbau. 

Bei derselben Einteilung des Baufeldes in Stösse von schwebender 
Längenerstreckung wie beim schwebenden Stossbau, wird hin und wieder 

*) Durch den gleichzeitigen Betrieb einer grösseren Anzahl solcher an- 
einandergereihter Stösse erhält der Bau schliesslich den Charakter eines schwe- 
benden Strebbaues mit nachträglichem Versätze der Stösse. (Vergl. >Schwebender 
Strebbau*). 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



197 



der Abbau der einzelnen Stösse von oben nach unten, also in abfallender 
Richtung fortschreitend ausgeführt (abfallender Stossbau). 

Solcher Bau kommt sehr vereinzelt vor auf den Gruben mit flacher 
Lagerung, welche im übrigen schwebenden Stossbau anwenden (General 
Blumenthal, Prosper u. a.). Der abfallende Stossbau tritt dort gelegentlich 
an die Stelle des schwebenden, weil hierbei die Art des Verhiebes der 
Stösse und die Anordnung der Kohlen- und Bergeförderung unter Um- 
ständen gewisse Vorteile bieten. Ferner wählt man diese Abbauart, wenn 




Verhieb des Stosses a. streichend, b. abfallend 

Fig, 76. 

Abfallender Stossbau. 



die Einfall richtung des Flötzes örtlich die entgegengesetzte geworden ist, 
die Abbaurichtung jedoch beibehalten werden soll oder wenn es zweck- 
mässig erscheint, das obere Stück der flachen Bauhöhe zwischen zwei 
Sohlen bezw. Teilsohlen von der oberen Sohlen- oder Teilsohlenstrecke 
aus abzubauen, sowie auch bei echtem Unterwerksbau unter einer Sohle. 
Der Betrieb ist unter solchen Verhältnissen im übrigen nicht wesentlich 
verschieden von demjenigen des schwebenden Baues, wie die schematische 
Fig. 75 erkennen lässt. Findet der Bau in der durch die Figur darge- 
stellten Weise zwischen zwei Fördersohlen bezw. Teilsohlen statt, so kann 
derselbe vollständig wie der schwebende Stossbau mit abwärtsgehender 
Kohlen- und Bergeförderung ausgeführt werden, mit dem Unterschiede, 
dass hier alsdann jedesmal die alte Förderbahn zur Kohlenförderung und 



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196 



Abbau. 



die neue zur Berjj^ezufuhr dient, sofern eine solche überhaupt erforderlich 
wird. Wird der Bau nach Art eines Unterwerksbaues geführt, so dient 
jedesmal die alte Förderstrecke nur noch als Wetterweg, während die 
Kohlenförderung in der neuen Strecke aufwärts und die Bergeförderung 
in derselben abwärts erfolgt. Auch dieser Bau kann bei entsprechendem 
Flötzverhalten ausschliesslich mit den an Ort und Stelle gewonnenen 
Bergen ausgeführt werden. 

Unter ähnlichen Verhältnissen wie sie der schwebende Stossbau mit 
nachträglichem Versätze voraussetzt, nämlich auf dünnen, stark einfallenden 




Fig. 76. 
Abfallender Stossbau mit nachträglichem Versatz. 



Plötzen mit reiner Kohle und haltbarem Gebirge ist sehr vereinzelt im 
hiesigen Bezirke eine Bauart zur Anwendung gekommen, welche sich als 
ein abfallender Stossbau mit nachträglichem Versätze der Stösse kenn- 
zeichnet. Diesen Charakter trägt ein s. Z. in dem- 0,50— 0,60 m mächtigen 
Gaskohlenflötze No. 6 der Zeche Königin Elisabeth Schacht Friedrich 
Joachim betriebener Bau, welcher in Fig. 76 dargestellt ist. Der Ab- 
bau zwischen den beiden Sohlen erfolgt in dem vorliegenden Falle mit 
ungefähr 10 m breiten abfallenden Stössen unter Teilung der flachen Bau- 
höhe derart, dass der untere Teil dem oberen stets um eine Stossbreite 
voraus ist. Der Zweck dieser Teilung der Bauhöhe ist die Erhöhung der 
Leistung. Der Bau wird eingeleitet durch Herstellung eines Ueberhauens 
zwischen den beiden Sohlen, aus welchem in halber Höhe das Teilort, jedoch 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 199 

nur in Flötzmächtigkeit und ohne Nachführung einer Förderbahn ausge- 
längt wird. Nachdem dasselbe die einer Stossbreite entsprechende Länge 
(10—12 m) erreicht hat, beginnt der Abbau des ersten Stosses unter dem 
Teilorte in abfallender Richtung, wobei das Ueberhauen als Rollloch zur 
Kohlenförderung dient. Während der erste Stoss noch im Verhiebe steht, 
wird das Teilort wieder um 10 m erlängt, um demnächst ohne Unter- 
brechung mit dem Abbau des zweiten Stosses beginnen zu können. In 
gleicher Weise beginnt der Abbau von der oberen Sohle aus bis zum 
Teilorte, sobald der entsprechende untere Stoss verhauen ist. Die jedes- 
mal im Teilorte und im oberen Sohlenorte gewonnene Kohle wird mittels 
eines als Rutsche dienenden schrägen Holzverschlages über den Arbeits- 
raum des im Verhiebe begriffenen Stosses hinweg dem Kohlenroll- 
loch bezw. dem als solches dienenden offenen Raum des vorhergehenden 
Stosses zugeführt. Der Stossraum bleibt jedesmal abgesehen vom Ausbau 
offen, bis ein zusammenhängender schwebender Abschnitt von der unteren 
bis zur oberen Sohle abgebaut ist. Dieser wird sodann im ganzen von 
oben her mit Bergen verstürzt, wobei jedoch durch einen in der Falllinie 
hergestellten Holzverschlag ein Fahr- und Wetterweg an der Seite des 
Kohlenstosses freigehalten werden muss. 

Ein solcher Bau ermöglicht einen vollständigen Abbau ohne kost- 
spielige Streckenbetriebe, da nur in der unteren und oberen Sohlen- 
strecke, als den Förderwegen für Kohle und Berge, ein Nachreissen des 
Nebengesteins erforderlich wird. Besondere Vorteile gegenüber anderen 
unter gleichen Verhältnissen geeigneten Bauarten, wie schwebendem Stoss- 
bau oder Firstenbau, bietet derselbe kaum, ausser dass etwa das Arbeiten 
in abfallender Richtung bei sehr harter und fester Kohle die Gewinnung 
erleichtem kann. Der abfallende Stossbau kann im übrigen aus dem 
streichenden Stossbau mit abfallendem Verhiebe der Stösse hervorgehen. 
So könnte z. B. der in Fig. 64 auf S. 178 dargestellte Abbau des Flötzes 5 
der Zeche Recklinghausen 11, welcher einige Aehnlichkeit mit dem hier 
zuletzt beschriebenen Bau besitzt, in gewissem Sinne auch als abfallender 
Stossbau aufgefasst werden, sofern jeder der abfallenden Verhiebsstreifen 
als selbständiger Stoss und nicht der ganze betreffende streichende Pfeiler 
der Bauabteilung als einheitlicher Stoss angesehen würde. 

V. Wesen, Arten und Verbreitung des Strebbaues. 

Der Strebbau ist wesentlich durch folgende Merkmale gekenn- 
zeichnet: Das Baufeld (eine Bauabteilung) gelangt von einer schwebenden 
oder streichenden Vorrichtungsstrecke aus (Bremsberg bezw. Sohlen- oder 
Teilsohlenstrecke) ohne weitere Vorrichtung in aneinandergereihten und 
gleichzeitig betriebenen Stössen zum Abbau. Hierbei werden die ab- 



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200 Abbau. 

gebauten Räume dem Vorrücken der Abbaustösse entsprechend versetzt, 
jedoch unter Aussparung eines der Längenerstreckung der letzteren gleich- 
gerichteten Systems von Förder- bezw. Fahrwegen. Derartige Versatzstösse 
mit ausgesparten Strecken werden als Streben bezeichnet. 

Das System, nach welchem die Einteilung des Baufeldes in die ein- 
zelnen Strebstösse erfolgt, prägt sich also äusserlich sichtbar aus durch 
die Richtung der im Versätze offengehaltenen Strecken, durch welche die 
abgebaute Fläche der Lagerstätte ähnlich gegliedert erscheint, wie die 
anstehende Lagerstätte beim Pfeilerbau durch die Abbaustrecken (vergl. 
die schematischen Figuren 77 — 83). Jenachdem hiemach das Baufeld in 
Strebstösse von streichender, diagonaler oder schwebender Längenerstreckung 
eingeteilt ist und dementsprechend die dem Abbau nachrückenden Strecken 
streichend, diagonal oder schwebend liegen, ist der Bau ein streichender 
bezw. diagonaler bezw. schwebender Strebbau. 

Eine Unterscheidung des Strebbaues von den übrigen Abbauarten 
nach anderen als den angegebenen, das allgemeine System des Baues 
kennzeichnenden Merkmalen ist logisch nicht durchführbar. So können 
z. B. die durch das Einfallen der Lagerstätte, durch die gegenseitige 
Stellung der Stösse, die Verhiebsart der einzelnen Stösse u. dergl. sich 
ergebenden in den Figuren zum Teil angedeuteten Unterschiede hierbei 
nicht zu Grunde gelegt werden, da diese Verschiedenheiten das allgemeine 
System der Bauart nicht wesentlich berühren. 

Nur der streichende und schwebende Strebbau sind im hiesigen 
Bezirke zur Zeit vertreten, während der diagonale nicht mehr gebräuchlich 
ist. Nur in den flachen nördlichen Flötzmulden wird der Strebbau örtlich 
durch Zufall ein diagonaler, da die Lagerung eine wellenförmige ist und 
daher Streich- und Fallrichtung leicht wechseln. 

Der streichende Strebbau besitzt nächst dem streichenden Stoss- 
bau die grösste Verbreitung und Bedeutung von allen Abbauarten mit 
Bergeversatz, denn etwa 12% der ganzen Förderung und 307o der Förde- 
rimg des gesamten Bergeversatzbaues werden durch denselben geliefert 
Für den schwebenden Strebbau sind die entsprechenden Werte dagegen 
nur wenig mehr als 2% und 57o- Auf einer Reihe von Gruben, welche 
teils durch das natürliche Flötzverhalten, teils äusserer Verhältnisse wegen 
mit Versatz zu bauen genötigt sind oder den Versatzbau wegen seiner 
Vorzüge an sich eingeführt haben, bildet der streichende Strebbau die 
vorherrschende, mitunter auch die ausschliessliche Abbauart (vergl. in der 
statistischen Zusammenstellung auf S. 315 if. u. a. besonders folgende Zechen: 
Schlägel und Eisen, Preussen I, Tremonia, Dorstfeld, Monopol Schacht Grim- 
berg, Freie Vogel und Unverhofft, Crone, Dannenbaum II, Ver. Constantin 
der Grosse Schacht III, Pluto Schacht Wilhelm, Unser Fritz, Consolidation, 
-Wilhelmine Victoria, Holland). 



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^^- 77«. Streichender Strebbau. ^*>- 770- 

mit breitem Blick. mit abgesetzten Stössen. 

Verhid) der Strebstösse streichend. 



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Fig. 78, Streichender Strebbau. Fig. 79. 

mit Voranstellung der oberen Strecken mit schwebendem Verhieb der 

und mit auf der Mitte der Strebstösse. 

Strebstösse liegenden Förderstrecken. 

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Fig. 80. 
mit breitem Blick. 



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Schwebender Strebbau. 

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Fig. 81. 
mit abgesetzten Stössen. 




Fig. 82. 

Schwebender Strebbau 
mit streichendem Verhieb der Strebstösse. 



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Fig. 83. 
Diagonaler Strebbau. 



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202 Abbau. 

Der schwebende Strebbau hat auf der grossen Mehrzahl der 
Gruben, auf welchen er vorkommt, nur eine ganz untergeordnete Be- 
deutung. Nur auf wenigen Gruben nimmt derselbe in stärkerem Masse an 
der Förderung teil oder bildet sogar die vorherrschende Abbauart (vergl. 
Zusammenstellung: General Blumenthal, Graf Bismarck, Dorstfeld I, Fürst 
Hardenberg, Dahlbusch, Deutscher Kaiser II). 



VI. Streichender Strebbau. 

1. Anwendung des streichenden Strebbaues. 

Der streichende Strebbau wird im hiesigen Bezirke einerseits an- 
gewandt auf von Natur zum Versatzbau geeigneten Flötzen, nämlich auf 
solchen mit eigenem starken Bergefall, bedingt durch geringe Mächtigkeit, 
Bergmittel oder Nachfall, wobei entweder gar keine oder nur eine be- 
schränkte Zufuhr fremder Berge stattfindet; andererseits wird diese Bauart 
aber auch häufig in Flötzen mit an und für sich nur massigem eigenen 
Bergefall betrieben, welche ihrem sonstigen Verhalten nach, namentlich 
wegen eines haltbaren Hangenden, einen Abbau mit einer grösseren 
Anzahl von gleichzeitig zu Felde gehenden Abbaustössen gestatten, oder 
deren Abbau aus irgend welchen Gründen mit Versatz erfolgen soll oder 
muss. In solchen Fällen wird der Bau unter Umständen ebenfalls mit vor- 
wiegend eigenen oder sogar auch ausschliesslich mit eigenen Bergen des 
Flötzes bewirkt, sodass der Versatz der abgebauten Fläche ein mehr oder 
weniger unvollständiger ist. Muss der Versatz dagegen ein möglichst voll- 
kommener sein, so wird in Fällen der letzteren Art, also bei geringem 
Bergefall im Flötze selbst, der Strebbau vorwiegend mit fremden Bergen 
zur Ausführung gebracht. 

Das Einfallen spielt bei der Anwendung des streichenden Strebbaues 
nur eine untergeordnete Rolle, da diese Bauart nicht nur bei flacher 
sondern auch bei mittlerer und steiler Lagerung häufig vorkommt. Da- 
gegen hängen von dem Einfallen in Verbindung mit der Lage der Schlechten 
und der Gebirgsbeschaffenheit gewisse Einzelheiten der Ausführung des 
Strebbaues ab. 

In höherem Grade bildet das Anwach.sen der Flötzmächtigkeit 
über ein gewisses Mass hinaus eine Grenze für die Anwendung des Streb- 
baues, insofern als derselbe im allgemeinen auf Flötze von nicht über 1 ,2—1 ,5 m 
Mächtigkeit beschränkt bleibt. Der Grund hierfür liegt besonders in der 
Gefahr, die das gleichzeitige Freilegen einer grösseren Fläche des 
Hangenden durch die Strebstösse bei mächtigen FJötzen hervorrufen 
würde, und zum Teil auch in der grösseren Schwierigkeit und den hohen 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 203 

Holzkosten, welche das Offenhalten zahlreicher Strecken im Versatz in 
solchen Plötzen zumal bei stärkerem Einfallen verursacht. Stärkere Plötze 
werden daher, sofern dieselben mit Versatz gebaut werden sollen, ge- 
wöhnlich durch Stossbau oder Pfeilerbau mit Versatz gewonnen. Ebenso 
wird die Anwendbarkeit des Strebbaues beschränkt durch gewisse Voraus- 
setzungen bezüglich der Gebirgsbeschaffenheit. Während das Vorhanden- 
sein eines quillenden Liegenden kein Hindernis für den Betrieb des Streb- 
baues bildet, erfordert derselbe ein nicht zu sehr zerklüftetes Hangendes, 
da bei dieser Bauart immer eine grössere Gebirgsfläche gleichzeitig blos- 
gelegt wird. 

Ein mit dem Abbau fortschreitender massiger Gebirgsdruck ist beim 
Strebbau im allgemeinen erwünscht, da hierdurch die Gewinnung er- 
leichtert wird und die Belastung des Bergeversatzes allmählich eintritt. 
Insbesondere in stehenden Plötzen ist eine dem Abbau rechtzeitig nach- 
folgende Annäherung des Hangenden an das Liegende vorteilhaft. Hier 
würde andernfalls das volle Gewicht der Versatzberge dauernd auf dem 
Streckenausbau lasten und ein Durchbrechen derselben in die Strecken zu 
befürchten sein, während der durch die Gebirgsbewegung entstehende 
Seitendruck den Versatz allmählich so dicht zusammenpresst, dass er sich 
selbst trägt und der Ausbau entlastet wird. Ist das Gebirge von solcher 
Standhaftigkeit, dass es beim Abbau längere Zeit unbeweglich bleibt, nach 
weit vorgeschrittenem Abbau jedoch plötzlich auf die ganze abgebaute 
Fläche niedergeht, so wird die Anwendung des Strebbaues zumal bei 
grösserer Plötzmächtigkeit bedenklich. Namentlich in einem flach ge- 
lagerten derartigen Plötze, wo ohnehin nur eine unvollkommene, nicht 
überall bis dicht unter das Hangende reichende Ausfüllung der Streb- 
räume durch die Versatzberge erzielt werden kann, würde die Gefahr 
entstehen, dass das plötzlich im ganzen niedergehende Gebirge den Versatz 
zufolge der augenblicklichen ausserordentlich starken Belastung aus den 
Streckenstössen herauspresst und die Strecken, sowie die off'enen Strebräume 
vor dem Kohlenstosse zusammendrückt. (Bezüglich des Abbaues derartiger 
Plötze vergl. »Pfeilerbau mit Bergeversatz«). 

Lässt das natürliche Plötzverhalten an und für sich Strebbau zu und 
kommt es auf einen vollständigen Versatz nicht an, so zieht man den 
Strebbau gewöhnlich dem Stossbau wegen der besseren Konzentration 
und höheren Leistungsfähigkeit des ganzen Betriebes vor. Dieser Grund 
kann auch dahin führen, dass in demselben Plötze teils Stossbau teils 
Strebbau angewandt wird, jenachdem der Abbau in den verschiedenen 
Abteilungen eilt (vergl. z. B. Pig. 84a und b, Plötz Hugo der Zeche 
Wilhelmine Victoria I). 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 
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205 




Fig. 84 b. 

Querprofll durch die Flotze Gustav, Gretchen, Hugo und Wolf d. VI. Sohle 

im östlichen Feldesteil. 



2. Die hauptsächlichsten Verschiedenheiten in der Ausführung 
des streichenden Strebbaues. 

In den Einzelheiten der Ausführung lässt der streichende Strebbau 
ähnlich wie der Pfeilerbau und Stossbau gewisse Verschiedenheiten zu, 
welche hier wie dort durch die Gebirgs- und Flötzverhältnisse und die 
übrigen im einzelnen Falle massgebenden äusseren Umstände bedingt sind. 
Die besonders hervortretenden Unterschiede betreffen die Höhe bezw. 
Breite der Strebstösse, also die nähere Einteilung des Baufeldes, den Grad 
der Vollständigkeit des Versatzes, die Lage der Strecken zu den Stössen, 
die gegenseitige Stellung der einzelnen Streben, die Aneinanderreihung; 
der Kohlenstösse der einzelnen Streben sowie den Verhieb der ein- 
zelnen Stösse. In dieser Beziehung gelten im allgemeinen folgende 
Grundsätze: 

Die Flötzmächtigkeit und der Bergefall im Flötze selbst in Verbin- 
dung mit der Möglichkeit oder Notwendigkeit einer Zufuhr fremder Berge 
bestimmen einerseits von Fall zu Fall die Höhe bezw. Breite der Streb- 
stösse oder die Anzahl der Stösse und Strecken, andererseits auch den 
Grad der Vollständigkeit des Versatzes. 

Die Grösse des Fallwinkels und die Lage der Schlechten begründen 
in der Hauptsache neben dem Gebirgsverhalten die sonstigen Verschieden- 
heiten, welche bei der Ausführung des Strebbaues in Bezug auf die oben 
angedeuteten Punkte sich finden. Hierüber ist folgendes zu be- 
merken: 

Die im Versätze ausgesparten Strecken können entweder die un- 
mittelbare Begrenzung der einzelnen Abbaustösse bilden, indem jede 



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206 Abbau. 

Strecke unterhalb des zugehörigen Stosses liegt, oder sie stellen die 
Mittellinie je eines Strebstosses dar. 

Die einzelnen Strebstösse werden entweder in der Reihenfolge von 
unten nach oben in Angriff genommen und jeder wird dem nächst höheren 
immer etwas vorausgehalten (Strebbau mit Voranstellung der unteren 
Strebstösse), oder der Bau wird mit dem obersten Strebstösse eröffnet, 
während die unteren sich nach und nach anschliessen (Strebbau mit Vor- 
anstellung der oberen Streben). 

In beiden vorgenannten Fällen reihen sich die Kohlenstösse der ein- 
zelnen Streben entweder in gerader Linie aneinander (Strebbau mit 
breitem Blick) oder jeder Stoss verspringt gegen den folgenden an einer 
streichend liegenden Kante (Strebbau mit abgesetzten Stössen). Schliess- 
lich kann auch eine Gleichstellung sämmtlicher Streben stattfinden, mit 
welcher zugleich die Stellung zum breiten Blick verbunden ist, derart, 
dass der ganze Kohlenstoss geradlinig in der Falllinie gehalten wird. 

Bei starkem und mittlerem Einfallen, wobei die Strecken die 
einzelnen Strebstösse immer unmittelbar begrenzen, ist die häufigste Aus- 
führungsform diejenige mit Voranstellung der unteren Streben bei gleich- 
zeitigem Absetzen der Stösse gegeneinander (Fig. 77 b, 84 — 87). Hier- 
durch kann der Bau unter Umständen nach dem Verlaufe des Kohlen- 
stosses im ganzen betrachtet äusserlich eine gewisse Aehnlichkeit mit dem 
Firstenbau erhalten. Der Firstenbau unterscheidet sich von einem imter 
ähnlichen Verhältnissen ausgeführten Strebbau jedoch wesentlich durch 
das Fehlen eines solchen Streckensystems, welches wie beim Strebbau in 
unmittelbarer Beziehung zu dem System der Stossbildung, also zu der 
Einteilung des Baufeldes steht (vergl. Firstenbau). 

Auch bei mittlerer oder flacher Lagerung ist dieselbe Streckenlage 
und gegenseitige Stossstellung in der Regel gebräuchlich. Jedoch werden 
die Stösse hierbei oft auch nicht abgesetzt, sondern mit breitem Blick 
betrieben (Fig. 77 b). 

Die Mittellage der Strecken kommt nur bei sehr flacher Lagerung, 
alsdann jedoch sehr häufig vor (Fig. 78, 88, 89). Fast ausschliesslich 
auf flache Lagerung bleibt ferner die Voranstellung der oberen Streben 
gegen die unteren beschränkt. Nur selten wählt man diese gegenseitige 
Stellung der Strebstösse auch bei stärkerem Einfallen (z. B. Fig. %a auf 
S. 315, Zeche Consolidation). 

Bei der Gewinnungsarbeit vor dem einzelnen Stösse können wieder 
dieselben Verhiebsarten in Betracht kommen, welche beim Pfeiler- und 
Stossbau in Gebrauch stehen. Der Verhieb der Stösse erfolgt daher nicht 
nur mehr oder weniger streichend, sondern auch schwebend oder ab- 
fallend; ebenso kann jeder einzelne Strebsto.ss firstenbauartig oder strossen- 
bauartig abgesetzt werden. 



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a. Kap.: Abbau mit Berge veraatz. 



209 








Fig, 88. 

Zeche Graf Bismarck, Flötz No. 5 Nord. Streichender Strebbau mit Voranstellung 

der oberen Strebstösse. Förderstrecken in der Mittellinie der Strebstösse. 



Es ist ersichtlich, dass sich unter den vorstehend erörterten 
Verhältnissen auch die ganze Arbeitsweise vor den Strebstössen, ins- 
besondere hinsichtlich der Herstellung und des Ausbaues der Strecken 
sowie der Regelung der Kohlen- und Bergeförderung und des Versetzens 
der Berge, verschieden gestaltet, und dass die einzelnen Streben in ihrem 

Sammelwerk. II. 14 



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2. Kap.: Abbau mit Berge versatz. 211 

Betriebe bald mehr, bald weniger gejrenseitig von einander abhängig sind. 
Diese und die sonstigen Einzelheiten des Betriebes beim streichenden 
Strebbau finden ihre Erläuterung in den nachstehenden Abschnitten. 

3. Vorrichtung und allgemeine Betriebsanordnung beim streichenden 

Strebbau. 

Die Vorrichtung zum streichenden Strebbau entspricht in Bezug 
auf die Bildung und Abmessung der Bauabteilungen derjenigen beim 
streichenden Pfeilerbau, mit dessen Betriebsanordnung der Strebbau 
nach dieser Richtung hin die grösste Aehnlichkeit besitzt. Allerdings 
bleibt die streichende Länge der Bauabteilungen bezw. Bremsbergflügel 
durchschnittlich hinter derjenigen des Pfeilerbaues zurück, indem Flügel- 
längen von 200 m seltener überschritten werden. Bei druckhaftem Gebirge, 
wie auf den Gasflamm- und Gaskohlenzechen, beschränkt man die Länge 
der Bremsbergflügel auf 50—100 m (vergl. z. B. Fig. 88, Zeche Graf 
Bismarck). 

Die flache Bauhöhe der Strebabteilungen wird gewöhnlich ebenso 
wie beim Pfeilerbau bemessen; jedoch wird sie bei grossem Gebirgsdrucke 
zuweilen dadurch beschränkt, dass nicht alle Strebstösse eines Bremsberg- 
flügels gleichzeitig betrieben werden, sondern dass etwa nur die Hälfte 
oder ein Drittel der Flügelhöhe gleichzeitig abgebaut wird. 

Die Vorrichtung geht aus von Bremsbergen, oder auch von seigeren 
Bremsschächten, welche nötigenfalls zum Aufwärtsfördern von Bergewagen 
eingerichtet werden (vergl. Bergewirtschaft). Bei steilem Einfallen werden 
auch wohl besondere Bergerolllöcher neben den Bremsbergen angelegt. 
Der Bau wird einflügelig oder zweiflügelig geführt. 

Der Verhieb der Streben erfolgt teils unmittelbar vom Bremsberge 
aus, teils beginnt derselbe am Fahrüberhauen, indem ein Sicherheitspfeiler 
für den Bremsberg anstehen bleibt. Beim Anhiebe unmittelbar am Brems- 
berge wird letzterer mitunter erst mit dem Ansetzen der Stösse fort- 
schreitend hergestellt, indem das in geringen Abmessungen hochgebrachte 
Bremsbergüberhauen von Strebstoss zu Strebstoss auf die erforderliche 
Weite nachgerissen wird. Werden in einem mächtigen Flötze, in welchem 
Bremsberge ohne Nachreissen des Nebengesteins angelegt werden kömien, 
zwei oder mehrere hinter einander liegende Bauabteilungen der Reihe 
nach mit Strebbau abgebaut, so wird unter Umständen für die folgende 
Abteilung jedesmal ein Bremsberg an der Baugrenze der vorhergehenden 
Abteilung im Versätze ausgespart. Hierdurch wird das Aufhauen eines 
Bremsberges in jeder einzelnen Bauabteilung vermieden (u. a. stellenweise 
beim Strebbau in dem über 2 m mächtigen Flötze Nr. 12 der Zeche Neu- 
Iserlohn I üblich). 

14* 



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212 Abbau. 

4. Die Anzahl der Strecken und Stösse bezw. die flache Höhe der 
Streben beim Strebbau mit eigenen und fremden Bergen. 

Die nähere Einteilung der ßauabteilung in Strebstösse, also die Breite 
und Anzahl der letzteren hängt in erster Reihe von der Menge der Berge 
ab, welche in den Strebräumen und bei der Herstellung von Strecken in 
dem betreffenden Flötze hereingewonnen werden müssen. In den Strecken 
wird bei nicht ausreichender Flötzmächtigkeit die erforderliche Weite 
regelmässig durch Nachreissen des Liegenden hergestellt, während 
man das Hangende, abgesehen von etwa vorhandenem Nachfall nicht an- 
zuschneiden pflegt. Einerseits müssen nun sämtliche in den Strecken 
und Strebräumen fallenden Berge auch in den letzteren zwischen den 
Strecken untergebracht werden können, sodass ein Fördern überschüssiger 
Berge vermieden wird ; demgemäss darf die Breite bezw. Höhe der Streb- 
stösse nicht zu klein, also die Zahl der im Versätze offen gehaltenen 
Förder- oder Fahrwege nicht zu gross werden. Andererseits sucht man 
den Strebbau, sofern nicht äussere Rücksichten in Frage kommen, möglichst 
ausschliesslich mit den im Flötze selbst gewinnbaren Bergen zu betreiben 
und die Zufuhr fremder Berge, welche hier im Gegensatz zum Stoss- 
bau immer lästig ist, zu vermeiden oder auf das geringste Mass zu 
beschränken. Man findet daher im hiesigen Bezirke in Flötzen von 
gleicher Kohlenmächtigkeit und gleichem Einfallen verschiedene Streb- 
stossbreiten bezw. -höhen, je nachdem das Flötz reine Kohle ohne Berg- 
mittel und Nachfall führt, also die Bergegewinnung nur durch Nachreissen 
des Nebengesteins in den Strecken erfolgt oder je nachdem auch die 
Stossräume selbst Berge liefern aus einem Bergmittel oder von einem 
Nachfall, welcher in den Stossräumen ebenso wie in den Strecken nicht 
angebaut werden kann. In den letzteren Fällen verbleibt im Stossräume 
infolge der Auflockerung der in demselben hereingewonnenen Berge nicht 
mehr ein der Kohlenmächtigkeit entsprechender freier Raum zur Unter- 
bringung der Streckenberge, wie im ersteren Falle, die Stossbreite muss 
also grösser bezw. die Streckenzahl geringer genommen werden. Aus 
denselben Gründen wird bei zwei Flötzen von verschiedener Mächtigkeit, 
aber sonst gleichem Verhalten die Höhe der Streben in dem weniger 
mächtigen Flötze grösser als in dem mächtigeren Flötze genommen 
(vergl. z. B. Fig. 85 und 86 auf vS. 207 Zeche ver. Constantin der Grosse III). 

Ist der Bergefall im Flötze selbst gering, weil etwa nur beim 
Streckenbetriebe einiges Gestein nach gerissen werden muss, so kommt es 
für die Bemessung der Strebstossb reiten und der Anzahl der Strebstrecken 
darauf an, ob der Bau gleichwohl ausschliesslich mit den im Flötze selbst 
gewinnbaren Bergen betrieben werden soll oder ob der Versatz zum Teil 
aus zugeförderten fremden Bergen gedeckt werden kann. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



213 



Im ersteren Falle sucht man mitunter den Bergefall im Flötze durch 
Vermehrung der Streckenzahl über das der Förderung wegen nötige Mass 
hinaus zu steigern. Man schiebt dann gewöhnlich zwischen die eigent- 
lichen, die Strebstösse gegenseitig abgrenzenden Förderstrecken sogenannte 
»blinde« Strecken ein, welche lediglich zur Bergegewinnung dienen und 
als Förderstrecken entweder gamicht in Betracht kommen, daher kein 
Fördergestänge erhalten (z. B. auf der Zeche Concordia) oder doch keine 



b. Streckenquerschnitt. 



/ 




/ 



iM ^ittTMM, 



a. Seigerriss. 

Fig. 90, 

Zeche Prinz-Regent, Fl. 9. Streichender Strebbau mit blinden Strecken zur 

Bergegewinnung. 

selbständigen Streb förderstrecken darstellen und für die Förderung nur 
eine untergeordnete Bedeutung haben. Letzteres ist z. B. der Fall bei dem 
Strebbau in dem steilstehenden 0,7 m mächtigen Flötz No. 9 der Zeche 
Prinz-Regent, welcher ausschliesslich mit den eigenen Flötzbergen geführt 
wird (Fig. 90a und b). Die eigentliche Strebstosshöhe beträgt in dem be- 
treffenden Falle 10 m, durch die blinden Teilörter werden jedoch selbständig 
für sich betriebene Stösse von 5 m Höhe gebildet. Die Teilörter erhalten hierbei 



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214 



Abbau. 



ein Fordergestän*^e, auf welchem mit Kippwagen gefordert wird. Die 
Kohle wird sodann durch im Versätze ausgesparte Rolllöcher zu den 
eigentlichen Förderstrecken abgestürzt. 

In ähnlicher Weise wird das 0,5 m starke Flötz Samiel der Zeche 
Hasenwinkel (Fig. 91 a u. b) durch Strebbau mit eigenen Bergen in 8 m hohen 
Stössen abgebaut. Hier dienen die streichenden Strecken, w^elche die 



b. Streckenqnerschnitt. 




(htintLHrrckr 

a. Seigerriss. 
S. Sireichende Slrecken zur BerKej^evrinnung und Fahning. R.- Rolllöchcr im Versätze zur Kohlen förderunR. 

Zeche Hasenwinkel, Fl. Samiel. Streichender Strebbau mit Rolllöchern, 
(Vereinigter Streb- und Firstenbau). 



Stosseinteilung äusserlich sichtbar machen, sämtlich nur zur Bergegewinnung 
und Fahrung, erhalten daher kein Gestänge, sondern die Kohle wird nach 
Art eines Firstenbaues durch im Versätze nachgeftthrte Rolllöcher, die in 
keiner näheren Beziehung zu der Stosseinteilung stehen, deren jedes viel- 
mehr der Reihe nach sämtlichen Stössen dient, unmittelbar von den Stössen 
bis zur Sohlenstrecke gefördert. Der Bau ist also gleichsam eine Ver- 
einigung von streichendem Strebbau und Firstenbau mit RoUlöchem (vergl. 
Firsteiibau). 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



215 



Erscheint die Vermehrung der Streckenzahl bei dem ausschliesslich 
mit eigenen Bergen betriebenen Strebbau nicht angebracht und ist zugleich 
das Hangende genügend haltbar, so bestimmt man die Strebbreite so, wie 
es die Rücksicht auf das Gebirgs verhalten, auf eine günstige Hauerleistung 
und auf eine zweckmässige Förderung angezeigt erscheinen lässt und be- 
schränkt den Versatz der Strebräume auf mehr oder minder breite 
Streifen längs der Strecken. Hierbei werden aufgeschichtete Holzpfeiler 
als Ersatz und Verstärkung der Bergemauern benutzt. Namentlich bei 




Fig, 92. 
Zeche Shamrock III/IV, Fl. 5 a. Strebbau mit unvollstfindigem Versatz. 



flacher Lagerung ist der Strebbau mit unvollständigem Versätze der Streb- 
räume oft vorteilhafter als ein solcher mit einer grossen Zahl von Strecken, 
welche zur Hälfte für die Förderung überflüssig sind. 

Auf diese Art wird z. B. das 0,9 m mächtige Flötz 5a der Zeche 
Shamrock III/IV bei einem Einfallen von 35^ stellenweise abgebaut. Hier 
werden die vom Nachreissen des Liegenden in den Strecken stammenden 
Berge nur im oberen Teile der Strebräume unterhalb der Strecken ver- 
setzt, während oberhalb der letzteren, etwa 1 m von der Streckenzimmerung 
entfernt, mit Bergen ausgefüllte Holzpfeiler gesetzt werden (Fig. 92). 



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216 Abbau. 

El)enso verfährt man auch auf der Zeche ver. Carolinenglück*) beim Abbau 
des 0,7 m mächtigen, mit 30° einfallenden Flötzes Präsident, dessen 
Hangendes von festem Sandstein gebildet wird. Dort erhält der untere 
Streckenstoss eine Bergemauer von 3—4 m Stärke und der obere wird 
durch Holzpfeiler aus alten Eisenbahnschwellen in Abständen von 5 zu 5 m 
gesichert. 

Hinsichtlich der Abbauwirkung macht es im allgemeinen keinen 
wesentlichen Unterschied, ob der Strebbau mit eigenen Bergen in der 
einen oder anderen Form, also mit schmalen Stössen und zahlreichen offen- 
bleil^enden Strecken oder mit breiten Stössen und unvollständigem Ver- 
sätze derselben ausgeführt wird. In beiden Fällen ist die Ausfüllung des 
al)gebauten Raumes im ganzen eine unvollkommene. Derartige Formen 
des Stre])baues mit unvollkommenem Versatz werden in der Regel auch 
durch den vereinigten Streb- und Pfeilerbau ersetzt werden können 
(vergl. dasell)st). 

Sehr häufig kann der Versatz beim Strebbau nicht lediglich darnach 
bemessen werden, ob derselbe hinreicht, um den Bau an und für sich 
ausführbar zu machen, sondern es muss auf eine möglichst vollständige 
Ausfüllung des ganzen abgebauten Feldes und eine Beschränkung der Zahl 
der offenbleibenden Strecken äusserer Gründe wegen, etwa mit Rücksicht 
auf die Tagesoberfläche oder auf ein hangendes Flötz das Hauptgewicht 
gelegt werden. In solchen Fällen tritt der eigene Bergefall des Flötzes 
mehr oder weniger in den Hintergrund für die Bemessung der Strebbreiten, 
vielmehr wählt man die letzteren mehr nach dem Gebirgs verhalten, 
der günstigsten Hauerleistung und der zweckmässigsten Förderung und 
ergänzt den Versatz durch Zufuhr fremder Berge. Bei der starken Ab- 
hängigkeit der AI )bau Verhältnisse im hiesigen Bezirke von den Rücksichten 
auf die Oberfläche überwiegt die Menge der zugeförderten Versatzberge 
beim streichenden Strebbau oft die an Ort und Stelle selbst gewonnenen 
Bergemengen erheblich. 

Im allgemeinen schwankt die flache Höhe der Strebstösse im hiesigen 
Bezirke etwa zwischen 10 und 20 m. Das Einfallen bedingt zwar ge- 
wöhnlich keine merklichen Unterschiede in den Strebstosshöhen bezw. 
breiten, jedoch werden die angegebenen Grenzen bei steiler Lagerung 
eher als bei flacher unter- und überschritten (Beispiele sehr geringer und 
sehr grosser Strebhöhen in steilen Plötzen liefern die Fig. 90, 91 und 93). 
Eine sehr grosse Höhe der Streben in steilen Plötzen führt gewöhnlich zum 
fi rstenbauartigen Verhiebe der einzelnen Streben. Hieraus kann sich 
schliesslich ein ausgesprochener Firslenbau entwickeln, indem die Streb- 
strecken den Charakter von Teilstrecken annehmen. Der in Fig. 93 (Zeche 



♦) Z. f. cl. B. H. S. 1896, Bd. XU\\ B. S. 173. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



217 



Königin Elisabeth) dargestellte Bau, welcher sich durch eine sehr grosse, 
30 m erreichende Strebhöhe und einen firstenbauartigen Verhieb der Streb- 
stösse auszeichnet, nähert sich einem über mehreren Teilstrecken gleich- 
zeitig betriebenen Firstenbau. 



/ TieThtuisohU 











Fig, 93. 

Zeche Königin Elisabeth, Fl. Krebsenscbeer. Streichender Strebbau mit 

firstenbauartigem Verhiebe der Stösse. 



5. Der Betrieb der Streben bei der gewöhnlichen gegenseitigen 
Stellung derselben und der gewöhnlichen Lage der Strecken. 

In der Regel wird der streichende Strel)l)au, wie schon bemerkt, mit 
dem untersten Strel)stosse eröffnet, während die höheren Strel)en nach und 
nach folgen (VoransteUung ,der unteren Streben). Die Strebstrecken l)e- 
jS^renzen zugleich die einzelnen Strebstösse gewöhnlich unmittelbar. Bei 
stärkerem Einfallen wird der Bau immer mit abgesetzten Stössen, l^ei 
flachem Einfallen je nach der Lage der Schlechten und der Beschaffenheit 
des Hangenden auch mit breitem Blick betrieben. 

Die Sohle bezw. der Unterstoss jedes Strebraumes wird also vom 
Versätze des vorausstehenden nächst unteren Strebs, die Firste bezw. der 
Oberstoss von der anstehenden Kohle gebildet (vergl. Fig. 77, 79, 84 — 87). 

Der Betrieb der Streben gestaltet sich bei dieser Anordnung des 
Baues folgendermassen In jedem Streb wird die Kohle bis in Höhe der 
Firste bezw. des Oberstosses der nachfolgenden höheren Strecke herein- 
gewonnen, während das Nachreissen und der endgültige Ausbau dieser 
Strecke der Kameradschaft des höheren Strebs zufällt, für welches diese 
Strecke als Kohlenförderstrecke dient (vergl. z. B. F'ig. 77 b und 79). 
Seltener bleibt, um die Sturzhöhe der Kohle zu verringern, der ganze 



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218 Abbau. 

Aushicl) der ol)creii Strecke der Kameradschaft des höheren Strebs über- 
lassen, indem jedes Streb mit seinem Oberstosse l)ez\v. seiner Firste in 
Höhe des Unterstosses bezw. der wSohle der nächst oberen Strecke endigt 
(Fig. 77 a und 94). 

Die beim Xachreissen in den Strecken gewonnenen Berge werden 
jedesmal in dem unterhalb derselben befindlichen Strebraume versetzt, 
wie ebenso auch die fremden Berge für jeden Strebstoss über die obere 
Strecke, also die Kohlen förderstrecke des höheren Strebes zugeführt werden. 



" 3 
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Fig. 94. 

Gegenseitige Abgrenzung der Strebstösse derart, dass der Oberstoss jedes Strebs 
in Höhe des Unterstosses der nichst höheren Streclre liegt. 



Die Bergezufuhr wird meistens von der Kameradschaft des höheren 
Strebs neben der Kohlenförderung in derselben Schicht und mittels der 
gewöhnlichen Förderwagen besorgt, sodass also jeder Kameradschaft die 
Verfüllung des nächst unteren Strebs obliegt. Die Bergewagen werden 
dementsprechend in den unteren Strebraum entleert und gehen mit Kohlen 
des oberen Strebs beladen zurück. Die hereingewonnenen Kohlen müssen 
daher im Strebraum zurückgehalten werden, damit die Strecke für das 
Durchschieben und Entleeren der Bergewagen freibleibt. Bei stärkerem 
Flötzeinfallen bringt man zu diesem Zwecke jedesmal vor dem Stosse über 
der Streckenfirste einen Sammeltrichter aus Holzverschlag an, welchen 
man rolllochsartig in die Strecke einmünden lässt. 

Aus der geschilderten Anordnung des Strebbaues ergiebt sich 
eine gewisse gegenseitige Abhängigkeit des Betriebes der aneinander- 
grenzenden Strebstösse, insofern als die Berg^zufuhr auf jeder Strecke 
mit dem jeweiligen Stande der (Tcwinnungsarbeiten im nächst unteren 
vStreb in Einklang gebracht werden muss. Diese gegenseitige Abhängigkeit 
der Streben kann zu Unzuträglichkeiten führen, da der Bergebedarf eines 
Strebs nicht immer im passenden Verhältnisse zu der Förderleistung des 
höheren Strebstosses steht, etwa infolge verschiedener Kohlenmächtigkeit 
oder infolge ungleicher Höhe bei beiden Streben. Daher wird auch unter 



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2. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 219 

L^niständen der Versatz unabhängit^- von der Kohlenförderung, gewöhnlich 
in der Nebenschicht eingebracht, zumal bei steilem Einfallen, bei welchem 
ohnehin häufig die Zufuhr der Berge besser mittels besonderer Berge- 
kippwagen erfolgt. 

Ein seltener angewandtes und nur in flach fallenden Plötzen brauch- 
bares Verfahren, welches bei der in Rede stehenden Lage und Benutzung 
der Strebstrecken die Unabhängigkeit jedes Strebstosses von dem anderen 
zu erreichen gestattet, besteht darin, dass man jede Kameradschaft selbst 
ihren Bedarf an Bergen auf der oberen Strecke zufördern lässt, dass die 
entleerten Bergewagen sodann mittels Handhaspels vor dem Strebstosse 
zur unteren Strecke hinabgelassen werden und auf dieser mit Kohlen be- 
laden zurückgehen (Zeche Westhausen). 

6. Voranstellung der oberen Streben gegen die unteren. 

Die Voranstellung der oberen Streben gegen die unteren bei gleicher 
Lage der Strecken wie gewöhnlich (Fig. 95 und %a — c) bringt es mit sich, 
dass jedes Streb den festen Unterstoss bezw. die Sohle der oberhalb 
liegenden Strebstrecke nachträglich abbaut und daher auch jeder Streb- 
stoss über den offenen Raum des nächst unteren Strebs hinwegfördem 
muss. In steil gelagerten Plötzen von solcher Mächtigkeit, dass der 
Streckenquerschnitt vollständig in der Kohle Platz findet, die Strecken- 
sohle zunächst also gänzlich von der anstehenden Kohle des darunter 
folgenden Strebstosses gebildet wird, kann infolgedessen bei Voranstellung 
der oberen gegen die unteren Streben die Streckenzimmerung nicht auf 
der Streckensohle gegründet werden, sondern muss oberhalb derselben 
durch eingebühnte bezw. zwischen die hangenden und liegenden Strecken- 
hölzer eingetriebene Sohlenstempel (Bahnstempel) abgefangen werden. 
Auf letzteren müssen auch die Schwellen des Streckengestänges Auflage 
flnden.*) Erst mit dem fortschreitenden Abbau der Streben erhalten die 
zurückliegenden Streckenstücke eine feste Sohle durch den eingebrachten 
Versatz. Die Schwierigkeiten und Gefahren, welche der Streckenausbau, 
das Abfangen des Versatzes und die vStreckenfördenmg beim Mangel einer 
festen Sohle verursachen, lassen eine Voranstellung der oberen Streben 
kaum zweckmässig erscheinen. 

Weniger bedenklich ist diese Streb.stellung in stark einfallenden 
Plötzen von geringer Mächtigkeit, da alsdann die Sohle der Strebstrecken 
mit einem grossen Teil ihrer Breite oder gänzlich in das nachgerissene 
Nebenge.stein verlegt werden muss (vergl. z. B. Pig. %b). Ebenso kann 
im allgemeinen die Voranstellung der oberen Streben gegen die unteren 

*) Näheres unter „Ausbau beim Versatzbau*'. 



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220 



Abbau. 




Fi(j. 95. 

Zeche Neu-Iserlohn, Seht. I, Fl. Ernestine. Streichender Strebbau mit Voranstellung 

der oberen Streben und schwebendem Verhiebe der Stösse. 



SCreckeS^ \fl 




IL. Orundriss. 

Fig. 96a, 

Zeche Consolidation I/VI, Fl. No. 7. Streichender Strebbau mit Voranstellung der 

oberen Streben und abfallendem Verhiebe der Stösse. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



221 




b. Ausbau der Strebstrecken s — nachträglich gesetzter Bockstempel 




c. Abfallender Verhieb eines Strebstosses und Pfändung des Hangenden durch Vortreiben 

der Verzughölzer. 

Fitj. 96 b u. c. 

^^^ e Consolidation I/Vl, Fl. No. 7. Streichender Strebbau mit Voranstellung der 

oberen Streben und abfallendem Verhiebe der Stösse. 



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222 Abbau. 

ohne Schwierigkeit und unbeschadet der Sicherheit des Baues angewandt 
werden in Plötzen von schwächerem Einfallen, in welchen die Strecken- 
sohlen überhaupt mehr vom Liegenden als von der anstehenden Kohle ge- 
bildet werden. Bei flacher Lagerung, wo auch der Versatz vollständig 
auf dem festen Liegenden ruht und nicht auf dem Ausbau der Strecken 
lastet, findet sich daher diese Stellung der Strebstösse verhältnismässig am 
häufigsten und zwar ebensowohl, wenn die Strecken unterhalb jedes Streb- 
stosses mitgeführt werden als bei Mittellage derselben (vergl. Fig. 78, 88, 89). 

Den Anlass zur Wahl der in Rede stehenden Strebstellung können 
verschiedene Umstände geben. Bei flacher Lagerung ergiebt sich dieselbe 
mitunter dadurch, dass die Stösse bei diagonal verlaufenden und von 
der Baugrenze abfallenden Schlechten zum breiten Blicke nach den 
Schlechten gestellt werden. In anderen Fällen liegt der rein äusser- 
liche Grund vor, dass das betreff"ende Baufeld eine ungleiche Länge in 
der oberen und der unteren Teufe besitzt, indem etwa zufolge einer 
Muldenwendung, einer spiesseckig verlaufenden Störung oder sonstigen 
diagonal verlaufenden Baugrenze die streichende Länge der oberen Streben 
grösser wird als diejenige der unteren. Man beginnt in solchen Fällen 
wohl mit dem Anhiebe und Vortreiben der Streben in der Reihenfolge 
von oben nach unten, um dep Abbau der betreffenden Abteilung gleich- 
massiger zu Ende zu bringen. 

Unter Umständen erfolgt die Voranstellung der oberen Streben so- 
wohl bei flachem als auch bei stärkerem Einfallen aus Gründen der Wetter- 
führung und zwar wegen sehr starker Schlagwetterentwickelung in dem 
Flötze oder wegen des Austretens von Schlag^\'ettern aus Klüften und 
Rissen des Nebengesteins, wie letzteres besonders bei grosser Nähe eines 
anderen Flötzes vorkommen kann. Bei der Voranstellung der oberen 
Streben steigt das austretende Grubengas infolge seines natürlichen Auf- 
triebes nicht so leicht in voller Menge mit dem Wetterstrome vor den 
Stössen entlang auf, sondern ein grosser Teil zieht unmittelbar durch den 
zurückliegenden Versatz und die Strecken nach dem Bremsberg zu ab. 
Schlagwetteransammlungen, wie solche bei der umgekehrten Strebstellung 
in den nur durch Diffusion bewetterten Firstenwinkeln vorkommen können, 
sind hierbei gänzlich ausgeschlossen. Der letztgenannte Umstand bildet 
u. a. auf den Zechen »Neu-Iserlohn« und »Consolidation« mitunter die Ver- 
anlassung zur Wahl der betreff"enden Strebstellung. 

7. Gleichstellung aller Streben. 

Gleichstellung aller Streben, womit zugleich auch die Stellung der 
Stösse zum breiten Blicke verbunden sein muss, derart, dass der ganze 
Kohlenstoss geradlinig in der Falllinie gehalten wird, kommt, wie der breite 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 223 

Blick überhaupt, nur bei flacher Lagerung vor, wenn die Schlechten genau 
schwebend liegen» Zu der genauen Innehaltung dieser Stellung der Streben 
führen jedoch auch bisweilen besondere äussere Verhältnisse, ohne dass 
immer genau schwebend liegende Schlechten vorhanden sind. So macht 
z. B. auf der Zeche »Dorstfeld II« der daselbst in den letzten Jahren ein- 
geführte Schrämmaschinenbetrieb beim streichenden Strebbau in den flach 
gelagerten Gaskohlenflötzen diese Strebstellung erforderlich, damit die 
Schrämmaschine nacheinander an sämtlichen Strebstössen entlang bewegt 
werden kann. 

8. Mittellage der Strebstrecken. 

Nur bei sehr flacher Lagerung führt man die Strecken auch in der 
Mittellinie je eines Abbaustosses nach, um die Förderung der Kohle aus 
dem Stossraum zur Strecke, wie auch das Versetzen der Berge von der 
letzteren aus zu erleichtem, zumal wenn die Stossbreite gross ist (Fig. 
78, 88, 89). Durch die Mittellage der Strecken wird zugleich jeder Stoss 
hinsichtlich der Kohlenförderung, des Versetzens der in der Strecke 
fallenden Berge und der Zufuhr fremder Berge unabhängig von den 
Nachbarstössen, indem jede Strecke jetzt ausschliesslich für den betreff'enden 
Strebstoss zu allen Zwecken dienen muss. Hierbei ist es gleichgültig, ob 
die unteren oder die oberen Streben vorausstehen. 

9. Ansteigen der Strebstrecken, Verhieb, Versetzen und Bewetterung 

der Strebstösse. 

In jedem Falle werden die Strecken beim Strebbau söhlig, ohne An- 
steigen angelegt, sofern eine Zufuhr fremder Berge notwendig ist. Anderen 
falls erhalten dieselben wie beim Pfeilerbau ein massiges Ansteigen. Der 
Ausbau der Strecken und Strebräume wird im Abschnitte »Ausbau beim 
Versatzbau« behandelt werden. 

Für den Verhieb der einzelnen Strebstösse und für die Art der Ver- 
füllung der Strebräume gilt im allgemeinen dasselbe, was beim Stossbau 
in dieser Beziehung hervorgehoben w^orden ist, sodass hierauf verwiesen 
werden kann. 

Die Bewetterung der Strebstösse erfolgt regelmässig mit gemein- 
schaftlichem Wetterstrome, welcher dieselben der Reihe nach von unten 
nach oben bestreicht. Hierbei wird Wert darauf gelegt, dass der Versatz 
stets dem Kohlenstosse nahe bleibt, um den Strom möglichst unmittelbar 
an letzterem vorbeizuführen. Durch diese Rücksicht wird daher auch die 
Art des Verfüllens der Streben mit beeinflusst, indem unter Umständen 
dieserhalb das Versetzen in schwebenden Abschnitten mit Aufziehen von 



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224 Abbau. 

Bergemauem oder Verschlagen in der Falllinie anstatt des nach dem 
Gebirgsverhalten vielleicht ausreichenden Bergestürzens mit einfachem 
Abböschen des Versatzes gewählt wird. 

Dass die Frage der Bewetterung auch auf die gegenseitige Stellung 
der Strebstösse von Einfluss ist und manchmal zur Voranstellung der 
oberen Streben Veranlassung giebt, ist bereits bemerkt worden. 



VII. Schwebender Strebbau. 

1. Anwendung und Ausführung des schwebenden Strebbaues unter 
gewöhnlichen Verhältnissen. 

Der normale schwebende Strebbau wird nur in flach und regelmässig 
gelagerten Flötzen angewandt, welche selbst eine solche Menge Berge 
liefern, dass mit denselben ein hinreichender Versatz gebildet werden kann. 
Denn die Zufuhr fremder Berge ist hier erheblich schwieriger als beim 
streichenden Strebbau, da die Berge in jedem einzelnen Streb aufwärts 
gefördert werden müssen, während bei letzterem eine Aufwärtsförderung 
der Berge nur in dem gemeinschaftlichen Bremsberge zu erfolgen 
braucht. Der Versatz der Stösse ist beim schwebenden Strebbau daher 
oft ein unvollständiger. Nur stellenweise wird beim schwebenden Streb- 
bau nebenbei eine geringe Menge fremder Berge zum Versätze verwendet 
und zwar meistens nur dann, wenn das Einfallen so flach ist, dass noch 
Handförderung in den Strebstrecken möglich ist. 

Sind die genannten Vorbedingungen gegeben, so bildet gewöhnlich 
eine mehr oder weniger streichende Lage der Schlechten die Veranlassung, 
um den schwebenden Strebbau an Stelle des streichenden anzuwenden. 
Jedoch ist die Lage der Schlechten nicht in jedem Falle ausschlaggebend, 
wie daraus hervorgeht, dass der Verhieb der Stösse beim schwebenden 
Strebbau nicht immer schwebend, also mit streichendem Arbeitsstosse aus- 
geführt wird, sondern zuweilen auch streifenweise in streichender Richtung 
erfolgt (Fig. 80 u. 82 a. S. 201). 

Unter Umständen bietet der schwel )ende Strebbau an und 
für sich mehr Vorteile als der streichende. So übertrifft er letzteren durch 
seine höhere Leistungsfähigkeit, die in der grösseren Zahl der Betriebe 
bei gleichem Baufelde beruht und eine starke Förderung und raschen Ab- 
bau ermöglicht, wie solcher namentlich auf den nördlichen mit starkem 
Gebirgsdrucke behafteten Gruben erwünscht ist. Auch die Einfachheit 
der Vorrichtung bei schwebenden Al^bauarten und die in gewissem Sinne 
einfache Förderung bei denselben tragen bisweilen dazu ])ei, den schweben- 
den Strebbau vorteilhafter erscheinen zu lassen als den streichenden. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz. 



225 



Die Ausführung des schwebenden Strebbaues zeigt weniger Ver- 
schiedenheiten, als dies beim streichenden Bau der Fall ist. Insbe- 
sondere werden die Strebstrecken hier aus praktischen Gründen stets 
in der Mittellinie der Stösse nachgeführt. Der Bau wird bald mit 
breitem Blicke betrieben, .bald mit Absetzen der Stösse, je nachdem es 
die Lage der Schlechten, die Reihenfolge, in welcher die einzelnen 
Streben bei bestimmter Schlechtenrichtung sich an einander anschliessen, 




LiEa^'%f3€^*l^Ä*^K7*i'!,'t^'"" 



Fig, 91. 
Zeche Königsgrube, Fl. Bismarck. Schwebender Strebbau mit paarweise zum breiten 

Blick gestellten Stössen. 



sowie die Gebirgsbeschaflfenheit zulassen. Auch hierbei kommt ausserdem 
wieder die Gewohnheit und Erfahrung auf den einzelnen Gruben in Be- 
tracht. Manche Gruben pflegen grundsätzlich möglichst die Stösse 
nach den Schlechten zu stellen und mit breitem Blicke zu arbeiten. Bis- 
weilen wird die Stellung zum breiten Blicke gewissermassen mit der abge- 
setzten Stossstellung vereinigt, indem die gleichzeitig zu Felde gehenden 
Streben jedesmal paarweise oder zu mehreren untereinander zum breiten 
Blicke gestellt werden, während jede derartige mit breitem Blicke ar- 
Sammelwerk. II. I5 



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226 



Abbau. 




Tirfbaim^hf. : 



Zeche Graf Bismarck, Seht 1, 



beitencle Stosstrruppe liegen die vorherireliende abg^esetzt wird (z. B. stellen- 
weise auf drr Zerlie (iraf {^isniarck). 

Die schwel K-nden Streiken wertlen bei selir flaeher Lagerung, soweit 
noch HandtV'>rdemn^ rnö|(lich ist^ einspurig, bei stärkerer Neifrunj^ z\vei- 
spurig hergestellt und in letzterem Falle die mehrerwähnteii einfachen 
Bremsvnrriehtiingen zum Frsrdern l>emitzt. Je zwei zusammen mit breitem 
Blicke arbeitende Streben werden am h wohl mit je einer einspurigen 
Strecke und genieinsehaftlieher Hrenisvorrichtnn^ für beide Bahnen ver- 
sehen» r>ies ist z. \l. der Fall beim schwel »enden Strebbau im P'lötzp 
Bismarck der Zei hr Krniigsgrnl>e, Isei welchem wegen des sehr druckhaften 
Gebirges jedesmal nur zwei, zusannnen 20 m breite Strebstösse gleichzeitig 
abgebaut uerden (Fig. 97 auf S. 225). 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversais. 



227 




bender Strebbau mit abgesetzten Stössen. 



Die normale Bewetterung beim schwebenden Strebbau setzt voraus, 
dass zunächst ein Ueberhauen oder der erste Strebstoss für sich allein von 
Sohle zu Sohle bezw. Teilsohle durchschlägig gemacht wird, bevor die 
folgenden Streben in Angriff genommen werden. Der Wetterstrom wird 
dann beim Betriebe der Streben in dem äussersten, also jüngsten derselben, 
zweckmässigerweise gewöhnlich durch eine an der äusseren Seite dieses 
Strebes offen gehaltene Wetterrösche den Stössen zugeführt, streicht an 
denselben entlang aufwärts und zieht durch das ursprüngliche Wetterüber- 
hauen zur oberen Sohle ab (Fig. 97 und 98). Auf Gruben bezw. Plötzen, 
auf welchen wegen Abwesenheit schlagender Wetter auch die Ab- 
wärtsführung des Wetterstromes gestattet ist, wird der Strebbetrieb 
auch wohl ohne vorgängigen Durchschlag nach der oberen Sohle er- 

15* 



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228 



Abbau. 



öffnet, zumal bei sehr flacher Lagerung, wo dies unbedenklich erscheint. 
Der Wetterstrom muss alsdann vom letzten Strebstosse abfallend geführt 
und auf anderem Wege zur Wettersohle geleitet werden (Fig. 99). 



hlSrfi, z. ni^fr.fGh/^ 




Fig. 99. 
Zeche Fürst Hardenberg, Fl. 4. Schwebender Strebbau mit abgesetzten Stössen. 



2. Schwebender Strebbau bei steiler Lagerung. 

Vereinzelt werden stark geneigte geringmächtige Flötze ohne Nach- 
fall und Bergmittel durch Bauarten gewonnen, welche als besondere Arten 
des schwebenden Strebbaues anzusehen sind, insofern als dabei das Flötz 
durch eine Anzahl gleichzeitig neben einander in Betrieb stehender 
schwebender Stösse abgebaut wird. Derartige Bauarten sind in den 
Figuren 100 u. 101 dargestellt (Schwebender Strebbau mit nachträglichem 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



229 




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vollständigem Versätze der einzelnen Stösse und schwebender Strebbau 
mit gleichzeitigem vollständigen Versätze aller Strebstösse). 

Im ersteren Falle wird der Bau abgesehen von der grösseren Anzahl 
der zu gleicher Zeit betriebenen Stösse in derselben Weise ausgeführt, 



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230 



Abbau. 



wie der früher erwähnte schwebende Stossbau mit nachträglichem Ver- 
sätze (s. »Abbau steiler Flötze durch schwebenden Stossbau«). Mit letzterem 
teilt dieser Bau auch die a. a. O. hervorgehobenen Uebelstände. Im 
zweiten Falle gleicht der Bau hinsichtlich des Verfahrens beim Versätze 
des abgebauten Feldes und bei der Abwärtsförderung der Kohle von den 
Stössen zur Sohle einem Firstenbau, von welchem er sich jedoch durch die 
schwebende Lage der Stösse unterscheidet (vergl. »Firstenbau«). Derartige 




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Fig 101. 
Schwebender Strebbau mit gleichzeitigem vollständ. Versatz aller Strebstösse. 



Abbauarten treten gewöhnlich an die Stelle des sonst geeigneten Firsten- 
baues, wenn das Flötz streichende Schlechten besitzt und daher die 
Arbeitsrichtung zweckmässig eine schwebende ist. 

Mit dem Firstenbau haben diese Bauarten die Vorteile gemeinsam, 
dass die abgebaute Fläche vollständig versetzt wird und dass die kost- 
spieligen Gesteinsarbeiten in den schmalen Flötzen auf das geringste Mass 
beschränkt bleiben, da ja nur die Sohlen- und die etwa erforderlichen 
Teilsohlenstrecken hergestellt zu werden brauchen, was überdies mit dem 
Vorrücken des Abbaues geschehen kann. Die ganze Vorrichtung zu diesen 
Bauarten ist also sehr einfach und besteht lediglich in der Herstellung 
eines Ueberhauens zwischen den betreffenden beiden Sohlen zur Abführung 
des Wetterstromes beim beginnenden Abbau der Stösse. Aehnlich wie 
der Firstenbau ermöglichen es diese Bauarten daher, äusserst schwache 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



231 



Flötze, welche andernfalls als uubauwürdig gelten würden, noch mit Ge- 
winn abzubauen. 

Das erstgenannte Verfahren ist z. B. auf der Zeche Tremonia beim 
Abbau des 0,5— 0,6 m mächtigen steil gelagerten Flötzes M zur Anwendung 
gekommen, das zweite Verfahren wird bisweilen auf den Schächten der 
sonst in ausgedehntem Masse mit Firstenbau arbeitenden Zeche Königin 
Elisabeth, stellenweise auch auf Centrum I/Ill (Flötz Johann) angewandt. 



VIII. Vereinigter Streb- und Ff eilerbau. 

1. Wesen und Verbreitung der Bauart. 

Eine Mittelstellung zwischen dem Abbau ohne Versatz und Versatz- 
bau, nämlich zwischen dem gewöhnlichen Pfeilerbau und ausgesprochenem 
Strebbau, nimmt der vereinigte Streb- und Pfeilerbau ein. Es wird 
hierunter ein Strebbau verstanden, dessen einzelne Strebstösse sich nicht 

L Sohle 




M.S&hLss. 



Verhieb der Strebstösse und Pfeiler streichend. Die Strebstösse auf dem einen können den Pfeilern auf dem 
andern Bremsbersrflfigel gef^enfiberliegen. 

Fig. 102. 
Vereinigter Streb- und Pfeilerbau, streichend. 



unmittelbar aneinanderreihen, sondern durch vorläufig stehenbleibende, 
später durch Rückbau zu gewinnende Kohlenpfeiler getrennt sind. Der 
Bau kann andererseits auch aufgefasst werden als ein Pfeilerbau, bei 
welchem die Pfeilerbildung nicht durch gewöhnliche Abbaustrecken, sondern 
durch strebartig aufgefahrene Stösse erfolgt. Bei dieser Bauart ist also 



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232 



Abbau. 



der anfängliche Betriebszustand derjenige eines Berge versatzbaues mit 
unmittelbar zu Felde gehenden Abbaustössen, während es sich im zweiten 
Stadium um den Rückbau von Pfeilern ohne Bergeversatz handelt. Nach 
der Art der Strebstoss- bezw. Pfeilerbildung ist auch hierbei streichender 
und schwebender Bau zu unterscheiden (schematische Fig. 102 und 103). 

Da ein solcher Bau aus dem gewöhnlichen Pfeilerbau unter gewissen 
Verhältnissen hervorgeht, so ist eine scharfe Trennimg von letzterem nicht 
immer möglich. Häufig wird daher auch ein Pfeilerbau mit etwas breiteren 
Bergedämmen in den Abbaustrecken obiger Bauart zugerechnet. Dies ist 
auch bezüglich der Zahlenangaben über die Verbreitung des vereinigten 
Streb- und Pfeilerbaues im hiesigen Bezirke zu berücksichtigen.*) 



LSohU 




V Jl.So/de^ 
streichender Verhieb der Strebstösse und Pfeiler. 

Fig, 103. 
Vereinigter Streb- und Pfeilerbau, schwebend. 



Nur die streichende Art dieses Baues ist im hiesigen Bezirke 
häufiger verbreitet (1,8% der Förderung im Jahre 1898) und auf ver- 
schiedenen Gruben auch in grösserem Umfange gebräuchlich (vergl. in der 
Tabelle auf S. 315 z. B. GrafMoltke, Germania I und II, ZoUem, Margaretha, 
Freiberg, Crone, Franziska, ver. Trappe, Consolidation I, Holland I/II und DI, 
Prosper I, ver. Wiesche, Deutscher Kaiser II). Fig. 104 stellt ein Beispiel 
des streichenden Baues aus dem hiesigen Bezirke dar (Zeche Franziska). 



*) So ist der ver. Streb- und Pfeilerbau in der statistischen Zusammenstellung 
auf S. 315 dem Abbau ohne Versatz zugerechnet worden, zumal da im Wesen der 
Bauart auch die UnvoUständigkeit des Versatzes liegt. 



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2. Kap.: Abbau mit Bereeversatz. 



233 



Die schwebende Art des vereinigen Streb- und Pfeilerbaues stand 
im Jahre 1898 nur auf den Zechen Hugo I, Hugo III und Dahlbusch 11/ V 
in nennenswertem Masse in Anwendung und lieferte etwa 0,2 V„ der Ge- 
samtförderung des Bezirkes. 




Fig, 104. 
Zeche Franziska, Flötz verlorene Posten. Ver. Streb- und Pfeilerbau. 

2. Anwendung und Ausführung des vereinigten Streb- und 

Pfeilerbaues. 

Bei Anwendung des vereinigten Streb- und Pfeilerbaues handelt es 
sich fast ausschliesslich um solche Plötze, welche beim Streckenauffahren 
einen aussergewöhnlich starken Bergefall liefern, während andererseits die 
im Plötze selbst gewinnbare Bergemenge nicht hinreicht, um einen voll- 
ständigen Versatzbau betreiben zu können. Dieser Pall kann besonders 



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23i Abbau. 

bei Plötzen von massiger Mächtigkeit, jedoch auch bei mächtigeren mit 
starkem Bergmittel oder Nachfall eintreten. Bei der Vorrichtung zum 
Pfeilerbau durch gewöhnliche Abbaustrecken wird unter solchen Ver- 
hältnissen der Aushieb sehr tiefer bezw. sehr breiter Streckendämme zur 
Unterbringung der Berge erforderlich. Statt dessen geht man schliesslich 
dazu über, Versatzstösse mit Doppelort zu Felde zu treiben, sodass also 
die Abbaustrecken den ausgesprochenen Charakter von Strebstrecken 
annehmen. 

Ursprünglich ist der vereinigte Streb- und Pfeilerbau daher eine 
ausschliesslich auf dem eigenen Bergefall im Plötze beruhende und ohne 
Zufuhr fremder Berge betriebene Bauart. Auch gegenwärtig trifft dies im 
hiesigen Bezirke bei der Anwendung der schwebenden Art dieses Baues 
immer, bei der streichenden in der Mehrzahl der Pälle zu. In denjenigen 
Fällen, in welchen der streichende Bau gegenwärtig unter Zuhülfenahme 
fremder Berge ausgeführt wird, handelt es sich gewöhnlich nur um eine 
massige Ergänzung des an Ort und Stelle gewonnenen Versatzes durch 
fremde Berge. Uebrigens ist auch der Versatz in den Strebstössen mit- 
unter ein unvollständiger und die fehlenden Berge werden durch Holz- 
pfeiler ersetzt. 

Der schwebende Bau wird nur bei flacher, der streichende auch bei 
mittlerer und steiler Lagerung angewandt. Ob bei flacher Lagerung die 
eine oder die andere Art gewählt wird, hängt von denselben Umständen 
ab, welche bezüglich der beiden Arten des Strebbaues oder des Pfeiler- 
baues in Betracht kommen. 

Im Interesse einer einfachen und zweckmässigen Förderung sowohl 
während des Strebbetriebes, als auch beim Pfeilerrückbau erhalten die zu 
Felde gehenden Versatzstösse, wie bemerkt, je zwei Förderstrecken, 
nämlich beim streichenden Bau eine obere und untere, beim schwebenden 
eine Strecke zu beiden Seiten des Versatzes. Das Auffahren mit Doppel- 
strecke ist zu gleicher Zeit ein Mittel zur reichlicheren Bergegewinnung, 
welche es wiederum ermöglicht, mit genügend breiten Stössen zu arbeiten 
und eine günstige Leistung vor denselben zu erzielen. Beim streichenden 
Bau dient dann gewöhnlich die untere Strebstrecke zur Förderung während 
des Strebbetriebes, die obere zunächst nur als Wetter- und gegebenenfalls 
auch als Bergezufuhrstrecke, später jedoch als Förderstrecke für den Rück- 
bau des darüber anstehenden Kohlenpfeilers. Bei sehr flacher Lagerung 
und grosser Strebbreite werden auch wohl beide Strecken schon während 
des Strebbetriebes zur Kohlenförderung benutzt. Letzteres ist beim 
schwebenden Bau fast regelmässig der Fall, zumal sich hierdurch 
die Förderung vereinfacht und mittels »fliegender« Bremsvorrichtung 
wie in Fig. 97 auf S. 225 dargestellt, einrichten lässt. Gewöhn- 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 235 

lieh benutzt man beim schwebenden Bau auch zum Rückbau der Pfeiler 
wieder sämtliche Strecken, d. h. man greift jeden Pfeiler von den beiden, 
denselben einschliessenden Strebstrecken aus an und baut von jeder Seite 
her bis auf die Pfeilermitte ab, anstatt jeden Pfeiler einseitig von einer 
der anliegenden Strecken aus zu gewinnen. Hierdurch wird es möglich, 
ähnlich wie beim schwebenden Pfeilerbau, den Pfeilern eine grössere 
Breite als bei einseitigem Angriffe zu geben und die Zahl der Streben 
entsprechend zu verringern. 

Zur Abkürzung der Wetterwege während des Strebbetriebes werden 
bei grösserer Baulänge die Kohlenpfeiler zwischen den Streben an ge- 
eigneten Stellen mit Durchhieben durchbrochen, ebenso lässt man solche 
bisweilen in den Versatzstössen offen, um beim Rückbau der Kohlenpfeiler 
den Wetterstrom auf kürzerem Wege den Pfeilerstössen zuführen zu 
können. 

Wird der streichende Bau zweiflügelig betrieben, so ordnet man die 
Strebstösse der beiden Bremsbergflügel auch wohl wechselständig an, 
um den Gebirgsdruck in der ganzen Abteilung gleichmässiger zu verteilen. 
(Vergl. Fig. 102 auf S. 231.) 

Der Anwendbarkeit des vereinigten Streb- und Pfeilerbaues sind im 
übrigen weitere Grenzen gezogen, als derjenigen anderer Bauarten mit 
unvollständigem Vorsatze, welche in Plötzen von ähnlichem Charakter 
vorkommen. In Vergleich zu stellen ist die in Rede stehende Bauart 
insbesondere mit einem solchen Strebbau, welcher lediglich mit eigenen 
jedoch zum vollständigen Versätze der Strebstösse nicht ausreichenden 
Bergen betrieben wird (vergl. Strebbau). In allen Fällen, in welchen 
letzterer Bau möglich ist, wird im allgemeinen auch der vereinigte Streb- 
und Pfeilerbau ausführbar sein, sodass dieser jenen vollständig zu er- 
setzen vermag. Denn diese Bauart bietet bei gleicher Menge der Versatz- 
berge eine bei weitem grössere Sicherheit, da hierbei die Fläche der zu 
Felde gehenden Versatzstösse nur etwa halb so gross, der Versatz der 
Strebstösse also verhältnismässig ein vollkommenerer ist, als bei reinem 
Strebbau. Die Förder- und Fahrwege liegen daher nicht, wie bei letzterem, 
im abgebauten und nur teilweise versetzten Räume. Dagegen kann der 
Strebbau mit unvollständigem Versätze der Strebstösse nicht in allen 
Fällen an die Stelle des vereinigten Streb- und Pfeilerbaues treten, da der 
erstere ein Hangendes von besonders guter Beschaffenheit erfordert, um 
den Bau mit genügender Sicherheit betreiben zu können, während diese 
Voraussetzung bei letzterer Bauart, ebenso wie beim gewöhnlichen Pfeiler- 
bau, nicht unbedingt gegeben sein muss. 



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236 Abbau. 

IX. Ffeilerbau mit Bergeversatz. 

1. Grundzüge und Arten des Pfeilerbaues mit Bergeversatz. 

Verschiedene Formen des Versatzbaues im niederrheinisch - west - 
fälischen Bezirke sind ihrem Wesen nach als »Pfeilerbau mit Bergeversatz« 
zu bezeichnen. Dieselben tragen einerseits den Charakter eines streichen- 
den Pfeilerbaues, insofern als dem Abbau eine Pfeilerbildung durch ein 
Streckensystem voraufgeht, unterscheiden sich andererseits jedoch vom 
gewöhnlichen Pfeilerbau dadurch, dass die abgebauten Pfeilerräume nicht 
dem Zubruchegehen überlassen, sondern planmässig mit Bergen versetzt 
werden. 

Durch diese Kennzeichen unterscheidet sich der Pfeilerbau mit 
Bergeversatz wesentlich von den übrigen Versatzbauarten, bei welchen 
mit unmittelbar zu Felde gehenden Versatzstössen abgebaut wird. Be- 
merkenswert ist insbesondere auch der Gegensatz zwischen dieser Bauart 
und dem vereinigten Streb- und Pfeilerbau. Bei letzterem handelt es sich 
um einen Pfeilerbau, dessen Abbaustrecken als breite Versatzörter 
(Streben) zu Felde gebracht werden, während der Rückbau der Pfeiler 
in gewöhnlicher Weise ohne planmässigen Versatz erfolgt. Hier werden 
die Pfeiler durch Abbaustrecken gewöhnlicher Art gebildet — ob dabei 
ein Bergedamm mitgeführt wird oder nicht, ist belanglos — dagegen wird 
bei dem auf den Streckenbetrieb folgenden Rückbau der Pfeilerraum plan- 
mässig mit Bergen verfüllt. 

Wie die schematischen Darstellungen auf S. 237 erkennen lassen, unter- 
scheiden sich die gebräuchlichen Formen des streichenden*) Pfeilerbaues mit 
Bergeversatz dadurch, dass die Pfeiler entweder alle gleichzeitig in Abbau 
stehen (Fig. 105 u. 106) oder einzeln bezw. paarweise nach einander zum 
Verhiebe gelangen (Fig. 107 u. 108). Mit dem Einzelabbau kann ferner 
auch die Einzelbildung der Pfeiler verbunden sein (Fig. 108). 

Beim gleichzeitigen Abbau aller oder mehrerer Pfeiler werden die 
Versatzberge für sämtliche Pfeiler gemeinschaftlich gestürzt (Fig. 105) 
oder es wird jeder Pfeiler für sich versetzt (Fig. 106). Ersteres ist nur bei 
stärkerem Einfallen möglich, während das zweite Verfahren bei geringer 
Flötzneigung eingeschlagen werden muss, aber auch bei starkem Einfallen 
anwendbar ist. 

Bemerkenswert ist hier noch der bei allen gebräuchlichen Formen 
hervortretende Gegensatz zum gewöhnlichen streichenden Pfeilerbau hin- 
sichtlich der Reihenfolge, in welcher die einzelnen Pfeiler der betreffenden 

*) Schwebender Bau derartigen Charakters ist im hiesigen Bezirke über- 
haupt nicht vertreten. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



237 




a. Voranstellung der oberen Pfeiler und ge- 
trenntes Versetzen der einzelnen Pfeiler von 
der Baugrenze her. 



ILSota^ 



b. Voranstellung der unteren Pfeiler und voll- 

stand, für alle Pfeiler gemeinsam eingebrachter 

Versatz. 



Fig. 105. 
Streichender Pfeilerbau mit Versatz. 




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Vollständiger, jedoch pfeilerweise eingebrachter 
Versatz. Voranstellung der unteren Pfeiler. 

Fig. 106. 

Streichender Pfeilerbau. 




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Paarweise erfolgender Abbau 
der Pfeiler. 

Fig. 101, 

Streichender Pfeilerbau mit Versatz. 




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Einzeln erfolgende Bildung und einzeln erfolgender Abbau der Weiler in der Reihenfolge von unten nach oben. 

Fig. 108. 
Streichender Pfeilerbau mit Versatz. 



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238 Abbau. 

Bauabteilung in Angriff genommen werden. Dieselbe ist nämlich hier die 
umgekehrte wie dort, wo regelmässig mit dem Abbau des obersten 
Pfeilers begonnen wird und jeder Pfeiler dem nächst unteren im Abbau 
voraufgehalten wird. Beim Versetzen der Pfeilerräume wird die Voran- 
stellung des unteren Pfeilers gegen den oberen bezw. sofern Einzelabbau 
stattfindet, die Gewinnung der Pfeiler der Reihe nach von unten herauf 
aus praktischen Gründen am zweckmässigsten und sichersten. Die gegen- 
seitige Stellung der gleichzeitig in Abbau befindlichen Pfeiler entspricht 
alsdann der natürlichen Abböschung des Versatzes, sodass der letztere 
stets dicht hinter den Pfeil erstössen beigehalten werden kann. Femer 
wird bei dieser Reihenfolge des Abbaues der Pfeiler ein Abfangen der 
Berge über den einzelnen Abbaustrecken bezw. Pfeilern unnötig und eine 
vollständige Ausfüllung des abgebauten Raumes möglich. Wird dagegen 
wie in Fig. 105 a die gewöhnliche Pfeilerstellung und der gleichzeitige 
Abbau aller Pfeiler beibehalten, so stellen sich zumal bei stärkerem 
Flötzeinfallen erhebliche Unvollkommenheiten im Abbau und in 
der Versatzarbeit ein, aus welchem Grunde derartige Formen des 
Pfeilerversatzbaus im hiesigen Bezirke praktisch keine Bedeutung erlangt 
haben. *) Die Voranstellung des oberen Pfeilers gegen den unteren kommt 
daher nur dann bisweilen und zwar bei steiler Lagerung vor, wenn jedes- 
mal nicht mehr als vielleicht zwei Pfeiler gleichzeitig in Abbau stehen 
und das hierbei unvermeidliche Zurückbleiben des Versatzes hinter dem 
oberen Pfeilerstosse unbedenklich ist (Fig. 107). 

2. Verbreitung und Anwendung des Pfeilerbaues mit Versatz. 

Der Pfeilerbau mit Versatz hat an der Förderung im niederrheinisch- 
westfälischen Steinkohlenbezirk nur geringen Anteil. Nach der statistischen 
Zusammenstellung auf S. 315 ff. entfielen auf diese Bauart im Jahre 1898 
nur etwa 27o der Gesamtförderung oder 5 7o der durch Versatzbau über- 
haupt gewonnenen Kohlenmenge. Gewöhnlich zieht man nämlich die 



*) In solcher Weise ist vor Jahren der Abbau des mit 65*^ einfallenden 
2 m mächtigen Flötzes Dickebank der Zeche Prinz Regent (Dannenbaum V) ver- 
sucht worden, wo die betreffende Bauabteilung mit Bergeversatz abgebaut werden 
sollte, um eine nachteilige Einwirkung des Abbaues auf eine Eisenbahnstrecke zu 
verhüten. Hierbei wurden die Berge gemeinschaftlich für alle Pfeiler von der 
oberen Sohle aus abgestürzt und fanden zunächst Auflage auf den über den 
Pfeilern wie gewöhnlich stehenbleibenden und gut unterbauten Schweben. 
Letztere brachen mit dem Vorrücken des Abbaus allmählich durch, sodass der 
Versatz dann auch in die unteren Pfeilerräume nachrutschen konnte. Wegen ihrer 
Ciefährlichkeit und UnvoIIkommenheit hat sich diese Bauart jedoch nicht bewährt 
Vergl. Lüthgen, Abbaumethoden im Ruhrkohlengebiet. Z. f. B. H. S. Bd. XL. 1892 
S. 297. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeyersatz. 239 

Versatzbauarten mit unmittelbar zu Felde gehenden Abbaustössen vor, da 
diese in mancher Beziehung, namentlich in der durchschnittlichen Hauer- 
leistung und den Gewinnungskosten, ferner in Bezug auf die Wetter- 
führung und die Erhaltung der Kohlenqualität sich meistens günstiger 
stellen als ein Pfeilerbau mit Versatz. Letzterer vereinigt bis zu einem 
gewissen Grade die Nachteile des Abbaues ohne Versatz mit den- 
jenigen des Bergeversatzbaues. Ersichtlich haften demselben zufolge des 
dem Abbau voraufgehenden Streckenbetriebes nicht nur alle mit der Vor- 
richtung zum gewöhnlichen Pfeilerbau verknüpften Nachteile an, sondern 
es sind auch die durch die Bergeförderung und das Berge versetzen ver- 
ursachten Schwierigkeiten und Kosten ungefähr die gleichen, wie bei den 
übrigen Versatzbauarten, zumal da es sich der Natur der Sache ent- 
sprechend hauptsächlich um einen Versatz von fremden Bergen handelt. 

Andererseits kann allerdings ein nach dem Pfeilerbausysteme be- 
triebener Versatzbau unter Umständen auch grössere Vorteile bieten 
als ein solcher mit unmittelbar zu Felde gehenden Abbaustössen, also 
Strebbau, Stossbau oder Firstenbau. Ferner können besondere Umstände 
die Veranlassung zur Ausführung derartigen Versatzbaues geben. Die 
Verhältnisse, unter welchen derselbe im hiesigen Bezirke hauptsächlich 
vorkommt, sollen nachstehend erörtert werden. 

Erstlich wird der Versatzbau nach Pfeilerbauart hierselbst nicht 
immer von vornherein planmässig zur Anwendung gebracht. Derselbe 
ergiebt sich vielmehr manchmal dadurch, dass man sich nachträglich ent- 
schliesst, eine bereits zum gewöhnlichen Pfeilerbau vorgerichtete Bauab- 
teilung mit Berge Versatz abzubauen, sei es, um dieselbe zur Unterbringung 
verfügbarer Berge zu benutzen, sei es, weil inzwischen Umstände einge- 
treten sind, welche eine Gewinnung der vorgerichteten Pfeiler ohne Ver- 
füllung der abgebauten Räume mit Bergen nicht mehr zulassen. Je nach 
den besonderen Umständen ergeben sich dann die in den Figuren 105—107 
dargestellten Formen des Pfeilerversatzbaues. 

Wo der Versatzbau planmässig nach Pfeilerbauart betrieben wird, 
dürfte die Veranlassung hierzu bisweilen allein in der einmal herr- 
schenden Vorliebe für den streichenden Pfeilerbau liegen, wenigstens ist 
manchmal kein Grund erkennbar, weshalb gerade der Pfeilerbau mit 
Versatz und nicht ein anderer Versatzbau angewandt wird. Im übrigen 
kann die planmässige Anwendung solcher Abbauverfahren jedoch auch 
\ durch gewisse Flötz- oder Betriebsverhältnisse bedingt sein, unter welchen 

die oben erwähnten Nachteile weniger ins Gewicht fallen und manche 
Vorteile gegenüber einem Versatzbau mit unmittelbar zu Felde gehenden 
Abbaustössen sich bieten oder ein Bau der letzteren Art überhaupt nicht 
angebracht ist Es handelt sich hierbei zunächst um Abbau nach den 
Figuren 105 und 106, sowie ferner um solchen nach Fig. 108. Ueber die 



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240 Abbau. 

Vorteile, welche diese Abbauarten gewähren kennen und über die Fälle, 
in welchen dieselben daher im hiesigen Bezirke am Platze und durch 
Strebbau, Stossbau oder Firstenbau nicht zu ersetzen sind, ist folgendes 
zu bemerken: 

In den Ausführungen nach den Figuren 105 b u. 106, welche sich nur 
durch die Art des Einbringens der Versatzberge in die Pfeilerräume unter- 
scheiden, wird der Pfeilerversatzbau planmässig betrieben, wenn es sich 
einerseits darum handelt, zahlreiche Gewinnungspunkte in derselben Bau- 
abteilung zu erhalten, also eine starke Förderleistung und einen raschen 
Abbau zu erzielen, andererseits aber gleichzeitig das Bedürfnis vorliegt, 
das abgebaute Feld vollständig zu versetzen, und die Aufrechterhaltung 
von Strecken in demselben zu vermeiden. Allen diesen Anforderungen 
genügen die in Rede stehenden Formen des Pfeilerbaues mit Versatz zu 
gleicher Zeit und bei fast allen Flötzverhältnissen. Das Bedürfnis nach 
einem Versatzbau von hoher Leistungsfähigkeit, welcher gleichzeitig einen 
vollständigen Versatz des abgebauten Feldes einschliesslich der Strecken 
gestattet, kann durch den Stand des Betriebes, durch die grosse Menge 
der unterzubringenden Versatzberge und die Rücksicht auf die Tages- 
oberfläche bedingt sein. Strebbau, welcher zwar eine hohe Leistungs- 
fähigkeit besitzt, kann alsdann nicht angewandt werden, da derselbe ein 
Offenhalten der Strebstrecken erfordert. Stossbau eignet sich wegen seiner 
geringeren Leistungsfähigkeit nicht immer. Der Firstenbau, welcher in Bezug 
auf die Vollständigkeit des Versatzes dem Pfeilerbau mit Versatz gleich- 
steht', in der Leistungsfähigkeit denselben meist noch übertriff*t, kann 
zwar unter Umständen einen Ersatz für letzteren bilden versagt jedoch 
einmal, wenn es sich um Flötze von schwächerem Einfallen handelt, und 
eignet sich auch in stark geneigten Plötzen nicht immer, da er noch sonstige 
Anforderungen an das Flötz- und Gebirgsverhalten stellt. 

Dieselben Pfeilerbauarten (Fig. 105 b und 106) kommen auch dann 
bisweilen zur Anwendung, wenn ein Versatzbau mit starker Förderleistung 
verlangt wird, das Gebirge aber so brüchig oder druckhaft ist, dass ein 
Abbau mit zu Felde gehenden Stössen zu schwierig und gefährlich, ins- 
besondere das Offenhalten von Förderstrecken im versetzten Abbaufelde, 
wie es der mit Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit und die Lagerung 
vielleicht allein noch in Betracht kommende Strebbau erfordern würde, 
nur mit sehr hohen Kosten möglich ist. In solchen Fällen kann sich das 
Auffahren und die Unterhaltung gewöhnlicher Abbaustrecken mit nach- 
folgendem Rückbau und Versatz der Pfeiler billiger und sicherer stellen, 
als der zu Felde gehende Abbau, zumal wenn die Flötzmächtigkeit für die 
Streckenquerschnitte ausreicht oder gar noch das vorläufige Anbauen 
eines Kohlenpackens in den Strecken unter dem brüchigen Hangenden 
gestattet. 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 241 

Ueberhaupt bleibt bei grosser Flötzraächtigkeit, sofern mit Versatz 
gebaut werden sollj gewöhnlich nur die Wahl zwischen Stossbau und 
Pfeilerbau mit Versatz, da man Strebbau und Firstenbau hierbei jiicht 
gern anwendet. Die grössere Leistungsfähigkeit ist es alsdann wieder, 
welche dem Pfeilerbau den Vorzug vor dem Stossbau verschaffen kann. 

Die Anwendung des Versatzbaues mit zu Felde gehenden Stössen 
scheitert in anderen Fällen daran, dass die zur Verftlgung stehenden Berge- 
mengen zu gering sind, um die Stösse in hinreichender Weise verftlUen 
und die Strecken sichern zu können. 

Als am sichersten und günstigsten erweisen sich die zur Erörterung 
stehenden Pfeilerbauarten endlich, wenn es sich um ein Gebirge handelt, 
welches erst nach dem Abbau grosser Flächenräume in Bewegung kommt 
und dann plötzlich im ganzen niedergeht. Es wurde bereits an anderer 
Stelle hervorgehoben, dass der Strebbau unter solchen Gebirgsverhältnissen 
bei steiler wie bei flacher Lagerung und insbesondere in mächtigen Flötzen 
mit erheblichen Nachteilen und Gefahren verbunden sein kann, welche 
durch das Lockerbleiben des Versatzes und durch die Lage der Strecken im 
Versätze hervorgerufen werden. Demgegenüber gewährt der Pfeilerrückbau 
mit Versatz den Vorteil, dass das Lockerbleiben der Berge im abgebauten 
Räume und das plötzliche Niedergehen des Gebirges über demselben in 
der Regel wenigstens keine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit der 
Fahr- und Förderwege bedeutet, da letztere sich ausschliesslich in dem 
noch anstehenden Flötzteile befinden und weniger leicht von den durch 
das plötzliche Niedergehen des Hangenden hervorgerufenen Gebirgs- 
schlägen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Wirkung solcher Gebirgs- 
bewegungen wird bei flacher Lagerung besonders durch möglichst sorg- 
fältiges VerfüUen der Pfeiler bis dicht unter das Hangende und Aufziehen 
von Bergemauern abzuschwächen sein. Auch die Bildung voUstäijdiger 
Bergepfeiler aus trockener Mauerung im Versätze nach Art des im ge- 
schichtlichen Teile erwähnten Verfahrens vom Flötze Oelzweig der Zeche 
Gewalt dürfte hierbei unter Umständen in Erwägung zu ziehen sein. 

In der Ausführung nach Fig. 108, also mit Einzelbildung und Einzel- 
abbau der Pfeiler der Reihe nach von unten herauf kommt der Pfeilerbau 
mit Versatz gewöhnlich nur an Stelle des Stossbaues in steilen Flötzen zur 
Anwendung, um die für letzteren bei entsprechender Stosshöhe erforderliche 
Anlage eines besonderen BergerolUoches bezw. Bergebremsberges an den 
Bauabteilungsgrenzen zu vermeiden.*) Letzteres kann u. a. begründet 



*) Bei Stössen von Streckenhöhe sowie allgemein bei flacher Lagerung lässt 
sich auch der Stossbau ohne die Anlage besonderer Förderwege für die Versatz- 
berge einrichten (Stossbau mit gemeinschaftlichen Förderwegen für Kohlen und 
ßerge). 

Sammelwerk. II. 16 



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242 Abbau. 

sein in der zu geringen Baulänge der Abteilung, derzufolge sich die Her- 
stellung besonderer schwebender Förderwege für die Versatzberge nicht 
lohnt. Ebenso kann das Auftreten einer Störung an der Bauabteilungs- 
grenze es erwünscht erscheinen lassen, hier die Herstellung jener Anlagen 
zu vermeiden und die in Rede stehende Pfeilerbauart an Stelle des Stoss- 
baues anzuwenden. In anderen Fällen wieder spricht der starke, in dem 
betreffenden Flötze herrschende üruck für die möglichste Beschränkung 
der Zahl jener schwebenden Hauptförderwege und lässt daher den pfeiler- 
bauartigen Stossbau als vorteilhafter erscheinen. Auch der hierbei mögliche 
Gewinn an Zeit bis zum beginnenden Abbau kann ausschlaggebend sein, 
insofern als die Vorrichtung zum Stossbau unter gleichen Verhältnissen 
wegen der besonderen Herstellung der Bergerolllöcher oder -Bremsberge 
mehr Zeit in Anspruch nimmt. 

Im übrigen können zum Teil auch dieselben Gründe die Anwendung 
dieser Form des Pfeilerversatzbaues an Stelle des Stoss- oder Streb- 
baues veranlassen, welche bezüglich der anderen Formen genannt wurden. 

Aus der vorstehenden Darlegung der Verhältnisse, welche zur An- 
wendung des pfeilerbauartigen Bergeversatzbaues führen können, dürfte 
zu ersehen sein, dass derartige Abbauformen trotz der an und für sich 
damit verknüpften Mängel im hiesigen Bezirke nicht gänzlich entbehrlich 
sind. 

3. Das Verfahren beim Abbau und Versetzen der Pfeiler. 

Das Verfahren bei der Vorrichtung zum Pfeilerbau mit Bergeversatz 
bedarf keiner besonderen Erläuterung, da dasselbe in seinen Grundzügen 
dem gewöhnlichen Pfeilerbau entspricht. Ist man von vornherein ent- 
schlossen, die Pfeiler einzeln abzubauen, so werden auch die 
Abbaustrecken am zweckmässigsten einzeln aufgefahren und es wird 
wie bei Fig. 108 der Betrieb so eingerichtet, dass gleichzeitig mit dem 
Abbau eines Pfeilers schon die folgende Abbaustrecke ^^ der Auffahrung 
begriffen ist. Auf diese Weise kann der Abbau seinen unterbrochenen 
Fortgang nehmen. 

Auch der Abbau der Pfeiler entspricht im allgemeinen in Bezug auf 
die Verhiebsarten, den Ausbau und dergl. dem gewöhnlichen Pfeilerbau. 
Jedoch bringt die Inangriffnahme der Pfeiler in der umgekehrten Reihen- 
folge sowie das Versetzen der abgebauten Räume gewisse Eigentümlich- 
keiten der Bauart mit sich. Es mögen daher einige Bemerkungen über 
die praktische Ausführung der verschiedenen Formen des Pfeilerbaues mit 
Versatz angeschlossen werden, wobei zum Teil auf bestimmte Fälle 
Bezug genommen werden soll. 

Die in Figur 105b dargestellte und nur für steile Lcigerung ge- 
eignete Form ist unter anderem auf der Zeche Königin Elisabeth stellen» 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. '^3 

weise gebräuchlich beim Abbau von Bauabteilungen, welche bereits zum 
gewöhnlichen Pfeilerbau vorgerichtet waren, bevor man sich zum Versatz- 
bau entschloss.*) Auf dieser Grube herrscht die steile Lagerung vor und 
zwar beträgt das Einfallen im allgemeinen 60 — 70^. Der Abbau und das 
Versetzen der Pfeiler wird in folgender Weise ausgeführt: Zunächst werden 
auf allen Abbaustrecken an der Baugrenze die Grenzüberhauen hergestellt, 
von welchen aus demnächst der Abbau der Pfeiler seinen Anfang nimmt. 
Der Reihe nach von unten herauf werden nunmehr die Pfeiler in Angriff 
genommen. Sobald die untersten Pfeiler genügend weit vorgerückt sind, 
beginnt das Stürzen der Versatzberge, welches von der oberen Sohle aus 
erfolgt, wobei vorläufig die übereinanderliegenden Grenzüberhauen der 
oberen noch nicht in Angriff genommenen Pfeiler als Bergerolllöcher 
dienen. Mit dem Fortschreiten des Abbaues auch der oberen Pfeiler 
schüttet sich der Versatz allmählich in der ganzen Bauhöhe des Feldes nach 
seiner natürlichen Böschung auf und der Pfeilerabstand wird dement- 
sprechend geregelt. Nötigenfalls erhalten die unteren Pfeiler auch Ver- 
schlage zum Zurückhalten der Berge. Ebenso wie beim gewöhnlichen 
Pfeilerbau lässt man unter den Abbaustrecken Pfeilerschweben anstehen, 
welche verloren gehen. Dieselben werden in Abständen von etwa 5 — 10 m 
durchbrochen, einerseits der Wetterführung wegen, andererseits, damit die 
von der oberen Sohle aus gestürzten Berge auch bis in die untersten 
Pfeiler nachrutschen können. 

Das Stürzen der Berge von der oberen Sohlenstrecke aus geschieht in 
der Weise, dass auch die Schwebe über dem obersten Pfeiler in den genannten 
Abständen durchbrochen wird und dass diese Durchbrüche der Reihe nach 
als Sturzlöcher benutzt werden. Das Nachrutschen des Versatzes durch 
die Schwebenöffnungen bis in die unteren Pfeiler gelingt in der Regel 
ohne Schwierigkeit, da nach Möglichkeit nur Waschberge verwendet 
werden. Die Schweben erfordern natürlich eine sorgfältige Verzimmerung, 
da dieselben zufolge des Vorausstehens der unteren Pfeiler gegexi die 
oberen jedesmal die Sohle der Streckenenden bilden. Letzteres ist im 
übrigen weniger bedenklich, wenn die Strecken zufolge geringer Flötz- 
mächtigkeit mit einem Teile ihrer Sohlenbreite in das nachgerissene 
Liegende verlegt worden sind. 

Die durch Fig. 106 dargestellte Bauart, bei welcher jeder Pfeiler für 
sich von der nächst höheren Ab])austrecke aus versetzt wird, macht ein 
.söhhges Auffahren der Strecken erforderlich, da Kohle und Berge auf den- 
selben in entgegengesetzter Richtung zu bewegen sind. Bei flacher 

*) So wurde in dieser Weise Ende der 1890er Jahre das 1 m mächtige Flötz 
Girondelle abgebaut. 

Die grundsätzlich auf genannter Zeche angewandte Versatzbauart ist im 
übrigen der Firstenbau. 

16* 



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244 Abbau. 

Lagerung, für welche diese Bauart in erster Reihe bestimmt ist, bietet 
die Ausführung derselben im übrigen, wie die Figur ohne weiteres er- 
kennen lässt, keine bemerkenswerten Eigentümlichkeiten.*) Das Voraus- 
stehen der unteren Pfeiler gegen die oberen und das Umgehen der Kohlen- 
und Bergeförderung oberhalb der offenen Pfeiler ist alsdann kaum mit 
irgend welchen Schwierigkeiten und Gefahren verbunden, da die Abbau- 
strecken das liegende Nebengestein zur Sohle haben. 

Schwieriger gestaltet sich dieselbe Ausführung mit Einzelversatz der 
Pfeiler von jeder Abbaustrecke aus, wenn die Lagerung steil ist, da als- 
dann beim Abbau wieder die Streckensohlen unterhauen werden und nicht 
nur die Kohlen-, sondern auch die Bergeförderung über die abgebauten 
Pfeiler hinweggehen muss. Ein Beispiel eines solchen Falles liefert der 
durch die Figur 109 a— c dargestellte Abbau des Flötzes No. 9 der Zeche 
Kölner Bergwerksverein Schacht Anna. (Auf den Schächten Anna und 
Carl dieser Zeche kommt diese Art des Pfeilerbaues mit Versatz häufiger 
zur Anwendung; so lieferte derselbe i. J. 1898 zeitweise 327o bezw. 407o 
der Förderung dieser Schächte.) In dem dargestellten Falle handelt 
es sich um ein 1,4 m mächtiges FlÖtz mit nicht besonders druckhaftem 
Nebengestein und mit nur schwachem Bergmittel, sodass die Abbaustrecken 
keinen Bergedamm erhalten imd die Streckensohle unmittelbar von der 
anstehenden Pfeilerkohle gebildet wird. Beim Abbau der Pfeiler bleibt 
über denselben zunächst wieder eine Schwebe zum Schutze der höheren 
Abbaustrecke anstehen. Die Schwebe wird durch dicht anliegende Firsten- 
stempel, welche mit verstempelten Schalhölzern am Hangenden und nötigen- 
falls auch am Liegenden verblattet sind, zuverlässig unterzimmert. In Ab- 
ständen von etwa 4 m werden Durchbrüche durch die Schwebe hergestellt, 
durch welche die Berge in den unterhalb der betreffenden Strecke ge- 
legenen Pfeilerraum gestürzt werden. Letzterer wird gewöhnlich abschnitts- 
weise verfüllt, indem in angemessenen Abständen Verschlage aus Schwarten 
bezw, Sackleinen in demselben hergestellt werden. Nachdem der Ver- 
satz die Schwebe erreicht hat, wird das unterfüllte Stück derselben noch 
von der Abbaustrecke aus gewonnen. Zu diesem Zwecke muss das 
hangende Holz des Streckenausbaues durch einen Sohlenstempel abge- 
fangen werden, welcher sodann auch zur Auflage für die der festen Sohle 
beraubten Schwellen des Fördergestänges benutzt wird (Fig. 109 b u. c). 
Der ausgehauene Raum der Schwebe wird schliesslich gleichfalls mit 
Bergen verfüllt, wobei das Firstenholz unter der Schwebe wiedergewonnen 
werden kann. Auf diese Weise werden Abbauverluste gänzlich vermieden 
und zugleich ist der Versatz ein vollständiger, da auch die Strecken 



*) Die Annahme des schwebenden Pfeilerverhiebes in der betr. Figur ist ein 
nebensächlicher Umstand. 



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m^SahU 




JK Söhlig 



2, Seigerriss. 







^i^öafifftreck^ 






hi^i^milf^ ti"d 
ffyt^Kl^r Pf it/rrmiurh 



b. Qrvinnung der Schwebe, rf - Dnrchhrudi diirth dip Schiebe 
Zur Wrtlerfühninjf und zum Beit;cstüT/tn. 



Fig, 109. 

Kflifier Bergwerksverein, Seht Anna, Fl 9. Streichender 
Pfeilerbau mit Versatz. 



im Pfeil fr 



>^ c. Proril luch A-B. 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 247 

durch den nachrückenden Versatz des höheren Pfeilers ausgefüllt 
werden. 

Beispiele für den Pfeilerversatzbau mit einzeln oder paarweise er- 
folgendem Abbau der Pfeiler finden sich auf einer Reihe von Gruben des 
Bezirkes. Es handelt sich hierbei fast ausschliesslich um stark geneigte 
Plötze und zwar besonders um solche, welche gleichzeitig eine grosse 
Mächtigkeit besitzen. Figur 110 stellt einen solchen Abbau von Zeche Alma 




läufige ^hfanff&i d/. 






fTeiic^'stwnpeL 



Abfangen der Streckenzimmeninfir und VerlaKerung des Oestibififes beim Pfeilerbau mit Bergeversatz. 

F'm. 111. 
Zeche Fröhliche Morgensonne. Flötz Dickebank. 



dar. Der Einzelabbau der Pfeiler in der Ausführung nach Figur 108 findet 
sich verhältnismässig am häufigsten. So ist diese Bauart namentlich mehr- 
fach beim Abbau steiler mächtiger Fettkohlenflötze beliebt; u. a. werden 
auf verschiedenen Fettkohlengruben mit steiler Lagerung die sich häufig 
durch grosse Mächtigkeit auszeichnenden Flötze Sonnenschein (Leitflötz) 
und Dickebank (oberhalb Sonnenschein) in dieser Weise gebaut (so 
auf den Zechen Hasenwinkel, Friedlicher Nachbar, Caroline, Präsident II, 
Fröhliche Morgensonne). In Fällen dieser Art kann der Abbau der Pfeiler 
ebenfalls unter Preisgabe der Schweben erfolgen, jedoch sucht man meistens 



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243 Abbau. 

diese Abbauverluste zu vermeiden und die Pfeiler vollständig zu gewinnen. 
Die Hauptschwierigkeit liegt dann wieder in dem Abfangen des Ausbaues 
der über dem Pfeiler liegenden Abbaustrecke und in der Verlagerung 
des jeweilig der festen Sohle beraubten und über den offenen Pfeiler 
hinwegführenden Stückes der Förderbahn. Man wendet daher entweder 
gleich beim Streckenbetriebe eine durch Verstempelung bezw. durch im 
Liegenden und Hangenden eingebühnte Tragestempel gehaltene Strecken- 
zimmerung an, welche einer festen Sohle nicht bedarf und zugleich die 
sichere Verlagerung des Streckengestänges gestattet oder die Strecken- 
geviere werden während des Rtickbaues in gleicher Weise abgefangen und 
neue entsprechend verlagerte Schwellen für das Gestänge gelegt. Im letzteren 
Falle wird meistens zunächst ein vorläufiges Abfangen des Gevieres durch 
einen etwa in halber Streckenhöhe geschlagenen Hülfsstempel erforderlich, 
bevor die feste Sohle unter dem Geviere herausgenommen und der Bahn- 
bezw. Tragestempel gelegt werden kann (Fig. 111). 

Die sonstigen Einzelheiten beim Betriebe des Pfeilerbaues mit Berge- 
versatz bedürfen einer besonderen Erwähnung nicht, da dieselben nicht 
durch das Wesen dieser Bauart bedingt sind, vielmehr im allgemeinen 
auch beim gewöhnlichen Pfeilerbau sowie bei den übrigen Versatzbauarten 
wiederkehrea 

X. Firstenbau. 

1. Wesen und Verbreitung des Firstenbaues. 

Die im Ruhrkohlenbezirke gebräuchlichen Formen des Firstenbaues 
werden durch die schematischen Figuren 112 u. 113 erläutert. Bei denselben 
treten die für den Firstenbau in seiner reinsten Form charakteristischen 
Merkmale deutlich hervor, nämlich die Einteilung des Baufeldes zwischen 
den beiden Sohlen bezw. Teilsohlen in streichende von einem Ueberhauen 
ausgehende Stösse, die Inangriffnahme der letzteren der Reihe nach von 
unten nach oben in einem gewissen Abstände hintereinander bei im übrigen 
gleichzeitig erfolgendem Abbau derselben, sowie endlich das Fehlen 
eines das System der Stossbildung äusserlich sichtbar machenden, im Ver- 
sätze ausgesparten Streckensystemes. In der Gleichzeitigkeit des Abbaues 
der Stösse liegt der Gegensatz zum streichenden Stossbau, welcher im 
übrigen in den Firstenbau übergehen kann (Stossbau mit firstenbauartigem 
Verhiebe der Stösse). Das Fehlen eines zu dem System der Stosseinteilung 
in Beziehung stehenden Streckensystemes unterscheidet den Firstenbau vom 
streichenden Strebbau, für welchen die Nachführung eines solchen Strecken- 
systemes charakteristisch ist. Auch hierbei giebt es jedoch Mittel formen (Streb- 
bau mit firstenbauartigem Verhiebe der Stösse, vergl. Figur 98 auf S. 226/227). 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



249 



Von dem aus anderen Bezirken (Belgien, Nord-Frankreich) bekannt- 
gewordenen und insbesondere auch von dem im Erzbergbau üblichen Firsten- 
bau unterscheidet sich der beim hiesigen Steinkohlenbergbau in Anwendung 
stehende Bau äusserlich durch das Fehlen von in der Falllinie bezw. seiger 




/LÖ'oMe 



Fig. 112, 
Firstenbau mit Kohlenrutsche. 




Fig. 113. 
Firstenbau ohne Kohlen rutsche. 



im Versätze nachgeführten RoUlöchem zur Förderung der hereingewonnenen 
Massen. Die Abwärtsförderung der Massen erfolgt hierselbst vielmehr ent- 
weder mit Hülfe eines als Kohlenrutsche dienenden und der gegenseitigen 
Stellung der Stösse entsprechend geneigten Holzverschlages oder ohne 
besondere Vorkehrungen, indem man die Kohle unmittelbar auf den Versatz 
fallen und auf der Böschung desselben hinabgleiten lässt. Auch beim 
Vorhandensein von Rolllöchern bleibt der Gegensatz zwischen Firstenbau 
und Strebbau bestehen, da das System dieser schwebenden Förder\vege 



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250 Abbau. 

ganz unabhängig von dem System der Stossbildung ist. Dies geht schon 
daraus hervor, dass die Rolllöcher nicht dauernd demselben Stosse dienen, 
sondern jedes derselben mit seiner Erlangung nach oben der Reihe 
nach sämtlichen Stössen dient und dass die vorderen Rolllöcher bereits 
abgeworfen sein können, während der Abbau der Stösse noch weiter zu 
Felde geht. 

Obwohl der Firstenbau im hiesigen Bezirke auch früher nicht ganz 
unbekannt gewesen ist (s. unter »Entwickelung der Abbauarten« im 
geschichtlichen Teile), hat derselbe sich doch erst seit dem Ende der 
1880er Jahre vereinzelt als ständige Abbauart eingeführt. Soweit bekannt 
geworden, ist um diese Zeit zuerst die Zeche Königin Elisabeth zur regel- 
mässigen Einführung des Firstenbaues übergegangen.*) Auf den Schächten 
dieser Zeche ist derselbe im Laufe der Zeit die unbedingt vorherrschende 
Abbauart geworden (1898 auf den 3 Schächten 53% bezw. 357o bezw. 80% 
der Förderung, s. Tabelle a. S. 315). Später, zumeist erst seit der zweiten 
Hälfte der 1890er Jahre, hat sich der Finstenbau nach diesem Vorbilde dann 
auch auf anderen Gruben eingeführt. So war diese Bauart im Jahre 1898 
vertreten auf den Zechen Massener Tiefbau, Hörder Kohlenwerk, Graf 
Schwerin, Franziska — Walfisch, Eintracht Tiefbau I, Shamrock, Zoll- 
verein I/II, Graf Beust, Holland III. In den letzten Jahren sind u. a. hinzu- 
gekommen die Zechen Kaiserstuhl I, Germania II, Prinz von Preussen, 
Dannenbaum.**) 

Im ganzen nimmt der Firstenbau allerdings noch eine untergeordnete 
Stelle in Westfalen ein, indem nach der Schätzung vom Jahre 1898 kaum 
1 7o ^^^ ganzen und etwa 2,5% der durch Versatzbau gewonnenen Förder- 
menge auf denselben entfielen. 

2. Anwendung, Vorzüge und Nachteile des Firstenbaues. 

Die Anwendbarkeit des im hiesigen Bezirke gebräuchlichen Firsten- 
bauverfahrens ist zunächst an die allgemein für den Firstenbau geltende 
Bedingung geknüpft, dass das Einfallen des Flötzes hinreichend stark 
sein muss, um die Abwärtsförderung der Massen durch einfaches Stürzen 
derselben zu ermöglichen. Da jedoch die Abwärtsförderung der Kohle 
nicht in der Linie der stärksten Neigung durch Rolllöcher, sondern in 
diagonaler Richtung erfolgt, so sind die Grenzen für den hier gebräuch- 
lichen Firstenbau noch etwas mehr beschränkt, als bei demjenigen mit 
Rolllochsbetrieb; das Einfallen des Flötzes darf nicht unter 40—45° hinab- 

*) Dütting, Abbau mit Bergeversatz auf Zeche Königin Elisabeth bei Essen. 
Fr. Z. f. B. H. S. 1889. B. XXXVII. B. S. 374. 

**) Pr. Z. f. B. H. S. 1900. Bd. XLVIII. B. S. 115 desgl. 1901, Bd. XLLX. 
B. S. 299. 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 251 

gehen, damit sich für jenen diagonalen Förderweg noch die für das 
ungehemmte Hinabgleiten mindestens erforderliche Neigung von 35 ^ 
ergiebt. 

Der Bau in der hier gebräuchlichen Ausführung eignet sich femer 
nur für Flötze mit reiner Kohle ohne Bergmittel und ohne Nachfall, da es 
sehr schwierig und umständlich sein würde, die vor den Stössen fallenden 
Berge von der hereingewonnenen Kohle getrennt zu halten und für sich 
in den Versatz zu schaffen. Hieran hindert einerseits der als Kohlen- 
rutsche dienende Verschlag, welcher den Arbeitsraum vom Bergeversatze 
trennt, andererseits beim Fehlen eines Verschlages die während des Ganges 
der Gewinnungsarbeit auf der Oberfläche des Versatzes lagernde Kohle. 
Die zum Versätze erforderlichen Berge müssen daher sämtlich von der 
oberen Sohle aus in den Abbauraum gestürzt werden. 

Bei der Grösse der einheitlich blossgelegten Abbaufläche ist es ein 
weiteres Erfordernis, dass das Flötz ein einigermassen haltbares Neben- 
gestein besitzt, welches eine solche Freilegung ohne Gefahr gestattet. 
Die Gefährlichkeit und Schwierigkeit der Bauart steigt überdies bei grosser 
Flötzmächtigkeit. 

Femer muss die Flötzlagerung ungestört sein ; insbesondere dürfen 
keine Verwerfungen die Bauabteilung durchsetzen, welche das Flötz um 
seine volle Mächtigkeit verschieben. Anderenfalls wird es erforderlich, das 
Baufeld jenseits der Störung selbständig vorzurichten und in demselben 
von neuem einen Firstenbau zu eröffnen. Streichende Störungen lassen 
eine Anwendung des Baues meistens überhaupt nicht zu. 

Hiernach bleibt die Anwendung des Firstenbaus im allgemeinen be- 
schränkt auf stark einfallende, nicht über 1 m mächtige Flötze, welche 
ausserdem ein gutes Nebengestein und eine reine, ohne mitfallende Berge 
gewinnbare Kohle führen und von Störungen frei sind. Gerade für solche 
Verhältnisse ist der Firstenbau a])er auch wie kein anderer Bau geeignet 
und lohnend, da derselbe wegen der ausserordentlich einfachen Vorrichtung 
und der Beschränkung des Streckenbetriebes auf die Sohlen bezw. Teil- 
sohlenstrecken eine sehr günstige Hauerleistung ergiebt und geringe Ge- 
winnungskosten erfordert. Bei der grossen Anzahl von Angriffspunkten 
ist zugleich die Leistungsfähigkeit des Baues im ganzen sehr gross und 
wird wohl von keiner anderen Bauart übertroffen. Es ist diesen Eigen- 
schaften des Firstenbaues zuzuschreiben, dass derselbe auf Flötzen, welche 
sonst schon unter der Grenze der Bauwürdigkeit liegen, noch einen ge- 
winnbringenden Abbau gestattet. Diese Erfahrung hat in erster Reihe 
dem Firstenbau auf der Zeche Königin Elisabeth seine jetzige Bedeutung 
verschafft und auch auf den übrigen Zechen in der Regel den Anlass zur 
Einführung desselben gegeben. Die Zeche Königin Elisabeth baut seit 
der Einführung des Firstenbaues eine Reihe schmaler Flötze bis herab zu 



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2?2 



Abbau. 



0,4 m Mächtigkeit mit bestem Erfolge ab. So wurden daselbst z. B. 1891 
in vier 0,4 — 0,6 m mächtigen Plötzen die Gewinnungskosten einschliesslich 
der Kosten des Bergeversatzes und des Holzes, und die Hauerleistungen, 
wie folgt, ermittelt.*) 



Flötz 

Fünfhandbank 
Wiehagen . . 
Riekenbank 
Fettlappen . . 



Flötz- 
mächtigkeit 

m 


Qewinoungs- 
kosten pro 

t 
M. 


Hauerleistung 

pro 'Mann 

und Schicht 

t 


0,4—0,45 


2,96 


2,7 


0,52 


2,78 


2,15 


0,54 


2,48 


2,23 


0,60 


2,20 


2,7 



Es sind dies Ergebnisse, welche nach den hiesigen Verhältnissen bei 
anderen Bauarten auch in mächtigen Plötzen kaum erzielt werden. Aehn- 
liche Erfahrungen hat man in neuerer Zeit mit dem Firstenbau in ver- 
schiedenen früher nicht oder nur teilweise als bauwürdig angesehenen 
Plötzen derselben Mächtigkeit auf den Zechen Holland**), Graf Schwerin 
und Germania 11***) gemacht. Auf der Zeche Holland erzielte man in 
dem mit 40® einfallenden 0,5 — 0,6 m mächtigen Plötze Luise, welches 
früher nur in einzelnen Abteilungen, und zwar durch Pfeilerbau, mit ge- 
ringem Gewinn abgebaut wurde, eine Durchschnittsleistung pro Mann und 
Schicht einschliesslich Schlepper und Bergeversetzer, von 2,5 t gegenüber 
höchstens 1,5 t beim Pfeilerbau. 

Abgesehen von solchen Fällen, in welchen es sich um den Abbau 
von anderweitig gänzlich oder grösstenteils unbauwürdigen Plötzen handelt, 
haben die Vorzüge des Pirstenbaues mehrfach auch zum Ersätze anderer 
Bauarten durch denselben geführt. In dieser Beziehung kommen einmal 
diejenigen Vorteile in Betracht, welche der Pirstenbau als Versatzbau an 
und für sich gegenüber dem Pfeilerbau aufweist, und welche auch andere 
Versatzbauarten teilen, wie die einfache und gute Wetterführung, der 
Wegfall jeglicher Abbauverluste u. s. w., sodann aber anderen Versatzbau- 
arten gegenüber sowohl die meistens geringeren Gewinnungskosten, als 
auch namentlich der Umstand, dass sich beim Pirstenbau die höchste 
Leistungsfähigkeit mit der grössten Vollständigkeit des Versatzes verbindet. 



♦) Hilb ck , Ueber Abbau mit Bergeversatz mit besonderer Berücksichtigung 
des finanziellen Ergebnisses. »Glückauf« 1891. No. 53—54-, S. 427. 

**) Ueber den Abbau schmaler Plötze. »Glückauf« 1899. No. 50, S. 997. 
**♦) Versuche und Verbesserungen beim Berg>Ä'erksbetriebe. Z. f. B. H. S. 
1901. Bd. XLIX B. S. 299. 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 253 

Diese bekanntlich oft äusserst wertvolle und ausschlaggebende Eigenschaft 
findet sich nur noch in etwa bei gewissen Formen des Pfeilerbaues mit 
Versatz, welchen man jedoch seiner anderweitigen Nachteile wegen viel- 
fach nicht gern anwendet So ist man auf der mehrgenannten Zeche 
Königin Elisabeth dahin gelangt, den Firstenbau allgemein soweit als 
möglich, und soweit das Bedürfnis nach einem Abbau mit Bergeversatz 
überhaupt vorliegt, auch für den Abbau der sonst durch Pfeilerbau ge- 
wonnenen Flötze von mittlerer Mächtigkeit anzuwenden. Aus denselben 
Gründen ist auf der Zeche Kaiserstuhl I der Firstenbau zum Teil auch 
in solchen Flötzen eingeführt worden, welche vordem mit Streb- oder 
Stossbau gewonnen wurden. Auf der Zeche Franziska Schachtfeld 
Walfisch ersetzt der Firstenbau seit einiger Zeit, soweit als die Berge- 
beschaffung es zulässt, den sonst daselbst in dem nur 0,6 m mächtigen 
Flötze Stephansbank gebräuchlichen schwebenden Pfeilerbau mit Roll- 
löchern (vergl. schwebender Pfeilerbau, Fig. 47). 

Es ist nicht zweifelhaft, dass der Firstenbau trotz der vielen Vor- 
bedingungen, welche derselbe an das Flötz- und Gebirgsverhalten stellt, 
im hiesigen Bezirke noch häufiger, als es bisher der Fall ist, eine geeignete 
und vorteilhafte Abbauart für sonst als unbauwürdig geltende Flötze oder 
als Ersatz anderer Abbauarten bilden würde, zumal da die steile Lagerung 
auf vielen Gruben des Bezirkes überwiegt und Flötze von weniger als 
1 m Mächtigkeit häufig auftreten. Insbesondere dürfte derselbe auch den 
früher erwähnten, in den Figuren 73, 74 u. 100 dargestellten Arten des 
schwebenden Stoss- und schwebenden Strebbaues mit nachträglichem 
Versätze der Stösse, welche bei ähnlichen Flötzverhältnissen, allerdings 
nur vereinzelt, vorkommen und an erheblichen UnvoUkommenheiten leiden, 
wo irgend angängig, vorzuziehen sein. 

Andererseits ist allerdings nicht zu verkennen, dass mit dem Firsten- 
bau Nachteile verbunden sind, welche unter Umständen störend sein 
können und den Bau auch bei sonst günstigem Flötzverhalten nicht in 
allen Fällen zweckmässig erscheinen lassen. In dieser Beziehung ist vor 
allem zu erwähnen die starke Zerkleinerung der Kohle zufolge der grossen 
Fallhöhe, zumal bei Anwendung eines Verschlages als Rutsche. Bei 
Fettkohlenflötzen ist dies insofern weniger von Belang, als die Feinkohle 
als Kokskohle Verwendung finden kann, wie dies z. B. auf den Zechen 
Königin Elisabeth, Kaiserstuhl I und Holland zutrifft. Günstiger für die 
Erhaltung der Stückkohle ist es, wenn die Kohle, wie auf der Zeche 
Kaiserstuhl I,*) unmittelbar auf dem nahe bei den Stössen gehaltenen Ver- 
sätze abgleitet. Hierbei werden andrerseits allerdings wieder einige 
Kohlenverluste bezw. eine geringe Verunreinigung der Kohle nicht zu 



*) Einiges über den Firstenbau: »Glückauf t 1900. No. 3, S. 51. 



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254 Abbau. 

vermeiden sein. Weder der eine, noch der aYidere Uebelstand kann 
jedoch ausschlaggebend sein in den zahlreichen Fällen, in welchen 
ein Flötz bei Anwendung anderer Abbauarten überhaupt unbauwürdig 
oder nur mit sehr massigem Erfolge und grossen Abbau Verlusten zu ge- 
winnen sein würde, oder wenn die anderenfalls in Betracht kommenden 
Abbauarten die genannten Nachteile ebenfalls mit sich bringen würden, 
wie dies beim schwebenden Pfeilerbau mit Rolllöchern und bei den er- 
wähnten schwebenden Stoss- und Strebbauarten zutriift. 

Bedenklicher kann die starke Kohlenzerkleinerung durch die damit 
verknüpfte Kohlenstaubentwickelung werden, zumal in trockenen Plötzen 
mit weicher Kohle. Dieser Punkt verdient um so mehr Beachtung, als bei 
der ganzen Anordnung des Firstenbaues die bergpolizeilich vorgeschriebene 
Kohlenstaubbefeuchtung mittelst Spritz Wasserleitung*) nur schwierig und 
umständlich durchzuführen ist. Ein Verlegen der Leitungsrohre in dem 
Abbauraum e ist kaum angängig, vielmehr muss die Berieselung des 
letzteren mittels langer Schläuche erfolgen, welche an die in der unteren 
und oberen Sohlenstrecke nachgeführte Rohrleitung angeschlossen werden. 

Die berührten Nachteile und Schwierigkeiten lassen sich jedoch 
meistens auf ein erträgliches Mass verringern durch eine angemessene Be- 
schränkung der flachen Höhe des Baues, also durch Teilsohlenbildung. Ob- 
wohl hiermit eine Erhöhung der Gewinnungskosten und eine Erniedrigung 
der Hauerleistung verbunden ist, so wird dadurch doch die Rentabilität des 
Abbaues meistens nicht ohne weiteres in Frage gestellt, zumal da bei der 
steilen Lagerung gewöhnlich die Möglichkeit vorliegt, die Flötze auf den 
Theilsohlen gruppenweise mit einem gemeinschaftlichen Bremsberge oder 
Bremsschachte zu lösen. Man geht daher häufig nicht über eine Höhe von 
40 — 50 m hinaus. Grössere Bauhöhen vermeidet man überdies namentlich 
bei sehr steiler Lagerung oft auch schon aus dem Grunde, weil hierdurch 
die Mannschaftsfahrung und die Beaufsichtigung des Betriebes sowie der 
Holztransport zu sehr erschwert werden. Letzterer muss durch Hinauf- 
reichen des Holzes vor den Stössen von Hand zu Hand bewerkstelligt 
werden; das Hinaufziehen bezw. Einhängen desselben mit Hülfe eines 
Seiles ist nur in beschränktem Masse möglich. 

3. Beispiele für die Ausführung des Firstenbaues. 

Zu einer näheren Besprechung eignet sich vor allem der Firstenbau 
der Zeche Königin EHsabeth, von welcher, wie bemerkt, die Einführung 



*) B. F. V. vom 12. Dezember 1900 betr. die Bewetterung der Steinkohlen- 
bergwerke und die Sicherung derselben gegen Schlagwetter- und Kohlenstaub- 
explosionen § 33 ff. 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 255 

dieser Bauart in der Neuzeit ausgegangen ist. Diese Zeche baut haupt- 
sächlich in der Fettkohlengruppe auf dem Südfltigel der Stoppenberger 
Hauptmulde. Die Gebirgs- und Lagerungsverhältnisse sind daselbst im 
allgemeinen günstige; die Flötze verlaufen auf längere streichende Er- 
streckung ungestört bei gleichmässigem Einfallen von 50—70^ und das 
Gebirge besitzt eine gute Haltbarkeit. 

Man richtet in den Bauabteilungen gewöhnlich die ganze Bauhöhe 
zwischen den beiden Sohlen, welche sich etwa zwischen 50 und 100 m seiger 
bewegt, einheitlich zu einem ein- oder zweiflügeligen Firstenbau vor. Nur 
aus besonderen Gründen, wie bei ungünstigem Gebirge und gleichzeitig 
grossem Sohlenabstande, welcher alsdann die Freilegung der ganzen flachen 
Bauhöhe unthunlich erscheinen lässt, wird letztere auch wohl geteilt in Abbau 
genommen. Die Vorrichtung besteht in der Regel ausschliesslich in der Her- 
stellung eines Ueberhauens in Flötzmächtigkeit von Sohle zu Sohle bezw. 
Teilsohle etwa 10--20 m seitlich des Abteilungsquerschlages, während die 
Sohlen- bezw. Teilsohlenstrecken, sofern dieselben nicht etwa aus anderen 
Gründen bereits aufgefahren waren, gewöhnlich erst mit dem Fortschreiten 
des Abbaues hergestellt werden. Der Abbau beginnt gewöhnlich unmittel- 
bar über der Sohlen- bezw. Teilsohlenstrecke und gleich am Ueberhauen. 
Anfänglich Hess man stellenweise über der Sohlenstrecke zur Sicherung 
derselben einen Pfeiler anstehen und den Abbau erst über dem Begleit- 
orte beginnen. An das untere Ende des als Kohlenrutsche dienenden Ver- 
schlages schloss man hierbei jedesmal ein in dem Sohlenstreckenpfeiler 
hergestelltes Rollloch an, sodass die Kohle in der Sohlenstrecke abgezogen 
werden konnte. Ein Vorteil ergab sich dabei jedoch nicht, weshalb man 
jetzt in der Regel den vollständigen Abbau vorzieht und den Sohlenstrecken- 
pfeiler nur noch in solchen Fällen stehen lässt, in welchen die Grund- 
strecke nebst Begleitort aus früherer Zeit schon vorhanden ist oder aus 
anderen betrieblichen Rücksichten aufgefahren werden muss, bevor die 
betreff^ende Bauabteilung zum Abbau gelangt. 

Die mit je einem oder zwei Hauern belegten Stösse werden 8—15 m 
hoch genommen und folgen sich in einem Abstände von ungefähr derselben 
Grösse. Stellenweise werden auf der Zeche Königin Elisabeth die Stösse 
nicht streichend gebildet, sondern schwebend nebeneinander von Sohle zu 
Sohle hochgebracht. Der Bau verliert hierdurch den Charakter eines eigent- 
lichen Firstenbaues, entspricht alsdann vielmehr gewissermassen einem 
schwebenden Strebbau. Die Ausführung ist dabei jedoch im übrigen die- 
selbe wie beim echten Firstenbau, sowohl in Bezug auf die Kohlen- 
förderung im Abbau als auf die Art des Berge versetzens. (Vergl. Schwe- 
bender Strebbau bei steiler Lagerung, Fig. 101.) Der oberste Stoss nimmt 
gewöhnlich die Kohle bis in Höhe der Firste der nachrückenden Sohlen- 
strecke heraus. Die Baulänge erreicht 400 m und mehr. 



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256 Abbau. 

Regelmässig wendet man auf der Zeche Königin Elisabeth einen an 
den Stempeln im Abbauraume befestigten und als Kohlenrutsche dienenden 
Holzverschlag an, welcher mit einer der gegenseitigen Stellung der Firsten- 
stösse entsprechenden Neigung auf die ganze Bauhöhe nachgeführt wird. 
Sobald die Stösse sich zu weit von dem Verschlage entfernt haben und 
von der anderen Seite der Versatz demselben nahe gerückt ist, wird ein 
neuer Verschlag hergestellt. Unten über der Förderstrecke endet diese 
Rutsche in einem gleichfalls durch Holzverschläge hergestellten einfachen 
oder doppelten Sammeltrichter, welchen man mit einer Abzugsvorrichtung 
versieht und jedesmal mit der Rutsche weiter vorbringt (Fig. 114). 



Fig. 114, 
Zeche Königin Elisabeth, Fl. Laura.j Fuss eines Firstenbaues. 



Während die untere Sohlenstrecke den Stössen immer etwas voraus- 
gehalten wird, folgt das Nachreissen des Nebengesteins und der Strecken- 
massige Ausbau der oberen Sohlenstrecke dem Vorrücken des obersten 
Stosses entsprechend nach (Fig. 115). Die Firste der unteren Sohlenstrecke 
wird bis an die Rutsche dicht mit starken Schalhölzern und einer darauf 
gepackten Lage von Bergen abgedeckt, einerseits damit die von oben ge- 
stürzten Berge nicht durchschlagen, andererseits um den Wetterstrom zu 
zwingen an dem Kohlenstosse entlang aufzusteigen. Bemerkenswert ist 
hierbei noch, dass dieses Abfangen des Versatzes über der Sohlenstrecke 
gewöhnlich unabhängig von der eigentlichen Streckenzimmerung durch 
eine besondere etwa 0,5 — 1 m oberhalb des Firstenholzes der letzteren ge- 
schlagene Stempelreihe erfolgt. Dieses auch anderweitig beim Versatzbau 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



257 







Fig, 116. 

Zeche Königin Elisabeth, Fl. Laura. Ausbau der Sohlenstrecken beim Firstenbau. 
Sunmelwerk. II. 17 



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258 



Abbau. 



im hiesigen Bezirke beobachtete Verfahren bietet den Vorteil, dass der 
Versatz beim Setzen des Hangenden nicht gleich in den freien Strecken- 
querschniit hineingedrängt werden und diesen verengen kann, und dass 
daher Reparaturen an der eigentlichen Streckenzimmerung besser aus- 
geführt werden können. (Vergl.'Fig. 115.) 

Im Abbauraum besteht der Ausbau gewöhnlich aus einfacher Stempel- 
zimmerung. Dieselbe dient zugleich zur Herstellung der Arbeitsbühnen 
vor den Stössen. 

Als Versatz werden vorzugsweise Waschberge benutzt, welche mittels 
besonderer Bergekippwagen oder mit ^den gewöhnlichen Förderwagen ge- 




Zeche Königin Elisabeth. 



Fig, 116. 

Kippvorrichtung für gewöhnliche Förderwagen 
im Firstenbau. 



stürzt werden. In letzterem Falle bringt man bei geringer Flötzmächtigkeit 
gewöhnlich eine einfache Vorrichtung zum Stürzen des Wagens über Kopf 
an (Fig. 116), oder man bedient sich auch wohl fahrbarer Kreiselwipper. 

Durch den langjährigen Betrieb des Firstenbaues auf der in Rede 
stehenden Zeche sind die Beamten und Arbeiter daselbst mit dieser Bauart 
so vertraut geworden, dass man dieselbe sogar mehrfach unter äusserst 
ungünstigen und ganz aussergewöhnlichen Verhältnissen mit Erfolg hat 
durchführen können. So hat man z. B. auf der Schachtanlage Friedrich 
Joachim im Jahre 1899 das 0,6—0,8 m mächtige Flötz Laura (Leitflötz)- 
bei sehr druckhaftem Gebirge und obwohl Verwerfungen auftraten, 
mittels Firstenbaues abgebaut Es musste daselbst ein Nachfall am 
Hangenden und das Liegende abgefangen werden, sodass ein Ausbau mit 
hangenden und liegenden Schalhölzern nebst einem Spitzenverzug am 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 



259 



Hängenden erforderlich wur3e. Beim Auftreten einer das Flötz durch- 
setzenden und um die volle Flötzmächtigkeit ins Liegende verwerfenden 
Störung, welche von den einzelnen Stössen der Reihe nach erreicht 
wurde, stellte man jedesmal von dem betreffenden Stosse aus einen 
zur Wetterführung und Fahrung sowie demnächst zum Hindurch- 
rutschen der Kohle und der Versatzberge ausreichenden Durchbruch nach 
dem jenseitigen Flötzsttlcke her, um in letzterem alsdann wieder zur vollen 
Stosshöhe aufzuhauen. Es gelang auf diese Weise, eine neue Vorrichtung 






Hrrmisherg 
rfr-seött 




Bfwneb^y 



a - Verbrochene Abbauslreckeiu 
Fig. in. 

Zeche Königin Elisabeth, Fl. Victoria. Firstenbauartiger Abbau einer ursprünglich 
zum Pfeilerbau mit Bergeversatz vorgerichteten Abteilung. 



des verworfenen Flötzstückes zu vermeiden und den Abbau ohne Unter- 
brechung und ohne Kohlenverluste zu Ende zu bringen. 

Auf derselben Grube hat man mit Firstenbau sogar auch Bau- 
abteilungen in dem 1,7 m mächtigen Flötze Victoria abgebaut, in welchem 
bereits Pfeilerbau mit Berge versatz nach der in Fig. 105b dargestellten 
Art betrieben worden war. Der letztere Bau musste aufgegeben 
werden, da die Abbaustrecken vollständig zusammenquollen und nicht 
offen gehalten werden konnten (Fig. 117). Der daraufhin unter ein- 
maliger Teilung der ca. 90 m betragenden Bauhöhe versuchte feld- 
wärts gehende Firstenbau gelang trotz der alten vollständig ver- 
brochenen Strecken gut. Letztere blieben unberührt und wurden nur alle 

17* 



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260 Abbau. 

5—10 m durchbrochen, um die zur Bewetterung und Fahrung sowie zur 
Durchlegung der Kohlenrutsche und zum Durchgange der Versatzberge 
erforderliche Verbindung der Stösse mit einander zu erhalten. 

In ungefähr derselben Weise wie auf der Zeche Königin Elisabeth 
wird der Firstenbau gewöhnlich auch auf den übrigen Gruben ausgeführt, 
jedoch oft mit geringeren Bauhöhen. So liefert Fig. 118a— d (Flötz 
No. 6 der Zeche Shamrock I/II) ein ähnliches Beispiel. Die Bauhöhe ist 
daselbst wegen des zu grossen Sohlenabstandes geteilt, sodass der Bau 
nicht über 50 m Höhe erhält. Der Versatz ruht unmittelbar auf der 
Zimmerung der unteren Sohlenstrecke, die Thürstöcke derselben sind noch 
durch einen Mittelstempel abgespreizt. Die obere Strecke ist nur in Flötz- 
mächtigkeit hergestellt und erhält, wie häufig beim Versatzbau, eine ver- 
stempelte Zimmerung, welche einer festen Sohle nicht bedarf. Wegen des 
gebrächen Liegenden wird in den Abbauräumen Stempelzimmerung mit 
Hegenden Schalhölzern angewandt. 

Auf der Zeche Holland*) wurde der Firstenbau anfänglich wie auf 
der Zeche Königin Elisabeth ausgeführt, indem man die ganze Bauhöhe 
von Sohle zu Sohle in einem Stücke in Angriff nahm. Obgleich man 
bei diesem Verfahren, wie bereits früher erwähnt, gute wirtschaftliche 
Erfolge erzielte, ist man in den letzten Jahren dennoch wegen der 
besprochenen Nachteile der grossen ungeteilten Bauhöhen und namentlich 
wegen der Schwierigkeit der Berieselung der Abbauräume wieder von 
demselben abgekommen. Man hat statt dessen in mehreren früher nicht 
gebauten 0,45—0,55 m mächtigen und mit 40 — 45® einfallenden Flötzen der 
Fettkohlengruppe einen mit eigenen Bergen des Flötzes betriebenen 
Strebbau mit firstenbauartigem Verhiebe der Strebstösse eingeführt, bei 
welchem den letzteren streichende Strecken in Abständen von 20 m nach- 
folgen. Jedoch dient nur die eine um die andere Strecke zur Förderung, 
während die dazwischen liegenden sogenannte blinde Strecken sind, d. h. 
lediglich zur Bergegewinnung getrieben werden. Die in den Strecken 
gewonnenen Berge werden jedesmal in dem Stossraume unterhalb der 
betreffenden Strecke versetzt und reichen, da die Strecken mit Absicht 
sehr geräumig hergestellt werden, zum vollständigen Versätze aus.**) 
Der Abbau nimmt auch hierbei seinen Ausgang von einem Ueber- 
hauen, welches jedoch, sofern das betreffende Flötz für sich allein abgebaut 
wird, als Rollloch zur Kohlenförderung von den Förderstrecken zur Sohle 
offen gehalten wird und dann auch ein Fahrtrum erhält. Handelt es sich 
um eine Flötzgruppe, so wird diese Rolllochsförderung durch die Anlage 

*) Glückauf 1899, Jahrg. XXXV No. 50 S. 997: Ueber den Abbau schmaler 
Flötze. 

•*) Diese Bauart entspricht vollkommen dem im Abschnitte »Streichender 
Strebbau« beschrie!)enfn Abbau des Fl. No. 9 der Zeche Prinz-Regent (Fig. 90). 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 

Flötzprofll. 



261 




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b. Untere Sohlenstrecke. 




c. Oberes Ort. 




d. Abbauraum. 



Fig. HS, 
Zeche Shamrock VW, Fl. 6. Firstenbau mit Teilsohlenbildung. 



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262 Abbau. 

eines gemeinschaftlichen Bremsberges bezw. Bremsschachtes mit quer- 
schlägiger Lösung der Flötze im Niveau der Förderstrecken ersetzt. Aus 
den Stossräumen zur nächst unteren Förderstrecke, also auf 40 m Höhe, 
wird wie beim Firstenbau mit einer Rutsche gefördert. 

Auch bei diesem Verfahren hat man gleich zu Anfang schon sehr 
befriedigende Erfolge erzielt, indem die Durchschnittsleistung aller in den 
betreffenden Abteilungen beschäftigten Arbeiter (Hauer, Zimmerhauer, 
Schlepper etc.) pro Mann und Schicht 1,59— -1,8 t betrug, und die Ge- 
stehungskosten sich zwischen 3,50—4,20 M. auf die Tonne bewegten bei 
einem Hauerdurchschnittslohn von 5,50 M. 

Auf der Zeche Kaiserstuhl I*), w^o man in den letzten Jahren zum 
Abbau schmaler Flötze mittels Firstenbau ^^übergegangen ist, sieht man von 
der Anwendung eines als Kohlenrutsche dienenden Verschlages gänzlich 
ab, lässt vielmehr die Kohle unmittelbar auf die Versatzböschung fallen 
und auf dieser hinabgleiten. Bei diesem Verfahren muss natürlich das 
Bergestürzen und die Kohlengewinnung vor demselben Firstenflügel 
abwechselnd zu getrennten Zeiten vorgenommen werden. Um gleichwohl 
eine ununterbrochene Kohlenförderung und ein regelmässiges Bergever- 
setzen zu erzielen, richtet man den Betrieb so ein, dass stets zwei benach- 
barte Firstenbaue gleichzeitig vorhanden sind, welche in der Kohlen- 
gewinnung und im Bergestürzen mit einander wechseln. Gewöhn- 
lich ermöglicht* man diesen Wechsel dadurch, dass man den Firstenbau 
von dem betreffenden Anfangsüberhauen aus zweiflügelig betreibt. Der 
Bau wird im übrigen folgendermassen ausgeführt: 

Man nimmt die ganze Höhe von Sohle zu Sohle in einem Stück in 
Angriff. Von dem die beiden Sohlen verbindenden Ueberhauen aus werden 
der Reihe nach beiderseits 3—4 m hohe Stösse mit einem ebenso grossen 
Abstände hinter einander angesetzt. Die zufolge der geringen Höhe der 
Stösse sich ergebende grosse Zahl derselben gestattet eine sehr starke 
Belegung des Baues und ist bezüglich der Bewetterung insofern glinstig, 
als der Wetterstrom die Firstenecken besser bespült und Schlagwetter- 
ansammlungen in denselben nicht leicht stattfinden können. Bis der Abbau 
die obere Sohle erreicht hat, dient das Ueberhauen als BergerolUoch und 
zur Abführung des Wetterstromes, wird jedoch dem Höherrücken des 
Abbaues entsprechend abgeworfen und versetzt (Fig. 119). 

Das Abkohlen der Stösse eines Flügels wird jedesmal eingestellt, so- 
bald sich dieselben etwa 6—8 m von der Versatzböschung entfernt haben. 
Die Kohlengewinnung wird alsdann in den anderen Flügel verlegt, in 
welchem inzwischen der Versatz wieder vorgebracht worden ist. Damit 
durch das unmittelbare Auffallen der Kohlen auf den Versatz möglichst 

*) Glückauf 1900, Jahrs:. XXXVI No.3 S. 51: »Einiges über den Firstenbau«. 



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a. Kap.: Abbau mit BergeverBatz. 



263 



wenig Kohle verloren geht, erhält der letztere jedesmal eine 1 — 2 m starke 
Deckschicht aus feinen Waschbergen. Dieselben setzen sich sehr dicht und 
erhalten nach kurzer Zeit durch das Auffallen und Hinabgleiten der Kohle, 
sowie durch die Fahrung der Mannschaft eine so glatte, feste Oberfläche, 
dass sich die Kohle gut davon trennt. Vor Beginn des Bergestürzens 
wird die Oberfläche des Versatzes durch Abkehren mit Besen von der 
noch darauf liegenden Kohle gereinigt, sowie der sich unten an die Ver- 
satzböschung anschliessende Ladetrichter vollständig entleert und entfernt. 
Hiernach wird der abgekohlte Raum anfänglich mit gewöhnlichen Gruben- 
bergen, zuletzt wieder in der angegebenen Stärke mit Waschbergen ver- 



ilSohh 




Fig. 119. 
Zeche Kaiserstuhl I, Flotz N (0,80 m Kohle). Firstenbau ohne Kohlenrutsche (Seigerriss). 



stürzt, derart, dass die Oberfläche des Versatzes schliesslich bis auf 1 m 
an die Kohlenstösse heranreicht. Der betrefi'ende Flügel ist dann wieder 
zum Abkühlen fertig.*) 

Dieses Verfahren hat sich auf der genannten Zeche beim Abbau 
mehrerer 0,43 — 0,80 m mächtiger und mit 75® einfallender Fettkohlenflötze 
als vorteilhafter erwiesen als die sonst übliche Anwendung eines Verschlages 
zum Auffangen der Kohle. Als wesentliche Uebelstände des Firstenbaues 
mit Rutsche werden daselbst angesehen die durch letztere verursachte 
Zerkleinerung der Kohle, die Staubbildung sowie die Kohlenverluste, welche 
durch die Undichtigkeiten des Verschlages und auch dadurch entstehen 
können, dass die niederfallenden Kohlenmassen denselben durchbrechen 
oder beschädigen. Diese Nachteile werden durch das Verfahren der Zeche 
Kaiserstuhl nach den daselbst gemachten Erfahrungen vermieden. Die 
Zerkleinerung und Staubentwicklung bleibt hierbei in massigen Grenzen, 

*) Dasselbe Verfahren wendet man u. a. heim Stossbau auf der Zeche Mans- 
feld an. Vgl. »Das Einbringen des Versatzes in den Stossraum«. 



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264 Abbau. 

da die Fallhöhe der Kohle nur gerinjr ist, die Kohle überhaupt auf eine 
weichere Unterlage fällt und zugleich der Wassergehalt der Waschberge 
den Bau hinreichend feucht erhält, um den entstehenden Kohlenstaub 
niederzuschlagen und eine künstliche Berieselung der Abbauräume ent- 
behrlich zu machen. Femer können keine erheblichen Kohlenverluste ent- 
stehen, da der Versatz stets unter Beobachtung der beschriebenen Vor- 
sichtsmassregeln eingebracht wird. Infolgedessen ist auch die Gefahr 
eines Grubenbrandes ausgeschlossen. Auf die nicht ganz zu vermeidende 
Verunreinigung der Kohle durch Waschberge legt man kein Gewicht, da 
die zur Verkokung bestimmte Kohle ohnehin gewaschen wird. Der 
Bau ermöglicht ausserdem, abgesehen von dem W^egfall der Kosten 
für Verschlage, ansehnliche Holzkostenersparnisse, da ein grosser Teil der 
Zimmerung wiedergewonnen werden kann. Das Rauben derselben ver- 
ursacht keine besonderen Schwierigkeiten und Gefahren, da der Versatz 
dem Kohlenstosse stets verhältnismässig nahe bleibt. Man raubt daher 
vor dem Beginne des Bergestürzens die dem Versätze am nächsten 
stehende Stempelreihe so weit als möglich und wiederholt dieses jedes- 
mal, wenn der Versatz um ein dem streichenden Stempelabstande ent- 
sprechendes Stück weiter vorgerückt ist. In dem 0,8 m mächtigen Flötze 
N hat man auf diese Weise bis Va ^^^ Zimmerung wiedergewinnen 
können. 

XI. Ausbau beim Abbau mit Bergeversatz. 

1. Vorbemerkungen. 

Bei der Beschreibung des Ausbaues von Strecken, Bremsbergen u. 
dergl. sowie bei der Besprechung der einzelnen Abbauarten des hiesigen 
Bezirkes sind bereits gelegentliche Bemerkungen über den Ausbau von 
Grubenbauen, welche im Bergeversatz stehen, gemacht worden. Im 
Nachstehenden sollen einige zusammenfassende und ergänzende Angaben 
hierüber folgen. 

Grundsätzliche Verschiedenheiten im Ausbau bei den verschiedenen 
Bergeversatzbauarten finden sich kaum. Auch entsprechen die beim 
Bergeversatzbau hierselbst angewandten Ausbauformen im wesentlichen 
denjenigen, welche bei Betrieben in anstehender Lagerstätte und beim 
Pfeilerabbau vorkommen. Von gewissem Einflu.sse ist jedoch der Um- 
stand, dass es sich bei den im Versätze stehenden Förder-, Fahr- und 
Wetterwegen um den Ausbau von Räumen handelt, welche teils fester 
Seitenstösse, teils einer festen Sohle oder Firste entbehren und welche 
wegen ihrer Lage im abgebauten Felde den durch den Abbau des be- 
treffenden Flülzes hervorgerufenen Gebirgsbewegungen mehr ausgesetzt 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 265 

sind als Baue in der anstehenden Lagerstätte. Hiermit hängen einige 
EigentümHchkeiten, welche sich beim Aushau derartiger Grubenhaue 
finden, zusammen. 

Eine Wiedergewinnung des Holzes ist im hiesigen Bezirke auch beim 
Bergeversatzbau nicht allgemein möglich und üblich. Vielmehr findet das 
Rauben der Zimmerung beim Vorbringen des Bergeversatzes je nach der 
Abbauart und den örtlichen Verhältnissen bald in grösserem, bald in ge- 
ringerem Umfange statt und unterbleibt in zahlreichen Fällen auch voll- 
ständig. Dementsprechend lässt sich auch bezüglich der Holzkosten kein 
allgemeines Urteil zu Gunsten oder Ungunsten des Bergeversatzbaues gegen- 
über dem Pfeilerbau fällen. 

2. Der Ausbau von Bremsbergen, Abhauen und schwebenden 
Strecken sowie von streichenden Strecken bei flachem und mittlerem 

Einfallen. 

Bei den im Versätze stehenden Bremsbergen, Abhauen und schweben- 
den Strecken, ebenso auch in mä.ssig geneigten Plötzen bei streichenden 
Streb- und Stossstrecken wird zunächst Sorgfalt auf die Sicherung der 




Fig. 120, 
Zeche Neu-Iserlohn I Fl. Ernestine. Ausbau der Strebstrecken. 



ausgehauenen Seitenstösse verwendet. Das gewöhnlichste Mittel hier- 
zu ist das Aufziehen trockener Bergemauern längs derselben, wozu man 
die gröberen Versatzberge benutzt. Der Stirn der Bergemauern 
in den streichenden Strecken giebt man in der Regel ähnlich dem Stempel- 
schlage zwischen Hangendem und Liegendem eine zum Flötzeinf allen an- 
nähernd normale Stellung (Fig. 120). Mit mehr als 0,5 m Stärke werden 
die Bergemauern selten aufgeführt; hinter denselben wird der Abbauraum 



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266 



Abbau. 



regellos mit den Ver.satzl)ergen verfüllt. Die Bergemauern am Ober- 
stosse streichender Strecken und an den Seitenstössen schwebender Baue 
sichert man gewöhnlich durch vorgeschlagene Stempel gegen das 
Abrutschen. 

Beim Mangel an Stückbergen, wie auch zur Verstärkung der Berge- 
mauem ersetzt man letztere teilweise durch kastenartige Holzpfeiler 
aus paarweise und der Flötzebene entsprechend über einander geschichteten 
Hölzern (Fig. 121.) Dieselben treten auch wohl an die Stelle von Berge- 
mauern am Oberstosse streichender Strecken, wenn das Einfallen 




Fig, 121, 
Zeche Unser Fritz Fl. K. Querschnitt eines Bremsberges. 



so zugenommen hat, dass eine gewöhnliche Bergemauer sich nicht gut 
mehr aufziehen lässt. Zu den Holzpfeilern verwendet man besonders 
das aus Abbauen und bei Streckenreparaturen wiedergewonnene, als 
Stempelholz nicht mehr brauchbare Altholz. Zur Erhöhung der Wider- 
standsfähigkeit werden die Holzpfeiler mit Bergen ausgefüllt. Das Ein- 
bauen solcher Holzpfeiler, welches bei flacher Lagerung keine Schwierig- 
keiten bietet, geschieht bei stärkerer Flötzneigung mit Hülfe dreier Paare 
von verlorenen Tragestempeln hi h^ ha, hinter welchen die einzelnen 
Hölzerpaare abwechselnd in streichender und schwebender Lage auf- 
geschichtet werden, bis das letzte Paar gelegt ist und somit der ganze 
Pfeiler gegen das Hangende verkeilt werden kann (Fig. 122 a u. b). 

Ausgedehnten Gebrauch macht man von den Holzpfeilem bei Abbau 
mit unvollständigem Versätze, wobei man dieselben auch wohl inmitten 
der Abbauräume verteilt. Ebenso sichert man ausschliesslich mit Holz- 
pfeilem zuweilen die Stösse in Hauptstrecken und Bremsbergen, welche 
für längere Standdauer berechnet sind. 

Die Bergemauern bezw. Holzpfeiler lässt man vielfach 0,5 — 1,00 m 
weit in die Stösse zurücktreten, damit beim Setzen des Hangenden und 



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a. Kap.: Abbau mit Bergevenatz. 



257 



dem infolgedessen leicht eintretenden Herausdrängen des Versatzes oder 
der Holzpfeiler aus den Stössen der freie Streckenquerschnitt nicht gleich 
^^ sehr verengt wird. Gewöhnlich wird auch der Streckenquerschnitt 




a. Seitenansicht 




b. Onindriss. 
Fig. 122, 

Einbauen der Holzpfeiler bei stärkerem Einfallen unter Anwendung 
verlorener Tragestempel (hi, ho, h.i). 

^Vi besonders und unabhängig von den die Stösse sichernden Berge- 

^Viem oder Holzpfeilem mit einer den Gebirgsverhältnissen entsprechenden 

^^merung versehen (s. z. B. Fig. 120 und 121). Der Spielraum zwischen 

^^^terer und den Stossmauern kommt überdies auch späterhin 



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Abbau. 

iie Unterbringung der Berge zu statten, welche bei Reparaturen in der 
ike und beim späteren Nacharbeiten der infolge der Gebirgssenkung auf- 
ollenen Streckensohle fallen. Jedoch ist der Grundsatz, die Strecken- 
lerung unabhängig von den längs der Streckenstösse aufgesetzten Berge- 
jrn und Holzpfeilern einzubauen, nicht allgemein durchgeführt, viel- 
■ treten letztere häufig auch bis unmittelbar an die Streckengeviere 
1 oder diese befinden sich im festen Verbände mit jenen. 

immerung in streichenden Strecken bei stärker geneigten Plötzen. 

Beim Bergeversatzbau in stärker einfallenden Plötzen tritt nicht selten 
?all ein, dass die Strecken zum Teil über einem abgebauten und noch 

bis zur Streckensohle verfüllten Räume herzustellen sind, oder dass 
ilben unterhalb des abgebauten und versetzten Raumes offen zu er- 
n sind, der Bergeversatz also über der Strecke abgefangen werden 
. Im ersteren Falle muss ein Streckenstück fahrbar hergestellt 
ausgebaut werden, ohne dass die Zimmerung und das Gestänge auf 
r Sohle fundamentiert werden kann (Stossbau, Strebbau mit Voran- 
mg der unteren Streben, obere Sohlenstrecke eines Firstenbaues bei 
hzeitig mit dem Abbau erfolgendem Vortriebe derselben), bezw. es 

eine vorhandene Streckenzimmerung, welcher die feste Sohle durch 
darunter stattfindenden Abbau entzogen wird, nebst dem Strecken- 
Inge in zuverlässiger Weise abgefangen werden (Pfeilerbau mit 
eversatz, Strebbau mit Voranstellung der oberen Streben, Firstenbau 
Vorhandensein der oberen Sohlenstrecke). Das Abfangen bezw. 
lamentieren des Streckenausbaues und des Fördergestänges über 
en Räumen geschieht durch Anwendung von eingebühnten bezw. gegen 
ilangende oder gegen die Streckenhölzer angetriebenen Tragestempeln 
nstempel, Dammstempel), welche gleichzeitig auch dem freien Ende der 
ängeschwellen Aufiage geben oder selbst unmittelbar als Schwellen 
m. In dem Masse, in welchem der Versatz unter solchen Strecken 
ur Höhe der Streckensohle aufgefüllt wird, kann das Gestänge nach- 
ich wieder in gewöhnlicher Weise auf der Sohle verlegt werden. 
Diele derartiger Streckenzimmerungen geben Fig. 109b und c, 
118c a. d. S. 245, 247, 261, ferner Fig. 1—9 auf Tafel XVII. Beim 
;bau mit Stössen von Streckenhöhe in steilen Plötzen pflegt man zu 
hem Zwecke die Streckengeviere des neuen Stossortes auf die Kappen 
jcviere des unteren Stossortes zu stellen. 

Das Abfangen des Bergeversatzes oberhalb der Strecken kommt 
tsächlich beim Strebbau und beim Firstenbau (untere Sohlenstrecke), 

auch bei gewissen Formen des Pfeilerbaues mit Versatz in Frage. 
)ei wird vielfach wiederum der oben bezüglich der streichenden 



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Die Entvickelons d. niederrhdn.-«! 



Tafel XVIL 




1. Zeche Shajche Dannenbaum I, Streckenzimmerung beim 

Fl. Sonil Strebbau in mächtigen Plötzen: a) Ausbau der 

2. Zeche Shi^ Strecke über dem offenen Strebstosse. b)Strecken- 

Fl. Dick Querschnitt im vollständig abgebauten und ver- 
b) bei c setzten Flötzteile. 

3. Zeche Shabhe Tremonia, Ausbau beim Strebbau im FL L. 



Fl. 5. a) 
4. Zeche Shan 



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Die Entwickelnng d. niederrheitu-westf. Stdnkohlen-Bergbmes. U. 



Tafel XVIII. 



Abfangen des Bergeversatzes. 








1. Zeche Shamrock, Zimmerung beim Firstenbau im Fl. No. 10. 

2. Zeche Hasenwinkel, Grundstrecke beim Strebbau im Fl. Samiel. 

3. Zeche Dannenbaum I, Grundstrecke beim Strebbau im Fl. 32. 

4. Zeche Kölner Bergwerksverein, Schacht Anna, Zimmerung beim Strebbau 

Fl. No. 5. 

5. Zeche Dannenbaum I, Grundstrecke beim Strebbau im Fl. 31.)igitized by 



im 



^^üogle 



2. Kap.: Abbau mit Berge versatz. 269 

Strecken im flachen Gebirge sowie bezüglich der Bremsberge und 
schwebenden Strecken erwähnte Grundsatz befolgt, dass man die Strecken- 
geviere unabhängig von dem Bergeversatze einbaut. Man lässt demgemäss 
den Versatz nicht unmittelbar auf der eigentlichen Streckenzimmerung 
aufruhen, sondern fängt denselben mittels einer 0,5—1 m über der Strecken- 
firste geschlagenen und mit Langhölzern abgedeckten Stempelreihe (Firsten- 
kasten) für sich besonders ab. Der frei bleibende Raum zwischen den 
Kappen der Streckengeviere und dem Firstenkasten bietet den Vor- 
teil, dass der Verengung des freien Querschnittes beim Hinausdrängen 
des Versatzes sowie beim Unterbauen neuer Stempel einigermassen vorge- 
beugt wird, und ermöglicht ausserdem das Auswechseln der Strecken- 
zimmerung, ohne dass der Versatz dabei jedesmal von neuem abgefangen 
werden muss (vergl. z. B. Fig. 5 u. 7 auf Tafel XVII sowie Fig. 1—5 auf 
Tafel XVIII). 

Bisweilen sieht man allerdings auch bei stärkerer Flötzneigung von 
einem gesonderten Abfangen des Versatzes am Oberstosse bezw. über der 
Fairste der Strecken ab und lässt denselben unmittelbar auf dem Strecken- 
ausbau ruhen. Dies geschieht namentlich beim Strebbau in mächtigeren 
Flötzen, teils um die Kosten für einen besonderen Firstenkasten zu ersparen, 
teils aus dem Grunde, weil die Streckenquerschnitte so geräumig ausfallen, 
dass dieselben eine nachträgliche Verengung ertragen können. Beispiele 
hierfür liefern die unten noch näher besprochenen Figuren 8 auf Tafel XVII 
und 123. 

Auch beim Strebbau in Flötzen von geringer Mächtigkeit lässt man 
den Versatz mitunter unmittelbar auf der Streckenzimmerung ruhen, weil 
hier in Rücksicht auf die zu erwartenden Gebirgsbewegungen und auf die 
infolge derselben eintretenden Querschnitts Verengungen oder in der Ab- 
sicht eine grössere Menge Versatzberge für die Strebstösse zu gewinnen, 
die Streckenquerschnitte oft ebenfalls von vornherein sehr geräumig ge- 
nommen werden. 

4. Mittel zur Entlastung der Zimmerung vom Gebirgsdruck. 

Den Abbauwirkungen, welchen die Zimmerung in Strecken und Ab- 
baustössen beim Berge versatzbau ausgesetzt ist, trägt man auch noch 
insofern Rechnung, als man häufig besondere Vorkehrungen trifft, um ein 
vorzeitiges Brechen des Holzes unter dem durch den Abbau erzeugten 
Drucke des Hangenden und der Streckenstösse zu verhüten, den Ausbau 
im Ganzen möglichst zu entlasten und den Druck in der Hauptsache von 
dem Bergeversatze aufnehmen zu lassen. Zu diesem Zwecke richtet man 
die Zimmerung so ein, dass dieselbe den ersten und lebhaftesten Gebirgs- 
i)ewegungen keinen starren Widerstand entgegensetzt, sondern dem 



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270 Abbau. 

Drucke bis zu einem gewissen Grade nachgeben kann, ohne zum 
Brechen zu kommen. Die Folge hiervon ist, dass der Druck sich von 
Anfang an mehr im ganzen auf den Versatz legt und diesen dicht zu- 
sammenpresst. In dem Masse, in welchem die Gebirgsbewegungen fort- 
schreiten und der Ausbau die Grenze seiner Nachgiebigkeit erreicht, nimmt 
der Widerstand des verdichteten Versatzes zu, sodass der Ausbau auf die 
Dauer nur einen geringen Teil des Widerstandes gegen den Gebirgsdruck 
zu leisten hat. 

Die Mittel zur Erreichung des vorstehend angegebenen Zieles sind je 
nach den Verhältnissen und Gewohnheiten verschiedener Art. 

So bühnt man z. B. die Firstenkastenstempel, auf welchen der Ver- 
satz über den Strecken beim Streb- oder Firstenbau ruhen soll, im 
Hangenden und Liegenden mit Spielraum ein, sodass dieselben von dem 
durch die erste Annäherung des Hangenden an das Liegende hervorge- 
rufenen Drucke nicht beeinflusst werden können. Sehr verbreitet ist aus 
demselben Grunde die Anwendung möglichst dicker Kopfhölzer (An- 
pfähle) aus weichem, dem Drucke nachgebenden , Nadelholze. Auch dieses 
Verfahren eignet sich besonders für steile Lagerung. Einerseits gestattet 
dasselbe, die Stempel so fest anzutreiben, dass dieselben einen zuverlässigen 
Halt bei der Fahrung und Arbeit vor den Stössen bieten bezw. dass sie 
den Versatz sicher tragen können, andererseits kann der Stempel auf diese 
Weise unter dem eintretenden Gebirgsdrucke erst zum Brechen kommen, 
nachdem sein Anpfahl auf das äusserste Mass zusammengepresst ist. 
Inzwischen ist jedoch auch der Bergeversatz wieder entsprechend ver- 
dichtet worden, sodass dieser nunmehr den Druck des Hangenden grössten- 
teils aufnimmt und die Stempel weiter entlastet. Zu demselben Zwecke 
wendet man auch Fusshölzer von gleicher Beschaffenheit an. 

Die mehr auf Säulenfestigkeit beanspruchten Stempel in flacherem 
Gebirge sowie die Beine von Thürstöcken bei Firstendruck spitzt 
man in derselben Absicht auch wohl an dem im Gestein oder auf 
dem Versätze stehenden unteren Ende mehr oder weniger scharf zu. Das 
letztere staucht sich alsdann beim Eintreten stärkerer Belastung zusammen 
oder es drückt sich tiefer in die Sohle ein; in beiden Fällen wird dadurch 
ein Bruch in der Mitte, wie derselbe sonst gewöhnlich erfolgt, verhütet bezw. 
länger hinausgeschoben. Ein solcher zugeschärfter Stempel gestattet auch 
unter Umständen gleichzeitig eine seitliche Verschiebung des Fusses um 
ein gewisses Mass und wird zu diesem Zwecke dann gewöhnlich ohne 
Bühnloch auf das Liegende bezw. die Sohle gestellt. In dieser Weise 
richtet man mitunter auch die Stempel am Oberstosse bei Schalholz- 
zimmerung (sog. Strangstempel) in Stossbauen ein, damit dieselben gleich- 
zeitig dem Drucke des Hangenden und des Kohlenstosses in etwa nach- 
geben können. 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeversatz. 271 

Zu den Mitteln, welche die Nachgiebigkeit des Streckenausbaues 
gegen die ersten und lebhaftesten Gebirgsbewegungen behufs Erhaltung 
desselben auf längere Dauer bezwecken, gehört auch das nachträgliche 
Einschneiden oder Anhauen der Streckenhölzer, wodurch der Bruch der- 
selben künstlich auf eine dem freien Streckenquerschnitte möglichst wenig 
nachteilige Stelle des Gevieres verlegt und letzteres im ganzen entlastet 
wird. Dies lässt sich namentlich in mächtigeren Plötzen gut ausführen, 
da hier beim Abbau der Stösse der zur Strecke bestimmte Raum oft zu- 
nächst in voller Flötzmächtigkeit mit entsprechend langem Holze ver- 
zimmert werden muss, während der endgültige, mit der Nachführung des 
Bergeversatzes verbleibende freie Streckenquerschnitt nur einen Teil der 
Flötzmächtigkeit beansprucht. Die im Versätze steckenden Enden der 
langen Hölzer können daher nachträglich zum Abbrechen gebracht werden 
(siehe Fig. 8 b auf Tafel XVII). 

5. Nähere Beschreibung einiger Fälle, 

Eine nähere Beschreibung aller den Ausbau betreffenden Figuren 
dürfte sich nach vorstehenden allgemeinen Angaben erübrigen. Nur be- 
züglich der Figuren 63, 8a u. b. auf Tafel XVII und 123a— c erscheint 
eine eingehendere Erläuterung angebracht. 

Die Figur 63 a. S. 177 betrifft den beim streichenden Stossbau er- 
wähnten Abbau des Flötzes No. 5 der Zeche Shamrock III/IV. Die 
Stösse werden daselbst wegen der grossen Mächtigkeit und des brüchigen 
Hangenden durch abfallenden Verhieb in jedesmal 2 m breiten Streifen ge- 
wonnen, wobei das neue Ort oberhalb des Stosses entsprechend vorgetrieben 
wird. Beim Ausbau des Ortes verfährt man folgendermassen: Der mit 
der Kappe des Streckengevieres verblattete Stempel am Oberstosse 
(Strangstempel) erhält eine solche Neigung, dass er mit der Kappe einen 
ziemlich stumpfen Winkel bildet. Am Fusse wird dieser Stempel auf 
etwa 0,3 m zugeschärft und ohne Bühnloch auf das Liegende gestellt. 
Der Stempel am Unterstosse wird, nachdem die Bergemauer daselbst bis 
unter das Hangende aufgeführt ist und das überstehende Ende der Kappe 
auf derselben Auflage gefunden hat, in Höhe der aufgefüllten Strecken- 
sohle durchgehauen. Das Gevier vermag nunmehr der sich zufolge der 
grossen Flötzmächtigkeit einstellenden starken Senkung des Hangenden 
und dem aus derselben Ursache erfolgenden Hinausdrängen des oberen 
Kohlenstosses in beträchtlichem Masse nachzugeben, ohne innerhalb des 
freien Streckenquerschnittes zu brechen. Der obere Stempel wird durch 
die Senkung des Hangenden und den Druck des Oberstosses allmählich in 
eine mehr rechtwinklige Lage zur Falllinie des Flötzes gebracht und da- 
bei verkürzt, was möglich ist, da das zugeschärfte Ende sich zusammen- 



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272 Abbau. 

stauchen und auf dem Liegenden abwärts gleiten kann. Ebenso hat das 
Durchhauen des unteren Stempels zur Folge, dass der starre Widerstand 
gegen die Senkung des Hangenden und der Kappe auch hier behoben 
wird. 

Fig. 63 erläutert den Ausbau der Stösse. Wegen der grossen 
Mächtigkeit des Flötzes und da das Hangende aus gebrächem Schieferthon 
besteht, ist ein ständiges Abfangen (Pfänden) des letzteren in dem Stoss- 
raume bis unmittelbar vor den Kohlenstoss erforderlich. Das Verfahren 
beim Ausbau des Stossraumes mit sog. Pfändung des Hangenden gestaltet 
sich in Anpassung an den zur Anwendung kommenden abfallenden Ver- 
hieb des Stosses folgendermassen : 

In streichenden Abständen von etwa 1,8 m werden Reihen von Schal- 
holzge vieren, bestehend aus je einem schwebend gelegten 2,2 m langen 
Schalholze am Hauenden und 2 auf dem Liegenden eingebühnten Stempeln 
eingebaut. Die einzelnen Schalholzgeviere einer solchen schwebenden 
Reihe werden entsprechend dem in abfallender Richtung erfolgenden 
Verhiebe des Kohlenstosses nach einander von oben*nach unten eingebaut 
und zwar jedesmal dicht vor dem schwebend liegenden Seitenstosse des 
betreffenden im Verhiebe befindlichen Abschnittes, sobald der letztere 
wieder um eine Schalhoklänge tiefer gerückt ist. Damit nun das Hangende 
über dem Arbeitsraume des betreffenden Abschnittes jederzeit gesichert 
ist, werden jedesmal über der letzten Reihe der schwebend liegenden 
Schalhölzer noch solche von 2 m Länge nach Art von Getriebepfählen 
angesteckt und in streichender Richtung bis an den Kohlenstoss vor- 
getrieben. Für die freien Enden dieser streichenden Schalhölzer stellt 
man kleine Brüste oder Bühnlöcher in der Kohle unter dem Hangenden 
her, welche mit dem Fortschreiten des Abbaues und dem Weitervortreiben 
der Hölzer erneuert werden, bis die letzteren auf ihre ganze, der Breite 
des Abschnittes entsprechende Länge von 2 m abgetrieben sind und die 
Bühnlöcher in den vorläufig unberührt bleibenden seitlichen Kohlenstoss 
zu liegen kommen. Die an letzterem demnächst, wie oben angegeben, 
der Reihe nach zum Einbau gelangenden schwebenden Schalholzgeviere 
fangen schliesslich die streichenden Schalhölzer an dem freien Ende end- 
gültig ab, sodass das Hangende über dem Arbeitsraume immer bis auf 
einen sehr geringen Teil vollständig mit Ausbau und Verzug verwahrt ist. 

Die Figuren 8 a u. b auf Tafel XVII stellen das Verfahren beim Ausbau 
von Strebstrecken in einem steil stehenden Flötze von grösserer Mächtig- 
keit dar, wie dasselbe z. B. auf der Zeche Dannenbaum stellenweise vor- 
gekommen ist. Es handelt sich um einen Strebbau mit Vorausstellung der 
unteren Streben gegen die oberen. Jeder Strebstoss nimmt die nächst höhere 
Strecke gleich mit und wird dementsprechend im oberen Teile mit dem 
Streckenausbau nach Fig. 8a versehen, welcher durch die Verstempelung 



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2. Kap.: Abbau mit Bergeyersatz. 273 

gehalten wird. Der höher liegende Strebstoss, für welchen die Strecke 
a als Kohlenförderstrecke dient, steht mit seinem Stosse noch zurück, 
jedoch muss das Fördergestänge dieser Strecke, um die Versatzberge in 
den unteren Strebraum hineinstürzen zu können, ständig über den Kohlen- 
stoss des oberen Strebes hinaus verlängert und in seinem letzten Ende 
über den offenen unteren Strebraum geführt werden. Infolgedessen muss 
das letzte Gestängestück, auf welchem das Entleeren der Bergewagen 
stattfindet und welches zu diesem Zwecke gewöhnlich aus stärkeren 
Schienen besteht, frei auf dem Streckenholze verlagert werden (Fig. 8 a). 

In dem Masse, in welchem der Versatz des unteren Strebraumes bis 
zur Sohle der Strecke aufgefüllt wird, kann auf der letzteren unmittelbar 
das gewöhnliche Streckengestänge verlängert werden, während das zum 
Bergestürzen dienende Gestängestück weiter vorgerückt wird. Gleich- 
zeitig erfährt auch der Streckenausbau eine Aenderung durch das Vor- 
rücken des Abbaues des oberen Strebstosses. Man schlägt nämlich Mittel- 
stempel unter die Kappen der Streckengeviere und schneidet das ausser- 
halb des freibleibenden Strecken Querschnittes befindliche Ende der Kappen 
kurz hinter dem Mittelstempel bei i ein (Fig. 8 b). Die Streckengeviere 
werden hierdurch von dem Drucke des sich setzenden Hangenden und 
des Versatzes entlastet, da die Kappe an der bezeichneten Stelle zum 
Bruche kommt und der unmittelbar auf den Kappen ruhende Versatz in den 
Raum am Liegenden der Strecke hinter den Mittelstempeln gelangen kann. 
Letztere erhalten einen Verzug, um das Austreten der Berge zur Seite in 
die Strecke zu verhindern. 

Die Strebräume sind in dem dargestellten Falle durch einfache 
Stempel mit dicken Kopf- und Fusshölzem aus weichem Holze verzimmert 
worden. 

Dem oben beschriebenen Ausbauverfahren beim Stossbau im Flötze 5 
der Zeche Shamrock III/IV ist in gewisser Hinsicht das in Fig. 123a- c 
dargestellte Verfahren heim Strebbau in dem Flötze 12 der Zeche Conso- 
lidation III/IV ähnlich*). Genanntes, der Gaskohlengruppe angehörendes 
Flötz besteht, wie Fig. 123a zeigt, aus 3 Packen Gaskohle und einem Packen 
Cannel-Kohle. Zwischen den beiden obersten Gaskohlenpacken ist ein 
Bergmittel eingelagert. Die ganze FJötzmächtigkeit beträgt durchschnittlich 
2,5 m, das Einfallen 35 — 40^. Das Hangende ist sehr gebräch. Die Streben 
werden ca. 16 m hoch genommen und die unteren stehen gegen die oberen 
jedesmal etwa 15 m im Felde voraus. Die einzelnen Strebstösse werden 
in schwebenden Al3schnitten von 1,5 m Breite zum Verhieb gebracht und 
zwar sind stets zwei derartige schwebende Abschnitte in kurzem Abstände 
hinter einander gleichzeitig im Betrieb. In denselben wird zunächst die 



♦) Z. f. B. H. u. S. W. 1898, Bd. LXVI B. S. 110. 
Sammelwerk. II. ] g 



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274 



Abbau. 



hangende Gaskohlenbank auf eine flache Höhe von jedesmal 2 m 
hereingewonnen und das Hangende alsbald durch streichend liegende 
Schalhölzer verpfändet, welche wiederum, wie in dem oben genannten 
Falle, auf den schwebenden Schalhölzern der dicht am Stosse des vorher- 
gehenden Abschnittes gesetzten Schalholzgeviere von der Seite her an- 





a. Flötzprofil. 



b. Qnindriss. 




c. Ausbau der Strebstrecken. 



FUf. 123. 
Zeche Consolidation, Fl. 12. Strebbau mit bankweisem Verhieb. 



gesteckt und bis in den seitlichen Kohlenstoss vorgetrieben werden 
(Fig. 123b). Auf die freigelegte flache Höhe wird sodann das Bergemittel 
abgedeckt und demnächst nach einander die mittlere Gaskohlenbank, der 
Cannel-Kohlenpacken und der liegende Gaskohlenpacken getrennt ge- 
wonnen und gefördert. Sodann schreitet die Gewinnung wieder um 2 m 
flache Höhe in gleicher Weise fort. Die eingebühnten Enden der streichenden 
Getriebehölzer werden schliesslich mit dem Aufrücken des Verhiebes durch 



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a. Kap^ Abbau mit Bergeversatx. 275 

Unterbauen einer neuen Reihe von Schalholzgevieren aus schwebend lie- 
genden Schalhölzern und je 2 Stempeln von einer der Flötzmächtigkeit 
entsprechenden Länge, welche dicht am Seitenstosse gesetzt werden, ab- 
gefangen. Hinter der letzten freien Stempelreihe nach dem abgebauten 
Räume hin wird jedesmal ein Verschlag aus Sackleinwand zum Zurück- 
halten der Versatzberge befestigt. 

Die Figur 123 c erläutert das Verfahren beim Ausbau der Strebstrecken. 
Der Bergeversatz ruht unmittelbar auf dem Firstenstempel a, welcher mit 
dem oberen Ende etwas über die Normale zum Flötzeinfallen überhängt 
und auf dem Liegenden uneingebühnt steht. Mit dem Firstenstempel ist 
das unter das Hangende gelegte Schalholz b verblattet, welches unten 
durch einen Dammstempel c gehalten wird. Beim Setzen des Gebirges, 
womit zugleich ein Abschieben des Hangenden in der Fallrichtung ver- 
bunden ist, werden Firstenstempel und Schalholz in dem Masse, wie sich 
dieselben in die punktiert gezeichnete Lage verschieben, durch eine Reihe 
von nach und nach vorgeschlagenen Bockstempeln d d unterfangen, welche 
den Druck aufnehmen. Bei der grossen Strecken weite, welche von 
Anfang an durch die grosse Flötzmächtigkeit gegeben ist, bleibt trotz 
der allmählich infolge der Senkung der Streckengeviere und des Vor- 
schlagens neuer Bockstempel eintretenden Verengung des freien Strecken- 
querschnittes noch ein als Förderbahn ausreichender Raum frei, um 
den Abbau bis zu der auf genannter Zeche üblichen Flügellänge von 
250 m fortführen zu können. Die Holzkosten sollen sich in dem dar- 
gestellten Falle auf weniger als 0,8 M. für die Tonne gewonnener Kohle 
belaufen. 

XII. Die Bergewirtschaft beim Abbau mit Versatz. 

Soweit die beim Berge versatzbau erforderlichen Berge an den Ver- 
satzpunkten unmittelbar aus Bergmitteln und vom Nachfall des Flötzes, 
sowie durch die Streckenherstellung gewonnen werden, bleibt der Ab- 
bau mit Bergeversatz ohne besonderen Einfluss ^uf die übrige Gruben- 
wirtschaft. Wie jedoch bereits im geschichtlichen Abschnitt hervorgehoben 
wurde, ist der Bergeversatzbau im Ruhrkohlenbezirke wesentlich auf die 
Verwendung fremder, d. h. nicht am Versatzpunkte unmittelbar mitgewon- 
nener Berge angewiesen, welche sich aus den bei den verschiedenen Ge- 
steins- und Reparaturarbeiten fallenden Grubenbergen, aus Halden-, Klaub- 
und Waschbergen vom Tage, auf einzelnen Gruben (ver. Sälzer und Neu- 
ack, Deutscher Kaiser, Shamrock III/IV) zum Teil auch aus Hüttenschlacken, 
aus Bauschutt oder sonstigen Abfuhrstoffen zusammensetzen. Auf den in 
grösserem Umfange mit Bergeversatz bauenden Gruben spielt daher die 
Bergewirtschaft eine wichtige, den Förderbetrieb und die Selbstkosten 

18* 



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276 



Abbau. 



stark beeinflussende Rolle. Nachstehend sollen einige Angaben über die 
Mengenverhältnisse der zum Versatz gelangenden Berge folgen und im 
Anschlüsse hieran die Verfahren bei der Förderung der Berge von den 
verschiedenen Ursprungsorten nach den Versatzpunkten besprochen, sowie 
der Kosten der Berge Wirtschaft berührt werden. 

1. Die zum Versatz kommenden Bergemengen. 

Ueber die Mengen der auf den einzelnen Gruben zum Versatz 
kommenden fremden Berge giebt die das Jahr 1898 betreffende statistische 
Zusammenstellung auf S. 315 ff. einigen Aufschluss. 

Es sei bemerkt, dass diese Zusammenstellung bei der Schwierigkeit der 
Erhebung einer derartigen Statistik nach keiner Richtung hin einen An- 
spruch auf absolute Genauigkeit machen kann. Bezüglich der Zahlen über 
die auf den einzelnen Gruben zum Versätze kommenden Bergemengen gilt 
dies insbesondere, da nur wenige Gruben genaue Nachweise hierüber 
führen, die Verhältnisse fortwährend wechseln und ausserdem die Beladung 
der Bergewagen eine sehr verschiedene ist. Vielfach werden dieselben 
aus Gründen der Förderung nur zu einem Teile ihres Rauminhaltes gefüllt. 
Ein anderes Mass als die Anzahl der Bergewagen konnte für die Aufnahme 
der Statistik jedoch überhaupt nicht gewählt werden. Die Zählung ergiebt 
zusammengefasst folgendes Bild: 



1 

, Anzahl der tifi^idi den 






1 Versatzbauen zu|:eförderten 


1 Zahl der Gruben i 


Bergewagen 






bis 100 


34 


.111=75% 


100—200 


43 


200— 300 


34 


300— 400 
400— 500 


12 
9 j 


[ 21=14% 


500- 600 


3 




600- 700 


4 




700-800 


3 




800- 900 


3 




900-1000 
1000—1100 


1 
1 


16 = 11% 


1100-1200 


— 




1200-1300 


— 


1 


1300-1400 


— 




1400-1500 


' 1 

1 




Summe tXglich 40105 


148 





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a. Kap.: Abbau mit Bergerenate. 277 

Hiernach belief sich auf dem bei weitem gfrössten Teile der Gruben 
— auf 111 von 148, d. i. auf 75% derselben — die Anzahl der täglich in 
die Abbaue zu fördernden Bergewagen auf weniger als 300. 

Zwischen 300 und 500 Wagen täglich wurden auf 21 Gruben ent- 
sprechend 14% derselben versetzt. Eine Menge von 500 Wagen und dar- 
über versetzten folgende 16 Gruben (11%): 

Helene Amalie, Seh. Amalie 500 

Massener Tiefbau I 500 

Courl 550 

Helene Amalie, Seh. Helene . . 600 

Hibemia 650 

Shamrock III/IV 650 

Minister Stein 700 

Hansa 760 

ver. Sälzer u. Neuack .... 800 

Königsborn II 800 

Consolidation III/IV 825 

Centrum I/IH 870 

Consolidation II 900 

I/VI 950 

Mansfeld 1050 

Shamrock I/II 1450 

Zusammen wurden nach der Statistik auf den 148 Gruben, welche 
überhaupt mit Bergeversatz bauten, täglich rund 40100 Förderwagenladungen 
von ca. 0,5 cbm Rauminhalt, also rund 20000 Raummeter Bergehaufwerk 
versetzt, abgesehen von den in den Versatzbauen selbst gewonnenen 
Bergemengen, welche sich der Berechnung vollständig entziehen. Die 
Jahresmenge der beim Bergeversatzbau zur Verwendung gelangenden 
fremden Versatzberge würde sich für jene 148 Gruben demnach auf 
600000 Raummeter Haufwerk stellen, sodass bei der durch Bergeversatzbau 
gewonnenen Kohlenmenge von rund 19665600 t auf 1 t ca. 0,3 Raum- 
meter Bergeversatz aus zugeförderten Bergen entfallen. Wenn der 
Rauminhalt von 1 t im Klotze anstehender Kohle bei Annahme eines 
spezifischen Gewichtes derselben von 1,2 etwa 0,8 cbm beträgt, so würden 
hiernach auf je 0,8 cbm durch den Aushieb der Kohle hergestellten Hohl- 
raum 0,30 cbm durch fremde Berge versetzter Hohlraum entfallen, es 
würden also die zugeftirderten Berge ausreichen, um ca. 38% des beim 
Versatzbau ausgehauenen Kohlenraumes wieder auszufüllen. 

Bei der Würdigung des vorstehenden Rechnungsergebnisses sind 
ausser der Unsicherheit der statistischen Unterlagen noch folgende 
Umstände zu berücksichtigen: Einmal sind in der der Rechnung zu Grunde 



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278 Abbau. 

gelegten Kohlenmenge auch diejenigen Mengen einbegriffen, bei welchen 
der Versatz ausschliesslich aus den an den Versatzorten selbst fallenden 
Bergen gebildet wurde. In zahlreichen Fällen mit hohen Förderziffern 
bilden die letzteren Berge femer den bei weitem grössten Teil des Ver- 
satzes, insbesondere bei flacher Lagerung, während die zugeförderte Berge- 
menge nur gering ist (s. bes. Gruben des Bergreviers Recklinghausen). 
Das berechnete Verhältnis bezieht sich sodann auf den ganzen Rauminhalt 
des Flötzkörpers, während der ausgehauene Flötzraum sehr häufig unvoll- 
ständig versetzt wird, sei es dass zufolge der Natur der Abbauart Strecken 
im Versätze offen bleiben (Strebbau), sei es dass die Ausfüllung der ab- 
gebauten Räume im übrigen eine unvollkommene ist, wie dies meistens bei 
flacher Lagerung zutrifft. Unter diesen Umständen erscheint der berech- 
nete Anteil der zugeförderten Berge an der Ausfüllung der durch den Ab- 
bau hergestellten Hohlräume verhältnismässig gering. 

2. Verfahren bei der Förderung der Berge zu den Versatzstellen. 

Dem Umstand, dass in der Mehrzahl der Fälle bei ausgedehntem Ver- 
satzbau die Bergemengen den verschiedensten Ursprungsorten teils unter 
Tage, teils über Tage entstammen und dass die Bewegung dieser Massen 
sich nach den verschiedenen örtlichen Verhältnissen richten muss, ist es 
zuzuschreiben, dass das Verfahren bei der Bergeförderung weder aus- 
schliesslich von der Abbauart abhängig gemacht werden kann, noch auch 
überhaupt die einheitliche Durchführung eines bestimmten Verfahrens 
sich auf der Mehrzahl der Gruben findet. Vielmehr werden in der Regel 
auf derselben Grube verschiedene Wege neben einander eingeschlagen, 
um die Berge zum Versatzorte zu schaffen. Im allgemeinen kommen 
folgende Fälle vor: 

1. Die Versatzberge für eine bestimmte, zwischen zwei Sohlen aus- 
gerichtete Bauabteilung werden auf der für letztere als Wettersohle 
dienenden oberen Sohle zu Felde gefördert und sodann innerhalb der be- 
treffenden Bauabteilung durch abwärtsgehende Förderung (Bremsberge, 
bezw. Bremsschächte, Bergerolllöcher) bis auf das Versatzniveau hinab- 
gelassen. 

2. Unter denselben Voraussetzungen bezüglich der Ausrichtung werden 
die Berge auf der Bau so hie selbst zu Felde geschafft und innerhalb der 
betreffenden Bauabteilung aufwärts zum Versatzniveau gefördert. 

Bisweilen werden die Berge in diesem Falle auch nicht unmittelbar 
zum Versatzniveau, sondern zunächst in einem besonderen Bremsberge 
bezw. Bremsschachte wieder bis zur Wettersohle hochgezogen, auf dieser 
verteilt und sodann in den einzelnen Bauabteilungen zum Versatzniveau 
abgebremst bezw. hinabgestürzt 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeyenatz. 279 

3. Bei Unterwerksbau werden die Berge auf der Fördersohle, 
unter welcher derselbe betrieben wird, ins Feld gebracht und in dem 
Unterwerksbau abwärts gefördert. 

Auf den meisten Gruben finden sich zwei dieser Fälle oder auch alle 
drei vertreten, wie die statistische Zusammenstellung im Anhange näher 
erkennen lässt. Hiernach kam der erste Fall im Jahre 1898 auf 148 mit 
Bergeversatz bauenden Gruben 100 mal, also auf ca. 67% dieser Gruben 
vor, der zweite 118 mal, also auf ca. 80 7o der Gruben und der dritte 54 mal 
oder bei 36 % der Gruben. Das Zufeldefördern der Berge auf der Bau- 
sohle verbunden mit dem Aufwärtsfördern derselben innerhalb der Bau- 
abteilungen auf die eine oder andere Weise ist hiernach am meisten ge- 
bräuchlich. 

3. Das Zufeldefördern der Berge auf der Wettersohle. 

Die Zuführung der für einen Versatzbau bestimmten Berge über die 
obereSohle geschieht teils, weil die betreffenden Berge von Gesteins- und 
Reparaturarbeiten auf oder über der letzteren stammen, zum Teil werden 
aber auch die auf der Bausohle gewonnenen Berge über die Wettersohle 
den Versatzbauen zugeführt, weil innerhalb der einzelnen Bauabteilungen 
der letzteren keine ausreichenden Einrichtungen zum Aufwärtsfördern der 
Berge bestehen, vielmehr im wesentlichen nur die Schachtförderung zum 
Hochziehen der Berge zur Verfügung steht. Sehr erschwert wird das 
Zufeldefördern der Berge auf der Wettersohle häutig durch das starke 
Ansteigen, mit welchem die älteren Sohlen meist aufgefahren worden 
sind, durch zu geringe Weite der älteren Wettersohlenstrecken und die 
Einwirkung des Abbaues auf dieselben. Die Leistung bei der Berge- 
förderung ist daher unter solchen Verhältnissen oft nur eine sehr geringe. 
Während für gewöhnlich bei der Pferdeförderung im hiesigen Be- 
zirke ein Pferdezug aus ca. 10 — 12 Wagen besteht, vermag alsdann 
ein Pferd oft nur 3—5 Bergewagen zu Felde zu ziehen. Vielfach 
werden aus diesem Grunde nur diejenigen Berge auf der oberen Sohle 
ins Feld gefördert, welche auf und über derselben fallen. Zu diesem 
Uebelstande, der mit dem Zufeldefördern der Berge auf der Wettersohle 
an und für sich verknüpft ist, kommt auf mancher älteren Grube, welche 
nur einen Förderschacht mit einer einzigen Fördereinrichtung besitzt, 
noch der weitere Nachteil, dass die Bergeförderung im Schachte von der 
Bausohle bezw. vom Tage zur Wettersohle entweder die Leistung des 
Schachtes bei der Kohlenförderung schädigt, wenn die Berge während der 
Hauptschicht auf der Wettersohle abgezogen werden müssen, oder dass 
die Bergewirtschaft im ganzen erschwert wird und die Kosten 
derselben erhöht werden, wenn die Bergeförderung im Schachte in be- 



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280 Abbau. 

sonderer Schicht erfolgen muss. Denn das Aufsparen der Bergeförderung 
für die Mittag- oder Nachtschicht erfordert ein Ansammeln der in der 
Hauptschicht mit den Kohlenzügen auf der Bausohle zum Schachte 
kommenden Bergewagen während der Schichtdauer in der Nähe des 
Schachtes, auf dem Füllorte, in einer Strecke oder in einem dritten Gleise 
des Schachtquerschlages. Abgesehen von den Hindernissen, welche das 
Ausrangieren und Ansammeln der Bergewagen für den flotten Umgang 
der Förderung und für die Mannschaftsfahrung bieten, erfordert dieses 
Verfahren die Beschaffung eines grossen Wagenparkes, da stets eine ver- 
hältnismässig erhebliche Anzahl von Förderwagen dem Umlaufe entzogen 
ist. Bei Mangel an geeignetem Platze für das Ausrangieren und An- 
sammeln der Bergewagen unter Tage zieht man es sogar bisweilen vor, 
die während der Kohlenförderschicht zum Schachte kommenden Berge- 
wagen gleich mit den Kohlen zu Tage zu heben und hier anzusammeln, 
um dieselben alsdann in der Nebenschicht wieder zur Wettersohle einzu- 
hängen. Obschon auch hierbei der Nachteil bestehen bleibt, dass eine 
grosse Zahl von Förderwagen ständig dem Umlaufe entzogen wird, und 
obgleich das Zutageheben und Wiedereinhängen der Berge eine mit hohen 
Kosten verknüpfte Umförderung darstellt, so erscheint dieses Verfahren doch 
gewöhnlich noch günstiger als das mit grossen Zeitverlusten verbundene 
Abziehen der Bergewagen auf der Wettersohle während der Hauptförder- 
schicht. 

Günstiger liegen die Verhältnisse für diejenigen Gruben, welche ent- 
weder eine besondere Fördereinrichtung neben der Hauptförderung in 
demselben Schachte oder einen zweiten von der Kohlenförderung weniger 
in Anspruch genommenen Förderschacht besitzen. In solchen Fällen 
verursacht das Fördern der Bergewagen zur Wettersohle während 
der Hauptschicht keine Schwierigkeiten und ebenso fällt der Nachteil des 
Ansammeins der Bergewagen fort. Es kann alsdann der mit dem Fördern 
der Berge über die Wettersohle und mit der Abwärtsförderung in den 
Bauen durch die Schwerkraft verbundene Vorteil, dass die Verwendung 
besonderer Kraft zum Heben der Massen innerhalb der Bauabteilungen 
gänzlich entbehrlich wird, in vollem Umfange zur Geltung kommen und 
dieses Verfahren dem zweiten überlegen erscheinen lassen. 

In Bezug auf. das Einfördern von Tagesbergen zur Wettersohle ist 
noch zu erwähnen, dass einzelne Gruben dies durch einfaches Abstürzen 
mittels einer im Schachte eingebauten Röhrentour (zum Teil alte Pumpen- 
rohre) bewirken, soweit es sich um Bergeklein, namentlich Waschberge 
handelt (Zeche Königin Elisabeth, Mansfeld, Tremonia). Beachtenswert ist 
hierbei die Erfahrung, dass die Röhrentour nicht luftdicht abgeschlossen 
sein darf, da andernfalls leicht Verstopfungen derselben infolge der beim 
Bergestürzen auf die beträchtliche Tiefe entstehenden starken Luftver- 



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/ 



V 



/ 




a. Kap.: Abbau mit BergeTersatz. 281 

diclitung bezw. Luft Verdünnung eintreten. Man stellt daher entweder die 

/^^lanschenverbindungen der Rohre nicht luftdicht her, oder es werden in 

^Lrm^^messenen Abständen hölzerne Sammelkästen in die Röhrentour einge- 

.scr^i^^ltet, welche den freien Fall der Berge einigermassen beschränken 

cipd^m: unterbrechen und der Luft den Ein- und Austritt gestatten. 

-4. Das Abwärtsfördern der Versatzberge von der Wettersohle 
innerhalb der Bauabteilungen. 

Das Abwärtsfördem der Berge von der oberen Sohle bis zum Versatz- 

.21U erfolgt je nach den Umständen unter Benutzung der Bremsberge 

i^. Bremsschächte oder durch Abstürzen in Rolllöchern, aus denen dann 

der Strecke die Berge wieder abgezogen werden. Im ersteren Falle 

f^t also ein Umladen der Bergewagen nicht statt, vielmehr müssen 

i^ewöhnlichen Förderwagen bis zum Bergesturzorte gelangen und hier 

±=:ert werden. Diese Förderung durch Abbremsen ist bei flacher 

^ rung, welche die Anlage von Rolllöchern nicht gestattet, regel- 

iT^ ^i^^=s ig anzutreffen. Aber auch bei steiler Lagerung zieht man das Ab- 

b^^^^T^ÄT'Äsen der Berge bis zum Versatzorte nicht selten vor, wenn der Brems- 

\y^''^^^^ oder Bremsschacht ohne Beeinträchtigung seiner Leistung bei der 

I^*^^^*~Ä.:i Anforderung auch die Bergeförderung von der oberen Sohle her über- 

i^^^>-x~»r:Äen kann und die Anlage eines besonderen Bergerollloches gescheut 

^^''^^■^^i— Auch kann die Verwendung der gewöhnlichen Förderwagen für die 

^^-■■^^^Ä- I-ir der Berge zum Versatzorte insofern von Vorteil sein, als hierbei die 

^^^"^^ ^^ ^rten Bergewagen unter Umständen unmittelbar wieder zur Kohlen- 

*^^^^^^^ xung aus den betreffenden Versatzbauen benutzt werden können, eine 

^^^^^"1 i chkeit, welche besonders beim Strebbau und beim Pfeilerbau mit 

"^""g^^sversatz, aber auch bei gewissen Stossbauarten vorliegen kann und 

b^xafi ^^ erwünscht ist. 

andrerseits hält man bei steiler Lagerung das Abstürzen der Berge 

^ ^"Cil-'^ Bergerolllöcher aus verschiedenen Gründen häufig für vorteilhafter 

^ ^ ^^i.^is Abbrefnsen. So geschieht dies z. B. aus dem vorstehend ange- 

^-^t:^^ '^en Grunde, um den Bremsberg bezw. Bremsschacht nicht zu be- 

^^*^^^ sodann um die Bergewagen unabhängig von dem Gange der Kohlen- 

^^^^^»•ung jederzeit entleeren und dem Verkehr zurückgeben zu können 

^ ^i" Umständen auch, weil das Bergestürzen am Versatzorte zweck- 

^^^^^i^er und einfacher mittels besonderer Bergekippwagen, die eine be- 

^^-icnhe Kopf- oder wSeitenwand besitzen, ausgeführt werden kann und 

^ "^^r- die Möglichkeit geschaffen werden muss, die in den gewöhnlichen 

" ^^^rwagen zugeförderten Berge in jene Wagen umladen zu können. 

Häufig erfordert ausserdem die Abbauart von vornherein keinen von 



SoViA 



^ 



zu Sohle durchgehenden Bremsberg für die Kohlenförderung, sondern 



^ 



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282 Abbau. 

der Bremsberg wird erst mit dem Aufrücken des Abbaues hochgeführt 
(Stossbau), sodass aus diesem Grunde die Anlage eines billigeren Berge- 
rolUoches in dem oberen noch anstehenden Teile des Flötzes vorgezogen 
wird. Beim Stossbau ist das Arbeiten mit BergerolUöchern um so 
vorteilhafter, als bei demselben oft nur ein Niveau in der Bauabteilung 
vorhanden ist, auf welchem . die Berge benötigt werden, und als auf dem 
betreflFenden Niveau in der Regel nur Bergeförderung und nicht auch 
gleichzeitig Kohlenförderung wie beim Strebbau umgeht. Jedoch ist auch 
beim Strebbau mit zahlreichen Anschlagspunkten die Anlage eines 
besonderen Bergerollloches neben dem Bremsberge oder Bremsschachte 
wegen der genannten Vorzüge der Rolllöcher für die Bergewirtschaft viel- 
fach beliebt. Man hält das BergerolUoch in diesem Falle möglichst auf 
die ganze Höhe mit Bergen gefüllt und versieht dasselbe auf den einzelnen 
Oertern mit einer Entladevorrichtung, lieber die Einrichtung der Berge- 
rolllöcher vergl. im übrigen Abschnitt »Vorrichtung«. 

5. Das Zufeldefördern der Berge auf der Bausohle. 

Aus der grossen Anzahl der Fälle, in welchen die Berge auf der Bau- 
sohle zu Felde und innerhalb der einzelnen Bauabteilungen aufwärts ge- 
fördert werden, ist zu schliessen, dass dieses Verfahren im hiesigen Be- 
zirke unter Umständen für wesentlich vorteilhafter erachtet wird, als das 
Fördern über die Wettersohle. 

Es kommt hierbei zunächst in Betracht, dass gewöhnlich die grösste 
Menge der Grubenberge auf der zum Teil noch in Aus- und Vorrichtung 
stehenden Bausohle selbst fällt, und dass bei dem in Rede stehenden Ver- 
fahren die Schachtförderung von diesen Bergemengen vollständig frei 
bleibt. Auch die vom Tage entnommenen Berge können hierbei in ein- 
fachster Weise durch die Hauptschachtförderung während des Umganges 
der Kohlenförderung und ohne Störung für dieselbe in die Grube ge- 
schafft werden, indem sie zwischen die leeren in die Grube zurück- 
gelangenden Wagen einge eiht werden; der Wagenumlauf ist also der 
denkbar einfachste. Ein Hauptgrund, welcher ferner diesem Verfahren zu 
seiner ausgedehnten Verbreitung verholfen hat, liegt in der besseren 
Beschaffenheit der Förderwege auf der Bausohle, welche noch jüngeren 
Alters und vom Gebirgsdrucke weniger beeinflusst, auch gewöhnlich 
mit schwächerem Ansteigen hergestellt sind. Die Leistung bei der 
Horizontalförderung ist daher hier meistens erheblich günstiger und die 
Kosten derselben sind entsprechend geringer als diejenigen der För- 
derung auf der Wettersohle. Letzteres ist um so mehr dann der Fall, wenn, 
wie auf vielen Gruben, maschinelle Streckenförderung auf der Bausohle 
umgeht. 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz. 283 

Alle diese Verhältnisse begünstigen die Wahl des in Rede stehenden 
Verfahrens. Die Schwierigkeiten und Schattenseiten desselben liegen da- 
gegen in der Notwendigkeit, die Berge innerhalb der einzelnen Baii- 
abteilungen in den Bremsbergen oder Bremsschächten hochziehen zu 
müssen, was bei stärkerem Bergebedarf nicht ohne Zuhülfenahme beson- 
derer maschineller Kraft möglich ist 



6. Das AuFwärtsFördern der Berge innerhalb der Bauabteilungen. 

Das Aufwärtsfördern der Berge in den Bremsbergen und Brems- 

^ chächten erfolgt im hiesigen Bezirke, abgesehen von einzelnen Fällen, in 

"vvelchen Handhaspel oder Handkabel sowie tierische Kraft (Pferdegöpel 

dergl.) diesem Zwecke dienen, teils, durch Zuhilfenahme von maschineller 

raft, teils auch durch die Schwerkraft. Bei weitem vorherrschend ist, 

:^oweit die Förderung mittels der Schwerkraft nicht ausreicht, der Gebrauch 

^^^on mit Druckluft betriebenen Bremshaspeln, welche an die Stelle des 

^:2^ewöhnlichen Bremswerkes treten. Da häufig ein Theil der nöthigen Ver- 

^siitzberge an den Abbaupunkten selbst gewonnen wird, und auch die Aus- 

rtf^millung der Abbauräume oft eine unvollständige ist, infolgedessen alsdann 

^M'^Ä.ur ein gewisser Prozentsatz von Bergewagen in einer Bauabteilung zu 

i~».eben ist, während im übrigen leere Wagen gegen die herabkommenden 

^t**^ohlenwagen einzuwechseln sind, so hat man die Haspel in vielen Fällen 

.— s. zweckmässig mit ausrückbarem Vorgelege eingerichtet. Hierdurch wird es 

^^!i rmöglicht, die Förderung, soweit keine Berge hochzuziehen sind, auf 

^^^"ewöhnliche V^eise mittels der Schwerkraft durch Bremsbetrieb zu 

^^^^^ ewirken. 

Die Anwendung anderer künstlich erzeugter Kraftmittel zum Heben 
^^=i er Massen in Bremsbergen und Bremsschächten beschränkt sich auf ver- 
^^ inzelte Fälle. So sind stellenweise z. B. auf der Zeche Siebenplaneten 
^^^i "urch Druckwasser betriebene Förderhaspel angewandt worden. Auf der 
-^^^eche Courl hat man durch Druckwasser betriebene Aufzüge nach Art der 
^^ l)er Tage gebräuchlichen Dampfaufzüge eingerichtet, ebenda ist man 
^^^«uerdings auch zur Einführung elektrisch betriebener Haspel über- 
^^egangen. 

Das Aufziehen der Bergewagen in den Bremsbergen und Brems- 

'^ chächten vermittels der Schwerkraft durch gewöhnlichen Bremsbetrieb 

•besitzt in hiesigem Bezirke nächst dem Fördern mit Lufthaspeln die meiste 

><^erbreitung. Je nach der Art des Bremsberges bezw. Bremsschachtes 

Ermöglicht man die Nutzbarmachung der Schwerkraft zu besagtem Zwecke 

^uf verschiedene Weise. 



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2M Abbau. 

Sehr selten geschieht dies durch Anwendung von sog. Wasserbremsen, 
bei welchen das Uebergewicht der niedergehenden Last jedesmal durch 
Beschwerung derselben mit Wasserballast erzeugt wird. 

Bei einfachen Wagen- oder Laufbremsbergen (flache Lagerung) schlägt 
man je einen leeren und einen mit einer angemessenen Ladung von Bergen 
gefüllten Förderwagen gleichzeitig hinter einander am Seile an, während 
im anderen Trum zwei mit Kohle beladene Wagen gleichzeitig ange- 
schlagen werden bezw. ein Gegengewicht von entsprechender Schwere 
wirkt. 

Nach demselben Grundsatze verfährt man bei den stets eintrümmig 
angelegten Gestellbremsbergen, sowie auch bei eintrümmigen Brems- 
schächten, indem man entweder ein einetagiges Gestell anwendet, dessen 
Plattform zwei Förderwagen neben einander aufnehmen kann, oder ein 
zweietagiges mit je einem Wagen auf jeder Etage. 

Auch bei der auf Gruben mit flacher regelmässiger Lagerung stellen- 
weise anzutreff^enden Bremsbergförderung mit Seil ohne Ende gelingt es 
zufolge des Kraftüberschusses der herabkommenden Kohlenwagen einen 
gewissen Prozentsatz von Bergewagen mit den leeren Wagen hoch- 
ziehen zu lassen. 

Bei doppeltrümmigen Bremsschächten arbeitet man zu demselben 
Zwecke mit einfachen, für je einen Wagen berechneten Fördergestellen, 
von welchen das eine mit einem Ballastgewicht beschwert wird. Einer- 
seits vermag alsdann ein auf den beschwerten Korb aufgeschobener Kohlen- 
wagen einen auf den nicht beschwerten Korb gestellten Bergewagen von 
angemessenem Gewichte hochzuziehen, während andrerseits ein auf dem 
leichteren Korbe stehender Kohlenwagen Uebergewicht über den mit 
einem leeren Wagen besetzten schweren Korb besitzt. Beim Aufgange des 
leichten Korbes kann daher jedesmal ein Bergewagen statt eines leeren 
Wagens gehoben werden. Das Seilgewicht wird dabei durch Unterseil 
ausgeglichen. 

Eine ebenfalls bei doppeltrümmigen Bremsschächten bisweilen ge- 
troff*ene Vorkehrung zum gleichen Zwecke besteht in der Anwendung einer 
Differential trommel (z. B. auf Zeche Massener Tiefbau). Hierbei ist die Mög- 
lichkeit gegeben, durch das mit einem Kohlenwagen besetzte, an dem 
langen Hebelarme wirkende Fördergestell das an der kleinen Trommel 
hängende und mit einem Bergewagen besetzte Gestell aufwärts zu fördern. 

Die verschiedenen vorstehend angedeuteten Mittel, um die Berge 
mittels der Schwerkraft hochzuziehen, reichen im allgemeinen nur in be- 
schränktem Grade aus, um den Bergebedarf einer Bauabteilung zu decken. 
Im günstigsten Falle kann durch solche Mittel immer nur eine der halben 
Anzahl der herabkommenden Kohlenwagen entsprechende Zahl von Berge- 
wagen aufwärts gefördert werden, was in vielen Fällen nicht ausreicht, 



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a. Kap.: Abbau mit Bergeveraatz. 285 

zumal da die Bergewagen in der Regel nur schwach beladen werden 
dürfen, damit das zum Hochziehen derselben erforderliche Uebergewicht 
der Kohlenwagen nicht verloren geht. Ausserdem besitzen diese Verfahren 
noch sonstige, je nach den Umständen mehr oder weniger fühlbare Nach- 
teile. Bei der Förderung mit einem leeren und einem Bergewagen gleich- 
zeitig besteht ein Treiben nicht immer, wie sonst beim Bremsberg- bezw. 
Bremsschachtbetriebe, aus einem einfachen Auf- und Niedergange der 
Wagen oder Gestelle von der Sohle bis zu einem Anschlagspunkte, sondern 
das Auswechseln der Wagen muss häufig an 2 Anschlagspunkten 
erfolgen, wodurch die Förderung verzögert wird und die verschiedenen 
Anschlagspunkte in eine sehr hinderliche Abhängigkeit von einander 
geraten. Auch steht überhaupt der Bergebedarf eines Anschlagspunktes 
nicht immer im passenden Verhältnisse zu der von demselben hinabzu- 
fördemden Kohlenmenge, infolgedessen es oft sehr störend empfunden 
wird, wenn man in dieser Weise von der Förderung mittels der Schwer- 
kraft abhängig ist. Bei Anwendung der Differentialtrommel können die 
Bergewagen ausserdem nur um einen nach dem Verhältnisse der Trommel- 
radien sich bestimmenden Teilbetrag der ganzen Förderhöhe gehoben 
werden, sodass den oberen Oertern die Berge wieder von der oberen 
Sohle aus zugeführt werden müssen. Die mit der Bergeförderung durch 
die Schwerkraft verknüpften Zeitverluste und Komplizierungen des Brems- 
berg- bezw. Bremsschachtbetriebes machen es daher oft unthunlich, sich 
mit diesem Fördern ngs verfahren zu behelfen, und zwingen zur Anwendung 
der erwähnten Kraftmaschinen in den Bremsbergen bezw. Bremsschächten. 
Das stellenweise gebräuchliche Aufziehen der Berge innerhalb der 
Bauabteilungen bis zur Wettersohle, von welcher aus sie dann wieder 
abwärts auf die Versatzniveaus gefördert werden, geschieht einerseits, um 
die Kraft zum Hochziehen der Berge in einem einzigen Bremsberge bezw. 
Bremsschachte zu konzentrieren und den ganzen Förderbetrieb zu verein- 
fachen, andrerseits auch um die oben hervorgehobenen Vorteile des 
Arbeitens mit BergeroUlöchern beim Berge versatzbau nutzbar zu machen, 
auf welche man beim Aufziehen der Berge unmittelbar bis zum Versatz- 
niveau verzichten muss. 

7. Die Abwärtsförderung der Berge bei Unterwerksbauen. 

Am einfachsten und günstigsten gestaltet sich das Hinabfördern der 
Versatzberge bei Unterwerksbauen, da dasselbe durch das eigene Gewicht 
der Berge ohne Inanspruchnahme einer besonderen Kraft und ohne irgend 
welche Erschwerung der aufwärtsgehenden Kohlenförderung erfolgen kann. 
Vielmehr kann das Gewicht der Berge, sofern doppeltrümmige Abhauen- 
förderung stattfindet, der in jedem Falle ohnehin erforderlichen Kraft zum 



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286 Abbau. 

Aufholen der Nutzlast zu gute kommen. Letzteres bildet die Regel, da es 
sich beim Unterwerksbetriebe' im hiesigen Bezirke vorzugsweise um flache 
Lagerung und doppeltrümmige Förderabhauen handelt, während derartige 
Baue bei stärkerem, die Anwendung von BergeroUlöchern gestattenden 
Flötzeinfallen seltener vorkommen. Besondere Vorkehrungen und Mittel, 
welche lediglich mit Rücksicht auf die Abwärtsförderung der Berge an- 
gewandtwürden, sind bezüglich der Unterwerksbaue daher nicht zu nennen. 

8. Das Entladen der Bergewagen an der Versatzstelle. 

Die Berge werden, wie oben gezeigt ist, entweder in den gewöhn- 
lichen Kohlenförderwagen an die Versatzstelle geschafft, oder in besonderen 
Bergewagen, welche meist, dem höheren spezifischen Gewicht der Berge 
entsprechend, etwas kleiner sind als die Kohlenwagen. Um eine leichte 
Entleerung zu gestatten, sind die Bergewagen gewöhnlich mit beweglicher 
Seiten- oder Kopfwand versehen (Fig. 124), bisweilen auch als Gestell- 
Kippwagen eingerichtet (Fig. 125). Dies richtet sich, wie bemerkt, nach 







^C^c 



t? 



Fig. 124. 
Stürzen der Berge auf Zeche Centrum im Fl. Sonnenschein. 

den örtlichen Verhältnissen, wobei die Abbauart, die Flötzmächtigkeit 
und das Flötzeinfallen, die Regelung der Bergeförderung und Kohlen- 
gewinnung und sonstige Umstände von Einfluss sind. Dementsprechend 
erfolgt auch das Entladen der Bergewagen an der Versatzstelle in ver- 
schiedener Weise. 

Bei flacher Lagerung, wo die Berge der Regel nach in den ge- 
wöhnlichen Förderwagen zur Versatzstelle kommen, ist das gebräuchlichste 
Mittel zum Entleeren der Wagen das einfache Umstürzen auf die lange 
Seite nach dem Versatzraume hin, was man mit Zuhülfenahme eines vor 
die Radaxen gelegten Holzes und eines Hebels auszuführen pflegt. 



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a. Kap.: Abbau mit Ber^eTersatz. 



287 



Bei stärkerem Einfallen, wo die Entleerung der Bergewagen gewöhn- 
lich unmittelbar über dem oflFenen Abbauraume erfolgt und die Strecken- 
breite meistens gering ist, werden entweder die gewöhnlichen Förder- 
wagen oder die erwähnten Bergewagen mit beweglicher Seitenwand oder 





Fig, 125. 
Seitenkippwagen auf Zeche Königin Elisabeth. 

mit beweglicher Kopfwand benutzt. In letzterem Falle wie auch bei 
Anwendung der gewöhnlichen Förderwagen mit festen Kastenwänden 
werden Vorkehrungen zum Stürzen des Wagens über Kopf getroffen. 




^^==^ 



cc 



a 



Fiff. 126. 
Zeche Herkules. Kippschienen für Kopfkipper zum Bergestürzen. 

Dieses wird auf verschiedene Art ermöglicht, so z. B. durch Vorbauen so- 
genannter Kippschienen, deren freies Ende dem Wagenradkranze ent- 
sprechend umgebogen ist und das vordere Räderpaar des Wagens aufnimmt 
(Fig. 116 auf S. 258 und 126). Vielfach sieht man auch von der Anwendung 



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Abbau. 



derartiger Kippschienen ab und verfährt z. B. in der durch Fig. 124 dar- 
gestellten Weise, indem man vor dem Ende des Streckengestänges, etwr-as 
tiefer als die Gestängeschwellen liegen, durch einen Stempel einen Stützpunkt 










a. Vorderansicht. 




b. Seitenansicht. . 

Tiy. 127. 

Zeche Siebenplaneten. Fahrbarer Kreiselwipper zum Bergestürzen beim Stossbau in 

mächtigen Plötzen. 

für das über das Schienenende hinausgeschobene vordere Räderpaar her- 
stellt. Das Ueberkippen des Wagens beim Stürzen über Kopf verhütet man 
dadurch, dass man denselben mit seinem hinteren Kuppelringe an ein in 



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a. Kap.: Abbau mit BergeTeraats. 



289 



der Streckensohle befestigtes kurzes Seil anhängt, oder das Ueberschlagen 
wird durch zweckentsprechend angebrachte Stempel und dergl. verhindert 
(s. Fig. 116 auf S. 256). 

In mächtigeren, stark einfallenden Plötzen ist auf verschiedenen Gruben 
(u. a. auf Centrum, Siebenplaneten) namentlich beim Stossbau das Ent- 
leeren der Bergewagen mittels fahrbarer Kreiselwipper gebräuchlich 
(Fig. 127a u. b). Der Wi])per läuft auf einem Gestängestück aus starken 




a. Orundriss. b. Schnit A-B. 

Flij. 128. 
Zeche Hasenwinkel. Drehplatte mit seitlicher Kopfkippvorrichtung zum Berge- 
stürzen beim Pfeilerbau mit Versatz. 



Schienen, gewöhnlich Eisenbahnschienen, welches am Ende des Strecken- 
gestänges in solcher Tiefe unter der Streckensohle verlagert wird, dass der 
Wagen vom Streckengestänge in den Wipper hineingeschoben werden kann. 
Dem Vorrücken des Versatzes entsj^rechend werden die Wipperschienen 
vorgelegt und das Streckengestänge wieder bis an den Wipper verlängert. 
Unter ähnlichen Flötzverhältnissen werden auf der Zeche Hasenwinkel 
beim Pfeilerrückbau mit Berge versatz nach der in Fig. 106 auf S. 237 dar- 
gestellten Art Ringplatten mit seitlich angebrachter Kippvorrichtung nach 
Fig. 128a u. b angewandt, sodass der Bergewagen quer zur Streckenrichtung 
Sammelwerk. W. 19 



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290 Abbau. 

gekippt werden muss. Hierdurch wird es möglich die Bergesturzstelle in das 
durchgehende Streckengestänge einzuschalten, was in diesem Falle er- 
forderlich ist, da die Kohlenförderung auf jedem Orte über den offenen 
Raum des nächst unteren Pfeilers hinweggehen muss. 

9. Die Kosten des Bergeversatzes. 

Die durch das Zufördern fremder Berge in die Versatzbaue verur- 
sachten Kosten sind es in der Hauptsache, welche beim Vergleichen des 
Berge versatzbaues mit dem Pfeilerbau ersteren oft ungünstiger er- 
scheinen lassen, als letzteren. Die Statistik giebt einen Anhalt über die 
absolute Höhe dieser Kosten im hiesigen Bezirke, bezogen auf den Wagen 
versetzter Berge. Dieselben schwanken hiemach zwischen 0,2 M. und 
0,8 M. und betragen nach dem Durchschnitte der Angaben von 98 mit 
Versatz bauenden Gruben 0,43 M. 

Von der Genauigkeit dieser Werte gilt dasselbe, was an anderer 
Stelle bereits bezüglich der Statistik bemerkt war. Die Angaben der 
Gruben beruhen zum grossen Teile auf Schätzung, auch schliessen die an- 
gegebenen Werte meistens den auf die Berge entfallenden, schwierig zu 
berechnenden Anteil an den Kosten der Schacht- und Hauptstreckenförde- 
rung nicht mit ein. 

Abgesehen von den durch die Ungenauigkeiten der Kostenbe- 
rechnungen hervorgerufenen Abweichungen in den für die einzelnen 
Gruben angegebenen Werten sind die Kostenunterschiede von Fall zu Fall 
bis zu einem gewissen Grade auch sachlich begründet und erklärlich, da 
diese Kosten von mancherlei, auf jeder Grube verschiedenen Faktoren ab- 
hängig sind. Es sei in dieser Beziehung nur hingewiesen auf die ver- 
schiedenen zum Versätze gelangenden Bergemengen, die Unterschiede 
in der Länge und Beschaffenheit der Förderwege, sowie auf die vielfach 
vorliegende Notwendigkeit, die Ladung der Bergewagen zu beschränken 
und dergl. Allgemeine Schlüsse über die Vorzüge des einen oder 
anderen Verfahrens bei der Förderung und beim Versetzen der Berge, 
sowie darüber, ob die Verhältnisse auf einer bestimmten Grube den Berge- 
versatzbau begünstigen oder nicht, lassen sich daher aus Vergleichen der 
Einzelangaben der Gruben nicht ohne weiteres ziehen. Nur in Bezug auf 
die Versatzarbeit selbst, also das Entladen der Bergewagen und das Ver- 
füllen der Berge in den Abbauräumen lässt sich erfahrungsgemäss 
die Annahme rechtfertigen, dass sich der hierauf entfallende Kosten- 
anteil der Bergewirtschaft bei flacher Lagerung gewöhnlich höher stellt 
als bei steiler Lagerung, bei welcher diese Arbeit meistens einfacher und 
ohne mehrmaliges Werfen der Berge von statten geht. Dieser Einfluss der 
Lagerungsverhältnisse auf die Kosten des Bergeversatzes kommt stellen- 



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a. Kap.: Abbau mit Berceveraatz. 291 

weise in den für die einzelnen Gruben aufgeführten Werten einigermassen 
zum Ausdruck. 

Auf die Tonne der durch Berge versatzbau gewonnenen Kohlenmengen 
bezogen, bewegen sich die Kosten des Versatzes der zugeförderten Berge 
in erheblich weiteren Grenzen als die oben behandelten absoluten 
Kosten pro Wagen versetzter Berge. Ganz abgesehen von der 
Verschiedenheit der absoluten Höhe dieser letzteren Kosten wird der frag- 
liche Wert ersichtlich um so kleiner, je grösser die Menge der an Ort und 
Stelle selbst fallenden Berge ist, während er andererseits erheblich steigen 
kann, wenn die Hauptmenge der Versatzberge zugefördert werden muss 
und nur ein kleiner Teil im Flötze selbst fällt. Wie verschieden die Ver- 
hältnisse in dieser Beziehung liegen können, zeigt ein näherer Vergleich 
der sich auf einigen Gruben ergebenden Werte. So stellen sich nach der 
Statistik z. B. auf den Zechen Dorstfeld I und II, welche ausschliesslich mit 
Bergeversatz, jedoch nur zum geringen Teile unter Zuhülfenahme zuge- 
förderter Berge bauen, die Kosten des Versatzes pro Tonne der mit Versatz- 
bau gewonnenen Kohlenmengen auf nur etwa 0,08 M., während derselbe 
Wert sich auf den in umfangreichem Masse das Versetzen zugeförderter 
Berge betreibenden Zechen gewöhnlich wesentlich höher berechnet. Es 
ergeben sich z. B. für die Zechen Courl, Hansa, die drei Schachtanlagen 
der Zeche Consolidation, die Zechen Mansfeld und Hibernia die W^erte 
0,30 bezw. 0,33, 0,36, 0,60, 0,60 M.*) 

Aus der ganzen Summe der auf allen Gruben versetzten Berge, 
welche sich nach der Statistik auf jährlich rund 12030000 Wagen beläuft 
und unter Annahme des oben berechneten Durchschnittssatzes von 
0,43 M. für den Wagen versetzter Berge würden sich bei der auf rund 
19 665 600 t geschätzten Menge der durch Versatzbau gewonnenen Kohlen 
die Kosten des Bergeversatzes pro Tonne dieser Kohlenmenge auf ca. 0,21 M. 
belaufen. Dieser Durchschnittswert ist wieder herabgedrückt durch die in 
obiger Kohlenmenge einbegriffenen Summen, welche ohne Zufuhr 
fremder Berge gewonnen worden sind. 

Obwohl die Belästigungen des Grubenbetriebes durch die Berge- 
wirtschaft und die Kosten der letzteren hin und wieder von der Einführung 
des Berge versatzbaues abschrecken, zumal in Fällen, in welchen ein drin- 
gendes Bedürfnis zum Aufgeben des Pfeilerbaues nicht vorliegt, so besteht 
doch in den Kreisen der Grubenverwaltungen des niederrheinisch-west- 
fälischen Steinkohlenbezirkes im allgemeinen Uebereinslimmung darüber, 

*) Ausführlichere Angaben über die Kosten des Bergeversatzes auf einer 
Reihe von Gruben sind insbesondere zu finden bei Hübck >Ueber den Abbau mit 
Bergeversatz mit besonderer Berücksichtigung des finanziellen Ergebnisses«. Glück- 
auf 1891, No. 53—54, auf welche Abhandlung hier besonders hingewiesen sei. 

19* 



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Abbau. 
290 



gekippt werden muss. Hierdurch wird es ^<^SZX \ <^^ ^^^ Bergesturzstelle in das 
durchgehende Streckengestänge emzuschalt:^-^^ ^^ .^ diesem Falle er- 
forderlich ist, da die Kohlenförderung auf 3 ^<iem Orte über den offenen 
Raum des nächst unteren Pfeilers hinwegg^l:^^^ ^^^^ 

9. Die Kosten des Be^i-S-^ Versatzes. 
Die durch das Zufördern fremder :ö.^,^^^ ^^ ^^^ Versatzbaue verur- 
sachten Kosten sind es in der HauptsacK^ , -welche beim Vergleichen des 
Bergeversatzbaues mit dem Pfeilerbau. esrsteren oft ungünstiger er- 

scheinen lassen, als letzteren. Die StatxstixVsL giebt einen Anhalt über die 
absolute Höhe dieser Kosten im hiesigen, ^^e^zirke, bezogen auf den AVagen 
setzter Berge. Dieselben schwanken. "tiiernach zwischen 0,2 M. und 
08^M und betragen nach dem Durcliscilrxxxitte der Angaben von 98 mit 
Versau bauenden Gruben 0,43 M. 

Von der Genauigkeit dieser Weirt:^ gilt dasselbe, was an anderer 
Stelle bereits bezüglich der StatistiW \3eTTierkt war. Die Angaben der 
Gruben beruhen zum grossen Teile au£ Sclxätzung, auch schliessen die an- 
benen Werte meistens den auf die ;Berge entfallenden, schwierig zu 
gege J^"^^^^^ Anteil an den Kosten der Schacht- und Hauptstreckenförde- 
rung "^^* ^^^g^^^on den durch die TJngenauigkeiten der Kostenbe- 
rJen hervorgerufenen Abweiclivingen in den für die einzelnen 
rechnung ^^^^^^ Herten sind die KLostenunterschiede von Fall zu Fall 

Gruben ang g ^^.^^^^ ^^^^^ a^^Vi sachlich begründet und erklärlich, da 
^^ ^ K^^ten von mancherlei, auf jeder Grube verschiedenen Faktoren ab- 
diese Jvosi ^^ ^^_ .^ dieser Beziehung nur hingewiesen auf die ver- 
hängig sin . ^^g^^^e gelangenden Bergemengen, die Unterschiede 
Ldt^llge und Beschaff enheit der Förderwege, sowie auf die vielfach 
,J;ie Notwendigkeit, die Ladung der Bergewagen zu beschränken 
"f der.l TnZ^^-e Schlüsse über die Vorzüge des einen oder 
Llere: Verfatrens bei der Förderung und beim Versetzen der Berge, 
LriTber ob die Verhältnisse auf einer bestimmten Grube denBerge- 
::rtrau be^nsügen oder nicht, lassen sich daher aus Vergleichen de-,- 
ErJa^gaben^er Gruben nicht o^^^-^^^l^^^^r. Nur in Bezug am 
die Versatzarbeit selbst, also das Entladen der Bergewagen und das \'o, 
fuirr; Berge in den Abbauräunien Ms t erfahrungsgen. . 

die Annahme reoMkniKcn, ühss ^ich der hi, 1 auf ^nt.alle.ul.- K. 

atLfXi^^erge.>ns.uU-t bei ^-^^^^^r^^^J^^^-^'-Hch H«, 

als bei steiler La^.runs, bei welcher diese Arbeit meistens eini;.. 1 
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Lageru.ig:s>.erhält.is. .u-f ^le Kosten Berge Versatzes kom.«. 




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292 Abbau. 

dass jene Kosten nicht schlechthin und allgemein eine Erhöhung der Selbst- 
kosten der Grube bedeuten und daher nicht ohne weiteres den beim 
Pfeilerbau unter gleichen Verhältnissen berechneten unmittelbaren 
Gewinnungskosten gegenübergestellt werden können. In Wirklichkeit wird 
das beim Bergeversatzbau etwa errechnete Mehr an den unmittelbaren 
Gewinnungskosten fast immer reichlich ausgeglichen durch die wohl all- 
seitig anerkannten Vorteile, welche der Berge versatzbau als solcher 
gegenüber dem Pfeilerbau besitzt. Es sei Hier nur erinnert an die 
Verminderung der schädlichen Einwirkung des Abbaues auf die Tages- 
oberfläche und die hierdurch zugleich ermöglichte Beschränkung des 
Stehenlassens von Sicherheitspfeilem, die vollkommenere Wetterführung, 
die in der Regel erheblich höhere Kohlenhauerleistung und den Fort- 
fall jeglicher Verluste beim Abbau selbst. Alle diese Vorteile sind nicht 
lediglich von idealem Werte, sondern stellen praktisch jeder für sich 
einen gewissen Geldwert dar, welcher allerdings nicht immer unmittelbar 
in die Augen fällt, sondern oft erst in grösseren Zeitabschnitten zur Geltung 
kommt; derselbe muss jedoch in Rechnung gezogen werden, um einen 
einwandfreien Vergleich zwischen den Selbstkosten beim Pfeilerbau und 
Bergeversatzbau zu erhalten. Der reelle Wert des einen oder anderen 
dieser Vorteile ist im hiesigen Bezirke in zahlreichen Fällen praktisch 
festgestellt worden. So lässt sich auf manchen Zechen zahlenmä.ssig die 
Thatsache erweisen, dass sich die Kosten für Bergschäden sowie die durch 
die Rücksicht auf die Oberfläche gebotenen Verluste an Substanz nach 
dem Uebergange zum Bergeversatzbau wesentlich verminderten.*) 
Häufig ist auch festgestellt worden, dass die Abbauverluste beim 
Pfeilerbau unter gewissen Verhältnissen 20 — 30% und mehr betragen 
können, während der Bergeversatzbau unter gleichen Verhältnissen die 
vollständige Gewinnung der anstehenden Kohle gewährleistete. Inter- 
essante Ermittelungen dieser Art sind u. a. auf der inzwischen zur Ein- 
stellung gelangten Zeche Westfalia, sowie auf der Zeche Kaiserstuhl I 
angestellt worden, deren zahlenmässige Ergebnisse hier mitgeteilt werden 
mögen.**) 

Auf der Zeche Westfalia wurden in den 4 zusammen 4,9 — 5 m mächtigen 
Flötzen H. J. K. L. auf 1 qm anstehender Kohle beim Pfeilerbau 4,84 t 
Kohle gewonnen, beim Versatzbau dagegen 5,78 t oder 19,3% mehr. Noch 
günstiger für den Versatzbau stellte sich daselbst das Verhältnis in dem 
1,5 — 1,6 m mächtigen Flötze Sonnenschein, welches beim Pfeilerbau 1,5 t, 
beim Versatzbau dagegen 2,04 t oder 35,8'Vo mehr auf 1 qm anstehender 

**) Vergl. z. B. !)ezüglich der Zeche Mansfeld: Hilbck „Ueber den Abbau mit 
Bergeversatz mit bes. Berücksichtigung des finanziellen Ergebnisses". Glückauf. 
1891. No. 54 S. 436. 

***) Hübck a. a. O. S. 435. 



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3. Kap.: Abbau in PlOtzgnippen usw. 293 

Kohle lieferte. Auf der Zeche Kaiserstuhl I fielen in dem 1,3 m mächtigen 
Flötze F beim Bergeversatzbau 1,66 t auf 1 qm anstehender Kohle gegen- 
über 1,16 t beim Pfeilerbau, also bei ersterem 40% mehr. 

Es bedarf keiner näheren Hervorhebung, welche Bedeutung eine der- 
artige mit dem Bergeversatzbau in zahlreichen Fällen verknüpfte Ver- 
mehrung der gewinnbaren Kohlenmenge nicht nur für die einzelne Grube, 
sondern auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht besitzt. Jedenfalls lassen 
solche Zahlen es erklärlich erscheinen, dass man sich im niederrheinisch- 
westfälischen Steinkohlenbezirke der Vorzüge des Bergeversatzbaues auch 
in finanzieller Hinsicht wohl bewusst ist und sich aus guten Gründen im 
allgemeinen durch die unmittelbaren Kosten der Bergewirtschaft nicht von 
der Durchführung des Bergeversatzbaues zurückhalten lässt. 

Andrerseits würde es selbstredend für die hiesigen Verhältnisse als 
zu weitgehend bezeichnet werden müssen, wenn man grundsätzlich und 
allgemein den Pfeilerbau aufgeben und durch Bergeversatzbau ersetzen 
wollte. Hierzu liegt in vielen Fällen kein zwingender Grund vor. Ausser- 
dem dürfte eine derartige Verallgemeinerung des Versatzbaues im 
hiesigen Bezirke an dem sich alsbald einstellenden Mangel an ge- 
eignetem Versatzmaterial e scheitern, welcher sich auf mancher in 
grösserem Umfange mit Versatz bauenden Grube schon jetzt sehr fühl- 
bar macht. 



3. Kapitel: Der Abbau in Flötzgruppen sowie der 
Abbau nahe zusammenliegender bezw. sehr mächtiger 

Flötze. 

I. Der Abbau in Flötzgruppen. 

Während bei gruppenweise zusammengedrängten Plötzen, wie solche 
innerhalb der verschiedenen geologischen Stufen des niederrheinisch-west- 
fälischen Steinkohlengebirges häufig auftreten, eine gemeinschaftliche Aus- 
und Vorrichtung durch eine Hauptförderstrecke mit Abteilungsquerschlägen 
und durch gemeinschaftliche Bremsberge bezw. Bremsschächte mit Orts- 
querschlägen besonders bei stärkerem Einfallen sehr beliebt ist, erfolgt 
die weitere Vorrichtung innerhalb der einzelnen Flötze einer solchen 
Gruppe, sowie der Abbau derselben regelmässig selbständig für sich, so- 
lange nicht die Mächtigkeit des trennenden Gesteinsmittels so gering wird. 



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294 Abbau. 

dass auch ein einheitlicher Abbau der betreffenden Flötze in Frage 
kommen kann. 

Jedoch ist auch bei Flötzabständen, welche den selbständigen Abbau 
jedes Flötzes für sich ohne weiteres geboten erscheinen lassen, die Be- 
schaffenheit der Gesteinsmittel zwischen den Flötzen gewöhnlich nicht 
derart, dass der Abbau der einzelnen Flötze ohne jegliche Rücksicht- 
nahme auf die Nachbarflötze stattfinden könnte. Man trägt vielmehr 
dem gegenseitigen Einflüsse des Abbaues der Flötze einer Gruppe 
auf einander je nach den Umständen in verschiedener Weise Rechnung. 
Teilweise geschieht dies dadurch, dass man die Flötze innerhalb der be- 
treffenden Feldesfläche der alten Regel entsprechend einzeln der Reihe 
nach beim hängendsten beginnend, in angemessenen zeitlichen Zwischen- 
räumen abbaut. Vielfach ist jedoch eine gleichzeitige Inangriffnahme 
mehrerer oder aller Flötze zur Regel geworden, wobei man alsdann eine 
nachteilige Abbauwirkung derselben auf einander durch eine zweck- 
entsprechende gegenseitige Stellung der Baue in den einzelnen Flötzen 
oder durch Anwendung von Bergeversatzbau zu verhüten strebt Das 
Arbeiten mit Berge versatzbau führt scliliesslich auch oft zum Verhiebe 
der liegenden Flötze vor den hangenden. Bezüglich dieser ver- 
schiedenen Massnahmen beim Abbau von Flötzgruppen ist noch folgendes 
zu bemerken: 

Zum zeitlich getrennten Einzelabbau der Flötze in der Reihenfolge 
vom hangenden zum liegenden Flötze schreitet man bei flacher Lagerung 
verhältnismässig am häufigsten, da das bei letzterer gebräuchliche System 
der Aus- und Vorrichtung mehr auf einen derartigen Einzelabbau hinweist. 

Wenn man in zahlreichen Fällen, namentlich bei steil gelagerten 
Flötzgruppen, von dem zeitlich getrennten Einzelabbau der Flötze Abstand 
nimmt und zur gleichzeitigen Inangriffnahme mehrerer oder aller Flötze 
der Gruppe übergeht, so ist dies wohl hauptsächlich auf das Bestreben 
zurückzuführen, eine genügend hohe Förderleistung der Grube zu er- 
zielen, ohne den Betrieb innerhalb des Grubenfeldes stark zu zersplittern. 
In dieser Hinsicht bietet die gleichzeitige Inangriffnahme mehrerer über 
einander liegender Flötze in derselben Bauabteilung ein geeignetes Mittel, 
um eine grössere Zahl von Betriebspunkten in einem beschränkten Feldes- 
teile zu erhalten. Von besonderem Einflüsse ist hierbei ausserdem die zur 
Anwendung gelangende Abbauart. So bildet es namentlich beim streichenden 
Stossbau in steil gelagerten Flötzgruppen die Regel, in den Bauabteilungen 
alle oder mehrere Flötze gleichzeitig in Abbau zu nehmen, da diese Bauart 
an und für sich nur eine geringe Zahl von Angriffspunkten bietet und 
daher ihre Leistungsfähigkeit gering ist. 

Die Veranlassung zum gleichzeitigen Vorgehen in mehreren über 
einander liegenden Flötzen kann ferner auch in sonstigen Rücksichten 



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3. Kap.: Abbau in FlOtsgruppen usw. 295 

liegen. So kann es u. a. das verschiedene Verhalten der einzelnen Flötze 
in Bezug auf den Stück- und Feinkohlenfall und in Bezug auf die Qualität 
der Kohle notwendig machen, ständig die Kohle mehrerer Flötze neben 
einander zu fördern, um dem Bedarf an den verschiedenen Sorten zu ge- 
nügen, oder um die Kohle minderwertiger Flötze durch Beimengung edlerer 
Marken aufzubessern. 

Die einheitliche Aus- und Vorrichtung der Flötzgruppen erleichtert 
es wesentlich, den Bedürfnissen des Betriebes nach den angedeuteten Rich- 
tungen hin gerecht zu werden. 

Sofern bei dem gleichzeitigen Abbau mehrerer Flötze einer Gruppe 
der gewöhnliche Pfeilerbau angewandt wird, sucht man das Zubruche- 
bauen der hangenden Flötze durch die liegenden dadurch zu verhüten, 
dass man jedes Flötz mit dem Abbau um ein angemessenes Stück hinter 
dem nächsten darüber liegenden Flötze zurückbleiben, oder dass man 
wenigstens den Abbau in den verschiedenen Flötzen gleichmässig fort- 
schreiten lässt. 

Auch beim Abbau mit Bergeversatz beobachtet man mit Rücksicht 
auf die Abbauwirkung häufig dieselbe Reihenfolge bezw. bei gleichzeitigem 
Abbau der Flötze dieselbe gegenseitige Stellung der Baue in den ver- 
schiedenen Flötzen, wie beim Pfeilerbau. Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, 
dass man bei Anwendung von Bergeversatzbau häuüg unbedenklich von 
der Innehaltung dieser Regeln absehen kann, dass hierbei sogar unter Um- 
ständen die Inangriffnahme und der Verhieb der Flötze in der umgekehrten 
Reihenfolge mehr Vorteile bietet, insofern z. B. bisweilen durch dieses 
Verfahren die Hereingewinnung der Kohle in den hangenden Flötzen er- 
leichtert und eine Verminderung des Gebirgsdruckes beim Abbau erzielt 
werden kann. 

II. Der Abbau nahe zusammenliegender bezw. sehr mächtiger 

Flötze. 

1. Vorbemerkungen und Zusammenstellung der Abbauverfahren. 

Nicht selten liegen zwei oder mehrere Flötze so nahe zusammen, 
dass das trennende Gesteinsmittel die gewöhnliche Flötzmächtigkeit nicht 
wesentlich übersteigt oder sogar noch schwächer ist als diese, und daher 
schliesslich das Ganze im bergtechnischen Sinne nur ein einziges, aus zwei 
oder mehreren durch Bergmittel getrennten Bänken bestehendes Flötz 
von grosser Mächtigkeit darstellt. Mitunter ist die Flötzmächtigkeit auch 
im geologischen Sinne eine aussergewöhnlich starke, indem das trennende 
Gesteinsmittel zwischen zwei oder mehreren Flötzen gänzlich verschwindet 
bezw. die reine Kohlenmächtigkeit eines Flötzes einen weit über das ge- 



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296 Abbau. 

wohnliche Mass hinausgehenden Betrag; erreicht. Femer werden grosse 
Flötzmächtigkeiten in dem hiesigen Steinkohlengebirge manchmal auch 
örtlich durch Stauchung der Gebirgsschichten oder durch Doppellage des 
Flötzes infolge einer Ueberschiebung u. dergl. hervorgerufen. 

Die Abbauverhältnisse werden durch das Herabgehen des Flötz- 
abstandes auf nur wenige Meter, manchmal auf nur 1 m und darunter, 
oder umgekehrt durch die Zunahme der Flötzmächtigkeit unter Einrechnung 
der etwa vorhandenen Bergmittel auf das Doppelte bis Vier- oder Fünffache 
der gewöhnlichen Flötzmächtigkeit naturgemäss mehr oder weniger stark 
beeinflusst Die Wege, welche man im Ruhrkohlengebiete beim Abbau 
solcher nahe zusammenliegender Flötze bezw. beim Abbau eines ausser- 
gewöhnlich mächtigen Flötzes mit oder ohne Bergmittel einschlägt, sind 
ähnlich wie z. B. im Saarbrücker Bezirke*) sehr verschiedenartig und 
weniger von bestimmten, allgemein gültigen Grundsätzen, als von den be- 
sonderen Gewohnheiten und Erfahrungen auf den einzelnen Gruben ab- 
hängig. Eine wesentliche Rolle spielen hierbei natürlicherweise die Lagerung, 
das Verhalten des Nebengesteins und des Bergmittels, namentlich die Stärke 
des letzteren, femer die Güte, Gewinnbarkeit und Stärke der einzelnen 
Kohlenbänke, die Bewettemngsverhältnisse, die Schlagwetterentwicklung 
und dergl. 

Die verschiedenen, im hiesigen Bezirke vorkommenden Verfahren 
beim Abbau unter den in Rede stehenden Verhältnissen lassen sich fol- 
gendermassen gliedern: 

I. Selbständiger getrennter Abbaubetrieb**) innerhalb jeder Flötzbank 
bezw^ jedes Flötzes ohne Hereingewinnung des Zwischenmittels, und zwar: 

a) unter gleichzeitiger Inangriffnahme der beiden Flötze l>ezw. Flötz- 
bänke, 

b) bei zeitlich getrenntem A])bau derselben. 

II. Gewinnung der zweiten Flötzbank von den Bauen der ersten aus 
mit Anstehenlassen des Zwischenmittels, welches nur durchbrochen bezw. 

*) Vergl. Dütting: »Welche Erfahrun,e:en hat man bisher im Saarbrücker 
Steinkohlenbezirke ül)er den zweckmässiji^sten Al)baii nahe bei einander liegender 
Flötze gemacht?« Z. f. B. H. S. 1892. Bd. XL. B. S. 223. Ferner: »Abbau 
mächtiger bezw. nahe bei einander liegender Flötze im Saarrevier. ^ Z. f. B. H. 
S. Bd. XLVIII B. S. 116. 

**) Die Gemeinschaftlichkeit eines Bremberges bezw. Bremsschachtes, Berge- 
rolUoches, kurz die Einheitlichkeit der Vorrichtungsbaue für beide Flötze 
bezw. Flötzbänke schliesst in dem hier verstandenen Sinne die Selbständigkeit 
des Abbaues beider nicht aus. Es handelt sich hier vielmehr darum, dass die un- 
mittelbar dem Abbau dienenden Baue, wie Abbau- und Förderstrecken, Durcli- 
hiebe und dergl. in jeder Bank für sich hergestellt werden, und dass überhaupt 
der Betrieb innerhalb jeder Bank das Bild eines selbständigen, von dem Betriebe 
in der anderen Bank äusserlich unabhängigen Abbaues bietet. 



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3. Kap.: Abbau in PlOtzgnippen usw. 297 

nur in den Förderstrecken mitgenommen wird. Die Gewinnung der zweiten 
Bank erfolgt: 

a) gleichzeitig mit dem Abbau der ersten, 

b) nachträglich nach dem Abbau der ersten. 

III. Einheitlicher Abbau des ganzen Flötzes mit Hereingewinnung 
der etwa vorhandenen Bergmittel. 

Diese verschiedenen Fälle sollen nachstehend näher erläutert und 
zum Teil durch Beispiele belegt werden. 

2. Erläuterung cfer verschiedenen Verfahren. 

Verfahren I. 

Das erstgenannte Verfahren, bei welchem jedes der beiden nahe 
zusammenliegenden Flötze selbstständig vorgerichtet und abgebaut wird 
findet sich sowohl beim Abbau mit als auch bei solchem ohne Versatz. 
Dasselbe bietet an und für sich keine besonderen Eigentümlichkeiten, 
da es den gewöhnlichen oben behandelten Verhältnissen beim Abbau von 
Flötzgruppen entspricht. Jedoch muss in solchen Fällen wegen der ge- 
ringen Stärke des Gesteinsmittels zwischen den beiden Flötzen der gegen- 
seitigen Abbauwirkung in besonderem Masse Rechnung getragen und daher 
der Abbau entsprechend sorgfältig ausgeführt und geregelt werden. 

a) Gleichzeitiger Abbau in beiden Flötzen. 

Sofern der Abbau in beiden Flötzen gleichzeitig stattfindet und ohne 
Versatz betrieben wird, kommt wieder die Regel zur Geltung, dass der- 
jenige des hangenden Flötzes stets etwas gegen den Abbau des liegenden 
vorausstehen muss. Die Abbauwirkung des liegenden Flötzes trifft dann 
also nicht die noch anstehenden Teile des hangenden, sondern bleibt in 
der Hauptsache auf den abgebauten Raum desselben beschränkt. In 
anderen derartigen Fällen wird bei gleichzeitigem Abbau der Abbau- 
wirkung Rechnung getragen durch Anwendung von Versatzbau in der 
Hegenden Bank oder in beiden Bänken. 

Ein Beispiel der letzteren Art liefert das auf der Zeche Massener 
Tiefbau IQ*) beim Abbau des sog. 6^0 ni- Flötzes seit dem Jahre 1899 
eingeführte Verfahren (Fig. 129). Dieses Flötz lagert bei einer Gesamt- 
mächtigkeit von 6,5 m und einem Einfallen von 70" in zwei durch ein 0,75 
bis 1,00 m starkes Bergmittel getrennten Bänken. Oberbank und Unter- 
bank werden jede für sich selbständig durch streichenden Stossbau mit 

*) „Versuche und Verbessemngen" in Z. f. B. H. u. S. W. 1900, Bd. XLVIII 
B. S. 115. 



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Abbau. 



Stössen von gewöhnlicher Streckenhöhe gewonnen, wobei der Bau in 
beiden Bänki^n gleichraässig neben einander fortschreitet. Dazwischen 
bleibt das Bergmittel nebst einem ca. 0,3 m mächtigen Packen der Unter- 
bank, welcher unter dem Mittel angebaut wird, anstehen. Das Mittel 
zwischen beiden Stossbauen wird jedesmal nur mit dem Berge- und 
mit dem Kohlenrollloche durchbrochen, welche gemeinschaftlich für beide 




Abj^ebauter 
teilweise \ 
setzter Stos« 



In Betrieb be- 
findlicher Bloss. 



Abee^aiiier und 
tctlwdse ver- 
SftKler Sioss. 



Fig. 129. 
Stossbau im ö^/s m Flötze der Zeche Massener Tiefbau III. 



Bänke in einer derselben angelegt werden. Dieses Verfahren ist an Stelle 
des früher gebräuchlichen /oben erwähnten einheitlichen Abbaues desselben 
Flötzes in voller Mächtigkeit getreten und hat sich aus den daselbst an- 
gegebenen Gründen als vorteilhafter erwiesen, obwohl der 0,3 m starke 
Packen der Unterbank verloren geht. 

Der gleichzeitige selbständige Abbau zweier nahe zusammenliegender 
Flötze ist im übrigen nicht immer ausführbar und vorteilhaft, da hierbei 
unter Umständen das Gebirge zu stark in Bewegung geraten kann. Be- 
sonders scheitert dieses Verfahren leicht, wenn das Bergmittel gebräch 
ist, es kann dann sowohl ein gleichzeitig in beiden Plötzen erfolgender 
Abbaustreckenbetrieb und Pfeilerabbau, als auch eine gleichzeitige Ge- 



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3. Kap.: Abbau in Plötzgruppen usw. 299 

winnung durch Bergeversatzbau mit breiten bezw. hohen Abbaustössen 
unmöglich werden. 

b) Zeitlich getrennter Abbau der beiden Fiötze. 

Die letztgenannten Gründe nötigen häufig dazu die beiden Fiötze 
einzeln nach einander vorzurichten und abzubauen anstatt gleichzeitig 
in beiden vorzugehen. Ebenso können jedoch auch mit dem Abbau nicht 
unmittelbar zusammenhängende betriebliche Verhältnisse oder lediglich die 
Gewohnheit auf der betreffenden Grube den zeitlich getrennten Betrieb 
veranlassen. 

Das Verfahren bei zeitlich getrenntem und selbständigem Abbau 
zweier nahe zusammenliegender Fiötze ist im wesentlichen nur durch die 
Rücksicht auf die gegenseitigen Abbauwirkungen bestimmt, während die 
Gewinnungsarten als solche sich nicht von denjenigen beim Abbau gewöhn- 
licher Fiötze unterscheiden. Wird ausschliesslich Pfeilerbau angewandt, 
so baut man das hangende Flötz zuerst ab und lässt einen längeren Zeit- 
raum — oft einige Jahre — verstreichen, bevor man das liegende Flötz an- 
greift, damit sich das Gebirge erst wieder setzen kann. Es würde dies also 
vollständig der mehrerwähnten allgemeinen Regel entsprechen. 

Häufig bringen es derartige Verhältnisse jedoch auch mit sich, dass 
die Gewinnung der liegenden Bank nachher überhaupt nicht mehr gelingt 
oder sich nicht mehr lohnt, weil die Holz- und Reparaturkosten in derselben 
zufolge des nahe darüber liegenden alten Mannes unverhältnismässig hoch 
sind, die Kohle minderwertig geworden ist, starke Schlagwetterausströmungen 
aus dem alten Bau stattfinden, Grubenbrand in demselben entsteht und 
dergl. Nicht selten hat man es daher auf den hiesigen Gruben in solchen 
Fällen, solange lediglich Pfeilerbau in Anwendung stand, vorgezogen, von 
vornherein auf die Gewinnung des einen der beiden Fiötze — je nach ihrer 
Güte, Stärke und Gewinnbarkeit des hangenden oder liegenden — zu ver- 
zichten und sich auf den Abbau nur eines derselben zu beschränken. 

Bei Anwendung von Bergeversatzbau gelingt dagegen die selbständige 
Gewinnung beider Bänke nach einander gewöhnlich ohne besondere 
Schwierigkeiten. Auch hierbei beobachtet man oft wieder dieselbe Reihen- 
folge beim Abbau der beiden Flötzbänke, wie beim Pfeilerbau, kann jedoch 
gewöhnlich den zeitlichen Zwischenraum zwischen dem Abbau beider ver- 
kürzen. Andrerseits hat sich ebenso wie beim Abbau mit Bergeversatz in 
Flötzgruppen der Verhieb der Fiötze in umgekehrter Reihenfolge gerade 
beim Abbau sehr nahe zusammenliegender Fiötze, vielfach als vorteilhafter 
erwiesen. Der Bergeversatz kann sich alsdann häufig auf das liegende 
Flötz beschränken, während das hangende nachträglich auch durch Pfeiler- 
bau gewonnen werden kann. 



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300 Abbau. 

Von den Fällen, in welchen sich der vorgängige Abbau des liegenden 
Flötzes unter Anwendung von Bergeversatzbau und die nachträgliche In- 
angriffnahme des hangenden ohne oder mit Bergeversatz bewährt hat, 
mögen folgende Beispiele erwähnt werden: 

Auf der vorwiegend steile Lagerung aufweisenden Zeche CentrumlH 
wurde beim Pfeilerbau früher aus den oben angedeuteten Gründen von 
dem Plötze Franziska, welches aus einer ca. 1 ,00 m mächtigen Oberbank, 
einem Bergemittel von 0,95 m und einer Unterbank von 1 ,5 m Stärke be- 
steht, nur die Unterbank gewonnen, während man die Oberbank gänzlich 
preisgeben musste. Nachdem man 1897 dazu übergegangen war, die Unter- 
bank mittels streichenden Stossbaues unter vollständigem Versätze abzu- 
bauen, gelang es ohne Schwierigkeit nachträglich die Oberbank zum 
streichenden Pfeilerbau vorzurichten und abzubauen.*) 

Auf der Zeche Hansa wurde von den durch ein gebräches Thon- 
schief ermittel von nur 0,75 — 1,00 m Stärke getrennten, mit 12—15° einfallenden 
Plötzen B und C früher zuerst das 1 m mächtige hangende Plötz B und 
demnächst das 1,75 m mächtige Plötz C gebaut. Hierbei ergaben sich 
wesentliche Nachteile. Das Bergmittel wurde durch den Abbau des 
Flötzes B sehr gelockert und war daher beim Abbau von Plötz C nur 
schwer und mit unverhältnismässig hohen Holzkosten zu halten. Auch 
wurde die Bewetterung des Flötzes C erschwert, da die frischen Wetter, 
bevor sie vor die Arbeitspunkte gelangten, sich durch das gebräche 
Mittel in die alten Baue des hangenden Flötzes B durchdrückten und hier 
abzogen. Mit gutem Erfolge baut man jetzt erst Plötz C mittels streichenden 
Stossbaues ab und demnächst in gleicher Weise das mit festem Sandstein- 
haitgenden ausgestattete hangende Plötz B, wobei das Bergmittel un- 
berührt anstehen bleibt.**) 

Aus ähnlichen Gründen werden auch auf der Zeche Graf Schwerin 
die nahe zusammenliegenden Plötze No. 10 und 11 in derselben Reihen- 
folge — zuerst das liegende, demnächst das hangende — abgebaut.**) 

Verfahren IL 

Dieses Verfahren unterscheidet sich von dem vorigen dadurch, dass 
die Abbau- bezw. Förderstrecken für beide Flötzbänke gemeinschaftlich 
in einer derselben hergestellt werden. Hierbei bleibt das Bergmittel in 
der Hauptsache wiederum anstehen, jedoch muss dasselbe entweder von 
Zeit zu Zeit durchbrochen oder in den Förderstrecken überhaupt mit- 
genommen werden, um aus diesen die zweite nicht mit Strecken durch- 

*) Z. f. B. H. u. S. W. 1898 Bd. XLVI iVersuche und Verbesserungen« B. S. 1 13. 
**) Z. f. B. H. u. S.W. 1901, Bd. XLIX »Versuche u, Verbesserungen c^ B.S. 299. 
***) Ebenda. 



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3. Kap.: Abbau in FlOtzgrappen usw. 301 

örterte Bank zugänglich zu machen. Im letzteren Falle beschränkt sich 
das Anstehenlassen des Bergmittels also auf die Abbauräume (Pfeiler, 
Stösse). 

Fälle der hier gedachten Art kommen im hiesigen Bezirke verhältnis- 
mässig selten vor; doch soDen einige hierher gehörige Beispiele nach- 
stehend angeführt werden. 

a) Gleichzeitis:er Abbau beider Plötze bezw. Flötzbänke. 

Die gleichzeitige Gewinnung des einen Flötzes von den Bauen 
des anderen aus unter Stehenlassen des Zwischenmittels ist zuweilen beim 
Pfeilerbau, besonders auf Gruben mit steiler Lagerung zu finden. Ein 
derartiger Fall liegt z. B. auf der Grube ver. Stock und Scheren- 
berg vor (vergl. Fig. 3a u. b auf S. 77 und 130). 

Im Felde genannter Grube, welche auf beiden Flügeln einer steilen 
Spezialmulde der Magerkohlengruppe im südlichsten Teile des flötzführenden 
Steinkohlengebirges baut, tritt das Flötz Eggerbank — auf dem Mulden- 
sttdflügel Gertgesbank genannt — teils mit einer 8—10 m erreichenden 
Kohlenmächtigkeit ohne stärkere Bergmittel auf, teils ist dasselbe durch 
Bergmittel von 1 — 2 m Stärke in mehrere Bänke von etwa derselben 
Stärke getrennt. Statt eines Bergmittels erscheint stellenweise auch ein 
Kohleneisensteinpacken. Die ganze Flötzmulde wird mögHchst einheitlich 
mit streichenden Baulängen von nur je 60 m vorgerichtet, wie es im Al)- 
schnitte »Vorrichtung« näher angegeben und durch Fig. 3a u. b auf S. 77 
erläutert worden ist. 

Gewöhnlich werden zwei Bänke des Flötzes, welche durch ein etwa 
1 m starkes Mittel getrennt sind, gleichzeitig durch streichenden Pfeiler- 
bau gewonnen. Während des Abbaustreckenbetriebes, welcher sich aus- 
schliesslich auf die Unterbank, nötigenfalls unter Nachreissen des 
Liegenden, beschränkt, bleiben das Bergmittel und die Oberbank ganz un- 
berührt. Letztere wird auf den einzelnen Abbaustrecken erst mit dem 
Beginne des Pfeilerrückbaues durch Herstellung von Durchbrüchen in dem 
Bergmittel zugänglich gemacht. Der Pfeilerrückbau über der einzelnen 
Abbaustrecke gestaltet sich dementsprechend folgendermassen : Nachdem 
das Ort die Baugrenze erreicht hat, wird zunächst an letzterer sowie bei 
5 m Entfernung von derselben ein 1 — 1,5 m weiter Durchbruch durch das 
Bergmittelhergestellt (Fig. 130). In der hierdurch gelösten Oberbank treibt 
man, ohne das Hangende und das Bergmittel anzufassen, ein einfaches 
Verbindungsörtchen von Durchbruch zu Durchbruch, bringt aus demselben 
ein Grenzüberhauen in der Oberbank hoch und beginnt sodann mit dem 
Rückbau des Oberbankpfeilers. Mit dem Vorrücken des Pfeilerverhiebes 
wird von 5 zu 5 m ein neuer Durchbruch aus der Abbaustrecke nach der 



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302 



Abbau. 



Oberbank hergestellt und es wird dem Pfeilerstosse der letzteren zur Er- 
leichterung der Gewinnungs- und Wegfüll arbeit ständig wieder von Durch- 
bruch zu Durchbruch ein Abbauörtchen genannter Art vorausgetrieben. 
Die in der Oberbank fallende Kohle kann auf diese Weise ohne Schwierig- 




Fi(/. 130, 
Zeche ver. Stock u. Scheerenberg. Pfeilerbau im Flötze Eggerbank. 

keit mittels der Schaufel durch die Durchbrüche in die Abbaustrecke 
geworfen und hier verladen werden. Die Durchbrüche vermitteln zugleich 
die Bewetterung der Pfeiler in der Oberbank. Die Bewetterung des Baues 
bietet übrigens auch an und für sich keine Schwierigkeiten, da Schlag- 
wetter nicht vorhanden sind. 



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3« Kap.: Abbau in FlOtsgruppen usw. 303 

Inzwischen wird auch der Rückbau des Pfeilers der Unterbank in 
gewöhnlicher Weise begonnen und fortgeführt, jedoch lässt man den 
Pfeilerstoss in derselben immer einige Meter hinter demjenigen der Ober- 
bank zurückstehen. 

Im übrigen bietet die Arbeitsweise in den Pfeilern der Ober- und 
Unterbank keine von dem gewöhnlichen Betriebe des Pfeilerbaues in 
steilen Plötzen abweichenden Besonderheiten. So lässt man u. a. auch in 
beiden Bänken Schweben zum Schutze gegen den oberen alten Mann 
stehen. Der Ausbau der Pfeilerräume muss in der Regel in beiden Bänken 
mit Rundhölzern am Hangenden und Liegenden und gutem Verzuge aus- 
geführt werden, da das Bergmittel verhältnismässig schwach und gebräch 
ist, nahe über dem Hangenden oft der ältere Abbau einer hängenderen 
Flötzbank liegt und im Liegenden weitere Kohlenbänke anstehen. 

In ähnlicher Weise werden auch auf dem Schachte Friedrich Joachim 
der Zeche Königin Elisabeth die durch ein 3 m starkes Zwischen- 
mittel getrennten Gaskohlenflötze 2 und 3 durch streichenden Pfeilerbau 
gewonnen. Nur werden hier die Pfeilerabbaustrecken im hangenden 
Plötze No. 2 aufgefahren und aus demselben beim Rückbau wegen der 
grösseren Stärke des Bergmittels statt einfacher Durchbrüche Querschläge 
in Abständen von 10 m nach dem liegenden Plötze getrieben. Der Pfeiler- 
rückbau schreitet in beiden Plötzen ziemlich gleichmässig fort. 

Auch von der Z e c h e Carl Friedrich ist dasselbe Verfahren 
bekannt geworden. Hier wurde schon in den 1870er Jahren das mit 75® 
einfallende aus einer 1,5 m mächtigen Oberbank, einem Bergmittel von 
2 m und einer Unterbank von 1 m Stärke bestehende Flötz No. 5 in dieser 
Weise abgebaut. Abgesehen davon, dass hier wie im vorerwähnten Falle 
die Abbaustrecken in der stärkeren Oberbank angelegt wurden, entspricht 
der betreffende Bau fast genau dem oben beschriebenen der Zeche ver. 
Stock und Scherenberg.*) 

b) Nachtras^liche Qewinnuns^ des zweiten Flötzes von den in dem 
ersten bereits abs:ebauten Plötze liegenden Strecken aus. 

Fälle, in welchen das zweite Flötz erst nach beendigtem Abbau des 
ersten von dessen Strecken aus gewonnen wird, sind im hiesigen Bezirke 
seltener anzutreffen, als das vorgenannte Pfeilerbauverfahren mit gleich- 
zeitigem Abbau beider Bänke. Es kann sich hierbei bezüglich des zuerst 



♦) Dieses Pfeilerbauverfahren ist im hiesigen Bezirke überhaupt schon länger 
gebräuchlich. In Lottner-Serios Bergbaukunde, zweite Auflage 1873, Bd. I, S. 392 
wird dasselbe ohne nähere Bezeichnung der Gruben als im Flötze Elf-, Fünf- imd 
Sechshandbank üblich angegeben. Auch auf der Zeche ver. Stock und Scheren- 
berg ist dasselbe schon lange bekannt. 



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304 Abb«u. 

abzubauenden Flötzes immer nur um einen Abbau mit Bergeversatz handeln, 
welcher das Offenhalten von Förderstrecken ermöglicht. Der Abbau der 
zweiten Flötzbank kann dagegen ohne oder mit Bergeversatz ausgeführt 
werden. 

Ein Beispiel für die erfolgreiche Anwendung eines derartigen Ver- 
fahrens liefert ein im Flötze 25 der Zeche Hannover III Mitte der 1890er 
Jahre eingeführter Abbau*). Von diesem aus einer 1,10 m mächtigen Ober- 
bank, einem 1 m starken Bergmittel und einer 0,94 m mächtigen Unter- 
bank bestehenden und mit 50" einfallenden Flötze wurde früher nur die 
Oberbank durch streichenden Pfeilerbau gewonnen, während die Unterbank 
völlig verloren gegeben wurde. Aber auch der Abbau der Oberbank ge- 
lang nur unter grossen Schwierigkeiten und Abbauverlusten. Obwohl man 
die streichende Baulänge auf 70 m beschränkte, mussten doch die Strecken 
schon vor Beginn des Pfeilerrückbaues wegen des Aufquellens des das 
Liegende bildenden Bergmittels häufig nachgerissen werden. Man ist in- 
folgedessen beim Abbau des Flötzes 25 zu nachstehendem Verfahren über- 
gegangen. 

Zunächst wird die Unterbank mit streichendem Strebbau abgebaut, 
wobei das Bergmittel in den Strebstrecken mitgenommen und zum Ver- 
sätze der Strebstös.se verwendet wird. Im übrigen bleibt dasselbe anstehen. 
Nach Beendigung des Strebbaues in der Unterbank greift man die bis 
dahin unberührt gebliebene Oberbank an der Baugrenze von den 
Strebstrecken aus an und gewinnt dieselbe mittels Pfeilerrückbaues, 
indem die Strebstrecken nunmehr als Pfeilerabbaustrecken dienen. Die 
Selbstkosten und Abbauverluste im Flötz 25 haben sich infolge dieses Ab- 
bauverfahrens erheblich herabgemindert. 

Ein weiteres hierher gehöriges Beispiel liefert ein auf dem Schachte 
Friedrich Joachim der Zeche Königin Elisabeth stellenweise ange- 
wandtes Verfahren beim Abbau der nur 1,5 — 2 m auseinander liegenden 
steilen Flötze Beckstädt und Fettlappen. In der betreffenden Bauabteilung 
wird, gegebenenfalls unter Teilung der flachen Bauhöhe, zuerst das 
hangende Flötz Beckstädt allein durch feldwärts fortschreitenden 
Firstenbau abgebaut. Nachdem dasselbe bis zur Grenze der Bauabteilung 
verhauen ist, wird von dieser zurückschreitend das noch unberührt an- 
stehende liegende Flötz Fettlappen aus der unteren und oberen Firsten- 
baustrecke (Sohlenstrecke, Teilstrecke) durch kurze Querschläge in Ab- 
ständen von 5 zu 5 m gelöst und durch schwebenden Stossbau in der bei 
steiler Lagerung üblichen Form desselben gewonnen (vergl. »Der Abbau 
steiler Flötze durch schwebenden Stossbau«). Die schwebenden Stösse er- 
halten eine dem Querschlagsabstande entsprechende Breite von jedesmal 

♦) Z. f. B. H. u. S. W. 1896, Bd. XLIV B. S. 174. 



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3* Kap.: Abbau in PlOtzgruppen usw. 305 

5 m und werden von Sohle zu Sohle bezw. Teilsohle hochgebracht. Jeder 
Stoss erhält unten eine rolllochsartige Entladevorrichtung, welche unmittel- 
bar in den zugehörigen Querschlag mündet. Aus dem oberen Querschlage 
werden nach dem Aushiebe und der Entleerung des betreffenden Stosses 
die zum Versätze erforderlichen Berge in denselben hineingestürzt. 

Verfahren III. 

Zum einheitlichen Abbau nahe zusammenliegender Flötze unter Mit- 
gewinnung des trennenden Gesteinsmittels schreitet man gewöhnlich, wenn 
das letztere so schwach oder so wenig haltbar ist, dass das Anbauen 
desselben nicht angängig sein würde oder zum Verzicht auf die 
Gewinnung einer der beiden Flötzbänke führen müsste. Es handelt sich 
hierbei um ein Hinabgehen der Stärke des Bergmittels auf weniger als etwa 
1 m, also um Fälle, in welchen die beiden Flötzbänke einschliesslich des Berg- 
mittels im bergmännischen Sinne als ein einziges mächtiges Flötz anzusehen 
sind. Dasselbe gilt entsprechend für mächtige Flötze ohne Bergemittel. 

Wo die Stärke des Bergmittels die oben angegebene Grenze streift 
und sowohl ein einheitlicher Abbau als auch die getrennte Gewinnung 
beider Flötzbänke in Frage kommen könnte, ist hauptsächlich die Lage 
des Bergmittels innerhalb des Flötzkörpers bezw. die Verteilung der 
Kohlenmächtigkeit auf die beiden Flötzbänke entscheidend für die Wahl 
des einen oder anderen Verfahrens. Ist die eine Bank sehr mächtig, die 
andere sehr schwach und letztere für sich infolgedessen kaum bauwürdig, 
so kann dies zum einheitlichen Abbau unter Hereingewinnung des Mittels 
führen, sofern nicht etwa die Haltbarkeit des letzteren und die Stärke der 
schmalen Bank auch noch die Anwendung eines der unter II behandelten Ver- 
fahren gestatten. Besitzen dagegen, die gleiche Stärke und Haltbarkeit des 
Bergmittels wie im vorigen Falle vorausgesetzt, beide Flötzbänke eine 
wenigstens der gewöhnlichen Flötzmächtigkeit gleichkommende Stärke, so 
hängt es mehr von den sonstigen für den Abbau wichtigen Umständen ab, 
ob das eine oder andere Verfahren vorgezogen wird. 

Als Abbauart für die einheitliche Gewinnung mächtiger Flötze mit 
oder ohne Bergmittel findet sich im hiesigen Bezirke bald der gewöhn- 
liche Pfeilerbau bald ein Bergeversatzbau. Von letzterem kommt nament- 
lich in Betracht der streichende Stossbau, femer auch wohl Pfeilerbau mit 
Versatz und Strebbau. Bei der Besprechung dieser Abbauarten ist 
mehrfach des Einflusses einer grösseren Flötzmächtigkeit auf die 
Ausführung der betreffenden Abbauart gedacht und auf bestimmte 
Beispiele hingewiesen worden. Die Eigentümlichkeiten des einheitlichen 
Abbaues mächtiger Flötze liegen hiemach hauptsächlich in der Art der 
Hereingewinnung bezw. des Verhiebes der Kohlenbänke und der etwa vor- 

Sammelwerk. II. 20 



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306 Abbau. 

handenen Bergmittel in den Strecken, Pfeilern und Stössen, sowie in der 
Art der Verzimmerung der Strecken und Abbauräume. 

Hierzu mögen nachstehend noch einige weitere Bemerkungen und 
Beispiele Platz finden. 

a) Pfeilerbau. 

Pfeilerbau wendet man in Plötzen von grosser Mächtigkeit, deren 
einheitlicher Abbau beabsichtigt wird, jetzt meistens nur bei massigem 
Einfallen der Gebirgsschichten an, während steile Lagerung unter sonst 
gleichen Verhältnissen häufiger zur Anwendung der oben genannten Berge- 
versatzbauarten führt. 




Fig. 131. 
Zeche Hannibal 1, Fl. Leonhard. Abbaustrecke beim streichenden Pfeilerbau. 

Die Pfeilerabbaustrecken werden gewöhnlich nur in der für die 
Zwecke der Förderung und Wetterführung nötigen Weite aufgefahren und 
zwar verlegt man dieselben je nach den Umständen in die Unterbank oder 
in die Oberbank. Auf der Zeche ver. Hannibal I baut man z. B. beim 
Abbaustreckenbetrieb in dem 3,5 m mächtigen Plötze Leonhard die 
hangende 1,5 m mächtige Bank an und verlegt die Strecken in den aus 
Unter- und Mittelbank nebst zwei Bergmitteln gebildeten liegenden Teil 
des Flötzes (Fig. 131). Wird jedoch die Hereingewinnung eines stärkeren 
Bergmittels beim Streckenbetriebe erforderlich, so wird wohl auch der 
Streckenaushieb schon auf die ganze Flötzmächtigkeit ausgedehnt und der 
überschüssige Teil des ausgehauenen Raumes durch die mitgewonnenen 
Berge wieder verfüllt. So wird z. B. beim Streckenbetriebe in dem ca. 
3 m mächtigen Plötze Dickebank der Zeche Victor (Fig. 132a u. b) der 



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3. Kap.: Abbau in FlOtzgruppen usw. 



307 





Fig. 132. 
^eche Victor, Fl. Dickebank. Auffahren der Abbaustrecken beim Pfeilerbau. 

20» 



\ 



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308 Abbau. 

Aushieb in der ganzen Flötzmächtigkeit vorgenommen, indem nacheinander 
die Unterbank, das Bergmittel und die Oberbank hereingeholt werden. 
Die Berge füllen sich auf dem Liegenden so hoch wieder auf, dass unter 
dem Hangenden nur ein freier Streckenquerschnitt von gewöhnlicher Weite 
verbleibt, welcher mit Zimmerung versehen wird. 

Die beim Abbaustreckenbetriebe erforderlich werdenden Wetter- 
durchhiebe stellt man bei grösserer Flötzmächtigkeit fast stets nur in 
einem der Flötzpacken her und vermeidet die Hereingewinnung der Berg- 
mittel dabei möglichst. 

Die Pfeilerhöhe wird gewöhnlich nur gering (ca. 6 — 8 m) genommen. 

Beim Rtickbau der Pfeiler werden Flächen von angemessener Grösse 
gewöhnlich bankweise zum Verhiebe gebracht, wie dies einerseits mit 
Rücksicht auf die Sicherheit der Arbeit und das Einbringen der Zimmerung 
andrerseits, beim Vorhandensein eines Bergmittels, zur Vermeidung einer 
Verunreinigung der Kohle sich als notwendig erweist. Ob hierbei die ein- 
zelnen Bänke der Reihe nach von der hangenden zur liegenden oder in der 
umgekehrten Reihenfolge verhauen werden, hängt ausser von dem Grade der 
Gewinnbarkeit der Ober- und Unterbank namentlich auch von der Beschaffen- 
heit des Hangenden und der Festigkeit des etwa vorhandenen Bergmittels ab. 
Es wird also z. B. erst die Oberbank ein Stück vorgearbeitet, sodann auf 
die freigelegte Fläche das Bergmittel abgedeckt und in den zurück- 
liegenden Pfeilerraum geworfen, und endlich die Unterbank aufgebrochen. 
Häufig wird es dabei notwendig, das entblösste Hangende noch vor der 
Hereingewinnung des Bergmittels und der Unterbank durch Zimmerung zu 
unterfangen. Dies geschieht mit Hülfe verlorener Stempel, welche auf die 
noch anstehende Unterbank bezw. das Bergmittel gestellt und nachträglich 
durch lange Stempel ersetzt werden. 

Ein Beispiel für einen derartigen bankweise vom hangenden zum 
liegenden Flötzpacken fortschreitenden Pfeilerverhieb mit sofortigem Ab- 
fangen des Hangenden liefert der in Fig. 133 dargestellte Fall, welcher 
dem schon erwähnten Flötze Gertgesbank der Zeche ver. Stock und 
Scherenberg entnommen ist. Hierbei handelt es sich um den einheitlichen 
Abbau des 3,5 — 4 m mächtigen hangenden Teiles genannten Flötzes, welcher 
aus einer liegenden bis 2 m mächtigen Kohlenbank, einem darüber folgen- 
den 0,1 — 0,2 m starken Bergmittel, einem bauwürdigen Kohleneisenstein- 
packen von 0,8 — 1,0 m und einem hangenden Kohlenpacken von 0,5 m 
Stärke besteht. Das Einfallen ist in diesem Falle ein mittelstarkes. 
Der Verhieb der Bänke erfolgt in schwebenden Streifen von 1 — 2 m 
Breite. Die Oberbank wird in dieser Breite jedesmal zunächst für sich 
allein auf eine flache Höhe von ca. 3 m herausgearbeitet, wobei nötigen- 
falls ein verlorener Stempelschlag angewandt wird. Nachdem die Höhe 
von 3 m erreicht ist, wird das Hangende gleich mit dem endgültigen 



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3. Kap.: Abbau in FlOtzgnippen usw. 



309 



Pfeilerholze und Verzuge abgefangen. Es wird nämlich ein Rundholz 
von entsprechender Länge schwebend untergebaut, welches am unteren 
Ende einen langen, am oberen Ende einstweilen einen kurzen Stempel 
erhält und mit dem vorhergehenden Ge viere durch Verzughölzer ver- 
bunden wird. Sodann werden der Eisenstein, das Bergmittel und die 
Unterbank nach einander hereingewonnen und schliesslich der obere kurze 



*<*^ 




Fig, 133. 
Zeche ver. Stock und Scherenberg. Pfeilerverhieb im Plötze Gertgesbank, 



Stempel des neuen Gevieres durch einen langen ersetzt, worauf der RCvSt 
des schwebenden Abschnittes bis zur oberen Abbaustrecke bezw. bis an 
den stehenbleibenden Abdruck unter derselben in gleicher Weise in An- 
griff genommen wird. Zur Erleichterung des Wegfüllens im Pfeiler führt 
man das Abbaustreckengestänge beim Verhiebe der Unterbank jedesmal 
mittels Kurve ein Stück in den Pfeilerraum hinein. 

In der umgekehrten Reihenfolge verfährt man z. B. in dem oben er- 
wähnten Plötze Leonhard der Zeche Hannibal beim Hereinbänken der 
Pfeiler. Es werden zunächst miteinander die 0,80 m und 0,75 m mächtige 






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310 Abbau. 

Unter- und Mittelbank nebst den dieselben von einander und von dem 
hangenden Packen trennenden Bergmitteln von der Abbaustrecke aus in 
einem etwa 3 — 5 m breiten schwebenden Abschnitte auf die ganze Pfeiler- 
höhe hereingewonnen, wobei meistens in der Unterbank etwas vorgearbeitet 
wird. Die 1,5 m mächtige Oberbank, welche, wie oben bemerkt, auch in 
der Strecke angebaut worden war und durch die Zimmerung des 
schwebenden Pfeilerabschnittes der unteren Bänke einstweilen unterfangen 
ist, wird schliesslich durch Rauben der Zimmerung und nötigenfalls 
unter Zuhülfenahme von Sprengarbeit hereingeholt. 

b) Abbau mit Berg^eversatz. 

Fälle, in welchen mächtige bezw. nahe zusammenliegende Plötze ein- 
heitlich mit Bergeversatz abgebaut werden, finden sich im hiesigen Bezirke 
häufiger. Es handelt sich hierbei namentlich um stark einfallende Plötze 
und bezüglich der Abbauart meistens um Formen des Stossbaues mit 
Stössen von einfacher Streckenhöhe. 

Als erstes Beispiel dieser Art sei hier aufgeführt der unter I. bereits 
erwähnte ursprünglich angewandte Stossbau in dem durch Zusammen- 
lagern der Plötze 5 und 6 der Zeche Masse ner Tiefbau gebildeten so- 
genannten 672 m -Plötze. Das betreffende Abbau verfahren ist auf Schacht III 
dieser Zeche in neuerer Zeit durch den getrennten Abbau der Bänke ersetzt 
worden; dasselbe ist jedoch auf dem Schachte I lange Zeit und unter eigen- 
artigen Verhältnissen zur Anwendung gelangt und verdient daher näher 
beschrieben zu werden. Auf denselben beziehen sich Fig. 23 auf S. 112 
und Fig. 134, zu welchen nachstehendes zu bemerken ist. 

Man richtet das Flötz in den Bauabteilungen durch einen im Liegen- 
den hochgebrachten seigern Bremsschacht vor, welcher nebenbei bemerkt 
meist auch zur Lösung des weiter im Liegenden befindlichen Flötzes No. 4 
dient. Zufolge der querschlägigen Lösung des 6V2 m-Flötzes vom Brems- 
schachte aus in jeder einzelnen Stosssohle tritt der schon auf S. 113 er- 
wähnte und durch Fig. 23 erläuterte Fall ein, dass die Lösungsquerschläge 
unmittelbar übereinander zu liegen kommen und zusammen einen vom 
Bremsschachte bis zum Plötze durchgehenden Schlitz bilden, welcher mit 
dem Aufrücken des Abbaues gleichfalls wieder versetzt wird. 

Fig. 134 erläutert zunächst das Aufl^ahren und den Ausbau des ersten 
Stosses bezw. der Grundstrecke der Bauabteilung. Hierbei wird ausser 
der Förderbahn c eine seitliche, durch eine Bergeversatzwand d gebildete 
Wetterrösche c offen gehalten. Für die übrigen Stösse kommt eine solche 
in Fortfall, da an der Grenze der Bauabteilung von dem ersten Stosse aus 
ein Wetterüberhauen zur oberen Sohle hochgebracht wird. Man versetzt 
daher bei den folgenden Stössen, wie Fig. 134 weiter ersichtlich machte 
jedesmal gleich den ganzen Raum ausser der offenbleibenden Förderbahn. 



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3. Kap.: Abbau in PlOtzgruppen usw. 



311 



Ausserdem wird von der neuen Stosssohle aus das überfahrene Stück 
der noch offenen und als Wetterstrecke dienenden alten Förderbahn des 
vorhergegangenen Stosses verstürzt. Da nur ein Teil der nötigen Versatz- 
berge im Flötze selbst fällt, so müssen die fehlenden Berge vom Brems- 
schachte aus zugefördert werden. Die neue Stossstrecke dient daher 
jedesmal sowohl der Kohlen- als auch der Bergeförderung. Die Strecke 
erhält ihre Lage im mittleren Teile des Stossraumes. Hier wird der 
Kohlensloss immer einige Meter in etwas grösserer als der erforderlichen 
Streckenbreite vorgetrieben und mit einem Thürstockgeviere verzimmert. 
Die Gewinnung des liegendsten und hängendsten Flötzpackens rückt 




Stoss No. III 
a« - Förder- 
strecke f. Kohle 
u. Berge 



Stn^* No. II 
«, atte Förderstrecke, 
jplit Wetterstrecke. 



!^loss Ho. I 

a - Sohlenstrecke. 
c lfCilT<rre Wetierrösche, 
d Bf rfjcjnauer als Wetter- 
scheider. 



Fig. 134. 
Stossbau im 6V2ni Flötze der Zeche Massener Tiefbau I. 



gleichmässig nach und es werden entsprechend beiderseits halbe Geviere an 
das von vornherein entsprechend^Agerichtete Mitteigevier angeschlossen. 
Die Beinhölzer der Geviere werÄn jedesmal auf die Kappen der Geviere 
des vorhergehenden Stosses gestellt und auf denselben durch lange Draht- 
nägel befestigt. Nur ein Teil des von dem Mittelgeviere gebildeten Quer- 
schnittes bleibt jedoch als Förderbahn frei und zwar wird letztere bei den 
auf einander folgenden Stössen abwechselnd an die linke und rechte Seite 
des Gevierquerschnittes verlegt. Hierdurch erhält man für die neue Bahn von 
vornherein eine feste, vom Bergeversatz gebildete Sohle, was erforderlich 



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312 Abbau. 

ist, da die Entleerung der Bergewagen durch seitliches Umkippen 
erfolgen muss und daher die Bahn starken Stössen ausgesetzt ist. Zu- 
gleich wird durch diesen Wechsel in der Streckenlage das Verstürzen 
der alten unteren Strecke erleichtert, da der auf die lange Seite gekippte 
Bergewagen sich unmittelbar in dieselbe entleeren kann. Der Bergeversatz 
wird in der Weise eingebracht, dass mit dem Vorrücken des Kohlenstosses 
zuerst die alte Strecke aj (s. Fig. 134), sodann die seitlichen Räume b^ 
und C2 des im Betrieb stehenden Stosses versetzt werden und schliesslich 
der nachträglich durch Mittelstempel Sg von dem mittleren Strecken- 
geviere abgetrennte Raum dg zur Seite der Förderbahn verfüllt wird. 

Den Grund, diese Bauart aufzugeben, bildete die grosse Neigung des 
Flötzes zu Firstenbrüchen, welche bei der grossen Breite der Stösse trotz 
des starken Ausbaues sich fortwährend wiederholten, Schlagwetteransamm- 
lungen verursachten, sowie öfter zum Preisgeben eines Teiles der Kohle 
zwischen dem Versätze nötigten und dadurch die Entstehung von Gruben- 
brand in dem an und für sich zur Selbstentzündung neigenden Flötze be- 
günstigten*). Auf Schacht I nötigte ein aus dieser Ursache im Versätze einer 
Bauabteilung ausgebrochener Grubenbrand dazu, den Versatz fortan gänzlich 
unter Wasser zu halten, um den Abbau überhaupt fortsetzen zu können. Zu 
diesem Zwecke musste, wie in Fig. 23 a. S. 1 1 2 angedeutet ist, der das Flötz mit 
dem Bremsschachte verbindende querschlägige Schlitz durch einen mit dem 
Aufrücken der Stösse nachgeführten Mauerdamm gegen den Bremsschacht 
abgesperrt werden. Ausserdem wurde es erforderlich, den betreifenden 
Abteilungsquerschlag an der Stelle, an welcher derselbe das Flötz durch- 
fahren hatte, nachträglich mit einem wasserdichten Tubbingsausbau zu ver- 
sehen, da der Abbau unmittelbar an dem Querschlage begonnen hatte und 
ein Aufstauen der Wasser im Flötze andernfalls nicht möglich gewesen wäre. 

Unter ähnlichen Lagerungsverhältnissen wie im vorbeschriebenen 
Falle kommt der einheitliche Abbau in grosser Flötzmächtigkeit u. a. auch 
auf den Zechen Westhausen, Prinz von Preussen und Courl vor. 

Von der Zeche Westhausen ist z. B. ein das Flötz A betreifender 
Fall zu erwähnen. Das 5 m mächtige und mit 50° einfallende Flötz wird 
durch ein 2 m starkes gebräches Bergmittel in eine Oberbank von 1 m und 
eine Unterbank von 2 m Mächtigkeit geteilt. Versuche, die beiden Bänke 
getrennt zu gewinnen, fielen wegen der gebrächen Beschaffenheit des Berg- 
mittels ungünstig aus, infolgedessen man sich zum einheitlichen Stoss- 
ortsbau mit Gewinnung des Mittels entschlossen hat. Die Berge werden 
bei jedem Stösse zur Seite und in der alten Strecke versetzt. 

In dem beim streichenden Stossbau erwähnten und in Fig. 56 a. S. 167 
dargestellten Flötze Röttgersbank der Zeche Prinz von Preussen hat man 



*) Z. f. B. H. S. W. Bd. XLVIII, Jahrg. 1900 B. S. 115. 



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3. Kap.: Abbau in PlOtscnippen uaw. 313 

an einer Stelle, wo die Flötzmächtigkeit infolge einer Ueberschiebung auf 
5—7 m steigt und das Einfallen 60—75* beträgt, den Anfang mit einem 
Querbau in Streckenhöhe gemacht. Von der daselbst am Hangenden in 
gewöhnlicher Weite aufgefahrenen Sohlenstrecke aus gewinnt man die zur 
Seite derselben anstehende Kohle in querschlägigen Stössen von Strecken- 
höhe und 2,5 m Breite, welche an der Baugrenze beginnend einzeln der 
Reihe nach bis ans Liegende getrieben werden. Beim Abbau eines solchen 
querschlägigen Streifens wird jedesmal der vorhergehende wieder mit 
Bergen versetzt*.) 

Den Abbau eines bis 7 m mächtigen steilen Flötzes der Zeche 
Courl erläutert das Querprofil Fig. 135. Die grosse Mächtigkeit ist hier 
die Folge des Zusammenlagems der Flötze 5 und 6. Der Bau kennzeichnet 
sich als ein Stossbau mit ca. 4 m hohen Stössen, welcher abwechselnd in der 
liegenden und hangenden Hälfte des ganzen Flötzes bezw. abwechselnd im 
Flötze 5 und 6 betrieben wird. Zunächst ist am Hangenden die Sohlenstrecke 
bezw. der erste Stoss (in der Figur mit I bezeichnet) in einfacher Strecken- 
höhe und halber Flötzmächtigkeit bezw. in der Mächtigkeit des Flötzes 6 auf- 
gefahren und mit Thürstockgevieren verbaut worden. Der am Hangenden 
gelegene und durch einen Mittelstempel abgetrennte Raum wird gleich beim 
Auffahren der Strecke wieder versetzt. Nachdem die Baugrenze erreicht ist, 
beginnt von dem hier befindlichen BergerolUoche aus der Stossbau in der 
liegenden Hälfte des Flötzes mit einer Stosshöhe von ca. 4 m (IIa u. b in 
Fig. 135). Nach dem Abbau dieses Stosses auf die ganze Baulänge greift 
man die hangende Hälfte mit einem 4 m hohen Stosse (Illa u. b) an, dem- 
nächst wieder die liegende Hälfte (IVa u. b) und so fort. 

In den 4 m hohen Stössen wird jedesmal die obere Hälfte (IIa, Illa, 
IVa, Va) einige Meter in der anstehenden Kohle vorgetrieben und als 
neue Stossstrecke mit Thürstockgevieren verzimmert. Die Zimmerung 
baut man jedoch so ein, dass dieselbe unabhängig von der Sohle bleibt. 
Dies wird erreicht durch das Eintreiben eines zugleich als Gestänge- 
schwelle dienenden Sohlenstempels zwischen die Beinhölzer, ausserdem 
bei den am Flötzliegenden befindlichen Beinhölzern durch Einbühnen im 
Gestein, bei den in der Flötzmitte stehenden, durch Aufstellen auf die 
Zimmerung der vorhergehenden Stossstrecke. Die anfänglich die Strecken- 
sohle bildende untere Hälfte des betreffenden im Abbau befindlichen Stosses 
(IIb, lllb u. s. w.) wird dem Vorrücken der Strecke entsprechend herein- 
gewonnen und der ausgehauene freie Raum dabei ohne weiteren Ausbau 
gleich wieder versetzt. Die nunmehr auf dem Versätze ruhenden Strecken- 
geviere erhalten dann noch einen Mittelstempel. 

Das Zufördem der Versatzberge erfolgt über die neue Stossstrecke, 

*) Z. f. B. H. S. VV. 1901, Bd. XLIX B. S. 299. 
Sammelverk II. 20 a 



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314 



Abbau. 



:fi/.6 



FL5 




I: Erster Stoss (Orundstrecke) . II a u. b: Zweiter Stoss. 

Illa u b: Dritter Stoss. IV a u. b: Vierter 

Va u. b: Fünfter Stoss. 

Fig, 135, 
Stossbau in den zusammenliegenden Plötzen Nr. 5 u. 6 der Zeche Courl. 

während die alte unterhalb und zur Seite in der anderen Flötzhälfte 
liegende Stossstrecke zur Kohlenförderung dient. Man legt daher das 
Streckengestänge immer an die der Flötzmitte zugewandte Seite der Stoss- 
strecke. . Die alte »Strecke wird gleichmässig mit dem nebenan in gleicher 
Höhe liegenden unteren Abschnitte des neuen Stosses wieder versetzt. 



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Bemerkungen 2ur Statiaüschen Ueberslcht. 3l5 

4. Kapitel. 

Statistische Uebersicht über die Abbau -Verhältnisse 

der dem Oberbergamtsbezirke Dortmund angehörigen Gruben 

des niederrheinisch -westfälischen Steinkohlengebietes 

im Jahre 1898. 

Bemerkungen: 

Die in den Spalten 7—16 für die einzelnen Abbauarten angegebenen 
Jahresfördermengen sind nicht unbedingt genau, sondern mussten unter 
Zugrundelegung der Prozentsätze berechnet werden, mit welchen die ein- 
zelnen Abbauarten einschliesslich der zugehörigen Vorrichtungsbetriebe 
zur Zeit der Erhebung der Statistik — Ende 1898 — an der Förderung der 
betreffenden Gruben beteiligt waren. Diese Prozentsätze sind die in den 
Spalten 7 — 16 angegebenen. Hieraus sind sodann die Werte — t und % — 
der Spalten 18 — 19 berechnet worden. Eine genauere Feststellung der 
thatsächlich auf den einzelnen Gruben im Laufe des ganzen Jahres durch 
die einzelnen Abbauarten gewonnenen Fördermengen war ausgeschlossen, 
da die wenigsten Gruben eine derartige Statistik führen, vielmehr ihre 
Förderstatistik nach anderen, den praktischen Betriebszwecken näher 
liegenden Gesichtspunkten aufzustellen pflegen (Trennung nach Flötzen, 
Bausohlen, Steigerrevieren, Kohlensorten u. dergl.). 

Ebenso können die die Mengenverhältnisse und Kosten des Berge- 
versatzes betreffenden Zahlen in den Spalten 20, 21 und 26 nicht durchweg 
Anspruch auf absolute Genauigkeit machen, da die von den einzelnen 
Gruben in dieser Beziehung angegebenen Werte wegen der Schwierigkeit 
derartiger Feststellungen zum Teil auf Schätzungen beruhen. 

Im ganzen dürfte das Bild der Abbauverhältnisse durch diese Un- 
genauigkeiten keine wesentliche Verschiebung erleiden. 

Nähere Angaben über Leistungen und Kosten bei der Vorrichtung 
und beim Abbau können hier leider nicht gemacht werden, da der Be- 
schaffung des dazu nötigen umfangreichen Materials unüberwindliche 
Hindemisse im Wege standen. Bei Besprechung der einzelnen Abbauarten 
sind jedoch schon einige Bemerkungen über Leistungen und Kosten ein- 
gefügt worden; dieselben konnten sich indessen immer nur auf ganz 
bestimmte Verhältnisse beziehen und keinen allgemeinen Vergleichs- 
wert haben. 

Sammelwerk. II. 21 



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316 



4. Kap.: Stattstische Uebenicht über die Abbau -Verhaltnisse. 



Zeche 



Bemerkungen über die Flötzverhältnissc 



Flötz- 
gnippe»), 
in welcher 

gebaut 

wird 



f = 

flache 

Laserung 

(0^29», 



Vor- 
herrsch. ] 

^«^"8 i Anzahl 

der Mächtigkeit 

im I der 

Bau FJötze 

mittleres befind- | einschl. 

Einfallen i itrhen ' Bergmittel 
(250-50P) "^"^ 
g^_ I Flötze 

steiles 
Einfallen ; 
(5(P-90P) , m 



Anzahl 

der 

Flötze mit 

Bergmittel 

und 

Stirke 

der 

Bergmittel 

(in) 



Anzahl 

der 
Flötze 

mit 
reiner 
Kohle 



Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 



Pfeilerbau 



Gemischte 
Abbanarten 

Vereinigter Streb- n. 
Pfeilerbau 



streichend j schwebend streichend schwelend 



t u. % 



t u. % I t u. Vo t u. «Vo 



10 



1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 
16. 



Königsbom I . . . 

Köni^born II. . . 

Monopol, Seh. Grillo 

Monopol, Seh. Grim- 
berg 

Caroline 

Margaretha .... 

Freiberg 

ver. Biekefeld . . . 



V. Schürbank und Char- 
lottenburg 

Freie Vogel und Un- 
verhofft 



Crone 

Gottessegen . . 
Glückauf Tiefbau 
Luise Tiefbau. . 
V. Wiendahlsbank 
Kaiser Friedrich . 



I. Ber^reTier 



F. 
M. 

F. 

F. 

G. 
F. 

M. 
M. 

M. 
M. 

M. 
M. 
M. 
M. 
F. 



F. 
M. 

F. 
M. 

F. 
M. 



st 
f, st 
m, st 

f 
f , m 

f 



st 

f 



f, m, 
st 



f, m 
i (st) 
I 

f , m 

f(st) 



9 
8 

10 
3 
3 
4 
3 
4 
3 
4 
6 
3 

10 
7 



1,5-2,5 
0,8—3,0 
0,6-1,95 

0,65-2,10 
0,65-1,3 
0,65-1,8 
0,&-1,35 
0,6-1,5 

0,94—1,75 
0,6-1,25 
0,5—2,0 

0,65— 1,75 1 

0,52—2,90 ; 

I 
0,6—2,2 

6 ' 0,8—1,8 

12 0,5—2,3 



Summe I« Bergrevier Süd-Dortmund 



6 
0,1-0,2 


3 


73110 

358 


— 


— 


— 


4 
0,1-0,8 


4 


80912 

25« 




— 


3 
0,05-0,25 


7 


200850 
808 


— 1 — 


— 


3 
0,1-0,5 






1 


~ 


3 
0,15-0,5 


— 


97461 

908 


j 


— 


3 
0,2—0,8 


1 


160864 

758 


— 53621 
25« 


— 


2 
0,3-0,7 


1 


— 


— 1 16708 
158 


— 


2 
0,25—0,75 


2 


49489 

458 


- 5498 

■■ 58 




3 
0,1-0,5 


— 


8558 

58 




— 




3 
0,1-0,3 


1 


28794 
208 


— 


— 


— 


1 
0,5—1,00 


5 


— 


— 


47130 
408 


— 


3 
0,1-0,6 


— 


61 175 

508 




— 


— 


6 
0,05-1,2 


4 


84542 
408 


__ i __ 


— 


5 
0,2-0,9 


2 


151645 
658 


1 _ 
1 


— 


3 
0,1-0,4 


3 


138327 

858 


— 1 _ 


— 


7 
0,1-0j5_ 


5 


— 


i 


— 


Dortmunc 


l . . 


1135727 
39.0 8 


— 


122957 
4,2 8 


1 



•) Of. - Oasflammkohlengnippe; O, = Oaskohlengnippe; F. -- Fettkohlengnippe ; M. 



Magerkohlenffruppei^ 

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I. Bergrevier Süd-Dortmund. 



317 



dendben an der Fördening des Jahres 1898 in t und % 



Abbau mit BerKcversatz 



strddicn- 

der 
Pfeiierbau 

mit 
Versatz 



tB.% 



Strebbau 



Stossbau 



schwe- 
bend 
streichend schwebend' streichend, ^^^ 

ab- 
fallend 



t u. % t u. o/o 



12 



18 



t u. % 



14 



t n. % 



15 



Firsten- 
bau 



t u. o/o 
16 



Förderung 
im Jahre 

1896 
t (1000 kg) 



17 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten I 



(Spalte 
7-10) 

t u. % 



18 



Abbau 
mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



tu._% 
19 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 



i c Fremde 

5 'S Versatzberge 



^L 



IS 
:>'5 



20 



C B ^ 

50t5 



_ 'S? 



Zahl der 

Förderwagen 

tiglich 



21 



22 



Förderung der 
fremden Berge 
(Spalte 21-22) zur 
_ Versatz st elle 

Zufeldefördem auf 



■gl 

2.S 

«5 

25 



ii |i| 

•a'Sg,!g§ 



SEm 
23 



lg 
öl 



24 



Ist 

Mark 

26 



— c 

S5 



oE 
I 

2 
O 

Mark 
27 



Sid-Doftniund. 



- 


1 - 


_ 


135775 
658 


— 


" 


208885 


73110 
358 


135775 

658 


' 


200 


— 


1 


— 


t1,6 


0,76 


_ 1 1 


242 738 

758 




— 


323 650 


Ö0912 
258 


242738 

758 


1 


800 


1 


1 


— 


w0,3 


1,0 


\ 


50212 

208 


— 


— 


251062 


200850 
80 g 


50 212 
208 




160 


— 


1 


1 


1 


— 


0,3 


- 129126 
60* 


— 


86084 

408 


— 


— 


215 210 


— 


215210 
1008 




135 


— 




« « 


t2,2 


0,2 


— 


10829 

10 8 


— 


— 




■ — 


108 290 


97 461 
908 


10829 

108 




- 1 20 

1 


1 - 

1 





— 


0,25 


_ 




— 


— 


— 


— 


214 485 


214485 

100^ 


— 




1 


1 


— 


— 


0,39 


44554 
40? 


16 708 

1 15« 




33416 
308 




■ ' 


111386 


16708 

t5 3 


94 678 

858 




9 


5 


1 1 1 

1 


' 


w0,32 


0,41 


54986 1 - 1 - 

50g ' 


— 


' 


— 


109 973 


54987 
508 


54986 

508 






50 


1 1 

1 




— 


— 


- 


'145493 

858 


— 


17117 

108 


— 


— 


171 168 


8 558 
58 


162 610 

958 




200 


— 


1 




t0,25 


— 


- 


115176 
808 


— 


— 


„ 


— 


143 97Ü 


28794 

20a 


115176 

808 




— ! — 


1 




— 


0,48 


— 


70 e% 

608 


— 


— 




— 


117B26 


47130 
403 


706% 

608 


1 


1 


1 




— 


0,42 


18353 

t5« 


24470 

20 8 


— 


18 352 

15 8 


— 


— 


1^350 


6t 175 
501} 


61 175 

508 


1 1 110 

1 

1 


1 - 

1 

i 


1 


w0,25 
t0,15 


0,54 


10567 

5« 


73 974 

358 


— 


31703 
158 


10567 


— 


211:153 


84542 

403 


126811 

608 


1 1 70 - 

1 


1 i 1 

! 


— 


w0,45 


0,64 


— 


34995 

15 8 


— 


46660 
208 


— 


— 


233300 


151645 
65 y 


81655 

358 


1 1 180 

1 1 


1 , 1 


— 


t0,3 


0,55 


- 


— 


— 


24411 

158 


— 


— 


162738 


138327 
858 


24411 
158 




125 

1 


1 1 - 
1 

1 


— 


w0,3 


0,58 


- 




— 


209143 

1008 


— 


— 


209 143 


— 


209143 

1008 




"" i "" 


1 


— 




0,32 


128460 

4,4? 


621467 

21,3 8 


— 


895611 
30,7 8 


10 567 
04. ^ 


— 


2914 789 


1258 684 
43,2 8 


1656105 
56,8 g 


— 


21 

12Gr 


45 
üben 


9 


' 


4 


w0,32 
6 Gr. 


— 



Digitized by 



21* 

Google 



316 



4. Kap.: Stattstische Uebersicht über die Abbau -Verhältnisse. 





Zeche 




Bemerkungen über die Flötzverhältnisse 




Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 




Flötz- 

gruppe, in 

welcher 

gebaut 

wird 


1 

1 Vor- 
1 herrsch. 
Lagerung 

f = 
1 flache 

1 m = 
mittleres 
Einfallen 
(250-50«) 

st = 

steiles 

Einfallen 

(500-90") 


Anzahl 

der 

im 

Bau 

befind- 

liehen 

Flötze 


Mächtigkeit 

der 

' Flötze 

einschl. 

' Bergraittel 

1 


Anzahl 

der 

Flötze mit 

Bergmittel 

und 

Stärke 

der 

! Bergraittel 


Anzahl 

der 
Flötze 

mit 
reiner 
Kohle 


Abbau 
ohne Bergeversatz 


Gemischte 
Abbauarten 




Pfeilerbau 
streichend i schwebend 

i 
j 


Vereinigter Streb- n, 
Pfeilcrban 

i 

streichend sdivebend 

1 
1 










m 


(m) 




t u. o/o 


t u. % 


in.Vo 1 in.% 




1 


2 


3 


4 ' 5 


6 


7 8 


9 1 10 
















IL Berfrevier 


1. 


Massener Tiefbau I/II 


F. 
M. 


f, m, 
st 


14 


0,5-6,5 


12 
0,05—1,0 


2 


82405 ! — 
308 


5494 

2« 


— 


2. 


Massener Tief bau III . 


F. 


f, st 


8 


0,5-6,5 


6 
0,05—1,0 


2 


75074 

408 


— 


— 


— 


3. 


Courl 


F. 
M. 


st 


12 


0,8—5,0 


9 bezw. 5 
0,05-0,5 


3 

bezw. 

7 


94 235 
308 


— 


1 


4. 


Hörder Kohlenwerk, 
Schacht Schleswig 


M. 


f, m, 
st 


6 


0,8—2,5 


0,3-1,2 


2 


156289 

75 8 


— 


— 


- 


5. 


Hörder Kohlenwerlc, 
Schacht Holstein 


M. 


f, m, 

st 


5 


OA-2,5 


3 
0,15—0,6 


2 


114496 

608 


— 


9 541 

5g 


— 


6. 


Preussen I 


F. 


f, st 


9 


0,6—3,0 


4 
0,03—0,5 


5 


59413 
308 


— 


— 


-- 


7. 


Gneisenau 


F. 


f 


7 


0,9-2,30 


3 
0,05—0,5 


4 


191692 

658 


— 


— 


-- 


8. 


Kaiserstuhl I . . . . 


F. 


f, m, 
st 


13 


0,8—2,5 


7 
0,15—0,8 


6 


204 019 

608 


— 


— - 


9. 


Kaiserstuhl II ... . 


F. 


f , m 


8 


0,8—3,2 


7 
0,15—0,8 


1 


126353 

558 


— 


— — 


10. 


Minister Stein .... 


F. 


f 


11 


0,7-2,5 ; 8 

0,10—0,8 


3 


218909 

488 


— 


_ _ 


It. 


Fürst Hardenberg . . 


G 


f 


3 


1,0—2,0 


3 
0,1-0,4 


— 


115905 

508 


— 


— 


-- 


12. 


Friedrich Wilhelm . . 


M. 


m, st 


4 


1,0-2,5 


4 
0,01—0,6 


— 


— 


— 


7 614 

10 8 


— 


13. 


Tremonia 


F. 
Suxx 


st 
ime II. 


12 
Bergre 


0,7—2,2 


12 
0,04-0,5 


— 


— 




— — 




ivier Ost-: 


Dortmund 


. . 


1438790 

44,4 8 1 

1 


1 


22649 — 

0,7 8 
















D 


igitized by V 


ZOOC, 


fle 





II. Bergreyier Ost-Dortmund. 



319 



dendben tii der Förderung des Jahres 1896 in t und % 



Abbau mit Bergeversatz 



streichen- 
der 
fidlerban 
mit 

Versatz 



Strebbau 



I 



streichend 



schwebend 



13 



± 



12 



Stossbau 

schwe- 
{ bend 
streichend „„d 

ab- 
fallend 



tu^%^ 
14 



Firsten- 
bau 



t u. % ! t u. % 
15 I 16 



Förderung 
im Jahre 

1898 
t (1000 kg) 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 

t u. % 



18 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



t u. o/o 



19 



Uebersicht -über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 



.ÜB ! Fremde 
5*53 I Versatzberge 

Sfco 



FSrderune der 

fremden BerEC 

"patte 21-22) ZI 

Versatzsttlle 



i 

20 






Zahl der 

Förderwagen 

täglich 



21 



22 



Zufeldefördern auf 

•olg 

J5^ 






23 



SC» 
JHcS 

3 eOQ 



Is 



24 



■sl l|a 

öS 



^1 ' 



3 a 



25 



Mark 



26 



"CS 



! 
il 

|i 

oE 



5 

O 

Mark 



27 



tst-Dortmttod. 





10988 

4g 


— 


151077 

55g 


— 


24 721 

9g 


274685 


87 899 

32g 


186786 
68g 


1 


500 

1 


1 


1 


— 


tO,80 


0,75 




— 


— 


112611 

60g 


— 


— 


187 685 


75074 
40g 


112611 

60g 


1 


400 


1 




— 


t0,75 


0,80 




— 


— 


219882 

70 g 


— 




314117 


94 235 

30g 


219882 

70 g 


wenig 


550 

1 
j 


1 




1 


t0,3 


0,62 


i 
1 


— 


41677 
20g 


— 


10^19 

5g 


206385 


156289 

75g 


52096 

25g 


1 


210 


1 




1 w0,35 


0,5 


1 _ 


— 


55340 

29g 


— 


11450 

6g 


190827 


124037 

65g 


66790 

35g 


1 


300 


1 






w0,26 


0,4 


1 
138632 

\ 70g 


— 




— 


— 


198045 


59413 
30g 


138632 

70g 


1 


125 


— 




1 


wO,52 
t0,52 


0,59 


— 


- 


103219 

35g 






294911 


191692 

65g 


103219 

35g 


1 300 


1 




— 


t0,35 


0,57 


, 68006 

20g 

1 


— 


68006 

20g 


— 


— 


340031 


204 019 

60g 


136012 
40g 


- 100 1 100 

i 


— 




1 


w0,45 


0,85 


68919 

30g 


— 


34460 

15g 


- 


-- 


229732 


126353 

55g 


103379 

45g 


1 25 


200 


1 1 

1 


1 


w0,50 


0,75 






237150 

52g 


- 


— 


456059 


218909 

48g 


237150 

52 g 


— 700 


- 1 1 


' 


w0,30 


0,5 


1 
1 


23181 

10g 


92724 

40g 


1 


231810 


115905 

50g 


115905 

50g 


1 250 

1 1 
1 


- ! 1 
1 

1 


1 


w0,30 


0,57 




30458 

40g 




38072 

50g 


— , — 


76144 


7 614 

10g 


68530 
90g 


1 90 - 


1 1 1 


— 


w0,2 


0,8 


203617 

85g 




35932 

15 g 


1 


239 549 


— 


239549 
100g 


1 1 500 


' 


1 


— 


— 


0,9 




520620 
16,0 g 


23181 

0,7 g 


1 190150 
36,8 g 


1 


46590 

1,4 g 

1 


3 241980 


1461439 
45,1 il 


1780541 

54,9 g 


— 


43 
13 Gl 


ßO 
üben 


9 


13 


7 


wq,36 
8 Gr. 


— 



Digitized by 



Google 



320 



4. Kap.: Statistische Uebersicht aber die Abbau -Verhältnisse. 



Zeche 



Bemerkungen über die Flötzverh&ltnisse 



Flötz- 



Vor- 
herrsch. 
Lagerung 



f = 
flache 
gruppe, in Ijigemng 

(0"— 25<>) 
welcher / ' 

gebaut i mittlres 
^ird Einfallen 
"^° (250-500) 

st = 

steiles 

Einfallen 

(500- QO») 



1 



Anzahl 
der 
im 
Bau 
befind- 
lichen 
Flötze 



Mächtigkeit 

der 

Flötze 

einschl. 

Bergmittcl 



Anzahl 

der 

Flötze mit 

Bergmittel 

und 

Starke 

der 

Bergmittel 

(m) 



Anzahl 

der 
Flötze 

mit 
reiner 
Kohle 



Die einzelnen Abbanarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 



Pfeilerbau 



streichend schwebend 



t u. % [ t u. o/o 



Oemtschte 
Abbauarten 

Vereinigter Streb- n. 
Pfeilcrban 



streichend 



schwebend 



t u. % ; t u. «.'• 



10 



10. 



11. 



12. 



13. 



III. BerfreTier 



Hansa . . . . . 
Dorstfeld I . . 
Dorstfeld n . 
A. V. Hansemann 
Germania I . . . 

Germania n . , 
Westhausen. . . 
Borussia . . . , 
ZoUem 

Graf Schwerin 

Erin 

Mont-Cenis I . . 
Mont-Cenis U . 



F. 
G. 
F. 

F.(?) 
F. 

F. 



F. 
M. 

F. 
M. 



F. 
M. 

F. 



Gf. 
G. 

Gf. 
G. 



f ! 5 0,8—2,0 



0,7—2,6 



I 
6 : 0,6-1,35 



f , m ; 10 I 0,5—3,0 
5 — 



f , m 

(st) 



I 



f , m 7 0.9-2,1 



f , m 1 10 , 1,0-2,0 

(st) . 



st 



14 



0,5—2,5 



f , m 9 0,75-2,00 



f, m, 
st 


6 


1 


f, m, ! 
st , 


7 


0,8—3,0 


st i 


8 


0,8—3,0 


st 


7 


0,9—3,0 



1 
0,15-0,40 


4 


52007 

20« 


— 


_ 


— 


2 
0,07—1,10 


4 


— 


t 


4 
0,05—0,2 

5 
0,1-0,5 


2 

5 

• 


Vorrich- 

tungsbetr. 

28413 

1008 


1 

1 

1 


2 
0,35—1,2 


3 


158512 

57« 


— 27809 — 
10« 


4 
0,01—0,5 


3 


119061 

32« 


- 89310 i - 

24« ! 


4 
0,05-1,5 


6 


88927 

45« 


1 


6 
0,2-0,8 


8 


80866 

50« 


_ — « 


9 
0,05—0,5 


— 


113740 

42« 


- 24373 — 

9« 


3 
0.05—0,3 


3 


229167 

75« 


— — , — 


5 
0,2-1.0 


2 


389076 

70« 


1 


0,1-0,6 


4 


277 094 
100« 




3 
0,1-0,5 


4 


183 558 
100« 




— 




d . . 


1 720;442 

52,2« 


— 


141492 

4,3« 


— 



Digitized by 



Google 



III. Bergrevier West-Dortmund. 



321 



dendben an der Förderung des Jahres 1896 in t und % 



Abbau mit Bergeversatz 



streidicii- 

der 
Pfdlerbsu 

mit 
Yenitz 



tn.% 



Strebbau 



I streichend 



schwebend 



t u..% t u. % 



12 



13 



Stossbau 

I schwe- 
I bend 
streichend „„d 

ab- 
fallend 

t^n. % 
16 



t u. % 



li 



Firsten- 
bau 



t u. % 



16 



Förderung 
im Jahre 

1896 
t (1000 kg) 



17 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 

t u. % 



18 



Abbau 

mit 
Versatz 

(Spalte 
11-16) 



t u. o/o 



19 



Uebersicht fiber die BergewirtschAft 



Ursprung der 
Versatzberge 



II 



Fremde 
Versatzberge 



11 






|i 



20 



IIa 



a 

if 

Zahl der 

Förderwagen 

taglich 



21 



22 



Förderung der 

fremden Berge 

(Spalte 21-22) zur 

Versatzstelle 



Zufeldefördem auf 

11 



^1 
•gig 

igg' 






23 



24 



^5 
-5 



«1 



25 



m 

8 S 
l|r 

Mark 



26 



|g 

N 



2 

o 

Mark 



27 



West-Dortnofld. 



- 




— 


206028 
80« 


— 


— 


260035 


52007 

20« 


208028 
80« 


— 


760 


— 


1 


1 


w0,30 


0,65 


239044 

87« 


35719 

13« 


— 


— 


— 


274763 


— 


274763 
100« 


1 1 200 1 


1 


1 


w0,30 
t0,08 


0,60 


131 498 
100 g 


— 


— 


— 


— 


131498 


— 


131498 
100« 


1 100 


— 




1 


— 


w0,4 
tO,07 


0,5 


! 


— 


— 


— — 


28413 


28413 

100« 


— 


— — 


— 


— 




— 


— 


— 








91770 

33« 


i 1 ^ 

I , 


278091 


186321 

67« 


91770 

33« 


1 , a 


00 




1 


1 


wO^ 
stdleT 
wO.55 
flache 
Ugerg. 


0,6 


'37213 
10g 


29770 
8« 


— 


%753 

26« 


— — 


372127 


208391 

568 


163 736 

44« 


1 250 

i 
1 


150 




1 


1 


w0,5 


0,36 


- 


— 


— 


108688 

55« 


— ' — 


197615 


88927 

458 


106688 

55« 


1 315 

t 


— 


1 


— 


w0,35 


0,48 


- , — 


— 


80866 

50« 


— — 


161 732 


80866 

50« 


80866 

50« 


1 300 




1 


• 


wO,78 


0,70 


5 416 

1 ^* 




127281 

47« 






270810 


138113 
51« 


132697 

49« 


1 


3( 


y) 




1 




wO^ 
steile, 

wO,55 
flache 

Lagerg. 


0,58 




18333 
6« 




51945 

17« 


— 


6111 

28 


305556 


229167 

75 8 


76389 

25« 


1 


245 


— 




— 


— 


w0,43 


0,54 


-- 


— 


— 


166746 


— 




555822 


389 076 

70« 


166746 

30« 


1 ; e 


00 




1 


— 


— 


0,56 


- 


— 


— 


— 


- - 


277094 


277 094 
100« 


— 




— 


— 


— 


— 


— 


0,56 


-- 


— 


— 


— 




— 


183 558 


183 558 

100« 


— 


— , — 


— 




— 


— 


— 


0,56 


37213 
1,2« 


424061 
12,9« 

i 


35719 

1,1« 


932077 
28,3 g 


1 


— 


3297114 


1861933 

56,5« 


1435181 

43,5« 


— 


35 
10 Gl 


>20 
ruben 


7 


9. 


5 


w0,44 
9dr. 


— 



Digitized by 



Google 



322 



4. Kap.: Statistische Ueberücht über die Abbau -Verhältnisse. 




Bemerkungen über die Flötzverhältnisse 



Vor- 
herrsch. 
L^j^ening 

! flache 
gruppe, in Lagerung 

■welcher ^^^-"^'^ 



Flötz- 



gebaut 
wird 



m = 
mittleres 
Einfallen 
(25«»-500) 

8t = 

steiles 

Einfallen 

(500-900) 



Anzahl 
der 
im 
Bau 
befind- 
lichen 
Flötze 



Mächtigkeit 

der 

Flötze 

einschl. 

Bergmittcl 



Anzahl 

der I 

Flötze mit I ^""^^ 

Bergmittel ' 

. Flötze 

und 

Stärke ™** 

. ' reiner 

der 

„ .,* , ' Kohle 
Bergin tltel 

(m) 



Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 



Pfeilerbau 



Oemiscfate 
Abbauarten 

Vereinigter Streb- n. 
Pfeilerban 



streichend schwebend streichend schwebend 



t u. % t u. o/o t u. o/o i t u. •/. 



10 



IV. Berfrevier 



1. 



4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 
15. 



Könier Ludwig Schacht 

I, n, m 

General Blumenthal 
I/U 

General Blumenthal 
III/JV 

Ewald I/U 



Ewald m/IV . . . . 
Schlägel u. Eisen I/II 
Schlägel u. Eisen UI 
Graf Bismarck I. 
Graf Bismarck II 
Graf Bismarck III 
Hugo I . . . . 
Hugo II ... . 
Hugo III. .. . 
Nordstern I/U . 
Graf Moltke I/II 



Gf. 
G. 

G. 
Gf. 

Gf. 

Gf. 
G. 

Gf. 
G. 

Gf. 
Gf. 
Gf. 
Gf. 



Gf. 
G. 

Gf. 



Gf. 



Gf. 
G.F. 



f 
f 
f 
f 

f 

f , m 

m 

f 

f 

f 
f , m 
f , m 

f 

f 
f, m 



6 0,8-1,8 

7 0,75—2,75 

I 

I 

4 0,75—1,60 

3 0,8—2,2 

I 

i 

8 0,6—2,0 
7 I 0,7—1,75 

5 ; 0,6—1,1 
2 0,6—1,1 

2 0,6—1,1 

3 0,9-1,4 
7 0,6—2,4 
2 0,9-1,3 
5 ' 0,8-1,5 

15 ' 0,7-3,0 



Summe IV. 



3 

0,15-1,1 


3 


407 003 
80J 


— 


■ — 


1 


4 
0,1-0,6 


3 








1 


0,1-0,2 


3 




~ 


~ 




3 
0,1—0,3 


— 


557 368 

90g 


— 


— 


— 


— 




Vorrich- 
tungsbetr. 
28 245 
100g 


— 


— 


— 


3 
0,03-1,0 


5 


64466 

18 g 




14326 

A 0. 


■ 


4 
0,05—0,2 


3 


39106 

40g 


— 


— 


— 


3 
0,1-05 


2 


192012 

56g 


— 




— 


— 


2 


212836 

45g 


— 


— 


— 


1 
0,1-0,5 


1 


" 


" 




— 


1 
0,1—0,6 


2 


153732 

57 g 


86306 

32g 


1 
1 


29668 
IIS 


3 
0,02—0,6 


4 


190965 

94g 


— 


~ i 

1 


— 


1 
0,24 m 


1 


128 332 

818 


— 


— 


30102 

19 g 


3 
0,1—0,25 


2 


449230 

82g 


32870 

6g 


1 


— 


12 
0,05-0,5 


3 


211865 

42 g 


— 


65577 

13 g 


— 


inghause 


n . . 


2635160 
54,2« , 


119176 , 

2,5 g ' 


79903 

1,78 ' 


59 770 

i;j» 



Digitized by 



Google 



IV. Bergrevier Recklinghausen. 



323 



derselben an der Förderung des Jahres 1898 in t und • 
Abbau mit Bergeversatz 



I 



Strebbau 



Stossbau 



streiciicn- 

der 
Pfdlcrban 

mit I 
Versatz , 



streichend schwebend streichend 



tu.% ' tu. % ' t u.% j t u. o/o 



12 



18 



14 



schwe- 
bend 
und 
ab- 
fallend 

J^u.%^ 
15 



Firstcn- 
bau 



t u. % 



16 



Förderung 
im Jahre 

1896 
t (1000 kg) 



t 
17 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



t u. % _t u. % 
19 



18 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprung der j 
Versatzberge 

« ß- I Fremde 
2 'S I Versatzberge i 



Förderung der 

fremden Berge 

(Spalte 21-22) zur 

Versatzstelle. 



Zuft-ldefOrdfrti auf 



U Uli 



^l-iili 









w lT 






'II 






J5^l 



Zahl der 

Förderwagen 

taglich 



- w 






20 



21 



22 



23 



24 



25 



^ ** ^ 

"Sil 

Mark 
26 



i2 

■2t 

IS 



3^ 

gg 

2E 



5 

O 

Mark 
27 



Kecklinfhaosen. 



'• 



30525 

6? 


' — 


— 


71225 

14g 


— 


1 


508753 


407 003 

80g 


101750 

20g 




295 


- i 1 


1 


' 


w0,6 
tO,5 


0,45 


— 




400795 

85g 


70728 

15g 


— 


471523 


— 


471523 
100 g 




90 


- - ' 


1 


— 


0,55 


— 


_ 


33986 
100g 


— 


— — 


33986 

(seit luni 
1896i.Betr.) 


— 


33986 

100 g 




— 


— — 1 — 


— _ 


0,40 


— ~ 


— 


— 


— 


61930 

10g 


— 


619298 


557 368 

90g 


61930 
10g 




30 


! 


1 w0,40 


0,62 




— 


— 


— 


— 




28245 


28 245 

100g 


— 


— 


— 


1 






— 


— 


78 792 

22g 


— 


60885 

17g 


139678 - 

39g 


358147 


78 792 

22g 


279 355 

78 g 




200 


- - ' 1 


1 


wO,50 


1,34 




48 883 

50g 


— 


9777 

10g 


_ _ 


97 7% 


39106 
40g 


58660 

60g 


' i ~ 


— — 1 — 


— 


— 


1,35 


- 


34 288 
10 g 


116580 

34g 


— 


— — 


342880 


192012 

568 


150868 

44g 




85 


- 1 - : 1 


" 


wO,45 


0,43 


1 


94 594 1 
20g 1 


165540 

35g 


— 


1 

1 


472970 


212 836 

45 8 


260134 

55g 




120 


- - 1 


1 


w0,5 


0,57 




71304 1 

30g 1 


166 376 
70 g 


— 


— — 


237 680 


— 


237680 

100g 




60 


- - 1 


1 


w 0,50 


0,74 


— 


i 


— 


— 


— 


269706 


269706 

100 g 


— 




— 


— ' — \ — 


— 


— 


0,54 


— 


— 


12189 

6g 


— 


~ , — 


203154 


190965 

948 


12189 

6g 




-- 


— — — 


— 


— 


0,62 


— 


"" i 


— 


— 


— — 


158 434 


158434 
1008 


— 




— 


" " 1 , 


— 


— 


0,41 


— 


— 


32870 

6g 


16435 

38 


16436 - 

3g 


547 840 


482100, 

888 ! 


65 740 

12g 


1 270 

1 
1 


~ - 1 


1 


t0,5 


0,32 


~ 


20178 

4g : 


— 


206821 

41g 


— 1 — 


504 441 


277 442 

558 


226999 

45.8 


1 ' 200 1 1 1 1 


1 
1 


— 


0,54 


30525 

0:6? 1 


348 039 

7,2g 1 


928336 

19,1g 


435871 
9,0 S 


218 043 

4,5 8 


— 


4 854 823 


2894009 
59,6 8 1 


1960814 
40,4 8 


— 


12 
9Gri 


150 2 

iben 1 


8 


'i 


w 0,49 
6 Gr. 


— 



Digitized by 



Google 



324 



4. Kap.: StaÜstiBche Ueberticht über die Abbau -Verhältnisse. 





Zeche 


Bemerkungen über die Plötzverhältnisse 


Die einzelnen Abbanarten und 


der Antdl 

sehte 
larten 




Plötz- 

gnippe, m 

welcher 

gebaut 

wird 


Vor- 
herrsch. 
Lagerung 

fladie 

mittleres 
Einfallen 
(250-50°) 


Anzahl 
der 
im 
Bau 
befind- 
lichen 


Mächtigkeit 

der 

Plötze 

einschl. 

Bergmittel 


Anzahl 

der 

Plötze mit 

Bergmittel 

und 

Stärke 

der 


Anzahl 

der 
nötze 

mit 
reiner 
Kohle; 


Abbau 1 


Ocm 
Abbat 




Pfeilerbau • Vereinigter Streb- u. 








st = 

steiles 

Einfallen 

(50O_90O) 


Plötze 


m 


Bergmittel 
(m) 




t u. % 


i 

tu.% ! 


t n. % 


tu.% 




1 


2 


8 


4 


5 


6 


7 


8 


9 


10 


















V. Berf realer 


1. 


Hamburg einschliess- 
lich Ringeltaube 


M. 


f 


8 


0,5-2,5 


5 
0,1-1,25 


3 


299102 ; — 1 

90« , 


9970 — 

3g 


2. 


Franziska einschliess- 
lich Walfisch 


M. 


f, St 


8 


0,5-1,9 


6 
0,1-1,0 


2 


137236 
50« 


16468 1 

6« 1 


27447 — 
10« 


3. 


Siebenplaneten . . . 


F. 
M. 


St 


15 


0,5-2,2 


13 
0,1-1,0 


2 


62 577 

25« 


1 


— — 


4. 


Neu-Iserlohn I . . . 


F. 


f , m 


10 


0,a-2,5 


6 
0,07—0,75 


4 


202589 
80« 


— 


_ 


5, 


Neu-Iserlohn II . . . 


F. 


f , m 


7 


0,8—2,5 


4 
0,07—0,75 


3 


265193 
80« 


1 


— — 


6. 


Ver. Trappe .... 


M. 


m 


2 


1,2-2,4 


2 
0,3-1,2 


— 


38723 1 — ' 
28« 


41489 — 
30« 


7. 


Bommerbänker Tief- 
bau 


M. 


m 


+ 


0,5-1^ 


3 
0,15-0,3 


1 


109446 
80« 


— 


— — 


8. 


Bruchstrasse .... 


F. 


(m), st 


8 


0,a-2,2 


8 
0,15—1,2 


— 


122246 

80« 


— 


— — 


9. 


Mansfeld 


F. 


st 


14 


0,6-3,0 


10 
0,3—1,25 


4 


— — 


— — 


10. 


Ver. Deutschland . . 


M. 


m 


4 


0,5-2,0 


2 

0,5-^,8 


2 


51 747 — 

100« ; 


— — 


11. 


Ver. Stock u. Scheren- 
berg 


M. 


st 


5 


0,8-2,5 


2 
0,2—0,8 


3 


56655 - ! 
100« 1 i 


— — 


12. 


Herzkämper Mulde . . 


M. 


st 


2 


0,8-1,7 


1 
0,8—0,9 


1 


61081 — ! 
100« ; 


— — 


13. 


3 kleinere Gruben zu- 
sammen 




Sun 


ime V. 


Bergrev 


— 




18008 
100« 


1 


— — 




ier Witte 


Q . . 


1424603 
60,8« 


1 

16468 

0,7« 

1 


78906 — 
2,88 

1 


















Digitized b^ 


,Goo 


Qle 





V. BergreYier Witten. 



325 



dendben an der Förderang des Jahres 1896 in i und % 



Abbau mit Bergeversatz 



streidien- 

der 
Pfeilerban 

mit 
Versatz 



tn.% 



Strebbau 



Stossbau 



streichend 



in,% 



13 



schwebend 



t u. % t u. o/o 



streichend 



18 



14 



schwe- 
bend 
und 
ab- 
fallend 



_t^u^% 
15 



Firsten 
bau 



t u. o/o 



16 



Förderung 
im jähre 

1896 
t (1000 kg) 



17 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 

t u. % 



18 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



t u. % 



19 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprang der 
Versatzberge 



=.5 



Fremde 
Versatzberge 



II 



2| ilin 
1§|l|| 



t.U 



^3! 



20 



m 

Zahl der 

Förderwagen 

täglich 



Förderang der 

fremden Berge 

(Spalte 21-22) zur 

Versatzstelle. 



21 



22 



Zufeldefördera auf 



5^ 






23 



24 



ll 



•Ol« 



26 



Mark 



26 



II 
II 

a 

Li 

e 
«» 

I 

O 
Mark 



27 



Wittei. 



13293 ' 
4« 


9970 
3» 


— 


- 1 - 

t 


— 


332335 


309072 
93« 


23263 

7« 


1 


90 


1 


1 


— 


_ 


0^ 


32936 

12« 


— 1 38426 1 — 

14« 


21958 

8« 


274471 


181 151 

66« 


93 320 

34« 


1 300 


' 


' 


— 


wO,75 
t0,81 


0,24 


- ,110136 


— 77595 — 

i 31« 




250308 


62577 

25« 


187 731 

75« 


— 


4i 


DO 


1 


— 


— 


w0,65 
t0,65 


0,84 


50647 
20« 


' 




253236 


202 589 
80« 


50647 

20« 


— 


210 


— 


1 


1 


— 


w0,65 
t0,8 


0,55 


66298 

20« 


1 




331491 


265193 

80« 


66 298 

20« 


— 150 


— 




1 


— 


w0,65 
t0,80 


0,44 


55318 

40« 


— 


2766 i — 

2« 


— 


1382% 


80212 

58« 


58084 

42,« 


- 150 

1 

1 


1 
- 1 1 1 

1 
' 1 


1 


w0,30 


0,29 


- " 13681 
10« 


— 


13681 — 
10« 


— 


136808 


109446 
80« 


27 362 

20« 


- 120 1 1 i 1 

1 ! i 


1 


w0,30 
t0,20 


0,40 


- — : — 


30562 i - 

20« 1 


— 


152808 


122 246 
80« 


30562 
20« 


- , 60 ' 1 1 - 

: 1 1 




t0,58 


0,82 


— "■ 1 


287502 - 
100« 1 


— 


287 502 


— 


287 502 
100« 


1 


m 1,1- 

1 1 


wO,55 
t0,60 


0,66 


' _ ! _ i _ 


— 


51747 


51747 
100« 


— 


1 


- ' - ! - 

1 


- 


— 


0,45 


i 


— 


56655 


56655 
100« 


— 


" 1 " 
1 


1 
1 




— 


0,95 


- -. j _ 1 _ — 


— 


61081 


61081 
100« 


— 


' 1 1 


— 


— 


1,35 


1 ' 1 
i 1 


— 


18008 


18008 
100« 


- 


-'- -i-i-i- 

1 ■ 1 


— 


— 


13293 
0,6« 


338986 

14,5« 


— 


1 

450532 1 - 
19,4« 


21958 

1,2« 


2344 746 


1519 977 
64,3« 


824 769 

35,7« 




2« 
9 Gr 


)30 
üben 


8 


7 


2 


w0,55 
7.Gr. 


— 



Digitized by 



Google - 



326 



4. Kap.: Statisüsche Uebenicht über die Abbau-Verhältnisse. 







Bemerkungen über die Plötzverhältnisse 


Die einzdiicn Abliaiur&esi bc k 




Flötz- 


Vor- 
herrsch. 
Lagerung 

f -- 
flache 


Anzahl 
der 


Mächtigkeit 


Anzahl 

der 

Plötze mit 


Anzahl 
der 


Abbau 






Pf eilerbau 


Vcnisisirän 

Pfeicta 




Zeche 


jp-uppe, in 

welcher 

gebaut 

wird 


m = 
mittleres 
Einfallen 
(25°-50») 

st = 

steiles 

Einfallen 

1500-90°) 


im 
Bau 
befind- 
lichen 
Plötze 


der 

Hötze 

einschl. 

Bergmittd 

m 


Bergmittel 

und 
Stärke 

der 
Bergmittel 

(m) 


Plötze 

mit 

reiner 

Kohle 


1 
1 

streichend | schwebend 

1 

1 

1 

t u. % 1 tu. % 


t 

ttt.*i !!', 




1 


2 


8 


4 


5 


6 


7 8 


l ' « 


















VI. Berrrcfi 


1. 


Blankenburg .... 


M. 


St 


4 


0,6-2,0 


2 
0,1-1,2 


2 


84290 - 

75g ; 


5619 - 

5J 


2. 


Alte Haase 


M. 


f , m 


2 


0,8-1,0 


2 . 
0,10 


— 


88478 - 
100« 


— 


3. 


Carl Friedrichs Erb- 
stoUn 


F. 


st 


15 


0,5-3,0 


14 
0,05—1,0 


1 


108840 1 — 

100? , 




4. 


Hasenwinkel .... 


F. 


f, m, 
st 


6 


0,45-2,50 


2 
0,05-0,3 


4 


223863 ! — 

66« 1 




5. 


Baaker Mulde .... 


F. 


st 


9 


0,5-3,5 


6 
0,1-0,75 


3 


141 885 1 — 

90« ' 

1 




6. 


Ver. DahlhauserTiefbau 


F. 
M. 


st 


6 


0,9-2,0 


2 
0,05-0,2 


4 


107891 ! — 
100« 1 


' 


7. 


Friedlicher Nachbar . 


F. 


st 


6 


0,7-2,2 


3 
0,1—0,5 


3 


82674 1 - 

84« ! 


- 


8. 


Altendorf, nördl. Mulde 


F. 
M. 


st 


4 


0,7—2,0 


1 
0,2-0,5 


3 


58603 — 
100« 


— 


9. 


Altendorf, südl. Mulde 


F. 
M. 


m 


7 


0,7—2,0 


3 
0,2-0,5 


4 


72083 

100« ; 


— , - 


10. 


Eiberg 


M. 


f 


5 


0,6-1,2 


2 
0,03-0,2 


3 


204407 - 

88« 1 


18583' - 
8« 


11. 


Eintracht Tiefbau I . . 


F. 
M. 


m, st 


11 


0,5-2,2 


5 
0,1-0,4 


6 


137607 

60« 


_ 


_ I 


12. 


Eintracht Tiefbau, 
Schacht Heintzmann 


F. 

M. 


m 


13 


0,4-2,5 


4 
0,05-1,0 


9 


155869 

75« 


"" 1 


- 1 - 


13. 


Ver. Charlotte .... 


M. 


f 


3 


0,65—1,10 


1 
0,05-0,07 


2 


89364 
100« 


1 


■" 1 


14. 


Steingatt 


F. 


m, st 


8 


0,65-2,10 


4 
0,1-0,35 


4 


120384 

100« 




1 
1 


15. 


8 kleine Gruben 
zusammen 




1 
Summe 


VI. B 


Brgrevier 


— 


— 


154628 
100« 


1 


• 




Hattingei 


1 . . 


1830866 
84,1« 


— 


24202 - 

1,1! . 














Di 


gitizedby VnOOQ 


,e j 

























VI. Bergrevier Hattingen. 



327 



derselben an der Förderung des Jahres 1898 in t und % 



Abbau mit Bergeversatz 



streichen- 
der 

l^eilcrbau 

mit 
Versatz 



tB.% tu. % 



Strebbau 



streichend schwebend 



11 



12 



t u. % 



Stossbau 

schwe- 
I bend 
streichend! „„d 

ab- 
fallend 

t u. o/o t u. o/o 



13 



U 



15 



Firsten 
bau 



t u. o/o 
16 



Förderung 
im Jahre 

1898 
t (1000 kg) 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



t u. o/o t u. o/o 



1« 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



;= C 



Ursprung der Forderung der 

\/^e«f«K»..rrii fremden Berge 

Versatz berge I ^gpaite 21-22) zur 
I Versatzstelle 



Fremde 



5*0 Versatzberge Ziifeldef ordern auf 






.^g§i 



11 



ei; w 









SIC w S - 



SS 



'S "" -öjiSISp 

"StS ! Zahl der '^l^i«» 

b^ I Förderwagen ^.^ I jj C 

-^•^ ' täglich -^& |-al2 

28 I 24 I 25 



20 



■22 

SC 



21 



22 



g|i 

Sgi 

Mark 
26 



gg 

oE 



2 

O 

Mark 
27 



Hattingen. 



168S8 

15 8 


— 


1 


5619 - 

5» 1 


1 


112386 


89909 
808 


22477 
208 


1 


160 ; 1 

i 




"~ 


t0,5 


0,72 


- 1 
1 


' 


1 


1 " 

1 


88478 


88 478 
100« 


— 


— ! — ! — '— — 


— 





0,40 


- 1 

1 
1 




1 


1 


108840 


108840 
100« 


— 


' 1 1 


— 


— 


0,90 


10176 

3» : 


6784 — 

28 


98364 - 

298 ' 


- \ — 


339187 


223 863 

668 


115324 

348 


I 475 II— 

1 1 


— w0,65 


0,76 


— ' 


15765 — — - 

10g ' , 


1 

1 


157 650 


141885 

908 


15765 

10« 


1 1 100 — — 1 1 

1 ' ' i 


— w 0,50 

1 


0,75 


— 


1 1 _ 




107 891 


107 891 

1008 







— 


_ 


— 


15748 
168 


— — ^ - ! - 


- 


98422 


82674 

848 


15748 

168 


— '■ 50 — 1 - ; I 

1 ' 


1 


w0,40 


0,91 


— 


— — — , - 


— 


58603 


58 603 
1008 


— 


1 , 
1 


— 


— 


— 


— 


— — _ 1 - 


— 


72 083 


72 083 
100 8 


— 


' 1 ' 


— 


— 


— 


9 291 

♦8 


1 


— 


232 281 


222990 

%8 


9 291 

48 


- 1 100 — ! 1 1 


— 


— 


0,32 


—- 


11467 — 688(H - 

5? 1 30g 1 


- 11467 

53 


229 345 


137 607 

60« 


91738 

408 


1 


240 1 1 1 1 


— 


w0,4 


0,55 




— 


— 51957' - 

i 258 : 


— 


207 826 


155 869 

75 8 


51957 

258 


' 


180 - II 1 

' 1 
1 1 


— 


w0,3 


0,6 


1 


- 


1 

1 


- ' — 


89364 


89364 
1008 


— 




— — ' — 




— 


— 


0,28 


— 


- 


"~ ~ . " 


— 


120384 


120384 
1008 


— 


— , — — i — 


— 


— 


— 


1,26 




— 


1 


1 


154 628 


154 628 
100 8 


— 


1 ' ' 

1 ~ ' ~ 1 

1 1 ! 


— 


— 


— 


— 


52 073 

2,4 g 


34 016 




224 744 - 

10,3;: 


11467 

0,511 


2 177 368 


1855 068 
85,2 [1 


322 300 
14,8 8 


— 


1310 5 
7 Gruben 


5 


1 


wa45 
5 Gr. 


~ 



Digitized by 



Google 



4. Kap.: Statistische Uebenicht über die Abbau- Verhältnisse. 



Zeche 



Bemerkungen fiber die FlÖtzverhftlinisse 



Vor- 
herrsch, i 



'^«'"'"8 'Anzahl 

gruppe, in Lafi;erung| im 
welcher | ^^ ""^'^^ j Bau 
gebaut I mitrtSres befind- 
^ird j Einfallen ] nchen 

I . , Flötze 

st = 

steiles ; 
I Einfallen 
|(50»-90»)| 



Mächtigkeit 

der 

Flötze 

einschl. 

Bergmittel 



Anzahl 

der 

Flötze mit 

Bergmlttel 

und 

Stärke 

der 

Bergmittel 

(m) 



Anzahl 

der 
Flötze 

mit 
reiner 
Kohle 



Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 

Pfeilerbau 



streichend j schwebend 

I 



Oemiscbte 
Abbauarten 



7 



t u. % 



8 



Vereinigter Streb- n. 
Pfdlcrbau 



streichend schwebend 



I 



tu,% ttt.*/o 



9 I 10 



3. 



4. 



6. 



8. 



9. 



10. 



11. 



12. 



Amalia 

Heinrich Gustav . . . 

Vollmond 

Caroline 

Dannenbaum, Seh. I . 

Dannenbaum, Seh. II . 

Prinz von Preussen 

Julius Philipp . . . . 

Friederika (Dannen- 
baum Seh. III) 

Prinz-Regent 
(Dannenbaum V) 

Bemeck 

Ver. General m. Erb- 
stoUn 



F. m, st I 11 0.8—2,75 7 

1 I 0,1—0,6 



f , m 



5 1,0—2,5 I — 



4 0,7—2,5 



f , m 8 , 0,9-3,0 



F. 
M. 


st 


10 


0,6-3,00 


F. 
M. 


st 


7 


0,6-2,00 

1 


F. 


f, st 


10 


0,65—2,50 


F. 


st 


8 


0,52—2,5 


F. 
M. 


st 


7 


0,6—3,00 


F. 


1 st 


15 


0,6-1,8 



4 
0,2—0,7 

6 
0,1-1,5 



2 ! 5 
0,1-1,0 I 

i 
7 I 3 
0,01—1,5 



M. i 



st 



6 
0,05—1,2 



0,05—0,60 

6 
0,1—0,4 



7 0,45—1,401 4 ' 3 
I I 0,05-0,5 



9 i 0,5-2,0 



3 
0,1—0,5 



Summe Vn. Bergrevier Süd-Boohum . . 



216899 
78« 

220814 
89* 

260087 

100* I 

71086 

39* I 

66261 ! 

40* j 

69892 ; 

48* I 

100093 I 

57* I 

171 959 

60* j 

72138 I 

55* I 

180639 , 

75* I 

659% i 

86* ' 

87 314 I 

90* I 



VII. Berf revler 



I - 



10 744 

14* 



1583177 

69,2 8 



Digitized by 



10744 
0,5* 



Google 



Vn. Bergrevier Süd-Bochum. 



329 



dersdben an der Förderung des Jahres 1896 in t und % 



Abbau mit Bergeversatz 



strdcfaen- 

der 

Pfeilerbau 

mit 

Versatz 



Strebbau 



.1 



streichend j schwebend 



t U. ö/o ' t U. o/o t U. % 



Stossbau I 

! 

I , ! 

I schwe- ' 

bend |P»»^*«>- 
streichend und ^*" 
I ab- 
' fallend 



t u. o/o 



tu. % tu,% 



11 I 12 I 13 



14 



15 



16 



Förderung 
im Jahre 

1896 
t (1000 kg) 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne I 
,, . , Abbau 
Versatz 
. . . mit 

einschl. 

. . , Versatz 
gemischte , 

Abbauarten I <^P*"^ 

(Spalte I "-^^> 

7-10) 



t u. Vo 



18 



tu. 0/^ 
19 



Uebersichi über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 



Fremde 
Versatzberge 

im 



m 



s - c 



U 



20 



Zahl der 

Forderwagen 

tiglich 



Förderung der 

fremden Berge 

(Spalte 21-22) zur 

Versatzstelle. 



Zufeldefördem auf 
' i «2 B J2 3 

Sä, «bS Ji_ 

Ig ag 

»-'S ' ^«'2 

■Ol«« I "Ol«« 






21 



22 



23 



24 



23 



Ps 






||i 

Mark 
26 



11. 

il 

^1 



2 

o 

Mark 
27 



Sid-Bochnm. 



— 


; 1 


61176 

228 


— 




278075 


216899 

78 8 


61 176 

228 


— 


300 1 ' 1 — 

1 i 1 
1 


wO,40 


0,85 


— 


— — 


27292 

118 


— ' — 


248106 


220814 
898 


27 292 

11« 


' ' 1 
1 ^ 150 1 II 

1 1 

1 . 1 


w0,9 
t1,24 


0,76 


— 


— — 


i 

) 


— 


260087 


260087 

1008 


— 


- 1-1- 1 !- 

1 1 1 


— 


0,60 


27341 
15« 


. — _ 


83844 _ 
46« 1 

1 




182 271 


71086 
.398 


111 185 
618 


; 1 1 ' 

1 140 1 1 — 

1 ! 


t0,54 


0,77 


— 


66261 — 

40« , 


33130 — 

20g 


— 


165652 


66261 
408 


99391 
608 


' ' i 

1 1 400 ! — 1 - 

1 
1 


w0,25 


1,01 


— 


75716 — 
52g 


— 1 — 1 — 


145608 


69892 

488 


75 716 

528 


\ 220 1 - 1 - 

1 

1 


w0,35 


0,95 


— 


— , — 


75509 — — 
43* 


175602 


100093 

578 


75509 

438 




1 
200 1 — — 

1 


t0,25 


1,03 


— 


_ 1 _ 


1 
114639 — 1 — 
408 


286 598 


171959 

608 


114639 
408 




1 
300 1 — _ 

1 


t0,5 


0,7 




19674 1 — 
15« 1 

1 


1 1 
39348 — — 
30« 1 


131160 


72138 

558 


59022 

458 




200 — — 1 — 

1 


w0,30 


0,79 


— 


1 
24085 , - 
10« ' 

1 


36 128 - ! — 
158 . 


240852 


180639 

758 


60213 

258 




120 1 - - 1 1 

• 


w0,25 


0,62 


~ 


1 1 


1 


76740 


76740 

1008 


— 






t0,54 


0,76 


— 


1 


9701 — , - 

108 ! 


97 015 


87 314 

908 


9 701 

108 


— 


150 1 — — 

1 ' ; , 1 


w 0,30 


0,70 


27341 

1,2 2 


185737 — 

8,U 


480767 

2U 


1 


— 


2287 766 


1593 922 

69,7 g 


693844 

30,38 


— 


1 

2180 6 7 1 2 , 
10 Gruben 


w0,39 
7 Gr. 


— 



Digitized by 



Google 



330 



4. Kap.: Statistische Uebersicht über die Abbau- Verhältnisse. 



Z c c li e 



Bemerkungen über die Tlötzverhältnisse 



Vor- 
herrsch. 
j Lagerung 



I 



Anzahl 



Flötz- I „^=7 der Mächtigkeit 



wird 



der 
Flötze 



mittleres befind- «nschl. 



I iiacoc 
gruppe*), I Lagerung im 

in welcher ^ 

gebaut mittleres ocnna- 

Einfallen Urhm Bergmittel 
(75P-SCP, ^^ 

.^^_ Flötze 

steiles 
Einfallen 

I (5(>Mw>) ; 

1 , 2 ; 3 I 4 



m 



Anzahl 

der 

Flötze mit 

Bergmittel 

und 

Stärke 

#er 

Bergmittel 

(m) 



Anzahl 

der 
Flötze 

mit 
reiner 
Kohle 



mL 



Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 



Pfeilerbau 



streichend schwebend 



t u. o/o t u. % t u, % t «. % 



Gemischte 
Abbauarten 

Vereinigter Streb- u. 
Pf eilerbau 



streichendschwebend 



« ' ' ' 



10 



VIII. Berfrevier 



2. 



8. 



10. 



11. 



Lothringen 



Ver. Constantin der 
Grosse, Schacht I 

Ver. Constantin der 
Grosse, Schacht II 

Ver. Constantin der 
Grosse, Schacht III 

Ver. Constantin der 
Grosse, Schacht IV 

Ver. Präsident, Seh. I 



Ver. Präsident, Seh. II 



Ver. Hannibal, Seh. I . 



Ver. Hannibal, Seh. II 



Ver. Carolinenglück . 



Hannover I/II . 



F. f, m, ' 10 0,6—2,8 6 4 

• st I ; 0,05—0,5 

F. m 8 0,6—2,5 '2 i 6 

0,1—0,35 



7 I 0,6—2,5 14 13 
! j 0,2—0,8 



M. ! m 



12. Hannover III/IV . 



3 0,5—1,2 1 

I 0,2—1,0 



I 



Gf. (?) f, m, 7 ' 0,8-4,5 ! 4 

st 0,05—1,5 

F. st 8 0,5—2,5 2 

0,2—0,5 

F. m, st 3 0,5—2,75 ' — 

! \ ' 

F. m 5 0,7—1,2 ' 3 

0,1-0.5 

' I 

G. f, st [ 3 0,7—1,8 

I ü,i— ü,3 

I 

F. m 11 0,7—2,5 ' 2 

' 0,3—0,5 



Gf. f , m 21 0,6—2,10 11 

G. F. 0,01—0,6 



Gf. I f , m I 18 I 0,6—2,0 i 10 
G. F. ' ' , 0,1—0,8 



10 



Summe Vin. Bergrevier Nord-Boohum . 



306244 — 
80g 

114756 — 

88« ^ 

I 
175625 , — 



3658 ; — 

Neuanlage j 
135635 I — 
100« ; 



117832 I — 

608 



182060 

100« I 

148 252 
100« . 

191 913 
80« , 

I 

284 623 

50« I 



222 460 
83« 



1883058 I — 
69,6 8 



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Google 



VIII. Bergrevier Nord-Bochum. 



331 



derselben an der Forderunf|[ des Jahres 1896 in t und % 



Abbau mit Bergeversatz 



Strebbau 



streichen- 
der 

Pfeilerbau 

mit 

Versatz 



I 



streichend I schwebend 



t u. % I t u. % I t u. % 
11 I 12 13 



Stossbau 

schwe- 
bend 
streichend „„^ 

ab- 
fallend 

I 
t u. % I t u. % 

U { t5 



Firsten- 
bau 



t w. % 
16 



Förderung 
im Jahre 

1898 
t (1000 kg) 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 

t u. % 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



t u. o/„ 



la 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 

ü c Fremde 

^B Versatzberge 

Silin 

|& lila 

"§ M Zahl der 
hS Förderwagen i 
>V> täglich I 

2Ü 21 



Förderung der 

fremden Berge 

(Spalte 21-22) zur 

Versatzstelle 




Mark 



Nord-Bochnm. 



— 


_ ; 


38281 

10 8 


38281 - - 

108 1 


382806 


306244 
808 


76562 

208 


1 200 


- I 


1 ' 1 It0,36 

1 1 


0,47 


— 


1 
1 


— 


15648 — — 
12 8 

1 


130404 


114756 
888 


15648 

128 


1 90 — — 


1 
1 1 iw0,25 
-0,30 


0,5 


— 


1 


— 


239491 — — 

128 , 


199574 


175625 
888 


23949 

128 


- 200 - - 


1 1 
— 1 — w 0,30 
!— 0,35 


0,39 


— 


149985 

828 1 

1 


— 


29266 - - 

168 


182909 


3658 

28 


179 251 
988 


1 1 2( 


OO 1 


1 1 


0,59 


— 




— 


1 ' 


135635 


135635 
1008 




— '' — 




1 


0,68 


19639 

108 


35350 
18« 


- 


23566 - — 

128 

1 


1%387 


117 832 

608 


78555 
408 


1 80 


— 


1 1 't0,60 


0,65 


52566 

70§ 


751 


— 


217781 — - 

298 


75 095 


- 


75095 

1008 


1 200 


- 1 


1 1 It0,60 


0,65 


— 


1 
1 


— 


— — - 


182 060 


182060 

100 8 




1 
1 




0,82 




— 


— 




148 ?52 


148 252 
100 8 


— 


1 


1 


0,% 


— 


35984 

155 


- 


1 
11994 - — 

58 


239891 


191913 
808 


47 978 

208 


1 135 I 

t 


1 

"■ "" 1 ^ 


— 




170774 

308 


— 


113849 — 

208 1 


569 246 


284623 

508 


284623 

50S 


t 
1 115 - , 1 

1 1 


- 1 1 0,20 


0,59 


— 


16081 

6« 


5361 

28 


24 122 - — 

OO. 
^0 


268 024 


222460 
838 


45564 

178 


1 90-1 


— - 1 0,25 

1 


0,66 


72 205 

2,6 2 


408926' 

15,12 ' 


43 642 

1,6 g 


302453 — — 
11>18 1 

1 ' 


2710284 


1883058 

69,5 g 


827 226 
30,5 g 


1 
— 1.1 
i9Gr 


10 6 
üben 


5 5 w 0,30 
2 Gr. 

t 


~ 



Sammelwerk. 11 



Digitized by 



Google _ 



332 



4- Kap.: Statistische Ueb ersieht ttber die Abbau -Verhältnisse. 



Z e c li e 



Bemerkungen über die Flötzverhlltnisse 



Flötz- J = 
flache 



Vor- 
herrsch. , 

^«•^^^K: Anzahl 
der 



gruppe, in Uferung, im 
welcher ^" ~^ ^ Bau 



gebaut 
wird 



mittleres befind- 

steiles 
Einfallen 

(500-900) 



Mächtigkeit 

der 

Flötze 

einschl. 

Bergmittel 



Anzahl 

der 

Flötze mit 

Bergmittel 

und 

Stärke 

der 

Bergniittel 

(m) 



Anzahl 

der 
Flötze 

mit 
reiner 
Kohle 



2 



Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 



Oemischte 
Abbauarten 



Pfeilerbau Vereinigter Streb- u. 

I Pfeilerbau 



streichend schwebend streichend schwebend 



t u. % t u. t u. % t n. o/o 



8 



10 



1. Victor 

2. Friedrich der Grosse 

3. Shamrock I/II . . . 

4. von der Heydt . . 



5. Recklinghausen, 
Schacht I 

6. Recklinghausen, 
Schacht n 

7. Shamrock III/IV . . 



8. 



Julia . 



M. 

Gf.G. 
F. 

G. 
F. 

F. 
F. 



f, st I 9 0,6—2,5 



f, m, 
st 



f, m, 
st 



Gf. G. f, st 
F. I 



0,3—0,7 

14 0,9—3,1 9 

. 0,05—1,2 

15 0,8—4,00 7 

0,1—1,00 

3 0,7—3,5 1 

0,2—1,2 

13 0,8—2,5 6 

0,02—0,95 

16 0,65—3,00 11 

0,1—1,5 



G. 
F. 



st 
f 



0,5—5,00 8 

0,1—1,00 



2 
0,2-0,5 



20 
6 0,90—2,20 



4 
5 
8 
2 
7 
5 
12 
4 



Summe IX. Bergrevier Herne 



IX. Ber|;revier 



302117 

58% 

423 392 

908 

299434 ! 

52J ! 

375013 
89g 

344115 

79« 

177113 
568 

265411 



231463 

65? 



25 302 

8« 



2418058 

60,7 g 



25302 
0,6 g 



X. Bergrevier 



Köni^s^rube . . . . 
Pluto, Schacht Thies . 
Pluto, Schacht Wilhelm 
Unser Fritz, Schacht 1 
Unser Fritz, Schacht II 
Consolidation, Sch.I/VI 



Gf. 
G. 

G. 
F. 

G. 
F. 



Gf. 
G. 

G. 
F. 



f I 12 0,&-2,8 

f , m 16 0,6—3,001 6 

I 

m ,13 0,8—2,2 

f , m 6 0,8—2,5 



m 



13 0,6-2,5 



m, st 22 0,6-1,6 i 11 



5 
0,1—0,5 ' 


7 


245 794 

55g 


- 


— 


— 


6 ' 
0,05-0,6 


10 


436598 

90g 




— 


— 


6 1 
0,05—0,3 


7 


92906 

28g 


— 


— 


- ■ 


4 
0,1-0,4 1 


2 


44 380 

15g 




I 


— 


10 
0,1-0,6 


3 


— 


— 


— 


— 


11 
0,1-1,00 


11 


39688 
10 g 


— 


59 533 

158 , 


— 


Uebertrag 


• • 


859366 


— 


59 533 


— 



Digitized by 



Google 



IX. Ber^evier Herne. — X. Bergrevier Gelsenkirchen. 



333 



derselben an der Förderung des Jahres 1896 in t und % 



Abbau mit Bergeversatz 



Strebbau 



streichen- 1 

der 
Pfeilerbau 

mit 
Versatz 



streichend I schwebend 



I 



t u. % I t u^% ^ iVL.% 
11 ! 12 I 13 



Stossbau I 

, 1 

schwe- I 
. . iFirsten- 
bend 

streichend „„^ bau 
ab- \ 
fallend 

I 

t U. o/o ' t U. 7o I t U. o/o 

14 I ~15 I 16 



Förderung 
im Jahre 

1898 
t (1000 kg) 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 




ohne 


Abbau 


Versatz 

1 


mit 


einschl. 


Versatz 


gemischte 


(Spalte 


Abbauarten ' 






11-16J 


(Spalte ^ 




7-10) 





t U. o/o I t U. % 



18 



19 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 






I Fremde 
, Versatzberge 



m\ 



14m 

: PI! III 



St.« 
o ^ 



Förderune der 

fremden Berge 

(Spalte 21-22) zur 

Versatzstdle 

Zufeldef ordern auf 

11 



Zahl der 
I Förderwagen 
I täglich 



20 



21 



22 



5s 

e 
§gg 

•OS 

2-5S 
Hl 



23 



<;>€ 


"Cc 


■g^ 






<»^ä, 


•Sg§ 


3-0:5 


•§■"1 


ä WM 


seflQ 


öl 






S.5 I "o 
SS 



Mark 



24 25 



26 



|g 

OC 



2 
O 

Mark 
27 



Herne. 



15627 
3» 


41671 

88 


— 


161476 - 

: 318 


— 


520891 


302117 

588 


218 774 

428 


1 ! 250 

1 


j 


47043 
108 


— 


— 


i 


— 


470435 


423 392 

908 


47 043 

108 


— , 100 — 1 - 


- — 1 wO,55 0,60 


11517 

21; 


11517 

28 


— 


201 541 1 - 

358 


51825 

98 


575 834 


299434 

52 8 


276400 

488 


1 1450 1 

1 


1 — — 0,54 

1 


— 


— 


— 


463501 - 

118 , 


— 


421363 


375013 
898 


46 350 

112 


I ' 250 1 

1 1 


1 — t0,55 0,36 


— 


26135 

68 


— 


65338| - 

158 


1 


435 588 


344115 

793 


91473 

218 


1 350 1 

, i 


— — t0,55 0,61 


-- 


— 


— 


113859 - 
' 368 


— 


316 274 


202415 

648 


113859 

368 


1 500 — 1 

1 


1 — 1 0,70 0,94 


- 


, 150400 

17 8 


26541 
3S 


1 442352 - 

1 508 


— 


884 704 


265411 

308 


619 293 

708 


1 1 650 ! 

1 , 


1 1 w0,45 0,55 
t0,70 


— 


35 610 

108 


— 


' 89024 - 

258 , 


— 


356097 


231463 

658 


124634 

358 


1 1 250 

1 


,1 - 1 0,45 0,46 


74187 
1,98 


'265 333 

: 6,7 8 


26541 

0,7 8 


1119940 - 

28,18 1 


- 51825 

1,3 g 


3 981 186 


2443360 
61,3 8 


1537 826 

38,7 8 


— 1 3800 t 
8 Gruben 


> 5 1 wa50 — 
2 Gr. 



Qelsenkirchen. 



— 


134069' - 

308 i 


67 035 - ! — 

15 8 1 


446 898 


2+5 794 

558 1 


201104 

45 8 


1 ; 200 ' - 

1 


1 t 0,42 ' 0,60 

1 


— 


48511 i - 
108 ' 


— — 


485109 


436598 ' 

908 


48511 
108 


1 . 100 - 1 


- w 0,301 0,83 
t 0,26 


" 


238900 - 

72 8 ' 


_ ' — 


331806 


92906 

288 1 


238900 

72 8 


1 480 — 


- \v0,21 ' 0,60 
t0,12i 


- 


251488 

858 


— — ' — 


295868 


44 380 

158 


251488 

858 


1 , 200 ! 1 

1 


w0,30| 0,90 
t0,16 


— 


269465 

1008 


— - - 


269 465 


— 


269 465 

100 8 


1 275 1 

1 

j 


- w0,30 1,00 

1 


39688 

10g 


178597 - 

458 


79377 - 

208 


3% 883 


99 221 

25 8 


297 662 

75 8 


1 ! 950 1 

1 


1 1 w 0,55' 0,71 

1 
1 


^688 


1 121 030 - 


146412 — — 


2226 029 


918 899 


1307130 


1 - 2155 - 
1 6 Gruben 


- — — — 



Digitized by 



r^ -22* T 

Google 



834 



4. Kap.: Statistische Uebersicht ttber die Abbau-Verhältnisse. 









Bemerkungen über die FlötzverhSItnisse 




Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 






" 


Vor- 
herrsch. 
Lagerung 

f = 
flache 










Abbau 


1 Gemischte 




Zeche 


Flötz- 
Rruppe*), 
in welcher 


Anzahl 
der 
im 
Bau 


Mächtigkeit 

der 

Flötze 


Anzahl 

der 
Flötze mit 
Bergmittel 

und 


Anzahl 

der 
nötze 

mit 
reiner 
Kohle 


ohne Berg 


'evcrsatz 
rbau 


Abbauarten 




Pfeilei 


, Vereinigter Streb- u. 
Pfeilerbau 

i 1 






gebaut 
wird 


miSirres 
Einfallen 

(2Sa-50tt, 

st = 

steiles 

Einfallen 


befind- 
lichen 
Flötze 


einschl. 
Bergmittel 


Stärke 

der 

Bergmittel 


streichend schwebend 


1 streichend: schwebend 

1 1 










m 


(m) 




t u. o/o 1 t u. % 


I 
1 

j t u. % t u. % 






1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 1 8 


9 1 10 




Ueb ertrag . . 


— 


— 


— 


1 


— 




859366 1 — 


i 59533 — 


7. 


Consolidation, Seh. II 


Gf. 
G. F. 


m, st 

' 1 


24 


0,6-1,7 


12 
0,1-0.6 


12 


41951 
10« 


— 


1 
1 


8. 


Consolidation, Schacht 
III/IV 


Gf. 
G. F. 


m 


22 


0,5—2,00 


12 
0,05—1,00 


10 


110315 , — 

208 


— ' — 


9. 


Hibemia 


F. 


f , m 


8 


0,5—1,65 


4 
0,05-0,45 


4 


1 

i 


— — 


10. 


Wilhelmine Victoria, 
Schacht I 


Gf. 
G. F. 


f, m, 
st 


11 


0,6—2,00 


5 
0,1-1,00 


6 


22389 

8« 


_ 


1 1 


11. 


Wilhelmine Victoria, 
Schacht II/III 


Gf. f, m, 
G. st 

Summe X. 


10 0,6—2,00 
Bergrevier Gel 


7 
0,1— 1,00_ 


3 





— 


1 — , — 




senkirohe 


n . . 


1034021 

25,3 X 


— 


59533 — 

1,5» 



XI. Berfrevier 



Ver. Engelsbiirg . . . 

Ver. Maria Anna und 
Steinbank 

Centrum I/III .... 

Centrum II 

Fröhliche Morgensonne 

Rhein-Elbe 

Alma 

Holland I/II . . . . 
Holland III 



G. 
F. 

F. 



M. I m, st ' 2 ' 0,9—3,20 ' 1 

j I j 0,04— 0,35 

F. ' m, st 7 1 0,7—1,00 I 5 \ 

M. ; j 1 0,05-0,20 1 

F. , st I 15 I 0,4—3,10 I 7 j 
I ,0,05—1,00 

F. m I 11 I 0,5—2,5 i 3 

M. ' ' 0,3—1,00 I 

F. st , 9 I 0,6—2,60 I 3 

M. I ; 1 0,2—0,6 I 

G. f ' 5 I 0,6—1,6 2 I 

0,03—0,40 

G. f, m, 15 0,5-1,7 ' 9 
F. st 0,2-0,60 



m 12 0,6-2,00 5 

I ' 0,3—1,00 

m '14 0,4—2,5 4 

0,02—1,00 



(st) 



1 
2 
8 
8 
6 
3 
6 
7 
10 



Summe XI. Bergrevier Wattenscheid . . 



66258 
100* 

205718 

90* 

133 373 

30J 

191856 
50» 

374724 

938 

304317 

50« 

256189 

46« 

90156 

40« 

98932 

30« 



45078 
20 S 

32977 
10« 



1 721 523 

53,0« 

Digitized by 



78055 

2,4« 



Google 



X. BergreTier Gelsenkirchen. — XI. Bergrevier Wattenscheid. 



335 



derselben an der Förderung des Jahres I89e 


in t und % 




Von der Förderung 




Uebersicht über die Bergewirtschaft 


S 








- - - 




entfallen im Ganzen 
auf 


Ursprung der ' Förderung der cfc 
Ver^itzberge \ js^^TlÄÄr ! t^ 


"g j; 




Abbau mit Bergeversatz 










^xs 


Fremde- - ._Versatzstelle _ l ^.| 


L. CS 










Förderung 
im Jahre 

1Ö98 
t (1000 kg) 


Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 


Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 


s|l 

ll 


Versatzbercre i Zufeldefördern auf 


Kosten des Versatzes auf 
versetzter Berge (w) bezw 


o 


streichen- 

Pfeilerbau 

mit 

Versatz 


1 
Strebbau Stossbau 

schwe- 
bend 
streichend schwebend streichend „„d 

ab- 
' fallend 


Firsten- 
bau 


2J aus anderen Betrieben 
3 N der Gruben stammend 
§•& (Gesteinsarbeiten etc) 

i g« vom Tage hereingeför- 
»3 Q dcrte Berge (Halden-, , 
3 WaschBerge etc.^ ' 

;r oberen Sohle und Ab- 
artsförderung in den einzel- 
nen Bauaoteilungen 

rr Bausohle und Aufwärts- 

rderung in den einzelnen 

Bauabteilungen 




t n. % 


tu. % tu. % , tu. o/o 


t u. % 1 t u. 'Vo 


t 


t u. % 


t u. o/„ 


>» 


täglich «o ^ -als 


•SS Mark 


Mark 


11 


12 13 14 


15 16 


17 


18 


19 


20 


21 1 22 23 24 1 25 26 


27 


39688 


1121030 — 146412 

1 


— — 


2 220 029 


918 899 


1307 130 


— 


2 155 ; — 1 - - 

1 ' 1 


— 


— 


16780 


1 
293653 — 67121 




419505 


41951 


377554 




1 
900 ,1,1 - 


wO,50 


0,66 


48 


70g 16g 






10 g 


90g 




, 








364039 - 77 220 

66g 1 14g 


— — 


551574 


110315 

20g 


441259 
80g 




825 1 


1 — 


wO,50 


0,59 


— 


- 1 — 1044*1 
40g 


156661 - 

60g 


261 102 


— 


261 102 

100 g 




650 1 1 

1 


— — 


t0,45 


0,56 


— 


173518| — 83 %1 

62g 30g 


__ — 


279 868 


22389 

8g 


257479 

92g 




170 1 


1 - 


w 0,40 


0,66 


— 


269127 80388 
77g 23g 


— — 


349515 


— 


349515 
100« 




340 ; 1 

1 


1 — 


w0,40 


0,65 


56468 


2221367 — 559543 


156661 — 


4087 593 


1093 554 


2994 039 


__ 


5090 9 10 2 w0,3d 


_ 


1,4« 


54,3 g 13,7 g 


3,8 g 


1 




26,8g 


73,2 g 




11 Gruben 






9Gr.| 





Wattenscheid. 





— 


— 


— 


— 


66258 


66258 
100 g 








0,15 






i 




— 


— 


— 


22858 

10g 


- — 


228 576 


205 718 

90g 


22 858 

10g 


— - 1 70 1 

1 


- - wO,78 


0,80 


— 


8892 

2g 


8892 

2g 


293421 

66g 


— — 


444 578 


133373 

30g 


311205 
70g 


1 870 1 


1 — w 0,50 


0,60 


— 


76742 
20g 


— 


115114 
30g 


— — 


383 712 


191856 

50g 


191856 
50g 


1 200 1 


- w0,41 
t0,50 


0,62 


28205 

n 


— 


— 


— 


— 


402 929 


374724 
93g 


28 205 

7g 


— 200 — - 


— w0,40 
t 0,15 


0,65 


— 


- 


— 


304318 

50g 


— 


608635 


304317 

50S 


304318 

508 


1 430 - 


1 t0,60 


0,79 


1^ 803 

5« 


44555 
8g 


— 


111386 

201; 


- — 


556 933 


256189 

46g 


300 744 

54g 


1 680 


1 w0,46 
t0,62 


0,65 


- 


90156 

40g 


— 


— 


— 


225390 


135234 

60g 


90156 

408 


1 430 - 1 


- 0,25 


0,50 


— 


131909 
40g 


— 


— 


- 65955 
20!; 


329 773 


131909 

40;; 


197 864 

608 


1 325 1 1 


— w0,37 


0,66 


V. iooe 

3g 


aS2254 
10,9 g ' 


8892 

0,3g 


1847 097 

26,1g 


- 65955 

2,0 g 


3246 784 


1799 578 

55,4 g 


1447 206 

44,6 8 


— 3205 5 7 
8 Gruben | , 


2 w0,49 


— 



Digitized by 



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a% 



4. Kap.: Statistische Uebersicht über die Abb au- Verhältnisse. 









Bemerk! 

Vor- 
herrsch. 


ingen über die Flötzverhältnisse 




Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 






1 


Abbau Gemischte 








Anzahl 




ohne Bergeversatz Abbauarten 








Lagerung 
f 


Anzahl der 


Anzahl 


Pfeilerbau Vereimgter Streb- u. 






Flotz- 


flache 


der Mächtigkeit | Flötze mit 


der 




Zeche 


gruppe, in 
welcher 


Lagerung 
m 


im der Bergmittel 
Bau i Flötze und 


Flötze 
' mit 


1 






;rebaut 


mittleres 
Einfallen 


befind- einschl. Stärke 


reiner 


streichend schwebend streichend schwebend 






wird 


(25"-50'>) 

st - 
steiles 


liehen Bergmiltel der 
Flötze 1 Bergmittel 
(m) 


Kohle 










Einfallen 












(60»-90"' 


m 


1 


t u. 7o t u. o/o tu. o.'o 1 t U.O'o 






1 


-^ 1 


3 1 4 5 


6 


7 8 ; 9 1 10 



3. 



4. 



8. 



9. 



10. 



11. 



12. 



Ver. Bonifacius 



Dahlbusch I 



Dahlbusch II/V 



Dahlbusch III, IV, VI 



Königin Elisabeth, Seh. 
Wilhelm 



Königin Elisabeth, Seh. 
Fr. Joachim 

Königin Elisabeth, Seh. 
Hubert 



Zollverein I/II . . . 
Zollverein III . , . 
Zollverein IV/V . . 
Zollverein VI . . . 
Friedrich Ernestine . 



XII. Ber|;revier 



F. 
G. 



f, m, 28 0,5-2,2 13 



15 



st 
f 



0,02-0,6 



4 1,2—2,7 1 3 

0,5-1,5 



G. 
F. 


f 


7 


0,68-1,5 


1 
0,06—0,1 


6 


156 572 

60« 


— 


G. 


f 


6 


0,70-1,87 


2 ' 
0,12—0,50 


4 


174419 

488 


130814 

36« 


G. 
F. 
M. 


st 


21 


0,4-2,5 


7 
0,05—1,00 


14 


80358 

358 


- 


G. 
F 


st 


21 


0,4-1,5 


5 
0,1—0,3 


16 


%3% 
408 


— 


F. 


st 


5 


— 


3 


2 


7816 

208 




G. 
F. 


f, m, 
st 


16 


0,9—2,00 


0,06—0,45 ' 


12 


295906 
50« 


— 


Gf. 
G. 


f 


7 


0.8-1,6 


5 
0,03—0,5 


2 


388053 

60« I 


97 013 

15 S 


F. 


st 


12 


0,75-2,25 


7 
0,1-0,7 


5 


243171 

75« , 


— 



G. 
G. 



2 0,9—1,10 1 1 

0,06—0,4 

6 0,65-1,30 3 3 

0,1—0,3 



Summe XII. Bergrevier OBt-Essen 



269363 

73« 



52 191 



172902 4322 6434 

80« 28 3« 



1884956 232149 6434 52191 
52,4 8 I 6,58 0,2« 1,5 2 



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XII. Bergrevier Ost-Essen. 



337 



derselben an der Fördcnmg des Jahres 1898 in t und <Vo 
Abbau mit BerKeversatz 



Strebbau 



Stossbau 



streichen- 1 
der I 

Pfeilerbau ' 

mit I 

Versatz i 



t u. % 
11 



! schwc- 

j bend 

streichend schwebend streichend ^^^ 

ab- I 
I ! ' fallend ! 



Firsten- 
bau 



t^u.% 
12 



I 



t u. O'o I t u. % I t u. o/o t u. % 
13 ; 14 I 15 ! 16 



Förderung 
im Jahre 

1898 
t (1000 kg) 



t 
17 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau I 
ohne 

Versatz I 

einschl. 
gemischte , 
Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 

tu. ^io 

18 



Abbau 

mit 
Versatz 

(Spalte 
11-16) 



t u. 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 






Förderung der 
fremden Berge 1 
(Spalte 21-22) zur' 
c .- Versatzstelle 

Fremde - - 

Versatzberge Zufeldefördem auf 



11?' Is;,"« 






t 

>'S EEg S^"C -««^ö .SS 

"gl ilSlt^'=-sl ^"^ 



äl 






>'a 



gtS Zahl der 
fe£ Förderwagen 
> « täglich 



20 



21 



22 



23 






II 



.s-g'l^i 

3 5 I ü«.t; 
•o2 I Mark 



24 ! 25 



26 



tMCB 



oE 

I 
5 

o 

Mark 

27 



Ost-Essen. 



7380 

n 


92 247 

258 


— 


— 


— 


— 


368990 


269 363 

73« 


99627 

27« 


1 


175 - 1 


1 — w 0,60 


0,78 


- 


— 


— 


90804 

35« 


168635 

1 65« 


— 


259439 


— 


259439 
100« 


1 225 - - 


1 1 w0,30 


0,84 


- 


— 


26095 

10« 


, 26095 
1 10« 


■ — 


- 


260953 


208 763 

80« 


52190 
208 


.651- - 


1 — w 0,35 

1 


0,93 


— 


— 


— 


1 


58 139 

, 16« 


— 


363 372 


305233 

84« 


58139 

16« 


1 85 - - 

1 i 
1 


1 , 1 w0,35 


0,63 


13776 
6« 


- — 




' 13 776 

1 


— 


121685 

53« 


229595 


80358 

35« 


149237 

65« 


I 275 1 

• 

1 


1 - w 0,35 
t0,20 


0,74 


40969 

1 


— 


— 


19279 

; 8g 


— 


84347 

35« 


240991 


963% 

40« 


144 595 

60« 


1 ?.%S 1 


I — w 0,28 
t 0,21 


0,73 


— 


— 


~ 


1 


— 


31262 

«0« 


39078 


7 816 

20« 


31262 
80« 


1 


i. (I.Summen | 
f. d. anderen 

Schächte 
mitenthalten 


- — — 


— 


— 


— 




266315 

45« 


— 


29591 

5« 


591 812 


295906 

50« 


295906 

50« 


1 


200 — 1 

1 


1 1 0,6 


0,61 


1 

1 


— 


— 


161689 

25« 


— 


- 


646755 


485066 

75« 


161689 

258 


1 1 300 , - 

; 1 


1 1 w0,20 


0,30 


1 


— 


— 


1 81057 

1 25« 


— 


— 


324 228 


243171 

75« 


81057 

25« 


- 1 300 - 1 - 

1 


- - w 0,30 
t0,36 

1 


0,73 


— 


- 


— 


53 475 
100« 


— 


— 


53 475 


— 


53475 
100« 


, 1 _ _ ' _ - 


- — — 


0,92 


— 


2161 

u 


2161 

n 


28 097 

13« 


— 


— 


216 127 


183 708 

85« 


32 419 

15« 


1 75 - - 

1 


1 1 - 

1 


0,50 


62125 , 


94408 
2,6« 


28 256 

0,8« 


740587 
20,6« 


226 774 266885 

6,3« j 7,4 8 


3 594 815 


2175780 
60,6« 


1419035 
39,4« 


— 


1 
1935 ; 6 
10 Gruben' 

1 


B 5 w0,34 
l8Gr. 

1 


• 



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338 



4. Kap.: Statistische Uebersicht ttber die Abbau -Verhiitnisse. 







Bemerkungen über die Flötzverhältnisse 




Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 






Flötz- 


Vor- 
herrsch. 
Lagerung 

f - 
flache 


Anzahl 
Anzahl der 
der Mächtigkeit Fldtze mit 


der 


Abbau 
Pfeilerbau 


Gemischte 
Abbauarten 

Vereinigter Streb- u. 
Pfeilerbau 




Zeche 


gruppe, in 

welcher 

gebaut 

wird 


Lagerung 
(0^-25") 

m - 
mittleres 
Einfallen 
(25^-50») 

st - 

steiles 

Einfallen 

(50"-9OO) 


im , der ' Bergmittel 
Bau Flötze und 
befind- , einschl. Stärke 
liehen 1 Bergmittel der 
Flötze Bergmittel 
(m) 


Flötze 

mit 

reiner 

Kohle 


1 

streichend , schwebend 

j 

t u. % , t u. % 


; 1 

1 
tu. O'o tu. "'o 






1 


2 1 


3 1 4 5 


6 


7 8 


9 1 10 



1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

9. 
10. 
11. 
12. 
13. 
14. 



Ver. Helene und Amalie, 
Schacht Amalie 

Ver. Helene und Amalie, 
Schacht Helene 

Kölner Bergwerks- 
verein, Schacht Anna 

Kölner Bergwerks- 
verein, Schacht Carl 

Kölner Bergwerks- 
verein, Scn. Em scher 

Neu-Essen, Schachf 
Heinrich 

Neu-Essen, Seh. Fritz 



Mathias Stinnes . . . 

Prosper I 

Prosper II 

Carolus Magnus . . . 
Wolfsbank u. Neuwesel 



König; Wilhelm, Seh. 
Christian Levin 

König Wilhelm, Seh. 
Neu-Cöln 



F. 



f, m 11 

f, m 18 

st 11 

F. I m, st I 9 

f 6 

f 7 



Gf. 
G. 



Gf. 
G. 

Gf. 



Gf. 
G. 

Gf.G. 
F. 

Gf.G. 
F. 

F. 
F. 
F. 



I 



0,65—1,50 1 10 

0,5-0,6 
I 
0,7—1,80 6 '12 

0,05—0,15 

0,7—1,8 2 9 

0,1—0,2 j 

0,6—1,7 1 3 6 

I 0,1—0,25, 



1,0-2,00' 



0,2—0,7 



0,95—2,20 5 2 

I 0,15-0,45 

0,54—1,60 5 , 1 

0,1—0,44 I 



f, m I 20 

f , m I 22 

I 

I 
f 16 I 0,6-1,60 

I 
I 1 

st ' 7 0,6—1,8 



0,9-1,52 



0,15-0,5 



i 3 



0,6—1,8 11 

I 0,1-1,00 

0,7—2,00 , 15 

' 0,05—0,6 



7 
0,1—1,00 

5 
0,1—0,9 



f , m 11 0,5-1,4 6 

0,05-0,5 



F. f, m, 10 0,8-2,00 5 

st 0,05—0,4 



Summe XIII. Bergrevier Weft-Essen 



Xm. Bergrevier 



215907 i 

60? I 

221726 ! 

62» , 

69786 

4U 

94240 
35« 

300010 

100« 

230523 
100« 

297021 
100« 

308188 

65« 

174310 
44« 

617 401 
70« 

182 971 

70 8 

202009 

75« 

272717 
80« 

270138 
100 8 



130733 

33« 






3456947 

70,9« 



130733 

: 2,7« 



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Google 



XIII. Bcrgrcvicr West -Essen. 



339 



derselben an der Förderung des Jahres 1896 in t und % 
Abbau mit Bergeversatz 



Strebbau 



Stossbau 



streichen- 
der 
Pfriierbau 



' schwe- 

, bend 
., .streichend schwebend streichend, . 

mit ' und 



Versatz 



I 



ab- 
fallend 



Firsten- 
bau 



tu.o'o tu. o/o tu. 'Vo tu. "„ I t u. % 1 t u. 0,0 
11 I 12 13 14 15 1 16 



Förderung 
im Jahre 

1896 
t (1000 kg) 



t 
17 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



t u. o/o t u. % 

18 I 19 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 

^ £ Fremde 

%-Z Versatzberge 



a{ c d 



r 1 
lös 

' Zahl der 
Förderwagen 
' täglich 



Förderung der 

fremden Berge 

(Spalte 21-2-^) zur, 

Versatzstelle. 

Zufeldefördem auf 

<N Xc ^ g , 



n = Sf «'■9 c 



II 

2.5S 

&^ 

c S (« 



Hill 

2 2 -«.5 
Sgoa; sc 









^ I Q 



20 



21 



22 



23 



24 25 



Mark 
26 



II 



il 



j= — 

I 

o 

Mark 

27 



West-Essen. 



- 


— 


— 


143938 

40« 


- 


— 


359845 


215907 
60« i 


143938 

40« 


- 500 1 [ 1 


— 


w0,20 


0,67 


- 




— 


1358% 

38« 


1 


357 622 


221726 
62« 


1358% 

38« 


- 600 II 


— ;wO,25 

1 


0,82 


54467 

32J , 


45957 

27« 


— 


— 


1 


170210 


69786 

41« 


100424 
59« 


- 150 , 75 1 1 
1 225 


" 1 ~ 


0,95 


107703' 

40« , 


67 315 

25« 


— 


— 




— 


269258 


94240 

35« ' 


175018 
65« 


- 125 ' 140 1 1 
1 265 


— 


w0,34 


0,71 


- 


— 




— 


— 


— 


300010 


300010 
100« . 


— 


_ 1 ._ ! _ ! - _ 




— 


0,70 


- 


— 


— 


- 


— 




230523 


230523 

100« 


— 


1 ! 
1 


— 


— 


0,64 


— 


— 


— 


— ^ 




— 


297021 


297021 
100« 


— 


— i — 1 — , — , — 
1 1 1 1 j 


— 


0,50 


- ■ 


— 


— 


165947 

35« 


1 — 


— 


474135 


308188 

65« 


165947 

35« 


1 400 — -1,1 

1 ' ' i 




0,45 




— 


— 


91 117 

23« 


— 


— 


396160 


305043 

77« 


91117 

23« 


1 ' 150 — 1 1 1 wO,25 

! ' i 1 


0,73 


- ' 


52920 

6« 


— 


70560 

8« 


141 120 — 

16« , 


882 001 


617 401 

70« 


264600 
30« 


1 400 , - 1 1 il w 0,25 

1 
1 


0,54 




— 


— 


78416 
30« 


1 


261387 


182971 

70« 


78416 

30« 


— 1 325 — 1 1 t0,20 


0,44 


- 


— 


— 


67 337 

25« 


— 1 — 


269346 


75« 


25« 


1 1 225 11— w0,65 

1 ' ' 1 


0,80 


51134 
15 g 


— 


17 045 

5« 


— 


— ' — 


3408% 


272717 
80« 


68179 

20« 


1 100 — 1 1 — w 0,5 


0,50 


— 




— 


— 


— ' — 


270138 


270138 
100« 


— 


~ ! "~ ~ ~" """";"" 


0,48 


213304 

4,4« 


166192 

3,4« 


17045 

0,3« 


753211 

15,4« 


141 120 

' 2,9« 


— 


4 878 552 


1 
3587 680 
73,6« 


1290872 

26,4« 


— 3190 8 10 
10 Gruben 


4 


^s? 


— 



Digitized by 



Google 



340 



4. Kap.: Statistische Uebersicht aber die Abbau- Verhältnisse. 



Z c c li e 



Bcmerkungm über die Flötzverhältnisse 



Vor- I 
, herrsch. 
Lagerung ' 



Anzahl 

fiacne ; "" 
gnippe, in; Lagerung' im 

welcher ^" ~^°^ Bau 



Flötz- J = 
flache 



Mächtigkeit 

der 

Plötze 

einschl. 



gebaut miTtleres befind- -»-».. 



! st= ™*« 

steiles 
Einfallen 

,(50"-90"); 



Anzahl 

der 

Flötze mit 

Bergmittel 

und 

Starke 

der 

Bergmitlel 

(m) 



Anzahl 
I der 
Flötze 

mit 
reiner 
Kohle 



m 

4 



Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 

Pfeilerbau 



Gemischte 
Abbauarten 

Vereinigter Streb- u. 
Pfeilerbau 



streichend ' schwebend streichend schwebend 



t u. o/o ' t u. o/o ' t u. o/„ t u. % 
7 8,9 10 



Johann Deimelsberj^ . 

Rhein. Anthracit - Koh- 
lenwerke 

Hercules . . . 
Ludwig . . 
Langenbrahm . 
Graf Beust . . 
Victoria Mathias 
Ver. Hagenbeck 
Ver. Sälzer u. Neuack 



M. 

M. 

F. 
M. 

M. 

M. 

F. 

F. 

F. 
M. 

F. 



m, st 

m 
m, st 

m 

f , m 
f, st 

f 
f , m 



6 I 0,6-3,00 2 

I 0,05—1,80 ' 



2 
0,2—0,5 , 

4 
0,1-2,00 



5 1 0,55-1,00 

11 I 0,5—3,00 

7 I 0,6-1,0 1 ' 

I I 

5 0,7-1,2 i 2 

0,15-0,30; 

12 0,55—2,00 , 9 

I 0,1—0,8 

11 0,9—1,8 I 5 

. 0,1-1,2 

7 0,6-1,6 ! 2 

0,1-0,25 

9 10,75—1,60 2 

! 0,3-0,5 



4 
3 
7 
6 
3 
3 
6 
5 
7 



Siiinme XIV. Bergrevier Süd-Essen 



Victoria 




M. 


st 


4 


. 0,5- 


-1,5 


3 






0,1-0,3 


Heinrich . 




M. 


f 


4 


0,65—1,25 


2 
0,05—0,2 


Ver. Pörtingssiefen . . 


M 


f, st 


5 


0,5- 


-1,8 


2 

0,1-0,5 


Richradt . 




F. 


st 


7 


0,75- 


-3,00 


2 






0,2-1,00 


Paul ine 




M. 


m, st 


6 




- 


3 






0,3-1,00 


4 kleinere 


Gruben zu- 


— 


_ 


— 




- 


— 


sammen 

















Summe XV. Bergrevier Werden 



XIV. Bergrevier 



170139 
808 

100657 

97« 

145882 

50» 

134791 

77« 

214465 

80« ; 

164183 ' 

55« ! 

102315 ! 

70« 

305405 

92« 

9 136 

3« 



14926 

5« 




14926 , — 
0,7« i 

XV. Bergrevier 



569998 

96,2« I 



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XIV. Bergrevier Süd-Essen. — XV. Bergrevier Werden. 



341 



derselben an der Förderung des Jahres 1898 in t und % 



Abbau mit Bergeversatz 



streichen- 
der 

Pfeilerbau 
mit 

Versatz 

J u. o'o 
II 



Strebbau 



Stossbau 



streichend schwebend streichend 



t u. o/o 
12 



t 



lU^'/0_; t U. % 

13 14 



schwe- 
bend 
und 
' ab- 
\ fallend 

15 



7o 




— - 


Förderung 




im Jahre 




1898 


Firsten- 


t (1000 kg) 


bau 




tu.% 


t 


16 


17 



Von der Förderung 

entfallen im Ganzen 

auf 



Abbau I 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11-16) 



t u. o/o t u. % 

18 I 19 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



Ursprung der 
Versatzberge 



=i I 
P I 
tu 

CS C Im 



II I 



Fremde 
Versatzberge 



Förderung der 
fremden Berge 
(Spalte 21-22) zur 
Versatzstelle^ 

Zufeldefördem auf 



•Q Vf. 

m 

3 WU 



Zahl der 
Förderwagen 
taglich I 



Ä-s I «JC 



*= - 'SU 






20 I 21 I 22 I 28 24 I 25 



g|t 

•SS |-S£ Mark 
26 



iii'il 

CQC 






il 



II 

co"n 
N 

r 

o 

Mark 

27 



Säd-Essen. 



3113 

3« 



43765 , — 
158 ' 



53616 I 

20« I 



7002 

4» 



5970 

2« 



42535 

20« 



102117 

35« 

33 260 

19« 



104480 

35« 

43849 
30« 

26557 

8« 

295387 

97« 



— 


212674 


170 139 
80« 


42 535 

20« 


— 


103770 


100657 

97« 


3113 

3« 


— 


291764 


145882 

50« 


145 882 

50« 


— 


175053 


134 791 

77« 


40262 

23« 


— 


268 081 


214465 
80« 


53616 

20« 


8956 

3« 


298515 


179109 

60« 


119406 

40« 


— 


146164 


102315 

70« 


43849 

30« 


— 


331 %2 


305405 
92« 


26 557 
8« 


— 


304523 


9136 

3« 


295387 

97« 


8956 

0,4« 


2132506 


1361899 
63,8« 


770607 

36,2« 



— 250 I I 

— 20 I - I — 

I 500 I I 

I 120 I - ' I 

I 50 I 

I 

I 380 I I 

I 200 I 100 ; — 

300 ' 

— 175 I I 



I I — w 0,9 

I I — w 1,00 

I I w 0,30 
-0,70 

— w0,17 

I — w 0,28 

I 
I I - - 
I 

I I w 0,30 

j t0,60 

— I — w 0,50 



I 400 400 I I I I I w 0,50 

800 



0,52 
0,95 
0,60 
0,44 
0,49 
0,20 
0,45 
0,38 
0,55 



97381 

4,6« 

Werden. 



16085 
0,8« I 



648185 
30,4« 



22527 

25« 



— 2 595 I 
9 Gruben ' 



3 ;w0,52 
8Gr 



90110 
120885 
166327 
92146 
85157 
37 900 



67 583 

75« , 

120 885 
100« I 

166327, 
100« ! 

92146 
100« 

85157 
100« 

37 900 



22 527 

25« 



0,52 
0,18 
0,42 

0,22 



22527 
3,8« 



592 525 



569 998 

96,2« 



22527 
3,8« 



Digitized by 



Google 



342 



4. Kap.: StatiitUche Ueberticht über die Abbau -Verhältnisie. 




Bemerkungen über die Flötzverhflltnisse 



Vor- 
herrsch. 
Lagerung 



Anzahl 



Anzahl 
der 



- Anzani **" . . . 

Flötz- ,;= , der I Mächtigkeit ; Flötze mit , '^"'^^ 

^^ache I I .^ _ ,. . , I der 

gruppe, in Lagerung im i °^ Bergmittel 

welcher ^'^^-'f^ Bau ™tze ! und ''^' 

ßebant „,!7ti7res befind- ' «"schl. Starke ^^^ 

vird Einfallen liehen Bergmittel , der 

I 5t _ : Flötze I Bergmittel , 

steiles ("») 

Einfallen i 

,(50«-90"), m 



Die einzelnen Abbauarten und der Anteil 



Abbau 
ohne Bergeversatz 

Pfeilerbau 



I Gemischte 

Abbauarten 

Vereinigter Streb- u. 
I Pfeilerbau 



streichend i schwebend streichend schwebend 



t u. % i u. % t u, % t u. »} 

7 8 9 10 



1. 


Humboldt 


M. 


m 


2. 


Ver. Rosenblum end eile 


F. 
M. 


m, st 


3. 


Ver. Wiesche .... 


M. 


1 '■«• 


4. 


Ver. Sellerbeck, Seh. 
Caraall 


M. 




5. 


Ver. Sellerbeck, Seh. 
Müller 


M. 


st 

1 


6. 


Oberhausen, Seh. I/II . 


F. 
M. 


f , m 

1 


7. 


Oberhausen, S eh. Oster- 
feld 


F. 


, f 


8. 


Roland 


F. 
M. 


1 f , m 

1 


9. 


Alstaden I 


M. 


, f > ni 


10. 


Alstaden II 


F. 
M. 


' f , m 


11. 


Concordia I . . . . 


F. 


1 m 


12. 


Concordia 11 ... . 


F. 


f 


13. 


Neumtihl 


F. 


• — 


14. 


Westende 


F. 


1 
f 


15. 


Deutscher Kaiser, 
Seh. I 


G. F. 


f ' 


16. 


Deutscher Kaiser, 
Seh. II 


Gf. 


f : 


17. 


Deutscher Kaiser, 
Seh. III 


F. 


f 



0,6-1,00 I — 



1 



7 


0,7^1,2 

1 


4 


0,4-1,25 


5 


1 0,6-1,2 


5 


1 

1 0,6-1,2 


14 


' 0,7—2,2 

1 


6 


0,65-2,00 

1 


10 


1 

1 0,55-1,5 


5 


! 0,8-1,6 


4 


0,8-3,25 


13 


' 0,5-1,15 

1 


12 


0,5-1,7 


9 


1 


8 


0,7-2,10 


9 


1 0,9-1,70 


7 


0,6-1,85 


8 


0,65-1,80 

1 



I 



0,1—0,2 

3 

3 

8 
0,1—1,00 

4 
0,15-1,00 I 

4 ; 

0,1—0,45 

2 
0,1-0,6 

2 
0,1—0,5 

7 
0,1—0,3 

5 
0,1—0,3 



0,25-0,80 

4 
0,^-0,8 

5 
0,01—0,3 

5 
0,1—0,5 



7 
6 
4 
2 
2 
6 
2 
6 
3 
2 
6 
7 

6 
5 
2 
3 



Summe XVI. Bergreyler Oberhausen 



XVI. Bergrevier 



167 867 
100g 

100054 

50« 

131881 

70« 

96 355 
100« 

50392 
100« 

584117 
95« 

525653 

90« 

157450 
80« 

123938 

95« 

158640 
80« 

221180 

91« 

463995 

75« 

57 081 
100« 

293176 

95« 

170420 

65« 

195 145 

60« 

222005 

75« 



— I 



56520 
30« 






5841 



nur Aus- und Vor- 
richtungsbetriebe 



74001 
25« 



3719349 
82« 



Digitized by 



136 362 

3« 



Google 



XVI. BergreTier OberhauMn. 



343 



derselben an der Förderung des Jahres 1S9& in t und % 
Abbau mit Berge versAtx 



Strebbau 



Stossbau 



streichen- 
der 

Pf eilerbau 
mit 

Versatz 



schwe- 
bend 



Firsten- 



streichend schwebend streichend und ^*" 
I ab- 

fallend 



t XL "o t u. % t u. % t u. 'Vo t u. % t u. % 
11 



12 13 U 15 16 



Förderung 
im Jahre 

1898 
t (1000 kg) 



t 
17 



Vüo der FöndcniUE 

entfallen im Onnzrn 

auf 



Abbau 

ohne 

Versatz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7—10) 

t u, Vo 
18 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
1 1—16) 



t u. o/o 
19 



Uebenicht über die Berge vi rtsch^ift 



Ursprung der 
VtTiatzbergif 



Fflrdertme der 



Sei 



^•«3 

lä 



Fremde 
Versatzberge 



(Spalte 21-22^ zur 
Versütza teile. 

Zufeldefördem auf , 



cSl' 

öl" 



20 



IIS U\ 

Zahl der , 
Förderwagen ' 
täglich 



Htm 

1-55 ^|ll 
23 ^-sl 



«1 



sc 



21 



22 



28 



24 



25 



1^^ 



'-je 

m 

Mark 
26 



1& 



ll 
II 



e 

o 

Mark 
27 



Oberbiisen. 



1 


— 


— 




— 




167 867 


167 867 
100« 




- ' - 1 - ' - 1 - 


— ' — 


— 


— i 

1 


20011 

108 


— 


80043 

40« 


i 


200108 


100054 

50« 


100054 

508 


1 50 1 1 1 

i 1 ' 


— ,w0,60 

1 


0,25 


1 


— 


— 


— 




_ 


188401 


188401 
100« 


— 


1 230 1 - - 1 

1 1 


— !w 0,85 

1 


0,44 


1 


— 


— 


— 


— 


— 


%355 


%355 

100« 


— 


! ' 1 




— 


_ 1 


— 


— 


— 


— 


— 


50392 


50392 

100« 


— 


- - - ! - , - 


— ' — 


— 


— 


- 




30 743 

5« 


1 

" 


614860 


584117 

95« 


30743 

5« 


- 220 1 - 

1 

1 1 


— w 0,15 


0,39 


— 


— 


— 


52565 

9« 


— 


— 


584059 


531494 

91« 


52565 

9« 


1 100 - 1 — 1 1 


1 jw0,40 


0,49 


— 


— 


— 


39362 

20« 




— 


196812 


157 450 
80« 


39362 

208 


1 ' 150 i 1 , - 

1 


1 1 - 
1 


0,40 


— 


— 


— 


6523 

58 


1 


130461 


123938 

95« 


6523 

58 


1 25 - - , 1 

1 


— w0,55 


0,45 


— 


— 


— 


39660 

208 


— — 


198300 


158640 
80« 


39660 

20« 


1 80 1 1 — 


— \vO,50 

1 


0,34 


— 


14583 

6« 


— 


7292 

38 


— — 


243055 


221 180 

91« 


21875 
9« 


1 50 - 1 - 


— ;vv 0,45 


0,55 


6187 
U 


148478 

242 


— 


— 


— 


618 660 


463995 

75« 


154665 

25« 


1 30-1 - 


- w 0,50 


0,27 


— 


— 


— 


' 


57 081 


57 081 

100« 


— 




— — 


— 


15430 

5J 


— 


— 




— — 


308606 


293176 
95« 


15430 

58 


1 10 - 1 1 

1 


— — 


0,46 


— 


— 


— 


91765 

35i; 




262185 


170420 
65« 


91765 

35 8 


1 . 200 - 1 


— t0,60 


0,45 


— 


84 563 

26g 


45 534 

14 8 


— — — 


325 242 


195145 
60« 


130097 

401i 


1 250 - 1 


- t060 


0,45 


— 


— 


— 


_ _ _ 


2% 006 


296006 
100« 




1 200 — 1 


— t0,60 


0,45 


21617 
0,3J} 


267635 

5,9 8 


45534 

4 4 (l 
1,' ü 


347 953 

7,7 8 


-- 


— 


4538450 


3855 711 
84,9 8 


682 739 

15,1 ü 


— 1595 7 8 
13Gruben, | 


2 ,w0,50 
! 8Cir. 


— 



Digitized by 



Google 



344 



4. Kap.: Statistische Uebersicht über die Abb au- Verhältnisse. 





Die einz< 

Abbau 
ohne Bergeversatz 


ilnen Abbautrten und der Anteil derselben an der Förderung des 




Gemischte 
Abbauarten 


Abbau mit 




Pfeilerbau 


Vereinigter Streb- und 
Pfeilerbau 


Strebbau 


Ber(rrc\'ier 




; 


streichender j 
Pfeilerbau j 




streichend schwebend 


streidiend , schwebend 


mit 1 

streichend schwebend 
Versatz 

1 




t u. % 1 t u. o/o 
7 ~8 


1 

t u. % 1 t u. 7o 

9 10 


1 
tu. 0'^ tu. % 1 tu. % 

11 12 13 



I. 


Borgrovior Siid-Dortinand 


1 135 727 
39,0« 


~ 


122 957 

4,2« 


— 




IL 


Ost-Dortinand 


1438790 

44,48 


— 


22649 

0,7 8 


— 


in. 


West-Dortmnnd .... 


1720442 
52,2« 


— 


141492 

4,38 


— 




IV. 


V ReokünghanHen .... 


2635160 

54,2 g 


119176 
2,5 g 


79 903 

1,7 8 


59 770 

1,2 g 




V. 


Witten 


1424603 
60,8 g 


16468 

0,7 8 


78906 

2,8 g 


— 




VI. 


Hattingen 


1830866 

84,n 


— 


24 202 

i,U 


- 


VII. 


Süd-Boehum 


1 583 177 
69,2 g 


— 


10744 
0,5« 


! 

1 


VIII. 


Nord-Boehnni 


1883058 

69,6 S 


— 


— 


— 


IX. 


Herne 


2418058 
60,7g 


— 


25302 
0,68 


— 


X. 


Geilenkirchen .... 


1034021 

25,3g 


— 


59 533 

1,5« 


— i 
1 


XI. 


Wattenncheid 


1 721 523 
53,0g 


— 


78 055 

2,4 g 






XII. 


Ont-EsHen 


1884 956 

52,4 8 


232149 

6,5 g 


6484 
0,2 8 


52191 ' 

IS" 


XIII. 


West-Essen 


3456947 
70,9 g 




130733 

2,7 g 


— 


XIV. 


Süd-Essen 


1346973 

63,1g 


, 


14926 

0,7 8 


— 


XV. 

XVI. 


Werden 

Oberhansen 


569998 

96,2 g 

3 719349 
82 g 


— 


136362 

38 






Summe . . f n 

l 


298a3647 
58,57 g 


367 793 
0,728 


932248 
1,83 8 


111 %1 

0,22 g 


1 





Zusammen 


128460 

4,4 8 


621467 
21,38 


— 


— 


520620 

16« 


23181 

0,7 8 


37 213 

1,2 8 


424061 
12,9« 


35 719 

1,1 S 


30525 

0,68 


348039 

7,2« 


928 336 
19,1 C 


13293 
0,68 


338986 

14,5« 


— 


52073 

2,4 g 


34 016 
1,6« 




27 341 

1,2 8 


185 737 

8,18 


— 


72205 

2,6g 


408926 

15,1g 


43642 

1,6 2 


74187 
1,98 


265333 

6,7 J 


26541 

0,7 g 


56468 

1,4 8 


2221367 

54,3 8 


— 


173008 

5,3 8 


352 254 

10,9« 


8892 
0,3 S 


62125 

1,7 8 


94408 

2,6 8 


28 256 
0,8 g 


213304 

AA (» 


166192 

3,4 8 


17 045 
0,3 8 


97 381 

4,68 


16085 
0,8« 


— 


— 


22 527 
3,8« 




21617 
0,3« 


267635 

5,9 8 


45534 
1,1» 


1059200 
2,08 8 


6287653 
12,38« 


1 157 146 

2,27 ;; 



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Zusammenstellung. 



345 



Jahres 1898 in t und »/o 
Bwifeversaiz 

Stossbau 



schwebend , Firstenbau 
streichend und ' 

abfallend , 



tu. 



13 



t u. »/o 



Förderung 

im Jahre 1898 

t (1000 kg) 



t 
17 



Von der Förderung 
entfallen im Ganzen auf 



Abbau 

ohne 

Versalz 

einschl. 

gemischte 

Abbauarten 

(Spalte 

7-10) 

t u. "/, 
18 



Abbau 

mit 
Versatz 
(Spalte 
11—16) 



t u.% 
19 



Uebersicht über die Bergewirtschaft 



" c w 

li 



Ursprung der 
Versatzberge 

Fremde 
Versatzberge 



Förderung der fremden 

Berge (Spalte 21-22) 

zur Versatzstelle 

Zufeldefördem auf 



CO-: 
w g «^ 

IIP 

! Zahl der 
Förderwagen 
täglich 






o V 



^> 



30 



21 



52 



SS? 

II i 

23 






a.5c 
•ocg 



^00 «9 

s cflQ 

-I 



24 



«2 s 

M« JQ 



25 



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26 



r *. 



2i < 

^1 



»1 

ca K 
g g 

|l 
'S £ 



2 

o 

Mark 
27 



Stellung. 



895611 
30,7« 


10567 
0,4« 




2 914 789 


1258684 ! 
43^« ! 


1656105 
56.8« 


— 2145 

12 Gruben 


9 


9' 


4 


w 0,32 - 
6 Gruben 


1190150 
36,8« 


— 


46590 

1,4« 


3241980 


1461439 
45,1 8 , 


1780541 

54,9« 


— 1 4350 
1 13 Gruben 


9 


13 


7 


w 0,36 — 
8 Gruben 


932077 
28,3» 


— 


6111 


3297114 


1861933 
56,5« , 


1435181 

43,5« 


- 1 3520 
10 Gruben 


7 


9 


5 


w 0,44 - 
9 Gruben 


435871 
9,0« 


218043 

4,5« 


— 


4854 823 


2894009 
59,6« 1 


1960814 

40,4« 


- 1 1350 
9 Gruben 


2 


8 


9 


w 0,49 — 
6 Gruben 


450532 1 

19,4« 


— 


21958 

1 1,2« 


2344 746 


1519977 

64,3« ; 


824 769 

35,7« 


— 2530 
9 Gruben 


8 


7 


2 


w 0,55 — 
7 Gruben 


224 744 ' 
10,3« 


— 


. 11467 
0^« 


2177 368 


1855068 
85,2« 


322300 
14,8« 


— 1310 
7 Gruben 


5 


5 


1 


W 0,45 — 
5 Gruben 


480767 

21,0« 


— 


' — 


2 287 766 


1593922 ' 
69,7« 


693844 
30,3« 


— 2180 

10 Gruben 


6 


7 


2 


w 0,39 - 
7 Gruben 


302453 

11,1« 


— 


— 


2710284 


1883058 
69,5« 


827 226 
30,5« 


— 1310 

9 Gruben 


6 


5 


5 


w 0,30 - 
2 Gruben 


1119940 

28,1« 


— 


51825 

1,3« 


3981 186 


2443360 
61,3« 


1537 826 

38,7« 


— 3800 

8 Gruben 


6 


5 


1 


w 0,50 — 
2 Gruben 


559543 

13,7« 


156661 
3,8« 


— 


4087 593 


1093554 
26,8« 


2994039 
73,2« 


— 5090 

11 Gruben 


9 


10 


2 


w 0,38 — 
9 Gruben 


847 097 

26,1« 


— 


65955 

2,0« 


3246 784 


1799578 

55,4« 


1447206 

44,6« 


— 3205 
8 Gruben 


5 


7 


2 


w 0,49 - 
6 Gruben 


740587 
20,6« 


226774 
6,3 2 


266885 

7,4 ü 


3 594 815 


2175780 
60,6« 


1419035 
39,4« 


— 1935 

10 Gruben 


6 


8 


5 


w0,34 — 

8 Gruben 


753211 

15,4« 


141 120 

2,9« 


1 — 


4 878 552 


3587 680 
73,6« 


1290872 

26,4« 


^ 3190 
10 Gruben 


8 


10 


4 


w0,35 - 

7 Gruben 


648185 
30,4« 


— 


8 956 

0,4« 


2132 506 


1361899 
63,8« 


770607 

36,2« 


2595 
9 Gruben 


7 


7 


3 


w 0,52 - 
8 Gruben 


347 953 
. 7,7« 


— 


i "" 
1 


592 525 
4 538450 


569 998 

96,2« 

3855711 
84,9« 


22 527 
3,8« 

682 739 
15,1 « 


— 1 1595 

13 Gruben 


7 

1 


8 


2 


w 0,50 — 
8 Gruben 




753165 
1,48 S 


479 747 

0,94;; 


50 881281 

1001] 


31215 650 
61,34C 


19665631 
38,66 H 




100 

von 

C.67S 


118 54 
148 Gruben 

c.80glc.36« 




9928721 

19^1 ;; 


— 40105 
Wagen auf 
1 148 Gruben 
I täglich 


w — — 

0,43 M. 

im Durch- i 

schnitte von 

98 Gruben 

1 1 



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Grubenausbau. 



Von Bergassessor W o 1 f f . 



Sammelwerk. II. 23 



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L Kapitel: Einfluss des Gebirgsdrucks auf die 
Erhaltung der Grubenbaue. 



In den seltensten Fällen ist die Belastung des Grubenhaushalts durch 
die Aus- und Vorrichtung auch nur annähernd mit den Ausgaben erledigt, 
die mit der Herstellung der betreffenden Baue verknüpft sind. Vielmehr 
erfordert auch die Aufrechterhaltung der Förder- und Wetter wege 
einmalige und laufende Ausgaben, die mit den Gebirgs- und Betriebs- 
verhältnissen ausserordentlich wechseln, und welche auf die Dauer die 
Herstellungskosten erheblich übertreffen können. 

Nur wenige Gebirgsmittel des rheinisch- westfälischen Karbons ge- 
statten, die darin aufgefahrenen Strecken . ohne Ausbau zu lassen. Ein 
gewisser Ausbau ist meist schon als blosse Sicherheitsmassregel nötig, um 
zu verhüten, dass einzelne Gesteinsblöcke oder Schalen, die sich unter 
dem Einfluss ihres eigenen Gewichts, von Feuchtigkeit oder von Er- 
schütterungen allmählich lösen, in die Strecke hereinbrechen. In erhöhtem 
Masse ist eine solche Vorsicht selbst in bestem Gebirge dann am Platze, 
wenn die Baue mit Bohrmaschinen aufgefahren sind. Ein schlimmer Feind 
des Bergbaus aber ist der sogenannte Gebirgsdruck, eine in ihrer Gesetz- 
mässigkeit noch wenig erkannte und in manchen ihrer Erscheinungen 
rätselhafte Wirkung der Schwerkraft ganzer Gebirgsmassen, die als eine 
Art horror vacui des Gebirges bestrebt ist, die darin hergestellten Hohl- 
räume zu verkleinern und am Ende wieder ganz zu schliessen. 

Natürlich lastet nie das ganze Gewicht der ihrer unmittelbaren Unter- 
stützimg beraubten Gebirgsmassen auf dem Ausbau. Die alleruntersten 
Gesteinsbänke mögen unter Umständen zu tragen sein, wenn sie so lose oder 
so von glatten Schnitten durchsetzt sind, dass sie allen inneren Zusammen- 
hang verloren haben. Für die ganze Gebirgsmächtigkeit wird die Festig- 
keit des Gesteins, die sich dem Durchbrechen und Durchbiegen entgegen- 

23* 



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350 Grubenauibau. 

setzt, stets so gross sein, dass bei den kleinen Abmessungen der in Rede 
stehenden Baue höchstens ein Bruchteil des Gewichts unmittelbar vom 
Ausbau aufgenommen werden muss. Die Hauptmasse wird von dem Ge- 
birge zu beiden Seiten des Hohlraumes mitgetragen und verstärkt höchstens 
einen etwa zur Wirkung gelangenden Seiten- oder Sohlendruck, Der 
letztere tritt ein, wenn eine nachgiebige Gesteinsmasse im Liegenden der 
Strecke das auf ihr ruhende Gewicht nicht zu tragen vermag und davor 
in die Strecke hinein ausweicht. 

Die meisten Aus- und Vorrichtungsstrecken haben nun aber nicht nur 
den Druckwirkungen zu begegnen, welche sie selbst auslösen, sondern in 
noch höherem Masse auch denen, die von anderen Grubenbauen, namentlich 
den Abbauen ausgehen. Wie in Wirklichkeit das Zusammenbrechen der 
grossen abgebauten Räume erfolgt, ist seit langem auch in Westfalen der 
Gegenstand vieler Streitfragen und Untersuchungen gewesen, die freilich 
weniger Aufklärung über den Einfluss dieses Vorganges auf die Grube 
als auf die Tagesoberfläche zum Ziel hatten. Eine Klärung der An- 
sichten ist jedoch bis heute nicht erfolgt und vielleicht in Anbetracht der 
so sehr verschiedenen Verhältnisse auch nicht in der Weise möglich, dass 
eine allgemeine Regel aufgestellt werden könnte. Das stets wechselnde 
Gebirgsprofil, die Beschaffenheit des Gesteins bis weit ins Hangende und 
Liegende hinein sind in erster Linie mitbestimmend. Das aber steht fest, 
dass die Freilegung grösserer Flötzflächen das ganze umgebende Gebirge 
in Bewegung setzen kann, welches dem Abbau dann gewissermassen von 
allen Seiten zuzuwandern trachtet Besonders in dem in Abbau begriffenen 
Flötz selbst ist die Senkung des Hangenden als Druck weit über den zu- 
sammenbrechenden Hohlraum hin bemerkbar, falls die Kohle nicht von aller- 
grösster Festigkeit ist. Meist bilden sich in der Kohle Trennungsflächen, 
sogenannte Abdrücke, an denen immer eine kleine Abrutschung zum Hohl- 
räume hin erfolgt. Die Erscheinung geht oft so regelmässig mit dem 
Abbau mit oder eigentlich ihm voraus, dass sie für die Kohlengewinnung 
von Bedeutung wird. 

In Strecken im Flötz macht sich bisweilen schon 200- 300 m im voraus 
das Herannahen des Abbaues recht unangenehm bemerkbar. Noch stärker 
können hangende Strecken in Mitleidenschaft gezogen werden, die inner- 
halb des niedergehenden Gebirgskörpers gelegen sind, und die Wieder- 
herstellung des gestörten Gleichgewichts der Gebirgsmassen kann selbst 
im Liegenden des Abbaues Kräfte zur Wirkung bringen, die sich in den 
Strecken als starker Druck äussern. Es ist wahrscheinlich, dass Brüche 
und ähnliche Kraft Wirkungen mit Vorliebe auf die Strecken hin ab- 
gelenkt werden, welche immer eine Stelle geschwächten Gebirgswider- 
standes bilden. Je grösser und zahlreicher die Abbaue sind, desto mehr 
wird das ganze Nebengestein beunruhigt, und desto schwerer wird die 



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1. Kap.: Einfluss des Gebirgsdrucks auf die Erhaltung der Grrubenbaue. 351 

Erhaltung der Strecken. So macht man sehr häufig die Erfahrung, dass in 
einem neu in Angriif genommenen Felde der Druck auf der obersten 
Sohle geringer ist als in den tieferen, was der verhältnismässig geringe 
Teufenunterschied nicht verschulden kann. 

Ob die Druckwirkungen überhaupt mit der Teufe wachsen, konnte 
bisher gerade wegen des Zusammenwirkens der verschiedenartigsten Ein- 
flüsse noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden. In den zahlreichen 
Fällen, wo zunehmender Druck vorliegt, kann dieser meist auch auf andere 
Weise erklärt werden. Die Wahrscheinlichkeit im Verein mit vielen Beobach- 
tungen spricht allerdings dafür, dass der westfälische Bergbau, wie auch 
der oberschlesische*) in der Zukunft mit erheblich grösserem Gebirgs- 
drucke zu rechnen haben wird als heute. 

Recht heftige Druckwirkungen rein örtlicher Natur können aber auch 
ausschliesslich durch Verwitterung oder Wasseraufnahme des Neben- 
gesteins erzeugt werden. Durch derartige Vorgänge wird der Körper- 
inhalt mancher Schieferthone unwiderstehlich vergrössert und der Strecken- 
querschnitt unter Vernichtung der Zimmerung entsprechend verkleinert. 
Namentlich der Sohlendruck ist oft darauf zurückzuführen, dass der Thon 
im Liegenden der Strecke Wasser aufgesaugt hat. 

Auch hiervon abgesehen, bleibt die Beschaffenheit des unmittelbaren 
Nebengesteins immer der wichtigste Punkt für die Erhaltung der Strecke. 
Ein fester, zusammenhängender Sandstein ist imstande, einen sehr 
starken Druck auszuhalten und auf andere Schichten fortzupflanzen, ohne 
sich selbst dadurch zerrütten zu lassen. Ist er dagegen vielleicht schon 
durch die Gebirgsfaltung zerrissen, so kann er ein sehr unangenehmes 
Nebengestein werden, da sich die einzelnen Stücke unter Druck gegen- 
einander und in die Strecke hinein verschieben und wegen ihrer Festigkeit 
Reparaturen sehr erschweren. Im Gegensatz zum Sandstein sind die 
Schieferthone unter Druck oft eine geradezu plastische Masse, die überall 
hin vordrängt, wo sich ihr eine Oeffnung zeigt. Viele Schiefer können, 
ohne zu zerreissen, jede Form annehmen und, wenn man sie ruhig gewähren 
lässt, den Querschnitt einer Strecke mit den schönsten Faltungen ausfüllen. 
Sandschiefer bildet verschiedene Stufen von Uebergängen zwischen Sand- 
stein und Schiefer. Kohle verbindet gewöhnlich geringe Festigkeit mit 
grosser Sprödigkeit und lässt sich deshalb leicht durch Druck spalten und 
auf den Spaltflächen wegdrücken. Auf diese Weise sind schon ganze 
Sicherheitspfeiler, die zum Schutze über einer Strecke stehen blieben, in 
diese hineingedrückt. In harter Kohle können sich aber auch Strecken sehr 
gut halten, so lange kein Druck von aussen herankommt. Für die vielen 



*) Vergl. Bernhard i: lieber den Gebirgsdruck in den verschiedenen Teufen 
und seine Folgen für den Abbau der in Oberschlesien gebauten mächtigen Flötze. 
Zeitschr. des oberschl. B.- und H.-Vereins, Januar 1901. 



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352 Grubenausbau. 

Strecken im Bergeversatz muss auch dieser als Nebengestein gelten. Er 
bewährt sich als solches fast immer gut, da er den Druck aus dem 
Hangenden allmählich aufnimmt. Dabei drückt er sich allerdings mit der 
Strecke zusammen, lässt es aber selten zu einer plötzlichen oder heftigen 
Druckwirkung kommen. 

Die Richtung, in welcher die Druckkräfte jeweilig wirken, wird zum 
grossen Teile durch das Einfallen der Schichten bestimmt. Ohne damit 
die Gonetsche Theorie bekräftigen zu wollen, nach der sich die Wirkung 
der Schwerkraft in der Grube stets in eine Komponente parallel und eine 
andere senkrecht zum Einfallen zerlegen soll, können wir doch die Thatsache 
nicht verkennen, dass derDruck sich mit Vorliebe in diesen beiden Richtungen 
äussert. Je steiler eine Schicht einfällt, die das Hangende eines Gruben- 
baues bildet, desto geringer ist fast immer der Druck aus dem Hangenden, 
weil sich die Schicht sozusagen mehr auf sich selbst stützt. Besonders 
zeigt sich diese Thatsache in Abbauen und Bremsbergen, aber auch 
in streichenden Strecken tritt sie sehr deutlich hervor. Andererseits 
zeigt sich in letzteren bei mittlerem und steilem Einfallen ein besonders 
starker Druck am hohen oder oberen Stosse, dem die Schichten zufallen. 
Der Druck in der Richtung des Einfallens der Schichten kann sogar 
so gross werden, dass er keilartig auf die Sohle wirkt und diese in grossen 
Schollen aufhebt. Bei ganz flachem Einfallen tritt der Seitendruck fast 
vollständig zurück, dagegen stellt sich meist ein um so grösserer Firsten- 
druck ein, der im allgemeinen eine schwierigere Erhaltung aller Strecken 
bei flachem als bei steilem Einfallen zur Folge hat. Als eine Aeusserung 
des durch die Stösse gleichmässig auf die Sohle übertragenen Firstendrucks 
muss auch gewöhnlich das Quillen der Sohle gelten, welches bei flacher 
Lagerung ein besonders ausgedehntes Uebel ist. 

Vielleicht am deutlichsten zeigt sich der Einfluss der Schichtung in 
den blinden Schächten, die sich in flachem Gebirge meist vorzüglich halten, 
in steiler Lagerung aber sehr teuer in der Unterhaltung werden. Geradezu 
gefährlich ist es, Schächte aller Art in die Mitte einer Mulde mit steilen 
Flügeln zu setzen, wo sie durch den Druck von zwei Seiten her zusammen- 
gepresst werden. 

Störungen der regelmässigen Schichtung durch Verwerfungen sind 
gleichfalls auf die Druckverhältnisse einer Grube von grossem Einfluss. 
Sie lösen unter Umständen die Druckkräfte erst aus, können aber auch 
wieder ihre Fortpflanzung auf andere Teile der Grube verhindern. Gruben 
mit stark gestörtem Felde haben in der Regel auch mit starkem Druck zu 
kämpfen, unabhängig von den Schwierigkeiten, die sich aus der Zerklüftung 
des Gebirges in der Nähe der Störungen für den Ausbau ergeben. 

Das beste Mittel, die Kosten für Ausbau und Reparaturen niedrig zu 
halten, ist im Ruhrbezirk schon lange darin erkannt worden, die Gebirgs- 



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1. Kap.: Einfluis des Gebirgsdnicks auf die Erhaltung der Grubenbaue. 353 

und Druckverhältnisse bereits bei der Anlegung der Grubenbaue zu be- 
rücksichtigen, die vStrecken im Flötz auf das notwendigste zu beschränken 
und durch solche in gesundem Gestein möglichst ausserhalb des Be- 
reichs des stärksten Druckes zu ersetzen. Ueberall gilt es, ausserdem 
die an Ort und Stelle gesammelten Erfahrungen, beispielsweise über die 
günstigsten Streckenquerschnitte, zu benutzen. Oft begnügt man sich 
vorteilhafter weise in streichenden Strecken mit einer geringen Höhe, 
nur um eine unsichere Schicht im Hangenden nicht anzurühren. Lässt sich 
dies aber nicht umgehen, so wird man besser die ganze Schicht durch- 
brechen und die Strecke entsprechend höher machen, um nur ein gutes 
Dach zu haben und den Ausbau vereinfachen zu können. Grosse Breite 
kann auf einer Grube den Druck verstärken, auf einer anderen das Quillen 
der Sohle vermindern. Auch das Quillen kann aber von Vorteil sein, so, 
wenn Strecken in der Weise aufgefahren werden, dass zwischen zwei 
Parallelörtem das Flötz verhauen, und der so entstehende Raum als »Damm« 
mit den Streckenbergen ausgefüllt wird. Ohne Quillen ist dies oft sehr 
praktische Vorgehen nicht möglich, da der Versatz mit grosser Kraft zu- 
sammengedrängt werden muss, um einen zuverlässigen Wetterscheider 
zu bilden. Auf einer tiefen Grube des nördlichen Reviers muss dagegen 
wieder ein ungewöhnlich breiter Flötzpfeiler zwischen Parallelörtem stehen 
bleiben, da sich sonst beide gegenseitig in Druck bringen. 

Aehnliche, aber allgemein gültige Beobachtungen verlangen, recht- 
eckige Stapel mit der Schmalseite ins Streichen zu stellen, um dem in Ein- 
fallen der Schicht wirkenden Druck eine möglichst kleine Angriffsfläche 
zu bieten. Auch ist es Praxis, Stapel u. s. w. immer etwas von den Haupt- 
förderstrecken abzurücken, da die bei der Kreuzung entstehenden grösseren 
Räume schwer oifen zu erhalten sind. 



2. Kapitel: Der Streckenausbau (vornehmlich Qiier- 
schläge und Richtstrecken). 

Für die Ausführung des Ausbaues, seine Stärke und die Wahl des 
Materials sind neben den Druckverhältnissen auch die Beschaffenheit der 
Grubenwetter, die Lebensdauer des betreifenden Baues und seine Bedeutung 
für den Betrieb bestimmend. Je grösser die letztere ist, desto wichtiger 
wird es, Betriebsstörungen durch Reparaturen nach Kräften zu vermeiden. 



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354 Grubenausbau. 

Es ist aber zu beachten, dass sehr starkem Druck kein Ausbau, der wirt- 
schaftlich auf grössere Erstreckung möglich wäre, widerstehen kann. 
Gerade beim stärksten Druck wird man deshalb oft verhältnismässig 
schwachen und billigen Ausbau wählen, dem nur die Aufgabe zufällt, 
sich allmählich auf einen bestimmten Querschnitt zusammendrücken zu 
lassen und so lange Schutz gegen Brüche zu gewähren. Dann wird wieder 
neu ausgebaut. Daher gelangt Holz sowohl beim schwächsten, wie beim 
stärksten Drucke zur Anwendung, während das teuere Eisen, soweit es 
nicht zweckmässig mit Holz zusammen verwandt wird, nur bei massigem 
Druck beliebt ist. Sein Hauptvorzug vor Holz ist seine Widerstands- 
fähigkeit gegen schlechte Wetter; Mauerung teilt diesen Vorzug mit ihm 
und kann leicht in jeder gewünschten Form und Stärke eingebaut werden. 
Sie ist aber noch teuerer und doch nicht allen Beanspruchungen gewachsen. 



I. Holzausbau. 
1. Ausführung des Ausbaues mit Holz. 

Weitaus die grösste Bedeutung sowohl vom Standpunkte des Betriebes 
wie dem der Kosten kommt dem Ausbau des ausserordentlich ausgedehnten 
Streckennetzes zu, welches in jeder westfälischen Grube offen zu erhalten 
ist. Es handelt sich dabei entweder um den Ausbau symmetrischer oder 
unsymmetrischer Querschnitte. Die letzteren entstehen, wo in geneigter 
Lagerung die natürliche Schichtung des Gebirges zur Begrenzung benutzt 
wird. Sie bilden die Regel für Abbaustrecken und für die streichenden 
Grundstrecken, falls diese nicht besonders weit werden müssen. Fast aus- 
nahmslos sind alle diese Strecken mit einer dem Querschnitt von Fall zu 
Fall angepassten Zimmerung ausgebaut, für die, herstammend von der 
häufigen Verwendung in der Längsrichtung durchschnittener Rundhölzer 
— sogenannter Schalhölzer — die Bezeichnung »Schalholzzimmerung« all- 
gemein geworden ist, selbst wenn gar kein Halbholz dabei benutzt wird. 
Die hauptsächlichste Verwendung finden Schalhölzer zum Abfangen des 
Hangenden, wobei ihre breite Auflagefiäche besonders nützlich ist. Vom 
Liegenden oder von der Sohle aus werden sie dann mit Rundholzstempeln 
festgehalten. Diese Zimmerung kann die verschiedenartigsten Formen an- 
nehmen, die aber, wie der Querschnitt selbst, überwiegend durch Rück- 
sichten der Vorrichtung, z. B. auf Damm und Bergeversatz, beeinflusst 
werden. In dem Kapitel »Vorrichtung« ist dieser Ausbau des näheren 
beschrieben worden, worauf hier verwiesen werden kann. 

Alle Querschläge und Richtstrecken, alle schwebenden Strecken im 
Flötz und die streichenden bei flacher Lagerung werden mit hölzernem 



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2. Kap.: StreckenauBbau (vornehmlich Querschläge und Richtstrecken). 355 

Thürstockausbau versehen, soweit dieser nicht in den letzten Jahrzehnten 
durch Eisen oder Mauerung verdrängt ist. Der Firstendruck wird von 
einer Kappe aufgenommen und von dieser auf die beiden Beine oder 
Stempel übertragen, welche ausserdem den Seitendruck abzuwehren haben. 
Die Verbindung zwischen Kappe und Stempel geschieht der Regel nach 
durch Verblattung, welche ein Wegdrücken des Stempels unter der Kappe 
durch Seitendruck verhindert. Kommt der Seitendruck nur vom Oberstoss, 
so lässt man die Verblattung am Unterstoss häufig weg; in flacher Lagerung 
lässt man sie oft aus demselben Grunde bei beiden Stempeln fehlen. 
Diese werden dann fast senkrecht gestellt, während man ihnen um so 
mehr Strebe geben muss, je grösser der Seitendruck wird. Der gewöhn- 
liche Abstand der Thürstücke von einander beträgt 1 m, je nach Bedarf 
wird derselbe verringert oder bis auf ca. 1,5 m erweitert. Gegeneinander 
müssen die Thürstöcke unter Umständen stark verbolzt werden, um nicht 
durch einen in der Richtung der Strecke wirkenden Druck umgeworfen 
zu werden. Die Zwischenräume zwischen Thürstock und Gebirge werden 
sorgfältig ausgefüllt, damit der Druck sich gleichmässig auf den ganzen 
Umfang der Zimmerung verteilt und nicht etwa einen einzelnen Punkt zu 
stark belastet. Die einzelnen Felder werden deshalb zunächst mit 
sogenannten Scheiten verzogen, hinter denen man die Hohlräume 
entweder mit Bergen oder mit altem Grubenholz zusetzt. Bruchholz hat 
den Vorzug, sich erst stark zusammenpressen zu lassen, bevor es den 
vollen Druck auf die Thürstöcke überträgt. Als ein noch wirksameres Mittel 
zum Schutz des Ausbaues werden auch Faschinen benutzt, die auf den 
Gruben zur Zeit 150 M. für 10 t kosten. 

Auch der Zimmerung selbst ist man bestrebt eine gewisse Nach- 
giebigkeit zu erteilen, die sie nach ziemlich starker Einwirkung des 
Drucks ihren Zweck noch erfüllen lässt. So giebt man den Thürstöcken, 
besonders beim Abbau, einen nachgiebigen weichen Anpfahl. Verbreiteter 
ist das Mittel, die Bühnlöcher, in welche die Stempel gestellt werden, 
bis fusstief zu machen und mit Kohlenklein anzufüllen. Der Stempel bricht 
dann erst, nachdem er durch den Druck in die Kohle hineingepresst ist. 
Das in England vielbesprochene Verfahren, die Stempel unten 
zuzuspitzen, damit der Druck erst an dieser schwäch.sten Stelle das Holz 
bartartig auftreibt, bevor der Stempel in vollem Querschnitt brechen kann, 
ist auch in Westfalen neuerdings mit Erfolg in Anwendung gekommen, so 
auf mehreren Zechen des Bergreviers Herne. Ein fernerer Schutz der 
Zimmerung liegt in der durchgängig befolgten Sitte, die Stempel mit dem 
Kopfende nach unten zu stellen. Bei solcher Stellung der Stempel kann 
die quellende Sohle leichter an ihnen hinaufkriechen ohne sie zu zer- 
brechen. In der That findet man oft, nachdem die Sohle schon mehrere 
Fuss hoch gequollen ist, den Ausbau noch unverletzt. Auf Victoria Mathias 



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356 OrubenauBbau. 

werden die zugespitzten Enden der Stempel noch in konische eiserne 
Schuhe gesetzt, damit sie das Nebengestein leichter durchdringen. 

Wo das Gebirge mehr im ganzen drückt, also namentlich im Schiefer, 
hat man statt der Zimmerung eine gewisse Nachgiebigkeit zu erteilen seit 
Anfang der 70er Jahre auch den umgekehrten Weg eingeschlagen, nämlich 
die Zimmerung ganz frei stehen zu lassen, indem man ständig in der 
Strecke beschäftigte Arbeiter dafür sorgen lässt, dass sich das Neben- 
gestein nie auf das Holz auflegt. In diesem Falle besteht die eigentliche 
Erhaltung des Grubenbaues darin, dass man die durch Druck hervorge- 
rufenen Verengungen des Streckenquerschnitts stets sofort wieder beseitigt; 
die Zimmerung dient dabei mehr als eine Art Schablone und als Schutz 
bei unerwarteten Druckäusserungen, Das Verfahren ist als Lüftung oder 
Lösung der Zimmerung bekannt und wurde zuerst im Jahre 1872 auf Tre- 
monia und Dorstfeld mit Erfolg angewandt. Auch jetzt noch wissen viele 
Gruben seinen Nutzen zu schätzen und verwenden es vielfach da, wo Re- 
paraturen besonders schwierig sein würden, wie in Stapelschächten. Im 
allgemeinen scheint es aber bei grossen Streckenlängen und rasch arbei- 
tendem Gebirgsdruck unmöglich zu sein, die Lüftung der Zimmerung 
immer rechtzeitig durchzuführen. 

Als eine hierhin gehörige Vorsichtsmassregel sei auch noch erwähnt, 
dass hölzerne und eiserne Kappen, wenn sie ohne Stempel ver- 
wandt werden, in die Bühnlöcher mit viel Spielraum eingelegt werden müssen, 
um nicht durch etwa auftretenden Seitendruck sofort zerknickt zu werden. 

Die grosse Bedeutung, welche das Quellen der Sohle für die Betriebs- 
fähigkeit der Strecke hat, da hier Veränderungen, die an Firste und Stössen 
ganz belanglos sein würden, die Förderung erheblich behelligen und 
verteuern können, möchte es auffällig erscheinen lassen, dass man den 
Schutz der Sohle, z. B. durch Grundschwellen ganz vernachlässigt. Dahin 
gehende Versuche sind aber oft gemacht, doch immer mit dem Er- 
folg, dass die Zimmerung und besonders das Gestänge viel schlintmiere 
Verschiebungen erlitten, als wenn man die Sohle ohne weiteres dem Ein- 
fluss des Quellens überliess. Mit mehr Erfolg hat man wiederholt das 
Quellen der Sohle durch Pflasterung bekämpft, vor allem wohl da, wo es nur 
eine Folge von Wasseraufnahme war. Auf Dorstfeld wurde die Pflasterung, 
— spitze Pflastersteine in Kohlenasche gebettet — schon im Jahre 1872 an- 
gewandt. Einige Gruben haben sie aber auch wieder aufgegeben, weil 
der Hufbeschlag der Pferde darunter zu sehr litt. Als ein sehr brauch- 
bares Mittel zur Vermeidung des Quellens der Sohle infolge von Wasser- 
aufnahme hat sich stets eine gut gemauerte Wasserseige bewährt, und 
zwar so sehr, dass man schon den Gedanken in Erwägung gezogen hat, 
das Wasser in Rohrleitungen über zum Quellen neigendes Gebirge hin- 
wegzuführen. 



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2. Kap.: StreckenauBbau (vornehmlich Quenchläge und Richtstrecken). 357 

Der Einbau der Zimmerung ist eine einfache und billige Sache. Oft 
kommen die Hölzer schon zugeschnitten in die Grube, wo ihre Aufstellung 
rasch erfolgt. Etwas mehr Zeit kostet schon das Verziehen und Verpacken, 
doch spielen die Löhne beim Einbauen der Zimmerung gegenüber den 
Ausgaben für Material eine untergeordnete Rolle. Anders bei den 
Reparaturen. 

2. Das Material des Holzausbaues. 

Von den verschiedenen Holzarten kommen im hiesigen Revier fast 
nur Eiche und Tanne für den Ausbau in Betracht. Als »Tanne« wird 
merkwürdigerweise Fichte und Kiefer ganz unterschiedslos bezeichnet und 
von den Händlern angeliefert. Beide Holzarten werden auch wohl zu- 
sammen mit Buche als »Weichholz« der Eiche als »Hartholz« gegenüber- 
gestellt Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war fast ausschliesslich 
Eiche in Gebrauch, die damals in Westfalen nicht viel teurer als Tanne 
und im grösserem Umfange Landeserzeugnis war. Im Jahre 1855 wird 
zum ersten Male die Benutzung von tannenem Grubenholz auf Graf Beust, 
Victoria Mathias und Carolus-Magnus als etwas ganz Neues erwähnt, mit 
der Bemerkung, dass das Material sich bewähre und auf den genannten 
Gruben schon die Hälfte des Verbrauchs ausmache. Seitdem ist die 
Anwendung des Eichenholzes unter dem Einfluss des zu seinen Ungunsten 
wachsenden Preisunterschiedes und des Verschwindens übertriebener 
Anschauungen über seinen Wert immer mehr zurückgegangen. Auch das 
Eisen ist zu ihm in viel stärkeren Wettbewerb getreten als zur Tanne. 

Der Hauptvorzug des Eichenholzes vor der Tanne, der ihm auch in 
erster Linie den heutigen immer noch sehr bedeutenden Anteil am Gruben- 
ausbau sichert, ist seine Widerstandsfähigkeit gegen Fäulnis und Moderung, 
die in schlechten Grubenwettern, besonders in ausziehenden Wetterströmen, 
das Tannenholz sehr bald völlig zersetzen. Es verliert damit alle Trag- 
fähigkeit, was sich in Neigung zum Kurzbruch oder in völligem Ineinander- 
drücken der Stempel äussert. Die Eiche bleibt sehr viel länger und im 
Kern selbst dann noch fest, wenn der Splint längst vermodert ist. Gutes 
Eichenholz kann selbst im Ausziehstrom 11 — 12 Jahre stehen, auf 7— 8 Jahre 
kann im Durchschnitt sicher gerechnet werden. Für Tannenholz ist eine 
Dauer von 3—4 Jahren in schlechten Wettern schon eine Ausnahme. Oft 
hat es schon vor Ende des ersten Jahres alle Tragkraft verloren. Sehr 
wesentlich für seine Haltbarkeit ist, dass es in gut getrocknetem Zustande 
in die Grube kommt. Die im ganzen Bezirk übliche Praxis, Tannenholz 
nur in geschältem Zustande zu benutzen, wirkt auf die Austrocknung sehr 
günstig ein und entfernt ausserdem mit der Rinde eine natürliche Quelle 
der Fäulnis. Auch der Umstand ist der Beschaffung gut ausgetrockneten 



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358 Grubenausbau. 

Holzes sehr förderlich, dass das Holz zum grossen Teil über sehr weite 
Entfernungen bezogen wird. Saftreiches Holz hat nämlich ein viel höheres, 
zuweilen fast das doppelte Gewicht wie trockenes. Sein Versand würde 
also wesentlich teurer werden, was die Händler bewegt, der Fracht- 
ersparnis wegen das Holz erst genügende Zeit zur Austrocknung im Walde 
lagern zu lassen. 

Auf etwa 20 Gruben sind bescheidene Versuche gemacht worden, 
das Tannenholz durch Imprägnierung gegen Verwitterung widerstands- 
fähiger zu machen. Auch für eichene Thürstöcke und für andere Holz- 
teile, die eine längere Gebrauchszeit haben, wie Wetterthüren, Lutten, 
Fahrten und Spurlatten ist eine Fäulnis abwehrende Behandlung versucht 
worden. Diese bestand entweder im Tränken oder im Anstrich der 
Hölzer mit Karbolineum, in einzelnen Fällen auch mit Holzkohlenteer, 
und hat nach Angabe der Zechen mit wenigen Ausnahmen die Lebensdauer 
des Holzes in der Grube verlängert. Trotzdem hat das Verfahren keine 
grössere Verbreitung gefunden, zum Teil, weil die danach behandelten 
Hölzer die Grubenwetter verschlechtem, hauptsächlich aber wohl, weil 
die Vorteile für Tannenholz doch nicht gross genug waren, um damit 
gegen die Eiche anzukommen. Eichenholz wird noch immer statt der 
Tanne dort gebraucht, wo rasche Zerstörung der Zimmerung durch Druck 
nicht eintritt und die Länge der Zeitabschnitte, in denen das Holz aus- 
zuwechseln ist, ausschliesslich durch seine innere Haltbarkeit bestimmt 
wird. Vorzüglich findet man es daher in ausziehenden Wetterstrecken, 
aber auch in einziehenden Querschlägen und ähnlichen Bauen, die für 
eine längere Dauer bestimmt und verhältnismässig druckfrei sind. Oft 
baut man auch einen Querschlag solange mit Tannenholz aus, bis der an- 
fänglich am stärksten wirkende Druck verschwanden ist, und nimmt dann 
Eichenholz. 

Die frühere Ansicht, dass das Eichenholz auch in Bezug auf Festigkeit 
überwiegende Vorzüge vor dem Tannenholz besitzt, ist schon seit langem 
im Schwinden begriffen. Neuere Saarl^rücker Versuche geben dem Recht. 
Sie haben für 2 m lange Fichtenstempel ergeben, dass Zerknickung bei 
einem in der Längsrichtung ausgeübten Druck von 134—238 kg auf das 
Quadratcentimeter eintritt, während bei Eichenstempeln von gl eicher Länge die 
Druckfestigkeit 145—205 kg beträgt. Künstliche Trocknung setzte die Werte 
bei Fichte und Kiefer, nicht aber bei Eiche, noch erheblich in die Höhe, 
namentlich die unteren Grenzen; sie kommt also hauptsächlich den minder- 
wertigen wasserreichen Hölzern zu gute: Auf Biegungsfestigkeit wurden 
die Saarbrücker Versuche nicht ausgedehnt. Diese Art der Festigkeit, 
die wesentlich für die Kappen in Betracht kommt, ist allerdings bei Eichen- 
holz in sehr viel höherem Masse als bei Tannenholz vorhanden, ohne 
dass aber der Unterschied so gross wäre, um gegenüber wirklich starkem 



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2. Kap.: Streckenausbau (vornehmlich Querschläge und Richtstrecken). 359 

Gebirgsdruck in Betracht zu kommen. Jedenfalls kann er nicht erklären, 
dass in Querschlägen und anderen wichtigen Grubenbauen bis vor gar- 
nicht langer Zeit Eiche grundsätzlich auch zu Thürstockbeinen verwandt 
wurden. Erst neuerdings sind immer mehr bedeutende Gruben dazu über- 
gegangen, auch für bleibenden Ausbau von Hauptquerschlägen u. s. w. 
tannene Stempel zu verwenden, so z. B. die Zechen Hibemia, Schlägel 
und Eisen, Consolidation, Hannover, Zollverein. Das benutzte Holz ist 
Tannenholz von grosser Stärke, in vielen Fällen sogenanntes Blockholz, 
dem von allen Seiten Ueberlegenheit über Eichenholz in Bezug auf Wider- 
standsfähigkeit gegen Druck nachgerühmt wird. Insbesondere lassen sich 
die Blockholzstempel, ohne an Festigkeit merklich einzubüssen, bevor sie 
brechen, mehr in sich zusammenpressen als Eichenstempel. Der Verbrauch 
dieses Materials nimmt überall zu, obwohl der Preis für auserlesen gute 
Stämme kaum geringer ist, als der für Eichenstempel. Als Kappe dagegen 
wird Eiche noch bevorzugt, soweit man nicht zum Eisen übergeht. Für die 
Verwendung eichener Kappen spricht ausser ihrer grösseren Biegungs- 
festigkeit der Umstand, dass Kappen sehr häufig, zumal wenn Seitendruck 
vorhanden ist, verhältnismässig weniger beansprucht werden als die 
Stempel, womit für sie ihr natürlicher Vorzug — längere Dauer in der 
Grubenluft — wieder in den Vordergrund tritt. Dazu kommt noch, dass 
Kappen in schlechtem Gebirge sehr viel schwieriger auszuwechseln sind 
als Stempel, weil dabei stets die auf ihnen ruhenden Massen hereinzu- 
brechen drohen. Auch von diesem Gesichtspunkte aus ist es daher 
richtig, sie als den stärksten und die Stempel als den schwächsten und 
zuerst nachgebenden Teil der Zimmerung auszubilden. 

II. Holzausbau mit eiserner Kappe. 

In noch viel höherem Masse als für eichene sprechen diese Gründe 
für eiserne Kappen, die denn auch schon in allen wichtigen Strecken, in 
denen Störungen durch häufige Reparaturen besonders unangenehm em- 
pfunden werden, die Regel bilden. Zu ihrer Einführung hat in hohem 
Grade auch die Verbreiterung der Strecken beigetragen, nicht allein weil 
dieselbe eine grössere Tragfähigkeit der Kappen erfordert, sondern auch, 
weil der Preis eichener Kappen mit ihrer Länge schnell wächst. Bei 
Kreuzungen und ähnlichen Verbreiterungen der Strecken sind eiserne 
Kappen ganz unentbehrlich geworden. 

Die erste Ausführung eines solchen Ausbaues in grösserem Umfang 
ist bereits aus dem Jahre 1875 von Zeche Prosper zu verzeichnen, nach- 
dem früher schon auf Graf Beust Versuche damit angestellt waren. Im 
Jahre 1898 waren eiserne Kappen auf hölzernen, meist eichenen Stempeln 
in 70 Gruben vertreten, von denen 40 für Querschläge und ähnliche 



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360 



Grubenausbau. 



Baue gar keinen anderen Ausbau benutzten. Die Unterschiede in der 
Anwendung liegen im Material und in der Verbindung der Kappen mit 
den Beinen. Die schon 1875 auf Prosper verwandten schweisseisemen 
Eisenbahnschienen, welche dort teils mit teils ohne Anwendung von 
Winkeleisen auf die Stempel aufgelegt waren, werden auch jetzt noch 
mit Vorliebe benutzt, beginnen aber als Altmaterial selten zu werden, zu- 
mal auch von anderer Seite Nachfrage nach ihnen besteht. Die jetzt bei der 
Eisenbahnverwaltung gebräuchlichen Stahlschienen haben sich bei wieder- 
holten Versuchen nicht bewährt. Sie zeigen vor dem Bruch keine auf- 
fallende Durchbiegung, die bei den schweisseisemen Schienen rechtzeitig 
auf die notwendige Auswechselung aufmerksam macht. Während schweiss- 
eiserne Schienen und Holz selbst nach dem Bruche noch eine geringe 
Tragkraft behalten, springt die bis dahin gesunde Stahlschiene meist mit 
plötzlichem Knall in zwei Teile auseinander. Auch grosse Stärke würde 
hiervor nicht mit Sicherheit schützen, da der Gebirgsdruck überall gross 
genug werden kann, um jeden in der Grube möglichen Träger bis zur 
Bruchgrenze zu beanspruchen. Dem Mangel an geeigneten Schienen 
wusste man vielfach durch Verwendung von J-Trägern aus weichem Fluss- 
eisen abzuhelfen, die für diese Zwecke beim Bergbau ein grosses 



|<— ^J>-T^ 




— 7^— -'-— > 





Absatzgebiet gefunden haben. Natürlich sind diese Träger viel teurer 
als alte Schienen und wurden daher gern im Verhältnis leichter ge- 
nommen. Infolgedessen haben sich die gewöhnlich benutzten Normal- 
profile oft gegen Durchbiegung als zu schwach erwiesen. Ein anderer 
Fehler ist, dass sie sich leicht in ihrer Achse verdrehen; solche Träger 
können auf der Grube nicht wieder gerichtet werden. Endlich verkanten 
sie sich auch zu leicht. Es hängt also viel davon ab, das richtige Profil 
mit starken, nicht zu hohen Stegen und breiter Grundfläche zu wählen. 
Solche Spezialprofile (Fig. 136), wie sie von der Dortmunder Union ge- 



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a. Kap.: Streckenausbau (vomehmllch Querschläge und Richtstrecken). 361 

walzt werden, stehen z. B. auf Hamburg und Franziska und Eintracht- 
Tiefbau in Gebrauch. Sonst werden Träger in grösserem Umfange, unter 
anderem auf Dannenbaum, Kaiserstuhl, Concordia, Pluto und Hansemann 
benutzt Fig. 137 zeigt zum Vergleich ein aus den oben angeführten 
Gründen ungeeignetes Profil. Auf Minister Stein und einigen um- 
liegenden Zechen werden bei starkem Druck auch zwei Träger oder 
Schienen zu einer Kappe vereinigt. 

Gebogene Schienenkappen (Fig. 138) baut man in Hauptstrecken mit 
Ausschluss jeder anderen Zimmerung auf Zeche Hannover ein, von wo sie 




Fig, 137, 




Fiii, 138. 

Zeche Hannover, Thurstockausbau mit gebogenen 
Eisenkappen. 



auf einige andere Zechen, z. B, Hannibal und Prosper, übergegangen sind. 
Die Schienen werden auf den Werken selbst gebogen. Sie haben den 
Vorteil, wegen der gewölbeartigen Biegung einem grösseren Firsten- 
druck widerstehen zu können und sich dem natürlichen Streckenquer- 
schnitt besser anzupassen. Das letztere bedeutet wieder einen Gewinn 
an freiem Querschnitt und eine Verkleinerung der leeren Räume zwischen 
Zimmerung und Gebirge. Von Nachteil ist, dass aus der Längsrichtung 
wirkende Druckkräfte einen grösseren Hebelarm für das Umkippen der 
gebogenen Kappen zur Verfügung haben. Es ist daher notwendig, die 
Kappen gegen einander kräftig zu verbolzen. 

Die Verbindung zwischen Eisenkappen und Holzstempel erfolgt auf 
vielen Gruben in der Weise, dass ein Stück n_-Eisen so dazwischen ge- 
legt wird, dass eine Verschiebung beider durch Seitendruck unmöglich ist 
(Fig. 139). Diese Schuhe werden gewöhnlich auf den Zechen aus Profil- 
eisen geschnitten und können einem stärkeren Druck widerstehen als an 



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362 



Grubenausbau. 



die Kappe angenietete Winkeleisen (Fig. 140), bei denen die Nieten leicht 
abgescheert werden. Sehr starker Druck zerstört natürlich auch die Schuhe. 
Die älteste, aber wegen ihrer Kostspieligkeit meist wieder aufgegebene 
Verbindung besteht darin, dass die Kappe umgekehrt und mit dem Kopf in 





Fig, 139. 



Fiy. 140, 



einen Schlitz am Hauptende des Stempels eingelegt wird. Der Schlitz soll 
an Stelle der Verbolzung Verkanten und seitliches Verschieben verhindern. 
Um Einreissen der Stempel am Schlitz zu verhindern, muss oben ein Eisen- 
band herum gelegt werden, daher die Bezeichnung »Ringstempel«. 

m. Eisenausbau. 

Während es ziemlich leicht ist, eine befriedigende Verbindung 
zwischen Holz und Eisen herzustellen, wird die Schwierigkeit, Eisen mit 
Eisen in einer allen Beanspruchungen gewachsenen und doch leicht 
löslichen Form zu verbinden, ein wesentliches Hindernis gegen die Ver- 
wendung ganz eisernen Ausbaues. Andere, zum Teil damit zusammen- 
hängende technische Bedenken liegen in der Schwierigkeit des Auswechseins 
eiserner Zimmenmg begründet, wenn diese mehr oder weniger zusammen- 
gedrückt ist. Lange verbogene Schienen auszubauen ist eine viel un- 
angenehmere Aufgabe, als das Auswechseln alter Holzzimmerung, wobei von 
Säge und Beil Gebrauch gemacht werden kann. 

Nur wo solche Reparaturarbeiten selten nötig werden, also in Gruben 
mit massigem Druck, hat eiserne Thürstockzimmerung bisher häufigere An- 
wendung finden können und auch dort macht sie sich bei den hohen 
Preisen des Materials nur dann bezahlt, wenn jenes annähernd voll- 
ständig wiedergewonnen werden kann. Auf Germania und Zollem, 
wo man den eisernen Ausbau so weit als möglich auszudehnen be- 
müht ist, sieht man nur wegen der Unmöglichkeit der Wiedergewinnung 



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2. Kap.: Streckenauabau (vomehmlich Querschläge und Richtstrecken). 363 

davon ab, ihn auch in steilen Bremsbergen anzuwenden. Ausgewechselte 
verbogene Schienen oder Träger werden auf der Grube wieder gerichtet 
— verschiedene Zechen beabsichtigen die Aufstellung von Glühöfen zur 
Erleichterung dieser Arbeit — und dann meist an weniger druckhafter 
Stelle wieder eingebaut. 

Wo sich die angegebenen Bedingungen erfüllen lassen und ausser- 
dem kein Salzwasser in der Grube auftritt, hat Eisenausbau aber auch be- 
triebliche Vorzüge, die seine Anwendung trotz der hohen Anlagekosten als 
auf die Dauer vorteilhaft empfehlen. Reparaturen sind infolge der immer- 
hin gegen Holz bedeutend grösseren Festigkeit und des Fortfalls der 
Fäulnis auf das Mindestmass beschränkt; das Quellen der Solile lässt den 
dUnnen Eisenstempel meist ganz unberührt und wenn dem Eisenausbau 
zuweilen vorgeworfen wird, dass sich die Stempel leicht in die Strecke 
herein drücken Hessen, so wird darauf von seinen Verteidigern erwidert, 
dass Holzstempel in diesem Falle einfach gebrochen wären. Ferner be- 
nötigt der Eisenausbau einen geringeren Querschnitt als Holz und setzt 
den Wettern weniger Widerstand entgegen. Die Arbeiter werden ge- 
zwungen, die Strecke immer in den angeordneten Massen auszuschiessen, 
da sie die Schienen in der Grube nicht wie Holz verkürzen können. 

Endlich kann es bei Eisenausbau nicht vorkommen, dass weniger 
sorgfältig beobachtete Strecken plötzlich ganz zu Bruch gehen, wie das 
bei Holzausbau eintritt, wenn das äusserlich ganz gesund aussehende Holz 
allmählich seine Tragkraft verloren hat. 

Die Zeche Dannenbaum, welche in allen Hauptstrecken eisernen Aus- 
bau durchgeführt hat, verwendet 13 cm hohe I-Träger von 23 kg Ge- 
wicht, die in den benötigten Längen von der »Union« angeliefert werden. 
Da die einzelnen Stücke rechtwinklig zugeschnitten sind, muss, um den 
Stempeln eine gewisse Strebe zu geben, die Kappe an beiden Enden 
etwas aufgebogen werden. Die Verbindung zwischen Kappe und Stempel 
geschieht durch Winkeleisen, die an die Kappe angenietet, an die Stempel 
dagegen in der Grube angeschraubt werden. 

Auf Germania und Zollern bleibt die Kappe gerade; dafür werden die 
Enden der Stempel auf der Grube schräg abgeschnitten und dann wie auf 
Dannenbaum mit den Kappen verbunden. Recht teuer wurde anfänglich 
das Bohren der vielen Löcher für die Verbindungen, nämlich zweimal vier in 
der Kappe und zwei an jedem Stempel. Seit einiger Zeit werden die Löcher 
ungleich billiger mit einer Stanze hergestellt, die vier Löcher auf einmal aus- 
drücken kann. Die Zuverlässigkeit der Verbindung hat darunter nicht 
gelitten. 

Von der Farendeller-Hütte bei Bochum und den Stachelhauser Stahl- 
und Walzwerken in Remscheid werden für die Verbindung Gerüstschuhe 
aus Siemens-Martin-Stahl angefertigt, die über den Stempel geschoben und 

Sammelwerk. II. 24 



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364 



Grubenausbau. 



mit der Kappe durch eine Klammer verbunden werden. Diese Art der 
Verbindung ist z. B. auf den Zechen Recklinghausen, Centrum und Kaiser- 
stuhl zur Anwendung gekommen. 

Von anderen Gruben, die mit vollständigen Eisenthürstöcken unter ge- 
eigneten Verhältnissen gute Erfahrungen gemacht haben, seien schliesslich 
noch Dorstfeld, Rhein-Elbe, Courl und Königsborn genannt 

Die ursprüngliche Form des Eisenausbaues — eiserne Bögen und Ringe 
— ist jetzt im Ruhrbezirk völlig im Aussterben begriffen. Der erste 




Fig. 141. 
Ausbau mit eisernen Strecken bögen. 



Versuch dieser Art wurde schon 1869 auf Hannibal mit einem Ausbau ge- 
macht, der aus 3 gusseifeemen Bögen von J.-förmigem Querschnitt zu- 
sammengesetzt war. Als sich dieses Material nicht bewährte, ging man 
auf derselben Grube dazu über, Grubenschienen zu verwenden. Zwei 
solche wurden im oberen Teile halbkreisförmig gebogen (Fig. 141) und 
durch Verlaschung zu einem Streckenbogen verbunden, dessen Füsse in 
gusseisemen Schuhen standen. Um dieselbe Zeit führte die Zeche Graf 
Beust schon die später beliebt gewordenen elliptischen Ringe für Quer- 
schlagsausbau ein und benutzte Bögen zum Ausbau von Füllörtern. Andere 
Zechen setzten Ringe aus vier flachen Bögen von I Eisen zusammen, die 



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2. Kap.: Streckenausbau (voraehmlich Quenchläge und Richtstrecken). 365 

auf Neu-Iserlohn verlascht, auf Glückauf Tiefbau durch Winkeleisen ver- 
bunden wurden. Später fand namentlich der Ausbau mit flachen Ringen 
aus Grubenschienen ziemlich weite Verbreitung und hat sich bis heute 
noch vereinzelt erhalten. Zechen, wie Hibernia, Mansfeld, Germania und 
Zollverein haben ihn in grösserem Umfange versucht, aber überall hat sich 
herausgestellt, dass die Ringe entweder zu schwach oder aber, wenn 
stärkeren Profils, beim Einbau und ganz besonders beim Auswechseln viel 
zu unhandlich waren. 

Nur in allerschwerster Ausführung ist der Ringausbau in neuester 
Zeit wieder in einigen Fällen zur Anwendung gekommen, in denen es 
sich darum handelte, einen ungewöhnlich starken, von allen Seiten gleich- 
massig wirkenden Druck abzuwehren. Auf Neumühl sind | |- Eisenringe 

von 2,7 m Durchmesser aus zwei Hälften mit Verlaschung in halber 



)aItr^MoU 



Fig. 142. 
Zeche Prosper. Ausbau mit eisernen Ringen. 

Streckenhöhe zusammengefügt. Hinter den Ringen liegt ein Holzpolster 
von 0,5 m Stärke, welches, wenn zerdrückt, immer wieder erneuert wird, 
so dass direkter Druck die Ringe, welche nur 30 cm auseinanderstehen, nie 
trifft. Der Ausbau kostet auf das Meter 105 M. Auf Prosper (Fig. 142) 
haben die sog. Kruppschen, aus Schienen gebogenen Ringe mehr drei- 
eckige Form mit breiter Grundlinie. Die beiden symmetrischen Hälften 
sind unten und oben verlascht. Die Ringe sind mit dicht aneinander ge- 
legten Halbhölzern unter sich verbolzt und aussen mit altem Holz um- 
geben. Ein Ring kostet 75 M., Einbau und Verzugholz 25 M., so dass der 
Ausbau bei 1 m Abstand der Ringe 100 M. pro Meter kostet. Auf Prosper 

•24* 



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366 Grubenausbau. 

hat er sich in einer mit Letten gefüllten Verwerfungskluft sehr gut bewährt, 
doch können die damit verbundenen Kosten natürlich nur unter ganz be- 
sonderen Verhältnissen aufgewandt werden. 

IV. Kosten des Eisen- und Holzausbaues. 

Die Kosten gewöhnlicher eiserner Thürstockzimmerung sind mit denen 
für starken Ringausbau nicht zu vergleichen, bleiben aber infolge des so 
viel höheren Materialwertes immer noch beträchtlich über denen des besten 
Holzausbaues. Bei beiden Verfahren bilden die Arbeitskosten nur einen 
untergeordneten Teil der ganzen Ausgabe; um so mehr Einfluss haben 
natürlich die Preisschwankungen von Holz und Eisen auf die Wahl des 
Ausbaues und manche Gruben stellen regelmässige Preiskalkulationen auf, 
um jenachdem mit Holz, Eisen oder auch Mauerung auszubauen. Ohne 
die hohen Eisenpreise der letzten Jahre würde der Eisenausbau wahr- 
scheinlich grössere Fortschritte gemacht haben. Sind doch Gruben, welche 
grundsätzlich eiserne Kappen verwandten, aus diesem Grunde wieder zeit- 
weise zu eichenen Kappen zurückgekehrt. Allerdings sind auch die Holz- 
preise in ständigem Steigen begriffen und mögen die vor zehn Jahren ge- 
zahlten schon um rund 5(y^/o übertreffen. Hier wiederholt sich dann das 
Verhältnis von Eisen zu Holz im kleinen wieder zwischen Eiche und 
Tanne. Gewöhnlich kostet Eichenholz jetzt doppelt soviel als Tannenholz, 
welches für die gleichen Zwecke geeignet ist. Für mittelstarke Thürstock- 
zimmerung muss das Kubikmeter geschältes Tannenrundholz schon mit 
17 bis 20 M. bezahlt werden, Eichenholz mit 30 und 40 M. Der Preis 
der Kubikeinheit wächst ziemlich rasch mit der Stammstärke und der 
Länge. 

Das Eichenholz ist meistens ungeschält, und nur in grösseren Stämmen, 
die auch noch höhere Preise erzielen, an den Seiten beschlagen. Geschnittenes, 
mehr oder weniger splintfreies Eichenholz wird selten zur Streckenzim- 
merung benutzt und kostet dann 80 bis 90 M. pro Kubikmeter. Bei Tan- 
nenholz wird dem Herkommen gemäss nur das teure starke Blockholz in 
geringem Masse beschlagen, um es zur Bemessung des Rauminhaltes etwas 
kubischer zu machen. Bei kleinem Durchmesser muss dies um so mehr 
imterbleiben, als gerade die äusseren Teile des Stammes bei der Tanne 
die festesten und widerstandsfähigsten sind. Die Güte des Holzes ist oft 
schwer zu beurteilen, obwohl sich Holz von verschiedenen Standorten, das 
zu verschiedenen Jahreszeiten geschlagen ist und einen verschiedenen Grad 
der Trockenheit besitzt, im Gebrauch, namentlich bezüglich seiner Halt- 
barkeit gegen schlechte Wetter ausserordentlich unterscheidet. Oft mag 
Holz, das an derselben Stelle doppelt so lange steht, als anderes, zu den- 
selben F^reisen gekauft worden sein. 



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a. Kap.: Streckenauabau (vomehmUch Querschläge und Richtstrecken). 367 

Für die alten schweisseisemen Schienen werden jetzt 70 bis 90 M. 
auf 1000 kg gezahlt. Träger haben bis zu 145 M. und mehr im Preise er- 
reicht. Sie werden in sehr vielen verschiedenen Profilen gebraucht, sind 
aber meist leichter als Schienen. Auf Dannenbaum kommen z. B. durch- 
weg 23,5 kg schwere Träger, auf Bonifacius solche von 33 kg zur An- 
wendung. 

Je nach der Stärke des Holzes und der Weite des Querschnitts 
werden zu einem Thürstock für 3—7 M. Tannenholz, bezw. für 5—12 M, 
Eichenholz benötigt; dazu kommen noch 3 — 4 M. für die sogenannten 
Scheiten oder Spitzen zum Verzug und der Arbeitslohn. Als Durch- 
schnittszahlen können für einen sorgfältig alle Meter mit einem Feld Holz 
ausgebauten doppelspurigen Querschlag von 5 bis 6 qm Querschnitt 15 
bis 20 M. für Ausbau in Eichenholz und 10 bis 12 M. für Ausbau in Tannen- 
holz angenommen werden, während die Holzkosten für einmaligen Ausbau 
einer gewöhnlichen Abbaustrecke nur 3 bis 5 M. betragen. 

Eine eiserne Kappe kostet je nach Länge und Profilstärke 6—9 M. 
oder 3 — 6 M. mehr, als eine gute Eichenkappe. Die Z- Eisen oder Schuhe 
kosten 1 bis 2 M. das Paar, so dass sich die Kosten von Holzausbau mit 
eiserner Kappe auf 25 M. erhöhen können. Für den veralteten Ausbau mit 
leichten eisernen Bögen werden die Kosten zu 25 bis 30 M. angegeben. 
Die Kosten des eisernen Thürstocksausbaues berechnen sich leicht aus 
Streckenquerschnitt und dem Träger- oder Schienen-Gewicht. Zum Aus- 




2,70- 



Fifj. 11.1. 



bau des obigen (Fig. 143) Normal-Querschnittes von Dannenbaum sind 
7,05 m Träger von 23 kg Gewicht erforderlich, die bei einem Preise 
von 145 M. pro t 26 M. kosten, bei einem solchen von 100 M. aber nur 
18 M. Ersteren im Jahre 1900 bezahlten Preis angenommen stellt sich 
der Ausbau bei 1 m Abstand der Thürstöcke auf etwa 35 M. pro Meter. 

Nicht überall wird dieser hohe Preis durch längere Dauer des Aus- 
baues gerechtfertigt. Vielfach würde sich Eisenausbau aber auch sehr 
gut bezahlt machen, wo er heute noch unbekannt ist. Selbst wo sich 



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36B Grubenausbau. 

die Vorteile beider Ausbauarten auf die Dauer jafleichbleiben, sollte dem 
Eisenausbau der Vorzug gegeben werden, da Holz zu einem sehr grossen 
Teile vom Auslande eingeführt werden muss, Träger und Schienen aber 
nicht nur im Inlande, sondern von einem der besten Kunden des Kohlen- 
bergbaues, der einheimischen Eisenindustrie, bezogen werden. 

V. Mauerung. 

Auch mit der Mauerung tritt Eisen mehr und mehr in Wettbewerb, 
und in der That sind beide für ganz ähnliche Zwecke geeignet. Früher 
galt Mauerung als der für sehr druckhaftes Gebirge allein geeignete Aus- 
bau. Im Laufe der Zeit hat sich aber herausgestellt, dass auch die stärkste 
Mauerung dem Gebirgsdruck nicht immer gewachsen ist, viel weniger 
natürlich die gewöhnliche Grubenmauerung von l^/g Stein Stärke. Immerhin 
aber leistet Mauerung von genügender Stärke starkem Drucke länger 
Widerstand als jeder andere Ausbau. Und wenn es nicht ganz selten vor- 
gekommen ist, dass in Füllörtern Mauerung von 2 m, in Strecken solche von 
1 — 1^.2 m Stärke in wenigen Monaten zerdrückt wurde, so ist es doch für 
viele Betriebe ein grosser Gewinn, wenn wichtige Streckenabschnitte 
wenigstens so lange ununterbrochen offen bleiben, ohne beständig durch. 
Reparaturarbeiten für die Förderung gesperrt zu sein. 

Eine Erhöhung der Widerstandsfähigkeit von Mauerung gegen Druck 
hat man neuerdings dadurch erzielt, dass man auch hier ein nachgiebiges 
Element, nämlich weiches Holz eingefügt hat. Die Holzstücke werden 
statt einer Reihe Steine so eingesetzt, dass immer eine grössere Lücke 
zwischen ihnen bleibt, in die sie sich hineindrängen lassen. So kann 
die Mauer um ein ganz wesentliches Stück zusammengepresst werden, 
bevor das eigentliche Mauerwerk unter Druck kommt. Unter Umständen 
kann bis dahin auch der schlimmste Druck schon verschwunden sein. 
Das Verfahren ist zum ersten Male auf Zeche Deutscher Kaiser mit 
dem Erfolge angewandt, dass starke Scheibenmauerung, die sonst in 
wenigen Monaten zu Bruch ging, seitdem in 2 Jahren keinen Schaden 
zeigte. Aehnlich günstige Erfahrungen sind auf Victoria Mathias ge- 
macht; dort herrschte in Grubenbauen, die längere Zeit ersoffen ge- 
wesen waren, ein solcher Druck, dass an einigen Stellen 3 Stein starke 
Mauerung in Strecken schon nach wenigen Wochen erneuert werden 
musste. Holzeinlagen hatten eine drei- bis vierfache Verlängerung der 
Dauer des Ausbaues zur Folge. Auch andere Gruben, zum Beispiel 
Hannover, versuchen das Verfahren. 

Trotzdem wird sich für grosse Strecken unter starkem Druck Mauerung 
selten wirtschaftlich durchführen lassen, zumal auch die Reparaturen 
ausserordentlich kostspielig sind. Es muss dabei Stück für Stück der 



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a. Kap.: Streckenausbau (vornehmlich Quertchläge und Richtstrecken). 369 

alten Mauer ausgespitzt werden. Auch ist nicht ausser acht zu lassen, 
dass grosse Mauerstärken in schlechtem Gebirge keine weiten freien 
Querschnitte zulassen, da sonst Hohlräume auszuschiessen wären, die 
in sich selbst eine Gefahr darstellen. Wie Eisenausbau ist Mauerung 
bei gewöhnlichen Betriebsverhältnissen vor allem für massigen Druck 
geeignet und kann dort besonders in wichtigeren Strecken mit Vorteil 
an Stelle des Holzausbaues treten. Ist sie stark genug, so steht sie ohne 
Reparatur (beim Eisenausbau muss wenigstens der Holzverzug öfter er- 
neuert werden) und wird weder von schlechten Wettern noch von Salz- 
wasser angegriffen. Ihre glatten Flächen sind sehr günstig für die Wetter- 
führung, für die eine Reihe von Einschnürungen und Ausbauchungen 
schädlicher ist, als selbst ein enger Querschnitt. Die ausgedehnteste 
Verwendung findet die Mauerung daher in der Nähe der Schächte und in 
Querschlägen. Dort kommen ihre Vorzüge am meisten zur Geltung und 
werden ausserdem mit verhältnismässig geringen Kosten erkauft, da der 
Druck, zumal im Bereiche des Schachtsicherheitspfeilers, nur selten in 
grosser Stärke auftritt. Auf letzteren bleibt die Mauerung dann auch oft 
beschränkt. In Querschlägen liegen die Verhältnisse für Mauerung noch 
insofern günstig, als der Druck auf beide Hälften des Querschnitts gleich- 
massig wirkt. Ungleichseitigem Druck, wae er in streichenden Strecken 
auftritt, kann die übliche Grubenausmauerung viel schlechter widerstehen. 

Gewöhnlich werden Querschläge in der Weise ausgemauert, dass an 
beiden Stössen Scheibenmauern aufgeführt werden, über die ein Bogen 
geschlagen wird. Früher wurde der Bogen auch gleich von der Sohle 
aus aufgemauert. Bei grossen Streckenbreiten erfordert der Bogen 
zu viel Höhe; für solche Fälle hat sich seit einiger Zeit eine Ver- 
einigung von Mauerung und Eisenausbau Bahn gebrochen, die darin 
besteht, dass auf die Scheibenmauerung Schienen oder Träger gelegt 
werden, unter Verwendung ähnlicher ' — j-Eisen, wie sie zur Verbindung von 
eisernen Kappen und Holzstempeln benutzt werden. Auf Zeche Dorstfeld 
wird in diesem Falle den Eisenkappen eine gebogene Form gegeben und 
auf einen besonders sorgfältigen Verzug von Eichenholz Bedacht genommen. 
Auf anderen Gruben werden in wichtigen Strecken zwischen die Träger 
kleine Mauerbögen geschlagen. Zur Aufnahme von Firstendruck ist diese 
Anordnung wohl ebenso gut geeignet als ein Gewölbe. Tritt in Querschlägen 
Seitendruck ein, — gewöhnlich ist dies in Verbindung mit quillender Sohle 
der Fall — dann ist vollständige Ausmauerung des ganzen Querschnittes 
angebracht. Solche ganze, meist elliptische Mauerung ist in grösserem 
Umfange bei quill endem Gebirge auf Mansfeld und Zollverein mit Vorteil 
angewandt. Die Mauerstärke betrug dabei 2 — 27j Steine. 

In streichenden Strecken tritt die in Querschlägen übliche Gewölbe- 
mauerung schon der Druckverhältnisse wegen mehr zurück, denen man 



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370 Grubenausbau. 

sie auf Zeche Langenbrahm durch eine Neigung gegen den Oberstoss 
anzupassen versucht hat. Am günstigsten ist für sie noch ganz steile 
Lagerung; bei derartigen Verhältnissen wird auf einigen Gruben, wie 
Centrum und Neu -Iserlohn, sogar mit Vorliebe Mauerung angewandt 
Die letztere Zeche begnügt sich aber in streichenden Strecken überwiegend 
mit Scheibenmauerung am Oberstoss, der eine geringe Wölbung gegen 
diesen erteilt wird. Dem zukünftigen Betriebe wird bei der Ausführung 
durch Aussparung zahlreicher breiter Nischen Rechnung getragen, die den 
Zutritt zum Flötz und das Ansetzen von Ueberhauen, Bremsbergen oder 
Abhauen gestatten. 

Das Material der Mauerung bilden in Querschlägen gewöhnlich Ziegel- 
steine, möglichst die festen Grubenziegel. Als Mörtel werden verschiedene 
Mischungen benutzt, vielfach, so auf Neu - Iserlohn, 1 Teil Kalk und 
3 Teile Asche, in wichtigen Fällen auch 1 Teil Kalk, 1 Teil Cement und 
2 Teile Asche oder Sand. In streichenden Strecken benutzt man auf Neu- 
Iserlohn und anderwärts möglichst die an Ort und Stelle gewonnenen 
Bruchsteine zur Ausmauerung; die Stärke der damit hergestellten Mauern 
beträgt Vg — ^ "^- Alle Scheibenmauern werden mit dem Fuss in einen 
20 — 25 cm tiefen Schlitz gestellt. Die Lehrbögen für Gewölbe werden 
meist in zwei durch Schrauben verbundenen Teilen aus Flacheisen oder 
Schienen hergestellt, die mit Ansätzen in entsprechende Mauerlücken 
greifen und nach Lösung der Verschraubung leicht entfernt werden können. 
Sie haben im Gegensatz zu Holzlehrbögen den Vorzug, die Förderung 
unbehindert durchgehen zu lassen. 

Die Kosten der Mauerung berechnen sich am besten nach der Kubik- 
einheit. Auf 1 cbm Mauerung werden nmd 400 Ziegelsteine gebraucht, 
von denen das Tausend z. Z. 20 — 25 M. kostet, während es im eigenen Ziegelei- 
betrieb schon für 12 M. hergestellt werden kann. Der Arbeitslohn berechnet 
sich auf 3 — 6 M. für das Kubikmeter. Dazu kommt der Mörtel und der 
Transport der Materialien. Ziegelsteinmauerung kann deshalb im Durch- 
schnitt nicht unter 15 M. für das Kubikmeter hergestellt werden. Das 
Ausmauern eines Querschlags von 5 qm Querschnitt kostet demnach schon 
bei nur 1 7j Steine Stärke rund 45 M. pro lfd. m. Bei grösserer Mauerstärke 
fällt auch die Herstellung eines entsprechend grösseren Hohlraumes im 
Gestein sehr ins Gewicht, und ferner ist zu berücksichtigen, dass der 
Mauerung fast immer ein verlorener Ausbau in Holz voraufzugehen hat. 
In Gruben, die regelmässige umfangreiche Mauerarbeiten haben, macht es 
sich auch in den Kosten bemerkbar, dass im Sommer nur ein sehr 
geringes Angebot von ordentlichen gelernten Maurern vorhanden ist. 
Grössere Arbeiten werden deshalb besser im Winter ausgeführt. 



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3. Kap.: Der Ausbau grösserer Räume. 371 



3. Kapitel: Der Ausbau grösserer Räume.*) 



Während Mauerung in Strecken ihres hohen Preises und ihrer Um- 
ständlichkeit wegen verhältnismässig zurücktritt, nimmt sie weitaus den 
ersten Platz ein, wo es sich um den Ausbau von grossen Räumen unter 
Tage, als Maschinenräumen, Füllörtern und Pferdeställen handelt. Häufig 
wird sie hier vollkommen unentbehrlich. Alle diese Räume sind für eine 
lange Dauer bestimmt und müssen von vornherein so ausgebaut werden, 
dass Reparaturen womöglich nicht vorkommen, da diese durch Stillsetzen 
der Maschinen oder der Förderung den ganzen Grubenbetrieb aufhalten 
könnten. Genügend starke Mauerung kommt diesen Anforderungen am 
nächsten und befördert auch am meisten die für Maschinenräume so 
wesentliche Sauberkeit. Ausserdem erreichen die hier angeführten Räume, 
wenn sie auch im Grunde nichts weiter als Strecken von besonders 
grossem Querschnitt sind, doch häufig solche Abmessungen in Höhe und 
Breite, dass die übliche Streckenzimmerung sich gar nicht mehr anbringen 
lässt und sogar — in weniger gutem Gebirge — der beabsichtigte Quer- 
schnitt sich nur dann erreichen lässt, wenn er stückweise ausgebrochen 
und ausgebaut wird. Mauerung lässt sich nun nicht nur besser als anderer 
Ausbau den verschiedensten Querschnittsformen anpassen, sondern auch in 
beliebig kleinen Absätzen aufführen, während zum Einbringen von Holz 
imd Eisen immer der ganze Querschnitt zur Verfügung stehen muss. Auch 
lässt sich der Ausbau der Füllörter bei Anwendung von Mauerung so an die 
Schachtmauerung anschliessen , dass beide gewisserma«sen ein Ganzes 
bilden und die Bögen der Füllortmauerung mit zum Tragen der hier unter- 
brochenen Schachtmauerung dienen können. 

Gerade die weiten und hohen Räume, insbesondere die für die unter- 
irdischen Wasserhaltungen bestimmten, werden daher in Mauerung, und 
zwar ausschliesslich Ziegelsteinmauerung, gesetzt. Wo es sich nur um die 
Verbreiterung einer Strecke handelt, wie bei vielen Pferdeställen und 
manchen Füllörtern steht auf einer nicht unbedeutenden Zahl von Gruben 
auch noch die gewöhnliche Thürstockzimmerung in Anwendung, u. zw. 
der Spannweite wegen vorzugsweise in Verbindung mit eisernen Kappen. 
Die meisten Gruben suchen aber unter solchen Umständen Holz ganz 
zu vermeiden. Scheiben- oder Stossmauerung, die man nicht selten aus 
Bruchsteinen aufführt und mit eisernen Kappen überdeckt, bildet daher 

*) Der Ausbau der durch den Abbau entstehenden Hohlräume ist im Ab- 
schnitt »Abbau« beschrieben, worauf hier verwiesen wird. 



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372 Grubenausbau. 

für den Ausbau der Pferdeställe die Regel und ist auch in Füllörtern und 
kleinen Maschinenräumen für Streckenförderung und Lufthaspel oft anzu- 
treffen. In Füllörtern sind aber wiederholt schlechte Erfahrungen damit 
gemacht. Es wird deshalb dort wie in allen grösseren und namentlich 
höheren Räumen Gewölbemauerung vorgezogen. Je nach den Druck- und 
Raumverhältnissen wird das Gewölbe wieder auf Scheibenmauern gesetzt 
oder in halbkreisförmigem Bogen von der Sohle an aufgeführt. In sehr 
losem und dabei druckhaftem Gebirge kommt auch rings geschlossene 
Gewölbemauerung von kreisförmigem oder elliptischem Querschnitt zur 
Anwendung. 

Gewöhnlich wird bei Herstellung eines solchen Raumes in seiner 
Längsachse eine Strecke bis ans Kopfende vorgetrieben und von dort 
rückwärts absatzweise auf den vollen Querschnitt erweitert. In eben 
solchen Absätzen, die 2 — 4- m lang genommen werden, folgt die Mauerung. 
Es wird daher nie ein grosser Raum auf einmal frei gelegt. Immerhin 
nötigt die grosse Höhe nicht nur zu schärfster Vorsicht, sondern erschwert 
auch die Ausführung der Gesteinsarbeit. 

Eine andere Art des Vorgehens besteht deshalb darin, den Raum in 
horizontale Scheiben zu zerlegen, die nacheinander ausgeschossen werden. 
Man kann ebensowohl mit der obersten Scheibe beginnen und dort sofort 
das Gewölbe oder provisorische Eisenbögen, wie z. B. auf Zeche Lothringen, 
einbauen, und hat dann den Vorteil, immer eine gesicherte First über sich zu 
haben; oder man beginnt mit der untersten Scheibe, bricht am Kopfende bis 
zur vollen Höhe auf und schiesst auf den Bergen stehend die obere Scheibe 
rückwärts schreitend aus. Auf diese Weise hat man immer die First dicht 
über sich und kann sie hinreichend beobachten. Die Stossmauem können 
beim Vortreiben der unteren Scheibe schon errichtet und beim Zurück- 
arbeiten absatzweise überwölbt werden, doch lässt sowohl die scheibenweise 
Herstellung der Hohlräume wie die durch Erweiterung auch zu, erst den 
ganzen Raum fertig auszuschiessen und dann auszumauern. Immer aber 
sind doch, wenn auch nur vorübergehend, so grosse Querschnitte in pro- 
visorischem Ausbau zu halten, dass es in besonders druckhaftem Gebirge 
schwer oder unmöglich wird ihm die nötige Stärke zu geben. 

Man war daher auch im westfälischen Steinkohlengebirge häufig ge- 
nötigt, Maschinenräume und Füllörter in der Weise herzustellen, dass 
man zunächst die Aussenfläche des zukünftigen Hohlraumes nach und 
nach schlitzartig freilegte und sofort mit Mauerung versah. Der eigent- 
liche Raum war dann schon durch die fertige Mauerung geschützt, wenn 
er durch Herausschiessen des Gebirgskerns hergestellt wurde. Wegen 
der grossen Sicherheit vor Unfällen, der bequemen Handhabung der 
Arbeit und des Fortfalles provisorischen Ausbaues ist das Verfahren 
selbst in solchen Fällen beliebt, in denen keine zwingende Notwendig- 



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3. Kap.: Der Ausbau grösserer Räume. 



373 



keit besteht, es anzuwenden. Auch hier kann die Arbeit wieder an der 
Sohle oder an der Firste beginnen, doch ist das erstere gebräuchlicher. 
Man umfährt zunächst den Grundriss des Raumes mit einer Strecke 
und stellt darin den Mauerfuss her. Auf diesem stehend treibt man 
eine zweite und dritte Strecke in derselben Weise über der ersten hin unter 
Weiterführung der Mauerung. Ist die beabsichtigte Höhe erreicht, so 
bricht man, meist am Kopfende beginnend, quer von einer Längsseite nach 
der anderen hinüber und schlägt in dem so entstandenen Raum das Ge- 
wölbe, welches auf die schon vorhandenen Scheibenmauern aufgesetzt 
wird. Meist werden Streifen von etwa 2 m Breite gewählt, aus denen das 
Gewölbe allmählich zusammengefügt wird. Dann erst wird der Kern her- 
ausgeschossen und zuletzt die Vertiefungen in der Sohle für die Maschinen- 
fundamente hergestellt. Beispiele für dieses Vorgehen zeigen unter anderem 
die Gruben Courl, Eintracht Tiefbau, Centrum, Kaiserstuhl und Hansemann. 
Mit der Herstellung der Firste wurde dagegen auf Zeche Präsident und 
Schacht Carl des Kölner Bergwerk Vereins begonnen. Erst nach Fertig- 
stellung des Gewölbes wurden unter seinen Auflageflächen v o.m j 
hin die Strecken für die Seitenmauern getrieben. Den Schluss 
bildete auch hier das Herausnehmen des Gesteinskerns. 

Es sei endlich auch noch erwähnt, dass auf der Zeche 
Dahlbusch in einem sehr druckhaften Füllort Holzmauerung 
eingebaut ist. Es ist das Füllort in Schacht VI, welches auf 
4 m Länge mit scharfkantigen Eichenholzblöcken von neben- 
stehendem Querschnitt ausgewölbt ist (Fig. 144). Man hat 
bei grossem Druck gute Erfahrungen damit gemacht. 




Fig. 144. 



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374 Grubenausbau. 



4. Kapitel: Ausbau von blinden Schächten und 

Bremsbergen. 

Ganz besondere Sorgfalt erfordert der Ausbau der blinden Schächte, 
die vornehmlich, soweit sie als Abbaustapel dienen, im Bereich sehr starker 
Druckwirkungen aufrecht zu erhalten sind. Eine kleine Querschnittsver- 
ringerung kann sie vollständig betriebsunfähig machen und Reparaturen 
sind, wie immer in Schächten, sehr schwierig. Mauerung, welche allen in 
blinden Schächten auftretenden Druckkräften gewachsen sein sollte, 
müsste sehr bedeutende Stärke erhalten und steht deshalb nur ganz 
vereinzelt in Anwendung. Holzausbau — Bolzenschrotzimmerung — ist die 
Regel. Gerade die Nachgiebigkeit, die ihm bis zu einem gewissen Grade 
eigen ist, bildet für ihn einen Schutz, den die Mauerung nicht hat. Viele 
mit Holz ausgebaute blinde Schächte sind vollständig aus dem Lot ge- 
drückt, verschoben und selbst etwas verdreht und doch betriebsfähig 
geblieben, so lange die einzelnen Geviere nicht beschädigt wurden. 

Man benutzt zum Ausbau der blinden Schächte nur das beste ge- 
schnittene Eichenholz im Werte von 80 — 100 M. für das Kubikmeter. 
Höchstens für die Einstriche wird auch beschlagenes Holz verwendet. Die 
beliebtesten Stärken liegen zwischen 13x15 und 18x20 cm. Die einzelnen 
Teile des Gevierts werden unter sich verblattet, die Einstriche schwalben- 
schwanzartig eingesetzt. Das Vorgehen beim Einbauen ist dasselbe, wie 
beim Schachtabteufen mit Hülfe von Aufbrüchen und in dem gen. Kapitel 
des näheren beschrieben. Zwischen Schachtzimmerung und Gebirge werden 
häufig Schanzen eingefügt, um den Druck nur allmählich auf die erstere 
einwirken zu lassen. Vielfach wird auch mit Erfolg die Lüftung oder 
Lösung der Zimmerung in den Stapeln durchgeführt und zu dem Zweck 
jeder Stapel mit zwei Mann täglich belegt. Dadurch wird nicht nur an Holz 
gespart und manche schwierige Reparatur vermieden, sondern auch das 
Schiefwerden der Stapel verhütet. Ist ein Holz trotzdem so gedrückt, dass 
es ausgewechselt werden muss, so kann dies häufig nur in der Weise ge- 
schehen, dass das Ersatzstück in zwei Teilen eingebaut wird, die durch 
Ueberblattung, starke Verlaschung und Verschraubung an Ort und Stelle 
zu einem Stück verbunden werden. 

Die Kosten des Ausbaues hängen vornehmlich von dem Querschnitt 
des Schachtes und der Stärke der eingebauten Hölzer ab. Die Holzkosten 
schwanken demnach zwischen 20 und 50 M. auf das Meter einschliesslich 
Spurlatten, Fahrten und dergleichen, werden aber von einzelnen Gruben 
bis zu 80 und 100 M. angegeben. Für das Einbauen werden 10 — 20 M. 
gerechnet. 



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5. Kap.: Die Reparaturarbeiten. 375 

Der Ausbau der Bremsberge ist schon im Abschnitt »Vorrichtung« 
auf S. 99 if. beschrieben worden, worauf verwiesen wird. 

Fast überall gehören die Bremsberge, die fast stets in der Kohle und 
in der unmittelbaren Nähe des Abbaues stehen, zu den allerdruckhaftesten 
Grubenbauen, zumal auch ihre Betriebsdauer eine verhältnismässig lange 
ist. Der meiste Druck zeigt sich gewöhnlich bei flachem und mittlerem, 
weniger bei steilem Einfallen, doch werden hier die Reparaturen sehr viel 
schwieriger und gefährlicher. Die grosse Reparaturbedürftigkeit der Brems- 
berge und die darauf zurückzuführenden Betriebsstörungen sind es denn 
auch, die auf vielen Gruben Veranlassung gegeben haben, von den Brems- 
bergen abzugehen und sie durch die in der Anlage sehr viel kostspieligeren 
Stapel in Verbindung mit Ortsquerschlägen zu ersetzen. 



5. Kapitel: Die Reparaturarbeiten. 

Um ein Bild von dem Einfluss der Aufwendungen zur Offenerhaltung 
der unterirdischen Verbindungen auf die Kosten des Grubenbetriebes im 
rheinisch-westfälischen Bezirk zu bekommen, muss man in erster Linie be- 
rücksichtigen, dass der erste Ausbau der Grubenräume fast überall nur 
einen kleinen Bruchteil der Gesammtausgaben ausmacht, der Schwerpunkt 
aber in den Reparaturen liegt. Dass Baue im Flötz und selbst Querschläge 
kurz nach ihrer Auffahrung stark in Druck kommen und wiederholt um- 
gebaut werden müssen, bis das Gleichgewicht in den umgebenden Gebirgs- 
schichten wieder hergestellt ist, ist beinahe die Regel und hat auf einer 
Anlage der Zeche Zollverein sogar zu dem Vorgehen geführt, zweispurige 
Strecken der Holzersparnis halber zunächst nur einspurig aufzufahren und 
sie erst, wenn der Druck nach mehrmaligem Umbau geschwunden ist, zu 
erweitern. Aehnliche Druckerscheinungen wiederholen sich, sobald der 
Abbau sich den betr. Strecken nähert; eine sehr grosse Anzahl von Strecken 
kommt überhaupt nie zur Ruhe. 

Die Erneuerung des Ausbaues, sei es in Holz, Eisen oder Mauerung, 
ist nun noch häufig dadurch erschwert, dass mit ihr die Wiederherstellung 
des durch Druck verkleinerten Querschnitts verbunden .ist. Nur das 
Quellen der Sohle, allerdings wohl die am häufigsten zu beseitigende Be- 
einträchtigung des Querschnitts in Strecken und Bremsbergen lässt den 
Ausbau manchmal unberührt. So sind auf Rhein-Elbe Fälle beobachtet. 



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376 Grubenausbau. 

in denen die Sohle in einem Monat um 1 m an der eisernen Strecken- 
zimmerung hochgequollen ist, ohne sie zu beschädigen. Ein so starkes 
Quellen der Sohle ist aber auch schon für sich allein betrachtet eine 
grosse Unannehmlichkeit, die durch das ständige Nachreissen der Sohle 
das sogenannte Senken, sehr erhebliche Ausgaben verursacht. In breiten 
Strecken kann es vorkommen, dass 15 — 20 Wagen Berge dieserhalb auf 
das Meter zu entfernen sind, oft genug unter Anwendung von Schiess- 
arbeit. Dazu kommt die Wegförderung der Berge und das Umlegen der 
Schienen. Es werden demgemäss bis zu 10 M. für das Meter Senken mit 
Nebenarbeit bezahlt, auch wenn keine Erneuerung der Zimmerung nötig 
ist. Wird das Senken häufiger vorgenommen, so können 2 — 3 M. pro Meter ge- 
nügen. Andrerseits kann auch zuweilen, wenn das Nebengestein einer 
Strecke ungleichmässigen Senkungen ausgesetzt gewesen ist, eine Erhöhung 
der Sohle, durch Auffüllung mit Bergen, das sogenannte »Aufziehen«, nötig 
werden. 

Im Gegensatz zu den Veränderungen der Sohle findet das Sinken 
der Firste oder das Hereinkommen der Stösse nie ohne gleichzeitige Zer- 
störung der Zimmerung statt. In diesem Falle aber, wo man das lockere 
und zerdrückte Gestein über sich hat, ist das Auswechseln des Ausbaues 
und die Erweiterung der Strecken oder Bremsberge auf das ursprüng- 
liche Mass meist eine sehr unangenehme und zeitraubende Arbeit. Un- 
vergleichlich grössere Schwierigkeiten und Kosten verursacht dagegen 
das Auswechseln und Reparieren der Zimmerung, welches sehr vorsichtige 
und erfahrene Leute erfordert. Oft muss der ursprüngliche Querschnitt in 
völlig zerrüttetem Gebirge wieder hergestellt werden, wobei das sorg- 
fältigste Abfangen der losen Massen und nicht selten geradezu eine Art 
Getriebezimmerung erforderlich ist. Als eine wesentliche Hülfe haben 
sich in den letzten Jahren bei solchen Arbeiten Winden herausgestellt, 
namentlich wenn die Kappe beibehalten werden kann und nur die Stempel 
ausgewechselt werden müssen. Eine Winde, wie sie seit 18% auf Königs- 
born nach Phipps-Patent in Anwendung steht, kann die Kappe halten und 
gleichzeitig in die Höhe drücken, während beim Unterfangen der Kappe 
mit einem Notstempel gewöhnlich ein Teil der Streckenhöhe verloren 
geht. Von Königsbom wird eine Erhöhung der Leistung um Vs ^^^ An- 
wendung dieses Hubstocks berichtet. Mit viel Erfolg werden zu dem- 
selben Zweck, sowie zum Einbau der Holz- und Eisenzimmerung auf 
Germania die Schrauben -Spannsäulen vom Bohrmaschinenbetrieb benutzt 

Natürlich sucht man im Betrieb solche Arbeiten möglichst zu vermeiden 
und fügt lieber, wenn es irgend angeht, die neueZimmerung dem verkleinerten 
Querschnitt ein. Selbst wenn dieser schliesslich nicht mehr ausreicht, zieht man 
es, wenigstens bei Bauen im Flötz, oft noch vor, sie vollständig zu erneuern. 
Namentlich geschieht dies in Bremsbergen, die oft sehr viel billiger unter 



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5. Kap.: Die Reparaturarbeiten. 377 

Belassung eines kleinen Sicherheitspfeilers etwas seitwärts von dem ersten 
Berge neu aufgeführt als repariert werden. Es wird sogar an Stelle des 
ursprünglichen zuweilen ein neuer Bremsberg auf jeder Seite hergestellt. 
In flacher Lagerung gilt es ferner allgemein als vorteilhaft, statt eine zer- 
drückte Strecke wieder auszubauen, dicht neben ihr ein sogenanntes Stoss- 
ort zu treiben. 

Die Schwierigkeiten, welche die Reparatur druckhafter Grubenbaue 
bieten kann, erhellen hieraus zur Genüge und ergeben sich auch aus dem 
Umstände, dass die Ausgaben für Löhne bei solchen Arbeiten die für 
Material erheblich überschreiten können. Dass der Umbau eines Brems- 
berges 4 — ^5 mal so viel an Löhnen kostet als der erste Einbau des Holzes, 
ist nichts Seltenes. Besonders ungünstig liegen zuweilen die Verhältnisse, 
wenn Abbaustrecken bei steiler Lagerung in weichem Liegenden des 
Flötzes hergestellt sind, aber nachdem sie zusammengedrückt sind, in sehr 
festem Hangenden nachgeschlossen werden müssen. Mancher Betriebs- 
führer zieht es vor, recht erhebliche Opfer an Kohlen zu bringen, als 
solche Reparaturen ausführen zu lassen. 

Ist es nicht nötig, in einer Strecke, einem Bremsberg oder Stapel 
an einem Ende oder gleichzeitig an mehreren Stellen beginnend Feld für 
Feld umzubauen, so besteht das Verfahren zu ihrer Erhaltung darin, eine 
bestimmte Anzahl von Reparaturhauem täglich, meist in der Nachtschicht, 
in ihnen zu halten die ohne bestimmten Plan dort die Zimmerung aus- 
wechseln oder die Sohle senken, wo es ihnen am nötigsten erscheint. Die 
Zahl solcher Reparaturhauer auf eine gewisse Länge der betreifenden 
Grubenbaue gäbe wohl das beste Mass für deren Druckhaftigkeit. In 
Stapeln sind meist zwei Mann, in Bremsbergen 2 — 10 Mann beschäftigt. In 
Strecken wechselt die Zahl sehr; auf einer hiesigen Grube giebt es 
einen Hauptquerschlag mit stark quillender Sohle, in dem Nacht für Nacht 
40 Reparaturhauer thätig sind! 

Die Gesamtzahl der Reparaturhauer beläuft sich in einigen sehr 
druckhaften Gruben auf 20 — 25% ^^r Belegschaft, auf Gruben mit Durch- 
schnittsverhältnissen annähernd auf 107o- Auf den Gruben der Bergwerks- 
gesellschaft Hibernia machen sie beispielsweise 8,4% der Belegschaft aus. 
Damit sind aber die Lohnausgaben für Grubenerhaltung noch lange nicht 
erschöpft. Der erste Ausbau wird in Ausrichtungsbauen vielfach von den 
Gesteinshauern, in Abbaustrecken stets von den Kohlenhauern gesetzt, 
ferner sind Handwerker — Maurer, Schlosser und Schmiede — zur Zu- 
richtung des Eisenausbaues in diesen Zahlen nicht mit enthalten. Vor 
allem werden aber in steigendem Masse die Reparaturen in Abbaustrecken 
von den Kohlenhauem mit ausgeführt, deren Förderung durch die be- 
treffende Strecke geht. Sie können die Arbeit mit weniger Zeitverlust 
ausführen und haben ein persönliches Interesse daran, ihre Strecke in 



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378 Grubenausbau. 

fahrbarem Zustande zu erhalten. Die Entschädigung für diese Arbeiten 
wird ins Kohlengedinge oder Metergeld mit einbegriffen. 

Die grosse Zahl von Arbeitskräften, welche so für die Erhaltung der 
Grubenbaue benötigt werden, ist von den Zechen in den letzten Jahren 
mit stark steigender Förderung um so unangenehmer empfunden, als es 
überhaupt an Arbeitskräften mangelte. Infolgedessen mussten für diese 
Arbeiten, die sonst zum grossen Teil, wenn auch mit zweifelhaftem Vor- 
teil, von älteren Arbeitern in Schichtlohn ausgeführt wurden, durch Er- 
höhung der Löhne auch viele jüngere Arbeiter herangezogen werden. 
Abgesehen von der oft unverhältnismässigen Verteuerung der Reparatur- 
arbeiten wurden dadurch viele Leute der Kohlenarbeit entzogen, die dort 
schmerzlich entbehrt werden mussten. 

Gleichzeitig sind in den letzten Jahren die Preise für alle beim Aus- 
bau in Betracht kommenden Materialien, Holz, Eisen und Steine erheblich 
gestiegen. Der Gesamtverbrauch an Materialien für die in Frage stehenden 
Grubenbaue lässt sich leider ebenso schwer feststellen, wie die vollen 
Summen der Löhne, hauptsächlich weil sich nicht in Erfahrung bringen 
lässt, wieviel Holz, das weitaus an erster Stelle steht, in den einzelnen 
Steigerabteilungen vor der Kohle in Streben und Pfeilern und wieviel in 
Strecken, Bremsbergen u. s. w. verbraucht worden ist. 

Der sicherste Weg, diese hohen Ausgaben zu verringern, bleibt die 
sorgfältige Beobachtung der Druckverhältnisse und die Berücksichtigung 
der dabei gewonnenen Erfahrungen bei der Aus- und Vorrichtung, wie beim 
Abbau eines Feldes. Wird man auch nicht überall zu denselben Er- 
gebnissen kommen, so sind doch im allgemeinen eine gute Ausrichtung 
im Gestein und die Verkürzung der Betriebsdauer der Baue, namentlich 
derer im Flötz, durch Verkleinerung der Abbaufelder und raschen Ver- 
hieb als die erfolgreichsten Mittel zu bezeichnen, mit denen man in den 
letzten Jahren die Unterhaltungskosten der Grubenbaue zu vermindern 
bestrebt gewesen ist. 



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