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Full text of "Die Explosivstoffe mit besonderer Berücksichtigung der neueren Patente"

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Das Schwarzpulver ^ 

und ähnliche Mischungen. 



Von 



Dr. Richard /Escales.' 




K^mmtsslonsverlag von Qusia« Fock^ Q, m. b. H. 









f ; 






o o Leipzig 1904 o c j jCa 



n 



J 



Die ExplosirMe. 



Mit Berücksichtigung der neoeren PateDtiiteratnr. 



YoD Dr. Richard Eseales. 



Erst«s Heft: 

Das Sehwarzpnlver und ähnliehe Mlsehungoii. 



KommissioBSTerlag von Gnstat Foek, V. n. b. 
Leipzig 1904. 



, % 



Das Seliwarzpulver 
nnd ähnliche Mischungen. 



lou Dr. Rieluiinyseales. 



j-ti 



ii 



l«DnilsäioDSUTlag von CluMav Fud, <;, mJklt. 



411e Rechte vorbebalteo. 



Vorwort. 



Er 

v-1 



In sein Olli Biii^hfi über „Sprengstoffe unrl Zün<l- 
waren"" hat Professor Haeussermann eine ITebersiclit 
Qljor die bis zum 26, Juni 1893 ausgegebenen deuisclien 
l^itentscliriften der Klasse 78 gegeben. Leider ist 
diese, auch durcli sehr wertvolle allgemeine Einleitungen 
über die einzelnen Kategorien ausgezeidinete Zu^ 
samnieustellung nicht fortgesetzt worden und besteht 
auch hei Prof, Haeussermann^ wie derselbe mir vor 
einiger Zeit gütigst privatün mitteilte, nicht die Abdchtj 
eine neue Bearbeitung erscheinen zu lassen. 

Inzwischen sind über zehn Jahre verflossen und 
es hat sieh auf dem Gebiet der Öprengstot1[e inaneliet^ 
geändert. Ich habe mir daher die Aufgabe gestellt, 
ein Buch über die Explosivstoüe mit Berücksichtigung 
der neueren Patcntliteratur zu schreiben und zwar 
soll der Ciegenstaud in lolgenden einxeliien Mono- 
graphien bearbeitet werden: 

1. Seil war z pul ver und ahnliche Mischungen. 

2. Nitrocellulosen, bes. Seh i essbann i wolle, 

3. Nitroglycerin, Dynamit e, 

4. Rauchlose Pulver, 

5. Sicherheits-8]>rengstoffe für Kohlenbergwerke. 

6. Pikrinsfiure, Alumininm -Sprengstoffe, 
7p Detonatoren. 



M307ai8 

r 



\ 



Mi*^ '»'RLJt . - Q.^jCaL 



vr 

Das erste Heft übergebe ich hiemit der OefFent 
liehkeit, Feh möchte den Firmen, welche mich durch 
freundliche Auskunfterteilung unterstützt haben (Ver- 
einigte Köln - Rottweiler Pulverfabriken , Pfälzische 
Pulverfabriken) und besonders den Firmen W. Güttier 
und Cramer & Buchholz, die mir eine Anzahl Glich es 
freundlichst zur Verfügung stellten, auch an dieser 
Stelle herzlichät danken. 



Der Verfasser. 



I 



München, Dezember 1903. 



1 



i . ._ 





81 Jt^BagfTi 


s 




M 



L Das Schwarzpulver- 

Das älteste Öchicsa- und Sprenginittel ist das 
RchwLLricpulv^^r. Zuerst verwä^Liidte man ein Geniisch 
von Schwefel, I'ech und verscbiedeoen Harten, das 
sog. griechische Fnier^ das vuii Ivallinikos bei der Ver- 
teidigung Konstantinopeb(t>60--667) eingeführt worden 
■ sein soll nnd von dessen wunderbaren Wirkungeji 
uns eine Menge Schrift stelU^r mehr oder weniger 
glaubwürdige Erzähhuigeu berichtet haben. 

Diese« griechische Feuer wurde in hohle Hteine 
oder mit Löchern versehene Gefässe eingeschlossen 
und hatte den Zweck, beim Auf treffen auf das Ziel- 
objekt dasselbe in Brand zu stecken. Das griechische 
Feuer wurde von den verschiedenen Feuer werks- 
nieistern durch alle möglichfln Zusätze verbessert; die 
Eigenschaft des späterhin wesenthcheu Zusatzes, des 
— für sich den Arabern schon im 8. Jalirhundert 
]>ekannt gewesenen — Salpeters, mit brennenden 
Körpern zu verpuffen, scheint (nach <i}uhntinn) erst 
im 13. Jahrhundert entdeckt worden zu sein ; von da 
ab lässt sich ein Salpeter-Zusatz fesstellen, 

lui 14. Jahrhundert finalen wir daiui, ohne dass 
der Uebergang vom griechischen Feuer zvmi Schwarz- 

1* 



^ 1 



pulver sich genau verfolgen oder ein bestimmter Er- 
finder hiefür angeben Hesse, die Verwendung des 
Gemisches zu artilleristischen Zwecken. 

Oskar Gutmann, wohl einer der hervorragendsten 
Sachverständigen im Explosivstoff-Gebiete, ist nach 
eingehenden Forschungen über die Person des Er- 
finders und den Zeitpunkt dieser Erfindung zu dem 
Schlüsse gekommen, dass weder Markus Graecus, 
noch Albertus Magnus, noch Roger Bacon oder 
Berthold Schwarz als Erfinder des Schiesspulvers 
gelten dürfen, dass vielmehr der Name des Erfinders 
unbekannt bleiben wird, weil sich das Schiesspulver 
allmählich aus dem griechischen Feuer entwickelte, 
und dass das Schwarzpulver — wenn auch vorerst 
in unreinen Bestandteilen und aus schlechten Misch- 
ungen erzeugt — bekannt war, ehe man an seinen 
Gebrauch als Schiesspulver in (tc wehren und Ge- 
schützen dachte. Die erste Verwendung als Treib- 
mittel dürfte das Schwarzpulver in der Zeit zwischen 
1310 und 1325 erfahren haben; nach Gutmann ist 
die Ausnützung der treibenden Kraft des Schiess- 
pulvers und die Verwendung von Schiesswaffen aller 
Wahrscheinlichkeit nach im Jahre 1313 durch den 
Mönch Berthold Schwarz aus Breisgau zum ersten 
Male betätigt worden. 

Belagerungsgeschütze, aus denen man zuerst 
Steine, dann bleierne und später gusseiserne Kugeln 
schoss, kamen in Deutschland und Frankreich dann 
schnell zur Anwendung; in der Schlacht bei Crecy 
(1346) ist zum ersten Male Schiesspulver auf offenem 
Felde angewandt worden; die Engländer schössen 
eiserne Kugeln aus Feuerschlünden und erfochten 
dadurch den Sieg über die Franzosen. — Mit Hand- 
schusswaffen konnte man sich Anfangs weniger be- 
freunden, wir finden solche erst nach dem Jahre 1380. 

Die erste sichere Nachricht von der Verwendung 
des Schwarzpulvers zur Sp-engarheit in Bergwerken 
findet sich viel später, im Jahre 1627, in den Akten 



— 5 — 

des ungarischen Berggerichtes Schemnitz ; danach hat 
ein Tiroler, Kaspar Weindl^ am 8. Februar 1627 die 
erste Sprengung durchgeführt. Diese hochwichtige 
Neuerung in der Arbeit auf dem festen Gestein 
konnte sich nur äusserst langsam einführen; das 
Bohren war sehr kostspielig, auch machte man die 
Bohrlöcher viel zu gross, dreimal so gross als jetzt; 
dadurch wurden auch die Pulverladungen sehr stark, 
wodurch beim Sprengen starke Erschütterungen im 
Grubengebäude entstanden. Auch war das Pulver 
damals sehr teuer. 

Im Jahre 1749 wurde durch ungarische Bergleute 
am Harz der Meisselbohrer eingeführt; später wurde 
derselbe maschinell in Bewegung gesetzt; der Eng- 
länder Bartlett ist 1855 anlässlich des Tunnelbaues 
durch den Mont Cenis der Erste gewesen, welcher 
eine gangbare Gesteinsbohrmaschine mittelst Dampf- 
kraft betrieb; bald darauf erfolgte auch die Ver- 
wendung von komprimirter Luft als Betriebsmittel. 

Wichtig für die Anwendung von Sprengpulver 
im Bergwerksbetrieb war auch die 1685 eingeführte 
Neuerung, statt der Holzpflöcke — welche bis dahin 
zur Verspundung der Bohrlöcher angewandt wurden 
und welche an einer gegenüberstehenden Wand ver- 
bolzt werden mussten — die Bohrlöcher mit Letten 
zu verdammen. — Die elektrische Zündung der 
Sprengstoffe im Bergwerksbetrieb wurde 1804 durch 
Major Baron Chastel, die Sicherheitszündschnur 1831 
durch den Engländer Bickford erfunden. 

Zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts 
hatte man auch begonnen, Strassen im Hochgebirge 
mittelst Sprengarbeit zu bauen; ebenso fing man 
Mitte des 17. Jahrhunderts damit an, Hindernisse in 
Flüssen durch den Sprengprozess zu entfernen. 

Das Schtvar^pulver ist ein mechanisches Gemenge 
von Kalisalpeter, Holzkohle und Schwefel, welche 
drei Bestandteile wir nun im Einzelnen betrachten 
woUen. 



— 6 — 

Der Kalisalpeter findet sich in der Natur in heissen 
Ländern, namentlich in Ostindien, nach der Regen- 
zeit in ziemhcher Menge an gewissen Stellen des 
Bodeiif^ ausgewittert ; diese Salpeter - Witterungen 
werden in Ostindien von einer besonderen Kaste, 
den Sorahvallahs, gesammelt; durch Auslaugen und 
Abdampfen wird dann ein Produkt gewonnen, welches 
als indischer Rohsalpetet^ in den Handel gebracht wird ; 
1891/92 wurden aus Ostindien 20000 t Kalisalpeter 
ausgeführt, wovon etwa ein Drittel nach England 

Elie man andere Darstellungsmethoden des Sal- 
pMern kannte, war man auf dieses ostindische Produkt 
für di*^ Pulverfabrikation angewiesen ; H. Bunte schil- 
dert, in welclier Verlegenheit die Regierung der 
IfrauKösischen Republik sicli nach der Revolution be- 
laml, als man mit fast allen Staaten Europas im 
Kampfe lag, aber nicht über das nötige Kriegsmaterial 
verfügte und von allen Zufuhren abgeschnitten war. 
Während man kurz vorher den grossen Chemiker 
Lavoisier mit dem Bemerken, dass man keiner Ge- 
lehrten mehr bedürfe, hatte hinrichten lassen, erliess 
jetzt der Wohlfahrtsausschuss in höchster Not einen 
Appell an die Wissenschaft; die hervorragendsten 
Gelehrten traten zusammen und beschäftigten sich 
gleich in der ersten Sitzung mit der brennendsten 
Frage, der Fabrikation des Schiesspulvers. Wie sollte 
man ohne ostindischen Salpeter Schiesspulver her- 
stellen? Da wies der Chemiker Monge darauf hin, 
dass auch im Inland, an den Wänden der Ställe, der 
Keller, der Aborte etc. etc. Salpeter enthalten sei. 
„Gebt uns salpeterhaltige Erde, rief Monge aus, und 
drei Tage darauf werden wir Kanonen damit laden." 
Alsbald begann man von einem Ende der Republik 
nun andern den Boden der Ställe zu durchwühlen 
und aus der Erde den Salpeter auszulaugen ; in neun 
^hjnateii gewann man auf diese Weise 12 Millionen 
IM'uiid Salpeter. 



i 



1 - 



So bildet sich also auch in unserem Klima unter 
Umständen salpeterhaltige Erde; Kalisal]ieter ist ja 
das Kaliumsalz der Sal[:tptersäQr€> und diese ist daw 
Endprodukt der Oxydation Stickstoff] i altiger organischer 
Stoffe; Salpetersäure Salze oder Nitrate entstehen 
überall aus verwesenden ttderischen oder pflanzlichen 
Substanzen bei (legen wart von Metalloxyden (Basen) 
und unter Mitmrkung von Rpaltpilzen, den söge- 
nannton Kalpeter-Fermenten. 

In Aegypten, Spanien, Ungarn und anderen 
Ländern betrieb man frülier sog. Salpetey-Flnntugmi ; 
man setzto ein Gemenge von stickstoffhaltigen 
thieriscben SubstauKen (Harn, Mistjaueho, Fleisch- 
abfähe aller Art) in faulendem nnd verwesendem 
ZListande einerseits und von Kalium- und Kalksalzeu 
(Holzasche, kaliumhaltigen (lebirgsarten, wie ver- 
witterten F'eldspatb, Bauschutt n. s. w.) andererseits 
der Einwirkung der Luft aus; diese mauer- und 
terrassenförmig autgeschichteten Massen liess man 
Monate, ja Jahre lang hegen und laugte sie daun 
mit Wasser aus; die ausgelaugten Salze, ein Gemenge 
von Kalium-, Calcium- und Magnesium -Salpeter, 
wurden durch Behandeln mit Kahumsalzen in Kalium- 
salpeter übergeführt. 

Der aus den Salpeter- Wittermigen und Erden 
erhaltene Rohsalpeter enthält zwischen 15 und äO % 
Verunreinigungen durch fremde Salze , organisclie 
Stoffe u. dgl. uod muss daher durch UmkrystalUsieren 
gereinigt werden. 

Jetzt wird die Hauptmenge des Kalisal{)etera aus 
dem Natronsalpeter gewonnen, welch' letzterer sich 
iu grossen natürlichen Lagern in Südamerika, be- 
sonders in Chile vorfindet (Cliilesalpoter), die in den 
^Oiger Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts entdeckt 
wurden; diese natürliche ßalpetererde (Oaliche), mit 
einem Gehalt von 15—65% Natrium nitrat, ist wahr- 
scheinlich aus Seepflanzen, vielleicht unter Mitwirkung 
von Guano, entf^tanden. 



\'Jl 



^4 



\ 



^ 8 - 

Der Gesairitvorrat an Chilesalpeter soll noch 
etwa 30 Millionen Tonnen betragen, dürfte also bei 
einor jährlichen Förderung von 1 — 1^2 Mill. Tonnen 
in nicht all üuf ferner Zeit erschöpft sein. Bis dahin 
sind aber zweil't'ilos rationelle Methoden ausgearbeitet, 
um aus dem Stickstoff der Luft durch Elektrizität, 
Kontaktwirkung, oder genau studierte bakterielle Vor- 
gänge salpettifriaure Salze zu erzeugen. 

Während <les Jahres 1901 waren in dem Sal- 
peter-Distrikt Chiles, in Tarapaca, 66 Salpeter-Werke 
]nit til)er 20<X)0 Arbeitern im Betrieb; 19 Werke 
waren geschlossen. Die reichsten und am leichtesten 
auszubeutenden Salpeter-Gründe der Tarapaca-Zone 
sind übrigens erschöpft und es verbleiben nur die 
ärmeren und viel tiefer hegenden Ablagerungen, für 
welche eine weit grössere Zalil von Arbeitskräften 
nötig wird. Trotzdem wird immer wieder Kapital in 
neue Werke gesteckt, da infolge der Salpeter-Kon- 
vention ^ billiger Ozeanfrachten etc. etc. die Salpeter- 
Gesellschaften gut prosperieren. Die Ausfuhr betrug 
1901 1.4 Millionen Tonnen, für 1902 wird dieselbe 
aul' h05 Millionen Tonnen geschätzt. 

Der Natronsalpeter selbst ist für die Pulver- 
fabrikation ungeeignet, weil er Wasser anzieht, hygro- 
skopisclj ist; er wird daher — soweit er für die 
Pulverfabrikatiou bestimmt ist, der grösste Teil des 
Chilesalpeters dient ja als Düngemittel für die Land- 
wirtschaft, ein anderer Teil zur Fabrikation der 
Salpetersäure — durch Behandeln mit Kalisalzen 
(früher nahm man KaUlauge, dann Potasche, jetzt 
verwendet mau das in Stassfurt gewonnene Chlor- 
kalium; heisye gesättigte Lösungen von 8 Teilen Chile- 
salpeter und 7 Teilen C^hlorkalium werden mit ein- 
ander vermiaeht und erkalten lassen, wobei Kali- 
salpeter auHkrywtallisiert, während das gleichzeitig ge- 
bildete Clilornatrium in der Mutterlauge gelöst bleibt) 
in Kalinmsal|>eter verwandelt; das so hergestellte 
Produkt l'ührt den Namen Konversions-Salpeter. 



J 



— 9 — 



Natroiisalp(itf^r wird nur zu einigen Sorten Spreng- 
jiulver, nie aber vm Hclnesöpulver verwendet, weil das 
daraus hergestellte Produkt gegen Lnfttenchtigkeit zn 
i^nipflndlich ist und zudem beim Verbrennen mehr 
Uück8tand hinterUtsst als das mit Kalisalpeter her- 
gestellte. 

Zur Verwendung l'ür die Pulverfabrikation muss 
der Kalisalpt^tor möglichst rein sein, er wird dalier 
wiederholt raffiniert. Zur Koiitrole prüft man aui 
Venmreinigungeu durch Kochsalz; oian nimmt an, 
dass nach dessen Entfernung auch fremde Salze hx 
gleichem Ma-sse abwesend sind. 

Die preussische Pulverfabrik i]i Sj Landau ver- 
arbeitet keinen Salpeter, von dem 15 g itj Wasser 
gelöst mit Silbernitrat eine Trübung geilen. 

Der in der englischen Pulverfabrik in Waltham 
Abbey zur Verwendung gelangende Hal]>eter darf über- 
luui]»t keine ('hlor-lieaktion mehr zeigen. 

Der Kon Version s-8ali>eter war bis vor wenigen 
Jtdiren öfters durch geringe Beimengungen von Per- 
chloraten verunreinigt, welche bei der obigen Prüfungs- 
methode der Aufmerksamkeit der deutschen Fabri- 
kanten entgangen waren, aber zur Folge hatten, dass 
das ans deutschem Salpeter hergestellte Schiessjmlver 
in den Augen englischer Militärs und Jagd liebh aber 
als minderwei^tig gegenüber dem aus ostindischem 
Salpeter hergestellten Produkt galt und es infolge der 
erwähnten Verunreinigung auch thatsäehlich war, wie 
zuerst Major Hellich dann im Jahre 1894 feststellte, 

J)er z^veite J^estandteil des Seliwarzpulvers ist der 
SdnveffJ. Dieses Element findet aicli bekanntlich in 
grosser Menge in Sizilien, wo es in 30 bis 40 Meter 
mächtigen Lagern den Kalkstein und Oyps des 
Tertiärgebirges durchsetzt; der sizilianische Roh- 
schwefel muss vor seiner Verwendung durch Destih 
lation gereinigt werden (Schwefel siedet bei 448"); 
rnan benützt dann nicht die unreinen Schwefelblumen, 
sondern nur den Stangenschwefeb den man manchmal 



r 






— 10 - 

noch langsam eingeschmolzen durch Gaze oder Lein- 
wand filtriert. Um den Schwefel ohne Entzündungs- 
gefahr ganz fein pulverisieren zu können, leitet man 
während des Mahlens ein inertes Gas, wie z. B. 
Kohlensäure, unter Druck und in einem Kreislauf 
durch den Arbeitsraum (I). R. P. 136 547). 

Einen sehr reinen Schwefel gewinnt man zur 
Zeit in England aus den sog. Soda-Rückständen. 

Wenn man nämlich aus Natriumsulfat, Kohle 
und Calciumcarbonat nach dem Verfahren von Leblanc 
Soda herstellt, so entsteht als sehr unangenehmes 
Nebenprodukt Schwefelcalcium ; ('hanco und Claus 
haben nun 1885 gelehrt, hieraus reinen Schwefel 
herzustellen; das Verfahren ist auf den Werken der 
United-Alc. (■ornj). in grösstem Massstabe eingeführt 
und liefert jährlich ca. 30000 t regenerierten Schwefel. 

Zu dem Salpeter und Schwefel gesellt sich als 
dritte Komponente die Holzkohle. 

Die Beschaffenheit der Kohle ist von grösster 
Bedeutung; dieselbe soll spezifisch leicht, porös, weich 
und leicht zerreiblich sein, sie soll sich leicht ent- 
zünden und schnell verbrennen, dabei soll sie mög- 
lichst wenig Aschen-Rückstand hinterlassen ; ferner 
soll sie beim Aufbewahren möglichst wenig Feuchtig- 
keit anziehen. 

Das Vorhandensein dieser Eigenschaften, welche 
die Tauglichkeit der Kohle bedingen, hängt ab einer- 
seits von den Pflanzenarten, aus welchen dieselbe 
hergestellt ist, andererseits von der Art ihrer Ver- 
kohlung. 

In Deutschland, Belgien und Frankreich ver- 
wendet man, besonders für Schiesspulver, hauptsäch- 
lich Faulbaumholz (Rhamnus frangula) , daneben 
Weiden- und Erlenholz, besonders für die billigen 
Sprengpulversorten ; in Frankreich verwendet man 
auch Pappel- und Lindenholz, in der Schweiz nimmt 
man Haselnussholz, in Oesterreich Hundsbeer-, oder 
in dessen Ermanglung Haselnuss- oder Erlenholz, in 



— 11 — 



England neben Faulbamnholz Cornelkirschen- und 
llaselniissholz, in Italien Hanf, in Spanien Hant\ 
Kladis, Weinreben, Oleander-, Weidenhol/, u. s. w. 
Das HoIk ^vi^l im Frühjalir goscli lagen, wenu die 
Häume in vollem Saft stehen nnd nocli wenige salzige 
Lösungen enthalten, auch die Rinde sich gut ablösen 
läset. Man vervveudf^t dünno Zweige, stärkere werden 
gespalten. Das entrindete HoIk lässt man längere 
Zeit, oft Jahre lang, der Witterung ausgesetzt Hegen, 
damit die POans^ensäfte durch den Regen ausgelaugt 
werden. 

Eine wesentliche Rolle spielt nun die Dauer uwd 
'reni[)f*ratur der Verkühlung. 

Man kaini schon bei 270 bis 300" verkohlen und 
erhält dann eine braunrote Kohle, sog. Rotkohle, von 
niedrigem spezif. Gewicht und leichter Entzütidlitdi- 
keit; diese Kohle wird besonders zu Jagdpnlver ver- 
wendet, bei welchem es auf rasche Zündung ankonunt; 
auch zu dem braunen prismatischen ( leHchülzpulver 
verwendet man Rotkolde, welche für diesen Zweek 
gewöhnlich aus Stroh hergestellt wird. 

Für das gewühnliche Öchwarsüpulver verkohlt man 
bei 300 bis 400^; man erhält dann eine Kohle voji 
tief yeh warzer Farbe und glattem Bruch, welche sich 
leicht zerkleinern lässt. 

Bei je höherer Temperatur verkohlt wurde, uninso 
weniger leiclit eJitzüruilich ist die erhaltene Koiilo; 
sie ist dann aber auch weniger hygroskopisch. 

Die erhaltene Pulverkohle ist niemals reiner 
Kohlenstoff; ihr Gehalt an Kohlenstoft* ist abhängig 
von der angewandten Temperatur und steigt mit 
derselben. 

Die irisch bereitete Pulverkohle besitzt Neigujig 
zur Hei bstentzün düng, darf daher erst nach längerem 
Lagern verwendet werden. Zur Er/ielung einer 
guten Ausbeute muss die Verkoldung möglichst lang- 
sam vorgeuoumien werden; an sich nimmt die Aus- 
beuto mit steigender Verkohlungstemperatur ab. 



% 



— 12 — 

Violette hat über diese V^erliäUnisse eingehendere 
Unteryueliungen jinge.stelh, wir geben (mich Flell's 
Handwörterbuch der Chemie) hierüber folgendo 
Tabelle : 



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rotbraune Kohle 


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36.1« 




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1.41 
I bis 


bis 
13700 


76.ft 


4.1 


92- 


0.« 

1 




las SL^bwarze 
nbergelienii 

sebr achwarz, gut 
für MilitJtrpulver 


432« 


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400» i 


81.n 


2^ 


15.. 


1.« 


18.81 


[si^bvvarz uud 


10^23*^ 


IMl 


600^800» 


82.-"! 


2.1 


14^ 


1 


laii 


[ fiebr hart. 



In den preussiscben Militärpiilverbibrikpii wnrdf* 
mit 29''/* Ausbeute verkohlt. 

Die bei 270—400^ hergestellte Holzkolile hat di^ 
Eigenschaft, in Gemengen mit Schwefel sieb st*hou bei 
2^ KU entstünden und ganz abzubrennen; auch die 
Einwirkung der Holzkuhle auf den Salpeter ist ab- 
hängig von der Temperatur, l>ei welcher verkohlt 
wurde; nach (jutmarni zersetzen die bei 270—432^* 
bereiteten Kohlen den Ha])jeter bei 400**, während 
die bei 1000-1500^ berge.stelllen Holzkohlen den 
Salpeter er^t hei Rotglnbhitze zersetzen. 



— 13 — 

Was die Art der Verkohlung beiriffl:, so gesclneht 
solche fast allgemein in Gylindern, welche durch 
direkte Feuerung oder üborliitzten Wasserdanipf er- 
wärmt werden; die Verkohhingstnila^eii bestehen aits 
oingenianerten j^usseiserneii Retorten , in welchen 
schmiedeeiserne Cylinder eingelegt sind und wolche 
mit Vorrichtungen versehen sind, um die iiam natdi 
der Feuerung zur Verbrennung oder direkt nach dem 
Schornstein abzuleiten, 

Hesonders hei der direkten Feuerung ist die er- 
hidtene Kohle nicht ganz gleichmässig und muss 
sortiert werden; aucli muss der schwer entzündlit^he 
und harte Glanzruss entfernt werden. 

Die von Violette zuerst eingeführte Erhitzung 
mit Wasserdampf gibt ein gleichmässiger^« Produkt, 
ist aber etwas teurer. 

In der Praxis gebraucht man die Ausdrücke: 
25-, 30' oder 70 "/o ige Kohle, wenn aus 10(1 kg Holz 
25, BO oder 70 kg Kohle gewonnen werden. Für 
25% Ausbeute wird das Holz in Je^fttiegenäpn, Ifür 
30*'/o ((lewehrjiulver) in drehharen einen len Zylindern 
über Kohlenl'euer geglühtj für 70 ^/o Ausbeute (für dm 
braune prismat. Pulver) mittelst Wasserdam[ff gedörrt. 

Die drei genannten Bestandteile, iler Kalisalpeter 
(KNOa), der Schwefel (S) und die Holzkohle (C) 
werden l'ür KnegHpnlver (Gewehr- und Geschützpulver) 
gewölmhcli in dem Verhältnis: 

75 Teilen Halpeter : 10 Teilen Schwefel : 15 Teilen Kohle 
gemengt; beim amerikanischen Militärpulver war das 
Verhältnis 76: 10: 14, in Deuschland war die Dosierung 
folgende: 

Gewöhnh Geschützpnlver | 74 gem. Teile 8al]}eler 
Prismatisches Pulver f'/ö^ jT6 t, ,, (25"/oige)KoliIe 
(^i'75|l0 „ „ Schwefel 

j 76 gem. Teile Salpeter 
Neues üewehrpnlverM/71 [ 15 „ „ (30"/oige) Kohle 

) 9 „ „ Schwefel 



'; 



- 14 — 

Ein Pul vor von ihr Zu.saiiuuens^okun^ 74,7 Sal- 
peter + 10,1 ScliweFel + 14^2 Kolile (Ije^toliend aus 
1^,1 Xohh?nstoff + 0,4 Waaserstoll -\- l.iri RauerstotT 
+ 0,a Aseht^i) H" l,c^ WasHer entsprirlit der Formel 
16 KNOs + T H +:J1 C und wir werden später sehen, 
dass auf Grund theoretischer Betrachtungen eine 
Mificlmng vc^n 16 KNO,« + 8 S + 22 C, welche also 
der vorstehenden empirischen Zusainniens^ietzung sehr 
nahe kommt, am besten der Anforderung cnte*priclit, 
bei möghehf^t kleinem Kohlenstoff' und Schwefel - 
gehalt die grössto Leistungsfähigkeit zu besitzen und 
den geringsten Rückstand zu hinterkisaen. 

(Das braune prismatische Gesehützpulver, mit dem 
wir uns später beschäftigen werden, liat eine andere Zu- 
sammensetzung, iiämHch : 

78 gem. Teile Salpeter 
19 „ „ {70 »/o Ige) Kohle 
^'^ ^ » Hcbwefel. 

Beim Jm/dpfdvf^r ninmit man mehr Kalfieter als 
bei dem Militärpulver, da man leichtere EntzütHllich- 
keit anstrebt; das Misebungaverhältnis ist hier ge- 
wöhnlich 78:10:12; für Jagdpulver verwendet man 
Rotkohle, die aus P'aulbaum- oder ähnlicliem Holz 
hergestellt wird und sich elier entzündet alrf Schwarz- 
kohle. 

Sprengindver soll möglichst billig wein, man ninnut 
daher weniger Salpeter; die Zusammensetzung ist 
eine wechselnde, 65 — 70 Teile Salf>eler, 12—18 Teile 
Schwefel, 15—20 Teile Kohle. 

Die Heratelluug des ScJiwarzpnlvers aus seinen 
drei Bestandteilen umfa^st eine lange Rr^ihe von 
Operationen, nämlich das ZerJdmimn der Bestandteile, 
das Mengen deraelhen, das Verdichten de8 Gemenges 
(des sog. Pul Versatzes), das Körnpn, das Trocknen an 
<ler Luft, das Amstänben und Sortier<m <los luftt rock neu 
Pulvers, das Polieren, das völlige Trovhnm df^s Pulvers 
und endlich das Attsatäuben^ Sortieren und Mengen des 
fertigen Pulvers. 



— 15 - 



Ziierst werdPM also die Rohstoffe (Salpeter, 
Schwefel und Kohle) möglichst zerMeine^'t und zwar 
jeder Rohstoff einzeln für sich oder aber je zwei Be- 
standteile zusammen (Salpeter und Kohle einerseits, 
Kohle und Schwefel andrerseits); das Zerkleinern er- 
folgt in hölzernen, mit SohUeder überzogenen oder 
aber in eisernen Piilverisior-Trommoln durch kleine 
Bronzekugeln. Die binären Sätze sijxd ho zusammen- 
gestellt, dass ihre Mischung ^ der ternare Satz ~ 
dann die gewünschte Zusammensetzung der Pulver* 
masse ergibt. Das Mmigen des Pulversatzes geschieht 
in sich drehenden Tronmieln aus dickem Sohlleder 
durch grössere Pockholz- oder auch Bronzokugeln. 
Die fertige Pulvermischmig mnss sich samnitartig an- 
fühlen, gleichmässig grau gefärbt and selbst unter der 
Lupe homogen erseheinen. 

Die einfache Mischung der drei feinpulvrigen 
Bestandteile heisst Mehlpulver; in diesem Zustand 
wird das Pulver nur in der Feuerwerkerei und zum 
Füllen von Zündschnüren verwendet; zum Sehiessen 
und Sprengen ist das Mehl(>ulver nicht geeignet, weil 
es zu langsam abbrennt, auch stäubt und sich ent- 
mischt; es muss daher gedkhtet und f/^kömt werden. 

Zunächst kommt das Pulver auf den Kollergang; 
l)oi diesem bewegen sich zwei Hartgusswalzen (sog. 
Läufer) von 5250 kg Geweicht mit eUnx 7^^2 Um- 
gängen in der Minute auf einer gusseisernen Boden- 
platte, dem sog, Teller, auf welchem das mit I0**r'o 
Wasser versetzte Pulver sich befindet; das Pulver 
wird angefeuchtet und andauernd feucht gehalten, um 
eine Explosionsgefahr zu vermeiden; aus letzterem 
Grimde ist auch die Konstruktion des Kollerganges 
derart, dass die Läufer aufgehängt sind, damit sie 
zwar mit vollem Gewicht auf dem Pulversatz auf- 
liegen, aber den Bodenteller nicht berühren. Die 
Läufer (auch „Steine" genannt) sind durch eine wag- 
rechte Achse verbunden und drehen sich gemeinsam 
um diese, sowie um eine in der Mitte zwischen ihnen 



— 16 — 

liegende Welle („Königsbaum"); sie können daher auf 
ihrer kreisrunden Bahn nicht einfach rollen, sondern 
werden zugleich gezwungen, fortwährend seitwärts zu 
gleiten: auf dieser Art der Bewegung beruht, neben 
dem beträchtliclien Gewicht und der Härte der Steine, 
wesentlich die zermalmende Wirkung der Läuferarbeit, 
— Früher bediente man sich statt der Läufer (oder 
Kollergänge) allgemein der weit weniger wirksamen 
Stampfer, die das Gemenge in einem mörserartigen 
Gefäss zerstampften. Die Behandlung in den Koller- 
mühlen, welche bei Militärpulver 3 Stunden, bei Jagd- 
pulver 3V2 — 4^/2 Stunden dauert, bewirkt eine noch 
innigere Mischung, allein sie dichtet noch nicht den 
Pulversatz, der im Gegenteil durch das Kollern spezifisch 
leichter geworden ist, sich dann aber besser pressen 
lässt; letztere Manipulation, das eigentliche V(rdichte7i, 
erfolgt gewöhnlich mittelst hydraulischer Pressen. 
Zu diesem Zweck wird der beim Kollern erhaltene 
Pulverkuchen zerkleinert („gequetscht") und gesiebt; 
es geschieht dies zwischen zwei Paar mit Längsrippen 
und -Rinnen versehenen Bronzewalzen nebst Zylinder- 
sieb, um einen möglichst gleichförmigen Satz für das 
Pressen zu erhalten (der für Neues Gewehrpulver 
M/71 bestinunte grobgequetschte Satz ^vird überdies 
in Mengtrommeln zerkleinert). Dann ^vird das noch 
feuchte Pulver auf Kupfer- oder Bronzeplatten zu 
9 cm hohen Lagen ausgebreitet, diese in grösserer 
Zahl übereinander gestellt und gepresst. Bei einem 
Drucke von 100 — 110 Atm. während l*/2 — 2 Stunden 
erhält das Pulver so eine Dichte von 1,7 — 1,8; für 
Sprengzwecke wird das Pulver weniger gepresst, das 
spez. Gewicht des Sprengpulvors beträgt nur etwa 1,5. 
Die erhaltenen gepressten Pulverkuchen werden 
zerschlagen und entweder durch Siebe gedrückt 
(Lefebure'sche Körnmaschine) oder zwischen längs- 
und quergeriffelten bronzenen Walzenpaaren (feköriit 
(Walzenkörnmaschine von Congröve); letztere arbeitet 
einfacher, staubfreier und gleichmässiger ; die Körnung 



- 17 



ist je nach der Verwendung verschiedeü. — Znr Her- 
stellung von rundem, sog. nas ab randigem Ptdver gibt 
man nach dem Körnen das Pulver in einen Sack, 
welcher auf eine Trommel aufgebunden W'ird; die 
Trommel wäkt sich mit dem Saeke aowohl um ,^ieh 
selbst als um einen Tisch herum. 

Bis heran wurde das Pulver feucht verarbeitet; 
mm wird dasselbe auf Hürden ausgeh reitet und in 
Trockenhäusern durch die Luft m weit getrocknet, 
dass es nur noch gegen 2,h~}i^lQ Wasser enthält^ 
grobkörniges Pulver wird bis /u l,:i — l,7,^°/o Feuchtig- 
keitsgehalt vorgetrocknet. Dieses luJUröckne Pulver 
w^ird dann ausgestäubt und diu-ch Siebe sortiert; der 
Staub ujid die zu grossen Körner kommen in die 
Fabrik zum Pressen, während das auf den verschiedenen 
Hieben befindliche Pulver je nach der Grösse Ver* 
Wendung findet. 

Hierauf wird das gekörnte Pulver in sich drehenden 
Eichenholztrommeln ohne durchgehende Welle poliert; 
es wird liiebei geglättet, die scharfen und leicht ab- 
brechenden Ecken werden etwas abgerundet, die 
Poren werden verstopft, die Oberfläche wird homo- 
gener und dichten Das polierte Pulver zieht w^eniger 
Feuchtigkeit an und setzt weniger Staub ab; das 
Polieren erfolgt^ indem man in rotierenden Trommeln 
aus Eichenholz die Pulverkörner sich gegen einander 
reiben lässt. Bei manchen Pulversorten, insbesondere 
Sprengpulver, gibt man beim Polieren eine geringe 
Menge fein verteilten Graphit zu; hiedurch wird der 
Glanz erhöht und die Oberfläche des Pulvers ver- 
dichtet, allerdings wird dadurch auch die Entzündlich- 
keit und die Triebkraft des Pulvers etwas beeinträch- 
tigt. Gegenwärtig liefern übrigens die grösseren 
Fabriken ein eckiges und nur schwach poliertes 
Sprengpulver, welches das frühere Erzeugnis an Halt- 
l>arkeit übertrifft. 

Nach dem Polieren erfolgt die vollständige 
Trocknung bis zur Verringerung der Feudi tigkeit 



r 



— 18 — 

auf 0,5^/0 des bisher nur lufttrocknen Pulvers in 
Trockenschränken, die durch Dampf oder Heisswasser 
auf 40 — 50^ C. erwärmt werden; durch diese künst- 
liche Trocknung werden die noch anhaftenden wenigen 
Prozente Feuchtigkeit beseitigt. Das trockne Pulver 
wird dann durch ^ '2 — 1 stündiges Schütteln in Säcken 
vom Staub befreit und hierauf nochmals sortiert. 
Die Korngrösse beträgt für 

feines Jagdpulver 0,3 — 0,5 mm 

Gewehrpulver M/71 0,3 — 1,3 „ 

Neues Gewehrpulver M/71 . . 0,76 — 1,6 „ 

feinkörniges Geschützpulver . 0,7 — 1,3 „ 

grobkörniges „ C/73 4,o — 10,o „ 

„ „ C/86 6 — 18 „ 

Das fertige Schiesspulver wird nun geprüft, d. h. 
beschossen; je nach dem Ausfall der ballistischen 
Prüfung vermengt man dann einzelne Tagesproduk- 
tionen zu Lieferungen von 5 — 10000 Kilo, um die bei 
der Fabrikation sich ergebenden unvermeidlichen 
kleinen Unterschiede in Bezug auf Zusammensetzung, 
Dichte, Feuchtigkeit auszugleichen. Das fertige Pulver 
wird dann in Tonnen oder luftdichten kupfernen 
Pulverkasten zu 52,5 bezw. 50 kg Inhalt verpackt» 

Die Korngrösse des Sprengpulvers wechselt 
zwischen weiten Grenzen, von etwa 1 — 10 mm, je 
nach den Wünschen der betreffenden Konsumenten, 
welche teils durch praktische Anforderungen der je- 
weiligen Gebrauchsweisen bedingt sind, teils aus 
Vorurteilen gestellt werden. Die am meisten ge- 
bräuchliche und beste Korngrösse für Sprengpulver 
liegt zwischen 5 und 8 mm. 

Die Wirkung des Schwarzpulvers überhaupt wird 
nicht allein durch das Mischungsverhältnis der Be- 
standteile bedingt, sondern auch durch die physi- 
kalische Beschaffenheit. Staubförmiges Pulver brennt 
langsam ab, gekörntes rascher,, und hier wieder fein- 
körniges, infolge der grösseren Zahl von Zwischen- 



— 19 — 



räumen, welche das Umsichgreifen der Flamme be- 
fördern, schneller als grobkörniges. 

Man muss übrigens unterscheiden zwischen der 
Entmndungsdaner, d. i, der Zeit, welche notwendig 
ist, damit die gansse Pulverladung sich entzündet, und 
der Ve7'brenmmgsdauery d, i. der Zeit, innerhalb welcher 
die entzündete l*ul Verladung abbrennt. 

I*t;i.l ^^4^ rs ort on 

■v^n Cramer&BuGhhnLz in Ruasuhl uod Rßbeliind. 






Deutsches Schvlbeupiilver 

(nasser Brand) 



ISo. *. 



No. ä. 
Extra bestes Jagdpulver 





No. aoo. 







No. 1. 



^0. 2. 



Kü. n. 



Militär-Pulver 





*5r**v*"r,^ 



Oewehrpitlver 
M/71 



öeBchütKpulver 



V^2f .<^i^> •;?••'• 

l%rR ^'5?£v' ••/••••• 
*i'^%; ,-^tff, /..;•,•,:« 



grob eckig 



femockig' 



rund 



Sprenir» 
Pulyer 



2* 



> 



(I 



i 



— 20 — 

Bei gekörntem Pulver ist die Kiitv^ünJun^iridauer 
Vf^rbältnismässig lang, wf^nn wir feinkörniges Pulver 
haben, da die 7.\x PntKündeude ftesinntnberdäche gross 
ist; so kommt es, <lass bei starken Ladungen dm 
feinen Körner nicht einmal alle entzündtt, sondern zum 
Teil un verbrannt aus dem Puhr geschleudert werden. 
Durch grösseres Korn wirrl die Enfzüjninngsdauer he- 
Kchleunigt; dHgegen wird die \'t^rbrrmnnigKdauer rhircdi 
grösseres Korn und grös.sere Dichte verlangsamt. 

Hieraus erklärt siefi die Wirkungsweise ver- 
schiedener KOrnergrÖssen^ dieses Verhalten ist be- 
sonders wichtig bei Kanonenpnlver, wo für jede Rohr- 
länge und j eil es Geschül/kalihnr eine bestimmte 
Pnlvei.'lathmg von gewisser K<»riigri)sse hei geringstem 
(lasdruck die gröbste Aui'augsgescluvindigkeit ergeben 
muss. 

Im Kriege 1870/Tl verfeuerten die deutschen 
Feldgeschütze noch feinkörniges Deschützpulver; als 
man das Feldgeschütz Konstruktion 7*i einführte^ 
ging man zu einem grobkoringen Gcsciiützpulver von 
4 — 9 mm Korngrösse über. 

Das aus der Kanone gefeuerte Tleschuss soll für 
manclie Zwecke eine mögliclist grosse lel>endige Kraft, 
Stosskraft, erhalten. 

Diese Stosskraft ist ein Kaktor des Gesclioss- 
gewichtes P und der Fhiggcsclnvindigkeit r; sie kami 

F r- 

durch die Formel -r— ausgedrückt werden, bei 

welcher // die liösebleunigung duroii die Schwerkraft 
(^MS m) liarstellt; bei gleiclain (Jeschossgewicht i' ist 
also die aus der Pulverladung sich ergehende l'lug- 
gesell windigkeit v ausschlaggebend. 

Will man uun durch einfache Vermehrung der 
Pulverladung die Fluggeschwindigkeit des Gescliesses 
steigern, so ist i^u berüeksiclitigon, dass auch der Gas- 
druck heim vW^feuern Kiininnnt; man niuss also <leni 
Geseluitzrohr die dem vermehrten (iasdruck cut- 



I « 



— 21 — 

8prech<?nde Widerstanrlsiähigkeit f!:ebeii, stösst jedoch 
hiebei bald auf eine tt^rlinisch «iurt^hführbiire Grenze. 
Jedenfall?? erscheint et^ notwendig, den Gasdruck 
im Geschütz ku messen ; wir geben lieschreibung un<l 
Zeii'linung der bio/ai orfundenf^n Apparate naeli 
('anStner. Den ersten (Taiii(lru<'kmewser erfand der 
amerikanische Ka]>itän Rodmann; seinem Instrument 
liegt der Gedanke ku Grunde, durch die Pulvergase 
ein Messer von bestimmten Schneidenwinkeln in eine 
Kiipf erplatte eindrücken au. lassen, wodurch in dieser 
ein Rcliuitt (weshalb man den Apparat auch Schnitt- 
apparat genannt hat) erzeugt wird, dessen Länge mit 
der Grösse des (lasth'uekes wäehiüt. Zur Ermittlung 
des <Täsdruckes nach dem Masse der Kchnittlänge 
dient eine Skala von Schnitten, deren jeder unter 
einem bestimmtem Druck mittelst einer iVJafti^hine 
hergestellt wurde. 




Fig. 2. Gasdruck messer E od mann. 



Der llodmann'sche Schnittmesser (Fig. "2 und '^) 
besteht aus einem stählernen Meissel oder Messer a 
mit pyramidenförmiger Schneide, deren Hcitenfläcben 
und Kanten bestimmte Winkel mit einander bilden. 
Bei Uolu'on mit Keil verschluss (Fi^. :^) wird das 
Messf^r in eine krei^rtnide Ansdrehnug an der Vorder- 



— 22 — 

fläche des Keiles d so eingesetzt, dass sein walzen- 
förmiger Zapfen oder Schaft von 9,i5 mm Durch- 
messer in einer Durchbohrung der Stahlplatte c liegt ; 
er passt saugend in diese hinein und wird durch eine 
mit Talg gefüllte Rille abgedichtet. Da der Quer- 
schnitt des Zapfens 0,65? qcm beträgt, so üben bei- 
spielsweise 2500 Atmosphären (lasspannung im Rohr 
einen Druck von 1642,5 kg auf seine Endfläche aus. 
Dieser Druck presst die Schneide des Messers in die 
hinter ihr liegende Kupferplatte b hinein und bringt 
so den Schnitt (Fig. 2) hervor, der mikroskopisch 
gemessen wird. 




Fig. 3. Gasdruckraesser Rodmann. 



Auf einem ähnlichen Prinzip beruht der Stauch- 
apparat des englischen Kapiläns Noble, bei welchem 
ein Zylinder von bestimmten Abmessungen aus Kupfer 
um ein, der (i rosse des Gasdrucks ents])rechendos 
Mass zusammengedrückt wird. 

Bei dem Noble'schen Stauchmesser [crusher gauge] 
(Fig. 4) bewirkt der stählerne Stempel a, auf dessen 
Endfläche die Pulvergase drücken, die Verkürzung 
(Staucliitng) des hinter ihm im Centrier-Ring c ge- 
lagerten kupfernen Zylinders h\ die Stempel werden 



- 23 — 

m 2 Grrössen angewandt, der Druck einer Atmosphäre 
entspricht dabei einem, hezw. bei dpin kleinen Stempel 
einem lialben Kilogramm, 

Der Stauchmeaser wird im Verschluss oder auch 
an anderen Stellen des Rohres angebracht; nm alle 
Form Veränderungen im Rolvr und Verschluss ent- 
behrlich zu machen, hat man auch Btauchraesser 
konstruiert, welche in die Kartusche eingelegt 
werden {das sog- Krupp'ache Mess-Ei oder Mitflieger); 




Fi^. 4. Noble s (lasilnickmesHer fllr GesclifUKe, 



dieser Messer besteht im wesentlichen ans einer Stahl- 
kapsei mit Versclilns.sschraube, welche von einem 
Kupfermantel umgeben ist. 

Um die stossartige Wirkung der Tu! vergase mög- 
lichst auszuschalten , werden bei den Stauchmess- 
Apparaten die Kupferzylinder vor der Verwendung 
unter einem bestimmten Druck maschinell vorge- 
presst, 80 dass die Pulvergase dann nur noch eine 
geringe Stauchung zu bewirken haben; z. B. für 
2000 Atmosphären Gasdruck würde die Verkürzung 



I 



— 24 — 

1,71 mm betragen; man presst bei 1600 Atmosphären 
vor, Stauchung: l,2i mm, die Verkürzung beim 
Schuss beträgt dann nur noch die der Differenz ent- 
sprechenden 0,50 mm; oder man presst bei 2000 
Atmosphären vor, die (Grösse der Stauchung beträgt 
dann etwa noch l,o mm. 

Auch dieser Stauchapparat wird ähnUch wie der 
Schnittapparat in der Vorderfläche des Verschluss- 
keiles angebracht, bezw. seitlich am Gewehr. 



bStempel 

a Staucbejlinder 




Fig. 5. Noble's Gasdruckmesser für Gewehre. 



Wir haben erwähnt, dass wir die Pulverladung 
nicht beliebig vergrössern können, weil mit dieser 
Vergrösserung auch der Gasdruck zunimmt und 
schliesslich das Geschütz den Druck der Pulvergase 
nicht aushalten würde. Aus diesem Grunde war es 
nicht möglich, dadurch eine wesentlich grössere 
lebendige Kraft des Geschosses zu erzielen , dass 
man die Pulverladung einfach vermehrte; der ge- 



mmm 



— 25 



wünschte Effekt Hess sich aber erreichen, als man 
sieh bemühte, statt eines plötzlich abbrennen den, 
sog. offensiven Pulvers, ein möglichst langsam ver- 
brennendes Pulver anzuwenden. 

Nehmen wir an, das Pulver verbrennt mit ex- 
plosionsartiger Schnelligkeit und ist vollständig ver- 
brannt, bevor das Geschoss seine Bewegung im Ge- 
scliützrohr begonnen hat, so besitzen die Pulvergase 
in diesem Augenblick die höchste Spannung; diese 
Spannung nimmt fortdauernd ab, je weiter das G<?- 
schoss i^,ur Mündung fortgleitet, weil die Gase den 
sich beständig vergrüssernden Raum in der Heele 
ausfüllen, auch einen Teil ihrer lebendigen Kraft als 
Wärme an GesehütK und Geschoss abgeben. Im 
Augenblicke des Hinaustretens des Geschosses aus 
der Mündung ist somit die Gusspannung und Arbeits- 
kraft der I*ul Verladung, welclie für die Fluggeschwindig- 
keit und Durchschlagskraft massgebend ist, am ge- 
ringsten und jedenfalls geringer — und zwar uju so 
geringer, je länger das Geschützrohr ist — als die 
Anfangskraft der Pulvergase war, welche das Geschoss 
im Ladungsraum in Bewegung setzte und in die 
Züge presste. 

Nehmen Mnr dagegen ein Pulver, welches nicht 
plötKliidi, Hondorn so langsam verbrennt, dass es erst 
in dem Augenblick sich vollständig in Gas auf gelost 
hat, wenn das Geschoss die Mündung verlässt, so 
können wir den Vorgang uns derart denken, da.ss 
niit dem Fortschreiten des Geschosses im Rohr der 
liinter ihm wachsende Raum durch di«^ sich alhnäblich 
entwickelnden Pulvergase ausgefüllt wird, so etwa, 
dass die Gassi>annung vom Beginne der Entzündung 
bis zum Austritt des Geschosses sich annähernd gleich 
bleibt oder gar steigt. Es leuchtet ein, dass auf diese 
Weise bei gleich hohem Gasdruck im Ladungsraum 
eine viel grössere Anl'angsgeseh windigkeit iür das 
Geschoss erzielt werden muss, als mit plötzlich ver- 
brennendem, sog. offensivem Pulver, bezw. dass zur 



— 26 — 

Erziel ung einer gleich grossen Anfangsgeschmndigkeit 
rles (reschosses bei langsam verbrennendem Pulver 
der Gasdruck im Ladungsraum wesentlich geringer 
ist, man also grössere Pulverladungen anwenden kann, 
um Anfangsgeschwindigkeit und lebendige Kraft zu 
steigern, ohne das Geschütz zu gefährden. 

Die Aufgabe bestand also nach Erkenntnis der 
Hacldage darin, ein nükjUehM hingsmn verhrennetides 
Pulver für alle diejenigen Geschütze zu finden, bei 
denen die Durchschlagskraft der Geschosse mögliehst 
gross sein solh 

Die Not\vend]gkeit, den Geschossen eine grössere 
Durchschlagskraft zu geben, machte sich zuerst im 
amerikanischen Bürgerkriege geltend ; sie war eine 
Folge des Auftretens gepanzerter Kriegsschiffe. Wäh- 
rend die französischen Revolutionskriege mit ihrem 
plötzlich gesteigerten Pulverliedarf sehr zur Vervoll- 
konumuuig rier ma^Jclvinellen Einrichtungt^n der Pulver- 
labrikation beitrugen, und wilhrend der Krim -Krieg 
die bis dahin gebräuchliche Gewinnung des Salpeters 
in Salpeter-Plantagen beseitigte und die Fabrikation 
des Konversions-Salpeter im (lefolge hatte, so hat 
auf der andern Seite der amerikanische I^rgerkrieg 
respektive die Einführung der gepanzerten Schiffe in 
diesem Kriege, das gepresste Pulver entstehen lassen. 
Die Entwickhmg war folgende: der amerikanische 
Artillerie- Kapitän Rodmann hatte bei den mit seinem 
Oasdruckmesser ausgeführten Untersuchungen ge- 
funden, dass die Gassj^annung bei der I Detonation 
mit dem Grösser werden des Pulverkornes abnimmt; 
er führte daher, um stärkere Pulverladungen olme 
Gefahr für die Geschütze verwenden zu können, statt 
des bisher übliclien feinkörtiigtm Geschützpulvers ein 
grösskornige.^ das aog, Maninuith-Pulver im Jahre 1862 
in Amerika ein. Dieses Mammuth4'ulver bestand aus 
uuregelmässigen, klumpenartigen Körpern von 15 bis 
22 mm, später sogar bis 26 mm (2,6 cm) Durchmesser. 
Allerdings konstatierte Hodmann, dass durch die Ver- 



" 27 — 

grösserung des Pulverkornes die dem Geschosse mit- 
geteilte lebendige Kraft etwas verringert wird; indessen 
konnte dieser Uebelstand dadurch mehr als ausge- 
glichen werden 5 dass man die Pulyerladung vermehrte, 
was ja durch die geringere GasBpannung des Mammuth- 
Tnlvers bis zu einem gewissen Grade ermöglicht 
wurde ; immerhin waren die Erfolge mit dem MarnnmÜi- 
Pulver nicht svhr bedeutend ; auclj wurde durch die 
imgleiche Korngrösse des Mammut li-Pulvers die Treff- 
sicherheit sehr beeinträchtigt. — 

An dieser Stelle müssen wit nun zunächst kur^ 
erwähnen, wie die dem Geschosse von den Pul ver- 
gasen milgeteihe lebendige Kraft eigenüich gemessen 
wird ■ es gescliielit dies durch Messen der Fhigge- 
sch^vTLidigkeit r, aus welcher nach der früher ange- 
gebenen Formel 

P . v^ 
lebendige Kraft = —r— — 

die Durchschlagskraft bereelmet werden kann. 

Die Aufgabe besteht also <larin, die Fluggeschwin- 
digkeit zu messen; hiezu iiat der belgische Kapitän 
Lft Boidenge einen Apparat eriunden, den Fhigmie^i- 
messer (Ohronograph), der sich heute fast überall im 
Gebrauch findet und von welchem wir Abbildung und 
Beschreibung einem Aufsatz von J. Castner im „Pro- 
metheus" entnehmen. (Fig. 6.) 

Die Einrichtung des Flugzeitenmessers beruht auf 
dem Gedanken, die Zeit, welche ein Geschoss zum 
Durchfliegen einer bestimmten Strecke, zum Beispiel 
von 50 m, gebraucht, an dem Wege zu messen, den ein 
frei fallender Körper in derselben Zeit zurücklegt. 

Vor dem Geschoss sind in einem Abstand von 
50 Meter unter sich zwei Gitterrahmen aufgestellt, 
welche mit dem Messapparat durch elektrische Leitupg 
verbunden sind. Diese Leitungen werden nun nach- 
einander unterbrochen, so wie das Geschoss durch 
die beiden Rahmen hindurchfliegt. Sind beide Strö- 
mungen geschlossen, so beginnt der Flugzeitenmesser 



'.^.^i^m 



— 28 — 

in rlem Augenblick zu fallen, in dem das Geschoss 
einen Draht im frsteii Uitterrahiiien zerreisst; sobald 
das Cieschnas den ztrf4ten Gitterralinien [jassiert, fällt 
ein kleines Gewiojit, dadurch winl oine Nase ausge- 
hoben, ein Messer selniellt vor und j^chlägt mit seiner 
Schneide eine Marke in die obere Zinkliüke des vor- 
beifallenden rhigzeitenmesöerH. Je Hehneller also das 
Ge.s^'hoss die beiden Uahnieu durelieilt, um so näher 
liegt die vom Messer eingeschlagene Marko dem un- 
tern Rand der Zinkhülse. I>i*? Fluggesehwiudigkeit 
würde sieh einhich aus der Hohe *ler Hchussniarke 
über dem Xullimnkt berecljiien latinen, weini sieh der 
Flugzeitenmesser genau in dem Zeitpunkt cler Stroni- 
uuterbrechung liVste und das Messer gejiau i\i dem 
Augeubliek die Schussmarke einseh lüge, in dem die 
zweite Leitung unterb rochen wird. Da dies nicht der 
Fall ist, so müssen die liiefnr verbrunehten Zeiten 
— die Summe derselben wird durch gleichzeitiges 
Unterbrechen beider Stn>me auf dem Flugzeitenmesser 
angezeigt — in Rechnung gebogen werden. 

Man hat für eine Reihe von Fluggesclnvindig- 
keiteu die Höhenlage der Scluisainarken über dem 
Nullpunkt berechnet und in einer Tabelle zusannuen- 
gestelltj aus welcher mau die Mnggeschvvindigkeit 
nauh dem gemessenen Abstand der Sciuissmarke vom 
Nullpunkt ohne w^eiteres ablesen kann. 

CasMer erwähnt noch, das!< man das Messbäusehen 
nicht zu entlernt (etwa ä*KJ Meter ab) hinter dem 
(lescluitz aufstellen solh damit die Leitungen eher 
durchschossen werden, bevor die öehallwelleu dos 
Schusses, deren Er,scluUterung das Abfallen des Flug- 
zeiteumesBers bewirken würden, dortbin gelangen. 

Ein neuerer und in mancher Hinsicht verbesserter 
Flugz(!itenmöHser ist von Ba^hjorth konstruiert. 

Zum Messen der Geschwindigkeit von Gewehr- 
gi'Sühossen wird quer vor der Mündung der Waffe 
mittelst Klemmvorrichtung ein dünner versilberter 
Kupierdraht angebnu^ht, deu da,y Oeschoss beiai 



- 29 - 




Pm 



bß 



— 30 ~ 

^^ehiiss zerreisst, wodurch Her eine Stromkreis \inter- 
broehen winl. In bostinimter Entfernung veu der 
Mündung (in der Uegel 50 m) ist eine Stahl platte 
(Hclieihe) aufgehängt, die sieli inj Kuhexustand gegen 
zwei Kontakte lohnt und so den an< leren Stromkreis 
schhesst; das gegen die Scheibe schlagende Geschoss 
hebt sie von den Kontakten ab unri unterliricht damit 
den zweiten Stromkreis, 

Von Oberleutnant v. Bftrf/sfJurf einerseits, Prof. 
Dr. Woljf* andrerseits sind Apjiarate konstruiert, bei 
welchen statt des vor r!er Gewehrnniuduug ange- 
brachten Drahtes durch <lie Lufterschütteruug beim 
Scliuss der Strom unterl »rochen wird. 

Das Mammuth' Pulver von Bodnmnn genügte, 
wie erwähnt, den neuen Anforderungen nocli nicht; hei 
der weiteren Aasarbeitung des Problems erinnerte 
man sich, dass der Italiener Paolo di San Roberto 
bereits im Jahre 1852 vorgeschlagen hatte, das Pulver 
bei etwa 100 " zu pressen, so dass der bei dieser 
Temperatur erweichende und plastiscli werdende 
Schwefel es zu einer festen Masse vereinigte. 

Der Vorschlag von Bohertü hatte <hinmls keinen 
praktischen Krfolg, weil das von ihui versuchsweise 
hergestellte gepresste Pulver gar zu langsam abbrannte 
und man nichts damit anzulangen wuaste. 

Zehn Jahre siiater suchte man huigsain ver- 
brennende Pulversorten; die ^'ergrösserung des Pulver- 
kornes allein hatte nicht genügt, man hemühte sich 
also, das gekernte Pulver durch fVesseu noch dkhter 
zu machen, denn die Verbrennungsgeschwindigkeit 
steht genau im umgekehrten \'erhältnis zum spezifi- 
schen (rewiclit. — Zum Pressen des Pulvers gritl[ man 
zunächst auf das oben erwähnte ^'erfail^eu von iiV 
hf'rto zurück, flann wiesen Daremus und Bmft in New- 
york nach, tlass sieh das Sehwarz|>ulver ohne den 
Schwefel zum Sdunelzen zu bringen rhircli einfaches 
Pressen unter genügendem Druck zu festen Blöcken 
komprimieren lasse. Dieses in Formen gepresste 



- 31 — 

Schiesspulver erwies sich für die Zwecke Eodmann'^ 
als sehr geeignet. 

80 entstand das pri Bmatische Pulver, indem ge- 
körntes Schwarzpulver io 6 eckigen Formen durch 
hydraulische Pressen komprimiert wurde. Die Prismen 
erhielten bei ihrer Herstellung durch geeignete Kon- 
struktion der Presse sieben in der Länge durch- 
gehende Kanäle; diese Durchbohrungen ermöglichen 
ein gleichzeitiges Verbrennen des Frismen-Fulvera 
von Innen und Aussen und sorgen dafür, dass die Ver- 
brennungsgeschwindigkeit nicht zu sehr herabgesetzt 
mrd ; immerhin geht das Verbrennen noch viel weniger 
rasch vor sich als das Verb reimen des Kornpulvers. 




cm 



Fig. 7. 

Vom prismatischen Pulver wurde, wie schon er- 
wähnt, zuerst im amerikanischen Bürgerkriege Ge- 
brauch gemacht ; dann wurde dasselbe durch I)m*mim 
in Russland in grossem Massstabe eingeführt. Denn 
auch in Europa wurde die Frage, den Geschossen 
eine grössere Durolisehlagskraft zu geben, durch die 
Aufgabe, die neu entstandenen Panzerschiffe und die 
zunehmende Stärke ihrer Panzer zu bekämpien, aktuelK 
Preussen hatte im Jahre 1864 während der Belagerung 
von Düppel sich mit seinen gezogenen 15 cm Kanonen 
und Anwendung des alten Pulvers erfolglos bemüht, 
das dänische Panzerschiff Rolf Krake au beschiessen. 



— 32 - 

Im Frühjahr 1868 wurde dann bei einem Ver- 
suchsschiessen in Tegel der grosse Wert des pris- 
matischen Pulvers für die Erhöhung der Durchschlags- 
kraft festgestellt und es wurde für 15 cm und grössere 
Kanonen das prismatische Pulver C/68 eingeführt. 

Dieses wurde aus Kornpulver durch einen Druck 
von etwa 4500 Kilo auf den Dem hergestellt und 
hatte ein spez. Gewicht von 1,62 bis 1,66. 

Die sechsseitigen Prismen haben eine Höhe von 
25 mm, eine Seitenlänge von 20 mm. Ein Prisma 
wiegt 38,1 gr. und hat sieben schwach konische Ka- 
näle, welche im Mittel 4,5 mm weit sind. 



^ 35-^ 




C/75 (schwarz) 
C/82 (braun) . 



Fig. 8. 

In den Geschützen von 28 cm und von noch 
grösserem Kaliber verbrannte dieses Pulver noch zu 
schnell ; zur Verlangsamung ersetzte man im Jahre 
1875 die 7 Kanäle durch einen Mittel-Kanal von 
10 mm Weite. 

Das Pulver C/75 hat im Uebrigen die gleichen 
Abmessungen wie das Pulver C/68, jedoch ist es 
stärker gepresst und hat ein spezifisches Gewicht von 
1,75; ein Prisma wiegt 43 gr. 

Einige Jahre später brachten die Rheinisch- West- 
fälischen Pulverfabriken (Heidemann) und die Rottweil- 
Hamburger Pulverfabriken (Duttenhofor) das braune 
prismatische Pulver C/82. 



- 33 - 

Dieses Pulver besteht, wie das SchwarKpulver^ 
aus Salpeter, Schwefel und Kohle, unterscheidet sich 
aber von dem Sohwarzpulver durch geriugereii Seh wefeh 
gehalt, sowie durch die Beschaffenheit der Kolde, 
welche nur bis zur chokohidebraunen Färbung destilliert 
wird und reich au empyreumatischen Stoffen bleibt. Die 
Herstellung ist nicht r!nrch Patente in Deutschland ge* 
schützt, sondern Fabrikgeheimnis. Nach einem eng- 
lischen Patent von Heidemann soll die Zusammensetzung 
79 "Vo Salpeter 
3«/o Schwefel 
18**/^ aus Stroh hergestellte Kohle betragen. 

Das braune prismatiache Pulver wird in Gseitigen 
Prismen von ca. 25 mm Höhe und einem Durch- 
messer von 40 mm (zwischen zwei einander gegen- 
überliegenden Ecken gemessen) mit einem mittleren 
Kanal von 10 mm Weite hergestellt. Die einzelnen 
Prismen haben ein Gewicht von 42—45 gr und ein 
spezifisches Gewicht, das zwischen \,lb und 1,8^ variiert. 

Eine grössere Anzahl dieser Prismen wird in 
seidenen Beuteln zu Kartuschen vereinigt. 

An der Luft angezündet brennt das braune Pulver 
sehr langsam ab, ohne zu explodieren* 

Die Verbrennnngsprodakte sind einfacher Xatur 
und enthalten eine verhältnismässig grosse Menge 
Wasserdampf, welcher teils von dem grossen Wasser- 
gehalt des fertigen Pulvers herrührt, teils von dem 
Wasserstoff, der sich in erheblicher Menge in dem ver- 
wendeten, seh wach verkohlten Holz oder Stroh befindet. 

Der Pulverdampf dieses Pulvers unterscheidet sich 
hinsiclitlich der Menge nicht wesentHch von dem des 
Schwarzpulvers, aber er verschwindet sehr viel sclmeüer, 
indem die fein zerteilten Kalisalze, welche den Rauch 
bilden, von dem umgebenden Wasserdampf schnell 
absorbiert werden und der liaueh wegen des geringeren 
Schwefelgehaltes weniger zähe ist. 

Die Herstellung des prisnuitischen Pidvers erfor- 
dert wegen der zu erzielenden Dichte einen starken, 



— 34 



länger andauernden Druck und möglichst gleichmässige 
Pressung; am besten eignen sich hiezu hydraulische 
Pressen nach Gruson. Das zur Pressung kommende 
1 »raune Pulver ist in der Regel bis zur vollendeten 
Körnung auf gewöhnliche Weise hergestellt und wird 
nach dem Pressen dadurch getrocknet, dass man die 
Prismen, auf Draht gezogen, in die Trockenkasten bringt. 
Dieses braune prismatische Pulver C 82 — dessen 
Erfindung nebenbei bemerkt wohl den Anstoss zu der 
späteren Vereinigung der beiden vorgenannten Fab- 
riken zur späteren Firma „Vereinigte Köln- Rottweiler 
Pulverfabriken" gegeben hat, ergab bei den Schiessver- 
öuchen bei vermindertem Gasdruck eine höhere Geschoss- 
geschwindigkeit als das schwarze prism. Pulver C/75. 









a 1 

II 




i 

Q 




1 

s 


Lebendige Kraft 
des Geschosses 


Total 


per 

kg 

Pulver 


per 
Atmos- 
phäre 
Rod- 
mann 




kg 


kg 


m 


in Atmosp 


liären 


850 


in Meter-Tonnen 


C/82 
C/75 


39 
39 


140 
140 


481 
490 


1935 
2680 


745 


1975 
2825 


1648 
1713 


42,» 
43,9 


0.85 
0.64 


C/82 
C/75 

C/82 

C/75 


40 
42 


140 
140 


499 
497 


2130 
2830 


700 


2150 
2905 


755 


1776 
1761 


42,8 

44,0 


0.83 
0.62 


45 
40 


140 
140 


519 
506 


2365 
3035 


670 


2380 
2970 


590 


1922 
1827 


42,7 
45,7 


0.81 
60 


C/82 

C/75 


48 
42 


96,5 
96,5 


606 
607 


2320 
3035 


715 


2255 
3015 


760 


1810 
1814 


37,7 
43,2 


0.80 
0.60 



— 35 — 

Die <3sterreicliischen ,, Mitteilungen über Gegen- 
stände des Artillerie- und Genieweaena'*, herausge- 
geben vom k, und k, technischen und administrativen 
Mililür-Comit^, haben in Heft XTI des Jahrgangs 1882 
vorstehende Tabelle zusaanmenges teilt über ver- 
gleioheode Vorsuche, die untf^r Benützung des gleichen 
Geschützes mit dem neuen Pulver C/82 und dem 
früheren Pulver Cjlb angestellt wurden- 

Die angeführte Zeitschrifi bemerkt hiezu: 
,J)ie gefimdenen Zahlen zeigen, dass 

1) das neue Pulver C/82 bei derselben Geschoss- 
geachwindigkeit rimd 700 Atm. weniger Gas- 
druck erzeugt als das prisnnitische Pulver C/75* 

2) das Pulver C 82 per Atmosphäre Gasdruck um 
33.% mehr lebendige Kraft ergibt als C/75. 

3) mit dem Pulver C 75 für 3^'k Kahber lange 
2L cm Granaten von 140 kg Gewicht eine 
Geschwindigkeit von 500 Meter nur bei ver- 
gleiohsw^eise sehr hohem Druck erreicht werden 
kann, während das neue Pulver diese Ge- 
schwindigkeit bei verliältnismäasig niedrigem 
Drucke erzeugt. 

„Wl^hrend für das Pulver nach bisheriger Anfer- 
tigungsmethode die Ladung von 4^} kg mit Rücksicht 
auf den Gasdruck schon etwas zu hoch bemessen sein 
dürfte, läaat aich mit Pulver C/82 die Ladung unbe* 
denklich bis zu 48 kg steigern, indem der Gas- 
druck nach dem Rod mann Apparat nur 26 IT) Atmos- 
phären, nach dem Stanch-Apparat nur 2570 Atmos- 
phären erreichte. Die Anfangsgeschwindigkeit des 
140 kg schweren Geschosses stieg dabei bis auf 
537 Meter. 

„Der Versuch bestätigte auch noch andere gün- 
stige Eigenschaften des Pulvers C/82 und zwar 
1) vergleichsweise gabiffe Rauchbildung, 
2] langsame Verbrennung in nicht geschlossenem 
Räume. 



— 36 — 



^,E3 wurde bei dem Versiiclie mit Beifall be- 
merkt imd hervorgehoben, dass das Pulver CiB2 
weniger und dünneren Rauch erzeugt, als das Pulver 
C/75. 

„Diese Eigenschaft ist selbstverständlich von 
liöchstem Werte, da — wie dies auch letzthin bei der 
Beschiessung von Alexandrien der Fall gewesen — 
ein sich langsam zerteilender Rauch dm Thätigkeit der 
Geschütze zeitweise hemmen kann, 

jjEin Pulverkorn C/82, frei angezündet, brennt 
nichts wie Pulver C775 und C/68 momentan, mit Ex- 
plosion zusammen, sondern langstun, mit seht^ner, 
roter Flamme. Ein zugeschraubter Kasten, enthalten<l 
55 kg Pulver C.82 wurde entzündet; das Pulver brannte 
in ca. 10 Sekunden ohne jede Detonation ab. Nach 
der Verbrennung zeigte sich, dass der zugeschraubte 
Deckel gelöst war^ ohne jedoch seinen Platz verändert 
zu haben; er lag noch auf dem Kasten mid war mit 
Ausnahme leichter Ankohhmg vollständig erhalten; 
ebenso war der Kasten selbst ohne jede Beschädigung. 
Audi diese Eigenschaft des Verbrennens ohne Ex- 
plosion ist in vielen Fällen für die \'erwendung von 
Pulver von grossem Werte. 

Ein weiterer Vorzug des Pulvers C/82 ist der^ 
dass es viel langsamer und in erheblich geringerer 
Weise Feuchtigkeit anzieht als das bisherige Piüver. 
Diese Eigenschaft ist für die Lagerung in den Ma- 
gazinen von erheblichem Vorteil/' 

Soweit der Bericht in der österreichischen Zeitschrift. 

Die geringere Hygroskapazität ist noch v. Romocki 
wold einerseits der schwach gebrannten Kohle, andrer- 
seits der hohen Dichte von 1,870 des Pulvers ü'S2 
zu verdanken. 

Auch die Firma Krupp hat eingehende Versuche 
mit dem prismati^i-hen Pulver (P, P.) Konstruktion (C) 
S2 ausgeführt und zwar in Geschützen von 30 Kaliber 
langen 21 cm Mantel-Ringkanonen No. 115 (Ij 30 also 
30X21 cm = 6ß m RohrUtnge) mit folgendem Resultate : 



- 37 











is 


*. 


Lebendige Kraft des Ge- 


a ^ 


g 


bfi 


•*s 


Geschoss- 


•3 "5 


1. 
II 


schosses an der Mündung 


"O 03 

II 
1« 


^g 


6 

1 




perkgr 


p. Atmosphäre 


1a 


08 

3 

1 


1 


a 


•1.9 

'S 

1 


öS 


BP* 


Total 

P. V« 


Pulver 

P. V* 


Gasdruck 

«"•- stauch, 
mann- 

^ apparat 
apparat 


II 


O 


2g 


2g, l 








Pulver- 
























sorte 


kj 




kß: 


Meter 


Meter-Tonnen 


Atmosph. 




39 


^ 


140 


477,, 


481 


1648 


42,, 


0.85 


0.83 


1935 


1975 


P.P. 


42 


S 

C5 


140 


495,, 


499 


1776 


42,. 


0.83 


0.83 


2125 


2115 


C/82 


45 


Im 

tu 


140 


515,, 


519 


1922 


42,7 


0.81 


0.81 


2360 


2830 




48 


i 


140 


533,1 


537 


2057 


42,9 


0.79 


0.80 


2630 


2570 




48 


CO 


96,5 


600,9 


616 


1868 


38,9 


0.79 


0.79 


2355 


2340 


P.P. 




11 






















48 


96,8 


605,0 


611 


1838 


38,3 


0.79 


0.81 


2335 


2270 


C/82 




«1 






















48 


96,5 


600,8 


606 


1810 


37,T 


0.78 


0.80 


2320 


2255 




33 


0) 


140 


441,1 


447 


1428 


43,« 


0.66 


0.63 


2170 


2255 


P.P. 




§ 






















39 


O 


14C 


486,4 


490 


1713 


43,9 


0.64 


0.63 


2685 


2820 


C/75 


























40 


1 


140 


493,« 


497 


1761 


44,0 


0.62 


61 


2830 


2900 




40 


1 


140 


502,4 


506 


1827 


45,T 


0.60 


61 


3035 


2970 


P.P. 




? 






















40 


^ 


138, 


506,0 


51C 


1839 


46,0 


0.56 


0.59 


3255 


3130 


C/75 




S 






















42 


1 


96,5 


601 


607 


1814 


43,, 


0.60 


0.60 


3035 


3015 



Auch mit der 25 Kaliber langen (L/25) 40 cm 
Kanone wurden bei Krupp vergleichende Schiessver- 
suche angestellt; diese ergaben folgende Resultate: 



— 38 — 

P. P. C/?5 P. P. C/82 

Pulverladung 220 kg 210 kg 

Gewicht der Granate 778 kg 801 kg 

Gasdruck (im Stauchapparat) 3182 Atm. 2670 Atm. 

Anfangsgeschwindigkeit 519,1 Meter 516,5 Meter 

Lebendige Kraft 10685 Metertonnen 10893 Metertonnen 

Es leistete also ein Kilogramm Pulver 

oder (auf den Gasdruck umgerechnet) leistete eine 

Atmosphäre Gasdruck 

C/75 : 3,35 Metertonnen 1 r,„ „v,_^ on/ o/ 
C/82 • 4 07 I ^^^^^^ "1/2 7o. 

Der geringere Gasdruck des braunen prismatischen 
Pulvers C/82 gestattete zur Erzielung grösserer leben- 
diger Kraft eine Vermehrung der Ladung ohne grössere 
Anstrengung des Geschützrohres ; da aber dement- 
sprechend der Ladungsraum entsprechend vergrössert 
werden musste, und man das Verhältnis des Lade- 
raumes zur Seele des Geschützes 1 : 6 als zweckmässig 
erkannt hatte, so hatte das prismatische Pulver die 
Verlängerung der Geschützrohre zur Folge; von L/22 
bis L/25 ging man zu L/35 und L/40, ja bis zu L 45 
und L/50 Rohrlänge über ; die Artillerietechniker der 
Firma Krupp erklärten, dass eine richtige Verwertung 
des P. P. C/82 Rohre von mindestens 45 Kaliber 
Länge erfordern ; man hielt sich jedoch aus äusseren 
Gründen — unter Verzicht auf vollständige Aus- 
nützung des Pulvers — an eine Rohrlänge von L/35, 
später L/40. Die bekannte Krupp'sche Riesenkanone, 
welche 1893 in Chicago ausgestellt war, bestand in 
einem 42 cm Geschütz L/35; das Rohr allein wog 
122400 kg; die Rohrlänge betrug 42X35 = 14,7 m; zum 
Abfeuern einer Granate von 1140 kg Gewicht wurde 
eine Pulverladung von 410 kg P. P. C/82 verwendet. 

Aehnliche enorme Pulverladungen, welche durch 
den geringeren Gasdruck des braunen prismatischen 
Pulvers C/82 möglich geworden waren, ergaben sich 
aus folgenden Angaben: 



39 



Krupp lieferte für die itaüeiiische Regierung eine 
Anzahl 40 cm Kanonen L/35, welche beim Anschiessen 
Sommer 1885 folgende Resultate ergaben: 



im 



830 kg P. P. C/82 
920 kg 
2400 Atmosphären 

555 Meter 
14443 Metertonnen 



384 kg P. P. C/82 
1050 kg 

2860 Atmosphären 
579 Meter 
18000 Metertonnen 
18000 Metertonnen ent- 
Gewichtes von 180000 



Pulverladung: 
Gewicht der Granate: 
Gasdruck : 
Anfangsgeschwindigkeit : 
Lebendige Kraft: 
Der massige Gasdruck gestattete, die Pulverladung 
noch zu vergrössern und man erhielt im Sommer 1886 
nachstehende Resultate : 

Pulverladung : 
Gewicht der Granate: 
Gasdruck : 
Anfangsgeschwindigkeit : 
Lebendige Kraft: 
Die lebendige Kraft von 
spricht der Fallkraft 
Doppel-Zentnern aus 1 Meter Höhe und ist hinreichend 
gross, um eine schmiedeeiserne Platte von 1,1 Meter 
Dicke glatt zu durchschlagen. 

Auf der Düsseldorfer Ausstellung war die Krupp- 
sche Geschützsammlung zwar sehr umfangreich, aber 
die Gruppe der grossen Festungs- und Belagerungs- 
geschütze war diesmal nicht vertreten ; es waren haupt- 
sächlich Feldgeschütze ausgestellt, die zur Zeit das 
grösste Interesse in Anspruch nehmen, daneben waren 
Schiffsgeschütze (28 cm und 19 cm Kanonen) und 
Küstengeschütze (30,5 cm, 21 cm und 15 cm Kanonen, 
sowie eine 28 cm Haubitze) ausgestellt, für welche 
nähere Zahlenangaben für Ladungen mit dem später 
zu besprechenden rauchlosen Pulver gemacht waren* 
Dagegen hatten die Vereinigten Köln-Rottweiler Pulver- 
fabriken Kartuschen für verschiedene Kaliber aus 
schwarzem (C/68) und braunem (C/82) prismatischem 
Pulver ausgestellt. Genannte Firma hatte noch eine 
Zusammenstellung in verschiedenen Formen gepresster 
(aus Kalisalpeter, Schwefel und Kohle hergestellter) 



— 40 - 

Pulversorten zur Anschauung gebracht. Interessant 
war auch eine Zusammenstellung der gleichen Firma 
von älteren Miütärpulversorten. 

Von den älteren Militärpulversorten wollen wir 
hier noch besonders erwähnen das grobkörnige Pulver 
C/86 mit 4 — 18 mm Korngrösse, das s. Zt. Aufsehen 
erregte ; es stimmt in Form und Farbe ziemlich genau 
mit dem Pulver C/73 überein, hat aber eine andere 
Zusammensetzung ; es hinterliess im Rohr nur wenig, 
leicht zu beseitigenden Rückstand und erzeugte beim 
Schiessen nur wenig dünnen, schnell verfliegenden 
Rauch ; in seiner Arbeitsleistung und seinem Verhalten 
bildete es den Uebergang zum heutigen rauchlosen 
Pulver. Im Pulver C/86, dem sog. Amid-Prismen- 
pulver, besteht der Salpetergehalt ungefähr zu gleichen 
Teilen aus Kalisalpeter und Ammonsalpeter ; dieses 
Pulver zieht daher Feuchtigkeit aus der Luft an, es 
ist auch schwerer entzündUch. 

Die Krupp'sche Fabrik erzielte mit diesem Pulver 
C/86 folgende Resultate: 



14 kg C/86 
2490 Atmosphären 
617 Meter 
1000 Metertonnen. 



Pulverladung : 
Gasdruck : 

Anfangsgeschwindigkeit : 
Lebendige Kraft: 

Dieses Pulver war dem Wunsche entsprungen, 
die vorteilhaften Eigenschaften des braunen pris- 
matischen Pulvers C/82, die im Wesentlichen der 
Küsten- und SchifEsartillerie zu Gute kamen, auch auf 
die kleineren Geschützkaliber auszudehnen. 

Zum Schlüsse dieses Abschnittes geben wir noch 
zwei Bilder von besonderen Schwarzpulversorten, 
welche uns von der Firma Cramer & Buchholz, 
Pulverfabriken, gütigst überlassen wurden, Torpedo- 
Pulver und Fehhle-Pulver, 

Letzteres ist ein 1—2 cm starkes Würfelpulver, 
welches früher in 'England für schwere Geschütze ge- 
braucht wurde und heute noch in Deutschland zur 
Ladung von Torpedo-^lwssfoss-Patronen verwandt wird. 



- 41 




Torpedo-Pulver. 



Fig. 9. 



Pebble-Pulver. 



Die Verwendung des Schwarzpidvet^s als Oesrhoss- 
treibmittel hat durch die Erfindung der neuen rauch- 
losen Pulversorten eine starke Einschränkung erfahren. 

Auch die Anwendung des Schwarzpidvers als 
Sprengmittel, welche wir jetzt besprechen wollen, wird 
neuerdings aus verschiedenen, noch näher zu erör- 
ternden Ursachen, eine immer geringere. 

Die Verwendung des Schwarzpulvers als Spreng- 
pulver erfolgt teils zu kriegstechnischen Zwecken, 
teils für die Arbeiten des Ingenieurs un'd des Berg- 
manns. 

Die Kriegstechnik verwendet dasselbe 

i. Als Oeschoss-Sprengstofff 

wobei der in dem Hohlraum des Geschosses befind- 
liche Sprengstoff das Geschoss zertrümmern und den 
Bruchstücken, sowie den bei einigen Geschossen vor- 
handenen Füllkugeln eine beschleunigte Bewegung 
geben soll, und 

2. Als Minen- Sprengstoff oder Sp-engpidver schlechthin. 

Betrachten wir zunächst die Verwendung des 
Schwarzpulvers als Geschoss- Sprengstoff; wir müssen zu 



— 42 — 

diesem Zwecke einen Blick auf die Geschosse selbst 
werfen, wobei die jeweilige Sprengladung Erwähnung 
findet. 

Man unterscheidet Schrapnels, Granaten, Panzer- 
geschosse und Kartätschen. 

a) Das Schrapnel besteht aus möglichst dünnen 
Stahlwänden, es enthält einen Zünder, die Spreng- 
ladung, sowie eine Anzahl Hartblei-Kugeln, w^elche 
durch warm eingegossenen Schwefel, Kolophonium etc. 
im Geschoss festgelegt sind, ausserdem eine gewisse 
Menge brennbaren Satz, der beim Zerspringen des 
Geschosses eine weithin sichtbare Rauchwolke bildet, 
welche die Beobachtung des Schusses erleichtert. — 
Durch einen Brennzünder (Bz.) wird in einer gewissen 
Entfernung vor dem Ziele und in einer gewissen Höhe 
iiber dem Ziel (Sprenghöhe) die Sprengladung zur 
Explosion gebracht und liefert dabei eine aus zahl- 
reichen Sprengteilen (hauptsächlich den Füllkugeln, 
daneben den Geschosswand-Sprengstücken) bestehende 
Sprenggarbe von bedeutender Tiefenwirkung. 

Das Schrapnel ist das Hauptkampfgeschoss der 
Feldartillerie gegen alle lebenden ungedeckten Ziele. 

Das Gewicht der Sprengladung wird im Schrapnel 
gegenüber anderen Hohlgeschossen sehr klein be- 
messen, weil die Sprengwirkung nur den Geschoss- 
kern zertrümmern und die Füllkugeln freimachen, 
bezw. ihnen eine beschleunigte Bewegung nach vor- 
wärts erteilen soll, während die seitliche Ausbreitung 
durch die aus der Achsendrehung des Geschosses 
sich ergebende Zentrifugalkraft der Sprengteile hin- 
länglich befördert ist. 

Aus dem gleichen Grunde wird für Schrapnels 
auch kein brisanter Sprengstoff verwendet, sondern 
Schwarzpulver und zwar Gewehrpulver 71, neues Ge- 
wehrpulver 71 (sog. Füllpulver) und Zylinder-Pulver 
(Zyl.-P.), d. i. in Hohlzylinder gepresstes Schwarz- 
pulver. 



— 4:-^ — 



h) Dh Granaten: diese zerfallen in z^vei Klassen, 
nämlich in elie Pulvergmnaten unrl in die Brisanz- 
granateo. 

Die Pulrerf/raiiate, oder Granate schlechthin, hat 
einen dickwantligen Gussoi senke rn mit Schwanipulvor- 
Sprengladnng; sie ist gegen lebendi^ wif^ Ifblose Ziele 
nur zu untergeordneter Wirkung befähigt. 

Sie ist daher bei der Feldartiilerie ziemlich ab- 
geschafft und winl auch bei der Fussartillerio mehr 
und mehr durch Brisanzgranaien verdnUigt; nur in 
der Schiff sartiUerie ^vird die Pulvergranate für alle 
Kaliber von 8 bis 30,5 cm noch verwandt; man be- 
nutzt ein besonderes Rprengladuug.spulver , das in 
flauellenen Ladebeuteln eingebracht wird, um den 
Stoss des Bcliusj^io.s auf die Sprengladung zu mildern. 

Wille macht für Schiffs-Pulvergranaten folgende 
Angaben : 

^, j ,.. Gewicht der (Tewieht der Zahl der 
<Tranate Ij/4 Sprengladung Ladebeutel 
In cm 51 kg L5 kg 6 

^8 „ 350 „ ll,ti « 2Ö: 

30,5 „ 454 „ 13,6 „ U. 

Die Brhanzf/ramitm sind nicht mit öchwarzpulver 
gefüllt, sondern mit brisanten Sjirengstoffon, haujit- 
sttchlich Pikrinsäure; sie wären also erst später zn 
beschreiben, doch ^vollen ^A^ir des Zusammenhanges 
wegen dies kurz hier thun. Die Brisanzgranaten sind 
Sprentj- oder Mhiejigraimien; die Spreujßjnrnalen oder 
Feldgranaten enthalten nur soviel Sprengladung, dass 
letztere das dickwandige Geschoss in mögliehst viele 
wirkungsvolle J^prengstücke zerlegt, welche am Ziel 
naeli allen Seiten geschleudert w^erden. Die Spreng- 
granate soll hauptsächlich gegen lebende Ziele in 
feldmässigen Deckutigen verwendet werden. Die 
MinengranatPM oder die Langgranaten sollen nach 
Art einer Mine wirken, weshalb ihr dünnwandiger 
Staldkern von beträch th eher Länge eine möglichst 



— 44 — 

grosse Sprengladung aufnimmt. Die Minengranate 
soll ausschliesslich gegen widerstandsfähigere Ziele 
des Feldkrieges, wie Unterstände, Häuser etc. und die 
darin befindlichen Truppen zur Verwendung kommen. 

c) Panzergeschosse werden im Kampfe gegen die 
Panzer verwendet. Diese sind Vollgeschosse, Hart^ 
gussgranaten, Stahlgranaten und Halbpanzergranaten. 

Die Vollgeschosse f Panzergranaten, sind massiv, 
ohne innere Höhlung ; sie tragen teilweise eine Kappe 
aus ungehärtetem Stahl auf ihrer Spitze, die das Ein- 
dringen der letzteren in Panzer mit gehärteter Vorder- 
seite erleichtern soll. 

Die Hartgussgranaten haben starke Wandungen 
und eine sehr kleine innere Höhlung, in welcher sich 
Schwarzpulver als Sprengladung befindet. 

Beim Durchschlagen sehr widerstandsfähiger Ziele 
entzündet sich die Sprengladung von selbst, teilweise 
sind die Hartgussgranaten auch mit Boden zünder ver- 
sehen. 

Die Stahlgranaten haben dünnere Wandungen als 
die Hartgussgranaten, somit auch eine grössere Höh- 
lung; Schwarzpulver vermag trotzdem diese Granaten 
nicht zu zerlegen, kann daher nicht als Sprengladung 
benutzt werden. 

Brisante Sprengstoffe sind vorläufig ebensowenig 
verwendbar, denn sie entzünden sich durch das Auf- 
treffen des Geschosses auf den Panzer nicht von selbst 
und ein geeigneter Zünder ist noch nicht konstruiert. 

Die Stahlgranaten werden daher vorläufig mit 
Sand und Sägespähnen gefüllt, um denselben das 
richtige Gewicht zu geben. Vielleicht könnte hier 
eine Erfindung Anwendung finden, welche vor einiger 
Zeit vom Verfasser gemacht wurde. 

Das Wesen dieser Erfindung besteht darin, die 
Spannung der bei der Explosion entstehenden Zer- 
setzungsgase von Sprengstoffen dadurch zu vergrössern, 
dass man dem Sprengstoff Aluminium in fein ver- 
teilter Form beimischt. 



— 45 — 

Das Metall verwandelt sich in Aluminiumoxyd 
und da hiebei eine grosse Wärmemenge frei wird, so 
werden die Gase auf eine höhere Temperatur ge- 
bracht und dadurch wirksamer, der Sprengstoff wird 
brisanter. 

Die Brisanz von Schwarzpulver z. B. wird durch 
eine Beimengung von 10% Aluminium verdoppelt 

Wir kehren nun zu unseren Panzergeschossen 
zurück und erwähnen zum Schlüsse noch die Halh- 
pamer-Oranaten. 

Diese entsprechen in der äusseren Form und im 
Material (Stahl) den Stahlgranaten, jedoch sind ihre 
Wandungen dünner; sie nehmen daher mehr Spreng- 
ladung auf. Diese Granaten werden mit Schwarz- 
pulver gefüllt; sie sind mit einem Bodenzünder ver- 
sehen, wie die gewöhnlichen gusseisernen Pulver- 
granaten ; die Halbpanzergranaten werden gegen Panzer- 
decks und leichte Panzer gebraucht. 

d) Kartätschen; diese werden nicht mehr bei der 
Feldartillerie, jedoch noch bei Festungs- und Belage- 
rungsgeschützen, sowie bei der Schiffs- bezw. Küsten- 
artillerie angewandt. Die Kartätsche ist eine mit 
Kugeln gefüllte Blechbüchse, die durch den Stoss 
der Geschützladung zertrümmert wird, so dass die 
Kugelgarbe schon von der Mündung der Kanone ab 
wirksam werden kann. 

Bei den Geschossen wollen wir der Vollständig- 
keit halber noch Nachstehendes erwähnen: 

Die Geschosse werden von der als Geschosstreib- 
mittel dienenden Pulverladung (Schwarzpulver, Pris- 
menpulver, rauchloses Pulver) in Bewegung gesetzt; 
diese Pulverladung befindet sich in einer Hülse, 
welche beim Schuss den gasdichten Abschluss des 
Gewehrlaufes oder Kanonenrohres nach hinten be- 
wirkt. Diese Hülsen werden bis zu 15 cm Kaliber 
in der Regel mit dem Geschoss verbunden und 
heissen dann Patronenhülsen; bei den grösseren 
Kalibern sind Geschoss und Hülse getrennt und 



— 46 — 

spricht man dann von Kartusch-Hülsen. Die Hülsen 
werden meist aus Messing (Legierung von Zink und 
Kupfer) gezogen, für die grossen Kaliber wird auch 
sog. Durana - Metall , eine Legierung von Kupfer, 
Zink und Eisen, verwandt; daneben auch Stahl. 
Bei Feld- und Gebirgsgeschützen hat man wegen der 
Gewichtsverringerung auch Hülsen aus Aluminium- 
legierung zur Anwendung gebracht, die nur etwa ein 
Drittel so schwer sind als Messinghülsen. 

Nun noch einige Bemerkungen über die bei den 
Geschossen mehrfach erwähnten Zünder. 

Die Zünder sind ÄiifscJilag-, Zeit- oder Doppel- 
zünder. Erstere werden beim Aufschlag oder dann 
bethätigt, wenn das Geschoss beim Hindurchgehen 
durch einen Körper in seiner Fluggeschwindigkeit 
plötzlich soviel verlangsamt wird, dass ein lose im 
Zünder sitzender Teil, dem Beharrungsvermögen fol- 
gend, nach vorn fliegt; hiebei ^wird durch Anstich 
mit der Nadel dieses Teiles ein mit Knallsatz ge- 
fülltes Zündhütchen entzündet , -dessen Feuerstrahl 
sich der Sprengladung mitteilt. 

Die Zeitzünder haben 1 — 4 Ringe aus verdichtetem 
Pulversatz; sie werden bereits beim Schuss in Brand 
gesetzt, übertragen aber ihr Feuer erst nach einer 
gewissen Brenndauer — d. h. Flugzeit des Geschosses 
— auf die Sprengladung des letzteren. — Durch Ein- 
stellen kann man genau regulieren, wieviel von der 
langsam verbrennenden Schwarzpulvermasse der Satz- 
ringe verbrennen soll, ehe das Feuer auf die Spreng- 
ladung übergeht, d. h. mit anderen Worten, wie 
lange nach dem Verlassen des Rohres das Geschoss 
krepieren soll. 

Unter Doppelzünder versteht man die Vereini- 
gung von Aufschlag- und Zeitzünder, die es nach 
dem soeben Gesagten ermöglicht, das Geschoss ent- 
weder beim Aufschlag oder nach einer bestimmten 
Flugzeit, d. h. an einem bestimmten Punkte seiner 
Flugbahn zu sprengen. 



Hl 



— 47 - 

Die Zünderkörper aelbi^t sind entweder aus Messing 
oder aus Aluminium gego.ssen. 

In Düsseldorf hatte Fried. Krupp reichhaltige 
Sammlungen von Geschossf^n, Patronon- und Kartusch- 
Hülsen, sowie Zündern ausgeatellt. Die Krupp sehe 
Geschosssanuulung zeigte die verschiedenen üeschoss- 
arteii von BO,"} bis iij cm Kaliber; die Gescliossart 
ist durcli verschiedenen Farbeuaustrich keiuitlich 
gemacht. Der Anstrich ist 

bei Schrapuels: rot, 'f 

PulverfTrauateu: schwarss, 

Brisauzgranateu: gelb, 

Panzergninateu: weiss^ 

Stahlgranaten : graublau, 

Halbpanzergranaten : graublau mit weisser S])it20. 
Krupp verwendet für die Geschosse nahtlos ge- 
zogene Stahlrolire. 

Die Rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik 
stellt Hohlgeschosse in grossem Umfange nach dem 
Ehrhart'schen Pressverfuhren her; sie hatte ausgestellt 
Schrapnels mit Stahl liüUen, mit 10 — 11 gr scbweren 
Füllkugeln , Avelche im Rauchentwieklungsmaterial 
liegen. Ausser den glattwandigen Schrapnels werden 
auch solche mit gerippten Wandungen (WellenRchraj)- 
nels) fabriziert, die mit einer leichten Geschossliülle 
eine grössere Widers taTidsfähigkeit gegen Form Ver- 
änderungen in der Rohrseele verlanden. Auch 
Granaten etc. waren von dieser Firma ausgesteUL 
In ihrer Abteilung Sömmerda hat genamite Firma 
eine Zünderfabrik in grossem Umfange und nach 
neuestem Stile eingerichtet; sie fertigt Aut'schlags- 
zünder, Zeitzünder, Doppelzünder, Schlagröhreu etc. 
und zwar 1500 Zünder täglicli. 

Wir haben aus Vorstehendem gesehen , dass 
Schwarzpulver in der Kriegstechnik noch in einig(>n 
Fällen als Geschoas Sprengladung Verwendnng findet, 
während es in anderen durch brisante Sin^engstoffe 
verdrängt ist. 



.Cäü^^ 



— 48 — 

^. Srhwarzpulver als Minen-Sprengstoff oder „Spreng- 
pulver'' schlechthin. 

Die Militär-Technik nimmt Sprengungen vor: 

a) zum Zerstören von Ortsverbindungen, welche man 
dem Feinde nicht überlassen will (Eisenbahnen, 
Dämme, Brücken, Gebirgs- und Hohlwege, Tunnels)^ 

b) zum Freimachen des Vorfeldes oder zur Beseiti- 
gung weit sichtbarer Zielpunkte bei Verteidigungs- 

• Stellungen (durch Niederlegen von Mauern, Gebäu- 
den, Schornsteinen, Windmühlen, Bäumen u. s. w.), 

c) zur Unterstützung des Angriffs (durch Oeffnen 
von Durchgängen in Hindernissen, Vernichten 
der Verteidigungsminen u. s. w.), 

d) zur Verzögerung des feindlichen Angriffs (durch 
Verteidigungsminen oder durch Zerstören nicht 
mehr haltbarer Werke), 

e) zum Oeffnen von Eisdecken, Eisstopfungen u. s. w. 

Das als „Sprengpulver" schlechthin bezeichnete 
Schwarzpulver findet im allgemeinen in der Kriegs- 
technik wenig Anwendung mehr; es ist grösstenteils 
durch brisante Sprengstoffe, insbesondere durch die 
später zu erwähnende Pikrinsäure (Sprengmunition 
C/88) verdrängt. 

Während die brisanten Sprengstoffe sich nicht 
direkt entzünden lassen, sondern durch Vermittlung 
einer Sprengkapsel zur Detonation gebracht werden 
müssen, wird das Sprengpulver (Schwarzpulyer) sehr 
leicht schon durch glimmendes Feuer, durch Funken 
und helle Flammen zur Explosion gebracht; auch 
kann dieselbe durch Schlag oder durch Reiben von 
Pulverkörnern zwischen harten und rauhen Flächen 
herbeigeführt werden, weshalb bei der Handhabung 
des Sprengpulvers besondere Vorsicht geboten ist. 

Wie die Entzündung, so ist auch die Wirkungs- 
weise des Spr^ngpulvefs eine andere, wie die der 
brisanten Sprengstoffe.; bei letzteren erfolgt, sobald 



49 — 



die Detonation durch die Sprengkapsel eingeleitet ist, 
die Zersetzung in Gase durch die ganze Masse des 
Sprengstoffs in ausserordentlich kurzer Zeit ; die ausser- 
ordentliche Heftigkeit der Gasentwicklung und die 
wesentlich grössere Gasmenge bei der Detonation von 
brisanten Sprengstoffen übt eine zerschmetternde Wir- 
kung gegen die nächste Umgebung aus ; die brisanten 
Sprengstoffe werden daher mit besonderem Vorteil 
gegen Eisen, Holz und Stein- verwendet. Beim 
Sprengpulver dagegen werden weniger Gase entwickelt 
und die Zersetzung erfolgt langsamer; dadurch 
findet ein gewissermassen elastisches Zurückweichen 
der entwickelten Gase von widerstandsfähigen Gegen- 
ständen nach anderer Richtung statt, so dass die 
treibende und zerreissende Wirkung der Pulvergase 
nur dann zur vollen Geltung gelangt, wenn dieses 
Entweichen der Gase verhindert ist oder keine sehr 
widerstandsfähigen Gegenstände vorhanden sind. 
Bei Eisen- und Holzsprengungen weniger geeignet, 
kann es in vielen Fällen als brauchbarer Ersatz 
für Pikrinsäure bei Mauer- und Felssprengungen 
dienen; die naturgemässe Verwendung des Schwarz- 
pulvers sind aber Minenladungen, denn für Erd- 
Sprengungen ist es der geeignetste Sprengstoff; es 
findet daher ausser für Minen auch zu Sprengungen 
bei der Zerstörung oder Anlage von Gebirgs- und 
Hohlwegen, Dämmen etc. Verwendung. In der Feld- 
ausrüstung unserer Ingenieur-Truppen wird Spreng- 
pulver nicht mitgeführt, sondern in den Festungs- 
beständen aufbewahrt. 

Auch zum Eis-Sprengen eignet sich seiner trei- 
benden Wirkung wegen Schwarzpulver (Sprengpulver) 
am besten; man hat zu diesem Zwecke sog. Eis- 
Sprengbüchsen aus Zinkblech konstruiert, welche V^ 
bis 2^2 kg Pulver aufnehmen. 

Wir kommen nun zu der Verwendung des Spreng- 
pulvers für die der Kultur- Arbeit gewidmeten Zwecke 
des Ingenieurs und des Bergmanns, 

4 



— 50 — 

Der Ingenieur gebraucht Sprengstoffe bei Anlage 
von Strassen, Tunnelbauten, Schiffbarmachung von 
Flussläufen u. s. w. ; er verlangt vom Sprengstoff eine 
möglichst grosse Sprengkraft, thunlichste Unschädlich- 
keit der entwickelten Gase mit Bezug auf die Ge- 
sundheit der Arbeiter und möglichste Ungefährlich- 
keit des Stoffes bei der Beförderung, Aufbewahrung 
und beim Gebrauch. 

Auch hier unterscheidet man die zwei Arten von 
Sprengstoffen, nämlich 

1. solche mit langsamer, drückender Gasentwick- 
lung wie das Schwarzpulver (Sprengpulver) und 

2. solche mit rascher, zermalmender Gasentwick- 
lung, die brisanten Sprengstoffe ; als solche verwendet 
der Ingenieur hauptsächlich Nitroglyzerin-Sprengstoffe. 

Bei ersterem, mit welchem wir uns hier zu be- 
schäftigen haben, ist die Schnelligkeit der Entwick- 
lung der Gase gering, der Druck derselben auf die 
umgebenden Gegenstände äussert sich mehr allmäh- 
lich, indem letztere weggedrückt, weniger zermalmt 
werden. Sprengpulver wirkt z. B. in festen Felsen 
in der Weise, dass es die umgebenden Massen aus- 
einander schiebt, das Aufliegende hebt und so das 
Gestein zerreisst; auf einer freiliegenden Steinplatte 
zur Explosion gebracht, übt Sprengpulver eine er- 
kennbare Wirkung nicht aus, weil die sich allmählich 
entwickelnden Gase die Luft zurückdrängen und des- 
halb eine starke Druckspannung, die zerstörend auf 
die Platte wirken könnte, nicht stattfinden kann. 

Ganz anders gestalten sich die Verhältnisse bei 
Entzündung eines brisanten Sprengstoffes (durch Ver- 
mittlung einer Sprengkapsel); der Gasdruck auf die 
umgebenden Gegenstände tritt so plötzlich auf, dass 
letztere in kleine Stücke zermalmt und diese mit fort- 
geschleudert werden ; bei einem derartigen, in festem 
Felsen eingeschlossenen Schusse werden die dem Ex- 
plosionskörper zunächst liegenden Gesteinsteile in 
Staub verwandelt, erst die entfernteren werden zer- 




r 

I 



^ 51 - 

rissen und fortgeschleudert. Liegt ein solcher Spreng- 
stoff frei auf einer Steinplatte, so wird bei der Ex- 
plosion die umgebende Luft zurückgedrängt, aber 
auch gleichzeitig die Steinplatte zerbrochen, denn die 
Entwicklung der Gase erfolgt so plötzlich, dass diese 
mit grosser Kraft auf die feste Unterlage \inrken. 

Für das Lösen von Gesteinen verwendf^t man 
beide Arten von Sprengstoffen je nach den Verhält* 
nissen; in gebrüchem luid leicht schiessbarem Ge- 
stein, bei dem der Zusammenhang der einzelnen Teile 
nicht sehr stark ist, ist Hprengpulver ani Platze; in 
schwer schiessbaren Gesteinsarien mit innigstem Zu- 
sannnenhang der einzelnen Teile und in allen klüftigen 
Gesteinen, in denen ein Teil der Gase bei langsam ver- 
brennenden Sprengstoffen durch die Klüfte entweicht, 
gebraucht man zweckmässig brisante Sprengstoffe, 
welche später noch eingehender zu besprechen sind. 

Für den Tunnelbau techniker ist die Beschaffen- 
heit der Explosionsgase und deren Wirkung auf die 
Atmungswerkzeuge von besonderer Wichtigkeit; beim 
Sprengpulver bestehen diese Gase vornehmlich aus 
Kolilensäure und Stickstoff und zwar in Mengen von 
je 40—50^/0, ferner aus Kohlenosyd und einigen an- 
deren Gasen; hierauf werden wir noch eingehend 
jsurückkommon. 

Die Anwendung des SchwarKpulvers zum Gosteins- 
Sprengen wurde erst Ende des 17. und Anfang des 
18. Jahrhunderts allgemein eingeführt; Hammer und 
Meissel einerseits und das Feuersetzen andrerseits 
waren bis dahin die dem Menschen beim Arbeiten 
in hartem Gestein zur Verfügung stehenden Mittel. 
Mittelst des Feuersetzens erhitzte man gar zu hartes 
<jle3tein, begoss es alsdann mit Wasser und machte 
es auf diese Art mürbe und der Bearbeitung mit 
Hammer und Meissel leichter zugängig. 

Die Römer verstanden es, ausgezeichnete Strassen 
in der Ebene zu bauen, aber — wie F. v. Rziha 
ausführt — ihre Wege in die Alpen mussten sie 



— 52 — 

sehr steil, schmal und arg gewunden in die Felsen 
hauen, wie es heute noch der berühmte Römerweg 
über die Radstätter Tauern zeigt. Dadurch war im 
Hochgebirge ihr Wagenverkehr unterbunden und mit 
diesem Umstände auch ihre andauernde Herrschaft 
nordwärts der Alpen. 

Erst Ende des 17. Jahrhunderts begann man, 
die Saumwege über die Alpen mittelst Sprengarbeit 
zu verbessern; 1696 geschah dies am Bergünerstein 
im Älbulapasse, 1707 im Urnerloche am St. Gott- 
hard, 1736 am Leukerwege und 1738 in der Via 
Mala des Splügenpasses. 

Im Sinne der neueren Zeit und nur mit Hilfe 
der Sprengarbeit erschienen dann die modernen 
jetzigen Strassen am Simplen (1801 — 1807), am Mont- 
Cenis (1803-1810), am Splügen (1818—1824), am 
Bernhardin (1819—1823), am Stilfser Joch (1820 bis 
1824), im Ampezzo (1823—1824), am St. Gotthard 
(1820 — 1830) und um dieselbe Zeit am Semmerring 
und am Brenner. 

Auch der Flusshau wies bis zur Zeit der Spreng- 
arbeit grosse Hindernisse auf, wofür der Rhein und 
die Donau markante Beispiele bieten. 

- Am Rhein waren es vorzugsweise die Felsen- 
bänke im Bingerloche, das „wilde Gefährt'' bei der 
Pfalz, die Loreley-Passage und die RifFe bei St. Goar, 
welche schon bei den Römern als gefährlich galten. 

Bereits zu den Zeiten der Merovinger und Karls 
des Grossen, der die Holzbrücke bei Mainz geschlagen 
hatte, war man bemüht gewesen, diese Felsenspitzen 
abzubrechen. Der Mainzer Erzbischof Hatte H. (968), 
die Rheingrafen im 11. Jahrhundert und die Erz- 
bischöfe im 13. Jahrhundert Hessen weiter daran 
arbeiten; allein die berüchtigten Hindernisse waren 
noch immer so arg, dass nur eine beladene Thal- 
fahrt möglich war und bei der Bergfahrt die Güter 
zwischen Bacharach und Bingen und zwischen Lorch 



— 53 — 

iitid Assniamishauaen umgeladen und über die steilen 
Hänge des Niederwaldes gefahren i^-erden nuissten, 
welchem Umstände auch die St a]>el platze Bacharach 
und Lorch ihren Aufschwung verdankten. 

Im 14, und 15. Jahrhundert bemühten sich die 
Kurfürsten von Mainz neuerdings um die Fahrbar- 
machung insbesondere im Bingerloch, allein ebenfalls 
ganz erfolglos. Erst der Hprengprozess des 17* Jahr- 
hunderts griff lielfpud ein und innerhalb des Zeit- 
raumes von 1631 -- 1647 schössen die Schweden und 
Franzosen dort Felsenklijipen ab. Zu Ende des 
17. Jahrhunderts vereinigte sich das Frankfurter 
Handlungöhaus Stookheim mit holländischen Kauf- 
herren, um in der Felsenbarre eine 20 Fusa breite 
Durchfahrt mit Pulver auszusprengen; allein erst 
1821V— 1831 schuf die preusöische Regierung mittelst 
Pulversprengung eine 210 Fuss breite Fahrt, welche 
seitdem immer noch mit grossen Kosten erweitert 
und vertieft wird. Die Hindernisse am Rhein ver- 
mochten also thatsächlich erst seit der Zeit der Spreng- 
arbeit bewältigt zu werden. 

Das Gleielie gilt von der Donau. Im Jjaofe 
dieses Stromes finden sicli besonders zwei felsige 
Katarakte, welche die Schiffahrt von jeher ausser- 
ordentlich beeinträchtigt haben, nämlich die Riffe bei 
Grein und jene am eisernen Thore. An den ersteren 
konnte vor der Zeit der Sprengarbeit fast gar keine 
Abhilfe gescliafEeu werden. Nach dem Aufkommen 
derselben wmrde jedoch in den Jahren 1770 — 1782 
daran ganz erheblieh gearbeitet und wurden weitere 
Sprengungen zwischen 1821—1839, dann 1867 utid 
in der neuesten Zeit sehr erfolgreich durchgeführt. 
Die Hindernisse am eisernen Thoro blieben nicht 
nur in der Römer Keit, sondern bis in die Gegenwart 
hinein bestehen und die ehemalige Hilflosigkeit in 
ihrer Beseitigung zwang sogar Trajau zur Ausmeisse- 
lung der dieselben umgebenden berühmten Felsen- 
strasse. 






- 54 — 

Auch die Anlagen von KanäUn in gebirgigem 
Terrain waren erst durch die Einführung der Spreng- 
ärbeit ermöglicht. 

Besonders wichtig erwies sich die Sprengarbeit 
für den Eisenbahnbau, der bald Tunnels unter allen 
geologischen Verhältnissen notwendig machte und 
mit dessen rascher Ausdehnung die Zahl der Tunnels 
nunmehr derartig zunahm, dass sie bald nicht mehr, 
wie bis dahin, als halbe Wunderwerke galten, sondern 
zu den häufig vorkommenden technischen Aufgaben 
zählten. Den grossen völkerverbindenden Eisenbahn- 
linien durften Gebirge, die selbst Tunnels von un- 
geheurer Länge notwendig machten, keine unüber- 
windüchen Hindernisse bleiben und in der That haben 
die Tunnel-Ingenieure ausserordentliche Leistungen 
aus der neueren Zeit aufzuweisen, Leistungen, welche 
allerdings erst durch die Einführung der Bohr- 
maschinen und der später zu besprechenden brisanten 
Sprengstoffe, insbesondere des Dynamits, durch die 
Sprengarbeit durchgeführt werden konnten. 

Nachstehend einige Angaben über Eisenbahn- 
tunnels, bei denen aber Schwarzpulver jedenfalls nur 
in der ersten Zeit eine wichtige Rolle spielte. 

Mont-Cenis-Tunnel, erbaut 1857—1870, mit 12200m 
Länge, St. Gotthard-Tunnel, 1872—1880, mit 14900 m 
Länge, Tunnel durch den Col di Tenda, 1890 bis 
1898, mit 8100 m Länge, Simplon-Tunnel, 1899 be- 
gonnen, mit 19800 m Länge. 

Der längste in Deutschland ausgeführte Tunnel 
ist der 4200 m lange, in den Jahren 1874—1877 er- 
baute Kaiser Wilhelm-Tunnel bei Cochem (Moselbahn). 

Am meisten bemerkbar ist jedoch — nach F. 
V. Rziha — der kulturelle Aufschwung des Bergbaues 
seit der Zeit der Einführung der Sprengarbeit. 

Zur Steinzeit war der Bergbau ohne alle Bedeu- 
tung, zur Bronzezeit ganz vereinzelt und selbst im 
Beginne der Eisenzeit bis herein in die römische 
Zeit noch sehr spärlich. Auch später noch war die 



— 00 — 

Massenproduktion von Erzen ohne Spreogarbeit sehr 
schwierig. Schaffte doch der ganze Bergbau des 
])reiissischen Staates im Jahre 1795 nur etwa 75000 cbm 
aas der Erde, also kaum den zehnten Teil eines 
heutigen grossen Eisenbalmeinseluiittes. Der 916H m 
lange sogenannte 19 Laoliter-S tollen am Har^e be- 
nötigte nicht weniger als 150 Jahre Bauzeit, von 
1535 — 1685; mit der Einfübrmig des SprengproKesses 
konnte dagegen der tiefe Georg-.^ tollen am Har^ bei 
19000 m Länge schon binnen 22 Jahren (1777—1709) 
aul'geschlosaen werden. 

Fast 5iwei Jahrhunderte hindurch, 
von der ersten Anwendung der Spreng- 
arbeit beim Bergbau bis zmn Jahre 
1862, als Nobel das Nitroglyzerin 
tänfülirte^ war das Schwarzpulver der 
i einzige Öprengstotf, der dem Berg- 
mann zur Verfügung stand; das 
Sprengpulver wird entweder gekörnt 
oder aber als gepresstes, komprimier- 
tes Pulver in beifolgender Z^'linder- 
form (mit Hohlraum in der Mitte imd 
Rinne Kinn Einlegen der Zündschnur) 
im Bergbau angewandt. 

Sprengpulver kann mit Vorteil 
nur in trockenen Bohrlöchern (auf 
die Herstellung der Bolirlöcher vermittelst der Ge- 
ßteinsbohrmasclunen verschiedener Konstruktion kann 
hier nicht näher eingegangen vv^erden) und in klul't- 
freiem Gestein verwendet werden. 

Man bringt die Pulveriadung gewöhnüch mittelst 
einer Zündsebnur zur Entzündung, welche aus einer 
Pulverseele und einer Hanfumwickelung besteht; das 
eine Ende der Zündschimr wird in die Pulverpatronen 
eingeführt, das andere Ende ragt zum Bohrloche heraus. 
Der von der Sprengladung nicht eingenommene 
Teil des Bohrloches muss beim Scliwarzpulver sorg- 
fältig mit Thon ausgefüllt (besetzt) werden, weil sonst 




Vig. 10. Kompri- 
miertes Sprengniulver 



— 56 -- 

iMo Spreug^ase, welcVie sicli bei Schvvarzimlver ver- 
hältuismässig langsam eDtwickeln, entweiclieii würdeiu 
Zum Einführen des Besät «es dient der Stampfer, am 
besten eine? nie^singene StangG vom Quersrhnitt des 
Bobrloclies mit vertiefter Nut, um für die Zündschnur 
Platz zu lassen. Das aus dem Bohrloch herausragende 
Ende der Zündschnur wird gewöhiilieh nicht unnütteb 






3i 




Fi^. 11, 



bar, sondern mittelst eines daran befestigten Schwefel- 
fadeus angezündet; der Arbeiter entfernt sieh schnell 
und der zündende Funke schreitet mit etwa 1 cm 
Geschwindigkeit in der Sekunde in der Zündschnur 
fort, bis er an die Pulverladung gelangt und diese 
zur Explosion bringt. (Fig. 23.) 

Aehnlicli gestaltet sich die Verwendung des ge- 
pressten (komprimierte Ji) Pulvers, nur können hie bei 
die Papicrpatroneu, in denen das gekörnte Pulver beim 
Laden eingeführt werden muss, in Fortfall konimeii. 

Die Ausführung der !Schiessarl>eit kann von den 
Arbeitern nur durch langjährige praktische Erfahrung 
gelernt Averden und niiiss sich den Gesteinsverhalt- 
nisseii anpassen. 



— -.u — 

Die Grösse der Sprpnglatlinig läBSt sich für jedes 
Gestein nur durcli Erfahrung t'esisetzeu. Da die 
Häuer naturgeuiäss die Bolirlöcher geni m stark 
laden, um der AVirkunci; siclier zu sein, so müssen 
dieselben von dem Lohne für einen Meter heraus- 
geschossene Streckenlänge <lie verbranrliteo Spreng- 
mittel der (Trub(* zum Selbstkosten] »rnis bewalden. 

Beim Kohlenbergbau müssen für die Spreng- 
schüsse besondere Vorsieh tsmassregeln angeblendet 
werden, da bei der gewöhnhcheu Art des Sj^rengens 
sowohl das Feuer der Zündung als auch die hoch- 
erhitzten S[>renggase Sehlagwetter oder Kohlenstaub 
zur Entzündung bringen könnten- Es gilt daher hier 
als allgerneinR Hegel: ein Sprengsehuss soll nur ange- 
zündet werden, wenn der Kohlenstaub durch Henetzung 
mit Wasser unschädlich gemacht ist und nachdem die 
Untersuchung des Ortes mit der SicliGrheitslamjm er- 
geben hat, dass keine v^cidHgwetter vorhanden sijid. 

Ferner wird gewöhnlich die elektrische Zündung an- 
gewendet, bei der eine ol1:ene Flamme nicht entsteht. 
Auch liat man Sfirengstoffe hergestellt, die bei der Ex- 
plosion wenig Flamme entwickeln (kurzflammige Spreng- 
stoffe) und solange nur bestimmte Giengen derselben 
zur Anwendung gelangen, wie durch Versuche erwiesen 
ist, auch bei Anwesenheit von ^schlagenden Wettern 
und Kohlenstaub keine Explosion verursachen. 

Es sind dies die neuerdings zu grosser Wichtig- 
keit gelaugten und später noch tni^sführlich zu be- 
schreibenden HicherheitS'Sitrmgsüyffe, welche also gegen 
schlagende Wetter und Kohlejistaub eine möglichst 
grosse Sicherheit geben sollen. 

Im Oberbergamt^bezirk Dortmund ist vom L Januar 
1903 ab die Verwendung von Schwarzpulver in 
Kohlenzechen mit schlagenden Wettern überhaupt 
verboten. 

Spreng[)ulver wiirde bislier gerade für Kohle, 
nebenbei noch für Salz und nicht hartes Oestein, seiner 
milderen Wirktnig wegen viel verwandt; man benutzte 



58 — 



dasselbe vielfach in der früher angegebenen kompri- 
mierten Form, um eine langsamere Wirkung zu er- 
zielen und dadurch grössere Sprengstücke zu gewinnen. 
In Düsseldorf hatten die Vereinigten Köln-Rott- 
weiler Pulverfabriken Sprengpulver-Sorten in grösserer 
Anzahl ausgestellt; zunächst gekörntes Sprengpulver 
sowohl in eckiger als runder Form in verschiedenen, 
als blank oder matt, bezw. fein oder grob verzeich- 
neten Varietäten, dann Sprengpulver für Schiefer- 
gebirge, Sprengpulver C/86. Komprimiertes Spreng- 
pulver für den Bergbau war in Patronen von 45, 40, 
38, 35, 32, 29 und 22 mm ausgestellt. Von gepressten 
Sprengpulvern für Geschossfüllungen waren zur Dar- 
stellung gebracht: 

Sprengladungspulver (1882) für Granatfüllung (Fig. 24) 
„ (1885) „ Granaten schweren 

Kahbeis (Fig. 25) 
„ — „ Granaten (Fig. 26) 

in beifolgenden Formen. 



Fig. 12. 



Fig. 13. 



Fig. 14. 







e 





Kurz erwähnen wollen wir noch die Verwendung 
des Schwarzpulvers in der Feuerwerkerei. 

Wir wenden uns nun zur Betrachtung der physi- 
kalischen, chemischen und ballistischen Eigenschaften 
des Schwarzpulvers. 



— 59 — 

1, Die physikaliscken Eigefischaßeiu 

Es kommen hier in Betracht: die äussere Be- 
schaffenheit, die Kornfestigkeit, die Korn grosse, der 
Feuchtigkeitsgehalt und die Dichte (spezifisch wie 
vohimetrisch), 

aj Die äussere Beschaffenheit. Gutes Schwarzpulver 
soll vollkouamen gleiclimässige Schiefe rfarbe besitzen; 
geht die Farbe ins Bläuliche oder ganz Schwarze, so 
enthält das Pulver zu viel Kohle oder es ist zu feucht, 
— Aus Rotkohle hergestelltes Pulver ist bräunlich 
schwarz. Zerreibt man etwas Pulver, so darf man — 
auch unter der Loupe — keine Versclnedenheit in 
der Farbe (welche auf ungleiche Mischung hinweisen 
würde) wahrnehmen ; einzelne schimmernde Punkte 
oder bläulich- weisse Fleekcben zeigen an, dass durch 
Feuchtwerden und darauffolgendes Trocknen Salpeter 
aus dem Pulver ausgewittert ist. Das Pulver darf 
nicht abfärben, wenn man es über den Handrücken 
oder über Papier rollen lässt, sonst enthält es Mehl- 
pulver oder zu viel Feuchtigkeit. — Ein kleines 
Häufchen Pulver , auf weissem Papier entzündet, 
muss schnell verbrennen, ohne einen Rückstand zu 
hinterlassen und ohne das Papier in Brand zu setzen. 
Schwarze Flecken deuten auf zu viel oder schlecht 
gemengte Kohle; gelbe, nach dem Abbrennen des 
Pulvers sich zeigende Streifen weisen auf zu viel 
oder schlecht gemengten Schwefel hin. Feuchtes oder 
schlechtes Pulver brennt bei diesem Versuch Löcher 
in das Papier. — Gute Resultate gibt die pyrographi= 
sehe Prüfung des Schwarzpulvers mit blausaurem 
Eisen-Papier ; es ist dies dasselbe Papier, welches zur 
Vervielfältigung von Zeichnungen etc. nach dem Licht- 
pausverfahren dient. Die bei der Verbrennung des 
Pulvers entstehenden Schwefelalkalien und Thiosul- 
fate zerstören die blaue Farbe des Papiers und er- 
zeugen gelbe und weisse Flecken. — Nach E. Monroe 
wird ein quadratisches Stück solchen Papieres von 



— 60 — 

15^20 cm Seitenlänge angefeuchtet und auf eine 
Glas- oder Kupferplattc gelegt. Ein abgestum]*fter 
Bleikegel von 3 ccm Inhalt wird an der Spitze mit 
dem Finger vprschlosstMi, mit Pulver gefüllt uud auf 
das Pai>ier umgestürzt, wodurch auf demselben ein 
kugelförmiges Häufchen entsteh t, welches mit einem 
glülieuden Draht entzündet wird, Nacli dem Al>- 
brennen bleibt das Papier noch 30 Sekunden der Ein- 
wirkung des Rückstandes ausgesetzt und \vird dann 
sofort in fliessendeni Wasser gewaschen^ War das 
Pulver gilt gemengt^ so sind die Flecken klein und 
ganz gleichmässig über die Oberfläche verteilt, so 
dass dieselbe nun ein lichtes Blau mit einzelnen 
Flecken und lichten Streiten zeigt; bei schlecht ge- 
mengtem Pulver sind die Flecken gross, von un- 
regelmässiger Gestalt und Verteilung, 

b) Die Kirrnfe,stif)keit Das P ul v er d arf beim I) rücken 
mit der Hand nicht knirschen und sich mit den Fin- 
gern nicht zu leicht vorreiben lassen; dabei soll es 
nicht sofort in Staub verfallen, sondern sich zunächst 
in eckige Splitter ?: erteilen. — 2ur Prüfung auf Korn- 
festigkeit bringt man ein halbes Kilogramm Pulver 
in einen ledernen Beutel und lässt denselben in der 
Abnuide-Trommel V* Stunde herumgehen; der Ge- 
wichtsverlust hiebei darf nur l,5n*'/o betragen. — Beim 
Prismen-Pulver sollen die Flächen und Kanten der 
Prismen glatt und nicht oder nur wenig abgebröckelt sein. 

c) D'w Kurngfosne. Diese wird mit Sieb rahmen 
geprüft, welche mit Messingdrahtgeweben bezogen 
sind imd durch maschinellen Antrieb (Uhrwerk mit 
GevkTcht) in eine stoss weise Rültelbewegung versetzt 
werden. — Die Abmessvmgen der Prismen vermittelt 
man mit Normal- Leeren, die Kanäle werden mit Leer- 
Stemjpeln untersucht, 

d) Der FeucJdk/Imi^gchalt Alle Seil war zpulverarten 
ziehen mehr oder weniger F^nichtigkeit ans der Luft 
an; dies ist einerseits dem Salj>eter, andrerseits der 
Kohle zuzuseh reiben; gewöhnlich ist das Pulver 



— 61 — 



uDi 90 hygroskopischer, je mehr Kolile es enthält. 
Sat^fö^mige9 Pulver zielit mehr Feuchtigkeit an als 
gekörntes, feiokörniges mehr als grobkörniges, — Dag 
Pulver kann über 14 "/ü Wasser absorbieren; hat ea 
nicht mehr als 5"/ö aufgenommen, so kann es durch 
Exponieren an der Sonno oder in einem trockenen» 
gut gelüfteten Räume wieder brauchbar gemacht wer- 
den , grobkörniges schmeriger als feinkörniges. — 
Feucht gewonlenes Pulver besitzt eine ungleichmässige 
Farbe, lässt sich leichter mit der Hand zerdrücken^ 
entzündet sich schwieriger und gibt ©inen grösseren 
Rückstand, Bei sehr starkem Gehalt an Feuchtig- 
keit bildet das Pulver schwarze, harte Klumpen, wo- 
durch es in der Regel unbrauchbar \rird ; man nennt 
es dann verkuckt. — Zur Bestimmung des Feuchtig- 
keitsgehaltes werden 50 gr in einer Porzellanschale 
im Luftbad bei 85 — 90* eine Stunde lang getrocknet 
und sodann im Exsiccator abkühlen gelassen; der 
Feuchtigkeitsgehalt darf nicht mehr als 1 ^/o betragen ; 
sehr gutes, anscheinend ganz trockenes Pulver ent- 
hält ^ji'^/o Feuchtigkeit. 

e) Das spezißsche Gewicht (Konidkhtigkeit.) Das 
spezifische Gewicht besagt, wie vielmal schwerer als die 
gleiche Masseinheit Wasser die Masseinheit Pulver 
istj wobei das Pulver mit den Poren, aber ohne die 
Zwischenräume zwischen den einzelnen Pulverkörnern 
gewogen wird; 1 ccm Wasser ^viegt 1 gr; wiegt also 
1 eetn Pulver 1,6 gr, so hat letzteres die Dichtigkeit 
1,6. — Man bestimmt die Dichte mit den Diehtig- 
keitsmessern (Bode oder Bianchi) oder mit der Queck- 
silberw^age (Hahn-Bode). 

Der Bodesche Dichtigkeitsmesser besteht aus einem 
Stalilgefäss, das oben und unten mit einem Hahn 
versehen ist und mit einem Quecksilbergefäss in Ver- 
bindung steht. Das Stahl gefäss wird mit Quecksilber 
gefüllt und gewogen, dann läSHt man das Quecksilber 
anstreten, schüttet oben eine abgewogene Menge Pulver 
m den Zyhnder, füllt letzteren wieder mit Quecksilber 



- 61' — 

und wägt neuerdiDgä, Der Gewichtsunterscliied zwi- 
schen der Zylinderfüllung mit und ohne Pulver 
gestattet, das si>ezifische Gemclit des Pulvers zu be- 
rechnen. 




Fig. 15. 
Dichtigkeitsmesser für Pulver (nach Bode). 

Der Dichtigkeitsmesser von Bianchi arbeitet im 
luftleeren Raum und gestattet sonach die Messung 
des absoluten spezifischen Gewichtes des Pulvers, 
während bei dem vorigen Apparat das Gewicht der 
einzelnen Pulverkörner einschliesslich der in den Poren 



l^iüiii^tt^aitt 



f 



— 63 — 

der Körner enthaltenen Luft bestimmt wurde; im 
übrigen ist die Bestimmung analog der mit dem 
Bode'schen Apparat. 

Bei pris7natischem Pulver benutzt man die Habn- 
Bode'sche Queckailberwage , welche das spezifische 




Fig. 16. 
Dichtigkeitsmesser für Pulver (Bianchi). 

Gewicht wieder nicht ganz absolut richtig angibt, da 
ja die Prismen auch etwas Luft einschliessen, die 
hier nicht entfernt wird. Man stellt die Nadel einer 
mit Gewichtsstücken belasteten Wagschale so ein, 
dass dieselbe gerade die Oberfläche des Quecksilbers 



— ti4 - 



berührt; dann bringt mau das Pulverprisnia in das 
Quecksilber und stfsÜt \neder ein, wobei mau nuten 
eine gewisse Zahl von Gewichten wegnehmen muss. 
Mau kann das relative spezifische Gewicht auch 
bßatiminen, indem man einen Pulverkncheu mit einer 
dünnen Schicht Kollodium überzieht und denselben 
in Lul't und in Wasser wägt. 

Wir geben nachstehend die Dichte von Kriegs- 
Pulver (nach Wille): 

Geschützpulver, 1,652 

Grobkörniges Pulver nicht unter l,6ö7 

Gewehrpnlver 1,655 

Neues Gewehrpnlver nicht unter 1,750 
Füllpulver für Shrapnels 1,750 — 1,760 

P. R 68 1,665 

n n 75 1,755 

„ „ 82 1,86—1,87. 

Bei S]>reugpulver beträgt das spez. Gewicht etwa 1,4. 
f) Dm Rimmgeivkht (kubisches Gewicht, gravi- 
metrische Dichte) gibt an, welches Gewicht Pulver - 
körner mit Zwischenräumen eine bestimmte Mass- 
einheit ausfüllt; man bestimmt (lasselbe, indem man 
ein kupfernes, 1 1 enthaltendes Gefäsa (Gravimeter) 
voll Pulver schüttet, mit einem Holz das überschüssige 
Pulver abstreicht und dann wägt. Absolut genau 
kann man das kubische Gewicht nicht bestimmen, 
denn es ist klar, dass die Zwigchenräume zwischen 
den einzelnen Pulverkörnern verschieden gross sein 
werden, |o nachdem die Körner eckig oder rund, 
kleiner oder grösser, von mehr oder weniger glatter 
Oberfläche sind. Nach Wille beträgt 
daa Gewicht einea Liters Ge3chützpui?er 925 gr 
, ^ 15 n neues Geschützpnlver 940—950 gr 

„ „ „ n grobkörniges Palver 970 gr 

„ Prismas RP. 68 3^1 gr 

l l l Kdstens priam, Pulvers P- P. G8 49,S*— 50,5 kg 



— 65 — 




Fi^. 17. 
Quecksilberwage fUr Pulver-Prismen (Hahn-Bode). 



2. Die chenmchen Eigmuchaßen, 

Es kommen hier in Betracht die ZusammensetÄUng 
des Pulvers, wie solche durch die Analyse ermittelt 
wird, die Feststellung der Entzündungstemperatur 
und die Ermittlung der Verbrennungsprodukte des 
Schwarzpulvers* 

a) Analyse, Die Bestimmung des Fefichtigkeits- 
gehaltes wurde bereits beschrieben. 

& 



PiiHPP"^. 



— 66 - 

Zur Sdpeter'Bestiminxmg werden 1 — 2 gr Schwarz- 
pulver auf einem gewogenen Filter mit warmem Wasser 
völlig ausgelaugt; das Filtrat wird in einer Platin- 
schale verdampft und der Salpeter gewogen. 

Das Filter mit dem Rückstand wird bei 80® ge- 
trocknet und gewogen und ergibt den Gesamtgehalt 
an Schwefel und Kohle; oder aus dem nassen Filter 
wird der Alkohol durch Wasser verdrängt, dann wird 
der Schwefel mit SchwefelkohlenstofE ausgewaschen, 
mit Alkohol nachgespült, getrocknet und durch Wägen 
die Kohle bestimmt; man kann auch den Schwefel 
im Wasserstoffstjome überdestillieren und die zurück- 
bleibende Kohle wägen. 

Zur direkten Bestimmung des Schwefels wird eine 
Mischung von 5 gr Schwarzpulver ,% 5 gr Kalium- 
karbonat, 5 gr Kaliumsalpeter und 20 gr Chlor- 
natrium in einem geräumigen Tiegel erhitzt, bis 
die Masse weiss ist; in dem wässerigen Auszug 
der Schmelze wird die Schwefelsäure als Baryum- 
sulfat gefällt. 

b) Entzündlichkeit Während bei den brisanten 
Sprengstoffen die Explosionstemperatur höher liegt 
als die Entzündungstemperatur, fallen bei dem Schwarz- 
pulver diese beiden Temperaturen zusammen; das 
Schwarzpulver gehört zu den direkt explodierbaren 
Körpern. 

Es ist eine sehr wertvolle Eigenschaft des Schwarz- 
pulvers, dass die Entzündungstemperatur verhältnis- 
mässig hoch liegt, so dass die Handhabung damit 
bei den nötigen Vorsichtsmassregeln ziemlich gefahr- 
los ist. 

Violette hat die Entzündungstemperaturen ver- 
schiedener Pulvergattungen untersucht, indem er kleine 
Mengen auf die Oberfläche von geschmolzenem Zinn 
warf, welches auf verschieden hohe Temperaturen 
gebracht war; er erhielt folgende Entzündungstempera- 
turen: 






— 67 — 

Gekörntes, eckiges 
Pulver 



Mehlpulver 



Sprengpulver 


270" 


265" 


Kriegspulver 


276 


266 


Feines Jagdpulver 


280 


268 


Extra feines Jagdpulver 


320 


270 



Wird die Temperatur des Schwarzpulvers nur 
allmählich über 100* erhöht, so taugt der Schwefel 
an zu schmelzen und die Pulverkörner backen zu- 
sammen ; dann beginnt die Verflüchtigung des Schwefels 
und bei sehr vorsichtigem Erhitzen kann aller Schwefel 
auö dem Pulver verjagt werden, olme dass eine Ver- 
puffung eiutritt. Glühende und ghmmende Körper 
und Funken entzünden das Pulver leichter als eine 
Flamme, weil erstere eine stärkere Temperaturerhöh- 
ung an einer Stelle hervorbringen als letztere. Hält 
man eine Lenchtgasflamme dicht über eine kleine 
Probe Schwarzpulvetj so vergehen erst einige Sekun- 
den, bis das Pulver sich entzündet, w^eil letzteres 
«rst auf die Entzündungstemperatur sich er- 
wärmen muss. Schwamm entzündet das Pulver erst 
nach dem Verglimmen zu Kohle, Schiesabaum- 
wolle kann ruhig über Schwarzpulver abgebrannt 
werden, ohne dass letzteres sich entzündet; denn die 
Verbrennung der Schiesswolle erfolgt zu plötzlich 
und ist zu rasch vorüber, als dasa das darunter hegende 
Schiesspulver Zeit hätte, sich bis zu seiner Entzün- 
dungstemperatur zu erwärmen. Schlage Stoss und 
Reibung bewirken die Entzündung des Schwarz- 
pulvers, am leichtesten der Schlag von Eisen auf 
Eisen, von Eisen auf Messing und von Messing 
auf Messing. Im Jahre 1838 wurde zum erstenmale 
•der Schliössungsdraht des galvanischen Stromes zur 
Entzündung des Pulvers angewandt; mit Vorteil ver- 
wendet man den Rhumkorff sehen Induktionsapparat 
dann, wenn es sich um eine gleichzeitige Explosion 
verschiedener Minen handelt 




— 68 — 

c) Die Verhrmntingsprodi(kte des Schtvarzpitlvers. 
Bei der Verbrennung des Schwarxpulvers bilden sich 
aus den drei Bestandteilen desselben gasförmige und 
feste VerbrennuDgaprodukte ; erstere bilden die Pulver- 
gase, letztere den Pulverrauch und den Pulverrückstand, 
Bis in die Mitte der 50 er Jahre wurde in den Lehrbüchern 
die Verbrennung des Schiesspulvers durch die Gleichiuig 

ausgedrückt, obwohl man wusste, dass Schwefelkalium, 
Stickstoff und Kohlensäure keineswegs die alleinigen 
Verbrennungsprodukte waren. Im Jahre 1857 unter- 
zogen Bunseu und Schischkoff zum erstenmale die 
Verbrennung des Schiesspulvers einer vollständigen 
genauen Analyse; es wurde dabei insbesondere die 
Bildung von Kahumsulfat und Kaliumkarbonat kon- 
statiert. Diese Arbeiten wurden fortgesetzt von Linck, 
Kärolyi, Vignotti, Craig, Fedorow, Poleck u. a. 

Noble und Abel haben 1874 und 1880 eingehende 
Untersuchungen über den Einfluss des Druckes auf 
die Zersetzung des Pulvers veröffentlicht. Zuletzt 
und in sehr gründliclier, abschhessender Weise ist die 
Theorie der Schwarzpulver -Zersetzung von Debus, 
einem Schüler Bunsens, studiert worden. 

Nach Debus besteht die Pulver-Verbrennung aus 
zwei verschied eneuj nacheinander verlaufenden Pro- 
zessen, einem OxydaÜcns-Vroz^BB^ der nur einen Bruch- 
teil einer Sekunde dauert und zur Entstehung von 
Kaliumsulfat, Kahumkarbonat, Stickstoff und viel- 
leicht von einem Teil des Kohlenoxyds Veranlassung 
gibt und einem i?erf?iMoti5-Prozess von erheblich 
längerer Dauer, während dessen unverändert geblie- 
bener Kohlenstoff reduzierend auf das im ersten 
Stadium gebildeto Kaliumsulfat und ?.ugleich freier 
Schwefel zersetzend auf das Kaliumkarbonat einwirkt^ 
wobei sich Zweüach-Schwefelkahum bildet. 

Debus stellt für den Oxyd ations- Pro zess folgende 
Gleichungen auf: 



_L ._3 



I 



— 69 — 

lOKNO,-^SC+3S=2KiCOB-\-BK^SOz-\-6C(h-\-bNt 

-\-CO-\-SNt. 
Für die HeduktionsA^orgänge gibt Debus die 
Gleichungen : 

4K2SO*-\-lC=2K2CO^-\-2K^S^-\-bC(h 

4 K^ CfM + 7 S^ K, SOi + 3^-2 & +4 CO2. 

Schwarzpulver gibt beim Verbrennen etwa 43 ^/^ 
Gase und 57 ^/q feste Produkte. 

Debus gibt ferner an, dass eine Mischung von 
16 Salpeter, 8 Kohle und 8 Schwefel die grösste 
Wärme- und kleinste Gasmenge liefert^ während eine 
Mischung von 16 T. Salpeter, 24 Kohle und 16 Schwefel 
die grösste Gas- und kleinste Wärmemenge liefert; 
erstere Mischung gibt die kleinste, letztere die grösste 
Leistimgsfähigkeit der Arbeit, Auf Grund dieser Er- 
wägungen lässt sich tlieoretiseh die Zusammensetzung 
einer Pulvermischung angeben, welche bestimmten 
Anforderungen genügen solL Wollte man ein Pvdver 
herstellen j das bei muglichst kleinem Kohlenstoff- 
und Schwefelgehalte mit nahezu der grössten Leistungs- 
fähigkeit ausgerüstet ist, so würde man die Mischung 
wählen: 10 Salpeter, 22 Kohle und 8 SehwefeL Die 
Müitärpulver der meisten Staaten enthalten lö Sal- 
peter, 21,2 Kohle und 6,6 Schwefel, welche Zusammen- 
setzung also nach der Theorie ncdiezu der grössten 
Leistungsfähigkeit entspricht, 

c) Die Yerbrenmmgsgesdiwindigkeit Dieselbe steht 
genau im umgekehrten Verhältnis zum spezifischen 
Gewicht; deshalb brennt abgerundetes Pulver, weil 
es dichter ist, langsamer ab als nicht abgerundetes. 
Feuchtes Pulver verbrennt langsamer als trockenes, 
gekörntes rascher als ungekörntes, rimdes langsamer 
als eckiges. Je grösser die Pulverladung und der zu 
überwindende Widerstand, desto grösser ist auch die 
Verbrennungsgeschwindigkeit des Pulvers* 

d) Die Verhrminungmvärme. Bunsen berechnete für 
die Verbrennung von Jagdpulver iu freier Luft eine 



— 70 — 

Temperatur von 2993® C und für die Verbrennung 
desselben Pulvers im geschlossenen Raum eine Tem- 
peratur von 3340® C. 

Während wir keine geeigneten Apparate haben^ 
um die im Augenblick der Explosion des Pulver» 
stattfindende Temperatur genau zu messen, können 
wir die beim Verbrennen einer bestimmten Pulver- 
menge entwickelten Wärmequantitäten vermittelst de» 
Calorimeters genau bestimmen ; das Calorimeter ist ein 
mit Wasser gefülltes kupfernes Gefäss (eine sog. Bombe); 
aus der Temperaturerhöhung des Wassers lässt sich 
die entwickelte Wärmemenge berechnen ; dieselbe be- 
trägt 750 Calorien für 1 kg Pulver. 

e) Schädlichkeit der Pulvergase, Die Pulvergase, 
welche wir als variable Gemenge verschiedener Gas- 
arten, Dämpfe und in feiner Verteilung vorhandener 
fester Substanz kennen lernten, können, in ge- 
schlossenen Räumen eingeathmet, wie z. B. in Berg- 
werken, Krankheitserscheinungen hervorrufen, zu 
deren Erzeugung das in den Pulvergasen vorhandene 
Kohlenoxyd das meiste beiträgt. Nach jeder Sprengung 
ist daher stets, insofern der vorhandene Luftzug nicht 
kräftig genug ist, für entsprechende Ventilation der 
Minen zu sorgen. 

3. Die Gasspannung, Trieb- und Sprengkraß des Pulvers. 

a) Oasspannung, Wenn wir 5 gr Pulver ver- 
brennen, die gebildeten Pulvergase auffangen imd 
nach dem Erkalten messen, so finden wir, dass sich 
ungefähr ein Liter Gase gebildet hat; da aber alle 
Gase sich beim Erwärmen ausdehnen, und zwar bei 
Temj ^ßraturs teiger ung um 1*^, um V^^a ihres Volumens, 
so ist das Volumen bei einer Verbrennungstemperatur 
von 3—4000*^ natürlich ein enorm grösseres. Bei 
4000** würden wir aus 5 gr Pulver die gewaltig© Menge 
von 15^/2 Liter Gas im Moment der Explosion des 
Pulvers erhalten. 



— 71 — 

h) Bestimmung der Triebkraft durch die Mörserprobe^ 
Die Mörserprobe ist seit 1683 bekannt; in einem 
bronzenen Stahlmörser wird ein Stahlgeschoss von 
bestimmtem Gewicht durch eine bestimmte Ladung 
Pulver unter einem Elevationswinkel von 45® hinaus- 
geschleudert und die "Wurfweite gemessen. Diese 
betrug für 

Gewehrpulver 285.76 — 293.28 mm, 

für altes Geschützpulver 278.24 — 285.76 „ 

c) Die Fltiggeschtvindigkeit des Geschosses in einem 
bestiromten Abstand von der Rohrmündung wird mit 
dem von dem belgischen Hauptmann Le Bouleng^ 
erfundenen Flugzeitenmesser (Chronograph) ermittelt 
und daraus durch Rechnung die Mündungsgeschwin- 
digkeit des Geschosses bestimmt. Als Vergleichs- 
Massstab dient die Leistung eines den Anforderungen 
entsprechenden Pulvers derselben Gattung (sogen. 
Normal- oder Vergleichs-Pulver). Der Apparat von 
Le Boulengd ist bereits früher beschrieben worden, 
ein neuerer und in mancher Hinsicht verbesserter 
Flugzeitenmesser ist von Bashforth konstruiert worden ; 
ferner haben Crehore und Squier einen Polarisations- 
Phonochronographen erfunden; die mit letzterem ge- 
wonnenen Ergebnisse sind insofern bemerkenswert, 
als sie darauf hindeuten, dass das Geschoss seine 
grösste Geschwindigkeit nicht wie bisher angenommen 
wurde, an der Mündung, sondern erst mehrere Meter 
vor dieser (ausserhalb der Waffe) erreicht. Zur Mes- 
sung der Geschwindigkeit von Gewehr-Geschossen 
nach Le Boulenge wird quer vor der Mündung der 
Waffe mittelst Klemmvorrichtung ein dünner, ver- 
silberter Kupferdraht angebracht, den das Geschoss 
beim Schuss zerreisst, wodurch der eine Stromkreis 
imterbrochen wird. In bestimmter Entfernung von 
der Mündung (in der Regel 50 Meter) ist eine Stahl- 
platte (Scheibe) aufgehängt, die sich im Ruhzustande 
gegen zwei Kontakte lehnt und so den andern Strom- 



— 72 — 

kreis scliliesst; das gegen die Scheibe schlagende 
Geschüss hebt sie von den Kontakten ab und unter- 
bricht somit den zweiten Stromkreis. — Bei einem 
vom Obf^rleutnant v. BurgsdorfE konstruierten Strom- 
unterbrecher wird durch die LufterschüUerung berni 
Schuss ein Kontakt kurz aufgehoben ; doch verursacht 
Schwarz]>ulver eine rasche Verschmutzung des Kon- 
taktes und ist die Vorrichtung daher nur beim Schiessen 
mit rauchschwachem Pulver gut anwendbar. 

Prof. Dr. "WolfE hat für Geschütze Lußstossameiger 
konstruiert; der Druck der Luftwelle, die das Geschoss 
begleitet, lost den Kontakt und unterbricht den Strom, 
während nach dem Schuss die Federkraft den Kontakt 
wieder herstellt und den Strom schliesst. — Die Luft- 
stossanzeiger sind nur benutzbar, wenn die Geschoss- 
geschwindigkeit grösser als die Geschwindigkeit des 
Schalles ist, also rund mindestens 350 m beträgt, weil 
andernfalls schon die Schallwellen den Kontakt lösen. 

Nebenstehende Zusammenstellung von Rziha gibt 
einen Ueberblick über die mit den verschiedensten 
Ladungen und Geschossen erzielten Geschossgeschwin- 
digkeiten, sowie die nützliche Arbeitsleistung eines 
Kilogrammes Schiesspulver. 

Die Grösse der nützlichen Arbeit zeigt trotz der 
Verschiedenheit der Pulversorten und der Verhält- 
nisse zwischen Rohrlänge, Rohrdurchmesser, Ladung 
und Geschoss eine grosse Gleichförmigkeit. Setzt 
man nach Roux und Sarrau die theoretische Arbeits- 
leistuDg von 1 kg Schwarzpulver zu 319982 Kilogramm- 
Meter, so berechnet sich für den Prozess des Schiessens 
aus Gewehren und Geschützen ein Nutzeffekt von 

1« o; u V u 43788X100 
mu%, nämhch 3^ggg^ 

d) Die Bestimmung des Gasdruckes erfolgt direkt 
dur^h Noble's Quetsch-Apparat (Crusher) oder Rod- 
manns Sehnittapparat ; der Gasdruck kann auch in- 
direkt gemessen werden, indem man mittelst des 



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— 74 — 

Rücklaufmessers die Rücklaufgeschwindigkeit des Ge- 
schützrohres in jedem Zeitteilchen bestimmt; aus 
dieser lässt sich dann wieder die Beschleunigung des 
Rücklaufes, sowie — als vielfaches — die Geschwindig- 
keit und Beschleunigung des Geschosses und endlich 
die Grösse des diese Arbeit im Rohr verrichtenden 
Gasdruckes bestimmen. 

e) Die Brisanz oder Kraft des Schwarzpulvers zu 
Sprengzwecken (Sprengkraft) ist ein Produkt aus der 
Menge der entstandenen Gase, der hiebei entwickelten 




Fig. 18. Guttmann's Brisanzmesser für Pulver. 

Wärme und — im umgekehrten Verhältnis — der 
Zeit, innerhalb welcher die Vergasung erfolgt. Die 
Sprengkraft des Schwarzpulvers ermittelt man ge- 
wöhnlich mit dem Guttmann'schen Kraftmesser. 

Bei diesem Apparat bringt man 20 gr Pulver 
zwischen zwei Bleizylinder und lässt sie im vollständig 
geschlossenen Raum explodieren; hiebei werden die 
Bleizylinder mehr oder weniger in konische Hohl- 
räume eingedrückt; die Höhe der zwei Bleikonusse 



_i 



— 75 — 

wird mittelst einer Schubleere gemessen und dieses 
Maass dauu mit den Ergebnissen eines Normal-Spreng- 
stoffes vergliclien. 

In der österreichischen und in anderen Armeen 
ist es vorgeschrieben, dass Sprengmittel -rjadungen 
gegen einen Balken aus weichem Hokfi geprüft wer- 
den. Derselbe winl gewöhnlieh so gewähU^ dass die 
Normalladung des Normal Sprengstoffes ihn geradf 
durchschlägt, vvodnrcli es möghch wird, eine grössere 
oder geringere Kralft des Sprengstoffes /u beobachten; 
solche Balken werden in einiger Höhe über dem Erd- 
boden freitragend angeordnet. 









Fig. 19. Trauer sehe Bleiprübe. 

Zur IVüfung hrmnter Sprengstoffe benützt man 
gewöhnlich die Trauzlsche Bleiprobe, die darin be- 
steht, dass man eine bestimmte Menge (15. 20 oder 
30 gr} Sprengstoff in der Bohrung eines Bleizylinders 
von bestimmten Dimensionen zur Ex]>losion bringL 

Es entstellt hiebei eine flasehenförmige. mehr 
oder minder ausgebauchte Höhlung, deren A^olumen 
durch Eingiessen von Wasser aus einem graduierten 
Gefäss gemessen wird; die erhaltenen Volumina sind 
der Sprengkraft der untersuchten Sprengstoffe [pro- 
portional. Für Schwarzpulver lässt sich dieser Kraft- 
messer nicht anwenden, weil bei der verhältnissmässig 



-- 76 — 

langsamen Detonation dieses Sprengstoffes zu viel 
Gase durch den von der Zündschnur gebildeten Kanal 
entweichen. 

Wir wenden uns nun zur Betrachtung der schwarz- 
pulverähnlichen explosiven Mischungen und zwar I. 
solcher, welche die Bestandteile des Schwarzpulvers 
in abgeänderten Gewichtsverhältnissen enthalten; es 
handelt sich hiebei hauptsächlich um Schwarzpulver 
mit verringertem Schwefel-Oehalt*) 

Je mehr Schwefel sich in dem Schwarzpulver be- 
findet, umso zäher ist der Pulverrauch; die Gründe 
dieser Erscheinung dürften wenigstens zum Teil in 
der bekannten Eigenschaft des freien Schwefels, beim 
Reiben stark elektrisch zu werden, zu suchen sein; 
ein durch Reibung elektrisch gemachtes Stück Schwefel 
zieht die Teilchen eines nur aus Salpeter und Kohle 
bestehenden Mehlpulvers an und hält sie auch bei 
Temperaturwechsel fest; einem gleichen Verhalten der 
im gewöhnlichen Schwarzpulver vorhandenen, zwar 
nur sehr kleinen, aber unter dem Mikroskop deutlich 
zu beobachtenden Schwefelteilchen wird meistens die 
Eigenschaft zugeschrieben, eine leichte und dauer- 
hafte Körnung des gewöhnlichen Pulvers zu befördern, 
während ein nur aus Salpeter und Kohle hergestelltes 
und gekörntes Pulver bald zerstäubt. — In dem 
Pulverrauch ist nun noch freier Schwefel vorhanden; 
Noble und Abel fanden bei einem an sich nicht 
schwefelreichem Pulver, das sie bei einem in Geschützen 
oft gemessenen Druck explodieren liessen, einen Gehalt 
von bis zu 10 ^/o der festen Explosions-Produkte an 
freiem Schwefel, eine Menge, die wohl zweifellos im 
Stande ist, <lyreli nlt^ktriyche Anziehung auf die an- 
deren Raucliteilcliejj eine zusammenhaltende Wirkung 
ausKuiiben. Eine solche Kiisaniinenlialtt^nde Wirkung 
ist aucli au durch iuexployive Verlirennmig öchwefel- 

*) Ys:\. i^. J. vfiii Ramorki; [)ie rsuii^bsdiwÄcheji PiilvtT. 
Hamiüver 189i>, 




— 77 — 

haltiger Stoffe erzeugtem Rauch leicht zu beobachten ,; 
in neuerer Zeit macht sie sich z. B. auch beim Rauch 
schwefelhaltiger Steinkohlen für die Kriegskunst un- 
angenehm bemerkbar, da solcher Rauch besonders 
Torpedobooten zum gefährlichen Verräter werden 
kann. Jedenfalls war es längst ein Wunsch, den beim 
Schiessen entstehenden Pulverrauch möglichst dünn 
und wenig zähe zu erhalten. Es fehlte daher schon 
früher nicht an Rezepten für Pulver mit geringerem 
Schwefelgehalt, doch machte man sich nicht an eine 
systematische Erprobung derselben ; der Grund hiefür 
ist wohl in der vorgefassten Meinung zu suchen, dass 
man eher noch die Kohle als den Schwefel für die 
Kraftentwicklung des Schiesspulvers entbehren könne.- 
Das Mittelalter hatte im Geist der aristotelischen 
Naturanschauung den Lehrsatz aufgestellt, der Gegen- 
satz zwischen dem „kalten" Salpeter und dem „heissen" 
Schwefel, die nur widerwillig vereint blieben und sich 
gern gewaltsam von einander trennten, bewirke die- 
Explosion des Schiesspulvers; diese Theorie erhielt 
sich allen Anfechtungen gegenüber, bis sich Stahl's 
namentlich in seinem 1731 in Berlin erschienenen 
Werke: „Experimenta et observationes chemicae** 
niedergelegte Lehre, dass die Verbrennung ein Frei- 
werden von „Phlogiston" („Feuerstoff") sei, allgemeinen 
Eingang verschaffte. Diese Theorie musste eine Ver- 
minderung des Schwefels im Pulver zu Gunsten der 
Kohle oder selbst seine vöUige Beseitigung aussichts- 
voll erscheinen lassen, denn nach Stahl war die Kohle 
viel reicher an Phlogiston als der Schwefel. Im 
Jahre 1756 fanden in Frankreich auf Veranlassung 
Le Blond' s die ersten systematischen Versuche mit 
Pulvern ohne oder mit sehr wenig Schwefel in der 
Staats-Pulverfabrik in Essonne statt; besonders über- 
raschend muss für die bei den Versuchen in Essonne 
Anwesenden die Thatsache gewesen sein, dass das 
ganz schwefellose Pulver in einem Falle sogar mehr 
leistete als das schwefelhaltige; es ist dies durchaus^ 



— 78 — 

tegröiflich j wenn man eine Berechnung nach der 
modernen Thermochemie und den Lehrsatz der 
Tnechanischen Wärmetheorie , dass gleiche Mengen 
Wärme gleiche Mengen Arbeit zu leisten im Staude 
^ind, auf sie anwendet. Die Wärmeentwicklung des 
gewöhnhchen Hchwarzpulvers ist durch die sorgfältig- 
jaten Versuclie auf im Durclischnitt 750 Calorien aus 
dem Kilogramm festgestellt; eine Mischung von 
87.1 **/ü Salpeter und 12.9 **/o Kohle {wie solches zur 
vollständigen Verbrennung der Kohle zu Kohlensäure 
nötig wäre) würde 786 C'alorien aus dem Kilogramm 
ergeben; die Menge des festen Rückstandes (Pulver- 
rauch) würde hiebei allerdings erheblich grösser sein 
^Is beim gewöhnlichen Pulver, aber das Fehleu des 
Schwefels würde den Rauch gewiss weit weniger lästig 
machen. 

Auch in anderen Staaten wurden, wie in Frank- 
reich , vielfache Versuche mit schwefelloeen oder 
-schwefelarmen Pulvern bis in die ersten Jahrzehute 
des vorigen Jahrhunderts unternommen; das End- 
urteil lautete aber überall gleich ungünstig; „die 
-schwefellosen oder schwetelarraen Pulver Hessen sich 
,schwer körnen und verlören, namentlich beim Trans- 
port, leicht die Körnerform, so dass durch den Fort- 
fall der feuerleitenden Kanäle in den Ladungen die 
Verbrennung zu langsam werde; setze mau zur 
Festigung der Körner Gummi, Hausenblase oder 
Aehnliches hinzu, so verlangsame wieder die schw^erere 
Brennbarkeit dieser Klebstoffe und die Verstopfung 
■der Poren in den Pulverkörnern die Explosion; die 
versuchten Pulver verbrannten aber auch stets etwas 
zu langsam und wie sich die einzelnen Teile der 
Ladungen gegenseitig schwer entzündeten, so ver- 
mehre auch ihre schwere Entzündlichkeit auf den 
^ün dp f armen der Feuerwaffen die Zahl der Versager. "^ 

Was die Verbrennungsgeschwindigkeit desSchwarz- 
pnlvers betriift, so ist dieselbe, wenigstens beim Ver- 
l>rennen an freier Luft, nach den Untersuchungen 



j 



— 79 — 

Ton Proust, am grössten, wenn ungefähr ^/e des 
Salpetergewichts an Schwefel hinzugefügt wird. Es 
entsteht die Frage, ob man annehmen darf, dass der- 
jenige von zwei Explosivstoffen, welcher an freier 
Luft langsamer oder schneller verbrennt als der andere, 
auch beim Verbrennen in einer Feuerwaffe dasselbe 
Verhalten zeigt. Die Einwirkungen, welche die zuerst 
verbrannten Partien eines Quantums Explosivstoff auf 
die übrigen ausüben, sind stets zweierlei Art : unmittel- 
har thermische, indem die flammenden Gase der zuerst 
verbrannten Explosivstoffteile im eigentlichen Sinne 
des Wortes anzündend wirken und mechanisch thermische^ 
indem die zuerst entwickelten Gase die noch unver- 
brannten Teile des Explosivstoffes zitsammenpressen, 
dadurch erhitzen und zur Explosion hnngen; dass die 
mechanischen Einwirkungen nicht unmittelbar, sondern 
nur durch die erzeugte Wärm£ Explosionen veranlassen, 
hat Berthelot nachgewiesen; während man früher 
vielfach auf Grund von Versuchen mit sehr leicht 
zersetzbaren Explosivstoffen, z. B. mit Jodstickstoff, 
annahm, heftige Erschütterung der Stoffteilchen 
könnten die chemische Reaktion unmittelbar einleiten, 
zeigten Berthelot's Versuche, dass selbst eine bereits 
eingeleitete Reaktion nicht beschleunigt wird, wenn 
man den in der Zersetzung begriffenen Stoff auf einer 
Stimmgabel oder in einer Glasröhre bis über 7000 Mal 
in der Sekunde vibrieren lässt ; Jodstickstoff explodiert 
allerdings schon bei 100 — 200 Vibrationen, jedoch 
nur, weil die Erschütterung dann bald eine zu seiner 
Zersetzung genügende Temperatur-Erhöhung hervor- 
ruft. Bei der Explosion im geschlossenen Raum 
werden also Teile des Explosivstoffes, welche von der 
Zündflamme noch längst nicht erreicht sind, durch 
die von mechanischen Einflüssen herrührende Er- 
wärmung dann explodieren, wenn die Kraft der zuerst 
entwickelten Gase und die Empflndlichkeit des Explosiv- 
stoffs gross genug sind ; dies ist z. B. der Fall, wenn 
Nitroglycerin in einem Raum, der ein freies Entweichen 



— 80 — 

der Verbrennungsgase nicht gestattet, aDgezundet wird; 
es ist aber nicht der Fall beim Schwarzpulver, wi& 
man sich leicht durch das Experiment überzeugen 
kann und wie auch daraus hervorgeht, dass beim 
Schiessen mit übermässigen Ladungen zu langsam 
verbrennenden Schwarzpulvers aus Geschützen maa 
oft das Hinausfliegen unverbrannter Pulverteile beo* 
bachtet. Man wird also annehmen dürfen, dass Misch- 
ungen von Salpeter mit Kohle oder Schwefel bezw, 
mit beiden Stoffen nicM durch die in den Feuerwaffen 
auftretenden Drucke teilweise zur Explosion gebrachte 
werden, vielmehr hier sich die explosive Zersetzung 
nur durch die Feuergaae fortpflanzt, also die von 
Proust beobachteten Verbrennungsgeschwindigkeiten 
auch für Explosion unter Druck gelten. Die Nach- 
teile der schwereren Entzündlich keit und langsameren 
Verbrennlichkeit, der schv^^ierigen Körnung etc. etc. 
Messen also mit den schwefellosen oder schwefelarmea 
Pulvern damals keine Erfolge für die Schiessteebnik 
erzielen. Erst erheblich später, etwa vom amerika- 
nischen Bürgerkrieg ab, führten tief eingreifende Ver- 
änderungen der artilleristischen Bedürfnisse zur Auf- 
gabe, ein möglichst langsam verbrennendes Pulver 
herzustellen für Geschosse, denen eine sehr grosse 
Durchschlagskraft erteilt werden soll. Wie schon aus- 
einandergesetzt , entstanden dann in den Prismen- 
Pulvern P, P. 68 und P. R 75 zunächst physikalische 
Modifikationen des gew^öhnhchen Schwarzpulvers^ 
denen dann im Jahre 1882 das braune Pulver P. P, 82 
folgte, das auch chemisch eine andere Zusammen- 
setzung hat und dasj aus 78 Teilen Salpeter, 19 Teilen 
einer schwachgebrannten braunen Kohle und 3 Teilen 
Schwefel bestehend, demnach bei wesentlich ver- 
ringertem Schwefelgehalt an balüstischer Wirksamkeit 
und Rauchverringerung das Höchste leistet, was 
sich mit dem Grundstoff des alten Bchwarxpulvers, 
dem Salpeter, unter Zusatz brennbarer, aber an sich 
nicht fexplosiver Stoffe, erreichen liess. Für schwere 



- 81 — 

Oeschütze wird das braune prismatische Pulver P. P. 82 
heute noch angewandt; für leichte Geschütze und 
für Gewehre verwendet man seit 1886 Nitrocellulose- 
Pulver, die vollständig in gasförmige Produkte über- 
gehen und daher rauchlos sind; von diesen wird 
später die Rede sein. Das Bedürfnis nach solchen 
Pulvern war, wie schon hier bemerkt werden soll, 
aus zwei Gründen ein dringendes geworden: 1. je 
mehr sich die Flugbahn des Geschosses dem freilich 
unerreichbaren Ideal einer geraden Linie nähert, je 
„rasanter" sie ist, desto weniger schädhch wirken 
Fehler in der Entfernungsschätzung; zur Erzielung 
^iner besseren Rasanz bemühte man. sich, den Ge- 
schossen der Handfeuerwaffen grössere Geschwindig- 
keiten mitzuteilen, was eine Vermehrung der Pulver- 
ladung nötig machte; hiedurch ergaben sich aber zu 
starke Rückstösse; man ging daher dazu über, die 
Geschosse leichter zu machen (und zwar schlanker, 
nicht kürzer, denn von zwei Geschossen mit gleichem 
Gewicht dringt offenbar dasjenige leichter in die Luft 
oder in jedes andere Medium ein, welches den ge- 
ringsten Widerstand bietet); von 11 mm Kaliber ^ing 
man daher allmählich bis zu 6^'^2 mm herunter; schon 
bei 8 nam fing es an sich zu zeigen, dass das Schwarz- 
pulver zu wenig Kraft in zu grossem Raum beherbergt, 
während das Nitrocellulose-Pulver genügend stark ist. 
2. Man führte die Repetier -Gewehre ein, bei welchen 
ein schnelles Laden dem glücklichen Schützen die 
Möglichkeit gibt, schnell einen zweiten Gegner kampf- 
unfähig zu machen, dem unglücklichen aber, vielleicht 
durch einen zweiten Schuss das beim ersten Versäumte 
nachzuholen; solange freilich eine Rauchwolke die 
Aussicht verdeckte, konnte der Schütze weder die 
Wirkung des ersten Schusses beurteilen, noch ein 
zweites Mal zielen; daher fing man Anfang der 80iger 
Jahre des vorigen Jahrhunderts allgemein an einzu- 
sehen, dass eine volle Ausnützung der Feuerschnellig- 
keit von Repetiergewehren (und analog von Schnell- 



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— 82 — 

feuergeschützen) ohne Anwendung von schwach 
rauchenden Schiesspulvern nicht zu erreichen sei und 
auch die schon erwähnte Thatsache, dass die eng- 
hschen Geschütze im Jahre 1882 vor Alexandria des^ 
Rauches wegen gezwungen waren, weit langsamer zu 
schiessen, als es ihnen sonst möglich gewesen wäre, 
trug viel dazu bei, den Wunsch nach einem rauch- 
losen Schiessmittel zu einem immer dringenderen zu 
gestalten. Für die schwersten Geschütze ist aber,, 
wie schon erwähnt, auch heute noch das braune 
Salpeterpulver mit geringem Schwefelgehalt in Ge- 
brauch» 

Für Sprengzwecke hat im Jahre 1866 Neumeyer in 
Taucha bei Leipzig ein Schwarzpulver mit weniger 
Schwefel hergestellt (75 Salpeter, 18^/4 Kohle, 
6V4 Schwefel); dieses Pulver war schwerer entzündlich, 
gefahrloser, gab weniger Rückstand und Pulverrauch ;. 
in verschlossenem Räume dagegen explodierte es mit 
derselben, ja mit höherer Wirkung als das gewöhnliche 
Pulver; das Neumeyer'sche Pulver rechtfertigte die 
daran geknüpften Erwartungen nicht und wurde bald 
allseits verworfen, da es zu schwer entzündlich und 
zu langsam brennend wäre. 

Interessant ist es, dass Salpeterpulver von der 
Art des braunen Geschützpulvers, aus 78 Teilen Sal- 
peter, 19 Teilen Rohkohle und 3 Teilen Schwefel be- 
stehend, auch als Sicherheits-Sprengstoff verwendet wird, 
da diese Mischung im Gegensatz zum gewöhnlichen. 
Schwarzpulver schlagende Wetter nicht oder wenigstens 
nicht so leicht entzündet, besonders wenn man noch 
Zusätze gewisser Salze macht, von denen später die 
Rede sein wird. 

II. betrachten wir Schwarzpulver ähnliche explo- 
sive Mischungen, in denen die einzelnen Bestand- 
teile ganz oder teilweise durch ähnliche Stoffe ersetzt 
sind. 

1. Pulver, in denen statt Kalisalpeter andere sauer- 
stoffreiche Salze vorhanden sind. 



— H8 — 



a) Mischungen mit Natf(mmlj)eff^\ 
Der Natronsalpeter, wie solcher aus dem in Chile 
gewonnenen Koh[iro(Uikt durch Raffination erhalten 
wird, bositKt gegeniihf^r dem Kalisalpeter zwei Vor- 
züge; er ist an sk'li billiger und hat anssertlem in 
derselben Gewic'ljtsmenge mehr wirksame Kraft, d, h. 
mehr Hauerstoff, da Natrium (mit 2i)] ein geringeres 
Atomgewicht hat als Kahum {l^9): Natroasali^oter 
(Na NOa) enthalt Ö6,. ''o Sanerstuff. Kalisalf.eter (K NO.) 
nur 47j&"A'. ^ Natronsalpeter liat alier den grossen 
Nachteil, dass er Feuchtigkeit aus der Luft auKieht; 
da wo es auf HilHgkeit ankommt, ferner bei Spreng- 
uugeji in verliitltnitf massig weiclien Materiahen, wie 
Steinsalz mid Minettn, werden jedoch Natronsalpeter- 
Hju^engstoffe viel angewandt; der sogenannte „Spreng- 
salpeter** besteht üus *>5"'* Natronsalpeter, 4**« Kali- 
salf>eter, 12'*:^^ Seliwefel, 19'*" Holzkohlen- oder ßraun- 
kohlenpulver; tthnlich ist der „Lithotrit" zusammen- 
gesetzt, der durch einen Zusatz von Mangatisnperoxyd 
charakterisiert isi ; auch geringe Bruehteile von Chro- 
ninten, besonders von Kaliumbicliromat werden als 
Zusätze angewandt. 

Bei Natronsalpeter-Sprengstoffen erweist sich das 
Pressen mit gesclunolzenem ßindeniittel als vorteil- 
haft; Sprengpnlver nnt Natronsalpeter lassen sieh 
gefahrlos bis zum Schmelzpunkt des Schwefels erhitzen 
und geben dann beim Fressen ein Produkt, das 
weniger gegen Feuchtigkeit empfindlich ist. 

In den Vereinigten Staaten scheint man für Sal- 
peter-Sprengpulver durchaus Natronsalpeter zu ver- 
wenden; nach dem hetzten Zen^ushericht (1902) be- 
schäftigten sicli d{>rtselhst mit. der Herstellung von 
SalpeterSprengpulvcru 37 Etablissements in V6 Staaten» 
davon 19 Etablissements allein in l^enns^dvanien, dessen 
Bergbau sehr intensiv i^t; diese Werke stellten aus 
38 (KM) Tomion t Chilesalpeter, 
746000 Busliels Holzkohle, 
ö 100 Tonnen Schwefel 



^!«««^ 



— 84 - 

97 744237 Pfund Sprengpulver im Wert von 3 880 910 

Dollars lier; das Sprengpulver hatte iolgeiide Zu- 

samniensetzuDg : 

Natronsalpetür 67,ä bis 77, i ^/", im Durchschnitt 74% 

Kühle 22,9 „ H,;.%, „ ^ 16% 

Schwefel 9,* „ 14,a"/s „ „ 10 >, 

b) Mischimg^i mit Barytsalpefer, 

Baryumnitrat kann aus dem in der Natur vor- 
kommenden Baryumcarbonat (Witherit) mittelst Sal- 
petersäure, oder aus Chlor bar y um mittelst Chilesal- 
peter hergestellt werden und ist von R, J. Wagner, 
später von dem belgischen Kapitän Wynanta als 
Ersatz für Kalisalpeter vorgeschlagen worden; (SSaxi- 
fragin-, Lithofracteur- oder Newton -Pulver); Baryt- 
sal{}eter macht das Pulver ym teuer und zu schwer 
entKÜndlich* 

c) Mischungen mit Ammönialzsalpeter, 

Dieses SSalz wird aus <lem bei der Kohlendeatil- 
latioii (fiir Leuchtgas- und Kokereia wecke) erhaltenen 
Ammoniak -Wasser und Salj^etersäure erhalten. — 
Schon Glaobor machte 16H7 darauf aufmerksam, dass 
der Ammoniaksalpeter^ für sich allein in einem Tiegel 
erhitzt, im Gegensatz zum „gemeinen" Salpeter in 
Flannneu aufgehe und keinen Rückstand liinterlasse ; 
thataächUch besteht dieses Sah ja aus lauter gas- 
förmigen Elementen und i^cheint daher zu Explosiv- 
zwecken besonders geeignet. Ammoniumnitrat zersetzt 
sich übrigens beim Erhitzen auf höhere Temperatur 
nicht wie Kali- oder Natronsalpeter, sondern er zer- 
lallt der HauptsachG nach in Wasser und Stickoxydul. 
(NH4 ^ NOa = 2 Hj + N- 0). — Störend sind vur 
allen Dingen die stark hygroskopischen Eigenschaften 
dieses Salzes; hauptsäcljlicli aus diesem Grunde er- 
gaben auch die \vährend der iVanzoh^i sehen Revolution 
auf Veranlassung der französischen Pulverfabrikations- 
Kommissare Bottee und Riffault durch Robin in 



i 



— 85 — 

Essonne angestellten Versuche, im gewöhnlichen 
Schiesspulver (0.750 Salpeter, 0.125 Schwefel und 
0.125 Kohle) statt Kahsalpeter Ammoniaksalpeter an- 
zuwenden, ein negatives Resultat; selbst wenn es ge- 
glückt wäre, das so gewonnene Pulver bis zur Ver- 
arbeitung zur Munition trocken zu halten, so wäre es 
in den damals üblichen Kartusch-Säcken für die Ge- 
schütze und in den papierenen Gewehrpatronen bald zer- 
flossen ; nach Einführung der metallenen Patronenhülsen 
wurden die Versuche insbesondere von Hebler in Zürich 
in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts er- 
neuert; er ersetzte einen Teil des Kalisalpeters im 
gewöhnlichen Schwarzpulver durch Ammoniaksalpeter^ 
indem er gleichzeitig das Pulver komprimierte und 
mit Zündkanälen versah; die Rauchentwicklung war 
natürlich geringer, allein die Verbrennung war eine 
unvollständige und die hygroskopischen Eigenschaften 
immer noch für Schiesszwecke zu störend. 

Das schwefelfreie, sonst dem Hebler 'sehen Pulver 
ähnlich zusammengesetzte Ämid-Fu\\er werden wir 
später noch zu erwähnen haben. — 

Viel günstigere Resultate erzielte man mit dem 
Ammonnitrat für Spreng zwecke] allerdings ist es nicht 
möglich, ein Gemenge von Ammonsalpeter, Schwefel 
und Kohle ohne explosive Zersetzung bis zum Schmelz- 
punkt des Schwefels zu erhitzen und dann mit dem 
geschmolzenen Bindemittel zu pressen, ein Verfahren, 
das wir beim Natronsalpeter zum Schutze gegen 
Feuchtwerden kennen gelernt haben ; wenn man jedoch 
als Bindemittel Substanzen verwendet, die niedriger 
schmelzen als Schwefel, so kann man den gewünschten 
Erfolg erzielen und werden wir auf diese schwefel- 
freien Mischungen mit Ammoniaksalpeter als Basis 
noch zurückzukommen haben. — 

d) Mischlingen mit Kaliumchlorat, 

Während im Natron-, Baryt- und Ammoniaksal- 
peter Salze vorliegen, welche sich, wie der Kalisal- 



— ^6 — 

peter, von der Salpetersäure HNOs ableiten, haben 
wir im Kaliumchlorat das Kaliumsalz einer anderen 
Säure, der Chlorsäure HCIOs, welche der Salpeter- 
säure analog zusammengesetzt ist; nur ist hier an 
Stelle von Stickstoff (N) das Element Chlor (Cl) ge- 
treten. Das chlorsaure Kali, KCl Ob, wurde von dem 
französischen Chemiker BerthoUet im Jahre 1786 ent- 
deckt; im Kleinen kann man dieses Salz durch Ein- 
leiten von Chlor in heisse Kalilauge (1:3) erhalten, 
nach der Gleichung 

6KOH-\-J^Cl2 = KClOs + bKa + ';^H20; 
technisch gewinnt man es nach demselben Prinzip 
durch Elektrolyse heisser Chlorkalium-Lösungen, wo- 
bei man das an der Anode abgeschiedene Chlor mit 
dem an der Kathode abgeschiedenen Aetzkali direkt 
in Reaktion bringt. — Kaliumchlorat enthält 39,i7^/o 
Sauerstoff, es bildet weisse, perlmutterglänzende Kry- 
stallblättchen , besitzt einen kühlenden, salpeterähn- 
lichen Geschmack und schmilzt bei gelinder Hitze 
ohne Zersetzung; bei 352® beginnt das dünnflüssige, 
geschmolzene Salz zu schäumen und sich nach der 
Gleichung 2KClOs = KCIO4. + KCl + O2 zu zer- 
setzen;, bei höherer Temperatur entweicht dann sämt- 
licher Sauerstoff, wobei Chlorkalium zurückbleibt. — 
Chlorsaures Kali ist ein noch kräftigeres Oxydations- 
mittel als salpetersaures Kali ; Mischungen von Kalium- 
chlorat mit Schwefel, Kohle oder Kohlenstoff Verbin- 
dungen detonieren beim Erhitzen; es wurde daher 
gleich von BerthoUet vorgeschlagen, im Schwarzpulver 
den Kalisalpeter durch das Kaliumchlorat zu ersetzen ; 
die französische Regierung Hess denn auch schon im 
Jahre 1788 in einem ihrer Staatsbetriebe ein Pulver 
herstellen, das an Stelle des Salpeters chlorsaures 
Kali enthielt; vormittags begann die Fabrikation und 
nachmittags waren bereits einige Arbeiter und eine 
zufällig zuschauende Dame tot, indem sie bei der un- 
beabsichtigten Explosion des Gemisches ums Leben 
kamen. Ohne einen günstigen Zufall wären der Kata- 



— 87 — 

stropbe auch Berti loUot unr] Lavoiijii^r zum Opfer ge- 
fallen. Die Kaliuinrhloratf^eiiiische sind zu sensibel 
und beBonders gej^en Schlag, Stoss and Reibung zu 
einpfimlUch; zu einem brautdibaren Sprengmittel ge- 
hört aber nidit nur eiiie starke ExplcmiousfilhigkeiK 
sondern aucli eine Verl lältni «massige Gefahrlosigkeit 
beim Horstellen, Aufbewahren und beim Transport. — 
Im Jahre 1H4*^ als die l^nhille, wfdehe Berthollet und 
andere betroflfen hatten, wieder vergessen waren, be- 
gannen die N'ersuche zur Herstellung sog, „muriati- 
scher ** Pulver von neuem , besonders für Spreng- 
zwecke, da das Kaliumchlorat woniger für eine uaeli/ 
htiltige, treibende, als für eine brisante Wirkung sieb 
eignet; ausserdem greifen dieChlonitpulverdie eisernen 
Läufe der Feuerwaffen stark au. — Sprengpulver mit 
Kaliumchlorat wurden in versphiedenen Mischungs- 
Terhältnissen vorges(düagen von Kellow & Sliort^ Oller 
(Pudrolith), Himly. Micbalowsky, Hafenegger, Augendre, 
Polil, Ehrliardt, Kralft, Gaens, Callou, Hahn, Spence 
und anderen; abgesehen von den verschiedenen, schon 
erwähnten Missständen war das clilorsaure Kali aber 
auch recht teuer und erst die biUigere Herstellung 
des Salzes auf elektrolytiseliem Wege, w^elclie in der 
neuesten Zeit durelige führt wird, bat das Interesse 
wieder auf die Chlorat-Pulver gelenkt* Man bemübte 
sich dabei vor allem, durch Zusätze die Empfindlich- 
keit zu verringern. A. von Stubenrauch (D.R.P, 95278} 
schlägt vor, Kohle nach dem Ausglühen mögliehst 
heiss mit entschwefeltem und neutralisiertem Tlieer, 
2*<aplita, Vaselin, Paraffin oder dergL zu behandeln, 
zu trocknen uod zu pulvern und dann mit dem clilor- 
sauren Kali zu vermengen ; er gibt folgendes Mischungs- 
verhältnis 

ca. 80 ^/o eblorsaures Kali, 

ca. öVa — 7\/.**/o Theer, 

ca, 12 — 14'> Kohle, 

ea* ^/b^1^/o kohlensaure Magnesia 
oder kohlensaurer Kalk, 



— 88 — 

Taver empfiehlt einen Sprengstoff, Promethee ge- 
nanntj welcher aus einem Gemenge von Kalium clilorat 
nnd Bernste^in einerseits und Petroleum oder Terpen- 
tinöl andrerseits besteht nnd ftrst kur/5 vor dem Ge- 
brauche fertig gestellt wird. 

Besonders hat sich Street in Paris um die Einführ- 
ung haltbarer Chlorat-S pr engpul v^r bemüht ; im D. R, P. 
100522/23 wird vorgeBchlagen, das fein gepulverte Chlo- 
rat (oder Perchlorat) zusammenzukneten mit der Lösung 
eines aromatischen Nitro-Derivates oder Azo-Derivates 
in einem pflanzlichen, tierischen Oel oder einem Mineral- 
öl, mit oder ohne Zusatz von Kohle oder Kohlehydraten ; 
z. B. SO^j^^ chlorsaures Kali, 
10^/n Geh 
10 "/o AzobeiiÄol oder Nitronaphtalin etc. 

Nach dem D. R. P. 117051 setzt Street der Öligen 
Lösung von aromatischen Nitro- oder Azoderivaten 
noch etwas Nitroglyzerin, Nitrocellulose oder Anilin- 
pikrat zu; nach D, K. P, 118102 werden die mit dem 
KaJiumchlorat zu mischenden festen Nitro- bezw. Azo- 
Produkte in der Wärme in Gelen gelöst, welche durch 
Erhitzen mit Hchwefel auf 1^—180*^ geschwefelt 
worden sind. — 

Im D. R. P, 124237 (Bonnet) wird statt Gel freie 
Fettsäure vorgeschlagen, z. B. 
SO" y Kahnmchlorat, 
8^/' Dinitrobenzo), 
12^j^ freie Fettsäure (z. B. Stearinsäure). 

Turpin verwendet ein Gemenge von Kaliumchlorat 
und Theer oder Har«, die zur Erzielung einer homo- 
genen Mischung mit 2**/o Alkohol-Zusatz verarbeitet 
werden; er nennt seinen Sprengstoff Pyrodialyt. Eiu 
Bericht der französisclien Sprengstoff - Kommission 
(Memorial des Foudres et Salp^tres 1901, Band XI^ 
S. 53) äussert sieh über ein solclies Gemenge [So^U 
KC10%^ lö^lo Harz) wie folgt: die Sprengkraft im ge- 
schlossenen Raum betrug 1,74, wenn die des Seh war z- 
j^ulvere zu 1,00 gesetzt wird; die Sprengkraft zweier 



Street^scher Mischungen betrn^ 1,9, — Die Kommission 
kommt zu dem Rpsiiitate, dass der Staat kein Interesse 
daran habe, den Turpin'selieii Spreiigstoif — der in die 

Kategorie der Produkte fällt, deren Fabrikation durch 1 

den französischen Staat monojiohsiert ist — herzustellen ; 

dass aber, sobald der Preis des chlorsauren Kah liis auf ' 

ungefähr 65 Francs per Zentner (= 104 Mk. per 100 kg) i 

herunterginge, Pyrodialyt ebenso wie die Street* I 

Sprengstoffe Veranlass nng geben könnten, der Frage 1 

der Cidorat'Sjjrengstoffe ernstlich näher ku treten. — | 

Für Schiesszwecke kiunmen in Betracht die D. R, I*. | 

53420 nnd 57732 (v. Brauk); das hienach hergestellte sog. ' 

KücheVsclie Wachspulver, bei welchem die einzelnen 

Chloratkörner mit einer Wacbsschicht umhüllt sind i 

(z, B. Carnauba wachs mit Zusatz von Traganth oder | 

anderem Gummi), so dass das Ganze eine fettige, sehr 
wenig sensible Masse darstellt, findet als krallig wir- 
kendes Jagdpulver eine, wenn auch beschränkte, Ver- 
wendung; ähnliche Eigenschaften zeigt auch der 
„Schnebelit", hergesteht durch Eindicken einer Misch- 
ung von Kaliumcldorat mit Stärkekleister. ; 

e) Misdmngen mit Ammonium percJdorat l 

Ammoniumperchlorat Xifi- C/O4 wird nach dem 
Miolati'schen Patent 1126Hä aus Calciumperchlorat 
mit Chlorammonium erhalten, ein früheres Patent 
103993 hatte die Umsetzung von Natriumperchlorat 
mittelst salpetersaureni Ammon vorgeschlagen. — 

Street, Alvisi, Carlson (D, R, P. 94510) stellen Spreng- • 

Stoffe mit Amraonperchlorat als Basis her; es lässt 
sich vorläuüg nicht beurteilen, ob dieses Salz sich 
nait Erfolg in <lie Praxis einführen wird- 

ä. PidvPT mit ErsuUstoffen für du Kohle. 

Als typisches Beispiel nennen wir den Petroklastit 
(Haloklastit), Nacli der Patentschrift, 957 9^:1 werden 
bei Sprengstoffen, die aus Natronsalpeter, Kalisalpeter, 
Schwefel und Kohle bestehen, statt der Kohle als ver- 



— 90 — 

brennliche, kohlenstoffhaltige Substanz Steinkohlenpeeh, 
Harze oder Fette benützt, deren Schmelzpunkt unter- 
halb 200 ® und oberhalb 30 ® liegt ; als besonders wirk- 
same Sprengstoffmischung wird z. B. folgendes Ge- 
menge angegeben: 

Natronsalpeter 69 ®/o 

Kalisalpeter 5 ®/^ 

Schwefel 10 ^/o 

Steinkohlenpech 1 5 "/<, 

Kaliumbichromat 1 ^/q. 
In der Patentschrift werden diesem Sprengstoff 
folgende Vorzüge nachgerühmt: 

„Zuerst ist er gegen Feuchtigkeit ausserordent- 
lich widerstandsfähig, so dass Petroklastit fast nur die 
Hälfte der vom Sprengsalpel er aufzunehmenden Feuch- 
tigkeit aufnimmt und ausserdem durch Feuchtigkeit 
weniger leidet. Ferner liegt die Entzündungstempera- 
tur um etwa 50 ^/o höher als bei den angeführten 
Sprengstoffen. Petroklastit entzündet sich erst bei 
mehr als 350^, Sprengsalpeter bei etwa 250^, Spreng- 
pulver bei 240®, — Petroklastit unterscheidet sich 
vom Schwarzqulver vorteilhaft dadurch, dass es beim 
Abbrennen ohne Zischen oder Feuersprühen mit 
ruhiger Flamme verbrennt und deshalb weniger ge- 
fährhch ist. Die Gase des Petroklastit wirken nicht 
derartig unangenehm auf die Respirationsorgane ein 
wie diejenigen des Schwarzpulvers. Ferner schlagen 
sich die Gase schnell nieder, so dass derartige Spreng- 
gasansammlungen, wie sich solche um die halbe Schicht 
bei dem Schwarzpulver finden und die Luft dick und 
undurchsichtig machen, nicht vorkommen. Petro- 
klastit ist gegen Schlag unempfindlicher als Spreng- 
pulver und Sprengsalpeter. Die Explosionskraft des 
Petroklastites. welcher Sprengstoff durch die Zünd- 
schnur zur Detonation gebracht werden kann, ist 
wesentlich höher wie diejenige der angeführten Spreng- 
stoffe. Sprengsalpeter gibt beispielsweise eine Wurf- 
weite im Mörser von 44 m, Sprengpulver von 49 m, 



— 91 — 

Petroklastit von üO-^ 10 m. Andere Sprengstoffe, 
welche eine höliere Wurfweite im Mörser zeigen, sind 
im Gegensatz zu Potroklastik nicht durch eine Zünd- 
schnur, soiuiern nur durcli eine KTudlquecksilber- 
Sprengkapsel Kur Detonation zn brin^j^en. — Der 
Sicherhoitssprengstüff Öarhonitj der 25 '^/ü Nitroglyzerin 
enthält, gibt unti^r diesen Beihngungen eint' Wnrl- 
weite von ea, 90 in. Der Sprengstoff des vorJiegeuden 
Patentes (F^etroklastit) ist der erste Repräsentant von 
SprengstotTen, welche den sog. brisanten Spreng- 
stoffen nahe stehen, al>er nicht aussehliesslicli durch 
eine Knallquecksilher- Sprengkaj^sel , sondern auch 
durch eine Ziindsehnur zur I)etonation gebraclit 
werden können. — Eine weitere Eigentümhchkeit des 
Spreng?itot1:es nach dem vorliegenden Verfahren be- 
steht darin, dass derselbe nnidir schiebend wirkt untl 
ein für die Arbeiten in weichem Material vorteil- 
liaftes Nachhrennen sseigt" 

Im Znsatzpatent 97 401 werden als kcblenstolT- 
haltende Materialien statt Fech oder Harzen nament- 
lich Oele, Firnisse, Lacke, Kaphtalin etc. benutzt. 

3. Pulmr mit Ermtzstoßm jür Schwe/d. 

Im Ximthat'Pidver von Dr. Seh war k haben wir 
neben dem Kalisalpeter nicht ein mechanisches (_ie- 
nionge von Sclnvefel und Kohle , sondern eine 
chemische Verbindung, welche hanptsächlieh aus 
letzteren beiden Elementen besteht, nämlich das äthyl- 
xanthogensaure Kalium, das aus Schw^eüelkoblenstoff, 
Kalilauge uiul Aethvlalkohol hergestellt wird: 

ÜS2-\-KOff-^C^HnOH=C2M,OCS^K-\-K2fk 
Dieses Salz bildet hirl>lose, seidengUtnzeude Nadeln. 

Das Xantbatpulvor besteht nun 08,49*^/0 Kalium- 
nitrat, 27,i^/oxanthogensaurem Kalivmiund4,n'^/o Kohle. 
Die einzelnen Bestandteile werden zuerst in einer 
Kugeltrommel jeder lür öicli, dann im Gemenge innig 
zerrieben, gemengt, mit Alkohol beleuchtet, zu Kuchen 
gepresst und gekörnt 



— 92 — 

Unter der Bezeichnung Haloxylin wird in Oester- 
reich von Fehleisen ein schwefelfreies Sprengpulver 
hergestellt; es besteht aus 75^ /o Kali- (oder auch Natron- 
salpeter), 15«/o Sägemehl, 8V3O/0 Holzkohle und l^/s^/o 
Eerricyankalium. — Sägemehl, Salpeter und Holz- 
kohle werden zunächst innig gemengt, worauf per 
100 kg 2 Liter Wasser, resp. Ferricyankalium-Lösung 
hinzugefügt werden. Die Masse wird dann wie ge- 
wöhnliches Pulver gedichtet, gekörnt, getrocknet und 
eventuell poliert. Haloxylin soll Schwarzpulver an 
Sprengwirkung übertreffen; jedoch dürfte vor allem 
das österreichisch-ungarische Pulvermonopol zu seiner 
Herstellung Veranlassung geben. 

Wir betrachten nun IIL andere, dem Schwarz- 
pulver nahestehende explosive Mischungen. 

1. Das KnallpvJver» 

Das sogenannte Knallpulver besteht aus drei 
Teilen Kalisalpeter, zwei Teilen kohlensaurem Kali 
und einem Teil Schwefel. Schmilzt man es und er- 
hitzt weiter, so explodiert es mit heftigem Knall. Es 
wird zuerst von Glauber in seinen „philosophischen 
Oefen" 1648 erwähnt; Glauber sagt: Wenn ein Teil 
saHs tartari, anderthalb Teil sulphuris mit drei Teilen 
salis nitti zusammengerieben werden, wird eine Kom- 
position daraus, welche fulminiert gleich wie ein „ Aurum 
tonitruans". — Eine solche Mischung explodiert aller- 
dings mit starkem Knall und ziemlicher Kraft, jedoch 
nur, wenn man sie zunächst langsam bis auf 450® C. 
erhitzt; es bildet sich dann zuerst Schwefelkalium, 
welches vom Sauerstoff des Salpeters oxydiert wird. Im 
kalten Zustand entzündet, charakterisiert sich das Knall- 
pulver kaum als Explosivstoff und schwächt, als Zusatz 
zum Schwarzpulver, dieses nur ab; die plötzlich auf- 
tretende und rasch verschwindende Flamme des Schwarz- 
pulvers ruft die beschriebene Reaktion nicht hervor ; man 
findet denn auch das Knallpulver in späteren spreng- 
technischen Vorschriften nur sehr selten empfohlen. 



- 93 — 

ä. Das Amkl-Pulver. 

Dieses Pulver besteht aus 40 — ^45*^/0 Kalisalpeter, 

'6b — 38°/o Ammonsalpeter, 
14— 22°/o Holzkohle. 
Bei der Entzündung dieses Pulvers soll sich Kaliuni- 
aniid, eine bei höherer Temperatur flüchtige Verbin- 
dung von explosivem Stickstoffkaliimi mit Ammoniak 
bilden, die den Nutzeffekt des Pulvers erhöht. Die 
p]xplosionsgleichuDg soll folgende sein: 

Dieses Pulver wurde von Gaeus in Hamburg zuerst 
hergestellt (D, R, P. 376^51 vom 14. Okt- 18ö5) und 
dann im Jahre 1886 für Geschütze kleineren Kalibern 
eingeführt; das Amidpulver verbrennt xnit geringem 
Rauch und ist von grosser Energie. — Gastner sagt 
hierüber Folgendes : Die vorteilhaften Ei genseh alten 
des braunen Pulvers C/82 bliehf^ii auf <iie grossen 
Geschützkaliber beschränkt, kamen also im Wesent- 
lichen nur der Küsten- und Schiffsartillerie zu Gute; 
es lag nahe, in den hiemit erreichten Fortschritt auch 
die kleinen Kaliber einzuschliessen ; die bezüglichen 
Versuche mit geänderter Körnergrösse und Körner- 
form, andrer Zusammensetzung und Herstellungs- 
weise hatten nicht den erhofften Erfolg. Endlich 
brachten die Vereinigten Rheinisch-Westphälischen 
Fabriken ein neues Pulver in den Handel, welches 
bei kleinem Gasdruck wesentlich mehr leistete als 
alle bisherigen Pulver. Dieses sogen. Amid-Pulver 
C/86 stimmt in Form und Farbe der Körner mit 
dem deutschen grobkörnigen Pulver C/73 ziemhch 
überein; es hinterlässt im Rohr nur wenig leicht zu 
beseitigenden Rückstand und erzeugt beim Schiessen 
nur wenig dünnen, schnell versteigenden Rauch. Die 
Krupp' sehe Fabrik erlangte mit diesem Pulver C/86 
in allen kleinen Kalibern überraschend günstige Er- 
gebnisse. Während das braune Prisma-Pulver in der 
15 cm Kanone Lßb der 51,25 kg schweren Granate 



,..,.^,M 



— 94 — 

mit 17 kg Ladung bei 2205 Atm. Gasdruck 540,5 m 
Anfangsgeschwindigkeit oder 763 m lebendige Kraft 
gab, wurden mit 14 kg Pulver C/86 bei 2490 Atm. 
Gasdruck 617 m Anfangsgeschwindigkeit und 1000 m 
lebendige Kraft erzielt. 

Die Versuche wurden mit dem gleichen Geschütz- 
kaliber ausgeführt, dessen Granaten im Januar 1871 
bis in das Herz von Paris drangen und welches 1864 
bei der Belagerung von Düppel die 11 cm dicken 
Panzer des Rolf Krake so erfolglos beschossen hatten; 
freilich hatten damals die 27,5 kg schweren guss- 
eisernen Granaten nur 270 m Anfangsgeschwindig- 
keit und 103 m lebendige Kraft; die Arbeitskraft 
oder Leistung dieses Kalibers ist also inzwischen ver- 
zehnfacht worden. — Das grobkörnige Pulver C/86 
bildete in seiner Arbeitsleistung und seinem Ver- 
halten den Uebergang zum heutigen rauchlosen Pulver, 
mit welchem 1888 eine neue Epoche in der Entwick- 
lung des Schiesspulvers anhebt. — Nach Engla^id 
wird das Amid-Pulver unter der Bezeichnung Chil- 
worth Special-Powder importiert. 

3. Fikratpulver, 

Die Pikrinsäure (Trinitrophenol, Ce H2 (N02)3 OH) 
und auch ihre Salze, soweit s'iejür sich als Sprengstoffe 
dienen und mittelst Initialzündung als brisanter Ex- 
plosivstoff zur Detonation gebracht werden, bleiben 
vorläufig ausser Betracht; hier sollen nur die dem 
Schwarzpulver ähnlichen Gemische aus Kalisalpeter 
und pikrinsauren Salzen erwähnt werden ; es handelt 
sich also auch um Surrogate für Schwarzpulver, an 
Stelle von Kohle und Schwefel sind hier pikrinsaure 
Salze getreten. — Ein Pulver aus Salpeter und pikrin- 
saurem Kali wurde zuerst von Dessignole im Jahre 
1861 hergestellt; sieben Jahre später erfolgte die Her- 
stellung in den französischen Staatsfabriken in Le 
Bouchet.auf ziemlich grossem Fusse; man stellte vier 
Arten des Dessignole'schen Pulvers her. 



- 95 



1. Sprengpulver für Torpedo's und Hohlgeschosse, 
ungefähr aus gleichen Teilen Kalisalpeter und 
Kaliumpikrat bestehend ; 

2. rasch wirkendes Kanonenpulver für Geschütze 
mit kurzem Rohr; 

3. langsam wirkendes Kanonenpulver für Geschütze 
mit langem Rohr; 

4. Gewehrpulver. 

Die Schiesspulver 2., 3. und 4. enthielten sämt- 
lich zur Verminderung der Brisanz auch Kohle und 
zwar 7--10^/o; die Kanonenpulver enthielten 9 — 16 ^/a 
Kaliumpikrat, das Gewehrpulver ungefähr 23^/^^. 

Die Herstellung der Pikratpulver geschah auf 
folgende Weise: Die Mischung der einzelnen Be- 
standteile wurde unter Zusatz von 6 — 14 ^/^ Wasser 
drei bis sechs Stunden lang gestampft, dann mittelst 
einer hydraulischen Presse gedichtet, gekörnt und in 
der gewöhnlichen Weise in rotierenden Tonnen po- 
liert. — Im deutsch -französischen Kriege 1870/71 
soll einige aus Dessignole'schen Pulver verfertigte 
Gewehrmunition verbraucht worden sein ; man scheint 
aber hiebei keine günstigen Erfahrungen gesammelt zu 
haben, da die Fabrikation des Pulvers in den 70iger 
Jahren nicht fortgesetzt wurde. Der Erfinder be- 
zeichnet als Vorzüge seines Pulvers den alten gegen- 
über eine grössere ballistische, bezw. Sprengwirkung 
bei verhältnissmässig geringem und wenig schädlichem 
Rauch; ausserdem wird infolge der Abwesenheit von 
Schwefel das Metall der Gewehre und Geschütze 
durch die Verbrennungsprodukte nicht so angegriffen 
wie bei den schwefelhaltigen Mischungen. 

Um die Menge der festen Explosions-Produkte 
zu verringern ersetzte im Jahre 1869 Brugöre das 
von Dessignole gebrauchte Kaliumpikrat durch Am- 
moniumpikrat; er stellte ein Pulver her aus 54 Teilen 
Ammoniumpikrat und 46 Teilen Kaliumsalpeter. 

Das Poudre Brug^re wurde im Jahre 1886 ver- 
suchsweise in der französischen Armee für das Lebel- 



wm^ 




— 96 — 

Oewehr benutzt; die damit jjjemacliten Erfahrungen 
waren nicht ungünstig; die ballistische Wirkung über- 
trifft (linjenige des Schwarzpnlvers um etwa dos rlrf*!- 
fache; die Verbrennung geht beinahe raucldos vor 
sich ; dagegen sind die Pikrat-Misehpulver gegen 
Reibung, 8toss und Erhitscen sehr empfindlich, auch 
stellt sich bei Ihnen ohne nachweisbaren fremden 
Einrtiiss aUmäldich eine freiwiVHge Zerset/tnig ein ; 
auch der hohe Preis des Ammoniumpikrats kommt 
in Betracht. Besonders aber war es ungünstig für 
die Pikrat- Pulver, dass man 1885 in den colloidalen 
Cell ulose- Nitraten ein für den erstrebten Zweck ge- 
eigneteres Material gefunden hatte. — Die später in 
Deutschland genommenen Patente (D. R, P. 1954 vom 
30. Aug. 1877 (Dieckerhoff) und D, R. P. 32891 vom 
26. Okt. 1884 (Broncs), haben schon aus dem Grunde 
keine praktische Bedeutung für die Explosivstoff- 
Technik, weil die betreffenden Präparate Pikrate der 
fixen Alkalien enthalien; diese Sal/,e sind gegen Stoss 
und Sehlag aaüiserordentlich empfindlich und detonieren 
auch direkt beim Berühren mit einem brennenden 
Körper, so dass sie mit besonderer \'orsicht gehandhabt 
werden müssen und desshalb vom Eisenbahntransport 
ausgeschlossen sind. Nur das Annnoniumpikrat ist 
yerhäUnissmüssig wenig sensibel und besitzt Eigen- 
schaften, welche es zu einer Verwendung als Geschoss- 
treibmittel geeignet erscheinen lassen; es wird auch zur 
Zeit wieder verwendet, k, B. in England bei dem picria 
powder von Abel; in Amerika .stellt man nach dem 
U. S. P. 527 56*^ ein Pulver aus Ammonium pikrat und 
KaHumbichromat her; das D. R. P. 96 568 vom 7. Ok- 
tober 1896 (Halsey u. Sa vage) hat /Ann Patentanspruch : 
,,ein rauch tos es Pulver, welches in bekannter Weise 
aus Annnoniumpikrat und Kuliumbitdiromat besteht, 
gekennzeii Imet durch einenZusatz von Kalium- bezw. 
Natrinm]if nnanganat oder Hyi^erwoHramat, welcher 
Mischung nocli ein Nitrat der alkalischen Erden zu- 
gesetzt werden kann/* 



— 97 — 

Fhircli die ZnsätKe soll vor Allem eine laugsaoierH 
Verbrennung i herbeigeführt werden. Die Herst eil un)^ 
von Amjnoniuüipikrat geschieht in der Weise, daas 
man eine heisse Lösung von Pikrinsäure mit einer 
konzentrierten wässerigen Lösung von Ammoniak sät- 
tigt oder Animoniak-Oas einleitet oder mit kolden- 
saurem oder schwefelsaurem Ammoniak zusammen 
bringt. — Zur gefall rloseri Herstelhiug von Prikalen 
im Allgemeinen hat sich Giranl in Paris ein Ver- 
fahren schützen lassen (D. R. P. 12:^151 vom 6. Jan. 
19fJ0) mit folgenden Patentansprüchen: 1. Verfahren 
zur Fabrikation von Alkuh-, Erdalkali-, Erd- um! 
Bt^hwermetallpiknilen, *Iadurclj gekennzeichnet, dass 
man eine ölige Lösung von Pikrinsäure mit dem 
betreffenden Oxyd oder Karbonat versetzt; 2. eine 
Ausführungsform des unter L geschützten Verfahrens, 
bei welcher das Oxyd oder Karbonat ersetzt ist durch 
ein fettsanre.'^ Balz des betreffenden Metalls. 

Wir müssen noch einen Blick auf die Wirtschaft' 
liehe Entwicklung der Industrie des Scliwarzpulvers 
inid ähnlicher Gemische werfen. 

In Franh-eich ') bestand schon vor der grossen 
Revolution ein Pulvermonopol; dessen heutige Gestah 
l>erulit auf dem Gesetz vom 13, Fruetidor J. V. 
(30. August 1797), wodurch im Interesse der inneren 
Sicherheit und der Sicherstellung der nationalen Ver- 
teidigung die Fabrikation und der Vortrieb von Pulver 
dem Staate erhalten bheb. Auch die riewinnung von 
Salpeter war bis 1819 ein Monopol. Die Fabrikation 
des Pulvers ist in Frankreich hcate dem Kriegs^ 
Ministerium, der Verkauf dem FinauKmi nisten um 
unterstellt. Für Bergwerke wird das Pulver zuni 
Selbstkostenpreis abgegeben, zu höherem Preise das 
Jagdpulver, wodurch dem Fiskus der Hauptgewinn 
erwächst; ein Preisnaehlass wird den Verschleissern 



^) Siehe Max vtm Heckel im Handwörterbuch iler Staatawisaen- 
I hatten, 11, AuHage. Srite 27B. 

T 



- 98 — 

gewährt. Die Pulvereinfuhr ist verboten; Reisende 
sind befugt, Meiigen bis zu 2 Kilogramm mit sich 
zu führen, wenn das Pulver nachweislich zu eigenem 
Verbrauclie verwendet werden soll. Die in Frank- 
reich abgesetzten Quantitäten, sowie der Erlös und 
der erzielte Gewinn waren seit 1819 — 1885 in steter 
Zunahme begriffen. Die Mengen sind von 0,68 auf 
4,&5 Millionen Kilogramm gestiegen, der Erlös von 
3,31 aul" l^^fT Mihionen Francs; der Ertrag belief 
sieh im Budget für 1900 auf 11,523 Millionen Francs. 
Im Laufe der letzten Jahre ist eine Mehrzahl von 
Dekreten ergangen, die sich mit der Festsetzung der 
Preise für die verschiedenen Pulversorten u. s. w. 
beschäftigen. 

In Oesterrewh wurde seit 1650 ein Salpeter- und 
Pulver-Monopol ausgebildet; 1853 ist das Salpeter- 
MonojJül aufgeholfen, das Pulver-Monopol aber als 
Fabrikations- und Verschleiss-Monopol beibehalten 
worden ; die Verwaltung steht den Militär-(Artillerie-) 
Behörden zu; die Wirksamkeit des Monopols ist be- 
soliränkt. Die Ht>rstellung von Pulver durch Privat- 
]>ersnnen darf nur mit Ermächtigung der Militär- 
behörde geschehen, welche die zu erzeugende Pulver- 
menge und den zu verarbeitenden Salpeter vorschreiben. 
Das Fabrikat ist dann an die Militär-Magazine abzu- 
liefern. Für den Orross- und Klein- Verschleiss ist eine 
Lizenz erforderlich, die von den politischen Behörden 
erster Instanz im Einvernehmen mit den Mihtär- 
hehönleu erteilt wird. Für den Verkauf, Umgestal- 
tung des Monopol-Gegenstandes und sonstige Ver- 
kaiifs' und Absatzbedingungen besteht eine Anzahl 
besonderer Vorschriften. Die gleichen Rechtsverhält- 
nisse gelten auch für Ungarn. 

In Italien bestand in den Jahren 1867 — 69 auf 
dem Festlande und in Sardinien ein Pulvermonopol, 
welches durch eino im Jahre 1877 erheblich erhöhte 
Steuer ersetzt wunle. 

Serbien hat ein Monopol für Herstellung und Ver* 



Li 



— 99 — 

kauf von Pulver. (Gesetze vom Jalire 1884 luid lb85); 
der Kogierung steht die Befugnis zu, dasselbe auf 
2b Jahre ku verpachten. 

In DfMiichland besteht kein staatliches Monopol, 
jedoch hat die wirtschaftliche Entwieklung zur Karte] - 
lif^rung der Privatindustrie geführt. Zunächst wurde 
das Schwarzpulver von PiiivermüUern innerhalb der 
Htädte er^eagt; im Jahre 1360 geriet das Rathaus 
zu Lübeck durch die Nachlässigkeit derer „qui pul- 
veres pro bombardis parabant" in Brand; es scheint, 
dass man :^TO Jahre lang die Herstellung von Pulver 
in bewohnten Stadtteilen geduldet hat- Später er- 
gingen Verordnungen, so z. B. im Jahre 1528 in 
Breslau, wonach kein I*ulver mehr in der Stadt ge- 
raaclit werden solle. Die Pulvermüiden wurden dann 
hauptsäelilich an solchen Orten angelegt, wo grössere 
Wasserkräfte zur Verfügung waren. Eine der ältesten 
deutschen Pulverfabriken dürfte wohl jene von W. 
früUler zu Reichenstein (Preuss. Schlesien) sein; der 
von dem jetzigen Inhaber, KonniierKienrat Hermann 
Uüttler anlässlieh des 200jährigen JuhihUims hc^i-aus- 
gegebenen Festsclirift entnehmen wir das Duplikat der 
Erlaubnis- LT rknnde vom 18. Juni IBOf}, 

„aäön 3Littlid)cr 5}oi|cl)un9 Wiv, 9t^^iuftilu[c^ Mbi uiib 
V>crr be^^ihftl. -^Itoltcr^fetieft^ ©airunlji, lieljt, Cibcu^ iion 
L^iftet^ X. r. iinb iieöni iiu§ J. Somniicus ^prtov, 5. ^im^ 
Brnüw 5- ©uittclnru^ p. 5[. ^|U'a(}i})ttu^j äßarttac, ^y. 
C^OHLtttiu^ SiilJprtür, im luil^nteit bei c^ani^^u (wftl. 3aiTib= 
Imig aiil)\n, Uf}rfuiibm unb i^efeaiien t]leriini, ba^ bcm-^ 
iiiid) t»er (Si)rfantmc, \ln\H tjc treuer tiebcr JpaiiÄ .(lrti£)[, 
'4.hitbETmad^er, uittcr unferev bc^ ^tteffs Outi^bictioa ;^u 
l^}lei)fvidöbürf, jeincr erternten '|U'öfcffiou md) ,^u bem^^^hiliicu' 
nmd)En unb \m\^ bicfem an^äiuvg i[t, mit übn9tcithd)cr 3)cr; 
t}imfti(]unfi geiüiffcr Stüife attcn i)itd)i^ fic^ biö[)ciü };ma\ 
(\zbnmd){, barübcr aber nid^t§ £d)iiftfid)e^ reLl)tn!üßiL^ea 
iöefi^e^ bevfclbeii niDeifcii faniiten, Sir iiiit noi\]eI]Lihteiti 
-)tat[)c, auf ci^bac£)teu V>an^ fiial)l iic^orfamb — luib in- 
ftanbiac^^ btctten, ifinie l)eute acto, ctblid) i^ctfaitfft imb 



— 100 — 

i^ingelafeen t)a6en tote l^ernad) folget. IHP.) 3ft bie ©al= 
petex=I|ütten, ober fein fogenannteS laboratortunt in betn 
QÜen=9led)t juned^ft ^einrid^ SBeniger'S am Obern unb 
SJfartin Stil^rs beS Sliebern, am untern 2:i^eife gelegen, in 
benen albereit eingejeümbten ©rangen, 3^tne, Arabien, 
unbt feinen nad)fommenben ßrben unb ©rbnel^men. fo fange 
biefeS gu öorgebac^ter ^rofeffion be§ ^ulöermad^eS gebraucht 
roerbt, umb einen jäl^rlid^en ©rbjünfe iebe§mat|f Stermin 
2Rid^aeli§ 18 gr. erbl o^ne anbre 33ef(i)tt)erben ju be= 
fielen unbt auf foldie ron^ feinem unb feiner Succefforum 
(Sefaflen nad) ^inmieberumb ju t)eralieniren ober ju t)er= 
fd)enfen unb ju öerfauffen eingeraeumet jebbd^ mit biefem 
Sefd^eibe: Jffiann barauS über fur§ ober fang ein 2luen= 
{)au§ gemad^et toerben foUte, biefeS anberen 9luen=§aeufern 
gfeid^ njerben unb bcfie^er beffcn, nad^ fold^er Sßeranberung 
alle barauf fommenbe Sobotl^en ju t)erridt)ten, jäl^rf. 6 gr. 
6vb=3ünfe unb fo offte eg üon nöt^en, in bte ©emeinbe Don 
Svott) 3[Jtarfen=©d|a^ung beizutragen fd^ulbig unb entgegen 
obige 18 gr. abgetl^an fein foDen. 2J) §aben toir me^r= 
gemefbetem §anfe .^ral^f bie jur 3eit gleid|faff8 öon 3i^m 
jtoar erbaut aber bfo| precario gebrandet unb befeffene 
3iüe^=^uft)er=5!Jlül^len, bie eine in bem SJletjfrieteborfer 
C)bcr=5Bief|=tt)ege junedtift be§ ©d^of^enS ju ^offmerSborf ®e= 
]^oI§e, j. ?:. mit benen Ijieju benötl^igten unb aufegejeid^neten 
2öafferlacuffen erbfidt) ju ^aben, ju befielen j. j. ban auf 
bem 9(uen=5Redt)te fo t)ief er jum 5pult)ermad|en brandet, 
nötf)ige Äof)fen brennen unb barmit aud^ naij feinem ©e= 
faflen, geba^ren , l^intDieberumb üerfauffen, Derfd^enfen, t)er= 
roedöfelu an anbere ^offeffore§ (iebod^ Unfern unb be§ ©tift§ 
Dli= unbt 33ot^mäffig!eiten aöema^f onfdjäblid^) bringen ju 
fön neu eingeräumt unb fofd^e^ alfe§ öerfauffet umb eine 
Summe ®efbe§ 3toe^ §unbett S^afer fd^fefifd^, toeld^e 
mi aÖfobafbt baar empfangen unbt ju be§ ©tiefte ?lu§en 
angetüenbet l^aben. Sonften foH oft erneuter ^an^ ßral^f 
unbt feine 9?adE)fommenbe über bie bejal^Ite ßauf=©umma 
jä^rl. bem ©tieft Termin 3Jiid^aeti§ t)on fofd^en bre^ 
9Jtü{)len fambt bem 3)örr^aeufef ju einem immertoal^renbcri 
3ün^, einen 2^aler 9 gr. abjafüJ^ren fd^ulbig fein. SBefd^eS 



— 101 — 

alles ,5U lüdlji'er i^CL^lnubi^iuiig nnt Linf)äiigfiibeii Uiiferm 
unM (>, 'JJi. (.^. düriticntu^^Cviififö^t" unb gcmül)Tili(l)en 
lliitcrfct)rifteii betraf tioit lüorbcii. 5en adjtjdKubcu ÜJioiuitljö- 
tatj ^^iiiii) bes ied)e,^chaliuubfrtfütTf unb iieunl^igftcn 3n1)ie^." 

Die^H' rulvennühien bestehen noch heute als 
Kij^eiULim der Firma W. Güttier bei Maifritzdorf-Foll- 
mersdorl'-Heiiiriclisvvftkle im Reg.-Bez Breslau, Kreis 
FrunkenäteiTi in Scldpaion; eingüheniiere Details flntieii 
sieli in der erwähnten Jubiläumsschrift, welche auch 
zahlreiche Alihildun^^en enthält. 

Von langem Best an rl sind auch die Werke von 
('raEuer mid Buclihoh; diese Fabrik wurde ge^f^n 
1760—1770 von Johann Hermann Cranier in Run- 
sahl in Westfalen gegründet; 1826 teilte sich die 
Fabrik in die Firmen Cramer tt Buclilmlz und Carl 
l'lieodor Gramer, welch letztere 1851 nach dem Tode 
des Inhabers an die Firma Gramer <fe Buchholz über- 
ging, deren einziger Inhaber mittlerweile der Kommer- 
zienrat Carl Friedrich Bnchholz geworden war; im 
Jahre 1873 wurde die Fabrik von Joliann Hampe 
Nachi in Rüheland angekauft und dort eine Zweig- 
niederlassung gegründet. 

IS92 wurde die Firma umgewandelt in 
Gramer ^ Buchholz, 
Pulverfabriken mit beschränkter Haftung. 

Eine andre alte Pulverfabrik w^ar die im Jahre 
1798 gegründete von L. Ritter in Hamm in West- 
falen, welche jedoeh später von den Köln-Rott weiter ^ 
Pulver iah riken aufgekauft wurde. 

Ebenfalls alten Bestandes ist die Pulverfabrik 
von Wolff & Go, in Walsrode in Hannover, welche 
jetzt als Kommanditgesellschaft auf Aktien mit einem 
Kapital von M00,000 Mk. betrieben wird. 

Die auch schon lange existierende Pulverfabrik 
der Faniiüe Martin in Öt. Ingbert wurde im Jahre 
1898 unter der Firma 

Pfälzische Pulverfabriken, Akt-Ges. in St. Ingbert 
in eine Aktiengesellschaft verwandelt; diese Gesell- 



Üi 



— 102 — 

Schaft, welche mit einem Aktienkapital von 1 V« Millionen 
Mark arbeitet, erwarb dann auch von der Firma Raab 
Karcher & Co. die in Schopp in der Pfalz gelegene 
Pulverfabrik und richtete dieselbe neu ein. 

Die im Jahre 1886 gegründete Rheinisch- W est- 
fälische-Sprengstoff- Aktien-Gesellschaft in Köln (Fabrik 
in Rönsahl u. s. w.) ist aus der im Jahre 1784 ge- 
gründeten Rönsahler Pulverfabrik hervorgegangen. 

Die Pulverfabrik Tinsdal in Holstein, Akt.-Ges. 
mit dem Sitze in Hamburg betreibt eine an der Elbe 
gelegene, früher der Firma Klee und Köcher gehörige 
Pulverfabrik mit einem Aktienkapital von 150.000 Mk. 

Am interessantesten ist die Entwicklung der Ver- 
einigten Köln - Rottweiler Pulverfabrikeu, in welcher 
Firma eine grosse Anzahl früherer kleinerer Betriebe 
im Laufe der Zeit aufgegangen sind. 

Diese kleinen Pulvermühlen, welche, wie wir ge- 
sehen haben, ausserhalb bewohnter Orte angelegt 
werden mussten, möglichst an Stellen, wo Wasser- 
kraft zur Verfügung stand, (der Dampfbetrieb in 
Pulverfabriken gehört erst der neueren Zeit an) waren 
in Beziehung auf ihre geographische Lage nach folgenden 
Gegenden gruppiert: *) 

1. Westdeutschland mit Rheinland und Westfalen, 

2. Thüringen und Sachsen, 

3. Süddeutschland, besonders Württemberg und 
Bayern, 

4. Schlesien, 

5. Norddeutschland, besonders Schleswig-Holstein 
und Hannover. 

Die Gründe wirtschaftlicher Art für die Ent- 
stehung der Pulverfabriken innerhalb dieser Gruppen 
liegen, abgesehen von einzelnen Jagdpulverfabriken, 
zunächst für den Absatz von Sprengpulver für Berg- 
bau in dem Bestreben, zur Verminderung der Kosten 

^) Yergl. Dr. Karl Hampke in Deutsche Wirtschaftskunde, 
Band III. Seite 529. 



— loa — 



flfr Aiilif*f*>ning, welche zur Zeit nur mittelst Fulire 
prf<"l^en konnte, dein Absjatzgebiete mögHeliRt nalie 
zu kommen. Als solche Absatzgobiete sind uament- 
lieh zu bezeielnien: 

a) in \Vest-I)eutsfhlan<l die Bezirke des Eisen- 
liergliaues an der Sieg, des Kuhlenliergbaues 
an der Ruhr und an der öaar; 

b) in Thüringen und Huchsen die Kupferberg- 
werke bei Mansteld am Harz, der Bezirk des 
sächsischen Erzbergbaues bei Freiburg i, S., 
die sächsischen Kohlenbergwerke bei Zwickau 
und in Potschajipel bei Dresden; 

c) in Schlesien die oberschlesischen Kohlenreviere; 

d) in Württemberg und Bayern ist die Eiitötehnng 
der Pnlverhibriken von Salzbergwerken, ganz 
bedeutenden Strassen- und Ei isenbnbn bauten 
und grossartigen Steinbruchbetrieben abhängig 
gewesen ; 

e) in Norddeutschland ist für die Anlage von 
F'ulverfabriken an ihren jetzigen Betriebsorten 
die für den Export günstige Lage in der 
Nähe von Hamburg und Bremen bestimmend 
gewesen. 

Im Laute der Zeit bildete sich nun in Süddeutsch- 
land einerseits, am Rheiji andrerseits je eine bedeutende 
Firma, welche eine grosse Zahl kleiner Betriebe in sich 
aufnahm. '^) 

In Süddeutschland w^ar es der unlängst ver- 
storbene Max Duttenhofer in Rottweil, welcher An- 
fang der eOiger Jahre eine kleine Pulveriuühle als 
sein väterliches Erbe übernahm; es war dies unmittel- 
bar vor dem Ausbruch dreier, in kurzen Zwischeji- 
räumen sich folgender Kriege, und da Duttenhofer es 
verstand, in den massgebenden mihtärischen Kreisen 

*) Vgl. Kftrtellverljinduagen im Pulvergeachäft und vervrandten 
ProdaktioDsz\ve)g:pn von V\ A. Spiecker in den i^th ritten des Vereins 
für Sozialpolitik, Eand m, Seite 245. 

Femer Georjj Feucliter, der deutsche PulTerring'. rTÖpping^n 189f). 



— 104 — 

sich Eingang zu verschaffen, so kam seine Fabrik 
durch Lieferungen von Kriegsfuilver bald in Blüte. 
8rhon im Jahre IHTä ging (He Rottweiler Pulver- 
fabrik in den Besitz einer Aktiengesellschaft über mit 
Hrn, Duttenhot'er als Generaldirektor an der Spitze; 
das Aktienkapital wurde auf die verhältniss massig ge- 
ringe Summe von 210,000 Gulden festgesetzt. 

Inzwischen steigerten sich aber die Militärpulver- 
Auf träge von Jahr zu Jahr, so dass die Rott weder 
Pulverfabrik bald verschied-me kleinere, in Württem- 
berg, Baden und Bayf^rn zerstreute l*ulver\verke auf- 
kaufen und entweder niederreisseu oder zur aus- 
schliesslichen Fabrikation von Handelspulver ein- 
richten konnte, während sich Rottweil selbst mit 
voller Wucht auf die Mditärijulver- Fabrikation warf. 
Im Jalire 187fi wurde, um dem Weltverkehr näher 
zu sein, von der Rottweiler Aktiengesellschaft <lie 
Pulverfabrik Düneberg bei Hamburg gegründet und 
sowohl zur Militär- als zur Exporti>nlver-Fabrikation in 
gn>ssem Massstabe eingerichtet; nach Hamburg selbst 
wurde das kaufmännische Exportbureau verlegt, während 
in Rottweil das Zentral bureau verblieb. Von diesem 
Zeitpunkt ab führte die Gesellschaft den Namen 
Pulverfabrik Rottwoil Hamburg. Das Aktienkapital 
wurde allmählich erhölit und betrug im Jahre 1884 
2.7O0.OOO Mk. 

Ungefähr zur gleichen Zeit, als die Kottweiler 
Pulverfabrik an eine Aktiengesellschaft überging, voll- 
zog sich am deutschen Unterrhein ein ähnlicher Pro- 
zess, nämlich die 1873 erfolgte Vereinigung von 19 
in Rheinland und Westfalen s^erstreuten Pulverfabriken 
zu einer Aktiengesellschaft unter dem Namen „Ver- 
einigte Rheinisch-Westfälische Pulverfabriken'* mit dem 
Zentralsitz in Köln und Herrn J. N. Heidemann als 
Generaldirk tor an der Spitze. 

Diese Fabriken, in Mitten zweier Industrie und 
grubenreichen Provinzen gelegen imd ursprünglich 
weit kapitalkräftiger und umfangreicher als die Rott- 



— tUO " 

wpiler Fabrik, Letassten sit^ii in erster Linie mit der 
Ilorätelluiig von Handels-, namentlich Hpreugjiulver, 
für weiches jene Gegenden eiti dankbares AböatKgeliiet 
bilden. Später zog jedocli die rheinische (lesellschaft 
auch die Fabrikation des prismatischen Geschützpnlvers 
in iliren Bereich und nun entstand ein scharfes Kon- 
kurrieren zwischen Koln und Kottweil, welelies schliess- 
bell dahin führte, dass beide l^'iriuen am 14. Marx 1882 
einen „bescbränkten Kartellvertrag'* schlössen, mit rück- 
wirkender Kraft vom 10. Mai 1H81 ab, zunäcfist auf 
die Dauer von 4 Jahren. 

Der Kartell vertrag war beschränkt auf die gegen- 
seitige Gewinnbetinligung — zu gleichen Teilen — 
an denjenigen Geschäften, für welche die beiden Kon- 
trahentinnen allehi in Betracht ktimmen konnten wegen 
der dabei vorausgesetzten holien technischen Leistungs- 
fähigkeit, (PrismenPulver.) Alle anderen Geschäfte, bei 
welchen auclj die kleineren Betriebe in Konkurrenz 
treten konnten, blieben von der Wirksamkeit dieses 
Kartellvertrages ausgeschlossen. Kür diejenigen Pulver^ 
welche auch mit einfaeheren Betriebseinriehtungen her- 
gestellt werden konnten, wurden hin und wieder Ver- 
träge mit den kleineren Konkurrenten geseid ossen, 
wekdie teils eine Preisvereinbarung mit oder ohne 
Begrenzung des Absatzgebietes, teils eine Verteilung 
der Absatzmenge unter syndikatsmässiger Gewinnver- 
teilung bezweckten. 

Unter den nnabliängig gebliebenen Kleinbetrieben 
schwangen sich im Laufe der Zeit wiederum einzelne 
KU höherer, technischer Leistungsfähigkeit empor; 
alsbald trat auch bei ihnen das Bedarf nisa zu engerem 
Arischluss untereinander hervor. So kam es, dass die 
V^irtua Cramertt Buchholz in Ronsahl und Rübeland mit 
der Kirma Wolff & Oo. in W aisrode zur gemeinsamen 
Verrechnung ihres Geschäftsergebnisses sich in kartelL 
massiger Weise verband; so vereint wurden die beiden 
letztgenannten Firmen aehtungerweckende Konkur- 
renten für die beiden jLi^rÖsseren Gesellschaften. 



^^■ «.^ui^pga 



— 106 - 

Es wuriie daher im Mai 1889 zwischon den 

1. Vr?reini^tpn Rlieinisch-Weatphälischen Pnlver- 
fabrikeii in Köln, 

2. der Pulverfabrik Kottweil-IIatubiir^, 

3^ der Fabrik C ramer i.^' Bueljbolz in i^önsalil und 
Rübelaiid, 

4. der Firma Wolff <& Co. in WaLsrodö 
ein fernerer Kartell vertrag abgeschlos^sen, durch ^elchea 
jedem der vier Kontrahenten, bei voller Wahrung seiner 
Unabhängigkeit nnd Selbständigkeit ein prozentual 
festgesetzter Anteil an dem gesamten Gesehäfeergeb- 
nis der vier Firmeti üugehiichert wurde. 

Bald darauf vollzog sich die Fusion der llhein^ 
ischen Gesellschaft mit der Euttweil-Hamburgx^r ; am 
1. Jnli 18H9 wurde zunächst eine Personal -Union 
herbeigeführt, indem Duitenhofer zu Gunsten von 
Heidemann als Generaldirektor abdonkte; am 1. Januar 
1890 fand die Verschmelzung der beiden Firmen , 
nämlich der Rheinisch Westtalischen Pulverfabrik mit 
7.2 Milhonen Mk. Aktienkapital und der Pulverfabrik 
Kottweil-Hamburg mit 9 Millionen Mk. Aktienkapital 
unter dem Namen 

\'ereinigte Köln-RottweäJer Pulverfabriken 
s!;itt; die neue Gesellscliaft war mit 300.0(X) Mk. ge- 
grüodel worden, hatte aber nach Anfnalnue der beiden 
grossen Firmen über ein Kapital von 16^^ Millionen 
Mk. zu V erfüge n- 

Im Eigentum der neuen Gesellschaft befinden 
sich ferner die Pulverfabriken Tinsdal in Holstein 
und Kunigunde im Harz, beide mit abgesonderter 
Verrechnung und Verwaltung. 

Mit den Firmen Gramer <fc Buehholz, sowie 
Wolff & Co. bildet die Köln-Rottweiler Firma die sogen. 
„Pulvergruppe. *^ — Diese Pulvergruppe war schon 
kurz vor der Fusion Köln- Rottweil weiterhin niit der 
sogen. „Sjjrengstoffgruppe'*, welche sich nach Ein- 
führung des Dynamits gebildet hatte und durch die 
weitere Erfindung des rauchlose]i Pulvers von noch 



— 107 — 

grosserer Bedeutung geworJßn war, eiiieu KarLellver' 
trag eingegaDgeii) der mit Wirkung vom L Juli 1889 
liis 131. Dezember 1925 geschlossen und als sogen. 
„Allgemeiner Kfir teilvertrag** von der grössten Be- 
deutung ^ewonleii ist. 

Dieser Allgemeine Kartellvertrag wird an andrer 
Stelle zu berücksichtigen sein, da er als solcber die 
Sc hwarzpulvt^r- Industrie nicht berührt. 

Für die SchwarzpuWer Industrie kommen, ausser 
dem Kartell vom Mai 18H9, noch Preiskonventionen 
zwischen den Kartellierten einerseits, den ausserlialb 
.stehenden Firmen ( Pfalz ische Pulverfabrik, W. tiüttler 
etc. eto.) audrerseitH in Betracht. 

Noch zu erwähnen sind die staatlichen Pulver- 
fabriken in Spandau, Hanau und Ingolstadt. Die 
Herstellung des Schwarzpulvers aus Salpeter, Kohle 
und Schwefel auf dem Wege rein mechanischer Ver- 
mischung stellte keine zu grossen Anforderungen an 
das technische Können und so konnten diese Fabriken 
gut von Offizieren geleitet werden, die als Leutnants 
zu Direktions- Assistenten, als Hauptleute zu Unter- 
direktoren, als Stabsoffiziere zu Direktoren der ein- 
zelnen Fabriken avancierten; einzelne Offiziere, wie 
General Küster, Oberst Castenholz u. A. erwarben 
sich hiebei einen besonderen Namen. 

Die neuen Erfindungen auf dem Gebiete der Ex- 
plosionstechnik haben auch hier neue Bedürfnisse ge- 
zeitigt, und es wurde auf den Rat von General Küster 
in Spandau ein für Chemiker und Physiker bestimmtes 
Militär-Versuchsamt (früher Versuchs-Stelle für Spreng- 
stoffe benannt) gegründet, von welchem später noch 
die Rede sein soll. 

Zum Schlüsse wollen wir noch einen Blick auf 
die Industrie des Schwarzpulvers in den Vereinigten 
Staaten von Nord-Amerika werfen. Als Begründer 
dieses Industriezweiges auf rationeller Basis darf Elen- 
there Jrenee du Pont de Nemours angesehen werden, 
der, ein Schüler Lavoisiers, vor 100 Jahren die heute 



— 108 — 

vvelU^e kannten Werke zu Wilmington in Delaware 
anlegte. 

Es wurde schon erwähnt, dass in den Vereinigten 
^Staaten im Jahre 1902 in B7 Etablissements 97 744 237 
Pfund Rchwar/.{mlver zu Spren^^z wecken (im Wert von 
;i 880 910 Dollars) erzeugt wurden; für Schiesszwecke 
wurden hergestellt 2'^ 638 804 Pfund Schwarzpulver, 
im Werte von 1452.-i77 Dollars, haaptsächhch in 
Pennsylvanien, <Miio, Delaware und -Iowa. 

Für letztere Mengen wurden verbraucht 
8614 Tonen Kalisal|>eter, 
147 810 Busheis Holzkohle, 

1282 Tonen gereinigter Schwefel. 
Die Znsammensetzung des amerikanischen Reh warz- 
pulvers für Sclhessz wecke ist gewöhnlich 
750/0 Kalisal]>etor, 15°/o Holzkohle, 10 "/d Schwefel 

Kurz erwähnt sei noch Belgien mit der rühm- 
liehst bekannten kgh Pulverfabrik von Cooppal & Co, 
zu Wetteren bei Gand in Flandern, sowie Portugal 
mit der staatlichen Schvvarzpulverfabrik in Barcarenaj 
etwa 15 Kilometer nördlich von Lisf^nhon an der Linie 
nach t-iutra. 



Nachtrag. 



L Schwarzpulyer. 

Auf der L>üssi?ldürJfer Auästelhmg hatten die Koln- 
liottweiler Fulverfaln-ikeii folgende Sorten Schwtirz- 
jaüver ausgestellt : 

Gevvehrpulver M. 7 L Neues deutsches Oe weh rpulver 

M. 71/H4. 
Fein körn iji^efi Gfisehützjjulver. Grobkörnigea CTOscliütz- 

pulver 4 — 9 mm. 
Deutsches grobkörniges Geschüt^palver. Braunp.s 

grobkörniges Geschntzpulver 1 — 3 mm, 
JSatzringpulver, Züuderpulver. Füll pulver. Pro- 

gressivpulver. Mnsketpulvpr. 
Spreugladungspiilver2— 4mm,6 — lOnunj lO-LHnim, 

("Tranat|iulvpr (>. S. 10 — ^IB mni, 
PulYert:ylin<ler für Helimpnela von 6, 8,&, 10, 14, 1d 

und F) nnHj 
Würielpulver von 10, lü, 20, 2r>mTn, braunes Würfel- 

pulver von 10 mm. 
Holländisches Gewehrpulver, holländisches WürfeF 

pulver von 10 und If) mm. 
OesterreicliischeHS, englisches, serbisches Pulver, 
Hf*hwarze8 und braunes Prisnieu-Pulver. 
Daneben war eine Zusönimenstellnng folgender Ge- 
\vebre von Interesse : 



— 110 — 

Kaliber 
Altes deutsches FeuersteiiinSchlnss-Gewehr 20,r> mm 
Preuss. aptirtes Ziinthiadel-Gewelir 1870 15,4;^ „ 
Deutsches Gewehr M, TT 11, — ^ 

Englisches Snider-Gewchr 14/1 „ 

Belgisclies Albiüi-Gewehr 11, — „ 

Russisches Berdan-Gewelir 10,« „ 

Diesen Gewehren älterer Konstruktion waren als 
moderne Gewehre gegenü hergestellt i 

Türkei: Mauser-Gewehr Kaliber 7,«J5 nun 

Transvaal: ^ „ „ 7,— „ 

Serbien: „ „ m T,— ^ 

England: Lee-Miti'ord Gewehr „ 7,? 

Nordamerika: Spriugfield-Gewehr ^ 7,^2 ^ 

Luxemburg: Mauser-Gewehr ^ 6,0 ^ 

Bemerkenswert war aueli folgende Zusammen- 
stellung von Kartuschen. 
Kartusche für T,^ cm Fel4geacliiitz 0,4% feinkfjniiges Geschützpul ver 

„ 8,7 „ " ,, l,ii ;, grobkörniges 

Ka r t u s cl L Jf . 1 ^f, cm Kan . , La d 4 kg pris m . P ul V , 98 Prisin , ,C, H8 , seh w arz 





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325,. „ 


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„7337 


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In OeMerrekthUngan} wird das zu Kriegszwecken 
als Gewehr- und Goscliüt^pidver ]>ei*timmte Sclnvarz- 
]>ulver teils iji der k. u. k, Pulverlal.vrik r.w 8tein hei 
Laibach, teils in Privat werken erzeugt und es sind 
gegenwärtig (nach Mansch ner) noch folgende Sorten 
für Friedenszwecke in Gebrauch: 

L das G e wehr pul ver M, 81, ein feinkörniges Pulver 

(Korngrösse 0/>7 — 1,5 mm) jnit piner Korndiclite 

von 1,E,; 




— Itl - 



2* das gcwulmticlie (ordinäre) Gf'soliützpulver, ein 
feiukürniges Pulver (Korugrösse 1,2^1,-» mm), 
Konidiehte l,«fl— l,e; 

3. das Würfel pul ver mit würfelförmigen, jmHerten 
Körnern ; hievon beiftelieii drei < Gattungen, welche 
nach dt^r Soitenlünge des Würfels henamit wer- 
den, vmd zwar: 

a) das 7 mm WürlVlindver. Korndidite l.aru 
h) , 13 „ „ „ l,e», 

c) „ 21 „ „ „ 1,75; 

4. das wclnvarze, | tri smati sehe Pulver M. 80, bei 
welchem jedes Ivorn <lie Form eines regelmilssigen, 
i^eehöseitigen Prisnnus von 25 mm Hölie nnd 40 mm 
Durohmesser besitzt und mit einem achsial an- 
geordneten Kanal versehen ist, Kdj ndichte 1 ,ih — 1 ,fi ; 

r>. das l>raune, jirbmatisehe Pulvf^r, M. H2. Korn- 
didite Im — l,flii. 

Die Sprengladung der Hohlgeschosse besteht in 
Oest erreich 

aus schwarxein Gewehrpulver: 

bei den Sclirapnels und Aufseiilagschrapnels, 
bei den 9 cm und 15 cm Stalilgrauaten, 

aiis Cieachützpulvor: 

bei den If) cm und 24 eni Hartgussgranaten, 
bei den 24 cm, 28 cm und 50,5 cm Stahlgranaten, 

aus dem später zu erwälmenden Ammonal: 
bei der 10 cm Granate, 

aus dem später zu erwilhnenden Ekrasit: 
bei den Ekrasitgeschosseu, 

In Ifalmi wird schwarzes Kornpulver und pris- 
matisclies Pulver in den Staatsfabriken zu Fo.ssimo 
und Scafati hergestellt. 

In Frankreich- führt das braune prismatische Pulver 
die Bezeiclnmngen 

Bi, B2, Ba. 

In Portugal ist ausser der staatlichen Scliwarz^ 
pulver-Fabriknoch zu erwähnen die CompanhiaAfricana 




— 112 — 

liu Polvora in \* alle de Milhavo, am linken Teju-lfer; 
dip.*ielbe bat ein Aktienkapital von 350 Contos de Reis 
(f'hx. lYi MillionBii Mark), fabriziert nur Schwarzpulver 
und gehört ei nein Konsortium von Kaufleuten, die 
FHktor<^*ien in Afrika besitzen; fast die ganze Pro- 
duktion geht nac^h Angola. 



IL Ammonpuker. 

Pulver, in denen der Kalisalpeter durch Ammon- 
j^alpeter ersetzt ist, werden neuerdings in Oesterreich 
fal^riziert und verwendet. 

Marschner*) sagt hierüber Folgendes: 
Da;^ Animon])uIver, dessen Hauptbestandteil Am- 
moniunnutrat ist und das hauptsächlich von der Firma 
G, Uotli in Felixdorf hergestellt wird, ist in neuester 
Zeit mit den modernen rauchschwachen Pulversorten 
in Kunkurrenz getreten und zeichnet sich durch eme 
grosse beüistische Leistungsfähigkeit bei massiger Bri- 
sanz uml durch eine geringe Rauchentwicklung vor- 
teilhaft aus. Drs Ammonpulver ist schwerer entzünd- 
lich als das gewöhnhche Schwarzpulver, wie es über- 
hau]>t auch unempfindhcher ist gegen mechanische 
Einwirkungen, daher seine Herstellung und Versen- 
dung weniger gefährlich sind als jene des kSchwarz- 
pulvers. Das Präparat ist jedoch stark hygroskopiscli 
und mUHs daher sowohl bei der Depositierung als 
auch beim Elaborieren sorgfältig vor dem Zutritt von 
Feuchtigkeit geschützt werden. Zu letzterem Zwecke 
wird das Pulver in Form von hohlen Zyhndern ge- 
]>resst unil zum Schutze gegen Feuchtigkeit mit einer 
rmhülkmg aus jmraffiniertem Papier versehen, bevor 

*) Lehrhurh df^r Waftenlehre, Banrl I, Seite 31. 



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OS in die metMlloiion Patrounihüheii eiii^elra^tni wird; 
tlor weitere luVtdirhto Ab?^fhliii?s ist bei Metall imtrnneo 
Ipit'ht tkirchxiiführeTi- Gröt^sere Scliwierigkoiten liietot 
die dauernde Lagerung iles AiuniuuPulvere*; diet^e 
kami nur iu eigfiis liiezu koiLstniierteii Oetasseii er- 
folgen, weleht^ jeden Zutritt von Foiu^litigkeit ver- 
hindern (Rittersehe (lefässe); die hisljerigen La^erunga- 
versuche ia solchen (Jetassen haben die Stabilität dos 
Präparates unzweifelhaft dargethan. Infolge der er- 
wähnten Eigenschaften wird das Ammonpulver vor- 
zugsweise bei jenen P>uerwaffen angewendet, welche 
metallene Patronenhülsen führen (Handfeuerwaffen 
und schnell feuernde Geschütze), da nur in diesem 
Falle das Präparat vor dem Zutritt von Feuchtigkeit 
vollständig geschützt werden kann. Um die Pulverladung 
aus Ammonpulver sicher zur .Entzündung zu bringen, 
ist eine stärkere Initial-Explosion nötig als beim ge- 
wöhnhchen Schw^arzpulver. Zu diesem Zwecke wird 
nebst dem Zündmittel (Kapsel) noch eine kleine 
Quantität Schwarzpulver (Zündpulver) als Initialzün- 
dung derart in die Patrone eingetragen, dass zunächst 
diese von dem Feuerstahl des Zündmittels getroffen 
wird, worauf die Entzündung der Pidverladung er- 
folgt» Die neuesten mit diesem Pulver durchgeführten 
Vorsuche haben überdies zur Verminderung des Zünd- 
])ulver Quantums und somit auch zu einer noch ge- 
ringeren Rauchentwicklung geführt. 

Der Rauch des Ammon-Pulvers selbst ist dünn 
und gleich verschwindend ; Rauch und Gase haben 
weder einen unangenehmen Geruch noch eine schäd- 
liche Wirkung. Der Rückstand ist ganz geringfügig 
und leicht zu entfernen, so dass selbst beim schnellsten 
Schi essen Lh de- An stände in Folge des Rückstandes 
nicht auftreten. Die Regelung der Brisa.iz ist beim 
Ammonpulver noch leichter durchzuführen als beim 
Schwarzpulver und erfolgt ebenfalls durch Aenderung 
der Dosierung, der Korngrösse und der Korndichte. 
Die Gasspannungen steigeu normal und regelmässig 



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mit den (TeHcliwindi^koiton. Ein eij^^ontlielit^s Doto- 
liieren ist bei der Natur des Amtuuii' Pulverte anygfr- 
schlosnsen ; anders verhält sicli iedoch der Ammou- 
salpeter l>ei Anwondimg starker Sprengkapseln; wir 
erhalten dann einen l>rißanton Sprengstoft", von dem 
später die Rede äein wird. 

Als Treibmittel wird in Oesterreicli bauptsäeh- 
lich sogenanntes 

Animan-Kuidienpidvprundhrannet^Ammon-KonijKiIver 
verwendet. 






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