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Full text of "Die Festung Bitsch"

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MAR 8 1971 
BEITRÄGE 

ZUR 

f 

VON 

ELSASS-LOTHRINGEN 

XX. HEFT. - 



DIE 

V V Q T T T ^ J Q T > T T Q n T T 



VON 

HERMANN IRLE. 



Dritte yermehrte Auflage. 

Mit \Tvei Ansichten und Plan von Bit seh nebst Karte 
der Umgegend. 



STRASSE URG 

J. H. Ed. Heitz (Heitz & Mündel) 

1902. 



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BEITR>EGE ZUR LANDES- UND VOLKESKUNDE 

von Elsass-Lothringen. 

Band I. 

1. Die dentsoli-fpancöslsolie Spraoligpence in I^otltpliigen von 

Const. This. 34 S. mit 1 Karte (1 :300.0(X)). 1 50 

2. Bin andeolitlg gelstllolte Badenfaltrt des ItooltgeleliPten 

Herren Thomas Marner. 66 S. Neudruck mit Erläutersrn., insbe- 
sond. über das altdeutsche Badewesen v. Prof. Dr. E. Martin. Mit 6 
Zinkätzungen nach dem Original. 2 — 

3. Die Alamannenaolilaolit vor Straoobnrg 867 n. Cltr. von 

Archivdirektor Dr. W. Wiegand. 46 S. mit einer Karte und einer Weg- 
skizze« 1 '^ 

4. I^ensy Öofttlte and Cleoplte Flblolt von Strasabnrg. Ein urkxmd- 

licher Kommentar zu Goethes Dichtung und Wahrheit mit einem Porträt 
Aramintä's in farbigem Lichtdruck und ihrem Facsimile aus dem Lenz- 
Stammbuch von Dr. T oh. Froitzheim. 96 S. 2 60 

5. Die dentaoli-fransoalaol&e Spraeltgrenxe im Blaaas von Dr. 

Const. This. 48 S. mit Tabelle, Karte und acht Zinkätzungen. 1 50 

Band II. 

6. Straaabnrg im fransöslacl&en Kriege 1662 von Dr. A. Hol- 

laender. 68 S. 1 50 

7. Zu Strassbnrgs Sturm- und Drangperiode 1770 bis 76. 

Von Dr. Joh. Froitzheim. 88 S. 2 — 

8. Oescliiol&te des belügen Forstes bei Hagenau im Blsass. 

Nach den Quellen bearbeitet von C. E. N e y , Kais. Oberförster. I. Teil 
von 1065-1648. 114 S. 2 ~ 

9. Reebts- und 'W irtsobafts-Verfassan g des Abteigebietes 

Maursmttnster ^ 

Hertzog. 114 S. 

10. Ooetbe und Heft 

an unsere Goethefo 

11. Die Armagnaken 

12. Oesebicbte des 1 .-«v^— ^^^»^^^ «rv« « mguiam n im mamamm 

Nach den Quellen bearbeitet von C. E. N e y , Kais. Oberförster. II. Teil 
von 1648—1791. 158 S. 2 50 • 

13. General Kleber. Ein Lebensbild von Friedrich Teicher, Königl. 

bayr. Hauptmann. 48 S. 1 30 

14. Das Staatsrecbtlicbe Verbflitnis des HercogtYuns LrOtb- 

ringen zum Deutscben Reicbe seit dem Jabre 1642 von 
Dr. Siegfried Fitte. Mit Karte. 103 S. 2 50 

15. Deutscbe und Keltoromanen in LrOtbrlngen naeb der Völ- 

Icerivanderang. Die Entstehung des Deutschen Sprachgebietes von 
Dr. Hans N. Witte. 100 S. Mit 1 Karte. 250 

Band IV. 

16. Der letste Paller von Hobenburg. Ein Beitrag zur politischen 

und Sittengeschichte des Elsasses und der Schweiz im 15. Jahrhundert 
sowie zur Genealogie des Geschlechts der Füller von Dr. H. Witte. 
IV u. 143 S. 2 50 

17. £ine Strassbnrger Legende. Ein Beitrag zu den Beziehungen 

Strassburg's zu Frankreich im 16. Jahrhundert von Dr. A. Hollaender. 
28 S. 1 — 

18. Der lateiniscbe Dicbter Jobannes Fabriclus Montanas (aus 

Bergheim im Elsass) 1527—1566. Selbstbiographie in Prosa und Versen 
nebst einigen Gedichten von ihm, verdeutscht von Theodor Vul- 
pinus. 30S. —80 

19. Forstgescbicbtlicbe Slciszen aus den Staats- und Gemeindewald- 

ungen von Rappoltsweiler und Reichenweier aus der Zeit vom Aus- 
gange des Mittelalters bis zu Anfang des XIX. Jahrhunderts von Dr. 
Aug. Kahl , Kaiserl. Oberförster. Mit Uebersichtskarte. IV u. 78 S. 2 — 

20. Die Festung Bitsob von Hermann Irle. Dritte vermehrte Auflage 

mit einem Anhange enthaltend die Umgebung von Bitsch. Mit 2 Ansichten 
und Plan von Bitsch, nebst Karte der Umgegend. 52 S. 1 50 

Band V. 

21. Ritter Friedrlob Kappler. Ein elsässischer Feldhauptmann aus 

dem 15. Jahrhundert von Theodor Vulpinus, VIII u. 112 S, 3 — 

22. Die Annexion des Blsass dnrob Franlcreleb und Rückblicke 

auf die Verwaltung des Landes vom westphälischen Frieden bis zum 
Ryswicker Frieden (1648-1697) von Hermann Freiherr von Mül- 
lenheim u. von Rechberg. 74 S. 250 



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DIE 



FESTUNG BITSCH 



HERMANN IRLE. 



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[• ■ • Drifte vermehrte Auflage. 



^ Mit '{wei Ansichten und Plan von Bitsch nebst Karte 

der Umgegend. 



STRASSBURG 

J. H, Ed. Heitz (Heitz & Mündel) 

1902. 



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Als am 6. August 1870 überall in deutschen Landen die 
nachfolgende Depesche des preussischen Kronprinzen : «Sieg- 
reiche Schlacht bei Wörth, Mac Mahon mit dem grössten Teile 
seiner Armee geschlagen und auf Bitsch zurückgeworfen», be- 
kannt wurde, hatten wohl die wenigsten unserer Landsleute je 
den Namen Bitsch gehört ; seit dieser Zeit ist es oft genannt 
worden und zu einer gewissen Berühmtheit gelangt wegen der 
hartnäckigen Verteidigung, mit der es allein während des ganzen 
Feldzuges von 1870(71, nachdem ringsum alles Land von den 
Deutschen besetzt und selbst die grössten Festungen genommen 
waren, jeder Uebergabe trotzte. Dieses Verhalten hat Bitsch den 
Ruf der Uneinnehmbarkeit erworben und zu mehreren Beschrei- 
bungen seiner Belagerung Veranlassung gegeben. i Da dieselben 
sich mit der früheren Geschichte der nun interessant gewor- 
denen Feste gar nicht beschäftigen, und auch die neueste teil- 
weise ungenau oder unvollständig wiedergeben, dürfte die Ver- 
öffentlichung nachfolgender Zeilen gerechtfertigt erscheinen. 

Zwischen Hagenau und Saargemünd, ungefähr gleich weit 
von beiden entfernt, zeigt sich dem von Niederbronn aus mit 
der 1869 eröffneten Eisenbahn fahrenden Reisenden nach etwa 
*/4 stündiger Fahrt durch herrlichen Wald plötzlich eine grössere 
wald freie Fläche von eigentümlicher Formation, in deren Mitte 
sich ein isolierter Bergkegel erhebt mit weithin leuchtenden 
Ziegeldächern : es ist dies die «jungfräuliche» Bergfeste Bitsch, 
erbaut auf einer 366 m hohen Kuppe von 30—60 m Breite und 
300 m Läng^. Die Kuppe besteht aus mächtigen Sandstein- 



^ 1) Gefangen und belagert von Max v. Schlägel ; 2) In Bitsch 
gefangen, von Oskar v. Marschal; 3) Le si6ge.de Bitche par Dalseme, 
Xe 6dition; 4) Pradal: Relation historique du siöge de Bitche. 5) 
La v6rit6 Sur le si6ge de Bitche par Mondelli. 6) Bitche et ses d6- 
fenseurs par E. Guesquin. 



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blocken und überragt die nächste Umgebung, insbesondere die 
Stadt Bitsch um 80 m, mit der oberen Hälfte (also etwa 40 m 
hohe) senkrecht abfallende Felswände bildend. 

Die Oberfläche der Kuppe zerfallt, wie wir dies bei so 
vielen Burgen in den Nordvogesen finden (Waldeck, Falken - 
stein, Ramstein u. a.), in drei Teile, einen mittleren grösseren 
und durch Schluchten davon getrennt einen kleineren nörd- 
Uchen — der grosse — und südlichen — der kleine Kopf ge- 
nannt. Ueber der Oberfläche befinden sich auf dem Mittelkörper 
zwei Kasernen und eine jetzt als Magazin benutzte Kapelle ;i 
die t Hauptstärke der Festung liegt in den unterirdischen, in den 
Fels gehauenen, bombensicheren Souterrains, welche Unterkunft 
für die Besatzung und genügenden Raum zur Unterbringung 
alles sonst Erforderlichen gewähren. Der Besuch der unter- 
irdischen Räume ist nicht erlaubt, wohl aber die Besichtigung 
der oberen Festung gegen Lösen einer Karle auf der Komman- 
dantur; auch diese ist schon interessant genug, um sie allen 
denen zu empfehlen, die ihr Weg in die Nähe von Bitsch führt ; 
ganz eigenartig ist auch der Blick von der Höhe der Festung 
in die weiten, verschieden gefärbten Forsten der kuppenreichen 
Nordvogesen : so weit das Auge reicht, nichts als Wald, nir- 
gends eine Spur menschlicher Niederlassung : «Bitche, laissee 
ä elle-m^me, c'est la solitude, Tisolement, Tabandon le plus 
absolu», sagt Dalseme. 

Von der Tiefe und Grösse der unterirdischen Anlagen 
erhält man einen Begriff, wenn man das grossartige, weithin 
schallende Echo in der unter dem Kapelleneingang befindlichen 
Zisterne ertönen lässt. Die Kapelle ist überhaupt das inter- 
essanteste .oberirdische Gebäude, weil sie das einzige aus der 
alten Zeit übrig gebliebene ist ; aus der ältesten Zeit stammt 
sie freilich auch nicht, denn die ersten Anlagen unserer Feste 
führen mindestens in das XH. Jahrhundert zurück. 

Bereits im Jahre 1172 finden wir ein «castrum Bytis» er- 
wähnt, und zwar als Familiengut der Herzöge von Lothringen. 
Wie die Verehrung der Geistlichkeit im Jahre 1135 die 
Gründung des Klosters Stürzelbronn veranlasste, so gab die 



1 Das auf dem «grossen Kopf» befindliche Gefängnis für Zivil- 
festungsgefangene wurde 1892 abgebrochen. 



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— 5 — 

Liebe zur Jagd Anlass zum Bau des Schlosses Bitsch : für klöster- 
liche Einsamkeit sowohl, wie für Ausübung der Jagd war der 
damalige Zustand der Herrschaft Bitsch wie geschaffen, denn 
dieselbe bestand meist aus dichtem Wald, nur 12 Orte werden 
in einer Greuzbeschreibung vom Jahre 1150 erwähnt, während 
später auf demselben Gebiete etwa 70 vorkommeü. Das 1172 
erwähnte und von Herzog Mathias I., einem grossen Nimrode, 
erbaute castrum Bytis war ursprünglich lediglich *ein Jagd- 
schloss und lag • vermutlich nicht an Stelle unserer heutigen 
Festung, sondern nordwestlich von Lemberg auf dem sogen. 
«Schlossberg», wo heute noch wenige Trümmer sichtbar sind, 
die früher des öfteren als «Alt Bitsch» erwähnt werden. 

Die eigentliche Entwicklung von Bitsch beginnt mit dem 
Uebergang der Herrschaft an die Grafen von Zweibrücken ; 
1297 wurde nämlich zwischen Herzog Friedrich von Lothringen 
und Graf Eberhard von Zweibrücken ein Tauschvertrag abge- 
schlossen, wonach letzterer an Lothringen abtrat: Sohloss Saar- 
gemünd und Marimont mit Zubehör und die Salinen von Lindre, 
und dafür erhielt Schjoss und Herrschaft Bitsch. 

Graf Eherhard war es nun höchstwahrscheinlich, der das 
Schloss Bitsch an der heutigen Stelle aufbaute, jedenfalls das- 
selbe von einem einfachen Jagdschloss zu einem den Ansprüchen 
der damaligen Zeit entsprechenden festen Herrschaftshaus erhob, 
denn während es zu lothringischen Zeiten den Herzögen nur 
zu vorübergehendem Aufenthalt oder den jüngeren Familien- 
gliedern gewissermassen als Apanafge gedient hatte, wurde es, 
vom Grafen . Eberhard zum Sitz der jetzt verbundenen Herr- 
schaften Zweibrücken und Bitsch erhoben, und Eberhard nennt 
sich nun: cccomes Gemini Pontis et dominus in Bitsch». Bereits 
in einer Urkunde von 1302, durch welche Eberhard dem Herzog 
von Lothringen eine «Oeffnung» verschrieb, wird eine Vorburg 
und ein grosser Thurm in der Burg Bitsch erwähnt. Durch 
die Verschreibung dieser Oeffnung erhielt der Herzog von Loth- 
ringen das Recht, sich jederzeit in der Burg mit Ausnahme 
des grossen Thurmes aufzuhalten, versprach aber eidlich, von 
diesem Rechte nur in äussersten Notfällen und nicht zum Schaden 
des Burgherrn Gebrauch zu machen. 

Es geht hieraus hervor, dass schon zu Anfang des XIV. 
Jahrhunderts unsere Festung ein sehr fester Punkt war, der 
sogar von einem Herzog als sicherei» Zufluchtsort gesucht wurde. 



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— 6 - 

Dass Bitsch bereits im XIV. Jahrhundert sehr fest und von 
tapferen Männern verteidigt, ein schwer zu nehmender Platz 
war, ersehen wir auch daraus, dass im Jahre 1366 sich Kur- 
fürst Ruprecht mit einer ganzen Menge von Fürsten, Grafen, 
Herren und Städten verband, um die Grafen Simon und Hane- 
mann «nebst deren Gemeiner in der Burg zu Bitsch», welche 
sich durch ausserordentUche Gewaltthätigkeiten und Räubereien 
vor ihren anderen Standesgenossen auszeichneten, unschädUch 
zu machen; wer der klügere war und nachgegeben hat, ist 
nicht bekannt, jedenfalls kam es nicht zu einem Kampf. 

Trotz seiner Gewaltthätigkeit, oder vielleicht gerade deshalb 
war Graf Simon auch um das Seelenheil der Schlossbewohner 
besorgt und bestimmte 1360, dass das Kloster Stürzelbronn 
jährlich ein feierliches Amt auf dem Schloss abhielt ; ein be- 
sonderes Gotteshaus scheint damals auf der Festung noch nicht 
bestanden zu haben, wenigstens wurde 1398 für eben diesen 
Grafen Simon von 16 Pfarrern aus der Herrschaft Bitsch eine 
jährliche Totenfeier an jedem ersten Dienstag im Oktober in 
der Katharinenkapelle zu Kaltenhausen ujiter Bitsch (und nicht 
auf dem Schlosse) eingerichtet. 

50 Jahre später fand der erste uns überlieferte Sturm auf 
Bitsch statt. 

In der Nacht vom 19.j20. März 1447 wurde Bitsch, auf 
dem damals Graf Friedrich residierte, plötzlich ohne vorherige 
Ankündigung der Fehde durch die Grafen Jakob und Wilhelm 
von Lützelstein überfallen ; die Lützelsteiner überstiegen mit Hilfe 
von Strickleitern die Mauern, machten die überraschten Mann- 
schaften des Grafen meist im Schlafe nieder und verbreiteten 
sich im ganzen Schloss, um den Grafen tot oder lebendig in 
ihre Hände zu bekommen ; dieser war von einem Diener ge- 
weckt worden und entkam nur mit deip Hemde bekleidet auf 
den von den Feinden angehängten Strickleitern ; seine beiden 
Söhne fielen in die Gewalt der Lützelsteiner. 

Dieser gegen alles Recht und Gewohnheit ausgeführte 
Ueberfall hatte allerseits grossen Unwillen erregt und Graf 
Friedrich gelang es leicht, eine Menge Verbündeter zur Wie- 
dereroberung seines Schlosses zu finden. Bereits acht Tage 
später war eine grosse Masse Bewaffneter bei Schorbach ver- 
sammelt und Bitsch wurde eingeschlossen. Die Lützelsteiner 
brannten am 4. Mai das unfrer der Festung gelegene Dörfchen 



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Kaltenhausen, in welchem sich die Belagerer festgesetzt hatten, 
nieder, wurden aber, nachdem die beiden Grafen bereits vor- 
her aus der Festung geflüchtet waren, am 12. Mai zur Ueber- 
gabe gezwungen unter Bewilligung freien Abzuges; nachdem 
sie die Burg verlassen, wurden sie von den erbitterten Bürgern 
Kaltenhausens überfallen und teilweise niedergemacht. 

Von den Festungswerken war bei diesen kurz aufeinander- 
folgenden Einnahmen nichts zerstört worden, wohl aber muss 
dies bei den Anfang des folgenden Jahrhunderts ausgebrochenen 
Bauernkriegen der Fall gewesen sein, da Graf Reinhard vor 
den Bauern sich nach Vic flächten musste: von seinen 6000 
Unterthanen gehorchten ihm, wie er selbst sagte, kaum noch 6. 

Nähere Angaben fehlen ; jedenfalls waren die Zersfönmgen 
nichr gross und bald wieder hergestellt, sonst würde der Her- 
zog von Lothringen kein so grosses Gewicht auf den Besitz von 
Bitsch gelegt und bei der Eröfl'nung der sog. Bitscher Erbschaft 
im Jahre 1570 kein so gemein-hinterlistiges Spiel getrieben 
haben. Er kaufte schliesslich Bitsch dem Grafen von Leiningen 
um 50,000 fl. ä 24 Batzen ab, obwohl er den Grafen von 
Hanau damit belehnt hatte, und am 21. Juli 1572 chat Graf 
Johann Salm — wie der zeitgenössische Chronist Herzc^ sich 
ausdrü«'.kt — von wegen Herzog Carolen zu Lothringen das 
Haus Bitsch mit Gewalt Landfriedensbruchigerweis und mit 
Verräterei eingenommen». Graf Philipp von Hanau strengte 
wegen der gewaltsamen Einnahme von Bit^h gegen den Her- 
zog von Lothringen einen Prozess am Reich.^kammergericht an, 
der aber wie die meisten, bei diesem allzu grund liehen Gericht 
kein Ende fand und schliesslich im Jahre 1606 durch einen 
Vergleich beigelegt wurde; auch bei dieser Gelegenheit lernen 
wir wieder die Bedeutung von Bitsch kennen, denn der 'Her- 
zog von Lothringen zahlte an den Grafen von Hanau für den 
Verzicht auf Bitsch u' k. 60,000 fl. heraus, i 

Die lothringische Herrschaft war von kurzer Dauer : wie 
Lothringen vorher bestrebt gewesen, sich in den Besitz von 
Bitsch IQ setzen, so war es nunmehr Frankreich bezuglich 
Lothringens, und fast das ganze XVH. Jahrhundert hindurch 



J Von l.W^ — V/M war Bitsch darcb den Herzog^ von Lothrini^en 
an den Markgrafen von Baden, von V*iii—]^'/p', an den Grafen Karl 
von HohenzoÜem-.Si^aringen ap 142,^^J iL verpfändet. 



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— 8 — 

war infolgedessen Lothringen und insbesondere die Gegend 
von Bitsch der Schauplatz blutiger Kämpfe. 

Im Frühjahr 1633 drangen auf Veranlassung Frankreichs 
die Schweden in Lothringen ein und breiteten sich sengend 
und brennend in demselben aus; im Sommer kamen sie in 
die Herrschaft Bitsch und am 6. September verbrannten sie die 
beiden am Fusse der Festung gelegenen Dörfer Kaltenhausen 
und Rohr, nur wenige Einwohner konnten sich auf die Festung 
flüchten, die, obwohl nur schwach besetzt, von den Schweden 
nicht genommen werden konnte. Im nächsten Jahre rückten 
die Franzosen in Lothringen ein, und auch Bitsch, das sich 
mit der im heutigen Departement Vosges gelegenen Festung 
La Mothe am längsten gehalten hatte, musste sich nach 12 
tägiger Belagerung den Franzosen unter Führung des Marschalls 
d'Humier ergeben, üeber die damahgen Zustände und insbe- 
sondere die Belagerung schreibt der Bitscher Rentamtmann in 
einem Bericht i639: «Dass die arme Unterthanen 7 oder 8 
Jahre nacheinander ruinirt und wegen der Truppen, so täglich 
in den Dörfern dieser Grafschaft auf- und abgezogen, in's 
äusserste Verderben geraten, also dass sie schwerlich mehr 
aufkommen haben können, nach ausgestandenem grossem Elend 
und Armut, das Schloss Bitsch von der königlich durch Mar- 
schall d'Humier kommandirte Armee auch noch belagert worden, 
welche die gedachte arme Unterthanen wieder uffs neu übel 
traktiret, betrübet, requiriret, auch alles, was sie zu Ihrem 
Unterhalt gehabt, weggenommen, also dass mehrentheils ihrer 
in fremde Länder zu gehen und ihr Brod zu suchen genöthigt 
worden.» Die Franzosen mussten Bitsch bald wieder verlassen, 
und die Besatzung wechselte nun mit dem Kriegsglück : bald 
warert es Franzosen, bald Lothringer, bald Schweden, bald 
Kaiserliche ; aber auch mit Beendigung des dreissigjährigen 
Krieges dauerte für das arme Land das Unglück fort. Franzosen 
und Lothringer stritten sich weiter um die Herrschaft. 1658 
und 1659 finden wir Lothringer Truppen auf dem Schlosse, 
doch müssen sie sich der Burgerschaft gegenüber sehr feind- 
selig benommen haben, denn am 12. August 1658 erlässt der 
Piinzregent (Le duc regent) Nicole Frangois ein Rescript, wo- 
durch den Offizieren und Soldaten anbefohlen wird, die Bitschef 
Bürger in Ruhe ihr Vermögen geniessen zu lassen und ihnen 
nur die Güter der Abwesenden^reigegeben werden. 1670 wird^ 



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— 9 - 

Bilsch wieder von den Franzosen besetzt und schliesslich 1680 
durch Beschluss der in Metz eingesetzten Reunionskammern 
definitiv mit Frankreich vereinigt. Nun wurde der von Turenne 
schon längst gefasste Plan der Neubefestigung von Bitsch aus- 
geführt und der Vater der modernen Befestigungskunst, Vauban 
mit der Durchfuhrung beauftragt. 

Die Festung erhielt im Grossen und Ganzen bereits die 
Gestalt die sie noch heute hat ; die teilweise zerfallenen turm- 
artigen Mauerbauten des alten Burg^ysiems wurden entfernt, 
von Hochbauten nur eine einfache Kaserne für 1 Bataillon und 
Wohnräume für die verschiedenen höheren Offiziere errichtet, 
im Uebrigen aber das Hauptgewicht auf die Durchführung des 
Bastionärsystems gelegt. Die Arbeiten wurden mit grossem 
Eifer betrieben, eine Menge Arbeiter aus aller Herren Länder 
strömten zusammen und bevölkerten die fast vollständig ver- 
lassene Gegend insbesondere die Stadt Bitsch selbst wiedelP. 
Der neuerworbenen und neu angelegten Festung wurde über- 
haupt eine grosse Bedeutung beigemessen. Marquis von Mor- 
ton und dann Graf du Ripaire wurde zum Gouverneur von 
Bitsch und Kommandant der Vogesen Verteidigung bis ein- 
schliesslich Lützelstein ernannt und ihm ein Leutnant de roi 
(de la Guerle), ein Major (M. d'Angisse) und ein Aide-Major 
(M. de Marton) beigegeben. Die französische Herrschaft dauerte 
aber nicht lange. Die Befestigungs werke waren kaum been- 
det, als Bitsch in Folge des Friedensschlusses von Ryswick 1697 
wieder herausgegeben werden musste ; Art. 30 des genannten 
Friedensvertrages bestimmte nämlich : «Seine allerchristlichste 
Königl. Majestät (von Frankreich) wird auch die Festung' Bitsch 
mit deren völligen Zugehör wie auch die .Festung Homburg, 
v/enn vorher die Werker mit dem Beding demolirt worden, 
dass selbe nicht wieder aufgeführt werden sollen, ausräumen, 
doch soll bei der Demolirung der Festung den angehörigen 
Städten kein Schade geschehen, sondern selbe unverletzt erhalten 
werden.» Die Zerstörung der Festungswerke wurde 1698 durch 
ein flandrisches Regiment vorgenommen und Bitsch nur mit einer 
kleinen lothringischen Besatzung belegl, die mit Ausbruch des 
spanischen Erbfolgekriegs 1701 wieder durch französische ersetzt 
wurde. M. de Chenevieres vom Regiment de Champagne wurde 
Kommandant von Bitsch mit einem Bataillon Infanterie und 2 
Schwadronen Dragoner ; er liess auf der Festung wieder Erde 



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— 10 — 

und Palissadenbefestigungen anlej^en, musste aber 1714 in 
Folge Bestimmung des Friedensvertrags voa Rastatt die Festung 
nach Demolierung der wiederangelegten Befestigung verlassen. 

Nachdem Lothringen- 4737 durch Tausch gegen Toscana 
an den Schwiegervater Ludwig XV., den Exkönig von Polen, 
Stanislaus ' Lescinsky, und dadurch thatsächlich bereits unter 
französische Herrschaft gekommen war, wurde auch Bitsch wieder 
mit französischer Besatzung belegt, und Dehournais und nach 
dessen 1740 erfolgten Tode Comte de Bombelles zum Komman- 
danten ernannt. 

Die französische Regierung, an welche Lothringen nach 
Stanislaus' Tod Vertrags massig fallen sollte, hatte bei den mehr- 
fachen Besetzungen des Landes im vorigen Jahrhundert und 
auch jetzt bei dem Abgang von Herzog Franz, so häufig Ge- 
legenheit gehabt, die Abneigung der Lothringer gegen Frank- 
rÄch kennen zu lernen, dass sie es für gut fand, zu ihrer 
Stütze die wichtigeren Plätze zu befestigen, beziehungsweise die 
vorhandenen alten Befestigungen entsprechend den Forderungen 
der neueren Kriegskunst auf- und umzubauen. 

So wurde auch Bitsch als Knotenpunkt von sechs Strassen, 
nämlich der von Strassburg, Palzburg, Saargemund, Zwei- 
brücken, Landau und Weissenburg, von dem Militärkommissar 
für Lothringen und Bar dem Marschall Belle Isle für so wich- 
tig gehalten, dass dessen Neubefestigung im grossen Stile be- 
schlossen ward; um das dazu erforderliche Geld zu erhalten, 
wurde, dabei den verschwenderischen Hofhaltungen von Franz HL 
und Stanislaus, andere Gelder nicht flüssig waren, eine beson- 
dere Steuer in Lothringen ausgeschrieben. 

1738 wurde mit den Arbeiten begonnen und zunächst ein 
fahrbarer Weg bis auf das Glacis hergestellt ; sodann wurde 
im nächsten Jahre nach einer Instruktion des Ingenieurchef 
Desboz auf dem oberen Felsplateau der Schutt der früheren 
Bauten weggeräumt, das Plateau durch Steinabsprengungen 
planiert und der Grundriss der Vauban'schen Befestigungen 
aufgesucht ; nach Beendigung dieser Arbeiten, die einen Kosten- 
aufwand von 81,273 Fr. beanspruchten, wurden für das nun 
gewonnene ebene Terrain ausführhche Pläne aufgestellt, welche 
am 7. September 1741 genehmigt wurden ; noch in demselben 
Jahre wurde der Grundstein zu der Bastion St. Jacques, der 
heutigen Bastion 1, an dem Nordwestende des Mittelkörpers 



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— 14 — 

gelegt; im nächsten Jahre wurde dieselbe mit einem Aufwand 
von 54,130 Fr. vollendet, ebenso die Bastion St. Andre — 
jetzige Bastion 4 am Südostende des Mittelbaues — sowie die 
grosse Rampe mit Zugbrücke und Poterne, letztere mit einem 
Kostenaufwand von 49,539 Fr. 

Inzwischen war der österreichische Erbfolgekrieg ausge- 
brochen und die Oesterreicher, insbesondere Oberst Mentzel 
mit grösseren Kavallerieabteilungen, näherten sich der Grenze ; 
Bombelles sah sich deshalb genötigt, vor allem rasch herzu- 
stellende provisorische Befestigungen anzulegen, um die noch 
unfertige Festung vor einem Ueberfall zu schützen: es wurden 
an Stadt und Festung Erd- und Palissadenwerke aufgeführt und 
an den Hauptstrassen kleinere Redouten (SperrfortsJ erbaut, so 
eine am grossen Kindeiberg gegenüber dem — damals noch 
nicht existierenden — Gaisbronnerhof, eine an der allen Lan- 
dauer Strasse, wo diese über den westhch von Haspeischeidt 
gelegenen Weiher ging, eine an der Zweibrücker Strasse — in 
der Nähe des 1846 erbauten Simster Hofes — und eine an der 
Saargemünder Strasse, südlich von Klein- Rederchingen. 

Die Anlagen zeigten sich von grossem Nutzen, und nur 
durch sie war es BombeMes möglich, i^it seinem in Bitsch lie- 
genden Milizbataillon die zahlreichen feindlichen Streifzüge von 
der im Aufbau begriffenen Festung abzuhalten ; so wurde am 
13. Juli 1744 eine stärkere Abteilung Panduren und Husaren 
an der Kindelbergredoute aufgehalten und zurückgeschlagen, 
auf drei verschiedenen anderen Strassen wurde mit Hilfe der 
Strassenbefestigungen das Vorrücken feindlicher Abteilungen 
verhindert und die Vorbefestigungen durch Anlage grosser Ver- 
haue an der Weissenburger Strasse, in der Nähe von Stürzel- 
bronn, am 5. August verstärkt. Am 4. September sandte König 
Ludwig XV. unter Erhöhung der Garnison auf 1500 Mann drei 
Feldschlangen, welche die Franzosen in Konstanz erobert halten ; 
sie wurden auf dem «grossen Kopf» so aufgestellt, dass sie ins- 
besondere die Weissenburger und Landauer Strasse — die 
Breitenbach-Zweibrücker existierte damals noch nicht uhd wurde 
erst 1846 erbaut — bestreichen konnten. Die grösste war 15 Fuss 
lang und die von ihr geschossene Kugel wog 9 Pfd., die beiden 
anderen waren 13 Fuss lang und schössen 3 pfundige Kugeln. 

Mit Ausgang des Jahres 1744 zog sich der Krieg mehr in 
die Ferne, und der Festungsbau wurde nun mit grösstem Eifer 



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— 12 — 

betrieben. Ende 4750 waren die Arbeiten auf dem Mittelkörper 
beendet und daselbst folgende Hochbauten mit entsprechenden 
Souterrains fertiggestellt : eine dreistöckige Kaserne mit 36 Zim- 
mern, ein Wohngebäude für Genieoffiziere mit 10 Zimmern und 6 
Kabinetten, ein Gouvernementsgebäude, ein Artilleriezeughausmit 
Waffenschmiede und Waffensaal für 8000 Gewehre, eine Haupt- 
wache mit grossen Souterrains, ein Offizierpavillon mit 24 Zim- 
mern, eine Bäckerei mit Lagerräumen und Souterrains für Kriegs- 
bäckerei, ein Pulvermagazin und verschiedene andere Magazine ; 
im Ganzen wurden für den Mittelbau 283,000 Fr. verwandt. 

Noch in demselben Jahre (1750) waren auch die Befesti- 
gungen am ((grossen und kleinen Kopf» beendet, erstere mit 
Wacht- und Arreslhaus und entsprechenden Souterrains kosteten 
103,315 Fr.', letztere mit Wachthaus und bedeutenden Souter- 
rains 122,963 Fr. 

Zur Wasserversorgung diente der bereits unter Vauban 
angelegte 75 m tiefe Brunnen, der pro Tag 40 hl Wasser zu 
liefern vermag ; für denselben wurde mit einem Kostenaufwand 
von 10,591 Fr. ein Reservoir erbaut, ausserdem wurden noch 
vier Zisternen um 18,000 Fr. angelegt, wovon die unter der 
Kapelle mit dem herrlicj^en Echo allein 12,711 Fr. kostete. 

Die Kapelle selbst wurde so, wie sie noch heute besteht, 
auf den Grundmauern der früheren wieder aufgebaut ; sie wnrd 
bereits 1629 erwähnt und am 18. Mai 1680 zelebrierte der Bi- 
schof von Metz bei einer Bereisung Lothringens darin für die 
Garnison, von der er in Paradeaufstellung empfangen worden 
war, die heilige Messe. 

Nachdem noch in vierjähriger Arbeit für die Befestigungsan- 
lagen am Fusse der Felshänge und auf dem Glacis die Summe von 
500,000 Fr. verarbeitet worden, war der Festungsbau 1754 beendet 
und die Festung unter Benützung der allen Vauban'schen Anla- 
gen mit einem Kostenaufwand von 1,688,262 Fr. im Wesentlichen 
so hergestellt, wie wir sie noch heute finden : «tres beau, tres solide 
et presque inexpugnable», sagt ein zeitgenössischer Schriftsteller. 

Ludwig XV. Hess nun in lateinischer Sprache folgende In- 
schrift an dem Hauptthore anbringen: Ludwig XV., König von 
Frankreich etc., hat diese Festung von Grund aus wieder auf- 
gebaut zum Walle gegen feindliche Einfälle in die Vogesen und 
Lothringen, als Grenzburg für Elsass und als festen Schutz für 
das französische Heer, 1754. 



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— 13 — 

In den folgenden Jahren wurden noch einige Erweiterungen 
und Verbesserungen vorgenommen : so wurde 1755 — 1760 das 
Vorwerk, der sog. ctSchwalbenschwanz» um 137,000 Fr. erbaut, 
1763 — 1764 das Glacis eingeebnet, mit Böschungen versehen 
und angepflanzt um 70,000 Fr. und 1765 die Esplanade am 
Fusse des Glacis angelegt und mit Lindenbäumen bepflanzt 
um 6872 Fr. 

Die zahlreichen zum Festungsbau notwendigen Sandsteine 
wurden aus eigens dazu angelegten Brüchen am Schimberg über 
dem damals schon bestehenden Stadtbrunnen und am kleinen 
Lemberg rechts von der Hagenauer Strasse entnommen. Bald 
nach Fertigstellung der Neubauten wurde Bitsch von zwei berühm- 
ten Reisenden besucht, die in ihren Schriften davon erwähnens- 
werte Berichte geben ; dieselben seien deshalb hier eingeschaltet : 

Im Juni 1771 stattete Goethe mit seinen Freunden Engel- 
bach ulid Weyland, von Zweibrücken kommend, Bitsch einen 
Besuch ab und schreibt darüber in seiner Selbstbiographie : 

«Dem Hornbach zur Seite stiegen wir nach Bitsch, das an 
dem bedeutenden Platze liegt, wo die Gewässer sich scheiden 
und ein Teil in die Saar, ein Teil dem Rheine zufällt; diese 
letzte^ren sollten uns bald nach sich ziehen. Doch konnten wir 
dem Städtchen Bitsch, das sich sehr malerisch um einen Berg 
herumschlingt, und der oben liegenden Festung unsere Auf- 
merksamkeit nicht versagen. Diese ist teils auf Felsen gebaut, 
teils in Felsen gehauen. Die unterirdischen Räume sind be- 
sonders merkwüi*dig; hier ist nicht allein hinreichender Platz 
zum Aufenthalt einer Menge Menschen und Vieh, sondern man 
trifl't sogar grosse Gewölbe zum Exerzieren, eine Mühle, eine 
Kapelle und was man unter der Erde sonst fordern könnte,, 
wenn die Oberfläche beunruhigt würde.» 

Einige Jahre später (1777) kam der berühmte Jesuitenpater 
Feller, der ganz Europa bereiste, nach Bitsch und schreibt darüber : 

«Bitsch ist eine sehr bemerkenswerte Festung, erbaut auf 
einem aus reinem Fels bestehenden, gänzlich isolierten und die 
Umgegend beherrschenden Berge ; eine ähnliche tage habe 
ich nur bei Betzko zwischen Tirnau und Frenschin in Ober- 
Ungarn gesehen ; nur ist das Bitscher Gestein weniger hart 
und verwittert unter dem Einfluss der Sonne und des Regens. > 

Der Hauptförderer des Festungsbaues, Graf Bombelles, sollte 
das Ende desselben nicht mehr erleben ; er starb im Juli 1760- 



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- 14 -~ 

und wurcje in Bitsch mit grossem Pompe beerdigt ; er war sehr 
beliebt bei der Bevölkerung gewesen uod erhielt im Jahre 1784 
als «protecteur de la ville, pöre du peuple, surtout des mal- 
heureux» in der 1776 neu eingeweihten Kirche von der Stadt- 
gemeinde ein Marmordenkmal, welches für 2400 Fr. in Paris 
angefertigt worden, errichtet. 

Als Nachfolger Bombelies wurde Graf Tressan zum Gou- 
verneur der Grafschaft Bitsch ernannt; die Festung hatte einen 
besonderen Stab, bestehend aus Kommandant, Major, Aide-Major 
Artillerie-Offizier vom Platz, zwei Ingenieur- und einem Genie- 
offizier, drei Aerzten und einem Spitaldirektor. 

Der Kommandant hatte einen Gehalt von 3000 Fr., der 
Major von 2000 und der Aide-Major von 900 Fr. ; ausserdem er- 
hielten sämmtliche Offiziere Wohnungsgeld und Servis, welches 
die Stadt bezahlen musste, und zwar für den Kommandanten 
500 Fr., für den Major 300 Fr., für den Aide-Major 200 Fr. 

Da die meisten Offiziere vom Festungsstabe und alle von 
der zwei Bataillon starken Garnison — es waren deren 37 — 
in Militärgebäuden freie Wohnungen hatten, beschwerte sich die 
Stadt wegen des von ihr dennoch zu zahlenden Wohnungs- 
geldes in ziemlich beträchtlicher Höhe. Die Folge davon war, 
dass 1777 die aktive Garnison durch drei Invaliden-Kompagnien 
mit einer Gesammtstärke von 120 Mann ersetzt wurde ; der 
Festungsstab blieb ; für diesen musste die Stadt 2300 Fr. 
Wohnungsgeld zahlen, hatte aber wegen Verminderung der 
Garnison um 1000 Mann einen bedeutenden Ausfall im Oktroi, 
der Haupteinnahmequelle der Stadt. 

Nach mehrfachen Gesuchen wurde Ende 1783 wieder eine 
aktive Garnison nach Bitsch zurückverlegt und zwar ein gan- 
zes Regiment; das Regiment de Neustrie. Da in die beiden 
Kasernen — die Schlosskaserne mit 36 und die Stadtkaserne 
mit 19 belegungsfähigen Zimmern — nur 1100 Mann unterge- 
bracht werden konnten, das Regiment aber 1600 Mann stark 
war, musste die Stadt ihrem Versprechen gemäss für die 
übrigen 500 Quartier schaffen : sie mietete zu diesem Zwecke 
zwei Quartierhäuser, eines für 150 Fr. und eines für 120 Fr. 
jährlichen Mietzins, ausserdem musste sie noch eine Schnei- 
derwerkstätte für 20 Schneider stellen. 

Diese 1600 Mann starke Garnison blieb jedoch nicht lange : 
1789 wurde das Regiment de Castella, welches das de Neustrie 



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— 15 — 

abgelöst hatte, durch ein Bataillon des Ghasseurs de Gevennes 
ersetzt und auch in' dem einige Jahre später ausgebrochenen 
Kriege war die Besatzung nur ein Bataillon stark. 

In diesem Kriege spielte Bitsch eine gewisse Rolle und 
besonders im Jahre 1793 ereignete sich ein Vorfall, der zu 
mancherlei Legenden Veranlassung gab: es ist dies der in der 
Nacht vom 17. November 1793 von den Preussen versuchte 
Sturm der Festung. 

Zum besseren Verständnis mag es gestattet sein vorher 
kurz die damalige Kriegslage zu erwähnen. 

In. dem zwischen Preussen, Oesterreich, England, Holland 
und den verschiedenen deutschen Reichsfürsten einerseits und 
der französischen Revolutionsregierung anderseits 1792 ausge- 
brochenen Kriege, wurden die Verbündeten nach anfänglich 
leicht errungenen Vorteilen zum Rückzuge gezwungen, und 
von der Revolutionsarmee die Pfalz und Rheinhessen mit Mainz, 
das sich am 21. November ergeben musste, besetzt. 

Die, Anfang des Jahres 1793, erfolgte Hinrichtung Ludwig 
XVI. und die Schreckensherrschaft der Revolution feuerte die- 
Verbündeten, in deren Reihen zahlreiche französische Emigranten 
dienten, zu energischerem Vorgehen an : Maitiz wurde *«m 22. 
Juli wieder eingenommen und die Revolutionsarmee langsam, 
aber stetig nach der Grenze zurückgedrängt, Landau allein konnte 
nicht erobert werden, dagegen wurden die Franzosen am 13. 
August bei Limbach und am 14. September bei Pirmasenz ge- 
schlagen (wo sie 4000 Mann und 20 Kanonen verloren), am 
selben Tage dagegen die Oesterreicher bei Bundenthal in der 
Nähe von Weissenburg zurückgeworfen. Mitte Oktober wurden 
endlich die Weissenburger Linien erobert, und^ so für den öster- 
reichischen General Wurmser der längst erstrebte Weg nach 
dem Elsass eröffnet. Das preussische Heer hatte unterdessen 
die feindlichen Stellungen bei Hornbach und Ketterich genommen, 
und. am 28. September verlegte der König sein Hauptquartier 
nach Esch Weiler- Wolmünster, wo der Herzog von Braunschweig 
ein festes Lager bezogen hatte ; von hier aus wurden dann zur 
Unterstützung des österreichischen Angriffes auf die Weissen- 
burger Linien verschiedene Detachements zur Beschäftigung des 
linken Flügels der französischen Stellung entsandt ; so mar- 
schierte der Erbprinz von Hohenlohe am 12. Oktober mit 5 Ba- 
taillonen und 6 Eskadrons an Bitsch vorbei nach Egelshardt, 



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— 16 — • 

griff von hier aus am nächsten Morgen den verschanzten Posten 
bei Herzogshand am Moosbacher Strässchen an und zwang das 
denselben haltende Bataillon vom 40'2. Regiment zum Rückzug 
nach Dambach ; er selbst zog sich am 14. über Haspelscheidt- 
Bussweiler- Breitenbach wieder in das Eschweiler Lager zurück, 
während zur Verdeckung des Rückzuges General von Schiaden 
von Ormersweiler her Demonstrationen gegen Bitsch machte. 

Von nun ab blieben die Verbündeten ziemlich unthätig; sie 
hatten, 75—80,000 Mann stark, feste Stellung von Saarbrücken 
bis Wanzenau a. (Rhein in einer Ausdehnung von 30 Stunden 
bezogen : auf dem rechten Flügel stand bei Zweibrücken General 
Knobeisdorf, an der Saargemünd-Zwei brückener Strasse zwischen 
Blieskastel und Saargemünd General Kaikreuth, das Zentrum 
bildete von- Wolmünster bis Schweyener Wald an der Bitsch - 
Zweihrückener Strasse Herzog v. Braunschweig und Prinz von 
Hohenlohe mit 15 Bataillonen, bei Steinbach stand General v. 
Kleist und auf dem linken Flügel General von Wurmser mit 
den österreichischen Truppen bei Reichshofen-Brumath und 
Wanzenau. Mit Rücksicht auf den herannahenden Winter und 
die mangelhaften Verpflegungsverhältnisse der Truppen, sowie die 
erheblichen Verstärkungen die von den Franzosen herbeigezogen 
wurden, beschloss Herzog v. Braunschweig Mitte November zurück- 
zugehen und Winterquartiere bei Kaiserslautern zu beziehen. 

Um für die Operation des nächsten Jahres einen festen 
Stützpunkt zu haben und die Verbindung mit der im Elsass 
verbleibenden österreichischen Armee nicht ganz zu verlieren, 
sollte versucht werden, vorher die Festung Bitsch, die man — 
einmal in der Gewalt — für uneinnehmbar hielt, mit Hilfe 
eines emigrierten Ingenieurs durch Handstreich zu nehmen. 

Die Festung' war mit 675 Mann des 2. Bataillon du Gher 
unter dem Kommandant Augier und 64Kanonieren des I. Artillerie- 
Regiments zu Fuss, und 60 Mann Miliztruppen besetzt. 

Am Abend des 16. November — irrtümlicher Weise wird der 
Sturm vielfach auf den 14. Oktober verlegt, was wohl auf eine 
Verwechslung mit den vorher erwähnten, an diesem Tage erfolgten 
Operationen des Generals v. Schiaden zurückzuführen ist, — als 
man bereits von Aufbruch und Rückzug sprach, Hess der Herzog 
von Braunschweig aus sämmtlichen 15 Bataillonen 1700 Mann aus- 
wählen, von denen nach französischen Quellen jeder 3 Fr. er- 
hielt, suchte selbst eine Anzahl Unteroffiziere und Offiziere — 



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— 17 — 

auf Ersuchen des österreichischen Feldmarschalls Grafen v. War- 
tensleben auch dessen 18 jährigen Sohn, <^damit auch Oesterreich 
etwas zur Expedition gäbe» — aus und befahl die Mitnahme 
von Beilen, Brecheisen und Lochsägen, sowie die Umlegung 
eines weissen Tuches um den Arm als Erkennungszeichen. 

Um 7 Uhr Abends rückte das Kommando in aller Stille 
aus dem Lager und versammelte sich bei Nussweiler, ohne be- 
stimmt zu wissen, um was es sich handelte; hier erst* wurde 
es mitgeteilt und folgender Befehl ausgegeben : 

«SämmtHche Kommandierte lassen Tornister, Patronentaschen 
und Säbel zurück. Säbelkuppeln werden ohne Säbel über den 
Rock geschnallt. 30 Patronen werden in die Rocktasche ge- 
steckt, wovon 20 eingewickelt; die Unteroffiziere lassen ihre 
Kurzgewehre nebst Tornister ebenfalls zurück und nehmen da- 
für ein Schützengewehr und 20 Patronen. 

Eine Abteilung unter Oberstleutnant v. Hirschfeld geht 
im Graben «vom kleinen Kopf» die Treppe hinauf, wo man oben 
im Schlosse bei des Kommandanten Wohnung herauskommt, 
30 ausgesuchte Leute werden bestimmt in des Kommandanten 
Wohnung einzudringen und sich seiner Person tot oder lebendig 
zu bemeistern; 24 Bewaffnete ersteigen zuerst die Leitern, 
wovon 12 Mann 12 Schritte links, die andern ebensoweit rechts 
laufen und die Flanken der Abteilung decken, bis selbige 
ebenfalls die Leitern erstiegen haben und sie dann der Abtei- 
lung folgen. Auf diese 24 Bewaffnete folgen die Arbeiter: 4 
Mann mit Hebeeisen, 2 mit Hämmern und Brecheisen und 
2 mit Aexten, Beilen und stählernen Keilen, die sie in der 
Tasche mittragen ; auf die Arbeiter folgt der Rest der Abteilung. 
Die ersten 40 Mann greifen die zur rechten stehenden Wache 
bei ihrem D6bouch6 im Schlosse an ; unterdessen sprengen 
die Arbeiter die Thüre des Gewölbes, welche in den kleinen 
Kopf führt, und durch das Gewölbe linker Hand bei des 
Kommandanten Haus herauskommt. 

Diese Abteilung lässt am Eingang des Gewölbes 1 Unter- 
offizier und 6 Mann stehen, wovon 2 beständig das Gewölbe 
patrouillieren, die andern aber zum Rapportieren gebraucht 
werden. 

Führer ist Kapitän Tutelin mit einem Manne aus der Ge- 
gend. Die Wagen zur Fortbringung der Blessierten stehen bei 
Rochatshofe.» 



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— 18 — 

Aus diesem Befehl geht hervor, dass die Verbündeten ge- 
nau mit den Oertlichkeiien bekannt waren ; es kam dies da- 
her, weil mehrere französische emigrierte Offiziere unier den 
preussischen Truppen waren, die früher in Bitsch gestanden 
hatten ; insbesondere war der in obigem Befehl erwähnte Tu- 
telin bis vor kurzem Ingenieuroffizier in Bitsch gewesen. 

Das Kommando brach in 2 Kolonnen unter Führung des 
Obersien Grafen v. Wartensleben (vom Regiment Prinz Heinrich) 
und Oberstleutnants v. Hirschfeld (Generaladjutanten des Herzogs 
von Braunschweig) mit 59 Offizieren und 100 Unteroffizieren auf; 
die Kolonnen waren in je 5 Abteilungen geteilt, von denen 
jede einen besonderen Auftrag hatte ; nach Erfüllung desselben 
sollten sie die Garnison ohne zu schiessen entwaffnen oder 
niedermachen und sith dann auf dem Paradeplatz sammeln. 

Die Avantgarde bildete Leutnant von Oppeln mit 3 Unter- 
offizieren und 30 Mann ; diesen folgten 4 Mann mit Hebeeisen, 
je 2 Mann mit Hämmern, Brecheisen, Beilen und Lochsägen. 

Die Kolonnen marschierten in der Reihenfolge der Abtei- 
lungen bis zur Hottweiler Ziegelhütte auf der Zweibrücker 
Strasse, von da links die Schlucht hinunter nach Schorbach, 
die Schorbacher Strasse lang, über die Hanweiler-Pirmasenzer 
Strasse an der (1739 erbauten) Ochsenmühle vorbei, den Wald- 
weg längs des Wustweilerberges über die Hardt, Haspelscheidt- 
Landauer-Strasse rechts am Rochatshofe, an welchem die Fahr- 
zeuge gelassen wurden, vorbei über die Weissenburger Strasse 
und den Kir\delberg zur Slrassburger Chaussee ; auf dieser, 
von welcher, da der feindlichen Stellung entgegengesetzt, ein 
Angriff am wenigsten vermutet wurde, marschierten sie fort, bis 
dahin, wo der Weg zur Festung rechts heraufführt. Hier gegen 
Mitternacht unbemerkt angekommen, trennten sich die einzelnen 
Abteilungen, um ihre verschiedenen Aufträge auszuführen. 

Die Hauptmasse unter Führung des mit den Festungswerken 
genau bekannten Kapitäns Tutelin rückte lautlos in einer 
Senkung des Berges nach dem bedeckten Weg herauf, die auf 
dem Glacis befindlichen Palissaden werden durchbrochen und 
2 Schi Id wachen niedergestossen. Während nun Oberstleutnant von 
Hirschfeld mit seiner Abteilung nach der kleinen Rampe eilt, um 
sich der Thore und damit des Haupteinganges zu bemächtigen, 
steigen die andern Abteilungen mit Hilfe der mitgebrachten 
Leitern in die Gräben und versuchen die Mauern zu erklimmen. 



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— 19 — 

Inzwischen hat sich Major von Kaikreuth unter Gefangen- 
nahme von 3 Offizieren und 60 Mann der Stadt bemächtigt. 
Durch den Lärm in der Stadt, sowie das Geräusch, welches 
die Abteilung des Oberstleutnants von Hirschfeld beim Ein- 
schlagen der Thore verursachte, wurde die Besatzung alarmiert 
und eilte teilweise unbekleidet auf die Wälle. Trotzdem drang 
Oberstleutnant von Hirschfeld bis zum dritten : dem Haupt- 
thore vor und versuchte auch dieses, wie die beiden andern zu 
sprengen; ein mörderisches Feuer empfing die Vordringenden 
und bald war der Platz vor dem Thore mit Toten und Verwun- 
deten bedeckt, unter denen die mitgebrachten Brech Werkzeuge 
lagen ; man versuchte mit Kolbenslössen das Thor zu zertrümmern, 
aber vergeblich : vier Stunden lang währte hier und vor dem 
Thore an der grossen Rampe, sowie in den Gräben der Kampf, 
in welchem die Preussen ohne Schutz und ohne eigentlich selbst 
thätig werden zu können dem unablässig von oben herab er- 
folgenden Hagel von Steinen und Geschossen ausgesetzt waren. 

Als der Tag graute wurde zum- Rückzug geblasen, den 
aber viele nicht mehr antreten konnten : eine grosse Anzahl 
war tot, eine noch grössere verwundet, viele konnten nicht 
mehr aus den Gräben herauskommen und wurden gefangen 
genommen, darunter auch Kapitän Tulelin, der erkannt und 
am Morgen in dem Festungsgraben erschossen wurde. 

Von 1800 Mann und 59 Offizieren kehrten nur 1280 Mann 
und 35 Offiziere unversehrt zurück. ^4 Offiziere und 520 Manu 
waren teils tot, teils schwer verwundet oder gefangen. Das 
Regiment Braunschweig hatte zwei Drittel der ausgesandten 
Mannschaft verloren, Graf von Wartensleben war leicht an der 
Brust, Oberstleutnant von Hirschfeld durch einen Steinwurf 
schwer am Kopfe verwundet. 

Die Namen der beteiligten Offiziere sind in einer 1795 zu 
Frankfurt a. M. erschienenen Abhandlung aufgeführt; es sind 
auser den erwähnten die Hauptleute : von Below, . von Ebra, 
von Schmettau, von Hahn, d'Chanel, von Sack, Blumenstein, 
von Sommerfeldt, von Welzin, Texier, Olivien, von Goltz, von 
Puttlitz, Rochelle, von Haas und von Herwart ; die Leutnants : 
von Schade, von Mellersky^ von Dolffs, von Witzleben, von 
Oppeln, von Wedell, von Tettau, von Killinger, von Dornis, 
Graf von 'Wittgenstein, von Grumkow, von Römer, von Tes- 
mann, von Sacken, von Brandenstein, von Nettelhorst, von Lebbin, 



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— 20 — 

von Balby, von Arnim, von Hagen, von Rhein, von Noss, 
Stwolinsky II, von Ledebur II, von Rabenau, von Eisten, von 
Grävenitz, von Sacken, von Rechenberg, Guterzenka, Glischinsky^ 
von Hauteville und von Werder. 

420 Preussen sollen am nächsten Tage in der Nähe des 
grosseh Otterbuehls an dem davon benannten Preussenhübel 
beerdigt worden sein. 

Ihnen wurde am 17, Nov. 1893 — dem 400jährigen Gedenk- 
tage des Sturmes — von der Vogesenclubsection Bitsch auf der 
mutmasslichen Grabstätte zehn Minuten nordöstlich von Bitsch 
ein Gedenkstein errichtet. Der 3 m hohe Obelisk von weissem 
Sandsteine trägt auf dem Sockel eine gusseiserne Tafel mit 
folgender Inschrift : Dem Andenken der am 17. November 1793 
beim Sturm auf die Veste Bitsch gefallenen Preuss. Krieger 
gewidmet von der V. C. Section Bitsch am 17. November 1893. 

Dieses Unternehmen, von dem der damalige Befehlshaber 
der französischen Vortruppen General Saint- Cyr sagte, man 
wisse nicht, was man mehr bewundern solle, die Kühnheit der An- 
greifer oder die Nachlässigkeit des Festungskommandanten, erregte 
begreifliches Aufsehen und gab Stoff zu mancherlei Erdichtungen. 
So verdankt nach der einen Erzählung die Festung ihre Rettung le- 
diglich dem Ochsenhirten Billet, der von den Schlägen an das Haupt- 
thor der grossen Rampe, deren Spuren noch heute an dem früheren 
Holzthor sichtbar sind, geweckt (der sog. Kuhstall, das heisst das 
für das Vieh bestimmte Souterrain, beginnt unmittelbar hinter 
dem Thore), die Besatzung zu den Waffen rief; nach einer an- 
deren Erzählung war die Errettung hauptsächlich dem Opfermute 
eines armen Bitscher Bürgers zu danken, indem derselbe sein 
an dem Glacis gelegenes Haus anzündete und so die Aufmerk- 
samkeit der Schildw^achen erregte, der alarmierten Garnison den 
Standort der Eindringlinge zeigte und auf diese Weise bei der 
herrschenden Dunkelheit das Zielen ermöglichte. Zu letzterem 
Zwecke waren von der Festung Leuchtkugeln geworfen ^worden, 
wodurch in der That eine Feuersbrunst in der Stadt entstand^ 
durch welche drei Häuser eingeäschert wurden ; auch Pech- 
kränze hatte man zur Beleuchtung der Gegend auf den Wällen 
angezündet, und man soll noch lange Zeit nachher an dem 
üppigeren Stand der Pflanzen diese Stellen erkannt haben. 

Vielfach — und dies findet sich in sonst sehr genauen Ge- 
schichtswerken — wird auch der Ueberfall zu einer grosse» 



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— 21 — 

Schlacht ausgeschmückt, bei der 40,000 Preussen und Oester- 
reicher, unter welchen sich auch der Bischof Rohan von Strassburg 
befand, von den 675 Freiwilligen der Festung geschlagen wurden. 

Eine derartige Schlacht fand weder früher noch später hier 
statt: nach der mit 1800 Mann versuchten Ueberrumpelung zog 
sich das preussische Heer nach der Pfalz zurück und in dem 
weiteren Verlauf des Goalisationskrieges wird von Bitsch nichts 
Erwähnenswertes mehr überliefert ; auch in den Napoleon'schen 
Kriegen scheint es ohne Bedeutung gewesen zu sein. 

1809 diente es einer Anzahl englischer kriegsgefangener 
Offiziere als Aufenthalt, von welchen sich noch vielfache In- 
schriften auf dem Gestein vorfinden. Die Garnison war damals 
400 Mann und 50 Offiziere stark, ausserdem befanden sich in 
dem Militärhospital 30 pensionierte Offiziere, 

1813 wurde es, wie Lützelstein und Lichtenberg, nur 
beobachtet. 

1814 erkannte der Kommandant Maisonneuf, nachdem ein 
Ausfall mit Verlust von 7 Toten und 11 Gefangenen abgeschlagen 
worden war, Ludwig den XVIIL an, und die Feindseligkeiten 
wurden am 20. April eingestellt. Im Jahre 1815 war General 
von Kreutzer Festungskommandant, der sich nach kurzer 
ßlokade vom 11. bis 30. August durch ein Detachement vom 
20. Regiment der Garnison Mainz unter General von Krauseneck 
fnr Ludwig XVIIL erklärte. 

In Folfe Convention vom 20. November 1815 wurde die 
Festung von BayerniJ)esetzt, welche bis zum 15. November 1818 
darin verblieben. 

Die Erhebung der Festung zu einer solchen ersten Ranges ge- 
. schall durch Dekret vom 28. Februar 1850 nach Herstellung der 
Stadtbefestigung; diese ist nämlich neueren Datums; kleinere An- 
lagen bestanden zwar schon früher, dieselben wurden aber gemäss 
dem Ryswicker Friedensvertrag geschleift und später durch eine 
einfache aus 6822 Stück bestehende Palissadenumzäunung ersetzt ; 
an deren Stelle trat Ende des XVIÜ. Jahrhunderts eine Mauer 
in Folge kriegsministerieller Verfügung vom Okiober 1788. Diese 
Mauer sollte mehr zur Abschliessung, um die Entweichung von 
Gefangenen und Soldaten zu verhindern, als zu Verleidigungs- 
zwecken dienen, sie wurde 1795 mit einem Kostenaufwand von 
57,202 Fr. beendet und zog sich vom Glacis der Festung direkt hinter 
den Häusern her bis zu dem— 1820 trockengelegten— Stadtweiher. 



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— 22 — 

Stadlfhore werden zum erstenmale 1662 — die Stadt Bitsch 
entstand überhaupt erst nach dem 30jährigeQ Kriege aus den 
Dörfern Kaltenhausen und Rohr — erwähnt und zwar cein 
Hinter-», «Vorder-», «Ober-» und «Unterthor». Zur ßewachung 
dieser Thore war ein «Wachtmeister» (später mehrere) bestellt, 
von dem es 1662 heisst: «dass er von ehrsamer Bürgerschaft an- 
genommen wurde, damit er uff die Thore fleissig acht soll geben, 
Abends und Morgens dieselbe auf- und zusperren und zu Nacht 
ohne Herrn Rentmeisters furwissen nicht eröffnen ; für seine 
Belohnung solle ihm ein jeder Burger für ein Jahr lang ein Sester 
Korn liefern, wie auch jeder Wagen oder Karch so Holz zu seinem 
Hause füret soll ihm eine Portstang geben, wie auch in der 
Heuemdt soll er Macht haben, in ein jeden Wagen mit Heu 
dreimal und ein Karch zweimal heraus zu ropfen, wie auch ist 
ihm versprochen worden zwei Stück Rindvieh, wie auch zwei 
Sauen von dem Hirten lohn frei zu halten. 2> 

1787 wurden an den vier Thoren von der Stadt auf Ver- 
anlassung der Regierung und mit einer Beihilfe derselben von 
6920 Fr. Hauptwachen erbaut; ausser diesen bestanden eigent- 
liche Befestigungswerke in der Stadt nicht, wie aus einer Schrift 
vom Jahre 1772 hervorgeht, in welcher es heisst: «c — il n'y a 
pas d'autres fortifications que cfeUes du chäteau, la ville n'ayant 
pas un seul mur d'enceinte.» 

Erst 1844 gelang es den Bemühungen des im Kriegsmini- 
sterium beschäftigten Generals Schneider — ein BitsCher Kind — 
die Stadtbefestigung im grossen Umfange durchzusetzen, nach- 
dem auch die Stadt durch Anlage eines Verpflegungsmagazins 
für eine 30,000 Mann starke Armee, zu welchem Zwecke ein 
grosser Speicher um 280,0('0 Fr. hergestellt worden war (jetzige 
Speicherkaserne), eine gewisse Bedeutung erlangt hatte. 

Durch kriegsministeriellle Verfügung vom 28. Juni 1844 
wurden die Befestigungsarbeiten verordnet und 1852 vollendet ; 
für die Stadtumwallung, wie sie noch heute teilweise besteht, 
wurden 873,098 Fr., für die drei Hohltraversen auf derselben 
25,500 Fr. und ausserdem in den Jahren 1852—1857 für Er- 
weiterungs- und Verbesserungsbauten 37,100 Fr. verwandt. 

Durch kriegsministerielle Verfügung vom 19. Juli 1846 
wurde ferner der Bau eines Forts auf dem «Roche-percee» : 
Fort Sebastian, von der in der Nähe gelegenen St. Sebastians- 
Kapelle genannt, angeordnet. Die Abtragung des spitzen Gipfels 



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— 23 — 

und Herstellung eines Plateaus kostete allein 40,000 Fr., der 
Bau der Kaserne mit Belegungsraum für 1 Offizier und 81 Mann 
54,000 Fr., die Herstellung des Pulvermagazins 44,000 Fr., 
das ganze Fort überhaupt 283,526 Fr. 4848—1849 erfolgte 
ausserdem die Anlage eines Paradeplatzes vor dem Fori, mit 
einem Kostenaufwand von 40,500 Fr., so dass in den Jiahren 
1844—4857 für Anlage der nunmehr vollständig aufgegebenen 
Befestigungen 4,259,724 Fr. verausgabt wurden: sie geschah 
mehr für die Armen als für die Armee und mehr zur Beschäf- 
tigung der Bewohner als zur Befestigung der Wohnstätten ; denn 
dieselbe ist ohne jegliche Bedeutung und war deshalb auch im 
Kriege 1870|71 nicht armiert. Anfangs des Jahres 1870 befanden 
sich in der Festung, nach einem Armierun^sbericht vom I.Ja- 
nuar 1870, 53 Geschütze, .nämlich 12 gezogene und 10 glatte 
Bronzekanonen, 18 Bronzehaubitzen und 43 Bronzemörser, davon 
waren aber nur 19 in Schussbereitschaft ; Infanteriegew^ehre be- 
fanden sich 4602 Stück mit 1,399,416 Patronen auf der Festung, 
ausserdem 120,400 Kilo Pulver und 26,128 Geschosse für die ver- 
schiedenen Geschütze. Bei Ausbruch des Krieges fand eine beson- 
dere Armierung und Verproviantierung nicht statt ; der einige Tage 
vorher eingetroffene Platzkommandant Theissier wohnte bis zur 
Annäherung der deutschen Truppen im Bathause, und die Auf- 
stellung der Geschütze geschah erst nach der Schlacht von Wörth 
durch einen retraitierten Artilleriehauptmann, Namens Bossin. 
Bitsch war der Sammelplatz des V. Korps unter General 
de Failly und bereits am 18. Juli — also ein Tag vor der offi- 
ziellen Kriegserklärung — waren daselbst 47 Infanteriebataillone 
und 2 Kavallerieregimenter zusammengezogen ; am 23. Juli ver- 
legte Failly das Hauptquartier nach Saargemünd und die 3. 
Division, bestehend aus dem 17., 27., 30. und 68. Infanterie- 
regiment, dem 49. Jägerbataillon und 3 Batterien des H. Artil- 
lerieregiments unter General Guyot de Lespart, rückte nach 
Bitsch. Nachdem bereits am 24. Juli die Bahnlinie Saargemünd- 
Bitsch bei Bliesbrücken durch eine Abteilung 7. Ulanen unter 
Lieutenant von Voigt zerstört worden war, fand am 29. ein Zu- 
sammenstoss zwischen einer stärkeren Bekognoszierungspatrouille 
vom 5. Dragonerregiment und französischen Vorposten aller 
Waffengattungen bei Breitenbach statt, infolgedessen die fran- 
zösische Avantgarde am 34. Juli Befestigungen auf den Höhen 
bei Hanweiler (7 Kilometer nördlich von Bitsch) anlegte. 



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— 24 — 

Am 1. August unternahmen bayrische Chevaulej^ers unter 
Major von Egloffstein und 12. preussische Husaren unter Major 
von Parry in einer Stärke von 50 Mann eine Rekognoszierung 
nach der Bitsch-Weissenburger Strasse von Eppenbronn aus ; sie 
erhielten bei Sturzelbronn lebhaftes Feuer von starken Infanterie- 
abteilungen und zogen sich auf Waldwegen über den Mühlenbacher 
Hof nach Ludwigswinkel zurück ; mehrere Pferde waren verwundet 
worden, und auf dem Mühlenbacher Hof wurde ein Husar, der 
sich mit seinem verwundeten Pferde beschäftigte, gefangen. 

Nach Bekanntwerden der Einnahme von Weissenburg und 
dem otfensiven Vorgehen der HI. deutschen Armee erhielt Ge- 
neral Failly Befehl, sein ganzes Korps bei Bitsch zu sammeln. 
Die Division Lespart, welche am 2. August in der Richtung auf 
Pirmasens vorgerückt war, zog sich, wieder nach Bitsch zurück 
und Failly selbst traf mit dem Rest des Korps am Abend des 5. in 
Bitsch ein. Am Morgen des 6. kam der Befehl von Mac-Mahon, 
eine Division sofort nach Philippsburg, 17 Kilometer südöstlich 
von Bitsch, zu senden und mit dem übrigen Korps am 7. August 
in der Richtung nach Weissenburg vorzugehen. 

Die Division Lespart rückte demgemäss am 6. morgens nach 
Philippsburg ab und nahm auf die Kunde von der Schlacht bei 
Wörth, 7 Kilometer weiter südöstlich an dem Thalausgang auf 
den Höhen links und rechts von Niederbronn Aufnahmestellung, 
aus welcher sie jedoch durch die unaufhaltsam flüchtenden 
Trümmer der Mac Mahon*schen Armee mit in den allgemeinen 
Rückzug gerissen wurde : die Brigade Fontanges südwestlich nach 
Zabern, die Brigade Abbatucci mit einigen Tausend Verspreng- 
ten des L Korps nach Bitsch. Hier hatte unterdessen Failly, 
von Nordwesten (Spichern) und Südosten (Wörth) heftigen 
Kanonendonner hörend, vergeblich auf Befehle geharrt, und 
wusste nicht, wohin er sich wenden sollte ; erst am Abend ver- 
nahm er die beiderseitigen Niederlagen und marschierte dann 
nach Beschluss des rasch zusammengerufenen Kriegsrats des 
Abends um 9 Uhr in fluchtahnlicher Weise mit seinen beiden 
Divisionen, die Trains zurücklassend, nach Lützelstein ab. Da 
deutscherseits angenommen wurde, dass sich Mac Mahon nach 
Bitsch zurückgezogen und sich dort «ammeln würde, erhielt die 
Xn. Division, die seither in der Gegend von Pirmasens ge- 
standen, den Befehl, auf Bitsch vorzurücken ; dieselbe erreichte 
am 7. Stürzelbronn, Vorposten bis Herzogshand vorschiebend. 



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~ 25 — 

und bei Haspelsc^eidt (7 Kilometer nordöstlich von Bitsch) Füh- 
lung mit dem 5. Dragonerregiment gewinnend. Durch Patrouil- 
len wurde festgestellt, dass während der Nacht zahlreiche Flücht- 
linge durch Egelshard gezogen, dass am Abend Truppen bei 
Bitsch biwakiert, in der Nacht aber nach Süden abgerückt, 
und in der nächsten Umgebung der Festung keine Truppen 
mehr sichtbar wären ; doch erhielt die 4. Schwadron des 5. 
Dragonerregiments, als sie sich der Festung näherte, von den 
Wällen Feuer und musste sich mit einem Verluste von 4 Toten 
(die in Haspeischeidt begraben sind) und 5 Verwundeten zu- 
rückziehen ; auch eine Brigade vom II. bayrischen Korps, welches 
bei Egelshard biwakierte, wurde am 8. August beim Vormarsch 
von der Festung aus beschossen, die 1. reitende Batterie La 
Roche vom 2. bayrischen Artillerieregiment fuhr am Kindeiberg 
auf und warf einige wirkungslose Schüsse in die Festung, wurde 
aber bald mit Verlust von 1 Toten und 4 Verwundeten, Si)wie 
einer zertrümmerten Lafette, zum Abfahren gezwungen. 

Durch diese Sperrung der Hauptstrasse sahen sich die vor- 
rückenden Truppen zu einem Umweg gezwungen : das II. bay- 
rische Korps marschierte am 9. August auf Waldwegen über 
den Hoch köpf nach Lemberg, zur Beobachtung ein Bataillon 
Infanterie und eine Schwadron Chevaulegers zurücklassend, die 
XII. Division ging an demselben Tage über die Höhen bei Han- 
weiler nach Schorbach und Lengeisheim und am nächsten Tage 
nach Klein-Rederchingen. Hier war Tags vorher Prinz Fried- 
rich Karl von Wolmünsler her mit dem IV. Korps eingetroffen, 
um Mac Mahon, von dem man ja angenommen, dass er sich 
bei Bitsch sammeln würde, den Rückzug zu verlegen. 

Die vor Bitsch zurückgelassenen Truppen wurden atn 11. 
August durch das 1. Bataillon 7. bayrischen Infanterieregiments 
abgelöst, welches mit je zwei Jvompagnien die Lazarette in 
Reichshofen und Niederbronn schützte und durch vorgeschobene 
Streifpatrouillen die Festung beobachtete. In dieser war nach 
dem Abzug des Failly'schen Korps nur ein Bataillon vom 86. 
Infanterieregiment (750 Mann stark) nebst 250 Artilleristen zu- 
rückgeblieben, dazu kamen noch etwa 200 in der Umgegend 
postiert gewesene Douaniers, und ungefähr 1400 Versprengte 
von Wörth und 600 von Spichern. Diese Flüchtlinge kamen 
in einem schrecklich abgerissenen und verzweifelten Zustande 
an, sie verbreiteten so schlimme Nachrichten von der furcht- 



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— 26 — 

baren Niederläge der französischen Armee, dass sie der ^Platz- 
kommandant, um nicht die Besatzung zu sehr zu entmutigen, 
isolieren Hess : sie wurden in den drei auf der Stadtumwallung 
befindhchen Hohltraversen, dem Fort Sebastian und dem davor 
hegenden «camp retranch^» untergebracht und jeder Verkehr 
mit der Besatzung verboten. Da die Festung nach dem am 8. 
August erfolgten Abmarsch der Bayern längere Zeit unbeheihgt 
blieb, schöpfte die Besatzung wieder Mut und gab sich den 
besten Hoffnungen auf die baldige Rückkehr der französischen 
Truppen hin ; der Platzkommandant erliess am 05. August 
einen Tagesbefehl, in welchem er auf die günstige Lage von 
Bitsch für den Fall des erwarteten Rückzugs der deutschen 
Armee hinwies und die Truppen im «camp retranche» auffor- 
derte, sich genaue Kenntnis von der Umgegend und allen Wegen 
zu verschaffen, um dieselben nötigenfalls unpassierbar zu machen 
und den deutschen Truppen den Rückzug abzuschneiden. Die Situa- 
tion sollte sich bald ändern : da Gefahr bestand, dass die geringen 
zur Beobachtung von Bitsch zurückgelassenen Truppen die durch 
die Versprengten auf etwa 3000 Mann angewachsene Besatzung 
nicht im Schach halten könnten, und somit die Lazarette in Nieder- 
bronn und Reichshofen, sowie die rückwärtige Verbindung gefähr- 
det erschienen, wurde zur Operation gegen Bitsch in Germersheim 
ein besonderes Detachement gebildet, bestehend aus dem 2. Ba- 
taillon 4. bayrischen Infanterieregiments, dem 29. Landwehrba- 
taillon, 1 Offizier und 8 Reitern der Besatzungskavallerie und 4 
gezogenen 12-Pfündern ä44Schuss und Brandgranaten, im Ganzen : 
1850 Mann, 112 Pferde, 4 Geschütze und 13 Fahrzeuge unter dem 
Kommando des Obersten Kohlermann. Das Detachement traf am 
22, August in Niederbronn ein, und wurde in der Nacht be- 
reits, nachdem die Festung vergeblich zur Uebergabe aufgefor- 
dert w^orden, bis dicht vor Bitsch vorgeschoben. Die Batterie — 
es war die 4. Ausfallbatterie 2. bayrischen Artillerieregiments 
Brodesser — wurde in der Nacht mit grossen Schwierigkeiten 
auf den 1100 m in gleicher Höhe (366 m hoch) nördlich der Zita- 
delle gelegenen grossen Otterbühel geschafft, und morgens um 5 
Uhr das Feuer gegen die Festung eröffnet. Der 3. Schuss schlug 
in das auf dem grossen Kopf befindliche Arresthaus, in dem ver- 
schiedene deutsche Gefangene waren, von denen einer leicht ver- 
wundet wurde; das Feuer wurde zwei Stunden fortgesetzt und 
52 Granaten mit Spreng- und 25 mit Brandladung in die Festung 



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. — 27 — 

geworfen ; da ein wesentlicher Erfolg mit den leichten Geschützen 
nicht erzielt wurde, die Batterie auch stark dem Feuer der grö- 
beren Festungsgeschütze ausgesetzt war, Hess Oberst Kohlermann 
um 7 Uhr das Feuer einstellen, durch einen Parlamentär die 
Festung nochmals zur Uebergabe aufFördern und die Batterie, 
von der ein Offizier und zwei Mann verwundet waren, abfahren. 

Die Uebergabe wurde abgelehnt, und Oberst Kohlermann, 
einsehend, dass er ohne bedeutendes Geschützmaterial die Fes- 
tung nicht bezwingen könne, zog sich, um dieses abzuwarten, 
zurück in ein Biwak zwischen Lengeisheim und Hanweiler und 
am 26. August nach Wolmünster. 

Das 29. Landwehrbataillon wurde zum Etappendienst nach 
Weissenburg beordert, während die Batterie unter Deckung des 
2. Bataillons 4-, Infanterie- Regiments am 27. August eine Be- 
obachtungsstellung auf dem nordwestlichen Höhenzug zwischen 
Schorbach und dem Freudenbergerhof einnahm ; bis zum Ein- 
Ireffen weiterer Truppen suchte das Bataillon durch zahlreiche 
Posten und Patrouillen seine Schwäche zu maskieren, wobei e& 
durch 2 von Lemberg nach Reyersweiler herangezogene Etappen- 
kompagnien des 5. und 27. Landwehrbataillons unterstützt 
wurde. Am 31. August ging der Befehl der vollständigen Ein- 
schliessung und gewaltsamen Einnahme der Festung ein, zu- 
gleich mit der Benachrichtigung von der abgesandten Verstär- 
kung. Die Belagerten erhielten hiervon Kenntnis und versuchten 
vor Eintreffen der neuen Truppen das Detachement Kohlermann 
zu vertreiben. Es wurde am 1. September Nachmittags 4i|2 Uhr 
ein kleiner Ausfall nach der Saargemünder Strasse und am 4. 
September ein grösserer von 800 Mann (aus dem camp retran- 
che) gegen die Stellung zwischen Lemberger und Saargemün- 
der Strasse unternommen : derselbe wurde mit Hilfe des Tag& 
vorher eingetroffenen 1. Bataillons 8. Infanterie- Regiments zu- 
rückgewiesen ; die bayrischen Verluste beliefen sich auf 9 Mann 
tot,. 2 Offiziere und 29 Mann verwundet, die französischen lassen 
sich nicht genau angeben, jedenfalls blieben 3 Tote auf dem 
Kampfplatze — der Milchenbach links der Saargemünder Strasse 
— liegen und wurden nachher von Bitscher Bürgern hereinge- 
holt, 6 starben in den nächsten Tagen an den erhaltenen Wunden, 
die Zahl der leichter Verwundeten soll sich auf 60 belaufen 
haben, ausserdem wurden etwa 30 Gefangene verloren. 

Nach zwei angeblich noch rechts der Saargemünder Strasse 



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— 28 — . 

ara Krähenfelsen liegen gebliebenen Schwerverwundeten wurde 
gegen Abend von dem um die Krankenpflege während der Be- 
lagerung sehr verdienten Dr. W. mit einigen Bitscher Bürgern 
gesucht ; es war vergeblich, dieselben waren bereits von den 
bayrischen Krankenträgern aufgenommen worden. Dr. W. und 
einer seiner. Begleiter, die sich bis in die bayrische Postenkette 
gewagt hatten, wurden festgehalten und zu dem am Freuden- 
bergerhof befindlichen bayrischen Hauptquartier gefuhrt, hier 
freundlichst bewirtet, mit der soeben eingetroffenen Depesche 
über die Ereignisse bei Sedan bekannt gemacht und dann ent- 
lassen ; sie kamen erst gegen 10 Uhr wieder in Bitsch an und 
fanden mit ihrer Erzählung der Niederlage von Sedan eine 
schlechte Aufnahme, ja wären beinahe von den aufgeregten Offizie- 
ren misshandelt und als Verräter verhaftet worden ; es erschien 
diese Nachricht um so unglaublicher, als einige Tage vorher (am 
27. August) folgende Depesche offiziell bekannt gegeben wurde: 

«Prinz Karl tot und in Metz begraben, General Sieingietz 
und 14 preussische Generale gefangen. ^70,000 Verwundete und 
Gefangene; in der Nordsee 6 preussische Schiffe mit Goldbar- 
ren genommen ! » 

Am 5. September trafen bei den Belagerern noch 46 gezo- 
gene Zwölfpfünder und 4 sechzigpfündige Mörser mit 200 Schuss 
pro Geschütz und am 6. die 3ten Bataillone des 4. und 8. Inf.- 
Reg. und eine Festungs-Genie-Kompagnie ein : sodass nun die 
Belagerungstruppen aus 6760 Mann Infanterie, 28^Reitern und 
24 Geschützen mit Bedienunj^smannschaften vom II., III., IV. 
bayrischen Festungs-Art. -Reg. bestanden, wozu am 13. Septemb. 
noch 4 sechspfündige Feldgeschütze kamen. 

Die Truppen nahmen vom 6. September ab folgende SteK 
lung ein : das I. Bat. 8. bayr. Inf.-Reg. hatte den rechten 
Flügelabschnitt zwischen Lemberger und Reyersweiler Strasse 
mit Allarmhäuser in Reyersweiler, die 5., 7. und 8. Komp. 4. 
Inf.-Reg. das Zentrum an der Saargemünder Strasse mit Al- 
larmhäuser in Legerethof und das 3. Bat. 4. Inf.-Reg. hatte 
den linken Flügelabschnitt mit Allarmhäuser am Suselhof; das 
3. Bat. 8. bayr. Inf.-Reg. stand in Reserve auf dem Simster- 
hof, w^ährend die 6. Kompagnie 4. Inf.-Reg. mit 8 Reitern 
eine fliegende Kolonne zur Beobachtung der Strassen nach Zwei- 
brücken, Weissenburg und Hagenau bildete ; Artillerie- und Inge- 
nieurpark nebst Munitionsdepots mit je 300 Reserveschuss pro 



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— 29 — 

Geschütz befand sich bei der Hottweiler Ziegelei. Unter dem- 
Schutze dieser Stellung wurden bis zum 11. September 6 Batterien 
hergestellt und mit je 300 Schuss ausgestattet: Batterie I mit 
4 zwelfcm. Kanonen nordöstlich von Reyersweiler, am Nord- 
ostrande des bewaldeten Schimberges, 1700 m vom Südwest- 
Ende der Festung, die II. Batterie mit 4 glatten sechzigpfün- 
digen Mörsern an dem von Bitsch nach Reyersweiler fuhrenden 
Wege, 1800 m von Bastion I entfernt; III., IV. und V. Batterie 
mit je 4 zwölfem. Kanonen auf der Höhe (Rössel) zwischen 
dem Reyersweiler Weg und der Saargemünder Strasse, etwa 
2000 m von der Festung, VI. Batterie auch mit 4 zwölfem. 
Kanonen etwa 500 m nördlich der Saargemünder Strasse am 
Waldrande von Schiesseck. 

Nach Fertigstellung der Batterien, die alle etwa 30 m hö- 
her als die Zitadelle lagen, Hess Oberst Kohlermann das bevor- 
stehende Bombardement der Festung und Stadt dem Komman- 
danten anzeigen, mit der Gewährung freien Abzugs für die 
Bürgerschaft. Oberst Theissier Hess aber die von vielen beab- 
sichtigte Auswanderung nicht zu. 

Am 11. September, Morgens 10 Uhr, begann das Bombar- 
dement der Festung aus sämtlichen 24 Geschützen, das, von 
hellem Wetter begünstigt, den besten Erfolg hatte ; • bald ent- 
stand Feuer in der Festung, und die Festungsgeschütze, die an- 
fänglich, 14 an der Zahl, kräftig antworteten, steUten, nachdem 
sie etwa 800 Schuss abgegeben und 1* Geschütz der Batterie 
VI mit einem Verlust von 1 Mann tot und fünf verwundet de- 
montiert hatten, gegen Mittag das Feuer ein, die Belagerungs- 
geschütze schwiegen erst um 11 Uhr Nachts. 

Am 12. übernahm Major Zeller das Kommando über die 
Belagerungsartillerie und Hess das Feuer mit aUen Kräften fort- 
setzen ; dasselbe wurde nur bis 9 Uhr Morgens erwidert : von 
da ab bHeb es still auf der Festung, woraus man schloss, dass 
die Besatzung sich in die Souterrains zurückgezogen habe ; es 
wurde deshalb hauptsächlich das Lager hinter dem Fort Sebastian 
und von 6 Uhr Abends ab auch die Stadt beschossen. Letztere 
geriet bald in Brand, der die ganze Nacht währte und unge- 
fähr 70 Häuser (darunter auch das Rathaus) einäscherte. 

Die Folge davon war, dass am nächsten Morgen die Bürger- 
schaft um freien Abzug nachsuchte ; derselbe wurde zwar offi- 
ziell versagt, trotzdem aber unter stillschweigender Duldung der 



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— 30 - 

Belagerer von einer grossen Anzahl Bürgern ausgeführt ; etwa 
die Hälfte der 2700 Seelen zählenden Zivilbevölkerung, darunter 
gerade die angesehensten und reichsten, verliessen die Stadt. 
Die Beschiessung wurde fortgesetzt ; am 16. wurden grosse 
FouiTagevorra.te, die im Zangen werke I — V auf der grossen 
Rampe lagerten, in Brand geschossen, verschiedene Brände in 
der Stadt verursacht und am Abend das Zeughaus und Gou- 
vernement auf der Festung zerstört. Am 16. und 17. traten auch 
die vier am 13. September eingetroffenen Feldgeschütze in Thä- 
tigkeit, die von dem nördlich des Roten-Stiegs gelegenen Wald- 
saum 80 Granaten und dann von dem Terrain zwischen kleinen 
und grossen Otterbähel 40 Granaten in die von den Stellungen 
etwa 1500 m entfernte Stadt schosSen. Das Feuer wurde vom 
18. ab vermindert und am 21. September ganz eingestellt. Die 
Batterien wurden, nachdem die 20 gezogenen bronzenen Zwölf- 
pfünder und die 4 sechzigpfündigen Mörser auf etwa 1800 nri Ent- 
fernung innerhalb zehn Tagen 6000 Granaten und 1100 Bomben 
in die Stadt und Festung geworfen, desarmiert und die Ge- 
schütze abgefahren ; am 25. September wurde auch, da eine 
weitere förmliche Belagerung zu viel Material und Truppen in 
Anspruch genommen hätte, die Zernierung auf Befehl des 
Generalgouverneurs von Elsass, Grafen von Bismarck-Bohlen, 
eingestellt ; Oberst Kohlermann rückte mit 2 Bataillonen und 
der Feldartillerie ab, der Rest des Detachements (1. und 3. Ba- 
taillon 8. Infanterieregiments) blieb unter Befehl des Obersten 
Schrot zur Beobachtung zurück, um Beunruhigungen von Pro- 
viant- und Munitionstransporten seitens der Besatzung zu ver- 
hindern ; die Strassen von Niederbronn und Lemherg wurden 
gesperrt, indem je 1 Bataillon Barackenlager hinter dem Pfaffen- 
berg und in Schwangerbach bezog, auf der Nord- und Westseite 
wurde durch Patrouillen der Verkehr möglichst eingeschränkt. 
Nach der vom Feinde bemerkten Verminderung der Zernier- 
ungstruppen erfolgten mehrere kleine Ausfalle : am 29. nach- 
mittags nach dem Freudenberger Hof, der erst nach 4 stündigem 
Kampf zurückgeworfen und am nächsten Tage wiederholt 
wurde ; das 8. bayrische Infanterieregiment erlitt dabei einen 
Verlust von 5 Mann tot und 6 verwundet, von der Kavallerie- 
abteilung (5. Chevaulegersregiment) wurde 1 Mann getötet. 
Nach mehrfachen kleineren Plänkeleien wurden vom 10. Oktober 
ab die Feindseligkeiten beiderseits fast gänzlich eingestellt. 



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— 31 — 

Durch das Bombardement waren auf der Festung alle ober- 
irdischen Gebäude, mit Ausnahrhe der Kapelle, gänzlich ver- 
nichtet, in der Stadt 121 Häuser ganz, 184 teilweise zerstört 
worden, 135 Haushaltungen waren obdachlos, Pfarrer, Bürger- 
meister und sonstige Behörden hatten die Stadt verlassen.. Die 
Not und Verwirrung war gross, am 23. September wurde durch 
den Kommandanten ein provisorischer Gemeinderat, bestehend 
aus einem Präsidenten, Stellvertreter und 14 Beisitzern, er- 
nannt ; es wurde ein Hilfskomite konstituiert, das an die nächst 
gelegenen Orte Aufrufe zur Unterstützung mit Kleidungsstücken, 
Betten und Nahrungsmittel ergehen Hess. Da die Absperrung 
vom Oktober ab nur eine sehr geringe war, und den Verkehr 
nach aussen fast ungehindert zuliess, gingen denn auch bald 
von allen Seiten, insbesondere von einem Niederbronner und Saar- 
gemünder Hilfskomite, zahlreiche Unterstützungen ein, so dass 
an 103 Personen Kleider,, an 363 Bettzeug und Lebensmittel, an 
107 Saatfrucht und tätlich für 36 Fr. Brot verteilt werden konnte. 

Die Thore wurden auf Ansuchen der Bürgerschaft von 7 
Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags geöffnet und vom 1. Ja- 
nuar ab wurden sogar die Wochenmärkte wie früher 2 mal 
abgehallen ; eine aus 2 Kompagnien von je 80 Mann gebildete 
Mobilgarde half die Ordnung in der Stadt aufrechthalten und 
die Thore bewachen. Die Handhabung der Strafgerichtsbarkeit 
wurde, da die Gerichtsbehörden die Stadt verlassen hatten, 
durch Erlass des Festungskommandanlen vom 22. Oktober 1870 
dem Gendarmeriekapitän Mathieu, der regelmässig Freitags 
Sitzungen abzuhalten hatte, übertragen. 

Die teilwoisö in Eisenbahnwagen untergebrachte Besatzung 
des «camp retranche» war den Unbilden des strengen Winters 
sehr ausgesetzt, und das zum Militärhospital eingerichtete frühere 
Augustinerkloster (College) konnte die Menge der Kranken, ins- 
besondere Typhus- und Blatternkranken, kaum fassen; für die 
zahlreichen Blatternkranken wurden später Isolierräume in der 
Speicherkaserne eingerichtet. Die Zivilbevölkerung, w^elche sich 
am 1. Dezember 1870 auf 1347 Seelen belief, hatte Dank der 
umsichtigen Leitung ihrer Vertretung und der reichlich von 
allen Seiten zufliessenden Unterstützungen verhältnismässig wenig 
zu leiden; nach einer am 1. Dezember vorgenommenen Auf- 
stellung waren in der Stadt noch vorhanden : 

924 Hektoliter Korn, 213 Säcke Mehl, 14,739 Hektoliter 



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— 32 — 

Kartoffeln, 20 Ochsen, 158 Kühe, Kälber; 7 Hammel und 8 
Schweine; die Weiterverproviantierung war bei der un<^ehinderlen 
Verbindung nach aussen und den erbeblichen Unterstützungen 
an Geld — es gingen vom 7. Oktober bis 17. April 8106 Fr. 
an Baargeld ein — ohne Schwierigkeiten vorzunelimen. 

Bei dem Militär trat bald Geldmangel ein, der Sold konnte 
an die zahlreichen Truppen nicht mehr bezahlt werden, und 
wurde deshalb anfangs November der Adjutant Mondelli nach 
Tours gesandt, um Geld zu holen. Dies war inzwischen durch 
den französischen Konsul in Neuchatel, auf einen Brief Theis- 
sier's hin, besorgt worden; derselbe traf am 7. November, kurz 
nach der Abreise Mondelli's, mit 50,000 Fr. in Bitsch ein. 

Mondelli erhielt in Tours eine Menge Auszeichnungen für die 
Besatzung von Bitsch ; fast sämtliche Offiziere wurden um einen 
Grad erhöht, viele erhalten Orden und Ehrenzeichen; es wird die 
Errichtung eines neuen Regiments aus dem Besatzungsbataillon 
und den Flüchtlingen der verschiedenen Regimenter beschlossen, 
und der seitherige Bataillonskommandant Bousquet vom 86. In- 
fanterieregiment zum Oberst des neugebildeten Marschregiments 
Nr. 54 ernannt. Mondelli traf am 18. November wieder in Bitsch 
ein, und es wurde sofort die Verteilung der Avancements und 
Dekorationen, sowie die Formation des neuen Regiments vorge- 
nommen. Dasselbe bestand aus. 10 Kompagnien zu je 160 Mann 
mit der verschiedenartigsten Bekleidung ; aus den zahlreichen 
Musikern der verschiedenen Regimenter wurde eine freilich nicht 
gerade vorzugliche Regimentskapelle gebildet. Ende November 
werden abermals 50,000 Fr. gesandt, zugleich mit der Aufforderung, 
dass alle entbehrlichen Offiziere sich einer der Armeen im Innern 
Frankreichs anschliessen sollten. Daraufhin verliessen etwa 25 
Offiziere die Festung. Nach dem Abgang der Offiziere und Mann- 
schaften befanden sich Anfang Dezember noch in Bitsch: 

79 Offiziere und Militärbeamte, 2800 Mann Soldaten incl. 
Train (Fuhrleute, Marketender etc.), ausserdem 2 Offiziere und 
106 Mann in den Spitälern. 

Am 1. Februar wird der Festung der Abschluss des Waffen- 
stillstandes mitgeteilt; sie verweigert die Anerkennung desselben, 
da sie von ihrer vorgesetzten Behörde keine Nachricht über 
denselben erhalten und sie in der ihr durch deutsche Parlamen- 
täre überbrachten französischen Abschrift des Vertrages nicht 
aufgeführt ist. 



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— 33 — 

Der Festungskommandant bittet um einen Geleitschein für 
den Hauptmann Mondelli, der sich bereit erklärt hat, in Bor- 
deaux Instruktionen zu holen. Oberst Kohlermann setzt sich 
dieserhalb mit dem Gouverneur von Strassburg in Verbindung ; 
da die Antwort lange auf sich warten iässt, reist Mondelli am 
11. Februar ohne Geleitschein ab und kommt am 17. Februar 
wohlbehalten in Bordeaux an, am 6. März kehrt er nach mehr- 
fachen Verhandlungen in Bordeaux und Paris nach Bitsch zurück 
mit folgendem Brief des damaligen Kriegsministers, des neuer- 
dings durch seine seltsamen (cEnthüllungen}» aus dem Jahre 
1875 vielfach genannten Generals Leflo : 

ftBordeaux, 19. Februar 1871. Jules Favre hat zu meinem 
grössten Bedauern die durch Ihre tapfere Verteidigung doch 
gewiss erwähnenswerte Festung Bitsch nicht in den WafTen- 
stillstandsvertrag aufgenommen ; ich habe heut^ an Thiers ge- 
schrieben, dass Bitsch bei der nächsten Verhandlung nachträglich 
möge aufgenommen werden. Ich ermächtige Sie aber, schon 
jetzt die Feindseligkeiten, die, mit Rücksicht auf Ihre verlassene 
Lage, doch zwecklos sind, einzustellen. Ich hoffe nicht, dass 
Sie bei dem Fried ensschluss die Festung werden verlassen 
müssen, sollte es doch sein, so werden Sie baldigst nähere 
Anweisungen erhalten. Empfangen Sie meine Glückwünsche für 
die energische Verteidigung ; beglückwünschen Sie Ihre tapferen 
Truppen für ihren Mut und- ihre Ausdauer in so gefährlicher 
Bedrängnis, beglückwünschen Sie auch die tapfere Zivilbevöl- 
kerung, welche so recht gezeigt hat, dass sie französisch ist und 
bleiben will. Ich ersuche Sie, mir eine Liste besonders Wür- 
diger für Auszeichnungen einzureichen.» 

Mondelli brachte zu gleicher Zeit, jedoch nicht offiziell, 
auch die Nachricht von dem inzwischen erfolgten Friedensschluss 
mit, und Theissier erliess nun am 7. März folgenden Tagesbefehl : 

«Hauptmann Mondelli ist zurückgekehrt und hat einen 
Brief des Kriegsministers überbracht, durch welchen derselbe 
mich beauftragt, die Garnison in seinem Namen zu beglück- 
wünschen für ihren Mut, ihre Ausdauer und Ergebenheit. 

«Die Friedenspräliminarien sind von der Nationalversamm- 
lung angenommen worden, nach welchen der von uns besetzte 
Platz abgetreten ist, die Uebergabe steht demnach in nächster 
Zeit zu erwarten. Bald werden wir uns inmitten unserer Waf- 
fengenossen im Innern befinden und wir können uns stolz 



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— 34 — 

zeigen, uns bei dem allgemeinen Unglück des Vaterlandes bis 
zum Ende des Krieges gut gehalten zu haben, ohne uns durch 
den Fall so vieler Festungen entmutigen zu lassen. Die eigent- 
lichen Verteidigungsarheiten werden von heute ab aufhören und 
es werden nur noch %\x den dringendsten LJnterhaltungsar heilen 
Arbeiter kommandiert werden. Von jetzt ab wird die Portion Reis 
von 40 auf 60 Gramm und die Ration Heu auf 2 Kilo erhöht.» 

Am 9. März liess der Oberst Kohlermann dem Komman- 
danten folgendes von dem Gouverneur in Sirassburg, Grafen 
von Bismarck-Bohlen, eingegangene Telegramm mitteilen : 

cNachdem Bitsch, gemäss Art. 1 des Friedensvertrags, an 
Deutschland abgetreten wurde, ist der Platzkommandant auf 
Befehl des Grafen Moltke sofort aufzufordern, es zu räumen 
und auf dem ^kürzesten Wege mit seinen Truppen das deutsche 
Gebiet zu verlissen ; der Train kann später verladen werden. 
Die Ausführung kann nicht aus Mangel an Waggons durch den 
Kommandanten verzögert werden.» 

Der Platzkommandant antwortete hierauf, dass er ohne 
offizielle Mitteilung des Friedensschlusses und direkter Anwei- 
sung seiner Regierung die Festung nicht verlassen könne und 
bat zugleich um Vermittlung zweier Depeschen an den Kriegs- 
minister in Bordeaux und Paris, durch welche er um Vor- 
schriften ersuchte. 

Unterdessen wurde alles zum Abmarsch vorbereitet, die 
Geschütze wurden zum Bahnhof geschafft, die nicht brauchbnren 
Waffen und Lebensmittel verkauft, die Verteidigungswerke und 
Gebäudetrömmer auf der Festung zerstört und von der Zivil- 
bevölkerung Abschied genommen. 

Dieser erhielt eine besondere Weihe durch Uebergabe einer 
Fahne : am 9. März hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, 
der Garnison eine Fahne mit der Aufschrift : «La ville de Bitche 
ä ses d^fenseurs, 8 Aoüt 1870—12 Mars 1871» zu stiften; es 
wurden zu diesem Zwecke 50 Fr. bewilligt und die sofortige 
Anfertigung verfugt, «da der Abmarsch stündlich zu erwarten ist». 
Am 15. wurde die Fahne von Delegierten der Stadt auf dem 
«camp retranche» dem Kommandanten überreicht; alle Truppen 
wohnen dem feierlichen Akt in Paradeaufstellung bei und defi- 
Tieren nachher vor den Vertretern der Stadt in folgender Reihe- 
folge: Artillerie, Gendarmerie, 54, Infanterieregiment, Tirailleurs, 
Infirmiers, Donaniers, Kavallerie, Train des equipages. 



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— 35 — 

An demselben Tage wird dem Kommandanten von einem 
Damenkomile aus Niederbronn ein Lorbeerkranz überbracht. 

Da die von dem Kriegsminister erwarteten Befehle aus- 
bleiben, reist Hauptmann Mondelli am 18. März abermals nach 
Paris, das er aber bereits von der Kommune besetzt findet. 
Am 22. März war die Festung trotz wiederholter Aufforderung 
noch nicht geräumt, und als der Kommandant selbst dann noch 
zögerte, als ihm eröfiFnet^ wurde, längere Weigerung würde als 
Besitzergreifung deutschen Gebietes betrachtet werden, rüstete 
man sich, unter Heranziehung von Verstärkung aus Hagenau, 
zu einer neuen Beschiessung. 

Angesichts der Verstärkungen und Vorbereitungen eines 
neuen Bombardements entschloss sich Theissier, um weitere 
unnütze Zerstörung und Blutvergiessen zu verhüten, zur Ueber- 
gabe, und nach längeren Verhandlungen kam am Abend des 
23. März zwischen Oberst Kohlermann und Kommandant 
Theissier folgende Konvention zustande: 

i. Die Garnison rückt mit allen Kriegsehren, Waffen und 
Fahnen, die Artillerie mit allen Feldgeschützen ab. 

2. lieber Belagerungsmaterial und Kriegsmunition wird 
ein doppeltes Inventarium gefertigt? 

3. Ebenso wird ein Inventar über das Verwaltungsmaterial 
aufgenommen. 

4. Das in Art. 2 und 3 erwähnte Material wird dem Kom- 
mandanten der deutschen Truppen übergeben. 

5. Die Festungsarchive, mit Ausnahme der eigenen Re- 
gister des Kommandanten, werden zurückgelassen. 

6. Die Douaniers werden entwaffnet und frei in ihre Heimat 
entlassen. 

7. Die Kantiniers, die auf gewöhnlichem Wege abreisen 
wollen, erhalten vom Platzkommandanten einen Geleitschein 
visiert durch die deutsche Oberbehörde. 

8. Der Platzkommandant bleibt nach dem Abmarsch der 
Truppen zur Verfügung der deutschen Oberbehörde bis zur 
definitiven Auseinandersetzung ; er verpflichtet sich auf Ehren- 
w^ort, die Festung ohne Erlaubnis nicht zu verlassen. 

9. Die Truppen werden mit ihren Pferden und ihrem Ge- 
päck durch die Eisenbahn befördert. 

10. Das in Bitsch zurückgelassene Gepäck der Offiziere des 
I. und V. Korps wird später nach einem noch anzugebenden 



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— 36 — 

Orte Frankreichs gesandt werden, 2 Unteroffiziere bleiben zu 
seiner Bewachung und späteren Versendung unter ihrer Verant- 
wortlichkeit zurück. 

11. Die Ambulanzwagen gehen mit den Truppen. 

Tags darauf erliess der Kommandant einen Tagesbefehl, in 
welchem er den Abmarsch für den nächsten Tag anordnet und 
Abschied nimmt von den Truppen; derselbe endet mit den 
Worten: «Später wird jeder von uns stolz sein, sagen zu können: 
«ich gehörte zu der Garnison von Bitsch». Die uns von den 
Einwohnern Bitschs geschenkte Fahne fasst diesen Gedanken 
zusammen und ich wünsche jedes Korps könne eine solche tragen. 
Tapfere Kameraden : Ich drücke jedem von Euch die Hand 
und sage «Auf Wiedersehen». 

Am 25. März marschierte die Garnison noch etwa 2500 
Mann stark mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen, 
unter Begleitung der Bitscher Garde nationale und Garde mo- 
bile durch das Strassburgerthor nach dem Bahnhof, wo. sie ein- 
geladen und auf der am 23. wiederhergestellten Bahnstrecke 
Bannstein-Lemberg weiter befördert wurde. 

Am 26. erfolgte, nachdem die letzten französischen Solda- 
ten die Festung verlassen^ durch das Pfalzburger Thor der 
Einzug der bayr. Zernierungstruppen ; der Bürgermeistereiver- 
walter Lamberton und ein Geistlicher gingen denselben bis zum 
Roten stieg (etwa 2 Kilometer von Bitsch) entgegen, während 
am Thore der Festungskommandant an Oberst Kohlermann die 
Schlüssel der Festung übergab. 

Tags vorher hatte der Bürgermeisterei Verwalter folgenden 
Brief an den Obersten Kohlermann gerichtet : «Angeschlossen 
beehre ich mich, eine in der Stadt veröfi*entliche Pohzeiverord- 
nung zu übersenden. Sollten unglücklicherweise doch verein- 
zelte Feindseligkeiten vorkommen, so gebe ich mich der Hoff- 
nung hin, dass Ihr Gerechtigkeitssinn dieselben nicht der 
Stadt oder deren Verwaltung anrechnet, welche augenblicklich 
ohne Machtmittel ist. Wenn Sie zur Verhütung jeglicher Unord- 
nung Massregeln für notwendig erachten, können Sie auf die 
Unterstützung der Ortsbehörde rechnen. Sie würden mich ^-sehr 
verbinden, wenn Sie die Güte haben wollten, mir die Anzahl 
der notwendigen Offiziersquartiere mitzuteilen.» 

Die angeführte Polizeiverordnung lautete : 

«Die Einwohner werden benachrichtigt, dass die deutsche^ 



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— 37 — . 

Truppen binnem Kurzem in unsere Stadt einziehen werden, 
einige Offiziere zur Abwickelung von Geschäften sogar heute 
noch. Die Stadtbehörde fordert die Einwohner auf, keinerlei 
feindUche Demonstrationen zu machen, die Kinder in den Häu- 
sern zu halten und den Jungens zu verbieten, irgend welche 
Rufe auszustossen, welche von den deutschen Truppen übel auf- 
genommen werden könnten. Uebertretungen werden streng be- 
straft, und sind die Eltern für ihre Kinder verantwortlich.» 

Dank dieser Massnahmen erfolgte der Einzug ohne jeden 
Zwischenfall und Öitsch war nunmehr, nachdem es etwas über 
100 Jahre (seit 1766) französisch gewesen, wieder dem deutschen 
Reiche einverleibt. 

Theissier verliess am 31. März Bitsch und am 2. April 
wurde die bayrische Besatzung durch ein Bataillon vom 7. bran- 
denburgischen Infanterie-Regiment Nr. 60 abgelöst, das mit kurzer 
Unterbrechung, während welcher einem Wachtkommando der 
Schutz der Festung anvertraut war, bi$ zum 1. April 1897 in 
Bitsch verblieb und durch das neugebildete Inf.- Reg. 171 ersetzt 
wurde; letzteres lauschte am 1. April 1901 die Garnison Golmar 
mit den Jägerbataillonen IV und X. 

Die Belagerung hatte für die bayrischen Zernierungstrup- 
pen einen Verlust von 19 Mann tot (beerdigt auf den Kirch- 
höfen von Beyers Weiler und Schorbach und in einem Massen- 
grab auf der Schorbacher Höhe), 3 Offizieren und 59 Manu 
verwundet, zu Folge; ausserdem verlor das 5. preuss. Drago- 
nerregiment bei einer Rekognoszierung 4 Mann (beerdigt auf 
dem Kirchhof zu Haspeischeidt). Die Verluste der Besatzung 
lassen sich nicht genau bestimmen : in der Stadl verstarben 93 
Soldaten — dieselben sind mit Ausnahme von 6 bei dem Aus- 
fall am 4. September Gefallenen an der Weiherkapelle und in 
dem Garten des früheren Hospiz St. Joseph, jetzt Stumm*schen 
Hauses in der Vorstadt beerdigt, — die auf der Festung Gefal- 
lenen wurden auch auf der Festung registriert und begraben, 
so dass man deren Zahl in der Stadt nicht erfuhr. Von dem 
auf der Festung garnisonierenden 86. Infanterie-Regiment ver- 
starben in den Spitälern 21, die anderen 72 gehörten den ver- 
schiedensten Regimeniern an: dem 17., 27., 30., 46., 68., 84., 
SS. und 96. Infanterieregiment, dem 4., 9. und 16. Jäger-Ba- 
laillon, dem 1. algerischen Tirailleurregiment, dem 2. Zuaven- 
Regiment, 1. Genie-Regiment, 2., 10., 14. und ^0, Artillerie- 



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— 38 — 

Regiment, 3. und 5. Husaren-Regiment und dem Douanier- 
korps. Von der Zivilbevölkerung waren während des Bombar- 
dements 6 getötet worden; an Material war durch die Be- 
schiessung zerstört worden, beziehungsweise an Entschädigung 
wurde bezahlt : für 121 vollständig zerstörte Gbäude 1,308,216 
Fr,, für 184 teilweise zerstörte Gebäude 78,860 Fr., für Mobi- 
liarschäden 1,279,245 Fr., im Ganzen 2,666,321 Fr. Zur Lin- 
derung der Not erschien am 14. April 1871 ein Not-Ruf, der 
allseitig Gehör fand und rasch grosse Summen zusammenbrachte. 
Da die Entschädigungen reichlich aus Staatsmitteln bezahlt 
wurden, fanden die Gelder keine Verwendung : sie werden 
heute, in Höhe von etwa 60,000 Mk., durch die Kreisdirektion 
in Saargemünd als Bitscher Fonds verwaltet und zum Besten 
der Landwirte des Kieises verwandt. 

Mit den Aufräumungsarbeiten an den Festungswerken wurde 
bereits am 22. Mai begonnen, und dafür in kurzer Zeit die 
Summe von 25,158 Mk. verausgabt ; aber erst am 25. Februar 
1872 wurde durch kriegsministerielle Verfügung unter Aufgabe 
der Stadtbefestigung und Abtreten derselben an die Stadtver- 
waltung um 11,370 Mk. die Erhaltung resp. Wiederherstellung 
der Schlossbefestigung als Sperrfort er Eisenbahn Hagenau- 
Saargemünd verfügt. 

Seit dieser Zeit wurden viele bauliche Veränderungen vor- 
genommen und die Festungswerke den Anforderungen der Neu- 
zeit ahgepasst. Möge denselben in die weite Zukunft versagt 
sein, ihre Tüchtigkeit im Ernstfalle zu erproben ! 



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Anhang: Die Uingebnng. 

(R: auch schöne Radtouren; die gesperrt gedruckten Orte sind in dem alpha- 
betischen Verzeichnis näher behandelt.) 

I. Nachmitta^sausflüge. 

• 

1. Friedrichshain 20 Miauten westl. 

2. Schimberg Va 3^^- südwesti. 

3. Schönt Aussicht — Baierndenkmal — Freudenberger- 
hof (Wirtschaft) - Bitsch IVs Std. nordwestl. 

4. Eothiambachthai — Wolfsschlucht — Baierndenkmal — 
Freudenbergerhof — Bitsch 2^^ Std. 

R. 5. Forsthaus Ochsenmühle (Wirtschaft) V« Std. nördl. 

6. Forsthaus Ochsenmühle — Schorbach — Schöne Aussicht 

— Bitsch 21/2 Std. 

7. Forsthaus Neubach — Wasserfall — Neubachthal — Schwing- 
mühle — Forsthaus Ochsenmühle — Bitsch 2 3/4 Std. 

8. — Preussenst ein 20 Minuten nordöstl. 

9. Ochsenmühle — Hundskopf — Preussenstein — Bitsch 1 V« Std. 

10. Preussenstein — Hundskopf (Hunnenhöhle) — Altes 
S c h 1 B s — Haspeischeidt — Bitsch 31/2 Std. 

R. 11. Herz ogskö r p er 2 Std. westl. 

12. Herzogs blick 21/4 Std. 

13. Schönblick 21/4 Std. (rotes t) westl. 

14. Bahnfahrt :Bannsteinl4 Minuten (Wirtschaft). a. W ald- 
eck 8/4 Std. (grünes Q); b. Hanauer Weiher 3/4 Std. (blaues 
t); c. Mutterhausen 3(j Std.; d, Hanauer Weiher — Falkenstein 

— Philippsburg. 2» Ij Std. 

15. Bahnfahrt: Philippsburg 22 Minuten, a. Falken- 
stein 1 Std.; b. Arnsberg 11(4 Std. (roter Strich); c. Bären- 
thal-Bamstein 1 Std. (weisser Strich). 

16. Niederbronn 31 Minuten Bahnfahrt (Villa Mathis). 

17. Hasselfurter Weiher 1(2 Std. südl. 

18. Hasselfurter Weiher -- Hochkopf — Stockbronn — Bitsch 
21/2 Std. 



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— 40 — 

19. Hochkopf — Bolligfelsen — Bannstein 2Vj Std. 

20. Hasselfurter Weiher — Grünholz — Hochkopf — Bitsch 
21I2 Std. 

21. Hochkopf — Dürrberg — Lindel — Bannstein 3 Std. 
R. 22. Wolfsgarten — Peterphilippsgarten — Bitscherthal — 

Matterhausen — Lindel — Bannstein 3 Std. 

23. Hubertasquelle II/2 Std. (weisses f) südwestl. » 

24. Bahnfahrt: Lemberg 13 Minuten a. Hubertusquelle V2 Std.; 
b. Götzen brück V« Std.; c. Münzthal ^(2 St.; d. Meisen- 
thal l^U Std. ; e. Breitenstein 1 Std.; f. Mutter hausen l^/g Std. 

ß. 25. Hanweiler — Bussweiler — Eberbachmühle — Haspel- 
scheidt — - Bitsch 4 Std. 

26. Hagenauer Strasse — Dambachersträsschen — Waldbahnhof 
(Wirtschaft) — Stürzelbronnerstrasse — Barackenlager — Bitsch2Std. 

II. Tagestonren. 

R. 1. Hanweiler — Bussweiler — Waldhausen — Walsch- 
b r n n — Breidenbach — Neubach — Bitsch 5 Std. 

2. Haspeischeidt — Eppenbronnerfelsensc bloss — 
Eppenbronn — Stüdenbach — Herzogsblick — Bitsch 7 Std. 

3. Herzogsblick — Brlenmuss — Stürzelbronn — Erbsenthal 

— Glasbronn — Schönblick — Bitsch 61/2 Std. 

R. 4. Stürzelbronn — ijjützelhardt — Obersteinbach — Jäger- 
thal — Niederbronn — Bitsch 8 Std. 1/2 Std. Bahnfahrt. 

R. 5. Stürzelbronn — Lützelhardt ~ Schöneck — Dambach — 
Neunhofen — Stürzelbronn — Bitsch 8V2 Std. 

6. Stürzelbronn — Steinbach — Frönsburgerhof (Wagen) — 
Fleckenstein — Hohenburg — Wegeinburg — Schönau — Wasigen- 
stein — Obersteinbach (von hier Wagen) — Stürzelbronn — Bitsch 
5 Std. Wagenfahrt, 31/2 Std. Fussmarsch. 

7. Bannstein — Waldeck — Schönblick — Herzogskörper — 
Herzogsblick — Bitsch (rotes Kreuz) 14 Min. Bahnfahrt, 57* Std. 
Marsch. 

8. Bannstein — Mutterhausen (Bahnfahrt) — Melch — Reiperts- 
weiler — Lichtenberg — Reipertsweiler — Kundschaft (Wirtschaft) 

— Bannstein ^/^ Std. Bahnfahrt, 6 Std. Marsch. ^ 

9. Philippsburg — Ruine Arnsberg — Unter-Mühlthal — Bären- 
thal — Philippsburg — Bitsch 8/4 Std. Bahnfahrt, 37^ Std. Marsch. 

10. Philippsburg — Ruine Hohenfels — Dambach — Ruine 
Schöneck — Neunhofen — Philippsburg — Bitsch »/t Std. Bahn- 
fahrt, 41/5} Std. Marsch. 

11. Philippsburg — Hohwintersberg — Keltisches Lager — 
Niederbronn — Bitsch 1 Std. Bahnfahrt, 3>/2 Std. Marsch. 



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— 41 — 

12. Philippsburg — Ruine Arnsberg — Holdereck — Wasen- 
köpfel — Wasenburg — Niederbronn — Bitsch 1 Std. Bahnfahrt, 
4»|i Std. Marsch. 

. 13. Lemberg — Münzthal — Meisenthal — Götzenbrück — 
Lemberg — Bitsch V* Std. Bahnfahrt, 3 Std. Marsch. 

14. Lemberg — Götzenbrück — Saareinsberg — Althorn — 
Haselthal — Mutterhausen — Bannstein s/^ Std. Bahnfahrt, 3 Std. 
Marsch. 

Arnsberg. Ruine Gross-Arnsberg 1 Std. südl. v. Philippsburg 
in tiefster Waldeseinsamkeit versteckt. Im XII. Jahrhdrt. als Reichs- 
veste . zum Schutz der aus dem Eisass nach Lothringen führenden 
Strasse durch die Landvögte des Eisass erbaut ; von 1332 ab den 
Herren v. Lichtenberg gehörig, später als Lehen den Herren Fessler 
V. Arnsburg überlassen, im Bauernkrieg zerstört. Jetzt nur noch 
geringe Trümmer erhalten, die am Südende zugänglich. 

Baierndenkmal. 40 Minuten nordwestl. Sammelgrabstätte der 
bei der Belagerung gefallenen Baiern, 19 an der Zahl, geschmückt 
mit einfachem, am 5. IX. 1886 eingeweihten Kreuz; steiler, aber 
aussichtsreicher Weg über «schöne Aussicht», oder bequemer, aber 
weiter {^{x Std.) durch das RotlambachthaL 

ßärenthal. Dorf. 1036 E. 1 Std. südl.. der Stationen Bannstein und 
Philippsburg in lieblichem Waldthal gelegen; guto Verpflegung 
(Fische!) im Gasthaus zur Linde. 

An dem fischreichen, grossen Weiher ein Stahl- und Eisenwerk 
gegründet um 1700, seit 1818 der Firma Coulaux & Cie. gehörig; 
1896 mit einem Siemensofen neuester Konstruktion für Tiegelguss- 
stahl ausgestattet, 60 Arbeiter. Früher Treff- und Rastort der 
Zigeuner («Heiden»). V^ Std. nördl.: Ruine Ramstein (Rabenstein), 
wenige Reste eines Ende des XIII. Jahrhunderts erbauten und be- 
reits 1335 durch den Landvogt von Eisass zerstörten Raubschlosses ; 
von dem durch den V.-C. zugänglich gemachten Fels-Plateau schöner 
Blick auf Bärenthal und das Zinselthai. 

Bannstein. 8 Kil. südöstl. von Bitsch. Haltestelle und Einmünd- 
ung der von Dietrich'schen Privatbahn in die Reichseisenbahnlinie. 
Wirtschaft. .Ausgangspunkt einer Reihe schöner Waldtouren. Be- 
nannt von den in der Nähe befindlichen Grenzsteinen, welche 1605 
zur Abgrenzung lothringischer und hanauischer Besitzungen errichtet 
wurden. 2 Kil. westl. BoUigfelsen, genannt nach dem um die Auf- 
sx5hliessung der Naturschönheiten der Bitscher Wälder hochver- 
dienten Forstrat Bollig. Clubhütte des V.-C. mit prächtigem Rund- 
blick auf die herrlichen Waldungen. 

Bitsch, (zu den Büschen?) die Stadt, 286 m, also 80 mi unter- 
halb der Festung gelegen. 3640 Einwohner, einschliesslich 1300 
Mann Militär. 



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— 42 - 

Sitz eines Amtsgerichts mit Gefängnis (Neubau), Notar, Poli- 
zeikommissär, 3 Oberförstereien (Bitsch-Süd, Bitsch-Nord, Lemberg), 
Verkehrssteueramt, Steuerkasse, Steuereinnehmerei, Apotheke, vier 
Aerzte, Spital St. Joseph mit 27 Betten, katholische und evangelische 
Pfarrei mit je einer Kirche, bischöfl. Gymnasium (collfege), höhere 
Töchterschule der Schwestern der heiligen Christiana in Metz, 
Garnisonverwaltung, Fortifikation, Filial-Artilleriedepot, Komman- 
dantur, Garnison des IV. und X. Jägerbataillons, sowie der Ma- 
schinengewehrabteilang II. und III, Meldeamt, Postamt II (Um- 
wandlung in I bevorstehend). Hotel zur Stadt Metz und Hotel 
Bournique-Aust, beide verbunden mit guten Bierrestaurationen, in 
letzterem Clubzimmer der V.-C. Sektion. 

Das älteste Gebäude ist die bereits 1898 als Katharinenkapelle 
erwähnte « Weiher käp eil e> am Lemberger Thor mit alten Stein- 
skulpturen und den Inschriften 1515 und 1698. Katholische Kirche 
1774 (Turm 1898), evangelische 1881 erbaut, i Die um 1850 angelegte 
Stadtbefestigung wurde 1872 aufgegeben^ die Thore wurden: Saar- 
gemünder 1889, Lemberger 1891, Landauer 1900 abgerissen, die Wälle 
teilweise niedergelegt. Im Ramsteiner Wäldchen am aufgegebenen 
Fort Sebastian schöne Spaziergänge. In der Nähe der katholischen 
Kirche auf dem Platz, wo das alte, 1870 zerstörte Bathaus stand, 
Büste Kaiser Wilhelm I, die bereits im Herbst 1888 als erstes Denk- 
mal des grossen Kaisers eingeweiht wurde. 

Die Stadt Bitsch entstand aus den beiden Orten Kaltenhausen 
und Rohr. Kaltenhausen wird Mitte des XIV. Jahrhunderts zum 
ersten mal erwähnt, hatte 1442 bereits Marktrechte und heisst 
1594 une villette, «une esp^ce de \ille». 

1633 wird es von den Schweden verbrannt, erst 1662 allmählich 
wieder aufgebaut und nun auch Bitsch genannt und selbständige 
Mairie, während es früher von der Mairie Schorbach abhängig war. 
Es gehörte, wie die Festung, den Grafen von Zweibrücken-Bits ch 
und kam nach deren Aussterben 1570 an den Herzog von Loth- 
ringen. 1589—1606 war es an Markgraf Jakob von Baden bezie- 
hungsweise Graf Karl von Hohenzollern verpfändet und letzterer 
war häufig mit seiner Familie hier und Umgegend um «der Sau- 
hatz und Hochwildjagd> obzuliegen. Er erliess 1598 verschiedene 
Zunftordnungen, 1600 eine Marktordnung und 1601 eine Stadtordnung. 

1606 fiel B. an Lothringen zurück, wurde 1634—1698 von den 
Franzosen besetzt und 1737 respektive 1766 mit Lothringen an 
Frankreich abgetreten, [^kaltenhausen «das Städtchen» bildete mit 



1 In der kathol. Kirche ein Marmor-Denkmal des Grafen von 
Bombelles, 1740-1760 Gouverneur der Grafschaft Bitsch («pater 
provinciae>). Siehe oben p. 13. 



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— 43 — 

Bohr «der Vorstadt», Schorbaoh, Lengisheim, Hanweiler und Eeg:- 
gisweiler die Mairie Schorbach bis 1611. 1611 prevot^ Kaltenhausen. 
1751 Bailliage Bitsch 55 Orte mit 55.585 Einwohnern. 1790 Dist- 
riktshcMiptort mit 6 Kantonen : Bitsch, Saarnnion, Breidenbach, Lem- 
berg, Rohrbach und Wolmünster. 1801 Friedensgericht. Das städti- 
sche Budget betrug 1595: 85 fl. 8 Batzen (bei 198 Einwohnern), 
1626: 293 fl, (400 Mnwohner). 1662: 53 fl., 1770: 6910 Frk. (2200 
Einwohner), 1850 : 9703 Frk. (3411 Einwohner), 1894 : 50.000 Mark. 
(2846 Einwohner), 1902: 70.000 Mk. (3640 Einwohner). 

Die Haupteinnahmequelle bildet das 1741 eingeführte Oktroi» 
das anfänglich 5500 Frk. einbrachte (1850: 7270 Frk.), jetzt 25— 
30.000 Mark. 

1629 wurden von den Kircheneinkünften 1500 Frk. den in 
Kaltenhausen lebenden KapuzinermÖnchen überwiesen zum Ankauf 
eines Hauses; das Kloster — heutige College — wurde erst 1651 
zwischen Kaltenhausen und Rohr erbaut, 1725 in Augustinerkloster 
umgewandelt und 1789 aufgehoben bei einem Bestand von 9 geist- 
lichen und 4 weltlichen Insassen. Die Gebäulichkeiten erhielt die 
Stadt, welche dieselben dem Bischof von Metz 1828 zur Unter- 
bringung eines Gymnasiums überliess, die Stadt zahlt ausserdem 
640 Mk. für einen Lehrer und hat dafür das Recht 8 Freistellen zu 
besetzen. Die Anstalt hat jetzt 17 Lehrer und 300 Schüler. 

1691 wurde das Wasser einer 2 Kil. südwestl. am Schimberghang 
befindlichen Quelle in den Stadtbrunnen geleitet. Diese Leitung wurde 
1889 mit einem Kostenaufwand von 32000 Mk. weiter ausgedehnt. 

1900 wurde elektrische Beleuchtung eingeführt und dafür der 
Betrag von 70000 Mk. ausgegeben. 

Die Stadt besitzt 260 Hektar Wald, vom Staat zur Ablösung 
verschiedener Berechtigungen Mitte des vorigen Jahrhunderts über- 
wiesen, mit einem Reinertrag von etwa 3 000 Mk. 

Dienstag und Freitag finden Wochenmärkte (Marktordnung von 
16(X)), ausserdem 4 Krammärkte seit 1443 resp. 1721 statt. 

Die Garnison ist teils in den 1872 wieder aufgebauten Kasernen 
der Festung (2 Kompagnien), teils in der 1894 neuer bauten Kaserne 
am Ostausgang der Stadt (2 Kompagnien), teils in der 1898 erbauten 
und nach dem 1899 f General von Falkenstein benannten, am 
Nordausgang gelegenen Kaserne (1 Bat.) untergebracht; in der 
Nähe der letzteren befindet sich auch das 1898 eröffnete Offizierkasino. 

Das Stadtwappen zeigt zwei nach rechts und links gedrehte 
Schlangenköpfe auf Silber mit den auf die ünbezwinglichkeit der 
Feste hindeutenden Devisen :.qui s'y frotte, s'y pique umd je mords 
derrifere, comme devant. 

Von B. gehen Fahrposten nach Stürzelbronn, Haspeischeidt« 
Walschbronn, Breidenbach und Wolmünster. 



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_ 44 — 

Bitsch. Uebungsplatz bei Bitsch, 1 Kil. östlich der Stadt begin- 
nend, umfasst rnnd 3285 Hektar, die in den Jahren 1900 und 1901 
teils durch freiwillige Käufe, teils durch Enteignung seitens der 
Militärverwaltung um 7 215 000 Mk. erworben wurden unU zwar 
490 Hektar Privatländereien auf dem Banne von Bitsch für 1100000 
Mk., 295 Hektar auf dem Banne von Haspeischeidt für 615 000 Mk. 
lind 2500 Hektar Staatswald auf verschiedenen Bannen für 5^2 
Millionen Mark. 

Die grösste Ausdehnung beträgt von Süd-West nach Nord-West 
9 Kil., von West nach Ost 8 Kil. Der Staatswald soll bis zum Jahre 
1911 abgeholzt werden; zur besseren Abführung des Holzes ist 
vom Bahnwärterhaus No. 16 der Reichseisenbahn Bitsch-Niederbronn 
eine Waldbahn gebaut, die bis jetzt 18 Kil. Länge umfasst. 

Für die Unterkunft der Truppen sind vorläufig in nächster 
Nähe der Stadt, südöstl., Wellblechbaracken mit einer Belegungs- 
fähigkeit von 3500 Mann und 100 Offfzieren gebaut, die iu den 
nächsten Jahre auf den Uebungsplatz 3 Kil. östl. von Bitsch an die 
Stürzclbronner Strasse verlegt werden. 

Am westL Ende des Uebungsplatzes wurden im Winter 1901 
3 Magnesit- und 2 Asbestbaracken für Offfziere gebaut und bereits 
am 1. April bezogen; dieselben kosteten rund 100000 Mk. und haben 
sich bis jetzt sehr gut bewährt. In der Nähe dieser Baracken : 

. Preussenstein, ein im Jahre 1893 von der V.-C.-Sektion Bitsch 
den beim Sturme auf Bitsch am 17. XI. 1793 gefallenen und hier 
beerdigten Preussen errichteter Gedenkstein. Siehe oben p. 20. 

Eppenbronner Felsenschloss. 1 Std. nordöstl. von Haspeischeidt, 
Jja Std. südlich von Eppenbronn. Riesige Eelsengruppe aus buntem 
Sandstein inmitten herrlichsten Buchenhochwaldes nahe der Pfälzer- 
lothring. Grenze. 20—25 Meter hoch, mit vielen tropfsteinartigen 
Oebilden, teilweise durch Leitern zugänglich. 

üeberreste von Mauerwerk machen die Verwendung des natür- 
lichen Bollwerks zu einer Befestigung behufs Schutz der nahe vor- 
beiführenden «Römerstrasse» wahrscheinlich. 

An dieser Strasse sollen sich einige Minuten nördlich des 
Schlosses in eine Felsenwand eingehauen drei Figuren in römischer 
Gewandung befinden. 

Falkenstein, Ruine. 350 m hoch, s;^ Std. nordwestl. der Station 
Philippsburg. In Philippsburg: Wirtschaft Schreiber. Am Fuss des 
Falkenstein: gute Wirtschaft im Forsthaus Schlossberg. 

•Die Burg war teils in. teils auf einem 117 Meter langen, 22 
Meter hohen und 2—10 breiten Sandsteinfels gebaut; -sie ist überall 
zugänglich und bietet von der höchsten Spitze einen grossartigen 
Rundblick auf die Waldkuppen der Nordvogesen und die pfälzischen 
Berge. Aufstellung einer Orientierungstafel ist im Werke. 



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— 45 — 

Der Fuss des Felsens zeigt auf der Südseite merkwürdige- 
Formen, über dem Eingang zum Keller (mit einiger Phantasie) den. 
deutschen Reichsadler. F. wurde im XII. Jahrhundert von den Grafen 
von Lützelburg erbaut und dann von den in der elsässischen und 
pfälzischen Geschichte vielfach genannten Herren von Falkenstein^ 
bewohnt. 1564 wurde es nebst allen Gerechtsamen an den Grafen 
Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg verkauft ; die Burg selbst war 
damals schon durch Blitz zerstört und Graf Philipp baute ein neues- 
Jagdschloss im Thal: Philippsburg genannt. F. wurde zur Förster- 
wohnung eingerichtet, aber 1623 durch Mannsfeld und 1677 durch. 
Montclar gründlich verwüstet. 

F. kam mit dem Amt Lemberg (Pfafz) ebenso wie Philippsburg 
und Bärenthal 1736 an Hessen-Darmstadt und erst 1793 an Frankreich. 

Friedrichshain, 20 Minuten westlich von Bitsch; durch den. 
V.-C. hergerichteter Aussichtspunkt auf dem Galgenberg, der alten 
Gerichtsstätte des Amtes Bitsch, mit schönem Blick auf Stadt und. 
Festung. Das felsige Plateau ist im Frühjahr von blauen Anemonen 
bedeckt. 

Das südliche Thal («Milchenbach») war am 4. IX. 1870 der 
Kampfplatz eines vergeblich versuchten Ausfalles. 

Frendenberger Hof, 40 Minuten westlich von Bitsch; grosser 
Oekonomiehof mit im Sommer viel besuchter Gartenwirtschaft. 1755 
zum ersten mal als cense de Roshoell dite Freydenberg erwähnt. 

Anfangs September 1870 Hauptquartier der Belagerungstruppen 
mit Schiessscharten zur Verteidigung eingerichtet. Nach Aufgabe 
der eigentlichen Belagerung wurde es am 2. X. 1870 von Bitscher 
Ausfalltruppen in Brand gesteckt. 10 Minuten nördlich davon 
Baierngrab. 

äötzenbräck, V2 Std. südlich von Lemberg. 883 Einwohner. 
Von der Strasse Lemberg-Götzenbrück links , prächtiger Blick auf 
das Zinselthal. 1721 als Glashütte an der Gatter- (Holzgeflecht-) 
brücke gegründet, jetzt eine der grössten Brillenglasschleifereien 
mit Niederlagen in New-Yörk, Paris, London, Genf und Chaux- de- 
Fonds, beschäftigt 1000 Arbeiter und fertigt jährlich etwa 100 000 
Gross Uhrengläser und 360 000 Dutzend Paare Brillengläser ; es 
liefert jährlich für 100000 Mk. Brillengläser nach Rathenow, die 
dort gefasst und als die berühmten Rathenower Gläser in die Welt 
gehen. 

Mit G. zusammengebaut^ aber eine besondere Gemeinde bildend 
von 1503 Einwohner. 

Saareinsberg. Wirtschaft Lausecker (guter Wein). 1746 als 
Montroyal gegründet, wurde es in der Revolutionszeit in Saar- 
Rheinsberg (Wasserscheide von Saar und Rhein) umgetauft, wird 
aber von der Landbevölkerung heute noch allgemein Königsberg 



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— 4(5 — 

genannt, ^/t Std. weiter südlich an der eUässisehen Grenze Zwölf 
Apostelstein, früher Breitenstein g^enannt : ein 3if« m hoher 
Steinpfeiler von über 4 m Umfang; er wird bereits 713 als lata 
petra erwähnt und auch in der Grenzbesehreibnng der Herrschaft 
Bitsoh von 1170 genannt. Wahrscheinlich keltischer Opferstein. 
Ende des XVIII. Jahrhunderts mit den Bildern der 12 Apostel ge- 
schmückt nnd seit dieser Zeit 12 Apostelstein benannt. 10 Minuten 
vorher an Forsthans Colonne der Spitzenstein, etwa 3 m 
hoch nnd 0,30 breit, wahrscheinlich anch ein alter Opferstein. 10 
Minuten südwestl. Drei Peter Steine, wo früher die Gebiete von 
Bitsch, Lichtenberg und Lützelstein znsammenstiessen. 

Hanauer Weiher, i/s Std. nordöstlich von der Station Bann- 
stein (blaues f), wenige Schritte östlich der Hanau erstrasse, so 
genannt von der 1605 hier gezogenen Grenze zwischen Lothringen 
qnd Hanau-Lichtenberg. ^/^ m hohe Grenzsteine (Bannsteine, davon 
der Name der Station; mit dem Lothringer Doppelkreuz und den 
hanauischen 3 Sparren. 

Vom südlichen Ende des 18 Hektar grossen Weihers, wo Tische 
ui^d Bänke, prächtiger Blick auf Waldeck und die eigentümlich ge- 
formten, turmähnlichen Kantel- und Erbsenfelsen : ein herrliches 
Waldidyll ! Einige Meter südlich wurde neuerdings vom V.-C. eine 
gute Quelle gefasst Nach Ruine Falkenstein (blaues f) 1 Std. 

Haspeischeidt, Dorf. 612 Einwohner 7 Kil. nordöstlich von 
Bitsch innerhalb des Uebungsplatzes gelegen, Ankauf und Abbruch 
deshalb bevorstehend. Wirtschaft Osterberger. 

IMi Kil. südwestlich auf dem schönbewaldeten 300 m hohen 
Schlossberg das sog. «Alt-Schlos6>, alter Steinwall in Form einer 
Ellipie etwa 300 m lang und 160 m breit, aus unbearbeiteten Steinen 
ohne Verband aufjgerichtet, am Fuss etwa 15 m breit nnd 5 m hoch ; 
im Osten und Westen befindet sich eine Oeffnung, im Westen auch 
eine Quelle ; an der von der Natur weniger geschützten Nordseite 
ist ein zweiter Wall im Halbkreise sichtbar, im Inneren Beste ver- 
schiedener Steinkonstruktionen. 

Schutzwall der Mediomatriker gegen die von Osten vordring- 
enden Triboker, oder der Römer unter Valentian (369-74 n. Chr.) 
gegen die Alemannen. Am Fusse zieht die «alte Haspelscheidter 
Strasse» her, uralte Verkehrsstrasse, die nordöstlich von Haspel- 
scheidt in der Nähe der Pfälzer Grenze «Römerstrasse» genannt 
und durch das Eppenbronner Felsenschloss (siehe dieses) geschützt 
wird; wo sie südlich H. über den alten, 25 Hektar grossen Weiher 
zog, wurde 1756 eine Redoute errichtet. 

Herzogskörper, 2 Std. östlich von Bitsch, 1 Kil. nördlich der 
Weissenburger Strasse (rotes f). Kleine umfriedete Parkanlage, in 
welcher sich ein 1,50 m langer, und 0,63 m breiter Sandstein mit 



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— 47 — 

unleserlichen Spuren einer Inschrift und andeatlichen Umrissen 
einer menschlichen Gestalt befindet; der Sage nach soll dieser 
Stein die Grabstätte eines Lothringer Herzogs decken, der 2 Kil. 
westlich, bei Herzogshand, verwundet, hier starb und begraben wurde. 

Vielleicht ist es ein gallo-römischer Merkurstein, am wahr- 
scheinlichsten aber ein aus dem Kloster Stürzelbronn herrührender 
Grabstein. 

Nördlich in 10 Minuten auf bequemem Pfad eiTeichbar: 
Herzogsblick, eine von der V.-C.-Sektion Bitsch errichtete 
9 m hohe Aussichtskanzel mit grossartigem Kundblick auf das uner- 
messliche Wäldermeer «der Vogesen und Pfalz. Fundort von Lilium 
martagon. 2 Eil. westlich an der Bitscher Strasse: Herzogs band, 
Ort, wo der Sage nach Herzog Ferry von Lothringen 1293 im 
Kampfe mit Graf Eberhard von Zweibrücken die Hand verlor, oder 
nach anderer Deutung, die Stätte, wo nach dem Waltarilied Walther 
von Günther und Hagen eingeholt wird und im Kampfe mit diesen 
seine Hand verliert. An der vor einigen Jahren hier abgebrochenen 
französischen Douanierkaserne befand sich ein Stein mit einer aus- 
gehauenen Hand und der Inschrift: «main du prince> 1547. 

Unterhalb Herzogshand kreuzt die Strasse den «Prinzenweg»: 
die Verbindung zwischen den beiden hessisch-hanauischen Resi- 
denzen Buchsweiler und Pirmasenz, 

1 Kil. westlich: Ziegelscheuer, Wirtschaft bei Letzeiter. 

Bei Kil. 6,4 nördlich der Strasse, Fundort von Daphne cneorum, 
eine in Deutschland höchst selten vorkommende Alpenpflanze. 

Httbertnsquelle. I/2 Std. nördlich von Lemberg, l^/a Std. süd- 
westlich von B., inmitten üppigen Hochwaldes auf dem Schlossberg, 
dem Berg, auf dem Alt-Bitsch, d. h. das erste Jagdschloss der 
Herzöge von Lothringen gestanden haben soll. Auch «Pompöser» 
oder wie eine Beschreibung von 1755 sagt, «Pumphosen» Brunnen 
genannt, weil auf dem Felsblock, an dem die Quelle zu Tage tritt, 
zwei Figuren mit «Pumphosen» eingehauen sind. Nach einer vom 
V.-C. neuerdings vorgenommenen gründlichen Reinigung des Felsens 
ist ein grossartiges Bildwerk zu Tage getreten, das Professor 
Michaelis «zu den ältesten und besten Denkmälern klassischer 
Kunst in unserer Gegend» rechnet, dessen Ursprung in das I. 
Jahrhundert n. Chr. zurückreicht. Die obere Hälfte des Steines ist 
abgebrochen, so dass die zwei menschlichen Hauptfiguren nur bis 
zum Gürtel erhalten sind ; Michaelis findet darin links Diana mit 
Bogen, rechts Silvanus mit Schlägel. Ferner sind deutlich zu er- 
kennen : vier Hunde, ein Wildschwein, zwei kämpfende Hirsche und 
auf besonderem Reliefbildchen die Brunnennymphe mit Amor, ausser- 
dem noch unklar ein grösseres "Thier, vielleicht Auerochse. 

Lemberg. 7 Kil. südwestlich von B., 13 Minuten Bahnfahrt. 



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1665 Einwohner. Wirtschaft Heitzraann am Bahnhof mit Münchener 
Bier. Ausgangspunkt für Touren nach Hubertusquelle (weisses f ) 
i/j Std. ; Götzenbruck V2 Std.; Breitenstein 1 Std.; Meisenthal IV2; 
Münzthal 1/2 Std. Von der «Hochfürst» schöne Aussicht. 

JUünzthal. ija Std. südwestlich von Lemberg in anmutigem Thal 
gelegen. Endstation der Strecke Münzthal-Wingen. 806 Einwohner. 
1769 an Stelle einer alten, im 30jährigen Kriege verschwundenen 
Glashütte gegründet und 1788 zur Fabrikation von KrystfiUgläsern 
eingerichtet, mit einem jährlichen Verbrauch von 24000 Ster Holz 
und einem Umsatz von 240000 Frk. 

Es beschäftigt jetzt 2500 Personen, ist .eine der bedeutendsten 
Krystallfabriken Europas mit einer jährlichen Produktion von 2^h 
Millionen Kilogramm Krystall und einem jährlichen Umsatz von 37? 
Millionen Mark. 

Der Mustersaal, angefüllt mit Fabrikaten aller Art, ist eine 
Sehenswürdigkeit ersten Ranges und enthält wahre Kunstwerke 
der Gravierarbeit. 

Meisenthal. II/2 Std. südlich von Lemberg, Station der Strecke 
Münzthal-Wingen. 926 Einwohner. Wirtschaft Lukas. 

1702 als Filiale der Glashütte von Sucht auf Pachtgut des 
Staates gegründet, erst 1792 den Fabrikanten als Eigentum über- 
lassen; beschäftigte 1785. etwa 50 Arbeiter mit Herstellung gewöhn- 
lichen Kelch- und Fensterglases, hat jetzt 600 Arbeiter und einen 
Jahresumsatz von etwa 600000 Mk. 

Neben gewöhnlichen Glaswaaren aller Art, stellt die Fabrik 
je^tzt farbige Luxusgläser her, die einzig in ihrer Art sind und auf 
verschiedenen Ausstellungen allgemein Bewunderung erregten. 

Mntterhansen. 821 Einwohner. IVa Std. südlich von B.; auch 
von Station Bannstein mit der unentgeltlich zur Verfügung ste- 
henden Privatbahn zu erreichen; schön gelegen, inmitten fisch- 
reicher Weiher; gute Verpflegung in der Fabrikkantine. Walzeisen- 
und Stahlwerk mit 350 Arbeitern der Firma von DietricL Forellen- 
brutanstalt. 

Das Eisenwerk bestand bereits vor dem 30jährigen Krieg, 
wurde darin, wie die ganze Gegend, verwüstet und 1717 wieder er- 
öffnet; die 1792 begonnene Umwandlung in eine Glasfabrik unterblieb. 

Alte, 1505 von Graf Reinhardt von Bitsch-Zweibrücken er- 
baute Kapelle und Trümmer eines 1550 von Graf Jakob inmitten 
eines Forellenteiches «erbauten Lusthauses > (Alix). Graf Karl von 
flohenzoUern Hess dasselbe 1598 für seinen Jagdaufenthalt im 
Bitscherlande wohnlich einrichten. Südlich das 4Va Kil. lange, lieb- 
liche Haselthal, das wegen seiner Abgeschiedenheit im 30jährigen 
Krieg der ganzen Umgegend als Zufluchtsstätte diente. 

Auf dem 1/2 Std. nördlich gelegenen Grünberg befand sich ein 



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Jagdschloss, von dem Ende des XVIII. Jahrhunderts noch vier . 
Türme sichtbar waren ; auf dem 20 Minuten östlich gelegenen 
Diirrberg wird eine 12 m hohe Aussichtskanzel errichtet, die einen 
herrlichen Blick auf das Wäldermeer gewährt und am besten von 
Lindel (Station der Privatbahn) zu erreichen ist. 

Schorbach. 1 Std. nördlich von B. 875 Einwohner. Wirtschaft 
Würtz; früher Sitz der Pfarrei und Mairie von Bitsch. 

Die Kirche wurde bereits im XII. Jahrhundert erwähnt; von 
dieser alten, dem Kloster Stürzelbronn gehörigen Kirche, ist noch 
der Turm mit kleinen romanischen Fensterchen erhalten. An der 
Südseite des im XVIIL Jahrhundert erbauten Schiffes ist eine alte 
Inschrift eingemauert, inhaltlich deren die Kirche 1143 durch den 
apostolischen Legaten Theotwin geweiht wurde. 

Südwestlich der Kirche das aus der Mitte des XII. Jahrhunderts 
stammende Beinhaus, «der einzig romanische Bau dieser Art in 
Südwestdeutschland und eines der interessantesten Exemplare von 
Ossuarien» (Kraus) ; die zahlreichen Schädel und Knochenreste, die 
es birgt, sind neuerdings geordnet, der Bau selbst ist restauriert 
und unter die klassierten Baudenkmäler des Bezirks aufgenommen 
worden. Im Dorfe mehrere alte Häuser mit Inschriften. 

Stärzelbronn. 295 Einwohner. 13 Kil. östlich von B , an der 
grossen Strasse nach Wpissenburg; unterwegs zahlreiche «Frohnd- 
steine», die in Toisen (= 11/4 m) angeben, welche Strassenstrecke 
die einzelnen dem Kloster frohndpflichtigen Orte zu unterhalten 
hatten. Wirtschaft zum Kreuzberg, (gut) Forellen. 

In idyllischem Wiesenthal gelegen, umgeben von prächtigen 
Waldbergen, zu längerem Aufenthalt sehr geeignet; früher Sitz 
einer Cisterzienser- Abtei, von der nur noch wenige üeberbleibsel : 
Eingangsthor zum Kloster, links davon Prangerstein, von der 
Klosterkirche nur noch die Kapitale des Eingangs sichtbar, links 
davon in der Felswand Klosterkeller; in der neuen, überladen ge-V 
schmückten Kirche Kalenderstein aus dem XII. Jahrhundert zur Be- 
rechnung der beweglichen Feste, der Kirche gegenüber Gedenktafel 
aus dem Jahre 1895. 

Das Kloster wurde 1135 durch Herzog Simon I. von Lotli- 
ringen als Kloster Marienthal gegründet und von seinen Nach- 
folgern, sowie den adeligen Herren der Umgegend reich beschenkt; 
es besass 12 Höfe, das Patronat über zahlreiche Kirchen der Um- 
gegend mit über 50 Dörfern (auch Bitsch) und jährliche Hinkünfte 
von etwa 30000 Frk. in Geld, über 6000 Morgen Wald — der 
1737 und 57 abgegrenzt und mit grossen Steinen versehen wurde 
— mit reichem Wildstand an Hirschen, Sauen, Fasanen und (in 
frühester Zeit) wilden Pferden (?); zahlreiche Fischweiher, Mühlen, 
Eisen- und Glockengiesserei, auch zwei Mineralquellen, wovon noch 



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— 50 — 

heute */2 Kil. westlich das «Laxierbrünnel» bekannt ist. Dem Kloster 
stand die Blutgerichtsbarkeit zu, der Galgen befand sich l^ls Kil. 
östlich an der Weissenburger Strasse auf dem < Galgenköpf el>. Das 
Kloster wurde 1525 im Bauernkrieg von dem Kolbenhaufen, dann 
1633 von den Schweden zerstört, 1734 in geringem Umfang wieder 
hergestellt und 1789 durch die Revolution endgültig aufgehoben: 







die Mönche (9) wurden vertrieben und das Grundvermögen als 
Nationalgat. eingezogen; die Kirche wurde 1807 auf Abbruch ver- 
kauft, ihr Inhalt in die benachbarten Kirchen zerstreut; so erhielt 
Hottweiler den hölzernen Glockenturm (dep ein Glockenspiel von 
24 Glocken trug), Roppweiler eine Kanzel, Breidenbach einen grossen 
Beichtstuhl, Bitsch die Uhr und eine Glocke, Haspeischeidt und 
Wolmünster eine Glocke, Walschbronn einen Kelch, Saar-Louis die 
Orgel, Stürzelbronn selbst hat noch eine Glocke mit der Jahrzahl 
1676 und einen emaillierten Kelch mit dem Wappen der Abtei. 



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— 51 — 

Die zahlreichen Grabsteine, deren Inschriften zum Teil über- 
liefert werden, sind spurlos verschwunden, ob darunter wirklich 
welche Lothringischer Herzöge, ausser Theobold I. f 1220, ist 
zweifelhaft; jedenfalls ist der letzte Graf von Bitsch Jakob 1570 
zu Stürzelbronn gestorben und ebenso wie seine in demselben Jahre 
verstorbene Gemahlin hier begraben .worden. 

Ausflüge von Stürzelbronm : 

Kreuzberg Va Std. Kreuz 1737 bei der Abgrenzung des Kloster- 
waldes errichtet, neu hergestellt 1895 von V.-C.-Sektion Bitsch. 

Hermannstein 3/4 Std. Felsblock mit Aussichtskanzel. 

Luxfelsen l^/a Std. Mächtiger Felsblock mit winziger Grund- 
lage und eigentümlicher Formation, 

Hoher Reissen IV2 Std. (grünes f), mit prächtiger Aussicht 
aaf die Pfälzer Berge. 

Herzogsblick 1 Std. (grünes f), 9 m hohe Aussichtskanzel. 

Waldeck. Weiler zur Gemeinde Egelshardt gehörig, i|8 Std. nörd- 
lich der Station Bannstein (grünes f). Wirtschaft Mischler. ^ji west- 
lich davon Euine Waldeck 320 m hoch. 

Wenig erhaltene üeberreste eines unter Benutzung der ge- 
wachsenen Felsen aus Buckelquadern Mitte des XIIX. Jahrhunderts 
erbauten Schlosses; bereits 1594 als «chateau ruin6» erwähnt. 1756 
standen noch 2 wohl erhaltene Türme von 80' Höhe und 18' 
Breite, jetzt nur noch der südliche, der auch sehr baufällig, nach- 
dem vor mehreren Jahren der Blitz hineingeschlagen, und nicht 
zugänglich; ein Teil der Ruine ist durch den V.-C. zugänglich ge- 
macht. Von der südlichen Spitze beschränkte, aber liebliche Aus- 
sicht, die durch die beiden grossen Weiher, den Hanauer im Süden 
und den Waldecker im Norden, einen besonderen Reiz erhält. 

Schloss W. ist Mitte des XIII. Jahrhunderts durch die Grafen von 
Lichtenberg zum Schutze ihrer in der Umgegend gelegenen Besitzun- 
gen erbaut und den Herren von Kirkel aus dem Hause Saarwerden 
zu Lehen gegeben. 1387 starben die Herren von Kirkel aus und W. 
kam an die Grafen von Bitsch. 5Graf Hahnemann von Bitsch gab 1399, 
als er mit seinem Herrn dem Herzog von Lothringen «gen Prüssen» 
reiten wollte, sein Haus und. Veste Waldeck in Verwaltung seines Vet- 
ters Joh. von Lichtenberg. 1445 wurde es von Friedrich von Bitsch 
um 12(X) fl. an Heinrich von Steinhausen verpfändet und erst 1479 für 
19(X) fl. wieder eingelöst. Wahrscheinlich wurde es 1525 im Bauern- 
kriege zerstört. 1570 kam es an Lothringen und 1766 an Frankreich. 

Der aus dem Wäldermeer emporragende Waldecker Schlossturm 
wurde «un signal de la carte de France> genannt. 

Walschbronn 12 Kil. nördlich von Bitsch über Hanweile r- 
Buesweiler- Waldhausen auf bequemem und schönem Weg durch 
das Hornbachthal. 741 Einwohner. Wirtschaft Wack. 



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— 52 — 

1170 Walsburn, früher Sitz einer aus 11 Orten bestehenden 
Mairie und einer aus 19 Orten gebildeten Pfarrei zur Abtei Stürzel- 
bronn gehörig. In der Kirche Taufstein und Kelch aus dem Kloster 
Stürzelbronn. 

Bereits zur Römerzeit bewohnt, wie ein hier gefundener Votiv- 
stein und zahlreiche römische J^ünzen beweisen. 

Bis zum XVn. Jahrhundert ein von Gelähmten und Gicht- 
kranken vielbesuchtes Bad von p6trole blanc, «das der grössten Kälte 
widersteht, sich rasch entzündet und so rein und flüchtig ist, dass 
es auf einem damit getränkten Papier keine Flecken hinterlässt». 
Die Quelle ist — wahrscheinlich bei den Verwüstungen des 
30 jährigen. Krieges — verschüttet und trotz mehrfachen Nachgrab- 
ungen Mitte des XVIU. und XIX. Jahrhunderts nicht mehr aufgefunden. 

Das Bad gehörte den Grafen von Bitsch; 1598 war es von dem 
Grafen Karl von Hohenzollern, dem damaligen Pfandinhaber der 
Grafschaft Bitsch, um jährlich 10 fl. verpachtet, derselbe gab 1599 
100 fl. zur Vergrösserung des Bades. Er weilte in diesen Jahren 
längere Zeit auf der Weckersburg, an deren Fuss die Quelle her- 
austrat, um der «Hasenjagd obzuliegen». 

Die Weckersburg wurde 1490 durch Graf Simon Wecker IV. 
von Bitsch erbaut und diente lediglich als Jagdschloss ; Graf Jakob 
von Bitsch Hess sie verfallen, und nach dessen 1570 erfolgten Tode 
wurde sie auf Abbruch verkauft, sodass jetzt nur noch wenige 
Trümmer östlich des Dorfes sichtbar sind. 

Von Walschbronn in 14 Kil. über KröppenVinningen-Sinten 
nach Pirmasenz, der alten Residenz des Landgrafen von Hessen, 
jetzt blühende Industriestadt mit 30 000 Einwohnern. 



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