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Full text of "Die Formenlehre der kirchenslawischen Sprache, erklärend und vergleichen dargestellt"

'mu vrr^ 







DIE 



FORAIEMLERE 



DER 



KIRCHENSLAWISCHEN 
SPRACHE, 



^^»♦.. 



ERKLÄREND UND ^ERGLElttiEND DARGESTELLT 






D? AUG. SCHLEICHER, 

K. K. AUSS. PROFESSOR DER VERGLEICHENDEN' SPRACHWISSENSCHAFT UND DES SANSKRIT AN 
DER UNIVERSITÄT ZU PRAG. 



u 



BONN, 

VERLAG VON H. B. KÖMG. 

1852. 
WIEN, TRAG, 

BEI GEROLD v<i SOIIX. BEI CREHNEIl Ä KI.EINBlß. 




l/^ii^^^.r* 



Druck der k. k. Uofbuchdriickerei von GotUieb Haase Sühne in Prag. 



Vomvort. 

Ein buch, welches mit rücksicht auf die bedürfnisse 
des der sprachwifsenschaft beflifsenen nichtslawen den bau 
des altertümlichsten dialectes der slawischen spräche dar- 
stellt, schien mir • eben so ser bedürfniss, als für den 
Slawen eine sprachwifsenschaftliche, vergleichende bear- 
beilung des kirchenslawischen, der spräche, welche für 
die richtige erfafsung irer lebenden schwesterdialecte von 
änlicher Wichtigkeit ist, wie etwa das gotliische für die 
germanischen sprachen, das sanskrit für die übrigen zw^eige 
des indogermanischen Stammes. Die bisherige wifsen- 
schaftliche, vergleichende bearbeitung des kirchenslawischen 
findet sich in verschiedenen werken zerstreut, Kopps ver- 
gleichende grammatik enthält zwar das meiste, aber auch 
in anderen büchern findet sich höchst bedeutendes, über- 
diefs ist das kirchenslawische nicht gerade die gelungenste 
Seite des Boppschen meisterwerkes. Dem nichtslawischen 
anfänger aber feite bisher ein passendes handbuch des 
kirchenslawischen; Dobrowsky's Instilutionen sind für den 
anfänger völlig unbrauchbar, ja geradezu schädlich, die 
grammatik in Kopitars Glagolita ist der anläge dieses 
Werkes zu folge zu kurz, Vostokovs Codex Oslromir. ist 



in riifsischer spniche heraufs£regel)cii und es bescliriinkt 
sich die beigegebene gramnialik auf die in der handschrift 
vorkommenden formen, auch Miklosichs treffliche laul- 
und formonlere ist nicht auf das erste bedürfniss des sich 
selbst unterrichtenden nichtslawcn berechnel. Diefs buch 
habe ich mit herücksichtigung der beiden erwähnten selten 
geschrieben, es enihält die formenlere des kirchenslawischen 
in hinreichender Vollständigkeit und zugleich eine erklä- 
rende und vergleichende bearbeilung derselben. Dergleichen 
darstellungen einzelner sprachen scheinen mir überhaupt 
erspriefslich zu sein. 

Fiir den beschreibenden teil dieses Werkes habe ich 
Miklosichs forschungen fast aufsschliefslich zu gründe ge- 
legt, so vor allem in den paradigmen, wenn auch in 
anderer anordnung; zum zwecke der Sammlung des ver- 
gleichbaren sprachslofTes habe ich die w^erke, in denen 
das slawische berücksichtigt wird, bis auf w eniges sämmt- 
lich aufsgezogen, von meinen aufszügen teilweise aber 
nur spärlichen gebrauch gemacht, da sie des melhodelos 
zusammengestellten oder wenigstens noch zweifelhaften 
nicht wenig enthiellen. bei weitem das meiste habe ich 
natürlich aufs Bopp entnommen. Denjenigen anzufüren, 
der eine vergleichung zuerst aufgestellt, schien mir eben 
so wenig erforderniss zu sein, als die genaue besprechung 
des mir unrichtig oder zweifelhaft scheinenden oder das 
aufsdrückliche bezeichnen des wenigen, das etwa durch 
mich selbst zu dem schon vorhandenen verglichenen stofle 
hinzugekommen ist. 

Bei dem vergleichen von sprachformen zweier ver- 
wanlen sprachen suche ich vor allem die verglichenen 



formen beide auf irc inuUnafslicIie griindfonri, d. i. die 
geslalt, die sie abgesehen von den späteren laiilgeselzen 
haben miifsen, zurückziifüren oder doch überhaupt auf 
eine gleiche stufe der lautverhältnisse zu bringen, da 
uns auch die ältesten sprachen unseres Stammes, selbst 
das Sanskrit, nicht in irer ältesten lautlichen gestaltung 
vorliegen, da ferner die verschiedenen sprachen in ser ver- 
schiedenen altersstufen ])ekant sind, so mufs diese alters- 
verschiedenheit nach lunlichkeit erst aufgehoben werden 
ehe verglichen werden kann, die gegebenen gröfsen müfsen 
erst auf einen gemeinsamen aufsdruck gebracht werden, 
ehe sie zu einer gleichung angesetzt werden können, sei 
dieser gleiche lautliche aufsdruck der zu ersch liefsende 
älteste beider zusammengestellten sprachen oder die laut- 
form der einen derselben, ein skr. dirghas z. b. ver- 
gleicht sich nicht mit sl. AAtri», denn das i entspricht 
nie dem slaw. t», vielmer ist hier diefs skr. « wie das 
slawische t» erzeugniss einer späteren sprachperiode. wol 
aber lafsen sich vergleichen die grundformen beider: 
darghas und diagas-, so ist zurückzufüren skr. vrkas =r 
sl. BATiKTi auf varkas^ vlakas; von skr. daddmi =z sl. 
A^n^b, letzteres auf Adu-ub, d. i. dad-nii; soll skr. 
pakatas und das entsprechende slawische neK/T^iUTd ver- 
glichen werden, so ist letzteres erst ins sanskrit zu über- 
tragen, wo es pakantjasja lauten würde, mit ntaaovTog ist 
es in vergleich zu bringen, nachdem wir es zu neaaovooio 
(^Tieoaovoov^ graecisiert haben u. s. f. nur auf diese 
weise tritt Übereinstimmung und Verschiedenheit vollständig 
hervor. Dafs dieser methode in vieler beziehung grenzen 
gesetzt sind, ist mir wol bewust. das genauere gehört 



— VI — 

indess nicht hierher, xumal da die anwendung derselben 
aufs dem buche selbst zu ersehen ist*). 

Am meisten vorgearbeitet fand ich im zeilvvorte, am 
wenigsten in der lautiere, daher ist i\enn auch in der 
lautlere am meisten neues versucht worden, so z. b. die 
Scheidung der verschiedenen werte des -n. die Steigerungs- 
reihen der vocale. das assimilationsgeselz ; überhaupt war 
eine genauere, aufsfürlichere Zusammenstellung der sla- 
wischen laute mit denen der verwanten sprachen zu geben. 
In der formenlere ist, wenn auch nicht aufsschliefsliciu 
so doch in den meisten fällen durch die anwendung der 
gewonnenen lautgesetze manciies angebaut worden, so 
z. b. die genauere erklärung des comparativsuffixes, des 
gen. plur., des instrum. plur. auf 'bi um\ anderer casus- 
formen, das assimilalionsgesetz war für die autfafsung 
der durch bindevocalloses ansetzen gebildeten conjugations- 
formen besonders wichtig u. s. f. 

Für mer als einen ersten entwurf gebe ich diefs 
buch nicht, dafs auch dieser erste entwurf nicht nach 
der bekanten borazischen regel verfafst worden sei, zeigt 
sich wol auch abgesehen von den nachgetragenen Zusätzen 
und berichtigungen (die ich nicht zu übersehen bitte), 
allein fata uetabant. 

Besonders zu statten kam mir bei der aufsarbeitung 



*) Auch dieses verfaren stimmt, wie die inethode der sprachwifsenschaft 
überhaupt, zu der methode der naturvvifsenschafteii, von welchen die sprach- 
wifsenschaft einen teil l)i!det. Der verorleichende anatoni z. b. wird nininier- 
nier etwa die sciiädelform zweier tiere in der weise vergleichen, dafs er von 
der einen art den schade 1 eines neugeborenen, von der anderen den eines 
aufsgewachsenen exemphirs nänie ; feit im das nötige niaterial, was z. b. bei 
fossilen resten iiiiufig eintritt, so tut er das, was wir tun : er erschliefst nach 
den im bekanten gesctzen aufs der vorlicffcnden altersslufe die übrisen. 



— VII — 

dieses Werkes die praktische bekanlschaft mit dem sla- 
wischen, die mir sowol die slawisch geschriebenen hülfs- 
mittel zugänglich macht, als auch gröfsere übersieht über 
den Stoff gewärt und vor so groben verstöfsen bewart, 
wie sie in sprachwifsenschaftlichen werken gerade bezüg- 
lich des slawischen leider nicht zu den Seltenheiten ge- 
hören. Ich möchte überhaupt jedem nichtslawen, der ein 
eingehenderes Studium des slawischen beabsichtigt, den- 
selben rat geben, der mir vor einigen jaren von einer 
der höchsten autoritäten in slavicis, von Safafik erteilt 
ward, nämlich sich aufser dem kirchenslawischen mit einem 
der lebenden slawischen dialecte vertraut zu machen, 
gelegenheit, den beistand eingeborener zu benutzen oder 
Vorliebe für diese oder jene literatur, mag die wal ent- 
scheiden, die lebendige spräche bildet eine notwendige 
ergänzung der auf einen gewissen Zeitraum und auf die 
kirchliche Sphäre beschränkten älteren ; wer ferner kirchen- 
slawisch und noch einen zweiten dialect kent, für den ist 
das Studium der übrigen äufserst erleichtert u. s. f. kurz, 
man macht sich auf diese weise wenigstens einigermafsen 
die vorteile zu eigen, die der geborene slawe beim 
Studium des kirchenslawischen vor dem aufsländer vor- 
aufs hat. 

Wie schon gesagt, habe ich das sprachliche material 
bis auf weniges ganz aufs Miklosichs grammatischen werken 
und desselben lexicon geschöpft, in der anordnung des- 
selben gehe ich dagegen meist meinen eigenen weg, was 
zum teile schon der verschiedene zweck der werke von 
Miklosich und des meinigen erheischte. Doch beschränkt 
sich das, was ich Miklosichs aufsgezeichneter forschung 



— VIII — 

verdanke kcmeswegs auf das blofs sprachliche material, 
vielmer waren auch für den erklärenden und vergleichenden 
teil meiner arbeil Miklosichs werke eine der hauptsäch- 
lichsten fundgruben. Für das stoffliche ist demnach vor 
allem benutzt: 

Lautlehre der altslovenischen spräche vonFr. Miklo- 
sich. Wien, 1850. 

Formenlehre der allslovenischen spräche von Fr. 
Miklosich. Wien, 1850. 

Lexicon linguae slovenicae veteris dialecti edidit F. 
Miklosich. Vindob. 1850. 

Aufserdem wurde für das stoffliche zu rate gezogen : 

J. Dobrovsky institutiones linguae slavicae dialecti 
veteris. Vind. MDCCCXXII. Dieses werk, für seine zeit 
aufsgezeichnet und durch seine eigentümliche melhode, so 
wie als die gesammle wifsenschaflliche Slawistik begrün- 
dend, ein für alle zelten denkwürdiges buch, ist für den 
anfänger ganz unbrauchbar, da es noch nicht die orga- 
nische Orthographie der ältesten handschriften hat (/fi und 
,A sind noch nicht als nasalvocale erkant, t» hält Dobr. 
für überflüfsig und schreibt es daher gar nicht u. s. f.). 
auch überhaupt nicht die älteste form der spräche dar- 
stellt, für den vorgerückteren ist es noch jetzt brauch- 
bar, da es bis jetzt das einzige werk ist, welches die 
ganze grammatik umfafst, nur inufs es mit kritik gebraucht 
werden. 

G 1 a g 1 i t a C 1 o z i a n u s , id est etc. ed. B. K o p i- 
tar. Vindob. MDCCCXXXVI. enthält den text des codex 
Clozianus mit höchst schätzenswerter einleilung und bei- 
gaben, nebst glossar und kurzer grammalik. Hier ist 



— IX — 



schon die organische Orthographie, wiewol in der gram- 
malik für Miklosich nicht wenig zu herichtigen blieb. 

OcxpoMiipoBO EBaiire.iie 1056 — 57 ro4a ii np. ns^a- 
noe A. BocTOKOBbiM't. CaHKTneiepöyprt 1843. Oslromi- 
risches Evangelium v. j. 1056—57 u. s. vv. heraufs- 
seireben von A. Vostokov. St. Petersb. 1843. Enthält 
den text der handschrift genau wie er in der handschrift 
selbst steht mit untergesetztem griechischen texte der 
evangelienzusammenstellung sammt slavv. - griech. glossar 
und kurzer grammatik. Ein höchst wichtiges werk, die 
älteste bekante cyrillische quelle mit da tum. 

S. Joannis Chrysostomi Homilia in ramos palmarum. 
Slovenice, latine et graece cum nolis crilicis et glossario 
edidit Fr. Miklosich. Vindob. 1845. 

Die grammatischen bearbeitungen des kirchenslawi- 
schen, die ich hier nicht aufzäle, sind one wert, so 
z. b. die erst vor kurzem erschienene Grammatica linguae 
ecclesiastico-slavicae. Auctore Eug. Joannovics, orientalis 
ecclesiae orthodoxo episcopo Carolostadiensi. Viennae 
1851. Diefs werk ist in der spräche geschrieben., welche 
der vfr. für kirchenslawisch hält und die er den sänimt- 
lichen slawen als gelertensprache einzufüren rät. Blickt 
man in dieses buch, so mufs man sich wundern, dafs es 
nach den werken eines Kopitar, Vostokov, Miklosich er- 
scheinen konte. Anderes derartige übergehe ich. 

Werke, die aufsschliefslich oder nur zum teile in 
vergleichender weise das Kirchenslawische behandeln und 
von mir benutzt wurden, sind folgende, vor allem 

B p p s vergleichende grammatik ; auf dieses werk 
habe ich fast überall bezug genommen und verdanke im 



natürlich das meiste in eritiärung und vergleichung. Auch 
Bopp's glossarium sanscritum, Berl. 1847 lieferte reich- 
lichen Stoff. 

Den slawischen teil der vergleichenden grammatik hat 
Miklosich in den Wiener Jarbüchern bd. 105. 1844. 
pg. 43 f. einer eingelienden beurteilung unterzogen, welche 
manches neue und treffliche dem von Bopp gewonnenen 
hinzufügt. 

Etymologische Forschungen auf dem Gebiete der 
Indo-Germanischen Sprachen v. Dr. A. F. Pott. II bde. 
Lemgo 1833 u. 1830. 

Pott de Lithuano-Borussicae in slavicis letlicisque 
Unguis principatu; progr. der univers. Halle 1837. Pott, 
commentatio de linguarum Letticarum cum vicinis nexu. 
ibid. 1841. In beiden Schriften wird die nahe verwant- 
schaft des slawischen und litauischen aufs schlagendste 
dargetan. 

Grimms geschichte der deutschen spräche. II bde. 
1848. diefs w-erk nimmt auf das slawische gebürende 
rückslcht und hat in bezug auf das verhältniss von sla- 
wisch und germanisch bedeutende ergebnisse geliefert. 
Auch Grimms deutsche grammatik zieht das slawische 
in den kreifs der verglichenen sprachen. 

Th. Benfey Griechisches Wurzellexicon als Grund- 
lage der griechischen Grammatik. II bde. Berlin 1839. 42. 
One dem Verdienste Benfeys, namentlich um das Studium 
des Sanskrit zu nahe treten zu wollen, kann ich mich 
doch nicht enthalten, w^enigstens zwei beispiele aufs die- 
sem buche hier anzufüren, welche eine weitere besprechung 
des slawischen teiles desselben entberlich machen, bd. II 



- XI — 



pg. 277 heifst es wörtlicli: „2. Wzf. sskr. hau; dazu 
sl. z 1 11 - ü (/to/7. Gl. s. V. p r a - z d 1 n - u j ö n). sloven. 
g e n e in mit Iiifm. g n a 1 1 (fast wie im Sskr. g h n) ; ob 
dahin griech. vTi-rivrj (vgl. S. 118) ist niclit ganz sicher" 
etc. etc. Bei Kopitar heifst es nun: „npd^AbNoyfTn, i€mH, 
OBdi H ferior", dabei wird auf npd5;AbNT> verwiesen, von 
welchem adjectiv das verbum abgeleitet ist; gleich neben 
npd:^AbNOYf^ sieht npdü^AbNHK'b dies festus und npdT,- 
AbNij uacuus. ferior, d. i. ich feiere, ist hier von ßenfey, 
der nicht einmal den ganzen artikel bei Kopitar durchlas, 
auch die nebenstehenden worte nicht ansah, als passiv 
von ferio schlagen aufgefafst worden! ferner: bd, II pg. 
1 32 : „sskr. k r a d schreien^ weinen \ germ. goth. g r e t - a n 
weinen\ slav. ou-krad-ön toben {Ko\i. Gl.)" etc. Ko- 
pitar hat „oyKpdA'ti furor, XiJOTevio'^^^ diefs tibersetzt Herr 
Benfey mit „toben"! furor ist also hier unbegreiflicher 
weise mit furo verwechselt worden und das X)]nTtvu) ganz 
unbeachtet geblieben. Andere in änlicher weise ergetzliche 
Stückchen übergehe ich hier, auch das angefüi'te habe ich nicht 
zur kurzweil hier mitgeteilt, sondern als derbes warnungs- 
zeichen aufsgesteckt für diejenigen, welche meinen, eine 
spräche vergleichend bearbeiten zu können, wenn sie das 
aiphabet derselben zu entziffern im stände sind, denn — 
abgesehen von der flücliligkeit, von welcher diese beispiele 
zeugniss ablegen — nur ein des slawischen völlig unkundiger 
kann so gebräuchliche worte wie npd^^AhNoyt^ ich feiere 
und OYKpdA'f» ich stele (werde sielen) verkennen. 

Wegen mangel eines slawischen index ist Dieffen- 
b a c h s Wörterbuch der gothischen Sprache. II bde. Frankfurt 
am J\Iain 1846 u. 1851 nur hier und da benulzl worden. 



— XII — 

Slavische beitrage zu Bopps Glossar von A. Draeger 
in Höfers Zeitschrift für die wifscnscluift der spräche 
bd. I! p. 373. enthalten meist nur aufszüge aufs Miklos. 
radd. und aufserdem wenig brauchbares, den letztgenanten 
drei arbeiten habe ich demnach nur ser weniges entnommen. 

Kuhns behauter aufsatz „zur ältesten Geschichte der 
indogermanischen Völker" vermert in Webers indischen 
Sludien Bd. I. 1850. pg. 321 ist überall nach gebür be- 
rücksichtigt worden, indess sind hier, wie es der gegen- 
ständ mit sich brachte, verhällnissmäfsig nur wenige werte 
des slawischen verglichen. 

Desto mer aufsbeute gewärlen folgende werke und 
abhandlungen : 

Radices linguae slovenicae veteris dialecli. scripsit 
Fr. 31 ik Ig sich. Lips. MDCCCXLV. In diesem werke 
ist vorzüglich das sanskrit in vergleich gezogen. 

Vitae Sanctorum. E codice anliquissimo palaeoslo- 
veiiice cum nolis criticis et glossario edidit Fr. M i k I o s i c h. 
Accedunt epimetra grammatica quinque. Viennae 1847. 

S a f a r i k s gediegene abhandlungen im casopis ceskelio 
Museum (Zeitschrift des böhmischen Museums) : 

1846. pg. 355. tvofeni slov zdvojovänim kofene 
(über die Wortbildung durch rediiplication der würzet). 

1846. pg. 409 u. 560. sifeni casoslovnich korenüv 
a kmenüv vsauvänim a prirazenim souhlasek (über die 
erweilerung verbaler wurzeln und stamme durch einschal- 
lung und anfügung von consonanten). 

1847. pg. 37. pretvofoväni hrdelnich souhlasek 
(über die Verwandlung der gutturalen consonanten). 

1S47. pg. 127. Vyklad nektcrych grammatickych 



forem v jnzylui slovanskem (deiilung einijxer t^rammatischen 
fonnen der slawischen spräche) ; hesonders erörtert werden 
iiier 1) der alte loc. plur. anf as. 2) die declinatlon des 
beslimmlen adjeclivs. 3) der aor. I. 4} das imperfectuni. 
5) der aor. II. hier zuerst erkant. 6) das futurum hier 
zuerst nachgewiesen. 

1848. pg. 217. Mluvozpytny rozbor ci'sloslova (sprach- 
wifsenschaftliche analyse des zalwortes). 

Wärend ich diefs vorwort schreibe kommen mir 
Boehtlingk's Beiträge zur russ. grammatik im Bulletin 
de la classe des sciences hisfor.^ philol. et polit. de TAca- 
demie imper. des sciences de St. Pclershourg. T. IX. Nro. 
3 — 7. 1851 zu. In den meisten punkten finde ich mich 
in Übereinstimmung mit diesem forsclicr, einzelnes abwei- 
chende hervorzuheben ist hier nicht der ort: überdiefs 
habe ich die gründe für meine auffafsung im buche selbst 
dargelegt. So erfreulich es für jeden an der wifsenscliaft- 
lichen erforschung des slawischen anteil nemenden sein 
mufs, dafs eine so bedeutende kraft, wie die Boetlilingks 
diesem felde ire nutzbringende lätigkeit zugewant hat, so 
wird man doch nur mit einigem bedauern lesen, wie Hr. 
B. sicii die mühe nimmt, gegen ansichten zu polemisieren, 
die wirklich einer Widerlegung nicht wert sind. Die war- 
hafl wifsenschaftliche, methodische auffafsung und erklä- 
rung der spräche vernichtet von selbst jenes dilettantische, 
von beschränktem Standpunkte aufs mit schrankenloser 
Willkür geübte deuteln. 

Die „Zusammenstellung von 200 laut- und sinnver- 
wanten Wörtern des sanskrit und slawischen von Miha- 
novich", ort und. jarzal sind mir entfallen, so wie 



— XIV — 

Graefe. coninienlalio qua lins'iia graeca et lalina ciiin 
slavicis dialectis re grammalica comparantur. Petersb. 182f). 
waren mir bei der aufsarbeitung nicht zur band : ich finde 
das erstere slück. das ich vor mereren jaren las. in meinen 
adversarien als unmethodisch und wertlos bezeichnet.*) 

Einzelne bierheraehörige aufsälze von mir (z. b. im 
anhange zu meinen sprachen Europas. Bonn 1850**)) 
ii])ergehe ich ; teils sind sie im buche selbst citierl, teils 
in dasselbe verarbeitet worden. 

Dafs ich in der Schreibung des deutschen, namentlich 
durch Vermeidung der grofsen initialen im anlaut der 
substantiva, so wie durch weglafsen des denungs-h und 
der vocalverdoppelung (mit aufsname der auf ee aufslau- 
lenden worte), ferner durch Unterscheidung von fs und ss 



*) Schriften, wie die von DanUovsky (z. b. .Matris slavicae filia erudila, 
vulgo lingua graeca, seu grammatica cunclaruni Slavicarum et Graecarum 
dialectorum Üb. I & II. Posonii 1826. 1837.) sind aufsgeburlen des vvanwitzes, 
höchstens als curiosa eines flüchtigen ansehens wert, ebenso die inschriften- 
deutuiigen von Wofariski. deren monströse abenteuerlichkeit (namentlich in 
seiner neuesten leistung, ..Opfergefäfse des Tempeis der taurischen Dinna. 
(iiiesen 18L)1-') ins unglaubliche geht. Was der jüngst verstorbene dichter 
Kollär (im casopis cesk. Museum u. s. f.) über sprachliche dinge geschrieben, 
ist von dem eben erwähnten nur graduell, nicht specifisch verschieden. 

**) Von diesem werke gieng mir so eben eine französische Übersetzung 
zu: Les langues de I'Europe moderne par A. Schleicher. Traduit de l'alle- 
mand par Hermann Ewerbeck. Paris 1832. In dieser sogenanten Über- 
setzung ist jedoch nicht nur ser vieles ganz unrichtig und nachläfsig über- 
tragen (der Hr. Übersetzer ist offenbar der sache vollständig unkundig), man- 
clies aufsgelafsen u. s. f.. sondern, was viel schlimmer ist, es sind an zal- 
reichen stellen dinge eingesetzt, die ich nicht geschrieben habe und die zu 
schreiben mir nie in den sinn kommen würde, einzelne als anmerkungen des 
übers, bezeichnete zusätze geben noch dazu dem texte den anschein, als ob 
er treu aufs dem originale one zutaten des Übersetzers übertragen sei. Von 
dieser französischen bearbeitung. an der ich nicht den mindesten anteil habe, 
niufs ich demnach erklären dafs ich sie nicht als Übersetzung meines buches 
anerkenne. Ein solches verfaren mit dem geistigen eigentume anderer ist 
gewifsenlos. 



— XV — 

u. s. w. der von Grimm (gr. I. 3. aufsg. p. 26 f. u. p. 
217) empfohlenen weise nachgekommen bin, liat bei werten 
freunden anstofs erregt, ich kann dem nur entgesi^nen, 
dafs es mir moralisch unmöglich ist, gegen befseres wifsen 
und gewifsen die verwerflichen neuerungen unserer üblichen 
Schreibweise milzumachen. Dafs in diesem buche nach 
kurzem vocale vor anderen consonanten n nicht verdoppelt 
wird, die anderen änlichen gruppen aber beibehalten sind, 
ist eine künftig zu vermeidende inconsequenz, entstanden 
durch das anfänglich gehegte vorhaben, nach dem vorbilde 
der musterhaften Schreibung der älteren spräche die vor 
folgenden consonanten unnötige gemination wegzulafsen. *) 

Prag, im april 1852. 



*) Mit lebhafter freude begrüfse ich den mir so eben zugekommenen 
aufsatz über deutsche rechtschreibung von Weinliold in der Zeitschrift für die 
österreichischen gymnasien jarg. III 1852. 2. heft. pg. 93 ff. Möchten die von 
einem so anerkanten kenner unserer spraclie mit dem nötigen nachdrucke 
aufsgesprochenen belerungen die inen so ser zu wünschende beherzigung und 
befolgung in reichem mafse finden! 



Illllcllt. 



Einleitung pg. 

I. Das slawische in seinem Verhältnisse zu den anderen faniilien des 

indogermanischen sprachstamnies I 

cyrillisches aiphabet 6 

II. das kirchenslawische in seinem Verhältnisse zu den übrigen slawischen 
dialecten 26 

Von der kirchenslawischen schrift 30 

Lautiere (lauttabelle) 33 

Vocale. Vocale der a-classe :v 36 

d = ä, a , 37 

e = a 37 

o = a 38 

h = a 39 

b =a 42.52 

^ = an, am, am 42 

* = an 43. 54 

Vocale der i-classe 43 

H = t, i 43 

H für I. =^ /b 44.47 

H = ji 45 

H, -b für M der verw. spr 47. 59 

b = t 47 

A, () im ksl. keine vocale 49 

/A = in, iin 53 

II 



— xvm — 

pg- 

Vocale der w-classe 54 

oy = M, d 54 

'bl ^ M, M 55 

'bi = am, an 56 

o = M 57 

-h = u 57 

Diphthonge 57 

-t = e 57 

t für urspr. ä 59 

-bl 59 

Lautgesetze 60 

Lautsteigerung 61 

Vocale der a-classe, t, e, o, d 64 

b, e, o, d, H, -e 69 

Vocale der i-classe. b, h, t 72 

H, oj, dj 73 

/, u in y>j, 'bB aufgelöst 73 

Vocale der w-classe, "b, bi, oy, ob, an 76 

Bo, Bd aufs M 78 

Die nasalvocale *i ^> und die Schwächungen des * 79 

Die vocale in irer Verbindung mit j 83 

Vocalveränderung durch wechselseitige einwirkung der laute. I. Hiatus 86 

Assimilation 88 

II. ümlaut 89 

Co nsonan ten 91 

Mutae. I. gutturale, tenuis t< 94 

c = urspr. k 98 

anl. K allein im slaw 98 

n ^ urspr. k 99 

V, L| = arspr. k 99 

med. r 1) = g 102 

2) r «.. skr. gh 105 

3) ?, Jk; ? 108 

ffi : 111 



— XIX — 

pg- 

II. dentale, ten. t 112 

med. A 1) = d 115 

2) A = skr. dh 117 

III. labiale, ten. n 118 

med. B 1) = 6 121 

2) B = skr. hh 123 

Nasale 124 

H 125 

M 126 

A und p 127 

A 128 

p 130 

Spirant es 131 

3 132 

B 133 

c 135 ' 

ui 138 

X 138 

Tabellarische Übersicht der slaw. consonanten und der inen in den 

verwanten sprachen entsprechenden laute 139 

Fremde worte im kirchenslawischen 141 

Lautgesetze = 142 

Gesetze des aufslautes 143 

Gesetze im inlaut 144 

Gutturales 145 

Palatale spirans j 146 

Dentales 146 

Labiales "". 149 

Lautgesetze vor j und den palatalen vocalen 150 

Wortbilduug 157 

Wurzeln 157 

Ko min albildun g, infinitiv, supinum und verwaiites 161 

Participia. part. praes. act 164 

part. praet. act. I 165 

pari, praet. act. II 169 

11* 



— XX — 

pg- 

pari, prael. piiss 170 

part. praes. pass 172 

Einige andere nominalsuffixa: TßAb, (a)ao, verwanlschiiflsworlcr: 

ubi, u-a; b, bie, tn; bHT, 174 

Gradation 179 

Zalwort 1«4 

Grundzalen 1H4 

Ordnungszalen 189 

Abgeleitetes verl)um 191 

H-TH 192 

-U-TH 193 

-1-TH 194 

ü-B-ai H 196 

Declination 19B 

JSominale declinalioii. Einteilung der declination nach den slaniinatifs- 

lauten 199 

I. declination. a-stäinnie. a) nach anderen consonanleii als j 204 

b) n-stämme nach j 207 

II. declination. i-stämnie 210 

III. declination. consonantische stamme. 1) sn!)itant 213 

b) adject 217 

Erkhirung der cnsusformen 219 

Singular 219 

Nominativ 220 

Accusativ 224 

Vocativ 227 

Locativ ; 229 

Dativ 233 

Genitiv 233 

Instrumentalis 236 

Dual 238 

Noniin. acc. vocat 239 

Locat. seil 240 

Dat. instrum 241 



— \\[ — 

Plural 242 

Ä'oin. vocat 242 

Accusativ 244 

Locativ 245 

Dativ 246 

Genitiv > 247 

Instrumentalis 249 

Pronomen 252 

GescMechtiijes pvoiiomeii der drillen person 253 

Sliimnie auf '=- (urspr. a) 254 

Singular 255 

Dual : 258 

Plural 260 

Stämme auf b, h (urspr. ja) 262 

Ableitungen vom p r o n o m e n 269 

Zusammenfjeselzte decliuation 273 

Ungeschlechli(jes fersünliches pronomen 278 

Coii.jnjS^ation 285 

A. Biiidetocalische roiijugolio». I. lia u p t m li 1 o i!., ucrba [) r im i t iua. 

I. classe. reiner verbalstamm im praesens. 

a) derselbe stamm in allen formen. 

1) Stammaufslaut dentale spirans c, ;? 287 

2) Stammaufslaut dentale muta r, a 289 

3) Stammaufslaut labial ri, b, k 291 

4) stammaufslaut guttural k, r, x 293 

5) stammaufslaut nasal h, m 295 

6) Stammaufslaut vocal (oy) 297 

b) der zweite stamm setzt den bindevocal a an 301 

II. rlasse. die praesensendungen werden mittels j angesetzt. 

a) der zweite stamm ist der reine vtrbalslaiiim 303 

b) der zweite stamm hat den bindevocal d 304 

III. classe. Praesensbezeichnung ist urspr. die sylbe «?/, welche im 

praesens ir u verliert 308 



— XXII — 

pg- 

11. haupta b teil un g, tierba deriuata. 

IV. classe. der stamm des Zeitwortes lautet auf ein nicht vvurzel- 
hafles i aufs 310 

V. classe. der verbalstamm lautet auf ein zugesetztes i aufs, wel- 
ches im zweiten stamme zu t gesteigert wird 314 

VI. classe. der verbalstamm lautet auf ein zugesetztes t aufs. 

im praesens tieten die endungen mittels j an 316 

Vn. classe. der verbalstamm lautet auf ein zugesetztes ä aufs, 
im praesens treten die endungen mittels j an 317 

Vin. classe. der verbalstamm lautet auf ob (es) aufs, die en- 
dungen des praesens werden mittels j angesetzt, vor welchem 
OK (kb) in oy zusammengezogen wird, der zweite stamm 
setzt diesem ob (eb) j zu 318 

B. Bindevocatlose conjugation. 

1) Wurzel Aä dare 319 

2) Wurzel «a edere 320 

3) Wurzel BtA scire. 321 

4) Wurzel it-c esse 323 

C. Verba^ die nach keinem der aufgehalten paradigmen ßectiert werden. 

Wurzel Bhi (inf. BbirH, praes. b*a*) 323 

Wurzel H (inf. hih, praes. ha^.) ire 325 

Wurzel HU (inf. HutTH, prRes. HUdUK) 326 

AtTH, AeaiA/Si facere; raxjTH, raA^ft ascendere 327 

Reste des alten fiiturum im kirchenslawischen 327 

Anhang. Umschriebene formen des ksl. Zeitwortes 328 

Von der slawischen conjugation im aligemeinen 330 

Personalendungen 332 

1. person 332 

2. person 336 

3. person 337 

Übersicht der personalendungen 340 

Binde vocal 340 



— XXIII — 

pg- 

Einteilung des Zeitwortes in classen (praesensbildung) 345 

A. bindevocalische conjugation 347 

B. bindevocallose conjugation 355 

« 

Bildung der tenipora und des imperativs 357 

Aorist II (einfacher, starker aorist) 357 

Aorist I (zusammengesetzter, schwacher aorist) 360 

Futurum 363 

Praesens 364 

Indicativ praes 364 

Imperativ praes 367 

Imp erfe ctuni 369 

Nachträge und berichtigungen 372 



Siiiileltung. 

I. 

Das Slawische in seinem Verhältnisse zu den anderen 
familien des indogermanischen sprachstammes. 

Von den drei classen, in welche wir das gcsammte reich 
der sprachen einteilen, der einsylbigen, agglutinierenden und 
flectierenden*) sind die beiden letzteren innerhalb unseres Welt- 
teiles vertreten. Zwei grofse Sprachstämme erfüllen Europa fast 
ganz, der indogermanische und der tatarisch-finnische, ersterer 
der tlectierenden, letzterer der agglutinierenden sprachclasse ange- 
hörig, abgesehen von dem geflechte der so genanten kaukasischen 
sprachen um die Scheidewand Europas und Asiens herum, fristet 
aufser jenen beiden grofsen sprachstämmen nur der einer Unter- 
abteilung der agglutinierenden classe angehörige vaskische sprach- 
stamin ein auf ein enges gebiet im winkel des merbusen von 
Viscaya beschränktes dasein; von früherer viel weiterer aufs- 
breitung des vaskischen zeugen indessen zalreiche spuren, ver- 
want ist diese spräche mit keinem der beiden grofsen sprach- 
stämme, überhaupt hat sich bis jetzt keine dem vaskischen ver- 
wante spräche entdecken lafsen. 

Die zwei sprachslämme nun, in welche sich sonach bis auf 
weniges die ganze bevölkerung Europas in der weise teilt, dafs 



•) Genaueres hierüber e. in meinen sj)rachen Europas, Bonn 1850 pp. 5 Jf. 

1 



— 2 — 

der indogermanische fast den ganzen Weltteil eingenommen, 
der tatarisch-finnische nur den hohen norden und den ostrand 
inne hat mit aufsname weniger weiter herein ins indogermanische 
ragender und eingesprengter finnisch-tatarischer Völker — beide 
grofse Sprachstämme Europas stammen aus Asien, in welcljem 
weitteile sie ebenfalls den bei weitem gröfseren teil des flächen- 
raunies einnemen. beide weitteile, Europa und Asien, bilden 
sonach auch in sprachliclier beziehung ein zusammengehöriges 
grofses ganzes. 

Der tatarisch-finnische sprachstamm, der auch der ural-altaischo 
oder tatarische schlechthin genant wird, im Verhältnisse zu seiner 
ungeheuren ausdenung in Asien nur mit seinem westende und 
aufsläufern nach Europa hereinragend, umfafst 1) die weitaufs- 
gebreiteten faniilien der tungusischen (wozu das mandschu gehört) 
mongolischen und türkischen (tatarischen) sprachen, diese sind 
fast aufsschliefslich in Asien heimisch, nur das mongolische und 
mer noch das türkische, zu welchem aufser dem sparsam in 
griechische und slawische bevölkerung eingesprengten osmanli 
die zalreichen talarischen Stämme im östlichen und südöstlichen 
europäischen Russland gehören, sind in Europa vertreten, diese 
spruchen bilden die tatarische auch altaisch genante oder asiatische 
abteilung des Sprachstammes. 2) die finnischen oder, wie man 
sie nach slawischem vorgange auch nent, tscliudischen sprachen, 
diese bilden die finnische uder uralische oder wie man sie auch 
nennen könte, eurofiäische abteilung des sprachstammes. zu 
derselben gehört das samojedische, ostjakische, ugrische oder 
wogulische, syrjänische, permische, wotjakische, tscheremissische 
und mordwinische — die ostfinnische abteilung bildend, ferner 
das lappische, finnische im engeren sinne, und estnische — ein 
vom übrigen getrentes zusammenhängendes ganzes — endlich 
das weit von den gröfseren teilen des sprachstammes losgerifsene 
und in indogermanisches gebiet eingekeilte niadjarische. die 
letzteren vier sprachen kann man westfinnische nennen. 

Wärend vom tatarisch-finnischen stamm nur ein kleiner teil 
unserem weifteile angehört, fällt vom indogermanischen ongefär 



— 3 — 

die hälfte innerhalb der grunzen desselben. Zum asiatischen teile 
dieses sprachstammes, der vom Brahmaputra und dem bengalischen 
merbusen in osten anhebend nur in der gegend des Kaukasus 
unterbrochen sich bis nach Island und der Westküste Portugals 
erstreckt (auf die colonien neuerer zeit nemen wir hier nicht 
rücksichtj gehören die beiden familien der indischen und per- 
sischen oder iranischen sprachen, deren älteste Vertreter das 
Sanskrit und (für das iranische) das zend und das altpersische 
(der keilinschriften) sind, beide familien sind besonders nahe 
verwant und bilden das arische familienpaar, so genant weil 
sowol die alten Inder als Iranier sich den erennamen Arier bei- 
legten. In Europa begegnen wir zunächst den das pelasgische 
paar bildenden familien: der griechischen und der römischen, 
von welcher die erstere schon seit grauer vorzeit auch Klein- 
asiens küsten besetzt hält; eine alle aber ser verkommene ab- 
zweigung der griechischen familie glaube ich im albanesischen 
(schkipetarischen, arnautischen) zu erkennen; die letztere ehedem 
umfafsend die unter sich nahe verwanten altitalischen sprachen, das 
lateinische, oscisciie, umbrische u. a. kleinere, von welchen sich 
das lateinische zur alleinherrschaft emporschwang, welches später 
wiederum in die zaireichen jetzt lebenden romanischen sprachen 
sich zersetzte. Die lettische und slawische familie stehen sich 
besonders nahe, so dafs ich sie nach dem vorgange anderer, so 
z. b. Potts, zu einem ganzen, einer familie zusammenfafsen 
möchte: zu den lettischen sprachen gehört vor allem das eigent- 
liche litauisch oder preufsisch- litauisch, welchem das lettische 
im engeren sinne als eine jüngere formation zur seite steht, 
das litauische, leider dem aufssterben mit schnellen schritten 
entgegen gehend , ist eine altertümliche und für die wifsen- 
schaflliche erforscliung der lettisch - slawischen sprachen vor 
allem wichtige spräche, eine minder reine abart davon ist das 
samogitische oder polnisch - litauische, lettisch und slawisch 
müfsen sich erst später von einander getrent haben, als von 
den grundsprachen der anderen indogermanischen sprachen, das 
beweist ire gröfsere Übereinstimmung, wärend nun der eine ast, 

1* 



der slawische, zu einer reichen enlfalluüg- in jüngere z\\eige 
aufswuchs, tr eb der lettische nur wenige sprufsen, dagegen 
verharrte die hauptsprache desselben, d;is litauische wenigstens 
dem gröfseren teile ires baues nach auf einer urallen stufe 
sprachlicher entwickelung. daher ire hohe Wichtigkeit für die 
Sprachforschung: unter allen lebenden sprachen des Sprachslammes 
ist sie diejenige, die am meisten alte formen bewart hat. deshalb 
wird sie auch im folgenden besonders fleifsig in vergleich ge- 
zogen werden müfsen. Der lettisch -slawischen familie räumlich 
und sprachlich zunächst steht die germanische, zerfallend in die 
sprachen, die auf der ersten stufe der lautvcrjichiebung stehen 
blieben und zu welchen der älteste bekante germanische dialect, 
das gothische gehört: nordisch (isländiscli, schwedisch, dänisch), 
angelsächsich (englisch), niederdeutsch (die plattdeutschen dialecte 
und niederländisch) und friesisch und die dialecte, welche zur 
zweiten stufe der lautverschiebung fortschritten, die hochdeutschen, 
die sich einer schriflspraf-he bedienend nur in der Volkssprache 
in mereren mundarten fortleben. Das westlichste glied in der 
kette unseres sprachstammes bildet die früher viel weiter ver- 
breitete celiische sprachfamilie in zwei ableilungen : der cymrischen 
oder bretonischen, (cymrisch, cornisch (aufsgeslorben), armori- 
canisch oder bas-breton) und der gälischen (irländisch, spräche 
auf der Insel Man, gälisch in Schottland). 

Aufs der vergleichung der ältesten erhaltenen sprachen dieser 
verschiedenen familien läfst sich mit berücksichtigimg der gesetze 
der Sprachengeschichte eine verhältnissmäfsig zien)lich klare 
anschauung der indogermanischen Ursprache erreichen, aufs 
welcher die stamnimütter der einzelnen familien in analoger 
M eise sich entwickelt haben, wie etwa aufs dem latein die roma- 
nischen sprachen. Nicht alle famiüen zeigen sich nun gleich 
ursprünglich , gleich reich an uraltem von der mutter ererbten 
gute, wenn es auch feststeht, dafs das wesen der indogerma- 
nischen sprachen nur in allen zusammen zur erscheinung komme, 
da sie ja auf gleiche weise ursprünglich aufs der gemeinsamen 
mutter entsprungen, so zeigt sich doch, dafs die dem mutmafslichen 



— 5 — 

ursilze der Indog-cnnanen zniiiiclist wollenden sprachen, die arischen, 
das indische und iranische, und unter diesen wieder in ganz besonders 
holiem grade die indische — sansKrit und der ältere veda-dialect 
desselben — vorziiglicli treu den lypus der mutter g-ewart haben, 
nach Westen zu nimmt die ursprüngiiclikeit in den spracfien ab 
in der folge etwa, wie wir sie eben aufgezälf, besonders be- 
merklich ist, dafs das westlichste, das celtische, auch am 
wenigsten ursprüngliches be\-art, sich am individuellsten ent- 
wickelt hat. wir erklären uns diese erscheinung durch die 
anname, dafs die w^estlichen Völker eher von dem urvolke sich 
losrifsen und ire Wanderung antraten; je weiter diese war, desto 
mer verloren sie vom allangestammten, am meisten retteten die 
siidostwärts gezogenen Inder, deren kurzer wanderzug aufs sage 
und ethnographischen Verhältnissen sich erkennen lässt und die 
mit den Iraniern den letzten rest des indogern:anischen urvolkes 
biMeten, daher haben denn diese beiden sprachfumilien in iren 
ältesten Vertretern so viel altertümliches aufzuweisen. 

Je länger eine spräche lebt, desto mer verliert sie vom 
alten ursprünglichen reichtume, desto individueller gestaltet sie 
sich, desw'egen hat die vergleichende grammatik zunächst die 
ältesten spracl;formen in bctracht zu ziehen, die sprachen- 
geschichte mufs bei der betrachtung von sprachen stets berück- 
sichtigt werden, wenn man nicht auf die schlimmsten abwege 
geraten soll. die jungen aufsläufer zweier sprachfamilien 
werden also demnach viel aufTallendcr von einander abweichen 
als die grundsprachen beider fanii ien; ein gesiclitspunkt, der 
natürlich auch bei der bestimmung des verwantschaftsverhältnisses 
des slawischen zu den anderen sprachen unseres Sprachslammes 
von grofser bedeutung ist. 

Schon oben wurde angedeutet, dafs das slawische zu einigen 
der genanlen sprachfamilien in besonders nahem verwantschafts- 
verhältnisse stehe. Es ist eine sich merfach wiederholende 
erscheinung innerhalb unseres sprachftammes, dafs die in der 
riclitung von ost nach west aneinander gränzenden sprachfamilien 
eine besonders nahe verwanbchaft zeigen, so ist das indische 



— 6 — 

zunächst mit dein iranischen, das griechische mit dem Uiteinischen 
verwant, wenn auch nicht in gleichem grade wie indisch und 
iranisch, noch weniger augenfällig, aber doch dem forscher sich 
als sicheres resultat ergebend, ist die nähere zusammengehörigkeil 
des slawisch-lettischen und germanischen. Im folgenden ver- 
suchen wir ein allgemeines bild zu enlwerfeti des Verhältnisses, 
in welchem das slawische zu den indogermanischen schwester- 
sprachen steht, wir verkennen indess keineswegs, dafs unsere 
Zeichnung in den meisten partien eine nur in unh'SÜmmten 
unirifsen gehaltene skizze sein müfse, welcher üiierdiefs, wie es 
die natur der sache mit sich bringt, die gefar droht, dafs Ire 
objective treue durch subjective auffafsung beeinträchtigt werde. 
Um im folgenden der Umschreibung der slawischen worte 
überhoben zu sein und um den der kirchenslawischen Schrift 
unkundigen nicht auf ein anderes werk verweisen zu müfsen, 
gebe ich hier dem alphabete der kirchenslawischen spräche eine 
stelle, die bei den Slawen, welche sich cyrillischer schrift be- 
dienen übliche Ordnung der buchslabcn ist bcibeliaiten, die wifsen- 
schaftliche anordnung der laute und beslimmung irer geltung 
folgt später, die herkömmlichen namen der zeichen sind meist 
Wörter, in welchen jene den anlaut bilden, ire bedeutung ist 
hier weggelafsen, da sie für den anfänger unnütz, für den 
kundigen überflüfsig ist, überhaupt stehen diese benennungen nur 
zur Vollständigkeit und vielleicht als erste kleine leseübung hier.*) 



zeichen 


nanie 


g« 


Itung ' 


^") 


a .1 


,i?b 




a 




B B 


BOVK>.t 




b 




li a 


li-feAH 




w 




r r 


TAdrOAb 




g 




A A 


AOBpO 




d 





*) Miklosichs (Vitae Sanctoruin Wien 1847, epiinetr. I.) kritische ver- 
befscrungen der buchstabennamcn sind hier deshalb nicht in ireni ganzen 
umfange aufgenommen worden, weil wir nur den anfiingir mit den in den 
biichern üblichen bezeichnungen bekant machen wollten. 

**) wo nichts anderes bemerkt ist nach dem deutschen. 



_ 7 — 



zeichen 


nanie 


geUiing. 


e 


e 


jecTb 


e 


TV. 


7K 


/KHU-felG 


j im französischen, böhm. i. 


(S 


s 


?15A0 


z im franz., zalzeichen und hier und 
da in griech. Wörtern.) 


^ 


? 


^CMAW 


z im französischen. 


H 


H 


H;t;e 


i 


(♦ 


♦ 


1 


i tiberflüfsig, in gewissen fällen statt 
H gesetzt.) 


K 


K 


KdKO 


k 


A 


A 


AK)AH 


l 


M 


1.1 


UTDlCA-tere 


m 


N 


H 


H.lUJb 


n 


O 


O 


OH-b 





n 


n 


nOKOH 


P 


p 


P 


pbMH 


r 


c 


c 


CAOBO 


fs (scharfes s) 


T 


r 


TBpbAO (ree 


PAO) t 


oy 


OY («) 


OYK'b 


u 


(4> 


<P 


<t)epT-b 


ph griechisch.) 


X 


X 


xtp-b 


ch 


(CO 


CO 


CO Tl. 


griechisch , unnötigerweise auch 
in gewissen slawischen Wörtern.) 


(ip 


IM 


lUTd 


abktirzung für uir.) 


M 


M 


MH 


z (ts), böhm. c. 


Y 


Y 


vp'bBb (ve 


pBb) tsch, böhm. c. 


m 


llt 


lU^ 


seh (e i n laut, wie franz. ch in 



chercher, nicht etwa s-ch), böhm. §. 
-t --b Hjp b wie ein ganz kurzes «, etwa wie 

im englischen but. 
wie b -[- H <^' i- T'ji böhm. y. 
wie ein ganz kurzes i. 
je 
ju 
j« 



'bl --bl, 


--bH 


lep'bi 


-b -b 




lepb 


t> B 




MTb (-BTb) 


K) »o 




»OC'b 


M M 




in 



zcic! 


hon 


naiiic 


I€ 


te 


H> 


A 


/\ 


A 


WK 


wx 


Mk 


ifx 


T. 


;r. 


m 


m 


m 


a 


y. 


>.n 


(t 


•l' 


tH 


C-e- 


•o- 


•OHTd 


(Y 


Y 


H^KHLlil 



— 8 — 
geltung 

je 

e der Polen, d. i. wie in der Fran- 
zosen z. b. in enfin. 

je 

g der Polen, d. i. wie on der Fran- 
zosen z. b. in halcon. 
j« 

ps, \p') \ griechische, nicht slawi- 
th, i9) I sehe zeichen und laute. 

y, ^) ] 

Für das sanskrit bediene ich mich folgender umschreibungs- 
weise: 

Vocale : a, ä; i, i; u, m; r, f; l. 
Diphthonge: e, äi; ö, du. 
Consonanlen: 
Mutac 
Gultur. k Ich g gh 
Palat. k iih g gh 

Linguale t' t'h d' d'h 
Dentale t th d dh 
Labiale p ph b bh 
den echten anusvara bezeichne ich mit n oder in, visarga 
mit : . Die Schreibung des zend ist bis auf g, z, j, s die Brock- 
haus'sche. 

Keren wir nunmer zu unserer aufgäbe zurück das verhällni>s 
des slawischen zu den anderen familien des indogermanischen 
Stammes in kürze darzulegen. 

Dem slawischen zunächst steht das litauische, auf welches 
wir uns als auf die hauptsprache der lettischen sprachen zunächst 
beschränken wollen, lexicon, laut und formenlere und syntax 
beider sprachen zeigen oft bis in die feinsten spracheigentüm- 
keiten eine so grofse ül)ereinstimmung, dafs ich es vorziehe 
beide als zweige einer und derselben familie anzusehen, gemeinsam 



Nasal. 


Spirant. 


n 


h 


n 


P J 


n 


s 


n 


s 


m 


V 



— 9 — 

sind beiden, um nur einiges allgemeine hier heraufszuheben die 
hellen Zischlaute (:?euAr.i, lit. z>ejne, terra '"'j u. s. w.), die nasal- 
vocale, das feien der spirans h und der aspiraten, der Übergang 
des t vor dentalen in s (z. b. dfts-ii, .xac-rh für düd-ti, aja-ii» 
u. a.) die eigentümliche erscheinung, die man erweichung, prae- 
joticrung der vocale nent (vocale denen ein kurzes i oder j vor- 
schlägt), so bekleiden sich die participia mit einem i nach dem 
aufslautenden consonanten wie im slawischen (dagegen feien dem 
slawischen die diphthonge des litauischen) die einwirkung des mit dem 
vorhergehenden consonanten eng verschmelzenden j ist indessen 
im litauischen noch nicht in so derber weise vorhanden als im 
slawischen, ein sprachgeschichtlicher unterschied, weil das 
litauische auf einer älteren stufe sprachlicher entwickelung steht; 
dris lettische dagegen zeigt die erscheinungen des zetacismus 
(unter welchem worte wir die einwirkung eines folgenden j (i, c) 
auf den vorhergehenden consonanten verstehen ■"""')) in grüfserer 
nufsdenung und in einer dem slawischen durchaufs analogen 
weise, des passivs entbert das litauische wie das slawische, in 
änlicher weise fungirt das reflexivpronomen am verbum in beiden 
sprachen, nur dafs im slawischen die reflexive bedeutung schon 
fast ganz zur passiven geworden is', wärend die ältere zwillings- 
schwcster den ursprünglichen sinn dieser Verbindung treuer 
bewart, perfectreduplication ist beiden sprachen völlig fremd, 
praesensreduplication zeigen beide in mer oder minder klaren 
spuren (cfr. AJUb, — Aäcn, — AJA^Tb u. d. anderen formen 
mit dümi, düsti; lat. do, das, dant u. a.), das augment des 
verbi feit beiden bis auf die geringste spur, überaufs schlagend 
ist die in beiden sprachen stattfindende Verbindung des pronomens 
sl. H lit. ji-s mit dem adjectivum um die bestimmte form desselben 
zu bilden, auih hier zeigt das litauische die älteren, ursprüng- 



*) in litauischen Wörtern lafse ich in dieser schrift alle tonhezeichnung 
weg. wer die Schwierigkeiten derselben und die ungenauigkeit fast aller 
litauischen drucke in dieser Beziehung kent, wird mir diese Vereinfachung 
gewiss nachsehen, das höhniische u steht für lit. e nach dem vorgange anderer. 

'"*) s. zur vergl. sprachciigcsch. pg. 39 ff 



— io — 

liehen foniieii. aufs der syntax hebe ich besonders den in beiden 
sprachen analogen sonst beispiellosen gebrauch des inslrumentalis 
beim prädicate hervor, es würde zu weit füren genauer die Über- 
einstimmungen beider sprachen darzustellen, irer ist zu viel, 
von der lexicalischen Übereinstimmung sehen wir hier ganz ab. 
Als bemerkenswerte Verschiedenheiten zwischen slawisch und 
litauisch mag hier folgendes genant werden : litauisch bewart 
ursprünglichen s-laut, wo der slawc dafür den guttural eintreten 
läfst (so z. b. im locat. plur., lit. -se, -sa, slaw. -x-h, skr. - su 
und in mereren Wörtern) ; bei r und / hat der slawe den vocal 
nach diesen lauten, wenn sie im litauischen die sylbe scliliefsen 
(rAJBj, galica, caput; k|jji- b, kartas. mal, in ein mal etc.) ver- 
schieden ist die gradalion der adjectiva und in vielen stücken 
abweichend die conjugatiun. hier hat das litauische zwar das 
alle futurum, mit * gebildet, erhalten, das dem slawischen ab- 
geht, dagegen hat dieses beide aorislen erhalten, deren erster 
dem litauischen ganz feit, ferner hat das litauische die dritten 
Personen dual, und plur. eingebüfst, für welche die singularform 
gebraucht wird, auch werden die verschiedenen stamme von den 
Zeitwörtern nicht mit der regelmäfsigkeit gebildet wie im slawischen, 
überhaupt läfst sich sagen, dafs im nomen das litauische, im 
verbum das slawische altertümlicher und aufsgebildeter sei. in 
der declination stimmen beide in der zal der casus überein, in 
der bildung derselben hat aber das litauische vielfach das ältere, 
ursprünglichere allein aufzuweisen, den speciell slawischen 
unterschied momentaner und durativer verba mit seinen filgen 
für die tempusbildung kent das litauische eben so wenig, als die 
anderen indogermanischen sprachen. Man sieht, es ist ein eigen- 
tümliches verhältniss das von litauisch und slawisch, das neben 
schlagender identiiät gewisser formen wiederum bedeutende 
differenzen in anderer beziehung bietet, das litauische ist eine 
ungleich entwickelte spräche , der treusten erhaltung des alten 
geht auffallender verlust zur seile. 

Dem slawisch -lettischen zunächst steht das germanische, 
nicht nur eine reihe von verbalwurzeln sind nur beiden familien 



_ ii _ 

eigentümlich*) (z. b. a-hp g-oth. lug, mentiri, uor lit. mog go\\\. 
mag in der bedeutung posse u. a.) und die lexicalische Überein- 
stimmung in nicht entlenten Wörtern überhaupt eine bedeutende 
— so zälen nur germanen, slawen und leiten bis tausend mit- 
einander, wärend die anderen sprachen nur bis 999 sliinmen — 
sondern auch in der lautlichen beschaffenheit zeigt sich bei aller 
dilTerenz darin z. b. bedeutsame Übereinstimmung, dafs die jüngere 
spräche z. b. das böhmische, den umlaut in reichem mafse hat ''•""'}, 
dafs vor die endung der nomina abstracta auf -ti und die der 
adjecliva auf -eÄ^a im slawisch-litauischen und deutschen mit über- 
raschender Übereinstimmung ein s geschoben wird, das allen anderen 
indogermanischen sprachen fremd ist '"""â– "'); bemerkenswert ist 
ferner, dafs innerhalb des slawischen wie des germanischen die 
laute j und v als anlaute sich als wenig constant zeigen, diefs 
zeigt sich im deutschen besonders durch den wegfall jener 
anlaute im nordischen {jar dän. aar; wolf dän. ulo u. s. f. aber 
f^^elbst ahd. ämar neben jchnar u. dergl.) im slawischen wechseln 
jene anlaute dialectisch (böhmisch z. b. uz neben juz,, jam; este 
neben jesfe, adhuc u. s. f. od, okno und alle mit o anlautenden 
neben vod, vokno ab, fenestra aber auch in anderen dialecten, 
so füren wir kirchenslawische formen wie AOBpjdro u. dergl. 
zunächst stehend für AOBp.itJiro aus AOBpdH;ro, auf solche dialec- 
tische eigenheit zurück). In der formenlere ist die Unterscheidung 
des bestimmten und unbestimmten adjectivs durch anhängung eines 
p:'onominalslammes ein tief eingreifender ciiaracterzug, der blofs 
dem germanischen und slawisch-lettischen eigentümlich ist. auch 
die schwache nominaldeclination glauben wir in iren \\ esentlichsten 
Zügen im slawischen wiederzufinden s. weiter unten. Dagegen 
sind die unterschiede auch wieder sehr bedeutend , wie sich 
diefs von sprachen zweien verschiedenen familien angehorig, 
versteht — ich erinnere nur .n die erofse Verschiedenheit der 



■*) vgl. Zeitschrift für vergl. sprachforsrhiing. Bert. 1851 II. lieft, pg. 141. 
**) s. zcilsrlirift für die oslerr. gyninasicn 1851, IV. hcft pg. 300. 
*'**j vgl. zeilscl:r. für vcrgl. spraclif. a. a. o. 



— 12 — 

coiiiugaliüii, an die rcgel des ablauts im deutschen, die in sulcher 
strenge ires gleichen in den verwanten sprachen nicht hat, an 
die lautverschiebung u. s. f. dennoch aber berechtigen so be- 
deutsame Übereinstimmungen zwischen zwei spiachfamilien, wie 
die angefürten zu der bchauptuiig, dafs sie sich untereinander 
näher stehen als irgend einer anderen, es ist diefs ergebniss 
besonders von Grimm in seiner geschichle der deutschen spräche 
durch umfafsende vergleichung gefunden und anschaulich gemacht 
worden. Grimm a. a. o. II p. 1030, 1031 : „unsere deutsche 
spräche schliefst sich demnach , und das ist aller meiner for- 
schungen ergebnis , leiblich zunächst an die slawische und 
litauische an" u. s. w. 

Da ich in diesem buche überhaupt auf eine v(?rgleichung 
des slawischen mit dem ferner liegenden celtischen nicht eingehe, 
so versuclic ich auch nicht hier das verhältniss dieser beiden 
Sprachfamilien im allgemeinen zu bezeichnen, nur so viel be- 
iiicrke ich, dafs mir das celtische von allen indogermanischen 
sprachen dem slawischen am fernsten zu stehen scheint. 

Nachdem wir so die dem slawischen nächslverwanten sprachen, 
lüauisch und germanisch besprochen, gehen wir zu den im ferner 
stehenden schwestersprachen über, hier ist es ser schwierig zu 
bestimjnen, w eiche wol als dem slawischen am nächsten stehend, 
zuerst hervorzuheben wäre, ich entscheide mich indess für das 
iranische, und zwar aufs folgenden gründen: das iranische teilt 
mit dem slawisch-lettischen die hellen Zischlaute (3eu.\\d, lit. 
zeme zend zcm terra. — :?hmj, lit. zema zd. zima aber. skr. hinia 
gr. 'iti^wv^ hiems. — würz, se? lit. wez zend. vaz aber skr. 
vah lat. reh-o u. s. f.) ferner die lautregel der Verwandlung von 
dentalen vor fin s (iran. bastaz. b. für badhfas kr. baddha ligatus), 
die auch das griechische zeigt, wenn auch in anderer weise im 
zend (und griechischen) der guttural für den Zischlaut eintritt 
als im slawischen diefs der fall ist, so ist doch darin im allge- 
meinen eine analoge erscheinung unverkennbar, dagegen hat 
wieder zend und slawisch nicht selli>n den Sibilanten wo dtiS 
skr. den p&lalal und die anderen sprachen den gutturalen haben: 



— 13 — 

würz. zcnd. pere(; sl. npoc lit. p}'as:i, umbr. pers skr. prahh 
lat. prec, petere. — sl. hbc griecli. i-vr/y. ferre u. a. ferner 
slimint in einzelnen Wörtern iranisch und slawisch aufsschliefslich 
zusammen; alfp. würz, pish sl. phc in der bedeutung- schreiben, 
wärend skr. pig (und wol zd. pig) decorare, formare heifst; so 
kennen nur siavv. u. iranisch das pronomen demonsirativum obh, 
zend. und altjiers. (keilinsclir.) ava als selbständiges wort. — zd. 
kas und kit neupers. keh und kih verhalten sich gerade so, wie 
Kb-To und Yb-To, quis, quid. — Bon> altp. baga deus, in dieser 
bedeutung dem skr. fremd, mit defsen deca das littauische deicas 
stimmt, dafs solche einzelne aufsschliefsliche Übereinstimmungen 
zweier sprachen (vieles auf den ersten blick überraschende 
erweist sicli auch bei genauerer prüfung als nur scheinbar), auch 
wo sie unbestreitbar sind, doch für einen besonders nahen ver- 
wantschaflsgrad beider sprachen nicht mafsgebend sind, zeigt 
g-erade diefs letzte beispiel, wo zwei so nah verwante sprachen 
wie litauisch und slawisch dennoch so stark abweichen, über- 
haupt wäre es zeit nach so vielem was über diesen punkt ge- 
sprochen, davon zurückzukommen das lexicon als mafsstab des 
verwantschaftsgrades zweier sprachen in anwenduiig- zu bringen, 
deshalb vermag ich auch nicht in die ansieht Kuhns einzustimmen 
(indische Studien I. bd. Berl. 1851 pg. 323 f.), der zu der Ver- 
mutung neigt, das slawische möge „mit der indischen, oder 
wahrscheinlicher noch mit dem Zend und der persischen (spräche) 
längere Zeit in Verbindung geblieben sein als mit den übrigen 
indogermanischen." eine solche Vermutung kann ich blofs für 
das litauische und in geringerem grade für das germanische 
gelten lafsen. wenn Kuhn den slaw. genitiv auf -dro mit skr. 
-asja id. - ahe, allp. -ahja in Verbindung setzt, so hat das aller- 
dings seine riclitigkeit, nur möge man bedenken dafs diese 
endung nur im pronomen sich erhalten hat und nur scheinbar 
deshalb von so weiter aufsdenung ist, weil alle bestimmten 
adicctiva mit dem pronomen zusammengesetzt sind, da steht 
doch das griechische mit seinem -oio den Urformen viel näher, 
in der flexion der personalpronomina vermag ich nicht mit Kuhn 



— 14 — 

besonders nahe vervvantschan niil den asiatischen gliedern unseres 
spraclistamiiies aufzufinden, nur die von Kuhn selbst ziiirosfandene 
nicht unifafsendc kenlniss des slawischen und allerdings manches 
auf den erslen blick bestechende konte diesen aufsgezeichnelen 
forscher zu einer Vermutung verfüren, die zu gunsten des slawi- 
schen eine Versündigung vor allem an der .spräche der hellenen 
enthält. 

Das verhältnifs des slawischen zum lateinischen, griechischen 
und Sanskrit in der weise näher zu bestimmen, dafs die eine 
von diesen sprachen als dem slawischen näher stehend als die 
anderen bezeichnet würde, getraue ich mich nicht, was über 
die besonders nahe verwantschaft des slawischen mit dem grie- 
chischen und dem sanskrit in der leute mund hier zu lande sich 
wie eine art tradition fortpflanzt, ist weiter nichts als ein gerede, 
das auf keine wifsenschaftliche forschung gestützt einer Wider- 
legung nicht wert ist "")• niit griechisch und sanskrit teilt das 
ältere slawisch die beiden aoristformen, von allen dreien entfernt 
es sich durch einbufse der perfectreduplication. die lautliche 
entwickelung des slawischen weicht von jener der drei genanten 
sprachen stark ab, besonders deshalb, weil das slawische auch 
in seinen ältesten resten schon in hohem grade jene Verände- 
rungen zeigt, wie sie jüngeren sprachen eigen zu sein pflegen, 
was bei einer spräche deren altes !e reste (im kirchenslawischen) 
aus dem eilften jarh. n. Chr. stammer, füglich nicht anders 
erwartet werden mag. da auch das griechische nicht frei von 
jüngeren laulformationen ist, so zeigen sich in im änliche Vor- 
gänge — besonders durch den einflufs des j auf vorhergehende 
consonanten — wie im slawischen, die übrigens im laufe der 
zeit bei allen sprachen unseres Sprachstammes sich einzustellen 
pflegen, von der Verwandlung des s in h, ch und der dentalen 
vor t in * war schon die rede, mit dem latein und gothischen teilt 



*) bücher wie die von Danltovsky und anderes dergteichen ist mir wo\ 
bekant. es gibt solcherlei Schriften auch anderswo; dergleichen wird jedoch 
verdientermafsen ignorirt. 



— 15 — 

es den Verlust des aug-ments, besonders zum latein stimmt es 
durch den mangel an aspiraten und den seltenen gebrauch der 
diphthonge, die in diesen beiden sprachen eine ser eingeschränkte 
anwendung finden, ferner bietet die häufige Umschreibung des 
passivs im slawischen und die bildung des reflexiven (medialen) 
verbums durch das pronomen reflexivum tertiae personae für 
alle personen im slawisch-lettischen eine interessante parallele 
zur bildung des mediums und passivs im latein durch das gleiche 
mittel. Mit dem sanskril und zend teilt das lettisch - slawische 
im gegensatze zu griechisch, latein, gothisch die palatalen laute, 
besonders das f als Vertreter ursprünglicher gutturalen (c-bro, 
lit. szimtas, skr. ^atam zd. QcUem, gr. ixazöv lat. cenium, goth. 
hund. — Aec*tb lit. cleszimtis skr. da^an zd. dagan gr. Siy.a 
lat. dfcem goth. taihun. — ver-bipHie, lit. hetiiri skr. hafväras 

f 

zd. kathvärö lat. quatuor u. s. f) nur ist dabei zu berücksich- 
tigen, dafs im slawischen diese palatalen bereits zu dentalen 
herabgesunken sind {c ■=z s, v •=. tscli). 

Dasselbe palatale s spielt im umbrischen eine bedeutende 
rolle : j>ase ^ pace. — fagm ■==. facere u. a. wodurch ebenso wie 
in den angefürlen sprachen lautübereinstimmung mit dem slawischen 
entsteht, vgl. umbr. desen sl. AecATb zd. u. skr. dagan, decem. — 
die Wurzel jJers (denn diese form, nicht persc halte ich für die 
Wurzel; pers-clum abteilend) zd. pe7'eg lat. prec (precor) skr. 

r 

prak/i slaw. npoc (npocHiH). aufserdem steht das umbrische 
wie auch das oscische durchaufs in keiner näheren beziehung 
zum slawischen. ^'') 



*) Der versuch aufs den reslen der sprachen des alten Italiens eine 
slawische bevölkeninff desselben nachzuweisen, der früher schon inerfach 
gemacht ward (KollAr im casopis Ceskeho 3hiseum , Wofanski in mereren 
schriftenj, jetzt aber in einem umfafsenden werke, das demnächst erscheinen 
soll, angestellt wird, kann mit der grösten bcstimmtheit ;ils ein von vorne 
herein verkerter bezeichnet werden, die früheren in dieser richtnng ver- 
fafsten Schriften sind producta wilder ja oft wanwitziger Willkür und können 
höchstens als curiosa interesse erwecken, über das unter der presse befind- 
liche ,, slawische Italien" behalte ich mir vor eine aufsfürliche Kritik 
.seiner zeit zu geben. 



~ 16 — 

Besonders im äuge zu beluilten ist der schon mermals an- 
gedeutete umstand, dafs das slawische uns in einer jüngeren 
Formation vorliegt als s; nskrit, zcnd, griechisch, lateinisch und 
selbst gothisch und litauisch, bei der vcrgleichung mit diesen 
sprachen hat man immer die älteren formen erst zu erschliefsen; 
so ist die eigonschaft des slawischen , dafs kein wort auf einen 
consonanten aufslautet, nur eine folge dieser späteren Veränderung, 
die alle endconsonanten abwerfen liefs;ein Gort z. b. sieht einem 
ursprünglichen hagas gegenüber änlich wie ein ilal. dio dem 
lateinischen deus, neBo (coelum) dem skr. nahhas wie ital. corpo 
dem lat. corpus u. s. f. 

Aufser den halbvocalen «. u. ->, die aber, als ersichtlich erst 
im verlaufe der zeit entstanden wol nicht unter die eigentüinlich- 
kciten des slawischen gerechnet werden dürfen, die wir bei im 
vorfinden würden, wenn wir slawische denkmäler.von bedeutend 
älterem datum als die vorhandenen hätten, finde ich aufser 
lexicalisohen eigentümlichkeiten, wie sie von den indogermanischen 
sprachen jede nach irer art bietet, im slawisch-lettischen nur die 
declination des bestimmten adjectivs mit dem pronomen h, ji als 
nur dieser sprachfanülie zuTvonmiend vor und dem slawischen 
ganz allein ist eigentümlich die auffafsung der datier der Zeit- 
wörter, wornach diese in dauernde und momentane zerfallen, der 
art, dafs letztere gar kein praesens haben können, die praesens- 
form futurbedeutung hat und somit den mangel eines nicht um- 
schriebenen futurums teilweise ersetzt, hiermit zusammenhängend 
ist die art und weise im slawischen aufs einer verbalwurzel 
verschiedene stamme zu bilden, die in ganz entsprechender weise 
sich bei keiner der schwestersprachen vorfindet, die anderen 
speciell slawischen eigentümlichkeiten , wie der gebrauch der 
genitivform bei belebten masculinen für den accusativ, wie über- 
haupt der scharfe unterschied zwischen belebtem und unbelebtem 
masculinum, wodurch gewifsermafsen vier genera entstehen, sind 
mer oder rainder erst eigentum der neueren spräche; allenfalls 
dafs die declination der masculina mittels eines vor die casus- 
endung tretenden c analog- dem deutschen n in der schwachen 



— i7 — 

declination als eine alte slawische eigentümlichkeit noch in rech- 
nung gebracht werden darf, das meiste andere findet wol da 
oder dort seine analogie, wenn auch eben durch die zusamtrien- 
steilung solcher momente ein ser scharf von allen verwanlen 
sprachen sich absetzendes sprathgebäude entsteht, besondere 
beachtung verdient das part. praeter, act. auf-A-h, -aj, -ao urspr. 
-las, -lä, -lam, selbst dem lit. fremd. Es ist überhaupt eine 
schwierige aufgäbe die eigentümlichkeiten einer spräche in worte 
zu fafsen und deshalb mag noch der folgende versuch die laut- 
verhältnisse des slawischen numerisch zu fixiren und mit denen 
der anderen europäischen schwestersprachen zu vergleichen hier 
eine stelle finden, wir werden so gleichsam im voraufs die 
sunune von dem überblicken, was uns später die lautiere einzeln 
vorrechnen mufs. 

Das folgende steht in engem zusammenhange mit einem 
beachtenswerten aufsatze von Förstemann in der Zeitschrift für 
vergl. Sprachforschung, Berl. 1851, hefl II. pg. 163 ff. über 
„numerische lautverhältnisse im Griechischen, Lateinischen und 
Deutschen." die ergebnisse Förstemanns, die sich mir bei teil- 
weise angefteliter controle als richtig ergaben, neme ich hier 
herüber und geselle inen die im altslawischen gefundenen bei. 
auch die art und weise der Untersuchung danke ich Förstemann. 
Ob diese meihode fördersam für dus genauere erforschen sprach- 
licher Verhältnisse sei, lert die vergleichung des hier gefundenen 
mit den einzelergebnissen im späteren verlaufe unseres Werkes, 
eine rechtfertigung derselben kann man bei Förstemann a, a. o. 
finden, es iit übrigens nicht zu leugnen, dafs durch solche 
zälung sich vieles scharf heraufsslellt, v\ as sonst leicht übersehen 
werden kann. Gehen wir von dem grundsatze aufs, dafs ursprüng- 
lich das lautverhältnifs in allen indogermanischen sprachen um 
so mer übereinstimmend gewesen sein mufs , als sie noch der 
gemeinsamen mutter nahe standen — und die lautverhältnisse 
dieser gemeinsamen mutlersprache annähernd zu ergründen halte 
ich nicht für unmöglich und erkenne darin erst die wäre basis 
aller solchen Untersuchungen — so mufs uns ein auffallend von 

2 



— 18 — 

dem der übrigen sprachen abweichendes ergebniss z. b. ein 
bedeutender üborschufs an s-laiifen zu der anname leiten, dafs 
hier viele «-laute unursprünglich sind, man darf dann nur die 
Ziffern der übrigen consonanten durchlaufen, um gewiss hier auf 
ein entsprechendes deficit — beispielsweise von ^-lauten — zu 
stofsen und man wird so im allgemeinen zu dem resultate kom- 
men, dafs in der und der spräche, in welcher sich ein solches 
verhältniss heraufsslellt viele f-laule in Ä-laute übergetreten sind, 
ein resultat, zu welchem die historische untersucliung der laute 
den nachweis auch gewiss nicht schuldig bleiben wird, indem 
ich so die arithmetische methode als ergiinzung der historischen 
für wol berechtigt erachte, stehe ich nicht an das hier mitgeteilte 
für einen blofsen anfang zu erklären, den ich jedoch für weiterer aufs- 
bildung fähig halte, besonders wichtig wäre es z. b. diewurzcl- 
sylben von den grammatischen endungen bei der lautzälung zu 
sondern ; die vergleichung der auf diese weise gefundenen 
resultate unter einander und mit den durch abzälung der ganzen 
Sätze gefundenen würde manches nützliche ergebniss liefern. 

Sanskrit und zend habe ich leider vveglafsen müfsen. letzleres 
wäre besonders von interesse gewesen. 

Sämmtliche slaAv. stellen sind dem codex ostromir. ed. Wosto- 
kow entnommen, gevvält wurden solche salze, die entweder keine 
nomina propria enthielten, oder aufs denen sie doch leicht weg- 
gelafsen werden konten. eben so sind stellen, in welchen, wie 
so häufig im N. T. Wiederholung derselben werte stattfindet, 
möglichst vermieden, ich habe mich zur genüge überzeugt, dafs 
bei so getroffener vorsieht die resultate der zälung — nicht nur 
im slawischen — bei verschiedenen salzen im ganzen gegen alle 
erwartiing merkwürdig wenig variieren. 

Die assibilaten v und ^ sind als einfache laute gerechnet, 
iji d. i. lUT als zwei laute (so wie das parallele mediale mx) oy, 
-e, -bi, A, ;r. als einfache vocale t,, b als volle vocale, was sie 
einst unftreitig waren, die endung der bestimmten adiectiva im 
nom. masc. sing, bi ist jedoch nach der im ostromir vorherr- 
schenden Schreibart als -bm gezält. m, k;, k), ia, m gelten 



— 19 — 

als ja, je u. s. w. also als consonant mit vocal, h ist dag-egen 
überall als vocal nicht als ji angesetzt; wo e gleich i« ist, ist 
letzteres gerechnet, überhaupt alles auf die organische Ortho- 
graphie reducirt (also z. b. >. u. b so scharf als möglich ge- 
schieden u. s. w.)- 

Nach diesen grundfatzen gezält ergibt sich nun dafs im kirchen- 
slawischen unter hundert laufen 50 Vo consonanten 497» vocale 
sind, die anzal der vocale ist also nahezu der der consonanten 
gleich wärend die vocale im griechischen etwa % im latein V5 
im gothischen 7io ^^^ anzal der consonanten bilden, hier die 
Übersicht: 

slaw. griech. lat. goth. 

voc. 49 V„ 46 44 41 

cons. 50 y„ 54 56 59 

Diels resultat ist herbeigefürt durch den abfall der conso- 
nantischen aufslaute, unter denen das nominativ -s oben an steht, 
rechnen wir b u. b ab, was für das neuslawische geschehen 
mufs , so stellt sich das verhältniss freilich anders , denn unter 
1000 vocalen finden sich b u, b 199 mal, sie bilden also 7^ der 
gesammten vocale. diefs angenommen gäbe für das neuslawische 
etwa ein verhältnifs von consonanten und vocalen Avie im gothi- 
schen, doch darf man nicht alle h, b abrechnen, da ein teil der- 
selben in den jüngeren sprachen durch vollen vocal ersetzt wird, 
meine oben niilgeleilte rechnung beruht auf der abzälung von 
2000 lauten, die höchste anzal von consonanten unter hundert 
lauten war 55 (also 45 vocale) die geringste 47. man sieht 
hieraufs wie constant das verhältniss von consonanten und vocalen 
auch im einzelnen sich zeigt. 

Der tabelle, welche Förstemann über das verhältniss der 
griechifchen lateinischen und gothischen consonanten gibt, füge ich 
liier die slawischen bei. obwol ich es lieber gesehen hätte, wenn 
z. b. 1/;, I, X als wö-, x(7, ks gerechnet, der spir. asper mitgezält wäre 
u. s. f., so konte ich vor der band doch keine neue berechnung 
anstellen, indessen werden sich uns auch so brauchbare resultate 

2* 



— 20 — 

ergeben, wo sich keine Ziffern finden, da feit der consonanl in 
der betreffenden spräche. *) 







griechisch 


lateinisch 


gothisch 


slawisch 


X, C, 


K 


6 


7 


1 


3,9 


7^ g^ 


r 


1 


2 


3 


4,3 


X, golh. 1 


1, 


1 





8 




r, t, 


r 


15 


16 


4 


10,7 


ö, d, 


A 


4 


6 


5 


6,4 


lO-, golh. 


th, 


3 




11 




^, P, 


n 


9 


5 





3,2 


i?, b, 


B 


1 


2 





3,5 


<r. f» 




2 


1 


3 




r, n, 


H 


18 


14 


18 


8,7 


/<, ni, 


».1 

X 


4 


12 


9 


6,3 
1,5 


h,Clat.)- 


**) 


1 






j, 


Ul 







6 


6,9 
5,1 
3,9 


?, s, 


c 


21 


15 


12 


8,7 


goth. z, 


? 






2 


1,8 


V, 


B 




2 


7 


9,1 


e, r, 


P 


7 


10 


8 


6,8 


^, 1, 


A 


6 


4 


3 


6,2 


f, X, 




1 








qu, 






3 







r, 


V 


1 






0.8 

9 


V, 















100 


100 


100 


100 



*) Da Förstemann alle procente auf ganze zalen reducirt hat, so bedeutet 
bei im ein dafs der consonant weniger als '/, procent sämtlicher conso- 
nantischen laute bilde. 

**) hier feit der spiritus asper im griechischen. 



— 21 — 

Das slawische sieht dem gothischen in seinen consonanten- 
verhälinifsen noch am nächsten, obwol es von allen dreien be- 
deulend abweicht, entscheidend sind die Ziffern bei j, v. die 
abweichung in betreff der miitae ist hauptsächlich durch die 
laulverschiebung bedingt. 

Die dentalen niutae sind auch im slawischen die zalreichsten 
wiewol minder auffallend als in den anderen sprachen. 

Die aspiraten feien im latein und im slawischen gleicher- 
weise, das güthische hat sie am meisten — wiewol hier f u. h 
schon zu Spiranten herabgesunken sind. 



Vocale 






griechisch 


latein 


goth. 






slawisch 


rc, a, 


d 






17 


16 


35 






12,7 


t, rj, e, 


e 


s 

V 


19 j 
13 i 


32 


24 


4 






13,4 


0, CO, 0, 


o 



(0 


13j 
6j 


19 


14 


4 






13,4 


i, i, 


H 






7 


27 


18 






20,4 




i> 
















6 


0, Ol', U, OY, -1 


!<i 


V 6| 
Ol' 5' 


i" 


16 


9 


OY 
•bi 


2, 

3 


^j 5,5 




T» 
















13,9 


ai, ai, 








6 





12 








ei, ei, 








4 





6 








Ol, 








2 












av, au, 








1 


i 


11 








fr, eu, 








1 













ae, 










2 










> iu, 












1 








vt, 


-h 

















4,3 
4,3 
6,1 



100 100 100 100 



— 22 — 

Diese labeile gibt uns zu einigen bemerkungen anlaf^, in 
welchen wir aber nur die auflalligsten ziffervcrlialtnisse derselben 
in bezug auf das slawische besprechen wollen. 

k ist im slawischen nur mit etwa 4 % vertreten, im grie- 
chifchen und lateinischen mit 6 u. 7, weil ein teil der ur- 
sprünglichen k in M u. V übergegangen (golhisch 1 "/o ^^^ 
folge der lautverschiebung, die ursprünglichen k stecken in den 
8 7„ A). 

g ist slärker im slawischen vertreten in folge der häufigen 
genilivendung der prononunalen <leclination -.iro. 

Die aspiralon und die spirüns h feien. 

Nasale hat das slawische aufl'HlIend wenig; n u. m zusammen 
bilden im griechischen 22, lat. 26 golh. 27 slawisch aber nur 
14 procenl, sie stecken in den nasalvocalen a, ;.. ; auch im grie- 
chischen ging auf analoge weise durch auflösung ein teil der 
nasalconsonanten verloren. 

j hat es aufser dem golhischen (6 7o^ allein (fast 7 "/o)- 

jf auffallend wenig (gr. 21, lat. 15, goth. 12, slaw. 8,7 7o) 
was vor allem durch das gänzliche schwinden des nominaliv -*, 
des -s im genitiv sing, und im nominativ plur. bedingt ist. 
es würde noch Aveniger s haben, wären nicht ursprünglich andere 
laute im slawischen bisweilen durch s vertreten. 

o hat es mer als die verwanten sprachen, golhisch 7 % steht 
dem slawischen 9 7o noch am nächsten. Ursache: die häufige 
den anderen sprachen fremde anwendung des pronominalen ele- 
nients ß (ob-h) in declination, nominal- und verbalbildung. 

r und / stehen sich im slawischen an häufigkeit fast gleich, 
wärend in den verglichenen schwcstersprachen das r häufiger ist 
als das /. diefs komt daher, dafs viele r im slawischen durch / 
vertreten sind, alles diefs wird die lautlere historisch aufzeigen ; 
ich gehe hier nicht auf genauere erörterungen ein und wollte 
nur durch einige flüchtige andeutungen zeigen, wie die arithme- 
tischen ergebnisse treu zu denen der historischen Untersuchung 
stimmen. 



- 23 — 

Durch den fast gänzlichen mangel an diphlhongen (nur t 
ist mit 6,1 vertreten) stimmt das slawische zunächst zum lalein 
(wo die diphthonge 3 7o aufsmachen). 

Das slawische zeigt unter allen am wenigsten das a, ein 
beweis dafs sich sein vocalsystem am weitesten vom ursprüng- 
lichen entfernt hat, wie es ja auch in anderer beziehung sich 
als jüngere spräche zu erkennen gibt, übrigens haben schon die 
anderen hier verglichenen sprachen ungleich weniger a als das 
Sanskrit, am meisten a hat das gothische. im slawischen stecken 
die a, aufser, wie in den verwanten sprachen, griechisch, latein und 
gothisch, in o, e und teilweise im i, besonders in -b und ?<.. 

An häufigkeit der 2-vocale (h -|- b r= 26,4 %) steht das 
slawische dem latein fast gleich (27 7o) wärend die anderen 
sprachen ungleich weniger haben. 

Die älteren vocale a, i, u sind unter allen am schwächsten 
im slawischen vertreten, hier nemen die jüngeren vocale e, o, 
•b, b, ;r,, A, -bi den bei weitem grösten teil des vocalismus ein. 
wir haben so ein mittel die altertümlichkeit des vocalsystems 
auf einen arithmetischen aufsdruck zu bringen — von den diph- 
thongen sehen wir ab, da sie aber zum teil im slawischen wieder 
einfache vocale geworden sind, so wird der arithmetische aufs- 
druck eher zu hoch als zu niedrig aufsfallen. 

gothisch lateinisch griechisch slawisch 
ältere vocale 62 59 30 35,6 

jüngere vocale 8 38 51 58,3 

Besonders mit berücksichtigung des eben bemerkten stellt 
sich also das vocalsystem des slawischen als das am wenigsten 
ursprüngliche heraufs. 

Folgendes ist das verhältnifs der hellen laute (i, e, b, ,*, der 
palatalen) zu den dunkclen (a, o, u, -bi, -b, ;r>). 

gothisch griechisch slawisch lateinisch 
dunkele vocale 48 47 49,8 46 

palatale vocnle 22 39 44,1 51 

Das lateinische übertrifft also an zal der hellen laute noch 
das slawische, bei welchem sie übrigens in so grofscr anzal 



— 24 — 

vorhanden sind, dafs sie besonders in der jüngeren spräche jene 
menge von Sibilanten und afsibilaten erzeugen konten, die den 
slawischen sprachen das verschriene gepräge des zischenden 
geben, im latein Avaltel besonders das i allein vor (27 %)• 

Bemerkenswert ist im slawischen das schwinden des reinen 
tt-lautes. vindicieren wir auch diese aufssprache dem oy, so ent- 
hält deren doch die spräche nur 2,5, ein verhältniss, das sich 
in keiner der schweslersprachen wiederfindet. 

Wir sahen oben dafs das slawische am meisten unursprünff- 
liche vücale hat. versuchen wir eine Schätzung der consonanten 
in dieser beziehung, so ergibt sich uns ein gleiches resultat. 
das slawische hat besonders die assihilaten ^, v, dann m ferner 
die hellen Zischlaute n;, /, endlich ein gut teil der c und wol 
sämmtliche x als uuursprünglich. im guthischen sind aufser dem z 
besonders die verschobenen stummlautc secundär. im griechischen 
finden sich ebenfalls mer später gewordene laute als im latei- 
nischen, welches wol am starrsten unter den europäischen sprachen 
des indogermanischen sprachstammes die alten consonantenver- 
hältnisse erhalten hat, hier ist namentlich in h und f unursprüng- 
liches zu suchen. 

Folgen wir schliefslich Hrn. Förstemann a. a. o. um den 
unterschied in der lautmischung zwischen dem slawischen und 
den anderen sprachen zu bestimmen, freilich geschieht diefs nur 
»nnälicrungsweise, doch hat auch ein solches ergebniss einigen 
■wert, wie Avir schon daraufs abnemen können, dafs es mit von 
sonsther gewonnenen resultaten stimmt, das verfaren ist folgendes : 
man sucht in der tabelle der laute, consonanten und vocale, bei 
jedem laute die differenzen zwischen je zwei sprachen auf und 
addirt dieselben, z. b. k hat griecli. 6 lat. 7 goth. 1 slaw. 4 
(um zu vereinfachen sind alle decimalen über 6 als 1 alle unter 
4 als gerechnet und nur die zalen 4, 5, 6 als % "^ rechnung 
gebracht worden) die differenz zwischen griechisch und latein 
ist also hier 1, zwischen griechisch und gothisch 5 zwischen 
latein und gothisch 6 zwischen griechisch und slawisch 2 
zwischen latein und slawisch 3 zwischen ffothisch und slawisch 3 ; 



— 25 



so verfärt man weiter und addiert, ergebniss ist fuig-ondes (auch 
hier ist nur das slawische von mir zugefügt, das übrige nach 
Förstemann) : 





griechisch und lateinisch 


lateinisch und slawisch 


cons. 


46 


65% 


voc. 


64 


68 




HO 


133% 




lateinisch und gothisch 


griechisch und slawisch 


cons. 


78 


80% 


voc. 


96 


95 




174 


I75V2 




griechisch und gothisch 


gothisch und slawisch 


cons. 


80 


73 V„ 


voc. 


102 


111 



182 



% 



X, h, '/ sind als eins gerechnet, der spiritus asper im grie- 
cliischen, der nicht in rechnung gebracht ist, würde die dilTerenz 
zwisciien griechisch und sla\Aisch erhöhen, die vocale machen 
als der beweglichere teil der spräche die hauptdifferenz. die 
vocale sind es vorzüglich, welche die differen/. zwischen go- 
thisch und slawisch zu so hoher Ziffer erheben, hauptsächlich 
die einfachen vocalverhältnisse und der mangel der aspiration 
verursachen die niedrige differenzziffer zwischen lateinisch und 
slawisch. für den wifklichen verwantschaftsgrad geben diese 
Ziffern natürlich keinen mafsstab — lautlich können aufserdem 
ser verwante sprachen in hohen Ziffern differieren, unverwante 
nahezu stimmen, bei der Schätzung der differenzziffern mufs man 
sich immer gegenwärtig halten, dafs die äufsersten grenzen der- 
selben lautidentität = und Verschiedenheit aller laute rzr 400 
ist, zwischen diesen — in Wirklichkeit wol nie vorkommenden — 
punkten ist die scala, von welcher obige Ziffern einzelne grade 
anffeben. 



n. 



Das Kirclieiislauische in seinem verhäHiiisse zu den 
übrigen slawischen dialeeten. 

Über die stcllimg^, welche das Kirchenslawische in der sla- 
wischen Sprachenfamilie einniml werde ich hier kurz sein, es 
gehört die aufsfürliche erürterung dieses gegenständes mer in 
ein auf das slawische sich beschränkendes werk, als hierher, wo 
nur das slawische in seinem Verhältnisse zu den indogermanischen 
schwestersprachen, nicht aber die slawischen dialecte in irem 
gegenseitigen Verhältnisse zweck der darstellung sind, nur für 
den, der etwa aufs diesem buche sich zuerst mit dem slawischen 
bekant zu machen sucht, sei das mitgeteilt, was über die kirchen- 
slawische spräche in ireui Verhältnisse zu den übrigen slawischen 
dialeeten zu \\ifsen am nötigsten ist. 

Im folgenden habe ich vor allem benutzt Safafiks slawische 
ethnngraphie (slovansky närodopis, v Praze 1849 IH. vydäni), in 
welchem werke sich die resultate der umfafsendsten Studien kurz 
zusammengestellt finden, auch verdanke ich manches über die 
älteste geschichte des kirchenslawischen mündlichen mitteilungen 
desselben grofsen gelerten, der so eben (September 1851) für 
die geschichte der literatur und schrift des kirchenslawischen 
höchst wertvolle denkmäler drucken läfst, deren heraufsgabe wol 
bis zur Vollendung dieser schrift erfolgt sein wird- 

Ehe ich zur einteilung der slawischen dialecte mich wende 
habe ich noch eine nicht selten bei minder kundigen gellende 



~ 27 — 

ansieht zu widerlegen, die nämlich, als ob die kirchenslawische 
spräche die niutter der heutig-en slawischen dialecte sei, etwa 
wie die lateinische die der romanischen, das sanscrit die der 
pracritsprachen. genärt wird solche falsche ansieht durch den 
unpassenden namen altslawisch, den man dieser spräche zu geben 
pflegt, das kirchenslawische, die spräche, in welche die slawen- 
apostel Cyrill und Method und ire nachfolger bibel und andere 
religiöse werke übertrugen, kennen wir aufs handschriften, die. 
mit Sicherheit nur bis etwa in die mitte des eilften jarhunderts 
hinaufreichen, müfsen wir nun auch anerkennen, dafs diese 
spräche dieselbe sei, welcher die slawenapostel und ire nachfolger 
sich in iren Schriften schon seit der zweiten hälfte des neunten 
jarliunderts bedienten , so ist dennoch auch für diese ältere zeit 
die coexistenz anderer slawischer dialecte teils wirklich nach- 
weisbar, teils aufs sprachgeschichtlichen gründen unleugbar, diese 
können also nicht aufs jener sich heraufsgebildet haben, es 
reiclen namentlich die böhmischen handschriften bis ins zehnte 
jarhundert zurück *), die carantanischen monumenta Frisingiana 
(in Kopitars Glagolita Clozianus mitgeteilt) ebenfalls, und diese 
letzteren tragen schon unleugbar das characteristische gepräge 
der heutigen spräche und unterscheiden sich gerade in den ent- 
scheidenden punkten scharf und consequent vom kirchenslawischen, 
ebenso reichen serhische denkmäler vielleicht noch höher hinauf 
und abgesehen von alle dem ergibt sich aufs vergleichender 
betrachtung der verschiedenen dialecte dafs der kirchenslawische 
keinesweges solche formen zeige, aufs welchen sich die der 
anderen dialecte entwickeln konten, dafs die formen der jetzigen 
dialecte nicht auf die kirchenslawischen als ire gemeinsame grundlage 
zurückweisen, sondern vielmer dafs aufs einer allen gemeinsamen 
grundlage, die jedoch nur erschlofsen werden kann, jeder dialect 
sich in seiner weise heraufs bildete, so macht z. b. aufs der 



*) auch abgesehen von der angezweifelten handsrlirifi des lilinSin sond. 
die bruchstiicke der inlerliucarversion des evang. Johannis aufs dein zelinten 
arh. sind durrhaufs unverdäclilig. 



— 28 — 

zu gründe liegenden furin des parlicip. praesent. acliv. (ncmen 
wir z. 1). die wurzol hbc tragen) ne<;an{ts) femin. nerantji das 
kirchenslawische Hecbi, Mecrt.unH; das serbisch - iilyrisclie nesuc 
(nur eine l'orin, dem allen feminin entsprechend); das russische 
iieca, Hec^qii; das polnische (nur eine form) nesqc; das böhmische 
nesa, nesouc. 

Wir haben demnach im kirchenslawischen einen den jetzt 
.noch lebenden coordinirten dialect vor uns, aber welchen? auf 
diese frage gibt es bis jetzt zwei abweichende antworten. Do- 
browsky nam es für die muttersprache Cyrills also lür thessalo- 
nikisch bulgarisch, Kopitar dagegen vindicierte sie den Carantanern; 
eben so teilen sich die neueren: Safarik erklart das kirchen- 
slawische ebenfalls für altbulgarisch, Miklosich dagegen für alt- 
slowenisch — lingua palaeoslovenica. die beweise indessen, die 
Kopitar und Miklosich für Ire ansieht beibrachten, erscheinen mir 
nicht stichhaltig, dagegen für die entgegengesetzte ansieht dafs 
das kirchenslawische die spräche der alten bulgaren sei unum- 
stöfsliche tatsachen zu sprechen, vor allem gewisse nur diesem 
dialecte zukommende eigentümlichkeiten, die sich im sonst ser 
entstellten neubulgarischen erhalten haben (so m i und ;i;a aufs r 
und A erweicht) — also sprachliche gründe, und zweitens histo- 
rische gründe. Cyrill und seine slawischen mitarbeiter waren 
bulgaren ,warum hätten sie nicht in irer spräche schreiben sollen 
zumal sie bei den anderen slawischen dialecten noch keine Schrift- 
sprache vorfanden, ire spräche aber jenen volkommen verständlich 
war. denn zu jener epoche wichen die dialecle noch nicht so 
stark von einander ab, als heute zu tage, ferner wird in allen 
denkmälern aufsdrücklich bemerkt , dafs sie bücher schon aufs 
Constanlinopel mitbrachten, w enngleich zugestanden werden mufs, 
dafs die Schriften gröslenleils aufserhalb des srebietes der bul- 
garischen spräche verfafst wurden, man bediente sich fortwärend 
derselben spräche, das steht fest, und von anfang an kann es 
nur die bulgarische gewesen sein, dafs später diese spräche 
dialectische färbung annam, kann natürlich nicht bestritten werden, 
unmöglich aber wäre es anzuneinen dafs die characleristischcn 



— 29 — 

zeichen des bulg-arischen erst später mit dieser conseqnenz wären 
hinein corrigirt \\ürden. wie kämen z. b. die bulgai ismen in 
den codex suprasliensis, der doch nach Miklosiclis urteil in ipsa 
linguae palaeoslovenicae patria geschrieben? wir halten demnach 
unbedenklich die spräche, die wir als die altertümlichste in diesem 
werke allein berücksichtigen für altbulgarisch und wenden uns 
nunmer zu einer kurzen Übersicht der slawischen dialecte, in 
welcher denn auch das kirchenslawische seine stelle finden wird. 
Die sämmtlichen slawischen dialecte zerfallen in zwei ablei- 
lungen, die sich durch iren ganzen typiis, aber auch durch be- 
stimmte lautgesetze von einander sondern, die s ü d 1 i c h - ö s 1 1 i c h e 
und die westliche, solcher lautgesetze zält §afafik a. a. o. 
drei auf, nämlich 1) vor f bleibt in den westlichen sprachen das 
ursprüngliche d und /, in den anderen fällt es aufs: böhm. oia- 
dfo ksl. o()j-Ao, (iQo-TQov, ara-trum von ora-ti, opj-iH arare, 
diese endung -ao, -dlo zzi -trum, -tqov ist ser häufig; hja-h 
böhm. pad-f von der wurzel päd, cadere, mit der endung des 
partic. praeter, activ. -at,; riAeA-b böhm. pletH, gleiche form von 
der w. plet, plectere. dasselbe findet 2) vor n statt: rufs. Banymb 
böhm. vadnouti von d. w. bh^, V)ad -\ — nymb, nouii 3) nach den 
labialen consonanten schalten die südlich-östlichen sprachen vorj 
(d. i. w, xff. etc.) und b (für _/->,) / ein, die westlichen nicht : ^guam poln. 
ziemia, terra; KopjBAb poln. böhm. Jwrab' , nauis. AOBAtm, capto, 
fange, für AOBtrti. merere an bestimmten Wörtern haftende unter- 
schiede übergehe ich. 

Zu der südUch - östlichen abteilung gehört 1) das Rufsische 
mit drei dialecten, dem grofsrufsischen, kleinrufsischen und weifs- 
rufsischen; 2) das Bulgarische, dessen ältere epoche nach unserem 
dafürhalten eben in dem Kirchenslawischen vorliegt, 3) das 
Illirische sich teilend in den serbischen (illyrischen) und slowe- 
nischen dialect (letzterer umfafst das windische oder krainerische, 
kärnthnerische und steirische) "'^) ; zur westlichen i) das Polnische 



*) Illyrisch und serbisch sind nur dem nanien und der schrift nach ver- 
schieden, ersteres wird mit lateinischen letzteres mit cyrillischen lettern ge- 



— 30 — 

2) (Ins Böhmische oder Cethische, wo iiriincntlich d.is slowakische 
in Ungarn als ins altertümliche abweichender dialect hervorzu- 
heben 3) das Sorbische oder Lausitzische — ober- und uuler- 
lausitzische — und endlicii 4) das aufsgestorbene Polabische 
(Elbeslawische), die unterdialecte mögen hier unerwähnt bleiben. 



Von der kirchenslawischen Schrift. 

Eine schriftlere hier zu geben liegt nicht in meiner absieht, 
eine solche hätte auch iren platz mit mer fug nach der lautlere. 
das genauere demnach dem speciell slawischen forscher über- 
lafsend bemerke ich hier nui einiges allgemeine. 

Das alphabet, dessen wir uns hier bedienen, welches über- 
haupt das in den druckereien allein vorhandene ist, ist das 
cyrillische, erfunden von dem slawenapostel Cunstantin, der später 
den namen Cyrill annam (827 — 869) nach Safafiks Vermutung*) 
ende 861 oder anfangs 862 in Constantinopel zum zwecke der 
Übersetzung der heil, schrift. dafs in dieseui alphabete das grie- 
chische zu gründe gelegt ward , lert gestalt und anurdnung der 
buchstaben. besonders bemerkenswert ist der umstand dafs der 
im slawischen so häufige consonant j in diesem alphabete feit, 
woran unzweifelhaft das feien dieses lautes im griechischen 
alphabete die schuld trägt — j wird gegeben durch Verschmelzung 
des i mit den folgenden vocalen, wodurch so viel zeichen nötig 
werden, als es vocale gibt denen j vorausgehen kann, in diesem 
alphabete sind die meisten ältesten handschriften geschrieben und 



schrieben, das kroatische ist kein selbständiger dialect da „das provincial- 
kroatische nur eine fortsetzung des slowenischen, das niiiitärgränz-kroatische 
aber vom serbischen oder illyrischen fast nur nominell verschieden ist" 
Miklosich in Safarik's gutachten über dessen slawische lautlere, Sitzungsber. 
der kais. academie d. v.iss. 1851 M. bd. 4. u. 5. heft, p. 540. 

^■) Rozkwet slowanske literatury v Bulharsku. Casopis ceskeh« Museum 
1848. rocn. XXII. dil I, sv. 1. pg. 6. 



— 31 — 

es bodienen sich desselbon die slav.en griechischen ritus in iren 
gollesdienstiichen Schriften. 

Neben diesem alphabete besteht nun bei den Slawen hitei- 
nischen ritus und findet sich auch in niereren alten handschriften 
ein anderes aufs ser ungefügen schriftzeichen zusammengesetztes 
aiphabet, das glagolitische, man findet dieses aiphabet so wie 
aufsfiirliclie abhandlungen über dafselbe in der aufsgabe des 
Glagolita Clozianus von Kopilar. dieses aiphabet nent man wol 
auch das hieronymische, weil man seine erfindung falschlich 
dein h. Hieronymus (gest. 420) zuschrieb, auf die spraclie Iiat 
die anwendung des einen oder des anderen alpliabets soviel als 
keinen einflufs. Dobrowsky (und nach im andere) hielt diefs 
alpliabet für das product einer pia fraus, durch welche die im 
j. 1060 von einem concilium verdammte slawische liturgie wieder 
eingefürt wurde und setzte die erfindung desselben zwischen 
1060 — 1222; später setzte er erfindung und einfürung noch 
weiter herab ins 13te — 14te jarh. Kopitar dagegen suchte 
darzutun dafs dieses alphahet mindestens eben so alt sei, als das 
cyrillische, so viel ist auch gewiss dafs Dobrowsky u. a. diefs 
zweite slawische alpliabet für zu jung erklärten dafs es alle 
handschriften in diesem alphabete gebe läfst sich nicht ableugnen, 
indess feit hier noch so viel an Sicherheit der ergebnisse, dafs 
ich mir nicht erlaube über diesen punkt auch nur annähernd 
eine meinung aufszusprechen. nur soviel bemerke ich, dafs bis 
jetzt keine glagolitischen handschriften behaut sind mit datum ; 
wer in solchen diplomatischen dingen auch nur einige erfarungen 
gemacht hat, weifs nur alzuwol wie schwierig es ist handschriften 
ire zeit genau zuzuweisen, wenn sie nicht datirt sind, bemer- 
kenswerte angaben über diesen strittigen gegenständ finden sich 
in handschriften, deren druck demnächst zu erwarten steht. 

Vom historischen ganz absehend weise ich nur auf folgendes 
hin. Die vergleichung beider alphabete ergibt als ganz unzwei- 
felhaft sicheres resultat dafs das eine dieser alphabete aufs dem 
anderen entstanden ist, eines dem andern zu gründe liegt, die 
anordnung beider ist dieselbe, bis auf unbedeutendes haben 



— 32 - 

beide die spräche in dieselben elemenle zerlegt, d. h. sie haben fast 
gleich viel zeichen, was doppelt schlagend ist, da diese Zerlegung 
durch den mangel des j eine höchst eigenlündiche ist — beide 
alphabete enlberen auf gleiche weise eines Zeichens für diesen 
im slawischen so wichtigen laut, endlich zeigt die gestalt der 
buchstaben mer oder minder deullich , oft aber augenfällig, 
dal's des glagolitische sich durch seltsame verzen-unü- und ver- 
schnörkelung vom cyrillischen unterscheidet, ich weise hier nur 
auf die buchstaben a, e, a:, a, n, r, <\> hin, die diefs besonders 
schlagend dartun; besonders beliebt ist im glagolitischen das 
anbringen von Vierecken oder ungenauen kreifsen an den buch- 
staben so bei A, A, T, <t) u. a., andere zeichen scheinen geradezu 
aufs dem cyrillischen in das glagolitische herübergenommen, so 
das lu. es steht mir fest, und das denke ich mufs sich jedem 
unbefangenen betrachter beider alphabete aufdrangen, dafs das 
glagolitische eine absichtliche höchst geschmacklos aufsgefurte 
Veränderung des cyrillischen alphabetes ist, eine schwerlälligere 
und ungefügere schrift als das ältere glagolitisch, ist mir noch 
nie vorgekonmien. kein unbefangener schrifterfinder fördert 
solche monstra zu tage. 

Mir gilt also das glagolitische alphabot für unzweifelhaft 
secundär, im liegt das cyrillische zu gründe, und solte es auch 
den tag nach Vollendung des letzteren angefertigt worden sein, 
diefs ist in der kürze meine ansieht über das Verhältnis» der 
beiden slawischen alphabete. für den zweck dieses buches hielt 
ich eine genauere analyse des alphabetes für unpassend auch 
möchten uns vielleicht in zukunft erwünschte historische belege 
zu dem aufs der schrift sich ergebenden zu teile werden. 



liUiitlere. 

Es soll in der lautlere hier vorzüglich das verhältuiss dar- 
gelegt werden^ in welchem die slawischen laute zu denen der 
schwestersprtichen stehen, die nur auf slawischem boden heimi- 
schen lautgesetze müfsen hier also nur desshalb zur spräche ge- 
bracht werden, weil sie für die erkentniss jenes Verhältnisses 
von Wichtigkeit sind, das genauere über die slawischen laut- 
gesetze siehe bei Miklosich, wo ich von diesem forscher in der 
aufFafsung und erhlärung von laulerscheinungen abzuweichen mich 
genötigt sah, habe ich meist meine ansieht im gegenüber zu 
begründen gesuclit. 

Die einteiluns- der slawischen laute zeist folgende tabelle. 



Consonanten 



Einfache consonanten 



Mutae 



teil, med, 



Spiran- 
tes 

med. 



len 



Conso- 
nant. 
Diph- 
thonge 
teil, med 



Vocale 



guttur. 



pabit. 



linsfu. 



deiit. 



lab. 



X 








j 


III ;t; 




(J 


c l. 


H 


- 


K 




o ;ft 



ov 1' 



— 34 — 

Die reihe der stummlaute beschränkt sich auf die ursprüng- 
lichsten, die aspiraten feien, sie sind der Übergang zu den con- 
sonantischcn diphthongen und secundär. secundär und dazu ser 
zur vcrgröberung in assibilaten geneigt sind die echten palatalen.*) 
nur dem sanskrit eigen, in welche sie aufs den dekhanischen 
aburiginersprachen eingedrungen, sind die lingualen slummlaute. 
die palatalen stummlaute feien im slawischen Aveil ire stelle assi- 
bilaten (consonantische diphthongen) v, 14 einnemen, die lingualen 
kent das indogermanische überhaupt ursprünglich nicht. 

Von den Spiranten feit die gult. media, das h. eine palatale 
Spirans tenuis kent nur das sanskrit : q, der slawe wirft es mit 
c zusammen, ferner feit die labiale spirans tenuis f. 

Unter den nasalen habe ich m vor palatalen (j, b) nicht in 
der tabelle aufgefürt; ob es, wie in den neueren dialecten, schon 
im kirchenslawischen in solchem falle die qualität des folgenden 
lautes angenommen, lafse ich dahin gestellt sein, unmittelbar 
vor gutturalen kommt h nicht vor, s. u. 

Der r-laut pflegt auch in den neueren dialeclen nur einer 
zu sein, nur der Pole und Böhme hat ein durch j, i afficirtes 
lingual-palatales rz, f. 

A dagegen hat im slawischen so häufig die neigung vor 
harten lauten guttural, vor palatalen oder weichen palatal zu sein, 
dafs ich gutturales und palatales a wenigstens in parenthesi der 
tabelle einfügen zu müfsen glaubte. 

Die consonantischen diphthongen hätten leicht vermert werden 
können durch ib, ah u. a. dafs aber diese laute schon im kirchen- 
slawischen so eng verschmolzen worden seien wie in neuslawi- 
schen dialecten glaube ieh nicht, b und -b müfsen vielmer noch 
eine viel stärkere vocalische geltung gehabt haben, als in der 
jüngeren spräche, diefs folgt daraufs, dafs es merconsonantige, 
mersylbige Wörter gibt, die keine anderen vocale enthalten: 
AbHb dies, T-bYbH->, similis, r-bm^T-b strepitus und viele andere. 
in den entsprechenden neuslawischen Wörtern tritt für ein oder 



*) vgl. Rud. V. Raumer, aspiration and lautverschiebung. Leipz. 1837. 



— 35 — 

einige h und b voller vocal ein, die anderen werden mit dem 
consonanten verfchmolzen, als vocale g-ar nicht gehört, dieser 
lautwechsel zeigt, dafs im kirchenslawischen -h und b andere gel- 
tung gehabt haben niüfsen, als in den jetzigen sprachen und so 
stehen wir nicht an diese mit Miklosich als ii, t anzusetzen, 
dazu kommt, dafs t, noch bis jetzt im bulgarischen seine geltung 
als ü (wie inj englischen bul) bewart hat, ebenso also im neu- 
bulgarischen selbst mersylbige wörtei- vorkommen die nur diesen 
vocal enthalten (cl'r. Miklosich lautlere der bulgarischen spräche 
in dess. Slawischer bibliothek bd. I pg. 47), eine nicht unwich- 
tige bestätigung des uns aiii" anderem wege gewordenen ergeb- 
nisses dafs das kirchenslawische altbulgarisch sei. 

Vocale. oy haben wir als einfachen laut :=z u angesetzt, 
weil im in den jetzigen dialecten u entspricht und weil zu der 
zeit als Cyrill das griechische ov in sein aiphabet herübernam, 
ov schon längst die geltung eines einfachen lautes hatte. 

b und -b entsprechen dem vollen h, oy in der beschriebenen 
weise. 

e entsteht wenn man a spricht und die organe wie bei h 
nähert, ist also ein palatal gebrochenes a, ebenso o ein labial 
gebrochenes. 

Mag nun ->.i, wie es scheint und aufs der Schreibung -bH 
folgt, wenigstens teilweise seine geltung als diphthong bewart 
haben oder ein laut m y, ü geworden sein, es ist im mit recht 
seine stelle als palatal-labialer laut angewiesen worden. 

-r. haben wir nach seiner ursprünglichen gellung ai s. u. 
eingereiht. sollte es aber auch schon im altbulgarischen die 
geltung wie im neubulgarischen d. i. ja (s. Miklosich a, a. o.) 
gehabt haben, so ist es doch ein aus a und i bestehender dipii- 
thong nur in umgekehrter folge der laute, seine stelle als gultural- 
palalaler laut behalt es also auch in diesem falle. 

A und ;r> habe ich nach ihrer jetzigen geltung im polnischen 
angefürt, wo die ersten, vocalischen teile e und o sind (vgl. oben 
das aiphabet), der zweite, consonantische teil, der nasale nach- 
klang, richtete sich one zweifei wie im polnischen und wie die 

3* 



— 36 - 

nasale aller sprachen liin, nach dem folgenden consonanten, klano- 
also naiiienflich vor labialen mer nach in hin. 

Wenden wir uns zur betrachtung der einzelnen laute, in 
wieferne sie den lauten entsprechen, die wir ursprünglich zu 
erwarten haben. das sanskril als die am treuesten bewart» 
indogermanische spräche wird hierbei hauptsächlich in vergleich 
gezogen werden müfsen, nächstdem wird <las litauische liäufip; 
angelurt werden, weil es einen so betrachtlichen teil des Wort- 
schatzes mit dem slawischen teilt. 

Im voraufs bemerke ich dafs von zwei bei anderen sprachen 
bedeutenden verhällnissen im kirchenslawischen vor der band abge- 
sehen werden mufs, nämlich von der Quantität der vocale — irer 
länge und kürze — und von dem accente. aufs dem vorhan- 
denen zustande der spräche lafsen sich die quantilätsverhältnisse 
wol schwerlich mer bestimmen, für bestimmung des tones feien 
ebenfalls bis jetzt die nötigen anhaltspuncte. die ältesten hand- 
schriftcn entberen der tonbezeichnung, eine genaue und critisclie 
vergleichung der mit tonzeichen versehenen handscliriften mit 
dem tone der heutigen bulgarischen spräche dürfte indefsen zu 
ergebnissen füren, die accentuation des noch lebenden bulga- 
rischen wäre besonders beachtenswert, da bekantlich in den 
sprachen der accent als haltend sich erweist und die prosodie 
zu überdauern und zu verschlingen pflegt, dagegen dürften die 
anderen slawischen dialecte für diese Untersuchung wenig naafs- 
gebend sein, da bei aller versvantschaft die accentuation in inen 
grofsen verfchiedenheiten unterliegt; so betont das polnische 
durchaufs die penultima, das böhmische dnrchaufs die erste sylbe 
des Wortes, im rufsischen ist der accent frei und an keine stelle 
des Wortes gebunden u. s. w. 

Vocale der a-elasse. 

Zuvörderst zälen wir die vocale auf, die ursprünglichen 
a-laut vertreten, es sind folgende: 

j. Wie in den jüngeren sprachen unseres sprachstammes 



— 37 — 

überliaiijjl, so sind aucli im slawischen die kurzen a-Iaule meist 
in andere farbungen übergetreten. 

<i entspricht dem ursprünolichen ä, so vor allem in der 
feniininalendung der a-stämme z. b. BbAosd, skr. vidhcwä, uidua. — 
iiAhHj skr. püri'iä, plena. — vd, skr. tä, haec u. s. vv. — npj rijs skr. 
bhrular, fralcr. — u.nH, stamm udiepbj skr, niätar, mater. — in 
der adverbialenduno- -i-aj, entstanden aufs der Verschmelzung 
des vor a zur media erweichten interrogativen k mit der endung 
-AA skr. -da; dieses r verlor in dieser fiigung seine bedeutung, 
so dafs die endung ta^i ganz dem skr. da entspricht: TbrA-i od. 
TorAd, skr. Uidä, tunc; nHhrA.i oder HHorAJ skr. anjadä aiio 
tempore ; selbst mit dem stamme des fragepronomens verbindet 
sie sich: K'brA<i od. KorAd skr. kadä, quando. — würze! Aa 
(infinit, aj-th), skr. da dare. — würz, ^»a (infin. ^h^-th), skr. 
gnä, (gjnoscere. 

d entspricht dem kurzen a: d^-b, lit. asz, skr. ahatn, zend 
aze?n, ego, — BpaHb, niger, corax, lit. vanias, corax, skr. vanui 
cülor. — drHi>L|b, agnas. — Hdr-b, skr. nag-na, lit. nogas, 
nack-t, nudus. — würz, rpau (inf. rpdE-HiH), skr. ved. grab/t 
{grah, gewönliche form), zd. gerep, gerev, altp. garb, (g^rapio.^ 
uftnä^m, lit. gr^bjti, goth. greipa. — Kduenb, lapis, lit. uhmü 
Cslamm : akmeni) skr. a^-mati. — .lAbK-drii, lit. alk-Ü, esurire 
neusl. laden nüchtern, hungrig, skr. lak, rak gustare, a{ii[)isei 
(nur in wurzelverzeichuissen, nicht in der bisher bekanten spräche 
nachweisbar). 

e entspricht dem kurzem «; so im vocativ der «-stamme: 
z. b. BO/i;e (für Bort:) voc. von Bon-, altp. baga, skr. ved. bhaga, 
deus ; in den personalendungen des Zeitwortes im praesens : 
i-lng. 2. -eiiiH, 3. -BTb, dual. 1. -cbb, 2. -er.i, 3. -er.i, plur. 
1. -fcUT,, 2. -cie, skr. -asi, -all; -äcas, -alhas, -atas; -äinas, 
-ulha (im slaw. sind die ersten personen nicht wie im skr. durch 
langen bindevocal aufsgezeichnet) u. s. w. — ferner in vielen 
Wörtern: Be;?-<T. (praes. 1. pers.) lit, veiu lat. ve/i-o zd. vaz-ämi 
,skr, cah-ämi. — 'ßecH.i, skr. va^anfa (endung versiiiieden) uer, 
lil. casara aeslas. — Bcvei) b lit, vakaras, U( spera. — ACB^ib 



- 38 — 

(a für n s. u.) skr. zd. luwan, noiicm. — .j.ec* i b, .skr. zd. (lin;an, 
dcceni. — AecbHi, skr. daksina zd. dasina, <^i-^t6^\ dexter. — 
;t;K.\bBb y£).c6vr], skr. harmuta, tesludo. — ;i:e.skr. ved. gha, yt, 7« (hebt 
gegensätzlich hervor, entspricht also der bedeutuiig nach dem gr. 
dV). — --KfiHd, goth. qi'inö (engl, queen), alfp. kona, ahd. chona^ 
skr. {lani fem. von gana, vir, (der slav. form würde ein eben- 
s()f;iit mögliches fem. ganä entsprechen) femina. — 7^f.\enh^ \W. 
ialas, zd. z-airi, zairita, skr. fiari, harita, viridis. — zeuAM, lit. 
zerne, zd. ze/n (thema cass. obliqu., nom. zäo acc. zäni). — ueA-h, 
lit. 7?iedus, skr. madhu, mel. — hb, skr. na, non. — hsbo gen. 
Ht-Bece, skr. nabhas, coelum, lit. dcbesis, rf'qog:, nnbes. — neK-,i; 
skr. palt. 7Tt(T(7(o, nirib} aufs iTfx-jw, coquo. — cBt;Kop-b (rufs.), 
skr. gca^ura (svaQura^, ty.vnog, goth. staihra, lit. szeszurs, socer. 
— ren-A-b, skr. wurz. tap, tepidus. — ^nep-b quidam, skr. 
jalara uter. 

o als Steigerung von e also ^ skr. a s. u. o entspricht ur- 
sprünglichem a . so in der Zusammensetzung, wo es das b der 
freien form ersetzt ja mit demselben wechselt: KbrAd, r-brxa 
HM'brAJ neben Korxä, rorAJ, hmota^i; AOMo:?AaTeAb oiy.odouog, 
aedificator, Boro-cAOBb O^toKnyoi, theologus u. s. f. ferner vor 
sull'ixen, so vor dem abstractsufTix -cib skr. -ti (c ist im slavv. 
und s im german. bei diesem sufTix eingeschoben, s. u. die 
lautgesetze), vor dem adjecliva bildenden -Bb u. a., wodurch die 
endungen -ocib, -oBb entstehen, in der neulralendung der a- 
sliimme blieb es nach abfall des m: so z. b. in der endung -dlo, 
ksl. mit aufsfall des d: -ao, skr. -tram, gr. rooi, ht. friim u. s. w. 
in der neiitralendung der pronomina: ro, oho u. s. w. in der 
accusativendung der masculina dagegen ward -am zu b. — 
BbAOBd, vidharä. — BocKb lit. vaszkas, wachs, cera. — in 
Bb-iop-bij dfVTfnog, Ko-Topbi quis entspricht die endung dem ur- 
sprünglichen -tara. — aoa b foramen, skr. dara antrum. — Aonb, 
skr. ved. dama, Sö^og, domus. — koh b-Kd, lit. katas felis, ancora 
lal. catus, germ. kafz-e, felis. — koct b, oatovv, os, skr. asthi. — 
uor;R possum, golh. magan, skr. niah crescere. — uope, lit. mares 
lat. mare. — Hosb, lil. navas. skr. nava, %iog, neu, noctis. — 



I 



— 39 — 

HOKbib lit. nagas skr. nakha nagel, unguis. — Hocb, lit. tiosis, 
skr. nas, iiase, nasus. — Moun-b, lit. naktis, skr. nakta, nacht, 
nox. — oBb praepos. insepar. skr. ahhi, diicfL — oBb-i|j skr. 
avi, lit. avis, oi'g, goth. avi, umbr. ovs, ovis. — ornb, lil. ugnis, 
skr. agni, ignis. — oko gen. ovece, lit. akis, skr. aksi, oculus. — 
oHb, lit. anas^ skr. ana, is, ille. — opdiH, arare^ lit. aru, goth. 
arjan. ■ — ocbAb, lit. asilas, goth. asilus, asimis. — ocb^ lit. aszis, 
aclise, axis. — ocub, skr. asfau, lit. asztuni, goth. ahfau, octo. — 
oTb, ab, cfr. die endung des ablativs skr. -at. — orbijb, altb. ot, goth. 
atta, skr. aitä (mater), pater. — pocd, lit. rassa, skr. rasa, ros. 

— oc-ip-b, lit. asztrus (asziim^ acies) ac-er, dy./j, dy.-^ir;, dy.Qog^ 
skr. a^-1'i (acies, ensis). — oub, zd. altp. ava, liic. — in vielen 
fällen ist o eine Steigerung des voca'.s s. weiter unten, diefs 
nemen wir auch z. b. in npoc-niH an, obgleich die ungesteigerte 
form (etwa npec-iH) feit, skr. pralth, zd. pereg, lat. prec-or, 
umbr. pers. 

b ist der regehnäfsige Vertreter von a der aufslautenden 
sylbe. als Vertreter von n wird es wie o nochniuls zur spräche 
kommen, so steht es namentlich im nom. u. acc. der masculinen 
a-declination nach abfall des aufslautenden -s -?m""'). im anlaute 
kommen b und b nie vor. 

Inlautendes b für urspr. a : Kbio aufs dem fragepronomen 
kas mit dem demonstrat. — endung -bK-b z. b. u^K-bKb moUis; 
cAdA-'bKb dulcis; rAJA-'bKb hievis etc. (neben rA,KB-oK-b profundus); 
vecHbKh, Vü. czes7iakas, allium; nAT--bKh dies veneris (eigentlich 
fünfter); Ko-i-bKd, felis; wBA-bKo apfel; skr. -aka, -alul, -akam. 

— A'bM-;r,, skr. dham, flare. — nbi-Hqj avis, skr. w. pat, gr. 
TTtz-ofmi^ volare. — cbn-^iH, cb-Hb für cbn-Hb (nach einer 
lautregel des slawischen) lit. sap-tioju, sapnas, skr. wiirz. svap, 
svapna, schlafen, schlaf, somnus. — chio, skr. (;ata, Ixatöv, 
centum. ■ — BAbHd, ahd. wella, skr. ürmi, lit. vilnis, lluctus, urspr. 
vocal ist aber auch hier a, das im lit. oft in i herabgesunken 



*) denn für den accusativ die verwaiidlunfjsrcihe -am, --v., -oy, -'b 
anziinemen, die an Mich möglicti wäre, sclieinl unlunlicli. 



— 40 — 

ist, das skr. 'ür aber kommt nur speciell dieser spräche für ein 
ursprüngliches var zu. cfr. wallen, sl. ba^-m im. — BAbHd, ahd. 
icolla, lit. vilna, skr. iirnä (für varnä von d. w. vr d. i. var, 
legere) gr. eno^, tQiov, lana. — BAbKh, skr. vrka (r als vocal 
wcMSt stets auf ar hin), icolf, lit. willias, lupus. — AA-br-b, lit. 
(dyitgas, skr. dirgha v. d. w. drh (iillcre form dai'gh), crescere, 
davon sollte regelrecht ein darglia oder darha kommen, welches 
unser AAbrb wiedergibt und das im zend. daregha, altp. daragha 
sich \\irklicli findet, longus. — nAbHb, lit. pilnas, Doli, plcniis 
skr. pürna v. d. w. pr (pi-par-mi) grundform ist parna, die 
abeniials das zend genau erhalten hat, wo sie den zendischcn 
lautgesetzen gemäfs perena lautet. — Bpbi-niH circumagere, 
vertcre, skr. würz, vrt d. i. varl, tersai^i, efsc, lit. vertu, verio, 
irerde, pers. gard-am, verlor, fio, gird, rotundus. — cb-upb-ib 
lit. smertis, mors, v. d. wurzel skr. mar {jnr), die Schreibung 
cb-Mi>brb erweist sich so als weniger ursprünglich, da der 
wurzelvocal a ist. — vp-hub skr. krmi, lit. kinnis, goth. vaurms, 
lat. vermis, a ist ursprünglicli; ostrom: vpbBb. — cp-bAbne, skr. 
hrd d. i. hard, gr. y.anöi'a, lat. cor(d), goth. hairto, lit. szirdis, 
letztere beide haben i für das ursprüngliche a (denn goth. ai 
vor h u. r ist =i i), auch im slawischen findet sich cpbAbqe 
neben cpbAbqe so z. b. aufsschliefslich im cod. ostromir. — 
ebenso doppelter Schreibung iit ^p bHo, ostrom ?pbHo, granum, lit. 
irr/iis, goth. kaum, skr. giriia (für gan'ia'), trilus, von gr d. i. ^'ar 
conterere, nach Jliklosich radices von {r in ^t/« coctus wozu 
jedoch 7, nicht stimmt, desslialb ziehe ich auch ;?p-».HO und ^p-trH, 
maturescere zu gar ebenso wie .-nphMbBb, a:pbHOBb mola, lit. 
girnös, goth. quairnus. 

Aufslautendes h für urspüngliches «*): onb, lit. anas, skr. 
ana, is. — oBb, zd. allp. ava, hie. — Tb, lit. fas, skr. ä«, gr. 6. — 
Knepb quidam, skr. jataras, lit. katras, uter. — endg. d, ersten 
person pluralis des Zeitwortes -u b (z. b. Heceub ferimus), skr. 



*) die slawischen formen rlcr rt-stamme auf b gelten zugleicti als acciisaliv 
b also ~ -as lind ~ -/im. 



— 41 — 

-mas, gr. -fug, lat. -mus u. s. w. — 1. pers. sing-, aoristi -xu 
Cz. I». Hecox'b), skr. -satn, griech. -gu. — j;;b, skr. ahatn, zd. 
ozem, ego. — partic, praesent. passiv, -oub, lit. -amas (z. b. 
HKcoMb lit. neszamas^. — part. praeterit. pass. auf -i-b (z. b. 
cAov-T'b aiiditus), skr. -fas, gr. -rog, lat. -tus, gotli. -ihs u. s. w. 
Avie überhaupt in der grofsen anzal der a-stäinme, von denen 
ich einige hier mitteile, die sich in verwanfen sprachen wieder- 
finden : Bor-b, zd. altp. baga, skr. ved. bhaga deus. — ovBor-b lit. 
iihagas, paiiper. — Bocb, lit. basas, non calceatus, ahd. bar. — 
Bevepb, lit. vakaras, uespera. — BAbKb, lit. vilkas, skr. rrka, lupus. 

— BocKb, lit. vaszkas^ cera. — rAJCb, lit. garsas, \ox. — rpoB-b 
lit. grabas, grab, sepulcrum. — Aßopb, lit. dvaras, skr. dcära, 
aiila. — AA-br-b, lit. (d)ilgas, skr. dirgha, longiis. — Apoyr-b, lit. 
drangas, socius. — Aoyxb, Spiritus, lit, dussas, uapor. — Abiub, 
skr. dhüma, gr. Ov^wg, lat. fumus, lit. dumas (kommt blofs im 
plur. vor: dumai). — a;HB-b, skr. givas, lit. gyvas, vivus. — HMh, 
skr. atija, alius. — KOA-b, lit. kolas pessulus. — K(j.n-b, z. b. 
cßAMbKp^T'b, sieben mal, lit. karfas. — KjjHBb, lit. kreicas und 
klivas, ciiriius. — AeAb, lit. ledas, glacies. — AovKb, lit. plur. 
lukai, allium. — A?nK'b, lit. lankas, arcus. — AbHb, lit. linai. Urov 
linum. — uHAb, lit. melas^ misericors, gratus. — M.irb, lit. nogas, 
nudus. — HOBb, skr. tuwas, gr. rteog, lat. nouus. — Hocb, nasus. 

— nA.iB'b, lit. palvas, albidus, pallidus. — nAoyr-b, lit. plugas 
aralrum. — nAbKb, castra lit. pulkas tumultus. — nAbHb, skr. 
pürna, zd. perena, lit. pilnas^ lat. plenus. — npdxb, lit. parahas 
pulvis. — npoc Tb, lit. prasias, simplex. — np-bcxb, lit. pirsz-tas, 
digitus. — noYCTb, lit. pustas desertus. — por-h, lit. ragas cornu. 

— p*A'b, lit. redas, ordo. — canor-b, lit. sopagas, calceus. — 
cBATb, lit. szvenias, zd. ^petita, sanctus. — cHur-b, lit. snegas, 
nix. — coKOAb, lit. sakalas, falco. — c lAbrib, lit. siulpas, co- 
luinna. — coy^b, lit. sausas, siccus. — cbHb, lit. sapnas skr. 
svapna, zd. gafna gr. vTzrog, somnus. — THXh, lit tijkas, tran- 
quillus. — TAbK-b, lit. tulkas, interpres. — roKb, fluxus lit. takas 
seinita, beide formell gleich abgeleitet v. d. wurzel i-tK-^. lit. 
Ick-u fluo, curro. — oyti h, lit. umas, mens. — xoyAb, paupcr 



— 42 — 

lit. kudas rnacer. — uithtb, lit. skydas, scutum. — xbirp-b, lit, 
Ityfras, astiitus. — MtAb, lit. czelas integer. — vdcb hora, lit. 
cz-esas tempiis. — vHci-b, lit. czystas purus. — lUA-tub, lit. sz-almas 
galea. — k>h b, lit. jaunas iuuenis. — crf.ctAb, lit. susedas, 
uicinus u. a. m. 

Aufsnamsweise erscheint b als Vertreter unsprünglichen a- 
vorals bei sicherstehender Schreibung-: Bbvep^ (v. Bevep-b lit. 
vakaras vespera), lit. vakar hcri. — ribgme c* 2. pers. plur. 
im per. v. neK-,T, ca sollicilum esse, neK-,i^ one ca coquo, skr. 
pak 11. einige andere s. 3Iiklos. formenl. §. 26 p. 46. 

ff. steht für ursprüngl. an, am, am, letzteres ward wol erst 
in atn verkürzt, ehe es in rf. übergehen konte. es unterliegt dem 
Wechsel mit dem nah verwanten a wovon unten. 

Aufslautcnd im accusativ der femininalen «-.stamme : BbAOB;i> 
skr. vidhaväm u. s. f. — in der ersten person sing, praesentis 
am nach abstumpfung des ursprünglichen -ämi, z. b. neK-;r. z= 
skr. pak-ämi u. s. f. 

Inlautend in allen casibb. des particip. praesentis acliui, 
aufsgen. nom. sing, mascul. u. neulr. z. b. neK-;i.iuin sing. nom. 
feminin, aufs der grundform skr. pak-anli und in den stamni- 
sylben mererer Wörter: ;r,r,\ b, angulus, dyy.vlo^ wol zusammen 
zu stellen mit ahd. icinkil, nhd. winkcl, skr. vauka krümmung, 
vanku torluose incedens, vak-ra, krumm. — -v.rAb, lit. anylis 
(geradezu die urslawische form von /i.rAb), skr. angära, carbo. — 
^»ii^bKb (^v^oTd angustia), angusfus, goth. aggnus, enge. — rt.ropHvb, 
ey/ilvi; anguilla, bt. ungurys, skr. ahi (one nasal), angiiis, lit. 
angis, serpens, — ?,'kb b skr. ved. gambha dens v. d. w. gamhh 
gähnen, fafsen, packen: griechisch in yauqri)Mi, yauqai'^ yöjKfo; 
(cIV. Kuhn über die wurzel GAF, GAMF in Zeitschr. f. \ergl. 
Sprachforschung I, 2. heff, p. 123 ff.). — a^>kj, lit. lanka palus, 
nafse wiese. — p;ftK.i, lit. ranka (rinku colligo) manus. — u^i^aib 
skr. manuga, ahd. mannisc, mensch, homo, v. d. w. man cogitare, 
die endung -;t;b ist wol aufs skr. -ga zu erklären s. u. — e^^b 
uinculum skr. würz, bandh etc. ,y>:? b, -aj^j, mz'i uinculum, so- 
dann h^Aie catena ^jnHKj consanguineus können zweifelhaft er- 



— 43 — 

scheinen, ob hierher oder zu «v^^-bK-b gehörig. — ri,Yvib skr. 
patithan uia. — Tbic<TainH, goth. ihtisundi, llt. tukstantis niille. — 
r/i.cb (Kopit. Glagol. nicht bei Miklos.) golh. gans ahcl. kans skr. 
hansa (für ghansa), xv^'j anser. 

A steht zwar meist für die Verbindung eines i-lauts mit 
einem nasal (m, iti) aber auch für en und gehört also teilweise 
hierher, da en auf älteres an zurückweist, so hma gen. HueHe, 
nömen, skr. näman und alle auf -*, -eHe, vgl. weiter unten über 
A unter der i-classe. 

Unorganisches ;?> und a. /^ entsteht namentlich unorganisch 
aufs OY (oy dagegen auf ganz organische weise bisweilen aufs a), 
B,T.-A'i^ ero von d. w. Gbi skr. hliil esse. — im Infinitiv der verba, 
welche der 5ten classe im sanskrit entsprechen; dieser infiniliv 
sollte lauten -nii-ti und lautet -mav-th, z. b. Abx-M/t.-TH fiare, aber 
Abx-HOB-eNHK> inspiratio, abstractform von dem part. praet. pass. 
A'bx-HOB-eHb, defsen hob Vertreter von hoy ist. — c/uBOTd (dar- 
neben einzeln coboij) aäßßatov. — cT/Y>n-H-iH incedere, caufs. 
V. cTd, skr. sthäpajänii (sisto colloco, von Äiiklosich verglichen) 
neben den unzweifelhaft verwanten cronj uesligium und creneHb 
gradus ; vgl. ahd. 5/2/'-; fundatio institutum, stiftan fundare aedificare. 

A. c-Ec-TH für c-tA-TH consideve, grundform skr. sad^ praes. 
aber caa--« vgl« c-tAtrH unter t.. — ebenso aap;»» decumbo 
goth. ligan, lag. ■ — a ist wol ferner unursprünglich in obpaiiit<t> 
aufs oBpAT-hft inf. oBp-tc-rH für obp-bt-th inuenire. hier ist wol 
der nasal praesensverstärkung, wie z. b. skr. iminH-cmi v. d. 
vv. muH u. a. 

Vocale der i-classe. 

H steht für ursprünglich kurzes und langes i. aufslautend z. b. 
in der endung des Infinitivs -in, welche die eines abstractum ist, 
das in den anderen sprachen ebenfalls häufig erscheint, skr. -H, 
gr. -rt (d. i. att. -ö-/) u. s. f. z. b. nn- th skr. ved. piH gr. noat^ 
(d.i. no-ti-g V. d. anderen form dieser wurzel skr. pd) u. s. f. — 
zweite person sing, praesent. -iuh z=i skr. -si (nev-e-um für 
n6K-e-iiin, skr. pali-a-si). — im locativ-dativ der ursprünglich 
consonantischen stamme: huchh skr. nämani, im feminin, der 



— 44 — 

iirsi)riinglich consonanlisch aurslautendcn (irn slavv. mit i. bcklci- 
(Ji'tcii) participien (z. b. iieK<r.unH skr. paJcanti) u. a. 

Anlautendes h : h- ih skr. w. i, emi, eo gr. würz. /, hju, i-re. — 
H 1.1-/1,, \H.i7nmu (aufs e'ffy«) capio, skr. j am i, cohibere 2, sumere, 
capere. — hma, nomen, skr. näman u. s. f. mit abfall des n und 
Verkürzung des ä in h, wozu beigetragen haben mag die häufige 
einschiebung eines h vor anl. j, h, namentlich im pronomen der 
dritten person nach präposilionen (Hi^ro ect. für K-.roJ beim 
verbum hih (ßb-HHAe für irs-HAe lia-fj/.ü^i) u. a. in folge dieses 
liuitgesetzes s. u. erschien leicht ein solches h als unwiirzelhaft, 
die von Dobrowsky, Grimm u. a. verteidigte herleitung von hu-;*. 
sciieint unstatthaft, weil sie für die älteren formen unseres Wortes 
im skr., lat. u. s. w. nicht genügt, ob indessen nicht die analogie 
von Hu;h und hma ebenfalls auf die gestaltung letzteren wories 
eingewirkt habe, lafse ich dahingestellt sein. — hto, skr. jiiga, 
lat jugum, lit. jungas, gr. ^vyöv, goth. juli (engl, yoke), im sla- 
wischen ist der vocal nach ; in b verkürzt und ^'-b in h 
anstatt in b verwandelt worden. — h acc. des pronomens 
skr. ja lautwechsel wie im vorigen. — h coni. et, dasselbe pro- 
nomen. — HCKdTH lit. jeszköti quaerere ahd. eiscum, nhd. heischen, 
skr. würz, is desiderare, praes. ih-khämi. — hhi, alius, skr. anja, 
j scheint vor a getreten zu sein und der vocal a, wie schon in 
merei"en fallen, in t, verwandelt, h :=. b,_/b '-). — h:^!,, lit, isz-, ex, i^, 
goth. US, ahd. ar, nr,ir, er, nhd. er; slaw. H^-b u. lit. isxi stehen in 
demselben Verhältnisse wie .i^/b, lit. as», scheinen also auf ur- 
S[)rüngliches h, gh hinzuweisen, trotzdem scheint mir die her- 
leilung vom skr. vahis, hahis (extra, foras) namentlich auch 
wegen der formen , die dieses wort in den anderen sprachen 
hat, untunlich, skr. hahis (deffen endung wol aufs älterem -as, 
-US geschwächt sein kann) ist vielmer ganz getreu in form und 
bedeutung im slawischen rüt^u sine wiedergegeben (cfr. z. b. 
skr. baliis-krfa, priuatus). — hier werde ein punkt gleich iiir 



') HCi'b naili IVpU von der wiirzfl eis — tTtö,- skr. stilja ist mir zweii'el- 
hafl, man crwarlelc für suija vhw ganz andere form im ^lawisclifii. 



— 45 — 

spräche gebrarlit, der violleicht fiioli( her unter j angelurt werden 
könte, niil" den ich aber schdn hier durch einige der angefürlcn, 
mit H anlautenden Wörter gebracht werde, man pflegt nämlich 
bei einigen derselben die aufssprache des h nach den neueren 
dialecten als ji anzusetzen, dafselbe geschieht im inlaufe, wenn 
H nach einem vocale eine neue sylbe beginnt, also nicht mit im 
zum diphlhong zusammengeht; so unteracheidet man z. b. h, 
cum (böhm. jej) durch die aufssprache als ji von h, et (böhni. 
e) ; MOH nom. singul. masc. mens (bühm. tnäj altb. tnöj) von 
MOH nom. plur. masc. mei (böhm. moji), vgl. noch hth böhm. 
jtti, HH'b böhm. jiny, hctb verus höhm. jisfy, dagegen aber hto 
böhm. jho und jiho, »u.u böhm. j/nu u. a. obgleich auch die 
vergleichende forschung auf den ersten blick diese aufssprache 
zu empfehlen scheint (h eum z. b. steht für ursprüngliches jam, 
also mufs man es als für j-h hto, jugum als für j-bro stehend 
fafsen) so stelle ich dieser aufssprachsweise doch folgende zweifei 
entgegen: der Vorschlag oder das weglafsen eines j vor ver- 
schiedenen sylbe oder wort anlautenden vocalen ist im slawischen 
dialectisch und finden wir ohne rücksicht auf die urgestalt des 
Wortes sowol da, wo uns ursprünglich ein anlautendes y erscheint, 
kein j, als auch sehr oft j da, wo ursprünglich der blofse vocal 
anlautet, beispiele s. u. (oy und oy-'iie böhm. dial. u-z für k), 
juiy ht.jam, me, ä ist zusatz := gr. ys u. a.) das slawische stöfst 
auch im inlaute hier und da das wurzelhafte j in gewifsen 
fällen aufs; so heifst es: AOBp^dro aobpovoyuoy für AOBpa-uro, 
AOBpovKJuoy (des guten, dem guten, aufs dem adject. AOBpt gut, 
und dem bestimmenden pronomen h, liiro für K>ro, oyiiov für 
leMo'v durch assimüatiun des vocals s. u.) gleich darneben a])er 
AOBpdM (die gute) AOBpoie (das gute), ist es nicht ser denkbar, 
dafs dieses aufsstofsen oder nicht annemen des j im kirchen- 
slawischen durchgängig vor dem demj zunächst stehenden vocale n 
stattgefunden? es ist stets eine bedenkliche «ache, in der aufs- 
sprache einer nicht mer gesprochenen spräche sich von der 
Schrift zu entfernen, zumal von einer, jeden laut, selbst den ver- 
hallenden (i>, b) mit solcher genauigkeit wiedergebenden schriflj 



— 40 — 

wie die, mit welcher Cyrill sein voik beschenkte, die allzu 
aufsgedento borücksichtigung der neueren dialecte kann hier 
leicht auf abwege füren, uns scheint, hätte Cyrill die aufssprache 
des H als ß vorgefunden, so würde er auch dafür ein zeichen 
gesetzt haben, dafs das rufsische, welches sich der cyrillischen 
Schrift bedient, nun für den lautre, welchen es besitzt, in dieser 
Schrift kein zeichen dafür hat, sondern z. b. uoh (meus) durch 
eine spätere diacritische Unterscheidung von moh (^nioji inei) 
trennt, scheint mir kein zwingender grund dafür zu sein auch 
dem kirchenslawischen h die geltung von ji zuzuschreiben, selbst 
da nicht, wo die grammatische analogie auf diese aufssprache 
liinfürt. indeffen läfst sich nicht leugnen, dafs namentlich das 
vorsetzen eines h, welches in gewissen fällen bei anlautendem h 
wie bei anlautendem j staltfindet, für die aufssprache des h als 
ji zu sprechen scheint, indefsen findet dieses h auch bei h stall, 
die nicht aufs ji entstanden sind (c-h-MHCK<nH colligere skr. is, 
bei H-TH skr. griech. i u. a.) die sache ist also jedenfalls 
zweifelhaft. 

H im inlaute: tkhbh, niuo, »»hbt, niuus, skr. git-ämi, giv-as; 
gr. ßing (für ßipog). — chaj lit. syla vis ; Bopp v. skr. ^tla (natura 
indoles) Miklosich dagegen von der wurzel skr. si ligare, 
constringere lett. fsee-t, zu welcher Bopp ahd. sai-d, sei-d 
laqueus, sai-io funis, chorda stellt, nebst den slawischen chao 
laqueus und ctib tendicula, welchen Miklosich beifügt chthk: 
juncus; mir scheint Miklosichs ansieht die gegründetere, weil so 
das wort nicht vereinzelt dasteht, sondern sich an eine mereren 
Wörtern gemeinsam zu gründe liegende wurzel anfchliefst; die 
überfragung des begriffes binden auf den des gedrungenen, 
festen, starken ist eine nicht seltene und natürliche (bekantlich 
besonders im semitischen häufige; vgl. pm ,"rp u.a.). — bha— ^th 
vid-O'c, Id-eiv (für siden-)^ skr. würz. vid. — ah^-jth, skr. 
lihj lit. laii-au, lei-uwis (lingua), kiI/io^ ^-i'xi'og (naschhaft) u. a. 
goth. laigön. ahd. lehon, nhd. lecken, lat. lingere lambere. — bov-h 
insipidus, lit. huinus frisch, geil, vielleicht vermittelt pd^Bovt.nn 
■d-oaavv£G&(a, audacem fieri die bedeutung. — Buxpb lurbo, skr. viha 



__ 47 — 

aer. — zhuj, lit. iema, zd. zima, skr. hima fnix, frigidtis) 
hiems, ■/niiorv, '/ßy^ff-^ Z'wr (nix). — hh-th skr. würz, ipi, bi-bo, 
nt'-vco. — verbalableitungssylbe h z. b. in Md-no-Hin (tu ist 
praeposition) potuin praebere tränken (für Hj-nojHTH s. o.) ent- 
spricht dem skr. aj der caussativa und denominaliva (noj-H-rb 
m pdj-aja-ti s. weiter unten in der fonnenlere); h = aj und 
H z=. ja (hij-a, jam. h, ja), ju (hto jugnni) scheint sich beides 
auf gleiche weise durch aufsfall des vocals vor oder nach j zu 
erklären oder richtiger durch die eigentümlichkeit der slawischen 
spräche die lautverbindungen J-n und -h/ in b zusammenzuziehen, 
für welches im anlaut und nach vocalen h eintritt, die formen 
npH-i*;MdrH neben npHHUdiH, npH-K;Lnj neben npHHH"b deiuiisrog 
zeigen noch deutlich das a von skr. jam. 

H und -r,, das dem h als guna, steigerungsvocal, entspricht, 
finden sich bisweilen da, wo die verwanten sprachen « haben, 
für welches im slawischen -y,, bi oder oy die regelmäfsigen Ver- 
treter sind. Diese fälle möchten wol am einfachsten durch das 
herabsinken des u zu i erklärt werden, vgl. pHUbCKb neben povMbcKh 
romanus und /khas aufs 'lovdcaog, das dann gesteigert nicht etwa 
in dris dem sprachgefüle abhanden gekommene u zurücksinkt, 
sondern zu â– % wird (s. unter -t). thx'b tranquillus r-tnuHiH con- 
solari, skr. ^wsgaudere, contentum esse, tus-nim tacite. ■ — kphycith 
(Jifik böhm. clamor), skr. kruQ clamare. — vgl. KpHB-b, lit. ki'was 
mit. lat. curuus. — vhct-h für vHA-r-b purus, skr. ^udh purificari. 

H vertritt ursprünglich ä in hm* skr. nänian, nomen. 

b. Ser viele ursprüngliche i sind im kirchenslawischen zu h 
verflüchtigt, im anlaute kann diefs nicht stattfinden, vgl. das dem 
b ganz parallele -b. besonders häufig ist es wie b im aufslaute, 
gegen das ende zu nimmt die kraft der aufssprache ab, überdiefs 
stehen am ende die beziehungslaute, die immer am meisten der 
abschleifiing unterworfen sind. 

Inlautendes b. AbHb skr. dina, lit. lUna. dies (für AbBHj, 
diviia etc. v. d. würz, div, leuchten, hell sein) — Bbcb, goth. 
veihs praedium skr. würz, viq intrare, upa-, ni-ug considere, mg 
substaiit, vir lertiae, agricolarum classis, lit. vesz-patis m skr. 



— 48 — 

vigpatis lioniinum dominus;*) veszu, t'eszeju, zu gaste gehen, 
sein, niy.o^, wurz. iy. (=(y.) in iy.öfirii', ty.vknnui u. S. vv. vicus. — ■ 
Bi.ci., lit. vissas^ ski\ virvas omnis. — Aecbn h, lit. desz-ine (dexlia 
nianus), skr. daksina, dt^iog, dexter. — KpT^vbui.nHq.i laberna, 
K|)bYi>Bi,HHKh caupo, lit. karcziama tnl)erna. — ahm b, lit. linnai, 
llvov, linum. — MbTAd, lit. inigla, gotii. ntiUwia nahes, skr. meglia 
nahes, öjir/Kri nehuia, würz. skr. mih d. i. iniyk irrigare, lal. 
yningere, deutsch dialectisch mige^ urina. — ocbA-b, lit. asilas, 
goth. asilus, asinus. — cTb:?^, goth. staiga (wurz. *%), skr. si?gh 
asiendere, (TTfi'yoj e-any^ov, lit. siaigus celer, vgl. cibrNj und 
cn i.rMb platea und ci bi-Ho femur, cth?,.« th consequi, nocTHr-H/ivi ii 
deprehendere. — cibKAo, lit. stiklas, goth. stikls vitrum, altn. 
stikill, ahd. stihhil aculeus, apex, weil die allen trinkhörner 
unten spitz waren, also im slaw. ein entlenles wort. — Abcib 
deutsch Ust, fraus. — die adjectivendung -bHb, griech. -no.-, 
lat. inus, skr. gewöhnlich -in^ doch auch -ina (grngina gehörnt 
V. grnga u. dgl.) lit. -inis, z. b. a;eA-t5^bH-b, lit. geleUnis ferreus 
von aieA-u^o lerrum; KMH/XbHb lit. knyginis libri, das buch be- 
treffend, von KHHTJ lit. hnyga liber, eine endung, die auch häufig 
in substantivischem sinne vorkommt, so wie die weiter von der- 
selben abgeleitete substantivendung -bHHKb lit. -ininkas z. b. 
KHHflibHHK-b scriba von KMH^KbH-b, lit. knygininkas librarius u. a. — 
-bijb lat. -icius (von bK-b durch j abgeleitet skr. -eAya) z. b. neAbqb 
lit. fem. telyczia, telyae uitulus von telas, slaw. leA* (andere 
endung) uitulus a. a. — -bCK-b goth. -isk, ahd. -isc, mhd. nhd. 
-isch, lit. iszkas, skr. -ika, l.it. -icus, gr. -ikos, lettisch-slawisch 
und germanisch schieben hier, wie öfters s. u. s ein"*'*) z. b. 
dMbreAbCKb, lit. angelisz-kas, angelicus , dy/ihy.og, engelisch von 
dMbreAT, u. s. w. — auch sonst tritt b entsprechend dem i der 
anderen sprachen nicht selten als bindevocal auf, so z. b. vor 



*) gewiss mit unrecht von Nefselmann im Würlerl)uch s. v. veszas auf 
rissas omnis zurückgefürt, vielmer ist veszas kelas^ reszhelis, landstrafse (cfr. 
ricHs) ebenfalls hierher zu ziehen. 

**) vgl. zeitschr. für vergleichende Sprachforschung 1851 heft 11 pg. 141 f. 



— 49 — 

der (Midung -ctbo (c eino-eschoben), skr. -U:ant, z. h. MHO/iibcruo 
(skr. bahu-fmtn) mulliludo von uHor-h nullius u. s. w. 

In vielen fällen wechselt itn inlaute, besonders nach p und a 
die Schreibung- zwischen b und s, hier halte ich mich immer an 
die Schreibung, die Miklosich befolgt, von der ansieht aufsgehend, 
dafs er wol guten grund gehabt, gerade einen von den beiden 
lauten aufzunemen. Fälle wie BpbBj lit. verba salix, virbas 
ramus tenuis. — up-bßb, lit. virvas, mvce funiculus. — or-b-Bp-b?;«, 
lit. wol at-veru aperior. — Bpbx-b, lit. nirszus Vertex u. a. die 
im litauischen e ja i zeigen, darf man deshalb ja nicht in irer 
Schreibung anzweifeln und die mit b etwa für richtiger halten, 
denn obgleich der objoctive nachweis durch die vergleichung der 
anderen sprachen feit oder doch unsicher ist, so weisen diese 
formen doch der analogie nach auf ältere formen mit ursprüng- 
lichem a-vocale zurück, der gar oft zu i herabsank, hier kann 
das slawische in seinem b recht wol das ältere bewart haben, 
vgl pg. 40. 

Nachdem b und b im inlaute in betracht gezogen, kann ich 
einen punkt zur spräche bringen, der zwar den gang der dar- 
stellung unterbricht, den ich aber nicht voraufsschicken konte, 
weil die erörterung desselben eine anschauung von dem factischen 
vorkommen der laute -b, b und von irem verhällnisse zu den 
enisprechenden lauten der verwanten spraclieu voraufsselzt. 
Miklosich (lautlere der altslowenischen spräche, Wien 1850 pg. 
10 f.) ist nämlich der ansieht, dafs a und p „im inlaute zwischen 
consonanten , in welchem falle ihnen stets einer der beiden 
schwachen vocale folgen mufs oder bilden sie mit einem der 
genannten vocale b, b den anlaut, als vocale anzusehen" seien, 
seine aulfafsung begründet der genante forscher mit folgenden 
Worten: „wenn man bemerkt, dafs diesen beiden buchstaben, so 
oft sie als vocale auftreten , teils einer der beiden schwachen 
vocale -b, b folgen mufs, so könnte man versucht werden anzu- 
nehmen, dafs nicht a und p , sondern die sie begleitenden 
schwachen vocale die sylbe machen, folglich jene nicht als vocale 
anzusehen sind, dass daher nicht pln, cni^ /sfVa, rianije^ sondern 

4 



— 50 — 

etwa plun, örun, luzica^ ruvanije zu sprechen ist : in dieser 
annähme könnte man bestärkt werden durch formen wie cAovHuye 
ant. hom. upo^uKb pat, MpHK-^sb in späteren glngolitischen hand- 
schriften: allein wenn man dag-egen erwäg-t, dafs die beiden 
vocale l und r auch im sanskrit vorkommt^n. dafs ferner der 
schwache vocal nicht nur in den freilich niclits beweisenden 
späteren glagolitischen handschriften , sondern auch in älteren 
handschriften in diesen fällen manchmal ganz fehlt, dafs endlich 
der vocal r in allen diesseits der Donau gesprochenen dialecten 
fortlebt, so kann man nicht umhin, die buchstaben a und (> in 
den oben angegebenen fällen für vocale zu erklären ; den um- 
stand, dafs den vocalen a und p regelmäfsig einer der beiden 
schwachen vocale folgt, möchten wir entweder dem möglichen ein- 
llufse einer fremden spräche und einer fremden schrift auf das dem 
cyrillischen zu gründe liegende glagolitische aiphabet zuschreiben, 
oder dadurch erklären, dafs die beiden vocale a und p allerdings 
ein dunkler nachhall zu begleiten scheint." Mit dieser ansieht 
kann ich durchaufs nicht übereinstimmen, ich halte vielmer a 
und p auch hier für consonanten, t, und s für vocale. meine 
gründe sind folgende: -b und b geben sich durch den umstand 
als entschiedene, wenn auch schwächere vocale zu erkennen, 
dafs sie auch in Wörtern, die nur mutae enthalten, als die ein- 
zigen vocale erscheinen, z. b. T>.n>,Tb strepitus, warum von 
dieser regel eine aufsname statuieren ? ist es denkbar, dafs eine 
so genaue schrift wie die kirchenslawische b und b so ganz 
überflüfsig den lauten a und p zugesetzt habe ? die sprachvvif- 
senschaft zeigt uns diese vocale -b und b ganz an ihrem platze, 
denn die slawische regel fordert nach a und p auch den vollen 
vocal da, wo in die verwanten sprachen vor diesen consonanten 
haben, vgl. rAdBd, lit. gaica caput, baja^f., goth. valda impero, 
rpdAb urbs, hortus, goth. gards domus, ahd. karto, nhd. garten 
hortus u. s. f. die berufung auf das sanskrit beweist durchaufs 
nicht für die ansieht Miklosichs, denn es ist im sanskrit unbe- 
streitbare tatsache, dafs r und / als vocale dort stets aufs älteren 
vollen sylben, fast stets ar und al durch Verkürzung, aufsstofsung 



— 51 — 

des a entstanden sind, als kürzeste form aber eben nach speciell 
indischer ansieht der grymmatiker auch für die \vurzelform gehalten 
wurden, wie im sanskrit aufs a/, ar l und r ward, so in neueren 
slawischen dialecten aufs ah, Ab, pb, \i\y, l und r; das ist dem 
gange der sprachengeschichte gemäfs und somit hat das von 
Miklosich beigebrachte zeugniss der neueren dialecle keine be- 
weisende kraft für die ältere spräche, dafs selbst in älteren 
handschriften manchmal h und i. feie, beweist speciell für p und 
A nichts, diefs kommt auch nach stummlauten vor, wie lautlere 
p. 23 bezeugt wird und somit fallen die punkte weg, durch 
welche b und u nach p und a sich von den übrigen u und b 
nach anderen consonanten unterscheiden sollten. ich glaube 
demnach mit recht diese laute auch nach den beiden conso- 
nanten p und A mit den vocalen der anderen sprachen in parallele 
gesetzt zu haben. 

Keren wir nach diesem aufslaufe zu unserer darstellung 
zurück und betrachten wir im folgenden b im aufslaute. 

AdHb vectigal, lit. dünis donum v. d. w. ^A (cfr. ~ni, z. b. 
in skr. glä-ni faligatio). — A»bpb, lit. durrys janua. — ^Btpb, 
lit. i'Ceris fera. — A<iHb tragelaphus, lit. lone cerua. — AdKbTb, 
lit. olekiis, ulna. — uoiuib, goth. mahts (stamm maÄ/0, \\i. mace, 
macis. — Hoiurb, lit. naktis, guth. nahts. ahd. nnht (stamm nahti). 

— KARTb, lit. kletis cella. — nAb-ib caro, lit. paltis Speckseite. 

— Mdc Tb, lit. mostis, unguentum. — cbupbi b, lit. smertis, mors 
und andere zalreiche abstracta auf ib rr skr. ti, gr. -m (dor. 
-ti). wenn diese abstracta als Substantive gebraucht und decliniert 
werden, haben sie Tb; th ist indeciinabel geworden und bildet 
den infinitiv; so wird diese endung nb im slawischen auch den 
zalwörtern angesetzt : n*Tb quinque, mecTb sex, Aeß^i b novem, 
Aec*Tb decem. — orHb, lit. ugnis, skr. agjii, ignis. — ocb, lit. 
aszis, axis. — vp-bBb, lit. kirmis, skr. krmi, vermis, wurm (goth. 
vaurms, stamm vaurmi). — »«»»b, lit. eiis erinaceus. — »cAeHb, 
lit. elnis ceruus. — ;?irAb. lit. nnglis carbo. ■ — cb, lit. nom. 
süs, hie. 

b grammatischer endungen: instrum. sing, mascul. neutr -ub, 

4*^ 



— 52 — 

z. 1). Borh-Mb (von t;or I, (leus), V\l. -mi (c^\tibuh z=: \H. sutiumi} 
aufs älJerem bi s. u. — locativ der pronominalen declinalion -ub, 
lit. -tne, skr. -smin, loub, lit. tarne, skr. tasmin in hoc. — erste 
person sing, vcrhi: -ub, lit. skr. -mi, griech. -//( u. s. f., z. b. 
AJMb, lit. dümi, skr. dadämi. dldo^ui; K;cub, lit. esmi. skr. asmi, 
gr. *//</, 5MOT. — dritte person sing, -ib, lit. skr. u. s. w. -/?, 
z. b. »ecTb, lit. c*/^, skr. asti, gr. iö-r/, cä^ — dritte person 
pluralis --i>rb, skr. -anti, gr. -ovti (-ovaC) u. s. f. (das litauische 
hat diese form cingebüfst) z. b. cä.ib, skr. *aw?/, gr. dor. ivtl, 
alt. f/ß-/, lat. sunt. 

b für /b wird unter j bei den lautgesetzen zur spräche 
kommen, welche aufs der regel der slawischen spräche selbst 
klar sind und sich nicht geradezu auf das verhältniss dos sla- 
wischen zu den schwestersprachen beziehen. 

b steht anscheinend nicht seilen für a. in diesem falle ist 
anzunemen, dafs, wie so oft in den sprachen, ursprüngliches a 
im slawischen zu i herabgesunken sei, welches i nun eben durch 
den schwachen vocal b aufsgedrückt wird, im aufslaule der 
Wörter wird man bisweilen zweifelhaft sein, ob in solchem falle 
ein blofses herabsinken des vocals, oder ein anderes worlbil- 
dungssuffix anzunemen sei, beides /liefst in einander. Abr-bK-b, 
lit. lengvas, skr. laghu, ahd. liht, leuis. — ubM-uTH, lit. menu, 
skr. würz, /nan, lat. we/i (me-mini, jnens), ftsv (utrog}, ■ — AbBb, 

leO, /.KOr. nAbB-JIH, HAIOIM, HAlOHdTH, SpUCrC UUd GAbB-JIH, 

BAjoÄ, BAioBdTH uomcrc erscheinen als in form und bedeutung 
verwante wurzeln, von denen die erste aufs der wurzel nAoy 
(fluo, skr. plu, gr. tz'/.v (nUsco) durch guna so entstanden 
ist, dafs der gunierende vocal, ursprünglich der a-classe an- 
gehörig, zu i, b herabsank, nAbß, \^.\\o-tix\, aufs welchem b ein 
j entsteht, wenn b wieder (wie im praesens vor _/) in den «/-vocal 
zurückgehen mufs, wenn es nicht richtiger ist, einfach ein im 
slawischen nicht selten eingeschobenes j anzunemen. aufs diesem 
nAK)hi:> entwickelte sich erst fernerhin ein infinitiv haiobjth. GAbB, 
ganz paralleler form, dürfte eine modificalion der wurzel plu sein, 
um die dem spuere venvante bedeutung uomere genauer zu 



— 53 — 

bezeichnen. — /.ehn-nrH, lit. zvami, skr. würz, dhran, sonare, 
vyl. i^BOHb, lit. zvanas, tintinnabulum. — Ti.Hi.K-hj tenuis, v. d. ' 
vvur/.. skr. tan, rtv (rtt'vo)). 

^^^Tb, lit. zentas, würz, gan , die endung- -ib kann als 
Schwächung des im litauischen erhaltenen -tas angesehen werden, 
indefsen zeigt uns das älteste sanskrit auch -ti als endung von 
nomina agentis. — Bbcb, lit. vissas, skr. vi^va; hier dürfte die 
analogie des pronom. cb vielleicht auf den aufslaut gewirkt 
haben. — na.ib, skr. panfhan, aber schon hier neben -an die 
schwache form pathin. 

Ursprünglich consonantisch aufslautende stamme bekleiden 
sich im slawischen mit b, welches wenigstens in den cass. obliq. 
hervortritt, s. u. bei der declin. bei einigen zeigt sich dieses 
schon im nominativ singul. so Kdueiib, skr. a^man, lit. akmil 
(vgl. Kiiu-bi), aber den cass. obliq. liegt ebenfalls eine form 
akmenia zu gründe, dieser analogie scheint AbHb, lit. c/ena, skr. 
dt?ia, dies zu folgen, wenn man hier nicht geradezu herabsinken 
des rt zu b = i vorzieht, vgl. AAJHb, lit. deina, uola manus. 

A stellt sich uns dar als weiche, d. i. palatale parallele zu 
.1.; wir sehen es entstehen aufs den lautverbindungen in, im; wo 
im also ein ursprüngliches ««, am zu gründe liegt, da müfsen wir 
annemen, dafs dieses« erst zu i, vielleicht zunächst zu e herab- 
gesunken und dann a entstanden sei. denn a entsteht auch 
sichtlich aus en, welches auf ein älteres an zurückweist; so 
gehört ein teil der a zur a-classe, woselbst bereits desselben 
erwähnung geschah. 

Seine lautliche geltung ist bei Miklosich lautl. p. 13 IT. nach- 
gewiesen (ceniAB|j-b rr aentkfißotog u. s. f., die aufs dem sla- 
wischen enllenten gothischen Wörter p/mÄ/a;«, ????/;?5 laufen im slaw. 
HAACJ iH, uAco, dagcgcu wlrd aufs fhening slaw. n tHAri, u. s. f.)^ 
A entsteht aufs bM, bu, hm, wenn sie vor consonanten oder in 
den aufslaut zu stehen kommen (s. Miklos. a. a. c), z. b. ubH-;iv 
comprimere (ubMHH, minor, skr. manäk parum beweist, dafs hier 
ursprünglich a stand, wärend lateinisch minoj\ minimns, goth. 
minniza, niinnists zeigen, dafs hier a schon in scr alter zeit zu i 



— 54 — 

herab gesunken), aber infin. maih für ubH-TH, diefs ist jedoch 
später zu behandeln. — i.ukco, skr. mänsa, goth mims caro. — 
hATpd jecur, skr. antava, tvztnov, j ist im anlaute zugesetzt wie 
oft. — 2;*i b, lit. z-entas, gener. — n xxb, AfiB-Aib, agcai b quinque 
nouem^ decem. — b/A^j-ih, skr. handh, binden, ligare. — a^iutj, 
lens, lit. /ensze, linse. — in allen diesen fällen liegt dein * ein 
ursprünglicher a-laut zu gründe und es dürfte schwer sein fest- 
zustellen, ob hier a aus allerem en oder in, b» hervorgegangen 
sei, da beides möglich ist. — Dageo-en ist in \^zä morbus, skr. 
vurz. ind/i urere (cfr. b*? und handK), u^^-biKh, lingua v. d. w. 
skr. lih, lingere, mit abfall des anlautenden / oder Verwandlung 
desselben in j (vgl. liiiunt, ital. giglio und umgekert Julius, ital. 
luglio, wie K:AeMb, serbisch Ijelen) a als Vertreter eines ursprüng- 
lichen in anzunemen. 

Über A einiger flexionsendungen s. unter bi, über a als 
umlaut V. ,v, weiter unten. 

Vocale der u-classe. 

oy d. i. u, nicht ou, denn es ist das griechische ov, dessen 
aufssprache als u sicher steht, mag es auch in der ältesten zeit 
diphthongische geltung gehabt haben. 

oyco, lit. ausis, or-r, goth. auso, auris. skr. ghösa, schall. — 
oycTj (plur.) OS. skr, östha labium, ovcepAn,, entlentes wort 
aufs goth. auso und 7'ing, inauris, in diesen fällen entspricht oy 
dem aus u entstandenen diphthongen der verwanten sprachen, 
welcher dem slawischen fremd ist. — BoyAHiH excitare, skr. w. 
budh, lit. pahitndu expergefio. — nAoyiH navigare, skr. plu, lat. 
fluo, pJu-it, nltiiai V. d, w. nlv, lit. plaiiju, ahd. fleiciu lauo. — 
cAoy-TH audire, gr. y.).vco, skr. w. cru, goth. hliuma auditus, — 
coyxT,, lit. sausas, skr. ^uska, zd. huska, huska, siccus, cavxog, 
aaviiiog. — oyBor-b, lit. ubbagas =z nabagas pauper, cfr. BordTb, 
lit. bagotas diues, vgl. skr. bhaga, bhäga felicitas (oy aufs ;r. = 
an priuat. ?). — BoyH insipidus, lit. bninus salax. — Aoy-H;i>TH 
spirare, mit zusätzlichem x in Aoyxi, animus, Aoyujj, lit. duszia 
anima, Mikl. v. skr. dhü agitare, mir scheint esfür A.t.-H-T.TH zustehen. 



— 55 - 

was der codex ostroniir wirklich hat und v. d. würz. skr. rf/iö//* flare 
abzuleiten, slavv. ahu in ahm-zT. infin. a-t.-ih flare. — uoyxj, 
lit, müsse, lat. musca, ahd. mucca, skr. maksikä. — oy, lat. jam, 
ahd. ju, vvol für m, böhrn. ju(J>^, vom pron. ja. — oymt,, lit. 
umas mens. — k)h>, lit. jaunas, goth. juggs, skr. juvana, ge~ 
schwäcfit jun. — K>xa, skr. jusa, lat. jw*. — ajobh th, skr. lubh 
(cupere) mit zugetretenem j, nhd. lieben. — poviH und ptoiH 
rugire, skr. ru sonare, sonum edere. 

•bi ; von hl als diphlhong wird weiter unten gehandelt werden, 
hier stehen nur beispiele, in denen hi einem ursprünglichen u 
entspricht. 

Bbi-TH. lit. bu-fi, skr. würz, bhü, fu-i, cfv-co esse. — cbiM-b, 
skr. mnus, lit. sunus, goth. stmus. — verbipH»*;, skr. Uatur^ 
quatuor. — Abiub, lit. diimai, skr. dkäma, futnus. — ubiiub, 
skr. müsa, fwg, mus. — Mbm^, vvv, skr. nw, nünam, nunc. — 
phir-Hrt^TH, tQsvyee^ai, eruclare. — pbiA<iTH, skr. würz, rud, ahd. 
ruz> (riuzu, röz, ruziimes^, lit. raud-oti flere. — p-biK^ in, rugire. 

— pbiniAb (aufs pbijjb), i-ov&-Q6g, skr. rudh-ira, rufus, lit. 
raud-onas, alln. raud-r, ahd. röf. — Tbi, lit. fu, lat. tu, gr. der. 
tv, skr. ivam u. s. f. — Tbic/üiurd, lit. iukstanüs, g<ith. thusundi. 

— bi als femininendung z. b. cBSKpbi, skr. ^cagrü, lat. socrus 
und einige andere. 

•bi steht wol für ursprüngliches -as in Bbi, lat. vos, skr. 
vas. — Hbi, nos, skr. nas acc. plur., ubi nom. plur. darf man 
hiermit die fast durchgangig befolgte Schreibung, z. b. MOBbm, 
6 viog, zusammenstellen und auch hier in bi einen vor h besser 
als im unbestimmten HOBb erhaltenen rest der ursprünglichen 
endung -as erkennen? 

•bi sahen wir eben aufs u entstehen; ich bin geneigt, auch 
hier diesen Ursprung des bi festzuhalten; man kann, wie im 
lateinischen so auch für das slawische in einer früheren epoehe 
der spräche ein herabsinken der ursprünglichen endung -as zu 
-US annemen, aufs diesem -us entsteht nun fast in allen fällen 
b durch abfall des ursprünglich schliefsenden s und durch die 
gröste mögliche Verkürzung des u, nämlich in b; aber hei h bi, 



— 56 — 

u-hi, Bi.i kommt aufser der cinsylbigkeit noch der umstand hinzu, 
dafs in den inen zu gründe liegenden formen fias, nias, vas -as 
nicht blofse casusendung ist; hier vermied die spräche die 
äufserste Verkürzung und liefs es bei dem abfall des s von den 
voraufsgesetzten Zwischenstufen nus. mus. vus und der Ver- 
wandlung des u in bi bewenden; derselbe fall trat ein beim 
anlrelen des h an das adiectivum, wodurch auf den aufslaut 
desselben mer gewicht, mer stimme gezogen ward und -us 
ebenfalls nur in -hi, nicht aber in -h verkürzt wurde. 

ti 4) im acc. pluralis der mascul. auf a, z. b. rsi acc. plur. 
v. Tb ille, grundf. tams, aber iji gleiche form von h, d. i. j-h, hie, 
grundf. jams, c-biHbi filios gegenüber einem u/r.a;* uiros (ur- 
sprüngliche endung ebenfalls -ams'), mit welchem parallel geht 
2) der genit. singul. p-biBbi piscis und der gleichlautende nomi- 
nativ plural, pbiBbi pisces von p-biBd gegenüber den gleichen 
formen von sfämmen ursprünglich auf ja (wie in ».i,i.a;b b für j-b) 
AOYuiA animac (genit. sing, und nom. plural;, ferner 3) -m im 
nom. sing. K.iubi, nAau-bi, hÄVbi-i-hi für KdueH, PAduKH, iwbiieM 
(lapis, flamma, hordeum) oder vielmer für kau^. n,\.iMA u. s. w., 
formen, die einem ursprünglichen -an (skr. a<;man :==. kjm-hi) 
entsprechen, endlich 4) bi des parlicip. praesentis iieK-bi, grund- 
form pekanQts), gegenüber einem xb^awi (laudans) zeigen uns 
offenbar ein -\,i nasalen ur.sprungs; wie auch oy und weiterhin 
t aufs .T. entstehen kann (s. u.; z. b. c-K-Aorb consors tori. c/r. 
n: skr. sam cum. coy-rovGb duplex, cfr, lit. dci-gubas duplex, 
und das gewönliche c-b, cum), so sehen wir hier das zwischen 
OY und -b in der mitte stehende bi ebenfalls aufs ursprünglichem 
an, am entstehen, das ursprünglichere a hielt sich nach j; nach 
dem früher für ^^ gefundenen Alerte -im, -in, -cn nemen wir 
bei den unter 1, 2, 4 aufgezällen fällen an, was bei 3 klar 
vorliegt, nämlich dafs das j das eigentlich nachfolgende a in e 
umwandelte und hier a überall zunächst für en, ein steht: u,.;niA 
für mqzems oder -ens (und dieses für magjams), die deutung 
des nasals im geniliv singularis der feminina wird in der decli- 
nalion gegeben werden, desto klarer steht x^^dAl^ für Ursprung- 



— 57 — 

liches chvaljan((s'), wo durch einflufs des j a in einen palalal- 
vücal umlautete und aufs diesem mit dem folgenden nasal a ward. 

o. wie -b zwar hauptsächlich ursprüngliches a, nicht selten 
aber auch u vertritt, so ist auch o nicht nur aufs ursprünglichem 
fl, sondern vereinzelt auch aufs u entstanden: choxj, skr. «««sd, 
alid. snur, snura, wog, nurus. — okj, skr. ubha aber «ftrpw, 
ambo, lit. abbu, so dafs hier wol o =z a, — vielleicht poa-hth 
parere, skr. ruh für rudh nasci, crescere. 

b, inlautend. pbA-^iH, skr. rudh^ira, i-Qv^-QÖ^^ enibescere. 

— p-bn;Ad (für p-bAw), lit. rudis, riibigo. — ubcrb musium. — 
B-hA-teiH uigilare, boy.vhth excitare. — c-h, lit. si/, skr. sam 
cum, vgl. o,i>, coy. — bat^xj, lit. bhissa pulex. — BbApb, lit, 
budrus alacer, v. d. würz. bova. ■ — rp-bBd i-b, lit. grubus, gibbosus. 

— nAbK-b castra, lit. pi/lkas tumultus, ahd. folc populus. — 
ci A-bn-b, lit. slulpas columna. — lAbK-b, lit. tulkas interpres. — 
TAbKOBdTH, lit. tulkoii interpretari. — Tbiuib, lit. tuszczias, skr. 
tuk/eha uacuiis. — femin. partic. praeterit. activ. -B-buiH, lit. -vnsi 
(für -vansi). 

b aufslaulend. ep-bx-b, lit. virszus cacumen. — ueAb, lit. 
j?iedus, skr. madhu mel. ~ ocbAb, goth. asilus asinus. — cbm-b, 
lit. sunus, goth. siimis, skr. stinus filius. ■ — rpbr-b, lit. turgus. — 
TpbHb, goth. ihaurnus Spina. — diefs -b unterscheidet sich durch 
nichts mer von dem aufs a entstandenen, die declination dieser 
nomina ist die der a-stämme, es läfst sich somit nicht entscheiden, 
ob manche dieser worter im slawischen ursprünglich a gehabt 
oder w, wenn die verwanten sprachen beide endungen aufweisen : 
Aoub, lat. domus, aber d6[wg, skr. ved. dama, lit. namas. — 
locat. plur. -xb, skr. su, aber lit. -sa, -se (c-bm^x-b m skr. 
sünusu, liL sunnse). — Partic. praeterit. activ. -bt,, lit. -vus, 
skr. -vans (z. b. B-bi-Bb, lit. burus'). — supinum -ib, lit. -tu^ 
skr. -tum^ lat. -tum (phtt,, skr. päfmn, lat. potatum, lit. ger-tu). 

Diphthonge. 

b ist guna von i und ist als solches spater zu erörtern ; 
wir nemen denuiach seine ursprüngliche geltung als gleich dem 



— 58 — 

griechischen ui; obgleich nun nach damaliger aufssprache «i als ^ 
(ouvert long) galt und das sanskrit e dem t. auch etymologisch 
gegenüber steht, so ist doch hier wol kein reiner diphlhong e 
anzunemen, sondern vielleicht eher ein ai, aj als älteste geltung 
des t zu betrachten, da es später zu ja ward, in dieser geltung 
dein griechischen ai gleich ünden wir -c bei der Umschreibung 
griechischer Wörter: ABuovHb, daiuoiv, qscjps, y.aiauo, seltener 
drückt es ein blofses e aufs : rpan-u7.d, rgänt^a. bald jedoch 
mufs â– % die aufssprache ja angenommen haben (d. h. a und i um- 
gestellt worden sein), diefs ergibt sich aufs der Verwandlung 
des -fe in d nach lauten, die sich mit dem j verbinden, was unter 
den lautgesetzen zu besprechen sein wird; auch im heutigen 
bulgarisch wird -t wie ja aufsgesprochen, in den verschiedenen 
slawischen dialecten ist gerade dieser laut den meisten Verän- 
derungen in der aufssprache unterworfen und lautet fast in jedem 
dialecte anders, wie 2, so ist auch t öfters Schwächung ursprüng- 
lichen a-lauts. 

-te entspricht demnach skr. e, lit. e. b^a^ih scire, neue 
Wurzel aufs dem ursprünglichen perfectum von bha— sth. lat. v>id^ 
skr. nid, gr. pid {etidov, sideii), skr. veda, gr. toiöu, got'». tait. 
— n^Hd, skr. phena spuma. — cBtT>> lux, skr. (;cela, guth. 
hveits albus v. cbht-j th, lit. szvintu illucescere, lit. szves-fi (für 
sx,vet-ti) lucere. — B-ucb daemon, lit. hesas. — b^apo, lit. vedras 
hydria (skr. uda aqua, daraufs vielleicht eine secundäre form 
rid, von welcher ved- guna wäre, wie AptiBo arbor, skr. druma, 
gr. dov^, befser indessen scheint es auch hier, wie öfters — 
heispiele folgen weiter unten — n als Vertreter eines ursprünglichen 
u zu fafsen, was man sich so denken kann, dafs aufs dem ur- 
sprünglichen u zunächst tu oder uc geworden : ApbBj ligna 
(=. druva~) und dieses u dann durch -b wiedergegeben ward. — 
B-BMTH euannare, B^rpb uenlus, bi^w ramus, lit. teju, mjau 
persequor, vejas ventus, goth. raian, nhd. wehen, skr. vä, im 
slawisch -lettischen und germanischen hat sich ä in i resp. 
dessen steigerungslaut abgeschwächt. — B-tpj fides, lit. vera. — 
AiiA-b, lit. dedasßxxws. — auam, lit. del propter. — a ba-hi h dividere, 



— 59 — 

g-oth. dails pars, — Ats-TA infans, skr. dhe bibere. — A^ßä 
uir^o scheint nicht zu dieser wurzel, sondern zu div lucere zu 
stellen. — y-B-Hd pretium, lit. czene pensum, würz. skr. Hi 
colligere, quaerere (perscrutare), gr. n (zi-a, ri-urj). — ^B-upb, 
lit. Aceris fera. — ASBb laeims. — A-BKdpb (a-skob.ith sanare), 
lit. lekorus, ahd. lähhi medicus. — ^■n^d■\■H decuinbere, g-oth. 
Hgan, aber ^ome lectus (für Aor/o), mit demselben Wechsel von 
i und a (d. i. -t und o), wie goth. Ugan, lag. — A-tn-b decorus, 
AunHTH conglutinare, skr. lip ungere oblinere, u-/.si'rf(o, h'no^, 
Xinei^co, lit. lippau, liinpu, ankleben, — A-tMiH fundere, lit. ly-fi 
pluere, skr. li liquefacere. — u-nhd, lit. mainas commutatio, 
vielleicht ^ mu-to (u z=z -n, s. unten). — u-tp.«, lit. ftiera 
mensura, skr, mä (slaw. in 7Hi, u-b geschwächt). — u-fec^Lib luna, 
niensis, skr. mäs, lit. menesis, meiiü, goth. me/ia, ahd. niäno, 
vgl. d. vorige. — ci-.abth sedere, c-bc- th aufs c-ba- th considere, 
skr. *ad, goth. sitan, perf. sat, im slawischen ist t Schwächung 
aufs a, vgl. d. causs. cjahth plantare. — m-bchth, lit. maiszyti, 
misceo, ahd. iniskiu, fiiyvvm, skr. tnig-ra mixtus. — ■ m-bcto locus, 
lit. 7uestas urbs. — u-Bxb pellis, uter, lit. maisias Saccus. — 
cM-BWTHc* ridere, cu-Bx-b risus, skr. smi. — cH-Br-b, goth. snaivs, 
lit. snegas nix, vgl. rfw, vtvGo^ca aufs avs^co, w. avv, skr. w. 
snu. — AtiH facere, ponere, ebenfalls -b afs ä, skr. dhä, ri'-&r}-fii 
u. s. w. xA-BBb panis aufs d. goth. hlaibs. 

Einige -b weisen auf urspüngliches u zurück, s. o. unter h, 
bei welchem dasselbe der fall ist: B-Br-iiTH, Vit. begti fugere, skr. 
bhug flectere curuare, goth biuga, baug, Lugutn, qtvyco, w. (fvy, 
fug-io. — Ap-tJBo arbor, apt^bj =z druva ligna, skr. dru-ma, 
dni'g. — p-B-Ka flumen, skr. sru fluere, gr. «v, ntsm. — BBx-b, 
B-B, aor. V. d. w. Bbi, skr. bliü esse gehört nicht hierher, s. u. 

•bi ist als diphthong ganz anderer herkunft, als bi, welches 
wir aufs ursprünglichem u entstehen sahen, ob die aufssprache 
beider -bi vollständig dieselbe gewesen, scheint mir zweifelhaft, 
da in den fällen, in welchen bi diphthongischen Ursprung hat, 
meist -biH in den handscliriften geschrieben steht, so z. b. im 
cod. ostromir. Nach Miklosich. welcher die allerdings von der 



— 60 — 

regel geforderte organische Schreibung -hi für die ültere halt, 
ist bi für den aufs zusamnienflufs von b und h entstehenden 
laut nur im Glagolila clozianus regel, in anderen handschriften 
aufsnaine. bei so constanter Unterscheidung in der Schreibweise 
der ältesten handschriften und dem ganz verschiedenen Ursprünge 
des gewönlich in der Schreibung bi vereinigten lautes scheint 
mir eine Verschiedenheit — wenigstens eine geringe — in der 
aufssprache angenommen werden zu niüfsen, weshalb ich auch 
in der einleitung das diphthongische -bi der Schreibung des codex 
ostromir. gemäfs als t>ih, d. i. als zwei laute gerechnet habe. 
Die falle, in welchen das diphthongische bi entsteht, d. h. in 
welchen b und h zusammentrefl'en, sind folgende Zusammen- 
setzungen zweier Wörter: 

1) von praeposilionen, welche auf b aufslauten, mit Zeit- 
wörtern, die mit h anlauten, z. b. oBbiiH circumire, ob bicKJTH 
inuestigare aufs obt, praepos. inseparabilis, skr, abhi, gr. «/<g/, 
lat. ob, amb, ahd. umbi (der aufslaut im slawischen ist jedoch 
verschieden, man müste denn annemen, dafs hier schon in 
ältester zeit b für ursprüngliches b eingetreten sei, eine erschei- 
nung, die im laufe der zeit im slawischen immer häufiger sich 
zu zeigen pflegt) und hih ire, hckjth quaerere. 

2) in der zusannnensetzung des pronomens h (skr. ju) mit 
dem auf t aufslautenden nominat. mascul. der adiectiva ; durch 
H wird das bestimmte adiectivuin gebildet, z. b. ocu-bi, ocub-H 
octauus. in diesem liilie ist auch in den alleriiltesten quellen die 
Schreibart -bm fast aufsschliefslich gebräuchlich, h gilt auch hier 
als /b. 



Es ist nicht meine absieht, im folgenden all und jeden laut- 
wechsel zur spräche zu bringen, wollte ich diefs, so sähe ich 
mich in der unangenemen läge, Miklosichs lautiere aufssciireiben 
zu müfsen, auf welche ich hiermit verweise, denn von solchen 
selbstsländigen forschungcn, die zum grösten teile auf Studium 



— 61 - 

der haiulschriften beruhen, wie sie nötig wären, um vielleicht 
hier und da den auf der umfafsendsten leclüre beruhenden 
resullaten Miklosichs etwas zufügen zu können, ist bei mir nicht 
die rede, auch haben dergleichen einzelnheiten, bisweilen nur 
gewissen handschriften eigentümlich, wenn sie nicht für den 
Organismus der ganzen spräche , für ir verhältniss zu den 
schwestersprachen von besonderer bedeutung sind, mer für den 
practischen slawisten von fach Interesse und passen demnach 
nicht in den plan dieses buchs, welches nur das verhältniss des 
slawischen zu den verwanten sprachen ins äuge fafst. Bei den 
eigentümlichen Schwierigkeiten des slawischen vocalismus suche 
ich im folgenden nur in groben umrifsen zu zeichnen und bestrebe 
mich das hervorzuheben, was für vergleichende sprachwifsen- 
schaft auf dem felde der indogermanischen spräche von bedeu- 
tung ist. 

Im bisherigen suchten wir uns das verhältniss der kirchen- 
slawischen vocale zu denen der verwanten sprachen vor äugen 
zu füren, im folgenden ist es unsere aufgäbe, in den hauptzügen 
ein bild von jenen Veränderungen zu entwerfen, denen die vocale 
teils zum zwecke des grammatischen beziehungsaufsdruckes, teils 
in folge gewisser lautverbindungen unterworfen sind (z. b. die 
Verwandlung des -u in a nach gewissen consonauten, vocalassi- 
milation u. a.). 

Es ist im wesen der flexion begründet, dafs das wort selbst 
verändert werden kann, um ihm bei gleicher bedeutung eine 
andere beziehung zu verleihen, diese Veränderungen betreffen 
vor allem die vocale und die grammatischen endungen, die zu- 
gleich an das wort antreten können, stehen mit solchen vocal- 
veränderungen in der engsten beziehung. besonders klar und 
regelmäfsig zeigt sich solche lautveränderung im sanskrit durch 
jene lautsteigerungen, die man guna und vrddhi nent und die 
in einem einmaligen oder zweimaligen zusatze von a zum grund- 
vocale bestehen, a selbst gilt aber in der sanskritgram malik 
schon als guna, daher wurzeln mit a zu der ersten classe ge- 
rechnet werden, deren kennzeichen nebst bindevocal guna im 



— 62 — 

praesens ist und nicht zur sechsten, die k<'in guna hat, z. b. 
vap 3. pers. praes. vapati serere; nam, namati inclinare und 
viele andere. Von solcher ansieht aufsgehend fafst die sanskrit- 
grammalik in den wurzeln auf ar und (der einen auO al diese 
Verbindungen als Steigerung auf und gibt als grundform solcher 
wurzeln die nach unserer ansieht erst durch Verkürzung ent- 
stehenden formen mit vocalischem r und / als wurzelforinen, 
z. b. kalp, kalpate sufficere, adipisci, üeri, facere. — vart, vartate 
fieri. — iar, tarati transgredi u. s. f, in diesem falle kam der 
aufTafsung der sankrilgrammatik der umstand zu statten, dafs das 
Sanskrit die sylben ar, al in vocalischcs r, / verkürzen kann 
und diese verkürzten formen fafste man als wurzel, gab also für 
die oben angofürten beispiele die wurzelformcn kip. tri, ir. die 
vergleichung der anderen sprachen lert aber aufs schlagendste, 
dafs die formen mit a ebensowol hier grundformen sind, als in 
den wurzeln, die / und r nicht als zweiten laut enthalten; offenbar 
liegt auch eine inconsequenz darin nam zwar als guna zu be- 
trachten, es aber dennoch als wurzelfonn hinzustellen, aber nicht 
tar, welches doch auch als guna gilt, man hätte also neben ir 
auch nm consequenter weise als wurzel aufstellen müfsen, oder 
iar neben nam. diese ganze sanskritische auffafsungsweise be- 
ruht darauf, dafs man mit verliebe die kürzeste vorkommende 
form für die grundform hielt, wobei man den umstand übersah, 
dafs es in den sprachen auch eine Verkürzung, also gewisser- 
mafsen ein negatives guna, eine negative Steigerung gibt, so 
gilt at als Suffix parlicipii praesenlis actiui, wärend doch diefs 
at nur die Verkürzung des ursprünglichen ant ist und vieles 
andere dergleichen, wir gingen hier auf diese betrachtung ein, 
weil für das slawische von ganz besonderer Wichtigkeit die 
erkenlniss ist, dafs nicht die kürzeste form deshalb auch die 
älteste, ursprünglichste sei, sondern dafs eine Verkürzung der 
ursprünglichen vocale ebensogut angenommen werden müfse, als 
eine Verlängerung derselben, also eine negative und positive 
gradation, deren mittelpunkt der ursprüngliche vocal, die ursprüng- 
liche geslalt der wurzel, des suffixes bildet; vgl. was oben 



- 63 — 

])g. 49 f. über die aiifTafsung von pt, xh, pi,, Ab gesagt ist, wo 
namentlich gegen Miklosichs offenbar durch die betrachtung des 
sonskritund durch die auffafsung der sanskritgrammaliker erzeugte 
ansieht einwendungen geltend gemacht werden. 

Für die anordnung des vocalisinus im slawischen geben 
uns die angesleiiten vergleichungen mit den verwanten sprachen 
die nötigen anhaltspunkte. es ergibt sich uns mit Sicherheit, dafs 
in der a-reihe als verkürzungsvocal ■>,, in der «-reihe b und in 
der w-reihe wieder t, erscheint, die vollen vocale haben sich 
im slawischen wieder meist zerschlagen und zwar a in d, e, o, 
von denen wiederum, wie wir bald sehen werden, e der leichteste 
ist, wärend o und d als Steigerungen gelten, wiewol auch sie 
nicht selten einem kurzen a der anderen sprachen entsprechen, 
im slawischen also doppelte geltung haben, die aller warschein- 
jichkeit nach durch die quantität bedingt war (s. o. die beispiele 
von a und o rr: a, beispiele für die Steigerung folgen), in der 
H-reihe ist h allein grundvocal, -6 Steigerung, in der w-reihe 
ist ebenfalls der grundvocal in -bi und oy zerschlagen, und hier 
gilt von ov das von a und o gesagte, auch h scheidet sich wol 
in kurz und lang, letzteres da anzunemen, wo h mit -b wechselt 
oder einem anderen (kurzen h) in ableilungen entspricht, in 
welchen sonst vocalsteigerung staltfindet: z. b. abh;;.ith von 
ABHrH/nTH (mouore), wärend z. b. von TeK;fv (curro fluo) HcravärH 
(effundere) u. dergl. gebildet wird, vgl. Miklos. lautl. §. 13 und 
weiter unten die lere von der verbalbiidung-. weitere steige- 
rungen sind dann von iund u oj, aj, ob, es, <ib. es ergeben sich 
also im slawischen mergradigere scalen der vocale als im sanskrit, 
die lere von der gradation der vocale ist daher eine schwierigere 
und das folgende macht nur darauf anspruch, eine erste skizze 
zu sein. Miklosichs trefflichen arbeiten verdanke ich das material, 
dafs ich dasselbe grofsenteils in anderer weise bearbeitet habe, 
brachte der plan dieser schrift mit sich. 



— 64 — 

Vocale der a-classe. 

Die in den Verbindungen ob, jb etc. vorkommenden a-vocale 
bleiben hier unberücksichtigt, da sie in die Steigerungsreihe der 
w-vocale gehören. 

Die a-vocale bilden folgende gradation : 
!>, e, o, d. 

Als Vertreter eines ursprünglichen kurzen a stehen sich e, 
o, ä ganz gleich, erst wenn sie langes a vertreten, sondern sich 
o und d in irer geltung. 

Für b als ersafz des kurzen «-lauts sind oben schon hin- 
reichend beispiele gegeben worden, in den denkmälern selbst 
wechselt zwar b mit o (Miklos. lautiere §. 33, 1,); so z. b. in 
den endungen --bK, -ok b, r.AJAOKb suauis neben dem richtigeren 
cAJA'bK'b, K()oroK-b mansuetus neben KpoTbKb ; im instrum sing, 
meist -oi.ib (Boroub neben Bor-bub cum doo) u. a., doch hier 
ist die form mit o die jüngere, ebenso ist es ganz dein character 
der neueren dialecte gemäfs, wenn b durch e ersetzt wird : 
ACMb für AbHb, skr. dina u. dergl. ein e aufs i entstanden, glaube 
ich dem kirchenslawischen in seiner consequent durchgefürten 
ursprünglichen form absprechen zu müfsen, erst die neueren 
dialecte fürten ein solches e ein, nachdem b fast nicht mer 
aufsgesprochen wurde; dagegen ist e im reinen kirchenslawisch 
nach j aufs o nicht selten entstanden, s. u. bei der lere vom 
Umlaut. Man hat im kirchenslawischen bei der schwankenden, 
durch einwirkung der anderen dialecte afficierten Schreibung auch 
der ältesten Codices änlich wie im althochdeutschen die formen, 
welche die richtig erkante regel der spräche fordert, die streng 
kirchenslawischen, wol zu sondern von der in den handschriften 
factisch vorliegenden mannigfaititrkeit, wenn diese auch bei 
weitem nicht so grofs ist als im althochdeutschen. Im folgenden 
werde ich das, was nicht dein strengen Organismus der spräche 
gemäfs ist, möglichst unberücksichtigt lafsen. — Der erwähnte 
Wechsel des b mit o kann uns daher höchstens für aufssprache 
desselben von einiger bedeulung sein, der parallele Wechsel des 



— 65 — 



b mit e und die vergleichung der neueren dialecte zeigt klar 
seine jüngere, dem iiirchenslawischen fremde entstehung. 

Für die folgenden reihen liefsen sich aufs slawischen 
sprachen, von denen uns ein gröfserer Sprachschatz vorliegt, 
z. b. aufs dem böhmischen mer und vollständigere belege geben, 
indess glaube ich mich hier aufs kirchenslawische beschränken 
zu müfsen. 



o 



B|) bi-t; IH cir- 
cumagere, 
skr. vrt. 

0-Xp'hU-H,TvTH 

claudum fieri. 
BAhr- hK-f. humi- 

dus. 
TA'bK--ft tuudo. 

Up'bK-N-T. TH 

obscuiari. 
, frigescere. 

CMp-bA-V. IH 

foetere. 



Bper-t-Mo fusus, 
der fonii nach 
skr. luirtauam. 



Bp.i i-H TH uertere. 



xpoM-b claudus. 



BAdr-d humor. 

TA<iv-HiH con- 

culcare. 
upaK'b tenebrae. 

upd^-b frigus. 

r.ijpdAi> foetor. 



fU)CM,)<«AH TH 

in(|uinare. 
In diesen fünf beispielen kann es zweifelhaft ersciieinen, ob 
die mittelslufen zwischen -h und .i übersprungen sind. d. h. ob a 
hier Vertreter von ursprünglich ä sei, oder ob liier das a als 
kurz zu nemen sei. die erslere anname ist uol bei ta.ivhih, 
no-cMpdAHiH die allein richtige, da dergleichen ableitungen stets 
durch lautsteigerung geschehen. 

!> € O d 

BpeA-^., bölim. BpoAH IH transire, 
bredii, böliin. schwemmen. 

BpoAh uadum. 

5 



— Üü — 

T» e o d 

BCA-*. BO,\-HTH. BäTKA-d-IHdüCere. 

Md-BOAT'inductio. 
Be^-*, 111.1565-?/. Bo:?-HTH, bölim. ry-vüieti. 

skr. vah-ätni lit. r>az>-oH. 
uoho. 

B07:->, currus, 
skr. räha id., 

re.K-^ CUrrO TOV-HIH flin- HC-TdV-dTH, 

fluo. lit. ie-ku dere. hc-i .ik-j ih 

id. eifundero. 

TOK-h fliixus, 

lit. tak-as semita, 
abgel. V. d. bed. 
curro. 
Hec-,^ fero. hoc-hth ferre, n()H-M<iiiijiH. 
no-rpeB-* rpoBT, sepulcrum. 

sepelire. 
•lenA-h calidus, böhm. top-iti 
skr. top. calefacere, 

skr. täp-ajämi. 

KAOH-HIH KAdHMIH illCÜ- 

nare. 

TBOp-HTH TBdpb TGS 

facere. creata. 

AOU-HTH H:?-AdUdlH 

frangere. defringere. 

Der Wechsel von tgk-.i^, roKb, iovhih entspricht dem 
weciisel V(in a, ä im sanskrit, dem von e, a im litauischen, von 
f, o im griechischen (wo ebenfalls o auch =z skr. a, z. b. in den 
nomiiialstammen auf -Oj*), uya, ^-oyoc, iv-z-oyi-a, i, u auf einer 
und a auf der anderen seite im goth.; das slawische gewint 
durch sein das o an gewicht noch übertreffendes a noch eine 
neue stute der Steigerung — ein vrddhi von ä, wärend in den 
anderen sprachen d blofs einer einmaligen Steigerung fähig ist. 



I 



— 07 - 

denn .1 ist enlschioden stärker nls o (wobei man jedoch stets 
den pg. 63 autgeslelllen unterschied zu beachten hat), letzteres 
erscheint als Schwächung- des <i, so z. b. in der Zusammensetzung 
oAdBOAioGHKi gloriac cupiditas von cAdB.i gloria, ganz wie griech. 
ttfioxQaria von rfju^ (d. i. tj//«) ; ferner im vocativ der weiblichen 
a-släinme, wo ein cajbo sich zum nominativ c\dHd verhält, wie 
im mascul. Boase zu einem voraufssetzlichen, die ältere form des 
nunmerigen Bon. darstellenden nominativ Boro(*), koys zu Xoyog. 
Etwas anders gestaltet sich dieses lautverhältniss in dem falle, 
dafs der dem vocal voraufsgehende consonant a oder p ist. es 
ist eine bekante, besonders von Grimm in seiner geschichte der 
deutschen spräche hervorgehobene ersoheinung im slawischen, 
dafs es fast durchgängig in den fällen, wo die verwanten spracl.en 
den vocal vor p und a haben, in nach diesen c^nsonanten setzt 
(Miklos. lautl. §.61 pg. 41), so z. b. baja-hth, goth. raldan. 
— oAbH-h, goth. fiills, plenus, skr. pürna. — npjcA (Kopit. 
Glagol., nicht in Miklos. lex.), lif. parszas, lat. porcus, ahd. r>arh. 
nhd. ferkel (noch näher dem slawischen steht das niederdeutsche 
verken). u. s. f. selbst in entlenten Wörtern: noAHKpjnb, updMopT>, 
noyxAepHM aufs TToXvxaQnm:, marmor, Pulciieria. — diese eigen- 
tümlichkeil hat n;ich Miklosich lautl. §. 20 p. 13 darin iren grund, 
dafs „die buchstabenreihe, in welcher auf einen vocal zwei 
conson.mten folgen, von denen der erstere / oder r ist, dem 
slawischen obre zuwider" ist. hieraufs erwächst nun aber für 
die anwendung der schwachen vocale folgende besonderheit. die 
sylben: consonant -|- p-h, oder -j- at, bleiben in dieser von der 
regel geforderten form nur dann, wenn ein consonant folgt, folgt 
aber ein vocalisch anlautendes suffix, so schwindet vor diesem 
das T> gänzlich, oder wenn man will, es verschmilzt mit diesem 
vocale, der vocal nimmt die stelle des wurzflvocals ein, so z. b. 
Bep;t, capio, aJier vor dem -.n h des infinitivs Bp-<nH, weil ein 
Bhp-jiH — wie T'hK-.jiH — unmöglich ist; so entstehen demnach 
anschein. nd vncallose wurzelformen, die w'w nun in der reilu- fin- 
den, in welcher, wenn auf pi,, ah noch ein consonant folgt oder 
bei anderen consonanten als p, a der schwache vocal ^ erscheint. 

5^- 



— 1)8 — 



T» 




e 




o 


d 


np-jiH capore. 


UPp- 


-,T., 




H2;-H(»()-h u. viele 






capi 


0. 


andere. 




^iJ-'hiH uidere. 








/,oi)-t.\ und 


Zäi)-tA splend(»r. 


rp-t;iH cale- 








rop-BiH ardere 


Bi,i;-r<ii>-d TH id. 


facere. 












i;j-KA-J TH. 








'4,J~KO.\-tr(,. 


^J-K<«A-J TH 



niactare. 

Was das kurze .1, o belrifTt, so zeigt sich, so bedünkt es 
mich, die gleiche geltung beider laute und des e durch don 
Wechsel dieser laute in demselben worte; s. Miklos. laull. §. 3, 
1. 2. §.7, 2. poR-b, p<iBh seruus. — 1 opak neben nenA-h calidus. 
— KOTfip'bi neben KO'iop>>i qui. — ^<iuen>:perH, :?dUdTop-t!TH 
senescere u. a. auch in entlenten Wörtern findet dergleichen 
Wechsel statt. 

Wenn r. mit e nicht selten wech-e't (Miklos. laut!. §. 7, 3), 
so ist. nufsgenoininen in wenigen füllen, «urspriinglieh : Bpr.rt^Ho 
neben BpereHo fusus, würz. Bpbi, skr. varl, lat. verf. — mK-hipa, 
reKhip.1 securis u. a. 

Ein dem deutschen ablaut (der ja auch nur Steigerung und 
Schwächung des vocals ist) vergleichbarer Wechsel von i- und 
a-lauten findet nicht selten statt und zwar in der weise, dafs 
als der schwächste laut bei liquiden aufsfall oder der halbe 
f-Iaut b auftritt, die drei «-laute in der mitte liegen und sodann 
der volle und der gesteigerte 2-laul h, t als höchste steigerungf 
folgen, doch beschränkt sich der durch verscliiedene lautquali- 
täten, d. i. vocale verschiedener organe hindurchgehende laul- 
wechsel auf die Verbindung der a~ und «-laute zu einer reihe 
und kann so höchstens als ein ansatz zu dem betrarhlet werden, 
was uns namentlich im germanischen in so hoher Vollkommenheit 
vorliegt, weil im germanisi hen a zu i und u gescliwächt werden 
kann, der «-laut ist in allen hierher gehcirigen fällen gnind\ocal ; 
b sciiwächung desselben und h, b .-Steigerung dieses durch schwä- 
thuiiiJ; aufs a entstandenen «-lautes. 



— 69 



b e o 

pbL|H iinper. v.|)t;K,r.*)(lico. npo-poKb 
loq-uor, propheta. 



no-CTA-di H, creAm. c. iha-k 

skr. siar, praes. meiisa. 

praes. strnötni, 
azoQ-vvfii, 

sterncre,\g\. 
npo-cip- erH 
exteiulere. 

MA-r.lM MCA-i-rf.. »IOAI> tillCa. 

molere. 

«iur-OMb ;iifcr-/r. 
pai t. praes. acccmlere. 
pass. 



H -h 

npo-pHg.nH MJ-pb«- 
uaticinari. ouj i h 

indicare. 

HJ-pHgd TH 

nüminare. 

nO-C. IHAd TU 

sterilere. 



<;-b-MH v-aiH 
»nülere. 

B b--Tt.llil I H, 8 hniH|-d rii. 



*) Bopp V. skr. vak\ v aber wird im slawischen nie durch r wieder- 
gegeben, ich kann nicht unlerlalsen, hier auf ein bei Bopp u. a. häufig 
beliebtes, durchaufs verwerfliches verfaren aufmerksam zu machen und es 
aufs nachdrücklichste zu rügen, man benutzt nämlich zufällige Übereinstim- 
mungen in flexionsendungcn u. s. w., um die oft gänzliche Verschiedenheit 
der betreffenden wurzeln zu verbergen; so stellt Bopp Gloss. s. v. vali (vgl. 
gramni. §. 447, findet sich dieses und noch einiges dergleichen ebenfalls), 
rec-e-si = vaU-a-si gegenüber, wozu fürt er hier die zweite pcrson sing. 
praes. gerade an? offenbar, um durch die völlige übereinstinunung des ganzen 
Wortes die discrepanz des anlants als zufällig erscheinen zu lafsen. und doch 
ist gerade alles übrige weniger entscheidend, als dieser anlaut. dafs im 
slawischen vor e statt K v eintritt, kam hier höchst willkonunen, weil das 
Sanskrit ein übrigens vom folgenden vocal total unabhängiges li hat. ich 
lafse es mit diesem beispiele bewenden, obwol ich deren in fülle beibringen 
könte, z. b. die noch greulichere parallele Ht;c— /ii = nesjami s. v. ni u. s. f. 
dergleichen kunststückchen laufen der ere der wifsenschaft zuwider und geben 
einem buche den anschein, als ob es für kritiklose laien geschrieben sei, denn 
nur solche können durch dergleichen hocus-pocus vielleicht geblendet werden. 



70 — 



b 

für »br- 
2. pers. 
praes. 



o 



H 



pleclere. 



lUbA'b part. 
praeter, act. 
profectus, 
praes. kommt 
nicht vor, skr. 
sad ire. 

Bp-d TH 

capere. 

Up-feTH, 

mori. 

C-h-Up-b-Tt» 

mors. 

Up->>-TBb 

mortuus, 
skr. mar, 
mor-ior. 



Bep-A 
capio. 



nAOl'b 


-/id-n.\H\-ä\u, :^d-nA bTJTH 


sepes. 


impiicare. 


XOA-H IH 


XäTKAä-YH für 


ire. 


Xd.y'j TH 




auibulare. 



HI^-BOp-b 

eleclio. 

UOp'b 

pestis, mors. 



H;?-EHp-dTH 

eligere. 

nO-UHp-dlH 

mori. 



ceAo für 
ceA-Ao fundus, 
skr. sad, sed-eo, 

t^nnai (afd-jnuai), 
gotl). sila, sat. 



CaA-HTH 

plantare. 



0B-A.iK'b für 

OB-BAdKbnubCS. 



BAdV-HTH für 

BAdK-H IH trällere. 



C-ftC-TH *) 

für<; nA-iH 

considere. 



BAtK-rt, 

traho, lit. 
telku, <rr 



*) Praes. uiiregcliiiärsig mit prac^cnsnasaliiung •• ^A-«^«- 



— 71 — 

Ein ^ als Steigerung eines zur «-classe gehörigen vocales 
findet sich auch sonst hier und da, s. Miklos. lantl. §. 39, 1. 3. 
4. so steht einem Hc.idKdTH (s. die vorige reihe) effundere v. 
reK-x^ ein Hcr-ftKdTH, HCT-tqdTH effluere zur seite, die b deut- 
samkeit des laulwechsels zeigt sich durch den Wechsel der 
bedeutiing; no-rp-BB-aiH sepelire von no-rpeB-rt. id., goth. ^ra6a», 
lit. grabas, sepulcrum etc. (von den aoristformen von wurzeln mit 
e, mit -te 1. pers. sing, p-c-x-b, 3. plur. pisuiA v. peK--f> dico u. 
analogen ist später bei der conjugation die rede); atifs -b scheint 
-fe zu entstehen in uAh2,-iu, mulgeo, ahd. milcliu neben uasko, 
goth. mihiks, freilich mit auffallendem Wechsel von :? und k, diefs 
gehört vielleicht eher zu den fällen, in welchen t auf ursprüng- 
liches u zurückweist, s. pg. 59, die älteste form hat a, s^r. nirg^ 
d. i. marg ahstergere, mulcere. — de formen kp-uchih excilare, 
vp-tndTH haurire beweisen wol nicht, dafs die Schreibweise 
Kpbc-M^>TH excitari, Ypbn-<'u haurio der von Miklosich l)efolgten 
Kp>,c-H,tiiH, Ypbn-;?. mit -b vorzuziehen sei; wäre i ursprünglich 
im Worte (leider gibt bei diesen beispielen die vergleichung 
nichts sicheres an die band), dann wäre die Schreibung mit b 
die richtigere und es fiele diese Verwandlung von b in -n ganz 
unter die strenge regel der e-steigerung, allein wir wifsen, dafs 
-t auch in wurzeln mit ursprünglichem a eintritt, die schwankende 
Schreibung von b und b nach a und p läfst hier mancher Ver- 
mutung r«um. dieses ^, das bei wurzeln mit e unzweifelhaft 
aufs ursprünglichem a entsteht, erkläre ich auf die bereits bei 
besprechung der vollständigen reihe angegebene arl als ablaut 
von a nach i und dessen steigerungsvocal -b. *) 



*) mithin stellen wir seine entstehung unmittelbar aufs einem a- oder 
«-vocal (e, 'b) in abrede, tJ setzt stets i voran fs, es kann nie zu den a~ 
oder M-vocalen gerechnet werden, nur die vetgieichung mit anderen sprachen 
kann im kirchenslawischen die feste regel der spräche aufs dem anscheinenden 
schwanken heraufsgreifcn leren, in Miklosichs lautlere entsteht noch etwas 
zu ser alles aufs allem. 



— 72 



Voc-ale der i-classe. 

Verkürzter vocal der i-cUsse ist i., voller vocal h. von 
hier an teilt sich die reihe der e-vocale in zwei zweige; ist 
nämlich i inlautend, so ist seine einzige Steigerung -n, lautet 
dagegen die wurzel auf h aufs, so ist es einer doppelten Stei- 
gerung in OH und jh (o/, aj) falig. Betri«cliten wir zuerst die 
inlautende «-reihe. 

b H t> 

IIO-MHU-J I H 

nienunisse. 



ubH-tTH put ire, skr 
man, goth. /«/», z. b. 
in ga-min-ihi memoria. 

LIBI.CTH für IJBblTH, npO-qBHT-dlH 

L|BbT-,r> florere. efflorescere 

vbc-TH für 

vbT-TH honorare neben vhc-th. 
vbc-Tb honor. vhi-jih colere. 

vHc-Ao numerus. 
8H»;Ab neben bh/tah, 

fürBHA/b. imperativ von BHA-eiH 

und merere dergleichen Wechsel von b u. h 
Hbc-rpT, uariegalus. riHc-aiH scribere. 



ui;M-HTH dicere, putare, 
alid. meinjan. 



LIBfl'b 



floS. 



no-»iHM-jTH nietere. 

AH-MTH neben a-b-mih fundere. 

skr. li. 
CMH-Mi H c* neben cu-h-MiH ca ridere. 

skr. smi; gunirte neben nicht gunirter 

form, so noch einige «ndere. 
BHc-i;rH pendere. B-ec-HiH suspendere, 
caussativum von 

BHC--t;TH. 

BHA— liTH uidere. Bt^A-tn h scire, aufs 
skr. vid, cideu, =id. dem perfectum von 
cid (skr. veda. golh. 
vait, solöa) entstan- 
denes veibum. 



— 73 — 

In der zweiten reilie weifs ich kein beispiel für die Ver- 
kürzung des H in i., eben weil h als aufslaiit der wiirzel für 
solche Schwächung nicht geeignet ist; die reüie be-teht hier 
als(» aufs : 

H Oj dj 

nH-iH bibere, skr. jt)!. Nd-noHiH, d. i. «.«-ruMiH, d. i. 

Mj-ruy-HTH potuui Hd-rKiy-iiiH id. 
prnel)ere. 
no-vH-THrequiescere; oo-koh für no-Koj-i, 
skr. Qi, gr. xH-a&ai. quies. 
ruH-i H putrescere. thoh für rHoy-b 

stercus. 
AH-tJiTH fundere, skr. /?'. aoh sebum. 
BH-TH perculere. boh pugnn (Glagol. 

Cloz., nicht inMiklos. 
lexic.) 
skr. würz. bhi. bowih ca timere. 

Hier ist vielleicht der ort, eine vocalverwandlung zu be- 
sprechen, die, one Steigerung zu sein, doch den vocai in vocal 
und Spirans auflöst. Es versteht sich, dafs alle Verwandlungen des 
vocals, in welchen die spirans erscheint, nur der i- und M-classe, 
diesen beiden »ber meist gemeinsam und in ganz paralleler weise 
zukommen, der dritte grundvocal a seizt sich ja eben dadurch 
so scharf von den beiden anderen ab, dafs er eines wechseis 
mit der spirans seines organs nicht fähig ist. im sanskrit, und 
auf dieses will ich mich beschränken löst sich i und u nicht 
selten in gewissen fallen vor folgendem vocale nicht m ./ und r, 
sondern gewissermaCsen durch zerspaltung des vocals in y, uv 
auf: bhi limor, loc. bhij-i. — bhü terra, Inc. bim-m. — äpim, 
stamm des praesens von äp adipiscor, dritte pers. plur. äpnuv-anti 
u. s. f. diese Verwandlungsart ist im slawischen regel und findet 
in zalreichen fällen vor folgendem vocale statt, h gehi in bj, d. h. 
b mit einem vocale, der j vor sich hat: b\e, bM u. s. w., u und 
sein häufigster Vertreter >.i in hu über, i.J, -h» sind aber die von 
der regel geforderten verdeler von ursprünglicIicMn (j und nv. 



— 74 — 

[,j z. b. im instrumental, der z-stämme: Hounbi-r» von Mouiib 
für na/iti nox; vbcihw. von vbcib l'ür vbi-ii. honor, bw. z=. ijq. 
— im plur. nom. rpbit; Ires vom stamme tph. — in der endung 
neutraler abslracta der skr. abstractendung ja enisprechend, 
kai^'jam collectiv von ke^a haar, wie slaw. ;r.rAbif. collect, von 
,Y>rAb carbo; B-r.rBb»t; collect, v. BtrBb ramus, oder um beispiele 
zu Walen von stammen, die auf a aufslauten (die bildung ist 
dieselbe, da, wenn das worl auf k aufslautet, dieses zugleich als 
b der endung gilt), also mascul. auf b, fem. auf d : vp-tubit-. 
collectiv von vp-tn-b testa. — BpbBbit; salictum c< llect. von bpi,bj 
Salix, besonders als abstractendung gebräuchlich : :<Ap<iBbK; salutatio 
(böhm. bona ualeludo) von :?Ap.iB-h sanus und in weitester aufsdenung 
zur bildung der nomina actionis aufs dem p:(rtic. praeteriti passiui 
verwant: vbreMbie lectio von vbreH b leclus v. vbr-<i> numerare, 
legere, colere. — nHTbi«, ro niniv von nnib part. pratt. p^ss. 
V. nH-TH bibere u. s. f. — In allen diesen fällen ist die hier 
gegebene form die ältere, die gewönliche Schreibung — in 
späteren handschrifien aber aufsscliliefslich befolgte — ist -H»f;, 
Hm u. s. f. mit vollem h für b, das überhaupt in späteren hand- 
schriften oft für b der älteren erscheint, selbst in den ältesten 
handschriften erscheint durchaufs h für b in d'-r endung der 
bestimmten adjectiva, auf b, sobald noch ein h f(dgt.- iov^jahh 
lür ToyasAbH, da es aufs loviKAb (peregrinus) und dem pronomen 
H besieht, die Schreibung -hw. (oder das gleichbedeutende be, 
da e unzäligemal für w. geschrieben wird) erscheint nun aber 
auch da für die lautvrrbindung ?/-, wo das volle h das ältere 
und organische ist, nämlich in den vom praesensstamme her- 
kommenden formen der auf h aufslautenden verbalwurzeln, die j 
als praesenszeichcn haben (u-bi-hi>, i.i-h\-j-a. lauo vnn »i-bi-iH = 

BH-ht., BH-J--T. perCUliO V. BH-Ih), BbMiTb, BbhT.Tb lür BHIf'Tb, 

BHWvTb percutit percutiunt u. a. Dagegen ist die sehr« ibung mit 
b im partic. praeteriti passiui auf -en-b wiederum dif richtigere, 
organische, weil dieses nicht vom praesens herkommt, aliu kein 
eingeschobenes j hat. sondern die endung an die reine wurzel 
setzt, also BbKn h jicrcus.sus (nicht KHitM h), wie es parallel damit 



— 75 — 

heifsl ui^eeHi, laiitus und nicht Mhiit;M>.. die form bhh^:ht> ist 
sonach im paradigma durch die organische zu ersetzen, das 
nähere s. in der lere von der conjugalion. 

•bB. Kp-bBb sangiiis, wurzel kru in skr. kravja caro, lil. 
kraujas, lat. cru-or, cru-entus. — BpbBb, skr. bhrü, ö-qov-g, 
ahd. bräva. — ApBBd, dov^^ skr. dru-ma. — AT^Ba, skr. dna, 
duo, ovo u. s. w. — ^-bß-dTH uocare, aufs z.hi in no-Ahi-adr» 
(b gehört der zusatzsylbe), skr. hu {hve). — cBCKp-bBb neben 
cBGKp bi, skr. sva^rä, socrus und fast alle auf -T,Bb (d. i. -uriy 
haben die ältere nebenform one b, i und also den unaufgelösten 
vocal -bi. — ferner das particip. praet. pass. auf -eH-b (parallel 
mit Bb»t;H-fc), der wurzeln auf -bi, Kp-bi-iH occullare, Kp-bB-eHi,. 
— B'bi-TH esse, ^.i-B-biTH obliuisci, davon :?a-B-bB-eH-b. — 
u-bi-TH lauare, oy-M-bB-eHb lolus. — p-bB-eHb^; tö oovrtfiv (vom 
part. p'bB-eHb) V. p-bi-TH (noAT>-p'bn H, in anderen slaw. dia- 
lecten auch one praep. gebräuchlich) von oboyth induere kommt 
aber oBoyBeHb mit vollem u, meines wifsens das einzige bei- 
spiel eines dem .so häufigen h; parallelen Vorgangs, u. a. m. der 
einzige fäll der im sanskrit und anderen sprachen gewönliclieri 
auflösung des u in den blofsen halbvocal findet statt in ueAB-bH-b 
mellis, von honig und ueAB-^jAb ursus, ersteres aufs ueAb mel, 
skr. madhu, fii-&v und der adjectivendung -bH-b, lat. -inus u. s. w. 
letzteres aufs ueAb und -ka für wa; wa ist verba!wurzel, skr. 
arf, lat. ed-ere u. s. f., also: honig-efsend, ueABtsAT. steht also 
für ueABMAb; die lautliche gcltung von -« ist überhaupt als 
gleich oder doch nahezu gleich m anzunemen, so steht auch 
nach praepositionen -ha für ma, z. b. cT^HteciH comedere für 
c'bMciH u. a. 

Die lautverbindung w d. i. ju wechselt in gleichem falle 
mit bB d. i. iv, vor consonanten ist der erste, vor vocalen der 
zweite vocal in die entsprechende spirans aufgelöst: nAio-w> 
spuo, nAK)-BdTH, abgeleitet durch b aber nAijB-diH. — BAio-rrtv 

UOmO, BAtO-BilTH ; BAbB-d TH. pK)-IH rUglrC, pbB-rti. 



— 76 



Voeale der u-eltiHse. 



-b 


-bi 


oy 


e b,v-t;iH 




BOYA-MTH 


uig-ilare. 




excitare. 


o-rA'bx-M;r.rn 


t 


r,\o\xh 


surdescere. 




surdus. 


Chx-H/r.rH 




cuYKh sieciis. 


arescere. 






A'hX-ti/f,TH 


AT>IX-<1TH 


Aoyxb 


flare. 


id. 


Spiritus. 


OY-<"b(l-I.M>, 


C hiri-J TH 


cov-Mrf.i H für 


insulRris(aLii 


- Spargere. 


COVfI-H/T. 1 H *) 


geschüttet). 




etruiidere. 


o-chn-hi 






uariolae. 






r-KK-M/RTH 


T'blK-JTH 




figere. 


offeiulere. 




Chn-dTH 


ov-G-btri-.i iH 




dormire. 


otidormiscer 


v. 



OB 



<tB 



o-Bp-bc-H,f,iH o-B(jbir.-<iTH oY-npovc.-H 

tondere. abstergere. sudariinn. 

cbA-dTH und 
rA-.li H â– '*^''^) no-rbiA-diH 

niittere. id. 

c-bA-b leg lus. 

no-Hp-KTH nO-N-bip-.ITH Hy;-M<>V|)-.n H 

subire. ingredi. tunsuiiiere. 

T1,I-TH TüY-K>. 

pinguescere. adeps. 
cA'biui-dTH für cAoy-i H id. rAOK-,i, piaes. (:a<ib.i oloria. 
cA-hix-cTHaudire. von <:aov-ih. 



*) nach einem constanten lautgesetze des slawischen. 

**) s. ptr. 67. cbA-j IH, r-bA-i.i. mit iiidu anfsixeslorseneni wiirzeivoc nl 
i.sl die in diesem warte erhallene allere form; beweis für die rielili'ikeit 
unserer ul>en dargelegten aiilTaCsung. 



— 77 — 

!> 'bl Oy OB dB 

CAOyX'b CAOB-Ü 

fiuditiis. uerbuin. 

n,\o\— TH n,\oB-,i;praes. n,\.iB-di h id. 

nauigare v. hagy-tm. 

^^B-.nHllOCare no-? hi-Bd iH no-^OB-i> 

für ?ov- od. id. uocalio. 

^-bi-.riH. w or- ?ob-;t, praes. 

aufs nafli der v. ^B-<n h. 
regel-<'bH-j I H. 

B>,i-rH esse. h:?-k<ir-h iH 

liberare. 

Kp-hi-TH occultrire. KPOB-T. 

leo-nien, lecUiin. 

noATi-iihi-TH iJo«-Ti fouea. 
Sdbtus fodere. 

H.!- |-,)OV- IH 0-T()<lB-d 

niUrire. • uenenum, 

T()dB-a 
gramen. 

Sieht der w-laut anlautend, so wird bei der Verkürzung von 
ov in hl letzterem ein b vorg(>,selzt (dus slawische meidet über- 
haupt vocalischen anlaut, hi lautet aber nie an), z. b. vvurzel 
(lyK in oYv-HiH doiere, B-biK-H,T,rH discere. 

Die steigerungslaute ob und jb, guna und vrddhi, dem skr. 
d, d. i. au. und an entsprechend (o := ö, a =z «) kommen nur 
in iinwendung, wenn die wurzel oder der stamm auf w aufslautct. 
besonders häufig ist oy aufs ob verkürzt (\sariim nicht uingekert, 
lert die Wortbildung) in den vielen mit b abgeleiteten uerbis von 
nominal-stän.men auf b, welches b, wenn noch ein laut folgt, 
wie z. h. in der Zusammensetzung, durch o vertreten wird, daher 
ob; z. b. KüvnoK-jiH eniere, praes. Kovnov-w. von Kovnb 
niercaiura. haltet das zu gründe liegende udinen auf b, d. i. ,/-b 
aufs, so sollte eigentlich -j'on- entsleheu, jo lautet aber nach 
einem allgemeinen laulgestlze in yV um. so dafs stall ob e:B 



^ 78 — 

erscheint, dns j kann auch mit dem vorhernfchenden consonanten, 
wenn es dessen natur erlaubt, völlig verschmelzen, die umlautende 
Wirkung des j bleibt jedoch dieselbe: Bojoirf. pugno von koh, d. i. 
Bo/b excercilus, Inf. aotenarH, Boj-^aaTH. — ovrpbHiow. matutinus 
sum, von oyrpi.HHH matutinus, stamm oYipi.m.. — B|j,iYOYtrf. sano 
von Bp<ivi> medicup, inf. BpjvtB.! ih. 

Soll inlautender M-laut gesteigert werden, so wird, da das 
slawische einerseits die diphthongen ö, äu nicht hat, anderseits 
aber im die spirans b vor einem folgenden consonanten unmög- 
lich ist, (vgl. das über a und p gesagte, pg, 67) der einzige 
mögliche aufsweg eingeschlagen, anstatt ob dB sind vor folgen- 
dem consonanten bo und bj als steigerungslaute in gebrauch : 
Kbic-M;i;iH fermeutari, KB^cb fermentum (vgl. r-bi tu und tbo-h 
tuus). — YKiBopT,! qtiatuor, skr. Hatcäras , veiBopo-Mor-b 
quadrupes (Hora pes) u. a. neben veibipHit-. quatuor (veibip 
■=. skr. Itatur), als ychwächeres guna kommt hier veiBep- in 
veTBe.pHL|.i neben ve iBopHg.i quaternio u. a. vor. auch ven-Bp-b-r-b 
quartus steht in folge nothvvendiger Umstellung für veiBi,p-Tb 
(skr. fcaturtas), hier ist der eingeschobene a-laut zu t, verflüch- 
tigt *). Es stellt jedoch oy selbst schon eine Steigerung des 
?f-lauts dar, ob indessen stets, scheint zweifelhaft, weswegen 



*) Eine Vermutung möge hier platz finden, wir sehen im slawischen 
dafs semiuocales vor anderen consonanten nicht geduldet werden, sondern in 
diesem falle dem vocalc. nach welchem sie stehen sollten, vorgesetzt werden. 
wir fanden oben als älteste gellung des t guna von i, also ai, was slawisch 
aj wäre, zugleich ist es aber unbestreitbar, dafs es nicht nur im heutigen 
bulgarisch als ja gesprochen wird, sondern auch schon im kirchenslawischen 
diese geltung gehabt haben mufs, denn nach consonanten, mit welchen ein j 
verschmelzen kann, bleibt von tJ nur a übrig (s. u. von der erweichung. vgl. 
ut;.\8-f.A'b ZIZ. MK.vBr,iA>., pg 75, ferner wird u in cyrillischen han<lschriflen 
häufig für '«1 gefunden, glagolitische handschrif'ien geben t-i und n durch ein 
zeichen, 3Iiklos. lautl. pg. 38), ein älteres aj sehen wir also in ein ja über- 
gegangen, diefs ist aber derselbe process, den das slawische bei der Stellung 
seiner Spiranten überhaupt befolgt, nämlich dafs sie dem begleitenden vocale 
voraufs gestellt werden, wir sind daher geneigt, diesen Wechsel in der gel- 
tung von ■»"• unter jenes allgemeine gesetz zu subsumiren und ein BKA-tiiH 
ah vjad-eti für vajd-eti. z. b. einem KBdc- b für kavs^ als parallel zur seite 
zu stellen. 



— 79 — 

wir im, wie dem o, eine doppelte gellung orcben, 1. = skr. «, 
2. rr: skr. ö, üben schon, pg. 54, fanden wir es dem skr. ö u. s. w. 
entsprechend, ferner ist bovahth vollkommen rzi bödhajämi, 
causs. von bba-isth wie ron-HTH z=z täpajämi, aoyxt> : AbixdTH 
r= roK-b (Jäkas) : t^kk u. s. f. 

Das herabsinken von urspr, u in -bi, böhm. y, jedesfalls 
ein dem ü nicht ferne stehender laut, ist keine vereinzelte er- 
scheinung-, dasselbe findet im griechischen statt, wo v urspr. z=. 
u schon in der classischen zeit den geschwächten «-laut hatte, 
ferner im französischen und niederländischen, in welchen beiden 
ursprüngliches u wie ü aufsgesprtchen wird. 

Die iiasalvocale a, ^ und die Schwächlingen des rh. 

A und ih sind Schwächungen der lautverbiiidungen in, im 
und an, am^ d. h. im slawischen bH, bM, t,n, -bu. hier ist ire 
entstehung zu besprechen, soweit sie auf slawischem geliiete 
beobachtet wird, die vergleichung dieser laute mit den entspre- 
chenden lauten der verwanten sprachen ist schon oben gegeben. 
(Miklos. lautlere §. 22—30). 

H und M werden im slawischen nie vor einem anderen con- 
sonanten geduldet, was zu der die ganze spräche durchziehenden 
regel gehört, dafs vor anderen consonanten die semiuocales nicht 
stehen köimen, eine scheinbare aufsname macht nur das nach 
den labialen vor j und gleichgeltenden vocalisch* n lauten in der 
späteren spräche eingeschobene a, z. b. w;M-A-tfis prehendo, eine 
wirkliche der consonanl j, z. b. b^mw balneum u. a. in fremden 
Worten, in welchen ein nasal vor einem consonanten steht, wird 
häufig nach dem nasal ein b eingeschoben, z. b. jMbreA-b, liyyiXoq 
u. a. oder anderweitige aufskunft getroffen, in slawischen Wörtern 
wird der nasale consonanl mit dem vorhergehenden vocal zu 
einem nasalvocal verschmolzen, dagegen löst ein späteres zu- 
treten von vocalen an die nasalvocale diese niciit immer in ire 
elemente auf, vgl. z. b. rmhah aufs bhjta parlic. praes. v. bh 
percutere und dem definirendeu pionomen h. da ü erhaupt kein 
wort im slawischen auf consonanten auft.laulen kann, so werden 



— 80 — 

auch die aiifslautonden nasale, wenn sie niclif ahireworfcn werden, 
was z. b. im acc. sing, der niasculinen a-stämme, aou-k ^ 
domum, im nom. acc. der neutralen a-stämine, opjAo rr aralrum, 
gescliieht, mit dem voraufsgehenden vocale in jene nasalvocale 
zusammengezogen, BbAOB,r> tiiduam, skr. tidhaväm; xHd.\\:\ laudans, 
grundf. xHä,\jau-t u. a. 

/*. „so oft bH, HU, HM, CM nicht vor einen vocal, also ent- 
weder vor einen consonanten oder in den aufslaut zu stehen 
kommen, gehen sie in ^ über." Mikl. z. b. praes. ubH-;f., jrbu-;*», 
aibH--i., Hu-;r, (für bM-,r, aufs j-h-u^„ skr. würz, jam), aber infin. 
u A-n H comprimere, jka-ih comprimere (a;bu) und demetere (mun)., 
fc*-TH ij vorgesetzt wie oft) prehendere, part. praet. act. uA-A-b, 
aiA-A-h, part. pr^iet. pass. .ta-t-h, aor. ;t;*-x'b u. s. f. hma nomen 
für H»jt:H, genil. hup.hp,, s. o. in allen fällen, in welchen /* einem 
an, am der verwanlen sprachen entspricht, haben wir die scliwä- 
cliung dieses a in b vuraufszusetzen, im auf laute steht * auch 
für en; * : -r. =: b : h. 

,Y.. die enlstehung von * ist durch die vergleichung mit 
den verwanten sprachen bereits deutlich gemacht; seine entste- 
hung läfsl sich aber auch innerhalb des slawischen beobachten : 
Abu-.T., aber infin. Art.-TH flare, aor. A*-xb. axjth odorari 
durch -x-di H, abgeleitet von bon in bohm odor, das in bohw 
überdiefs nicht ursprüngliche b (skr. goth. würz, an spirare, cfr. 
an-hnus, «V-fjwo.) fiel hier ab (wie es in anderen fallen vor- 
gesetzt wird), vgl. .r.jjb uinculum, ^wue catena, *a;HK.i consanguineus 
aufs B*?-<iTH, skr. bandh^ goth. bindan. 

„Aufs der entslehung der vocale a und a. geht hervor, dafs 
diese beiden vocale nicht vor einem nasalen consonanten h oder 
u stehen können" (Mikl.), es müste denn sein, dafs > igentlich 
zwei nasale zusammenträfen, diesi r seltene fall Iri-t wirklich ein 
durch das antreten des praesensbildenden nu an die wurzel ubH 
in no-u*-N*TH memiuisse, für no-iJbH-H<t,TH, und warscheinlich 
in A*-H<t.TH spirare. cud. ustr. für das gewönliclic aov-h-i.th 
aufs Ahu-Ä. .v*TH flare. vgl. was weiter unten über diese wurzel 
bemerkt wird, scheinbar ist tlerselbe lall in ov-bäm^^, i h marccscere, 



— 81 — 

B-bc-npAH/^TH exsurgere, npH-cB*M;r.TH torrefieri, doch stehen 
diese formen für b^aa-h/Kth, np*A-H;r/iH, cbaa-n<y.th von den 
wurzeln baa, np^A, cbaa, a mufs aber einer pg. 29 erwähnten 
regel des kirchenslawischen zu folge vor h aufsfallen. 

if. wechselt in der weise mit a, dafs es da steht, wo das 
slawische auch sonst den stärkeren, schwereren ursprünglichen 
vocal setzt, * dagegen dem geschwächten vocale entspricht, so steht 
A in verbis vor der endung ha^.ih : A'hx-H;r.TH (flare) : Abix-diH 
(id.) z=: cjkK-H,'c>TH (siccari) : c;rv-hth (für cs^,k-hth siccare) rrr 
rpA?-H.Y.TH (demergi) : rp^i?-HTH (demergere) u. a. besonders 
lieben Wörter den stärkeren vocal, deren zweite sylbe den halben 
vocal h enthält, gegenüber solchen, in welchen die zweite vollen 
vocal hat oder in welchen merere sylben noch folgen, aufser 
dem natürlichen stärkeren gewicht vollerer endungen mag hier 
vielleicht der wortaccent von einwirkung sein, da indessen m 
auch für langes ä -\- nasal stehen kann (BbAOB;^ zzz ridhcwärn), 
so scheint es am geratensten, hier ein änliches verhältniss zu 
erkennen, wie in nAOTt, n/\eT?f,, poKb, peK/r», d, h, grammatische 
vocalsteigerung. z. b. BA;ftAb lenocinium, ba^a-s uagor, nugor. — 
u;?iT-b turba, uATff, turbo. — Bif^^h, if^^h uinculum, ba^-jth ligare. 
das letzte beispiel zeigt deutlich die Verkürzung von an in B^.^b, 
nhd. band, zu in in ba^-^th, nhd. binden, doch wechseln hier 
und da die beiden vocale auch wol, one dafs der grund für jetzt 
ersichtlich ist. 

Der Wechsel von * und -bi ist schon oben pg. 56 besprochen 
worden. 

x^ wechselt selbst in den besten manuscripten hier und da 
mit OY, bekant ist das völlige verkennen der nasalvocale in den 
späteren manuscripten (a wurde mit w, ;r. mit oy zusammen- 
geworfen), indessen zeigt sich auch in den besten handschriften 
eine Schwächung des * zu oy; völlig sicher steht aber die 
abschwächung eines älteren ;f. zu b, welche die mittelstufe oy 
voraufssetzt. der «-laut entsteht auch in anderen sp' achen häufig 
aufs älterem an, am, ich erinnere nur ans griechische rvnrovat, 
dor. tvnrovti aufs ursprünglichem -anti, slawisch -;r.nb. — im 

6 



— 82 — 

litauischen und slawischen ist diefs ebenfalls ser häufig, vgl. z. b. 
skr. vahanti (uehunl) mit allböhin. vezüf. — skr. vahumi (reho), 
siavv. Bejc^., lit. veiu, böhm. cei«. beispiele der .Schwächung 
des » sind: c*-, skr, sam, gr. 6ito- («jw«) u. s. f. in c*-ci5A'h 
uicinus aufs c*- cum und der vvurzel c-ba sedere. — c;f;-Aor-s 
consors thori, Aor v. d. wurzel Aer, goth. ligan, lag. — r.ff^^mHrhte 
cohabitatio v. d. w. 3-,hb, skr. giv, uiuere u. a. cov-roy-B-h duplex, 
lit. dvi-gnbas duplex, Miklos. (radd. s. v. rovB und Wiener jarbb. 
1844 bd. 105, p. 44 — 45) vgl. skr. dvi-guna duplex und leitet 
gniia für gubna von diesem gub her. — cov-ubH-trH ca dubitare, 
ubH, skr. 7nan, nhd. meinen. — daraufs endlich die praep. ch 
cum, lit. SU. — b aufs an auch im partic. praeteriti act. -e-b, 
fem. B-bujH s. 0. und in der Wortbildung. — aoy-h*th (ostrom. 
hat jedoch aa-m-mh) spirare, aufs A-hu-N;*iTH. diese wurzel a-hu 
und ir verhältniss zur wurzel du fafse ich in folgender weise: 
von Abu-rti, A^TH flare, skr. dritte pers. praes. dham-ati (den 
andern tempp. liegt dhmä zu gründe) leite ich, zumal wegen 
der (also älteren) nebenform a-ix-haih ostr. das gewönlich 
Aoy-M^.TH *) geschriebene verbum mit der bedeutung spirare ab ; 
Hj-Abiu-diH c* tumere, ist eine Steigerung von .vbu-;r., hi aufs 
-b, obgleich ur.^prünglich a zu gründe liegt, vielleicht durch 
einflufs des folgenden, denn eine einwirkung änlicher wurzeln 
»uf einander, die bis zum verschmelzen ursprünglich gesonderter 
wurzeln sich entwickeln kann, zeigt sich in den sprachen in 
unverkennbaren beispielen. verschieden von dieser wurzel Abu 
sind Abi-ub, lit. du-mai, skr. dhü-ma. gr. &v-fi6g, fu-mus v. d. 
würz. skr. dhü agitare quatere ; von derselben wurzel oder viel- 
mer von der mit ir zusammengeflofsenen würz, a* = Abu durch 
den im slawischen nicht seltenen zu>atz x gebildet ist Aoyxb 
Spiritus, das als neue secundäre wurzel in den mit Verkürzung 
des oy gebildeten Zeitwörtern Abix-diH, Abx-M;f.rH erscheint. 



*) das vor m ser seltene -^ (ich kenne kein zweites beispiel) veranlafste 
wül die so alte Schreibart AOV-H*rH, \g\. die Schreibung nou-feH;f.TH für 
das eben so auffällige, aber doch allein richtige nou*H*TH. 



— 83 — 

Nur in den älteren bildungen der spräche stehen die nasalen 
vocale und die laute, aufs welchen sie entstanden sind, abwech- 
selnd, je nachdem ein consonant folgt oder nicht. In der neu- 
bildung der bestimmten adjectiva durch zusatz des pronomens h 
g-enit. mro findet jedoch kein auflösen der nasalvocale weder 
vor y, vor welchem die spräche doch nasale consonanten verträgt, 
noch sogar vor dern vocale h statt, es ist diefs ein zeichen, 
dafs diese bildung jung ist; die formen des adjectivs oder par- 
ticipium musten schon ganz fest geworden, ire ursprüngliche 
lautbeschaffenheit ganz aufs dem sprachgefüle verschwunden sein, 
ehe jene bildung eintrat, z. b. aobp^i*, r'^v dyaßriv aufs dem 
einfachen aobp;k ayaß-riv^ cAbiiuAH, 6 ay.ovcov von cA'biasdTH, ja 
sogar z. b. uor-hiH, 6 dvvdiJtBi>og, bestimmte form des part. praes. 
act. von Mor;r., goth. mag, uor-bi, dwäi^svogy welches für ursprüng- 
liches moganits^ steht; hier ist das vollständige vergefsen der 
grundformen um so bemerkenswerter, weil in diesen participien 
alle anderen casus die grundform hervortreten lafsen, man sieht 
daran recht augenfällig den unterschied alter bildungen, wie der 
casus (z. b. genit. sing. masc. cAbiuiAund, uor<fiiurd für -a^ija ; 
femin. sing. nom. -^ujth für k.tjh u. s. f.). 

Die vocale in irer Verbindung mit j. 

Es wurde bereits erwähnt, dafs das kirchenslawische aiphabet 
kein besonderes zeichen für j besitzt, sondern j in Verbindung 
mit dem folgenden vocal und wie wir nunmer zusetzen, auch 
mit dem vorhergehenden vocale bezeichnet, so entstehen die 
buchstaben w, kj, k>, ia, m für ja, je, ju, je, ja ; jo kommt nicht 
vor, da o nach j und j enthaltenden consonanten nach e um- 
lautet, z. b. BoicBJTH pugnare für voj-ovaii von boh, d. i. 
f>ojh excercitus aber kovo-ov^th emere von Kcyn-b mercatura, 
ji ebenfalls nicht, da h seine stelle vertritt (z. b. wie ce-ro 
gen., CHUb instr., so sollte es von h le-ro, jhuh heifsen, wofür 
Hub geschrieben wird) ; solches h gilt uns aber etymologiscli 
ganz als ji, ob dieses auch seine aufssprache war, ist oben unter 

6* 



— 84 — 

H in frage gostclll worden, ferner a», t h, hh, oh, oy-n, -feH, kih 
(■•hl), diese liaben doppelle gellung, entweder nämlich gehören 
beide vocale zu derselben sylbe, diefs findet nur im aufslaut 
stall, und dann gilt das h als jh, oder sie bilden zwei sylben, 
dann ist h :=. jL den unterschied von t,ih dem diphlhorigen 
von bi zr: u haben wir schon entwickelt pg. 59. diefs ist die 
einfache darstellung eines laulverhältnisses, welches, weil man 
die consonantische nalur des den vocalen zugesetzten «-lautes 
nicht in vollem mafse anerkante, mancherlei auffafsungen erfaren 
hat. ehe wir unsere ansieht durch einige beispiele belegen, 
müfsen wir auf die üblichen benennungen dieser Verbindungen 
eingehen, da die kentniss derselben demjenigen zu stalten kommt, 
der die werke eingeborner Slawen zu rate zieht. 

Dubrowsky in seinen institutiones linguae slavicae ueteris 
dialecti nennt die vocale one j uocales solidae, die mit voraufs- 
gehendem j affedae, quas liquidas iippellare liceat, propterea 
quod cum i colliqutscant. Miklosich lautiere §. 44 schreibt den 
vocalen m, k;, k), ^r^, trt. eine doppelte geltung zu ; „stehen sie 
im anfang einer sylbe, also entweder im anlaut, oder zwar im 
inlaut, jedoch nach einem vocal, so sind sie anzusehen als Ver- 
bindungen des palatalen j mit den vocalen <i, e, oy, a und ,t. ; 
die Verbindung jn wird nicht bezeichnet, daher hub [dat. plur. 
des pronom. h], ajahh [dat. loc. sing, von ajahm für AdAbw 
nauis] für JHWh, ajah^h. stehen jedoch diese Verbindungen nicht 
am anfang einer sylbe, also im inlaut nach einem consonanten, 
so sind sie als Verbindungen des schwachen vucals b mit d, e, 
oy, A und .y. zu betrachten; auch hier wird die Verbindung bH 
nicht bezeichnet, daher boah [locat. dat.] statt ßOAbH aufs BOAra 
[uülunlas]. im ersten falle lauten die in frage stehenden Ver- 
bindungen ja, je, ju, je, ja und heifsen uns praejolierte vocale; 
im letzteren falle hingegen besteht die Wirkung dieser buchstaben- 
gruppen in der erweichung der vorhergehenden consonanten 
und wir nennen dann die Verbindung praejerierte vocale" von 
ft;()b, der benennung des vocales b. dieser einteilung vermögen 
wir nicht beizupflichten, das was Miklos. als unterschied der 



— 85 - 

beiden, der praejerierten und praejotierten vocale angibt, erweist 
sich als illusorisch, wenn man erwägt, dafs die sogenante er- 
weichung der consonanten in allen sprachen gerade eine Wir- 
kung des j ist (vgl. meine monogmpliie über diese lauterschei- 
nung, welche ich zetacismus nenne, unter dem titel: zur ver- 
gleichenden Sprachengeschichte, Bonn 1848.)- parallelen, wie z. b. 
xQu^bi für y.oayjoj Qy.ou^oj d. i. xnax-crco für xocty-rroj, yJxoaya) 
und CTb?a für crbr-ra ; iXärraav für ila)[-jo)v {tKÜfiGtoi) und 
AOYiud anima für aoyx-m u. s. f., deren ich aufs den verschie- 
densten spruchen beibringen könte — und das sind gerade die 
sogenaiiten erweichungen — beweisen, dafs hier ein wares j 
vorhanden ist, dn sie defsen Wirkungen zeigen, iiiermit fällt 
demnach der von Miklos. angegebene unterschied hinweg, indem 
eben sowol nach consonanten als nai h vocalen das Vorhandensein 
eines j aufser Zweifel gesetzt ist. 

Dafs diese laulverbindungen gewönlich unter den vocalen 
behandelt werden, ist überhaupt nur eine folge der für den 
speciell slawischen Standpunkt mafsgebenden einrichlung des 
alphabets, welches kein j als besonderen laut kent. wir jedoch, 
die wir uns nur an die spräche halten, sehen uns nicht veran- 
lafst, anders als in allen sprachen im slawischen das j unter den 
vocalen statt unter den consonanten zu behandeln; als palatale 
Spirans wird j an der im zukommenden stelle erörtert werden 
und ebendaselbst werden die Verwandlungen des 7, seine Ver- 
bindung mit consonanten, die Verwandlung von /b (skr, Ja, lat. 
«M, gr. 10 u. s. f.) nach vocalen in h (das dann mit dem vorher- 
gehenden vocale eine sylbe bildend in späteren handschriften 
und älteren drucken mit h bezeichnet wird, zum unterschiede 
von H â– =z ji), nach consonanten in b (das also eine dopfielte 
g(dtung hat, 1. =zr e, 2. =: j-h. ein unterschied, der sich in der 
declination z. b. scharf heraufsstelll) zur spräche kt-mmen. 
diesen kurzen abschnitt glaubte ich indessen der bisherigen 
darstellungsweise gegenüber an dieser stelle einschalten zu 
müfsen. 



- 86 — 

VocalverAiideruiig durch wechselseitige eiiiwirliung 

der laute. 

I. Hiatus. 

Die hauptsächlichsten veränderungfcn im vocalismus aufs 
phonetischer, nicht grammntischer veraiilafsung finden statt beim 
zusammentreffen zweier vocale (die Veränderungen mer inner- 
licher art sind bereits besprochen), dieser fall ist aber im sla- 
wischen verhältnissmäfsig ser selten, da ursprünglich im indo- 
germanischen alle vocale durch consonanten getrent sind, und 
im slawischen keine consonanten zwischen den vocalen aufsge- 
stofsen werden, wie z. b. im griechischen {rimn für ivnrs-r-i, 
rvTTzri für rrnztaai u. s. f.), da ferner die vocalischen worlanlaute 
selten sind (-u, u, b, bi lauten nie an, a ist seltener anlaut, oft 
Variante von ra, e ist noch seltener, a nur Variante von y\, ;r. 
dagegen häufiger nur h, o, oy sind beliebte anlaute), oft wird j, 
seltener w vorgesetzt, s. unter diesen lauten, so stofsen auch 
in der überdiefs beschränkten Wortzusammensetzung nur selten 
vocale zusammen und überdiefs wird bei solchem zusammen- 
stofse der hiatus geduldet, z. b. no-ovvHTH docere, ja sogar 
:?Aii looAea.AbHb aurea ueste indutus von j^/idro aurum und einem 
von oAe?t5Aa pailium abgeleiteten adjectiv auf -bHb u. a. Beim 
antreten vocalisch anlautender cndungen an stamme auf i und u 
treten die pg. 73 ff. beschriebenen auflösungen dieser vocale in hj 
und -HB, des k) in bB ein, und ire doppelte Steigerung ist in 
diesem falle oj, aj, ob, jb, auf a aufslautende verbahvurzeln 
gibt es nicht, da statt skr. da, praes. dadämi, a^a, vor den 
vocalisch anlautenden endungen als wurzelform gilt, andere 
wurzeln auf ä im slawischen auf andere weise anders aufslautend 
gemacht werden (z. b. skr. dhmä, praes. dhamämi) ; bei stammen 
auf a, d. i. b und b füi- j b, gilt dieses b meist zugleich als 
vocal der endung, als bindevocal und geht dann oft b in o über 
b in K>, z. b. Koyno-B-iiiH emere von Koyn-b mercatura. — 
vHCTo-T«! puritas von vHci-b purus. — vp-bHo-crb nigredo von 
vpi.HT> niger. — coyte-u uanitas von myH :=: covj-h uanus. — 



— 87 — 

BOAit;-cnb morbus von BUAb, d. i. boa/b aegrotus. — BOK>-BdiH 
pugnare von boh, d. i. bo/ b exercilus u. a. bei anderen endungen 
bleibt b und b gleich als vocai der endung, so z. b. im insirum. 
sing. BAbKb-Mb, u,y.;f;b-ub, n^iTb-ub von BAbKb lupus, u,Y.;»!b uir, 
n*Tb uia. — BpdTbKb uolubilis von Bpar-b Collum u. s. w. 
hiermit sind zugleich beispiele für den umlaut von o in e gegeben, 
der durch das voraufsgehende j bewirkt wird, b, d. i. urspr. a, 
und d, d. i. a, fallen vor anderen vocalen völlig ab, so vor 
bMb : BOA-bH b aquae (was sich auf vvafser bezieht) von noxä 
aqua. — oyubHb inlelligens von ov^b mens. — ebenso vor 
allen anderen mit b anlautenden suffixen, ferner vor denen mit a, 
wo man auch eine Verschmelzung des a des Stammes mit dem 
der endung zu d annemen mag, welches j dann einem urspr. 
ä entspräche, z. b. Hsacarh crinitus von bajct, capillus u. s. f. 

So ist also auch für den inlaut der hiatus vermieden, auf- 
fallend ist, dafs die spräche in gewissen fällen den ursprünglich 
nicht vorhandenen hiatus durch aufsstofsung eines früher dagewe- 
senen j herbeifürt, diese fälle sind folgende (Miklos. lautl. §. 56, 2) : 
1) bei dem antreten des pronomens h (jH,) an das adiectiuum, 
wodurch dasselbe bestimmt wird, z. b. HOBd-dro, tov vtov, für 
HOBd-Mro und diefs für HOBd-»ero aufs hob^, vtov, gen. sir)g. 
masc. neutr. von hob-h, t'tog und lero, tov. — hoboy-oyuov, rä 
vtc)), dat. sing. masc. neutr. zunächst für MOBoy-toMov und diefs für 
MOBOY-KiMOY aufs HOBoy, vt^ und leuoY, ^^« — hh in Toy^tiAH-H 
aufs Toymb -j- H nom. sing. masc. defin. von royaiAb percgrinus 
und HH in den anderen casus dieser formen mag als iji gefafsl 
werden, möglicherweise ist es aber ebenfalls hiatus. man sagt 
sogar xBdAjrAH, 6 inaiväv aufs xBdAh* nom. s ng. masc. part. praes. 
act. von xBdAHTH laudare und h, 6. 2) in der bildung des im- 
perfects, welches nach Miklosich mit der wurzel skr. as, slavv. 
lec, esse zusammengesetzt ist, deren * in x übergeht (s. bei den 
consonanten unter x) : z. b. Hec-tuxh ferebam von hcc-th ferro 
für Hect-K.xb. von diesen formen wird in der conjugation 
genauer zu handeln sein. 

Miklosich lautlere §. 56, pg. 34 zält eine reihe von fällen 



— 88. — 

auf, in welchen der hiatus durch einschiebung eines coiisonanten 
aufgehoben werden soll; diese einschiebung von consonanten 
aufs phonetischen gründen können wir aber nur für fremde 
Wörter als gegründet zugeben, z. b. ndpacKeyr-H, nanaa-Kivri. in 
den slawischen formen erweisen sich diese consonanten jedoch 
als ursprünglich, so wird sich uns das j in den uerbis, z. b. 
BH-w., d. i. BH-j-x, percutio, pt-MiH trudere, so wie in allen 
anderen fällen als ursprünglich zeigen, scheint hier bisweilen 
j mit B zu wechseln, so sind diefs verscliiede. e bildungen, beide 
elemente treten in der Wortbildung ser häufig auf, dasselbe gilt 
von B, das so häufig in nominal- und verbalableitung erscheint, 
ebenso a in ha-t. v. d. w. h ire und b/^.-a.i. v. d. w. ü bi esse, 
sie sind nie blofs phonetische einschiebsei. alles diefs wird 
sich uns als ganz anderen Ursprungs ergeben, es ist überliaupt 
eine misliche sache, dergleichen scheinbare einschiebungen frisch- 
weg für rein phonelisch zu erklären; die sprachwifsenschaft hat 
gezeigt, dafs consonantische einschiebungen selten sind, für das 
slawische stellen wir sie völlig in abrede, dafs einem anlau- 
tenden j und H (für dessen aufssprache als ji man hierin einen 
vielleicht liallbiircn gruud finden kann) in gewissen fällen m vor- 
gesetzt wirdj scheint nicht zu dem zwecke zu geschehen, um 
den hialus zu vermeiden, da es nur in gewissen fällen statt 
findet, in anderen, lautlich vollständig gleichartigen, nicht, wärend 
rein phonetische erscheinungen eben überall hervortreten, wo 
die gleichen bedingungen dazu vorliegen, vgl. z. b. obhihh 
circumire aufs obh und htm neben c-hmhih conuenire mit der 
prapp. c-h vor demselben verbum. überhaupt macht j keinen 
hialus und wird ja nach Miklos. selbst zur Vermeidung des 
hiatus eingeschoben, diese erscheinung wird bei den consonanten 
weiter besprochen werden. 

Eine eig-entümliclie art der einwirkuno- eines vocales auf 
den anderen ist im slawischen die in gewissen fällen eintretende 
assimilation des vocals der folgenden sylbe mit dem der vorher- 
gehenden, diese an die vocalharmonie der tatarischen sprachen 
erinnernde erscheinung tritt eigentlich nur in einem falle ein, in 



— 89 — 

welchem die spräche zum zwecke grammalischer flexion den 
weg der z sammeiisctzung einschlägt (Miklos. laull. §. 55) und 
der bezüglich der aufsstofsimg des die vocale ursprünglich 
trennenden j so eben zur spräche gebracht ward, nämlich bei 
dem bestimmten adiectiuum : »oad-äro, hobov-oymoy für MOBd-iero, 
HOBOY-teiJoy. alle aiuler<'n falle, die Miklosich noch zur assi- 
milation rechnet (vielleicht bis auf das ganz vereinzelte A-u-feuiH 
für A-t:»€UJH in A-te-uuiH AH, fti? in der frage; eigentl. zweite person 
sing, praes. AtituiH dicis, entsprechend dem lateinisch! n ain) sind 
nach unserer ansieht anders zu erklären dafs im imperfect z. b. 
nevddxb u. s. f. für nevdtt-.xb (neK--T> coquo) gesagt wird, scheint 
neben Hect-axb u. a. keine assiinilation zu sein, denn ä steht 
hier in der vorletzten sylbe stets, mag im t; oder a voraufs- 
gehen, vielmer ist d;is erstere ä nur eine zufällige Veränderung 
von -t nach gutturalen, das zweite a ist hier vom ersten voll- 
kommen unabhängig, auch in KdueHHHUb, KdueMHHXb u. dergl. 
instrum. sing. u. loc. plur. von KdueHHKi collect, lapides ist das 
zweite h, wofür gewönlich i^-. steht: KdueMHR;xb, Kau«MHK>ub, 
vvol nicht durch assimilation hervorgerufen, die sache verhält 
sich vielmer auf folgende weise: KdueHHi*;, älter KJueHbK; (grund- 
form der endung ist -ijani) sollte in jenen casus K,iue»HJh-ub, 
KdueMH/b-xb haben, für jb, d. i. b, tritt aber nach anderen 
vocalen regelmäfsig h, vor consonanten noch häufiger k;, d. i. 
jo, ein (wie BAbKo-Mb z^ ba bKb-ub instr. sing. v. BAbKb lupus). 
welcher vocal voraufsgeht, ist auch hier gleichgültig, daher sind 
diese formen producte eines anderen lautgesetxes, nicht der 
assimilati n. • 

n. Umlaut. 

Das gebiet des umlauts oder der Verwandlung nicht palataler 
vocale (d, o, -bi, oy, hy rt.) in palatale (e, h, b, /*, t;) in folge 
der rinwirkung von j oder h ist im kirchenslawischen noch von 
geringem umfange, wie denn schon das wesen des umlauts es 
mit sich bringt, dafs er, als etwas unursprüngliches in den 
sprachen, erst im l.iufe der zeit entsteht und weiter um sich 



— 90 — 

greift, diefs ist zumal aufs der geschichte der deutschen spräche 
bekant, in der der slawischen zeigt sich analoger Vorgang, 
bemerkenswert ist, dafs, wärend im germanischen (und im. zend) 
die umlautende kraft des palataien lautes aufsschliefslich rück- 
wirkend ist, den vocal der vorhergehenden sylhe ändert, im 
slitwischen der umlaut sich dagegen hauptsächlich vorwärts wir- 
kend zeigt (nur selten wird, wie im neuböhmischen, auch ein 
dem j vorhergehendes a umgelautet, z. b. delej, d. i. ABAdH, 
zweite pers. sing, imper. v. delati^ abajim laborare). im ksl. 
wird nämlich nach j und den aufs einer Verbindung von j mit 
dem vorhergehenden consonanten entstandenen assibilaten 1) o 
in e umgewandelt und es tritt 2) a oft in gleichem falle ein, 
anstatt h\ oder des aufs nasalen vocalen entstehenden h\. z. b. 
1) BOKiBdTH pugnare, KOH.-Ho\d belli dux von boh, d. i. Bo/b 
exercitus, TA»t;-iBopbH-b perniciosus aufs tam corruptio und 
nBopbHb faciens u. s. f. wärend in allen diesen fällen nach 
anderen consonanten aufs b und a o entsteht, z. b. KovnowjiH 
emere von Kcyn-b mercatura. — Boro-poAHMd, &soz6xog, von bot b 
deus. — BOAo-Mocbqb aquam ferens v. boa«i aqua. — part. praes. 
pass. BH-MJUb, d. i. BH-j-eub, von bh-w. pulso. — KOvnoYft:nb 
von KovnoYfrt» emo, aber Mecoub v. hgc;?. fero, neKoub v. n€K,r. 
coquo u, s. f. 2) xBdA»A part. praes. v. xb<iah-th laiidare, für 
urspr. xRd\jan(Js\ aber neKbi, gleiche form von würz. neK 
coquere für urspr. pekan{ts)^ andere beispiele s. pg. 56. — 
ferner ist xB^Aw^rb dritte pers. plur. praes., grundf. chvaljanti, 
aber neK;t.Tb, gleiche form v. neK, grundf. pakanti, ebenso im 
genit. etc. part. .praes. xBdAWkuiiu aber nfiK.i.iin m. geht aber ilem 
j ein vocal vorher, so bleibt <t. : BHw.Tb dritte pers. plur. praes., 
BHt*iiiTd genit. partic. praes. von bh-th pulsare. in der ersten 
pers. sing, praes. ist dagegen überall ;n : xb^aw.. Vom umlaule 
des b in b nach j s. weiter unten in der lere vom aufslaute 4). 



Coiisoiiaiiteii. 

Auch bei den consonanten werden wir zuerst zusehen, 
welche laute der anderen sprachen inen entsprechen und sodann 
die Veränderungen, welchen die consonanten beim zusammen- 
treffen mit gewissen anderen lauten unterworfen sind, in betracht 
ziehen, also zuerst die lautgesetze entwickeln, durch welche sich 
gemeinsames sprachgut als speciell slawisch erweist, und sodann 
die innerhalb des slawischen selbst beobachteten consonantischen 
lautwechsel erörtern. 

Die einteilung der tabelle legen wir aach dieser bearbeitung 
in der weise zu gründe, dafs der quantitative unterschied 
die hauptiibschnitte, die qualitative Verschiedenheit, die Verschie- 
denheit der consonanten nach dm Organen, die Unterabteilungen 
bildet, wenden wir uns also zunächst zu den stummlauten. 

Wenn anzunemen ist, dafs alle consonantischen doppel- 
laute unursprünglich sind und mit inen warscheinlich auch die 
aspiraten nicht ursprünglich im indogermanischen vorhanden 
waren, sondern sich bei den einzelnen familien erst in mer oder 
minder übereinstimmender weise (sanskrit, zend, griechisch, 
gothisch) entwickelten, so müfsen wir dem slawischen in dieser 
beziehung eine besondere altertümlichkeit und ursprünglichkeit 
zuschreiben, das latein kent zwar ebenfalls keine aspiraten, zeigt 
aber, dafs sein consonantensystem dieselben voraufssetzt. dafs 
dem slawischen die aspiraten von anfang an abzusprechen seien, 
dafs es sie also nicht erst später verloren habe, dafür kann 
folgender beweis, so dünkt uns, gefürt werden. Es ist ein aufs 
physiologischen Ursachen entspringendes gesetz der sprachen- 
geschichte, dafs die aspirat' n im historischen verlaufe einer und 
derselben spräche wol in Spiranten übergehen, nicht aber in 



— 92 — 

unaspirirte zurücksinken, hätte also das slawische ursprünglich 
aspiraten besefsen, so würden sie sich, falls sie verschwunden 
wären, ebenso zu Spiranten entwickelt haben, wie im neugrie- 
chischen, hochdeutschen u. s. w. die spätere zutat, der hauch, 
nimmt immer an stärke zu und verzert zuletzt den stummlaut, 
niemals aber entwickelt sich jüngeres gebilde wieder zu älterer, 
ursprünglicherer form zurück, wenn wir im lalein teils mediae, 
t ils Spiranten an der stelle der aspiraten finden, so haben wir 
uns diefs vielleicht so zu erklären, dafs die media ursprüng- 
lich ist und blieb, die spirans aber das product einer nur teil- 
weise eingedrungenen aspiration ist. 

Die ungleichartigkeit der aspiration in den verschiedenen 
sprachen, ire w.indelbarkeit (rl^riui, dadhämi), ir gebundensein 
an gewisse laulfolgen (aspiraten stehen nur vor vocalen, im 
griechischen auch vor anderen aspiraten, auch das gothische th 
ist an gewisse lautfclgen gebunden), alles diefs sind zeichen 
secundärer entslehung, wozu noch der umstand kommt, dafs sie 
consonantische doppellaute sind, und alle consonantischen dnppel- 
laute, die sich grofsenteils erst so zu sagen vor unseren äugen 
entwickeln (t, v u. a.), sind unursprünglich, die Übereinstim- 
mung, mit welcher die aspiraten (worunter stets nur die media 
aspirata des sanskrit zu verstehen, die skr. ten. aspir. ist eine 
zufällige Veränderung der tenuis und auf das sanskrit beschränkt) 
in den verschiedenen sprachen auftreten, ist der stärkste gegen- 
grund, den man gegen unsere ansieht von der unursprünglich- 
keit der aspiration geltend machen kann, allein auch andere 
Veränderungen, so z. b. das palatale g für Ä; skr. h und zd. z 
für gh u. a. dergl. sehen wir mit grofser Übereinstimmung in den 
verschiedenen sprachen an denselben Wörtern haften, als läge 
viin anfang an ein trieb in bestimmten wurzeln, sich in gewisser 
richtung zu verändern, niemand nimmt anstand, z. b. in skr. 
dagan, zd. dagan, lit. desz-imtis, slaw. AecAib, umbr. degen 
h für ursprünglich zu erklären und der ur- und grundspraclie k 
zuzusciireibcn, ebenso in skr. paH, zd. pak. griech. ntn, slaw. 
ncK, ahd. hach-an, wegen des einzigen latein«, welches coquo 



— 93 — 

hal, weil diese spräche den ursprünglichen g-uttural hält, und 
weil p wol aufs k, nicht aber umgekert k aufs p entsteht, den 
anlaut für ursprüngl. guttural zu halten, mufs man hier und in 
ser vielen anderen änlichen beispielen eine an derselben wurzel 
haftende gleichartige Veränderung des ursprünglichen lautes in 
mereren oder, bis auf eine, in allen indogermanischen schwester- 
sprachen annemen, was steht derselben anname bei den aspiraten 
im wege? wie z. b. bei der gutturalen tenuis das latein der 
einzige treue bewarer des ursprünglichen ist, so wäre es dann 
das slawische bei den aspiraten. wie freilich solche gleich- 
mäfsige lautveränderungen in den verschiedenen sprachen an 
demselben worte haftend (also nicht rein physiologischer natur) 
zu erklären seien, das ist eine andere frage. 

Wir finden demnach in dem Systeme der slawischen stumm- 
laute darin etwas ursprüngliches, dafs es die aspiraten nicht 
kent. dieser ursprünglichkeit stehen gegenüber die zaireichen 
Veränderungen, denen die gutturalen aufsgesetzt sind — in pala- 
talen (die aber im slawischen zu assibilaten herabgesunken sind: 
V, m) wie im sanskrit und zend, ferner in palatales g, wie im 
sanskrit, zend, umbrisch, das palatale s hat sich aber im slawi- 
schen zu dentalem s, c umgewandelt, endlich in helle Zischlaute 
}n, z,, wie im zend — die einwirkung des j auf voraufsgehende 
gutturalen und dentalen, wie meist in den jüngeren sprachen u. a. 

Für die stummlaute stellt sich also im verhällniss zum 
sanskrit zunächst die regel in folgender weise, slawische tenuis 
entspricht der tenuis und tenuis aspirata des sanskrit, slawischer 
media steht gegenüber media und media aspirata im sanskrit. 
in den anderen sprachen, wie im griechischen, schwindet die 
speciell sanskritische, für die vergleichung unwesentliche und 
durchaufs der tenuis gleiclizuachtende (in der gutturalen und 
dentalen reihe auch im zeiid heimische) aspirata tenuis, die 
aspirata media des sanskrit entspricht der aspirata tenuis im 
griechischen, daher gestaltet sich für das griechische das ver- 
hällniss so, dafs slawische tenuis der griechischen, die media 
aber teils der griechischen media, teils der aspirata entspricht. 



— 94 — 

in änlicher weise läfst sich das verhälfniss zu den anderen 
sprachen im allgemeinen festsetzen; der griechischen a«pirata 
entspricht im latein in gutturaler reihe h die spirans, seltener g, 
in dentaler f (griech. t9^) und d, in labialer f und 6, diesp laute 
entsprechen also der slawischen media, wärend die tenuis der 
lateinischen tenuis gegenübersteht, im golhischen entspricht der 
tenuis der anderen sprachen, also au^ h des slawischen, di»' 
aspirata oder Spirans, in gutturaler reihe auch die media Talso 
p, Ä; th; f) der media die tenuis; der aspirala im griechischen, 
also der sanskrit aspirata media und den Vertretern dieser laute 
im latein ilie media — slawischer media steht also gothisch teils 
die tenuis, teils die media gegenüber, letzteres eben dann, wenn 
die slawische media für skr. aspirata media steht, daher ist 
allemal, wenn beide, gothisch und slawisch, die media haben, 
die aspirata media im sanskrit zu erwarten. 

Iflutae. 

I. Gutturale. 

Tenuis k. im sanskrit hIso k, kh, fc, f, letzteres Verände- 
rungen ursprünglichen Ä-lauts, welcher, besonders häufig im grie- 
chischen, auch in p, im griechischen auch in t übergeht, alle diese 
laute entsprechen also dem slawischen k. 

Betrachten wir zuvörderst k im anlaute. Kb-no, gen. Koro, 
skr. kas, lit. kas, goth. hvas, lat. quis, gr. ion. y.o in xojs', 
xo-TiQo^ u. s. f., att. ^roijc, Trö-zsnog. — Kdiu-bAb, skr. käs 
tussire, lit. kos-iu inf. koseti, ahd. huosfo tussis. — K^Ab 
lutuni, cfr. skr. kal-masa, squal-idus. — koao rota (Pott etym. 
forsch. 1, 226. v. skr. kr, kirati effundere spargere, ebenso 
Miklos. radd., welcher diesem kr die bedeutung incuruari, die 
es aber meines wifsens nicht hat, verleiht und eben davon auch 
KOA— tHo genu ableitet, das Bopp hinwiederum mit gänu, genu, 
goth. kniu zusammenstellt, was gar nichts für sich hat), koa— tno 
genu, skr. /car ire, goth. far-un, vgl. skr. Harana pes, li(. kelas 
via, kelauju proficiscor, kulnis, goth, fairzna calx, skr. fcakra rota, 
redupliciert aufs /rar, wie koao one redupl. — kaom-hth. lit. 



— 95 — 

klonojoti-Sj cfr, xXiv-eiv, in-c/m-are. — Kp<n-bi in abj KpdTbi 
bis, cfcAMb-KpdTb septies, lit. vena kartq semel, du kartu bis, 
septynis kartus septies skr. krfvas, sa-krt semel, Bopp von kr-t 
faiiens, Miklosich von skr. krt Andere dissecare, lil. kerfu haue, 
so dafs kartas, slaw. Kp^n-bi plur. tant. eigentlich schlag wäre, 
was Miklosich in parallele setzt mit franz. un coup und dem 
polnischen dem Kp^rhi gleichbedeutenden raz, schlag, das neb n 
kroc gebraucht wird: dva razy his u. s. w. von derselben wurzel: 
Kpdi-bK-b, curtus breuis. — KOT-tKd, co/-us, nhd. kat-er. — 
KdAb, xddog^ cadus. — kash, Mi. klij'i plur. gluteii. — kahk-hmth 
und KpHK-H;rvTH, lit. klykiu, skr. kruQ, goth. ÄrwArjan clamare. — 
KMHTrf, lil. plur. tant. knygos von knyga. — kajovb, clauis^ 
KAKivdTH c* congruere, in aXti-dog, xXsi'g, haben wir den aufsfall 
eines digamma anzunemen, im slawischen ist v zusatz (durch 
gutturalen erweiterte wurzeln sind nicht selten, diefs geht stets 
von nominalbildungen aufs, von denen neue uerba abgeleitet 
werden, so hier), clau-do, clu-do. — KOKoiub und kokouij gallina, 
onomatopoietisch und zusammentreffend mit skr. kukkut'a gallus. 
— Kon-dTH, Gxän-T(o, fodere. — Kopj, lit. skura pellis, cortex, 
Pott etym. f. leitet das slaw. und lat. wort v. skr. krt findere. — 
würz. KpH in kpohth, d. i. kroj-iti scindere, kp^h margo, skr. Hirna 
scissus, diuisus weist auf eine wurzel Ä'r, d. i. Aar, hin, welcher 
das slawische KpH verwant sein kann, cfr. skr. w. pr rumpere, 
diffringere. — KOHb equus, lit. kuinas, KOGbiAj, KOBbiAHqd equa, 
lit. kümmele equa, kummelys pullus equinus. Miklosich: KOHb 
fortasse pro KOBMb (die labialen fallen vor n nach einer festen 
regel des slawischen aufs). Kuhn (in Webers indischen stud. I, 
341) stellt diese Wörter, zu denen ahd. hengist zu gehören 
scheine, zu fvare, xvoiv, canis, welches Weber von der wurzel 
QU „schnell, stürmisch, gewaltig sein" ableitet, uns scheint das 
althöhmische komon =z kon den aufsschlag zu geben, in welchem 
wir die ältere unzusammengezogene form von kon vermuten und 
von welchem wir wie von dem entsprechenden lit. kumele eine 
ältere form mit b für m annemen: kobon, kübele, und es so mit 
Koin.iAd und caballus vermitteln, u für urspr. b finden wir im 



— 96 — 

dat. j lur. -u h, lit. -ms, -mus :=r 6m*, skr. bhjas, -uh im instr. 
sino-. lil. mi z=i urspr. hhi, gr. (ft. ebenso im instr. plur. -uh =r 
skr. -hhis, dat, instr. dual. :r= -ud, skr. bhjäm — kota h ahenum, 
goth. katils, lit. katilas^ catilius, catinus. — KpHB-b, lit. ktivas^ 
krivas, kreivas, ahd. chrwnp, curuus *). — KpbBb, lit. kraujas, 
cru-OT sangfuis, skr. kravja, xnfsaq, caro. — kp-hh-k qui mutilo 
est naso et KphMo-Moch cui nasus amputatus est, skr. würz, karn 
Andere. — koy-ih, kok;?., -/aXxtvtiv, cw-dere, lit. kujis malieiis 
(Miklos. conf. skr. ku uociferari clamarc). — koyh-hth, kaufen^ 
Koynbgb, lit. kupczus niercator, vgl. caupo und aänr^loq. — 
KüYP-Hn H fumare, cfr. lit. kuru, heize ein, skr. wurzel (unbelegt 
aufs Schriftstellern) kür urere, vgl. goth. hauri carbo. — K^f.KOAHiH 
nigella, lit. kukalas, böhm. kaulol agrostemma githago. acker- 
rade. — KAtib, lit. kletis cella; K^paiH rixari, aber böhm. uie 
lit. (Aroro/e) punire ; kp^bj, lit. /rarce uacca ; KpoyuibKd, Ml. kraus ze 
pirum und viele andere stimmen nur im slawischen und litauischen 
zusammen, ich füre solche beispiele blofs aufsnamsweise an, 
wenn sie mir in irgend einer beziehung bemerkenswert erschei- 
nen; werte, die nur im slawischen und litauischen vorkommen, 
sind aufserordentlich häufig und es ist hier die Unterscheidung 
des entienten vom ursprünglich gemeinsamen ser schwierig, viel- 
leicht mit den jetzigen mittein in vielen fällen unmöglich. — 
Kp^ftr-b circulus, engl, crank, windung, dän. kring, rund, ringsum. 
— KOC4 (falx) capilli (Kopit. Glagol. Miklos. hat es in dieser 



•) wenn man hier und anderswo beispiele, die sioh bei Miklosich in den 
radices finden, an unserer stelle z. b. Kop-H th contumeliose tractare, skr. 
kr punire (vvol aufs kr, kr occidere laedere erschlofsen, mir ist wenigstens 
ein kr punire völlig unbekant). — kocj falx, skr. kas laedere (ka?. vom 
gramm. Kä^inätha durch verletzen (tönen) erklärt, eine zweifelhafte, bisher 
in der spräche nicht aufgefundene wurzel). — koc-h*-ih längere, skr. kas 
appropinquare (wol erschlofsen aufs kas ire). wenn man solcher von Miklosich 
gegebener ableitungen viele in diesem buche vermisst, so möge man darin 
die absieht erkennen, allzu zweifelhaftes, gewagtes aufszuscheiden. dafs ich 
vielleicht mit der spreu manch gutes körn verworfen, soll mir nicht so leid tun, 
als wenn ich nicht gegründeten vergleichungen räum geschenkt haben sollte, 
meine arbeit ist ein erster entwurf und möchte wol bei einer etwaigen zweiten 
Überarbeitung viele verbefserung erfaren. 



— 97 — 

bedeiilung nicht, für welche er in den radices ;iuf serbisch und 
ruthenisch verweist), davon wol böhiii. pobi. kosm, slowen. kosem, 
wovon hinwiederum das kirchenslawische adjectiv Kocu-^i-b 
hirsulus, lit. hassa, Pott und Benfey verg-leichen /.ep«, was jedoch 
weg-en des e nicht stimmt, Miklos. radd. cfr. skr. kagjtiala sordidus. 
mir scheint jedesfalls zu vergleichen das deutsche här, dessen h 
regelrecht slawischem k entspricht Cslaw. k =z k der übrigen 
sprachen, also rr: goth. h, das nicht weiter verschoben wird, 
z. b. böhm. u. s. w. und litauisch kurva, goth. hors masc. adulier 
altn. fem. hora^ nhd. hure. — böhm. kopytn, altn. hofs, ahd. huof, 
gen. huoves') und dessen r aufs ursprünglichem s entstanden sein 
kann (vgl. bar und slaw. Bocb, lit. basas). 

Inlautendes k, entsprechend dein k der vervvanten sprachen, 
die endung -hKb, fem. -bKa, neutr. -bKo substantiua und adiectiua 
bildend; skr. aka, z. b. raBA-bKj und hiBA-hKo, nhd. ap/t7 pomum. 
— Kpd i-bK>, -bKd, -T,Ko breuis, breue v, d. w. skr. krt secare 
u, s. w, — BAhK'b, skr, rrkcu lit. vilkas lupus. — bockt., lit. 
•casr^kas, nhd. wachs, mit vi rsetzung des gutturals und des s. — 
BpbK-jTH sonum euere, lit. verk-ti plorare. — NOK-brb, skr. 
nakha, orv/-og, vnguis, nagel. — oko (okho fenestra), oculus, 
skr. ak-si, lit. akiif, gr. poy.ig, wovon der dual in oaas =r poxis, 
goth. augö. — neK-rn, skr. w. pak, gr. TttTi-orv, nt'aaoo aus nsx-jcj, 
lat. coquo, nhd. kochen. 

Slawisch k entspricht dem palatalen f im sanskrit in fol- 
genden beispielen; ho-vh-th, wur/.elhaft ist hier k, wie das guna 
no-KOH quies zeigt, das aber nach einem lautgesetze des slawi- 
schen vor H in die assibilate v übergehen mufs, skr. gi jacere 
quiescere, gr. y.i in y.H-fiai. — Kdubi, KJMKMb, skr. agman, lit. 
ak7nü lapis. — böliui. kamna ofen , neutr. plur., skr. agmanta 
focus, fornax (s: r bemerkenswertes zusanwnentroffen). — cbckpi,, 
slir. svagura, gr. txvQo^, laf. socer. — kahk-h-i>th und kphk-h<-rih, 
skr. krng, lit. klykiu clamare. 

Weil das palatale c gutturalen Ursprungs ist und wie q, v 
für ursprüngl. k steht, möge es der gutturalen tenuis beigesellt 
werden, so wie die entsprechenden mediae ^, ;ii der gutturalen media. 

7 



— 98 — 

Das palatale c im slawischen und das im sanskril decken 
sich nicht durchaufs, fälle, in welchen der Slawe das k ge^en 
Sanskrit g behält , wurden ja eben aufgezält, wiewol in vielen 
fällen beide sprachen in dieser veränderunor zusammentreffen, 
solche fälle sind : cm o, skr. ^ata, zd. ^ö/a, lit. szimtis, gr. iyaTÖv, 
lal. centum, golh. huud, — Aec*Tb, skr, dagan, zend d(i<;an, 
umbrisch desen, griech. diy.a, lat. decem, goth. tnihun. — würz. 
CAoy, skr. Qru, griech. y.lv, golh. in hliuma auditus, audire. — 
oc-npb (t zwischen c und p geschoben wie nbc-n-pb v. d. w. 
oHc) acutus, lit. aszirus, skr. ac-ri, acies ensis, vgl. acer, ö^v.\ 
— npoc-HTH, skr. zwar prak'h und lat. ;?rec-or, aber zd. pere(;, 
umbr. pers. — BbCb praedium. zd. r/p habitalio, village, goth. 
veihs oppidum, lat. uicus u. s. f., skr. w. vir intrare. — Bbcb, 
lit. vissas, skr. vicva omnis. — coy-xb siccus, lit. sausas, skr. w. 
Qus. — C8H r-jTH illucescere. cß-m-b lux. skr. Qveta albus. 

Palalales g im slawischen steht skr. h aufs kh gegenüber in: 
cpbAbge. skr. hrd (für kkrd, khard), gr. y.andiu. cor, cord-is, 
golh. hair/ö, lit. szirdis; das zend schliefst sich genau an skr. 
an: zeredhaja zn hrdcija; z â– :=. h. in AecbHb dexter, lit. deszine 
dexlra manus. skr. daksina, df^ing, dex-ter. — Tec-dr» lapides 
scalpere, dial. zimmern, skr. taks, steht c für ks der verwanlen 
sprachen, was wol so zu fafsen ist, dafs c das ä vertritt und 
d;is s wegfällt. — vgl. ocb. lit. aszis, gr. a^cor, lal. axis. skr. 
aksa. — ein sicherer fall von slawisch g einem A- im sanskrit 
entsprechend ist mir nicht zur band, ein zeichen, dafs die Ver- 
änderungen der laute meist an gewissen worten haften, hgc-* 
porto ist gr. i-veyy.. — cpaub, cpduord pudor, lit. sarmata^ un- 
geniach, verdrufs, alid. härm. 

Der K-laut findet sic'i allein im slawischen in Ko^a, skr. aga, 
fem. agä, gr. uii, aiy-6g, lit. ozys caper, oszka capra. skr. chaga, 
chäga caper scheint ebenfalls dem slawischen worte zu ent- 
sprechen, da K dem kh (bei den tenues aspiratae ist die aspiration 
speciell sanskritisch für die vergleichung nicht von bedeutung) 
ebenso regelrecht entspricht, als z, dem g. sonach hätten wir 
im sanskrit eine spidtung desselben wortes in zwei worte, 



— 99 — 

aga und öhaga anziinemen, zu deren zweitem wol das ahd. zigä 
zu stellen ist und im slawischen den ursprünglichen anlaut zu 
erkennen. — Ebenso müfsen wir auch dem slawischen die älteste 
form zusprechen in KocTb, skr. asthi, gr. ocrztor, jat. os, ossis; 
Bopp hält das k für vorgesetzt und vermutet fortasse a r. sihä 
ita ut a praepositio sit mutilata ex ä vel ava, worin wir im 
nicht beipflichten können; wenn Bopp einen änlichen zusatz des 
K in KOHbijb annimmt, das er mit atita s. h. u. zusammenstellt, 
so ist eben einfach diese Zusammenstellung ungerechtfertigt, koh 
ist eine wurzel im slawischen, die im böhmischen (konati^ und 
polnischen (konac) agere, conficerc bedeutet, was in die bedeu- 
tung finire, Konb^b, eben so übergehen kann, als in die des 
anfanges : hckohh, f'| (^QXV?, davon auch 7,d-Kotih lex. alifall 
eines anlautenden k findet sich auch in anderen beispielen, vgl. 
skr. w. kam, kämajämi, lat. amo. — skr. kapi, gr. xfjno^', ahd. 
affo, engl, ape, slaw. böhm. op-ice simia, wo ebenfalls k abge- 
fallen, dafs ein guttural abfalle, ist bei der media ebenfalls 
nichts unerhörles : gans, slaw. poln. ges, skr. hansa, unser, wol 
aber, dafs er zugesetzt werde. 

n steht wie in anderen sprachen bisweilen für ursprüng- 
liches k, so in neK-/Y., lat. coquo, sanskrit, griechisch und ger- 
manisch hüben hier ebenfalls den labial, der grieche sogar dop- 
pelt in 7t87r-o3v. — nAi-b quinque, skr., griech., german. eben- 
falls labial anlautend. 

V entspricht zwar in ver bip = Hatur, YbT-,K numero â– =. Kit 
animadvertere cognoscere, davon vbcib, lit. czestis honor, dem 
sanskrit H, doch ist hierin wol nur zufällige, durch den folgenden 
vocal erzeugte Übereinstimmung zu erkennen, da z. b. in neK-;^, 
skr. paU, skr. ä durch slaw. k gegeben ist, als auch umgekert 
slaw. V einem skr. k und dessen Vertreter (; gegenübersteht. 
Ebenso verhält es sich mit slawischem m und skr. s. was die 
palatalen für die gutturalen, das ist s für den dentalen Zischlaut, 
eine ursprüngliih wol durch folgenden palatalen laut hervor- 
gerufene entstellung, die dann auch selbstständig aul'trat. 

Der Veränderung des ursprünglichen gutlurals in den palatalen 

7* 



— 100 — 

laut, der im slawischen jedoch , wie in den sprachen überhaupt, 
in die assibilate (v :=: fs, u ■=. /s) überging-, geht üflers parallel 
die Veränderung des gutlurals in den labial und im griechischen 
in den dental; man vergleiche mit Yt:i-bip-i.K;, Hatur, go\h. ßdvor, 
oscisch petora, umbr., altcelf. pctor (\r\ petor-ritum, vierrad), äol. 
niavQsg, att. ihraQsg^ ferner i|k-hj, lit. ceiia pretium, skr. würz. 
lii colligere, quaerere, griech. n in t/-dj, n-urj. 

Von der verwandhing- der gutturalen tenuis in q. v nach 
bestimmten lautgesetzen wird unter diesen die rede sein, hier 
haben wir nur q und v in irem Verhältnisse zu den entspre- 
chenden lauten der verwanlen sprachen in betracht zu ziehen, 
beides trifit freilich bisweilen zusammen, denn z. b. vor h, 1;, b 
u. s. \v. (vor allen palatallauten) kann kein k sieben; ja man hat 
diese Verwandlung üherall auf einwirkung der i-laule zurück- 
gefürt, so Grimm in der gesch. d. d. spr. im sanskrit ist diefs 
jedoch entschieden unmöglich und es scheint die teilweise Ver- 
wandlung der gutturalen in palatale im sanskrit eben so wenig 
in eine regel gefafsl werden zu können, als die Vertretung des 
urspr. k durch f. als die teilweise Verwandlung ebenderselben 
laute in labiale und dentale im griechischen und minder häufig 
in den anderen sprachen, im kirchenslawischen aber kommt ij 
und V häufiger vor palalalen vocalen vor als vor den anderen, 
d, oy, vor o niemals, namentlich letzlerer umstand scheint dai auf 
hinzuweisen, dafs in inen ein j stecke, da nach j o in e über- 
geht, stehen also q und v vor harten vocalen, so müfsen wir 
sie aufs kj erklären, z. b. vdc-b hora, lit. czi'sas, lit. e entspricht 
aber slawischem -t, vdcb also für v-sc-b (vielleicht mit skr. /{i 
und qtHd verwant? vgl. vj-ra-i-H für y-b-wih exspectare), ganz 
nach der regel, dafs das j von -t (Ja) mit v verschmilzt und a 
allein bleibt s. u. leider dafs die meisten fälle etymologisch 
dunkel sind, die doppelte Schreibweise vk) und voy der mit voy 
anlautenden wörier (yk>ao und yovao miraculum, YWBeHHie sensus, 
YovBeHb sensibilis, yovth cognoscere) unterstützt diese ansieht, 
vor consonanten Jedi-ch vermögen wir den Wechsel der gutturalen 
mit 14, V nicht zu erklären. 



— 101 — 

i|.i()b rex, fremdes wort, e q-ncjpi. (Caesar) natimi esse conslat. 
Miklos. — M-RA'h, lit. czelas, goth. hails sanus, integer. Miklos. 
conf. skr. sa-kala totus, auch Bopp setzt die angegebenen slaw.- 
german. Wörter mit einem fortasse zu sa-kala (aufs sa und 
Ualä teil, was alle seine teile hat), mit welchem sie jedoch 
schwerlich etwas gemein haben dürften. — q*"'' aufs dem 
gothischen kintus denarius. — mrbKBH, e germ. ahd. chiricha 
tcmplum. — gB-ui-b, böhm. k'oet, poln. kwiat, lit. kvelka flos. 
Miklos. cfr. skr. (;vi crcscere, tumescere. für den Wechsel von 
i| und K vgl. z. b. MB-r.AHTH, altböhm. kveliti, neuböhm. kmliti, 
poln. kwilic flere. — Bt>vt;p'b, lit. vakaras uespera. — veAiocrb 
maxilla, altn. kialkL — vHci-b, lit. czysfas purus, skr. (;udh puri- 
ficiiri, d mufs vor r in c übergehen. Bopp und Pott fügen lat. 
castus, in-cestns hinzu, wobei der Wechsel des vocals jedoch 
im w^ege steht. — vaao infans scheint aufs dem deutschen kind 
entlent, von gan kann es direct nicht kommen, da v stets für 
die gutturalis tenuis, nie für die media steht. — vbx-.iHHie 
sternntatio^ skr. würz, ksu sternutare, es ist dann im slawischen 
eine Versetzung des vocals anzunehmen, der 2-laut b wäre dann, 
wie öfters s. o. aufs u herabgesunken, die übrigen laute ent- 
sprechen sich regelrecht. — vAOB-r.K-b homo, die einzig mögliche 
etymologie dieses so wichtigen und doch so dunkelen wortes 
scheint die von Miklos. (radd.) zu sein, welcher vaob— uKb abtei- 
lend in YAOB eine andere form der gewönlich caov, caob lau- 
tenden Wurzel, skr. (^ru, gr, xlv erkent, welche im slawisclien 
in derivaten auch reden, vernemlich reden heifst, vgl. caobo, 
uerbum, caob-15hhht, Slovenus, böhm. slovan u. s. w. Slawe, ferner 
böhm. slavik, russ. coAOBeH luscinia. — vp-bBb, lit. kirminis, skr. 
krmi, goth. vaurms, lat. uermis, davon vp-bUbH-b ruber, mit der 
gewönlichen endung -bM b abgeleitet, in welcher form das ältere 
u erhalten blieb, wie im böhmischen cermdk rotkelchen. — 
vp-bH-b (lit. czarn-ylas schwärze u. dergl. scheint entlent) Mikl. 
skr. kala, niger; Bopp stellt es mit skr. krsiia niger zusammen, 
eiecta sibilante, was mir warscheinliclier ist, obgleich gerade vor 
n das slawis('he Sibilanten liebt. — vpbr-.n-H incidere, vp-bid 



— 102 — 

lineola, lit. kertu haue, skr. krt findere dissecare, ffr. Kp.n bi 
und KpdThKb. — vptHOBbHb dcRS molaris. lit. hraunos. — vpr.Bo 
«enler, lit. skilnis stomachus, agsächs. krif, ahd. href. — vp^Ad, 
goth. hairda (v entspricht dem h reoreltecht, weil lieide aufs k 
entstehen), vgl. ypua-hth hospitio excipere. 

Die media r entspricht nach dem oben gesagten 1) drm 
skr. g u. g, zd. g, g u. z, z, griech. 7, lat. g, goth. k, hochd. eh. 
2) dem skr. gh, h, zd. gh, g, z, griech. ;;, lal. h, g, goth g, 
streng althochd. k. 

I. r rr g. a) anlautend : 

rp<iK-HiH rapere, skr. ved. würz, grabh, zd. geren, altpers. 
garb, neupers. girif-ten, lit. graibau, grebju, vgl. goth. greipa 
capere prehendere, ynTnog, ynmtvq. — no-rpeB-/y. sepelio, rpoB-b, 
lit. grabas septilcrum, rpeBe-HHw: remigatio, goth. ^ra6-an fodere ; 
diese wurzel scheint mir von der vorigen, obwol verwanten, 
getrent werden zu nuifsen ; vgl. yoticpo}, y).c'((i(o, '//.vqw, sculpo, 
scalpo. — rdc-H-i.TH extingui, lit. gessau extinguo. — rAjBd, lit. 
galica caput. — rA<i-roA-<ii h dicere, reduplicierle wurzel skr. gr 
v6d. laudare, celebrare (dicere), gr. yrjovw. — rAJA-HTH laeuigare, 
ahd. glat, clat limpidus, conspicuus, nhd. glatt. — rAJA-b fanu'S, 
skr. würz, grdh desiderare appetere. — rAdc-b uox, lit. garsas, 
ist wol eine durcl» s erweitiTte secundäre wurzel, vgl. rA<i-roA-.iTH. 
— TA-bT-HTH de-glut-\re. durch / erweiterte wurzel von skr. gr, 
giränii und gilami dcglutio, welche rein vorkommt in z. b. bühm. 
zr-afi, zeru uorare, uoro. wovon rpb-Ao od. ^up-h-Ao colluin für 
rpb-AAo, böhm. hrdlo gultur, d fällt na<h der regel im ksl. vor 
A aufs, -Ao, -dlo r= skr. -fram, -roor. -trum, also Werkzeug 
zum schlingen (vgl. skr. rak-trani, os v. rac loqui), davon ab- 
geleitet ist rpbAHqd, böhm. hrdlice turtur, wörtl. die gurglerin; 
ferner in rAj-cTBo (mit dem suffix -ctbo, skr. -tvam, welches 
slawisch s vor sich annimmt) edacitas, lit. gcrru bibo, lat. gula, 
gvr-gul-io, vgl. rpT^iJHb guttur. — rA;r,BOKb profundus. Miklosi( h 
leitet es von der wurzel her, welche skr. grmbh lautet und 
oscitare bedeutet, welche auch den lauten nach vollkommen 
entspricht, die bedeutung betreffend findet sich eine vollständige 



— 103 — 

parallele zwischen der verwanten wurzel skr. gambh oscitare 
und skr. gambhira profundus (gähnende liefe). — th-jth inf. 
.TeH-.T» perseqiior. Miklos. von skr. hcm (welches für ghan steht) 
ferire, welches lautlich entspricht. — rop^, skr. giri mons, giri 
für gari, wie das verwante gtiru compar. garijas, grauis eben- 
falls für garu) im zend heifst daher dieses wort gairi, d. i, gari 
{ai epenthese für a weg-en des folgenden i). — roA'b, roAHHd 
tempus, i'ufs. ist toa^ aniius, böhm. hodina (d. i. roAHHd) hora; 
von roA'b in der bedeutung xaiQog — z. b. bt, roAb (wörtl. in 
tempus) ist soviel als svxaioojg opportune — kommt tüahth 
gratum esse, böhm. hoditi se (roAHTH c/a) passen ■=. lit. gaditi-s 
euenire ; gadyne, gadyna tempus und adyna hora, gadas coniunctio, 
pactum, gadau consulere, pacisci. Mikl. jfr. rdA-^iH (loqui) und 
poK-b defitiitio, aber in den diall. so z. b. böhm. rok annus 
{■=. roA"b). ferner rjA-^HHit; aenigma uaticinium, r<i/-t;AeHHfe für 
rdA-it;HHK; uituperium ; poln. gadac, d. i. r^AdTH, gad-nqc, d. i. 
raA-H<t.TH loqui, lit. zadu loquor, zodis, zadas uerbum, skr. w. 
gad dicere; die bedeutung des tadelns ist ebenso hier von würz. 
gad loqui abgeleitet, wie im skr. von würz, nalc loqui, vältja 
uituperandus, väUjatä abstr. davon. — rp-bBb dorsum, rp-bB-an, 
gibbosus, rp-bBb Spina dorsi, lit. grubbus, uneben, hol[)rig vom 
wege. — rpbi^-;r. mordeo, lit. graui-u, ich nage, böhm. hryz-ti 
heifst sowol nagen als beifsen. — r/tir-HdMHK> mussitatio, r/-i>r-HHB'b 
murmurans, yoyy-vl^(a^ skr. würz, gung susurrare, onomatopoieli- 
sches wort. — tob-aao, skr. gö, zd. gäo, ahd. kuo, ßov-g, bos, 
die endung des slawischen wortes ist dunkel, vielleicht mit der 
consonantischen endung -at der neutra verwant, wie -eno mit 
A (jmeno, böhm. irz hm^^), -eso mit ec (caobo, sloveso') u. dgl. 
— rpaA'b urbs, goth. gards donius, skr. grha für urspr. gardha 
(die übliche etymologie von grah^ d. i. grabh, greifen, taugt 
nichts); die goth. und slaw. media fordern dh im skr., für wel- 
ches, wie für alle as[)iraten in dieser spräche, h eintreten kann, 
lit. zardis, ein garten, rossgarten, dennoch ist hortus, lÖQtog 
nicht hierher zu ziehen, weil wol der anlaut, nicht aber das t 
ü mmt. — rpoYUJ<i, lit. krauste pirus. — rp;^^-HiH mergere, lit. 



— 104 — 

grims~ti vorsinken, gremz-u versenke, ynimzdau U\. graniz ist 
die zu gründe liegende form. — rM«-:T;i-. comprimu, alid. chnetan, 
Imeten, olischon das /, golli. also d, nitlit zu slaw. r stimmt. — 
PHt^Ao hat nur im slawischen g; skr. nidha, Pott aus ni-sad, 
niedersetzen, nidus, lit. lizdas (/ für ii, wie in lakszimgala aufs 
d. deutscher! nachtigall;. 

b) inlautend: 

Bor-h, skr. bfmga von d. würz, bhag colere uenerari, im 
ältesten sanskrit vvol soviel als deus, eine bcdeutung, die im 
vielleicht auch in bhagavanl (vgl. neupers. chudävend, in gleicher 
bedeutung von chudd deus, mit demselben suffix wie im sanskril), 
das als erenlitel wie etwa unser hcrr gebraucht wird, trhalten 
blieb, altpersisch (der keilinscl.rilten) baga deus. — Bord-i-h, lit. 
bagotas diucs, ovBor-b, lit. nbagas zz: nebagas, nabagas pauper, 
miser, in der Zusammensetzung mufs die adjectivendung -jtt>, 
lit. -otas abfallen. skr. bliaga (andere bedeutung desselben 
Wortes) bona fortuna felicitas, bhdga id. — hto, skr. juga, ^vyov, 
juguni, goth. juk^ hochd. joch (skr. würz, jug, jüngere, ^17 in 
^Bvyvvui. — Bp-fiTh ripa, Ffir/yinv, frango, skr. bhang ejecta r, im 
slawischen ist d< r ursprüngliche a-vocal in i, dessen guna -r. ist, 
geschwächl. — a^r-.u, lit. bi-g-fi, skr. billig (flectere), giy in 
(ftvyco, qvyrj, f'vgere, goth. biuga, bang, bugiim, bugans, würz. 
bug. — Mdr-b, lit. nogas. goth. naquaths, alln. nakir, ahd. nachat, 
nhd. nackt, skr. nag-na v. d. w. tiag, eine , weifelhafte, vielleicht 
aufs nagna erschlofsene wurzcl , welcher man die bedeutung 
pudere gibt. — ornb, skr. agni, lit. ugnis, lat. ignis. — p bir-H,n th, 
i-Qsvy-ea&at, e-ritc-tare (für e-rug-lare). — nAovrh, lit. plugas 
aratrum v. d. w. nAoy nauigare, durch r vermert wie cAoyrj 
seruus und deriuata von caov audire. die bedeutung betreffend 
vergl. man die wurzel rpes, welche graben und rudern bedeutet, 
hier halten wir die umgekerte Übertragung vom schiffen, durch- 
furchen des wafsers auf das durchfurchen des landes. vgl. skr. 
ved. arifra remus, nauis, aritar remex, mit aratrum, Üqotqov, 
arator und äootriQ (vgl. iniaca, tnfrZfto^), die grundbedeutung ist 
dieselbe, nur nach irer beziehung auf wafser und land modificiert 



— 105 — 

sie sich (vg-1. Kuhn in Webers ind. slud. I, p, 353 f., der übri- 
gens den undeutschen Ursprung des wertes pflüg nicht anzeigt), 
das deutsche wort pflüg, ahd. pfluoc ist aufs dem slawischen 
entlent, der anlaut goth. p, hochd. pf ist undeutsch und kenn- 
zeichen der entb-nung. das gothische kent das wort pflüg noch 
nicht, es hat dafür höha. bemerkenswert ist es, dafs Miklos. 
n.\oyrh für „e germ." enllent hält, wärend umgekert Grimm gr. 
p. 131 das wort pflüg mit recht unter die fremden, ins deutsche 
aufgenommenen Wörter stellt. 

II. r =z gh. a) anlautend : 

rp-tj TH calefacere , roj) uth ardere (böhm. po-zar confla- 
gratio), ropi.Kb amarus (scharf, brennend), sKr. gharma, zd. 
gharema, garema calor, neupers. garm calidus, gr. -O-tQuo^, O-iQuri, 
■&eonalv(o, Ot(j(o mit verändertem anlaut, lat. ferveo (f z=. ^ wie 
oft), d. warm (lo == urspr. guttural, wie nicht selten vgl. skr. 
krmi, sl. vp-hBb, goth. vaurms). — rocib, goth. gasts, hostis^ 
hat slaw. und goth. die media zugleich, so fordert die regel 
skr. aspirafa media (die media würde goth. tenuis sein), daher 
ist die von Bopp aufgestellte herleitung von skr. ghas edere in 
der form wenigstens begründet, -ti bildet aufser abslracten auch 
noinina agentis, z. b. skr. ved. mati (v. man denken), consiliarius 
(im spät. Sanskrit opinio), Kuhn in Webers ind. stud. I, p. 362. 
— r;r.cb (Kopitar Glagol., nicht in Miklos. wörterb.), poln. ges, 
yriv, skr. haüsa (für gha?isa), ahd. gans (zu gründe liegt gansi), 
lit. iasis. — rp.«A'h, lat. grando, ■fäXa'Qa {ynladja), vgl. skr. hräd 
sonare tonare, davon hrädini fulmen, auch hier wäre demnach 
ghräd als ältere form anzunemen. 

1)) inlautend: 

AA-hr-h, skr. dirgha, speciell sanskritisch für dargha^ welches 
die verwanlen sprachen voraufssetzen, von der würz, drh (d. i. 
urspr. dargh) crescere, zend. dareglm, gr. do'/.r/ög, lit. ilgas, mit 
abgeworfenem anlaute. — Ap^irb pretiosus stellt Miklos. radd. /.u 
Sanskrit würz, drägh, welcher die bedeulung ualere , sufficere 
gegeben wird, die aber nur als denominativ von dirgha comp., 
dräghijas in der bedeulung augere belegbar ist, und wol befser 



— 106 — 

als caussale der diesem adjectiv zu gründe lieg-eiiden würz, darh 
(dargh) crescere gefafsl wird, — Abr--bKh, skr. laghu. gr. i-lufi^, 
lit. lengvas, leuis (für lehvis oder leguis), alid. h'fit. — uhr,\ä 
nehula, 6-iiix-kr], skr. 7negha nubes, v. d. w. mih, d. i. migli 
hunieclare, vieil. golli. milh-ina nubes, arislHtt dessen h wir je- 
doch g zu erwarten hätten, lit. tnyi-u harne. — Bpjr-b, goth. 
vargs, altn. vargr inimicus, Gritnm g. d. d. spr. p. 283 stellt es 
zu skr. vrka lupus, was aber das slawischi^ nicht gestatlet, wu 
k stehen niiiste (vg-j. BAbK-h lupusj, im skr. mufs also aspirata 
media oder, was immer möglich ist, h stehen, wir vergleichen 
demnach skr. vark (aufs vargh) ferire, destruere. 

Im genitiv sing. masc. neutr. der pronominalen declinatifin 
auf -ro. skr. -sja (z. b. wwo eius, skr. Jasja cuius) ist r aufs j 
entstanden (aufs s wird y, nie r). im slawischen selbst weifs 
ich keine stricte parallele, doch vgl. jkha-h, lovdarog, das hier j 
ersetzende m steht etymologisch dem r gleich, auch wird in 
fremdi n Wörtern r zwisclien zwei vocale eingeschoben wie au<;li 
j, ii.ip.icKtvfH, 7Tia)(i(jy.tvrj, AHMKOAb, diäßoXoii. im prakrt entsteht 
(j regelmafsig aufs j. 

Schliefslich mögen einige mit g anbuitende schwierige worte 
besprochen werden, deren bedeutsamkeit verbietet, sie hier zu 
übergehen. 

r»)A;t.i;i> columha. Mikl. roA- cognatum est cum skr. kala 
sonus leuis, in kala-raca (columba); ;r.Bb suffixum esse uidetur. 
auch Bopp (Gloss.) s. v. kalarata fortasse etiam lat. columba 
cum kala cohaeret, lit. karcelis columba stellt er ebenfalls zu 
dem sanskrit-wort. aufs welchem es durch Umstellung entstanden 
sein könne. Kuhn (Webers ind. stud. 1850 I, p. 346 f.) dagegen 
stellt columba mit y.n'/.vfißog taucher zusammen und mit ahd. (üba 
aufs urspr. dumba, in welchen allen d für / stehe, so dafs inen 
die Wurzel skr. lamb, fallen, sinken, lat. labor zu gründe liege, 
die vorselzsylbe wird aufs skr. ava deorsum, das auch in va 
verkürzt wird, durch vertauschung des c mit dem guttural k, g 
erklärt, die taube habe demnach den namen vom sich herabstürzen 
aufs der lufl. skr. kädamba anas nias, anatis species, erhärtet 



— 107 — 

diese etymologie; in der wurzel lamb ist nach Kuhn / aufs 
urs|irüiio-licheiii d entstanden, bedenklich erscheint vor allein die 
Verwandlung^ von ü in gutturale, da, soviel ich weifs, nur der 
umeekerte nechsel des guttural in v vorkommt, gegen .MiKlosich 
und Bopp aber spricht der unerhörte Übergang von k in g und 
das ebenso unerhörte von inen anzunemende suffix -H.^b,. trotz 
der anscheinendi n Übereinstimmung von columba und roA/üBb 
scheint mir also dennoch die ursprüngliche verwanischaft beider 
und die ableitung derselben bedenklich — vielleicht ist das sla- 
wische wort aufs dem latein entlent und r durch ungenaue auf- 
fafsung des lateinischen anlauts entstanden, eine änliche Schwie- 
rigkeit bietet das wort rocnoAb dominus und die gleichbedeu- 
tenden rocnoAMHh und rocnoA'ipb. Miklosich bescheidet sich 
beizusetzen (radd.) cfr. skr. go terra et paii dominus et gr. 
dianoxrjg. gegen die anname einer Zusammensetzung aufs gö 
und pafi spricht vor allem das unerklärliche c und das d in 
-noAb, wofür f stehen müste. Pott etym. forsch. I, 190 findet 
im litauischen gaspadorus, poln. gospodarz, böhm. hospodür. wirt, 
d. i. ksbiw. rocnoA^ph, und lit. gaspada, poln. gospoda, böhm. 
hospoda, Wirtshaus, in der ersten sylbe einen unverkennbaren 
Zusammenhang mit poln. gosc, ksl. rocib hospes, gast, da aber, 
wie er in vollkommen gegründeter weise beifügt, das d der 
slawischen Wörter einen Zusammenhang mii skr. pati verleugne^"')? 
so scheint im skr. pada locus in inen enthalten, dann müslen 
wir also in rocnoAb eine schwer zu erklärende endung auf i 
annemen (vielleicht eine ableitung von gospodiC) und gästeherr 
(wört'ich „welcher den' gästeort besitzt" als besitzcompositum) 
für die grundbedeutung hallen, was alles one analogie und wenig 
warscheinlich ist. mit skr. ved. gäspati (Benfey gött. gel. anz. 
1850, 19tes stück, p. 186 sq.), welches Benfey (a. a. o.) für 



*) neben lit. gaspadorus u. s. w. Wörter, welche übrigens vielleicht aufs 
dem slawischen entlent sind, finden wir veszpalis, skr. viQpali^ zd. vi^paili, 
leute-herr, fürst, von skr. t('c, sefshafter mann, mensch überhaupt und pati, 
herr, goth. fath-s in brnlk-ffilhs. brautigam. zum deutlichen zeichen, dafs jenes 
andere wort dag skr. pftti nicht enthalten könne. 



— 108 — 

gleich einem däsapdti, gr. dtaTzozi]^ erklarl, einen weclisel von 
g und d annemend, wornach es sclavenherr bedeutrn würde, das 
aber Weber (ind. stud. I, p. 336) nicht von der wiirzel gä, (Jan 
nasd trennen möchte — mit diesem gäspati stimmt des slawischen 
Wortes erster teil ganz regelrecht, nur bleibt das anomale (/ lür 
i im zweiten teile des worles. so stellen sich allen bisherigen 
erklärungsversuchen gegründete bedenken in den weg; es ist 
ein schleclites, mi thoileloses verfaren, einer elymologie zu liebe 
die festesten lautgesetze zu durchbrechen ^- solch eine aufsname 
reifst ein loch, durch welches beliebig viele willkürlichk» iten 
sich eindrängen können, demnach erscheint mir das in rede 
steh ndc wort dunkel, indessen vermute ich, dafs es das ins 
bulgarische aufs dem benachbarten griecliisclien eingedrungene 
und im volksmu;ide vielleicht mit anklang an rocib verstümmelte 
dBCTTiorrjg, also ein lenwort sei. — toat, nudus ist dagegen, weil 
nämlich r stimn-t, mit ahd. chalo, nhd. Ay//, lat. caluus für galvus 
(vgl. die Schreibart galbus) zu verbinden. 

In analoger weise, wie für die gutturalis tenuis v und m, 
zeigen sich im slawischen anstatt der gutturalis media oft ? und 
m, one dafs jedesmal ein folgender palalall ut Ursache dieser 
Verwandlung wäre, auch im zend ist die dem slawischen voll- 
ständig entsprechende Verwandlung ursprünglicher gutturalis media 
in s, s nicht ven gewissen lautliclien folgen abhängig, sondern 
tritt, wie dergleichen lautliche entstellungen der gutturalen über- 
haupt, in einer uns bisher durchaufs als regellos erscheinenden 
weise ein. Wie das sanskrit h meist ersalz für gh, nicht selten 
ai er auch für andere aspiraten ist, so ist auch slaw. ^, das wir 
meist diesem h parallel finden, bisweilen ersalz eines skr. dh. 
aufser dem skr. h entspricht 7, vorzüglich dem sanskrit g; für 
7, = skr. g ist mir kein beispiel in einem ganz entsprec enden 
Worte bekiint; ein neuer beweis für die merfach zu beobachtende 
tatsache, dafs in den Wörtern, in welchen der ursprüngliche 
guttural in der einen spräche verändert wird, er meist auch in 
den anderen sprachen einer, wenn auch je nach der art der 
si^rache verschiedenen entstellunff unterworfen ist. diefs läfst 



— 109 — 

sich vorzüglich zwischen sanskrit, slawisch, griechisch beobachten 
(/catcäras, vei-hipHif;, rtrraosg, ntavnis, umbr. pefor, ose. pefora, 
allcelt. petor, goth. fidcör u, a. dergl.), wärend das latein am 
treuesten den ursprünglichen guttural bevvart. Im folgenden ist 
das zend besonders berücksichtigt worden, um die grofse Über- 
einstimmung zwischen zend und slawisch in betreff des z darzutun. 
Im litauischen entspricht dem slaw. 7, das linguale i â– =. slaw. m. 
z, zn skr. h, welchem gh zu gründe liegt in a^b, lit. asz>f 
zd. azem, skr. ah-am, tyä, goth. ik, ego. — Be?-,Y>, lit. rez-u, 
zd. vaz-ämi. skr. vah-ämi, gr. f£/-w (zum teile wenigstens vgl. 
fo;(oc, poytcj), lat. ueh-o. — :?eA-eH b uiridis, ^eA-H»e olera u. s. w. 
lit. zelu uiresco, zalias uindis, zole gramen, skr. hari, harita 
flauus, uiridis, zd. zairi, zairita (für san, zarita, ai durcfj Um- 
laut wegen d. folg. i aufs a), vgl. gr. ilMQog, '/,^''>Vi' engl, green, 
ahd. cröni uiridis ; ^a^to, skr. hir-anja, zd. zairi, zara^ gleiche 
endung mit dem slawischen worte hat goth. gulth, ahd. kold, zu 
gründe liegt also skr. gh, griecb. y, deshalb ist trotz der ver- 
schiedenen endung iQVßog hierher zu ziehen, wir müfsen somit 
eine wurzel urspr. ghar annemen mit der bedeutung hellfarbig 
sein, aufs welcher diese verschieden endenden Wörter getlofsen 
sind, Äliklos. radd. leitet slawisch ;?AdTo von ?p-t;TH her, das 
freilich uidere heifst, aber die ableitungen :?oph?i, ?jptvi splendor, 
neuslow. auch zor splendor zeigen, dafs es ursprünglich auch 
intransitive bedeutung: leuchten, hell sein gehabt und es ist 
möglicherweise — wenigstens ist diefs den lauten nach voll- 
kommen gerechtfertigt — in diesem slaw. ?p-uth jene erschlofsene 
w'urzel ghar erhalten, so wie im lit. zeru, glühe, glänze, mit 
skr. drg, gr. diQKco hat daher unsere wurzel nichts zu tun, in 
^pciKb uisus, ;?p'bqdAo, böhm. zrcadlo, lit, zerkolas ist k zur 
endung gehörig. — ?hmj, skr. hima (aufs ghimä), zd. zima, lit. 
zema, ysifiMv, hiems- — ah^^-jth, lit. laizau, skr. lih, ^.eiya, lingo. 
— ?eMAra (a eingeschaltet), zd. thema der obliquen cass. zem, 
lit. zeme, terra, nomin. zd. zäo, skr. go, gr. 7^, hier ist also ? 
rr skr. g, indessen entspricht das wort hinsichtlich seiner endung 
nicht genau, obvvol di< si Ibe wurzel unleugbar in allen formen 



— HO — 

zu gründe lieg-t. — ^«-jth, skr. Äce, hu uocare. — v^B-nj^xd, lit. 
zvaigide Stella. — ziB-Rpb, lit. iteris fera (Grimm g. d. d. spr. 
vergleicht golh dius, -O-^o, fera, letztere hallen demnach das v 
verloren, indessen scheinen mir diese Wörter zu weit abzuliegen). 

— ^H-wiH, 7,t,-uTH, hi-are, hi-scere, weiter ab steht ydfTxa, 
fctiva u. a. — r. ib^«i, goth. staigs semita, griech. (TTdyco^ e-tTziy-ov, 
ahd. sftgu, steig, stigumes, wur>5. stig, \\\.sfaiguscc\eT; vielleicht 
gehört hierher auch crHr-n/r.iH assequor, skr. würz, (unbelegt 
im Sanskrit selbst) stigh ascendere, die genau den angefürlen 
Wörtern entspricht. 

7, rr skr. g. ynavH, skr. gnä, gr. yt-yrc^-ay.oi, lat. (g)nö-ui, 
lit. tin-of/, zd. tnd, scire. — ko/j, skr. agd. ui'^, aiy-6-:, capra. — 
?ij-i;rH maturescere, i^psno, kern, körn, granum, lit. iirnis, scheint 
mit Bopp zu skr. gr conteri zu stellen, das im part. ginia senex, 
uelus bedeutet; ?pkmo wäre also eigentlich contritum und ;?|i— kth 
senescere. — ;i;*-ti., yna-ßno^, gcn-er, skr. gd-iudtr, lit. ientas, 
alle von der wiirzel skr. gan, lat. gen, gr. ysv (yi'-y(t)r-ofi(a 
u. a.), zeugen, in :?A-Tb hat ib urspr. ti die seltenere, aber 
belegte function nomina agentis zu bilden, im griechischen werte 
ist -no^ adjectivische endung, ß den griechischen laulgesetzen 
zu folge eingeschaltet, im skr. ist Zusammensetzung aufs gan, 
hier in substantivischem sinne =z gana, das gezeugte, kind, 
(gnatus) und md-ir d. i. zeuger, von mä zeugen (ved. ist 
mä-tr auch mascul.). — •.id:?-jrH ungere, skr. tnagg submergi, 
aber man vergleiche besonders skr. maggan und niaggd medulla. 

— uA-b3^-;i>, mulgeo, d-fit/.yeir, skr. mrg abstergere. — j^a.H'h, skr. 
ved. gombhas dens (gambh oscit.ire, ore prehendere), vgl. gr. 
ya[(q>ai', ya^q!t]}.at, yo^cpog. 

2, m skr. dk. b^^-jth, skr. würz, bandh, zd. band ligare. 

— ^BbH— HTM, lit. z-vanu sonare, ^bomt,, lit. zvanas tintinnabulum, 
skr. w. dhvan sonare. Grimm g. d. d. spr. vergleicht ags. thunor, 
tonitru, von ?BbM wird mit k abgeleitet ^ba-kt, sonus u. a., wie 
oft durch gutturale im slawischen Wörter abgeleitet werden. — 
hA:?d morbus scheint von skr. indh urere (fieber, vgl. z. b. puln. 
gorqczka von roptTH ardere). 



- 111 — 

»5 verhält sich zu ^, wie v zu ^, es ersetzt ebenfalls die 
gutturale media, von seiner entstehung aufs ? durch folgendes j 
wird später die rede sein. 

X =z skr. g. menj, zd. gena, skr. gant (würz. ga7i), goth. 
quens, quinö, engl, quee/i, ahd. chena, chona, femina. — a;H8-*, 
skr. zend gic, ursprünglich wol redupiicierte wurzel, etwa gigi als 
gruudforni anzunenien, welchem g sich ein v beigesellte, aufs 
guigui entstehen durch Verkürzung mannigfacher art die formen 
der verschiedenen sprachen; iit. gyv-as, goth. quius, uiuus. nlid. 
queck in quecksilber (argentuui uiuum), quecke, englisch quick 
(z. b. to cut to the quick, ans leben schneiden) u. a. — ?npb-HbBT, 
mola, lil. girnös, goth. quairnus, nihd. qutrn, kurn, skr. gr con- 
terere. — M-vwiib homo, wol aufs skr. manuga (mann-geborner) 
nicht aufs mamisja, beide sind gleicherweise in gebrauch rr: homo 
und .-K kann wol aufs g, nicht aber aufs s entstanden sein, das 
slawisciie weist auf eine grundform auf ja : mangjas zurück, 
die man mit aufssfofsur)g des u auf skr. manuga zurückfüren oder 
auch als selbstständige slawische gutluralableitung v. d. wurzel ?nan 
fafsen kann. — /■k.ibj rana viell. v. skr. würz, gabh, gambh osdtare, 
vgl. Iit. zuwis piscis und ioju, perf. zowjaw, zowauju oscilare. 

<K m skr. g. jup—sth deglutire, Iit. ger-ti bibere, skr. gr^ 
praes. girämi und gilämi, ;t;pb-Ao guttur, s. u. r, rp-bAo ; hängt 
mit derselben wurzel /tseAdTH, ?KdAdTH desiderare zusammen? — 
a>p-BB*, asp-tJBbMb pullus, vgl. skr. garbha foetus proles, ßQsqiog. 

<-t;6A,r.Ab, lat. glans, gland-is. — ;t;p-bAb, Iit. iardas pertica. 
— ?KepdBAb, Iit. gerwe, yinavog, kranich, grus. 

iti entspricht dem griech. /, also skr. gh in K-<Kb, Iit. eiys, 
i)[-tvog, ahd. ikil erinaceus. — rneAbSb, skr. har-mufa, x^^^^y 
)[(lcövT] testudo. — a;eA-tj:?o, Iit. gelezis ferrum ; von xalxog stim- 
men nur die drei ersten laute. — xxbfh, Iit. geltas, nhd. gelb 
flauus, vgl. ^ßA-GHb, womit ich es für ursprünglich verwant halte, 
-t; also mit skr. gh, h in hai^i u. s. w. vergleiche, ebendaher 
ajAbvb, x^^-^^i X'^^V) ^hd. kalla, wol auch lat. fei, bilfs. — xe 
uero, skr. gha, spät, ha, gr. ys, Iit. -gi (Jas-gi idem, unmöglich 
skr. Ha, wie Bopp meinte). 



— 112 — 

II. Dentale. 

1) leniiis T entsprechend der tenuis dcnlalis oder iren Stell- 
vertretern der anderen sprachen, im sanskrit mithin auch der 
tenuis aspirata. 

Anlautend. rpH, skr. tri, zQiTq u. s. f. tres. — i i.HbK-b tenuis, 
skr. würz. tan\ ex-ten-dere, ten-er, gr. Tfcr-vftat, rtv in tfino 
(für tfijo)), vgl. -reH-ero laqueus. ta-thbj, lit. temptyta (von 
tempju extendo), skr. tali (für tan-ti) chorda, — ihua tenebrae, 
skr. tam-as, lit. tam-sus obscurus, aiid. dem-ar crepusculum. — 
THX'h, skr. tus-tnm Iranquillus. — rp— r,i h, ter-ere, rdoa (für 
Tfo/o), würz. Tfp), zu derselben wurzel stellt Mikl. wol mit recht 
TAH IM corrumpere, tat.th corrumpi, tau corruptio, tinea, erosio. 

— len-Ab, skr. wiirz. top calefacere, urere, lat. tcp-co, tep-'idus. 

— ifiK-,!,, lit. teku curro, tok-k fluxus, lit. takas semita, causs. 
TovHiH^) Stillare, fimdere (in. diall. zapfen, drehen, d. i. laufen 
machen), skr. würz, tank, tank unbelegt, durch gehen übersetzt, 
zd. tant; irc fluero, davon takhstra courant, besonders vom 
fliefsenden wafser, vielleicht gehört zu -i>;k auch iay.!, d. i. t4^.km, 
wo, wie im sanskrit und zend, der nasal eingeschoben wäre. — 
rec-jTH secare, lapides scalpere, rec-Aa, -rPc-AHLid, lit. tesziyczia 
securis, lit. taszau dolo. ascio, zimmern, skr. w. taks, facere, 
fabricari, zimmern, taksan, bohm. tcsai- (d. i. lec-dpb) faber 
lignarius, zd. würz, tas, taks doler, couper, fa^onner, faire; im 
allpersischen (keilinschr.) heifst takhi bauen, hd. deichsei, ahd. 
dehsa ascia, dehsala ascia, ferrum confcrtorium , welches den 
lauten nach genau stinunt. — lA-hK-oBJiH interpretari, tat,k b 
interpres stellt Miklos. zu skr. tark considerare; vgl. TA-bujvb 
interpres, TAtuavHTH interpretari, dolmetsch, dolmetschen, wol 
entlent aufs dem semitischen hebr. c;-n ar. targama interpretari, 
wo denn im slawischen bald der eine, bald der andere der beiden 
letzten consonanten aufsgelafsen wurde , daher die doppelten 



•) wenn Bopp russ. rovHTb. das unter andern auch schleifen bedeutet, 
und russ. tüyhao, Schleifstein, zu skr. tig acuere stellt, so ist diefs ein böser 
irrtmn, skr. g ist nie slaw. v und die ableitung des tovhih drehen, daher 
auch schleifen, von neK- die regelrechteste. 



— 113 - 

formen lAhKi, und TAi,u-.iYb. a für p gibt keinen anstofs, — 
Tou-H IM circumagere uexare, skr. tarn dolore affici, moerere, 
confici, dessen caussat. tämajämi uexo in form und bedeutung 
genau dem slawischen worle entspricht. — Tpen-d-ni, vgl. d. 
gleichbed. strcpere. — ipeneid ih, rntfitiv, (fernere, -rpenerb, 
rooiiog, tretnor (n zn ?«?). — rpiiH-h, goth. thaurnus Spina; skr. 
trna gramen. — tp/Ac-a quatere, rp Ac;n c* tremere ; ist skr. 
tras zu vergleichen, so niufs im slawischen einschiebung des 
nasals angenommen werden, denn ipAc ist :=. trins. — rprY>B.i, 
lit. tniba, tuba, ital. fromba, tromp-eie, — roYi^b, zavnog, taurus, 
umbr. toru, altn. ihior^ goth. stiurs, zd. giavra bete de soinme, 
skr. ved. sthüra (später sthula), stark, grofs, feifst, aber auch 
stier (Kuhn a. a. o. p. 339). — t-h, fem. ra, neutr. to, pron. 
demonslr. tertiae person. skr. sa, sä, iat (s aufs f), 6, ri, ro, lit. 
(as, fem. ta, goth. sa, f. so, neutr. ihata, nhd. der, die, dafs 
u. a. — rbiuib, lit. iuszczias, skr. tu/i/ilia uacuus. — r-hr-iH 
pinguescere, lit. iunku, perf. tukau^ davon ToyK-h adeps, lit. 
taukas, tuk-tus, tuk-lus pinguis, skr. ved. tu crescere, zd. tu, 
iav posse (vgl. inah crescere und germ. mag, slaw. uor posse). 
T'bic;r.ujid, goth. ihusundi mille. — tat, eine speciell slawische 
Wurzel, die aufs dem ta?i (s. o.) der anderen sprachen durch 
hinzufügen eines gutturals (Miklos.), d. h. aufs einer nominal- 
bildung entsprungen scheint und in vielen ableitungen mit ser 
wechselnder bedeutung vorkommt, so TAr-H-uTH protendere, r/\rh 
labor, cbiAMidiH acquirere, -lA/Hb onus, lA^diH ca pugnare, ta/-k.i 
lis, zii-T/\-^ärn stringere, lit. tu-j-iju, ängstigen, -r/i.ra sollicitudo, 
zu jedem noch zalreiche nominal- und verbalstämme gehörig; 
die bedeutungsübergänge scheinen etwa zu sein : a) denen 1) 
arbeiten (die bände recken) erwerben. 2) kämpfen ; b) von der 
grundbedeutung (s. o.) tenuis (vgl. pers. tenk angustus, inops) 
die bedeutung des einschränkcns, beengens, der sorge, not, c) 
die bedeutung der schwere läfst sich vielleicht durch die des 
fest zusammengedrängten vermitteln. — T,T>n-b obtusus, zu 
vergleichen ist wol ahd. stumpf mancus, das regelrecht dem n 
entsprechende h finden wir in slumb-alön obtundere. Miklos. vgl. 

8 



— 114 — 

die iiiil)elegte skr. wiirzcl iunip IV'rire. «iccidure. — iovat, pliarelra, 
Mikl. V. skr. tul fcrre, subleuarc, Bopp. v. skr. fi'i/ta pliarelra 
miUato n in /, wie a).).o^ elc. aufs anja. beiiles sclieint mir 
zweifelhaft. — (iph-iova-hth aecoiiiodare, skr. fuld lil)ra, simili- 
tudo, lulja siniilis aequalis. — iijuti-üu.) in indigere, scheint goth. 
tharhs egenus (slaw. i für a), tliaurban, ahd. durfan cgere, 
unser darben, bedarf^ bedürfen zu sein. 

Inlautend. In niereren grammatischen cndungen und wort- 
bildenden Zusätzen : so 3te pers. sing., 2te, 3te dual., 2te. .3te 
plur. des Zeitwortes z. b. pr.ies. sg. 3. neve-Ti, ; d. 2. nevK-rj, 
d. 3. neve-r.«; pl. 2. iiKvt:-rK, pl. 3. n<:K-,r.Ti., skr. palUl-ti; 
pah'a-thas, pcüki-tas; paka-tha, pa/i-anfi, und entsprechend im 
imperativ und praeteritum. — Infiiiilivendung -ih (fiH-in bihere) 
entsprechend der endung der nomina abstracta skr. -i/, gr. -Tig, 
ö-^', z. b. skr. piti, no-aig für nÖTt,:, das trinken, beim noinen 
lautet diese endung -n, und legt sich als suffix schon abgelei- 
teter Wörter ein s bei, also -rn,, wie im deutschen, z. b. B-r.Ao-c i b 
albor von b i;Ab albus und viele andere; hunst, s\2i\\\\x\ kunsii\ox\ 
kan, als taddhita suflix lautet diese endung demnach -cib als 
krt -Tb und indecJin. als infin. i h. — die endung des supinums 
-ib, lit. -Iti, lat. skr. -tum, z. b. nH-ib, skr. pd-l um, la{. bibüum^ 
lit. ger-iu. — die endung des part. praet. pass. -i-h, skr. -las, 
lit. -fas, gr. -toh", lat. -tus, goth. -fhs, z. b. nn-Tb, getrunken 

u. s. f. Tb oder meist -tt,i, d. i. Tb -|- h der ordinalia ; 

z. b. veTBpb-TT, quartus, riranzo:, skr. katurtha u. s. f. — 
die abstractendung -tj, skr. -tu, z. b. Apjro-r.i pretiositas von 
ApJPb pretiosus, skr. prthu-tä latitudo, v. prthu latus. — die 
abstractendung -ctbo für -ibo, skr. -itam, z. b. uHo.Tb-cTBo 
multitudo von uHorb nuiltus, skr. bahu-itam multitudo v. balm 
multus. — die endung der nomina agentis auf -tgab, skr. -/r, 
d. i. -tär. lat. -tor, gr. -tjjo, neuhochdeutsch -er one /, z. b. 
A<«-reAb, skr. dä-tär, do-tr^n, da-ior, geb-er. — die endung der 
verwantschaftswörter -ii) b, im slawischen im nominaüv oft ver- 
kürzt, skr. tr, d. i. -iar, lat. -fer, griech. -ttjo (?ao), roo {toq), 
goth. -thar, ahd. -iar, nhd. -ter, z. b. Bpa-TpT,, skr. bhrälar, 



— 115 — 

gr. (foürow. -Tonog^ frater. gotli. brü-thai\ ahd. pruodar, nhd. 
brü-dcr. — coiiiparativendiing- skr. -tara^ gr. -nnog, lat. -fer 
erhalten z. b. in »eiep-h quidam, skr. jatara uter, (A)Bh-ropbi, 
dn'Ttnog secundus, — adjectivendiing -tb-b, lat. -fitus, z. b. 
tjpi,-rB'b, mür-iuns. — - BpbT--Bru, >^kr. würz, vrt, d. i. vart^ lit. 
wiirz. fer/, lat. verfere, hierher gehört auch goth. vairlkati, varth 
(würz, varth, die im praes. zu i {ai) geschwächt wird), nhd. 
icerde^ icavd. — n<T.Tb, skr. panthan uia. — cbh r-j ih illucescere, 
cB-i;T'b lux, skr. gtC'ta^ goth. hreii-s albus, lit. szwit-tu splen- 
dere, svetas, slaw. niererer dial. cB-ti-b numdus, vom leuchten, 
vgl. skr. löka. — ctj-th, skr. w. sthä, zd. ^iä, gr. cttj {i'-airj-^u'), 
lat. sta~re. lit. sfo-ti. ahd. stä-m, std-s, stä-t praes. v. sta-ndan. 

— ciKH-dTH, skr. w. sian, cztr-co, lit. sten-u gemere. — mp- eih 
extendere, npociHpaiH id., c rpj-Hd regio, npo-c rpa-H-b spatiosus 
und mit a in einer anderen fafsung der grundbedeutung no-ciA-dTH 
praes. no-cieA-;K sternere, no-cieA-r<i lectus, ctoat,, lit. stalas 
mensa, np-r.-croAb thronus (Mikl. zieht viell. mit recht cAdua 
stipula zu dieser wurzel, böhm. slama, stroh; andere, so Grimm, 
stellen es zu y.ühiuo^^ y.cduiiri, cahinius, halm, c =z skr. g rz: 
k =: germ. Ii), skr. würz, str praes. str-nömi, ster-nere expandere, 
gr. aroo-vvfit, croo-irrvi^a, goth. straujati, nhd. streuen (vgl. strö, 
gen. mhd. siroices, streu mit slaw. cAdUd). — cbio, skr. gata, 
i-y.az6r, centum, goth. kund. 

A 1) = skr. d, griech. d, lat. d, goth. t, hochd. s, fs, 2) 
= skr. </Ä, gr. ■&, lat d, f, goth. d, hochd. f. 

i) A z=: d. a) anlautend: 

A'i-TH,- skr. da, gr. di-doj-ia, lit. dü-ti^ da-re. Adpb, danov 
donum. — AbBd, skr. dca, Svo, duo, lit. du, goth. tvai, hd. ztcei. 

— ABepb janua, ABop-b aula, skr. dvära, lit. durrys, goüi.danr; 
gr. i>to«, lat. fores lafsen, so wie das gothische wort, auf ur- 
sprüngliche aspirata schliefsen, die im sanskrit jedoch nicht statt- 
findet. — AecATb, skr. dacan, dty.a, decem, goth. taihiin, ahd. 
zehan. — A'biuiH (für A-br-rn), gen. Abiuiepe;, skr. duhitar, lit. 
dulite, gen. dukieres, zd. dughdhar, goth. dauhtar, ahd. iohtar, 
gr. d^vymriQ, auch hier lent sich das geritianische an die grie- 

8* 



— 116 — 

chische aspirata an; bedeiitung ist wol mclkerin vom iluh melken, 
lat. duc-ere, golh. üiihan, ziehen. — ai.hi,, skr. cUiki fl'iir ditna 
V. (1, w. dic^ hell sein, loucliton), lit. dena. — Aeci.nh, skr. 
daksiiia, öe^kk, dexter, golh. faihsvs: lit. deszine,g. taihsro dexlra 
nianus, ahd. zesawa. — AAbn,, lit. (d)ilgas, skr. dirgha für 
dargha, zd. daregha longus v. d. w. rfr/<, d. i. drgh crescere. 
Grimm g. d. d. spr. fügt bei (J)longus (wie hiiiim für tlatum), 
golh. laggs für thlaggs, ahd. latir für dlanc. — aij-jih, ak|)-,-i. 
scindere, aoa-h foramen, AOAi.trh uallis, aoaov, AOA-n inlVa, skr. 
dr, d. i. dar, dal findcre, dara (genau dem slaw. aoat, ent- 
sprechend) cauerna, specus. — aouk, skr. ved, dania, dniw^, 
domus, — AphBj ligna, apubo arbor, lit. derwa kienholz, skr. 
dru-ma, gr. dnv^, golh. iriu, engl, tree (d. skr. däru lignum ist 
vcrwant, wolllen wir es den slawischen Wörtern gleichsetzen, so 
niüslen wir ein herabsinken des a zu -b annemen). — Ai»-i;i.i-dTn, 
dorm-itare, donn-ire, alts. dröm, nhd. träum (t. für urspr. u?), 
vul. skr. drdi (unbelegt) dormire, ni-drä somnus; nach alts. (/, 
hd. t erwarten wir die aspir. im sanskrit. — a-ba-h, lit. dedas 
auus. — A-BA-HTH diuidere, bOhm. dil^ d. i. altb. del, a^at, pars, 
goth. dails, skr. dala id. wenn das skr.-wort mit recht beige- 
zogen ist, so ist die media nicht regelrecht im goth. verschoben; 
denn slaw. a neben goth. d lafsen auf dh im skr. schliefsen. — 
AJu-HTH sufTocare, lit. doic-iti, skr. w. du uexare. — Apovrb 
alter, amicus, lit. draugas. — Aeßepb (Glagol. cloz., Miklos. gloss. 
hat dieses in gleicher form auch rufsische wort nicht), lit. deveris, 
skr. devr, dca'^n^ leuir, ags. täcor, ahd. zeichur. — at.b.« uirgo 
V. d. würz. skr. div lucere, wovon deva deus, devt dea, oder 
von div ludere ? — AA->>rb, goth. dulgs debitum ; Mikl. zieht es 
zu AP'b/K-iiTH teuere. 

In dem einzigen worle AenAib, skr. navan, gr. iiita für 
i-rvfsa, tiouem, goth. niuii, lit. devyni steht a =i urspr. n. hier 
war gewiss die ganz analoge bildung von AecAib, skr. da^an 
u. s. f. deceni von einflufs. dafs auch im litauisch-slawischen n 
ursprünglich vorhanden gewesen, beweist das preufsische nevints, 
nonus. derselbe fall findet noch statt in lit. debesis, nubes, skr. 



— 117 — 

nabkas, ricfog, sl. Heso, gen. Necec-e, lat. nubes, nebula, ahd, 
nibnl, der uiMgekerte, n für d, in lif. namas, slaw. aomt,, skr. 
dama, donog, domus. 

b) inlautend: 

BHA-uTH, skr. nid u. s. w., vid-ere, B^A-trH, skr. veda^ 
olda, golh. vait, ahd. «eis scire. — wa in wc-th (für ruA-iH), 
skr. w. ad-nii, lit. ed-ftii, gr. e^-co, lit. ec?-o, goth. «7-aw, praet. 
a/, alid. ezan, az, wa-h uenenum, derselbe Wechsel der bedeutung 
in ipoY-iH niitrire und o-rpjna uenenum, polnisch trii-c^ d. i. 
r(jov~TH nur vergiften. — speA- in BpoAt uadum, böhni. bred-u 
waten, lit. bred-u id. — boa^, skr. uda, vdaQ, unda, goth. Dato, 
ahd. icazar aqua. — cb-Ap.iKT,, seltene Schreibart für ^Apas-h, 
sanus, wäre sie die ältere, so wäre c-b als praepos. zu fafsen 
und AP'iB-b vielleicht zu skr. dkru fixum esse, lit. drutas firmus, 
golh. (raua confido zu stellen. — majab, skr. mrdu, lat. mollis, 
nhd. mild, in den jetzigen dialecten bedeutet uAdxh jung. — 
P'hiA-diH, skr. w. rud, ahd. würz, ruz {riuzu, röz, ruziimes)^ lit. 
raudoti flere. — c-sa- in ctjc-th für c-ua-th, sed-ere u. a., skr. 
w. sad, goth. sit-an, ahd, sizan. — xoa-hth, uibA in lubAb, uibAh 
für uibAAb part. praeter, act. ire, skr. w. sad id. — ■ böhm. (u. 
and. dial.) prdeti, prd (d. i. npT,A— uth, np-bAb), skr. w. jjcird, 
gr. nindoi, lit. perdziu, ahd. ferzu, fit'z, furz, pedo. 

A =â–  dh. a) anlautend: 

A'bu-/r,, skr. w. dham, dhmä flare. — aoh-th lactare, .vt-r* 
infans, skr. dhe^ d. i. dhaj bibere, goth. daddja lacto, gr. Oricrca^ 
{^Tj-läCfii' lactare, -OrjaOai mulgere , ■&oirt] cibus , epulae. — 
Aph-aidTH, ahd. tragan portare, ferre, wurzel durch guttural 
veriiiert wie oft, skr. dhr, dhar tenere. — AtTH facere, a-b-ao 
opus, skr. dhä, 1. pers. da-dhd-nii, ri-&tj-fit, lit. de-mi pono, 
coUoco, ab. goth. de-ihs, stamm dedi factum^ der Übergang der 
bedeutung ist ponere, creare, facere, zd. dhä, da hat diese 
bedeutuiigen zugleich, ahd. tö-m, tuo-n facio. im slawischen 
ist ä zu ^, -t; herabgesunken. — Abi-uT,, skr. dhiima, x'^v^iog, lit. 
duinai, fumus, ahd. iouni uapor v. d. vv. dhä agitare, davon auch 
slaw. AOY-xb Spiritus. — Apb?-jTH andere, kann des z, wegen, 



— 118 — 

welches nie einen anderen ursprünglichen laut als die g-ullurale 
media wiedergibt, nicht zu skr. dhrs, Oüoßo-:^ üoarrr:^ lit. drasus, 
goth. ga-dars, int", gaduursan andere yesldit werden, snllte es 
aufs griechisch oder gothisch enllent sein und 2, ungenau das s 
wi(;dergel)en? 

b) inlautend: 

i.ieA'h, skr. madhu, lit. mcdus, angels. medu. fnedo, ahd. 
tnelo, mel. — bsaohj, skr. vidhcwa aufs vi priualiii. und dhaca 
tnaritus, preufs. widdetcu, golh. ridutu, ahd. wHawa, uidua. — 
KovA-Hi H expergefacere, skr. 3. pers. pracs bödhajati, KbA-t- im 
uigilare, skr. hudh-jate expergisci, hudbjati scire, nosse, lit. 
bundu uigilo, bud-rus nigil. — p-hA-n-in rubescere, pbaiAd nibigo 
für p bAi.i, p-biaiAi. für p sia/h, skr. rudh-ira, gr. t-nvi^-nö^^ ruf-us, 
rub-er, lit. rauda color ruber^ raudonas, alln. raud-r, ahd. röf. 
— BAJA-.r., goth. vald-an imperare, ist mit skr. rardli crcscere 
zu verbinden, vgl. skr. mah, d. i. magh cresccre und germ. mag, 
slaw. Mor posse, ualere. 

In der endung westslaw. -rf/o, also südostslaw. -ao ist a 
aufs t durch folgendes / erweirht, wie p zu b in ha hK.i pufex; 
skr. -traiii, -toor, lat. -trum, z. b. böhm. ora-dio, ksl. opj-Ao, 
anozQov aratrum. 

III. Labiale. 

1) tenuis n entsprechend ursprünglichem p, d. h. skr. /;, ph, 
gr, n, lat. p, goth. f, hd. f oder das gleichbedeutende v. 

Anlautend. n-r.Hj, skr. pena, lit. pcnas, spttina, ahd. feijfi, 
engl. foam. — ruA-mn urere, nAd-H<r,iH comburi, nAj-ucMb 
flammo, neneA-b (redupl.) cinis, kann nicht zu gr. q).fy, lat. flag 
Cso ser auch nAJueHb an flamma erinnern mag), skr. bliräg 
gestellt werden, erstens weil der gutturale aulslaut feit und dann 
weil der anlaut im slawisclien b sein müste. tzvq, ahd. viur 
gehören wol zu skr. pii, päcaka: da auch der anlaut des golh. 
brinnan. ahd. prinnaii nicht stimmt, denn slaw. tenuis ents|)richt 
der goth, aspirata (resp. Spirans), so gehört die slawische wurzel 
njA, IIA wo! zu den speciell slawisciien, oder doch noch niciit 



— 119 — 

in irer vorwanfschaft erkennbaren elenienlen der spräche, einen 

entfernleren Zusammenhang- mit den gleiciibedeuteiiden wurzeln 

der verwant n sprachen leugne ich hiermit keineswegs, nur stelle 

ich jede regelrechte tnfsprechung d. h. Identität der lautlichen 

demente in abrede. — n<r.rb, skr. pcuilhan uia; — näx-.u c;ido, 

skr. päd ire, — n-b r-HL|d auis, skr. pa/, gr. Titz uolare. — nepo, 

nrinov^ a\i(L fedara, skr. pa/atra. also für neripo (Werkzeug zum 

fliegen, vgl. franz. pere mere für pe/re metre) das neutrale genus 

spricht für diese etymologie, obwol die lautverwandlung keine 

regelmäfsige ist. — nac-.?. pasco, skr. pä tueri, lat. pa-ui. pa-sco 

u. s. f. c wäre dann slawischer ziisatz. vgl. njc in o-njc-bHb 

diligens, Cb-njc-iH seruare, cb-n.ic-bHb salutaris, welches 3IikI. 

zu skr. w. pag uidere stellt; diefs zugegeben, könte man niciit 

im slawischen eine Verschmelzung der beiden wurzeln pä und 

par; annemen zu einer neuen wurzel n.ic mit der grundbedeutung 

beaufsichtigen, bewaren, aufs welcher die bedeutungen weiden 

und retten sich natürlich und leicht ergeben würden ? — nnr-^iH 

nulrire, skr. ved. pit-u cibus, zd. pifu lait, nourriture. — neK-;r., 

skr. pa/i, gr. TZiTz (p aufs k), coquo; nenAo, Tziccpa (für nr/.ja), 

pix, pecli und wie das neugr. Tziaeu auch hülle in den diall. — 

riH-iH, skr. w. pä und pi, gr. tio QnsTZOjy.a, ni-no-uat.^ tTTO&r^i} 

und Ttt (ni'-vo}, e-7ii-ov, nr-O-i)^ lat. po-culum, bibo (skr. pibämi 

für pipämi). — haov-th, skr. w. plii, gr. 7r'/.v (7z/.e=-o:>') nauigare, 

plu-o, jlu-o. — HA-bH-b, skr. pürna für parna v. d. w. pr d. i. 

par. implerc, plcnus u. s. f. — npH-MTH prouidere, npH-wreAb 

amicus, goth. /"n-Jo amo, ahd. friu-dil amasius. lif./)re/e/M5 amicus, 

skr. pii exhiiarare, aber prija carus, amatus, im slaw. h t die 

Wurzel im uerbum die bedeutung der fürsorge angenommen, 

oder falls diese die ursprüngliche sein sollte, so wäre ahd. iniiina 

u. deriv. amor v. d. w. skr. man cogitare zu vergleichen, — 

n|)o- prae, gr. ttoo, skr. pra, lit. pra. pro, gotli. fra. alid. //-a, 

far; durch Schwächung des a entsteht npH apud. lit. pri, goth. 

/>•/; sliiw. npd-, das frühere, ältere bezeichnend, z. b. np.i-oTbijb 

auus. Urvater, hat form und bedeutuna am stärksten, vollsten 

bewart, so dafs wir eine reihe np.i-. iipo-, npn- haben. — 



— 120 — 

npoc-HiH, skr. pra/ih, lit. praszau, zd. w. perer;, uinbr. pers, 
goth. frih (fraih-nan), prec-or. — npoiH, gr. ttqozI (non^ aufs 
nnocjf)^ prad^^). — npbcH pcclus, skr. pärgva latus. — n-bipo 
far, TTvofK', skr. pura yellow harleria. — huc-jih scribere, 
nbc-rp-b uaricgatus, skr. ved. piQ formaro figuraro, dccorarc, zd. 
pig, wol dasselbe, nov/.-ü.o^^ alid. feh (dial. auch rdid. von lieren 
gebrauchl) uariegatus, im lal. pingo, skr. ping passt (j nicht. — 
riA.iB b albus, lit. palvas, pal-lidus, ahd. falo, d. i. falaic, skr. 
palila canis capillis pracditus. — n.\t;i-/r. im anlaut wenlirslen^ zu 
7T)Jy.(<), pleclo stimmend, dagegen vullslandig dem golli. fullh-an, 
ahd. fald-an, nhd. falten entsprechend. — rio,\b dimidium, ullerior 
ripa, skr. para ulterior, pdra ripa ullerior, opposita. — riA-hK-b 
populus, castra, lit. pulficis, ahd. /b/c (wol erweilerung der wurzel 
/)/■ implcre, Avovon puru, ved, pulu, po-pul-ua). — noA« ager, 
iilts. ful-da, alln. fohL ahd. fehl (jl zugesetzt Avie häufig im 
german. vgl.- hun-d, gr. xvv-og, skr. gun-as^. — np bc ib digiliis, 
lit. pirsztas; np-bcib humus, ist vielleicht in beiden Zusammen- 
setzung von pra mit stä anzunemen? — np-r.y.b super, \H. presz 
(cfr. a^^'b, lit. asz- u. a.). — nbH-,r. in crucem agere, vgl. ahd. 
spaniicm, n.uro compes, \\t. pancza, pantis id., pancz-oti fefseln; 
5 abgefallen wie in ujAb, ahd. smal, böhni. spina, spina^ altb. 
(nach Jungrn.) spina. gr. nlvo.:, sordes. — ntr-b uarius, n-r-r-oiHB-b 
leprosus, vgl. ahd. feh, d. i. goth. faihs uarius, uersicolor, gr. 
TTor/.ü.o^. deren aufslaut jedoch zu slaw. r nicht passt, — n-tcbK b, 
lit. pesika arena, Mikb cfr. skr. pig conlerere, Bopp hat es unter 
pängu puluis. — n ac i b, vgl. skr. miisti-, ahd. fast pugnus, ,\ wäre 
dann unregelmäfsig für u. — n^ib, skr. panlian^ gr. ntizf, goth. 
finif, qiiinque. n rz: urspr. k, wie in den vcrwanteii sprachen, 
das latein aufsgen. — npbB-bi primus, goth. frumas^ lit. pirmas^ 



*) wenn Bopp die mit dem im slawischen iinendlicli oft in der wortbil- 
dnng gcbraiK Uten b (pron. OB'b, zd. altp. ara) abgeleiteten formen : npOTHRoy 
uersus, npoTHBb secmulum u. s. f. zu slvr. pratlpa (gioss.) aduersns stellt, 
so ist diefs ein aufs nicht hinreichender übersieht über das slawische hervor- 
gehender irrtum, ]) ist übrigens auch nicht =^ slaw. b. 



— 121 — 

Bopp skr. pürva, welches jedoch als speciell sanskritische form 
hinter den regelrechten formen der mit dem slawischen zunächst 
vervvanlen sprachen zurückstehen mufs, b m w ist in gleicher 
lautverbindung in vp-hBi,, skr. kr^mi, uermis, goth. vaurms. — 
bühm. prd, prded, skr. pard, lit. perdziu, 7iiod-o3, ahd. ßrzo, 
pcdo. — npjcA (Kopit. Glag., nicht bei Mikl.), porc-us, ahd. 
farh, farah, lit. parszas^ nhd. ferkeL — rio secundum, post, lit. 
po sab, in der Zusammensetzung auch nä-, es scheint sich hierin 
die ältere form erhalten zu haben und daher möchte ich die 
Zusammensetzungen mit n.i für älter halten als die mit no, z. b. 
nd-uATb memoria v. d. w. MbH, skr. ma« cogitare, lit. po secundum, 
sub, lautet ebenfalls in der Zusammensetzung pa, z. b. pamenu 
memini, goth. uf sub, skr. tipa ad, gr. vnu, lat. sub; s gr. ' vor- 
getreten, wie in vnto^ super^ skr. upari. — vieles andere 
nur slawisch-litauische so wie bedenkliches, wie z. b. nbcb, 
zd. gpä, skr. Qtan^ lit. szü^ avm'^ canis u. dgl. lafse ich vor- 
sätzlich weg. goth. plinsjan ist das entlente sl. nAAcaiH, vgl. 

nAoyrh. 

Inlautend. ren-Ab tep-iüns^ skr. w. tap. — A-tn-HiH con- 
glutinare, A-tn-h gluten, uiscum, A-tn-h decorus, davon Aunord 
pulchritudo, skr. lip ungere, lit. pri-lip-ti adhaerere, griech. Unoii 
adeps, und davon lincdva, hnü^K), Xmaoog. — cr/nnarH incedere, 
cienfcHb gradus, skr. sthäpajämi causs. v. sthä^ stare sistere, 
fundare, collocare, ahd. slift institutum, Stiftern, nhd. stufe. — 
ciA-hriT,, lit. stulpas columna. — cpT>n-b, uQnrj falx, lat. sarp-ere 
(Fest, uinea sarpta). — kovr-hih, goth. kaupön, wol entlente 
wäre das goth. wurzelhaft, so müste nach der regel h statt k, 
f statt p stehen, ahd. chaufan, Kovnbiib, lit. kupczius' mercator, 
vgl. caupo, y.ünrilog. 

B. die labiale media entspricht 1) skr. ö, gr. ß, lat. 6, 
gothisch p kommt als anlaut echt deutscher, nicht entlenter Wörter 
gar nicht, das entsprechende ahd. ph, nhd. pfwur aufsnamsweise 
vor, auch für den inlaut fürt Grimm nur ein sicheres beispiel 
dieser laulenfsprecliung an, näml. xän>aßig, cannabis, altn. hanpr^ 
ahd. hanaf, das überdiefs für das slawische nicht passt, weil 



— 122 — 

hier p steht: böhin. konopi', pulri. konopie, russ. kohoham. das 
gernianischü fällt iilso hier wey-. 

2) K 3= skr. bh (/<), ur. cf. hu. f, b, fffAh. b, alid. p, nlid. 6, 
da das zend kein bh besitzt, so geht es mit dem slawischen und 
gothischen. b â– =! b und bh. 

i) G ■=! b. ü) anlautend: 

BOYA-H I H expergefaccre, Gi,A-:t;TH uigilare, skr. w. budh 
causs., budh-ajämi expergefaccre, das simpl. hat nur den über- 
tragenen sinn cognoscere, nosse. )it. bundu uigiio, budrus uigii 
(goth. bud\n bmda, bauih jubere, inandare, gr. nvO in nwi^üiofna 
werden von Bopp niciit one Verletzung der lautgesetze verglichen, 
beim gothischen widerstrebt auch die bedeutung, welche Bopps 
aufs dem sanskrit beigebrachte Zusammensetzungen von budh und 
gnä mit praepositiunen, ebenfalls iubcre bedeutend, nicht erklaren*)). 
— BOA-HH maior. Mikl. vgl. wol mit recht skr. bala uis, robur, 
bal-ista fortissimus. — tJKXh sine, skr. baliis extra, in Zusam- 
mensetzung aber auch sine. — bkaj necessitas, periculum, 
(o-BHA.1 iniuria, o-bha-hth iniuria afficere) dial. miseria, lit. beda 
periculum, cura, miseria, bednas, böhm. bedny, bidny miser. Bopp 
vergleicht skr. bädh uexare, perturbare der bedeutung nacli mit 
mer warscheinlichkeit, (a wäre dann zu h, -u geschwächt) als Mikl. 
skr. bhid findere, — r,\em (Kop. Glagol.), balo, ßKri-yäcOiu, 
blö-ken cfr. BAe-KouTH id. onomatopoietisch. 

Zweifelhaft ist, ob b oder bh (auf letzteres weist indess 
goth. b hin) zu gründe liegt in baaab mendacium, nugae und 
andere deriuata, BA;i;Ab lenocinium, ba<y.ahth errare, scortari 
u. s. f., welchen sämmllich die grundbedeutung des irren, falschen 
inwont. goth. blinds caecus in den germ. spr. auch in beziehung 
aufs moralische (z. b. nhd. Verblendung); wechst-l mit u wie im 



*) blofs des inleresses weisen, das es hat, ein anlautendes skr. b im 
gothischen sicher wiederzufinden, bin ich aufsiianisweise hier auf die Wider- 
legung mir irrig scheinender vergleichungcn eingegangen, die ich sonst one 
weiteres niclit aufneme. bei goth. bindaii = skr. baiidlt mag vielieidit eine andere 
•form zu gründe liegen mit aspirirteni anlaut, Bopp vergleicht unter gleicher 
voraufssetzung tat. ßlum für ßd-hun^ funis fiir fiidnis, foedus u. a. 



— 123 — 

slaw. mit /y>, z. b. engl, blundcr errare (g. hlauthjan delere oder 
nord. blaudhr niollis, efl'üeHiinatiis, bludhi, nhd. blöde timidus 
scheint dagegen unverwant). — Bocb, lit. basas non calceatus, 
alid. bar. — rp-jth praes. Bop-f/n pugnare, lit. baru uitupero, 
reflex. bar-ü-s litigare. — BpoAb uaduin, böhm. bred-u, lit. 
bred-u waten. — r.\)äx>i> lit. barzda, ahd. hart, bar-ba. 

In BA-bxd, lit, blussa pulex, \pvl).a ist b vor a aufs p er- 
weicht, wie d aufs t in der endung westslaw. -dlo, südostslaw. 
Ao, skr. -tram. -roov, -trum. 

b) inlautend : 

Beispiele für diese entsprechung, in welchen das sanskrit 
mit vertreten wäre, gehen mir vor der hand ab, ich füre nur 
folgendes an: KOGh\,\<i, caballus. — B-uBbMb, Wt. bubnas lym\)mnun , 
lit. bub-auti rugire , bub-enti leniter tonare , bub-iti pulsare, 
sammtlich onomatopoietisch und redupliciert. — bob, faba, lit. 
jmppa faba, pupelis, knospe (vielleicht kätzchen) der salweide. 

2) B zz: bh. a) anlautend: 

Bpaip-h, skr. bhrätar, zd. brätar, cforcrrjo, qjQarmQ (nicht 
vom leiblichen bruder gebraucht), goth. bröthar, ahd. pruodar, 
nhd. bruder^ lit. brolis, preufs. brätis, frater, lit. brotuszis vetter, 
so nennen sich geschwisterkinder, zd. bräturje la cousine. — 
Bbi-TH, lit. ÖM, skr. bhü, zd. bu., cpv, lat. fu, ahd. in pitn, nhd. 
bin esse. — Bp-hBb, skr. bhrü, zd. brt)at\ ocpovg, ahd. präwa, 
n!id. braue supercilium. — o-Bd-BdiH incantare, Bd-cHb (c vor 
der endung Hb eingeschoben s. u.) fabula, fprj-ni, fa-ri. — Bor-b, 
alt[). baga, skr. ved. bliaga deus. — bowth ca, würz, bh, skr. 
bhi, lit. bijau (liineo), griechisch stimmt wenigstens der anlaut 
in qoßiofjca, vgl. (fsßofiai. — bp-jth, praes. Bep-,?., skr. w. bhar, 
zd. bar, (ptQ-co, fero, golh. bar (bairan, praet. bar). — Bp-tr-b 
ripa, QT^yi^i'^', qriy-vviu, frang-o, goth. ga-brika, gabrak, würz. 
brak, brechen, s'^r. bhang one r. — b-kt-.t., lit. bey-u, fug-io 
curro, gr. cpeijo), würz, cpi-y^ skr. bhug flectere, goth. würz, bug, 
praes. biu-ga, nhd. biege. — rufs. BB()e2;.i, poln. brzoza, böhm. 
briza, was also ksl. upb^a oder Bp-hy;<i wäre, skr. bhürga (für 
bJ'.arga), lit. herzas, alln. biörk, nhd. birke betula. 



— 124 — 

b) inlaiilend : 

OBJ, skr, uhha., zd. ^iba, <</<';( w, ambo. — rpju-HTn raperc, 
skr. w. grabli, zd. gerev, yerep, goth. greipa, lil. grebju prehendo, 
YQiffog, (g)rapio (?). — verwant ist die slawiscli-litauisch-germa- 
nisclie WUrzcl rpesj r(jt;i;-enM(+; rcinigatio, no-rpeK-rt. sepclio, lit. 
grabas sarg, golli. grab-an. — hkbo, gen. Heiiec-e, skr nabhas 
coelum, nubes^ yiebula, it(fn^, alid. tiibul, lit. debesis nubes. — 
:;;i;B'b, ved. gambhas dens; gr. yuficfai, yufiq^rj/.at. — obh, diu per, 
^?r< in, trans, in der Zusammensetzung circum, skr. abliij taicft\ 
lat. ob, amb, alid. umbi. 

Das kirclienslawische besitzt nur die zwei ältesten, im i do- 
germanischen allein ursprünglichen nasale, nämlich das dentale m 
und das labiale u. es kommt diefs daher, dafs diese beiden, 
das speciell sanskritische, durch beriirung mit den dekhanischen 
sprachen eingedrungene linguale n abgerechnet, die einzigen 
nasale sind, welche in unserem sprachstamme vor vocalen vor- 
kommen, und das kirchenslawische duldet eben nasale conso- 
nanten nur vor vocalen, da vor consonanten und im aufslaute 
die nasale mit dem vorhergehenden vocal zu einem der beiden 
nasalvocale *, a. zusammenschmelzen, nicht einmal das in den 
verwanten sprachen vor gutturalen heimische (wenn auch nicht 
immer graphisch ausgedrückte) gutturale n (z. b. nhd. enkel, lat. 
angulus, ayysXog, gotli. juggs u. s. f.) findet sich daher im sla- 
wischen, da es in solchem falle ebenfalls in den nasalvocal ver- 
wandelt wird (z. b. p-i.k<i, lit. ranka manus); zwischen m und 
einem guttural steht immer ein vocal (z. b. TbMbKb tenuis). die 
anzal der nasalconsonanten ist daher eine beschränktere im 
slawischen als in den schwestersprachen; übrigens richtet sich 
natürlich — und positiv wifsen wir es aufs dem polnischen — 
die aufssprache der nasalvocale nach dem folgenden consonanten, 
so dafs also hier z. b. der gutturale nasalton wirklich vorkommt. 

1) H entsprechend dem n der verwanten sprachen. 



— 125 — 

a) anlautend : 

HOB-h, skr. zd. nata, rtfog, noiius, lil. naujas, g-oth. nivjis. 

— HfiBo, skr. nabltas u. s. w. coelum. — «e, skr. na non. — 
Hoch, skr. nas, nasus u. s. f. — Houn-b, lit, uaktis, goth. nahts, 
nox. — H-hiHu, skr. nünam, vvv, nunc. — Hjrb, skr. nagna, 
ahd. nach-af, niidus. — HOK-hib, lit. nagas, skr. nakha, o-vv^, 
nhd. nagelj unguis. — »ec-n^, gr. s-vey/.-ov, würz, rex. — HeiHH 
fratris fdiiis, böhin. nett, gen. netere, nichte, für Hen-iHH, nepfi, 
n fällt vor M nach einem slawischen lautgesetze aufs ; skr. napäf, 
naptar, fem. napti, nepos, neptis, zd. tiapfnr, nap, napa, napat\ 
fem. napH) alid, nefo, fem. nift^ niftila, goth. nithjis, fem. nithji 
(ausgefallenes p). 

Das nach slawischen lautgesetzen vor j, h zugesetzte h 
kommt unter den lautgesetzen später zur spräche. 

b) inlautend: 

c'biMb, skr. simu, lit. goth. sumi, filius. — endung der 
nomina skr. -an u. s. w. z. b. K<iueHb, skr. a^inan, lit. akmü, 
gen. akmenio lapis; hm/a, gen. HueHe, skr. näman, nomen. — 
uhH-tTH putare, skr. w. man u. s. w. cogilare. — orHb, skr, 
agni, ignis. — ■ oHb, lit. anas, skr. ana ille. — n-tNj, skr. phena 
spuma. — HH'b, skr. anja alius. — cuHHbijb, lit. szvinnas plum- 
bum. — BpdH>, niger, corax, lit. varnas corax, skr. varna color. 

— AbNb, lit. dena, skr. dina dies. — ?Hd-iH, skr. w. gnä, 
yi-yvm-aniiv, (g^no-scere, \it. zin-otL — :?|jbHo, lit. zirnis, granum, 
körn., kern. — ubH-HH, min-or, goth. min-iza, vg. luv-vOco. — 
endung der nomina, besonders adjectiva -bH-b, lat. -inus, gr. 
-ivog., skr. -Ina (mit a erweitertes -m, z. b. grngina cornutus 
V. crnga cornu). z. b. Kp<ic-bHb, fem. -bH.i, neutr. -bHo qui, 
quae, quod habet pulchritudinem, uenustus, -a, -um, v. KpdCii 
uenustas; von dieser endung gibt es wieder zalreiche weitere 
ableitungen. s. Wortbildung. — part. praet. pass. -ht,, skr. 7ia, 
germ. n (sonst auch als adjectivendung) z. b. nev-e-Hb coctus; 
hierher gehören z. b. auch adject. wie nAbM-b, skr. pürüa (für 
parna) plenus u. s. f. — inf. -m,t.-ih, praes. -n/i; der uerba, skr. 
-nu, praes. -nömi^ gr. w, praes. vv(ti. 



— 126 — 

M, entsprechend dem m der verwanten sprachen. 

a) anlautend: 

u'hiiub, skr. mü§a, itvg, vms, nhd. maus. — uo()b, mare, 
goth. marei, lit. mares. — u.rin, gen. -repe, skr. mälar u. s. w. 
mater, lit. motere. — ucAb, skr. madhu, fit&v, ahd. w<e/o, mel. 

— ueajAoy für uga-h) inier, skr. maditja, faacrog, fitoo,' für fxf&jo,', 
medius. — up-^th, lit. mir-ti, skr. vv. 7«r, wmr, morior, nhd. 
mor-d. — MbTAii. skr. meyha (nuhes), ö-iil/lrj nebula. — ui,m— cth, 
skr. w. man u. s. f. cogitare. — ui;c*iib, skr. mäsa, ^irjv, mensis. 

— uAco, skr. mäiisa, goth. mims, lit. wesa caro. — ijt,c-hih, 
miscere, lit. maiszyti, skr. mic-ra niixlus. — u im anlaul der 
cass. obl. sing, des pron. person. primae z. b. gen. ueMe, skr. 
mama, mei, tiwv u. s. f. — uhah niiserabilis (dial. cirus. amatus). 
uHAOBdTH misereri dial. amare (Miklos. skr. mil connivere, mil 
heifst aber im sanskrit nur die äugen schliefsen, es feit also 
aller Zusammenhang der bedeutung, Bopp stellt es zu skr. mid 
pinguem adiposum esse), gr. fuiX-iyiog, fitih/ng, fifi/.iu, ntüJaoi-ir, 
lit. 7nylu amo. — uAdAB tener, skr. w. mard conterere, tnrdu, 
mollis., ahd. milti. — uA-b?;r. rnulgeo, rliii'/.yco, lit. meliu, skr. marg 
abstergere. — uor-i., goth. mag possum, ualeo, skr. mah für 
magh crescere. — ma— uth, ueA-rrn, lit. malu, molcre, goth. malan. 

— uoyxj, lit. müsse, musca, nvTa (ftvGia), ahd. tniicca, skr. 
maksikä. — ubcr-b mustum. — ubM-rrv comprimo, lit. //««m terere, 
MbMHH minor, fupv&co, goth. mins, tninha, minists. — uAK--hK-b 
niollis, dieselbe \vurzel gutt. vermerl, lit. tninli-au. teig kneten. 

— unpd, lit. tnera mensura, m-hphih, lit. meroii nieliri, skr. mä 
id. — ii,i.,Tb, skr. manuga, mensch homo, ^vurz. man cogitare. 

— MHorb multus, goth. manags. — u^x-h, lit. maiszas Saccus. 

— Mb/^Ad, zd. miz-day goth. mizdö praemium, vgl. fuax^ög. 

In uAbB-HiH tumulluari. böhm. mluv-iti, slow, tmiviti, poln. 
möicic loqui, ma-öbj tumultus, böhm. mluva sermo steht u für 
skr. h; skr. w. brü, aber zend mrü dicere, loqui. diefs kommt 
auch im inlaute vor z. b. in den casusendungen -ijh, -ut, 
u. s. f. skr. -bhis, -bhjas, wo jedoch bli dem fn entspricht, s. o. 
pg. 95, 96. 



— 127 — 

b) inlautend : 

endung d. i. pers. Sgl. -mi», skr. -mi, gr. fi(, lit. -?m u. s. f. 
z. b. K;c-Mb, lit. es-tni, skr. as-mi, zd. ah-mi, gr. il-fd (aufs 
i(T-iii), lat. ie)su-m, golh. i{s)-m. — end. d. 1. pers. plur. -Mb, 
skr. -tnas, zd. -mahl, gr. -jMft," (,"f'')) 'at. -nius, golb. -m, lit. 
-me, z.b. i«c-MT,, skr. {a)s-mas, zd. (a)h-mahi, gr. sö-jws'i? (tV^tV), 
lat. (e)su-mus, gotli. {i)siju-m, lit. es-me. — part. praes. pass. 
-ub, lit. -wiß* (häufig als adjectivendung auch in den verwanten 
sprachen), z. b. hgco-mt,, lit. nesza-mas qui portatur. — endung 
des dat. und locat. masc. neutr. der pronominalen declination 
-MOV, -t"'5 skr. -smCii, -smin, lit. -w, -wiC, z. b. Touoy, noMb, 
skr. tasmäi, tastnin, lit. ?a/w, /a/«e. — nominalendung -m^, skr. 
-mati, lat -men u. s. f. z. b. hma, nätnan, nomen, goth. namö. 

— AOMb, skr, ved. dama^ d6[.iog, donms, — ;?eMAw, zd. zem, lit. 
zewze terra. — ^hm^i, skr. hima, zd. zima, lit. zma, hiems. ■ — 
HM;r>, skr. _/«;« capere. — KJMeHb, lit. akmü, skr. agman lapis. 

— cdM-b ipse, skr. sajna aequalis omnis, öfiog^ goth. sama idem. 

— TbMd, lit. iamsus, skr. tamas tenebrae. 

A und p. 

Mer noch als in den verwanten sprachen wechseln im sla- 
wischen A und p in demselben worte dialectisch (vgl. Safaink in 
der zeitschr. des böhm. Museum 1847. bd. 21, pg. 37), selbst 
innerhalb desselben dialectes gehört solcher Wechsel nicht zu 
d( n Seltenheiten, vgl. kphk-n/y> tu und kahk-m/k th clamare, cip— bth 
extendere, no-ciA-aiH sternere. im allgemeinen ist, wie in 
geringerem mafse auch in den verwanten sprachen, im verhältniss 
zum Sanskrit a häufiger, welcher von beiden lauten in jedem 
Worte als ui'spriinglich anzunemen und in der indogermanischen 
grundsprache voraufszusetzen sei, läfst sich wol sciiwerlith in 
allen fällen aufzumachen, ist ja doch die Vermutung schon aufs- 
gesprochen worden, dafs a und p nur verschiedene modiüciitionen 
eines und desselben grundlautes seien, was ich jedoch aufs 
sprachphysiologischen gründen für nicht warscheinlich halte, um 
einen feslen anknüpfungspunkt zu haben, nemen wir für diefsmal 



— 128 — 

das Sanskrit als grundlagc der vergleichung, wo es sich denn 
ergeben wird, dafs skr. / fast aufsnamslos im slawischen durcli 
A wiedergegeben ist, wärend skr. r sowol durch p als durch a 
im slawischen vertreten erscheint, ein verhaltniss, das sich in 
den verwanten sprachen ebenfalls zeigt, im slawischen ist jedoch 
A z=. skr. r besonders häufig. 

A :z= skr. / und dem / der verwanten sprachen. 

a) anlautend : 

Ai.r-bKb, skr. lagku, t).a/v^, leuis, ahd. lihl. — ah?-j ih, 
lit. laiiyti, skr. w. //A, Xt/y-Hv, lingere. — A-tn-HiH glutinare, 
skr. w. lip ungere. — ak)g-hi h amare, goth. Hubs carus, amatus, 
skr. lubh cupere. — ah-mth, lit. le-ti fundere, skr. li liquefacere. 

Nicht im sanskrit nachgewiesen sind z. b. aj-i.h h, lit. lo-ti 
lafrare. — AdA-H«, lit. eldija nauis, A^K-bTb, lit. oleklis cubitus, 
AGA-b, lit. ledas glacies und andere blofs litauisch -slawische 
Worte. — würz. Aer, inf. AeuiiH für Aer-TH, goth. ligan — lec-tus, 
ktyoii — decumbere. — A-br-j ih, goth. liug-an nienliri. — AbHh, 
lit. linaiy Xt'i>or, iinum, lein. — AtB-b, laeitus, Xuin^, Unk. — 
A-teKOBdTH mi'dicari, AtKdpb medicus, lit. lekorus medicari, schwed. 
laekare, goth. lekeis, ahd. lahhi medicus, lahjan. — aaiu im, lit. 
lensze, nhd. linse, lens u. a. * 

b) inlautend: 

nAOY-iH nauigare, skr. w. plu, gr. ti'/.v, lat. plu, flu. — 
BOA-HH maior, vgl. skr. bala uis. — KJA-b lutum, skr. kal-masa 
squalidus, kala niger. — nAJBb, lit. pakas, pallidus, ahd. falo, 
gen. falawes, noXiog, skr. palita canis capillis praeditus. 

Nicht im sanskrit nachgewiesen ist z. b. ka-kh, lit. klijei, 
gluten. — nA-bKb, lit. pulkas, ahd. fulc. — nA-hib caro, lit. paliis, 
Speckseite u. a. 

In cAaAb, lit. saldus dulcis steht a für i\ wenn das wort 
anders dem von Bopp, Miklos. u. a. verglichenen skr. svädu, 
'dvg, goth. sutis, ahd. suazi, suauis entspricht. — der Wechsel 
von / und d, Bopp vgl. gr. pg. 19, 20, scheint mir jedoch noch 
nicht vollkommen sicher gestellt. 



— 129 — 

A z=z skr. r. a) anlautend : 

Aoyvj radius, aoyhj luna, skr. rufi splendere (aber lok, löÜ 
uiderc), lux, Incere, Xvy-rog, golh. liuhath, lumen, gehören hier- 
her, r findet sich also nur im sanskrit. 

Die regel bestimmt sich also näher dahin, dafs im anlant 
sich / und r im allgemrinen im sanskrit und im slawischen ent- 
sprechen, im inlaute jedoch ser ^iele skr. r im slawischen in a 
übergegangen sind, nemen wir das verhältniss der beiden laute 
/ und r im skr. als das ältere an, so zeigt sich hier die oft 
beobachtete und | hysiologisch leicht zu begründende erscheinung, 
dafs die anlaute am festesten am ursprünglichen haflen, wärend 
die inlaute und noch bei weitem mer die aufslaute in höherem 
grade den Veränderungen unterliegen. 

b) inlautend, ser häufig: 

endung westsl. -dlo, südostsl. -ao für -aao, skr. -fram, 
-TQor, lat. -trwn, neutrum der endung -ncAb, skr. -fai\ -ran, 
-trjQ, lat. -tor, z. b. opd-Ao, aratrum, A^reAb, dator. — cAbiibne, 
-Hbqe ist endung (welche auf eine einfachere, mit m abgeleiti'te 
form zurückweist, etwa auf ein adiectivum cA-bHb iucidus, davon 
cA'bMbije, -Hbije für -HbK^'o ist neutrum der form, die im mascul. 
-MHKb lautet und den täter, auch das Werkzeug bedeutet, also: 
leuchter) cat, nach slawischem lautgesetze für cbA, d. i. skr. w. 
siir lucere splendere, davon skr. sürja (viel!, rihog, was dann 
skr. svärja wäre), sol, goth. savil, lit. sanle, goth. sunna (aufs 
sur-na), zd. Iware (vgl. noch skr. sura deus, sio'a sol, scar 
coelum, alle von ders. wurzel sur). — beA-^iH uelle, iubere^ 
BOAHiH uelle, golh. viljan, boam uoluntas, lit. vale, golh. vilja, 
skr. var eligere desiderare oplare. — BA-bH^, skr. ür/iä für varna 
V. d. w. viar tegere, lit. v>ilna, goi\\. milla, ahd. ico//a (ahd. ü//d«, 
nclare), psQior, lana, vgl. lat. villus, ucUus. — BAbM.i, skr. ürmi 
für v>armi, lit. vilnis, ahd. icella fluclus. — »AbKb, lit. vilkas, 
skr. vrka, golh. milfs lupus. — AA-^rb, skr. dirgha für darglia, 
zd. daregha, dohiog longus. — koao rota, koauho gonu, skr. w. 
Ihr ire. — caov-th, -/.Iv-m, skr. w. gru audire. — ma.iai., skr. 
nirdu teuer. — ua-j:th niolere, golh. malan ist verwant. — 

9 



— 130 — 

•iiAbho,, skr. purtia für parna v. d. w. par, pr, implere, plenus. 
— MAbB-HiH tumiilluari, böhm. mlutiti, zd. w. mrü, skr. hrü 
dicere loqui. — coak, sa/, «/c, sah, skr. sara. — \'.\ax-\, fames, 
skr. gardh, grdfi appetere. — rAdcb, lit. garsas uox. — aoab 
foramen, skr. dara antrum. — ajAbT-b, lit. gelias flauus, — ?eA-eH-b, 
lit. ialias uiridis, skr. hari flauus, harita uiridis; ^Aaro, g^oth. 
guUhs, zd. zara, skr. hiranja aurum. — noAb ripa ulterior, 
diinidium, skr. pära. 

p z=. skr. r. a) anlautend: 

()oc.i, lit, rassci, ros, skr. rasa. — p-bA-tiH, skr. rudh-ira 
u. s. f. erubcscere. -- p-hir-HAiH, innyia&ui, cnictarc. — p-bi^aTH, 
lit. 7'audoti, skr. w. rud flere. — ptKd flumen, gr. u, qv, (tieo), 
skr. sru fluere. — p-i.kj, lit. ranka manus, lit. renku colligo. — 
pov-Tn rugire, skr. w. ru sonare, eiulare, ulularc. — poa-hi h 
parcrc, Bopp zu skr. ruh für rudh nasci crescere (o ^ « wie 
cHoxd, skr. snusa^, goth. liudan, würz, lud crescere, vgl. jedoch 
skr. \v. ardfi crescere, wozu dann das durch r enveilerte pdcr* 
cresco zu stellen ist. — pon,, lit. ragas cornu, sollte es nach 
Potts und Bopps Vermutung mit skr. crnga verwant sein, so 
niüste man abfall des anlauts annemen. — p*A-b ordo, lit. redas 
id., goth. ga-raids, dintitayuiroi, ahd. reiti, mhd. reite, gereit, 
nhd. bereit id. das * im slaw. könte unorganisch sein. 

b) inlautend: 

cBeKp-b, fem. CBeKpbi und cBf;KirbBi> socer, socrus, skr. 
sva^ura, stagrü, ixvoo^ (^txvnä). — Bp bi -^th, skr. w. vart u. s. f. 
vertere. — Bparp-b, skr. bhrälar, fralcr. — ujth, gen. uarepe, 
skr. mätar, mater. — .vbiuTH, gen. -epe, skr. duhitar, ■Ov/Üttjo, 
goth. dauhtar filia. — Bp-bBb, skr. hhrü u. s. w. supercilium. — 
Kp-b8b sanguis, cru-enius, skr. kravja caro. — uope, mare. — 
npH-raiH soilicilum esse, skr. pri diligere. — up--bth, skr. w. 
mar, mori. — veihipHit, skr. Haiur quatuor. — bp-jth, skr. w. 
bhar, fer-re, — Bp-tr-b ripa, for^-ßiir, frango, skr. bhang. — 
Bevepb, lit. vakaras uespera. — BpjHb niger corax, lit. varnas^ 
skr. tarna color. — ropa, skr. giri für gari mens. — rp-i;TH 
calefacere und rop— trH ardere, skr. gharma cal r. — rpdBHiH, 



— 131 — 

skr. grahh rapere. — ABbpb ianua, Auop-b aula, skr. dvdra ianua. 

— Ap-JiH, praes. Aep-^i. scindere, skr. dar, dr lacerari. — 
AP'bBd ligna, skr. dru-ma, goth. triu, dnvg arbor. — aip-bHbBb 
mola, lit. girnos, goth. quairnus, ;?p-bHo, lit. zirnis, körn, kern, 
skr. gar (gr) conteri. — ajp-^TH, skr. gar, gir, gr, lit. ger-ti 
(bibere) deglutire. — Kpjibi, lit. karlas, skr. -hrtvas, -krt mal 
(zwei u. s. w. mal), skr. kart (krt) secarc oder kar (Ar) facere. 

— op-jiH, lit. ar-ti, cIqovv, ahd. aran, arare. — cnp— cih ex- 
tendere, skr. w. star id. 

p z=. skr. /. peK-rn, e-Xax-ov, loquor, skr. lap loqiii, queri, 
p für ursprünglich k, wie auch im sanskrit und in mereren 
sprachen nicht selten. — p-bß-^iH Grellere, skr. lü Andere, 
euellere. — poBb, p^Bb seruus (päGora dial. rohota seruitus, 
robot), böhm. rohiti, poln. rohic facere, laborare, viell. skr. rahh 
mit der praepos. ä incipere, diefs scheint aber wie das lateinische 
incipere auf eine grundbedeutung des simplex „nemen, in angriff 
nemen" hinzuweisen, wornach dann rahh ■=. labh wäre; ob 
hiermit labor arbeit und robiti arbeiten zu verbinden sei, ist der 
bedeutung wegen bedenklich; Pott denkt bei p^B-b auch an die 
eigentliche bedeutung von labk., indem er u. d. würz, labh (etym. 
forsch. I, 259) zu p^Bb die parenthetische bemerkung macht 
„ergriffener oder arbeiter?" Substantive mit dem ableitungs- 
siiffix a wie p^iBb in der bedeutung eines part. praet. pass. dürften 
jedoch im slawischen selten sein, eher ist es wol im activen 
sinne zu fafsen. so scheint mir nur soviel unbedenklich, dafs 
robiti, pdGb zu lat. labor gehört, pdBi, also den arbeiter urspr. 
bezeichne. der bedeutsamkeit des wortes wegen giengen Avir 
hier aufsnamsweise auch auf das zweifelhafte näher ein. 

Den drei in unserem sprachstamme ursprünglichen Spiranten, 
der palatalcn, j, dentalen, s, labialen, v entsprechen im ksl. j, 
das aber nicht für sich geschrieben, sondern mit dem folgenden 
vocale verbunden wird, w, le, h (etymologisch oft rz ji), to, »*, 
irts, im aufslaute nach vücalen wird es mit dem halbvocal b zu h 

9^^ 



— 132 - 

verschmolzen (rokoh quics z. b. r= hokoJi,, lit. pakajus'), nach 
consonanlen, mit welchen j häufig verschmilzt, tritt für jh i. 
ein, d. h. das j verbindet sich mit dem consonanlen, der dadurch 
in vielen fallen verändert \\ird und -b lautet in i, um (z. b. in 
der endung- -i,i|i. für i.k/t., lat. -icius, .skr. wäre es -ikja), von 
diesen letzteren Verwandlungen wird unter den lautgesetzen die 
rede sein. — * wird aafsgedrückt durch c, lu (welches auch 
durch j aufs c entsteht; ganz parallel ist das verhältniss von c 
zu iij dem von k zu v, ij, von r zu ^, a;, s. o.) und x. die 
fälle, in welchen x gutturalen Ursprungs zu sein scheint, werden 
hier mit beigefügt werden. — r ist im slaw. b. Da j und v in 
allen sprachen viele parallele erscheinungen darbieten (siehe oben 
unter den vocalen i und u), so stelle ich v gleich nach j und 
mache mit * den beschlufs. 

1) j â– =. j der verw. sprachen. 

a) Anlautend, im anlaute ist j ser häufig im slaw. vorge- 
setzt, also nicht ursprünglich, da das slawische vocalische anlaufe 
nicht liebt, nur h, o, oy sind häufig anlautend, s. pg. 86, dagegen 
bleibt es auch oft dialectisch weg, wo es stehen sollte, in einem 
und demselben worte findet sich oft j bald gesetzt, bald nicht, 
z. b. r.i^b ego, böhm, jd neben dem ursprünglichen j? s (ahani, 
zd azem u. s. f.), — jko neben dem urspr. wko uli, vom pron. 
relat. h, skr. ja. der anlaut j bekleidet sich fast stets, durch- 
gängig aber (mit ser wenigen aufsnamen), e und wol auch a 
mit j, so dafs der Wörter auf j, e, * anlautend ser wenige sind, 
unursprünglich ist z. b. das j in folgenden fällen : mc- i n, infin. 
v. d. w. MA, skr. ad, ed-o, idco. — usA-bKo, ahd. apfal pomum. 
— uiBHiH ostendere, vgl. skr. ävis palam. — urMbijt, neben 
.irHKL|h agtiiis. — it-.AHH-h, K-AbH b uuus, skr. ädi primus. — ktki,, 
lit. eiis, ahd. ikil weisen auf ursprünglich anlautendes a hin, 
vgl. i/jro,; s'.T. äkhu weicht ab. — K:AeHb, lit elnis, nord. ela?i 
reruus. — K-.ct.ib, skr. asmi u. s. w. sum. — i^Tpo hepar, skr. 
antaram, interior pars, erzeaa uiscera. 

Ursprünglich ist anlautendes j in: »t-ro, skr. jasja eius und 
allen ableitungen des proiiom. n, skr. ja. — k;ujth =: hmjth 



— 133 — 

preliendere, skr. jam. — wMb, skr. jumm, golh. juggs, iuuenis. 

— K)xd, skr. jusa, jus. 

b) Inlautend, viele fälle müfsen da zur spräche gebracht 
werden, wo von den Veränderungen, die durch j an und mit den 
vorhergehenden consonanten hervorgebracht werden, gehandelt 
wird, die flexionslere wird ebenfalls viele beispiele liefern, da j 
im inlaute fast stets der grammatischen endung angehört, hier 
indessen nur einiges. 

Hj-noi€HHie, d. i. Hj-noj-eHbi€, substant. uerbale v. nanoHTH, 
d. i. Md-noj-HTH potum praebere, caussale von hh-th, skr. pi 
bibere und viele dergleichen aufs Steigerung von h entstandene j. 

— nH-i7T\ (d. i. nH-J--TO bibo, Kp bi-w\ (d. i. kphi-J-.tO occulto, 
nHui-.u (d. i. nHC-J-/iv, würz, hhc) scribo, c-bin-Aws (d. i. CT,in-j-,Y.) 
spargo sind beispiele der praesensbildung durch j (im sanskrit 
4te classe), welche auch im griechischen ser häufig ist. Substan- 
tive, wie BOAm uoluntas, ^gmam (für :?eM-j-d) terra und unzälige 
andere zeigen j als wortbildendes dement, meist aber verschmilzt 
dieses j mit dem vorhergehenden consonanten oder geht in b 
über u. s. w., dcdier diefs bei den lautgesetzen zu behandeln ist. 

2) B entsprechend dem v der verwanten sprachen. 

a) Anlautend ist es in änlicher weise wie j bisweilen zu- 
gesetzt und im gegenleile abgeworfen, ersteres findet besonders 
dialeclisch im böhmischen volksdialecte vor o stalt, z. b. von = 
on, ksl. oH-b ille, vod — od, ksl. or-b ab, im kleinrufsischen 
vor o und u (Safaf. slovansky närodopis III, vyd. str. 26), z. b. 
vin =1 oHb, vid := ot b, ducJio =z oyxo auris, ebenso im 
kaschubischen dialecte des polnischen z. b. von, vod, vucJio 
(Safar. a. a. o. p. 85), im oberlausitzischen (ibid. p. 101) vot, 
vollen â– =. orHb ignis; viimrel â– =. ovmp-bat, mortuus est (ibid. 
p. 177) und dem drewanischcn dialecte des elbeslawischen, z. b. 
vakni :=. okmo fenestra, vausia =z ovcna os (ibid. p. 109). 
kirchenslawische beispiele solchen Vorschlages sind folgende: 
die praepos. b-h, in, lautet in der Zusammensetzung auch /r>, z. b. 
;r>AOAb, polnisch icedof und icqdof uallis, wir hallen dieses Bb 
für eine Verkürzung von b<y., wie cb aufs c*, skr. sam, und in 



— 134 — 

diesem b<?. b für vorgesetzt, so dafs die ursprünglichere form -v. 
(.liAOAb) ist, welches einem urspr. an entspräche, welches uns 
die älteste gestalt der im griechischen zu iv^ im lateinischen zu 
in geschwächten praeposition zu sein scheint*), im skr. aber im 
comparativ an-tara, an-tar erhallen ist. diefs Bh findet sich in 
allen dialecten. die praep. oy apud halte ich für eine Schwächung 
dieses <t>, wie cov- von c/?.-, im entspricht wol das goth. ahd. 
ana, nhd. an; so erhalten wir (B)-r>, oy, b-h parallel mit c;r>, coy, 
c-h, dafs beim schwachen h b sich festsetzen muste, ist klar, da 
kein wort auf nacktes b anlautet, ebenso wird jedem -hi ein b 
vorgesetzt, oyvHXH, aber BbiK-H.T.rH für -biK-H,T.TH. unserer an- 
sieht günstig ist der Wechsel von bt, und oy, Mikl. lauil. §. 42. 

— BOHw odor (auch in and. diall.), /t.xjth odorari, würz, durch 
X vermert (wie Aoyxh Spiritus v. d. w. aku-;?;, a^.-th spirare; 
cAoyx'b auditus, cAbiuiaiH für catiixeth audire von cAoy-TH 
audire u. a.), skr. an spirare. — dagegen ist in .T.?-b uinculum, 
,Y>;t;e catena u. a. b abgeworfen, da die wurzel b-t»? lautet, skr. 
bandh, in BA;?-.n h ligare. — BbAOBj, skr. viclliavä u. s. f. uidua, 

— BHA— tTH "tiid-ere, b-ua- ti h scirc, skr. w. vid. — Be?-;r., skr. 
würz, vah (für vagli), zd. vaz, ueho. — BAbKi,, skr. vrka lupus. 

— BpbT-^1 H, skr. w. vart, ^lertere. — bt,i, skr. vaSj tios. — 
BAiiA-HTH, golh. valdan imperare, skr. vardh crescere. — 8<ia-hth 
reprehendere, skr. vad loqui. — bbchj, skr. vasanta, buq, uer, 
lit. vasara aestas. — Bevepb, lit. vakaras uespera. — bh-th, 
lit. vy-noti circumuoluere, vgl. lat. uieo, uimen, uiüs. — bga-hth 
f/ß//e, jubere, skr. var eligere, uelle. — ba^hj, lit. vilnis, ahd. 
icella fluctus. — ba-hhj, lit. vilna, golh. vulla lana, skr. würz. 
rar tegere. — boaj, goth. valö, gr, i'^coo, skr. uda aqua, lat. 
nnda. — BocKb, lit, vaszkas, nhd. wachs cera. — BpbBb, lit. 
virce funiculus. — Bbcb praedium, golh. veihs oppidum, skr. vega 



*) Wenn Pott etym. forsch. II pg. 136 m für die ursprüngliche form hält, 
wofür besonders die locativendung skr. m, i zu entsprechen scheint, so ent- 
gegne ich dem, dafs ich auch dieses locativ in für Schwächung von an halte 
lind es in Verbindung bringe mit der locativendung der feminina -am. 



— 135 — 

(lomus, gr. oJxo^', lal. uicus, zd. vig i) habitalio, domus; 2) 
hameau village, skr. w. vig intrare. — Bi.cb, lit. vissas, skr. 
DiQva omnis. — bhho uinum, olro^, goth. vein. — ba-sk-/?., lit. 
velku, gr. feIx-m traho. — bga-'T^, lit. vecl-u duco wird mit skr. 
vi-vadha uia und o'i(TOfica (dem man digamma gibt, also würz. 
f<i>) zusammengestellt. — b-bhhth uendere, dotare, b-uho dos, 
lat. tenum. 

b) Inlautend, von dem äufs u entstehenden b s. pg. 73 f. 
a:HB-r(i, skr. würz, giv, lit. gyv u. s. f. uiuo. — hobt,, skr. 7iava, 
nouus. — ABj, skr. dva, diw. — Aßbpb ianua, ABop-b aula, skr. 
dmra. — oBb, zd. allp. ava ille und ser häufige durch dasselbe 
B gebildete verbal- und nominalableitungen (Kcyn-b mercatura, 
Kovno-B-dTH emere, cAöH-b elephas, cAonoB-b, -Bd, -bo, tXf(pc(rtivog, 
ferner vor den casusendungen, schwache declination bildend; 
z. b. acc. pl. Aouo-8-'bi neben AOM-bi von aomt, domus. — 
cBAT'b, zd. gpenta sanctus. im sanskrit entspricht wol (weder 
cvela, welches im zd. gpaeta lautet, noch Qagvant, Weber ind. 
stud. I. bd. 1851 III. heft, pg. 324, sondern) ved. cvänta v. d. 
w. gvam, gvan (Benf. gloss. zum Säma-veda s. v. Qvätra und 
gött. gel. anz. 1851. st. 75, pg. 749). 

In B'bTop-bi ist A vor b abgefallen, dtvrsnog, skr. wäre es 
dvafara, wofür aber dvitija gesagt wird, secundus. 

b =z skr. bh, gr. cp u. s. f. aob-hth captare (vom fangen 
der beute auf jagd und fischfang), aobt, uenatio u. a. wol skr. 
labh, gr. laß (Xaf/ßdvo}). 

B zz: skr. b in BA^-.nH, skr. w, bcmdh, goth. bimlati ligare. 

B =r germ. f (was also urspr. p wäre) in vptBo, ags. hrif^ 
ahd. href uenter. 

B zzz m in vp-bBb, skr. krmi, goth. vaurms, uermis. — 
rip-bB'bi, lat. primus, goth. fruma (zu gründe liegt prama von 
pra, superlativische ableitung mit ma, wie in den ordinaizalen 
überhaupt), dieselbe erweichung findet im skr. pürva (für parva) 
statt. 

3) Ursprünglichem s entspricht im slawischen meist o, so 
stets vor consonantcn, ferner ui, welches aufs c auch durch j 



— 136 — 

entsteht s. u., und x, welches häuHg der Verwandlung des s in 
s im Sanskrit parallel oeht, doch auch nicht selten dem skr. s 
entspricht, im slawischen selbst mit c wechselt: x entsteht aufs 
c nur vor einem vocale, fast stets zwischen zwei vocalen, sowie 
ein consonanl folgt, bleibt c, z. b. .v.ix-b i. pers. sing. aor. v. 
d. w. A.t darc aber 3. pors. a^c-tt,, diese Veränderung des s in 
X geht also parallel der des s in r im lateinischen ; es ents[iricht 
teilweise dieselbe Veränderung von * in r im hochdeutschen 
(was plur. icaren), im griechischen tritt spir. asp. für s ein, der 
jedoch in diesem falle (zwischen zwei vocalenj aufsgestofsen 
wird C/HOs', ;'fVf(ö-)o?, j-fVot-s* u. s. f.). im slawischen zeigt sich 
dieses x für * jedoch nur in solchen formen, deren entstehung 
dem sprachgcfüle nicht mer klar war, in anderen fällen steht c 
unzäligenial zwischen zwei vocalen. eine feste regel für diese 
Verwandlungen des ursprünglichen s zu abstrahieren, will mir 
eben so wenig gelingen, als für die Veränderungen des ursprüng- 
lichen k; indess darf man darum nicht an der möglichkeit ver- 
ZMeifeln, auch dieser erscheinungen erklärungsgrund zu ent- 
decken. — Von c = urspr. k war bei k schon die rede. 

c z=: urspr. *. Aufslautendes s fällt durchaufs ab (cbiMb, 
fkr. simus filius. — neven h, skr. pakumas, coquimus u. s. f._) 

a) Anlautend. m,iHi., skr. stmiis, lit. goth. sunus filius. — 
cHüXd, skr. snusä, iiiirus, rvo',', ahd. snura. — cu-t-MiH c*, skr. 
w. s)ni ridere, engl, smile, ahd. sm'telan subridere. — c ra-iH, 
skr. w. sthä u. s. f. slare. — cju-h ipse, skr. sama similis, 
omnis, gr. 01164, goth. sama. — c*-, coy-, cb-, skr. sam- cum. 

— cGAMi.j skr. sapfan u. s. f. Septem. — cecrpj, goth. svistar, 
skr. svasar, soror. — c.\bHi.Lie, skr. w. sur, goth. savil, sunna, 
zd. hvare, sol. — coai, 5«/, «P.,, skr. sara, ca-jht, salsus. — 
cieH.iTH, skr. w. stan, GTiv-iir, gemere. — crp-s-iH extendere, 
cTA-ii TH, ster-nere, davon ctoat, mensa, skr. w. star^ gr. (TzoQ-vvfti. 

— cipovM, cTpoyr.i (ableit. mit r wie caüstj, nAovrb) flumen, 
cipoYHiH fundoro, skr. sru fluere, i- eingeschaltet, in puKj da- 
gegen Ä abgeworfen (vgl. Qtoi). — c-sn-ji-H, skr. w. svap dor- 
niire. — ct.a- sin, kc-th (ct;A-rH) scdere, skr. sad, iS (i'^o^ai), 



- 137 — 

golh. sit-an, würz, sai; c ja-h ih plantare. — c *, skr. stia, se, 
ebenso die and. casus; abgel. davon cboh suus. — cb hie, der 
anlaut ist aufs t geschwächt, skr. tja, aber nom. sing. masc. sjas, 
fem. sjä. — CBHHM, goth. svein, erweitert aufs sw, vg, sus, skr. 
sükara. — ca-jth mittere, chAh legatus, Miklos. zu. skr. w. sar 
ire, das lautlich entspricht. — cAdB-HiH debilitare, böhm. slah, 
d. i. cAdBT, debilis, lit. silpii debilem fieri, ahd. slaff. — cTb;;^, 
goth. staigs scmita (cTHr-HAiH assequor?), lit. staigus celer., 
ahd. stigu ascendo, skr. w. stigh id., (rrEija, w. ö"rj/j(. — cH-ßr-b, 
lit. snegas, goth. sriaivs, nix, niuis, rsm, vtvaoiuu für avtpM ; 
Bopp hält g für aufs v entstanden; ist die wurzel «»m (skr. fluere, 
Stillare), so kann in cH^jn, auch -u =r m sein und r wortbil- 
dender Zusatz. — cpespo, preufs. sirablas, lit. sidabras, golh. 
siluber argentum. — c'b-cB.ndTH c a generum fieri, cBdr-b sponsi 
comes, ht. svotas, vater des schwiegersons oder der Schwieger- 
tochter, böhm. svatba, lit. svodba, hochzeit, svalati, werben, 
Miklos. cfr. skr. sva suus; wäre also eine durch t vermerte 
Wurzel. — ct-w TH, lit. seti, goth. saian, serere, redupl. f. sesere, 
daher seui; c-uma, semen, ahd. sämo. 

b) Inlautend, würz. k:c (i€c»jb, skr. asmi, (je^suni), lit. es, 
lat. es, i(T, skr. zd. as, goth. is esse. — uaco, skr. mänsa caro. 

— Hocb, skr. nas, nasus. — BecHd, skr. vasanta, uer. — 
BOCKT,, lit. vaszkas, toachs cera. — M-tec-Aijb, mensis, skr. mäsa. 

— ocbAT,, goth. nsilus, asinus. — poc<i, lit. rassa, ros, skr. rasa 
(^doofTog?^. — Boc-b, lit. basas non calceatus, ahd. bar. 

Vor T und h ist c nicht selten eingeschoben, ebenso vor k; 
-Ol Bo, skr. -tvam (z. b. uHombciBo für uHorbci bo, skr. bahuivani 
mul(itudo). — -Gib, lit. -ste Q-yste), skr. -ü, gr. ai, n, germ. 
-sf für -sti mit gleicher einschiebung (goth. brimsts', B-t;Ao-cTb 
albor von B-tsA-b albus) es hat diese einschiebung nicht als krit- 
suffix: ndM^Tb. — bCKT,, goth. -isk, nhd. -isch, lit. -iszkas, 
skr. -ika, gr. r/.og, lat. -icns (z. b. GAOBeMbcK-H, aü^Xoßrjvtxog, 
slouenicus, slovenisch). — -cHb, skr. -ni (z. b. glä-ni fatigatio) 
u. s. w. ntscHb cantus, n-ncuHBi, canorus von nts-iH canere, 
BdcMi, fabula, o-Bii-iriiM incaiilarc, lit. -suis (jnirksnis, blick, v. 



— 138 — 

merk-H, mit den augcn winken u.a.). gleiche einschicbung findet 
sich im Pärsi (Spiegel gramm. d. Pärsi §. 96, §. 85), z. b. 
kun-esn das handeln, inan-esn das denken v. d. stammen kun, 
man. andere einschiebungen des c liefern die dialectc z. b. russ. 
pordCT-hiH neben pordr-biH cornulus v. pon. cornu, roAocHCTbiH 
V. roAoc-b, ksl. TAdCb uox u. a. vor h vertritt auch z, die stelle 
dieses c : ksl. AioEb^H-b amicus neben AioBbHb amans (sulT. lat. 
-inuSj gr. -no,, skr. -ina) v. akjbt, amatus, npHui^HUB b aequani- 
mus V. npHMiH prouiderc; russ. oivH^Hii, ksl. oibvHHj patria 
u. a. m. 

ui nz skr. s. Mbiujb, skr. müsa, ^vg^ ahd. niüs mus. — 
uiecTb, skr. sas sex. 

UI zzz skr. s; iuoyh, skr. savja sinister. — uiHB-rt. QuibB-eHmt-., 
lubB-b sulura), goth. siuja, ahd. siwu, lit. suvu, suo, skr. w. sie. 

— ujbA-i>, lubAb für uibAA'H, part. praet. act. v. d. w. uibA ire 
(vgl. xoA-HiH ire), skr. sad. — -euiH, end. d. 2. pers. sing, 
praes. skr. -asi u. s. w. (nev-eiuH, skr. pali-asi coquis. — end. 
d. 3, pers. plur. aor. -m* (z. b. neKo-m,*, grundf. {a)pakasan{t). 
nach consonanten hält sich in diesen formen c, selbst wenn der 
consonant aufsfällt: »«ch für i+;c-ch, 2. pers. sing, praes. v. d. w. 
lec esse, grundf. as-si) vhc^^ v. d. w. vbr numerare, colere für 
vbT-cA, Ybc-c.A. — lupbuieHb, lit. szirszlys crabro. — luA-tu-b, 
lit. szalmas, goth. hilms galca. 

X m skr. s. cmoxj, skr. snusä, nnrus. — covxb, skr. w. 
gus C^us-ka^, siccus. — oyxo, skr. gkosa, auris. — »oxd, skr. 
jusa^ jus. — THXT, tranquillus, t^ui-hth, lit. teszili consolari, 
skr. ius gaudcre, contenlum esse; iüsnim facite. — uoyxj, lit. 
müsse, musca, skr. makiikä. — ebenso x = skr. Äs in xoya>, 
lit. kudas pauper, skr. ksud-ra. — Bpbx-b, lit. tirszus cacumen. 

— BAbxd, lit. blussa, pulex. 

X z=. skr. s. -xb, -xoub, end. d. ersten pers. sing. u. plur. 
praeterit. skr. -sain, -säma, vom Wechsel des x mit c s. o. — 
loc. plur. -x-b, skr. ~su (z. b. cbm^-x-b, skr. sünu-su). die 
älteren formen mit c für x sind im aoristus im kirchenslawischen 
selbst erhalten, aber c bleibt nur nach nasalvocalcn (p.ic-nA-cA 



— 139 — 



3. pers. plur. aor. v. d. w. nbn extenderc mit pd^h- crucifigere) 
und nach consonanten; im letzteren falle werden diese vor c 
aufsgestofsen, richtiger gesagt, im assimiliert (yhca v. d. w. vbr 
für vbccA aufs Ybi-c*, wie p-uxt für (»eKx-b v. d. w. peK dicere), 
die assimilation ist aber im slawischen minder deutlich, weil es 
nie Verdoppelung duldet, im locativ plur. zeigt das altböhmische 
reste des ursprünglichen s. — xoahth, skr. sad ire. — npaxi,, 
lit. parakas puluis; x-hirp-b, lit. kytras, können im lit. aufs dem 
slawischen entlent sein, wie xA-tB-b wol d. goth. hlaihs panis, 
x,Y,Aor-b d. deutsche kundig ist. — sollte jedoch bhx-p-h turbo 
richtig mit skr. viha aer, xpdub domus, templum mit skr. harmja 
(Miklos.); xpou-b claudus mit skr. klamy gram defatigari (Pott); 
xAdA-b aura, xAdAHTH refrigerare mit goth. kalds frigidus (Bopp) 
zusammengestellt worden sein, so müste dem x aufser seiner 
entstehung aufs s auch ein gutturaler Ursprung zugeschrieben 
werden. 

Zu besserer übersieht fügen wir eine tabelle der lautlichen 
entsprechungen in den verschiedenen stammsprachen bei; das 
zend habe ich jedoch weggelafsen, teils um zu vereinfachen, 
teils weil es in vielem ganz zum skr. stimmt, das hochdeutsche 
ist nur bei den stummlauten dem gothischen beigegeben worden, 
für die vocale habe ich das latein als ser abweichend in seinem 
vocalismus ebenfalls weggelafsen. mit abrechnung der speciell 
sanskritischen unechten vocale r und / stellt uns das sanskritische 
vocalsystem das ursprüngliche dar, mit welchem es daher hier 
identificiert wurde. 



Mulae. urspr. 
gult. ten. k 



med. g 



slaw. 

K, Y, M 

c, n 

r, ?, a; 



Consonanten. 

skr. 
k, kh ; k, kh 

9, 9 (zd. 

z, z) 
gh, h (zd. 



griech. 


lat. 


goth. 


X, ö-(7 (XJ) 


c, q 


h i3) 


Tt, X 




f 


7, C, <y<y 


9 


k 


iyj) ß 






â– h <^^ (xj^ 


9, '* 


9 



hochd. 

K 9 

f 

ch 

Ä,nhd. 
9 



— 140 



Mutae. urspr. 


slavv. 


skr. 


grlecli. 


lat. 


golh. 


hoclid. 


dent. ten. / 


T, MIT ( â– !;;â– ) 


/, Ih, l' 




t 


th 


d 


med. d 


^.,^^^.(^j) 


\d 
)dh, h 




d 


t 

d 


5, fs 
t 


lab. ten. p 


ri 


p, ph 


71 


P 


f 


v,f 


med. b 


b 


(6 
\bh, h 


ß 


b 


b 


p,nhd. 
b 


Nas. dent. n 


ri, ;»•., ,* 


n und seine 
Vertreter. 


V, y (vor 
gutr.) 


n 


gUtt.) 




lab. w 


M, ;t<, /^^ 


ni 


^, V (im 
aufsl.) 


m 


m 




Spir. pal. j 


Uli- := TJ 

7KA Z=l AJ 


J 


n (V) ', 

f, spir. 
asp., fällt 
aufs 


j 


} 




dent. 5 


C, lU, X 


s, s (zd. h) 


(j, spir. 
asp., fällt 
aufs 


s, r 


s, z 


s, r 


lab. V 


B 


V 


fällt aufs 


V 


V 




Z-u.r-laute. r 


p, A 


r cons. u. 
voc. 


P, ;. 


r, l 


r, l 




l 


A 


l cons. u. 
voc. 


?. 


l 


l 





- 14f 







V 





C 


a 1 e. 


Urspr. u. 


skr. 


slaw. 






griech. 


a 




d, o, e, T, 






«, f, 


ä 




d, o 






a, rj, w, 


i, i 




H, b 






i 


V, ü 




(oy), Hl, b 






V 


e, aj 




â– tj 0/ 






Sl, Ol 


äi, äj 




'^J 








ö, av> 




OY, OB 






fi', ov 


du, äv 




dB 









ffoth. 



a, 


u, l 


0, 


e, a 


i 




u 




ei, 


ai 


tu, 


au 



Fremde Wörter im kirchenslawischen. 

Nachdem wir im bisherigen gesehen, Avelchen laiilgesetzen 
im kirchenshnvischen die angestammten werte unterworfen sind, 
wäre es von Interesse, zuzusehen, wie nun entlente worte im 
kirchenslawischen behandelt werden, aufs dem griechischen sind 
aufser den nomm. propr. nur wenige und meist auf den ersten 
blick kentliche worte entlent, mer ins innere der spräche ein- 
gedrungen sind die aufs dem golhischen iierübergenommenen 
worte. gerade weil dem germanischen und slawischen so viele 
wurzeln, worte und wortformen aufsschliefslich gemeinsam sind, 
z. b. Mor-<i\, goth. mag in der bed. possum. — A-feA-Hi h, goth. 
dail-jan diuidere. — baja-hth, goth. valdan imperare. — rpec-zi^, 
goth. grata fodio. — Abr-.riH, goth. //«(/-a» menliri. — aiob-hth, 
ahd. liup-an amare. — ct-un-H, goth. sai-an (in dieser form) 
serere. — cBHutii, goth. svein sus. — ocbA-b, golh. asilus asinus. 

— n*cTb, ahd. füst pugnus. — vpBBo, ahd. href uenter. — 
rp-bH-b, goth. thaurnus (in dieser bedeulung) spina. — uHor-b, 
goth. manags multus. — ma-uko, goth. miluk lac. — tiicAbKo, ahd. 
apfal pomum. — ^ajio, goth. gulth (in dieser form) aurum. — 
AbCTb, goth. Usts fraus. — T-bic.r.iuTj, golh. thusundi mille. — 
n-ftAb, goth. hails incolumis. — a;pi,H-hB'b, goth. quairnus mola, 

— cpeB()o, goth. silubr argentum u. s. f. ferner die endungen 



— t42 — 

-i.cK'b, golh. -isks. — -cTb, goth. -st u. a., wäre es der mühe 
wert, um von diesem gemeinsam ererbten sprachgute das auf 
Leiden Seiten entlente scharf sondern zu können, die laulgesetze 
zu bestimmen, nach welchen das kirchenslawische gotliische 
Wörter behandelt, die sonderung des enllentcn vom gemeinsam 
angestammten ist auf diesem gebiete, wie überhaupt zwischen 
nah verwanten sprachen, eine zwar schwierige, aber wichtige 
und ansprechende aufgäbe (man denke an die wichtigen begriffe 
xAbBb, goth. hlaibs panis. — cnbKAo, goth. sükls uitrum. — 
KHAi^b princeps aufs kuning rex. — nuM^^i^b, ahd. pheiining 
nummus u. a. m.), dennoch mufs ich mir es leider für dicfsmal 
versagen, auf dieselbe einzugehen. 



liautgfescfze. 

Die consonantischen lautgcsctze des kirchenslawischen sollen 
hier nur in kürze behandelt werden, da bei Miklosich dieselben 
bereits verzeichnet sind, in der anordnung so wie in der auf- 
fafsung einiger erscheinungen weiche ich jedoch von diesem 
forscher ab, auch sind von Miklosich die gesetzc des aufslauts 
nicht behandelt worden, weil sein werk die gegebene kirchen- 
slawische spräche zum gegenstände hat, nicht aber die verglei- 
chung mit den verwanten sprachen. 

Am übersichtlichsten scheint es mir, zuerst vom aufslaute 
zu reden, sodann die lautgeselze, denen gutturale, dentale und 
labiale im inlautc unterworfen sind, zu behandeln, mit aufsschlufs 
der gesetze, die bei berürung mit einem folgenden J oder pala- 
talen vocale eintreten, und endlich eben diese gesetze, den 
zetacismus der kirchenslawischen spräche, in einem besonderen 
abschnitte zu erörtern. die erscheinungen der letzteren art 
bieten so viel übereinstimmendes, von anderen laulerscheinungen 
scharf gesondertes dar, dafs sie eine behandlung für sich und 
lostrennuno- von den übrigen lauto-esetzen erheischen, die assi- 
milation der consonanten, die im slawischen formell mit der 
aufsstofsung des ersleren lautes zusammenfällt, ist unter diesen 



— 143 — 

laiitgesetzen von vorzüglicher wiclitigkeit, so kann z. b. die 
bildung des aorists, der declinalion der pronomina u. a. nur 
miltels dieses gesetzes richtig erkant werden. 

Gesetze des aufslautes. 

Das kirchenslawische duldet nur vocalischen aufslaut, und 
zwar können alle vocale aufslauten. — aufslautende consonanten 
werden abgeworfen oder (bei nominibus) mit b bekleidet, nasale 
(ursprünglich oder nach abfall eines zweiten consonanten oder 
eines vocals aufslautende) werden aufserdem auch mit dem vor- 
hergehenden vocal in einen nasalvocal, auch in -m zusammen- 
gezogen, statt j-h tritt nach consonanten i. ein (so dafs auf den 
ersten blick b aufs h und aufs jh zusammenfällt, später wird 
sich jedoch ein bedeutender unterschied beider b ergeben) nach 
vocalen h. — Diefs ist die ganze regel, die wir hier nur in 
iren haupterscheinungen mit beispielen belegen wollen. 

1) Abfall aufslautender consonanten. Bor-b deus, deum für 
urspr. hhagas, bhagam. — cbiHb fiiius, filium für sutms, sunum. 

— vpT,Bb uermiSj uermem, skr. krmis^ krmim. — mobo nouum 
für urspr. nauam neutr. — HeBo coelum für urspr. nahhas (als 
ob nabham grundform wäre). — az,h ego für aham. — neveu-b 
coquimus, skr. pak'ämas u. a — eben dasselbe findet in anderen 
sprachen, z. b. im italienischen, statt. 

2) Der consonant bleibt und wird mit b bekleidet. KdueHb 
lapis, Urform kaman, skr. agman, — In Bpj rpb fand Umstellung 
des vocals statt: grundform hhrätar. 

Auch die auf v, d. i. kslaw. bi, werden als consonanlisch 
behandelt und nemen meist b an, worauf sich bi in hb auflöst: 
cBeKpbBb, ältere form: cBeKp'bi, grundform svakrü, skr. svagru 
socrus. 

Die noraina agentis auf -leAb haben eine ganz neue endung 
angenommen, da diefs b sich aufs der declination als für jb 
stehend ergibt, also z. b. A^ieAb für A-i-rej\.jh, anstatt der urform 
dä-tar. -reAb in die urform übertragen, hiefse im nom. -tarjas. 

— dasselbe findet im parlic. praes. actiui statt, wo nur der nom. 



— 144 — 

sg. masc. auf der urform -ant hcrulil, die ührig-cn casus aber 
formen auf ja voraufsscizen, z. b. aor. sg. masc. neK,i.uj n. für 
neK/nr/b, neK-Yvii,, grundf. pakanijam. 

3) nasale. BbAOB/i., aor. sg. fem. uiduam, skr. vidhaväm. — 
nen;*; coquo für pekam aufs pakämi. — hm>, skr. näman, normen. 

— Kdw hl neben KdueHb, grundfurm ist kanian, bei der einen 
form ward der eine, bei der anderen der andere aufsweg 
getroffen. — neKbi, nom. masc. part. praes. act. für pekan aufs 
pakanf. — rop*, genauer ropiA ardens , dieselbe form von 
rop-tiH ; grundform gorjanl. 

4) j mit folgendem b. a) nach consonanten, alle substantiva 
masc. auf b, welche der «-declination folgen, gehören hierher, 
unter anderen z. b. d. endg. -bub, lat. -icius, urspr. -ikja; -<«()b, 
lat. -arius, goth. -areis, urspr. -arja, z. b. A-tK-jpb medicus, 
schwed. läkare; MT>irjpb, goth. mötareis, ielon-arius. wol so 
zu erklären, dafs das j mit dem vorhergehenden consonanten 
verschmilzt und für t., das übrig bleiben sollte, durch umlaut \, 
eintritt, also z. b. in BOAbiuH major fem., grundfortn Go\jasji, ist 
A z=z IJ zu fassen, wie in neK-vanib, acc. sing. masc. part. praes. 
act. V. ncK coquere für neK<ir.iJT>, grundform pek-ati/jam, nn für 
fj steht u. s. f. 

b) nach vocalen, z. b. ah-ih fundere, davon aoh für .\oj-h 
sebum, grundform läjas (oder lajas?), hj-hoh potus (nicht in 
Miklos. lex. ab. böhm. ndpoj), v. d. w. rh-th Mbere (skr. pajas 
neutr. hat gleiche bildung durch Steigerung, aber andere endung). 

— auch im Inlaute tritt für jb stets b ein, nach vocalen h. z. b. 
das eben angefürte BOAbiuH maior fem. für BOAj-buiH aufs Go^jasji, 
skr. bali-jasi'u. a. im anlaute kann b nicht stehen, daher tritt 
in solchem falle h für j h ein, z. b. hu^. für /bu/r. capio, skr. 
wiirz. jam, hto für ji>ro, jugam, skr. juga u. a. vgl. pg. 44. 47. 
vor einem anderen vocale wird auch meist h für b geschrieben. 

Gesetze im iiilaut. 

Ein grundgesetz des slawischen ist es, niemals die Ver- 
doppelung eines consonanten zu dulden; die in anderen 



- 145 — 

sprachen so oft stattfindende vollkommene assimilatlon des ersten 
consonanten an den zweiten ist auch im slawischen ser häufig', 
aber an Ire stelle tritt scheinbar das aufswerfen des ersten lautes 
(lat. z. b. annuo aufs adnuo, slaw. aber oy-bah«th für B*A-H;nTH, 
BAh-H/YviH marcescere, touov für tocmov, tomuov, dat. sing*, 
masc. n, v. i-b, ro, skr. tasmäi u. s. f.), selbst wenn zwei g-leiche 
laute zusammentreffen, wird nur einer geduldet (k-ch, 2. pers. 
sing-, praes. v. d. w. lec esse für icc-ch) oder der erste dissi- 
niiiiert (nAeciH für nAen-rH, praes. nAer-rO, das vermeiden 
der Verdoppelung- ist das princip, aufs welchem die meisten 
der folgenden gesetze lliefsen. Die assimilation ist im slawi- 
schen ser häufig und ir unterliegen viele consonantengruppen, 
wie diefs in einer so jungen spräche nicht anders zu erwarten 
— man denke z. b. an romanisch (besonders italienisch) und 
präkrt. von den nur in der älteren form des aor. I vorkum inenden 
assimilationen wird bei erläuterung- dieser form die rede sein. 

Von den eigentümlichkeiten in der Stellung des a und i) 
war oben pg. 67 schon die rede, im folgenden gehen wir nach 
den Organen die wichtigsten lantgesetze durch, mit aufsschlufs 
der durch Ju. die palatalen vocale hervorgerufenen Veränderungen. 

1) Gutturale, x, welches für urspr. * steht, tritt nur vor 
vocalen ein ; vor consonanten (in diesem falle fast stets erhält 
sich s; daher neKoxb, neKoxoub, 1. pers, sg. u. plur. aor. 
grundfurm pakasam, pakaschna, aber z. b. 2. pers. plur. nKKocie, 
grundf. pakasta (m vor palatalen lauten dagegen, wie in der 
3. pers. plur. neKoui*, grundf. pakasan(t), scheint spätere Ver- 
änderung des X zu sein). 

Die gruppe ks wird regelmäfsig in ss, d. i. c assimiliert: 
jvecbMh, d'i^iog, für AeccbH'b aufs AGKCbHi,, — recnH aufs reKcnii, 
skr. taks. — ocb für oKCb axis (hiernach ist das pg. 98 med. 
gesagte zu berichtigen) 2. pers. pl. aor. I p-ucre für peK-cre, 
peccTK u. S. f. 

Wenn auf ck ein n folgt, so wird die gruppe durch aufs- 
stofsung des k erleichtert : nAecH<T.TH neben nAecK-aiH plaudere, 
cb-rHCH,f>iH comprimere aber ov-thck-.hh cohibere. 

10 



— 146 — 

2) dio palatale spirans .;. Es ist eine bekante erscheinung 
im verlaufe der spraclieno-eschichtc, dafs im wort- oder sylben- 
anlaute (nach einem vo«8ale) das j der älteren sprachform in den 
jüngeren sich durch Vorschlag eines dentals stützt; diefs pflegt 
die dentale media d zu sein, die dann fernerhin mit dem j jene 
Verbindungen eingeht, welche wir beim zusamnienlreffen eines 
urspr. d mit j beobachten, so entstand it. maggiore, d. i. madiore, 
aufs madjore, lat. major, Cvyov aufs djvyov, skr. juga, jugum 
u. s. f. im slawischen bemerken wir einen einigermafsen ana- 
logen Vorgang, nämlich einem anlautenden j, h (ji) und dem 
aufs Verkürzung voller anlautender sylben (i«) entstandenen b (ji,) 
wird in grwissen fallen nach praepositionen ein m vorgesetzt 
(Miklos. §. 56, pg. 34, 35). „diefs findet statt bei dem pronomen 
H nach einsylbigen praepositionen , bei den wurzeln h-th ire, 
h*-n H prehendere nach den praepos. bs in, es cum, de" und 
in einigen anderen mer vereinzelten fällen, z. b. ott, Hw;ro ab eo, 
H.1HI. für »äjh (urspr. jam) contra euin, shmhih intrare u. a. 
Mit Miklosichs ansieht, der zufolge h zur aufhebung des hiatus 
eingeschoben wäre, vermag ich nicht übereinzustimmen, da j 
unzäligemal zwischen zwei vocalen steht, ja nach Miklosichs 
dafürhalten zur aufliebung des hiatus eingeschoben wird, über- 
haupt gar keinen hiatus machen kann, da es kein vocal, sondern 
ein consonant ist. 

3) Dentale (Miklos. §. 64, pg. 45). r und a gehen vor r 
in c über (ebenso im iranischen, z. b. altp. basia, zd. ba^ta, 
neupers. besteh für badh-ta ligatus, v. d. w. bandh, im griechi- 
schen, z. b. \piV(j-7io^, tmla-'&rir für \pivd-riog, i7ni^-&tjv) z. b. 
PAec- 1 H für HAei-TH plectere. — nac-TH für njA-TH cadere. — 
YbCTb honor für vbr-rb v. Ybrnumerare. colere. — pjcth crescere. 
inf. V. d. w. pdCT steht für pjcc-th aufs pjct-th. — A<ic-re 
für AJA-re, 2. pers. plur. praes., Aac-xb für Adx-rh, 3. pers. sg. 
praes. v. d. w. aj dare im praes. xax, skr. dadämi. — ebenso 
Btc-Tb V. B-teA scire, wc-th v. wa edere. 

Dieselbe verwnndlung der denta'en in c findet statt vor a 
und u in folgenden beispielen: t/üc-ah, plur. fem. cithara v. d. w. 



— 147 — 

r*A cithara canere, 1. pers, praes. r.r.A-if>. — wcah praesepe v. d. 
w. WA edere. — vhc-ao numerus v. d. w. vst nuraerare. vhc-ma 
id. V. ders. wurzel. 

T und A werden vor a diesem assimiliert, so im pari, 
praet. acl. endung- -at,, -aj, -ao, nAeA-b für nAeiA-b, nACAA-h, 
ndAb für njAAb, ndAAT, u. s. w. V. nAer plectere, uja cadere. — 
ferner in der endung -ao, westslawisch (wo in diesem falle wie 
im vorhergehenden die dentalen bleiben) -dlo, skr. -tram, lat. 
-Irum, gr. -roov, z. b. op^Ao, böhm. oradlo, aratrum, aoozQor, 
skr. ai'itram. — vgl. al-ligo etc. für ad-ligo; skr. tallikha für 
tat likha u. s. f. als wortanlaut steht t und a häufig vor a 
(tajyhth comprimere, AA^Hb uola manus etc.). 

Ferner werden t und a folgendem h assimiliert: o-cBbH/üTH 
illucescere für ocBbT-H;r>TH v. d. w. cbht in cBHT-diH illucescere. 
— oY-BAH;if»Tn für ov-Bj^A-H;r»TH marcescere von baa in ov-baa-hth 
marcidum reddere u. a. ferner wird a vor m diesem assimiliert 
in xduu für a^x-uh, a^mmh, 1. pers. sing, praes. und A^u-b für 
A^A-M'b, \. pers. plur. praes. v. d. w. Aä dare, welche im praesens 
redupliciert; ebenso raub, mmt, für WA-Mb, uia-mt, v. d. w. ma 
edere. — B-tub, B-uu-b für B-t;A-ub, ßtA-u-b scio, sciinus, vgl. 
ital. ammirare, ammissione mit ad-inirari, ad-missio u. s. f.; 
in ctvAUb Septem bleibt a (bemerkenswert ist, dafs der Böhme 
hier in der aufssprache einen vocal zwischen die zwei unver- 
träglichen consonanten schiebt und sedum spricht), ebenso vor » ; 
so in der 1. pers. dual, praes. der genanten verba : a-ibr, \ab-%, 
B-tB-R für AJA-Bu, AdBB-u etc., vgl. ital. avvento, lat. aduentus; 
T und A werden vor c assimiliert: 2. pers. sing, praes. dir in 
rede stehenden Zeitwörter: ajch, wch, buch für AäA~c.H, a^cch 
u. s. f. daher erhält sich hier, wie in d m folgenden beispiele, 
das eigentlich doppelle c, das nach votalen in diesen formen in 
ui übergeht (nevenm); oBp-tcH inuenies (vereinzeile form) für 
oBp-teT-cH, ebenfalls 2. pers. sg. praes.; ferner im aorist auf 
-cb, skr. -sam, z. b. 3. pers. plur. yhc* für vbic*, yucc/a von 
d. w. vbT numerare, colere in den «loristen mit bindevocallos ange- 
setzter endung fallen so auch andere cunsouanten S('heinbar aufs, 

10» 



— 148 — 

wovon in der formenlere bei dieser form des weiteren zu reden 
sein wird, in allen diesen fallen findet assimilalion statt, die 
nur im slawischen nicht geduldet wird, vgl. assentio z=. 
ad-sentio u. a. 

;? (Miklos. §. 74, 75) wird vor z, und c regelmäfsig aufs- 
gestofsen, d. i. assimiliert: ee^dKOHHMj für Be^-^jKOHHic iniquitas, 
abstractum von dem mit se^h sine zusammengesetzten :?<ikom-h 
lex. — Bez,^aTbn^b auro carens, adiectiuum auf -bH-h von :?a<ito 
aurum mit Be;^-h. — Be^-huphTHi« immortalitas, abstr, von se^-h 
-\- cbup'bTb mors, ebenfalls ursprünglich Verdoppelung, dasselbe 
findet auch statt vor u : H-i|-t-.AHi h percolare neben hcm-eahth 
für H^iitAHTH, vor lu : Hun.Ab, iiibAT., part. praet. act. 1 zu h-a^ 
ire für H^-inbAb (neben B-bcuibAb für BbiC-mbAt) ; 'av geht in uir 
(auch fällt hier ?, blofs aufs), 7,;r, in .i;a über, beides sind beliebte, 
sonst durch j aufs t und a entstehende gruppen, z. b. Beiin-HCAbH-b 
innumerabilis von Be:;-b und einem von vhcao numerus abgelei- 
teten adjectiv auf -bHb. — h-tagh-^ für H^-?KeH;r. aufs H^b und 
jKeN-T. persequor (infin. rM-jTH für rbH-d i h, h nach art der liquiden 
A, p behandelt pg. 67). 

In diesen wie in don folgenden fällen verlieren die praepo- 
sitionen H:;-b ex, Be:;-b sine, B-b^b in comp. =:= «r«, richtunir 
nach üben bezeichnend, p^^-b, nur in der Zusammensetzung ■=. 
dta-^ dis-, zer-, aufseinander, zuvörderst den aufslautenden 
vocal, wodurch z unmittelbar vor den anlautenden consonanten 
des folgenden wortes zu stehen kommt. 

Die genanten praepositionen verwandeln die spirans media z, 
in die tenuis c vor k, x; t; n; z. b. hc-koiuth effodere, 
pjc-KoridTH effodere, hc-xoahth exire, Hc-ieuiiH (TeK-,r.) effluere, 
Hc-noBBA-RTH confileri. dasselbe findet oft auch aufserhalb der 
Zusammensetzung statt, ebenso innerhalb desselben wortes : 
eec-iH für Be^-TH ; Be^-;fi ueho. 

Umgekert geht vor a auch b, c in z, über, so ^ag aufs 
cbAe (was vorkommt) hie, ivrav&a, von cb hie und der den ort 
bezeichnenden endung ag; für cbApdB-b sanus kommt häufig 
i^ApjB-b vor; ;?B*?jnH colligare, neben dem gewönlichen cbBA?<jTH 



- 149 — 

(cb con- u. B*caTH lig-are). Diese letzteren verwandlung^en 
erfolgen aufs dem allgemeinen gesetze, dafs vor tenuis tenuis, 
vor media media stehen müfse. aufser bei 7, und c finden wir 
diese regel noch beobachtet in der endung der zeitadverbien 
-rAa (z. b. T'b-rA<i oder To-rAd tunc) für KbA<i (was nie vor- 
kommt) und der schlechteren Schreibart tag ubi, für kbab aufs 
K-b pronom. interr. und dem localen ac. t wird in manchen 
Wörtern zwischen c und p ; a zwischen <-k, ? und peingeschoben: 
cTpoyrd, ahd. stroum flumen, v. d. w. skr. sru fluere; nbcrp-b 
uariegatus, ocrp-b acutus, v. d. wurzeln nbc, oc mit der adjectiv- 
endung p-b u. a. jKAptBA neben jKp-tBA puUus; Hi^ApemiH für und 
neben H^-peun-H (aufs H?b u. peK) eloqui und andere Zusammen- 
setzungen dieser art; ja sogar in dem fremden worte H?ApaHAb. 
4) Labiales (Miklos. §.66,67, pg. 46). n, g, b fallen vor 
H aufs. *) z. b. cbHb somnus, oy-c'bNSiTH obdormiscere für 
chRMb (skr. spapna) o\{-câ– b^-^\a^rH v. d. w. cbn-arH dormire. 
— r'bH/T^H plicare für r'bB-H<T>TH von ro\e (cov-royE-HTH dupli- 
care, cb-r-biB-aTH plicare, in anderen bleibt b, z. b. r-biB-M/^TH, 
aber böhmisch consequent hynoiiti, d. i. rbiH;i.TH perire). — 
nAHM;r>TH für nAbs-Ha^TH, vgl. PAbB-dTH spuore. Ferner fallen 
die labialen aufs vor t; no-vpm-H für no-vpbn-TH, no-vpbT-TH, 
praes. no-vpbn;?; haurio. — no-rperH für no-rpeB-TH, praes. 
iiü-rpeB* sepelio. vgl. ital. dittongo = diphthongus, präkrt lutia 
z=. lupta u. s. f. — ?»iHTH für »»hb- ih, praes. jkhb-;»» uiuo, seltener 



*) Diel's lautgesei.z (nach welchem ein labial vor dem n eines snfllxes 
abgeworfen wird) findet 3Iiklos. (über ßopps vergl. granini. in Wiener jahrbb. 
b. 105. 1844) im sanskrit vor dem lingualen n ebenfalls beobachtet und führt 
als beispiele an katta gutta von kap {kamp^ treniere, commoveri, zu vergleichen 
mit KdRAw gutta und kjh^» th für K<inN;TiTH stillare und gutta qualitas uirlus, 
welches er von dem im sanskrit verloren gegangenen slawisch-litauischen yiib 
(lit. dviguhai dupliciter; c^oyroVBb duplex, c->>r'biBaiH plicare etc.) ableitet, 
wie aus drigutta duplex hervorgehe, dieser auffafsung beizutreten hindert 
uns namentlich die anname, dafs im slawischen eigentlich nur assimilation 
stattfinde, das sanskrit scheut aber doppelconsonanten keineswegs und würde 
hier, wären diese falle dem slawischen völlig analog, die verdoiipelung auch 
graphisch aufsgedrückt haben. 



— 150 - 

ist die (im böhmischen allein übliche) einschaltimg von c, vor 
welchem b in n übergeht: vp-bn-c-i-H, rpen-c-iH. — b fallt 
aufs nach der ires t, verlustigen praeposition ob, z. b. obhth 
circumuoluere, für ob-bhth, ob-bhih, d. i, b assimiliert sich, 
oBAdK'b nubes für oB-BAJKb, bezogener himmel, BA-r.K;r>, BAdVHiH 
trahere. oba^jih inuoluere für oB-BA^diH u. a. 

Lautgesetze vor j und den palatalen voealen. *) 

(Zetacismus.) 

Am meisten unterworfen den Veränderungen, welche die 
palatalen laute am vorhergehenden consonanten hervorrufen, sind 
die gutturalen, sie bleiben auch vor den voealen nie unverändert, 
sodann die dentalen, diese werden nur durch j angegriffen, von 
den voealen nicht, die labialen schallen (wie es sich deutlich 
zeigt, erst in verhälfnissmSfsig späterer sprachperiode) a zwischen 
sich und ; ein, erleiden sonst keine weitere Veränderung, a und 
p, so wie M bleiben, wenigstens in der schrift, unverändert, 
können sich aber mit j verbinden, namentlich nach a und p findet 
man oft den blofsen vocal statt j -f vocal (also e, d u. a, für 
H-, m). 

Betrachton wir zuerst die palatalen vocale in irer einwirkung 
auf tien vorhergehenden consonanten, sodann j, d. i. w, k, h 
für ji, K), hA, hf^, b für jh. 

Die vocale, die hier in betracht kommen (s. die lautt;ibelle) 
sind e, h, b (aufs h geschwächt) * (=: in, im oder en) und -r. 

Die Gutturales (Mikl. §. 69, pg. 47 ff.) werden allein 
von allen consonanten im kslw. auch vor den palatalen voealen, 
nicht nur vor j verwandelt, sie haben eine zweifache verwand- 



*) Diese gesetze, welche beim zusammentreffen der consonanten mit 
palatalen lauten eintreten, machen sich iin laufe der zeit in allen sprachen 
unseres Sprachslammes und ebenso in stammfreniden sprachen gellend, weil 
sie — wie übrigens die lautgesetze durchaufs — durch physiologische Ursachen 
bewirkt werden, aufsfiiriichen nachweis s. in meiner monographie über diesen 
gegenständ: sprachvergl. unterss. bd. 1. der zetacismus des kirchenslawischen ist 
dort übrigens mangelhaft dargestellt. 



— 151 — 

\uug, K geht in v und g, r in a» und ;?, x in lu und c übt-r. 
über diese doppelte Verwandlung sagt Miklos., dafs sich über 
sie keine allgemeine regel aufstellen lafse, mit j ist die erstere 
art regel (doch z. b. ctb^j semita aufs cTbrra u. a.)- 

Betrachten wir 1) die vocale. e. vor e findet die Ver- 
wandlung in die linguallaute (v, m, ur) statt; so z. b. im voc. 
der a-declin. YAoutvc von vAOB-tKb homo, Boa?e von Bor-h deus, 
uHHuie von uHHX'b monachus; ebenso in den formen des Zeit- 
worts, deren endungen mit e beginnen; neveum coquis, 1. pers. 
neK;fv, Moa;euiH potes, 1. pers. uor*. ferner im genit. der neutra 
auf ursprüngl. as: ovece oculi, nom. oko. — oyuiece von oyxo 
auris u. a. 

H. „bei diesem vocal scheint zwischen flexion und Wort- 
bildung unterschieden werden zu müfsen", in jener steht vor h 
der dental, in dieser der lingual. vAOB-eqHTiomines von vAOB-BKb, 
B07,H dii von Bor-b, aoych spiritus pl. von Aovxb, dagegen tovhih 
fundere causs. von TeK-;R curro, fluo. — T/^a^HiH anxium esse 
von Tü^ra soUicitudo. — uAKtvHHd rnollities von M*KbK'b mollis. 
— ropovuJHL|d sinapi von ropoyxa id. 

b hat stets den lingualen. rp-bVbCK-b, iXXrjvixog, graecus von 
rpbKTi, ''Ellfjv. — AAb?iibH-b debens von AA-br-b debituin. — 
MHHiiibCKT,, fiora)[iy.6g von uMHX'b monachus. 

/x kommt selten nach gutturalen vor, 3. pers. plur. aor. hat 
-luA für -xA (urspr. san), ebenso oßbv* ouis, eigentlich junges 
schaf, lamm, freilich zunächst von oBbLjd ouis, was aber ebf*ü 
auf urspr. -kja hinweist. 

â– n. in der flexion bleibt -t; und es tritt die denta'e Ver- 
wandlung ein, z. b, vAOB-tq-t, loc. sing, von vaob^k b, bo^-c, Io«*. 
von Bor-b, AOYct; von AoyxT» ; in der wortbilduüg wird u wie y« 
behandelt: j fliefst mit dem guttural in v, m, m zusammen und a 
allein bleibt: ua^yj-ih tacere, uA-bKb silentiuiii. — KparbvjH, 
comparaliv von Kp.n-bKh breuis, für Kp^r-bK-tH. — B-n-TdTH fugere 
von B-trb fuga, für B^rtrH. — MMo,i;aH, comparativ von uHor-b 
muitus, für uHornH. — ca hiuu in audire von cAoyxh auditus, 
für r,A-hix EiH. — iHiii.iH, comparaliv von iHxb tiicilus. für ihxeh. 



— lö'i — 

— ebenso (liefst ^' von -t mit stainmiianeinj zusammen: Mj-natann 
potum praebere, d. i. na-udj-jiH für n.j-n<y--r.Tn von naj, wie 
no; Steigerung von hh. in folge dieser lautregel ist es oft schwer 
und nur vieileiciil nach der analogie anderer bildungen oder 
neuerer dialecle möglich, zu entscheiden, ob ein zeitwort mittels 
ja oder -g abgeleitet S'i, die conjugalion unterscheidet sich nicht, 
da von jenem b nur a bleibt und in beiden fällen dieselben 
endungen antri-teii, z. b. npH-MJiud-TH u. a. kann aufs Hdcw-iH 
und H.ir t-TH entstanden sein, in letzterem falle wäre freilich 
eine nicht regelmäfsige Veränderung eingetreten (böhm. prinäseti, 
pi'inästm gibt auch nicht den aufsschlag, da e etc. undaul von a 
ist und kirchenslawischem a gleichsteht), vgl. Dobrowsky instit. 
§. ()5^ — einflufs eines j, sei es urspr. ja oder das phonetisch 
im so nnhe stehende -u, mufs angenommen werden zur erklä- 
rung des übergehens der gutturale in die entsprechenden den- 
talen (Juki. §. 69) „wenn aufs einer einfachen verbalform die 
form auf -^th abgeleitet wird, doch findet man in manchen 
fällen neben dem Sibilanten auch den guttural'-: cküM'" h neben 
cKJK.nn saltare. — npo-pnqdiH uaticinari neben p^KdiH, würz. 
peK. — B-h-KHZdvH neben Bb-;iiHrdTH accenderc, würz. a;er. — 
rio-ciH?diH assequi, würz, ciht u. a. 

2) j. Beispiele des verschmelzens von k;, rj, x/ in v, <k, w: 
nAdv;f. für n.\jK-j-A\, 1. pers. sing, praes. von nAdK-arH lauare, 
flere. — Ahm^ für xbr-j-iu von Abr-dTH mentiri, Abim.T. für 
_xh\x-j-^, von AhixdTH flare, ebenso z. b. Aoviud anima für Aovfra 
und andere derartige feminina. 

In der Wortbildung erscheint für k/, r; auch häufig ^ und 2;, 
so haben z. b. die Substantive für urspr. -kjas, fem. -kjä, neutr. 
-lijajn -Hb (für -Ky-b), -qd, -qe, mit der dentalen Verwandlung, 
wie cTb-<d für cibryd, s. 0. ^AdTHqd (und d. masc. ^^AdiHK-h) 
nunmms und ser viele andere, da -HH^d namentlich eine ser 
beliebte endung ist; gleiche endung, nur neutrale form, hat z. b. 
cp-bAbqe cor; die masculine form erscheint ser häufig in der 
endung -bqb, z. b. HocbUb (-bijb für -bKjb, lat. -icius) ferens 
in BOAo-HocbMb aquam ferens u. a. 



— 153 — 

Die dentalen mutae t und a CSVikl. §. <)3, po-. 42 IT.) gehen 
mit j in iut, mx über, diese gruppen sind entsteilungen aufs rui 
(d. i, v) und Aa;, in welche assibilaten naturgemäls in anderen 
sprachen tj, dj übergehen, ebenso wie das griechische ^ (d. i. 
dz, A?), das auch zunächst für dj steht, im dorischen dialectisch 
in ad (d. i. zd, 2,a) umgestellt wird; lur und mx sind nur bul- 
garische diaiecteigentümlichkeiten, wie das gr. ad; z. b, nptuir/r,. 
1. pers. sing, praes. von np-BT-HiH reprehendere ; poajA/n, 1. pers. 
pr. von poA-HTH parere, generare für npuiiiti, poAiff., grundfonn 
pretjämi, rodjämi; hierdurch ist es möglich zu unterscheiden, 
ob b für jh oder für h stehe, nur ersteres kann natürlich die 
dentalen verwandeln, weil sie vor vocalen bleiben und nur mit j 
zusammenschmelzen, rocnoAb dominus steht z. b. für rocnoAH, 
das adjectivum rocno-nAb aber für -noAJ-h, grundform im nom. 
-djas, davon femin. rocnoasAii für -noAw domina, andere bei- 
spiele sind : ncK;r.iin m, genit. masc. neutr. pari, praes. act. für 
nKK/i/iM, da diese participia aufser dem nominativ sing, masc 
neutr. die grundform -anfjas, -antjä, -antjam voraufssetzen, 
acc. sg. masc. neK/Run-b für pakantjam und also scharf unter- 
schieden von neK/T>Tb für pakanti, 3. pers. plur. praes.; ije<i;vd 
uicus für utvAw, skr. u. grundform madlijd. p und b zwischen 
den dentalen und j heben die Wirkung des letzleren nicht auf; 
man mnfs wol eine epenlhese des j annemen, da wol auf p, 
schwerlich aber auf b sich die palatale qualität übertragen läfst: 
Hd-ouiipfrt>, i. pers. praes. für ocipirfi, inf. Md-ocip-HiH acuere 
{j schlagt auch in anderen sprachen — griechisch, romanisch, 
präkrt — dem r gerne vor), ovMphunBeMh (mit nach b aufsge- 
fallenem j) und ovMpbiu rBAi*;H'b für ov-Mp'br-Btt;Mb, inf. oy- 
up-bTB-HTH occidere. doch finden sich auch aufsnamen von 
dieser regel. Die imperative A<ia;Ab v. d. w. a<i dare, die im 
praesens den reduplicierten stamm a<ia zu gründe legt, BtasAb 
von B-feA scire, stehen wol nicht, wie Mil\l. lautl. §. 63, pg. 43 
voraufssetzt, für a^ah, bt.ah, denn dann könte die Verwandlung 
nicht stattfinden, sondern für A<iAJb, bsaji., nach dem j ist die 
vocalisch anlautende personaUx^zeichnung in b verkürzt, als 



— 154 — 

grundform dürfte wül dadjäs, vedjäs anzunemen sein, wie diese 
formen im sanskril {dadjäs, vidjäs) wirklich lauten. — er geht 
mit j über in mi- für ciur, z. b. hoviuta mitto für novciw», 
noycuiT*, inf. hoyci-hth ; ebenso ?a in jka, z. b. «waä equito, 

für W?Atrir>, W^/KA-T., inf. rH^A-HTH. 

Ferner, um die verschiedenen entstehungsweisen des un- 
durch j hier zusammenzustellen, entsteht un- aufs ckj, woraufs 
cv werden sollte, was aber wie ?v, d. i. cv, überhaupt, s. pg. 148, 
in luT übergeht: z. b. hujivi., i. pers. sing, praes. für hcv^. aufs 
HCKtrti, inf. HCK-dTH quaefcre. — endlich steht mr für kt, n-, xr, 
wenn inen h oder das daraufs verkürzte b folgt: der dental 
bleibt also und der guttural geht überall in lu über (wärend k 
und r in V, a; übergehen sollten), so z. b. miurH, infinitiv für 
ctJK-TH secare. — moujth, infin. f. uor-iH posse. — BptiurH, 
infin. f. B()-fix I H triturare, praes. B|)bx-;r.. — ebenso uoiurb potenlia 
für uoKTb, grundform mohti, vgl. goth. maht-s, grundf. mahti. 
— MoiiiTb nox, lit. nakti-s, goth. nahts (nahti). — nKiinb für 
neKib fornax (würz. neK). — A'biinH filia für A-nr-iH abgekürzt 
aufs Abnep (genit. A-bui i epe), grundf. dugiar, skr. duhitar. 

Die dentalen spiianten (Mik os. §. 73, pg. 50 f.) o, ? nebst 
der assibilate lj (d. i. tc), gehen mit j in m, r,, v (d. i. rui) 
über; lu also r=z r/, tk :=: 2,j : nHiii-r., 1. pers. praes. für n»c.-j-^., 
inf. PHC-JTH scribere. — rpo;«-*;, 1. pers. praes. für rpo^-j-*, 
inf. rpo^H TM minari. — o" bvb, adject. patris für on hii./'H, mit ja 
Abgeleitetes adiectiuuni relatiuum von mbgb pater. — In manchen 
fallen werden ^ und ^ auch vor den vocalen h, b, e verwandelt; 
diefs ist aber nur scheinbar und gehört eigentlich, so wie ? und 
M überhaupt unter die gutturalen, die einer doppelten Verwandlung 
fähig sind, r in ? und a;, k in ij und v; bald tritt die eine, bald 
die andere ein, was sich nun oH. namentlich dann, wenn in der 
vorliegenden gestaltung der spräche der ursprüngliche guttural 
nicht mer erscheint, so aufsnimmt. als wäre z, in <-k, ij in v ver- 
wandelt; daher findet es sich (n)eines Wissens) nie bei r, welches 
ein ursprünglicher dental ist. diese Verwandlung des 2, und li 
vor vocalen findet namentlich stall vor den suffixen -bH>,, -bn bo, 



— 155 — 

-HMa, -Hie (b»€) u. a. so von KH/A:?b princeps, welches selbst 
aufs kuning durch anfügung von/b, d. i. b, entstand, KHA^KbcrBo, 
KH Ajfibie (kna/khk;) principatus, vocat, KHAsse, wärend in den 
anderen cass. das ? bleibt; ebenso oibvbcKT, paternus von oTbUb 
pater, das selbst für orbK/b steht, voc. ebenso oihve ; so AHvece, 
genit. von ahlig uultus, persona (grundform likjas neutr.) wie. 
ovece von oko oculus (grundform akas neutr.). 

c und ;; werden auch dann verwandelt, wenn sie von j 
durch A oder h getrennt sind, hier braucht man keine epenthese 
anzunemen, sondern unzweifelhaft erteilte das j dem a und h die 
palatale qualität, welche so mit dem vorhergehenden laute gleich- 
sam durch A, H hindurch in berürung kommt: u-biiuAtJti, 1. pers. 
praes. inf. mt>icahth cogitare, ubiuiAieHb, part. praet. pass. eben- 
davon. — BA^iajHfffi, 1. pers. praes. BAdJKHieM'b, part. praet. pass. 
von BAd:?HHTH scandalum praebere, derivat. v. BA<i?Hb scandalum, 
ebenso BAjatHb qui scandalum praebuit, p. pr. act. I auf jh, daher 
die Verwandlung, sogar H/t;Hero (rrr H/KHwro) neben H;?Hfero 
aufs H^T, ex und lero eins, h eingeschaltet, okaomihw», 1. pers. 
praos. oKAoujNMiH'b, part. praet. pass. von okaochhih claudum 
reddere. 

Die labialen mutae, der labiale spirant und der nasal — n, 
B, B, M — schalten zwischen sich und j a ein (Mikl. §. 60). 
diefs geschieht jedoch nicht in allen fällen; dieser umstand, wie 
manches andere, wrist auf die spätere entstehung dieser den 
westslawischen sprachen fremden einschiebung hin. namentlich 
in den älteren handschriften, welche überhaupt sich durch erhal- 
tung der älteren sprachform aufszeichnen, finden sich die formen 
one A. beispiele: cbinAtin (grundform supjämi), 1. pers. pi-aes., 
inf. chin-dn H spargere. — r biBAr^, 1. pers. praes., inf. r-biB-arH 
periclitari. — aobaia», 1. [)ers. praes. AOBAieMb, part. praet. pass., 
infin. AOBHTH captare. — AptMAw^ dormito, inf. Ap-tM-^iH. auch 
hier unterscheidet sich das zweifache b ; b für h hat keine ein- 
schiebung, b für jh dagegen hat die einschiebung: daher vp bßb, 
slaw. grundform kravi-s, skr. krini-s, uermis, aber AJOBAb, part, 
praet. act. von amikhth amare für Aumj-h, in welchem -h die 



— 156 — 

sylbe vans vertritt; daher Be;?ovuAb demens, adj. für -oyuj-h, 
grundf. -umjas, von Be^-b sine und oyu-b mens. 

In vielen fällen verschmilzt auch j mit a und p, one dafs 
diefs in der schrift anders aufsgedrückt würde, als durch weg- 
lafsen des j, z. b. noAe ager, uope mare u. s. f.. wie die decli- 
nalion aufsweist, für uopjo, poaJo, oft kommen beide Schreibungen 
neben einander vor: Boypra neben bovp^ procella, in solchen 
im polnischen und böhmischen z. b. zur aufsschliefslichen rege! 
gewordenen fällen ist vielleicht eine palatale aufssprache des a 
und p anzunemen oder minder genaue Schreibung (im polnischen 
und altböhmischen ist das f guttural, das / für Ij palatal; rj 
aber wird rz>, böhmisch r). 

In beispielen wie n<T.TeBH aufs n^.xb (iiia), stamm n;fiTH -f- 
OBH und änlichen mufs e als Verschmelzung von ho,jo angesehen 
werden, denn schmölze j, b mit r zusammen, so müste die form 
n,ir,iiiieBH lauten. 



l¥ort1)ildiiii^. 

Es liegt nicht in unserer absieht, das capitel von der Wort- 
bildung- erschöpfend zu behandeln; bei dem reichturn des slawischen 
an ableitungen und der Schwierigkeit der erklärung so mancher 
derselben mag hier nur eine sich auf das nötigste beschränkende 
skizze genügen, von der nominalbildung soll hier aufser der 
bildung der an verbalwurzeln regelniäfsig sich anlenenden adiectiua 
und substantiua — der parlicipien und infmitive — ferner der 
gradation der adiectiua nur einiges wenige gleichsam zur probe 
platz finden, sodann werden die zaiwörler und die im slawischen 
so wichtigen verbalableitungen besprochen werden, die bildung 
der pronomina ziehe ich, um den stolf nicht in unbequemer weise 
zu zerreifsen, zu der flexionslere. 

Passend scheint es, diesem abschnitte eine wenn auch durch- 
aufs nicht erschöpfende betrachtung der form der verbalwurzeln 
voraufs gehen zu lafsen; die sogen, pronominalwurzeln übergehe 
ich hier ganz, sie stimmen zu denen der verwanlcn sprachen 
und werden beim pronomen zur spräche kommen. 

Wurzeln. 

One die regeln der lautlere und die vergleichung der ver- 
wanten Sprachen ist es in vielen fällen unmögliih, die wäre 
geslalt einer wurzel zu ermitteln, namentlich kommt hier die 
vocalverkürzung in betracht, ein punkt, der bishoi" meist über- 
sehen wurde, indem man die kürzeste form für die ursprüng- 
lichste hielt, woher denn wurzeln wie skr. bhr ferre für bhar, 
sl. Bp für Bep u. s. f. aufgestellt wurden; wer könte wol, nur 
deutsches Sprachgebiet überblickend, die wurzellbrm von bindCj 
band, gebunden ermitteln, wärend doch die regeln der laulver- 



— 158 — 

kürzung, gleichsam der negativen vocalsteigerimg und die ver- 
gleichung (skr. bandli) klar darlegen, dafs a der grundvocal, 
band also die wurzel sei. mit dem deutschen sogen, ablaute 
gehen aber ganz parallel die oben aufgestellten vocalreihen im 
slawischen; in der a-reihe können also die drei vocale e, o, a 
wurzelvocale sein, in der «-reihe ist es h, in der «-reihe bi, ov 
grundvocal, dazu kommen noch die nasalvocale a, ,t. ; alles übrige 
ist Steigerung oder Schwächung, in zalreichen wurzeln erscheint 
ein allen ableitungen zu gründe liegendes unveränderliches -t, 
z. b. Btr fugere, et serere u. a. dafs o, a, ov, /ü selbst schon 
steigerungsvocale sein können, wurde bereits gelert. z. b. c^xm/rth, 
H(?)cbixdTH exarescere, covxb siccus, würz cbix u. s. f. dafs 
auch im slawischen von vielen Worten die wurzel als verbal- 
wurzel gar nicht vorkomme, versteht sich, z. b. cbm-b filius 
(würz, c'bi), skr. su generare u. a. 

Es kann nun fälle geben, in welchen die spräche den grund- 
vocal nie zeigt, sondern nur den verkürzten, seltener nur den 
gesteigerten vocal, solche fälle lafsen die v^^are wurzelgestalt des 
slawischen oft zweifelhaft, hier würde ich vorschlagen, der 
wurzel die nach analogie, vocalgesetzen und vergleichung ir 
zukommende grundform in parenthese beizugeben, z. b. Abr-bKb 
leuis, würz. Abr Qlag, b aufs urspr. a, wie z. b. pbijH, imp. v. 
peK dicere; skr. laghu, i-).üji-i(jrog, leuis, oder man nimmt im 
slawischen an, dafs das a in i durchweg herabgesunken und 
setzt Hg als slawische wurzelform). — Abr (lug g"th.) mentiri. 
— MbH Qmi7i aufs man, vgl. nouHMdTH) cogitare u. a. namentlich 
bei b kann man zweifelhaft sein, ob a oder i als slawische 
grundform zu setzen sei, da b auch als Verkürzung von urspr. a 
erscheint; das einfachste ist hier anzugeben: i aufs a, z. b. ibw 
in Tbu-a tenebrae Ctim aufs tarn, skr. u. lit.), ubp im praes. 
(ubp-euiH, ubp-erb ostrom.), im pari, praet. act. I. ubp-b, mit 
Umstellung im part. praet. act. II. Mpb-A-b, part. praet. pass. 
wpb-Tb u. s. f., skr. mar, lal. jno7' u. s. f., aber litauisch fnir, 
also slaw. ubp Qmir aufs mar), ältere Schreibart wäre überall 
iibp, up-b. — 1 bH exlenuare (tin aufs tan, skr, lat. germ.) u. s, f. 



- 159 — 

Von den erweiterungen der wurzel, d. h. von den soge- 
nanten secundären wurzeln wird später die rede sein, als 
wurzellorm nemen wir die den verschiedenen slawischen ablei- 
tungen zu gründe liegende form an, one uns auf das düstere 
gebiet der durch vergleichung und Zerlegung sich etwa erge- 
benden, noch älteren gestaltungen zu wagen, "für secundäre 
wurzeln halten wir nur die, die sich uns aufs der betrachtuno- 
des slawischen selbst als solche ergeben. 

Das slawische hat im allgemeinen dieselben wurzelformen, 
wie die verwanten sprachen, auch die slawischen verbalwurzeln 
sind durchaufs einsylbig, demnach können folgende Verbindungen 
lautlicher demente wurzeln bilden: 1) Mn vocal, der jedoch nie 
a sein kann, z. b. h (praes. h-a;^, infin. h-th) Ire. oy (infin. 
oy-th) induere. — 2) vocal -|- cons. ovk (infin. ovvhth) docere. 
— oyM scire (gym-b mens, oym— uth scire). — hu (praes. hu-^.) 
prehendere. — die mit a anlautenden wurzeln setzen j vor und 
treten so im slawischen aufs dieser classe heraufs, z. b. ma 
edere. — 3) conson. -\- voc, der kein kurzer a-laut sein kann, 
wie bei den pronominalwurzeln, also slawisch nicht b, sondern a 
(d. i. Si.r. ä). RH bibere. — bh percutere. — ubi lauare. — 
AA dare. — 4) conson. + vocal -\- consonanl wa edere. — bhz, 
uehere. — bga ducere. — mok madefieri. — uor posse. — bova 
expergefieri. — ah? lambere. — die mit p und a schliefsLuden 
wurzeln werfen den nicht gesteigerten wurzelvocal vor vocalischen 
endungen meist aufs, s. o. p. 67. Bep colligere (praes. Bep<Yi, 
inf. BpdTH). — Bop pugnare (praes Bopr*, inf. bp^ith). — koa 
(praes. KOAhrSi, inf. ka-jth) mactare. — bisweilen kommt der 
grundvocal nie vor und ist zu erschliefsen. — 5) 2 consonanten 
4- vocal, HAOY nauigare. — caoy audire. — ctj stare. — ;?Hd 
nosse. — der unigekerte fall, vocal -|- 2 cons., kommt seltener 
vor, z. b. dAK esurire. — 6) 2— 3 conson. -f vocal -|- conson. 
creA, crep stemere, extendere. — cbht lucere. — crnr depre- 
hendere. — kphk, kahk clamare. — KpJA furari. — cTpnr ton- 
dere. — cup-bA (cupbA) foetere. — diese form ist ser häufitr, 
weil das slawische die liquida stets vor dem vocale hat. — 



— 160 — 

7) coiisonant, auch 2 consonanten -f- vocal + 2 conson., thck 
comprimere. — ba?, d. i. vanz oder vinz, uincire, cbat, d. i. 
svant oder svinf, sanctificare. — cbhct sibilare. — die möglichen 
consonantenverbindungen sind im slawischen auf gewisse fälle 
beschränkt. 

Secimdäre wurzeln entstehen im slawischen teils durch 
reduplicalioi), in welchem falle die grundform als verbalwurzel 
nicht vorzukommen pflegt, oder durch nominalahieitung mittels 
consonanten, meist gutturalen, diefs nemen wir nur dann an, 
wenn uns das slawische selbst die reine wurzel darneben zeigt 
— nicht leugnend indess, dafs eine menge consonantisch aufs- 
lautender wurzeln im indogermanischen auf änliche weise aufs 
einfacheren entstanden sei. die nach festen, häufig zu beobach- 
tenden regeln abgeleiteten verba ziehen wir nicht hierher, obwol 
auch sie mit numinalbildungen parallel gehen.*) 

Durch reduplicaiion entstehen im slawischen zweisylbige, 
also sich sogleich als secundär kundgebende wurzeln (die ein- 
sylbigen reduplicierten, wie c-hc (inf. cbc-.nH) lactare. — .ner, 
d. i. rer, accendere u. a., mögen als in irer form mit regel- 
mäfsigen wurzelbiidungen tibereinstimmend hier nicht weiter 
besprochen werden) : so rAd-ro.\-di h dicei e, r^ä-^o^-■h uerbum, 
skr. (ji; d. i. gai% sonare, laudare, yriQvco, vgl. rAj-cb uox. — 
T;r>-ibH—i5iH bombum edere, lA-rbH-b sonitiis, also ein stamm 
tan-tm aufs ursprünglicher wurzel tan; merere finden sich in 
anderen dialecten; in diesen fällen ist die ganze wurzel redupli- 
ciert und olTenhar onoinalopoietisch und die nominalbildung ist 
auch hier das ältere, das v(;rbum eine denominativform. 

Wie in den verwanten sjiraciien, so sind auch im slawischen 
die denoniinaliva ser häufig, in vielen fällen klar als solche zu 
erkennen, in anderen sich den anscliein von wurzeln gebend. 
von letzleren sind vorzüglich zu bemerken die ableitungen meist 



*) ül)er abj^elcitelo wurzeln vgl. Safiirik, o Ivofeni slov zdvojovanim 
koreiic ; casop. ccsk. .Mus. lorii. XX, 1840, liJ. str. ;^.'>5 und desselben: o süeni 
rasoslovnich korenüv a knicnüv v.souvaiiiiu a piiräzenim souhläsek, ebendas. 
IV 40!\ \ :)f>0. 



— 161 — 

von vocalisch aiifslautendeii wurzeln mittels gutturalen, so 
cAovJiiHiH niinisirare von der secundären würzet cAcyr oder 
richtiger regelrechtes denoiiiinaliv von cAovr<i seruus, guttural- 
ableitung mit r von der echten wurzel caov audire. — cAbiiudiH 
audire für cAhixtiH, scheinbare würzet cahix, ist denominaliv 
von cAoyxb auditiis, von derselben wurzel caov wie das vorige, 
nur mit x abgeleitet, diefs x ist hier und in änlichen bildungen 
Vertreter älteren s: lit. klaus-yti, ahd. hlos-en, goth. hUu-ma 
auditus, wol für hliusma — Aoyx-^i th, ahix-^ th, A'bx-H,i;TH flare, 
spirare, durch Aov-xb spiritus von Aoy (a-u) in aov-h-t/ih S[)ir9re. 
— ÄXJiH odoniri, von der würz, on, mit vorgesetztem k in 
BOH-w odor, BOM-wTH olere, skr. an i,pirare. das vermittelnde 
substisntiv feit. — nAoyrT, aratrum, davon böS:m. ploukali, plomiti, 
schleppen, pflügm, von haov nauigare, UA-K-^>K•^ mollis, uit\-Hd 
farina, von ersterem wieder w^Kt.varH irioliescere, mak, m;hk, 
secundäre wurzel von ubH-;^, inf. math comprimere, ubH-HH 
minor u. a. andere denominativa mögen hier übergangen werden, 
wo nur einige beispiele scheinbarer wurzeln beigebracht werden 
sollten, hinreichend, um darzutun, dafs auch one in die sprach- 
periode vor der trennung der einzelnen indogermanischen spra- 
chen zurückzugehen, aufs dem slawischen selbst manche schein- 
bare wurzel als denominaliv nachgewiesen v\ei(!en könne. Von 
den denominativen verbalstämiiien selbst wird bei der verbal- 
ableitung die rede sein. 

Noiiiiiialhildiiiig. 

Von jedem zeitworte leiten sich zwei indeclinable nomina 
abstracta ab, deren eines auf -th, litauisch -ti die bedeutung 
des infinitivs, das andere auf -i-b, litauisch -tu die bedeutung 
des supinums hat, d. h. derjenigen infinitivform, welche nach 
verbis der bewegung gebräuchlich ist. 

Beide formen werden, mit aufsname der verba auf -H;fi-TH, 
welches -h-t.- eigentlich nur dem praesens gehört, in andere 
formen aber hinübergenommen wird, von dem der conjugation 
zu gründe liegenden zweiten stamme, dem nichtpracsensstamme, 

11 



— i62 — 

der jedoch im slawischen niclit immer die reine wurzel zeigt, 
gebildet. Bleiben wir zunächst beim infinitiv stehen: hgc-th, 
lit. nesz-fi ferre *) v. d. w. Hec, hier sind die oben erörterten 
lautgesetze zu berücksichtigen, also Bec-iH uehere von bs:?. — 
HAec-iH plectere von nAer. — neiuiH coquere von neK u. s. w. 
— KAA-TH exsecrari von KAbH. — bp-.i-th capere von Bep. — 
up— 15-iH mori von ubp, das aber den wurzelvocal vor vocalisch 
anlautenden endungen auswirft (indessen behält es in auch bis- 
weilen, besonders im praesens zu b geschwächt bei). — bh-th 
percutere von bh. — caoy-th audire von caov. — ABHr-H;i^-rH 
mouere von abht. — xb-ia-h-th laudare v. d. w. xb^a, verhalstamm 
xB<iA-H, ebenso ovm— t-iH scire, AtJA-d-xH facere, Koyn-oB-a-TH 
emere. — Diese im slawischen als infinitiv indeclinable endung 
-TH lautet als declinable endung von nomina abstracta -Tb, z. b, 
nd-uA-Tb memoria v. d. w. ubH cogitare; uomib, d. i. uor-ib 
potentia v. d. w. uor posse u. a. den a-stämmeü, namentlich 
adjeclivischen, wird sie in der weise angesetzt, dafs das a als 
bindevocal dient und regelrecht als o erscheint, dem r aber ein 
c vorgeschoben wird, was auch im germanischen der fall ist 
(von solchen eingeschobenem * war pg. 137 die rede), wodurch 
die scheinbare endung -ocib entsteht, die von ser aufsgedenter 
anwendung ist; z. b. B-uAo-crb albor v. B-ftAb albus. — B-noipo-cib 
sagacitas von B-bicrp-b sagax u. s. f. lit. -te mit *, z. b. hudryste, 
bindevocal y. Diese endung -ti findet sich in den verwanten 
sprachen wieder und steht zu dem suffix ta und tu in derselben 
beziehung, wie die gleichbedeutende endung ni zu na und dem 
selteneren ww; skr. z. b. gak-ti potestas von Qak posse. — mati 
für manti opinio von man cogitare. — griechisch ist diese en- 
dung r(, nom. tig im älteren, dorischen dial., alt. ai-g: cpätig, 
cpüffig, doGig, TTQn^ig, /iifi7](ng u. s. f., lafein. in mors, mens u, a. 
gewönlich erweitert teils durch a (e), fem. : amiciUa, angustia, 



*) Hier wie überall werde icli mich in der wal der paradigmen so viel 
«la möglich an Miklosich anschliefsen. es ist eine unleugbare erleichterung 
für den anfänger, wenn er in verschiedenen lerbüchern die gleichen worte 
als paradigmen fmdet. 



— 163 — 

duritien^ teils ebenfalls durch a, wobei zugleich das germs neutr. 
einirilt, also tim (für aw): seruiHum, exercitium^ teils durch on: 
lectio, affectio u. s. f. im germanischen ist das i im nominativ 
sing, durchweg weggefallen, tritt aber in den anderen cass. 
deutlich hervor, goth. deds facinus, knöds genus, mahts potentia, 
gahanrths partus, gamunds memoria, ahd. kipurt, sJaht (occisio), 
muht u. s. f. mit eingeschaltetem s: goth. an-sts fauor, hrunsts 
incendium, ahd. chunsf, prunst, mhd. gunst, svulsf, neuniederl. 
ankörnst, verlangst u. s. f. 

Die endung ni, slaw. Hb in gleicher bedeutung hat eben- 
falls teilweise das vorgeschlagene c, für welches durch den 
einflufs des hellen m oft z eintritt; im skr. schliefst sich -ni an 
die formation der participin praet. pass. auf -?ia an, wie -ti an 
die auf -ta: gläni fatigatio (gläna fatigatus \. gläi), girni (girna 
V. gar, gr conteri, senescere) u. a. slaw. a^j-mb uectigal v. a^, 
lit. dü-nis. — mit vorgesetztem c, ? in B^-cHb fabula v. Bd fari. 
— Kor<i-?Hb timor v. bom-th ca timere, würz. bh. — a;H-^Hb 
iiita, mit aufsgefallenem b v. a;nB uiuere. dieser vor n einge- 
schobene Zischlaut wechselt oft dialectisch, so in der endung 
-ina, z. b. ksl. otvhhj, rufs. oTVH;?Hd patria; rufs. noAOBHNd, 
böhm. podobizna imago u. a. s. o., ein beweis für seine unwesent- 
lichkeit, ganz entsprechende formen zeigt das Pärsi (Spiegel 
gramm. d. P. §. 96 pg. 85), z. b. kiin-esn, das handeln, man-esn, 
das denken, v. d. stammen kun, man u. a. 

Die endung des supinum im litauischen -tu lautet im sla- 
wischen regelrecht -r-b, in anderen sprachen, so im sanskrit 
und lateiii, erscheint sie in mereren casus, ursprünglich war sie 
eine abslractendung gleich der vorigen und aller casus fähig, 
wovon uns noch das veda-sanskrit deutliche künde gibt, sie wird 
im slawischen eben so wie -ti an den nichtpraesensstamm ge- 
setzt, demnach wird gebildet: Mec-r-b, lit. nesztu, nAec-i-b, 

BpJ-TT,, BH-TTi, KA/A-T'b, ABHr-Nrti-T'b, XBdAH-T'h, At'.Ad-r'by 

KovnoBd-Tb u. s. f. der bedeutung nach müfsen wir diese formen 
als accusativ auffafsen, also A^-r-b, cra-rh für da-tnm, sta-tum, 
skr, dä-tum, sthä-iwn u. s. f. Im gewönlichen sanskrit ist von 

11* 



— 164 ~ 

diesem abstractnomen nur der accusaliv, welchen man infinitiv und 
der instrumentalis, welchen man gerundium nent, gebräuchlich : 
sthätum, infm. sthitcä (mit Verkürzung der wurzel) gerund.; im lat. 
der accusativ und ablativ, beide supinum genant: datum, datu. 

Eine besondere unregelmäfsigkeit entsteht im slawischen 
dadurch, dafs von den auf gutturalen aufslautenden verbalstämmen 
dieses supinum nicht gebildet wird, es gibt kein neK-r-h u. s. w., 
wie diese form wol heifsen müste; die stelle des supinums ver- 
tritt bei diesen Zeitwörtern der infinitiv, dessen aufslautendes h 
in diesem falle zu b verkürzt wird (jr\ der jüngeren spräche, 
z. b. rufsisch, ist die infinitivendung -th durchaufs zu -ib ver- 
kürzt), also neoiTb, Mouiib u. a. gelten als supina v. d. w. neK, 
uor. Von der enuung iu unterscheidet sich nur durch ein an- 
gefügtes a die abstractendung skr. -tva-tn, slavv, -(c)ibo im 
slawischen stets mit bindevocal i. slavv. uMom-b-cTBo multiludo 
von uHor-b multus, skr. bahu-tvam id. von buhu multus; eine 
ungemein häufige endimg; ~tv-a-m : -tu ■=z -tr-a-m : -tr (Jar). 
im goth. ist diefs suffix femin. -ilwa (in ßja-tJwa inimicitia, 
frija-ilwa amicitia, sali-thvös, plur. domicilium), mit ana erwei- 
tert zeigt sich das suff. tu im ved. tvana, mahi-tvana, magnitudo, 
griech. f -(Twrj für ivrrj (Aufrecht in zeilschr. für vergl. Sprach- 
forschung JHi-g. I, heft VL p. 481 ff. 1852). 

Participia. Das part. praes. actiui vom praesens- 
stamme, gebildet durch die endung ant: skr. bhar-ant, acc. sing, 
masc. bhar-antam, nom. bhar-an, gr. qiiQ-ovr, accus. (fsQ-ovra, 
nom. cftQ-m', lat. fer-ent, acc. fer-entem, nom. fer-ens, goth. 
mit zugesetztem vocale Stammform bair-anda, nom. bair-ands, 
acc. bair-andan. Die älteste gestalt dieses sufGxes m.t consu- 
nantischem aufslaut liegt im slawisch-lettischen nur dem nom. 
sing, niasc. neutr. zu gründe und zwar geht im kirchenslawischen 
der aufslaut -an (t fällt ab), wie in der lautiere bereits ent- 
wickelt, nach j und j enthallenden consonanten durch eintretenden 
iimlaut in a über; also bhha, xb^aka und mit veischmelzung von 
/ und j xRA\^, riHiiiA für nHOHv scribens, praesensslamui nHcj von 
d. w. PHC, A-t;.\.^^^, Koynovn^ u. s. f nach anderen consonanten 



— 165 — 

in -Kl ; Hec-'bi, neK-bi, KAbH-bi, cAOB-bi. ob diese form auf 
T>i auch als neufrum vorkomme, dafür fand ich nirgends noch 
einen beleg-, doch macht es schon die analogie derer auf a 
warsoheinlich; litauisch haben diese formen das nominativ -s 
erhalten und endigen auf -qs. alle übrigen formen, ja zum teile 
die nommative selbst, setzen der ursprünglichen endiing -ant ja 
zu, das im nominal, fem. nur darin gleichsam eine erinnerung 
an den früheren consonantischen aufslaut erhalten hut, dafs es 
in dieser form nicht Ja, sondern 7? hat: neK;*;iuTH aufs neK^urj», 
skr. pak'anti, die übrigen formen sind regelrecht, also z. b. hat 
der accus, folgende dem slawischen eigentümliche grundformen : 
masc. pakantjam, fem. pakantjäm, neutr. pakantjam, woraufs 
ganz nach der regel masc. neK;r,iuTb für neK<i;i/b, fem. neK.r.iur;?-. 
für neK;*iTf«, neutr. neK,T.uiie für neK<r.i;/o (neutrales -a?n wird 
stets durch o im slawischen gegeben, welches o nach j und 
j-hältigen lauten in e umlautet), verwant sind im lateinischen 
die der ^■-declination zugehörigen formen ferentia, ferenfiutn, aber 
in üiiereinstimmung mit d'-m slawischen ebenfalls ja zeigt das 
litauische, z. b. gen. sing. masc. esanczio für esantio, slaw. 
Crt.un-d für c;ft-i-M, w^as einem sanskrit santjasja^ griech. ovgoio, 
ovcTovy von nominativen sanfjas, ovao; (für ovrjoS) entsprechen 
würde, aber nicht dem wirklich sanskritischen ursprünglichen 
sa{n)t-as, griechisch övrog. Näheres über die decünation später. 
Gan^ parallel mit diesem participium gehl das participium 
praeter, actiui I. dieser parallelismus ist ein uralter und 
im Organismus der indogermanischen sprachen wol begründeter. 
diefs nachzuweisen erlauben wir uns etwas weiter aufszuholen, 
zumal da hierdurch die eigentümlichkeit dieser form schärfer 
gefafst wird. Als älteste gestalt derselben glauben wir annemen 
zu müfstn perfeclstamm, also reduplicierte wurzel + vant. nur 
durch den perfeclstamm ist die beziehung auf die Vergangenheit 
gegeben, die endung vant ist an sich gleichbedeutend mit der 
endung -ant; und vant glauben wir als die älteste grundform 
der endung dieses parlicips annemen zu nuifsen. hierzu nötigt 
uns das im griechischen durcliaufs (jtzvfp-poT) und im sanskrit 



— 166 — 

vor consonantisch anlautenden casus {rurud-vat-su, vurud-vad' 
bhis u. s. f.) erscheinende t für s\ s entsteht unzälig-emale aufs 
tf nie aber dürfte der umgekerte fall eintreten, diefs suffixum 
ist also ursprünglich identisch in der form mit dem adjectiv- 
suffixum vant, gr. f «rr, lat. in -osus verwandelt (skr. dhana-vant 
diues, von dhana diuitiae, nom. sing. masc. dhanarän, yaoi-sEvt^ 
nom, sing, niasc. yaof-n^, grati-osus) und dieses vielleicht eine 
Schwächung aufs -mant (skr. ^ri-mant felix, (;r« felicitas), so 
dafs wir die suffixenreihe ant^ mant, vant erhalten, parallel mit 
an, man, van (i'äg-ati rex, Qus-man ignis, eigentlich dörrend, 
Qar-man felix, jag-nan immolator), in, min, vin {dhan-in diues, 
gö-min bohus pracditus, tegas-vin splendens). — dieses -vant 
unseres particips hat im griechischen nur das n verloren, was 
im Sanskrit in allen schwachen casus ebenfalls eintritt, das 
digamma muste schwinden, daher cot, nom. sing. masc. mg; 
TCTvqpoj?, gen. retvqjorog; im sanskrit tritt statt -vant in allen 
casus, aufser denen mit consonantischem anlaut, -vans ein, nom. 
sing. masc. rurud-vän, geweint habend, acc. rurud-vänsam mit 
gedentem a. Im femininum und vor den schwersten casus- 
endtingcn wird im sanskrit an aufsgestofsen und v vocalisiert 
daher femin. rurud-usi; gen. sing. masc. neutr. rnrud-usasn. '^.i. 
ebenso im femininum im griech. via für vaia : zetvc^vm. Das 
litauische hat in diesem participium nach consonanten kein an- 
lautenties v, sondern eine grundform ans, daher nom. sing. masc. 
suk-es (d. i. suhans). gedreht habend; fem. stikusi für suk-ans-i, 
an wird in u verwandelt, e ist zwisclienstufe (m für an, am ist 
im litauischen häufig, z. b. 1. pers. sing, praes. des Zeitworts -u 
für -am', vgl. zvmovGa für zvmovna u. a. im slawischen sahen 
wir ja ebenfalls oy, Hr, -b aufs a und also aufs an, am entstehen 
pg. 81 f.). nach vocalen erhält sich auch im litauischen das 
ursprünglich anlautende v dieses Suffixes, also grundf. vans, d. i. 
-ves, fem. -vusi für -vansi, z. b. bu-ves, da-ves v. d. w. hu, da 
und im partic. des zusammengesetzten imperfects: suk-da-ves, der 
zu drehen pflegte, fem. suk-da-vusi. die indeclinablen, gerundia 
genanten formen dieses particips haben stets die Schwächung des q 



— 167 — 

zu u, lauten also bu-vus (gewesen seiend), sitk-vs (gedreht 
habend) u. s. f. Dieselben zwei formen, vans nach vocalen, ans 
nach consonanten finden wir nun auch im slawischen als 
grundformen, für deren an durchaufs u eintritt, also zweite 
stufe der grundforni -vus, -us, wie im litauischen gerundium, 
diefs mufs nach der regel in -bh, -t,, die wirklich vorkommende 
endung dieser partiiipien, übergehen, wir erhalten demnach für 
dieses suffix die Verwandlungsreihe -vant, -ant — -vans, -ans 
— lit. -ves, -es — -nus, -us — slaw. -bh, -b, wie skr. sam, 
slaw. c/R, coy, lit. SU, CT, ; wie an, x^, oy, (B)'b; vgl. pg. 133 f. dieses 
participium lautet demnach z. b. a^i-bh, bh-b-i,, a^aj-bb, KovooBd-s-h 
aber Hec--b, nsK-b, KAbH-i. u. s. f. Tritt schon durch das ab- 
werfen des V) nach consonantisch aufslautenden verbalslämmen 
im slawisch-litauischen die verwantschaft mit dem part. praes. 
act. zutage, so zeigt sich dieselbe noch schlagender dadurch, dafs 
in beiden sprachen genau in denselben casus der ursprünglich 
consonantisch aufslautenden endung dieses Suffixes ja beigegeben 
wird, wie im part. des praesens ; daher z. b. Ad-ab, fem. AJB-biuH 
für A^B-bc/H, wie neK-^unH für neK-/Tii;/H (im litauischen hat 
der nom. fem. blofs i, daher suk-anti, die drehende, suk-usi, die 
gedreht habende), in allen anderen casus tritt im slawischen (in 
fast allen im litauischen) wie im praesens antja für ant, so 
für vans, ans eine grundforni vansja, ansja ein, woraufs litauisch 
vusja, usja entsteht, durch Verwandlung von an, e, in u, also 
z. b. gen. sing. masc. sukcla-vusin, suk-usio; diesen litauischen 
formen identisch sind die slawisclien, in welchen das im litauischen 
bewerte u nach der regel durch i, vertreten erscheint; wie einem 
litauischen fem. sukda-misi ein slawisches A^-ß-buiH (da-vusji) 
entspricht, so auch in den anderen formen, z. b. genit. sing, 
masc. Kbi-Bbuiti für Bbi-Bbcw, lit. hu-vusio; acc. B'bi-Bbujb für 
Bbi-B bcy-b, grundforni hu-vusjarn, acc. sing. fem. B-bi-B-biu;?. für 
B'bi-B-bctrt», grundfonn bu-vusjdm; neutr. sing. B-hi-Bbuie für 
BM-B-bcJo, grundforni bu-vusjam; alles in strengster parallele 
zu den praesensformen ; ebenso von den formen auf -ans, d. i. 
-US, -h, z. b. nom. fem. sing. iit>K-buiH für neK-\,cji düis pek-usjif 



— 168 - 

genit. sing;, masc. neutr. neK-biud für --hc.u; acc. fem. neK-hiu* 
für -hctrf,, grundform pek-usjäm u. s. f. bemerkenswert ist die 
in diesen formen sich zeigende, überaufs nahe verwantschaft von 
slawisch und litauisch, man darf die älteren litauischen formen 
— soweit die casusendungen nicht einen unterschied machen — 
nur nach den lautregeln wandeln, um die slawische form zu 
gewinnen. *) 

Eine nur scheinbare besonderheit bieten diese participial- 
formen im slawischen von abgeleiteten, d. i. zweisylbigen Zeit- 
wörtern, deren stamm auf h aufslautet, welches vor coiisonan- 
tischen endungen bleibt, vor vocalischen in j gewandelt wird 
z. b, xBdA-HTH lauHare (xb^aj laus), hier sind beide endungen 
ans und 'cans, d. 1. -b, -bk, im gebrauche, erstere scheint hier 
die ältere zu sein; wird die zweite gebraucht, so fällt alle 
besonderheit weg — xBdAH-Bb wie xAnh — kommt die erste 
zur anwendung, so mufs nach der regel h vor dem vocale -b in 
j übergehen, aufs welchem J-b dann nach slawischen lautgesetzen 
-b werden mufs, also xBjAb für xHd\j-h {-xKd\~jus, -jans), fem. 
xBdAbiuH für xBjAj-hiiiH u. s. w., wobol die notwendigen laut- 
gesetze eiütreten, z. b. u/iuin i. für \j,(.rj-h v. uä/iH-n h (turbare). 

Dieses participium bildet sich durchaufs vom nichtpraesens- 
slamme des Zeitwortes; -H,n bleibt indessen auch hier, also 



*) Wenn Bopp, vgl. gr. §. 786, die litauischen formen des feniin. dieses 
particips für „vortrefflich zum skr. fem. usi stimmend'* erklärt, fo liegt hier 
die, wie ich glaube, nicht richtige ansieht zu gründe, als ob die beiden u, 
das skr. und das litauische, sich entsprächen, ersteres ist aber aufs r(an)si 
entstanden, letzteres aufs ansi, esi, wie sitk-i:s neben suk-us deutlich zeigt ; 
diese formen auf -es, die nominative, ganz von den übrigen casus zu trennen 
und als zusanimenziehungen von -i-vans zu fafsen (ibid. §. 787), ist wol ent- 
schieden untunlich, die parallele des slawischen mit dem litauischen erhärtet 
unsere ansieht. Wenn den participien buves, davds, gerund, biivus, datus, die 
perfecta buvau, davjau zur seite stehen, so scheint das v dieser perfecta, die 
wie die verbalformen im litauischen zum grofsen teile den nominalformen 
gegenüber sich als höchst unursprünglich erweisen, aufs dem particip in das 
tempus finitum gekommen zu sein ; das slawische Bbi-B'b, A^i-Bb und ander- 
weitige Verflechtung von nominalformen in die litauische coniugation bekräftigen 
diese auffafsung. 



— 169 — 

ABHi--M<r.-Bb; nur bei denen, welche im nichtpraesensstamine in 
meieren formen ein -n ansetzen, im praesens aber diu reine 
Wurzel haben, wird dieses -t vor dieser wie anderen parlicipial- 
fonnen nicht gesetzt, daher (mit nicht ganz aufsgestofsenem, 
sondern nur in b geschwächtem wurzelvocale) ubp-h, gestorben 
seiend, von der würz. mai\ ubp, praes. Mp-;n, inf. up— tj-iH 
niori; anders bei denen, die im praesens h, im zweiten stamme 
-B haben, hier gilt die gewönliche regel, also praes. ropw>, inf. 
rop— te-iH ardere, part, praet. act. 1 rop—n-BT,; wie praes. Bep-^, 
inf. Bp-a-TH, p. pr. act. I Bpd-8-b u. s. f, der unterschied der 
formen, die dem litauischen gerundium an form und gebrauch 
gleich, (gerund. lit. hu-vus, slaw. Bbi-B-s; part. lit. bu-ves, slaw. 
K-bi-Bbiub u. s. f.) von den mer rein adjectivischen wird bei 
gelegenheit der declination dieser formen klar werden. 

Partie, praeterili actiui II. Diefs participium auf -at, 
ist eine eigenlümlichkeit des slawischen, die es selbst mit dem 
im so nahe stehenden litauischen nicht teilt, die erklärung 
Bopps habe ich im anhange zu meinen sprachen Europas wie 
ich glaube als unhaltbar nachgewiesen, aufs den lautgesetzen 
wifsen wir, dafs aufs einer grundform wie n^eT-fas, die Bopp 
annimmt, nAec-r-b werden miiste, nimmernier aber hag i-Ah wer- 
den kann, abgeseh;:!n von der rein activen bedeutung der sla- 
wischen formen; urspr. t ist im slaw. nie durch a gegeben, die 
aufs dem georgischen hergeholte parallele bedarf wol keiner 
abweisung — nimmt man solche lautwechsel an, one rücksicht 
auf die festen lantgesetze einer spräche, dann ist d(;r. willkür 
tiu" und lor geöffnet und der wissenschaftliche character unserer 
disciplin verscherzt, lieber demnach auf den nachweis einer 
form in den verwanten sprachen verzichten, als in mit hintan- 
selzung aller regel erzwingen wollen, ist es denn so gar uner- 
hört, dafs eine spräche einmal eine grammatische form erst nach 
der Sprachtrennung gebildet oder dafs sie in sämrntliclien ver- 
wanten sprachen spurlos verschwunden, in einer allein erhalten 
sei? in unserem falle komint noch hinzu, dafs andere formen 
von aulicher bedeutung voriianden sind, diese slawischen formen 



— 170 — 

also leicht eutbert werden, auls den anderen sprachen schwinden 
konten. so gut z. b. das germanische (schwache spuren ab- 
gerechnet) und das lalein das eben erörterte partic. praet. act. 
nicht haben, auch andere grammalische formen ser häufig nur bei 
einigen sprachen unseres spiachslammes sich zeigen, kann auch 
der fall eintreten, der von diesen nur graduell verschieden ist, 
dafs nur eine einzige spräche die form hat. 

Diefs participium entsteht durch das antreten der endung 
masc. -Ab, fem. -a^, neutr. -ao, die also in den grundformen 
-/a«, -lä, -lam gelautet, stamm -la, an den nichlpraesensstamm 
des Zeitworts: neK-Ab Hec-A-hj KA*-A'b v. KAbH, bh-a-b, cAoy-A'b, 
H;r» bleibt, also ABHr-H/T.-Ab, rop-t-A-b, ov»Jf--Av., riHc-d-Ab, 
xBaAH-Ab, AUAj-A'b, KOYnoBd-Ab; Mpb-A'b Stellt uach der regel 
für ubp-AT,, darneben auch uAt-A-b mit t. eine dentale mutae 
•I-, A fällt nach der regel vor diesem a durch assimilation aufs, 
also HAe-Ab von nAtJi-, aber böhm. z. b. plet-l, nj-Ab von rja 
cadere, böhm. pad-l u. s. w. diesem parlicinium entsprechen 
also formell die adjeciiv- und substantivformen -las, -ras der 
anderen sprachen, die freilich die bedeutung des praeteritums nicht 
haben, so z. b. hhavila (i bindevocal) existing (dem slawischen 
B-bi-A-b entspräche genau ein skr. bhü-las), an-ila, aer, uentus, 
dip-ra lucens, auch die auf lu, ru sind zu berücksichtigen, 
bhi-ru, bhi-lu-ka timidus, dä-ru liberalis, largitor; dsi-X6g, 
ex7r(i'/-).og (für ix-nlay-log'), d'/yj-Xög, cc7iarrj-).ng stehen mit den 
entsprechenden verbalslämmen in engstem zusammenhange, im 
goth. mik-il-s magnus von mik (skr. maigyi, gr. ;<«/ in ^jsyag, 
lat. mag in magnus) läfst sich sogar eine dem slawischen ent- 
sprechende bedeutung des Suffixes erkennen, da die wurzel 
ursprünglich wachsen bedeutet, also gewachsen, grofs. diese 
und verwante formen der schwester.-^prachen glauben wir als 
unserem particip zunächst stehend betrachten zu müfsen. 

Participium praeteriti passiui. Dieses participium 
hat im slawischen wie im sanskrit und germanischen eine dop- 
pelte bildung — d. li. es giebt zwei gleichbedeutende formen — 
auf -TT,, fem. -u, neulr. -lo und auf -ht,, -hj, -mü, grund- 



— 171 — 

formen also -tas, -tä, -tarn vom stamme -ta und die entspre- 
clienden formen von -Jia, von denen die erstere nur nach 
wurzeliiaflem aufslautenden vocale h, oy, hi, a gebraucht wird, 
(doch z. 1>. oTb-Bphc-i'b apertus von oTb-Bp»,;?-.?.), die zweite 
nach consonanten, wo sie den bindevocal e annimmt, und nach 
den aufslautendea vocalen der abgeleiteten verbalstämme, wo 
ein solcher bindevocal unnötig ist. angesetzt werden diese 
endungen an den nichtpraesensstamin. beginnen wir mit der 

zweiten; KOVriOBd-Hb, A-SAd-Hb, Bp-^-H-h, nHC-d-Hb, XB<IAI€HT>; 

in dieser form ist der bindevocal geblieben, und das h des 
Verbalstammes demzufolge in j verwandelt worden; oy^Tj-H-b, 
rop— t5-H'b; dann die consonantischer Mec-eHb, nev-eHb für 
ncK-eHb u. s. f. auch nach vocalisch aufslautenden wurzeln ist 
diese endung neben der endung -vh gebräuchlich, ein verbum 
zieht diese, das andere jene endung vor, viele lafsen beide zu, 
z. b. BbtfiH b, d. i. Bbj-eub, wiifür fast stets minder organisch 
BHi€M-b geschrielien wird, als käme diese form vom praesens- 
slamme bh/, wärend sie doch aufs eh -|- en-b entsteht, woraufs 
regelrecht BbieHb werden sollte, neben bh-it,, nn-rb von ph 
bibere u. a. ; Kp-bB-eHb, u-bB-eMb, regelrecht von Kpbi tegere, 
Mbi lauare, neben Kpbi-rb ; cAov-i'b von caoy ; die auf nasale 
haben regelmäfsig -ib. kaa-tt,, doch auch KAbH-eH-b, die mit 
zusätzlichem H;f. aufs ww, bilden dieses participium auf en-h, 1) 
und das ist die ä teste, organische art, mit abwerfung des 
eigentlich nur dem praesens zukommenden H/i> von der reinen 
Wurzel no-c iHm-KHb V. d. w. ctht; 2) sie behalten »rf. in der 
alteren form von nu bei, welches vor «H-b zu ob gesteigert wird; 
diese art isl häufig, bei Miklos. als regel ins paradigma aufge- 
nommen, also ABHr-HOB-eH-b; 3) das .t>, urspr. u, von h;*; wird 
wie im praesens weggeworfen ; oy-c tsK-H-eMi, v. d. w. c-bk. 
4) im kirchenslawischen noch ser seilen, später häufiger von der 
form mit ha; durch t, diefs ist die jüngere bildung, Miklos. 
kent nur ein beispiel, nämlich das von diesem particip herge- 
leitete abstractum Koc-N/r>-iH(f; v. koc-mmih c a tangere, welches 
aut ein Kür.-H<f.-n, zurückweist, beide formen konnnen auch 



— 172 - 

vor bei jenen Zeitwörtern, die wie Mp-;ir. morior flectiert werden, 
no-;f;bp-eM-b oder mit völliger aufsstofsung- des wurzelvocals 
»ip-eM'b neben (rpb-r-h V. d, W. <t;bp, inf. a;p--i;-TH, ;t;pb-TH, 
npo-crpb-TT, oder mit eingeschobenem ^ npo-cip— s-rb, inf. 
npo-cTp— te-TH extendere. die formen auf -en-h sind demnach 
die bei weitem vorherrschenden. 

Die beiden suffixa -tas, -tä, -tarn und -nas, -nä, -nam 
finden sich in den verwanten sprachen in gleicher anwendung 
wieder, z. b. cAov-rb, skr. gru-tas, gr. y.lv-To^, lat. clutus, lit. 
klaus-y-tas, skr. tas, lit. fas^ gr. ro?, lat. tus, goth. ths. Das 
litauische, griechische, lateinische haben keine entsprechenden 
participia auf nas, im germanischen haben sich beide suffixa so 
in die verba geteilt, das las die schwache , nas die s'arke 
conjugation beherrscht, be'spiele für tas, skr. gnä-tas, yvM-Tog, 
(gynofus, lit. suk-fas, tortus, goth. salhöths u. s. f. einzelne 
fälle des uninitlelbaien antretens dieses suffixes an die wurzel 
oder, was dasselbe sagt, an starke uerba bietet auch das gothische, 
z. b. mun-ds, skr. ma(n)-ias, part. praet. pass. von mun-an 
putare; bauh-ts von hug-jan emere. na; skr. hhin-na für 
bhid-na von bhid Andere, viy-iia perterritus u. a. viel seltener 
als ta und an gewisse wurzelaufslaute gebunden: griechisch in 
adjectiven, oft mit entschieden passivem sinne : dsi-vog, gefürchtet, 
Tio&u-vög, ersehnt, Gfu-vog für csß-rng, vererl u s. f. lat. ple-nus 
(skr. pür-na für par-na), gefüllt, mag-nus, gewachsen, do-num, 
geschenktes, reg-num^ beherrschtes; solche adiectiua bietet auch 
das slawisch-lettische nA-h-Hi,, lit. pil-nas (pil-ti, füllen) u. a. 
im germanischen a!ier zeigt sich diese endung, ganz w^ie im 
slawischen mit bindevocal, nächst dem slawischen am häufigsten 
und als echtes participium, z. b. nom. masc. grab-ans, nhd. 
ge-grab-eti; sit-ans, ge-sefs-en; Hg-ans, ge-leg-en; bimd-ans, 
ge-bund-en u. s. f. 

Participium praesentis passiui. ^^ ird vom praesens- 
stamme gebildet durch die endung -ub, -mj, -mo, d. i. urspr. 
~7nas, -niä, -mam mit bindevocal o, der nach j in e umlautet, 
als» urspr. -amas\ nec-ou-b, cifiK-oub, KAbH-oi.rb, abhi--h-out,, 



— 173 — 

H()-0»n>. EiFp-OUh (bt;p-.T.), UHIt.Mn., d. i. GH/-KM'b (praeS. BHIrf^, 

üVM i-.if.ub, (üVM-stm), fiHuj-cM>, für HHcJ-eub (pracs. nHui<Y. für 

nHcj-,y,), A-BAJif:Mb (AtA'iM.), KüvnovM^^tJ'h (Kovnovw.), nur die 

abgeleiteten verbalstämme auf h haben keinen bindevocal, sondern 
setzen m-b unmittelbar an dieses h an: ropH-ub, xb^ah-m-b. 

Ganz wie das slawische hat auch das litauische dieses 
parlicipium, aber in seiner ältesten gestalt, nämlich -a-mas, 
suk-amas qui ueititur, vei-amas (sl, ue^-oub) qui uehitur, 
myli-mas (slaw. xBdAH-ub) qui amatur u. s. f. dieses ma ergibt 
sich als erster teil des im sanskrit und griechischen in gleicher 
weise gebrauchten Suffixes mäiia, i^s-vo^, von welchem im sanskrit 
auch der zweite teil allein -äna in ai.wendung kommt, es ist 
diefs nicht der einzige fall, in welchem die einzelnen teile eines 
zusammengesetzten Suffixes beide einzeln in gleicher weise ge- 
braucht werden, wie die aufs beiden bestehende volle form, so 
kommen ja vom Superlativsuffix iama die teile ta sowol als ma 
mit lama m gleicher anwendung vor, vgl. skr. gafa-tatna, 
centesimus, vingad- tama vigesimus u. a. mit caiur-tha, zixan-xoq^ 
quar-tus u. a. panka-ma, quin-tus, daga-ma, deci-mus, dixa-tog, 
schon der umstand, dafs die eine spräche nicht selten ta hat, 
wo die andere ma, zeigt, ^\ie gleichbedeutend diese siiffixa sind; 
änlich verhält es sich wol mit den persischen infinitiven (nomina 
abslracta) auf ian, (dari) gegenüber denen der anderen sprachen 
auf ana (pers. bar-dan, skr. bhar-ane^ goth. bair-an, gr. (jjeq-siv 
u. s f.), ferner mit dem suffix der nomina agentis -tar und dem 
namentlich im germanischen gebräuchlichen goth -areis, lais-areis, 
ler-er aber doc-tor, ovvH-ieAb u. s. f. und es liefsen sich noch 
mer beispiele dieses verfarens beibringen, so stellen wir also 
ein skr. vah-a-mänas, gr. r/^-o-furo^, lat. vehi-iniiü einem slaw. 
lit. Be?-o-u-b, vei-a-mas als entsprechend gegenüber und sind 
auch nicht geneigt, in den kürzeren formen im slawisch-litauischen 
in der weise eine Verstümmelung anzunemen, als hätten auch 
diese sprachen ursprünglich die längere endung gehabt, so wenig 
als wir im skr. äna eine Verkürzung aufs einst dagewesenem 
7näna erblicken. 



— 174 — 

Von der bildung anderweitiger siibstantiiia und adiectiua 
möge hier nur einiges gleichsam probeweise heraufsgehoben 
werden. 

Die nomina agentis auf skr. tar haben im slawischen irem 
Suffixe den beliebten aufsgang ja beigegeben und endigen so 
mit Verwandlung des r in / auf urspr. -talja-s, d. i. -TeAb ; 
einem skr. dä-tar, öo-ztiq, da-tor entspricht demnach sl. A^-reAb 
u. s. f. diese endung -reAb steht in genauem zusammenhange 
mit dem zeilworte, so dafs die ableitungselemente der verba vor 
-TßAb beibehalten werden: ovvH-ip.Ab magister. ovyh-th docere. 
Gauss. V. d. würz. oyK, (B)'biK. — o^-BHp^i-ieAb qui colligit, 
cb-BHpd-iH colligere, würz. nep. — AdpoBj-reAb donans vom 
denominatiuum Adp-oB-<iiH donare von Ad-p-b, doi-nov, durch -b- 
abgeleitet, würz. \a dare u. s. f. 

Das neutrum dieses suffixes, also das Werkzeug bezeichnend, 
lautet mit zusätzlichem a skr. tram^ gr. tqov^ ■9-oor, lat. trum 
u. s. f., z. b. skr. grö-trani auris, ^ru audire. — vas-fram 
uestis V. i^as uestire u. a., gr. vm-roov v. viß, Tz/.fjy.-toov v. Tzlrj'/, 
claus-trum, mulc-irum. — slaw. wird / vor l m d verwandelt, 
so dafs als slawische grundform -dlani erscheint, erhalten im 
westslawischen -dlo, nach der lautregel des südlich-östlichen 
slawisch fällt dieses d aufs, daher bleibt hier nur -ao, z. b. 
uiH-Ao, böhm. si-dlo subula von ujh-th suere (würz, uihb, das v> 
fällt vor consonanten aufsj. — hp^bh-ao, böhm. pravi-dlo amiissis, 
regula, npaBH-iH dirigere. — rufs. u-bi-Ao, böhm. my-dlo sapo, 
uhi-TH lauare u. s. f. op<«-Ao, böhm. ora-dlo, v. opd-iH arare, 
skr. ved. ari-tram. aoo-roov, ara-lrum.. 

Das r dieses suffixes ist nur in den verwantschaftswörtern 
erhalten, wodurch sich diese im slawischen noch stärker als in 
den anderen sprachen von den gewönlichen nomina agentis 
unterscheiden : lm-th, gen. u^n epe, lit. mote, gen. motefs (femina), 
skr. mä-tar, ma-ter, iir^-rTqo, ahd. muo-ter, eigentlich die schaf- 
fende, erzeugende (würz, mä', in dieser bedeutung kommt in 
den ved, mätar als masc. vor). — a-hiuth, gen. -lepe für AbrrH 
nach oben entwickelten laiitgeseizen, lit. duhfe, gen. dukter^s^ 



— 175 — 

skr. dtth-i-iar. &vyrkT}Q, zd. diiyhthar, goth. dauhtar v. d. \v. duh^ 
melken ; bedeutung zweifelhaft, s. o. — Bpd-rpb (und Bpj-i-b), 
also prrundform brä-fras, skr. b/irä-tar, cfoa-zrjQ, qQa-ro^o, fra-ter, 
golh. brö-thar (vvol „erhalter" bedeutend, bhrä z=z bha?- ferre, 
sustentare). — ebenso zur a-declination ist übergetreten das 
schon entfernter hierher gehörige cecipd, skr. svasar, soror, 
goth. svistar, vvol aufs sva-star ; star zz stri von star, gewön- 
lich mit femininalem i stri, femina, welches wort wol nom. 
agent. für su-tar^ su-tri, v, su generare ist, so dafs sva-star 
(die zu gründe liegende form) eigentlich „eigene, angehörige 
frau" bedeuten mag. 

Wie in den verwanten sprachen, so finden sich auch im 
slawischen die nomina auf man, seltener als masculina, meist 
als neulra ; masc. ist z. b. Käuenu, mit zusätzlichem j, das im 
nominativ auch feien kann, der dann K^tM-bi heifst, ebenso lit. 
akmü, gen. akmeii's, skr. a^man, ferner n,\d-M-bi oder nA^-ueHb 
und einige andere, auch die neutra auf tnan haben, den nom. 
singul. aufsgenominen, im slawischen nicht rein consonantische 
declination; solche neutra sind z. b. h-u*, skr. nä-man, nö-men. 
r-ft-u*, se-men, hhc-m/a litera (hhc scribere) u. a. 

Von einigen suffixen war schon in der lautlere beispiels- 
weise die rede. Aufs der grofsen fülle slawischer nominaiformen 
greife ich nur folgendes heraufs : 

Eine besonders reiche quelle von ableitungen ist das relative 
ja', es bildet adiectiua relatiua, entsprechend denen auf skr. -ja« 
(wozu auch das sogen, part. fut. passiui gehört), z. b. div-ja 
coelestis, rfav-ja, jareszeitlich, von div coelum, rtu anni tempns, 
griech. ovQctv-iog, ^tr-mg, qov-iog, rifi-iog u. s. f. !at. patrius, 
vxor-ius, nox-ius u. s. f. so slaw. Be;?-ovuAb amens, nach der 
regel für -ovMb, weil b für jh steht, grundform -umjas v. ovm b 
mens. — onbvb für oTbijjT, patrius von oxbqt. pater. — opbAb 
aquilae v. opbAT, aquila. — KH*a;b principis v. KHA^b princeps. 
— vAOBRVb hominis v. vACB-tK-b homo u. s. f. Das neutrum 
dieser endung also skr. -jani oder vielmer ein diesem jam ser 
nahestehendes ycrw, beide von einer grundform iam mit voca- 



— 176 — 

lischem »*), für welches demnach slawisch nicht blofs -»«, son- 
dern -bK^; steht, wofür fast stets -nm geschrieben wird, bildet 
unzälige abstracta, namentlich collectiua. von jedem participium 
praet. passiui leitet sich ein solches abstractum : nnr-bi«, das 
trinken, potus; A-ftAdH-b»e actio, KoynoBdH-bK; emtio, xBdAK;M-bK;, 
nHciH-bft; scriptura, neveH-bit ciira u. s. f. gewönlich nHiHie 
u. s. f. von nH-T-b, A-feAdMb, KovnoßtiHb u. s. vv. partic praet. 
pass. der uerba inf. ph-th, kovr-ob^-th, A-tA-d-iH u. s. f. 
besonders schlagend ist hier die Übereinstimmung mit dem ger- 
manischen, in welchem ebenfalls die entsprechenden abstracto, 
besonders collectiua, in genauer Verbindung mit dem partic. 
praet. stehen, wie schon die beiden bildungen gemeinsame 
untrennbare praeposition ge zeigt, z. b. nhd. gerüste, gebrüU, 
geschenk, geklingel u. s. f. ursprünglich neutra auf i, d. i. jam, 
slaw. -bte. 

Auch von anderen wortformen werden dergleichen abstracta 
gebildet, z. b. Be^^-soA-Hi« aquae inopia v. bp? sine und boa4 
aqua, cbApdBHHi salutatio (dial. bona ualetudo) v. c-bA|jJBb sanus, 
oTbVbciBHie patria v. -cibo u. s. f. besonders collectiua, z. b. 
BHcepHie margaritae v. BHcepb margarita. — KdUb-HMt*; lapides v. 
KdueHb, KdM'bi lapis. — ;i;rAHM> carbones v. A->rAb carbo. — ^gahk; 
olera v. ;?eA in ^eA-eH-r, uiridis, ;?eA-bKd herba. — rßo^AHif: 
claui von rBo^Ab clauus u. s. f. — den abstracten entsprechen 
die Sanskrit abstracta auf jarn, z. b. mädhurjam dulcedo von 
tnadhura dulcis, auch die collectiua finden sich schon im sanskrit, 



*) nur durch die anname eines ursprüngliclien hiatus im indorgerinaiiischen, 
namentlich ia, ua, erklären sich die nebeneinander vorivonimenden formen 
ja, ija, skr. auch -ija; ra, nva und deren notwendige Aertreler in den 
anderen sprachen, die voraufssetzung der lautfolgeu ia, ua als der ursprüng- 
lichen wird aber durch die vedaaufssprache, die wir durch das nietrum er- 
schliefsen können so wie durch die sanskritaccentuation zu schier zweifelloser 
gewissheit erhoben, so erklärt sich uns demnach z. b. ein skr. halijnns neben 
slaw. BOAb, d. i. boljas, gr. o).i^o>v, d. i. 6/./yjo)v u. s. f. aufs urspr. endung 
ians, ebenso hier ein skr. -jam, slaw. hi€ == ijam aufs urspr. -iam, was im 
gr. -<ov, lat. -üan erhalten ist. diese auffafsung ist wichtig, besonders z. b. 
zur erklärung der optativformen de.«. K.'m.*.krit u. s. w. 



— 177 — 

so z. b. käigjam crines v. ke^a', käidärjam agrorum copia von 
kedära ager u. a. lat. vgl. princip-ium, niendac-ium, domin-ium, 
consort-ium, auytir-ium u. a. im germanisclien geliören hierher 
die neutra nach Grimms zweiter declination (urspr. -jani), wie 
z, b. goth. reiki, skr. rägjam Imperium. — garuni, (Tvußovhov. 

— andcwaurdi responsum. — ahd. rihlii regnum, antwurli 
responsum, kiwäti uestitus u. s. f. griech. z. b. Gviinoa-iov, 
yvfiväc-iov, X6y-iov, die jedoch die abstraclbedeutung Aveniger 
klar zeigen. 

Auch das femininum dieses Suffixes -m zeigt sich häufig im 
slawischen, z. b. ?dp-tji , ^o{)-m splendor, boh-w oder, boa-w 
uoluntas, p-haiA^i rubigo für p-bA-w, ^-hma für Abr-rsi mendacium, 
AüYiii'i anima für Aovx-tü u. s. f. skr. ja, z. b. nid-jä scientia, 
vrag-jä iter, wie im sanskrit bilden sich diese feminina auch im 
slawischen aufs der wurzel (wofern sie nicht feminina einer 
schon abgeleiteten endung sind, wie z. b. alle auf -hm*« u. a.); 
griech. ser beliebt: aocfca, r;Xixla, dvdfx'a, tvdnifiovi'a, rruids-ia, 
XQfi'fi u. s. f. 

Wie diese endungen auf das relative ja, so weisen zalreiche 
andere auf das im iranischen und slawischen auch selbstständig 
vorkommende demonstrativ obb, iran. ava hin; von seinem ge- 
brauch in der declination, so wie von den verbalableitungen 
später; von im wird biofs das b in der Wortbildung gebraucht, 
der aufslaut des Stammes dient zugleich als bindevocal, z. b. 
BA/T>AH-B'h errans, (ba/i,ah-th errare). — BAdro-rovH-BT> bona 
fundens (ioyh-th fundere). — uHAonH-Bb iriisericors (uHAocTb 
misericordia, b tritt vor b in h, wie -b in o über)*). — AJOBH-B-b 
amans (ak)bh-i h amare). — cAOMo-Bb eburneus (cACH-b elephas). 

— B()<iHo-B->, corui (BpjHT, coruus). — vgl. lat. bildungen, wie 
subseciuns, uaciuus, twcimis, aestiims, captmus u. a. 

Eine ser häufige ableitungsform der adiectiua ist auf bM-b, 
entsprechend dem gr. -ivog, ^vXirog, liOivog, avü^QMTTirog, x^fcivog, 



*) in up-biBT, niortuiis ist, wie das latein. morliius zeifft, TB'b suffix, 
iiiuli einige änliclie andere gehören nicht hierher. 

12 



— 178 — 

^sQtvog, oo£-iv6g u. s. f. lat. -imis, z. b. agninus, ferinus, 
peregrinus. niasculinus^ diuinus, Inpiims u. s. f. skr. consonan- 
tisch -in possessiua bildend : dhanin diues (ßhana diuitiae), 
baiin ualidus {hala uis) u. a, der endvocal fällt auch im sla- 
wischen, wie in den verwanten sprachen vor diesem suffixe ab: 
cHA-bH'b potens, cHAd uis. — xBd,\bHb laudis, xsdAd laus. — 
Kpdc-bH-b uenustus, Kpdcd uenustas. — H^Bop-bH> electus, H:?Bop-b 
electio. — npoxoAbH-b uagus, npoxoA'b transitus. — pd;?oYM-b 
intellectus, pd:?oYUbH-H intelligibilis. — cTpdiubNb terribilis, crpdxb 
timor und unzälige andere. 

Diese und andere hier nicht berürte suffixa werden im sla- 
wischen ser häufig combiniert, d. h. von einem schon abgeleiteten 
werte werden neue formen abgeleitet u. s. f. eine der häufigsten 
combinationen ist z. b. das zuletzt behandelte bH-t mit einem 
gutturalen suffixe hk, woraufs die endung bHHK, fem. mit zuge- 
setztem _/, bHHijj für bHHKtJi entsteht, z. b. ^ajto aurum, davon 
:?AaTbH'b aureus, davon ^AdTbHHK-b und ^AdibHHqd nuinus. — 
BA;ftA'b lenocinium, davon BA;r.AbM-b luxuriosus und weiterhin mit 
guttural BAÄA-bHHK-b scortator und BAj.AbNHMd meretrix, wovon 
nun wieder adject. BA^AbHHVb (mit jas abgeleitet) meretricis, 
BA<T>A-bHHY-bCK'b nicretricius stammt. zum schlufs möge noch 
ein zufällig heraufsgegriffenes beispiel platz finden, um die fülle 
slawischer ableitungsformen wenigstens in einem beispiele zu 
zeigen. BAdroB^cib heifst euangelium, zusammengesetzt aufs 
BAdr-b bonus und B-ucrb fama^ letzteres abstractum auf ts von 
der Wurzel B-tA scire (ß-tiA— ui h), deren a vor r in c übergehen 
mufs. hiervon wird nun gebildet mit dem suffix bH-t BAdro-Btc- 
ib-Hb euangelicus, davon weiter BAdro-Btc-Tb-HH-Kb euange- 
lista, fem. BAdro-B-fec-Tb-HH-ijd. ferner mit -Bb das adject. 
BAdro-B-tc-TH-Bb cuangeücus, mit der abstractendung -bie 
BAdro-B-ftc-T-Hie euangelium, und von einem vielleicht nicht 
vorkommenden, aber möglichen abstractum BAdro-s-tc-TBo für 
BAdro-BtJc-Tb-cTBo, da cTBo uur bei schon abgeleiteten Wörtern 
gebräuchlich ist (taddhita), nicht aber an wurzeln tritt (krt) 
mit hw. BAdro-Bi;c-TB-Hie; endlich die denominativen verba: 



— 179 — 

GA<irO-B-t;IIIT.»1H für B-feClJd IH, BA JrO-ß-ftCTHTH Ulld BAdTO- 

B-r,cTOBJTH laeta nimtiare und von jenem abstractum auf ctbo 
wieder BAjro-B-uc-TBo-B-ji h, von dessen particip. praeteriti 
passiui wieder das abstractum BAdro-B-tc-iBo-BJ-H-Hfe her- 
kommt, in der letzten form stecken eigentlich sieben elemente, 
da das ib von BA<iro-B-t;c-Tb aufsgefallen! 

Diefs wenige möge für diefsmal über die slawische nominal- 
bildung genügen, die lere von der Zusammensetzung mufs ich 
ebenfalls übergehen, obwol sie zur vergleichung mit den ver- 
wanten sprachen ser geeignet ist. z. b. ganz nach acht indo- 
germanischem principe werden gebildet bahuvrihis wie Be^-p;r.KT,, 
onehand, «xf'p von Be^t sine und prt.Kd manus. — Be:?,Y.Bb eden- 
tulus von Be^b-^/T.Bb u. a. vieles ist freilich im slawischen 
eigentümlich, wobei jedoch im kirchenslawischen nie aufs den 
äugen gelafsen werden darf, dafs der einflufs der griechischen 
originale besonders auf die Zusammensetzungen ein unverken- 
barer und starker ist. indessen kann doch das Vorhandensein 
ursprünglich slawischer composita nicht in abrede gestellt werden.*) 

Gradation. 

Die im sanskrit und griechischen vorherrschend geltende 
comparativendung skr. tara, gr. rioo^ findet sich im slawischen 
nur in schwachen spuren, die dieser endung zur seile stehenden 
superlativformen lafsen sich ebenfalls nur in den suffixen der 
ordnungszalen wiedererkennen, wo sie zur spräche zu bringen 
sind, einen Superlativ der adiectiua, aufsgedrückt durch eine 
endung, hat überhaupt das slawische nicht, es braucht dnfür den 
comparativ teils allein, teils und in der späteren spräche fast 



*) selbst das genaue zusammentreffen mancher composita im slawischen 
mit griechischen darf nicht als kennzeichen der entlenung betrachtet werden: 
so ist z. b. das böhmische nomen proprium Svatopluk. d. i. CBAToriA'bKh 
aufs cbatTj sanctus und HAbK-h cohors cxercitus, gewiss nicht aufs dem 
griechischen 'Je(jooT(>äro(; übersetzt, obgleich es im getrau entspricht, so wenig 
als etwa ein skr. Anaugasenas (aufs anaiKja Amor, "E(j(ii? und send e\ercitus) 
aufs einem genau entsprechenden 'Eoo>Toor(jrito!r. 

1 2 •=• 



— 180 — 

aufsschliefslich mit vorgesetztem ruH, z. b. HdH-crpdiubH-tH von 
crpdujbHt5H, comparativ von cipduit-Hb terribilis (crpdxb timorj. 
selten tritt dieses h^h auch vor den positiv, z. b. HdH-Atnh von 
A-en-b decorus. von diesem hjh sagt ßopp §. 305: „warschein- 
lich aufs mai rr goth. mais", was uns jedoch durchaufs unwar- 
scheinlich, ja unmöglich scheint. Kopitar (im Glag. Cloz.) und 
Safafik (staroc. mluvn. im vybor z literat. ceske) leiten es von 
der praep. ndAb super ab, was sich dadurch empfiehlt, dafs auch 
die praep. npe in änlicher function erscheint, freilich ist mir ein 
zweiter fall eines lautwechsels d zu h nicht bekant. 

lene spuren des comparativsul'fixes Iura im slawischen sind 
folgende: Bb-nop-bi, der zweite, mit abgefallenem d aufs dem 
stamme dva (wie skr. {dymngati, {d)vi-ginfi, gr. dor. (d)et-xati); 
die ordinalzal zwei fürt mit recht das comparativsuffix, welches 
sich stets auf das verhältniss von zwei bezieht, daher dtv-rtoo;, 
skr, an-iara, goth. anthar u. a. vergefsen ist dagegen die be- 
deutung dieses Suffixes in ko-topt,i qui, der form nach ent- 
sprechend dem skr. ka-tara, goth. Jwa-thar, comparativ vom 
fragepronomen, also welcher von beiden und in »«-Tept quidam, 
vom pron. h =: jh, skr. ja, im slawischen aber demonstrativer 
bedeutung, das formell entsprechende skr. ja-tara bed. welcher 
(relativ) von beiden. 

Die regelmäfsige comparativbildung der adiectiua findet im 
kirchenslawischen in folgender weise statt: 

1) masc. -HH, auch -buiH, fem. -biuH, neutrum w,, was jedoch 
wol nur adverbialisch vorkommt, gewönlich -»«»e, z. b. eoa-hh, 
BOA-biuH, BOA-ieie von einem nicht vorhandenen positiv, genit. 
sing, wie die übrigen casus entsprechen der a-declination : masc. 
neutr. BOA-bujd, fem. EOA-buiA u. s. f. diese form wird vorzüglich 
bei nicht mer im positiv vorhandenen Wörtern gebraucht, z. b. 
BAuiTHH, neutr. adv. baiutg plus. — ubH-HH, min-or. — ropHH 
peior. — AoyvHH melior. — oymhh melior, und vor ir fällt stets 
die adjectivendung bKb, oKb aufs, im einklang mit der in anderen 
sprachen geltenden regel, dafs vor dieser comparativendung 
adjectivsuffixa schwinden, z. b. skr. halijans v. balavai oder 



- 181 — 

haiin, laghijans v. laghu u. s. f. gr. alffyjoiv v. aleynog, rjdimy 
V. TjSvg u. a., wärend sie in der zweiten art der comparativ- 
bildung, von welcher später die rede ist, auch stehen kann; so 
uhiiiiHH, HH/t.HH, T*a;HH voH B'bic-'hK'h altus, HH;?-'hK'b humilis, 
T*a;bKb grauis. Dafs hier -hh für -bH stehe, wie ja regelmäfsig 
H für b geschrieben wird vor h und j\ beweisen die formen mit 
ui, wie z. b. das feminin -biuH, und dafs dieses b für jh stehe, 
zeigt die Verwandlung der Sibilanten und dentalen und das ein- 
geschaltete A nach labialen, welche lautveränderungen nur vor j 
stattfinden, daher rA,T>BAHH von rA;r,B-oK-b profundus, Kp-tnAHH 
von Kp-i;n-i,KT, fortis, kov-kahh von vovAb pauper, cAd;t;AHH von 
cAiJA-'bK'b duicis, AfounHH vou AK)TH Sdcuus ; von der declination 
wird später die rede sein. Erinnern wir uns den formen goahh 
(BOAb-n), fem. GOAbiiiH gegenüber an die ganz parallelen partic. 
praef. pass. I, z. b. A«iBb, fem. ajb buiw, die auch z. b. im sanskrit 
mit den unseren slawischen formen entsprechenden comparativen 
viel paralleles zeigen, so werden wir auch hier darauf hingefürt 
werden, im nominat. masc. neutr. die grösten Verkürzungen zu 
suchen und im femininum so wie in allen anderen casus der 
anderen beiden genera die durch folgenden vocal gewarten 
vollständiger erhaltenen formen zu erkennen, als entsprechend 
ergibt sich auf den ersten blick das im sanskrit und griechischen 
minder häufige, im lateinischen und gothischen regelmäfsige 
comparativsuffix, grundform jans, ijans (wol eine participialform 
der Wurzel i ire, wie tara, das andere suffix, von tar transire), 
skr, nom, sing, -ijän, fem. -ijasi, gr. -icov, lat. -ioi', goth, -iz-a 
(« für an zusatz), f. -izei. Das n dieser form fällt schon im 
sanskrit vor den endungen der casus obliq. aufs, bleibt nur im 
nom, acc. sing., nom. dual, plur. (wie das n des suff. des part. 
praet. act. -vaiis), auch das t ist dieser endung nicht wesentlich, 
fem. BOAbujH ergibt sich uns als stehend für Go^j'hcj^^•, auch 
diese formen legen sich, wie alle consonantischen und besonders 
das parallele partic. auf -vans, ein ja zu, für welches im nom, 
sing. fem. ji, nicht ja, steht, als erinnerung an die nach conso- 
nantischen Stämmen gebräuchliche femininalendung ^, nicht d, s. o. 



— 182 — 

dieses nach slawischen lautgesetzen geforderte Go\jbcji, urspr. 
baljasji, ist aber bis auf das auch im sanskrit bisweilen (bhü-jatis), 
im griechischen oft (y.oEi'ao-cov aufs y.ost-jcov, fiti^av aufs fny-jviv) 
feiende i identisch mit dem wirklich vorkommenden skr. fem. 
hal-{i)jasi. dieses i halte ich ebenso für eine denung des ein- 
fachen j, wie im suffix -ija für ja, im optativ ijam für jam 
(bödhejam, dvischjäm) und in anderen beispielen, urform mag 
hier die form mit hiatus ians sein, die anderen casus aufser 
dem nom. sing. masc. neutr. legen sich ja zu, gehen also von 
einer grundform -jasja aufs und werden demnach nach der 
a-declination flectiert, wie A^-s-b, in den cass. obl. da-vusja, 
ovvH-xeAb nr -taljas und andere ursprünglich consonantische 
formen; daher genitiv BOAbiua für GOA/bcra, dat. BOAbinov u. s. w. 
wie AOM-b, Aouj, AOMoy. alle formen sind uns nunmer deutlich, 
sie entspringen von einer dem slawischen Organismus eigenen, 
in seinem Organismus begründeten grundform -ja(n)sja für das 
ursprünglichere -ja(n)s. Der nominativ mascul. boahh für BOAbH 
zeigt ein später genauer zu erklärendes, im slawischen den 
adjectiven beitretendes pronomen h , sonach ist von diesem 
nominativ auf -hh gar keine unbestimmte form gebräuchlich, 
BOAb aber, wie xov-tiAb (xoynjAHH) und änliche formen durch die 
Verwandlung des consonanten beweisen, steht für Go.\j-h und 
dieses nach der regel für Bo\jas, d. i. das verkürzte suffix jans, 
wie AiiBb für AdBUS aufs davans (an ein aufs jas verkürztes «'*, 
vgl. magis, goth. min-iz-a, ^iy-ia-ro^, zu denken, hindert uns 
die ein b für jb bezeugende venvandlung, wäre xoyAe* voraufs- 
zusetzen, so könte die form nur xovAb-H, xoyahh, nimmermer 
aber xov'Tjahh heifsen). die im slawischen zu gründe liegende 
ältere form ja\ji)s hat auch das sanskrit in gjä-jans (gjä 
senescere), bhü-jans, nldcav (Jbhü-ri multus), die formen BOAb-H, 
fem. BOAbiuH, acc. masc. BOAbiub, fem. BOAbiu<i> u. s. f. für BOAja*-H, 
EOA-jasji^ boljasjam, BOAJasjdrn, sind also ganz parallel denen 
der particip. praet. act. Aä-Bb, Ads-biiiH, Adn-biu;?. für da-vus, 
da-fousjL da-VMSjäm. das neulrum im nom. sing, nun, boa-»«, 
ist speciell slawischer nachwuchs, es ist von dem masculiruiiti 



i 



— 183 — 

BOAb gebildet, als stünde diefs für BOA/b, Ro.sjas als gewönlicher 
a-staimn, s als nomiiiativzeichen, so bildete man boaic, d. i. 
BOAjtt/w, wie von anderen adjectiven auf -b, -m, -»e, d. i. -jas, 
-ja, -jam. bo,\w.-w. ist bestimmte form mit pronomen h, neutr. le. 
die anderen casus aufs einer im nominativ ebenfalls vorkommenden 
form BOAbuie, d. i. boljasjam. Die nebenform des nominativs 
sing-, masc. BOAbiuH (in der späteren spräche die allein herr- 
schende) ist durch einflufs der bestimmten form dess. casus 
BOAbiiiHH (für BOAbiubH aufs bol-jasjas-jas) oder des feminins 
BOAbuiH hervorgerufen, man hätte BOAbuib, d. i. boljasjas, erwartet, 
so haben sich uns diese formen, an denen die slawischen laut- 
regeln manche Veränderung hervorgebracht, als auf das schärfste 
in Übereinstimmung mit den grundformen stehend erwiesen ; der 
fall ist lerreich, weil er zeigt, wie sichere fürer eben jene laut- 
gesetze sind, die freilich in jüngeren sprachen häufig stark ein- 
wirken, überall aber, wenn einmal richtig erkant, das gesichtsfeld 
des forschenden blickes nicht verdunkeln, sondern erhellen. 

Nun zu der zweiten form des slawischen comparativs. sie 
wird, als die vorherrschende, in jüngeren comparativformen aufs- 
schliefslich angewant, nämlich in zalreichen beispielen nach 
der adjectivendung -bK, -bK, -ok. diese comparalive müfsen 
aber späteren Ursprungs sein, da die älteren sprachen unseres 
Sprachstammes vor der comparativendung (J)jaHs solche suffixa 
abwerfen; erst in folge überhand nemender analogie können 
solche unursprüngliche formen werden, sie unterscheidet sich 
dadurch von der vorigen, dafs im masc. statt b-H — tH, im fem. 
statt -buiH — feHiiiH und im neutrum statt -w. -^k gesetzt wird, 
also z. b. «cbN-'feH, cHAbM—teH, AOBp-tH u. 3. von wcbN'b clarus, 
cHAbH-b fortis, AOBp-b bonus ; mit gutturalen treten nach der regel 
Verwandlungen ein, das j von u geht mit dem guttural eine 
Verbindung ein und von -b bleibt a übrig: Kpji-bVdH für KpdTbKtH 
von KpdT-bKT» breuis. — B-bicovdH für B-McoK-feH von B-bicoK-h 
altus. — rA^vBovdH für rA;ßBoK-feH von rA;f>BOK'b profundus. — 
KA.iaidH für BAar-teH von BA^n, bonus. — mmo/-kjh für MMor-uH 
von MHOTb mullus u. s. w. das suffix -hk, -oKb fällt auch weg: 



— 184 — 

KpoT^H von KpoT-bK'b inunsuetus, AbaidH von Abr-'bKb leuis. 
vergleichen wir z. b. »ohu-h nach der regel für lOH-t-b ^ BOA-b 
(b nach anderen vocalen, in solchem falle stets für jb, d. i. ja, 
geht durchaufs in h über), fem. joh-b-hiuh für joH-ts-buiH z=z 
BOA-biuH, neutr. lOHt-Ki rr: boa-h5. so sehen wir, dafs blofs ein 
den frülieren, schon erörterten formen vorgesetztes t das charac- 
teristische dieser zweiten bildung ist, woher aber dieses t? 
â– n ist wol nichts anderes als guna von t in ijans, -e vertritt, s. o., 
ja öfters das i anderer sprachen (pg. 59) und wechselt im sla- 
wischen in denselben wortformen mit h (pg. 72) -feH steht dem- 
nach für tijb rrz ijas; -bhiuh für -^j-bcji := ijcisji; -tue ist zu 
erklären, wie oben bei der ersten endung geschehen, hiermit 
sind diese sämmtlichen von Bopp nicht genau erkanten formen, 
dünkt uns, genügend ins licht gestellt. 

Zalwort. 

Bei der bearbeitung des zalwortes habe ich mer dessen 
form, namentlich das verhältniss der slawischen form zu den 
mutmafslichen grundformen, berücksichtigt, als die erklärung der 
zalworte, der indogermanischen grundformen selbst angestrebt — 
letzteres ist mer sache eines die erforschung des indogermanischen 
überhaupt bezweckenden werkes und liegt auch eher im bereiche 
des lexicon, als der grammatik. zudem sind derlei forsohungen 
höchst schwierig und in iren ergebnissen oft mer als zweifelhaft, 
da sie nicht selten zu combinationen one berücksichtigung der 
lautgesetze und somit zu einem aller wifsenschaftlichen methode 
entberenden geistreichen spiele verlocken. Die declination der 
zalworte wird später berücksichtigung finden, bei diesem ab- 
schnitte kam mir besonders zu statten Safafiks abhandlung über 
das zalwort (mluvozpytny rozbor cisloslova, casop. cesk. Museum 
1848. SV. in, pg. 217 sgg.) 

Gruiidzaleii. 

f. Für die einzal hat der slawe zwei worte, von denen das 
eine nur in Zusammensetzungen vorkommt, das andere das ge- 



— 185 — 

wönliche zahvort ist. jenes erstere fällt in seiner form gänzlich 
zusammen mit dem werte, welches alius bedeutet, es lautet 
nämlich hmh, d. i. iiias, stamm ina, in der bedeutung alius 
demnach dem skr. an-ja ersichtlich verwant. in der bedeutung 
unus findet es sich z. b. mit dem suffix kh {ka, aha) in hho-kt. 
süliuagus, ferner in HMo-porb monoceros, HHo-AoyuibHh unanimis, 
HMo-vAATi unigenitus ^"") u. a. ferner in BbiH/T, aufs B-bHH/n semper; 
BbiMbH h, BT,-HH-bHT. sempitcmus. da auch die anderen sprachen 
die zal eins durch demonstrative stamme aufsdrücken, woher die 
Verschiedenheit dieses zaiworts bei den einzelnen sprachen unseres 
Stammes entsteht, so ist dieser stamm ina, und zwar in seinen 
beiden bedeutungen, mit Sicherheit ebenfalls für einen demon- 
strativen pronominalstamm zu halten, in der bedeutung alius ist 
HMb wol wegen der parallele mit dem sanskrit als eine Schwä- 
chung des pronominalstamms skr. und ursprünglich ana, slawisch 
oM-b u. s. w. anzusehen,/ nichts steht im wege, auch die bedeu- 
tung eins diesem stamme zu vindicieren. das lateinische unus, 
altl. oinos, goth. ains, lit. iD-ienas, dem formell das skr. demonstr. 
ena genau entspricht, könte ebenfalls im slawischen durch Unter- 
drückung des guna durch HH-b wiedergegeben sein, indess dürfte 
wol dieser lautwechsel selten sein, vgl. jedoch die imperative, 
z. b, BepH =z skr. bhare-s, hhare-t. an das skr. üna, welches 
die Verminderung um eins aufsdrückt (una-mnQati undeuiginti 
u, a.), zu denken, scheint mir die bedeutung zu verbieten, so 
mag es das geratenste sein, in HH-b, d. i. ina-s, einen durch 
Schwächung aufs ana entstandenen demonstrativstamm zu erkennen 
und mit den, von diesem stamme sich durch den anfangsvocal 
unterscheidenden stammen ena, üna nur in soweit verwantschaft 
zu statuieren, als eben alle demonstrativa, deren hauptelement n 
ist, unter einander verwant sind, one unser HHb mit einem oder 
dem anderen derselben zu identificieren. skr. eka, zd. aeva 
weichen ab; griech. eh', tv ebenfalls. 

Das gewönliche zaiwort für eins ist das adiectiuum w^AHM-b, 



*) HHO-|)i)AbMi, aber /,. 1). Iioifsi uf./.oyfvi'if. 



_ 186 — 

fem. -Hd, neutr. -mo, von jeher mit skr. ädi primus, als subst. 
m. initium zusammeng-estellt; der zugetretene anlaut j legt keine 
hindernisse in den weg, s. pg. 132, auch nicht die Verkürzung 
von a, o vertritt ja regelrecht ä und nach j mufs o in e um- 
lauten, ebensowenig die im slawischen hinzugekommene adjectiv- 
endung -mb. die declination ist die pronominale, die ja auch 
im Sanskrit gewönlichen adjectivischen endungen zukommt, wenn 
sie an stamme pronominaler bedeutung treten. 

II. A-hB^, d. i. duva, vgl. pg. 73 f., skr. dva (nom. dmu, 
dve, dve), zd. dv>a, ovo, duo, goth. tva (nom {v>ai, tvös, tva), 
lit. du, fem. dvi u. s. f. 

in. stamm npH, wie in den anderen sprachen ; nom. tphk>, 
skr. tri, nom. masc. trajas, fem. tisras (anderer, reduplicierter 
stamm), zd. thri, fem. iisar-ö; rong; /res; lit. trys; goth. stamm 
ihri, nom. nur belegbar im neutr. thrija. 

IV. ver-hipHte, durch i vermerfes kalur, genit. aber ver-bip-b, 
lit. keiuri; skr. stamm des mascul. Jiatiir, nom. Uatväras (das 
feminin hat einen anderen stamm, nämlich Uatasar, nom. Üatasras); 
zd. kathru^ nom. m. kalhvär-u, quatuor, rtttaosg aufs rttpuQtg, 
goth. fidvör, stamm fidvöri. 

V. nA-Tb, d. i. pan-ti, mit einer häufig bei zalwörtern 
gebrauchten abstractendung, s. pg. 162, wie es denn auch wie 
die folgenden zalen als nomen construiert wird, skr. lautet 
diese endung ti {vinQa-H aufs dcindaQa-ü u. a.), die anderen 
sprachen haben mer oder minder deutlich reduplicierte formen ; 
der anlaut liebt noch mer als der zweite guttural p statt h, nur 
das latein hält seiner regel nach den guttural beide male fest, 
quin-que, skr. pan-kan, urform ist kan-kan; zd. pan-Uan, gr. 
aeol. Tzifi-nf, alt. Tiir-ts — r« m ?<£, wie in re-aauQsg, te nr skr. 
Ua, lat. que u. a. n für x ist in allen sprachen, das latein aufs- 
genommen, zu hause — Wi. pen-ki, golh.ßm-f, wie mfine beide- 
male mit dem labial für den guttural, aufs dem litauischen 
ordinale pen-k-tas geht hervor, dafs auch das slawische n*-T'b( 
und somit das auf gleiche weise gebildete nA-ib für ha-k-i bi, 
n^^-K-ib siehe. 



I 



— 187 — 

VI. uiec-Tb, skr. sas, zd. k/isiyas, t'l, sex, lit. szeszi, golh. 
saiksj dieselbe abslractenduiig wie im vorig-en. 

VII. ceA-Mb, das m ist wol aufs der ordinalzal eingedrung-en 
und durch das b den abstraclendung-en der übrig-en conforni 
g-einacht, dasselbe gilt vom folgenden zalworte. cga, wie es 
scheint für sept, p vor t aufsgefallen und letzteres vor m in d 
verwandelt, skr. saptan, zd. haptan, ima, septem, lit. septijni, 
goth. sibun. 

VIII. oc-Mb, skr. astäii und ast'an, zd. asfan, öy-rä^ octo, 
lit. asffmi, goth. ahtau. 

Villi. AßB^-Tb für HeB*-Tb, grundform also nevan-ti, lit. 
(levyni, a für m wol durch einflufs des folgenden zalwortes; im 
preufsischen nevints, nonus ist die einzig slawisch-lettische form 
dieses zalwortes mit anlautendem n erhalten, vgl. lit. debesis, 
skr. tiabhas, slaw. Heeo, gen. HeBece coelum und umgekert lit. 
natnas für damas domus, slaw. aou b. skr navan, zd. ncwan, 
ivvia (£ vorgesetzt, dadurch v verdoppelt, digamma aufsgefallen, 
also für f-vtfo), goth. niun. 

X. A6CA-Tb, lit. deszim-Us. wie das vorige u. a. mit abstract- 
endung ib, skr. dagan, zd. du^-an, Ökxa, decem, goth, talhuii. 

X — XVIIII entstehen durch Verbindung der einer mit zehn, 
in verschiedenen sprachen verschieden, so wird meist, z. b. im 
skr. blofs zusammengesetzt : dväda^an, ftafurdaQun, undecim, dao- 
decim, quatuordecim u. s. f. griech, tvöeaa, dädsxa, die übrigen 
mit xai, z. b. oxtcoxaidsxa u. s. f. das slawische bedient sich 
der praeposition na, «W, super, also eins u. s. w. auf zehn, hat 
also ganz neue, von den anderen sprachen, selbst vom litauischen 
abweichende bildung (das litauische setzt, wie das sanskrit u. s. w. 
blofs zusammen, verändert aber deszim-tis, defsen älteste form daka 
ist, in lika, daher 11 vienolika, 12 dvylika, 13 tnjlika u. s. f., 
vgl, goth. 11 ai/i-Hf, 12 tva-lif\ 14 ßdvoriaihun u. s. f.), also 

slaw. lt;AHHT> Hd AeCATb, ABJ, T()H, VeT'bipHMi n/ATb U. S. f. 

H.i AecATb und na A^cATe, mit einer abweichenden endung des 
accusativ sing. 



— 188 - 

XX — XC. Miiltiplicalive ziisammensetziing- der einer mit der 
zal zehn, wobei namentlich der letztere teil in den verschiedenen 
sprachen mannigfaltige Verkürzungen und Veränderungen erleidet, 
so z. b. skr. Qd)vin-ca-ti, 30 trin-ga-t, 90 u. a. sogar nur ti 
von dagati, also nava-ti u. s. f. (ß)m~gin-ti, quadra-gin-ta u. a. 
si'y.oat, dor. (d}pi-xu-ri, rou'c-y.ov-Ta^ recrffaoä-xov-ra u. S. w. das 
in der mitte stehende element ist der rest von daka, zehn, das 
letzte ist zugefügte endung. goth. setzt teils tigus für taihun^ 
zehn, z. b. 20 dvai-tigjus (plural), teils tehun-d, z. b. 70 sihun- 
tehun-d. litauisch und slawisch haben jüngere bildungen, näm- 
lich die zalen beide unverändert; im litauischen, aufsgenommen 
20, dm-deszimti, und 30, tnjsdesz4mtis, beide sogar getrent: 
40, kefurios deszimtis u. s. f. slawisch xh^a oder AbB-u (ersteres 
aufsiiamsweise mit mascul. endung in abb^) Aec/xiH, TpHAecATH 
u. s. f. bis AeBATs Aec*ib, auch die zwischenzalen sind nicht 
zusammengesetzt und gehört also ebenfalls die bildung derselben 
in die syntax. 

C. für hundert erwartet man im skr. in vollster form etwa 
daga-dagafi, wie goth. taihun-iehun-d gesagt wird, für sufT. H 
wird aber auch fa gebraucht (rniu-y.ov-za, tri-gin-ta, zd. (hri- 
ga-ta) und anstatt daga-dagata wird mit starker Verkürzung 
(man vgl. kürzungen wie sas-ti, 60, nava-ti, 90, wo von dagati 
nur die endung geblieben ist, u. a.) ein neutrum gata gebildet, 
nom. gatam, zd. gafem, slawisch also ganz regelrecht c-hto, gr. 
i-xiitov, eigentlich einhundert, lat. cen-tum mit n von dakan, goth. 
in Zusammensetzung hmi-d, lit. szim-tas. diefs gatam ist wol so 
entstanden, dafs vom ersten daga nur ga blieb (lat. cen), vom 
zweiten, Avie oft, nur die endung, also: Qda}ga-Cdaga)ta. die 
zalen von 100—1000 gehören nicht hierher, sie sind im slavv. 
nicht zusammengesetzt. 

M. hier stimmt das slawische nur zum litauischen und ger- 
manischen, TT,ir.,i.iiriii, d. i. Tbic/ftTM, lit. tukstanüs, goth. thusundi 
(skr. sahasra, zd. hazanra mille, yß-toi)^ Tbuj, tenebrae, bedeutet 
in übertragenem sinne die myriade. 



— I«9 



Oi'(liiiiii^8zalen. 



Die ordmmg-szalen im indogermanischen sind (die compara- 
tivisch gebildete von 2 anfsgenommen) Superlative, gebildet durch 
die verschiedenen superlativsuffixe tama, ta, ma, von denen die 
beiden letzten hauptsächlich in gebrauch sind. Da das slawische 
von fünf an aufwärts lauter zahvörter hat, die, c^AMb und ocub 
aufsgenoinmen, sich auf -ib endigen, so scheint es, als ob das 
-Tb derselben nur in die a-declination übergetreten wäre, um 
die ordnungszalen auf -tt,, urspr. ta-s, zu bilden, die übrigens 
stets, wie im gothischen, die form bestimmter adiectiua haben, 
was die bedeutung derselben mit sich bringt, also im nom. sing, 
niasc. nicht auf -b, sondern -bi (aufs -b -f- prom. h) aufsgehen; 
dieser anschein wird verstärkt, da, wie -rb der grundzal, zu 
-Tbl der ordnungszal wird, so auch das -in. von ceAMb, ocub 
zu -uT>i werden mufs, weil es ja eben diesem suffixe -tnas 
seine entstehung verdankt, es entsteht so im slawischen ein 
näheres verhältniss von ordinal- und cardnialzal, als in den ver- 
wanten sprachen; beide formen kommen sich im slawischen 
gleichsam auf halbem wege entgegen, dafs übrigens auch die 
blofse endung a-s ordinalia bilden könne, zeigt das skr. und zd. 
in formen, wie dvä-da^as, der zwölfte, Uaturdagas (zd. Hathrudagö), 
der vierzehnte u. s. w. deutlich, so kennen wir also bereits : 
nATbi wie quintus für nAKTbi quincius, wie diefs ntfiTrrog, lit. 
penktas, goth. fimfta — stamm fimfta-n mit pron. n, wie slaw. h 
— darlun (zd. pug-dhö, skr. mit dem anderen superlativsuffix 
panUa-mas). — luecTbi, skr. sast'as, lit. szeszfas, kKtog, sextus, 
goth. saihsta. — ceAu-bi, skr. sapiamas (zd. mit and. suffix 
hapthafö, wie ahd. sihunto), tßdo[xog, septimus, lit. sekmas. — 
ocMbi, lit. asztnas, skr. ast'ama, zd. astetnö, octauus, öydopog 
(wol für -mus, -f^og, wie slaw. np-bBbi, skr. pü7'va=z Ml. pirmas, 
prinms u. s. f., goth. mit and. suffix ahtuda). — ACBATbi, lit. 
devintas, swarog, goth. niunda; skr. navcwia, nonus haben and. 
suffix. — AecAT-bi, lit. deszimtas, goth. taihunda, dr^arog; skr. 
da^amas, zd. dagemu. decinius, and. suffix. — Ebenso bildet sich 
cbT-bi ; skr. gatafama, centesimus u. s. f. mit anderen, volleren 



— 190 — 

Suffixen. — von Thic;r>iuTd wird ein adjectiv mit der häufigen 
endung bHb gebildet: T-bic/Kun-bH-b miliesimus. die übrigen 
zalen gehören nicht hierher. 

So bleiben uns nur noch die ordinalia der ersten vier zalen 
zu erörtern. 

nphBTii für npb-ubi, dafür stimmt das litauische pir-mas, 
goth. fru-ms, lal. pri-mus, eine dem slawischen np-bß-bi ganz 
entsprechende erweichung von m zu r erscheint in dem fast 
gleichbedeutenden, von gleicher wurzel herzuleitenden skr. pür-va, 
prior; skr, und zd. mit vollem superlativsuffix pra-fhamas, zd. 
fra-thenio, griech, mit -rog, nom-rog; sämmtliche sind Superlative 
der praeposition skr. pra, vor, lat. pro, slaw. npo-, ttqo u. s. w. 
— B'bTopT,! ist schon oben beim comparafiv pg. 180 erläutert; 
es stimmt vollkommen zu dtvzEoog, wärend skr. dri-tijas anderes 
Suffix, goth. an-thar, lit. an-tras gleiches comparativsutfiv, aber 
andere wurzel haben. — rpeiHH für TpexHb und diefs für 
Tper-H/T,, grundform der endung ist -tijas, rpe mag, da e im 
älteren kirchensl. als Vertreter von ursprünglich i nicht erscheint, 
für tra- stehen, v. einer grundf. (zz tar); die auch die declination 
des zaivvortes drei im slawischen teilweise voraufssetzt, s. u. die 
endung von tra-iijas entspricht vollkommen dem skr. tri-ttjas; 
oder e ist bindevocal und tpjo-thh voraufszusetzen. lat. tertius, 
lit. trec^ias für tretjas, goth. Ihridja, zd. thritja; sanskrit und 
slawisch haben dem j der endung -fja ein i vorgesetzt (wie 
compar. -ijans neben -Jans), tritijas, griechisch hat die gewön- 
liche endung r^irog, die endung -fja, -tija ist das durch das 
relative ja gemerte Superlative t. — veiB-bp-rb ist mit dem 
gewönlichen suffix und einer Steigerung des -bi zu b-h abgeleitet, 
vollkommen im einklange mit lit. keiwirtas, skr. Katur-tha, im 
sul'fix stinnnen xiranxog und quar-tus, ebenso das germ. ahd. fiordo. 

Die ableitung verschiedener subtantiv-, adjectiv- und adver- 
bialbildungen von den zaiwörtern übergehend, enväline ich nur, 
dafs die oben in der lautlere (pg. 95) nach Miklos. gegebene 
herleitung des slaw. npar-b, lit. kartas in ceAUbKpd-rb, lit. septynis 
kurtus septies u. s. w. von skr. kart findere mir nunmer doch 



— 191 — 

nicht richtig zu sein scheint, weil das entsprechende skr. hrWas^ 
z. b. sopta-krivas, von der würze! skr. kar facere mit suffix tu 
abzuleiten ist, von welchem abstractuin kr-tu oder kar-iu mir 
ivas ein alter ablativ zu sein scheint (vgl, kar-tum und kr-tvä); 
slaw.-lit. haben also daraufs ein nach der a-declination über- 
getretenes karfas, KpjTb gebildet, skr. sa-krt, semel, hat da- 
gegen das am ende von compositen anstatt der blofsen wurzel 
gebrauchte krf. 

abgeleitetes Verbuiu. 

Alle jene Zeitwörter, welche in irer abwandlung teils durch- 
aufs die reine wurzel zeigen, teils aafser flexionsendung und 
bindevocal nur solche zusätze erhalten, welche nicht durch alle 
bildungen hindurchgehen, sondern der bildung einzelner formen 
eigentümlich sind (dass selbst h;«, hob, z. b. asht-hä-th, zu 
diesen gehöre, wird sich später zeigen), gehören nicht hierher, 
sie bilden die eine grosse abteilung der Zeilwörter, nämlich die 
der primitiven, unmittelbar aufs der wurzel stammenden, indefs 
läfst sich nicht in abrede stellen, dafs diese gewöhnlich nur pri- 
mitiven zukommenden formen auch bei nicht wurzelhaften stammen 
sich finden,' solche stamme sind eben die oben bezeichneten se- 
cundären wurzeln, hier sind nur zu besprechen die durch blei- 
bende Zusätze aufs den wurzeln gebildeten verbalstämme, welche 
schon dadurch äufserlich kennbar sind, dass der conjugation ein 
zweisylbiger stamm zu gründe liegt, denn jene ableitungselemente 
sind stets vocalischer natur, aufs wurzel -f- zusatz entspringt 
also ein zweisylbiger stamm, wärend jene erste classe ire 
formen von einsylbigen wurzeln bildet, bei der einteilung 
des Zeitwortes in classen werden beide arten genauer zu be- 
zeichnen sein. 

Die abgeleiteten Zeitwörter des slawischen sind sämmtlich 
denominatiua. den denominativen des sanskrit , die irerseits 
meist wieder mit dem causale (und der 10. classe) nicht blofs 
in der form identisch sind, entsprechen aber nur im slawischen 
diejenigen denominatiua, welche durch ein dem stamme zuge- 



— 192 — 

setztes H und dj gebildet werden. Betrachten wir zuvorderst 
die ersteren. der stamm ist derseli)e wie der des zu gründe 
liegenden nomen, der vocalische aufslaut desselben, fast stets 
urspr. a, fällt vor dieser endung weg. da viele nomina im sla- 
wischen wie in den verwanten sprachen durch vocalsteigerung 
von der wurzel gebildet werden, so stimmen diese verba voll- 
kommen zum causatiuum des sanskrit und der verw. sprachen, 
welchen auch ein meist verstärkter nominalstamm zu gründe liegt, 
jenes angesetzte h, vor consonantisch anlautender endung voca- 
lisch bleibend, vor vocalischer in j übergehend, ist eine zusatn- 
menziehung des skr. aj: wie wir schon merfach aufs j und vocal 
im slawischen, j-h, b und für dieses in gewissen fällen h ent- 
stehen sahen, so wird hier h für aJ ebenfalls durch die mittel- 
stufe -b/ zu erklären sein, i.j ist keine slawische laulverbindung, 
an irer stelle finden wir hier h. schwerlich darf an eine dem 
skr. denominativen ij analoge bildung gedacht werden (skr. pu- 
Irijati, pntrijaie v. pufra filius), da diese nicht causalia bilden, 
jene doppelte, dem slawischen h entsprechende funclion hat nur 
aj, dieses muss es also vertreten, die conjugation aller dieser 
verba ist natürlich die bindevocalische. die bindevocallose findet 
sich überhaupt nur bei wenigen uerbis im slawischen, die be- 
deutung ist auch im slawischen vielfach die causalive. z. b. reK-a. 
fluo, roK-b fluxus, davon mit notwendiger Veränderung des k in v 
der stamm toyh fundere (böhmisch besonders zapfen, d. i. fliefsen 
lassen, z. b. pivo tociti, hier zapfen), inf. toyh-th wäre ins skr. 
übertragen täkaj-ämi, hh-ih bibere, Hd-noH (für no/b) potus, 
Hd-noH-TH (für Hjno/H-TH) potuui praebcre*). — no-vH-iH quies- 
cere, pokoh quies, hokoh-th sedare, ganz wie das vorige. — 
Hec-;r. fero — Hoc-b am ende von compp., z. b. BOAo-Hocb 
aquam ferens, hydria, hoch-th ferre, nicht in causalem, sondern 
wie oft im slawisehen bei dieser und anderen ableitungen im 
dauernden sinne. Be;?-rf. ueho, ho:^^ currus, bo?h-th uehere, 



*) Bopps (v. g. p. 1003) crldiinmp dieser form v. <1. wiirzeHuriii pd ist 
uiili;iltl)ar iiiid dem slawischen spracliorganismus zuwider. 



— 193 — 

wie HocH-TH. — würz, ubp aufs mar^ praes. up-;i; morior, mopt> 
(mors)pestis, MopH-iH iiiterficere. — boya-hth expergefacere aber 
G'bA—r.-iH uigilare, eine nominalform boyah kommt meines wifsens 
nicht vor, wie ja oft mitlelglieder in den sprachen feien. — bei 
manchen zeigt sich die kürzere wurzelform nicht, so z. b. npoc- 
HTH petere ; eine wurzel etwa npec kommt nicht vor. — Reine 
denominative; xb^aj laus, xb^ah-ih laudare. — Kovnb mercatura, 
Kov-n-HTH emere. — BA^^Mb scandalum, baj^mh-th scandalum 
praebere. — biibj obstetrix, b^bh-ih obstetricem esse. — BacHb 
fabula, BdCHH-TH fabulari. — BAarb beatus, BAaa.H-TH beare; so 
viele auf -caobhth von caobo wort, von d. würz. cAoy, so z. b. 
BdCHo-cAOBH-iH fabulaH, also dem skr. ;räv>aj-ämi, mache hören, 
V. d. w. QTU entsprechend u. s. f. Dieser uerba auf -hth, so 
wie überhaupt der abgeleiteten uerba giebt es im slawischen ser 
viele, zum teil aufs syntaclischen gründen, weil nämlich, nament- 
lich in Zusammensetzung mit praepositionen, die von der reinen 
Wurzel stammenden Zeitwörter momentane beziehung haben, also 
z. b. kein praesens, kein dauerndes praeteritum u. s. w. bilden 
können, diese beziehungen müfsen daher durch abgeleitete for- 
men gegeben werden, die man unter diesem gesichtspunkte du- 
ratiua nennt, hierher gehören im griechischen die Zeitwörter auf 
tjw , o/co (die auf ajw stellen wir mit einer anderen classo der 
slawischen denominative zusammen), z. b. qiiQco^ qiooog, qioQm] 
yqvGoa^ XQvaog u. s. f. die gothischen auf -jan^ z. b. lig-an lie- 
gen, caus. lag-jan legen, maurthrjan, occidere v. maurthr-s', 
ferner die lateinischen auf -ire (-i aufs zusammenziehung ent- 
standen), z. b. lasciuire (lasciuus) u. s. f. die zum teile ser ver- 
dunkelten litauischen abgeleiteten Zeitwörter mögen hier unberück- 
sichtigt bleiben, da sie nicht geeignet sind zu erklären, sondern 
selbst ohne Zuziehung des verwanten nicht richtig gefafst werden 
können. 

Denen auf h zunächst stehen die verbalslämme, welche der 
Wurzel ein t anfügen. Dieses -e halte ich nicht für verlreter 
des causalen aJ, e = -6, die bedeutung verwert diefs, sie ist näm- 
lich meist nur im falle praepositionen inen dieselbe verleihen, 

.13 



— 194 — 

eine active, sonst fast stets eine intransitive, meist inchoative, 
auch bestehen beide formen, verschiedene beziehung- ausdrticliend, 
neben einander, es scheinen mir diese stamme die voris-en vor- 
aufszusetzen und durch guna aufs inen gebildet zu sein, die 
form auf -h bedeutet zu dem machen, was der stamm sagt, von 
dem das zeitwort abgeleitet wird, die auf -t jedoch dasselbe 
werden oder sein, diese intransitive, mediale bedeutung (im grie- 
chischen und latein bekantlich durch das medium gegeben 
XQvaöco, ynvGovG&ai; debilitare, debilitari) ist in trefflicher weise 
symbolisch durch guna des causativs bezeichnet, wird doch das 
medium vom activum durch änliche Verstärkung überhaupt abge- 
leitet (vgl. 2. pers. sing. act. -si, med. -se, 3. pers. -ti, med. 
-te, plur. -ajiti, med. -ante u. s. f.), so sind diese uerba gleich- 
sam das medium der vorigen, und so ersetzt das slawische auf 
diese weise wenigstens teilweise das im abgehende eigentliche 
medium, z. b. Bordn, diues, Bor^TH-iH ditare, Bordrt-TH diui- 
tem esse. — «iHB-b uiuus, o-amBH-TH uiuificare, o-aiHB-t-xH re- 
uiuiscere. — jKecro-Kb durus (das gutturale adjectivsuffix fällt 
ab), o-n;ecTH-TH durum reddere, o-a;ecT--tTH indurescere. — 
rscT'b densus, o-rxcTH-TH condensare, o-r/scr-fe-TH condensari. — 
cAdB-b debilis, o-ca<ibh-th debilitare, o-cAdB-t-TH debihtari u. s. f. 
in ser vielen beispielen. dafs bei manchen die formen auf h 
feien, bringt zum teil die bedeutung mit sich. z. b. cyM-h mens, 
ovMt-TH scire ; wie in den sprachen ja oft uerba nur im me- 
dium vorkommen. 

Eine dritte ableitung geschieht mittels d meist mit Steigerung 
des stammvocals, wenn solche möglich, diefs a halte ich für 
den gedenten aufslaut, gleichsam die femininalform des zu gründe 
liegenden nomens, es entsprechen die lateinischen auf a-re, gr. 
ccij^ca, skr. vielleicht die bildung der denominativa auf äj-, man 
vergl. z. b. gabdäjate sonare, v. gabda sonus ; Qjämäjate nigri- 
care, v. gjama niger, krpäjate misereri, v. krpä misericordia, 
acväjati equos cupere, v. agva equus etc., da d einem ä ent- 
spricht; indessen kann auch die denung des a-lautes des zu 
gründe liegenden nomens eine besonderheit des slawischen gegen- 



— 195 ~ 

über dem kurzen a des skr. ajämi sein, auch kommt nicht 
selten für d m als ableitung- vor, welches dann am Wurzelaufs- 
laute die notwendigen veränderung-en hervorruft; bei diesem tu 
haben wir also substantiua auf jas^ jä^ jam, d. i. b, m, le oder 
bei Verschmelzung- des j mit dem vorhergehenden laute b, d, e 
voraufszusetzen. diese form wird übrigens ser häufig in der 
weise angewant, dafs mit überspringung einer streng entspre- 
chenden nominalbildung sie als aufs der meist gedenten verbal- 
wurzel direct gebildet erscheint ; jedesfalls aber ist ir Ursprung 
ein denominativer, wie der aller anderen abgeleiteten Zeitwörter, 
wol mit recht fürt man auch diese formen auf skr. aj-ämi oder 
äj-ämi, äj-e zurück, dann mufs man im zweiten stamme, da 
ein Verlust des j ganz gegen die slawischen lautgesetze wäre, 
contraction annemen, es müste z, b. von AeAjfir. facio, denom. 
V. A-EAo opus, wenn aj zu gründe liegte ursprünglich heifsen 
A-feAjjeHb factus und nicht AtJAd-HT,; letzteres ist zusammenzie- 
hung, wie sie einzeln auch im praesens dieser uerba vorkommt, 
AtAdiiiH aufs A-i5AdaiuH für A-t;Adtcii!H. dcr nlchtpraesonsstamm hat 
stets diese zusammenziehung; die auf h-th verhalten sich dem- 
nach zu denen auf «i-th, wie im lat. die auf ire zu denen auf 
are; gr. «wj bei denen auf h-th ist überall die zusammenzie- 
hung eingetreten (xb^ahuih für xBdAHieiuH wol durch ein ver- 
mittelndes xBdAHHuiH), bei denen auf d-TH nur in den nichtprae- 
sensformen, vgl. lat. amaie und gr. tiixdij^stB. diese ableitungen 
kommen auch zur seite der denominativa auf h-th vor, z. b. 
roTOBb paratus, roroBa-iH und roioBH-TM parare, oft in ver- 
änderter bedeutung, so von noAOBd usus (dial. similitudo, imago), 
noAOBH-TH imitari und noAOBd-TH oportere. — Durative formen, 
denen kein Substantiv zur seite steht, sind z. b. oy-whpj-th 
mori, von d. w. ubp, oy-up-;!-, (aber uopb pestis). — ch-BHpd- 
TH coUigere, cb-Bep-;r. idem (c-t-Bop-b conuentus) u. a. fernere 
beispiele für diese ableitungsformen sind schon bei der lere von 
den lautsteigerungen angefürt. 

Wol zu unterscheiden sind von diesen Zeitwörtern die nur 
im zweiten Stamme mit t versehenen, das nach gutturalen in a 

13* 



— 196 — 

übergehen niufs, z. b. catiiuij-ih aiidire für cat^ix-uth, nicht 
für cA'bixMTH, (laber ist das praesens cA-biiu-?., nicht cAbiuidiift. 
die, welche -e in allen formen haben und die ableitungen auf ja 
sind schwer zu unterscheiden., s. u., ableitungen mit J^ sind indess 
wirklich vorhanden, die gutturalen haben in diesem falle aufs- 
namsweise die Verwandlung von k/, r; in li, 2, (nicht v, m), z. b. 
npo-pHgjTH uaticinari v. d. w. peK dicere (npo-poKb propheta), 
aber EAeund-TH für BAecKw-iH splendere von BAecK-h splendor 
u. a. genauer in diese ableitungen einzugehen, ist sache des 
speciell slawischen grammatikers, da sie dem slaAvischen boden 
selbst entsprungen, nicht aufs der gemeinsamen heimat mitge- 
bracht sind, also auch vom speciell slawischen Standpunkte aufs 
ire darstellung gegeben werden kann. 

Eine vielleicht nur slawische ableitungsart ist wie bei den 
adjecliven durch das im pronomen oBb, iran. ata als selbststän- 
diges wort erscheinende element b. diefs b wird bei der decli- 
nation. wo es gleichfalls eine wichtige rolle spielt, genauer be- 
handelt werden. — es erscheint dieses b auch in Verbindung 
mit den kennzeichen der vorigen classen, also als -bj, bh, z. b. 
o-Bd-Bd-TH incantare v. d. w. b^ fari, was ein nicht vorkom- 
mendes nomen B^-B-b voraulssetzt. — cb-nt-Ba-TH cantu cele- 
brare v. d. w. n-e, das Substantiv, welches diefs Zeitwert voraufs- 
setzt, hat das böhmische: z-pe-v cantus. — somit h: ctj-bh-ih 
auch cTd-BAtd-TH statuere, mit ja abgeleitet v. d. w. ct.), zunächst 
vom Substantiv böhm. sfav (d. i. cid-B-b) Status, bei allen sol- 
chen Zeitwörtern auf -bj-th, -bh-th, ist denominative bildung 
von Substantiven auf -Bb anzunemen, die freilich oft nicht wirklich 
vorkommen, diese Substantive sind mit demselben pronominalen 
Clement abgeleitet, das uns auch hier beschäftigt, die von inen 
stammenden verba unterscheiden sich aber dadurch völlig von 
denen hier zu besprechenden, dafs sie nach dem b noch ein 
anderes ableitungselement haben, welches erst seinerseits den 
stamm des verbums bildet; hier aber sind jene bildungen abge- 
leiteter Zeitwörter zu erörtern, in welchen b selbst das den ver- 
balstamm bildende dement ist, also selbst teils mit der endung 



— 197 — 

und teils mit dem bindevocal derselben in berürung kommt, 
diese Zeitwörter haben vor b stets einen bindevocal o, also -ob, 
nach j und jhaltigen consonanten mit umlaut -ea; oder, was 
richtiger ist, sie kommen nur von a-stämmen her, deren aufs- 
lautendem vocale diefs b angehängt wird, diefs ob wird vor 
consonanten in oy zusammengezogen, das praesens bilden sie 
mit y, im zweiten stamme setzen sie dem b ein a zu. beispiele 
sind ser häufig, z. b. BbAOBo-B-.nHj praes. BbAOBoy-tr» uiduam 
esse, v. BbAOBii uidua. — Kovno-B-dTH, emere von Koynb mer- 
catura. — Be^jKOHbCBo-B-JTH inique agere von Be:?^KOHbCTBo, 
abstract. von ggt, sine -|- 2,äKonb lex u. s. f. — KpdAHi-B-diH 
regnare, praes. kp«iak)-w> von Kp^Ab, d. i. kp^aJ-h, urspr. kralja-s 
rex. — BOM>-B-dTH pugnare von boh, d. i. boj b exercitus u. s. f. — 
Diese ableitungsform hat eine schlagende parallele in den ganz 
auf gleiche weise gebildeten griechischen denominativen auf 
t-v~(o, die nur so eine erklärung finden*), überdiefs zeigt sich 
das pronominale element, vyelches diese ableitung bildet, im grie- 
chischen auch noch in aitoq^ wo es mit dem demonstrativ zu- 
sammengesetzt ist. so also erklärt sich ein iatQs-v-oa von iatn6-g, 
dovle-v-oo von dovXog u. s. w. man übersehe nicht die parallele 
zwischen dieser ursprünglich also z. b. im praes. a-v-jämi oder 
wol auch one das dem slawischen eigene j a-v-ämi lautenden 
ableitung mit a-j-ämi; wie hier das pronominale element j (als 
selbstständiges wort im relativpronomen ja erscheinend) ange- 
want ist, genau ebenso dort das element v (welches im demon- 
strativ ava das grundelement bildet). '"'*) 



*) die von Bopp, v. g. §. 777 pg. 1071 vermutungsweise aufsgesprochene 
ableitung v. d. w. q>v, bhil ist wol unhaltbar, denoniinative werden mit pro- 
nominalen dementen gebildet — abgesehen von allen lautlichen Schwierig- 
keiten der Boppschen Vermutung. 

**) über die griechischen nomina auf -ev?, die v ir ebenfalls hierher 
ziehen miifsen, siehe bei der declination der a-stämme. 



I>eeliiiation. 

Die declination im slawischen ist vor allem, wie in den ver- 
wanten sprachen, eine zweifache, eine nominale und eine pro- 
nominale, das wesen des casus lert zwar schon, dass auch die- 
ser unterschied ein secundärer sei, da die casussuffixe als der 
lautliche ausdruck bestimmter beziehungen bei allen worten ur- 
sprünglich dieselben sein müfsen, wie eben jene beziehungen 
dieselben sind, alle Verschiedenheit der declination entspringt 
nur durch die Verschiedenheit der stamme, an welche die casus- 
endungen treten, durch die art der Verschmelzung derselben mit 
den Stämmen, da nun die anfügung der casus beim pronomen 
in bestimmter w^ise von der beim nomen befolgten anfügungs- 
weise sich unterscheidet, die geschlechtslosen personalpronomina 
der ersten, zweiten und dritten person aber überdiefs von der 
gewönlichen declination durch Stammwechsel in den casus u. s. w. 
ser abweichen, so scheint es im interesse übersichtlicher deut- 
lichkeit wolgetan, in der anordnung des stoflFes nicht die älteste 
zu erschliefsende sprachepoche zu gründe zu legen, sondern der 
vorliegenden gestaltung der spräche wenigstens in so w^eitrech- 
nung zu tragen, um die lere von der regelmäfsigen nominalflexion 
in zwei teile zu sondern, 1) die declination der nomina substan- 
tiua und adiectiua, 2) die decl. der pronomina und des mit dem 
pronomen zusammengesetzten bestimmten adjectivs. als dritter 
abschnitt möge die von beiden vorhergehenden arten abwei- 
chende declination des persönlichen ungeschlechtigen pronoraens 
folgen. 



— 199 — 

Nominale decliiiatioii. 

Einteilung der declination nach den stamm aufs- 
lauten. 

Nach dem eben aufsgefürten kann die einleilung der decli- 
nation nur von den stammen hergenommen werden, demnach 
erhalten wir im slawischen drei arten der declination, da es nur 
drei verschiedene arten des stammaufslautes gibt, nämlich 1) die 
vocalischen stamme, a) die stamme auf a (ja), b) die stamme 
auf i; 2) die consonantischen, die aber befser die ursprünglich 
consonantischen genant werden, weil sie im erhaltenen zustande 
der spräche vielfach von der analogie der vocalischen declination 
forlgerifsen werden, ja oft geradezu in fast allen casus einen 
vocalischen stamm zeigen, sie dennoch als besondere classe hin- 
zustellen, erheischen teils die erhaltenen echt consonantischen 
formen, teils die wifsenschaftliche methode, welche eine stete 
rücksichtsname auf die Sprachgeschichte unabweisbar fordert. Man 
sieht schon hieraufs, wie ser vereinfacht bereits die declination 
im slawischen sein müfse im vergleiche etwa zum sanskrit, da 
die w-stämme und die diphthongischen wegfallen; von den «-stam- 
men finden sich nämlich nur im femininum reste und diese gehen 
nach der consonantischen declination, auch die consonantischen 
selbst bieten nicht entfernt jene mannigfaltigkeit, wie im sanskrit 
und griechischen, da sie auf wenige spuren zusammengeschrumpft 
sind und von den Veränderungen des Stammes selbst vor den 
verschiedenen casusendungen nur der unterschied geblieben ist 
zwischen dem nominativ singul. und den übrigen casus, die 
sämmtlich teils vocalisch anlauten, teils durch eingeschobene binde- 
vocale angesetzt werden — richtiger, da in allen solchen casus, 
deren suffix consonantisch anlautet, der consonantisch aufslautende 
stamm durch einen vocalisch aufslautenden ersetzt wird. 

Das genus ist wie im indogermanischen ursprünglich über- 
haupt ein dreifaches, mit rücksicht aufs genus teilen sich die 
verschiedenen nominalstämme also in unsere drei hauptdeclina- 
tionen ein: 



— 200 — 

1. Vocalische stamme, 1. declination a-stämme, grund- 
formen des aufslautes im nominat. singularis masc. -as, fem. 
-ä, neutr. -am, woraufs slawisch nach bereits bekanten g-esetzen 
wird: --b, -d, -o. Eine abart bilden in folge der eigenfülimchen 
slawischen lautgesetze die stamme mit j vor a, die im sla- 
wischen ser beliebt sind, grundformen also im nomin. sing, -jas, 
-ja, -jam, zunächst also slawisch -jh, -ui, -jo, wovon aber nur 
w bleiben kann, jb mufs in -b, -jo in -h> übergehen, letzteres 
ist notwendiger umlaut. b steht für j-h, auch wenn das j nach 
oben entwickelten gesetzea mit dem vorhergehenden consonan- 
ten verschmilzt, wo eigentlich t, bleiben sollte: dieses b ist also 
ein umlaut von b, wie e von o ; ebenso erscheint e für le, a für 
tsi, wenn das j mit dem vorhergehenden consonanten verschmilzt, 
nach A und p wird ebenfalls dieses j in den neutren auf k weg- 
gelafsen, seltener bei femininen auf ra, in solchem falle müfsen 
wir ebenfalls eine Verschmelzung des j mit a und p annemen, 
wie bereits pag. 156 erörtert, für -j-h nach vocalen tritt h ein. 
aufsnamsweise haben die comparative und das partic. praesentis 
und praeteriti actiui I. im nominativ des feminins die endung j» 
statt ja, w. 

2. declination 2-stämme. mascul. und femininum haben schon 
ursprünglich gleichen stamm, sie endigen sich beide im nomi- 
nativ auf -b für urspr. -i-s, diefs b ist also durchaufs verschie- 
den von dem der masculina auf urspr. jas. im neutrum kommen 
diese stamme nicht vor, wie sich denn auch im masculinum schon 
ein streben zeigt, diese 2-stämme in die Ja-stämme überzufiiren ; 
im neutrum ist diefs durchaufs geschehen, uope z. b. für moph>, 
ijopjo, uo[)jam entspricht daher nicht mer der endung nach dem 
lateinischen mare, dessen e im nom. aufs i entstanden und dessen 
stamm warnst; dem slawischen uope entspräche ein X^aX. marium. 

II. consonan tisch e stamme, 3. declination. hierher 
gehören vor allem die comparative und das particip. praes. und 
praeter, actiui I, aber blofs im nom. sing, masculin. die übrigen 
casus gehen nach 1) b) und setzen, wie bereits erörtert (s. Wort- 
bildung pg. 164) einen anderen stamm voraufs. ferner gehören 



— 201 - 

hieher die nomina mit dem häufigen suffix -man abgeleitet, sie 
kommen im masculinum und neutrum vor, schlagen aber eben- 
falls wie alle ursprünglich consonantischen stamme, vielfach in 
die vocalische declination um. solche masculina haben selbst im 
nom. sing, eine vocalisch aufslautende form, z. b. Kduenb lapis 
neben der consonantischen form Kdubi (bi r= an), die übrigen 
formen gehören fast alle der 2-decIin. an. ebenso im litauischen, 
wo ebenfalls nur der nominativ consonantisch ist, akmü (ü = a«), 
die anderen casus aber einen stamm akmenia, nom. akmenis vor- 
aufssetzen lafsen, den Mielcke selbst dem nominativ in paren- 
these mit dem zusatze olim beifügt, warscheinlich aber nur aufs 
den anderen casus erschlofsen hat. skr. agman. Auch die neutra 
auf -man, z. b. hua, skr. ndman, Jiomen, zeigen teilweise con- 
sonanlische casus, ir nominativ unterscheidet sich von dem der 
masculina durch die endung a und durch das feien einer neben- 
form auf -i. ferner gehören zu den consonantischen noch die 
neutra mit dem suffix anf, nom. -.*, genit. -Ai-e, junge belebte 
wesen bezeichnend, ein suffix, für welches ich dermalen keine 
parallele aufs anderen sprachen weifs. Grimm (gesch. d. d. s.) 
zieht hierher ahd. junkidi foetus, pullus, kinözidi par boum, 
kinistidi pullus, und vergleicht die griechischen neutra auf «, 
wie arofia, -arog^ z. b. ocbA-A asellus von ocbAb asinus. 
ire flexion ist der der vorigen gleich, so wie die der neutra auf 
urspr. -as, die im nominativ -o haben, nach analogie der voca- 
lischen neutra auf -a-tn, z. b. Meeo, gen. Hesece, skr. nabhas 
coelum, änlich lit. menfi, gen, menesio luiia, welches aber mascul. 
ist. diefs sind sämmtliche ursprünglich echt consonantischen 
Stämme mascul. und neutr. des slawischen, inen gesellen sich 
bei die feminina auf urspr. ^/, z. b. cBCKp-bi, skr. sva(;ru, socriis, 
welche in den anderen casus ir t,i in b verwandeln und schon 
im nominativ die vocalischen nebenformen auf -ab, ja -bh haben, 
ferner zwei ursprünglich consonantisch aufslautende, nämlich 
nom. LUTH und A-buiiH für Abn-H, genit. udiepe, Abuirepe, lit. 
ebenso mote, gen. moter's und dukte, gen. dukter's, skr. mdtar, 
nom. mätäy mater und duhitar, nom. duhitä filia. 



— 202 — 

t'-slämme kent also das slawische nicht, ire onehin ser 
kleine zal ist von der ungeheuren nierzal der a-slämme in die 
analogie dieser gezogen worden und zwischen worten wie c-bm-b, 
skr. sünu-s filius und Borb, sk. bhaga-Sy altpers. baga ist auch 
nicht der mindeste unterschied zu finden, diefs ist dem gange 
aller Sprachgeschichte gemäfs, sehen wir ja gerade im slawischen 
das walten der analogie schon im aufsgedentesten mafse und 
z. b. die consonantischen stamme ebenfalls fast gänzlich ver- 
drängt, auch in anderen jüngeren sprachen schwinden die u- 
stämme als die selteneren; ein ital. frutto z. b. hat ebenso im 
plur. frutti, wie z. b. animo, animi u. s. f. im slawischen finden 
sich überdiefs ser wenig worte, denen ursprünglich u zukommt, 
man findet sie in der lautlere verzeichnet. Es ist auffallend, dafs 
Bopp und Miklosich die sache umkeren, und die a-stämme durch 
die w-stämme verdrängt sein lafsen — eine sprachliche Unmög- 
lichkeit, so fürt Miklosich formenl. pg. 32 sämmtliche formen 
der a-stämme, die feminina aufsgenommeUj als «-stamme auf, 
auch die neulra. die veranlafsung dieser den Sachverhalt, wie 
wir entschieden behaupten zu können glauben, geradezu umkeren- 
den ansieht, ist der umstand, dafs sich bei den a-stämmen gener. 
masc. vor den casusendungen nicht selten ein b findet, wodurch 
nebst dem stammaufslaute ob, nach j es entsteht, z. b. acc. 
plur. AOMOB-bi neben aombi u. s. f. diefs -ob, -es wüste man 
nur als guna von u zu fafsen und so entstand jene hypothese. '"") 
aufser dem schon angefürten steht ir noch im wege, dafs die 
den Substantiven ganz gleichen adjective iiie jenes b zeigen, dafs 
die anwendung desselben in der jüngeren spräche zunionnt und 
im eine bestimmte bedeutung, nämlich eine individualisierende zu 
teil wird, die z. b. im böhmischen ser stark hervortritt, stamm- 
erweiterungen pflegen sich aber im verlaufe der zeit eher abzu- 
schleifen als um sich zu greifen, zudem ist ein solches guna vor 
allen caj;usenduno-en doch ser bedenklich: endlich kommt dieses 



*) die Widerlegung derselben, so wie die entwickelung einer anderen 
erklärung dieser zwisrhensylbe habe ich in einem aiifsalze versucht, welchen 
ich der kiiis. Academie der Wifsenschaften übersant habe. 



— 203 - 

6B sogar an «-stammen vor. alles erklärt sich indess aufs befrie- 
digendste, wenn wir in diesem b ebenso, wie in dem nomina und 
verba ableitenden b, vgl. pg. 177, 196, ein pronominales element 
erblicken, welches im pronom. obk, zd. cwa als selbstständiges 
wort erscheint, diefs b wird ganz analog, wie in der deutschen 
schwachen declination das n, ebenfalls ein pronominales element, 
vor die casusendungen gesetzt, nun ist sogleich klar, wie solcher 
Vorgang in der spräche, in welcher er sich überhaupt erst später 
bildete, zunemen, und wie dieses ursprünglich demonstrative 
element zum aufsdrucke einer beziehung werden konte; daher 
ist es auch nicht bei den adjectiven in gebrauch, weil diese die 
bestimmte beziehung durch ein anderes inen beitretendes demon- 
strativ aufsdrücken. dafs sich erst in der späteren spräche mit 
diesem b eine bestimmte beziehung fester verknüpfte, ist ebenso 
zu erklären, wie der im ksl. ebenfalls noch nicht fixierte gebrauch 
des genit. sing, für den acc, der erst später sich für das be- 
lebte mascul. aufsschliefslich festsetzte. Wie wollten wol Bopp 
und Miklosich ableitungen wie uHAocTH-B-b misericors von mh~ 
Aoci-b misericordia erklären, und doch ist dieses -HBb nichts 
anderes, als das -obt> in gaoho-bt, elephantinus vom stamme 
CAOHT,, d. i. CAOHO, und jenes gaohob-b kann nicht anderen Ur- 
sprungs sein, als caohob- in der declination. wir können die 
Sache auch so aufsdrücken, dafs den casus mit b andere stamme zu 
gründe liegen, ein gar nicht seltener Vorgang in den sprachen 
(wie ja auch HeBo im nom. sing, m m-ecio (urbs), obgleich sein 
stamm Mesec ist) nämlich mit -bb abgeleitete stamme, die jedoch 
im nominativ singularis nie erscheinen, sollten nicht die grie- 
chischen substantiva auf -tvg z. b. cpovsvg für sfg stehen und 
unserem pronominalen demente, das hier zum festen suffix ge- 
worden, ebenfalls ire entstehung danken? die verba auf -ivco 
haben wir schon mit denen auf ob-jth zusammengestellt, der 
Zusammenhang dieser verba (z. b. cporavco) mit jenen Substantiven 
erheischt aber gleiche erklärung für beide; ja es fmdeu sich im 
griechischen sogar schlagende parallelen dafür, dafs, wie im sla- 
wischen, diese ableitung nur in den cass. obliq. erscheint: 



— 204 — 

viog zr: c-tm-b vim nr chiHoy aber viei aufs vh=i zzz cbmoBH, 
vioi â– =. cbiHH, vUsEg ^z c-biHOBe u. s. f. auch im griechischen 
sehen wir also zwei stamme neben einander, so scheint unsere 
erklärung- der slawischen formen auch bisher unerklärtes im grie- 
chischen aufzuhellen und für das slawische wenigstens die einzig 
mögliche zu sein. 

Um den überblick über die declinationsformen zu erleichtern, 
lafse ich sämmtliche paradigmen (mit geringen aufsnamen nach 
Miklosich) der erörlerung der einzelnen formen voraufsgehen, 
diese möge gleichsam den commentar zu denselben bilden. 
V c a 1 i s c h e stamme. 

I. declination, a-stämme. 

a) nach anderen consonanten als j. 

mascul. femin, neutr. 



Sing. 








nom. 


pjB-b*) seruus. 


p-biBij piscis. 


Mtcro locus, 


acc. 


pdBb 


P'blB/T> 


U-BC TO 


vocat. 


pdBe 


pbIBO 


UtJCTO 


locat. 


pdBt; 


pblB-B 


U-ftCT-fe 


dat. 


pdBOV 


p-bIB-t; 


UtJCTOY 


genit. 


pdBd 


p-blB-bl 


uucTa 


instrum. 


paB'buii 


p'blBOhr» 


M^CT'bUb 


Dual. 








nom. acc. voc. 


pjBtl 


pbiBb 


M-l5CTt; 


loc. genit. 


p<lBOV 


pbIBOY 


U-tJCTOY 


dat. instrum. 


pdBOMd 


p'blB^Mti 


M-teCTOMd 


Plur. 








nom. voc. 


PJBH 


P'blBbl 


UtCTJ 


acc. 


paB'bi 


pblB'bl 


U-BCTd 


locat. 


pdB-EXTj 


p'bIBdX'b 


IJ-CCT-tXb 


dat. 


pdBOU'b 


pi^lB^tM'b 


UeCTÜUT. 


genit. 


pdBb 


pTilBT, 


M-tJCTb 


instrum. 


pdB'bl 


pbIBJMH 


U-tCT'bl. 



*) da Miklosichs paradigina cbm-b ein ursprünglicher w-stamm ist, der 
erst im slawischen in die «-classe übergetreten, hielt ich es für passender, 
ein anderes wort zu willen. 



— 205 ~ 

Ebenso geht das adiecliuum, z. b. AOBp-b, Aoepa, Aoepo, 
bonus, bona, bonum, nur ist hier im voc. sing, des niasc. die 
nominativform (AOBpb slalt AOBpe) vorherrschend, im voc. des 
femininum aber allein im gebrauche, also voc. fem. aobp^, ein 
voc. AOBpü scheint nicht nachgewiesen w^erden zu können. 

Bemerkungen zum masculinum. 

Den genit. sing, bilden einige substantiua, dem dativ gleich, 
auf oy, z. b. BOAüY bouis, mhpoy pacis. im böhmischen gilt diese 
endung für das unbelebte masculinum. 

Den acc. sing, bilden einige belebte, wie in der späteren 
spräche, dem gonitiv gleich, z. b. Bor^ deum; diese formen sind 
wirkliche genitive und es ist hierin nur ein syntactischer ge- 
brauch des genitivs für den accusativ zu erkennen, dessen er- 
örterung nicht hierher gehört. 

Vor dem e des voc. sing, werden die gutturalen verwandelt, 
KAeßerbNHve von KAeBenbHHKb accusator, Bo?t;e von Bor'b deus, 
jfieNHUje von aieHHXb sponsus. 

Im locat. sing, haben die gutturalen die Verwandlung in i|, 
;?, c ; t bleibt: KAeBeibHHLit;, uoz^, Bp-bc-u (von Bpbxb uertex). 
einige haben die endung oy, z. b. chiHoy, Aouoy neben AOM-t. 

Im dat. dual, ist ouj offenbar spätere form für -hua, wie 
ser oft o später lür b eintritt, indessen sind diese älteren formen 
selten, z. b. BOAbud. 

Vor dem h des nom. plur. tritt die Verwandlung der guttu- 
ralen nach der regel ein : orpoiiH von orpoK-b seruus, bo?h, 
AoycH von Aoyxb Spiritus. 

Der genitiv und locativ pluralis werden bisweilen verwechselt, 
wol durch einflufs der pronominalen declination, s. u. 

Instrum. plur. selten (und wie Miklosich beifügt^ unrichtig) 
ist die endung -mh, z. b. A^ip-bv-iH von A^pb donum. 

Locat. plur. Verwandlung der gutturalen vor -b : oyveHHMtJXb, 
Apoyj^-fex'b, rptc-uxb von oyveHHK-i. discipulus, Apoyn, amicus, 
rp-ßx'b peccatum. neben dem bindevocal -t besteht noch das 
unveränderte stammhafte -b, meist in späterer form o, Aoubxb, 
AouoxTi von AOMh domus. 



— 206 — 

Besonders zu bemerken ist, dafs häufig substantiuaj besonders 
einsylbige und benennungen belebter wesen, nie adiectiua, den 
dativ Singular, so wie den ganzen plural nicht vom reinen 
stamme, sondern von einer sonst als adjectiv vorkommenden 
ableitung mittels -bb bilden, vom dual., der überhaupt nicht 
häufig vorzukommen ptlegt, kent Miklos. nur das beispiel c-kihobov. 
darneben bestehen die vom unveränderten substantivstamme ge- 
bildeten casusformen, der dativ sing, hat dann h zum suffix, der 
nomin. plur. e. beispiele jener formen auf -Bb, d. i. mit dem 
stammvocal -ob-h sind dat. sing, botobhj aomobh, nom. plur. 
AouoBe, gen. aouob-h, dat. cbiHOBOM'b, acc. aouobt>i, instrum. 
cT,moB-bi, loc. cT,iHOB-txb. umgckcrt wird das bei völkernamen 
übliche suffix -HMb nur im singular gebraucht, im plural treten 
die endungen an den reinen a-stamm nach abwerfung des Suffixes 
(vor welchem a wegfällt), auch diese haben im nom. plur. die 
endung e. auch im sing, haben andere dial., z. b. das böhmische, 
diefs suffix HHb nicht; es feit auch mereren im kirchenslawischen, 
z. b. Kp-bciHtüH'b christianus neben KpbciHtJiMHH-b, böhm. kresfan; 
so z. b. rpja;A<iHHHb ciuis von rpdA'b urbs mit suff. -haHb, plur. 
nom. voc. rp^ajA^He, gen. rpd-tiAdHb, dat. rpd*Adnoub u. s. f. 

Beide suffixa -Bb und -hh-h, die wir hier nur vor gewissen 
casus eintreten sehen, gehen auch sonst parallel mit einander, 
beide bilden adiectiua von den namen belebter wesen, -Bb von 
den männlichen a-stämmen , -hh-b besonders von weiblichen 
fl-stämmen und b-stämmen oder masculinen mit der femininalen 
endung a (dem -hh-b ser nahe verwant ist -bh-h), diefs sind die 
sogenanten possessiven adiectiua. viele abgeleitete nominalformen 
werden, wie die oben angefürten casus, nicht selten anstatt vom 
reinen stamme, von dem durch -b oder -HHb vermerten abge- 
leitet: ^HAo-B-bCK-b iudaicus von niHAb iudaeus, wao-b-htt, 
uenenatus von «Ab uenenum, Aouo-B-bHT, domesticus von aoub 
domus, uovpHHbCK-b von uoyp'b oder MoypHHb aethiops, Kp^Aie- 
BbCTBo von KpdAb rex, die durch diese suffixa -b, -hh vermerte 
form und die reine stehen sich in allen diesen fällen völlig 
gleich, nur der usus entscheidet für die eine oder die andere. 



— 207 



Zum femininum. 

Vor -t; des dat. loc. sing-., norn. acc. voc. dual, findet die 
Verwandlung der gutturalen statt: p.Tvqi; v. p^r.Kd manus, norbn-t^-B 
von noTbn^rd uxor dimissa, cHbc-t von cHbxd nurus, sponsa. 

Wie im latein, (z. b. nauta, auriga) so gibt es auch im slavv. 
masculina auf d, z. b. c<\o\rd seruus, BAdAbiKj dominus u. a., ire 
declination ist der der feminina gleich. 

Zum neutrum. 

Loc. plur. hat nicht selten -ox-b statt — txi,, z. b. u-tcrox-b. 
diefs o ist jüngere form eines älteren -b, wie überall, wo in 
dieser declination der aufslautende stammvocal vor consonantischen 
endungen erscheint. 

b) a-stämme nach j (jas), 

masc. fem. neutr. 

Sing. nach cons. nach voc. 

nom. u;n.T;b, d. i. kpjh, d. i. Aoywa, d. i. noAe, d. i. 









M;r,r/-b uir. 


Kpjjb 

margo. 


AoyxM 
anima. 


noAjo 
ager. 


acc. 






uHiaib 


KpdH 


AOYuj^r,, d. i. 
Aoyxw» 


noAe 


voc. 






u;n?Kov, d. i. 
u;?>rK) U.S. f. 


KpdK) 


AOYuie, d. i. 
Aoyxjo 


noAe 


loc. 






M;fv;t;H, d. i. 


KpdH, d. i. 

KpdjH 


AOYUIH, d. i. 

Aoyx/H 


nOAH 


dat. 






uif^TKoy 


KpdK» 


AOYIUH 


nOAK) 


gen. 






u;i,7nd 


KpdM 


AOYUi*, d. i. 
AoyxfA 


noAtii 


instrum. 




iJi'üTneuhydA. 


Kp<)l€Mb 


AOYiuetTifi, d.i 


noAbUb, d. i. 








u/tir/oub, äl- 




AOYx/ofÄ 


noAj-bUb 








ter: U,T.avbMfa 


'J 






lal. 






d.i. uairj-bub 






nom. 


acc. 


voc. 


^Mf^}Kd 


KpdtJl 


AoyuiH 


nOAH 


locat 


. genit. 


u*a»OY 


KpdK) 


AOYUiOY 


nOAK) 


dat. 


instrum. 


u^tKeitd 


Kpdieua 


Aoyuidud 


noAeua 



— 208 -^ 

niasc. fein. neulr. 

nack cons. nach voc. 



Plur. 












noni. 


voc. 


M;i-wt;H(e 


KpdH, d.i. 

KpjJH 


AOVUIA 


noAtJi 


acc. 




U^tK*. 


Kpdh?i 


AOVUIA 


noAtJi 


loc. 




U,Twi;HX'b 


KpJHX'b, d. 
Kpd/-bXTi 


i. AOyUI'lX'b 


nOAHX-b 


dat. 




u,T,a;eM'b 


KpdieiJI. 


AOVj'lUdM'b 


noAeub 


genit. 




u,y>a;b, d. i. 


KpdH, d. i. 


Aoyuib, d. i. 


noAb, d. i. 






u<T.rj-b 


Kp<l/l, 


Aoyxjh 


noAji, 


instrum. 


U/i.X» 


KpdH 


AO\'ü\dU» 


noAH 



Ebenso gehen die adiectiua auf b = j-h, fem. w (j nach 
Verschmelzung des j mit dem vorhergehenden consonanlen), 
neutr. k (e) aufs jo, z. b. loyaiAs peregrinus für TovA^-b, nur 
gibt hier Miklos. im paradigma auch im instrum. sing. masc. wie 
im neutrum die ältere form, rov?t;Abub im nom. plur, masc. ist 
rov?i;AH, der vocat. ist überall gleich dem nomin., das übrige 
ganz \\ie das paradigma der substantiua, also z, b. nom. sing. 
ToyaJAb (lovAj'b), TOY'KA«! (toyam), TOY^KAe (roYAHi), gen. masc. 
neutr. ToyitiAa (tovaw), fem. toy^ja* (toya^*) u. s. f. nur in 
folge der lautgesetze bieten die formen mit vorhergehendem 
vocale kleine abweichungen, z. b. bo;khh für Bo^Hb aufs Bo.uHJb 
(suff. -fjas') also für Borijas, nom. sing. masc. wie kp^h; fem. 
BoniHM, gen. BoaiHwi u. s. f. neutr. BoacHte, gen. Gonmw u. s. f. 
gen. plur. der drei geschlechter BoatHH für BoasHb aufs Bonmjh. 

Bemerkungen zum masculinum. 

Yocat. sing, doppelte form; auf oy, z. b. q-tJCjpKi, ovYHreAio 
von M-fecjpb rex, oYVHieAb magisler, und auf e, vor welchem q 
und :? in V und <-k übergehen, K-hHAa;e, KOYnbve von Khn^j^b 
princeps (für K-bH*r/-b aufs dem deutschen kuning, alle auf -*^b 
sind auf gleiche weise gebildet und sämmtlich entlent), KOYnbqb 
mercator (für KOYnbK/b, d. i. Koynikjas^ das slawische suffix -bqb 
ist vollständig das lateinische -icins). 



— 209 — 

Im instrum. sing, ist -buu für -j-hub die ältere endung, 
z. b. oTbLjhUb von oTbqb paler, die spätere form ist -eub aufs 

-JÜMb, OTbqeMb für OThKJoUb. 

Nom. plur. bei belebten häufig -hkj, auch -h : urun-iH. für 
-Hitj findet sich -bi€, -m, -e: MOAbH> v. uoAb tinea, AtAdieAie 
V. AtAJTeAb operariuSj oYH-reAe. 

Gen. plur. nicht selten -hh: m,twi;hh, durch denung des j in 
ij wie von einem nom. u-iw-khi., u/j-wuhh, d. i. u;(,rfjas. 

Acc. plur. selten -hi,ä: niicr-bipHiA v. njcr-bipb pastor. 

Instrum. plur. manchmal -buH statt -h, z. b. ij-ccdiJbuH. 

Loc. plur. -HHx-b für -hxi. : KOHHHx-b V. KOHb equus, selten 
-exh, -ox'b : Mi;cxMex-b, utcALjox'b (das j steckt auch hier in 4) 
V. M-r.c*i4b luna, mensis. 

Zu KpdH : 

Instrum. sing.: rHOHUb v. tmoh stercus aufs -j-huh, wie 
KpdifcM-b aufs -joub. — loc. plur. Kpjitx-b neben KpjHxb, ebenso 
aufs -Jox'b, nom. plur. updBHit; von up.inHH formica für MpdBHb 
aufs MpjBMJb; hier kommen die beiden formen schon im nomi- 
nativ sing, vor, upjBb, d. i. uiidBJas, neben mpjbhh, d. i. ui)dnijas. 

Zum femininum. 

Nach unveränderlichen consonanten tritt das j hervor, so 
z. b. ?opM splendor, gen. ^ophA, dat. :<üpH für i^opjn u. s. f. 
wenige haben, wie die fejninina der parlicipia (s. u.) im nom. 
sing, die endung jn für 1,1 (skr. -e), letztere hat im slawischen 
fast ebenso das t verdrängt, wie im griechischen, wo gar keine 
reste von reinem z als femininendung geblieben sind, sondern 
überall -la dafür eintritt z. b. nioGovoa aufs nexjovna, slaw. 
neK;f>unH aufs nev^.i^vJH, skr. paUanti; z. b. rp-bAbiHH (rpbAbmw) 
superbia, npoci-biHH (npocT-biNra) licentia, condonatio, pjBbiHH 
(p<iB-bitiM) ancilla u. a. neben der gewönlichen späteren endung m. 

Zum neutrum. 

Die auf -hi« für -bi«, welches seltener ist (für urspr. -ijam), 
haben im instrum. sing, neben dem regelmäfsigen -Hit;ub oder 
-bieub (aufs -bJoMb) auch -HutJb, -bHUb, -HUb: K.iuemiHMb V. 
K,iueNbK> lapides (coli.), nHCJHbHWb von nncjHbit; scriplura u. s. f. 

14 



— 210 — 

im locativ haben dieselben substanliua -hh, -bH zusammengezogen 
H aufs -iji: BpbBHH v. BpbBbit; funiculi, np^^AJUbH v. np-uAJHbK', 
proditio, n^c^pbcrsH von M^jCcipbCiBbi»;, coli, von M-BC^ipbCTBO 

imperium. 

Im instrum. plur. ist die endung -bUH fast häufiger als -h, 
z. b. <TwiibMH V. /T-Te, d. i. /Tv^jo catena, nHCJHbUH v. nHCdHbK>. 
b ist hier wol nicht durch Verflüchtigung eines aufs -bj-h, -ija 
zusammengezogenen h zu fafsen, sondern dergleichen formen 
setzen einen nominativ auf -k;, d. i. -jam^ voraufs und aufs dem 
stammhaften Ja, d. i. jb, wird ja nach der regel b. 

Plur. loc. -HXb aufs -jbx-h (ältere form wäre ein -bxi,), 
darneben aber kommen formen vor, in welchen der scliliefsende 
stammvocal nicht als -b, sondern nach neuerer art als e, o, <t 
ei'scheint, z. b. BA/iiAHAHiuTex-b für -HiiF.x-b von BA/i>AHAHiuie für 
-AHTft; lupanar, AHqox-h (AHK/oxb) \o\\ AHije uullus, persona, 
c'bHHtaxb von c-hHHH:; somnium. 

Ebenso wie bei dem vorigen paradigma wird auch hier der 
dat. sing, und der ganze plural, besonders bei belei)ten, hauiig 
nicht von dem reinen slamme, sondern von dem durch -b ver- 
merlen gebildet, der aufslautende stammvocal a, der nach anderen 
consonanlen als _; in diesem wie in analogen fällen als o er- 
scheint, lautet nach der regel in e um, also z. b. dat. sing. 
»j/T>;iieBH, plur. nom. cip.iaieBe von cip.ia;b custos für crp-irj-b, 
cTpj/i;eBe also für cnpar/o-Be, gen. u^vifitBb u. s. f. Beim neutium 
beider paradigmen ist diese biidungsweise „fast unerhört"; Mikl. 
fürt nur die einzigen beispiele des dat. sing. :?AaTOBH von ^a^to 
aurum und uopeBH von uope mare an. 

I[. decliiuition, 2-stämme. das neutrum feit, auch das mascu- 
linum ist nicht in zalreichcn beispielen erhallen, da die meislen 
ursprünglich hierhergehorigen werte (z. b. orHb, skr. agnis, ignis) 
schon in das vorige paradigma übergetreten sind, sogar die 
dieser decliuation in den älteren handschriften noch folgenden 
masculina werden in späteren handschriften, seltener in älteren, 
nach voriger declination (u,v>mb) abgewandelt, der nominativ 
sing, auf b für h, also nicht zu verwechseln mit dem b für /b. 



— 211 — 

ja des torigen paradigma. als hierhergohöiig zält Miklosich 
folg-ende wörler auf: n-T.ib uia, ?ATb gener, idib für, nevdib 
sigillmn, AdK-bib ulna, noKb ib unguis, -ibcib socer, rocib hospes, 
rocnoAb dominus, roAauib columba, vp-bub uermis, AbHb dies, und 
die ursprünglich consonantischen auf -eHb, als KdueHb lapis, 
nAiiLnjHb flamma, KopeHb radix, peueMb lorum, fAvueHb hordeum, 
seilen andere, das femininum ist dagegen bis in die heutigen 
dialecte herab dieser declination treu geblieben, die Verwechs- 
lung der masculinen 2-formen mit den ja-formen beförderte 
unstreitig der gleiche aufsgang b beider im nominativ sing, wäre 
aber nicht h, sondern jb ursprünglich, so müsten z. b. die nomi- 
iialive von naib, roA<TvBb heifsen n;r>iiiTb, roAA^BAb nach Miklosichs 
bemerkung und zu folge der früher entwickelten laulgesetze, 
das feminin ist dagegen schon im nominativ durch die Verschie- 
denheit des aufslaufes b und w vor solcher Verwechslung ge- 
schützt und dagegen, da das j von w oft scheinbar schwindet, 
nicht selten der Verwechslung mit den a-formen (p-biB.i) aufsgesetzt. 



Masc. 
Sing. 










Fem. 


noiii. 




n;rob uia. 




KOCTb OS. 


acc. 




nHxVb 






KOr, Tb 


voc. 




n^YvTH 






KOCTH 


locaf. 




n/iVTH 






KOC TH 


dal. 




n;i.TH 






KOCTH 


gen.* 




n;f>TH 






KOCTH 


instrum. 




n^^,TbMb 






KOCTHI«, KOCTblrh 


Dual. 












nom. acc. 


VOC. 


n,r»rH 






KOCTH 


loc. gen. 




n<T,THK), 


AbHbK) 


KOC IHK) 


dat. instr 


um. 


ri/TiibUd 






KOCTbUd 


Plur. 












nom. voc 




Hrt/IHl« ■* 


â– ), 


AbNbIf. 


KOCTH 



*) voc. n/T.TH nach ^Miklos. paradigma. da auch nominalive plur. auf H 
vorkoirimen und das indogermanische schon in den äüeslen verlrelcrn im 
pluralis den voc. vom nominativ nicht sondert, so ist gewiss auch hier iiein 
organischer unterschied zwisclien nominal, und voc. phir. anzuncmen. 

14 ^^ 



— 212 — 
masc. fem. 

aCC. n*TH KOCTH 

loc. mfiTexb, AfOAbxb'"') Kociex'b, MCAbx'b â– "^â– *) 

dat. n;?.Tei.rbj AtoAbUb KocTbi.rh, AUbpbi.rb '"'''^'^) 

'gen. nrr.THH kocthh 

instruni. n;r.TbMH KocTbuH 

Bis auf den instrumental singul. und iioin. pluralis ist dem- 
nach zwischen femininum und niasculinum kein unterschied in 
der declination, ja selbst die genanten casus haben hier und da 
gleiche formen in beiderlei genus,. da -ntn. im instrum. sing, und 
-H im nom. plur. auch bei den mascul. nicht unerhört ist. 
bemerkenswert ist in dieser declination das zusammenfliefsen so 
vieler casus in der endung h, die wir im singul. aliein viermal 
antreffen, wozu noch die drei gleichlautenden casus des dual, 
und im mascul. der acc, im femininum nom. und acc. plural 
kommen. 

Adjective dieser declination kommen nicht vor, dagegen 
folgen ir die zahvörter von 3 — 10 (die ersten beiden ordinalzalen 
werden bei der pronominalen declination, welcher sie folgen, 
erwähnt werden). 

Das zalwort stamm rpH hat ursprünglich i zum aufslaut, die 
Stammform veTbipH hat sich wie das golhische ßdvori ein i erst 
später zugesetzt, gehört also eigentlich zu den unter decl. III 
zu behandelnden ursprünglich consonantischen stammen wie 
katväras^ riGuaoig zeigen, mag jedoch hier mit behandelt wer- 
den, um die declination des zalwortes nicht allzuser zu zerreifsen. 
ich füre hier nur die formen an, die ich für die organischen 
halte, nebenformen mannigfacher art kann man bei Miklos. u. a. 
finden, die endungen sind wie überall die des plural. 

nom. TpHfe veTbipHte 

acc. rpH verbipH 

loc, ipbx-b, Tpexb veT'bipbxb, ver-bipex-b 



*) von AK)AHH> plur. tant. homines (sing. AWA'b nach (j^etj populus). 
**) von rdCAH plur. tant. praesepe. 
***) von ABbpb ianua. 



213 — 



gen. 


TpHH *) 


vei-hipb ^^) 


dat. 


TpbMb, TpeUT, 


veT'hipbMb, ven-bipeMb 


instrum. 


T()I.MH, rpHMH 


vex'bipbUH 



die formen rp-bxb, ip bui,, rp-bUH sind besonders bemer- 
kenswert, da sie auf einen stamm ira (tar} hinweisen. 

PATb — Aec/ATb sind abstracta feminina ganz nach Kocib, 
nur lautet der nom. plur. auchAec*Te und der gen. plur. AecA-ri,, 
im paradigma hat Miklosich Aec^-ib, dat. AecAibub, AecAieu, 
AecATHUb, instrum. AecATbUH, Aec*THMH und (wie der genitiv 
Aec.ATb mit überspringen ins paradigma pdGb) AecAri,!, locat. 

ACCATbXb, AKO/Äie;Xb, AeCATHX"b. 

Bemerkungen zum paradigma n;nTb. 

Der genitiv sing, lautet selten nach der art der a-stämme 
auf a aufs: n/i.rj, ^atj, oder hat t zur endung: n/T^n-t;, :^aib, 
TdT-t; der dat. sing, zeigt ebenfalls a-formen: ?atoy, rocroy. 

Acc. auf H wie der gen.: ?ath, auch bei unbelebten n-m-H, 
selten, dem genitiv gleich, rom\i, ^ate. 

Acc. plur. selten nach der «-declination auf bi : Horb-rbi, 
und * : TdTA nach u;Ra5b. 

Gen. plur bisweilen -ii, wie die a-formen: Hor-bi-b. 

Instrum. plur. selten nach der «-declin. : Hor-hi-bi, AdK-br-bi. 

In den mit b gebildeten dativen singularis n,T>TeBH, TdieBH, 
rocnoAKBH, vp'bBeBH u. a. ist e ebenso entstanden, wie in den 
endungen -eu-b, exb durch hinzufügen eines ursprünglich unnö- 
tigen bindevücals o, der dann mit i. zu e verschmolz. 

III. declination. ursprünglich consonanlische stamme. 

1) S u bstantiua. 

Musculi na. 

Suffix -man, consonantisch erhalten in der endung des 
nominativs -ubi, --hi aufs an, s. in der lautlere. ^ b. Kdnbi 
lapis, HAdM-bi flamma, tAvbu-bi hordeum. schon der nominativ 



*) bisweilen steht dafür, wie in der pronominalen declination, eine dem 
locativ gleichlautende form, ebenso At;cAi Hxb. 

*â– *) nach dem pfiraditrnia M;iwi;b, das bei iMiklos. angegebene vtri'bip'b 
ist echt consonantisch gebildet, oder nach puB'b. 



— 214 — 

zeigt jedoch meist eine durch i, d. i. b, vermerte nebenform : 
K.ujeMb, nAdMCHb, hÄVbueHb, Kopenb radix, peufcnb loruni, auch 
das ursprünglich nicht hierhergehörigH ,vbMb, sivr. dina dies folgl 
in den anderen casus der analogie dieser formen, die declination 
ist die der e-stämme, n;r.rb, mit folgenden besonderheiten. 

Genit, sing, hat die endung -e, die sich uns später als echt 
consonantisch (für -as) ergeben wird, setzt also einen slamm 
auf -cH, nicht auf -eMb voraufs: KducHe, nAdueHc, Kopeke, 
AbHe u. a. 

Die anderen casus bieten folgende formen neben den regel- 
mäfsigen der 2-declinatiün : 

Dat. sing. KdueHw ist nach ii^^aib gebildet, sonst nach der 
«-declination KdueHH, KopenH. nian bemerke AbHf€BH. 

Acc. sing., bisweilen tritt für den hcc. die genitivform ein. 

Nom, plur. AbuH, cieneHH, wie die «-declination, AbHHit, 

AbHbK.. 

Gen. plur. bemerkenswert sind die echt consonantisch gebil- 
deten geiiitive AbHb, KopeMb, cieneHb ; wir fanden diese neben- 
formen schon in der ursprünglichen «-declination. 

Acc. plur. nach der a-declinalion creneubi (paG-i.) und 
K<iMt;H/Ä (nach M<T>7i;b). 

Feminina. 

Die feminiua auf urspr. ü, slaw. hi, verwandeln diefs bi in 
allen casus in b, b«, im nomiuativ sing, zeigen sie zwei formen, 
eine vocalische auf bi und eine consonantische auf bh, Bb, und 
müfsen somit als consonantisch betrachtet werden; ire abwand- 
lung stimmt auch ganz zu der der eben behandelten ursprünglich 
echt consonantischen masculina auf -nbi, -uenb. im nominativ 
sing, haben sie entweder das reine u behalten, cßeKp-bi socrus, 
HenAOAbi^sterilis, AioB-bi amor, deren analogie die entlenten 
upbKbi, ahd.kiricha templum, cuoKbi, goth. ^maMa ficus folgen, 
oder sie setzen dem stamme h zu, gpbKBH, cmokbh (b für «), 
das meist in b geschwächt ist, vor welchem ü in -bß (uv) auf- 
gelöst wird, diefs sind die häufigsten formen, c«eKp b«b, MpbK-bBb, 
CMOK bKt,, AioiibBb. Kp-bBb sauguls lidt uui" dicsc form, nie Kp m. 



— 215 — 

ebenso BpT,Bb (skr. bhrü) supercilium. In anderen casus liegen 
hin und wieder auch «-formen zu gründe, wie wir ja eben das- 
selbe bei den männlichen e-stämmen und bei denen auf ue.m, 
auch fanden, spätere dialecte kennen auch nominative sing, auf 
-B.I, ci-ioKBj findet sich schon im kirchenslawischen, wir haben 
demnach vierfache nominativform, -bi; -bh, -i,Bb; -b<i, die 
übrige declination ist die von Kocib, also die der e-stämme mit 
folgenden aufsnamen und besonderlieiten. 

Gen. sing, nur consonantisch auf e (wie -ueHe), cBCKp-bBe, 
AK)EBe, MphKBe, Kp-HBe, doch auch kpbbh. im ist der accusativ 
häufig gleich, nach unserer ansiciit syntactisch zu erklären aufs 
dem später auf die belebten beschränkten gebrauche des genitivs 
für den accusativ, auch die mit b gebildeten formen, c-biHOße 
u. s. w. werden ja in der älteren spräche so ziemlich bei 
Substantiven mascul. gener. aller art gefunden, wärend sie später 
auf die belebten masculina beschränkt wurden oder, um nicht 
belebten eine individualisierende beziehung zu geben, in anwen- 
dung kamen. 

Yoc. sing. AHJGbi. 

Loc. sing, nicht selten auf e : qpKse, akjbbg. 

Plur. dat. ist, wie es scheint, regelmäfsig von dem stamme 
auf Bd gebildet: NenAOAB<iu'b, gp-bKB^uT,, so hat auch der locat. 
plur. von L|p-bK-bi, Lip-bKBdxb und der genit. plur. qp-bKH-b eben- 
falls von einem im nominativ nicht vorkommenden ijpi.kbj. 

Miklosich stellt von yp-hK-bi folgendes paradigma auf. 
plur. dual. 

qpbKBH nom. acc. voc. ijp-bKBH 

Llp'bKBH loc. gen. qpbKUHlO 

qp-bKBH dat. instrum. L|pbKB.iu^. 

qpbKBdXb 
L|p bKB.lM'b 
yp hKB'b 
qp-hKBdMH 

Die beiden verwantschaftswörter nom. sing, ud in mater und 
AbuiTH filia sind ebenfalls ursprünglich consonantisch und haben 





sing. 


nom. 


qp'bK'bi 


acc. 


L|p bKBe 


voc. 


LIpbKBH 


loc. 


Mp-bKBe 


dat. 


L|pT,KBH 


gen. 


qpTiKBe 


instrum. 


Mp'bKBHhJft 



— 216 — 

als ursprünglichen stamm uarep und A-tunep (für Abnep) ; auch 
diese bekleiden sich aufser dem nom. sing-., in welchem für 
-lep -TH eintritt und dem gen. sing., der auf -e (s. o.) endigt 
— ».Mrepe, jrbiurepe — diirchaufs mit einem i und gehen in 
allen anderen casus vollständig nach Kocib, also acc. sing, 
udrepb, loc. dat. voc. sing. uarepH, instrum. sing. udiepHtfR. 
Dual. nom. acc. voc. udiepH, loc. gen. uj-repHK», dat. instrum. 
MJTepbi-ij. Plur. nom. acc. voc. udiepH, loc. MJiepex-b, dat. 
ujrepei.i'b, gen. u^TepHH, instrum. »j^jrepbMH, ebenso AbiinH. 
bemerkenswert sind in strenger parallele zu den früher darge- 
stellten analogen stammen folgende nebenformen: der acc. sing, 
gleich dem gen. Lurepe, AT^unepp, der gen. plur. nach art der 
a-stämme oder vielmer echt consonantisch Mjrep-b, Abui rep-b und 
der plur. acc. AhujiepA nach aovhia. 

Neutra. 

Stämme auf -man, nom, u^, z. b. hma nomen, c-uua semen, 
Bp-tuA tempus, HHcu^^ scriptura, diese wie überhaupt die con- 
sonantischen neutralen stamme haben am meisten echt conso- 
nantische formen gerettet, so nom. acc. voc. sing, hu^, gen. sing. 
HMtHK; nom. plur. HueHa, gen. plur. HueH-b, dat. loc. sing. HueHH, 
kann ebensowol consonantisch sein, als von einem stamme auf 
-eHb herkommen, ebenso können auch andere formen in der 
declination dieser nomina sowol vocalisch als consonantisch ge- 
deutet werden, wovon jedoch erst später zu reden ist. die 
abwandlung von hua ist folgende: 

sing, plur. dual, 

nom. acc. voc. hm* HueH.i HueMH 

loc. HueHH HURHexb loc. gen. Huenoy 

dat. HMGHH HiißHeM-b dat. instrum. HueHeua 

gen. HLieHe HueH-b 

instrum. HueHbub HueH-bi 

Derselben analogie folgen die neutra auf -at, nom. -a, gen. 
-Are, z. b. aip-BBA pullus, oBbv* ouis, leA* uilulus, ocbA^ asellus, 
A-r.TA infans (letzteres ist jedocli im plural feminin und geht 
nach KocTb, also nom. plur. A-niH, loc. AurexT, u. s. f.), so wie 



— 217 — 

die auf -ec, nom. o: HeBo coelum, oko oculus, oyxo auris, 
T-BAo corpus, CA080 uerbuiu u. a., gen. HeBece u. s. f. selten, 
in der späteren spräche häufiger, folgen diese Wörter auch der 
declination v. u-acro, d. i. sie verlieren das suffix -as, slaw. -ec 
und gehen dann wie die neutra der a-stämme. 

Der loc. sing, hat selten neben h auch e: HCBece. 

Dat. sing, springt selten in die declination der a-stämme 
über: HueHio, otpovaik» und otpovatoy von o rpov* puer (Kopit. 
Glag. Cloz. hat sogar HeBecov statt HesecH im paradigma). 

Genit. sing, nicht selten auf h: HeBecn, HueHH. 

Dual. nom. neben h auch t nach der a-declination : r-tAec t;, 
HueMi;, wie von nominativen r^Aeco, hugho, die zum teil in 
neueren dialecten wirklich auftreten. 

OKO und ovxo haben im dualis nicht ovecH, ovuikch u. s. f., 
sondern one ec : oyh, ovuih, loc. gen. oyhk», ovbK); oyuihk), 
oyiiibK) ; dat. instr. ovHua, oyiuHud. 

Loc. plur. neben -exh auch --tx, nach art der a-stämme, 
HBBec-tiXb, AptBec-tsx-b von AptBo arbor. 

Instrum. selten auch mh: nucueHbUH, vtoAecbUH von hhcma 
liltera, ywao miraculum. 

2) Adi ectiua. 

Ursprünglich consonantische adjectivformen sind im slawi- 
schen nur das parlic. praesenlis actiui, ferner das partic. praeteriti 
actiui I und die damit in unseren sprachen in strenger parallele 
stehenden comparativformen auf urspr. -jaiis. dafs sich bei 
diesen drei stammen echt consonantische formen nur höchst 
spärlich erhalten haben, ist in der Wortbildung schon gesagt; 
bei den parlicipien ist nur der nom. sing. masc. und neutr. con- 
sonanlisch, beim comparativ blofs der nom. sing, masc. diese 
formen sind bereits erörtert, z. b. BHh^, neKi^i, a^ib-h aufs bijan, 
pekan, davus, comp. BOAb-H aufs boljas. alle anderen formen 
sind vocalisch und zwar — den nom. neutr. sing, des compar. 
aufsgenommen, welcher boai« heifst, als ginge BOAb nach lovaJAb, 
als wäre der stamm also boaj«, wovon dann ein co.yam, d. i. 
boak: gebildet ward — setzen sie sie dem consonantischen 



— 218 — 

stamme ja zu, haben also die themata bijantja, pekantja, datusja, 
hoJjasja, d. h. nomin. sing-, masc. BHWiiu-ib, neKa^mib, A<iB-huib, 
BOAbuib, und gehen nun vollständig nach rovüiAb, iovtaj, TovtJAe, 
oder, was dasselbe ist, nach us,<ku, aoyiuj, noAe. also gen. sing. 
z. b. masc. BOAbuij (BOAbcra), fem. BOAbiu^ (BOAbcbA). neutr. 

BOAbliJd. BHtn.lllTJ (BHWvTtJl), BHtVtilllT/A (BHWnhA). A^lß-bUM 

(AaB'bcw), A«iB'biiiA (AdBiiChA) u. s. f. ZU bemerken ist nur, dafs 
das feminin im nom. sing, nicht m, sondern ^'h zur endung hat 
(vgl. pg. 209), also BOAbiuH (für -bc/n), ehw^iuth, A^B-biuH lautet; 
seltener ist das neuere BOAbiud (BOAbcw), BHtrriuna (ehm^tw); 
selbst in den nominativ masc. neutr. haben sich die im accusativ 
stels gebräuchlichen formen auf -ja eingeschlichen, so BHw.unb, 
xBdA/AUJTb, xBciAbiub, noutr. BHw.iuTc, xBdAbuifi, dic wcnigstcus in 
der definitiven declination die regelmäfsigen sind, und als cigent- 
lieh adjectivische formen gelten, wärend die consonantischen 
mer als gernndia gebraucht werden. der comparativ hat im 
nom. sing, mascul. auch die femininform BOAbiuH für BOAb-H, 
bestimmt regelmäfsig BOAbiuHH, wol nach der analogie der übrigin 
casus, die sämmllich die vollere form mit ui haben, in den 
neueren dialecten ist diese masculinform die einzig gebräuchliche, 
es verschwindet überhaupt die indefinite form des comparativ.^. 



Erklärung' der caisusforiiien. 

So reich die slawisch-litauische spräche an casusendungen 
ist, da sie von den im sanskrit erhaltenen casus nur einer^, den 
ablativ, diesen aber wie es scheint auch spurlos verloren hat, so 
sind doch mit den casusendung-en im slawischen noch mer als 
im litauischen so bedeutende Veränderungen vorgegangen, die 
spräche hat in einzelnen fällen so starke einbufseii erlitten, dafs 
die erklärung in manchen fällen auf grofse Schwierigkeiten stöfst. 
diese schwierigkeilen werden dadurch noch erhöht, dafs erweis- 
lich in einzelnen casusendungen andere laulveränderungen statt- 
gefunden haben, andere lautgesetze befolgt worden sind, als die 
all"cmeinen von uns oben erörterten, diefs bringt die natur des 
casus mit sich, kein einzelnes wort kommt jemals so oft in einer 
spräche zur anwendung als flcxionsendungen, diese sind also 
ganz besonders abschleifungen aufsgesetzt, dazu kommt, dafs die 
casus selbst wechselseitig auf einander einwirken, teils assimilie- 
rend, teils dissimilierend; ursprünglich dieselbe lautvcrbiiidung 
wird uns so bisweilen in zweifacher Veränderung erscheinen 
(B()r->, z=. bagas, Kduev\-e z= kamanas) u. dgl. das litauische 
als dem slawischen zunächst stehend und in der declination be- 
sonders altertümlich, wird zunächst in vergleich zu ziehen sein, 

Singular. 

Die vollkommenste Scheidung der casus tritt im singularis 
bei den a-stämmen hervor, doch fallen immer wenigstens zwei 
casus zusammen bei den masculinen nom. acc. *) beim fem. dat. 



*) das zusaiiinienfallen des locals bei KpdH mit diesen beiden casus ist 
vielleicht nur graplüscli, da die spätere aufssprache entschieden den iocal als 
KpHjH fafst, in vollkommenem einklange mit der entstehung dieser form. 



- 220 — 

locat im neiitrum nom. acc. voc. die e-stämme dagegen bieten 
eine mangelhaflere abwandlung, da bei inen vier casus dat., loc, 
genit., vocat. gleiche endiing haben. 

Nominativ sing. 

Die ursprüngliche endung des nominativ singularis ist für 
das belebte — niasciil. und femin. — -s, nach dem d und i des 
feminins feit dieses s jedoch schon in den ältesten denkmälern 
unseres sprachstammes, das neulrum hat im nominativ das suffixum 
des accusativs, d. i. bei den a-stämmen in, bei den consonanti- 
sclien stammen gilt der reine stamm sowol als nominativ als 
accusativ, es treten hier nur die gesetze des aufslautes modifi- 
cierend ein. 

Da kein slawisches worl auf einen consonanten schliefsen 
darf, so niufs natürlich das consonantische zeichen des nomina- 
tivs abfallen und es bleibt so im slawischen bei allen stammen 
dem nominativ nur das reine thema, aufs demselben umstände 
erklärt sich, warum selbst beim mascul. und feminin, der i-de- 
clinalion, sowie beim mascul. der a-declination nominativ und 
accusativ in der form zusammenfallen. 

pdB-h steht demnach zunächst für raba oder vielleicht mit 
der im griechischen üblichen trübung des stammvocals in o für 
rabo oder nach lateinischer art für rabu und dieses für urspr. 
i)dB-as, das -b des slawischen steht also dem -as des sanskvit, 
zend und litauischen, dem -og des griechischen, dem -us des la- 
tein gegenüber; wärend das gothische, den umgekerlen weg ein- 
schlagend wie das slawische, den aufslautenden stammvocal ein- 
gebüfst hat, das nominativzeichen aber behält, z. b. BAhKh, skr. 
nrkas, zend vehrkö (aber vor ka vehrkciQÜa)^ lit. vilkas, gr. 
).vy.og, lat. lupus, goth. vulfs. — hobb, skr. 7iavas, lit. navas, 
gr. rffoc, lat. nouus. — Bor-b deus, skr. bhagas, noKb fluxus, 
lit. takas, pon,, lit. ragas cornu u. s. f. ebenso u,i.;i:b für Mrf>r/b, 
nÄ^rjas', b -=1 skr. -jas, gr. ~iog, lat. -ius, gothisch hat in die- 
sem falle das a des Stammes zu i geschwächt und -jis. oder 
nach einem goth. Lautgesetze auch -eis zur norainativendung (vgl. 



— 221 — 

laisar-eis und oyYHieA-h), das lilatiische .steht dem slawischen 
scheinbar am näclistcn dadurch, dafs es -jas in -is zusammen- 
zieht, scheinbar nur, weil im slawischen das j von i. = ji, in 
seinen wirkung-en auf den vorhergehenden laut vorhanden ist, 
im litauischen aber das a aufsgefallen und j zu i vocalisiert 
ist, so euLspricht ein ocbAb von ocbA-b völlig einem lat. asin-ius 
von asinus, der endung nach einem ^^viog von ^tvog, skr. 
din-jas (coelestis) von div (coelum). — orbvb von orbiib, wie 
pafrius von pater, Ttätnio; von narrin. — cibKA-.ipb von cibKAo 
ganz wie uitr-arius von uitriim. dieselbe endung ist im goth. 
lais-areis (iiagister), u. s. f. Nach vocalen steht h für jb, z. b. 
uioy'H, skr. savjas sinister. — HanoH für urspr, -pajas, v. d. w. 
HH (bibere), u, s. f. Wie die nominative auf ursprünglich -as 
den aufslauf -b haben, ganz nach denselben lautgesetzen ver- 
ändern mascul. und feminina der 2-stämme iren nomiiiativaufs- 
gang urspi'. -is in -b : masc. vpbB-b, skr, krm-is, lit. kirm-is, 
lat. uerm-is, golh. vaunns (mit abgefallenem i für vawm-is^y 
rocT-b, lat. hostis. — fem.: ndUAib (memoria), skr. ma(ji)t-is 
opinio, gleiches suffix wie griechisch -rig, -ctg, also der endung 
nach gleich z. b. cpär-ig, qxicr-ig. — uoiuTb für uorib, goth. 
mahts, stamm mahti, im nominativ ist ebenso das i abgefallen, 
wie bei den a-stämmen (vulfs) das a, der endung nach =r skr. 
Qaki-is; also b : -is â– =z b- : as. von dem unterschiede dieses 
\y â– =. i von dem b zzz j-u war schon merfach die rede. 

Die feminina der a-stämme auf ä und die feminina auf t 
haben weder im skr. noch in den vervvanten sprachen das no- 
minativzeichen s. letztere endung t ist vorzüglich den conso- 
nantischen stammen eigen, wodurch die consonantischen stamme 
aber eben in vocalische und zwar gewissermafsen in a-stämme 
übergehen, da i wol one zweifei Schwächung von ä ist; der 
Stammaufsgang i findet sich im slawischen, wo er Vertreter des 
gewönlichen u ist und eigentlich jt lautet nur im nominativ, in 
den anderen casus tritt m als aufslaut des thema ein. beispiele 
1) ä. BbAOH.i, skr. vidhavä, uidua, goth. viduvo. — p<r>K.j, lit. 
ranka (manus), — ai6H<>, skr. ved. gnä, golh. qvinö, altn. kutia, 



— 222 -- 

ahd. chena, chona, gr. yvvrj. — caoytj, skr. crutä, gr. y./.vz^, 
in-clufa, lit. klausyfa, goth. hausida und so bei allen femininen 
der a-stämme, 2) i neK<YvunH, d. i, neK,T.i_/H, lit. sukanii (ein dem 
slaw. nei< entsprechendes uerbum kommt nicht vor), skr. paÄ'fln/«, 
griech. Treaaovaa für Tzsxjovtia. — Eeinuiinn, d. i. Bep^,TjH, skr. 
hharanti, q^kQovaa, d. i. (penovria, goth. bairanda. — c;r,ujTH, skr. 
sa(n)li, lit. esanti u. s. f. diese slawischen feminina des particips 
kommen somit nicht von der consonantischen, älteren form des- 
selben, wie das skr. paUanti, sonst müste es heifsen neKATH oder 
vielleicht neK^ib, sondern von der durch ja vermerten secun- 
dären grundform pakafifja, denn vom j gibt die Verwandlung des 
T in uiT zeugniss. die zu neK/uun-H gehörigen nominative masc. 
und neulr. sind also neKr^iuTb und neK,iuure, nicht neK-br, s. o. 
dieselbe erscheinung wiederholt sich in vollkommen analoger 
weise bei dem partic. praet. act. I und dem comparativ. s. über 
beide oben in der Wortbildung. 

Der accusativ und nominativ neutrius der a-stämme zeichnet 
sich durch festhalten des slammvocals vor dem masculinum aufs : 
grundform ist -am, m fällt weg wie im acc. masculini, aber a 
wird nicht wie dort in s verkürzt, sondern bleibt als o, nach j 
und J-haltigen consonanten e, hierin ist wol ein streben der 
spräche nicht zu verkennen, beide genera aufseinander zu halten, 
denn es ist z. b. ein skr. grutam, -/.Ivrov, inclutum, ebensowol 
acc. sing. masc. als nom. acc. singul. neutr., im slawischen jedoch 
ist cAOYTb mascul., caoyto neutrum; die formen sind ursprüng- 
lich identisch, wir sehen hier also ein geistigeres dement als 
die blofsen lautgesetze tätig, ein streben nach dissimilation, durch 
welches trotz des Verlustes des endconsonanten durch ein secun- 
däres mittel formen geschieden werden, die ursprünglich gleich 
sind, vielleicht war der accent von einflufs. im gothischen scheidet 
(abgesehen von der den adjectiven angehängten pronominalen en- 
dung -ta) d&s neulrum vom masculinum nur die abwesenheit 
des nomin. 5, hausith rr: caov'io, hausiths ziz cAoyrh^ das litau- 
ische kann nicht in parallele gezogen werden, da im das neutrum 
abgellt. HORo, z. h. r=: skr. 7iavatn, gr. repov. lat. riouum. — 



- 223 — 

cT>To, skr. <;aiam, zencl. <;atem^ r/.arov, centum, goth. knnd (li- 
tauisch dagegen greift zum mascul. : szimtas). in e iiiufs diefs o 
iiacii der regel übergehen nach j, daher: luovi«, skr. savj(wi (si- 
nistruni), Ol bve für oibiiK: der endungnachzrrpatrium, ticctqiovu. s.f. 

Die consonantischen stamme sclihigen verschiedene wege ein, 
um sich ires consonantenaufslautes zu entledigen, es ist diefs 
jedoch bereits teils in der lautlere, teils in der Übersicht der 
declination und was den comparativ und die parlicipia betrifft, in 
der Wortbildung erörtert worden, hier möge nur folgendes bei- 
gefügt werden: 

Wärend hu^ für hmgh, BHh\ für sHJan, ocbA* für ocbAAT, 
auch nAdubi für nA^ueH. neKi.i iür neKüP, ferner ajbh für a^b?^*, 
BOAb für Go.sjas noniinativbildungcn consonantischer stamme sind, 
die durch die slawischen lautgesetze bedingt sind, bieten fol- 
gende Stämme eine nicht durch die lautgesetze allein bedingte 
form: mjth, AbUjrH für uaiep, Abunep (man vergleiche Bp.ni. 
und Bp<iT|rb von derselben grundform auf -tar, skr. mätar, du- 
hitar, hhrätar); neeo u. a. für HeBt;c, skr. nabhas, gr. v8q)og, der 
endung nach entspricht lat. gen-us; caobo, stamm cacbgc uerbum, 
skr. ^rcwas ved. gloria (im slawischen hat die weibliche vrddhi- 
ableitung cA^Bd von derselben wurzel diese bedeutung) für wel- 
ches -as die lautgesetze HeB-b als slawische form erwarten lafsen. 
ujTH und atjUith, gen. M<nepe, A'biurepe, haben im litauischen 
mote, gen. moter's, dukte, gen. dukier's, hbbo, HeBece in meiiä, 
gen. metiesiOy ersteres eine vollständige, letzteres eine teilweise 
entsprechende analogie. so viel übereinstimmendes diese nominativ- 
formen mit den sanskritformen mäfä, duhiiä, rägä (von den stammen 
mätar, duhifar, rägaii) auch haben mögen, so scheint doch im slawi- 
schen ein wesentlich anderer Vorgang stattzufinden, wie ja auch Heso, 
HeBece im Sanskrit keine parallele findet, wir haben schon bei 
dem masculin fälle kennen gelernt, in denen teils nach dem be- 
finden des schreibenden (c-tiHT,, c-hiHOB-b gen. plur.), teils nach 
feststehendem gesetze (rpd.i;AaHHH-b nom. sing., rpd;iiA<iH-b gen. 
plur.) ein ableitungssuffix vor dem casussuffix angesetzt und 
weggelafsen wurde, diese analogie scheint die spräche auch 



— 224 — 

hier befolgt zu haben und im nominativ regehnäfsig jene als 
solche Suffixe gefafsten stammaufsgänge aufsgelafsen und dem 
nominativ die aufsgänge erteilt zu haben, die zunächst lagen, 
denn o ist im neutrum der einzige vorkommende aufslaut, bei fe- 
mininen ist aber ser häufig der stammaufslaut -th , gewönl. 
-ib: beim feminin kommt noch dazu, dafs auch der ganze stamm 
jener Wörter sich mit i bekleidet, also u^repH, A-buirepH lautet, 
so dafs nach wegfall des ep jene nominative bleiben; diese auf- 
fafsungsweise erklärt auch, warum in der älteren spräche selte- 
ner, in der späteren häufig das ec der neulra aufsgelafsen wird 
(wie jenes ob der masculina), daher gen. mAti neben i-tAece, 
dat. MeBoy neben HeBecH, gen. plur. koab neben KOAecb, vgl. 
oben die duale ovh, oviuh u. s. f. 

Accusativ sing. 

Charakter -m, demnach bei den vocalischen neutris dem 
nominative schon ursprünglich gleich, bei den vocalischen mas- 
culinen und den femininen auf b im slawischen ebenfalls, weil 
nach abfall des endconsonanten im nominativ und accusativ 
gleiche form übrigbleibt; die feminina auf a ziehen diesen vocal 
mit m in den nasalvocal zusammen, die consonantischen bildeu 
den accusativ aufs der zweiten, vocalischen form, die substanliva 
neutra aufsgenommen, welche dem nominativ gleich sind. 

Demnach a-stämme mascul. : pjBb (pdeöwO? Aosp-b (AOBpam), 
vjtü^mb (u.Yvr/b Uif^rjani), kp<ih (kp^i/ b Kpj/awO u. s. f. beispiele, 
denen worte anderer sprachen entsprechen, sind : Borb, skr. 
bhagam-, lOK-b, lit takq; BAbKb, skr. vrkam, zend. vehrkem, lit. 
Kilkq, gr. lvy.ov, lat. lupum, goth. vulf mit völligem abfalle des 
sclilufsvocals des Stammes und in folge dessen auch der casus- 
endung, ujovh, skr. savjam u. s. f. 

i-stämme. masc. vp-bBb, skr. krmim, lit. ktrmj (nasales i) 
lat. vermim (vermein ist nicht ursprünglich), goth. raurm, (endung 
abgef.); femin. n.j-M*Tb, skr. ma{n)iim. — Hoiuib (HOKib), lit. 
naktj, goth. naht, der endung nach entspr. lat. tussim, siüm, 
griech. noQnv. 

Die neutra der a-stämme sind schon beim nominativ erörtert. 



— 225 — 

Feminina auf a- : BbAOB;?, aufs -am, skr. vidhanäm, uidnam. 

— cAOY'i'V«, skr, grufätn, gr. xXvrrjv, lat. in chitam, lit. klausytq, 
goth. hausida (dem nominativ gleich, casuszeichen abgefallen), 
ebenso aoyui'T. für Aoyxjam, ujoyi-v., skr. sanjäm. 

Consonantische. substantiua. die neulra wie im no- 
minativ: HM^, tiomen, golh. namö, skr. näma (mit abgefallenem w}. 

— ocbAA für ocbAAT, bishcr noch one parallele in den verwanten 
sprachen. — HeBo, skr. nabhas, gr. viqioq. 

Die masculina auf urspr. -aw, nom. -->,i oder -eHb, haben 
im accusativ nur die durch i vermerte form, die schon der 
nominativ neben der echt consonantischen zeigt, KdueHb, nA.meHb 
u. s. f., grundform: ka7namtn, plamanim^ also nach n,Tvib und 
somit von den entsprechenden formen der verwanten sprachen, 
skr. agmänam, sermonem, daiii,ova(v) u. s. f. gänzlich verschieden, 
ebenso die feminina Marepb, grundform matarim, skr, 7nätaram, 
mairem, fit]reQa(v^ vom consonantischen stamme, die litauischen 
formen aknicnj, (lapidcm), moteri (feminam) sind den slawischen 
völlig analog und zeigen uns nur eine ältere gestaltung der 
endung mit vollem i und dem nasal des accusativs, das litauische 
teilt ja überhaupt die eigentümliche behandlung der ursprünglich 
consonantischen stamme durchaufs mit dem slawischen, die fe- 
minina auf urspr. ü haben auch wie im nominativ die mit i ver- 
merten formen cBeK|VbBb, grundform cBeKpwüm, dagegen skr. 
^vaQrüm, lat. socrum, gr. 6q)Qvr, häufiger aber die endung e, 
cBeKp-bBe, ebenso findet sich auch u^repe, A'bmTe()e, ferner 
KdueHe, AbHe, ja sogar AecAi« von AecATb decem. es unterliegt 
keinem zweifei, dafs da, wo sich diese formen finden, der genitiv 
für den accusativ gebraucht ist, was im kirchenslawischen bei 
Wörtern aller art hier und da vorkommt; die endung -e wird 
sich uns später als echte genitivendung der consonantischen 
ergeben und von diesen ist sie wol auf das ursprünglich nicht 
consonantische acc Aib übergegangen, *) die endung -xve ist 

*) Miklos. formenl. pg. 9, §. 5 vergleicht den acc. AecAre mit den 
(scheinbaren) accusaliven KdueHGu. s. f., scheint also wol dieselbe ansieht über 
die entstehung dieser auf den ersten blick allerdings befremdlichen form zu haben. 

15 



— 226 — 

aufserdein genitivendung der häufigen nomina, welche von dem 
namen belebter wesen gebildet sind, um das junge, bei menschen 
das kind derselben zu bezeichnen, och.\^Qr) von ocbAh asinus, 
otpova(t) von orpoK'b seruus u. s. vv. und daher ein häufig 
vorkommender aufsgang; Ahne folgt hierin wie in seiner abwand- 
lung überhaupt, den nomin. sing, aufsgenommen (ein abi wie 
Kuubi kommt nie vor) der analogie der" urspr. consonantischen 
auf PHb. 

Die consonantischen participien und der comparativ bilden 
ire accusative sämmtlich regelrecht aufs dem mit -ja vermerten 
stamme, ebenso wie alle casus obliqui, wiederum in vollständiger 
Übereinstimmung mit dem litauischen, dessen comparativ übrigens 
hier nicht in vergleich zu ziehen ist, da seine bildung von dem 
des slawischen abweicht, wenngleich beiden dasselbe suffix zu 
gründe liegt. Part, praes. masc. neK;r>ujTb (neKA->T_/b), fem. neK^RiuT-r. 
(neK*Tw>), neutr. neK^T.une (rieKrt,TK;), grundformen pakantjam, 
pakantjäm, pakantjam, also von einem skr. paliantam, paUantim, 
paUat, griech, ntccovra, nicöovaav (n^yjovriav'), TitGcrovQz) u. S. f. 
durchaufs verschieden, bis aufs griechische femininum, welches 
vollkommen dem slawischen entspricht, weil auch das griechische 
nie f, sondern dafür stets -la consonantischen stammen als 
femininendung ansetzt, der slawische acc. masc. neutr. dagegen 
ins griechische übertragen gäbe die form Trsacrovcror, -ovgov für 
-ovTiov, das litauische stimmt vollkommen, z. b. masc. vezantj, j 
für -ja nach litauischer regel, fem. v.eiancziq (neutr. feit) ■=z 
ue:?;r»iuTb, Be:?/T.uii/r.. derselbe Vorgang wiederholt sich bei den 
anderen hierhergehörigen formen: masc. .viBbuii,, fem. A^ßbiuz-^, 
neutr. Adsiue (A'Jß'brjb, AdBcw,, a^ibck;), Ht. masc. davusi, fem. 
davuse (für -siaj. comp. masc. BOAbuib, fem. BOAbiii;f. (neutr. 
hat wie im nominativ die oben (vvortbild.) schon erläuterte form 
boak;-k;, das zweite k; ist zugesetztes pronomen) nach der regel 
aufs den grundformen boljasjatn, boljaajäm. da diese participia 
und comparative in den casibb. obliquis ganz wie die anderen 
nomina auf ursprünglich -ja gehen, so bedarf die bildung der 
übrigen casus dieser stamme keiner weiteren erörterung. 



— 227 — 

V c a t i V sing. 
Der vocativ pflegt in den sprachen unseres Stammes im 
laule der zeit durch den nominativ verdrängt zu werden, im 
slawischen besteht er indessen noch beim Substantiv bei a- 
und bei «-stammen masc. und femin., sowol l)ei den ursprünglich 
vocitlischen als den ursprünglich consonantischen stammen; beim 
adjectiv finden wir in im verschwinden, das neutrum hat den 
vocaliv verloren und gebraucht anstatt desselben die nominativ- 
foim (accusativform), wie griechisch und latein ebenfalls, wärend 
das Sanskrit in auch im neutrum vom nominativ unterscheidet, 
der vocativ ist bei den a-stäinmen dem reinen stamme gleich, 
feminiiia auf langen vocal verkürzen denselben, die stamme auf 
i (und u) verstärken dagegen den stammaufslaut dem nominativ 
gegenüber, ein casussuffix hat also der vocativ nicht. 

Die männlichen a-stämme, pds-h, haben im vocativ e als 
Vertreter des ursprünglichen a in vollkommenem einklange mit 
dem litauischen, griechischen und lateinischen, nur durch die 
verschiedene weise, wie im slawischen dieses ursprüngliche a 
wiedergegeben wird, ist eine Unterscheidung vom nominativ 
möglich. Bo;rie für Bore, skr. bhaga, BA-hve für BAhKe, skr. vrka, 
zend. velirka, lit. vilke, gr. Xvxe, lat. htpe, golh. vulf mit völligem 
Verluste des stammaufslautes. das adjectiv gleicher form er- 
setzt in meist durch den nominativ. 

Stämme auf -ja. masc. auch diese haben teilweise die form 
auf e, KovHbve für KovnbK/c, die adiectiua dieser form brauchen 
den nominativ anstatt des vocativs, letzterer ist wenigstens noch 
nicht belegt, häufiger aber, als auf e, endigt sich der vocativ 
dieser stamme auf oy, eine form, die auch bei den harten a- 
stänimen (deren schlufsvocale kein j voraufsgeht) hier und da 
vorkommt, cbiHov neben cbme. also ma;?kov v. m^swus; ovvHieAK) 
V. oYYHieAb, d.i. -Te^jâ– h', BGi^oYMAio V. Be:?OYMAb5 d.i. Gezoyujh 
amens (substantivisch gebrauchtes adjectiv mit ja, d. i. jh, b, 
griech. -log, lat. -ius., von ovMb mens abgeleitet), L|-r,cdpK) von 
qtcdpb, d. i. q-ucdpjh u. a. m. 

Da der vocativ schon ursprünglich kein eigenes casussuffix 

15"^ 



— 228 — 

hat und es unmöglich ist, anzunemen, dafs ein casus obliquus 
(der dativ der männlichen a-stämme endigt im slawischen auch 
auf oy) anstatt des vocativs gebraucht werde, so ist auch in 
diesen vocativformen auf oy notwendigerweise nur der nominal- 
stamm zu suchen, vergleichen wir diese vocative mit den ent- 
sprechenden nominativen, so finden wir, dafs dem t, des no- 
minativs diefs oy entspricht , oy mufs also eine Verstärkung 
von b sein, welches wir ja schon aufs der lautlere als eine 
Schwächung des u kennen, aufs welcher durch Steigerung oy 
werden kann, wie im griechischen der stammaufslaut der a- 
slämme zu o geworden ist, so ist er im lateinischen und sla- 
wischen in den w-Jaut übergegangen, der jedoch auch im sla- 
wischen vom ursprünglichen u eben so verschieden ist, wie im 
latein u â– =! urspr. a von u â– =. urspr. u. wie nun die {-stamme 
im nom. b, im vocativ h haben (n<T.Tb nom., h^^th voc), so 
zeigen auch die a-stämme teilweise im nom. b, im voc. oy. 
in diesen vocativen auf oy erkennen wir demnach ein secundäres, 
speciell slawisches gebilde, welches die trübung des stammhaften 
a zur voraufssetzung hat, wärend die vocative auf e, in einer 
älteren sprachperiode wol bei allen a-stämmen gebräuchlich, 
direct sich aufs dem ursprünglichen a herleiten, das litauische 
hat auch bei den stammen auf -jas durchaufs e, übrigens eben- 
falls, wie das slawische, beim adjectiv statt der vocativ- die 
nominativform. 

Die e-stämme masc. und fem. haben im vocativ h : n;r>TH, 
KocTH, also den reinen stamm mit vollem stammvocale, das 
Sanskrit steigert in sogar mute, kave von den nominativen mati-s 
opinio, kavi-s poeta, desgleichen tut das litauische avie v. avis 
ouis, vielleicht ist hier slaw. h Vertreter von älterem -e, wie 
im imperativ und vielleicht im genitiv der 2-stämme (pg. 235), 
das griechische hat den reinen stamm, der römer gebraucht den 
nominativ statt des vocativs, das golhische hat ebenfalls nur eine 
form für beide casus. 

Das femininum schwächt sein (ursprünglich langes) a im 
voc. zu o, für welches nach j also e stehen mufs : BbAOBo, p*ko, 



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hiermit steht in parallele die Verkürzung des i und u der nier- 
sylbigen feminina im sanskrit zu i und u im vocaliv; das skr. 
verkürzt in gewissen worten, besonders in dem vedadialect, 
selbst ä zu a, z. b. ambä (mater), voc. amba; ved. auch (/eca/a 
(dea), voc. devata. die anderen sprachen unterscheiden den 
vocativ nicht vom nominativ : lat. uidua, gi*. y/;Qci, lit. ranka, nur 
das sanskrit hat e : mdhave, in welchem e Bopp ebenfalls eine 
Schwächung von ä erkent. — AOYuie für aovx/o. Die conso- 
nantischen neutra (schon im sanskrit im vocaliv reiner stamm 
oder dem nominativ gleich) unterscheiden den vocativ wie in 
den verwanten sprachen üicht vom nominativ, die masculina auf 
-tH gleich den «-stammen, denen sie ja überhaupt mit aufsname 
des nomin. und gen. sing angehören: KriueMH, ebenso die femi- 
nina : L)p bKBH, ud repH. 

Locativ sing. 

Die e-stämme und die consonantischen substaiitiua haben 
nur eine endung für den locativ und dativ, und zwar die locativ- 
endung i, dasselbe findet im griechischen im ganzen pliiral und 
im Singular der consonantischetv (III. decl.) ebenfalls statt; im 
letzteren falle auch im latein, dieselbe endung tritt auch an den 
durch B vermerten stamm der a-stämme, um den dativ zu bilden, 
vvärend sonst nach b die endungen der a-stämme stehen, die 
atialügie der anderen echt consonantischen stätnme (caobo, 
cAOBecH; LUTH, MJTepH u. s. f.) scheiut diese form erzeugt zu 
haben. Da die consonantischen t-ubstantiva in den cass. obliquis 
ebenfalls von einem durch i vermerten stamme abgeleitet werden, 
so könte man in diesen locativen (dativen) flexionslose formen, 
im aufslautenden h (h/uth, kocih, nauenn, HueHH, HeBecH, ocb- 
a^^ih) also das stamm-e zu erkennen geneigt sein; indessen 
nicig man am natürlichsten eine Verschmelzung beider i bei den 
«-Stämmen, kocth aufs kocthm (nicht aufs einer durch auflösung 
des slamm-2 in den hnlbvocal mög