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Full text of "Die Franziskaner im Hl. Lande"

FRANZISKANISCHE STUDIEN 

HERAUSGEGEBEN 

VON 

MITGLIEDERN DES FRANZISKANERORDENS 



4. BEIHEFT 

DIE FRANZISKANER AUF DEM SION 



MÜNSTER IN WESTF. igig 
ASCHENDORFFSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 



DIE FRANZISKANER 1 HL. LANDE 



1. TEIL 

DIE FRANZISKANER 
AUF DEM SION 

(1336—1551) 



VON 

DR. P. LEONHARD LEMMENS O.F.M. 



NEUE AUSGABE. 







MÜNSTER IN WESTF. 1919 
ASCHENDORFFSCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 



'Biüirrä^l^OTi^^^Doii^sS^^'iw^ MÜNSTER i. W. 



DIE FKAIZISKAIER IM HEILIGE! LAIDE 



Vorwort. 

Kaum war diese Arbeit im Juni 1914 zu Jerusalem be- 
gonnen, als die Nachricht in die heilige Stadt kam, daß in 
Europa der Krieg erklärt sei und die Türkei rüste. Wenn 
auch die Ereignisse der nächsten Zeit manche Szene aus alten 
Berichten vor mir aulleben ließen, ihnen Inhalt und Farben 
verliehen, so war doch die Einbuße größer. Die zum Studium 
notwendige Ruhe und Sammlung wurde gestört, mehrere Biblio- 
theken unzugänglich. Zum Glück wurde das große Archiv der 
Franziskanerkustodie im Kloster S. Salvator erst geschlossen, 
nachdem ich die wenigen lateinischen und italienischen Stücke 
desselben, die der Zeit der ägyptischen Sultane angehören, in 
aller Ruhe geprüft hatte, während das Archiv der Prokura, 
das in demselben Kloster bewahrt wird und die arabischen 
Urkunden der ägyptischen Zeit enthält, geölfnet und zu meiner 
unbeschränkten Forschung frei blieb. Damit war mir der Plan 
für die Kriegszeit vorgezeichnet: ich mußte mich einstweilen 
auf die ersten Jahrhunderte, die Zeit der ägyptischen Herrscher, 
beschränken und die Fortsetzung besseren Tagen vorbehalten. 

Wie jedoch das Titelblatt sagt, habe ich die Zeit der 
ägyptischen Sultane um wenige Jahre überschritten, um die 
Geschichte des Klosters auf dem Berge Sion, das bald nach 
der Eroberung des Hl. Landes durch die Türken unterdrückt 
wurde, in diesem ersten Bande zu Ende zu führen 

Nachdem ich diese klare und genaue Scheidung vollzogen 
hatte, legte ich wieder mit frischem Mute Hand ans Werk. 
Mit Hilfe der mir von den Oberen zur Verfügung gestellten 
Dolmetscher konnte ich die 80 arabischen Urkunden des Pro- 
kuraarchives sorgfältig studieren. Die hervorragenden Arabisten 
P. Kamillus Maroun 0. F. M. und P. Janssen O. P. hatten die 
Güte, meine Feststellungen zu prüfen und die entstandenen 
Zweifel und Bedenken zu lösen, so daß ich eine sichere Grund- 



VIII Vorwort 

läge für meine Arbeit gewann, manche Fehler früherer Dar- 
stellungen verbessern und neue Daten verzeichnen konnte ^). 

Schon länger hatte ich angefangen, die Pilgerschriften 
der letzten Jahrhunderte des Mittelalters auszuschreiben und 
ihre Nachrichten nach den Ereignissen und Heiligtümern zu- 
sammenzustellen. Je mehr ich hierin voranschritt, um so mehr 
sah ich, welch wertvolles Material in diesen Reisebüchern steckt. 
Sie bilden nach den arabischen Urkunden die Hauptquelle meiner 
Arbeit, die den von ihren Vorgängern eingeschlagenen Weg 
verläßt und die spätem Darstellungen selten heranzieht. 

Wer dieses Buch mit den früher erschienenen Schriften 
über die Franziskanermission in Palästina zusammenhält, wird 
einen großen Unterschied in dem dargebotenen Stoffe wahr- 
nehmen. Verschiedene Nachrichten scheiden ganz aus, während 
andere Ergebnisse neu eingeführt werden ; ganz neue Zusammen- 
hänge werden aufgezeigt und viele größere und kleinere Irr- 
tümer verbessert oder abgewiesen. Ich habe darauf verzichtet, 
die einzelnen Autoren zu berichtigen; so viel möglich genügte 
es mir, die älteren, denen die übrigen ihre Angaben entnommen 
haben, zu nennen. 

Es ist nicht ein szenenreiches und wechselvolles Bild, das 
uns die folgenden Blätter bieten; im großen und ganzen kehren 
stets die gleichen Ereignisse, dieselben Arbeiten und Prüfungen 
wieder. Die eigentliche Missionstätigkeit fehlt ganz. Eines 
glänzt aber auf allen Blättern durch: die heroische Treue der 
Brüder, ihre durch nichts zu besiegende Liebe und Sorgfalt für 
die heiligen Stätten. Sie haben den ihnen anvertrauten Posten 
an den äußersten Grenzen der Christenheit mutig und siegreich 
behauptet; das Abendland sah sich in dem ihnen geschenkten 
Vertrauen nicht getäuscht und begleitete ihr Wirken stets mit 
großem Wohlwollen und Interesse. Daher darf auch diese erste 
geschichtliche Darstellung der Opfer und Mühen unserer 
Brüder an den heiligen Stätten auf freundliche Aufnahme hoffen. 

Bonn 1919. p_ Leonhard Lemmens. 



') Die meisten der arabischen Kontral^te und Fermane waren bereits 
von P. Goliibovich für seine wertvolle Liste der Kustoden benutzt worden; 
wir konnten einige andere heranziehen und einzelne Fehler verbessern. 



Inhaltsverzeichnis. 

Vorwort Vit 

Verzeichnis der zitierten Schriftsteller XI 

Einleitung 1 

I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge ß 
II. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der 

Franziskaner â–  27 

III. Einzug der Franziskaner in die hl. Stätten 39 

IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion. Statuten 
und Organisation der Franziskanermission Palästinas . 60 

V. P. Gerhard Calvetti. Neue Fortschritte und Prüfungen. 
P. Johann Belloro 7il 

VI. Einführung der Observantenfarailie in Palästina. P. Gan- 

dolf von Sizilien 10r> 

VII. Bauten und Restaurationen. Herzog Philipp. Neue 

Leiden. Eine Zeit der Ruhe 117 

VIII. Streit mit den Georgiern um den Kalvarienberg. Neue 
Verfolgungen. Die von den Franziskanern am Ende des 
Mittelalters verwalteten hl. Stätten. Die anderen christ- 
lichen Bekenntnisse im Hl. Lande 131 

IX. Arbeiten der Brüder. Gottesdienst an den hl. Stätten. 

Sorge für die Pilger. Almosen 164 

X. Die Türken erobern Palästina. Soliman vertreibt die 
Franziskaner vom Sion 196 

Verzeichnis der Abbildungen. 

Abb. 1. Zönakulum. Ansicht der Südwand 49 

Abb. 2. Zönakulum. Ansicht der Westwand 49 

Abb. 3. Zönakulum. Ansicht der Ostwand 50 

Abb. 4. Grundriß des Zönakulums • 53 

Abb. '). Lageplan 76 

Abb. 6. Grundriß des Sionklosters 147 

Abb. 7. Inneres des Zönakulums 149 

Abb. 8. Grundriß der Grabeskirche 158 

Abb. 9. Wappen der Kustodie 190 



Verzeichnis der ölter zitierten Schriftsteller XV 

Röhricht R., Etiules siir les derniers temps du royaume de Jerusalem. In: 
Archives de l'Orient Latin Bd. II. 

— Regesta Regni Hierosolymitani (1097 — 12ill). Innsbruck 1S9:}. 

— II. H. Meisner, Deutsche Pilgerreisen nach dem Hl. Lande, Berlin 1880, 
neue Ausgabe Berlin 1900. 

Saewult. Iter ad Terram Sanetam et descriptio eins annis 1102 et 1103, hrsg. 

von M. d'Avezac. In: Recueil de voyages et de memoires, Bd. IV, Paris 1839. 
Sanutus Marinas, der Ältere, Historia Hierosolymitana oder Secreta fidelium 

crucis super Terrae sanctae recuperatione et conservatione, hrsg. von 

Bongars. In: Gesta Dei. 
Sanuto Marino, der Jüngere, Diari, hrsg. von der Reale deputazione Veneta 

di Storia patria, Venedig 1879 ff. 
Sauvaire H., Histoire de «Jerusalem et de Hebron. Fragments de la Chro- 

nique de Moudjir-ed-dyn, Paris 1876. 
Schachten Dietrich von (1483), Beschreibung der Reise ins heilige landt, 

welche Herr landgraff Wilhelm, der ältere, anno 1483 vorgenommen. In: 

Rühricht-Meisner, Deutsche Pilgerreisen. 
Sc he f er, Chesneau = Chesneau. 
Schefer, Thenaud = Thenaud. 
Schefer Gh., Voyage de la Saincte Gyte de Hierusalem fait ISSO, hrsg. von 

Gh. Schefer, Paris 1882. 
Stephani = Bonifacius. 
Suriano = Golubovich, Trattato. 
Symonis Simeonis et Wilhelrai de Worcestre O.F.]\I., Itineraria (1322), 

hrsg. von J. Nasmith, Canterbury 1778. 

Thenaud Johann 0. F. M. (1512), Voyage d'Outremer. Suivi de la Relation 

de l'Ambassade de Domenico Trevisan aupres du Soudan d'Egypte 1512, 

hrsg. von Ch. Schefer, Paris 1884. 
Theodorich (1172), Libellus de locis sanctis, hrsg. von T. Tobler, St. Gallen 

und Paris 1865. 
Thetmar (1217), Iter ad Terram Sanetam, hrsg. von T. Tobler, St. Gallen 1851, 

und Laurent in der 2. Auflage der Peregrinationes Medii Aevi Quatuor, 1873. 
Tobler Titus, Descriptiones Terrae Sanctae ex saecnlis VIIL, IX., XII. et 

XV., Leipzig 1874. 

— Golgotha, Seine Kirchen und Klöster, St. Gallen nnd Bern 1851. 

— Topographie von Jerusalem und seinen Umgehungen, Berlin 1853, 1854. 
Tucher Johann (1479 1480) Pilgerfahrt, hrsg. von Feyrabend. In Reyßbuch. 

Verniero Petrus 0. F. M., Chronik, Handschrift des 17. Jahrhunderts im 

Kustodialarchiv zu S. Salvator in Jerusalem. 
Vincent und Abel 0. P., Bethleem, Paris 1914. 
de Vogue, Les Eglises de la Terre Sainte, Paris 1860. 

Wadding Lucas, Annales Minorum, Bd. I — XVI, 2. Aufl., Rom 1731 ff. 
Walther von Gnglingen O.F.M.(1482 1483), Itinerarium in Terram Sanetam 

et ad Sanetam Catharinam, hrsg. von M. Solhveck. Tübingen 1892. 
Wanckel = Nikolaus. 
Weil Gustav, Geschichte des Abbasidenchaiifats in Egypten. Bd. I, Stuttgart 

1860, Bd. II, Stuttgart 1862. 
Wilbrand von Oldenburg (1212) — Laurent. 
Wilhelm von Boldensele ^ Guilielnius. 
Wintert hur — Johannes. 



XIV Verzeichnis der öfter zitierten Schriftsteller 

Martoni = Nicolaus von Martoni. 

Meist ermann Barnabas 0. F. M.. Durchs Heilige Land, übersetzt von 
Engelbert Huber, Trier und München 1913. 

Mergenthal H. v. (1476). Gründliche und wahrhaftige Beschreibung der 
löblichen und Ritterlich an Reise und ]\Ieerfahrt in das heilige Land des 
Herrn Albrechten. Hertzogen zu Sachssen. hrsg. von H. Weller, Leipzig 1586. 

Moudjir-ed-dyn â– = Sauvaire. 

Xikolaus von Este (1413), Viaggio a Gerusalemrae di Xicolö da Este de- 
scritto da Luchino dal Campo, hrsg. von J. Ghinass'. Turin 1861. 

Nikolaus von Farnad 0. F. M. (1517). Compendiosa quedam nee minus 
lectu jocunda descriptio urbis Hierusalem atque diligens omnium locorum 
terre sancte in Hierosolymis adnotatio per quendam devotum in Christo 
fratrem divi Francisci de observantia. nationis vere Hungarice, Wien o. J. 

Nikolaus von Martoni (1394). Liber peregrinationis ad Loca Sancta. hrsg. 
von L. Le Grand. In: Revue de TOrient Latin III. 

Nikolaus von Poggibonzi O. F. M. (1345). Libro d' Oltramare. hrsg. von 
Albert Bacchi della Lega, Bologna 1881. 

Nikolaus Wanckel O. F. M., Ein kurtze Vermerkung der heyligen Stet des 
heyligen landts in und umb Jerusalem; mit verzeychnung der inercklich- 
sten ding in den selbigen geschehen. Auch wie nahent unnd verne ein 
Stat von der andern sey, Nürnberg 1517. 

Odoricus von Pordenone (1320) = Laurent. 

Oliver, Epistola ad Engelbertum archiep. Colon, de obsidione Damiatae et 
iis quae vidit in Oriente annis 1218, 1219, hrsg. in Bongars, Gesta Dei. 

I*atrem Leo 0. F. M.. Tableau synoptique de l'histoire de tout l'ordre sera- 

phique, Paris 1879. 
Perinaldo Fr. Cassini da. O. F. .M., Storia di Gerusalerame, Bd. I, Rom 1857, 

Bd. n, Rom 1857. 
Petrus Martyr = Anglerius. 

Pez B., Thesaurus anecdotorum novissimus, Bd. II, Augsburg 1721. 
Philippe de Voisins (1490), Voyage ä Jerusalem, hrsg. von Ph. Tamizey de 

Larroque. In: Archives Historiques de Gascogne. Paris 1883. 
Philippus Brosserius de Savona 0. F. M.. Libellus de descriptione Terrae 

Sanctae. In: Le Mission! Francescane III. 
Poloner J. (1422), Peregrinatio ad Terram Sanctam. hrsg. von T. Tobler in: 

Descriptiones Terrae Sanctae. 
Possot Denis (1532), Voyage de la Terre Sainte. hrsg. von Ch. Schcfer. In: 

Recueil de Voyages et de Docuraents, Bd. XI, Paris 1890. 

Quaresraius F. 0. F. M., Elucidatio Terrae Sanctae historica, theologica et 
moralis, neu hrsg. von P. Cyprian von Treviso, Bd. I. Venedig 1880. Bd. II, 
Venedig 1881. 

Razzöli Roberto 0. F. M., I Francescani in Oriente, Jerusalem 1909. 
Recueil des historiens des Croisades, hrsg. von der Akademie ..des 

Inscriptions et belies iettres", Paris 1869 ff. 
Reyßbuch = Feyrabend. 
Ricoldus (1294) = Laurent. 
— Lettres, hrsg. von Röhricht. In: Archives de l'Orient Latin, Bd. II, Paris 

1884, Documento 264 ff. 
Rochechouart Louis de (1461), Journal de Voyage. hrsg. von C. Conderc. 

In: Revue de l'Orient Latin Bd. I. 



Verzeichnis der öfter zitierten Schriftsteller XIII 

Goliibovich Hieronymus O. F. M., Serie cronologica dei R. Superiori di 
Terra Santa. Con Dociinienti e Firmani Arabi inediti, Jerusalem 1898. 

— Trattato di Terra Santa e dell' Oriente di Frate Francesco Suriano, 
Mailand 1900. 

Grethenius (um 1400) ^ Khitrowo. 

Grünemberg (1486), Pilgerfahrt ins Heilige Land, hrsg. von J. Goldfriedrich 
und W. Fränzel. In: Voigtländers Quellenbücher, Leipzig o. J. 

Guarmani C, Gl' Italiani in Terra Santa, Bologna 1872. 

Gucci G. (1384), Viaggio in Luoghi Santi, hrsg. mit der Reisebeschreibung 
des Frescobaldi == Frescobaldi. 

Guglingen = Walther. 

Guilielmi de Boldensele (1333), Itinerarius in Terram Sanctam. In: Bas- 
nage, Thesaurus IV. 

Gumpenberger St. (1449), Reisebericht. In: Feyrabend, Reyßbuch. 

Harff A. von (1496—1499), Pilgerfahrt von Cöln durch Italien, Syrien, 

Ägypten, Palästina, hrsg. von E. von Groote, Cöln 1860. 
Haroldus -= Albert von Sartheano. 

Jakob von Verona (1335), Liber Pcregrinationis, hrsg. von Röhricht. In: 

Revue de I' Orient Latin, Bd. III. 
Jakob von Vitry, Historia orientalis seu Hierosolymitana, zum Teil hrsg. von 

Bongars. In: Gesta Dei. Vgl. Potthast, Bibliotheca historica Medii Aevi I 634. 
Ignaz von Smolensk (1389 — 1405) = Khitrowo. 

Jodokus von M eggen (1542), Peregrinatio Hierosolymitana, Dillingen 1580. 
Johannes von Winterthur O. F. M., Chronicon, hrsg. von G. v. Wyß, 

Zürich 1856. 
Johannes von Würzburg (1165), hrsg. von T. Tobler. In: Descriptiones 

Terrae Sanctae. 
Justinianus von Venedig 0. F. M., Gesta Dei per Fratres Minores in Terra 

Sancta. In : Zeitschrift Le Missioni Francescane II ff. 

Khitrowo B., Itinöraires Busses. In: Societe de TOrient latin, Serie geogr. V, 
Genf 1888. 

Ivaurent J. C. M., Peregrinationes Medii Aevi Quatuor (Burkard, Ricoldus, 
Odoricus, Wilbrand), Leipzig 1864. 

Lengherand G. (1486), Voyage ä Venise, Rome, Jerusalem, Mont Sinai et 
le Kayre, hrsg. von G. Menilglaise, Mons 1861. 

Libellus descriptionis Terrae Sanctae (1427). In: Le Missioni Fran- 
cescane IV. 

Ludolf von Siichem (1336 — 1341), Liber de Itinere Terrae Sanctae, hrsg. von 
F. Deycks, Stuttgart 1851. Deutsch in Feyrabend, Reyßbuch. 

Makrizi Ahmed, Histoire des Sultans Mamlouks de l'figypte, ins franzö- 
sische übersetzt von M. Quatremere, 4 Bde., Paris 1837 ff. 

Marcellinus von Civezza 0. F. M., Saggio di Bibliografia Sanfrancescana, 
Prato 1879. 

— Storia universale delle Missioni Francescane, Rom, Prato, Florenz 1857-1895. 
Mariano Morone da Maleo O. F. M., Terra Santa nuovamente illustrata, 

Piacenza 1669. 
Marian von Florenz O. F. M., Compendium Chronicorum Fratrum Minorum. 

In AFH Iff. 
Marian von Siena (1431), Viaggio in Terra Santa, hrsg. von D. Moreni, 

Florenz 1822. 



XII Verzeichnis der öfter zitierten Schriftsteller 

Canisius = Basnage. 

Casola P. (1494), Viaggio a Gerusalerame, hrsg. von G. Porro, Mailand 1855. 

de Caumont (1418). Voyage d'Oullremcr cn Jerusalem, hrsg. von Marquis 
de la Orange, Paris 1858. 

Chesneau J. (1547), Le Voyage de Monsieur d'Aramon. hrsg. von Ch. Schefcr, 
Paris 1887. 

Christophorus de Varese O. F. M., Libollus de privilegiis Terrae Sanctac, 
Handschrift des 15. Jahrhunderts im Kustodialarchiv des Franziskaner- 
klosters S. Salvator zu Jerusalem. 

Civezza = Marcellino. 

Conrady L., Vier Rheinische Pilgerfahrten des XIV., XV. und XVI. Jahr- 
hunderts, Wiesbaden 1882. 

Contenson L. de, Une Lettre du P. Gardien de Jerusalem en 1542. In: 
Revue d'Histoire Diplomatique. Jahrg. 20, Paris 1912. 

Courct A., L'Ordre du Saint-Sepulcrc de Jerusalem. In: La Terrc Sainte, 
1885—1887. 

Oelaville Le Roule, Cartulaire general de lOrdre des Hospitalicrs de 

S. Jean de Jerusalem, Bd. I, Paris 1894. 
Dcycks = Ludolf von Suchern. 
Diarium Terrae Sanctae, Jerusalem 1908 ff. (D T S). 

Eijan Samuel O. P". M., Fspana cn Tierra Santa, Barcelona 1910. 
Eubel Conradus, Bullarium Franciscanum Bd. V — VII, Rom 1898 — 1904. 
Eyb, Die Pilgerfahrt Ludwigs des Jüngern (1 J7i)), hrsg. von Ch. Geyer, 
Bayreuth 1902. 

Farn ad — Nikolaus von Farnad. 

Felix Fabri, Evagatorium in Terrae Sanctae, Arabiae et Egypti pcregrina- 
tionem (1480 und 1483 1484), hrsg. von C. D. Haßler. In: Bibliothek des 
litter. Vereins, Stuttgart 1843—1849. 

Feyrabend Sigmund. ReyUbuch des heyligen Landes, Das ist Ein gründt- 
liche beschreibung aller und jeder Meer und Pilgerfahrten zum hl. Lande, 
Frankfurt 1584. 

Frescobaldi Leonardo (1384). Viaggio in Terra Santa. In: Viaggi in Terra 
Santa di Lionardo Frescobaldi e d' altri del secolo XIV, Florenz 1862. 

Füssly Peter (152:!), Warhafle Beschreibung der Reys und Fart . . . gaan 
Jerusalem zum Heiligen Grab, hrsg. von H. Böhmer. In: Studien zur Ge- 
schichte der Gesellschaft Jesu, Bd. I, Bonn 1914, Texte. 

Garcia Manuel 0. F. M., Derechos Legales y Estado de Tierra Santa, 
Palma 1814. 

Geisheim F., Die Hohenzollern am heiligen Grabe zu Jerusalem, insbeson- 
dere die Pilgerfahrt der Markgrafen Johann und Albrecht von Branden- 
burg im Jahre 1435 (beschrieben von H. Lochner). Berlin 1858. 

Georg ii Prioris Gemnicensis (1507), Ephemeris sivc Diarium Peregrinationis 
transmarinae, hrsg. von B. Pez, Thesaurus II. 

Gesta Dei per Fratres Minores = Justinianus. 

Ghinassi = Nicolö da Este. 

Ghistele J. van (1481—1485), Tvoyage van .Mher J. v. G., beschrieben von 
Ambrosius Zeebout, hrsg. Gent 1557. 

Golubovich Hieronymus 0. F. M., Biblioteca Bio-Bibliografica della Terra 

Santa e dell' Oriente P>ancescano, Bd. I, Quaracchi 190ii, Bd. II, Quar. 1913. 

— Ichnographiae locorum et monumentorum veterum Terrae Sanctae, accurate 

delineatae et descriptae a P. Elzeario Hörn O.F.M. (1725—1744), Rom 1902. 



Verzeichnis der öfter zitierten Schriftsteller 0. 

Alberi E., Le relazioni degli Ambasciatori Veneti al Senato, Serie III Bd. III, 

Florenz 1855. 
Albert von Sartheano, Opera oninia in ordinem redacta a P.Francisco Ha- 

roldo, Rom 1688. 
Alexander Ariosti 0. F. ^I. (1463), Itinerarium Terre Sancte Promissionis, 

hrsg. von P. Marcellino da Civezza. In: Storia delle Mission! Francescane V 

und Ch. Kohler. In: Revue de l'Orient Latin XII. 
Analecta Franciscana sive Chronica aliaque varia Documenta ad historiam 

Fratrum Minorum spectantia, hrsg. vom Kolleg der Franziskaner zu 

Quaracchi bei Florenz (A F). 

II Chronica Fr. Nicolai Glaßberger, Quaracchi 1887. 

III Chronica XXIV Generalium Ordinis Minorum, 1897. 

I\' Bartholomaeus de Pisa, Liber de Conformitate vitae beati Fran- 
cisci ad vitam Domini Jesu fructus I — XII, 1906. 

Anglerius Petrus Martyr, Legatio Babylonica, Basel 1538. 

d'Anglure, Le Saint Voyage de Jherusalem (1395), hrsg. von Franz Bon- 
nardot und August Longnon, Paris 1878. 

Anseimus von Krakau 0. F. M. (1508), Descriptio Terrae Sanctae. In: 
Canisius-Basnage, Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum IV, Amster- 
dam 1725. 

Antonius de Reboldis von Creraona 0. F. M. (1327), Itinerarium ad Sepul- 
chrum Domini, hrsg. von H. Golubovich. In: Le Missioni Francescane VIII. 

Archivum Franciscanum Historicum, Quaracchi 19081!. (AFH). 

Baldensel = Guihelmi. 

Bas nage J., Thesaurus Monumentorum Ecclesiasticorum et Historicorum sive 

Henrici Canisii Lectiones Anliquae, Amsterdam 1725. 
Baumgarten Martini a (1507), Peregrinatio in Aegyptum, Arabiam, Palae- 

stinam et Syriam, hrsg. von M. Chr. Donaverus, Nürnberg 1594. 
Bcrnardino Amico 0. F. M., Trattato delle Plante et Immagini dei Sacri 

Edifizi di Terra Santa, disegnato in Jerusalemme secondo le regole della 

Prospettiva et vera misura della lor grandezza, Florenz 1620. 
Bernhard von Breitenbach (1483), Peregrinationes, 1486 und öfter. 
Bongars J., Gesta Dei per Francos sive orientalium expeditionum et regni 

Francorum Hierosolimitani historia a variis scriptoribus litteris commen- 

data, Hannover 1611. 
Bonifatius Stephani (oder Stephanus) 0. F. M., Liber de perenni cultu 

Terrae Sanctae, neu hrsg. von P. Cyprian von Treviso, Venedig 1875. 
Brosserius = Philippus Brosserius. 

Burchardus de Monte Sion (1283). Descriptio Terrae Sanctae = Laurent. 
Bzovius A., Annales Ecclesiastici, Rom 1616 ff. 

Calahorra J.. Historia cronologica deIla«Provincia di Syria e Terra Santa, 
aus dem spanischen übersetzt ins italienische von P. Angelicus von Mai- 
land, Venedig 1694. 

1) Die hinter den Namen der Verfasser eingeklammerten Jahreszahlen 
geben die Zeit ihrer Pilgerreise an. 



Einleitung. 

Am 18. Mai 1291 wurde Akri, das letzte Bollwerk der 
Kreuzfahrer in Palästina, nach tapferer Gegenwehr von den 
Truppen des ägyptischen Kalifen Aschraf Chalil erstürmt. Bald 
ergaben sich ihm die wenigen Plätze, die an der Küste in den 
Händen der abendländischen Christen verblieben waren, und 
damit waren die letzten Erfolge zweihundertjähriger Kämpfe 
und Opfer im Oriente vernichtet, über ganz Syrien und Palä- 
stina herrschte aufs neue der Halbmond. Wie die erste Erobe- 
rung des Hl. Landes durch die Moslems, so brachte auch dieser 
zweite Sieg des Islams geringe Änderungen in den religiösen 
Verhältnissen der morgenländischen Christen, der Griechen, 
Armenier, Syrier und anderer. Sie behielten ihren Bestand, ihre 
Kirchen und Rechte und durften ungestört im Hl. Lande ver- 
bleiben. Wie uns die Pilger jener Zeit berichten, zählten damals 
die morgenländischen Christen in Palästina nach Tausenden 0; 
ganze Orte, wie z. B. Bethlehem'-), waren ausschließlich von 
Christen bewohnt. Alle Länder des christlichen Orientes waren 
im Hl. Lande vertreten. Nur die abendländischen Christen hat- 
ten dasebst keine bleibende Stätte; ihre Kirchen und Klöster 
waren die Beute der Sieger geworden. Die Pilger, die bald 
aus. dem Westen in großer Zahl herüberkamen, waren bei ihren 
Andachten auf das Wohlwollen der schismatischen Geistlichen 
angewiesen. 



1) Der Dominikaner Ricoldus. der 1294 in Palästina weilte, traf anf 
Epiphanie am Jordan „ultra decem millia" Christen. Laurent 109. 

■-) Der Dominikaner Burkard berichtet 1283 von Bethlehem: „Incolae 
hujus viilac omnes sunt Christiani." Laurent 79. Dasselbe sagt 1333 Wil- 
helm von l^oldcnsele: „Ilabitatores eins sunt communitor Christiani, quamvis 
Schismatici." Bas nage IV 34ü. 

Franzi8k. Stuilien, Beiliprt 4: Lemmens, Die Franziskaner au! dem Siou. 1 



2 Einleitung 

Lange sollte jedoch dieser Zustand nicht dauern. Nachdem 
das Ende der Kämpfe die Reibungsflächen zwischen dem Abend- 
lande und dem Oriente beseitigt hatte, gewannen bald ruhigere 
Erwägungen am Hofe des Kalifen die Oberhand. Der Kalif 
Nassir Muhammad, Bruder und Nachfolger des Sultans Aschraf 
Ohalil, der dem Reiche der Kreuzfahrer das Ende bereitet hatte, 
einer der tüchtigsten MameUickensultane, war ein duldsamer 
und weitherziger Monarch, der von Zeitgenossen als Freund 
der Katholiken gepriesen wurde ^). Er kannte, wie Johann von 
Winterthur sagt^), die Zerrissenheit und Streitigkeiten der Für- 
sten und Völker Europas zu gut, als daß er von dort Gefahren 
für sein Reich gefürchtet hätte. Als daher König Robert von 
Neapel mit seiner frommen Gemahlin Sanzia an den Sultan die 
Bitte um Zulassung abendländischer Ordensleute in Jerusalem 
richtete, fand dieselbe Gehör, zumal sie von den im Oriente 
stets wirksamen Geschenken begleitet war. Der Sultan über- 
ließ dem Königspaar das Zönakulum und zwei Kapellen auf dem 
Sion. Eine sizilianische Dame, namens Margareta, die beim 
Sultan „in großen Gnaden" stand und den Christen viel Gutes 
erwies^), vermittelte den Ankauf des anstoßenden Grundstückes; 
Königin Sanzia baute auf demselben ein Kloster und übergab 
es den Franziskanern, die dem Könige durch seinen Bruder, den 
heiligen Franziskaner Ludwig von Anjou, besonders nahestanden; 
der Sultan ließ die Brüder zum Gottesdienste in der Grabeskirche 
zu und räumte ihnen die Kirche über der Geburtsgrotte zu 
Bethlehem ein. So war in kurzer Zeit und in friedlicher Arbeit 
das hohe Ziel zum Teil und in anderer Form errreicht, daß sich 
das christliche Abendland im elften Jahrhundert gesteckt und 
zweihundert Jahre hindurch mit unsäglichen Opfern und Kämpfen 
stets aufs neue aber vergebens erstrebt hatte. Mehrere " der 
ehrwürdigsten Heiligtümer Palästinas waren Eigentum des Abend- 
landes und katholischen Ordensleuten an^'ertraut worden, die 
sich dieses Vertrauens würdig erwiesen. 



1) So sagt Johann von Winterthur von ihm: ,.Hic Soldanus, ut commu- 
niter aperitur, Christianos diligens. ipsos benigne et reverenter, cum ad partes 
ditlonis suae venerant, tractavit." Wyß 145. 

2) Ebd. 146. 3) Ludolf von Sudheim. Vgl. Reißbuch Bl. 450 v. 



Einleitung 3 

Nicht ohne Recht erinnern die Franziskanerchronisten bei 
dieser Wendung der Dinge an das Wort, das der Herr durch 
den Propheten Sophonias^) an Jerusalem richtete: „Ich will 
die Großsprecher aus deiner Mitte nehmen und lasse übrig unter 
dir ein armes, dürftiges Volk, das vertraut auf den Herrn." 
An Stelle der stolzen Kreuzritter waren die armen Söhne des 
hl. Franziskus die Wächter der Heiligtümer geworden, die statt 
Panzer und Schwert das Gottvertrauen zur Rüstung wählten 
und im Namen des Herrn ihren Feinden trotzten. Von Wider- 
sachern umgeben, von Tod und Not begleitet, trotz Seuchen und 
Krankheiten, unter Erpressungen und Entbehrungen aller Art, 
in Kerker und Banden haben sie die Fahne des Kreuzes mutig 
verteidigt und ihren an der äußersten Front gelegenen Posten 
siegreich behauptet. Man konnte sie töten, ins Gefängnis werfen, 
ihre Klöster viele Monate vermauern; stets warteten andere 
Brüder sehnsüchtig auf die Erlaubnis, an ihre Stelle zu treten, 
die Reihen zu schließen und das Opferleben fortzusetzen. Das 
Blatt, auf dem diese älteste der heutigen Missionen beschrieben 
ist, die einzige, die aus den Zeiten des glaubensvollen Mittel- 
alters bis auf unsere Zeit bestehen blieb, prangt in besonderer 
Farbenpracht. 

Die Geschichte dieser Mission umfaßt zwei Perioden: die 
Zeit der ägyptischen und die der osmanischen oder tür- 
kischen Kalifen, die 1516 Syrien eroberten. Beide Zeiträume 
unterscheiden sich in mannigfacher Beziehung; vor allem waren 
die ägyptischen Herrscher unduldsamer und fanatischer, während 
die türkischen Machthaber schon durch politische Rücksichten 
und Verträge zu größerer Duldsamkeit genötigt waren. 

So kam es, daß die Mission, die unter den ägyptischen Herr- 
schern auf die drei gleich zu Anfang gewährten Klöster be- 
schränkt blieb, unter den türkischen Kalifen die Zahl ihrer Nieder- 
lassungen stets vermehren konnte. Damit ergab sich aber das 
Wachstum der seelsorglichen Tätigkeit der Brüder, die zunächst 
nur den abendländischen Pilgern gegolten hatte; es nahmen 
immer mehr Katholiken aus Europa in Syrien und Palästina 

>j 3. 1 1 r. 



4 Einleitung 

Wohnung, und mehrere Male näherten sich größere Gruppen 
morgenländischer Christen der römischen Kirche. Darin waren 
sich indes beide Zeiträume gleich, daß jede Predigt unter den 
Sarazenen ausgeschlossen blieb; sie war bei Todesstrafe ver- 
boten, und mehrere Fälle zeigen, daß diese Strafe auch zur 
Ausführung gelangte. 

Perinaldo, ein guter Kenner der Geschichte unserer Mission, 
sagt über das Verhalten der osmanischen und ägyptischen Be- 
hörden^): „Erstere waren weniger blutdürstig als jene, aber 
je weniger Blut sie vergossen, um so mehr Galle mußten die 
Brüder verkosten; und je geringer die Auslagen für die Wieder- 
herstellung der verbrannten Kirchen waren, um so größere 
Summen mußten sie aufwenden, um ihre Kirchen vor der 
Schließung zu bewahren . . . Die Sarazenen dürsteten nach Blut, 
die Türken nach Gold. Eine Folge dieses Durstes waren die 
tausend Streitfragen, die sie immer aufs neue aufleben ließen 
und unter den verschiedenen christlichen Genossenschaften, die 
im Schatten derselben Heiligtümer lebten, nährten. Eine Folge 
dieses unersättlichen Durstes waren die tausend Fermane, die 
nach Art der alten delphischen Orakelsprüche lauteten und jeder- 
zeit bald zugunsten der einen, bald der andern Gemeinde ge- 
geben wurden. Eine Folge dieses Durstes waren endlich die 
endlosen Plackereien, die gewaltsamen Erpressungen und die 
stets wiederholten Forderungen, welche die Geschichte der 
Franziskaner Palästinas füllen." „Den neuen Machthabern fiel 
es", sagt Tobler von den Osmanen, „nach und nach ein, sich 
als Besitzer der heiligen Stätten zu erklären und sie nach Lust 
oder Laune oder vielmehr auf das Mehrgebot hin zu vergeben"^); 
daher die vielen Streitigkeiten der christlichen Konfessionen in 
der türkischen Zeit, während unter den ägyptischen Herrschern 
die Besitztitel an den Heiligtümern meist außer Frage blieben. 
Erst als gegen Ende die Türkengefahr immer höher stieg, durf- 
ten die Georgier, die als Feinde und Nachbarn der Türken den 
ägyptischen Kalifen willkommene Bundesgenossen waren, im 
Vertrauen auf diese Gunst einen freilich vergeblichen Vorstoß 



1) Stoiia di Gerusalenme II 187. -) Topographie II 486. 



Einleitung 5 

gegen die Rechte der abendländischen Christen auf einen Teil 
des Kalvarienberges machen. 

Aus diesen Gründen ist die Geschichte der Mission in der 
zweiten Periode weit mannigfaltiger und bewegter als in den 
ersten zwei Jahrhunderten, in denen stets dieselben Ereignisse 
wiederkehren: Sorge der Brüder für die heiligen Stätten, Ar- 
beiten für die abendländischen Pilger, denen sie Gastgeber, 
Führer, Berater und Dolmetscher waren, und Verfolgungen 
von selten mohammedanischer Behörden, die sich an unsern 
Brüdern für alle Maßregeln der christlichen Herrscher gegen die 
Sarazenen rächten. 

Die vorliegende Schrift erzählt die Geschicke der Franzis- 
kaner in Palästina unter den ägyptischen Kalifen und greift 
ein paar Jahrzehnte über diesen Zeitraum hinaus, um die Ge- 
schichte der Niederlassung auf dem Sion zu Ende zu führen. 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit 
der Kreuzzüge. 

Seit den ersten Zeiten des Ordenslebens hielten Einsiedler 
und Mönche, Lauren und Klöster Einzug in Palästina; die hei- 
ligen Stätten und die stimmungsvollen Einöden fesselten stets 
aufs neue gottselige Männer und fromme Frauen, die für ihren 
Erlöser leben und sterben wollten, wo er gelebt und gelitten 
hat. Trotz der verschiedenen Geschicke und Schläge, die das 
Hl. Land wiederholt seit Beginn des Mittelalters trafen, ver- 
schwand das Ordensleben nicht mehr aus Palästina. Das Heer 
des Perserkönigs Chosroes setzte mehrere hundert Kirchen, Klö- 
ster und Heiligtümer in Brand; die Mönche blieben im Lande. 
Bald nachher kamen die Araber und pflanzten für viele Jahr- 
hunderte den Halbmond an die Stelle des Kreuzes; aber das 
Ordensleben behauptete sich weiter. „Man ist wahrhaft erstaunt", 
sagt Tobler, „in einer Zeit, in welcher die Christen unter der 
Botmäßigkeit der Mohammedaner lebten, nach den Verheerungen 
der Perser . . . noch so viele Kirchen und Klöster zu treffen. 
Es ist dies nicht nur ein Zeugnis für die im ganzen milde Re- 
gierung der Kalifen, sondern auch dafür, daß die Christen einen 
wichtigen Faktor der Bevölkerung ausmachten. Das tartarische 
Verfahren der Moslemin und das Abschwächen des christlichen 
Bestandteiles war einer spätem Zeit vorbehalten" ^). 

Das schwerste Unheil brachten der Kirche des Orientes die 
vielen Schismen und Ketzereien, die seit dem 5. Jahrhundert 



1) Tobler, Descriptiones 373. Vgl. auch R. Hartraann, Palästina 
unter den Arabern, Leipzig 1915, 17: ..Die Kirchen und Synagogen verblieben 
im großen Ganzen ungeschmälert im Besitz der Glaubensgemeinschaften." 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 7 

die einzelnen Völker des Morgenlandes vom Felsen Petri der 
Reihe nach losrissen. Auch aus Palästina verschwand die rö- 
misch-katholische Kirche, um den verschiedenen Konfessionen 
und Riten der neuen Sekten den Platz zu räumen. Indes blieben 
die Klöster auch jetzt; jedes Christenvolk des Orientes suchte und 
fand sein Kloster auf heiligem Boden; man hatte nun in Palästina 
armenische und griechische, koptische und andere Mönche. 

Wiederholt kehrten auch abendländische Klöster und Or- 
densleute im Morgenlande ein. So hatte bereits der Ruf des hl. 
Hieronymus gottgeweihte Männer und Frauen aus Italien nach 
Bethlehem gezogen. Und 800 gründete Karl der Große gegen- 
über der Grabeskirche ein Benediktinerkloster, das aber nach 
200 Jahren der Zerstörungswut des Kalifen Hakim erlag. Doch 
bildeten naturgemäß die abendländischen Klöster im Oriente 
eine Ausnahme, bis die Eroberung des Hl. Landes durch die 
Kreuzfahrer ein vorübergehendes Aufblühen des lateinischen 
Ordenslebens in Palästina bewirkte. Jetzt erhielten die Regu- 
lierten Chorherrn ihre Stätte an den großen Heiligtümern; Be- 
nediktiner und Benediktinerinnen, Zisterzienser und Prämon- 
stratenser gründeten .\bteien auf Berg und Tal; daneben ent- 
standen ganz neue Orden auf dem fruchtbaren Boden Palästinas. 
Leider war allen diesen Gründungen nur kurze Zeit beschieden. 
Ehe sich ein Jahrhundert neigte, mußte das Kreuz ein zweites 
Mal in der Hl. Stadt dem Halbmonde weichen und das König- 
reich Jerusalem sich auf einen schmalen Meeressaum beschrän- 
ken. Jerusalem, Bethlehem und Nazareth fielen mit dem größ- 
ten Teile des Landes in die Hände Saladins. Die lateinischen 
Christen mußten abziehen; ihre Kirchen und Klöster wurden 
Moscheen oder Schulen und sahen nur noch einmal auf kurze 
Zeit die alten Bewohner wieder, als Kaiser Friedrich II. mit 
Sultan Melek-el-Kamel Frieden geschlossen hatte, und Patriarch 
Geroldus mit seinem Kapitel, den Regulierten Chorherrn und 
Mönchen nach Jerusalem zurückkehrte. 

Jene Friedenszeit öffnete zwei Orden, die erst seit kurzer 
Zeit entstanden und von der Kirche bestätigt waren, die Tore 
Jerusalems, den Franziskanern und Dominikanern. Kaum ge- 
gründet, hatten sie schon Brüder ins Morgenland gesandt. Konn- 



8 I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

ten diese auch nur wenige Jahrzehnte in Palästina bleiben, so 
sahen die weiten Länder des Orientes sie noch lange als die 
einzigen Vertreter und Boten der abendländischen Kirche. Mit 
ihnen beginnt eine neue Blütezeit der Kirche im Abendlande 
und eine neue Epoche des lateinischen Ordenslebens im nahen 
und fernen Asien, in Armenien und Persien, in Indien und unter 
den Tataren. Dem einen derselben sollte es sogar vergönnt 
sein, die von den Kreuzfahrern verlassene Fahne wieder auf- 
zunehmen und Jahrhunderte hindurch mit Gut und Blut en den 
hl. Stätten zu verteidigen. 

Über den ersten Aufenthalt der Franziskaner in Palästina 
wird wenig berichtet. Die Brüder werden nur gelegentlich in 
Chroniken oder Urkunden erwähnt. Man sieht sogleich, daß 
ihre Geschicke im Hl, Lande mit den Geschicken des Königs- 
reiches Jerusalem innigst verknüpft waren; ihre Niederlassun- 
gen beschränkten sich auf seine Grenzen und fanden mit dem- 
selben ihr Ende. 

Wir wissen nicht, wann die Brüder zum ersten Male in 
Palästina erschienen, und wo die ersten Niederlassungen ent- 
standen. Die älteste Nachricht, die auf einen dauernden Aufent- 
halt derselben im Hl. Lande schließen läßt, enthält das Schrei- 
ben, das Gregor IX. am 1. Februar 1230 an die Patriarchen 
von Jerusalem und Antiochien richtete. Er sagt in demselben: 
„Wenn ihr die Minderbrüder betrachtet, so wendet ihr wohl 
erkennen, daß sie nicht zeitliche Güter erstreben" ') ; diese 
Worte setzen voraus, daß jene Kirchenfürsten die Gelegenheit 
hatten, das Wirken der Brüder zu betrachten. 

Wo aber die Brüder damals verweilten, wird nicht gesagt. 
Daß im 13. Jahrhundert eine Niederlassung zu Jerusalem 
bestand, ist außer Zweifel, da sie von dem Dominikaner Ricol- 
dus, der 1294 die hl. Stätten besuchte, ausdrücklich erwähnt 
wird. Bei Beschreibung des Leidensweges unsers Herrn be- 

1) GB I 160. — Bore (Della questione dei Luoghi Santi, Malta 1850, 
14 Anm.) meint, Gregor IX. hätte 1238 den Franziskanern die Hut der hl. 
Stätten anvertraut. Wir wüßten nicht, was Gregor 1238 in diesem Sinne ge- 
tan hätte. Ob Bore die zwei Breven „Pro zelo christianae fidei" vom Jahre 
1238 im Auge hat, die den Franziskanermissionären des Orientes gewisse 
Vollmachten geben? 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreiizzüge 9 

merkt er zur 5. Station: „Hierneben ist die Stätte, die den 
Minderbrüdern gehörte" 0. Da dies die einzige aus dem 13. Jahr- 
liundert stammende Kunde über die genannte Niederlassung 
ist und die Franziskaner damals nur kurze Zeit in der Hl. Stadt 
bleiben konnten, versteht man, daß dieser Aufenthalt keine 
Spuren in Urkunden und Chroniken hinterließ und in volles 
Dunkel gehüllt wurde, weshalb unsichere und unbestimmte 
Meinungen über den Bestand und allerlei Vermutungen über 
Ursprung und Dauer des Klosters Platz greifen konnten. So- 
gar die Lage desselben wurde verschieden bestimmt, seitdem 
jenes Zeugnis des Br. Ricoldus über den Ort der Niederlassung 
ganz in Vergessenheit geraten war. Was den Anfang der- 
selben betrifft, so besteht die größte Wahrscheinlichkeit für die 
von dem spanischen Chronisten Calahorra und andern ver- 
tretene Meinung, daß die Franziskaner während der Dauer des 
1229 abgeschlossenen Friedens in die Hl. Stadt einzogen^), da 
man annehmen muß, daß sie sich daselbst niederließen, als die 
Stadt in der Gewalt der Christen war. Während der Kämpfe 
mit den Kreuzfahrern dürften die Sultane kaum lateinischen 
Ordensleuten dauernden Aufenthalt zu Jerusalem gestattet noch 
diese dort den Lebensunterhalt gefunden haben. 

Die Frage nach dem Orte der Franziskanerniederlassung 
in Jerusalem wäre durch das Zeugnis des Ricoldus gelöst ge- 
wesen; da es aber vergessen war, so suchten spätere Geschichts- 
schreiber des Ordens die erste Niederlassung der Brüder auf 
dem Berge Sion. Harlan von Maleo versetzte sie neben das 
Zönakulum und meinte, Franziskus habe selbst bei seiner Orient- 
reise 1219 vom Berge Sion Besitz ergriffen und beim Zöna- 
kulum ein Kloster gegründet^). Abgesehen davon, daß für 



') G B I 357. Spätere Pilger erwähnen nur die „in bivio, in quo 
angariaverunt Simonem" erbaute Kirche; so Fabri I JJoS: „In hoc loco quon- 
dam stabat ecclesia, quae nunc est tota destrucla." 

-') Cal. B. II K. 6; GB I 159. 

•^) P. Mariano Morone da Maleo, Terra Santa nuovamente illustrata, 
I, Piazenza 1669, 17, 72, 187; II, ebd. 1670, 218, 378. — Wenn P. Golu- 
bovich, Serie 191, sagt: „I piü de' Cronisti di Terra Santa opinano . . ., 
che lo stabilirsi de' Minori sul Monte Sion e presse il S. Cenacolo, dati dall 
arrivo di S. Francesco nelle terre d Oriente" (1219), so gilt das nur von den 



10 I. Die Franziskanei" in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

diese Behauptung kein einziges älteres Zeugnis geltend gemacht 
werden kann, so dürfte sie bereits der von Calahorra dagegen 
erhobene Einwand ausschließen, der mit vollem Rechte darauf 
aufmerksam macht, daß die Regulierten Chorherrn sicher 1219 
ihr Recht auf das Sion-Heiligtum, in das sie zehn Jahre später 
wieder einzogen, noch nicht aufgegeben hatten. Es ist aber 
vollständig ausgeschlossen, daß der friedliebende Stifter in die 
Rechte anderer eingedrungen wäre. Höchstens, meint Cala- 
horra, könne man annehmen, daß sich die Brüder an einer 
andern Stelle des Sionberges angesiedelt hätten; und diese An- 
nahme glaubt der genannte Chronist tatsächlich durch arabische 
Urkunden des 13. Jahrhunderts stützen zu können, aus denen 
hervorgehen soll, daß die Franziskaner in jener Zeit auf dem 
Sion gewohnt haben. 

Unseres Wissens ist Calahorra der erste, der jene ara- 
bischen Urkunden des Archivs der Prokura der Kustodie heran- 
zieht. Die vorausgehenden Geschichtsschreiber derselben, wie 
Quaresmius und Verniero, haben sich nirgends auf Urkunden 
aus jenem Jahrhundert berufen. Der Kustos P. Paul von Lodi, 
der 1634 P. Petrus Verniero den Auftrag gab, die Geschichte 
der Kustodie zu schreiben, hatte zuvor durch den in der ara- 
bischen Sprache wohlbewanderten P. Vinzenz von Gallicano 
ein vollständiges Verzeichnis aller arabischen und türkischen 
Urkunden des Archivs aufstellen lassen, wobei ihm ein gebil- 



Chronisten der letzten 250 Jahre. Von den Frühern hat niemand diese Mei- 
nung aufgestellt. — Spätere Schriftsteller haben gern an die p]rzählung der 
Actus, daß Sultan Melek-el-Kamel dem von ihm hochverehrten Stifter ein 
„signaculum" übergeben habe (vgl. GB I 62), angeknüpft und dies dahin 
verstanden, daß der Sultan ihm einen Schutzbrief ausstellte, auf Grund dessen 
die Niederlassungen in Palästina entstanden seien. Auch der hochverdiente 
Graf Riant schließt sich in einem Briefe an Br. Lievin dieser Ansicht an und 
schreibt, „que la Province Franciscaine de Terra Sainte remonte ä S. Fran- 
Qois lui-meme qui a du rapporter de son voyage un Firman general" (vgl. 
G B a. a. 0. Anm. 1). Wir wollen gewiß nicht leugnen, daß man jene Nach- 
richt der Actus von einem solchen Schutzbriefe verstehen kann: aber diese 
Deutung ist durch nichts verbürgt und gestützt. Es geht aber für den Hi- 
storiker nicht an, eine unsichere Deutung einer spätem Legende zur Grund- 
lage einer geschichtlichen Feststellung zu machen, zumal alle andern zeit- 
genössischen Nachrichten versagen oder sich direkt ablehnend verhalten. 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 11 

deter Türke für die türkischen Urkunden zur Seite ging ^). In 
diesem Verzeichnis, das sich im 4. Buche der von Verniero 
verfaßten Chronik findet^), steht keine Urkunde des 13. Jahr- 
hunderts. Die ersten dieser Art erscheinen mit Calahorra; 
spätere vermehrten die Zahl derselben und glaubten im ge- 
nannten Archiv sogar Urkunden des 11. und 12. Jahrhunderts 
zu finden. Doch liegt fast bei allen ein grobes Versehen vor. 
öfter wurden die sehr schwer zu lesenden arabischen Buch- 
staben falsch gedeutet ^), andere Male nicht datierte Stücke mit 
einem Datum versehen; und mehrere Urkunden des 13. Jahr- 
hunderts, die nichts mit den Franziskanern zu tun haben, wurden 
zu Unrecht auf diese übertragen. Wie Verniero selbst zu diesen 
Stücken bemerkt ■*), ist es im Morgenlande Brauch, daß beim 
Verkaufe eines Hauses oder Grundstückes die früheren dies- 
bezüglichen Kaufverträge auf den neuen Käufer übergehen. 

In den wichtigsten Fällen war es nicht schwer, die be- 
gangenen Fehler zu erklären und zu verbessern. So sollte ein 
Ferman aus dem Jahre 1023 im Archiv sein, der die fränkischen 
Ordensleute in Schutz nimmt ^). Dieser Schutzbrief ist von 
Sultan Muzafer ausgestellt, der vier Jahrhunderte später (1421) 
regierte, und an den venezianischen Konsul zu Damaskus ge- 
richtet, an den sicher niemand im Jahre 1023 dachte. Ein ins 
Jahr 1233 gesetzter Ferman soll den Franziskanern die Hälfte 
des Kalvarienberges zugesichert haben. Nun war aber 1233 



1) Nach dem Briefe des genannten P. Kustos, der zu Anfang der im 
Archiv des Sel^retariates der Kustodie bewahrten Chronili steht. Die genannte 
Chronik ist noch nicht gedruckt. 

2) S. 134—211. Die erste Hälfte ist unter dem Titel „Catalogus Scriptu- 
rarum Terrae Sanctae" abgedruckt in der Zeitschrift Diarium Terrae Sanc- 
tae III und IV. 

'â– *) Der hervorragende Arabist P. Joussen 0. P., der auf unsere Bitte 
die in Frage stehenden Firraane prüfte, versicherte uns, daß es unmöglich 
sei, einzelne Buchstaben und so ihren Zahlenwert mit Bestimmtheit zu deuten ; 
höchstens könne man aus dem Inhalte und den Namen die Zeit der Firmane 
folgern. Die Fehler der frühern Datierungen führt er besonders darauf zu- 
rück, daß man den unterschied zwischen der syrischen und nordafrikanischen 
Schreibweise der Zaiiien über.-ah; jede gibt den Buchstaben einen andern 
Zahlenwert. +) Chronik 166. 

•i) Schublade 36 des Archives. Razzoli, I Francescani 22, gibt eine 
Photographie der Urkunde. 



12 I. Ui<J Fraiizlskanei- in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

Jerusalem unter der Herrschaft der lateinischen Könige und 
daher ein Ferman des Sultans in keiner Weise maßgebend, und 
die Grabeskirche von den Regulierten Chorherrn bedient. Der 
Ferman trägt an der Spitze den Namen des Sultans Qansu, der 
im Anfang des 16. Jahrhunderts regierte; tatsächlich fallen in 
seine Zeit die Kämpfe der Franziskaner mit den Georgiern, 
die den Brüdern ihren Anteil am Kalvarienberge entrissen 
hatten. Ein von spätem in das Jahr 662 der Hedschra ge- 
setzter Ferman sagt bereits durch seine türkische Sprache, daß 
er um mehrere Jahrhundert jünger ist und der Zeit der Os- 
manen angehört. Außerdem heißt es ausdrücklich im Ferman, 
daß die Brüder vor dem Sultan an der „Pforte der Glückselig- 
keit", d. h. in Konstantinopel, erschienen. Nach Calahorra soll 
Sultan Daher-Barkuk 1294 den Brüdern die Erlaubnis erteilt 
haben, ihr Kloster auf dem Berge Sion zu restaurieren 0. Jener 
Sultan regierte 100 Jahre später (1382 — 1399), weshalb der 
Ferman um 100 Jahre jünger ist. Andere Fermane scheiden 
aus, weil sie nicht die Franziskaner betreffen. So begegnet 
man bei vielen Schriftstellern der Nachricht, die Franziskaner 
hätten 1295 oder 1296 zu Ramleh ein Grundstück erworben^). 
Tatsächlich befindet sich im Prokuraarchiv ein Kaufvertrag 
über einen Platz in Ramleh aus dem Jahre 694 der mohamme- 
danischen Zeitrechnung^); derselbe sagt aber nicht ein einziges 
Wort von Franziskanern und kam erst mit einem spätem Kaufe 
in ihre Hände. Auf die gleiche Weise wird eine andere Ur- 
kunde, aus dem Jahre 1247, ins genannte Archiv gelangt sein *), 
die von einem Streite handelt, den fränkische Ordensleute mit 
einem gewissen Christen Jakob wegen eines auf dem Sion ge- 
legenen Grundstückes führten. Jene Brüder machten vor Ge- 
richt geltend, daß sie bereits zur Zeit der Eroberung Palästinas 



1) Chronik, ß. II K. 6. — P. Jugtinian von Venedig übernalirn diese 
Nachricht in seine „Gesta Dei per Fratres Minores" (vgl. Le Missioni Fran- 
cescane II 69: „Suitanus Daher concedit Fratribus reparationem Conventus 
Sacri Montis Syon"), wodurch er zu mehreren andern Irrtümern kam. 

2) Vgl. Golubovich, Serie 204. ^) Schublade 7. 

â– *) Schublade 25. Es ist die einzige arabische Urkunde des genannten 
Archivs aus dem 13. Jahrhundert, die Golubovich, freilich mit Bedenken, auf- 
genommen hat. 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 13 

durch Omar im Besitz des strittigen Aclcers waren, woraus 
sich sofort ergibt, daß nur morgenländische Mönche in Frage 
kommen. Dieser Deutung stehen die in der Urkunde gebrauchten 
Worte „die fränkischen Ordensleute des Sionklosters" nicht 
entgegen, da sie von den Brüdern des um jene Zeit mit Rom 
vereinigten armenischen Salvatorklosters auf dem Sion ver- 
standen werden können, zumal die Namen der in der Urkunde 
genannten Ordensleute auf Armenier hinweisen ^). Auf keinen 
Fall kommen die Franziskaner bei der Streitfrage und Ur- 
kunde in Frage. 

Daß im 18. Jahrhundert den Franziskanern Fermane aus- 
gestellt wurden, ist außer Zweifel, da spätere Fermane ganz 
klar Schutzbriefe erwähnen, die von den Sultanen Bibars und 
Kalaun den Brüdern verliehen seien ^). Weil jedoch der Wort- 
laut nicht vorliegt, können wir über ihren Inhalt nichts fest- 
stellen. Unter den Urkunden und Fermanen, die noch heute 
in St. Salvator zur Verfügung stehen, ist nur ein auf den Sion 
bezügliches Stück aus dem 13. Jahrhundert, das aber nicht die 
Franziskaner betrifft. Daher fallen alle Beweise, die Calahorra 
und andere für ein Kloster der Minderbrüder anführen, daß in 
jener Zeit auf dem Berge Sion bestanden habe. 

In neuerer Zeit suchte man die erste Niederlassung der 
Franziskaner zu Jerusalem an der Grabeskirche; sie hätten 
sich daselbst bereits um 1240 niedergelassen. Diese Ansicht 
beruht auf einem der köstlichsten Mißverständnisse, dem man 
in historischen Arbeiten begegnet. Ein Chronist jener Zeit soll 
melden, daß „diio fratres minores" die Hut des Hl. Grabes wahr- 
nehmen. Tatsächlich heißt es so in der Beschreibung des Hl. 
Landes, die der Patriarch von Jerusalem an Papst Innozenz III. 
sandte. Aber jeder, der den ganzen Wortlaut liest, sieht sofort, 
daß nicht von zwei Minderbrüdern die Rede ist, sondern von 
„zwei Jüngern Brüdern unter den 8 Söhnen des Sultans Saffedin, 
die täglich vor ihrem CJotte Mohammed weilen" ''). 

') So heißt der zweite „K'iir, Sohn des Agob" ; bei G o 1 u b n v i c li , Serie 4, 
und Bibiioteca I 219, .irrig: „Gregorio, figlio di Giacomo." 

••2) Vgl. Golubovich, Serie 1(58 und 178. 

=<) Die fragliche Stelle lautet: „Octo filii Sephadini . . .; duo alii fratres 
minore; sunt quotidie in eonspectu dei sui Machoineth ;" GB I 187. Jenes 



j^4 I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

Während so die bisher vorgebrachten Zeugnisse des 13. 
Jahrhunderts und die verschiedenen Ansichten über andere 
Klöster der Franzisl^aner in Jerusalem preisgegeben w^erden 
müssen, bleibt nur die von Br. Ricoldus überlieferte Nachricht 
über eine Niederlassung derselben in der Nähe der 5. Kreuz- 
wegstation übrig. Da aber seine wenigen Worte alles enthalten, 
was bisher über dieses Kloster in Erfahrung gebracht werden 
konnte, sind Anfang, Geschicke und Ende desselben in Dunkel 
gehüllt. Doch besteht alle Wahrscheinlichkeit für die Annahme, 
daß es nach wenigen Jahren bei der Eroberung der Hl. Stadt 
durch die Charesmier mit den übrigen lateinischen Anstalten 
sein Ende fand. 

Über das Franziskanerkloster, das im 13. Jahrhundert in 
Bethlehem bestanden haben soll, wissen wir nicht einmal so 
viel. Bisher wurde weder eine Urkunde noch eine Chronik 
jener Zeit gefunden, die von dieser Niederlassung der Brüder 
in der Geburtsstadt des Heilandes Nachricht gibt, weshalb wir 
auch hier auf die Vermutung beschränkt sind, daß die Söhne 
des hl. Franziskus während des von Kaiser Friedrich II. er- 
wirkten Friedens in Bethlehem einzogen, um bald an der 
Krippe des Erlösers zu weilen 0- Die öfter aus Marinus Sanutus 
wiederholte Nachricht, daß die dortigen Brüder im April 1263 
als Märtyrer gestorben seien, ist zum wenigsten sehr unsicher; 
Sanutus spricht nur von „Monasterium Bethlehemitanum" im 



Mißverständnis findet sich zum ersten Male in Le Mission! Francescane, 1894, 
159; hieraus wurde es von P. Golubovich in seiner Serie, S. XVII, herüberge- 
nommen, von ihm selbst aber, Biblioteca 1 187. gründlich aufgeklärt. — Meiste r- 
mann-Huber, Durchs Hl. Land, Trier-München 1913, 159, nahm den Irrtum 
trotzdem wieder auf und beruft sich auf die von Golubovich richtig gestellte Flo- 
renUner Handschrift. — Ebd. 159 wird gesagt: „Aus einem Breve Alexanders IV. 
vom 19. März an den Provinzial von Syrien scheint hervorzugehen, daß 1244 
die in Jerusalem wohnenden Mönche von den Charesmiern ermordet" wurden. 
Auch wir glauben, daß die Worte des angezogenen Breves von jener Zeit 
sprechen (vgl. G B II 391), machen aber geltend, daß daselbst weder Ort noch 
Zeit genannt werden. — Calahorra ließ Quaresmius aus jenem Breve folgern, 
daß unsere Brüder schon 1257 in der Hl. Stadt wohnten (B. 11 K. 6); doch 
sagt Quaresmius an der von Calahorra angezogenen Stelle nur, daß „Minoritae 
habitabant in Syria et Terra Sancta", ohne Jerusalem zu erwähnen. 
1) Vgl. GB II 546. 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 15 

allgemeinen, ohne die Franziskaner zu nennen 0. Sollte seine 
Nachricht überhaupt von Bethlehem zutreffen, so wird man 
sie von dem großen an der Geburtsgrotte errichteten Kloster 
der Regulierten Chorherrn verstehen müssen. Wahrscheinlicher 
aber erscheint uns, daß Sanutus hier Bethlehem mit Nazareth 
verwechselt hat und jene Zerstörung von letzterem Orte gilt, 
der durch den vom hl. König Ludwig mit dem ägyptischen 
Sultan geschlossenen Frieden den Lateinern überlassen war. 
Daß Bibars hier 1263 im April große Verwüstungen anrichten 
ließ, wird tatsächlich von arabischen Chronisten gemeldet, wäh- 
rend sie nichts von einem Zuge berichten, den Bibars damals 
gegen das ihm längst unterworfene Judäa unternommen habe. 
Zudem dürfte das Kloster zu Bethlehem im 13. Jahrhundert 
seit dem Einfall der Charesmier und dem letzten Abzug der 
lateinischen Geistlichkeit kaum wiederhergestellt sein. 

Von einem Franziskanerkloster zu Nazareth scheint zum 
ersten Male bei Bartholomäus von Pisa die Rede zu sein, der 
um 1390 schreibt, daß die Niederlassung der Brüder in Nazareth 
zurzeit „wegen der Schlechtigkeit der Sarazenen" verlassen 
sei^); leider verrät er mit keinem Worte, wann dies geschah. 
Daß die Sarazenen Galiläas gegen die Christen feindselig waren, 
melden mehrere Pilger; so fand Ludolf von Suchern um 1340 
in Nazareth „sehr böse Sarazenen" ^); das gleiche erzählt etwas 
früher von Naim und Kapharnaum Br. Jakob von Verona ■*). 



1) So sagt z. B. Pcrinaldo, Storia dl Gerusalemme 11 177: „Leg- 
giamo in Marino Sanuti che nel 1263 i Saraceni distrussero il convento di 
I^etlemme, facendovi strage di tutti quei Francescani." In Wirklichkeit sagt 
Sanutus (221) nur: „Kodein quoque mense Saraceni destruxerunt monasterium 
Hethlehemitanum." 

-) Analecta Franci.-cana IV 538 : „In Nazareth fuit etiam locus, etsi 
modo ob pravitatem saracenorum sit dimissus." Golubovich knüpft liieran 
die Bemerkung, das Kloster sei „abbandonato ai tempi del Pisano, poichö 
dice «modo dimissus»". (G B II 269 Anm. 4.) Das „modo" braucht durcli- 
aus nicht im Sinne von „kürzlich" verstanden zu werden ; es kann ebensogut 
„zurzeit" heißen. Pisanus sagt an der angezogenen Stelle weiter: „In Terra 
Sancta . . . passi sunt 31 martyres de ordine nostro", was Röhricht irrig auf 
Nazareth bezieht (fitudes 374 Anm. 33), als ob jene Brüder alle zu Nazareth 
gestorben seien. 

•■*) Deycks 95: „Degunt in Nazareth Sarraceni pessimi nequam." 

*) Liber peregrinationis 275 und 279: „Pessimi Saraceni." 



16 1. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

Diese Bestätigung des von Bartholomäus angegebenen Grundes 
durch jene beiden Pilger flößt uns Vertrauen auf sein Zeugnis 
ein und gibt zugleich einen Fingerzeig, um die Zeit der Grün- 
dung wenigstens annähernd zu bestimmen. Bei jener Gesinnung 
der umwohnenden Mohammedaner darf man ohne weiteres an- 
nehmen, daß es unsern Brüdern nicht möglich war, sich in 
Nazareth zu einer Zeit niederzulassen, in der dieselben die Herren 
des Landes waren. Wir müssen vielmehr ins 13. Jahrhundert und 
in die Zeit zurückgehen, in der die Lateiner daselbst herrsch- 
ten, was wiederholt der Fall war. Zunächst kam Nazareth 1229 
durch den vom Kaiser Friedrich II. geschlossenen Vergleich 
an die Christen, und aufs neue 1250, als der hl. König Ludwig 
mit dem ägyptischen Herrscher Frieden schloß ^). Sodann finden 
wir, daß Sultan Kalaun 1283 den Franken vier Häuser überließ, 
die früher der Verkündigungskirche gehört hatten ^). Bei einem 
dieser Anlässe wird das Franziskanerkloster entstanden sein. 
Wegen der großen Liebe, die der hl. Ludwig für den Orden 
hegte, scheint es uns besonders wahrscheinlich, daß sich die 
Brüder in Nazareth dank seiner Vermittlung ansiedeln konnten. 

Bei den übrigen Klöstern, die von den Franziskanern in 
Palästina während des 13. Jahrhunderts gegründet wurden, 
haben wir festern Boden unter den Füßen; sie lagen an Orten, 
die längere Zeit im Besitze der Kreuzfahrer blieben, so daß 
auch ihnen ein längerer Bestand beschieden war, mehrere 
begegnen uns daher in Urkunden oder Chroniken jener Zeit. 

Das Kloster zu Jaffa verdankt seine Entstehung dem hl. 
König Ludwig IX., der hier mit großen Kosten 1252 Kirche 
und Kloster erbauen ließ ^). Um dieselbe Zeit wird das Kloster 
zu Akri erwähnt; daselbst wohnte der bekannte Missionar 
P. Wilhelm von Ruysbroek, bevor er 1253 seine große Reise zu 
den Tataren antraf*). Wie uns sein Reisebericht sagt, hatten 



') G B II 388 ; daselbst auch der Beweis, daß die Stadt damals einige 
Zeit in der Hand der Kreuzfahrer blieb. 

2) GB II 431. 3) GB I 298, II 514. 

■*) G B I 230 : „Diffinivit minister, quod legerem Achon." — Ob auch 
in der Feste Safet eine dauernde Niederlassung der Franziskaner war, wie 
Golubovich (II .564) aus der Tatsache folgern möchte, daß einige Brüder 
daselbst 1266 zur Zeit der Belagerung weilten, lassen wir dahingestellt. 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 17 

die Franziskaner hier ein Studium, was auf eine größere Be- 
deutung dieses Kloster schließen läßt. 

In dem nördlich anstoßenden Phönizien hatten unsere 
Brüder Niederlassungen zu Sidon und Tyrus. Jenes wird in 
einer Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1253 und dieses zwei 
Jahre später von Alexander IV. in einem Breve genannt 0- 

Die Klöster Palästinas bildeten mit den in Syrien gele- 
genen Niederlassungen die Kustodie Syrien, die zur Provinz 
des Hl. Landes gehörte. Diese umfaßte zunächst ganz West- 
asien und die Balkanhalbinsel, bis 1263 auf letzterer die 
Provinz Griechenland gebildet wurde. In der Folge hatte die 
Provinz des Hl. Landes außer der Kustodie Syrien die Kustodie 
Zypern mit den auf dieser Insel gelegenen Klöstern und die 
Kustodie Tarsus in dem am Südrande Kleinasiens gegründeten 
Königreiche Armenien. 

Eine Darstellung der Arbeiten, die von den Franziskanern 
während des 13. Jahrhunderts in Palästina vollbracht wurden, 
ist nicht möglich, da nur gelegentliche Nachrichten über die- 
selben berichten. Es liegt nahe, daß ihre Sorge zunächst den 
Kreuzfahrern galt. Eine Nachricht, die Alexander IV. in seinem 
Breve vom 19. März 1257 gibt, bestätigt dies ausdrücklich. Der 
Papst sagt, daß er aus dem Munde glaubwürdiger Zeugen 
erfahren habe, wie die Franziskaner den gegen die Sarazenen 
kämpfenden Christen als Seelsorger, mit Predigten und heil- 
samen Ermahnungen beistehen; einige der Brüder seien von 
den Ungläubigen bei diesen Arbeiten um des Namens Christi 
willen getötet worden ^). Das Breve gibt weder Zeit noch Ort 
ihres Martertodes an. Da kaum andere Verfolgungen der Fran- 
ziskaner vor 1257 stattgefunden haben, nimmt man an, daß 
jene Brüder 1244 durch die Charesmier hingemordet wurden. 

Die Sultane jener Zeit scheinen nach verschiedenen Tat- 
sachen und Zeugnissen der ersten Jahrzehnte den Brüdern 
gewogen gewesen zu sein. Vielleicht wirkte die Erinnerung 
an den hl. Franziskus nach. Auch werden die Beziehungen, 



1) GB I 230 und 234. 

ii) GB II 391. — Calahorra bezielit (B. II K. 19) das Breve auf 
Brüder, die 1288 oder 1290 starben! 

Fmiizisk. Studien, Beiheft 4: Lern mens, Die Ffanziskaner auf ilein Sien 2 



18 I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreiizzüge 

in die verschiedene Franziskaner zu den Sultanen als Abge- 
sandte des Papstes traten, eingewirkt liaben ^). Wie schon 
Sultan Melek-el-Kamel dem hl. Stifter einen Schutzbrief aus- 
stellte, so sicherte Sultan Melek-el-Mansur von Homs (Emesa) 
1245 den Brüdern, die „zur Besserung der Christen und zur 
Predigt" in sein Reich kamen, den kaiserlichen Schutz zu ^). 
Jakob von Vitry aber erzählt uns als Augenzeuge, daß das 
sarazenische Volk den Franziskanern gewogen sei; „sie bewun- 
dern ihre Demut, geben ihnen gern das Notwendige und nehmen 
sie mit Freuden auf" ^). So waren sie besonders für den damals 
von den Päpsten wiederholt erteilten Auftrag geeignet, in die 
Städte der Sarazenen zu gehen und dort den gefangenen Christen 
geistlichen Beistand zu leisten ^). Leider dauerten diese Zeiten 
und Verhältnisse nicht lange. 

Während Palästina in der ersten Hälfte des 13. Jahr- 
hunderts meist ruhigere Tage sah, trat seit 1260 ein furchtbarer 
Wechsel ein. Am 24. Oktober dieses Jahres bestieg der Emir 
Daher-Bibars, nachdem er den Sultan Ägyptens aus dem Wege 
geräumt hatte, den Thron der Kalifen. Er war einer der furcht- 
barsten Gegner der Franken, die „Säule der mohammedanischen 
Religion, der Vater der Siege", der das Ende der christlichen 
Herrschaft in Syrien einleiten sollte. Seine siebzehnjährige 
Regierung ist ausgefüllt mit Kriegsvorbereitungen und Feld- 
zügen in Palästina, Syrien, Armenien und gegen die Tataren, die 
mit den Franken gemeinsame Sache gegen die Kalifen Ägyptens 
machten. 1261 fiel Bibars ungeachtet des Waffenstillstandes, 
den die Sultane von Damaskus und Ägypten 1256 auf zehn Jahre 
mit den Christen geschlossen hatten, ins Fürstentum Antiochien 
ein. Im Februar 1263 unternahm er einen zweiten Zug gegen 
die Lateiner, ließ den Tabor besetzen, die dort erbaute Kirche 
zerstören und sandte seine Truppen gegen Nazareth, die den 
Tempel der Gottesmutter dem Erdboden gleich machten. 1265 
nahm er Cäsarea, zerstörte Festungswerke und Stadt und er- 



1) GB II 327 ff. 2) GB 11 338. 

^) G B I 9 : „Etiam Saraceni et obtenebrati homines eoruni humilitatem 
et pertectionem admirantes . . . grato animo necessaria providentes libenter 
eos recipiunt." ^) G B I 181 und 276. 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 19 

schien am 21. März vor Arsuf, das sich nach 43 Tagen ergab. 
Im folgenden Jahre führte er ein mächtiges Heer gegen die 
starke Festung Safed, die das obere Galiläa schützte und auf 
Rat des Franziskanerbischofs Benedikt von Alignano 1240 wieder 
hergestellt war^). Wiederholt schlugen die tapfern Streiter der 
Festung den Sturm der Sarazenen ab, bis ihre Kraft erlahmte, 
und sie Verhandlungen anknüpften. Bibars sicherte ihnen freien 
Abzug zu, brach aber sein Wort. Die arabischen Chronisten 
stimmen in Erzählung und Erklärung dieses Treubruches nicht 
überein ^). Nach Makrizi hätten die Christen gegen die ein- 
gegangenen Bedingungen Waffen und Silber mit hinausgetra- 
gen ^). Sicher ist, daß die gefangenen Christen, deren Zahl 
verschieden angegeben wird, sämtlich bis auf einen, der den 
Franken Kunde überbringen sollte, niedergemacht wurden. 
Er. Fidentius von Padua, der damals Vikar der Franziskaner 
im Hl. Lande war und auf Bitten des Meisters der Templer 
vor Beginn der Belagerung zwei Brüder in die Feste entsandt 
hatte, hat uns einen längern Bericht über den Tod der christ- 
lichen Helden hinterlassen "*). „Da die Christen sahen, daß sie 
den Sarazenen am Ende nicht widerstehen könnten, weil sich 
ihre Zahl täglich verminderte und keine Hilfe zu erwarten war, 
während das Heer der Feinde täglich stärker wurde, unterhan- 
delten sie mit dem Sultan wegen des Friedens. Dieser ging gern 
darauf ein und vereinbarte mit den Christen, daß diese ihm die 
Feste übergeben sollten, wogegen er alle Christen mit ihrer 
Habe, die sie tragen könnten, nach Akri zu geleiten versprach. 
Nachdem dieser Vertrag abgeschlossen und durch Eidschwur 
bekräftigt war, zogen die Christen aus der Festung und sam- 
melten sich draußen auf dem Platze. Der Sultan aber brach 
sein Wort und hielt den Schwur nicht. Denn als die Sonne 
untergegangen war, sandte er einen Beamten, man sagt, mit 



1) GB I 236 ff. •i) Vgl. Röhricht, fitudes 383; GB I 259. 

3) Makrizi, B. I T. II 30. Zwei entgingen nach Makrizi dem Blutbade; 
einer hatte gleich den Islam angenommen, den andern sandte Bibars zu den 
Christen, um ihnen die Kunde von der Eroberung der Stadt zu bringen. 

*) GB II 24. Marin US Sanutus scheint diesen Bericht benützt zu 
haben; vgl GBl 261. Mit ihm stimmt wörtlich Br. Paulinus Puteolanus 
übe. ein; vgl. G B I 261. Die andern Berichte weichen in einzelnen Punkten ab. 



20 I- Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

entblößtem Schwerte, und ließ den Christen erklären: >Mein 
Herr sendet mich zu euch und ladet euch ein und fordert euch 
auf, Sarazenen zu werden. Erfüllt ihr seinen Willen, so wird 
er euch Pferde und Waffen und Frauen und Reichtümer geben; 
er wird euch erhöhen und groß machen. Erfüllt ihr aber seinen 
Willen nicht, so werdet ihr alle morgen enthauptet werden. < 
Die Christen erwiderten: Möge der Sultan den mit uns geschlos- 
senen Bund halten. Wir wollen nicht Sarazenen werden; und 
dem Sultan ziemt es nicht, seinen Eid zu brechen.« Nach Weg- 
gang des vom Sultan entsandten Boten ermahnten die Minder- 
brüder während der ganzen Nacht die Christen, standhaft im 
Glauben zu bleiben, da sie ohne Zweifel die Marterkrone emp- 
fangen würden. Die durch die guten Reden der Brüder ge- 
stärkten Christen beschlossen, auf keine Weise und unter keiner 
Bedingung den christlichen Glauben zu verlassen. Als es nun 
Tag geworden, kam der Bote zurück und fragte die Christen, 
ob sie dem Willen des Sultans entsprechen wollten. Aber ^le 
erklärten einmütig, sie würden um keinen Preis dem christ- 
lichen Glauben untreu werden. Darauf ließ der Sultan alle 
Christen mit Ausnahme der beiden Minderbrüder und des Priors 
der Templer an den Ort des Martyriums am Abhang des Hügels 
führen und alle daselbst enthaupten; kein einziger von ihnen 
verleugnete den Glauben Christi. Das Blut der enthaupteten 
Christen floß wie ein Wasserstrahl den Berg herunter. Ihre 
Zahl soll mehr als 500 Männer betragen haben. Nach der Ent- 
hauptung dieser Männer wurden die beiden Minderbrüder, von 
denen einer Fr. Jakob von Puy ^ und der andere Fr. Jere- 
raias von Genua hieß, nebst dem Prior der Templer, Fr. Hugo, 
vor den Gerichtshof auf dem Platze vor der Feste geführt, wo 
der Richter ihnen sagte: Ihr habt die andern verführt, die un- 



^) Ob dieser Fi". Jakob von Puy nicht dieselbe Person ist mit Fr. Phi- 
lippus von Puy (oder Anisio), dessen Martyrium die Chronik der 24 Generäle 
in Azotus geschehen läßt (vgl. AF III 134 und 416)? Nicht nur stimmt die 
Heimat überein, sondern auch verschiedene in den einzelnen Chroniken be- 
richtete Einzelheiten; so gleichen sich die Todesqualen; auch heißt es von 
beiden Orten, daß die Feste durch Verrat genommen wurde; dies sagt die 
Chronik von Limoges über Safed (G B 1 260), und die Chronik der 24 Generäle 
von Azotus. 



I. Die Franziskane" in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 21 

sere Lehre angenommen hätten; bekehrt euch und werdet Sa- 
razenen; sonst werden euch harte Strafen treffen. Die Brüder 
antworteten: >Wir fürchten deine Strafen nicht und sind aus 
Liebe zu unserm Herrn Jesus Christus und zum christlichen 
Glauben bereit, alle Leiden zu erdulden.« Da der Richter sah, 
daß er ihren Willen nicht umstimmen konnte, befahl er, sie mit 
einer dreifachen Marter zu peinigen. Zunächst ließ er ihnen 
die Haut vom lebendigen Leibe reißen, sie dann auf das hef- 
tigste über das von der Haut entblößte Fleisch peitschen und 
schließlich an den Ort führen, an dem die übrigen Christen 
gemartert waren, und daselbst enthaupten. Alle Leiber der ge- 
töteten Christen wurden an einen Ort zusammengetragen und 
ringsum ein Steinhaufen aufgeschichtet, der bis heute daselbst 
steht. Die Christen erzählten öffentlich, daß nachts ... ein helles 
Licht über den Leibern der Märtyrer erstrahlte, das von allen 
Sarazenen gesehen wurde." 

Jener Steinhaufen, von dem Fidentius spricht, beschützte 
bis in die letzten Jahre die Leiber der Märtyrer, die in 
einer mit Steinen verschlossenen Grotte unweit Safed beigesetzt 
waren. Als vor wenigen Jahrzehnten ein Teil der Steine zum 
Bau einer Mauer entfernt wurde, kam die Grotte zum Vorschein 0- 

Furchtbare Leiden und Verluste brachte das Jahr 1268 
den Christen. Am 7. März erschien Bibars vor Jaffa und nahm 
es in weniger als 12 Stunden. Nachdem er den Bewohnern 
freien Abzug gegen Akri gestattet hatte, ließ er die Stadt, um 
den Christen jeden Stützpunkt zu nehmen, vollständig zerstören; 
nur Ruinen blieben für Jahrhunderte an der Stelle. Holz und 
Marmor der Kirchen wurden in die Dahermoschee nach Kairo 
gebracht -')• Im Mai zog Bibars vor Antiochien. Da die Ver- 
handlungen wegen Übergabe der Stadt erfolglos blieben, begann 
der Sturm, der am 18. Mai die große Stadt mit mehr als 100 000 
Einwohnern in die Hände des Sultans gab. Wer nicht dem 
Schwerte zum Opfer fiel, wurde als Sklave verkauft. Die Zahl 



1) Vgl. P. Aegidius Geissier, Das Martyrergrab in Saffed. In Zeit- 
schrift: „Das Heilige Land", Jahrg. 25 (Köln 1881) 121—126. 

2) Röhricht, ßtudes 389. — Einige Einzelheiten ergänzt Br. Fidentius: 
vgl. BGH 25. 



22 I- Di^ Franziskaner in Palästina zur Zeit de- Kreuzzüge 

der Opfer wird verschieden aügegeben. Wie Bibars selbst in 
dem Schreiben, durch das er König Boemund die Nachricht 
vom Falle der Stadt gab 0. sagt, wurden die Kirchen zerstört, 
die Gräber verwüstet, die Heiligtümer geschändet, die Mönche, 
Priester und Diakonen auf den Altären geopfert. „Wer könnte", 
sagt Fidentius, „all' das Leid im einzelnen berichten, das die 
Sarazenen über Antiochien und seine Bürger gebracht? Man 
glaubt, daß außer denen, die getötet wurden oder entflohen, 
an 40 000 gefangen wurden, die man über alle Länder der Sara- 
zenen, besonders über Syrien und Ägypten, verteilte" ^). 

Die folgenden Jahre brachten weitere Kriegszüge des Sul- 
tans und neue Leiden der Christen. Ein Chronist jener Zeit 
berichtet zum Jahre 1269, daß „in der Provinz Syrien sieben 
Minderbrüder vom Sultan Babyloniens um des katholischen 
Glaubens willen getötet wurden . . . Einer derselben, ein Priester, 
namens Conradus de Hallis, wurde enthauptet und von den Un- 
gläubigen ins Meer geworfen. Und siehe, es erschienen über ihm 
vor den Augen aller, der Christen wie der Sarazenen, zwei 
helle Lichter, ein Licht über seinem Haupte und eines über 
seinem Leibe, drei Tage lang . . . Dieses Zeichen erschreckte 
die Sarazenen so, daß alle mit dem Rufe: Der Gott der Christen 
streitet für die Christen < davon liefen" ^). Wie uns derselbe 
Gewährsmann weiter erzählt, wurde in einem Kloster der Guar- 
dian nebst zehn Brüdern gefangen genommen und zum Ver- 
kauf ausgeboten; ein Benediktiner zahlte den Kaufpreis und 
befreite sie aus den Fesseln. 



1) Vgl. Makrizi, Bd. I T. II 193: „Si tu avais vu les eglises d6molies, 
les croix sciees les livres de leurs faux evangiles etales au jour, les tom- 
beaux des patrices ecroulcs: si tu avais vu ton ennemi le musulman fonder le 
sanctuaire; le moine, le pretre, le diacre immoles sur l'autel, les patrices 
livres au malheur, les princes de la faraille royale reduits au rang d'esclaves." 

2) G B II 26. — tJber das Geschick der Franziskaner wird nichts im 
besondern berichtet. Br. Johannes Elemosina hat die allgemeine Nach- 
richt: „Plurimi captivi ducti monachi et religiosi fratres et religiöse incluse 
in dispersionem et occisionem et captivitatem inciderunt" (G B II 125). 

^) So der Chronista Erphordensis. Vgl. die Auszüge aus seiner Chronik 
in G B I 264. — Jener Conradus de Hallis dürfte ein deutscher Franziskaner 
gewesen sein. — Die Zahl „sieben" ruft den Gedanken wach, ob diese sieben 
Brüder nicht identisch mit jenen sieben Märtyrern sind, die Elemosina 1289 zu 
Tripolis sterben läßt (G B II 108). 



I. Die Franziskaner in Palästina zu- Zeit der Kreuzzüge 23 

Das Jahr 1272 brachte eine Wendung, da verschiedene Um- 
stände, besonders die Fortschritte der Tataren, Sultan Bibars be- 
stimmten, mit den Christen auf zehn Jahre Frieden zu schließen 0. 
Hiermit begann für Palästina und Syrien eine ruhigere Zeit, 
die den lateinischen Christen erlaubte, die Wallfahrten zu den 
heiligen Stätten wieder aufzunehmen. Um diese Zeit bestanden 
noch Franziskanerklöster zu Tripolis, Akri, Tyrus und Sidon; 
an den beiden ersten Orten weilten auch Dominikaner. 

Am 1. Juli 1277 starb Sultan Bibars zu Damaskus. Ihm 
folgten zunächst für kurze Zeit zwei seiner Söhne, bis am 
26. November 1279 Sultan Kalaun die Regierung antrat, die 
er 11 Jahre lang führte. Im April 1282 schloß er mit dem 
Meister der Templer einen Frieden auf zehn Jahre und am 
3. Juni 1283 mit den Fürsten von Akri, Sidon und Athlith ^), 
was ihn aber nicht abhielt, wiederholt Streifzüge ins Gebiet 
der Christen zu unternehmen. Leider wußten diese auch jetzt 
noch nicht, sich auf den Endkampf zu rüsten und die gegen- 
seitigen Streitereien zu beenden. So hätte 1286 nicht viel ge- 
fehlt, und Akri, das wichtigste Bollwerk der Christen, wäre von 
christlichen Schiffen angegriffen worden. Als der genuesische 
Admiral Thomas Spinola mit der Flotte an der kleinasiatischen 
Küste erschien, um die Venetianer und Pisaner zu verjagen, 
kamen einige dieser Schiffe vor Akri und verlangten die Aus- 
treibung der Feinde. Die Stadt entsandte aber an den Befehls- 
haber der Schiffe zwei Franziskaner, die einen gütlichen Aus- 
gleich erwirkten ^). 

Bald nachher glaubte Sultan Kalaun den Zeitpunkt ge- 
kommen, um die letzten Reste des fränkischen Reiches zu ver- 
nichten. 1289 zog er gegen Tripolis und nahm nach einem 
Monat, am 26. April, die Stadt. Die meisten Männer wurden 
getötet, die Frauen und Kinder verkauft und die Stadt zerstört. 
Die Chronik von Lanercost erzählt uns einen schönen Zug vom 
Mute, den ein englischer Franziskaner, der früher Guardian zu 
Oxford gewesen war, während der Belagerung zeigte. Während 



1) Vgl. GB I 280. 

2) Röhricht, Regesta regni Jorosolimitani Nr. 1447 und 1450. 
•^) GB II 443. 



24 I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

die Christen bereits entmutigt an die Übergabe dachten, suchte 
jener Bruder sie zu weiterem Kampfe zu begeistern. Als dann 
die Nachricht kam, der Feind habe die Mauern erbrochen und 
dringe in die Stadt, nahm der Bruder ein Kreuz auf seine 
Schulter, zog zur Bresche und forderte das Volk auf, ihm zu 
folgen. Kaum war er aber in die Nähe der Feinde gekommen, 
so trennte ihm ein Schwerthieb den Arm vom Rumpfe. Sofort 
nahm er das Kreuz auf die andere Schulter ; ein zweiter Streich 
schlug auch diese ab, und der mutige Kreuzträger kam unter 
die Hufe der Pferde, die ihn vollständig zerstampften ^). Sieben 
Brüder, die den bei Einnahme der Stadt gefangenen Christen 
Mut zusprachen, wurden von den Sarazenen „durch ein hartes 
Martyrium getötet" ^). 

Der Tod hinderte Kalaun, sein Werk zu vollenden und 
das letzte Bollwerk der Christen zu vernichten. Sterbend (27. No- 
vember 1290) übergab er seinem Sohne und Nachfolger Aschraf 
den Auftrag, gegen Akri zu ziehen, und dieser zögerte nicht, 
dem Willen des Vaters zu entsprechen. Er erschien im Früh- 
ling 1291 mit einem gewaltigen Heere vor der Stadt und er- 
oberte sie nach 40 Tagen, am 18. Mai. Die Kirchen wurden 
zerstört, die Stadt verbrannt ^). Furchtbar war das Blutbad, 
das die Sarazenen unter den zurückgebliebenen Christen an- 
richteten. Die im Hafen liegenden Schiffe hatten nicht genügt, 
alle Einwohner wegzuführen; nur ein Teil, unter ihnen der 
Guardian der Franziskaner und mehrere Brüder, hatten sich 
nach Zypern retten können. Die zurückgebliebenen vierzehn 
Brüder wurden mit vielen Priestern, Ordensleuten und Laien 
der Marterkrone teilhaft ^). 

Ein ergreifender Brief des Dominikaners Ricoldus, der um 
jene Zeit als Missionar in Bagdad weilte, berichtet einige Ein- 
zelheiten über ihren Tod. „Welchen Kummer und Schmerz ich 



1) GB II 454. Vgl. daselbst 455 ein Beispiel seines Vertrauens und 
454 den Tod der Äbtissin Lucia von Tripolis. 

-) Elemosina meldet: „Septem Fratres Minores, dura ipsi constantes in 
fide Christi alios confortarent, a sarracenis duro martyrio trucidati fuerunt" 
(GB 11 108). â– ^) Vgl. Makrizi, Bd. II T. I 126. 

*) Der Bericht des Elemosina in GB II 109. 



I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 25 

bei der Einnahme von Akri empfand, liönnt ihr leicht erraten. 
Ihr habt Ähnliches erfahren. Bis in den tiefen Orient, nach 
Bagdad, wo ich damals weilte, kam nicht nur die Kunde, son- 
dern auch die den Christen genommene Beute. Als man die 
Bücher und Paramente, die Kleinen und Frauen öffentlich zum 
Schimpfe der Christen durch die Stadt führte und die Nonnen 
und Gott geweihten Jungfrauen als Geschenk den Königen und 
Großen der Sarazenen sandte, da suchte ich sorgfältig voll 
Kummer und Trauer, ob ich jemand von meinen Brüdern träfe, 
den ich loskaufen oder dem ich dienen könnte. Ich verwunderte 
mich sehr, da ich die Paramente und Kleider, Bücher und 
Breviere, aber keine Brüder fand . . . Nachher sagte man mir, 
daß kein Mitbruder am Leben geblieben sei. Ich erfuhr, daß 
man euch getötet habe, damit ihr nicht den übrigen Gefangenen 
eine Stütze des Glaubens seiet ... O glückliche Prozession, von 
der auch die Minderbrüder nicht ausgeschlossen waren! Ich 
hörte, daß um die Stunde eures Todes einige der lieben Minder- 
brüder, ich weiß nicht, wer es war, mit euch in eurem Hause 
vereinigt waren und mit euch getötet wurden. Auch erfuhr ich, 
daß ihr an einem Freitage um die dritte Stunde starbet, daß 
ihr am Morgen die hl. Messe feiertet und die hl. Kommunion 
empfinget, während eine große Schar von Männern und Frauen 
und Kindern bei euch versammelt war. Eine fromme und glaub- 
würdige Frau, die bei eurem Tode zugegen war und von den 
Sarazenen gefangen wurde, erzählte mir, daß ihr beim Ein- 
dringen der Sarazenen mit lauter Stimme Komm, Schöpfer 
Geist < sänget und während dieses Gesanges ermordet wurdet . . . 
Sei gegrüßt, o Mutter Kirche, die du so viele und solche Söhne 
geboren hast" ^). 

Besonders rühmen die Chronisten den Glaubens- und Todes- 
mut der Klarissen; ihre Berichte, die sich auf den ersten Blick 
zu widersprechen scheinen, lassen sich miteinander ver- 
einigen. Johannes von Winterthur erzählt, daß die Äbtissin 
durch inständige Bitten von den eindringenden Sarazenen die 
Erlaubnis erwirkte, dem Herrn zunächst ein Loblied zu singen. 

») GB I 352. 



26 I. Die Franziskaner in Palästina zur Zeit der Kreuzzüge 

Die Schwestern sangen nun andächtig das „Salve Regina", 
knieten nieder, reichten ihren Naclten dar und empfingen die 
Palme des Martyriums 0- Die Chronik der 24 Generäle ergänzt 
diesen Bericht und erzählt das, was voraufging. Sobald die 
Kunde gekommen war, daß die Stadt genommen sei, versammelte 
die Äbtissin die Schwestern im Kapitel und ermunterte sie mit 
begeisterten Worten zum Martyrium. „Meine Töchter und 
Schwestern, verachten wir dieses elende Leben, auf daß wir 
uns ohne Makel an Leib und Seele und stark im Glauben 
unserm Herrn Jesus Christus opfern können und um den Preis 
des eigenen Blutes das ewige Leben erwerben. Tuet alle das, 
was ihr mich tun sehet." Darauf nahm die männliche Frau 
ein Messer, verstümmelte ihre Nase und rötete das ganze Ge- 
sicht mit dem strömenden Blute. Alle Schwestern folgten, von 
der gleichen Liebe zum Glauben und zur Keuschheit beseelt, 
ihrem Beispiele, entstellten auf verschiedene Weise ihr Antlitz 
und färbten es mit ihrem jungfräulichen Blute, so daß ihr An- 
blick einem jeden Entsetzen verursachte. Sogar die Sarazenen 
schauderten und machten alle mit ihren Schwertern in grau- 
samer Weise nieder ^). 

Mit dem Falle von Akri war das Los der wenigen Be- 
sitzungen, die sich noch in den Händen der Christen befanden, 
entschieden. Bald wurden Tyrus und Sidon erobert; die Be- 
wohner erhielten freien Abzug, und damit verschwanden die 
letzten Niederlassungen und Franziskaner aus dem Hl. Lande. 
Wir finden in den nächsten 40 Jahren wohl mehrere Brüder 
als Pilger an den hl. Stätten, aber nirgends in Palästina ein 
Kloster lateinischer Ordensleute. 



1) GB I 351; II 144. 

2) GB I 351. — Der Dominikaner Felix Fabri erzählt das gleiche, ein 
Jahrhundert später, von den Benediktinerinnen bei St. Anna in Jerusalem, fügt 
aber hinzu: „Quamvis quidam referant alii factum fuisse in quodam monasterio 
S. Glarae" (Evagatorium II 132). Bzovius berichtet den Vorgang zweimal: bei 
der Einnahme von Antiochien (zu 1268 Nr. 12) und von Tripolis (zu 1289 Nr. 2). 



II. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 27 



IL Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug 
der Franziskaner. 

Kaum war Saladin am 2. Oktober 1187 in das eroberte 
Jerusalem eingezogen, als eine große Umwandlung der von den 
Kreuzfahrern gegründeten Kirchen und Anstalten begann. Die 
am Felsendom auf dem Tempelplatze entstandenen Bauten 
wurden entfernt, und dieser wieder das Heiligtum der Moham- 
medaner, nachdem er von innen und außen mit Rosenwasser 
abgewaschen und das auf seiner Kuppel strahlende Kreuz unter 
dem Jubel der Moslems hinuntergestürzt war ^). Sarazenische 
Schulen und Hospitäler zogen in Kirchen und Klöster ein. Im 
Palaste des Großmeisters der Johanniter nahm Saladin Wohnung. 
Der Palast des lateinischen Patriarchen wurde Hospiz der 
Schafiten und das Kloster der Benediktinerinnen bei St. Anna 
die Hochschule derselben ^). Die Abtei der Benediktiner im Tale 
Josaphat wurde niedergerissen und die Steine zur Befestigung 
der Stadt gebraucht. In der Basilika des hl. Stephanus, die 
an der Stätte seines Todes erbaut war, sah Wilbrand bald nach- 
her die Esel des Sultans ^). Selbst die Grabeskirche kam in 
Gefahr. Aus dem Gefolge des Siegers wurde der Rat laut, sie 
zu zerstören; andere jedoch widersprachen und verwiesen auf 
das Beispiel des Kalifen Omar, der sie geschont habe. Saladin 
begnügte sich damit, sie den lateinischen Christen zu schließen*). 



1) Vgl. u. a. den Brief des Johannitermeisters Terricius an König Hein- 
rich II. von England (Januar 1188): „Capta autem Jerosolima, Saladinus cru- 
cem de Templo Domini deponl et eam per duos dies per civitatem in osten- 
tum fiistigando portari fecit; deinde fecit templum Domini aqua rosata intus 
et exterius, sursum et deorsum lavari", Delaville Bd. I Nr. 847. 

2) Vgl. die von Max van Berchem über dem Portal der St. Annakirche 
gefundene Inschrift aus dem Jahre 1192; Hl. Land, (1914) 165. 

3) Die Belege sind zusammengestellt bei Cour et, L'Ordre de Saint- 
Sepulcre 851. Vgl. auch den Bericht des arabischen Chronisten Moudjir-ed-djTi 
bei Sauvaire 73 ff. — Wilbrand 185. 

*) Der Sekretär Saladins Imad-ed-din (Recueil des Historiens des 
Croisades, Hist. Orientaux, IV H40) meldet: „Le sultan fit fermer l'eglise 
de Komaraah et defendit aux chretiens de s'y rendre en pelerinage et meme 



28 n. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 

Den Franken wurde der Aufenthalt in Jerusalem untersagt; 
nur zehn Johanniter durften für ein Jahr in ihrem Hospital zur 
Pflege der Kranken zurückbleiben'). „Die Christen, die nicht 
von der Zahl der Franken waren, baten Saladin um die Er- 
laubnis, in ihren Häusern zu verbleiben; der Sultan gewährte 
es ihnen, und sie kauften einen Teil der Besitzungen der Fran- 
ken" ^). Sie mußten eine hohe Abgabe zahlen ^), genossen aber 
Ruhe und Sicherheit. Vier ihrer Priester durften zur Obhut des 
Hl. Grabes in der Grabesbasilika weilen ^). 

Das beste Los hatten dank der Verehrung der Sarazenen 
für die „Mutter Ischas" die Kirchen der Gottesmutter. Ihr 
Heiligtum auf dem Berge Sion nebst dem anstoßenden Kloster 
und die über ihrem Grabe erbaute Basilika wurden von ein- 
geborenen Christen in Verwaltung genommen, wie uns Wilbrand 
erzählt, der an beiden Orten die Surianer traf^). Besonderer 
Sorgfalt erfreute sich ihre Basilika zu Bethlehem; der Domini- 
kaner Burkard, der 1283 durch Palästina pilgerte, sagt von ihr: 
„Die Sarazenen verehren zwar alle Kirchen der seligen Jung- 



de s'en approcher." Daß dies Verbot nur den lateinischen Christen galt, er- 
gibt sich aus andern Zeugnissen. 

1) Terricius a.a.O.: „IpseSaladinus in domoHospitalis permisitremanere 
decem de fratribus Hospitalis ad custodiendum infirmos usque in unum annura." 

'-) Kamel-Altevarykh. In Recueil des Historiens des Croisades, Hist. 
Orientaux, I 706. — Imad-ed-din, a. a. 0. 340 sagt, daß mehrere Tausend 
morgejiländische Christen zurückblieben. 

3) Jakob von Verona sagt (217): „In tota . . . Terra Sancta sunt multi 
Christiani sub potentia soldani subjugatj, solventes annuale Iributum soldano 
multa et multa milia." 

*) Imad-ed-din a. a. 0. 340: „On permit aussi ä quatre desservants 
de l'öglise Komamah, parmi les pretres chretiens, d'y resider en jouissant de 
toutes les immunites et exemplions d'impöt." — Nach dem Klageliede des 
armenischen Patriarchen Gregorius hätten die Sarazenen in der Grabeskirche 
große Verheerungen angerichtet (Recueil des Historiens des Croisades, Hist. 
Armeniens, I 280: „filegie sur la prise de Jerusalem", Vers 426 und 427. 
Dagegen versichert Wilbrand von Oldenburg, der 1212 die Hl. Stadt besuchte, 
daß alles unversehrt geblieben sei (I 86: „Omnia Sarraceni reliquerunt illesa"). 
Sogar die Gräber der lateinischen Könige blieben verschont; der Pilger Lu- 
dolf von Suchern (Reyßbuch 844) wunderte sich, „daß die Sarazenen ihre 
Grabstätte und abgestorbenen Leiber nicht beschädigen, sondern unversehrt 
ruhen lassen, so sie doch ihnen so großen Schaden zugefügt". 

s) S. 187 und 188: „Suriani sacerdotes Sarracenis tributarii." 



II. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 29 

frau, diese aber insbesondere" ^). Auch die anstoßende Abtei 
blieb erhalten; 1217 fand Thetmar am Eingang sarazenische 
Hüter, die von den Eintretenden eine Abgabe erhoben ^). 

Schon nach wenigen Jahren wurde die erste Strenge ge- 
mildert. Das Waffenglück der Lateiner, die am 11. Juni 1191 
Akri eroberten und am 7. September das Heer des Sultans bei 
Assur schlugen, brachte einen Waffenstillstand, der am 1. Sep- 
tember 1192 in Kraft trat und den lateinischen Christen den 
Besuch der hl. Stätten freigab ^). Bischof Walter von Salisbury 
erwirkte sogar von Saladin, daß an der Grabeskirche, zu Beth- 
lehem und Nazareth „je zwei lateinische Priester und ebenso 
viele Diakone zur Feier des Gottesdienstes zugelassen würden, 
die wie die Surianer von den Opfern der Pilger erhalten werden 
sollten""*). Die Zahl scheint bald vermehrt zu sein; die „Be- 
schreibung des Hl. Landes", die kurz nachher der Patriarch 
von Jerusalem an Papst Innozenz III. sandte, sagt, daß fünf 
Lateiner nebst zwei Söhnen des Sultans das Grab des Herrn 
bewachen '"). Doch dürften die Lateiner nicht lange an der 
Grabeskirche geblieben sein; wenigstens erwähnt sie Wilbrand 
1212 nicht mehr und auch niemand von den nachfolgenden 
Pilgern des 13. Jahrhunderts. Ersterer spricht nur von den 
vier surianischen Priestern, die er im Innern der Basilika fand ^), 



1) S. 79: „Sarraceni quidem omnes ecclesias beate virginis honorant, 
sed precipue istam." Es wird wiederholt von Sanutus, Liber Secretorum fi- 
delium, Bd. III Teil XIV K. 11. 

2) S. 21: „Sunt tarnen quidam sarraceni custodes ad liraina monasterii 
deputati a peregriuis et introeuntibus pedagium accipientes, qui tarnen residen- 
ciam ibi non faciunt." Er lügt aber hinzu: ..Sarraceni sepe destruxissent hoc 
monasterium, nisi sollicitudo christianorum multa pecunia precavisset." 

3) Sauvaire 81. 

*) Vgl. Couret 858 und PP. Vincent et Abel O.P., BeUeem, Paris 
1914, 184, die (für Bethlehem) meinen, daß es sich um Augustiner-Chorherrn 
gehandelt habe. 

5) Der Bericht fügt hinzu, daß die beiden Prinzen die Opfer der Pilger, 
die manchmal 20 000 Sarazenaten betragen, unter sich teilen: Bongars. Gesta 
Dei 1126. — Vgl. über jenen Bericht Röhricht, Bibliotheca Geographica 
Palästinae 43 (unter Heymarus Monachus) und GBl 186. 

6) S. 186: „Ipsa ecclesia et sanctum sepulcrum et omnia, que intus 
sunt contenta, a quatuor sacerdotibus surianis, qui exire non permittuntur, in 
bona devotione custodiuntur." 



30 11- Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 

sowie von dem Beamten des Sultans, der die Abgaben von den 
Pilgern an der äußern Pforte erhob; „nachdem wir beim Ein- 
tritt in die Stadt wie Schafe abgezählt waren, wurden wir mit 
gesenktem Haupte durch einen Boten des Sultans vor die Pforte 
der hl. Grabeskirche geleitei, . . . durften sie aber erst betreten, 
nachdem wir acht und eine halbe Drachme gezahlt hatten" ^). 

Verschieden, je nach dem Eindrucke, den die Pilger emp- 
fingen, wird von ihnen die Sorgfalt und Arbeit jener Grabes- 
hüter beurteilt. Während Wilbrand „die Kirche und das Hl. Grab 
und alles, was sich dort findet, von den surianischen Priestern 
in guter Andacht behütet" fand, verzeichnet w^enige Jahre später 
Magister Thetmar in seinem Reisebericht, daß „die Kirche des 
Grabes des Herrn und die Stätte seines Leidens ohne Licht, 
ohne Ehre und Verehrung" gehalten w^erde ^). 

Bald nachher soll der Grabeskirche, wie der Scholastiker Oli- 
ver schreibt, nochmals eine große Gefahr gedroht haben. Als 
während der Belagerung Damiettes durch die Kreuzfahrer (1219) 
der Sultan von Damaskus Melek-el-Moaddem aus Furcht vor 
einem Überfall Jerusalems durch die Franken die Mauern und 
Befestigungen der Hl. Stadt schleifen ließ, soll man nach Oliver 
auch bereits die Zerstörung der Grabeskirche erwogen haben, 
um so den Christen das Interesse an Jerusalem zu nehmen; 
doch habe niemand es gewagt, Hand an dieses Werk zu legen. 
Ebenso blieb der Tempel und der Turm Davids verschont^); 
aber die außer der Stadt auf dem Sion gelegene Kirche der 
Gottesmutter mußte, da sie nach Theodorich (1172) mit Mauern, 
Türmen und Bollwerken wohl befestigt war "*), nebst der an- 



1) S. 185. 

2) S. 18: „Ecclesia dominici sepulchri et locus passionis sine luminari- 
bus, sine honore, sine reverentia semper clausa existit, nisi forte gratia obla- 
tionum peregrinis aperiatur." 

3) Bongars, Gesta 1188 (Oliver) und 1137 (Jakob von Vitry) : „Muri 
enim cum turribus redacti sunt in acervos lapidum praeter Templum Domini 
et turrim David. De Sepulchro glorioso destruendo habuerunt Sarraceni con- 
silium, sed huic temeritati nemo nianus apponere praesumpsit propter loci 
reverentiam." 

^) S. 55: „Sion ergo mons, ad meridiem extra muros civitatis ex maxima 
parte constitutus, ecclesiam dominae nostrae sanctae Mariae articulatam, muris, 
turribus, propugnaculis adversus gentilium insidias valde munitam continet." 



II. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 31 

stoßenden Abtei fallen. Die folgenden Pilger sahen auf dem 
Berge nur Steinhaufen und einige Gewölbe ^). 

Furchtbar hausten 1244 die Charesmier in der Grabes- 
kirche, als diese vom Sultan Ejjub von Ägypten gegen die Sul- 
tane von Kerak und Damaskus und gegen die mit ihnen ver- 
bündeten Franken herbeigerufen waren. Sultan Ejjub ent- 
schuldigte sich 1246 bei Papst Innozenz IV., es sei ohne sein 
Vorwissen und in seiner Abwesenheit geschehen; er habe die 
Übeltäter nach seiner Ankunft in Jerusalem scharf getadelt und 
ihnen verboten, sich der Grabeskirche zu nähern, auch habe 
er gesucht, die Kirche wieder herzustellen und zu schmücken, 
sowie befohlen, die Tore der Kirche zu schließen und die 
Schlüssel einigen Gläubigen (Sarazenen) mit dem Befehl ge- 
geben, die Basilika nur den Pilgern zu öffnen ^). 

Diese Türhüter blieben an der Pforte der Grabesbasilika, 
und das von ihnen erhobene Eintrittsgeld war eine Goldgrube 
für den Sultan; mehr als einmal hat die Rücksicht auf dieses 
die Kalifen bestimmt, die Basilika zu erhalten, die Christen zu 
schützen und einige Vorsorge für die Pilger zu treffen ^). Wie 
wir von Br. Fidentius hören, mußten auch die morgenländischen 
Christen das Eintrittsgeld bezahlen. „Jeder Christ", schreibt 
er „zahlt für seine Person an 36 oder 40 silberne turonische 
Groschen. Und nicht nur die sogenannten lateinischen Christen, 
nämlich die Italiener, Franzosen, Spanier, Engländer und Deut- 
schen gehen nach Jerusalem, sondern auch die ultramarinen 
Christen, die Griechen, Georgier, Armenier und viele andere, 
von denen der Sultan einen großen Tribut erhält" *). 

Daß die Zahl der morgenländischen Jerusalempilger um 



1) Die Bauart und Lage der Klrciie und des Klosters brachte ihre Zer- 
störung durch Sultan Moaddem mit sich. Da die bestimmten Zeugnisse über 
ihre Zerstörung fehlen, so sind die Ansichten über die Zeit derselben geteilt. 
Tobler, Topographie II 115 Anra. 5, meint, die Zerstörung sei entweder 1219 
oder 1244 erfolgt, und Vogue, Les eglises de la Terre Sainte 327, sagt von den 
Bauten auf dem Sion : „Dans le courant du XIII siecle ils s'ecroulerent." 

2) G B II 345: „conatus est reaedificare ipsam et ornare." 

3) Über die Höhe der Abgabe hat Tobler einige Abgaben zusammen- 
gestellt; vgl. Golgotha 410. 

*) G B II 27: „Turonenses grossos argenteos." 



32 n. Die helligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 

diese Zeit groß war, hören wir von dem Dominikaner Burkard. 
„Wer könnte erzählen", sagt er 1283, „wie viele Mönche, wie 
viele Nonnen aus Georgien, aus Groß- und Kleinarmenien, Chal- 
däa, Syrien, Medien, Persien, Indien, Äthiopien und Nubien . . ., 
Maroniten, Jakobiten, Nestorianer, Griechen, Syrer und aus 
andern Nationen scharenweise^zu hundert und zweihundert, in 
größerer und geringerer Zahl, die einzelnen Stätten aufsuchen 
und in flammender Andacht die Erde küssen und die Orte ver- 
ehren, an denen Jesus geweilt oder ein Werk vollbracht hat" ^)\ 
Doch wuchs allmählich auch die Zahl der lateinischen Pilger, 
seitdem ihnen die wiederholt in den voraufgehenden Jahrhun- 
derten geschlossenen Friedensverträge den Besuch der hl. Stätten 
erleichtert hatten, und noch mehr, als mit der Eroberung Akris 
die Kämpfe der Sarazenen und Franken aufhörten und sich 
unter ihnen ein besseres Verhältnis anbahnte. 

Mehrere dieser Pilger haben uns Reiseberichte überliefert, 
die wertvolle Nachrichten über die hl. Stätten verzeichnen, so 
in den letzten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts die beiden 
Dominikaner Burkard und Ricoldus in Palästina; manche ihrer 
Beobachtungen wurden hier bereits verwertet^). Die nächsten 
Jahre führen wiederholt Franziskaner teils als Pilger teils auf 
Missionsreisen ins Hl. Land. Unter ihnen haben der selige 
Odoricus (1320), die irischen Brüder Simon und Hugo (1322) 
und P. Antonius von Cremona (1327) Notizen über ihre Reise 
hinterlassen ^). 



1) S. 20. 

2) Der Dominikaner Franz Pipin von Bologna, der 1320 im Hl. Lande 
vi^ar, hinterließ ein kurzes Verzeichnis der hl. Orte. 

3) Vgl. Röhricht, Blbliotheca Nr. 183, 187, 191; außerdem Nr. 185 und 
190. — P. Anton zelebrierte in Nazareth, Bethlehem, am Grabe der Gottes- 
mutter und auf dem Kalvarienberge. Von dem letzteren Gottesdienste sagt 
er: „Nullus intravit nobiscum ecclesiam sepulcri nisi soll Latini, ita quod 
potui cantare alta voce in monte Calvariae et Sepulcro, nemine prohi- 
bente, ita quod benedicantur illi VII floreni," die er beim Eintritte erlegen 
mußte; Le Missioni Francescane VIII 345. — Br. Hugo Illuminator starb am 
22. Oktober zu Kairo; Itinerarium 53. Leider ist das Itinerarium des Br. Simon 
unvollständig. — Um dieselbe Zeit waren auch in Palästina die Franziskaner, 
die nach ihrer Heimkehr bei König Jakob II. von Aragonien Klage führten 
über die ungeziemende Instandhaltung der Grabeskirche, weshalb der König 
am 20. August 1327 den Sultan um Abhülfe bat; zugleich ersuchte er, die 



II. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 33 

Sehr ausführlich ist der Reisebericht des Augustiners 
Br. Jaliobus von Verona, der am 5. August 1335 in Jerusalem 
ankam ^). Besondern Wert haben seine Nachrichten über die ver- 
schiedenen Riten und Konfessionen der orientalischen Christen, 
die er an den einzelnen Stätten Palästinas antraf. Sie bestä- 
tigen noch einmal mit voller Klarheit, daß während der ganzen 
Zeit nur orientalische Geistliche an den hl. Orten verweilten, 
die aber den lateinischen Pilgern, ihrem Gottesdienste und ihren 
Andachtsübungen keinerlei Hindernisse in den Weg legten. 

Der Dominikaner Burkard fand in der Grabeskirche „viele 
und geziemend geschmückte Altäre" ^) und sagt, daß er auf dem 
Kalvarienberge die hl. Messe feierte, ein Zeichen, daß die 
morgenländischen Hüter der Basilika den Fanatismus anderer 
Orientalen gegen den lateinischen Ritus nicht teilten. Ebenso 
fand er gütige Aufnahme bei den Sarazenen; er rühmt sie als 
„gastfreundlich, höflich und mildtätig" ^). 

Die gleichen Erfahrungen machte sein Mitbruder Ricoldus. 
Nachdem er seine ersten Gebete in der Grabeskirche verrichtet 
hatte, konnte er die Christen, die sich gerade in derselben be- 
fanden und mehr als hundert waren, sammeln und mit ihnen 
eine Prozession zu den einzelnen hl. Orten der Kirche veranstalten. 
„Wir zelebrierten in der Grabeskirche, predigten mehrere Male, 
gaben dem Volke die hl. Kommunion und ruhten dort Tag und 
Nacht". Auch am Grabe der Gottesmutter, das er mit vielen 
Lichtern geschmückt und von den Sarazenen ehrfurchtsvoll be- 
hütet fand, sowie in Bethlehem und Nazareth konnte er unge- 
stört und ungehindert singen und zelebrieren, predigen und dem 
Volke die hl. Kommunion spenden. In Kana und Bethsaida, in 
Kapharnaum und am See Genesareth, am Grabe des Lazarus 
in Bethanien und in der Wüste, die der Herr durch sein Fasten 
geheiligt hat, predigte er dem Volke. Am Jordan fand er auf 



Franziskaner frei und ohne Abgaben durch sein Reich ziehen zu lassen, so- 
wie sie und die Christen in Schutz zu nehmen. H. Finke, Acta Aragonensia 
H, Berlin 1908, 759. 

1) Herausgegeben von R. Röhricht. In: Revue de l'Orient Latin III, 
Paris 1895, 163—302, Über Peregrinationis. 

2) S. 71: „Multa altaria et decenter ornata." 

3) S. 112. 

Franzisk. Studien, Beiheft 4: Lemniens, Die Franziskaner auf dem Sion. 3 



34 11. Di9 heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 

Dreikönigen „mehr als 10 000 aus jedem Volke und jeder Na- 
tion". „Wir bauten daselbst am Flusse einen Altar, auf dem 
wir zelebrierten, und predigten und tauften unter Freuden und 
Tränen" ^). 

Überall gewinnt man den Eindruck, daß er sich frei be- 
wegen konnte und freundliche Aufnahme beim morgenländischen 
Klerus fand, so lange er nicht die strittigen Punkte berührte^); 
friedliches Einverständnis mit den andern Riten, Religionen und 
Nationen schimmert allenthalben durch ^). So lange die abend- 
ländischen Christen keine eigene Stätte hatten und nur als 
Pilger und Gäste nach Palästina kamen, scheinen daselbst über- 
all gute Beziehungen zu den morgenländischen Mönchen und 
Geistlichen bestanden zu haben. 

Auch die Sarazenen kamen Br. Ricoldus freundlich ent- 
gegen; sie hätten ihn „aufgenommen als einen Engel" "*). Wieder- 
holt spricht er mit hohen Lobsprüchen von ihren Tugenden, 
ihrer Andacht und Mildtätigkeit '"). Nur auf dem Sion zelebrierte 
und predigte er „unter Seufzern und Tränen und großer Furcht, 
von den Sarazenen getötet zu werden" ^); diese hatten nämlich 
in dem noch erhaltenen Teile eine Moschee errichtet und ver- 
kündigten, sagt Ricoldus, das Gesetz des Mohammed da. wo die 
Apostel den Hl. Geist empfangen hatten ^). 

1) S. 109. 

^) Als er in Bagdad gegen die Irrlehre des Nestorius gepredigt hatte, 
jagte man ihn zur Kirche hinaus (S. 130). 

3) Bei andern Pilgern jener Zeit finden wir dasselbe; so sagt Wilhelm 
von Boldensele, der 1333 in Jerusalem weilte, von den Georgianern: „Me 
receperunt plurimum gratiose;" Basnage IV 552. 

*) S. 134: „Nos recipiebant ut angelos." 

'") S. 131: „Quis enim non obstupescat, si diligeuter consideret, quanta 
est ipsis Sarracenis sollicitudo ad Studium, devocio in oracione, misericordia 
ad pauperes, reverencia ad nomen Del et prophetae et loca sancta, gratuitas 
in moribus, affabilitas ad extraneos, concordia et amor ad suos." — Von ihrem 
Gesetze sagt er hingegen S. 135: „Lex Sarracenoruni est larga, confusa, oc- 
culta, mendacissima, irracionabilis et violenta." **) S. 108. 

') Ricoldus, Epistola ad beatam Reginam Mariara: „Ecce totus locus 
desertus gemit absque habitatore, nisi quod Saraceni dimiserunt edificiuni 
valde altum super loco illo, ubi apostoli tui sanctissimi filii receperunt Spiri- 
tum Sanctum et in eodem loco faciunt proclamari legem, ymmo perfidiam 
Machometi die ac nocte, videlicet alchoranum," Archives de lOrient Latin 
II, Teil 2, 274. 



II. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 35 

Bestätigung sowohl als vielfache Ergänzung erhalten diese 
Berichte durch Br. Jakobus von Verona. In der Grabeskirche 
fand er als Hüter des Hl. Grabes drei greise griechische 
Mönche 0, die daselbst bei Tag und Nacht blieben und niemals 
hinausgingen. Vor der Kirche neben dem Turme sah er die 
große, schöne Kapelle der Griechen, an der ein Patriarch, viele 
Mönche und fromme Frauen weilten, gegenüber unter der Treppe 
eine kleine Kapelle, in der die nubischen Mönche Gottesdienst 
hielten; es sind „sehr geistige Männer aus dem Volke des Priesters 
Johannes, der einer der größten Fürsten der Welt ist". Diese 
Nubier haben nach Br. Jakobus große Freiheit im Lande des Sul- 
tans, zahlen in seinem Reiche keine Abgaben und können unent- 
geltlich die Grabeskirche betreten. Den Grund sieht er darin, 
daß der „Priester Johannes, Herr von Nubien und Äthiopien ^), 
in seinem Lande Gewalt hat, den Nil zu sperren", wodurch das 
Reich des Sultans, Ägypten, eine Wüste würde ^). Neben der 
Kapelle der Nubier ist eine Kapelle der Georgier; „die Georgier 
tragen schwarzen Turban (melmam nigram) und feiern das 
Offizium der Griechen. Ihre Heimat Georgien ist eine Provinz 
neben den Tataren; sie haben einen König, sind starke Leute 
und treue Christen." Neben ihrer Kapelle ist die Kapelle der 
Armenier. Diese „beten das Offizium nach unserer Weise, aber 
auf armenisch; ihre Kapelle heißt Kapelle des hl. Johannes, 
weil er dort stand, als Christus am Kreuze hing." „Sie gehor- 
chen in allem der römischen Kirche . . . und sind wahre und 
andächtige Christen, müssen aber von den Sarazenen vieles 
erdulden" % 



1) S. 186: „Tres senes calogeri, id est fratres greci, de die et de nocte." 
Der Franzisicaner Br. Simon nennt 1322 nur zwei; „Lampas semper accen- 
ditur per unum cologerum sive monachum cumanum, qui semper cum uno 
socio moratur" ; Itinerarium 70. 

2) Seit Otto von Freising hieß jeder orientalische Herrscher, der den 
Muhammedancrn entgegentrat, „Presbyter Johannes". Die Legende wanderte 
mit dem 14. Jahrhundert von Asien nach Alrilca. Vgl. die Untersuchungen 
von Zarncke. In: Abhandkmgen der k. sächsischen Gesellschaft der Wissen- 
schaften, Bd. XVII Nr. VIII und Bd. XIX Nr. I. 

3) S. 190 und 217. Dieser Gedanke kehrt bei vielen mittelalterlichen 

Schriftstellern wieder; vgl. unten Kap. 6. 

*) S. 190 und 218. 

3* 



36 n. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 

Am Grabe der Gottesmutter beging er das Fest ihrer 
Himmelfahrt. Alle Generationen der Christen feierten in der 
Kirche festlich ihr Offizium und sangen ihre Messen, „zunächst 
wir, die wahren Christen, die Franken genannt werden, an 
zweiter Stelle die Griechen, an dritter die Nubier, an vierter 
die Abyssinier", und weiter die Nestorianer, Maroniten, Jako- 
biten und Georgier '), eine Mannigfaltigkeit, wie man sie nur 
im Oriente findet. 

Auf dem Sion sah er eine Kapelle der Armenier im 
Hause des Kaiphas, an der vier armenische Mönche weilten, 
und außerdem nichts als „Weinberge, Steinhaufen, zerbrochene 
Mauern und fromme Erinnerungen" ^). Das Zönakulum, in dem 
er zelebrierte, beschreibt er als Gebäude mit unterem und oberem 
Gewölbe; „daneben war einst eine schöne Kirche, die aber 
vollständig zerstört ist" ^}. Auch an der Kirche des hl. Jakobus, 
zwischen dem Sion und dem Turme Davids, sowie in St. Johann, 
der Heimat des hl. Vorläufers, traf er die armenischen Mönche. 
Am häufigsten begegnete er aber den griechischen Mönchen, 
„die zu Jerusalem und im Hl. Lande viele Klöster hatten" •*) 
und ihm überall freundlich entgegenkamen. 

Nirgends erwähnt er ein lateinisches Kloster, noch fand 
er irgendwo lateinische Ordensleute mit einem dauernden Wohn- 
sitze oder als Hüter eines Heiligtumes. 

In Bethlehem feierte er mit vielen Gläubigen aller Länder 
ein Fest am 13. August. „0 Gott, welche Freude war es, so 
viele Lobgesänge zu hören, die Gott und die glorreiche Jung- 
frau priesen! Die Kirche war voll Volk", darunter mehr als 
100 lateinische Christen, mehrere Priester und Kleriker, zwei 
Dominikaner und zwei Franziskaner. Ein Altar der Kirche ^) war 



1) S. 197. 

2) S. 193: „Omnia autem editicia montis Syon et intra et circumcirca 
sunt dirupta et non habitantur, sed sunt vinee et aggeres lapidura et muri 
fracti et devociones." 

3) „lUud cenaculum est domus. que habet voltas duplicatas sive inferius 
et superius, et fuit uua valde pulcra ecclesia . . ., sed est totaliter dirupta," S. 194. 

*) S. 217. 

^) S. 209: „Altare inferius, iuxta presepium, est Francorum christiano- 
ram." Üass3lbe bei Ludolf, Revßbuch Bl. i48\ 



II. Die heiligen Stätten Paläslinas vor dem Einzug der Franziskaner 37 

den Franken reserviert. Wie die übrigen Pilger rühmt er die 
Pracht der Basilika; besondern Eindruck machten auf ihn die 
schönen und andächtigen Mosaikbilder ^). 

Zum Schluß begab sich Br. Jakobus nach Galiläa. In Na- 
zareth sah er an der Stelle der Verkündigung nur Trümmer; 
die Kapelle des hl. Gabriel fand er zerstört, und an der Kirche, 
die man aus der alten Synagoge gemacht hatte, griechische 
Mönche. 

Zur Zeit der Pilgerreise des Br. Jakobus herrschte über 
Palästina Sultan Nassir Muhammad. Der Bevormundung durch 
einige herrschsüchtige Emire überdrüssig, hatte der junge Fürst 
1309 Ägypten freiwillig verlassen und sich in das Fürstentum 
Kerak zurückgezogen. Nach wenigen Monaten führten ihn jedoch 
die Ereignisse wieder auf den Thron, den er bis zu seinem 
Tode, am 7. Juni 1341, behauptete. Nassir war ein tüchtiger 
und selbständiger Herrscher, sein eigener Vezier, der die wich- 
tigeren Staatsgeschäfte selbst besorgte und dem Inhaber des 
Kalifentitels jede Bedeutung nahm. Seitdem der Kalife unter 
dem ersten Mameluckensultan seine Wohnung in Kairo genom- 
men, sank die Bedeutung des „Nachfolgers des Propheten" im- 
mer tiefer; er war nur „ein Sklave des Sultans" ^), der den 
Aufträgen desselben die geistliche Weihe erteilen mußte. Es 
war daher kaum eine Änderung, als sich die osmanischen Sul- 
tane nach Eroberung Ägyptens neben der weltlichen Ober- 
herrschaft über die Völker des Islams auch das Imamat oder 
Kalifat, die höchste geistliche Würde, zusprachen. 

Sultan Nassir wird von christlichen Zeitgenossen als Freund 
und Gönner der Christen gepriesen^). Ob er ihnen innerlich 
gewogen war, oder sie nur, wie andere meinen, als kluger 



1) Br. Burkard meint, niemand habe schon auf der ganzen Welt 
eine so schöne Kirche gefunden; man könne über ihre Kunst Unglaubliches 
schreiben, S. 79. 

2) Weil I 28. Doch hatten die Maraeluckensultane den Titel des Ka- 
lifen nicht; wenn ihnen derselbe von Geschichtsschreibern gegeben wird, so 
ist das soweit berechtigt, als sie die tatsächlichen Kalifen waren und dem In- 
haber des Titeis nur den Schatten der Würde gelassen hatten. 

•'') Johann von Winterthur sagt: „Ut communitcr asseritur, Christianos 
diligens," GB II 145, „Katholicos amans", S. 147. 



38 n. Die heiligen Stätten Palästinas vor dem Einzug der Franziskaner 

Herrscher aus guten Gründen heranzog und begünstigte, sicher 
ist, daß sich unter ihm die Lage der Christen besserte. Wäh- 
rend seiner frühern Herrschaft hatten die Emire Bibars und 
Sallar die Verordnung getroffen: „Die Christen sollen fortan, 
um beim ersten Anblick von den Muselmännern unterschieden 
werden zu können, blaue Turbane tragen und die Juden gelbe. 
Jüdinnen und Christinnen sollen ein besonderes Kennzeichen 
an der Brust haben. Es ist ihnen verboten, Waffen zu tragen 
und auf Pferden zu reiten; selbst auf Eseln sollen sie nur seit- 
wärts sitzend und mit schmuck- und wertlosen Sätteln reiten. 
Sie sollen den Muselmännern ausweichen und ihnen die Mitte 
der Straße überlassen. Bei größern Versammlungen sollen sie 
vor den Muselmännern sich erheben und nicht lauter sprechen 
als diese. Auch sollen ihre Häuser nicht höher sein als die 
der Muselmänner. Sie sollen das Palmenfest nicht öffentlich 
feiern, keine Glocken läuten lassen und keinen Muselmann zu 
ihrem Glauben zu bekehren suchen. Ebenso ist es ihnen ver- 
boten, muselmännische Sklaven zu halten, Gefangene oder was 
sonst Muselmännern als Beute zugefallen, zu erwerben. Be- 
suchen Juden oder Christen ein öffentliches Bad, so sollen sie 
sich durch eine Glocke am Halse kenntlich machen. Auf ihrem 
Siegelring sollen sie keine arabische Schrift haben und ihre 
Kinder nicht den Koran lernen lassen. Sie dürfen keinen Musel- 
mann zu schwerer Arbeit gebrauchen" und nicht in den Kanz- 
leien des Sultans und seiner Emire angestellt werden 0, 

Sultan Nassir begann bald nach seiner Rückkehr auf den 
Thron mit der Aufhebung dieser Verordnungen. Allem Wider- 
spruche zum Trotz wurden Christen wichtige Ämter in den 
höchsten Kanzleien übertragen und diplomatische Beziehungen 
zu abendländischen Fürsten gepflegt. Wiederholt sah Kairo 
unter seiner Herrschaft Abgesandte christlicher Könige. Jakob II. 
von Aragonien empfahl ihm die Christen seines Reiches und 
bat, die Obhut des Hl. Grabes katholischen Ordensleuten zu 
übertragen. Papst Johann XXII. ersuchte Nassir, die christ- 
lichen Untertanen gütig zu behandeln, und versprach, dahin zu 

1) Weil I 270. 



m. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 39 

wirken, daß die Moliammedaner in den Ländern der Christen 
vor jeder Unbilde bewahrt blieben ^). Philipp VI. von Frank- 
reich soll sogar die Abtretung von Jerusalem und einem Teile 
der Küste Palästinas verlangt haben ^), ein Verlangen, das von 
Nassir zurückgewiesen wurde. Weniger erbat König Robert 
von Sizilien; seine Bitte sollte erhört werden und die abend- 
ländischen Christen wieder in die Verwaltung und Obhut der 
heiligen Stätten mit eintreten. 

III. Einzug der Franziskaner in die hl. Stätten. 

Br. Jakobus von Verona ist der letzte Pilger, der in seinem 
Reiseberichte (1335) nur morgenländische Priester als Hüter 
der hl. Stätten erwähnt und nur von morgenländischen Klöstern 
in Palästina weiß. Wie die andern Pilger, auch die Franzis- 
kaner, sah er nirgends im Hl. Lande ein Kloster abendländischer 
Ordensleute; und niemand sagt ein Wort von Franziskanern, 
die er als Hüter des Hl. Grabes oder auf dem Sion getroffen hätte. 
Manche ihrer Bemerkungen schließen sogar direkt und aus- 
drücklich das Verweilen lateinischer Priester oder lateinische 
Kirchen in Palästina aus. So sagt Wilhelm von Boldensele, 
der am 5. Mai 1333 in Jerusalem eintraf, von der armenischen 
Jakobskirche, sie sei die einzige nennenswerte Kirche in Jeru- 
salem, die „zum Glauben der römischen Kirche gehört, während 
dort viele Kirchen der schismatischen Christen seien" ^). 

Auf dem Berge Sion waren schon lange weder Heiligtum 
noch Hüter. Die Pilger fanden daselbst eine zerstörte Kirche ■*) 
und eine verlassene, unbewohnte Stätte; „der ganze Ort ist 
verlassen und trauert, sagt 1294 Br. Ricoldus ^), weil niemand 



1) Raynaldus, Annales 1328 Nr. LXXXV; Weil I 353. 

2) Raynaldus 1331 Nr. XXX; Weil I 354. 

3) „Haec sola Ecclesia est notabilis ad fidem Romanae Ecclesiae spec- 
tans. cum tarnen Hierosolymis sint multae Ecclesiae Christianorum schismati- 
corum Sumrao Pontifici non obedientium:" Basnage IV 348. 

*) Vgl. Itineraires ä Jerusalem et Descriptions de la Terre Sainte rediges 
en franQais aux XI, XII et XIII sidcles, publies par Henri Michelant et Gaston 
Raynaud. Genf 1882, S. 184 und 195 („grant eglise abatue"). 

•■>) Vgl. oben S. 34 Anm. 7. 



40 III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

dort wohnt." Br. Jakobus von Verona sah oben außer den 
Gewölben des Zönakulums nur Ruinen und Äcker ^) ; es ist ge- 
nau jenes Bild, das uns ein Kaufvertrag aus dem Jahre 1335 
zeichnet^). Ebenso bestimmte Zeugnisse schließen den dauern- 
den Aufenthalt lateinischer Ordensleute am Hl. Grabe während 
jener Jahre aus. So ließ König Jakob II. von Aragonien (1291 — 
1327) im September 1322 den Sultan von Ägypten bitten, aus 
besonderer Gunst aragonensischen Dominikanern die Hut und 
Administration des Hl. Grabes für alle Zeiten zu übertragen ^); 
Sicher hätte der König diese Bitte nicht gestellt, wenn dieser 
Auftrag bereits andern Ordensleuten verliehen gewesen wäre. 
Alle alten Nachrichten und Zeugnisse weisen den Einzug 



1) S. 193. 

2) Golubovich, Serie 136, Dokument B. — Alle diese Nachrichten 
machen es unmöglich, das von Golubovich daselbst veröffentlichte Dokument A 
als echt zu betrachten; wenigstens ist das von ihm gebotene Datum (11. Juli 
1309) unrichtig. Die von ihm benützte Vorlage (in Schublade 18 des Archivs 
der Prokura) ist eine Abschrift des 17. Jahrhunderts. Wir vermuten, daß der 
Abschreiber das arabische Datum falsch gedeutet hat, da es bei älteren 
Stücken sehr schwer ist, die Zeichen für 7 und 9 zu unterscheiden. Daß 
jenes Datum nicht zutreffen kann, ergibt sich aus allen echten zeitgenössischen 
Nachrichten, die wir über die hl. Stätten und ihre Hüter in jener Zeit be- 
sitzen. Die fragliche Urkunde spricht von Franziskanern auf dem Berge Sion, 
am Hl. Grabe und zu Bethlehem und setzt sich so mit allen Pilgern in Wider- 
spruch, von denen keiner unsere Brüder an diesen Stätten vor 1336 traf. 
Der Ferman nennt nicht den Namen des Sultans; Golubovich nimmt den Namen 
desjenigen, der 1309 regierte, El Muzaffar Bibars. Doch kommt dieser nicht 
in der Reihe der Sultane vor, die den Brüdern Schutzbriefe ausgestellt haben ; 
vgl. Golubovich, Serie 168 und 178. — In dem 1633 aufgestellten Ka- 
taloge der Fermane sind sieben des gleichen Inhaltes wie der in Frage ste- 
hende verzeichnet („che in Terra Santa non possino dimorare altri Religiosi 
franchi fuorche li nostri"); der älteste derselben ist von 1387; vgl. Ver- 
niero 174. 

ä) Finke, Acta Aragonensia II Nr. 470. Als Wohnung wünscht der 
König für die Dominikaner die Häuser des Patriarchen in der Hl. Stadt. — 
Hiermit ist auch die Nachricht erledigt, daß Papst Nicolaus IV. nach dem 
Falle von Akri den Sultan gebeten habe, „quatenus in Jerusalem habitare 
permitteret aliquos latinos clericos pro custodia sepulchri Christi", welche 
Bitte der Sultan gewährt habe; der Papst habe darauf die Franziskaner aus- 
gewählt und nach Jerusalem gesandt (Fabri, Evagatorium II 318; I 353 sagt 
er richtig: „Stetit autem civitas sancta multis annis sine latinis Christianis, 
quousque Robertus rex Siciliae multo auro comparavit a Soldano loca sancta 
aliqua, et ea Iratribus miuoribus dedit"). 



III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 41 

der Franziskaner in das folgende Jahrzehnt. Der erste Pilger, 
der uns seit dem letzten Abziige der Lateiner aus Judäa wieder 
abendländische Ordensbrüder an den hl. Orten und die Fran- 
ziskaner als Hüter des Heiligturaes auf dem Berge Sion zeigt, 
ist der westfälische Pfarrer Ludolf von Suchem, der von 1336 
bis 1341 im Morgenlande weilte ')• Die Kaufurkunden, durch 
die unsere Brüder die ersten Grundstücke auf dem Sion erwar- 
ben, fallen in die Jahre 1335 bis 1337^). Die älteste Ordens- 
chronik, die des Einzuges der Brüder in die hl. Stätten gedenkt, 
versetzt denselben in eben dieselben Jahre ^). Und die päpst- 
liche Bulle^ die das bereits seit einigen Jahren fertige Kloster 
auf dem Sion bestätigt, wurde 1342 erlassen ^). Daher ist außer 
allem Zweifel, daß die Franziskaner um diese Zeit wieder in 
Jerusalem einzogen, sich auf dem Sion niederließen und den 
Gottesdienst an der Grabeskirche neben den andern Riten und 
Konfessionen, die seit langem daselbst weilten, übernahmen. 

Um diese Zeugnisse der Reihe nach vorzuführen, so 
erzählt die bald nach der Mitte des XIV. Jahrhunderts 
niedergeschriebene „Chronik der 24 Generäle" des Franzis- 
kanerordens ^), daß der armenische Erzbischof Zacharias^) den 
Ordensgeneral Geraldus um Missionäre für Großarmenien bat. 
Der General schickte 1332 und 1333 viele Brüder dorthin, 
unter ihnen den der aquitanischen Provinz angehörenden 
P. Rogerius Garini, der mit seiner Missionsreise eine Pilger- 
fahrt ins Hl. Land vereinigte. Wohin P. Roger diese Reise 
ausdehnte, wo er mit Sultan Nassir Muhammad zusammentraf, 
welche Vermittler er am kaiserlichen Hofe hatte, das sind 



1) Reißbuch des Hl. Landes, Bl. 449^, vom Berge Sion: ,Jn diesem Kloster 
leben jetzundt Barfüßer Mönch, welchen zu meinen Zeiten die Königin Sancia, 
ein Gemahl des Königs Roberti, alles, was sie bedurften, dargereicht hat." 

•■^) Golubovich, Serie 131 ff. ••') AF III 506. 

*) Bulle „Gratias agimus" vom 21. November 1342. 

•^) AF III 506. Glaßberger, AF II 160, wiederholt den Bericht; er 
setzt die Sendung der Brüder ins Jahr 1334. 

^) Er hatte viele Beziehungen zu dem gelehrten Franziskaner P. Daniel 
de Thaurisio, der die ausführliche „Responsio ad errores impositos Hermenis" 
schrieb; vgl. Recueil des Historiens des Croisades, Docunicnts Armeniens, 
II, Paris 1906, 559—650. 



42 ni- Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

alles Fragen, auf die jene Chronik nicht eingeht. Sie berichtet 
nur, daß P. Roger vom Sultan von Ägypten den heiligen Berg 
Sion nebst dem Zönakulum und dem Saale erhielt, in dem der 
Hl. Geist auf die Apostel herniederkam, und dort ein Kloster 
baute. „Seitdem", fügt er hinzu, „wohnen da und am Hl. Grabe 
bis auf den heutigen Tag unsere Brüder" ^). 

Eine sehr willkommene Ergänzung zur Nachricht der ge- 
nannten Chronik liefert uns die Bulle des Papstes Klemens VI.^) 



1) „Et ex tunc ibi et in sancto sepulchro fratres nostri habitaverunt 
usque in hodiernum diem." 

'â– ^) Christophorus von Varese schrieb die Bulle Klemens V. zu (Li- 
bellus de Privilegiis Bl. 16^) und leitete damit die Verwirrung ein, die sich 
bei den nächsten Geschichtsschreibern bis auf Wadding über die Zeit findet, 
in der die Franziskaner einzogen. Der erste, der diesen Fehler übernahm, 
scheint Marian von Florenz zu sein; in seinem „Compendium Chronicorum 
Fratrum Minorum" sagt er, daß Klemens V. die Niederlassung zu Jerusalem 
im ersten Jahre seines Pontifikates bestätigt habe, und setzt dementsprechend 
den Anfang zwischen 1304 und 1306 („per hec quoque tempora"); vgl. AFH 
II 628. Aus Marian übernahm den Irrtum Br. Markus von Lissabon, der zum 
Jahre 1304 die Worte desselben wiederholt; Teil II Buch VI Kap. 26. — Ber- 
nardin Amico trifft merkwürdiger Weise das richtige Jahr (1336), obgleich 
auch er die Bulle Klemens V. zuschreibt (Prefazione). Dasselbe tut Quares- 
mius und kommt daher in einer längeren Untersuchung nicht zum richtigen 
Resultate; er vermehrt sogar die Zahl der Meinungen durch eine neue, in- 
dem er den Anfang der Niederlassung in das Jahr 1313 setzt, da dieses das 
erste Jahr des Pontifikates Klemens V. gewesen sei („quia hie fuit primus 
annus pontificatus Clementis, in quo dedit praemissam bullam" ; Elucidatio 
II 132). Erst Wadding hat in seinen Annales Minorum zum Jahre 1342 
diesen Irrtum verbessert und die Bulle Klemens VI. zugeschrieben. Ebenso 
Verniero in seiner Chronik S. 248. 

Andere Schriftsteller haben die Bulle und die einschlägigen Nachrichten 
der Chronik falsch gedeutet. Der schon genannte Verfasser der „Gesta Dei 
per Fratres Minores" läßt sich mit Calahorra durch den irrig von 1294 da- 
tierten Ferman des Sultans Daher verwirren (69 ff.); Calahorra meint (B. III 
K. 3), die Franziskaner hätten in einer Verfolgung die hl. Stätten verloren 
und sie jetzt wieder erlangt. Wir haben bereits gesagt, daß jener Ferman 
100 Jahre jünger ist, und das für die erstere Annahme nicht ein einziges 
historisches Zeugnis vorliegt. 

Golubovich, Serie XIX, meint, es sei jetzt nur der „acquisto giuridico" 
der hl. Stätten erfolgt, während tatsächlich die Franziskaner schon „un buon se- 
colo prima" beim Zönakulum gewesen seien. Aus dem im ersten Kapitel ge- 
sagten ersieht man. daß für diese Ansicht jede Grundlage fehlt. Sodann er- 
hielten die Brüder jetzt nicht den rechtlichen Besitz des Zönakulums, der vom 
Sultan dem sizilianischen Königspaare verliehen wurde, sondern das Recht, 
sich neben demselben niederzulassen. 



III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 43 

vom 21. November 1342 an den Ordensgeneral und den Pro- 
vinzial von Neapel, die ihnen mitteilt, daß König Robert von 
Sizilien (1309 — 1343) und seine Gemahlin Sanzia neulich (nuper) 
mit großen Kosten und vielen Mühen beim Sultan, der das 
Grab des Herrn und andere hl. Stätten jenseits des Meeres 
besitzt, erreicht haben, daß die Brüder des Franziskanerordens 
stets in der Grabesbasilika verweilen und daselbst zelebrieren 
sowie feierlich das göttliche Offizium halten können; ferner 
habe derselbe dem Könige und der Königin das Zönakulum, die 
Kapelle der Herabkunft des Hl. Geistes und jene Stätte geschenkt, 
an der unser Herr nach seiner Auferstehung in Gegenwart des 
hl. Thoraas den Aposteln erschien. Die Brüder seien bereits 
in der Grabeskirche, und die Königin habe für sie auf dem 
Sion vor geraumer Zeit (jam est diu) ein Kloster gebaut, in 
dem sie stets zwölf Brüder für den Dienst am Hl. Grabe und 
an den andern hl. Stätten unterhalten wolle 0- 

Der Umstand, daß die Chronik der 24 Generäle nichts 
von dem sizilianischen Königspaare und die päpstliche Bulle 
nichts von P. Roger und seinen Bemühungen sagt, hat öfter 
Geschichtsschreiber befremdet und sogar bestimmt, mit Markus 
von Lissabon einen Widerspruch zwischen beiden Zeugnissen 
zu sehen 2). Wadding betont hiergegen mit allem Rechte, daß 



Einige Schriftsteiler der altern Zeit nennen nicht die Zeit, sondern nur 
den König Robert als den Vermittler; so Thenaud 94: „Les freres Mineurs 
lä furent premiörement mis par le Roy de Naples, Robert, frere de Sainct 
Loys, qui leur achepta la place du Souldan." 

Merkwürdig ist, daß Felix Fabri (Evagatorium II 319) und P. Walther 
von Guglingen (Itinerariura 271) die Franziskaner erst 1401 auf den Sion ein- 
ziehen lassen. Der Herausgeber des letztern, Solhveck, bemerkt in der Anmer- 
kung: „Wie Walther zu der hier gegebenen Jahrzahl . . . kam, ist unerklärlich." Da 
beide zugleich in Palästina weilten, geht wohl die irrige Nachricht auf dieselbe 
Quelle zurück. — Weil die päpsUiche Bulle 1342 erlassen wurde, wird manch- 
mal (vgl. Contenson 320) die Übergabe des Zönakulums an die Franziskaner 
in dieses Jahr gesetzt. 

1) Bulle „Gratias agimus", Eubel, BF VI Nr. 159, und Diarium Terrae 
Sanctae II 13. Vgl. die in der Hauptsache gleichlautende Bulle „Nuper cha- 
rissimae" an das sizilianische Königspaar von demselben Datum, Eubel 
a. a. O. Nr. 160, Diarium II 70; der Papst gibt den Monarchen die Erlaubnis, 
drei weltliche Personen für den Dienst der Brüder hinüberzusenden. 

2) Delle Croniche de Frati Minori (ital. t)bersetzung von Hör. Diola), 
Teil II, Bd. VIII 469, wo er zunächst den Bericht der Chronik der 24 Generäle 



44 ni. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

sich diese auf keinen Fall widersprechen, vielmehr in will- 
kommener Weise ergänzen ^). Das fromme Königspaar und 
P. Roger haben beide gemeinsam das schwere Ziel erstrebt 
und den herrlichen Erfolg errungen. Wir können freilich nicht 
erraten, wie sie zusammenwirkten, von wem die Initiative aus- 
ging, ob beide von Anfang an und in gemeinsamem Einver- 
ständnis handelten, P. Roger also der Geschäftsträger der 
frommen Monarchen am Hofe des Sultans war, oder ob er 
sich erst nach einem mißlungenen Versuch an den König Robert, 
Bruder des hl. Franziskaners Ludwig von Anjou und großen 
Freund der Franziskaner, wandte. 

Da nach Ricoldus beim Zönakulum eine Moschee einge- 
richtet war, so begreift man, daß die Erfüllung ihrer Bitte mit 
vielen Schwierigkeiten verknüpft war, und König Robert eine 
große Summe aufwenden mußte. Wie hoch sich diese belief, wird 
im XIV. Jahrhundert nicht gemeldet; der erste, der eine Zahl 
angibt, ist ein ungenannter Franziskaner, der 1427 einen Pilger- 
führer durchs Hl. Land verfaßte; er läßt in demselben den 
König Robert 20 000 Golddukaten zahlen; Felix Fabri spricht 
60 Jahre später schon von 32 000 ^). Sein Zeitgenosse P. Walther 
von Guglingen weiß, daß die Franziskaner jährlich dem Sultan 
14 Dukaten zahlen mußten^). 



fast wörtlich wiederholt und dann fortfährt: „Ma la veritä e che il divotissimo 
Roberto Re di Sicilia ..." 

1) Annales Minorum, zum Jahre 1342 Nr. XX: „Bene ergo conveniunt 
narratio bullarum Apostolicarum et historia Chronicorum antiquorum." 

2) Die Schrift des Franziskaners erschien unter dem Titel „Libellus 
descriptionis Terrae Sanctae et peregrinationum ipsius". In: Le Missioni 
Francescane IV und V, Rom 1894 und 1895. Daselbst IV 643 vom Hl. 
Grabe: „Post Canonicos Reguläres habuerunt eam Georgiani, et- eins claves 
tenebant, modo autem tenent eam Fratres Minores ad requestam Reginae 
Sanciae Aragonum, que a Soldano suis expensis viginti millibus redemit." 
Golubovich, Hörn 64, bezeichnet dies als die erste Angabe einer Kauf- 
summe. — Fabri, Evagatorium I 280: „Dedit pro his in prompto auro tri- 
ginta duo milia ducatorum probati ponderis." Bei den spätem Schriftstellern 
wuchs die Summe noch mehr, bis sie bei Perinaldo, Storia di Gerusalemme 
II 175, auf 17 Millionen Dukaten stieg. 

^) Itinerarium 271 : „Prenominati quoque fratres, viri religiosi, possident 
sanctissimum locum montis Syon tamquam peregrini et advene, exspectantes 
quasi omni hora recipere expulsum, maxime quando non solverent soldano 



in. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 45 

Während jene päpstliche Bulle schon den ersten Anhalts- 
punkt für die Bestimmung der Zeit gibt, in der die Schenkung 
der hl. Stätten erfolgte und der Bau auf dem Sionberge be- 
gonnen wurde, können wir an der Hand der Kauf urkunden, durch 
die unsere Brüder die aus Zönakulum angrenzenden Grundstücke 
erwarben, die Zeit genau bestimmen, und mit ihrer Hilfe sogar die 
ersten Stufen der Gründung sowie den Bau des Klosters ver- 
folgen. Den ersten Schritt zeigt der Kaufvertrag vom 15. Mai 
1335 0, durch den die fränkische Christin Margareta und die 
beiden Priester Roger und Johann ein Grundstück vom Staats- 
schatze erwerben, das nach der Urkunde als Grenze gegen 
Norden „die Mauern der Gewölbe hat, auf denen sich die 
unter dem Namen Elliat Sahiun bekannte Kammer erhebt". 
Elliat Sahiun hieß und heißt noch bei den Arabern das Zöna- 
kulum; jener Priester Roger aber ist ohne Frage derselbe, den 
wir schon als Missionar und Franziskaner kennen lernten, 
und die Christin Margareta wird uns von Ludolf von Suchem 
als Sizilianerin und Schwester eines Chorherrn vom Hl. Grabe ^) 
vorgeführt, „die den Christen sehr nützlich war und für sie 
viel Leid und Trübsal erduldete sowie beim Sultan wegen 
ihrer Treue stets in besonderer Gunst stand" ^). Sie war also 
die beste Vermittlerin bei diesem Geschäfte. 

Zwei Umstände und Angaben jener Kaufurkunde haben 
für uns besonderen Wert. Vom Zönakulum heißt es, daß es 
nicht in den Kauf einbegriffen werde, vielmehr dem Staats- 
schatze verbleibe; damit erfahren wir, daß die Schenkung 



XIV ducatos pro tributo preter alias instantias, quas patiuntur quotidie." Und 
der Karthäuser Prior Georg hat noch von einer viel größern Summe gehört. 
Er sagt: „Domino Hierosolymae annua munera offerunt et Soldano etiam ipsi 
mille, ut audivi, ducatos pendunt" (Sp. 550); das gleiche meldet sein Begleiter 
Baumgarten: „Soldano etiam ipsi, ut relatum nobis, mille ducatus pendunt" (89). 

1) Golubovich, Serie 131 Dokument B. 

2) Die Chorherrn vom Hl. Grabe (Sepulchriner) waren 1291 nach Italien 
gegangen und hatten hier wie in andern Ländern mehrere Niederlassungen. 

3) In der lateinischen Ausgabe seiner Reisebeschreibung heißt es 
(Deycks 81): „Haec Margareta Christianis ibidem multum fuit utilis et pro- 
ficua et, ut mihi constat, multas tribulationes et angustias amore Christiano- 
rum ibi est perpessa, et semper propter fidelitatem eins in speciali fuit gra- 
tia Soldani." 



46 ni. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

desselben noch nicht erfolgt war, und erhalten also eine feste 
Grenze, über die nicht hinaus gegangen werden darf: Am 
15. Mai 1335 war das Zönakulum noch in den Händen der 
sarazenischen Regierung. Sodann erscheinen die Brüder Roger 
und Johannes nicht als Franziskaner, sondern als fränkische 
Priester; sie hielten ihre Absicht noch geheim, wohl deshalb, 
weil sie noch nicht die Erlaubnis, sich daselbst niederzulassen, 
erhalten hatten. Damit erklärt sich auch, daß der Augustiner 
Br. Jakobus von Verona, der bald nachher in Jerusalem weilte, 
nichts von ihrem Plane meldet. 

Einen Fortschritt verrät der Kaufvertrag vom 1. Februar 
1337 0- Die Brüder erwerben in demselben ein an jenes erste 
Grundstück stoßendes Gelände; auch dieses Mal wird wieder 
als Grenze das Zönakulum (Elliat Sahiun) genannt; es fehlt 
aber jetzt bei demselben der bei den andern Grenzen aus- 
drücklich gemachte Zusatz, daß es dem Staatsschatze gehöre. 
Mittlerweile wird es also von diesem an König Robert über- 
gegangen sein. Einen weiteren Fortschritt lernen wir aus 
zwei bald nachher ausgestellten Urkunden. Am 24. Februar 
und 6. März 1337 erklären die Käufer jener beiden Grund- 
stücke vor den Behörden, daß sie die von ihnen gekauften 
Äcker den Franziskanern, die nun zum ersten Male aus- 
drücklich genannt werden, überlassen ^) ; diese haben mithin 
unterdessen, die Erlaubnis sich niederzulassen, erhalten, können 
daher ihr Inkognito aufgeben und den Bau beginnen. Daß 
dies bald geschah, erfahren wir aus einer Kaufurkunde vom 
5. Juli desselben Jahres, in der als Grenze eines Ackers 
bereits das Franziskanerkloster genannt wird^); zum wenigsten 
muß der Bau also damals schon begonnen gewesen sein, übri- 
gens wissen wir, daß der erste Bau geringe Zeit erforderte und 
mit großer Eile ausgeführt wurde, da er schon nach 25 Jahren 



1) Golubovich, Serie 143 Dokument D. — Daß der an erster Stelle 
genannte Käufer Frer-Gial wirklich P. Rogerius ist, wie Golubovich, 145 Anm. 2, 
vermutet, ergibt sich daraus, daß er hier als der Besitzer des angrenzenden 
Grundstückes erscheint. 

-) Golubovich, Serie 147 ff. Die Franziskaner erscheinen hier wie 
später häufig unter dem Namen „Fratres de Corda". 

ä) Golubovich, Serie 151. 



III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 47 

baufällig war; 1362 sagt Urban V., daß der Niederlassung auf 
dem Sion der Einsturz drohe ^). 

So liegen sämtliche Stufen der Entwicklung der neuen 
Gründung in der Zeit zwischen dem 15. Mai 1335, an dem 
das erste Grundstück erworben wurde, und dem 5. Juli 1337, 
an dem uns das Kloster zum ersten Male begegnet. 

Was wir sonst an Daten und Nachrichten bei zeitgenös- 
sischen Schriftstellern finden, deckt sich genau mit dieser 
Berechnung. Nach 1334 schrieb der 1344 bereits verstorbene 
Br. Paulinus von Venedig, Bischof von Pozzuoli, das wert- 
volle Provinziale, ein genaues Verzeichnis der Franziskaner- 
klöster seiner Zeit, das in der Provinz des Hl. Landes außer 
den vier auf Zypern gelegenen Klöstern ein Kloster in Arme- 
nien und das „Zönakulum auf dem Berge Sion" nennt ^). Bald 
nachher erzählt Br. Johann von Winterthur, daß die 1343 in 
Marseille zum Generalkapitel versammelten Brüder offizielle 
Mitteilung von dem Geschenke des Sultans und der neuen 
Niederlassung der Brüder in Jerusalem erhielten ^). Daß diese 
Gründung aber bereits einige Jahre zurücklag, zeigt klar 
die Weise, wie der Pilger Ludolf von Suchern in seinem 
Reiseberichte von den Franziskanern Jerusalems spricht, die 
er, wie gesagt, als erster Pilger erwähnt. Er nennt sie „starke 
und vermögliche Männer", „die von den Kaufleuten und Sara- 
zenen gelobt werden, weil sie ihnen viel Gutes tun" â– *) ; dies 
setzt voraus, daß man bereits Gelegenheit hatte, das Wirken 
derselben zu beobachten, daß ihre Ankunft in der Hl. Stadt 
also einige Zeit vor der Abreise Ludolfs (1341) angesetzt 
werden muß. Während die früheren Pilger mit keinem 
Worte die Anwesenheit von Franziskanern in Jerusalem ver- 
raten, schweigt seit Ludolf kaum einer über sie, und fast alle 



1) Breve ..Rationi congruit", Eubel, BF VI \r. 830; Diarium T. S. 
il 75 („pro maiori parte ruinam minatur"). 

■-) Vgl. GB II 268. — Daß Br. Paulinus sein Provinciale nach 1334 
schrieb, ergibt sich daraus, daß er Fr. Hugo als „episcopus nunc Suessanus" 
einführt, dieser aber in genanntem Jahre den bischöflichen Stuhl bestieg. 
Golubovich möchte die von ihm benützte Handschrift „qualche anno prima del 
1339" beendet glauben (lOlJ. 

^) GB II 147. *) Reyßbuch Bl. 449 \ 



48 in. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

gedenken ihrer mit warmen Worten des Lobes. 1343 traf 
sie daselbst der Graf von Holland ^), 1345 Br. Nikolaus von 
Poggibonzi, 1346 die deutschen Barone von Bodman und von 
Hohenfels, die nach Johann von Winterthur überall das Lob 
der Brüder von Jerusalem verkündeten; es seien vollkommene, 
heilige Männer, treue Beobachter der höchsten Armut ^). 

Jene Kaufurkunden lassen auch die Lage des Klosters 
genau bestimmen. Während das Zönakulum in der großen 
Basilika, die sich vor 1219 auf dem Sion erhoben hatte, an das 
rechte, nach Süden gelegene Schiff stieß, wurde das Franzis- 
kanerkloster auf der entgegengesetzten Seite angebaut, da die 
erworbenen Grundstücke das Zönakulum im Norden hatten. 
Die Brüder fanden beim Obergeschoß außer der Nordwand, 
die deutlich die Spuren der Kreuzfahrerarbeit zeigt, nur 
Ruinen und Reste vor. Es war ihre Sache, die fehlenden 
Mauern zu ergänzen und das Gewölbe zu bauen. Wie die 
verschiedenartigen Säulenbasen und Kapitelle verraten, nahmen 
und benützten sie, was sie vorfanden. Die drei Fenster auf 
der Südseite und die gotischen Gewölbe sind so einfach, daß 
man wenig über den Baumeister erraten kann. Renard „stellte 
fest, daß der Obersaal hauptsächlich ein von französischer Kunst 
beeinflußtes Werk, wenn nicht die Arbeit eines französischen 
Architekten sein muß" ^). Die Türe auf der Ostseite führte in 
die einige Stufen höher gelegene Kapelle der Herabkunft des 
Hl. Geistes, die, wenigstens später, auf Pfingsten auch von den 
verschiedenen christlichen Sekten besucht wurde. Lochner, 
der 1435 mit den Markgrafen Johann und Albrecht von Bran- 
denburg in Jerusalem weilte, erzählt uns, daß Pfingsten die 
übrigen Christen auf den Sion kamen und „die andern Sekten 



1) GB II 148. 

2) GB II 150: „Hü in reversione sua longe lateque ditfamarunt homi- 
nibus: fratres Ordinis Sancti Francisci illic degentes sanctissimae et perfec- 
tissimae vitae fore, . . . altissimae paupertatis perlectissimos sectatores." — 
Daß so von nun an fast Jahr für Jahr die Anwesenheit der Brüder in Jeru- 
salem belegt werden kann, während vor 1336 niemand von ihnen redet, kann 
nur dadurch erklärt werden, daß sie vorher nicht in der Hl. Stadt waren. 

3) H. Renard, Vom Bau der St. Marienkirche auf dem Sion in Jeru- 
salem, Berlin 1910, 3. 



III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 



49 



eine nach der andern nach ihren Sitten sangen" *). Ob wegen 
dieser Besucher später die Treppe angelegt wurde, die nach 
Fabri und Anselm von Krakau außerhalb des Zönakulums zur 




H. Ronanl. 



Hl. r.aiKl -14, 1. 



Abb. 1. Zünakiilum. Ansicht der Südwand. 



genannten Kapelle führte, oder ob sie die ältere und der Zu- 
gang innerhalb des Abendmahlssaales Jüngern Ursprunges ist, 
wissen wir nicht. Und ebenso unbekannt ist, ob und wie weit 




H. Uonard. Hl. Land U, ü. 

Abb. 2. Zönakulum. Ansicht der Westwand. 



das genannte Heiligtum des Hl. Geistes noch erhalten war, als 
die Franziskaner einzogen. Da die Schenkung des Sultans 
Nassir nach der Bulle Klemens' VI. auch die Kapellen des Hl. 



1) Vgl. Geisheim 248. 
Franzisk. Studien, Beil)cft 1: Lonirnens, Die Franziskaner auf dem Sion. 



50 



III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 



Geistes und des hl. Thomas umfaßte, dürfte man annehmen, 
daß noch etwas von ihnen vorhanden war; damit wäre zugleich 
erklärt, warum gerade die Ostwand des Zönakulums, an die 
jene Kapelle grenzt, besser erhalten blieb ^). Eine andere Treppe 
führt in der Südwestecke des Abendmahlssaales in den Raum, 
in dem die Kreuzfahrer die Stätte der Fußwaschung verehrt 
hatten ") und die Brüder eine Kapelle des hl. Franziskus ein- 
richteten ^). Es fehlen Nachrichten über die Zeit, in der diese 







H. Renard. Hl. Land 14, 5. 

Abb. 3. Zönakiilum. Ansicht der Ostwand. 

Arbeit ausgeführt wurde. Südwärts lehnten sich an das Zöna- 
kulum die drei Flügel des Klosters, die einen kleinen Hof um- 
schlossen, an; sie sind bis heute erhalten^). 

Von Ludolf von Suchem erfahren v/ir, daß unsere Brüder 
auf dem Sion öffentlichen Gottesdienst halten durften, daß es 
ihnen aber verboten war, vor den Sarazenen zu predigen 
und ohne Erlaubnis der Behörden ihre Verstorbenen zu be- 



1) Die Ostwand, nicht, wie durch Versehen aui der vorletzten Seite 
Z. 13 gesagt wird, die Nord wand des ZünakuUims, zeigt „die Ornamentik 
der Kreuzfahrerzeit"; vgl. H. Renard, Die Marienkirchen auf dem Berge 
Sion in ihrem Zusammenhang mit dem Abendmahlssaale. In: Das heilige 
Land, 44. Jahrgang, Cöln 1900, S. 10. 

2) Vgl. Johann von Wiirzburg (Tobler, Descriptiones Terrae Sanctae 
13(i) und Theodorich (Tobler, Theoderici libellus 55). 

^) „Unter dem altar des abent essen ist sant Francisco capel", Eyb 33. 
Dasselbe bei Anselm von Krakau 789. 

•*) Fabri, Evagatorium I 244: „Non enim habet ambitus nisi tres partes, 
et quarta pars est ecclesiae muriis." 



I 



ni. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 51 

graben 0- Viel Raum bot der Saal, der nach Anselm von 
Krakau 20 Fuß lang und 13 Fuß breit war-), den Gläubigen 
nicht, weshalb die Annahme nahe liegt, daß unsere Brüder 
von Anfang an die Absicht hegten, eine größere Kirche auf 
dem Sion zu bauen. Renard glaubt aus der von den Franzis- 
kanern am Zönakulum ausgeführten Arbeit nicht nur diese Ab- 
sicht, sondern auch den Bauplan der Brüder folgern zu können. 
„Die beiden vermauerten Öffnungen an der Nordseite", sagt er, 
„der provisorische Abschluß an der Westseite drängen selbst- 
verständlich zu der Frage: Was haben die Franziskaner ge- 
wollt?» Meiner Ansicht nach sollte das zweischiffige System 
des Abendmahlsaales nach Westen hin fortgesetzt und durch 
Anfügung eines Mittel- und eines zweiten Seitenschiffes eine 
Emporenkirche geschaffen werden." Die Ausführung des Planes 
kam nicht zustande; der Abendmahlssaal is^ seit dem Einzüge 
der Franziskaner kaum verändert worden. 

Die oben genannte Bulle des Papstes Klemens VI. meldet 
uns auch die zweite große Gunst, die das fromme Königspaar 
den Brüdern beim Sultan erwirkte: Diese erhielten von ihm 
die Vollmacht, feierlichen Gottesdienst in der Grabeskirche 
zu halten ^). Mit keinem Worte bestätigt die Bulle die land- 



») Reyßbucli Bl. 4 49^. — Wenn Joliann von Winterthur sagt, daß die 
Brüder die Erlaubnis hatten „libere ac publice praedicandi" (G B II 147), so 
gilt dies nur von der Predigt vor den Christen; die Predigt vor den Sara- 
zenen war strengstens verboten. 

2) A. a. O. 789. Renard, Marienkirchen 7, gibt eine Länge von 
15,40 Meter und eine Breite von 9,45 Meter an. 

■^) In der Bulle „Gratias agimus" und in der andern über denselben 
Gegenstand „Nuper Charissimae" heißt es übereinstimmend: „Quod Fratres 
Ordinis Minorum infra Ecclesiam dicti Sepulchri possint continue commorari 
et ibidem Missarum solemnia et alia divina officia solemniter celebrare." — 
Die durch Johann von Winterthur (G B II 148) von unsern Brüdern gebrauchten 
Worte „ipsum custodientes" und ähnliche sind zu allgemein und vieldeutig, 
als daß sie andern bestimmten Zeugnissen entgegengestellt werden könnten. — 
Nirgends begegnet uns im 14. Jahrhundert die klare und bestimmte Beschrei- 
bung der Rechte der Brüder, die uns 100 Jahre später Fabri und Surian 
geben. Ersterer sagt: „Claves dulcissimi Doniini Jesu sepulchri et speluncae 
ipsi habent, ipsumque aperiunt et claudunt, cui volunt, et in eo Missas cele- 
brant, quundo placet. Nee audent sacerdotes aliarum sectarum in eo cele- 
brare, nisi de Latinorum expressa requisitione ot licentia;" Evagatorium 

4* 



52 in. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

läufige Ansicht, daß die Franziskaner jetzt die ganze Grabes- 
kirche erhalten hätten, oder daß sie zu Hütern des Hl. 
Grabes bestellt seien und die unter der Kuppel gelegene 
Grabeskapelle selbst ihrer Obhut anvertraut wurde. Die nächst- 
folgenden Pilger zeigen uns die Brüder in der Basilika, aber 
neben den schon früher daselbst weilenden Riten und Kon- 
fessionen, und sagen nichts, was auf eine Änderung des 
in der hl. Kapelle vor ihrem Einzüge bestehenden Zustandes 
schließen oder die Franziskaner als die eigentlichen Hüter 
des Hl. Grabes erscheinen ließe. Dieses Amt verblieb nach 
Fabri noch lange den früheren Wächtern, den Georgiern 0; 
Ludolf, der als erster die Franziskaner in der Grabeskirche 
antraf, bemerkt ausdrücklich, daß die Georgier den Schlüssel 
zum Hl. Grabe hatten '-). 

Was die älteren Pilgerberichte und Urkunden über die 
Rechte der Franziskaner in der Grabeskirche sagen, ist dieses: 
Sie hatten eine Kapelle der Basilika zu ihrem ausschließlichen 
Gebrauche, konnten in der Grabeskapelle und auf dem Kal- 
varienberge das hl. Meßopfer darbringen ^) und mit den Pilgern 
des Abendlandes feierliche Prozessionen zu den einzelnen 
hl. Stätten der Kirche veranstalten ^). 



I 348. Und Suriaa sagt: ,.Ne nulla altra natione de riligiosi po dir la messe 
in questo Sepolchro, senza nostra particolar licentia, per esser quello in 
nostra custodia et guardia. Del quäl etiam tenimo le chiave;" Trattato 31. 

1) Evagatorium I 349. 

-) Reyßbuch Bl. 450 ■": ..In der Kirchen des heyligen Grabes sind die 
Georgianer, die den alten Schlüssel zu dem Grab haben, welchen durch ein 
klein Fenster, das da ist an der Kirchentür gegen Mittag, Allmusen, Liechter . . . 
geben wirt;" es werden die „senes calogeri" sein, von denen Br. Jakobus von 
Verona spricht. Ludolf klagt, daß die Georgier das Hl. Grab vernachlässigen 
und ganz ..ohne Ehre und Ehrfurcht" lassen. — Nach Br. Nikolaus von 
Poggibonzi, Libro d'Ollramare 68, hatten 1345 auch die Sarazenen einen 
Schlüssel; er sagt von einem derselben: „Er öffnet die Kapelle des Hl. Grabes, 
läßt die Person für die Zeit von drei Vaterunser hinein, jagt sie hinaus und 
schließt wieder zu." Diese Weise entspricht dem, was Ludolf sagt: „Nam 
Sarraceni tantum venerantur sepulchrum Christi, quantum Christiani synago- 
gam Judaeorum" ; Deycks SO. 

^) Vgl. den Ferman des Sultans Barsabai bei Golubovich, Serie 170. 

*) Frescobaldi, Viaggi 120: „Quando vi vengono pellegrini, i sacer- 
doti di quella generazione s'accorsano e ricevono i pellegrini, e tutti con 
torchietti e candeli in mano fanno la processione." 



III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 



53 



Die ersten Pilger, die nach 1336 die Grabeskirche be- 
suchten, weisen sämtlich den Brüdern eine bestimmte Kapelle 
derselben als Stätte für ihren Gottesdienst zu, scheinen sich 
jedoch hierbei zu widersprechen. Nach LudoH hatten bei 




Hl. Land 44, 7. 

Abb. 4. Grundriß des Zönakulums. ') 

seinem Aufenthalte in der Hl. Stadt die Lateiner in der Basi- 
lika den Ort inne, an dem Christus der hl. Maria Magdalena 



1) .,I)ie glatte Ostwand sowie das letzte östliche Drittel der Nordwand" 
stammen aus dem 12. Jahrhundert. Das Zönakuhim hat zwei freistehende 
und eine sich an die Westseite anlehnende Säule. Im Osten „löst sich das 



54 ni. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

in Gestalt des Gärtners erschien ^). Br. Nikolaus von Poggi- 
bonzi scheint einige Jahre später diese Nachricht zu bestätigen, 
da er sagt: „Am Altare der hl. Maria Magdalena zelebrieren 
die Lateiner, d. h. die Minderbrüder," bereitet aber sofort eine 
Schwierigkeit durch die Worte: „An dem andern Altar, wo 
Christus der hl. Maria Magdalena erschien, zelebrieren die 
Georgier" ^). Waren in der Basilika zwei Altäre, die beide der 
Erscheinung geweiht waren, deren sich Magdalena erfreute, 
und von denen der eine den Lateinern und der andere den 
Georgiern gehörte, oder muß man eine Verwechslung, deren 
sich die beiden Pilger schuldig machten, annehmen und zwei 
Altäre nach zwei Erscheinungen unterscheiden, derjenigen, die 
der Herr seiner hl. Mutter gewährte, und der andern, deren 
Magdalena teilhaftig wurde? In dieser Weise stellen alle 
Pilgerführer seit Frescobaldi und Gucci die Sache dar ^). 
Ersterer nennt zunächst die dem Hl. Grabe am nächsten 
gelegene Stätte und Kapelle, bei der Christus Maria Magdalena 
als Gärtner erschien, und fügt sofort hinzu: „Daneben ist eine 
andere Kapelle, wo Christus unserer Herrin erschien; sie wird 
von den Brüdern des Berges Sion aus dem Orden des hl. 
Franziskus bedient" "*). Sein Reisegefährte Gucci sagt das- 



zweischiiüge Gewölbesystem in ein großes rippenloses Gewölbe mit großem 
Schildbogen" auf; Renard, Marienkirchen 7, und „die beiden Eckdienste au 
der Ostwand besitzen gänzlich andere Kapitälhöhen" ; ebd. 10. 

1) „Latini habent locum, quo Christus Mariae Magdalenae apparuit in 
specie hortulani"; Deycks 81. — Ohne Grund folgert Gonrady, Vier rhei- 
nische Palästina-Pilgerhandschriften 8, aus dem hier von Ludolf gebrauchten 
Worte „Latini", daß die Franziskaner noch nicht an der Grabeskirche waren, 
und Tobler, Golgatha 365, möchte aus dem Schweigen Ludolfs über unsere 
Marienkapelle ableiten, daß sie damals noch nicht bestand. 

-) Libro d' Oltramare 94 : „All altare di santa Maria Madalena ufiziano 
i Latini, cioe frati minori . . . All altro altare, ove Cristo apparve a santa 
Maria Madalena, ufiziano i Giorgiani". 

^) Beide kamen 1384 in Jerusalem an. Ihre Beschreibungen sind ver- 
öffentlicht in Viaggi in Terra Santa di Lionardo Frescobaldi ed altri del se- 
colo XIV, Florenz 1862. 

*) S. 189: „Ivi apresso si e una Cappella, nel quäle luogo apparve 
Cristo a S. Maria Maddalena a modo do ortolano. Ancora e ivi appresso un 
altra cappella dove Cristo apparve alla nostra Donna, e ufficiasi pe frati del 
Monte Sion dell Ordine di san Francesco, e trovamovi un frate da Bibbiena." 



rn. Einzug der Franziskaner in die lieiligen Stätten 55 

selbe ') und gibt zugleich eine Beschreibung der Kapelle der Er- 
scheinung Mariens, die sich genau mit jener deckt, die Poggibonzi 
von der Kapelle der hl. Maria Magdalena bietet, so daß man 
alsbald erkennt, daß dieser mit den andern in der Sache über- 
einstimmt und nur die den Franziskanern zugewiesene Marien- 
kapelle mit einem falschen Namen belegt. Man entschuldigt 
die Verwechslung, da beide Stätten dicht nebeneinander liegen^). 
Diese Marienkapelle, die bis heute im Besitze der Franzis- 
kaner verblieben ist, stammt aus der den Kreuzzügen vorauf- 
gehenden Zeit. Um 1100 schreibt von ihr Säwulf: „Zu den 
Seiten der Kirche selbst liegen hüben und drüben zwei hoch- 
berühmte Kapellen (von denen eine der hl. Maria, die andere 
dem hl. Johannes geweiht ist), ebenso wie beide zu beiden 
Seiten Teilnehmer des Leidens des Herrn waren" ^). Die 
Griechen, die früher die Kapelle bedienten, bewahrten daselbst 
eine kostbare Partikel des hl. Kreuzes *), und seit Jahr- 



1) S. 37ti: „In detta chiesa e una Cappella . . ., dove Cristo risuscitato 
appari a Maddalena . . . Pol . . . e una cappella divota e bella, dove Cristo 
appari alla sua madro, e chiainasi la cappella di Nostra Donna; e in detta 
capella ha una finestra quadra con una graticola di ferro innanzi; ed e in 
detta finestra uno pezzo della colonna, dove Christo fu battuto." Vgl. damit 
Poggibonzi 70: „X passi dallo Sepolcro si ä un cappella . . ., che si 
chiaraa santa Maria Magdalena . . . e ivi si ä un altare ; dalla parte ritta dell 
altare della tribuna si ä una finestra, alta da terra tre piedi; e in quella fi- 
nestra si c una parte della colonna, alla quäle il nostro Signore Jesii Cristo 
fu legato." 

-) Die früher der hl. Maria Magdalena geweihte Stätte war eine kleine 
Absis, die um 1720 der Türe zur neuen Sakristei der Franziskaner weichen 
mußte. Quaresmius sagt, II 429, von derselben: „Juxta ostium sacelli 
S. Mariae de apparitione est capellula ad honorem S. Mariae Magdalenae 
aedificata, quae nc impedimento esset, ibi, et non in loco, ubi ipsa et Christus 
stetit, quando ei apparuit, fiiit constructa." Vgl. Golubovich, Hörn 58 
Anm. 1: „Superioribus annis fuit Capellula ad honorem S. Poenitenlis ex- 
tructa, nunc in sacristiam conversa est," und P. Vincent O. P., Jerusalem II 270. 

•'') „In lateribus ipsius ccclesiae duae capellae sibi adhaerent praecla- 
rissimae hinc indc (sanctae Mariae scilicet sanctique Johannis in honore), si- 
cut ipsi participes Dominicae Passionis sibi in lateribus constiterunt hinc 
inde"; D'Avezac, Relation des Voyages de Saewulf ä Jerusalem et en Terre- 
Sainte. Pendant les annees 1102 et 1103, Paris 1839, 30. 

â– *) Mariano da Siena, Del Viaggio in Terra Santa, Florenz 1882, 71ff., 
gibt eine Beschreibung der Kapelle; u. a. sagt er vom Altar, der links vom 
Hauptaltar steht: „All altro ste un longo terapo la metä della Santa Croce, 



56 in. Einzug der Franziskaner in die lieiligen Stätten 

hunderten verehrt man in derselben auf dem neben dem Ein- 
gang gelegenen Altare ein Stück der Säule, an die der Herr 
bei der Geißelung gebunden wurde '). 

Über die Art, wie die Altäre der Basilika in der ersten 
Zeit nach dem Einzüge der Franziskaner unter die verschiedenen 
Konfessionen verteilt waren, gibt uns Br. Nikolaus von Poggi- 
bonzi eine interessante Übersicht, die zugleich die bündigste 
Widerlegung der 300 Jahre später auftretenden Meinung bietet, 
als hätten die Franziskaner 1336 durch Vermittlung des Königs 
Robert die ganze Basilika erhalten und seien erst allmählich 
von den andern Konfessionen zurückgedrängt worden^). Die 
bereits angeführten Zeugnisse der Pilger und alle Berichte der 
folgenden Zeiten bezeugen klar, deutlich und bestimmt, daß 
diese Meinung nicht zutrifft und vielmehr die entgegengesetzte 
Entwicklung stattfand. Br. Nikolaus schreibt^): „Am Haupt- 
altar zelebriert der Patriarch der Griechen, auf dem Kalvarien- 
berg die Armenier, unter Golgatha die Jakobiner, an dem 
Altare, der auf der Rückseite des Hl. Grabes steht, die Indianer 
und Äthiopier, die ganz schwarz, schwärzer als Tinte sind, 
und neben ihnen die Nubier, am Altare der hl. Maria Magda- 
lena^) die Lateiner, d.h. die Minderbrüder..., an dem andern 
Altar, wo Christus der hl. Maria Magdalena erschien, die Geor- 
gier, im Gefängnis Christi die Gürtelchristen und am Altare 
hinter der Tribüne (dem Chore) die Nestorianer" '"). Mit der 
Zeit verschoben sich zum Teil die Konfessionen; einzelne 
schieden ganz aus, während es den Griechen und Franzis- 
kanern gelang, andere Stätten und Altäre zu dem von Poggi- 
bonzi genannten Besitz zu erwerben. So wurde noch vor 



che quando Santa Elena la ritrovö, la fece segare per mezzo, e la metä ne 
lassö in questo luogo, e 1' altra metä ne portö seco." Eine kleinere Partikel 
wurde dort noch später verehrt; Fabri I 288. 

1) Vgl. S. 55 Anm. 1, Mariano da Siena 72 und andere. 

-) So sagt Verniero, Chronik 246: „Credesi nondimeno probabil- 
mente che gli frati in quel principio furono posti in possesso di tutta la detta 
chiesa." Sonst könne man, meint er, nicht die Fortschritte der Brüder begreifen. 

^) Libro d'Oltramare 94. 

^) Nach dem oben gesagten ist es der Altar der Erscheinung Mariens. 

5) Vgl. über diese Riten und Konfessionen unten Kap. 8. 



III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 57 

Ende des XIV. Jahrhunderts den Brüdern durch einen Ferman 
das schon erwähnte Recht zugesichert, in der Grabeskapelle 
und auf dem Kalvarienberge zu zelebrieren '). 

Es entspricht der Gepflogenheit des Volkes, große Werke 
in der Tradition zu erweitern, weshalb wir uns nicht wundern, 
daß auch die erhabene Tat des frommen Königspaares mit der 
Zeit über den ersten und wirklichen Bestand ausgedehnt wurde. 
Ein Pilgerführer des Jahres 1427 läßt den König noch die 
Kirche von Bethlehem beim Sultan erwerben^); etwas später 
fügt Surian das Hl. Grab und das Hospital auf dem Sion hinzu ^), 
während nach Fabri und Marian von Florenz ^) Robert und 
Sanzia außer dem Zönakulum die Kirche von Bethlehem und 
das Grab der Gottesmutter im Tale von Josaphat erwirkten. 
Vielleicht liegt diesen Nachrichten, wenigstens soweit sie das 
tatsächlich den Brüdern um jene Zeit verliehene Heiligtum 
von Bethlehem betreffen, die Bemühung des Königspaares zu- 
grunde, während für das Grab der Gottesmutter und jenes 
Hospital eine Verwechslung der Königin Sanzia mit ihrer 
Nachfolgerin, Königin Johanna (1342—1382), unterlaufen ist. 

Für den Einzug der Franziskaner in Bethlehem-^) sind 



1) Sultan Barsabai sagt 1427 in einem Ferman, daK dieses Recht den 
Brüdern seit vielen Jahren gemäß den gewährten Fermanen zusteht; Golu- 
bovich, Serie 170. 

'-) Der Libellus descriptionis; vgl. Le Missioni Francescane IV 510. 

â– i) Trattato 112. 

■•) Fabri, Evagatorium 1 280: „Emit a Soldano locum illum montis 
Syon et capellam b. Virginis in valle Josaphat, et ecclesiam Bethleemitanam 
cum monasterio;" 11 ;520 fügt er hinzu „capellam beatae. Mariae Virginis" in 
der Grabeskirehe, „dominici sepulchri tugurium", „specum dominicae nativi- 
tatis." Marianus, Compendium (AFH II 028): „In sacro monte Syon et 
in Bethlem, ubi Christus natus est, et in Sepulchro Beate Marie in valle 
Josaphat." 

■') Verniero, Chronik 92 und 245, stellte schon fest, daß im Archiv 
die Dokumente über den Erwerb des Heiligturas von Bethlehem fehlen. Er 
sagt: „Non si trova sciittura autentica in che maniera e quando gli frati 
havessero per loro uso e Custodia il Convento e Chiesa di Bettelemme." Das- 
selbe sagt Calahorra, B. 11 K. 9; doch möchte er die Schenkung des Klosters 
bereits durch den Sohn des Sultans Melek-el-Kamel erfolgt sein lassen und 
beruft sich auf „einige alte Schriften" des Archives, die er nicht näher be- 
stimmte. Ausdrücklich nennt er eine 1806 vom Kadi zu Jerusalem erteilte 
Erlaubnis, die Kirche zu Bethlehem zu restaurieren. Zur Zeit sind mehrere 



58 III. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 

wir auf die Nachriebt beschränkt, die Br. Nikolaus von Poggi- 
bonzi 1345 überliefert: „Die Kirche von Bethlehem haben 
heute die Minderbrüder des hl. Franziskus; Medephar, Sultan 
von Babylonien, gab sie uns, und die Brüder zogen in die- 
selbe ein, als ich in Jerusalem war" ^). Vergebens späht man 
bei den alten Chronisten und in den Urkunden nach Nach- 
richten oder Fingerzeigen aus, die uns über die Vermittler 
Aufschluß gäben oder die Zeit des Geschenkes genauer be- 
stimmen ließen. Golubovich möchte in jenem von Poggibonzi 
genannten Sultan Medephar den Kalifen Modhaff er Rokneddin 
sehen, der von 1309 — 1310 regierte. Wir können nicht an- 
nehmen, daß unsere Brüder 35 Jahre gewartet hätten, bis sie 
von der großen Gunst Gebrauch machten und das Heiligtum 
übernahmen. Sodann fehlt der Name jenes Sultans unter den 
Gönnern der Franziskaner, wie sie in mehreren Fermanen 
späterer Sultane genannt werden ^). 

Einige Nachrichten über die den Franziskanern von Beth- 
lehem verliehenen Rechte und Stätten erhalten wir durch die 
Pilger der nächsten Jahrzehnte. Nach Frescobaldi hielten sie 
den Gottesdienst in der altehrwürdigen Basilika, während den 
andern Konfessionen, den Griechen, Gürtelchristen und Jako- 
biten bestimmte Kapellen zugeteilt waren ^). „Auch ist dort", 
ergänzt er, „eine große Menge Sarazenen, die daselbst aus Ver- 
ehrung für unsere Herrin Tag und Nacht zahlreiche Lampen 
brennen lassen und für den Lebensunterhalt der Brüder sowie 
für die Kirche beisteuern." Der russische Diakon Ignaz von 



solcher Vollmachten' und nicht datierte Gutachten über Restaurationen an der 
Kirche von Bethlehem im Archiv der Prokura; keine derselben liegt sicher 
vor 1345, und kein Pilger erwähnt vor diesem Jahre ein Franziskanorkloster 
in Bethlehem. 

1) Libro d'Oltramare I 236: „La chiesa di Bctlilehera . . . tengono oggi 
i frati minori di santo Francesco, che cc la donö Medephar, soltano di Ba- 
billonia; e frati c'entrarono, quando io era in Jerusalem." Da die mittelalter- 
lichen Pilger beim Schreiben der arabischen Eigennamen die willkürlichsten 
und merkwürdigsten Variationen fertig bringen, ist es sehr schwer, die von 
ihnen gemeinten Personen zu erraten. 

2) Golubovich, Serie 199 Anm. 3. 

•'') S. 102 : „La chiesa s' ufficia pe' Cristiani Franchi . . . i quali sono 
sotto il guardiano di Monte Sion ... Ha nella detta chiesa certe cappelle 
d'altri Christiani, cioe Cristiani di cintura, Cristiani giacopini e Cristiani greci." 



fll. Einzug der Franziskaner in die heiligen Stätten 59 

Sniolensk und der russische Archimandrit Grethenius ^), die 
einige Jahre später nach Bethlehem kamen, bestätigen, daß 
die „Franken" den Gottesdienst in der Basilika hatten; ersterer 
fügt hinzu, daß dieselben das Kloster inne haben und „über der 
Krippe" zelebrieren, während die Griechen über „der Geburts- 
höhle" Gottesdienst halten. 1427 zeigt bereits ein Pilgerbuch 
die Franziskaner im Besitze der ganzen Geburtsgrotte ^). 

Das Kloster zu Bethlehem war das dritte und letzte, das 
die Franziskaner während des Mittelalters in Palästina gründen 
konnten. Es gelang ihnen wohl in Jerusalem und Umgebung, 
noch einzelne Heiligtümer ganz oder zum Teil zu erwerben; 
aber die Gründung eines weitern Klosters kam trotz höchster 
Vermittlung nicht zustande ^). Die Schriftsteller und Chronisten 
des Ordens versäumten nicht darauf hinzuweisen und in jener 
Dreizahl eine Beziehung zu den drei Orden des hl. Franziskus 
zu sehen. So sagt Br. Christophorus von Varese: „Unser 
Heiland, der in größter Armut zu Bethlehem geboren wurde, 
der auf dem Berge Sion ein ganz armes Abendmahl feierte 
und nackt auf dem Kalvarienberge am Kreuze sterben wollte, 



1) Vgl. B. Khitrovo, Itineraires Russes, Genf 1888, 128—1(51: Le 
Pelerinage d'Ignace de Sinolensk (1389 — 1405). S. 154 sagt er über Beth- 
lehem: „Les Francs officient au-dessus de la creche et les Grecs au-dcssus 
de la cavite; ä Bethleem, ä gauche, sc trouve le couvent franc, et 11 y a lä 
TEglisc de la Nativite du Christ oü officient les Francs." 

■-) Sein Reisebericht ist in der gleichen Sammlung veröffentlicht; vgl. 
Khitrovo 167—191. Daselbst 182 von Bethlehem: „Les Francs ont cette 
eglise sons leur dependance." 

•') Libellus descrintionis: „Soli Christian! catholici predictam capellam 
tencnt. Et illa die in ea divina peragunt officia. Et porte eins a Saracenis 
custodiuntur, ne in suis missis ab aliis turbentur" ; Lc Missioni Francescane 
V 322. Dasselbe sagt Fabri I 479: „Specum autem nativitatis Domini ha- 
bent Latini." 

') Wenn Papst Kalixt III. in der Bulle „Licet pro nostra" (1453) die 
„fratres ordinis Bcati Francisci de Observantia nuncupati locoruni Montis 
Sion, Sancti Sepulchri, Bethlehem, Vallis Josaphat, Montis Oliveti et Sancti 
Salvatoris de Baruto", Diarium T. S. IV 153, nennt, so soll damit nicht gesagt 
sein, daß an den einzelnen Orten eigentliche Niederlassungen bestanden. — 
Die Hospizien oder Pilgerhäuser der Franziskaner kommen an dieser Stelle 
nicht in Betracht. — Daß zu Abu ühosch nicht ein Franziskanerkloster bestand, 
wie meistens behauptet wird, wird unten gezeigt. 



60 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 

berief unter allen katholischen Christen die arme Familie zur 
Obhut dieser hochheiligen Stätten, um zu zeigen, wie sehr 
ihm das Gelübde der höchsten Armut gefall l ... Es lag im 
Plane der göttlichen Vorsehung, sie nur diese drei Stätten be- 
wohnen zu lassen, . . . obgleich sie noch an andern Orten, 
nämlich im Tale Josaphat, Wohnung nehmen wollten 0, und 
das um der Ähnlichkeit mit den drei von Franziskus gestifteten 
Orden willen" ^J. 

IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion. 

Statuten und Organisation 

der Franziskanermission Palästinas. 

Die Geschichte der Franziskaner Palästinas bietet im Mittel- 
alter wenig Wechsel; überall kehren die gleichen Nachrichten 
und Angaben wieder. Die Urkunden melden von kleineren 
Käufen, durch die besonders das Gebiet auf dem Sion allmählich 
erweitert wurde, von der Erlaubnis, die Klostergebäude wieder- 
herzustellen, und von den Bemühungen der Sultane, die Brüder 
gegen allerlei Unbilden und Verfolgungen in Schutz zu nehmen. 
Die Reiseberichte der Pilger ergänzen den feierlichen Gottes- 
dienst der Brüder an den hl. Stätten und ihre treue Sorge für 
die Pilger. Den breitesten Raum nehmen in der Geschichte 
unserer Mission die mannigfachen Bedrängnisse der Brüder ein; 
fast Blatt für Blatt wissen die alten Chronisten von ihnen zu 
erzählen, wenn auch von einer eigentlichen Christenvorfolgung 
nicht die Rede sein kann. Den ägyptischen Sultanen fehlte es 
selten an Gründen zu allerlei Maßregeln. Kam die Kunde von 
neuen Kreuzzugsplänen des Abendlandes in den Orient, so 
waren unsere Brüder die ersten Opfer; wurde irgendwo in der 
Welt den Sarazenen ein Leid von Christen zugefügt, siegte ein 
christlicher Herrscher über die Streiter des Halbmondes, nahm 



1) Surian ergänzt, Trattato 65, wo er die Worte des Br. Christo- 
phoriis wiederholt, an dieser Stelle: „Monte Oliveti cum altri assai;" ähnlich 
sagt Verniero, Chronik 256. 

-) Libellus de privilegiis, Bl. 17r. 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 61 

ein abendländischer Korsar ein Schiff der Moslems weg, so 
mußten es die Brüder, die in der Gewalt des Sultans waren, 
büßen. Die Niederlagen der Sultane im Kampfe mit den Christen 
sind Marksteine in der Franziskanergeschichte Palästinas; auf 
ihren Blättern findet man, welchen Widerhall jene Ereignisse 
im Morgenlande hatten. Und das Beispiel der Machthaber fand 
Nachahmung bei den niedern Beamten. Was diese an Gründen 
zu immer neuen Forderungen ersannen, erscheint dem Abend- 
länder unglaublich. Verniero stellt in seiner Chronik eine lange 
Liste von Erpressungen zusammen, die von den Paschas und 
Niedern in ein festes System gebracht waren, und von den Geldern, 
die unter allen möglichen Titeln gezahlt werden mußten. Es 
war mehr Sucht, zu rauben und auf bequeme Weise etwas zu 
gewinnen als Haß gegen die Fremden und Christen. Das Volk 
blieb aber nicht zurück und fand eine Menge Wege, um von den 
Brüdern durch List und Gewalt Gaben und Gelder zu erzwingen. 
Kaum war der Herrscher, der den Franziskanern das 
Wohnrecht in der Hl. Stadt verliehen hatte, gestorben, als schon 
die Bedrängnisse begannen. Am 28. März 1346 klagte Papst 
Klemens VL, er habe gehört, daß der Sultan von Ägypten das 
Kloster der Brüder zu Jerusalem und die ihnen übergebenen 
Stätten zu zerstören und zu schädigen trachte '). Man wollte 
wahrscheinlich neue Gelder erpressen oder sogar den Franzis- 
kanern den Aufenthalt in Jerusalem verleiden, wie man es 
tatsächlich um jene Zeit bei den Dominikanern erreichte, die 
um 1340 2) das Grundstück Hakeldama erworben und auf dem- 



1) In der Bulle „Sincerae devotionis" heißt es: „Percepimus, quod 
. . . soldanus Babyloniae conventum dictorum fratrum necnon locura et aedi- 
ficia eorundem aliaque oratoria ac loca sancta in civitate Jerosolymitana con- 
sistentia, eorum custodiae deputata, quorum tu, lili Antoni, ut asseris, vicarius 
existis, de die in diem destruere ac damnificare molitur." Der Papst erlaubt 
daher dem genannten fr. Antonius de Alexandria und dem fr. Adam Ronato, 
das Material für die Restauration aus dem Abendlande nach Palästina zu be- 
fördern; Eubel. BF VI Nr. 353. 

■-) Ludolf von Suchern sagt vom Acker Hakeldama: „Juxta hunc 
agrum est locus valde delectabiiis et arboribus pulchcrrimus, quem fratres 
praedicatores in recessu meo emerunt" (1341); Deycks 85. Meister- 
mann-Huber läßt S. 219 zu Unrecht das Dominikanerkloster auf Hakel- 
dama schon 1281 entstehen. 



62 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 

selben ein Kloster gegründet hatten; sie wurden von den Sara- 
zenen mit so vielen Plünderungen und Feindseligkeiten heimge- 
sucht, daß sie die Stätte wieder verließen. Daß dieses Ziel bei den 
Franziskanern nicht erreicht wurde, führt Fabri auf den Um- 
stand zurück, daß diese in der Stadt wohnten, eine bessere 
Lage sowie ein mit hohen Mauern und eisernen Toren wohl 
behütetes Kloster hatten ^). 

Die Absicht der Sarazenen, die Franziskaner wieder aus 
den hl. Stätten zu verdrängen, leuchtet aus dem Briefe hervor, 
den Königin Johannall. von Neapel am 22. Mai 1363 an den 
Sultan von Ägypten schrieb, in dem sie diesen bittet, er möge 
den Franziskanern die Erlaubnis, „auf dem Berge Sion und am 
Hl. Grabe zu verweilen, erneuern und von neuem gewähren". 
Der Brief verrät uns noch allerlei Schikanen und Quälereien, 
denen die Brüder preisgegeben waren. So bittet die Königin, 
man möge dieselben in Ruhe sterben lassen und nicht, während 
sie krank darniederlägen, in ihre Wohnung eindringen und 
das, was im Gebrauche der Kranken sei, aufschreiben, um es 
alsbald als herrenloses Gut in Besitz zu nehmen. Sodann 
möge es den Brüdern gestattet sein, Speise und Trank im 
Hause aufzubewahren und alles das zu genießen, was den 
Christen von ihrem Gesetze erlaubt werde. Wie man aus andern 
Schreiben ersieht, galt dieses besonders vom Weine, betreffs 
dessen die Moslems den Brüdern die Vorschriften des Korans 
aufbürden wollten. Die Königin bittet auch, die Franziskaner 



1) Fabri, Evagatorium I 424: „Dum rex Hubertus Siciliac fratribus 
Minoribus montem Sion et alia . . . a Soldano multo auro comparasset, invo- 
caverunt fratres Praedicatores pios homines, et congregata pecunia a Soldano 
agrum Acheldama emerunt . . . Accipientes autem locum ad tempus posse- 
derunt, sed propter invasiones Maurorum et infidelium invastationes locum 
deserere fuerunt coacti. Fratres enim Minores, quantum ad hoc, sunt bene 
provisi in monte Syon, habentes quietum (locum) in civitate et bene munitum 
altis muris et ferreis ostiis. His tarnen non obstantibus persaepe sunt in 
magnis periculis propter importunas . infidelium invasiones, etiam noctuino 
tempore. Et nisi essent viri fortes, dudum montem Syon dereliquissent propter 
periculosas invasiones illorum canum." — 1348 beschlossen die Dominikaner 
den Bau eines Klosters zu Bethlehem; vgl. Tobler, Bethlehem 217 Anm. 4_ 
— Vgl. auch Fabri, Evagatorium I 412 und II 320 über ein Kloster „in 
specu S. Jacobi Apostoii" im Tale Josaphat, das die Dominikaner verließen 
„propter infidelium insultus et frequentes depraedationes et invasiones". 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 63 

gegen die Geldi'orderungen niederer Beamten ') in Schutz zu 
nehmen und diesen streng zu verbieten, von denselben irgend 
etwas zu fordern ^). 

In dem gleichen Jahre schrieben zwei andere Herrscher 
in demselben Sinne an den Sultan, wohl ein Zeichen, daß die Be- 
drängnisse der Brüder unerträglich geworden waren, und diese 
keinen andern Ausweg mehr sahen als den Schutz der Fürsten. 
König Peter IV. von Aragonien bat am 26. Dezember den Sultan, 
er möge seinen Beamten und Untertanen jede Bedrückung der 
Franziskaner verbieten und diese tunlichst beschützen; der König 
versprach, mit gleicher und noch größerer Rücksicht gegen die 
Untertanen des Sultans zu verfahren ^). Der Doge Lorenzo Celsi 
von Venedig kommt in seinem Schreiben vom 31. Oktober 1363 
auf den Scluitz der sterbenden Brüder und Pilger gegen die 
Raubgier der Sarazenen, die sogleich alles plünderten und an 
sich rissen, zurück; die Güter der im Hl. Lande verscheiden- 
den Pilger und Brüder müßten den Christen verbleiben. Außer- 
dem empfiehlt er seinem Vertreter zu Alexandrien, dem Konsul 
Contarini, beim Sultan die Bitte zu stellen, daß stets einige 



1) „Nee teneantur ad solvendum aliquod cursoribus;" vgl. über diese 
„cursores" Golubovich, Serie 108 Anm. 25. 

2) Brief bei Wadding, Annales, zum Jahre i:5fi3 Nr. 21, und Cozza, 
De Graecorum Schismate III, Rom 1720, Teil V Kap. 17 S. 248: „Quod de 
caetero non scribantur nee petantur bona, quae ipsi fratres et etiam peregrini 
habent, dum infirmantur, nee eis, specialiter dictis Fratribus, Hat talis op- 
pressio sive offensa, quinimmo de bonis suis libere disponere sine impedl- 
mento vel obstaculo quocumque possint. Similiter Fratres ipsi in eorum do- 
mibus libere teuere victum et potum et eis uti ad libitum prout faciunt Mer- 
eatores Christiani in Alexandria, et prout a lege Christianorum est permissum. 
Et si per aliquem casum contingat, domos ipsorum Fratrum perscrutari et 
victum vel potum secundum Christianorum ibi invenlri, quod nulla eis prop- 
terea injuria inferatur nee eis ad culpam aliquam imputetur. Nee etiam ipsi 
Fratres teneantur ad solvendum aliquod cursoribus, quinimo prohibeatur eis, 
ne aliquid petant seu cxigant ex ipsis Fratribus, cum non habeant, undc 
vivant." 

3) B ief bei Cozza, a.a.O. 248. Es heißt daselbst: „Intime depre- 
camur, quod honoris nostri intuitu injungatis omnibus officialibus et subditis 
vestris ut non inlerant damna vel injurias nee inl'erre pcrmittatis Fratribus su- 
pradictis, quinimo eos ab ofrensis praeservent, cum fuerit opportunum. Nam 
in hoc summe complacebitis votis nostris, offerentes nos in nostro dominio 
vestrae Serenitatis respoctu pro vestris subditis similia lacere et maiora." 



64 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 

Brüder am Grabe der Gottesmutter weilen können ^). Die gleiche 
Bitte hatte bereits König Peter von Aragonien an Papst Inno- 
zenz VI. -) und Königin Johanna von Neapel an den Sultan ge- 
richtet; letztere bat auch, daß den Franziskanern erlaubt werde, 
einige Wohnräume neben der über dem Grabe der Gottesmutter 
erbauten Kirche einzurichten ^). Innozenz VI. hatte seinerseits 
am 9. November 1361 die Erlaubnis dazu erteilt^) und sein 
Nachfolger Urban V. dieselbe ein Jahr später erneuert ^) ; die 
päpstlichen Breven sagen, daß die Brüder zugleich in der nahen 
Todesangstgrotte Gottesdienst halten wollten. Eine Antwort 
des Sultans auf jene Bitte ist nicht bekannt; sicher ist, daß die 
gewünschte Niederlassung nicht zustande kam, und daß es den 
Brüdern jetzt nur gelang, zur Feier des Gottesdienstes in der 
Marienkirche zugelassen zu werden. 

Das folgende Jahr schenkte der neuen Franziskanerkustodie 
Palästinas den ersten Märtyrer. Wie uns die Chronik der 24 Ge- 
neräle des Ordens erzählt, predigte Br. Wilhelm von Castellamare 
1364 den christlichen Glauben vor dem Könige zu Gaza. Der 
König gab sich alle Mühe, ihn für den Islam zu gewinnen. 



1) Brief bei Cozza, a. a. 0. 249. Er hat nur das Datum: „die ultimo 
mensis Octobris p imae indictionis;" da Celsi von lo61 bis 1365 regierte, so 
ist dies der 31. Oktober 1363. Der Doge schreibt dem genannten Konsul: 
„Volumus, quod si contingat vos ire vel mittere ad Soldanum, procurare vel 
procurari facere debeatis apud eum, quod . . . quia dicitur quod, quando ali- 
quis peregrinus Christianus in partibus illis moritur seu aliquis ex Fratribus, 
Sarraceni deripiunt et occupant sibi statim omnia bona eorum . . ., imposte- 
rura cesset huiusmodi novitas, sed quod bona Christianorum et specialiter 
Fratrum ibi morientium remaneant Christianis vel locis Christianorum, sicut 
justum est." 

2) Vgl. Eubel, BF VI Nr. 815. 

^) A. a. 0.: „Item possint construere domunculas aliquas, quas viderint 
pro maiori habilitate habitationis ipsorura, in cava, quae est ad latus Eccle- 
siae Sepulchri Beatae Virginis, adiungendo, quod in ipsa Ecclesia Sepulchri 
possint intrare libere ad orandum et lampades accendendum ad eorum bene- 
placitum, sicut faciunt in Bethlehem." 

•*) „Ad ea quae in laudem" ; Eubel, BF VI Nr. 815 (wo irrig „cana" 
statt „cava"), und Diarium T. S. II 75. 

5) „Rationi congruit"; Eubel, a.a.O. Nr. 830; Diarium 77. Dieses 
Breve ist „Andreae Chesham et Joanni Ponher, Ordinis Fratrum Minorum pro- 
fessoribus", gegeben. Letzterer wurde am 26. Oktober 1366 zum Erzbischof 
von Tarsus ernannt; Eubel Nr. 990». 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 65 

Da aber alle Versprechungen und Drohungen umsonst waren, 
verurteilte er ihn zum Tode; Br. Wilhelm wurde in zwei Stücke 
geschnitten, und sein Leib nebst dem Breviere verbrannt ^). 
Er. Bartholomäus von Pisa nennt unter den Märtyrern Palästi- 
nas keinen namens Wilhelm, berichtet aber ein ähnliches Marty- 
rium aus Gaza von einem andern neapolitanischen Bruder, namens 
Johannes, weshalb wir vermuten, daß ein Irrtum im Namen 
vorliegt und es sich bei beiden Schriftstellern um denselben 
Blutzeugen handelt -). Marian von Florenz hat den Bericht beider 
nebeneinander aufgenommen und so zwei Fransiskanermärtyrer 
von Gaza in die Geschichte des Ordens eingeführt, eine Unter- 
scheidung, die von den spätem Schriftstellern ohne Prüfung der 
Nachrichten wiederholt wurde ^). 

Außergewöhnliche Leiden brachte das nächste Jahr den 
in den drei Niederlassungen Palästinas weilenden Brüdern. 
König Peter L von Zypern unternahm 1365 mit einer mäch- 
tigen Flotte einen Zug gegen Ägypten. Die Stadt Alexandrien 
wurde am 4. Oktober genommen, mehrere Tage geplündert 
und in Brand gesteckt. Dann wandte sich die Flotte gegen 
die syrische Küste und verwüstete die Städte Tripolis, Tortosa 
und Laodizea *). Der Zorn des Sultans war unbeschreiblich 
und nicht minder die Wut der Sarazenen. Da der Herrscher 
wegen Mangels einer Flotte dem Könige von Zypern selbst 
nicht vergelten konnte, entlud sich sein Grimm über die Christen, 
die in seinem Reiche wohnten, besonders über die Franziskaner 
Palästinas. Wie uns ein Zeitgenosse, der Verfasser der Chronik 



1) AF III 560; er heißt liier „Gulielraus de Castromaris Provinciae 
Terrae Laboris". 

'^) AF IV 305: „Frater Joannes de Neapoii, diaconus, cum regi Gazzae 
Christum praedicaret ac vellet euin ad fidem convertore, ab eodem captus et 
in frusta est concisus." 

3) In seinem Corapendium Chronicarura berichtet Marianus zum Jahre 
1364 das Martyrium des Br. Wilhelm („per medium corpus scctus") nach der 
Chronik der 24 Generäle; vgl. AFH III 305, und bald nachher das des Br. Jo- 
hann („in frusta concisus") nach Pisanus a. a. 0. 306. — Das Martyrologium 
Terrae Sanctae setzt den Todestag des ersten auf den 8. August 1353 und 
des andern auf den 12. Juli 1370; vgl. Diarium Terrae Sanctae II 22 u. 18. 

*) Vgl. Raynaldus, Annales Ecclesiastici, zum Jahre 1365 Nr. 19 und 
Michaud, Histoire des Croisades, Buch XIX. 

Franzisk. Studien, Beiheft 4: Lemraens, Die Franziskaner auf dem Sion. 5 



66 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sioii 

der 24 Generäle, erzählt, „wurden die zwölf Brüder, die damals 
auf dem Berge Sion weilten, nebst vielen andern Christen von 
den Sarazenen gefangen genommen. Weil die Brüder im Be- 
kenntnis des wahren Glaubens verharrten und auf keine Weise 
von demselben abfallen wollten, wurden elf aus ihnen durch 
schweren Kerker, Hunger und Schläge getötet; der zwölfte 
aber", setzt der Chronist hinzu, „lebt noch heute im Jahre 1370 
in harter Gefangenschaft" *). Br. Bartholomäus von Pisa gibt 
einige Jahre später die Zahl der in ganz Palästina verhafteten 
Brüder auf 16 an und ergänzt den Ort ihres Martyriums, in- 
dem er sie nach Damaskus geschleppt und daselbst fünf Jahre 
eingekerkert werden läßt ^). 



1) AF III 564: „Huius generalis temporibiis XII fratres, qui tunc mora- 
bantur in sacro loco montis Sion, fuerunt capti per Saracenos cum multis 
aliis Christianis. Et cum praedicti fratres in confessione verae fidel persi- 
sterent et nullo modo ab ea declinare vellent, XI ex illis rigore carceris, fame 
et verberibus fuerunt crudeliter interfecti; duodecimus vero adhuc, ut intel- 
leximus, vivebat anno MCCCLXX, duro tamen carceri mancipatus. Occasio 
autem dictae captionis fuisse dicitur, quia rex Cypri ceperat Alexandriam." 

2) AF IV 305: „Fratres nostri alii sedecim, qui erant in terra promis- 
sionis, tempore, quo rex Cypri Petrus Alexandriam cepit, capti positi sunt in 
carceribus in Damasco; per quinque annos stantes in ferris et sine indumentis 
et ieiuniis virtute fidei probati gloriosa morte confessiouis perseverantia 
obierunt." Die gleiche Zahl gibt der um 1385 von einem dalmatinischen Fran- 
ziskaner zusammengestellte Katalog der heiligen Franziskaner an; vgl. Lem- 
mens, Catalogus Sanc'.orum Fratrum Minorum 26; G B II 62. Der Unter- 
schied zwischen den beiden Zahlen XII imd XVI dürfte darin seinen Grund 
haben, daß der erste Bericht nur die Brüder des Klosters auf dem Sion, der 
andere auch die übrige.i berücksichtigt, oder auch durch einen Schreibfehler 
in der zweiten Ziffer erklärt werden. — Jene Verschiedenheit der Zahl war 
die Ursache, daß die spätera Chronisten zwei verschiedene Gruppen von 
Märt>Tern annahmen. Den Anfang machte Br. Harlan von Florenz, der in 
seinem Compendium (AFH III 305) zunächst die Chronik der 24 Generäle 
exzerpiert und mit ihr von 12 MärtjTern redet, dann aber mit Bartholomäus 
von 16 Brüdern, die um des Glaubens willen leiden mußten, spricht. Andere 
haben die Verschiedenheit noch verstärkt, indem sie bei der Gruppe der 
12 Brüder als Ort des Martyriums Jerusalem ergänzten: vgl. Fabri, Evagato- 
rium II 320, und das Martyrologium Terrae Sanctae. In: Diarium T. S. II 88 zum 
1. Oktober: „In Judaea, apud Montem Sion, passio Beatorum duodecim Fra- 
trum", und I 83 zum 16. Februar: „Damasci, Beatorum sexdecim Fratrum 
Martyrum." Sicher darf man nicht zwei Gruppen von Märtyrern unterscheiden, 
wie sich schon daraus ergibt, daß damals ohne Zweifel nicht 28 Brüder in 
Palästina waren. 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 67 

Ob ZU dieser Märtyrerscliar die beiden spanischen Brüder 
P. Johannes und Br. Gundisalvus, deren Tod von den Chronisten 
in dieselbe Zeit gesetzt wird, gehören? Wie uns Br. Bartholo- 
mäus von Pisa berichtet, wurden sie auf der Pilgerreise nach 
Jerusalem von den Häschern des Sultans ergriffen und in den 
Kerker geworfen 0- Nachdem Br. Gundisalvus den Qualen 
des schauerlichen Gefängnisses erlegen war, verlor P. Johannes 
den Mut und verleugnete seinen Glauben. Drei Jahre lebte 
er nun als Sarazene, ohne jedoch eine Ehe zu schließen, bis 
ihn die Gnade Gottes traf und zur Rückkehr bestimmte. Er 
bat die auf Zypern wohnenden Mitbrüder, ihm zwei Brüder 
nach Kairo zu schicken, die ihn mit Gott und der Kirche aus- 
söhnen könnten. Sobald er sein Gewissen gereinigt hatte, 
drängte es ihn, das gegebene Ärgernis wieder gut zu machen 
und seinen katholischen Glauben offen zu bekennen. Kaum 
hatte er das mutig getan, so wurde er von den Sarazenen 
ergriffen und, da er standhaft blieb, zum Tode verurteilt. Man 
zerfleischte zuerst seinen Leib durch furchtbare Geißelhiebe 
und schlug ihn darauf mit sechs Nägeln ans Kreuz; zwei 
wurden durch die Hände, zwei durch die Ellenbogen und 
die zwei letzten durch die Füße getrieben. Zum Staunen 
aller Zuschauer wurde sein zunächst vor Schmerz blasses und 
bleiches Antlitz bald rot und fröhlich; und der Blutzeuge ver- 
harrte in fortgesetztem Bekenntnis des Glaubens an seinem 
Kreuze, bis er den Geist aufgab. 

>) AF IV 304. Pisanus nennt weder den Ort des Gefängnisses noch 
die Zeit ihres Todes. Das oben genannte Verzeichnis des dalmatinischen 
Franziskaners läßt P. Johann „generalante fratre Marco" (1359 — 1366) sterben; 
vgl. Lern mens, Cat. S. Fratrum Minorum 46. Marian von Florenz bemerkt 
nichts über die nähern l imstande des Todes, a. a. O. 306. — Die spätem Ge- 
schichtsschreiber des Ordens lassen um dieselbe Zeit die Brüder Antonius de 
Rosate und Franziskus de Marchia als Märtyrer sterben. Br. Antonius wird 
zum ersten Male in jenem dalmatinischen Kataloge genannt mit den Worten : 
„Frater Antonius de Rosatis inter Saracenos martyrizatus translatione ibidem 
quiescit." Auch Pisanus (302 und 526) und Marianus (306) schweigen über 
den Ort und die Zeit seines Martertodes („inter duos asseres secatus per 
medium"). Jener Br. Franciscus de Spoleto (de Marchia) aber (Civezza nennt 
ihn, Storia delle Missioni Francescane IV 49: „fratre Pietro da Crista della 
Marca Anconitana") starb bereits im Jahre 1288 zu Damiette, wie uns die 
Chronik der 24 Generäle erzählt; vgl. AF III 418 und GB I 323. 

5* 



68 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 

Endlich kam nach verschiedenen erfolglosen Bemühungen 
im Herbst 1370 ein Friede zwischen dem Könige von Zypern 
und t'em Sultan von Ägypten zustande. Die Kerker öffneten 
sich, die überlebenden Christen wurden in Freiheit gesetzt ^), 
und der vor der Eroberung Alexandriens bestehende Zustand 
wieder hergestellt^); neue Brüder eilten aus dem Abendlande 
herbei und nahmen mit frischem Eifer den Dienst an den 
heiligen Stätten wieder auf ^). 

Spätere Schriftsteller glauben, daß die Armenier und 
Griechen während jener Abwesenheit der Franziskaner von 
den Heiligtümern allerlei Rechte derselben an sich rissen; be- 
sonders sei diesen damals ein Teil des Kalvarienberges ge- 
nommen worden ^). Letzteres trifft schon aus dem Grunde 
nicht zu, weil die Franziskaner nie im XIV. Jahrhundert den 
Kalvarienberg besaßen, sondern nur das Recht hatten, auf dem- 
selben zu zelebrieren, ein Recht, das wir in den folgenden 
Jahrzehnten unverkürzt sehen. Auch waren jene Orientalen 
kaum in der Lage, mittlerweile Veränderungen der Besitzrechte 
in der Grabesbasilika auszuführen, da diese, wie der ara- 
bische Chronist Makrizi berichtet, vom Sultan geschlossen 
war und erst nach dem Friedensschlüsse wieder geöffnet 



1) Bei Mas Latrie. Histoire de l'Isle de Chypre II, Paris 1852, 347, 
ein Zitat aus Strambaldi, Cronica di Cipro: „Et cavorono li Christiani dalle 
preggioni tutti quelli che havevano in Suria." 

2) Vgl. den 1403 zwischen dem Sultan und den Rittern von Rhodus ge- 
schlossenen Frieden, in dem es ausdrücivlich heißt, daß die nach der Ein- 
nahme Alexandriens vereinbarten Bedingungen in Kraft bleiben sollen. Diese 
stellen aber den frühern Zustand wieder her; Sebastian o Pauli, Codice Di- 
plomatico del Sacro Militare Ordine Gerosolimitano, oggi di Malta, Lucca 1737, 
S. 108 Nr. 86. 

3) Daß 1372 die Brüder wieder in Jerusalem weilten, ergibt sich schon 
daraus, daß in diesem Jahre zwei Obere derselben in Jerusalem genannt 
werden; vgl. Golubovich, Serie 15. 

^) So Civezza, Storia delle Missioni Francescane IV 46; Leo Pa- 
trem, La Custodie Franciscaine de Terre-Sainte, Paris 1879, 14 (dieser läßt 
auch damals einen Derwisch den Brüdern das Grab der Gottesmutter weg- 
nehmen, das sie sicher nicht besessen hatten); Razzoli, 1 Francescani in 
Oriente 53. -- Nach Perinaldo, Storia di Gerusalemme II 411, und Ci- 
vezza, a. a. 0. 43, hätten die Brüder bei dieser Gelegenheit Nazareth ver- 
lassen; es fehlt jedes Zeugnis dafür, daß diese damals dort weilten. 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 69 

wurde ^). Weder eine ältere Chronik, noch ein Pilger sagt etwas 
von einem solchen in jener Zeit verübten Raube; der letzte Pilger, 
der vor der Gefangenschaft der Brüder seine Reise beschrieb, 
sagt genau das gleiche, was der erste nach ihrer Rückkehr 
geschriebene Reisebericht über die von den Franziskanern in 
der Basilika verwalteten Stätten sagt. Wie Poggibonzi ihnen 
1345 die Kapelle der Gottesmutter zuwies, so tut dasselbe 
1384 Frescobaldi; seine Beschreibung bestätigt für die heiligen 
Stätten durchaus den die Friedensverhandlungen beseelenden 
Gedanken, den vor dem Kriege bestehenden Zustand wieder 
herzustellen. 

Jener spätem Meldung über eine um diese Zeit erfolgte 
Verkürzung der Franziskanerrechte liegt entweder eine Ver- 
wechslung mit dem Raube zugrunde, den die Georgier wäh- 
rend der von 1510 — 1512 dauernden Gefangenschaft der Brüder 
tatsächlich auf dem Kalvarienberge ausführten, oder man hat 
den Raub konstruiert, da man von der Voraussetzung ausging, 
die Franziskaner hätten 1336 die ganze Basilika erhalten. 
Da aber die Pilger des XV. Jahrhunderts die meisten Heilig- 
tümer derselben den andern Konfessionen zuweisen, fand man 
die Erklärung hierfür nur in der Annahme, die Brüder seien 
während dieser Gefangenschaft um einen großen Teil der 
hl. Stätten beraubt worden. Daß jene Voraussetzung in keiner 
Weise zutrifft und sowohl den alten Nachrichten wie den 
Bullen des Papstes Klemens VI. widerspricht, die den Brüdern 
nur beschränkte Rechte in der Grabeskirche zuweisen, wurde 
schon oben betont. 

Die Franziskaner haben nicht nur nichts an Rechten und 
Stätten während des XIV. Jahrhunderts verloren; am Ende 
desselben zeigt uns sogar der Archimandrit Grethenius einen 
wichtigen Fortschritt. Er sah um 1400 ein von ihnen an der 
Grabeskapelle angebrachtes Bild, das den Heiland auf dem 
Throne mit zum Himmel erhobener Rechten und vor ihm den 



1) Nach Makrizi waren am 25. August 1370 die fränkischen Gesandten 
beim Sultan, der ihren Eid entgegennahm, daß sie den Frieden halten würden. 
Dann wurde der Friede vom Sultan beschworen und „die Kirche der Auf- 
erstehung zu Jerusalem wieder geöffnet"; vgl. Mas Latrie a. a. 0. 347. 



70 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 

hl. Franziskus darstellte 0- Nach den Gepflogenheiten des 
Morgenlandes bedeutet dieses ein Recht auf die Kapelle und 
einen ersten Schritt zu jenem Verhältnisse, das uns die Pilger 
hundert Jahre später zeigen, und das die Herrschaft der Franzis- 
kaner über die hl. Kapelle enthielt -). 

Einen Anstoß zu den dahin zielenden Bestrebungen gab 
die erste Visitation der Franziskanerklöster Palästinas durch 
P, Bartholomäus von Alverno und die Verordnungen, die er 
am 1, August 1377 zu Jerusalem traf. „Auf jede Weise", be- 
stimmt er, „soll man vom Sultan die Erlaubnis erwirken, einige 
Brüder als Hüter beim Heiligen Grabe anzustellen" ^). Es kann 
sich hier nicht um Brüder handeln, die überhaupt und irgend- 
wo in der Basilika Gottesdienst halten könnten; dieses Recht 
hatten die Brüder bereits seit 40 Jahren, und ebenso lange 
wohnten die Brüder neben der Kirche ^). Noch weniger läßt 
sich der Wortlaut des Statutes mit der Deutung vereinigen, 
die Calahorra demselben unterlegt, daß nämlich die Zahl der 
an der Grabeskirche weilenden Brüder vermehrt werden solle ^), 
ganz abgesehen davon, daß dazu die Erlaubnis des Sultans 
nicht erfordert wurde, P. Bartholomäus wollte die schon von 



1) Khitrovo 171: „II y a lä iine Image peinte sur toile par les 
Francs, representaat le Sauveur sur un tröne, la main droite levee vers le 
ciel; devant lui se tient Frangois et ä cöte, dorment les gardes." 

2) Vgl. die oben (S. 51 Anm. 3) mitgeteilten Zeugnisse des Surian 
und Fabri. 

3) Die Statuten sind veröffentliclit in Diarium Terrae Sanctae II 162. 
Im dritten Artilcel derselben lieißt es: „A Sultano, quibus possit modis, ob- 
tineatur facultas Fratres aliquot ad Sepulchrum Christi excubitores adhibendi." 
— Vgl. oben S. 52 Anm. 2 die Klage des Ludolf von Suchem, daß die geor- 
gischen Hüter des Hl. Grabes dasselbe vernachlässigten. 

'') Daß unsere Brüder alsbald eine kleine Niederlassung bei der Grabes- 
kirche für jene hatten, die an derselben den Dienst versahen, wird von ver- 
schiedenen gemeldet. So sagt Johann von Winterthur in seiner Chronik 
zum Jahre 1343: „Continue IV secundum vicissitudinem ordinatam ex indultu 
Soldani [in monasterio sacri tumuli Christi] habitabant; G B II 148. — Um 1390 
nennt Br. Bartholomäus unter den Klöstern des Hl. Landes den „locus Sepul- 
chri Domini"; AF IV 533. — Die Niederlassung war sehr klein; 14()1 sagt 
Bischof Rochechouart (254) von ihr: „Habent duas vel tres cameras." 
Harff schreibt (174): „Hynder deser cappellen [Marienkapelle] hauen die 
tzweyn broeder yere w^onynge, dae sy essen, drjmcken ind slaeffen." 

5) Chronik, B. III K. 17. 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 71 

Ludolf beklagte Vernachlässigung der hl. Stätte heben und dem 
Grabe des Erlösers seinen gebührenden Glanz und Schmuck 
sichern. 

Jene Verordnungen des P. Bartholomäus geben uns wert- 
volle Aufschlüsse über die innern Verhältnisse der Kustodie; 
besonders erfahren wir durch sie das erste über die Organi- 
sation der Franziskanerklöster Palästinas. Während Papst 
Klemens VI. dieselben 1342 dem auf Zypern residierenden 
Provinzial der alten Provinz des Hl. Landes unterstellte 0, 
wird jetzt der Guardian des Klosters auf dem Berge Sion zum 
Obern aller Klöster in Palästina ernannt, dem alle Brüder ge- 
horchen müssen. Damit scheidet die Kustodie tatsächlich aus 
dem Verbände jener Provinz aus; der Guardian des Sionklosters 
wird unmittelbar dem Ordensgeneral unterstellt. Die Geneh- 
migung dieses Statutes durch den Hl. Stuhl ergibt sich aus 
den Breven desselben. Während diese bisher an den „Pro- 
vinzial und die Brüder des Hl. Landes" gerichtet waren ^), 
lautet von jetzt an die Aufschrift der päpstlichen Schreiben: 
„Dem Guardian und den Brüdern vom Berge Sion sowie den 
übrigen Brüdern, die zu Bethlehem und am Grabe des Herrn 
in Jerusalem weilen" ^). 



1) Es lieißt in der öfter genannten Bulle „Gratias agimus" vom 21. No- 
vember 1342 zum Schluß: „Volentes, ut ipsi Fratres sint . . . sub obedientia 
et regimine Guardian! Fratrum dicti Ordinis Montis Sion ... et Ministri Pro- 
vinciae Terrae Sanctae." 

2) Die Bulle „Ad ea quae in laudem" vom 9. November 1361 ist „Mi- 
nistro Provinciali et Fratribus Ordinis Minorum Terrae Sanctae" adressiert; 
Diarium T. S. II 75. Die Bulle „De religiosa discretione" vom 25. November 
1375 hat die Aufschrift „Ministro, Custodi, Guardiano"; a. a. 0. 83. 

3) Die Bulle „Ad ea quae piorum" vom 11. Juni 1385 hat die Aufschrift 
„Guardiano et Fratribus domus Fratrum Ordinis Minorum de Monte Sion"; 
Diarium T. S. II 163. Eine Ausnahme machte der Pseudopapst Johann XXIII. 
in seinem Schreiben „Cum a nobis petitur"; er sagt „Ministro Terrae Sanc- 
tae" usw.; a. a. O. 165. Die folgenden Päpste sagen entweder „Guardiano et 
Conventui Fratrum Ordinis Minorum Montis Sion, necnon caeteris in Bethlehem 
ac Sepulchro Domini in Hierusalem degentibus ipsius Ordinis Fratribus" (vgl. 
mehrere Schreiben im Bullarium Terrae Sanctae, Diarium T. S. II 166 ff.), oder 
sie unterlassen die Aufzählung der Häuser. — Vgl. Golubovich, Serie S. XXI. 
Daselbst wird S. XXIl eine scheinbare Ausnahme besprochen. Es ist das In- 
strument, in dem der Guardian P. Gerhard Calvetti am 30. März 1392 die 
Besitzergreifung des Grabes der Gottesmutter bezeugt, und in dem es heißt: 



72 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 

Über die Wahl des Obern im Sionkloster und die Voll- 
machten desselben setzte P. Bartholomäus nichts fest. Hierüber 
verfügte der Ordensgeneral P. Antonius von Pireto Näheres 
auf dem Generalkapitel zu Lausanne im Jahre 1414 ^). Sein 
Erlaß vervollständigt jene Statuten und bestimmt, daß für den 
Fall des Todes oder der Abdankung des Guardians des Sion- 
klosters alle Professen dort zusammenkommen und einen neuen 
wählen sollen; ist der Provinzial der Provinz des Hl. Landes 
gerade in Jerusalem, so soll er die Wahl kraft Gewalt des 
Generals bestätigen; ist er aber nicht da, so hat die Wahl 
ohne weiteres ihre Gültigkeit. Ist der Guardian krank, so daß 
er sein Amt nicht wahrnehmen kann, dann soll er „mit eini- 
gen einsichtigen" Brüdern (una cum aliquibus discretis) einen 
Vikar ernennen. Sollte ein Guardian des Sionklosters sein 
Amt schlecht verwalten, so müssen die Brüder dem P. Pro- 
vinzial Mitteilung machen. Dieser muß selbst oder durch 
einen Vertreter die Sache an Ort und Stelle prüfen, den Guardian, 
wenn die Klagen berechtigt sind, absetzen und bis zur Wahl 
des neuen Guardians einen Vikar ernennen. Weilt jedoch 
der Provinzial nicht in der Provinz, so sollen die Brüder den 
General um einen Visitator bitten. Hier wird zwar der Pro- 
vinzial wieder in die Verwaltung der Klöster Palästinas ein- 
geführt, aber nur für diesen einen Fall (in isto casu), und 
auch hier geht er nicht kraft eigener Gewalt, sondern „kraft 
der Autorität des Generalministers" (auctoritate generalis mi- 
nistri) vor. Daß die Klöster des Hl. Landes und ihre Oberen 
unmittelbar dem General unterstehen sollen, bringt der Erlaß 
klar zum Ausdruck, da es daselbst heißt, daß nur der Ordens- 
general und kein Provinzial oder Vikar ohne besondere Voll- 



„Vice et nomine Ministri Provincialis et F'ratrum Minorum Provinciae Terrae 
Sanctae." Unseres Eraclitens liegt für diese Erwähnung des Provinzials der 
Grund in dem päpstlichen Schreiben, das den Brüdern 1361 gestattete, sich 
an jener Stätte niederzulassen. Da dieses vor 1377 gegeben wurde, war es 
an den „Provinzialrainister und die Brüder der Provinz des Hl. Landes ge- 
richtet (Diarium T. S. 11 75 und 77), und diese Formel nahm P. Calvetti richtig 
in seine Erklärung auf. 

1) Vgl. Wadding, zum Jahre 1414 Nr. VI, und Quaresmius, Elu- 
cidatio I 378. 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 73 

macht des ersteren den Guardian des Sionklosters von seinem 
Amte entbinden kann ^). 

Was die Amtsdauer der Guardiane des Sionklosters be- 
trifft, so erfahren wir aus einem Breve des Papstes Eugen IV. 
vom 14. März 1438, daß „seit langem die Gewohnheit bestand", 
sie für drei Jahre zu wählen ^). 

Der Obere des Sionklosters hatte über die Klöster Palä- 
stinas dieselben Vollmachten wie der Provinzial über die Häuser 
seiner Provinz. Jenes im Jahre 1414 erlassene Dekret erklärt, 
daß er der Obere aller Niederlassungen der Franziskaner im 
Hl. Lande ist und ihre Oberen mit Zustimmung erfahrener Brü- 
der (discretorum antiquorum) ein- und absetzen kann. Ebenso 
hatte er die Vollmacht, Kleriker und Laien in den Orden oder 
zur Profeß aufzunehmen, Kleriker den Bischöfen für die 
hl. Weihen zu präsentieren und seine Untergebenen zum 
Ordensgeneral und in alle Länder der Welt zu schicken. Bald 
wurden diese Vollmachten, besonders durch Kalixt III., noch 
erweitert und näher umschrieben. 

An zweiter Stelle vorordnen die Statuten des P. Bartholo- 
mäus, daß nur zwanzig Brüder in den Klöstern Palästinas wohnen 
sollen. Würden Brüder vom Papste oder vom Ordensgeneral 
ins Hl. Land gesandt, so sollen andere zurückkehren ^). Fresco- 
baldi gibt uns bald nachher ungefähr an, wie diese Zahl über 
die drei Klöster verteilt war; nach ihm waren „acht oder mehr 
Brüder" auf dem Sion, „etwa sechs" in Bethlehem und zwei 
am Hl. Grabe % während sein Begleiter Gucci „an zwölf Brüder" 



1) „Ipsumque nullus inferior generali ministro. sive sit minister sive 
vicarius, quovis modo possit absolvere ab officio, sine licentia speciali a ge- 
nerali ministro obtenta"; a. a. O. 

-) Eugen IV. sagt in dem Breve „Exigunt religionis zelus" vom 14. März 
1438: „Cum itaque in loco Montis Sion Ordinis Minorum dudum consueverint 
guardiani de triennio in triennium deputari": Diarium T. S. III 114. 

3) Art. 2: ..In locis istis ultra viginti fratres non habitent. Si qui ad- 
venerint a PonUfice vel Ministro Generali amandati, cedant alii; habeatur ta- 
men ratio eorum. quorum infirmitas possit esse itineris impedimento, vel ex- 
plorata virtus aliorum famulari profectui." 

^) Viaggi in Terra Santa 113: ,.I1 guardiano tiene ivi [auf dem Sion] 
continuo otto frati o piü, e tiene nella chiesa del Santo Sepolcro due frati, 
e nella chiesa, dove nacque Cristo in Betelera, ne tiena sei o circa." 



74 IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 

auf dem Sion zählte ^). Doch wurde bald jene Festsetzung für 
den Sion selbst aufgehoben und dem Guardian 1414 anheim- 
gegeben, daselbst eine beliebige Anzahl von Brüdern aufzu- 
nehmen, soweit es die Mittel gestatteten^). In der Folge sehen wir 
die Zahl der Brüder in Bethlehem unverändert; auch Dom.herr 
Breitenbach aus Mainz traf dort 1483 sechs Brüder^). Am 
Hl. Grabe zeigen uns die meisten Pilger zwei oder drei, die 
monatlich gewechselt wurden •*), und auf dem Sion gegen Ende 
des XV. Jahrhunderts vierundzwanzig Franziskaner^). 

Gleichzeitig setzte P. Bartholomäus fest, wie viele Frauen 
in den beiden Frauenhospitälern Aufnahme finden könnten: das 
Marienhospital auf dem Sion dürfe zehn und das zu Bethlehem 
vier Frauen aufnehmen, aber nur ernste und erprobte Personen, 



1) Viaggi 371: ,,A monte Sion . . . stanno circa di XII frati minori." 

2) Der P. General dispensiert in den Statuten des P. Bartholomäus 
„super numero fratrum taxato quoad conventum praeiictum . . . ita quod ipse 
guardianus quando sibi videbitur expediens et rationi consonum. possit ultra 
numerura taxatum . . . Tratres . . . recipere et de sua familia facere. dum tarnen 
ad tot victualia necessaria sufliciaut."' 

3) „Ipsi fratres . . . habent in monte Syon . . . ut communiter viginti 
quatuor fratres, ... in Betleem habent conventum . . . cum sex fratribus ... at- 
que in templo dominici sepulchri gloriosi duos habent semper fratres." Der 
Karthäuserprior Georg sagt vom Sion: ..frequenter viginti fratres" und von 
Bethlehem: „sex aut septera"; Pez II T. 3 Sp. 550; ähnlich Baumgarten 88. 

^) So sprechen Marian von Siena (1431) und Bischof Ludwig von 
Rochechouart (1461) von drei oder vier, Breitenb ach von zwei. Tucher 
(1480) von zwei oder drei, Fabri (14S3) von drei Brüdern im Hl. Grabe. 
Surian. Trattato S. 67 Anm., sagt hingegen: „In lo S. Sepulcro continuamente 
stano doi frati, un prete et uno layco per celebrare et per havere cura si 
del loco, come de dodece lampade che continuamente ardono in piü loclii della 
Chiesia. Ma quando e qualche solenitä tuti li frati vanno a sollenizare in 
quella chiesia gloriosa." Auch Guglingen spricht S. 291 nur von zwei: 
„Ibi morantur duo fratres ordinis sancti Francisci de observantia. et sunt con- 
tiuue inclusi, donec mutantur per gardianum." Der Karthäuserprior Georg 
sagt 1507 noch genauer: „Habent in templo Sepulchri Domini duos Fratres, 
unum sacerdotem et alterum laicum. qui spatio unius mensis ibi constituuntur, 
et mutantur juxta ordinem vicis suae": Pez II T. 3 Sp. 550; dasselbe bei 
Baumgarten 88. 

^) Vgl. außer dem bereits gegebenen Zeugnisse des Domherrn Breiten- 
bach Fabri, Evagatorium I 348: „Fratres Minores conventum habent in monte 
Syon multorum fratrum. scilicet XXIV." -- Tuch er sagt 1480, daß in allen 
Klöstern, Beirut eingeschlossen, „bei viertzig Personen" seien; Reyßbuch Bl. 
353^". Wanckel, Bl. Eij^, gibt 1517 ihre Zahl auf „bei fünfzig" an. 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 75 

die mindestens fünfzig Jahre alt seien und sich verpflichteten, 
nach einem Jahre abzuziehen ^). 

über das Hospital zu Bethlehem fanden wir keine andere 
Kunde, während für die Geschichte des Hospitals auf dem Sion, 
besonders für seine Anfänge, mehrere Kaufverträge und päpst- 
liche Breven zur Verfügung stehen. Zum ersten Male hören 
wir von demselben in einem Vertrage vom 17. März 1353, durch 
den zwei fränkische Frauen Sophia und Albira für 1700 
Drachmen Silbers ein Haus auf dem Sion kaufen, das „viele 
Zimmer" hatte, und einen Garten nebst Zisterne "). Als Grenzen 
des gekauften Stückes werden nach Westen der Weg genannt, 
der nach Sion führt, im Norden ein Acker, im Osten ein Haus 
des Scheiks Omar; im Süden grenzte es an das Haus der Brü- 
der^). Sophia, die in der Urkunde als „Frau aus Florenz" 
vorgestellt wird, w^ar die Seele des ganzen Unternehmens. Sie 
erwirkte am 14. Oktober 1354 von Papst Innozenz VI. die Be- 
stätigung ihres Werkes und einige zu seiner Vollendung not- 
wendige Vollmachten. Die päpstlichen Schreiben sagen uns, daß 
Sophia mehrere leerstehende Häuser erworben und mit dem 
Bau des Hospitales begonnen hatte *). In einem derselben wird 
das Haus „Hospital für die Armen" genannt^), während die 



1) Art. &: .Jn hospitali feminarum Montis Sion ultra decem mulieres 
non recipiantur, in Bethlohemilano quatuor dumtaxat." Guglingen (309) 
fand 1482 auf dem Sion fünf Schwestern, und der Karthäuserprior Georg 
spricht 1507 von „5 oder 6"; Sp. 550; das gleiche bei Bauragarten 88. 

2) Urkunde im Archiv der Prokura, Schublade 12. Sophia heißt daselbst 
„Tochter des Philipp Angelus" und Albira „Tocliter des Asis Martin"; crstere 
wird in den päpstlichen Schreiben „Sophia Philippi de Archangelis, muiier 
florentina" genannt; vgl. Diarium T. S. II 72 ff. 

■'') Vgl. damit die Angabe Surians, Trattato 110: „Appresso alla 
quäle 6 lo Monastero dellc donne luntano cinquanta cubiti", und Fabri, 
Evagatorium I 259 („domus Martharum"). 

•*) In dem 2., 3. und 4. der hierauf bezüglichen Breven heißt es: „Cum . . . 
de bonis tibi a Deo coUatis et tibi etiam per eleemosinam erogatis emeris 
quasdam domos inhabitatas, sitas in Monte Sion juxta locum Fratrum Ordinis 
Minorum in dicto monte consistentem cum claustro et territorio ipsis domibus 
contiguo et in eis unura hospitale, in quo Chritifideles ad visitandum Sepul- 
chrum Dominicum peregre proficiscentes valeant receptari, fundaveris et aedi- 
ficare coeperis"; a. a. 0. 73 und 74. 

^) In dem 1. Breve wird das Haus „hospitale pauperum" genannt; S. 72. 



76 



IV. Erste Geschicke der Brüder auf dem Sion 




Abb. 5. Lageplan. 

A Zönakulum. 

B und E Gebäude auf der rechten Seite der Straße, die 
zum armenischen Kloster führt. 

B ehemaUgcs Franziskanerkloster. 

E Stelle des Schwesternhauses. 
D Von den Franziskanern 1479 gekaufter Garten. 
F Armenisches Kloster. 
G Von Kaiser Wilhelm 1898 erworbenes Grundstück. 



Statuten und Organisation der Franziskanermission Palästinas 77 

andern allgemein von einem Hospital reden, „in dem die zum 
Grabe des Herrn pilgernden Gläubigen Aufnahme linden kön- 
nen" 0- Tm folgenden Jahre verfügte Innozenz VI. auf Bitten 
Sophias, daß die Brüder des Sionklosters die Verwaltung des 
Hospitals übernehmen sollten, falls Sophia sterbe, fortgehe oder 
sich aus irgendeinem Grunde zurückziehe ^). Auch diese An- 
stalt mußte den Groll des Sultans wegen der Einnahme und 
Plünderung Alexandriens erfahren; sie wurde eingezogen und 
erst im Jahre 1372 auf Vermittlung der Königin Johanna von 
Neapel zurückgegeben ^). 

Ein schönes Denkmal setzte sich P. Bartholomäus durch 
die klaren und entschiedenen Bestimmungen, die er über die 
Beobachtung der Armut hinterließ. Das Verbot, Geld in eigener 
Person anzunehmen, wird strenge eingeschärft und seine Über- 
tretung mit schweren Strafen belegt. Da die Brüder unter den 
Sarazenen weder ohne Geld leben noch die Heiligtümer be- 
wahren können, sollen sie einen oder zwei treue, zuverlässige 
Männer beauftragen, die Geldalmosen in Empfang zu nehmen 
und nach dem Bedürfnis auszugeben. Diese brauchen aber den 
Brüdern nicht Rechenschaft von ihrer Verwaltung abzulegen, 
und die Brüder dürfen weder von ihnen Rechenschaft fordern, 
noch selbst die eingehenden und ausgegebenen Almosen ver- 
zeichnen. Auch dürfen sie nicht den Schlüssel der Geldkasse 
bewahren, noch Opfer bei den hl. Messen sammeln. So lange 
jene Verwalter keinen Anlaß zum Mißtrauen geben, soll man 
ihnen trauen; wenn sie sich aber als untreu erweisen, soll sie 
der Guardian nach dem Rate der Diskreten absetzen. P. Bar- 
tholomäus schließt diesen Teil seiner Vorschriften mit dem eine 



1) Vgl. S. 76 Anm. 4. 

2) S. 75: „Ipsius Sophiae in liac parte supplicationibus inclinati, Apo- 
stolica auctoritate statuimus et etiani ordinamus, ut dicta Sophia cedente vel 
decedente, aut regimen dicti hospitalis quomodolibet dimittente, hospitale ip- 
sum per Guardianum S3U Fratres dicti loci de Monte Sion . . . regi debeat et 
possit etiam gubernari." 

•') Die l Urkunde aus dem Jahre 1372 (774) im Archiv der Prokura, 
Schublade 26. Auf der Rückseite hat der damalige Obere vermerkt: „Ista 
est carta, quomodo hospitale restitutum fuit domine Regine Napulitane et mihi 
fratri Cantutio de .Marchia Vicario conventus in vicem domine regine." — 
Calahorra, B. 111 K. ü und üolubovich, Serie 15 nennen ihn „Canucius". 



7g IV. Ei'ste Geschicke der Brüder auf dem Sioii 

hohe Auffassung der gelobten Armut bezeugenden Rate: „Die 
Brüder müssen mehr fürchten, ihr Gewissen zu beschweren 
als Geld zu verlieren" 0. 

Ein weiteres Statut will einen übelstand treffen, dem wir 
in verschiedenen Pilgerschriften begegnen -). Mit schwerer Strafe 
soll jeder Bruder und Pilger belegt werden, der etwas im Hl. 
Grabe oder den übrigen Heiligtümern abschlägt oder auf irgend- 
eine Weise entfernt, weil hierdurch der Zorn der Sarazenen 
hervorgerufen werden könnte ^). 

Zahlreiche Abstinenztage werden von P. Bartholomäus außer 
den in der Regel vorgeschriebenen Fasten verordnet. Während 
der vierzig auf Dreikönigen folgenden Tage sollen sich die 
Brüder Montags, Mittwochs, Freitags und Samstags der Fleisch- 
speisen enthalten, desgleichen von Christi Himmelfahrt bis Pfing- 
sten und vom 1. August bis zum Tage der Himmelfahrt Mariens. 
Jedoch können sie an Abstinenztagen wegen der Schwierigkeit, 
Fische zu beschaffen, Milchspeisen genießen'*). 

Zum Schlüsse setzt P. Bartholomäus einige Gebete fest. 
Jeden Tag sollen die Brüder nach der Komplet in Prozession 
zur Stätte ziehen, wo der Hl. Geist auf die Jünger herabkam, 
und dort eine fromme Lesung über die daselbst vollbrachten Ge- 
heimnisse halten. Jeden Sonntag soll eine hl. Messe in der ans 
Zönakulum angrenzenden Kapelle des hl. Thomas und jeden 
Samstag in der Grabeskirche der Gottesmutter im Tale Josaphat 
gelesen werden. Letzteres ist die älteste Nachricht, die wir 
über den Dienst der Brüder an genanntem Heiligtum haben ^). 
Wollte es den Brüdern auch nicht gelingen, eine Niederlassung 
neben demselben zu gründen, so sehen wir sie noch lange da- 



1) Art. 4—7. In Art. 7: „Plus timeant fratres conscientiae gravamen 
quam pecuniae detrimentum." Vgl. Fabri, Evagatorium I 249. 

-) Ludolf sagt: „Nam si sepulchrum Christi per grana et arenas posset 
deportari, jam ultra longa tempora, etiamsi maximus mons esset, fuisset de- 
portatum" ; Deycks 80. 

3) Art. 11. ') Art. 12. 

5) Art. 14: „Quolibet sabbato celebretur una Missa de B. Virgine in Valle 
Josaphat." Daß dieses Statut in Kraft blieb, bestätigt um 1483 Fabri, Eva- 
gatorium II 142, und 1508 Br. Anselm von Krakau; vgl. Canisius-Bas- 
nage, Lectioues antiquae IV 786. 



V. P. Gerhard Calvetti. Neue Fortschritte 79 

selbst neben den Griechen, Armeniern und anderen ihre An- 
dachten verrichten 0- Später begingen sie nach Br. Christo- 
phorus von Varese au dieser Kirche der Gottesmutter auch die 
Feste derselben ^). 

Die Intentionen, die P. Bartholomäus für die hl. Messen 
vorschrieb, gelten fast alle noch heutzutage. Montags soll. eine 
hl. Messe für die Wohltäter, besonders für die Seelen des Kö- 
nigs Robert und seiner Gemahlin Sanzia, „deren Munifizenz wir 
diese Stätten verdanken", Donnerstags die Messe vom Hl. Geiste 
oder vom allerheiligsten Sakramente für die glückliche Reise 
der Pilger und die Wohltäter, Samstags eine Messe von der 
allerseligsten Jungfrau für den Papst gelesen werden ^). 

Durch diese Statuten war das Fundament vollendet, auf 
dem sich das Kloster auf dem Sion mit seinen beiden Filialen 
weiter entwickeln konnte und sollte. 

V. P. Gerhard Calvetti. Neue Fortschritte und 
Prüfungen. P. Johann Belloro. 

Der erste Chronist der Kustodie P. Petrus Verniero bekennt 
in seiner Chronik, daß es ihm unmöglich sei, eine vollständige 
Liste ihrer Oberen zu geben â– *), da die ersten Guardiane nur gele- 
gentlich, meist in den arabischen Kaufurkunden, genannt wer- 
den. Die spätem Geschichtsschreiber haben die von ihm zu- 
sammengestellte Reihe für das 14. Jahrhundert kaum ergänzen 



1) Der Archimandrit Grethenlus sah dort um 1400 die Griechen, Ibeiier 
(Georgier), Armenier, Jakobiten und Abyssinier; Khitrowo 178; desgleichen 
1422 Johann Poloner; er sagt, Tobler, Descriptiones 233: „Primum (altare) 
a latere sepulchri est Armenorum, secuudum sub umbrosa testudine est Georgi- 
corum, tertium sub fenestra versus orientem est Graecorum, quartum versus 
aquilonem est Fratru.u Minorum, qulntum juxta primum gradum ascensionis 
a sinistris est lacobitarum. Sciendum, in eodem latere ascensionis est (altare) 
Indianorum." Heinahe dieselben Worte bringt Fabri, Evagatoriura 1 375, 
nur läßt er die Jakobiten fort und am fünften Altare die Inder zelebrieren. 

-j Libellus de privilegüs Bl. 18 r; „Solent fratres in festis beate Virginis 
ibidem missas et divinum officium celebrare." 

3) Art. 14. — Der Herausgeber bemerkt : „In hisce statutis nota dignum 
est quod praecipua exercitia pietatis quae describuntur, post tot saecula ad- 
huc vigent" ; Diarium Terrae Sanctae II 163. ^) S. 1. 



80 V. P. Gerhard Calvetti. Neue Fortschritte 

können 0; und noch weniger war es ihnen möglich, etwas über 
den Lebensgang der einzelnen, über ihre Arbeiten und Verdienste 
zu sagen, da die Orte, an denen ihre Namen genannt werden, 
nicht die geringste Ausbeute für die Kenntnis ihres Lebens und 
Wirkens liefern. 

Die Reihe der Oberen eröffnet der verdiente P. Roger Ga- 
rini aus Aquitanien, der uns seit 1335 in den Kaufverträgen 
und ebenso in der Chronik der 24 Generäle als Käufer der 
ersten Grundstücke und eigentlicher Mittler bei den Verhand- 
lungen, die mit dem Sultan wegen der Übergabe der hl. Stätten 
gepflogen wurden, begegnet. Wenn er auch nirgends unter dem 
Namen eines Oberen auftritt, so gestattet schon die Weise, in 
der er die Verhandlungen mit den Behörden zu Jerusalem 
führte, ihn als den Oberen oder Vorsteher der wenigen Brüder 
zu betrachten, die während des Anfanges in Jerusalem weilten. 
Zum letztenmal wird er in einer Erklärung vom 6. März 1337 
genannt ^). 

Der erste, der ausdrücklich in den bisher bekannten Nach- 
richten als „Oberer der Franken in Jerusalem" eingeführt wird, 
ist Br. Nikolaus, der als solcher auf dem Sion ein Grundstück 
erwarb ^). Vorübergehend wird er noch einmal 1348 in der 
Erklärung eines Muselmannes erwähnt^). 

Aus den nächstfolgenden dreißig Jahren läßt sich nicht 
ein einziger Guardian des Sionklosters mit Bestimmtheit nach- 



1) Das beste und vollständigste Verzeichnis der Oberen der Kustodie 
hat P. Golubovich in seiner Serie Cronologica dei Reverendissimi Superiori 
di Terra Santa, Jerusalem 1898, zusammengestellt. Unbegreiflicher Weise 
hat Razzoli S. 226 diese Arbeit ignoriert und alte, längst korrigierte Fehler 
wiederholt. — Golubovich nahm auch die Provinziale der Provincia Terrae 
Sanctae auf, die von uns übergangen werden. 

2) Vgl. Golubovich, Serie 131—150. — Golubovich läßt daselbst S. 13 
einen Guardian Fra Giovanni di Stefano 1337 walten. Wie er selbst S. 145 
Anm. 2 richtig vermutet, hat er Frer „Gial" unrichtig (als Giovanni und Gia- 
como) gedeutet; aus dem Umstände, daß dieser Frer Gial Besitzer eines an- 
stoßenden Grundstückes in derselben Urkunde (146) genannt wird, ergibt sich, 
daß es sich um Fr. Roger handelt. Calahorra, B. III K. 3, bringt den- 
selben Vertrag, auch liest er Er. Johannes, läßt diesen aber nur Präses 
oder Vikar sein, da er den andern Vertrag, in dem Br. Nikolaus als Oberer 
genannt wird, falsch datiert und ihn in dasselbe Jahr (1328) setzt. 

•'') Golubovich, Serie 155. *) Golubovich, Serie 159. 



und Prüfungen. P. Johann Belloro 81 

Weisen 0, Erst 1377 finden wir unter den Brüdern, die P. Bartho- 
lomäus bei Abfassung seiner Statuten zu Rate zog, den P. „Ni- 



1) Golubovich nennt zum Jalire 1363 mit den Gesta Dei und andern 
einen Guardian von Jerusalem, namens P. Bernliardin von Padua; das Do- 
kument aber, das uns seinen Namen überliefert hat, nennt ilm ausdrücltlich 
Guardian von Bethlehem; er heißt daselbst „frater Bernardinus de Pa- 
dua . . . guardianus, ut dixit, loci fratrum ejusdem ordinis siti in venerabili 
et sacro loco Betheelemitano" (Diar. T. S. II 13 Anm.); er war also nicht 
Guardian von Jerusalem. 

Zum Jahre 1372 bringt Golubovich mit einigen Bedenken („secondo 
ogni probabilitä") einen „Fr. Antonio di Giacomo", der in genanntem Jahre 
ein Haus erwarb. In dem Kaufvertrag erscheint derselbe als Vertreter der 
Königin Johanna (vgl. Serie 15); ebenso wie der Vikar des Sionklosters 
P. Cantutius im gleichen Jahre; vgl. oben S. 77 Anm. 3. 

Verniero 2 hat zum Jahre 1373 einen Guardian „Fr. Giovanni", den 
er, S. 273, einige Brüder nach Damaskus senden läßt, die dort als Märtyrer 
starben. Es sind die Brüder, die 1557 in Damaskus gemartert wurden (vgl. 
Bonifacius Stephani, De perenni cultu Terrae Sanctae 275); die von ihm 
angezogene Tatsache ist daher um fast zweihundert Jahre später anzusetzen. 
Auch das Martyrologium Terrae Sanctae (Diar. T. S. IT 90) setzt ihr MartjTium 
ins 14. Jahrhundert und läßt sie 1341 sterben, obgleich nach dem von ihm 
zitierten P. Gonzaga ihr Tod „a viginti sex annis vel circiter" bei Abfassung 
seines Werkes erfolgt war. 

Quaresmius, Elucidatio II 807, und andere (vgl. Razzoli 226) nennen 
zum Jahre 1375 als Guardian des Sionklosters den Frater Martinus de Ara- 
gonia, dem Gregor XI. am 25. November 1375 den Bau des Klosters bei der 
Nikolauskapelle zu Bethlehem gestattete; vgl. Breve „Inter cunctos Ordines" 
im Bullarium Terrae Sanctae, Diar. T. S. II 81. P. Martinus war nur Guardian 
zu Bethlehem. Daß jenes Breve an ihn gerichtet wurde, erklärt sich dadurch, 
daß er gerade am päpstlichen Hofe weilte und dem Papste die betreffende 
Bitte vortrug. Es ist jener P. Martinus, der 1372 als Sekretär der Königin 
von Zypern von der hl. Brigitta auf ihrer Pilgerreise nach Jerusalem die 
Vision der Heiligen über den Niedergang des Franziskanerordens empfing 
(vgl. das Leben der Heiligen von Bertholdus, Acta SS., Oct. IV 502) und dem 
Papste die günstigen Aussichten eines Kreuzzuges vorführte, wodurch er 
diesen zu verschiedenen Sendungen und Schreiben in jener Frage bestimmte; 
vgl. BF VI Nr. 1383. Mit jener Auffassung des Vorganges wird der Ver- 
dacht hinfällig, den der Herausgeber des Bullarium Terrae Sanctae (Diarium 
T. S. II 81) äußert, als ob das genannte Breve an den Guardian von Beth- 
lehem auf Betreiben des Guardians von Jerusalem gerichtet sei, um den Pro- 
vinzial zu umgehen; er meint: „Tribuendum est dissidiis, quae verosimiliter 
viguisse tunc temporis inter Provincialem et Guardianura praedictum prae- 
sumi possunt." 

In Betreff des von einigen zum Jahre 1382 genannten Guardians Jo- 
hannes hegen wir dieselben Zweifel, die Golubovich, Serie 17, anführt; uns 
ist keine Nachricht über ihn begegnet. 

Ftanzisk. Studien, Beihert I: Lonimcns, Die Franzisisanor auf dem Sion. G 



82 V. P. Gerhard' Calveüi. 

kolaus von Kreta, Guardian des Klosters auf dem Berge 
Sion" ^); es ist die einzige bisher bekannte Nachricht, in der 
sein Name vorkommt. Einige andere in dieser Zeit den Brüdern 
ausgestellte Urkunden nennen keine Namen, so der Schutzbrief, 
den Sultan Sciabau 1374 den Brüdern gab, damit diese auf der 
Reise nicht belästigt würden^), und ein Breve des Papstes Gre- 
gor XI. vom 25. November 1375, das den Brüdern den Bau 
eines Klosters bei der in der Nähe Bethlehems gelegenen Ka- 
pelle zum hl, Nikolaus gestattete ^), eine Erlaubnis, die nie ver- 
v^^irklicht wurde. 

Dem italienischen Pilger Frescobaldi verdanken v^'ir den 
Namen des P. Nikolaus von Venedig^), der 1384 die Mission 
leitete. Beide machten gemeinsam einen Pilgergang von Kairo 
nach dem durch den Aufenthalt der hl. Familie geheiligten Orte 
Matarieh in der Nähe der ägyptischen Hauptstadt. „Dort ließen 
wir", erzählt Frescobaldi ^), „durch den Guardian des Sionberges 



1) Wadding, Annales Minorum, zum Jahre 1376 Nr. XIV, nennt als 
Berater des P. Bartholomäus die Patres „Fr. Richardus Anglus, sacrae Theo- 
logiae magister, Fr. Joannes Bedererus Aquitanus, Fr. Joannes Columbus, 
Fr. Joannes Pisanus, Fr. Thomas Anlisiodorensis, Fr. Gerardus Caneti, Fr. Ni- 
colaus Cretensis, coenobii montis Sion guardianus". 

2) Archiv der Prokura, Schublade 24. 

^) Ihre Überreste sieht man über der Milchgrotte. — Verniero 267 
meint, daß der Mangel an Mitteln den Bau nicht zur Ausführung kommen ließ. 

^) Ob er identisch ist mit dem vorhin genannten Guardian Nikolaus 
von Kreta? 

•'') Viaggi 54. — Golubovich (Serie 18) knüpft hieran die Bemerkung, 
daß die Franziskaner bereits früher ein Kloster beim Grabe Marions hatten, 
aus dein sie wiederholt vertrieben seien; doch steht kein älteres Zeugnis für 
diese Annahme zur Vorfügung. Die ersten Chronisten, wie Surian und Ver- 
niero (270), sagen das gerade Gegenteil, daß es nämlich den Brüdern nicht ge- 
lang, ein Kloster beim Grabe der Gottesmutter zu gründen; vgl. Surian, Trat- 
tato 65. — Calahorra (B. III K. 20) folgert das Bestehen eines Klosters 
im Tale Josaphat aus dem Dekret des Generals P. Antonius vom Jahre 1414. 
Die fragliche Stelle lautet: „Item ordino, quod, sicut hactenus consuetum est, 
praedictus guardianus habeat curam specialem in locis sancti sepulchri, sanctae 
Mariae de Betleem, sanctae Mariae vallis Josaphat ceterisque locis Terrae 
Sanctae, in quibus fratres nostri commorantur, ac in eisdem guardianos sive 
vicarios instituere et destituere." Das „commorari" braucht nicht von einem 
andauernden Wohnen gedeutet zu werden; sonst müßte man gegen alle andern 
Nachrichten auch an den übrigen (ceterisque locis) Orten Niederlassungen 
annehmen. 



Neue Fortschritte und Prüfungen 83 

ZU Jerusalem, einen Edelmann aus Venedig, namens Nikolaus, 
eine hl. Messe lesen. Er war ein Mann von großem Geiste und 
heiligem Leben und nach Kairo gekommen, um vom Sultan die 
Erlaubnis zu erbitten, im Tale Josaphat beim Grabe der Jung- 
frau ein Kloster der Minderbrüder zu erbauen; sie wurde aber 
nicht gewährt." In der Zeit des Guardians Nikolaus, am 11. Juni 
1384, erlaubte Papst Urban VI. dem Obern und den Brüdern 
des Sionklosters, im nahegelegenen Hospital zehn gottesfürchtige 
und mildtätige Frauen, die über vierzig Jahre alt sein mußten, 
für die Dienste der Brüder und die Obhut der „Armen und 
Kranken", die zum Hospital der Armen unaufhörlich hinström- 
ten, aufzunehmen ^); es ist eine der wenigen Nachrichten, die 
uns von der Tätigkeit und Bedeutung des Marienhospitals 
melden. 

Der Nachfolger des P. Nikolaus, P. Gerhard Calvetti 
(Chauvet), ist der erste Guardian von Jerusalem, über den meh- 
rere Nachrichten vorliegen, so daß wir uns ein kleines Bild von 
seiner erfolgreichen Verwaltung machen können. P. Gerhard war 
Mitglied der aquitanischen Ordensprovinz, die den P. Rogerius 
in den Orient entsandt hatte und manchen eifrigen Bruder an 
die hl. Stätten schickte; so waren unter den fünfzehn Brüdern, 
die 1391 in Jerusalem weilten, vier aus der genannten Provinz^). 

Zum ersten Male sehen wir P. Gerhard in Palästina im 
Jahre 1377, als sich P. Bartholomäus seines Rates beim Nieder- 
schreiben der Statuten für die Kustodie bediente ^). Wann er 
an die Spitze des Klosters kam und wie lange er seines Amtes 
als Oberer der Mission waltete, wird nicht angegeben. Zwei 
Kaufverträge zeigen ihn als Guardian in den Jahren 1388 und 



1) Breve „Ad ea quae piorum" ; Diarium Terrae Sanctae II 163. Der 
Papst sagt: „Cum vos et pauperes et infirmi, qui continue confluunt ad hospi- 
tale pauperum de monte Sion prope domum vestram consistens, opportunorura 
copla servitorum carere noscantur." Vgl. Golubovich, Hörn 230. 

2) Im Protokoll über den Martertod der vier am 14. November 1391 
gestorbenen Brüder werden genannt „frater Deodatus de Rusticinio", der Guar- 
dian P. Gerhard, „frater Petrus de Bordegala provinciae Aquitaniae" und 
„frater Johannes de Aquitania"; vgl. Arch. de l'Orient Latin II 539—516 
„Proces-verbal du martyre de 4 freres Mineurs". 

3) Vgl. oben S. 82 Anm. 1, vi^o er „Gerardus Caneti" genannt wird. 

G* 



84 V. P. Gerhard Calvettl. 

1398 0, desgleichen mehrere Urkunden aus den dazwischen 
liegenden Jahren, so daß wir seine Amtstätigkeit wenigstens 
von 1388 bis 1398 ansetzen dürfen. 

In die Zeit seiner Verwaltung fällt der glorreiche Marter- 
tod des seligen Nikolaus von Sebenico und seiner drei Gefährten 
Deodatus von Rouvergue, Stephanus von Cunis und Petrus von 
Narbonne ^). P. Gerhard hat uns ein wertvolles Zeugnis über 
das Martyrium hinterlassen, dem wir ergreifende Einzelheiten 
über ihren qualvollen Tod verdanken ^). Nikolaus und Deo- 
datus hatten vorher 12 Jahre in Bosnien ^) und Stephan auf 
Korsika als Missionar gewirkt; Petrus war einer der Genossen 
des ehrwürdigen Br. Paulutius von Trinci gewesen, der durch 
die von ihm wieder belebten Einsiedeleien den Anstoß zu der 
großen Observantenbewegung des 15. Jahrhunderts gegeben. 
Nach Jerusalem gesandt, lebten sie hier mehrere Jahre treu 
und eifrig, bis sie nach reifer Überlegung und eingeholtem Rate 



1) Golubovich, Serie 18, verzeichnet drei dieser Kaufurlcunden aus 
den Jahren 1388, 1392 und 1398. Serie 19 nennt er mit Civezza, Storia VI 
348, einen „fr. Polo da Venezia" als Obern. Der von beiden angezogene 
Brief des Königs Johannes I. von Aragonien spricht nur von „unserm ge- 
liebten Frater Polo aus Venedig", der für die heiligen Stätten Almosen 
sammelte. 

'-) Ihre Namen werden verschieden geschrieban; wir folgen dem 
gleichzeitigen Bericht Calvettis, der sie „Frater Deodatus de Ruticinio pro- 
vincie Aquitanie, frater Nicholaus provincie Sclavonie, frater Stephanus de 
Cunis [Cuneo?] provincie Janue, frater Petrus de Narbona provincie Provin- 
cie" nennt; vgl. Arch. de l'Orient Latin 1 541. ]\Iariau von Florenz nennt sie 
„frater Niccolaus de Sibinico, frater Donatus de Ruticinio, frater Petrus de 
Narbona, frater Stephanus de Lanich, corsus"; vgl. AFH III 703. Markus 
von Lissabon ergänzt beim ersten den Beinamen „de Taulici" und bei Frater 
Petrus „compagno e discepolo di fr. Paolo, padre della famiglia de gli Osser- 
vanti" (Teil III Buch I Kap. 9); am Rande zitiert er „Specchio, ]\Iariano", 
scheint also die Nachricht über letzteren dem „Specchio dei Minori" des P. Ja- 
kob Oddo entnommen zu haben. Wadding hat die Nachrichten beider kom- 
piliert, Annales zum Jahre 1891 Nr. 1. 

•'*) Wir haben zwei Rezensionen dieses Berichtes; die eine ist in den 
Akten des Seligsprechungsprozesses, Summarium 23 — 26, gedruckt, die andere 
m 1. Bande des Arch. de l'Orient Latin, 539—546. Vgl. auch P. Eusebius 
Fermendzin, Acta Bosnae potissimum ecclesiastica, Agram 1892, 271. 

*) Summarium 24: „Morati sunt in vicariatu Bosnae duodecim annos." 



Neue Fortschritte und Prüfungen 85 

gelehrter und erfahrener Männer ^ einen Versuch beschlossen, 
ob sie die Machthaber und das Volk von Jerusalem von dem 
Irrtum der sarazenischen Lehre überzeugen und für Christus ge- 
winnen könnten. Sie verhehlten sich die Gefahren des Unterneh- 
mens nicht, ließen sich aber durch dieselben nicht abschrecken, 
sondern freuten sich ob der Aussicht, die Krone des Martyri- 
ums zu empfangen. So ausgerüstet begaben sie sich am 11. No- 
vember 1391, morgens um 9 Ühr zum „Tempel Salomons", das 
ist zur Omarmoschee; jeder hatte einen Zettel in der Hand, 
auf dem er mit lateinischen Buchstaben in arabischer Sprache 
Ermahnungen an die Sarazenen niedergeschrieben hatte -). Man 
ließ sie nicht in die Moschee eintreten, führte sie jedoch auf 
ihren Wunsch zum Kadi, vor dem sie alsbald ihre Predigt be- 
gannen: „Herr Kadi und alle Anwesenden! gebt uns Erlaubnis 
zu reden und schenkt uns freundliches Gehör, denn was wir 
euch sagen, ist wahr und für eure Seelen heilsam. Eure Reli- 
gion und Lehre ist nicht von Gott, da sie Lügen, Widersprüche, 
Lächerliches und Unmögliches enthält. Euer Meister war kein 
Prophet, sondern ein wollüstiger Mensch, ein Mörder, ein Be- 
trüger, der die schweren Gebote unterdrückte und den Men- 
schen alles, was ihnen gefällt, gestattet." Das Erstaunen des 
Kadi und der in großer Zahl herbeigeeilten Mohammedaner war 
maßlos. Sofort wurden der Guardian des Klosters und der 
Meister des Hospitals herbeigerufen, nach deren Ankunft der 
Kadi alsbald das Verhör begann. Er fragte die mutigen Pre- 
diger, ob sie ihrer Sinne mächtig oder verrückt seien, und ob 
sie der Papst oder ein König der Christen zu ihm gesandt habe. 
Die Brüder erwiderten : Wir haben mit vollem Verstände und 
nur aus Liebe zu euern Seelen geredet und sind von keinem 
Geschöpfe geschickt, sondern von Gott selbst, der uns einge- 
geben hat, euch die Wahrheit und euer Heil zu verkünden. 
„Wollt ihr widerrufen?" fuhr sie nun der Kadi an, „sonst müßt 



1) Genannt werden „Magister Joannes de Casali Noto provineiae Sici- 
liae", der auch unter den Zeugen ihres Martertodes genannt wird, und „Magister 
Joannes provineiae Dalmatiae"; Summarium 24. 

2) Summarium 24: „liitteris italicis, lingua araba" ; die andere Rezen- 
sion S. 542: „In vulgari ytalico atque in arabico." 



86 V. P. Gerhard Calvetti. 

ihr sterben." Die Brüder erwiderten: Wir können nicht wider- 
rufen, da alles, was wir sagten, heilig und wahr ist; den Tod 
aber fürchten wir nicht, sondern sterben gern für die Wahrheit 
des Christentums. Hierauf sprach der Kadi mit seinem Rate über 
die mutigen Prediger das Todesurteil aus, worauf die umste- 
henden Mohammedaner auf die Todesopfer mit dem Rufe stürz- 
ten: Sie sollen sterben und nicht leben, und mit allen möglichen 
Werkzeugen zuschlugen, bis die Brüder wie tot zur Erde fielen. 
Es war 12 Uhr mittags geworden *). Nach einer Stunde er- 
wachten die Glaubenshelden aus ihrer Ohnmacht und öffneten 
die Augen. Als die Mohammedaner dies gewahrten, ließ der 
Richter die Brüder fesseln, ins Gefängnis werfen und daselbst 
angekettet bis Mitternacht liegen. Um Mitternacht begann die 
Marter aufs neue; die Märtyrer wurden zunächst entsetz- 
lich geschlagen, bis fast die ganze Haut abgerissen war und 
das Fleisch bloß lag; dann band man sie an vier Pfähle und 
ließ sie in dieser Haltung ohne Speise und Trank-). Nachdem 
am 14. November der Befehlshaber der Stadt nach Jerusalem 
gekommen war ^), schritt man zur Ausführung des Todesurteiles. 
Die Brüder wurden auf den Platz geführt, auf dem die Ver- 
brecher hingerichtet wurden, und nochmals vor einer großen 
Volksmenge gefragt, ob sie nun die Lehre Mohammeds anneh- 
men wollten. Sie beantworteten die Frpge mit einer neuen 
Aufforderung an das Volk, sich zu Christus, in dem allein das 
Heil ist, zu bekehren. Sie selbst seien gern bereit, jede Pein, 
Feuer und Tod für Christus und den christlichen Glauben zu 
ertragen. Dies war das Zeichen, daß die Umstehenden vor Wut 
rasend auf die Bekenner einstürmten und zuschlugen, bis „keine 



1) Die Rezension des Prozesses im Suramarium sagt S. 25 : „circa lioram 
sextara", die andere „horam nonam". 

-) So die Rezension des Prozesses im Summarium, 25 ; die andere läßt sie 
zuerst an die Pfälile gebunden und an den Pialilen gegeil3elt werden. 

^) Die Rezension des Prozesses im Summarium sagt S. 25: „Post tertium 
diera venit admiratus civitatis;" die andere Rezension übergeht diesen Um- 
stand und läßt die Brüder „tertia die" sterben, was dem Vi). November ent- 
spricht, während jene zum Schluß ihre Angabe durch die Worte bestätigt: 
„Passi sunt autem isti venerabiles Christi martyres quartadecima die mensis 
novembris." 



Neue Fortschritte und Prüfungen 87 

menschliche Gestalt an ihnen übrig blieb". Die Sarazenen 
warfen die Leiber in ein großes Feuer und zerstreuten die 
Asche 0- Mehrere Christen und elf Brüder^) hatten dem Marty- 
rium beigewohnt, unter ihnen ein Deutscher, Bruder Johann 
von Straßburg. 

Leicht begreiflich war der Vorfall so bald nicht vergessen; 
unsere Brüder mußten noch lange unter den Folgen desselben 
leiden, wie P. Guardian Gerhard in seinem Schreiben vom 20. Ja- 
nuar 1392 an den katalonischen Konsul zu Damaskus berichtet^). 
„Sie verfolgen uns ohne aufzuhören bis zum Tode. Unter großen 
Kosten führte man uns kürzlich zum Gebieter von Gaza. 
Täglich ersinnen sie Neues gegen uns, ohne satt zu werden. 
Unsere Armut haben sie aufgezehrt und nichts zurückgelassen 
als die Kelche und Paramente. Ich wäre nicht imstande, ihnen 
schriftlich all' die Bedrückungen und Erpressungen zu erklären. 
Wir ertragen jedoch alles in Geduld und sind bereit, zu sterben 
und freudig den Tod zu erleiden, den hier Jesus Christus, das 
makellose Lamm, für uns erleiden wollte." 

Es erregt unsere Bewunderung, daß die Brüder in einer 
so bedrängten Lage und bei so vielen Schwierigkeiten nicht 
den Mut verloren, sondern entschieden und furchtlos ihre Rechte 



1) Dem seligen Nikolaus wurde von der Kirche die Ehre der Altäre 
zuerkannt. 

-) Die Brüder waren .Jrater Girardus Cabieti, provincie Aquitanie, fr. 
Johannes de Noto, magister in theologia, provincie Cicilie, fr. Petrus Cocclarius 
de Neapoli, provincie Terre Laboris, fr. Johannes de Argentina, alamannus, 
fr. Angelus de Perusio, provincie Sancti Francisci, fr. Petrus de Bordegala, 
provincie Aquitanie. fr. Martinus Cathalanus, fr. I^aurencius de Placencia, pro- 
vincie Rome, fr. Martinus de Sclavonia, fr. Angelus de Marchia, fr. Johannes 
de Aquitania"' ; außerdem der Meister des Johanniterhospitals „cum servitoribus 
suis"; vgl. Arch. de l'Orient Latin I 545. 

3) Der Brief, das Begleitschreiben des Protokolls über das Martyrium 
unserer Brüder, ist veröffentlicht in Arch. de l'Orient Latin I 54L Es heißt 
daselbst : „Isti vero nos persecuti sunt usque ad mortem et adhuc non cessant. 
Nam ducti fuimus modo ad dominum de Gadara cum maximis expensis; cotidie 
novitates super nos inveniunt et non possunt saciari; paupertatem nostram 
comederunt et nihil nobis dimiserunt nisi calices et paramenta. Tribulaciones 
varias et exactiones per literas vobis explicare non possum; nos vero omnia 
pacienter sustinemus, parat! etiam mori et ipsam libenti anirao sustinere, 
quam Christus Jhesus hie pro nobis peccatoribus mortem turpissimam subire 
voluit. qui est agnus sine macula." 



88 V. P. Gerhard Calvetti. 

vertraten. P. Gerhard gab uns wenige Wochen später ein Bei- 
spiel dieser mutigen Klugheit, der es die Lateiner verdanlcen, 
daß sie sich im Oriente in einer Welt von Feinden und Wider- 
sachern behaupten und ihren Angriffen trotzen konnten. Wieder- 
holt hatten sich unsere Brüder ohne Erfolg bemüht, die von 
zwei Päpsten erlaubte Gründung eines Klosters im Tale Josa- 
phat auszuführen. Vergebens hatten Königin Johanna von 
Neapel und der Doge Celsi von Venedig 1363 den Sultan ge- 
beten, dieselbe zu gestatten, und umsonst war 1384 der Kustos 
Nikolaus mit diesem Anliegen nach Kairo geeilt. Es war den 
Brüdern nur gelungen, zum Gottesdienste am Grabe der Gottes- 
mutter zugelassen zu werden ^). Sei es nun, daß unsern Brüdern 
bei ihren Andachten Schwierigkeiten bereitet wurden, sei es, 
daß sie das vom Papste verliehene Recht sicher stellen und 
sich in aller Form als Mitbesitzer der Kirche über dem Grabe 
der seligsten Jungfrau bekunden wollten: am 30. März 1392 er- 
griff der Guardian P. Gerhard in Gegenwart eines Notars sowie 
mehrerer Pilger und Brüder in der üblichen Weise Besitz von 
der Grabeskirche und der benachbarten Grotte der Todesangst, 
die Papst Innozenz VI. und Urban V. gleichfalls in ihren Breven 
genannt hatten. Da ein besonderer Anlaß für diesen Akt des 
Guardians nirgends zu erkennen ist ^), so sieht Verniero ^) die 
Ursache in der Absicht der Brüder, das ihnen verliehene Recht 
so viel wie möglich zu sichern, zu betätigen und feierlich kund- 
zugeben. 

Die spätere Legende meldet auch den Grund, der den Brü- 



1) Dies sagen unter anderm die im Prozeß des Jahres 1421 abgelegten 
Zeugnisse ; vgl. unten S. 97. 

-) Der dem Ereignis am nächsten stehende Zeuge Br. Christophorus von 
Varese sagt in seinem Libellus privilegiorum Bl. 18 ■■ nur: „Et licet fratres 
ibi non habitent, locum tarnen illum possident et de ipso curam habent et 
ipsius loci auctoritate apostolica realem possessionem acceperunt de anno 
domlni 1392." — Das „Instrumentum apprehensionis" ist herausgegeben in 
D T S II 78. Es nennt die Brüder: „Praesentibus . . . fratribus Joanne de 
Burgundia et Joanne de Cilicia, magistris in sacra pagina eiusdem ordinis 
Minorum, et fratribus Matthaeo de Burgundia, Petro de Petragoris presbyteris, 
et Jacobe de Venetiis converso ejusdem ordinis." Der Sizilianer P. Johann 
wird auch im Protokoll über das Martyrium der vier Brüder genannt. Vgl. 
auch D T S II 80 Anm. 13. 3j Chronik 269. 



Neue Fortschritte und Prüfungen 89 

dern den freien Zutritt zur Kirche gesichert habe; sie begegnet 
uns bei verschiedenen Schriftstellern in verschiedener Form. 
Der Franziskaner P. Anselm von Krakau 0, der 1508 im Hl. Lande 
weilte, sagt in seinem Pilgerbuche, es sei den Pilgern nur gegen 
eine Abgabe gestattet, die Kirche über dem Grabe der Gottes- 
mutter zu betreten; die Franziskaner allein hätten das Recht, 
frei ein- und auszugehen, da der die Türe hütende Sarazene 
durch eine Erscheinung gedrängt worden sei, den Brüdern 
einen Schlüssel zu geben. Auch sie hätten zunächst jene Ab- 
gabe, so oft sie in der Kirche zelebrieren wollten, bezahlt, bis 
ein Guardian der Kosten wegen daran gedacht habe, die Feier 
der hl. Messe zu unterlassen. Da sei die Gottesmutter dem sa- 
razenischen Türhüter erschienen und habe ihm unter Androhung 
schwerer Strafen befohlen, die Brüder frei und ohne Abgaben 
in die Kirche eintreten zu lassen. Ganz erschrocken sei der 
Türhüter zu den Brüdern gekommen und habe ihnen einen 
Schlüssel der Kirche übergeben '^). Surian erzählt wenige Jahre 
später die gleiche Geschichte, bereichert sie aber um verschie- 
dene Einzelheiten ^). Er läßt die Erscheinung „um 1465" statt- 
finden; auch weiß er, daß jener sarazenische Pförtner derart 
infolge der Erscheinung Mariens erschrak, daß er am dritten 
Tage starb, nachdem er vor seinem Tode alles seinen Söhnen 
geoffenbart und ihnen dringend empfohlen hatte, die Franzis- 
kaner nicht zu belästigen, wenn sie dem Unwillen Mariens 
entgehen wollten. Die Söhne seien alsbald auf den Sion ge- 
gangen, hätten den Brüdern alles erzählt, ihnen volle Freiheit 
zugesichert und alljährlich die Erstlinge des oberhalb der Gra- 
beskirche gelegenen Gartens nebst andern Gaben überbracht. 
Bei spätem Schreibern entwickelt sich die Geschichte immer 
weiter; sie lassen den armen Sarazenen von Maria derart ge- 
prügelt werden, daß er sich kaum mehr auf den Beinen halten 



1) Descrlptio Terrae Sanctae 786. 

-) Fabri, Evagatorium I 37:^, erwähnt die gleiche Erscheinung, delnit 
sie aber auf alle Pilger aus. 

3) Surian, Trattato 100. — Es ist nicht notwendig, die Entwicklung 
der Legende zu verfolgen. Einige machten aus beiden Berichten zwei ver- 
schiedene Erscheinungen und setzten die eine ins Jahr 1392 und die zweite 
mit Surian ins Jahr 1465; vgl. Razzoli 57 und 68. 



90 V. P. Gerhard Calvetti. 

konnte ^). Was der Legende zugrunde liegt, ob vielleicht eine 
List der Brüder im Spiele war, wissen wir nicht; jedenfalls 
bestätigt sie, daß die Franziskaner ungestört am Grabe Mariens 
Gottesdienst feiern konnten. 

In demselben Jahre 1392 soll auch eine Niederlassung in 
dem wenige Stunden westlich von Jerusalem gelegenen Abu 
Ghosch gegründet worden sein ^). Die erste und älteste Nachricht 
über dieselbe gibt uns 1570 der Kustos P. Bonifacius Stephani. 
Hat man, sagt er ^), auf dem Wege nach Jerusalem die Heimat 
des guten Schachers verlassen, so trifft man eine große Kirche, 
die dem hl. Jeremias geweiht ist. Die daneben liegenden 
Trümmer sagen, daß daselbst ein großes Kloster war, das vor 
80 Jahren oder annähernd um diese Zeit von den Brüdern des 
hl. Franziskus auf dem Sion verlassen wurde, weil in einer Nacht 
arabische Räuber eindrangen, die den hl. Ort bewohnenden 
Ordensleute ermordeten und alle daselbst befindlichen Sachen 
raubten. Wann dieses geschah, sagt er nicht, und keiner der 
Schriftsteller der folgenden Zeit weiß dieses zu sagen oder 
etwas zu der von P. Bonifacius hinterlassenen Nachricht zu 
ergänzen. Verniero und Calahorra sagen ausdrücklich, daß alle 
ihre Kenntnis über diese Niederlassung auf P. Bonifacius zu- 
rückgeht; ersterer bemerkt noch, daß sich im Archiv der Ku- 
stodie nichts über dieselbe vorfindet '*). Große Bedenken be- 
reitet der Umstand, daß P. Surianus, der um die für die Zer- 



1) Vgl. Civezza, Storia IV 345. 

-) Vgl. Golubovich, Serie 207. 

3) Liber de perenni cultii Terrae Sanctae 101 : „Occurrit quaedam 
ecclesia magna, quae celebratur sub titulo sancti Hieremiae, materiae ruinosae 
enim ostendunt et monasteriiim religiosorum niagnum ibi fuisse, quod ab octo- 
ginta annis vel circa a fratribus raontis Syon ordinis sancti Francisci derelictiim 
fuit, quia una nocte latrones arabes illud ingressi fratres, qui erant ibi locum 
sanctura incolentes, jugularunt et monasteriiim bonis, quae in illo erant, 
expoliarunt." 

') Verniero, Chronik 124: „Nel nostro Archivio non si trova sopra 
di ciö scrittura veruna." Zuallardo, II devotissimo Viaggio di Gerusalemme 
r anno 1586, Rom 1595, schreibt S. 117 den P. Bonifacius aus, nur läßt er die 
Zeitangabe fort. Calahorra, B. II K. 11, sagt: „Ne si hä altra memoria 
di questo convento, che quella, che oltre il Padre Bonifacio da il Zarvalo." 
Dies ist der ebengenantc Zuallardo. 



Neue Fortschritte und Prüfungcu 91 

Störung angegebene Zeit Kustos von Jerusalem war, mit 
keinem Worte bei der Erwähnung der Kirche des hl. Jeremias 
des Klosters noch der Zerstörung desselben oder des Todes 
der Brüder gedenkt^). Dieses Bedenken wird noch dadurch 
verstärkt, daß er selbst das gleiche Los unter den gleichen 
Umständen von dem in der Gegend von Abu Ghosch gelegenen 
Kloster der Georgier zum hl. Kreuze berichtet. Die Georgier 
haben, sagt er, „gegenwärtig das Kloster verlassen, weil die 
Mauren neunzehn von ihnen töteten und den Ort, der zur Zeit 
nicht bewohnt wird, ausraubten" ^). Da der Tatbestand der gleiche 
und die Zeit dieselbe ist, so dürfte P. Bonifacius sich in der 
ürtlichkeit geirrt und die Plünderung vom Kloster der Georgier 
zum hl. Kreuze auf eine andere Stätte der Gegend übertragen 
haben. Damit fällt aber das einzige Zeugnis, das für ein Fran- 
ziskanerkloster in Abu Ghosch geltend gemacht werden kann. 
An einem andern Orte gelang es jedoch den Franziskanern 
unter der tatkräftigen und umsichtigen Verwaltung des P. Ger- 
hard einen wertvollen Fortschritt zu machen. Die ersten Tage 
nach der Ankunft im Hl. Lande und die letzten ihres Aufent- 
haltes vor der Abfahrt brachten den Pilgern große Opfer und 
viele Widerwärtigkeiten. Tagelang mußten sie häufig in Ramleh 
warten, bis alle Vollmachten eintrafen und alle Vorbereitungen 
für den Marsch nach Jerusalem getroffen waren, oder bis auf dem 
Rückwege die Fahrgelegenheit bereit war. Der L394 nach Je- 
rusalem pilgernde Nikolaus de Martoni erzählt in seinem Pilger- 
buch, daß er 17 Tage mit großer Herzensangst daselbst ver- 
bleiben mußte und von den Sarazenen „mit Anspeien, Stein- 
würfen und allerlei Unbilden belästigt" wurde ^). P. Gerhard 

') P. Bonifacius läßt in seinem 1570 geschriebenen Buche die Ermordung 
vor etwa 80 Jahren geschehen sein. P. Surian war 1498 Kustos. 

•^) Trattato 20. 

■*) Trattato V^2 Anm. 2 (aus der Rezension von 1524): „Questi Zorgiani 
tenero un tempo la chicsia de Symeone propheta; al presente 1' hanno abban- 
donato perche li Mori ne amazarono decenove de loro, c roborono el loco; 
al presente non se habita." 

*) Libellus 624 : „Cum magna angustia cordis . . . me molestabant cum 
sputis, lapidibus et aliis injuribus." Vgl. Fabri, Evagatorium I 212: „Audivi, 
quod antequam domus iiia esset pro pcregrinorum hospitio comparata, coge- 
bantur peregrini manere in civitatis diversorio juxta plateam in magna despec- 
tione et miseria et raultas sustinebant a Sarracenis injurias." 



92 V. P. Gerhard Calvetti. 

ließ es sich angelegen sein, so viel wie möglich Abhilfe zu schaffen. 
Er kaufte daselbst 1398 ein Haus für die Pilger ^), aus dem 
sich allmählich, besonders dank der Freigebigkeit des großen 
Wohltäters der hl. Stätten, des Herzogs Philipp des Guten von 
Burgund (1419 — 1467), ein geräumiges Hospiz entw^ickelte. 
Während Martoni 1394 noch in dem üblichen Chan, dem großen 
Warenviertel, einquartiert wurde ^), fand Markgraf Nikolaus von 
Este 1413 bereits Unterkunft im Pilgerheim der Franziskaner^), 
das nach Ghistele ^) nahe beim Westtor auf der rechten Seite 
der Straße lag. Freilich gab es, wie wir aus dem Berichte 
über die Reise des Markgrafen erfahren, im Anfang noch allerlei 
Schwierigkeiten mit den Führern, die auf jede Weise den Pilgern 
die Reise verärgerten und alle Anlässe benützten, aus ihnen 
Geld herauszupressen. „In Rama angekommen," erzählt sein 
Begleiter, „gingen wir zur Herberge in ein Haus der Brüder 
des hl. Franziskus und blieben dort die ganze Nacht. Nach 
dem Brauche des Landes schliefen wir auf der Erde, die einen 
auf einem Teppich, andere auf Strohmatten. Doch kam gegen 
Morgen einer der Führer und hieß uns alle aus der Herberge 
ausziehen und in ein anderes Haus, das man Fondaco nannte, 
gehen; es sei nicht Sitte, daß die Pilger anderswo übernach- 
teten" ^). Die nächstfolgenden Pilger, wie Marian von Siena 



1) Kaufvertrag in Schublade 15 des Prokuraarchivs. 

2) S. 624 : „Ibi est fundicus domorum, ubi morantur peregrini, quando 
veniunt ad Sanctum Sepulchrum." 

3) Viaggio 118. Geisheim bemerkt also zu Unrecht in seiner Aus- 
gabe des von Lochner über die 1435 erfolgte Pilgerfahrt der Markgrafen 
Johann und Albrecht von Brandenburg verfaßten Berichtes, daß Lochner zum 
ersten Male das Hospiz erwähne; Geis heim 90. Es ist ungenau, wenn 
Lochner das Hospiz „der parfußen closter" nennt; a. a. 0. 218. Denselben 
Fehler begeht der Verfasser eines anonymen und undatierten Pilgerberichtes, 
den Conrady „in den fünfziger oder sechziger Jahren des XIV. Jahrhunderts" 
abgefaßt glaubt. Der Bericht sagt: „In Rama Fratres Minores habent con- 
ventum, qui quondam erat hospitale christianorum, sed modo destructum;'' 
Conrady 21. Aus dem Umstände, daß der Bericht das Haus zu Ramleh er- 
wähnt, ergibt sich, d^ß er um mehrere Jahrzehnte später anzusetzen ist. 

•*) Tvoyage 70. 

^) A. a. 0. S. 118. Dieser Fondaco' war das frühere Pilgerquartier 
im Chan. 



Neue Fortschritte und Prüfungen 93 

(1431) und Stephan Giimpenberg (1449) ^), lassen nicht erkennen, 
wo sie in Ramleh wohnten. Allmählich war aber der erste 
Widerstand der Eingeborenen überwunden, und das Hospiz der 
Brüder wurde von allen abendländischen Pilgern aufgesucht. 
Bischof Rochechouart fand das nach orientalischer Art gebaute 
Haus für seinen Zweck sehr geeignet ^). Es bot 500 Personen 
Unterkunft ^) und war von den Brüdern einem eingeborenen 
Christen übergeben ^), der für die Erhaltung Sorge tragen mußte. 
Die Brüder weilten nur bei der Ankunft der Pilgerschiffe in 
Ramleh. 

Vor allem ließ es sich aber P. Gerhard angelegen sein, 
die von seinen Vorgängern übernommenen Heiligtümer im Stande 
zu halten. Zu diesem Zwecke erwirkte er mit Unterstützung 
des Königs Johann I. von Aragonien^) von Sultan Barkuk die Voll- 
macht, das Kloster auf dem Sion zu restaurieren ^) und in der 
Grabeskirche Arbeiten vornehmen zu lassen "). Worin sie be- 



*) Ersterer sagt S. 18 nur: „Di subito fumo messi in un casale" ; Gum- 
penberg Bl. 237: „Allda ist ein Haus, da man die Pilger innen hält." 

-) Journal 238: „Missi fiiimus in hospitaie, quo;i eraerunt Fratres Mi- 
nores pro receptione peregrinorum. Et pro hac re domus hec aptissima; que 
constructa est more orientalium, videlicet quod non habet lateres nee cetera, 
more occidentalium, quoniam omnes domus carent tegulis." 

•^) Surian, Trattato 22: „In quella allogiano tucti li Christian! chatholici, 
e non altro, maxime peregrine; et e capace per allogiare Cinquecento persone; 
in quella non habitano fratri, se non al tempo delle galee delli peregrini." 

^) Fabri, Evagatorium II 212: „Fratres autem raontis Syon eam locant 
alicui Christiano orientali, qui ibi habitat." 

^) Vgl. den Brief desselben an den Sultan vom 17. April 1395 bei 
Civezza, Storia VI 348. Er sagt im Briefe: „Von unseren Pilgern, die von dort 
zurückgekehrt sind, hört man, daß einige Gebäude des Klosters auf dem Berge 
Sion und auch die Kirche von Bethlehem zusammenstürzen. Auch sagt man 
uns, daß seit langem Br. Polo aus Venedig, der in diesem Kloster weilt, mit 
den Almosen der Gläubigen, die diesen heiligen Ort besuchen, Kloster, Kirche 
und die anstossenden Gebäude herstellen möchte. Du aber und Deine Unter- 
gebenen ihm entgegentreten." Da das Kloster von seinen Vorfahren gekauft 
sei, bitte er, dem Br. Polo die notwendigen Arbeiten zur Wiederherstellung 
zu gestatten. Zum Schluß empfiehlt er ihm die Pilger. Da Königin Sanzia 
aus dem Hause Aragonien stammte, konnte der König sagen, das Kloster auf 
dem Sion sei von seinen Vorfahren gekauft. Vgl. auch S. Eijan, Espaiia en 
Tierra Santa, Barcelona 1910, 341. 

'') Vgl. oben S. 12 und Civezza a.a.O. 

^) Verniero, Chronica 141, Garcia, Derechos 49, DTS 111 180. — 
Vgl, auch Golubovich, Serie 18. 



94 V. P. Gerhard Calvetti. 

standen, wird nicht gesagt. Bei dieser Gelegenheit dürfte auf 
der Vorderwand der Grabeskapelle jenes Bild des heiligen Franzis- 
kus angebracht worden sein, das zum ersten Male um 1400 vom 
Archimandriten Grethenius erwähnt wird ^). Wir haben hierin 
das erste Zeichen eines großen Fortschrittes, der uns bald von 
andern Pilgern ausdrücklich verbürgt wird. So meldet 1418 
der Franzose de Caumont in seinem Reisebuch, daß die „Minder- 
brüder das Grab des Herrn behüten" ^), und 1427 sagt der 
Pilgertuhrer eines Franziskaners, daß diese „jetzt die Grabes- 
kapelle innehaben" ^). 

Wir scheiden von der Person des P. Gerhard mit dem Ein- 
druck, daß er ein Mann von großer Umsicht und Klugheit war"*); 
er und seine Brüder besaßen jene Opferliebe und Energie, die 
ihnen das Verbleiben an den heiligen Stätten unter allen Schwie- 
rigkeiten und Drangsalen ermöglichte und stets größere Fort- 
schritte eintrug. P. Gerhard dürfte sein Amt bis zur Ankunft 
des P. Nikolaus Cornarius von Kreta, dem der Doge An- 
tonius Veniero am 18. Juni 1400 den Geleitsbrief nach Jeru- 
salem ausstellte ^), verwaltet haben. , 

über diesen P. Nikolaus Cornarius schwebt wieder das 
gleiche Dunkel, das manche seiner Vorgänger und nächsten 
Nachfolger unsern Augen entzieht. Sein Name wird uns nur 



1) Khitrovo 171; vgl. oben S. 70 Anm. 1. Auch Marian von Siena 
erwähnt dasselbe irn Jahre 1431; er sagt S. 85: „Sopra del Sepulcro, cioe 
nella facciata, e depento Jesu, che esce dal monimento con giuderi intorno, e 
Santo Francesco in ginocchioni; el capo si ö a ponente cioe, volto el viso 
a levante." 

2) Voyage 54: „Les Freres Meneurs gardent le S6pulcre." 

•'') Der Libellus descriptionis sagt : „Hanc autera capellam antiquitus 
Reguläres Canonici custodiebant . . . Post Canonicos Reguläres habuerant 
eam Georgiani et eius claves tenebant ; modo autem tenent eara Fratres Mi- 
nores"; a. a. 0. 643. 

^) Der französische Reisende d'Anglure, der 1395 in Palästina war, 
nennt ihn „moultbonne et honeste personne"; Le Saint Voyage 14. 

^) Vgl. La Palestina e le rimanenti Missloni Francescane I, Rom 1890, 
S. 112. Es heißt daselbst, daß P. Nikolaus sich nach Jerusalem begebe 
„praelationis officium secuturus". Da er daselbst .,fr. Nicolaus Cornario de 
Candia, civis noster" genannt wird, vermutet der Herausgeber des Bul- 
larium Terrae Sanctae (D T S 11 83 und 163 Anm. 3), daß es derselbe fr. 
Nikolaus von Venedig sei, der vor P. Gerhar I Guardian des Sionklosters war. 



Neue Fortschritte und Prüfungen 95 

in einem Kaufverträge vom 7. September 1402 genannt ^), und 
für zwei seiner Nachfolger — einen andern P. Nikolaus und 
P. Jakobus — steht uns ebenfalls nui ein ähnliches Dokument 
zur Verfügung ^). 

Um diese Zeit wollte man die Restauration der Kirche zu 
Bethlehem in Angriff nehmen, wie verschiedene von den Behör- 
den im Jahre 1411 ausgestellte Vollmachten sagen ^). Wir er- 
sehen aus den eingeforderten Gutachten, daß man sogar einen 
Zusammensturz der Kirche fürchtete, da das Dach schwer ge- 
litten hatte und Stücke Holz und Blei abgefallen waren. Weil 
die Kirche auch von Sarazenen besucht wurde, erteilten die 
Behörden die Erlaubnis. Niemand dürfe, heißt es in derselben, 
den Obern bei der Arbeit hindern; er könne von Gaza oder 
Jaffa das notwendige Material kommen lassen. Ob nun wirk- 
lich etwas geschehen konnte oder die Erlaubnis ein toter Buch- 
stabe blieb, wie so manche andere Male, wissen wir nicht. Nach 
den bald wieder ertönenden Klagen sind die Arbeiten kaum 
oder nur sehr mangelhaft ausgeführt worden. 

In die Zeit des genannten P. Jakobus fällt der Prozeß, 
den der Patriarch Johannes von Grado 1421 auf Anordnung 
Martins V. über die Rechte der Franziskaner auf die heiligen 
Stätten Palästinas zu Mantua führte. Was den Prozeß veran- 
laßte, ist nicht bekannt. Ob er von den Brüdern beantragt 
wurde, um ihre Rechte für die Zukunft sicher zu stellen, oder 
ob tatsächlich Angriffe und Ansprüche, besonders auf die an 
den heiligen Stätten geopferten Gaben, von anderer Seite er- 
hoben waren? Die Akten des Prozesses*) und die päpstlichen 
Schreiben^) sagen nichts, was diese Fragen lösen könnte. 



1) Golubovich, Serie 20. 

2) P. Nikolaus (Nicolo di Pietro) wird in einem Vertrag vom 14. Mai 
1410 und P. Jakob (Giacomo di Andrea) am 3. Februar 1421 genannt; vgl. 
Golubovich, Serie 20. 

3) In Schublade 18, 32 und 3:$ des Prokuraarchives. 

*) Die Verhandlungen des Prozesses sind veröifentlicht in Diarium Terrae 
Sanctae III 10—24. 

5) Papst Martin V. sagt in seinem Breve „His quae pro ecclesiasticarum 
personarum" vom 14. Februar 1421 nur, daß er den Besitz der Brüder be- 
stätige, „ut illa pacifice possideant ac eorum possint pacifica possossione 
gaudere" ; Diarium a. a. 0. S. 35. 



96 V. P. Gerhard Calvetti. 

Unter den Schriftstellern, die des Prozesses Erwähnimg 
tun, steht Br. Christophorus von Varese den Ereignissen der 
Zeit nach am nächsten; er ist aber über die Veranlassung der 
Untersuchung nicht mehr unterrichtet, wie seine Worte bekun- 
den: „Vielleicht war von einigen Gegnern eine Streitfrage 
gegen die Brüder wegen der genannten Stätten angeregt wor- 
den" ')• Was er nur vermutete, nahmen 200 Jahre später P. 
Verniero^) und Wadding ^) ohne weiteres an und meinten, daß 
die Gegner der Franziskaner Ihren Besitz beanstandet hätten, 
sagen aber nicht, wer diese Gegner gewesen seien. Spätere 
wissen dies zu ergänzen ; so sagt Civezza ^), der Patriarch von 
Jerusalem, der Bischof von Bethlehem, die Augustiner-Chor- 
herrn und die Benediktiner hätten Ansprüche auf ihre frühern 
Besitzungen erhoben. Beweise oder Zeugnisse bringt er nicht; 
und die beiden Schriftsteller, auf die er verweist, Wadding 
und Calahorra ^), sagen nichts derartiges ; deshalb halten wir uns 
nicht für berechtigt, jene Anklage zu wiederholen und lassen 
mit Br. Christophorus die Frage offen. 

Am 9, Juli 1420 richtete Martin V. an den Patriarchen 
Johannes von Grado, Erzbischof Hugo von Nikosia und Erz- 
bischof Andreas von Rhodus ein Schreiben ^), in dem er sagt, 
daß er den Franziskanern in Anbetracht der guten Werke, die 
sie für den Glauben n Palästina vollbringen, eine Gunst erwei- 
sen wolle. Daher beauftrage er sie, den Brüdern den Besitz 
der heiligen Stätten zu bestätigen, wenn sie dieselben 50 Jahre 
lang inne gehabt hätten, und sie gegen jeden Widerspruch durch 
Androhung kirchlicher Zensuren zu schützen. Auch sollten 
dann die daselbst von den Gläubigen geopferten Gaben den 



1) Libellus de privilegiis Bl. 19 ^ : „Forte mota controversia ab aliquibus 
emulis contra fratres supra predictis locis." 

-) Chronik 280 : „Gli emoli per darci da meritare e tenerci esercitati 
mossero lite." 

^) Annales zum Jahre 1420, Nr. 6 : „Erant qiii hoc tempore conarenlur 
inperturbare pacificam possessionem sanctoriim locorum." 

*) Storia delle Mission! Francescane IV 356. Unter andern wiederholt 
dieses Razzoli 60. 

â– ') B. III K. 21. 

«) Breve „Ad assiduum Christi"; D T S II 166. BF VII Nr. 1458. 



Neue Fortschritte und Prüfungen 97 

Brüdern verbleiben nnd durch ihre Prokuratoren oder Kommis- 
sare verwaltet werden. 

In dem nun angestellten Prozesse wurden elf Zeugen ver- 
nommen, von denen zwei „vor ungefähr 60 Jahren" in Palä- 
stina geweilt hatten 0- Der Doge Thomas Mocenigo sagte aus, 
er sei 1391 in Palästina gewesen, habe das Kloster der Brüder 
auf dem Sion und zu Bethlehem gesehen, sowie dem von ihnen 
gefeierten Gottesdienste und Offizium auf dem Sion, zu Beth- 
lehem, am Heiligen Grabe, auf dem Kalvarienberge und am 
Grabe der Gottesmutter im Tale Josaphat beigewohnt-}. Das- 
selbe bezeugen die beiden folgenden Zeugen Leonhard Moce- 
nigo und Jakob Trevisan, die 1387 nach Jerusalem gepilgert 
waren, während die acht übrigen nichts über den Gottesdienst 
auf dem Kalvarienberge aussagen. Das Zeugnis jener drei Män- 
ner gibt uns die älteste Nachricht über gottesdienstliche Hand- 
lungen der Brüder an dieser heiligen Stätte und stimmt sowohl 
mit dem Ferman des Sultans Barsabai vom Jahre 1427, aus 
dem wir erfahren, daß die Franziskaner „seit vielen Jahren" 
auf dem südlichen Teile des Kalvarienberges und im Heiligen 
Grabe zelebrierten ^), wie mit den Berichten der nächstfolgenden 
Pilger ^). 

Am 7. Januar 1421 fällte Patriarch Johannes kraft päpst- 
licher Vollmacht das Urteil, das die Franziskaner im Besitze 
der heiligen Stätten bestätigte, und überwies ihnen die daselbst 
von den Pilgern geopferten Almosen. Papst Martin V. appro- 
bierte dasselbe am 14. Februar 1421 ^). 

Das folgende Jahr brachte den Brüdern wieder Verfolgung 
und Trübsale; sie mußten dafür büßen, daß katalonische Schiffe 
Sarazenen überfallen hatten. Wie uns Karl Federighi und 
Felix Brancacci berichten, die damals als Gesandte der Repu- 
blik Florenz zur Beratung eines Handelsvertrages am Hofe des 



1) Als Vertreter der Brüder waren „frater Andreas de Hungaria" und 
„frater Joannes de Biscaya" zugegen. 

-) In seiner Aussage heißt es auch (S. 13): „Vidit, quod dictus locus 
Sopulchri Domini regebatur et gubernabatur per dictos fratres Minores." Die 
gleichen Worte werden von den übrigen Zeugen gebraucht. 

•^) Vgl. Golubovich, Serie 170. ^) Ghinassi 125. 

^) Breve „His quae pro ecclesiasticarum" ; DTS III 25; BF VII Nr 1471. 
Franzisk. Studien, Beiheft 1: f.cmmens, Die Franziskaner auf dem Sion. 7 



98 V. P. Gerhai'd Caivetti. 

Sultans zu Kairo weilten, kamen „daselbst am 15. September (1422) 
etwa 19 Pilger, meist Italiener, an, die gelandet hatten, um 
sich zum Heiligen Grabe zu begeben, in Jerusalem aber ge- 
fangen genommen wurden. Auch die Brüder des Franziskaner- 
klosters am Hl. Grabe wurden mit Ausnahme der ganz Alten 
nach Kairo geführt... Der Sultan hatte befohlen, die Tore der 
Grabeskirche mit Steinen und Kalk zu vermauern ; dasselbe war 
für die Kirchen des Berges Sion und zu Bethlehem verfügt worden. 
Kein Christ sollte mehr eintreten dürfen, wenn ihm die Katalonier 
nicht seine Habe zurückgäben. Diese Pilger und besonders die 
Brüder, sowie die in Jerusalem angestellten Konsuln von Venedig 
und Genua besuchen uns und erbitten unsere Vermittlung. Wir 
haben aufrichtiges Mitleid mit ihnen, da wir ihre traurige Lage 
begreifen. Aber jene Herren wollen von nichts hören, wenn 
nicht zunächst Geschenke dargebracht werden, und sie verlan- 
gen diese mit solcher Unverschämtheit und solche Summen, 
daß es eine ganz unwürdige Sache ist" ^). 

Als die beiden Gesandten vom Sultan in Audienz emp- 
fangen wurden, erbaten sie nach Erledigung ihrer Angelegen- 
heit das Wort, um noch eine andere Sache zur Sprache zu 
bringen. Der Sultan verweigerte dies entschieden und sagte, sie 
möchten eine Verständigung mit den Kataloniern zu Wege 
bringen. Die Gesandten versuchten nun auf die Frage der 
hl. Stätten zu kommen, hatten aber kaum ein paar Worte ge- 
sagt, als der Sultan die Rede mit den Worten abschnitt, die 
andern Nationen sollten sich verdemütigen und einen Vergleich 
zwischen ihm und den Kataloniern herbeiführen ^). Darauf 



^) Diario di Feiice Brancacci, Ambasciatore con Carlo Federighi al 
Cairo per il Comune di Firenze. In Archivio Storico Italiano, VIII (1881). Vgl. 
Mission! Francescane II (1892) 107 und Civezza, Storia VI 351. 

"-) Die Katalonier brachten damals durch ihre Streifzüge in den klein- 
asiatischen Gewässern manches Unheil über die Christen des Orientes, be- 
sonders über die Franziskaner. Zweimal, 1418 und 1426, überfielen deshalb 
die Sultane das Königreich Zypern, zerstörten die Klöster zu Limasol und 
Nikosia und ermordeten die Brüder nebst vielen Christen. Auf der Rückkehr 
vom zweiten Zuge fiel den Sarazenen ein Schiff mit Pilgern und 25 Brüdern, 
die nach Jaffa segelten, in die Hände; alle wurden ermordet. W ad ding 
zum J. 1426 Nr. 9. 



Neue Fortschritte und Prüfungen 99 

wurden die Gesandten rückwärts gezogen, ohne ein Wort er- 
widern zu können. 

Es ist dies einer aus vielen Fällen, der, wir möchten sagen, 
durch Zufall der Nachwelt überliefert wurde; wie viele solcher 
Zwischenfälle über die Hüter der heiligen Stätten kamen, was 
für Quälereien und Forderungen die Brüder damals über sich 
ergehen lassen mußten, kann nur aus gelegentlichen Mitteilungen 
einigermaßen erraten werden. Mehreres erfahren wir hierüber 
auch aus dem Schutzbriefe, den Sultan Barsabai fünf Jahre später, 
am 24. November 1427, den Franziskanern ausstellte 0- Da der 
Sultan zu Anfang erklärt, daß die von ihm den Brüdern gege- 
benen Rechte bereits von seinen Vorgängern verliehen seien, 
müssen wir folgern, daß jene Willkürlichkeiten, denen der Fer- 
man entgegentritt, schon länger bei den Behörden beliebt waren, 
so daß wir ein Bild der Mühen und Opfer erhalten, die den 
Brüdern beschieden waren. Der Sultan bestimmt, daß die Brü- 
der nicht verpflichtet sind, die Reisekosten der Boten und Ge- 
sandten des Sultans zu bestreiten, noch für die Franken oder 
Christen, gegen die eine Untersuchung eingeleitet sei, zu zahlen 
oder einzutreten. Stirbt einer der Ordensleute, so verbleiben 
seine Sachen den Brüdern; diese haben das Recht, ihre Toten 
zu begraben. Niemand darf sie wegen Speise oder Trank be- 
lästigen noch hindern, Weintrauben zu kaufen; nur müssen die 
Brüder sorgen, daß die Muselmannen nicht bei ihnen Wein ge- 
nießen. Was zu ihrem Lebensunterhalte erfordert wird, können 
sie frei brauchen und von einem Kloster zum andern nach 
alter Sitte befördern, desgleichen mit und ohne Dragoman die 
notwendigen Reisen machen. Niemand kann sie zwingen, etwas 
auszuleihen oder ein Geschäft abzuschließen. Die Brüder dür- 
fen ohne Abgaben ins Heilige Grab eintreten, wenn es geöffnet 
wird; und der Obere kann daselbst zwei oder drei oder vier 
Brüder weilen lassen und wieder abrufen, wie er will. Sie kön- 
nen ihre Häuser und Terrassen bewerfen, um das Eindringen 
des Regens zu verhindern, und, wenn nötig, dieselben restau- 
rieren. Niemand darf von ihnen eine Steuer verlangen, sie in 



1) Mitgeteilt von Golubovicli, Serie 163 ff. 



100 V. P. Gerhard Calvetti. 

Ausübimg einer Kunst hindern oder sie zwingen, ihre Klöster 
und Kirchen zu öffnen, da dies ihrem freien Willen überlassen 
bleibt. Keine Behörde von Jerusalem darf sie belästigen und 
niemand sich der Ausübung ihrer Geschäfte in den Weg stel- 
len. Die aus ihren Ländern zugesandten Almosen dürfen nicht 
von den Wachen, in den Häfen, auf den Wegen oder irgend- 
wie behindert werden. Sie sind frei bei allen ihren gewohnten 
Pilgergängen ; niemand darf sie am Eintritt in ein Heiligtum 
oder bei ihren Funktionen daselbst hindern. Die Brüder und 
alle, die zu ihnen kommen, dürfen an dem auf der südlichen 
Hälfte des Kalvarienberges stehenden Altar und im Innern des 
Heiligen Grabes nach dem seit vielen Jahren üblichen Brauche 
und nach dem Wortlaute der bereits gewährten Dekrete zele- 
brieren. Wird irgendeinem Muselmann zu Lande oder zu Was- 
ser ein Unrecht von einem Christen zugefügt, so sollen die 
Brüder nicht dafür verantv.'ortlich sein, da sie die Welt verlas- 
sen und sich dem Dienste ihres Herrn geweiht haben. 

Zum Schluß wendet sich der Sultan an die Behörden und 
Gerichte, denen er empfiehlt, die treue Ausführung dieser Be- 
stimmungen zu überwachen. Kein Bruder dürfe gehindert wer- 
den, vor der Behörde zu erscheinen und Klage zu erheben. 
Der Befehlshaber von Ramleh soll die Wachen zu Ramleh und 
Jaffa anweisen, die Brüder in der gewohnten Weise und ohne 
jede Störung ihres Amtes walten zu lassen. 

Es wird in dem Schutzbrief so ziemlich alles erwähnt und 
alles verboten, was die Sarazenen zum Schaden und Spott der 
Brüder ersinnen konnten. Man gewinnt den Eindruck, daß die 
Franziskaner vogelfrei und den Einfällen der Leute, besonders 
aber der Behörden, ausgesetzt und preisgegeben waren. Leider 
mußten die Brüder immer wieder aufs neue erfahren, daß auch 
die bestgemeinten Schutzbriefe und Erlasse der höchsten In- 
stanzen im Oriente nicht viel helfen; mochten sie auch noch 
so oft von den Sultanen erneuert und ins Gedächtnis der Be- 
hörden zurückgerufen werden, nach kurzer Zeit war wieder 
alles beim alten. Es war für unsere Brüder besonders verhäng- 
nisvoll, daß sich die Herrscher selbst nicht gleich blieben und 
immer von neuem den untergeordneten Beamten das Beispiel 



Neue Fortschritte und Prüfungen 101 

der Unterdrückung gaben. Die nächste Zeit sollte bereits einen 
neuen Gewaltakt des Sultans gegen die Franziskaner schauen. 
Unterdessen war nämlich von anderer Seite ein Kampf 
gegen die Rechte der Brüder eingeleitet worden, der für sie 
die schwersten Folgen haben und ihnen Reihe für Reihe alle 
Heiligtümer des Berges Sion entreißen sollte. Der Kampf galt 
dem Grabe Davids, das die Juden um diese Zeit in der Sions- 
kirche suchten, nachdem sie sowohl wie auch die Christen und 
Sarazenen wiederholt ihre Meinung über den Ort desselben ge- 
ändert hatten ^). Die älteste Tradition der Sarazenen sah das 
Grab Davids in der Gethsemanikirche ; so sagt im 10. Jahrhun- 
dert einer ihrer Schriftsteller: „Die Christen haben berühmte 
Kirchen in Jerusalem, u. a. die Gethsemanikirche, von der man 
sagt, daß darin das Grab Davids sei." Spätere suchten das 
Grab in Bethlehem oder auf dem Sion, nannten aber keinen 
bestimmten Ort des Berges und gaben die Nachricht nur mit 
Vorbehalt wieder. Albaschari z. B. zählt es unter den Gräbern 
auf, „die nicht sicher sind". Mehr Glauben mißt dieser Ansicht 
ein jüdischer Schriftsteller des elften Jahrhunderts bei, der „von 
zuverlässigen Leuten" gehört haben will, daß David auf dem 
Sion begraben sei. Auch er nennt indes keinen Ort, und ein 
späterer Schriftsteller der Juden, der aus Spanien in Jerusalem 
eingewanderte Isaak ihn Jusuf, bemerkt ausdrücklich: „Die Grä- 
ber des Hauses Davids, welche auf dem Sion waren, sind nicht 
mehr bekannt, weder bei den Christen noch bei den Juden." 
Nichtsdestoweniger setzte sich schon bald unter letzteren der 
Glaube fest, daß David in der Kirche der Brüder auf dem Sion, 
und zwar unter der Kapelle des Heiligen Geistes, begraben sei ^), 
weshalb sie alles aufboten, um in den Besitz der Stätte zu ge- 
langen. Mit schwerem Gelde bestachen sie die Beamten des 
Sultans und erwirkten, daß dieser Ort den Franziskanern ent- 
rissen und ihnen der Gottesdienst daselbst verboten wurde. 



1) Die Zeugnisse der arabischen Schriftsteller sind (nach Kanonikus 
Martha) zusammengestellt bei Fr. Dunkel, Die Gräber der Könige David 
und Salomon nach Zeugnissen arabischer Schriftsteller. In: Das heilige Land, 
1911, 23— :50. 

••^) Surian IIU lä'it mit andern das Gerücht von den Juden ausgehen. 



102 "^'- ^- Johann Belloro 

Nur mit großer Mühe und großen Summen erreichten die an 
den Hof des Sultans entsandten Brüder, daß die Verfügung zu- 
rüclcgenommen und die Stätte wieder den Franziskanern ein- 
geräumt wurde. 

Da die Juden diesen Kampf heraufbeschworen hatten und 
so die Ursache der großen Geldopfer waren, welche die Chri- 
sten bringen mußten, ließ sie Martin V. zur Bestreitung dersel- 
ben heranziehen und legte den im Kirchenstaate weilenden Juden 
eine große Steuer auf. Sein Beispiel fand Nachahmung in der 
Republik Venedig und im Königreich Neapel, in dem Königin 
Johanna am 18. Oktober 1429 verordnete, daß jeder Jude, wel- 
chen Alters oder Geschlechtes er sein mochte, für das Kloster 
auf dem Sion und die heiligen Stätten ein Drittel eines Gold- 
dukaten zahlen müsse ^). 

An der Spitze der Mission stand in diesen Jahren der tat- 
kräftige P. Johannes Belloro ■^) der auch jenen Schiitzbrief vom 
Sultan 1427 erwirkt hatte. An ihn richtete Martin V. am 13. April 
1429 ein Schreiben, das eine weitere Schwierigkeit zeigt, die 
auf den Brüdern in Palästina lastete ^). Wir hören, sagt der 
Papst, daß einige Christen, die im Glauben Christi weniger 
unterrichtet oder beständig und auch durch ihr Alter oder Ge- 
schlecht gebrechlicher sind, zu Jerusalem oder an den umlie- 
genden Orten, in denen wenige Christen wohnen, verweilen. 



1) Die Einzelheiten erfahren wir aus dem Schreiben der Königin Jo- 
hanna, in dem es lieißt: „Cum sanctissimus Dominus noster papa Martinus V. 
auditis vexationibus, laboribus et damnis, quibus guardianus et conventus 
monasterii fratrum Minorum montis Syon partium Terrae Sanctae noviter 
affecti fuerunt a Sarracenis, maligna et perfida instigatione Judaeorum ultra- 
marinorum morantium in pertinentiis dictae Terrae Sanctae, qui per admiratos 
et officiales soldani ab eis pecunia corruptos fecerunt subtrahi a dicto mona- 
sterio capcllam David et aliorum regum et prophetarum et alia oratoria atque 
sacella devota et sancta turpiter ea inquinantes ipsaque cupientes a christiana 
religione sejuncta ad usum judaicae superstitionis convertere, fratribus dicti 
conventus sab poena prohibitis divinum in eis officium celebrare, sicut ipsi 
Fratres dudum facere consueverunt, propter quod pro ipsorum recuperatione 
locorum oportuit aliquos ex ipsis Frati'ibus ad Soldanum aecedere et subire 
graves expensas;" Wadding Vi 393. Vgl. Calahorra B. III K. 21. 

-) Vgl. Golubovich, Serie 21. 

y) Breve „Religionis zelus"; DTS III 107, BF VII Nr. 1857 (wo er 
„Bellotus" heißt). 



V. P. Johann Belloro 103 

Daselbst haben sie keine Oberen, denen sie unterstehen, die auf 
sie achten, im katholischen Glauben unterweisen, vor Irrtümern 
behüten, in dem Gesetze des Herrn unterrichten und bestärken, 
und niemand, der sie vor den Lastern behüte und warne. Statt 
dessen unterhalten sie Verkehr mit den Ungläubigen, die sich 
daselbst in großer Anzahl und Verschiedenheit finden, lernen 
ihre Irrtümer, vergessen die Gebote des Herrn, verlassen die 
Wahrheit des Glaubens und fallen in die Laster, Ketzerei und 
Gefahr ihres Seelenheiles. Von diesem verderblichen Gifte an- 
gesteckt geben sie Dir wie Deinen Vorgängern, den Brüdern 
auf dem Sion und den in geringer Zahl dort w^ohnenden Gläu- 
bigen gefährliche Beispiele, und bereiten Dir viele Sorgen und 
geistige wie zeitliche Ungelegenheiten. Da Du, wie uns mit- 
geteilt wurde, durch Deinen löblichen Wandel ein geeigneter 
Zeuge Christi geworden bist, so kannst Du ein nützlicher und 
fruchtreicher Wächter sein, weshalb wir Dir und Deinen Nach- 
folgern für die nächsten zehn Jahre die Vollmacht und den 
Auftrag geben, über alle Christen, die in jenen Gegenden wei- 
len, zu wachen, ihren Glauben, Wandel und Sitten zu prüfen 
und die, welche den Glauben und das christliche Leben ver- 
lassen, zu strafen und in die christlichen Länder zurückzusen- 
den. Hiermit wurde der Guardian des Sionklosters zum Inqui- 
sitor für Palästina bestellt und ihm eine wichtige Aufgabe an- 
vertraut 0. 

Das Lob, das hier Martin V. dem damaligen Obern der 
Franziskaner in Palästina spendete, und das ihm bewiesene Ver- 
trauen stehen im Gegensatz zu den Anklagen, die spätere Chro- 
nisten gegen ihn erheben. Verniero ^) schreibt 200 Jahre spä- 
ter, die religiöse Observanz habe in jener Zeit bei den Brüdern 
Palästinas darniedergelegen, weshalb Martin V. 1428 einen Ob- 
servanten von großer Tugend und heiligem Eifer, den ehrwür- 
digen Nikolaus von Osimo, als Reformator nach Jerusalem ent- 
sandt habe. Dieser habe aber beim Obern der heiligen Stätten 
solche Schwierigkeiten und Hindernisse gefunden, daß er un- 



1) Vgl. Fabri I 280: „Papa solet lYequenter Gardianum montis Syon 
instituere provisorcm totiiis Orientis ccciesiae latinae ibi degentis". 

'-) Verniero, Chronik 284; dasselbe bei Calahorra, B. IV K. 1. 



104 V. P. Johann Belloro 

verrichteter Dinge nacli Rom zurückgekelirt sei. Es ist liier 
dem Clironisten ein großes Verseilen unterlaufen; der ehrwür- 
dige P. Nikolaus wurde nicht 1428, sondern zehn Jahre später, 
unter Eugen IV., nach Jerusalem gesandt, trat aber aus ver- 
schiedenen Gründen die Verwaltung nicht an. Die Schwierig- 
keiten gingen aber weder von P. Johannes Belloro, noch von 
den Konventualen, die seit vier Jahren in der Kustodie durch 
die Observanten abgelöst waren, aus, sondern von den Freun- 
den des P. Nikolaus, die ihn nicht ziehen lassen wollten, und 
dem damals in Jerusalem schaltenden Prokurator der Brüder, 
einem Laien, der von dem neuen Obern für sein willkürliches 
und anmaßendes Gebaren fürchtete 0. 

Was von P. Belloro überliefert ist, sichert ihm eine ehren- 
volle Stelle unter den Kustoden; er hat in schweren Jahren 
sein "Amt treu unter vielen Opfern geführt, kein Recht der Brü- 
der preisgegeben und sich des Vertrauens des Heiligen Stuhles 
würdig erwiesen. 

In seine Fußstapfen trat sein Nachfolger, P. Ludwig von 
Bologna. Der ehrwürdige Albert von Sartheano spendet ihm 
in einem Briefe an Papst Eugen IV. hohe Lobsprüche; er habe 
treu, aufrichtig und unbescholten, ohne Falsch und Trug seines 
Amtes gewaltet und die heiligen Stätten behütet bis zur Ver- 
fügung des Papstes, die 1434 die Mission in Palästina den Obser- 
vanten übertrugt). Aus seiner Verwaltung ist wenig bekannt. 
Im November 1430 kaufte er ein Grundstück auf dem Sion^); 



1) Vgl. unten S. 107. 

2) Albert nennt ihn in seinem Briefe vom 1. März 1436 „rectus corde 
et in commisso fidelis, quo in integritate justae et amicae conversationis nemo 
est mihi notior et quod mihi magis in eo placet, qui sit ab assentationis peste 
et hypocriseos fictione remotior; hie cum per novam de locis sanctis provi- 
dentiae tuae provisionem officio curandae fratrum familiae Hierosolymis con- 
stitutae nuperrime cesserit, cui illum multos jam annos noster ordo praefecerat, 
nunc ad Sanctitatis tuae vestigia osculanda se confert"; Haroldus 267. Diese 
„provisio" Eugens IV. ist die Übertragung der Kustodie des Hl. Landes an 
die Observanten. Daraus ergibt sich sofort, daß P. Ludwig nicht Observant 
war, wie Verniero, Calahorra, Golubovich und andere annehmen. Der Irrtum 
beruht auf einer Verwechslung mit dem gleichnamigen Prediger aus der Ob- 
servantenfamilie, den das Generalkapitel derselben, das 1431 zu Bologna ge- 
halten wurde, dem Papste zur Verfügung stellte; vgl. AFH III 713. 

•*) Archiv der Prokura, Schublade 1. 



VI. Einführung der Observanz 105 

in seine Zeit fällt auch, was uns Surian von der Herriclitung 
eines Altars über dem Heiligen Grabe berichtet ^). 

P. Ludwig ist der letzte Obere aus der Familie der Kon- 
ventualen; mit seinem Nachfolger P. Jakob Dalfin beginnt die 
Reihe der Kustoden aus der Observantenfamilie. 



VI. Einführung der Observantenfamilie in Palästina. 
P. Gandolf von Sizilien. 

Das Werk des ehrwürdigen Bruders Paulutius von Trinci 
brachte im 16. Jahrhundert dem Orden des heiligen Franziskus 
und der ganzen Kirche kostbare Früchte. Paulutius hatte seit 
1368 mit seinen Gefährten die Jahrzehnte hindurch vernach- 
lässigten Einsiedeleien in den Tälern Umbriens wieder bevöl- 
kert, den Geist des hl. Franziskus, das Leben der Armut und 
des Gebetes, der Liebe zu Gott und den Seelen erneuert und 
die ersten Zeiten und Gesinnungen des Ordens wachgerufen. 
Wie die meisten seiner Gefährten war er nicht Priester, und 
die Arbeit unter den Menschen war nicht ihr Ziel. Aber Gott 
bediente sich ihrer und lenkte ihr Werk zu seinen heiligen Plä- 
nen ; ihre Einsiedeleien wurden Pflanzschulen einer auserlesenen 
Schar heiliger und großer Glaubensboten. Aus ihnen gingen 
Bernhardin von Siena, Johann von Kapistran, Jakob von der 
Mark und andere Helden hervor, die einen großen Teil des 
Franziskanerordens zur ersten Observanz zurückführten. Zahl- 
reiche Schüler sammelten sich um sie, die mit ihnen fast alle 
Länder Europas und des christlichen Orientes durchzogen, und 
allenthalben als Volksmissionare, als päpstliche Legaten und 
Boten, als Kreuzzugsprediger und Wohltäter der Armen außer- 
ordentliche Arbeiten verrichteten. 

Martin V. hatte bereits den Segen erkannt, den diese Ob- 
servantenschar der Familie des hl. Franziskus und der ganzen 
Kirche bringen könne, und ihr bei manchen Gelegenheiten sein 
Wohlwollen zugewandt. Sein Nachfolger Eugen IV. wurde ihr 



1) Trattato 31. 



106 VI. Einführung der Observanz 

Hauptgönner. Er gab ihr eigene Verwaltung, nahm sie gegen 
Widersacher und Neider in Schutz und breitete sie, wie der 
Zeitgenosse Bisticci sagt ^), in allen Ländern der Kirche aus, 
wo immer es ihm nur möglich war. Bei dieser Gesinnung des 
Papstes verstehen wir, daß ihm besonders erwünscht war, die 
Familie der Observanten an die hl. Stätten Palästinas zu ver- 
pflanzen und den Völkern des Orientes die Macht ihres Beispie- 
les und Wirkens zu erschließen. 

Schon das erste Mal, daß seit seiner Thronbesteigung die 
Wahl eines neuen Obern für Palästina in Frage kam, teilte 
Eugen IV. dem Ordensgeneral den Wunsch mit, man möchte 
einen Bruder aus der Observantenfamilie als Kustos nach Jeru- 
salem schicken. Und als dem Wunsche auf dem 1433 zu Bo- 
logna gehaltenen Generalkapitel nicht entsprochen war, ernannte 
der Papst selbst am 4. August 1434 einen Kustos; seine Wahl 
fiel auf den ihm bekannten P. Jakob Dal f in aus Venedig. „Aus 
guten Gründen," schreibt er dem General^), „befanden . wir es 
für gut, daß ein erprobter Ordensmann aus der Observanz als 
Guardian ins Heilige Land gesandt werde. Wir wundern uns 
daß Deine Einsicht dies unterließ. Daher haben wir dem vom 
Kapitel bestellten P. Scolarius, Magister der Hl. Schrift, den Rat 
gegeben, sein Amt in unsere Hände zu legen, und einen andern 
an seine Stelle gesetzt." 

Welches die „guten Gründe" waren, sagt der Papst nicht, 



1) Bisticci, Vitae virorum illustrium CHI, qui saeculo XV extiterunt, 
248: „In tutta la terra della Chlesa, dove egli pote, mise l'osservanza." 

-) Bei Wadding, Annales Minorum zum J. 1434: „Propter bonas et 
rationabiles causas visum est nobis, ut aliquis bonus religiosus ex Observantia 
mitteretur guardianus ad Terram Sanctam, quod miramur esse omissum a tua 
prudentia. Idcirco suasimus dilecto filio fratri Scolario, magistro in sacra 
pagina, qui fuerat deputatus per capitulum, ut rcnunciaret in manibus nostris, 
et nos alium feclmus guardlanura, videlicel fratrem Jacobum DeU'ino de Venetiis. 
Nc ergo ipse Scolarius, qui nobis vir bonus et prudens videtur, tanquam 
contemptus et abjectus remanere videatur, velis pro honore suo ac ctiam 
ordinis et etiam contemplatione nostri honorare ipsum aliquo officio, prout 
raeretur vita sua." Gleiches Lob hatte P. Scolarius von Martin V. erhalten, 
als dieser ihn 1421 zum Inquisitor für Siena ernannte; er nennt ihn „vir 
religiosus et doctus"; Wadding, Annales Minorum zum Jahre 1421. Der 
Wunsch des Papstes wurde erfüllt; 1438 sehen wir P. Scolarius an der Spitze 
der römischen Ordensprovinz; Wadding a. a. 0. zum Jahre 1438 Nr. 27. 



VI. Einführung der Observanz 107 

und besonders nicht, ob für Palästina eine spezielle Veranlas- 
sung vorlag; mit keinem Worte berechtigt er daher zur Annahme, 
daß die in den Klöstern der Mission eingerissenen Mißbräuche und 
Übelstände Anlaß zu dieser Maßregel gegeben hätten. Ebenso- 
wenig melden andere Zeitgenossen etwas, das die von spätem 
Chronisten gegen die Konventualen Palästinas erhobenen Vor- 
würfe rechtfertigte ^). In einigen Briefen des ehrwürdigen Albert 
von Sartheano werden zwar Klagen über Übelstände erhoben, 
die in Jerusalem beständen^); sie sprechen aber von einer spä- 
tem Zeit, und gelten den unter dem ersten Observantenkustos 
P. Jakob Dalfin herausgebildeten Verhältnissen, die nicht den 
Konventualen zur Last gelegt werden können. P. Albert sagt 
wiederholt, daß ein „unkluger Weise" von den Brüdern als 
Prokurator eingesetzter Weltmann die eigentliche Ursache und 
Seele der von ihm beklagten Mißstände sei^); dieser aus nie- 
drigen Verhältnissen hervorgegangene, ganz ungebildete Laie 
habe sich solche Bedeutung verschafft, daß jedermann ihn fürchte 
und alle Geschäfte in seiner Hand lägen. 

1) Verniero sagt in seiner Clironik S. 284, Martin V. sei gegen die 
Konventualen Palästinas „per la loro trascuraggine e tralassatione" erzürnt 
gewesen und habe deshalb Br. Ludwig von Bologna zum Guardian von Jeru- 
salem gemacht, der eine neue Familie der Observanten hingebracht und die 
Konventualen fortgeschickt habe. Diese hätten alles bei den Fürsten in Be- 
wegung gesetzt, um die Observanten ihrer Selbständigkeit zu berauben und 
dem Ordensgeneral zu unterwerfen, seien aber von P. Nikolaus von Osimo 
mit ihren Ansprüchen zurückgewiesen worden. Verniero wirft hier so vieles 
durcheinander, daß wir mit seiner Nachricht nichts anfangen können. Von 
Klagen über die Brüder Palästinas insbesondere scheint er nichts gewußt und 
die allgemeinen Vorwürfe auf sie übertragen zu haben. Auch die folgenden 
Chronisten des Ordens kommen über diese allgemeinen Anklagen nicht hinaus. 
Noch größer ist die Verwirrung bei den fremden Schreibern, von denen Fabri 
z. B. den Verfall der Ordenszucht in Palästina schon „anno Domini MCCC" 
ansetzt; Evagatorium II 321. 

-) So spricht er in einem Schreiben an Eugen IV. vom Jahre 1438 „de 
rcformandis sanctis locis"; Haroldus 303, und in einem Briefe an den Ordens- 
general von demselben Jahre heißt es: „ad prohibendam sanctorum locorum 
in moribus corruptis calamitatem"; ebd. 296. 

^) In einem nicht datierten Briefe an Kardinal Cesarini sagt er: „Caput 
totius causae in qua toties et tanto jani tempore sanctorum locorum reformatio 
agitatur, penes quendam insolentissimum residet, quem Procuratorem Terrae 
Sanctae . . . imprudentes ante aliquot annos instituerunt;" Haroldus 309; 
vgl. in demselben Schreiben 315. 



108 VI. Einführung der Observanz 

Surian erhob fünfzig Jahre später gegen die Konventualen, 
die er „unwürdig" der heiligen Stätten nennt, den Vorwurf 
„schlecliter Sorge" für die Kirche zu Bethlehem, deren Dach 
sie hätten verkommen lassen ^). Daß die genannte Kirche und 
nicht minder die Basilika des Heiligen Grabes sowie das Heilig- 
tum auf dem Sion zur Zeit der Einführung der Observanz tat- 
sächlich in traurigem Zustande waren, ist sicher. Eugen IV. 
sagt in einem Breve vom 2. März 1438, daß ihnen „ein jammer- 
voller Zusammensturz bevorstehe" -). Es ist aber zum minde- 
sten sehr gewagt, deshalb einen Vorwurf und eine Anklage 
gegen die Konventualen zu erheben, da man weiß, wie überaus 
schwer es war, von den mohammedanischen Behörden die Er- 
laubnis für die Wiederherstellung eines christlichen Heiligtums 
zu erhalten. Von der Kirche zu Bethlehem sagt Bischof 
Rochechouart 1461: „Die Sarazenen gestatten nicht, daß sie ge- 
baut oder restauriert werde. Es ist ein Wunder des in ihr ge- 
borenen Jesuskindleins, daß sie noch aufrecht steht." ^) Über- 
dies ist sicher, daß die Konventualen tatsächlich den Willen 
hatten und den Versuch machten, jene Kirche wieder herzu- 
stellen. Darüber lassen die verschiedenen von ihnen eingehol- 
ten Gutachten arabischer Beamten, die noch im Prokuraarchiv 
bewahrt werden, keinen Zweifel. Drei derselben sind aus dem 
Jahre HU"*); eines von ihnen sagt bereits, daß man den Ein- 
sturz der Basilika von Bethlehem befürchten müsse. 

Es ist möglich, daß die Brüder Palästinas den ersten Eifer 



1) Trattato 112 „come indegni de qiielli"; 122 „per la mala cura haviita 
in tempo de li Conventuali." Nach Surian wären Bitten von Fürsten für die 
Entfernung der Konventualen aus den heiligen Orten maßgebend gewesen; 
er scheint andere Nachrichten auf Palästina übertragen zu haben. 

-) „Miserabili ruinae subjacent" in Breve „Licet is"; DTS III 113. 

3) Journal 359: „Nee volunt permittere Sarraceni edificari sive restaurari. 
sed est miraculum parvuli in ea nati, ut superstes remaneat." Auch Fabri. 
Evagatorium I 477 sagt : „Soldanus multis annis Christianis indulgere noluit, 
ut illius ecclesiae sarta tecta repararent." 

^) Archiv der Prokura, Schublade 18, 32 und 33. — Nach griechischen 
Schriftstellern soll Alexis IV. Comnenus 1435 ein neues Gebälk für die Kirche 
zu Bethlehem haben herstellen lassen; vgl. P. Vincent 0. P., Bethleem 192. 
Dasselbe dürfte kaum angebracht worden sein, da bereits drei Jahre später 
Eugen IV. vom bevorstehenden Einstürze der Kirche spricht. 



VI. Einführung der Observanz 109 

verlassen und besonders in betreu der Armut einige Freiheiten 
angenommen hatten; aber die steten Gefahren und Opfer, die sie 
auf allen Seiten umgaben, dürften schon als Bürgschaft gelten, 
daß von einem eigentlichen Verfalle nicht die Rede sein kann. 

Wie über die Ursache, so wird auch nichts über die Art 
und Weise berichtet, in der die Einführung der Observanz 
erfolgte, ob sich dieselbe auf die Ernennung eines Observanten 
zum Obern der Mission beschränkte, oder ob alle Oberen und 
Brüder gewechselt und neue Bewohner aus den Observanten- 
klöstern Europas nach Palästina gesandt wurden '). Da sie 
ohne Aufsehen geschehen zu sein scheint und sich den Aufzeich- 
nungen der Chronisten entzogen hat, möchten wir annehmen, 
daß sie mit wenigen Umständen verbunden war und die An- 
kunft eines Obern aus der Familie der reformierten Franziska- 
ner genügte, um die an Opfer und Selbstüberwindung gewohn- 
ten Brüder Palästinas für die strengere Lebensform zu gewinnen. 

Leider war der vom Papste zum Obern erkorene P. Jako- 
bus der schwierigen Stelle und besonders den Ränken und An- 
maßungen jenes Verwalters nicht gewachsen ~). Letzterer scheint 
einen solchen Einfluß auf P. Jakobus gewonnen zu haben, daß 
er die Leitung der Geschäfte in die Hand bekam und der Kustos 
sein willfähriges Werkzeug wurde. Der ehrwürdige Albert von 
Sartheano, der die Verhältnisse aus eigener Anschauung kannte, 
erhebt 1438 wiederholt Klagen über die „ungeschickte" Ver- 
waltung des Kustos ^) und sorgte dafür, daß beim Ablauf seines 
Trienniums ein vorzüglicher Mann, der in vielen Ämtern und 



1) Nach Surian, Trattato 112 wären die Brüder nach Europa zurück- 
gesandt worden. 

^) Da Albert von Sartheano iiin im September 143") noch in Venedig 
traf, dürfte P. Dalfin vor Ende des Jahres kaum sein Amt angetreten haben ; 
vgl. Alberts Briefe vom 7. und 15. September bei Haroldus 2G3. — Aus 
seiner Amtszeit ist wenig überliefert. In einem Briefe vom 12. Juni 1437, in 
dem er den Brüdern Cosimo und Lorenzo Medici für die überschickten Almosen 
dankt, sagt er, sie seien „intricati in guerre e infinili peccati"; vgl. Mar- 
cellino da Civezza, Bibliografia Sanfrancescana Nr. 175. 

•■*) In einem Briefe an Eugen IV. sagt er: „Illum, qui huc usque sancta 
loca Hierosolymae regit, bene gubernandae Familiae servorum Dei . . . esse 
aut ignarum aut omnino nolontcm;" Haroldus 304. Ähnlich in einem Briefe 
an Bischof Christoph von Rimini; Haroldus 288. 



110 VI. P. Ganclolf von Sizilien 

Aufträgen erprobte P. Nikolaus von Osimo zum Obern der Mis- 
sion ernannt wurde ^). 

Die gute Absicht Alberts sclieiterte indes an den Intrigen 
und Hetzereien des Verwalters, der von einem frommen und 
tüchtigen Obern für seine angemaßten Rechte fürchtete und da- 
her alles gegen die Amtsübernahme des P. Nikolaus in Bewe- 
gung setzte. P. Jakob ließ sich auch jetzt noch von ihm miß- 
brauchen und durch die christlichen Kaufleute Syriens Schrei- 
ben aufsetzen, die seine weitere Verwaltung als Kustos beim 
Heiligen Stuhle erwirken sollten ^). Diese Umtriebe verleideten 
P. Nikolaus derart das Amt, daß er es in die Hände des Pap- 
stes niederlegte, ohne die Reise nach Jerusalem angetreten zu 
haben. Eugen IV. nahm die Abdankung an und ernannte am 
14. März 1439 P. Gandolf aus Sizilien zum Kustos ^), Sofort 
begannen dieselben Machenschaften des Verwalters gegen P. 
Gandolf, und beinahe wäre ihm, wie Albert von Sartheano 
schreibt, das Spiel aufs neue geglückt, da Eugen IV. bereits 
geneigt schien, nachzugeben und die Ernennung des P. Gandolf 
zurückzunehmen ^). Jetzt griff jedoch P. Albert, den Krankheit 
einige Zeit zur Ruhe gezwungen hatte ^), mit dem ihm eigenen 
Feuer ein. In einem langen und erregten Schreiben an Kar- 
dinal Cesarini, den das Konzil von Ferrara zum Beschützer der 
hl. Orte ernannt hatte, deckte er das ganze Spiel auf und schlug 
vor, der Sache auf den Grund zu gehen und durch die Absetzung 



1) In dem eben erwälinten Briefe an Bischof Christoph sagt Albert, daß 
die Wahl „nie authore" erfolgt sei; Haroldus 297. 

-) Im Briefe an Kardinal Cesarini sagt Albert : „Huius [des Verwalters! 
literis provocatus is, qui nunc Hierosolymae praesidet, ambit, suspirat, veretur, 
ne sibi vir probus quispiam subrogetur; quo metu territus redimit quotidie 
raercatorum Syriae tarn vllia quam emendicata suffragia, quae pro se ex 
Oriente ad pontificem maximum deferantur;" Haroldus 311. 

3) Vgl. Breve „Exigunt religionis zelus"; DTS III 114. 

*) In seinem Briefe an Kardinal Cesarini sagt Albert : „Hunc proba- 
tissimum virum, Gandulphum nostrum, quidam ut audio novis praestigiis ab 
officio depellere moliuntur, sicut et Nicolaum maximo cum dedecore hactenus 
abjicere studuerunt; quorum iniquis persuasionibus beatitudo domini nostri 
papae pene jam assensa videtur;" Haroldus 309. 

^) Vgl. seinen Brief an Kapistran; Haroldus 301. 



Vi. P. (Jancloir von Sizilien 111 

des Verwalters dauernde Abhilfe zu schaffen 0- Der Kardinal 
übergab die Angelegenheit Johann von Kapistran, der sich ge- 
rade auf Befehl seiner Oberen zu einer Orientreise rüstete. 
Kapistran übernahm den Auftrag, und seine kluge Energie stellte 
bald die Ordnung der Dinge wieder her. Der schuldige Proku- 
rator wurde abgesetzt und den Brüdern jeder Verkehr mit ihm 
untersagt. An seine Stelle setzte Kapistran einen veneziani- 
schen Kaufmann, namens Johann Martinus, den er während 
seiner Fahrt auf Zypern kennen gelernt hatte. Die Brüder, die 
sich in diese Maßregeln nicht schicken mochten, wurden nach 
Haroldus^) durch neue ersetzt. Von diesem Wechsel der Brü- 
der dürfte die Nachricht Surians gelten, daß die Sarazenen die 
neuen Brüder ungern gesehen und lange Zeit übel behandelt 
hätten ^), und es mag die Vermutung zutreffen, daß der abge- 
setzte Prokurator hierbei seine Hand im Spiele und gegen die 
neuen Ankömmlinge gehetzt hatte. 

Mit dieser durchgreifenden Änderung war für P. Gandolf 
eine erfolgreiche Tätigkeit möglich geworden. Seine Verwaltung 
fiel in eine günstige Zeit, in eine frucht- und ruhmvolle Periode 
der morgenländischen Kirchengeschichte. Mehr als je richteten 
sich die Augen des ganzen Abendlandes nach dem Osten Euro- 
pas, wo die Türken seit dem Regierungsantritte Murads II. 
(1421 — 1451) gewaltige Kämpfe gegen die christlichen Nachbarn 
im Norden und Süden unternahmen und Konstantinopel, den 
Rest des byzantinischen Kaisertums, bedrohten. Byzanz suchte 
Hilfe und Anschluß im Abendlande, und Eugen IV. schlug mit 
inniger Freude in die dargereichte Hand ein; er hoffte, so die 
getrennten Christen des Orientes mit dem Stuhle Petri zu ver- 
einigen wie die immer höher steigende Türkengefahr zu be- 
schwören. Boten eilten ins Morgenland, um jene Vereinigung 
vorzubereiten und seine Kirchenfürsten zu einem Konzile ein- 
zuladen. Mehrere von ihnen folgten dem Rufe und nahmen an 



1) Brief bei Haroldiis 308-315. Ebenda Alberts Brief an Papst 
Eugen IV., S. 303—300. 

2) A. a. O. 42. 

•^) Trattato 112: „Li quäl frati in quelli principii erano mal vediiti e 
tractati da quelii Saraceni." Das habe bis 1475 gedauert. 



112 VI. P. Gandolf von Sizilien 

dem im April 1438 zu Ferrara begonnenen Konzile teil. Nach 
mühsamen Arbeiten wurde die Union der griechischen Kirche 
mit Rom tatsächlich ausgesprochen und zu Florenz am 5. Juli 
1439 von den meisten Teilnehmern des Konzils unterschrieben. 

Eugen IV., der die Freudenbotschaft an die ganze Christen- 
heit sandte, machte auch P. Gandolf von dem glücklichen Er- 
folge Mitteilung 0- Es ist das erste Mal seit den Zeiten der 
Kreuzzüge, daß ein Papst die Brüder Jerusalems in dieser Weise 
auszeichnete. Die Hüter der heiligen Stätten, die lange nur 
für Werke der Frömmigkeit und Nächstenliebe, für die Heilig- 
tümer und Pilger gelebt hatten, traten wieder aus diesem stil- 
len Kreise heraus. In der Folge sandte sie die Kirche öfter 
als ihre Boten zu den verschiedenen Konfessionen des christ- 
lichen Morgenlandes. Auch brachten die politischen Beziehun- 
gen, die wieder nach lauger Unterbrechung zwischen den christ- 
lichen Mächten Europas und den Machthabern des Islams an- 
geknüpft wurden, mit sich, daß sich die Kalifen Ägyptens wie 
derholt der Brüder bedienten, um ihre Vorschläge oder Drohun- 
gen an die westlichen Höfe überbringen zu lassen. So brachte 
das Zeitalter der Observanz den Brüdern im Morgenlande ebenso 
wie in Europa ihre frühere Wirksamkeit und Bedeutung wieder. 

Dem ersten Erfolge des Papstes folgten bald andere nach. 
Wie Eugen IV. in seinem Schreiben an P. Gandolf meldete, 
wurden in Italien „tagtäglich die Armenier, das große ruhm- 
reiche Volk, erwartet. Sie sollen schon vor der Türe und be- 
reit sein, sich ganz der römischen Kirche und dem hl. Aposto- 
lischen Stuhle zu unterwerfen". Wirklich kam im November 
desselben Jahres 1439 eine Vereinigung der Armenier mit Rom 
zustande. Die andern Gruppen der morgenländischen Irrlehrer 
wurden nicht vergessen. Zu allen sandte der Papst seine Nun- 
tien und Prediger, meist Söhne der Observantenfamilie. Albert 
von Sartheano ging nach Ägypten und verhandelte mit den Kop- 
ten ^). Ihr Patriarch Johannes von Alexandrien nahm die Ein- 
ladung gütig auf und schickte 1441 Gesandte zum Konzil, die 



1) Breve „Gloria in altissimis Deo" vom 7. Juli 1439; DTS III 115. 
-) Vgl. den Brief des ehrw. Albert an Eugen IV. vom 1. Dezember 1440; 
Haroldus 327. 



VI. P. Gandolf von Sizilien 113 

am 31. August in Florenz eintrafen. Zwei Tage später folgten 
die Boten des äthiopischen Archimandriten Nikodemus aus Jeru- 
salem. Sie unterzeichneten am 2. Februar 1442 im Namen ihrer 
Landsleute das römische Glaubensbekenntnis. 

Über die Stellung des Herrschers von Äthiopien zur Unions- 
frage sind verschiedene Meinungen von den Geschichtsschreibern 
vertreten worden. Nach der einen hat der Kaiser die Wieder- 
vereinigung mit Rom gewünscht, was auch der Archimandrit 
Nikodemus bestätigte, der an Papst Eugen IV. schrieb: „Unser 
Herrscher verlangt sehr, daß sich alle zu einem Glauben ver- 
einigen" ^), während andere meinen, daß er sich zum wenigsten 
nicht direkt an den Unionsverhandlungen beteiligt habe ^). Auf 
jeden Fall hat er um diese Zeit der Mission des Heiligen Landes 
einen großen Dienst geleistet und in einer kritischen Stunde die 
ernste Gefahr beschworen, die den heiligen Stätten von selten 
des ägyptischen Herrschers wegen der Kreuzzugsrüstungen Eu- 
gens IV. drohte. 

Neben den Unionsbemühungen des Papstes liefen seine uner- 
müdlichen Arbeiten für einen neuen Kreuzzug, der sich haupt- 
sächlich gegen die Türken richten sollte, die im Südosten Euro- 
pas große Fortschritte machten, im Frühjahr 1441 bereits über 
die Balkanhalbinsel hinausdrangen und einen Teil von Ungarn 
besetzten. In ergreifenden Briefen schilderte der Papst den 
abendländischen Fürsten, die kaum den Ernst der Lage wür- 
digten, die ganz Europa und dem christlichen Glauben drohende 
Gefahr und forderte sie zur Hilfe des Morgenlandes auf. Kar- 
dinal Cesarini weilte als päpstlicher Legat in Ungarn, um da- 
selbst den Kreuzzug vorzubereiten, und Prediger eilten im Auf- 
trage des Papstes zu den christlichen Völkern, sie noch einmal 
unter der Fahne des Kreuzes gegen den Halbmond zu scharen. 
Diese Arbeiten blieben natürlich dem ägyptischen Herrscher 



1) „Haec vero res cum ad regem nostrum pervenerit, maximo illi lae- 
titiae fiitura est. Nam idem admodum ciipit, iit omncs in iinam fidem pariter 
iiiiiantur;" vgl. Labbe, Sacrosancta concilia XIII 1215. 

'-) Z. B. A. Pichler, Geschichte der kirchlichen Trennung zwischen 
dem Orient und Occident II 505, und A. Dillmann, t'ber die Regierung, ins- 
besondere die Kirchenordnung des Königs Zar a Jakob, Berlin 18S4, S. (iil— 70. 
F"ranzisk. Studien, Beiheft 1: Lern mens, Die Franziskaner auf dem Si(in. 8 



114 VI. P. Gandolf von Sizilien 

nicht verborgen, und fanden an seinem zunächst nicht bedroh- 
ten Hofe den gleichen Widerhall, den ähnliche Versuche und 
Rüstungen in frühem Jahrzehnten gefunden hatten. Der Zorn 
des Kalifen richtete sich gegen die in seinem Reiche weilenden 
Christen; Sultan Djakmak (1438 — 1453), der „streng an dem 
Buchstaben des Gesetzes hielt ^)" und kein Freund der Christen 
war, erließ den Befehl, man solle die christlichen Gotteshäuser 
allenthalben zerstören und die Pilger gefangen nach Kairo 
bringen ^). 

Besonders mußten unsere Brüder, die noch kurz vorher, 
im Jahre 1441, einen Schutzbrief vom Sultan und die Bestäti- 
gung der von den frühern Kalifen verliehenen Rechte und Pri- 
vilegien erhalten hatten ^), die Wut der Sarazenen verkosten ^). 
Eugen IV. schildert in einer Bulle vom 11. Juni 1444 der ganzen 
Christenheit die Bedrängnisse der Brüder und die Schand- 
taten, zu denen sich die Mohammedaner erniedrigten ^). „Jener 
grausame Herrscher von Kairo", sagt er, „wütet in außerge- 
wöhnlicher Weise gegen die heilige Stadt Jerusalem und ihre 



1) Weil II 245. 

2) Vgl. den Bericht eines ungenannten Pilgers, herausgegeben von ßir- 
linger in Herrigs Archiv XL 318. 

3) Vgl. Calahorra B. IV K. 10. 

â– *) Die Zeit der Verfolgung wird verschieden angegeben. Der Verfasser 
der Gesta Dei per Fratres Minores (in : Le Missioni Francescane II, Jahrg. 
1892, 201), Patrem, Tableau 17, und andere lassen dieselbe 1441 beginnen. 
Aus dem Schreiben des Guardians Gandolf an Papst Eugen IV. vom 1. Februar 
1444 erfahren wir, daß sie besonders 1443 wütete. Er sagt daselbst, der 
König von Abessinien habe an den Sultan eine Gesandtschaft geschickt „pro 
ecclesiarura anno proxirae elapso in Aegypto et Terra Sancta tempore illius 
persecutionis validae destructarum reaedificatione" ; vgl. den Bericht bei Wad- 
ding, Annales Minorum zum Jahre 1444 Nr. 53, und Civezza, Storia IV 607. 

•'") „Immanis ille soldanus Babyloniae in sanctam Jerosohinam sanctissi- 
maque illius loca solito magis saeviens proximis temporibus post afflictos 
verberatosque religiosos et alios ibidem habitantes christianos, post factas ab 
eis pecuniarum et aharum rerum extorsiones in tantam prorupit scelerum 
suorum aestuationem, ut sanctae crucis sanctique domini sepulchri imaginibus 
ornamentisque depositis atque confractis loca ipsa sterquilinio omnique im- 
munditia fecerit inquinari; et quo nuUum potest esse foetidius sterquilinium 
omnesque flagitiorum spurcitiarumque actus, quibus infelices cinaedi, sodo- 
morum iniitatores, inquinari eonsueverunt, illis in ipsis sacratissimis locis ad 
fidei christianac igiiominiam fecerit exerceri"; Quaresmius, Elucidatio I 320. 



VI. P. Gandolf von Sizilien 115 

SO ehrwürdigen Orte. Er hat neulich die Ordensleiite und die 
daselbst wohnenden Christen mißhandeln und schlagen lassen, 
ihr Geld und anderes erpreßt. Man hat eine solche Höhe der 
Laster erreicht, daß das heilige Kreuz, die heiligen Bilder und 
die Schmucksachen des Heiligen Grabes unsers Herrn herabge- 
worfen und zerbrochen, die heiligen Stätten aber mit Kot und 
jeder Art von Unrat angefüllt und alle jene gemeinen Schand- 
taten, mit denen sich diese unglücklichen Nachkommen der 
Sodomiten zu beschmutzen pflegen, zur Schmach des christlichen 
Glaubens an den allerheiligsten Orten verübt wurden." 

Als die Kunde von diesen Greueln an den Hof des äthiopi- 
schen Herrschers kam, nahm er die Sache der heiligen Orte 
und der gesamten Christenheit alsbald in die Hand und sandte 
1443 eine Gesandtschaft nach Kairo, die dem Sultan voll kühnen 
Mutes entgegentrat ^). Wir hören, sagte der königliche Bote 
zum Sultan, daß du die christlichen Kirchen in deinem Reiche 
zerstörest und die Christen schwer bedrängst. Da nach dem 
Gesetze deines Propheten Böses mit Bösem vergolten wird, könnte 
ich dir deine Taten mit gleichem bezahlen. Mein Herr Jesus 
Christus befiehlt jedoch, Böses mit Gutem zu vergelten und nicht 
zu strafen, bevor eine Ermahnung gegeben wurde. Daher er- 
achte ich es für meine Pflicht, dich zunächst zu warnen . . . 
Ich bitte dich, befreie die armen Christen von den Drangsalen 
und behandle sie in Zukunft mit Liebe und Menschlichkeit. 
Gestatte auch, oder befiehl, daß die christlichen Kirchen wieder 
aufgebaut werden. Wenn du diese Bitte erfüllst, so werde ich 
die Moscheen in meinem Reiche stehen lassen und die mir 
unterworfenen Sarazenen wie bisher mit Güte behandeln. Er- 
füllst du aber meine Bitte nicht, so werde ich mein Verhalten 
ändern und gewaltige Massen streitbarer und kampfgewohnter 
Leute gegen dich senden. Die vielen in meinem Lande woh- 
nenden Sarazenen werden in ihrem Blute ertränkt und alle 
Moscheen dem Erdboden gleich gemacht werden. Von deinem 



1) P. Gandolf sandte durch seinen Landsmann Seraphin einen ausführ- 
lichen Bericht über diese Gesandtschaft, die sich von Kairo nach Jerusalem 
und Rethiohem begab und in Palästina mit großen Ehren aufgenommen wurde, 
an Eugen IV.; vgl. oben S. 114 Anm. 4. 

8* 



116 Vi. P. Gaadolf von Sizilien 

Reiche aber werde ich den Nil ableiten lassen, so daß du mit 
deinem Volk vor Hunger und Durst zugrunde gehst. Wähle, 
was dir am besten geiallt. Diese kühnen Worte machten auf 
den Sultan und seinen Hof Eindruck; am meisten dürfte die 
letzte Drohung geängstigt haben, da diese Angst, wie Jakob 
von Verona i^md andere Pilger berichten, schon lange auf 
den ägyptischen Herrschern und ihrem Volke lastete. Nachdem 
die äthiopische Gesandtschaft den Hof des Kalifen verlassen 
hatte, gab dieser Befehl, alle Christen gut und freundlich zu 
behandeln und jede Verfolgung derselben zu unterlassen ^). 
So war wieder ein Sturm vorübergegangen und die Lage der 
Brüder erträglicher geworden. 

Leider ist uns nur wenig von den Arbeiten und der Ver- 
waltung des P. Gandolf überliefert. Daß er ein hervorragender 
Mann war, verbürgt uns das Vertrauen, das ihm die höchsten 
Obern entgegenbrachten, und die Vollmachten, die sie ihm über- 
trugen. Papst Eugen IV. ernannte ihn am 1. November 1444 
zu seinem Kommissar für „Indien, Äthiopien, Ägypten und Jeru- 
salem"; „wir wissen aus eigener Erfahrung," sagte der Papst ^), 
„daß sich deine Person in großen und schweren Geschäften 
als mächtig in Wort und Tat bewährt hat." Ein Jahr früher, 
am 13. Juli 1443, hatte ihm Johann von Kapistran eine Abschrift 
des Dekretes geschickt, durch das er selbst vom Ordensgeneral 



1) Vgl. oben S. 35. Auch Surian, Trattato 77 Anm. 2, erwähnt diese 
Gefahr; er nennt den äthiopischen Herrscher „prete Jane". Wie Zarncke 
zeigt, hieß seit Otto von Freising jeder morgenländische Herrscher, der den 
Mohammedanern entgegentrat, „Presbyter Johannes". Im 14. Jahrhundert 
wanderte die Legende von Asien nach Afrika. Vgl. Zarncke in Abhandlungen 
der k. sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften, Bd. XVII Nr. VIII und 
Bd. XIX Nr. I. 

2) In dem genannten Berichte des P. Gandolf an Eugen lY. heißt es : 
„Fuitque post eins digressum a praesentia soldani datum generale praeconium, 
quod omnes Christian! bene et humane tractarentur a Sarracensis, prout antea 
solebant tractari, et nemo eos auderet persequi aut molestare." Dies zeigt, 
daß Guarmani, Gl' Italiani in Terra Santa, Bologna 1872, 233, es sehr 
voreilig als Einbildung der Chronisten hinstellt, daß die Drohung des Gesandten 
auf den Kalifen Eindruck gemacht habe. 

^) Bulle „Dum onus"; DTS III 117. Der Papst sagt: „Ad personam 
tuam, quae quidem potens opere et sermone in magnis et arduis nobis fami- 
llari experientia comprobata est." 



VU. Bauten und Restaurationeu. Herzog Philipp. 117 

Antonius zum Generalvikar der italienischen Observanten mit 
weitgehenden Rechten ernannt worden war. Kapistran schrieb 
mit eigener Hand auf das Dekret: „Alle diese Vollmachten gebe 
und verleihe ich Bruder Johann von Kapistran dem Bruder Gan- 
dolf, Guardian des Klosters auf dem heiligen Berge Sion" '). 

Auch Sultan Djakmak bediente sich seiner und erteilte ihm 
einen wichtigen Auftrag, wie wir aus einem Briefe des Papstes 
an den Sultan erfahren. Letzterer berief ihn nach Kairo und 
trug ihm auf, beim Papst zu erwirken, daß dieser den König 
von Kastilien für einen Frieden mit dem Könige von Granada ge- 
winne. Über diese Bemühungen des P. Gandolf erfahren wir eini- 
ges aus dem Schreiben des Papstes^), der dem Sultan mitteilte, 
der Friede sei bereits hergestellt, so daß für diesesmal seine Ver- 
mittlung nicht mehr nötig sei. Er wolle aber seine guten Dienste 
für den Fall eines neuen Krieges nicht versagen. Wäre der 
Glaube, der schon in manchen Punkten übereinstimme, der 
gleiche, so würde aller Streit und alle Zwietracht schwinden. 
Man möge daher über eine Vereinigung im Glauben verhandeln ; 
der Sultan könne zu diesem Zwecke Boten nach Rom senden, 
oder wenn es dem Sultan so besser gefalle, wolle der Papst Leute 
zu ihm schicken, die über diese Vereinigung beraten sollten. Zum 
Schluß empfahl ihm der Papst die Brüder des Sionklosters 
und der andern Niederlassungen nebst den christlichen Pilgern. 



VII. Bauten und Restaurationen. Herzog Philipp. 
Neue Leiden. Eine Zeit der Ruhe. 

P. Gandolf hatte einen würdigen Nachfolger in dem aus der 
Mark Ankona stammenden P. Balthasar von St. Maria, der 
so vorzüglich seines Amtes waltete, daß er auf Wunsch der 
höchsten Herrn zweimal in demselben bestätigt wurde und von 
1446 bis 1455 die Kustodie regierte. Ihm war es endlich ver- 
gönnt, die schon lange notwendigen und geplanten Restaura- 
tionen der verschiedenen den Brüdern anvertrauten Heiligtümer 



') Das Original befindet sich im Archiv der Kustodie zu Jerusalem; 
vgl. DTS III 118. •-) Haroldus 346. 



llg VII. Bauten und Restaurationen. Herzog Pliilipp. 

in Angriff zu nehmen ^). Unter den von arabischen Rechtsge- 
gelehrten für diese Arbeiten ausgestellten Gutachten und den 
von den sara,zenischen Behörden erteilten Vollmachten sind 
einige an ihn gerichtet"), während andere ohne Datum und 
Aufschrift sind. Ihre große Zahl läßt erraten, wie schv.-er die 
Erlaubnis zu diesen Arbeiten erteilt wurde, wie viele Bitten 
und Geschenke notwendig waren, ehe man Hand ans Werk 
legen konnte. Und dabei handelte es sich nur um Restaurationen, 
nicht um neue Bauten, die von vornherein ausgeschlossen waren. 
Denn immer kehrt in den Vollmachten der Zusatz wieder, es 
dürfe nichts Neues gebaut werden; das Gebäude sei in seiner 
alten Form zu erhalten und nur das Schadhafte zu ergänzen. 
Nach dem Karthäuser Georg glaubten die Sarazenen, der christ- 
liche Glaube werde mit dem Untergang seiner Heiligtümer selbst 
verschwinden ^). 

Am meisten scheint die Kirche von Bethlehem gelitten zu 
haben. Da durch das schadhafte Dacli der Regen eingedrungen 
war, waren die Balken des Dachstuhls derart angefault und 
geschwächt, daß ein Gutachten die Befürchtung aussprach, die 
ganze Decke werde abstürzen und die Geburtsgrotte selbst in 
Gefahr bringen ^). Die von den Behörden befragten Gelehrten 
des Islams gaben ein günstiges Urteil. Weil der daselbst ge- 
borene Sohn Mariens ein großer Prophet sei, verdiene seine 
Geburtsstätte Verehrung; der Kalif Omar habe die Basilika 
den Christen gelassen; auch die Muselmannen hätten daselbst 
ihre Gebetsnische, und gelehrte wie einfache Moslems gingen 
dahin, ihr Gebet zu verrichten. So wurde das erste Hindernis 
der Restauration aus dem Wege geräumt. Leichter wurde die 
zweite Frage gelöst, wie die Mittel für die kostspieligen Ar- 
beiten zu beschaffen seien, besonders dank der fürstlichen Frei- 



1) Am 11. Mai 1455 erlaubte Papst Kalixt lil. den IJrüdern, eine Nieder- 
lasssung auf dem Sinai zu gründen; DTS IV 154 und V 11 Anm. Die Nieder- 
lassung kam nicht zustande. 

-) In Schublade 26 des Archivs der Prokura. 

^) Pez 530: „Saraceni nee uovi aliquid exstruere nee collapsa patiuntur 
restaurare, volentes et putantes, quod deficientibus locis illis sanctisque in- 
signiis, simul etiara christiana fides intereat." 

*) In Schublade 18 des genannten Archivs. 



Neue Leiden. Eine Zeit der Ruhe 119 

gebigkeit eines der größten Wohltäter der hl. Stätten, des Her- 
zogs Philipp von Burgund (1419 — 1467). Aus dem von Papst 
Nikolaus V. am 27. August 1448 an den Herzog gerichteten 
Breve erfahren wir, daß dieser seinen Baumeister Peter von 
Vandrey nebst Arbeitern und Material für die Arbeiten an der 
Kirche der Geburt Christi zur Verfügung stellte. Außerdem 
verfügte Papst Nikolaus V. am 18. April 1452, daß einige Ein- 
künfte, die das Heiligtum von Bethlehem in Spanien hatte, für 
die Wiederherstellung desselben verwendet würden "). Da der 
Papst in diesem Breve wiederholt, daß die Kirche „den vollen 
Zusammensturz drohe" ^), scheinen die Arbeiten an derselben 
1452 noch nicht Weit gediehen zu sein. Und viel weiter sollten 
sie überhaupt nicht kommen. Schon nach wenigen Monaten 
ließ Sultan Djakmak „alle neuen Arbeiten, die man in Beth- 
lehem vollbracht hatte, zerstören", wie der arabische Chronist 
Moudjir-ed-dyn berichtet*). Da er einen Grund nicht angibt, 
sind wir auf Vermutungen beschränkt. Vielleicht war es den 
beiden damals zum Islam übergetretenen Brüdern Valerius 
und Antonius, die nach Guglingen alles versuchten, den Brüdern 
zu schaden ^), gelungen, den einOußreichen Scheich Mohammed- 
el-Mochner aufzustacheln, der nach dem genannten Chronisten 
die Befehle des Kalifen erwirkt hatte; oder es trifft die Annahme 
zu, daß die hl. Stätten und die Franziskaner wieder einmal für 
die Vorbereitungen des Kreuzzuges und die Fortschritte der 
christlichen Waffen büßen mußten. So waren denn die Pläne 
und kostspieligen Vorbereitungen für die Erneuerung des Heilig- 



1) Breve „Sincerae devotionis" ; DTS IV 85. 

•-) Breve „Romanus pontifex" ; DTS IV 88. 

^) „Totalem minatur ruinam." 

•*) Sauvaire 255 (zum Jahre 850 der sarazenischen Zeitrechnung): 
„En cette meme annee, on sevit contre les chretlens . . . on demolit les con- 
striictions nouvelles, qui avaient ete elevees ä Bethlehem." 

5) Guglingen 128: „Sub anno domini 1449 . . . duo fratres nostri sancti 
ordinis sancti Francisci . . . apostatarunt a fide et lumine veritatis, unus sacerdos 
nomine Valerius, alter laycus nomine Anthonius . . . Ambo decreverunt per 
consilium dyaboli extingwere totum himen occlesic in l'ratribus. Et laycus 
accepit littcras credentiales ab officialibus Jhcrusalem ad regem soldanum 
in Magno Cayro, ut crederet eins vorbis et accusationibus contra fratres 
montis" (Sion). 



120 ^'11- Bauten und Restaurationen. Herzog Philipp. 

tums gescheitert. Es gelang jedoch den Brüdern, „das schöne 
Holz, das Herzog Philipp aus Venedig hatte kommen lassen", 
zu retten; ein französischer Pilger sah es Ende Juli 1480 in 
einem Hofe des Klosters zu Bethlehem 0- 

Die von Sultan Djakmak angeordneten Zerstörungen be- 
schränkten sich aber nicht auf die Basilika in Bethlehem; auch 
die Grabeskirche und die Heiligtümer des Sionberges wurden 
schwer getroffen. Wie uns der genannte Chronist w'eiter er- 
zählt, sandte der Sultan einen Boten nach Jerusalem mit dem 
Befehle, „die Klöster zu besichtigen und alle neuen Bauten, die 
im Kloster auf dem Sion oder anderswo aufgeführt seien, zu 
zerstören sowie das Grab Davids den Christen zu nehmen. 
Deshalb wurden die neuerdings auf dem Sion vollbrachten Ar- 
beiten zerstört, das Grab Davids den Händen der Christen ent- 
rissen und die neben diesem Grabe beigesetzten Ordensleute 
ausgegraben. Dies geschah am Montag, den 10. Juli 1452. 
Auch zerstörte man die neuen Arbeiten in der Grabeskirche 
und brach die kurz vorher aufgestellte Holzbalustrade ab. 
In allen Klöstern wurde nachgeforscht und, was man daselbst 
an neuen Bauten fand, zerstört. Es ereignete sich dieses gegen 
Ende des Lebens des Sultans. So krönte Gott seine Taten", 
schließt der arabische Chronist, „mit Werken der Andacht und 
der Zerstörung der Gottlosigkeit" ^). 

1) Schefer, Voyage 81: „Dedans une court, y a grand quautite de 
beau boys que Philipp le duc de Bourgongne y a fait mener de Venise." 
Man kann nicht ersehen, ob das Holz noch nicht zur Aufstellung gekommen 
oder ob es den Brüdern gelungen war, dasselbe beiseite zu schaffen. 

-) Sauvaire 255: „Las constructions nouvellement elevees dans (le 
couvent de) Sion furent d6truites, le tombeau de David fut retire d'entre les 
mains des chretiens, et on exhuma les ossements des moines qui etaient 
enterres pres du tombeau du seigneur David ... On arracha la balustrade 
cn bois recemment installee dans la Quomämeh . . . Des recherches furent 
pratiquees dans tous les couvents: tout ce qu'on y trouva de constructions 
recentes fut detruit." — Sultan Djakmak starb am 13. Februar 1453. Durch 
das vom Chronisten Moudjir angegebene Datum lassen sich die für die ge- 
nannte Zerstörung von den Pilgern gebotenen ungenauen Zeitangaben näher 
bestimmen. Rochechouart sagt 1461, die Zerstörung sei „a quinque annis 
citra" erfolgt (S. 247). Der Bericht über die Reise des Landgrafen Wilhelm 
von Thüringen, die ebenfalls 1461 erfolgte, sagt: „in kurzen Jahren." Surian, 
der nicht immer genau in den Zeitangaben ist, setzt die Zerstörung ins Jahr 
1460; Trattato 110; Guglingen 287: „Anno domini MCCCC." 



Neue Leiden. Eine Zeit der Ruhe 121 

Was dies für „neue Bauten" auf dem Berge Sion waren, 
erfahren wir aus verschiedenen Pilgerschriften. Bei Beschrei- 
bung der Kapelle der Herabkunft des Hl. Geistes sagt Bischof 
Rochechouart 1461: „Hier hatte der Herzog von Burgund eine 
würdige, schöne Kapelle begonnen, die aber vor etwa fünf 
Jahren von den ungläubigen und treulosen Sarazenen geraubt 
und vollständig zerstört wurde" 0- Auch dieses Werk des 
frommen Herzogs war also noch nicht vollendet ^), als es der 
Zerstörungswut der fanatischen Menge zum Opfer fiel. Den 
Grund, weshalb gerade dieses Heiligtum so schwer getroffen 
wurde, geben mehrere Pilger jener Zeit gleichmäßig an. Die 
Kapelle des Hl. Geistes lag über dem Räume, in den der Volks- 
glaube seit einiger Zeit das Grab Davids verlegte. Da dieser im 
Juli den Brüdern genommen und zur Moschee umgewandelt 
war, fand man es unpassend, „daß die Christen mit ihren Füßen 
auf dem Gewölbe einer Moschee einhergingen" '^j. Daher war 
es auch überaus schwer, die Erlaubnis zum Wiederaufbau der 
Kapelle zu erhalten. Erst nach vielen Bemühungen und Bitten 
erreichten die Brüder „durch die Macht des Geldes", wie Surian 
sagt ^), daß Sultan Koschkadem, der den Brüdern wiederholt ent- 
gegen kam und ihnen auch am 22. November 1462 die Schutz- 
briefe der frühern Sultane bestätigte ^), den Neubau gestattete. 
Herzog Philipp übernahm wiederum die Kosten. Er legte 14 000 
Golddukaten aus und wünschte, die Kapelle „noch schöner als 
früher zu machen" ^). Leider sollte auch diesmal sein Werk 
nicht vom Erfolge gekrönt werden. Als die Arbeit beinahe voll- 



1) Journal 247 : „Extra ecclesiam est locus, in quo stabant apostoli, 
quando cecidit Spiritus Sanctus super eos. Dux Burgundie inceperat ibi 
dignissimam et eminentissimam capellam, que dicebatur capella Spiritus Sancti; 
sed a quinque annis citra infideles et perfidi Sarraceni diripuerunt cam et 
radicitus destruxerunt." 

-) Rochechouart sagt „inceperat". 

•^) Fabri, Elvagatorlum I 20:}; Lengherand 130. 

^) Trattato 111 Anm. 2: „Per molte moicstie, che detero al Soldano, 
finalmente per forza de danari." 

•1) Urkunde in Schublade 28 des Prokuraarchivs. 

•5) Surian, Trattato 110: ..La quäl capella... t'ece rehedifficar el 
magno Ducha de Bregogna, che . . . spese 14 000 ducati d" oro per l'arla piu 
bcUa che non era prima." 



j^22 ^'11- Bauten und Restaurationen. Herzog Philip|). 

endet war, starb der Sultan am 9. Oktober 1467, und ehe sein 
Nachfolger gewählt war, kamen nach dem Berichte des Alster 
Pilgers „die Heiden von Jerusalem" und zerstörten die Kapelle 
aufs neue 0- ^^nd hiermit war ihr Fanatismus noch nicht zu- 
frieden; wie Surian meldet^), rissen sie bei dieser Gelegenheit 
auch „einen gi-oßen Teil der von den Brüdern auf dem Sion 
in verschiedenen Zeiten aufgeführten Bauten nieder". 

Ein gütiges Geschick ersparte es Herzog Philipp, von die- 
sem neuen Frevel der Sarazenen Kenntnis zu erhalten; am 
25. Juni 1467 machte der Tod seinem an Werken der Liebe 
reichen Leben ein Ende. Mit ihm starb einer der edelsten 
Fürsten seiner Zeit und einer der größten Wohltäter und Gön- 
ner der heiligen Stätten^). Niemand, versichert Albert von 
Sartheano "*), gab ihren Hütern so viele Almosen wie der Herzog. 
Auf dem Sion setzte er 1436 die Brüder in die Möglichkeit, das 
Kloster von drückenden Schulden zu befreien. Zweimal begann 
er daselbst den Bau der Kapelle zum Heiligen Geiste und schenkte 
der Sionskirche schöne gewirkte Teppiche mit „vielen andern 
Ornaten und Gottesgezierden", die von den Pilgern gern ge- 
rühmt wurden °). Die Grabeskirche erhielt von ihm „köstliche, 



1) Conrad y 130: „Hertoch Philipps van Burgogne hat daar doen 
bauwen und machen neest der kirchen van den observanten an der luchten 
siden eyn scoen Capelle, die wilch ty na volmacht was und die soldaen daer 
aerloff to gegeven hedde und starif und so, eer die ander soldan ghecoren 
wert, so qummen die beiden van rjherusalem und verstoerden die selve capelle." 

'-) Surian, Trattato 111 Anm. 1: „In spatio de octo anni iterum fo 
ruinata et cum quella gran parte de lo loco che in varii tempi li frati haviano 
fabricato." Da Surian die erste Zerstörung um 1460 geschehen läßt, so ergibt 
die Zeitangabe für die zweite 1468, was zutrifft. Fabri, Evagatorium I 250, 
gibt näheres mit den Worten an : „In dormitorio juxta rosariura et llbrariam, 
ubi erant pulchrae cellae et opere arcuato factae, . . . destruxerunt et testu- 
dines dejecerunt, nee hodie sinunt in modum pristinum reforraari." 

3) Schefer sagt von ihm: „Aucun prince chretien n'a plus que le duc 
de Bourgogne, Philippe le Bon, joue en Orient un röle actif et preponderant" ; 
Revue de l'Orient Latin HI (1895) 303. 

*) In seinem Briefe vom 6. Oktober 1436 an Herzog Philipp aus Jeru- 
salem sagt Albert: „Nobis rari, rarius dant sua suffragia praeter te unum. 
praesertim in tanta copia . . . pene omnibus abeundum ex hoc loco erat, nisi 
reperissem sacrum locum montis Syon piis eleemosynis tuis a debitorum 
angustiis liberatum. quibus antea diutius premebatur": Haroldus 274. 

5) Tucher Bl. 353^; Fabri I 241. 



Neue Leiden. Eine Zeit der Rnlie 123 

goldene Chormäntel" 0- In Bethlehem übernahm er zum großen 
Teile die Kosten der Restauration der Basilika. In Ramleh er- 
weiterte er das Pilgerhospiz der Brüder^). Jährlich schenkte 
er außerdem den in Palästina weilenden Franziskanern 1000 Gold- 
dukaten zu ihrem Unterhalte ^) und machte eine Stiftung, aus 
der alle Pilger einmal während ihres Aufenthaltes in der hei- 
ligen Stadt die Mittagsmahlzeit im Sionskloster erhielten *). Auch 
sein letzter Wille gedachte der heiligen Stätten; er sandte 6000 
Golddukaten und verfügte, daß sein Herz in der Kapelle des 
Heiligen Geistes beigesetzt werde ^), eine Verfügung, die nicht 
zur Ausführung kam, da diese Kapelle unterdessen zerstört 
war und nicht wieder aufgebaut werden konnte. Die folgenden 
Pilger fanden die Türe, die zu ihr geführt hatte, vermauert, 
und den Raum ohne Dach ^). 

Die Kapelle des Heiligen Geistes hatte im Abendlande viele 
Verehrer und Wohltäter gehabt. Könige und Fürsten hatten 
sie mit kostbaren Geschenken bedacht; schon Lochner rühmte 
die „goldenen, gemalten Tücher, Teppiche und Zelte und andere 
köstliche Zierheiten", die die Könige von England, Frankreich 
und andere Herren ihr geschenkt hatten ^). Ihre Zerstörung rief 
daher unter den Christen Europas große Erbitterung hervor. 
Der König von Kastilien soll nach Surian^) mit der Zerstö- 



1) Tucher Bl. 354 v. 

2) Es scheint in den letzten Jahren des Herzogs geschehen zu sein, 
denn Rochechouart erwähnt 1461 noch nichts davon, wohl aber Tucher, 
Bl. 352 V, und Guglingcn 104, der auch ausdrücklich sagt: „Illud hospitale 
in paucis annis est emptum." ^) Tucher Bl. 353^; Fabri 1348. 

^) Der belgische Edelmann Georg Lengherand, der 148(^ nach Jeru- 
salem kam, sagt : „La coustume est que le jour que les pellerins visitent ledit 
mont de Sion, ilz y doivent tous diner par une fondacion que fist Philippe 
le Bon, duc de Bourgoigne"; Voyage 126 und 131. Ebd. 130 von der Kapelle 
des Hl. Geistes : „Le bon duc Philippe de Bourgoigne y envoya une chapelle 
de bois toutte faicte, mais les Mores ne voullurent souft'rir qu'elle y tust mise." 

•') Surian, Trattato 110. 

•■) Lengherand 130; I^'abri, Evagatorium 1 245; Guglingen 287 
und andere. '') Geisheim 247. 

^) Trattato 111 Anm. 1: „La qual cosa saputa che fo in Spagna, lo 
Re lece ruynare tucti li campanili e le moscate de 11 Mori, excepto doe, 
quelia de Toledo et un altra; e niandö a dire allo Soldano per li Mori che 
li sono subjecti, che si molestasse li frati per 1' advcnire, overo che ruinasse 
alcuno altro loco, luria mal ca))itare li Mori che li sono sottoposti." 



I2i VII. Bauten und Restaurationen. Herzog Philipp. 

rung von Minarets und Moscheen vergolten und gedroht haben, 
es sämtliche Mauren seines Reiches büßen zu lassen, wenn die 
Franziskaner weiter belästigt oder eine andere hl. Stätte zerstört 
werden sollte. 

Für die nächste Zeit sollte eine Ausführung dieser ange- 
drohten Maßregeln nicht nötig sein. In dem gleichen Jahre be- 
stieg den Thron Ägyptens Quat Bei, der öfter während seiner 
28 jährigen Regierung (1468 — 1496) den Franziskanern Beweise 
von Wohlwollen gab. Persönliche Beziehungen brachten ihn 
den Brüdern und die politischen Verhältnisse den Christen näher. 
Die stetig wachsende Macht der Türken weckte die Eifersucht 
der ägyptischen Herrscher, weshalb sie Hilfe beim Abendlande 
suchten und öfter Franziskaner als Boten nach Rom und an 
die christlichen Höfe sandten. Die Bekämpfung Bajasets, die 
Auslieferung des türkischen Prinzen Djem, die Einstellung des 
Kampfes gegen die Mauren in Granada waren die Aufträge, die 
Sultan Quat Bei den von ihm entsandten Brüdern anvertraute 0- 

Felix Fabri, der zweimal unter seiner Regierung nach 
Jerusalem kam, rühmt ihn sehr"-). Er nennt ihn einen neuen 
Cyrus; wie dieser einst den Juden die Wiederherstellung des 
Tempels gestattet habe, so erlaube Quat Bei, den Tempel des 
Hl. Grabes und die Kirche von Bethlehem wieder in Stand zu 
setzen. Der Sultan sei dem christlichen Glauben gewogen; 
wenn ein Christ von Tugend, Ansehen und Wissen mit ihm 
verhandelte, so würde er sich bekehren; die Christen müßten 
für ihn beten. Diese Hoffnungen lassen besser als anderes den 
Ruf erkennen, in dem der Sultan bei den Christen stand; sie 
hatten von den ägyptischen Herrschern wenig gutes erfahren 
und waren daher ganz überrascht und voller Hoffnung, als 
Quat Bei ihnen entgegen kam. 

Einen großen Teil an diesem freundlichen Verhalten hatte 
sein Atabeg und vertrauter Freund Uzbek Ibn Tatach ^). Bei 

1) über die Sendung des P. Antonius iMillan nach Spanien vgl. Mariana, 
Historiae de Rebus Hispanicis libri XXX, B. XXV K. 15. 

-) Evagatorium I 478. 

3) Die tolgendeu Einzelheiten hat uns Surian, Trattato 113 11'. über- 
liefert und der Reisebericht des Gabriel Giraudet ausgeschrieben; vgl. 
Schefer, Voyage Einl. S. XXI. — In der Rezension von 1514 läßt Surian auch 



Neue Leiden. Eine Zeit der Ruhe 125 

einem Vorgänger Qiiat Beis war Uzbek in Ungnade gefallen 
und nach Jerusalem verbannt worden. Da dort kaum jemand von 
den Mohammedanern mit ihm zu verkehren wagte, begab er 
sich zuweilen auf den Sion, wo er von den Brüdern mit großer 
Liebe aufgenommen wurde, Speise und Trank erhielt und auch 
mit Geldalmosen unterstützt wurde. Als aber Quat Bei zum 
Sultan erwählt war, ernannte dieser seinen Freund zu einem 
seiner ersten Beamten. 

Sobald diese Kunde in Jerusalem eintraf, begab sich der 
Guardian des Sion mit einigen Brüdern nach Kairo, und wurde 
von Uzbek mit großer Huld und Güte aufgenommen. Dieser sagte 
den Brüdern: Ihr habt mir, als ich in großer Not und Trübsal 
war, herzliches und tätiges Mitleid und Wohlwollen bekundet; 
jetzt werde ich euch vergelten und selbst euer Beschützer 
und Verteidiger sein. Bittet den Sultan, daß ihr meine Leib- 
eigenen und Sklaven werdet; dann dürft ihr sicher sein und in 
Ruhe bleiben. Der Sultan nahm die Bitte, deren Sinn und Zweck 
er wohl verstand, gern entgegen. Uzbek aber hielt Wort; 
er sorgte treu für seine „Sklaven" und ließ kein ihnen zuge- 
fügtes Unrecht ungesühnt ^). 

Es war aber auch höchste Zeit, daß die Lage der Brüder 
gebessert wurde, da sie allmählich unerträglich geworden war. 
Welche Plackereien sich diese auf dem Sion gefallen lassen muß- 
ten, schildert uns Surian aus eigener Anschauung ^). Die Brüder 
wagten häufig nicht ihr Kloster zu verlassen und vor die Türe 



Quat Bei selbst in Ungnade fallen und von einem Vorgänger nach Jerusalem 
verbannt werden; doch lassen sich die von Surian gegebenen Einzelheiten 
nicht mit den anderweitig bekannten Daten aus seinem Leben vereinigen. 
Da Uzbek auch von andern als Freund und Gönner der Franziskaner ge- 
nannt wird — vgl. Grünemberg 101 — , ist diese Tatsache außer Zweifel; 
wie viel an der durch Surian überlieferten Ursache Dichtung ist, wissen wir 
nicht. Surian nennt Uzbek stets „Mir Isbech". Ohne Frage ist es der 
Atabeg Uzbek Ibn Tatach, der verschiedene Feldziige für Quat Bei 
führte. Surian sagt S. 116, daß Isbech „ne la piaza de la Isbechia" zu Kairo 
wohnte; nun ist aber von Uzbek bekannt, daß er hier seine Wohnung hatte 
und diesen Platz herstellen ließ; Weil II 374. 

1) Hierauf scheint Wanckel anzuspielen, wo er bei Beschreibung der 
Palmprozession sagt: ,,Die Barfusscr Brüder sein all unter der l-^ygenschaft 
und tribut des Soldans"; Bl. Cij\ '-') Trattato 117. 



126 VII. Bauten und Restaurationen. Herzog Philipp. 

ZU gehen. Notgedrungen mußten sie allen Mohammedanern, 
die an die Piorte kamen, zu essen geben, da diese sonst das 
Almosen durch Steinwürfe gegen das Kloster erzwangen. Kamen 
die Pilger ins Kloster, so wurden sie, wie Mergenthai erzählt, 
von den „Heiden" ausgepfiffen 0- Einige Muselmannen hatten 
die Frechheit, das ganze Kloster und alle Räume desselben 
abzusuchen; fanden sie irgendwo etwas, das ihnen gefiel, so 
nahmen sie es weg. Sie gingen in die Küche, untersuchten 
die Geschirre und aßen das Fleisch, das ihnen zusagte. Im 
Keller öffneten sie die Fässer und ließen den Wein auslaufen. 
Man vermag, sagt Surian, gar nicht aufzuzählen, was sie gegen 
uns ersinnen. Endlos waren die Forderungen, die unter allen 
möglichen Titeln erhoben wurden. Bruder Walther von Gug- 
lingen^), der unter Quat Bei nach Jerusalem kam, meint: 
„Es vergeht kein Tag, an dem nicht jemand kommt, bald ist 
es einer, bald zwei, bald drei, und manchmal sechs oder zehn, 
und alle wollen essen oder trinken, und die Väter wagen es 
nicht, zu versagen." 

Wiederholt hatten die Herrscher schon eingegriffen, den 
Brüdern Schutzbriefe ausgestellt und sie besonders gegen jene 
endlosen Erpressungen zu schützen gesucht. „Niemand darf 
etwas von ihnen verlangen", heißt es in einem Ferman^), „außer 
Wachs und Zucker, da die Brüder alles verlassen haben und 
selbst arm sind." Da aber die Beamten mit schlechtem Beispiele 
vorangingen und, wie wir aus einem andern Ferman entnehmen ^), 
selbst ins Kloster kamen, Essen forderten und die Weintrauben 
plünderten, hatten die kaiserlichen Schreiben wenig Erfolg. 

So lange jedoch Uzbek, der seine Leute kannte, im Amte 
war, ging es den Brüdern besser. „Wenn das zu viel will 

1) Bl. Jiiij^ 

2) Itinerarium 310: „0 quis ponderare posset, quanta expenduntur 
Sarracenis pro tributo annuali et pro propinis continuis ot'l'icialibus pro defen- 
sione fratrum tarn in pecunia quam in comestionibus, de quibus non est 
numerus ! Non enim est dies, in quo non aliqui veniunt, jara unus, cras duo, 
aliquando tres, nonnunquam sex vel decem, qui volunt habere eoniedere et 
bibere, quibus nee patres audent negare." 

3) Schublade 24 des Prokuraarchivs. 

^) Ebd. Schublade 36. Auch Grünemberg sagt S. 101, daß ..die Ge- 
waltigsten am meisten" raubton und erpreßten. 



Neue Leiden. Eine Zeit der Rulie 127 

werden", schreibt Grünemberg ^), „so klagen die Brüder es einem 
heidnischen Herrn, der ist zu Altkairo beim Sultan, genannt 
der Ysenbeck. Der läßt dann die meisterlosen, bösen Heiden 
in der Mitte oder Weiche entzweischlagen, so haben dann die 
guten Brüder wieder eine Weile guten Frieden." Uzbek sorgte 
nach Kräften dafür, daß der große Schutzbrief, den Sultan 
Quat Bei am 17. April 1472 den Brüdern ausstellte-), nicht ein 
toter Buchstabe blieb. Seinem Freunde Fachr Eddin, einem vor- 
nehmen Sarazenen Jerusalems^), übertrug er die Sorge für 
die Franziskaner"*). So oft er an die Behörden der Hl. Stadt 
schrieb, empfahl er ihnen seine „Sklaven", und wenn ihm 
Mißgriffe der Beamten zu Ohren kamen, so strafte er unerbitt- 
lich. So ließ er den ersten Sekretär des Sultans, der vom Guar- 
dian P. Bartholomäus Geld erpreßt hatte, zum Staunen von 
ganz Kairo auf öffentlichem Platze geißeln '"). Als der Guardian 
P. Jakobus vom Gouverneur Jerusalems ins Gefängnis geworfen 
war und ihm 100 Dukaten abgefordert wurden, nahm dieser 
seine Zuflucht zu Uzbek, der gerade für den nach Mecka pilgern- 
den Sultan die Regierung führte. Uzbek gab Befehl, den Be- 
amten in Ketten nach Kairo zu bringen, wo er gegeißelt und 
fünf Jahre eingekerkert wurde. Zugleich wollte Uzbek vom 
Guardian hören, ob die Brüder noch andere Feinde in Jerusa- 
lem hätten; als P. Jakob ihm die hauptsächlichsten nannte, 
wurden sie nach Kairo gebracht und zu hohen Strafen ver- 
urteilt ^). Surian selbst, der uns alle diese Einzelheiten berichtet 
hat, wurde zweimal eingekerkert, weil er der Habgier eines 
Beamten entgegentrat, aber beide Male durch Uzbek befreit ^). 
Als dennoch unter Sultan Quat Bei eine Unterbrechung 
des guten Verhältnisses eintrat, wurde der Zwischenfall viel 
schneller als sonst beigelegt. Im Mai 1476 hatte der Sultan 
alle im Sionkloster, am Hl. Grabe und in Bethlehem weilen- 



1) Pilgerfahrt 101. 

-) Golubovich, Serie 178. Der Ferman folgt größtenteils dem Schreiben 
des Sultans Barsabai; vgl. oben S. 99. 

^) Er wird von mehreren Pilgern erwähnt; Fabrl II 113: „dominus 
Vaccardinus." Guglingen Uif) nennt ihn „noster protector, potens in Iherusaicm 
inter Mauros". 

*) Surian IIT). •^•) Ebd. Uli. '■) Ebd. 114. ') Ebd. 117. 



j^28 VII. Bauten und Restaurationen. Herzog Philipp. 

den Brüder verhaften und nach Kairo bringen lassen, weil 
Abendländer vier Gefangene aus Alexandrien fortgeführt hatten ^). 
Im Juli desselben Jahres traf Mergenthai die Franziskaner wieder 
in Freiheit auf ihren alten Posten -). 

Bei diesen günstigen Beziehungen durften die Brüder noch- 
mals daran denken, die so notwendigen Arbeiten an den Gottes- 
häusern in Angriff zu nehmen. An erster Stelle kam aufs neue 
die am meisten beschädigte Basilika von Bethlehem in Frage. 
Fabri fand sie bei seiner ersten Pilgerreise im Jahre 1479 dem 
Einstürze nahe ; man hatte lange Balken in das Chor der Kirche 
gestellt, um das Dach zu sichern ^). Dank der kräftigen Unter- 
stützung, die König Ferdinand von Kastilien der Bitte der Fran- 
ziskaner am Hofe des Sultans lieh, gab dieser 1480 die Erlaub- 
nis^), worauf der ausgezeichnete Guardian des Sion P. Johann 
Thomacelli die Arbeit mit Umsicht und Energie in die Hand 
nahm^). Zwei Schiffsladungen mft zubereitetem Holze kamen 
aus Venedig nach Jaffa, von wo die Brüder die Balken auf 
Kamelen unter großer Mühe und zum Staunen der Muselmannen 
über Berg und Tal nach Bethlehem brachten*^). Surian und 
Fabri erwähnen nur dieses aus Venedig herbeigeschaffte Holz, 
während die „Pilgerfahrt des Pfalzgrafen Alexander" erzählt, 
daß „der fromme Herzog Philipp von Burgund das Holz dazu 
gegeben habe" ''). Wenn bei dieser Nachricht nicht eine Ver- 
wechslung mit den dreißig Jahre früher unternommenen Arbeiten 

1) Der Chronist Moudjir-ed-dyn berichtet zum Jahre 881 der Hedschra : 
„Au commencement de moharram [April Mai 1476], un courrier ä dromadaire 
arriva du Caire, porteur d'un rescrit du Sultan qui ordonnait de se saisir des 
Francs demeurant dans le couvent de Sion, ä Bethlehem et dans l'eglise de 
Quomämeh, et de les diriger sur la capitale, parce que les Francs avaient fait 
quatre prisonniers ä Ale.xandrie et les avaient traitreusement emmenes dajis 
leur pays;" Sauvaire 649. 

-) Beschreibung Bl. Hij ^ : „Denn mein G. Herr warhafftig bericht ward, 
das die Münche zu Hierusalem waren gefangen gewest, aber nu wider ledig 
worden;" vgl. Bl. Jiiij"": „Wir gingen mit den Barfüssermönchen auf den 
Berg Sion." 

■*) Fabri, Evagatorium I 476 : „Tectum ecclesiae . . . minabatur ruinam." 

') Der Ferman erwähnt ausdrücklich die Vermittlung des Königs Fer- 
dinand. Er befindet sich in Schublade 29 des Prokuraarchives. 

■') Surian 116. ß) Surian 122 Anm. ; Fabri, Evagatorium I 477. 

") Bl. 41 ^ 



Neue Leiden. Eine Zeit der Ruhe 129 

Unterlaufen ist, so muß man sie dahin verstehen, daß auch das 
Holz, das von der Spende des Herzogs noch brauchbar war, 
zur Verwendung kam; viel dürfte es kaum gewesen sein, da 
das Holz Jahrzehnte im Hofe des Klosters gelegen hatte ^). Der 
König von England schenkte das Blei, um das Dach zu decken -). 
So vorzüglich dieses Material war, es hatte den Übelstand, daß 
es die Habgier der Araber reizte, wie uns mehrere Pilger be- 
richten; daher fand Jodokus von Meggen 1542 das Dach schon 
an sehr vielen Stellen durchlöchert und wünschte, daß sich 
wieder ein Fürst desselben erbarme ^). 

Nach Surian hatte die ganze Arbeit an der Kirche zu 
Bethlehem mehr als 6000 Dukaten gekostet ^). 

P. Guardian Thomacelli erhielt auch die Erlaubnis, die 
Grabeskirche, besonders die schwer geschädigte Kuppel über 
dem Hl. Grabe zu restaurieren. Es scheinen größere Arbeiten 
ausgeführt zu sein, da 11000 Dukaten ausgelegt wurden^). 
Von den Bauleitern und Werkführern wird nichts berichtet; 
die Brüder dürften selbst die Arbeiten geleitet haben. Nach 
Surian waren stets auf dem Sion gewandte und tüchtige Hand- 
werker, deren sich auch die Mohammedaner bei Arbeiten in 
der Omarraoschee bedienten ^). Besonders wird Bruder Baptista 
von Lübeck als Bauleiter gerühmt, den Papst Pius II. wegen 
seiner Kenntnisse in der Arzneikunde nach Jerusalem ge- 
schickt hatte "J. 

Auf dem Sion erwarb P. Thomacelli 1479 ein Grundstück 
mit zwei Zisternen, das die Brüder zu einem „wundervollen 



1) Vgl. oben S. 120. 

^) Surian 122 Anm. 1. 

■') Peregrinatio 120: „Nunc iteruni plurimis in locis pluviis est pervium, 
ut novo aliquo duce ac Principe simili indigeat. " 

^) TraUato 116 Anm. 1 : „Fo speso piu de sey milia ducati." 

•'•) Ebd.: ,Jn doe Jiate spesero li ft-ati undeco milia ducati." 

•"l Trattato 97. — In einem Schreiben des Kustos Bartholoniaeus vom 
2G. August 1490 werden die „olficine" des Klosters erwähnt; Verniero 699. 

") Vgl. Wadding zum J. 1478 Nr. S; Calahorra B. IV K. 22. — 
Seiner ärztlichen Tätigkeit gedenkt auch Guglingen 136 : „Mediante medicina, 
quam studiose devotus frater Haptista adhibuit, transtulit a nie dominus talem 
vehementem et horribilem dolorem" und Fabri II 115. 

Franzisk. Studien, Beihert 4: Lern mens, Die Franziskaner auf dem Sion. 9 



J^30 VII. Eine Zeit der Ruhe 

Garten" umgestalteten ^). Das von den Brüdern in ihrem Garteü 
gezogene Gemüse war so berühmt imd gut, daß der Sultan sich 
davon erbat, wenn er nach Jerusalem kam. Nach Surian kam 
es vor, daß vornehme türkische Herren einen Umweg von 30 
und 50 Meilen machten, um auf dem Sion Gemüse zu essen; 
und der Pascha von Damaskus ließ seine Frauen durch die 
Brüder im Bereiten des Gemüses unterrichten -). 

So war die Verwaltung des P. Thomacelli von schönen 
Erfolgen und Fortschritten begleitet. Surian lobt ihn sehr; ein 
Mann wie ihn habe der ganze Orden des hl. Franziskus für 
diese Gegend nicht mehr. Wenn derselbe noch länger im Amte 
geblieben wäre, meint Surian, würde er noch manches erreicht 
und besonders „mit der göttlichen Gnade die Kapelle des Heiligen 
Geistes wiederhergestellt haben" ^). P. Guglingen meinte freilich, 
diese Erlaubnis sei nicht so schwer zu erlangen, die Beamten 
des Sultans hätten sie für 300 Dukaten in Aussicht gestellt. 
Aber niemand, fügt Guglingen hinzu, gibt sie ihnen, da man 
fürchten muß, daß sie das Geld annehmen und die Kapelle 
einige Jahre später aufs neue zerstören oder die gleiche Summe 
noch einmal fordern '*). 



M Surian 116 Anm. 1 und Fabri. Evagatorium I 275. Der Kauf- 
kontrakt in Schublade 25 des Prokuraarchivs. Fabri sagt vom Garten : „Contra 
austrum et orientem et aquilonem in cornu inoutis Syon habent fratres magnum 
hortum [vgl. Lageplan oben 76] ... In hoc horto diversa genera arborum, 
plantas habent ficorum et nialagranatorum etc. et olera pro conventus 
sustentatione.'" 

2) Surian 113 Anm. 2. 

■*) Ebd. 116 Anm. 1. Er sagt: „Siraile al quäle per quelli lochi non ha 
tucta la famiglia de S. Francesco." Die Nachfolger des P. Thomacelli scheinen 
weniger Glück mit ihren Bittgesuchen gehabt zu haben; wenigstens berichtet 
Moudjir-ed-dyn, daß der große im Januar 1492 durch Regengüsse in der 
Grabeskirche angerichtete Schaden nicht wieder hergestellt werden konnte; 
Sauvaire 289. Da3 die Brüder Restaurationsarbeiten planten, ersieht man 
u. a. aus dem Breve Alexanders VI. „Cum sicut accepimus" vom 13. August 
1496, durch das er gestattet, das Material nach Jerusalem zu befördern; 
DTS V 11. 

^) Itinerarium 288 : „Sed nemo iUis dabit, quia timendum est, si jam 
recepissent, post paucos annos iterum destruerent. vel tot ducatos habere 
vellent." 



131 



VIII. Streit mit den Georgiern um den 
Kalvarienberg, Neue Verfolgungen. 
Die von den Franziskanern am Ende des Mittel- 
alters verwalteten hl. Stätten. 
Die anderen christlichen Bekenntnisse im Hl. Lande. 

Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts bilden Schwieriglceiten 
mit den orientalischen Christen ein fortlaufendes Kapitel der 
Franziskanergeschichte Palästinas; Intrigen und offene Überfälle 
auf die von den Brüdern verwalteten hl. Stätten wechselten ab, 
und manches kostbare Heiligtum und ehrwürdige Recht ging 
den Lateinern in diesen Kämpfen verloren. Seitdem die Sul- 
tane von Konstantinopel über Palästina geboten, wurden die am 
Bosporus einflußreichen Griechen die gefährlichsten Gegner der 
Brüder. Unter den ägyptischen Sultanen brachte die immer 
mehr drohende Macht der üsmanen den gleichfalls zum grie- 
chischen Schisma gehörenden Georgiern Einfluß und Bedeutung. 
Die ägyptischen Herrscher sahen in diesem tapfern am Kau- 
kasus ansässigen Volke einen willkommenen Bundesgenossen 
gegen die gemeinsame Gefahr ^ und wandten seinen Vertretern 
im Hl. Lande ihr Wohlwollen zu, so daß es diesen gelang, so- 
gar einen Teil des Kalvarienberges zu erwerben. 

Als die Franziskaner ihren Einzug in die Grabeskirche 
hielten, hatten die Georgier nach Ludolf die Hut des Hl. Grabes^) 
und nach Poggibonzi die Stelle inne, auf der der auferstandene 
Heiland der heiligen Maria Magdalena erschien^), während die 
Armenier den Kalvarienberg behüteten ■*). Diese werden von 
mehreren Pilgern wegen ihrer Frömmigkeit und ihres freund- 



1) Thenaud macht hierauf schon aufmorksam: „Hz pcuvcnt emposchor 
los Perses et Turcqz pour alcun tenips de non invader Ics terres (hi Soiiklan 
et luy fönt assavoir l'entrepise de ses onnemys"; Voyagc lO:^ 

2) Vgl. oben S. r)2 Anm. 2. 

3) Libro d'Oltramare 94: „All 'altro altare, ove Christo apparve a 
Santa Maria Madalena, iifiziano i Giorgiani." 

*) Ebd. 94: „In monte Calvario oftiziano gli Krniini." 

9* 



132 streit mit den Georgiern um den Kalvarienberg 

liehen Entgegenkommens gegen die Lateiner gerühmt ^) und als 
Männer geschildert, die in gutem Einvernehmen mit den Fran- 
ziskanern standen, weshalb man versteht, daß letztere bereits 
im 14. Jahrhundert Zulaß zum hl. Berge erhielten und auf dem- 
selben, wie uns mehrere Pilger verbürgen ^), Gottesdienst feiern 
konnten. So lange die Armenier den Kalvarienberg besaßen, 
fehlen Zeichen und Nachrichten von Streitigkeiten mit den 
Lateinern; die Pilger zeigen beide nebeneinander an der hl. 
Stätte^). Der Streit begann erst, als es 1475 den Georgiern 
durch reiche Spenden gelungen war, die Armenier von Golgatha 
zu verdrängen. Wie uns der Nürnberger Ratsherr Johann 
Tucher, der 1479 und 1480 in Palästina weilte, in seiner wert- 
vollen Reisebeschreibung mitteilt, hat „kürzlich in dem fünfund- 
siebenzigsten Jahre der König von Georgien dem Sultan viele 
Gaben und Schenkungen gesandt; darum hat der Sultan den 
Georgiten den hl. Berg Calvarie eingegeben" ^). 



1) Surian, Trattato 75: „CorJialmente ce amano: stan alli offici e misse 
nostre: adorano lo sacramento che nui consecramo." Guglingen, Itinera- 
rium 300: „In orationibus et oHiciis eoriim devoti, sacraraentis Latinoriim re- 
verentiam exhibentes." Prior Georg: „Armeni nostris Sacramentis et Eccle- 
siis magnam ostendunt reverentiam oü'erentes tapetia, ornatiis sericos et aureos 
et alia"; Pez II T. 3 554. 

2) Vgl. oben S. 97. 

3) Rochechouart, Journal 251, vom Kalvarienberg: „In capella pre- 
dicta sunt tria altaria . . . Inter duo prima est locus affixionis crucis et rupis 
incise locus. Et liec duo, cum residuo capelle, est Armcnorum. Tercium 
altare est in angulo, quod est Latinoriim, et habent Fratres Minores, quando 
volunt ibi celebrare divina." Zwei Jahre später, 1463, sagt P. Alexander 
Ariosti: „Huius vero loci Armenoium Christiani curam gerunt, sicut et nostri 
ordinis fratres Sancti Sepulchri; perpetuo enim acccnsas ibi lampades fove- 
mus"; Revue de l'Orient latin XII 17. 

*) Reyßbuch Bl. 355 ^^ Dasselbe berichten u. a. Fabri, Evagatorium I 350 ; 
Baumgarten, Peregrinatio 91, und die Pilgerfahrt des Herzogs Friedrich IL, 
Röhricht-Meisner I 184. — Tobler, Golgotha 292, läßt die Armenier 
1479 von den Georgiern verdrängt werden und beruft sich auf Tucher, der 
aber 1475 hat. Daß dieses Jahr zutrifft, ersehen wir aus Eyb, der 1476 in 
Jerusalem weilte und vom Kalvarienberge sagt: „Die Gregoriani . . . band 
yetz den perg calvarie inn, wann in vor dy Armenij in gehabt haben, also 
hat in der konig Soldan yetz genommen und den Gorcianij" gegeben. Auch 
Ritter Griinemberg sagt im Jahre 1486 von den Georgiern: „Sie haben 
auch inne den Berg Calvarie, der ist ihnen erst inne gegeben nach Christi 
Geburt tausenl vierhundert und fünf und siebzig Jahre". Lübeck, Das Kloster 



Streit mit den Georgiern um den Kalvarienberg 133 

Mit diesem von den Armeniern eroberten Besitze waren 
aber die Georgier nicht zufrieden und suchten während der 
folgenden Jahre auch die Lateiner aus ihren Rechten und 
Besitztiteln auf Golgatha zu verdrängen, wie uns die im Prokura- 
archiv bewahrten Gutachten der Kadis von Jerusalem sagen; 
diese mußten wiederholt in den Streit eingreifen und bald diesen 
bald jenen Kniff der verschlagenen Georgier zurückweisen. 

Zum ersten Male treffen wir beide Parteien im Oktober 
1493 vor dem Richter. Während die Franziskaner schriftliche 
Beweise und als gültig anerkannte Dokumente für ihr Recht 
vorzeigten, beriefen sich die Georgier auf den Sultan, der ihnen 
den ganzen Kalvarienberg geschenkt habe. Da sie aber keinen 
Ferman dieses Inhaltes vorlegen konnten, wurden sie mit ihren 
Ansprüchen abgewiesen und ihnen unter einer hohen Geld- 
strafe verboten, neue Schwierigkeiten gegen die Franziskaner 
zu erheben ^). 

Nichtsdestoweniger erneuerten die Georgier bereits nach 
vier Monaten ihre Angriffe, so daß der Kadi dieselbe Frage aufs 
neue vor den erschienenen Parteien verhandeln mußte. Die 
Franziskaner wiesen wiederum ihre Rechtstitel vor, kraft deren 
sie bisher auf dem südlichen Teile des Kalvarienberges Gottes- 
dienst gehalten, ohne darin von jemandem gestört worden zu 
sein. Die Georgier konnten kein Schriftstück vorzeigen, das 
den Brüdern ihr Recht genommen hätte, und suchten diesen 
Mangel nach orientalischer Art durch Schreien und Lärmen zu 
ersetzen; indes vergeblich: wieder wurden ihre Ansprüche 
zurückgewiesen und das Recht der Franziskaner anerkannt ^). 

Da so die Georgier von einem Richterspruch wenig zu 
erhoffen hatten, suchten sie auf anderem Wege zum Ziele zu 
kommen. Wie wir aus einem Ferman des Sultans Qansu Guri 



zum hl. Kreuze bei Jerusalem, Katlioiilv, l'Jll, i5li4, nennt die Aussage 
Grüncmbergs „ganz unrichtig" und stellt die Sache vollständig auf den Kopf 
mit dem schier unbegreiflichen Satze: Die Georgier „waren mehr als 150 Jahre 
im ungestörten und alleinigen Besitz des Kalvarienberges gewesen". 

1) Urkunde (vom Muharrem 899) in Schublade ö des Archivs der Prokura. 

-) Urkunde (vom 17. Djoumadi el Aval 899) an demselben Orte. Cala- 
horra B. IV K. 23, setzt die Urkunde irrig in das Jahr 1490 (89f)); den Fehler 
wiederholt Sehe f er, V'^oyage d'Outremer, Einl. S. LXVI. 



134 Neue Verfolgungen 

erfahren, versperrten sie nun den Franziskanern den Zugang 
zum Kalvarienbergo und benahmen ihnen so die Möglichkeit, 
ihre Rechte auszuüben. Die schlau ersonnene List scheiterte 
jedoch an der durch viele Erfahrungen geschulten Vorsicht der 
Brüder. Diese beschritten den Klageweg und brachten die Sache 
vor den Richterstuhl des Sultans, wo sie mit Unterstützung des 
französischen Konsuls ein günstiges Urteil erhielten : der Sultan 
befahl den Georgiern, das Hindernis zu entfernen; die Türe 
solle den Franziskanern offen bleiben und alles in dem frühern 
Zustande belassen werden 0- Leider sollten die politischen 
Verhältnisse den Georgiern später Gelegenheit und Veranlas- 
sung geben, auf ihre unberechtigten Ansprüche zurückzukommen 
und sogar einen vorübergehenden Triumph zu feiern. 

Die Regierung des Sultans Qansu Guri, der am 20. April 
1501 auf den Thron erhoben wurde, war sehr bewegt; auf 
allen Seiten sah sich der Herrscher von Schwierigkeiten um- 
geben. Von Norden drängten die Osmanen immer stärker auf 
das ägyptische Kalifat. Im Osten zerstörten die Portugiesen den 
Handel Ägyptens mit Indien und bedrohten mit ihrer mächtigen 
Flotte die Heimat des Islams, während der Herrscher von Äthio- 
pien mit ihnen gemeinsame Sache zu machen schien. Im Westen 
Europas fiel Granada, und der Halbmond mußte nach 700 Jahren 
aus Spanien weichen, ein Ereignis, das die sarazenischen Reiche 
Nordafrikas zu einem Bunde zusammenschloß, für den sie auch 
den Herrscher Ägyptens zu gewinnen suchten; er sollte die 
christlichen Kaufleute aus dem Morgenlande vertreiben und den 
Christen den Besuch der hl. Stätten verbieten ^). Auf die Kunde 
von diesen Machenschaften der nordafrikanischen Herrscher be- 
schloß Ferdinand von Kastilien 1501, einen Gesandten nach 
Kairo zu senden, um beim Sultan die drohende Gefahr zu be- 
schwören. Seine Wahl fiel auf den gelehrten Staatsmann Petrus 
Martyr d'Anghiera ^), der mit zwei Franziskanern die Reise an- 



1) Urkunde (vom 1. Schaban 910) in Schublade 24 des genannten Archivs. 

2) Vgl. Sehe! er, Thenaud, Einl. S. XLIV, dem wir hier vielfach folgen. 

3) Er war weder Franziskaner noch Gesandter des Sultans, wie der 
Verfasser der Gesta Dei zum Jahre 1490 sagt: „Fr. Petrus Martyr mittitur 
a Soldano in Hispaniam"; Le Missioni Francescane II 321. 



Neue Verfolgungen 135 

trat und gegen Ende 1501 in Alexandrien landete, wo er beim 
Konsul der Franzosen und Katalonier Philipp von Perez (Pa- 
redes) Wohnung nahm. Da der Gesandte ohne Begleitung und 
ohne die im Oriente unvermeidlichen Geschenke gekommen war, 
wollte der Sultan ihn zunächst nicht empfangen. Die beiden 
von d'Anghiera an den Hof nach Kairo entsandten Franziskaner 
wußten jedoch die Sache so geschickt zu betreiben, daß alle 
Hindernisse fielen und der Sultan dem Gesandten gestattete, in 
die Hauptstadt zu kommen '). Vom Herrscher empfangen, gelang 
es d'Anghiera, nicht nur die gegen seinen Monarchen ausge- 
streuten Anklagen und die heftigen vom Sultan erhobenen Vor- 
würfe zu widerlegen, er fand auch geneigtes Ohr für manche 
Wünsche und Anliegen. So gestattete Qansu Guri, die Grabes- 
kirche ^) und die Heiligtümer in Jerusalem und Bethlehem so- 
wie die Häuser zu Ramleh und Beirut wieder herzustellen. 
Auch versprach er die Pilger gegen alle Unbilden zu schützen 
und die gegen sie erlassenen Gesetze zurückzunehmen •'). Nach- 
dem d'Anghiera die hierüber ausgefertigte Urkunde vom Sultan 

1) Petrus Martyr, Legatio Babylonica, Basel 1533, 31. 81^. Vgl. Alex, 
de Miltiz, Manuel des Consuls, London 1838, Bd. II, T. I 247—253. 

') Nach Moudjir-ed-dyn war die Grabeskirche 1492 schwer heim- 
gesucht worden. „En cette annee [897] dans le mois de rabi premier ... un 
terrible effondrement, caus6 par la pluie, eut lieu, pendant la nuit dans l'eglise 
de Qomämeh, ä J6rusalem . . . Ancune reparation n'a 6t6 falte jusqu'ä ce jour" ; 
Sauvaire 289. — Anfang des Ramadan 904 (1499) wurde ein Gutachten ab- 
gegeben, daß mehrere Gewölbe in der Grabeskirche eine Restauration er- 
heischten; Urkunde in Schublade 16 des Prokuraarchivs; eine andere des 
gleichen Inhaltes in Schublade ;^3. Vgl. oben S. 130 Anm. 3. 

3) Petrus Martyr berichtet über die in seiner Audienz beim Sultan vor- 
getragenen Bitten: „Ut Hierosolymis vetustate collapsa reficere, ut ea 
quae ruinam minantur a nostris maioribus ad Christi meraoriam aedificata 
resarcire permittatur, quae Mahometaei sacerdotes nullo unquam tempore ab 
imperio Christicolis erepto renovare passi sunt. Soldanis enim praeteritis 
Mahometaea lege vetitum id fuisse sacerdotes persuaserant. Neque in ipsa 
urbe solum, sed in Beryto, Rama, Bethleem, ccterisque locis, quibus exstant 
aliqua de Christi gestis monumenta, modo velitis, jam licet reficere. Prae- 
tcrea ut novae cxactiones et recentia tributa tollantur, quae per Soldanicos 
magistratus in peregrinos ad intolerandum jam cumuhim adaucta fuerant, et 
persolvere nemo jam quiret; utque ignominiis in peregrinos illalis provideretur, 
ad vetera maiorum tributa poregrinorum persolutiones rcdigantur; si quis pere- 
grinum posthac molestia ve! ignominia confecerit, graviter puniatur clfiagito"; 
Legatio Bl. 88 \ 



136 Neue Verfolgungen 

empfangen hatte, verließ er Kairo 0, um nacli Granada zurück- 
zukehren. 

Die Bemühungen des Gesandten scheinen nicht ohne Frucht 
geblieben zu sein. So lesen wir, daß der Sultan 1504 die 
Brüder gegen einen Scheik „der Berge bei Nablus", der sie 
mißhandelt und übermäßige Abgaben von ihnen erpreßt hatte, 
in Schutz nahm ^). 

Unterdessen war die Spannung zwischen dem Sultan und 
Portugal immer größer geworden. Die Portugiesen hatten 
ihre Unternehmungen gegen die ägyptischen Schiffe fortgesetzt 
und dem Handel der Sarazenen schweren Schaden zugefügt, 
weshalb Qansu einen Boten an den Papst, die Republik Vene- 
dig und die Könige von Spanien und Portugal zu senden be- 
schloß. Wie der venetianische Konsul Contarini am 1. Sep- 
tember 1503 aus Alexandrien schrieb, schickte Qansu nach 
Jerusalem Befehl, daß der Guardian des Klosters zum Papste 
und nach Spanien gehe ^). P. Maurus, ein Spanier, der seit 
1501 an der Spitze der Kustodie stand, ging alsbald nach Kairo, 
um die Aufträge des Herrschers entgegenzunehmen, mußte aber 
bis in das folgende Jahr warten, ehe er nach Europa abreisen 
konnte "*). Er begab sich zunächst nach Venedig, wo er wieder- 
holt im März und April 1504 mit den Behörden verhandelte^). 
Der Rat hielt es nicht für ratsam, P. Maurus Empfehlungen an 



1) Bevor er abreiste, besuchte er das Heiligtum der hl. Familie zu 
Matarieh, wo der Guardian des Sionklosters zelebrierte; Legatio Bl. 90 ^ 

-) Urkunde im Archiv der Prokura. 

3) Sanuto V Sp. 162: „Per il signor soldan, per le nove di Portogallo 
fo raandato per li frati die Jerusalem, dicendoli al gardian andasse al papa 
e in Spagna, aliter disfaria il Sepxdcro." Hörn sagt, daß der Guardian selbst 
diese Gesandtschaft dem Sultan geraten habe, als dieser die Zerstörung der 
heihgen Stätten androhte; Golubovich, Hörn 109. Bei dieser Gelegenheit 
erhielt P. Maurus vom Sultan die Erlaubnis, das Hl. Grab zu öffnen und ihm 
einige Reliquien zu entnehmen; ebd. 110. ^) Sanuto IV Sp. 706. 

ä) Sanuto V Sp. 948 zum 6. März 1504: es erschien beim Rate „quel 
frate di Jerusalem venuto per orator dil soldan"; Sp. 962 zum 9. März l.'jOl: 
„vene il guardian di Jerusalem, di nation yspano . . . stete poco perö in Co- 
legio"; VI Sp. 11 zum 12. April 1504: „Prima la matina el vardian di Jeru- 
salem, orator dil soldan per le cosse di Coloqut, et ave audientia con 11 capi." 
Mit diesen Aufzeichnungen Sanutos ist die Frage entschieden, ob P. Maurus 
Franziskaner oder Oberer eines Sinaiklosters war, wie unter andern Civezza, 



Neue Verfolgungen 137 

die Höfe von Spanien und Portugal mitzugeben, da sie den 
Schein erwecken Ivönnten, als sei die Sendung des Boten nicht 
aus dem freien und eigenen Entschluß Qansus, sondern auf den 
Rat der Republik erfolgt. Zu der Drohung des Sultans, das 
Hl. Grab, die Kirche auf dem Sion und die andern christlichen 
Gotteshäuser seines Reiches zu zerstören oder zu schließen, 
meinte der Rat, das könne dem Handel der Sarazenen nichts 
nützen; denn kein christlicher Fürst werde wegen dieser Maß- 
regeln Krieg mit den Portugiesen beginnen. Hingegen werde 
es dem Sultan schaden und die Pilger, die seinem Lande man- 
chen Nutzen brächten, fernhalten. Der Gesandte möchte seinen 
Fleiß und seine Klugheit aufwenden, um jeden Schaden der 
hl. Stätten, den die Ratsherrn aufs tiefste bedauerten und mit 
ihrem eigenen Blute gut machen möchten, zu verhindern. Sie 
dankten P. Maurus für seine Mühe, bestritten die Reisekosten, 
hofften, daß seine Reise nicht vergebens sei, und versprachen, 
ihm weiteres bei seiner Rückkehr zu sagen 0- 

Von Venedig begab sich P. Maurus nach Rom zum Papste ^) 



Missioni Francescane VI 369 Anm., entschieden behauptet. Die Ursache von 
diesem Irrtum dürfte in einer Verwechslung von „Sion" und „Sinai" zu sehen 
sein, die auch in dem (in der folgenden Anmerkung teilweise mitgeteilten) 
Schreiben des Rates vom 23. Mai 1504 unterlaufen ist. 

1) In dem Schreiben des Rates an den Vertreter Venedigs Franz Teldi 
vom 23. Mai 1504 heißt es, daß sie P. Maurus Ivcin Empfehlungsschreiben an 
die Höfe von Spanien und Portugal mitgeben dürften, da dies den Schein 
verursachen könnte, „che la venuta de questo guardian non fusse sta de mera 
voluntä del Signor Soldan ma mandado a requisition nostra . . . Ma perchel 
soprascripto venerabil Guardian de monte Sion inter cetera ne ha detto et 
cussi contengono le lettere del signor Soldan, che non se abstenendo Porto- 
gallesi dal viazo, sua Ceisitudine farä serar el Sancto SepoJcro, item la chiesia 
de Monte Synai [muß heißen „Sion"J et altre chiesie del suo paese, cosa certo, 
che a nui non par poter offerir alcun remedio a questa navigazione, perche 
per tal clausura non se movcria aicuno principe christiano alla guerra contro 
Portogallesi, et seria cum denigration de la reputation che! prefato signor 
Soldan recevc per liavcr nel paese suo dilti luogi, li quali etiam stando cussi 
aperti ge sonno de utiiitä"; S. Romanin, Storia documentata di Venezia IV, 
Venedig 1855, 535—540. In der P. Maurus übergebenen Antwort heißt es 
noch: „Nuy se dolemo fina ne 1' anima, pur de pensarse tanto exterminio, et 
vossamo cum el proprio sangue remediar, per la reverentia habiamo verso el 
nostro missier Jesu Christo"; Archivio Veneto, Bd. 11 T. 1, Venedig 1H71, 202. 

2) Vgl. Golubovich, Hörn lüü. 



138 Neue Verfolgungen 

und im iVugust nach Spanien und Portugal, wohin Julius II., 
der von den Drohungen des Sultans sehr ergriffen war, ein 
Schreiben mitgab. Die Autwort des spanischen Königs ist nicht 
bekannt. Der König von Portugal erwiderte, der Heilige Vater 
möchte sich wegen der Drohungen des Sultans nicht zu sehr 
ängstigen ; wenn Gott in Zukunft seine Waffen weiter segne, 
so hoffe er sich eines Tages der Stadt Mecka zu bemächtigen 
und das Grab des Propheten in Medina zu zerstören. Der Papst 
möge die christlichen Fürsten einigen und für diese Pläne 
gewinnen. 

Obgleich die Sendung des P. Maurus ohne den erhofften 
Erfolg geblieben war, zögerte Sultan Qansu mit der Ausführung 
seiner Drohungen, bis die schwere Niederlage der ägyptischen 
Flotte im Golf von Ayas seinen Zorn aufs höchste steigerte. 
Unter Bedeckung von 28 Galeeren waren die Lastschiffe des 
Sultans in die Gewässer von Ayas an der kleinasiatischen Küste 
gefahren, um daselbst Holz und Kriegsmaterial zu laden, von 
der Flotte der Rhodusritter aber am 23. August 1510 über- 
fallen worden; einige Schiffe wurden verbrannt, andere in den 
Grund gebohrt und die übrigen nach Rhodus gebracht. 

Die Nachricht von dieser Niederlage reizte den Sultan 
ungeheuer. Er ließ alle abendländischen Schiffe, die sich in 
den Häfen Ägyptens und Syriens befanden, mit Beschlag be- 
legen, die christlichen Kaufleute, im ganzen mehr als 1000 Per- 
sonen, gekettet nach Kairo bringen und ihre Waren im Werte 
von 500 000 Dukaten wegnehmen. Natürlich blieben die Fran- 
ziskaner nicht verschont. Wie ein venezianischer Kaufmann 
am 7. Januar 1511 schrieb '), wußten „gewisse Gläubige", wahr- 



1) Am 7. Januar 1511 schrieb Matthias von Colty dem venezianischen 
Kanzler Filetti auf Kreta: „Quando fo la furia de l'armata sua, per certi fidclj 
11 fo detto come in Jeruxalem hera arme per persone 1000, et artegliarie 
assai et danarj et argenti assaj, unde el ditto signor soldan niandö uno 
castellan a veder et internier de tal cosse et li prexe tut] li fratj, et parte 
mandö al Caiero, et li altri, che rimaxe, battette crudelmente sotto i piedi, el 
corpo, el culo, adeo per forza, li fo appelontar dove herano li denarj et robe, 
et trovono da ducati 4000, et arzenti, calexi, paramenti, tapezarie et altro 
mobile, per ducati 6000; et monicion non fo trovata, per non esser la veritä, 
quello se diceva. Poi tolseno quel chomanda, et lo messo in croxe et fece 
Stare tre zornj, cussi volendo che dicesse quello che non sapeva. El quäle 



Neue Verfolgungen 139 

scheinlich die Georgier, Qansii Guri zu überbringen, „wie in 
Jerusalem Waffen für 1000 Personen und genügende Artillerie 
und Geld und Silbergerät sei, weshalb der Sultan einen Boten 
hinsandte, um die Sache zu untersuchen. Dieser nahm alle 
Brüder gefangen und sandte einen Teil derselben nach Kairo. 
Jene, die zurückblieben, ließ er grausam unter den Füßen und 
über den Körper . . . schlagen, um zu erfahren, wo das Geld 
und die Wertgegenstände seien. Man fand 4000 Dukaten und 
Silbersachen, Kelche, Paramente, Teppiche und anderes im Werte 
von 6000 Dukaten, aber keine Waffen, da die Anklage nicht 
auf Wahrheit beruhte. Dann ergriff man den Obern 0, spannte 
ihn aufs Kreuz und ließ ihn so drei Tage stehen, um von ihm 
zu hören, was er nicht wußte. Doch gestand er, daß er 1242 
für die Kirche bestimmte Dukaten hatte. Man nahm alles fort 
und gab dem Sultan Nachricht. Dieser ließ nun die Brüder in 
Freiheit setzen, stellte sie aber unter Aufsicht, während die 
beschlagnahmten Gegenstände und das Geld bis auf weitern 
Befehl des Sultans auf eine Kammer gebracht und daselbst 
versiegelt wurden". Die Klöster und die Kirche des Hl. Grabes 
wurden geschlossen ^). 

Doch dauerte dieser Zorn des Sultans nicht lange. Nach- 
dem die erste Aufregung vorüber und sein Geist ruhigem Cber- 



confessö haver ducati 1242 de contadj, i quali herano denarj per spendor per 
la jesa, et tuti tolse, et scrisse al signor soldan, el quäle fece lassar i frati, 
ma stano con guardia, et tuto robe ot denari messo in una camera, et quella 
bollada, fln altro ordine el signor soldan"; Sanuto XII Sp. 154. Einiges wird 
auch berichtet vom Verfasser der Annales Ragusini anonymi. In: Monuraenta 
spectantia historiam Slavorum meridionalium, XIV, Agram 1883, 96; er gibt 
als Wert der gefundenen Geräte 5000 Dukaten an. Vgl. auch in demselben 
Bande S. 275 die Annales des Nikolaus von Ragnina. 

1) Es war P. Bernardinus von Siena; vgl. Golubovich, Serie 42, 
nicht, wie Schcfer, Thenaud 4 Anm. 2, sagt, P. Franz Surian, der sein 
zweites Triennium 1512 antrat. 

'-) Nicht bloß für die Lateiner, wie Thenaud sagt: „Le Souldan d'Egypte 
et de Babillonye . . . detenoit en prison le gardien et les religieux de Hieru- 
salem, lesquelz avoit oste du Sainct Sepulchre en le fermant ä tous les La- 
tins"; Sehe f er, Thenaud 4, sondern für alle Christen. Der venezianische 
Gesandte Trevisan sagt ausdrücklich: „I/eglise du Saint-Söpulcre fermee de- 
puis deu.x ans et dans laqueile aucun chreticn ne pouvait entrer" ; Schefer, 
Thenaud 200. 



j^40 Neue Verfolgungen 

legungen zugänglich geworden war, gelang es dem gleichfalls 
gefangenen französischen Konsul Philipp von Perez, Qansu 
Guri durch einen ergebenen Mittler auf den König von Frank- 
reich hinzuweisen, der ihm als der mächtigste unter den christ- 
lichen Herrschern gute Dienste in den obwaltenden Schwierig- 
keiten leisten und bei seinem Vasallen, dem Großmeister von 
Rhodus, die Herausgabe der erbeuteten Schiffe erwirken könnte ^). 
Der Sultan griff den Gedanken auf und beschloß, Boten nach 
Rhodus und Frankreich zu senden, während andere Gesandte, 
unter ihnen der süddeutsche Franziskaner P. Nikolaus Wanckel, 
nach Rom geschickt wurden. „Ich wurde", erzählt dieser, „ge- 
fangen nach Kairo vor den Sultan geführt und dann nach Rom 
geschickt zum Hl. Vater dem Papste, und darnach wiederum 
gen Kairo zum Sultan, in dessen Gegenwart und Angesicht ich 
dreimal gewesen bin" ^), 

Nach Rhodus gingen zwei Franziskaner und ein Katalo- 
nier, die aber beim Großmeister nichts erreichen konnten. Die 
Auslieferung der Schiffe lehnte derselbe ab; er habe gewußt, 
daß die erbeuteten Schiffe gegen Rhodus ziehen sollten, und 
sie daher mit vollem Rechte weggenommen. Wenn der Sultan 
drohe, das Hl. Grab zu zerstören, so sei das nicht ernst zu 
nehmen, da er sich hierdurch selbst schaden und der Einnahmen 
berauben würde, die er von den Pilgern hätte. Wenn er aber 
den Franziskanern zu Jerusalem ein Leid zufügen wollte, so 
sei für diese die Zeit gekommen, etwas um des Namens Jesu 
Christi willen zu leiden^). 

Mehr Erfolg hatten die beiden anderen Brüder, die mit einem 
aus Ragusa stammenden Kaufmann an den französischen Hof 

1) Der venezianische Konsul Thomas Contarini schrieb am 13. ^lärz 
1511 aus Kairo an den Befehlshaber von Kreta Miani, daß der Sultan in allem 
dem französischen Konsul zu gefallen suche, da dieser ihm vieles, besonders 
für Indien, verspreche, daß der Sultan aber der Republik feindlich gesinnt 
sei; Sanuto XII Sp. 308. 

-) Kurtze Vermerkung Bl. Bij^. Die Worte des P. Nikolaus lassen an- 
nehmen, daß er nicht von Rom weiter nach Frankreich ging. Colty schreibt 
am 7. Januar löll von zwei Brüdern, die an der Vigil von Weihnachten von 
Alexandrien nach Rom fuhren und von dort sogleich nach Frankreich gehen 
sollten; Sanuto XII Sp. 154. 

3) Sanuto XII Sp. 308. 



Neue Verfolgungen 14l 

abgesandt wurden. Qansii Guri gab ihnen einen Brief an 
Ludwig XII. mit, in dem er zunächst einen Rückblick auf sein 
früheres Verhalten gegen die Franziskaner und die hl. Stätten 
wirft. Er habe den Brüdern erlaubt, im Hl. Grabe und in den 
andern Klöstern seines Reiches notwendige Arbeiten vorzu- 
nehmen, sie und ihre Häuser den Beamten empfohlen, sowie 
jede ihnen zugefügte Unbilde bestraft, bis der Verrat und Treu- 
bruch des Herrn von Rhodus erfolgte. Auf diesen hin habe 
sein Rat es für gut befunden, strenge Maßregeln zu ergreifen, 
weshalb er das Hl. Grab und die Klöster schließen, den Guar- 
dian und die Brüder vorführen und alle goldenen und silbernen 
Geräte beschlagnahmen ließ, da sie zur Jurisdiktion des Herrn 
von Rhodus gehörten. Dieses Verhältnis wollte er jetzt ändern; 
es sei sein Wille, das Hl. Grab der Herrschaft und der Regie- 
rung des Königs von Frankreich zu unterstellen; das gleiche 
wolle er für die übrigen hl. Orte verfügen und sie den vom 
König bezeichneten Ordensleuten übergeben. Auch werde er 
den aus Frankreich kommenden Schiffen und Waren freies Ge- 
leite gewähren. Bisher habe er die venezianische Nation mehr 
als die andern Franken geschätzt; jetzt gelte seine Bewunderung 
den Franzosen, weshalb er die gegenseitige Freundschaft noch 
fester begründen wolle ')• 

Man begreift leicht, daß dieses Schreiben am französischen 
Hofe große Begeisterung weckte und den Boten des Sultans 
die beste Aufnahme erwirkte. Ludwig XII. beschloß, einen Ge- 
sandten nach Kairo zu senden, der die schwebenden Fragen 
mit Qansu Guri besprechen und die Beziehungen fester knüpfen 
sollte. Seine Wahl fiel auf seinen Sekretär Andreas Le Roy, 
den auf Wunsch der Herzogin Luise von Savoyen der Guardian 
der Franziskaner zu Angouleme, P. Johann Thenaud, begleitete. 
Er sollte für die Herzogin an den hl. Stätten beten und in ihrem 

') Der vom 10. November 1510 datierte Brief des Sultans an König Lud- 
wig XII. ist mitgeteilt von Sanuto XII Sp. 624-630. Es heißt daselbst Sp.629: 
„ß parso di nostra voluntä constituire in vostro dominio et regimento el sacro- 
santo sepulcro, et quello stare per nome de vostra serenitä, e per simile tutti 
altri lochi sacri, et comandaremo et ordineremo . . . fare aprire lo sacrosanto 
sepulcro et li ailri lochi sacri et consigiiarli a li religioii, che per vostra 
serenitä sarä ordinato." 



i4^ Neue Verfolgungöii 

Namen an der Krippe des Erlösers Gold, Weihrauch und Myrrhe 
opfern. 

Diese Beziehungen des ägyptischen Hofes zum französi- 
schen Könige wurden von der Republik Venedig mit großer 
Eifersucht verfolgt. Ihr Konsul Contarini hatte alles genau 
beobachtet und seine Regierung auf dem laufenden gehalten. 
Mit Genugtung hatte er den Mißerfolg wahrgenommen, den die 
Sendung der ägyptischen Boten in Rhodus hatte. Es w^ar der 
erste Stoß, den das von Qansu Guri dem französischen Konsul 
Perez geschenkte Vertrauen erhielt ; der Sultan habe eingesehen, 
schreibt Contarini, daß Perez „ein falscher und verlogener 
Mensch" sei 0- Jetzt galt es der Gefahr, die Venedig von der 
französischen Gesandtschaft drohte, entgegen zu wirken. Zu die- 
sem Zwecke beschloß die Republik, gleichfalls einen Boten nach 
Kairo zu senden, und bestimmte hierfür Domenico Trevisan. 
Er sollte die Handelsbeziehungen mit Ägypten erneuern und 
erwirken, daß die Franziskaner in ihre Klöster und Heiligtümer 
zurückkehren könnten, sowie daß die Sicherheit der Pilger ge- 
währleistet werde. 

Es war für die hl. Stätten ein Glück, daß der gewandte 
Venezianer Trevisan in dieser Angelegenheit nach Kairo ge- 
schickt wurde. Während der französische Gesandte durch sein 
„hohes" Auftreten den Sultan verletzte ^), wußte Trevisan das 
Wohlwollen Qansus in besonderem Maße zu gewinnen. Der 
Sultan, der ihn am 10. Mai 1512 zum ersten Male empfing, 
rühmte dem Dogen die „Klugheit, den Geist, die Gewandtheit, 
die guten Formen und Antworten" des Gesandten, die ihn be- 
stimmt hätten, seine Bitten zu erfüllen ^). Eine dieser Bitten 



1) Vgl. den Brief Contarinis vom 13. März 1511 bei Sanuto XII 
Sp. 308; es heißt daselbst: „questo console de' catellani osser homo falso e 
biisardo." 

2) Vgl. den Bericht des Markus Antonius Trevisan vom 4. Sep- 
tember 1512 bei Sanuto XV Sp. 202—208; es heißt daselbst Sp. 206: 
„L' orator francese, quäl essendo a 1' audientia di Soldan, come e costume de' 
francesi, volse parlar un poco altamente su la richiesta di far aprir el Santo 
Sepulchro, el Soldan li disse vilania." 

^) Sanuto XV Sp. 265; der Sultan rühmt „prudentia, pien d' intelecto, 
et pi'aticha, et boni costumi, et bone risposte al nostro conspecto nobile." 



Neue Verfolgungen 143 

War dem französischen Gesandten bereits abgeschlagen worden; 
vergebens hatte dieser gebeten, daß die Grabeskirche wieder 
geöffnet und den Brüdern zurückgegeben werde. Trevisans Ge- 
such fand Gehör Oj c^ie Gefängnisse öffneten sich, und nach 
zweijähriger Haft konnten die Franziskaner im Sommer 1512 
nach Palästina zurückkehren ^). 

Wie uns Siirian berichtet ^), hatte der wegen seiner Tu- 
gend und Klugheit vom Sultan und allen Bewohnern Kairos 
hoch" verehrte koptische Patriarch unsern Gefangenen große 
Liebe erzeigt; die Bemühungen der Franziskaner, den von Su- 
rian mit dem hl. Patriarchen Johannes von Alexandrien ver- 
glichenen Prälaten für die Wiedervereinigung mit Rom zu ge- 
winnen, blieben jedoch ohne Erfolg. 

Zu Jerusalem erwartete die Brüder ein großer Schmerz. 
Die Georgier hatten die Abwesenheit der Franziskaner ausge- 
nützt und sich, sobald die Basilika des Hl. Grabes wieder ge- 
öffnet war, in den Besitz des ganzen Kalvarienberges gesetzt; 
der Altar der Lateiner wurde zerbrochen und ihre Lampen 
entfernt, den Brüdern sogar der Zutritt zum Kalvarienberge 
verwehrt ^). Surian, der um diese Zeit zum zweiten Male an 
die Spitze der Mission gestellt wurde, war nicht der Mann, um 
ohne Kampf die alten Rechte preiszugeben, und stritt, wie er 



1) Ebd. Sp. 206: „L' orator andö dal Soldan et domandoli de gratia che 
i frati de Jerusalem fosseno liberati et che potesseno ritornar a le sue devu- 
tion ai soi lochi, e che la nostra galia de pelegrini potesse venir al suo viazo 
con i pellegrini justa il consueto. Soa signoria fu contenta e compiacete 
r ambasador con questa condition eh' el voleva che 1' aprir del Sancto-Sepulcro 
fosso deferido fino al zonzer della nostra galia de pelegrini al Zafo; sichö i 
frati di Jerasalem sono andati ai lochi santi di Jerusalem; b stä bella con- 
cession hessendo sta negata a 1' orator francese". Vgl. auch Golubovich, 
Trattato di Suriano S. LV Anm. 1, wo ein Auszug des Berichtes des M. A. Tre- 
visan mitgeteilt ist. 

-) Der Tag der Rückkehr wird nicht angegeben. Aus dem Berichte 
Paganis ersehen wir, daß Trevisan mit dem Guardian am 27. Juni 1512 in 
Matarich war (Sehe f er, Thenaud 201), während Thenaud die Brüder Ende 
August desselben Jahres schon in Jerusalem traf (ebd. 94). 

3) Trattato 78. 

*) Surian, Trattato 3t Anm. 1: „Rompendono lo altare ole lampade, 
priuando li Frati che non poteuano piii andarui." 



]^44 Neue Verfolgungen 

selbst erzählt ^), ein ganzes Jahr mit den Georgiern, bis er eiii 
günstiges Urteil erfochten hatte. 

Beide Teile brachten ihre Zeugnisse und Gutachten vor 
den Sultan. Da sich die Urkunden widersprachen und die 
Frage nicht klar stellten, der Sultan aber keinem mißfallen 
wollte^), übertrug er die Entscheidung des Falles dem Kadi 
von Jerusalem. Dieser beschied im Juli 1513 die Parteien auf 
den Kalvarienberg und setzte die in der Mitte stehende Säule 
als Grenze fest; ein Gitter sollte ober- und unterhalb derselben 
aufgestellt werden, um die streitenden Parteien zu trennen. 
Den Franziskanern wurde wie früher der rechte Teil des Berges 
zugesprochen, während der linke den Georgiern verblieb^). 
Betreffs der unter Golgatha gelegenen Adamskapelle wurde 
den Georgiern das von den Pilgern'*) bezeugte Besitzrecht be- 
stätigt, den Lateinern aber ein Schlüssel und das Recht zuge- 
standen, so oft sie wollten, einzutreten und daselbst Kerzen 
anzuzünden ■'). Die Energie Surians, die im Orient unvermeid- 
lichen Geldspenden*^) und die Unterstützung des französischen 
Gesandten") hatten diese glückliche Lösung bewirkt; letzterer 
half insbesondere, daß der von den Georgiern zerstörte Altar 
der Lateiner wieder hergestellt wurde. Die damals festgesetzte 

1) Ebd.: „Litigai con loro tutto uno anno." 

-) Ebd. 75 Anm. : „Lo soldano non 1' ha voluta decidere per non scompia- 
cere a loro overo ad noi." 

•') Urkunde in Schublade 25 des Prokuraarchives. Calahorra, B. IV 
K. 32, meint, Surian habe, um nicht den ganzen Berg zu verlieren, „aus der 
Not eine Tugend gemacht" und die Hälfte abgetreten; ähnlich Schefer, The- 
naud Einl. S. LXVI. Daß dies nicht zutrifft, ergibt sich schon daraus, daß 
unsere Brüder nie den ganzen Berg besaßen. 

■*) So sagt Rochechouart, Journal 256: „Tenent altare sub monte 
Calvarie." 

5) Dies ist der Sinn des vom Kadi gefällten Urtciles, und domentsprechend 
muß verstanden werden, was Surian, Trattato :34 Anm. 1, sagt: „Li tolse 
la chiesia che teniuano sotto el preditto Monte." Öfter wird diese Kapelle 
mit der nahen Kapelle verwechselt, die den Abessiniern gehörte; vgl. Harff 
175 und Fabri I 805: „Capeila praefata [in qua sunt sepulti reges latini] sub 
monte Calvariae est Christianorum de Nubia, qui ibi officia sua celebrant." 

•■') Vgl. Surian, Trattato 34: „Spendesse molti danari" ; und 216: „lo 
alquante ne fici conrompere per redimere la vexation nostra del sancto monte 
Calvario contra li Gorziani, nostri inimici, del MDXIV." Wenn nicht in dieser 
Jahreszahl ein Irrtum steckt, müssen wir auf eine Wiederholung der georgischen 
Intrigen im Jahre 1514 schließen. ") Schefer, Thenaud 96 und 119. 



Hl. Stätten der Franziskaner 145 

Grenze gilt für uns noch heute; die Brüder behüten bis in die 
heutige Zeit den rechten oder südlichen Teil des Kalvarien- 
berges, während die linke Hälfte um die Mitte des 17. Jahr- 
hunderts von den Georgiern an die Griechen überging. 

Hier bietet sich eine Gelegenheit, die von den Franzis- 
kanern am Ende des Mittelalters verwalteten Heiligtümer Palä- 
stinas zusammenzustellen und eine Übersicht über die morgen- 
ländischen Riten oder Konfessionen, die neben ihnen im Hl. Lande 
weilten, zu geben. Die Reisebücher der Pilger verzeichnen mit 
Vorliebe die Nachrichten, die sie hierüber von den Brüdern 
oder aus den Büchern der Klosterbibliothek erhielten *). 

Auf dem Sion hatten die Franziskaner die Kapelle der 
Herabkunft des Hl. Geistes verloren, behaupteten aber die beiden 
andern von Sultan Nassir dem sizilianischen Königspaare ge- 
schenkten Heiligtümer^). P. Anselm von Krakau, der 1508 in 
Jerusalem weilte, hat eine genaue Beschreibung des Abend- 
mahlssaales und der Umgebung überliefert^). Vor der Mitte 
der Ostwand erhob sich der Altar, der dem Abendmahle des 
Erlösers und der Einsetzung des heiligsten Sakramentes geweiht 
war. Rechts von demselben hatten die Brüder in der Südost- 
ecke den Altar der Fußwaschung aufgestellt, während die 
Kreuzfahrer als Ort derselben den Raum unter dem Abend- 
mahlssaale verehrt hatten "*). In der Mitte des Zönakulums sah 
Anselm rings um die zwei Marmorsäulen, die das Gewölbe tragen, 
das Chor und die Chorstühle der Brüder. Die Gläubigen nah- 
men auf den Seiten Platz ^). Eine Türe in der Südwand führte 



1) Vgl. Guglingen 181. — Die Klosterbibliothek wird von mehreren 
Pilgern erwähnt; vgl. Tucher, Reyßbuch 306; Baumgarten 99. 

2) Bei dieser Gelegenheit wollen wir ein Versehen korrigieren, das S. 43 
in der Anmerkung unterlaufen ist. Es soll dort heißen: „Merkwürdig ist, daß 
Felix Fabri, Evagatorium 11 319, den König Robert selbst nach Jeru- 
salem pilgern und persönlich mit dem Sultan in Ägypten verhan- 
deln läßt, sowie daß P. Walther" usw. Der Satz: „Da beide..." fällt fort. 

3) A. a. O. 789. 

*) Die Überlieferung über den Ort der Fußwaschung wechselte wieder- 
holt; vgl. Tobler, Topographie 11 106 ff. 

5) Ghistele 73: „In t'incommen zo staen in den midden twee pilaren 
van steenen, daer an ghemaect is een maniere van eenen Choor van berderen, 
daermen rondomme gaen magh." 

Franzisk. Studien, Beihert 4: Lemmens, Die Franziskaner auf dem Sion. 10 



1 46 Hl. Stillten der Franziskaner 

auf den anmutigen, unter freiem Himmel gelegenen Umgang, 
unter dem das Refektor der Brüder lag ^). Auf diesem Gange 
kam man, am Zönakulum nach Osten entlang schreitend, zu 
einer hinter demselben aufsteigenden Treppe von dreizehn 
Stufen, die zur Kapelle des Hl. Geistes geführt hatte. Unter 
dieser Kapelle lag die Sakristei der Brüder und daneben die 
kleine Kapelle des hl. Thomas, die Stätte, an der der aufer- 
standene Erlöser den Jüngern erschien und dem zweifelnden 
Apostel seine Seitenwunde darbot ^). An dieselbe schloß sich 
das „Oratorium der seligsten Jungfrau" an, der Raum, In dem 
die Legende Maria nach dem Tode Jesu der hl. Messe bei- 
wohnen und die hl. Kommunion empfangen läßt ^). Das Dach 
des Zönakulums war flach und bot den Einblick in das der 
Decke beraubte Heiligtum der Herabkunft des Hl. Geistes ^). 

Am Wege, der vom Zönakulum zum Siontore führt, be- 
suchten die Pilger den mit Steinen umzäunten Raum, in dem 
das Sterbehaus der Gottesmutter gestanden hatte ^). Die Stätte 
gehörte schon lange den Lateinern; unter den von der Matrone 
Sophia ^) erworbenen Weingärten und Äckern nennt Urban V. 
1363 auch „den Ort, an dem die seligste Jungfrau zum Himmel 



1) A. a. O. 789: „In medio coenaculi est chorus fratrum cnm stallis . . . 
In hoc coenaculo est triplex ostium, nnum a dextra versus occidentem, et 
istud fere nunc seraper clauditur, forte propter metuni Maurorum ; aliud versus 
austrum, ad ambitum fratrum amoenissimum, qui est sub dio juxta praedictum 
coenaculum, et sub illo arabitu est refectorium. Tertium ostium est inferius 
de coenaculo subtus ad capellam S. Franclsci, ubi etiam est dormitorium 
peregrinorum." Vom Kloster sagt Fabri: „Septa sunt satis stricta, strictus 
ambitus, parvae cellae"; Evagatoriura I 280. 

'^) Ebd. 790: „Subtus istud coenaculum [S. Spiritusl est etiam sacristia 
fratrum. Et juxta parietem sacristiae est capella parvula, ubi Dominus Jesus 
apparuit discipulis suis in die resurrectionis suae, Thoma absente, et ibidem, 
apparuit in octavis resurrectionis, Thoma praesente." Vgl. Fabri, Evaga- 
toriura I 245; Guglingen 149. 

^) Von diesem Oratorium sagt Fabri: „Est juxta angulura ecclesiae, 
qui angulus unit niurura ecclesiae venientem ab Oriente cum muro veniente a 
raeridie"; Evagatorium I 251. 

*) Ebd. 789: „Coenaculum grande non habet tectum supra testudinem, 
sed solam testudinem planissiraam, de quo videtur illud coenaculura S. Spiri- 
tus, quod non habet testudinem, sed sub dio." 

s) Evagatorium I 272. ß) Vgl. oben S. 75. 




Alis Ben-. Aiiiico, TraMalo &A\c I'ianto fiim Ki);)). 
Abb. 6. Grundriß des Sionklosters. 

A „Grab Davids". IT „Oratorium Mariens". 

R Sakristei, darüber Kapelle des 111. I Binnenhof des Klosters. 

Geistes. K Kloster^anjj. 

D E Unterer und oberer Saal des L Türe der Kirche. 

Abendmahles. M Schlalraum der Pilger. 

F Treppe zum obern Abendmahls- N Klosterpforte. 

saale. P Außentreppe zum obern Abend- 

G Kapelle des hl. Thomas. mahlssaale. 

10* 



148 Hl. Stätten der Franziskaner 

ging" 0- Alsbald hatte sich der Wunsch geregt, hier ein Gottes- 
haus zu errichten, und Gregor XI. 1373 dem Vorsteher des an- 
stoßenden Marienhospitales -) die Erlaubnis erteilt ^). Der Bau 
kam aber nicht zur Ausführung; wir nehmen, wohl mit Recht, 
an, daß die Zustimmung der Regierung ausblieb. Hundert Jahre 
später versuchte man es aufs neue ; die bessern Zeiten ließen die 
Brüder hoffen. Wie uns Fabri erzählt, bemühten sich die Fran- 
ziskaner bei seinem zweiten Aufenthalte zu Jerusalem am Hofe 
des Sultans Quat Bei um die Bauerlaubnis und waren voller 
Hoffnung, dieselbe zu erhalten. Später hörte Fabri, daß sie 
wirklich erteilt und die Kapelle mit großen Kosten von den 
Brüdern erbaut, von den Sarazenen aber alsbald zerstört sei. 
Wir vermuten, daß bei diesem letzten Gerüchte die auch an- 
dern Pilgern'') widerfahrene Verwechslung mit dem „Oratorium 
Mariens" neben der Kapelle des Hl. Geistes unterlaufen ist, 
und daß man das dieser Kapelle tatsächlich beschiedene Schick- 
sal auf jene Stätte übertragen hat. Das von den Franzis- 
kanern auf der Stätte der Dormition geplante Gotteshaus kam 
nicht zustande: es war andern Zeiten vorbehalten, diesen ihren 
Wunsch zu erfüllen. Die nächsten Pilger sahen dort, wie 1523 
Philipp von Hagen ^), nur die den Platz umschließenden Steine. 

Während es so den Brüdern nicht gelang, auf dem Hl. Berge 
Sion Fortschritte zu machen, waren ihre Bemühungen in der 
Grabeskirche von besserem Erfolge gekrönt. Die Liste der hier 
von ihnen verwalteten Stätten und der Orte, an denen sie 
Lampen oder Kerzen anzünden durften, wuchs in den Pilger- 
schriften ständig. 

Markgraf Nikolaus von Este traf 1413 in der Grabeskirche 

1) Er sagt im Breve „Licet is" vom 13. Dezember 1363: „Cum Sophia 
in Monte Sion . . . nonnullas possessiones et terras fructiferas, vineatas et ar- 
boratas dicto hospitali propinquas, in quibus locus esse dicitur, in quo B. 
Virgo migravit ad coelum, . . . a Soldano Babyloniae pro magna t'lorenorum 
summa . . . emerit" ; B F VI Nr. 899 ». 

2) In seinem Breve „Ex fecundo" vom 6. April 1364 nennt Urban V. 
das Hospital „B. Mariae de Monte Sion"; BF VI Nr. 906. Ebenso Gregor XI. 
im Breve „Devota fidelium" vom 22. Juni 1372; BF VI Nr. 1103. 

3) Im Breve „Licet is" vom 1. März 1373; BF VI Nr. 1252. 

*) U. a. Philipp de Voisins 28 und Nikolaus von Farnad Bl. XVij'. 
•'') Conrady 253: „Daz selb ort ist mit steinen umb leit wie ein zun." 



150 Hl. Stätten der Franziskaner 

vier Altäre, an denen die Lateiner zelebrierten, an; zwei waren 
in der Marienkapelle, einer im Hl. Grabe und einer auf Golga- 
tha 0; Marian von Siena^) und andere berichten dasselbe. 
Später ergänzen mehrere, wie Tücher^), Fabri"*) und Nikolaus 
von Farnad ^), einen fünften Altar, der in der Kreuzauffindungs- 
kapelle stand. Ersterer sagt: „Zum ersten haben inne die Bar- 
füßermönche, die unsers Glaubens sind, das Hl. Grab; darin 
brennen sie Tag und Nacht drei Ampeln, und sechszehn Ampeln 
halten die andern Glauben. Im Hl. Grabe darf niemand Messe 
halten ohne der Barfüßer Erlaubnis; denn stets sind zum we- 
nigsten zwei Barfüßerbrüder Tag und Nacht im Tempel. Auch 
haben sie inne unserer lieben Frau Kapelle, darin sie stets drei 
Ampeln brennen. Neben derselben Kapelle und dahinter haben 
sie ihre Wohnung, da sie essen, trinken und schlafen. Ohne 
ihren Willen darf auch niemand Messe lesen in dieser Kapelle. 
Mehr haben sie einen Altar auf dem Berg Calvarie inne und 
haben drei Ampeln inne vor dem Loch in dem Stein, darin das 
hl. Kreuz gestanden ist. Mehr haben sie inne einen Altar und 
eine Ampel neben der Auffindung des hl. Kreuzes. Mehr haben 
die Barfüßer stets eine Ampel brennen ob dem Steine, da der 
Leichnam unsers Herrn Jesu Christi seiner lieben Mutter auf 
ihren Schoß gelegt, als er vom hl. Kreuze genommen ward." 
Fabri gibt die gleichen Nachrichten und ergänzt, daß die 
Franziskaner die Schlüssel der Grabeskapelle besitzen und 
diese nach Belieben öffnen und schließen sowie am Hl. Grabe 
zelebrieren, wie sie es für gut finden ^). Es sei „zu verwundern, 
daß die Christen der anderen Sekten diese Vollmacht der La- 
teiner dulden, da von keiner so wenige Christen in Jerusalem 
wohnen als von den Lateinern und diese sich in Lebensweise, 



1) Ghinassi 124 und 125. 

-) Viaggio 90: „Sonvi quattro luoglii, dove noi Latini potiamo dir Messa." 

•"*) Reyßbuch Bl. SöS--; vgl. Grünemberg 101. 

4) Evagatorium I 348. 

^) Compendiosa descriptio Bl. III'": „Nos Fratres Minores habemus qiiin- 
que altaria, duo in sacello beate virginis, ununi ipsum sanctum sepulchruni, 
unum in monte Calvarie et imura in loco, ubi sancta crux est inveuta." 

") Vgl. oben S. 51 Anm. 3. Nikolaus von Farnad Bl. IV"": „Nullus na- 
tionum habet quicquam auctoritatis circa sanctum Domini sepulchruni nisi nos 
Fratres Minores." 



PIl. Stätten der Franziskaner 151 

Sitten, Kleidung und Sprache mehr als die andern Christen von 
den Sarazenen unterscheiden." Die Brüder verdankten diese 
Fortschritte ihrem zielbewußten und opferJreudigen Handeln, 
der Sorgfalt, mit der sie eine jede günstige Gelegenheit wahr- 
nahmen und ausnützten, und den großen Mitteln, die ihnen das 
christliche Abendland gab. Schon damals galt in der Grabes- 
kirche der gleiche Wettlauf der einzelnen Konfessionen und 
dieselben eifersüchtigen Bestrebungen um Vermehrung der 
Rechte wie heute, sie scheinen sich sogar am Ende des Mittel- 
alters besonders geltend gemacht zu haben. Während Tucher 
und Fabri z. B. um 1480 nur neunzehn Lampen im Hl. Grabe 
zählten, von denen drei den Lateinern gehörten, sah der un- 
garische Franziskaner Nikolaus von Farnad, der 1517 in Jeru- 
salem weilte, daselbst bereits 39, von denen 11 durch die Brü- 
der bedient wurden, und die Zahl der über die ganze Basilika 
verteilten Lampen war auf dreihundert gestiegen; 27 gehörten 
den Lateinern '). 

Außer dem Sion und der Grabeskirche gelang es den 
Franziskanern nicht, innerhalb der Hl. Stadt irgendeine Stätte 
zu erwerben. Einzig und allein erreichten sie mit großen Geld- 
opfern, daß sie am Lithostrotos in eine Mauer die zwei Steine 
einmauern lassen konnten, auf denen nach der Tradition der 
Heiland und Pilatus beim Urteilsspruche gestanden ^). Die in 
der Nähe gelegene Geißelungskapelle war Pferdestall geworden 



1) A. a. 0. Bl. III"": „In templo Domini in diversis locis sunt 300 lam- 
pades, sed non semper ardentes, nisi in solomnitatibus maloribus." Bl. III ^: 
„In sepulchro . . . ardent trlginta novem lampades, quas fovent oleo nationes, 
que habitant intra sanctum templum, e quibus nos Fratres Minores habemus 
curam undecim lampadarum, demptis illis que sunt in aliis locis templi, in 
quo diversis in locis habemus curam viginti septem lampadarum." Wanckel 
sah einige Jahre früher weniger Lampen in der Grabeskirche; vgl. Kurtze 
Vermerkung Bl. Diiij'': „All lampen zusammen... sein bei 200." 

2) Anselm von Krakau 793: „In platea juxta domum Pilati . . . Do- 
minus est sententiatus a Pilato sedente pro tribunali ... In quo muro quidam 
guardianus cum suis fratribus Minorum obtinentes pretio magno ad Soldanum, 
infixerunt duos lapides magnos illi muro, unum album, in quo stetit Dominus 
Jesus judicatus, alium, in quo stetit aut sedit Pilatus judicans." Diese Steine 
werden auch von andern erwähnt; vgl. Guglingen, Itinerarium 279; Fabri, 
Evagatorium I 3:0; Surian, Trattato 90. 



152 Hl. Stätten der Franziskaner 

UDd blieb den Pilgern verschlossen ^), und die an derselben 
Straße gelegene Geburtsstätte Mariens konnte nur mit großer 
Mühe und Gefahr von Christen besucht werden ^). Die Pilger 
mußten sich, wie Nikolaus von Farnad erzählt ^), meist damit 
be.2:nügen, auf dem Wege einige Gebete zu verrichten. 

Mehr Erfolg hatten die Franziskaner im Tale Josaphat 
und den ostwärts gelegenen Orten. Die über dem Grabe Ma- 
riens erbaute Kirche stand allen christlichen Bekenntnissen 
offen, und alle konnten nach Fabri an dem über dem Grabe 
selbst errichteten Altare zelebrieren; außerdem besaßen hier die 
Lateiner ihren besondern nach Norden gelegenen Altar ^). 

In der nahen Grotte der Todesangst Jesu hatten nur die 
Lateiner einen Altar '") ; er stand gegen Osten gerichtet ^) und 
nach der Tradition an der Stelle, auf der der Engel erschien, um 
den Erlöser zu stärken '). Mehrere Male wurde der Altar, wie 
Surian sagt, „aus Neid" zerstört und immer wieder von den 
Brüdern aufgebaut, bis sie endlich den ruhigen Besitz errangen ^). 

Die Kirche der Himmelfahrt auf dem ölberge stand unter 
Obhut eines Sarazenen; die Franziskaner hatten indes einen 



1) Surian, Trattato 92: „AI presente e facta stala de cavali." Fabri 
erzälilt, wie er in Abwesenlieit des sarazenisclien Herrn eintreten konnte; 
Evagatorium II 135. 

-) Surian, Trattato 93: „Cum grandissima difficultä vi possono appena 
intrarvi;" vgl. Fabri II 130. Deshalb ist die Nachricht, daß ein Ferman im 
15. .Jahrhundert den Brüdern gestattet habe, „in der Krypta Messe zu lesen", 
unwahrscheinlich; Meist er mann -Huber 195. Im Archiv der Prokura ist 
nicht ein solcher Ferman. •'') Bl. IX f. 

^) Fabri, Evagatorium I 375: „In ipso sepulchro . . . est locus cele- 
brandi omnium Christianorum, cujuscumque ritus sint, nee est alicui appro- 
priatus locus llle. Caetera vero altaria illius ecclesiae sunt ritibus aptata . . . 
quartum ad aquilonem in angulo est Latinorum." Eine ganz andere Beschrei- 
bung dieser Kirche gibt hundert Jahre später Bernardino Amico. Er sagt 
von dem Altare über dem Grabe: „E de 'nostri Padri, ne vi puö celebrare 
nessuno senza nostra licenza"; Trattato delle Plante 51. Die nach Norden 
gelegene Kapelle weist er den Surianern zu. 

5) Surian, Trattato 102 Anm. : „In questa grota habiamo uno altare; 
e . . . non lo ha verun' altra natione." 

'^) Nikolaus von Farnad, Descriptio Bl. XP: „ad orientalem partem 
spelimce." "<) Surian 99. 

*) Surian 102 Anm,: „Per invidia piü volte c'e stato roto, e sempre 
lavemo refatto, e finahnente ottenuta." 



Hl. Stätten der Franziskaner 153 

Schlüssel erlangt und konnten nach Belieben bei Tag und bei 
Nacht eintreten ^). 

Dasselbe gelang ihnen 1499 am Grabe des Lazarus zu 
Bethanien; sie erhielten durch den Vergleich, den sie an 26. Ok- 
tober des Jahres mit dem sarazenischen Hüter schlössen, einen 
Schlüssel und freien Eintritt in die Grotte ^). 

Auch in Bethlehem hatten die Brüder ihre Rechte ver- 
mehren können. Während wir um 1400 die Griechen in der 
Geburtsnische Gottesdienst halten sehen^), zelebrierten später 
die Lateiner ständig an der Stelle der Geburt '*). Sie hatten die 
Schlüssel der Türen, die zur hl. Grotte führten ^), und wohnten 
allein in dem großen an die Kirche anstoßenden Kloster ^), 

Erst spät gelang es den Franziskanern in der Heimat des 
hl. Vorläufers Fuß zu fassen und den Gottesdienst in einem der 
alten Heiligtümer von Ain-Karem wieder aufzunehmen ^). Die 
schöne über der Stätte der Geburt des hl. Johannes erbaute 
Kirche wurde im 15. Jahrhundert von den Sarazenen als Stall 
für Ochsen und Esel benützt**); nur die einige Stufen tiefer ge- 
legene Grotte der Geburt bewahrte ein besseres Los. Im Anfang 
des Jahrhunderts kam am Feste der Geburt der griechische Pa- 



1) Surian 106: „Niii h.ibiamo ima chiavc et ad nostro beneplacito 
giorno e noctc vi potemo andaro." 

-) Vgl. Golubovich, Serie :i.S und Caialiorra B. IV K. 29 (wo ein 
falsciics Datum); Surian 125. 

•') Vgl. oben S. 59. 

^) Surian 123: „In quel loco parturi la Madona . . . de continuo luii 
celebramo;" vgl. auch Fabri, PJvagatorium I 453 und 479: „Chorum habent 
Graeci; specum autcm nativitati.s Doniini habent Latini; aitare, ubi tres reges 
obtulerunt, habent Armeni." 

•'') Surian 12:^: „Le chiave de le qua! tenimo nui Frati." 

*>) Ebd. 121: „Uno grande e stnpendo moiiasterio. in lo quäl soliim 
habitano li P'rati nostri." 

â– ^) In einem Ferman vom Jahre 1427 (b:'i Ciolubovich, Serie 108) werden 
zwar die in Ain-Karem wohnen^ien Brüder genannt; es kann sich aber, da 
alle Pilger des 15. Jahrhunderts von einem Aufenthalte derselben vollsttändig 
schweigen, nur um eine vorübergehende Sache handeln. 

>*) Schon Poloner fand die Kirche 1422 „plena mulorum stercoribus, 
quam sine tributo peregrinus non ingreditur"; Tobler, Descriptiones 252. 
Die gleiche Beobachtung machten die folgenden Pilger, wie Rochechouart, 
Tucher, Fabri u. a. 



154 Hl. Stätten der Franziskaner 

triarch und feierte in derselben Gottesdienst ^). Später erwarben 
sich die Franziskaner, wie Siirian sagt^), „durch die Macht des 
Geldes" das Recht, die Geburtsgrotte durch eine Mauer von 
der Kirche abzutrennen und so der Entheiligung zu entreißen. 
In der Folge kamen die Brüder öfter im Jahre und besonders 
am Johannistage nach Ain-Karem. Der erste Pilger, bei dem 
wir diesen Gottesdienst der Brüder erwähnt finden, ist P. Walter 
von Guglingen^), und um dieselbe Zeit erwähnt Fabri zuerst 
die vor der Geburtsgrotte aufgeführte Mauer ^); daher dürfen wir 
diesen neuen Fortschritt der Franziskaner in die Zeit ihrer 
Pilgerreise setzen un 1 als weitern Ertrag der für die Lateiner 
so fruchtbaren Regierung des Sultans Quat Bei betrachten. 

Während so die Geburtsstätte des Vorläufers wieder zu 
Ehren kam, verfiel die von armenischen Mönchen ^) bediente 
Kirche der Heimsuchung Mariens immer mehr. Tucher ^), Fabri ") 
und Surian^) trafen daselbst nur eine „zerbrochene" Kirche 
und einen bösen Sarazenen ^), der zuerst durch Geld besänftigt 
werden mußte, ehe die Pilger ihre Andacht im Heiligtum ver- 
richten konnten. Am Feste der Heimsuchung kamen die Brüder 
von Jerusalem zum Gottesdienste herüber. Es dauerte aber 
noch länger als ein Jahrhundert, bis die Franziskaner die 
Ruinen erwerben konnten. 



1) Grethenius sagt um 1400: „Le patriarche vient y cclebrer la messe 
le jour de la sainte Nativite du Precurseur"; Khitrovo 183. 

') Trattato 133 Anm. 1 : „Per forza de danari habiamo facto uno muro 
e serata la Capella della dicta Nativitä la quäle solemnemente la teniamo et 
officiamo al tempo della sua festivitä, et in anno continuamente visitianio 
quello Santo loco". Vgl. Farn ad Bl. XXVj^. 

3) Itinerarium 170: „Nos Catholici tenemus locum et capellani, ubi fuit 
natus sanctus Johannes; Greci vero in ecclesia capitali tenentes summum altare." 

*) Evagatorium II 25. 

5) Grethenius fand das Heiligtum „sous la dependance des trois fois 
maudits Armeniens"; Khitrovo 183. Auch Rochechouart bemerkt: „Hanc 
domum custodiunt Armeni"; Journal 258. 

6) Reyßbuch Bl. 358 ^ ^) Evagatorium II 25. 

>^) Trattato 133. Nach Surian standen noch „li altari magiori erecti, 
sopra li quali al tempo de la solemnitcä se celebrano le messe"; ebd. 133 Anm. 2. 

9) Fabri nennt ihn „homo bestia"; er stand „cum fuste in ostio et uxor 
eins cum titione, et observabant, ne quis intraret, quousque sibi aliqua pe- 
cunia daretur"; Evagatorium II 21. 



Die andern christlichen Bekenntnisse 155 

Weniger glücklich waren unsere Brüder in Galiläa; hier 
blieben sie bis ins 17. Jahrhundert Pilger und Fremdlinge und 
mußten sich damit begnügen, unter mancherlei Gefahren von 
Zeit zu Zeit eine Wallfahrt auf den Tabor und nach Nazareth 
zu machen ^). 

Ein wichtiger Grund dafür, daß den Lateinern diese Fort- 
schritte im Morgenlande möglich waren, ist die Zersplitterung 
der morgenländischen Kirchen und Christen. Seitdem sich die 
Länder des christlichen Orientes teils durch den Nestorianismus 
und Monophysitismus, teils durch das griechische Schisma von 
Rom, dem Mittel- und Stützpunkte der Einheit, getrennt hatten, 
löste sich daselbst die christliche Kirche in eine Reihe von 
Bekenntnissen auf. Jedes Volk erhielt seine eigene Kirche, 
und alle suchten in Palästina, vor allem in Jerusalem, vertreten 
zu sein. So treffen wir hier die Nestorianer aus Mesopotamien, 
die Monophysiten aus Syrien, Armenien, Ägypten und Äthiopien, 
und die Schismatiker aus dem griechischen Kaiserreiche, Syrien 
und Georgien. Von diesen hielten sich die Nestorianer nur 
vorübergehend in Palästina auf^); sie hatten nach Surian ^) in 
Jerusalem weder Kloster noch Wohnung und feierten in der 
Grabeskirche ihren Gottesdienst in einer Absis bei der lateinischen 
Marienkapelle *), dort wo jetzt der Zugang zur Sakristei der 
Franziskaner ist. Die Nestorianer treten daher in der Ge- 
schichte unserer Mission nicht hervor. 

Um so öfter begegnen wir den schismatischen Griechen 
und ihren Glaubensgenossen, den Georgiern und Sudanern ^) ; 



1) Vgl. Surian, Trattato 144 und 147; Nikolaus von Farnad, 
BI. XXIX ^ und XXX ^ 

2) Surian (14 Anm. 2: „Li quali non stanno de continuo in Hieru- 
salem." 

•■*) A. a. O. 78: „In Hierusalem non hanno Monastcrio nö habitation 
veruna." 

J) Ebd. 77 : „Officiano appresso la porta de la capella nostra da raano 
drita quando se intra." P.Vincent, Jerusalem II 270: „Cette absidiole qui 
figure encore dans le plan de Quaresmius, a disparu vers 1720 pour laisser 
une issue ä la cliambre concedee aux Latins conime sacristic." Vgl. oben 55 
Anm. 2. 

■>) Daß dip Surianer nicht Monophysiten waren, wie u. a. die Heraus- 
geber der Pilgerfahrt Ritter Grünembergs, S. 102 Anm. 3, meinen, sondern 



156 Die andern christlichen Bekenntnisse 

sie waren zahlreicher^) und vor allem fanatischer gegen die 
Lateiner als die verschiedenen Gruppen der Monophysiten, die 
Armenier-), Abessinier, Kopten und Jakobiten, 

Die niedrigste Stufe nahmen die einheimischen Schismatiker, 
die Surianer oder Gürtelchristen ^), ein. Ritter Grünemberg 
sagt von ihnen ^): „Deren sind viele gar arme elende Leute, 
und sind gar verachtet von den Sarazenen und vielen andern 
Glauben; denn sie werden für gar furchtsame und unkriege- 
rische Leute geschätzt, und ist man viel Leichtfertigkeit an 
ihnen gewohnt, als Lügen ^), Stehlen und Verraten . . . Sie 
halten ihr Gesetz beinahe wie die Griechen, denn allein, daß 
sie gern Messe lesen auf dem Heiligen Grab, und bitten dann 
die Barfüßer demütigiich, ihnen das zu erlauben; das tun die 
dann mit gutem Willen. Sie halten in ihrem Gesetz viele der 
sarazenischen Gewohnheiten und Gesetze mit ihren Weibern, 
also daß keines ihrer Weiber sich sehen läßt ohne einen 
schwarzen Schleier vor ihrem Angesicht . . . Sie haben zu 
Jerusalem eine Kirche an der Stelle, da einst das Haus der 
Mutter Sankt Johannes des Evangelisten gestanden hat ... Sie 
haben stets Tag und Nacht einen von ihnen im heiligen Tempel. 
Sie haben inne im heiligen Tempel Sankt Helenas Kapelle, darin 



Schismatiker, wird klar von den Pilgern bezeugt. So sagt Grünemberg 103: 
„Sie halten ihr Gesetz beinahe wie die Griechen"; Guglingen 305: „In- 
structiones et consuetudines Grecorum . . . observant"; Fabri I 352: „Sunt 
infecti erroribus Graecorum"; Surian 71 zählt unter den „sequaci" der 
Griechen die „Syriani cioe Christiani de centura" auf. 

1) Guglingen 305: „Greci sunt in numero magno Jherosolimis tarn de 
clero quam de vulgo plus quam aliqua alia natio." 

2) Es liegt außer dem Rahmen nnsers Buches, zu untersuchen, inwie- 
weit die Armenier Monophysiten genannt werden können. Da sie das den 
Monophysitlsmus verurteilende Konzil von Chalcedon nicht aiinalimen, werden 
sie gewöhnlich den Monophysiten beigezählt. 

3) Dieser Beiname, den Fabri I 350 den Georgiern gibt, wird verschieden 
von den Pilgern erklärt. Surian meint: „E questo e perche inmediate che 
sono baptizati, lo prete che li baptiza li cinge una centura." Andere Erklä- 
rungen bei Rochechouart, Journal 257; er meint: „est quod decinti gra- 
diuntur." 

•*) Pilgerfahrt 102. 

^) Burkard sagt bereits 1283 von ihnen: „S\Tiaui . . . Latinis nullam 
fidem servant"; LaurentSS. 



Die andern christlichen Bekenntnisse 157 

sie auch Messe halten . . . und gehen mehr gleich den Sara- 
zenen gekleidet als den Griechen." 

Von der zweiten Gruppe der Schismatiker, den Georgiern, 
die Surian „schlimmste Ketzer" und „den Griechen an Bosheit 
gleich" nennt Ol erzählt Grünemberg -) : „Dieses sind tapfere 
Leute, und haben eigene Könige und Fürsten, und sind gar 
mächtig und trutzige, kriegerische Leute. Ihre Länder liegen 
um den Berg Caspios genannt . . . Item sie haben den heiligen 
Ritter Sankt Jörgen in großen Ehren und als ihren obersten 
Patron . . . Item sie ziehen oft gen Jerusalem nach Pilgerweise 
und besuchen auch da die heiligen Stätten Christi, und geben 
den Sarazenen keinen Zoll noch Kurtesien ^) . . . Sie gebrauchen, 
was die geistlichen Ämter antrifft, griechischen Glauben und 
Sprache . . . haben inne die Findung des heiligen Kreuzes, da 
brennen sie drei Ampeln. Sie haben auch inne den Berg 
Calvarie . . . und eine Kapelle unter dem Berg Calvarie, da 
der Riß durch den Felsen gegangen ist in dem Leiden 
Christi." 

Sehr bitter und erregt sprechen die Pilgerbücher von der 
dritten und Hauptgruppe der Schismatiker, den Griechen. 
Diese „maledeiten Griechen", sagt Surian *), sind Gott und der 
heiligen Kirche lästig. Unaufhörlich rufen sie durch ihre Irr- 
lehren den Zorn Gottes auf sich herab und beschimpfen damit 
die wahre Kirche. Sie sind es, die uns Brüder und Diener 
Gottes unaufhörlich verfolgen. Wegen ihrer Hartnäckigkeit 
haben sie den Fluch Gottes und der Kirche erhalten, alle 
Herrschaft verloren und ziehen wie die Juden zerstreut durch 
die Welt. Alle andern christlichen Nationen sind diesen treu- 
losen Ketzern feindlich mit Ausnahme der Georgier. „Nie", 
meint Fabri 0, „würden die Türken und Sarazenen solche Fort- 
schritte gemacht haben, wenn jene Griechen nicht Verräter 
gewesen wären. Die andern morgenländischen Christen wären 
längst zur Einheit der Kirche zurückgeführt und könnten heute 
leicht zurückgeführt werden, wenn nicht die ungläubigen und 



1) Trattato 74: „pessimi heretici, siraili alli Greci, e pari in malltia." 

2) Ebd. 109. 3) Trinkgelder. 

^) Trattato 71 — 74. ^) Evagatorium I 3.50. 




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160 Die candern christlichen Bekenntnisse 

Stolzen Griechen im Wege wären und die zurückgeführten 
wieder verleiteten. Trotz dieser Laster wagen sie es, die 
heiligste Kirche des Grabes des Herrn zu betreten, und sie, 
die das Haupt der Bosheit sind, haben sich das Haupt der 
Kirche ungerechter Weise angeeignet und besitzen heute das 
Chor mit dem Hochaltar und halten viele Lampen vor dem 
Altare angezündet. Auch haben sie den Kerker des Herrn . . . 
und den Ort der Verteilung der Kleider Christi." Grünemberg 
ergänzt, daß „sie große Verächter unseres Glaubens sind . . . 
Sie tun unsern Priestern, Messen noch Sakrament gar keine 
Reverenz noch Ehre, sitzen und stehen als die Stöcke, aller 
Achtung mangelnd. Und wenn unserer Priester einer Messe 
läse auf einem ihrer Altäre, lassen sie den darnach waschen, 
gleich als ob er verunreinigt sei" 0- 

Daher waren Beziehungen zwischen ihnen und unsern 
Brüdern selten. Wir hören kaum, daß die Griechen an den 
Festen der Lateiner und diese an ihren Feierlichkeiten teil- 
nahmen, höchstens daß die Griechen am Pfingstfeste auf den 
Sion kamen ^), die Franziskaner aber am Feste des hl. Sabas 
sein Kloster aufsuchten, dort mehrere hl. Messen lasen und 
ein feierliches Hochamt hielten, eine Sitte, die ein griechischer 
Oberer 1482 ohne Anlaß störte. P. Walther von Guglingen, der 
in jenem Jahre mit acht Brüdern vom Berge Sion und zwei 
von Bethlehem nach St. Saba gegangen war, erzählt ^), der 
Obere der griechischen Mönche habe die in großer Zahl herbei- 
geeilten Pilger aufgewiegelt und ihnen gesagt, er werde, wenn 



1) Pilgerfahrt 102. Tu eher, Reyßbuch Bl. 355 \ bestätigt dies: „Unter 
allen sind die Griechen uns Christen an dem allerwiderwärtigsten und un- 
gleichesten, denn sie wollen auch nicht, daß unsere Priester auf ihren Altären 
Messe lesen." Vgl. Rochechouart, Journal 225. 

2) Vgl. oben S. 48. 

^) Itinerarium 131. Sollweck bemerkt in einer Anmerkung, daß sich 
über diese regelmäßige Wallfahrt der Brüder „sonst nirgends eine Angabe" 
finde. Surian erwähnt dieselbe auch; er sagt Trattato 125: „El di de sancto 
Sabba vi andamo a cantar la messa e far 1' officio"; desgleichen Nikolaus 
von Farnad Bl. XV ^': „Ad diem festum sancti Sabbe . . . nos etiam Fratres 
Minores illuc de Monte Sion quolibet anno ad dictum festum simul cum aliis 
nationibus properamus ac ibidem vesperas, missas cum matutinis decantantes 
revertimur ad loca nostra." 



Die andern christlichen Bekenntnisse 161 

die Lateiner das Offizium in der Kirche feierten, dieselbe mit 
seinen Brüdern verlassen und daselbst nicht mehr Gottesdienst 
halten. „Wir kamen dadurch", sagt P. Walther, „in große Ver- 
legenheit, da wir nicht gern unsere alte gute Gewohnheit auf- 
geben, das Volk aber auch nicht des Gottesdienstes berauben 
und gegen uns erregen wollten. Nachdem wir alle Paramente 
herbeigebracht hatten, bereiteten wir in der Zelle den Altar 
und lasen einer nach dem andern die hl. Messe bis auf den, 
der in der Frühe die Messe in der Kirche singen sollte. Hierauf 
gingen wir in die von Leuton angefüllte Kirche und begannen 
den Altar für das Hochamt herzurichten. Als das die Mönche 
und andere Laien sahen, fingen sie an zu murren und schickten 
arabische Bauern zu uns mit der Warnung: > Singt nicht die 
Messe; sonst wird es euch schlecht gehen. Wir nahmen darauf 
unsere Sachen und eilten zur Türe, um bald zum Berge Sion 
zurückzukehren. Man hatte aber die Türe geschlossen und 
erhob lautes Geschrei wider uns; einige wollten, daß wir den 
Gottesdienst halten sollten, andere widersetzten sich, und wir 
standen fast eine halbe Stunde in Gefahr an der Pforte, bis 
wir hinausgehen durften. Endlich öffnete sich die Pforte, und 
so entgingen wir im Namen des Herrn der Gefahr; denn es 
war kein genügender Grund für das Martyrium." 

Weit freundlicher waren die Beziehungen der Lateiner 
zu den monophysitischen Christen, besonders zu den hervor- 
ragendsten unter denselben, zu den Armeniern. Surian sagt, 
sie seien „unsere besten Freunde" '), die an unseren l'eiern 
teilnahmen ~) und uns manchen Fortschritt vermittelten. Als 
Sultan Soliman während des Krieges mit Venedig die Franzis- 
kaner mehrere Jahre einkerkerte, hüteten die Armenier wäh- 
rend ihrer Abwesenheit treu das Heiligtum zu Betlehem ^). Den 
Lateinern kam die „unversöhnliche Feindschaft" zwischen den 



1) Trattato 75: „nostri procipiii ainici". 

2) Gugiingon, Itincrariiim 14(), beschreibt eine Wallfahrt, die die Brüder 
Ostern 1483 zum Jordan mit den Armeniern und Abessiniern maciiten. Vgl. 
ebd. 138 über die Teilnahme des armenischen Kh-rus an der l'ro7.ession auf 
Palmsonntag. 

') Amico 12. 
Franzisk. Studien, Beiheft 4: Lemmens, Die Franziskaner : uf dem Sion. U 



j^62 Die andern christlichen Bekenntnisse 

Armeniern und Griechen zustatten, von der uns die Pilger 
berichten '). 

In der Grabeskirche hatten die „dreimal maledeiten Arme- 
nier", wie sie der Russe Grethenius nennt ^), den ganzen Kal- 
varienberg. Den einen Teil überließen sie den Franziskanern; 
den andern entwanden ihnen 1475 durch Intrigen und Bestechung 
des Hofes die Georgier. Seitdem waren sie, wie Eyb sagt ^), 
„für die mindesten geachtet im Tempel des Hl. Grabes" und 
mußten sich mit einem Teile der Rotunde oberhalb des Platzes 
der hl. Frauen begnügen, wo sie ihr Chor einrichteten *). Außer- 
dem hatten sie in Jerusalem die Kirche des hl. Jakobus zwischen 
dem Sion und der Burg Davids inne und das Haus des Kaiphas 
unweit des Zönakulums. Die lateinischen Pilger urteilen günstig 
über sie. Sie haben, sagt Grünemberg ^), „gar ehrbaren Wandel 
und ehrsame Kleider und geben der Welt gar gutes Vorbild 
und haben Messe und beten gar andächtiglich und tun unsern 
Sakramenten und Priestern große Ehre". Wiederholt versuchten 
die Franziskaner, die Armenier mit Rom zu vereinen; doch war 
diesen Bemühungen nur ein vorübergehender Erfolg beschieden. 

Dieselben guten Beziehungen bestanden zwischen den 
Lateinern und Abessiniern. „Sie lieben", meint Sudan, „die 
Franken und vor allem uns Minderbrüder sehr" '). Die Pilger 
rühmten das fromme, arme und strenge Leben der Abessinier 
Jerusalems. Diese suchen, sagt Grünemberg"), „gar viel die 
heiligen Stätten auf zu Jerusalem ^) und beten gar andächtig- 
lich. Sie halten dafür, daß Gott kein größeres Gefallen sei, 
denn Armut; darum verlassen sie oft großes Gut. Sie . . . tun 



1) Guglingen 306: „Inter hos et Grccos exorabiles sunt discordie 
et dissensiones implacabiles et invicem alii aiionini ritus detestanlur." Fabri 
I 352: „Sunt Graecorum implacabiles inimici." 

2) Khitrovo 183. 3) Eyb 39. 

•*) Fabri I 352: „Habuerunt Montem Calvariae, sed eo amisso emerunt 
a Soldano locum in superiori templi ambitn, et ibi*choi'um consecraverunt, et 
habitacula fecerunt." ••) Pilgerfahrt 109. 

*>) Trattato 77 : „Questi . . . amano niolto li Franchi e sopra modo nui 
frati Minori." ") A. a. O. 111. 

'^l Vgl. A. Dunkel, Abessinien in Palästina. In: Das hl. Land, Jahrg. 
50, 51, 52. 



Die andern christlichen Bekenntnisse 163 

große Kasteiimg ihrem Leibe und gehen barfuß um Gottes 
willen . . . Wenn sie Fest und hochzeitlichen Tag haben, so 
kommen sie zusammen, beide, Frauen und Männer, und machen 
einen Ring und heben an zu singen, springen auf mit ihren 
Füßen, schlagen beide Hände ineinander und klopfen. Das 
treiben sie oft die ganze Nacht durch, daß ihrer manchmal 
viele gar krank davon werden, besonders die österliche Nacht 0- 
Sie haben . . . inne im heiligen Tempel einen Altar, darunter 
die Säule steht, darauf Christus gekrönt ward, und haben ihre 
Kapelle und Wohnung auf der linken Seite ^). Sie haben auch 
Messe im Heiligen Grab, doch nicht anders denn mit Erlaubnis 
der Brüder Sankt Franzisci." Wie die Georgier, so wurden 
auch die Abessinier durch die Armut im 1 7. Jahrhundert ge- 
zwungen, die Grabeskirche zu verlassen-'); ihre Stätten fielen 
an die Griechen. 

Eine andere Gruppe der Monophysiten, die Jakobiten, 
verwaltete das an die Rückseite der Grabeskapelle anstoßende 
Kapellchen, das später an die Kopten überging. Der von 
ersteren früher behütete Salbungsstein ^) ist gemeinsames Gut der 
Lateiner, Griechen, Armenier und Kopten geworden. Letztere 
hatten um 1500 keinen dauernden Wohnsitz in Jerusalem^); 
und ebenso nicht die Maroniten, die nur als Pilger zu den 
Festen kamen und, wie Morosini sagt "), „keine eigene Stätte 
haben, sondern zelebrieren, wo sie wollen, und meist als Ka- 
tholiken an den Stätten unserer Brüder". 



1) Auch erwähnt von Fabri I 351 und Gu gl in gen 142 ii. :i07. Der 
Braucli besteht noch heute, wie wir in der Osternacht 1915 beobachteten. 

-) Auf der linken Seite beim ICingang in die Grabeskirche. Ks ist die 
Stätte, an der die Gottesmutter „neben dem Kreuze Jesu stand". Vgl. Fabri 
I 351 : „Capella eorum cum aitaribus, in qua cottidiana sua Olficia peragunt, 
est ad sinistram partem, circa Ingressum sancti sepulchri"; ebd. I 315 und 
Guglingen 282. 

•'*) Vgl. Golubovich, Hörn 42, und P. Vincent, Jerusalem II 290. 

*) Fabri I 351 von den Jakobiten: „Hi habent parvam capeliam an 
nexam dominico Moniimento, in qua habetur altare et lampades. Locum etiam 
inunctionis Domini possident, in quo VII habent lampades ardentes." Das- 
selbe bei Grünemberg 107. 

■') Vgl. Surian 79. Die andern Pilger dieser Zeit erwähnen sie nicht. 

'') Vgl. Surian, Trattato G8 Anm. 2. 

11* 



164 



IX. Arbeiten der Brüder. Gottesdienst an den 
hl. Stätten. Sorge für die Pilger. Almosen. 

Aufgabe der Franziskaner Palästinas war in jener Zeit 
niclit die Missionstätiglceit in gewöhnlichem Sinne. Seelsorgliche 
Arbeit unter den Bewohnern des Landes kam kaum in Frage. 

Lateinische Christen gab es in Palästina außer den Klö- 
stern nicht. Surian sagt ausdrücklich: „Es wohnt kein einziger 
katholischer Christ im Hl. Lande, weder Welt- noch Ordensleute, 
mit Ausnahme unserer Brüder und unserer Schwestern vom 
Dritten Orden" '). Wegen der großen Gefahren, die mit dem 
Aufenthalte unter den Moslems für die Katholiken verbunden 
waren, wurde dieser wiederholt von der Kirche verboten ^')- 
Nur Kaufleute, vorwiegend Venezianer, hielten sich in ein- 
zelnen Handels- und Karawanenstädten Ägyptens und Syriens, 
in Kairo, Alexandrien, Damaskus, Tripolis, Hama und Aleppo 
auf. Sie wurden jährlich in der Fastenzeit von unseren Brüdern 
besucht, die ihnen predigten und die hl. Sakramente spendeten^). 

Auch fehlten noch die verschiedenen Gruppen der morgen- 
ländischen unierten Christen. 

Unter den Sarazenen war jede Missionsarbeit unmöglich 
und die öffentliche Predigt des christlichen Glaubens vor ihnen 
streng verboten. Schon der erste Pilger, der unsere Brüder in 
Jerusalem traf, sagt ausdrücklich, daß ihnen verboten sei, den 
Sarazenen zu predigen^); Philipp von Hagen wiederholt dieses 
am Ende unserer Zeit und ergänzt: „Darnach predigte man 
uns Pilgern allein; sonst dürfen die Brüder nicht predigen, auch 
keine Glocke läuten; wenn sie ihre Zeiten singen wollen, so 
kleffen sie wie am Karfreitag" ^). Als Brüder 1364 und 1391 



1) Trattato 64 : „Verun altro chrisüano catholico habita in Terra Sancta, 
nö seciilari, ne rcligiosi, excepto li frati nostri, e le Bizocho nostre del terzo 
Ordine." Vgl. Guglingen 307; Fabri II 205 und andere. 

'-) Burkard meinte bereits: „Peiores sunt Latini omnibus babitatoribus 
aliis"; Laurent 88. '^) Surian 113 Anm. 2. *) Vgl. oben S. .50. 

■"') Conrady 251; Fabri I 242: „Non enim habent nee campanas, nee 
nolas, nee tintinabula, nee sinuntur quovis modo bubere ab infideübus, sed 
tabulis ligneis dant ad Otlicla Signa, sicut nos facimus ferla VI. Parasceves." 



Arbeiten der Brüder 165 

versuchten, den Sarazenen zu predigen, trug ihnen der Versuch 
die Krone des Martyriums ein ^). 

Neben den Sarazenen wohnten nach Fabri -) in Jerusalem 
über fünfhundert Juden und tausend morgenländische Christen, 
meist Schismatiker ^), deren feindliche Stimmung gegen die 
Abendländer eine Annäherung unserer Brüder verhinderte, öfter 
traten sie hingegen mit den monophysitischen Bekenntnissen in 
Verbindung; wiederholt waren Brüder der Palästinamission an 
den Arbeiten für ihre Wiedervereinigung mit Rom beteiligt ^). 
Und der große Apostel der Maroniten, der ehrwürdige P. Gripho, 
hatte sich im Sionkloster auf seine segensreiche Tätigkeit unter 
den Bewohnern des Libanon vorbereitet ^). 

Hauptaufgabe unserer Brüder war es, die den abendlän- 
dischen Christen anvertrauten heiligen Stätten zu hüten und in 
Ehren zu halten, den Gottesdienst an ihnen zu feiern und den 
katholischen Pilgern Führer und Berater zu sein. Und diesen 
Aufgaben haben die Franziskaner in unübertrefflicher Weise 
entsprochen; Freund und Feind, alle Nationen und Konfessionen 
sind einstimmig in Anerkennung ihrer Verdienste. „Der Name 
Franziskaner allein", schreibt der evangelische Theologe Julius 
Böhmer^), „sagt hier genug: sie haben von jeher in Arbeit und 
Leiden getan, was sie konnten und sind vor keinem Martyrium 
zurückgewichen." Ein Schweizer Pilger faßt die Geschichte 
unserer Mission in die Worte zusammen'): „Sie... ist eine 
Geschichte von fast beispiellosem Heroismus, rührender Treue 
und eines jahrhundertelangen Martyriums . . . Die einzigen 
Beschützer der heiligen Stätten . . ., die einzige Zuflucht der 
Pilger und die alleinigen Seelenhirten der römisch-katliolischen 



1) Vgl. oben G4 und 84. 

-) Evagatoriuin II 20'): „Sunt etiam ibi plus quam quiugcnti Judaei et 
ultra inille Christiani de omni secta et terra." 

â– â– ') Vgl. das Zeugnis Guglingens oben S. 156 Aiim. 1. 

^) Vgl. Surian 79—87. 

'•>) Vgl. H. Lammens S. J., Fröre Gryphon et le Liban. In: Revue de 
rOrient Chretien, IV (58—104. — Es liegt außer dem Zwecke dieser Schrift, 
die Arbeiten der Brüder außerhalb Palästinas zu behandeln. 

•*) Gegenwartbilder aus dem hl. Lande, Cassel o. J., 45. 

■) G. Baumberger, Im Banne von drei Königinnen I, Einsiedeln o.J., 165. 



166 Gottesdienst an den hl. Stätten 

Araber. Was sie gelitten, füllt Bände, ganze Bände auch die 
Wohltaten, die sie gespendet. Ohne sie wäre wohl das letzte 
Heiligtum in Palästina heute den Katholiken entrissen." Aber 
die Brüder wachen nicht. „In Jerusalem", schreibt Chateau- 
briand in seiner Pilgerfahrt, „leben christliche Mönche, die nichts 
bewegen kann, das Grab des Heilandes zu verlassen, nicht Plün- 
derungen, nicht Mißhandlungen, nicht Todesdrohungen. Ihre 
Gesänge ertönen Tag und Nacht um das Heilige Grab. Hat 
morgens ein türkischer Befehlshaber sie geplündert, so findet 
man sie abends wieder auf dem Kalvarienberg betend, auf der 
Stelle, wo Christus für das Heil der Welt gelitten." 

Die Pilgerberichte lassen drei Arten des Gottesdienstes 
unterscheiden, den regelmäßigen, der gewöhnlich auf dem Berge 
Sion in der Grabeskirche und zu Bethlehem stattfand, und den 
besonderen, der an bestimmten Festen oder Stationen gehalten 
wurde. Der Gottesdienst an den heiligen Stätten machte tiefen 
Eindruck auf die Pilger, besonders die Nacht, die sie sich mit 
den Brüdern in der Grabeskirche einschließen ließen, um an 
allen Feierlichkeiten teilzunehmen; sie bildete den Höhepunkt 
der Wallfahrt, und die Prozession, die sie mit den Franziskanern 
zu den einzelnen Heiligtümern der Basilika machten, blieb den 
Pilgern unvergeßlich. Wie wir aus der Beschreibung entnehmen, 
die uns Marian von Siena 1431^) und P. Felix Fabri 1483^) 
geben, nahm der fromme Zug seinen A.nfang in der Marien- 
kapelle, wo die Geißelsäule und die Kreuzpartikel verehrt wurden, 
und ging an der Stätte, auf der Maria Magdalena den auferstan- 
denen Heiland sah, vorbei zum „Gefängnis" des Erlösers, in 
dem er warten mußte, bis die Vorbereitungen zur Kreuzigung 
auf Golgatha getroffen waren. Die Pilger küßten die Stätte, 
verrichteten die Ablaßgebete und zogen weiter zur Stelle, an 
der die Soldaten die Kleider Christi unter sich verteilt hatten. 
Dann stiegen sie hinunter zur Kapelle der hl. Helena und 
zum Orte, an dem diese das Kreuz Christi gefunden hatte, 
und zogen unter Gesang des Hymnus „Vexilla Regis" an der 
Kapelle der Dornenkrönung vorbei hinauf zum Kalvarienberge. 



1) Viaggio 73 ff. â– â– ^) Evagatoriiim I 285 ff. 



Gottesdienst an den hl. Stätten 167 

„Als wir oben ankamen", sagt Fabri, „fielen wir alle auf unser 
Antlitz, und man hörte keinen Gesang mehr, sondern nur Seufzer, 
nicht Hymnen, sondern Weinen und Wehklagen. Es gab nie- 
mand, der seine Tränen und Seufzer beherrschen konnte. Wer 
könnte auch ein so hartes Herz haben, daß es nicht an der 
Stätte geöffnet würde, an der er mit seinen Augen das Loch 
im harten Steine schaut? Wer sollte nicht da mit lautem 
Seufzen wehklagen, wo Christus unser Gott am Kreuze han- 
gend mit lauter und starker Stimme rief, wo er für die 
Kreuziger betete, dem Räuber das Paradies versprach, die 
tiefbetrübte Mutter dem Johannes empfahl, mit Galle und Essig 
getränkt wurde, wo er erklärte, daß alles daselbst vollbracht 
sei, wo er den Geist in die Hände des Vaters empfahl und 
verschied . . . Siehe hier, frommer Pilger, den vom Bruder 
getöteten Abel, den vom Vater gebundenen Isaak, die von Moyses 
erhöhte eherne Schlange, das nach dem Gesetze geopferte Oster- 
lamm, den vom Menschen getöteten Gott, den im Fleische ge- 
kreuzigten Jesus, deinen am Kreuze hängenden K()nig, deinen 
zum Tode verurteilten Herrn, der sanft und demütig und un- 
schuldig mit Blut überströmt ist, Priester und Opfer ')• Dieses 
und ähnliches erwogen wir an diesem furchtbaren Orte und 
verblieben lange Zeit hingestreckt im Gebete. Nachdem wir 
das Gebet beendet, trat einer nach dem andern zum heiligen 
Felsen und zum Kreuzesloche und küßte die Stätte mit besonderer 
Andacht, und jeder legte sein Gesicht, die Augen und den 
Mund darauf, . . . und wir steckten die Hände und den Arm in 
das Loch bis auf den Boden . . . Wir verweilten so mit der 
Prozession mehr als eine Stunde auf dem Kalvarienberge unter 
Gebet und Andacht in der vorangeschrittenen Nacht". Dann stiegen 
sie mit dem Hymnus „Fange lingua" hinunter zur Stelle, auf der 
die frommen Juden den Leichnam Jesu wuschen und salbten. 
Von dort ging es zum Grabe des Herrn, wo die Prozession ihr 
Ende nahm. 



1) Ebd. 299: „Ecce, peregrine devote, hie Abel occisus a l'ratre, Isaac 
ligatus a patre, serpens aeneus suspensus a IMoyse, agnus paschalis immolatus 
in lege, Dens occisus ab homine, Jesus crucifixus carne, rex tuus suspensus 
cruce, Dominus tuüs condemnaUis morte, mitis et huniilis et innocens perfusus 
cruore, sacerdos et hostia offerens sese." 



168 Gottesdienst an den hl. Stätten 

Es ist fast die gleiche Prozession, wie sie noch heute 
jeden Nachmittag von den Franziskanern und Gläubigen gehalten 
wird; nur einige Besuche sind umgestellt 0", und die Gebete, 
die uns Marian aufgezeichnet, sind zum Teil bis heute geblieben, 
während die Hymnen vermehrt wurden, überhaupt leuchtet 
in der Geschichte der Franziskaner Palästinas eine wohltuende 
Liebe zum Hergebrachten hervor und eine eiserne Beständig- 
keit, mit der sie allen Schwierigkeiten und Opfern trotzten und 
die fest umschriebene Aufgabe verfolgten -). 

Auch die vor Jahrhunderten gehaltenen Stationen werden 
noch heute von den Brüdern beinahe sämtlich gefeiert. P. Niko- 
laus Wanckel zählt 1517 dreizehn Stationen auf^). Er beginnt 
mit der Station am Palmsonntag*). Die zweite war Weihnachten 
zu Bethlehem: „die erste Messe wird gehalten in der Kapelle 
der Jungfrau Maria, an der Stätte, da Christus geboren ist, die 
andere an der Stätte derselben Kapelle, da Maria das Kindlein 
Jesu in die Krippe gelegt, die dritte in derselben Kapelle, da 
die Drei Könige waren". Die dritte und vierte Station werden 
gleichfalls zu Bethlehem am Tage der Beschneidung Christi 
gehalten, die fünfte am Gründonnerstage in der Grotte der Todes- 
angst, die sechste Karfreitag auf Golgatha, die siebente Kar- 
samstag in der Marienkapelle der Grabeskirche, die achte 
ebenda am Osterfeste; „und dann gemeinlich alle Barfüßer die 
Messe halten auf dem Altare, der über das Heilige Grab auf- 



1) So findet jetzt der Besuch der Stätte, an der Maria Magdalena den 
auferstandenen Erlöser schaute, nach dem Besuche des Heiligen Grabes statt. 

'-) Ob diese konservative Richtung nicht auch ihre Schattenseiten hatte 
und Fortschritten hinderlich war, wird in dem Verlauf der spätem Geschichte 
zur Sprache kommen. 

3) Kurtze Vermerckung Bl. Eij^'. 

^) Die früher von den Armeniern (vgl. Deycks 76) am Palmsonntag 
gelialtene Prozession war eine Zeitlang eingestellt worden, bis sie von den 
Franziskanern wieder aufgenommen wurde. Vgl. Fabri I 369. Es dürfte 
seinen Grund haben, daß P. Wanckel diese Station an erster Stelle erwähnt; 
nach der Beschreibung, die uns Gugllngen, Itinerarium 137, und Surian, 
Trattato 105, von derselben geben, scheint sie die größte Aufmerksamkeit der 
Christen und Sarazenen auf sich gelenkt zu haben. Sollweck macht (a. a. 0. 
Anm. 2) darauf aufmerksam, daß andere Beschreibungen der Prozession fehlen ; 
das erklärt sich dadurch, daß fast alle Pilger im Sommer nach Palästina 
kamen, daher nicht Augenzeugen der Feier sein konnten. 



Gottesdienst an den hl. Stätten 169 

gesetzt ist, und heben an von der zwölften Stunde der Mitter- 
nacht, darum daß sonst auch andere Sekten des Morgens kommen 
und das Heilige Grab heimsuchen, aber niemand liest Messe 
denn wir Barfüßer." Die neunte Station fand Christi Himmel- 
fahrt auf dem ölberge statt, die zehnte am Feste der Geburt des 
hl. Johannes des Täufers an der Stätte seiner Geburt, die 
elfte am Feste der Himmelfahrt Mariens im Tale Josaphat, die 
zwölfte am Tage der heiligen Drei Könige beim Jordan ^ und 
die dreizehnte am Freitag nach Lätare zu Bethanien am Grabe 
des Lazarus ^). 

Wanckel bemerkt dazu, daß die Brüder von Jerusalem zu 
den Stationen pilgern, die in Bethlehem gehalten werden, während 
die Brüder von Bethlehem zu den Stationen nach Jerusalem gehen, 
sowie „daß man die Stationen alle verbringen und vollenden 
muß vor dem Aufgang der Sonne oder ein wenig darnach von 
der Beleidigung und des Verspottens der Ungläubigen wegen". 

Eine Ausnahme machte die Prozession, die am Palmsonntag 
von Betfage auf den Sion ging; sie wurde am hellen Tage 
unter solcher Beteiligung und Begeisterung der Menge gehalten, 
daß niemand störte ^), und auch die zuschauenden Sarazenen 
nach Surian ^) zur Andacht gestimmt und zum Lobe unseres 
Herrn gedrängt wurden. Der Obere des Sionklosters bestieg 
zu Betfage, mit dem Pluviale bekleidet, einen Esel und zog mit 
den Brüdern, die Palmen und Ölzweige trugen, über den ölberg 
zur Stadt. Die armenischen Priester schlössen sich in den geist- 
lichen Gewändern an; ihre Gläubigen breiteten die Kleider auf 
den Weg und küßten nach Guglingen ^) Esel und Reiter. Die 



1) Die Vermutung Solhvccl^s, Guglingen 146 Anm. ;{, diese Prozession 
sei uuf Ostern verlegt worden, trifft also nicht zu; vgl. auch Surian 1:50; 
Ansclm von Krakau 788. Jetzt wird diese Station nicht mehr gehalten. 

-) Vgl. Surian 126: „Cantata che e la messa, el Padrc Guardiano 
fa tute quelle cerimonic che fece Christo quando lo resusilö." 

•'j Nikolaus von Farnad Bl. XllI^, von dieser Prozession: „Cum 
pagani muiti nos videant et aspiciant, nullus tarnen eorum nos impedit" ; 
dasselbe Wanckel Bl. Cij\ 

i) Trattato 105. 

•') Itinerarium 138: „Sequebatur nos omnis nuiltitudo populi, et maxime 
natio Armenorum cum presbyteris indulis casulis et laicis utriusque sexus, 
qui omnes precurrebant spoliantes se propriis vestimentis, et sternebaut in 



170 Sorge für die Pilger 

ganze Straße war mit Blumen und Teppichen geschmückt und 
hallte wieder von dem Hosanna und den Hymnen des jauch- 
zenden Volkes. Es war ein Triumphzug der Christen und ein 
Schauspiel i'lir die ganze Stadt. 

Der Gottesdienst der Franziskaner hob sich schon damals 
durch seine Ordnung und Ruhe vorteilhaft von den Feierlich- 
keiten der morgenländischen Christen ab. Die Beschreibung, 
die Guglingen von der Osterfeier am Hl. Grabe gibt 0, läßt 
diesen Unterschied klar hervortreten und gilt in allem noch 
heute. Nachdem die Griechen, Armenier und die übrigen Be- 
kenntnisse des Morgenlandes in kostbarem Aufzug und „mit 
großem Jubel" dreimal um die Kapelle des Hl. Grabes gezogen 
waren, ordneten sich die Brüder mit einigen Maroniten und 
abendländischen Pilgern zur Prozession. Alle trugen wertvolle 
Gewänder und brennende Kerzen und alle zogen unter Hymnen- 
gesang dreimal um das Hl. Grab. Als sie anfingen, sagt Gug- 
lingen ^), da „verstummten alle Nationen, eilten herbei und 
schauten die andächtige und geordnete Prozession der Katholiken". 

Mit derselben Treue und dem gleichen Erfolge haben un- 
sere Brüder ihrer zweiten Aufgabe, der Sorge für die Pilger, 
entsprochen. „Es ist nicht möglich zu schreiben", sagt 1495 
die Pilgerfahrt des Pfalzgrafen Alexander ^), „wie freundliche 
und brüderliche Liebe die Brüder den Pilgern bewiesen haben." 

Die Zahl der Pilger, die das Hl. Land aufsuchten, war 
sehr groß; vor allem waren es die Deutschen, die den weiten 
Weg, die großen Beschwerden der Reise, die vielen Unannehm- 
lichkeiten und Gefahren des Aufenthaltes im Morgenlande nicht 
scheuten. Fast alle fürstlichen und gräflichen Familien Deutsch- 
lands sind in der langen Pilgcrliste, die Röhricht zusammen- 
gestellt hat^), vertreten. 



via oranes claraantes et dicentes : »Benedictus, qui venit in nomine Domini«, 
accurrentesque tangendo et osculando tam nie quam asinum, cupientes de 
foliis palme, quam tenui manu, quibus ego distribui." 

1) Itinerarium 145. 

■-) „Tunc omnes nationes siluerunt, accurrentes et videntes devotam et 
ordinatam processionera Catholicorum." ^) Reyßbuch Bl. 40'" und 41 \ 

Röhriclit-Meisner, Deutsche Pilgerreisen 465 ff. Die seitdem (1880) 
veröffentlichten Berichte vermehren die Liste beträchtlich. 



Sorge für die Pilger 171 

„Welcher Mensch zu dem Heiligen Grab will ziehen", 
sagt 1523 Philipp von Hagen 0, „der soll drei Säcke mitnehmen; 
den einen Sack soll er mit guten venediger Dukaten füllen, 
auch Silbermünzen . . ., darbei den andern Sack . . . mit Pazienz 
oder Geduld; denn was ihm für Schand oder Schaden begegnet, 
das soll er willig annehmen und leiden; den dritten Sack soll 
er füllen mit dem Glauben; also wenn er die heiligen Stätten 
wird sehen, da Jesus und die Heiligen gelitten und gewandelt 
haben, oder was man ihm sagen wird, das muß er glauben." 

Die Kosten der Reise waren verschieden, je nach den 
Ansprüchen und der Begleitung. Während Wilhelm der Tapfere 
von Thüringen, der 1461 mit 91 Personen nach Jerusalem pil- 
gerte, 600 000 Mark brauchte, und Marian von Siena 1433 als 
Gesamtausgabe für die Reise 280 Dukaten rechnete ^), gab Ritter 
Grünemberg 1486 „für Essen, Fahrlohn, alle Zölle und Geleit" 
38 Dukaten; nur in den Häfen mußte er für sich selbst sorgen^). 
Nach Surian konnte man die ganze Pilgerfahrt für 43 Dukaten 
machen, 30 für die Reise zu Schiff und in Palästina, 10 für 
die Abgabe an den Sultan, die verschiedenen Behörden, Wächter 
und Wegeaufseher, sowie 3 für die Reittiere ^). Die Franzis- 
kaner, die zum Dienste an den heiligen Stätten nach Palästina 
reisten, fuhren auf einigen Schiffen ganz frei, auf anderen waren 
zwei frei und die übrigen mußten 10 Dukaten zahlen, während 
Franziskanerpilger den Schiffsherren 15 bis 20 Dukaten geben 
mußten ^). 

1) Conrady 230. 

-) Röhricht-Meisner 7 Anm. 1. Ebd. Ki Aiim. :! über den Wert des 
venezianischen Dukaten. •'*) Pilgerfahrt 20. 

■*) Surian, Trattato IG. Vgl. dazu Röhricht-Meisner 13 Anm. 2. — 
Die oft wechselnden Abgaben der Pilger waren nach Surian a. a. O. : „Per 
lo tributo del Soldano ducati 7 et g;osi 17. Per lo turcimano del Soldano 
ducato 1. Alli maostri de la porta del Santo Sepolchro grosi 23 ^/o. Per sei 
lochi I Bethlehem, Bethania, St. Johann, olborg. Grab der Gottesmutter, Be- 
thesda-Teichj 1 groso per loco. Per li guardani che guardano le strade in 
octo lochi, 1 groso per loco. Per la casa di Rama grosi 4. Per li guar- 
diani de la marina groso 1. Per cl signore de Rama grosi 3. AI Signor de 
san Zorzi groso 1." — Vgl. Sebastiane Paoli, Codice diplomatico S. 108 
Nr. 86, und andere. 

■•) Vgl. Surian IG Anm. 2. Nach Br. Gabriel von Rattenberg, der 1527 
nach Jerusalem pilgerte, wurde manchmal von den Franziskanern mehr ver- 



172 Sorge für die Pilger 

Gewöhnlich begann die Seereise Fronleichnam ') und ging 
von Venedig aus, an der istrischen, dalmatinischen und griechi- 
schen Küste entlang, an Kreta, Cypern, und Rhodus vorbei nach 
Jaffa, wo sie nach einer Seefahrt von 6 bis 8 Wochen und vielen 
Gefahren und Leiden ankamen. Nach Surian ^) waren die Pilger 
früher gern nach Akri gefahren, um den Schwierigkeiten der 
Landung im Hafen von Jaffa auszuweichen, und dann durch 
Galiläa nach Judäa gezogen. Wegen der Feindseligkeiten und 
Erpressungen, die sie von den Bewohnern Galiläas erfuhren ^), 
änderte man jedoch um 1460 die Reise und ließ alle Pilger in 
Jaffa landen. Für den hierdurch entstandenen Ausfall an Ab- 
gaben rächten sich die Bewohner jener Ortschaften an den 
Franziskanern, die auf der Reise nach Nazareth oder Damaskus 
ihre Gegend passierten. Besonders feindselig waren die Araber 
von Dschenin, dem Orte, an dem der Heiland nach der Über- 
lieferung die zehn Aussätzigen heilte; Br. Andreas von Foligno, 
Br. Simeon von Mailand und andere wurden hier geschlagen 
und ins Gefängnis geworfen, bis sie losgekauft wurden. Der 
frühere Kustos P. Johann Tomacelli mußte sogar 80 Dukaten 
Lösegeld zahlen '^). 

Wenn das Pilgerschiff auf der Rhede von Jaffa angekommen 
war, wurde der Sandschak von Jerusalem und der Guardian 
des Sionklosters in Kenntnis gesetzt. Kein Pilger durfte das 
Land betreten, bis er vom Befehlshaber Jerusalems das Geleite 
erhalten hatte, das manchmal eine Woche und länger auf sich 
warten ließ. Mancher Pilger starb hier im Angesichte des 
Hl. Landes, und manches Schiff, das glücklich den Seeräubern 
entronnen war, kam noch am Ende in große Gefahr. Sobald 
der Guardian oder sein Stellvertreter in Jaffa eingetroffen war ^), 



langt, besonders wenn nur wenige Pilger an der Überfalirt teilnahmen ; 
vgl. Röhricht-Meisner 403. 

1) Golubovich, Hörn 231. 2) Trattato 143. 

•') Der „Anonymus von Donaucschingen'", der 1441 mit seinem Hruder 
nach Jerusalem fuhr, erzählt, daß die Pilger für das Geleit von Akri nach 
Jerusalem 820 Dukaten zahlen mußten; vgl, Röhricht- M eis n er 101. 

^) Surian, Trattato 142 Anm. 2. 

■>) Nach Verniero, Chronik 699, erhielt das Kloster auf dem Sion für 
die vier Reisen, die sie bei jedem Pilgerzuge zwischen Jerusalem und Jaffa 



Sorge für die Pilger 173 

begab er sich aiiis Pilgerschiff, begrüßte die Reisenden, brachte 
Lebensmittel und erteilte die ersten Ratschläge. War dann 
endlich der Gouverneur mit seinem Schreiber und den otl'iziellen 
Pilgerführern ^) angekommen, so wurden die Pilger ans Gestade 
gebracht und streng kontrolliert; jeder mußte seinen Namen 
und den Namen seines Vaters angeben, wobei mancher hohe 
Herr seinen Stand verschwieg, um der starken Schätzung zu 
entgehen. Nach Aufnahme der Liste wurden die Pilger in 
einem schmutzigen, gewöhnlich „Keller des hl. Petrus" ^) ge- 
nannten, Gewölbe eingesperrt, bis der Schiffsherr mit den Be- 
hörden über die Höhe der Abgaben einig geworden war und 
jeder Pilger den Passierschein erhalten hatte. Noch mußten 
unter vielen Plackereien und großem Lärm der Araber die Esel 
gemietet werden, und die Reise nach Ramleh konnte beginnen, 
wo die Pilger im Hospiz der Franziskaner einquartiert wurden, 
bis der Emir der Stadt befriedigt war und sie nach Jerusalem 
weiter ziehen ließ ^). 

Manche Pilger haben uns eine anschauliche Schilderung 
der fast unglaublichen Opfer überliefert, die mit der Ankunft 
im Hl. Lande verbunden waren. Die Lesung ihres Berichtes 
erfüllt uns mit Staunen und Hochachtung vor dem Mute jener 
christlichen Helden und ermöglicht eine Vorstellung von den 
Leiden, die dort unseren Brüdern stets beschieden waren. Ritter 
Grünemberg berichtet ""j: Als wir vor Jaffa also nahe als vielleicht 
drei Armbrustschüsse kamen, liefen die Sarazenen auf die zwei 
Türme, besahen uns und steckten dann auf einen Turm ein 
rotes Banner und gaben uns damit Frieden zu erkennen. Dar- 



machen mußten („andare e ritornare e poi la partita ancora de Pellegrini da 
Gierusalemme . . . che sono 1 viaggi") fünf Dukaten. 

1) Fabri I !!):{; Guglingen9H; Grünemberg (Hi. Vgl. Köhricht- 
M eisner 23 Anm. 3. 

-) Fabri I lOö: „cellaiia S. Petri". 

â– '') Die Bewohner von Ramleh werden als besondere Feinde der Christen 
geschildert; Fabri I 212: „Singulares enim inimici Christianorum sunt Sar- 
raceni et Mauri de Rama, et magni vexatores." Marian von Siena (ral liier 
einen venezianischen und genuesischen Konsul; Viaggio 18. 

•') Pilgerfahrt G:5 ff. Wir haben mehrere Worte geändert und manches 
fortgelassen. Vgl. auch die ausführliche Schilderung bei Fahr! I ls:Uf. ; die 
schönen Anmutungen daselbst 195. 



174 Sorge für die Pilger 

nach nahmen wir die Segel ab und warfen zwei Anker, lind 
noch desselben Tags schickte unser Patron seinen Schreiber, 
einen geschickten Gesellen, nach Jerusalem um das Geleit. 
So lagen wir sechzehn Tage still am Anker, und das Schill" 
wiegte und schwankte gar über die Maßen. Die genannte Zeit 
wurden uns viele Pilger krank, deren auch etliche starben^). 

Endlich kamen gen Jaffa der Herr von Jerusalem mit 
seinem Sohn, der Kaiin, der Dolmetsch, der Schreiber und 
etliche Herrn und gar viele der Mamelucken, das sind ver- 
leugnete Christen, und kamen wohl mit hundert Pferden und 
noch mehr Fußknechteu und fuhren desselben Tages auf unser 
Schiff und besahen alles Kaufmannsgut darauf und kramten 
viel Scharlach. Der Patron ließ ihnen Teppiche auf die Erde 
breiten, darauf saßen sie, und mancherlei Essen machen; aber 
sie begnügten sich damit nicht und liefen in die Küche und 
nahmen den Pilgern, was die für sich selbst kochten. Da liefen 
die Niederländer unter die Heiden und nahmen ihnen das Essen 
wieder, und hatte der Patron große Furcht, die Heiden würden 
von den Pilgern geschlagen. 

Als sie aus dem Schiffe geschieden, redete unser Patron: 
„Liebe Herrn, ihr Pilger, es haben sich diesmal die Sarazenen 
so gar verkehrt, daß wir schuldig sind, euch aus Treue das 
zu sagen, und besorgen, daß an euch und uns kein Geleit 
gehalten werde, besonders an den Franzosen. Aber ihr sollt 
uns das nicht mißdeuten; was euch zugesagt ist, das wollen 
wir euch erfüllen und alleweg vorangehen als eure treuen 
Väter, und wär's auch zum Tod." Also traten sie ab. Und 
ward gefragt ein Herr aus dem Niederland, der sagte: und ob 
er wüßte, daß ihn die Heiden töteten, so wollte er dennoch 
ins Heilige Land fahren. Dem gab jedermann Folge aus einem 
Munde. 

Am achten Tage im August fuhren wir in der Barke in 
den Hafen Jaffa. Und jeder Pilger hatte einen Sack um den 
Hals; darin trug er Brot, eine Flasche mit Wein, dazu etliche 



1) Unter seinen Gefährten waren „zwei Barfüßerherrn, die kannten beide 
die heidnische Sprache"; einer wurde hei einem Versuche, am Lande Speise 
zu kaufen, von einem Sarazenen erstochen; ebd. 64. 



Sorge für die Pilger 175 

hartgesottene Eier, Käse, einen Kamm und sonst manclierlei. 
Von den Sarazenen blieb keiner in seiner Hütte nocli Küche, 
sondern alle liefen herzu, uns zu besehen. Jeder hatte eine 
Waffe in der Hand, als Lanze, Bogen, Schwert und Kolben; 
auch hatte jeglicher einen krummen Degen an. Und da wir 
beinahe durch sie hindurch waren, so sitzen der Heiden an 
die sechs zu ebener Erde mit gekrümmten Knien auf gar 
schönen Teppichen, so ihnen unterlegt waren. Der oberste 
war der Herr von Jerusalem mit seinem Sohne, der Herr von 
Ramleh, der Kaiin, ?Iauptmann aller Reisigen und auch der 
Fußknechte, der oberste Schreiber und der Trütschelmann *), 
also hieß der Dolmetsch. Die genannten sechs hatten dazumal 
alle Gewalt im Hl. Lande. Und ward jeglicher gefragt vom 
Schreiber, wie er hieße; darnach sprach er: „Wie heißt dein 
Vater?" Und sobald einer das sagte, so schrieb er die beiden 
Namen mit einem Rohr in ein Buch. Darnach führten uns die 
Heiden in zwei alte Gewölbe; sie liegen unterm Berg; die 
hatten die Heiden und ilire Esel ganz voller Unrat gemacht, 
daß es über alle Maßen übel roch. Darin gaben sie einem eine 
Handvoll Stroh; das mußte einer lösen mit etlichen Pfennigen, 
er nälim's oder nicht, oder es waren ihm gute Streiche bereit. 
In den genannten zwei Gewölben oder Löchern lagen 
wir bis an den dritten Tag. Die Gürtelchristen brachten uns 
Brot, Trauben, gesottenes Fleisch und etlichen Reis und andern 
Brei und hartgesottene Eier genug um unser Geld. Dieweil 
wir also in den Löchern bewacht lagen, machten die Heiden 
und unsere beiden Patrone einen Pakt und Vertrag für Zoll 
und Geleit, auch von den Eseln, die wir reiten sollten; wir gaben 
dafür 1500 Dukaten. Die Heiden taten uns viel Niedertracht 
an, besonders die Nacht. Denn welcher herausgehen wollte, 



1) Fabri II 108: „Peregrini Christiani habent in Jerusalem diios ina- 
gistros, siiperioroni et inferiorem. Siiperior dicitur Sabatliytanco, et Caiimis 
maior. Inferior vocatur Elplialialio, Calinus minor, i. e. magister hospitalis 
et peregrinorum. Ambo etiam Calini dicuntiir Trutschelmanni, i. e. defensorcs 
et ductores, sive provi-iores Cliristianoriim peregrinorum. Sunt enim in qua- 
libet civitate aliqui, quibus soldanus concedit, ut Cliristianos per terram ducant 
et eos protegant, et sunt magistri ofliciaies de curia domini Soldani et dicuutur 
Trutsclieimanni." 



176 Sorge für die Pilgei* 

den ergriffen die Heiden und forderten Kurtesie ; welcher dann 
ein paar Pfennige gab, dem taten sie nichts; welcher aber 
nichts geben wollte, der ward übel geschlagen und von ihnen 
von der Erde aufgehoben und in das Loch geworfen. Also 
ward in der letzten Nacht ein vornehmer Ritter gar geschlagen, 
daß er tags darauf starb. 

Item in den Gewölben, einem zu oberst, war im Laufe 
der Zeit ein Loch durchgebrochen; und manchmal gingen un- 
vermutet in der Nacht die Heiden zum Loch und schütteten ihren 
Unrat auf uns und warfen mit Steinen herab auf die Pilger. 
Und am Tage, wenn wir vor den Gewölben standen, so warfen 
sie auch nach uns mit Steinen, die wie ein Kopf groß waren. 

Darnach am Sankt Laurenztag früh um acht zählte man 
uns Pilger aus den Löchern oder Gewölben. Die Esel, so wir 
alle reiten sollten, waren gekommen, und wir gingen abermals 
vor die heidnische Obrigkeit; da gab der Schreiber von Jeru- 
salem jeglichem Pilger einen Brief von Papier. So wir nun dahin 
kamen, wo die Esel standen, da war ein großes Geschrei von 
den Heiden; einer setzte mich gleich auf einen Esel und meinen 
Knecht auch auf einen und forderte Kurtesie; dem gab ich für 
uns zwei Marzellen ^). Er war's wohl zufrieden und küßte mir 
meine Hand und wartete meiner wohl. 

Und so wir also anfingen hin zu reiten, fingen die Esel 
an zu schlagen und zu springen; ich meine, die Heiden stechen 
sie irgend womit, und welchen dann sein Esel abwarf, oder 
dem etwa sein Sack oder anderes entfiel, der mußte es lösen 
und dann noch Kurtesie geben vom Aufsitzen. Also zog das 
Heer dahin, ich zählte an die 300 Pilger. Die Heiden hatten 
ihre Fastnacht mit uns und lachten und schrien über uns und 
ritten vor und neben uns bei anderthalbhundert Pferden. 

Als wir vor ein Dorf ritten, da liefen Frauen und Männer 
herzu und warfen uns mit guten Steinen; unsere Geleitsleute 
lachten. Um zwei nach Mittag kamen wir Ramleh nahe. Die 
Heiden wollten uns nicht mehr weiter reiten lassen -), und 



^) Der Marcello hatte den Wert von einer halben Mark heutiger Rechnung. 
-) Fabrl I 211: „Xon enini patiuntur pagani, quod Christiani eorura 
civitates et oppida ingrediantur equitando." 



Sorge füi' die Pilger 177 

gingen wir also durch den Sand zur Stadt hin. Und so wir 
in die Stadt kamen und durch die Gassen gingen, hatten die 
Sarazenen sich gehäutet, uns zu besehen. Deren hatten etliche 
kurze wohl gespitzte Stecken, stachen die Pilger in ihre Seiten 
und rauften ihnen ihre Barte, darob gar mancher wehklagte. 
Und so wir vor das Spital kamen, das ein Herzog von Burgund 
gestiftet hat, schlüpften wir, einer nach dem andern, durch 
zwei viereckige, enge Löcher. Und alsobald wir in das Spital 
kamen, so legten sich vier Brüder auf den Estrich; denen 
zündete man die Kerzen an. Zuerst starb ein junger Bannerherr, 
Herr Jan Branbork, aus dem Lande Pommern gebürtig. Auch 
starb hier Ritter Diepolt von Haspberg. Um die zwei andern 
ward es ein wenig besser; der eine war ein mächtiger Abt 
aus Frankreich, der andere ein ihm zugehöriger Priester. Die 
führte man beide auf Roßtragen gar mit großen Kosten gen 
Jerusalem; da starben sie beide auf dem Berg Sion bei den 
Brüdern daselbst. 

Des nächsten Tages nach Sankt Laurenz kamen die Heiden 
ins Spital und forderten unsere beiden Patrone. Sie wollten 
wissen, wie viele der Pilger noch wären; sie wüßten, daß 
etliche tot wären, derselben Gut wäre ihnen verfallen, weil es 
in ihrem Lande wäre. Die beiden Patrone hätten sie gern 
beredet und wollten die Wahrheit nicht kund tun noch ein- 
gestehen. Nach viel Redens ergriffen sie beide Patrone; und 
wollten die wieder frei werden, so mußten sie uns zählen 
lassen. Also trieben uns die Heiden allesamt in ein enges 
Gewölbe, daß wir auf das allergedrängteste eng einander standen 
und viele meinten, die Bösewichter wollten uns da ersticken. 
Und so wir eine Zeit lang atemlos gestanden, so zählten sie 
uns aus dem Gewölbe; also fanden sie deren zwei weniger, 
und nach vieler Rede mußten die Patrone ihnen ein Abfinde- 
geld geben. 

Darnach schlug ein Heide unsern Weinschenk, einen 
Niederländer, genannt Nikola. Der hängte sich an den großen 
Heiden und zerschlug ihm sein Angesicht, daß alles gar sehr 
blutete. Die Heiden, die das gewahrten, liefen hinzu und 
schlangen dem genannten Nikola ein Tuch um den Hals und 

Fraiizisk. Studien, Beiheft 4: Lern mens, IJie Franziskaner auf dem Sion. 12 



178 Sorge für die Pilger 

meinten ihn so zu erwürgen. Da liefen die Pilger hinzu und 
erretteten ihn und stießen ihn in ein Gewölbe. Als das die 
Heiden sahen, wurden sie über die Maßen zornig und liefen 
gegen das Tor des Spitals in der Meinung, die ganze Stadt Ramleh 
zu einem Auflauf wider uns zusammenzuschreien. Aber die 
Brüder Sankt Franzisci und etliche tapfere Pilger wollten keinen 
Heiden hinauslassen. Nikola ließ beide Patrone bitten, daß sie 
einen Vergleich machten; was das koste, wolle er bezahlen, 
wär's auch um 200 Dukaten. Denn er wäre schon zweimal 
in Jerusalem gewesen und wüßte der Heiden Sitten, daß sie 
ihm alle viere hätten abgehauen. Darnach machten beide 
Patrone einen Vertrag mit dem allein, der geschlagen war, 
und beredeten denselben Heiden, daß er sagte, kein Christ 
hätte ihm was getan, sondern er wäre also ohne alles Zutun 
auf einen Stein gefallen und hätte so sein Antlitz zerfallen. 
Um solches wurden dem Heiden von Nikola acht Dukaten 
gegeben. 

Um derartige Auftritte möglichst zu verhindern, wurden 
hier den Pilgern Verhaltungsmaßregeln gegeben. Während der 
Messe, die im Hospiz gelesen w^urde, hielt einer der Franzis- 
kaner eine Ansprache und erteilte wichtige Ratschläge ^). Zu- 
nächst wurden alle Pilger, die ohne kirchliche Erlaubnis die 
Pilgerreise unternommen hätten, aufgefordert, sich nach dem 
Gottesdienste zu melden, damit sie von dem Kirchenbanne los- 
gesprochen würden. Kein Pilger dürfe, wenn er von einem 
Sarazenen geschlagen werde, ihn wiederschlagen, sondern solle 
es dem Guardian, Dolmetscher oder Führer anzeigen, und wenn 
ihm keine Gerechtigkeit zuteil werde, es Gott zu Ehren tragen. 
Niemand dürfe eine Moschee betreten, einen betenden Sarazenen 
verlachen oder über ihre Gräber schreiten. Im Umgang mit 
denselben sollten sie sehr vorsichtig sein, ihnen weder Wein 
geben noch Wein vor ihren Augen trinken, keine Freundschaft 
mit ihnen schließen, nichts vor ihnen liegen lassen, bei Geschäften 
aufpassen, nicht mit ihnen streiten und zanken und vor allem 
verhüten, daß der christliche Name durch das Benehmen der 
Pilger beschimpft werde. Es sei verboten, Waffen und weiße 

1) Vgl. Fabri I 212—217. 



Sorge für die Pilger 179 

Kleider oder Kopftücher zu tragen, weil das ein Vorrecht der 
Sarazenen sei. Man dürfe keine Frau fixieren, da die Sarazenen 
sehr eifersüchtig seien, noch ihre Winke und Zeichen erwidern. 
Niemand möge Wände durch Aufschreiben von Namen oder 
Aufmalen von Wappen beschmutzen, da das die Sarazenen für 
Narrheit hielten; auch solle man sich hüten, vom Heiligen Grabe 
und anderen Gebäuden Steinchen abzubrechen. Bei den gemein- 
samen Pilgergängen möge jeder sehr auf Ordnung und gutes 
Beispiel für die Ungläubigen bedacht sein. Sollte der Aufenthalt 
in Ramleh oder andern Orten länger dauern, so müsse, man 
Geduld haben und die Vorwürfe nicht gegen den Guardian 
richten, da die Sarazenen täten, wie sie es für gut fänden, 
und nicht auf den Nutzen der Pilger Rücksicht nähmen. Zum 
Schluß wurde das Hospiz zu Ramleh und das Kloster auf dem 
Sion dem Wohlwollen der Pilger empfohlen. 

Waren endlich die Tage des Wartens in Ramleh vorüber, 
so lag das Ziel nahe. Die übrigen Mühen und Prüfungen 
wurden leicht getragen; schon der zweite Tag konnte die Pilger 
in die Heilige Stadt einziehen sehen. Nachdem sie hier am Tore 
nochmals gezählt und ihr Gepäck untersucht war '), traten sie 
in andächtiger Prozession, zwei und zwei, mit gefaltenen Händen, 
den Pilgersack auf der Schulter^), in die Stadt ein; manche hatten 
aus Andacht die Schuhe abgelegt und gingen barfuß, so lange 
sie im Hl. Lande weilten ^). Zunächst wurde der Zug vor die 
verschlossene Grabeskirche geführt, wo auf dem Platze unter 
Seufzen und Weinen die ersten Gebete verrichtet wurden ^). 
Dann verteilten sich die Pilger in ihre Quartiere. Die Frauen, 
die nach Fabri die Strapazen der Reise besser ertrugen ^), 
wurden in das Haus der Schwestern auf dem Sion geführt*^). 



1) Röhricht-Meisner 28. 

-) Fabri I 237: „Sumpti.s nostri.s sacculis bini et bini Ordinate contra 
portam mercatonim vel pisciiim processimus, cum silentio et devotione junctis 
manibus ante pectora." 

8) Ebd. 238. ') Ebd. 238; Grünemberg 80. 

">) Evagatorium II 7!) : „Optabam Salonionom affuisso in nostro. exercitu, 
et invenisset non unam, sed pliires muliercs lortes." 

ß) Surian 118 bezeichnet als Hauptzweck des Schwesternhauses 
„receptare le done peregrine, che vengono in Hicrusalem continuamente". 

12* 



180 Sorge für die Pilger 

Die Ordensleute ') und die kranken Pilger-) wohnten im Kloster 
der Brüder, die unten bei der Pforte Gasträume eingerichtet 
hatten^). Bis 1490 war es Sitte gewesen, daß auch die Führer 
der Schilfe auf dem Sion wohnten. Da das Unruhe und manche 
Unzuträglichkeiten ins Kloster brachte, stellte der Kustos Bar- 
tholomäus am 26. August 1490 den Brauch ab, weshalb der 
Doge Augustin Barbarigo den Kapitänen unter schweren Strafen 
verbot, in Zukunft auf dem Sion Wohnung zu nehmen ^). Das 
große Johanneshospital der Kreuzfahrer, das manchem Pilger 
eine bequeme Herberge geboten, hatte nach Marian von Siena 
1431 „nur noch die Mauern" ^) und verfiel seit der Mitte des 



Außerdem besorgten sie allerlei Arbeiten für die Brüder: „fano lo pane per 
tuti li loch!, fano le bugate de la sacristia e de la canava, governano li polli 
e simele cosse." Dasselbe sagt Fabri I 259: „Fratribus serviunt propter 
Deum, lavando, suendo, nendo, et ecclesiam fratrum frequentant." Siirian 
erwähnt noch, daß sie „sehr geehrt und geachtet von den Sarazenen" sind, 
und daß niemand ihnen ein böses Wort sagt, weshalb sie sicher nach St. Jo- 
hann, Bethanien und Bethlehem gehen können, l'ber einen Diebstahl, der am 
10. .\pril 148."5 im Scliwesternhause von Gürielchristen verübt wurde, berichtet 
Guglingen, Itinerarium lö;3 und 167; vgl. auch Fabri I 2ö9. 

1) Fabri 1 240: „Consuetum est, quod religiosi cum Fratribus Minoribus 
in Monte Syon manent" ... „A quibus charitative fuimus recepti et tractati, 
et propriam cellam. . . . assignaverunt, et ita cum eis manducavimus, bibimus 
et dormivimus et Deo pariter servivimus ... in bona pace et optima provisione 
de charltale palrum et Fratrum Minorum montis Syon." Vgl. Guglingen 117. 

'-) Dietrich von Schachten berichtet 1491: „Die Barfüßer herbergten 
auch etliche, so da krank wahren, in ihren Klöstern" ; Röhricht-Meisner 195. 

3) Anselra von Krakau: „Inferius de coenaculo subtus ad Capellam 
S.Francisci, ubi etiam est dormitorium peregrlnorum" ; Basnage 789. Harff 164: 
Die Brüder gaben „bij de.' portzen off die lynke haut eyn eygen kamer". 
Fabri I 248 sagt von dem Räume unter dem Zönakulum: „Sunt etiam in 
latere ejus lecti pro hospitibus, in quibus in prima mea peregrinatione dor- 
mivi. Est etiam ibi cella fratris sacristae et fratris Johannis, qui milites creat 
in sancto sepulchro." Vgl. den Grundriß S. 147. 

-•) Die Schriftstücke sind mitgeteilt in Verniero, Chronik 699 ff. Der 
Kustos sagt in seinem Schreiben u. a. : „Accade a' Padroni di congregar 11 
Pellegrini, per 11 che sempre e la taverna in Casa . . . Tutto 1' anno facciamo 
che 1 Turchi non entrino nelle nostre officine e parti interiori della Casa; 
e nel tempo che li Ptidroni ttanno in Convento, non e possibile ritcnerli." — 
Der Doge drohte die Strafe von 200 Dukaten und den Verlust des Rechtes, 
Pilger zu befördern, an. Der Guardian solle jedem Kapitän eine Bescheinigung 
mitgeben, ob er der Verordnung entsprochen habe. Am 12. Juli 1513 wurde 
dieselbe vom Dogen Loredano erneuert; ebd. 701. 

^) Viaggio 25: „Ora non ci e se non mura." 



Sorge für die Pilger 181 

15. Jahrhunderts immer mehr. Es war nach Fabri *) ein „elendes, 
trauriges Haus" geworden, in dem, wie Guglingen sagt-), die 
Pilger „äußerst arm und erbärmlich wohnten, ohne Wirt und 
Möbel, unter sich den Fußboden und über sich das Gewölbe". 
Die Pilger, die dort nicht bleiben wollten, fanden bei Privat- 
leuten, bei den venezianischen und genuesischen Konsuln ^), im 
Hause des zweiten Dolmetschers ''), bei der armenischen St. Ja- 
kobuskirche ^) und in andern Häusern*^) Unterkunft. Für jene, 
die im Johanniterspital verblieben, sorgten die Franziskaner 
nach Kräften^); sie lasen daselbst auch die hl. Messe ^). 

Die Sorge für die Unterkunft der Pilger war allmählich 
den Franziskanern zugefallen und von ihnen immer weiter aus- 
gebaut worden. Nach dem Einzüge unserer Brüder in die 
heiligen Stätten hatten zunächst die beiden Frauen Sophia und 
Albira das uns schon bekannte Pilgerhaus auf dem Sion gegrün- 
det^). Nicht lange nachher gab der Sultan den Johannitcr- 
rittern ihr Hospital, das sie beim Einzüge Saladins in Jeru- 



1) Evagatorium I 240 : „Magnum est liabitaculum, tostudinatiiin, miserum 
et desolatum." 

-') Itinorarium 115: „U)i staut et quiescunt . . . paiiperrirne et miserabi- 
liter, non habentos hospitem nee supellecUiia aliqiia, soliim pavimentum siibtiis, 
supra vero testiidineni." 

3) Vgl. über diese Konsuln W. Heyd, Les Consulats etablis en Terrc 
Sainte au Moyen-Age pour la protection des pölerins. In : Arch. de l'Orient 
Latin II 355—363. Eine Liste der venezianischen Konsuln in Syrien gibt 
Berchet, Relazioni dei consoli Veneti nella Siria, Torino 1866, 55 — 57. 

*) Vgl. Fabri I 240, II 107; Lengherand 117 u. a. 

5) Es war spanische Stiftung. P. Bonifacius sagt von demselben: 
„Hospitium . . . quod Hispani . . . labricarunt, in quo peregrini Hispani, ijui 
veniebant Terram Sanctam visitare, hospitabantur" ; Liber de perenni cultu 185. 
Hier wohnte 1532 Possot; er berichtet von der Ankunft: „Soupasmes au 
couvent des Cordeliers et allasmes coucher au licu dit S. Jacques, qui est aux 
Armeniens"; Schefer, D. Possot, Voyage de La Terre Sainte, Paris 1890, Ki.'J. 

") Z. B. bei einem Jakobiten, namens Gazelle; vgl. Guglingen 115: 
„Si autem peregrinoruni pauci sunt, decem vel quindecim, ducuntur ad domum 
cuiusdam Christiani, et habet curara eorum et recipit pecuniani absque mi- 
sericordia." Griinemberg wohnte bei einem Gürtelchristen, namens Elias; 
Pilgerfahrt 80. 

") Vgl. Füssli bei Böhmer, Studien 23. 

^) Vgl. Griinemberg 80. Dasselbe berichtet 1497 Hans Schurpf; vgl. 
Tobler, Topographie I 405. 

â– ') Vgl. oben S. 75. 



j^g2 Sorge für die Pilger 

salem verloren hatten, zurück ^). Die Ritter ließen es durch 
einen Hospitalarius verwalten-); als sie sich aber bald, wohl 
infolge der vielen Schwierigkeiten, zurückzogen, verwahrloste 
das gewaltige Gebäude immer mehr. Um 1460 kauften daher 
die Franziskaner ein Haus für die Aufnahme der Pilger, das 
aber nach Aussage des Bischofs Rochechouart, der 1461 in 
demselben wohnte, „wenig geeignet für die Pilger" war, da 
das Wasser fehlte ^). Seitdem finden wir die Pilgerräume im 
Kloster der Brüder auf dem Sion erwähnt ^), und stufenweise 
bildeten sich jene Bräuche aus, die uns Jodokus von Meggen 
1542 schildert. Die Pilger wurden bald nach ihrer Ankunft in 
der Heiligen Stadt zum Sionkloster geleitet, wo ihnen die Brüder 
unter Psalraengesang die Füße wuschen ^), und durch ein kräftiges 
Mahl erquickt ^). Dann hielt der Obere des Klosters die Begrü- 
ßungsansprache, in der er die ersten Mitteilungen machte. Die 
Priester und einige Ritter würden im Kloster bleiben; der Raum- 
mangel hindere sie, alle Pilger aufzunehmen, wie es ihr Wunsch 
wäre. Die übrigen sollten in einem bequemen, unweit der Stadt- 



1) Michaud-Breholles, Histoire des Croisades III 365. Am 7. Okt. 
1403 erneuerte der Sultan im Vertrag mit dem Großmeister der Johanniter 
die Erlaubnis für ein Hospital; vgl. Arch. de l'Orient Latin II B 512. 

2) Als Zeuge des Martyriums der vier Franziskaner wird im Protokoll 
genannt: „Johannes Campana, Janue, Hospitalarius peregrinorum, cum familia 
sua", oder, wie es in einer andern Kopie heißt: „Hospitalarius hospitalis 
Jerusalem, cum servitoribus suis" ; vgl. oben S. 87 Anm. 2. 

3) Rochechouart, Journal 242: „Ducimur ad hospitalc peregrinorum, 
quod non est illud antiquum, quo recipiebantur peregrini, scd noviter acqui- 
situm per Fratrcs Minores, mediocritor aptum ad receptionem peregrinorum, 
sed non ut in Rama, quia non est aqua nee cisterna." Das Haus scheint 
wenig von Pilgern benützt worden zu sein. 

■*) Bereits Guglingen sagt, daß eine größere Zahl Pilger auf dem 
Sion wohnten. „Gardianus vero cum fratribus ordinis et aliis religiosis, si 
aliqui sunt, et cum patronis galearum et certo numero vadit ad montem Syon, 
et ibi hospitantur et providentur per gardianum"; Itinerarium 115. 

») Dasselbe berichtet Ernst von Bueseck; Röhricht-Mcisner 458. 
Die Zeremonien und Gebete der Fußwaschung bei Golubovich, Hörn 233. 

•^3 In der Jerusalemfahrt des Grafen Gaudenz von Kirchberg (1470), 
beschrieben von seinem Diener Friedrich Steigerwalder, heißt es zum 
Mahle auf dem Sion, daß Jeder Pilger „ain manester [Suppe] von reyß in 
ainem kleinen schissein und ain gruen stuckh fleisch und gar gueten wein 
genueg" besonders erhielt ; Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols 
und Voralbergs II 136. 



Sorge für die Pilger 183 

maiier gelegenen Hause Unterkunft finden; jeder werde daselbst 
seine Decken und Kissen haben. Alle Pilger würden vom Kloster 
reichlich Wein und Brot erhalten; die andern Speisen müßten 
sie sich selbst kaufen. Es sei Sitte, daß die Pilger dreimal 
gemeinsam im Kloster speisten, beim Besuchen des Heilig- 
tums auf dem Sion, vor der Pilgerfahrt zum Jordan oder nach 
Hebron und vor der Abreise 0- 

Jodokus bemerkt, daß alle diese Versprechen nicht nur 
genau erfüllt, sondern noch übertroffen wurden. Als sie den 
Guardian ersuchten, ihre Einkäufe für den Lebensunterhalt be- 
sorgen zu lassen, habe dieser bereitwillig zugesagt. Er sei bis- 
weilen selbst bei ihren Mahlzeiten erschienen, um sich durch 
eigenen Augenschein davon zu überzeugen, was ihnen vorgesetzt 
werde, und habe wiederholt gedrängt, ihm alle Klagen und Be- 
schwerden zu unterbreiten. Doch sei alles von den Brüdern so 
reichlich gebracht worden, daß sie keinen Grund zur Klage 
hatten^); ein Zeugnis, das den Franziskanern immer wieder von 
den Pilgern ausgestellt wurde. Der italieniscfie Priester Anton 
Buondelmonti, der 1468 in Jerusalem weilte, schrieb in sein 
Tagebuch, die Brüder nähmen einen so gut auf, daß man glaube, 
„im Paradies zu sein" ^). Diese gute Aufnahme der Pilger zu 



') A. a. 0. 93 : „Coenobitis itaqiie pcrogrinorum pedes subito lavantibus 
interque lavandura prae gaiidio psallcntibus, satis humanitcr excipiebamur, 
quia statim prandium universis peregrinis opipariim exhibuere ; quo peracto 
gratiaquc Omnipotonti habita, guardiaiuis ... disseruit . . . Sacerdotcs universos 
. . . cum paucis nobilibus in monastcrio moraturos, libcntius universos pcregrinos 
susceptururn, ni loci angustiae id vetarent; ceteros vero in acdibus Aiinae in 
urbc pencs moenia, satis commode, loci religionisque consideratione habita, 
futuros ; sed quo comniodius id Hat, unicuique singula stragula pulvinariaquc 
pracbiturura ; omnibus autem peregrinis vinum panemque abunde a conventu 
suppeditatum iri, ceterum autem victum nos emere debere, coquum eorum 
singula in esum commoduin conipositurum. Denique consuctudinis esse, ut 
tria convivia universis peregrinis cxhibeantur, primuin (piando eo conveniunt, 
alteruin cum Jordanem vel valleni Hebron petituri sunt, tertium cpm discedant." 
— Über das beim Siontor gezeigte „Haus des Annas" vgl. Fabri I 261 und 
Meistcrmann-Huber 155. 

-) Ebd. 93: „Quae certo singula ut promisit praestitit et vcrbis lacta 
non solum aequavit sed etiam superavit . . . Itaque aflatim nobis omnia a 
Coenobitis allata sunt, ut nuUam prorsus conquerendi occasionem haberemus." 

3) Civezza, Storia VI 355: „Che pare stare in Paradiso." 



j^84 Sorge für die Pilger 

Jerusalem förderte die Wallfahrten ins Heilige Land nicht wenig. 
Nikolaus von Farnad meinte, es würde kaum noch ein Pilger 
nach Palästina ziehen, wenn die Brüder aus dem Lande ver- 
trieben würden 0- 

Der Aufenthalt in der Heiligen Stadt dauerte acht bis vier- 
zehn Tage ^). Das Programm desselben war im großen und 
ganzen immer das gleiche. Ein Gang führte auf den Sion, einer 
am Prätorium des Pilatus vorbei zum Tale Josaphat und ölberge; 
dreimal wurde die Grabeskirche besucht; da die Lateiner dem 
Sultan eine höhere Abgabe zahlten, wurde ihnen die Basilika 
dreimal geöffnet ■'•). Außerdem zog man nach Bethlehem, St. Jo- 
hann und zum Jordan. 

Auf diesen Rundgang waren viele durch Reisebücher vor- 
bereitet. Schon vor dem Einzüge der Franziskaner in die heiligen 
Stätten waren Verzeichnisse derselben und der überall bewahrten 
Reliquien verbreitet ■*). Diese Listen wuchsen beständig. Jedes 
Kreuz und jedes Zeichen war allmählich von der frommen 
Einfalt gedeutet worden; schließlich war kaum ein Ereignis in 
den heiligen Büchern, dessen Platz man nicht gekannt und 
gezeigt hätte. „Ein Steinhaus von großen Steinen" auf dem 
Sion war nach Grünemberg^) „die Stätte, da Sankt Mathias 
zu einem Apostel erwählt ward" ; „nahe darbei ein w^eißer 
Stein mit einem Kreuz in einer Mauer" der Ort, wo „Sankt 
Jakob zu einem Bischof erwählt war" ^); auf einem unweit davon 
gelegenen Stein „hat unsere liebe Frau ge\veint, nachdem Gott 



1) Compendiosa dcscriptio Bl. XVIj^': „Si fratres inde delereiitur, nulliis 
ut puto lideliura terram sanctam visitandam adveniret, eo qiiod hospitium, quo 
se diverteret in Hierusalem, non haberet." 

2) Grünemberg blieb daselbst vom 13. bis zum 27. August und der Zug, 
mit dem P. Guglingen gekommen war, vom 23. Juli bis zum 4. August. Tücher 
und Wilhelm von Thüringen weilten nur acht Tage in Jerusalem. 

^) Surian, Trattato 31: ..AUi Franchi. perche pagano piü che 1' altri, 
sono obligati de aprirli tre volte in tre diversi giorni, et una volta sola aprono 
a tute r altre natione." 

^) Vgl. oben S. 32 Anm. 2. Die Untersuchung über die Entwicklung 
dieser Verzeichnisse und der Ablässe des Hl. Landes muß einer andern Arbeit 
vorbehalten werden. â– '') Pilgerfahrt 92. 

6) Fabri. Evagatorium I 273, fügt hinzu, daß er daselbst auch ge- 
weiht wurde. 



Sorge für die Pilger 185 

gen Himmel ist gefaliren". Eine Straßenecke vor dem Hause 
des Kaiphas wurde als der Platz verehrt, auf dem Maria wäh- 
rend des Verhöres Jesu wartete ^), und eine in der Nähe ge- 
legene Höhle als der Ort, an dem Petrus die erste Buße für 
seine Verleugnung im Hause des Hohenpriesters tat -). 

Die Wallfahrten wurden unter Führung der Brüder gehalten. 
Ritter Grünemberg erzählt: Wenn wir an die heiligen Stätten 
kamen, so stand jedermann still, und ein Barfüßer verkündete 
mit lauter Stimme in latein, welche Stätte das war und was 
da geschehen. Dasselbe sagte darnach ein anderer Bruder in 
französisch und wälsch, darauf sagte es ein Bruder zu deutsch, 
und dessen bedurften die Pilger, denn da waren wohl zehnerlei 
Sprachen unter uns. Vor uns her ging der Kaiin und andere 
Heiden, so uns geleiteten^); sie mußten, wie Fabri sagf*), die 
Knaben abwehren, damit sie die Pilger nicht mit Steinen warfen. 

Der Pilgerzug, mit dem Felix Fabri 1483 nach Jerusalem 
kam, blieb in der heiligen Stadt vom 12. bis zum 22. Juli. 
Am 13. Juli wurde der Sion und seine Umgebung besucht. 
Vor Aufgang der Sonne versammelten sich die Pilger in dem 
festlich geschmückten Zönakulum; nie sah Fabri so kostbare, 
gestickte Teppiche ''). Nachdem die Prim und Terz gesungen 
waren, zelebrierte der P. Guardian das feierliche Hochamt, 
während dessen er eine lateinische Ansprache hielt, die P. Walter 
von Guglingen ins deutsche übersetzte. Dann zogen aile in 
festlichem Zuge zu den heiligen Stätten in der Nähe des Zöna- 
kulums. Es war Mittag geworden, als die Prozession zu Ende 
ging, und nun wurden die Pilger in den Garten geführt, wo 
die Tische für sie gedeckt waren; zum Schutze gegen die 
Sonnenstrahlen war ein großer Teppich ausgespannt, auf dem 



1) Fabri I 2(56. â– ^) I-]bd. 2(51. 

•■'J Pilgcrlahrt 80. Vgl. Giiglingcu 118. 

') Evagatorium l 354: „Calinus . . . cum baciilo salviini coüdiicliiiii prac- 
statis et pueros arcens, ne nos lapidibus impeterent." 

•'') Evagatorium I 241 : „Nunquam vidi pretioslores panno.s, imiiierura 
ope l'actos cum imaginibus vitac Cliristi et mortis, quam ibi. linde Sarraceni 
magni et Turci et Mameiuci a longinquo venientes petunt sibi pannos aut 
tapetias illas monstrari . . . Hos pannos dux I5urgundiao Phiiippus pro illa 
ecclcsia fecit lieri." 



136 Sorge für die Pilger 

die Sendung des Heiligen Geistes gestickt war. Einige Edelleute 
bedienten aus Demut die Gäste. Während des Essens hielt ein 
Pilger eine lateinische Ansprache über die heiligen Orte, und 
am Schlüsse dankte Johann von Zimmern, einer der Tischdiener, 
im Namen des Guardians allen Gästen dafür, daß sie der Ein- 
ladung zum Mahle Folge geleistet. Derselbe habe zwar durch- 
aus verboten, bei Tische eine Kollekte für die Brüder zu halten, 
oder den Pilgern ein Almosen für das Kloster zu empfehlen. 
Doch könne das niemanden abhalten, mit Br. Johann von Preußen, 
dem Prokurator des Klosters, zu sprechen und ihm etwas für 
die Nöten der Brüder zu übergeben ^). 

Nachdem am Nachmittage die übrigen Stätten auf dem 
Sion und seine Umgebung besucht waren, ging es gegen Sonnen- 
untergang zur Grabeskirche, wo die Pilger von den Torhütern 
abgezählt und in die Basilika eingelassen wurden, deren Türen 
sich sofort hinter ihnen schlössen. Sie blieben dort die ganze 
Nacht, hielten die Prozession, empfingen die heiligen Sakra- 
mente") und beteten und sangen in der Kirche, bis die Sara- 
zenen sie um 8 Uhr morgens hinauswiesen. 

Der 15. Juli führte die Pilger zum Hause der Veronika, 
zum Gerichtshofe des Pilatus, der Geburtsstätte der Gottes- 
mutter, dem Tale Josaphat, dem ölberge und am Teiche Siloa 
und dem Acker Hakeldama vorbei in die Stadt zurück. Am 
Abend ging es nach Bethlehem. Vor der Stadt stießen sie auf 
eine Menge bewaffneter Araber, die den Weitermarsch nur 
gegen Zahlung einer Abgabe gestatten wollten und nach langem 



1) Ebd. I 249: „Nullatenus enim voluit Pater Guardianus, qiiod collccta 
lierot in meusa, nee consensit, ut intimaretur percgrinis, quod i'rater Joliannes 
esset accepturus pecuniam nomine fratruni, sed nobiles ex se lioc feccrunt . . . 
Porro nobiles ad fratrem Johannem aecedentes notabilem eleemosynam Con- 
ventui dedenint." 

-) Fabri erzählt, daß bei seiner ersten Pilgerfalirt im Jahre 1480 große 
Unordnung unter den Priestern herrschte, die sich zur hl. Messe ankleiden 
Avollten und gegenseitig den Platz und die Paramente streitig machten. „In 
secunda autem peregrinatione erant pauci sacerdotes et multi saeculares, et 
pater Guardianus [P. Paul von Caneto], vir prudens, bene cuncta ordinaverat, 
quod res paciüce transibat"; Evagatorium I 313. — Ob Röhricht-Meisuer 32 
mit Recht jenen von Fabri berichteten VorMl verallgemeinert, wissen wir nicht. 



Sorge für die Pilger 187 

Hin- und Herreden von den Pilgern 24 Dukaten erhielten. In 
der Kirche fand alsbald die Prozession statt, die das Zimmer 
des hl. Hieronymus, das Grab des hl. Eusebius und der Un- 
schuldigen Kinder nebst anderen Stätten aufsuchte und in der 
Geburtsgrotte schloß. Nachher nahmen die Pilger oben im 
Gange die von Jerusalem mitgebrachten Speisen zu sich ^ und 
beteten oder ruhten, bis sie um Mitternacht zu den Metten in 
die heilige Grotte zurückgerufen wurden. Nach den heiligen 
Messen wurde das Hirtenfeld besucht, das „Gloria in exceisis" 
daselbst mit großer Freude gesungen und der Abschiedsbesuch 
an der Krippe gemacht. 

Die folgende Nacht brachten die Pilger wieder in der 
Grabeskirche zu, wo Br. Johann von Preußen nach der Prozession 
mehrere adelige Pilger in der Kapelle des Heiligen Grabes zu 
Rittern schlug. 

Der 18. Juli war dem Pilgergange nach St. Johann und 
dem Heiligkreuzkloster geweiht. Am 19. traten sie über Bethanien 
die zwei Tage dauernde Reise zum Jordan an. Hier nahmen 
die Pilger das herkömmliche Bad, besuchten die Kirche des 
hl. Johannes und die Stadt Jericho und pilgerten zum Berge, 
auf dem der Erlöser fastete und versucht wurde. 

Gegen Abend des 21. Juli zogen sie zum dritten und 
letzten Male in die Grabeskirche, wo sie wieder die ganze 
Nacht verblieben ^), und begaben sich in der Frühe des folgenden 
Tages auf den Sion, um sich vom Heiligtume und den Brüdern 
zu verabschieden und die Rückreise nach Jaffa anzutreten^). 
I'abri und 17 Pilger blieben zurück, um über Hebron nach dem 



1) Andere wurden von den ßrüdcrn bewirtet. So sagt der Kartüiiser- 
prior Georg 1507 : „Pro [ortuna et consuetudine l'ratrum sati.s laute ej)ulati 
suiDUs" ; Pez 522. 

2) Fabri macht einen Unterschied zwischen den drei IJesiichen der 
Pilger: „In prima enim nocte occiipati erant ad disponendinn sc ad sacrani 
Eucharistiae conmuinionem cum confessionibus, et adhuc inagis afl'ecti erant 
ad loca sancta ... In secunda nocte sollicitabantur pro militia sua . . . Sed 
per noctem iilam . . . otiosis operibus et vanis vacabant . . . major pars" ; 
Kvagatorium II 91. 

•'*) Über Schwierigkeiten und Erpressungen vor dem Besteigen des Schiffes 
vgl. Peter Rindfleisch (1490) bei Höh richt-Meisner 336. 



188 Br. Johann von Preußen 

Sinai und Ägypten zu reisen 0. Vergebens bemühten sie sich 
im Kloster um die Erlaubnis, aul' dem Sinn bis zu ihrer Abreise 
zu wohnen; alle Bitten und Verspreclien waren vergebens. 
Der Guardian und der Prokurator Br. Johannes erwiderten: 
Wir wollen euch behilHich sein, daß ihr eine Wohnung in der 
Stadt findet, und euch stets zu Diensten stehen; wenn jemand 
erkrankt, so soll er bei uns mit Liebe gepflegt werden; auch 
kann P. Felix weiter bei uns wohnen und mit uns essen und 
trinken; aber wir sind durch eine lange Erfahrung belehrt, daß 
es besser ist, wenn ihr außer dem Kloster wohnet ^). Man 
versteht die Gründe; die Pilgerfahrt war zu Ende, und die 
Brüder mochten nicht die Ruhe und Ordnung des Klosters 
durch den Aufenthalt so vieler Reisenden auf unbestimmte 
Zeit stören lassen. 

Jener Br. Johannes war Jahrzehnte hindurch der Pro- 
kurator der Brüder. Geboren zu Danzig ^) aus adeligem Ge- 
schlechte ^), war er als Ritter^) um 1446 nach Jerusalem ge- 
kommen und hatte hier auf Vermögen und Würde verzichtet, 
um viele Jahre nur für die Heiligtümer, die Brüder und Pilger 
zu leben. Surian erzählt von ihm 1485*^): „Es sind nun 36 
Jahre ^), daß er ständig den Brüdern des Berges Sion dient, 
nachdem er die Herrschaft in seinem Lande, das Rittertum und 
die andern Würden verlassen hat. Gekleidet als Terziar^) 



1) Sie kamen mit dem ersten Dolmetscher überein, daß jeder .,pro 
sulvo conductu, teloneis", Kamele, Esel, Zelte, Wasserschläiiche 23 Dukaten 
bezahlen, sich aber selbst beköstigen werde; Fabri II 100. 

2) Ebd. 106. 

ä) Ghi Stele 68: „Hans . . . van der stadt van Danswijck, een Edclman, 
riddei" zijnde." 

*) Fabri II 2: „genere nobllis, de prosapia comitum." 

^) Bei den älteren finden wir nicht die Angabe, daß er Deutschordens- 
ritter gewesen sei. Grünembcrg 117: „vormals ein Landherr und Ritter 
zu Preußen." 

•»j Trattato 118 Anm. 2, aus der Ausgabe des Jahres 1485. Die Aus- 
gabe des Jahres 1514 schweigt über ihn. 

'') Guglingen, Itinerarium 128, sagt 1482: „Per multos annos, plus 
quam 36, prefuit auctoritate apostolica procurationi fratrum." Danach wäre 
er schon vor 1446 nach Jerusalem gekommen. 

'*) Fabri 112: „Utitur proprio arbitrio habitu tertii ordinis S. Francisci, 
cui tameu regulae voto se non adstrinxit." 



ßr. Johann von Preußen 189 

wohnt er auf dem Sion und gleicht in allem den Brüdern. 
Er ist ein Mann von großem Gebetseifer und vom ganzen Volke, 
von den Gläubigen wie Ungläubigen als Heiliger verehrt. So 
treu dient er dem Herrn und diesen Orten, daß er nur einmal 
in seine Heimat zurückkehrte, als er seine Herrschaft verteilen 
wollte. Stets hat er ein- oder zweitausend Dukaten zu seiner 
Verfügung, um die heiligen Stätten, die den Einsturz drohen 
und nicht den Brüdern unterstellt sind, herzustellen. Er kommt 
armen Christen zu Hilfe, befreit Gefangene, schenkt armen 
Mädchen die Mitgift und eilt insbesondere mit großer Erbarmung 
und Liebe als Vater den Nöten der Brüder zu Hilfe, so daß 
er bei seinem Tode dank seinem vollkommenen und strengen 
Leben vor vielen von uns den Vortritt haben wird." Fahrt 
ergänzt: Der Sultan verehrt ihn sehr; der Gouverneur von 
Jerusalem und die Dolmetscher kennen und achten ihn, weshalb 
er an den heiligen Stätten, an der Grabeskirche und zu Beth- 
lehem schadhafte Stellen ausbessern darf. Er hat solches An- 
sehen in Jerusalem, daß die Sarazenen und Juden ihn iürchten 
und die Kinder sich vor ihm verbergen ^). 

Nach Fabri hatte Br. Johann von Papst und Kaiser Voll- 
macht, die Edelleute, die nach Jerusalem pilgerten, zu Rittern 
des Hl. Grabes zu schlagen^). Tatsächlich sehen wir ihn eine 
Reihe von Jahren in der Kapelle des Hl. Grabes den Ritter- 
schlag erteilen, so 1479, 1480, 1483, 1486 und 1497 =*). Ein 



1) A. a. 0.: „Dico pio certo, qiiod duo homines sunt in J('rusal(>ni, 
sones et annosi, utilissinii et locis sanctis et peregrinis, et cogitare non pos- 
stim, qualiter peregrini slabunt in Jerusalem post eoruni obitum. Invitus 
ogo vellem esse peregrinus in Jerusalem eis absentibus. Unus liomo est 
praefatus Frater Johannes. Alter est Elphahallo, Sarracenus, Calinus minor, 
bonus homo." 

2) A. a. O. II 2 : „Habet auctoritatem domini Papae et domini Impera- 
toris et favorem regum et principum Chistianitatis, creandi et percutiendi 
milites peregrinos nobiles ad sanctum Domini sepulchrum venientes." Fabri 
liißt auch Br. Johannes in seiner Rede die Kitter ermahnen, „ut Papae ac 
Imperator!, quorum aucto itate hie honor eis confertur, in omnibus obediant"; 
Ebd. II ."5. Grünembcrg 117 nennt nur die „Gewalt" des Kaisers. 

:') Vgl. zu 1479 und 1497 Röhricht-Meisner 499 und 51 f), der an 
beiden Stellen irrig Hr. Johann zum Guardian de^ Klosters macht; zu 1480 
und 148:5 Fabri II 4; zu 148(i Grünemberg 117. 



190 



Ritter vom Hl. Grabe. Wappen 



Nachweis für eine ilim liierzu erteilte besondere Gewalt wurde 
bisher niclit gefunden, und ebenso wenig ein Beleg für die Ansiclit, 
daß Alexander VI. dem Guardian des Sionl^^losters auf „Ver- 
mittlung des Bruders Johannes" „das ausschließliche Recht, 
Ritter vom Hl. Grabe zu ernennen", erteilt habe 0- übrigens 
gibt uns Fabri selbst den Beweis dafür, daß eine besondere 
Vollmacht keineswegs verlangt wurde ; er erzählt, daß Br. Johann 
den Grafen Johann von Sohns zum Ritter schlug, dieser den 
Johann von Zimmern, dieser wieder einen andern und so 
weiter"). Jene „Vermittlung des Bruders Johannes" aber für 

die Übertragung der fraglichen Voll- 
macht auf den Guardian des Sion- 
klosters besteht unsers Erachtens dar- 
in, daß mit Br. Johannes ein Mitglied 
des Klosters zum Ritterschlage heran- 
gezogen und diese Sitte in der Folge 
beibehalten wurde. Da der Übergang 
auf den Oberen um die Zeit Alexan- 
YP^ ders VI. erfolgte, so lag es nahe, ihn 
diesen Wechsel verfügen zu lassen ^). 
Das Wappen der Ritter vom Hl. 
Grabe ist das alte Wappen der Kreuz- 
fahrer, das auch von den Franzis- 
kanern Palästinas in ihr Wappen 
aufgenommen wurde, ein großes Kreuz mit vier kleineren in 
den vier Ecken. Ursprung und Bedeutung dieses Wappens ist 
dunkel. Sicher ist es älter als die Kreuzzüge, da es sich an 
altern Bauwerken, so an der koptischen Kirche des hl. Sergius 
in Kairo und an der armenischen Jakobuskirche zu Jerusalem 
findet. Über die Bedeutung der fünf Kreuze sind verschiedene 




Abb. 9. Wappen der Kustodie. 



1) Vgl. J. Hermens, Der Orden vom Hl. Grabe, bei Düsterwald, 
Jerusalem-Pilger, Cöln 191 0, 372. 

2) A. a. O. n 4. 

•^) Civezza, Storia VI 301, sagt, daß alle Chronisten des Ordens die 
Übertragung der Vollmacht durch Papst Alexander VI. (1492 — 1503) erfolgen 
lassen, daß aber niemand ein päpstliches Breve vorweisen kann, und daß es 
auch ihm nicht gelang, eine Spur desselben im Vatikaniichen Archiv zu finden. 



Almosen 191 

Ansichten aufgestellt worden ^). Da sich öfter auf altern Dar- 
stellungen nur drei Kreuze, das große und die beiden oberen, 
finden, vermutet man, daß zunächst das Kreuz des Herrn und 
die Kreuze der beiden Schacher dargestellt waren, später aber 
die beiden unteren Kreuze aus ornamentalen Gründen hinzu- 
gefügt wurden -). 

Als Prokurator mußte Br. Johannes die den Franziskanern 
geschenkten Almosen verwalten und ihre Auslagen bestreiten. 
Weil die Rechnungsbücher des Klosters fehlen, können wir uns 
nur aus gelegentlichen Angaben einzelner Pilgerbücher ein un- 
vollständiges Bild seiner Einnahmen und Ausgaben machen. 
Wie Guglingen aufzählt ^), mußten Kirche und Kloster auf dem 
Sion und zu Bethlehem, die Grabeskirche und das Schwestern- 
haus in Jerusalem in baulichem Zustande erhalten, sodann die 
vierundzwanzig Brüder auf dem Sion, die zwei Brüder am 
Hl. Grabe und die sechs Brüder zu Bethlehem sowie die fünf 
Schwestern mit Nahrung und Kleidung versehen werden. Und 
wer könnte zählen, fügt er bei, „wie viel den Sarazenen an 
jährlichen Abgaben gezahlt wird und an fortlaufenden offiziellen 
Geschenken sowohl in Geld als Lebensmitteln?" 

Wie Surian im Jahre 1485 angibt^), beliefen sich die Kosten 
für den Unterhalt jener vierzig Personen jährlich auf 1200 
Dukaten. Nach Albert von Sarthcano genügten hierfür reichlich 
die Almosen der Pilger^), während uns Surian fast das Gegen- 



1) Die von Quaresmius und andern gegebenen Krklärimpen gehen von 
der irrigen Voraussetzung aus, daß dieses Wappen von den KrcMizfalirern oder 
sogar erst von den l'ranzislianern lierrührc. 

2) Vgl. Die deutschen Festtage im April 1910 in Jerusalem, Potsdam 
0. J., 125. 

■') Itinerarium 310; vgl. oben S. 126. Der Kartäuserprior Georg er- 
gänzt: „Quod Domino Hierosolymae .innua munera offerant et Soldano etiam 
ipsi mille, ut audivi, ducatos pendant" ; Pez 549. 

*) Trattato 113 Anm. 1: „Le spese de bocha vogliono mille ducento 
ducati omni anno, oltra le cortesie, donl che si la a Signori Mori, et altre 
spese strasordenarie che continuamente occorono." 

") In einem undatierten Briefe an Kardinal Cesarini : „Pro fratribus 
sustentandis Christian! Peregrini alimoniae plusquam satis Hierosolymae af- 
ferunt" ; Haroldus 310. Vgl. Prior Georg: „Victum et vestitum habent ex 
eleomosyna peregrinorum ad eos adventantium" ; Pez 549. 



j^g2 Aimosön 

teil meldet^). Die Gaben, die von den Pilgern auf dem Sioil 
geopfert wurden, waren eben sehr verschieden; während einige 
5 Dukaten und darüber zurückließen''^), gaben andere, die nach 
Thunger auf dem Schiffe mehr als 100 Gulden verspielen konnten, 
dem Kloster nur ein paar Batzen ^). Denn die Brüder forderten 
nichts, sagt Guglingen '^j ; „sie überlassen es der Andacht der 
Pilger; was man ihnen aus freien Stücken gibt, nehmen sie 
mit Dank an". Besondes freigebig waren unter den Pilgern die 
deutschen Fürsten. Herzog Bogislaus X. von Pommern schenkte 
1497 den Brüdern 100 Dukaten und versprach, jährlich 10 
andere zu senden ^). 

Für die vielen übrigen Nöten und Ausgaben mußten andere 
Mittel flüssig gemacht werden. Aus einer Bulle Nikolaus' V, 
vom 14. Februar 1454 erfahren wir, daß seit langem (olim) 
Brüder mit Vollmacht der Päpste oder ihrer Ordensoberen für 
die heiligen Stätten und die an denselben weilenden Brüder 
in Europa Almosen sammelten. Da Unregelmäßigkeiten vor- 
gekommen waren, verfügte der Papst, daß diese Prokuratoren 
in Zukunft ihr Amt nicht ohne Vollmacht des Guardians vom 
Berge Sion ausüben sollten "^O- Es sind die Prokuratoren oder 
Kommissare, die noch heute in der ganzen Kirche für das 
Heilige Land tätig sind. 

Große Gunst und Güte erzeigten den Brüdern die Herrscher 
Europas. Den Anfang machte Königin Sanzia, die ihnen nach 



1) Trattato 113 Anm. 1: „Da li perogrini che vengonn non liano li 
frati salvo che spesa." 

-) Fabri, Evagatorium I 24fl. 

■■') Röhricht-Meisner 428. Thunger erzählt dies 1551 von Nieder- 
ländern. Auch Rehlinge;' berichtet ein Jahr früher, daß sich Niederländer 
sehr undankbar gezeigt hätten; ebd. 411. 

') Itinerarium 309 : „Nihil enim a peregrinis postulant, quantacunque 
etiam faciunt eis, sed committunt devotionibus eorum, et quidquid dant sponte, 
grate accipiunt." Dasselbe Fabri I 249. Baumgarten scheint 1507 andere 
Auflassung gewonnen zu haben; er sagt: „Peregrinis ad se venientibus omnem 
exhibent humanitatem, consilium, hospitalitatem, insuper quid facto opus sit 
(non quidem tarnen absque sacro donario) edocent" ; Peregrinatio 88. 

•'•) Röhricht-Melsner 516. 

'■-) Bulle „Solers Romani Pontificis"; vgl. DTS IV 90. Diese Prnknra- 
toren werden auch von Martin V. 1420 genannt; vgl. oben S. 97. 



Almosen 193 

Ludolf von Suchern „alles darreichte, was sie bedurften" ^). In 
ihre Fußstapfen traten mehrere Könige von Aragonien ~) und Kasti- 
lien, besonders seitdem ihnen Innozenz VIII. am 11. Mai 1487 die 
Not der Franziskaner Palästinas geschildert hatte. Der Papst hatte 
zunächst beabsichtigt, dem Heiligen Lande feste jährliche Ein- 
künfte aus Stiftungen zu überweisen, und in diesem Sinne an die 
Herrscher von Spanien, Frankreich und Burgund geschrieben. 
Diesem Plane widersetzte sich jedoch der Generalvikar der Ob- 
servanten, P. Petrus von Neapel, da er gegen die Armut des Or- 
dens verstoße^); und ebenso verurteilte derselbe 1477 den Schritt 
des P. Jakob von Alessandria, der zwei Güter auf Zypern ge- 
kauft hatte, um die hl. Stätten und ihre Erhaltung zu sichern*). 
Mehrere Monarchen gaben jährlich bestimmte Almosen; 
so sandte Königin Elisabeth von Kastilien und Leon 300 Gulden '^), 
Isabella von Kastilien ^) und ihr Gemahl Ferdinand jeder 1000 
Golddukaten "), ebenso Philipp der Gute von Burgund, sein 
Sohn Karl der Kühne, sein Enkel Maximilian I.^), und Heinrich VIII, 
von England^). Außerdem wetteiferten die Höfe in Ausschmückung 
der heiligen Stätten; verschiedene Pilger rühmen die wunder- 
vollen Teppiche und die „vielen anderen Ornate und Gottes- 
gezierden", die von dem französischen, englischen und bur- 
gundischen Hofe gesandt waren ^°). Surian meint, solche und 
so viele Paramente wie in der Grabeskirche seien weder in der 
päpstlichen Kapelle noch in einer andern Kirche; von den 
silbernen Gefäßen und den Kelchen aus reinem Golde wolle 
er überhaupt nicht reden ^'). 



1) Vgl. oben S. 41 Anm. 1. 

2) Am 1. Juni 1409 erlaubte Benedikt XIII. König Martin von Aragonien, 
Almosen ins Hl. Land zu senden; BF VII Xr. 1073. 

•■') Calahorra B. IV K. 23. ») Kbd. K. 18. 

â– ") Dekret vom 20. September 1477 bei Verniero, Chronik 57. 

'') Dekret vom 24. August 1489 ebd. 59; nach ihrem Tode bestätigte 
der König die Schenkung am 17. Juli 1507; Verniero Gl. 

") Dekret vom 3. April 1500 ebd. 02. 

■'J Tucher, RoyÜbuch Bi. 353^; Fabri, Evagatorium 1 348; vgl. II 321. 

'■') Dekret vom 23. März 1516 bei Razzoli 87, DTS V 5 und anderen. 

!•') Vgl. Oben S. 123. 

11) Trattato 67 Anm. 1. — Am 25. Juli 1482 dankte der Kustos P. Paul 
von Caneto der Grälin Margarete von Henneberg, geborenen Herzogio von 
Franzläk. Studien, Beiheft 4: Leramenb, Die Franziskaner auf dem Sion. 13 



194 Almosen 

Nicht vergessen dürien wir die große Hilfe, die unsere 
Brüder bei den italienisclien Kaut'leuten des Orientes fanden, 
denen sie in der Fastenzeit geistliclien Beistand leisteten. Sudan 
schätzt 1485 die von diesen jährlich gespendeten Almosen auf 
1000 Dukaten 0; 300 gaben allein die Kaufleute von Alexandrien^). 

Der Handel des näheren Orients lag in jener Zeit aus- 
schließlich in den Händen von Venedig und Genua; nur italienische 
Kaufleute weilten in Syrien; italienische Konsuln wohnten an 
mehreren Orten des Landes; italienische Schiffe vermittelten den 
Verkehr und brachten die Pilger nach Jaffa. Daher versteht 
man, daß die Kustodie des Heiligen Tjandes italienisches Gepräge 
erhielt. Italienische Brüder waren in der Überzahl; italienisch 
war die Umgangssprache ^) ; fast alle Kustoden waren Italiener. 

Freilich weilten immer auch Brüder aus andern Ländern 
in Palästina; und stets finden wir dort den einen oder andern 
deutschen Franziskaner, unter ihnen tüchtige und angesehene 
Leute. P. Nikolaus Wanckel zog als Bote des Sultans nach 
Europa^), und Br. Baptista von Lübeck wurde als Arzt wie 
als Bauleiter gerühmt '^). 

Wenn nicht besondere Gründe eine Ausnahme empfahlen, 
wurden die Brüder alle drei Jahre gewechselt; sobald der neu- 
gewählte Kustos mit den neuen Brüdern ankam, zogen die 
alten ab. Man wollte, wie Nikolaus von Farnad sagt ^), dem 



Braunschweig-Lünebiirg, für die Kasel, die sie in Ausführung eines Willens 
ihres vei'storbenen Gemahls dem Hl. Grabe geschenkt und durcii den Nürn- 
berger Kaufmann Michael Enguth übersandt hatte (gütige Mitteilung des Archi- 
vars Dr. Dersch ; Brief im GemeinschaftUchen Hennebergischen Archiv zu 
Meiningen unter „Urkunden, Nachträge"). 

1) Trattato 113 Anm. 1: „Computando uno anno cum 1' altro, hanno 
mille ducati Venitiani all' anno." 

-) Ebd. 188 Anm. 2. 1554 wurden nur 110 Dukaten gerechnet; vgl. 
Golubovich, Serie 36. — Mehrere Male setzten italienische Familien die 
heiligen Stätten zu Universalerben ein; vgl. Verniero 57 und 58; andere 
vermachten ihnen große Summen; vgl. Sanuto, Diarii XXXVI Sp. 590. 

^) Wiederholt werden von Pilgern Brüder erwähnt, die die „heidnische" 
(arabische) Sprache kannten. 

*) Vgl. oben S. 140. â– ') Vgl. oben S. 129. 

*") A. a. 0. Bl. XVIU': „De triennio in tiiennlum iuxta ordinationem 
capituli generalis mutantur, eo quod multitudo fratrum de victu et vestitu 
ibidem sustentari noji pos et, si permauerent, et illi qui prius ibidem steterunt 



Almosen 195 

frommen Wunsche deren^ die das Heilige Land besuchen wollten, 
nach Möglichkeit entsprechen, konnte aber daselbst nur eine 
kleine Zahl von Brüdern unterhalten. Viele kehrten freilich 
nie wieder heim und fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem 
Sion, da der Tod reiche Ernte im Kloster machte. Die vielen 
Entbehrungen und Bedrängnisse zehrten an ihrer Kraft, 
und noch mehr rissen ansteckende Krankheiten gewaltige 
Lücken; wiederholt wurde die Hälfte der Brüder auf dem Sion 
von der Pest dahingerafft. Surian berichtet, daß ihm einmal 
sechzehn Brüder an der Pest starben'); ein paar Jahrzehnte 
später waren es fünfzehn, die ein Opler dieser furchtbaren 
Seuche wurden ^). 

Solche Opfer und Gefahren erhielten den guten Geist und 
Ruf der Brüder und das „gar ehrbare und andächtige Wesen", 
das die Pilger in ihren Berichten rühmen '). 



et illi qui advenirent de capitulo. Ideo . . . postquam iiovus Guardianiis de 
capitulo cum suis fratribus advenerit, alii Iratres recedunt . . . Nam cum difli- 
cultate sinunt ibidem aiiquem fratrem diu permanere, ut cete i fratres, qui 
terram sanctam nondum visitaverant, veniant et illi et satisfaciant desiderio suo." 

1) Trattato 180 Anm. 3 (aus der Rezension von 1524): „Kt a nie in 
Monte Syon ne morite sedece Frati, lo Procuratore con doi famigli." 

-) Rö brich t-Meisner 423, aus dem Reisebericht des Sigmund Thunger 
(1551). 

^) Grünemberg 100. — Einzelne Male ist die Rede von abtrünnigen 
Brüdern. Guglingen, Itinerarium 129, spricht von einem Pater Valerius und 
Br. Antonius, die unter P. Antonius von Mugnano (1455—1461) vom Glauben 
abfielen; vgl. oben S. 119. Der Kartäuser Georg Sp. 543 und Baumgarten 
S. 8ß trafen in Kairo einen Mamelucken, namens Pliilipp, der früher Franzis- 
kaner auf dem Sion gewesen war. Röhricht-Meisner, S. 39 .Anm. 2, fragt, 
ob es vielleicht „der Minorit Philippus de Aversa, dessen Descriptio templi 
Domini die Herausgeber in der Zeitschrift des deutschen Palästinavereins 1878, 
S. 210 ff., veröffentlichten", sei. Daneben weilten heilige Brüder, wie der selige 
Simon von Lipnica und .Antonius Bonfadini, in Palästina. 



13' 



196 



X. Die Türken erobern Palästina. Soliman ver- 
treibt die Franziskaner vom Sion. 

Dieselbe Zeit, die in Deutschland und einem großen Teile 
Europas eine neue Gestaltung der Dinge entstehen sah, gab 
dem Westen Asiens auf Jahrhunderte ein neues Gepräge. Um 
1230 waren Turkmenen aus Turkestan mit ihrem Häuptling 
Ertoghrul in Kleinasien eingewandert. Sie lebten als Hirten 
unter dem Sultan von Ikonium, bis Ertoghruls Sohn Osman 
die Oberhoheit Ikoniums abschüttelte und ein selbständiges 
Reich gründete. Osman übertrug auf die Turkmenen mit sei- 
nem Namen auch den kriegerischen Geist, der Jahrhunderte 
hindurch nicht mehr unter ihnen zur Ruhe kommen sollte. 
Zunächst ging ihr Streben nach Norden. Osmans Nachfolger 
Orchan führte die tapfern Scharen über den Hellespont nach 
Europa, wo sie auf der Balkanhalbinsel ein Reich nach dem 
andern und 1453 den Rest des oströmischen Kaiserreiches mit 
der Hauptstadt Konstantinopel eroberten. 

Unter Selim T. (1512 — 1520) wandte sich die Eroberung 
wieder nach Asien. Selim entriß den Persern Armenien und 
zog gegen Syrien, um das Mameluckenreich und Kalifat zu 
erobern. 

Die ganze Welt hatte diesen Waffengang zwischen den 
beiden Hauptherrschern des Islams vorausgesehen. Auch die 
Franziskaner Palästinas hatten seit Jahren mit dem Einfalle 
der Türken gerechnet und sich um einen Zufluchtsort, be- 
sonders für die kostbaren Kirchengeräte, bemüht. Am 22. Ja- 
nuar 1514 zeigte der Doge Loredano den Befehlshabern von 
Zypern an, daß die Republik den Franziskanern von Jeru- 
salem auf dieser Insel eine Zufluchtsstätte gewährt habe ^). 

Noch weniger wurden die Herrscher Ägyptens überrascht. 
Wiederholt hatten Quat Bei und Qansu Guri Hilfe im Abend- 
lande erbeten; noch 1515 hatte Guri die Unterstützung des 



1) Vgl. Calahorra B. IV K. 33; Civezza, Storia VI 394. 



Die Türken erobern Palästina 197 

Papstes, Venedigs und Frankreichs diircli den Vikar der Fran- 
ziskaner zu Jerusalem nachgesuclit 0, jedoch umsonst; man 
schob im Abendlande die Hilfe auf, bis es zu spät war. 

Am 24. August 1516 trafen sich die Heere der beiden 
Sultane bei Aleppo. Trotz aller Tapferkeit unterlagen die 
Mamelucken der Artillerie Selims. Qansu Guri verlor das 
Leben, und Selim zog als Herr in Damaskus ein, wo er einige 
Zeit zur Ordnung der Herrschaft verweilte. Dann ging er 
weiter über Ramleh -) und Gaza nach Ägypten, wo die Mame- 
lucken einen neuen Sultan, den tapfern Tuman, gewählt hatten. 
Mit großer Entschlossenheit rüstete sich dieser zur letzten Ge- 
genwehr und suchte noch einmal im Abendlande Hilfe. Doch 
war das Bittgesuch, das Tuman im September 1516 durch die 
Franziskaner und den Konsul der Venezianer in Alexandrien 
an das Abendland richtete, vergebens ^), und vergebens war alle 
Tapferkeit Tumans und seiner Getreuen. Nach heldenmütiger 
Gegenwehr fiel der letzte Mameluckensultan durch Verrat 
in die Hände Selims, der ihn am 13. April 1517 zu Kairo 
hinrichten ließ und nun die Krone der ägyptischen Herrscher 
ohne Nebenbuhler trug. Selim war jetzt Herr der heiligen 
Stätten der Christen in Palästina und des Islams zu Mekka 
und Medina. 

Nachdem Selim einige Monate am Nil geweilt hatte, um 
die Angelegenheiten des neuen Reiches zu ordnen, zog er durch 
Palästina in seine Residenz zurück. Auf dem Marsche nach 
Ägypten hatte er bereits von Ramleh aus Jerusalem besucht; 
hier war er in die Omarmoschee, in der er reiche Geldalmosen 
verteilte, und unter Verkleidung in die Basilika des Hl. Grabes 



') Vgl. Jorga, Geschichte des osmanischen Reiches II ;(2(). 

2J Ramleh litt sehr beim Durchzug. Nikolaus von Farn ad erzählt 
BI. XXVII "■: „Dum Imperator Turcorum vi cepit terram sanctam Hierusalem et 
desccndebat per Ramam de Damasco in ICgyptum in anno Domini 1516, omnes 
Saracenos, qui tunc ibidem in Rama habitabant, fecerat occidi, eo quod ali- 
quos de suo exercitu Turcos ante adventum eius occiderant." Vgl. den Be- 
richt Philipps von Hagen, der l.")23 die Stadt „jemmerlich zerstert" fand; 
Conrady 2.')0. 

•') Vgl. Jorga II 338. Er zitiert einen Bericht des venezianischen 
Konsuls zu Alexandrien vom 19. September und 23. November 1516. 



198 Die Türken erobern Palästina 

gegangen '). Den Christen und Juden war er gnädig begegnet ; 
„er verfolgt", schrieb der venezianische Konsul zu Alexandrien 
an seine Regierung^), „nur die Mameluclcen, die er bis auf die 
Kinder in der Wiege töten will." Die im Heiligen Lande 
wohnenden Christen erhielten einen Protektor^), und die hohen 
Abgaben, die bisher von den Pilgern und christlichen Kauf- 
leuten gezahlt werden mußten, wurden bedeutend vermindert ^). 
So lange Sultan Selim regierte, hatten die Franziskaner und 
heiligen Stätten Ruhe. Als ein spanischer Gesandter in Kon- 
stantinopel erschien, um mit dem Sultan wegen der Sicherheit 
der Grabeskirche und der Freiheit der Pilger zu verhandeln, 
fand er freundliche Aufnahme und geneigtes Gehör ^). Zugleich 
bestätigte der Sultan den katalonischen und französischen Kauf- 
leuten ihre hergebrachten Freiheiten ^). 

Daher kann man kaum der Nachricht Glauben schenken, 
die Fürst Radziwill 1583 auf seiner Pilgerfahrt zu Jerusalem 
empfing. Man sagte ihm, Sultan Selim habe auf seinem Zuge 
gegen Ägypten von den Brüdern die Schätze der Grabeskirche 
gefordert, die von diesen vergraben waren, und da man ihm 
die Kostbarkeiten nicht auslieferte, alle Brüder ohne Ausnahme 
in den Kerker geworfen und siebenundzwanzig Monate daselbst 
bei Wasser und Brot schmachten lassen; mehrere Brüder seien 



1) Farnad Bl. X"": „Intravit etiara . . . in templura . . . sancti Sepulchri 
habitu mutato, ne agnoscatur prospiciens loca sancta," und Bl. XXII i^: „Intrans- 
quc templuni Salomonis pecuniam non modicam distribuit eisdera per modum 
elemosine." 

'-) „Fa optima ciera a cristiani e zudei, non perseguita altro che ma- 
raaluchi, li quäl li vol fenir e amara fino li fioli in cuna"; Sanuto XXIII 439; 
ebd. 487. 

•'') Farnad Bl. XXVIII'': „Deodarus secundus post regem erat protector 
christianorum in terra sancta a Soldano ordinatus." 

â– *) Sanuto notiert aus einem Schreiben des venezianischen Konsuls zu 
Alexandrien, daß „il Signor turcho aver auto Damasco et esscr andato in 
Jerusalem, et dato a quelli frati di San Francesco de intrada ducati 500 a 
r anno, e dove li pelegrini pagavano per andar de li ducati 13 per uno a' 
Mori, vol il Signor turcho pagino solum maidini 5 per uno, e fa bona com- 
pagnia a' cristiani, e dove le mercadantie pagavano 20 ducati, vol pagino 
solum 5"; XXIII 441. 

â– '') Hammer-Purgstall, Geschichte des osmanischen Reiches I 797. 

") Zinkeisen, Geschichte des osmanischen Reiches in Europa II 711. 



Die Türken erobern Palästina 199 

den Entbehrungen erlegen und die übrigen von Selim bei seiner 
Rückkehr aus Ägypten in Freiheit gesetzt worden ^). Verschiedene 
Tatsachen stehen dieser Nacliricht entgegen. Da Sultan Selim 
Ende 1516 durch Palästina nach Ägypten zog, hätten die Brüder 
1517 im Kerker sein müssen. Daß sie aber 1517 nicht gefangen 
waren, sondern ruhig in ihrem Kloster auf dem Sion weilten, 
erfahren wir sowohl aus dem Palästinabuche des Br. Nikolaus 
von Farnad, der in diesem Jahre auf dem Sion schrieb ^) und 
mit keiner Silbe etwas Ähnliches andeutete, als auch aus den 
Tagebüchern Sanutos, der am 28. Dezember 1517 geschäftliche 
Mitteilungen für die Brüder zu Jerusalem aufzeichnete ^). Zudem 
blieb Sultan Selim nicht siebenundzwanzig Monate in Ägypten, 
sondern nur acht, da er im September 1517 wieder durch Pa- 
lästina gegen Norden zog. 

Jene Zeitangabe von siebenundzwanzig Monaten ist ein 
willkommener Fingerzeig, um eine unterlaufene Verwechslung 
aufzudecken. Die dem Fürsten Radziwill zu Jerusalem erzählte 
Einkerkerung der Franziskaner ist tatsächlich wegen ihrer Wei- 
gerung, das Versteck der Schätze des Hl. Grabes zu verraten, 
erfolgt, aber nicht 1516 unter Sultan Selim, sondern sechs Jahre 
früher unter Sultan Qansu Guri, der, wie wir oben hörten^), 
die Brüder nach Kairo bringen ließ und daselbst über zwei 
Jahre in Gewahrsam hielt. Sultan Selim verdient bei den 
Christen Palästinas und den Franziskanern ein ehrenvolles An- 
denken. 

Ganz anders gestaltete sich das Los der Brüder unter 
seinem Sohne und Nachfolger Soliman (1520—1566). Dieser 
war nicht nur der Schrecken des östlichen Europa, das er 
wiederholt mit schweren Kriegen heimsuchte, sondern auch der 
größte Gegner, den die an den heiligen Stätten weilenden 



1) Vgl. Hierosolymitana Peregrinatio lllustrissimi Doniini Nicolai Cliri- 
stiani Radzivili. In Latinam linguam translata Thema Tretero intcrprete, 
Braunsberg 1601, S. 66. Die Erzählung ist wörtlich wiederholt von Quares- 
mius II 43. Vgl. auch Calahorra B. V K. 1. 

2) Farnad sagt Bl. Il^ daß er schreibt „nunc in anno Domini 1517". 
•■') Sanuto XXV 166: „Certi frati francesi vano in Jerusalem, possano 

portar in Cypro certe robe, norainate, senza pagar dazio . . . ; li qual frati si 
mutano ogni H anni." *) Vgl. S, 139. 



200 Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 

Franziskaner fanden, besonders seitdem sein guter Geist, der 
Großvezier Ibraliim Pascha, 1536 eines gewaltsamen Todes ge- 
storben war. Nach der Thronbesteigung Solimans schrieb der 
venezianische Gesandte in Konstantinopel Marco Minio über 
ihn an den Dogen: „Er gilt als ein vollkommener Türke, der 
sein Gesetz in großer Treue beobachtet, und als ein Feind der 
Christen wie der Hebräer, die in seinem Reiche nicht behandelt 
werden, wie es zur Zeit seines Vaters Selim geschah, weshalb 
sich alle diese über ihn sehr beklagen" 0- 

Schon bald fand er einen Anlaß, gegen die Franziskaner 
vorzugehen. Als sich der Gouverneur von Damaskus Ghaseli 
gegen den Sultan empörte, wurde der Guardian des Klosters 
auf dem Sion der Teilnahme beschuldigt und unter der An- 
klage eingekerkert, er habe Brüder nach Europa gesandt, um 
die Christen zum Kampfe gegen die Türken aufzufordern-). 
Ob es wirklich geschehen war oder daraus abgeleitet wurde, 
daß die letzten Mameluckensultane durch Franziskaner die Hilfe 
der christlichen Fürsten gegen die Osmanen erbeten hatten? 
Um jene Zeit waren von verschiedenen christlichen Geistlichen 
Syriens Bittgesuche an den eben gewählten Kaiser Karl V. 
abgesandt worden, die ihn zu einem neuen Kreuzzuge ein- 
luden ^). Etwas später reichte ein italienischer Franziskaner 
dem Papste einen Plan ein, wie er aus den Klöstern 144000 
Mann für einen Türkenzug ausheben könne; die 40 000 Franzis- 
kanerklöster könnten allein wenigstens 36 000 Soldaten stellen "*). 



1) In seinem Berichte vom letzten Februar 1522 sagt er: „Questo . . . 
vien tenuto esser perletto turco ed avere la sua legge in grande osservanzia, 
inimico si de' cristiani come degli ebrei, li quali nel siio paese n o n sono 
trattati al modo che erano nel tempo di siiltan Selim suo padre; siehe tutti 
questi di lui grandemente si lamentano"; E. Alberi, Le relazioni degli Am- 
basciatori Veneti al Senato, Serie III Bd. III, Florenz 1855, 74. 

-) Der aus Jaffa, wo er am 13. März 1521 gelandet war, zurückgekehrte 
Kaufmann Anton Cassan berichtete von den Brüdern zu Jerusalem, daß sie 
„erano in grande angustie per amor del signor Ghaseli, et che 1 loro padrc 
guardian era stä impregionato da' turchi in Damasco, per esserli stä imputato 
haver mandato li frati a convocar christiani in favor dil ditto signor Gazeli 
e del signor Sophis" (des persischen Herrschers); Sanuto XXX 304. 

3) Jorga II 356. 

*) Das Schriftstück ist zum Teil abgedruckt in Negociations de la 
France dans le Levant I 102 Anm.; vgl. Zinkeisen II 637. 



Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 201 

Alle diese Pläne und Bemühungen blieben dem Sultan, der 
durch zahlreiche Spione gut unterrichtet war, schwerlich ver- 
borgen und haben gewiß unseren Brüdern nicht die Gunst des 
Herrschers verschafft. Es brauchte nur ein Anstoß zu kommen, 
um die Franziskaner seinen Zorn fühlen zu lassen; und dieser 
Anstoß kam bald, wie Calahorra meint, durch jüdische Hetze ^). 
Im Anschluß an die im Kloster auf dem Sion von den 
Brüdern mit höchster Genehmigung vorgenommenen Restaura- 
tionsarbeiten legte ein Derwisch der Tempelmoschee dem Mufti 
von Jerusalem diesen Rechtsfall vor^). Außer der Stadt Jeru- 
salem besteht ein Kloster fränkischer Ordensleute, das Kloster 
des Berges Sion heißt. Fränkische Christen kommen dahin 
aus ihren Ländern und weilen dort mit voller Sicherheit. Die 
Ordensleute haben zu ihrem Dienste als Dragoman einen Ma- 
roniten, einen Lügner und Heuchler, der zu ihrem Dienste paßt. 
Sie sandten an den Hof des Herrschers einen falschen Bericht, 
in dem sie sagten, daß ihr Kloster in schlechtem Zustande sei, 
und baten um die Erlaubnis, dasselbe wieder herzustellen. 
Nachdem diese ihnen gütig erteilt war, wagten sie es, auf 
eigene Faust das Haus von Grund auf mit behauenen Quader- 
steinen zu erneuern, und setzten auf die alten Mauern neun 
Reihen neuer Steine. So haben sie allmählich ihr Kloster zu 
vergrößern gewußt und bis an das Grab Davids ausgedehnt. 
Wir fragen nun: Ist es erlaubt, daß im Kloster in der Nähe 
des Ortes, an dem David begraben liegt und der von allen 
Muselmannen in Ehren gehalten wird, ein Gebäude erneuert 
werde? Ist es erlaubt, daß sie ihre gottlosen Gesänge an 
diesem Orte erklingen lassen, daß der Schall ihrer Glocke die 
Stimmen der Türken übertöne? Ist es einem Türken gestattet, 



1) Nach Schefer, Chesneau Einl. S. XL, soll Calahorra behaupten, „(lu'nn 
juif s'etant presente au couveiit du inont de Sion pour visiter ie tonibeau 
de David, fut expulse par les Peres Franciscains". Calahorra sagt in Wirk- 
lichkeit: „Un perfido e maledctto Ebrco, il quäle, o perche non gli era stato 
pcrmesso d' entrare a prol'anare quel santo Luogo, dove era il Sepolcro del 
Reale Profeta David, che era la Sagrestia di quel santo Convcnto, o i)er com- 
pire la nialitia de suoi Antenati, . . . si portö da uno delii Santoni del Teinpio 
di Salomone" ; B. V K. 3. 

'-) Calahorra 15. Y K. 3; Schet'er, Chesneau, Anhang Nr. XIII S. 255. 



202 Solimaii vertreibt die Franziskaner vom Sion 

die Franken hierin zu begünstigen? Begeht der eine Sünde, 
der dieses nicht abstellt, wenn er kann? Empfiehlt es sich, 
die neuen Stücke aus Kirche und Kloster zu entfernen? Man 
bittet um Antwort. 

Diese war dem Mufti klar genug vorgezeichnet und fiel 
ganz nach Wunsch des Fragestellers aus. Es ist durchaus un- 
möglich, wurde erklärt, zu gestatten, daß die Christen bei ihrem 
Gottesdienste ihre ungläubige Stimme erheben oder die den 
Türken verhaßte Glocke erklingen lassen. Es entspricht, alles, 
was die Christen neugebaut haben, niederzureißen. Es ist allen 
Türken verboten, solche Neubauten zu begünstigen. Dies ist 
die einstimmige Lehre aller Lehrer des Islams '). 

Mit dieser Antwort des Mufti begab sich der Derwisch 
nach Konstantinopel und erreichte, daß Sultan Soliman am 
18. März 1523 an den Gouverneur und den Kadi von Jerusalem 
folgenden Befehl richtete -) : 

Man hat uns wissen lassen, daß sich bei der edlen Stadt 
Jerusalem das Grab des Propheten David befindet, und daß 
Kirche und Kloster des Berges Sion, die fränkischen Ordens- 
leuten gehören, an dieses Grab stoßen. Diese Ordensleute 
ziehen ihren falschen Gebräuchen entsprechend über die Ter- 
rasse, die an das Grab des Propheten reicht. Da es weder 
passend noch vernünftig ist, daß jener edle Ort in den Händen 
der Ungläubigen verbleibe, und daß ihre I^üße auf Orte treten, 
die von unsern Propheten geheiligt sind und ein Recht auf 
unsere volle Verehrung haben, befehlen wir, die Ordensleute 
und alle, die daselbst wohnen, sofort nach Empfang dieses Be- 
fehles, ohne Aufschub aus Kloster und Kirche zu vertreiben, 
das Heiligtum zu reinigen und dem Hüter der übrigen heiligen 
Stätten zu übergeben. Der Überbringer dieses Befehles, der 
Prediger Mehdy cl Hachimy, wird die Güter der Kirche, ihre 
Gärten und Grundstücke verwalten. 

Obgleich der Befehl des Herrschers entschieden lautete. 



1) Calahorra 390; Schefer, Chesneau Nr. XIV S. 257. 

-) Calahorra B. V K. 4 S. 392; Schefer, Chesneau Nr. XV S. 258. 
Ersterer nennt den Überbringer „Meheidi all Axami". Sein richtiger Name 
steht auf der von ihm im Zönakulum angebrachten Inschrift; vgl. unten S. 20ö. 



Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 203 

vergingen dennoch mehr als sechs Monate, ehe er zur Aus- 
führung kam. Der Grund für diesen Aufschub ist nicht recht 
ersichtlich. Nach Calahorra ^ hätte der Überbringer dieses 
Befehls unterwegs Reue empfunden oder große Furcht gehegt, 
ob er wohl seinen Plan bei dem zu erwartenden Widerstand 
der christlichen Fürsten zur Ausführung bringen könne; er sei 
daher in Damaskus an die katholischen Kaufleute herangetreten, 
um ihnen das kaiserliche Schreiben gegen Vergütung seiner 
Auslagen anzubieten. Die sofort mit dem Oberen des Sionklosters 
eingeleiteten Verhandlungen seien aber von diesem so hin- 
gehalten worden, daß der Derwisch schließlich die Geduld verlor 
und die Urkunde des Sultans dem Gouverneur von Damaskus 
zur Ausführung übergab. 

Calahorra sagt nicht, woher diese Nachricht stammt. Daß 
solche Machenschaften unterlaufen seien, entspricht durchaus 
morgenländischen Gepflogenheiten und erscheint uns wegen meh- 
rerer Umstände sehr glaubwürdig. So verstehen wir nämlich 
sowohl die sonst nicht zu begreifende Verzögerung wie auch 
die Tatsache, daß der Gouverneur von Damaskus die Aus- 
führung des an die Behörden von Jerusalem gerichteten Be- 
fehles in die Hand nahm. Auch wird begreiflich, wie die 
Brüder zu Jerusalem Kenntnis des Schreibens erhalten und 
eine Gegenaktion in Konstantinopel unternehmen konnten. Wie 
der venezianische Gesandte Peter Zen am 26. September des- 
selben Jahres aus Konstantinopel an den Dogen schrieb, waren 
die Franziskaner von Jerusalem mit der Bitte zu ihm gekom- 
men, er möchte mit dem Großvezier Ibrahim Pascha verhandeln, 
damit der Ausweisungsbefehl des Herrschers zurückgenommen 
werde ^). Ibrahim Pascha versprach dem Gesandten der Repu- 
blik, die Angelegenheit beim Sultan zu ordnen. Im Vertrauen 



1) Ebd. 392. 

■^) In dem Berichte vom 2(i. und 27. September 1523 aagl Zen: „Item, 
che 'I Signor havia ordinale che 'I monasterio di monte Syon in Hierusalem 
sia ruinado, dove c la caxa fo di Davit propheta, e dicono il sno corpo ö 
soterado de li; unde li l'rati venuti de li per impetrar la revochation, pregö 
esso Orator parlasse a Embraim di questo, e cusei li ha parlato, el quäle si 
offerse iar il tutto per la Signoria dicendo e nostro subdito, con le mazor 
parole dil mondo"; Sanuto XXXV 17G. 



204 Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 

auf diese Schritte ließ sich der Guardian die Verhandlung mit 
jenem Derwisch nicht weiter angelegen sein, weshalb dieser 
selbst den ersten Plan, als er nichts mehr hörte, wieder auf- 
nahm und den Ausweisungsbefehl des Sultans dem Gouverneur 
von Damaskus Khourrem Pascha übergab. 

Die beiden Pilger Philipp von Hagen und Peter Füßl', 
die im September 1523 in Palästina weilten, trafen die Fran- 
ziskaner noch auf dem Sion und am Zönakulum. Es schwirrten 
aber bereits böse Gerüchte durch die Luft, und vor ihrer Ab- 
reise trafen schon die Vorboten des Sturmes in der Heiligen 
Stadt ein: eine größere Zahl von Truppen wurde dort zusam- 
mengezogen, was sofort die Steigerung des Fanatismus der 
Mohammedaner und neue Bedrohungen der Christen zur Folge 
hatte. Wie Füßli zum 16. September berichtet'), „kamen die 
Kriegsleute von Damaskus, das waren Janitscharen und Türken, 
bei vier- oder sechshundert. Da entbot der Herr von Jerusalem 
dem Guardian, er sollte das Kloster zuhalten und uns sagen, 
daß wir nicht auf die Gasse gingen ; denn geschähe uns etwas, 
so möchte er es nicht verhindern können. Also gingen wir 
desto weniger auf die Gasse, bloß aus unserm Haus am Morgen 
ins Kloster und zur Nacht wiederum darin, bis sie anfingen in 
einer Nacht, mit Gewalt ins Haus zu dringen; da blieben wir 
gar im Kloster, bis wir w^egfuhren." Dem Berichte seines Be- 
gleiters Hagen zufolge ^) kamen um Mitternacht Soldaten ans 
Johanniterhospital, in dem unsere Pilger abgestiegen waren, 
um sie zu berauben. Sie schlugen mit Beilen und Gewehren 
Löcher in die Türe, weshalb die Pilger „viele große Steine 
und andere Rüstung vor die Türe machen mußten, daß sie 
nicht von den Buben überfallen würden. Es war auch ein 
großes Geschrei von Weibern und Kindern, die Mordio schrien 
so lange und viel, daß die Buben sich verlaufen mußten". 

In diese unruhige Zeit fiel der Aufenthalt Loyolas in der 
Heiligen Stadt. Er war auf dem Schiffe, das Füßli und Hagen 
nach Jaffa gebracht hatte, ans Gestade des Heiligen Landes 
gekommen und wollte sich daselbst an irgendeiner Stätte 
niederlassen, um der eigenen Heiligung obzuliegen und am 

1) Böhmer 36. -) Conrady 272. 



Soliman Vertreibt die Franziskaner vom Sion 205 

Heile der Seelen zu arbeiten. Für einen solchen Plan war 
freilich die Zeit nicht geeignet, und wir verstehen es, daß der 
Kustos ihm entschieden abriet. Es seien schon öfter Pilger 
mit derselben heiligen Absicht gekommen, aber meist mit 
schlechten Erfahrungen von dannen gezogen; einige seien von 
den Ungläubigen erschlagen, andere gefangen genommen und 
mit hohen Summen losgekauft worden. Es sei ihm daher nicht 
möglich, in Palästina zu bleiben; er müsse mit den übrigen 
Pilgern die Rückreise antreten. Ignatius erwiderte ihm, sein 
Entschluß sei fest und unabänderlich. Als ihn jetzt der Kustos 
auf die Vollmachten verwies, die er vom Papste hatte, und 
die ihn berechtigten, jeden, der wider seinen Willen in Palä- 
stina weilen wolle, in den Bann zu tun, wollte Ignatius nichts 
weiteres hören, auch die päpstlichen Schreiben nicht sehen, 
sondern sagte sofort: „Ich gehorche!" und rüstete die Rück- 
kehr. Es lag nicht im Plane der göttlichen Vorsehung, Ignatius 
in den Einöden Palästinas als Einsiedler zu verbergen ; er sollte 
der Kirche und Welt größere Dienste tun. Die Pilgerreise 
hatte ihm viele Opfer und Verdienste eingetragen, ihn über die 
Absichten Gottes weiter erleuchtet und seiner Aufgabe einen 
Schritt näher geführt 0. 

Am 23. September reiste Loyola mit seinen Gefährten von 
Jerusalem ab. Bis zur Abfahrt des Schiffes mußten sie noch 
viele Widerwärtigkeiten von den Türken in Kauf nehmen. Auch 
erfuhren sie in Ramleh, daß die Franziskaner am letzten Sep- 
tember aus ihrem Kloster auf dem Sion vertrieben werden 
sollten. Am andern Tage kam freilich die Botschaft, „daß es 
nicht so bös wäre. Des ich froh war", schreibt Füßli^), „denn 
sie haben ein ordentliches Wesen." 

Leider behielt jene erste Nachricht ihre Richtigkeit, da 
der durch Ibrahim erwirkte Gegenbefehl des Sultans nicht früh 
genug anlangte. Wie christliche Kaufleute aus Tripolis mel- 
deten, „hat der Pascha von Damaskus die Brüder des Berges 
Sion kraft eines Befehles ausgewiesen, den ein mohammedanischer 
Santone vor mehr als sechs Monaten erwirkt hatte; die Brüder 



1) Vgl. Acta Sanctoruin, Juli VlI (iSO. "-) Böhmer 40. 



206 Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 

sind teils im Hl. Grabe, teils in Jerusalem geblieben" ^). Cala- 
horra lügt hinzu, sie hätten ihr Hausgerät in einem Nachbar- 
hause untergebracht ^). Jener Santone oder Derwisch brachte 
zur Erinnerung an die Vertreibung der Franziskaner am 8. Ja- 
nuar 1524 eine Inschrift an, die noch heute an der Ostwand 
des Zönakulums links von der Türe gefunden wird ^). Sie 
lautet: „Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Gnädigen! 
Der Sultan der Geschöpfe, die Stütze der Religion des Islams, 
der Diener des heiligen Hauses, der Urheber der Gerechtigkeit 
und Zuversicht, der Sultan Suleiman, Nachkomme des Uthman, 
hat befohlen, diesen Ort zu reinigen, von den Ungläubigen zu 
säubern und daraus eine Moschee zu machen, in der Gottes 
Name genannt werden soll. Gott möge den Islam schützen, 
indem er ihm ein langes Leben gibt!""*) 

So waren die Franziskaner aus dem Zönakulum, das die 
heiligsten und teuersten Erinnerungen für die Christen birgt 
und fast zweihundert Jahre von den Brüdern mit namenlosen 
Opfern und Mühen gehütet war, und aus dem ehrwürdigen 
Kloster auf dem Berge Sion verjagt. Sie setzten zwar ihre 
Bemühungen fort und ließen nichts unversucht. Doch alle 
Arbeiten, das Heiligtum selbst wieder zu erhalten, blieben er- 



1) In einem Briefe des Johann Spiciano an den Dogen vom 29. April 
lii24 lieißt es: „Per letere de Tripoli da diversi mercadanti de di 9 de 1' in- 
stante mese de Fevraro si ha, come il bassä di Damasco haveva trato fora 
li frati de monte Syon per uno coniandamento obtenuto zä piü de mexi G da 
uno santon moro, li quali erano reduti nel Sancto Sepulcro et parte in Hierii- 
salem, avegnache '1 [= obgleichl ditto coniandamento era stä revocato per il 
clarissimo orator missier Piere Zen"; Sanuto XXXVI 288. 

-) Calahorra 394: „üna casa vicina, che chiaraavano Jl Forno, non 
so se per esser' in quel luogo dove anticamente era la Torre, che cliiama- 
vano dein Forni, o pure perche servisse di Forno alli Religiös!." Wir ver- 
muten, daß es das Schwesternkloster war, in dem nach Surian das Brot für 
die Brüder gebacken wurde; vgl. oben S. 180. 

3) Vgl. oben S. 50 das Bild der Ostwand. 

*) Diese lange unberücksicht gebliebene Inschrift wurde jüngst aufge- 
nommen von Max van Berchem; vgl. Fr. Dunkel, Drei arabische Inschriften 
aus Jerusalem. In: Das heilige Land, Jahrgang 1914, 16(5, wo auch eine 
Photographie der Inschrift. Der zum Schluß derselben genannte Muhammed 
al A'dschami ist sicher jener all Axami, der den Befehl der Ausweisung in 
Konstantinopel erwirkt hatte; vgl. oben S. 202. 



Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 207 

folglos; es sollte ihnen einzig gelingen, nochmals für fünfund- 
zwanzig Jahre in einige Räume ihres Klosters Einzug zu halten 
und in dem Schatten des Heiligtums zu wohnen. So blieb 
wenigstens die Hoffnung wach, das ganze Kloster wie ehedem 
zu besetzen und bei günstigeren Zeiten den Gottesdienst im 
Zönakulum wieder aufzunehmen. Freilich wurde der Aufent- 
halt im Kloster jetzt eine Quelle zahlloser Quälereien und 
Erpressungen von selten ihrer sarazenischen Hausgenossen, die 
mit der Zeit so unerträglich wurden, daß die Brüder nach dem 
Zeugnisse des französischen Gesandtschaftssekretärs Chesneau 
bereits den Plan erwogen, das Kloster wieder zu räumen und 
„sich in die Christenheit zurückzuziehen" ^). 

Wir wollen die Hauptereignisse aus dieser letzten Leidens- 
zeit kurz vermerken "). Treue Hilfe bei ihrem Bestreben, das 
Kloster wiederzugewinnen, fanden die Franziskaner bei dem 
venezianischen Gesandten Peter Zen, der ihre Notlage dem 
Großvezier Ibrahim Pascha stets aufs neue vortrug und auch 
durch ihn einen günstigen Befehl des Sultans erwirkte. Ehe 
derselbe aber ausgehändigt war, reiste Zen ab, so daß die 
Sache in Vergessenheit kam. Am 19. Oktober 1524 meldete 
sein Nachfolger Peter Bragadino nach Venedig, daß Ibrahim 
Pascha den vom Sultan zugunsten der Brüder erlassenen Be- 
fehl, der mit großer Mühe vom frühern Gesandten erwirkt und 
durch seine Abreise in Vergessenheit geraten sei, übersandt 
habe ^). Leider erfahren wir den Wortlaut des kaiserlichen 
Befehles nicht, wissen daher auch nicht, ob eine volle Her- 
stellung des früheren Zustandes verfügt, das Kloster also nebst 
Zönakulum zurückgegeben oder dieses ausgeschlossen war und 
die Brüdei*^ nur in ersterem wieder wohnen konnten. Die Worte 
Bragadinos, daß nun die frühere Lage der Brüder vollständig 



1) Sehe f er, Chesneau 117. 

'^) Wir folgen für die ersten Ereignisse hauptsächlich den Tagebüchern 
des Venezianers Sanuto. Ausführlich handelt darüber Calahorra B. V K. 4 
bis IT); aus ihm schöpft Schefer, Chesneau Einl. S. XLI — XLVI. 

^) Sanuto XX.XVII 269: Ibrahim „scrive haver expedito el comanda- 
mento del Signor che '1 fa in favor di dicti frati, quäl 1' orator nostro ch'ö 
stato si fatichö tanto per averlo, ma poi la sua partita era andato in oblivion, 
ma ha fatto serd il tutto ritoruato in pristinum in Hierusalem per li frati". 



2Ö8 Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sioil 

wieder hergestellt sei, sprechen für die erstere Annahme, eben- 
so das Zeugnis des Priesters Jan Goverts von Gorkum, der 1525 
in Jerusalem war und in seinem Tagebuche erzählt, daß für 
die Pilger eine hl. Messe im Abendmahlssaale gelesen wurde 0- 
Doch widerspricht manches andere, das wir hören ^) und uns 
die Brüder nicht im Zönakulum, sondern nur in einem Teile 
des Klosters zeigt. Zum wenigsten ist sicher, daß sie, 
wenn ihnen das Zönakulum wirklich zurückgegeben w^ar, nicht 
lange in seinem Besitze blieben; denn wir finden sie bereits 
im April 1526 wieder in Konstantinopel, wo sie durch den 
venezianischen Gesandten die Rückgabe desselben beim Groß- 
vezier betreiben. „Die Franziskaner", schreibt der Gesandte 
dem Dogen, „haben das Kloster, und möchten auch die Kirche 
des Sionberges" ^). Auch diesmal nahm sich der Großvezier 
der Brüder an und erwirkte beim Sultan eine Verordnung zu 
ihren Gunsten ^) ; aber die Hauptsache, das Zönakulum, wurde 
nicht gewährt. 

Die Franziskaner gaben die Hoffnung nicht auf und zogen 
jetzt neben dem venezianischen Gesandten auch König Franz I. 
von Frankreich, dessen Beziehungen zum Sultan immer inniger 
geworden waren, zu Hilfe. Beide sandten im Sommer 1528 
Schreiben an Soliman, denen sich dieser nicht ganz verschließen 
konnte â– ') ; aber er verstand es wieder einmal, die Bittsteller 



1) Cod. Ms. hist. 823 i der Universitäts-Bibliothek zu Göttingen ; die 
Seiten sind niclit numeriert. 

'^) Calaliorra erzälilt, der Guardian liabe die Anwesenheit Ibrahims in 
Gaza benützt und den Dragoman mit einigen Brüdern zu ihm gesandt, um 
ihm die Notlage zu schildern. Ibrahim habe die Gesandtschaft gütig aufge- 
nommen und verfügt, daß der Santone das Grab Davids, den oberen Saal des 
Zönakulums und einige Räume des Klosters behalten, das übrige aber den 
Franziskanern zurückgeben solle; B. V K. 4. 

3) Sanuto XLI 407 u. 409. Er sagt: „I Frati hanno il monasterio, et 
voriano etiam la chiesa di Monte Syon." 

*) Sanuto teilt den Inhalt der Verordnimg, die der Dragoman der Ge- 
sandschaft am 22. Juni 1526 von Adrianopel überbrachte, nicht mit; vgl. 
Diarii XLII 346 348 394. 

^) Am 29. August l.'J28 schreibt der Gesandte nach Venedig, der Sultan 
habe Ibrahim geantwortet: „A la signoria et al re di Franza non e da negar 
quelo i dimanda, ma per esser cosa di la fede, bisogna parlar con li cadi"; 
Sanuto XIL 24. 



Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 209 

vorläufig mit einem jener Kompromisse zu befriedigen, in denen 
die orientalischen Diplomaten Meister sind. Wie der venezia- 
nische Gesandte am 16. September 1528 seiner Regierung mit- 
teilte, hatte Ibrahim geantwortet, daß der Sultan das Zönakulum 
nicht zurückgeben könne, da dies seinem Glauben zuwider 
laufe; er wolle es aber schließen lassen, was auch besser für 
die Brüder sei '). Ein bald nachher nach Venedig abgesandter 
Bericht ergänzte den ersten Bescheid. Der Sultan habe er- 
klärt, daß er sehr bedaure, den Wunsch der Republik und des 
französischen Königs nicht erfüllen zu können, da es sich um 
eine Moschee handle; eine andere Bitte werde er gewähren. 
Doch solle das Zönakulum mit einer Mauer verschlossen werden, 
so daß niemand eintreten könne. Hierzu bemerkte der Ge- 
sandte, dem Guardian des Slonklosters, der sich zurzeit in 
Konstantinopel befinde, gefalle diese Lösung, da auf diese Weise 
das Zönakuhim nicht Moschee bleibe, die Brüder aber in 
der Nähe verweilen und insgeheim ihre Andaclit verrichten 
könnten -). 

Denselben Grund für die Ablehnung machte Soliman in 
seinem Schreiben an König Franz I. von Mitte September 1528 
geltend. Wäre es, sagt Soliman, eine Frage des Eigentums, 
so würden die Wünsche Ew. Majestät in Anbetracht der innigen 
Freundschaft, die zwischen uns besteht, erhört werden. Aber 
es handelt sich hier nicht um Mobilien oder Immobilien; es 
handelt sich um eine Sache unserer Religion. Jene Kirche ist 
in eine Moschee verwandelt worden, in der die Mohammedaner 
öffentlich ihre Gebete veriichten. Es wäre aber gegep unsern 
Glauben, die Bestimmung eines Ortes zu ändern, der den Titel 
einer Moschee getragen, und in dem die Gläubigen ihr Gebet 
verrichtet haben. Der übrige Teil des Hauses soll aber den 
Christen verbleiben und niemand sie daselbst stören; in aller 



ij Ebd. 72. 

1) Am 4. Oktober ir)2.S schreibt Contarini u. a. : Der Snitan wolle, „sia 
fata una muraia atorno, siehe non 11 entri aicun, et a questo modo a(|uieter;\ 
la fede. L'nde el vardian, che li a Constantinopoli se atrova, ha auto a piacer 
de questo, perchö non hessendo moscliea loro frati starano e l'arano le soe 
devotion secretamente". 

Franzisk. Studien, Beiheft J: Lern mens, Die Fmnziskaner auf dem Sion. 14 



2l0 Soliman vertreibt die Franziskaner vom Slon 

Ruhe werden sie die Räume weiter bewohnen, die sie zurzeit 
einnehmen ^). 

Es waren eitle Versprechen, die so oft den Christen ge- 
geben und selten gehalten wurden. Das Zönakuliim blieb 
Moschee ^) ; jene Sperrmauer wurde nicht aufgeführt, und die 
Drangsale der Franziskaner dauerten fort. 

Zinkeisen schließt an jenes Schreiben des Sultans an König 
Franz I. die unrichtige Bemerkung an, Frankreich sei „die 
erste Macht gewesen, welche den Anstoß gab", daß die Christen 
das Recht erhielten, ihre Kirchen wieder herzustellen und in 
baulichem Zustande zu erhalten ^). Ob er hier nicht die Trag- 
weite und Bedeutung der Antwort des Sultans über ihren Sinn 
erweitert? sicher läßt er die früher erteilten Fermane außer 
acht und übersieht besonders, daß Venedig ebensoviel zu jenem 
Erfolge beitrug wie der König von Frankreich. 

Seit Jahrzehnten hatte die Republik Venedig am Hofe der 
Sultane von Kairo und an der Hohen Pforte zu Konstantinopel 
die Interessen der Christen des Orients und besonders der 
Franziskaner Palästinas mit Eifer und Erfolg vertreten. Ein 
Franziskaner, der die Geschichte seiner Mitbrüder an den hei- 
ligen Stätten beschreibt, darf nicht versäumen, dankbar des 
großen Wohlwollens zu gedenken, das sie von der mächtigen 
Königin des Meeres erfuhren, und des nachhaltigen Schutzes, 
den der Rat der Zehn den Brüdern gewährte, so oft sie sich 
hilfesuchend nahten. Solange das Wort Venedigs in Byzanz 
gehört wurde, war Venedig der tatsächliche Protektor der Fran- 
ziskaner und der ihnen anvertrauten heiligen Stätten. 



1) Der Wortlaut des Schreibens in Negociations de la France dans le 
Levant I 129—132. Vgl. Calahorra 13. V K. G und Schefer, Chesneau, 
Anhang Nr. XVI S. 259. 

-) Doch kamen auch die Christen insgeheim ins Zönakulum ; vgl. Jo- 
dokus von M eggen, Peregrinatio 104: Die Türken „ipso in coenaculo Ora- 
torium (quod ipsi muscea vocant) habent...; post preces matulinas audita re 
divina in s. coenaculo". Auch 1550 kamen die Pilger nachts durch Vermitt- 
lung de3 Guardians hinein; vgl. Rehlinger bei Röhricht- Meisner 412. 

■■') Geschichte des osmanischen Reiches 11 713. Während Calahorra 399 
die Antwort des Sultans auf das Kloster auf dem Sion beschränkt, gibt Schefer 
ihr eine allgomeinei-e Fassung für alle Gotteshäuser der Christen. 



Solinian vertreibt die Franziskaner vom Sion 211 

Schon bald sollten die Franziskaner wieder des Schutzes 
der Republik bedürfen. Die über sie hereingebrochenen Schwie- 
rigkeiten und Stürme ermutigten alte Widersacher, aufs neue 
den Kriegspfad zu betreten und in die Rechte der Brüder ein- 
zubrechen. Die Georgier, die von Qansu Guri mit ihren An- 
sprüchen auf den rechtsgelegenen Teil des Kalvarienberges 
abgewiesen waren, fingen, wie das Schreiben Solimans sagt, 
aufs neue an, „mit den fränkischen Religiösen zu streiten". Die 
Brüder erwirkten aber durch den venezianischen Gesandten 
den Befehl des Sultans an die Behörden Jerusalems, die Rechte 
der Franken zu schützen und die Georgier an ihrer Bedrückung 
zu hindern ')• 

Drei Jahre später mußte der Gesandte wegen der Basilika 
von Bethlehem beim Sultan vorstellig werden. Die Mohamme- 
daner hatten wieder einmal begonnen, die Kirche zu plündern, 
den Marmor der Säulen und das Blei des Daches fortzu- 
schleppen. Auf die Bitten des Gesandten richtete Soliman an- 
fangs Mai 1532 an den Kadi von Jerusalem den Auftrag, dieses 
zu hindern und die Übeltäter ausfindig zu machen. „Niemand 
dürfe die fränkischen Ordensleute, die berechtigt seien, die zu- 
sammengefallenen Teile der Kirche wieder aufzubauen, hindern." 
Sie müßten jedoch dabei den alten Fundamenten folgen; der 
Kadi solle aufpassen, daß nichts neues gebaut werde ^). Leider 
hatte das Schreiben denselben Erfolg, wie so viele Dekrete der 
Hohen Pforte: es wurde nicht ausgeführt oder doch bald ver- 
gessen. Wie Chesneau, der 1549 zu Bethlehem weilte, meldet, 
„gerät die schöne und große Kirche in Verfall, da die Türken 
aus derselben den Marmor und andere Steine, die sie für den 
Schmuck ihrer Moscheen brauchen können, nahmen und täglich 
wegnehmen" ^). 

In Zukunft sollte es der Republik nicht mehr möglich 
sein, ihre schützende Hand über die Brüder Palästinas und die 

1) Vgl. Calahorra B. V K. 0; das Schreiben Solimans ist vom Safar 935. 

2) Calahorra B. V K. 7; Schefer, Chesneau, Anhang Nr. XVII S. 261. 

3) Schefer, Chesneau 125: „II y a une eglise qui a este fort belle 
et grande, laquelle s'en va en ruine, i\ cause que les Turqs en ont ost6 et 
ostent journoilomcnt le marbro ft anllres pierres qui iour peuvent servir pour 
enrichir leurs niousquees." 

14* 



212 Soliman veitreibt die Franziskaner vom Sion 

heiligen Stätten zu halten. Am Hole Solimans immer mehr an- 
gefeindet, wurde Venedig allmählich durch den französischen 
Einfluß verdrängt. Soliman und Franz I. waren, wie der vene- 
zianische Gesandte Ludovisi am 3. Juni 1534 berichtete 0, durch 
gemeinsame Interessen verbunden; beide hatten das Hauptziel, 
das Wachsen der Macht des Kaisers Karl V. zu verhindern. 
Aus dieser Gemeinsamkeit der Interessen entwickelte sich Freund- 
schaft und Bündnis. Je inniger aber das Verhältnis beider 
wurde, um so mehr mußte der Einfluß Venedigs am Goldenen 
Hörn zurücktreten. 

Im Januar 1536 schloß der französische Gesandte Johan- 
nes de la Foret in Konstantinopel den ersten Vertrag mit der 
Türkei, aus dem sich mit der Zeit das Schutzverhältnis Frank- 
reichs über die Christen des Orientes entwickelte, das manchen 
Segen bringen, aber als Frucht des Kampfes Frankreichs gegen 
Deutschland geboren in einem neuen Ansturm gegen den Nach- 
bar sein p]nde finden sollte. 

Von der größten Bedeutung für die weitere Entwicklung 
der türkischen Politik und ihrer Beziehungen zum westlichen 
Europa war ein Ereignis, das sich bald nach jenem Vertrag, 
am 5. März 1536, in den Gemächern des kaiserlichen Palastes 
zutrug : Der Großvezier Ibrahim Pascha wurde in der Nacht 
erdrosselt. Ibrahim war die wichtigste Person des Türken- 
reiches, „das Herz und der Atem des Herrschers" ^), der wie 
Ludovisi schrieb ^j, „keine wichtige Entscheidung mit allen 
Paschas und dem ganzen Hofe traf ohne Ibrahim; Ibrahim 
machte alles allein". Gebürtig aus dem zu Venedig gehören- 
den Parga an der jonischen Küste, bewahrte dieser seine Anhäng- 
lichkeit an die Heimatsrepublik ^). So lange Ibrahim in Macht 



^) ,J1 re cristianissimo veramente si puö dire che ha un coniun desi- 
derio col Signor Turco, cioe ehe la grandezza dell' iniperatore non sia tanta" ; 
Alberi, Serie III Bd. III S. 22. 

'-') „E il cuor il fiato del Signor;" Rragadino bei Schefer, Chosneaii 2:59. 

•') „II sultano con tiitti i pasciä e con tutta la Corte non fa deliberazione 
importante senza Ibrahim, e Ibrahim solo fa il tutto senza il Gran-Signore 
ovvero altra compagnia;" Alberi 28. 

^) Wie Zen 1523 an den Dogen schrieb, nannte er sich einen venezia- 
nischen Untertan; „dicendo e nostro subdito"; Sanuto XXXV 17ü. 



Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 213 

und Würden war, war Venedig in Konstantinopel angesehen 
und es dem venezianischen Gesandten möglich, mit Ibrahims 
Hille die Franziskaner zu schützen. Sein Tod war ein Ver- 
hängnis für die Regierung Solimans, deren Glanzzeit mit Ibra- 
him zu Ende ging, für die Franziskaner und Christen, denen 
er große Güte erzeigt hatte ^), und besonders für die Republik 
Venedig und Karl V. Unter den nicht bekannt gewordenen 
Gründen seines Todes wird auch genannt, daß er mit dem 
Kaiser in Verbindung gestanden ^). 

Seit seinem Tode verschlechterten sich die Beziehungen 
zwischen Soliman und Venedig fortwährend. Schon zwei Mo- 
nate später, im Mai des Jahres 1536, ließ Soliman dem vene- 
zianischen Gesandten erklären, er werde Venedig mit Feuer 
und Schwert bekriegen, wenn die Republik nicht von ihrer 
Freundschaft mit dem Kaiser lasse ^). Doch hatte der Rat der 
Zehn Charakter genug, diese Drohung zu überhören. Allerlei 
Mißverständnisse und Vorfälle spitzten das Verhältnis derart 
zu, daß Soliman im Sommer 1537 mit einem Zuge gegen Korfu 
den Krieg begann, der mehr als drei Jahre, bis in den No- 
vember 1540, dauern sollte. Sofort erging nach allen Seiten 
des Türkenreiches der Befehl, die Untertanen der Republik im 
ganzen Gebiete zurückzuhalten und ihre Güter und Schiffe mit 
Beschlag zu belegen *). 

Für die Brüder in Palästina war damit eine neue Leidens- 
zeit gekommen. Die Behörden von Jerusalem erhielten aus 
Konstantinopel Befehl, die Franziskaner auf dem Sion, am Hl. 
Grabe und in Bethlehem zu verhaften^). Am IG. September 
1537 wurden sie gefangen und in der Hl. Stadt im Pisanerturm 
sowie zu Damaskus eingekerkert, wo sie bis zum Iß. November 
1540 verbleiben mußten. Neun Brüder starben daselbst; der 
Guardian P. Thomas von Norcia und fünf andere wurden von 



1) ,.Fa gran ben a'cristiani;" l^ragadino bei Sehe f er, Chesneau 240. 

2) Zinlteisen II 824. •■<) Zinkeisen II 766. 
*) Zinkeisen II 770. 

•'•) Calahorra B. V K. 8; er sagt, man kenne nicht den eigentliciien 
Grund; er glaube, daß es auf die Nachricht von der Wegnaiimc türkischer 
Schiffe durch Doria geschehen sei. 



214 Soliman vertreibt die Franziskaner vom Sion 

einer Seuche dahingerafft; drei erlagen anderen Krankheiten^). 
Der Dolmetscher der Franziskaner, ein katholischer Kopte, na- 
mens Johannes, suchte die hl. Stätten zu schützen und zu retten, 
so viel er vermochte ^). Er konnte aber nicht verhindern, daß 
die Armenier die große Kreuzpartikel aus der Marienkapelle 
nach Sebaste entführten ^), und die Franziskaner, als sie end- 
lich durch Vermittlung Franz I. aus der Haft entlassen wurden, 
alles in trostlosem Zustande fanden. „Während unserer Ab- 
wesenheit", schrieb der neue Guardian P. Dionysius an den 
französischen König ^), „sind die heiligen Stätten böse von den 
Ungläubigen behandelt worden ; diese Orte, besonders auf dem 
Sion und zu Bethlehem, drohen in Kürze zusammen zu stürzen". 
Er bat daher den König, ihnen durch seinen Gesandten in Kon- 
stantinopel die Erlaubnis zur Wiederherstellung zu erwirken. 
Tatsächlich konnten in der nächsten Zeit einige Arbeiten aus- 
geführt werden ^). 



1) P. Thomas starb am 14. Juli 1539 („anno tertio siiae incarcerationis"); 
Vgl. Calahorra 406. 

2) Qiiaresmius II 44: „Regimen locorum Sanctorum suscepit Johan- 
nes Baptista fratrum interpres, natione cophtus, tarnen Catholicus, usque ad 
novi guardiani adventum. Ita legi in Sacristia S. Salvatoris Jerosolymis, et 
ab ipso interprete, qui paucis ab hinc annis obiit, et ab aliis hoc idem audivi, 
et Daraasci cum essem accepi, memoriam adhuc superesse fratrum, qui ibi in 
castello detenti fuerint." In Bethlehem sorgten die Armenier für die hl. Grotte; 
vgl. oben S. 161. 

3) Bonifacius Stephani, De perenni cultu Terrae Sanctae 162. 

■*) Am 23. Oktober 1542 schrieb der Guardian „Fr. Dionysius Sarcogna- 
nus" an König Franz I: sie seien „stati presoni de Turchi per anni 3 et 
1 2 • • • siamo stati liberati de tanta captivita mediante la intercessione dl 
vostra Majesta, alla quäle nui tutti frati restiamo obligatissimi. Vostra illu- 
strissima Maiesta his nostris etiam intendeva come, il quelle tempo che siamo 
stati captivi nelle mane loro, li lochi santti de Hierusalem sono stati mal- 
trattati da essi inlideli, et ditti lochi menazano ruina in breve, et maxime 
monte Syon et Betelera. Pertanto, visa tuae Majestatis erga nos pauperes 
fratres incomparabile benignitate, obnixe ac humiliter iterum atque iterum a 
quella supplicamo che la fino lei dignare di scrlvere al suo oratore, ch'e ä 
Constantinopoli. che sua signoria, nomine vestre Majestatis, debba inipetrare 
questa gratia dal grande Imperator de Turchi, che, nui poveri frati, possiamo 
resarcire quelli lochi, che sono per ruinare, la qualle resarzione non si puo 
far scnza sua particular licentia"; Revue d'histoire diplomatique XXVI 281. 

'") Vgl. Golubovich, Serie 51. 



Soliman vertreibt die Franziskaoer vom Sion 215 

Doch sollten die Franziskaner ihres Lebens auf dem Sion 
nicht mehr froh werden. Immer aufs neue mußten sie in Kon- 
stantinopel Hilfe suchen. Im September 1542 reiste der Guar- 
dian P. Dionysius in die Hauptstadt, um für die Brüder und 
Pilger einzutreten ; Jodokus von Meggen, der ihn bis Kreta 
begleitete, hat uns die Kunde von dieser Reise und sein Lob 
überliefert '). 

Die meisten Schwierigkeiten kamen von den türkischen 
Mönchen, mit denen sie die Wohnung auf dem Sion teilen 
mußten. Um den Brüdern den Aufenthalt zu verleiden und sie 
aus freien Stücken abziehen zu machen, wurde alles versucht. 
Weder bei Tag noch bei Nacht ließen ihnen die Derwische 
Ruhe; Erpressungen, Kränkungen und selbst Mißhandlungen 
wechselten ab. Und da die Brüder nicht freiwillig gingen, 
wurden stets neue Intrigen gesponnen, die sie mit Gewalt aus 
dem Kloster bringen sollten. Zu den alten Anklagen, daß sie 
Waffen im Kloster versteckt hielten, um dieselben im Kriege 
unter die Christen zu verteilen, oder daß sie Neubauten auf 
dem Sion aufgeführt hätten, kamen neue. Man warf ihnen vor, 
daß sie Frauen den Zutritt zu ihrem Gottesdienste gestatteten, 
oder daß der Obere des Klosters acht Tage vor Ostern von 
Betfage aus feierlich auf einem Esel in Jerusalem einziehe, 
während die Christen ihre Mäntel auf der Erde ausbreiteten. 
Es wurde Anzeige in Konstantinopel erstattet und von -dort dem 
Gouverneur von Damaskus die Untersuchung übertragen. Dieser 
kam mit den Behörden der Stadt ins Kloster, konnte aber nur 
feststellen, daß die beiden ersten Anklagen ganz unbegründet 
seien, die beiden andern aber alten und von frühern Sultanen 
genehmigten Gebräuchen entsprächen ^). 



1) Peregrlnatio 147: „Guardianus Moiitis Syon ob . . . perogrinorum 
gravamina moicstiasquc qiiae in dies aiigcbantiir, tum ob privata iTÜgioiiis 
suae negotia, quo tutius illic sui dcgcrc possint, Constantinopolim ad 'i'ur- 
carum principem proficisci decrevit; ideo satis oportune nobiscum Cretam 
usque fuit profectus. Nos vero huius religiosi societate non parum laeta- 
bamur; erat enim rerum omnium cxpertus et peritus, nullumque laborem nostri 
causa subterfugiebat." 

2) Calahorra B. V K. 13; Schefer, Chesncau, Ein!. S. XLIV. 



216 Solimau vertreibt die Franziskaner vora Sion 

Doch war diese Rechtfertigung der Brüder ohne Belang; 
sie gab den Gegnern nur Anlaß, nach neuen Anklagen auszu- 
schauen. Vergebens war die Reise, die der Guardian des Sion- 
klosters P. Bonifacius Stephani au das Hoflager des Sultans 
machte, der im November 1548 auf seinem Feldzuge gegen die 
Perser zu Aleppo Winterquartier bezog und bis zum 8. Juni 1549 
verblieb. Er brachte wohl von dort eine Bestätigung der Rechte 
der Brüder nebst einer Weisung an die Behörden mit, diese 
und die Pilger zu beschützen; vor seiner Rückkehr hatte be- 
reits der Santone, der den Zweck der Reise erraten, eine neue 
Aktion eingeleitet, die verhängnisvoll werden sollte. Er hatte 
dem Gouverneur und dem Kadi von Jerusalem sowie andern 
Personen eröffnet, daß er verdächtige Personen im Kloster be- 
merke, die sich als Pilger eingeschmuggelt hätten und einen 
Handstreich auf die Stadt zu planen schienen; auch erhob er 
die Klage, daß die Franziskaner nicht aufhörten, am Grabe Davids 
vorbeizugehen und den Muselmannen ihre Geringschätzung zu 
bezeigen. Die Behörden kamen überein, man solle eine Bot- 
schaft an die kaiserliche Regierung senden und alles berichten. 
Auch erwähnte man, daß bereits vor fünfundzwanzig Jahren 
das ganze Kloster auf dem Sion den türkischen Mönchen über- 
wiesen wurde, Khourrem Pascha aber mit andern Beamten von 
den Franken bestochen sei und den Auftrag nur halb ausge- 
führt habe '). 

Vergebens waren alle Bemühungen des Kustos, der den 
Nachweis führen konnte, daß die Pforte selbst den Auswei- 
sungsbefehl geändert und den Brüdern einen Teil des Klosters 
gelassen habe. Vergebens waren auch die Versuche des fran- 
zösischen Gesandten d'Aramon, der am 18. Juli desselben Jahres 
in Jerusalem eintraf, wo ihn die Brüder nach Aussage seines 
Sekretärs wie einen Messias erwarteten, da sie hofften, von ihm 
aus den täglichen Widerwärtigkeiten der Derwische erlöst zu 
werden. Er konnte wohl die Ausweisung der eigentlichen Ur- 
heber und Rädelsführer erwirken, das Los der Brüder aber 
nicht wesentlich verbessern^). 



1) Calahorra B. V K. 14. "-) Schefer, Chesueau 117. 



Schluß 217 

Am 3. Oktober 1549 erfolgte die Antwort des Sultans auf 
die letzten gegen die Brüder erhobenen Anklagen; sie verfügte 
ihre Vertreibung aus dem ganzen Kloster. Nochmals wurde 
alles von den Franziskanern in Bewegung gesetzt. Am 2. Juni 
1551 kam die Bestätigung jener Verfügung, die so energisch 
lautete, daß ein Aufschub unmöglich war. Die Franziskaner 
mußten den Sion verlassen. Alle Heiligtümer und Stätten des 
Berges kamen in die Hände der Mohammedaner ')• 

Wenn nun auch die Franziskaner den hl. Berg Sion ver- 
lassen mußten, so haben sie doch nicht ihre Rechte verlassen 
und die Hoffnung, in ihr Heiligtum und Kloster zurückzu- 
kehren. Wie uns der westfälische Franziskaner Johannes 
von Schauenburg, der von 1646—1648 im Morgenlande weilte, 
berichtet^), pflegten die neuen Obern der Kiistodie bald nach 
Ihrer Ankunft in Jerusalem mit mehreren Brüdern das Sion- 
heiligtum zu besuchen und von demselben im Namen der 
lateinischen Kirche Besitz zu ergreifen. Noch heute heißt der 
Obere der Franziskanerklöster Palästinas „Guardian des Berges 
Sion"; sein Wappen erinnert noch immer daran, daß der Sion 
Wiege und Zentrum ihrer glorreichen Mission war. Bei jeder 
passenden Gelegenheit, vom Frieden zu Karlowitz bis in unsere 
Tage, zum Frieden von Lausanne, haben sie die christlichen 
Machthaber gebeten, ihre Rechte geltend zu machen. Werden 
die neuen Zeiten und Verhältnisse das alte Recht anerkennen? 
Was oft der Erfüllung dieses Wunsches im Wege stand, ist 
nicht mehr zu fürchten: Auf dem Sion ist kein Heiligtum der 
Juden und Sarazenen; die Grabstätte Davids lag an anderer 
Stelle; niemand wird in berechtigten Ansprüchen gekränkt. 
Daher erneuern die Franziskaner heute mit Vertrauen die Bitte, 
ihnen die Stätte ihrer Väter wieder zu schenken. 



1) Calahorra B. V K. 15; Schefer, Chesneau S. XL VI. Am 21. Juli 
d. J. waren die Brüder noch auf dem Sion; vgl. Röhricht-Meisner 422. 

'-) Vgl. L. Lern mens, Der „Peregrinus tripartitus" des Franziskaners 
Johannes Schauenburg. In: Franziskanische Studien, Jahrgang 1918, S. 182. 



Ortsregister. 



(Es wurden nur die Orte des Orientes aul'genommen.) 



Abu Ghosch 90 ül 

Ain-Karem (St. Johann) 3(5 153 154 

169 184 187 
Akri 1 16 23—26 29 172 
Aleppo 164 197 216 
Alexandrien 65 128 135 164 1U4 197 
Antiochien 21 22 
Arsuf 19 
Assur 29 
Ayas 138 

Beirut 135 
Betrage 169 215 
Bethanien 33 153 169 
Bethlehem, Basilika 2 28 29 36 37 
57—59 95 97 98 108 118— 12U 
123 124 128 129 135 153 161 
166 168 184 186 187 211 214 
Hospital 74 75 
Kloster 59 73 74 127 187> 
St. Nikolauskapelle 81 > 82 
Bethsaida 33 

Cäsarea 18 

Oaraaskus 11 66 164 172 197 204 213 
Damiette 30 
Dschenin 172 

Gaza 64 87 95 199 
Genezarcth See 33 

llama 164 
Hebron 183 187 

Jaffa 16 21 95 98-^ 100 128 172— 

176 187 194 
Jericho 187 



Jerusalem 

Geißelungsstätte 151 
Grabeskirche 2 27 29—31 33 35 
41 43 51—53 69 70 93 108 
120 124 129 1303 131 135 139 
141 143 148 151 163 166 179 
184 186 187 189 193 197 
Altar der Auffindung des hl. Ivreu- 

zes 150 166 
Altar der hl. Maria Magdalena 53 

56 131 166 1681 
Altar hinter dem Hl. Grabe 56 163 
Chor der Basilika 56 160 
Gefängnis Christi 56 160 166 
Geißelsäule 51 ' 56 
Golgatha oder Kalvarienberg 5 

12 33 52 56 68 69 97 131 — 

134 143—145 150 157 162 

167 168 211 
Heiliges Grab 13 29 35 38—40 

43 52 54 56 57 69 74 78 94 

97 105 115 129 131 136-^ 

137 140 141 150 151 156 

163 167—170 189 199 
Kapelle der hl. Helena 156 163 
Kapelle der Muttergottes 55 69 

150 166 168 214 
Kapelle unter dem Kalvarienbcrge 

56 144 157 
Kloster der Franziskaner am Hl. 

Grabe 70 73 74 98 127 
Ort der Verteilung der Kleider 

Jesu 160 166 
Salbungsstein 150 163 167 
Säule der Verspottung u. Dornen- 

krönung 163 166 



220 



Ortsregister 



Standort Marions beim Kreuze 
163'-^ 
Hakeldama 61 186 
Haus des Annas 183^ 

— des Kaiplias oder Salvatorkloster 

der Armenier 13 36 102 185 

— der Mutter des hl. Evangelisten 

Johannes 156 

— der Veronika 186 
Heiligkreuzkloster bei Jerusalem 91 

187 
Johanniterhospital 28 18Ü 181 201 
Kirche des hl. Jakobus 36 39 162 

181 190 
Lithostrotos oder Gerichtshof des 

Pilatus 151 184 186 
Marienkirche im Tale Josaphat 28 
33 36 57 64 78 79 1 82^ 88— 
90 97 152 169 
Ölberg 152 169 186 
Omarmoschee 27 85 129 197 2U1 
Pisanerturm oder Turm Davids 30 

36 162 213 
Sankt Anna 27 152 
Sankt Stephan 27 

Sion 9 10 12 34 36 39 51 62 66 
98 104 129 184 199 
Abendmahlssaal 9 36 40 42—51 
53 57 108 137 145 146 185 
204 ff. 
P'ranziskanerkloster 42 46 — 48 50 
71 73 82 93 97 125—130 
146 165 177 180 182 185 
188—195 201 ff. 
„Grab Davids" 101 120 121 201 

202 206 
Kapelle des hl. Franziskus 50 
Kapelle des Hl. Geistes 34 ^ 42 43 
48 50 78 101 121 — 123 130 
145 146 
Kapelle des hl. Thomas 4;') 50 78 
146 



Maricä Heimgang 28 30 146 148 
Marienhospital 57 74—77 83 148 

179 181 206-i 
„Oratorium Maria" 146 148 
Tal Josaphat 184 186 
Teich Siloa 186 

Todesangstgrotte 64 88 152 168 
Jordan 33 169 183 184 187 

Kairo 98 115 125 127 128 134 136 

138 140 164 
Kana 33 

Kapharnaum 15 33 
Kerak 37 
Koustantinopcl 131 198 ff. 

Ivaodizea 65 

:»Iatarich 82 136 1 143-^ 
Mccka 127 138 197 
Medina 138 197 

Nablus 136 

Naim 15 

Nazarelh 15 16 18 29 33 37 155 172 

Ramleh 12 91—9 5 100 123 135 173 

176—179 199 205 
Khodus 138 140 142 

Safed 19—21 
Sankt Saba 100 161 
Sebaste 214 

Sinai 118i 188 

Tabor 18 155 

Tarsus 17 

Tortosa 65 

Tripolis 23 65 164 205 

\%'üste Quarantana 33 187 

Zypern 17 24 47 71 98-^ 111 193 196 



Personenregister. 



I. Franziskaner: 



Albert von Sartheano 107 109—111 

122 191 
Andreas von Foligno 172 
Angelus von Perugia 87- 
AngeUis von der Mark 87 2 
Anselmus von Krakau 49 
Antonius, Apostat 119'' 195^ 
Antonius von Conio, General 117 
Antonius von Creniona :i2 
Antonius von Mugnano, Kustos H)')-' 
Antonius von Plreto, General 72 82- 

Baithasar von St. Maria, Kustos 1 1 7 
Baptista von Lübeck 129 194 
Hartholoniäus von Alverno 70 — 79 
Bartholomäus von Piacenza, Kustos 

127 180 
Bartholomaeus von Pisa 1') 
Benedikt von Alignano 19 
Bernhardin von Padua 81 1 
Bernhardin von Siena, Kustos i:i9' 
Bonil'acius Ste|)hani, Kustos 90 210 

Cantutius 77'^ 

Christophorus von Varese 42- 

Conradus de HaJIis 22 

l>aniel de Thaurisio 41" 

Deodatus von Houvergue (Rusticinio) 

83—87 
Dionysius von Sarcognano, Kustos 

214 215 

Fidenlius von Padua 19 31 

St. Franziskus von Assis! 9 17 70 94 

Gandolf von Sizilien, Kustos 110 — 117 
Geraidus, General 41 



Gerhard Calvetti 71 ^^ 82 1 8:^—94 
Gripho 10.') 
Gundisalvus 07 

Hugo 32 

.lakobus, Kustos 9') 

Jakobus Dallin, Kustos 105—107 109 

110 
Jakobus von Alessandria, Kustos 127 
Jakobus von Puy 20 
Jakobus von Venedig 88- 
Jeremias von Genua 20 
Johannes 45 
Johannes, Märtyrer 07 
Johannes Bedererus 82' 
Johannes Belloro, Kustos 102 — 104 
Johannes Columbus 82' 
Johannes Thenaud 141 
Johannes Thomacelli, Kustos 128 — 

130 172 
Johannes von Aquitanien 83- 87- 
Johannes von Burgund 88'- 
Johannes von Dalmatien 85 ' 
St. Johannes von Kapistran 111 117 
Johannes von Pisa 82 i 
Johann von Preußen 18G — 191 
Johannes von Sizilien 85' 87' 88- 
Johannes von Straßburg 87 * 
Johannes von Winterthur 2 

I..aurentius von Placencia 87^ 
St. Ludwig von Anjou 2 44 
Ludwig von Bologna, Kustos 104 105 
Ludwig von Bologna, Prediger 104'^ 

i^Iarkus von Lisssabon 43 
Martinus von Aragonien 81 ^ 



222 



Personenregister 



Martinus von Katalonien 87 2 
Martinas von Slavonien 87- 
Matthäus von Bnrgund 88- 
Maurus, Kustos t3fi 

Niliolaus, Kustos 80 

Niliolaus, Kustos 95 

Nikolaus Cornarius, Kustos 94 

Nikolaus von Farnad 150 

Nikolaus von Kreta, Kustos 82 

Nikolaus von Osimo 103 104 107 1 HO 

Nikolaus von Poggibonzi 48 

Sei. Nikolaus von Sebenico, Märtyrer 

84—87 
Nikolaus von Venedig, Kustos 82 88 
Nikolaus Wanckel 140 

Sei. Odoricus von Pordenone 32 

Paulinus von Pozzuoli 47 
Paulus von Caneto, Kustos 19:5" 
Paulus von Lodi, Kustos 10 
Paulutius von Trinci 84 105 
Philipp de Aversa lOö-^ 
Petrus Cocclarius 87 ^ 



Petrus de Petragoris 88 2 

Petrus von Bordeaux 83- 87- 

Petrus von Narbonne 84 — 87 

Petrus von Neapel, Generalvikar 193 

Petrus Verniero 10 

Polo 841 93'' 

Richardus Anglus 82 * 

Roger Gaiini, erster Oberer 41 — 46 80 

Scolarius lOfi 

Simeon von Mailand 172 

Simon 32 

Steplianus de Cunis 84 — 87 

Surian 127 143 144 

Thomas von Auxerre 82 1 
Thomas von Norcia, Kustos 213 

Valerius, Apostat 119"' 195^ 
Vinzenz von Gallicano 10 

Waltlier von Guglingen 44 
Wilhelm von Castellamare G4 65 
Wilhelm von Ruysbroek 16 



n. Andere Personen: 



A'dschami ]\Iahammed al. Derwi.sch 

202- 206' 
Albira, Stifterin des Marienhospitals 

au! dem Sion 75 181 
Alexander IV. 17 
Alexander VI. 1303 190 
Alexander, Pfalzgraf 128 
Alexis IV. Comnenus 108' 
Andreas, Erzbischof von Rhodus 96 
d'Anghiera, spanischer Gesandter 134 

—136 
d'Aramon, französischer Gesandter 216 
Aschraf Chalil, Sultan 1 24 

Bajaset, Sultan 124 
Barbarigo Augustin, Doge 180 
Barkuk, Sultan 12 93 
Barsabai, Sultan 57 1 97 99 
Bibars, Sultan 15 18—23 
Bortmann von, Pilger 48 
Boemund, König 22 



Bogislaus X., Herzog von Pommern, 
Pilger 192 

Bragadino Peter, Gesandter von Vene- 
dig 207 

Branbork Jan, Pilger 177 

Brancacci Felix, Gesandter von Flo- 
renz 97 

Brandenburg Albrecht von, Pilger 48 
923 

Brandenburg Johann von, Pilger 48 923 

Breitenbach, Domherr aus Mainz 74 

St. Brigitta 81 1 

Buondelmonti Anton, Pilger 183 

Burkard, Dominikaner 28 

Caumont, Pilger 94 
Celsi Lorenzo, Doge 63 88 
Cesarini, Kardinal 1073 \\q m 
Chesneau, Gesandschaftssekretär 207 
Gontarini, Konsul zu Alexandrien 63 
Contarini Thomas, Konsul zu Alexan- 
drien 136 140 142 



Personenregister 



223 



Deodarus, Beschützer der Christen 

198 3 
Djalimak, Sultan 114—117 
Djem, türliischer Prinz 124 
Diepolt von Haspberg, Pilger 177 

Ejjub, Sultan 31 
Elisabeth von Kastilien 193 
Elphahallo, Dolmetscher und Pilger- 

führer 189^ 
Ertoghrul 196 
Eugen IV. 73 104-117 

Fabri Felix, Dominikaner 44 
Fachr Eddin, Beschützer der Franzis- 
kaner 127 
Federighi, Gesandter von Florenz 97 
Ferdinand von Aragonien und Kasti- 
lien 128 134 193 
Franz I., König von Frankreich 208 — 

210 212 214 
Frescobaldi, Pilger r)4 
Friedrich II., Kaiser 7 14 1(! 
Füßli Peter, Pilger 204 

Oaudenz von Kirchberg, Pilger 182*' 

Gazello, Jakobite 181« 

Geroldus, Patriarch 7 

Ghaseli, Gouverneur von Damaskus 200 

Ghistele, Pilger 92 

Goverts, Pilger 208 

Gregor IX. 8 

Gregor XI. 81 1 82 148 

Grethenius, Archimandrit "lO 

Grünemberg, Pilger 171 

Gucci, Pilger 54 

Gumpenberg, Pilger 93 

Ilakim, Sultan 7 

Heinrich VIII., König von England 193 

St. Hieronymus 7 

Hohenfels von, Pilger 48 

Hugo, Erzbischof von Nikosia 90 

Hugo, Templer 20 

Jakob, Christ zu Jerusalem 12 
.Jakob von Verona, Augustiner 15 
Jakob von Vitry, Patriarch 18 
Jakob, König von Äthiopien 113 115 



Jakob IL, König von Aragonien 32 ^ 

38 40 
Ibrahim Pascha, Großvezier 200—213 
St. Ignatius von Loyola 204 205 
Ignaz von Smolensk, Pilger 58' 
Innozenz III. 29 
Innozenz IV. 31 
Innozenz VI. 64 75 77 88 
Innozenz VIII. 193 
Jodokus von Meggen, Pilger 129 
Johanna I., Königin von Neapel 57 62 

64 77 88 
Johanna IL, Königin von Neapel 102 
Johannes XXII. 38 
Johannes XXIIL 71 ^ 
Johannes de la Foret, französischer 

Gesandter 212 
Johannes!., König von Aragonien 84 1 

93 
Johannes Martinus, Prokurator 111 
Johannes, Patriarch von Grado 95 — 97 
Johannes von Solms, Pilger 190 
Johannes von Zimmern, Pilger 190 
Johannes, Patriarch von Aiexandrien 

112 
Isabella von Kastilien 193 
Julius IL 138 

lialaun, Sultan 16 2:5 24 
Kalixt IIL 73 
Karl der Große 7 
Karl der Kühne 193 
Karl V. 200 213 
Khourrem Pascha 204 216 
Klemens VL 42 49 61 69 71 

I.ie Roy, französischer Gesandter 141 
Lochner, Pilger 48 
Loredano, Doge 180^ 196 
Ludolf von Suchem, Pilger 15 
Ludovisi, venezianischer Gesandter 212 
Ludwig IX., König von Frankreich 15 16 
Ludwig XII., König von Frankreich 141 
Luise, Herzogin von Savoyen 141 

Iflakrizi, arabischer Chronist 19 
Marco Minio, venezianischer Gesandter 

200 
Margareta von Henneberg 193" 
Margarete von Sizilien 2 45 



224 



Personenregister 



Marian von Siena, Pilger 92 
Martin V. 95 97 102 lOr. 1062 
Martoni, Pilger 92 
Maximilian I., Kaiser 193 
Medici Cosimo 109- 
Medici Lorenzo 109^ 
Melek-el-Kamel, Sultan 7 KP 18 
Melek-el-Mansiir, Sultan IS 
Melek-el-Moaddem, Sultan 30 
Mergenthai, Pilger 128 
Mocenigo Leonhard, Pilger 97 
Mocenigo Thomas, Pilger 97 
Mohanimed-el-Mochner, Scheich 119 
Morosini, Pilger 1(53 
Moudjir-ed-dyn. arabischer Chronist 

1281 
Murad IL, Sultan 111 
Muzaler, Sultan 1 1 

JVassir, Sultan 2 37—41 49 
Nikodemus, Archimandrit 113 
Nikolaus V. 119 192 
Nikolaus, Markgraf von Este, Pilger 92 

Oliver, Pilger 30 
Omar, Kalife 27 118 
Orchan, Sultan 190 
Osman. Sultan 190 

Perez Philipp von, Konsul 135 140 

142 
Peter IV., König von Aragonien 63 04 
Peter I., König von Zypern 65 66 
Peter von Vandrey, Baumeister 119 
Philipp IV., König von Frankreich 39 
Philipp der Gute, Herzog von Burgund 

92 119—123 128 177 193 
Philipp von Hagen. Pilger 164 
Pius II. 129 
Poloner, Pilger 79 ^ 
„Priester Johannes" 35 



Qansu Guri, Sultan 12 133 — 144 196 

197 199 211 
Quat Bei, Sultan 124—127 148 190 

Radziwill Nikolaus, Pilger 198, 199 
Ricoldus, Dominikaner 8 
Robert, König von Neapel 2 43 57 79 
Rochechouart, Bischof 93 
Rokneddin, Sultan 58 

Sabathytanco, Pilgerführer 175^ 

Saladin 7 27—29 

Sanutus Marinus 14 

Sanzia, Königin von Neapel 2 43 57 

79 93 •'^ 192 
S wulf, Pilger 55 
Sciaban, Sultan 82 
Selim I., Sultan 190—199 
Soliman, Sultan 199—217 
Sophia, Gründerin des Marienhospitals 

auf dem Sion 75 146 181 

Theodorich, Pilger 30 

Tholmar, Pilger 29 

Trevisan Dominikus, venezianischer 

Gesandter 142 143 
Trevisan Jakob, Pilger 97 
Tucher, Pilger 132 
Tuman, Sultan 197 

Urban V. 47 64 88 140 

Urban VI. 83 

Uzbek Jbn Tatach, Atabeg 124—127 

Veniero, Doge 94 

Walther, Bischof von Salisbury 29 
Wilbrand, Pilger 29 
Wilhelm von Boldensele, Pilger 34 ^ 
Wilhelm von Thüringen, Landgraf 171 

Zacharias, Erzbischof 41 
Zen Peter, venezianischer Gesandter 
203 207 



Berichtigungen : 

S. 2 Z. 27: das statt daß. 

S. 88 Z. 5 von unten: Cicilia statt Cilicia. 



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