(navigation image)
Home American Libraries | Canadian Libraries | Universal Library | Community Texts | Project Gutenberg | Children's Library | Biodiversity Heritage Library | Additional Collections
Search: Advanced Search
Anonymous User (login or join us)
Upload
See other formats

Full text of "Die Geigen und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart"




«I 



^5*5^-e<-<^ t^-^<^ecc- ^^^^'au^/e.^^ 





le 

una 
autenmache 

vom cAiittelalter bis x^ur Geaanwarir 

^Auch den heften Quellen hearheitel: von 

Willi bald £e0^hv£ütqendürff 






<S}rittc cryveitertc oAußaqe^ 



n. B A N D 



yTranhfurt am jU^ain 1 Q 5 iZ 
jFr a 71 fc f u rt er V e rl a q s -^ nft eil t (fA-S- 



DRUCK DER SPAMERSCHEN BUCHDRUCKEREI IN LEIPZIG 
COPYRIGHT 1921 BY FRANKFURTER VERLAGS-ANSTALT A.-G. IN FRANKFURT A.M. 



I 



fri L 



33 



\, <=^-. 



ALPHABETISCHES VERZEICHNIS 
DER GEIGEN- UND LAUTENMACHER 




536289 



Aabenmund, Jens Iversen. — Tversted(?). 1762 

Seinem Zettel nach ein Drechsler, der einige sonderbar 
aussehende Geigen gebaut hat. Der Name des Wohn- 
orts ist nicht sicher lesbar gewesen. 
Geigenzettel : Forfoerdiget af Jens Iv. Aaben- / mund, 
Dreier i Tverstedt / Ao 1762 (geschrieben). 

Aachner s. Achner 

Aagaard, Larsen. — Kopenhagen 

Geb. 9. Juli 1847 in einem dänischen Dorfe, kam er 
1862 in die Maschinenbaulehre und wurde in der 
Modellwerkstatt verwendet. Sein Meister Heinrich 
Hertz war gelernter Musikinstrumentenmacher, unter 
dessen Leitung Aagaard 1 866 zum Geigenbau überging. 
Im Jahre 1876 siedelte er nach Amerika über, arbeitete 
in vielen bedeutenden Geigengeschäften, so bei Lyon 
und Healy, dann bei F. Cristofori in Chicago, und 
kehrte 1883 nach Kopenhagen zurück, wo er seine 
eigene Werkstatt eröffnete und Anerkennung fand. 

Abbate, Alessandro. — Neapel. 1890. 1899 
Ein Mandolinenmacher, der jetzt mit seinem Sohne 
gemeinsam arbeitet. 

Abbate, Alfonso. — Neapel. 1845 

Ein Lautenmacher, der gute Instrumente nach den her- 
gebrachten Modellen verfertigt hat. Seine Mandolinen 
hatten seinerzeit guten Ruf. 

Abbate, Luigi. — Neapel. 1860 

Wahrscheinlich Sohn, Schüler und Nachfolger von 
Alfonso Abbate, dem er in seiner Arbeit nahesteht. 

Abbatl, Giambattista. — Modena. 1775. 1795 
Seine Arbeit erinnert an Cassini, aus dessen Schule er 
hervorgegangen sein mag. Wenn er auch nur zu den 
mittelmäßigen Nachahmern der Amati und Stradivarl 
gehört, so hat er doch einzelne gute Geigen, namentlich 
Bässe, gebaut, die stark im Holz sind und braunen Lack 
zeigen. Eine gutklingende Viola von ihm befindet sich 
in der Sammlung Valdrighi. 

AbelUe. — Avignon. 1870. 1876 

Ein Musikinstrumentenhändler, der eine Reparatur- 
werkstatt für Blech-, Holz- und Streichinstrumente be- 
saß. 1876 ward Gaetano Autiero sein Nachfolger. 

Abel, Pater Rudolph. — Konstanz a. B. 1796 

Ein Augustinermönch, der Violinen repariert hat. Das 
Konstanzer Augustinerkloster ist am Ende des 1 8. Jahr- 
hunderts in den Besitz der Stadt übergegangen, die die 
Bestreitung des Unterhalts für die damaligen wenigen 
Ordensangehörigen bis zu deren Lebensende übernahm. 



Pater Rudolph, über den die dürftigen, noch erhaltenen 
Klosterakten keine Auskunft geben, hat also wohl 
seinen stillen Lebensabend damit beschlossen, seiner 
Geigenliebhaberei zu leben. Grillet teilt nur den unvoll- 
ständigen Zettel mit, auf dem der Wohnort fehlt, und 
rechnet Abel ohne ersichtlichen Grund zur italienischen 
Schule. 

Geigenzettel : Raccommode par le Pere Rodolphe/ Abel 
de l'ordre de St. Augustin / ä Constance sur le lac. 1 796 
(gedruckt). 

Äberg. — Malmö. 1850 

Er soll niclit ungeschickt gewesen sein, ist hauptsächlich 
aber als Reparateur bekannt. 

Absam, Thomas. — Wakefield (Yorkshire). 

1810. 1849 

Er soll einer Tiroler Familie entstammen und stand in 
Diensten des Händlers Pickard in Leeds, versah aber 
auch einige bessere Geigen mit seinem eigenen Zettel. 
In seiner Arbeit erinnert er an Forster, kommt ihm 
aber nicht gleich. 

Geigenzettel : Made by / Thomas Absam / Wakefield, 
Feb. 14/ 1833 (gedruckt). 

Acevo (richtig acero, d. h. »Ahorn«, vgl. auch 
Sapino, d. h. Tannenholz) 

Auf dem Boden einer Viola aus Saluzzo las man das — 
wie de Piccolellis nachweist — die Holzart bezeichnende 
Wort acero. Fetis las »Acevo« und hielt dieses Wort 
für den Namen eines Geigenmachers. So kam dieser 
»Acevo« in die Literatur, und noch VidaP) und Grillet 
führen ihn an, lassen ihn sogar einen Schüler Cappas 
sein und setzen, je nach Belieben, sein Zeitalter zwischen 
1620 und 1690 und seine Heimat in Cremona oder 
Saluzzo ein. 

Achille e Vinaccla. — Neapel. 1880. 1900 

Mandolinenmacher, die gute und oft hübsch ausge- 
stattete Instrumente bauen. 

Achner, Joseph. — Mittenwald. 1760 

Er schrieb seinen Namen, der von der Achen, einem 
Nebenfluß der Isar, abgeleitet scheint, zeitweilig auch 
Aachner, und ist ein weniger hervorragender Geigen- 
bauer als viele seiner Mittenwalder Zeitgenossen. Er 
gehört jedoch zu denen, die den Übergang vom Stainer- 
modell zu den Cremoneser Modellen anbahnen halfen. 



^) Vidal beruft sich freilich nur auf Fetis und erklärt 
ausdrücklich, kein anderes, ernst zu nehmendes Zeugnis 
von der Existenz dieses »Acevo« zu kennen. 



8 



Ach 



ner 



Ad, 



ams 



Achner, Michael. — Wallgau. 1764 

Zur MIttenwalder Schule gehörig, vielleicht ein Bruder 
von Joseph und Philipp Achner. Wallgau liegt nur 
wenige Stunden von Mittenwald entfernt. Er hatte ein 
langes, hochgevk'ölbtes Modell mit schmalem (2' o mm) 
Rand und sehr dünner Ader. Die Mittelbügel nahm er 
sehr lang, die Schnecke ist recht gewöhnlich, der Lack 
braungelb. Für die Decke scheint er hartjähnges Holz, 
für den Boden kleingeflammten Gebirgsahorn bevor- 
zugt zu haben. 

Geigenzettel: Abb. 1. 

Achner, Philipp. — Mittenwald. 1772. 1798 

Er gehört zu den besten Vertretern der Klotz-Schule, 
verwendet gutes Holz und braunen Lack. Der Ton 
seiner Geigen ist oft von besonderer Schönheit, wenn 
auch zumeist nicht sehr groß. Eine Violine von ihm be- 
findet sich im Musikhist. Museum von W. Heyer in 
Köln. 

Geigenzettel : Philipp Achner in Mitten- / wald an der 
Iser 1 798 (geschrieben). 

Achner, Thomas. — Mittenwald. 1789 

Ahnlich wie Philipp und Joseph A. Eine Geige von ihm 
besitzt Valdrighi, der ihn auch in seiner Nomochehurgo- 
grafia unter Nr. 3991 aufführt. 

Accoulon, Alfred. — Paris 

Teilhaber der bekannten Firma J. Thibouville-Lamy, 
Ritter der Ehrenlegion und des belgischen Leopold- 
ordens. Wenn auch hauptsächlich Fabrikant, so hat er 
doch den Geigenbau regelrecht erlernt und war als 
Geigenmacher auch auf der Pariser .Ausstellung im 
Jahre 1900 vertreten. 

Ackermann, Anton. — Basel? 1838 

In einer in Basel befindlichen kleinen Geige liest man : 
>> Anton Ackermann, 30. Hornung 1838 in Ordnung ge- 
richtet«. 

Acton, A. W. — Woolwich. 1846. 1870 

Englischer Geigenmacher, dessen Zettel sich in einigen 
guten Violinen findet. 

Acton, William J. — Woolwich, London (Gipsey 
Lane). Geb. 12. Dez. 1848 in Woolwich 

Sohn und Schüler von A. W. A. Er begann seine Lauf- 
bahn mit einer Kopie nach Stainer und hat seither über 
140 Violinen, 12 Violen, 30 Violoncelli und 10 Kontra- 
bässe gebaut. Er verarbeitet vorzügliches Tonholz und 
bereitet sich seinen Bernsteinöllack selbst. Im Jahre 
1898 verlegte er seine Werkstatt nach London. Sein 
Modell ist dem des Stradivari ähnlich, der Ton seiner 
Geigen ist edel und voll. Er gilt auch als geschickter 
Bogenmacher und ist äußerst sorgfältig als Wiederher- 
steller. Er beschäftigt keine Gehilfen und macht daher 
alles selbst, auch ist er ein tüchtiger Geiger. Meredith 
Morris veröffentlichte in »TheStrad« Jan. 1900 seine 
Biographie mit Bildnis usw. 

Geigenzettel: William J. Acton, / Maker / St Mary 
Street, Woolwich 188 . . (gedruckt). — William John 
.Acton / Maker / Forest Gate London 1 898 (geschrieben). 



Adam, G. Christian. — Halle, Berlin. Geb. um 
1835, t 1886 oder 1888 

Ein gewissenhafter Geigenmacher, der es zwar nicht zu 
besonderer Meisterschaft gebracht hat, aber als Repa- 
rateur nicht ohne Bedeutung war. Er war zuerst in 
Halle a. S. ansässig und siedelte um 1860 nach Berlin 
über. Seine Geigen sind sauber gearbeitet, meist aber 
zu schwer im Holz, sein Lack ist undurchsichtig und 
hart. Er war ein guter Lehrer; sein bester Schüler ist 
Oswald Möckel. In seinen letzten Jahren mußte er mit 
Schwierigkeiten kämpfen, weshalb er nur mehr schlech- 
tes Holz verarbeitete, das ihm seine Berliner Fach- 
genossen für billiges Geld überließen. . 

Geigenzettel : Zu Ton verhelfen / G. Chr. Adam G|Ch 
Berlin 1 883 (gedruckt). — Reparirt von C. Adam / A 
Halle a.S. 1858 (gedruckt). 

Adam, ... — Caen, f vor 1783 

Ein wahrscheinlich aus Mirecourt stammender Luthier» 
dessen Geigen ohne Eigenart sind. 

Adam, Jean. — Mirecourt. 1790. 1820 

Er soll ursprünglich Geigenbauer und als solcher vor- 
übergehend in Valence gewesen sein, ist aber nur als 
Bogenmacher bekannt geworden, ohne es auch dann 
zu besonderer Geschicklichkeit gebracht zu haben. 
Seine Bögen sind in der Regel nur gewöhnliche Handels- 
ware. 

Adam, Jean-Dominique. — Mirecourt. Geb. 
30. Dez. 1795 in Mirecourt, f das. 1864 

Schüler und Nachfolger seines Vaters Jean A. und wie 
dieser nur Bogenfabrikant. Nur die besseren Bögen ver- 
sah er mit dem Brandstempel : Adam. Er war nicht un- 
geschickt und konnte auf Bestellung recht gut arbeiten. 
Namentlich seine Bögen mit achteckiger Stange sind 
gut gelungen. 

Adam (eigentlich Grandadam). — Mirecourt. 
Geb. in Mirecourt 26. Febr. 1823, f das. 
19. Jan. 1869 

Schüler seines Vaters Jean-Dominique, den er aber, 
vornehmlich als Bogenmacher, weit überflügelte. 
Brandmarke: Adam. 

Adam, Johann. — (Mark-)Neukirchen. 1677 

Er wird unter den Geigenmachern genannt, die 1677 
von Graslitz nach Neukirchen übersiedelten und hier 
die Geigenmacherzunft begründeten. Arbeiten von ihm 
nachzuweisen, ist bis jetzt nicht gelungen. Ich bin sogar 
geneigt, anzunehmen, daß es sich hier nur um die Vor- 
namen eines Schönfelder( ?) handelt, und daß in der 
Zunftliste der Familienname nur versehentlich weg- 
gelassen ist. 

Adams, Cathune. — Garmouth (Schottland). 
1775. 1805 

Er hat viele Kits, Violinen und VitDloncelli gebaut und 
diese oft reich mit Perlmutter und Elfenbein eingelegt. 
Sein Modell erinnert in mancher Hinsicht an N. Amati, 



Adams — Airth 



er verwandte einen dünnen, gelben Spirituslack. Es soll 
in Garmouth noch ein zweiter gleichnamiger Geigen- 
macher gelebt haben. 
Geigenzettel: Adams, Ma. / Garmouth , 1782 (geschr.). 

Adams, Oliver. — Boston. 1897 

In einer guten Geige frei nach Stradivari fand sich sein 

Zettel. 

Geigenzettel: Abb. 23. 

Adamsen, P. P. — Kopenhagen 

Begründete 1866 in Fyrkilde bei Hobro (Jütland) seine 
Fabrik von Streichinstrumenten. Seine Arbeiten werden 
gelobt ; in Musikerkreisen sind seine Bässe am meisten 
geschätzt. 

Adanl, Pancrazio. — Modena. 1775. 1827 

Hauptsächlich als Gitarren- und Mandolinenbauer be- 
kannt. Er scheint einen Sohn gehabt zu haben, der noch 
um 1868 arbeitete. 

Addison. William. — London. 1665. 1670 

Ein englischer Violenbauer, der von Sandys und 
Forster, die seinen m emer Viola gefundenen Zettel 
mitteilen, erwähnt wird. Eine Liraviole von ihm be- 
findet sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). 
Geigenzettel: William Addison in Long .Alley , over 
against Moorfields 1670 (gedruckt). 

Adler, Carl August. — Markneukirchen. Geb. 
7. Nov. 1828, t 4. Juni 1869 

Sohn und Schüler von Joh. Gg. A., arbeitete wie sem 
Vater meist für Händler. 

Adler, Eduard. — Grünberg in Schlesien 

Geb. 1865 in Bodzanowitz, war ursprünglich Cellist 
und als solcher Mitglied verschiedener Theater- und 
Konzertorchester. Er besuchte die Werkstätten von 
Edler in Frankfurt, von Riechers und Möckel in Berlin 
und Hammig in Leipzig, bildete sich allmählich auto- 
didaktisch zum Geigenmacher aus und gründete im 
Jahre 1888 sein Geschäft, in dem er seit Jahren tüchtige 
Gehilfen beschäftigt. Seine Spezialität ist die Repa- 
ratur; beim Neubau arbeitet er nach Stradivari und ver- 
wendet Ottoschen Ollack sowie Spirituslack. Er ist Verf. 
eines bei Merseburger in Leipzig 1895 erschienenen 
Büchleins über die Behandlung und Erhaltung der 
Streichinstrumente. 

Geigenzettel : Gefertigt von ; Eduard .Adler / Grünberg 
in Schles. 18 . . (geschrieben). 

.^dler, Johann Georg. — Markneukirchen. 
Geb. 1800 in Wernitzgrün. f 15. Dez. 1866 
in Markneukirchen (66 Jahre 10 Monate 
1 8 Tage alt) 

Da er hauptsächlich billige Geigen für Händler gebaut 
hat, dürften nur wenige Werke seiner Hand mit seinem 
Zettel vorkommen. Er verwendete jedoch in seinen 
besseren Arbeiten einen Brandstempel mit seinem Na- 
men J.G.Adler. Eine so gezeichnete Viola von ihnj 
besaß Arnold Voigt. 



Aelbrechts, Jakob. — Antwerpen 1558, f vor 
1584 

Lauten mit seinem Namen kommen noch heute vor; 
eine solche besaß vor einigen Jahren ein belgischer 
Musiker. 

Aelbrechts, Lukas. — Antwerpen. 1588 

Sohn von Jakob Ae. Im Jahre 1 588 wurde er als Meister 
aufgenommen. Wenn er auch hauptsächlich Clavecin- 
macher war, so dürfte er doch, wie sein Vater und die 
meisten seiner Zunftgenossen, auch Lauten gebaut 
haben. 

Aerninck, Heindrick. — Leyden. 1681. 1736 

Die Arbeiten mit diesem Namen sind so verschieden, 
daß man an zwei gleichnamige Meister denken muß. 
Die älteren gleichen denen von Willems in Gent, die 
jüngeren denen von Cuypers. 

Aglio s. Dall'Aglio 

Agostini, Sante. — Palermo?. 1822 

Sein Name wurde auf einem Reparaturzettel (In einer 
Geige von .Achner) gefunden. S. D'Agostino. 

Aicher, Hans. — Füßen. 1690 

Er war Lautenmacher und wohnte in der Vorstadt. 
Arbeiten von ihm sind mir bisher nicht zu Gesicht ge- 
kommen. 

Aicher, Mathias. — Füßen. 1666 

Vielleicht ein Enkel des im Jahre 1535 aus München 
in Füßen eingewanderten Peter Aicher. In den Akten 
des Hochstifts Augsburg (im Kreisarchiv in Neuburg) 
heißt es von ihm: »Derzeit Schulmeister, sonsten ein 
Lauten macher.« — Er wohnte im zweiten Stadt- 
viertel. 

L'Air s. Claudot 

Airaghi, Cesare. — Mailand. 1883 

Als selbständiger Geigenmacher ist er wenig hervor- 
getreten; einige bessere Instrumente, die er gebaut hat, 
ließen jedoch erkennen, daß er sorgfältig zu arbeiten 
verstand. 

Aireton, Edmund. — London. Geb. um 1727, 
t 1807 

Angeblich der Sohn eines gleichnamigen, schon 1735 
vorkommenden Geigenmachers und ein Verwandter 
des Kirchenkomponisten Edmund Ayreton (1734 bis 
1808), der unter Händel Hilfsorganist der Westminster- 
abtei war. Edm. A. gilt als ein Schüler Peter Wamsleys 
und ahmte Stainer und Amati nach. Die Arbeit ist gut, 
sein gelbbrauner Lack dagegen stumpf und der Ton 
unbedeutend. Da er viel für Norris & Barnes arbeitete, 
kommen verhältnismäßig selten Geigen mit seinem 
Zettel vor; eine solche aus dem Jahre 1755 war 1872 in 
South Kensington ausgestellt. 

Airth,William.- Edinburgh. Geb.um 1 840. 1 889 

Schüler und Schwiegersohn von James I. Hardie. Er 
arbeitete von 1860 bis 1881 in Edinburgh und wanderte 
dann nach .Australien aus. 



10 



Aisele — Alban 



Aisele (Aisile) s. Eisele 
Alba. — Lyon. 1822 

Geschäftsteilhaber von Micollier (s. d.); ais Geigen- 
macher ist er jedoch ohne Ruf. 

Alban, Franz. — Graz. 1 724 

Ob er in irgendeiner Beziehung zu der Bozener Famihe 
Alban oder zu den italienischen Albanis steht, ist nicht 
festzustellen gewesen. Arbeiten von ihm sind sehr 
selten. Ich habe eine einzige Violine mit seinem Namen 
und der Jahreszahl 1 724 kennengelernt, die sich in der 
Fürstl. Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß Raudnitz 
befindet. 

Geigenzettel: Franciscus Albanus fecit / Grecia in 
Styna anno 1724 (gedruckt). 

Alban, Johann Michael. — Graz. Geb. um 
1677 In Bozen, f 27. März 1730 in Graz 

Sohn erster Ehe und jedenfalls auch Schüler von 
Mathias A. Er scheint bei Wolfgang Sagmayr gearbeitet 
zu haben, dessen Tochter Eva Rosina er am 14. Februar 
1702 heiratete, wodurch er das Geschäft seines damals 
bereits verstorbenen Schwiegervaters erwarb. Was sich 
an tatsächlichen Angaben über sein Leben ermitteln 
ließ, hat Dr. Fr. Waldner in der Innsbrucker Ferdi- 
nandeums-Zeitschrift (III. Folge, 55. Heft) veröffent- 
licht. Joh. Mich. A. war nach Sagmayrs Tod zweifellos 
der beste in Steiermark tätige Geigenmacher. Es haben 
sich noch viele Arbeiten von ihm erhalten. Häufiger als 
Violinen kommen jedoch Violoncelli von ihm vor, die 
übrigens nur in den F-Löchern an Arbeiten seines 
Vaters erinnern. Die Einlagen sind bei ihm weiter vom 
Rande entfernt, wodurch dieser breiter erscheint, die 
Ecken sind stumpfer, und auch die Schnecke ist mas- 
siger, sehr hübsch sind dagegen immer die statt der 
Schnecke oft vorkommenden Engels- oder Frauen- 
köpfchen. Die Wölbung ist ziemlich hoch. Der Lack ist 
rotbraun, von guter, fetter Beschaffenheit und fein- 
rissig, wodurch seine Arbeiten fast ein italienisches 
Aussehen erhalten. Auch das Holz ist gewöhnlich gut, 
nur sind die Böden auffällig dünn, so daß sie jetzt fast 
regelmäßig gefüttert werden müssen. Bei seinen Geigen 
soll er einen gelblichen Lack vorgezogen haben. Auf 
seinen in Kupferstich ausgeführten Zetteln, die in der 
Mitte das Grazer Wappentier zeigen, ist die Zahl 17 
vorgedruckt, die mit Tinte hinzugefügte Jahreszahl fast 
regelmäßig so verblichen, daß sich genaue Jahreszahlen 
nur selten feststellen lassen. — Von seinen Söhnen 
scheint keiner Geigenmacher geworden zu sein. Drei 
Violinen von ihm besitzt Abt Sales Bauer in Rein 
(Steiermark), eine prächtig erhaltene große Viola Prof. 
Ant. Mayer in Admont. 

Geigenzettel : Abb. 2. 
Alban, Joseph. — Bozen. Geb. 28. März 1680 
in Bozen, f das. 10. Jan. 1722 

Jüngster Sohn von Matthias A. und dessen erster Frau 
Elise Luggin und wahrscheinlich Schüler seines Vaters. 
Nach Dr. Fr. Waldners Feststellungen war er um 1 709 
in der Fremde, heiratete im Jahre 1712 Anna Maria 
Magdalena Rorer und starb kinderlos. Man kennt nur 
wenig von ihm, auch werden seine meisten Arbeiten 



jetzt wohl unter dem Namen seines Vaters gehen. In 
seinen jüngeren Jahren wird er als Gehilfe seines Vaters 
nur selten seinen Zettel in Geigen geklebt haben, sicher 
aber in seme Gesellen- urd Meisterstücke, daher ist 
es nicht auffällig, wenn Geigen mit der Jahreszahl 1703 
schon seinen Namen tragen. 

Geigenzettel : Abb. 9. 

Alban, Joseph Anton. — Bozen. Geb. in 
Kaltem vor 1730(?), f 6. Juli 1771 in Bozen 

Er war ein Sohn des jüngsten Stiefbruders von Math.A. 
Wessen Schüler er war, läßt sich nicht feststellen. Es 
scheint aber, daß er den von der Familie wahrscheinlich 
aufbewahrten Nachlaß von Joseph A. übernommen und 
sich dann als dessen Geschäftsnachfolger betrachtet hat. 
Dadurch erklärt es sich bis zu einem gewissen Grad, 
daß er die Zettel mit dem auf ihn eigentlich nicht zu- 
treffenden Wortlaute »Josephus filius Math. Albani 
usw.« beibehalten hat. Mit seiner Arbeit hat er seinem 
Namen Ehre gemacht. Nach Dr. Fr. Waldners Fest- 
stellungen heiratete er am 13. Februar 1759 Maria Bar- 
bara Ortner. Geigen von ihm befinden sich auf dem 
Musikchor der Bozener Pfarrkirche. 

Alban, Matthias. — Bozen. Geb. zu St. Niko- 
laus m Kaltem am 28. März 1 621 , f m Bozen 
7. Febr. 1712 

Obwohl er neben J. Stamer der berühmteste Tiroler 
Geigen- und Lautenmacher war, sind seine äußeren 
Lebensumstände so schnell vergessen worden, daß 
selbst sein Name unrichtig in der italienisch klingenden 
Form Albani auf die Nachwelt gekommen ist. Selbst 
Beda Weber berichtete von ihm nur, daß er eine Geige 
von ihm aus dem Jahre 1645 kennen gelernt habe. Meine 
fortgesetzten Versuche, aus Kirchenbüchern und Magi- 
stratsakten einige Angaben über ihn zu erhalten, 
blieben jahrelang erfolglos. Wohl nahm ich auf Grund 
der mir bekannten Arbeiten an, daß er im Jahre 1621 
geboren sei, wohl trat ich dafür ein, daß er, da es noch, 
wie mir glaubwürdig versichert wird, Geigen von ihm 
mit der Jahreszahl 1712 gibt, bis über das neunzigste 
Lebensjahr arbeitsfähig geblieben sei ; ein urkundlicher 
Beweis für diese Annahmen fehlte aber. Da gelang es 
endlich Dr. Franz Waldner in Innsbruck, dem sorg- 
fältigen Erforscher der Geschichte der Tiroler Geigen- 
und Lautenmacher, Licht in das Dunkel zu bringen. 
Nach seinen Feststellungen, die er im 55. Heft (II I.Folge) 
der Ferdinandeums-Zeitschrift veröffentlicht, ist Mat- 
thias Alban als ältester Sohn des Bauern Johann A. und 
dessen erster Ehefrau Agnes Selva in Kaltem (Uber- 
etsch) geboren und hat am 24. Mai 1671, also erst im 
Alter von 50 Jahren, zum erstenmal geheiratet. Seine 
Frau war Elisabeth, eine Tochter des Schlossermeisters 
J. Luggin (Lugg oder Luchini), f 1680. Am 4. Nov. 
1682 ging er eine zweite Ehe ein mit Rosina Perlat, 
Maurermeisterstochter aus Brixen. Als er hochbetagt 
starb, hinterließ er ein ansehnliches Vermögen, und 
Dr. F. Waldner macht mit Recht darauf aufmerksam, 
wie glatt sein Leben verlief im Vergleich zu dem Jakob 
Stainers. — Wo M. Alban geleVnt hat, läßt sich noch 
nicht feststellen. Ich bin geneigt, ihn für einen Mit- 
schüler seines Altersgenossen Jak. Stainer zu halten; 



Albanesi — Albert 



11 



Deide haben viel Gemeinschaftliches m ihrer Arbeit, 
wenn auch Stainer der wesentlich genialere Meister 
war. In seinen jüngeren Jahren war M. Alban sicher 
von seinem Landsmann beeinflußt. Seine Geigen sehen 
in seiner ersten Zeit gut tirolisch aus, und es ist auf- 
fällig, daß sich etwa von 1680 an eine deutliche Stil- 
wandlung bemerkbar macht: eine Anlehnung an ita- 
lienische Vorbilder. Hat er damals Gelegenheit gehabt, 
Italien zu besuchen? Daß er schon in seiner Jugend bis 
nach Rom gekommen, ist unwahrscheinlich, obwohl 
behauptet wird, daß von dort datierte Arbeiten von ihm 
vorhanden sein sollen. Mir ist trotz eifrigen Nach- 
forschens eine solche von zweifelloser Echtheit bisher 
aber nicht vorgekommen, nur solche ohne Ortsbezeich- 
nung oder mit der ausdrücklichen Angabe Bozens als 
Ursprungsort. Echte Geigen mit echten Zetteln, die 
über 1 706 hinausgehen, kenne ich zwar nicht, doch soll 
es noch solche von 1712 geben. M. Alban wird in der 
letzten Zeit wahrscheinlich an seinem Sohne Joseph 
einen für ihn arbeitenden Gehilfen gehabt haben. Seine 
Geigen galten im 18. Jahrhundert, neben denen von 
Amati und Stainer, als die besten, die man kannte; da- 
her wurde sein Name auch vielfach mißbraucht und in 
Geigen angebracht, die nicht einmal von ferne an seine 
Arbeit erinnern. Sein bestes Modell nähert sich der 
Amati-Schule, ist aber meist sehr hoch gewölbt, mit 
hohen Zargen. Die Arbeit ist sehr sorgfältig. Das 
Deckenholz besonders schön, der Boden meist schlich- 
tes Ahornholz, der rötlich-braune, wenig elastische 
Lack von italienischem Charakter. Die F-Löcher sind 
zu weit offen; statt der Schnecken liebt er Köpfchen, 
Drachen und Fratzen anzubringen. Bei den Violen 
bleibt er den hergebrachten Formen treu, schneidet 
Schallöcher in Schlangenlinien und bringt unter dem 
Griffbrett noch ein durchbrochenes rundes Schalloch 
an. Wie auch Stradivari, erreichte er erst in seiner 
zweiten Lebenshälfte die Höhe seiner Kunst. Er ist 
minder originell als Stainer, kommt ihm im Tone aber 
sehr nahe. Hoffentlich wird sich die archivalische For- 
schung noch weiterhin mit ihm beschäftigen und we- 
nigstens die Frage lösen, wo er gelernt hat und wann er 
m Italien war. Er gebrauchte verschiedene, fast immer 
gedruckte Zettel, auf denen er sich stets Albanus oder 
Alban, nie aber Albani oder Albanius nannte. Er hat 
auch gute Bogen gemacht, ja es wird sogar behauptet, daß 
sie besser waren als die zu seiner Zeit in Cremona her- 
gestellten. Ausführlicheres über seine Familienverhält- 
nisse findet sich in Dr. Waldners mehrfach genannter 
Arbeit. Eine Liste seiner noch erhaltenen Geigen usw. 
müßte erst zusammengestellt werden. Eine prächtige 
Violine von ihm aus dem Jahre 1673 besitzt Dipl.-Ing. 
Rieh. Renner in Tutzing (flache Wölbung, 160 und 
204 mm breit, Korpus 353 mm lang, Zargen überall 
28 mm hoch). Eine Taschengeige von ihm aus dem 
Jahre 1680 war 1872 in South Kensington ausgestellt. 
Eine Chitarrone von 1696 besitzt Fritz Wildhagen in 
Haiensee, der ein gleiches Instrument von Magnus 
Stegher mit einem Reparaturzettel Albans von 1698 in 
seiner Sammlung hat. 

Geigenzettel: Abb. 3, 10. 25, 26. 

Albanesi, Sebastiane. — Cremona. 1 720. 1 744 

Nach De Piccolellis und Vidal war er ein Schüler von 
Carlo Bergonzi. Er ist nicht originell und bevorzugt ein 



an dieMailänderSchule erinnerndes Modell von flacher 
Wölbung. Lack und Ton sind unbedeutend. 

Albani, Filippo. — 1773 

Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie A., dessen 
Zettel De Wit veröffentlicht. Der Stammsitz der Fa- 
milie war vielleicht Bologna, wo der Name lange hei- 
misch gewesen ist. 
Geigenzettel : Filippo Albani fecit ' Anno 1 773 (gedr.). 

Albani, Leopoldo. — Ancona. 1883 
Wenig bekannter Reparateur. 

Albani, Michele. — Palermo. 18. Jahrhundert 

Ein wenig bekannter Meister, vielleicht ein Sohn von 
Paolo A. Der Vorname hat dazu veranlaßt, ihn mit dem 
in Graz nachweisbaren Michael Alban zu identifizieren. 
Es handelt sich jedoch um zwei verschiedene Meister 
aus zwei in keiner Beziehung zueinander stehenden 
Familien. 



Mantua, Mailand. 1763 



Albani, Nicola. 
1770 

Er könnte mit Paolo A. verwandt gewesen sein. Geigen 
von ihm zeigen gewöhnlich ein großes flaches Patron 
und haben einen sehr schönen rötlichen Lack, aber 
nicht immer gut gewähltes Holz. Ihres starken, oft 
edlen Tons wegen dürfen sie als vorzügliche Orchester- 
instrumente gelten. Ingenieur 0. Rüders in Wien besaß 
eine gute Violine von ihm. Eine dunkel lackierte, aus 
Mailand datierte Violine von ihm befindet sich in 
Regensburg m Privatbesitz. 

Geigenzettel: Nicolaus Albani / fecit Mantua 1763 (ge- 
druckt). — Nicolaus Albani fatte / Milano 1770 (ge- 
schrieben). 

Albani, Paolo. — Palermo, Rom, Cremona. 
Gen. »Signor Albani« 

Seine Zeit wird in die Jahre 1630 — 1666 gesetzt, Vidal 
meint noch 1670 und erwähnt, daß dieser Geigen- 
macher auch einen Sohn, der um 1720 gewirkt habe, 
dessen Vorname aber noch nicht feststeht, gehabt haben 
soll. (Vielleicht Paolo Alvani?; s. d.) Ich sah eine ihm 
zugeschriebene Geige mit der Jahreszahl 1673, Grillet 
setzt ihn von 1650 — 1680, lobt seine Arbeit und sagt, 
daß man ihn für einen Schüler Nicolo Amatis halte. 
Daß ein Gio Paolo Albani 1723 in Bozen gelebt habe, 
wie mehrfach behauptet wurde, ist mehr als unglaub- 
würdig. 

Alber. — Pfronten- Weißbach. 1920 

Em Geigenmacher, der in der Füßener Gegend und m 
Tirol einen guten Kundenkreis hat. 

Albert, Charles Francis. — Philadelphia. Geb. 
in Freiburg i. B. 25. Dez. 1842, f 1. Juli 1901 
in Philadelphia 

Altester Sohn von John A., mit dem er als Kind nach 
Amerika und m seinem zwölften Jahre nach Phila- 
delphia kam. Er war nacheinander bei einem Sattler, in 
einer Sägefabrik, bei einem Messerschmied und einem 
Juwelier in der Lehre, bis er sich entschloß, dem Bei- 



12 



Albert — Albrecht 



spiele seines Vaters folgend, Geigenmacher zu werden. 
Natürliches Talent und Handgeschicklichkeit kamen 
ihm dabei sehr zustatten, und nachdem er sich 1865 
selbständig gemacht hatte, kam er bald zu Ansehen und 
galt schließlich als einer der besten amerikanischen 
Geigenmacher seiner Zeit ; er wurde als solcher auch 
von den besten europäischen Geigern, die nach Ame- 
rika kamen, anerkannt und hat auch zahlreiche Aus- 
stellungsmedaillen erhalten. Er arbeitete hauptsächlich 
nach einem großen Modell und verwendete altes, ameri- 
kanisches Holz. Er kopierte auch Stradivari, Guarneri 
und andere ältere Meister, machte allerlei Erfin- 
dungen (Kinnhalter, Maschinen zum Saitenüber- 
spinnen, Saitenmesser usw.) und hatte viele Medaillen. 
Außer seinem Zettel^) gebrauchte er auch eine Brand- 
marke. (C. F. Albert Philada [in einem Oval].) 

Geigenzettel : Abb. 4. 

Albert, Charles F. jun. — Philadelphia. Geb. 

1869 

Sohn, Schüler und Nachfolger von Charles F. Albert, 
dem er in der Arbeit gleichkommt. Er gebraucht den 
Zettel, den sein Vater seit 1881 verwendete. 

.Mbert, John. — New York, Philadelphia. 
1848. 1887 

Ursprünglich Advokat in Baden. 1848 flüchtete er sich 
nach Amerika, wo er Geigenmacher wurde. Seine Ar- 
beit ist gut. 

Albert, Eugen J. — Philadelphia. 1885-1902 

Jüngerer Sohn von John A. Auf der Ausstellung in 
New Orleans 1885 erhielt er den ersten Preis; in Chi- 
cago war er mit einer guten Baßgeige vertreten. 

Albert, Leon. — ? 

Geschätzter französischer Geigenbauer des 19. Jahr- 
hunderts, der ein amatisiertes Stradivari-Modell nach- 
ahmt. 

Alberti, Ferdinande. — Mailand. 1737. 1760 

Er wohnte erst in der Contrada Larga und dann in der 
Contrada del Pesce und hatte die Krone (»Segno della 
Corona«) zum Ladenschild, die vorher Giovanni II. 
Grancino geführt hat, dessen Geschäftsnachfolger er 
also vermutlich war. Seine Arbeit erinnert an die der 
Grancini, er ist aber nur ein Meister dritten Ranges. 
Geigen von ihm kommen selten vor, sind mittelmäßig 
in der Arbeit, manchmal gut im Holz und haben gelben 
Lack. Er verwendete verschiedene, nur wenig vonein- 
ander abweichende Zettel. Eine Violine von ihm (von 
1741) besaß J. Müller in Schönbach. 

Geigenzettel : Ferdinando Alberti fece in Milano / nella 
Contrada del Pesce al Segno ' della Corona. A^^- 1745 
(gedruckt). 

Alberti, Guglielmo. — Arezzo 1877 
Italienischer Geigenmacher ohne Eigenart. 



Albertini, Carlo. — Mailand. 19. Jahrhundert 

(Vater und Sohn.) Eine Gitarren- und Mandolinen- 
fabrik, in der ausschließlich sog. lombardische Man- 
dolinen gemacht werden. Sie nimmt den Ruhm für sich 
in Anspruch, die älteste in Italien zu sein, die lom- 
bardische Mandolinen herstellt. 



R 



om. 



^) Bis 1871 nur geschriebene Zettel: Made by C. F. 
Albert. 



Albertis, Peter de (»Pietro Alberto«). 

1578, lebte 1598 noch 

Ein geborener Flamländer, der sich zu Rom »in Pa- 
rione" als Lautenmacher niederließ und dort sehr ge- 
schätzt wurde. G. Masetti, der Agent des Hauses Este in 
Rom, rühmt ihn in einem Briefe ganz besonders. Von 
seinem Leben ist wenig bekannt, nur so viel, daß er 
1 582 von dem deutschen Lautenmacher Peter Pfanshel 
zum Testamentsvollstrecker ernannt wurde und von 
ihm dafür eine Ebenholz-Laute vermacht erhielt. Er 
war auch der Schwiegervater von Matteo Buckenberg. 
Eine seiner Archilauten italienischen Stiles aus dem 
Jahre 1598 besitzt W. Heyers Musikhistorisches Mu- 
seum in Köln, eine Mandore Antoine Gautier in Nizza. 
Der Zettel in letzterem Instrument ist nicht vollständig, 
die Ortsangabe zeigt nur noch den ersten Buchstaben; 
Vidal las statt R . . . ein B und machte kurz ent- 
schlossen »Bologna« daraus. 

Geigenzettel: Petrus Albertus 1598 (gedruckt). — 
Petrus Albertus / faciebat R(omae) (gedruckt). 

Alberto, Andrea di. — Rom. 1608 

Ein vlämischer Lautenmacher, der in der Via dei Liu- 
tari wohnte ; er war vermutlich ein Sohn des 1 598 noch 
erwähnten Peter de Albertis. Vielleicht war Giorgio 
Alberto, der Verfertiger einer Taschengeige, die sich 
in Heyers Musikhistorischem Museum in Köln be- 
findet, sein Sohn. Eine Ortsangabe fehlt zwar ebenso 
wie eine Jahreszahl, die Arbeit gehört jedoch wohl noch 
dem 17. Jahrhundert an. 

Albinus. — ?. 14. Jahrhundert 

Einer der ältesten Lautenmacher, dessen Heimat man 
iedoch nicht kennt, wenn auch anzunehmen ist, daß er 
in Italien ansässig war. Die ihm zugeschriebenen Violen 
haben zumeist einen gitarrenförmigen Körper. (Vgl. 
Valdrighi.) 

Albrecht, Johannes. — Krems. Geb. 1766 in 
Oberneustift, f 7. Dez. 1828 in Krems 

Er war der Nachfolger von Magnus Anton Fichtl, des- 
sen Witwe Marianne er am 16. Juni 1793 heiratete. 
Nach deren Tode ging er 1806 eine zweite und 1813 
eine dritte Ehe ein. Seine Arbeit ist im ganzen etwas 
handwerksmäßig, aber doch noch gut zu nennen. 
Geigenzettel: Johannes Albrecht me fecit Cremsii 
1826 (gedruckt). — Johannes Albrecht , fecit Krems 
1808 (gedruckt). 

Albrecht, Melgior. —Hamburg. 1797 

Da sich bisher keine Arbeiten von ihm nachweisen 
ließen, steht nicht fest, ob er Klaviere oder Lauten und 
Geigen gebaut hat. Man weiß von ihm nur, daß er am 
5. Mai 1797 als »Instrumentenmacher« Bürger von 
Hamburg wurde. 



Aldred — AUetsee 



13 



Aldred. — London. 1600 Allessandroni, Paolo. — Rom. 1850. 1860 

Einer der guten englischen Geigenbauer des 1 7. Jahr- Ein unbedeutender Musikinstrumentenmacher, dessen 

hunderts, der schon um 1560 gearbeitet haben soll. wenige Violinen, die er selbständig gemacht hat, weder 

Mace erwähnt ihn in »Musicks Monument ■■ (erschienen Eigenart noch Künstlerschaft verraten. 

1676) bei Besprechung der Violen: "Of such there are ... .,, 

__ l' ;„ .u. ,.,„.u ;K,n tkn.. nf Aldred « usw. Aletzie s. Alletsee 



..j better in the world than those of Aldred . . . . .« usw. 
Um so mehr ist es zu beklagen, daß bisher keine Ar- 
beiten von ihm zum Vorschein kamen. Vgl. Hosborn. 

Aldric, Fran^ols Antoine. — Mirecourt. Geb. 
20. März 1727, f nach 1775 

Sohn des Jean A. Arbeiten von ihm sind mir noch nicht 
vorgekommen. 

Aldric, Jean. — Mirecourt. 1726. 1730 

Ein geschickter Geigenmacher, von dem man an- 
nehmen kann, daß er auf seiner Wanderschaft nach 
Italien gekommen war. 

Aldric, Jean Fran^ois. — Paris. Geb. 28. April 
1765 in Mirecourt, f 1843 

Sohn des Jean Fran?ois A. und der Charlotte Mougenot. 
Er ließ sich um 1788 in Paris nieder. Ein geschickter 
Vertreter der französischen Schule, der nach dem 
Strad. -Modell arbeitete und manchmal selbst N. Lupot 
nahekam. Er verwendete meist roten, nur manchmal zu 
dicken Lack und war besonders dafür bekannt, daß er 
alte Violen in moderne Geigen trefflich umzubauen 
verstand, die er dann wohl auch als Originale alter 
Meister verkauft haben wird. Als Händler hatte er be- 
sondere Bedeutung, und er war auch der erste Pariser Alletsee (Alletsche, Aletzie, Alleci), Paul 
Geigenbauer, der mit dem Sammelgenie Tarisio in Ver- 

der Rue des Arcis 



Allard. Claude. —Paris? 1671 

In der Sammlung des Barons Lery befindet sich eine 
sehr schöne Laute mit diesem Namen, doch ohne An- 
gabe des Wohnorts. 

Allard, Fran?ois. — Paris. 1776. 1789 

Unbedeutender Geigenmacher, von dem nur wenig 
vorkommt. Er wohnte zuerst Place Maubert und von 
1788—89 in der Rue du Petit-Pont No. 9. Er ist wahr- 
scheinlich der Sohn der Witwe Allard, die von 1775 bis 
1783 im Adreßbuche aufgeführt wird. 

AUegretti, Massimiliano, genannt Monfer- 
rino. — Soliera (Modena). 1873. 1883 

Besserer Geigenmacher, der bei dem modenesischen 
Ebenisten Alessandro Lusvardi gearbeitet hat und 
dieser Tätigkeit eine große Handgeschicklichkeit ver- 
dankt, die ihm namentlich bei Wiederherstellungen 
sehr zustatten kam. 

Allen, Noah 

Wenig bekannter amerikanischer Geigenbauer aus dem 
Anfang des 19. Jahrhunderts. 



bindung trat. Er wohnte zuerst in der Kue des 
Nr. 16, dann Rue de Bussy Nr. 30 und seit dem Anfang 
des 19. Jahrhunderts Rue de Seine Faubourg St. Ger- 
main No. 71 ('^pres Celle de Bussy). Sein Geschäfts- 
nachfolger war um 1840 sein Neffe Aubry. Er ver- 
wendete sowohl geschriebene als gedruckte Zettel. Für 
seine Geigen erhielt er in der Regel 150 — 200 Francs. 
Eine Violine von ihm befindet sich im Museum des 
Pariser Konservatoriums (Nr. 27). 

Gelgenzettel. .'\bb. 5, 6, 7. 
Aldovrandi, Emilio. — Bologna. 1850. 1882 

Ein Geigenmacher dritten Ranges, der sich hauptsäch- 
lich mit der Wiederherstellung alter Streichinstru- 
mente beschäftigte. 

Alessandro, genannt il Veneziano. Um 1 540 
Eine Laute von ihm war 1880 in Turin ausgestellt. 
Vidal u. a. erwähnen ihn mehrfach, doch war Genaueres 
nicht festzustellen, da aus seinem Beinamen wohl seine 
Heimat hervorgeht, nicht aber, wo er gelebt hat, wäh- 
rend sein wirklicher Familienname überhaupt nicht be- 
kannt ist. 

Alfrede?). -Örebro. 1831 

In einer Geige wurde der beistehende geschriebene 
Zettel gefunden. Der Name ist so verschnörkelt ge- 
schrieben, daß man statt Alfred auch A. Gred lesen 
könnte. 

Geigenzettel : Forfärdigad af / Alfred in Orebro 1 83 1 
(geschrieben). 



München. 1698, f 1738 (?) 
Zweifellos einer der besten Lauten- und Geigenmacher 
Bayerns. Er dürfte aus der Gegend von Füßen oder Vils 
stammen. In Pfronten im bayrischen Allgäu ist noch 
heute eine Familie Alletsee ansässig. Auf einer nach 
hinten zu abfallenden Terrasse des Gebirgskammes, 
der sich vom Lech bei Füßen bis gegen Pfronten der 
Grenze entlang hinzieht. Hegt 865 m hoch und genau 
1 km Luftlinie nördlich von Vils (auf der bayrischen 
Seite) der Alatsee (oder Aletsee, wie er auf den älteren 
Karten eingetragen ist). Von diesem See dürfte der 
Name Alletse wahrscheinlicher abzuleiten sein als von 
den Aletschgletschern. Paul A. wurde öfter der ita- 
lienischen Schule zugezählt, doch hat er nur sehr wenig 
Italieriisches an sich; in seiner Arbelt überwiegt der 
deutsche Stil. Seine ältesten, mir bekannt gewordenen 
Geigen tragen die Jahreszahl 1698, die jüngsten gehen 
nicht über 1735 hinaus. Als Ursprungsort gibt er stets 
München an, nur in einer Viola d'amore, die L. van 
Waefelghen in Paris besaß, liest man »Venetia 1720«. 
Die Jahreszahl dürfte mindestens falsch gelesen sein, 
denn in der Sammlung Snoeck befand sich eine Tenor- 
Viola d'amore aus dem gleichen Jahre, die wieder 
München angibt. Es könnte aber immerhin ein vorüber- 
gehender Aufenthalt in Venedig angenommen werden. 
Sein Todesjahr ist nicht zu ermitteln, doch kommt in 
den Münchener Hofzahlamtsakten usw. von 1747 an 
und noch 1761 seine Witwe Maria Anna Alletseein, die 
als »Hoflautenmacherin« bezeichnet wird, vor. Er dürfte 
1738 gestorben sein, da in diesem Jahre sein Schwieger- 
sohn Johann Andreas Kämbl sein Nachfolger wird. 



14 



Allin — Aman 



I 



Alletsee besaß eine große Handgeschicklichkeit, guten 
Geschmack und Formensinn, und so zeichnen sich seine 
Arbeiten durch Sorgfalt und Zierlichkeit in den Einzel- 
heiten aus. Am häufigsten kommen größere Geigen 
(Violen, Liebesgeigen, Violoncelli usw. und besonders 
Baßinstrumente, die sich zu seiner Zeit einer weit über 
München hinaus gehenden Beliebtheit erfreuten) von 
ihm vor, doch kennt man auch eine Reihe schöner 
Violinen von seiner Hand. In der Wahl des Holzes 
erweist er sich als Kenner, und sein hellgelber oder 
dunkelroter Lack hat vorzügliche Eigenschaften. Semen 
Namen schrieb er selbst verschiedenartig, auf seinen 
Zetteln bediente er sich der deutschen, lateinischen und 
italienischen Sprache, wobei er München in »Monaco« 
übersetzte, was einige Schriftsteller zu dem Irrtum ver- 
leitete,' ihn nach dem Fürstentum »Monaco« zu ver- 
setzen. Violen von ihm befinden sich im Germanischen 
Museum in Nürnberg (von 1713), im Museum Franc. - 
Carolinum in Linz (von 1724), im Nationalmuseum in 
München (von 1730), in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Köln, im Hohenzollernschen Museum in 
Sigmaringen usw. usw. Die meisten Geigen haben 
Löwenköpfchen u. dgl. am Wirbelkasten. Solche 
brachte er auch bei seinen Violoncelli an, wie ein Bei- 
spiel im Cisterzienserinnenkloster Oberschönenfeld bei 
Augsburg zeigt. Eine Nonnengeige vom Jahre 1732 be- 
findet sich in der Sammlung des Historischen Kreis- 
vereins in Landshut in Bayern und eine ebensolche von 
1737 besaß C. C. Snoeck. Ein Baryton mit 6 Darm- 
und 1 1 Metallsaiten von ihm (Korpus 65 cm, ganze 
Länge 132cm) besitzt C.Claudius in Kopenhagen. 
Eine Viola mit hübsch geschnitztem Köpfchen besaß 
A. J. Kochendörfer in Stuttgart. 

Geigenzettel : Paulus Alletsee f. / Lauten und Geigen- / 
macher i. München / 1724 (gedruckt). — Paolo Aletzie 
Monaco / 1730 (gedruckt) und Abb. 18, 27, 28. 

Allin, Jos. — Lebt als Gelgenmacher in 

London 
Altenöder s. Neuner & Hornsteiner 
Althenn, Georg Philipp. — Frankfurt a. M. 
Geb. 1719 in Frankfurt a. M. 1750 
Sohn von Peter Althenn und wie dieser Instrumenten- 
macher und Musiker. Er war Mitglied der städtischen 
Kapelle, erwarb 1793 das Bürgerrecht und wurde da- 
mit selbständiger Meister. Eine sechschörige Zither 
von ihm besitzt die Sammlung Crosby Brown in New 
York (Nr. 1297). 

Althenn, Peter. — Frankfurt a. M. 1 706. 1719 
Ein Musiker und Instrumentenmacher, der 1706 aus 
Kelsterbach a. M. nach Frankfurt eingewandert und 
Mitglied der städtischen Kapelle geworden war. Für 
seine Stellung spricht es vielleicht, daß sein Sohn 1719 
vom Kapelldirektor Telemann aus der Taufe gehoben 
wurde. 

Altimira. — Barcelona. 1850. 1880 

Musikinstrumentenfabrikant. Seiner Geigenbauwerk- 
statt stand Etienne Maire-Breton vor, als dessen Arbeit 
daher die Violinen Altimiras betrachtet werden müssen. 



Altrichter, J. — Frankfurt a. 0. 

Eine Fabriksfirma, die hauptsächlich Blechinstrumente 
herstellt, aber auch Geigenmacher beschäftigt und Re- 
paraturen ausführt. 

Alvani, Paolo. — Cremona. 1750. 1755 

Wahrscheinlich Sohn oder Enkel von Paolo Albani. 
Einige wenige aber gute Violinen, deren Modell an 
Guarneri erinnert, tragen diesen Namen. Holz und 
Lack sind von lobenswerter Beschaffenheit. 

Amaglioni. 1839 

Wenig bekannter italienischer Geigenmacher, der rech' 
sauber nach Stradivari arbeitete. 

Aman, Georg. — Augsburg. Geb. 28. März 
1671 in Vils, fnach 1717 

Er stammte aus Vils und heiratete nach dem Hochzeits- 
amtsprotokoll vom 13. Februar 1695 die Witwe des 
Lautenmachers M. Wöhrlein (Wörle), wo es heißt: 
»Georg Aman von Fülsz Lautenmacher ledigstandts u. 
Ursula Schnitzlerin, weyl. Matthias Wohrlin's ge- 
westen Lautenmachers seel. Wittib« usw. usw. Im 
.Augsburger Steuerbuche von 1717 wird er noch ge- 
nannt. Da man jedoch Geigen von ihm kennt, die die 
Jahreszahlen 1688—1729 tragen, läßt sich die Zeit 
seines Wirkens noch um einige Jahre verlängern. Seine 
Arbeit ist gut, er wechselt jedoch die Modelle mehrfach 
und bringt am Wirbelkasten gern geschnitzte Köpfchen 
an. Das Holz ist oft mit Sorgfalt ausgewählt, der Boden 
meist aus einem Stück und Hals und Schnecke aus 
Birnbaumholz. Sein Lack, der sich nicht gerade aus- 
zeichnet, ist von hellroter bis dunkelbrauner Farbe. 
Seine Violinen haben keinen großen Ton, am besten 
sind seine großen Geigen (Violen, Violoncelli und 
Bässe). Eine aus dem Jahre 1699 stammende Taschen- 
geige besitzt das Germanische Museum in Nürnberg. 
eine hübsche, kleine Laute von 1707 das Hohenzol- 
lemsche Museum in Sigmaringen, eine Violine von 
1716 die Staatssammlung vaterländischer Altertümer in 
Stuttgart und ein Altquinton von 1729 die staatliche 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 875), 
eine Laute und eine hübsche dunkelbraune Violine 
Konzertmeister Fr. Eib! in Innsbruck usw. In der 
Wiener Musik- und Theaterausstellung war er mit 
einer Pochette vertreten. Er schreibt seinen Namen 
stets Aman (nicht Amann, aber auch nicht Amma). 

Geigenzettel: Abb. 19. 
Aman, Mathias. — Augsburg. 1720. 1765 

Vielleicht ein Sohn von Georg Aman oder jener Matth. 
Aman aus Memmingen, der sich als Kammacher und 
Bürger in Augsburg niederließ und am 9. Juni 1 720 den 
Konsens zur Verehelichung erhielt. In letzterem Falle 
könnte er immerhin ein Verwandter und Schüler 
Georg A.s gewesen sein. Seine Geigen sind denen 
von Georg A. ähnlich. Auch er zog große Modelle vor 
und baute hauptsächlich Violen und Bässe, seltener 
Geigen. 

Geigenzettel : Mathias Aman / Lauten- / und Geigen- 
macher in / Augspurg 1 764 (gedruckt). 



Amati, Andrea — Amati, Hieronymus I 



15 



Amati, Andrea. — Cremona. Geb. um 1535, 

fnach 1611 

Der Stammvater der berühmten Geigenmacherfamilie, 
deren Ahnen sich bis ins frühe Mittelalter (1097) zu- 
rückverfolgen lassen, und die, wie Lancetti, de Picco- 
lellis u. a. annehmen, deutschen Ursprungs war. 
Andreas Geburtstag zu ermitteln, gelang noch nicht, da 
die Kirchenbücher aus so früher Zeit nicht mehr vor- 
handen sind. Auch sein Todestag ließ sich nicht fest- 
stellen; er scheint also nicht in Cremona selbst ge- 
storben zu sein. Nach dem Wortlaut des Totenscheines 
seiner zweiten Frau muß er im Jahre 1611 noch gelebt 
haben. Von seinem Leben ist nicht allzuviel bekannt. 
Schon 1554 ging er seine erste Ehe ein, doch ist der 
Name der Frau nicht angegeben. Er hatte von ihr drei 
Kinder, darunter Antonio und Girolamo. Gegen 1609 
verheiratete er sich zum zweiten Male mit der erst 
18jährigen Angiola de Migli, die schon zwei Jahre 
später starb. Alles, was über seine Lehrer gesagt wird, 
ist nur Vermutung. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß 
er m Cremona selbst gelernt hat, es ist auch möglich, 
daß er in seiner Lehrzeit zu den Brescianem Bezie- 
hungen hatte ; aber es geht zu weit, wenn man geradezu 
Giammarcello del Busetto als seinen Lehrer angibt. 
Daß er ein Schüler Gaspar da Salos gewesen sei, läßt 
sein Alter schon cJs unglaublich erscheinen. An die 
Brescianer erinnern höchstens seine weiten F-Löcher 
und die abfallenden Ecken ; in der Hauptsache hielt er 
sich an die überlieferten Modelle. Es sind übrigens nur 
wenige Instrumente erhalten, die ihm mit einiger 
Sicherheit zugeschrieben werden können, aber auch 
diese sind meist vielfach ausgebessert. Anfangs baute 
er, wie erwähnt, noch nach den alten Gambenmodellen, 
und erst allmählich nahm er die jetzt gebräuchliche 
Geigenform an. Er bevorzugte ein kleines Patron, 
wählte gutes Holz, das er in entsprechender Stärke ver- 
wendete. Der Boden ist fast immer nach der Schwarte 
geschnitten. .-Xuch sein Lack ist in der ältesten Zeit noch 
der bei Lauten- und Violinenbauem des 16. Jahr- 
hunderts häufig verwendete schwarz-rötliche; später 
kommt er davon ab und gebraucht einen dunkelgelben 
oder hellbraunen Lack, den er nur etwas zu dick auf- 
trägt. Die Wölbung ist ziemlich hoch, weshalb auch der 
Ton nicht allzu voll klingen kann, doch ist er silberhell 
und weich. Bei den F-Löchern sind die oberen Punkte 
fast ebensogroß wie die unteren. Den heutigen Anfor- 
derungen entsprechen seineViolinen freilich nicht mehr, 
sie werden aber immer einen hohen Sammelwert be- 
halten. Er war schon bei Lebzeiten sehr berühmt und 
soll auch von König Karl IX. von Frankreich viel be- 
schäftigt worden sein. Belege hierfür ließen sich freilich 
nicht finden, doch dürfte der alten Überlieferung im- 
merhin etwas Wahres zugrunde liegen. Ein schönes, 
echtes Violoncello von ihm besitzt Simoutre in Paris, 
ein anderes Mr. J. H. Bridges. Eine Liste seiner erhal- 
tenen Werke müßte noch aufgestellt werden. Andrea 
war der Begründer des Ruhms seiner Familie, deren 
Name vielleicht am meisten mißbraucht wurde. Jede 
ältere Geige, die nur einigermaßen italienisch aussieht, 
vioirde mit dem Namen eines der Amati getauft. 

Geigenzettel : Andrea Amati in ,' Cremona M.D.LXXI I 
(gedruckt). 



Amati, Antonio. — Cremona. Geb. zwischen 
1555 und 1560. fnach 1640 

Altester Sohn von Andrea A. Er arbeitete viele Jahre 
gemeinsam mit seinem Bruder Hieronymus. Ihre stets 
trefflichen Instrumente erinnern anfangs noch an die 
Arbeiten des Vaters. Ihre späteren und besseren Geigen 
haben eine weniger hohe Wölbung. Die verschiedenen, 
mit einem gemeinsamen Zettel (s. Abb. 20) bezeich- 
neten Instrumente stimmen nur selten miteinander 
überein, so daß man die Arbeit der Brüder unter- 
scheiden zu können vermeint ; die besseren werden dem 
talentvolleren Hieronymus zugeschrieben. Der Lack ist 
anfangs dicker und dunkel (kirschbraun), später wird 
er dünner und hat schöne Orangefarbe. Nach dem 
Tode seines Bruders zeichnete er seine Arbeiten nur 
mit seinem Namen. Die Brüder haben nicht allzuviel 
Werke hinterlassen; ihre Geigen sind aber meist vor- 
züglich erhalten, was man vielleicht der immerhin noch 
hohen Wölbung zuschreiben kann. Eine Decke mit 
hoher Wölbung besitzt größere Elastizität und vor allem 
größeren Widerstand gegen den Saitendruck, obwohl 
sie dünner ausgearbeitet werden kann. (In der Brust 
ließen die Brüder Amati das Holz in der Regel 2 bis 
2,8 mm dick.) Freilich hat eine Violine mit flacher 
Decke einen größeren und wohl auch edleren Ton. Die 
Brüder waren, wie ihr Vater, weit über ihr Vaterland 
hinaus berühmt und wurden namentlich in Frankreich 
hochgeschätzt. Auch sie bauten prächtig ausgestattete 
Geigen für den französischen Königshof^). Zwei vor- 
zügliche Violen von ihnen besitzt die Hofkirche in 
Dresden. Es sind vielleicht die größten bisher bekannten 
Violen ihrer Zeit und befinden sich noch im Original- 
zustande mit den alten Hälsen. Boden, Zargen und 
Schnecke sind nach der Schwarte geschnitten. Der 
braungoldgelbe Lack ist von außerordentlicher Durch- 
sichtigkeit und Weichheit; die beiden Violen sind nur 
wegen ihrer Größe schwer spielbar. Eine sehr schöne 
Violine der Brüder befindet sich auch in der Sammlung 
des Apoth. E. Meisner in München-Nymphenburg. 
Geigenzettel : Abb. 20. 

Amati, Hieronymus (Girolamo) I. — Cremona. 
Geb. um 1556, t 2. November 1630 an der 
Pest, der wenige Tage vor ihm auch seine 
Frau und zwei Töchter erlegen waren 

Jüngerer Sohn von Andrea A. In der ersten Ehe (um 
1576) vermählt mit Ippolita Zucchielli, von welcher er 
fünf Töchter hatte. Am 24. Mai 1 584 ging er mit Laura 
Lazzarini eine zweite Ehe ein, von der er neun Kinder 
bekam; das fünfte davon war Nicola. Hieronymus war 
ungleich talentvoller und origineller als sein Bruder und 
wie dieser bedeutender als der Vater. Er arbeitete mit 
seinem Bruder gemeinsam. Daß sich in den letzten 
Lebensjahren die Brüder getrennt haben sollen, ist 
nicht wahrscheinlich, da es noch Violinen mit gemein- 
samem Zettel und der Jahreszahl 1630, also dem Todes- 
jahr Girolamos, gibt. Der von Grillet veröffentlichte 
Zettel mit dem Namen »Hieronimus (sie) Amati« trägt 
die Jahreszahl 1640 und erweist sich dadurch als Fäl- 

^) Vgl. Heron-.Allens .Aufsatz über die bemalten Amati- 
Geigen. 



16 



Amali, Hieronymus II — Amati, D. Nicolaus 



schung^). Wenn man auch mehrfach versucht hat, die 
Arbeiten der beiden Brüder auseinanderzuhalten, so 
können sie doch nur gemeinsam beurteilt werden. Alles 
an ihren Geigen verdient Lob, und ihre Arbeit weist in 
allen Einzelheiten einen sichtbaren Fortschritt gegen 
ihre Vorgänger auf. Sie führten auch die Aushöhlung 
der Decke zu beiden Seiten des Steges ein, wodurch der 
Ton süßer und lieblicher wurde. Violinen von ihnen 
kommen nicht zu selten vor, Violen besitzen der König 
von England, W. E. Hill & Sons usw. usw. 
Geigenzettel: Antonius & Hieronymus Fr. Amati / 
Cremonen. Andreae fil. F. 1630 (gedruckt) und Abb. 21. 

Amati, Hieronymus (Girolamo) II. — Cre- 

mona. Geb. 26. Febr. 1649, f 21. Febr. 1740 

Dritter Sohn von Nicola A., bei dem er bis zum Jahre 
1684 arbeitete. Er war seit 1678 mit Angiola Carettoni 
(t 1685) verheiratet und hatte drei Kinder, die früh 
starben. Man hat sich daran gewöhnt, ihn als den un- 
bedeutendsten Meister der Familie zu betrachten ; man 
tut ihm aber damit sicher unrecht, und erfreulich ist es, 
daß auch Hill in seinem Buche über Stradivari eine 
Lanze für ihn bricht. Es gibt Geigen von ihm. die den 
Namen Amati in allen Ehren tragen. Er scheint unter 
dem Einflüsse seines Mitschülers Stradivari gestanden 
zu haben und bevorzugte bei seinen ersten Arbeiten ein 
großes Patron, auch die Ecken machte er öfter Stradi- 
vari nach. Die Schnecke bildet er wuchtiger aus als sein 
Vater, jedoch im Lack steht er ihm nach und erinnert 
in dieser Beziehung eher an Bergonzi durch die Bevor- 
zugung einer rotbraunen Farbe. So weicht er in man- 
chen Einzelheiten von den Traditionen seiner Familie 
ab; er scheint dies aber in der Erkenntnis getan zu 
haben, daß Stradivari seinen Vater überflügelt habe, 
weshalb er versuchte, es seinem genialeren Mitschüler 
gleichzutun. Die F-Löcher verraten noch den alten 
Schwung der Amatischule, wenn sie auch manchmal 
sorgloser geschnittener scheinen. Gerade seine F-Löcher 
aber sind schuld, daß man jede Geige der Amatischule 
mit abweichenden F-Löchern auf seinen Namen taufte 
und dabei sehr oft ganz geringwertigen Arbeiten zu 
einem bedeutenden Namen verhalf. Zettel, auf denen 
der Taufname Hieron imus statt Hieronymus ge- 
schrieben erscheint, sind von vornherein als falsch zu 
betrachten ; ich glaube auch, daß alle Zettel, auf denen 
der Name seines Vaters nicht angegeben ist, verdächtig 
sind. Er war lange genug Gehilfe in der väterlichen 
Werkstatt und hat an Nicolas letzten Arbeiten gewiß 
einen nicht unbedeutenden Anteil ; er wird sich daher 
sowohl zur Unterscheidung von Girolamo I als auch 
zu seiner eigenen Empfehlung stets auf seinen be- 
rühmten Vater berufen haben. 

Geigenzettel: Hieronymus Amati, figlio / di Niccolo 
Amati Cremona 17 . . (gedruckt). — Revisto e corretto 
da me / Girolamo Amati figlio di Niccolo / Amati Cre- 
mona 1710 (gedruckt). 

Amati, Nicola. — Cremona. Geb. 3. Dez. 1 596, 
t 12. April 1684 

Sohn und Schüler des talentvollen Girolamo 1 und 
Enkel An dreas. Er war seit 1645 mit Lukrezia Pagliari 



) Im besten Falle hat man es mit einem falsch da- 
tierten Zettel von Hier. II. (Nicolas Sohn) zu tun. 



(geb. 1619, f 1703) vermählt. Einer seiner Trauzeuger 
war sein Schüler Guarneri. Von seinen neun Kindern 
wurde nur Girolamo II ein Geigenbauer. Nicola Amati 

war der größte Kunst 1er aus seiner Familie. Bis etwa 
1625 arbeitete er ziemlich genau nach dem Modelle 
seines Vaters; häufiger als Violinen scheint er damals 
Gamben und Violen gemacht zu haben. Auf der Höhe 
seiner Kunst stehend, findet er allmählich sein eigenes 
Modell, das er schließlich zu dem sog. »Großen Amati- 
modell« ausgestaltete. Es war dies die schönste Frucht 
seines rastlosen Strebens und sichert seinem Namen in 
der Geschichte des Geigenbaues einen unvergänglichen 
Ruhm, auch wenn die Werke seiner großen Schüler 
jetzt vorgezogen werden, weil sie den heutigen Anfor- 
derungen besser entsprechen. Er war im Vollbesitz 
dessen, was man jetzt so gerne das »Geheimnis der 
Cremoneser« bezeichnet. Seine Arbeit verrät den 
denkenden Künstler, und es ist sicher, daß er seine 
wissenschaftlichen Kenntnisse, die er zweifellos be- 
sessen hat, nicht nur auf empirischem Wege erwarb. 
Wölbung und Holzstärke sind besser erdacht und feiner 
berechnet als bei allen seinen Vorgängern. Der Rand 
ist schräg abgerundet, die F-Löcher kühn im Schwung, 
die Schnecke meist klein, aber elegant, das Holz pracht- 
voll gewählt und der Lack elastisch und feurig, von 
gelbbrauner bis rotgoldiger Farbe. Er war von be- 
stimmendem Einfluß auf die ganze Cremoneser Schule, 
und fast alle Meister ersten Ranges vom Beginn des 
18. Jahrhunderts waren direkt oder indirekt seine 
Schüler. Er nahm das Gute der Brescianer sowie aller 
seiner Vorgänger auf. Die Formen werden bei ihm 
edler, das Format zierlicher, die überreiche äußerliche 
Verzierung fällt weg, und dafür wird der Wahl des 
Holzes und des Lackes besondere Aufmerksamkeit zu- 
gewendet. So sind seine Geigen vollendete Kunstwerke; 
der Ton ist zwar mehr lieblich als groß, entsprach aber 
vollkommen der Forderung seiner Zeit, und deshalb 
behaupteten seine Geigen den allerersten Platz bis zum 
Anfange des 19. Jahrhunderts unbestritten. Er baute 
Violinen, Violen und Violoncelli; es gibt aber auch 
einige Bässe von ihm, darunter solche, die seinen Namen 
und Jahreszahlen von 1580 bis 1586 tragen. Man hat 
daher angenommen, daß er einen gleichnamigen Oheim 
gehabt haben müsse. Wahrscheinlich sind es Arbeiten 
von ihm mit gefälschter Jahreszahl. Von den vielen mir 
bekannt gewordenen Geigen von ihm nenne ich die in 
der Sammlung Th. Hämmerle in Wien sowie die des 
Direktors Wilh. Kux in Wien von 1673, des Col. T. B. 
Shaw-Hellier (1646) und des Rev. E. H. Fellowes(I679)! 
Ein Violoncello von 1656 besitzt C. Claudius in Kopen- 
hagen, eines von 1676 die Sammlung Savoye. Ein vor- 
treffliches Violoncello von mittlerer Größe aus dem 
Jahre 1 762 besitzt der Sachs. Kammermusiker Richard 
Wohlrab in Dresden. — Daß Nie. A. seine eigenen 
Arbeiten von denen seiner Schüler strenge auseinander- 
hielt, beweisen die Abb. 12 und 22. 

Geigenzettel : Nicolaus Amatus Cremone e / Hieronymi 
filii fecit. An. 1651 (gedruckt). — Nicolaus Amatus 
Cremonen. Hieronymi / Fi!, ac Antonij Nepos fecit 
1677 (gedruckt) und Abb. 12 und 22. 

Amati, D. Nicolaus. ^ Bologna. 1723. 1737 
Das D. vor seinem Namen auf seinem (bei de Wit ver- 
öffentlichten) Zettel läßt eigentlich nur die Deutung 



Amali — Anda 



17 



Don (von lat. Dominus) zu. Diesen früher nur der 
höheren GeistHchkeit zustehenden Titel führten im 
18. Jahrhundert die Mönche, und man geht daher wohl 
nicht fehl, wenn man diesen Träger des Namens Amati 
für einen Geistlichen bei S. Cosmas und Damian hält, 
der den Geigenbau nur aus Liebhaberei betrieb. Auf 
einigen Zetteln steht allerdings em C. statt des D. Seine 
Leistungen werden als mittelmäßig bezeichnet, und 
seine Zugehörigkeit zur Cremoneser Familie ist nicht 
klar. 



Geigenzettel : D. Nicolaus Amati Fecit Bononiae Apud 
SS: Cosma, et Damiani, 1723 (gedruckt). — D. Nico- 
laus Amati fecit Bononiae 1 737 (gedruckt) und Abb. 1 3. 

Amati (fingierte Mitglieder der Familie) 

Im Stift Kremsmünster befindet sich eine Violine mit 
der Jahreszahl 1640 und dem Namen Francesco 
Amati in Cremona. — Eine lange und schmal^Violine 
von häßlicher Form, ungleich auf beiden Seiten, mit 
allen Zeichen des Dilettantismus, trägt die Inschrift: 
Jo Giovanni Amati fece questo violino del 1610 da... 
(unleserlich, vielleicht Vicenza); eine andere Violine 
nennt einen Giuseppe Amati in Bologna. Professor 
Kahle in Bochum besitzt eine unbestreitbar alte, hoch- 
gewölbte Violine von 'LuigiAmati 1662«, die zweifel- 
los von deutscher Herkunft ist; in Dresden befindet 
sich eine solche mit dem Zettel: »Pietro Amati, 
Napoli*. Noch schlimmer erscheint ein Taronimus 
(sie) Amati in Absom (sie) 1627. — Unwissenheit oder 
Berechnung ließ diese fingierten Mitglieder der be- 
rühmten Familie entstehen ; in jedem Falle aber war es 
dabei auf Täuschung abgesehen. 

Amatls, Glambattista. — Venedig. 1677 

Von Valdrighi erwähnter Geigenmacher, der sonst nicht 
bekannt ist. 

Amberger, Max I. — München. Geb. 1838, 
t 11. Nov. 1889 

Sohn, Erbe und Nachfolger von Heinrich A. Wenn er 
auch Geigen reparierte, so war er doch vorzugsweise 
Zithermacher. Er erfand allerlei Verbesserungen für die 
Zither und baute auch nach Fr. Xaver Steiners An- 
gaben die erste Konzertzither (Primzither mit größerer 
Mensur). Er übergab 1887 sein im Jahre 1863 be- 
gründetes Geschäft seinem gleichnamigen Sohne. 
C. Claudius in Kopenhagen besitzt eine Philomele von 
ihm. 

Geigenzettel : Reparirt ,' Max Amberger / Reichen- 
bachstraße Nr. 39 in München (gedruckt). 

Amberger, Max II. — München. Geb. 28.0kt. 
1863 

Schüler seines Vaters Max A. I, dessen Geschäft er 
1887 übernahm. Er war Bayrischer Hofinstrumenten- 
fabrikant und baut Konzertzithern, für die er bereits 
viele Medaillen erhalten hat. 

Amberger, Heinrich. — München. 1 860, f 1 91 

Wie die übrigen Mitglieder seiner Familie hauptsäch- 
lich Zithermacher, oder, wie er sich nannte: Saiten- 
instrumentenfabrikant. 

Ambrogl s. Ambrosi 

V. Lütgendorff, Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II 



Ambrolse. — Paris. 18. Jahrhundert 

Ein Pariser »Luthier« dritten Ranges, dessen Werke 
wenig geschätzt sind. Am besten gelangen ihm noch 
seine Gitarren. 

Geigenzettel: Abb. 17. 

Ambrosch, Karl. — Schönbach b. Eger. 1826 

Ein Geigenmacher, dessen Nachkommen noch heute 
im Geigenbau tätig sind. Ein Johann Ambrosch hat seit 
1892 in Schönbach eine Streichinstrumentenfabnk. 



Brescia, Rom. 



Ambrosi (Ambrogi), Pietro. 
1712. 1748 

Die durch den Dialekt veranlaßte schwankende Schreib- 
weise des Namens hat dazu verführt, zwei Meister aus 
ihm zu machen. Er dürfte erst um 1 745 nach Rom über- 
gesiedelt sein. Nach seinem von De Piccolellis mitge- 
teilten Zettel stammte er aus Cremona, was man seiner 
Arbeit aber wenig ansieht. Er baute oberflächlich nach 
Stradivari und verwandte wenig Sorgfalt auf die Wahl 
des Holzes und des Lackes. 

Geigenzettel: Petrus Ambrogi Crem. ,' fecit Romae an. 
17.. (gedruckt) und Abb. 1 1 . 

Ambrosio s. D'Ambrosio 

Amelot. — Lorient (Frankreich). 1821. 1842 

Gewöhnliche, französische Arbeit, kleiner Ton, manch- 
mal gelber, meist aber rötlicher Lack. Am besten sollen 
seine Kontrabässe sein. Er verwendete einen mit dem 
Stadtwappen verzierten Zettel. 

Geigenzettel : .Xmelot, luthier A Lorient, 1829 (gedr.). 
Amlcl, Luigi. — Rom. Ende des 18., Anfang 
des 19. Jahrhunderts 

Wahrscheinlich nur Gitarren- und Mandolinenmacher. 
Er wohnte in der Via del Pellegnno Nr. 44 und ist un- 
bedeutend. Sein Zettel aus einer Doppelmandoline 
findet sich in De Wits »Geigenzettel alter Meister« ab- 
gebildet. Eine hübsch gearbeitete Doppelmandoline 
von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Köln (Nr. 660). 

Amman, Erhard. — Haag. 1751. 1770 

Er gilt als guter Geigenmacher; doch gelang es mir 
nicht, Arbeiten von ihm kennen zu lernen. 

Amourdedieu. — Amiens (Dep. Somme). 1900 

Geigenbauer und Musikinstrumentenhändler der 
Gegenwart. 

Anciaume, Bernard. — Mlrecourt (Lüttich?). 
1783. 1789 

Wenig bekannter Geigen- und Lautenmacher des 
18. Jahrhunderts. Er verwendete eine Brandmarke mit 
seinem Namen. Eine Arbeit von ihm befindet sich — 
aus der Sammlung Snoeck (Nr. 531) — in Berlin. 

Anda. — Hyeres. 1801 

Nur als Reparateur bekannt. 

Geigenzettel: Repare par Anda / ä Hyeres l'an 1801 

(geschrieben). 

2 



18 



Anderlini — Andrescu 



Anderlini, Giuseppe. — Spilamberto (Modena) 
1860 

Er baute zwar in seiner Jugend einige Violinen, ist aber 
kein Geigenmacher, sondern Fabrikant landwirtschaft- 
licher Geräte und Maschinen. Dilettantisch in der Ar- 
beit, sorglos in der Wahl des Holzes und des Modells. 



Andersen, Charles, 
1880. 1900 



Denver (Colorado). 



Ein trefflicher Musiker, Organist, der sich gründliche 
Kenntnisse im Geigenbau angeeignet hat und über 
eine große Handgeschicklichkeit verfügt. 

Anderson, John I. — Aberdeen. Geb. 1829 in 
Alford, t 1 883 in Aberdeen 

Schüler von Matthew Hardie. Er begann schon als acht- 
jähriger Knabe Geigen zu machen. Er baute nach einem 
kleinen Stradivari-Modell und verwendete einen selbst- 
bereiteten Ollack in verschiedenen Farben. Er machte 
durchschnittlich zwei Geigen im Monat fertig und war 
ein vorzüglicher Geiger. 

Geigenzettel: Made by / John Anderson / Aberdeen 
(gedruckt). 

Anderson, John II. — Glasgow. Geb. 25. Dez. 
1 856 In Aberdeen 

Sohn und Schüler von John I, A. Er hat sehr viele 
Geigen nach Stradivari gebaut, ist ein vorzüglicher 
Geiger und Violinlehrer und auch sonst sehr musi- 
kalisch. 

Geigenzettel : Made by / John Anderson / Bon-Accord 
Violin Maker / Glasgow 18 . . (gedruckt). 

Anderson, Henry. — Edinburgh. Geb. In 

Auchtermuchty 1839 

Er war ursprünglich Tischler, hat es aber als Geigen- 
macher zu großer Geschicklichkeit gebracht und über 
hundert Geigen nach Guarneri gebaut. Sein Lack ist 
meist gelb oder mahagonifarben. Er gebraucht keine 
Zettel, sondern schreibt seinen Namen mit Feder oder 
Bleistift in seine Geigen und bringt außen einen Brand- 
stempel an. 

Andorff, M. C. R. — Nordhausen a. H. 1884. 
1885 

Nur durch einen Reparaturzettel bekannt. Er wohnte 
1884 in Nordhausen, verließ diese Stadt aber am 
30. Oktober 1885, um nach Adorf in Sachsen überzu- 
siedeln. 

Andrade. — Lissabon 

Portugiesischer Gitarren- und Mandolinenmacher. 

Andre & Co., eine 1885 gegründete Gelgen- 

macherfirma In London 
Andrea, Giovanni. — Rom. 1606 

Ein Flamänder, von dem nur die italienisierten Namen 
bekannt sind und der 1606 bei Visco da Piperno ge- 
arbeitet hat. 



Andrea, Pletro. — Venedig. 1650. 1700 

Vermutlich der Meister, von dem der Modeneser 
Castaldi Bellerofonte singt : 
»Con Andrea, liutar poi siate pratico 
perche non voglio piü la sua amicizia 
ne, la mattina, ber seco il liatico.« 

(Manuskript im Besitze Valdrighis) 

Andreas, Heinrich. — Schönbach b. Eger. Ge- 
gründet 1881 

Ein Streichinstrumentenmacher, der hauptsächlich 
Handelsware herstellt. 

Andreae, Johannes. — Verona, Venedig(?). 151 1 

In einer wundervollen Lira da Braccio der Kunst- 
sammlung des Hauses Este in Wien findet sich der 
geschtiebene Zettel: Joannes Andree. Veronen./adi 12 
Agosto 1511. Giovanni d'Andrea gibt hier nur seinen 
und seines Vaters Taufnamen an. Trotz eifriger Nach- 
forschung gelang es mir noch nicht. Näheres über 
diesen hervorragenden Meister festzustellen. Die Lira 
trägt außerdem noch die griechische Inschrift: 

AVniZ lATl'OI. Enix 

AxePünoii:. t2\ii. 

Andrejeff, V.V. — St. Petersburg. 1889. 1911 

Ein ausgezeichneter Musiker, der durch große Konzert- 
reisen mit seinem großrussischen Orchester berühmt 
geworden ist. Er hat das Verdienst, ein altrussisches 
Volksinstrument, das bereits anfing, in Vergessenheit 
zu geraten, die Balalaika, so verbessert zu haben, daß 
es den gesteigerten Anforderungen unserer Zeit ent- 
spricht, so daß es jetzt wieder außerordentlich in Auf- 
nahme gekommen ist. Hierbei standen ihm Meister 
Nalinow und Passierbski zur Seite. Auch die altrus- 
sischen Volksinstrumente Domra und Gußli sind von 
A. verbessert und in sein Orchester aufgenommen 
worden. 

Andreolo. — Venedig. 1359 

Einer der ältesten venezianischen Lautenmacher, den 
Valdrighi (3986) anführt. 

Andres, Domenico. — Bologna. 1740 

Ein Liebhaber, von dem ein Violoncello von gewöhn- 
licher Arbeit bekannt wurde, und der ehrlich genug 
war, sich selbst als Dilettant zu bezeichnen. 
Geigenzettel: Dominicus Andres / Bolognensis Dile- 
tante / Fecit a. Domini 1 740 (geschrieben). 



Andrescu, Johann. 
Ungarn) 



Broos (Szäszvaros, 



Geboren 1868 in Broos. Er erlernte den Geigenbau 
durch Privatunterricht, vervollkommnete sich in Wien 
und begründete dann 1888 in seinem Elternhause sein 
eigenes Geschäft. Er benützt im allgemeinen das Stradi- 
vari-Modell, nur wählt er eine stärkere Wölbung, die 
Decke läßt er in der Mitte stärker im Holz als den 
Boden, die Zargen sind 27 bis 30 mm hoch. Der Hals 
unterhalb der Schnecke ist 2 cm, am Geigenkörper 
3/4 — 4^4 cm breit. Er verwendet Spirituslack nach 
einem Wiener Rezept und klebt seinen Geigen seinen 



Angard — Antonlazz! 



19 



Firmastempel mit Datum und der eigenhändigen Unter- 
schrift ein. Er baut nur Geigen in * ^-Größe und hat auf 
allen von ihm seit 1890 beschickten Ausstellungen, so 
in Budapest, Hermann Stadt usw. Preise erhalten. 
Geigenzettel : J ohann Andrescu /' Geigenmacher / Broos, 
Szäszväros (Ungarn) (gedruckt). 

Angard, Maxime. — Paris. Geb. 1 . Dez. 1849 
in Arronville (Seine-et-Oise) 

Ursprünglich nur Liebhaber, verlegte er sich erst 
später ganz auf den Geigenbau. Seine Arbeit ist im 
ganzen gut; eigenartig sind aber nur seine Wirbel, an 
denen er Verbesserungen angebracht hat. Er dürfte um 
1900 gestorben sein oder hat um diese Zeit Paris ver- 
lassen. Außer seinem Zettel tragen seine Geigen auch 
noch seinen Namen handschriftlich. 
Geigenzettel: Abb. 14 und 15. 

Angelis, Vitus de. — Bologna. 1 609 

Dem Namen nach bekannter, wahrscheinlich aus den 
Niederlanden eingewanderter Meister vom Anfang des 
17. Jahrhunderts. 

Angelucci, Dominicus. — ? 1816 

Er nennt sich nach seiner Heimat einen ->Septem- 
pedanus«und ist mir nur durch einen Reparaturzettel 
bekannt geworden. 

Angerbauer (Angerhauer), Georg. — Füssen. 

1606 

Er wird 1606 als Mitglied der damals neubegründeten 
Füssener Lautenmacherzunft genannt. 

Angerer, Franz. - Wien. 1885. 1910 

Ein Wiener Streichinstrumentenmacher, der 1885 in 
Wien XV, Mariahilf erstraße 170, eine Werkstatt er- 
öffnete. Er ist ebenso tüchtig im Neubau wie als Repa- 
rateur und zugleich ein sehr guter Geiger. Er verwendet 
einen schönen, goldgelben Öllack. Schon 1893 erhielt 
er in Chicago eine Medaille. Er arbeitet mit zwei Ge- 
hilfen; das Wichtigste macht er aber stets selbst. Sehr 
geschätzt sind seine Gitarren. 

Anselmo (Anselmi), Pietro. — Florenz, Ve- 
nedig. 1700. 1750 

Er soll zuerst in Cremona gearbeitet haben, was nach 
dem Stil seiner Arbeit nicht allzu glaubwürdig erscheint. 
Er verwendet ein kleines, an Ruggeri erinnerndes Mo- 
dell von mäßiger Wölbung, einen schönen, goldigen 
Lack, wenn auch nicht immer schönes Holz. Arbeiten, 
die ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden können, 
sind selten und gewöhnlich aus Venedig datiert. Der 
Text auf seinen Zetteln ist italienisch oder lateinisch. 

Ansoldo, Rocco. — Genua. 1760 

Selten vorkommender Meister, der nicht ungeschickt 
nach J. B. Guadagnini arbeitete. 

Antegnati, Giov. Francesco. — Brescia. 1535 

De Piccolelüs nennt ihn Antognati und führt ihn als 
Lautenmacher an. Die Quelle, aus der er geschöpft hat, 
kann zwar nur das Buch von Giovan Maria Lanfranco 



sein, in diesem wird er aber ausdrücklich als »fabri- 
catore di monochordi e clavicembali« bezeichnet. Die 
Familie Antegnati war eigentlich eine Orgelbauer- 
familie; Giov. Francescos Vater Bartolomeo, ebenso 
seine Brüder Giovan Giacobo und Giovan Battista und 
Graziadio, der Sohn des Letztgenannten, waren Orgel- 
bauer; am bedeutendsten war aber Costanzo Antegnati, 
der außerdem noch Organist und Musikschriftsteller 
war und 1608 seine »l'Arte Organica« herausgab. Aus- 
führlicheres über die Familie gibt Damiano Muoni im 
»Archivio storico Lombardo« (1883) S. 178 — 221. 

Antenelli, A. — London 1 900 

Englischer Geigenmacher der Gegenwart ; wahrschein- 
lich italienischer Herkunft. 

Antoine, Jean Claude. — Mirecourt. 1733, 

t 1786 

Er ist mir nur dem Namen nach bekannt geworden und 
gehörte zu den handwerksmäßig arbeitenden Geigen- 
machern seines Ortes. Sein Sohn Jean I A. und seine 
Verwandten Jean II und sein Enkel S. E. Antoine 
waren wie er nur mittelmäßige Geigenmacher. 

Antolini, Francesco. — Mailand 

Ein Musikinstrumentenmacher des 19. Jahrhunderts, 
der nichts Hervorragendes geleistet hat. 

Anton, Rudolf. — Aussig i. B. Geb. 1854 in 

Graslitz 

Enkel des Orgelbauers Anton in Schönbach, Schüler 
von Wurm in Aussig, zu dem er kam, nachdem er das 
Tischlerhandwerk erlernt hatte Er ist seit 1869 m 
Aussig ansässig und beschäftigt sich sowohl als Geigen- 
wie als Gitarrenmacher. 

Geigenzettel: Rudolf Anton / Holz- Instrumenten- 
macher / Aussig, Herrengasse 38 (gedruckt). 

Antoniazzi, Gaetano. — Cremona. Geb. 7. Aug. 
1823, t l.Aug. 1897 in Mailand 
Vielleicht der Sohn eines gleichnamigen Vaters, von 
dem es Geigen mit der Jahreszahl 1810 geben soll. Da 
er in einem wahrscheinlich ehrlich gemeinten Streben 
oft von den guten Vorbildern im Modell abwich, ohne 
jedoch etwas Besseres finden zu können, haben seine 
Versuchsgeigen trotz sorgfältigster .Arbeit keinen 
höheren Wert. Er verrückte auch die Lage der F-Löcher 
wiederholt sehr zu ihrem Nachteil. Seine Kopien da- 
gegen sind, bis auf den Lack, recht gut, und er erhielt 
dafür auch mehrere Medaillen. 

Antoniazzi, Gregorio. — Colle 1738 

Vidal teilt nur seinen Zettel mit, de Piccolellis nur seinen 
Namen, Werke seiner Hand konnte ich nicht erfragen. 
Geigenzettel: Gregorio / Antoniazzi / In Colle 1738 
(gedruckt). 

Antoniazzi, Riccardo. — Mailand 1886. 1910 
Bruder von Romeo. Er war ursprünglich Musiker und 
hat sich schließlich auch dem Bau von Geigen und 
Mandolinen zugewendet. Er arbeitete längere Zeit bei 
Leandro Bisiach und jetzt ist er Werkführer in der 

2* 



20 



AntoniazzI — Arlow 



Musikalien- und Instrumentenhandlung von Monzino 
in Mailand. Durch angeborenes Talent geleitet und 
eifriges Studium erwarb er sich wertvolle Kenntnisse, 
die ihn zu einem recht geschickten Meister machten. 

Antoniazzi, Romeo. — Cremona, Mailand. 
Geb. 4. Mai 1862 in Cremona 

Sohn von Gaetano A., Schüler semes Vaters. Nach 
einer Studienzeit von 15 Jahren eröffnete er im Jahre 
1887 in Mailand seine eigene Werkstatt und verlegte sie 
bald nach Cremona, wo er das Geschäft seines Vaters 
übernahm. Er baut Streichinstrumente aller Art nach 
Stradivari, Amati, Guarneri, Guadagnini und Pressenda 
und hat auch ein eigenes Modell, bei welchem eine von 
ihm aufgestellte Theorie der Dicke des Bodens und der 
Decke Verwendung findet. Seine Geigen sind von 
schöner Arbeit und gut im Ton. Er besitzt goldene und 
silberne Medaillen von Turin 1898, Paris 1900 usw. 

Geigenzettel : Antoniazzi Romeo di Cremona / fece in 
Cremona l'anno .... (gedruckt) und Abb. 24. 

Antonio, Cyprlano. — Lissabon. 18. Jahrb. 

Ein Lautenmacher, von dem Mandolinen wiederholt 
vorkommen, deren Ausführung im ganzen recht ge- 
fällig ist. 

Geigenzettel: Cypriano Antonio a fez en / Lisboa rua 
Largo da Esperanza (gedruckt). 

Antonio s. Siciliano 

Antonius Bononiensis s. Brensio 

Antonio dai Liuti. — Ferrara 1475 

Erwird in Urkunden als »Maestro An ton iodai Liuti« 
bezeichnet. Wenn man bisher auch nicht mehr als 
seinen Namen kennt, wird man doch nicht fehlgehen, 
ihn als Lautenmacher anzusehen. 

Antony, H. -1750. 1780 

Vidal bespricht ein aus Cremona 1751 datiertes Instru- 
ment zweiten Ranges aus der Sammlung des Marquis 
de St. Hilaire in Paris und gibt die Namen Hieronymus 
Antony an. Es wird wohl nur H. geschrieben gewesen 
sein. Mir wurde ein Cello mit dem Zettel »Johann 
Antony, violinmacher, Mittenwald 1780« bekannt. Das 
Holz der Decke ist schön und klarjähng, beim Boden 
und den Zargen unschön, die Ecken sehr spitz; die 
schmale, elliptisch geschnitzte Schnecke ist tief aus- 
gestochen, der Lack nußbraun. Die Arbeit hat eher 
einen vogtländischen als einen Mittenwalder Charakter; 
auch war es mir nicht möglich, eine Familie Antony in 
Mittenwald nachzuweisen. Wahrscheinlich ist H(ans) 
und Johann Antony ein und derselbe Geigenmacher. 
Bekannt ist es, daß die Vogtländer sehr häufig »Cre- 
mona« oder »Mittenwald« als Ursprungsort angaben, 
auch wenn sie den eigenen Namen gebrauchten. 

Antonio, Mastr'. — Venedig. 16. Jahrhundert 

Ein venezianischer Lyrenmacher des 16. Jahrhunderts, 
den Valdrighi (3933) anführt. 

Anyon, Thomas. — Manchester. Geb. 1854 
An seinen Geigen wird der Lack besonders gelobt. 



Appel, Ignaz. — Budapest. Geb. 1854. 1910 

Schüler von Mönnig, arbeitete bei Zach und bei Voigt in 
Wien, dann bei J. W. Schunda in Budapest und baute 
einige ziemlich gute Geigen, hat sich jedoch in letzter 
Zeit mehr dem Bau des Cimbals zugewendet. 

Geigenzettel : Appel Ignäcz , 18 Musikinstrumenten- 
Fabrik 88 / Budapest, Graf Kärolygasse Nr. 5 (gedr.). 

Appold, Carl Friedr. 

Vermutlich ein schwäbischer Geigenmacher, der im 
ersten Drittel des 19. Jahrhunderts tätig war. 

Arcangioli, Lorenzo. — Florenz. 1825. 1849 

Ein Geigenmacher aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, 
von dem sich ein gutes »Violoncello da Spalla« in W. 
Heyers Musikhistorischem Museum in Köln (Nr. 938) 
befindet. Auch seine Violinen sind nicht schlecht, wenn 
auch nicht hervorragend. 

Ardenois, Jean. — Gent. 1731 

Wenig bekannt. Man weiß von ihm nur, daß er die 
Instrumente der Kathedrale in Gent ausgebessert hat. 
Geigenzettel : Johannes Ardenois tot Ghent ; 1731 (ge- 
druckt). 

Ardern, Job. — London 1893 

In einer mittelmäßigen Violine stand sein Name. 

Arezzo, Nicolo, lebt als Geigenmacher in 

Neapel 
Anas, Vicente. 1889 

Guter Gitarrenmacher. 

Arienti, Carlo Giuseppe. Mailand. 1810 (?). 
1863 (?) 

Das Mailänder Konservatorium besitzt von ihm einen 
kleinen, graugelb lackierten Kontrabaß mit dem Zettel : 
Carlo Giuseppe Arienti / Fece in Milano, nella / Con- 
trada Ponte Vetro/ num. 1863. Anno 1810 (gedruckt). 

Arkhusen, Gebrüder. — St. Petersburg. 1880 

Im Jahre 1818 begründete Fabrik von Saiteninstru- 
menten, die gute, aber verhältnismäßig teure Instru- 
mente (Violinen, Gitarren usw.) herstellt und auch in 
Moskau eine Werkstatt unterhält. 

Arling, Olaus (Olof). — Stockholm, f 25. Jan. 

1735 

Von ihm ist nur bekannt, daß er sieben Jahre lang Ge- 
hilfe von Jonas Elg gewesen ist, nach dessen Tod die 
Witwe heiratete und damit die Werkstatt seines ver- 
storbenen Meisters bekam, aber schon nach zweiein- 
halbjähriger Tätigkeit als selbständiger Geigen- und 
Lautenmacher starb. 



Arlow, Heinrich. 
1850—1865. 



Brunn, Wien. Um 



War um 1849 Schüler von N. Savicki, den er in seinen 
Modellen anfangs genau nachzuahmen suchte, wenn 
seiner Arbeit auch etwas Schülerhaftes anhaften blieb 



Arnitz — Arthmann 



21 



(flache Wölbung, heller Lack). Er hat nur wenige Gel- 
gen gemacht, doch war er als Geigenmacher nicht un- 
geschickt, was schon daraus hervorgeht, daß er einen so 
tüchtigen Schüler wie Jac. Kliment heranbildete. In 
seiner Arbeit erinnert er öfters an die Preßburger 
Meister ; er verwendete gelben Lack. Nach 1 860 scheint 
er kurze Zeit in Wien ansässig gewesen zu sein. 

Geigenzettel : Heinrich Arlow/ Wien 863 (geschrieben). 
Arnitz, Meinrad. — Obernußbaumen (Schweiz). 

19. Jahrhundert 

Ein Dilettant, der seinerzeit in der Schweiz herumreiste 
und sich da und dort aufhielt, um Geigen, so gut er es 
verstand, auszubessern. 

Arnoldi, Carlo. — Anagni, Rom. 1790 

Ein Meister dritten Ranges, der statt seines eigenen 
häufiger fremde Zettel in seine Geigen geklebt haben 
soll. 

Arnoldt, Joh. — Prichsenstadt. 1891 

Ein Schreinermeister, der mit Geschick und leidlichem 
Verständnis zahlreiche Geigen repariert hat. .'Xuch sein 
Sohn und Nachfolger soll sich als Reparateur bewährt 
haben. 

Arnot, David. — Glasgow. Geb. 1831 in 
Turred Bant Cottage, f in Glasgow 1897 
Ein geschickter Geigenmacher, der ursprünglich einen 
anderen Beruf hatte, als er 1859 nach Glasgow kam. 
Seine ersten Geigen waren nach Amati, die späteren 
nach Stradivari und Guarnerl gebaut. Erst 1888 eröff- 
nete er seine Geigenmacherwerkstatt. Er war auch ein 
vorzüglicher Geiger. 
Geigenzettel : David Arnot / Glasgow 1 889 (geschr:). 

Arnould, Eduard. — Moskau. Geb. in Mire- 

court, t 1895 

Ein Mirecourter Meister, der die letzten Jahre seines 
Lebens in Moskau tätig war und, nachdem er längere 
Zeit bei Salzard gearbeitet hatte, seine eigene Werk- 
statt eröffnete. Er wurde als Reparateur gelobt; seine 
wenigen neuen Instrumente hat er jedoch zu schwach 
gebaut. Sein Nachfolger war der ehemalige Tischler 
Petroff, der das Geschäft nur kurze Zeit weiterführte. 

Arphenmacher, Konrad. — Freiburg i. Schw. 

1454, t vor 1464 

Im Freiburger Bürgeraufnahmsbuche findet sich der 
Eintrag: »Cunradus dictus Arphenmacher f actus est 
burgensis supra domum suam sitam Freiburgi in angulo 
vici dicti Fischolan usw. Datum vicesima die januaru 
anno 1454.« — Ist es auch nicht durchaus sicher, daß 
dieser Konrad ein Harfenmacher war, so zwingt der 
Vergleich mit den übrigen Eintragungen doch dazu, an- 
zunehmen, daß »Harfenmacher« den Beruf und nicht 
etwa nur den Familiennamen bedeutete. 

Arphenmacher, Peter. — Freiburg i. Schw. 

1464 

Sohn von Konrad. Von ihm heißt es im Bürgerbuche 

S. 81b: »Petrus Arphenmacher filius Conradi recepit 



burgensiam ejusdem patris sui et factus est burgensis 
supra domum suam qu. fuit dicti patris sui sitam Fri- 
burgi in inferiori angulo vici dicti Fischolant juxta car- 
reriam. Datum 12^ die mensis marcii anno Domini 
1464.« 

Artaldus, Joannes Aloysius. — 1584 

Eine Cithara mit sieben Saiten in der Sammlung Alfr. 
Keil in Lissabon trägt diesen Namen nebst dem Datum 
25. Oktober 1 584. Die .Arbeit sieht italienisch aus. 

Artalli, Giuseppe Antonio. Mailand 1 765 

Selten vorkommender Meister. Seine Violinen sind dem 
Wurmfraß stark ausgesetzt, erinnern an Testores Ar- 
beiten und sind nicht schlecht im Ton. 

Arthmann^), Georg Valentin. — Wechmar bei 
Gotha. Geb. 19. Dez. 1750 in Wechmar, 

fdas. 11. Jan. 1799 

Er war Sohn eines Schreiners und selbst Schreiner und, 
wie es im Sterberegister zu Wechmar heißt: »besonders 
Instrument macher*. Wahrscheinlich war auch schon 
sein Vater Johann Philipp A. nebenbei Instrumenten- 
macher. Von beiden ist nichts Näheres bekannt. Georg 
Valentin A. war zw^eimal verheiratet, in erster Ehe(l 773) 
mit Maria Elisabeth geb. Fischer, von welcher er sechs 
Kinder hatte; aber nur sein ältester Sohn widmete sich 
der Geigenmacherkunst und brachte es darin zu ziem- 
licher Kunstfertigkeit. In seinem Trau- und Toten- 
schein wird er auch als Mitnachbar und Vormund- 
schaftsverwandter aufgeführt und als Todesursache epir 
demisches Faulfieber angegeben. 

Arthmann, Johann Nikolaus. — Wechmar bei 
Gotha. Geb. 11. März 1774 in Wechmar, 
fdas. 20. Dez. 1846 

Ältester Sohn des Schreiners und Instrumenten- 
machers Georg Valentin A. Er erlernte zunächst bei 
seinem Vater das Schreinerhandwerk und nebenbei den 
Instrumentenbau. Als Gehilfe kam er zu Ernst nach 
Gotha, dessen Schüler er nun als Geigenbauer wurde. 
Natürliches Talent und eine beim Vater schon er- 
worbene, nicht gewöhnliche Handfertigkeit brachten es 
bald dahin, daß er Tüchtiges im Geigenbau leistete. 
Nach dem Tode seines Vaters kehrte er nach Wechmar 
zurück und verheiratete sich 1812 mit Barbara Judithe 
SchüUer und verlegte sich ausschließlich auf den Gei- 
genbau. Nach Ottos .Aussage waren seine Geigen denen 
von Ernst in der Form sehr ähnlich und hatten einen 
starken, runden und dicken Ton, sprachen leicht an 
und wurden als gute Nachahmungen italienischer 
Meister betrachtet. Arthm.ann verkaufte seine Violinen 
zu zwei Louisdor'-), doch wurden sie, wenn sie gut ein- 
gespielt waren, schon zu seinen Lebzeiten wesentlich 
teuerer bezahlt. Trotzdem er sehr geschätzt war und 
von seinem Herzog öffentlich belobt wurde, lebte er 
doch in den bescheidensten Verhältnissen. Noch heute 



^) Wenn in der Literatur ein Geigenm.acher ».Altmann 
in Gotha« vorkommt, so ist das eine Verwechslung mit 
Arthmann. 

-) Vgl. Journal für Fabrik. 1797, Jan., S. 66. 



22 



Artn 



Aubry 



wird erzählt, daß es geradezu Staunen erregte, Arth- 
mann die feinsten Arbeiten ausführen zu sehen mit 
seinen ungeschlachten Händen, deren Finger von einer 
geradezu abnormen Breite waren. Nachdem er 1842 am 
18. Dezember seine Eh.efrau, die an der .Auszehrung 
starb, verloren hatte, siechte auch er dahin, bis er vier 
Jahre später an Altersschwäche starb. Kammermusikus 
E. G. Lind in Koburg besitzt ein Quintett (zwei Vio- 
linen, eine Viola, ein Violoncello und einen Baß) und 
einige einzelne vorzügliche Instrumente von ihm. 
Geigenzettel: J.N. Artmann in Wechmar / prope 
Gothan. 1835 (gedruckt). 

Artmann, H. — Capri. 19. Jahrhundert 

Ein Mandolinenmacher, der wahrscheinlich ursprüng- 
lich Hartmann hieß. Er war nicht ungeschickt, Gustav 
Hering in München besaß eine hübsche Mandoline 
von ihm. 
Geigenzettel : Capri / H. Artmann (geschrieben). 

Arvesen, C. Ferd. — Kopenhagen 

Dänischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der 
Nordischen Kunst- und Industrieausstellung 1888 mit 
einer Violine vertreten war. 

Ascensio, Dom Vicenzo. — Madrid. 1 775. 1 790 

Ein Priester, der sich mit dem Anfertigen und be- 
sonders mit dem Ausbessern von Geigen befaßte. Sein 
Geschäftstagebuch soll noch vorhanden sein, aus dem 
hervorgeht, daß er vom spanischen Hofe beschäftigt 
wurde und sich sowohl an Werken von Stradivari wie 
von Stainer vergriffen hat. Vgl. die »Greffuhle Stra- 
divarius« (Stuttgart, Hamma & Co.). 

Askew, John. — Stanhope, Darlington. 1879. 

1885 

Ein Schuhmachermeister, der auf der Londoner „Inven- 
tionsexhibition" für zwei gut gebaute Violinen eine 
bronzene Medaille bekam. 

Askey, Samuel. — London. 1785, f um 1840 

Ursprünglich zum Klempner bestimmt, wurde er an- 
geblich Schüler von John Morrison und arbeitete um 
1825 für G. Corsby. Wenig ansprechende Arbeit. 
Manche glauben, den Namen Astley lesen zu müssen. 
Geigenzettel: Askey ,' No. 9 Fleet Lane / 1785 (gedr.). 

Aspinall, James. — Bolsterstone. Geb. 1855 
Er baut nach Riechers Stradivari-Patron und ver- 
wendet Whitelaws Lack. 

Asplund, C. E. — Skultuna. Wahrscheinlich 

18. Jahrhundert 

Verfertiger einer %-Geige im Museum zu Gothenburg, 

deren eckenloser, gitarrenähnlicher Körper aus Messing 

besteht. Hals, Schnecke und Saitenhalter usw. sind aus 

Holz. 

Assalone, Gasparo (Gaspero) d'. — Pesaro und 

Rom (?) 

Ein zweifellos erfundener Geigenmacher, von dem be- 
hauptet wird, daß er um 1690 und noch um 1740 gelebt 



haben soll. Man sagt, daß er im Umriß das Amatimodell 
nachahmte, jedoch die Wölbung zu hoch nahm und 
unsauber arbeitete. Wahrscheinlich ist dieser Gasparo 
d' Assalone aus dem Namen Gasparo da Salos ent- 
standen. Die Zettel mit seinem Namen sehe ich als Fäl- 
schungen an. 

Atelbotinger (Adelbodinger), Johann Georg. — 
Hermannstadt (Nagy-Szeben). 1783 

Advokat Zins in Agöta besitzt eine Geige von ihm mit 
dem Zettel : Johann Georg Atelbotinger / Geigen unt 
Lauten macher/ zu Herrmann Stadt Anno 1783 (gedr.). 
Leider kommt sein Name in den Hermannstädter Ar- 
chivalien nicht vor. 

Atkmson, William Thomas Reed. — London, 
Tottenhamm. Geb. in Stepney 23. Oktober 

1851 

Ursprünglich Seemann, kam er dann zu einem Tischler 
in die Lehre und begann 1869 seine erste Geige zu 
bauen, die ihm so viel Freude machte, daß er eifrig 
arbeitete, um sich zu vervollkommnen. Schließlich ver- 
legte er sich ganz auf den Geigenbau und eröffnete 1881 
in Tottenhamm seine Werkstatt. Er baut nach eigenen 
Modellen Geigen, die er mit Bernsteinlack überzieht. 
Seine Arbeit ist sorgfältig, der Ton gut. Er erhielt in 
Paris 1889 und in Edinburgh 1890 Medaillen. Meredith- 
Morris brachte seine Biographie in »The Strad« 1900 
Nr. 127. 

Geigenzettel: William Attkinson ,' in Tottenham 1892 
(gedruckt). 

Attore, Michele. — Padua, Venedig. 1583. 

• 1620 

Ein Lautenmacher, von dem sich hauptsächlich Archi- 
lauten erhalten haben. Eine Chitarrone von 1620 aus 
Venedig besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum 
in Köln (Nr. 513). 

Atze. — Breslau 

Guter Geigenreparateur. Vgl. Schles. Tonkünstler- 
lexikon. Breslau 1846. 

Aubert. — Troyes. 1767. 1789 

Als Geigenmacher nicht bemerkenswert; dagegen 
kommen gute Gitarren und Lauten von ihm vor; eine 
solche mit zwei Hälsen befindet sich aus der Sammlung 
Snoeck (Nr. 355) in Berlin. Eine zehnsaitige Gitarre 
aus abwechselnden Streifen von Rosenholz und Ahorn 
mit dazwischenliegenden Ebenholzadern und ähnlich 
behandeltem Halse und Wirbelbrett besitzt Fritz Wild- 
hagen in Haiensee. Sie trägt den Brandstempel : Aubert 
a Troyes. 

Aubry. — Mirecourt. 1 8. Jahrhundert 

Eine Geigenmacherfamilie, von der eigentlich kein Mit- 
glied zu größerer Bedeutung gelangt ist. Auf Pierre, der 
schon 1738 vorkommt, folgen Franq:ois (1758. 1765), 
Charles (1753. 1765), Nicolas (1762) und Dominique 
(1772). Sie scheinen auch weder Zettel noch Brand- 
marken gebraucht zu haben. 



Aubry — Avorie 



23 



Aubry, Fran^ols. — Mirecourt. 1757. 1767 

! Er galt als guter Bogenmacher. 

Aubry, Jacques (?). — Paris. 1840 

Aldrlcs Neffe und Geschäftsnachfolger, der vermutlich 
vorher in Remiremont tätig war. In Paris war er nur 
Händler, der andere für sich arbeiten ließ. 

Audinot, Charles I. — Mirecourt. 1763 

Einer der besseren Mirecourter Geigenmacher seiner 
Zeit. 

Audinot, Charles II. — Mirecourt. Geb. 1 788, 

t gegen 1850 

Em guter Handwerker, dessen .■arbeiten ohne künst- 
lerischen Wert sind. 

Audinot, Leopold. — Mirecourt. Geb. 1811, 
t 1891 

Sohn von Charles A. und wahrschemlich auch sein 
Schüler. Seme Arbeit ist von gewöhnlicher Mirecourter 
Art. Er war der Schwiegersohn und Nachfolger von 
Laurent Bourlier. 

Audinot, Nestor Dominique. — Paris. Geb. 
in Mirecourt 12. Dez. 1842 

Nachdem er bei seinem Vater Leopold A. ausgelernt 
hatte, kam er 1863 nach Paris zu Seb. Vuillaume und 
machte sich 1868 in der Rue Faubourg St. Denis 17 
selbständig. Nach 1875 wurde er S. Vuillaumes Nach- 
folger und wohnt jetzt Boulevard Bonne Nouvelle 1 7. 
Er ist ein ebenso geschickter Geigenmacher wie ge- 
suchter Reparateur und wendet dem Studium des 
Lackes seine besondere Sorgfalt zu. Er hat etwa 600 In- 
strumente gebaut und gilt auch als em tüchtiger Bogen- 
macher. 

Geigenzette! : Abb. 8 und 1 6. 

Audinot, Nicolas I. — Mirecourt. 1742 

Vielleicht der Stammvater und der erste Geigenmacher 
seiner Familie. 

Audinot, Nicolas II. — Mirecourt. 1845. 1891 

Nachdem er den Militärdienst verlassen, verlegte er 
sich auf den Geigenbau und machte billige Geigen. 
Einige derselben tragen seinen Namen eingestempelt 
und sind aus Paris datiert. Er soll bei einem Mirecourter 
Vuillaume gelernt haben und ist mit den übrigen Gei- 
genmachern seines Namens nicht verwandt. 

Audinot, Victor. — Mirecourt. 1912 

Er ist nicht mehr der jüngste Geigenmacher aus seiner 
Familie, da er auch seinen Sohn, der sein Schüler ist, 
Geigenmacher werden ließ. 

Ausaire. — Paris. Um 1830 

Als Geigenmacher nur ein Handwerker. 

Ausold(Unseld), Christoph. — Ulm. 1586. 1591 

Ein Lautenmacher, von dem die Stuttgarter Hofkapelle 
wiederholt Saiten bezog. 



Ausold (Unseld), Georg. — Ulm. 1609 

Vielleicht ein Sohn Christophs. Auch er verkaufte der 
Stuttgarter Hofkapelle Saiten. 

Augiere. — Paris, 1830 

Er war lange Zeit Gehilfe von Clement. Um 1830 
machte er sich selbständig und verband sich mit Calot. 
Sie hatten ihr Geschäft in der Rue St. Eustache Nr. 12 
und bauten viele Instrumente, die weder besonders zu 
loben noch zu tadeln sind. Französischer Stil, roter und 
rotbrauner Lack. 

Austine, Arthur. — London. 1900 

Ob die Violinen mit seinem Zettel von ihm gemacht 
sind, konnte ich nicht feststellen. 

Auteur, Baptiste. — Paris. Um 1850 

In tadellos gearbeiteten Gitarren von schönem Ton 
findet man den Zettel: (Vignette) ' Guitarre la Pre- 
votte / Dediee aux Dames. / Luthier B'^ Auteur / 
Rue Richelieu N° 10 / Paris (gedruckt). 

Autieio, Gaetan. — Avignon (Vaucluse). Geb. 

14. Okt. 1853inTeano (Italien) 

Schüler seines Vaters Paride A. Im Jahre 1 876 wurde er 
Abeilles Nachfolger in Avignon. Seine Werkstatt be- 
fand sich erst Rue Saunerie No. 3 und wurde später 
nach der Rue des Marchands 28 verlegt. Seit er sich in 
Frankreich ansässig machte, beschränkte er sich auf den 
Handel und unterhält eine Reparaturwerkstatt für alle 
Arten von Musikinstrumenten. 

Autiero, Joseph. — Avignon. Geb. 31. Dez. 
1858 in Teano (Italien) 

Er ließ sich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts als 
Geigenmacher und Reparateur in Avignon nieder, wo 
er Rue des Marchands No. 30 wohnt. Er handelt mit 
allenMusikinstrumenten und besitzt mehrere Medaillen. 

Geigenzettel : Repare par J^" Autiero / luthier / Avignon 
anno 1886 (gedruckt). 

Autiero, Paride. — Teano. 1860. 1870 

Ein fleißiger Geigenmacher, der mit seinen Söhnen alle 
Arten von Geigen und Mandolinen usw. gebaut hat, 
ohne dabei gerade bemerkenswerte Künstlerschaft an 
den Tag zu legen. 

Geigenzettel : Paride Autiero / fecit Teano 1865 (gedr.). 

Auversen, Sveinung. — Lunde (Telemarken). 
1897. 1902 

Norwegischer Geigenmacher der Gegenwart, der sog. 
Hardangerfiedeln herstellt. 

Avenia s. D'Avenia 

Avorie, Henry. — Edinburgh. 1765 

Wenig bekannter Geigenmacher, der englischen Schule 
nahestehend. 



24 



Baad 



aader 



Bachi 



achmann 



Baader, J. A., & Co. — Mittenwald 

Neben Neuner & Hornsteiner die bedeutendste Firma 
in Mittenwald, die ihre Gründung m das Jahr 1790 
setzen kann. Em großer Teil der Geigenmacher des 
Ortes steht in Diensten dieser Firma oder arbeitet für 
dieselbe. Der langjährige Inhaber Johann Paul Baader 
starb am 24. Juni 1899 im 89. Lebensjahre. Der in- 
zwischen gleichfalls verstorbene Max B., geboren 
18. Januar 1843, war sein Nachfolger. Er lernte im 
väterlichen Geschäfte, unternahm zu seiner weiteren 
Ausbildung Reisen durch Deutschland, England und 
Amerika. Er war, wie sein Vater, Hoflieferant und ar- 
beitete mit trefflich geschulten Leuten. Der jetzige 
Firmeninhaber ist sein Sohn Adolf Baader, geb. 1876. 
Er ist Bürgermeister von Mittenwald. Die Firma besitzt 
ein eigenes Sägewerk und beschäftigt etwa 160 Heim- 
arbeiter mit Teilarbeit und eine Anzahl im Betrieb 
dauernd angestellte Leute. Die Geigen sind trotz ihrer 
ungewöhnlichen Billigkeit recht gut, das Holz ist schön, 
ebenso der Ol- oder Spirituslack. Auch die Zithern, die 
bei ihm hergestellt werden, entsprechen strengen An- 
forderungen. Er verwendet Zettel mit seiner Firma. 

Baader s. auch Bader 

Baarsen, Johannes. — (Norwegen.) 1812 

In Alfr. Keils Sammlung in Lissabon befindet sich eine 
Hardangerfledel mit diesem Namen. 

Baas, Peter Nielsen. — Kopenhagen. 1708 

Seine Arbeiten erinnern an die deutsche Schule. Eine 
sechssaitige Tenorviola di Gamba befindet sich bei 
Claudius in Kopenhagen. 

Geigenzettel : Peter Nielsen Baas / in Copenhagen 1 708 
(gedruckt). 

Babos, Bela (Adalbert). — Hermannstadt (Nagy 
Szeben). 1915 

Siebenbürgischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Babos, Sändor (Alexander). — Szegedin. 
1915 

Bruder von Bela und wie dieser Geigenmacher. 

Babutzky, Leo. — Mährisch - Neustadt. 
1914 

Ursprünglich Bildnismaler, Schüler der Münchener 
und Wiener Kunstakademie, wurde er durch den Tod 
seines Vaters veranlaßt, in die Heimat zurückzukehren. 
Ein Zufall führte ihn mit einem ehemaligen Gesellen 
des alten Paflik in Troppau zusammen, der ihm die 
wichtigsten Handwerksgriffe beibrachte. Durch eifriges 
Studium vervollkommnete er seine Kenntnisse und 
baut jetzt recht gute Geigen. Seine Erfahrungen als 
Maler kommen ihm bei der Herstellung seines Lackes 
sehr zustatten. 

Bacchetta (Barchetta), Giuseppe. — Cremona 
und Mantua. 1784 

Ein selten vorkommender Geigenmacher, von dem ich 
eine Viola gesehen habe, bei der außer dem Lack wenig 



zu 



loben 



war. 



Bacco (Backo), Heinrich. — Mannheim. Geb. 
8. Aug. 1818 in Mannheim, f um 1885 

Er war der Sohn eines Mannheimer Schiffsknechts; wo 
und bei wem er gelernt hat, ist nicht bekannt, aber be- 
reits im Jahre 1837 führte er Reparaturen für das Hof- 
theater-Orchester aus. In den Mannheimer Adreß- 
büchern kommt er von 1852 bis 1885 als Instrumenten- 
macher vor, und als solcher hat er am 20. Juni 1865 das 
angeborene Bürgerrecht angetreten. Er scheint sich aus- 
schließlich mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt zu 
haben, vorzugsweise wird sein Reparaturzettel in Bäs- 
sen und Violoncellis gefunden. 

Geigenzettel : H. Bacco / in / Mannheim / Repare 1840 
(geschrieben). 

Bach, H. E. — Melbourne. 1888. 1906 
Geigenmacher, der als Reparateur gelobt wird. 

Bach, Johann Sebastian. Geb. 21. März 1685 
in Eisenach, f 28. Juli 1 750 in Leipzig 

Einer der größten Tonschöpfer aller Zeiten, der hier als 
der Erfinder der »Viola pomposa" aufgeführt werden 
darf. Das Instrument war eine übergroße Viola mit 
fünf Saiten und nahm im Orchester etwa die Stelle 
ein, die jetzt dem Violoncello zugewiesen ist, das die 
Viola pomposa auch vollständig verdrängt hat. 

Bachelier, Jean Gaspard. — Paris. 1 777. 1 789 

Unbedeutender Geigenmacher, der nur handwerks- 
mäßig arbeitete und seine Geigen selten bezeichnete. 
Er wohnte zuerst in der Rue de la Tissanderie und von 
1783 an Place Baudoyer. 

Bachman, A. — Amsterdam 

In der Mitte des 19. Jahrhunderts soll ein Geigen- 
macher dieses Namens in Amsterdam gelebt haben, 
etwas Näheres über ihn war jedoch nicht zu erfahren. 
Er dürfte mit dem Geigenmacher Johannes Bachmann 
identisch sein. 

Bachmann, Anton. — Berlin. Geb. 1716 in 
Berlin, f 8. März 1800 daselbst 

Er war schon mit 30 Jahren Königlich Preußischer Hof- 
instrumentenmacher und stand in einem Ansehen, das 
seine Arbeiten nicht rechtfertigen. Seine Violen und 
Violoncelli werden allerdings ihres starken Tons wegen 
noch heute von Orchestermusikern sehr geschätzt, 
klingen aber roh. Er hat nie gute Modelle gehabt und 
nie gutes Holz — das er sich zu seiner Zeit in Berlin frei- 
lich nur schwer hätte verschaffen können — verarbeitet. 
Einige seiner Geigen gab er für Kopien nach Stradivari 
aus, er hat, nach diesen zu urteilen, aber nie em echtes 
Instrument gesehen. Seine Wölbung ist steif, nach den 
Backen zu plötzlich abfallend und in der Brust zu dick, 
der Lack stumpf, von häßlicher brauner Farbe. Eine 
Viola da Gamba von 1 746 von besserer Ausführung be- 
wahrt die ehem. Königliche Sammlung alter Musik- 
instrumente in Berlin (Nr. 831), ein Violoncello von 
1757 die Schweriner Hofkapelle, eine mandolinenartige 
Laute von 1784 mit hübschem Dachstern Fritz Wild- 
hagen in Haiensee bei Berlin. Mehrere Erfindungen, die 



Bachmann — Bader 



25 



gewöhnlich seinem Sohne zugeschrieben werden, dürf- 
ten von ihm herrühren, z. B. Gitarren mit Hammer- 
klaviatur, aber nur seine 1 778 bekannt gewordene Er- 
findung des Schraubenmechanismus am Kopf der 
Bässe hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Sem 
zweiter Sohn, Friedrich Wilhelm B., soll zwar auch das 
Geigenmachen erlernt haben, er war aber Berufs- 
musiker (Geiger) und Kapellmeister und soll sich von 
1797 an nebenbei auch auf den Handel mit Musik- 
instrumenten verlegt haben. Vgl. Allg. D. Biographie, 
Ledeburs Tonkünstlerlexikon Berlin usw. 
Geigenzettel : Abb. 36. 

ßachmann, Johannes. — Amsterdam. 1840 
Er stammte aus Deutschland und hatte in der 
Agnietenstraat seine Werkstatt. Seine Geigen waren 
sauber gearbeitet, besonders wurde er als Baßmacher 
geschätzt. 

Bachmann, Johannes Ernst. — Sneeck. Gro- 
ningen. Geb. 13. Juni 1851 in Amsterdam. 

f in Groningen 

Sohn und Schüler von Johannes B. Nachdem er eine 
Zeitlang Geigenmacher der städtischen Musikschule 
in Sneeck (Friesland) gewesen war, ließ er sich in 
Groningen nieder. Er arbeitete zumeist nach Stradi- 
vari, aber auch nach Brescianer Vorbildern. 

Bachmann, Karl Ludwig. — Berlin. Geb. 

1748, t 26. Mai 1809 

Sohn von Anton B. und ursprünglich zum Musiker 
ausgebildet. Er war ein Virtuose auf der Viola, trat 
1765 in die Königliche Kapelle in Berlin als Kammer- 
musikus ein und errichtete 1770 mit Benda zusammen 
ein sehr geschätztes Liebhaberkonzert, wobei er bis zu 
Bendas Tod freilich nur als Geschäftsführer hervor- 
trat'). Mehr und mehr wandte er sich mit der Zeit dem 
Geigenbau zu. Im Jahre 1785 verheiratete er sich mit 
der als Klavierspielerin und Sängerin geschätzten Char- 
lotte Caroline Stöwe (f 19. August 1817). Er war sorg- 
fältiger in der Wahl des Holzes als sein Vater, auch sind 
seine Geigen regelmäßiger gebaut, nur etwas zu dick im 
Holz. .4m besten sind jedenfalls seine Bratschen. Eine 
solche besitzt Rechnungsrat Friedrich in Posen. 
Geigenzettel : Carl Bachmann in Berlin 1 796 (geschr.). 

Bachmann, Otto. — Halberstadt. 1830. 1835 

Tüchtiger Meister, der sich sowohl im Neubau als auch 
im Wiederherstellen alter Geigen bewährte. Er gab e;p.e 

P Schrift unter dem Titel : Theoretisch-praktisches Hand- 
buch des Geigenbaues usw., Leipzig 1835 bei G. Basse, 
heraus. Er scheint vor 1848 bereits gestorben zu sein, 

! da er in den Meldelisten von Halberstadt im Jahre 1848 
nicht mehr vorkommt. 

Bachmann, Wilhelm. — Brunn. 1810. f 1856 

In einer Gitarre fand ich seinen Namen. Er wurde 1810 
Bürger und am 5. Mai desselben Jahres als »Instru- 
mentenmacher« Mitglied der Tischlerzunft. 



^) .Ms Kapellmeister wurde er später sehr abfällig be- 
urteilt. 



Backman, Carl. — Nyköping. 1828 

Ein schwedischer Geigenmacher ohne hervorragende 
Eigenschaften. 

Backmann, David. — St. Petersburg. 1834. 

1840 

Nach einer gut gearbeiteten Violine zu urteilen, die 
seinen geschriebenen Zettel trug, war er einer der ge- 
schicktesten Geigenmacher, die zu seiner Zeit in Ruß- 
land tätig waren. 
Gelgenzettel: David Backmann / in Petersburg 1840. 

Bacso, Istvan (Stephan). — Szegedin. 1905 

Ist mir nur als Reparateur bekannt geworden. 

Baczynski, Ladislaus. — Krakau. 1902 

Polnischer Geigenmacher der Gegenwart. 
Geigenzettel: Ladislaus Baczyiiski — fecit Cracoviae 
19 . . (gedru:kt). 

Bader, Daniel. — Antwerpen. 1600. 1607 

Eine Theorbe mit diesem Namen wurde 1869 in Lon- 
don versteigert. Sie rührte jedenfalls von jenem Daniel 
Bader her, der, ein Deutscher, im Jahre 1600 als Orgel- 
und Clavecinmacher in die Antwerpener Gilde aufge- 
nommen wurde und 1607 noch gelebt hat. 

Bader, Johann. — Mittenwald. 1760. 1763 

Gute Arbeit nach den Traditionen der Klotzschen 
Schule. 

Baders Erben. — München 

Eine Geigenmacherfirma, die um 1844 in München 
eine Niederlage von Mittenwalder Instrumenten hatte. 

Bader, Franz. — Mittenwald. 1889. f nach 

1912 

Ein tüchtiger Meister, der seit 1889 als Geigenbau- 
lehrer an der Mittenwalder Fachschule wirkte und sich 
als solcher große Verdienste um die blühende Industrie 
seiner Heimat erworben hat. Seine letzten Lebensjahre 
verbrachte er in wohlverdientem Ruhestand. 

Bader, Johann. — Mittenwald. Geb. 5. April 
1876 in Mittenwald 

Er besuchte durch drei Jahre die Mittenwalder Geigen- 
bauschule und arbeitete dann fünf Jahre lang als Ge- 
hilfe bei Joh. Padewet in Karlsruhe, K. A. Hörlein in 
Würzburg, 0. Migge in Koblenz und Gius. Fiorini in 
München. Im Jahre 1901 machte er sich in Mittenwald 
selbständig, und es gelang ihm bald, sich durch tadel- 
lose .Arbeit einen bedeutenden Ruf zu erwerben. Eine 
Zeitlang war er auch als zweiter Lehrer an der Mitten- 
walder Geigenbauschule tätig. Hauptsächlich beschäf- 
tigt er sich mit dem Neubau von Soloviolinen, die er 
nach Stradivari, Guarneri, N. Amati und Maggini aus- 
führt. Seinen Lack (Öl- und Spirituslack) bereitet er 
sich selbst. Er baut auch Lauten und Gitarren und ist 
ein geschickter Reparateur. 
Geigenzettel : Johann Bader. Mittenwald. 1909. (gedr.)- 



26 



Bader — Bailly 



Bader, Josef. — Mlttenwald. 1748 

Klotz-Schule; seine Geigen sind nach der Form gebaut 
und dem kleinen Amati-Modell nachgeahmt. Das Holz 
ist gut gewählt, der Lack braun. 

Bader, Martin. — Mittenwald. 1730. 1736 

Er darf als ein echter Schüler von M. Klotz angesehen 
werden. Seine Geigen smd gut und kommen denen 
seines Lehrers nahe; nur soll er auch den Zettel 
Stainers häufig mißbraucht haben. 

Bär (Bahr, Beer), Andreas. — Wien. 1679. 
t 16. März 1722 

Wahrscheinlich aus Füssen emgewandert, oder zu der 
Familie Perr (aus der Ramsau stammend) gehörig und 
vielleicht ein Sohn von Hans Perr, der semen Namen 
auch gelegentlich Beer schrieb. Er nennt sich auf seinen 
Zetteln ausdrücklich »bürgerlicher Lautten- und Gei- 
genmacher«, doch war es mir nicht möglich, seine 
Bürgeraufnahme zu ermitteln. Seine Violen waren in 
ihrer Ausführung nicht hervorargend ; Violinen dürfte 
er nur wenige gemacht haben, wodurch sich ihr seltenes 
Vorkommen erklärt. Sie sind unansehnlich, braun 
lackiert, besser dagegen sind seine Lauten, und Baron 
sagt von ihm in seiner Untersuchung des Instrumentes 
der Lauten, nachdem er erwähnt, daß er als Lauten- 
macher berühmt sei : »Was [Andreas Bahr] anlanget, so 
arbeitete er breitspänicht, und sind seine Instrumente 
von dem hochberühmten Graffen Logi^) ungemein 
aestimirt worden« (S. 96). 

Baer. — Meiningen. 1917 

Ein Kammermusiker, der auch als geschickter Geigen- 
macher gilt. 

Baffo, Antonio (Joannes Antonius). — Venedig. 
1523. 1581 

Er wird mehrfach als Lautenmacher erwähnt, doch es 
gelang mir nur, ihn als den Erbauer von schönen Harfen 
und Klavizimbeln nachzuweisen. 

Geigenzettel: Antonius Baffo Venetus fecit (gedruckt). 
Bagany. — Pottendorf. 1822 

Auch einer von den unglücklichen Reformatoren des 
Geigenbaues. Er erfand Geigen, deren Decke aus Eisen- 
blech hergestellt wurde, die aber trotz ihrer Billigkeit — 
das Stück kostete 4 fl. 48 kr. C. M. — die Welt nicht 
eroberten. 

Bagatella, Antonio. — Padua. Geb. 21. Febr. 
1755, 125. Mai 1829 

Sohn des Gaetano B. und der Catarina Coppo-Scan- 
ferla. Er wollte ursprünglich Geiger werden und war 
vermutlich ein Schüler seines Verwandten Pietro B. 
Ein literarisch und musikalisch gebildeter Mann. Seine 
Bedeutung liegt allerdings weniger in seiner Kunst als 
Geigenmacher, als vielmehr darin, daß er eine .Ab- 
handlung über die Theorie des Geigenbaues schrieb, 
für welche er 1 782 einen von der Akademie der Wissen- 



^) Berühmter Lautenspieler, t 1721 in Prag im Alter 
von etwa 80 Jahren. 



Schäften in Padua ausgesetzten Preis erhielt. Diese Ab- 
handlung wurde ] 786 auf Kosten der Akademie ge- 
druckt und ist seitdem wiederholt erschienen und so- 
wohl mehrfach ins Deutsche als auch ins Französische, 
Englische usw. übersetzt worden. Seine Arbeit ist sehr 
überschätzt worden, denn etwas Sicheres wußte er doch 
nicht. Vieles von dem, was er vorschlägt, hat sich niclit 
bewährt. Wenn man auch annehmen will, daß er das 
Geigenmachen erlernt hat, so scheint er doch die 
Lücken seines Wissens durch selbsterfundene Theorien 
ausgefüllt zu haben. Trotzdem verdankt man ihm bis zu 
einem gewissen Grade die wenigen auf uns gekommenen 
Grundsätze, nach denen die alten italienischen Meister 
gearbeitet haben. Über sein Leben ist nicht viel mehr 
bekannt, als was er in seiner Schrift selbst erzählt, und 
daß er mit Antonia Pelizzari verheiratet war, ver- 
schiedene Kinder hatte und gänzlich verarmt und er- 
blindet starb. Eine Zeitlang arbeitete er mit Danieli 
zusammen. Eine Geige mit seinem Namen, von guter 
Arbeit und rotem Lack, vmrde kürzlich in England um 
ca. 1000 Mk. gekauft. Eine andere zum Verkauf aus- 
gebotene Geige von ».'\ntonio Bagoletto in Padua, 1 782« 
dürfte, wenn sie echt war, gleichfalls von Bagatella ge- 
wesen sein. — Er ahmte Jos. Guarneri nach und steht 
Joseph Rocca nahe. 

Geigenzette! : .Antonius Bagatella delectens / fecit 
Patavij Anno 1 794 (gedruckt). 

Bagatella, Pietro, gen. Piclno. — Padua. 1712, 
soll 1 760 noch gelebt haben 

Vermutlich der Großvater oder Oheim Antonios. Er 
verwendete ein sehr hochgewölbtes Modell und dunkeln 
Lack. Um 1726 soll auch ein Carlo Picino als Geigen- 
macher gelebt haben. 

Bagnini, Orazio. — Florenz. 1661. 1667 

Sohn von Antonio B. Ein von Vidal und Valdrighi er- 
wähnter, sonst aber nicht bekannter Lautenmacher des 
1 7. Jahrhunderts. 

Bailly, Antoine. — Mirecourt. 1 770 

Ein Geigenmacher, der um 1 772 seinen Heimatsort ver- 
lassen hat. Ein anderer Antoine Bailly kommt 1 763 bis 
1 785 als Bogenmacher vor. 

Bailly, Joseph. — Mirecourt. 1770. 1790 

Seinen Namen fand ich in einer sauber gearbeiteten 
Violine, die ein Wiener Musiker besaß. 

Bailly, Paul. — Mirecourt, London, Paris. 
Geb. in Mattaincourt 13. April 1844 

Er erhielt seine erste Ausbildung in Mirecourt bei Jule« 
Gaillard, Prosper Gabasse und P. G. Grandjon. Hierauf 
arbeitete er bei Fran^ois Vuillaume, der ihn zu seinem 
Bruder J. B. V. nach Paris schickte, hier blieb er meh- 
rere Jahre und wurde 1869 zum Geigenmacher der 
Musikakademie in Douai ernannt. 1892 ging er nach 
Mirecourt zurück und arbeitete hauptsächlich für die 
ersten Pariser und Londoner Firmen. Während dieser 
Zeit bildete er auch viele Lehrlinge aus, 1884 zog er 
nach Paris und blieb wieder mehrere Jahre da ; dann 
verlegte er seine Werkstatt nach London und 1898 end- 
gültig nach Paris zurück, wo er jetzt Rue de Grenelle 



Baines — Baldantoni 



27 



Nr. 197 wohnt. Er baut nach allen Modellen, auch nach 
englischen, seine Violinen hauptsächlich nach der 
»Messias« von Stradivari. Für seine Violoncelli zieht er 
ein großes Patron vor und verwendet einen schönen, 
kastanienbraunen Ollack. Der Ton seiner Geigen ist 
edel und gleichmäßig in allen Lagen und seine Arbeit 
vorzüglich, er besaß 1990 bereits mehr als 10 Medaillen 
usw. Bekannt sind seine von Prof. Wagner in Lissabon 
veranlaßten Versuche, Geigen ganz aus dem brasilia- 
nischen Murtaholz zu bauen. Jetzt arbeiten auch seine 
Söhne bei ihm. 

Geigenzettel : Paul Bailly luthier ä Mirecourt, Vosges / 

Eleve de J. B. Vuillaume de Paris / Luthier de l'aca- 

! demie de musique de Douai (gedruckt) und Abb. 52. 

Baines. — London. 1780 

Man weiß von ihm nur wenig mehr, als daß er ein 
Schüler von Matthew Furber war. 

Balrhoff, Giorgio. — Neapel. 1757. 1786 

Da der seltene Name Bairhoff in Füssen vorkommt, 
darf man annehmen, daß auch er aus Füssen stammte 
und einer der vielen Deutschen war, die als Gehilfen 
bei den Gaglianos und anderen gearbeitet haben und 
schließlich in Italien seßhaft geworden sind. Seine Ar- 
beit erinnert an G. u. N. Gagliano, er benutzte ein 
schönes, breites, flaches, manchmal mittelgroßes Mo- 
dell. Seine Geigen sind dick im Holz, haben eine wenig 
elegante Schnecke, aber meist großen Ton und sind 
zumindest sehr gute Orchesterinstrumente. (Barthoff 
statt Bairhoff zu lesen ist falsch.) 

Geigenzettel: Giorgio Bairhoff Fecit ' Naooli 1757 
(Initiale.! im Kras) (gedruckt) und Brandmarke Nr. 24. 

Baisch, Samuel. — Stuttgart. 1572. f 1593 

Ein Geistlicher, der früher Pfarrer in Gundringen und 
Altburg war und wahrscheinlich in Füssen in die Ge- 
heimnisse der Lautenmacherei eingeweiht wurde. Er 
kam 1 572 nach Stuttgart und wurde bald darauf in der 
Hofkapelle als Musiker und Instrumentenmacher ange- 
stellt, wo er nach Thanners Tod auch eine Zeitlang die 
Musikinstrumentenwerkstatt leitete. Noch im Jahre 
1585 kaufte er von dem Füssener Lautenmacher Ma- 
thias Stehelin, der damals in Hausen a. d. Fils lebte, 
allerlei Werkzeuge, obwohl er schon 1 582 zu seinem 
geistlichen Berufe zurückgekehrt und Pfarrer in Both- 
nang geworden war. Im Jahre 1 592 wurde er als mark- 
gräfÜch badischer Pfarrer nach Bohlingen berufen, wo 
er schon ein Jahr darauf starb. 



Mailand. 1838. f nach 



Bajoni, Luigi. 

1878 

Obwohl er sich bestrebte, an die Traditionen seiner 
heimischen Schule anzuknüpfen, fehlte ihm doch die 
rechte Begabung, um sich aus seinem Handwerk zur 
Kunst zu erheben. 

Baker, E. L. — New London (Conn.) 1849 
Amerikanischer Geigenmacher und Händler. 

Baker, Francis. — London. 1696 

Vielleicht ein Bruder des Oxforder Meisters und 
diesem in seiner Arbeit ebenbürtig. Eine vorzügliche 



Baßviola, die aus dem Besitze des Cellisten Tolbecque 
stammt, bewahrt das Konserv'atonum in Brüssel. 
Geigenzettel: Francis Baker in Pauls church / Yard , 
1696 London (gedruckt). 

Baker, John. — Oxford. 1688. 1720 

Die Violenbauer des 17. Jahrhunderts in England 
standen im höchsten Ansehen bei allen Musikern und 
w-urden damals von vielen den Italienern vorgezogen. 
Zu den englischen Meistern, die diese hohe Wert- 
schätzung durch ihre Arbeit rechtfertigen, gehört auch 
John Baker, von dem nur vortreffliche Violen und 
Gamben bekannt sind. Sein Lack ist von hellgelber 
Farbe. Eine schöne Viola da Gamba von ihm war 1872 
im South Kens. Mus. ausgestellt. 

Geigenzettel : John Baker / Oxon / 1 688 (gedruckt). 

Baker(Bakker), William. — Oxford. 1673. 1683 

Das Selhofsche Auktionsverzeichnis (Hag 1759) nennt 
eine Gamba von ihm. Es liegt nahe, diesen William für 
den Vater von John und vielleicht auch von Francis zu 
halten. Eine Violine und eine Viola besitzt T. W. Tap- 
house. 

Baker. — Brighton. 1820. 1830 

Von ihm weiß ich nur, daß er u. a. einige sehr gute 
Bässe gebaut hat. 

Balcaini 

Eine Geige mit diesem sonst unbekannten Namen, 
kleines Amati-Modell, boten G. Withers & Sons vor 
dem Kriege um 15 £ an. 

Baldantoni, Giuseppe. • — Ancona. Geb. 

19. März 1784, t 5. Jan. 1873 

Einer Familie von Mechanikern entstammend, erlernte 
er in seiner Jugend bei dem als Lehrer geschätzten 
Geiger Nappi das Viollnspie!. Nappi führte kleinere 
Reparaturen an Geigen selbst aus und leitete auch seine 
Schüler dann an, was Baldantoni veranlaßte, selbst zu 
versuchen, eine Geige zu bauen. Wenn diese im Äußern 
auch wohlgelungen aussah, so war sie doch in allen 
Maßen usw. verfehlt, und erst, als ihm Bagatellas Schrift 
in die Hand fiel, kam erdazu, den Gelgenbau ernsthafter 
zu studieren. Er tat dies von nun an mit Eifer und war 
nach jahrelangen Bemühungen wirklich imstande, Gei- 
gen von schöner Form und gutem, weichem Klang her- 
zustellen, wobei er ein großes Stradivanmodell bevor- 
zugte, nur die F- Löcher lassen oft den rechten Schwung 
vermissen. Er hat an 200 neue Violinen, Violen, Violon- 
celli und Bässe gebaut, obwohl er auch als Mechaniker 
vielbeschäftigt war. 1869 erhielt er eine goldene Me- 
daille für seine Erfindung einer sehr zweckmäßigen 
Mechanik für Trommeln, auch die von ihm verfertigten 
Stimmgabeln waren geschätzt. Seine Geigen sind 
sauber durchgearbeitet, haben flache Wölbung und 
braungelben Lack. Merkwürdigerweise werden seine 
Geigen oder solche, die man ihm nur zuschreibt, von 
Händlern u. dgl. gern bis in die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts zurückdatiert. Sein Sohn Benjamin ist ein be- 
kannter Geigenvirtuose. 

Geigenzettel: Joseph Baldantonj Anconae ; fecit .Anno 
1734 (gedruckt). — Josephus Baldantonus / Anconiae 
fecit Anno 1839 (gedruckt). 



28 



Balestrierl — Banks 



Balestrleri, Pietro. — Cremona. 1 735 

Er nennt sich einen Schüler Stradivaris und war ein 
Bruder von Tommaso B., dem er jedoch in keiner Be- 
ziehung gleichsteht, trotzdem kommt gerade sein Name 
in freilich oft sehr verstümmelter Schreibweise in un- 
echten Instrumenten vor. 

Geigenzettel : Petrus Balestnen alumnus Antonii / Stra- 
divarii fecit Cremona; anno 17 . . (gedruckt). — Pietro 
Balestrieri / fece in Cremona 17 . . (gedruckt). 

Balestnen, Tommaso. — Mantua. 1 720. 1 788 

Seiner Angabe nach stammt er aus Cremona und ist ein 
Meister, über den die Meinungen merkwürdig ausein- 
andergehen. Während ihn die einen nur als geschickten 
Dilettanten ansehen, machen andere auf Grund einiger 
seiner Geigen ihn zu dem einzigen Schüler des Pietro 
Guameri, und wieder andere, wie De Piccolellis und 
Vidal, weisen ihn der Schule Stradivaris zu. Das letztere 
hat insofern Berechtigung, als Balestnen tatsächlich an 
die letzten Arbeiten des großen Cremonesers anzu- 
knüpfen scheint. Sein Modell ist groß und schön, die 
Wölbung schwungvoll, die Arbeit nicht sehr gleich- 
mäßig, sein Lfck ist von gelblichroter oder orangegelber 
Farbe; man kann übrigens zwei bestimmte Lackarten 
bei ihm unterscheiden, von denen die eine an Gua- 
dagnini erinnert. Seine Geigen haben zweifellos durch 
das Alter sehr an Tonschönheit zugenommen, so daß 
es sich erklärt, daß sie jetzt wesentlich höher geschätzt 
werden als früher. Besonders sind seine Violoncelli ge- 
sucht. Es wurde bisher behauptet, daß er erst von 1757 
an in Mantua nachweisbar sein und vorher in Cremona 
gelebt haben soll, mir sind jedoch nur Zettel aus Man- 
tua bekannt geworden und darunter verschiedene mit 
früheren Jahreszahlen. So besitzt auch Dr. Bornemann 
in Eisenach eine schöne, gelblichrote Violine (35,5 cm 
Korpuslänge) mit dem geschriebenen Zettel : Tomaso 
Balestnen / fece in Mantova 1735. Eine trefflich klin- 
gende Violine von ihm befindet sich auch in der Samm- 
lung Th. Hämmerle in Wien. Er verwendete verschie- 
dene Zettel, darunter auch einen mit verziertem Rand, 
auf welchem der Text dreizeilig erscheint. 

Geigenzettel : Abb. 53. 

Ball s. Firth & Ball 

Ballantine, Robert. — Edmburgh, dann Glas- 
gow. 1850. 1856 

Man weiß nur, daß er 1856 nach Glasgow übersiedelte, 
wo er in den sechziger Jahren gestorben sein soll. Er 
scheint hauptsächlich Händler gewesen zu sein (bei 
Honeyman wird er nicht erwähnt). 

Ballarlni, Santo. — Rimini, Terni, Rom. 1 740. 
1781 

Da seine Arbeiten denen Gisalbertis sehr ähnlich sehen, 
macht Horace Pethenk es sehr wahrscheinlich, daß 
dieser selbst die Violinen mit diesem Namen ange- 
fertigt habe. Dagegen spricht nur der Umstand, daß 
auch aus Rom datierte Arbeiten mit dem gleichen 
Namen vorkommen, die Jahreszahlen bis 178! auf- 
weisen, und daß der Familienname Ballarini (auch Bal- 



larino) heute noch in Italien vorkommt. Im Jahre 1740 
hielt er sich auf einer Reise in Terni auf, wie der bei De 
Wit veröffentlichte Zettel erzählt. 

Geigenzettel : Fatto da me Santo Ballarini / per passagio 
in Terni / Nel .'Xnno 1 740 (geschrieben). — Sanct Balla- 
rini / fece in Roma 1780 (geschrieben). 

Ballerinl, Pietro. — Florenz. 1900 

Nachfolger von Castellani & Figlio, Streichinstru- 
menten- und Saitenfabrik der Gegenwart. 

Ballini, Paolo. — Brescia. 1857 

Seine Geigen sind handwerksmäßig ausgeführt und 
ahmen in oberflächlicher Weise Stradivari und Guar- 
neri nach. 

Baltensperger, Emil. — Chur. Geb. 1859 in 
Zürich (Schwamendingen) 

Sohn eines Malermeisters, bei dem er nach dem Besuch 
der Stadtschule in Chur in die Lehre trat. Zu seiner 
weiteren Ausbildung ging er 1880 nach München und 
übernahm 1881 das väterliche Geschäft. Um 1900 be- 
gann er autodidaktisch den Geigenbau zu erlernen und 
brachte es dann zu bemerkenswerter Fertigkeit. Von 
1901-1908 hatte er 86 Violinen, 6 Violoncelli und 
3 Violen gemacht, hat aber seit Kriegsbeginn den Gei- 
genbau wieder aufgegeben. Er arbeitete nach eigenen 
Grundsätzen und bestimmte die Dicke von Decke und 
Boden je nach dem Holz und dem Modell, so daß er ab- 
wechselnd die Brust oder die Ränder dicker machte, 
wobei er manchmal bis zur Stärke von 8 mm ging. Bei 
der Lackierung kam ihm seine Erfahrung als Maler sehr 
zustatten; sein Lack ist schön, von hellrötlicher Gold- 
farbe. Kreisler in London, Steffy Geier in Budapest u. a. 
besitzen Geigen von ihm. 

Baluff, Erhard, arbeitete im 19. Jahrhundert in 

Chicago 
Banks, Benjamm (I). — Salisbury. Geb. 

H.JuK 1727, t 18. Febr. 1795 

Sohn von George und Barbary B., Schüler von Wamsley. 
Einer der besten englischen Meister und wohl der erste, 
der das bis dahin in England bevorzugte Stainermodell 
aufgab und Amati und die Cremoneser zum Vorbild 
nahm. In der Arbeit ist er tadellos; sein Lack, von 
schöner Durchsichtigkeit, zeigt bei seinen besten Wer- 
ken braungelbe, ins Rötliche spielende Farbe, bei ge- 
wöhnlichen Arbeiten ist er schwärzlich-dunkelrot. Er 
baute sowohl Violinen als Violen und Violoncelli, na- 
mentlich die letzteren sind wertvoll, wobei die mit 
breitem Modell vorzuziehen sind. Bässe hat er nur sehr 
selten gebaut, diese sind wie alle seine Arbeiten sehr gut. 
Zu verschiedenen Zeiten baute er auch nachweislich 
Geigen für die Verlegerfirma Longman & Brodenp. 
Außer seinem Zettel verwendete er auch einen Brand- 
stempel mit B. B. Eine englische Zister (1750) besitzt 
Mrs. Dean, eine andere A. F. Hill. Andere Arbeiten be- 
finden sich in englischem Privat*besitz. 

Geigenzettel : Benjamin Banks / fecit / Salisbury (ge- 
druckt) und Abb. 75, Brandmarke Nr. 9. 



Banks — Barbe 



29 



Banks, Benjamin (II). — Salisbury, später Lon- 
don, dann Liverpool. Geb. 13. Sept. 1754, 
t 22. Jan. 1820 in Liverpool 

Zweiter Sohn und Schüler von Benj. B. (1), hei dem er 
bis etwa 1 780 gearbeitet hat. Er ging dann nach London 
und wohnte Sherrard Street, Golden Square N. 30, 
später zog er nach Liverpool, wo er in der Bank Street 
seine Werkstatt aufschlug. Es sind nur wenige Arbeiten 
seiner Hand bekannt, er hat wohl meist für Händler 
gearbeitet. 

Geigenzettel : Made by Benjn. Banks , N° 30 Sherrard 
Street, Golden Square, from Salisbury (gedruckt). 

Banks, Henry. — Salisbury, Liverpool. Geb* 
in Salisbury 1770, f 16. Okt. 1830 in Liver- 

pool 

Sechster Sohn von Benj. B. (I), bei dem er auch gelernt 
hat. Er verlegte sich in der Folge mehr auf das Repa- 
rieren von Pianofortes und war ein gesuchter Klavier- 
stimmer. Er blieb aber dabei Teilhaber seines Bruders 
und hat wohl auch an verschiedenen Instrumenten, die 
aus der gemeinsamen Werkstatt hervorgingen, mitge- 
arbeitet. 

Banks, James. — Salisbury, später Liverpool. 
Geb. in Salisbury 1756, f in Liverpool 
15. Juni 1831 

Vierter Sohn von Benj. B. (I), Schüler seines Vaters, 
den er gleichwertig nachahmte. Er gebrauchte die 
gleichen Modelle und verwendete den gleichen Lack, 
nur von etwas schwärzlicherer Färbung. Er arbeitete 
mit seinem Bruder Henry zusammen, mit dem er das 
väterliche Geschäft in der Catherine Street fortsetzte. 
Im Jahre 1811 verkauften sie dasselbe und siedelten 
nach Liverpool über, wo sie erst in der Church Street 
und dann in der Bold Street wohnten. Ein Cello, von 
den beiden Brüdern 1797 gebaut, war 1871 im South 
Kens. Mus. ausgestellt. 

Geigenzettel : James and Henry Banks / Musical Instru- 
ment Makers ; and Musik Seilers / Salisbury 1802 (ge- 
druckt). 

Bantis (?), Jean. — Mirecourt. Um 1740 

Er soll nur handwerksmäßig gearbeitet haben, doch ge- 
lang es mir nicht, Arbeiten von ihm kennen zu lernen. 
Auch Jacquot erwähnt ihn nicht. 

Barabäs. — Cremona. 1793 

Eine Viola d'amore von ihm besaß der Maler Kraus in 
München. Auch Valdrighi führt diesen Namen 
(Nr. 3664) auf. Näheres war jedoch nicht zu er- 
fahren. 

Baracchi, Venerio. — S. Martino d'Este. (Mo- 
dena.) 1829 

Mittelmäßiger modenesischer Geigenmacher, der im 
Sommer Landwirtschaft betrieb. Seine Geigen klingen 
manchmal recht gut. 



Baraldi, Alfonso. — Modena, Bomporto. 1 879. 

1891 

In seiner Arbeit nicht ungeschickt, doch lassen Holz 
und Ton zu wünschen übrig. 

Baraldi, Giovanni. — San Felice (Modena). 

1766 

In ValdrighisNomocheliurgografiawird er unter Nr. 204 
mit der Jahreszahl 1766 angeführt. In der Berliner 
staatlichen Sammlung alter Musikinstrumente befin- 
det sich ein zur Lira in gamba hergenchtetes, altes 
Streichinstrument (Nr. 820) mit der Jahreszahl 1 566, 
die offenbar unrichtig ist. Nach dem Zettel ist anzu- 
nehmen, daß Baraldi ein Dominikanermönch war. Seine 
Arbeit ist roh, ob die häßlichen F-Löcher ihm zuzu- 
schreiben oder schon vorher gewesen sind, will ich nicht 
entscheiden. 

Geigenzettel : Fece questo violunetto lo ' Giovanni 
Baraldi di S. D. , L'anno del Signore 1(5)66 (gedruckt). 

Bäräny, Desiderius (Dezsö). — Budapest. Geb. 

1871 

Schüler von Pilät und von Hamberger in Wien. Im 
Jahre 1897 machte er sich selbständig. Der Ton seiner 
kräftig gebauten Geigen wird gelobt. Er verwendet 
einen rotbraunen Lack. 

Geigenzettel: Keszitette , Bärany Deszö , Bpest 1897 
Op. . . . (geschrieben). 

Barat, arbeitete im 1 9. Jahrhundert in Paris 

Baravalli, Francesco 

Unbekannter italienischer Geigenmacher des 18. Jahr- 
hunderts. 

Barbanti, Silva Francesco. — Correggio. 1847. 
1850 

Da er nur selten einen Zettel in seine Geigen einklebte, 
läßt sich nicht feststellen, ob er überhaupt viele Geigen 
neu gebaut hat. Er galt jedoch seinerzeit als tüchtiger 
Meister und namentlich seine Violoncelli sind sehr be- 
liebt. 

Barbara. Charles. — Orleans. 1810. 1850 

Er soll sich nur mit Wiederherstellungsarbeiten be- 
schäftigt haben. 

Barbaro s. Branzo 

Barbe, Amable Telesphore. — Paris, Nancy. 

Geb. in Dijon 1822 

Sohn von J. Barbe und Schüler von Derazey. .Als er 
nach Paris kam, wurde er Gehilfe bei J. B. Vuillaume, 
den er als seinen eigentlichen Lehrmeister betrachtet. 
Er gilt als geschickter Künstler, hat aber seit 1 865 fast 
ausschließlich für große Firmen (Vuillaume, Miremont 
und Gand in Paris, Jacquot in Nancy usw.) gearbeitet. 
Geigenzettel : Telesphore Barbe Expremier ouvrier de 
J. B. Vuillaume medaille ä l'Exposition de 1867 / 
Paris (gedruckt). 



30 



Barbe — Baronclni 



Barbe, Fran^ois. — Dijon 

Eine französische »Guitare droite« von ihm besitzt W. 
Heyers Musikhistorisches Museum in Köln, eine andere 
Baron de Lery. 

Geigenzettel: Faits par fran?ois barbe , luthier brevete 
de la societe / melophile d'avallon / ä Dijcn (geschr.). 

Barbe, J. — Avallon. Paris usw. Geb. in Mire- 
courtvor 1800, f 1868 

Auch Barbe pere genannt. Geigenmacher und Kan- 
tinenwirt eines Regiments, mit dem er jeden Garnison- 
wechsel mitmachte. Seine Geigen sind handwerksmäßig 
ausgeführt, doch hat er mehrere gute Violincelli gebaut. 
Geigenzettel : Barbe d'Avallon (gedruckt). 

Barbella s. Naldi 

Barbey (Barbay). — Paris. 1746 

Besserer Geigenmacher, dessen Arbeiten nach Jacquots 
Meinung an die Klotz-Schule erinnern. 

Barbey, Guillaume. — Paris. 1717. 1719 

Geschickter Violenbauer, von dem sich eine sehr schöne 
Gamba von sechs Saiten im Museum des Konserva- 
toriums in Brüssel (No. 226) mit geschnitztem Frauen- 
köpfchen am Wirbelkasten befindet. 

Geigenzettel : Abb. 84. 

Barbezant (Barbazanton), Joseph. — Mire- 
court. 1747 

Ein bisher nur von Jacquot erwähnter Geigenmacher. 

Barbier. — Bordeaux. 1774 

Er war der Hoflautenmacher des Prinzen Ferdinand. 
In der Sammlung des Barons de Lery befindet sich eine 
sehr schöne Gitarre von ihm. 

Barbieri, Francesco. — Mantua. 1695. 1750 
Seine Geigen erinnern an das Modell Andr. Guameris, 
sind jedoch nicht sehr gut. Nach Vidal und Grillet soll 
er 1695 in Verona gearbeitet haben. In Instrumenten 
aus den Jahren 1698, 1740, 1730, die ich zu sehen Ge- 
legenheit hatte, war stets Mantua als Wohnort ange- 
geben. Valdrighi läßt ihn noch 1780 leben (Nr. 3665). 
Eine große fünfsaitige Baßgamba von ihm aus dem 
Jahre 1697 besitzt Alfr. Keil in Lissabon. Ein Pietro B. 
soll um 1750 gelebt haben. 

Barbieri, Giuseppe. — Poggio (Mantua). 1880 
Er stammt aus MedoUa und war ein guter Geigen- 
macher und Reparateur. 



Barbieri (de Barberis), R. 
Mandolinenmacher. 



G 



enua 



Barchaneck (Barchänek), Joseph Friedrich. — 
Ödenburg. Geb. 11. Febr. 1817 in Mezoun 
bei Tachlovic, f nach 1850 

Sohn des Schmiedemeisters Wenzel B. und der Fran- 
ziska geb. Dobeä. Schüler von Joh. Kulik in Prag. Er 



war nicht ungeschickt, besonders gut waren seine Vio- 
loncelli, die jetzt gerne gut bezahlt werden. 
Geigenzettel : Joseph Friedr. Barchaneck / bürgerlicher/ 
Guitarre- u. Geigenmacher / in Ödenburg / A 1845 
(gedruckt). 

Bardella s. Naldi 

Bargue, Isaac de. — Paris. 1579 

Wird als Luthier und Musikinstrumentenmacher er- 
wähnt. 

Bargues. — Bordeaux. 1900 

Ein Instrumentenhändler mit Geigenmacherwerkstatt. 

Barnes, Robert. — London. 1765. 1794 

Schüler von Thomas Smith und Mitschüler von John 
Norris, mit dem er sich um 1765 verband. Es ist bisher 
nur ein einziges Cello bekannt, das die Namen beider 
trägt, aber dieses wird mit vieler Wahrscheinlichkeit als 
eine Arbeit von Aireton angesehen. Er wohnte zuerst in 
der Windmill Street und zog später mit seinem Ge- 
nossen nach der Coventry Street. Einige nicht hervor- 
ragende Geigen tragen seinen Namen, doch scheint es 
wahr zu sein, daß er sich frühzeitig vom Geschäfte 
zurückgezogen hat. Er soll sich eine Farm in Hayes ge- 
kauft haben; gestorben ist er dort jedenfalls nicht, da 
Sandys und Forster die dortigen Kirchenbücher ver- 
gebens nach ihm durchforscht haben. 
Geigenzettel : Robert Barnes, violin maker / Windmill 
Street, Haymarket (gedruckt). 

Barnia, Fedele. — Venedig. 1760. 1780 

Er stammt aus Mailand und erinnert in seiner Arbeit 
auch ein wenig an die Mailänder Schule. Er war ein ge- 
schickter Meister, der nur zu oft handwerksmäßig ge- 
arbeitet hat. Seine Geigen sind daher von ungleichem 
Wert ; am besten ist er dann, wenn er sich an gute Vor- 
bilder hält; wo er originell ist, ist er auch unschön, um 
so mehr, als er kein Künstler im Schnitzen der Schnek- 
ken war und auf die Wahl des Holzes und die Einlagen 
keine Sorgfalt verwendete; nur bei seinen Mandolinen 
gab er sich bei der Einlegearbeit mehr Mühe, wie eine 
hübsche Theorbe in der Sammlung Gautier in Nizza 
beweist. Wenn Vidal die Jahreszahl 1715 liest, so 
scheint dies ein Fehler zu sein, es muß wohl 1775 
heißen. De Piccolellis muß eine nach P. Guarneri ge- 
baute Geige von ihm gekannt haben, da er es für mög- 
lich hält, daß er ein Schüler dieses Meisters gewesen 
sei, was ich nicht zugeben kann. Auch sein Lack, trotz- 
dem er durchsichtig gelb ist. spricht dagegen. 
Geigenzettel : Fedele Barnia Milanese / fece in Venezia 
l'anno 1761 (gedruckt). 

Baroncini (Barontini ?), Giuseppe. — Pistoja. 
Anfang 19. Jahrhundert 

Dr. J. Geyer in Budapest besitzt eine Violine von ihm 
mit länglichem Korpus und unschönen F-Löchern, mit 
dickem, breitem Rand, breiter Einlage und gelbem, 
etwas sprödem Lack. Sehr eigenartig ist die tiefge- 
stcchene Schnecke. Der Ton ist nur mittelmäßig. 
Geigenzettel: Baroncini Giuseppe / Pistoja 1 . . . (ge- 
schrieben). 



Baroncini — Bartl 



31 



Baroncini, Micehle, lebte in Lodi 
Baroux. — Paris. 1830 

Enkel des Mirecourter Bogenmachers Charles B. Er 
wohnte in der Rue du Petit-Carreau Nr. 57 und ist wie 
sein Großvater nur als tüchtiger Bogenmacher bekannt. 

Baroux, Charles. — Mirecourt. 1770. f 1773 
Ein Geigenmacher, der wahrscheinlich schon sehr jung 
gestorben ist. 

Barrata-Ementoli (?). — Padua. 17. Jahrh. (?) 
Er soll gute Archilauten gemacht haben und wird auch 
von Valdrighi (3934) aufgezählt. 

Barrett, John. — London (Piccadilly). 1714. 
1740 

Wahrscheinlich ein Schüler des gleichen Meisters wie 
N. Gross. Er verwendete ein längliches, hochgewölbtes 
Modell, das mehr an Stainer wie an Amati erinnert. 
Statt der Einlage zeichnete er am Rande Linien ein. 
Der Lack, den er verwendete, dürfte gelb gewesen sein, 
ist aber stark ins Bräunliche nachgedunkelt. Der Ton 
ist edel, wenn auch nicht groß, die Arbeit gut, aber ge- 
wöhnlich. Von ihm sind zweierlei Zettel bekannt ; der 
ältere einfach gedruckt, der spätere zeigt noch eine ge- 
krönte Lyra. Eine Violine von 1740 besitzt J. T. Chap- 
man. Um 1731 kommt auch ein Thomas Barrett vor. 
Geigenzettel: John Barrett, at the Harp and Crown , in 
Pickadilly, 1722 (gedruckt). — Made by John Barrett, 
at y<= Harp / & Crown in Pickadilly, London 1731 (ge- 
druckt). 

Barriere. — Cherbourg. 1 886 

Ein Musikinstrumentenmacher, der sowohl Klaviere 
als Geigen verfertigte. 

Barry. — London (?) 

Die Inschrift einer englischen Gitarre der Sammlung 
Snoeck (Nr. 326) lautet: Light Invent. Barry maker. 
Danach scheint Edv. Light die von ihm erfundenen 
Instrumente nicht selbst gemacht zu haben ; der Ver- 
fertiger Barry kann jedoch nicht mit Sicherheit fest- 
gestellt werden. 

Bartak, Franz. — Znaim. 1895. 1898 

Ein Instrumentenmacher, der sich vorübergehend in 
Znaim aufhielt. 

Geigenzettel: Franz Bartak / Instrumentenmacher ,' 
Oberer Platz N° 1 in Znaim (gedruckt). 



Da er sehr arm war, mußte er sein Leben hauptsächlich 
mit Flickarbeiten fristen, weshalb es nur wenige Geigen 
von ihm gibt, die wenigen aber sind durchweg Meister- 
werke. Im Jahre 1883 verfiel er in Geistesnacht und 
starb bald darauf. Sein früher Tod war ein Verlust für 
die Geiger in Ungarn. 

Geigenzettel: Eduard Bartek fecit ' Pestini Anno 1878 
(geschrieben). 

Bartelmo s. Schuster 

Barth, Ludwig. — München. Geb. 26. März 

1875 

Schüler von Gius. Fiorini, bei dem er von 1889 — 1892 
lernte. Nachdem er dann noch zwei Jahre lang in Köln 
und Frankfurt a. M. gearbeitet hat, machte er sich i. J. 
1894 in München selbständig. Er ist ein gesuchter und 
geschickter Reparateur und hat sich auch im Neubau 
schon trefflich bewährt. In Verbindung mit seinem 
Sohne begründete er unter der Firma »I. Münchener 
Geigenindustrie« eine große Werkstatt mit elektrischem 
Betrieb. 

Barthell. Eifiil. — Basel. 1888 
Arbeitete bei Gebr. Hug. 



Bartek, Eduard. — Budapest. 
t 1883 



Geb. 1852, 



Wi 



len, 



Erst Schüler von AI. Engleder, arbeitete er später bei 
G. Nemessanyi, Thomas Zach und Gabriel Lemböck 
und erlangte bei großer Begabung hier eine allseitige 
künstlerische Ausbildung. Kaum zwanzig Jahre alt, er- 
öffnete er in Budapest seine eigene Werkstatt und 
erhielt 1878 auf der Pariser .\usstellung für nach Stra- 
divari und Guarneri gebaute Geigen einen ersten Preis. 



Barthoff s. Bairhoff 
Bartl (Parti, Parti), Andre Nikolaus. 
Geb. um 1682, t5.Aug. 1762 

Er soll der Sohn eines Christoph P. gewesen sein und ■ 
wohnte im »Wübmer Viertel«. Am 4. Juni 1703 legte er 
den Bürgereid ab und kommt in den Steuerbüchern bis 
1763 vor. Seine Werkstatt übernahm sein Schwieger- 
sohn Maximilian Roiß. Andre N. B. war ein geschickter 
Lautenmacher, von dem auf der Wiener Musikaus- 
stellung recht gute Arbeiten zu sehen waren. Seine 
Geigen haben schöne Form, wenn sie auch oft zu hoch 
gewölbt sind. Die F-Löcher sind ohne Schwung, da- 
gegen ist die Schnecke (Ahornholz) recht hübsch. Er 
verwendete einen fetten gelben oder roten Lack, den er, 
im Gegensatz zu den übrigen Mitgliedern seiner Familie, 
unmittelbar auf das reine Holz auftrug, so daß er auch 
heute noch ein schönes Feuer hat. Er schrieb seinen 
Namen abwechselnd mit B oder P, in allen Urkunden 
herrscht jedoch die richtigere Schreibweise Bartl vor. 
Für seine Geigen werden jetzt gute Preise bezahlt. 

Geigenzettel : Andreas Nicolaus Parti ,' me fecit Viennae 
1757 (gedruckt) und Abb. 45. 

Bartl (Parti), Christian Franz. — Wien. Geb. 
um 1739, t 9. Jan. 1807 

Er wohnte im Schottenviertel, Seizerhof gässel, und 
legte am 23. Januar 1768 den Bürgereid ab. In den 
Steuerbüchern von 1769—1787 erscheint er als »Neu- 
besteuerter«, d. h. als Begründer seines Geschäftes. Er 
gehört zu den unbedeutendsten Geigenmachern der 
Wiener Schule, arbeitete so sorglos und hatte einen so 
undurchsichtigen, umbratraunen Lack, daß er bei den 
älteren Wiener Geigenmachern den Spitznamen »Sau- 
partl« bekam. Seine Violinen und Violen sind oft ohne 
Einlagen, im Innern fehlt meistens die Bereifung, und 



32 



Bartl — Barzoni 



die Violoncelli haben gewöhnlich flache Böden. Er 
schreibt seinen Namen meistens mit P. Nur seine 
besten Arbeiten erreichen höhere Preise. 

Geigenzettel : Christianus Franciscus Parti / fecit 
Vienna? 1 780 (gedruckt) und Abb. 42. 

Bartl (Parti), Michael Andreas (Andre). — 
Wien. Geb. 1704, f 1 1 . Aug. 1788 

Sohn und Schüler von Andre Nikolaus P. Er wohnte, 
wie sein Vater, im Wübmer Viertel und legte am 29. Mai 
1 728 den Bürgereid ab. Er war sehr fleißig und gehörte 
zu den besseren Wiener Lautenmachern, hat es aber zu 
keinem Wohlstand gebracht. In den Steuerbüchern 
kommt er von 1749 — 1775 vor; von 1776 — 1779 aber 
heißt es von ihm: »Bettlarm und wird von seinem Weib 
unterhalten.« Im Jahre 1779 übernahm sein Sohn Josef 
die Werkstatt. Werke von Mich. Andre P. sind in 
größerer Zahl erhalten, so eine undatierte Viola im 
Schottenstift in Wien, eine Viola mit geschnitztem 
Frauenköpfchen am Wirbelkasten von 1746 in W. 
Heyers Musikhistorischem Museum in Köln, eine ähn- 
liche von 1764 im Museum des Konservatoriums in 
Brüssel (Nr. 224) und eine schöne Viola d'amore von 
1732 in der staatlichen Sammlung alter Musikinstru- 
mente in Berlin (Nr. 866) ; der Wirbelkasten zeigt durch- 
brochene Schnitzerei und das Köpfchen des Liebes- 
gottes mit verbundenen Augen. Im Musikhistorischen 
Museum in Stockholm ist eine Laute von 1745. Wenn 
seine späteren Arbeiten auch oft recht gewöhnlich sind, 
so erkennt man doch immer seine geschickte Hand 
dann. Das Deckenholz ist meist sehr schön und auch 
der Ton recht gut ; der Lack scheint stark nachgedunkelt 
zu haben und ist jetzt häufig schwarzbraun. Auf man- 
chen Zetteln fehlt das Wort »fecit«. 

Geigenzettel : Michael Andreas Parti / Feclt Viennae 
1763 (gedruckt). 



Wi 



len. 



1682. 



Bartl (Parti, Parti), Christoph. 
1691 

Er gilt als Stammvater der Familie und hat am 28. Mai 
1683 den Bürgereid geleistet. Er scheint sich Bärtl ge- 
nannt zu haben. Seine Nachkommen schreiben den 
Namen bald mit B und bald mit P. 

Bartl (Parti), Ignaz Christian. — Wien. Geb. 
1732, t 27. Dez. 1819 

Er legte am 31. März 1764 den Bürgereid als Lauten- 
und Geigenmacher ab und erscheint in den Steuer- 
büchern von 1765 — 1787. Violinen von ihm kommen 
noch ziemlich häufig vor und sind reclit gut. Er hält sich 
in den Umrissen an die Italiener, nur die Wölbung 
nimmt er manchmal höher. 

Geigenzettel : Abb. 32. 



w 



len. 



Geb. 



Bartl (Parti), Joseph Jakob. 
1743, t I.Juni 1801 

Sohn von Michael Andre P., dessen Werkstatt er 1 779 
übernahm. In den Steuerbüchern kommt er bis 1787 
vor; daß er jedoch noch länger gelebt hat, beweisen so- 
wohl Arbeiten von ihm mit Jahreszahlen bis 1801, als 



sein Totenschein. Seine Arbeit ist gut, hübsch Im Mo- 
del! und in der mittelhohen Wölbung, nur der Lack ist 
etwas zu dunkel. 

Geigenzettel : Abb. 38. 

Bartolini, M., Teilhaber einer am Ende des 
19. Jahrhunderts in Rom bestehenden Gei- 
genmacherfirma 

Bartolotti, Giovanni. — 1894 

Neuerer italienischer Geigenmacher ohne Eigenart. 

Barton, Georg. — London. 1772. f um 1810 

Das Gewerbemuseum in Markneukirchen besitzt von 
ihm eine Geige ohne Mittelecken — es Ist dies der 
älteste bisher bekannte Versuch, In dieser Art den Bau 
der Geige zu verändern. Unschön in der Form und un- 
richtig in der Mensur, besitzt das Instrument doch 
einen schönen, wenn auch kleinen Ton. Auch ein John 
Barton war 1786 noch tätig. 

Geigenzettel : George Barton / Elllot Court / Old Bailey 
1780 (gedruckt). 

Bartsch, Alfred. — Münsterberg i. Schi., 
Dessau, Essen (Ruhr). Geb. am 6. Okt. 1868 
in Münsterberg 

Er erlernte In Markneukirchen bei Christian Tr. 
Schaller den Geigenbau von 1883 — 1887 und besuchte 
gleichzeitig die dortige Fachschule, wo er für sein Ge- 
sellenstück ausgezeichnet wurde. Nachdem er kurze 
Zeit in seiner Vaterstadt gearbeitet hatte, verlegte 
er am 1. Mai 1890 seinen Wohnsitz nach Dessau, 
arbeitete bis 1903 in verschiedenen ersten Werkstätten 
und machte sich dann selbständig. Seine Arbeit ist 
sorgfältig, und er erlangte sowohl Im Neubau wie in der 
Wiederherstellung von Streichinstrumenten einen 
guten Ruf. 

Barttner, Michael. — Salzburg. 1524 

Eine Arbeit von ihm befindet sich im städtischen Mu- 
seum Carolino Augusteum im Salzburg. 

Barzellini, Aegidius. — Cremona(?). 1670. 
1700 

Er nennt sich einen Schüler Amatis und ahmt auch die 
Art der Amati nach. Schönes Holz, edler Ton, der 
Boden ist flacher gewölbt als die Decke. 

Geigenzettel : /Egidius Barzellini fecit / Ecolle .Amatius 
Cremonen. 1680 (gedruckt). 

Barzoni (Fran^ois). — (Chateau Thierry.) 
Letztes Drittel des 1 9. Jahrhunderts 

Geigen mit diesem Namen kamen mir nur in englischen 
Verzeichnissen vor. Sie sollen nach Guarneri gebaut 
sein, gelben Lack haben und durch niedrige Zargen 
auffallen. Die Firma Beares Son in London verkauft 
»Barzonl-Geigen« zu billlgen-Preisen. 

Geigenzettel : Francjois Barzoni fecit anno 1 890 / Manu- 
facture special de la Maison / Beare & fils ä Londres 
(gedruckt). 



Basi — Battaglia 



33 



Basi s. Bosi 

Bassi, A. — Scandiano (Modena) 

Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. 

Bassiano. — Rom. 1666 

Ein Lautenmacher, von dem sich in der Sammlung der 
Gesellschaft der Musikfreunde in Wien eine Theorbe 
befindet (Nr. 26). 
Geigenzettel: Bassiano liuttaro in Roma 

Bassot, Joseph. — Mlrecourt, Paris 
Mirecourt vor 1740, f nach 1805 



666 (gedr.). 
Geb. in 



Bastogi, Gaetano. — Llvorno. 1 8. Jahrhundert 

Bei Vidal findet sich nur der Name. Lauten und Gi- 
tarren von ihm sollen noch öfters vorkommen. 

Batho, W.J. — 1886 

Englischer Geigenmacher, der in der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts lebte und u. a. einige gute Bässe 
gebaut hat. 

Bati, Antonio. — Arezzo. 1691 

In einer Theorbe fand sich dieser Name eingeschrieben. 
Die Arbeit war nur von mäßigem Verdienst. Dagegen 
ist mir ein Spinett und ein Klavizimbel von ihm bekannt 
geworden, die beide nicht schlecht ausgesehen haben. 



Er arbeitete bis 1774 in Mirecourt und ging dann nach 

Paris. Vidal rechnet ihn zwar zu den guten Pariser ßatlazza, Antonio Maria 
Geigenmachern aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrb., 
doch sehen seine Geigen so verschieden aus, sowohl 
was die Arbeit, die Wahl des Holzes und des Lackes als 
das Modell anbelangt, daß man zu der Annahme, er 
habe Mirecourter Schachteln mit seinen Zetteln ver- 
sehen, gezwungen wird. In seiner ersten Zeit, solange 
er noch Quinze Vingts wohnte, zeigen seine Geigen 
schlechtes Holz und einen schlechten gelben Lack, nur 
die Einlagen, die oft aus Fischbein bestehen, sind 
sauber. Später machte er zusehends Fortschritte oder 
beschäftigte bessere Arbeiter, er wird sorgfältiger in 
der Wahl des Holzes, arbeitet genauer und verwendet 
einen besseren, meist roten Lack. Seme Werkstatt hatte 
er 1788 nach der Rue Chabanais Nr. 1 verlegt. Seine 
besten Geigen nähern sich der Art Lupots und können 
als recht brauchbare Orchesterinstrumente gelten. 
Nach Brunis Inventar besaß Berthier de Sanvigny ein Bäton II., Charles. — Paris. 1730 — 1750 



-Malland. 1707 

Selten vorkommender Geigenmacher der Mailänder 

Schule. 

Geigenzettel: Antonio Maria Batiazza /' fece in Milano 

in Contrada / Larga 1 707 (gedruckt). 

Bäton I . — Versailles (nicht Vincennes). 1716. 

1732 

In den Urkunden wird er stets »Luthier« genannt, 
eigentlich war er aber ein Drehleiermacher, der auch 
andere Instrumente, vielleicht sogar Geigen anfertigte. 
Er wurde hauptsächlich dadurch bekannt, daß er seit 
1716 alte Gitarren und seit 1719 auch Theorben in 
Drehleiern (Viellen) umbaute, die er um zwei Töne 
bereichert hatte. 



Violoncello von ihm mit der frühen Jahreszahl 1761. 
Geigenzettel : Abb. 55 und 64. 

Basta, Johann. — Schönbach. 1885 
Hauptsächlich Händler. 

Bastia s. Mucchi 

Bastiano (»Bastlano da Verona«). — Verona. 
15. bis 16. Jahrhundert 

Von ihm wird berichtet, daß er außer Lauten, Violen 
und Lyren auch Flöten, Hörner, Monochorde, Psal- 
terions, Harfen und Klavizimbeln usw. gebaut habe 
und alles in vortrefflicher Weise. Erhalten ist jedoch 
keine Arbeit seiner Hand. 

Bastien, E. — Nancy. 1897. f 17. Dez. 

1910 

Ein Geigenmacher, der als Wiederhersteller alter Ar- 
beiten geschätzt ward. 

Bastien, Fran^ois. — Mirecourt. 1785. 1786 
Von Jacquot erwähnter Geigenmacher. 

Bastien, Nicolas. — Mirecourt. 1775. 1790 

Er war Mitglied der Mirecourter Zunft. 

Bastien, fils. — Brüssel. 1816 

Die Jahreszahl ist nicht sicher lesbar. Snoeck besaß eine 
Gitarre von ihm. 
V. Lütg'endorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Sohn von Bäton I. Er siedelte von Versailles nach Paris 
über und wohnte Quai des Orf evres. Auch er verbesserte 
die Bauernleier (Vielle) und bereicherte sie um drei 
Töne. 

Batow, Ivan Andrewitsch. — Um 1780 

Einer der ältesten russischen Geigenbauer. Er war 
Leibeigener des Grafen Scheremetjew und soll an 
mehreren Orten in Rußland gearbeitet haben. Bei wem 
er gelernt hat, ist nicht bekannt. Seine Geigen gehen 
auf ein Guarnerimodell zurück, weichen aber doch so 
sehr von dem Original ab, daß sich die in russischen 
Büchern vorkommenden Erzählungen, seine Geigen 
sähen denen Guarneris zum Verwechseln ähnlich und 
würden auch wirklich oft mit ihnen verwechselt, von 
vornherein als hinfällig erweisen. Seine Arbeit war sehr 
sauber, nur die Ränder lassen zu wünschen übrig. Sein 
Spirituslack war nicht schlecht. Er baute Violinen, 
Violoncelli, Gitarren und Balalaiken. Sein Zettel findet 
sich häufig in Instrumenten, die unzweifelhaft vogt- 
ländischen Ursprungs sind. Spätere Händler scheinen 
da Mißbrauch mit seinem Namen getrieben zu haben. 

Battaglia, Antonio. — Malland. 1757. 1766 

Ein Lautenmacher, der hauptsächlich cimbalartige In- 
strumente gebaut hat. Von seiner Hand befindet sich 
ein Hackbrett in Berlin in der staadichen Sammlung 
und ein Tympanon in der Sammlung Snoeck, ferner 
ein Psalterium im Mailänder Konservatorium mit dem 
Zettel: Antonio Battaglia / Fabbricatore de Salterj / 
nella Stretta del Mangano / vicino a S. Maria Segreta / 

3 



34 



Battani 



Bäuml 



aumler 



in Milano 1757/ * F * S *. In einem zweiten Psalterium 

mit unausgefüllter Jahreszahl erscheint der Name 

»Batalia« geschrieben. 

Geigenzettel : Antonio Battaglia / Fece nell'anno 1 766. , 

Nella stretta de) Mangano / Dirimpetto a Santa 

Maria. Secreta , Vicino al Cordusio / in Milano / f 

(gedruckt). 

Battani, Antonio. — Frassinoro. 19. Jahrh. 

Ein Geigenmacher und Reparateur, der sich später 
mehr dem Orgelbau zuwandte. (Valdrighi 240.) 



Foligno. 1884. Später 



Battioni, Alberto. 
Ferrara 

Sohn und Schüler von Marc Antonio B. Seme Geigen 
und Gitarren erinnern an französische Vorbilder. 

Battista s. Bressano 

Baud (Baude). — Versailles. 1796. 1810 

(Valdnghi 246.) Wenig bekannt. Der Name ist vielleicht 
verstümmelt überliefert. 

Baudis, Wenceslaus. 1 780 

In W. Heyers Musikhistonschem Museum in Köln be- 
findet sich unter Nr. 842 eine Viola d'amore mit der 
Inschrift »Sidvab Svalsecnew Fecit .Anno 1780«. Nach 
rückwärts gelesen gibt diese Inschrift den Namen Wen- 
ceslaus Baudis. Am besten an dieser Liebesgeige sind 
die Schnitzereien am Wirbclkasten. 

Bauer, Albin Paul. — Dresden. Geb. 1866 in 

Oschatz (Sachsen) 

Sohn von Carl Ant. B., Schüler von Gust. Roth in 
Markneukirchen. Durch den Tod des Vaters war er 
frühzeitig gezwungen, dessen Geschäft zu übernehmen, 
das er wesentlich zu vergrößern suchte. In seiner Werk- 
statt werden gute Bässe hergestellt, deren Modelle ziem- 
lich verschieden sind, da Bauer nach Verbesserungen 
sucht. Am Wirbelkasten bringt er gerne die Porträt- 
köpfe von berühmten Tonkünstlern an. 

Geigenzettel: Gef. von P.A. Bauer / Inh. der Firma 
C. A. Bauer / Dresden 1892 (gedruckt). 

Bauer, Anton. — Linz a. D. — Eröffnete 1884 
seine Werkstatt 

Ein Saiteninstrumentenmacher, der auf der Linzer 
Kunst- und Gewerbeausstellung 1887 eine kleine sil- 
berne Medaille für Zithern und Geigen erhielt. 

Bauer, Carl Anton. — Dresden. Geb. 1835 zu 
Untermarxgrün bei Ölsnitz, f 1884 

Er soll bei einem Meister in Karlsfeld von 1849 — 1852 
gelernt haben und begründete später in Dresden sein 
Geschäft. Seine Bässe zeigen eine auffällige abschüssige 
Form, die ein leichteres Greifen in den oberen Lagen 
ermöglichen soll. Seine Violoncelli sind schwer, haben 
einen zu kurzen Hals und meist einen näselnden 
Ton. 

Gelgenzettel : Carl Anton Bauer / Dresden-N. 1 89 (ge- 
druckt). 



Bauer, Christian Friedrich. — Klingenthal . 1 782 

Wahrscheinlich ein Eingewanderter, der 1782 im Kassa- 
buch der Geigenmachennnung als Meister genannt 
wird. Außer Violinen kommen auch Liebesgeigen von 
ihm vor. 

Geigenzettel: Christian Friedrich Bauer / Cremonalis 
baviebat (gedruckt). — Christian Friedrich Bauer / Er- 
funden von Jacob Stainer in Absam (geschrieben). 

Bauer & Dürrschmidt. — Markneukirchen 
Geigenfirma der Gegenwart. 

Bauer, Joseph. — Ergoldsbach b. Landshut 
(Bayern) 

Guter Geigenbauer der Gegenwart. 

Baulain. — Laval. 1900 

Streichinstrumentenmacher und -händler der Gegen- 
wart. 

Baumann, Heinrich. — Stein-Zehrowitz bei 

Kladno (Böhmen). Geb. 12. März 1853 in 

Rokycan 

Sohn eines aus Graslitz stammenden Med. -Doktors, 
studierte am Polytechnischen Institut in Prag Ma- 
schinen- und Straßenbau und wurde 1875 zum Lehrer 
an der Fachschule in Stein-Zehrowitz ernannt; er be- 
schäftigte sich mit Geigenforschungen und gab in 
böhmischer Sprache bei J. Scholz in Kladno ein Buch 
»Cremona« (mit Atlas)'^) heraus. Er hat als Liebhaber 
Geigen nach Stradivari und Guarneri del Gesü kopiert, 
zuletzt auch Bässe gebaut. 

Geigenzettel: Genau nach Ant. Stradivarius gemacht / 
von Heinrich Baumann, / anno 1 89 . . . (gedruckt). 

Baumeester s. Boumeester 

Baumeister. — Liebenwalde. 1816 

Wahrscheinlich ein Dilettant, der Geigen geflickt hat. 
Ein Orgelbauer F. Baumeister, dessen Wohnsitz ich 
noch nicht ermitteln konnte, hat sich schon um 1780 
als Geigenreparateur betätigt. 

Geigenzettel: Baumeister / Liebenwalde d. 12. July / 
1816 (geschrieben). 

Baumgartner, Fritz. — Basel. 1920. Geb. 1891 

in Liestal (Baselland) 

Ein junger, talentvoller Geigenmacher, der gutklingende 

Instrumente baut. Er hat auch eine sinnreich erdachte, 

dabei sehr einfache Zargenbiegmaschine erfunden, die 

sich gut bewährt. 

Geigenzettel: F. Baumgartner, Basel / fecit anno 19 . . 

(gedruckt). 

Bäumler, Christoph. — Crawmkel. Geb. 

19. Okt. 1820, t 1879 

Er baute Geigen und war ein nicht ungeschickter In- 
strumentenmacher. 



^) Hier sind die Kurven der Härtegrade von Decke und 
Boden, die nach seiner Theorie nicht gleich sein dürfen, 
genau angegeben (22 Tafeln). 



Baur — Bazin 



35 



Baur, Adolf. — Stuttgart. Geb. um 1840, 

t 1873 

Sohn und Schüler von Martin B., dessen Geschäft er 
1870 übernahm, aber nur drei Jahre weiterführen 
konnte, da er frühzeitig starb. Er hat eine Zeitlang bei 
J. B. Vuillaume gearbeitet und dort besonders das 
Imitieren alter Instrumente erlernt. Er war ein sehr ge- 
schickter Geigenmacher, seine Arbeiten unterscheiden 
sich oft nur im Lack von denen Vuillaumes. Leider aber 
hat er das Holz gebacken (künstlich gedörrt), weshalb 
seine Geigen in kurzer Zeit im Ton außerordentlich 
zurückgingen. Auch senkte sich häufig der Hals wegen 
der Kraftlosigkeit des Holzes. Eine ganz vorzüglich 
nach Jos. Guarneri imitierte Violine von ihm (eine 
Kopie der Prof. Singerschen Vuillaume-Gelge) besitzt 
die Stuttgarter Hofkapelle. Leider hat auch diese ge- 
backenes Holz. Seine Witwe verkaufte das Geschäft an 
A. Sprenger. 
Geigenzettel: Abb. 93. 

Baur, Charles AI. — Tour, Dep. Savole. 1789 

1810 

Auch er gehörte zu den unglücklichen Erfindern, die 
im Abweichen von den Formen der klassischen Meister 
zu Mißerfolgen kommen müssen. 

Baur, Martin. — Stuttgart. Geb. 10. Okt. 1793 
zu Windratzhofen (O.-A.Leutkirch in Würt- 
temberg), t um 1875 

In seinem 18. Jahre kam er nach Stuttgart zum Militär 
und wurde dort der Musik als Trompeter zugeteilt. Er 
zeigte schon damals so viel Interesse und Talent für die 
Wiederinstandsetzung gebrauchter Instrumente, daß 
König Wilhelm I. auf ihn aufmerksam wurde und ihn 
1823 auf ein Jahr zu Thumhardt nach München in die 
Lehre schickte. Im Jahre 1824 zurückgekehrt, gründete 
er das erste Instrumentengeschäft in Stuttgart, wo seit 
langen Jahren kein Gelgenmacher mehr ansässig war. 
Er fand sofort als Reparateur, namentlich für das Hof- 
theater, ausreichende Beschäftigung und verlegte sich 
später auch auf den Neubau von Geigen, die er mit 
Sorgfalt ausführte und die u. a. Molique für die besten 
neuen Geigen seiner Zeit erklärte. Auch gute Bogen 
gingen aus seiner Hand hervor. Im Jahre 1870 über- 
nahm sein talentvoller Sohn Adolf das Geschäft, von 
dem es 1873 auf A. Sprenger überging. Martin Baur 
arbeitete von 1870 an erst noch für seinen Sohn und 
dann bis zu seinem Tode mit Sprenger zusammen. 
Geigenzettel: Martin Baur, kgl. Hofinstrumen- / ten- 
macher in Stuttgart, (gedruckt) und .\bb. 91. 

Bausch, Ludwig Christ. Aug. — Dresden, 
Dessau, Leipzig und Wiesbaden. Geb. 
15. Jan. 1805 zu Naumburg a. S., f 26. Mai 

1871 zu Leipzig 

Schüler von J. B. Fritzsche in Dresden, bei dem er von 
1818—1822 lernte. Hauptsächlich als Bogenmacher be- 
rühmt, ließ er sich zuerst in Dresden, später in Dessau 
nieder, ging 1839 nach Leipzig und am 1. November 
'861 nach Wiesbaden, wo er Herzoglich Nassauischer 



Hof Instrumentenmacher wurde, und kehrte 1863 nach 
Leipzig zurück. Seine Bogen sowohl als seine Stege 
werden noch heute als mustergültig nachgeahmt; er 
wurde gerne der deutsche »Tourte« genannt. Seine 
Bogen tragen auf der Stange unter dem Frosch den 
Blindstempel »Bausch Leipzig«'. Von großem Vorteil 
war es für ihn, daß L. Spohr ihm mit gutem Rat an die 
Hand ging. Da er in Leipzig nicht genügenden Absatz 
fand, ging er In seinen jüngeren Jahren oft auf Reisen, 
die ihn bis nach St. Petersburg führten. Er hatte zwei 
Söhne. Geigen von ihm kommen noch häufig vor, auch 
hat er sehr gute Gitarren gemacht. Eine mit großer 
Sorgfalt ausgeführte sog. Terzgitarre vom Jahre 1825 
mit zierlichen schwarzen Auflagen auf der Decke, 
Rand und Schalloch mit Perlmutter und Ebenholz ver- 
ziert, besitzt Fritz Wildhagen in Haiensee. Der Hals ist 
mit Ebenholz und Elfenbein schachbrettartig ausgelegt. 
Geigenzettel : Ludewig Bausch / in Neustadt Dresden / 
Ao 1820 / No. 6 (geschrieben). 

Bausch, Ludwig d.J. — Leipzig. Geb. 10. Nov. 

1829 zu Dessau, f 7. April 1871 zu Pabstdorf 

(bei Königstein) 

Sohn und Schüler von Ludwig Chr. A. B. Hauptsäch- 
lich Gelgenmacher. Nach beendigter Lehrzelt ging er 
nach New York; nach seiner Rückkehr machte er sich in 
Leipzig selbständig, trat aber 1860 in das väterliche 
Geschäft, das nun die Firma »Ludw. Bausch & Sohn« 
führte, ein. Nach seinem Tode trat sein Bruder Otto an 
seine Stelle. 

Geigenzettel: Ludovicus Bausch filius / feclt Lipsiae 
anno 1860 [Monogramm im Doppelkreis] (gedruckt), 

Bausch, Otto B. — Leipzig. Geb. 6. Aug. 1841 
zu Leipzig, t 30. Dez. 1875 
Jüngerer Sohn und Nachfolger von Ludw. Bausch & 
Sohn, Schüler von Vauchel. Er übernahm 1871 nach 
dem. Tode von Vater und Bruder das Geschäft, das nach 
seinem Tode auf Adolf Paulus, der seit 1860 Mit- 
arbeiter der Familie Bausch war, überging. Seine Arbeit 
steht hinter der seines Vaters und Bruders zurück. Der 
gleichnamige Sohn von Adolf Paulus setzte das Ge- 
schäft unter der alten Firma »Ludw. Bausch & Sohn « 
bis 1 908 fort und löste es auf, als er nach Berlin über- 
siedelte. 

Geigenzettel: Otto Bausch, filius Ludovlci sen; , et 
f rater Ludovicl jun: / feclt Lipsiae Ao. 1873 [Kreuz 
mit Initialen im Doppelkreis] (gedruckt). 

Bazelaire, Joseph. — Mlrecourt. Geb. um 
1728, lebte noch 1789 

Wenig bekannter Geigenmacher. Ein anderer Bazelaire 
lebte um 1785 in Versailles. 

BazIn, Gustave. — Mlrecourt. Geb. 24. Mai 

1871 

Sein Vater Charles B. hatte eine seit 1836 bestehende 
Bogenfabrik; Gustave, der Schüler von Darte- Vuil- 
laume, Laurent und CoUin-Mezin war, fügte ihr eine 
Geigenwerkstatt hinzu. Sein 1881 geborener Bruder 
Louis ist, wie der Vater, ausschließlich Bogenmacher. 

3* 



36 



Beare 



ieer 



Beare, Goodwln & Co. — London. 1 898. 1 900 

Mit einer Geigenbauwerkstatt verbundene bekannte 
Handlung mit alten Instrumenten. 

Beaulieu, Nicolas. — Mirecourt. 1780 
Nur von Jacquot erwähnt. 

Bechardini s. Rechardini 

Bechonnet, Joseph. — Effiat. Geb. 3. Febr. 
1820, t 10. März 1900 

Er soll auch einige Geigen gebaut haben, berühmt 
wurde er aber als trefflicher Bauernleiermacher. 

Bechstein, Friedrich. — (Kassel?) 1834 

Ein Instrumentenmacher, der auch Streichinstrumente 
repariert hat. 

Bechstein, Heinrich. — (Kassel?) 1865 

Er arbeitete mit Hermann Vogt zusammen und repa- 
rierte auch Streichmstrumente. 

Beck (Otto); genannt Adolf. — Düsseldorf. 
Geb. 15. Febr. 1891 zu Burg in Dith- 
marschen 

Schüler und Schwiegersohn von J. H. Schult in Lübeck. 
Er besuchte das Johanneum in Lübeck, das er im Jahre 
1906 mit der Berechtigung zum Einj.-Freiwilligen- 
dienst verließ, wollte sich zunächst dem Justizdienste 
widmen und legte dann auch sein Gerichtssekretär- 
Examen ab. Seine Neigung gehörte jedoch längst dem 
Geigenbau, und so trat er bei J.H. Schult in die Lehre, 
wo er sich bald durch Begabung und Geschicklichkeit 
auszeichnete. Im Jahre 1916 legte er in Hamburg seine 
Meisterprüfung ab und machte sich darauf in Düssel- 
dorf selbständig. Er ist ein sehr tüchtiger, sorgfältig 
arbeitender Geigenbauer, der sich durch vorzügliche 
Arbeiten schnell einen ausgezeichneten Ruf verdiente. 

Beck, Max. — Bern. 1896, f 1898 

Ein hoffnungsvoller Schweizer Geigenmacher, der 1 896 
Methfessels Nachfolger wurde, aber schon zwei Jahre 
später starb. 

Beck, Vincenz. — Glatz. Geb. um 1804 in 
Wölfeisdorf, t nach 1860 

Er soll bei einem Hoff mann gelernt haben, wurde im 
Jahre 1853 Bürger zu Glatz und besaß dort das Haus 
Nr. 422,9. Er betrieb die Geigenmacherei beinahe 
fabrikmäßig, wobei seine neun Töchter und drei Söhne 
seine Gehilfen waren. 

Becker. — London. Um 1800 

Ein aus Hessen eingewanderter Instrumentenmacher, 
dessen Gitarren (Lyragitarren) seinerzeit geschätzt 
waren, der sich aber namentlich als Verbesserer der 
Harfe einen Namen machte. 



gleichzeitig als Cellist ausgebildet. Er >>erfand« eine so- 
genannte »elegante Violine«, d. h. eine in allen Teilen 
reich verzierte und eingelegte Geige, die recht gut aus- 
sehen soll. 

Beckett, John. — Faversham 

Seine Violinen sind gut gearbeitet, ohne durch Eigen- 
art aufzufallen. 

Beckman, Svend. — Stockholm, f um 1761 

Er erhielt am 20. Oktober 1741 das Privilegium als 
Musikinstrumentenmacher und wurde im Jahre 1756 
sogar Hofinstrumentenmacher, obwohl er kein Künstler 
in seinem Fache war. Seine Geigen sind von roher 
Arbeit; besser sind seine l-auten, die häufiger vor- 
kommen. Eine solche mit einem Rokokoornament be- 
fand sich in der Sammlung Hammer in Stockholm. Em 
Violoncello von ihm. besitzt das Musikhistorische Mu- 
seum in Stockholm. Auf seinen Zetteln erscheint sein 
Vorname in verschiedener Schreibweise, den er üb- 
rigens auf seiner Brandmarke fehlen ließ. 

Geigenzettel : Sveno Beckman / i Stockholm, Anno 
1 757 (gedruckt). 

Bsdler s. Gedler 
Beer, Andreas, s. Bär 

Beer, Anton. — Bärnau (Oberpfalz). Geb. 
1764, t 1836 in Bärnau 

Sohn und Schüler von Ignatius B. und diesem in der 
Arbeit ähnlich, aber weniger sorgfältig. Sein im Jahre 
1895 gestorbener Sohn Adam Jakob B. soll auch ge- 
lernter Geigenmacher gewesen sein. 

Beer, Gabriel. — Iglau. 1875 

Musikinstrumentenmacher, um 1885 hieß die Firma 
Gabr. Beer Söhne. 

Beer, Jan de. — Amsterdam. 17./18. Jahrh. 

Im Brüsseler Museum befindet sich eine Taschengeige 
mit diesem Namen, der mir sonst noch nicht begegnet 
ist. 

Beer (Ber), Ignatius. — Bärnau (Oberpfalz). 
Geb. 1719, t am 20. Juli 1807 in Bärnau 

Sohn und wohl auch Schüler des Joh. Mich. Beer. Er 
scheint mit seinem Vater in Bärnau eingewandert zu 
sein. Sein Geburtsort geht auch nicht aus seiner Trau- 
ungsurkunde vom 19. November 1754 (mit Maria 
Johanna Schwendner) hervor. Im Kirchenbuch wird er 
stets als civis et chelium artifex (oder confector) be- 
zeichnet. In seiner Arbeit ist er den Halleiner Meistern 
nahe verwandt. Gutes Deckenholz, Birnbaumschnecke, 
weite F-Löcher und unscheinbarer Lack, aber ziemlich 
guter Ton kennzeichnen seine Geigen. Die Einlagen 
fehlen gewöhnlich. 

Geigenzettel : Ignatij Ber / Instrumen-/ talischer Violin- 
Macher / in Bernau 1 782 (gedruckt). 



Becker, Wilhelm. — Adorf i.V. 1900. 1902 Beer, Ignaz. — Brunn. 1897 

Ein Neffe Professor Reinhold Beckers in Dresden. Die Ein Saitenspinner, der 1897 Jakob Klem.ents Geschäft 
Geigenmacherei erlernte er in seiner Heimat und wurde übernahm. 



Beer — Bellosio 



37 



Beer, Johann Georg. — Bärnau (Oberpfalz), 
Breslau. Geb. 1758, f 1829 in Bärnau 

Altester Sohn und Schüler von Ign. B., dem er sehr 
nahe kommt. Er scheint nur kurze Zeit in Breslau an- 
sässig gewesen zu sem und kommt m den Akten des 
Breslauer Stadtarchivs nicht vor. 
Geigenzettel : Abb. 88. 

Beer (Ber), Johann Michael. — Bärnau (Ober- 
pfalz). 1754 

Der Stammvater der Bämauer Gelgenmacherfam'lie. 
Er war Bürger und Geigenmacher (»chely'fex«) in 
Bärnau, wo er jedoch nicht geboren zu sein scheint. 
Wahrscheinlich kehrte er in seinen alten Tagen m 
seinen Heimatsort zurück, da auch sem Tod in den 
Bämauer Kirchenbüchern nicht verzeichnet ist. 

Beerselmann, Friedrich. — ?. 1 624 oder 1 674( ?) 

Diesen Namen fand ich bisher nur in emer Poche im 
Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg. 

Geigenzettel: Friedericus Beerselmann / 1624 

(od. 1674) (gedruckt). 

Behrmann, Fried. Aug. — Gotha. 1810 

In einer Violine von guter .-Xrbeit, gutem Holz, flachem 
Modell und breitem Ton fand sich dieser Name. Behr- 
mann scheint nur vorübergehend in Gotha ansässig ge- 
wesen zu sein. 

Beichtner (richtiger: Veichtner), Johann. — 

Regensburg. 1603 

Eine Laute von ihm war 1883 im Leipziger Krystall- 
palast ausgestellt; eine Bratsche von ihm besitzt Ge- 
heimrat Immanuel Hoffmann in Berlin. 

Beick (Back?), Heinrich? — Niederlangenau 
(welches?). 1840 

Eine braungelb lackierte Geige, in der Arbeit ähnlich 
wie die Neumärkers in Schöneck, trägt den schlecht 
leserlichen Zettel : HinnchBäck Instrumenten-, macher 
Niederlangenau 1840 (geschrieben). 

Bela s. Szepessy 

Belacqua (Bivelacqua). — Florenz. 13. Jahrh. 

Ein Freund Dantes, der ihm im Purgatorio IV, Vers 106 
bis 1 36 einige Terzinen widmet. Er war nach Benvenuto 
d'Imola ein Meister in der Verfertigung von Zithern 
und Lauten und verstand es vortrefflich, deren Hälse 
und Wirbelkästen mit kunstreichem Schnitzwerk zu 
versehen; auch war er selbst ein tüchtiger Musiker. 

Beiami, Paolo. — Paris. Um 1612 

Wahrscheinlich Italiener, ein seinerzeit sehr geschätzter 
Lautenmacher. »Belami wohnte« — wie Baron schreibt 
(1727) — »in Paris und hat sich daselbst mit seiner 
Arbeit einen unsterblichen Ruhm erworben und flo- 
rierte um das Jahr 1612.« 

Belawski, B. G. — Warschau. 1886 

Wurde mir nur durch einen Reparaturzettel bekannt. 
Geigenzettel : B. G. Belawski Warschau / reperowac 
Anno 1 886 (geschrieben). 



Belcioni, Antonio di Stefano. — ? 1673 

Von Valdnghi (264) erwähnter italienischer Geigen- 
macher, von dem ich weder Wohnort noch Arbeiten 
erfragen konnte. 

Beledin, Albert-Jules-Louis. — Nantes. Geb. 
um 1829, tum 1895 

Er war als Geigenmacher nicht ungeschickt und hatte 
auch eine Musikinstrumentenhandlung. Sein Geschäft 
besteht noch heute unter der Firma Beledin fils in 
der Passage Pommeraye. 

Bellanger. — Caen. 1837 

Schüler von Guill. Le Breton, dem er in seiner Arbeit 
nahesteht. 

BelleviUe. — Paris. 1823 

Ein Dilettant, Erfinder einer Geige von neuer, aber 
wenig ansprechender Form im Museum des Pariser 
Konservatoriums. (Nr. 35.) 

Geigenzettel : fait par Belleville / amateur a paris / en 
1823 (geschrieben, in der Mitte ein Lamm gez.). 

Beloe, W. L. - Coldstream. Geb. 1819, f 1897 
in Coldstream 

Ein in vielen Kunstfertigkeiten gewandter Mann. Er 
hat mehrere hundert Geigen gemacht, als sein Meister- 
stück betrachtete er eine Kopie der »Messias« vonStra- 
divari, die er nur nach dem Augenmaß machen mußte, 
da der Eigentümer sie ihm nicht anvertrauen wollte. 
Arbeit und Lack sind sehr lobenswert. 

Geigenzettel : Made by / W. L. Beloe / Coldstream / 
1 886 (geschrieben). 

Bellon, J.F. — Paris. 1828. 1832 

Ein Geigenmacher, von dem man nur weiß daß er 
einen Dämpfer für das Violoncello erfunden hat, der 
mit dem Fuße zur Anwendung gebracht werden konnte. 

Bellone, Pietro Antonio, genannt il Pesco- 
rino. — Mailand. 1691. 1694 

Er hatte den heiligen Antonius von Padua zum Laden- 
schild, ist übrigens wenig bekannt, was aber nicht 
hindert, daß sein Zettel nachgeahmt und in Geigen 
geklebt wird, die gewiß nicht in Italien entstanden sind. 

Geigenzettel: Abb. 81. 

BeirOrsi, Michel Angelo. — Turin. 1681 

Ist mir nur durch seinen Zettel bekannt geworden, und 
diesen halte ich nicht für einwandfrei. Der Name heißt 
vielleicht richtiger Dell'Orsi? 

Geigenzettel : Michel .Angelo Be'l'Orsi Fece in Torino/ 
l'anno 1681 (gedruckt). 

Bellosio, Anselmo. — Venedig. Geb. nach 
1715. 1789 

Wahrscheinlich ein Sohn von Giovanni Bell, und 
Schüler von Serafino Santo. Wenn er seinem Meister 
auch nicht gleichkam, so war er doch einer der besseren 
Geigenbauer seiner Zeit und stand in hohem Ansehen 
so daß seine Schüler (Marc. .Ant. Cerin, Pietro Val 



38 



Bellcsio — Ber 



Novelle u. a.) in ihren Zetteln sich stets zu ihrer Emp- 
fehlung auf ihn beriefen. Seine Geigen klingen gut, 
wenn ihnen auch oft besseres Holz und schönerer Lack 
zu wünschen wäre. 

Geigenzettel : Anselmus Bellosius Fecit / Venetiis 1 783 
(gedruckt) und Abb. 54. 

Bellosio, Giovanni. — Venedig. 1735 

Angeblich ein Schüler von Montagnana. Es gelang mir 
jedoch nicht, irgendeine glaubwürdige Arbeit von ihm 
zu erfragen; auch der Zettel mit seinem Namen, den 
ich zu sehen bekam, war eine durch Steindruck her- 
gestellte Fälschung. .\uffällig ist ferner, daß die im 
Handel vorkommenden ihm zugeschriebenen Geigen 
fast immer die Jahreszahl 1735 tragen. 

Beltrami, Giuseppe. — Vescovato bei Cre- 

mona. 1870. 1881 

Als Geigenmacher eigentlich nur Laie. Er trieb aber 
gründliche Studien und besaß gute theoretische Kennt- 
nisse, so daß seine Arbeiten immerhin einigen Wert be- 
sitzen. 

Belluominl, Maurizio, war im 19. Jahrhundert 

in Pisa tätig 
Belviglieri (Bilveglieri), Gregorio. — Bologna. 

1742. 1772 

Nicht ungeschickt, am besten sind seme Bratschen. 

Geigenzettel: Gregorius Bilvegheri fecit / Bolognmae, 
villa Bononiae, ' m: jan: an: 1772 (geschrieben). 

Ben den Chaus s. Benedikt Tentzel 
Bendini, Giambattlsta. — ? 1668 

Ein von Valdrighi (277) ohne Quellenangabe erwähnter 
Meister, der sonst nicht bekannt ist. 

Benecke, S. — Stockholm. 1802 

Mittelmäßiger Geigenmacher des 1 9. Jahrhunderts. 
Am besten gelangen ihm noch Violoncelli und Bässe. 

Benedetti, Giuseppe. — Piacenza. Nach 1700 

Man kann ihn nach den Geigen und Violen, die seinen 
Namen tragen, nicht für einen besonderen Künstler 
halten. 

Benedict, Jose. — Cadix. 1667. 1744 
Besserer spanischer Lautenmacher. 
Geigenzettel : Compuesto en Cadix p. / Jose Benedict / 
ano de! 1738 (gedruckt). 

Benedicti, Donato de. — Cremona. 1679 

Er wird zwar mehrfach erwähnt, doch sind mir Arbeiten 
von ihm nicht bekannt geworden. Es steht auch noch 
nicht fest, zu welcher Familie er eigentlich gehört. 

Benettlni. — Mailand. 1868 

Wenig hervorragender Geigenmacher, doch hat er 
einige gute Bässe gebaut. 

Benito, A. J. Antoni. — Mailand (?). 1664 

Name und Ort sind zweifelhaft. Eine Kniegeige aus der 
Sammlung Scheurleer (mit Schildpatt eingelegt und 



einem Löwenköpfchen am Wirbelkasten) soll den 
nebenstehenden Zettel tragen, der offenbar schlecht 
gelesen — oder gefälscht ist. 

Geigenzettel: A. J. Antoni Benito / Milaan 1664 (ge- 
druckt). 

Benoit. — Düsseldorf. 1802 

Ein französischer Geigenmacher, der wohl nur vorüber- 
gehend in Düsseldorf gearbeitet hat. In einer mitte! 
mäßig gearbeiteten Violine bezeichnet er sich »Luthi' 
de Paris«. 

Benolt, Eugene. — Brüssel. 1754. 1758 

Ziemlich gute Arbeit, französische Schule. Die Holz- 
wahl ist jedoch nicht sorgfältig, auch der rotbraune Lack 
läßt zu wünschen übrig. 
Geigenzettel : Eugene Benoit / Bruxelles 1 754 (gedr.). 

Benozzatl, Girolamo. — (Venedig.) 1899 

Schüler von Eugenio Degani, bei dem er zwei Jahre 
lang lernte. 

Bensande, Alfred Dr. — Lissabon. 1905 

Er ist Professor am Lissaboner Handels- und Industrie- 
institut und beschäftigt sich aus Liebhaberei mit dem 
Geigenmachen. 

Bentl (nicht Beute), Matteo. — Brescia. Geb. 
1580, t nach 1637 

Er war nach einer im. Brescianer Archiv aufbewahrten 
Urkunde vom 23. März 1637 Sohn des Giovanni Benti, 
wohnte in der Contrada di S. Antonio »con esercizio di 
far eitere ed altri istrumenti« und war damals 57 Jahre 
alt. Seine um 1 1 Jahre jüngere Frau hieß Chiara Dea. 
Man hat sich erst in neuerer Zeit wieder mit ihm be- 
schäftigt, und noch in Fcnarohs Dizionario degli artisti 
Bresciani fehlt sein Name gänzlich. In den Urkunden 
heißt es von ihm »che fa Cithere et altri instrumenti«, 
und auch Fetis weiß von einer schönen Laute von ihm 
zu erzählen. Nach verschiedenen, nicht immer ver- 
läßlichen Nachrichten kennt man eine Geige von ihm 
aus dem Jahre 1601 , auch Spinette und Cimbalone soll 
er gebaut haben. Sein Geigenmodell soll, wie behauptet 
wird, groß, die Wölbung ziemlich hoch und der Lack 
dunkelbraun gewesen sein. Willy Burmeister besaß eine 
Violine mit Bentis Namen. Miß Gardener besaß gleich- 
falls eine ihm zugeschriebene Violine, die Dr. Th. L. 
Phipson beschrieb, wobei er allerdings angibt, sie sei 
um 1 580 — also im Geburtsjahr Bentis — gebaut. Eine 
ähnliche Geige mit der ausgeschriebenen gleichen un- 
möglichen Jahreszahl rühmte sich Ole Bull zu besitzen. 

Geigenzettel : Matteo Benti / fecit Bresiae 1601 (gedr.). 
Benvenutl, Paolo. — B. S. Lorenzo in Nugello. 
18. Jahrhundert 

Von Valdrighi (3672) erwähnt, sonst nicht bekannt. Ein 
Benvenuti ist jetzt Teilhaber einer Geigenmacherfirma 
in Pisa. 



Benze, Ignaz, s. Penze 

Ber, s. Bertolt 

Ber, Ignatius, s. Beer 



Berati — Bergmann 



39 



Berati. — Imola (Prov. Bologna). 18. Jahrh. 

Vidal erwähnt ihn zwar, doch war m Imola selbst über 
einen Meister dieses Namens nicht das geringste zu 
erfahren; Arbeiten von ihm lassen sich ebensowenig 
nachweisen. 

Berera, Giov. Antonio. — Trient. 1771 

Einige mittelmäßige Geigen, die nicht viel Italienisches 
an sich haben, tragen diesen Namen. 

Beretta, Felice. — Como. 1760. 1789 

Er nennt sich einen Schüler von Giuseppe Guadagnini, 
dem er aber nicht viel Ehre macht. Ohne Sorgfalt in der 
Wahl des Holzes. Gelber Lack. 

Geigenzettel : Abb. 56. 

Berg, G. E. — Kopenhagen, f um 1900 

Dänischer Streichinstrumentenmacher, dessen Werk- 
statt auf den Geigenmacher Rosenvald überging. Er 
wohnte erst Reventlowsgade, dann Klosterstraede 10. 

Berg, Olof. — Königsberg. 1835. 1836 

Ein schwedisch-norwegischer Konsul, der allerlei neue 
Erfindungen die er machte, an Geigen anbringen ließ. 
Er selbst machte nichts und ließ seine Ideen meist in 
Schönbach ausführen. Daß er mit seinen Erfindungen 
keinen Erfolg erzielte, sei nur nebenbei erwähnt. 

Bergbom, C. — ? 18. Jahrhundert 

Besserer schwedischer Geigenbauer, der nach Stainer 
arbeitete. 

Berge. — Toulouse. 1760. 1771 

Ein Lautenmacher, der bisher nur durch die Inschrift 
seiner interessanten »vielles orgamsees* im Museum 
des Konservatoriums zu Paris bekannt geworden ist. 

Geigenzettel : Berge, ä Toulouse 1 77 1 (gedruckt). 

Berger. — Gent. 1823 

Ein wenig bekannter Geigenmacher, von dem Snoeck 
eine Violine besaß. 



Berger, C. D. — Schwerin. 
Mittelmäßiger Reparateur. 



1835 



Berger, Horst. — Hamburg. Geb. 14. Nov. 
1893 in Kiel 

Sohn eines Kapitäns zur See. besuchte er das Gym- 
nasium seiner Vaterstadt, kam dann nach Hamburg in 
die Kaufmannslehre, war eine Zeitlang in Südamerika 
tätig und wurde durch ein Konzert Vecseys veranlaßt, 
sich mit größtem Eifer auf das Violinspiel zu verlegen, 
worin er es durch angestrengten Fleiß zu anerkennens- 
werter Fertigkeit brachte. Durch seine Beziehungen zu 
Geigenmachern, namentlich zu dem trefflichen Aug. 
Diehl wurde er auch angeregt, sich mit dem Geigenbau 
zu beschäftigen und hatte auch hierin so viel Erfolg, 
daß er seinen Kaufmannsberuf mit seiner Vorliebe für 
die Geige verband und eine Geigenhandlung eröffnete. 
In der wenigen freien Zeit, die ihm übrig bleibt, baut 
und repariert er Geigen und verwendet einen guten 
OUack eigener Zusammenstellung. 



Berger, Johannes. — Landshut. Geb. um 1655 

Seit der Auflösung der herzoglichen Hofhaltung auf der 
Trausnitz (1579) war es mit der Musik in Landshut 
schwach bestellt. Es kommen nur mehr die »Stadt- 
Singer« mit ihren religiösen Schau- und Singspielen 
und die »Stadt- Instrumentisten« vor, die letzteren be- 
standen aus drei Pfeifern und einem »Pusauner«. In- 
folge der Drangsale des 30]ährigen Krieges und seiner 
Nachwehen hatten die Stadtväter weder Geld noch 
Herz für die Musik, selbst die Pfeifer verstummten und 
wurden aus den Stadtkammerrechnungen gestrichen^). 
Erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts scheinen 
sich die Musikverhältnisse wieder gebessert zu haben, 
denn nun ließen sich wieder Geigen- und Lautenmacher 
hier nieder, und unter diesen wird noch 1726 Berger, 
wohl der Lehrmeister Fischers, genannt. Im Lands- 
huter Museum befindet sich ein Miniaturbildnis auf 
Pergament, den »Geigenmacher Joannes berger« dar- 
stellend ; in der Sammlung des dortigen historischen 
Kreisvereins ist auch eine Nonnengeige mit dem Zettel 
J. B. Landsh. / a. 0° 168 . . (gedruckt) zu finden, die 
wahrscheinlich von ihm herrührt. 

Berger, Lorenz. — Landshut. 1759. 1807 

Sohn (?) und Schüler des Jobs. Berger, wurde 1 759 als 
»Stadthauboist« aufgenommen und machte seitdem, 
wie der Landshuter Gewerbekataster von 1807 sagt: 
sämtliche Instrumente wie sein Vater. Sem Geschäft 
ging 1808 auf Franz Kriner über, der Bergers Witwe 
Gertraud heiratete. 

Berger, Max. — Markneukirchen. Geb. 1869 
in Markneukirchen 

Schüler von H. Th. Heberlein jun. Nach einer neun- 
jährigen Lehr- und Wanderzeit begründete er 1892 in 
seiner Vaterstadt sein eigenes Geschäft, in welchem 
Geigen nach den Modellen der alten Meister gebaut 
werden. Als Zettel wird der Name des Meisters, nach 
dessen Modell die Geigen gemacht sind, eingeklebt. 

Berger-Kapralik, Julius. — Lemberg. Geb. in 
Lemberg 1864 

Erlernte nach seiner Angabe in Rußland von 1879 bis 
1883 die Geigenmacherei, machte sich 1886 in Lemberg 
selbständig und baute nach Amati, Stradivarius und 
Vuillaume. Im Lack ahmte er französische Vorbilder 
nach. 1894 stellte er mehrere Geigen hors concours aus; 
seitdem hat er den Neubau von Streichinstrumenten 
aufgegeben und sich ausschließlich auf den Instru- 
mentenhandel verlegt. 

Bergette, Hannss s. Pergette 
Bergmann, Andreas. — Budapest. Geb. 1862 
in Nagy Maros 

Schüler von Eduard Bartek, später langjähriger Gehilfe 
von Paul Pilät. Im Jahre 1898 begründete er seine 
eigene Werkstatt, die das Ladenschild »Zum Cremo- 
neser« führt, und hat seitdem über 80 neue Geigen ge- 
baut, darunter 30 nach Guarneri, 15 nach Stradivari 



^) Vgl. A. Kalcher, Chronik der Landshuter Lieder- 
tafel (1891). 



40 



Bergonzi, Benedetto — Beigonzi, Michel Angiolo 



und 5 nach Magglnl. Da er bei wiederholt angestellten 
Versuchen, wenn er aus dem gleichen Holz eine Geige 
nach Stradivari und eine solche nach Guarneri baute, 
stets den Ton der Guarneri-Kopie besser fand, zieht er 
dessen Modell allen anderen vor und baut danach in 
entsprechender Vergrößerung auch Violen und Violon- 
celli. Er ist auch als Reparateur sorgfältig in seiner 
Arbeit und verwendet Ollack in verschiedenen Farben. 
Geigen, die er allein gebaut hat, tragen den Zettel : 
Bergmann Andräs ,' hegedü keszitö / sajat kezü keszit- 
menye / Budapest 1898 (gedruckt), die von seinen Ge- 
hilfen gebauten : Keszitette Bergmann Andräs / hegedü 
keszitö / Budapest 1901 (gedruckt). Arbeiten seiner 
Schüler: Bergmann Andräs / hegedü keszitö tanitvänya/ 
Budapest 1901 (gedruckt). Reparaturen: Javitotta Berg- 
mann .Andräs / hegedü keszitö Budapest 1899 (ge- 
druckt). 

Bergonzi, Benedetto. — Cremona. f 1840 In 

Cremona 

Der letzte Geigenmacher der Familie, der nur als Re- 
parateur von Bedeutung war. Er wohnte noch im 
Stammhause seiner Vorfahren an der Piazza San Do- 
menico. Von ihm sollen die Angaben über Stradivari 
und seine Zeitgenossen stammen, die Tarisio dem 
J. B. Vuillaume machte und die dann Fetis in seiner 
Schrift über Stradivari verwertet hat. 



Cremona. Geb. 1686, 



Bergonzi, Carlo I. 
t 1747 

Sohn des Michele B. Einer der besten, wenn nicht der 
allerbeste Schüler Stradivaris, der nach dem Tode von 
Stradivaris Söhnen Haus und Werkstatt seines Meisters 
erwarb. Es wird allerdings behauptet, daß er zuerst bei 
Amati in der Lehre gewesen und erst als Gehilfe zu 
Stradivari gekommen sei. In seiner Arbeit schließt er 
sich jedoch mehr an Stradivari an, nur verlängerte er 
die obere Hälfte des Geigenkörpers und machte die 
untere etwas breiter, die F-Löcher setzte er etwas höher 
und näher dem Rande und gab ihnen einen Schnitt, der 
dem von Guarneri de! Gesü nicht ganz unähnlich ist. 
Die Wölbung nahm er gewöhnlich flach, doch wech- 
selte er mehr als andere mit der Wölbung ; die Schnecke 
ist flacher als bei den meisten seiner Zeitgenossen, aber 
sehr sauber geschnitzt. Sein Lack ist meist rotbraun 
oder bernsteingelb, nur manchmal etwas zu dick auf- 
getragen und deshalb öfter zerronnen, hat aber durch 
das Alter sehr gewonnen und sieht gerade dadurcli 
originell aus, daß er oft auf Klümpchen zusammen- 
geschrumpft ist, deren feine Zwischenräume zum Teil 
bis auf den Holzgrund, zum Teil bis zur ersten Lackie- 
rung reichen. Der Ton ist groß und edel, und da Ber- 
gonzi stets das beste und gesündeste Holz nahm und 
seine Geigen sehr stark baute, darf man ihnen eine 
lange Lebensdauer in Aussicht stellen. Sie gehören zu 
denen, die in den letzten fünfzig Jahren die größten 
Preissteigerungen erfahren haben. Man charakterisiert 
Carlo I B. am besten, wenn man sagt, daß er 
zwischen Stradivari und Guarneri del Gesü in der 
Mitte steht. Seine Violoncelli und Bässe sind nicht 
minder gut als seine Violinen und ebenfalls sehr ge- 
sucht. Eine schöne Gamba von ihm besaß de Wit in 
Leipzig, in dessen Zeitschrift (1895, Nr. 12) sie be- 



schrieben und abgebildet ist. Von seinen drei Söhnen 
erreichte ihn keiner. Seine ältesten Arbeiten tragen 
Jahreszahlen vor 1700. So hat ein Geiger in München 
eine Violine von ihm mit geschriebenem Pergament- 
zettel aus dem Jahre 1696. Eine Violine von tadelloser 
Erhaltung, mit rotem Lack, von ihm aus dem Jahre 
1737 besitzt Valentin Walter in Grulich i. B. ; seine 
schönste Arbelt, eine Violine, die Tarisio besaß und von 
der er sich nie trennen konnte, verkaufte Vuillaume 
später an Konzertmeister Woerle, und jetzt befindet sie 
sich im Besitz des deutschen Konsuls Baron Liebig in 
Wien. 

Geigenzettel : Anno 17.. Reuisto, e corretto da me / 
Carlo Bergonzi in Cremona (gedruckt). — Abb. 95. 

Bergonzi, Carlo II. — Cremona. 1780, f um 

1820 

Dritter Sohn von Michel Angiolo B. Er soll ein ge- 
schickter Reparateur gewesen sein und war hauptsäch- 
lich Mandolinen- und Gitarrenmacher. Die wenigen 
Geigen, die er gebaut hat, sind minderwertig, unfein in 
der Form und haben häßliche F-Löcher. 

Bergonzi, Francesco. — Cremona. 1687 

Man will ihn für den Ahnherrn der Familie halten, und 
es soll auch noch Geigen von ihm geben, in denen er 
seinen Namen allerdings »Baganzi« schrieb. 

Bergonzi, Giuseppe. — Cremona. 1740 

Es soll auch einen Giuseppe B. gegeben haben. Es ist 
mir aber nicht gelungen, Instrumente mit seinem 
Namen ausfindig zu machen. — Ebensowenig solche 
von einem angeblichen Pietro Bergonzi. 

Bergonzi, Ludovico. — Cremona. 1741 

Ein bisher nicht bekanntes Mitglied der Familie, von 
dem einzelne Violinen vorkommen, die einer Cremo- 
neser Herkunft nicht widersprechen. 

Bergonzi, Michel Angiolo. — Cremona. Geb. 

um 1715, tum 1765 

Sohn von Carlo B., dessen Nachfolger er 1747 wurde. 
Er war mit Barbara Berselli, Tochter des Alfonso B., 
verheiratet. Wenn er auch nach verschiedenen Mo- 
dellen arbeitete, so bevorzugte er doch das breite Stra- 
divari-Patron. In der Arbeit ist er recht gut, auch sein 
Holz ist schön; seinen Vater erreichte er aber doch 
niemals. Sein Lack ist stumpf und der Ton häufig 
näselnd, vorzüglich sind seine Bässe. Da er sich früh- 
zeitig besonders auf den Bau von Mandolinen usw. ver- 
legte, kommen Streichinstrumente von ihm verhältnis- 
mäßig selten vor. Doch besitzt G. Siefert in Leipzig 
eine sehr schöne Violine von ihm aus dem Jahre 1736, 
die denselben Lack zeigt, den Carlo I B. verwendet hat, 
der so leicht »zerronnen« ist. Auch die Grundierung ist 
die gleiche wie bei seinem Vater. Eine Violine von ihm 
besitzt .Miß Baird in Elgin (Schottland), eine Pandurina 
von 1755 C. van Raalte, eine von 1756 die Sammlung 
Galpin (Hatfield). — Er hatte drei Söhne. 

Geigenzettel : Michel Angelo Bergonzi / Figlio di Carlo 
fece in , Cremona l'Anno 1749 (gedruckt). — Michel- 
angelus Bergonzi / Fecit Cremonae 17 . . (gedruckt) 



Bergonzi — Bernardel 



41 



Bergonzi, Nicola. — Cremona. 1740. 1782 

Altester Sohn von Michel Angiolo B., der das väterliche 
Geschäft übernahm und fortsetzte. Er baute viele In- 
strumente, die im Patron denen seines Vaters ähnlich 
sind, ihnen aber im Ton und in der Arbeit sehr nach- 
stehen. Der Lack ist dünn und hat wenig Feuer, das 
Holz nicht immer gut gewählt und die Schnecke un- 
schön. 

Geigenzettel : Abb. 78. 

Bergonzi, Zosimo. — Cremona. 1750. 1777 

Dritter Sohn Michel Angiolos und etwas geschickter als 
sein Bruder Nicola. Seine Violinen sind von ungleichem 
Wert, besser dagegen seine Violoncelli und Bässe. 

Geigenzettel: Fatto da me Zosimo Bergonzi ; L'anno 
1777, Cremonae (gedruckt). 

Bergström, J. A. — Nyköpmg. 1828 

In der Wahl des Holzes nicht sehr glücklich, sonst ein 
ganz tüchtig arbeitender schwedischer Geigenmacher. 

Berkemayer, Bernhard. — Iglau 

In einer zwölfsaitigen Zither im Besitze Eman. Ed. 
Homolkas findet sich der Zettel : 
Bernhard Berkemayer / Bürger in Iglau verfertigt 
Forte-Pianos und alle , andere Saiteninstrumente. / 
Wohnt im eigenen Hause N° 356 / in der hinteren 
Judengasse (gedruckt). 

Berkemeyer, J. F. — Amsterdam. 1806 

Wenig bekannter, wahrscheinlich aus Süddeutschland 
oder Mähren eingewanderter geschickter Geigen- 
macher, von dem Felix Herrmann eine recht gute 
Violine besitzt. Boden, Zargen und Schnecke sind sehr 
schön, die Decke von weitjährigem Holz fällt dagegen 
etwas ab, doch ist der rotbraune Lack zu loben. 

Geigenzettel: J. F. Berkemeyer , Amsterdam Ao 1806 
(geschrieben). 

Berly. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der dem Namen nach 

bekannt wurden : 

Berly, Charles. 1760. 1765 

— Dominique I. 1744. 1750 

— Dominique II. 1761. 1765 

— Dominique III. 1750. 1789 

— Dominique IV. Geb. 1765 

— Guillaume. 1732 

— Jean-Claude. 1756. 1757 

— Leopold. 1777. 1778 

— Pierre. 1756. 1764. 

Berliner, E. — Boston. 1885 

Ließ sich eine »verbesserte« Violine patentieren, an der 
durch einen Spannrahmen eine Saitenspannvorrichtung 
angebracht war; er erzielte jedoch begreiflicherweise 
keinen sonderlichen Erfolg damit. 

Bernard, Andre Florent Nicolas. — Lüttich. 
Geb. 6. Okt. 1870, 

Schüler von Gand und Bernardel. Seit 1890 ist er in 
seiner Vaterstadt tätig. Er arbeitet sauber im Stile seiner 



Lehrmeister und erhielt 1897 in Brüssel, 1900 in Paris 
für seine neuen Geigen silberne Medaillen, und 1905 in 
Lüttich, 1907 in Bordeaux und 1910 in Brüssel goldene 
Medaillen. Auch in der Wiederherstellung alter Geigen 
ist er sehr geschickt. Seine Werkstatt führt das Schild : 
»A la Guitarre royale«. 

Bernard, Jacques. — Mirecourt. 1773. 1780 
Galt als guter Bogenmacher. 

Bernardel, Auguste-Sebastien-Philippe. — Paris. 
Geb. Mirecourt 1802, f 6. Aug. 1870 zu 
Bougival 

Nachdem er in seiner Heimat ausgelernt hatte, kam er 
1820 nach Paris und trat bei N. Lupot und später bei 
Gand pere als Gehilfe ein. Er gründete 1826 sein Ge- 
schäft in der Rue Coquilliere Nr. 44 und arbeitete bis 
1859 allein. Dann nahm er seine beiden Söhne als Teil- 
haber der Firma auf. arbeitete aber noch bis 1866 
fleißig weiter. Einer der geschicktesten französischen 
Geigenmacher des 19. Jahrhunderts und gründlicher 
Kenner des Holzes, das er mit größter Sorgfalt aus- 
wählte. Auf der Londoner Ausstellung 1851 stellte man 
seine Arbeit der Forsterschen gleich, wenn auch sein 
Cello einen näselnden Ton gehabt haben soll ; aber es 
unterliegt keinem Zweifel, daß er gerade, was die Größe 
des Tons anbelangt, alle englischen Meister übertraf. 
Seinen braunen und rötlichen Lack trug er manchmal 
zu dick auf, auch hat die rote Farbe oft einen Stich ins 
Violette, was als Schönheitsfehler gelten muß. 1859 
verband er sich, wie schon bemerkt, mit seinen Söhnen 
Ernest-Auguste und Gustave-Adolphe zu der Firma 
"Bernardel et iils^< und zog sich 1866 vom Geschäft 
zurück. 

Geigenzettel : Bernardel, luthier ,' ex-ouvrier du si'Lu- 
pot, / rue Coquilliere, n° 44 ä Paris, / l'an 1826 (ge- 
druckt) und Abb. 72 und 73. 

Bernardel, Ernest-Auguste. — Paris. Geb. 
1826, t 10. Dez. 1899 in Paris 

Sohn von Seb. Phil. B. Seit 1859 Teilhaber der Firma 
seines Vaters ; er verband sich später mit seinem Bruder 
zusammen mit Ch. N. E. Gand. Ein trefflicher Meister, 
dem ein gut Teil des Ruhmes der Firma zuzuschreiben 
ist. 

Bernardel, Gustave-Adolphe. — Paris. Geb. 
Paris 1832, t 27. Jan. 1904 in Cherbourg 

Schüler seines Vaters Seb. Phil. B. Vielleicht der beste 
• unter den französischen Geigenmachern seiner Zeit. 
Seit 1860 Teilhaber der Firma seines Vaters; er ver- 
band sich 1866 mit Eug. Gand, mit dem er 26 Jahre in 
treuer Freundschaft die Firma Gand & Bernardel teilte. 
Seit 1892 war Gustave B. alleiniger Inhaber des welt- 
berühmten Geschäftes, das nun die Firma »Gustave 
Bernardel, seul successeur de Gand & Bernardel<' trug. 
Begründer des Geschäftes war bekanntlich Lupot; seine 
Nachfolger waren Gand, Gand freres, Gand & Ber- 
nardel und Gustave B. Er befolgte die Traditionen 
Lupots, baute treffliche Streichinstrumente und ver- 
suchte eine gelungene Rekonstruktion der V iola di Gam- 
ba, er machte alle Saiteninstrumente, die Harfe aus- 



42 



Bernardel — Bernlnard 



genommen, und verwendete nur Öüack. Seit 1 . Juli 
1901 sind Albert Caressa und Henri Fran^ais seine 
Nachfolger. 

Geigenzettel : Gustave Bernardel N° . . . / Paris Pdssage 
Saulnier 4 / luthier du Conservatoire 18 . . (gedruckt) 
und Abb. 57. 

Bernardel, L. — Amsterdam. Geb. um 1805 
in Mirecourt, f 1847 

Bruder von A. Sebast. B., ein talentvoller Geigen- 
macher, dessen frühzeitiger Tod verhinderte, daß er zu 
größerem Ruhm kam. 

Geigenzettel : Repare par L. Bernardel / Amsterdam 
1844 (gedruckt). 



- P, 



ans. 



Geb. 



m 



ans 



Bernardel, Leon. 
22. Aug. 1853 

Sohn von Ernest-Aug. B. Nachdem er von 1869 — 1870 
bei Just Derazey in Mirecourt gelernt hatte, kam er zu 
Gand & Bernardel freres nach Paris, bei denen er vom 

I . August 1 870 bis 3 1 . Juli 1 898 — also 28 Jahre lang — 
blieb. Am I.Oktober 1898 eröffnete er seine eigene 
Werkstatt; er baut nach Stradivari, Lupot und Gand 
und verwendet nur Ollack. 1900 erhielt er das Diplom 
eines Offiziers der Akademie und auf der Weltaus- 
stellung eine Bronzemedaille. Seine Geigen sind gut 
und werden von Musikern sehr geschätzt ; so ist er u. a. 
Lieferant des Lamoureuxschen Konzertes usw. Seinen 
1882 geborenen Sohn ließ er in Mirecourt zum Geigen- 
macher ausbilden und erzog ihn zu seinem besten Mit- 
arbeiter. 

Geigenzettel : Abb. 58. 
Bernardelle, Roussel. — Paris. 1837 

Baute nach Stradivari; seine Arbeit ist nicht schlecht, 
kommt aber nur selten vor. 

Bernardus. — Udine 

Ein englischer Händlsr bot eine Violine mit diesem 
Namen, der wohl nur zur Hälfte gelesen ist, an. 

Berndt, Willy. — Berlin-Neukölln. Geb. 

II. April 1876 in Stettin 

Durch den frühen Tod seines Vaters in ärmlichen 
Verhältnissen aufgewachsen, baute er sich schon als 
Schulknabe ohne jegliche Anleitung eine Geige, da 
ihm seine Mutter keine kaufen konnte. Das Instru- 
ment war so gelungen, daß ihm von allen Seiten 
geraten wurde, Geigenbauer zu werden. Da er aber 
in Stettin keine Lehrstelle erhalten konnte, mußte er 
zunächst die Tischlerei und den Klavierbau erlernen, 
aber jede freie Zeit benützte er dazu, sich im Geigen- 
machen zu vervollkommnen, wenn er auch darauf an- 
gewiesen war, die Anleitung dazu aus Büchern zu 
holen. In seinem zwanzigsten Jahre kam er endlich 
zu Adolf Pfretzschner, unter dessen Leitung er bald 
mehrere Geigen in allen Teil -n fertigstellte, die schon 
in unlackiertem Zustand den größten Beifall des hol! . 
Konzertmeisters Max de Groot fan len. Im Jahre 
1907 siedelte er nach Berlin über und begründete seine 
eigene Werkstatt, die sich eines stetig zunehmenden 
Zuspruchs erfreut. Er baut nach Stradivari und stimmt 



Boden und Decke harmonisch ab und bereitet sich 
einen Ollack eigener Zusammensetzung. Sein Sohn 
Walter, der eine gründliche musikalische Ausbildung 
erfahren hat, widmet sich jetzt ebenfalls dem Geigen- 
bau. 

Geigenzettel : Gebaut von / Willy Berndt / Berlin- 
Neukölln / Geigenmacher — den .... 192 . 

Berner (Perner), Samuel. — Brixen. f 24. Febr. 
1754 (im Spital) 

Gute Arbeit. Ein Violoncello von ihm wurde 1890 von 
Heberle in Nürnberg versteigert. Eine Viola und ein 
Cello von ihm besitzt Kaufmann Fallmereyer (Eisen- 
handlung) in Brixen. 

Bernhard, August. — Fleißen. 1884. 1895 

Einer der besseren Geigenmacher seines Heimatortes, 
der auch als guter Lehrer geschätzt war. 

Bernhard, Carl. — Stadthagen. Geb. 22. Nov. 

1857 

Ursprünglich Musiker, brachte ihn der Wunsch, den 
Ton seiner Streichinstrumente zu verbessern, schon 
frühzeitig auf den Gedanken, den Geigenbau zu stu- 
dieren. Meister Weber in MöUenbeck bei Rinteln war 
der erste, der ihm einige Anleitungen gab. Als Sohn 
eines Tischlers mit der Holzbearbeitung gut vertraut, 
versuchte er zunächst, ein Violoncell zu bauen. Der Er- 
folg spornte ihn zu weiterem eifrigen Studium an, und 
Weber gab ihm außer praktischer Anleitung auch 
Bagatellas Schrift und ähnliche Bücher. Er machte jetzt 
rasche Fortschritte und baute 1885 seine erste neue 
Geige. Hierauf ging er noch nach Markneukirchen, um 
seine Ausbildung abzuschließen. Wenn er dort auch 
nicht alles fand, was er hauptsächlich suchte, so nutzte 
er doch jede Gelegenheit, die Werke alter Meister 
kennen zu lernen, mit Eifer aus. Bis 1904 hatte er be- 
reits 178 neue Violinen, 31 Violen, 17 Violoncelli und 
58 Bässe gebaut. Er ahmt vorzugsweise das Stainer- 
modell nach, wobei er die Schallkreise elliptisch an- 
ordnet, da sonst bei der schnell abfallenden Wölbung 
die gerade laufenden Fasern des Holzes nach seiner An- 
sicht zu kurz abgeschnitten würden. Bei flacher Wöl- 
bung nimmt er die Schallkreise dagegen rund, wie 
Bagatella dies vorschreibt. Seine Arbeit ist sorgfältig, 
der Ton voll und weich; auch als Reparateur wird er 
geschätzt und erhielt durch Professor Sahla die Ar- 
beiten für die Bückeburger Hofkapelle übertragen. 

Geigenzettel : Carl Bernhard / Geigenmacher / Stadt- 
hagen Ao. 19 . . (gedruckt). 

Bernhard, Johann Georg. — Mark-Biberbach. 
1743. 1746 

Schwäbischer Geigenmacher, der um die Mitte des 
18. Jahrhunderts lebte und sehr mittelmäßig arbeitete. 
Sem Holz ist unschön, zur unrechten Zeit geschlagen, 
daher jetzt sehr wurmstichig, der Lack schlecht und 
dementsprechend der Ton armselig. Im Modell ahmt 
er die Tiroler Schule nach. 

Geigenzettel : Johann Georg Bernhard / Lauten- / und 
Geigenmacher in Mark-Biber- / bach. Anno 1743 (ge- 
druckt). 



Bernhardt — Bertolotti 



43 



chränktes Lob 



ollt. 



Bernhardt, Arnold. — Markneukirchen. Geb. Bertier, Phülppe. — Mirecourt. 1773. 1789 

1 9. Juli 1 874 zu Markneukirchen Ja^quot kennt nur seinen Namen. 

Schüler von Karl Wilh. Lederer 11. Als Gehilfe arbeitete Bertini, Vincenzo. — Rom 

er längere Zeit bei Dr. AlL-ed Stelzner in Dresden und ^^ ^-^^^ j^^j^^^,^ eingelegte Mandolinen mit seinem 
machte sich im Jahre 1905 m seiner Vaterstadt selb- Namen, 
ständig. Er arbeitet sehr sorgfältig und sauber, ver- 
wendet vorzügliches Holz, und seinen Geigen wird auch Bertoleti, Antonio. — Brescia. 1796 

In einem mittelmäßigen Violoncello wurde der Zettel 
gefunden: Antonio Bertoleti / Fece in Brescia, 1796 
(gedruckt). 

Bertoli, Giuseppe. — (Venedig.) 1899 

Schüler von Eugenio Degani, bei dem er ein Jahr lang 
lernte. 

Bertolinl. — 18./19. Jahrhundert 

Dr. J. L. Phipson erzählt in »The Strad« 1896 (Nr. 74) 
von einer Violine mit diesem sonst nicht bekannten 
Namen, die zwar keine äußeren Vorzüge und wenig 
Eigenart, aber einen wundervollen Ton gehabt haben 
soll. 

Bertolotti, Francesco I, genannt Violi (Vio- 
lino). — Polpenazze. 16. Jahrhundert 
Sohn des Santino und Vater Gasparo da Salos. Er war 
Maler, seinem Beinamen nach aber auch Geiger oder 
Geigenmacher. 

Bertolotti, Francesco II. — Brescia. Geb. 
März 1564 in Brescia. 1614 
Sohn des Gasparo B. da Salo und Schüler seines Vaters. 
Mit 23 Jahren war er bereits mit Fior (aus Calvagese 
bei Salö) verheiratet, und es läßt sich vermuten, daß er 
nach dem Tode seines Vaters seine Kunst nicht mehr 
ausgeübt hat ; vielleicht hat er das Geschäft an Giovan 
P. Maggini, der ja der Nachfolger seines Vaters wurde, 
verkauft. Nach 1614 läßt er sich in Brescia nicht mehr 
nachweisen und dürfte also fortgezogen sein, vermutlich 
nach Calvagese, wo sich bekanntlich Gasparo da Salö 
angekauft hatte. Eine Lira di Camba mit der Zettel- 
inschrift: D. Francesco q. Gaspar da Salö in Brescia 
(gedruckt) besitzt W. Heyers Musikhistorisches Mu- 
seum in Köln (Nr. 783). 

Bertolotti, Gasparo, gen. da Salo. — Brescia. 
Geb. 20. Mai 1540 (?) in Salo, f H.April 
1609 

. Sohn des Francesco B. und Enkel von Santino. Sein 
Vater war Maler und »Violino«, die ganze Familie war 
musikalisch^), und der junge Gasparo wandte sich wohl 
schon frühzeitig dem Berufe, den auch sein Großvater 
ausübte, zu. Er war wahrscheinlich ein Schüler seines 
Großvaters und später von Girolamo di Virchi, was ihn 
veranlaßt haben mag, aus Salö, einem Städtchen am 
Gardasee, nach Brescia überzusiedeln, wo er bereits 
vor 1565 als Meister ansässig war. An Können und 
Talent überragte er alle seine Vorgänger und wurde 



in bezug auf den Ton uneingeschränktes Lot) geiol 
Er beschäftigt keine Gehilfen, sondern macht alles selbst 
an seinen Instrumenten, wie er sich auch den Lack 
selbst zubereitet. Er arbeitet nach einem eigenen Mo- 
dell, das dem des Stradivarl ähnlich ist. Daß es ihm 
sehr zustatten kommt, nebenbei ein trefflicher Geiger 
zu sein, sei gleichfalls erwähnt. Seine Geigen tragen 
einen Brandstempel (Brandmarke Nr. 1). 

Berro, Ambroslus. — ? 1766 

Nach einer Mitteilung des Propstes von St. Florian in 
Oberösterreich befindet sich im Besitze des Stiftes eine 
gute Viola mit dem rätselhaften (vielleicht schlecht ge- 
lesenen) Zettel : Ambroslus Berro / zu Barris 1 766 (ge- 
druckt). 

Berrolt. — Brüssel. 1750 

Ein selten genannter Violenbauer. Vielleicht ist nicht 
einmal sein Name richtig überliefert. 

Bertanl. — Modena. 1 9. Jahrhundert 

Außer Geigen verfertigte er auch Flöten und englische 
Hörner. 

Bertaslo, Luigl. — Piadena. 19. Jahrhundert 
Bei De Piccolellls und Vidal findet sich dieser Name 
ohne weitere Zusätze oder Quellenangaben. • 

Bertassl, Ambrogio. — Piadena. 1730 

Wahrscheinlich zur selben Familie wie Bertaslo gehörig. 
Bertet, Joseph R. — Paris, Nantes. 1754. 1774 

Ein Geigenmacher, der wie L'Harmand und der alte 
VulUaume u.a. den Werkstattnamen »Au roy David« 
führte. Nach 1764 scheint er nach Nantes gezogen zu 
sem. Von ihm befindet sich ein großer Alto aus der 
Sammlung Snoeck (Nr. 573) in Berlin. Dicker gelber 
Lack, gute Arbelt. Eine sehr schöne Laute mit einem 
wundervoll geschnitzten Frauenköpfchen besitzt Baron 
de Lery. 

Geigenzettel : Joseph R. Bertet, au Roy David / Rue 
Neuve St. Roch ä Paris 1754 (geschrieben). — Bertet, 
luthler Au Roi David / rue Dauphine ä Paris 1 764 (ge- 
schrieben). 

Bertholini, Nicolo 
Siehe Bertolinl. 

Berti, Antonio. — Cortona. 1721 

Vidal erwähnt ein Psalterion von ihm; auch sollen 
Lauten mit seinem Namen vorkommen ; doch ließ sich 
in Cortona nichts über ihn ermitteln. 

Berti, Giuseppe gen. Giusino. — Flumalba 
(Modena). Anfang des 19. Jahrhunderts 
Er soll auch in anderen modenesischen Orten gearbeitet 
haben; seine Geigen sind minderwertig. 



1) Ein Alessandro Bertolotti war nach Valdrighi ein 
tüchtiger Klavizimbelbauer. 



44 



Bertolotti — Bessard 



bald das Haupt der Brescianer Schule; er hatte jeden- 
falls einen wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung der 
heutigen Violine, deren Erfindung man ihm mit 
größerem Rechte zuschreiben könnte, als »Duiffo- 
prugcar«. Sein Ruf war bald begründet; 1568 wohnte 
er noch zur Miete in der Contrada del palazzo vecchio, 
1588 besaß er bereits sein eigenes Haus in der Contrada 
de la Cocere (jetzt via delle Cossere). Seine Frau hieß 
Isabella und war 1546 geboren. Trotz aller Anerken- 
nung scheint er doch anfangs mit Sorgen zu kämpfen 
gehabt zu haben, denn um seine Lage zu verbessern, 
stand er im Begriffe, dem Beispiel anderer Meister 
folgend, nach Frankreich auszuwandern. Um das zu 
verhindern, lieh ihm Bruder Gabriel zu St. Piero 
60 Lire. Von da an arbeitete er sich empor ; 1 599 konnte 
er sich ein neues Haus in der Straße San Pietro Martire 
kaufen, und zwischen 1581 und 1607 erwarb er außer- 
dem verschiedene liegende Gründe in Calvagese (bei 
Salo), dem Heimatorte seiner Schwiegertochter Fior. 
Das ist alles, was sich aus seinem Leben urkundlich 
feststellen ließ. Er wurde bei St. Joseph begraben, wo 
sich leider sein Grabstein nicht erhalten hat. Im April 
1907 wurde ihm aber auf Veranlassung des Prof. Cav. 
Fr. Pasini an dieser Kirche ein Denkstein errichtet mit 
der Inschrift: 

Gasparo da Salo 

nell arte di liutai maestro 

per trovar le vie nuove 

loggi, materia, forma studiando 

die quasi anima e senso 

al violino moderno 

creazione sua. 

Nato 1542. — Morto 1609 

fu sepolto in questo tempio. 

In den Urkunden wird er 1568 »Magistro de violini«, 
1579 »Magistro a cittaris«, 1583 »Artefice d'instrumenti 
musici« und 1588 »Magister instrumentorum musi- 
corum« genannt. Seine Geigen zeigen im allgemeinen 
schon die später klassisch gewordene Form. Die Wöl- 
bung nimmt er noch ziemlich hoch, d;e F-Löcher sind 
weit und stehen fast parallel, die )( sind langgestreckt 
und die Ecken kurz. Die Schnecke ist nicht besonders 
fein und bei größeren Instrumenten meist aus Birn- 
baumholz. Sein Lack scheint nachgedunkelt zu haben ; 
aber es gibt außer braunlackierten Geigen auch solche 
von schöner Bernsteinfarbe. Bis heute haben sich nur 
wenige Arbeiten seiner Hand erhalten ; doch wurde sein 
Name schon frühzeitig mißbraucht, weshalb ihm zu- 
geschriebene Geigen stets mit Vorsicht zu behandeln 
sind. Man findet viele Instrumente mit seinem Namen 
und Jahreszahlen, die von 1610 — 1630 reichen, obwohl 
er selbst fast nie eine Jahreszahl auf seinen Zetteln an- 
gab. Einen echten dreisaitigen Baß besaß Dragonetti, 
eine sechssaitige Gamba bewahrt das Pariser Konser- 
vatorium. In der Sammlung des Professors Cav. Franc. 
Pasini befindet sich eine ganze Reihe von Instrumenten, 
die als Arbeiten von Gasparo da Salo gelten. Ole Bulls 
Violine, die ihm zugeschrieben ward, scheint jüngeren 
Ursprungs gewesen zu sein. Er war auf alle seine Nach- 
folger von größtem Einfluß, der sich bis Stradivari und 
Guarnen verfolgen läßt. Vgl. G. Livis Aufsatz in der 
Nuova Antologia vom 16. Aug. 1891. Siehe auch: 
Gargnano. 
Geigenzettel : Abb. 96. 



Bertolotti, Lulgi s. Bortolottl 

Bertolotti, Santino. — Polpenazze. 16. Jahrh. 

Lautenmacher, der Großvater von Gasparo da Salö. 

Bertolt. — Nürnberg. 1413 

In einer Urkunde des Archivs der Stadt Nürnberg 
wird im Jahre 1413 ein *Ber(tolt) Lautenmacher auf 
der Lorenzer Stadtseite in der Mittelgasse« aufgeführt. 

Bertram, Alexander. — Eddieston. Geb. 1801 

Sohn von William B. und wohl auch dessen Schüler. 
Ein fleißiger schottischer Geigenmacher des 19. Jahr- 
hunderts. 

Bertram, William. — Stobo Castle (Schott- 

land). 1790. 1810 

Er war Jäger von James Montgomery und machte aus 
Liebhaberei Geigen. Er brachte es dann zu einer ge- 
wissen Geschicklichkeit und soll in den letzten drei 
Jahren seines Lebens siebzehn Geigen gemacht haben, 
die er den Gästen seines Herrn zu verkaufen pflegte. 

Bertrand, Nicolas. — Paris. 1687. 1735 

Er arbeitete handwerksmäßig; nur manchmal kam er 
Jacques Boquay nahe. Sein Lack ist fast immer rissig 
und stumpf und gewöhnlich von roter Farbe. Violinen 
scheint er nur selten gemacht zu haben, dagegen trifft 
man Violen, Bässe und Quintone von ihm mehrfach. 
Das Selhofsche Versteigerungsverzeichnis (Haag 1759) 
führt eine Arbeit von ihm mit der Jahreszahl 1603 auf; 
diese kann nur 1703 oder höchstens 1693 geheißen 
haben, oder man müßte einen gleichnamigen Vorfahren 
annehmen. Ein Quinton und eine Baßviola (Gamba) 
von gewöhnlicher Arbeit, rotem, schmierigem Lack und 
mit einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten besitzt das 
Brüsseler Konservatorium (Nr. 222 und 227). Außer 
seinem Zettel verwandte er auch eine Brandmarke mit 
seinem Namen. 

Geigenzettel : Abb. 50. 

Bertrand. — Mirecourt. 1853 

Wahrscheinlich mehr Händler als Geigenmacher. 

Bertucci, D. Giuseppe. — Mont-Orsello. 1748. 
1777 

Das D. vor dem Taufnamen scheint die Abkürzung von 
Don zu sein ; Bertucci wäre demnach geistlichen Stan- 
des gewesen. Geigen von ihm kommen selten vor und 
sind nicht sehr geschickt gemacht. 

Berupt, Leopold und Louis. — Mirecourt. 
1766. 1789 

Wahrscheinlich zwei Brüder, die beide als Luthiers ge- 
nannt werden. 

Besancenot. — Dijon. 1776 

Seine Geigen zeichnen sich mehr durch ihre reiche 
Ornamentierung als durch Modell und Ton aus. 

Bessard, Louis. — Paris. 1753 

Er war geschworener Meister der Pariser Lauten- 
macherzunft; mehr war über ihn nicht zu erfahren. 



Beßl 



er 



Biancl 



lanchi 



45 



Beßler, Adam. — Eperjes. 1670 

Daniel Speer berichtet in seinem »Unterricht in der 
musikalischen Kunst« (Ulm 1687, bei S.W.Kühne) 
über die Viola Baryton : »Ich habe auf meiner Peregri- 
nation nicht mehr als am bischöflichen Hofe zu Frey- 
sing einen (Barytonspieler) angetroffen, auch der- 
gleichen Instrument nirgend als zu Eperes in Ungarn 
bei dem Stadt-Trompeter Musico Adam Besslern, der 
als ein berühmter Geigen macher solches selbsten 
gemacht.« 

Bessolaz, lebt als »Luthier« in Chambery (Dep. 

Savoie) 
Betts, Edward ( »Ned Betts«). — London. Geb. 

in Stamford?, f um 1815 oder 1820 

Neffe von John Betts und wie dieser Schüler von R. 
Duke. Ein tüchtiger Geigenmacher, dessen eigene Ar- 
beiten Lob verdienen. Die Einlagen machte er sehr gut, 
schnitt schöne F-Löcher und schöne Schnecken; nur 
der Lack ist hart und unklar. Da in England aber — wie 
leider auch anderwärts — moderne Geigen schlecht be- 
zahlt werden, verlegte er sich auf das Nachahmen alter 
Instrumente, besonders solcher von den Amatis, worin 
er es zu großer Meisterschaft brachte. 

Betts, John Edward (»Old John Betts«). — 
London. Geb. 1755, f im März 1823 
Schüler des älteren R. Duke. Er stammte aus Stamford, 
Lincolnshire, und war weniger hervorragend als Geigen- 
macher wie als Händler und Kenner. Die Geigen, die 
seinen Namen tragen, sind sehr verschieden, was daher 
kommt, daß Carter, sein Neffe Betts, B. Fendt und seine 
Söhne, Panormo usw. für ihn arbeiteten. Er ließ u. a. 
treffliche Kopien nach den Cremoneser Meistern her- 
stellen. Sein Geschäftsnachfolger war sein Bruder 
Arthur B., der Violinlehrer gewesen war. Dessen gleich- 
namiger Sohn und Nachfolger war gleichfalls kein 
Gelgenmacher. Eine Stockgeige (1800) von ihm besitzt 
T. W. Taphouse. 

Geigenzettel : J " Betts N ° 2 / Near Northgate the / 
Royal Exchange / London 1 782 (gedruckt). 

Betz s. Petz 

Beuthner, Adolf. — Markneukirchen 

Schüler von Reinhold Paulus. Als Gehilfe arbeitete er 
in Leipzig, Berlin und Kopenhagen, kehrte 1895 in 
seine Vaterstadt zurück und machte sich selbständig. 
Er beschäftigt sich mit dem Neubau und der Wieder- 
herstellung von Geigen und treibt auch einen Handel 
mit alten Musikinstrumenten. 

Beuthner, Johann Ulrich. — Hamburg. 1710 

Sein Name kommt auf einem Reparaturzettel in der 
ehemaligen Sammlung Hammer vor. Er scheint jedoch 
das Bürgerrecht nicht besessen zu haben, weshalb sich 
nichts Näheres über ihn ermitteln ließ. 

Beutler, Johannes. — Um 1830 

Eine einfach gehaltene Gitarre mit einem Wirbelkasten, 
den ein Affenkopf abschließt, wird in W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Köln aufbewahrt (Nr. 563). 



Beveridge, William. — Aberdeen. Geb. Juli 
1821 in Craigh, Tough, f Aug. 1893 in 

Chapel of Ganoch 

Als Sohn eines Farmers beschäftigte er sich im Winter 
mit dem Ausstopfen von Vögeln, Schnitzen von 
Schnupftabaksdosen und Geigenmachen. Auf das 
letztere verlegte er sich nach dem Tode seines Vaters 
ganz und gar. Seine Violinen sind hübsch gemacht, oft 
reich verziert, haben aber keinen großen Ton. 1886 er- 
hielt er auf der Ausstellung in Edinburgh für Geigen 
eine ehrenvolle Erwähnung. 

Geigenzettel: W. Beveridge/ Fecit / Tough, 1860 (ge- 
druckt). 

Beyer, Emil. — Erfurt. 1895. 1916 

Ein vielseitiger Geschäftsmann, der mit Getreide usw. 
und mit Geigen Handel treibt und selbst auch Geigen 
gebaut haben soll, die auf Ausstellungen stets Aner- 
kennung fanden. 1899 erhielt er ein Patent für einen 

Steg. 

Beyer, F. — Naumburg. 1815 

Ein ziemlich dunkel lackierter großer Baß trägt seinen 
Zettel : F. Beyer / Instrumentenmacher in Naumburg 
(geschrieben). 

Beyer, Franz L. E. — Wien. 1920 

Er bringt die sog. TIM-Streichinstrumente (d. h. Ton- 
Instrumente Markstein) auf den Markt, ist selbst aber 
kein Geigenmacher. 

Beyer, Robert. — Berlin. 1909. 1910 

Nicht mehr bestehendes Geigengeschäft »Unter den 
Linden«. Der Inhaber war kein Geigenmacher, be- 
schäftigte jedoch Gehilfen. 

Bianchi, Giovanni. — Florenz. 1746 

Gute Arbeit, aber plumpes Modell, gelber Lack. Haupt- 
sächlich kommen Violoncelli von ihm vor. 
Geigenzettel : Giovanni Bianchi Fee. ,' In Firenze, anno 
1 746 (gedruckt). 

Bianchi, Nicolo. — Aix, Paris, Genua, Nizza. 
Geb. 1796 in Genua, f 1881 in Nizza 
Nachdem er bei Bagatella, F. Calcagni, Cerutti und 
Pressenda gearbeitet hatte, ließ er sich zunächst in Aix 
nieder, wo er noch 1845 lebte; er ging dann nach Paris. 
Seine Werkstatt hatte er bis 1868 in der Rue Croix des 
Petits-Champs. Seine Violinen sind nicht gleichwertig, 
er konnte aber, wenn er wollte, sehr gut arbeiten und 
soll auch sein Interesse der Viola d'amore zugewendet 
haben. Er war als Reparateur viel beschäftigt, obwohl er 
es an der nötigen Sorgfalt oft fehlen ließ, und reparierte 
auch die Baßviola von Gasparo da Sal6 im Museum 
des Pariser Konservatoriums (Nr. 197). Von 1868 bis 
1872 war er in seiner Vaterstadt und zog dann nach 
Nizza, wo er starb. Er darf nicht mit Mitgliedern der 
Familie Bianchi verwechselt werden. Sein Schüler und 
Nachfolger ist Bovis. 

Geigenzettel : Repare par Bianchi Nicolo / Luthier de- 
core / A Parigi 1851 (gedruckt) und Abb. 39. 



46 



Bichet — Bittner 



Bichet, Mansuy. — Mlrecourt. 1 780 
Wird von Jacquot als Bogenmacher aufgezählt. 

Bichler s. Pichler 

Bienfait, Paul-Emile. — Paris. Geb. 1857 in 

Rouen 

Er war ursprünglich Geiger und verlegte sich schließ- 
lich auf das Bogenmachen, worin er es zu großer 
Meisterschaft brachte. Seine Bogen tragen die Brand- 
marke: P. E. Bienfait. 

Biernatzki. — Posen. Um 1860 

Ein schwedischer Staatsrat, ausgezeichneter Violin- 
spieler, der aus Liebhaberei Geigen gemacht hat. 

Biest, Martin van der. — Antwerpen. 1558 
Bisher nur als Clavecinmacher bekannt. 

Bigourat, Nicolas. — Moulins-sur-Allier. Geb. 
in Saint-Gerand-le-Puy (Allier) 1824. f 1880 

Schüler und Nachfolger von Thibouville in Moulins- 
sur-AUier. Er hat nur sehr wenige Geigen (meist nach 
Guarneri) gebaut und sich hauptsächlich mit Wieder- 
herstellungsarbeiten beschäftigt. Er verwendete einen 
hellbraunen Lack. 

Geigenzettel : Repare par Nicolas Bigourat / ä Moulins 
en 1823 (geschrieben). — Nicolas Bigourat Luthier 
pres l'horloge / ä Moulins 1869 (gedruckt). 

Bigourat. — Le Havre. 1870. 1890 

Sohn von Nicolas B. Hauptsächlich Reparateur. 

Bilveglien s. Belviglien 

Bimbi, Bartolomeo. — Siena. 1750. 1769 

Er stammt aus Florenz, war ein Sohn oder wahrschein- 
licher Enkel des bekannten gleichnamigen Blumen- 
malers (1648 — 1725) und soll um 1760 wieder nach 
Florenz zurückgekehrt sein. Sein Modell ist klein, sein 
Lack von schöner orangeroter Farbe, die Arbeit recht 
gut. Die Inschrift m einem Baß, die seinen Namen mit 
dem Wohnort Bologna und der Jahreszahl 1701 angibt, 
erweist sich als gefälscht. 

Geigenzettel : Abb. 59. 
Bina, Johann Nepom. — Prag. Geb. 22. Mai 

1826 in Prag, f 25. Jan. 1897 daselbst 

Sohn eines Musikers und Schneidermeisters, Schüler 
von Franz Lehner, bei dem er auch nach seiner vier- 
jährigen Lehrzeit noch bis 1849 blieb. Später arbeitete 
er bei Joh. Stoß, J. Hamberger in Preßburg, F. A. 
Patzelt in Budapest und Ant. Hoffmann in Wien und 
machte sich 1853 in Prag selbständig. Seit 1864 war er 
beeideter Sachverständiger für Geigen. Er wohnte im 
Laufe der Jahre Neustadt Nr. 793, 802, 52, 835, 825, 
788, 834, von 1878 — 94 Wenzelsplatz (Vaclavske 
nämesti) Nr. 841 und zuletzt »in der Grube« (V Jäme) 
Nr. 697. In seiner Arbeit ist er ein charakteristischer 
Vertreter der Prager Schule, wenn auch nur ein Meister 
zweiten Ranges. 

Geigenzettel: Johannes Bina / Pragae / Fecit Anno 
Domini 18 . . (gedruckt). — Johann Bina / in / Prag 



anno 1877 (gedruckt). — Opravil / J. Bina v Praze 
(gedruckt). — Johann Bina / Musikinstrumentenvcr- 
fertiger und beeideter / Schätzer, Anno 1885 / Prag / 
Wenzelsplatz N° 5 neu (gedruckt). 

Bindernagel, Johann Wilhelm. — Gotha. Geb. 
um 1 770 in Remstädt bei Gotha, f 30. März 
1845 in Gotha 

Er war ursprünglich Tischler, erlernte bei Kleinsteuber 
in Gotha den Bau musikalischer Instrumente und wurde 
dann Gehilfe bei Ernst, als dessen Schüler man ihn be- 
trachten kann. Seme Geigen entsprechen den Ernst- 
schen Modellen. Anfangs verfertigte er nur Harfen und 
Zithern, später jedoch Geigen und schließlich, nach 
dem Vorgange Ottos in Weimar, vorzugsweise Gitarren, 
wozu ihn wohl seine Frau, eine geborene Trompheller 
aus Gotha, die eine ausgezeichnete Virtuosin auf der 
Gitarre war, veranlaßte. Emzelne seiner Instrumente 
waren recht gut, seine Geigen jedoch meist von hand- 
werksmäßiger Ausführung. Zwei Zithern von ihm, 
eine davon fünfchöns, besitzt die staatliche Sammlung 
alter Musikinstrumente in Berlin Nr. 598 und 599. 

Geigenzettel: Johann Wilhelm Bindernagel / Instru- 
mentenmacher in Gotha / 1 798 (gedruckt) und Abb. 37. 

Bing (& Lantez). 1880 
Französische Fabrikfirma. 

Birt. Kommt als Name eines Geigenmachers 

in englischen Violinen vor 
Bischerei s. Magri 
Bischoff. — Dessau. 1790. 1796 

Ein Kammermusikus, der ein der Viola Baryton ähn- 
liches Instrument, das er Harmoniecello nannte, erfand, 
aber nicht selbst baute. 

Bisiach, Leandro. — Mailand. 1890. 1914 

Besserer italienischer Geigenmacher der Gegenwart, 
der darauf hält, daß nur Geigen, die in allen Teilen 
in seiner Werkstatt angefertigt werden, seinen Namen 
tragen. Er hat in Cremona gelernt und das Stu- 
dium der alten Cremoneser zu seiner Hauptaufgabe 
gemacht. Von einer in Mailand lebenden Witwe Stra- 
divari hat er vor einigen Jahren Werkzeuge sowie die 
Photographie eines Lackrezeptes gekauft, die angeblich 
noch aus dem Nachlasse des großen Antonio Stradivari 
stammen sollen. Er ließ sich diesen Kauf auch notariell 
bestätigen. Er wird als vorzüglicher Reparateur ge- 
schätzt und im Anpassen von Baßbalken, Stimmstock 
und Steg ist er ein Künstler ersten Ranges. Er handelt 
auch mit alten Meistergeigen und mit in Deutschland 
oder Frankreich vorgearbeiteten Instrumenten, die in 
seiner Werkstatt vollendet werden. Seine Söhne Carlo 
und Andrea erzog er zu tüchtigen Geigenmachern. 

Geigenzettel : Abb. 61. 

Bittner, David. — Wien. 1845, f 1887. Schüler 

von Wilhelm Ruprecht 

Er begründete schon in sehr jungen Jahren sein eigenes 
Geschäft und war einer der besseren Wiener Geigen- 
macher aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 



Biz 



Blanchl 



47 



Er studierte die Italiener mit Erfolg, besaß selbst eine 
auserlesene Sammlung echter italienischer Geigen und 
kopierte mit großer Treue. 1873 erhielt er eine Ver- 
dienstmedaille. Außer Violinen baute er auch alle 
anderen Streichinstrumente, selbst eine Viola d amore 
und Zithern, besonders aber sehr gute Violoncelli, von 
denen manche auch noch durch ihren schönen, fetten 
ÖUack hervorragen, und die jetzt sehr gut bezahlt 
werden. Eine Streichzither von ihm bewahrt die 
Sammlung des Brüsseler Konservatoriums. Seine 
Frau Marie war eine Zitherlehrerin. Das Geschäft 
wurde kurze Zeit von seinem Sohne Th. Bittner fort- 
gesetzt, dann an den Musiker Hans Graf verkauft und 
bald aufgelöst. 
Geigenzettel: Abb. 30 und 31 (Brandmarke Nr. 14). 

Biza, Giovanni Battista. — Treviso. 1 779 

Wenig bekannter Lauten- und Geigenmacher, der sich 
wohl hauptsächlich mit .Ausbesserungsarbeiten be- 
schäftigt hat. 

Bizan. — Brüssel. 1749 

Er wird als »luthier« bezeichnet; Geigen von ihm sind 
mir jedoch nicht vorgekommen. 

Bizey, Charles. — Paris. 1716 

Er wird zwar wiederholt für einen Geigenbauer aus- 
gegeben, war aber Holzblasinstrumentenmacher m der 
Rue Dauphine und nannte sich ausdrücklich: Inven- 
teur de plusieurs Instruments ä vent. Falsch ist es, 
seinen Namen »Bizet« zu schreiben. 

Blacht s. Flacht 

Black, John. — Edinburgh. 1893 
Neuerer schottischer Geigenmacher. 

Blahowetz, Josef. — Markneukirchen. Geb. in 
Ober-Schönbach i. B. 13. Juni 1857 

Handwerksmäßig arbeitender Geigenmacher, der für 
Markneukirchener Handelshäuser Geigen baut, die mit 
Zetteln »nach den Modellen« beklebt werden. Einige 
wenige besser ausgeführte Geigen tragen jedoch seinen 
eigenen Zettel. 

Blair, John. — Edinburgh. 1790. 1820 

Anfangs arbeitete er allein, später mit Matthew Hardie 
zusammen, der wahrscheinlich sein Schüler war. Blair 
war jedenfalls der Geschicktere von beiden. Zettel 
scheint er nicht verwendet zu haben, doch schrieb er 
manchmal seinen Namen in seine Arbeiten und ver- 
wendete eine Brandmarke J. B. Sein Spinfuslack, der 
jetzt ziemlich braun aussieht, war ursprünglich gelb- 
lich. Er arbeitete nach Stradivari. Brandmarke Nr. 32. 

Blair, Willie. — Abergeldie (Schottland). Geb. 

26. Okt. 1793 unweit Ballater, f daselbst 

12. Nov. 1884 

Ursprünglich ein Zimmermann und trefflicher, bei 
Hofe angesehener Geiger, bekannt als »the Queen 's 
Fiddler«. Er erhielt von Peter Hardie .Anleitung im 
Geigenmachen und war nicht ungeschickt, hatte aber 
den Fehler, sein Geigenholz zu backen, wodurch er 
seine Arbeiten selbst ruinierte. 



Blaise. — Mirecourt. 1822 

Als Geigenmacher in keiner Weise hervorragend, war 
er doch ein verdienstvoller Lehrmeister; als seine besten 
Schüler darf man die beiden Silvestre bezeichnen. Er 
war wahrscheinlich auch der Vater von Joseph Blaise In 
Genf. 



Blaise, Joseph (nicht Jules). 

t 23. Okt. 1882 



Genf. 1855. 



Er kam um 1855 aus Mirecourt nach Genf, nachdem er 
vorher eine Zeitlang bei den Brüdern Silvestre in Lyon 
gearbeitet hatte. Er gab den Geigenbau bald auf und 
beschränkte sich mehr und mehr auf den Verkauf von 
MIrecourter Fabrikwaren, die er oft mit seinem Zettel 
versah. Auch als Reparateur war er ohne Bedeutung. 



Mirecourt. Geb. 1796, 



Blaisot s. Mast 
Blanchard, Fran9ois. 
tl859 

Obwohl er gelernter Gelgenmacher war, beschränkte er 
sich doch auf den Bau von Lauten und Gitarren. Sein 
Enkel Ist Paul Bl. in Lyon. 

Blanchard, Paul-Fran^ois. — Lyon. Geb. 

10. Febr. 1851 in Mirecourt 

Schüler von Auguste Darte, arbeitete bei Daniel In 
Marseille und war dann sieben Jahre lang Gehilfe im 
Hause Silvestre in Lyon. Im Jahre 1876 gründete er In 
Lyon sein eigenes Geschäft und brachte es bald als ge- 
schickter Gelgenmacher und Reparateur zu großem- 
Ansehen. Seine Arbelt Ist tadellos; schönes Holz und 
feiner, ambraroter, feuriger Lack von gesättigtem Aus- 
sehen zeichnen seine Instrumente, die sehr gut im Tone 
sind, aus. Er baut hauptsächlich nach Ant. Stradivan 
und Guarnerl mit vielem Glück, manchmal auch nach 
Amatl. Er besitzt viele erste Preise und die Palme der 
Akademie, Ist Gelgenmacher des Konservatoriums in 
Lyon und ^President de la Chambre syndicale des 
Instruments de muslque« zu Lyon. Instrumente, die er 
ganz eigenhändig machte, tragen folgenden Zettel : 
Abb. 68; die In seiner Werkstatt unter seiner Leitung 
gebauten: Abb. 85; Geigen, die von anderen Geigen- 
bauern für sein Geschäft gemacht werden, tragen den 
Zettel: Abb. 82. 



Ni 



izza. 



Geb. in Nizza am 



Blanchi, Albert. 

25. Jan. 1871 

Schüler seines Vaters Aug. Bl., dessen Werkstatt er 
1899 übernahm. Er gilt als ein besonders geschickter 
Gelgenmacher, der alle Arten von Streich- und Saiten- 
Instrumenten verfertigt, vorzugsweise jedoch Violinen, 
die er nach eigenen Modellen baut und mit einem gelb- 
roten ÖUack überzieht. Sehr beliebt sind auch seine 
Gitarren von 12 und 18 Saiten. 
Geigenzettel : Abb. 34. 

Blanchi, Augustin. — Nizza. Geb. 1 828 f 1 899. 

Tüchtiger Geigenmacher, der sich In den besten Werk- 
stätten gebildet hatte und durch unablässiges Forschen 
zu schönen Erfolgen gekommen war. Gelgen von ihm 
werden von Musikern sehr geschätzt. 



48 



Blaschke — Bodenl 



Blaschke, Ferdinand. — Glatz. Geb. zu 
Grafenort um 1775, f nach 1845 

Er ließ sich als Instrumentenmacher und Gastwirt im 
Jahre 1839 in Glatz nieder und besaß das Gasthaus 
Nr 592, ist aber später nach Scheibe verzogen, wo er 
wohl auch gestorben sein dürfte. 

Blasich, Giovanni. — Triest. 1870. 1880 
Er war eigentlich als Geigenmacher nur Dilettant und 
erhielt einige Unterweisung von Dollenz, doch sind 
seine Geigen nicht schlecht gearbeitet, wenn sie auch 
ganz ohne Eigenart erschemen. 

Blasich, Ludwig. — Triest. 1881 

Vielleicht ein Sohn von Giovanni Bl. Er stellte 1881 in 
Triest zwei Violinen und ein Violoncello als Dilet- 
tantenarbeit aus, für die er eine goldene Medaille erhielt. 

Blasio, Raffaele di. — Neapel. 1 8. Jahrhundert 

Es kommen ab und zu Geigen mit seinem Namen vor. 
In der Arbeit unbedeutend, im Modell der Gagliani- 
Schule verwandt; der Lack ist glanzlos, von brauner 
Farbe. Er gehört möglicherweise derselben Familie an 
wie Nicolaus De Blosy (s. d.). 

Blass, Dr. — Mannheim. 1913 

Ein Liebhaber, der gute Geigen baut, die er auch u. a. 
einmal durch das Berliner Philharmonische Orchester 
mit Erfolg zu Gehör bringen ließ. 

Blaun, Carl Wilhelm. — Altona. 1840. 1847 
Hauptsächlich guter Baßmacher. 

Blavet. — La Ferte. 18./19. Jahrhundert 

Ein geschickter Kunsttischler, der als Wiederhersteller 
alter Geigen und Lauten einen gewissen Ruf besaß. 
Geigenzettel: Abb. 44. 

Bleich (Bley), Johann (Anton). — Schönbach. 

1805. 1810 

Einer der besseren Schönbacher Meister seiner Zeit, 
der zwar nicht immer schönes Holz verarbeitete, aber 
gut klingende Geigen gemacht hat. 
Geigenzettel: Johann Bleich, Geigen- / und Instru- 
mentenmacher in / Schönbach, Anno 1805 (gedruckt). 

Blight. — Exeter 

Seinen Namen sah ich als Brandmarke auf dem Boden 
einer mittelmäßig gearbeiteten Violine. 

Blommesteyn (Blomster), Christoffel. — Ant- 
werpen. 1550. 1558 

Er baute allerlei Saiteninstrumente; urkundlich ist er 
jedoch nur als Clavecinmacher nachweisbar, wie auch 
sein Bruder Martin Bl. 

Blosij s. De Blosy 

Blumenhagen, C. P. — Hannover. 1753 

Er hat im 18. Jahrhundert als Lauten- und Geigen- 
macher in Hannover gelebt. Eine Pochette Sourdine 
von ihm befindet sich in der Sammlung Galpin. 



Blunff, Richard. — London. 1604 

Das Verzeichnis der 1 759 im Haag versteigerten Selhof- 
schen Musikinstrumentensammlung führt diesen viel- 
leicht falsch gelesenen Namen auf. 

Blyth, Williamson. — Edinburgh. Geb. 1821 
in Greenlaw, f Mai 1897 in Edinburgh 

Ein tüchtiger Musiker und Komponist, dessen Geigen 
— er hat über 2000 gemacht — sehr dünn sind und 
schwach klingen. 

Boccaber s. Buchenberg 

Bochem, Dierich. — Köln. 1668. 1673 

Wahrscheinlich der Stammvater der bekannten Kölner 
Lautenmacherfamilie, über die leider nichts zu er- 
mitteln war. Die kurkölnischen Archivalien wurden 
seinerzeit nach Darmstadt verbracht, und als sie nach 
Preußen zurückgehen sollten, weigerte sich die preu- 
ßische Regierung, die Kosten des Rücktransports zu 
tragen, infolge davon wurde dann ein großer Teil der 
Aktenbestände einfach vernichtet. Eine von D. Bochem 
reparierte Laute befindet sich in derHerzogl. Kunst- 
und Altertumssammlung auf der Feste Koburg. Eine 
Laute mit der Brandmarke »DBM Collen« im Darm- 
städter Museum (Nr. 484) ist ihm vielleicht zuzu- 
schreiben. Eine Diskantviola besitzt die Brüsseler 
Sammlung. 

Geigenzettel: Dierich Bochem, in Colin. / neu renovlrt 
Ao. 1673 (gedruckt). Brandmarke (Nr. 15). 

Bochem, Joannes. — Köln a. Rh. 1745. 1769 

Fleißiger Lauten- und Geigenmacher und Reparateur. 
Er baute namentlich Violen, sehr großes Patron, von 
Italienischem Aussehen und gutem Ton. 
Geigenzettel : Joannes Bochem / Lauten- / und Gelgen- 
macher in Collen 1 745 (gedruckt). — Joannes Bochem 
in / Colin renovatum 1769. (gedruckt). 

Bochem, Michael. — Köln. 1694. 1729 

Vielleicht ein Sohn Dierichs und der Vater Johanns. 
Ein geschickter und vielbeschäftigter Lautenmacher, 
von dem das Germanische Museum In Nürnberg eine 
Zither aus dem Jahre 1 728, die staatl. Sammlung alter 
Musikinstrumente in Berlin eine fünfchörige Zither 
mit ovalem Schallkasten von schöner Arbeit besitzt. 
Eine ähnliche von 1728 hat Fr. Wildhagen in Haiensee 
bei Berlin. Den Wirbelkasten schmückt ein Frauen- 
köpfchen. Eine Laute von 1724 wurde in Köln 1883 
bei Heberle versteigert. Zwei andere Instrumente (von 
1694 und 1720) besitzt das Großherzogliche Museum in 
Darmstadt (Nr. 487 und 498). 

Geigenzettel: Michael Bochem in Collen 1728 (ge- 
druckt). — Michael Bochem, Lauten und geigen- 
macher / In Collen Anno 1720 (gedruckt). 

Bocquay s. Boquay 

Bodeni, Luigi (Aloysius). — Venedig. 1719 

Seinem Zettel nach ein Dilettant, der »zum Zeitver- 
treib« ein Violoncello gebaut hat, seiner Arbeit nach 
aber doch ein geschickter Mensch, der mehr konnte als 
mancher berufsmäßige Geigenmacher. 
Geigenzettel: Abb. 63. 



Bodi. 



Boffda 



gdanovics 



49 



Bodio, Gennaro. — Venedig. 1 740 

Ein Meister dritten Ranges, von dem es jedoch einige 
gute Violinen gibt, die freilich ohne Eigenart sind. 

Bodio, Giambattista. — Venedig. 1790. 1832 

Vielleicht ein Sohn Gennaros und dessen Schüler. Em 
tüchtiger, aber wenig bekannter Meister. Sein Lack ist 
für seine Zeit noch sehr gut. Pietro Val. Novello ist 
einer seiner Schüler gewesen. Ein Quartett von ihm aus 
dem Jahre 1813 besaß ein Antiquar in Korfu. Statt der 
Schnecke hatten die Instrumente am Wirbelkasten 
Widderköpfe, deren Hörner in Schneckenlinien ver- 
liefen. Der rötlich-gelbe Lack erinnerte an Gagliano. 

Geigenzettel: Gio: Battista Bodio fecit / Venezia. 1800 
(gedruckt). 

Body, Otto. — Innsbruck. Geb. 1857 in 
Debreczin 

Im Alter von drei Jahren kam er mit seinen Eltern nach 
Bezau in Vorarlberg, erlernte in Mittenwald, dem 
Heimatsort seiner Mutter, bei Johann Neuner den 
Geigenbau und kam als Gehilfe 1875 zu J. Gschwenter 
nach Innsbruck. Einige Jahre später machte er sich 
selbständig. Er baut hauptsächlich Zithern und Gitar- 
ren und repariert Geigen. Gegenwärtig arbeitet er zu- 
sammen mit seinem Sohne. 

Böck, Johann Georg. — Wölfeisdorf. 1 9. Jahrb. 

Vielleicht ein Schüler Ignatz Hoffmanns. Er hatte ein 
ungewöhnlich langes Modell mit wenig hervortretenden 
Ecken. Die F-Löcher sind groß und weit geschnitten, 
der Lack ist gelblich. Seine Arbeit ist gut, eigenartig 
und interessant. Eine schöne Geige von ihm besitzt 
Pfarrer Nürnberger in Kaditz bei Dresden. 

Geigenzettel : Johann George Böck, Lauten- / Geigen- 
und Harfenmacher in / Wölfeisdorf 18 . . (gedruckt). 

Böcklin, Dr. Frhr. v. — Ruß (?). Um 1810 

Em Musikhebhaber und Erfinder, der eine Tenorgeige 
»Tenorotta« erfunden hat, die größer als eine Bratsche 
war und um acht Töne tiefer als die Geige gestimmt 
wurde. 

Bögenholz, H. sen. — Detmold. Geb. 1834 

Ein Musiker, der auch Instrumentenmacher ist und 
seit 1874 und noch in seinem 83. Jahre Geigen gebaut 
hat. 

Geigenzettel: H. Bögenholz / Detmold 1880 (geschr.)- 

Böhm, Franz. — Budapest. 1804. 1805 

Ein trefflicher Geigenmacher, dessen Werke jetzt viel- 
fach mit italienischen Meisterzetteln versehen im 
Handel vorkommen sollen. Dr. J. Geyer erwähnt eine 
seiner Geigen, die mit einem Guadagninizettel ver- 
sehen ist. Bei der Öffnung des Instruments fand man 
auf der Innenseite der Decke mit Bleistift die Inschrift 
»Verfertigt von Franz Böhm in Pesth 1804«. 

Geigenzettel: Franz Böhm Geigenmacher / in Pesth 
Anno 1804 (gedruckt). 

V. Lütg^endorff, Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II 



mgentha 



Botlandt, Johann Christian. — Kl 
18. Jahrhundert 

Die Familie schreibt ihren Namen jetzt Pöhland. 
Geigen von ihm kommen nicht häufig vor und unter- 
scheiden sich durch nichts von denen seiner Vogtländer 
Zeitgenossen. 

Geigenzettel : lohann Christian Boelandt / Violin- 
macher in Klingenthal 17 . . (gedruckt). 

Boelandt s. auch Pöhlandt 

Böllinger (Bollinger), Joseph. — Steyr. 1819 

Wahrscheinlich Schüler oder Mitschüler von Meinrad 
Frank, mit dessen Arbeit die seine ganz merkwürdig 
übereinstimmt. 

Geigenzettel: Joseph Böllinger fecit/ Steyr. anno 1819 
(gedruckt). 

Böningk, Johann Adolph. — Göhringen. (Göt- 
tingen?) 1664 

Bisher nur als Reparateur einer Laute des Straßburger 
Meisters Jonas Stehelin in W. Heyers Musikhistc- 
rischem Museum in Köln bekannt. 



w 



len. 



1763. 



Böß (oder Höß), Maximilian. 

1789 

Seinen Namen findet man nur selten in nicht besonders 
sorgfältig gebauten Instrumenten. Er scheint auch das 
Bürgerrecht nicht erworben zu haben, da er weder in 
den Steuer- noch in den Bürgerlisten vorkommt. 

Böttcher, Gottfried. — Altenroda. 1846 

Seiner Arbelt nach ein Dilettant. 

Geigenzettel: Repare Gottfried / Böttcher in Alten- 
roda / 1846 (geschrieben). 

Bofili (Bonfili), Salvadore. — Barcelona. 1 738 

Soll Guarneri nachgeahmt haben; mir war jedoch nicht 
möglich, diese Angabe zu überprüfen. 

Bogaerde, Gisbert van den. — Antwerpen. 

Geb. in Gent 

Sohn von Josse v. d. B. Wurde 1558 in die Gilde, 1559 
zum Bürger aufgenommen und ist nur als Clavecin- 
macher bekannt, hat aber, wie alle seine Berufsgenossen, 
auch Zithern und Lauten gebaut. 

Bogdanoffski, A.N. — St. Petersburg. 1880 

Seine Geigen sind handwerksmäßig gebaut; häufig 
fehlt ihnen Rand und Einlage. Statt der Lackierung 
zeigen sie eine Art Möbelpolitur. 

Geigenzettel : (Russischer Adler) A. N. Bogdanoffski / 
St. Petersburg. 

Bogdanovics, Stephan (Istvan). — Budapest. 

1865 

Ist nur kurze Zeit nachweisbar, soll aber recht geschickt 
gewesen sein. 

Geigenzettel: Keszitette Bogdanovics Istvan / Pesten 
1865 (geschrieben). 

4 



50 



Boghart — Bolli 



Boghart, Hayne (Heinrich). — Brüssel. 1436 

Lautenmacher, von dem bekannt ist, daß er gute Leiern 
baute. Er wird als *faiseur de bas mstruments« in Ur- 
kunden bezeichnet. Vielleicht ein Vorfahr von Gisbert 
van den Bogaerde, der 1558 in die Antwerpener Lucas- 
gilde als Clavecinmacher aufgenommen wurde. 

Bogner, Ambros. Joseph. — Prag, später Wien. 
Geb. 12. Febr. 1752 in Hayd (Böhmen), 

f 22. Sept. 1816 in Wien 

Er baute auch Lauten, war bis 1792 in Prag ansässig 
und siedelte dann nach Wien über, wo er in der Stadt 
Nr. 976 seine Werkstatt eröffnete und am 1 7. Aug. 1 792 
den Bürgereid ablegte. Seine Geigen, die jedoch selten 
vorkommen und nicht sonderlich hoch bewertet wer- 
den, sind gut gearbeitet und haben schönes Decken - 
holz; weniger schön ist der Boden, die Schnecke 
schwungvoll, aber nicht sehr sauber ausgestochen, die 
Wölbung von mittlerer Höhe, der Lack dunkel, spröde 
und undurchsichtig. Er war einer der ersten in Wien, 
die zu einem breiteren, flachen Modell übergingen. 

Geigenzettel: Ambrosius Josephus Bogner fccit 
Viennae. Anno 1807 (gedruckt) und Abb. 43. 

Bohmann, Joseph. — Chicago III. Geb. 
23. Okt. 1848 zu Neumarkt in Böhmen 

Schüler seines Oheims. Machte sich zuerst in Böhmen 
selbständig und ging um 1873 nach Amerika, wo er seit 
1876 in Chicago ansässig ist. Seine Geigen fanden auch 
auf europäischen Ausstellungen Anerkennung. Heute 
besitzt er ein bedeutendes Musikgeschäft in Chicago 
und fertigt hauptsächlich Geigen (nach allen italie- 
nischen Meistern), die er mit Bernsteinöllack überzieht. 
Er besitzt auch ein e'genes Modell, das zwischen dem 
des Maggini und des Guarnen liegt. Er verwendet das 
zum Geigenbau sehr geeignete kanadische Gebirgsholz 
und baut auch vorzügliche Gitarren und Mandolinen, 
sowie Bogen, an denen er am Frosch ein gut passendes 
Daumenloch anbringt. 
Geigenzettel: Abb. 41. 

Bolssart. — Paris. 1606 

Lauten- und Geigenmacher, von dem nur wenig mehr 
als der Name erhalten ist. 

Boiteux, Claudius. — München. 1786. 1799 

Er stammte aus Mirecourt, wo er von 1 773 bis 1 779 
nachweisbar ist. Im Jahre 1786 ließ er sich in München 
nieder und erhielt sehr bald die Arbeiten für die Hof- 
kapelle, da man mit Gregor Sidtler nicht zufrieden 
war; er erhielt auch den Hoftitel und wird im Hof- 
kalender für 1799 noch als Hoflautenmacher aufge- 
führt, er hat aber München schon Ende 1798 oder An- 
fang 1799 wieder verlassen. Geigen von ihm sind mir 
- nicht bekannt geworden; er scheint hauptsächlich mit 
Ausbesserungen beschäftigt gewesen zu sein. 

Bolvln, Claude. — Paris. 1730. 1754 

Unter den Pariser Lautenmachern war er sehr ange- 
sehen und wurde geschworener Zunftmeister für 1752. 
Er nannte seine Werkstatt >>ä la guitarre royale* und 
war hauptsächlich Gitarrenmacher, doch kommen ver- 



einzelt auch Violen und Violinen von ihm vor; auch 
Bruni hat eine Gamba dieses Meisters von 1735 inven- 
tarisiert. Er wohnte bis 1732 Rue de Grenelle St. 
Honore, dann Rue Ticquetonne und zog um 1749 nach 
der Rue de la Poterie Nr. 10. Seine Arbeit ist gut, nur 
in bezug auf die Dicke ungenau. Sein Lack ist blaß, 
meist rötlichbraun. Außer seinem Zettel findet man 
auch seine Brandmarke. Eine sehr hübsche Gitarre von 
ihm bewahrt das Museum des Pariser Konservatoriums 
(Nr. 273). Eine schöne siebensaitige Basse de Viole 
d'.Amour von 1734 befindet s:ch in W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Köln. 

Geigenzettel: Abb. 66 und 67. 

Boldizsar, Stephan (Istvan). — Budapest. Um 
1865 geb. in Szegedin 

Schüler seines Schwagers Nemessanyi. Er gab das 
Geigenmachen aber nach kurzer Zeit auf, um Berufs- 
soldat zu werden. 

Bollecker, Felix s. Enel 
Boldrini, Ovidlo. — Salo. 1864 

Ein Instrumentenmacher in der Heimat des großen 
Gasparo: in seinen wenigen Werken ist von dem Genius 
loci kein Hauch mehr zu verspüren. 

Bolelll, Pletro. — Bologna. 19. Jahrhundert 

Ein ausgezeichneter Orchestergeiger und später Im- 
presario von Theaterunternehmungen (z. B. des Teatro 
communale in Bologna). Aus Liebhaberei beschäftigte 
er sich auch mit dem Geigenmachen und versuchte sich 
als Reparateur, ohne dann etwas zu leisten. Da ihn 
Valdnghi (389) aufzählt, sei er hier auch erwähnt. 

Boller, Johann Adolf. — Frankfurt a. M. 1670 

Er stammt vielleicht aus Mittenwald und ist bis jetzt 
nur durch eine sehr niedliche Pochette mit Ebenholz- 
und Elfenbeineinlegearbeit, die sich in Berlin in der 
staatl. Sammlung alter Musikinstrumente (Nr. 781) be- 
findet, bekannt. Der Körper besteht aus neun .Spänen 
mit Elfenbeinrippen; C-Löcher. In Frankfurt lebte 
1662 ein Krämer Johann Adolf Boller, der als »Bürger- 
sohn« bezeichnet wird. Er dürfte der Sohn unseres 
Lautenmachers gewesen sein. 

Boller s. PollerO 

BoUes. — London. 1600. 1620 

Th. Mace bezeichnet ihn als einen der berühmtesten 
englischen Violen- und Lautenmacher seiner Zeit und 
schätzte den Wert einer Baßviola dieses Meisters schon 
damals (1676) auf 100 £. Sehr bedauerlicherweise 
scheinen sich gerade von ihm keinerlei Arbeiten er- 
halten zu haben. 

BolH. — Neapel. 1897 

Besserer italienischer Geigenmacher, der nach alten 
Vorbildern arbeitet. 



') Die Mitten walder Mitglieder dieser Familie 
schwankten im 18. Jahrhundert in der Schreibweise 
zwischen B und P, jetzt schreiben sie sich ausschließlich 
Poller. 



Bol 



mon 



Bonc 



51 



Bolmon, Johannes. — ? 1683 

Vermutlich zur Familie Pollmann (Pöhlmann) gehörig. 
Ein Simon Pollmann (s. d.) wurde 1696 Meister in 
(Marl<)neukirchen und war wahrscheinlich aus Böhmen 
dort eingewandert. Von "Johannes Bolmon" befindet 
sich eine Gitarrelaute im Konservatorium in Brüssel 
(Nr. 268). 

Geigenzettel : Johannes Bolmon, Laute- und Geiger.- 
macher . 1 683 (gedruckt). 

Bolt. — London 

Ein Dilettant, der einige Gitarren nach Galbuseras Mo- 
dell gebaut haben soll. 

Boltze. — Elberfeld. 1890 

Ein Hoboist und leidenschaftlicher Geigenliebhaber, 
der alte Geigen nicht ungeschickt wieder instand zu 
setzen verstand. Er machte sichtliche Fortschritte und 
hätte mit der Zeit noch ein ganz guter Geigenmacher 
werden können, wenn er nicht schon mit 40 Jahren ge- 
storben wäre. 

Bomberghi, Lorenzo. — Florenz. 17. Jahrh. 

Sohn des Giovanni B. Ein florentinischer Violen- 
macher von wenig Ruf. Einige vermuten, daß er von 
deutscher Abstammung war und daß sein Vater viel- 
leicht aus Bamberg eingewandert sei. Er soll 1670 noch 
gelebt haben. 

Bombino, Domenico. — Villafranca (Piemont). 
1720. 1730 

Möglicherweise ein Schüler G. Cappas, unter dessen 
Einfluß seine .Arbeit steht, die im ganzen doch nur als 
mittelmäßig bezeichnet werden kann. 



B 



Th 



Versaill 



ersaiUes. 



1788. 



ome, 1 homas de. 

1808 

Ein vornehmer Dilettant, der einige Geigen von un- 
gleichem Wert gebaut hat. Eine solche aus dem Jahre 
1 790 von recht gewöhnlicher .Arbeit besitzt das Pariser 
Konservatorium (Nr. 24). Besser sind jene Geigen, die 
er bestimmten Personen widmete. .Außer seinem Zettel 
(von verschiedenem Wortlaut) brachte er auch ein 
Schildchen mit den Buchstaben T. B. V. an. Seine 
Zettel spiegeln die Zeit, in der er lebte, charakteristisch 
wieder : 1 788 nennt er sich noch M. de Borne, Chevalier 
de St. Louis, 1790 nur noch kurz Thomas Bome und 
1803 läßt er Taufnamen und sogar den Ort weg. 

Geigenzettel : Fait par M. de Bome Ch'^ de St. Louis 
Versailles 1 788 Donne a M. de Macusan (gedruckt). — 
Thomas Bome, Versailles 1790 (gedruckt). — Bome 
1803 (gedruckt). Brandmarke: Nr. 73. 



Bomini, Carlo. — Cremona. 1715 

In einer nach Stradivari gebauten Geige fand sich sein 
Zettel, doch gelang es mir nicht. Urkundliches über ihn 
zu ermitteln, obwohl er sich als einen Schüler Stradi- 
varis bezeichnet. 

Geigenzettel: Carolus Bomini, Discipulus Antonij 
Stradivari) Cremonen- , sisl715 (gedruckt). 



Bonafon, Nicolas. — Paris. 18. Jahrhundert 

Eine Viola, die dem Aussehen nach dem Anfange des 
18. oder Ende des 17. Jahrhunderts angehört haben 
dürfte, trug den Zettel : Abb. 49. 

Bonardi, Domenico. — Modena. 1728 
Sein Name fand sich auf einem Reparaturzettel. 

Bonazza, Domenico. — Triest. 1880 

Ein Bassist aus Friaul, der gegen 1880 zu Gius. Dollenz 
kam und von ihm im Geigenbau unterwiesen wurde. 
Er baute sowohl Geigen als Celli und Bässe und ver- 
wendete braunschwarzen Lack. Die Arbeit ist ziemlich 
gut, der Ton aber unbedeutend. 

Bongars, Simon. — Paris (?) 1655 

Eine sechssaitige Baßviola aus der Sammlung Bricque- 
ville trägt seinen Namen und Datum. 

Bonichi, Francisco. — Cadix 
Nur als Gitarrenmacher bekannt. 

Bonn, J. Edwin. — Brading, Isle of Wight. 
Geb. 28. März 1851 in Fermoy (Irland) 

Ursprünglich für den ärztlichen Beruf bestimmt stu- 
dierte er erst Chemie, bevor er sich dem Geigenbau 
zuwandte, den er dann regelrecht erlernte. Er arbeitet 
mit Geschick nach Stradivari und nach einem eigenen 
Modell und wurde auch als Erfinder eines vierfüßigen 
Steges bekannt. Seine Biographie veröffentlichte Mere-t 
dith-Morris in der Zeitschrift »The Strad« Nr. 123. 

Geigenzettel: J. Edwin Bonn Brading, Isle of Wight 
(gedruckt). 

Bonnel aine. — Rennes. 1820. 1852 

Besserer Geigenmacher, der auch als Reparateur einen 
gewissen Namen hatte. 

Geigenzettel : Reparee chez Bonnel, Luthier. A Rennes 
(185.) (gedruckt). 

Bonnel jeune. — Rennes. 1855 

Sohn und Schüler von Bonnel aine und sowohl im 
Neubau wie als Reparateur tüchtig. Seine Geigen sind 
sorgfältig durchgeführt und haben rötlichen Lack. Be- 
sonders gut sind seine Gitarren. Die Firma heißt jetzt 
Bossard & Bonnel. 

Geigenzettel: Repare chez Bonnel jeune Luthier 
facteur Musique etc. 1855 Rennes. (gedruckt). 

Bonnici, Francesco. — Paris. Geb. um 1842 
auf Malta 

Seit 1865 Arbeiter beiGand undBernardel, der mehrere 
goldene Medaillen für Mitarbeiter in Brüssel 1897, in 
Paris 1889 und 1900 erhielt. Seit 1901 verbringt er 
seinen Lebensabend in Nogent. 

Bono, Gaetano. — Venedig. 18. Jahrhundert 

Einer der weniger bekannten Venezianer, dessen Ar- 
beiten gleichwohl nicht schlecht sind. 

4* 



52 



B 



onoris 



Borl 



on 



Bonoris, Cesare. — Mantua. 1 568 

Wahrscheinlich aus Dardelhs Schule hervorgegangen. 
Seine Violen sind gut gearbeitet. Eine Viola da Gamba 
von ihm besitzt Valdrighi. 

Bontemps, Nicolas. — Lyon. 1507. 1517 

Als »faiseur d'instruments« oder »de manicordions« 
bezeichnet. Er wohnte im Quartier du port du temple. 
Vgl. Coutagne, Duiffopruggar. — Ein Dominique 
Bontemps kam noch 1773 bis 1776 in Mirecourt als 
Bogenmacher vor. 

Bonviclni, Filippo. — Spilamberto (?). 1790. 
1796 

Er wird von Valdrighi zwar erwähnt (408), doch ist sein 
Name in Spilamberto gänzlich unbekannt. 

Böpel s. Pöpel 

Boom (Boon), Pierre. — Brüssel. 1758. 1779 

Ein Genosse von Gilles Michiels bei der Hofkapelle, 
»Bourgeois et habitant de Bruxelles«, wie er sich selbst 
nennt; er war ein geschickter Lautenmacher, von dem 
es auch einige gute Violinen gibt. Ch. Bosselet (in 
Belgien) besitzt ein Alto aus dem Jahre 1778, und bei 
Cl. Snoeck befand sich eine Violine aus dem Jahre 1 779 
von ihm. 

Geigenzettel: P. Boom me fecit. Bruxelles 1778 (gedr.). 

Booth, Joseph. — Manchester. 1889 

Seine Geigen sind zwar ohne Eigenart, aber gut ge- 
arbeitet und klingen nicht schlecht. 

Booth, William (I). — Leeds. Geb. um 1779, 
t gegen 1858 

Ursprünglich Friseur, verlegte er sich seit 1809 auf den 
Geigenbau und erlangte als Reparateur eine aner- 
kennenswerte Geschicklichkeit. 
Geigenzettel : Wm. Booth, maker, Leeds 1828 (gedr.). 

Booth, William (II). — Leeds. Geb- 1816, 
t I.Mai 1856 

Sohn von Will. B. I, aber nicht dessen Schüler. Er 
machte sich bereits mit 22 Jahren selbständig und be- 
rechtigte zu großen Hoffnungen, starb aber, bevor er 
zur vollen Entwicklung gekommen war. In Burnley 
(Lancashire) lebte noch am Ende des 19. Jahrhunderts 
ein Booth als Geigenmacher. 

Boquay, Jacques. — Paris. Geb. zu Lyon, 
lebte von 1 700 bis nach 1 736 in Paris 

Vermutlich ein Mitschüler von Pierray, dem er in 
seiner Arbeit zwar nicht gleichkommt, aber ähnlich ist. 
Er gehört zu den besseren französischen Geigen- 
machern, und einzelne seiner Nachahmungen Hier. 
Amatis (kleines Modell) sind ihm recht gut gelungen, 
nur stellt er die F-Löcher manchmal etwas zu schräge. 
Sein fast stets rotbrauner, nur manchmal ins Gelbliche 
spielender Ollack ist sehr durchsichtig und verdient 
alles Lob. Der Ton seiner Geigen ist etwas dick, aber 
kräftig. Während er (nach seinen Zetteln) Im Jahre 1718 
noch in der Rue de la Juivene wohnte, gibt er 1719 be- 



reits die Rue d'Argenteuil als seine Adresse an. Instru- 
mente von ihm finden sich in verschiedenen Samm- 
lungen, so in Paris eine Violine und ein Violoncell. 

Geigenzettel : Abb. 29 und 87. 
Borbon (Bourbon), Caspar. — Brüssel. 1673. 
1702 

Er wird in der Liste der Hofkapelle von 1 673 bereits als 
»reparateur des Instruments« aufgeführt und war wahr- 
scheinlich ein Sohn Peter Borbons. Seit 1701 schreibt 
er seinen Namen auch Bourbon. Seine Arbeit erinnert 
ein wenig an den Stil Gasparo da Salos; die F-Löcher 
sind weit geöffnet, im übrigen verraten sie eine ge- 
schickte Hand; auch der gelbe, hellbraune oder rote 
Lack ist nicht gerade schlecht. Eine Violine von ihm 
vom Jahre 1691 besitzt W. Heyers Musikhistorisches 
Museum in Köln. 

Geigenzettel: Gaspar Bourbon 1702 (gedruckt) und 
Abb. 92. 

Borbon, Peeter. — Brüssel. 1636. 1641 

Er war Hoflautenmacher, in seiner Art ein sehr ge- 
schickter Meister. Vgl. v. d. Straeten, B. V. 137. Eine 
sechssaitige Baßviola aus der Sammlung Snoeck be- 
findet sich in Berlin. 
Geigenzettel : Peeter Borbon tot Brüssel (gedruckt). 

Borelh, Andrea. — Parma. 1720. 1746 

Tüchtiger Nachahmer von L. Guadagnini. Großes Mo- 
dell, gelber, gelbbrauner oder brauner schöner Lack 
und guter Ton zeichnen seine Arbeit aus, so daß seine 
Violinen bereits vor dem Kriege den Preis von 1000 M., 
seine Violoncelli von 1500 M. erreichten. Eine Violine 
mit seinem Zettel und der Jahreszahl 1736 wurde am 
2. Mai 1917 bei Lepke in Berlin versteigert. 

Geigenzettel : Abb. 80. 

Borelli, Antonio Cesare. — Parma? 1792 

Vielleicht ein Sohn Andreas. Sein Modell ist groß, der 
Lack von bernsteingelber Farbe, die Arbeit jedoch 
ziemlich sorglos durchgeführt. 

Borgia, Antonio. — Mailand. 1 769 

Seine Arbeit erinnert an Testore, hinter dem er freilich 
noch wesentlich zurückbleibt. 

Geigenzettel: Antonius Borgia me fecit / In Milano, 
anno 1769 (gedruckt). 

Boriero, Alfonso. — Malo (Vicenza). 19. Jahrh. 

Er macht Geigen und Violen nach alten Vorbildern, 
ohne Großes zu leisten. Auch in Schio lebte gleichzeitig 
(noch 1891) ein Geigenmacher Boriero. 

Borio, Francesco Antonio. — Asti und Cuneo 
(Coni). 1737 

Einige mittelmäßige Geigen tragen seinen Namen ; 
auch Valdrighi (4045) erwähnt ihn. 

Borlon (Burion, Porion), Ae.t (Artus oder 
Arnold). — Antwerpen". 1 579 

Er wurde 1579 als Zithermacher (cyetermaker) in die 
Gilde aufgenommen. 



Borlc 



Botin 



53 



Borion (Porion), Francis. — Antwerpen. 1645 

Als Lautenmacher stand er in hohem Ansehen. Eine 
schöne, große Viola von ihm besitzt die St. Jakobs- 
kirche in Antwerpen. 

Geigenzettel: Francis Borion tot Antwerpen / op de 
Cathelyne Vest (gedruckt). 



Borlon (Porion), Jan. — Antwerpen. 1670. 
1680 

Vielleicht ein Sohn von Francis oder Peeter B. Man 
kennt einen Baß von ihm, dessen Arbeit nicht gerade 
bemerkenswert ist. 

Geigenzettel : Joannis Borlon / tot Antwerpen (gedr.). 

Borlon (Porion), Peeter. — Antwerpen. 1636. 
1647 

Vielleicht ein Sohn von Aert B. Er baute 1647 für den 
Kirchenchor der Kathedrale in Antwerpen einen noch 
heute erhaltenen Kontrabaß. 

Geigenzettel : Peeter Porion tot Antwerpen fecit / 1 647 
(gedruckt). 



— Veri'ca (Fngnano). 



Bortolotti, Giovanni. 

1884. 1894 

Seme Bässe werden gelobt. 

Bortolotti, Luigi. — Mailand. 1815 

Wenig bekannter Geigenmacher, der aus einer guten 
Schule hervorgegangen ist, sauber arbeitete und gelben 
Lack gebrauchte. Häufiger kommen Gitarren usw. von 
ihm vor. A. Gautier m Nizza besitzt eine sorgfältig 
durchgeführte Zither von ihm mit der Brandmarke : 
Luigi Bortolotti / 1815. 

Bosch s. auch Posch 

Bosch, Hans. — Kassel. Geb. 15. April 1881 
m Thannhausen a. d. M. (Bayern) 

Ein Architekt, hervorragender Raumkünstler, der als 
leidenschaftlicher Musikfreund sich schon in früher 
Jugend mit dem Bau von Musikinstrumenten befaßte, 
was auch sein Vater, der als Altarbauer und Tischler- 
meister die nötige Handfertigkeit von vorneherein be- 
saß, schon tat. Seine Studienjahre und seine Berufs- 
tätigkeit nahmen ihm wohl längere Zeit die Gelegenheit, 
seiner Liebhaberei nachzugehen, dann kam der Krieg, 
an dem er, als er nicht mehr felddienstfähig war, als 
Bauingenieur bei der Heeresbauverwaltung teilnahm, 
aber sobald er wieder einige freie Zeit hatte, kehrte er 
mit erneutem Eifer an den Werktisch zurück, und, 
angeleitet durch Wettengels Buch, und durch sorg- 
fältiges Studium alter Geigen und zahllose Versuche 
und Vorübungen geschult, begann er seine erste Geige 
zu bauen. Mit rastlosem Eifer arbeitete er weiter und 
brachte es schließlich so weit, daß seine .Arbeiten jetzt 
den Vergleich mit jeder neuen Geige eines zunftgerecht 
ausgebildeten Geigenbauers aushalten und sich auch 
durch großen, edlen Ton auszeichnen. 

Geigenzettel: Johannes Bosch /Thannhausen a. d. M. 
Bayern (gedruckt). 



Bosi (Basi), Florianus. — Bologna. 1 756. 1 782 

Er baute vorzugsweise Lauten und Mandolinen und 
liebte es, die Hälse mit Elfenbeineinlagen zu verzieren. 
Eine seiner Lauten war in der Sammlung Cavallieri in 
Ferrara. Eine römische Mandoline von ihm aus der 
Sammlung Snoeck befindet sich in Berlin. 

Geigenzettel : Florianus Bosi m via / S. Mcimoli- 
Bonon.e y Fecit 1756 

Bossard, Louis s. Desjardins 
Bossard & Bonnel. — Rennes. 1900 

Geigenmacher, Händler und Reparateure der Gegen- 
wart. 

Bossart, Rudolf. — Augsburg. Geb. um 1561. 
1625 

Im Augsburger Meisterregister von 1615 wird er als 
Lautenmacher, 54 Jahre alt, angeführt. Erwähnt wird 
er ferner im Meisterregister von 1619 und im Steuer- 
buche von 1625. Er war vielleicht der Vater Jacob 
Bossarts, der sich jedoch Bosshart schrieb. 

Bosshart (Bossart), Jacob. — Augsburg. 1625. 
1640 

Im Augsburger Steuerbuche wird er zuerst als Jacob 
Bossart ohne Angabe des Berufs im Jahre 1625 erwähnt. 
Von ihm haben sich noch einige Geigen erhalten, die 
durch hohe Wölbung, hohe Zargen und kurze Ecken 
auffallen. Er hatte sein eigenes Modell, arbeitete sorg- 
fältig und nahm gutes Holz und feurigen, durchsichtig- 
rotgelben Lack. Die F-Löcher schnitt er parallel mit 
den Jahren. In der Sammlung Fritz Wildhagens in 
Haiensee b. Berlin befindet sich ein sehr schön ge- 
arbeiteter, mit Elfenbeinstreifen eingelegter Chitarrone 
von ihm v. J. 1629. Der Körper des Instruments ist aus 
Zypressenholz. 

Geigenzettel: Jacob Boßhart / in Augspurg 1626 (ge- 
druckt). 

Botelli, Angelo. — Neapel. 1857 

In seinen Violinen spürt man noch die Nachwirkung 
der guten neapolitanischen Werkstatt-Tradition. 

Bothe. — Berlin. 1787 ^ 

Ein Instrumentenmacher dieses Namens wird als Er- 
finder einer chromatischen Harfe genannt und soll auch 
Gitarren nach eigenen Grundsätzen gebaut haben. 

Bothwell, Wilham. — Aberdeen. Geb. 1815 
in Aberdeen 

Nachfolger von John Young. Er machte nur billige 
Geigen und Violoncelli nach einem eigenen Modell. 
Das Holz ist gewöhnlich unschön, die Einlage manch- 
mal aber recht kunstvoll. Er verwendete nie Zettel. 

Botin. — Chantilly. 1795. 1800 

Ein Geigenmacher dritten Ranges, der vielleicht in 
Mirecourt gelernt hat. 

Geigenzettel : Abb. 69. 



54 



ßott — Boureard 



Bott, Johann. — Wien. Geb. um 1810, 
t 10. März 1881 

Ein geschickter Geigenmacher, der nur wenig neue, 
aber sehr schöne Violinen gemacht hat, die nach Stra- 
divari und Amati gebaut sind und guten gelbbraunen 
Lack haben. Er soll nach seiner eigenen Angabe nur ein 
einziges Violoncello gemacht haben. Als Reparateur 
war er vielbeschäftigt und wegen seiner Sorgfalt ge- 
schätzt. Er hatte seine Werkstatt in der Burggasse bei 
St. Ulrich, wo jedermann den originellen kleinen Mann 
mit dem großen grauen Künstlerhut kannte. Er ver- 
wendete nur geschriebene Zettel. 

Bottari, Ferdinando. — Pisa. 1849 

Ein Gitarrenmacher vom Anfang des 1 9. Jahrhunderts 
ohne bemerkenswerte Vorzüge. 

Botti, Antonio. — Sassuolo (Modena). 19. Jahr- 
hundert 

Er wird bei Valdnghi (3689) erwähnt; man kennt nur 
einige Kontrabässe von ihm. 

Botze, Johannes. — Erfurt. 1687 

G. Siefert in Leipzig besitzt eine aus der Kirche einer 
Brüdergemeinde stammende Viola von ihm (Decke 
und Kopf sind neuere Arbeit) mit dem geschriebenen 
Zettel: Johannes Botze in Erffürth 1687. 

Boucher. — London. 1764 

Ein in England ansässiger Franzose, der sich durch 
nichts hervorgetan hat. 

Bouillot, Jean Fran^ois. — Mirecourt. 1778. 
1787 

Nur dem Namen nach bekannt. 

Boul, Simon. — ? 1786 

Eine gute Geige mit seinem Zettel führt das Preisver- 
zeichnis von G. Withers auf (16 £). 

Boulanger, Nicolas. — Mirecourt. 1 727. 1 758 

Nur von A. Jacquot erwähnter Luthier. 

Boullangier, Charles. — London. Geb. 1823 
in Mirecourt, t Okt. 1888 

Nachdem er in Mirecourt ausgelernt hatte, ging er 1843 
nach Paris, arbeitete drei Jahre bei Vuillaume und drei 
Jahre bei Gand & Bernardel und wandte sich 1849 nach 
London, wo er bis 1856 für Edw. Withers Geigen 
machte und dann seine eigene Werkstatt eröffnete. Er 
war sehr fleißig, baute viele Geigen nach Stradivan und 
Guarneri und verwendete einen schönen, roten Lack. 
Besonders geschätzt sind seine Violoncelli. 

Boullangier, C. — London. 1889. 1900 

Wohl der Sohn und Nachfolger von Charles B. Er er- 
hielt für seine Violinen und Violoncelli 1889 auf der 
Invention Exhibition eine silberne Medaille. 



Boumeester (Bouwmeester), Jan. — Amster- 
dam. 1637. 1689 

Einer der besten holländischen Geigenmacher des 
17. Jahrhunderts, der sich durch besonders saubere 
Arbeit und guten, gelben oder gelbroten Lack aus- 
zeichnet. Er bevorzugte ein großes Patron von mittlerer 
Wölbung und brachte am Wirbelkasten geschnitzte 
Köpfchen an. Er stand in hohem Ansehen, und das 
Selhofsche .Auktionsverzeichnis führt Violinen, Gam- 
ben und Violoncelli von ihm aus den Jahren von 1614(?) 
bis 1675 auf (versteigert im Haag 1759). In der Samm- 
lung von Scheurleer sind zwei Violen von 1683 und 
1689 und bei Snoeck eine Baßviola von 1667 (jetzt in 
Berlin). Auch auf der Ausstellung des Verbandes 
deutscher Geigenbauer in Leipzig im Jahre 1908 war 
eine Violine dieses Meisters zu sehen, die den Arbeiten 
von Petrus Guarneri (Mantuae) zum Verwechseln 
ähnlich war. Es ist daher wahrscheinlich, daß die 
meisten seiner .Arbeiten jetzt unter italienischer Flagge 
segeln. 

Geigenzettel: Jean B;umeester , Amsterdam 1667 (ge- 
druckt). — .Abb. 76. 

Bourbon s. Borbon 

Bourbon, Nicolas. — Mirecourt. 1753. 1787 

Er galt als geschickter Meister und war mit Nicolas 
Vuillaume befreundet. Ein Fran(;ois Bourbon, der von 
1775 bis 1789 nachweisbar ist, war dagegen nach 
Jacquot nur ein mittelmäßiger Geigenmacher. 

Bourdet, Jacques. — Paris. 1750. 1752 

Er stammt wahrscheinlich aus Mirecourt (vgl. Bourdot) 
und scheint Instrumente aller Art gebaut zu haben. 
Seine Violinen sollen von sehr gewöhnlicher Arbeit sein. 
Mir ist er nur als der Wiederhersteller eines Clavecins 
bekannt geworden. Von seinem Leben weiß man auch 
nur, daß er 1751 geschworener Meister der Pariser 
Lautenmacherzunft war. 

Bourdot (Bourdet), Jean-Sebastien. — Mire- 
court. Geb. im Beginn des 18. Jahrhunderts, 
lebte noch 1 766 

Ein sehr geschickter Meister. Über seine Lebenszeit 
gehen die Nachrichten weit auseinander. Während 
Jacquot und Vidal das 18. Jahrhundert als seine Zeit 
nachweisen, setzen ihn andere ein Jahrhundert zurück 
und lassen ihn 16.20 leben, und wieder andere sagen, 
er sei 1 530 geboren und habe 1 555 in Paris gelebt. Man 
hat es da bestenfalls mit drei gleichnamigen Meistern 
zu tun. Andere Mitglieder der Familie waren : Claude- 
FrancoisB. (1738. 1745), Dominique B., der Bruder von 
Jean-Sebastien, der auch Orgelmacher war(l 732. 1748), 
sowie zwei Franc^ois B., die 1785 und 1786 in den 
Zunftlisten vorkommen. 

Bourgard, Jean. — Nancy. 1775. 1786 

Er stammte aus Prag und war der Sohn des Johann 
Burghardt und der Cathanna, geb. Baumgarten. Er 
kam in jungen Jahren zu Charotte nach Nancy, wo er 
seinen Namen französisierte und die Marianne Fanchon 
heiratete. Seine Geigsn sind meist ohne Sorgfalt aus- 
geführt und haben braunen Lack, doch gibt es auch 



I 



Bourgeois — Bozzolo 



55 



bessere Arbeiten von ihm, die schönen, roten Lack 
zeigen. Er schloß sich der französischen Schule an und 
machte oder handelte wenigstens mit allen möglichen 
Saiteninstrumenten. 

Geigenzettel : Jean Bourgard maitre luthier ä Nancy, / 
rue de laPoissonnerie, n° 404; f ait et raccomode toutes/ 
sortes d'ouvrages de sa profession comme / guitares 
allemandes, guitares mechaniques, guitares / espagnoles, 
mandolines, luths, paradons ä trente cordes ' contre- 
basses, basses, violon d amour, violons etc. (gedruckt). 
— Jean Bourgard, facteur d'instruments ä Nancy 1 776 
(gedruckt). — F*. par moi Bourgard, facteur d'instru- 
ments, rue / de la Poissonnerie a Nancy 1 786 (ge- 
schrieben). 

Bourgeois, Seraphin. — Genf. 1829 

Es war unmöglich, irgend etwas über diesen Schweizer 
Geigenmacher zu erfahren. Ich kenne nur den folgenden 
Zettel von ihm. Vielleicht hieß er Seraphin und war 
Bürger zu Genf. 

Geigenzettel: Repare par Seraphin Bourgeois , ä Ge- 
neve An 1829 (gedruckt). 

Bourguignon, Maurice. — Brüssel. Geb. 
18. Sept. 1885 in Mattaincourt 

Schüler von Georges Mougenot, dessen Nachfolger er 
im Jahre 1910 wurde. 

Bourlier, Jacques. — Mirecourt. 1770. 1790 

Bevor er sich selbständig machte, arbeitete er eine Zeit- 
lang bei Charotte in Nancy, an dessen Art seine Geigen 
erinnern. Er verwendete einen Brandstempel Jacq. 
Bourlier. 

Bourlier, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1773. 

1785 

Er stand seinerzeit in einem gewissen Ansehen. Ar- 
beiten von ihm kenne ich nicht. Ein Francjois B., der 
1788 vorkommt, war vielleicht sein Sohn. 

Bourlier, Laurent I. — Mirecourt. Geb. um 
1737, t 1780 

Mehr können auch Vidal und Jacquot von ihm nicht 
sagen, da bisher keinerlei Arbeiten von ihm bekannt 
geworden sind. 

Bourlier. — Mirecourt. 1775. 1820 

Sohn von Laurent I B. Er baute hauptsächlich Kinder- 
geigen in Viertel-, halber und Dreiviertel große und 
war nicht ungeschickt. 

Bourlier, Laurent II. — Mirecourt. Geb. um 

1798, t 1878 

Ein Enkel von Laurent I. B. und wohl der Geschickteste 
aus seiner Familie, der sauber arbeitete und einen guten 
Ton erzielte. Einen Brandstempel mit seinem Namen 
brachte er innen am Boden an. 

Bourlier, Nicolas. — Mirecourt. 19. Jahrh. 

Vielleicht der Bruder von Laurent 1 1 B. Auch er war 
nicht ungeschickt. Von ihm rühren die Geigen her, die 
nur den Namen Bourlier als Brandmarke tragen. 



Bourse. — Paris. 1805 

Jacquot teilt seinen Namen nach einem geschriebenen 
Geigenzettel mit. 

Boury, A. — St. Quentin. 1867 

Neue Geigen von ihm sind mir nicht zu Gesicht ge- 
kommen. 

Geigenzettel : Repare par A. Boury ,' Luthier ä S* Quen- 
tin 1867 (geschrieben). 

Boussu , Benoit-Joseph. — Eterbeek-Brüssel. 

1750. 1780 

Einer der besseren belgischen Geigenmacher, der 
ziemlich gut und sauber nach Amati arbeitete und auch 
einen schönen, gelben Lack verwendete. Seine Werk- 
statt war in der Vorstadt Eterbeek, doch dürfte er, wie 
auch van der Straeten glaubt, in Brüssel selbst einen 
Verkaufsladen besessen haben. Eine Geige von ihm 
mit charakteristischer Schnecke besaß C. C. Snoeck. 

Bovis, Fran^ois. — Nizza. Geb. 1860 in Nizza 

Von 1874 — 1881 war er Schüler von Nicolo Bianchi, 
dessen Werkstatt er nach dem Tode des Meisters über- 
nahm. Er arbeitet nach eigenem Modell und verwendet 
einen halbfetten Lack. Er ist Geigenmacher des Kon- 
zertorchesters von Monte Carlo. 
Geigenzettel : Abb. 77. 

Bowes, A. — Edinburgh. 1895 

Bekannt durch seinen Versuch, die Saiten der Geige 
paarweise anzubringen (ähnlich wie bei der Mandoline). 

Bowler, Arthur. — Islington-London. Geb. 

12. Juli 1867 in Thame (Oxfordshire) 

Seine Mutter war die jüngste Schwester der Frau von 
Georges Chanot, so daß schon in früher Jugend sein 
Interesse für den Geigenbau geweckt wurde; doch er- 
lernte er zunächst in der Werkstatt seines Großvaters 
die Schreinerei. 1893 nach London gekommen, suchte 
er seinen Oheim Chanot auf und bot nach dem Tode 
desselben dem Sohne und Nachfolger seine Dienste an. 
J. A. Chanot nahm ihn auf drei Jahre in die Lehre. Hier 
kamen ihm seine Vorkenntnisse in der Holzbearbeitung 
sehr zustatten, und er machte schnelle Fortschritte. Er 
blieb bei Chanot bis 1899 und machte sich dann selb- 
ständig. Bowler arbeitet ungemein sauber und baut 
seine Geigen hauptsächlich nach der »Messias« von 
Stradivari. Er verwendet einen dunkelorangeroten 
Bernsteinlack und wird als Künstler geschätzt. Seine 
Biographie mit Bildnis, Geigenabbildung und Zettel 
veröffentlichte Rev. Meredith-Morris in »The Strad« 
(April 1900, Nr. 120). 

Geigenzettel : Arthur Bowler London, fecit 19.. (Kreis 
mit A. B.). 

Boyer, Alexis. — Mirecourt. 1773. 1789 

Ein Geigenmacher, dessen gleichnamiger Sohn 1783 
erwähnt wird. 

Bozzolo, Pietro. — St. Petersburg. Geb. um 

1830, t9.JuH 1907 

Ein Mailänder, der im Jahre 1862 als Chorist der 
italienischen Oper nach St. Petersburg kam. Den 



56 



Bradi 



Brand 



ner 



Geigenbau scheint er schon m seiner Heimat betrieben 
zu haben, und so verlegte er sich auch in Rußland sehr 
bald ausschließlich auf die Reparatur und den Handel 
mit alten italienischen Geigen. Er war als Kenner sehr 
geschätzt, lebte ungemein sparsam und hinterließ bei 
seinem Tode ein großes Vermögen. Sein schönes Lager 
italienischer Streichinstrumente erwarb Jul. Heinr. 
Zimmermann, während seine Werkstatt und seine 
reichen Geigenholzvorräte in den Besitz von A. J. 
Leman übergingen. 

Braglia, Antonio. — Modena. 1 790. f um 1 820 

Besonders als Bogenmacher geschätzt; seine Gitarren 
und Bässe sind dagegen weniger wertvoll. 

Brahi. — Lüttich. 1900 

Geigenmacher und -händler der Gegenwart. 

Braidi, Geminiano. — Modena. 1 794 

Er baute Geigen und Bogeninstrumente aller Art. — 



Alles aber ohne besonderes Verdienst. 



Braidi, Giovanni. 



1766 



Modena. 

Mittelmäßiger Geigenmacher, von dem ich ein großes 

Violoncello und einen Baß gesehen habe. Vielleicht der 

Vater Geminianos. 

Geigenzettel: Johannes Braidi, protomagister / violae 

majoris (sie) in C. S.""' ducis / Mutinae fecit a. 1 766 

(gedruckt). 

Brandillonl (Brandiglioni), Filippo. — Bres- 

cla(?). 1790. 1800 

Er wird von mehreren in das 1 7. Jahrhundert versetzt 
und soll das Maggini-Modell nachgeahmt haben. Das 
erstere ist falsch und das letztere nicht bewiesen. Eine 
Violine von ihm aus dem Jahre 1795 hat braunroten 
Leimlack und eine scharfe, bestimmte Hohlkehle. Die 
Schnecke, durch deren Mitte ein Ebenholzstift geht, 
ist nach Amati geschnitten, mit vertiefter, schwarz ge- 
färbter Mittellinie. Die Zargen sind hoch, die F-Löcher 
plump, aber die Wölbung ist schön. Die ganze Geige 
erinnerte an die Arbeit Leop. Widhalms und mehr an 
die Mittenwalder als an die italienische Schule; selbst 
das für Mittenwald charakteristische Merkmal für die 
Mitte der Unterzarge fehlt nicht. Da ihn Fenaroli gar 
nicht erwähnt, ist das »Brixiee« vielleicht auf Bnxen 
statt auf Brescia zu deuten. 

Geigenzettel : Abb. 93. 

Brandini, Fausto. — Pisa. 1 777 

Seine Geigen sind nicht ungeschickt gemacht. Val- 
drighi (3867) schreibt den Namen Prandini, doch 
scheint die Schreibweise mit B die vorherrschende zu 
sein. 

Brandini, Jacopo. — Pisa. 1789. 1807 

Gehört er auch nicht zu den hervorragenden Geigen- 
machern, so kennt man doch einige gut klingende 
Violinen von ihm. Sein Modell ist nicht besonders 
schön, er verwandte aber im allgemeinen gutes Holz 
und einen ziemlich guten Lack. Der Boden ist bei ihm 
oft nach der Schwarte geschnitten. Nach einer Mit- 



teilung gelangte die Firma Herrmann & Söhne in 
Berlin in den Besitz seines zufällig erhaltenen Nach- 
lasses, aus etwa 50 Geigen bestehend. 

Geigenzettel : Abb. 74. 
Brandini. — Pesaro. 1660 

Der älteste Geigenmacher dieses Namens, von dem es 
Geigen und Violoncelli gibt, die nicht ganz schlecht 
sind. Auch Valdrighi (3691) erwähnt ihn. 

Brandl, Karl. — Budapest. Geb. in Szom- 
bathely 1821, f 16. April 1864 

Schüler vonTischenant und Anton Hoffmann in Wien, 
bei dem er gleichzeitig mit Th. Gutermann arbeitete- 
Er hat mehrere sehr gute Geigen gemacht, auch 
die Londoner Ausstellung von 1862 enthielt zwei 
schöne Geigen von ihm, nach Stradivan und Guarnen 
del Gesü gebaut, von denen die letztere später in den 
Besitz von Louis van Waefelghem überging. 

Geigenzettel: Carolus Brandl fecit ad formnm Gio. 
Pao. / Maggini Pestini 1863 (gedruckt). 

Brandner. — Schönbach b. Eger. Geb. 29. Jan. 
1814, 17. Febr. 1895 

Trat als Geigenmacherssohn frühzeitig in die Werk- 
statt seines Vaters ein und war ein fleißiger Geigen- 
macher, dessen Sohn Johann auch wieder das väterliche 
Geschäft fortsetzt. 

Brandner, Anton I. — Schönbach in B. Geb. 
um 1800 



Innungsmeister vor. 
Schönbach in B. 



1870. 



Kommt 1826 bereits als 

Brandner, Anton II. — 
t 1898 

Ursprünglich Geigenmacher, verlegte er sich in der 
Folge fast ausschließlich auf das Schnitzen von Geigen- 
hälsen und Schnecken. 

Brandner, Ignaz. — Schönbach in B. f um 

1899 

Ein Geigenmacher, der nur billige Geigen und Schach- 
teln machte. 

Brandner, Johann. — Schönbach in B. Geb. 
in Schönbach 1849 

Schüler von Anton Brandner. Durchwanderte als Ge- 
hilfe Deutschland und war von 1870 — 1875 bei Bausch 
in Leipzig, worauf er 1875 sein eigenes Geschäft be- 
gründete. Er baut Streichinstrumente nach allen Mo- 
dellen und wendet verschiedene Lackierungen an. 
Auch treibt er Handel mit alten Instrumenten. Außer 
seinen eieenen Zetteln klebt er auch solche nach dem 
Modell ein. 

Brandner, Josef | 

» Karl I Schönbach 

» Wenzel ) 

In der Geigenindustrie ihrer Heimat noch gegenwärtig 
tätige Mitglieder der Familie B. 



ßrandner — Braun 



57 



Brandner, Johann. — Mittenwald. Geb. 1835, 

t 1916 

Ein braver Gelgenmacher, der selbständig wenig her- 
vorgetreten ist, aber seines unversieglichen Humors 
halber sehr beliebt war, und der als Hochzeitlader und 
Brautführer bei allen Familienfesten seines Ortes eine 
gewichtige Rolle spielte. 

Brandner, Kaspar. — Mittenwald. Geb. 

18. Nov. 1883 in Mittenwald 

Schüler der Mittenwalder Geigenbauschule unter Franz 
Baader. Als Gehilfe arbeitete er zwei Jahre lang bei 
G. Kriner in Landshut und drei Jahre in München bei 
Gius. Fiorini, Zunterer und zuletzt bei Sim. Rieger, 
nachdem er vorher m seinem Heimatsort noch das 
Lauten- und Gitarrenmachen erlernt hatte. Im Jahre 
1904 machte er sich selbständig, baut nach Stradivari 
und Guarnen gute Konzertgeigen und nach italie- 
nischen und Wiener Modellen Lauten und Gitarren. 
Er ist auch in der Wiederherstellung aller Saiteninstru- 
mente geschickt und wurde 1896 auf der Nürnberger 
Ausstellung für seine Geigen prämiiert. 

Geigenzettel : Kaspar Brandner / Instrumentenmacher 
und Reparateur / Mittenwald Nr. 125 (Bayern) [Rechts 
und links Medaille Prämiiert Nürnberg 1906]. 



w 



len. 



Geb. 



um 



1757. 



Brandstätter, Ignaz. 
t 10. März 1791 

Da er nur ein Alter von 34 Jahren erreicht hat, dürfte 
es nur wenige Geigen von ihm geben. Er scheint übri- 
gens hauptsächlich Gitarren gemacht zu haben, die aber 
nur von mittelmäßiger Arbeit sind. Boden und Zargen 
zeigen denselben schwarzbraunen Lack, der zu seiner 
Zeit in Wien beliebt war. 

Geigenzettel : Abb. 46. 

Brandstätter, Matthäus Ignaz. — Wien. Geb. 
um 1791, t 6. März 1851 

Er wohnte Stadt Nr. 994 und legte am 3. Oktober 1817 
als Lautenmacher den Bürgereid ab. Er baute sehr sauber 
gearbeitete Violinen nach Stradivari und verwendete 
einen gelben Lack mit rötlicher Schattierung. Leider ist 
der Ton seiner Geigen nicht so schön wie ihr Aussehen. 
Er war sehr fleißig, soll aber in den letzten Lebens- 
jahren nicht zu bewegen gewesen sein, eine seiner neuen 
Geigen zu verkaufen. Nach seinem Tode fanden sich in 
seiner Werkstatt mehrere Schubladen voll Violinen, die 
bis zum Lackieren fertig waren. Anton Hoffmann kaufte 
den ganzen Nachlaß, machte die Geigen fertig, versah 
sie mit Brandstätters Zettel und brachte sie in den 
Handel. Diese nachgelassenen Geigen sind leicht an 
ihrem minderwertigen Lack zu erkennen und nur halb 
so viel wert als diejenigen, die er selbst noch fertig ge- 
macht hat und die jetzt recht gut bezahlt werden. 
Er stand als Reparateur in großem Ansehen. Ein Re- 
paraturzettel von ihm in Brüssel (Mus. d. Cons. 
Nr. 258), ein ebensolcher in einer theorbierten Laute 
von Pradter, die sich in der Sammlung alter Musik- 
instrumente in Wien, Burgring 5, befindet. Ein Johann 



Brandstätter, der von 1840 bis 1855 in Wien gelebt 
haben soll, hat nicht existiert. 

Geigenzettel : Mathäus Brandstätter in Viennae / repa- 
ravit Anno 1817 (gedruckt) und Abb. 47. 

Branzo, Francesco Barbaro. — Padua. 1 620. 1 660 

Das Wort »Barbaro« dürfte die Heimat dieses Meisters 
andeuten. Ein Calascione (beliebtes neap. Volksinstru- 
ment) in der staatl. Sammlung alter Musikinstrumente 
in Berlin, Nr. 723 (von 1620), S.Abbildung Bd. I 
Seite 54. Bei Vidal wird nur der Name mit der Jahres- 
zahl 1660 erwähnt. Erscheint also nur die aus diesem 
Jahre stammende Gamba von ihm in der Sammlung 
Correr gekannt zu haben. Valdnghi nennt ihn Bronzo- 
Barbaro (3693). 

Brater s. Pradter 

Bratti, Cesare. — Florenz. 1882 

Er soll nicht ungeschickt gewesen sein ; da er aber in 
seine Geigen gerne fremde Zettel geklebt hat, findet 
man seinen Namen sehr selten. 

Braun, Adam. — (Mark-)Neukirchen. 1697 

Sein Name wird als der eines Stiefsohnes und Schülers 
von Komelius Kretzschmar überliefert. Da er keines 
Meisters Sohn war und die vorgeschriebene Wanderzeit 
nicht erledigt hatte, wurde er erst auf ein an den Landes- 
herrn gerichtetes Gnadengesuch hin am 17. Okt. 1697 
als Meister in die Zunft aufgenommen. Er ist wahr- 
scheinlich der Ahnherr der noch bestehenden Familie, 
seine Söhne und Enkel scheinen jedoch nicht Geigen- 
macher gewesen zu sein. 

Braun, Anton. — Budapest, Szegedin, Belgrad. 
Geb. 1847, t 5. Okt. 1901 

Schüler von Placht in Wien und Ferd. Jos. Homolka in 
Kuttenberg. Er hielt sich nur kurze Zeit in Budapest 
auf, ging dann nach Szegedin und ließ sich um 1887 in 
Belgrad nieder, wo er Königl. Serbischer Hofinstru- 
mentenmacher wurde. Er war auch ein tüchtiger Mu- 
siker und wahrscheinlich der Vater von Johann und 
Michael Braun. 

Geigenzettel : Antonius Braun / fecit Beigradi 1890 (ge- 
druckt). — Reparavit / Ant. Braun Beigradi / 1882 (ge- 
druckt). 

Braun, August Hermann. — Markneukirchen. 

Geb. 11. Dez. 1868 

Schüler von Karl Wilhelm Keßler, bei dem er seit 1882 
lernte. Als Gehilfe arbeitete er bei verschiedenen 
Meistern und machte sich 1892 selbständig. Im Jahre 
1896 trat er bei der Firma Karl Gottlob Schuster ein 
und gründete deren Werkstatt für Kunstgeigenbau, die 
er durch 22 Jahre leitete. Im Jahre 1918 richtete er 
seine eigene Werkstatt ein und baut sehr sorgfältig aus- 
geführte Violinen und Violoncelli nach italienischen und 
Tiroler Meistern, die sich sehr schnell Eingang in Künst- 
lerkreisen verschafften. Er verwendet einen guten äthe- 
rischen Ollack. Besonders wird auch seine Geschicklich- 
keit im Wiederherstellen alter Meistergeigen gelobt. 
Geigenzettel: Gebaut im Jahre 19 . . / von Aug. Her- 
mann Braun / Lauten- und Geigenbaumeister / Mark- 
neukirchen i.'S. No. 855. 



58 



B 



raun 



-B 



renner 



Braun, August Robert. — Erlbach. 19. Jahrh. 

Er soll nach Spremberg gezogen sein, war aber dort 
nicht zu ermitteln. 

Braun, August Wilhelm. — Markneukirchen. 
Geb. in Erlbach 1819, f 30. Okt. 1869, 

50 Jahre 23 Tage alt 

Ließ sich anfangs der fünfziger Jahre in Markneu- 
kirchen als Geigenmacher nieder und baute billige 
Geigen für den Ausfuhrhandel. 

Braun, Ernst Moritz. — Markneukirchen. Geb. 
in Erlbach 27. Dez. 1848 

Sohn von Aug. Wilh. Braun. Geigenmacher der Gegen- 
wart. 

Braun, Gustav. — Düsseldorf, Dresden, Lü- 
beck. Geb. in Erlbach 7. Febr. 1 846, f Ostern 

1896 in Lübeck 

Sohn von Aug. Wilh. Braun. Er war ursprünglich 
Bratschist; da er jedoch Geigenmacherssohn war, 
interessierte er sich für den Geigenbau, und als er in 
Hannover Gelegenheit gehabt hatte, bei einem Geigen- 
macher Unterricht zu nehmen, begann er bald darauf in 
Düsseldorf, in seiner freien Zeit Geigen zu reparieren. 
1872 siedelte er nach Dresden über und 1895 nach 
Lübeck. Er besaß theoretische Kenntnisse und be- 
schäftigte auch zeitweise Gehilfen. Die von diesen an- 
gefertigten Geigen tragen seinen Zettel. 
Geigenzettel : Repariert von Gustav Braun / Düsseldorf 
1869 (gedruckt). Gustav Braun /Dresden 18 . . (geschr.). 

Braun, Johann. — Szegedin. Geb. in Nagy 
SzentMiklos 1860 

Als C.W.Richters Nachfolger ließ er sich 1883 in 
Szegedin als Geigenmacher und Optiker nieder. Er soll 
bei Ig. Lutz in Wien gearbeitet haben und unterhält 
eine Werkstatt. Auf der Szegediner und Torontäler 
Gewerbeausstellung sowie auf der Budapester Millen- 
niumsausstellung erhielt er Medaillen. 

Geigenzettel: Joannes Braun fecit / Szegedini 1895 
(gedruckt). 

Braun, Joseph. — Mittenwald. 1914 

Er gilt als guter Violoncellomacher, arbeitet aber auch 
als Zimmermann. 

Braun, Michael. — Szegedin, Klausenburg. 

1891. 1896 

Geschickter Geigenmacher der Gegenwart. Er arbeitet 
nach Guarnen und Stradivari, verwendet einen gold- 
rötlichen Lack und liebt dicke Einlagen. 

Geigenzettel: Braun Michael / Szegedin 891 (geschr.). 

Braun, Wilhelm August. — Markneukirchen. 
Geb. 18. Juni 1855 in Markneukirchen 

Sohn von Aug. Wilh. Braun. Gelgenmacher der Gegen- 
wart. 



Brauner, Johann Josef. — Wien. 1749. 1761 

In den Wiener Steuerbüchern kommt er von 1750 bis 
1758 vor. Im letzten Jahre mit der Bemerkung: »Wegen 
seiner Abreisung von hier der Steuer und des Bürger- 
rechts entlassen worden«. Er wohnte im Schotten viertel 
und legte am 4. Juli 1 749 den Bürgereid ab. Er wird 
zuletzt erwähnt mit der Bemerkung : »Vermög Ver- 
ordnung dd° 29. May 1758 der Bürgerpflicht entlassen 
und das Bürger Zettel zurückgegeben worden.« Doch 
kommen noch Geigen mit der Jahreszahl 1761 von ihm 
vor. Auf seinen Zetteln gebraucht er abwechselnd bald 
den Taufnamen Johann, bald Josef, selten beide zu- 
sammen. 

Geigenzettel : Abb. 40. 

Brauns, Carl Friedr. Wilh. — Hamburg. 1798 

Er wird als »Instrumentenmacher« am 12. Okt. 1798 
Bürger von Hamburg, ist aber sonst nicht bekannt. 



B 



reazzano s 



Bri 



riazzano 



Breckinridge, John. — Glasgow. Geb. 1790 
in Parkhead bei Glasgow, f 1840 in Glas- 
gow 

Er war von Hause aus Weber und besaß später einen 
Krämerladen ; dabei machte er fleißig Geigen, die recht 
gut nach Amati gebaut sind. Sein (Splritus-)Lack ist 
gelb oder dunkelbraun. Der Ton ist angenehm, aber 
nicht groß. 

Geigenzettel: John Breckinridge Maker Parkhead 
1834 (geschrieben). 

Breiling, Andreas Ludolph (Ludwig). — Göt- 
tingen. 1801. 1829 

Er wurde am 21. September 1801 zum Bürger ange- 
nommen, aber erst am 29. April 1829 als solcher ver- 
eidigt. Da ihm dabei die Gebühren erlassen wurden, 
kann man annehmen, daß er in beschränkten Verhält- 
nissen lebte. Trotzdem war er ein sehr geschickter 
Lautenmacher, der ebenso originell als sauber arbeitete. 
Eine Laute von ihm aus dem Jahre 1803 trug die 
Nr. 132. 

Geigenzettel: A. L. Breiling in Göttingen ,' fecit 1802 
No. 121 (?) (geschrieten). 

Breitenberger, Ludwig, lebt als Instrumenten- 
macher in München 
Bremitz, Giuseppe. — Tnest. 1895 

Unbedeutender Geigenmacher aus den letzten Jahren 
des 19. Jahrhunderts, der wohl nur von Fabriken her- 
gestellte Schachteln verarbeitete. 

Brenner, C. — Gefle. 1804 

Man kennt einige Reparaturen von ihm, es ist aber 
wahrscheinlich, daß er ein Musiker war, der nur ge- 
legentlich Ausbesserungen vornahm. 

Geigenzettel: Reparerad 1804 C . . . Brenner, Gefle 
(gedruckt). 



Brensio — Brinckmann 



59 



Brensio (Brensius, Brinsius), Antonio. — Bo- 
logna. 1592 

Vielleicht der Vater oder Sohn von Girolamo. Eine Lira 
da Gamba von ihm besitzt W. Heyers Musikhistonsches 
MuseuTi in Köln (Nr. 782). 

Geigenzettel : Antonino Brensius Bononi (gedruckt). — 
Antonius Bononiensis (geschrieben). 

Brensio, (Girolsmo) Hieronymus. — Bologna 
16. Jahrhundert 

In einer nicht datierten Viola da Eraccio im Museum 
des »Liceo filarmonico« in Bologna findet sich der 
Name dieses Meisters. Vidal teilt die Maße des fünf- 
saitigen Instruments, das für die Geschichte des Gei- 
genbaus sehr bemerkenswert ist, mit. 

Geigenzettel : Abb. 89. 

Brenzoni, Pietro. — 1902 

Italienischer Geigen macher unserer Zeit. 

Bresa (Brosa?), Francesco. — Mailand. 1708 

Vidal ergänzt den Namen der Stadt, die auf einem 
Originalzettel nicht ganz leserlich war, wohl richtig, 
wenn er Milano lesen will, wofür auch »alla scala« zu 
sprechen scheint. Das zu dem Zettel gehörige Instru- 
ment ist übrigens verschwunden und Werke von F. 
Bresa sonst nicht bekannt geworden. Vgl. auch Brossa. 
De Piccolellis bezeichnet ihn als einen mittelmäßigen 
Mailänder Geigenmacher. 

Geigenzettel : Francesco Bresa fece alla Scala in Mil . . 
1 708 (gedruckt). 

Bressano, Baptista. — ? 16. 17. Jahrhundert 

Eine Pochette im Museum des Liceo filarmonico in 
Bologna trägt diesen Namen. Sie ist wahrscheinlich 
Brescisner .Arbeit, in welchem Falle das Wort Bressano 
wohl als Heimatsbezeichnung angesehen werden muß. 

Breton, Fran^ois. — Mirecourt. Geb. in Mire- 
courtum 1750, f 1830 

Seine Arbeit ist zwar nicht künstlerisch, aber immerhin 
recht sauber. Er bevorzugte ein großes Modell und 
verwandte meist hellgelben Lack. Da er viele Arbeiter 
beschäftigte, sind seine Geigen nicht selten ; man muß 
sich jedoch trotzdem vorsehen, denn abgesehen davon, 
daß seine Firma auf eine Mirecourter Fabrik überging, 
die noch immer seinen Zettel m ganz neue Instrumente 
klebt, ist er auch norh vielfach nachgeahmt worden. Es 
geht ihm beinahe so wie der deutschen Famihe Hopf. 
Sie erhob sich nicht über handwerksmäßige Mittel- 
mäßigkeit und wird doch fortwährend von einer urteils- 
losen Menge zum Vorbild senommen. — Er ver- 
wendete auch den einen Brandstempel, dessen letzte 
Zeile häufig fehlt. — .'Xuch als Bogenmacher hat er 
sich betätigt. 

Geigenzettel: Abb. 71 und 79. 



Breton, Joseph Fran^ois. 

1740. 1815 (?) 



Paris, Mirecourt. 



Ein Mirecourter Meister, der vielleicht wirklich vor- 
übergehend in Paris ansässig war, obwohl das Fehlen 



einer näheren Wohnungsangabe zu Zweifeln m dieser 
Hinsicht berechtigt. Seine Arbeiten zeichnen sich nicht 
aus und werden häufig mit denen von F. Breton ver- 
wechselt, wozu die '\hnlichkeit der Modelle einigen 
Anlaß gibt. Es ist auch nicht ganz sicher, welcher 
Breton den Brandstempel : Breton Luthier ä Paris be- 
nutzte. Eine Violine von ihm befand sich in der Samm- 
lung Snoeck (Nr. 522). 

Geigenzettel: J. F. Breton, citharae fabri- ' cator, faclt , 
vendit et recon- cinat instrumenta musica omnis / 
generls. Parisiis anno 1780 (gedruckt). 

Gleichlautende Zettel kommen von 1740 — 1780 häufig 
vor. doch fand sich ein solcher Zettel auch in einem 
Violoncello mit der Jahreszahl 1815 vor. Ob er dieses 
noch selbst gemacht hat, oder ob der alte Zettel mit 
neuer Jahreszahl von einem Werkstattnachfolger ge- 
braucht worden ist, müßte erst festgestellt werden. 

Breton s. auch Le Breton 

Breuling s. Breiling 

Briano, Fran<;ois. — Nizza. 1900 

Musikinstrumentenmacher und -händler der Gegen- 
wart. 

Bnazzano (Breazzano) s. Brizzano 

Briere, Paschal. — Rouen. Anfang des 1 S.Jahr- 
hunderts 

Er wohnte in der Rue du Petit Pults (Pfarrei St. Michel), 
scheint aber nur wenig Zuspruch gehabt zu haben. 

Briggs, James William. — Glasgow. Geb. 
9. Juli 1855 m Wakefield 

Schüler von William Tarr, machte sich 1876 selb- 
ständig und baut sowohl nach Stradivan und Guarneri 
als auch nach einem eigenen Modell, wobei er einen 
Bernsteinöllack verwendet. Seine Geigen und Bässe 
sind vorzüglich gearbeitet, und schon 1891 erhieltereine 
goldene Medaille dafür. Er ist auch als Händler mit 
alten Instrumenten bedeutend und wohnte um 1890 u. 
1891 in Leeds. Seine Biographie veröffentlichte 
Meredith-Morris in »The Strad« 1902 Nr. 142. 

Geigenzettel: James William Briggs Glasgow 19. . 
(gedruckt). 

Brinckmann, Franz Georg. — Frankfurt a. M. 
Geb. 1 799 in Frankfurt a. M., f daselbst 
nach 1845 

Er war der Sohn eines Musikers, von dem er wohl die 
ersten Unterweisungen erhielt. Später kam er zu einem 
Schreiner in die Lehre und wurde 1829 auch als 
Schreinermeister zum Bürger aufgenommen. Er ver- 
legte sich jedoch ganz auf den Instrumentenbau und 
brachte es dann zu bemerkenswerter Geschicklichkeit, 
so daß er für eine Geige gern 100 fl. bekam. Mit Vor- 
liebe baute er jedoch Gitarren und war stolz darauf, 
hierfür von Paganini belobt worden zu sein. Er hat auch 
einen Mechanismus erfunden, der das häufige Ver- 
stimmen der Gitarren verhüten sollte. Instrumente mit 
diesem Mechanismus nannte er >>Korrektionsgitarren«. 
Sehr geschätzt waren seine übersponnenen Saiten. 



60 



Britsen — Brown 



Britsen, Georgius. — Antwerpen. 1613 

Schüler des Bildhauers Melchior Ykens. Er ist freilich 
nur als Clavecinmacher bekannt. Auch sein Sohn und 
sein Enkel gleichen Taufnamens kommen 1654 — 1659 
und 1675 im gleichen Berufe vor, doch wurde mir von 
einem Händler vor längerer Zeit eine schön geschnitzte 
Theorbe mit dem eingeschnittenen Namen »Britsen« 
angeboten, so daß anzunehmen ist, daß auch m dieser 
Familie die Lautenmacherei wenigstens nebenbei be- 
trieben wurde, wenn der Name nicht etwa nur den 
einstigen Besitzer andeutete. 

Brizzano (?), Vincenzo. — Foggla. 1860 

Der Name war nicht sicher leserlich, aber die Geige, 
die ihn trug, recht gut, ja besser als viele von seinen 
italienischen Zeitgenossen. 

Broberg, Carl Johan. — Gothenburg. 1 769. 1 793 

Er war vermutlich ein Schüler von Jacob Hellman in 
Engelholm^) und wurde im Jahre 1 769 als Geigen- und 
Musikinstrumentenmacher in Gothenburg zugelassen. 
Er war fleißig und baute alle Arten von Streich- und 
Rupfinstrumenten. Er verwendete geschriebene und 
gedruckte Zettel und gelegentlich auch eine Brand- 
marke. Arbeiten von ihm haben sich im Privatbesitz 
mehrfach erhalten. 

Geigenzettel : Carl Joh. Broberg / Götheborg Anno 1 774 
(gedruckt). 

Brechet (Broche) s. M. Snoeck 

Brock, Alfred Nilsson. — Stockholm. Geb. 

15. April 1876 

Sohn und Schüler von N. Nilsson in Malmö. Am 
1. Oktober 1900 eröffnete er in Stockholm seine eigene 
Werkstatt und ist jetzt dort Geigenmacher der König- 
lichen Hof kapelle und des Musikhistorischen Museums. 

Brocsko (Brotsko), Karl. — Budapest, f 1858 
Schüler von Teufelsdorter. Seine nach Amati gebauten 
Geigen sind in ihrer Arbeit, im Lack und im Ton recht 
lobenswert. 

Geigenzettel : Carolus Brotsko fecit / Pestini 1 85 1 (ge- 
druckt). 

Brooley, Charles. — London. 1885 
Gitarren- und Banjomacher. 

Bronzo s. Branzo 

Brookfleld, Edward. — Southport. 1890. 1900 

Er baut nach Guarneri und Stradivari und verwendet 
ÖUack von gelber und orangeroter Farbe. Die Firma 
heißt jetzt Brookfield & Co. 
Geigenzettel: Edward Brookfield (geschrieben). 

Broomley, Ch. H. — New Haven 

Amerrkanischer Geigenmacher der Gegenv.'art. 



Broquet, lebte Ende des 19. Jahrhunderts In 
Dunkerque (Dep. Nord) 

Broschi (Brocchi), Carlo. — Parma. 1 730. 1 744 

Wenig bekannter Geigenmacher, über den sich nichts 
ermitteln ließ. Eine zweifellos echte, vom Wurm stark 
angegriffene Violine (kleines an Nie. Amati erinnerndes 
Modell, hübsche F-Löcher, kleine Schnecke), trug den 
Zettel : Carlo Broschi / in Parma fecit 1 732. Ein gleich- 
namiger Geigenmacher lebte noch in den zwanziger 
Jahren des 19. Jahrhunderts. Der Name wird auch 
Braschi gelesen. 



^) Was Hedvig Boivie, Amanuensis am Nordischen 
Museum in Stockholm, in ihrem hübschen Aufsatz über 
die schwedischen Geigenmacher in der Mus. Zeitschr. 
»Fataburen« 1921, S. 64 mit aller Vorsicht sehr wahr- 
scheinlich macht. 



Brosig. — Neiße. 1910 

Wurde nur als Reparateur genannt. 

Brossa (Brosa, Bresa), Francesco. — Mailand. 

1700 

Eine Violine mit seinem Namen erinnert an die Bres- 
cianer Schule und hat orangeroten Lack. Ich bin ge- 
neigt, diesen Francesco Brossa mit Francesco Bresa zu 
identifizieren; es wäre nur festzustellen, welche Form 
des Namens die richtige ist. Eine Geige von ihm be- 
findet sich in Freiburg i. B. 

Geigenzettel: Francesco Bro'-a fece / dalla Scala in 
Mano / 1700 (gedruckO. 

Brouaux. — Bar-le-Duc. 1860. 1890 

Beschäftigte sich hauptsächlich mit Wiederherstellungs- 
arbeiten. 

Brown, Alexander. — Glasgow. 1855. 1860 
Er baute nicht ungeschickt nach Stradivari und ver- 
wendete Spirituslack. 

Geigenzettel : Alex. Brown Maker, / Glasgow, 1 857 
(geschrieben). 

Brown, Anthony. — London. 1855 

Er soll ein Schüler von Morrison oder Panormo ge- 
wesen sein und war besonders als Gitarrenmacher ge- 
schätzt. Er wohnte um 1855 in der Rosamond st., 
Clerkenwell. 

Brown, James (sen). — London. Geb. vor 
1759, t vor 1834 

Er war ursprünglich Seidenweber und erlernte erst im 
Jahre 1804 bei Thomas Kennedy den Geigenbau, er- 
öffnete dann in der Wheeler st. ,Spitalfields' seine eigene 
Werkstatt als Geigenmacher und Reparateur und be- 
tätigte sich als geschickter Meister. 

Brown, James (jun.). — London. Geb. im Nov. 

1786, t 1860 

Sohn und Schüler von James B. sen. Ursprünglich 
sollte er nur Bogen macher werden und erlangte darin 
eine besondere GeschicklicKkeit. Nach dem Tode 
seines Vaters verlegte er sich dann mehr auf den 
Geigenbau und leistete auch darin Beachtenswertes. 
Auch sein Sohn war zum Geigenmacher bestimmt. 



Brown — Brusere 



61 



Brown, John. — Melbourne. 1880 

Ein australischer Geigenmacher der Gegenwart, der 
auf der Melboumer Ausstellung den dritten Preis 
erhielt. 

Brown, W. J. — Melbourne 

Erhielt 1880 einen Ausstellungspreis für vorzügliche 
Reparaturen. Die Firma heißt jetzt W. J. Brown & Son. 

Browne (Brown), John. — London (Cornhill). 

1680. 1743 

Er führte die Hausmarke *at the Black lyon«. Das 
Selhofsche Auktionsverzeichnis weist eine Viola da 
Braccio von ihm auf. Seine Violinen gehen auf ein 
Amatimodell zurück, erinnern aber auch an Stainer. 

Brubac, Antoine. — Rouen. Geb. in Mire- 
court 22. Jan. 1847, f in Rouen 1894 

Ein tüchtiger Meister und verdienstvoller Leiter der 
bekannten A. Kleinschen Geigenbauwerkstatt. Seine 
Geigen tragen den Namen der Firma Klein. 

Brubac, Charles. — Paris. Geb. in Mirecourt 
21. Mai 1853 

Bruder von Antoine B. Er arbeitet seit 1877 bei Gand 
& Bernardel (jetzt Caressa & Franjais) und erhielt 1897 
in Brüssel eine goldene Mitarbeitermedaille. 

Brücken-Hammig, Christian August. — Mark- 
neuklrchen. Geb. 14. Okt. 1833, f 19. Dez. 
1885 

Er selbst war hauptsächlich Baßmacher, aber er be- 
schäftigte in seiner Werkstatt viele Geigenmacher, 
hielt auf saubere Arbeit und besaß viele Ausstellungs- 
preise. 

Brücken-Hammig jun., Max. — Markneu- 
kirchen 1897 

Streichinstrumentenmacher der Gegenwart, von dem 
ein 1897 ausgestelltes Quartett nach Stradivari Beifall 
verdiente. 



Brückner, Ernst Max. — 
Geb. 30. Mai 1875 
Geigenmacher der Gegenwart. 



Markneukirchen. 



Brückner, Ernst Richard. — Markneukirchen. 
Geb. 5. Nov. 1867 
Geigenmacher der Gegenwart. 

Brückner, Ferdinand (Nändor). — Budapest. 
1874. 1900. Geb. 1848 

Schüler von Mönnig. Im Jahre 1874 begründete er in 
Budapest sein Geschäft, in welchem er stets eine Reihe 
von Gehilfen beschäftigt hat. Unter seinen Streich- 
instrumenten werden besonders seine Bässe gelobt; 



auch fertigt er gute Schlaginstrumente (Cymbal) an' 
Als Gehilfe arbeitete er vor 1874 bei J. W. Schunda. 

Geigenzettel : Brückner Nändor ,' hangszer keszitö / 
Budapest , Raktar: Magyar utcza 4. sz. (gedruckt). 

Brückner, Franz. — Berlin, New York. 1879. 
1892 

Er ließ sich zuerst in Berlin nieder und ging im Anfeing 
der neunziger Jahre nach New York. 

Brückner, Heinrich Albin. — Markneukirchen. 
Geb. 2. März 1855 

Geschickter Geigenmacher der Gegenwart, der auch 
als Lehrmeister erfolgreich gewirkt hat. 



Mark 



neu- 



Brückner, Heinrich August, 
kirchen. Geb. 6. Sept. 1856 
Geigenmacher der Gegenwart. 

Brückner, Richard. — London. 1886. 1906 

Bruder von Franz Br. ; er hat eine Zeitlang in Berlin 
gearbeitet und ist dann nach London übergesiedelt, wo 
er namentlich als Reparateur geschätzt wird. Der Ton 
seiner Geigen findet Anerkennung. 

Geigenzettel : repaired at R. Brückner / London Septbr. 
1892 (gedruckt). 

Brückner, W. — Erfurt. 1900 

Wurde mir nur durch seinen Zettel bekannt. 

Geigenzettel: W.Brückner, Geigenbauer / Erfurt. / 
Instrumenten- und Saitenhandlung / 1 900 (gedruckt). 

Bruders, Johann August Christof. — Tanger- 
münde. 1829 

Er soll bei A. Zabel gelernt haben. In den Akten wird 
er als Instrumentenmacher bezeichnet. 

Brugere, Charles -Georges. — Paris. Geb. 
10. Nov. 1865 in Mirecourt 

Sohn von Charles Joseph Br. und Schüler von Etienne 
Drouin m Mirecourt. Er arbeitete als Gehilfe bei Blan- 
chard in Lyon, bei P. Bailly und bei Gand & Bernardel 
und übernahm am 22. Sept. 1892 die alte Werkstatt der 
Familie Henry in der Rue St. Martin. Er arbeitet unge- 
mein sorgfältig, so daß er in jedem Monat nur eine 
Geige fertig bekommt, die er nach Stradivari baut und 
mit einem gelben bis goldroten Lack versieht. Nur in 
die Geigen, die er vollkommen allein fertigmacht, 
■ klebt er seinen Zettel. Er besitzt bereits mehrere 
silberne Medaillen und eine goldene (Lüttich 1 905) und 
war auch 1900 auf der Pariser .Ausstellung gut ver- 
treten. Eine Verbesserung der Klangfarbe des Kontra- 
basses ist ihm durch Änderungen in der Bauart recht 
wohl gelungen. 

Geigenzettel: Abb. 51. 65, 94. 



Brugere, Charles-Joseph. 
1842, t 1876 



Mirecourt. Geb. 



Nur als geschickter Gitarrenmacher hervorgetreten. 
Seine Arbeiten tragen seinen Namen als Brandmarke. 



62 



Brugere — Bubenik 



Brugere, Charles -Malakof f. — Marseille. Geb. 
1857, f 1894 In Mirecourt 

Ältester Sohn von Fran<;ois B., arbeitete lange Zeit bei 
Hei in Lille und ließ sich dann in Marseille nieder, wo er 
über 100 gute Geigen baute, deren Wert vor dem Kriege 
auf durchschnittlich 200 fr. geschätzt vvurde. 

Geigenzettel : Abb. 62. 

Brugere, Franq:ols. — Mirecourt. Geb. 1822, 
t 1874 in Mirecourt 

Bruder von Charles- Joseph Br. Nachdem er unter 
Pierre Silvestre und unter Daniel in Marseille gearbeitet 
hatte, kehrte er nach Mirecourt zurück, wo er haupt- 
sächlich für Derazey tätig war. Er hatte drei Söhne, die 
sämtlich Geigenmacher wurden, aber nur Charles- 
Malakoff B. machte sich selbständig. 

Brugere, Joseph-Napoleon. — Mirecourt. Geb. 

um 1859 

Z-.veiter Sohn von Fran(;^ois Br. Gilt als sehr gesuchter 

Baßmacher. 

Brugere, Michel. — Paris. Geb. 1864 in Mire- 
court 

Dritter Sohn von Franc. B. und seit 1893 Werkführer 
bei Charles-Georges Br., ein besonders tüchtiger Re- 
parateur. 

Brugger, Michael. — Salzburg. 1822. 1824 

Er war eigentlich kein Geigenmacher, sondern Tischler. 
Ob er neue Geigen gebaut hat, ist nicht bekannt, wohl 
aber war er als Reparateur viel beschäftigt, da zu seiner 
Zeit kein Geigenmacher in Salzburg ansässig war. 
Eines der Instrumente im städtischen Museum Caro- 
llno-Augusteum in Salzburg trägt einen Reparatur- 
7ettel von ihm aus dem Jahre 1824. 

Brunner, Franz. — Wien. Anfang des 1 9.Jahr- 

hunderts 

Der Erfinder der sog. »Harpe amphionique«, einer 
kleinen Pedalharfe, die man auf dem Schoß halten 
konnte. — Eine Harfe von Ihm besitzt das k. k. öster- 
reichische Museum für Kunst und Industrie in Wien. 
Er hat auch Gitarren, schwerlich aber Geigen gemacht. 

Brunner, J. — Dübendorf (K. Zürich). Gegr. 
1860. 1895 

Streichinstrumentenhandlung und -fabrikatlon. 

Brunner, Martin. — Olmütz. Geb. 1724, 

t 26. Febr. 1801 

Ein guter Meister, der wahrscheinlich bei J. Strobl ge- 
lernt hatte und sorgfältig nach der Form baute. Hohe 
Stalner-Wölbung und gelber Spirituslack sind für ihn 
charakteristisch. Der Ton seiner Gelgen Ist recht an- 
sprechend. Statt der Schnecke brachte er am Wirbel- 
kasten gerne einen schön geschnitzten Hundekopf an. 
Er brachte es trotzdem zu keinem Vermögen und starb 
im Hause Nr. 565 in bitterster Armut. Ein Kontrabaß 



von ihm befindet sich als Inventarstück auf dem Chor 
der Pfarre St. Moritz in Olmütz. 
Gelgenzettel: Martin Bruner, Lauten- und Geigen- 
macher in Ollmütz 1771 (gedruckt). 

Bruno, Carlo Colombo. — Turin. Geb. 1 6. Mai 
1872 in Caltanisetta (Sizilien) 

Er kam frühzeitig nach Turin, wo er lernte und 15 
Jahre lang als Gehilfe arbeitete, worauf er seine eigene 
Werkstatt eröffnete. Er baut vorzugsweise Geigen und 
Violoncelli nach Stradivari, die er mit einem fetten, rot- 
braunen Öllack versieht, ferner auch gute Mandolinen. 
Seine Geigen sind sauber gearbeitet und gut im Ton. 
Er erhielt In Turin 1898 eine goldene und 1900 in Paris 
eine Bronzemedaille und in Marseille einen großen 
Preis. 
Geigenzettel : Abb. 33 und 60. 

Bruno, Nicola. — Bologna. 1 727 

In einigen Gelgen findet sich der Name dieses auch von 
Valdrlghl (4052) erwähnten Meisters. 

Brunskill, J. — Newcastle-on-Tyne. 1900 

GeigenmacHer, -lehrer und -händler der Gegenwart. 

Brustgrün, M. C. — Flensburg. 1862 

Ein Holzblasinstrumentenmacher, der auch Geigen 
repariert hat. 

Brynildsrud, Lars Larsen. — 
Moß (Norwegen). Geb. 4. 
dem Hofe Brynildsrud im 
marken (Norwegen) 

Schüler von Lars Grinager, bei dem er von 1887 — 1889 
arbeitete. Er Heß sich darauf In Kongsvinger als Geigen- 
macher nieder und stellte ein von Ihm gebautes Quar- 
tett in Paris aus. Von der Regierung erhielt er dann ein 
Reisestipendium, arbeitete nach seiner Rückkehr in 
einer Orgelfabrik in Chrlstlanla und ließ sich 1895 als 
Orgelbauer In Moß nieder. Bis dahin führte er nur den 
Namen nach dem Taufnamen des Vaters, also Lars 
Larsen, und legte sich nun noch den Namen seiner Ge- 
burtsstätte zu. Er hat ziemlich viele Streichinstrumente 
gebaut und beschäftigt sich noch immer eifrig mit dem 
Studium des Geigenbaus, wenn seine Haupttätigkeit 
jetzt auch der Orgel gewidmet ist. 

Bubenik, Joh. Bapt. — Prag. Geb. 21. Juni 
1 800 in Hrusic bei Mnichovic, f 1 9. Jan. 1 836 

in Prag 

Schüler von Caspar Strnad, dessen Werkstatt er nach 
dem Tode des Meisters übernahm. Er war mit Karo- 
line, der Tochter des Musikers Scharoch, mit der er 
am 17. Mal 1826 In der Kirche Maria Schnee getraut 
wurde, verheiratet und wohnte in der (jetzigen) Ferdi- 
nandsstraße (Ferdinandovä tl'ida) Nr. 9-19. Er arbeitete 
nach den Modellen Strnads; nur nahm er die Wölbung 
in der Mitte der Decke runder; da er aber verhältnis- 
mäßig jung starb, hat er nicht allzuviel Geigen gebaut. 
Geigenzettel : Johann Bubenik / Fecit Pragae Anno 1 829 
(gedruckt). 



Kongsvinger. 

Juli 1859 auf 

Amte Hede- 



Bucharin — Buchstetter 



63 



Bucharin, Iwanowitsch. — Kasan. 1914 

Sohn des geschickten Holzschnitzers Iwan Dimitro- 
witsch B., der sich schon mit der Ausbesserung alter 
Musikinstrumente beschäftigt hatte. So war er frühe 
auf den Geigenbau hingewiesen und hat es darin zu 
einer bei seinen Landsleuten sehr gerühmten Geschick- 
lichkeit gebracht. Er arbeitet sehr sauber nach Amati 
und Stradivarl und verwendet einen guten, dunkel- 
gelben Ollack. 



Buchenberg (Buckenberg), Mattheus. 
1592. 1619 



Rom. 



Der Name kommt in allerlei entstellten Formen vor: 
Bückenburg, Buechtenberg und italienisch sogar 
Matteo Boccaber. Er selbst schrieb sich Bucchenberg; 
in Urkunden heißt er manchmal auch Bucherberg 
(1606). Er war deutscher Abkunft und ein berühmter 
Lautenmacher. Baron schreibt von ihm: »Man hat die 
vortrefflichsten Theorben von ihm, die nur zu finden 
seyn. e. g. Oval rund, von einer sehr proportionierlichen 
Größe, und von einem sehr delikaten, durchdrmgenden 
metallenen Ton. Wer das Glück hat, von diesem be- 
sonderen und vortrefflichen Meister etwas zu besitzen, 
der kann nur solches als ein wahres Kleinod von Instru- 
menten aufheben. Das Dach oder die Decke ist ins- 
gemein mit drey Sternen nach römischer .\rt geziehret, 
damit sie den Ton gut auswerf fen können.« — (Vgl. 
auch V. d. Straeten, B. VI, S. 516. 517.) Im Jahre 1592 
heiratete er Virginia, die Tochter des Lautenmachers 
Pietro de Albertis. Eine Theorbe von ihm aus dem 
Jahre 1608 besitzt .Mfr. Keil in Lissabon, ein Chitarrone 
von 1614 das Victoria- and Albert-Museum in London. 

Bucher, Ignaz Johann (I). — Wien. Geb. in 
Wien 1828, t ll.Juh 1881 

Schüler seines Vaters Johann B., dessen Geschäft er 
1856 übernahm. Er war ein sehr tüchtiger Geigen- 
macher, der u. a. für ein nach Stradivari gebautes 
Quartett, dessen guter und starker Ton auffiel, im 
Jahre 1873 die Verdienstmedaille erhielt. Er baute auch 
verschiedene andere Saiteninstrumente, von denen 
namentlich seine Gitarren sehr beliebt waren. Als in 
den sechziger Jahren die Zither populär wurde, ver- 
legte er sich ganz auf den Bau dieses Instruments und 
brachte es darin bald zu großem Rufe. 

Geigenzettel : Abb. 48. 

Bucher, Ignaz Joh. (II). — Wien VII. Geb. In 
Wien 1859 

Schüler seines Vaters Ign. Joh. B. I, dessen Geschäft 
er 1881 übernahm. Er arbeitete eine Zeitlang als Ge- 
hilfe in Markneukirchen und setzt jetzt die Traditionen 
des ererbten Geschäftes, das neun Medaillen besitzt, in 
würdiger Weise fort. Er baut seine Geigen meist nach 
Stradivari, die übrigen Instrumente (Zithern, Gitarren 
usw ) n-ich eigenen Modellen und verwendet Spintus- 
und Öllack. Mit dem Geschäfte ist jetzt auch eine 
Saitenfabrik und eine Musikalienhandlung verbunden. 

Gcigenzettel: Ig. Joh. Bucher / VII Zollergasse 22 ,' 
Wien (gedruckt). 



Bucher, Johann. — Wien. Geb. 1792 zu 
Hammerschwang in Württemberg, f in Wien 

1856 

Er kam als Knabe nach Wien zu J. G. Stauffer in die 
Lehre, gründete bereits 1816 sein eigenes, heute noch 
blühendes Geschäft und brachte es bald zu Ansehen, 
sodaß er schon in den dreißiger Jahren in Schuberths 
Lexikon unter den hervcrragerden neueren Geigen- 
machern aufgeführt wird. Hauptsächlich verlegte ersieh 
auf den Bau von Gitarren, die er nach Legnani, Stauffer 
u. a. baute und in großer Zahl auch an die Wiener 
Händler verkaufte. 

Geigenzettel : (Schwebender, Gitarre spielender Engel ) 
Johann Bucher Guitarremacher in der Stadt. Schul- 
tergasse am Judenplatz N° 403 , in Wien (Abb. 70). 

Bucher. Michael. - Halle (Hall?). 1729 

Eine Arbeit von ihm besitzt das Museum in Darmstadt 
(Nr. 499). 

Buchner 

Eine Geigenmacherfamilie, von der gegenwärtig selb- 
ständig tätig sind : Anton B., Emanuel B. und Wenzel B. 
in Schönbach und Josef B. in Steingrub. Der Klavier- 
macher Carl Conr. B. (geb. 1778) in Sondershausen 
gehört einer anderen Familie an. 

Buchstetter, Christoff Andre. — Stadtamhof. 
1741 

Wahrscheinlich der Vater von Gabriel David B. Er 
arbeitete nach G. da Salö und nennt sich »Bürger, 
Landen und Geigenmacher«. 

Buchstetter, Gabriel David. — Stadtamhof bei 
Regensburg. 1752. 1771 

Seinerzeit galt er für einen der besten deutschen 
Meister, und selbst Spohr spielte auf seinen Konzerten 
nur eine »Buchstetter«, bis ihm der Zufall in Münster 
bei Kolmar seine »Lupot« in die Hand fallen ließ. 
Buchstetter war fleißig und galt für sehr wohlhabend. 
Seine besten Geigen sind lang und schmal, haben flache 
Wölbung und eigenartige F-Löcher, die etwas an 
Amati erinnern. Die Arbeit ist gut, stellenweise sogar 
sehr sorgfältig; nur in der Wahl des Holzes war er nicht 
allzu wählerisch und verarbeitete gern hartjähriges 
Tannenholz, was den Ton scharf machte. Weniger gut 
war ursprünglich sein Lack, der über einer braunen 
Beize aufgetragen erscheint. Später verstand er aber 
■ einen schönen, feurigen Lack von guten Eigenschaften 
und gelber oder gelbroter Farbe herzustellen. Auch 
seine Schnecken sind oft schön gestochen. Er machte 
Geigen und Lauten aller Art, und Arbeiten von ihm 
kommen noch ziemlich häufig vor. Eine Chorlaute be- 
sitzt das Germanische Museum in Nürnberg, zwei 
Violinen das Stift St. Florian in Obcrösterrelch. Es gibt 
auch eine Anzahl hochgewölbter Geigen (mit tiefer, 
breiter Hohlkehle, kurzen, geschweiften F- Löchern 
mit eiförmigen Endpunkten, gutem Lack, aber 
schlechter Schnecke), in denen statt Gabriel David nur 
Gabriel Buchstetter zu lesen ist. Man hat daher zwei 
Geigenmacher unterscheiden wollen. Wahrscheinlich 



64 



Buchstetter — Burekart 



hat er seine billigen Geigen in den gangbaren deutschen 
Formen und bessere nach italienischem Vorbild ge- 
macht. Eine Violine von ihm mit geschriebenem Zettel 
besitzt Carl Stoeber in Würzburg. 
Geigenzette! : Abb. 35 und 83. 

Buchstetter, Josef. — Stadtamhof b. Regens- 
burg. 1776 

Sohn von Gabriel David B. und jedenfalls auch dessen 
Schüler, da er ganz wie dieser arbeitete ; doch kommen 
seine Geigen seltener vor. 

Geigenzettel: Josephus Buchstetter, Filius Gabrielis / 
Davidis, PedepontI prope Ratis- / bonam — Anno 1776 
(gedruckt). 

Buchta, Johann. — Brunn. 1776. 1841. Geb. 
bei Ingrowitz in Mähren um 1755, f 1841 

Außer Lauten und Gitarren soll er auch Harfen gemacht 
und sich schließlich auf den Klavierbau verlegt haben. 
Er war seit 1776 Mitglied der Tischlerzunft und wurde 
1803 Bürger. Der im Jahre 1838 als Bürger vorkom- 
mende Instrumentenmacher Wilhelm B. dürfte sein 
Sohn, und der 1888 verstorbene Klaviermacher Rudolf 
B. sein Enkel gewesen sem. 

Buckman, Geo. H. — Dover. 1899. Geb. 
23. Okt. 1845 

Ein Beamter und guter Geiger, der, durch Ottos und 
Heron-Allens Schriften angeregt, sich dem Geigenbau 
zuwendete und am besten nach dem Modell von Stra- 
divaris »Le Messie« arbeitete. Seine Geigen zeigen 
gutes, altes Holz, sorgfältige Arbeit und sind mit 
»Whitelaws Cremona-Bernstein-Öllack« in verschie- 
denen Farben lackiert. Seine Biographie veröffentlichte 
Meredith-Morris in »The Strad<' 1899 Nr. 112. 

Geigenzettel: Geo. H. Buckman / Dover 1899 (gedr.). 

Buczak, Franz, lebte im letzten Drittel des 
19. Jahrhunderts in Galizien 

Geigenzettel: Rep. w roku 1877 / Franciszek Buczak 
(gedruckt). 

Budiani s. Rodiani 

Büchel, Hugo. — Coburg. Geb. 19. Nov. 1859 

auf der Coburger Feste 

Er war ursprünglich Mechaniker, bereiste Italien und 
die Schweiz, studierte, als Sprößling einer bekannten 
Musikerfamilie, bei dieser Gelegenheit alle Geigen- 
sammlungen und verlegte sich schließlich, unter- 
stützt von der herzogl. sächs. Hofkapelle, ganz auf 
den Geigenbau. Er trat in das Galdertsche Geschäft 
in Coburg ein, dessen Eigentümer er seit 1891 ist. Er 
arbeitete ursprünglich nach Stainer, doch hatten seine 
ersten Geigen in den tieferen Lagen einen hohlen, in 
den höheren einen spitzen Ton. Später kam er auf ein 
eigenes Modell, in der Mitte zwischen Stradivari und 
Bergonzi liegend, das auf ellipsenförmiger Ausarbeitung 
der Decke beruht. 
Geigenzettel: H. Büchel / Coburg 1899 (nur geschr.). 



Büchner, F. W. — Leipzig. 1850. 1861 

Musiker und Instrumentenmacher. J. Lotto zollte ihm 
wegen des kräftigen Tons seiner Geigen lebhafte Aner- 
kennung. Ich kenne nur Ausbesserungsarbeiten von 
ihm. Seine Reparaturzettel klebte er gewöhnlich im 
Innern an die Zargen. 

Bühlich, Richard. — Rostock i. M. Geb. um 
1 868 in Lützen bei Leipzig 

Er lernte bei Ad. Paulus in Leipzig, war von 1885 bis 
1895 als Gehilfe tätig und ließ sich 1895 in Rostock 
nieder, wo er schon vorher bei Ellersieck gearbeitet 
hatte. Er baut nach eigenem, dem Stradivari ähnlichen 
Modell und verwendet einen goldgelben Spirituslack 
mit rotbrauner Schattierung. Sein Holz ist gut, und 
seine Geigen klingen, wenn sie nicht zu dünn aus- 
gearbeitet sind. 

Geigenzettel : Richard Bühlich, Rostock / Geigenbauer 
18.. (gedruckt). 

Bürger, Joh. Adolph. — Frankfurt. 1694 

C. C. Snoeck besaß eine 26 cm lange Taschengeige mit 
Perlmuttereinlagen von ihm. Die größere Wahrschein- 
lichkeit spricht dafür, daß er in Frankfurt a. M. gelebt 
hat, obwohl sich im dortigen Archiv kein Beleg dafür 
finden ließ. In Frankfurt a. 0. habe ich gleichfalls ver- 
gebens nach ihm geforscht. 

Bull, Ole. — Bergen. Geb. 5. Febr. 1810, 
t 17. Aug. 1880 

Der berühmte norwegische Geiger versuchte sich auch 
als Geigenmacher. Er ging dabei von den Lehrsätzen 
Bagatellas aus und bildete sich ein geometrisches 
System, das ihm einen Schlüssel abgeben sollte, um in 
die vermuteten Geheimnisse der Cremoneser und be- 
sonders Stradivaris einzudringen. Am wertvollsten 
waren dabei vielleicht seine Versuche, die er mit den 
verschiedenartigsten Hölzern vornahm. 

Buonaroti. — Rom. 18. Jahrhundert 

Ein Meister zweiten Ranges, dessen schmales Patron 
sowie die ziemlich starke Wölbung eher auf deutsche 
als auf italienische Vorbilder schließen läßt. Manche 
bringen ihn mit D. Tecchler in Beziehung. 

Buonfigliuoli, Pier Francesco. — Florenz. 
17. Jahrhundert 

Bei de Piccolellis und Vidal wird er zwar dem Namen 
nach erwähnt, doch war es mir nicht möglich, irgend 
etwas von ihm oder über ihn zu ermitteln. 

Burekart, Dionysius. — Rastatt. 1807 

In einer mittelmäßigen, nach dem Stainermodell ge- 
bauten Violine fand sich der untenstehende Zettel. Die 
Schnecke ist flach, am besten noch der gelbe Lack. Da 
nur der Ort und die Jahreszahl handschrifdich ange- 
bracht ist, scheint Burekart an verschiedenen Orten 
gearbeitet und dann auf seinem Zettel den jeweiligen 
Aufenthaltsort vermerkt zu liaben. 

Geigenzettel : Dionisius Burekart Musikus / Violin- und 
Saitenmacher / in Rastat 1807 (geschrieben). 



Burckholtzer — Buti 



65 



Burckholtzer (Burgkholzer) s. Purkholtzer 
Burghardt s. Bourgard 

Burkhardt, Emil. — Elsenach. Geb. 1871 zu 
Annaberg im Erzgeb. 

Er lernte bei Meisel in Klingenthal und arbeitete 1888 
als Gehilfe bei Ernst Gläsel in Markneukirchen ; von da 
ging er 1890 nach Dresden zu Hammig, 1892 zu Beyer 
nach Erfurt und 1895 nach Kötzschenbroda bei 
Dresden, wo er sich am 1 . Juni selbständig machte. Er 
erfand ein Universalstreich- und Rupfinstrument, zu 
dessen fabrikmäßiger Herstellung er sich mit einem 
Kaufmann in Schleusingen verband. Seit 1898 widmete 
er sich wieder ausschließlich dem Geigenbau und 
siedelte 1901 nach Eisenach über, wo er durch ge- 
diegene Arbeit bald allgemeine Anerkennung fand. Er 
ist gleich tüchtig im Neubau wie in der künstlerischen 
Wiederherstellung alter Geigen. 

Geigenzettel: Emil Burkhardt, / Instrumentenmacher 
u. Reparateur, ' Elsenach, anno 190 (gedruckt). 

Burnley, Arnold. — 1871 

Ein englischer Geigenmacher, dessen OUack gelobt 
wird. 

Burzenski, Kasimir. — Uscie-Solne. 1796 
In der Wiener Musik- und Theaterausstellung waren 
Arbeiten von ihm ausgestellt. 

Busan, Domenico. — Vicenza, Venedig. 1 740. 
1780 

Die Lesart BusaS ist sein:n Zetteln nach falsch. Er ist 
wenig bekannt und soll nach de Plccolellis aus Vicenza 
stammen, schloß sich aber der Venezianer Schule an. 
Hauptsächlich sind einige gute Bässe von ihm bekannt. 

Geigenzettel : Dominlcus Busan / Venetus Fecit / Anno 
1746 (gedruckt). — Dominicus Busan / fecit Venetils 
1761 (gedruckt). 

Busch, Ernst. — Nürnberg. 1612. 1644 

Ein fleißiger und geschätzter Lauten- und Violen- 
macher, der in den Umrissen eine neue Form anstrebte. 
Arbeiten von ihm sind in verschiedenen Sammlungen 
zu finden. Zwei Gamben von ihm sind in W. Heyers 
Musikhistorischem Museum in Köln und ferner eine 
Violine von 1644 im Germanischen Museum in Nürn- 
berg. Eine aus der Sebalduskirche stammende Viola von 
ihm besitzt der 85 jährige Nürnberger Musiker Auer 
seit 65 Jahren. Die Viola ist sehr groß und hat einen 
wundervollen Ton. C. Claudius in Kopenhagen hat 
eine sehr große Baßgamba mit Bogen von ihm aus 
dem Jahre 1638 und eine Diskantviola da Gamba. 

Gelgenzettel: Ernst Busch, Nürnberg 1617 (gedruckt). 
— Ernst Busch / in Nürnberg 1 638 (gedruckt). — Ernst 
Busch Nürnberg / 1641 (gedruckt). 



Kontrabaß hier genannt werden darf. Er hat sich seit 
langen Jahren mit der Verbesserung des Kontrabasses 
beschäftigt, der bekanntlich an dem Mangel leidet, daß 
seine Töne nur bis zum Kontra-E hinuntergehen, daß 
also die Kontraoktave zu den tiefsten Cellotönen bis C 
fehlt. Schon 1856 baute er einen C- Kontrabaß, der sich 
aber nicht praktisch erwies, well er in Quinten gestimmt 
war. Um die gewohnte Mensur bestehen zu lassen und 
nur die tiefste Saite nach Bedürfnis bis zum Kontra-C 
benutzen zu können, ersann Buschmann verschiedene 
Systeme mit Anwendung von Wellen, Klappen oder 
Druckstäben, aber alle wollten den Ansprüchen an 
bequeme Spielart nicht genügen. Schließlich löste er 
das Problem durch Verwendung eines zweiten Sattels 
für die tiefste Saite und von vier Greifern, die durch 
Druckknöpfe vom Hals aus in Tätigkeit gesetzt werden. 
So kann die gewöhnliche Spielart des Instruments be- 
stehen bleiben und doch nach Belleben die tiefste Saite 
nach Dis oder Es, D, Cis oder Des und C zu gestimmt 
werden. Damit ist nicht nur die Skala um diese Töne 
erweitert, sondern der Klang des Instruments vervoll- 
kommnet und die Tonarten, die sonst ohne Kraft sind, 
wirken freier. Eine ähnliche Erfindung hat allerdings 
Karl Plttrlch in Dresden schon früher gemacht. 

Bussetto, Giovanni Maria del. — Cremona, 

Brescia. 1640. 1681 

Er wird stets, u. a. noch von Valdnghi, in die Zeit von 
1540 — 1580 gesetzt und dann der Zeit nach als einer 
der ersten Geigenmacher Cremonas erklärt. Auf echten 
Zetteln ist jedoch die Zahl 16 bei der Angabe des Jahr- 
hunderts ganz deutlich; einen solchen Zettel veröffent- 
licht auch Grillet. In einer Ahviola der Sammlung 
Scheurleer mit der Ortsangabe Brescia wird die Jahres- 
zahl 1 576 gelesen, was offenbar falsch ist. Seine Geigen 
sind hochgewölbt, haben großes Patron, kurze, weite 
F-Löcher, und dunkelgelben oder braunen Lack. Er 
stammt wahrscheinlich aus Busetto und ist vielleicht 
der Meister der Violen mit dem Namen: Joannes 
Marlus (gedruckt). 

Geigenzettel : .Abb. 85. 

Bussolero, Luigi. — Riva-Nazzaro. 1817 

Guter Gitarren- und Mandollnenbauer vom Anfang 
des 19. Jahrhunderts. 

Geigenzettel: Luigi Bussolero Rivanazzaro 1817 (ge- 
druckt). 

Buthod. — Mirecourt. 1820. 1845 

Nachdem er eine Zeitlang unter Vulllaume gearbeitet 
hatte, gründete er in Mirecourt eine große Fabrik und 
verband sich später mit Husson; zuletzt hieß die Firma 
»Husson, Buthod et Thibouville*. 

Geigenzettel : Buthod. Luthier / Eleve du Vulllaume, ä 
Paris (gedruckt). 



Buschmann, Gustav Adolf. — Hamburg. Geb. Buti, Antonio. — Archi. 1756 

1835 in Freiburg i. Br. Mittelmäßiger Geigenmacher aus Albano. 

Bekannter Piano- und Harmoniumfabrikant, der als Geigenzettel: Antonio Buti d'Albano Archi / Fece 

Erfinder einer schätzenswerten Verbesserung am l'anno 1756 (gedruckt). 

V. Lütg-endorff, Geig-en- und Lautenmacher. Bd. II J 



66 



Button — Ca'.agari 



Button. — London. 1806. 1830 

Hauptsächlich Händler. Er war zuerst mit Purdey, 
später mit Whitaker verbunden und wohnte eine Zeit- 
lang in St. Paul's Churchyard. 

Byrom, John. — Liverpool. 1900 

Eine sauber gearbeitete Violine, die ich in Händen hatte, 
trug semen Namen. 



C. C.F.R. — Wien. 1800 

In einer sehr schön gearbeiteten, mit Ebenholz, Elfen- 
bein und Perlmutter eingelegten Gitarre fand sich dieser 
Brandstempel. Es gelang mir nicht, den Verfertiger fest- 
zustellen. 

Cabasse, Prosper. — Mirecourt. Anfang des 
19. Jahrhunderts 

Vielleicht ein Sohn des 1778 genannten Bogenmachers 
Jean C. Ein ziemlich geschickter Gitarren- und Geigen- 
macher, der auf seiner Brandmarke Paris als Ursprungs- 
ort anzugeben pflegte. Sein Modell war schmal und 
höher gewölbt als das in Mirecourt übliche. Seine 
Brandmarke wurde auch nach seinem Tode noch von 
Händlern benutzt, wobei der Name manchmal als 
Gabasse erscheint. 

Cabled (Cabley). Claude. — Mirecourt. 1604. 

1607 

Ein bisher nur aus den Urkunden nachzuweisender 
Geigenmacher. Einer seiner Nachkommen, Jean Claude 
Cabley, lebte zwischen 1 762 und 1 777 als Bogenmacher. 



Cabresy. — (?) 1725 

Der am 8. Mai 1794 guillotinierte Tavernier de Bou- 
logne besaß nach Brunis Inventar (Gallay, Un Inven- 
taire sous la terreur par A. Bruni, Paris 1890, S. 25) 
»ein Violoncello von Cabresy«. Auch ein Baß aus dem 
gleichen Jahr von diesem Meister ist bekannt. Über 
seinen Wohnort usw. war nichts zu erfahren. 

Cabroli, Lorenzo. — Mailand. 1716 

Mittelmäßiger Geigenmacher, dessen gelber Lack noch 
das Beste an seinen Arbeiten ist. 

Cabroly. — Toulouse. 1734. 1747 

Er scheint ein in Frankreich eingewanderter Italiener 
gewesen zu sein und könnte mit der Mailänder Familie 
Cabroli zusammenhängen. Seine Arbeiten sind nicht 
schlecht und sein Lack ist gewöhnlich blaßrot oder 
rötlichgelb. Statt der Einlage zog er oft nur Linien. 
Eine Diskantviola von ihm ist in der Crosby Brown- 
Sammlung in New York zu sehen. 

Geigenzettel: Abb. 124. 

Cadot, Theobald. — Toulon. Geb. um 1850 
Er ließ sich in den achtziger Jahren des 1 9. Jahrhunderts 
in Toulon als Geigenmacher und -händler nieder. 



Caeste, Gaetano. — Cremona. 1660. 1680 

Da die wenigen, die seinen Namen erwähnen, ihre 
Quellen verschweigen, war es nicht möglich, etwas 
Näheres über ihn festzustellen. Er gehört vielleicht zur 
Familie Costa, ist aber m Cremona unbekannt. 

Caffarata. — ? 1840 

Ein geschickter Italiener, von dem ich einen sehr guten 
Baß kennen lernte. 

Cahusac. — London (Strand). 1785. 1788 

Da er fast nur mit den Söhnen von Banks gemeinsam 
arbeitete, kommen Geigen mit seinem Namen äußerst 
selten vor. Er hielt sich an den deutschen Stil; sein 
Modell ist hochgewölbt. Die Einlage fehlt zwar, dagegen 
ist sein bernsteinbrauner Lack schön. Sein Sohn (»Ca- 
husac Son«) ist als Verfertiger von Oboen bekannt ge- 
worden. 

Cailhe, Henri. — Charroux. Geb. 8. Aug. 1864 

Geschäftsteilhaber seines Vaters J. B. Cailhe-Decante. 

Cailhe (Cailhe-Decante), Jean Baptiste. — 
Charroux. Geb. in Charroux d'Allier 10. Mai 

1832 

Schüler und Schwiegersohn von Jacques Decante, 
dessen Geschäft er 1858 übernahm und von Jenzat 
nach Charroux verlegte, nachdem er vorher von 1855 
bis 1857 in Paris und Lyon gearbeitet hatte. Er baute 
Leiern (Viellen) nach den Modellen seines Hauses und 
hat ihnen eine gefälligere Form und volleren Klang 
gegeben und auch den Saitenbezug verdoppelt. Er ver- 
wendet einen Spirituslack eigener Mischung. Seine 
Fabrik führt das Schild »ä la vielle Bourbonaise«. Auf 
seinen Zetteln findet man außer dem Namen seine 
zahlreichen Auszeichnungen angeführt. 

Caille. — Mirecourt. 18. Jahrhundert 

lacquot nennt zwei Mitglieder dieser Familie: Louis C. 
(1779—1787) und Dominique C. (1769—1789). 

Caisser s. Kaiser 

Calabri,PierVittoriodi. — Ferrara. 1549. 1551 

Ein Musiker, der auch Lyren gebaut haben soll. Vgl. 
Valdrighi 518 und Anmerkung dazu. 

Calace, Antonio. — Neapel. Um 1850 

Nur als Gitarrenmacher bekannt. Er wohnte Strada 
Mezzo-cannone Nr. 32. 

Calace (Calaca), Nicola und Raffaele. - Neapel. 

1881. 1903 

Söhne des Antonio C. Gehören wie ihr Vater zu den 

vielen Mandolinenmachern Neapels. 

Calagari, Francesco Giuseppe. - — ? 1685 

Eine sehr schöne, hochgewölbte Viola von großem, 
edlem Ton, mit braunem feurigen Lack und schöner 
Schnecke in der Sammlung Carl Stoeber in Würzburg 
enthält einen Zettel mit diesem Namen. Der Wohnort 
läßt sich nicht einwandfrei lesen. 



I 



Ca'.ar — Campetti 



67 



Calar, Giovanni. — Rom. 1624 

Ein in Rom ansässiger Lautenmacher, wahrscheinlich 
deutscher Abstammung. 



Calow, William. — Nottmgham. 1875. 

Geigenmacher, Reparateur und Händler. 



1890 



G 



enua. 



Calcagni (Calcanius), Bernardo. 

1710. 1750 

Ein geschickter Meister, der von verschiedenen Ken- 
nern der Schule Guarneris zugewiesen wird. Wenn er 
auch zeitweise das Guarnen-Modell nachahmte, so 
nähert er sich mehr und mehr dem flachen Modelle 
Stradivaris ; nur um 1 740, da er mit Pazarini verbunden 
war, scheint er das hochgewölbte Modell seines Ge- 
nossen angenommen zu haben. Sem Holz ist schön und 
der Lack von rotgelber oder Goldorangefarbe. Ein 
Ferdmando Calcanius, den manche erwähnen, hat in 
Genua nicht gelebt^). 
Geigenzettel: Abb. 140. 

Caldeira. — Lissabon. 1896 

Sein Geschäftsteilhaber war Rosa. Beide sind die Nach- 
folger von Manoel Pereira gewesen und bauten haupt- 
sächlich Gitarren und Mandohnen. 

Callsen, Bruno. — Zittau i. S. 1898 

Die Firma lautete bis 1898 B. Callsen & Schäfer. Er 
bezeichnet sein Geschäft als »Streichinstrumenten- 
macherei". 



Caltrassaure (?). — 1787 

Eine Geige mit diesem zweifelhaften Namen, hellbraun 
lackiert, besitzt G. Withers in London. 

Calvalono. — Genf. 1 725 

Zweifelhafter Name, der jedoch von Grillet noch an- 
geführt wird ; s. Cavalono. 

Calvarola, Bartolommeo. — Torre Baldone 
(Bergamo) und Bologna. 1 750. 1 767 

Viele seiner Geigen sind von gewöhnlicher Arbeit, 
einige aber sorgfältiger gemacht und erinnern an die 
Schule der Ruggeri. Sein gelber Lack ist immer ziem- 
lich gut ; dagegen sind seine Schnecken ohne Schwung 
und bei aller Kleinheit plump in der Form. 

Geigenzettel : Bartolommeo Calvarola / fecit Bergame 
1 76 . . (gedruckt). 

Calzavara, Santo. — Padua. 1764 

Sein Name ist mir nur in einer klemen Mandoline der 
Sammlung Snoeck (Nr. 319) vorgekommen. 

Geigenzettel : Santo Calzavara fece ,' in Padova Tanne / 
1764 (geschrieben). 



Calonardi, Marco. 
1 7. Jahrhunderts 

Sowohl de Piccolellis als Vidal teilen ohne Quellen- 
nachweis nur den Namen mit. »Calonardi« ist jedenfalls 
mit »Carlomordi« identisch, doch wage ich nicht zu 
entscheiden, welche Form des Namens die richtige ist. 

Calon-Stremiti, Eugenio. — Modena. 1840 
Nur als Gitarrenmacher bekannt geworden. 

Calot. — Bern, Turin. 1820. 1830 

Er stammte aus Mirecourt, arbeitete in verschiedenen 
Städten als Gehilfe und ließ sich zuerst in Bern und 
später in Turin als Geigenmacher nieder. Valdrighi 
besitzt eine schöne Gitarre mit dem Zettel : Calot, rue 
de la rose rouge / porte N. 3. U etage, Turin (gedr.). 
— Eine von ihm ausgebesserte Viola besaß Comm. 
Ca Valien in Ferrara. 

Geigenzettel : Repare par Calot ,' ä Herne, 1 . may 1 820 
(geschrieben). 

Calot (Callot). — Paris. Geb. 1810 in Mire- 
court 

In seiner Vaterstadt ausgebildet, kam er als Gehilfe zu 
Clement nach Paris und verband sich 1830 mit Augiere, 
mit dem zusammen er ein Geschäft in der Rue St. Eu- 
stache Nr. 12 eröffnete. Ihre Instrumente zeichnen sich 
durch saubere Arbeit, gelbroten Lack und guten Ton 
aus. 



^) Ein Tiberio Calcagni war ein florentinischer Bild- 
hauer, der um 1560 bei Michel .'Xngelo arbeitete. 



Cremona. Mitte des Camberini (?), Giambattista. — Florenz (?). 

18. (?) Jahrhundert 

Wahrscheinlich ein Mitglied der Familie Giamberini 
(s. d.), von dem G. Withers in London einen dreisaitigen 
Kontrabaß besitzt. Das Holz daran und die Arbeit sind 
gut. 

Camilli, Camillo. — Mantua. 1714. 1760 

Er wird zwar gewöhnlich als Schüler Stradivaris be- 
zeichnet, doch sind seine Geigen viel häufiger nach 
Guarnen gebaut, so daß es wahrscheinlicher ist, daß er 
bei einem Mitglied der Guarnerischule gelernt hat. 
Seine Instrumente kommen, wie nicht anders zu er- 
warten, jetzt immer mehr in Aufnahme. Schöner Ton, 
gutes Holz, hellroter oder bräunlichroter Lack, der an 
Landolfi erinnert, weite, kurze F- Löcher kennzeichnen 
seine Geigen. Er verwendet verschiedene Zettel: 
Eine Violine mit der Inschrift »Camillo de Camilli Fee. 
in Mantova 1734« besitzt das Brüsseler Streichquartett. 

Geigenzettel : Camillus de Camilli , Fecit in Mantova 
1760(gedruckO und Abb. 116, 

Camilho, Davide. — Cremona. 1 755 

Wenig bekannter Meister dritten Ranges, den de Pic- 
colellis übrigens nicht erwähnt. Er ahmte Nie. Amati 
nach. Der Wohnort ist vielleicht fingiert. 

Campetti, Lorenzo. — Lucca. 1833 

Einer der vielen italienischen Geigenmacher des 

19. Jahrhunderts ohne Eigenart, deren Arbeiten nichts 
mehr von den Traditionen der klassischen Meister ver- 
raten. 

5* 



68 



Campi — Cappa 



Campl, Giuseppe. — Pescina. 1760. 1762 

Ein Geigen macher, der vielleicht in Pesaro gelernt hat 
oder zu Odoardo in Beziehung stand. Seine Geigen 
sind nicht schlecht, flach gewölbt, aber von handwerks- 
mäßiger Arbeit. 

Geigenzettel : Josephus de Campis / in Pescina Ao 1 7 . . 
(geschrieben). — Giuseppe Campi fece ,' in Pescina 
Anno 1762 (geschrieben). 

Campion. — Paris (?). 1823 

Nur nach einer reich mit Perlmutter und Ebenholz em- 
gelegten Gitarre aus Mahagoniholz bekannt, die m Paris 
im Jahre 1823 ausgestellt war. 

Camploy. J. — Verona. 1854. 1860 

Wie so viele andere wollte auch er den alten Cremoneser 
Lack neu erfunden haben und stellte Geigen mit diesem 
Lack in München im Jahre 1854 aus. 

Cannon, James. — Dumfnes. Geb. m Plascow 
(Kirkcudbrightshire) 1855 

Er kam um 1 880 als Bahnbeamter nach Dumfries und 
ist ein guter Geiger. Er besaß eine von seinem Groß- 
vater gemachte Violine, die ihn zuerst veranlaßte, sich 
auch im Geigenbau zu versuchen. Er studierte Ottos 
Schriftchen und hat aus Liebhaberei eine Anzahl Gei- 
gen gemacht, die nicht schlecht sind. 
Geigenzettel: J. Cannon. / Dumfries,/ 1888 (gedr.). 

Cans, Dominik. — Oudenaarde (Belgien). 1 748. 
t 1806 

In der Sammlung Snoeck befand sich eine von Jooris 
Willems gebaute Baßviola mit seinem Reparaturzettel. 
Er war von Beruf Apotheker und nur aus Liebhaberei 
Geigenmacher. 

Geigenzettel: D. Cans refecit / Aldenardae, anno 1801 
(gedruckt). 

Capellus, Antonius. — ? 1563 

Eine Diskantlaute mit diesem Namen und Datum be- 
sitzt C. Claudius in Kopenhagen. 

Capiari. 1846 

Italienischer Geigenmacher, der um die Mitte des 
19. Jahrhunderts tätig war. 

Capo (Capa), Antonio. — Cremona. 1796 

Einige wenige Geigen tragen seinen Namen; auch bei 
Valdrighi (4093) wird er erwähnt. 

Capo. — Mailand. 1717. 1718 

Ebenso selten vorkommend wie der gleichnamige Cre- 
moneser. Vidal führt nur den Namen an ; Grillet fügt 
die Beschreibung eines Zettels hinzu, ohne auf seine 
Arbeiten einzugehen. Beide sind vielleicht Nach- 
kommen G. Cappas. Eine Violine (35,4 mm) von ihm 
mit einem Pergamentzettel besitzt Julius von Thury 
In Budapest. Sie erinnert eher an das Klotz-Modell als 
an die Arbeiten gleichzeitiger Malländer, Ist aber ele- 
ganter Im Umriß und hat recht hübsche F-Löcher. 



Cappa, Giuseppe Francesco. — Saluzzio. 1 640 

Grillet veröffentlicht seinen Zettel. Wenn die Jahreszahl 
richtig gelesen und der Zettel echt ist, dann wäre dieser 
bisher unbekannte Gius. Franc. C. vermutlich als ein 
Oheim des berühmteren Goffredo C. anzusehen. 

Geigenzettel: Abb. 139. 

Cappa, Goffredo. — Saluzzo. Geb. 1644 in 
Saluzzo, t 6. Aug. 1717 

Sohn des Andrea C. aus Finalborgo. Er war wahr- 
scheinlich ein Schüler Nicolo Amatis. Von seinen Le- 
bensschicksalen weiß man bedauerlicherweise sehr 
wenig, nur daß er im Jahre 1679 die Maria Scottl ge- 
heiratet hat. Er gehört zu den besten Meistern der 
Amatlschule und geriet unverdienterweise so in Ver- 
gessenheit, daß allerlei schiefe Urteile über ihn und 
seine Arbeit lange genug unwidersprochen verbreitet 
werden konnten. Auch wurden seine Zettel gefälscht 
und mit unsinnigen Jahreszahlen versehen in minder- 
wertige Gelgen geklebt, während seine echten Arbeiten 
als Arbeiten der Amati, deren Namen den Händlern 
geläufiger waren, verkauft worden sind. Er nimmt die 
Wölbung ein klein wenig höher als sein Lehrer, hat eme 
andere Schnecke, kurze, weite F-Löcher, hohe Zargen 
und kommt im Lack seinen größeren Zeltgenossen 
nicht gleich. Seine Geigen haben jedoch einen edlen 
Ton und können In dieser Beziehung mindestens den 
Arbeiten G. B. Rogerls gleichgestellt werden. Da seine 
besten Violinen, wie schon bemerkt, längst mit Amati- 
zetteln versehen wurden, kommt nur selten ein ein- 
wandfreies Exemplar mit seinem Namen zum Vor- 
schein, eher begegnet man noch Violen und Violoncelli 
von ihm, so daß es begreiflich erscheint, wenn min 
angenommen hat, daß ihm diese Instrumente besser 
gelungen seien. Auf den Zetteln, die er In seine Arbeiten 
klebte, liest man : lofredus Cappa feclt / Salutlls anno 
16 . . (gedruckt). Diese Zettel wurden schon In alter 
Zeit gefälscht, und da sie häufig verwendet wurden, 
läßt dies doch einen Rückschluß darauf zu, daß Cappa 
seinerzeit einen gewissen Ruf bei den Geigern gehabt 
haben muß. Dafür spricht auch, daß verschiedene ge- 
schickte Gelgenmacher als Cappa-Schüler bezeichnet 
wurden, so die Turiner Meister G. Francesco Celoniato, 
der etwas ältere Gius. Francesco Catenarl und Nicola 
Glorgl, femer Domenico Bombino In VUlafranca und 
Spirito Sorsana in Conl und bis zu einem gewissen 
Grade auch Carlo Giuseppe Testore In Mailand. Es 
wird sich schwer feststellen lassen, was da willkürliche 
Vermutung und was Überlieferung Ist. Nach G. Hart 
soll es Geigen Cappas geben, die als Ursprungsort Tu- 
rin bezeichnen. Mir ist eine solche nie vorgekommen, 
auch auf seinen echten oder nachgeahmten Zetteln habe 
ich nie diese Ortsangabe gefunden, sondern immer nur 
Saluzzo. Wir wissen ja jetzt auch, daß er dort geboren 
und gestorben Ist, dort geheiratet hat, und daß er einen 
Sohn hinterließ. Ich glaube daher nicht daran, daß er 
je In Turin ansässig war, und neige auch zu der Ansicht, 
daß ihm nur Infolge des angeblichen Aufenthaltes In 
Turin die genannten Turiner Meister als Schüler zu- 
gewiesen wurden. Cappa Ist. ein Meister des Gelgen- 
baues, der es verdienen würde, daß man sich mit seinem 
Leben und seiner Kunst eingehender beschäftigte. 
Glücklicherweise wendet Ihm jetzt Bischof Obertl von 



Cappa 



^arcassi 



69 



Saluzzo neben Orazio Roggiero sein Interesse zu, und 
dem Forschungseifer beider wird es gewiß noch ge- 
lingen, manche wertvolle Einzelheit aus dem Leben 
Cappas zutage zu fördern. Auch Comm. Turbigüo, der 
im »Popolo della Domenica« (vom 3. Sept. 1906) m 
einem .Aufsatz auf Cappa hingewiesen hat, wird sich 
weiter mit ihm beschäftigen. Da das Wichtigste aber 
wäre, ihm seine Werke zurückzugeben und aus den 
noch erhaltenen, echten Geigen seine Eigenart ein- 
wandfrei festzustellen, so würde ich den freundlichen 
Lesern dieses Buches, die Instrumente von Cappa be- 
sitzen, sehr dankbar sein, wenn sie mir darüber eine 
kurze Mitteilung zugehen lassen wollten. Einer Klä- 
rung bedarf auch noch das Verwandtschaftsverhältnis 
Goffredo Cappas zu den übrigen Mitgliedern der Fa- 
milie Cappa. 

Geigenzettel: lofredus Cappa fecit / Salutiis anno 16 . . 
(gedruckt). 

Muster eines der häufig vorkommenden gefälschten 
Zettel: Abb. 98. 

Cappa, Gloacchino und Giuseppe. — Saluzzio, 

Turin. 1661. 1725 

Vielleicht Söhne Goffredos, — übrigens waren mehrere 
Nachkommen Goffredo Cappas Geigenmacher, diese 
waren aber durchaus unbedeutend, so daß man ihre 
Arbeiten schon deshalb leicht von den seinen unter- 
scheiden kann. Auch ihre Zettel wurden gerne gefälscht 
und mit Jahreszahlen, die bis 1640 zurückgehen, ver- 
sehen. 

Cappiello. — Neapel 

Mandolinenmacher. 

Caprari, Francesco. — Rolo. 1846 

Mittelmäßiger italienischerGeigenmacher aus der ersten 
Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

Capsperger s. Kapsberger 

Car, Andrija. — Agram. 1903 

Kroatischer Lauten(Tamburitza-)macher der Gegen- 
wart. 

Carabbä, C. V. — Catania. Ende des 19. Jahr- 
hunderts 

Mandolinenfabrikant der Gegenwart. 

Caradotti, Luigi 

Italienischer Mandolinenmacher. 

Carboni, Gius., lebt als Saiteninstrumenten- 
macher m Pavia 

Carbonari. — Neapel 
Mandolmenmacher. 

Carcanius. — Cremona. 1500 

Vidal führt diesen Namen als den eines alten Geigen- 
mactiers an, von dem er einen gedruckten Pergament- 
zettel gefunden haben will. Mir ist der Name niemals 
vorgekommen ; ich vermute sehr, daß man es hier, falls 
der Zettel überhaupt echt war, mit einem Calcanius zu 
tun hat; die Jahreszahl wird falsch gelesen sein. 



Carcassi, Antonio Feiice. — Florenz. 1773 

Seine Zugehörigkeit zu den anderen Mitgliedern der 
Familie Carcassi steht nicht fest, wenn auch seine Ar- 
beit manche Ähnlichkeiten aufweist. 
Geigenzettel : Antonio Feiice Carcas , fece in Firenze 
1773 (gedruckt). 

Carcassi, Francesco. — Florenz. 1735. 1758 
Vielleicht der Vater von Lorenzo und Tomaso, deren 
Geigen den seinen nahe stehen. Mittelgute Arbeit, 
gelbbrauner Lack. 

Carcassi, Giovanni. — Florenz (?). 1688. 1698 
Bekannt als Verfertiger von Spinetts und Klavizimbeln. 
Geigenzettel : Joannes Carcassi fecit ; anno Dommi 
MDCLXXXVIIl (gedruckt). 

Carcassi, Lorenzo. — Florenz. 1737. 1757 

Der Zeit nach muß er Teilhaber der Firma Lorenzo e- 
Tomaso C. gewesen sein, er arbeitete aber auch für sich 
allein und hatte bei der noch heute stehenden Kirche 
»dalla Madonna dei Ricci« einen La Jen. Er wohnte im 
Borgo San Fridiano und dürfte wohl bis 1776 noch ge- 
lebt haben. Dem Anscheine nach hielt er sich 1755 
vorübergehend in Turin auf, denn in einer Viola 
d'amore in der Sammlung Keil in Lissabon von ihm 
liest man: »fecit Taurini 1755*. Seine Geigen sind gut 
gearbeitet und haben leidlich hohe Wölbung und gelben 
Lack. Eine kleine Baßgeige in W. Heyers Musikhistori- 
schem Museum in Köln trägt seinen Reparaturzettel, 
das gleiche Museum besitzt auch eine Hakenharfe von 
ihm (Nr. 392). In der Sammlung Th. Hämmerle in' 
Wien ist eine kleine Viola von ihm. Die Doppelfirma 
Lorenzo e Tomaso C. ist mindestens seit 1745 nach- 
weisbar. Eine gute Geige von 1764 und eine Viola 
d'amore von 1767 von beiden besitzt das Musikhistori- 
sche Museum in Köln. Eine gute Violine von ihm be- 
sitzt Zeichenlehrer Bogs in Bromberg, eine andere 
Albert Berr in Böhmischbruck und eine dritte, mit 
schönem gelben Lack Dipl.-Ing. Rieh. Renner in 
Tutzing. Später verlegten sich die Brüder mehr auf 
den Bau von Gitarren. 
Geigenzettel: Abb. 107, 122, 131. 

Carcassi, Salvatore. — Florenz. 1802 

Wahrscheinlich ein Sohn eines der Brüder Carcassi. 
Von ihm sind mir hauptsächlich Gitarren bekannt ge- 
worden. 

Carcassi, Tomaso. — Florenz. 1747. 1786 

Wahrscheinlich Teilhaber der Firma Lorenzo To- 
maso C. ; daß er auch allein gearbeitet hat, beweisen 
seine Zettel, die noch um 1786 vorkommen. Die Be- 
hauptung, daß er schon in den dreißiger Jahren ge- 
arbeitet hat, hat wenig Wahrscheinlichkeit für sich 
und beruht wohl auf einem Lesefehler. 
Geigenzettel: Abb. 121. 

Carcassi, Vincenzo. — Florenz. 1790 

Das am wenigsten bekannte Mitglied der Familie. Eine 
kleine (38 cm lange) Mandoline von ihm befand sich in 
der 1910 in Frankfurt a. M. versteigerten Sammlung 
Günther-Prestel. 



70 



Cardi — Carr 



Cardi, Luigl. — Verona. 19. Jahrhundert 

Ein Musikinstrumentenmacher, der auch einige Geigen 
gebaut hat. 

Care, Paul. — Danzig. Geb. in Beigard 1859 

Von Haus aus Musiker, ist er durch 12 Jahre Hoboist 
gewesen. Während semer Mihtärzeit wohnte er bei dem 
Geigenmacher Leitzsch, der ihm einige Anleitung im 
Gelgenbau gab. Er fand so viel Gefallen daran, daß er 
sich schließlich ganz darauf verlegte und 1893 seine 
Werkstatt eröffnete. Er baut nach einem eigenen, Stra- 
divari nachgeahmten Modell, an dem der Mittelbügel 
mehr an Guarnen erinnert. Auf den Lack legt er wenig 
Gewicht und verwendet verschiedene Sorten. Auf der 
Berliner Musikausstellung erhielt er für mehrere Gei- 
gen eine silberne Medaille. 
Geigenzettel : Paul Gare / Danzig 1 895 (geschrieben). 

Caressa, Felix Albert. — Paris. Geb. in Nizza 
25. Dezember 1866 

Schüler von Gand und Bernardel. Nachdem er 10 Jahre 
in dem Geschäfte tätig war, das er 1900 bereits leitete, 
wurde er am 1. Juli 190! mit Henri Francjais zusammen 
der Nachfolger von Gustave Bernardel. Die Firma lau- 
tet jetzt: Caressa & Frangais, Successeurs de Gustave 
Bernardel, anciennes maisons Lupot et Gand et Ber- 
nardel 4 passage Saulnier ä Paris. Er baut nach Lupot 
und verwendete eine Zeitlang Gust. Bernardeis Zettel, 
jetzt den der neuen Firma. Er besitzt viele Auszeich- 
nungen, ist Ritter der Ehrenlegion und war bei allen 
großen Ausstellungen der letzten Jahre als Juror tätig. 
Geigenzettel : (Monogr. C F.) Caressa & Francais / 
Luthiers du Conservatoire de Musique / No. . . 
Paris 19.. 

Cargnano s. Gargnano 

Carlander, Elias. — Stockholm. Geb. 1721, 
t in Trosa 25. April 1784 

Ein tüchtiger Geiger, Mitglied der Kgl. Hofkapelle, der 
sich seit mindestens 1760 recht eifrig mit dem Geigen- 
bau beschäftigte. Besonders scheint er sich als Repara- 
teur bewährt zu haben, doch kommen auch Geigen und 
Violen, die er gebaut hat, mehrfach vor. Auf seinen 
Zetteln bezeichnet er sich stets als Kgl. Hofmusikus. 
Geigenzettel : Renarerad af Kongl / Hof Musicus Cai- 
lander / A° 1 784 (geschrieben). 

Carlman (?), Jonas 

Wird als tüchtiger schwedischer Geigenmacher des 
18. Jahrhunderts bezeichnet, der das Stainermodell 
zum Vorbild nahm. Vielleicht hieß er richtig Carlander? 

Carlo, Giuseppe. — Mailand. 1769 

Auf seinem Zettel war nicht deutlich ersichtlich, ob 
Carlo nicht der zweite Taufname vor einem fehlenden 
Familiennamen war. Der Arbeit nach gehört er zu den 
Meistern vierten Ranges. 

Carlo (gen. Carlo da Pesaro). — Pesaro. 1682 

Er wird als Geigenmacher mehrfach erwähnt, auchVal- 
drighi (3702) führt ihn an, doch war es mir bisher nicht 
möglich, seine Arbeiten kennenzulernen. 



Carlomordi (Carlomorti), Marco. — 1654. 1660 

Eine Violine »di piccola forma« von ihm zählt der Ka- 
talog der Sammlung Correr in Venedig auf. Vidal führt 
den Namen mit dem Taufnamen Carlo an und setzt als 
Wohnort Verona. Da er die gleiche Jahreszahl (1654) 
mitteilt, scheint seine Kenntnis dieses Meisters doch 
nur auf die kleine Violine der Sammlung Correr zurück- 
zugehen. In der im November 1910 in Frankfurt a. M. 
versteigerten Sammlung F. Günther-Prestel befand sich 
eine Mandohne mit einer Sphinx aus Bein am Wirbel- 
kasten von Marco Carlomorti aus dem Jahre 1660. 
M. Carlomordi ist jedenfalls identisch mit Marco Calo- 
nardi, der in Cremona gelebt haben soll. 

Carlson, C. A., lebte Ende des 1 9. Jahrhunderts 

in Salt Lake City (Utah) 
Caroli. — Brescia. 1681 

Ein Brescianer Lautenmacher des 1 7. Jahrhunderts, vcn 
dem sich eine Mandora in der Sammlung Galpin (Hat- 
field, jetzt Boston) befindet. 

Caroll (Carrol), James. — Manchester. Um 1 890 

Es gibt flachgewölbte Geigen mit diesem Namen, die 
nach verschiedenen Modellen gearbeitet sind. 

Caron. — Versailles. 1775. 1790 

Er bezeichnet sich als Hoflautenmacher der Königin 
Mane-Antoinette, wohnte erst in der Rue Royale, 
dann in der Rue Satory und dürfte ein naher Ver- 
wandter des Uhrmachers Caron und von dessen Sohn, 
des unter dem Namen Beaumarchais berühmt geworde- 
nen Dichters, gewesen sein. Er ist zwar kein hervor- 
ragender Meister, aber seine Arbeit ist gut; er ahmte 
italienische Modelle nach; nur sein brauner Lack ist zu 
dunkel. Eine französische Lyra von ihm besitzt Clau- 
dius in Kopenhagen, eine zehnsaitige Theorbe mit den 
Initialen der Königin Marie-.'\ntoinette im runden 
Schalloch das Museum des Pariser Konservatoriums, 
Nr. 224. 

Geigenzettel: Abb. 123. 

Carone, Giuseppe. — Neapel 1883 

Mandolinenmacher. 

Carotti, C. — Florenz. 1694 

Geigen von ihm habe ich bisher nicht kennen lernen 
können. 

Carozza, Raffaele. — Messina. 1912 

Mandolinenmacher der Gegenwart. 

Carp (Karp) s. Karg 

Carr, John. — Falkirk. Geb. in Berwick-on 
Tweed M.Mai 1839 

Em Fabrikleiter und Musikalienhändler, der aus Lieb- 
haberei weit über 50 Violinen und ein Violoncello ge- 
macht hat. Die erste Anleitung dann erhielt er schon 
als neunjähriger Knabe von James Thomson und 
Robert Harvie. 

Geigenzettel: John Carr, / Maker / Falkirk, 1897 (ge- 
druckt). 



Carre — Castagneri 



71 



Carre, Antolne. — Arras. 1750. 1790 

Besonders geschickt als Verfertiger der '>vielle organi- 
see«; einige wenige Geigen von ihm zeigen dagegen nur 
gewöhnliche Arbeit. 

Carrodus s. Haynes 

Carter, John. — London. 1780. 1790 

Da er für die Betts arbeitete, welche auch, wie erzählt 
wird, die Leichenkosten für ihn bezahlten, tragen viele 
seiner Instrumente die Zettel von diesen ; die wenigen 
jedoch, in die er seinen Zettel klebte, sind gut. 

Geigenzettel : J. Carter. Violin-Tennor / & Bass Maker, 
Wych Street, Drury Lane / London 1 787 (gedruckt). 

Cartheuser, Johann Christian. — Köln. 1790 

Nähert sich m seinen Geigen öfter dem Amatimodell 
und bevorzugt einen gelben Harzlack. 

Geigenzettel : Johann Christian Cartheuser / in Köln in 
der Mariengartengasse 1 790 (gedr.) 

Cartwright, John William. — Yeadon b. Leeds. 
Geb. 21. Aug. 1836 in Assenby bei Thirsk 
(Yorkshire) 

Er kam als Sohn von armen Bauersleuten 1851 in eine 
Lokomotivfabrik nach Leeds, wo er 10 Jahre lang blieb. 
Er arbeitete dort unter Jos. Fox, der sich aus Liebhabe- 
rei mit dem Geigenbau beschäftigte und auch m Cart- 
wright die Lust für diese Kunst erweckte. Dann arbei- 
tete er drei Jahre lang in den Abendstunden bei 
H. Pickard und verlegte sich zunächst auf das Aus- 
bessern alter Geigen. Tüchtig vorgeschult, versuchte er 
auch neue zu bauen und hatte bald Erfolg damit. Sein 
Hauptaugenmerk verwendete er auf die Verbesserung 
der Viola, um ihr jene Stellung im Quartett zu ver- 
schaffen, die auch Ritter ihr zuweist. Seine .Arbeit ist 
genau und sorgfältig und der Ton gesangreich. Er baut 
vorzugsweise die sogenannte Baratoneviola und Kon- 
trabässe. Sein Fleiß ist bemerkenswert, schon 1898 
konnte er in eine Geige die Nummer 1075 schreiben. 



Cary &Co., Alphonse. — London. Gegr. 1872 

Geigenmacher- und Händlerfirma der Gegenwart. 1886 
erhielt .Alph. Cary (der damals in Newbury wohnte) auf 
der Ausstellung in Liverpool eine silberne Medaille für 
Geigen und Zubehör. 

Casaltoli, Giuseppe. — Florenz. 1714 

Sohn des Pier Giovanni. Nur als Lautenmacher be- 
kannt. 

Casasnovas (Casanovas), Francesco. — Palma 
(Balearen) 

Spamscher Lautenmacher vom Beginn des 19. Jahr- 
hunderts, von dem mir eine gute Mandoline bekannt 
geworden ist. Die Brüder M. und B. Casanovas waren 
noch um 1888 in Palma als Gitarrenmacher ansässig. 
Geigenzettel : Fab«:" de Guitarras de / Fra^° Casano- 
vas, ,' Plaza de la Merced N" 1 / Palma de Mallorca 
(gedruckt). 



Casella, Fratelh, leben als Saiteninstrumenten- 
macher in Catania (Sizilien) 

Caselli, Francesco. — ? 1740 

Bisher nicht bekannter Geigenmacher. Grillet führt nur 
seinen Zettel an. 

Geigenzettel : Fece Francesco ^ Caselli 1 740 (geschr.). 

Casiglia, Casimiro. — Palermo. 19. Jahrh. 

Seine Geigen sind sauber nach guten Vorbildern gebaut 
und zeigeii einen goldbraunen Lack. 

Casini, Serafino. — CampiBisenziobei Florenz. 
1899 

Guter Mando'inenmacher, der durch seine Instrumen- 
ten mit dreifachen Saiten und allerlei andere Verbesse- 
rungen an der lombardischen Mandoline bekannt wurde 
Auch seine Einlegearbeit ist geschmackvoll. 

Caspan (Caspani), Giovani Pietro. — Venedig. 
1658. 1670 

Nach den Violinen zu urteilen, die diesen Namen 
tragen, wahrscheinlich ein Schüler der Brüder Amati, 
deren .Arbeiten er nachahmte. Kleines Patron, gelber 
Lack. 

Casrini, Gio. Batt. — Carrara. 1687 

Von ihm war eine Marmorgeige mit Intarsia auf der 
Wiener Musik- und Theaterausstellung zu sehen. 

Cassanelli (Casanelh), Giovanni. — Ciano 
(Modena). 1770. 1777 

Im allgemeinen kennt man nur Geigen von mittel- 
mäßiger Arbeit von ihm. Gewöhnlich verwendete er 
braunen Lack. 

Cassineau s. Cousineau 

Cassini (Casini), Antonio. — Modena. Geb. 
um 1630, tum 1698 

Der bekannteste modenesische Geigenmacher seiner 
Zeit, ein vielbeschäftigter Meister, der auch in Diensten 
seines Herzogs stand. Bei der großen Masse seiner 
Geigen, Violoncelli und Bässe ist es nicht zu verwun- 
dern, daß er sehr handwerksmäßig arbeitete. Seine 
besseren Geigen gehen auf das Amatimodell zurück, 
weshalb ihn auch einige zu einem Amatischüler machen 
wollten. Die .Arbeit ist gut, die Ebenholzeinlage sauber, 
F-Löcher und Schnecke von guter Form, der Lack 
kastanienbraun. Nach Valdnghi soll er zwar nach 1690 
gestorben sein, doch kommen noch Geigen mit seinem 
Zettel und der Jahreszahl 1710 vor. Er verwendete ver- 
schiedene Zettel. Eine Viola von ihm aus dem Jahre 
1667 besitzt Dr. Bornemann in Eisenach (Korpuslänge 
41 cm). 

Geigenzettel : Antonius Cassinus fecit Mutinae anno 
1687(gedruckt). — Abb. 148. 

Castagneri, Andrea. — Paris. 1730. 1750 

Sohn und Schüler von Gian Paolo C, den er allerdings 
übertrifft. Sein Modell gehört der Stradi\ anschule an, 
die Arbeit ist sorgfältig, der Lack gewöhnlich etwas 



72 



Castaeneri — Castro 



trocken und von rotbrauner Farbe und der Ton an- 
sprechend. Nur seine F-Löcher sind oft zu groß und 
zu weit offen. Seine Geigen haben aber fast immer noch 
ein italienisches Aussehen und werden geschätzt. Er 
wohnte bis 1744, wie sem Vater, in einem Anbau des 
Hotel de Soissons, zog dann nach der Rue des Prou- 
vaires und schrieb von da an seinen Namen Castagnery. 
■ Auch seine Violoncelli dürfen hervorgehoben werden, 
dagegen sind seine Versuche, Geigen mit ganz flacher 
Decke zu bauen, als mißglückt zu bezeichnen. Eine 
Geige von ihm bewahrt die Sammlung Snoeck (jetzt in 
Berlin). 

Geigenzettel : Castagnery rue des Prouvaires / Pangi 
1747 (gedruckt). — Abb. 128 und 137. 

Castagneri, Gian Paolo. — Paris. 1638. 1665 

Ein Italiener, angeblich sogar ein Cremoneser, der sich 
in Paris niederließ. Wenn auch unbedeutend, darf er 
doch als einer der besten unter den damaligen Pariser 
Geigenmachern gelten. Vidal erwähnt ihn nicht einmal, 
Fetis dagegen kennt Geigen von ihm aus den Jahren 
1 639 und 1 662 und lobt ihren Silberklang, wenn er auch 
den Mangel an Tonfülle beklagt. De Piccolellis gibt 
'seinen Zettel: Castagneri Gian Paolo / nel palazzo di 
Soissons / in Pariggi (gedruckt). 

Castagnino, Giuseppe. — Chiavari. 1920 

Schüler von G. Fiorini, bei dem er in München seit 
1913 lernte. 

Castaro, Antonio. — Rom. Um 1615 

Em geschickter Lautenmacher, dessen Name nach 
Baron »Corta-ro« lauten soll; s. d. 



Fl 



orenz. 



1806. 



Castellani, Bartolomeo. 
tum 1820 

Er wohnte Via da S. Trinitä. Seine Geigen, die nur 
selten vorkommen, sind nicht hervorragend, dagegen 
baute er sehr gute Gitarren. 

Geigenzettel : Bartolomeo Castellani / fece in Firenze, 
l'anno / 1816 in Via S. Tnnitä (gedruckt). 

Castellani e Figlio. — Florenz. 1900 

Inhaber des Geschäftes ist jetzt P. Ballerini. 

Castellani, Luigi. — Florenz Geb. 1809, f 1884 
Sohn und Schüler von Pietro C. Tüchtiger Kontra- 
bassist. Er baute selbst keine Geigen, war aber ein vor- 
trefflicher Reparateur und berühmt wegen seiner aus- 
gezeichneten Gitarren. Er wohnte Via Calimaruzza, 
1866 verband er sich mit G. Scarampella. Wegen seiner 
Kennerschaft und Geschicklichkeit im Wiederherstellen 
ernannte ihn das Florentiner Konservatorium zum Kon- 
servator der Instrumentensammlung. Nach seinemTode 
ging sein Geschäft auf P. Ballerini über. 

Castellani, Pietro. — Florenz. 1780. f 1820 
Von ihm kennt man ziemlich gute Geigen und beson- 
ders Gitarren und Mandolinen. 

Castelli, Tomaso. — Brescia. 1 623 

Ein bisher nicht bekannter Brescianer, von dem Fritz 
Wildhagen in Haiensee eine Violine mit ausgeschweif- 



ten Korpusumnssen, C-Löchern und einem schön ge- 
schnitzten Mädchenkopf am Wirbelkasten besitzt. 
Geigenzettel: Tomaso Castelli / fecit a Brescia 1623 
(geschrieben). 

Castello, Paolo. — Genua. 1 750. 1 780 

Seine Arbeit ist äußerlich sehr schön, erinnert an die 
der Gagliam und geht auf das Amatimodell zurück. 
Im allgemeinen ist er trotz alledem nicht sehr geschätzt, 
da er oft nur mittelmäßiges Holz verwendete. Sein 
gelber Lack ist dagegen nicht schlecht. Eine seiner 
schönsten Geigen, ein wahres Prachtexemplar aus der 
Spätzeit des italienischen Geigenbaues, ist aus der 
Sammlung Snoeck (Nr. 508) in die staatl. Sammlung 
in Berlin übergegangen. 
Geigenzettel: Abb. 129. 

Castendorfer, Melchior. — Nördlingen. 
15. Jahrhundert 

Er wird als Lautenmacher bezeichnet und war ein Sohn 
des Stephan C. Sein Name kommt aber weder in der 
Nördlingischen Geschlechtshistone (gedruckt 1801) 
noch im Bürgerbuche vor, so daß als sicher angenom- 
men werden kann, daß er nur vorübergehend — viel- 
leicht als Gehilfe des Vaters — m Nördlingen ansässig 
war. 

Castendorfer, Michel. — Erfurt. 15. Jahrh. 

Sohn des Stephan C, Lautenmacher. — Bedauerlicher- 
weise ließ sich auch in Erfurt über diesen Meister nichts 
ermitteln. 

Castendorfer, Stephan. — Nürnberg, Breslau, 

Nördlingen usw. 1464. 1499 

Von ihm weiß ich wohl, daß er 1460 in Nürnberg als 
Orgelbauer tätig war und dort als »Stephanus de Bra- 
tislavia« in Urkunden erscheint, dann wieder in Breslau 
lebte, die alte Orgel in der Georgskirche in Nördlingen 
von 1 466— 1 486 erbaut hat und 1 496— 1 499 in Schweid- 
nitz arbeitete. Ob er je Lauten und Geigen machte, 
steht nicht fest, ist aber wahrscheinlich, da seine Söhne 
als Lautenmacher bezeichnet werden. Er ist identisch 
mit dem in dem Werke : Scriptores rerum Silesiacarum 
III, S. 134 genannten Orgelmacher Stephan Kaschen- 
dorf . An der Stelle der Breslauer »Libri Signaturarum<', 
an der die in den »Script, rer. Sil.« erwähnte Eintragung 
von 1464 steht, kann man ebensogut Kaschendorf als 
Kasthendor*^ lesen. 

Castorino, Lorenzo. — Aci Reale (Sizilien) 

Sizilianischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, der 
nicht ungeschickt war. 

Geigenzettel: Lorenzo Castorino , Abitante in ,4ci 
Reale (gedruckt). 

Castro. — Venedig. 1680. 1720 

Er hatte meist nur ein schlechtes Modell, nahm aber 
gutes Holz; im übrigen ist seine Arbeit handwerks- 
mäßig, die F-Löcher häßlich in der Zeichnung und 
rohgeschnitten, der Lack von roter Farbe, aber sehr 
armselig. Einzelne Geigen hat er nach Stradivari ge- 
t-aut. Am besten sind seine Bässe. Ein Kontrabaß von 
ihm, der seines edlen Tons wegen sehr geschätzt wird, 
befindet sich in der Dresdener Hofkapelle. 



Castrucci — Cavalorio 



73 



Castrucci, Pietro. Anf. d. 18. Jahrhunderts 

Ein Geiger, der während seines Aufenthaltes in Eng- 
land ein Streichinstrument nach Art der Liebesgeigen 
erfand, das er »Violetto marina« nannte, was h'er nur 
erwähnt wird, da Händel für dieses Instrument einiges 
geschrieben hat. 

Catenar, Gaetano. — Pavia. 1639. 1670 

In Pavia sollen sich noch Violen und Gamben mit der 
Ortsangabe und diesen Jahreszahlen erhalten haben. 
Dieser Catenar könnte als der Stammvater der später 
in Turin vorkommenden Familie betrachtet werden. 
Geigenzcttel : Gaetano Cattenaro / Fecit Paviae Anno 
1670 (gedruckt). 

Catenari, Enrico. — Turin. 1671, soll 1746 
noch gelebt haben 

Die Schreibweise des Namens schwankt; man findet 
Catenar, Gattinari usw. angegeben. Er soll der Vater, 
nach anderen ein Bruder des Francesco gewesen sein 
und war vielleicht auch mit Catenar in Pavia verwandt. 
Die Behauptung, daß er ein Schüler von Cappa ge- 
wesen sei, kann nicht begründet werden, in seiner Ar- 
beit steht er den Stradivari-Nachahmern nahe. Vidal 
teilt nebenstehenden Zettel mit : Henricus Catenar / 
fecit Taurini anno 1671 (gedruckt). 

Catenari, Giuseppe Francesco. — Turin. 1 703' 
1720 

Wahrscheinlich Sohn von Enrico C. — Er verwendet 
ein ziemlich hohes Modell und dicken, roten oder rot- 
braunen Lack. Vidal beschreibt eine gute Violine dieses 
Meisters im Besitz des Marquis de St. Hilaire in Paris. 
Der Name erscheint hier »Gattinari« geschrieben. Eine 
Violine von ihm mit der Jahreszahl 1 703 besitzt Maler 
Julius von Thury in Budapest. 

Geigenzettel : Francesco Gattinari ' Fecit Taurini Anno 
Domini 1 703 (gedruckt). — Joseph Franciscus Catenar/ 
Fecit Taurini anno 1 720 (geschrieben). 

Cateni, Pietro. — ? 1722 

Withers in London bot eine Violine mit diesem Na- 
men für 25 £ an. 

Cati, Pierantonio. — Florenz. 1 738. 1 760 

In der Arbeit hat er manches mit Gabrielli gemeinsam, 
ohne ihm gleichzustehen. Sein Modell geht auf Stradi- 
vari zurück, sein Lack ist meist braunorange, das Holz 
oft nicht besonders schön, der Ton aber kräftig. Eine 
Taschengeige von 1741 (»Terzinodi Violino« Nr. 756). 
besitzt W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. 
Geigenzettel: Abb. 108. 

Cattas, J.H. — Kassell828 

Ein Hofmusiker, der sich auch mit dem Ausbessern 
alter Instrumente beschäftigte. 

Causbin (Coussin), Frangois. — Neufchäteau 

(Vogesen). 1845. 1881 

Ein begabter Nachahmer der Italiener, der seine Geigen 
sehr hübsch ausführte und besonders geschickt war. 



den alten Lack mit all seinen zufälligen Mängeln zu 
imitieren. Er baute meist nach einem kleinen Modell. 
Er kam alljährlich mit seinen Geigen nach Paris, und 
da diese auch gut im Ton waren, brachte er sie leicht 
bei Händlern an. Gar mancher, der sich im Besitze einer 
echten Cremoneser wähnt, hat nur eine »Caussin«. Er 
machte auch allerlei Versuche, so besaß C. C. Snoeck 
eine Violine von ihm mit acht Saiten und sechs F- 
Löchern. Nicolas C. und Hipolyte C. (1878) waren 
gleichfalls sehr geschickt. 

Caussin, Fran^ois-Hippolyte. — Rouvres-la- 
Chetive (bei Neufchäteau). 1845. 1870 

Sohn von Fran^ois C, der ganz in der Art seines Vaters 
arbeitete. 

Geigenzettel: Caussin Luthier / Neufchäteau (Vosges) 
(gedruckt). 



Caussin, Nicolas. 

1860 



Paris, Neufchäteau. 1850. 



Sohn von Francois C. Er war kurze Zeit in Paris an- 
sässig, kehrte 1857 wieder nach Neufchäteau zurück 
und war fast immer für seinen Bruder tätig. Auch 
er war wie dieser ein geschickter Nachahmer alter 
Violinen. 

Cavaleri, Giuseppe. — Genua. 1732. 1747 

Man kennt verschiedene gute Geigen von ihm; wenn 
sie nur selten vorkommen, so liegt es daran, daß die 
Händler seine Arbeiten gerne mit berühmteren Namen 
versehen haben. 

Geigenzettel : Joseph Cavaleri fecit / Genuae anno sa- 
lutis 17.. (gedruckt). 

Cavalli, Arlstide. — Cremona. Geb. 12. April 
1856 in Cremona 

Sohn von Savino C. und Schüler von G. Beltranni, 
dessen Nachfolger er auch 1882 wurde. Er baut haupt- 
sächlich Violinen nach eigenem Modell. Seine Arbeit 
erinnert an die Beltramis und Ceruttis. Er weicht jedoch 
von seinen Vorbildern in den Umrißlinien und den 
Stärkeverhältnissen stellenweise ab. Sein Lack ist recht 
gut. Er führt als Ladenschild: 'Claudio Monteverdi's 
(Schöpfer des Musikdramas 1567 — 1643). 

Geigenzettel: Abb. 147. 

Cavalli, Savino. — Cremona. 1850. f 1861 

Tüchtiger Musiker, der auch einige gute Violinen ge- 
baut hat. 

Cavallini & Figlio, Luigi. — Arezzo 

Streich- und Blasinstrumentenmacherfirma der Gegen- 
wart. An manchen ihrer Mandolinen sitzen die Wirbel 
in einer halbrunden Metallscheibe. 

Cavalorio (Cavalerio ?) 

Vidal nennt einen Geigenmacher dieses Namens und 
gibt 1725 als Jahreszahl und Genf als Ort an. Sollte 
nicht Cavaleri und Genua gemeint sein? 



74 



^avani 



— Cerin 



Cavani, Giovanni. — Spilamberto (Modena). 
Geb. 13. Aug. 1851 

Sohn von Domenico C. und Teresa geb. Merli. Ge- 
schickter Streichinstrumentenmacher und nicht minder 
tüchtiger Glockengießer. Als Sohn eines Tischlers, der 
als Dilettant auch Musikinstrumente machte, kam er 
zuerst darauf, sich im Geigenbau zu versuchen, und 
ohne einen anderen Lehrer gehabt zu haben, brachte er 
es zu einer großen Fertigkeit sowohl im Neubau als in 
der Reparatur. Er besitzt mehrere Medaillen und ist 
Lieferant der Konservatorien m Parma und Bologna. 
Medaille 1901 . Leider sind seine letzten Arbeiten nicht 
mehr so gut wie früher. Vgl. A. G. Spinelli »Giov. 
Cavani«. Modena 1901. 

Cecco s. Ceko 
Cecherini s. Cicchenni 

Cejka, Johann. — Ödenburg (Sopron). f um 
1879 



Sohn 



von 



Jos. G. 



Cejka s. auch Czejka 

Cejka, Josef. — Saar, Prag, Chrudim. Geb. um 
1781 in Saar (Zd'ar in Mähren), f 7. Aug. 

1859 in Chrudim 

Er scheint in Prag gelernt zu haben wenigstens ist eine 
von ihm gebaute Geige, die er dort in seinem achtzehn- 
ten Jahre gemacht hat, bekannt. Er lebte dann bis etwa 
1837 in Saar, wo er 1820 in zweiter Ehe Franziska 
Vorlicek heiratete. Ende 1837 erlangte er das Bürger- 
recht der königl. Leibgedingstadt Chrudim, doch 
scheint er auch hier als Geigenmacher nicht auf seine 
Rechnung gekommen zu sein, da er nebenbei noch 
einen »Kleinhandel« betreiben mußte. Seine Geig3n 
waren sauber gearbeitet und klangen gut. 

Geigenzettel : Joseph Czejka / b. Instrumentenmachei / 
in Chrudim 1847 / reparava (sie) (gedruckt). — Josef 
Cejka/ Instrumenta? Praha 1797 (gedruckt). 

Cejka, Severin. — Chrudim. 1851. f 4. Juni 

1901 

Jüngster Sohn von Josef C. Musikinstrumenten- 
macher. 

Geigenzettel : Sewerin Cejka / hotovitel hudebni'ch na- 
strojii / v Chrudime (gedruckt). 

Ceko (Cecco), Cristoforo. — Venedig. 1654 
Lauten- und Violenmacher dritten Ranges. 

Celani, Emiho, gen. il Turco. — Ascoli Piceno. 

1880. 1894 

Er baute Geigen, Mandolinen und Gitarren und war 
auch als Reparateur nicht ungeschickt. 

Geigenzettel : Restaurato da Emilio / Celani (gedruckt). 

Celentano. — Neapel 
Mandolinenmacher. 



Celionatus s. Celoniato 

Cellier. — Hamburg. 1840. 1855. 1864 

Ein K. Cellier lebte anfangs der vierziger Jahre des 
19. Jahrhunderts in Hamburg; schon 1844 heißt die 
Firma »Cellier & Sohn«, auch »Cellier & fils« und 1855 
nur F. Cellier. Der letztgenannte war wohl der Sohn, 
der aber noch 1864 die Firma J. Celller & Fils ange- 
wendet hat. Die Arbeiten mit ihren Zetteln sind nicht 
schlecht, am besten die Violoncelli. Doch scheinen 
diese öfters von anderen Geigenmachern (J. J.C. Sauke 
u. a.) gebaut zu sein, oder aus Mirecourt zu stammen. 
Geiaenzettcl : K. Cellier. / Luthier / Hamburg (gedr.). 
und Abb. 143. 

Cellini, Giovanni. — Florenz. Geb. um 1460, 
t 1527 oder 1528 an der Pest 

Der Vater des berühmten Goldschmieds und Erz- 
gießers usw. Benvenuto Cellini. Ursprünglich Archi- 
tekt, wie sein Vater, verlegte er sich — ein echter 
Renaissancemensch — auf viele Künste, ward Rats- 
pfeifer und wollte auch aus Benvenuto einen Musiker 
machen. Dieser schreibt von ihm in seiner Autobio- 
graphie: »Mein Vater machte zu selbiger Zeit (um 1505) 
wundersame Orgeln mit hölzernen Pfeifen, Klaviere, 
so schön und gut, als man sie damals nur sehen konnte, 
Violen, Lauten und Harfen auf das Beste ... Er ar- 
beitete wundersam in Elfenbein und war der erste, der 
in dieser Kunst etwas leistete.« 

Celoniato, Gian Francesco. — Turin. 1730. 

1737 

Wenn er, seinem Modell nach zu urteilen, auch Amali 
und Bergonzi gekannt hat, so steht er doch noch unter 
dem Einflüsse Cappas. Die Arbeit ist ziemlich gut, be- 
sonders schön aber sein gelber Lack. Die oft wieder- 
kehrende Lesart Celionatus scheint auf einem Druck- 
fehler zu beruhen. Eine Viola d'amore von 1732 besitzt 
W. Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Es soll 
auch Geigenzettel geben, auf denen nur der Taufname 
Franciscus vorkommt. Seine Violoncelli sind gewöhn- 
lich sehr gut im Ton. Im Jahre 1905 wurde ein solches 
in Wien für 4000 Kronen ausgeboten. 

Geigenzettel: Joannes Franciscus Celionatus fecit / 
Taurinl anno Domini 1 737 (gedruckt). — Abb 1 09 und 
119. 

Centurio, Giuseppe. — Padua. 1750. 1780 

Von einem Gelgenmacher erhielt ich die folgende Ab- 
schrift eines Zettels, der sich in einer gut gebauten, an 
Amati erinnernden Geige befunden haben soll: «Jos. 
Certurio Tiburtinus f. in Padua 1780«. Danach wäre 
anzunehmen, daß er aus Tibur, d. i. Tivoli bei Rom, 
stammte. Es Ist dies jedenfalls derselbe Geigenmacher, 
der auch unter dem Namen »Tibontimus« genannt 
wird. Andere lesen sogar »Conlusia Tibertimus«. Da 
ich keinen Originalzettel zu Gesicht bekommen habe, 
muß ich alle Konjekturen vermeiden. 

Cerin, Marco. — Venedig. 1610 

Eine prächtige Laute mit geschnitztem Männerkopf, bei 
der nur die Einlage etwas plump erscheint, befindet sich 
in der Königl. Sammlung alter Musikinstrumente in 



Cerin — Chalon 



75 



Berlin (Nr. 702). Der Name kann hier allerdings auch 
Perin statt Cerin gelesen werden ; auch die Jahreszahl 
möchte ich etwas anzweifeln. 
Geigenzettel : Marco Cerin fece in Venezia 1610 (gedr.). 

Cerin, Marco Antonio. — Venedig. 1 780. 1 824 

Vielleicht ein Abkömmling von Marco Cerin. —Er be- 
zeichnet sich als einen Schüler Ans. Belosios; seine 
Arbeit ist schön, sein Lack blaßgelb oder sattrot und 
das Modell dem des Stradivari ähnlich. 
Geigenzettel: Abb. 138. 

Cermak, Josef. — Böhmisch-Schumburg 
(Sumburk). 1889. 1895 

Musikinstrumentenmacher, von dem mehrfach Arbei- 
ten vorkommen. 

Geigenzettel : Josef Cermäk / V Ceskem Sumburku u 
Tannwaldu (gedruckt). 

Cermäk, Josef A. — Kutnä Hora (Kuttenberg). 
Geb. in Pasek a. d. Iser am 17. Jan. 1874 

Schüler von Benj. Patocka. Er ließ sich im Jahre 1898 
in Kuttenberg nieder, wo er seine eigene Werkstatt er- 
öffnete. Er baut nach Amati, Stainer, Stradivari und 
Guarneri und verwendet goldgelben und feungroten 
Lack. Er arbeitet sorgfältig und besitzt die silberne 
Staatsmedaille. 
Geigenzettel: Abb. 144. 

Certinetti s. Nigetti 

Cleruttl, Enrico. — Cremona. Geb. 1808, 
t 20. Okt. 1883 

Sohn des Giuseppe C. und der letzte Geigenmacher 
der Familie. Wenn er auch so wenig wie irgendein an- 
derer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts die großen 
Cremoneser Meister erreichte, so hat er doch An- 
erkennenswertes geleistet ; namentlich seine Violoncelli 
gelten als wertvolle Arbeiten. Er hat an 400 Geigen ge- 
baut und beschickte alle größeren Ausstellungen, die 
ihn mit Medaillen auszeichneten. Seine letzte Arbeit 
war 1881 in Mailand ausgestellt. Er wohnte Via Borgo 
SperaNr. 14. 
Geigenzettel: Abb. 146. 

Cerutti, Giov. Battista. — Cremona. Geb. um 
1755, t nach 1817 

Er war Lorenzo Storionis Schüler und Nachfolger, 
dessen Geschäft in der Via di Coltellai er 1790 über- 
nahm. Krankheitshnlber mußte er seine Werkstatt 
schon vor seinem Tode semem Sohne übergeben. Er 
i-baute nach Guarneri, seltener nach Stradivari, zumeist 
aber nach dem großen Amatimodell, ungefähr 500 In- 
strumente. Sein Lack ist verschieden, von hellem Bern- 
steingelb bis zum tiefsten Rot. Manchmal nahm er auch 
verschiedene Farben für die Decke und den Boden. Er 
war freilich auch kein ebenbürtiger Nachahmer seiner 
großen Vorgänger, aber man erkennt in seinen Arbeiten 
doch noch die Traditionen der Schule, aus der er her- 
vorgegangen ist. Der Tjon ist edel und hat durch das 
Alter naturgemäß sehr gewonnen. 
Geigenzettel: Abb. 136, Brandmarke Nr. 25. 



Cerutti, Giuseppe. — Cremona. Geb. um 
1787, f 1860 zu Mantua 

Sohn und Nachfolger von Giovanni Batt. C, den er 
jedoch nicht ganz erreicht. Er bevorzugte ein kleines, 
zierliches Modell und schönes, am Boden enggeflamm- 
tes Holz und verv.endeterötlichgelben oder gelben Lack. 
Seine F-Löcher sind sauber geschnitten, dagegen stehen 
seine Schnecken oft ein wenig seh lef und haben schlechte 
Rundungen. Seine bcsserenGeigen, die nußer dem Zettel 
auch die Brandmarke G. C. tragen, werden schon mit 
sehr hohen Preisen bezahlt. Er war auch sehr geschickt 
als Verfertiger geodätischer Instrumente und berühmt 
wegen seiner kunstreichen Wiederherstellungen alter 
Geigen. 

Geigenzettel : Josephus Cerutti f ilius Joannis Baptis- / 
tae Cremonensis fecit anno 1830 (gedruckt). Brand- 
marke Nr. 26. 

Cerrutti, Sebastian. — Piemont. 1615 

Dieser Lautenmacher, den Valdrighi (4486) erwähnt, 
dürfte ein Vorfahr der Cremoneser Familie gleichen 
Namens gewesen sein. 

Cervella, Giovanni. — ? 

Italienischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. 

Cervo, Giovanni. — S. Angelo. 1489 

Einer der ältesten italienischen Lautenmacher, den Val- 
drighi (3979) aufzählt. 

Cesana, Carlo. — Carate (Brianza). 1898 
Guter Mandolinenmacher. 

Chalin pere. — Pont-ä-Mousson. 1865 
Ein Liebhaber, dessen Zettel A. Jacquot mitteilt. 

Challard. — Montpellier, Herault. 1898 

Erfinder einer Neuerung an Lauten, Mandolinen, Gi- 
tarren usw. 

Challiot, Antoine. — Paris. 1778. 1816 

Anfangs baute er auch Lauten und Gitarren, aber bald 
verlegte ersieh ganz auf den Bau von Harfen. Er wohnte 
erst Faubourg St. Antoine und zog dann nach Faubourg 
St. Martin. Sein Sohn Pierre (f 1839) und sein Enkel 
Etienne waren seine Nachfolger. Eine Pedalharfe von 
ihm im Empirestil besitzt das .vlusikhistorische Museum 
in Stockholm, eine ebensolche W. Heyers Musikhistori- 
sches Museum in Köln. 

Challoner, Thomas. — London. 18. Jahrh. 

Seine Arbeit geht, wie die der meisten seiner Zeit- 
genossen, auf das Stainermodell zurück; übrigens 
könnte er ein Schüler von Wamsley gewesen sein. 

Chalon, Fr. — CHälons-sur-Marne. 1812 

Er nennt sich »Luthier et facteurd'instruments ä vent« 
und hat nur in seiner letztgenannten Eigenschaft Be- 
deutung. Seine Geigen sind von mittelmäßiger Arbeit, 
auch wenn er sie nach Maggini baute und doppelt ein- 
legte. 



76 



Chalupätzky — Chanot 



Steingrub b. Eger. 



Chalupätzky, Anton. 
1900 

GeigenmacKer der Gegenwart, der für den Handel ar- 
beitet. 

Champion, Jean-Baptiste. — Paris. 1 783. 1 808 

Vielleicht ein Sohn von Rene Ch. Geigen von ihm sind 
nicht bekannt, wohl aber schön eingelegte, sechssaitige 
Gitarren. 

Champion de St. Juhen, Rene. — Paris. 1730. 
1770 

Er wohnte 1735 in der Rue des Bourdonnois und 1748 
in der Rue des vieilles Odriettes. Seine Geigen sind hoch 
ge<\'ölbt und verraten die Schule Guersans oder Boquays. 
Gelber l.ack von guten Eigenschaften und brave Arbeit. 
Auf den meisten Zetteln fehlt der Zusatz de St. Julien 
nach dem Namen. Seine Witwe führte noch 1775 bis 
1777 das Geschäft fort. Eine Bratsche findet sich aus 
der Sammlung Snoeck (Nr. 470) in Berlin. 

Geigenzettel: Rene Champion de St. Julien, rue des 
vieilles Odriettes / au coin de l'echelledu temple ä Paris 
1748 (gedruckt). — Abb. 104. 

Channon, Fred William. — Plymouth. Geb. 
1862 in Totness 

Ursprünglich Kunsttischler, begann er im Jahre 1891 
seine erste Geige zu machen und wurde ein geschickter 
englischer Geigenmacher, der vornehmlich nach Stra- 
divaris »Tuscan« arbeitet und bereits viele Medaillen 
erhielt. 

Geigenzettel : Made by Fred : W. Channon / No. . . 
Plymouth. ' Medals 1893 1890 1889 1883. 

Chanot, Francis. — Paris. Geb. 1787 oder 
1788 zu Mirecourt, f 1823 zu Brest (Roche- 
fort) 

Sohn von Joseph Ch. und der Catherine geb. Beur- 
douche. Er war von Beruf Marineingenieur und besaß 
ein reiches Wissen. Zu einer unfreiwilligen Muße wäh- 
rend der Zeit der Restauration gezwungen, nahm er 
einen Lieblingsgedanken seiner ersten Jugendjahre wie- 
der auf und machte allerlei akustische Versuche, um 
den Ton der Geigen zu verbessern. Er glaubte dies 
durch eine Veränderung im Bau zu erreichen, und um 
die Holzfasern in ihrer ganzen Länge zu erhalten, was 
er für nötig hielt, konstruierte er 1817 eine Geive, deren 
Körper sich der eckenlosen Form der Gitarre nähert. 
Neu war dieser Versuch nicht, und Gamben usw. hat 
man fast zu allen Zeiten mit abgerundeten Ecken ge- 
baut. Chanot erhielt aber 1818 ein Patent auf seine Er- 
findung, die vom »Institut* glänzend begutachtet wurde, 
und hoffte eine Revolution im Geigenbau herbeiführen 
zu können. Da er selbst nicht Geigenmacher war, richtete 
er bei dem Orgelbauer Lete eine Werkstatt zum Bau 
von Geigen ein, in der er seinen Bruder Georges Ch. 
und J. B. Vuillaume beschäftigte. Der Ton seiner Gei- 
gen ist zwar voll, doch fehlt ihm der eigentliche Glanz 
und Schmelz. Hat sich somit Chanot kein Verdienst 
um die Verbesserung der Geige erworben, so regte er 



doch Savart u. a. zu wertvollen akustischen Studien an. 
Eine Geige seiner Konstruktion, die er für Viotti ge- 
macht hat, bewahrt das Museum des Pariser Kon- 
servatoriums (Nr. 31) mit dem untenstehenden Zettel, 
der das Datum seines Patentes (21. Januar 1818) an- 
gibt. Die Buchstaben C. I. D. bedeuten seinen da- 
maligen Rang: Capitaine Ingenieur Deuxieme (Classe); 
kurz vor seinem Tode wurde er wieder in Dienst ge- 
stellt und zum Kapitän I. Klasse befördert. Die ge- 
nannte Violine enthält noch einen Zettel mit den Ver- 
sen : 

»A mes essais daigne sourire ! 

Fais resonner ce nouveau violon : 
Et Ion dira que d'Apollon 

J'ai retrouve l'harmonieuse lyre.« 

Geigenzettel: Abb. 132. 

Chanot, Frederic W. — London. 1890. 1900 

Zweiter Sohn von Georges II Ch., der sowohl als 
Geigenmacher wie als Händler guten Ruf hat. 

Chanot, Georges I (genannt »Du Joly«). — 
Mirecourt. 1710. 1714 

Das älteste von A. Jacquot nachgewiesene Mitglied und 
wahrscheinlich der Stammvater der Familie. 

Chanot, Georges II. — Paris. Geb. in Mire- 
court 25. März 1801, t in Courcelles 10. Jan. 
1873 

Sohn und Schüler von Joseph Ch. 1819 kam er nach 
Paris, wo er in der Leteschen Werkstatt Geigen für 
seinen Bruder nach dessen Modell machte. Schon im 
Jahre 1820 wollte er sich auf eigene Füße stellen — er 
wohnte Rue de !a Vrillere — , doch scheint man zu dem 
19 jährigen Meister nicht genug Vertrauen gehabt zu 
haben. Er trat daher zunächst wieder bei Clement und 
dann bei Ch. F. Gand als Gehilfe ein und machte sich 
erst 1823 wieder selbständig. Er wohnte bis 1825 Rue 
Oblin pres de la Halle, bis 1828 Place des Victoires, bis 
1837 Passage Choiseul, bis 1848 Rue Rivoü und zuletzt 
auf dem Quai Malaquais, wo er bis 1871 tätig gewesen 
ist. Er war einer der glänzendsten Vertreter der fran- 
zösischen Schule des 19. Jahrhunderts und hat zweifel- 
los wertvolle Anregungen von seinem Bruder emp- 
fangen, wenn er auch andere Wege ging. Er war ein 
denkender Künstler und ein gründlicher Kenner der 
Italiener, die er eifrig studierte und nachahmte, be- 
sonders Stradivari und Guarneri. Arbeit, Holz und Lack 
sind tadellos und der Ton sehr edel. Ebenso bedeutend 
war er als Reparateur und als Händler und hat wieder- 
holt große Reisen durch Italien, Spanien, Deutschland, 
Osterreich und Rußland gemacht, um alte Geigen ein- 
zuhandeln. Seine erste Frau (f 1858) war seine Schü- 
lerin und konnte schon 1827 eine vorzügliche, von ihr 
gebaute Geige ausstellen. Später heiratete er seine 
Schwägerin, und auch diese ward ihm eine brauchbare 
Gehilfin. Im Jahre 1872 zog er sich vom Geschäfte, 
das er seinem Schwiegersohns Jos. Chardon übergab, 
nach Courcelles (Seine-et-Oise) zurück, wo er sich noch 
immer zu seinem Vergnügen mit dem Geigenbau be- 
schäftigte. Auch er machte viele Versuche, um den Ton 



Chanot — Chardon 



77 



der neuen Instrumente zu veredeln; er kam aber 
schließlich dahin, alles zu verwerfen, was ein Ab- 
weichen von den bewährten Errungenschaften der 
Cremoneser bedeutete. 

Geigenzettel : Chanot jeune rue Passage , Choiseul 
Nr. 15 ä Paris 1825 (geschrieben). — Abb. 126. 

Chanot, Georges III. — London. Geb. in 
Paris 1830, t London H . März 1893 

Sohn (erste.' Ehe) und Schüler von Georges II Gh. Im 
Jahre 1851 ging er nach London, trat als Gehilfe bei 
seinem Landsmanne Ch. Maucotel ein und machte sich 
1859 selbständig. Er darf als einer der besten Lon- 
doner Geigenmacher des 19. Jahrhunderts gelten, und 
eine in den siebziger Jahren von ihm gefertigte Maggmi- 
Kopie kann, nach Heron-AUens Ausspruch, jeden Ver- 
gleich mit einer Cremoneser Meistergeige aushalten. 

Chanot, George Adolphus. — Manchester. 
Geb. 28. Okt. 1855 in London 

Ältester Sohn und Schüler von Georges III Ch. Zu 
seiner weiteren .Ausbildung arbeitete er auch ein Jahr 
lang in Paris bei seinem Oheim Jos. Chardon. Im Jahre 
1879 eröffnete er seine Werkstatt in Manchester und 
ist ein würdiger Erbe der Kunst seines Vaters und 
Großvaters. 
Geigenzettel: Abb. 134. 

Chanot, Joseph. — Mirecourt. 1780. f um 

1830 

Ein sehr handwerksmäßig arbeitender Mirecourter Gei- 
genmacher. Sein Lack ist rot oder dunkelbraun, und 
sein Name findet sich innen im Boden eingebrannt. 

Chanot, Joseph Anthony. — London. Geb. 

l.Okt. 1865 in London 

Dritter Sohn und seit seinem 14. Jahre Schüler von 
GeorL'es III Gh., bei dem er bis zu dessen Tod ( 1 893) als 
Gehilfe blieb. Er übernahm hierauf die Werkstatt und 
das Geschäft seines Vaters, das sich nun seit 1858 in 
der Wardour Street befmdet. 

Chanot, M°". — Paris 

Geigenmacherfirma der Gegenwart, ges;r. 1821. In- 
haber: Chardon Vater und Sohn (s.d.). Seit 1900 
lautet die Firma : *>Chardon Successeur«. 

Chantraine. — Mirecourt. Nach 1800 

Man kennt bisher nur gute Gitarren, die seinen Namen 
als Brandmarke tragen. 

Chapuy (Chappuy), Nicolas. — Mirecourt. 
1733. 1781 

Jacquot weiß von ihm nur, daß er Geigenmacher und 
mit Anne Parisot verheiratet war. Ich vermute, daß die 
meist sehr gewöhnlich gearbeiteten Violinen, die die 
bisher seinem Bruder zugeschriebene Brandmarke 
»N. Chappuy« tragen, von ihm herrühren. Besser sind 
die Liebesgeigen mit dieser Brandmarke, die auch 
durch hübsch geschnitzte Köpfchen am Wirbelkasten 
auffallen. 



Chappuy, Nicolas-Augustin. — Paris, Mire- 
court. Geb. um 1 740, t 27. Sept. 1784 

Bruder von Nicolas Ch. Er ließ sich um die Mitte des 
18. Jahrhunderts in Paris nieder, wo er sich zwar eines 
gewissen Ansehens erfreute, doch ging er nach 1770 
nach Mirecourt zurück. Er ist sehr ungleich in seiner 
Arbeit und sorglos in der Wahl des Holzes gewesen und 
verwandte meist einen gelblichen oderb''aunen Sj^intus- 
lack, der in der Mitte wesentlich dunkler gefärt-t er- 
scheint. ErnahmdasStradivan- undGuarneridelGesü- 
Modell zum Vorbild, hat aber kaum je ein Original 
gesehen. Neben guten Geigen von ihm gibt es 
auch solche, die kaum noch die Hand eines Fach- 
mannes vermuten lassen. Einer seiner guten Geigen 
bediente sich der berühmte Geiger und Komponist 
Habeneck mit Vorliebe. Diese befindet sich jetzt im 
Museum des Pariser Konservatoriums. .Auch in der 
Sammlung Snoeck befand sich eine bessere Arbeit 
seiner Hand. Eine Violine, die er nach seiner Heimkehr 
nach Mirecourt 1 770 gemacht hat, besitzt Carl Stoeber 
in Würzburg. Eine Pochette befindet sich in der Samm- 
lung Savoye in Paris. Auf seinen Zetteln nennt er sich 
meist nur Augustinus Gh., manchmal auchN. A., nie- 
mals nur N. oder Nicolas allein. 

Geigenzettel : Augustinus Chappuy / olim Parisiis nunc 
Mirecurtio fecit Anno 1 770 (gedruckt). — .Augustinus 
Chappuy , Fecit Parisiis anno 1 766 (gedruckt). — 
N A Chappui, luthler , de S. A. R. la Duchesse de 
Montpensier (gedruckt). — Abb. 97. 

Chappuy, Pierre-Fournier. — Mirecourt. 1 775. 

Bruder von Nicolas und N. Augustin Ch. Geigen, die 
ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden können, sind 
noch nicht bekannt geworden. 

Chardin. — Mirecourt. 1875. 1886 

Geschickter Geigenmacher, der hauptsächlich für die 
größeren Fabriken in Mirecourt tätig war. Lehrer von 
A. Delivet. 

Chardon, Joseph-Maria. — Paris. Geb. 22. Mai 
1843 in Paris 

Schüler und Schwiegersohn von G. Chanot, dessen Ge- 
schäft er 1872 übernahm und fortsetzte. Später ward 
auch sein Sohn Teilhaber der Firma »Chardon et fils«. 
Sie arbeiten den alten Traditionen getreu und haben 
sich 1 900 wieder gelegentlich der Pariser Weltausstellung 
ausgezeichnet. Auch er bereiste viele fremde Länder, 
wie Chanot, um alte Geigen einzuhandeln. Er wohnte 
zuerst Quai Malaquais und verlegte 1 888 sein Geschäft 
in die Rue Poissonnerie 22. Er besitzt zahlreiche Me- 
daillen. 

Geigenzettel: Abb. 130. 

Chardon, M. Joseph-Ant. -Georges. — Paris, 
Geb. 22. April 1870 

Sohn, Schüler und seit 1896 Teilhaber von Joseph- 
Marie Ch. 

Geigenzettel: Abb. 103, 115, 125. 



78 



Charle — Chatelaln 



Charle. — Paris. 1748 

Aus Mirecourt stammender und sehr handwerksmäßig 
arbeitender Geigenmacher, von dem nur sehr selten 
Arbeiten vorkommen. 

Gelgenzettel : Charle, luthier dans les Quinze- / Vingts' 
a Paris annee 1 748 (gedruckt). 

Charles, J. — Marseille. 1783. 1786 

Wahrscheinlich ein Schüler seines Oheims Guersan 
und möglicherweise ein Sohn des Pariser Charle. Seine 
Arbeit zeichnet sich durch nichts aus und ist sehr ge- 
wöhnlich. Besser waren seine Gitarren, die er sehr 
hübsch auszustatten verstand. Er verwendete Zettel, 
auf denen manchmal der Taufname fehlte. 

Geigenzettel: Abb. 1 18. 

Charlutte. 

Wahrscheinlich schlecht gelesen für Charoutte = Cha- 
rotte. 

Charotte, Fran^ois. — Mirecourt. 1797. 1798 

Nur dem Namen nach bekannt. Vielleicht der Bruder 
von J. F. Ch. in Nancy. 



geahmt, doch hat er immerhin gut spielbare Violoncelli 
und Bässe gebaut. Er führte das Schild >>ä la ville de 
Cremone*. Seine Violinen sind gewöhnlich demStradi- 
varimodell nachgeahmt und hell lackiert. Seme Brand- 
marke nannte Paris als Ursprungsort. 

Geigenzettel: Abb. 110 und 1 14. 

Charpantier (Charpentier). — Bordeaux. 1 780 

Wenig bekannter Geigenmacher, der »Galerie du spec- 
tacle« wohnte und wohl hauptsächlich als Wiederher- 
steller alter Geigen tätig war. 

Geigenzettel: Abb. 141. 

Charpentier, Auguste. — Mirecourt. Anfang 
des 19. Jahrhunderts 

Ist mir nur als Lautenmacher bekannt. Eine große Gi- 
tarre mit Ahornboden und -zargen besaß C. C. Snoeck. 

Charpentier (Louis) et Münchs. — Paris. 1 832 

Erfinder der »Guitare multicorde« (Verbindung von 
Lyra, Gitarre und Harfe). — Ein Auguste Charpentier 
lebte als Gitarrenmacher in Mirecourt. 



Charotte, Claude. — Mirecouii:. 1763. 1765 

Gewöhnliche Mirecourter Arbeit. Auf dem Zettel und 
seiner Brandmarke gibt er, wie viele Mirecourter, Paris 
als Ursprungsort an. 
Geigenzettel: Cl. Charotte / ä Paris (gedruckt). 

Charotte, Hippolyte. — Mirecourt. Geb. Chartrin. — Mirecourt 
30. April 1829. f nach 1876. 



Chartrain. — Mirecourt. 1760 

Einer der vielen Mirecourter, die Paris als Ursprungs- 
ort angeben. Seine Geigen klingen nicht schlecht, sind 
aber von gewöhnlicher Arbeit. 



Sohn von Joseph Ch.-Millot und jedenfalls auch dessen 
Schüler. Seine Arbeit gleicht der seines Vaters und ist 
nicht hervorragend. 

Charotte, Jean-Fran^ois. — Mirecourt, Nancy. 
1784. 1801 

Wahrscheinlich ein Bruder von Claude Ch. Er kam 
nach A. Jacquots Feststellung im Jahre 1774 nach 
Nancy und hatte seine Werkstatt in der Rue St. Jean, 
später in der Rue de la Poissonnene. Er gebrauchte 
die Brandmarke: Charotte ä Nancy. 

Charotte, V. J. — Mirecourt. 1904 

Ein Geigenmacher, der, wie viele andere, ein System 
zur Verbesserung der Tonstärke der Geigen erfunden 
hat. Vgl. Nouvelles scientifiques 1904, S. 15. 

Charotte. — Rouen. Geb. in Mirecourt, f 1836 

Er ließ sich in Rouen nieder, wo er 1830 in der Rue 
Beauvoisine Nr. 36 wohnte. Seine Arbeit ist von ge- 
wöhnlicher Mirecourter Art, wenn auch manchmal mit 
einer gewissen Sorgfalt durchgeführt. Seine Nachfolger 
waren P. N. Jeandel und Lucien Delau, die sich jedoch 
1848 trennten. 

Charotte-Millot, Joseph. — Mirecourt. Geb. 
2. Sept. 1798. fnach 1848. 

Sohn von Fran^ois Ch. Er nennt sich zwar einen Schü- 
ler von Aldnc, hat aber dessen Arbeit nicht nach- 



A. Jacquot nennt aus dieser Familie, die ursprünglich 
wohl mit den Chantraines und den Chartrains zusam- 
menhing: Nicolas Ch.. f 11 April 1748, dessen Sohn 
Fran<;ois Ch., f 8. August 1756, und einen Louis Ch., 
der schon 1720 vorkommt. 

Charwath, Franz. — Wien. 1849. f 1876 

Ein unbedeutender Saiteninstrumentenmacher, dessen 
Witwe Leopoldine das Geschäft bis 1880 fortführte. 
Geigen sind mir von ihm bisher nie bekannt geworden. 
In der Mitte seines Zettels befindet sich eine Lyra mit 
Kranz und den Buchstaben F. C. usw. 

Geigenzettel: Franz Charwath / In Wien / Leopold- 
stadt No312 (gedruckt). 

Chastelain, Martin. — Warwick. 1580 

Ein blinder flandrischer Geiger, der auch Violen, Vio- 
linen und Spinette gemacht haben soll. 

Chatelain, Fran^ois. — Paris. 1766. 1799 

Er wohnte zuerst Rue de Braque Nr. 9 und dann in der 
Rue de Berry. Einige sehr gut erhaltene Geigen von ihm 
lassen ihn als einen tüchtigen Meister erkennen. Eine 
Zeitlang arbeitete er mit Renault (s. Renault et Chate- 
lain) zusammen. Ein »Alto recoupe« von ihm wird in 
Gallay-Brunis Inventaire S. 105 erwähnt. Eine Harfe 
in chinesischem Stil ist im Museum Cluny in Paris zu 
sehen. Vielleicht ist er mit dem 1759 vorkommenden 
Chaterain identisch. 

Geigenzettel: Abb. 145. 



Chatelin — Chiarelli 



79 



Chatelin (Chathelin), Adrien-Benoist. — Va- 
lenciennes. 1 757. 1 759 

Einige gute Violen von ihm sind bekannt, besonders 
ein Quinton der Sammlung Samary von 1758 und ein 
Par dessus de viole in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Köln. Nr. 789. 

Geigenzettel : Fait par Adrien Benoist / Chatelin ä Va- 
lencienne / 1 758 (geschrieben). 

Chatelin (Chatelain), Pierre. — Mirecourt. 
1778. 1781 

Durch das Vorkommen seines Namens in Mirecourt 
ergibt sich, daß auch die übrigen Geigenmacher dieser 
Familie höchstwahrscheinlich aus Mirecourt stammen. 

Chaussier, H. — Paris. 1889 

Ein Instrumentenmacher und Reparateur ohne beson- 
deren Ruf. 

Chavez, Tomas, lebte im 19. Jahrhundert in 
San Salvador 

Chelz, Stephan. — Rom. 1602 

Von ihm weiß man nur, daß er ein Lautenmacher 
deutscher oder vlämischer Abkunft war und am 26. Juni 
1602 von Pompeo Lambertino ein Haus m Rom kaufte. 

Cherbourg. — Paris. 1760. 1780 

Er wohnte im »Temple«. Seine Modelle sind gut, nur 
die F-Löcher etwas zu weit ausgeschnitten. Er ist u. a. 
der Erfinder einer verbesserten Lyra. Eme solche be- 
findet sich m der Sammlung Sax. 
Geigenzettel : Cherbourg dans le Temple a Paris / en- 
venteuvre (sie) de la perfexion (sie) / de cet instrument 
tans desire (sie) (gedruckt). 

Cheron, Nicolas. — Paris. 1658. 1691 

Vermutlich der Sohn eines Orgelbauers. Er wohnte in 
der Rue Dauphine und später in der Rue de laVieille- 
Boucherie und handelte auch mit römischen Saiten. 
Außer Violen dürfte er auch Blasinstrumente gemacht 
haben. 

Cherpitel, Nicolas-Emile. — Paris. Geb. m 
Mirecourt 24. Juni 1841 , f Feb. 1893 in Paris 

Nachdem er in seiner Vaterstadt ausgelernt hatte, ar- 
beitete er bei Grandjon und kam 1 859 nach Paris zu den 
Brüdern Gand als Gehilfe, wo er bis 1 870 blieb. Hierauf 
begründete er seine eigene Werkstatt in der Rue St. De- 
nis und zog 1884 in die Rue du Faubourg Poissonniere. 
Er arbeitete gediegen, hatte einen guten Lack und er- 
hielt auf allen von ihm beschickten Ausstellungen Aus- 
zeichnungen. Seine Witwe führte mit ihrem Neffen 
Ch. Moinel das Geschäft bis 1 899 fort und überließ es 
diesem dann ganz. 

Geigenzettel: Nicolas-Emile Cherpitel, ä Paris / 13Fau- 
bourg Poissonniere. / N.E. C. (gedruckt). — Abb. 1 12. 

Cherpitel-Moinel s. Moinel 



Chevrier, Amable. — Cherbourg. Geb. in 
Mirecourt am 29. Jan. 1823, lebte noch 1886 

Ältester Sohn von Claude Chevrier. Er verließ gegen 
1884 Cheibjurg wieder und übergab seine Werkstatt, 
der er 30 Jahre lang vorstand, dem Geigenmacher A. 
Magne. Angeblich ist er nach Mirecourt zurück- 
gekehrt. 

Chevrier, Andre-Augustin (Auguste). — Paris, 
Brüssel. 1830. 1840. Geb. in Mirecourt 

Schüler von Koliker. Er ließ sich zunächst in Paris 
nieder und siedelte vor 1838 nach Brüssel über. Seine 
Arbeit ist lobenswert. Er ahmte Lupot nach und ver- 
wendete einen dicken, rotorangen Lack, der jetzt aller- 
dings ein wenig rissig erscheint. Seine besten Geigen 
haben doppelte Einlagen. 

Chevrier, Antoine. — 1 732. 1 775 

Nur urkundlich nachweisbar. 

Chevrier, Claude. — Mirecourt. Geb. 1800, 

t 24. Juli 1878 

Seine Geigen sind von gewöhnlicher, handwerksmäßi- 
ger Arbeit. 

Chevrier, Claude- Auguste. — Beauvais. Geb. 

in Mirecourt 19. Mai 1827 

Zweiter Sohn von Claude Chevrier und wohl auch 
dessen Schüler. Im Jahre 1888 gab er seine Werkstatt 
auf. 

Chevrier, Joseph. — Mirecourt. Geb. 26. Dez. 
1833, f 1911 

Sohn von Claude Ch. Einer der besseren Mirecourter 
Geigenmacher seiner Zeit; er war seit etwa 1866 Leiter 
der Thibonville-Lamyschen Fabrik 

Chevrier, Nicolas. — Mirecourt. Geb. um 
1700. 1770 

Wahrscheinlich der Stammvater und auch der beste 
Geigenmacher aus der Familie. Eine Geige von ihm 
wurde in London einige Jahre vor dem Kriege cchon 
um 360 Mark verkauft. 

Chevrier, Paul. — Mirecourt. Chälons-sur- 
Saone. 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts 

Sohn von J. Chevrier. Er verband mit seiner Geigen- 
werkstatt einen Klavierhandel. 

Chevrier, Victor. — Mirecourt. 1911 

Sohn von Joseph Ch. und dessen Nachfolger in der 
Thibonville-Lamyschen Fabrik. 

Chiarelli, Andrea. — Messina. Geb. in Mes- 
sina um 1675, f 1699 

Ein Lautenmacher, der aber berühmter als Komponist 
und Virtuose auf der Archilaute war. Er war ein so- 
genanntes Wunderkind und erhielt seine Ausbildung 
in Rom und Neapel. Es werden ihm auch einige Ver- 
besserungen an seinem Instrumente nachgerühmt; die 



80 



Chiareschi — Chretien 



von ihm gemachten Theorben und Archilauten nennt 
Fetis, der eine solche von 1698 besaß, die besten, die 
je gemacht wurden. Ich selbst habe keine Arbeiten von 
ihm kennen gelernt. Schon 1690 veröffentlichte er 
»Suonate musicali di violini, organo, violone ed arci- 
luto«. 

Chiareschi, PaoHno. — Del Bagno. 1827 

Seine Geigen klingen manchmal nicht schlecht, smd 
aber nicht sorgfältig gearbeitet und lassen auch im Lack 
viel zu wünschen übrig. 

Chiari, Francesco. — Villa Mmozzo (Modena). 

1880. 1883 

Geigenmacher und Reparateur von wenig Ruf. 

Chlavellati, Domenico. — Lonigo. 1 780. 1 796 

Er ist weniger wegen der Güte als wegen der oft bizar- 
ren Formen seiner im übrigen ziemlich mittelmäßigen 
Violinen bekannt. Eine achtsaitige Viola von ihm besaß 
ein süddeutscher Sammler. 

Geigenzettel : Dom<=° Chlavellati / Fece / Lanno 1 796 / 
In Lonigo (gedruckt). 

Chlbon, Jean-Robert. — Paris. 1757. 1785 

Die wenigen Arbeiten, die von ihm erhalten sind, lassen 
ihn als einen handwerksmäßig arbeitenden Geigen- 
iiiacher erkennen. Auch sein brauner Lack ist sehr 
mittelmäßig. Selbst das von Gallay veröffentlichte Bru- 
nische Inventar bezeichnet ein Instrument von ihm 
als »un Alto ordlnalre« (dasselbe war Eigentum des 
am 27. Januar 1794 guillotinierten Kriegskomrnissärs 
Saint-Laurent). Die Marqulse von Lestange besaß 
nach diesem Inventar ein gleiches Instrument und ein 
Violoncello von ihm. Er wohnte um 1757 in der Rue 
de la Sourdiere, von 1755 bis 1779 in der Rue de la 
Comtesse d'Artois, und von 1 783 bis 1 785 in der Rue 
de la grande Truandene. 

Geigenzettel: Abb. 120. 

Chilinski (Chyliiiski), Paul Augustinowitsch. — 
Warschau, Kiew. Geb. 1830 

Ursprünglich Schauspieler, bildete er sich autodidak- 
tisch zum Gelgenmacher aus und siedelte in den sieb- 
ziger Jahren des 19. Jahrhunderts von Warschau nach 
Kiew über. Vielen seiner Arbeiten Ist es anzusehen, daß 
er den Gelgenbau nicht regelrecht erlernt hat, die Ein- 
lagen und die F-Löcher lassen zu vs'ünschen übrig. Er 
verwendet jedoch sehr schönes Holz, auch im Ton 
sind seine Geigen nicht schlecht, sie klingen welch, 
wenn auch etwas dumpf. Er baut nach Guarneri del 
Gesü und verwendet einen vollroten Kopalöllack. Aut 
der St. Petersburger Muslkausstellung 1908 erhielt er 
eine kleine goldene Medaille. 

Chiocchi, Gaetano. — Padua. Geb. 13. Jan. 
1814 in Monselice bei Padua, f nach 1880 
Einer vornehmen Familie entstammend, studierte er 
zuerst Philosophie, dann Medizin und erlernte bei 
einem tüchtigen Tartlnischüler das Gelgenspiel. Als er 



sich der revolutionären Bewegung in der Romagna an- 
schloß, geriet er in Gefangenschaft und mußte für ein 
halbes Jahr in den Kerker wandern. Später zur Dienst- 
leistung im 13. österr. Infanterieregiment herangezogen, 
trat er als Fagottist in das Musikkorps ein und verlegte 
sich ganz auf das Studium der Musik, so daß er schon 
1844 Musikdirektor des Ballett-Theaters In Padua wer- 
den konnte. Hier wurde er mit Giuseppe Cerutti bekannt 
und erhielt dadurch, schon in reifen Jahren, den ersten 
Anstoß, sich im Geigenbau zu versuchen. Er besuchte 
verschiedene Werkstätten, blieb aber in der Haupt- 
sache Autodidakt und brachte es mit eisernem Fleiß 
und einer ungewöhnlichen Begabung dazu, sich zu 
einem trefflichen Gelgenbauer auszubilden. Die erste 
Gel.ge baute er Im Jahre 1858, aber er eignete sich erst 
noch tüchtige Kenntnisse In den Gesetzen der Akustik, 
der Chemie usw. an, bevor er sein eigenes Modell auf- 
stellte, das mit einem veränderten F dem Magglnl- 
modell nahesteht. Er galt zu seinen Lebzelten bald als 
einer der besten Gelgenmacher in Italien, und da er 
nur wenige Gelgen gemacht hat (Im ganzen etwa 50!). 
stehen sie auch heute noch hoch Im Preise. Ton, Arbeit 
und Lack verdienen uneingeschränktes Lob, das ihm 
auch de PIccolellls zollt. Auf der Innenseite der Decke 
findet man In seinen Gelgen oft Eintragungen, die auf 
die damaligen politischen Verhältnisse seines Vater- 
landes anspielen. Vgl. den Aufsatz von v. WasiUewski in 
der Allgemeinen Musikzeitung VII, Nr. 30 (1872). 

Chiochini, Pietro. — Pisa. 18. Jahrhundert 

Ein Meister dritten Ranges, der immerhin wegen des 
schönen Holzes, das er verwendete, einige Beachtung 
verdient. 

Chirone s. Manano 

Chironi, neuerer italienischer Geigenbauer 

Chitarrino, dal, s. Petrobono 

Chiusole, Antonio di. — Roveredo. 1784 

Sein Name läßt darauf schließen, daß er aus Chiusole 
(Trient) stammt. Seine Bässe erinnern an Tiroler Ar- 
belt; Violinen scheint er nur selten gemacht zu haben. 
Gelgenzettel : Antonius de Clusolls / faciebat Roboreti 
.... opus 1 1 (gedruckt). — Antonius de Clusolls / feclt 
1784 (gedruckt). 

Chretien, Hippolyte, gen. Silvestre. — Lyon, 
Paris. Geb. I.April 1845 in Sommerviller 
(Meurthe, Frankreich) 

Ein Schwestersohn von Pierre und Hipp. Silvestre und 
deren Schüler. Nachdem er tüchtig vorgebildet war, 
übernahm er Im Jahre 1865 das von seinen Oheimen 
begründete Geschäft von Plchon. Er ist ein würdiger 
Nachfolger der beiden Sllvestres und erregte schon 
1 873 auf der Wiener Weltausstellung mit einem Violon- 
cello, das durch die Fülle und den Adel des Tons wie 
durch die Ausführung hervorragte, ein gewisses Auf- 
sehen. Ebenso gut waren seine Gelgen und Violen, 
deren Lack an italienische Vorbilder erinnert. Im Jahre 
1884 verlegte er sein Geschäft nach Paris, Rue du Fau- 
bourg-PoIssonnlere, und ist auch als Reparateur zu 



Christa — Clagget 



81 



großem Ruf gekommen. 1900 verband er sich mit 
Ernest Maucotel. Er besitzt zahlreiche Auszeichnungen 
und ist Ritter der Ehrenlegion. 

Geigenzettel : Hippolyte Chretien, Silvestre neveu (ge- 
druckt). — Silvestre et Maucotel / Paris 19 . . N" 

(gedruckt) und Abb. 102 und 113. 

Christa, Joseph Paul. — München. 1730. 1776 

Vielleicht der am 3. März 1700 fjeborene Sohn des als 
»Faber lignarius« bezeichneten Michael Christa in 
Füssen. Ein seinerzeit geschätzter Geigenmacher der 
Füssener Schule, der auch heute noch alles Lob ver- 
dient. Der älteste Zettel, den ich von ihm kennen lernte, 
rührte von 1730 her; in den Hofrechnungen (Münch- 
ner Kreisarchiv) kommt er noch 1 776 vor. Er erinnert 
in seiner Arbeit an Alletsee, als dessen Gehilfe er nach 
München gekommen sein könnte, und bevorzugt ein 
hochgewölbtes Modell. Sein Lack ist meist braun, 
scheint jedoch nachgedunkelt zu sein. Besonders schön 
sind seine Liebesgeigen, die am reichverzierten Wirbel- 
kasten das Köpfchen der Themis tragen. Eine solche 
besaß Horst Berger in Hamburg. 

Geigenzettel: Josephus Paulus Christa, Lauten / und 
Geigenmacher in München 1730 (gedruckt). 

Christa, Michl. — Füssen. 1606 

Er vk'ar Bürger und Mitglied der Lautenmacherzunft. 
Er oder sein gleichnamiger Sohn hat am 5. August 1618 
die Maria Schröder geheiratet. 

Chrlstie, James. — Dundee. Geb. In Arbroath 

I.Dez. 1857 

Ein Ingenieur, der aus Liebhaberei Geigen nach dem 

großen Stradivarimodell macht. Er begann damit um 

1889 und verwendet einen roten Öllack. Er hat bisher 
über zwei Dutzend Violinen gemacht. 
Geigenzettel : James Christie, / Violinmaker / Dundee 

1890 (gedruckt). 

Chrlstie, John. — Kincardine-on-Forth. 1840. 

tum 1859 

Tüchtiger Geiger und Tanzlehrer, der über fünfzig 

recht gute Violinen gemacht hat. 

Christophe, Denis und Joseph. — Mlrecourt. 

18. Jahrhundert 

Zwei bisher nur von A. Jacquot erwähnte Luthiers. 

Chrlstophle, Jean. — Avlgnon. 1695 

Man kennt bis jetzt nur ein Alto im Pariser Konserva- 
torium (Nr. 1032) von ihm: Körper 41 cm lang, untere 
Breite 23 cm. Sehr schöne Schnecke, prachtvoller Ton. 
Geigenzettel : Jean Christophle d'Avignon/ 1 695 (gedr.). 

Chrlstophorl s. Crlstoforl (verdorben: Crlsto- 
fall) 

Churchward soll der Name eines älteren eng- 
lischen Geigenmachers sein. 

Churst s. Rud. Höß 

Chylinski, Pawel s. Chlllnskl 

V. Lii t g end o rf f , Gelg^cn- und Lnutonmachci-. Bd. II 



Cianchl, Sebastlano dl Rocco. — Florenz. 1 662 

Von Valdrighi (653) erwähnter Lautenmacher; auch 
der Vater Rocco Cianchi soll Lauten gemacht haben. 

Clarma, Francesco, gen. Nlcchitto. — Ascoll 
Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. 

Ciccherini 

Italienischer Mandolinenmacher. 

ClcUlano s. Slciliano 

Clfka, Wenzeslaus 

Ein böhmischer Keramiker des 19. Jahrhunderts, von 
dem sich in der Sammlung Keil in Lissabon eine 
Fayencegeige mit eigenartiger Bemalung befindet. 

Clgl, Jeromos. — Budapest. Geb. In Berzde- 
kow. 1 874 

Schüler von Pilät. Er machte sich im Jahre 1912 selb- 
ständig, arbeitet nach Stradivari und verwendet einen 
rötlichen Lack. 

Gelgenzettel : Cigl Jeromos / feclt Budapestini anno 
1913 / Op . . . (geschrieben). 

Clnquegranl, Ercole. — Rom. 1882 

Seine Mandolinen erfreuten sich einer gewissen Wert- 
schätzung. 

Clntl, Giuseppe. — Bologna. 1856 

Es ist nicht bekannt, daß er Geigen selbständig gebaut 
hat, doch soll er Im Wiederherstellen ein gewisses Ge- 
schick an den Tag gelegt haben. 

Clochl (Clocchl), Antonio. — Venedig. 1790 
Ein Geigenmacher dritten Ranges, der gleichwohl 
einige bessere Arbeiten hinterlassen hat. 
Geigenzettel: Antonio Clochl dl Venezia / anno 1790 
(gedruckt). 

Clonl, Emlllo. — Mont' Orso (Frlgnano). 1 884 

1894 

Schüler von R. Florini. Er arbeitete fleißig, wenn auch 
etwas handwerksmäßig. Seine Violinen und Violoncelli 
kommen oft vor. 

Clottl, Leone. — Siena. 1889 

Ein Instrumentenmacher ohne besondere Eigenschaf- 
ten. 

Circapa, Tomaso. — Neapel. 1730. 1735 

Ungleich in seiner Arbelt, die an Aless. Gagliano er- 
innert, — am besten ist noch sein orangegelber Lack; 
häufiger als Gelgen kommen Mandolinen von ihm vor. 

Claas s. Glass 

Clagget, Charles. — London. 1780. 1795 

Ein Instrumentenmacher, der seit 1789 allerlei Erfin- 
dungen, angebliche Verbesserungen an Musikinstru- 
menten öffentlich ausstellte und u. a. einen beweglichen 
Steg, eine Regulierschraube für Saiteninstrumente er- 
dachte. 

6 



82 



Claine — Clement 



Claine, Jean. — Mirecourt. 1780 
Als Bogenmacher genannt. 

Claisse, lebt als »Luthier« in Brüssel 
Clark. — London. 1780. 1789 

Schüler von Matthew Furber. Er wohnte Turnmill 
Street, Clerkenwell, und scheint viel für Händler ge- 
arbeitet zu haben. 

Clark, A. B. — Richmond. 1880. 1900 

Amerikanischer Geigenmacher und -händler der Gegen- 
wart. Er arbeitet nach Cremoneser Modellen und ver- 
wendet gern alte amerikanische Hölzer. 

Clark, John. - Riga. Geb. 19. (31 .) Okt. 1830 
in Riga, t 19. Juli (1. Aug.) 1905 in Bilder- 
lingshof bei Riga 

Er war Professor am Polytechnikum, Maler undZeichen- 
lehrer, beschäftigte sich viel mit der Theorie des 
Geigenbaues und studierte die Modelle der alten Mei- 
ster. Er hat dann neun Violinen und ein Violoncello 
gebaut, die sehr gut gelungen sein sollen. 

Claude (Clauze?), Jean, Jean-Claude und 
Vincent. — Mirecourt. 18. Jahrhundert 
Drei Geigenmacher, die in den Jahren 1740^1768 vor- 
kommen. Ein anderer Vincent Gl. wird 1770 — 1780 als 
Bogenmacher erwähnt. 

Claudon, Charles-Fran^ois. — Mirecourt 1785 

Nur urkundlich nachweisbar. 

Claudot, Augustin. — Mirecourt. 1840. 1850 

Bruder von Charles 1 1 Claudot. Er soll in seiner Jugend 
auch in Paris gearbeitet haben. Sein Modell von brei- 
tem Patron ist nicht schlecht; weniger läßt sich dies 
von seinem (gelben oder orangefarbigen) Lack sagen ; 
dagegen verwendete er meist gutes Holz. Statt des 
Zettels gebrauchte er eine Brandmarke mit seinem 
Namen ohne Ortsangabe. Eine Geige von ihm war in der 
Sammlung Snoeck. 
Brandmarke: Nr. 7. 

Claudot, Charles I. — Mirecourt. 1775. 1780 

Wahrscheinlich der Vater von Charles II Q. Er war 
Geigen- und Bogenmacher. 

Claudot, Charles II. — Mirecourt. Geb. in 
Mirecourt 1794, f 1876 

Seine Arbeit ist sehr gewöhnlich; sein Lack von gelb- 
brauner Farbe ist in der Mitte der Brust und des Bodens 
geschwärzt. Seine Geigen schreien und sind im gün- 
stigsten Falle brauchbare Orchesterinstrumente. Sein 
Name findet sich in der Regel im Boden eingebrannt. 
Häufig verwendete er die etwas rätselhafte Brandmarke 
»Marquis de l'air l'oiseau«. Er verwendete ein Modell, 
das oberflächlich an Stradivari erinnert. Viele seiner 
Geigen und namentlich seiner Bässe, die, solange sie 



neu waren, gut gewesen sein sollen, haben jetzt allen 
Klang verloren. Er hatte zwei Söhne, von denen jedoch 
nur einer Geigenmacher wurde. 

Geigenzettel : Charles Claudot (gedruckt). Brandmarke 
Nr. 58. 

Claudot, Charles III. ^ — Rennes. Geb. in Mire- 
court um 1835, t 1888 in Rennes 
Sohn von Charles II Cl. Er arbeitete erst in Mirecourt, 
dann in Paris und zuletzt bei Bonnel in Rennes, wo er 
auch starb. Er hat nur fünf bis sechs Geigen selb- 
ständig gebaut, in die er seinen Namen schrieb; diese 
aber sind mit der größten Sorgfalt ausgeführt. 

Claudot, Felix. — Mirecourt. Geb. 10. Juli 

1871 

Sohn von Felix Cl. (der kein Geigenmacher war). Nach 
beendeter Lehrzeit arbeitete er bei C. Silvestre in Paris, 
dann bei Jacquet und erfüllte darauf seine Militär- 
pflicht. Im Jähe 1899 machte er sich in Mirecourt 
selbständig und baut hauptsächlich Kontrabässe. Er 
verwendet eine Brandmarke: Felix Claudot. 

Claudot, Frangois. — Dijon. Geb. 10. Sept. 
1865 in Mirecourt 

Enkel von Charles Cl. und Bruder von Felix Cl. Er 
lernte in Mirecourt bei Darte und ging 1884 zu Gand & 
Bernardel, bei denen er zwei Jahre blieb. Hierauf 
mußte er seiner Militärpflicht genügen und ließ sich am 
I. Dez. 1889 in Dijon nieder, wo er Geigenmacher des 
Konservatoriums wurde. Er baut nach Stradivari, ver- 
wendet einen roten oder braunen OUack und besitzt 
bereits verschiedene Medaillen. Außer seinem Zettel 
tragen seine Geigen im Innern auch die Brandmarke 
»Claudot. Dijon« — Geigenzettel: Abb. 135. 

Claudot, Nicolas. — Mirecourt. Geb. um 

1840, t ? 

Sohn von Charles II Cl. — Der Unbedeutendste der 

Familie. 

Claudot, Paul. — Mirecourt. Geb. in Mire- 
court um 1800, t 1886 bei Paris 

Sohn und Schüler von Augustin Cl. Seine Geigen sind 
von gewöhnlicher Arbeit; dagegen zeichnen sich seine 
Bässe durch guten Ton aus. Er verwandte nur eine 
Brandmarke: Nr. 68. 

Cleinmann s. Kleynmann 

Clement, Jacquot (Jacob). — Mirecourt. 1 747. 

1757 

Schwiegersohn des Geigenmachers Berly, wie A. Jac- 
quot mitteilt. 

Clement, Jean-Laurent. — Paris. 1783. 1847 

Er stammte aus Mirecourt, kam um 1815 nach Paris 
und wohnte erst in der Rue Croix des Petits-Champs 
und dann in der Rue des Bons-Enfants. Er arbeitete 
sauber nach italienischen Vorbildern und hatte gutes 
Holz und einen hübschen, dunkelrotbraunen Lack. In 
der Geschichte des Geigenbaues ist er weniger wegen 
seiner Arbeiten von Bedeutung als in seiner Eigenschaft 



Clementl — Coletti 



83 



als Lehrmeister einer ganzen Reihe von treffhchen 
Schülern, unter denen G. Chanot, Augiere, Calot, 
Thomassin u. a. hervorragen. Er machte fortgesetzt 
allerlei interessante Versuche und verschiedene Er- 
findungen; so ließ er sich u. a. mit L. V. Brouot zu- 
sammen im Jahre 1823 ein Patent ausstellen für die Er- 
findung einer neuen Art von Wirbeln für Geigen und 
Gitarren und im Jahre 1824 für einen neuen Steg, der 
die Saiten in gleichmäßiger Stimmung erhalten sollte. 
Einen dreisaitigen Baß von ihm besitzt C. Claudius in 
Kopenhagen. 

Geigenzettel: Abb. 99. 
Clementl, Pietro. — Cremona. 1678 

In einer zweifellos alten italienischen Geige von kleiner 
Form und gelbem Lack fand sich der folgende Zettel, 
dessen Alter gleichfalls nicht anzuzvsfeifeln war, wenn 
auch Bedenken schon wegen der Form des Tauf namens 
»Peter« und die Bezeichnung >>en (sie) Cremona« nicht 
zu unterdrücken sind. 

Geigenzettel : Peter Clementius en Cremona 1678 (ge- 
druckt). 

Clementl & Co. — London 

Der berühmte Pianist Muzio Clementi gründete, nach- 
dem er 1800 durch den Fall des Hauses Longman & 
Brodenp einen großen Teil seines Vermögens verloren 
hatte, eine Klavierfabrik, in der auch andere Musik- 
instrumente gebaut wurden, so z. B. Gitarren, Harfen 
und auch Geigen, mit deren Herstellung er sich offen- 
bar schon früher beschäftigt hatte, denn Harry Dykes 
konnte vor mehreren Jahren eine Violine zum Kauf 
ausbieten, die den Namen Clementis mit der Jahreszahl 
1 785 als Brandstempel trug. Leider ist nicht bekannt, 
welche Geigenbauer für ihn arbeiteten. 

Clermont. — Nancy. 1759 
Geschickter Harfenbauer. 

Clerq s. De Clerq 

Cleve (richtig Clerc) s. Leclerc 

Cllquot, Henry. — Paris. 1765 

Geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft 
für 1765, aber nur als Orgelbauer bekannt. 

Cliquot, Louis-Alexandre. — Paris. 1756 

Geschworener Meister der Pariser Lautenmacherzunft 
für 1756, wohl der Vater des berühmten Orgelbauers 
Frangois-Henry-Chquot und wahrscheinlich auch selbst 
nicht Lautenmacher, sondern Orgelbauer. 

Cllrlcato, Luigi. — (Venedig?) 1899 

Schüler von Eugenio Degani, bei dem er vier Jahre 
lernte. 

Clusolis s. Chiusole 
Cochet. — Paris. 1818 
Mittelmäßiger Geigenmacher 

Cocks (Cocko), Christofer. — Venedig. 1654 

Ein wahrscheinlich aus England eingewanderter Lau- 
tenmacher, von dem das Museum des Pariser Konserva- 



toriums eine Archilaute (Nr. 233) besitzt mit dem nach- 
stehenden Zettel und der Brandmarke: Christoforo 
Cocko. 

Geigenzettel : Cnstofer Cocks, AU'insegna / Dell' Aqui- 
la d'oro / Venetiae 1654 (gedruckt). 

Coelho s. Pereira 

Coenen, Ludwig und Franz. — Rotterdam. 

19. Jahrhundert 

Zwei Brüder, die eine gemeinsame Werkstatt besaßen. 
Mittelmäßige Arbeit, dürftiger Lack. 

Geigenzettel : Fratres Ludovicus & Franciscus / Coenen, 
ad Rotterdam f. 18 . . (gedruckt). 

Coffe, Jean Joseph. — Bayonne. Geb. um 1 799 
in Mirecourt, f das. 6. Sept. 1881 
Er galt als geschickter Arbeiter. 

Coffe-Goguette. — Mirecourt. 1834. 1860 

Er erhielt für gute Arbeiten eine Bronzemedaille und 
ist nur als Gitarrenmacher bekannt geworden. 

Coincu s. Couicu 

Colas, Prosper. — Paris. Geb. Coincourt 

20. Jum 1842 

Seit 1873 in Paris ansässiger Bogenmacher. 

Cole, James. — Manchester. 1850. 1910 

Lernte zuerst bei Tarr und dann bei George Crask.. 
Seine Geigen sind gute Orchesterinstrumente. Bis 1858 
gebrauchte er einen Zettel, später nur mehr eine Brand- 
marke. 

Cole, Thomas. — London (Holborn). — 1672. 

1690 

Er gehört zwar zu den weniger bekannten englischen 
Geigenmachern, hat aber einige sehr gute Violen und 
Gamben gebaut. Eine Viola da Gamba von ihm besaß 
De Valdrighi. 

Geigenzettel : Thomas Cole, near Fetter Lane / in Hol- 
born 1690 (gedruckt). — Made 1690; by Thomas Cole / 
of London, on Holborn Hill / who selleth all sorts of / 
musical Instruments') (gedruckt). 

Coletti, Alfred. — Wien. Geb. 1878 in Wien 

Schüler von C. H. Voigt, bei dem er auch acht Jahre 
lang als Gehilfe arbeitete und sich zu einem tüchtigen 
• Reparateur ausbildete. Seit 15. Mai 1905 ist er Nach- 
folger von Jos. Hamberger, und seit November 1906 
führt er den Titel eines k. k. Hofgeigenmachers. Er 
bewohnt den alten Geigenmacherladen in der Habs- 
burgergasse (vordem obere Bräunerstraße genannt), der 
seit mehr als 21 8 Jahren besteht. Dieser Laden ging von 
Christoph Bartl, Joh. Jak. Fux, Ant. Posch, Dan. Ad. 
Stadimann, Mich. Ign. Stadimann, Martin Stoß, Jos. 
Hofmann auf Hamberger und nun auf Coletti über. 
Alle waren Hofgeigenmacher und zugleich Geigen- 
macher der Hofpfarrkirche zu St. Michael. Auch den 



^) Von Pearce mitgeteilter Zettel einer Tenorviola. 

6* 



84 



Colle — Colson I. 



»Wiener Stradivari« Geissenhof darf Coletti wohl zu 
seinen Geschäftsvorgängern rechnen, wenigstens fand 
er in der Werkstatt noch den größten Teil des mit 
Geissenhofs Brandmarke versehenen Handwerkszeugs 
sovi'ie Musterschnecken dieses Meisters vor. Seine 
neuen Geigen sind sorgfältig gearbeitet und klingen 
gut. Er verwendet vorzügliches Holz, das er beim Ab- 
bruch eines nachweisbar im Jahre 1 535 erbauten großen 
Hauses entdeckte. 

Colle. — Rouen. 18. Jahrhundert 

Er gehörte der Zunft der Musiker und Instrumenten- 
macher von Rouen an ; doch steht nicht fest, in welcher 
Eigenschaft er aufgenommen wurde. 

Collenot, L. — Rouvier-la-Chetive. Reims. 

19. Jahrhundert 

Schüler von Honore-Just-Derazey und von Nicolas 
Caussm, in deren Stil er arbeitete. 

CoUeoni, Cesar. — Nizza 

Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. 

Colllchon, Michel. - Paris. 1670. 1693 

Vidal kannte eine sechssaitige Viola aus dem Jahre 1693 
von ihm mit flachem Boden und gelbem Lack; eine 
schöne Baßviola von ihm war 1889 in Paris ausgestellt; 
auch Taschengeigen mit seinem Namen kommen vor. 
Geigenzettel : Michel Collichon / A Paris 1 683 (geschr.). 

Collier, Samuel. — London. 1750. 1755 

Ein Musikinstrumentenmacher dritten Ranges, dessen 
Geigen wenig Wert haben. 

Geigenzettel: Samuel Collier, musical instrument / 
Maker, at Corellis Head, on / London Bridge 1 755 (ge- 
druckt). 

Collier, Thomas. — London. 1775 

Wahrscheinlich der Sohn von Samuel C., dem er auch 
in der Arbeit nahestehen soll. 

Collier and Davis. — London. Ende des 
18., Anfang des 19. Jahrhunderts 

Es ist ungewiß, mit welchen Mitgliedern ihrer Familien 
die beiden identisch sind. Ihre gemeinsame Arbeit ist 
lobenswert, wenn auch die Einlagen fehlen, der rot- 
braune Lack dagegen ist unbedeutend. 
Geigenzettel : Collier and Davis Makers / at N° 7 Fifth- 
Street-Hill-London (gedruckt). 

Colhn s. auch Duchene 
Collln. — Laval. 1900 

Er nennt sich Luthier und handelt auch mit Musik- 
instrumenten. 

CoUin (Colin), Jean und Nicolas. — Mirecourt 

Zwei Geigenmacher, die um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts lebten und ihre Arbeiten gerne aus Paris da- 
tierten. Nicolas C. wird auch als Bogenmacher be- 
zeichnet. Auch ein Jean-Frangois und ein Louis C. 
werden im letzten Drittel des 1 8. Jahrhunderts als 
Geigen- und Bogenmacher erwähnt. 



Collin-Mezin, Charles-Jean-Baptlste. — Paris. 
Geb. in Mirecourt 12. Nov. 1841 
Schüler seines Vaters Claude-Nic. Collin. Er arbeitete 
bei Cl. Fr. Vuillaume und ließ sich zuerst in seiner 
Vaterstadt nieder, siedelte 1867 nach Paris über und 
wohnte stets in der Rue du Faubourg-Poissonniere. Er 
gilt als einer der besten Pariser Geigenmacher, und 
selbst Joachim stellte ihm ein glänzendes Zeugnis aus. 
Er besitzt viele Medaillen, und auch auf der Pariser 
Ausstellung 1900 war er sehr gut vertreten. Er gebraucht 
gedruckte Zettel, denen er seit 1879 noch seine eigen- 
händige Unterschrift hinzufügt. Auch als Wiederher- 
steller alter Geigen ist er sehr gewissenhaft und hat die 
akademische Palme für schöne Künste erhalten. 

Geigenzettel : Ch. J. B. Collin-Mezin fils / luthier ä 
Paris / rue du Faubg. Poissonniere 1 (gedruckt) und 
Abb. 106 und 117. 

Collin-Mezin, Charles. — Mirecourt. Geb. in 

Amboise 25. Okt. 1870 

Sohn von Ch. J. B. Collin-Mezin, ein trefflicher Gei- 
genmacher, der sich auf weiten Reisen, die ihn bis nach 
Amerika führten, vervollkommnete. Er verlegte die 
Werkstatt in die Stammheimat seiner Familie und er- 
hielt auf allen Ausstellungen, die er beschickte, erste 
Preise. Seit 1911 ist er Offizier der Akademie und Mit- 
glied der Handelskammer usw. 

Collin(-Mezin), Claude-Nicolas. — Mirecourt. 
1835. tl865 

Schüler von N. F. Vuillaume, sorgfältig arbeitender 
Meister, war seit etwa 1839 in Mirecourt selbständig 
und galt als tüchtiger Lehrer. 

Colhngwood, Joseph. — London. 1760 

Guter englischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. 
Geigenzettel: Joseph Collingwood / at the Golden 
Spectacles / on London Bridge 17.. (gedruckt). 

Colhns, William Henry. — London. Geb. in 
Marylebone 1860 

Er bildete sich durch Selbststudium nach den besten 
Lehrbüchern aus, baut nach Stradivari und nach 
einem eigenen Modell und verwendet einen Bernstein- 
lack, den er selbst zusammensetzt. 
Geigenzettel: William Henry Collins / London 1901 
(Monogramm) (gedruckt). 

Colonna. — Paris. 1897. 1900 

Ein geschickter Geigenmacher, der jedoch den Neubau 
bald aufgegeben und sich seither ausschließlich als 
Reparateur betätigt hat ^). Er erfand einen mechanischen 
Bogen für Streichinstrumente. 

Colson I. — Mirecourt. 1840 

Gitarren- und Leiernmacher ohne besonderes Ver- 
dienst. Eine Drehleier von ihm besitzt C. Claudius in 
Kopenhagen. 
Geigenzettel : Colson A mirecourt (gedruckt). 

^) Da seine Landsleute »nur noch für Zweiräder Sinn 
haben«, wie er schreibt. 



G)lson II. — Contal 



85 



Colson II. — Mirecourt. 1860. 1893 

Sohn von Colson I. Ebenfalls hauptsächlich Gitarren- 
macher; er steht jedoch wesentlich höher als sein Vater. 

Colton, Walter. — Brooklyn 

Besserer amerikanischer Geigenmacher des 19. Jahr- 
hunderts. 

ColvlUe, David. — Cupar (Schottland). 1845. 

1885 

Von Hause aus Kunsttischler, verlegte er sich mit be- 
sonderer Vorliebe auf den Geigenbau. Im Jahre 1858 
wanderte er nach Neuseeland aus und hat recht gute 
Geigen gemacht. Er war ein Sonderling, aber ein sehr 
talentvoller Mann. Er klebte keine Zettel^ ein, sondern 
schrieb seinen Namen mit Bleistift in seine Geigen. 

Colvin, Gavin. — Sunderland (Schottland). 
Geb. 1841 in Lerwlck (Shetland) 
Er ahmt das große Stradivarimodell nach und hat bis- 
her über 50 Geigen gemacht. 

Geigenzettel: Gavin Colvin / Maker / Sunderland / 
187 . . (gedruckt). • . 

Coly s. Coty 

Comble s. Decomble ' 

Comins, John. — London. 1801 

Schüler von W. Forster, den er ziemlich genau nach- 
ahmte. Auf seinem Zettel gab er neben der Jahreszahl 
auch gerne den Monatstag der Fertigstellung an. 

Comme s. Couicu 

Compalns, Gui. — (?) 1480 

Ein Brabanter Lautenmacher, dessen Name urkundlich 
vorkommt. Vgl. Archives des .Arts (Brüssel). 

• Compare, Vittorlo. — Llvorno. 1899 
Guter Mandolinenmacher. 

Compostano, Antonio. — Malland. 1699. 1710 

Seine Arbeit ist der von Grancino ähnlich. Sein Lack 
ist meistens braungelb, F-Löcher und Schnecke sehr 
sauber durchgeführt, der Ton in der Regel voll und 
wohllautend. Außer Violinen und Violen usw. hat er 
auch Bässe gebaut; einen solchen erwähnt Brunis In- 
ventaire (herausgegeben von Gallay, S. 169) aus dem 
Besitze Debains. Er verwendete gedruckte und ge- 
schriebene Zettel. 

Geigenzettel : Antonio Compostano / Fece in Contrada 
Larga / Milane 1709 (gedruckt). 

Comuni, Antonio. — Piacenza. 1820. 1823 
Geigenmacher aus der Verfallszeit, ohne Eigenart und 
ohne Vorzüge. Er scheint einen gleichnamigen, ge- 
schickteren Sohn gehabt zu haben, der noch um 1860 
lebte. 
Geigenzettel : Abb. III. 

Confector, Franciscus. — Graz. 1 77d 

.Andere lesen Confessor und selbst Contessor. Ich halte 
nur die Lesart Confector für möglich, dann bedeutet das 



Wort allerdings nur »Verfertiger« und ist folglich 
schwerlich der Familienname, vielleicht aber die latei- 
nische Übersetzung eines solchen, zu welcher Annahme 
das nachfolgende »fecit« veranlassen könnte, das nach 
»Confector* überflüssig erscheint. Unter den mir be- 
kannten Grazer Geigenmachern führte um 1 775 keiner 
den Taufnamen Franz, der 1724 vorkommende, etwas 
fragwürdige Franz Alban liegt der Zeit nach zu weit 
zurück, als daß man ihm die (übrigens recht mittel- 
mäßige) Geige mit dem nebenstehenden Zettel zu- 
schreiben könnte. 

Geigenzettel : Franciscus Confector fecit / Graecii 1 775 
(gedruckt). 



Terni. 1828. 



Consessor s. Confector 
Conslll (Consigll), Giovanni. 
1829 

Man weiß von ihm nur, daß er sich viel mit Erfindungen 
an und mit Geigen beschäftigt hat. Seine Arbeiten 
setzte Prof. Demetrio Consili fort, der auch die sog. 
»Poggia-Violino« beschrieb. In einer Geige, die die 
Form einer Viola d'amore hat, findet sich der unten- 
'stehende Zettel. 

Geigenzettel : Giovanni Consigli a Terni in- / vento la 
nuova forma del Violino / per eseguirvi con maggior 
faci- / litä e sicurezza la difficoltä / nelle portamenti 
acuti op. quart. / A. 1829 (gedruckt). — Joannes Con- 
sili / fecit Interamnae / Anno D"» 1828 (gedruckt). 

Constantlni, Nicolaus Franciscus. — 1508 
Das Verzeichnis der Sammlung Keil in Lissabon führt 
eine sechssaitige Viola auf, die ein italienisches .Aus- 
sehen haben soll. Ich bin geneigt, die Jahreszahl 1608 
für richtiger zu halten und irgendeinen Nicola Fran- 
cesco, der in der »Via Constantini« (in Neapel) wohnte, 
als den Verfertiger der Viola anzusehen. 

Contal, Georges. —Paris. Geb. 19. April 1874 

in Mirecourt 

Schüler von Poiion (dem ersten Gelgenmacher der 
Firma Laberte-Humbert freres). Nachdem er in Eng- 
land, in der Schweiz, Tirol, Italien, Belgien und Öster- 
reich-Ungarn durch zelin Jahre gearbeitet hatte, er- 
öffnete er 1899 In Paris seine eigene Werkstatt. Er 
macht gute Gelgen und ist der Erfinder der »Violaline«, 
einer Art Mandoline, die, in der Form einer Viola 
d'amore gebaut, die Mandoline an Tonschönheit und 
Fülle übertrifft. Er macht die Violaline als Sopran-, 
Alt-, Tenor-, Baß- und Kontrabaßinstrument. Für 
seine Geigen usw., die er mit Öl- und Spirituslack 
überzieht, erhielt er 1900 in Paris eine Mention hono- 
rable. 

Geigenzettel: Annee 1901 / Violaline / Brevetee S. G. 
D. G. et deposee en France et a l'Etranger / Georges 
Contal, Paris / Nr. 955 serie B (gedr.), Georges Contal / 
Luthler/ Paris/ Nr. 204 Annee 1910 (geschr.). 

Contal, F. — Mirecourt. 1800. 1830 

Er arbeitete sauber und sorgfällig; besonders seine 
Violoncelli erfreuen sich einer gewissen Wertschätzung, 



86 



Conte 



^ornelli 



lli 



Conte, fils H. — Villefranche 

Eine 1852 begründete Firma, die sich auch mit dem 
Bau von Geigen beschäftigt. 

Conteglacomo, Giovanni. — Turin. 1900 
Italienischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Contreras, Elias. — Guatemala. 1888 

Stellte in Paris eine aus 6114 Stücken zusammenge- 
setzte Gitarre aus. 

Contreras, Jose. — Madrid. Geb. um 1710, 

tum 1780 

Einer der besten spanischen Geigenmacher, dessen 
Arbeiten mit Recht hoch bewertet werden. Er stammte 
aus Granada und führte deshalb auch den Beinamen 
»Granadino«. Er kopierte die Italiener, — Sandys und 
Forster sagen: den Stradivari; doch schließt sich sein 
Modell häufiger dem des Guarneri an. Eine hübsche 
Violine von ihm mit gelbrotem Lack, aus der Samm- 
lung des Prinzen Caraman-Chimay, war 1878 in Paris 
ausgestellt. Vidal liest den Wohnort »Matxiti« statt 
Matriti, und dieser Lese- oder Druckfehler begegnet 
uns seitdem in allen nach Vidal verfaßten Schriften. 
Geigenzettel: Matriti per Granadensem / Josephum 
Contreras / anno 1760 (gedruckt). 

Contreras. — Madrid. Geb. um 1751. 1827 

Sohn, Schüler und Nachfolger von Jose C. Seine Arbeit 
gleicht der seines Vaters, ist aber minderwertig. Er be- 
ginnt um 1 790 seine Geigen mit Nummern zu versehen, 
1792 kommt er bis Nr. 1 1, 1793 bis Nr. 16 usw. 

Geigenzettel: Abb. 142. 
Convert. — Bourg. 1830. 1868 

Ein Dilettant, der einige Leiern im Stile von Louvet 
gebaut hat. 

Conway, William. — London. 1745. 1750 
Wenig bekannter englischer Geigenmacher des 1 8.Jahr- 
hunderts. 

Cook, A., lebte im 19. Jahrhundert in Ipswich 
Cooper, Hugh W. — Glasgow. Geb. 30. Aug. 
1848 in Airdrie 

Nachdem er sich erst als Orgelbauer versucht hatte, 
ging er zum Geigenbau über, den er mit Erfolg zu 
seinem Beruf machte. Er baut frei nach Stradivari und 
Guarneri und verwendet Whitelaws Geigenlack. Er hat 
über 50 neue Geigen gebaut. Vgl. seine Biographie von 
Meredith-Morris in »The Strad« 1900 Nr. 129. 

Geigenzettel : Hugh W. Cooper / Maker / 75 Dumas 
Street / Glasgow (gedruckt). 

Cope & Roberts. — Fitzroy, Melbourne. 1888 
Zwei »Wiederfinder des echten Cremoneser Geigen- 
lacks«, den sie ^>CremonaeRedivivus«(!) nannten. Sie 
erhielten auf der Melbourner Ausstellung für ihre 
Geigen eine Medaille 2. Verdienstklasse. 



Coppi, Sante de. — Mantua. 1800. 1817 

Seine Geigen stehen denen von Alessandro Zanti nahe, 
sind oft von gewöhnlichem Aussehen, klingen aber gut. 
Geigenzettel: Sanctus de Coppi fecit / Mantoae Anno 
1816 (gedruckt). 

Coppo, Armando. — Neapel. 1608 

Giovanni di Enrico bezeichnet ihn m emem Schrift- 
stück als einen vlämischen Lautenmacher, mit dem er 
in Neapel die Werkstatt teilte. 

Coq. — Toulon. 1855 

Er machte Violinen, Violoncelli und Bässe und galt als 
nicht ungeschickt. 



Coquet, Claude. — Paris. 1636 

Er wird als »Luthier« bezeichnet und erscheint als Sach- 
verständiger im Prozeß Medard. Wir haben es hier 
möglicherweise mit einem Vorfahren von Louis Soc- 
quet zu tun. 

Corani, Vincenzo. — Triest. 1830 

Wenig bekannter Geigenmacher, von dem mir einige 
Violinen vorgekommen sind. 

Corara, Giacomo. — Venedig. 1 775 

Geschickter, wenn auch wenig bekannter Geigen- 
macher. 

Geigenzettel : Giacomo Corara / Fecit in Aug° 1 775 / 
Venezia N° 3 (gedruckt). 

Corbucci. — Parma 

Neuerer italienischer Geigenmacher. 

Cordano, Giacomo Filippo. - Genua. 1 770. 1 776 
Seine Geigen verraten eine geschickte Hand und gehen 
auf Cremoneser Vorbilder aus der Ruggeri-Schule 
zurück, wenn sie auch durch ihre höhere Wölbung und 
kürzere F-Löcher seine Eigenart zur Geltung bringen. 
Er verwendete aber auch ein flaches Modell und gelben 
oder braunroten Lack. Ob er mit der Familie Giordano 
in Verbindung zu bringen ist, muß ich dahingestellt 
sein lassen. 
Geigenzettel: Abb. 127. 

Cormatches, Alberto. — Santiago. 1900. 1902 

Erhielt 1901 auf der Panamerikanischen Ausstellung 
eine goldene Medaille für Gitarren, Mandolinen und 
Lauten. 

Corna s. Dalla Corna 

Cornelli, Carlo. — Cremona. 1702 

Bei Vidal findet sich nur der Name und Zettel dieses 
Geigenmachers, von dem es mir nicht möglich war, 
Arbeiten zu erfragen. Auf anderen Zetteln steht zuerst 
>'Cremonae<' und dann erst der Name. Bei Lepke m 
Berlin wurde am 2. Mai 1917 eine Violine mit seinem 
Zettel und der Jahreszahl 1702, die merkwürdigerweise 
fast alle mit seinem Namen vorkommenden Geigen 
aufweisen, versteigert. 

Geigenzettel : Carolus Cornelli fecit / Cremonae anno 
]702(gedruckO. 



Cornelli — Costa 



87 



Cornelli, Giorgio. — Venedig. 1 797 

Ein geschickter Meister, vielleicht Carlo C.s Sohn, von 
dem C. Stoeber in Würzburg eine sehr schöne Violine 
nach einem länglichen Modell mit flacher Wölbung und 
prachtvollem roten Lack besitzt. 

Cornesse fils, Henri. — Troyes. 1900 

Geigenfirma der Gegenwart. 

Cornia, Giuseppe. — Iddiano (Modena). 1 884. 

1894 

Seine Kontrabässe sind in Italien nicht unbeliebt. 

Cornino. — Spilamberto. 1800 

Sein Name findet sich zwar bei Valdrighi (3722), doch 
ist er in Spilamberto selbst unbekannt. 

Cornu. — Marseille. 1759 

Ein gutes Violoncello in italienischem Stil enthielt 
seinen hier mitgeteilten Zettel. Im übrigen schemt er 
wenig Geigen gebaut zu haben, und die wenigen sind 
von sehr gewöhnlicher Arbeit. 
Geigenzettel : Cornu Fecit ' A Marseille 1 759(gedruckt). 

Corolano? (Coriolano?) — Genua 

In einer handwerksmäßig ausgeführten Violine fand 
sich dieser schwer leserliche Name. 

Corradotti, Luigi. — Rom. 19. Jahrhundert 

Guter Mandolinenmacher. 

Correa, Joao (aus Almeida). — Lissabon. 
18. Jahrhundert 

Vielleicht der Sohn Manoels. Der 1794 guillotinierte 
Marquis de Laborde besaß eine Gitarre von ihm mit 
dem Zettel ^) : Joao Correa de Almeida / a fez en Lisboa 
(gedruckt). 

Correa, Manoel. — Lissabon. 17. Jahrhundert 

Er stammte aus Almeida und war wohl ausschließlich 
Lautenmacher. Eine Laute von ihm trägt den Zettel : 
Manoel Correa de Alm^a Violeiro da Rainha NS / Mo- 
rador na Rua direita la / Esperan^ja LX^ (gedruckt). 

Corrien s. Gornen 

Corsby. — Northampton. 1770. 1780 

Bisher sind fast nur Bässe von ihm zum Vorschein ge- 
kommen, die übrigens nicht ungeschickt gemacht sind. 

Corsby, George. — London. 1789. 1830 

Er wohnte in der Princess Street, Leicester Square, war 
Geigenmacher und handelte mit alten Instrumenten. 
Von seinen Arbeiten erfreuten sich namentlich seine 
Violoncelli einer gewissen Beliebtheit. Ob er mit dem 
Northamptoner Corsby verwandt oder gar identisch 
war, konnte ich nicht feststellen. 

Corsini, Pietro. — Arcidosso (Toscana). 1652 

Eine Harfe von ihm besitzt das Musikhistorische Mu- 
seum in Köln. 



^) Gallay: Un inventaire souslaterreurparBruni,S.41. 



Cortaro (Castaro, Corsaro), Antonio. — Rom. 
1614 

Baron schreibt in seiner Untersuchung des Instru- 
ments der Lauten (1727): »Antonio Cortaro hat nach 
ihm (Buchenberg) .'Xnno 1614 in Rom gelebet.« — Ar- 
beiten von ihm sind mir nicht bekannt. 

Corte s. Dalla Corte 

Cortenhout, Jan van. — Amsterdam 

Er wird als »Luthier« bezeichnet; mehr ließ sich nicht 
über ihn in Erfahrung bringen, und auch in »Bouw- 
steenen« I, S. 69, wird nur sein Name ohne weitere Be- 
merkung erwähnt. 

Cortese, Andrea. — Genua. 1920 

Ein .Autodidakt, der sich eine gewisse Geschicklichkeit 
angeeignet hat. 

Geigenzettel : Andrea Cortese all insegna dei ,' tre cuori 
in Genova 19 . . (gedruckt). 

Cortesi, Carlo. — Pesaro. 1612 

Es gibt Geigen im Stile G. da Salos und Marianis, die 

seinen Zettel tragen. Kammermusiker W. F. Borsche 

in Hannover besaß eine sehr hochgewölbte Violine von 

ihm. 

Geigenzettel: Cortesi fecit Pisavri 1612 (gedruckt). — 

Carlo Cortesi (geschrieben). 

Cosetto, Giuseppe. — Venedig. 1786 

Von diesem unverdient in Vergessenheit geratenen 
Meister besitzt Dr. G. Geyer in Budapest eine hervor- 
ragend schöne Violine, stark im Holz, mit auffallend 
kräftigen Ecken, eigenartigen F-Löchern, breiter Ein- 
lage und eigenartiger, um eine Spirale vermehrter 
Schnecke. Der Ton ist groß und edel. Der Körper 
weist eine Länge von 36,4 cm auf. 
Geigenzettel : Giuseppe Cosetto Fexit (sie !) / anno 1 786 
Venezia (geschrieben). 

Costa, di Agostino. — Verona. 1600. 1622 

Er stammte der .\ngabe auf seinen Zetteln zufolge aus 
Brescia und war ein Sohn des Agostino. Er soll einige 
Zeit in Genua zugebracht und — nach de Piccolellis — 
auch in Venedig gearbeitet haben. Eine doppelt einge- 
legte Viola da spalla aus dem Jahre 1600 besitzt die 
Sammlung Correr in Venedig, ein Colascione von 1622 
die Sammlung Crosby Brown in NewYork und eine 
Laute aus dem gleichen Jahre Herr Claudius in Kopen- 
hagen. 
Geigenzettel: Costa di agostino di Brescia 1600 (gedr.). 

Costa s. Dalla Costa 

Costa, Augusto da. — Funchal 

Mandolinenmacher des 19. Jahrhunderts. Eine Arbeit 
von ihm befindet sich in der Sammlung Keil in Lissa- 
bon. 

Costa, Diego. — Cadix. 1790 (?) 

Seiner Arbeit nach dürfte er in Italien gelernt haben. 
Er wohnte in der Calle de Cobor und ist nur als Lauten- 
und Mandolinenmacher bekannt. Eine Bandurria von 
ihm besaß Paul de Wit. 



88 



Costa — Couturieux 



Costa, FellceMorl.— Parma. 1804. 1812 

Andere nennen ihn Mori-Costa. Seine Arbeit ist nicht 
schlecht, aber ohne bemerkenswerte Eigenschaften. 

Geigenzettel: Abb. 105. 

Costa, Giovanni Battista. — Venedig. 1770 

Vermutlich ein Schüler von Santo Seraphin, an den 
seine Arbeit auffallend erinnert, besonders bevorzugte 
er ein an J. Stainer erinnerndes Modell. Arbeit und 
Schnecke kommen S. Seraphin bis zum Veryk-echseln 
nahe, nur der Lack ist wesentlich dünner und hat 
weniger Feuer. Daß seine Geigen jetzt so selten vor- 
kommen, hat seinen Grund wohl darin, daß sie längst 
zum größten Teil als Arbeiten S. Seraphins im Ver- 
kehr sind. 

Costa, Ludovico. — Urbino. 1 786 

Der Name findet sich in mittelmäßigen Geigen, bei 
denen das Alter glaubwürdiger ist als die Herkunft. 

Costa, Alfonso della. — Neapel. 1876 

Ein neuerer Neapolitaner, von dem u. a. einige gute 
Violoncelli bekannt sind. 

Cotton, Robert. — Rouen. 17. bis 18. Jahrb. 

Eine Viola bastarda aus der Sammlung Snoeck (Nr. 477) 
von sonderbarem und ungewöhnlichem Modell, rot 
lackiert, trägt zwar seinen Namen, doch war in Rouen 
über ihn nichts zu linden. A. Jacquot hält es für mög- 
lich, daß Cotton englischer Abstammung war. 
Geigenzettel: Robert Cotton / ä Rouen (gedruckt). 

Coty, Jean-Claude (Pierre du). — Versailles. 
1787 

Mittelmäßiger französischer Geigen- und Lauten- 
macher des 18. Jahrhunderts. 

Geigenzettel : Jean-Claude Coty luthier / A Versailles 
1787 (geschrieben). 

Coucbet, Jean. — Antwerpen. 1642. f 1665 

Nur als Klavezinmacher und Orgelstimmer bekannt ; in 
gleicher Eigenschaft kommt noch 1665 ein Joseph 
Couchet und 1666 ein Abraham C, der auch als ge- 
schickter Maler bekannt ist, sowie 1696 ein Jan Couchet 
vor. Welchem von diesen eine Laute mit dem Namen 
Couchet, die ein rheinischer Sammler besaß, zuzu- 
schreiben ist, läßt sich nicht entscheiden. 

Couder freres. — Paris. 1850 

Diese Gebrüder erfanden eine neuartige Form der 
Geige und nahmen darauf 1850 ein Patent. Ein Exem- 
plar ihrer Geigen befindet sich im Pariser Konser- 
vatorium. Eine solche in Form eines Halbmonds, ohne 
Resonanzboden, besaß C. C. Snoeck. 

Couicu. — Blois. 1642 

Der Name wird verschieden angegeben, am häufigsten 
»Coincu«, aber auch »Comme*. Vielleicht ist Couicu 
(möglicherweise eine Dialektform des Namens Kukuk) 
die richtigste Lesart. Eine Laute von ihm besaß nach 
Brunis Inventaire die Gräfin Lowendal. Im Archiv der 
Stadt Blois war leider nichts über einen .so oder ähnlich 
heißenden Lautenmacher zu finden. 



Coulson, M. — Stamfordham 

Englischer Geigenmacher des 18. Jahrhunderts. 
Geigenzettel: Abb. 149. 

Courier, Fran^ois. — Rouen. 1668 

Er gehörte der Zunft der »Menetriers« in Rouen als 
Meister an und wird ausdrücklich als *faiseur d'instru- 
ments de musique* bezeichnet, was bemerkenswert ist, 
da dieser seit dem 14. Jahrhundert bestehenden Zunft 
außer den Lauten- und Gelgenmachern auch die Mu- 
siker und die Tanzmeister angehörten. 

Cousin, Jean -Christophe, s. Job. Christ. I 
Vetter 

Cousineau, Georges (nach andern: Pierre- 
Joseph). — Paris. 1769. 1788 

Er war zwar 1769 geschwomer Meister der Pariser 
Lautenmacherzunft, hat aber nur als Harfen- 
macher und Musikalienhändler ein Verdienst; doch 
zeigte er in den Blättern an, daß er alle Sorten von 
Geigen, Gitarren, Mandolinen und Harfen usw. mache 
und verkaufe. Auch auf seiner sehr hübsch von Pruneau 
nach St. Aubin gestochenen Adreßkarte nennt er sich 
ausdrücklich Luthier; doch liegt es nahe, anzunehmen, 
daß er fremde Arbeiten verkauft habe. 

Geigenzettel : Rue des Poulies, vis-ä-vis la Colonade du 
Louvre. / »A la Victoire.« / Cousineau, luthier, fait et 
vend harpes, lyres, violons, violon- / cellos, contrabasses 
pardessus de viole, altviola, guitares, violes / d amour, 
mandolines. sistres et autres instruments de musique. 
11 vend aussi des cordes de Naples et tient magasin de 
Musique / fran?aise et italienne. Son epouse grave la 
musique (gedruckt). 

Cousineau, Jacques-Georges. — Paris. Geb. 
13. Jan. 1760, t 1824 

Sohn von Georges (Pierre-Joseph) C. Er war seit 1 775 
Teilhaber des väterlichen Geschäfts, das dann die 
Firma »Cousineau pere et fils<' führte, und wurde 1788 
»Luthier de la Reine«. Obwohl er hauptsächlich Harfen- 
macher und tüchtiger Harfenspieler war, kennt man 
doch auch Violen und Bässe von ihm. Er gebrauchte 
eine Brandmarke mit seinem Namen. 

Couturieux (Couturier), N. — Toulon. 1842. 

1850 

Einer der besseren französischen Geigenmacher im 
Stile von Nicolas. Er stammte wahrscheinlich aus Mire- 
court und hat gute Geigen gemacht, die durch hübsches 
Holz, saubere Arbeit und ihren reichen, dunkelroten 
oder gelben Lack sowie den oft vollen, süßen Ton auf- 
fallen. Er brannte in seine Violinen häufig die Buch- 
staben N. C. ein. Brandmarke: Nr. 66. 

Couturieux. — MIrecourt. 1835. 1848 

Seine Geigen sind gewöhnliche Handelsware; er da- 
tierte sie gerne aus Paris odQr nannte sich wenigstens 
»luthier de Paris« und arbeitete im Stile von Nicolas. 
Um 1850 bestand eine Fabrik unter der Firma Coutu- 
rieux & Heroux. 



Coviaux — Cristofori 



89 



Coviaux s. Lippi 

Cox, N. — London, Holborn. 1674 

Altenglischer Geigenmacher, von dem ich jedoch bisher 
keine zweifellos echte Arbeit kennen lernen konnte. 

Cozzl, Battista. — Venedig. 19. Jahrhundert 

Wenig bekannter Geigenmacher, dessen geschriebener 
Reparaturzettel manchmal vorkommt. 

Cralg, John. — Edinburgh. Geb. 17. Nov. 
1860 in Kirkinch bei Meigle 

Er ahmt das Stradivanmodell frei nach und verwendet 
Whitelaws ».Amati-Lack«. Seine Arbeit erinnert etwas 
an die Matthew Hardies. 

Geigenzettel : John Craig, / Maker / Edinburgh. A. D. 
1897 (gedruckt). 

Craile (Graill), Magno. — Rom. 1606. 1631 

In Rom ansässiger, deutscher oder vlämischer Lauten- 
macher, der 1606 urkundlich (als Zeuge) erwähnt wird. 
Er kommt 1627 und 1631 noch vor und soll besonders 
gute Archilauten gebaut haben. 

Cramond, Charles. — Aberdeen. 1800. 1834 

Er kam vom Pfluge her nach Aberdeen und war ein 
äußerst fleißiger Geigenmacher, der jahrelang jede 
Woche eine Geige fertigbrachte. Seme Geigen wären 
nicht schlecht, wenn er sie nicht zu dünn im Holz ge- 
macht und schlecht lackiert hätte. Auf seinen Zetteln 
fehlt meistens die Jahreszahl ; er gebrauchte auch einen 
Brandstempel »Cramond, Aberdeen". Im Jahre 1834 
wanderte er nach St. John in Neu-Schottland aus und 
machte dort Gewehrschäfte. 

Geigenzettel: Chas. Gramond / Maker / Aberdeen 
(gedruckt). 

Craske (Crask), George. — Bath, Leeds, 
Sheffield, Birmingham, Manchester, Stock- 
port. Geb. 1797 in Bury St. Edmunds, 
f 1888 in Stockport 

Als Jüngling kam er zu William Forster in die Lehre, 
trat später zu dem berühmten Klavierspieler Clementi 
in Beziehung, namentlich aber zu Thomas Dodd, der 
einen neuen Geigenlack erfunden hatte und junge Leute 
beschäftigte, die für ihn arbeiten mußten ; unter diesen 
war auch Craske. Er verließ Dodd aber bald wieder und 
ließ sich in Bath nieder. Er hatte hier keinen sonder- 
lichen Erfolg und siedelte nach der Reihe nach Leeds, 
Sheffield und Birmingham über. In Birmingham hielt 
er sich über 20 Jahre auf, um dann für ein Jahr nach 
Manchester und von da nach Stockport (Distrikt Sal- 
ford) zu ziehen. Er war eine echte Künstlernatur, aber 
voll Schrullen und Eigenheiten, die sich im Alter immer 
mehr ausbildeten. Obwohl er unermüdlich tätig war 
und noch in seinem 90. Lebensjahre arbeitete — er hat 
über 3000 Violinen, Violen und Violoncelli und etwa 
20 Kontrabässe gebaut — und von den bedeutendsten 
Virtuosen hochgeschätzt wurde, brachte er es doch zu 
keinem Wohlstande. Seme Arbeiten sind nach den 
besten italienischen Vorbildern sehr sauber ausgeführt 



und werden jetzt von Jahr zu Jahr besser im Ton. Seine 
Biographie veröffentlichten G. Crompton in »The 
Strad« 1893 und Arthur Broadley in der Zeitschrift 
»Musical News« 1901, Nr. 553: »An english Stradi- 
varius«. Drei Violinen von ihm aus den Jahren 1820 bis 
1836 waren 1880 in Edinburgh ausgestellt. Seinen Nach- 
laß (70 Violinen, 10 Violoncelli, eine Anzahl Violen und 
12 Kontrabässe) erwarben W. E. Hill & Sons in Lon- 
don, die seine Arbeiten besser zu verwerten wußten, 
als er dies selbst bei Lebzeiten gekonnt hatte. 
Geigenzettel: Made by George Craske / (born 1797, 
died 1888 / and sold by / William E. Hill & Sons. Lon- 
don (gedruckt). 

Cravtchenko (Craftschenko) s. Krawtschenko 
Cremona, Girolamo. — Turin 

Von Valdrighi (754) erwähnter Geigenmacher; der 
Name ist vermutlich durch Mißverständnis eines in 
Turin gefälschten Amati - Zettels aus »Hieronymus 
Cremonensis« entstanden. 



^ricca 



.Alf 



onso. 



'errara. 



1591 



Ein Instrumentenmacher, der wohl auch Lauten ge- 
baut hat, vorzugsweise aber Klaviere und Orgeln. 

Cricca, Giulio. — Ferrara. 1 594 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und war der 
Bruder von Alfonso. Die Brüder hatten, wie auch der 
Orgelbauer Hyppohto Cncca^), den Beinamen »Paia- 
rini«, »Pagliarini«. 



Geb. 



Cnsta s. Christa 

Cristofaro, E. de. — Neapel und Paris. 
11. Febr. 1870 in Neapel 

Schüler seines Vaters und wie dieser Mandolinen- 
macher. Er machte sich 1892 selbständig und verlegte 
seinen Wohnsitz nach Paris. Seine Mandolinen sind von 
sauberer Arbeit und schön im Ton. 

Geigenzettel : Fabbricazione Artistica / di Mandolini e 
Mandole Napoletani con nuovo sistema tnplando la 
sonoritä. E. de Cristofaro / 1 99 t>'s Via Mergellina Na- 
poli. Vendita e deposita / a Paris (gedruckt). 

Cristofori (Cnstofali ?), Bartolommeo. — Flo- 
renz. Geb. um 1667 (in Cremona oder 
Padua?), fnach 1720 

Im Jahre 1680 findet sich ein Bartolommeo Cristofori, 
13 Jahre alt, als Schüler N. Amatis angegeben. Das 
Museum »deir Istituto musicale« in Florenz besitzt 
einen schönen Kontrabaß von ihm. Fiorini in München 
besaß ein schönes Cello von ihm mit der Jahreszahl 
1716. Die Versuchung liegt nahe, diesen Cristofori 
(dessen Name nach dem Giornale de Letterati d'Italia 
B.V. 1711 richtig »Cristofali« lauten müßte) mit dem 
berühmten Erfinder des Hammerklaviers oder richtiger 
gesagt: der Stoßzungenmechanik zu identifizieren; 
doch spricht die Tatsache dagegen, daß als Geburts- 
datum des Erfinders des Hammerklaviers der 4. Mai 



^) Er hatte schon 1598 ein Tasteninstrument gebaut, 
dem er den Namen »Piano e forte* gab, 



90 



Cristofori 



alt 



1 655 feststeht, während der Amatischüler zwölf Jahre 
jünger war, worauf Georg Kinsky in seinem Katalog 
des Musikhistorischen Museums von W. Heyer in Köln 
mit Recht hinweist. — Die ältesten Arbeiten des Gei- 
' genmachers Cristofori sollen die Jahreszahl 1 700, die 
letzten 1720 tragen. 

Geigenzettel : Bartolommeo Cristofori Firenze 1715 
(gedruckt). 

Cristofori, Francesco. — Chicago. 1879. 1882 

Ein Italiener, der mehrere Jahre lang als Geigenmacher 
in Amerika lebte, später aber wieder in seine Heimat 
zurückkehrte. 

Cnstonl, Eusebio. — Modena. 1847. 1883 

Einige seiner Geigen sind recht sauber gearbeitet, wenn 
auch weder originell noch hervorragend. 

Cristophon, Joannes. — Vienne (?). 1746 (?) 

In einer Violine, die nicht sehr sorgfältig gearbeitet 
war und eine plumpe Schnecke und weite F-Löcher 
hatte, befand sich dieser Name auf einem schwer leser- 
lichen Zettel. 

Croft, W. H. — 1822 

Englischer Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 
19. Jahrhunderts. 

Croft & Son. — Birmingham. 1871. 1880 

Eine englische Streichinstrumentenmacherfirma aus 
dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, die 1871 be- 
gründet wurde und vor 1898 erloschen sein muß. 

Crompton, Edward. — Manchester. 1886 

Erhielt 1886 in Edinburgh für seine Geigen eine 
bronzene Medaille. 

Crosby, G. R. — Dewsbury. 1900 

Englischer Geigenmacher der Gegenwart. Auch in 
Nottingham lebte ein Crosby als Geigenmacher. Ein 
George Crosby in London, der schon um 1790 vor- 
kommt, war hauptsächlich Händler, weshalb die mit 
seinem Namen vorkommenden, meist nach Amati ge- 
bauten und mit dünnem, rotbraunem Lack versehenen 
Arbeiten schwerlich von ihm selbst herrühren dürften. 

Cross, Nathaniel. — London (Aldermanbury). 

1700. 1751 

Einer der bekanntesten Vertreter der englischen Schule. 
Er hat das Stainermodell gut studiert und baute recht 
genau danach. Daß er aber selbst bei Stainer ge- 
lernt hat, wie man früher gerne behauptete, ist ausge- 
schlossen. Seine Geigen haben einen edlen, kräftigen 
Ton und sind gelb lackiert. Seit 1715 war er Gesell- 
schafter von Barak Norman, doch ist seine Arbeit leicht 
von der Normans zu unterscheiden. Er bezeichnete 
seine Geigen im Innern in der Mitte des Bodens mit 
einem Kreuz (»Cross«) unter den Buchstaben N. C. 
Arbeiten von ihm findet man in verschiedenen Samm- 
lungen. Eine Violine von 1731 besitzt J. T. Chapman. 

Geigenzettel : Nathaniel Cross, Maker / the George Jnn, 
Aldergate Street / London 1731 (geschrieben). Brand- 
marke Nr. 65. 



Cross, W. S. — Cleveland. 1900 

Amerikanischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Crowther, John. — London. 1755. f um 1810 

Er arbeitete gewöhnlich für Händler, so auch für John 
Kennedy, weshalb sich sein Name nur selten in seinen 
Arbeiten, die übrigens recht gut sind, vorfindet. 
Geigenzettel : John Crowther / Haughton Street / Cläre 
Market 1 760 (gedruckt). 

Crugrossi (?), Vincenzo. — Florenz. 1767 

Bisher nur von Valdnghi (768) erwähnter Geigen- 
macher, dessen Name wahrscheinlich falsch gelesen ist. 

Cruz-Abrantes, Jose Gaetano da. — Villa Nova 
de Fakem. 1900 

Portugiesischer Mandolinen- und Gitarrenmacher der 
Gegenwart. 

Cruz-Müra, Antonio Joseph da. — Porto. 1 867 

Er stellte 1867 in Paris eine Violine aus, die eine gute 
Schule und Geschmack verriet. 

Csutor, Alexander (Sändor) Nagybanya. — 
Budapest. Geb. 1840 

Em von Dr. J. Geyer erwähnter Forstrechnungsrat, der 
aus Liebhaberei viele Geigen gemacht hat. 

Cuchet, Gaspard. — Grenoble. 1729 

Seine Geigen sind sauber gearbeitet, aber nicht sonder- 
lich schön in der Form. 

Geigenzettel : Fait par Gaspard Cuchet ä / Grenoble 
Mil sept Cent 29 (gedruckt). 

Cumming, Andrew. — Portpatrick. Geb. 

19. April 1848 in Kirkcolm, Wigtonshire 

Aus Liebhaberei begann er seit 1892 Geigen zu machen 
und hat seitdem über 100 Violinen gemacht. Die 
meisten haben keine Einlage und sind mit Kauriharz 
lackiert. Er klebt keine Zettel ein, sondern schreibt 
in seine Arbeiten: Handmade violin, home grown 
wood, by A. Cumming Nr. 49 (1897). 

Cunault, Georges. — Paris. Geb. in Paris 

20. März 1856 

Von 1872 — 1873 Schüler von Seb. Vuillaume und von 
1873—1880 von Miremont. Von 1880—1882 arbeitete 
er in seiner Wohnung für verschiedene Meister, so für 
E. Germain usw. und eröffnete 1882 seine eigene Werk- 
statt Faubourg Poissonniere 53, die er 1884 nach der 
Rue des Martyrs 29, 1889 nach der Rue Clauzel 6, 
1893 nach der Rue de Navarin 21 und zuletzt in 
derselben Straße nach Nr. 19 verlegte. Er kopiert alle 
großen Meister und besitzt auch ein von ihm selbst 
entworfenes Modell, bei welchem er die größte Fülle 
und Gleichmäßigkeit des Tons zu erreichen sucht. Er 
legt eine anerkennenswerte Sorgfalt auf die Wahl des 
Holzes und verwendet Ollack. Seine Geigen sind recht 
gut und jedenfalls vielen mittelmäßigen oder verdor- 
benen, die nur den Vorzug des" Alters haben, vorzu- 
ziehen. 
Geigenzettel: Abb. 101 und 133. 



Cunha-Mello — Czyz 



91 



Cunha-Mello, Joaquim da. — Porto. 1900 

Mandolinen- und Gitarrenmacher der Gegenwart. 

Cunln, Albert. — ? 

In einer Geige, vielleicht aus der zweiten Hälfte des 
19. Jahrhunderts stammend, von französischem (Mire- 
courter) Aussehen, fand sich dieser Name eingebrannt. 

Cuniot-Hury. — Mirecourt. 1875. 1900 

Bessere Geigen- und Bogenfabrik der Gegenwart, die 
1873 gegründet wurde und die Firma *ancienne Maison 
Vuillaume« führt. Der um 1912 verstorbene Eugene 
C.-H. war am 22. Dez. 1861 geboren. 

Cuny.— Paris. 1777. 1778 

Er lebte wahrscheinlich in Mirecourt und hielt sich 
nur zeitweise in Paris auf. Seine Geigen sind von ganz 
gewöhnlicher Arbeit und haben dicken, braunen Lack. 
Vidal schätzte sie seinerzeit auf höchstens 30 — 40 Fran- 
ken. Eine Violine im Museum des Pariser Konser- 
vatoriums (Nr. 14) trägt den Brandstempel: Cuny a 
Paris. 



Cuny, Fran^ois. 



Vielleicht mit dem noch 
Geigenmacher identisch 
Vater. 



Mirecourt. 1751. 1767 

778 in Paris vorkommenden 
wahrscheinlicher aber sein 



Cuppin, Giovanni. — ? 

So liest Vidal den Namen in einer sehr alten Baßviole 
der Sammlung Gautier in Nizza. (Ohne Rand und 
Reifchen. Die F-Löcher hübsch geschnitten: gelber 
Lack.) Valdnghi erwähnt diesen Meister unter Nr. 3727. 
Wo er gelebt hat ist unbekannt. 

Curatoli, Antonio. — Neapel. 1900 

Em Streichinstrumentenhändler, der auch gelernter 
Geigenmacher sein soll. 

Cusumano, Giuseppe. — Tunis. 1854 

Eine gitarrisierte Laute von ihm befindet sich in W. 
Heyers Musikhistorischem Museum in Köln No. 575. 

Geigenzettel: Giuseppe Cusumano. / Tunis 1854 (ge- 
schrieben). 

Cuthbert, Robert. — London. 1690 

Man kennt Violen und Violinen von ihm, die durch ihr 
flaches Modell und ihren schönen, dicken Lack, der 
freilich häufig zu dunkel ist, bemerkenswert sind. So- 
wohl in der Arbeit wie im Holz sind seine Instrumente 
gut. Eine Violine von ihm besitzt J. T. Chapman. 

Cuvillier. — Paris. 1897. 1900 

Streichinstrumentenhändler und Geigenmacher. 



doch war es mir nicht möglich, eine einwandfreie und 
echte Arbeit von ihm näher kennen zu lernen, oder in 
Holland auch nur zu erfragen. 

Geigenzettel : Johannes Cuypers fecit in Haag 1707 
(gedruckt) und Abb. 100. 

Cuypers, Jan. — Haag. Geb. 1719, f nach 
1806 

Angeblich Neffe und wohl auch Schüler des alten Jan 
C. Seine Geigen sind meist schwerfällig in der Form 
und zu stark im Holz, aber fast immer nach Stradivari 
gebaut. Sie haben schwere Ränder und dick aufge- 
tragenen Lack. Der Ton ist sehr klar, aber etwas hart. 
Er schreibt seinen Namen auch »Koeuppers«. Seine 
Arbeiten kommen häufig vor. Eine Geige von 1798 bei 
Scheurleer, eine neunsaitige Gitarre im Museum zu 
Brüssel Nr. 259. 

Geigenzettel : Johannes Cuypers, / Fecit 's Hage A° 
1 782 (gedruckt). — Johannes Cuypers / fecit S : hage 
1802 / aetatis suae 83 (geschrieben). 

Cuypers, Johannes Bernardus. — Haag. 1810 

Vielleicht ein Sohn von Johannes C, den er nachahmte, 
aber nicht erreichte. Seine Arbeit ist roher, der Ton 
weniger gut, nur der Lack ist trotz seiner Härte recht 
schön und heller (gelblicher) als der des Vaters. Er ver- 
wendete geschriebene Zettel : 

Job. Bernardus Cuypers / fecit 's Hage 1810. 

Cuypers, Johannes Frans. — Amsterdam. 
1783. 1811 

Angeblich ein Neffe von Johannes C. Er dürfte im 
Haag gelernt haben und muß auch nach Italien ge- 
kommen sein, wo er seine letzte Ausbildung fand. Er 
arbeitete nach talienischen Grundsätzen und besaß 
eine gewisse Handgeschicklichkeit, doch sind seine 
Arbeiten meist zu schwer im Holz und haben dicke 
Ränder. Zwei Geigen von ihm besitzt der ehemalige 
Sekretär der Südafrikanischen Republik Dr. Leyds. In 
der Sammlung Scheurleer ist eine Taschengeige von 
ihm, bei der Boden und Zargen aus einem Stück ge- 
stochen sind. 

Geigenzettel : Johannes Franciscus Cuijpers / fecit 's 
Hage 1783 (gedruckt). — Johannes Franciscus Cuypers/ 
Fecit Amsterdam 1811 (geschrieben). 

Czejka (Cejka), Joseph. — Prag. 18. Jahrh. 

Geigen von ihm habe ich bisher nicht kennen gelernt. 
Seine (1733 geborene) Witwe Veronika starb am 9. Jan. 
1826 in Prag. 

Czejka s. Cejka 



Cuypers, Jan (Johannes) der Alte, (de oude). — Czyz, Jan. — Krasnobrody. 1 896 

Haag. I /U/. I /Z\j\^?) Ist mir nur als Reparateur bekannt geworden. 

Er wird als das Haupt der Familie bezeichnet, und Geigenzettel: Koregowal Jan Czyz zo Krasnobrodzie 

J. Roumen lobt ihn als sehr tüchtigen Geigenmacher; 1896 (geschrieben). 



92 



Daboll — Dalla Costa 



Daboll, L. Norman. — New London (Conn. 
Am.). 1894 

Amerikanischer Geigenmacher und -händler aus dem 
letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts. 

Dcj,browski s. Dombrowski 
Däblitz, J. Gottfried. — Tapiau (Ostpreußen). 
1850. t 12. Okt. 1899 

Em Kapellmeister, der sich auch mit dem Geigenbau 
beschäftigt hat. Er war mindestens seit dem Ende der 
siebziger Jahre in Tapiau ansässig und hat viele Geigen 
repariert. Für einen Dilettanten besaß er ein be- 
merkenswertes Geschick, und so hat er für seine neuen 
Geigen allerlei Ausstellungspreise erhalten. Rechnungs- 
rat Friedrich in Posen besitzt eine nach einem läng- 
lichen Modell gebaute Viola von ihm, gute Arbeit, 
gutes Holz, gelbbraun lackiert. Die F-Löcher erinnern 
an Stainer, die Schnecke ist tief ausgestochen. 

Geigenzettel: J. G. Däblitz / Musiker und Geigen- 
macher / Tapiau. 1881 Oithographiert). 

Dähn, Christian Friedrich. — Klingenthal. 
1737 

Kommt nur im Kassabuch der Innung als Meister vor. 
Dänzel s. Tentzel 

Dagli Instrumenti, Marco. Ferrara. 1541 

Nach den Zahlamtslisten hat er für die Herzöge Alfonso 
und Alfonsino d'Este sechs Violinen gemacht. Auch ein 
Domenico dagli Instrumenti kommt vor; der eigent- 
liche Familienname ist aber nicht bekannt. 

D'Agostino, Nicolo. — Palermo. 19. Jahrh. 
Er hatte in der Via Macqueda seine Werkstatt und war 
am besten als Lautenmacher. 

Dahlström, Joh. Reinhard. — Hamburg. 1 788 

Er wurde als »Instrumentenmacher« am 31. Oktober 
1788 Bürger; ob er jedoch auch Geigen und Lauten 
gemacht hat, war nicht nachzuweisen. 

Dal Chitarrino (Gitarino), Biagio. — Ferrara. 
1464. 1467 

Modenesischer(?) Lautenmacher, den auch Valdrighi 
(1248) erwähnt, doch hieß er wahrscheinlich Polverino 
(s. d.). Auch ein Pietrobono dal Chitarrino kommt 
1445 — 1446 als trefflicher Lautenist vor, von dem je- 
doch nicht feststeht, ob er auch Lautenmacher war. 

Dalgarno, Thomas. — Aberdeen. 1860. 1870 
Em Geigenliebhaber, der auf Grundlage der Unter- 
weisungen, die er in Ottos kleiner Schrift fand, etwa 
20 Violinen, mehrere Violoncelli und einen großen Baß 
gemacht hat. Er verwandte einen Spirituslack. 

Geigenzettel : Thomas Dalgarno / Aberdeen 1865 (ge- 
schrieben). 

Dahnger (Dallinger), Sebastian. — Wien. 1 768. 
1809' 

Er wohnte im Kärnthner Viertel, Himmelpfortgasse, 
und legte am 23. Januar 1768 den Bürgereid ab. In den 



Steuerbüchern kommt er bis 1787 vor. Er war ein mit 
Th ir auf gleicher Stufe stehender, sehr tüchtiger Lauten- 
und Geigenmacher, von dem namentlich die Violon- 
celli sehr gesucht sind. Ein solches von 1771 besitzt das 
Schottenstift in Wien. Er schrieb seinen Namen stets 
Dalinger, in den Akten liest man dagegen: Tallinger, 
Tällinger und Dallinger. Sein Holz ist gut, wenn auch 
nicht ausgesucht schön, die Arbeit sorgfältig. Umriß- 
linien, Wölbung und F-Löcher sind von schönem 
Schwung und an das Stainermodell erinnernd. Seine 
Schnecken oder Löwenköpfchen (die er gerne anbrachte) 
sind gewöhnlich aus Birnbaumholz geschnitzt. Der 
Lack ist in der Regel dunkelbraun und ohne Feuer, 
manchmal aber auch gelb; so besitzt Korecky in Prag 
ein Violoncello von ihm aus dem Jahre 1803 mit gelb- 
lichem Lack. Seine dunkeln Geigen erreichen zwar 
gute Preise, doch sind tadellos erhaltene Violinen mit 
gelbem Lack mehr als das Doppelte wert. Er machte 
auch recht gute Kontrabässe, von denen viele Schlangen- 
linien als Schallöcher haben. 

Geigenzettel: Abb. 150 und 160. 

Dalla Corna (Della Corna), Giovan Giacomo — 

Brescia. Geb. um 1484, f nach 1548 
Er war ein Sohn des Giovan Maria dalla Corna und 
wohnte in der Contrada del Canto Bombasar. In seiner 
Steuererklärung vom Jahre 1534 bezeichnet er sich als 
50 Jahre alt, wobei seinem Namen der Zusatz »che fa 
lauti« beigefügt ist. Arbeiten von ihm sind bisher nicht 
bekannt geworden. In späteren Jahren scheint er die 
Lautenmacherei aufgegeben zu haben, denn nach seiner 
Steuererklärung von 1548 zu urteilen handelte er zu- 
letzt mit Waffen usw. De Piccolellis, Vidal, Fenaroli 
hatten nur Lanfranco als einzige Quelle und geben so- 
wohl die Vornamen als die Jahreszahlen ungenau. 

Dalla Corte, Alfonso. — Neapel. 19. Jahrh. 

Seine Geigen sind gute Nachahmungen der alten 
Meister, sein gelber Lack zeigt jedoch mehr den Cha- 
rakter der Mailänder als der Neapolitaner Schule. 
Übrigens wendet er den Lack in verschiedenen Far- 
ben an. 

Dalla Costa, Marco. — Treviso. 1640. 1680 

Vielleicht der Großvater oder auch Vater von Pietro 
.Antonio. Alfred Keil in Lissabon besitzt eine Taschen- 
geige mit drei Saiten von ihm aus dem Jahre 1640. 



Dalla Costa, Pietro Antonio. — Treviso. 
1768 



1700. 



Der Name wird auch Dalla Caesta gelesen. Er war ein 
Nachahmer der Brüder Amati, was er ausdrücklich 
betont, aber auch Stradivaris, und arbeitete recht 
sauber; namentlich sein prachtvoller rotbrauner oder 
gelber Lack ist zu loben. Er soll auch in Mantua und 
Venedig gearbeitet haben; das könnte allerdings nur 
vorübergehend oder vor 1720 und nach 1757 gewesen 
sein. Sein Name wurde von Fälschern gern miß- 
braucht^), wodurch sich die ungewöhnlich weit aus- 
einanderliegenden Jahreszahlerv, die man neben seinem 



^) Die gefälschten Zettel fallen meist durch ihr fehler- 
haftes Latein auf. 



Dair Aglio — Dankwart 



93 



Namen angegeben findet, wohl einigermaßen erklären 
lassen. Eine schöne Geige von ihm besitzt Dr. Schulze 
in München. 

Gelgenzettel : Petrus Antonius a Costa fecit / Tarvisu, 
Anno 1740 (gedruckt). — Petrus Antonius a Costa 
fecit ad / Similitudinem illorum quos fecerunt: An- 
tonius & Hieronymus Fratres Amati / Cremonenses 
Filii Andreee. Tarvisii Anno 1757 (gedruckt) und 
Abb. 167. 

Dali" Aglio, Giuseppe I. — Mantua. 1723 (?) 

1775 (?) 

Wenn der nachfolgende Zettel nicht gefälscht ist, was 
Valdrighi auch bei einem solchen mit der Jahreszahl 
1719 für möglich hält, dann hat Gius. II. D. A. einen 
gleichnamigen Vorfahren gehabt, dessen Arbeit aller- 
dings nicht her\'orragend war. Ich fand eine Geige mit 
dem gleichen Zettel und der Jahreszahl 1 775 oder 1 745. 

Geigenzettel: Abb. 182. 

Dair Aglio (Dalaglio), Giuseppe II. — Man- 
tua. 1795. Soll 1840 noch gelebt haben 

Seine Geigen haben manche Ähnlichkeit mit denen 
C. Camillis, doch nimmt er die Wölbung höher. Der 
Lack ist gelb, und die F-Löcher sind etwas steil, die 
Schnecken gewöhnlich in der Form und oft sogar 
plump. Am besten sind seine Violoncelli. Gustav Siefert 
in Leipzig besitzt eine schöne Violine von 1781 und ein 
Violoncello von 1800 von ihm, das in seiner Form an 
Peter Guameri erinnert und durch sehr schöne F- 
Löcher auffällt. 
Geigenzettel: Abb. 153 und 178. 

Dalla Porta, Marc Antonio. — Venedig. 1 601 
Dem Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe 
wurde vor einiger Zeit eine Laute zum Kauf angeboten 
mit dem Zettel : Marc Antonio dalla Porta / in Venecia 
(sie) MDCI. (gedruckO- Vielleicht dieselbe Laute (mit 
sechs Wirbeln) wurde am 14. Juli 1917 bei Helbing in 
München versteigert. Gewölbter Körper in ge- 
flammtem Ahornholz, Decke mit Ebenholzauflage, am 
Steg und am Schalloch Perlmutterverzierung. 

Dair Hocha, Gasparo. — Ferrara. 1568 

Nach Valdrighi (1483) nicht nur ein Lautenmacher, 
sondern auch als Lautenspieler bekannt. Vermutlich 
von deutscher Abstammung. 

Dallemagne, Pierre. — Mirecourt. f 1 739 
Unbedeutender Geigenmacher. Ein gleichnamiger, 
vielleicht der Sohn, starb 1748. 



nacr 



Dal Liuto s. Simone (Semola) 
Dair Oglio, Domenico. — Padua. Geb. 
1700, finNarwa 1765 

Ursprünglich Mechaniker, ging er schon in jungen 
Jahren zur Musik über und wendete sich nebenbei mit 
Erfolg dem Geigenbau zu. In seiner Arbeit zeigt sich 
der paduanische Stil, der auch in Bagatellas Geigen 
noch hervortritt, schon deutlich ausgebildet. Es gibt 
recht gute Geigen und Lauten von ihm, die nur in bezug 



auf Holz und Lack nicht ganz entsprechen. Er stand 
auch als Musiker in Ansehen und wurde als Direktor 
des kaiserl. Orchesters nach St. Petersburg berufen. Als 
er seine Heimat wieder einmal besuchen wollte, starb 
er auf der Reise. 

Dair Ongaro, Ignazio. — Venedig. 1 747. 1 783 
Ein Geigenmacher dritten Ranges, der nur selten die 
guten Eigentümlichkeiten der venezianischen Schule in 
seiner Arbeit erkennen läßt. Manchmal schreibt er sich 
kurzweg Ongaro. 

D'Ambrosio, Antonio. — Neapel. 1820 

In seiner Arbeit kennzeichnet sich der allmähliche Ver- 
fall der Schule von Neapel. Übrigens scheint er sich 
auch mehr mit dem Bau von Mandolinen und Gitarren 
als mit dem von Geigen beschäftigt zu haben. 

Daniel, ein französischer Lautenmacher, der 

um 1 656 vorkommt 
Daniel (»Meister Daniel«). — Antwerpen. 1636 

De Piccolellis, Vidal u. a. erwähnen einen Antwerpener 
Meister Namens Daniel, der 1636 einen Kontrabaß für 
die Sakramentskapelle der Kathedrale gemacht hat. 
Ein Geigenmacher mit dem Familiennamen Daniel 
lebte damals nicht in Antwerpen ; nur ein Daniel Bader, 
Orgel- und Klavezinmacher, kommt dort von 1600 an 
vor; vielleicht ist dieser mit dem »Meister Daniel« 
identisch. 

Daniel, Charles. — Marseille. 1762 

Er eröffnete 1762 seine Werkstatt. Selbständige Ar- 
beiten von ihm sind mir nicht bekannt geworden. Er 
war hauptsächlich Händler und Reparateur und be- 
schäftigte sich mehr mit Blechinstrumenten als mit 
Geigen. 

Daniel, Edmond. — Marseille. 1800. 1850 

Sohn, Schüler und Nachfolger von Charles Daniel, 
arbeitete kurze Zeit bei Gand in Paris und war der 

l^Lehrer von A. Guerin. der später sein Nachfolger 
wurde. Als tüchtiger Reparateur wurde er geschätzt, 

[trieb aber hauptsächlich einen Handel mit Musik- 
instrumenten aller Art. 

Daniele, lebte in Verona 

Geigenzettel: Daniele in Verona (gedruckt). 

Danieli, Giovanni. — Padua. 1745. 1785 

Arbeitete erst allein und später mitBagatella zusammen, 
dem er auch in der Arbeit nahesteht. 
Geigenzettel : Joannes Danieli fecit Patavii / 1 745 (ge- 
druckt). — Danieli et Bagatella / fecerunt Patavii Anno 
17.. (gedruckt). 

Daniels, Geo W., lebte im 19. Jahrhundert in 
Boston 

Dankwart, Belizar. — Warschau. 1603 

Ein im 17. Jahrhundert in Polen tätiger Geigenmacher, 
dessen Violinen zwar etwas zu dünn im Holz sind, aber 
im Modell an die Brescianer Schule erinnern und die 
deshalb auch von gewissenlosen Händlern gerne mit 



94 



Danner — Daum 



italienischen Zetteln versehen worden sind. Der Lack 
ist dunkelrot und sehr dünn. Der Ton entsprach den 
damaligen Anforderungen, und diesem Umstand ist es 
wohl auch zuzuschreiben, daß sich die polnischen 
Geigen einer gewissen Beliebtheit bei den Musikern 
des 17. Jahrhunderts erfreuten. Bei einer Viola d'amore 
von ihm war sowohl der Boden als die Decke aus Ahorn- 
holz. 

Danner s. Thanner 

Darbey, G. — Bristol. 1882. 1910 

Ein Geigen- und Bogenmacher, der seine Werkstatt, die 
er »Cremona house« nennt, 1882 eröffnete. Er ist der 
Erfinder und Verfertiger eines Saiten-Mikrometers. 

Darche, Charles-Fran^ols. — Brüssel. Geb. In 
Mirecourtum 1820, f 1874 

Jüngerer Bruder von Nicolas Darche. Er kam in 
jungen Jahren zu N. F. Vuillaume, als dessen Schüler 
er gelten kann, und machte sich 1845 in Brüssel selb- 
ständig. Seine Arbeit war im ganzen gut, der Lack aber 
mager und der Ton oft dumpf, was wohl hauptsächlich 
daher kam, daß er das Holz durch chemische Prozesse 
alt machen wollte und dadurch verdarb. Er verbrauchte 
überhaupt viel Zeit zu allerlei Versuchen und Erfin- 
dungen, dazu gehören auch Violoncelli mit fünf Saiten 
u. dgl. Als Reparateur war er jedoch wegen seiner sorg- 
samen und treuen Geduldsarbeit ungemein geschätzt. 

Darche, Joseph. — Brüssel. Geb. um 1824 in 

Mirecourt, f 1867 

Jüngster Bruder von Nicolas D. Nachdem er in Mire- 
court ausgelernt hatte, kam er zu N. Vuillaume nach 
Brüssel, machte sich da 1854 selbständig und galt als 
geschickter Geigenmacher. 

Darche, Hilaire. — Brüssel. Geb. in Brüssel 
1862 

Sohn von Joseph D. Seine erste Lehrzeit machte er in 
Mirecourt durch und kam dann drei Jahre später nach 
Brüssel zurück, wo er unter der Leitung eines Geigen- 
machers, der 30 Jahre lang bei Vuillaume gearbeitet 
hatte, seine Ausbildung vollendete. Im Jahre 1886 er- 
öffnete er seine eigene Werkstatt und führte sie allein 
bis 1894 fort; dann verband er sich mit seinem Bruder 
zu der Firma »Darche Freres«. (Der Bruder ist jedoch 
nicht Geigen-, sondern Klaviermacher usw.) Er baut 
nach Stradivarl, Guarneri und Maggini und ist Geigen- 
macher des Konservatoriums. 

Geigenzettel: Hilaire Darche, Luthier / du Conser- 
vatoire Royal de Bruxelles. / L'An 19 . . (gedruckt). 

Darche, Nicolas. — Aachen. Geb. um 1815, 

t 1873 

Er soll in seiner Vaterstadt Mirecourt gelernt haben und 
ließ sich, nachdem er in Brüssel eine Zeitlang gearbeitet 
hatte, gegen 1840 in Aachen nieder. In seiner ersten 
Zeit berechtigte er zu schönen Hoffnungen und baute 
nach den Modellen von Stradivari, Guarneri und 
Maggini mit Geschick und Verständnis. Damals ver- 
wendete er auch dicken, roten Ollack und erzielte eine 



bemerkenswerte Klangschönheit. Er verlangte 1844 für 
eine Geige 35 Taler, für ein Violoncello 70 Taler. 
Später ergab er sich dem Trünke, und seine Arbeiten 
aus den sechziger Jahren kommen höchstens noch der 
Mirecourter Durchschnittsware gleich; ja es ist wahr- 
scheinlich, daß er nur noch Mirecourter Schachteln 
verarbeitete. In den letzten Jahren seines Lebens 
arbeitete er überhaupt nichts mehr. 
Geigenzettel: N. Darche Luthier / ä Aix la Chapelle / 
1852 (gedruckt). 

Darche, Paul. — Brüssel. Geb. um 1846, 

t 1881 in Brüssel 

Sohn von Gh. F. Darche und dessen Nachfolger. Seine 
Lehrzelt machte er in Mirecourt durch und arbeitete 
dann im väterlichen Geschäfte. Er war nicht unge- 
schickt sowohl im Neubau wie In der Herstellung alter 
Geigen. 

Dardelli, Fra Pietro. — Mantua. 1497. 1500 

Ein Franziskanermönch, der sowohl schöne Lauten als 
Violen gemacht hat. Er stand seinerzeit in hohem An- 
sehen und wurde von Fürsten beschäftigt. Fetis erwähnt 
und beschreibt eine seither verschwundene Laute, die 
Dardelli für die Herzogin von Mantua gemacht haben 
soll. Daß die seinen Namen tragenden Gelgen echt sind, 
erscheint durchaus zweifelhaft. Vgl. auch Bertolotti, La 
Musica in Mantova (1400—1600) Mailand, Ricordi & 
Co., S. 17. 18. 

D'Argent, Michel. — Mirecourt. 1750 

Nur von A. Jacquot erwähnt. 

Dassigny, Jacques. — Mirecourt. 1774. 1779 
Bogenmacher. 

Darte, Auguste. — Mirecourt. 1865. f 1888 
Schüler, Schwiegersohn und Nachfolger von Nicolas 
Vuillaume. Eine Zeitlang arbeitete er als Gehilfe bei 
J. B. Vuillaume in Paris. Seine Geigen sind gute Mire- 
courter Durchschnlltsware. 

Daum, Karl Mathias. — Wiener-Neustadt. 
Geb. 20. April 1825, f 15. Mai 1870 m 
Wiener-Neustadt 

Sohn von Mathias D. Schüler von Anton Fischer in 
Wien, bei dem er bis 3. September 1843 lernte. Er ar- 
beitete dann bei verschiedenen Meistern, übernahm 
1855 die väterliche Werkstatt und heiratete 1860 Fran- 
clsca Pajer, die Tochter eines Fleischhauers aus Rcpcze 
Szemere in Ungarn. Er war nicht ungeschickt, wenn 
er auch seinem Vater nicht gleichkam, und ist zu früh 
gestorben, um sich ausreifen zu können. Seine Witwe 
heiratete 1872 den Geigenmacher Fr. Hiller. 

Daum, Karl Wilhelm. — Pressburg, Wiener- 
Neustadt, Barmen. Geb. 19. Sept. 1860 
Sohn von Karl Mathlas D. Er verlor seinen Vater schon 
im zehnten Lebensjahre, erlernte die Geigenmacherei 
bei seinem Stiefvater Franz Hiller und ging dann nach 
Ungarn, von wo er erst 1901 wieder nach Wiener-Neu- 
stadt kam und sich als Geigenmacher niederließ. Vor- 



D, 



'auni 



Day 



95 



her war er von 1888—1889 in Preßburg ansässig. Er 
besitzt noch Werkzeuge, die sein Großvater von Mich. 
Stadimann geerbt hatte. Im Jahre 1902 verließ er 
wieder seine Heimat, ging nach Deutschland und ar- 
beitete 1906 in Barmen usw. 

Geigenzettel: Carl Daum / Musik-Instrumenten-Er- 
zeuger / Preßburg Schöndorfergaße 6. (gedruckt). 

Daum, Mathias. — Wiener-Neustadt. Geb. 
24. Febr. 1789 in Kaidling (Herrschaft 
Pöltenberg in Mähren), f 10. Dez. 1855 (am 
Schlagfluß) in Wiener-Neustadt 
Sohn eines Schullehrers und Schüler von Franz Jos. 
Wassermann in Znaim. Von 1809—1811 arbeitete er 
bei Johann Ertl in Wien und von 1812—1813 bei 
Michael Stadimann, bei dem er bis zu dessen Tode 
blieb. Stadimann versprach ihm >>als dem emzigen 
Subjekte, welches ihm das Geschäft während der 
Krankheit führte und bis ans Ende bei ihm aus- 
harrte«, sein Geigenmacherwerkzeug und die Gewölbe- 
(Laden-)elnrichtung samt Holzvorräten, dieDaumauch 
wirklich erbte. Damals hatte Magnus Eberle seine 
Werkstatt in Wiener-Neustadt aufgegeben, weshalb 
Daum am 3. Juni 1813 bat, ihm dessen Gewerbe obrig- 
keitlich zu verleihen, was ihm bereits am 1 1 . Juni be- 
willigt wurde. Am 14. Febr. 1814 legte er den Bürger- 
eid ab und heiratete am 17. Juni 1821 die Bürgerstochter 
Anna Pflieger, von der er sechs Kinder bekam. Er 
war ein tüchtiger Meister und den besten Wienern 
ebenbürtig. Geigen von ihm zeichnen sich durch kräf- 
tigen, gleichmäßigen Ton und schöne Form aus. — 
Sein Name kommt auch »Thaum« geschrieben vor. 

D' Avenia, Carlo. — Neapel. 1788 

Vielleicht ein Schüler von AI. Gagliano. Prof. Dr. A. 
Bensande in Lissabon besitzt ein Violoncello von ihm 
mit geschriebenem Zettel. 

D'Avenia.L. — Neapel. 1888 

War auf der Musikausstellung zu Bologna mit zwei 
außergewöhnlich fein durchgeführten Mandolinen ver- 
treten; die dabei zu lesende Bemerkung: »Di materie 
chimiche« gibt allerdings ein Rätsel auf. 

David. — Paris. 1730 

Nach Vidal u. a. ein Zeitgenosse von Pierray; Grillet 
erwähnt nur den Namen und das Jahr: nach Hart »Hof- 
lautenmacher Louis' XVI.«, nach anderen »Lieferant 
der Hofmusik«. Übereinstimmend wird seine Arbeit 
als gewöhnlich bezeichnet. Da die Quelle nicht ange- 
geben wird, aus der diese Angaben geschöpft sind, und 
da mir nie Arbeiten von der Hand dieses David vor- 
gekommen sind, liegt möglicherweise eine mißverständ- 
liche Auffassung der Firma »Au roy David«, die ja 
vielfach gebraucht wurde, vor. »Au roy« wurde viel- 
leicht auf Louis XVI. bezogen und »David« als Name 
gelesen. 

David, Claude-Joseph. — Dijon. 1851 

Kleiner Geigenmacher, der hauptsächlich von Wieder- 
herstellungsarbeiten lebte. 



Davidson, Hay. — Huntley. 1870 

Wenig hervorragender Geigenmacher aus dem letzten 
Drittel des 19. Jahrhunderts. 

Davidson, Peter. — Forres (Schottland). Geb. 

1834inSpeyside. 1886 

Er war Steuerbeamter und ist 1886 nach Louisville 
(Georgia, Am.) ausgewandert. In seinen freien Stunden 
machte er viele Violinen nach den Modellen von Stradl- 
vari und Guarneri, die er mit einem roten ÖUack versah. 
Er veröffentlichte auch eine Schrift über den Geigen- 
bau, die 1895 in Amerika in 3. Auflage erschien. 

Davidson, William. — Edinburgh. Geb. 1827 

in Muckhart, Perthshire 

Er machte aus Liebhaberei über 30 Geigen usw. und 

erhielt in Glasgow 1890 hierfür ein Diplom zweiter 

Klasse. 

Geigenzettel: William Davidson ,' Edinburgh. 1890. 

(geschrieben). 

Davies, Thomas. — Birmingham. 1900 

Englischer Streichinstrumentenmacher der Gegenwart. 

Davini, Gmstp. — Lucca 

Unbedeutender Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. 

Davis, Charles John. — Milford Haven. 1895 

Erfinder eines Bogens mit wellenförmigen Einschnitten 
und tellerförmigen Warzen zur Erzielung einer rich- 
tigen Fingerlagerung. 

Davis (Davies), Richard. — London. Geb. um 

1 790 in Bussage bei Stroud, f daselbst April 

1836 

Er begann seine Laufbahn als Geigenmacher bei Norris 
& Barness und übernahm nach Norris' Tod 1818 das 
Geschäft. Er hat nur sehr wenig gearbeitet und war 
zeitlebens mehr Händler als Geigenmacher. Mit seinem 
Neffen William zusammen fertigte er auch viele Gi- 
tarren an. 

Davis, William. — London. 1836. 1846 

Gleich seinem Oheim Richard D., dessen Geschäft er 
1836 übernahm, fast nur Händler und Reparateur. Er 
wohnte Coventry Street. Die neuen Geigen, die er 
bauen ließ, waren Maucotels Arbelt. Im Dezemberl846 
verkaufte er das Geschäft an Edward WIthers und zog 
sich in seinen Heimatort Bussage zurück. 

Davoux, Claude. — Mirecourt. 1761 

Arbeiten von ihm sind noch nicht zum Vorschein ge- 
kommen. 

Day, John Dr. — London. 1887 

Ursprünglich Violinvirtuose, Schüler von Ch. Beriot 
und Mitglied der könlgl. Hauskapelle, verwendete er 
jahrelanges Studium auf den Geigenbau und brachte es 
darin zu so seltener Meisterschaft, daß seinen Geigen, 
die er jedoch nie für den Handel bestimmt und nie ver- 
kauft hat, u. a. von John Broadhouse (Vlolins, old & 
new) nachgerühmt wird, daß sie den besten Stradivari- 
Gelgen an Tonschönheit gleich kämen (?). 



96 



De Andrade — Deconetti 



De Andrade, Francisco G., lebt als Saiten- 
instrumentenmacher in Rio de Janeiro 

Dearlove, Mark. - Leeds. 1812. 1820 

Wenig hervorragender Geigenmacher, dessen Arbeiten 
höchstens als Schülergeigen gelten können. 

Dearlove, Mark William. — Leeds. Geb. um 

1800, t nach 1864 

Sohn und Schüler von Mark D. Er verstand es, das 
väterliche Geschäft in die Höhe zu bringen, und be- 
schäftigte viele, später angesehene Geigenmacher, so 
Absam, Gough und auch John Fryer, mit dem er sich 
um 1828 verband. — Seine Violoncelli sind recht gut. 
Geigenzettel : Dearlove and Fryer / Musical Instrument 
Manufacturers / Boar Lane Leeds 1828 (gedruckt). 

Deblaye, Albert Joseph. — Mirecourt. Geb. 
1874 in Bonzemont 

Er fand seine Ausbildung in Mirecourt, wo er sich 
dauernd niederließ, als er sich im Jahre 1900 selbstän- 
dig machte. Seine Arbeit ist gut; er verwendet eine 
Brandmarke mit semem Namen. 

De Blosy, Nicolaus. — Neapel. "1793 

Wenn er nicht zu der Familie de Blasio gehört, war er 
vermudich ein belgischer oder französischer Lauten- 
macher, der sich in Neapel niederließ und sich der 
dortigen Schule anschloß. Eine neapolitanische Gitarre 
von ihm aus der Sammlung Snoeck besitzt die staat- 
liche Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. 
Geigenzettel : Nicolaus De Blosy fecit Napoli / In rua 
Catalana al n« 13. A. D. 1793 (gedruckt). 

Debruyn, J. B., lebte im 19. Jahrhundert in 
Brüssel 

Decaniis, Nunzio. — Florenz. 1789 

Ein reisender Gaukler, der sich Professor der »Mecha- 
nik und Optik« nannte, und bei seinen Kunststückchen 
auch Geigen ruinierte. Vgl. de Piccolellls, S. 26 ff. 

Decante, Jacques. — Jenzat. Geb. 14. Jan. 
1798 oder 1801, f 5. Nov. 1884 

Er begründete 1820 die von seinem Schwiegersohn 
Callhe-Decante noch heute fortgeführte Fabrik und 
baute gute Leiern im Stile Pajots. 

Dechler s. Tecchler 

Deckert, Beatus Friedrich Christian. — Groß- 
breitenbach. Geb. 17. Okt. 1817, t 9.JuH 
1882 

Sohn und Schüler von Georg Nlk. D. Er machte, wie 
sein Vater, Instrumente aller Art, kam ihm aber nicht 
gleich. 

Deckert, Georg Nikolaus. Großbreitenbach. 

Geb. 26. Febr. 1772, t 7. Juni 1844 
Ein vielseitiger Instrumentenmacher, der anfangs Gei- 
gen, dann Gitarren und zuletzt Klaviere baute. Er er- 



freute sich eines gewissen Rufs, so daß ihn sowohl 
de Piccolellls als auch Fetis erwähnen. Seine Klaviere 
waren sehr billig und dabei gut. Seine erste Frau war 
eine geb. Schüller, seine zweite eine geborene Meisel- 
bach. Er hatte sechs Töchter und einen Sohn, dieser 
wurde sein Nachfolger. 

De Clerq, Gh. — Oudenaarde. 1860. 1882 

Ein Bürstenmacher, der aus Liebhaberei auch Geigen 
gebaut hat, die nicht schlecht sind. 

Decol, Jean-Dominique. — Mirecourt. 1772 
Bisher nur urkundlich nachgewiesen. 

Decombe. — Paris. 1789. 1800 

Er erwarb um 1789 das von der Witwe fortgeführte 
Geschäft Salomons, in dem er vielleicht vorher schon 
als Werkführer tätig war. Er verlegte die Werkstatt und 
den Laden nach dem Qual de l'Ecole Nr. 14 und im 
Jahre Vll an die Ecke der Ecole de Medecine. Er führte 
nunmehr das Schild: »A l'accord parfalt*. Ob er je 
Geigen selbst gebaut hat, steht nicht fest, doch betrieb 
er einen ausgedehnten Musikalien- und Instrumenten- 
handel. — Nicht zu verwechseln mit De Comble. 

De Comble, Ambroise. — Tournay. 1740. 

1785 

Einer der berühmtesten vlämischen Geigenbauer, der 
einer alten Musikerfamilie entstammte^). Er war jeden- 
falls auch selbst Musiker und ist als solcher in seiner 
Jugend als Stipendiat möglicherweise nach Italien ge- 
kommen. Daß er aber ein Schüler von Stradivan ge- 
wesen sei, wie Fetls (der den Namen Irrig De Combre 
schreibt), behauptet, dagegen spricht sowohl die Arbelt 
De Combles, als auch die Zelt, in der er nachweisbar 
gelebt hat. Immerhin baute er nach Italienischen Vor- 
bildern, aber er war sorglos In der Wahl des Holzes, 
vernachlässigte alle Nebensachen und war unsauber In 
der Arbelt; dagegen war sein Lack meist gut. Er gab 
der Decke gerne einen gelben und dem Boden und 
den Zargen einen roten Lack. Sein Patron ist eher groß 
als klein, die Wölbung flach, der Rand dick und die 
Einlage ungewöhnlich dünn. Der Ton ist fast immer 
voll und gut. Im Selhofschen Auktionsverzeichnis(Haag 
1759) werden Geigen und Violoncelli von ihm aufge- 
zählt; ein Vloloncell aus der Snoeckschen Sammlung 
(Nr. 587) befindet sich in Berlin. Ein Streichquartett 
von ihm besaß der Prinz Caraman-Chimay. 
Gelgenzettel : Abb. 1 70. 



I 



Deconetti (Deconet), Giov. Battista. — Vene- 
dig. 1720. 1742 

Der Name wird gewöhnlich Deconet geschrieben. 

Vielleicht war er der Vater des bekannteren MIchele 

Deconet. 

Er wendet ähnliche Formen wie Nie. AmatI an; nur 

zieht er eine höhere Wölbung vor. 

Geigenzettel: Gio. Bapt. Deconet fecit Venezia 17 . . 

(gedruckt). 



^) Schon 1 505 kommt ein Pleter de Comble als Trom- 
peter vor. 



I 



Deconetti — De Lacroix 



97 



Deconetti, Mlchele. — Venedig. Padua. 1752. 

1795 

VielleicKt ein SoVin von Gio. B. D. Wie dieser schreibt 
er seinen Namen gewöhnlich *Deconet«. Vom Jahre 
1 790 an hat er in Padua gearbeitet, wo er schon früher 
( 1 772) vorübergehend ansässig war. Er hatte ein breites, 
flaches Modell. In den Umrissen ahmte er öfter Jos. 
Guarneri, manchmal auch Stradivari ohne besonderen 
Schwung nach, sein rotbrauner Lack ist dagegen dem 
des Montagnana, für dessen Schüler man ihn hält, un- 
gemein ähnlich. Er war sehr fleißig, weshalb er auch 
vielerlei Zettel gebrauchte, bei denen die beinahe stets 
wechselnde Schreibweise des Taufnamens auffällt 
(Michele, Michaele, Michiel, Michael, Micael ussv.). 
Eine Geige von ihm mit der Jahreszahl 1786 besitzt 
Wrede in Lüneburg. 

Geigenzettel: Michele Deconet / fecit Venezia 1775 (ge- 
druckt). — Michiel Deconet / Fecit Venetij. Anno / 
1786 (gedruckt) und Abb. 180. 

Defresne, Pierre. — Rouen. 1731. 1745 

Er lernte in Paris und ließ sich 1 73 1 in Rouen nieder, 
wo er in allerlei Zunftstreitigkeiten verwickelt wurde. 
Man wollte ihm u. a. nicht gestatten, daß er sich auf 
dem Schild über seinem Schaufenster einen Meister 
von Paris nenne usw. Schließlich setzte er seine Auf- 
nahme in die Zunft dennoch durch; er berief sich dabei 
auf ein »Brevet de Monseigneur de Luxembourg«. 
Seine Violinen sind nicht übel im Aussehen und in der 
Arbeit. 

Geigenzettel: Fait par moi Pierre Defresne, maistre 
luthier de Paris / demeurant rue N^^ St. Lö ä Rouen 
1 737 (gedruckt). 

Degani, Domenico. — Montagnana. Geb. um 

1820, t 1887 

Geschickter Musikinstrumentenmacher, der Geigen, 
Gitarren und Mandolinen machte, deren Ton gelobt 
wird, die aber der Billigkeit halber meist sehr einfach 
ausgeführt sind ; so fehlt den meisten seiner Geigen die 
Einlage am Rand. Eine Lyra von ihm besitzt C. Clau- 
dius in Kopenhagen. 

Geigenzettel: Degan Domenico / fecit in Maggio 18 . ./ 
Montagnana (gedruckt). 

Degani, Eugenio. — Venedig. Geb. 20. Mai 
1 840 zu Montagnana (Prov. Padua) 

Seit seinem zehnten Jahre Schüler seines Vaters, ging 
er, 16 Jahre alt, um sich im Orgelbau auszubilden, zu 
dem Orgelbauer Domenico Malvestio in Montagnana, 
bei welchem er von 1856 — 1866 arbeitete. Während des 
Krieges von 1866 mußte er, um sein Leben zu fristen, 
Flinten machen, wozu ihn seine technischen Fertig- 
keiten befähigten. Im Jahre 1877 machte er sich in 
seinem Geburtsorte selbständig und siedelte 1 887, nach- 
dem er sich als Geigenmacher bereits einen Namen ge- 
macht, nach Venedig über. Er baut nach eigenem Mo- 
dell, versieht seine Geigen mit fünf Einlagespänen (drei 
schwarzen und zwei weißen) und hat auch eine be- 
sonders gestochene Schnecke, doch kopiert er auch alte 
Meister. Sein Lack, dessen Zusammensetzung sein Ge- 

V. Lü tg-e ndo rf f , Gcig-eii- und Lautenmaclier. Bd. II 



heimnis ist, wird sehr gelobt. Er besitzt mehr als 1 5 Me- 
daillen von den Ausstellungen in Treviso, Rovigo, Mai- 
land, Arezzo, Neapel, Turin, Paris, London, Chicago, 
Mailand, Palermo, Bologna usw. usw. und gilt als treff- 
licher Lehrer seiner Kunst. Seit 1898 lautet seine Firma 
Eugenio Degani & Figlio. 
Geigenzettel: Abb. 154. 

Degani, Giulio. — Venedig. Geb. in Mon- 
tagnana 1875 

Schüler seines Vaters, dessen Geschäftsteilhaber er jetzt 
ist. Er arbeitet im Stile seines Vaters. 

Degen, F. — Zürich 

Ein Zitherlehrer, der im Jahre 1896 ein Musikinstru- 
mentengeschäft begründete, in dem auch Geigen repa- 
riert werden. 

Degroot, Romain. — Quaregnon. 1900 

Ein Bildhauer, dessen aus amerikanischem Nußbaum- 
holz gefertigte Geigen als interessante Versuche gelten 
können. 

Dehaye s. Deshayes 

De Haven, Frank. — New York. Geb. in 

Bluff ton (Indiana) 1856 

Ein berühmter amerikanischer Landschaftsmaler, der 
aus Liebhaberei im Jahre 191 1 angefangen hat, Geigen 
und namentlich Violen zu bauen, und es dann zu großer 
Vollkommenheit gebracht hat. Er hat sich ein eigenes 
Modell gebildet, nimmt die Wölbung flacher als Stradi- 
vari, hat eigenartige lange F-Löcher und einen elasti- 
schen orange- bis rotbraunen Lack eigener Zusammen- 
setzung von sehr guter Beschaffenheit. Der Ton seiner 
Geigen ist kräftig und edel. 

Dehmal (Dejmal), Anton. — Wien 

Blech- und Streichinstrumentenmacherfirma der Ge- 
genwart. 

Dehommais. — Paris 

Von 1876 — 1882 Teilhaber der Firma Dehommais & 
Germain. Er war ein Liebhaber, der sich durch seine 
Untersuchungen des Geigenlacks ein Verdienst erwarb, 
aber selbst kein gelernter Geigenmacher. 

Deininger, Charles. — Paris. 1851 

Wahrscheinlich ein Deutscher, der sich in Paris nieder- 
gelassen hat, aber nicht hervorgetreten ist. 

Deistler, Joseph. — Schönbach b. Eger. 1826 

1830 

Einer der besseren Geigenmacher seines Orts. Seine 
Nachkommen sind meist Zithermacher geworden. 

Delaborne. — Paris oder Mirecourt (?). 1819. 
1823 

Nur als Gitarrenmacher bekannt. Er baute Gitarren für 
»doppeltes Spiel« und mit Registern. 

De Lacroix s. Lacroix 

7 



98 



Delaine — Deleplanque 



Delalne, Jean. — Mirecourt. 1789 
Wird als Bogenmacher erwähnt. 

De L'Air (Marquis) s. Charles II. Claudot 
De La Mothe (Motte), Jacques. — Paris. 1 606 

Ein Lauten- und Geigenmacher, der auch unter seinen 
Landsleuten und Zeitgenossen nur einen dritten Rang 
einnimmt. 

De La Noue, Matthieu (gen. Mathelin). — 

Lyon. 1523-1555 

Er war Instrumentenmacher und »Fleustier« und hat 
wohl nur Holzblasinstrumente gemacht. 

Delanoy, Alexandre. — Bordeaux. Geb. 
15. Mai 1850 in Mirecourt 

Schüler von Buthod, arbeitete drei Jahre lang bei 
Vuillaume und wurde 1880 Nicolas Vaillants Nach- 
folger in Bordeaux. Er baut nach den Traditionen von 
J. B. Vuillaumes Werkstatt, den er als seinen eigent- 
lichen Lehrer ansieht, kopiert ein Stradivan-Modell 
und verwendet Vuillaumeschen Ollack. Seine Arbeit 
zeichnet sich durch Genauigkeit und künstlerische 
Durchführung aus, weshalb er auch mehrere goldene 
Medaillen erhielt. Er ist ein erfahrener Kenner alter 
Instrumente, mit denen er Handel treibt. Er erfand 
auch eine den Bedürfnissen der Kolonien entsprechende 
Geige. 

Geigenzettel : A. Delanoy / Bordeaux / Medailles d'or. 
18 . . (gedruckt). — A. Delanoy / Eleve de J. B. Vuil- 
laume. / Medailles d'or. / Bordeaux 189! (gedruckt). 

De Lannoy, H. J. — Lille. 1740. 1775 

Er wohnte 1 747 Petite Place, au-dessus des Halles und 
seit 1752 »Dessus les ponts de Comines«. Seine Arbeit 
ist sehr gut, das Holz schön, der Lack gelb. 

Geigenzettel: H. J. de Lannoy, sur la petite place / au 
dessus des halles, ä Lille 1 747 (gedruckt) und Abb. 151. 

De Lannoy, L. — Lille. 1828. 1835 

Wahrscheinlich ein Sohn von H. J. De L. Er beschäf- 
tigte sich hauptsächlich mit dem Ausbessern alter Gei- 
gen usw. 

Geigenzettel: Repare par L Delannoy / ä Lille en 1835 
(gedruckt). 

Delannoy (De Lannoy), Henri-Joseph. — 
Brüssel. 1778. 1791 

Wahrscheinlich der Enkel von J. de Lannoy. Seine 
Geigen und Bratschen werden gelobt. C. Mougenot be- 
sitzt ein Alto von ihm aus dem Jahre 1 778. 

Geigenzettel : Henncus Josephus de Lannoy / Bruxel- 
lensis anno 1 778 (gedruckt). 



Delannoy (Delanoix), F. J. »le fils< 

1760. 1783 



Brüssel. 



Der Sohn von J. D. und wahrscheinlich Schwiegersohn 
von Lefebre. Er war Hoflautenmacher. De Croes 
schreibt 1 783 von ihm, als er ihn als Nachfolger von 
Michiels vorschlägt: . . . »seul et unique bon ouvrier 



dans ce genre d'ouvrages que je connaisse . . .<< Seine 
Geigen sind gut gearbeitet. Eine sechssaitige Laute von 
ihm aus der Sammlung Snoeck befindet sich in Berlin. 

Delannoy (De Lannoy), J. — Brüssel. 1744. 

1745 

Wahrscheinlich der Stammvater der Brüsseler Familie 
seines Namens. Er wohnte in der Bourgendaele und 
baute hübsche Gamben, Violoncelli und Alti. 

Delanoe, Pierre Jean. — Paris (?). 1754 

Er wird nur selten erwähnt und scheint nicht viele 
Geigen angefertigt zu haben. 

Delany, John. — Dublin. 1808 

Er ahmte zwar die Italiener recht gut nach, doch scheint 
er ein allzu starkes Selbstbewußtsein gehabt zu haben, 
denn nach seinem Zettel baute er seine Geigen, um sein 
Andenken in künftigen Zeiten zu erhalten. In unseren 
Tagen hätte er sie wohl »ein Dokument irischer Kunst« 
genannt. 

Geigenzettel : Made by John Delany / N° 1 7 Britain 
Street / Dublin 1808 (gedruckt). — Made by John De- 
lany / In Order to perpetuate his memory in future ages/ 
Dublin 1808 /Liberty to all the world / black and 
white (gedruckt). 

Delarche. — Rouen. 1912 

Wenig bekannt. 

Delau (Deleau), Lucien. — Rouen. 1836. 1858 

Er ist nur als Nachfolger Charottes bekannt, dessen Ge- 
schäft er in der Rue Beauvoisine Nr. 36 mit Pierre-Na- 
poleon Jeandel und nach 1848 allein fortführte, und hat 
sich auf das Ausbessern alter Instrumente beschränkt. 
Nach seinem Tode wurde sein Sohn, der jedoch kein 
Geigenbauer ist, sein Geschäftsnachfolger. 

Delaunay. — Paris. 1775 

Nach einer hübschen Vielle, die das Pariser Konserva- 
torium (Nr. 213) von ihm besitzt, zu urteilen, war er 
ein geschickter Meister. 

Delepierre, Jules. — Paris. 1895. 1898 

Er war nicht ungeschickt. Seine Werkstatt übernahm 
1 898 Leon Leroy. 

Deleplanque, Gerard J. — Lille. 1760. 1790 

Ein sehr geschickter Lauten- und Geigenmacher. Er 
wohnte erst Marche aux poulets, pres le Marche aux 
poissons, seit 1768 in der Grande Chaussee au com de 
Celle des Dominicains und gegen 1790 Place de Ribour, 
pres l'Hotel de Ville. Er war sorgfältig in der Arbeit 
und fleißig, so daß seine Werke ziemlich häufig vor- 
kommen, freilich häufiger Pandoren, Lauten und 
Zithern, als Geigen. Verschiedene Instrumente von ihm 
befinden sich in den Sammlungen der Konservatorien 
in Paris und Brüssel, sowie bei Snoeck, bei Heuckart 
und bei W. Heyer in Köln. Das Holz ist meist sehr 
schön, der Lack rötlichgelb. Er gebrauchte verschiedene 
Zettel und führte erst in seineo letzten das Schild »Au 
violon de Cremone« an. 

Geigenzettel: Gerard Deleplanque, luthier, / ä Lille 
(geschrieben) und Abb. 172. 



Delette — De Planche 



99 



Delette, Jean-Baptlste. — Mirecourt. 1777. 

1789 

Nur dem Namen nach bekannt. Sein Bruder Charles D. 
war Bogenmacher. 

De Llgne, Laurentius Josephus. — Antwerpen. 
1747. 1752 

Guter Vertreter der Antwerpener Schule, der oft nur 
auf die äußere Ausstattung seiner Arbeiten Wert legte, 
Löwenköpfchen am Wirbelkasten anbrachte usw. Eine 
Violine und ein Violoncell von ihm aus der Samm- 
lung Snoeck befmden sich in Berlin. 
Geigenzettel : Laurentius Josephus De Ligne fecit / 
Antwerpiae 1732 (gedruckt). 

Delivet, Auguste. — Paris. Geb. 24. Dez. 1861 
in Mirecourt 

Großneffe von Victor Rambaux, Schüler von Chardin 
in Mirecourt, kam 1887 nach Paris zu H. C. Silvestre, 
bei dem er bis 1892 blieb. Er eröffnete hierauf in der 
Rue de Paris 10 seine eigene Werkstatt und macht neue 
Geigen, die wegen ihrer sorgfältigen Arbeit und ihres 
guten Tones beliebt sind ; auch als Reparateur wird er 
geschätzt. Für feine Instrumente verwendet er OUack. 
Er baut auch alle anderen Saiteninstrumente und be- 
sonders solche für musikalische Clowns, die sich durch 
Originalität auszeichnen. Er besitzt viele Auszeich- 
nungen und ist Offizier der .Akademie. 
Geigenzettel: A. Delivet: Luthier / exouvrier de 
H. C. Silvestre / Paris Annee 189 . . N^ . . . (gedruckt). 

Deller, Jakob. — Schönbach b. Eger. 1826 
Seine Violinen und Violen sind von handwerksmäßiger 
Arbeit, sonst aber gut. 



Delphin. — Mirecourt. 19. Jahrhundert 

Er datierte seine Geigen, wie viele Mirecourter, aus 
Paris oder wählte einen Zettel, der wenigstens den 
Schein erwecken könnte, als hätte man eine Pariser 
Geige vor sich. 
Geigenzettel: Abb. 175. 

Demercier, A., lebte im 1 9. Jahrhundert in Gent 
Demouchi, P. — Lyon. 1618. 1633 

Seine Arbeit erinnert an deutsche Vorbilder. Eine Baß- 
viola von 1618 befindet sich in Berlin (Sammlung 
Snoeck Nr. 485) : sie zeigt einen braunschwarzen Lack 
und ein geschnitztes Köpfchen. Eine Viola da Gamba 
von 1633 von ihm ist im Nationalmuseum in München 
(Nr. 121) mit C- statt F-Löchern; der Name ist hier 
De Mouchi geschrieben. 
Geigenzettel: P. Demouchi / ä Lyon 1618 (gedruckt). 

Dengl s. Tängel 

Denis, Christophe. — Mirecourt. 1740 
Nur urkundlich genannt. 

Denis, Jean-Baptiste. — Mirecourt. Luneville. 
1737. 1739 

Er soll nicht ungeschickt gewesen sein. 

Denitor s. Devitor 

Denizot. — Tours. 1828. 1829 

Er stammte aus Mirecourt, war hauptsächlich als' 
Reparateur tätig und scheint Mirecourter Geigen ver- 
kauft zu haben. 

Geigenzettel : Repare par Denizot / Luthier ä Tours 
1828. 



De Loeuvre, Honore. 

1551 

Als »faiseur d'espinettes« bezeichnet. (Vgl. Coutagne, 
i Duiffopr.) Doch soll ein Sammler in Lyon auch eine 
' Laute mit seinem Namen besitzen (?). 

Deloir. — Bayeux. f vor 1899 

Ein Geigenmacher, der ein gutes Geschäft hatte, das 
seine Witwe fortsetzt. 

De Lorenzi s. Lorenzi 
De Losy s. Losio 

Del Perugia, Ferdinando. — San Cresci. Flo- 
renz. Geb. 16. Nov. 1857 in Petriolo bei 

Bruzzi (Florenz) 

Einer der besten Mandolinenmacher der Gegenwart. 
Seit 1872 verlegte er sich auf den Bau von Mandolinen 
und Gitarren und kam bald zu großem Ansehen. Seit 
1 899 arbeitet er ausschließlich für die Firma C. Schm.idl 
& Co. in Triest und Wien. Del Perugias Mandolinen 
sind tadellos ausgeführt und mehrfach auf Ausstellun- 
gen ausgezeichnet worden. 



Denizot, Jean-Claude und Nicolas. — Mire- 
Lyon. 1523. t vor court 



Zwei Geigenmacher, von denen der eine von 1 747 bis 
1773, der andere von 1760 — 1785 vorkommt. 

Dennis, Jesse. — London. Geb. 1795, f nach 

1855 

Er lernte von 1805 an bei John Crowther und arbeitete 
später bei Matthew Furber; 1855 wohnte er noch in der 
Eweherst Str. Walworth Common. Er brachte es nur 
zu handwerksmäßiger Fertigkeit. 

Depelerin, S. S. — Tournay. 1755 

C. C. Snoeck besaß eine Violine von ihm und las den 
Namen unrichtig »Depelehin<'. 

Depine, G. — Modena. 1774 

Geigen mit diesem sehr zweifelhaften Namen kommen 
im Hände! in England vor. In Modena war nichts 
über einen Geigenmacher dieses Namens zu ermitteln. 
(Vgl. übrigens Sapino!) 

De Planche, Pierre. — Paris. 18. Jahrhundert 

Sein Name fand sich bisher nur in einer sechssaitigen 
Viola. Er war mit La Lae (s. d.) verbunden. 

7* 



100 



De Poilly — Desideri 



De Poilly, Guillaume. — Ypem (Belgien). 1672 

Ein tüchtiger Meister, von dem sich aus der Sammlung 
Snoeck eine Taschengeige mit fünfkantigem Boden in 
Berlin befindet, die den Zettel trägt : Faict A Ypre / par 
Guillaume De Poilly 1672 (gedruckt). 

Derazey, Jean-Joseph-Honore. — Mirecourt. 
Geb. 1794 in Darney, f 23. April 1883 

Bevor er sich in Mirecourt als Fabrikant selbständig 
machte, arbeitete er einige Jahre in Paris bei verschie- 
denen Meistern. Seine Geigen, gewöhnlich nach Stradi- 
vari, seltener nach Amati gemacht, sind aus gutem Holz 
und tragen eine Brandmarke mit seinem Namen, die 
freilich oft nur nach Öffnung der Geige zu finden ist. 
In seiner Fabrik wurden schon 1846 jährlich an 600 
Geigen hergestellt, die er zu Preisen von 5 — 150 Francs 
verkaufte. Schon 1855 und 1862 hat er in Paris und 
London Medaillen erhalten. Die Schülergeigen, die 
J. B. Vuillaume in seinem Laden verkaufte, ließ er bei 
Derazey herstellen. 

Derazey, Just.-Amedee. — Mirecourt. Geb. 

28. Juni 1839, t 22. Jan. 1890 

Sohn, Schüler und Nachfolger von J. J. Honore D. und 
Geigenfabrikant wie dieser. Im Jahre 1864 kaufte er 
von der Witwe das Geschäft von Joseph Nicolas fils mit 
allen Werkzeugen und Vorräten und machte von nun 
an einen größeren Unterschied zwischen Geigen, die er 
selbst machte, und solchen, die nur Werkstattarbeit 
waren. Die letzteren erhielten den Firmastempel Nico- 
las. Sein Holz ist ziemlich gut, der Lack dagegen spröde 
und bald unscheinbar. Sein Geschäft ging auf P. Mou- 
genot über, der jetzt beide Brandmarken verwendet. — 
Er soll auch eine Niederlage mit Werkstatt in Nancy 
gehabt haben. 

Geigenzettel: Just Derazey, Luthier / ä Mirecourt, 
Vosges. 18 . . (gedruckt, die Jahreszahl geschrieben). 

Deroux (»Deroux pere«), Georges. — Mire- 
court. Geb. in Mirecourt 1822. f 1889 in 
Reims 

Schüler von Honore Derazey und wahrscheinlich der 
Erikel eines schon 1 760 vorkommenden Geigenmachers 
Nicolas D. Einer der besseren Mirecourter Meister, der 
sich 1846 selbständig machte. Wenn er auch viel für 
den Markt gearbeitet hat, so verstand er sich doch 
trefflich auf seinHandwerk, was auch viele seiner Schü- 
ler, die etwas Tüchtiges bei ihm gelernt haben, be- 
weisen, so Seb.-Aug. Deroux, Georges Mougenot usw. 
Er gebrauchte einen Brandstempel, schrieb oft auch 
seinen Namen mit Bleistift in seine Geigen hinein. 

Deroux, Sebastien-August. — Paris. Geb. am 

29. Juni 1848 in Mirecourt 

Sohn und Schüler von Georges D. Nachdem er drei 
Jahre bei Silvestre in Lyon und 1 1 Jahre bei Miremont 
gearbeitet hatte, machte er sich 1884 selbständig und 
erfreut sich jetzt eines guten Rufs als Geigenmacher 
und Reparateur. Er hat bisher über 100 neue Geigen 



gemacht und dafür sowohl 1 889 als auch 1 900 Medaillen 
erhalten. Er arbeitet nach italienischen Vorbildern und 
verwendet OUack. 

Geigenzettel: Abb. 166 und 168. 

De Santis, Giovanni. — Rom. 1899 

Gut eingeführte Mandolinenfabrik, die die Söhne fort- 
führen. 

Deschamps, Claude. — Paris. 1783. 1785 

Er wird als »Luthier« bezeichnet und wohnte in der 
Rue de Seine. Arbeiten von ihm kommen sehr selten 
vor. 

Descquots, Jean. — Mirecourt. 1773. 1781 
Nur von A. Jacquot genannter Geigenmacher. 

Desgarnets. — Mirecourt. 1 7./1 8. Jahrhundert 

Eine Geigenmacherfamilie, als deren Stammvater Jean 
L D. angesehen werden kann, dessen 1692 geborener 
Sohn und Schüler Louis D. der Vater des 1729 ge- 
borenen Nicolas II. war. Ein älterer Nicolas (I.) D. 
lebte in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts und 
Jean II. D. ist von 1722 — 1728 nachweisbar. 

Deshayes (Dehaye). — Paris. 1775. 1825 

Er nennt sich einen Neffen und einzigen Schüler von 
Salomon. Er wohnte zuerst Rue des Saints-Peres und 
dann in der Rue de Grenelle-Saint-Honore und führte 
das Ladenschild »au Prelude espagnol«. Er scheint 
übrigens mehr Händler als Geigenmacher gewesen zu 
sein. 

Desiato, Giuseppe. — Neapel. 1890. 1900 

Em wenig bekannter Geigenmacher, der etwas leicht- 
fertig nach dem Gaglianomodell arbeitete, aber gutes 
Holz besaß und sich auf den Ton verstand. Er wohnte 
1899 noch Via Speransella 174. Auch ein Luigi und ein 
Vincenzo Desiato lebten im 19. Jahrhundert in Neapel. 

Desiden, An. — Ascoli 

Sein Name, ohne Jahreszahl, findet sich ab und zu in 
Geigen, die nicht schlecht sind. 

Desideri (Desideti?), Pietro Paolo. — Riva (?). 
1793. 1837 

Seine Arbeiten sind meist sorglos, aber doch mit Talent 
ausgeführt. Auf die Wahl des Holzes scheint er kein 
großes Gewicht gelegt zu haben, dagegen ist sein dicker, 
gelber oder gelbbrauner Lack im ganzen nicht schlecht, 
auch die F-Löcher sind sauber geschnitten. Der Ton 
ist nicht groß, aber ziemlich edel. Seine älteren Arbeiten 
erinnern an die Schule der Guadagnini, die späteren 
nähern sich dem Andreas Guarnen-Modell. Ob mit 
»Ripe*, wie auf seinen Zetteln zu lesen ist, Riva ge- 
meint ist, konnte ich noch nicht feststellen. Im Stadt- 
archiv zu Riva war nichts über ihn zu ermitteln. Auch 
die Form seines Namens steht nicht einwandfrei fest, 
da man auf vielen seiner handschriftlich hergestellten 
Zettel oder auf den Inschriften, die er im Innern der 
Decke anzubringen pflegte, ebenso gut Desideti wie 



Desidcii — De Zorzi 



101 



Desideri lesen kann ^). Erich Lachmann in Berlin be- 
sitzt eine Violine von ihm. Decke und Boden nach der 
Schwarte geschnitten ; eine andere besaß Eugen Gärt- 
ner, bei der die Decke ebenfalls nach der Schwarte ge- 
schnitten war. Der Boden bestand aus beinahe glattem 
(ungeflammtem ) Ahornholz. 

Geigenzettel: Pietro Paolo Desideri/ feclt Ripe 1837. 
(gedruckt). 

Desideri, Raffaele. — Ascoli. 18./19. Jahrh. 
Reich eingelegte Geigen, Violoncelli und Gitarren von 
ihm kommen öfter vor. 

Desjardins, Louis. — Caen. 1740. 1780 
Er hieß eigentlich Bossard genannt Desjardms. Unbe- 
deutender Musikinstrumentenmacher des 18. Jahr- 
hunderts, der in den letzten Jahren gemeinschaftlich 
mit seinem Schwiegersohne gearbeitet zu haben schemt. 
Eine Vielle in einem Gitarrekorpus ist aus der Samm- 
lung Snoeck (Nr. 606) nach Berlin gekommen. 
Geigenzettel : Faite par Desjardins, Marchand / Lu- 
thier, grande rue St.-Jean / ä Caen 1 763 (gedruckt). 

Desmarees (Desmaretz), Nicolas. — Mire- 
court. 1742. 1783 

Nur dem Namen nach überliefert. 

Desmoulins. — Paris. 1640. 1660 

Im Briefwechsel Const. Huygens (»Corresp. et ceuvres 
m.usicales de Const. Huygens, publ. p. W. J.A.Jonck- 
bloet et Land, Leyde 1882«) findet sich eine Stelle, in 
der ein Lautenmacher dieses Namens erwähnt wird. De 
la Barre, an den sich Huygens wegen Ankaufs einer 
Laute nach Paris gewendet, schreibt am 15. Oktober 
1638: •>. . . ne luy ayant rien communique de la re- 
cherche que vous faites d'un excellent LuthdeBologne, 
Joint qu'il me semble qu'il estime plus les luths neufs 
de Desmoulins . . .« Valdrighi erwähnt ihn gleichfalls 
(Nr. 835) und setzt ihn in die Zeit von 1640—1660. 

Despines, Alexandre. — Turin. 1828. 1842 
Schüler von Pressenda, Gatte der Sängerin Mme Des- 
pines. Die Geschichte eines von ihm nach Omobeno 
Stradivari gemachten Violoncellos erzählt Alfrede Piatti 
in den Violin Times (deutsch in De Wits Z.) Nr. 31, 
1895. Er baute nach Guameri. Auf seinen Zetteln hat 
er sich auch D'Espine genannt. 

Geigenzettel : Abb. 1 77. 

Despont s. D'Hespont 

Des Rousseaux, Nicolas. — Verdun. 1755 

Er war ursprünglich Steinmetz und wurde der Schwie- 
gersohn von Joseph Miraucourt ; als Violenbauer brachte 
er es zu achtungswerter Tüchtigkeit und arbeitete 
nach A. Jacquots Angabe im Stile der Klotzschule. 
Sein Ladenschild lautete »ä la Luth«. Er verwendete 
auch einen Brandstempel mit seinem Namen. Eine von 
ihm gemachte fünfsaitige Bratsche findet man aus der 



') Der Name Desideti kommt mehrfach vor. Ein Gold- 
schmied Giorgio Desideti lebte um 1536 in Rom. Die 
Familie war in Novara heimisch. 



Sammlung Snoeck (Nr. 465) in Berlin. Eine Pardessus 
de viole befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Köln (Nr. 790). 

Geigenzettel : A Verdun par Nicolas / des rousseaux 
1755 (gedruckt). 

Dessauer, Heinrich. — Linz a. D. 1902 

Ein Tonkünstler, der eine Bratsche erfunden hat, die, 
bei vergrößertem Körper, die gleiche Mensur wie die 
Violine hat. Vgl. »die Dessauer Bratsche«, Zeitschr. f. 
Instr. V.Paul De Wit. Nr. 11,1902. 

Deuz(?), John. — 1755 

Eine Violine mit diesem mir sonst nicht bekannten 
Namen wurde im Juli 1904 bei Puttick & Simpson in 
London versteigert. 

Devereux, John. — London. Melbourne. 

1840. 1880 

Er arbeitete längere Zeit bei B. S. Fendt 'n London 
und ging später nach Australien, wo er 1880 noch lebte. 

De Vitor, Pietro Paolo. — Brescia. 1738. 1740 

Er bezeichnet sich als Venezianer. Seine Geigen zeigen 
ein übertrieben hochgewölbtes Modell, kurze und ge- 
drungene Schnecke, ziernlich gute Arbelt und einen be- 
sonders schönen roten Öllack. In einigen Teilen ahnite 
er Maggini nicht ungeschickt nach. Eine gute Geige 
von ihm besitzt Adamowski in Boston (Mass.). 
Geigenzettel : Abb. 1 73. 

De Voney, Frank. — Blackpool, Pittsburg 
(Am.), San Francisco. 1890. 1908 
Ein Perthshirehochländer, der sich als Geigenmacher 
einen guten Namen gemacht hat ; um 1 900 wanderte er 
nach Amerika aus und soll auch dort mit Erfolg tätig 
gewesen sein. Er arbeitete nach den Modellen von 
Gaspar da Salo, Stradivari und Guarneri und hat gelben 
oder roten Öllack verwendet. 

Geigenzettel : Joseph Guarnerlus / Copy / By / Frank 
de Voney 1 893 [I. H. S. Im Kreis mit Kreuz] (gedruckO- 

Devyri, Anton. — Alpenrose (bei den Karer- 

see nächst Bozen) 

Eine Geige, wohl dem 18. Jahrhundert angehörend. 
Stainermodell, etwas ungelenk gemacht, trug den 
schlecht leserlichen Zettel : Anton Devyri , Alpenrose 
bey Carrer See / nechst Botzen (geschrieben). 

Dewars, William. — Brechin (Schottland). 

Geb. 1878 

Er baut Geigen nach Stradivari und Guarneri und ver- 
wendet Whitelaws oder Hardies Öllack. 

De Zorzi, Valentino. — Florenz. Geb. 1837 
in Vittorio (Venetien), f 1916 
Erlernte autodidaktisch den Geigenbau, arbeitete stets 
in Italien, eröffnete seine eigene Werkstatt in Pistoja 
1880 und verlegte diese vor 1885 noch nach Florenz, 
wo er zu Ansehen kam. Er war sehr fleißig, bis er in 
hohem Alter in Geistesnacht verfiel. Er baute nach 



102 



D'Hespont — Didelot 



eigenem Modell, das zwischen Stradivan und Stainer 
die Mitte hält, strebte aber den großen Vorbildern nach 
und machte alle Bestandteile seiner Gelgen, selbst Wir- 
belgriffbretter, Saitenhalter und Stege eigenhändig. Er 
besaß zahlreiche Auszeichnungen. Er war auch Er- 
finder einer Harfengitarre (18 Saiten mit 5 Oktaven, 
der Archilaute verwandt) sowie eines Streichinstru- 
mentes, das er »Contraviolino« nennt. Dieses ist eme 
Oktave tiefer gestimmt als die Violine, wird wie ein 
Violoncello gespielt und liegt zwischen diesem und der 
Viola; es soll die Differenz in der Klangfarbe dieser 
beiden Instrumente ausgleichen. Das Museum des R. 
Istituto L. Cherubini in Florenz besitzt ein solches In- 
strument von ihm, bei dem er auf einen ähnlichen Ge- 
danken kam wie z. B. Dr. Steltzner. 
Geigenzettel: Abb. 164 und 165. 

D'Hespont (Despont), Antoine. — Paris. 1 634. 

1636 

Er wird ausdrücklich als »maitre d'instruments de mu- 
slque« bezeichnet und trat 1636 im Prozesse Medard 
auch als Sachverständiger auf. Von ihm sollen noch 
verschiedene gute Instrumente vorhanden sein, obwohl 
es selbst Vidal nicht gelang, eines derselben ausfindig 
zu machen. Glücklicher war der treffliche A. Jacquot, 
der auch einen Zettel veröffentlichen kann, aus dem 
hervorgeht, daß D'Hespont, oder wie er sich hier 
schreibt Despont, das Ladenschild »Au Luth Royal« 
führte. Urkundlich wird der Name D'Hespont ge- 
schrieben, Vidal schreibt »Despont« und Fetis »Des- 
pons«. Geigen, die oberflächlich nach italienischem 
Vorbild gemacht sind, schlechtes Holz und schlechten 
Lack haben und seinen Namen tragen, sind offenbar 
spätere Fälschungen. 

Geigenzettel : Antoine / Despont demeurant / A Paris / 
Sur le pont N[? Dame / Au Luth Royal / 1634 
(geschrieben). 

Dick, Alban. — Frankfurt a. M. Geb. 31 . Okt. 
1876 in Wohlliausen 

Nachdem er ausgelernt hatte, kam er zu Albin Wilfer, 
den er als seinen eigentlichen Lehrer betrachtet. Im 
Jahre 1899 trat er bei Alb. Vogt in Frankfurt a. M. ein, 
dessen Geschäft er im Jahre 1 907 käuflich erwarb und es 
durch tüchtige Leistungen sehr auszudehnen verstand. 

Dickie, William. — Wentworth. 1876. 1897 
Er baut nach Stradivarl, Amati und auch nach Guar- 
neri und verwendet einen gelben, rötlich schattierten 
Öllack. 

Geigenzettel: Wm. Dickie, Fecit / Wentworth, Anno 
1890 (geschrieben). 

Dickinson (Dickenson), Edward. — London. 
1750. 1790 

Es sind nur wenig gute Geigen von ihm bekannt; meist 
arbeitete er sehr handwerksmäßig nach einem hoch- 
gewölbten Stalnermodell. Auf einzelnen Zetteln nennt 
er nur seinen Namen ohne weitere Angaben. 
Geigenzettel : Edward Dickinson / Maker, at the Harp 
and Crown in / the Strand / near E^feter Change/ Lon- 
don 1754 (gedruckt), 



Dickson, Dr. George. — Edinburgh. Geb. 
1838 in Edinburgh 

Ein gesuchter Arzt, der viele Gelgen mit bemerkens- 
werter Geschicklichkeit gemacht hat. Sein Hauptver- 
dienst aber ist es, daß er als einer der ersten die Ver- 
wendung fossilen Bernsteins zur Lackbereitung lehrte 
und dessen Bedeutung für den Geigenlack erkannte. 

Dickson (Dickeson), John. — London und 
Cambridge. Geb. in Stirling (Schottland) 
um 1 720, t nach 1780 

Er scheint einige echte Geigen von den Amati, wohl 
auch eine von Cappa gekannt zu haben, die er recht 
genau kopierte. Er lebte zwischen 1750 und 1780 ab- 
wechselnd in London und Cambridge, ja, es gibt Gei- 
gen, in denen beide Städte zugleich angegeben werden. 
Geigenzettel: John Dickson Cambridge / 1779 (gedr.). 

Didelin. — Mirecourt. XVIII. Jahrhundert 

Eine Geigenmacherfamilie, von der genannt werden: 
Antoine D. Geb. 1749 
Henry I. 1745. 1755 
Henry II. 1750. 1779 

Jean-Nicolas, 1781, und der Bogenmacher Nicolas- 
Henry. 1772. 1789 

Didelin, Joseph. — Nancy. 1760. 1776 

Wenig bekannter Mlrecourter, der in seiner Arbeit aber 
nicht ungeschickt war. Sein Ladenschild lautete: »A la 
Guitare des Dames de France«. Sein Reparaturzettel 
findet sich in einem Amatlvioloncello bei C. Claudius 
in Kopenhagen. 

Geigenzettel : Raccomode par moy didelin ä ' Nancy an / 
1 773 (gedruckt). 

Didelot, August. — Moskau. 1873. 1900 

Geboren in Mirecourt, arbeitete von 1873 — 1879 bei 
seinem Landsmann Ernest -Andre Salzard und machte 
sich dann selbständig. Seine Arbeit wird gelobt. 

Didelot, Dominique I. — Mirecourt. 18. Jahr- 
hundert 

Wahrscheinlich der Vater oder Großvater von Domini- 
que II D. Sein Name kommt auch in der Schreibung 
»Dldenot« vor. 

Didelot, Dominique II. — Mirecourt. 1820 (?) 
Gute Mlrecourter Arbeit, schöner hell- oder dunkel- 
roter Spirituslack. Er verwendete eine Brandmarke: 
A Cremone / Dominique Didelot. 
Geigenzettel : Domlnicus Didelot / A la vllle de . . (un- 
leserlich)^). 

Didelot, N. — Mirecourt 

Ein französischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts, 
der handwerksmäßig arbeitete, jedoch einen guten 
Orangelack verwendete. 



^) Wahrscheinlich »Cremone«. 



Didier — Dielil 



103 



Didier, Marius. — Mirecourt 

Sehr tüchtiger vogesischer Geigenmacher der Gegen- 
wart. 

Didier, Nicolas s. auch Nicolas 

Didion. — La Roche-sur-Yon. 1900 

Ein Musikinstrumentenhändler, der auch Geigen ma- 
chen soll. 

Didion, Gabriel. — Mirecourt. 1875. f 1881 

Geigenmacher und Fabrikant. Stiefbruder von Blan- 
chard in Lyon, einer der besseren Meister seines Wohn- 
sitzes, Lehrer von Resuche. Die Firma hieß anfänglich 
Witwe Sonot & Didion, dann Didion-Laberte. 

Diehl, August. — Hamburg. Geb. 1852 in 
Darmstadt 

Sohn und Schüler von Friedrich D. Im Jahre 1875 er- 
öffnete er seine Werkstatt in Darmstadt, siedelte aber 
bereits 1876 nach Hamburg über. Er ist ein hervor- 
ragend geschickter Geigenmacher und Reparateur. Der 
jüngste Sprößling der altberühmten Familie. Er erhielt 
auf den Ausstellungen in Hamburg, Lüttich und Leip- 
zig die silberne sowie in St. Louis die goldene Medaille. 
Außer nach alten Meistern baut er auch nach einem 
eigenen Modell. Er ist auch der Erfinder und Ver- 
fertiger eines Violinbogens mit flacher, linsenförmiger 
Stange, die sich nach dem Kopfe zu verjüngt. In der 
Mitte seines gedruckten Zettels befindet sich ein Löwe 
mit einer Laute, jetzt aber verwendet er hauptsächlich 
einen eigenhändig gezeichneten Zettel. Viele seiner 
Geigen sind mit besonders schöner Schnitzarbeit ver- 
ziert. Auch sein Lack ist ausgezeichnet. Obwohl er als 
echte Künstlernatur jeder Reklame abhold ist, werden 
seine Arbeiten in Kennerkreisen schon jetzt zu den 
besten unserer Zeit gerechnet. 

Geigenzettel : Im Jahre 189 / August Diehl / Hamburg 
(gedruckt) und Alab. 169. 

Diehl, Felix. — Mainz. 1850. f nach 1875 

Sohn von Joh. Diehl und dessen Schüler; Bruder des 
1898 in Mainz verstorbenen Konzertmeisters Carl Hip- 
polyt Diehl. 

Geigenzettel : Reparlrt von / Felix Diehl / in Mainz 
1862 (gedruckO. 

Diehl (Diel), Friedrich. — Darmstadt. Geb. 

1814, t 1888 

Zweiter Sohn, Schüler und Nachfolger von Nikolaus D. 
Gute, aber namentlich in bezug auf den Lack nicht 
hervorragende Arbeit. Auf einer Pariser Ausstellung 
erhielt er eine Bronzemedaille, kam jedoch seinem 
Vater nicht gleich. Er fertigte u. a. verschiedene, seiner- 
zeit sehr beliebte Kontrabässe statt nach dem alten 
Viola- nach dem Geigenmodell mit gewölbtem Boden. 
Gelgenzettel: Friedrich Diehl, / Hof-Instrumenten- 
macher in Darmstadt 18 . . (gedruckt). 

Diehl, Heinrich. — Mainz. Frankfurt a. M. 

1846. 1850 

Angeblich ein Sohn von Johann D. und nicht hervor- 
ragend. In Frankfurt war er im Jahre 1848 ansässig. 



doch scheint er schon nach kurzer Zeit nach Mainz 
zurückgekehrt zu sein. 

Diehl, Jakob. — Bremen, Hamburg. Geb. 
1806 in Mainz, f 1874 in Hamburg 

Sohn und Schüler von Nikolaus Diehl; er machte sich 
1826 in Mainz selbständig, ließ sich 1834 in Bremen 
nieder und siedelte 1858 nach Hamburg über. Er steht 
dort als tüchtiger Meister in gutem Andenken. Sein 
Nachfolger Jakob D. jun. war Händler und unterhielt 
nur eine Reparaturwerkstatt. 

Diehl, Jacob August. — Darmstadt. 18. Jahr- 
hundert 

Er arbeitete ähnlich wie Schonger und J. Steininger, 
ist jedoch in der Wahl des Holzes weniger sorgfältig 
gewesen. 

Geigenzettel : Jac. Aug. Diehl, / Hof-Lauten & Geigen- 
Macher / in Darmstadt 17.. (gedruckt). 

Diehl, Johann. — Mainz. 1808. 1843 

Zweiter Sohn von Martin und Bruder von Nikolaus D. 
Jedenfalls der Bedeutendste von den in Mainz an- 
sässigen Mitgliedern der Familie Diehl. Seine Violinen 
(meist nach Stradlvan gemacht) wurden ihm schon bei 
Lebzeiten mit 66 fl., Violoncelli mit 121 fl. und seine 
Violen, zu denen er gerne Zitronenholz verwendete, 
mit 88 fl. bezahlt. Sein Lack Ist goldgelb. 

Geigenzettel: Johann Diehl, Lauten- und Geigen-/ 
macher in Mainz 1832 (gedruckt) und Abb. 163. 

Diehl, Martin. — Mainz. 1770. 1792 

Geboren in Mainz, Schüler und Schwiegersohn von 
Nikolaus Dopfer. Während seiner elfjährigen Wander- 
schaft kam er zuerst nach Aschaffenburg, soll dann in 
Tirol und Osterreich gewesen sein und arbeitete als 
Gehilfe bei Carl Helmer in Prag, brachte es aber trotz- 
dem zu keiner besonderen Geschicklichkeit. Er starb 
nach der ersten Belagerung von Mainz durch die Fran- 
zosen, also um 1794. 

Geigenzettel: Martin Dihl / in Mainz 1786 (geschrie- 
ben) und Abb. 161. 

Diehl, Martin II, geb. 1817 in Darmstadt 

Dritter Sohn von Nikolaus D. 



Mainz, Darmstadt. Geb. 



Diehl, Nikolaus. 
1779, t 1851 

Sohn von Martin D. und dessen Nachfolger, Schüler 
seines Oheims Jak. Steininger in Frankfurt a. M. und 
Enkel von Nikolaus Dopfer, der auch sein Taufpate 
war. Um das Jahr 1811 verlegte er auf den Ruf des 
Großherzogs Ludwig I. von Hessen, der ihm ein Gehalt 
von 300 fl. aussetzte, seine Werkstatt nach Darmstadt, 
wo er Großherzoglich Hessischer Hoflauten- und Gei- 
genmacher wurde. In der Arbeit steht er seinem Bruder 
Johann sehr nahe, am besten gelangen ihm jedoch 
Kontrabässe; sein Holz und sein goldgelber Lack sind 
gewöhnlich gut. 

Gelgenzettel : Abb. 1 59. 



104 



Diehl — Dicltrich 



Hamburg. 1860. 



DIehl, Nikolaus Louis. 

t 1876 

Sohn von Jakob Diehl. Er studierte die alten Meister 
gut und ist der Verfasser von »Die Geigenmacher der 
italienischen Schule«. (Seit 1864 in mehreren Auflagen 
erschienen.) 

Dlehl, Philipp. — Stühlingen. 1867 

Ist mir nur durch einen vom April 1867 datierten Re- 
paraturzettel bekannt. 

Dlehl (Dil), Simon. — Mannhelm, f 1758 
Man darf ihn als den Stammvater der heute noch 
blühenden Geigenmacherfamilie ansehen. Er wurde als 
»Instrumentenmacher« am 12. Februar 1757 zum Hof- 
kalkanten bei der Hofmusik mit einem Gehalte von 
250 fl. angestellt, starb aber schon im darauffolgenden 
Jahre. (Großh. L.-Archiv in Karlsruhe.) 

Diener, Ferdinand. — Graslltz. Anfang des 
19. Jahrhunderts 

Seine Geigen klingen nicht schlecht, smd aber hand- 
werksmäßig durchgeführt. 

Diener, Franz. — Graslltz. Geb. 10. April 
1790, t 3. Febr. 1866 

Sohn und Schüler von Josef I Diener. Wenn er auch 
hauptsächlich billige Geigen machte, so war er doch 
recht geschickt und sorgfältig in seiner Arbeit. Von 1 854 
bis etwa 1856 lebte er in Karlsbad, wo um dieselbe Zeit 
auch ein Friedrich Diener gearbeitet haben soll. 
Geigenzettel: Franz Diener fecit Graslitz , 1852 (gedr.). 

Diener, Friedrich (Gottfried). — Graslltz. 

Geb. 10. Okt. 1791 

Sohn des Instrumentenmachers Anton D. Einer der 
geschicktesten Geigenmacher aus seiner Familie. Er 
hatte ein gefällig aussehendes Modell, hellbraunen Lack 
und verarbeitete gutes Holz. Außen am Boden semer 
Geigen findet sich der Brandstempel Fried. Diener. Er 
hielt auf sorgfältige Arbeit, seine Geigen klangen gut, 
und so war er der erste, der es wagen durfte, einen 
höheren Preis als die ortsüblichen »90 Kreuzer für das 
Stück« zu fordern. 

Diener, Gottfried. — Graslltz. 1780. 1784 

In einer mittelmäßigen Viola mit Buchenboden und 
unscheinbarem braunen Lack stand im Innern der 
Decke sein Name. Er war mit Rosina geb. Stark ver- 
heiratet. Sein 1784 geborener Sohn wurde später 
Musselinweber. 

Diener, Ignaz I. — Graslitz. Geb. 1 . Nov. 1820 

m Graslltz 

Sohn und Schüler von Franz D. Nachdem er aus- 
gelernt hatte, machte er als Gehilfe große Reisen durch 
Österreich-Ungarn, Deutschland, Frankreich und Ruß- 
land und ließ sich dann in Graslitz nieder. Obwohl er 
recht geschickt war, kam er doch auf keinen grünen 



Zweig, arbeitete hauptsächlich für Händler und ver- 
brachte seinen Lebensabend im Versorgungshaus zu 
Schönau. Er war nie verheiratet und ist der Letzte seines 
Stammes. 

Diener, Ignaz II. — Graslitz. Geb. 19. Okt. 

1833 

Seine Geigen waren für ihren billigen Preis recht gut. 

Diener, Joseph I. — Graslitz. Geb. um 1760, 
tum 1840 

Er soll bei einem Hüller gelernt haben, dessen Tochter 
Rosina er vor 1789 heiratete. Seine Geigen sind den 
besseren gleichzeitigen vogtländischen Arbeiten nahe- 
stehend ; nur ist bei ihm das Holz gewöhnlich schöner. 

Geigenzettel : Joseph Diener fecit / Graslitz Böhmen 
18.. (gedruckt). 

Diener, Joseph II. — Graslitz. ^eb. 23. März 

1831, t nach 1885 

Sohn von Friedrich D. Seine Gelgen und Gitarren sind 
nicht schlecht, wenn auch keine Kunstwerke. 
Gelgenzettel : Joseph Diener, Geigen- / und Guitarren- 
macher in Graslitz 1869 (gedruckt). 

Dlepenryck, Ludwig van. — Antwerpen. 

Wurde 1558 Freimeister der Gilde, lebte 

noch 1589 

Er war als »Claveclngelmaker« eingetragen, hat aber 

auch Lauten usw. gemacht. 

Dierlcxen, Jan. — Antwerpen. 1558. 1574 

Nur als Claveclnmacher bekannt, doch wird er, wie alle 
seine Zunftgenossen, wohl auch Lauten gemacht haben. 
1574 wird er bezeichnet als die »Eersamen persoon, 
meester Jan Dierlcxen, claveslngelmaker«. 

Dieterich, Michel. — Birklingen. 1815 

Wurde mir nur durch seinen Reparaturzettel bekannt. 
Geigenzettel : Reparirt von Michel Diete- / rieh, Gei- 
genmacher zu / Birklingen pro 1815 (geschrieben). 

Dlettrlch, Johann Gottlieb. — Saupsdorf, 
Sebnltz. Geb. 1851 in Saupsdorf in Sachsen 
Zuerst kam er bei dem Klaviermacher Karl Schmidlln 
in die Lehre; später ging er zu G. Tiefenbrunner nach 
München und zu Knner nach Landshut und erlernte 
bei diesen Zithern- und Gelgenmachen. Nach zehn 
Wanderjahren ließ er sich 1879 in seinem Geburtsort 
nieder und verlegte seine Werkstatt später nach Sebnltz. 
Seine Gelgen macht er nach einem eigenen Modell, das 
ihm in der unteren Hälfte mehr Resonanzfläche dar- 
bietet, doch ist die Form so ungewöhnlich, daß bei aller 
Anerkennung des Tonwertes die Musiker seine Geigen 
nicht gerne spielen. Da er fortwährend neue Versuche 
macht, ist vielleicht noch etwas von ihm zu erwarten. 
Gelgenzettel: Johann Gottlieb Dlettrlch / Instrumen- 
tenmacher / Sebnitz (gedruckt). 



Dictz — Diter 



105 



Dietz, Christian. — Emmerich. Geb. 1801 
Sohn des Johann Christian D. Ein wenig hervorgetrete- 
ner Geigenmacher, den übrigens auch Valdrighi (855) 
erwähnt. 

Dietz, Johann Christian. — Darmstadt. 1800. 
1805 

Es ist fraghch, ob er je eine Geige gemacht hat, da- 
gegen kommen Gitarren und Harfen von ihm öfters vor. 
Bekannt ist er nur durch seine Erfindungen, das »Me- 
lodion«. eine Klavierharfe, und das ■>Trochleon<'. 

Dietzel, Hermann Theodor. — Markneu- 
kirchen. Berhn 

Geboren 1866 in Markneukirchen, Schüler von Ernst 
Gläsel, ging nach beendeter Lehrzeit 1884 nach Bres- 
lau zu Liebich und machte sich 1888 in seiner Vater- 
stadt selbständig, verlegte von 1892 — 1897 sein Ge- 
schäft nach Berlin, kehrte dann aber nach Markneu- 
kirchen zurück, wo er sich außer mit dem Neubau 
(Stradivarimodell)auch mit der Reparatur, sowie einem 
Handel mit alten Streichinstrumenten beschäftigte. Im 
Jahre 1900 siedelte er dann wieder nach Berlin über. 
Er verwendet sowohl Spiritus- als Ollack. 

Dieulafait. — Paris. 1720 

Im Museum des Par. Cons. (Nr. 172) befindet sich eine 
schöne Baßviola, von Ihm repariert. Valdrighi fragt, ob 
dieser Name nicht vielleicht fingiert sei, was ich jedoch 
nicht annehmen möchte. 

Dillenz, Fridolin. — Ulm a. D. Geb. 6. März 
1853 in Fischbach b. Biberach 

Er trat im Jahre 1 867 als Schüler bei Anton Sprenger 
ein und siedelte 1 873 mit ihm nach Stuttgart über. Nach- 
dem er sieben Jahre lang bei seinem ersten Lehrmeister 
gearbeitet hatte, kam er zu Lorenz Kriner und machte 
sich nach Beendigung seiner Militärzeit im Jahre 1878 
in Ulm selbständig. Er ist ein sehr tüchtiger, kenntnis- 
reicher Geigenmacher, baut nach Stradivari und ver- 
wendet einen rötlichgelben feurigen Lack. Vielseitige 
Anerkennung findet er auch für seine trefflichen 
Wiederherstellungsarbeiten. 

Geigenzettel : Fridolin Dillenz, Geigenmacher ' in Ulm. 
anno 18.. (gedruckt). — Fridolin Dillenz, Geigen- 
macher in Ulm a. D. 19 (gedruckt). 

Dinacci, Antonio. — Neapel. 19. Jahrhundert 

Er baute Mandolinen, Lauten und Gitarren und wird 
von Valdrighi (860) aufgezählt. 

Dmelli, Carlo. — Fanano. 1887 

Ich kenne nur Violoncelli von handwerksmäßiger, roher 
Arbeit von ihm. 



Dmi, Giovanni Battista. 

1707 



Lucignano. 1 700. 



Ein noch wenig bekannter, aber ungewöhnlich ge- 
schickter Meister, von dem Jul. Heinr. Zimmermann 
in Leipzig eine prachtvolle, 14saitigeViolad'amore vom 



Jahre 1700 besitzt. Die Umnßlinien sind reizvoll ge- 
schweift, die Decke schön gewölbt, der Boden flach und 
alles hübsch eingelegt. Die Schallöcher in Schlangen- 
linien sind zweiteilig, unter dem Griffbrett befindet 
sich eine prachtvolle Rosette, der reich verzierte Wirbel- 
kasten endigt mit einem anmutigen Engelsköpfchen. 
Der Ton ist von großem Wohllaut, und auch der hell- 
gelbe, feurige Lack ist bemerkenswert. In W. Heyers 
Musikhistorischem Museum in Köln befindet sich ein 
guter Kontrabaß mit auffällig hochgewölbtem Boden 
aus dem Jahre 1707 von ihm. 

Geigenzettel : Gio. B^ Dini Fece 1 700 , in Lucignano 
(gedruckt). 

Dinis, Felis Antonio. — Lissabon. 1807 

Mittelmäßiger portugiesischer Geigenmacher, von dem 
sich eine Violine in der Sammlung A. Keil in Lissabon 
befindet. 

Dinumerabo, Johannes. — Padua. 1661 

Ein Lautenmacher, dessen sonderbaren Namen Val- 
drighi (9130) mitteilt. 

DionelH, Gaetano. — Mantua. 1865. 1869 

Wenig hervorragender Geigenmacher des 19. Jahr- 
hunderts; am besten waren noch seine Violoncelli. 

Dionigi, Alessandro. — Syrakus. 18. Jahrh. 

Ein sizilianischer Lautenmacher, der sich auch als 
Geigenmacher versuchte, ohne etwas Bemerkenswertes 
zu leisten. 

Geigenzettel : Alessandro Dionigi dl Siracusa / 17..- 
(gedruckt). 

Diotallevi, Michelangelo. — Rimini. 1820 

Es soll einige Geigen geben, die diesen — wahrschein- 
lich falsch gelesenen — Namen tragen. 

Dischka (Di'zka). — Fünfkirchen. 1895 

Er wird als Geigenmacher bezeichnet, scheint aber nur 
Händler und Reparateur gewesen zu sein. 

Diter, Justin. — Marseille. Geb. 16. Febr. 
1866 in Mirecourt 

Er lernte bei Bailly, betrachtet sich aber als Schüler von 
Paul Blanchard in Lyon. Im Jahre 1896 machte er sich 
in Lyon selbständig ^) und verlegte seine Werkstatt am 
1. April 1897 nach Marseille, wo er M. Richelmes 
Nachfolger wurde. Er baut nach Stradivari, Guarneri 
und Amati und ist als Reparateur geschätzt. Sein Lack 
(fetter Ollack) ist nach dem Rezept J. B. Vuillaumes zu- 
sammengesetzt. Auf seinem Zettel ist u. a. das Wappen 
von Marseille angebracht. 
Geigenzettel : Abb. 181. 

Diter, Paul. — Marseille. Geb. in Mirecourt 
27. Mai 1879 

Schüler von Bazin. Er verband sich mit seinem Bruder 
Justin und ist auch ein guter Bogenmacher. Die Brüder 
führen den gemeinsamen Zettel: J. & P. Diter, Lu- 
thiers / a Marseille l'an 1903 (gedruckt). 



*) In Verbindung mit Resuche. 



106 



Dittel — Dodi 



Dittel, Friedrich August. — Hof. 1809 

Mittelmäßiger Gelgenmacher, von dem ein Musiker in 
Eibelstadt eine Violine besitzt. 

Geigenzettel : Friedr. Aug. Dittel / Instr. und Lauten- 
macher in Hof. 1809 (geschrieben). 

Ditton. — London. 1700. 1720 

Man kennt von ihm bisher nichts als den Namen, der 
u. a. durch Sir J. Hawkins überliefert ist. Auch Sandys 
und Forster, Vidal usw. wissen nichts weiter anzugeben. 
In Thomas Brittons Sammlung war eine gute Violine 
von Ditton. Valdrighi führt ihn als einen aus Frank- 
reich stammenden Harfenmacher an. 

Dittrlch. — Glogau. 19. Jahrhundert 

Ein Militäranwärter, der sich mit Geigenreparaturen 
einen Nebenverdienst erwarb. 

Diverny, Jean. — . Mirecourt. 1741 

Er wird sowohl als Geigen- wie als Bogenmacher be- 
zeichnet. 

Dobriansky, L. — Odessa. 1901 

Ein Liebhaber, der Geigen nach einem eigenen Modell 
verfertigt und sich, laut seinen Zetteln, auch damit 
beschäftigt, bei fertigen Geigen den Ton nach einem 
von ihm erfundenen Verfahren zu »verbessern«. Es ist 
mir jedoch nicht gelungen, eine Arbeit von ihm kennen 
zu lernen. 

Dobruckl, Matthäus. — Krakau. f 1602 

Berühmter polnischer Geigen- und Lautenmacher. 
A. Grabowski^) erwähnt das 1602 aufgestellte Nachlaß- 
inventar dieses Meisters, in dem es u.a. heißt: »Eine 
Kiste mit Formen für Bässe, in der zweiten Kiste 
Geigenholz, in der dritten fertige Geigenwirbel. Drei 
Schock Decken für Lauten, 1 1 Formen für Lauten, 
6 Diskantformen, 3 Tenorformen, 3 Baßformen, 40 un- 
fertige Geigen, 23 Tenorböden, 46 Böden für Diskant- 
geigen. Ein Werktisch zur Anfertigung von Geigen, 
12 Ahornbretter für Geigen, 40 Lautenköpfe etc.« 

Dodd, Edward 1. — London. Geb. 1705 In 
Sheffield, t 1810 zu London 

Er war gelernter Geigenmacher und verlegte sich, als 
einer der ersten in England, frühzeitig auf das Bogen- 
machen, worin er es jedoch noch nicht zu bemerkens- 
werter Geschicklichkeit brachte. Er ist der Begründer 
der berühmten Geigenmacherfamilie und starb im 
Alter von 105 Jahren. Er hatte drei Söhne, John, 
James und Thomas D. 

Dodd, Edward II. — London, t 29. April 1843 

Älterer Sohn von Thomas D. sen. Schüler von B.Fendt. 
Er wendete sich jedoch ganz dem Bau von Harfen und 
Klavieren zu. Er ertrank durch einen unglücklichen 
Zufall. 

Dodd, James (sen.). — London. 1835 

Zweiter Sohn von Edward D. und wie dieser Bogen- 
macher. 



1) »Dawne zabylkl m. Krakowa« (Krakau 1850, S. 1 74). 



Dodd, James (jun.). — London, f nach 1851 

Sohn von James D. sen., gleichfalls ein guter Bogen- 
macher. 

Dodd, J. — London. 1851 

Er arbeitete wie E. Dodd und machte auch sehr gute 
Bogen. 

Dodd, John Kew (Sursey). — London. Geb. 
in Stlrling 1752, f 4. Okt. 1839 zu Richmond 

Dieser ausgezeichnete Bogenmacher, der zuerst 
Büchsenschlosser und dann Goldwagenmacher war, 
steht in England in gleichem Ansehen wie Fr. Tourte 
in Frankreich. Seine Bogen sind ebenso gut wie die 
seines französischen Rivalen, wenn er auch ihre Ele- 
ganz nicht erreicht. Er war der älteste Sohn von Ed- 
ward D. und Bruder von Thomas D. und wohnte New 
Street, Covent Garden. Seine Stangen haben vielleicht 
den einzigen Fehler, nicht immer lang genug zu sein. 
Trotzdem brachte er es im Leben nicht vorwärts; er 
war weder an regelmäßiges Leben, noch an regel- 
mäßiges Arbeiten gewöhnt, und obwohl reiche Gönner 
ihm mehrfach unter die Arme griffen, kam er in seinen 
Vermögensverhältnissen immer mehr zurück und starb 
als 87 jähriger Greis im Armenasyl (Workhouse) zu 
Richmond. Er hatte nie einen Schüler, da er seine Ge- 
heimnisse des Bogenmachens, vor allem das Zuschnei- 
den der Stange, nicht verraten wollte; er soll sogar, 
wie behauptet wird, trotz seiner Armut ein Angebot 
von 1000 Pf. Sterling für die Preisgabe seines Geheim- 
nisses abgelehnt haben. Seine Bogen sind heute noch 
sehr gesucht und werden gut bezahlt. 

Dodd, Thomas (sen.). — London. 1 786. 1820 

Dritter Sohn von Edward D. War zuerst Brauer, dann 
1786 — 1789 Bogenmacher, von 1798 Gelgenmacher 
und -händler und zuletzt noch Harfen- und Klavier- 
bauer. Seinen Ruhm als Geigenmacher verdankt er 
hauptsächlich seinen Gehilfen Bernhard Fendt und 
John Lott; er verstand sich aber außerordentlich gut 
auf das Lackleren, das er als sein Geheimnis behandelte. 
Er war außerdem ein gewiegter Kenner italienischer 
Instrumente. Seine Gelgen und Violoncelli werden 
jetzt sehr anständig bezahlt. Eine im Jahre 1820 ge- 
baute Violine von ihm besitzt J. T. Chapman. 
Gelgenzettel: Dodd, Maker, 92 St. Martins Lane / 
Perfect copies of Stradiuarlus, Amati, Stalner, etc. / 
Note : — The only possessor of the recipe for pre- / 
paring the original Cremona oll varnish. / Instruments 
Improved and repaired (gedruckt) und Abb. 1 58. 

Dodd, Thomas (jun.). — London 

Jüngerer Sohn von Th. D. sen. f. Anfang des 19. Jahr- 
hunderts. Schüler von Bernh. Fendt und Lott. Er war 
geschickt, starb aber so jung, daß er nicht ausreifen 
konnte. 

Dodi, Giovanni. — Modena. Zweite Hälfte 
des 19. Jahrhunderts 

Seine Violen und Kontrabässe sollen recht gut sein. 
Ein Baß aus Valdrighls Besitz befindet sich jetzt im 
Museo Clvico in Modena. 



Dodi — Dörffel 



107 



Dodi. — Modena. Zweite Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts 

Ein Sohn oder Bruder von Giov. Dodi. Soll gleichfalls 
als Geigenmacher gelebt haben. 

Dods (Dodds), Edward. — Edinburgh. 1889. 
1902 

Seine Geigen sind nicht hervorragend ; auch sein Lack 
ist nicht besonders, obwohl er behauptet, der einzige 
Geigenbauer zu sein, der wirklich den Cremoneser Lack 
wiedergefunden habe. 

Dölling, August. — Markneukirchen, Erfurt. 
Geb. 30. Juni 1859 in Markneukirchen 

Er lernte von 1 873 — 1 877 bei Ernst Hums und arbeitete 
dann durch vier Jahre als Gehilfe bei Ernst Gläsel in 
seiner Vaterstadt, dann bei Louis Noebe in Homburg 
V. d. H. Im Jahre 1885 machte er sich in Markneu- 
kirchen selbständig und verlegte 1910 seine Werkstatt 
nach Erfurt, wo er jetzt mit gutem Erfolg tätig ist. Er 
baut nach den alten Meistern, verwendet Ollack und 
ist ein vielbeschäftigter Reparateur. 

Geigenzettel : August Dölling, Geigenbauer , Erfurt. 
19 . . (gedruckt). 

Dölling, Georg Louis. — Markneukirchen. 
Geb. 15. Dez. 1860, t 15. Sept. 1917 

Schüler von Karl Gustav Otto. Von 1877 — 1878 ar- 
beitete er in Leipzig, 1878 — 1884 in Breslau, worauf er 
sich in seinem Geburtsort niederließ. Er kopiert Stradi- 
vari, Amati u. a. und gebraucht Spirituslack. 

Geigenzettel : Louis Dölling jun. ' Markneukirchen i.S. 
.Anno 18 (gedruckt). 

Dölling. — Markneukirchen 

Heinrich August D., geb. 30. Juni 1859 

(jetzt in Erfurt, s. oben.) 
Heinrich Gustav D., geb. 29. Juli 1854, 

t 25. Juni 1889 
Hermann Moritz D. (sen.), geb. 6. Juni 1839 
Hermann D. Oun.). geb. 24. Okt. 1862 

Sämtlich als Geigenmacher tätig. Max D. gründete 1893 
sein Geschäft und Robert D. ist in Adorf als Geigen- 
macher ansässig. 

Dölling, Hermann. — Markneukirchen 

Geigenfirma der Gegenwart. 

Döpfer s. Dopfer 
Dörffel 

Eine weitverzweigte Geigenmacherfamilie des Vogt- 
landes, die aus dem Böhmischen eingewandert ist. Die 
Schreibart des Namens schwankt zwischen Dörffel, 
Dörfel, Dürfel und Dörffler. Die bevorzugte Schreib- 
art, die die Familie auch heute beibehalten hat, ist 
jedoch Dörffel. 



Dörffel, Adolph Louis. — Markneukirchen. 
Geb. 24. Okt. 1852 

Geigenmacher, der für den Handel arbeitet. 

Dörffel (Dörfler), (Carl) Gottlieb. — Klingen- 
thal. 1750. 1792 

Erscheint zuerst 1 750 in den Innungsbüchern und war 
1 792 Obermeister der Innung. 

Dörffel (Dörffler), Christian Friedrich. — 
Klingenthal. 1704. 1749 

Er wurde am 29. Februar 1 704 von der (M.)Neukirche- 
ner Geigenmacherzunft als Meister aufgenommen und 
scheint mindestens seit 1717 in Klingenthal ansässig 
gewesen zu sein. 

Geigenzettel : Christian Friedrich Doerffler / in Klin- 
genthal, Ao. 1 749 (gedruckt). 

Dörffel (Dörffler), Christian Gottlieb. — 

Klingenthal. 1779 

Er scheint seine Geigen sehr selten bezeichnet zu haben, 
so daß er eigentlich nur aus den Innungslisten als 
Meister bekannt ist. 

Dörffel (Dörffler), Christoph Heinrich. — 
Klingenthal. 1716 

Er wird schon 1 7 1 6 als Geselle bezeichnet und soll dann 
ausgewandert sein. 

Dörffel (Dörfel), Friedrich Wilhelm. — 
Khngenthal. f 8. Jan. 1893 

Er war an und für sich nicht ungeschickt, hat aber nur 
billige Ware hergestellt. 

Dörffel (Dörffler), Johann (Hans) Andreas. — 
Klingenthal. 1717. 1757 

Er kommt bereits 1717 als Meister vor und soll 1772 
noch gelebt haben. Einer der besten Klingenthaler 
Geigenmacher, dessen Arbeiten heute noch in vielen 
Sammlungen zu finden sind. Eine elfspänige Theorbe 
von 1736 besitzt die staatl. Sammlung alter Musik- 
instrumente in Berlin (Nr. 719), eine ."Mtviola aus der 
Boersschen Sammlung das Rijksmuseum in Amster- 
dam (aus dem Jahre 1 754), eine Viola von I 742 und eine 
Viola d'amore von 1755 das Musikhistorische Museum 
W. Heyers in Köln, eine zwölfsaitige Viola d'amore die 
Sammlung Snoeck. Diese Arbeiten zeigen meist ein 
mittleres Patron, gelben Lack, flachen Boden und 
Schnecken (seltener Köpfchen). Der 1794 guillotinierte 
Kriegskommissar Saint Laurent besaß nach Brunis In- 
ventaire eine Violine von ihm. Eine hellgelbe »Viola 
ass« von ihm vom Jahre I 728 besaß nach dem Inventar 
von 1773 die ehemalige Köthener Hofkapelle. 

Geigenzettel : Johann Andreas Dörffel violin und / 
Lautenmacher in Klingenthal 1755 (gedruckt) und 
Abb. 155. 



108 



Doerffcl — Dölsch 



Doerffel (Dürfel, Dörffell), Joh. Andr. — 

Altenburg. 1792 

Otto sagt von ihm, daß er weniger Sorgfalt auf das 
Äußere verwendete, aber doch recht gute Instrumente 
baute und seinerzeit als einer der besten Baßmacher galt, 
was auch de Piccolellis wiederholt. Valdrighi gibt da- 
gegen seinen Arbeiten das Prädikat: »ordinarissimo«. 
Daß ein Dörfel oder Dürfel je in Altenburg ansässig 
war, ließ sich leider aktenmäßig nicht feststellen. Er 
soll um 1 793 in Untersachsenberg gearbeitet haben und 
dürfte identisch sein mit Hans Andreas D. in Klingen- 
thal, der sich nur vorübergehend in Altenburg aufge- 
halten hat. 

Dörffel (Dörffler), Johann Friedrich. — Klin- 
genthal. 1680. fvor 1701 

Er stammte aus Khngenthal und ward am 28. Novem- 
ber 1680 als Mitmeister in Markneukirchen in die Zunft 
aufgenommen. Daß er vor 1701 gestorben ist, geht 
daraus hervor, daß in diesem Jahre seme Witwe eine 
zweite Ehe mit Joh. Dengel (Tängel) einging. 

Dörffel (Dörffler), Joh. Friedrich. — (Mark)- 
Neukirchen. 1704 

Man weiß nur, daß er '>eines Meisters Sohn« war und 
als Geigenmacher der Innung angehörte. Er war wahr- 
scheinlich ein Sohn des gleichnamigen, vor 1701 ver- 
storbenen Meisters. 

Dörffel (Dörffler), Johann Friedrich. — Klin- 
genthal. 1736. 1749 

Er war seit 1736 als Geigenmacher Innungsmeister und 
vielleicht ein Sohn des Neukirchener Meisters, der 1 704 
vorkommt. 

Dörffel (Dörffler), Johann (Hans) Georg I. — 
Schöneck, (Mark)Neukirchen, Klingenthal. 
1678. 1716 

Er kam als Exulant aus Graslitz und wurde am 25. Juli 
1678 in Neukirchen in die Zunft aufgenommen. Er 
wohnte erst in Schöneck und kommt seit 1697 bis 1716 
in Klingenthal als Geigenmacher vor. 

Dörffel (Dörffler), Johann (Hans) Georg II. — 
(Mark)Neukirchen. 1697 

Sohn und Schüler von Sebastian D. In Ansehung des 
Notstandes seiner verwitweten Mutter wurde er auf 
Antrag seines Vormundes Caspar Hopf nach kurzer 
Gesellenzeit schon am 25. Juli 1697 als Mitmeister in 
die Zunft aufgenommen. Zum Unterschied von seinem 
gleichnamigen jüngeren Bruder nannte er sich gewöhn- 
lich Hans Georg D. 

Dörffel (Dörffler), Johann Georg III. — Klin- 
genthal. 1710 

Sohn von Sebastian D. Nachdem er als Geselle sein 
Wanderjahr abgedient hatte, wurde er am 8. Dezember 
1710 als Meister in die Neukirchener Zunft aufge- 
nommen. 



Dörffel (Dörfel), Johann Gottfried. — Klin- 
genthal. 1754. 1765 

Er galt als tüchtiger Meister und soll auch als Händler 
von einiger Bedeutung gewesen sein. Auf seinen Zetteln 
findet sich nur sein Name angegeben. 

Dörffel (Dörfler), Michael. — Graslitz. 1667 

Nach unglaubwürdigen Angaben hat er in Deutsch- 
land das Geigenmachen gelernt. Ihm wird die Begrün- 
dung der Musikindustrie in Graslitz zugeschrieben, in 
der er seine Brüder und Söhne unterrichtete. 

Dörffel (Dörffler), Sebastian. — Klingenthal, 
(Mark)Neukirchen. 1688. f um 1697 

Seit 20. März 1688 als Meister von der Geigenmacher- 
zunft in Neukirchen aufgenommen, Bruder von Johann 
Georg D. und seiner Angabe nach auch dessen Schüler. 
Er scheint zwei Söhne gehabt zu haben, die beide 
Johann Georg hießen, der ältere wird allerdings ge- 
wöhnlich Hans Georg geannnt, oder es hat zwei Se- 
bastian D. gegeben, wofür allerdings jeder Beweis fehlt. 

Döring, Christoph. — Kassel. 1676. 1677 

Vielleicht der Sohn von Hans D. In Kassel selbst ist er 
heute vergessen und urkundlich nicht nachzuweisen. 
Eine gute Viola da Gamba von ihm besitzt das Musik- 
historische Museum W. Heyers in Köln. 
Geigenzettel : Christoph Döring / Lauthen und Violen- 
macher / in Cassel / Anno 1676. 7. c. (gedruckt). 

Döring, Hans. — Kassel. 1633 

Er stammte aus Heisa und wurde im Jahre 1633 als 
Bürger in Kassel aufgenommen und dabei ausdrücklich 
als Geigenmacher bezeichnet. 

Döring, Wilhelm. — Kassel. 1765 

Wahrscheinlich ein Enkel von Christoph D. Es liegt 
nahe, zu vermuten, daß auch der Vater Geigenmacher 
war. Leider aber ist es nicht gelungen, in Kassel irgend 
etwas über die Familie zu erfahren. Archivalien und 
gedruckte Bücher sind vergebens durchforscht worden. 
Eine Tenorviola da Gamba von ihm besitzt W. Heyers 
Musikhistorisches Museum in Köln. 
Geigenzettel : Wilhelm Döring me fecit / Cassellis. 
.'Xnno 1765 (gedruckt). 

Dötsch, Michael. — Berlin-Wilmersdorf. Geb. 
22. Okt. 1874 in Neuenbrand bei Asch 

(Böhmen) 

Er machte seine erste Lehrzeit bei Michael Kohlbacher 
in Schönbach durch, ging dann in die Fremde, 
arbeitete 20 Jahre lang als Gehilfe bei den ersten 
Meistern, überall seine Kenntnisse bereichernd, und 
war zuletzt fünf Jahre bei Erich Lachmann tätig. 
Er verwendete sein Hauptaugenmerk auf das Studium 
der alten Meister, deren Arbeitsweise er sich zu eigen 
machte und deren Lackierung er in mustergültiger Weise 
nachzuahmen versteht. Im Jahre 1914 machte er sich 
selbständig und arbeitet mit Vorliebe nach Stradivari, 
G. B. Guadagnini und Nicolaus Gagliano. Da er nur 
das beste alte Holz verwendet, jedes Stück an seinen 



Dollenz — Dominicus 



109 



Geigen selbst anfertigt, auch seinen Lack selbst be- 
reitet und sich in jeder Beziehung als Künstler erweist, 
hat er bald in weiten Kreisen Anerkennung ge- 
funden. Seine Kopien alter Meisterwerke gehören zu 
dem Besten, was in dieser Beziehung geleistet werden 
kann. In der Kunst des Lackierens ist er kaum zu über- 
treffen . 

Geigenzettel: Michael Dötsch / Berlin W 19 Monogr. 
M. D., darunter B., das Ganze von Laub- und Nadel- 
zweigen umrahmt. 

Dollenz, Giovanni. — Triest. 1 800. f um 1 850 

Er soll ein Schüler Storionis gewesen sein, den er auch 
nachahmte. Er baute sowohl Geigen als Violen und 
Violoncelli und war auch als Bogenmacher sehr ge- 
schätzt; sein Lack ist gelbrot. 

Geigenzettel : Restauratum a me Gio. Dollenz , in Triest 
18 . . (gedruckt). — Giovanni Dollenz, Fecit inTrieste 
Anno 1805 (gedruckt). 

Dollenz, Giuseppe. — Triest. 1850. f 1889 

Sohn und Schüler von Giovanni D. Er baute im ganzen 
130 Violinen und Violen und einige Violoncelli. Er war 
geschickt, wenn er auch den Vater nicht ganz erreichte. 
Die Geigen aus seinen letzten Lebensjahren sind am 
besten. Sein Lack gleicht dem seines Vaters ; nur ist er 
etwas rötlicher. Seine Violoncelli sind recht gut. 

Domanski, Albert. — Paris usw. Geb. 1780, 

t nach 1855 in Spanien 

Ein polnischer Offizier, später russischer Konsul in 
Spanien, der sich in seinen Mußestunden auf den 
Geigenbau verlegte, dessen Anfangsgründe er in jungen 
Jahren in Wien erlernte. Er wohnte damals in dem- 
selben Hause wie Mozart, an den er durch den Prinzen 
Jablonowski empfohlen wurde. (Vgl. Domanskis Me- 
moiren in der Zeitschrift »Przeglond Poznanski«, Heft 2 
1850.) Als Geigenmacher bildete er sich in Paris von 
1835 — 1849 weiter aus. Er hat dann noch in einigen 
polnischen Städten gearbeitet und verbrachte seine 
letzten Lebensjahre In Spanien bei seinem Sohne, der 
dort als Offizier diente. 

Dombrowski (Dabrowski). — Warschau. 1 892. 

1902 

Polnischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Dombrowsky, August. — Riga. Geb. 16./28. 
Juli 1845 in Kengeragge bei Riga 

Besitzer einer großen Holzsägerei in Alt-Mühlgraben 
bei Riga. Er wendete sich seit 1878 aus Liebhaberei dem 
Gelgenbau zu und beschäftigte sich bis 1890 mit viel- 
fältigen Versuchen, wobei er 1886 von Wilhelmj wert- 
volle Anregungen erhielt. Wohlvorbereitet begann er 
1890 die Geigenmacherei in größerem Umfange zu be- 
treiben, zog sich zwei Gehilfen heran und hat seitdem 
1134 Violinen, 30 Violoncelli und 2 Kontrabässe ge- 
baut, die fast alle verkauft sind. Er hat Versuche mit 
den verschiedensten Holzsorten für die Böden (statt des 
üblichen Ahorns) angestellt und solche von Ebenholz, 
Wacholder usw. gemacht. Auch mit verschiedenen 
Lacksorten hat er experimentiert, verwendet aber jetzt 
fast ausschiießllch sogenannten Danziger Bernsteinlack. 



Dominicelli (. . ero oder Domenico). — Fer- 
rara. 1695—1715 

De Piccolellis schreibt den Namen Domincelli und fügt 
hinzu »dl Brescia«. Daß er Violinen gemacht hat, steht 
noch nicht fest, wohl aber kennt man einige gute 
Violoncelli und Bässe von ihm. Vidal rechnet ihn zur 
Amatischule. Andere halten ihn für einen Schüler 
G. B. Rogens. Er gebrauchte goldgelben Lack. 

Dominichini, Antonio Eduardo. — Bologna. 

1708. 1766 

Als Geigenmacher und Reparateur mehrfach erwähnt, 
so auch bei Valdrlghi (879). 

Dominichino, Giuseppe. — Verona. 1 700. 
1709 

Vielleicht ein Schüler der Amati, an deren Arbeit die 

seine stark erinnert. Ob er in Verona selbst tätig war, 

ist noch nicht nachgewiesen, doch ist es wahrscheinlich 

(seine Zettel geben auch Verona nur als seine Heimat 

an). 

Geigenzettel : Giuseppe Domichlno / Veronensis Facie- 

bat anno 1 7 . (gedruckt). 

Dominico. — Pesaro. Venedig. 1522. 1548 

König Philipp II. von Spanien besaß fünf Violen von 
einem Dominico. Das Im Archiv des Palacio real In 
Madrid aufbewahrte Inventar der Musikinstrumente 
des Königs führt an : »Cinco vihuelas de arco de ma- 
dera blanca, con unos quadros sambiados de tara9ea 
de mano de Dominico en tres caxas No 59 . . . .<' Dieser 
Dominico ist möglicherweise Identisch mit dem Meister 
Dominicus in Pesaro, von dem mir sonst nur Klavi- 
zimbeln bekannt geworden sind, und der durch das 
Gravicembalo, das er nach Gioseffo Zarlinos Anwei- 
sung im Jahre 1548 baute, bekannt ist. Um 1548 kam 
übrigens auch ein Bildhauer und Medailleur Domenico 
Veneziano vor, von dem eine bezeichnete und datierte 
Medaille auf König Sigismund II. von Polen herrührt. 
Geigenzettel : Dominicus PIsaurensIs /fecit MDXXXI 1 1 
(gedruckt). 

Dominicus, Joannes. — Rom. 1570 (?) • 

Niederheitmann besaß eine kleine Violine, die nach 
seiner Beschreibung in ihrer Wölbung und den F- 
Löchern an Andreas AmatI erinnerte. Das Holz soll gut, 
der Lack braun und der Boden mit einer verzierten 
Einlage versehen gewesen sein. Die Jahreszahl zweifelte 
Niederheitmann selbst an, er scheint aber auch den 
ganzen Zettel falsch gelesen zu haben, der bei ihm 
lautet :Joannes Cesarum Dominicus Roma minorum 
1510/ und in dieser Form ganz unverständlich ist. 
Den Zettel sicher zu korrigieren Ist, ohne das Original 
vor Augen zu haben, nicht gut möglich; wahrscheinlich 
aber mußte der Zettel folgendermaßen aussehen: 

Joannes Dominicus 

Ord. frum. 

Minorum 

Romae 1570 

Dominicus wäre demnach ein Minorit (Ordinis fratrum 
Minorum) gewesen. Die Jahreszahl könnte vielleicht 
1570, wird aber wohl 1610 geheißen haben. 



10 



Donato — Doss & Heidegger 



Donato, Serafino. — Venedig. 141 1 

Vidal und Valdrighi erwähnen ohne nähere Angaben 
nur seinen Namen mit der Jahreszahl. 

Doneda, Giovan Battlsta. — Brescia. Geb. um 
1530, t 19. Jan. 1610 in Brescia 

Er war der Sohn eines Paolo D. und wird zuerst 1562 
als dreiunddreißigjährio; mit dem Zusatz »quäl fa di 
violini« erwähnt; in seinen Steuererklärungen kommt 
er bald als »lavorento de instrumenti de citere<< (1568), 
als »maestro d'instrumenti de sonar« (1588). bald als 
»cytaredus«(1607) vor. Sein Todestag findet sich m der 
Sterbematrikel der Pfarrei Nazaro e Celso. Ob er mit 
»Baptista Bressano« identifiziert werden kann, erscheint 
fraglich. 

Doni, Giambattista. — Florenz. 1635. 1663 

Berühmter Musikkenner und -Schriftsteller, Akademi- 
ker usw., der sich auch als Instrumentenmacher ver- 
suchte und u. a. die Lira Barberina (Amficordo) erfand. 

Doni, Rocco. — Florenz. 1600. 1660 

Als Priester führte er vor seinem Taufnamen auch den 
Titel Dom^). Er hat ziemlich viele Lauten und Geigen 
gemacht und dürfte ein Verwandter des berühmten 
Giambattista Doni gewesen sein. Im Verzeichnis der 
Musikinstrumente des Herzogs von Florenz, dasCnsto- 
fori am 23. September 1716 angefertigt hat, heißt es: 
»N° 45. Basetto opra del sacerdote Rocco Dom con 
corpo stacciato corrsuo arco. « 

Donozetto (Donizetti?), Pietro. — Neapel. 

1789 

Ob der Name richtig gelesen ist, kann ich nicht ent- 
scheiden. Der Arbeit nach vielleicht ein Gagliani- 
schüler. 

Dopfer (Döpfer), Nikolaus. — Mainz. 1715. 

1768 

Ein sehr tüchtiger, angesehener Künstler, der Kurfürst- 
lich Mainzischer Hofgeigenmacher war. Seine Geigen 
sind gut gearbeitet, haben großes Patron und erinnern 
in den Umrißlinien an Stainer. Da er die Wölbung oft 
ohne Hohlkehle gleich vom Rande aus ansteigen ließ, 
sieht sie höher aus, als sie eigentlich ist. Das Holz ist 
gut, auch wenn er für den Boden statt Ahorn- Eschen- 
holz nahm, denn er legte dann Wert darauf, daß ihm 
die Wurzelknollen ein buntes Aussehen verliehen. Der 
Ton ist vorzüglich. Die Schnecke, oft aus Birnbaumholz, 
ist hübsch im Schwung; auch die F- Löcher sind in der 
Regel elegant und schmal, wenn sie nicht genau nach 
Stainer geschnitten erscheinen. Weniger gut ist sein 
brauner, besser sein gelbbrauner Lack. Er war der 
Schwiegervater von Diehl und Steimnger. In einer 
Frankfurter Matrikel wird sein Name irrtümlich Dopp- 
ler geschrieben. Eine Altgeige von ihm aus dem Jahre 
1763 war in der von der holländischen Gesellschaft 
»Pulchri Studio« 1893 veranstalteten Ausstellung zu 
sehen. 
Geigenzettel: Abb. 156. 

') Was Irrtümlich manchmal mit »Dominicus« ergänzt 
wurde. 



Dorant, William. — London. 1814 

Er wohnte Winfield Street, Brick Lane Spitalfields, 
und ist kein bedeutender Meister gewesen. 

Dorigo s. Spilman 

Döring, Ernest N. s. John Friedrich & Bro. 

Dorner, Ignatz Martin. — Wien? 1716 (?). 

1777 

In den Steuerlisten kommt sein Name nicht vor, wohl 
aber fand man ihn in mittelmäßigen Geigen, von denen 
eine entschieden jünger war als die angegebene Jahres- 
zahl 1716. Auch daß der Name der Stadt Wien entgegen 
der damals meistens gebrauchten Schreibweise »Wienn« 
nur ein n zeigt, läßt die Echtheit des Ursprungsortes 
und der Jahreszahl sehr zweifelhaft erscheinen. Eine 
seiner Violinen mit der verdächtigen Jahreszahl 1716 
tauchte noch im Jahre 1912 bei der Oktoberversteige- 
rung von Puttick & Simpson in London auf. Wahr- 
scheinlich war Dorner ein Schönbacher oder Vogtlän- 
der, wofür auch das fehlerhafte Latein der Taufnamen 
auf einem anderen Zettel spricht. 
Geigenzettel: Ignatii Martynlj Dorner / Violin und 
Lautenmacher me fecit Wien 1777 (gedruckt) und 
Abb. 157. 

Dorniedten (Tor Niedten). — ? 18. Jahrh. (?) 

Vermutlich ein Holländer, dessen Name hie und da in 
Musikinstrumenten eingebrannt zu finden Ist. 

Doser, Joseph. — Freising. Geb. 1770 in Vils 
bei Füssen, f 19. März 1836 in Freising 

Er wird als Sohn eines gleichnamigen Vaters bezeichnet 
und dürfte in seinem Geburtsort gelernt haben. Um 
1 790 scheint er nach Freising gekommen zu sein, wo er 
am 10. Juni 1794 Therese, die Witwe Franz Knittls, 
heiratete, obwohl sie 20 Jahre älter war als er. Er dürfte 
das Versprechen gehabt haben, auch als Hofgeigen- 
macher der Nachfolger Knittls zu werden, denn im 
Trauschein wird er bezeichnet als »angehender bürger- 
licher Hof-Lauten- und Geigenmacher«, doch scheint 
er den Dienst nicht erhalten zu haben, da sein Toten- 
schein von ihm nur kurz als »bürgerlichem Geigen- 
macher« spricht. Nach dem 181 1 erfolgten Tode seiner 
Frau hat er sich nicht wieder verheiratet. Seine Arbeit 
verrät gute Tiroler Schule, und er kommt den besseren 
gleichzeitigen Mittenwaldern sehr nahe. 
Geigenzettel : Doser in Freising 1 790 (geschrieben). 

Dosi, Pietro. — Bologna. 1880. 1885 

Ein aus Livorno stammender Zollbeamter, der sich in 
seinen Nebenstunden als Rahmenmacher versuchte. Er 
gehörte dem Freundeskreis von Raffaele Fionni an und 
wurde dadurch veranlaßt, sich aus Liebhaberei mit 
dem Geigenmachen zu beschäftigen. Er war nicht 
unbegabt und hat sogar Ausstellungspreise erhalten; 
seine Arbeiten sind trotzdem unbedeutend zu nennen. 
Geigenzettel : Pietro Dosi di Livorno / fece per diletto 
(gedruckt). 

Doss & Heidegger. — Hamburg 

Eine 1879 begründete Musikinstrumentenfirma, deren 
jetziger Inhaber Heinrich Schlüter ist. 



Dosseur — Drögemeyer 



111 



Dosseur, Claude. — ? 177d 

Französischer Geigenbauer des 18. Jahrhunderts. Wo 
er gelebt hat, ist ungewiß; seiner Arbeit nach scheint er 
die Brescianer Schule zum Vorbild genommen zu haben, 
ja er übertreibt die charakteristischen Formen Mag- 
ginis noch ; doch ist er im allgemeinen sehr geschickt 
gewesen. 

Geigenzettel : Claudius Dosseur / Fecit anno 1 775 (ge- 
druckt). 

Dotzauer 

Eme im Egerlande ansässige Familie, von der verschie- 
dene Mitglieder in der dortigen Geigenindustrie 
tätig sind. In Schönbach bei Eger lebt jetzt Jakob D. 
als »Corpusmacher«; Josef D. lebt in Absroth bei 
Schönbach, ein anderer Josef D. in Pechbach in 
Böhmen. 

Dow, W. H. — Melbourne. 1880. 1900 

Australischer Geigenmacher, der schon 1880 eine Viola 
nach eigenem Modell sowie Violinen nach Stradivan 
und Guarneri ausgestellt und dafür den ersten Preis 
erhalten hat. 

Draßegg (Drassich), Vlctorln. — Bregenz. 
Geb. zu Groß-Polom (Mähren) 3. Sept. 1 782, 
t 6. März 1847 Im Militärspital zu Wien 
Nach G. Kinskys Ermittlungen war er gelernter Tisch- 
ler, wurde Soldat und geriet in Italien in französische 
Gefangenschaft. Er kam weit in der Welt umher und 
ließ sich dann, da er Deserteur war, unter dem Namen 
Friedrich Grünwald in Bregenz nieder, wo er 1816 
auch heiratete. Geigen scheint er nicht gebaut zu haben, 
wohl aber gute Gitarren und Zithern, von denen sich 
noch mehrere in Bregenz in Privatbesitz befinden. 
Auch soll er ein vorzüglicher Gitarrespieler gewesen 
sein. Eine Schlagzither aus dem Jahre 1834 und eine 
Gitarre von 1833 besitzt W. Heyers Musikhistorisches 
Museum in Köln. Vgl. den Katalog dieses Museums 

B. II, S. 236. 

Zettel: Victorin Draßegg / Instrumentenmacher in 

Bregenz, 1807 (gedruckt). 

Dreher, J.- Warschau. 1884. 1902 

Ein Geigenmacher, der vermutlich aus Deutschland 
nach Polen eingewandert ist und 1884 sein Geschäft in 
Warschau begründet hat. 

Dreier, Carl. — Leipzig. Geb. 2. Mai 1857 in 
Markneukirchen 

Schüler von M. Schmidt, arbeitete nach beendeter Lehr- 
zeit in Dresden, Beuel bei Bonn und Philadelphia und 
machte sich 1887 in Leipzig selbständig. Er baut Gei- 
gen und Violoncelli nach Stradivari (aber aucb schöne 
Gitarren und Zithern) und wendet einen gelbbraunen 
Lack an. 

Geigenzettel : Carl Dreier in Leipzig, / Streichinstru- 
mentenmacher u. Reparateur (gedruckt). — Carl Dreier 
Leipzig (gedruckt). 



Dreier, Friedrich. — Grabow i. M. Geb. 1848 
in Neu-Brenz 

Er ist als Weichensteller bei der Eisenbahn angestellt 
und versuchte gelegentlich, nach einer Kindergeige ein 
spielbares Instrument zu bauen. Seitdem macht er 
Geigen in seinen Nebenstunden. Er arbeitet nach kei- 
nem bestimmten Modell und verwendet Spirituslack. 
Geigenzettel: Gebaut von ' F. Dreier, Weichensteller / 
in Grabow i. M. (gedruckt). 

Dreier, Ole. — Kopenhagen. 1795. 1810 

Einer der besten dänischen Geigenmacher. Sein Name 
findet sich auf der Außenseite des Bodens in seinen 
Violinen eingebrannt. 

Dresler (Dreßler), Ernst Wilhelm. — Landes- 
hut. 1833. Geb. 13. Jan. 1799 in Schmiede- 
berg 1. Riesengeb., f ? 

Sohn des Hufschmieds Joh. Ehrenfried Dreßler, der 
ein tüchtiger Musiker gewesen sein soll. Ernst W. Dr. 
soll bei einem Instrumentenmacher im Riesengebirge 
gelernt haben und ließ sich um 1833 in Landeshut 
nieder. Er ist aber bald wieder »unbekannt wohin« ver- 
zogen. Als Geigenmacher war er sehr unbedeutend. 
Geigenzettel: Ernst Dresler. , Instrumenten-Bauer / in 
Landeshut. Reyariert (sie), (gedruckt). 

Drexel, Georg. — Nördlingen. 1902 

Geigenzettel: Georg Drexel / Instrumentenfabrikant / 
Nördlingen / gebaut 19 . . Renoviert 19 . . (gedruckt). 

Driel, Abraham von. — Hamburg. 1710 

Ein Instrumentenmacher, der am 14. März 1710 Bürger 
wurde. Vermutlich war er Klaviermacher, doch soll er 
auch Zimbeln und Lauten gemacht haben. 

Drinda, Giacomo. — Pienza (?). 18. Jahrh. 

Vidal führt einen Geigenmacher dieses Namens auf 
und gibt als Wohnort »Pianzo« an. Vermutlich sollte es 
»Pienza« (Toskana, Provinz Siena) heißen, möglicher- 
weise aber auch Piazzo (ein Dorf in der Provinz Turin) 
oder ein anderer, ähnlich klingender Ort. 

Drögemeyer, Hermann August. — Bremen. 
Geb. 16. März 1849 in Bremen 
Ursprünglich Maschinentechniker, beschäftigte er sich 
frühzeitig mit dem Studium des Geigenbaus und 
brachte es bald darin zu so großer Fertigkeit, daß er 
sich 1883 in seiner Vaterstadt als Geigenmacher nieder- 
lassen konnte. Anfangs arbeitete er nach einem eigenen 
Modell, ging aber später zu denen des Stradivari aus 
den Jahren 1696—1709 über und machte mehrfach 
größere Reisen nach Belgien, Frankreich und England, 
um dort die Werke der großen italienischen Meister zu 
studieren. Im Jahre 1903 zog er sich in das Privatleben 
zurück. Seine Geigen werden sehr gelobt ; in weiteren 
Kreisen ist er außerdem durch sein bereits in dritter 
Auflage erschienenes Werk »Die Geige« bekannt ge- 
worden. 
Geigenzettel : Abb. 1 76. 



112 



Drouet-Koel. — Valence 

Mittelmäßiger französischer Geigenmacher des 19. Jahr 

hunderts. 

Geigenzettel: Raccomode par Drouet-Koel , A Valence/ 

departement de la Drome (gedruckt). 

Drouin, Charles. — Mlrecourt. 1897. 1900 

Geigenfabrikant, Besitzer der Marke: »Chipot-Vuil- 
laume«. 

Drouin, Claude. — Nancy, f 24. Aug. 1637 
Bisher nur von A. Jacquot erwähnter Meister. 

Drouin, Etienne. — Mirecourt. 1878 

Sorgfältig arbeitender Mirecourter Geigenmacher. 
Lehrer von Brugere. 

Droulot (Drouleau). — Paris. 1788. 1800 

Wahrscheinlich aus Mirecourt stammend. In Paris 
wohnte er Rue du Temple Nr. 35. Gewöhnliche, aber 
gute Arbeit, gelbbrauner Lack. Er war bekannt als Ver- 
fertiger des »Rhythmometers«. 

Drouyn, Dimanche. — Paris. Ende des 17. 
oder Anfang des 18. Jahrhunderts 

Jedenfalls zur Mirecourter Familie Drouin gehörig und 
ein naher Verwandter von Claude Drouin in Nancy. 
Er ist mir nur durch eine Taschengeige, die im South 
Kensington Museum ausgestellt war, bekannt gewor- 
den. 

Duarte 

Eine portugiesische Instrumentenmacherfamilie. An- 
tonio Duarte lebt in Porto, Ant. Duarte-Mendes in 
Figueira da Foz. Beide machen hauptsächlich Mando- 
linen und Gitarren. 

Dubois, B. — Paris. 1834 

Er war Kontrabassist der Oper und hat einige Instru- 
mente aus Liebhaberei gemacht. Er war vermutlich 
auch der Erfinder des »Violontenors«, einer Geige, 
deren Saiten eine Oktave tiefer gestimmt waren als die 
der Violine. 

Dubois, Pierre. — Mirecourt. 1748 

Er wird in den Urkunden als Maler und Geigenmacher 
bezeichnet. 

Dubreuil, E., war in Lisieux (Dep. Calvados) 

ansässig 
Dubrowin. — Swenigorod. 1881 

Einer der vielen, die russische Nationalinstrumente 
bauen. Im Jahre 1881 hatte er eine Gitarre in Moskau 
ausgestellt. 

Dubuisson. — Rouen. 1708 

Sein Name kommt in den Zunftakten vor, Arbeiten von 
ihm kennt man aber nicht. 

Ducfell, John. — ? 

Eine Geige dieses sonst unbekannten Meisters weist 
der Selhofsche Auktionskatalog (1759) auf. Der Name 



Drouet-Koel — Dünkel 

dürfte falsch gelesen sein und hieß vielleicht sogar 
Dürf eil (Dorf fei)? 

Duchene (Duchesne), Nicolas. — (Mirecourt? 

Paris?) 1742. 1772 

Er führte die Hausmarke »A la ville de Cremone« und 
gibt oft Paris als Ursprungsort an. Sein Modell ist sehr 
schlank, die Wölbung flach, die Zargen hoch, die 
Schnecke sehr groß, die F-Löcher langgestreckt und 
wenig geschweift; der Einschnitt in den F-Löchern für 
den Stegpunkt ist sehr schief. Das Holz der Oberdecke 
ist stark und schön ; die Jahre stehen gleichmäßig einen 
Millimeter voneinander ab. Der Lack ist dunkel gelb- 
braun, die Einlagen sind fein mit breitem Rand, der 
Ton weich und angenehm. Er führte die Brandmarke: 

NICOLAUS DUCHESNE A PARIS. Eine Violine 

von ihm besitzt J. Hirschler in Unter-Ägeri, eine 
andere C. Stoeber in Würzburg. Ein zweiter Nicolas 
Duchene war Bogenmacher, von ihm weiß man nur, 
daß er im Jahre i 783 aus Mirecourt weggezogen ist. 

Duchene. — Paris. 1850 

War 1854 auf der Münchener Ausstellung gut ver- 
treten. 

Duchene, Jean-Baptiste-Colin. — Nancy. Geb. 
um 1815 in Nancy, t 25. Jan. 1889 

Ein Luthier, der eine gute Schule durchgemacht und 
mit seinen Gelgen Erfolg gehabt hat. Er gebrauchte meist 
geschriebene Zettel und eine Brandmarke: »Colin 
Duchene«. — Sein Enkel ist Ch. Resuche in Bordeaux. 

Ducheron, Matthieu (Mathurin). — Paris. 
1700. 1730 

Arbeiten von ihm kommen selten vor und sind ohne 

Kunstwert. 

Geigenzettel : Matthieu Ducheron ä Paris / 1 7 1 1 (gedr.). 

— Mathurin Ducheron, a Paris, / 1714 (geschrieben). 

Duchesne s. Duchene 

Duclos, Nicolaus. — Barcelona. 1759. 1764 

Wahrscheinlich ein eingewanderter Franzose, wofür 
schon seine Arbeit spricht. Seine Geigen schließen sich 
an italienische Vorbilder an ; er schnitzte hübsche Köpf- 
chen (Löwen, Engel usw.) am Wirbelkasten und 
machte auch Mandolinen. Eine Nonnengeige von ihm 
besitzt das Konservatorium In Brüssel (Nr. 427). Er 
soll 1766 noch in Madrid gearbeitet haben. 
Geigenzettel: Abb. 171. 



Ducoq. 



1838 



Mittelmäßiger Geigenmacher. 

Geigenzettel: Ducoq fecit / Hera 1838 (geschrieben). 

Dünkel, Bernhard. — Magdeburg. Geb. 
4. JuH 1833 zu Trochtelborn bei Erfurt 

Noch als Stabstrompeter übernahm er im Jahre 1867 
F. Haases Instrumentenhandlung und führte sie bis 
1888 fort. Er hatte auch eine Reparaturwerkstatt, hat 
aber schwerlich selbst Geigen gebaut. 



D 



uien 



Dulf 



enn 



113 



Düren, Hermann. — Bonn. 1850 

Er galt als tüchtiger Reparateur, Arbeiten von ihm habe 
ich nicht kennen gelernt. 

Düren, Wilhelm. — Köln, Bonn. 1870. f nach 

1891 

Sohn von Hermann D. Um 1875 siedelte er nach Bonn 
über, wo er sich zuletzt hauptsächlich auf den Handel 
verlegte. Seine letzte Arbeit, eine sehr gute Violine aus 
dem Jahre 1891, besitzt sein Sohn. Sehr ungleich in 
seiner Arbeit. Er machte sehr viele neue Streichinstru- 
mente, von denen einzelne schön und gut sind, während 
viele wieder geradezu häßlich genannt werden dürfen. 

Geigenzettel: Wilhelm Düren / fecit, Bonn 1891 (gedr.) 

Dürr (Dier), Johann. — Wien. 1813 

Mitvorsteher der Wiener Lauten- und Geigenmacher- 
innung. In der Arbeit kommt er manchmal Dalinger 
nahe. Ein .Anton Dier war 1826 Schätzmeister, doch ist 
es ungewiß, ob er der Familie Dürr oder Thir an- 
gehörte. 

Dürrschmidt, Wilhelm August. — Markneu- 
kirchen. Geb. 11. März 1863 

Wenn er auch einzelne Teile seiner Geigen wie fast alle 
.Markneukirchener von anderen vorarbeiten läßt, so ge- 
hört er doch zu den geschickteren Meistern seines 
Wohnorts. Ein Dürrschmidt war auch in Warschau 
eine Zeitlang ansässig. 

Duff, William. — Dunkeid. Geb. 20. Juni 
1810, t 1882 in Pulney Cottage bei Dunkeid 

Er wurde 1839 Jäger bei der schottischen .Adelsfamilie 
Atholl und machte in seinen freien Stunden viele und 
recht gute Geigen nach dem Stainermodell. Einige 
Unterweisung mag er von Peter Hardie bekommen 
haben, mit dem er später bekannt wurde. Seine Geigen 
sind oft sehr kunstvoll eingelegt und auch seine Bogen 
waren gut. 

Geigenzettel : .Made by Wm. Duff, Pulney Cottage, ,' 
Dunkeid 1860 (gedruckt). 

Dufour. — Mirecourt 

Von dieser Geigenmacherfamilie nennt .A. Jacquot: 

AmableD. f 1747 
Charles D. 1751. 1757 
Claude- Frangois D. 1768 
Felix-Charles D. f 20. Febr. 1781 
FrantoisD. 1748. 1781 
Jean-Baptiste D. 1784. 1789. 

Duguid. — Aberdeen. 1872 

Wenig hervortretender Geigenmacher. 

Duiffopruggar s. Tieffenbrucker 

Duke, Richard (Vater). — London. 1 750. 1 780 

Einer der besten englischen Geigenmacher, der auch 
ein eigenes Modell, das an das Stainersche anklingt, 
verwendete. Die Wölbung ist hoch, das Patron länglich. 
Holz und .Arbeit sehr sorgfältig und der Ton weich und 
ansprechend. Weniger geglückt erscheint sein gelber 
v.Lütg-endorff, Geigen- und Lautenniacher. Bd. II 



Lack, der manchmal über einer .Art Walnußbeize auf- 
getragen ist. Bei den größeren Violen ersetzt er gern in 
der Breite, was er an Länge verkürzt. Auch als Kopist 
hat er sich mehrfach mit Erfolg versucht. Seine Kopien 
nach Stradivan und Amati sind recht gut, weniger ge- 
nau dagegen die nach Stainer, zu denen ihm wahr- 
scheinlich kein Original vorgelegen hat. Echte Geigen 
von ihm sind selten zu haben, doch wurde er leider von 
Stümpern häufig nachgeahmt und seine Zettel ge- 
fälscht, so daß Instrumente, die seinen Namen tragen, 
erst eingehend auf ihre Echtheit hm geprüft werden 
müssen. .4ußer seinen bald geschriebenen, bald ge- 
druckten Zetteln gebrauchte er auch einen Brandstem- 
pel mit seinem Namen, dem manchmal noch •>London« 
hinzugefügt wurde. Wenn Vidal die .Arbeit Richard 
Dukes kurzweg als »luthene infeneure« bezeichnet, so 
können ihm nur Geigen von der Hand des jüngeren 
Duke oder die gewöhnlichen Fälschungen vorgelegen 
haben. Denn R. Duke ist so eifrig nachgeahmt und ge- 
fälscht worden, daß man Glück haben muß, wenn man 
eine echte Arbeit von ihm ausfindig machen will. 

Geigenzettel : Rieh** Duke Londini fecit 1 767 (geschr.). 
• — Richard Duke Maker , Holborn London Annol 777 
(geschrieben). — Richard Duke maker near opposite / 
Great Turn-Stile , Holbourn-London (gedruckt). 

Duke, Richard (Sohn). — London. Anfang 
des 19. Jahrhunderts 

Seiner Arbeit nach zweifellos ein Schüler seines Vaters. 
Er verwendete auch den gleichen Brandstempel, hat 
aber den Namen Duke sehr in Mißkredit gebracht, 
denn er hatte wenig Talent und kam schließlich so 
herunter, daß er mit seinen roh gearbeiteten Geigen 
als Hausierer sein Leben fristen mußte. Ein William 
Duke soll gleichfalls Geigenmacher gewesen sein. 

Dulac (Du Lac), Andre. — Viviers. 18. Jahrh. 

Man kennt nur wenige .Arbeiten von ihm, einige Gei- 
gen, die etwas an Guersan erinnern. Da er jedoch sorg- 
los in der Wahl des Holzes war und einen schlechten, 
dunklen Lack gebrauchte, sind seine Werke sehr un- 
ansehnlich. Der Ton ist laut, aber nicht edel. 

Geigenzettel: Andreas Dulac, Vivarais (gedruckt). 

Dulcken, Jean. — Brüssel. 1750. f vor 1763 

Die Lauten, die mit seinem Namen vorkommen, sind 
wohl in seiner Werkstatt gemacht, aber schwerlich 
Werke seiner Hand, da er »facteur de Clavecins« war. 
Daß er aber alle Sorten von Saiteninstrumenten fertigen 
ließ, das beweist u. a. das Schreiben seiner Witwe (von 
1763), in dem es heißt: »Nous avons eu de tout tems 
et nous y avons encore des ouvners en toutes sortes 
d'instruments.« 

Dulfenn, Alexander. — Livorno. 1689. 1700 

Zwei Geigen, die seinen Zettel enthalten, sehen nicht 
italienisch aus, sind unkünstlerisch durchgeführt und 
lassen eher auf einen Dilettanten als einen Geigen- 
macher schließen. Auch der Zettel erregt Bedenken. 
Bei Bangel in Frankfurt a. M. wurde Ende Januar 1909 
eine Geige von Dulfenn vom Jahre 1689 versteigert. 
Geigenzettel : Allexemter Dulfenn fecit in Livorno 1 7.. 
(gedruckt). 

8 



114 



Dur 



Dvofäk 



Dumenil (Dumesnll?), N. — Paris? 1786 

Wie Brunis Inventaire (herausgegeben von Gallay), 
S. 159 berichtet, wurde während der Schreckensherr- 
schaft dem Marschall d'Ecquevilly eine Violine von 
N. Dumenil konfisziert. Diesen sonst nicht bekannten 
Geigenbauer mit Jacques Du Mesnil zu identifizieren, 
verbietet schon, abgesehen von dem Vornamen, die 
angegebene Jahreszahl. 

Du MesnIl, Jacques. — Paris. 1655. 1662 
Das beste Werk, das man von ihm kennt, ist die hüb- 
sche, mit Elfenbein und Silber eingelegte Tanzmeister- 
geige, die das Pariser Konservatorium bewahrt. Die 
F-Löcher zeigen den Stil Amatis, das Holz ist sehr 
schön und der rotbraune Lack vortrefflich. Am Wirbel- 
kasten ist ein Frauenköpfchen angebracht. Eine 
Taschengeige von 1662 ist in der Sammlung Savoye 
in Paris. 
Geigenzettel: Abb. 174. 

Duncan, George. — Glasgow. Geb. 17. Jan. 
1855 in Kingston-on-Spey 

Er war zuerst Tischler und eröffnete 1875 in Glasgow 
seine Werkstatt als Geigenmacher. Er arbeitete nach 
verschiedenen Modellen und verwandte einen guten 
Öllack. Seine Geigen sind sehr gut und tadellos ge- 
macht. 1885 erhielt er auf der Inventions Exhibition 
in London eine goldene Medaille; eine silberne, die er 
1886 in Edinburgh zuerkannt erhielt, wies er zurück. 
1892 wanderte er nach Amerika aus. 
Geigenzettel: N° 31 / Made by / George Duncan. / 
Glasgow, 1883 (gedruckt). 

Duncan, Robert. — Aberdeen. 1740. 1762 

Er soll ursprünglich Tischler und Holzschnitzer ge- 
wesen sein, weshalb auch die Schnecken und die Bei- 
werke an seinen Geigen leidlich gut aussehen; Arbeit, 
Holz, Lack und Ton sind sehr gewöhnlich, sein Modell 
ist hochgewölbt und geht auf Stainer zurück. 
Geigenzettel : Abb. 179. 

Duparge, Nicolas-Remi. — Mirecourt. 1767. 
1768 

Bisher nur dem Namen nach bekannt. 

Dupont, Fran^ois. — Mirecourt. 1761. 
t 18. Febr. 1780 

Er war Geigen- und Bogenmacher. Auch ein Charles- 
Felix D. kommt gleichzeitig vor. 

Durand, Fran^ois. — Mirecourt. 1751. 1753 

Bis jetzt das älteste bekannte Mitglied der Familie, zu 
der wohl auch jener Pierre D. gehört haben dürfte, 
dessen Name gewöhnlich Duvand gelesen wird. 

Durand. — Marseille. 1868. 1870 

Seiner Arbeit nach gehört er der Mirecourter Schule 
an. Seine wenigen Geigen sind sehr sauber durch- 
geführt und klingen gut. Er war nur kurze Zeit in 
Marseille ansässig und scheint jung gestorben zu sein. 



Durand, Victor, genannt Bazil. — Mirecourt. 
Mitte des 19. Jahrhunderts 

Vielleicht der Vater des Marseiller Meisters oder 
identisch mit diesem. Ein Durand hatte in Rouen, 
4 place St. Eloi seine Werkstatt. 

Du Riez, Nicolas. — Abbeville. 1663 

[Man kennt ihn bisher nur nach einer Baßviola aus 
der Sammlung Snoeck (Nr. 986), die sich in Berlin 
befindet. 

Geigenzettel : Nicolas Du Riez ä Abbeville 1663 (gedr.). 

Duval, Germaln. — Rouen. 1708. f 23. März 

1733 

Er wird als »Faiseur d'mstruments de musique* be- 
zeichnet und wohnte in der Rue St. Laurent (Pfarrei 
St. Lo). Im Jahre 1708 wurde er von der Zunft ver- 
klagt, daß er, ohne einen Meisterbrief zu besitzen, in 
seinem Laden Musikinstrumente feilhielt. 

Duvrard s. Ouvrard 

Duwar (Duwaer), Hermanus Gerardus. — 

Utrecht. Geb. 10. Juni 1842 in Utrecht, 

t 10. Nov. 1909 

Sohn des Klaviermachers Pieter D. und der Maria 
Kukenbömer, Schüler von Hampe, bei dem er seit 
seinem zwölften Jahre fünf Jahre lang gelernt hat. 
Später zwangen ihn besondere Umstände, sich emem 
anderen Wirkungskreis anzuschließen, und erst im 
reifen Mannesalter konnte er (im Jahre 1878) zu seinem 
ersten Berufe zurückkehren. Bei Hampe war er eigent- 
lich nur zum Reparateur ausgebildet worden. Durch 
einen Zufall entdeckte er prachtvolles altes Geigenholz, 
was ihn veranlaßte, seine ersten eigenen Geigen zu 
machen. Da er die alten Meister eingehend studiert 
hatte, gelangen schon seine ersten Versuche gut, und er 
galt als tüchtiger Geigenmacher. Er ahmte das Stradi- 
varimodell nach und verwendete selbstbereiteten Spi- 
rituslack. 

Geigenzettel: Hermanus Gerardus Duwaer / 1895 / 
Utrecht / (geschrieben). 

Dvorak, Jaroslav Anton. — Prag. Geb. 19. April 

1861 in Prag-Neustadt 

Nachdem er zuerst das Gymnasium besucht hatte, 
wurde er Schüler seines Vaters J. B. Dv., bei dem er, 
von einigen Reisen abgesehen, über 10 Jahre tätig 
war. Am 4. Mai 1885 eröffnete er seine eigene Werk- 
statt, und es gelang ihm bald, Anerkennung zu finden. 
Er baut nach Stradivari und Guarneri, ist ein ge- 
schickter Reparateur und besitzt bereits verschiedene 
Staatsmedaillen und andere Auszeichnungen. Er ar- 
beitet sauber und verwendet das beste Holz. Auch bei 
seinen Fachgenossen steht er in Ansehen und wurde 
1895 in den Vorstand der Prager Musikinstrumenten- 
macher-Genossenschaft gewählt. 

Geigenzettel: Jaroslav Dvorak / fecit Pragae 1899 (ge- 
druckt). 



Dvofäk — Eberle 



115 



Dvorak (Dworak), Johann Baptist. — Prag. 
Geb. 10. Aug. 1825 in Unhost. f 28. Sept. 
1890 in Prag 

Schüler von Joh. Kulik, bei dem er 1844 ausgelernt 
hatte. Er ging dann nach Pest zu J. B. Schweitzer, 
dann zu A. Hoffmann nach Wien, zurück nach Pest 
zu Ferd. Patzelt und zuletzt zu Ignaz Sandner in Prag, 
dessen Werkstatt in der Husovä ti'ida (Husgasse)Nr.230 
er später übernahm. Er verheiratete sich mit Maria 
Klima; von seinen drei Söhnen sind zwei Geigen- 
macher geworden. Er kommt in mancher Beziehung 
seinem Lehrer Kulik nahe, seine Arbeit ist gut. Er 
hatte Stradivari und Guarneri nachgeahmt, doch er- 
zielte er wie Kulik meist nur einen harten, scharfen 
Ton. Besser sind seine Violoncelli. Besondere Sorgfalt 
verwendete er auf den Lack, der sich bis jetzt recht 
gut bewährt hat, aber etwas grell in der Farbe ist. 
Außer Geigen baute er auch Gitarren usw. Seinen 
Namen, der nach der neueren böhmischen Recht- 
schreibung jetzt Dvorak geschrieben wird, schrieb er 
gewöhnlich Dworäk. 

Geigenzettel : Joh. Bapt. Dworäk / Geigen- und Gui- 
tarrenmacher, Prag / 230/1 (gedruckt) und Abb. 162. 

Dvorak, Karl Boromäus. — Prag. Geb. 26. Okt. 
1856 in Prag-Neustadt, f 28. Juni 1909 in 
Königssaal bei Prag 

Schüler seines Vaters Joh. B. Dv., bei dem er von 
1872 — 1876 in der Lehre war. Um sich weiter auszu- 
bilden, ging er zunächst zu Thom. Zach und Dav. 
Bittner nach Wien, zu Sütterlin nach Straßburg, von 
da nach Paris zu Hip. Chretien-Silvestre und zuletzt 
zu Gand & Bernardel. Trefflich geschult kehrte er ins 
Vaterhaus zurück, wo er den Vater in dessen lang- 
wieriger Krankheit vertreten mußte. Hierauf eröffnete 
er seine eigene Werkstatt und baute gute Geigen nach 
Stradivari und Guarneri. Gleichzeitig war er ein eifriger 
Sammler alter Instrumente, die er mit Glück auf 
seinen größeren Reisen zu entdecken wußte. Seine 
Arbeit erinnert an die moderne französische Schule, 
er erfreute sich eines wohlbegründeten Rufes und war 
im Besitze vieler Medaillen und Auszeichnungen. 

Geigenzettel: Abb. 152. 

Dykes, Geo L. — Leeds. Geb. 1 1 . Okt. 1884 
in Leeds 

Mit zwölfeinhalb Jahren trat er in die Lehre bei seinem 
Vater und ging dann zu Paul Bailly. Er hat Violinen 
gemacht, die in allen Einzelheiten seine eigene Arbeit 
zeigen. Er baut nach Stradivari, Guarneri und Amati, 
und zwar mit solchem Erfolg, daß schon im März 1901 
Meredith-Morris seine Biographie mit Bild in »The 
Strad« veröffentlichte. Daß er auch im übrigen eine 
gute Ausbildung genossen hat und Deutsch und Fran- 
zösisch mit bemerkenswerter Sicherheit spricht, sei 
nebenbei erwähnt. 

Geigenzettel : Made by / George L. Dykes, / Leeds, 
pupil of Paul Bailly, / (pupil of Jean Baptiste Vuil- 
laume, of Paris) / No. 14 (gedruckt). 



Dykes, Harry. — Leeds, 28 Queens Arcade. 
1883. 1900 

Er besitzt eine Geigenmacherwerkstatt und ist ein be- 
deutender englischer Händler mit alten Geigen. Er 
ist auch Vertreter mehrerer französischer und ita- 
lienischer Geigenmacher der Gegenwart für England. 



Eastburn, W. — Halifax. 1902 

Er wird als Geigenmacher und Saitenhändler be- 
zeichnet. 

Ebar s. Ebert 

Ebentheur, Franz Sales. — Kriegshaber bei 
Augsburg. 18. Jahrhundert 

Seinen mit musikalischen Emblemen umrahmten Zettel 
veröffentlichte Paul de Wit. Das Augsburger Stadt- 
archiv enthält keinerlei auf diesen Meister bezüglichen 
Vermerk. 

Geigenzettel: Sales Ebentheur / Instrumentenmacher / 
in Kriegshaber / bey Augsburg (gedruckt). 

Eber! (Eberle), Benedikt. — Budapest. 1820. 
1827 

Wenig bekannter, aber geschickter Geigenmacher, der 
der Vorliebe der ungarischen Geiger seiner Zeit für die 
Brescianer Modelle entsprechend fast nur Nachahmun- 
gen nach Maggini gebaut hat. Seine Geigen sind 
doppelt eingelegt, der Lack sehr geschickt imitiert, 
Arbeit und Holz vorzüglich. Seine Geigen haben 
immer unechte Maggini- Zettel, versteckt im Inneren 
aber liest man: »Benedikt Eberl, Pesth« und die 
Jahreszahl. 

Eberl, Christoph. — Prag. 1780. 1784 

Mir ist zwar eine Geige dritten Ranges mit dem unten- 
stehenden gedruckten Zettel vorgekommen, ein Chri- 
stoph Eberl ist jedoch als Geigenmacher in Prag nicht 
nachzuweisen. Es wird wohl ein Schönbacher Meister 
gewesen sein, der, wie viele Neukirchner, seine Ar- 
beiten von Prag aus datierte. 

Geigenzettel: Abb. 188. 

Eberl. — Schönbach b. E. 

Eine egerländische Familie, von der mehrere Mit- 
glieder in der Geigenindustrie ihrer Heimat tätig waren 
und noch sind. Jetzt sind dies ein Johann und ein 
Rudolf Eberl. 

Eberle, Eugen. — Rotterdam 

Geb. 7. März 1885 in Rotterdam als Sohn des be- 
rühmten Violoncellisten Oskar E., Schüler von 
K. Ferenczy-Tomasowsky, bei dem er von 1896 — 1902 
blieb. Er arbeitete als Gehilfe bei Karel van der Meer, 
dann zwei Jahre lang bei 0. Möckel und machte sich 
1904 in seiner Vaterstadt selbständig. Seine Arbeit ist 
sehr sorgfältig, er führt alle Teile seiner Geigen ohne 
fremde Mitarbeit aus und wird sehr gelobt. Auf der 

8* 



116 



Eberle 



Rotterdamer Internationalen Musikfachausstellung er- 
hielt er für ein Quartett usw. eine goldene Medaille 
und wurde 1909 in Mailand ebenso ausgezeichnet. 
Geigenzettel: Eugene Eberle, / Vioolmaker. / Fecit 
Rotterdam — Anno 19 (geschrieben). 

(Eberle, Johann Anton. — Mannheim) 

Da er bis 1780 »Hofinstrumentenmacher* war, geriet 
er in die Geigenliteratur, obwohl er keine Musik- 
instrumente machte, sondern Messer, und später als 
Münzwardein in Frankfurt a. M. starb. Er war viel- 
leicht ein Verwandter des 1771 im Mannheimer Hof- 
orchester vorkommenden Hoboisten Franz Eberhard 
Eberle, stand aber mit dem Prager Meister schwerlich 
in Beziehung. 

Eberle (Eberll), Johannes Udalricus. — Prag. 
Geb. 2. Juh 1699 in Vils. t 2. JuH 1768 

Sohn des Sebastian Eberle und der Ursula geb. Schon- 
ger. Er hat den Geigenbau jedenfalls in seiner Heimat 
erlernt und kam als Gehilfe nach Prag zu Thomas Ed- 
linger, doch war er kein Verwandter dieses Meisters. 
Er machte sich dann dort selbständig und erwarb am 
20. Februar 1 726 das Prager Bürgerrecht. Auf manchem 
Zettel schreibt er den Namen Eberll; auch Ebberll 
soll vorkommen. Am 4. Mai 1727 heiratete er Klara 
Jordin, von der er fünf Söhne und vier Töchter be- 
kam. Er hatte seine Werkstätte in der Altstadt, zuletzt 
in seinem eigenen Hause, das er 1736 erwarb, in der 
Konviktskä ulice (Konviktsgasse) Nr. 296, das noch 
heute »u Eberlu« genannt wird. In seiner Arbeit verrät 
er, daß er bei Edlinger eine gute Schule durchgemacht 
hat. Seine Violinen und Violoncelli sind nach Stainer 
gebaut, tadellos in der Form, prächtig im Holz und in 
der Ausführung. Sein Lack ist von sehr schöner roter 
Farbe und anscheinend auf gelbem Grunde aufge- 
tragen. Die Einlage ist gut und breit, der Ton jedoch 
nicht ganz so groß, als man eigentlich erwarten könnte. 
Sehr schön ist auch die äußere Ausstattung seiner 
Geigen, die Schnitzerei am Hals und am Wirbelkasten. 
Am häufigsten kommen Violen, besonders Viola 
d'amore von ihm vor^). Er ist der erste charakteristi- 
sche Vertreter der Prager Schule. Mehrere schöne 
Arbeiten von ihm befinden sich im Musikhistorischen 
Museum von W. Heyer in Köln, darunter eine präch- 
tige fünfsaitige Viola (Quinton) von 1749 und zwei 
Liebesgeigen von 1743 und 1755. Eine Violine von 
1746 besitzt .Alb. Berr in Böhmischbruck. Eine ältere, 
schon aus dem Jahre 1731 stammende Viola d'amore 
von ihm und eine von 1749 besitzt das Stift Ossegg. 
Eine große Viola d'amore (sog. engl. Violet) von 1739 
mit prachtvoll geschweiften Korpusumrissen, braun- 
rotem Lack und hübschem Engelsköpfchen am Wirbel- 
kasten befindet sich in der Sammlung Fr:tz Wild- 
hagen in Haiensee bei Berlin. Auf dem Chor der 
Braunauer Stiftskirche befindet sich eine Bratsche von 
ihm aus dem Jahre 1739. Eine Geige aus seinem letzten 
Lebensjahre (1768) besitzt das Bened.-Stift St. Mar- 



gareth bei Prag. In der fürstl. Lobkcwitzschen Samm- 
lung auf Raudnitz sind zwei Violinen von 1739 und 
1753 und eine von 1760. Ferner befinden sich eine 
Viola d'amore im Prager Nationaltheater, eine Viola 
von 1 745 in der St. Katharinenkirche in Welwarn und 
eine von 1759 im PrageV Konservatorium, Geigen von 
1749, 1758, 1763, 1767 und 1768 in der Strahower 
Kirche, je eine in der Prager Kreuzherrenkirche, in der 
Kirche zu Nepomuk, in der Thomaskirchc in Prag 
und in der Kirche zu Neveklov, ein Violoncello bei 
St. Nikolaus in Prag, ein Kontrabaß von 1 753 auf dem 
Komotauer Kirchenchor. 

Geigenzettel: Joann. Udalricus Eberll / fecit Pragae 
1 748 (gedruckt). — Joannes Udalricus Eberle / Lauten- 
und Geigenmacher in Prag / A° 1752 (gedruckt.) — 
Abb. 184 und 191. 

Eberle, Karl. — Innsbruck. 1829 

Vielleicht ein Sohn von Magnus Benedict E.^). — Ich 
kenne nur Reparaturen von ihm, und auch Dr. Fr. Wald- 
ner konnte nichts über ihn und seine (wahrscheinlich 
nur vorübergehende) Tätigkeit in Innsbruck ermitteln. 

Eberle, Magnus Benedict. — Wiener-Neu- 
stadt, Raab. 1803. 1835 

Er dürfte aus Vils stammen und läßt sich in Wiener- 
Neustadt von 1803 an nachweisen. Er war mit Anna 
Valentin verheiratet und wurde 1813 Viertelmeister, 
weshalb er seine Geigenmacherei wieder aufgab. Einer 
Geige nach zu urteilen, die aus Raab 1820 datiert ist, 
hielt er sich vorübergehend in Ungarn auf. Wenn er 
sein Geschäft auch aufgegeben hatte, so machte er 
doch nachträglich noch Geigen. Er hatte als Geigen- 
macher einen guten Ruf, und bis vor kurzer Zeit be- 
fanden sich noch eine Violine und ein Violoncello von 
ihm auf dem Chore der Neuklosterkirche in Wiener- 
Neustadt. Seine Arbeit erinnert an die Wiener Schule, 
ist jedoch weniger sorgfältig; auch der schwarzrote 
Lack sieht nicht schön aus. Am wenigsten gelangen 
ihm Violoncelli. 

Geigenzettel: Magnus Eberle fecit/ Raabae 1820 (ge- 
druckt) und Abb. 198-). 

Eberle (nicht Eberti), Tomaso. — Neapel. 

1760. 1792 

Der Name läßt auf deutsche Abstammung schließen. 
Daß er aber »sans doute« ein Verwandter Job. Ulr. 
Eberles gewesen sei, wie Grillet behauptet, ist um so 
mehr zu bezweifeln, als er seinen Namen auch »Tho- 
mas Heberl« schreibt und daher ebensogut mit der 
vogtländischen Familie Heberlein in Verbindung ge- 
bracht werden könnte. Um seine geschriebenen Zettel 
klebt er die gleiche Einfassung, die viele Mittenwalder 
haben. Eher glaube ich, daß er zu Heinrich Eberl oder 
Eberl in Venedig in Beziehung steht. Seine Geigen 
sind denen der Gagliano so ähnlich, daß man ihn wohl 
mit gutem Grund für einen Gaglianoschülcr halten 
darf. Eberle macht aber die F-Löcher, die sich bei ihm 



^) Einer der bedeutendsten Virtuosen auf der Viola ^) Daß dieser einen am 6. Dezember 1807 geborenen 

d'amore, der Komponist Johann Joseph Eberle (geb. um Sohn Karl Boromäus hatte, steht urkundlich fest. 

1735, t in Prag 1772), war kein Verwandter unseres ") Aus dem musikhistorischen Museum des Herrn 

Geigenbauers. Fr. Nicolas Manskopf in Frankfurt a. M. 



Eberle 



Ebner 



117 



oft denen Amatis nähern, zierlicher und unterscheidet 
sich auch in seinen Schnecken von denen der Gaghani. 
Er verarbeitete sehr schönes Holz, verwendete rot- 
braunen und braungelben Lack und führte alle Teile 
sehr sauber durch. Seme Geigen kommen verhältnis- 
mäßig selten vor, was darauf zurückzuführen ist, daß 
die meisten jetzt unter dem gangbareren Namen des 
Nicolaus Gagliano in den Handel gekommen smd. Er 
verwendete häufig geschriebene Zettel und hat in der 
Regel quer über den oberen Klotz einen zweiten kleinen 
Zettel mit den Worten: »Gesu e Maria« eingeklebt. 
Eine jedenfalls von ihm gebaute Viola d'amore, mit dem 
Namen »Heberle*, befindet sich in der Sammlung 
Valdrighi. Etwa zwölf Geigen von ihm besitzt Eugen 
Gärtner in Stuttgart. 

Geigenzettel: Thomas Heberl / Fecit Neap. 1780 (ge- 
schrieben) und Abb. 189. 

Eberle, Wenzel Michael Jos. Vincenz. — Prag. 
Geb. 14. Okt. 1738, lebte noch 1770 

Vierter Sohn^) und jedenfalls auch Schüler von Joh. 
Udalricus E., dessen Nachfolger er dann wurde und 
der ihm alles Werkzeug und Geigenholz vermachte, 
sogar den freien Nießbrauch des Hauses, solange er 
ledigen Standes bleibe. Der junge Eberle scheint dem- 
nach eine Wahl getroffen zu haben, die der Vater nicht 
billigte. Der Sohn hielt den Ruhm der väterlichen 
Werkstatt nicht auf der gleichen Höhe, obwohl seine 
.Arbeiten immer noch ein tüchtiges Können verraten. 
In seiner ersten Zeit hat er zweifellos die von seinem 
Vater noch vorgearbeiteten Geigen fertiggemacht und 
mit dessen Zetteln versehen. Vielleicht hat er an dieser 
Gewohnheit allzu lange festgehalten, auch wenn die 
Geigen ganz allein seine Arbeit waren, wodurch es sich 
am besten erklären ließe, daß Arbeiten mit seinem 
Zettel so selten vorkommen. 

Eberspacher, Bartolommeo. — Florenz. 1 7. Jahr- 
hundert 

Lautenmacher deutschen Ursprungs. Eine Theorbe 

von ihm befindet sich in W. Heyers Musikhistorischem 

Museum in Köln. 

Geigenzettel: Bartolomeo Eberfpacher / In Fiorenza 

(gedruckt). 

Ebert (Eberl?), Heinrich. — Venedig. 1655 

Sehr tüchtiger Lautenmacher des 17. Jahrhunderts, 
von dem die Sammlung Scheurleer eine hübsche The- 
orbe aufweist. Wie Tiefenbrucker seinen Namen 
italianisierte, so hat dies augenscheinlich auch Ebert 
getan. Herr Franciolini besitzt eine reich eingelegte 
Mandoline in der Form eines kleinen Rebeks mit der 
Inschrift: >>Enrico Ebar fecit anno Domini 1655«. Wenn 
das Datum richtig ist — was glaubwürdig scheint — 
und das Instrument keine späteren Veränderungen er- 
litten hat, hätten wir damit eine der ältesten Mando- 
linen vor uns. In der Ausstellung der holländischen 



^) Seine Brüder scheinen jung gestorben zu sein oder 
sich anderen Berufen zugewendet zu haben. J. Udalricus 
Eberle hatte fünf Söhne; Joseph Elias, geb. 1728; Se- 
bastian Valentin, geb. 1733; Martin Michael, geb. 1736; 
Wenzel Michael, geb. 1738; Udalricus Franz, geb, 1741. 



Gesellschaft *Pulchri Studio« 1893 war eine von ihm 
gebaute und von J. C. Hoff mann reparierte Theorbe. 
Auch P. de Wit erwarb 1885 eine Theorbe von schwar- 
zem Palisanderholz mit Elfenbeinrippen von unge- 
wöhnlicher Größe mit der Inschrift: »Heinrich ebert 
In Venetia«. Diese Theorbe zeichnet sich auch durch 
drei prächtige gotische Rosetten (»Dachsterne«) aus. 
Eine sechssaitige Viola d'amore von ihm besitzt auch 
die Sammlung Correr in Venedig. In dieser liest man 
den Namen »Heinrich Ebart«. 

Ebertl s. Eberle 

Ebner, Andreas. — München. Geb. 1852 in 

München, f 24. Januar 1919 

Er wurde bei seinem Vater, der sich als Trödler schon 
seit 1850 mit dem Verkauf alter Musikinstrumente be- 
schäftigte, frühzeitig mit dem Geigenbau vertraut und 
verlegte sich, als er das väterliche Geschäft übernahm, 
ganz auf den Handel mit alten Streichinstrumenten, 
Zithern usw.; und verfertigte auch Streichinstrumente 
nach eigenen Modellen. Sein Sohn Albert Benno E., 
der ge'ernter Musikinstrumentenmacher ist, und seine 
musikalische Ausbildung am Konservatorium abge- 
schlossen hat, ist sein Nachfolger. 

Ebner, Georg. — Regensburg. 1723 

Wahrscheinlich ein Bruder von Gotthard Ebner in 
Hallein und Lehrmeister des bekannteren Gotthard 
Ebner in Regensburg. Er wird ausdrücklich als Geigen- 
macher bezeichnet. 

Ebner, Gotthard. — Hallein. 1723 

Die Ebner waren Bauern in der Au bei Hallein und 
haben wohl nur im Winter Geigen gemacht. Nur Gott- 
hard E. scheint sich in jungen Jahren in guten Werk- 
stätten umgesehen zu haben und war vielleicht der 
Vater des gleichnamigen Regensbuiger Meisters. Er 
baute fast ausschließlich nach dem breiten Stainer- 
modell und ließ manchmal die Einlage fehlen. Sein 
Lack ist feurig, dick aufgetragen und kommt Stainer 
sehr nahe; auch im Ton sind seine Instrumente gut. 

Ebner, Gotthard. — Regensburg. 1724. 
t4. Mai 1760 

Er war Geigenmacher und Musiker. Sein Modell er- 
innert in gleicher Weise an Stainer wie an Amati; 
an den letzteren namentlich in bezug auf die Schnecke 
und die F-Löcher. Er hatte einen gewöhnlichen brau- 
nen oder gelbroten Lack und nahm ziemlich hohe 
Wölbung, die Einlagen ersetzte er oft durch gezeichnete 
Linien. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1749 
besitzt der Füssener Kirchenchor. 
Geigenzettel: Gotthard Ebner Lauten- und Geigen- / 
macher Music. fecit Ratisbonae , 1724 (gedruckt). 

Ebner, Otto. — Augsburg. Geb. 10. Dez. 1883 

in Breitenfeld i. Vogtland 

Schüler von Aug. Wilh. Ficker in Markneukirchen. Als 
Gehilfe arbeitete er bei Albin Oscar Zimmer, dann bei 
F. C. Louis in Saarbrücken und kam 1903 zu G. Pie- 
gendorfer nach Augsburg, nach dessen Tod er die 
Werkstatt leitete, die er dann am I. Oktober 1906 



18 



Ecchii 



Edl 



er 



käuflich erwarb. Im September 1907 legte er die 
Meisterprüfung ab und bewährte sich seitdem als 
würdiger Nachfolger seines trefflichen Vorgängers. Er 
befaßt sich hauptsächlich mit dem Neubau von Streich- 
instrumenten nach Stradivarl und verwendet einen 
guten Ollack. 

Geigenzettel: Otto Ebner / Gg. Piegendorfer / fecit 
Augsburg 1912 (gedruckt). Daneben Emblem mit der 
Augsburger Stadtmarke und den Buchstaben 0. E. 
und G. P. darunter. 

Ecchio, Giovanni. — Rom. 1610 

Sohn des »Giorgio«. Vermutlich ein Flamländer, der 
im Anfang des 17. Jahrhunderts in Rom ansässig war 
und wohl van Eecke, Hecke oder van Eycke hieß. 
Seine Heimat wird einmal als »Diocesi di .^ugusta« 
(Augsburg), das zweitemal aber als Anversa (Ant- 
werpen) angegeben. Dieser Giovanni Ecchio dürfte mit 
Giov. Hec identisch sein. 

Echinger, Karl. — München. 1861 

Vielleicht ein Sohn des Würzburger Geigenmachers. 
Seine Gitarren und Zithern sind besser als seine Geigen, 
wenn diese auch nicht gerade schlecht sind. 

Echinger. — Würzburg. 1840 

Mittelmäßiger Geigenmacher aus der ersten Hälfte des 
19. Jahrhunderts. 

Eckart (Eckert), Heinrich. — Mannheim. Geb. 
in Mannheim 1 5. Juni 1 81 1 , f nach 1 878 

Er war von Hause aus Geiger und als Hofmusiker 
in Mannheim angestellt, wo er sich schließlich auch 
mit dem Geigenbau beschäftigte. Als Reparateur scheint 
er viel Zulauf gehabt zu haben, obwohl seine Arbeit 
nur als dilettantisch bezeichnet werden kann. Seine 
Werkstatt übernahm 1879 H. Keßler. 

Geigenzettel : Reparirt von Heinrich Eckart / in Mann- 
heim (gedruckt). 



Ecklid, A. 0. 
1890 



Drontheim (Norwegen). 1880. 



Seine Hardangergeigen sind besser als seine Violinen, 
obwohl er sauber arbeitet und auf der Internationalen 
Ausstellung in Liverpool 1886 eine bronzene Medaille 
erhielt. 

Edel, Gustav. — Saulgau (Württemberg) 

Ein Liebhaber, der als leidenschaftlicher Geiger, nach- 
dem er sich zur Ruhe gesetzt hatte, anfing, selbst 
Geigen zu bauen. Er erwarb sich durch großen Fleiß 
und sorgfältiges Studium eine ungewöhnliche Hand- 
geschicklichkeit. Besondere Sorgfalt verwendet er auf die 
Zusammensetzung des Lackes, wobei ihm sein früherer 
Beruf als Apotheker sehr zustatten kommt. 

Eder, Hannes. — Hallem. 1667 

Der älteste bis jetzt bekannte Geigenmacher seines 
Wohnorts. Er zeichnet sich durch gute Arbeit, die 



unter dem Einfluß der Slainerschen Richtung steht, 
aus. Eine Geige von ihm besitzt das Chorherrenstift 
Neustift bei Brixen in Tirol. 

Geigenzettel : Hannes Eder Geigen- / macher in Hallein , 
1667 (geschrieben). 

Eder & Gaguin. — Rouen. 1835. 1837 

Eine Geigenmacherfirma, die zwar nichts Hervor- 
ragendes hinterlassen hat, aber doch künstlerischen 
Zielen zustrebte. Guillaume Lebreton arbeitete eine 
Zeitlang mit ihnen zusammen. 

Edholm, Sv. — Westingby (Schweden). 1834 
Eine schwedische Geige trägt seinen geschriebenen Re- 
paraturzettel. 

Geigenzettel : Reparerad af Sv. / Edholm uti / Wessting- 
by är 1834 (geschrieben). 

Edler, F. Ch. (I). — Frankfurt a. M. Geb. 
1820, f 1871 

Gründer der bekannten Firma in Frankfurt a. M. Er 
erhielt 1864 für gute Instrumente ein Diplom. Sein 
Sohn: 

Edler,F.Ch.(II). — Geb. 1851,t6.Dez.l895 

erhielt 1881 eine silberne Medaille für seine Violinen, 
doch befaßte er sich hauptsächlich mit dem Handel 
mit alten Geigen. Sem Sohn und Schüler: 

Edler, F. Ch. (III). -Geb. 1876 

wurde sein Nachfolger. Er ist Großherzoglich Sächsi- 
scher und Landgräflich Hessischer Hofgeigenmacher- 
meister und erster Vorsitzender der Meisterprüfungs- 
kommission und erhielt auf der Zweiten Musikfach- 
ausstellung in Leipzig 1909 »für hervorragende Lei- 
stung« die Staatsmedaille des Herzogs von Sachsen- 
Altenburg. Auch als Kenner alter Geigen erfreut er 
sich eines großen Ansehens. Er erfand einenT-Balken 
für Streichinstrumente und eine ~>Verbesserung am 
Stimmstock«. 

Edler, Hans. — München. Geb. 16. Jan. 1889 

zu Frankfurt a. M. 

Sohn des F. Ch. Edler 11. Er besuchte die Oberreal- 
schule bis 1903 und trat dann bei seinem Bruder 
F. Ch. III in die Lehre, ging später zu J. J. Held nach 
Bonn und trat dann im Jahre 1907 als Gehilfe bei 
Adolf Romer in Freiburg i. Br. ein. Nach Beendigung 
seiner Militärdienstpflicht ging er im Jahre 191 1 nach 
München zu Giuseppe Fiorini, wo er Gelegenheit hatte, 
sich nach jeder Richtung zu vervollkommnen. Bei 
Ausbruch des Krieges wieder zu den Waffen gerufen, 
stand er bis zum November 1918 im Felde und machte 
sich im darauffolgenden Jahre in München selbständig. 
Durch sorgfältige Arbeit im Neubau und in der Re- 
paratur, sowie durch sein Geschick, den Ton alter 
Geigen wirklich zu verbessern, erwarb er sich schnell 
einen guten Ruf. Er gilt als ein tüchtiger Kenner der 
alten Meister und besitzt eine hübsche Sammlung 
wertvoller Geigen. Er ist auch Schriftführer des Landes- 
verbandes der Musikinstrumentenmacher Bayerns. 
Geigenzettel: Hans Edler / Geigenmacher / München 
19 . . (gedruckt). 



Edl 



in^er 



119 



Edlinger, Hans Georg. — Augsburg. Geb. 
28. März 1666, 1 1696 

Zweiter Sohn von Thomas Edlinger. Da er jung starb, 
kommen Arbeiten von ihm nur selten vor. Er heiratete 
am 27. Mai 1691 Maria Nigrius (Nigrinuss) aus Sün- 
ching(en), die bereits am 1 1 . Februar 1696 als Witwe 
vorkommt und an diesem Tage für ihre beiden Töch- 
ter Anna und Maria Theresia Vormünder bestellt. Sie 
heiratete dann am 2. Februar 1697 den Lautenmacher 
jakob Fichtel, aber auch dieser starb ihr drei Jahre 
später, und am 23. Oktober 1701 vermählte sie sich, 
zum dritten Male, mit dem Geigenmacher Gregor 
Ferdinand Wenger. 

Edllnger, Josef Joachim. — Prag. Geb. 7. März 
]693 1nPrag. t30. Mai 1748 

Sohn und Schüler von Thomas (11) E. Er bereiste 
nach beendigter Lehrzeit fast ganz Italien und arbeitete 
hauptsächlich in Cremona, Rom, Neapel, Bologna, 
Ferrara und Venedig. Gründlich ausgebildet kehrte er 
gegen 1 728 nach Prag zurück, wo er von nun an tätig 
war. Am 2. Februar 1 728 erlangte er das Bürgerrecht 
auf der Kleinseite und gelangte zu hohem Ansehen. Er 
war Mitglied des Sechsmänneramts und der Nikolaus- 
Bruderschaft. Seine Geigen und Lauten werden über 
die seines Vaters gestellt^), und Ihm verdankt es die 
Prager Gelgenbauschule zuerst, daß man auch aus- 
wärts auf sie aufmerksam wurde. Er wurde in der 
Johanniskirche unter dem Felsen begraben. Er war 
nicht verheiratet. Seine Erbinnen waren die Schwe- 
stern Therese und Anna Perlocher; seine Werkstatt mit 
allen Vorräten an Instrumenten, Holz und Werkzeugen 
hinterließ er dem vierjährigen Sohne seiner Dienerin, 
Josef Michl, mit dem Wunsche, daß dieser den Geigen- 
bau erlernen möge, wozu er ihm noch außerdem 200 fl. 
Rhein, vermachte. — Sollte dieser Josef Michl nicht 
vielleicht identisch sein mit Josef Muschl? — Seine 
Arbeit Ist gut; sein Modell knüpft an italienische Vor- 
bilder an und hat flache Wölbung. An vielen seiner 
Gelgen Ist der Lack jetzt gänzlich zerstört; auch sonst 
haben sie stark gelitten. Eine Gitarrenlaute mit schöner 
Rosette Im Schalloch (Dachstern) besitzt der Maler 
Wenig In Prag mit dem Zettel : Josephus Joachlmus Ed- 
llnger / me fecit Pragae / Anno 1732 (gedruckt). 
Gelgenzettel : Josephus Edllnger / me fecit Pragae 1 733 
(gedruckt). 

Edlinger, Thomas I. — Augsburg. 1656. 
te.Okt. 1690 

Er stammte aus Groß-KIrchhelm in Kärnthen und ließ 
sich 1656 In Augsburg nieder, wo er die Tochter 
Matthias Hummels (s. d.) heiratete. Im Augsburger 
Hochzeitsamtsprotokoll vom 6. Februar 1661 heiß es: 
»Thomas Edllnger von Groß-KIrchhaimb aus Cärndten 
Lautenmacher und Elisabetha Humblin, hiesig, beide 
ledigen Standes« . . . usw. Aus dieser Ehe gingen drei 



^) Baron sagt: »In Prag haben sonst Thomas und 
Joseph Edllnger Vatter und Sohn sich hervorgethan, und 
ist absonderlich der letztere eine ziemliche Zeit In Italien 
gewesen, daß man sich schon was gutes von seiner Faust 
versprechen mag*. 



Kinder, Thomas 11, Hans Georg und eine Tochter 
hervor. In zweiter Ehe heiratete er Barbara geb. Baur 
(Baür) aus Kirchheim. Im Pflegschaftsbuche von 1696 
wird er bereits als »seelig« aufgeführt. Er besaß viel 
Handgeschicklichkeit: seine Geigen sind leicht zu er- 
kennen; die Wölbung geht ohne Hohlkehle vom Rand 
empor, Ist hoch, aber in der Brust flach. Auch die Zar- 
gen sind hoch, die F-Löcher groß und der Lack dunkel- 
braun. Das Holz Ist gut und der Ton ziemlich kräftig. 
Das Museum Francisco-Carollnum in Linz besitzt eme 
Taschengeige von Ihm, eine ebensolche sowie eine 
Laute aus dem Nachlasse Hans Makarts und eine sehr 
originelle Tenorviola da Ganiba und eine Laute aus 
de Wits Sammlung befinden sich In W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Köln. Eine besonders schöne 
Taschengeige, nach .^rt der Viola d'amore besaitet, be- 
sitzt Daniel Fryklund in Sundsvall (Schweden), die er 
auch in einem hübschen .Aufsatz beschrieben hat. 

Gelgenzettel: Abb. 186 und 187. 

Edhnger, Thomas (II). —Prag. Geb. 23. Nov. 
1662 in Augsburg, t 20. Jan. 1729 in Prag 

Er war jedenfalls ein Schüler seines Vaters Tliomas 
Edllnger und nicht von J. Stainer, wie W. Sandys be- 
hauptet ; er kann jedoch möglicherweise bei J. Stainer 
gearbeitet haben. In Augsburg wird er zuletzt am 
18. Februar 1690, schon majorenn, genannt. Kurze 
Zeit darauf dürfte er nach Prag gegangen sein. Er lernte 
dort die Witwe des Geigenmachers L. Brater (geb. 1653 
als Tochter des Gelgenmachers A. Ott und t 19. Mal 
1701) kennen, mit der er sich am 17. Mai 1692 ver- 
heiratete, nachdem er am 8. Mai desselben Jahres das 
Bürgerrecht auf der Prager Kleinseite erworben hatte. 
Edlinger war sehr wohlhabend und besaß außer dem 
Hause Nr. 210 In der Spornergasse »bey den 3 Geigen« 
Getzt Nerudovä ulice), wo sich auch seine Werkstatt 
befand, noch ein zweites Haus. Er starb am 20. Januar 
1729 und wurde in der Wenzelskirche in eigener Gruft 
an der Seite seiner Frau begraben. Er hinterließ zwei 
Söhne, von denen der eine sein Schüler und Nachfolger 
wurde. Im Stift Ossegg befindet sich eine Laute von 
Ihm aus dem Jahre 1718 (Kat. Nr. 23) und eine von 
1700 (Kat. Nr. 48); einen Kontrabaß von 1713 besitzt 
Fürst Lobkowitz auf Schloß Raudnitz, eine schöne 
Viola von 1719 besaß der Geigenmacher Eman. E. Ho- 
molka In Prag, Königl. Weinberge, und ein Violoncello 
von 1723 befindet sich In der Prager Lorettokirche. 

Gelgenzettel: Thomas Edlinger / fecit Pragae Anno 
1729 (gedruckt). — Thomas Edllnger , Lauten- und 
Geigenmacher in Prag 1719 (gedruckt). 

Eesbroeck, Jan van. — Antwerpen. 1 583. 1 585 

Geboren In Mariakerck als Sohn von Josse van Ees- 
broeck. Er wurde am 9. Dezember 1583 als Bürger von 
Antwerpen aufgenommen und war ein seinerzeit hoch- 
geschätzter Lautenmacher, der aber auch manches gute 
Clavecin gemacht hat. Gelgen mit seinem Namen, die 
jetzt im Handel vorkommen, müssen wohl ausnahms- 
los als Fälschungen betrachtet werden. 

Egan, J. — Dublin 

Nur als Verfertiger von irischen Harfen bekannt. 



120 



Egerland — Elg 



Egerland, Christian Carl. — Klingenthal. 1 784 

Sohn und Nachfolger von Johann Christian E. und 
wohl auch dessen Schüler. 

Egerland, David Friedrich. — Klingenthal. 

1733 

Wahrscheinlich einer aus Böhmen eingewanderten 
Exulantenfamilie entstammender Geigen- und Lauten- 
macher. 

Egerland, Johann Christian. — Klingenthal. 

1748 

Sohn und Nachfolger von David Friedrich E. Als 

Geigenmacher nicht hervorragend. 

Eghngton. — London. 1800. 1802 

Seine Geigen zeigen zwar unbeholfene Arbeit, haben 
aber nichtsdestoweniger einen ansprechenden Ton. 
Geigenzettel: Eglington fecit, / Drury Lane London 
1802 (gedruckt). 

Ehlers, Joachim. — Wien. 1825 

Als Gitarren-, Harfen- und Klaviermacher bekannt, der 
auch einige Erfindungen gemacht hat. 

Ehrlich, Adolf. — Gablonz a. Neiße 

Begründete im Jahre 1892 eine Geigenmacherwerkstatt, 
die er seither wieder aufgegeben hat, um sich aus- 
schließlich auf den Handel zu verlegen. 

Ehrlich, Wilhelm. — Dresden. Geb. um 1820, 
t 4. März 1887 

Er besaß als Reparateur einen wohlverdienten Ruf, und 
seine neuen Geigen sind mit Fleiß und Gewissen- 
haftigkeit gearbeitet. Sein Geschäftsnachfolger ist Ferd. 
Patzelt. 

Ehrmann, W. C. — Albany (New York). Geb. 
1860 in Albany 

Sohn eines eingewanderten Württembergers, Schüler 
von Charles Andersen in Denver. Er vervollkommnete 
sich auf mehrmaligen Reisen nach Europa, wo er auch 
gründliche Musikstudien trieb. Er hat ein neues Zargen- 
system für Streichinstrumente erfunden, dem er den 
vollen Ton seiner Arbeiten, die in Amerika viel Anklang 
finden, zuschreibt. 

Geigenzettel : W. C. Ehrmann / Maker / Albany N. Y. 
1908 (geschrieben). 

Eibich. — Posen 

Eine Musikinstrumentenmacherfamilie. Ignatz E. be- 
gründete 1790 in Posen eine Klavierfabrik. Von seinen 
elf Söhnen, die alle sich mehr oder minder dem Musik- 
instrumentenfach widmeten, war Konstantin (geb. 
27. Januar 1823, f 24. April 1890) ein nicht ungeschick- 
ter Geigenmacher. Seine noch lebenden Brüder Roman 
und Max E. betrieben ursprünglich andere Gewerbe 
und haben jetzt Musikinstrumentengeschäfte, in denen 
auch Geigen usw. repariert werden. 

Geigenzettel: Reparirt K. Eibich / in Posen 1871 (ge- 
druckt). 



Eichentoph (Eichendopf), J. H. — 1726 

In einem am 9. Dezember 1773 aufgestellten Verzeich- 
nis der im Besitz der damaligen Hofkapelle in Köthen 
in Anhalt befindlichen Musikinstrumente wird eine 
»Viola von Eichentoph 1726" aufgeführt. In demselben 
Verzeichnis werden dann noch »zwei Dis-Hörner von 
J. H. Eichendopf« erwähnt. Die Viola und die Hörner 
sind wohl Werke des gleichen Meisters, über den ich 
bis jetzt nichts Näheres ermitteln konnte. 

Eichner, G. - Elberfeld. 1814. 1815 

In einer leidlich gut gemachten Geige fand sich sein 
Name. Er war wohl nur ein Dilettant und nur vorüber- 
gehend in Elberfeld ansässig. Sein Name kommt weder 
in den Elberfelder Geburts- und Sterbe-, noch in den 
Heimatsregistern von 1810 — 1832 vor. Auch alle an- 
deren Nachforschungen nach ihm waren vergeblich. 

Geigenzettel: Abb. 190. 

Eims, Joh. Nie. Carl. — Hamburg. 1799 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und wurde 
am 12. April 1799 Bürger. 

Eisele (Aisele), Michele. — Brescia. Geb.1614, 

lebte noch 1664 

Vielleicht ein Sohn jenes Jakob Heisele (s. d.), der 1619 
und 1620 für den Hof in Modena arbeitete. Geigen oder 
Lauten von Michele E. sind bisher nicht bekannt, nur 
zwei Steuererklärungen von 1655 und 1664, in denen 
er seinen Namen »Aiseli« und »Aisili« schreibt, und 
sich ausdrücklich mit den Worten »di natione todesco 
leutaro in Brescia dall anno 1638 in qua« als Deutscher 
bekennt. 

Eisenmann, H. — London. 19. Jahrhundert 
Seine Geigen waren gut gemacht, ohne durch besondere 
Vorzüge aufzufallen. Besser sollen ihm Violen gelungen 
sein. 

Eitle. — München. 1904 

Ein Hauptlehrer an der Städtischen Höheren Töchter- 
schule, der im Jahre 1904 beim Patentamt eine Erfin- 
dung angemeldet hat, die eine Neukonstruktion der 
Geige bezweckte, um die Ubungszeit abzukürzen und 
dem Musiker neue Möglichkeiten zu eröffnen. Man 
hat jedoch über diese Erfindung seitdem nichts mehr 
gehört. 

Elemann, Johann. — Augsburg. 18. Jahrh. 

Seinen Zettel veröffentlicht P. de Wit. Im Augsburger 
Stadtarchiv war nichts über diesen bisher kaum be- 
kannten Meister zu ermitteln. 

Geigenzettel: lohann Elemann, Violin- und Lauten- 
macher in Augspurg 17.. (gedruckt). 

Element s. Clement 

Elg, Jonas. — Stockholm. Geb. vor 1690, 

t 12.Jum 1732 

Einer der ältesten schwedischen Geigen- und Lauten- 
macher. Er war in zweiter Ehe mit Brita Ström ver- 
heiratet und hinterließ zwei minderjähiig?; Söhne. 
Geigen von ihm trifft man selten, häufiger dagegen 



Elga 



Emil 



miliani 



121 



Lauten und Theorben. Eine solche von 1713, reich 
geschmückt mit Schnitzwerk und Malerei, bewahrt das 
Staatsmuseum in Abo (Finnland), eine andere von 1729 
besitzt das Musikhistonsche Museum in Stockholm. 
Dasselbe Museum besitzt auch eine in ein Violoncello 
umgearbeitete Tenorviola da Gamba und einen Kon- 
trabaß. In der Sammlung Hammer war sein Name auf 
einem Reparaturzettel zu finden, und eine Viola da 
Gamba ist in der Kopenhagener Sammlung zu sehen. 

Geigenzettel: lonas Eig: / Me fecit in ' Stockholm 
1718 (geschrieben). — Jonas Elg Fecit / Holmiae Anno 

1 729 (gedruckt). — Jonas Elg Renovavit / Holmiae / 

1730 (gedruckt) und Abb. 196. 

Elgas (Ellgas), Georg Paul, lebte um 1760 in 

Graslitz 
Elgas, Josef. — Schönbach bei Eger. 1826 

Unter den besseren Geigenmachern seines Heimatorts 
aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts wird auch 
er genannt. 

Ellersieck, Albert. — Rostock, Greiz, Berlin. 
Geb. 1843 in Magdeburg 

Er war ursprünglich Musiker, erlernte durch Selbst- 
studium den Geigenbau und ließ sich zunächst, 1878, 
in Rostock als Geigenmacher nieder; 1895 siedelte er 
nach Greiz und 1900 nach Berlin über. Er bildete sich 
ein eigenes großes Modell, das er jedoch nach Fertig- 
stellung der siebenten Geige wieder aufgab. Seitdem 
baut er fast ausschließlich nach dem großen Stradivari- 
modell. Anfangs zog er gelbroten Spiritus-, später 
mageren OUack vor. Er versteht es sehr gut, das alte 
Aussehen seiner Vorbilder nachzuahmen, und ist auch 
bekannt als guter Saitenmacher. Er erhielt auf sechs 
Ausstellungen Preise. 

Geigenzettel: Alb' Ellersieck / Atelier für Kunstbau 
von Streichinstrumenten / Rostock i/M. 1892 (gedr.). 

Ellersieck, Hellmuth. — Chnstiania. Geb. 
1886 m Rostock 

Sohn von Albert E. Er lernte von 1900—1903 in Mark- 
neukirchen, wo er seine Gesellenprüfung mit Aus- 
zeichnung ablegte. Er arbeitete dann bei Friedel in 
Berlin und ging nach Beendigung seiner Militärzeit zu 
Hjorth nach Kopenhagen, wo er sechs Jahre lang blieb. 
Im Sommer 1914 kam er nach Chnstiania, wo er nach 
J. Rummelhoff Hansens Tod dessen Werkstatt über- 
nahm und sein ebenbürtiger Nachfolger geworden ist. 

Elllot, J. 0. — Norungen (Elfsborgs län, 
Schweden). 1897 

Em geschickter Dilettant, der in seinen Mußestunden 
Geigen macht. 

Elsler (Elster), Johann Joseph. — Mainz. 1717. 
1750 

Ein seinerzeit hochgeschätzter Meister, der mit Job. 
Ulr. Eberle auf einer Stufe steht. Seine Arbeit ist sehr 
sauber, das Holz, namentlich der Decken, meist recht 
gut; seine Geigen nähern sich dem Stainermodell; am 



besten gelangen ihm aber doch Violen und Gamben. 
Sein Lack ist gelbbraun. Eine siebensaitige Baßviola 
aus dem Jahre 1 728 mit einem Frauenköpfchen am 
Wirbelkasten aus der Sammlung Snoeck (Nr. 487) 
findet sich in Berlin. Eine Gamba von 1730 besitzt 
Alfred Keil in Lissabon. Eine Altviola von ihm befindet 
sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). 

Geigenzettel: Joannes Joseph. Elsler Lauten und 
Geigenmacher / Meyntz 1717 (gedruckt). 

Eist, Aert (oder Arnold), van der. — Ant- 
werpen. 1576. 1579 

Er kommt 1576 und in den folgenden Jahren in den 
Gilderegistern zwar nur als Clavecinmacher vor, doch 
soll es ein Bildnis von ihm geben, auf dem er eine 
Theorbe in der Hand hält. 

Embergher, Luigi. — Rom. 1898. 1910 

Lebt als Saiteninstrumentenmacher in Rom und gilt 
als der beste römische Mandolinenmacher. 

Emde, J. F. Chr. — Leipzig. Geb. 1806, 
tnach 1874 

In seinen jüngeren Jahren machte er einige Geigen, die 
saubere Arbeit zeigen, wenn sie auch weder im Holz 
oder Lack noch im Ton über die Mittelmäßigkeit 
hinauskommen. Beim besten Willen konnte er eben 
nicht ersetzen, was ihm an Talent fehlte. So wurde er 
mit der Zeit sehr pedantisch und suchte in Neben- 
sachen das Heil seiner Kunst. Er schwor darauf, daß 
der Leim nur über einem Holzkohlenbecken gekocht 
werden dürfe; statt des Leimpinsels gebrauchte er ein 
in seine Fasern zerklopftes Rohrstückchen ; das An- 
wärmen der zu leimenden Holzteile durfte gleichfalls 
nur über dem Kohlenfeuer geschehen, so daß alle 
Fugen angeraucht wurden. Er verarbeitete niemals vor- 
gearbeitetes Geigenholz, sondern sägte alles, selbst die 
Zargen, vom Holzklotz mit einer Handsäge und hielt 
auch seine Gehilfen mit Peinlichkeit an, in gleicher 
Weise zu arbeiten. Besser war er im Wiederherstellen 
und Ausbessern alter Geigen und hatte deshalb ziem- 
lich viel Zulauf. In seinen letzten Jahren war er immer 
kränklich und mißmutig und konnte selbst nicht mehr 
arbeiten, aber er hielt sich den ganzen Tag in der 
Werkstatt auf, um seine Gehilfen scharf zu überwachen. 
Sein Sohn und Schüler Tli. Franz E., geb. 1837, starb 
1874. 

Geigenzettel: J. F. Chr. Emde ' Bogen — Instrumen- 
tenmacher in Leipzig / Verfertigt 1840 (gedruckt). 

Emerson, Elijah. — Boston 

Amerikanischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Emery, Jean. — Genf. 1722 

Bisher nur durch den von P. de Wit veröffentlichten 
Zettel bekannt. 

Geigenzettel : Fait ä Geneve par Jean Emery Maitre 
Luthie. / l'An 1722 (gedruckt). 

Emlllanl, Francesco de. — Rom. 1704. 1736 

Er arbeitete gut im Stile Tecchlers und bevorzugte eine 
hohe Wölbung, bei kleinen Violinen aber nahm er die 



122 



Enderes — Engleder 



Wölbung flacher. Das Holz ist sorgfältig gewählt, der 
Lack gelbrot bis braun und die Schnecke sehr schwung- 
voll und tief gestochen. Der Ton gut, jedoch klein. 
Geigenzettel: Franciscus Emilianus Roma (gedruckt). 
— Abb. 183. 

Enderes (Endres), Andreas. — Füssen. 1622 
Er wurde am 18. Dezember 1622 in die Füssener 
Lautenmacherzunft als Meister aufgenommen. 

Enders. — Großbreitenbach 

Mehrere Mitglieder dieser Familie haben um die Wende 
des 18. zum 19. Jahrhundert handwerksmäßige Musik- 
instrumente, darunter auch Geigen, hergestellt. 

Enel. Charles. — Paris. Geb. 14. Juli 1880 in 
Mirecourt 

Schüler von G. Bazin und L. Mougenot. arbeitete bei 
Silvestre und Maucotel, dann in der Schweiz und in 
Deutschland, ging dann nach Paris zurück, wo er sich 
selbständig machte und mit Felix Bolleker verband. 

Geigenzettel: Charles Enel / Paris 19 . . N" . . [und 
Monogramm] (gedruckt). 

Engelfried, Franz. — Rottenburg a. Neckar 
Ein Orgelbauer, der gelegentlich auch Geigen repariert 
hat. 

Engelhard.— ? 1742 

Eine Leier (Vielle) im Musee de Cluny in Paris trägt 
die Inschrift: »Engelhard fecit 1742«. 

Enger, Gulbrand. — Kopenhagen. Geb. 1822 
in Norwegen, f 1886 in Kopenhagen 

Schüler von Th. Jacobsen und VuiUaume. Nach 
Jacobsens Tod führte er dessen Geschäft eine Zeitlang 
für die Witwe fort und eröffnete später seine eigene 
Werkstatt in der Sqvaldergade. Er baute sehr gute 
Violinen und Violoncelli von kräftigem und gesundem 
Ton und war auch gewissenhaft und sorgfältig im 
Wiederherstellen. 

Geigenzettel: Gulbrand Enger , Kjobenhavn. 1854 
(gedruckt). 

Enger, Hagbart. — Kopenhagen. Geb. 1860 

Sohn und Schüler von Gulbrand E. Er machte größere 
Reisen, arbeitete bei D. Bittner in Wien und Rieger in 
München und ließ sich dann in seiner Vaterstadt nieder. 

Engl, Adalbert. — Berlin. Um 1900 

Seine Arbeit wurde mir gelobt, doch hatte ich keine 
Gelegenheit, eine Geige von ihm selbst zu sehen. 

Engl, Julius. — Wien 1921 

Einer der vielen Erfinder, die den Ton der Geige ver- 
bessern wollten. Er sucht sein Ziel dadurch zu er- 
reichen, daß er im Innern der Decke die Jahresringe 
durchschneidet und acht bis zehn dünne Querstäbchen 
einleimt. 



Engleder, Alois (aus Großberg bei Regens- 
burg). — Budapest (Ofen.) Geb. um 1812, 

tum 1883 

Schüler von Fischer in Regensburg (dessen Frau seine 
Tante war), Bruder von Andreas, Ludwig und Joseph E. 
Er war wenig begabt, machte mittelmäßige Geigen 
nach Stradivari, hauptsächlich aber nach Nie. Amati. 
Auch als Reparateur war er ohne Bedeutung. Er ver- 
wendete meist spröden Spirituslack. 
Geigenzettel: Aloys Engleder / reparavit Budae 1862 
(gedruckt). 

Engleder, Andreas. — München. Geb. um 

1810, t nach 1860 

Er stammt aus Großberg bei Regensburg und war 
Schüler von Fischer in Regensburg, dessen Neffe er 
war, und von Vauchel. Er war einer der besten Geigen- 
macher Münchens um die Mitte des 19. Jahrhunderts 
und damals wohl der gesuchteste Reparateur Bayerns. 
Über seine Versuche, neue Formen für den Geigenbau 
zu finden, schreibt u.a. Prof. Dr. Schafhäutl: »Bei 
seinem Saitenquintett versuchte der Künstler eine neue 
Form. Die oberen Backen der Violine waren beinahe 
schräg abgestutzt, so daß sie ohne Ecken ganz leicht 
in die Brust übergingen ; auch die Enden der Unter- 
backen waren weggefallen ; dagegen waren diese Unter- 
backen beinahe in eben dem Verhältnisse vergrößert, 
als die oberen Backen in Fläche vermindert wurden, 
£o daß ein birnenähnlicher Umriß entstand. Schubert 
schlug im Jahre 1803 die Gitarreform für die Geige 
vor, Galbusera in Mailand führte 1813 diesen Vor- 
schlag aus, Engleder veränderte nun auch das Verhält- 
nis der Backen. Er erzielte nur einen einseitigen Erfolg, 
denn gegen den brillant klingenden Diskant fiel der Baß 
ungemein ab.« Prachtvolles Holz, tadellose Arbeit. 
1854 Medaille. 
Geigenzettel: Abb. 196. 

Engleder, Johann Ulrich. — Kelheim. 1865 

Wohl ein Bruder von Joseph E., wenn nicht ein Sohn. 
Auch er soll in Regensburg gelernt haben. Er war recht 
tüchtig, baute auch viele Zithern, am besten blieben 
aber doch seine Violinen, da er sich stets gutes Tonholz 
zu verschaffen wußte. 

Engleder, Josef. — Kelheim. Geb. 31. Dez. 

1815. tum 1860 

Er war zuerst in Rainhausen bei Regensburg ansässig 
und verheiratete sich am 15. Oktober 1838 in Kelheim 
mit Maria Anna Fichs aus München (geb. 31. Oktober 
1814). Er dürfte in Engelstadt oder in Schierling ge- 
storben sein, wo je einer seiner Söhne verheiratet ist. 
Sein Sohn Franz ist Lehrer in München. — Der Name 
»Josef Engleder« findet sich in seinen Arbeiten öfter 
eingebrannt, so auch in einer schönen, dunkelrot 
lackierten Viola d'amore in W. Heyers Musikhistori- 
schem Museum, woselbst sich auch noch ein Violon- 
cello mit Löwenkopf und eine fünfsaitige Viola befin- 
den. Eine sehr sauber gearbeitete Zither von ihm besitzt 
X. Kerschensteiner. 

Geigenzettel : Reparavit Jos. Engleder Instru / menten-- 
macher in Kelheim 1840 (gedruckt). 



Engleder — Epp 



123 



Engleder, Ludwig. — Bamberg. Geb. 1811, 
t 2. Febr. 1873 

Schüler von Fischer in Regensburg. Er eröffnete am 
1. August 1835 in Bamberg als vierundzwanzigjähnger 
Mann seine eigene Werkstatt ; obwohl er sehr tüchtig 
war, brachte er es doch zu keinem nennenswerten 
Wohlstande, so daß er im Alter froh war, im Bürger- 
spital auf dem Michaelsberge aufgenommen zu werden, 
wo er als Pfründner starb. Er baute frei nach Stainer; 
seine Geigen usw. zeichnen sich durch vollen Ton aus. 

Ennemoser, Joseph. — Meran. Geb. 1875 in 
Obermais 

Nach Beendigung seiner Lehrzeit in München und 
nach mehrjähriger Gehilfentätigkeit machte er sich im 
Jahre 1902 in Meran selbständig. Er repariert Streich- 
instrumente und baut Zithern und Gitarren. 

Enrico, Giovanni di. — Rom. 1590. 1608 

Ein Flamänder, der wahrscheinlich Heindnchs ge- 
heißen hat und in der Via dei Liutari bei Meister 
Cristoforo del Forno wohnte. Er erschien 1608 vor dem 
Tribunal des Gouverneurs, erzählte, daß er in Neapel 
mit seinem Landsmanne Armand Coppo als Lauten- 
macher ansässig war. und klagte, daß ihm zwei näher 
beschriebene kostbare Ebenholzgitarren im ungefähren 
Werte von 65 Talern gestohlen worden seien. — Bereits 
1590 besaß ein Flamänder »Meister Giovanni« ein 
Geschäft in Rom mit dem Ladenschild »alla Trinitä«. 
■ — Vielleicht ist die prächtige Laute (Orpheoreon) in 
der Sammlung des Pariser Konservatoriums, die sowohl 
römische als vlämische Züge aufweist, und die im 
letzten Drittel des 16. Jahrhunderts entstanden sein 
muß, ein Werk Giovanni di Enricos. 

Entzensperger, Christoph. — Füssen. 1708. 
t3. Febr. 1747 

Vermutlich der Stammvater der heute noch bestehen- 
den Geigenmacherfamilie, als deren Urheimat das un- 
weit Füssen gelegene Enzensberg (Gemeinde Hopfen) 
angesehen werden kann. Eine Viola d'amore aus dem 
Jahre 1714 von ihm besitzt das Historische Museum in 
Basel. 

Geigenzettel: Abb. 185. 

Enzensperger, Bernhard I. — Wien. Geb. um 
1780, tum 1855 

Er dürfte aus Füssen oder Sonthofen im .Mlgäu (wo im 
18. Jahrhundert die Entzensperger ansässig waren) 
stammen. Bei wem er seine erste Lehrzeit durch- 
gemacht hat, ist unbekannt. In Wien kam er zu Georg 
Thir, als dessen Schüler er sich betrachtete. Er er- 
öffnete im Jahre 1812 seine eigene Werkstatt und legte 
am 23. Juni 1820 den Bürgereid ab. Seine Blütezeit 
fällt in die 30er Jahre des ! 9. Jahrhunderts. Er be- 
schäftigte sich viel mit akustischen Studien und erhielt 
auch 1831 ein Patent auf eine von ihm erfundene so- 
genannte »Akustikgitarre". In der Folge verlegte er 
sich m^hr auf den Bau von Gitarren und Zithern. 
Er wohnte 1820 Leopoldstadt Nr. 100, 1831 »auf der 



Wieden nächst dem Freyhause Nr. 6 Stiege Nr. 3 
beym goldenen Adler« und 1835 •>nächst dem Theater 
an der Wien Nr. 24«' 

Geigenzettel: Abb. 193 und 195. 
Enzensperger, Bernard II. — Wien. Geb. 
1828, t 1896 

Schüler seines Vaters Bernard 1 E. Er bildete sich durch 
ausgedehnte Reisen weiter aus, arbeitete bei Tiefen- 
brunner in München, Bausch in Leipzig, Schwarz in 
Straßburg und Bernardel in Paris, bis er nach dem 
Tode seines Vaters die väterliche Werkstatt übernahm, 
deren alten Ruf er zu erhalten verstand. Er war ein 
künstlerisch veranlagter und ungemein tätiger Mann 
und besaß verschiedene Medaillen. Wie ein Soldat auf 
dem Schlachtfeld, starb er, vom Herzschlag getroffen, 
in seiner Werkstatt. 

Enzensperger, Victor. — Wien. Geb. in Wien 
19. Mai 1867, t 23. Febr. 1918 

Schüler seines Vaters Bernard 1 1 E. Er sollte ursprüng- 
lich Geiger werden und ging nach beendeter Lehrzeit 
vom Jahre 1882 — 1889 in die Fremde, arbeitete nach 
seiner Angabe in Salzburg, München und in den Haupt- 
orten der Geigenindustrie: Mittenwald, Schönbach und 
Markneukirchen, übernahm nach dem plötzlichen Tode 
seines Vaters am 2. Mai 1896 das väterliche Geschäft 
und beschäftigte sich mit dem Instrumentenhandel und 
der Reparatur von Geigen. Er verwendete bei Repara- 
turen Sprit-, beim Neubau Ollack. Außerdem machte 
er auch andere Saiteninstrumente und hauptsächlich 
Saiten. 

Geigenzettel : Abb. 202. 
Epp (Oepp), Georg (Jörg). — Wien, f um 1 632 

Ein Füssener Lautenmacher, der es in Wien zu einem 
gewissen Wohlstand gebracht hatte, aber schon bald 
nach der Geburt seiner einzigen Tochter Anna Maria 
starb. Sein Geselle Marcell Hollmayr, der sein engerer 
Landsmann war, führte die Werkstatt für die Witwe 
Rosina fort, die ihn im Jahre 1633 heiratete und so zum 
Nachfolger ihres ersten Ehemannes machte'). 

Epp, Johann Jakob. — Straßburg i. E. Geb. 
1639 m Straßburg. 1669 

Altester Sohn von Math. E., war Lautenmacher, wie 
sein Vater, und wohl auch dessen Schüler. Eine Tenor- 
viola da Gamba mit seinem gedruckten Zettel neben 
dem seines Vaters befindet sich in W. Heyers Musik- 
historischem Museum in Köln. 

Geigenzettel : Hanß Jacob Epp / in Straßburg (gedr.). 

Epp, Magn. (?). — Füssen. 1600 

Eine rundbauchige, einfache Laute von roher Arbeit 
trug diesen Namen. Der Taufname war nicht sicher 
leserlich; die Jahreszahl könnte auch 1609 geheißen 
haben. Er ist vielleicht der Stammvater der Straß- 
burger Familie. 



) Vgl. E. K. Blümml, Beiträge zur Geschichte der 
Lautenmacher in Wien, Zeitschr. f, Musikwissenschaft 
1920, Heft 5, 



124 



Epp — Erich 



Epp, Martin. — Straßburg. Geb. 1641 in 
Straßburg, t 1671 

Jüngerer Sohn von Math. E., ein seinerzeit geschätzter 
Lautenmacher. 

Epp (Aepp), Mattheus (Mathias). — Straß- 
burg 1. E. Geb. in Füssen um 1610, f nach 
1671 

Er wanderte als Lautenmacher in Straßburg ein und 
heiratete dort 1638 die Rosina Salome Windschläg 
(Kirchenbücher M. 109). Er war ein tüchtiger Künstler 
und hat nach Baron »breitspänichte Instrumenta ver- 
fertiget und unterschiedene Lauten aus Elfenbein ge- 
macht«. Im Jahre 1652 wurde er nach Stuttgart be- 
rufen, wo er für die Hofkapelle zwei Diskantgeigen und 
eine Theorbe aubesserte. Je eine Taschengeige mit 
Elfenbeineinlagen befindet sich in der Sammlung des 
Pariser Konservatoriums (Nr. 104^)) und im Musik- 
histonschen Museum von W. Heyer in Köln eine zur 
Gitarre umgearbeitete Laute (vom Jahre 1671). Auch 
Baron Benkendorff in St. Petersburg besitzt eine schöne 
mit Elfenbein geäderte Taschengeige von ihm mit 
einem Frauenköpfchen am Wirbelkasten aus Elfenbein. 

Geigenzettel : Matheus Epp / in Strasburg 1656 (gedr.) 
und Abb. 201. 

Erahr. — Mäcon. Um 1820 

Grillet nennt ihn mit der Bemerkung, daß er Leiern 
im Stile Louvets gemacht habe. Ist der Name nicht 
aus Erard (Erhard) entstanden? Im Archiv zu Macon 
ist nichts über ihn zu finden. 

Erard, Sebastien. — Paris. Geb. m Straßburg 
1752, fm Paris 1831 

Ein ausgezeichneter Klavier- und Harfenbauer. 

Ergele, Joh. Conrad (Vater). — Waldshut. 
Geb. um 1725, t 11. Febr. 1788 

Em Geigenmacher, über dessen Leben ein von seinem 
Sohne geschriebenes Hausbuch einige Auskunft gibt. 
Er hatte mit seiner ersten, 1762 verstorbenen Frau, geb. 
Hattenbach, sieben Kinder, heiratete zum zweiten Male 
und wurde, wie der Sohn schreibt, »mit dieser Ehe so 
angeführt, daß er keine schlechtere Frau in Waldshut 
hätte bekommen können; alles mußte versoffen sein«. 
Seine Geigen zeigen denselben Stil wie die der Familie 
Straub. 

Ergele, Johann Conrad (Sohn). — Freiburg 
i.Br. Geb. 26. Aug. 1750 in Waldshut, 
t 10. Juni 1821 

Schüler seines Vaters, ging 1 766 in die Fremde und kam 
1772 wieder heim, wo er eine Stiefmutter vorfand. Er 
erzählt in einem erhaltenen Hausbuche die traurige 
Lage, in die er dadurch kam : »Meine Stiefmutter zer- 
schnitt mir meine Hemmeter, die ich aus der Frembd 
gebracht habe zu Windeln für ihre Kinder; ich hatte 
.Arbeit und genug zu verdienen, aber es half nichts, ja 

) Im Katalog wird der Name irrig »Sup* angegeben. 



meine Stiefmutter trug die Früchte unter der Predig 
an den Sonntagen aus dem Hauss, kurz ich war es 
müde, dies länger anzusehen. Anno 1774 ging ich nach 
Rheinfelden, erzählte es meiner Schwester (die aelteste 
i. Ehe), lieh von ihr 50 fl. und ging also den 27. April 
nach Freiburg.« Dort mietete er in der Pfaffengasse eine 
Wohnung, hing ein Schild aus und hatte sich in elf 
Monaten bereits 200 fl. »erbaust«, so daß es ihm in den 
Sinn kam, Bürger zu werden, was ihm mit dem Opfer 
fast aller seiner Ersparnisse endlich auch gelang. 1775 
verheiratete er sich mit der Metzgerstochter Maria 
Anna Knüpffer und erhielt 250 fl. Mitgift. Seine Auf- 
zeichnungen schließt er mit den Worten: »Gott sey 
gedankt, niemahls keine Noth gelitten.« Seine Geigen 
sind recht gut und kommen noch häufig vor. Seine 
Kinder waren : 1 . Joh. Nep., geb. 5. Mai 1 777 ; 2. Maria 
Magd., geb. 14. Juli 1778; 3. Joh. Conrad, geb. 1. Juli 
1779, t 12. März 1791 ; 4. Franz Josef us, geb. 28. Febr. 
1782; 5. Ferdinand, geb. 3. Febr. 1784. 
Geigenzettel: Abb. 192 und 194. 

Erggelet (Ergele), Johann Nep. — Freiburg 
i.Br. Geb. 5. Mai 1777, f 1863 

Schüler seines Vaters Joh. Conr. (Sohn) E. und dessen 
Nachfolger. Er verheiratete sich am 13. September 1808 
mit Jungfer Sophia Dräher und galt bis in sein hohes 
Alter als tüchtiger Meister seines Faches. Er schrieb 
sich fast ausschließlich »Erggelet« statt Ergele, welche 
Rechtschreibung auch die Nachkommen übernommen 
haben. 
Geigenzettel : Abb. 200. 

Erhard, Paul. — Genua. 1690 

Ingenieur Höselmeyer in Dresden besitzt eine Geige 
mit dem etwas fragwürdigen Zettel: »Paul Erhard / 
Geigenmacher / Genua 1690«. — In Italien seßhaft 
gewordene deutsche Geigenmacher haben durchweg 
italienische oder lateinische Zettel verwendet. Auch der 
kurze Wortlaut ist für die Zeit etwas verdächtig. 



Erich (Enchsen), Daniel. 
1660 



Lübeck. 1642. 



Er war Lautenist und Lautenmacher und bat am 
7. Oktober 1642 den Rat der Stadt Lübeck um Zu- 
lassung, wobei er versprach, das Bürgerrecht zu er- 
werben. Er schrieb: »Nachdem für einem halben Jahre 
Albert Uhlig (Olrich) gewesener Violen- und Lauten- 
macher allhie mit todt abgegangen, wan ich dan in 
meiner Jugend die Kunst lauten, Violen und clero- 
gleichen musikalische Instrumenten zu verfertigen er- 
lernet« . . . usw. Seiner Bitte wurde entsprochen; es 
wurde ihm der Bescheid: »Dass er neue Lauten, Violen 
und andere musikalische Instrumente zu machen ver- 
lehnt worden, hatt ein Hochw. Raht decretieret, weil 
ihme die Musikanten ein gutt Bezcugniss geben, sey er 
damit Zeit seines Lebens belehnt.« Er wurde somit 
Uhligs Nachfolger. Ein Verwandter seines Vorgängers, 
vielleicht dessen Sohn, ließ sich später gleichfalls in 
Lübeck als Lautenmacher nieder, worüber man im 
Wetteprotokoll den Eintrag findet: »Am 27. April 1649 
klagt Daniel Erich, privilegierter Lauten, Violen und 
Instrumentenmacher gegen Diedrich Olnchs, der seine 



Ernst ■ — Ervine 



125 



Kunst nicht recht erlernet« — weil er »einen Tonier 
Scharden«, einen Schulknecht, und Caspar Schuh- 
macher, einen Soldaten, in die Lehre genommen, *ob- 
wohl ein blinder dem andern den wegh nicht zeigen 
kann". — Im Marientaufbuch findet man ihn 1646 und 
1649 als Vater je eines Sohnes^), im Wochenbuche der 
Marienkirche kommt er noch 1660 vor. Franz Tunder, 
Organist und Werkmeister, ließ, »weil in der ganzen 
Stadt keine Tenorviol zu bekommen, die etwas taugt«, 
für die Marienkirche zwei Tenorviolen, die 15 Mark 
kosteten, bei ihm anfertigen. Sonst ist nichts weiter 
über ihn bekannt geworden. 

Ernst, Franz Anton. — Gotha. Geb. zu 
Georgenthal an der sächs. Grenze in Böhmen 
3. Dez. 1745, t 13. Jan. 1805 zu Gotha 

In Prag beendete er das Studium der Rechtswissen- 
schaft, betrieb aber dabei eifrig Musik, besonders das 
Geigenspiel. Er wurde erst Syndikus in Georgenthal, 
trat dann in die Dienste des Grafen Salm und bildete 
sich nunmehr vollkommen zum Musiker aus. Als sol- 
cher kam er 1 773 nach Prag zurück und erzielte große 
Erfolge. 1778 wurde er als Konzertmeister nach Gotha 
berufen. In den letzten zehn Jahren seines Lebens trat 
er nicht mehr öffentlich auf, sondern beschäftigte sich 
ausschließlich mit dem Geigenbau, dem er sich, viel- 
leicht durch Eberle angeregt, schon früher aus künst- 
lerischem Interesse zugewendet hatte; ja er nahm jetzt 
noch besonderen Unterricht in der Mathematik, um 
noch Vollendeteres im Geigenbau leisten zu können. 
Er stellte dann eine auf mathematisch-physikalischer 
Grundlage beruhende Ausmessung der Violine auf und 
berechnete die Dickenverhältnisse des Holzes. Seine 
Geigen, die nach Stradivari gemacht sind, zeigen flache 
Wölbung und werden sehr gelobt: selbst Spohr be- 
nutzte sie gerne in seinen Konzerten. — Er kompo- 
nierte sehr viel, doch ist nur weniges gedruckt erschie- 
nen. Sein bester Schüler im Geigenbau war J. A. Otto. 
Er veröffentlichte in der Leipziger» Allgemeinen Musi- 
kalischen Zeitung«, Bands, 1804, S. 50, einen Aufsatz 
»Noch etwas über den Bau der Geige«, in welchem er 
erzählt, daß er »seit etlichen und zwanzig Jahren« 
zahlreiche Versuche mit Geigen gemacht habe, daß das 
Modell nicht verbessert werden könne, und daß er nun 
Geigen »nach den schönsten Formen des Stradivarii« 
zu verfertigen imstande sei, »so stark vom Tone, als 
ihn das Ohr des Spielers nur vertragen kann«, und zwar 
nach der von ihm »eigens erfundenen Ausmessung und 
Ausarbeitung, wodurch aller Zwang inwendig beseitigt 
ist«. Leider hat er seine Methode nicht beschrieben, so 
daß sie als verloren betrachtet werden muß. Vgl. u. a. 
Journal für Fabrik, 1800, Juni, S. 522. Eine Geige von 
ihm besitzt Zigarrenmacher Witzel in Gotha. 

Ernst, J. Carl. — Elberfeld. 1815 

Nur als Reparateur bekannt. 



^) Sein gleichnamiger Sohn, ein Schüler Dietr. Buxte- 
hudes, wirkte 1675 — 1679 als Regalist auf dem Chor der 
Marienkirche und wurde zu Michaelis 1679 als Organist 
nach Güstrow berufen. Er war als Klavier- und Orgel- 
komponist nicht ohne Bedeutung. Vgl. J. G. Walthers 
Lexikon, S. 229, K. Straube, Choralvorspiele alter Meister. 



Erritzoe, Jakob. — Hannover. 1880 

Als Wiederhersteller alter Geigen besaß er eine gewisse 
Geschicklichkeit; neue Geigen von ihm kenne ich nicht. 

Erthel, Leopold. — Venedig. 1710 

Diesen Namen mit Wohnort und Jahreszahl trug eine 
bei Puttick & Simpson in London vor einigen Jahren 
versteigerte Violine. Ein Fälscher würde vielleicht einen 
bekannteren Namen gewählt haben, man kann daher 
immerhin glauben, daß ein Deutscher im Anfang des 
18. Jahrhunderts sein Glück als Geigenmacher in Ve- 
nedig gesucht hat. Leider waren Nachforschungen an 
Ort und Stelle während des Krieges unmöglich. 

Ertl (Erdtl), Jakob. — Preßburg. Ende des 
18., Anfang des 19. Jahrhunderts 

Er stammte aus Keiling in Mähren und erwarb am 
2. April 1813 das Bürgerrecht in Preßburg. Er war der 
Vater von Karl und wahrscheinlich auch von Johann 
Anton Ertl. Eine Violine von ihm besitzt der Preß- 
burger Domchor. 

Ertl, Johann Anton. — Wien. 1809. 1828 

Er soll zwar schon seit 1785 nachweisbar sein, doch 
legte er als Geigenmacher erst am 16. November 1810 
den Bürgereid ab und wohnte Stadt Nr. 902. Schon 
181 1 erscheint er als Untervorsteher der Geigen- und 
Lautenmacherinnung in Wien. Seine Arbeit ist gut. 

Geigenzettel : Mit allerhöchstem Privilegium / Johann 
Ertl in Wien (gedruckt). [Österr. Adler] Johann Ertl 
in Wien/ 1809 (gedruckt). 

Ertl, Karl. — Preßburg. 1835. f um 1870 

Als Sohn von Jakob E. in Preßburg geboren, erwarb 
er am 15. Dezember 1835 das Bürgerrecht in seiner 
Vaterstadt. Er steht in seiner Arbeit Leeb und Schweit- 
zer nahe und hat, wie der letztere, allerlei chemische 
Versuche angestellt, um den »Cremoneser Lack zu er- 
gründen«, und dabei wenigstens so viel herausgebracht, 
daß sein Lack für seine Zeit sehr gut genannt werden 
kann. Seine Arbeit war sehr sauber, und besonders 
geschickt verstand er eingelegte Instrumente herzu- 
stellen. In Schillings Lexikon (1830) wird er den besten 
Geigenmachern zugezählt. Eine Geige, drei Violen, ein 
Violoncello und drei Bässe von ihm besitzt der Preß- 
burger Domchor. Georg v. Scharitzer in Preßburg be- 
sitzt einen mit farbigen Hölzern eingelegten Kontrabaß 
von ihm. 

Geigenzettel : Abb. 1 99. 

Ervine, Robert. — Belfast. Geb. 1860 unweit 
von Belfast 

Er ist gelernter Zimmermann, hat sich aber bereits seit 
seinem zwölften Jahre mit dem Geigenmachen be- 
schäftigt. Er erlangte eine besondere Geschicklichkeit 
im Reparieren und hat bis 1904 sieben neue Geigen 
gemacht, für die er 1895 in Belfast eine Bronzemedaille 
erhielt. Er baut nach Stradivari und Guarneri und ver- 
wendet Whitelaws Öllack von goldbrauner Farbe. 

Geigenzettel: Made by / Robert Ervine / in Belfast / 
1893 No . . (Kreis mit Initialen] (gedruckt). 



126 



E. S. 



Lvers 



E. S. - 1462 

Herr Dr. Karl Voll in München besitzt eine Clster mit 
der Inschrift: »E. S. / MCCCCLXII«. Die Buchstaben 
gleichen den Lettern des Gutenbergschen Alphabets; 
die sparsam angebrachten Verzierungen des Instru- 
ments sind gotisch ; der Knopf am Wirbelkasten zeigt 
durch Einschnitte und hervorstehende Nase eine Fratze. 
Holz und Arbeit entsprechen der Jahreszahl der In- 
schrift. Das Instrument scheint deutschen Ursprungs 
zu sein, und wenn die Buchstaben den Verfertiger an- 
deuten, könnte man auf Erhard Smid schließen. Ihrer 
Erhaltung nach ist diese Cister ganz besonders be- 
merkenswert, die wohl eine der ältesten unter den 
datierten ist. 

Esmenjand, A^. — Barcelonette. 1821 

Nur ein Reparaturzettel gibt Nachricht von seinem 

Dasein. 

Geigenzettel: Repare par A* Esmenjand / de Barce- 

lunette 1821 (gedruckt). 

Esposlto, Glosue. — Neapel. 1890. 1900 

Er und seine Brüder Giovane, Pasquale und Gaetano 
gelten als gute, aus der Schule Vinaccias hervor- 
gegangene Mandolinenmacher. 

Estlenne, Nicolas. — Mirecourt. 1767 

Ein vogesischer Geigenmacher und wahrscheinlich ein 
Vorfahre von Franz Ethien. 

Estruch, Gebrüder. — Barcelona. 1873 
Lauten- und Gitarrenmacher. 

Ethien (Etienne), Fran^ois. — Orleans. 1804 

In seiner Arbeit nicht uninteressant. Niedt in Würz- 
burg besitzt ein Violoncello von ihm, 75^^/2 cm lang, 
34 cm oben, 43 cm unten breit. Die Wölbung ist sehr 
flach und läuft glatt aus, so daß der Rand nicht erhaben 
ist. Fischbeineinlage. F-Löcher sehr schön geschnitten, 
an Stradivari erinnernd. Deckenholz sehr schön, Boden 
und Zargen dagegen deutsches Ahornholz nach der 
Schwarte geschnitten. Schön geschnitzter Löwenkopf, 
gelber Ollack. Auf dem Boden befindet sich an der 
Stimmseite ein breiter und flacher Baßbalken, so daß 
die Stimme auf diesem zu stehen kommt. Der Ton ist 
frisch und singend. 

Geigenzettel: Fait par Fran^ois Ethien / Luthier ä 
Orleans 1804 (geschrieben). 

Etienne, Victor. — Cambrai. 1900 

Er wird als »Luthier« bezeichnet und handelt auch mit 
Geigen. 

Eulry, Clement. — Mirecourt. Anfang des 

19. Jahrhunderts 

Geschickter Mirccourter Meister, der auch hübsch ein- 
gelegte Mandolinen machte. 

Eury, Frangois. — Mirecourt. 1753. 1758 
Bogenmacher. 



Eury, Jakob. — Mirecourt. 1770. 1780 

Vielleicht Sohn von Franq:ois E. Tüchtiger Geigen- 
macher, wahrscheinlich der Vater des berühmten Pa- 
riser Bogenmachers Eury. 

Eury. —Paris. 1810. 1830 

Vorzüglicher Bogenmacher, der in der Rue des Lyon- 
nais St. Jacques Nr. 20 wohnte. Die meisten seiner 
Bögen tragen die Brandmarke »Eury« und sind sehr 
schön gearbeitet; einzelne davon kommen denen von 
Tourte sehr nahe. 

Evangelides, Giorgios K. — Athen. Geb. 1860 
auf der Insel Cypern 

Nach einer sechsjährigen Lehr- und Wanderzeit eröff- 
nete er im Jahre 1885 in .Athen seine eigene Werkstatt 
als Geigen-, Mandolinen- und Gitarrenmacher. Seine 
Geigen sind nach verschiedenen Meistern, seine Gi- 
tarren nach französischem und seine Mandolinen nach 
italienischem und griechischem Modell gemacht ; seine 
Spezialität Ist eine Lyramandoline. Er besitzt mehrere 
griechische Medaillen. 

Evangeiisti s. Vangelisti 

Evans, Richard. — London. 1 742 (auch 1 750 ?) 
Der Zettel fand sich in einem Instrument, das nach 
Sandys und Forsters Meinung sicher älter war als das 
angegebene Datum; es könnte aber auch Evans em 
älteres Instrument kopiert haben. 

Geigenzettel: Maid in the Paris of / An'irhengel (?) 
by Richard / Evans, Instrument makcr/ in the year 1742 
(gedruckt). 

Eve, Jacques-Charles. — Paris. 1758. 1788 

Er hatte das Ladenschild »A la fortune« und wohnte 
1 758 in der Rue S. Andre des Arts, 1 770 in der Rue 
Culture-Saint-Catharine, 1783 in der Rue Saint- 
Antoine und 1788 in der Rue Ville-du-Temple Nr. 101. 
In seiner ersten Zeit nennt er sich »Marchand Luthier«, 
später kurzweg »Luthier«. Anfangs ist seine .Arbeit 
plump, die Wölbung hoch mit tiefer Hohlkehle, die F- 
Löcher an Stalner erinnernd, die Schnecke eigenartig 
und langgezogen. Die Zargen sind hoch und ohne 
Flammen, die Unterzargen aus einem Stück, der Boden 
zweiteilig und eng geflammt und der Lack rot. Der Ton 
seiner Geigen ist immer gut, und später wurde auch 
die Arbeit sauberer; er wechselte dann zwischen 
gelbem und rotbraunem Lack. Im ganzen scheint er 
unter deutschem oder englischem Einfluß gestanden zu 
haben. Eine gute Violine von ihm besitzt die Samm- 
lung des Pariser Konservatoriums (Nr. 18). 

Geigenzettel: Eve M^ Luthier, rue S. Andre des / Arts, 
pres la rue Dauphine Fs S. Ger- / main, ä la Fortune 
a Paris 1758 (gedruckt). — Eve, luthier, rue Culture- 
Saint / Catharine, 1 770 A la Fortune (gedruckt.) 

Evers, A. H. — Lübeck. 1890. 1903 

Kaufmann und Instrumentenmacher, dessen Sohn in 
Klingenthal gelernt hat und der Werkstatt im väter- 
lichen Geschäfte vorstand. 



Evert — Faber 



127 



Evert, Caspar. — Lübeck. 1 657 

Man weiß nur, daß er InstrumentenmacVier war und 
am 17. Oktober 1657 in der Marienkirche einen Sohn 
taufen ließ. 

Ewan, David. — Cowdenbeath. Geb. 4. März 
1839 in Stoneyhill bei Musselburgh (Schott- 
land) 

Er ist Musiklehrer, Komponist und Leiter einer Tanz- 
kapelle und hat über 100 Violinen gemacht. In seiner 
ersten Zeit nahm er die Wölbung sehr hoch und ge- 
brauchte einen Spirituslack. Später näherte er sich dem 
Stradivarimodell, nahm aber die Wölbung höher als 
üblich und verwendete Bernstemlack. 

Geigenzettel: Dd. Ewan / Cowdenbeath / August 1889 
(geschrieben). — Dd. Ewan. / Teacher of music, / Vio- 
linmaker and repairer , Cowdenbeath (gedruckt). 

Eylensteln, Adam. — Weimar. Geb. 1 1 . Mai 
1705 1n Weimar, t ? 

Er trat 1724 bei J. H. Ruppert in Erfurt in die Lehre 
und wurde bereits 1731 zum Hofinstrumentenmacher 
in Weimar ernannt. Er war sehr vielseitig und machte 
nicht nur alle Arten von Geigen und Bässen, sondern 
auch Lauten, Mandolinen und Zithern und selbst Har- 
fen und Klaviere; in allem aber war er nur ein ge- 
schickter Handwerker. Eine Violine von ihm aus dem 
Jahre 1726 führt das am 9. Dezember 1773 aufgestelUe 
Inventar der damaligen Köthener Hofkapelle an. Ein 
Violoncello vom Jahre 1731 ist in London in Privat- 
besitz. 

Eyles, Charles. — Harpenden. 1910 

Er war ursprünglich Maler und hat als solcher seine 
Ausbildung in Paris genossen. Später verlegte er sich 
auf den Geigenbau und fand bald Anerkennung in 
weiten Kreisen. 



r abbncatore. — Neapel 

Mehrere neapolitanische Lauten- und Mandolinen- 
macher führen zwischen 1770—1830 den Namen 
»Fabbricatore«. Ich glaube nicht, daß dies der eigent- 
liche Familienname ist; wahrscheinlich bezeichnete der 
Stammvater nur seinen Beruf damit, und die Söhne 
und Enkel behielten die Sitte bei, nachdem die Firma 
zu Ruf gekommen war. Daß die verschiedenen »Fabbri- 
catori<' zusammengehören, ist nach ihrer Arbeit, die 
vorzugsweise im Empirestil reich verziert ist, als zwei- 
fellos anzunehmen. Sie gehörten vielleicht einem Zweig 
der zahlreichen Familie Vinaccia an. 

Fabbricatore, Gennaro I u. II. — Neapel. 
1773. 1832 

Gennaro I war wahrscheinlich der Sohn, jedenfalls der 
Schüler von Giov. Battista F. Er machte fast nur Lau- 
ten, Mandolinen und Gitarren, diese aber sind pracht- 
voll gearbeitet und kunstreich eingelegt. Er wohnte 
immer in der Strada S. Giacomo, und zwar 1 773 — 1 793 



im Haus Nr. 37, von 1802-1808 Nr. 26, von 1808 an 
wieder Nr. 37 und von 1816 an Nr. 42. Arbeiten vno 
ihm kommen häufig vor und sind in vielen Sammlun- 
gen zu finden, so eine Gitarre von 1810 bei C. Claudius 
in Kopenhagen und zwei solche von 1820 und 1823 im 
Musikhistorischen Museum in Stockholm (Nr. 30, 1 94). 
Eine Gitarre in Lyraform mit einem geschnitzten 
.Männerkopf und einem Boden aus Wurzelahorn be- 
sitzt Großfürst Nikolai Nikolajewitsch und J. H. Zim- 
mermann in St. Petersburg eine mit Ebenholz ein- 
gelegte sechssaitige Gitarre aus dem Jahre 1815. In 
seinen letzten Jahren machte er nur noch auf Bestellung 
Gitarren und Mandolinen, er scheint sich damals mehr 
dem Geigenbau zugewendet zu haben. Violinen von 
ihm kenne ich nicht, aber ein Violoncello vom Jahre 
1826 mit seinem geschriebenen Zettel besitzt Sekretär 
G. Endres in Fürth. — Es gab übrigens um 1826 zwei 
Mitglieder der Familie mit dem Taufnamen Gennaro. 

Geigenzettel: Gennaro fabricatore / Napoli A. 1805 
(gedruckt). — Gennaro fabricatore / Anno 1820 Napoli/ 
Strada S. Giacomo N» 42 (gedruckt). — -Abb. 220. 



Fabbricatore, Giovanni Battista. — Neapel. 

1780. 1811 

Trefflicher Lautenmacher, von dem ebenfalls m vielen 
Museen bemerkenswerte .Arbeiten aufbewahrt werden, 
so eine Mandure im Germanischen Museum in Nürn- 
berg, ein Mandorone im Museum des Pariser Kon- 
servatoriums (Nr. 1369), eine neapolitanische Mando- 
line (das Wort »Fabbricatore« fehlt hier) in der staatl. 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 752), 
ein gleiches Instrument im Gothenburger Museum, ein 
solches von 1 782 im Städtischen Museum zu Braun- 
schweig; auch bei der Auktion des Malers Ferd. Wag- 
ner in München kam eine Laute von ihm von 1782 zur 
Versteigerung. Eine Apollo- oder Lyragitarre von ihm 
aus dem Jahre 1805 besitzt die Sammlung der Gesell- 
schaft der Musikfreunde in Wien (Nr. 38). 

Geigenzettel: Gio Battista Fabricatore fecit / An. 1793 
in S. M. dell Ajuto N° 32 / Napoli (gedruckt). — 
Abb. 230. 

Fabbricatore, Pletro. — Neapel. 1780. 1799 
Der am wenigsten Bekannte der Familie; auch er 
machte fast nur Mandolinen und Gitarren. Eine Man- 
doline von ihm besitzt die Sammlung Crosby Brown 
in New York (Nr. 1065). 

Geigenzettel: Abb. 221. 

Fabbricatore, Vincenzo. — Neapel. 1770 
Wahrscheinlich der Vater von Giov. Battista, Gennaro 
und Pietro. Seine .Arbeiten, hauptsächlich Mandolinen 
und Lauten, sind gewöhnlich nicht so reich eingelegt 
wie die der jüngeren Mitglieder der Familie. 

Faber, Josef. — Augsburg. 1 588 

Ein Musikinstrumentenmacher, der 1588 ein nicht 

näher bezeichnetes Instrument ins Stipendium nach 

Tübingen lieferte. Er war wahrscheinlich ein Ver- 
wandter von Wolfgang Faber. 



128 



Faber — Farotti 



Faber (Fabrlcius), Wolf (Wolfgang). — Mün- 
chen. 1556. 1563 

Er war Organist und fertigte Musikinstrumente (Or- 
geln, Flöten, Klavizimbeln, Lauten u. dgl.) an. Vgl. 
Westenrieders Beiträge III, 74 und Franz Trautmann, 
«Die Altmünchener Meister«, im I. Jahrgang des Jahr- 
buchs für Münchener Geschichte. 

Fabian, Julius. — Landeck. Glatz i. Schi. 
Geb. in Glatz oder Landeck 1826, f 29. Mai 

1894 in Glatz 

Er war gelernter Tischler und hat erst in reiferen 
Jahren, angeblich bei Vincenz Beck, den Geigenbau 
erlernt. Zunächst ließ er sich in Landeck nieder und 
übersiedelte erst im Jahre 1862 nach Glatz. Er besaß 
viel Handgeschicklichkeit und war ein vielbeschäftigter 
Reparateur. Er hat einen Stimmsetzer für die Violine, 
der sich sehr bewährt hat. erfunden und machte auch 
Versuche mit einem neuen Baßbalken. 



Fabris (Fabbris), Luigi. 
1873 



Venedig, f nach 



Seine Violinen sind gute Durchschnittswaren, doch 
hat er auch einige vorzügliche Geigen und Violoncelli 
gebaut; auch sein roter Lack ist nicht schlecht. Beim 
Ausbessern alter Gelgen legte er große Sorgfalt an den 
Tag. 

Geigenzettel: Luigi Fabris feclt. / Venezia, .Anno 1838, 
Premiato con .Medaglia d'argento all' Esposizione di 
Treviso 1872 (gedruckt). — Luigi Fabris fecit , Venetia 
l'anno 1860 [in Umrahmung] (gedruckt). 

Facini, Fra Agostino. — Bologna. 1732. 1742 

Ein Mönch aus dem Orden Johanns von Gott. Sein 
Geigen, die an Tononi erinnern, zeichnen sich durch 
gute Arbeit, reizvolle Form und schönen, gelben oder 
gelbroten Lack und saubere Einlagen aus. Die F-Löcher 
sind nach Stradivari geschnitten, der Ton ist weich 
und edel. 

Geigenzettel: Fr. Augustinus Facini ; Ord^. S. Joanis 
de Deo / Fecit Bononiae ; 1733. (geschrieben). 

Färber s. Oskar Zimmer 

Fagnola, Annibale. — Turin. 1902 

Ein geschickter Geigenmacher, der ganz in der Art von 
Pressenda und Rocca arbeitet. Er verwendet einen 
roten Lack. In einer Violine mit ganzem Boden, nach 
Guarneri, die Ränder der Schnecke schwarz gestrichen, 
fand sich sein Name (zweimal) mit Tinte geschrieben 
im Innern der Decke. Er imitiert Pressenda so genau, 
daß viele seiner Arbeiten als echte »Pressenda« im 
Handel sind. 

Geigenzettel: Annibale Fagnola fece Torino 1902 (ge- 
druckt) und Abb. 227. 

Faillita, Antonio. — ? 1761. 1791 

In englischen Geigenverzeichnissen findet sich wieder- 
holt dieser etwas fragwürdige Name als der eines ita- 
lienischen Geigenmachers. 



Falaise (Falaire?). — (Paris?) 

Französischer Geigenmacher des 19. Jahrhunderts. Er 
steht Pique nahe, ist gut in der Arbeit, verwendet 
schönes Holz und baut nach Amati und Stradivari. 
Sein Lack ist von gelber Farbe und nur dünn aufge- 
tragen. Jacquot erwähnt einen 1774 — 1789 in Mire- 
court vorkommenden Joseph Fallaire. 

Falco. Paolo. — Cremona. 1750. 1752 

Seiner Arbeit nach kann er als ein Schüler der Bergonzi 
(vielleicht B. Bergonzis) gelten. 

Falisse, Auguste. — Brüssel. 1912 

Ein talentvoller Geigenmacher, dessen Arbelt bei einem 
Vergleichsspiel mit alten Meistergeigen den ersten 
Preis erhielt. 

Falke, Wilhelm. — Hannover-Linden 

Ein Tischler, der sich aus Liebhaberei mit dem Geigen- 
bau beschäftigt. 

Fallet, Alfred. — Dombresson. Geb. 1 1 . Mai 
1846 in Dombresson (Neuchätel, Schweiz) 

Nach einer fünfjährigen Lehrzeit, und nachdem er in 
verschiedenen fremden Werkstätten gearbeitet hatte, 
machte er sich 1891 In seiner Vaterstadt selbständig 
als Gelgenmacher und Kunsttischler, fertigte nach 
Stradivari Violinen, Violoncelli und Bässe und verwen- 
dete Spiritus- und Öllack. Seine Geigen haben einen 
lauten Ton. Auf der Genfer Ausstellung 1896 erhielt 
er eine Bronzemedaille. 

Geigenzettel: .Alfred Fallet / Dombresson-Neuchätel 
(Manchmal mit Datum) (gedruckt). 

Farinato, Paolo. — Venedig. 1695. 1725 

Seine Geigen haben manche .Ähnlichkeit mit denen 
Serafino Santos. Er verwendet ein hübsches Modell 
und einen gelblich-rötlichen Lack. Besonders gut sind 
seine Violen, in deren Umrissen er manchmal recht 
originell ist. 

Faron, Achilles. — ? 1701 

Vidal erwähnt ohne nähere Angaben einen Geigen- 
macher dieses Namens und nennt als Wohnort »Ratis- 
bonne«. In Regensburg sowohl als im Königl. Kreis- 
archiv Amberg ist keine Spur zu finden, Mettenleiter 
erwähnt ihn nicht, und der Klang des Namens läßt 
auch auf keinen Deutschen schließen. Vidal muß 
schlecht gelesen haben. — Auch in Ratibor habe ich 
vergeblich nachgeforscht. 

Farotti, Celeste. — Mailand. Geb. 1864 

Durch Selbststudium erlernte er den Gelgenbau und 
hat schon recht gute Instrumente gemacht. Sein ge- 
druckter Zettel zeigt auf der einen Seite das Mai- 
länder Wappen, auf der andern eine Blume und hat 
den folgenden Wortlaut. 

Gelgenzettel : Farotti Celeste / da San Germano di 
Casale/Fece in Milano nell" anno 1901 C. Farotti 
(handschr.) (gedruckt). 



I 



Faruzi — Feiinreiter 



129 



Faruzi, Francesco. — Venedig. 1853 

Hauptsächlich mit dem Ausbessern alter Geigen be- 
schäftigt, hat er nur selten neue Instrumente gebaut. 

Fasanaro (Fasanari), Luigi, lebt In Neapel 

Fasani, Giovanni. — ■ Brescia. Geb. um 1785, 

tum 1850 

Er stellte 1831 eine Violine nach Stradivari aus und 

machte auch alle anderen Bogeninstrumente. Seinem 

Zettel nach stammt er aus Cremona. 

Geigenzettel: Jo. Fasani Cremonensis / restauravit 

Brixiae an. 1832 (gedruckt). 

Fassauer-Ferron, Gustav. — Chicago. 1912. 

1914 

Guter amerikanischer Musikinstrumentenmacher und 

Händler. 

Faßmann, Gustav. — Magdeburg. Geb. 
12. Nov. 1858 in Tagewerben, f 27. Dez. 

1893 

Er erwarb 1 888 das Geschäft von Bernhard Dünkel und 
war Geigen- und Bogenmacher. Seine Arbeit war hand- 
werksmäßig gut, verriet aber keine Künstlerschaft. 

Faßmann, Ludwig Ernst. — Magdeburg. 1 894 

Nach dem Tode seines Bruders Gustav F. übernahm 
er dessen Geschäft, in welchem er jedoch den Schwer- 
punkt auf die Herstellung von Blechinstrumenten legte. 

Fattorlnl, Francesco. — Finale Emilia. 1854 

Ein Dilettant, der einige Kontrabässe gebaut hat. 

Fauger, Henri. — Cognac. 1900 

Ein Musikinstrumentenhändler, der auch eine Geigen- 
macherwerkstatt besitzt. 

Faure, Toussamt. — Lyon. 1555. 1564 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und dürfte 
daher auch Lauten und Violen gebaut haben, obwohl 
sich bis jetzt nichts Näheres über ihn erfahren ließ. 

Faust, Georg. — Prag (Altstadt). 1588 

Ein Lautenmacher aus Büchel (Bähl) in Baden. Er 
wurde 1588 am Montag nach hl. Veit (15. Juni) Prager 
Bürger. 

Faustlno. — Lucca. Modena. 1 7. Jahrhundert 

Er wird in einem Gedicht von Angelini di Piere erwähnt : 
vFracassate chitarre e violini 
Furono a Faustin natio Lucchese 
Ch'essere ripenti ea suo' confini 
Escito, e aver cambiato il suo paese.« 

Valdrighi Nr. 1007.) 

Fautroulllot, Fran^ois. — Mlrecourt. 1751. 

t 1774 

Bisher nur urkundlich nachgewiesen. 
Favrot s. Fevrot 

V. Lüto^cnHorff, G<>ig;en- und Lautenmacher. Bd. II 



Faye. — Angouleme (Dep. Charente). 1895, 
fvor 1900 

»Luthier« vom Ende des 19. Jahrhunderts, dessen Ge- 
schäft die Witwe fortsetzte und dann dem Sohn über- 
gab. Jetzt heißt die Firma »Vve Faye fils«. 

Febvre (Febbre) s. J. B. Lefebvre 

Fedeli, Giuseppe. — Follgno. 1 9. Jahrhundert 
Es gibt Geigen mit seinem Namen, doch scheint er sich 
fremder Mitarbeit ausgiebig bedient zu haben. 

Feierabend, Leo. — Engelberg (Obwalden). 

1848. 1855 

Ein braver Schweizer Geigenmacher, der hauptsächlich 
im Ausbessern alter Instrumente tüchtig war. 



Wien. Geb. um 1785, 



Feiger^) s. Syller 

Feiinreiter, Franz. 
t 17. April 1866 

Seine Geigen sind brav gearbeitet, vorzüglich gelangen 
ihm aber seine Kontrabässe, die er braun lackierte. Da 
ihm sein Lack wohl selbst nicht gefiel, ließ er seine 
besseren Geigen bei N. Sawitzki lackieren. Der Lack 
dieser Geigen ist gelblich und bedeutend schöner als 
der seiner Bässe. Er verwendete auch F. F. als Brand- 
marke (Nr. 20). 

Geigenzettel : Franz Feiinreiter , Geigen- und Guitar- 
macher / in Wien / auf der Laimgrube N«. 180 (gedr.). 
— Gemacht von F. Feiinreiter/ Gefirnißt von N. Sa- 
witzki (gedruckt). — Abb. 203. 

Feiinreiter, Georg. — Wien. Geb. um 1820, 

t 25. Dez. 1878 

Braver Wiener Geigenmacher ohne Eigenart, dessen 
Violinen zu derb im Holz sind und daher wenig Ton 
haben. Dagegen hat er sehr gute Kontrabässe gebaut. 
Er war auch ein tüchtiger Musiker und als Baßgeiger 
Mitglied der Hofoper. Eine Geige von ihm besitzt das 
Stift Klosterneuburg. 

Feiinreiter, Johann. — Wien. Geb. um 1789, 

t 26. Okt. 1867 

Wahrscheinlich ein Bruder von Franz F. Geigen von 
ihm kommen selten vor und sind nicht hervorragend 
in der Arbeit. 

Feiinreiter, Leopold. — Wien. 1888. f 1904 

Er war hauptsächlich Musiker und hat schwerlich das 
Geigenmachen regelrecht erlernt. Er wurde jedoch 
Nachfolger von Georg F., dessen Sohn er gewesen sein 
dürfte. Seine Geigenreparaturen waren stümperhaft, 
am brauchbarsten waren noch seine Kontragitarren. Er 
war in dem Wiener Vorort Penzing ansässig. 
Geigenzettel : Leopold Feiinreiter / Geigenmacher Pen- 
zing / Postrase (sie) reparirt No. 1 00 ano. 1 888 (gesrhr.). 



^) In einigen Werken kommt der Name Feiger vor, 
der durch schlechtes Lesen des Wortes »Geiger« entstan- 
den ist. 

9 



130 



Fekete ■^- Fendt 



Fekete, Michael (Mihaly). — Budapest. 1915 
Ungarischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Feldt, Thomas. — Wien. 1676 

Am 30. Juni 1676 erlangte er als Lautenmacher das 
Wiener Bürgerrecht. Er ist möglicherweise ein Sohn 
von Magnus Feldtlen (Feldlen). 

Feldtle, Jörg. — Füßen. 1650 

Er galt als tüchtiger Meister und wohnte in der »Vor- 
stadt«. Magnus Feldtlen dürfte sein Bruder gewesen 
sem. 

Feldtlen (Feldlen, Feldten, Felden), Magnus.— 

Wien. 1656 

Er war Kaiserlicher Hoflautenmacher. Die Gesellschaft 
der Musikfreunde in Wien besitzt von ihm eine Viola 
di Bordone (Baryton, Nr. 2), oben 6, unten 13 Saiten, 
die sie 1826 vom Stifte Herzogenburg als Geschenk er- 
halten hat. Valdrighi führt diesen Meisler mit der 
Jahreszahl 1722 auf. Wenn man nicht annehmen will, 
daß er ein so hohes Alter erreicht habe, dann müßte ein 
Lesefehler vorliegen. Andere lassen ihn dagegen schon 
1550— 1556 gelebt haben. 

Geigenzettel: Magnus Feldlen Kais Hof Lauten- / 
und Geigenmacher in Wienn 1656 (gedruckt). 

Feldtmann, Christian. — Oldenburg i. Gr. 

1890 

Hofkapellmeister, »Erfinder« einer Geige mit mitklin- 
genden Saiten, die er Zimbalgeige nannte. 

Felipuci, Pier Ludovico. — Pesaro 
Er soll um 1660 gelebt haben. 

Felszner, C. — Kopenhagen. 1842 

Wahrscheinlich ein deutscher Musiker, der Geigen ge- 
flickt hat. 

Geigenzettel : Repariert von 0. Felszner / Kopenhagen. 
1842 (geschrieben). 

Pendler, Emil. — Czarnikau (Posen). 1918 
Ein Musiker, der aus Liebhaberei Geigen ausbessert 
und lackiert und sich darin eine gewisse Geschicklich- 
keit angeeignet hat. 

Fendt, Bsrnhard. — London. Geb. um 1775, 
angeblich in Innsbruck, f um 1832 m Lon- 
don, 57 Jahre alt 

Er war ein Neffe des Pariser Fendt und soll nach einer 
Überlieferung in seiner Familie aus Schwaz in Tirol 
stammen, wo er auch den Geigenbau erlernt haben 
dürfte. Leider war es unmöglich, einen urkundlichen 
Beweis dafür zu ermitteln. Ich glaube nicht, daß die 
Familie Fendt tirolischen Ursprungs ist, auch wenn 
sich einzelne Mitglieder dort ansässig gemacht haben, 
wie z. B. der begeisterte Musikfreund Abbe Fendt, der 
einst das wundervolle Guarnenvioloncello besessen hat, 
das jetzt dem Violoncellisten Bottermund gehört. Viel- 
leicht kommt man unserem Geigenmacher näher, wenn 



man beachtet, daß sich im Taufbuch zu Dinkelsbühl 
in den Jahren 1657—1665 fünf Täuflinge aus der Fa- 
milie Fendt finden, darunter am 2. April 1662 ein 
Bernhard Fendt, der der Großvater des Geigenmachers 
gewesen sein könnte. Leider verschwindet der Name 
Fendt nach 1665 in allen Dinkelsbühler Matrikeln. 
Fendt ging in jungen Jahren auf die Wanderschaft, und 
es ist nicht unmöglich, daß er in Italien, vielleicht auch 
in Cremona gearbeitet hat, was nicht viel sagen will, 
da die italienische Schule damals schon ganz in Verfall 
geraten war. Nach anderen soll er schon als sieben- 
jähriger Knabe zu seinem Oheim nach Paris gekommen 
sein und bei diesem gelernt haben. In den letzten Jah- 
ren des 18. Jahrhunderts kam er nach London und ar- 
beitete von 1798 — 1809 bei Th. Dodd. Hierauf war er 
für Betts beschäftigt, und die meisten seiner trefflichen 
Amati- oder Stradivarikopien tragen Betts Namen. 
Außer Violinen usw. baute er auch sehr gute Bässe. Er 
ist in der Aylesbury Street, Clerkenwel!, gestorben und 
hinterließ vier Söhne, die alle Geigenmacher waren. 

Fendt, Bernhard Simon (Simmon). — London. 
Geb. in London 1800, f 6. März 1852 

Ältester Sohn und Schüler von Bernhard F. in der Werk- 
statt von Betts. Nachdem er seit 1823 für die Nach- 
folger von Betts gearbeitet hatte, verband er sich mit 
George Purdy zu der Firma Purdy and Fendt. Er war 
überaus fleißig und geschickt, aber nicht sonderlich 
sorgfältig. Wenn er aber wollte, konnte er seine 
Meisterschaft beweisen ; namentlich gelangen ihm 
Kopien des großen Amatimodells, und noch in seinem 
letzten Lebensjahre erhielt er auf der Lcndoner Aus- 
stellung 1851 für ein wundervolles Quartett nach Gu- 
arneri den ersten Preis. Seine Bässe baute er nach 
G. da Salö, sonst aber war Stradivari sein Vorbild. Das 
Holz ist gut gewölbt und der Lack hellrot. Eine 1820 
gebaute Violine von ihm stellten W. E. Hill & Sons in 
der Londoner Music Loan Exhibition 1904 aus. 

Fendt, Francis. — London, Liverpool. 1850 

1857 

Vierter Sohn von Bernhard F. Schüler seines ältesten 
Bruders Beruh. Sim. F. Er war kein besonders ge- 
schickter Geigenmacher, arbeitete eine Zeitlang für die 
Firma Purdy & Fendt und ging 1856 nach Liverpool, 
wo er in kümmerlichen Verhältnissen lebte. 

Fendt, Franq:ois s. Fent 

Fendt, Jakob. — London. Geb. 1815, f 1849 

Dritter Sohn von Bernhard F. und Schüler seines äl- 
testen Bruders Bernh. F. Ein sehr talentvoller Geigen- 
macher, der Stradivari und Lupot mit Erfolg zum Vor- 
bild nahm, leider aber schon frühzeitig starb. Er ar- 
beitete viel für Händler und hatte auch die Leiden- 
schaft, seinen Arbeiten künstlich das Aussehen höheren 
Alters zu geben. 

Fendt, Martin. — London. Geb. 1812, f 1845 
Zweiter Sohn und Schüler -von Bernhard F. Er ar- 
beitete fast ausschließlich für .Arthur Betts, so daß man 
fast nichts von ihm kennt, doch war er nicht unge- 
schickt: sein Holz ist gut, der Lack hellbraun. 



Fendt 



" erraii 



131 



Fendt, William. - London. Geb. 1 833, f 1 852 

Jüngster (zweiter) Sohn von Bernhard Simon F. Schü- 
ler und Gehilfe seines Vaters. Da er sehr jung starb, 
hat er nur sehr wenige Instrumente, darunter aber gute 
Violen und Bässe, gemacht. 

Geigenzettel: William Fendt, Jun. / London 18 . . (ge- 
druckt). 

Fenga, Luigi. — Catania (Sizilien). Geb. 
29. Sept. 1866 in Catania 

Er erhielt eine gelehrte Vorbildung, hielt sich fünf Jahre 
in Paris, London, Rom und Neapel auf und begründete 
dann eine Firma in seiner Vaterstadt. Er befaßte sich 
zuerst nur mit Gitarren und Mandolinen, seit 1900 
auch mit Geigen. Er erhielt in Rom 1899 eine goldene, 
in Paris 1900 eine silberne Medaille, scheint aber das 
Geschäft jetzt wieder aufgegeben zu haben. 

Geigenzettel : .'Muisius Phaenga Catanensis fecit 1 900 / 
Luigi Fenga-Catania (Italia) (gedruckt). 

Fenouillet, Michel. — Paris. 1717 

Eine sehr hübsche Bauernleier trüg diesen Namen. 

Fent, Fran^ois. — Paris. 1765. 1791 

Ein wahrscheinlich aus Schwaz in Tirol eingewanderter 
Meister, dessen Name dort noch vor drei Jahrzehnten 
vorkam, der aber wahrscheinlich seine erste Lehrzeit 
bei einem Füssener Meister durchgemacht hat. .Auf 
einem handschriftlichen Zettel bekennt er sich aus- 
drücklich als Deutscher und gibt als seine .Adresse 
»Montmartre pres de la rue du Mail « an. Später wohnte 
er dann Cul-de-sac Saint Pierre. Er gilt als einer der 
geschicktesten Pariser Geigenmacher seiner Zeit, der 
die Italiener und besonders Stradivari gut studiert hat 
und trefflich nachzuahmen verstand. Ausgezeichnete 
Arbeit, prachtvolles Holz, schöner, rotbrauner Lack, 
der jetzt freilich sehr nachgedunkelt hat und fast 
schwarz aussieht. Sehr schön sind auch seine Schnecken, 
nur die F-Löcher öfter zu weit offen. Vidal macht 
darauf aufmerksam, daß gerade Fents Instrumente sehr 
stark vom Wurm angegriffen werden. Der Name wird 
oft Fendt geschrieben. Er selbst schrieb sich stets Fent 
und ließ gewöhnlich die Jahreszahl fehlen. 

Geigenzettel: fait par fent. / M*''« luthier Montmartre / 
pres de la rue du Mail a Paris / Deitscher. (geschrieben). 
— Abb. 218. 

Feofanow. — Kasan. 1900 

Streichinstrumentenmacher der Gegenwart, den ein 
russischer Fürst ausbilden ließ, der ihm auch einige 
wertvolle italienische Geigen zum Kopieren lieh. Er 
besitzt viel Handgeschicklichkeit und verwendet einen 
guten Lack. 

Ferati, Pietro. — Siena. 1754. 1764 

Die Geigen, die ich mit seinem Zettel sah, zeigten un- 
saubere Arbeit, gewöhnliches (grobjähriges) Holz, 
einen dicken, trübbraunen Lack und breite Einlage. 
Der Ton entsprach dieser Ausführung. 
Geigenzettel: Pietro Ferati / fecit Siena 1764 (gedr.). 



Ferenczy, Alexander (Sändor). — Debreczen. 
Wien. Geb. H.Juli 1859 in Budapest 
Schüler von Adolf Mönnig. Als Gehilfe kam er zu 
Thomas Zach in Wien, bei dem er fünf Jahre lang 
blieb. Hier schloß er erst seine Ausbildung ab, so daß 
er sich mit Recht als einen Schüler Zachs betrachten 
kann. Er arbeitete auch bei G. Lemböck, ließ sich 
hierauf in Debreczen als Meister nieder und blieb sechs 
Jahre dort; 1893 ging er zunächst nach Budapest und 
dann nach Wien, wo er seinen bleibenden Wohnsitz 
aufschlug. Er erhielt verschiedene Auszeichnungen, so 
im Jahre 1898 auf der Jubiläumsausstellung eine Me- 
daille und im Jahre 1907 auf der Theater- und Musik- 
ausstellung eine goldene Medaille usw. 

Ferenczy-Tomasowsky, Karl (auch Karl F.To- 
masowski). — Berlin. Rotterdam, Haag, 
Neuyork. Geb. 1863 in Budapest 

Schüler von Zach und von W. J. Schunda in Budapest. 
Er hatte ein hübsches Quintett auf der Jubiläumsaus- 
stellung im Haag 1 900 und erhielt schon auf der Millen- 
niumsausstellung in Budapest einen ersten Preis als 
Gehilfe. Um 1889 soll er in Berlin gearbeitet haben, 
und nach allerlei Fährlichkeiten kam er schließlich 
nach Neuyork. Vgl. De Wits Zeitschrift 1904, Nr. 10 
und 17. 

Feret. — Paris. 1708 

Wahrscheinlich aus Nancy stammend; er nennt sich 
einen Schüler von Medard, den er nachgeahmt haben 
soll, gute Arbeit, brauner, leuchtender Lack. 
Geigenzettel: Fait par Feret / eleve de Medar, / annee 
1 708 (geschrieben). 

Fergusson, William. — Edinburgh. 1815 

Vielleicht ein Schüler von Perry. Er war einer der 
besseren schottischen Geigenmacher seiner Zeit. Später 
lautete die Firma Fergusson & Son. — Ein Donald 
Ferguson arbeitete in Huntley. Aberdeenshire. 

Fernandez, Francisco 

Lebt als Saiteninstrumentenmacher in Rio de Janeiro. 

Ferrand, Eugene. — La Rochelle. Geb. in 
Marans 16. Aug. 1848 

Schüler der Brüder Rigondeau, bei denen er zwölf 
Jahre lernte, und deren Nachfolger er am 1 . April 1874 
wurde. Er baut Klaviere, Orgeln und Geigen usw. und 
ist ein vorzüglicher Violoncellist. Im Jahre 1880 kaufte 
er auch das Instrumentengeschäft von Dureau. 

Ferraresi, Vincenzo. — San Feiice (Modena). 
Geb. um 1793. t 1869 

Ein mittelmäßiger Geigenmacher, der sowohl Violinen 
als Violoncelli und Bässe gemacht hat und auch Holz- 
blasinstrumente verfertigte. 

Ferrari, Agostino. — Budrio. 18. Jahrhundert 

Vidal führt einen Geigenmacher dieses Namens ohne 
weitere Angaben an, aber weder in Domenico Goli- 
nellis »Storiche di Budrio« noch in anderen Werken 



132 



Ferrari — Fichtholdt 



findet man ihn. Auch die Kirchenmatrikeln von Budrio 
enthalten nicht einmal den Familiennamen Ferran, so 
daß es mir ganz unmöglich war, über diesen Geigen- 
macher irgend etwas zu ermitteln. 

Ferrari, Alfonso. — Carpi (Modena). 1738 

Man kennt hauptsächlich Bässe von ihm. Als Geigen- 
macher war er schwerlich hervorragend. 

Ferrari, Carlo. — Siena. 1740 

Er stand zweifellos unter dem Einfluß der Cremoneser, 
wenn er auch nur als ein Meister dritten Ranges 
gelten darf. 

Ferrari (Ferraro), Gasparo. — Rom. 1731. 

1776 

Unter den Ferraris der Bedeutendste. Er war haupt- 
sächlich Lauten- und Mandoünenmacher. Seine Arbeit 
ist sehr hübsch; auch sein hellgelber Lack ist zu loben. 
Eine Mandore von 1744 besitzt Claudius in Kopen- 
hagen, eine römische Mandoline die Sammlung Snoeck 
und eine reich eingelegte große (Archi-)Laute von un- 
gewöhnlicher Breite die staatl. Sammlung alter 
Musikinstrumente in Berlin. Eine kleine, zwölfsaitige 
Mandoline ist in München in Privatbesitz. Eine 1776 
gebaute Mandoline von ihm besitzt W. Heyers Musik- 
historisches Museum in Köln. 

Geigenzettel : Gasparo Ferraro Romano / f ecit in Roma 
nel mesa di Maggio / dell Anno 1744 (gedruckt). — 
Gasparo Ferrari Romano / Roma Ao 1751 (gedruckt). 
— Caspar Ferrari Romanus / fecit anno 1 776 (gedr.). 

Ferrari, Giambattista. — Modena. 1853. 1883 
Erfinder der »Chitarra decacorda« (eine Gitarre mit 
zwei Hälsen und zehn Saiten) und selbst ein Virtuose 
auf diesem Instrument. 

Ferrari, Giovanni. — 18. Jahrhundert 

Ein bescheidener Geigenmacher, von dem sich eine 
schmucklose Taschengeige in W. Heyers Musikhisto- 
rischen Museum befindet (No. 735). 

Ferrer, Antonius. — Neapel. 1481 

Ein Klosterbruder, der für Ferdinand I. von Neapel 
verschiedene Musikinstrumente machte. Von ihm heißt 
es in einer Urkunde: »A Frate Ant^ Ferrer, quäle fa 
certi stromenti da sonar por lo S. R., graciosamenta 
adi 4 dieto bis.« 

Ferri, Primo. — Mirandola. 1848. 1851 

Mittelmäßig in seinen Violinen und Violoncelli. Bei 
Valdrighi (1028) wird er aufgezählt. 

Ferner, William. — Dundee. Geb. 1849 in 
Old Scone, Perthshire 

Ein Photograph, der sich aus Liebhaberei dem Studium 
des Geigenbaus gewidmet hat. Er hat bisher über 30 
Violinen gemacht, von denen ihm viele nur als Ver- 
suche galten. Einige sind länger als üblich, andere zu 
dünn im Holz, alle aber von bemerkenswerter, schöner 
Arbeit. 

Geigenzettel: W. Ferrier / Dundee / No ... 18 . . (ge- 
druckt). 



F. E. S.(?). — Wermrichhausen. 1829 

Über seinen vollen Namen und auch seinen Aufenthalt 
gibt die Pfarrmatrikel keine Auskunft. Nach seinem 
2ettel war er ein »Scrinarius« (Schreiner). Er hat ver- 
schiedene Bässe gebaut, die heute noch da und dort in 
Franken anzutreffen sind. Die Arbeit ist handwerks- 
mäßig, der Lack sehr dürftig. Da er den (gewölbten) 
Boden auch aus Fichtenholz machte, sind seine In- 
strumente jetzt meistens sehr schadhaft. 
Geigenzettel: F E S. Srinario. Wermerichhausen / 1829 
(geschrieben). 

Feury (Ferry), Fran^ois. — Paris. 1715. 1762 

Schwiegersohn von Leclerc, geschworener Meister der 
Pariser Lautenmacherzunft für 1752 und für 1757. 
Seine Geigen haben kleines Patron, sind hübsch gebaut, 
haben schön geschnittene kleine F-Löcher, zierliche 
Schnecke. Sein Lack ist rot und dick. Er machte auch 
Gitarren, Mandolinen und Bässe. Eine zur Bauernleier 
umgebaute Gitarre aus der Sammlung Snoeck (Nr. 600) 
befindet sich in Berlin. Einen Baß besitzt A. Rogat. 
Geigenzettel : F. Feury rue des Fossez / S^ Germain 
de l'Auxerrois / proche la rue de l'Arbre sec / A Paris 
17.. (gedruckt). — F. Feury, rue de l'Arbre-Sec / vis- 
ä-vis Saint Germain-l'Auxerrois / Paris 1753. 

Fevrot. — Lyon. 1779. 1813 

Die wenigen von ihm bekannten Geigen sind von hand- 
werksmäßiger Arbeit. Er scheint jedoch als Reparateur 
viel beschäftigt gewesen zu sein. Seine Zettel sind ge- 
schrieben. Eine Lyragitarre von ihm besitzt Baron 
de Lery. 
Geigenzettel: Abb. 211. 

Feyzeau. — Bordeaux. 1740. 1770 

Er arbeitete seine Geigen nach einem kleinen, hübsch 
gewölbten Modell; einzelne davon sind recht gut ge- 
macht. Sein (Spiritus-)Lack ist meist von hellgelber 
Farbe, der sich bei einigen Instrumenten in graubraun 
verändert hat. Außer Geigen machte er auch Violen, 
Quintone und Lyren, die ihn gleichfalls als gewandten 
Meister erkennen lassen. Besonders hübsch in der Form 
sind die F-Löcher und die Schnecke. Die Sammlung 
Savoye in Paris besitzt ein Quinton (von 1 765) von ihm. 
Geigenzettel: Feyzeau / a Bordeaux / 1760 (gedruckt). 

Fichtel s. auch Fichtl 

Fichtel (Fichd), Hans. — Füssen. 1690 

Vielleicht der Sohn von Jakob F. Ein seinerzeit sehr 
angesehener Lautenmacher, der im vornehmsten 
(ersten) Stadtviertel wohnte. 

Fichtel (Fichtl), Jakob (?). — 1670 

El kann als das älteste bekannte Mitglied der Familie 
Fichtl betrachtet werden. Der Vorname war nicht 
sicher leserlich. Nach einer schmucklosen Laute zu ur- 
teilen, die seinen Namen trug,, war er ein wenig hervor- 
ragender Lautenmacher. 

Fichtholdt s. Fichtold 



Fichtl. Alois Mathias — Fichtl, Martin Matthias II 



133 



Fichtl, Alois Mathias. — Mittenwald. Geb. 
1764. 1810 

In seiner Arbeit macht sich der Niedergang der 
MIttenwalder Schule bereits bemerkbar. Die Geigen 
sehen äußerlich noch gut aus, sind innen sorglos ge-. 
arbeitet und klingen deshalb unedel. 

Fichtl, Christoph. — Füssen. Geb. um 1695, 

t9.Dez. 1758 

Im Füssener Umlageregister vom Jahre 1714 wird er 
als Lautenmacher (kinderlos) aufgeführt. 

Fichtl (Fichtel), Gottlieb. -Breslau. 1806. 1820 

Er dürfte der Mittenwalder Familie angehört haben. 
Man kennt einige nach Amati hübsch kopierte Geigen 
von ihm. Sein Reparaturjettel findet sich in einer 
Laute, die angeblich C. Maria v. Weber gehört hat, 
und in einem Violoncello im Schlesischen Museum für 
Kunstgewerbe und Altertümer. 

Fichtl, Johann. — Wien. 1716. 1742 

In den Bürger- und Steuerbüchern kommt er nicht vor; 
er war vielleicht der Vater oder der Bruder von Martin 
Matthias F. Eine Viola mit seinem Namen wurde mir 
1890 in Wien von einem Händler angeboten. 

Fichtl, Johann Ulrich. — Mittenwald. 1750. 

1769 

Einer der besten Mittenwalder, der das Amatimodell 
kannte und gelben Lack verwendete. Seine Geigen sind 
dick im Holz, und die Arbeit ist sehr gut. 
Geigenzettel: Abb. 225. 

Fichtl, Joseph. — Füssen. Geb. um 1692, 
t 10. März 1759 

In der Sterbematrikel wird er als 67 jähriger »Testudi- 
narius« bezeichnet. Er ist jedenfalls identisch mit dem 
gleichnamigen Lautenmacher, der im Umlageregister 
von 1737 als kinderlos aufgeführt wird. Seine Witwe 
lebte noch im Jahre 1774. 

Fichtl, Joseph Anton. — Mittenwald. Geb. 

12. Aug. 1758, t nach 1790 

Gute Mittenwalder Schule. Eine Viola von ihm, die er 
im Alter von 18 Jahren gemacht hat, besitzt das Stift 
St. Florian in Oberösterreich. 
Geigenzettel : Antonius Fichtl / 1 776. (gedruckt). 

Fichtl, Leopold. — Mittenwald. 1756 

Klotz-Schule. Seine Geigen zeichnen sich durch leichte 
Ansprache und gleichmäßigen, einschmeichelnden Ton 
aus. 

Fichtl, Magnus (Mang) Anton. — Krems. 
Geb. 1748 (in Füssen oder Mittenwald?), 
t 4. Dez. 1792 in Krems (an »Abzehrung«) 

Um 1770 kam er nach Krems, wo er sich niederließ 
und am 1 2. Januar 1 779 Bürger wurde. Am 3. Mai 1 784 
heiratete er Maria Anna, die Tochter des Tischler- 
meisters Stadler, und brachte es zu Wohlstand und .An- 



sehen, so daß er im Jahre 1790 zum Stadtkämmerer 
erwählt wurde. Seiner .Arbeit nach muß er aus Mitten- 
wald stammen. Er bevorzugte ein Stainermodell, ver- 
wendete ziemlich gutes Holz und einen rötlichen Lack. 
Eine gute Viola von ihm, aus einem Kloster in der Nähe 
von Krems stammend, besitzt Hofgeigenmacher Jaura 
in Wien. 
Geigenzettel: 'Abb. 216. 

Fichtl, Martin. — Mittenwald. 1768. 1770 
Seine Violinen klingen gut, wenn sie auch nicht immer 
mit wünschenswerter Sorgfalt gemacht sind. 

Fichtl, Martinus Mathias I. — Wien. Geb. um 
1651 (in Füssen?), f 23. Febr. 1707 In Wien 
Seine Violinen sind nach einem kleinen Stainermodell 
gebaut und im ganzen unansehnlich. Er verwendete 
gutes Fichtenholz, dagegen meistens nur ungeflammtes 
Ahornholz. Auch sein dunkelbrauner Lack ist arm und 
ohne Glanz. 
Geigenzettel: Abb. 212. 

Fichtl, Martin Matthias II. — Wien. Geb. um 
1682, t 1768 

Wahrscheinlich Sohn des Martin M. I ., F. , den er jedoch 
so wesentlich übertraf, daß man annehmen kann, daß 
er bei einem besseren Meister gelernt hat. Er wohnte 
als Geigen- und Lautenmacher im Kärntner Viertel, 
legte am 27. September 1724 den Bürgereid ab und 
kommt in den Steuerbüchern von 1749 (sie reichen 
nicht weiter zurück) bis 1768 vor. Zuletzt scheint er 
wegen hohen Alters nicht mehr gearbeitet zu haben, 
denn es heißt in den Akten bei ihm »Gewerbe feiernd«. 
Dadurch erklärt sich auch, daß in den Büchern der 
Wiener Geigenmacherzunft sein Todestag nicht ver- 
zeichnet wird. Er muß also in seinen letzten Lebens- 
jahren der Zunft nicht mehr angehört haben. Er soll 
seit 1706/07 in Wien ansässig gewesen sein, was die 
Vermutung, daß er ein Sohn des im Jahre 1707 ge- 
storbenen gleichnamigen Geigenmachers war, nur ver- 
stärkt. Er arbeitete sehr sauber nach einem großen 
Stainermodell, bevorzugt eine hohe Wölbung und ver- 
wendete nur sehr gutes, feinjähriges Fichtenholz, sowie 
schönes, möglichst breitgeflammtes Spiegelahornholz, 
und nimmt die Zargen nach der Schwarte geschnitten. 
Der Lack ist von schöner sattroter Farbe auf goldigem 
Grund. Weniger gelungen erscheinen seine Schnecken. 
Es gibt auch Geigen von mittelhoher Wölbung mit 
gelbbraunem Lack von ihm. Im Ton sind seine Geigen 
sehr gut und erreichen daher auch gute Preise. Daß 
sie sehr selten geworden sind, ist dem Umstände zu- 
zuschreiben, daß sie in den letzten 20 Jahren massen- 
haft nach England und Amerika verkauft wurden, wo 
sie, mit Stainer- oder Albanizetteln versehen, weit 
besser bezahlt wurden als in Wien. Seine besten Ar- 
beiten tragen Jahreszahlen zwischen 1730 und 1750. 
Zwei sehr schöne Violinen von ihm besitzt Hofgeigen- 
macher W. Th. Jaura, zwei Violoncelli, die sehr selten 
vorkommen, von 1737 und 1746 das Schottenstift in 
Wien. Auf einigen Zetteln gibt er nur den einen Tauf- 
namen Martinus an. 

Geigenzettel: Martinus Fichtl / fecit Viennae 1739 (ge- 
druckt). — .Abb. 21 5. 



134 



Fichtl 



FIchtl, Mathlas. —Augsburg. 1720 

Vielleiclit ein Sohn von Philipp jakob F. Da dieser aber 
erst 1696 geheiratet hat und schon um 1701 gestorben 
ist, geht schon daraus hervor, daß er nicht dessen 
Schüler gewesen sein kann. Dagegen spricht auch 
die Arbeit von Mathias F., die diejenige von Phil.Jak.F. 
bedeutend überragt. Er verwendet ein hochgewölbtes 
Modell ohne Hohlkehle; nur den meist aus einem 
Stück gearbeiteten Boden nimmt er ziemlich flach. Das 
Holz ist gut, Hals und Schnecke gewöhnlich Birn- 
baum, die Schnecke sehr schön geschnitzt; auch der 
L,ack ist gut und von rotbrauner, durchsichtiger Farbe. 
Der Ton ist ansprechend, hell und gleichmäßig. 
Geigenzettel: Mathias Fichtl / Lauten- / und Geigen- 
Macher in / Augspurg 1 720 (gedruckt). 

Fichtl, Michael. — Füssen. 1737. f 13. März 
1757 

Im Füssener Umlageregister für 1737 wird er als 
Lautenmacher mit einem einjährigen Söhnlein Mang 
.Anton aufgezählt. 

Fichtl, Philipp Jacob. — Augsburg. Geb. um 
1670 in Füssen, f um 1701 

Nach dem Hochzeitsbuche stammt er aus Füssen und 
heiratete am 2. Februar 1696 die Witwe des Augs- 
burger Lautenmachers Hans Georg Edlinger, die er 
jedoch schon 1701 wieder als Witwe hinterläßt. Als 
Geigenmacher war er nicht bedeutend; sein hochge- 
wölbtes Modell hat am Rand eine deutliche Hohlkehle, 
die Brust ist spitz, die F-Löcher steil und lang. Das 
Holz ist manchmal nicht schlecht, aber fast immer zu 
dick. -Auch der Lack ist spröde und dünn, gewöhnlich 
von gelbbrauner Farbe, der Ton armselig und roh. 
Eine Viola mit einem Löwenkopf am Wirbelkasten be- 
sitzt das Zisterzienserinnenkloster Oberschönenfeld bei 
Augsburg. 

Geigenzettel; Philipp Jacob Fichtl / Lauten- und 
Geigen-Ma / eher in Augsburg 1698 (gedruckt). 

Fichtold, Christoph. — Füssen. 1650. 1666 

Einer aus Lechbruck nach Füssen gezogenen Familie 
angehörend. Vielleicht der jüngere Bruder von Hans F. 
Er wohnte im zweiten Stadtviertel und betrieb außer 
der Lautenmacherei auch einen Kornhandel. 

Fichtold, Hans d. Ä. — Füssen. 1616. 1666 

Er wurde am Sonntag Lätare 1616 als Meister in die 
Fiissener Lautenmacherzunft aufgenommen und war 
vielleicht der am 18. September 1598 geborene Sohn 
des Andreas Fichtold. Man kennt seinen Namen aus 
Barons »Untersuchung des Instruments der Lauten«; 
dort heißt es (Seite 94): »Hannss Fichtholdt, welcher 
noch Anno 1612 vortreffliche, auf Italiänische Art ge- 
arbeitete Lauten gemacht, ist auch nicht zu übergehen, 
an welchen Ort er aber wohnhafft gewesen, ist mir un- 
bewußt. Seine Arbeit, welche klein-spänicht, Ist bey 
denen Instrument Verständigen in grossen Werthe.« 
— Die Jahreszahl hat Baron wohl zu früh angesetzt, 
es sei denn, daß der 1650 als sehr wohlhabend vor- 
kommende Füssener Meister, der im vornehmsten 



- Ficker 

(ersten) Viertel der Stadt wohnte, eiiu:n gleichnamigen 
Vater gehabt oder daß Hans F. ein sehr hohes Alter er- 
reicht hat. 

Fichtold, Hans d. J. — Füssen. 1666. f vor 

. 1690 

Er war ein Sohn von Hans F. d. A. und gleichfalls ein 
geschätzter Lautenmacher. 

Fichtold, Hanns. — Ingolstadt. 1650 

In der Mitte des 17. Jahrhunderts soll ein Hanns 
Fichtold — vielleicht ein Bruder von Michel F. in 
Ingolstadt gelebt haben. Vielleicht aber hielt sich der 
Füssener Meister um diese Zeit vorübergehend in In- 
golstadt auf. 

Flchtoldt, Michel. — Ingolstadt. 1650. 1651 

Leider ließ sich in der Ingolstädter Registratur nichts 
über ihn finden. Er war ein trefflicher Lautenmacher, 
von dem das Städtische Museum in Braunschweig eine 
schöne Theorbe (Nr. 59) und die Königl. Sammlung 
alter Musikinstrumente in Berlin eine Pandore von 
vollendeter Arbeit (Nr. 740) besitzt. 

Geigenzettel: Mich. Fichtoldt Bürger und / Lauten- 
macher in Ingolstadt 1650 (gedruckt). — Michl Fich- 
toldt lauten / Macher in Ingolstat 1 65 1 (geschrieben). 

Fichtold (Vichtelt), Sebastian. — Füssen. 1606. 
1612 

Er war schon im Jahre 1606 »Fürgesetzter« (Alter- 
mann) und kommt noch 1612 als Mitglied der Lauten- 
macherzunft vor. Seine Arbeit zeichnet sich durch 
Sauberkeit und reiche Verzierung aus. 

Flck, C. — Boitzenburg a. E. 1850. 1859 

Ein Musiker, der auch einige Geigen machte, die nicht 
unfleißig gearbeitet sind und gut klingen, aber doch 
eine ungeübte Hand verraten. 

Geigenzettel : C. Fick, Musicus fecit / Boitzenburg an 
der Elbe, op. 2 / 1850 (geschrieben). 

Ficker, August Wilhelm. — Markneukirchen. 

Geb. 23. Nov. 1855 

Schüler von Herrmann DöUing sen., Sohn des Gitarre- 
machers Heinr. Wilh. F. (f 8. November 1858). Von 
1872 — 1879 Gehilfe bei A. Riechers, gründete 1880 sein 
eigenes Geschäft in seiner Vaterstadt und verlegt sich 
besonders auf die Herstellung von Konzertviolinen und 
Violoncelli, bei denen er in neuerer Zeit auch Boden 
und Decke nach Dr. Großmanns System abstimmt. Er 
arbeitet nach Stradivan und auch nach Amati und 
Guarnen und verwendet meist Ollack, teilweise jedoch 
auch Spirituslack. 

Geigenzettel : Wilhelm Ficker, / Fabrikation von 
Streichinstrumenten / Markneukirchen i/S. (gedruckt). 

Ficker, Carl Friedrich (gen. Fickerhansel). — 
Markneukirchen. Geb. 13. Nov. 1783, 
t 7. Mai 1849 in Markneukirchen 

Sohn und Schüler von Johann Christian F. und dessen 
Nachfolger in der Werkstatt. Er war sehr tüchtig und 



Fickci, Call Muiitz — Ficker, Joliami Gcoig I. 



135 



wird als Lehrer von A. Riechers bezeichnet, was jedoch 
nicht richtig zu sein scheint. Sein Sohn, der auch 
Geigenmacher wurde, machte ihm wenig Ehre, da- 
gegen mehr sein Schwiegersohn Carl Gottlob Pfretzsch- 
ner. 

Ficker, Carl Moritz. — Markneukirchen. Geb. 

20. Juni 1849 

Sohn von Carl Wilh. Aug. F. Ein geschickter, fleißiger 
Meister. Da er aber viel für den Handel gearbeitet hat, 
konmien Geigen mit seinem Namen selten vor. Er ist 
übrigens ein Meister in der Kunst des Lackierens und 
ganz besonders geschickt in der Imitation alter Lackie- 
rungen. 

Ficker, Carl Richard. — Markneukirchen. 

Geb. 20. Nov. 1856 

Sohn von Carl Wilh. Aug. F., ein sehr fleißiger und 
tüchtiger Geigenmacher, der den Beinamen semes 
Großvaters »Fickerhansel« geerbt hat. 

Ficker, Carl Wilhelm August. — Markneu- 
kirchen. Geb. 1. Aug. 1818, 1 25. April 1868 

Sohn von Carl Friedrich F., Schüler seines Schwagers 
Carl Gottlob Pfretzschner. Er war talentvoll ; da er sich 
aber dem Trunk ergab, ist er schließlich herabgekom- 
men. Er gilt als der eigentliche Lehrer von A. Riechers. 
Dieser nannte seinen Lehrer allerdings '>Hans Ficker«. 
Mit diesem Taufnamen gab es jedoch keinen Ficker in 
Markneukirchen. Die verschiedenen Johann F. können 
nicht in Betracht kommen. Am ehesten »Fickerhansel". 

Ficker, Christian Samuel. — Markneukirchen. 
Geb. 4. April 1766, t 30. März 1819 

Ein weniger hervortretendes Mitglied der Familie, 
immerhin aber noch ein geschickter Geigenmacher. 

Ficker, Friedrich Wilhelm. — Markneu- 
kirchen. Geb. 1794, t 1873 

Sohn von Johann Gottlob F. und dessen Nachfolger. 
Die Geigen, die er um 1830 — 1840 gebaut hat, sind 
seine besten. 

Ficker, Friedrich Wilhelm. — Erlbach. Geb. 
m Markneukirchen 31. Jan. 1821 

Er war zwar nicht Geigenmachers-, sondern Schuh- 
macherssohn, ist aber doch mit den übrigen Fickers 
verwandt. Er ließ sich in Erlbach nieder. 

Ficker, Georg Adam. — (Mark-)Neukirchen. 
Ende des 18. Jahrhunderts 

Ein Geigenmacher, von dem ich zwar Geigen (von ge- 
wöhnlicher Arbeit) gesehen habe, den ich aber urkund- 
lich nicht nachweisen konnte. 

Ficker, Heinrich Wilhelm. — Markneukirchen. 
Geb. 1832, t 1858 

Sohn von Friedrich Wilhelm F. Er starb, ehe er die 
Hoffnungen, zu denen er berechtigte, erfüllen konnte. 



Ficker (Fücker), Johann Adam. — (Mark-) 
Neukirchen. Geb. um 1732. 1765 
Sohn und Schüler von Lorenz F. Er wurde bereits am 
5. Oktober 1 73 1 Meister und war ein tüchtiger Arbeiter. 

Ficker, Johann Christian I. — (Mark-)Neu- 
kirchen. 1700. 1722 

Er kam wahrscheinlich als Exulant nach Neukir- 
chen und wird in den Kirchenbüchern noch I 720 und 
1722, allerdings ohne Angabe seines Berufs, erwähnt, 
diesen nennt dagegen sein Zettel schon 1700. Seine 
Arbeit ist sorgfältig, Geigen von ihm kommen noch oft 
vor. 

Geigenzettel : Abb. 209. 

Ficker, Johann Christian II. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. um 1735. 1780 

Zweiter Sohn und Scliüler von Johann Kaspar F. Er 
wurde am 21 . Mai 1 755 Meister und war auch ein tüch- 
tiger Kaufmann. Eine Violine von ihm besitzt u. a. 
C. Stoeber in Würzburg. Seinem Geschäftsgeiste ent- 
sprach es, auf seinen geschriebenen oder gedruckten 
Zetteln häufig Miltenwald und Cremona als Ursprungs- 
orte anzugeben, obwohl seine Arbeit weder tirolensch 
noch gar cremonesisch aussah. Im Innern des Rodens 
findet man häufig die Brandmarke Nr. 34 

^ I * C * F ^. 

Das Holz ist meist gut, die Wölbung hoch, der Lack 
braun. Der Ton seiner Geigen ist im allgemeinen recht 
gut. Er gebrauchte auch die Zettel seines Vaters, oft 
ohne Jahreszahl. 

Geigenzettel : Johann Christian Ficker / p:obe Violin 
fecit Cremona (gedruckt). — Johann Christian Ficker/ 
Probe Violino in Cremona 1 757 (geschrieben). 

Ficker, Johann Christian III. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 7. März 1758, f 1 . Nov. 1822 
Seine Geigen sind ziemlich hochgewölbt, wenn auch 
nicht übermäßig. Die F-Löcher sind etwas steif, da- 
gegen sieht die Schnecke mit ihren hübschen, hervor- 
stehenden Ohren und weitspurigen Gängen besser aus. 
Der Rand ist gewöhnlich recht schmal. Auch er hat 
seine Arbeiten gerne aus Cremona oder Mittenwald 
datiert. 

Geigenzettel: lohann Christian Ficker, Lauden / und 
Geigenmacher in Neukirchen bey Adorf 1809 (gedr.). 
— lohann Christian Ficker , probe violino corr. Cre- 
mona (gedruckt). 

Ficker, Johann Georg I. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1732, f 25. Mai 1772 

Sohn und Schüler von Hans Caspar F., ward am 
21. November 1752 Meister. Er starb, erst 39 Jahre 
7 Monate und 19 Tage alt. Nur die Geigen mit seinem 
Namen und den Jahreszahlen von 1752 — 1760 können 
ihm mit Sicherheit zugeschrieben werden, diese aber 
sind leicht ansprechende, vollklingende Instrumente. 



136 



Ficker — Fiegimüller 



Ficker (Fücker), Johann Georg II. Geb. um 

1738. 1760 

Er war wahrscheinlich ein Meisterssohn und hat das 
Geigenniachen regelrecht erlernt. Bei der von Branden- 
burg-Preußen verlangten Rekrutierung von zehn sächsi- 
schen Regimentern wurde er ausgehoben. *Da er nun«, 
wie es im Zunftbuche heißt, »Gelegenheit gefunden, 
sich der Kgl. Preuß. und churfürstl. Brandenburgi- 
schen Dienste zu entziehen und m sächsische Dienste 
zu treten«, bewarb er sich am 29. Mai 1760 um .Auf- 
nahme in die Zunft, und er wurde tatsächlich als Meister 
angenommen. Wofür er »von gantz freyen Stücken« 
ein halbes Faß Bier für »das Geigenmacher-Handwerk« 
stiftete. Arbeiten von ihm sind wegen der Gleichnamig- 
keit des gleichzeitig tätigen Johann Georg I. F. schwer 
nachzuweisen. 

Ficker, Johann Georg III. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 30. März 1761, f 14. Juni) 801 

Sohn von Johann Georg I. F. Da er den Vater schon 
im elften Lebensjahre verlor, kann er schwerlich dessen 
Schüler gewesen sein. Trotzdem benutzt er die gleichen 
Modelle wie dieser. 

Ficker, Johann Gottfried. — (Mark-)Neu- 
klrchen. Geb. 1754, f 7. JuH 1816, 62 J. 

6 M. 1 T. alt 

Er darf mit Johann Gottlob nicht verwechselt werden ; 
seine Arbeit ist weniger gefällig, auch das Holz in der 
Regel weniger schön. 

Ficker, Johann Gottlob I. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1744, f 30. Nov. 1832 

Sohn von Johann Caspar F., wurde am 13. Juni 1764 
Meister und gehört zu den besten Geigenmachern des 
Vogtlandes. Seine Arbeiten zeichnen sich durch gutes 
Holz, saubere Durchführung und edlen Ton aus. Seine 
Violinen waren schon zu seinen Lebzeiten geschätzt; 
trotzdem fühlte auch er sich veranlaßt, wiederholt 
auf seinen Zetteln bei Unkundigen den Schein zu 
erwecken, als hätte man es mit Crem.oneser Geigen zu 
tun. Er tut dies in demselben sinnlosen Latein, das für 
viele seiner Zeitgenossen und Vorgänger typisch ist. 
Ein Beweis für die Güte seiner Geigen mag es sein, 
daß ihn viele wirklich für einen Cremoneser Meister 
hielten; noch Niederheitmann tat dies, wenn er auch 
zugibt, daß die Geigen nur wenig der Cremoneser 
Schule entsprechen. Da er fleißig war und 88 Jahre 
4 Monate und 5 Tage alt wurde, kommen seine Geigen 
noch häufig vor. Er gebrauchte oft eine, übrigens auch 
von anderen Mitgliedern der Familie in ähnlicher Form 
verwendete Brandmarke (Nr. 39). Die Schreibweise 
seines Zettels ist sehr schwankend. 

Geigenzettel : lohann Gottlob Ficker probe Violino cor- 
Respont Romani Cremona 1788 (gedruckt). — Abb. 205. 

Ficker, Johann Gottlob II. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 6. Dez. 1778, f 26. Aug. 1827 

Sohn von Johann Gottlob I. F. Er arbeitete ganz in der 
Weise seines Vaters und wird wohl auch stets npr unter 



diesem, der ihn ja überlebte, gewirkt haben. Es ist 
daher schwer, ihn vom Vater zu unterscheiden, es sei 
denn, daß man weniger gute Geigen, die echte Zettel 
und Brandmarke tragen, für seine Arbeit hält. 

Ficker, Johann Kaspar. — (]VIark-)Neukirchen. 
Geb. um 1703. t nach 1767 

Nachdem er die Geigenmacherkunst regelrecht erlernt 
und eine Zeitlang als Geselle gearbeitet hatte, wurde er 
am 2. Januar 1 722 Meister, wobei man ihm das Meister- 
stück erließ. Er saß schon 1755 und noch 1766 und 
1 767 als Vormeister im Zunftrate. Ein tüchtiger Geigen- 
macher, der viel auf Reisen gewesen sein soll. 

Geigenzettel: Johann Caspar Ficker Vio- / linmacher 
in Neukirchen / Ao. 1749 (gedruckt). 

Ficker, Lorenz. — (Mark-)Neukirchen. 1730 

Er wurde als tüchtiger Geigenmacher gerühmt, ist aber 
nach 1730 nicht mehr nachzuweisen, .'\rbeiten von ihm 
oder Zettel waren nicht aufzutreiben. 

Ficker, Paul Kurt. — Markneukirchen, Char- 
lottenburg-Berlln. Geb. 2. Febr. 1880 in 
Markneukirchen 

Sohn und Schüler von Carl Moritz F. Als Gehilfe ar- 
beitete er von 1899 — 1901 bei Joh. Padewet in Karls- 
ruhe. Nachdem er seiner Militärpflicht genügt hatte, 
machte er sich 1903 in Markneukirchen selbständig, 
siedelte jedoch 1908 nach Charlottenburg über, um für 
die Firma Rob. Beyer tätig zu sein. Seit November 1910 
vereinigte er sich mit Friedr. Freitag zu der Firma 
Freitag & Ficker in Berlin. Gut vorgeschult, hatte er 
als Gehilfe besonders Gelegenheit, sich im Neubau und 
in der Reparatur zu vervollkommnen. 

Fida, Anton. — Paris. 1809 

In einer gewöhnlichen Geige von zweifelhaftem, wenig 
französischem Aussehen fand sich nachstehender Zet- 
tel, auf dem auch Anton (für .'\ntoine) auffallen muß. 

Geigenzettel: Anton Fida ä Paris 1809 (gedruckt). 

Fiebig, Johann Carl. — Schweidnitz. Geb. in 
Guhrauum 1770, f um 1810 

Orgelbauer und Instrumentenmacher. Er erwarb 1802 
das sogenannte kleine Bürgerrecht in Schweidnitz und 
soll um 1810 verstorben sein: 1812 heiratete seine 
Witwe den Geigenmacher Koded. 

Fiedler, August Gottwald Friedrich. — Mark- 
neukirchen. Geb. in Untergattengrün bei 
Adorf 2. April 1863 

Fleißiger Geigenmacher der Gegenwart. 

Fiegimüller, Benedict. — ? 1 755 

Ein süddeutscher oder österreichischer Meister, von 
dem eine »Pochette in Viclinform« in der staatl. 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 913) 
aufbewahrt wird, die im zierlichen Schallkörper den 
kleinen Bogen imd einen niedlichen, bemalten Fächer 
beherbergt. 



Field — Fingland 



137 



Fleld, T. -1815 

Englischer Geigenmacher aus dem ersten Viertel des 
19. Jahrhunderts. 

Fifo del Pagliaro. — Rolo (Modena). 1840 
Ein fleißiger Meister von handwerksmäßiger Tüchtig- 
keit, der Geigen und Bässe in großer Zahl gemacht hat. 

Filano, Antonio. — Neapel. 1787 

Reich eingelegte Mandolinen tragen semen Namen. 

Filano. Donato. — Neapel. 1763. 1783 

Es gibt nur sehr wenige Gelgen von ihm, und diese 
sind unbedeutend; auch ihr brauner Lack ist nicht zu 
loben. Dagegen sind seine Mandolinen und Pandoren 
gut. Eine reich und geschmackvoll eingelegte neapoli- 
tanische Mandoline von ihm besitzt die staatl. Sammlung 
alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 750), eine ähn- 
liche C. Claudius in Kopenhagen, zwei die Sammlung 
Loup und eine das Musikhistorische Museum in Stock- 
holm. Eine sehr sorgfältig gearbeitete, überreich mit 
Schildpatt, Perlmutter und Elfenbein eingelegte Man- 
doline von ihm mit der Jahreszahl 1774 befindet sich 
in der Sammlung Fritz Wildhagen in Haiensee bei 
Berlin. Eine aus der Sammlung des f Charles Gimbel 
stammende italienische Laute, mit Schildpatt und Perl- 
mutter eingelegt, besitzt das Großherzoglich Badische 
Museum für Altertümer in Karlsruhe mit einer fran- 
zösischen (!) Wohnungsangabe: *Donatus Filano Fecit 
Anno Dni 1 773 / Av. Rue de la Sainte Ciaire <•. Valdrighi 
schreibt den Namen FilCno. 

Geigenzettel : Donato Filano fecit alla rua , di s. Chiara 
A. D. 1782, Napoli (geschrieben). — Donatus Filano 
fecit anno D. 1770 / Neap. alla Rua de Tafettanari (ge- 
druckt). 

Filano, Giuseppe. — Neapel. 1785. 1797 
Ein Sohn von Donato F. und wohl auch dessen Schüler. 
Eine Gitarre von ihm befand sich in der SammlungLoup. 
Geigenzettel: Joseph Filano, Filius Donati fecit Neap. / 
Alla Rua di S. Chiara ,/ Anno 1 787 (gedruckt). 

Filano, Luigi. — Neapel. 1821. 1832 

Sohn oder Enkel von Donato F. Er hat wie dieser fast 
ausschließlich Gitarren und Mandolinen gemacht. 
Geigenzettel : Abb. 204. 

Filipp, Hans. — Markneukirchen. Geb. 1858 
in Schönbach i. B. 

Schüler von Johann Fischer in Schönbach. Er arbeitete 
als Gehilfe an verschiedenen Orten und ließ sich 1883 
in Markneukirchen nieder. Durch seine besondere 
Handfertigkeit, die er u. a. beim Bau von niedlichen 
Miniaturinstrumenten (Violoncello, Stockgeige usw.) 
bewies, hat er sich einen Namen gemacht. Er erfand 
auch einen recht praktischen und sicher anzuwendenden 
Wirbel für Streichinstrumente. Da er fast ausschließ- 
lich für Händler arbeitet, kommen nur wenig Instru- 
mente mit seinem Namen vor. 

Filippi, Filippo. — Rom 

Unbedeutender Musikinstrumentenmacher desl 9. Jahr- 
hunderts. 



Filippo s. Orazio 

Fillion, Georges-Charles. — Straßburg. Geb. 
in Seloncourt (Doubs, Frankreich) 1 9. Febr. 
1869 

Schüler von Arnould in Mirecourt und Methfessel in 
Bern. Nachdem er ausgelernt hatte, arbeitete er noch in 
Mirecourt, vier Jahre in Paris und zwei Jahre bei Hill 
& Sons in London, als deren Schüler er sich haupt- 
sächlich betrachtet. Er kam hierauf am 1. Januar 1896 
nach Straßburg, wo er sich seitdem dauernd niederließ, 
da dort seit längerer Zeit kein Geigenmacher mehr an- 
sässig war. Er hat eine tüchtige Schule durchgemacht, 
und seine Geigen zeichnen sich durch große Sorgfalt 
der Arbeit aus. Er kopiert hauptsächlich Stradivari, 
verwendet einen orangegelben Ollack und gilt als sehr 
talentvoll. 

Geigenzettel : No . . . G. Fillion Luthier / Strasbourg, 
annee 189 . . (gedruckt) und Abb. 214. 

Fincoh s. Vincoli 

Findiger, Arnold. — Leipzig. 1615 

Er war nur Reparateur und erlangte 1615 als Lauten- 
händler das Bürgerrecht in Leipzig. 

Findley, James. — Padanaram. Geb. 1815 auf 
der Farm Bromfield bei Brechin, f 1896 in 

Padanaram 

Ein schottischer Weber, der etwa 500 Geigen gemacht 
hat. Viele davon sind Kopien nach einer Jos. Guarneri- 
geige, die ein Landsmann von ihm besaß, einige gehen 
in den Umrissen auf ein Stradivarimodell zurück, und 
andere sind Nachahmungen einer «Black Meg« ge- 
nannten alten Geige, die sich im Besitze eines Tanz- 
meisters in Forfar befand. Die F-Löcher sind originell 
in der Form, die Einlage ziemlich breit, die Schnecken 
oft aus Birnbaumholz. Er verwendete einen dünnen 
Spirituslack von gelbbrauner Farbe, der sehr nachge- 
dunkelt hat. In der Wahl des Holzes war er sorglos 
und verarbeitete selbst alte Eisenbahnschwellen, wenn 
er nichts anderes zur Hand hatte. Die Weberei betrieb 
er bis an sein Ende; außerdem war er ein vorzüglicher 
Geiger. 

Geigenzettel: James Findley / Maker / Padanaram / 
186Ö (gedruckt). 



Fi 



. Fis 



iner s. riscer 
Finger, Josef. — Brunn. 1806. f 1856 

Er wurde als Instrumentenmacher 1806 bei der Tisch- 
lerzunft eingeschrieben und erlangte 1810 das Bürger- 
recht. Arbeiten von ihm lernte ich noch nicht kennen. 

Fingland, Samuel. — Glasgow. 1892 

Ein Liebhaber, der in den neunziger Jahren in Glasgow 
lebte und einige Violinen nach Stradivari und Guarneri 
gemacht hat. Er verwendete bräunlichroten Ollack. 

Geigenzettel: Samuel Fingland / fecit 1892 No. 14 ge- 
schrieben). 



138 



Finke 



riorini 



Finke, Joseph. — Haindorf (Böhmen). 1844. 

1860 

Wenig bekannter, aber tüchtiger Geigenmacher, von 
dem Prof. Sattler in Linz eine Violine besaß, die ebenso- 
gut klang, als sie schön in der Arbeit und im Holz war. 
Geigenzettel: Josef Finke , Heindorf bei Friedland / in 
Böhmen (gedruckt). — Joseph Finke / in Haindorf / 
anno 1860 (gedruckt). 

Finoc(chio?), Bibbiano. — Bibbiano (Reggio 
Emilia). 17. Jahrhundert 

Die staatl. Sammlung alter Musikinstrumente in Ber- 
lin besitzt zwei Gitarren (Nr. 643 und 648) italienischer 
Herkunft, von denen die eine die Form einer Vihuela 
(spanische Gitarre) hat; beide sind reich eingelegt und 
am Griffbrett bemalt. Die erstere trug den Namen des 
Verfertigers : Bibbiano Finoc ... Da Bibbiano kein ge- 
bräuchlicher Taufname ist, dürfte anzunehmen sein, 
daß der Verfertiger damit seine Heimat angedeutet hat. 

Finolli, Giuseppe Antonio. — Mailand. 1750. 
1755 

Mittelmäßig in der Arbeit; er hat nur wenig Geigen 

gemacht. 

Geigenzettel : Abb. 226. 

Finte. — Paris 

Dieser Name kommt manchm.al in französischen Gei- 
gen vor, mit denen ein Fälscher dem Klange nach den 
Namen Fent gemeint haben wird, wie auch .'\. Jacquot 
annimmt. 

Finz, Emmanuel. — Avignon. Geb. in Gi- 
braltar um 1820, t In Avignon 10. Dez. 
1866 

Selbständig von ihm gebaute Geigen sind mir nicht 
vorgekommen. 

Geigenzettel: Repare par Finz / Avignon 1853 (gedr.)- 

Finze. — Carpentras. 1852 

Vielleicht mit E. Finz in .'Xvignon identisch. 

Geigenzettel: Restaure par Finze: / = Carpentras. 
1 852 (geschrieben). 

Fiorani, Vincenzo. — Pergola. 1855 

Seine Geigen sind gewöhnliche Handwerksarbeit. Das 
Holz ist sorglos gewählt und der Spirituslack spröde 
und unschön. 

Fiori, Amilcare. — Casinalbo. 1 9. Jahrhundert 

Vielleicht der Vater der Brüder Fiori, vielleicht auch 
ein Sohn von einem der beiden. Valdnghi zählt ihn 
auf (1046), doch gelang es mir nicht, eine Arbeit von 
ihm zu Gesicht zu bekommen. 

Fiori, Andrea (Antonio?). — Modena. Geb. 
um 1796, t vor 1870 

Von Hause aus Ingenieur, beschäftigte er sich aus Lieb- 
haberei mit dem Geigenbau und brachte es in Verbin- 



dung mit seinem Bruder darin zu großer Geschicklich- 
keit. Er verwendete Spirituslack. 
Geigenzettel: Abb. 217. 

Fiori, Gaetano. — Modena. Geb. um 1798, 
tum 1873 

Bruder von Andrea F. Er lebte abwechselnd in Modena 
und in Casinalbo mit seinem Bruder, mit dem er ge- 
meinschaftlich arbeitete. 

Fiorillo, Giovanni. — Ferrara. 1780 

Mehrere gute Violoncelli von ihm sind in letzter Zeit 
aufgetaucht, und da manches in seiner Arbeit an 
deutsche Art erinnert — • so sind z. B. seine F-Löcher 
denen Stainers recht ähnlich — , hält man ihn für einen 
Südtiroler. Ich glaube aber, daß er als Geselle in Tirol 
oder Deutschland gearbeitet hat, denn das Italienische 
in seinen Werken hat doch das Übergewicht. Viorillo 
zu schreiben ist falsch. 

Fiorini, Alessandro (Losandro) und Antonio. — 

Bologna. 1671. 1720 

Wahrscheinlich der Stammvater der Familie (zu der 

wohl auch die Floreni gerechnet werden müssen). Auch 

sein Sohn Antonio soll Geigenmacher gewesen sein, 

doch gelang es mir bisher nicht, Arbeiten von ihnen 

nachzuweisen. Die Zettel beider teilt de Wit zum 

erstenmal mit. 

Geigenzettel: Antonius Fiorini Bononiae / fecit Anno 

1720 (gedruckt). 

Fiorini, Giuseppe. — München, Zürich. Geb. 
1861 in Bazzano 

Er kam mit seinen Eltern im Jahre 1867 nach Bologna, 
erhielt eine gute Schulbildung und war von Ende 1876 
an Schüler seines Vaters Raffacle F. Schon im Jahre 
1881 machte er sich selbständig, und um seinem Vater, 
der hauptsächlich Violoncelli baute und Reparateur 
war, keine Konkurrenz zu machen, verlegte er sich auf 
den Bau von Violinen und den Handel mit alten 
Meisterwerken. Zu diesem Zwecke unternahm er 
größere Reisen, die ihn wiederholt auch nach Deutsch- 
land führten. Im Jaljre 1889 wurde er der Schwieger- 
sohn Andr. Riegers in München und leitete das Ge- 
schäft unter der Firma Rieger & Fiorini, die dann 
Mitte 1899 in »Giuseppe Fiorini« umgewandelt wurde. 
Auch jetzt ist der Bau neuer Violinen und der Handel 
mit alten Meistergeigen seine Hauptbeschäftigung. Er 
macht seine Violinen in allen Teilen selbst, und da sie 
vorzüglich gearbeitet sind und vortrefflich klingen, 
fehlt es ihm auch nicht an ehrenden Anerkennungen 
und Auszeichnungen aller Art. Seine Geigen sind, ohne 
Kopien zu sein, von ausgesprochen italienischem Cha- 
rakter und entsprechen der Schule, aus der er hervor- 
gegangen ist. Er ist als vielerfahrener, gründlicher 
Geigenkenner geschätzt und war Mitbegründer und 
Vorstandsbeisitzer des Deutschen Geigenmacherver- 
bandes, sowie Obmann der Sachverständigenkommis- 
sion für die Beurteilung alter Instrumente. Durch den 
Krieg wurde er im Mai 1915 veranlaßt seine Werkstatt 
nach Zürich zu verlegen. Er wurde da in der Kunst- 
welt sehr freundlich aufgenpmrnen und hat sich fast 



Mo 



Fisch 



ischer 



)9 



ausschließlich dem Bau von neuen Geigen zugewendet, 
womit er große Erfolge erzielt hat. Es gelang ihm 
auch, in letzter Zeit die kostbare Stradivarisammlung 
des Grafen Cozio di Salabue von der letzten Erbin, 
der Marchesa Paola della Valle del Pomaro in Turm, 
für 100 000 Lire zu erwerben. Diese Sammlung enthält 
bekanntlich außer mehreren Violinen usw. hauptsäch- 
lich Werkzeuge, Modelle, Handschriften, Vorschriften 
für die Grundierung, Lackrezepte usw., die in den 
Händen eines Geigenmachers von ganz besonderem 
Werte sind. 

Fiorinl, Raffaele. — Bologna. Geb. in Pianoro 

1828, t in Bologna 1898 

Er kam mit seinen Eltern als Kind nach Bazzano, und 
da er schon damals in allen freien Stunden versuchte, 
Geigen zu machen, führte man ihn zu dem Bruder des 
Geigenmachers Tadolini nach Modena, von dem er 
später auch den ersten Unterricht erhielt. Er arbeitete 
rastlos und vervollkommnete sich immer mehr, so daß 
er bald in gutem Rufe stand. Im Jahre 1867 berief ihn 
der berühmte Violinprofessor Carlo Verardi nach Bo- 
logna, und hier wurde er durch ausgezeichnete Arbeiten 
in weiten Kreisen als einer der besseren italienischen 
Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 19. Jahr- 
hunderts bekannt. Er wurde hauptsächlich als Repara- 
teur beschäftigt und hat daher nur wenige neue Geigen 
gebaut, dagegen ungefähr 60 Violoncelli, die sehr ge- 
schätzt sind. Seine Erfindung einer Vorrichtung 
zur mechanischen Herstellung der Rinne für die Ein- 
lagen hat sich im Großbetrieb sehr bewährt und wird 
noch jetzt in Mirecourt angewendet. Er war ein hervor- 
ragender Kenner der alten, italienischen Schulen, wie 
wenige zu seiner Zeit. Als seine Schüler sind zu nennen 
sein einziger Sohn Giuseppe und Augusto Pollastn. 
Sein Nachfolger in Bologna ist Armando Monterumici. 

Firth. — Manningham. 1877 

Vielleicht ein Sohn von G. F. in Leeds. Er bevorzugte 
ein breites Modell. 

Firth, G. — Leeds. 1836. 1844 

Schüler von William Boots sen., aber nur mittelmäßig 

in seiner Arbeit. 

Geigenzettel: G. Firth No 1 10 Briggate, / Leeds, 1836 

(gedruckt). 

Firth & Ball. — New York. 19. Jahrhundert 

Amerikanische Geigenmacherfirma, von der ich einen 
guten dreisaitigen Baß kennenlernte. 

Fiscer (Fitter), Brüder. — Mailand. 1 760. 1 764 
Vermutlich zwei Deutsche Namens Fischer, oder, wenn 
de Piccolellis, der Ficher liest, recht hat, vielleicht 
Mitglieder der vogtländischen Familie Ficker ')• Außer 
dem Namen spricht auch die Arbeit für die deutsche 
Herkunft. Ihre Geigen sind recht gut; auch der rote 
oder rotgelbe Lack ist schön zu nennen. 
Geigenzettel : Giuseppe Carlo Fratelli Fiscer / Fabbri- 
catori di strumenti in Milane / Vicino alla balla 1764 
(gedruckt). 



^) Andere wollen Fitter oder Einer lesen. 



Fiscer, Carlo Vincenzo. — Mailand. 1770 

Vermutlich einer der beiden Brüder Fiscer, der 1770 
mit der gleichen Adresse allein arbeitend vorkommt. 
Die Musikinstrumentensammlung des Bachhauses in 
Eisenach besitzt eine Bastardlaute (Nr. 2) und eine 
prachtvolle Pandurina von ihm. 

Geigenzettel :CarloVincenzo Fiscer, fabbncatord' Istru- 
menti / Alla Balla in Milano anno 1770 (gedruckt). 

Fischbach 

Mehrere Mitglieder dieser Familie sind in der eger- 
ländischen Geigenindustrie tätig, so Johann Fischbach, 
geb. 1860, Schüler von Josef Sandner, in Dürngrün 
bei Schönbach, der seit 1882 eine Kindergeigenfabnk 
und eine Gastwirtschaft betreibt; ein anderer Johann 
Fischbach ließ sich nach 1898 in Schönbach nieder. 

Fischer. — Brambach. 1910 
Guter Bogenmacher. 

Fischer. — Markneukirchen 

Als Geigenmacher aus dieser Familie sind bekannt: 

Fischer, Christian Gotthilf I. Geb. um 1728 

Er scheint in (Mark-)Neukirchen gelernt zu haben und 
kam dann zu der »Miliz«. Obwohl er Soldat war, be- 
warb er sich im Jahre 1748 um die Aufnahme in die 
Zunft und brachte eine Bescheinigung seines Haupt- 
manns bei, daß dieser nichts dagegen habe. Er wurde 
dann am 27. Mai als Meister aufgenommen. 

Fischer, Christian Gotthilf II. Geb. 1748, 
t H.März 1771 

Er wurde am 2. November 1768 gleichzeitig mit 
G. A. Keßler Meister, starb aber schon in einem Alter 
von 22 Jahren, 4 Monaten und 14 Tagen. 

Fischer, Christian Gottlob. Geb. 2. Juli 1815, 
t 10. April 1895 

Sohn von Johann Christian F. 
Fischer, Heinrich Wilhelm. Geb. 13. Dez. 1857 
Fischer, Johann Adam. Geb. 1730, f I.April 

1809 

Er wurde am 24. Mai 1752 Meister und galt als ge- 
schickt. Er scheint in Neukirchen gelernt zu haben und 
war dort auch Geigenmachergeselle, doch wird aus- 
drücklich bemerkt, daß er nicht der Sohn eines der 
Zunft angehörenden Meisters war. Er erreichte ein 
Alter von 78 Jahren 5 Monaten, weniger 14 Tage. 

Fischer, Johann Christian. Geb. 24. Sept. 

1763, t2 I.Dez. 1838 

Zweiter Sohn von Johann Adam F. 

Fischer, Johann Georg. Geb. 16. Sept. 1758, 

H.Dez. 1821 

Altester Sohn von Johann Adam F. und dessen Nach- 
folger. 

Geigenzettel : Johann Georg Fischer / Violinmacher in 
Neukirchen, (geschrieben). 



140 



Fischer, Johann Gottfried — Fischer, Joseph 



Fischer, Johann Gottfried. Geb. 15. März 

1770, t 15. Sept. 1825 

Jüngster Sohn von Johann Adam F. und der talent- 
vollste der Söhne. Er gebrauchte eine ähnliche Brand- 
marke wie Joh. Gottl. FIcker (Nr. 39). 

Fischer. — München 

Es soll um das Jahr 1805 ein Geigenmacher Fischer in 
München gelebt haben. Vermutlich war Josef F., der 
Regensburger Meister, vorübergehend m München, 
denn um die angegebene Zeit fand ich nur einen 
Sänger dieses Namens in München; alle übrigen 
Fischer hatten der Musik völlig fernstehende Berufe. 

Fischer. — Schönbach b. E. 

Aus dieser Familie gingen folgende Geigenmacher her- 
vor: 

Fischer, Anton I. Geb. um 1806, f 1880 
Er gehörte schon 1826 der Innung an. 

Fischer, Anton II (noch lebend) 

Fischer, Carl (noch lebend) 

Fischer, Johann (noch lebend) 

Fischer, Rudolf (wohnt in Watzkenreuth bei 
Schönbach) 

Fischer, Wenzl, gehörte schon 1826 der In- 
nung an 

Fischer, Wenzel (noch tätig) 

Fischer, Alois in Proßnitz i. M. scheint auch 
aus Schönbach zu stammen 

Fischer, Andreas. — Znaim. 1855. 1861 

In einigen mittelmäßigen Geigen fand sich sein Zettel. 
Besser waren seine Gitarren. 

Geigenzettel: Abb. 223. 



Fischer, Anton. 

1879 



Wien. Geb. 1 794,110. Aug. 



Am 20. April 1821 legte er seinen Bürgereid ab und 
hatte seine Werkstatt Stadt Nr. 369. Im Jahre. 1835 
wohnte er »Seitzergasse gegenüber dem Kriegsgebäude «, 
später »am Graben nahe der Apotheke, im zweiten 
Hofe«. Er gehörte zu jenen Meistern, die ihre Kunst 
unablässig studieren. Zu diesem Zwecke brachte er 
eine schöne Sammlung alter Geigen zusammen, dar- 
unter war auch eine Viola von Duiffopruggar, die Kiese- 
wetter im Jahre 1842 gesehen und für zweifellos echt 
gehalten hat. In der Nachahmung der italienischen 
Vorbilder war Fischer nicht sehr glücklich, obwohl er 
sehr geschickt war und gutes Holz verwendete, dagegen 
gelang es ihm leicht, die Geigen William Forsters 
trefflich nachzuahmen. Eine Violine von ihm aus dem 
Jahre 1825 und eine Viola von 1842 besitzt das Schotten- 
stift in Wien. 

Geigenzettel ; Abb. 207. 



Fischer, Christian. — Hamburg. 1797 

Er wird als Instrumentenmacher bezeichnet und wurde 
am 8. September 1 797 Bürger. 

Fischer, Georg. — Wien. 1857 

Vielleicht ein Sohn von Anton F. Er scheint verhältnis- 
mäßig jung gestorben zu sein und gehörte der Wiener 
Geigenmacherzunft nicht an. Ich kenne nur einen Re- 
paraturzettel von ihm. 

Fischer, Gottfried. — Wien, f um 1888 

Sohn von Anton F., den er jedoch in keiner Weise er- 
reichte. Er wohnte vor Gutermann in Mariahilf, Haupt- 
straße Nr. 68 und verlegte seine Werkstatt im Jahre 1 868 
in die untere Bräunerstraße, 1882 gab er sein Geschäft 
auf und übernahm in Hietzing bei Wien eine Spezerei- 
warenhandlung, die bald zugrunde ging. Er starb dann 
im Versorgungshaus. Er hat nicht viele neue Geigen 

gebaut, die seine Brandmarke G. F. am Halsplättchen 
tragenden Violinen dürften zumeist Arbeiten geschick- 
ter Gehilfen gewesen sein. 

Geigenzettel: Gottfried Fischer / Wien / Mariahilfer 
Hauptstraße No 68 (lith.). Brandmarke Nr. 27. 

Fischer, Johann Georg. — Jena. S. Vischer 

Fischer, Joh. Sim. s. Vischer 

Fischer, Johann Ulrich. — Landshut. Mün- 
chen. 1720. 1728 

Tüchtiger deutscher Meister, der u. a. als einer der 
letzten noch häufig Nonnengeigen gebaut hat. Seine 
Violen und Gamben sind von vortrefflicher Arbeit, 
auch seine Violinen sind zu loben. Um 1728 siedelte 
er, wenn der Zettel einer Marinetrompete echt ist, nach 
München über, doch läßt sich diese Tatsache urkund- 
lich nicht belegen. Zwei Nonnengeigen von 1720 be- 
finden sich in der Sammlung des Historischen Kreis- 
vereins in Landshut i. B., eine solche von 1722 besitzt 
die Sammlung der Gesellschaft der Musikfreunde in 
Wien, eine ebensolche von 1728 und eine Violine mit 
Löwenköpfchen W. Heyers musikhistorisches Museum 
in Köln. 

Geigenzettel: J. Fischer / Landshut 1722 (gedruckt). 
— Joham Vlnch Fischer laud Vnd gaigmachr / in 
landshuet 1726 (geschrieben). 

Fischer, Joseph. — Regensburg. Geb. 1769, 
t 22. Juni 1834 

Er soll aus dem AUgäu stammen und war vermutlich 
ein Schüler von J. Anton Gedler in Füssen. Er kam 
1 790 von Wien nach Regensburg, wo er als Nachfolger 
von Koßler und Widhalm betrachtet werden kann. Er 
war ein hervorragender Meister und baute nach italieni- 
schen'* Modellen, hauptsächlich nach Stradivan, und 
besaß einen wundervollen, gelbbraunen Ollack. Er 
kopierte seine Vorbilder so vorzüglich, daß jetzt viele 
seiner Instrumente als echt italienische verkauft wer- 
den, außerdem war er ein vom In- und Auslande gleich 
stark in Anspruch genommener Reparateur. Er war der 



Fischer — Flägel 



141 



Lehrer der Brüder Engleder, seiner Neffen und von 
P. Schulz. Auf vielen seiner Zettel befindet sich in der 
Mitte ein Doppeladler mit Krone. 

Geigenzettel : Josef Fischer fecit a Ratis- / bona 1 792 
(gedruckt). — Joseph Fischer, / Lauten und Geigen- 
macher / in Regensburg Anno 1826 (gedruckt). 

Fischer, Joseph. — Znaim. 1862. 1865 

Vielleicht der Sohn von Andreas F. Wenig bekannter 

Geigenmacher, der wohl hauptsächlich Flickarbeiten 

ausführte. 

Geigenzettel : Josef Fischer / Instrumentenmacher / in / 

Zna~im / Nr. 132. 1862 (gedruckt, lith.). 

Fischer, Karl. — Bremen. 191 1 

Seine Violinen tragen seinen Namen als Brandmarke. 

Fischer, Philipp Jakob. — Würzburg. 1715 

Er soll ein Bruder des Landshuter Meisters Johann 
Ulr. F. gewesen und ursprünglich auch in Landshut 
ansässig gewesen sein. Bei de Piccolellis wird er nur als 
in Landshut ansässig erwähnt. Vermutlich war er der 
Vater des berühmteren Zachanas F. 
Geigenzettel: Philipp Jacob Fischer, Lauten- / und 
Geigenmacher in Wirz- / bürg. Fecit 1715 (gedruckt). 

Fischer, Zacharias. — Würzburg. Geb. 5. Nov. 

1730, t 27. Nov. 1812 

Er gehört zu den Geigenmachern, die, wenn auch eine 
Zeitlang überschätzt, doch durch ihre Arbeit den guten 
Ruf, den sie besessen, auch heute noch bis zu einem 
gewissen Grade rechtfertigen. Am besten sind seine 
Geigen aus den Jahren 1770 — 1780, deren Ton, wenn 
auch nicht so edel wie der der von ihm nachgeahmten 
Amatischule, immerhin recht voll und kräftig ist. Er 
studierte seine Vorbilder unablässig und kam ihnen in 
der Sauberkeit der Arbeit sehr nahe, leider aber geriet 
er schließlich auf Abwege. Im Jahre 1786 machte er 
bekannt, daß er ein Verfahren erfunden habe, welches 
es ihm ermögliche, seine neuen Geigen denen des 
Stradivari und Stainer gleichwertig zu machen. Dieses 
Verfahren bestand jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach 
nur darin, das Holz im Ofen auszutrocknen, d. h. zu 
backen, weshalb es begreiflich erscheint, daß die 
Geigen aus seinen späteren Lebensjahren jetzt meist 
verdorben sind. Er gebrauchte verschiedene Zettel und 
machte auch Lauten und Gitarren usw. Wie viele an- 
dere, die um die Jahrhundertwende gelebt haben, be- 
nutzte auch er im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts 
noch die Zettel, auf denen 17 . . für die Jahreszahl vor- 
gedruckt war. Er schrieb einfach über die 7 eine 8 usw. 
Auf der Abbildung seines Zettels hat die Photographie 
die gedruckte Zahl 17 scharf, die darüber geschriebene 
8 aber so undeutlich wiedergegeben, daß man, wenn 
man nicht genau prüft, leicht 1708 statt 1808 lesen 
könnte, was sich aber schon dadurch verbietet, daß 
Z. Fischer erst 1730 geboren wurde. — Er war 1755 
schon Hofgeigenmacher und erwarb am 20. Dezember 
1787 das Bürgerrecht in Würzburg in der (jetzigen) 
Hörleingasse Nr. 8 (früher : IV. 78), wo er auch starb. 
Eine Violine von Ihm mit der Nr. 37 vom Jahre 1 799 



besitzt Carl Stoeber in Würzburg. Eine siebenchörige 
Laute von ihm aus dem Jahre 1755 befindet sich in 
W. Heyers musikhistorischem Museum in Köln. 

Geigenzettel : Abb. 208. 

Fischesser-Chollet, Leon. — Genf, Staufen i. B. 
Paris. Geb. 12. Okt. 1861 in Saint-Cloud 

(Frankreich) 

Er ließ sich 1 885 In Genf nieder, wo er Rue Leger Nr. 6 
wohnte. 1888 hieß seine Firma Reymond & Fischesser 
freres. 1900 verzog er nach Staufen In Baden. Um 1904 
war er auch in Mülhausen Im Elsaß tätig. Um 1905 
siedelte er nach Paris über, wo er Faubourg Polssoniere 
seine Werkstatt aufschlug. Für seine neuen Geigen er- 
hielt er In Genf eine silberne Medaille. Sein beson- 
deres Interesse wandte er der Erforschung des Cre- 
moneser Gelgenlacks zu. 

Fiscier, Tobia. — Siena. 1710 

Wahrscheinlich deutscher Abstammung, vielleicht Va- 
ter der Brüder FIscer In Malland. Eine theorblerte 
Laute von ihm befindet sich In W. Heyers rnusik- 
hlstorlschem Museum in Köln (Nr. 502). 

Fisty s. Sisty 

Fitsche, Johann. — Linz a. D. Geb. 1 81 9, j in 

Linz 30. Aug. 1893 

Er hatte Im Hause Landstraße Nr. 23, auch Nr. 34 und 
17 seine Werkstatt und war ein alter Junggeselle mit 
allerlei Schrullen und Eigentümlichkeiten. Er fertigte 
viele billige Geigen an, mit denen er seinen Lebens- 
unterhalt verdienen mußte, aber er war ein sorgsamer 
Reparateur und hat auch einige sehr gute Instrumente 
gebaut, mit denen er beweisen wollte, was er konnte. 

Fitter s. Fiscer 

Fivaz, C. F. — London. 1899 

Er wohnte als Gelgenmacher und Reparateur bis 1 899 
Essex rd. Islington Green N und Ist später ohne Hinter- 
lassung der Adresse verzogen. 

Flac, Philipp. — Lyon. Geb. um 1533. 1572 
Wahrscheinlich ein Deutscher; er gehörte zur refor- 
mierten Gemeinde in Lyon und wird als Lautenmacher 
bezeichnet. 

Flägel, Johann Joachim. — Lübeck. Geb. 
1 1. März 1845 zu Hornstorf, f 3. Jan. 1918 

in Lübeck 

Schüler des Instrumentenmachers Adler, mit dtni er 
zuerst gemeinschaftlich sein Geschäft hatte. Tüchtiger 
Blechblaslnstrumentenmacher imd Orgelbauer, der 
auch Geigen reparierte. 

Flägel, Heinr. Herrn. Ludw. Jul. Rud. — 
Lübeck. Geb. 17. Juli 1871 zu Lübeck 
Sohn, Schüler und Nachfolger seines Vaters J. J. Flägel. 



142 



Flambeau — Flc 



Flambeau, Joseph. — Mirecourt. 1740 

Er war vielleicht der Vater und Lehrer des 1 776 bis 
1789 vorkommenden Charles Flambeau. Arbeiten von 
ihnen kennt man nicht. 

Flambeau (Flambau), Pierre. — Paris. 1816 
Wahrscheinlich aus Mirecourt stammender, unbedeu- 
tender Geigenmacher. Er nannte sich einen Schüler 
Kolikers, bei dem er wohl als Geselle gearbeitet hatte, 
und verwendete außer seinem geschriebenen Zettel 
auch eine Brandmarke mit semem Namen. 

Fiather, 0. P. 

Wohnt als Geigenmacher m Boston. 

Flechter, Victor S., war um 1894 m Neuyork 

ansässig 
Fleischer, Carl Conrad. — Hamburg. \ vor 

1738 

Jüngerer Sohn von Hans Christ. F. 
Fleischer, Hans Christoph. — Hamburg. 1 672. 

1688 

Vermutlich der Schwager Joach. Tielkes, der eine 
Fleischer geheiratet hat. Er erwarb am 12. Apnl 1672 
das Hamburger Bürgerrecht und kommt 1688 noch vor. 
Als Beweis seiner Tüchtigkeit kann man die Tatsache 
betrachten, daß ein so feiner Kenner, wie Seihof, einen 
Kontrabaß von ihm besaß, der 1 759 im Haag versteigert 
wurde. Er hat übrigens auch Tasteninstrumente gebaut 

Fleischer, Johann Christoph. — Hamburg. 
Geb. um 1675, t nach 1732 

Älterer Sohn und wohl auch Schüler von Hans Christ. 
Fl. Er wurde am 13. Juni 1705 Hamburger Bürger und 
verstand es, den Ruf, den sein Vater bereits besaß, noch 
zu erhöhen, so daß der Name Fleischer neben Tielke 
In der Geschichte des deutschen Instrumentenbaus stets 
hervorgehoben werden muß. Er hatte nebst seinem 
Bruder 1708 schwere Kämpfe mit der Tischlerzunft 
auszufechten, die seine Arbeit als einen Eingriff in ihre 
Rechte betrachtete. Seine Lauten und Violen sind von 
schöner Arbelt, er hat jedoch wie sein Vater auch 
Tasteninstrumente gebaut und erfand u.a. 1718 ein 
»Lautenclavecin« und einen »Theorbenflügel«. 

Fleming, Georg. — Danzig. 1650 

Eine Laute (Nr. 5517) im Schlesischen Museum für 
Kunstgewerbe und Altertum in Breslau trägt den ge- 
schriebenen Zettel : »Georg Fleming In Dantzig .^nno 

1650«. 

Fleming, James M. — London. 1902 

Verfasser einiger verdienstvoller Werke zur Geigen- 
geschichte und bewährter Geigenkenner. Er erfand eine 
neue Geige, die statt des hölzernen Resonanzbodens 
einen ziemlich großen Aluminiumschalltrichter besitzt, 
in den durch ein Membran die durch die Saiten- 
schwingungen hervorgerufenen Töne übergeleitet und 
zu Gehör gebracht werden. Die Klangfarbe des neuen 
Instruments soll recht eigenartig sein. 



Fleming, John. — Saltcoats. 1895 

Seine Geigen, die nach Stradivari gebaut und mit 01- 
lack überzogen sind, tragen keine Zettel, sondern nur 
einen Brandstempel mit seinem Namen. 

Flette, Benoist. — Paris. 1745. 1763 

Er war geschworner Meister der Pariser Lautenmacher- 
zunft für 1763. Geigen von ihm sind wenig bekannt 
und unbedeutend, nur seine Lauten und Gitarren wer- 
den gelobt. Sein Name wird von einigen Hette gelesen. 

Fleuri (Fleury), Jean Frangois. — Paris. 1 783 
1785 

Weder über sein Leben noch über seine Arbeit ist et- 
was Besonderes zu sagen. Er gehört zu den Meistern 
dritten Ranges und wird nur selten erwähnt. Er darf 
mit Benoit Fl. nicht verwechselt werden. 

Fleurot. — Val d'Ajol. 1 8. bis 1 9. Jahrhundert 

Bisher sind nur Scheitholte von ihm bekannt geworden. 
Fleurot v/ar vielleicht einer der letzten Lautenmacher, 
die dieses in den Vogesen beliebte zitherartige In- 
strument, das schon Praetorius (1618) verächtlich ein 
"Lumpeninstrument« nannte, in größerer Anzahl ge- 
baut hat. Scheitholtartige Epinettes, oder genauer 
»Epinettes de Vosges« von ihm besitzen das Museum 
des Konservatoriums in Brüssel, die Berliner staatl. 
Sammlung und das Musikhistorische Museum von 
W. Heyer in Köln (Nr. 412). 

Fleury, Benoit. — Paris. 1751. 1791 

Ein geschickter Lauten- und Geigenmacher, der bei 
seinen Genossen sehr angesehen war und zum ge- 
schwornen Meister für das Jahr 1755 gewählt wurde. 
Er wohnte, und zwar noch 1789, im Faubourg Saint 
Germain, rue des Boucheries. Eine Baßviola von 1755 
von ihm besitzt das Museum des Pariser Konservato- 
riums. Das älteste bisher von ihm bekannte echte In- 
strument ist ein Alto von 1751 ; es ist daher sicher ein 
Irrtum, wenn ihn Hart schon in das Jahr 1718 setzt. 
Er war ein geschickter Reparateur und auch seine Sack- 
pfeifen (ein Modeinstrument jener Tage) und Leiern 
waren berühmt. Eine Diskantviola (von 1 764) befindet 
sich in der Sammlung Galpin (Hatfield). 
Geigenzettel: .'\bb. 219. 

Flodström, L. E. — Stockholm. 1897 

Ein Dilettant, der 1897 in Stockholm recht brav ge- 
arbeitete Geigen ausgestellt hat. 

Floreno, Fiorenzo. — Bologna. 18. Jahrh. 

In der Art des Guidante, mit dem er oft verwechselt 
wird. Vidal liest »Florinus«. (Vgl. auch das bei Giovanni 
Floreno Gesagte.) Auch ein Antonio Fl. soll zur glei- 
chen Zeit vorkommen. 

Gelgenzettel: Florentus Florenus / fecit Bononiae, an. 
17 . . (gedruckt). 

Floreno, Giovanni Guidante. — Bologna. 1685. 

1730 

Über diese Familie herrscht viel Unklarheit, die da- 
durch noch vermehrt wird, daß schon in alten Zeiten 
die Zettel vielfach gefälscht, Ihr Wortlaut miteinander 



Floreno — Fluvaiil 



143 



vermengt oder umgestellt wurde. Da auch die Geigen 
häufig gut nachgeahmt sind, ist es oft schwer, die echten 
von den unechten zu unterscheiden. Die besten Kenner 
haben sich jetzt dahin geeinigt, einen Vater und einen 
Sohn des Familiennamens Floreno Guidante anzuneh- 
men, andere halten dagegen das Wort Guidante für den 
Familiennamen, wozu die Zettel in der Tat auch ver- 
führen. Die Entscheidung könnte, abgesehen von der 
archivalischen Forschung, nur getroffen werden, wenn 
man möglichst viele zweifellos echte Arbeiten gleich- 
zeitig miteinander zu vergleichen in der Lage wäre. 
Die Geigen, die dem Vater zuzuschreiben wären, ver- 
raten die Schule Amatis, die Arbeit ist manchmal un- 
genau, die Hohlkehle des Bodens ist tiefer als die der 
Decke, die F-Löcher sind nicht schwungvoll, die 
Schnecke plump, der bernsteinfarbige Lack und der 
Ton aber immer gut. Wenn man nicht annehmen will, 
daß er ein Alter von etwa 90 Jahren erreicht hat und 
Geigen mit seinem Namen und der Jahreszahl 1750 
usw. für echt hält, so muß er außer seinem Sohne 
Guidante noch einen gleichnamigen Nachkommen 
gehabt haben ; von diesem würde die Geige im musik- 
historischen Museum von W. Heyer in Köln her- 
stammen. Auch nach rückwärts findet man unmög- 
liche Jahreszahlen angegeben, so wurde 1898 in Köln 
eine Baßlaute mit dem Zettel: »Joannes Florenus 1590 
in Cremona* versteigert. Arbeiten von ihm finden sich 
in verschiedenen Sammlungen. Eine Laute in der 
Sammlung C. Claudius in Kopenhagen vermehrt durch 
ihre Inschrift noch die Rätsel, denn sie lautet »Joannes 
Florenus Guarneri fecit in Cremona 1590«. Eine sehr 
gute Violine mit seinem Zettel und der Jahreszahl 
1757 (!) besitzt Dr. med. A. Kubicki jun. in Olmütz. 

Geigenzettel: Abb. 231. 

Floreno, Guidante. — Bologna. 1710. 1740 

Wenn das Wort Guidante ein Vorname sein kann und 
nicht etwa mit »unter der Leitung« übersetzt werden 
muß^), dann sind die Geigen, auf deren Zetteln der 
Taufname Joannes fehlt, als Arbeiten des Sohnes von 
Giovanni Fl. anzusehen. Dieser jüngere Floreno müßte 
ein fleißiger Meister gewesen sein, da ihm Geigen aller 
Art und Lauten zugeschrieben werden. Nach diesen 
hatte er sein eigenes, oft großes Modell, das an deutsche 
Vorbilder erinnert, aber flache Wölbung, scharf hervor- 
stehende Ecken, schräge stehende )(, wodurch die un- 
tere Hälfte des Geigenkörpers ungewöhnlich breit wird, 
und oft sehr breite, am Boden, der meist aus einem 
Stück ist, schmälere Einlage. Trefflicher, dick auf- 
getragener Lack von großer Feinheit und leuchtender 
Farbe (meist rotbraun auf gelbem Grund). Eine Baß- 
geige (oder Violoncello) von 1711 befand sich in der 
Selhofschen Sammlung. Ein Viola d' amore von 1730 
befindet si:h in der Sammlung Savoye in Paris. 
Geigenzettel : Guldante Florenus / fecit Bononiae 17.. 
(gedruckt, Pergament). — Florlnus Guidantus Fecit / 
Bononiae Anno 1710 (gedruckt). 

Florentin, N. — ? Anfang des 19. Jahrh. 

Eine gute Violine von flachem Modell und Orangelack 
trug diesen Namen ohne Ort und Datum. C. C. Snoeck 



^) Vgl. guidare un negozio = ein Geschäft leiten. 



besaß eine Violine nach Chanots Modell mit der Brand- 
marke M. Florentin. Eine gleiche befindet sich bei 
C. Claudius in Kopenhagen, eine dritte besitzt Leon 
Pagnier in Haag. Diese ist von großem Patron mit be- 
sonders breitem Unterteil. Sie trägt eine Brandmarke, 
die der des D. Nicolas aine in Mirecourt nachgeahmt 
erscheint, wie er auch den gleichen Werkstattnamen 
»ä la ville de Cremone« geführt hat. Der Lack ist sehr 
dünn aufgetragen, so daß die Geige nur gebeizt er- 
scheint. Sie klingt trotzdem recht gut und spricht sehr 
leicht an. 

Brandmarke : A la ville de Cremone N Florentin (drei- 
eckig angeordnet, in der Mitte in einem Kreis N F). 

Florianl (Fioriani), Pletro. — Riva. Geb. in 
Albola bei Riva am Gardasee, getauft am 
3. Juni 1787, t 17. Januar 1870 

Sohn des Müllers Francesco Ant. F. Ein vielseitiger, 
erfindungsreicher Mann, der ursprünglich das Tischler- 
handwerk erlernt hatte und schließlich Mechaniker ge- 
worden war. Im Jahre 1829 konstruierte er das erste 
mechanisch bewegte Schiff auf dem Gardasee, dann 
für die Hauptkirche von Riva eine großartige Be- 
leuchtungsmaschinerie als Aufbau über dem Hoch- 
altar. Da er als Kind sehr schwach auf den Füßen war 
und auf allen Vieren kroch, bekam er den Spitznamen 
»Pero Gatt«, der ihm zeitlebens blieb. Seine Liebe zur 
Musik brachte ihn dazu, fi;h auch als Geigenmacher zu 
versuchen und der Erfolg, den er damit erzielte, ver- 
anlaßte ihn jedenfalls, verschiedene Instrumente zu 
bauen. Man sieht diesen freilich an, daß er kein ge- 
lernter Geigenmacher war; er war sorglos in der Arbeit 
und hatte auch keinen guten Lack, denn sein Haupt- 
streben war es, einen guten Ton zu erzielen, was ihm 
in einigen Fällen auch gut gelang. Rittmeister Picht 
in Ulm, dem ich die näheren Angaben über Fioriani 
verdanke, besitzt eine Violine und eine Viola von ihm, 
in anderem Besitz befinden sich noch zwei Violoncelli, 
drei Geigen und eine Viola. — Einen Aufsatz über 
Fl. brachte die Trentiner »Libertä« 1921 Nr. 186. 

Geigenzettel: Pietro Fioriani fecce, a , Riva di Trento 
1858 (gedruckt). 

Floßmann, Georg. — Tölz. Geb. am 4. Dez. 
1 843 in Oberneuching bei Erdmg 

Schüler von Georg Tiefenbrunner in München von 
1858 — 1865, arbeitete dann bei J. Hornsteiner in Passau 
und bei Georg Heidegger in Passau, dann wieder bei 
Tiefenbrunner und eröffnete am 17. Mai 1875 sein 
eigenes Geschäft in Tölz. Außer Streichinstrumenten, 
die er nach Amati, Stradivari und Guarneri baut und 
mit Spiritus- und Öllack versieht, baut er auch Man- 
dolinen, Gitarren und hauptsächlich Zithern, an welch 
letzteren er mehrere Verbesserungen angebracht hat. 
Er besitzt Preise und Medaillen der Nürnberger .Aus- 
stellung von 1882 und der Kölner von 1889 usw. 

Geigenzettel : Abb. 224. 

Fluvam, Edouard. — ? 

Guter französischer Geigenmacher der Gegenwart. 



144 



Foetisch — Forster 



Poetisch, Edouard. — Lausanne. Geb. 2. Juni 

1869 in Lausanne 

Schüler von R. Hammig in Markneukirchen und 
P. Möckel in Berlin. Fünf Jahre lang arbeitete er in 
Leipzig, Dresden, Frankfurt, Stuttgart, Wien und 
Mirecourt und machte sich 1890 selbständig. Er baut 
nach Stradivari, indem er sowohl einzelne Geigen ge- 
treu imitiert, als nach den bekannten Modellen arbeitet. 
Er ist Teilhaber der Musikinstrumentenfirma Foetisch 
freres, die in Vevey eine Filiale besitzt, für die be- 
sonders Penzel tätig ist. 

Geigenzettel: Edouard Foetisch, Luthier / ä Lausanne 
An . . . . No . . . (gedruckt). 



Forcheville, Jean-Baptiste. — St. Omer (Frank- 
reich). 1673 

Bisher nur durch eine Pochette, die sich in der Samm- 
lung Snoeck (443) befand, bekannt geworden; diese 
aber läßt den Schluß zu, daß er in seinem Fache recht 
tüchtig war. Leider war es mir nicht möglich, in den 
Archivalien in St. Omer etwas über ihn zu finden. 
Geigenzettel: Fait ä St. Omer par / J. B'«. Forcheville 
1673 (gedruckt). 



Foinant, Claude und Leopold. 

1765 

Wahrscheinlich Brüder. Arbeiten von ihnen kennt man 
bis jetzt nicht. 

Foltin. — Gleiwitz. 1910 

Fonclauze, Joseph (gen. »le Mayeux«). — Paris. 

Geb. in Luxeuil (Franche-Comte) 1800, 

t Paris-Montmartre 1 864 

Einer der besten französischen Bogenmacher, der, 
nachdem er bei D. Peccatte in Mirecourt ausgebildet 
worden war, 1820 nach Paris ging und zuerst bei 
Fr. Lupot, dann bei Fr. Tourte und schließlich zehn 
Jahre lang bei J. B. Vuillaume arbeitete. Gegen 1840 
machte er sich in der Rue Pagevin selbständig und zog 
dann in seinen letzten Jahren auf den Montmartre. 
Die meisten seiner Bögen tragen seinen Namen als 
Brandmarke. 

Fontana, Giovanni. — Ferrara. 1568 

Ein Instrumentenmacher, den Valdrighi (4164) er- 
wähnt. 

Fontanelli, Giovanni Giuseppe. — Bologna. 

1733. 1773 

Hauptsächlich als Lautenmacher berühmt. Zwei Man- 
dolinen von ihm besitzt das Museum des Pariser Kon- 
servatoriums. Eine prächtige, reich mit Schildpatt, 
Ebenholz und Elfenbein eingelegte Laute befindet sich 
in der Sammlung Gautier in Nizza. 
Geigenzettel: Giov. Giuseppe Fontanelli / fece in Bo- 
logna, l'anno 1733 — 3 X^'^ (gedruckt). — Giovanni 
Giuseppe Fontanelli / Bolognese f. an. 1772 (gedruckt). 

Fontaubert, lebt als »Luthier« in Angouleme 
Fonvielle, Jean de. — ■ Mirecourt. 1605 

Einer der ältesten von A. Jacquot ermittelten Geigen- 
macher Mirecourts. 

Foradori, Giovanni. — Verona, Bologna. 1 855. 

1860 

Ein Feintischler, der sehr schön eingelegte Schränke 
und Tische verfertigte. Er verlegte sich nebenbei auch 
auf das Geigenmachen, wobei ihm zwar seine Hand- 
fertigkeit sehr zustatten kam, doch jedes Verständnis 
für das eigentliche Wesen des Geigenbaus abging. 



Ford, Jacob. — London. 1780. 1790 

Wie die meisten seiner Zeitgenossen in England nahm 
er sich Stainer zum Vorbild. Er war nicht ungeschickt 
Mirecourt. 'J"'^ verwendete einen guten OUack. 



Fornarone, il. — Bologna 

Ein bolognesischer Instrumentenmacher, dessen Name 
und Zeit nicht feststeht, dem Namen nach vielleicht 
der Sohn eines Bäckers. Valdrighi nennt ihn ohne 
nähere Angaben unter Nr. 3757. 

Forni, Stefano. — Pesaro. 1666 

Seine Geigen glichen in ihrem Aussehen den Werken 
der Brescianer, sind jedoch weder in bezug auf Arbeit, 
Holz und Lack, noch auf den Ton hervorragend. 
Geigenzettel: Stefano Forni Fece/ In Pesaro. L'anno 
1 666 (gedruckt). 

Forno, Chrlstoforo del. — Rom. 1608 

Ein Lautenmacher aus der via dei Liutari, der wohl 
eine größere Werkstatt besaß. Er wird in der Klage- 
sache des vlämischen Lautenmachers Giovanni di En- 
rico als »Maestro« und Besitzer einer »Bottega'< in der 
via dei Leutari erwähnt. 

Forster (Foster, auch Forrester), John. — 
Brampton (Cumberland). Geb. um 1688 zu 
Klrkandrews, f Okt. 1781 in Brampton 

Der Stammvater der berühmten Geigenmacherfamilie 
seines Namens. Er war eigentlich Spinnrad- und 
Büchsenmacher, aber in vielen Künsten beschlagen, 
und machte gelegentlich auch Geigen. Ein ihm zuge- 
schriebenes Instrument ist sehr oberflächlich durch- 
geführt, hoch gewölbt und folgt einem Modell, das 
etwa in der Mitte zwischen dem des Stainer und dem 
der Amatischule liegt. 

Forster, Simon Andrew. — London. Geb. 
13. Mal 1781, t 2. Febr. 1870 

Sohn von William III F. Erst Schüler seines Vaters 
und dann von Samuel Gilkes, der als Gehilfe bei seinem 
Vater arbeitete. Er kam seinem Vater und Großvater 
zwar nicht gleich, war aber ein feiner Kenner und ist 
namentlich bekannt durch seine Mitarbeiterschaft an 
dem Buche »The history of the Violin by Sandys and 
S. A. Forster« (1864). 

Geigenzettel: (in billigen Geigen:) Forster, No . . . (ge- 
druckt). — S. A. Forster / Violin, Tenor and Violon- 
cello / Maker / No . . London (gedruckt). 



Forster — Fran^ais 



145 



Forster, William I. — Brampton. 
1713, t 4. März 1801 



Sohn von John F. Er nennt sich auf seinen Zetteln 
zwar ausdrücklich Geigenmacher, war aber gleich 
seinem Vater eigentlich Spmnraddrechsler und hat auch 
als Spielmann sein Brot verdient. Seine Geigen sind 
roh gearbeitet und haben schlechten Spirituslack, 
klingen aber meist gut. 

Geigenzettel: William Forster / Violin Maker / in 
Brampton (gedruckt). 

Forster, William II. (»Old Forster«). — Lon- 
don. Geb. 1739 in Brampton, f H.Dez. 
1808 m London 

Sohn von William I F., dessen Schüler er sowohl als 
Büchsenmacher wie als Geigenmacher und Musiker 
war. Mit etwa 20 Jahren kam er nach London und 
arbeitete zunächst gelegentlich für Händler, bis er sich 
so viel erspart hatte, um seine eigene Werkstatt zu er- 
öffnen. Er ist ein vorzüglicher Meister gewesen und 
unstreitig der bedeutendste aus seiner Familie. Er ahmte 
von 1762— 1772 Stainer und dann die Amati nach und 
besaß einen trefflichen Lack; wenn er auch den edlen 
Ton seiner Vorbilder nicht erreichte, so übertraf er sie 
doch sehr oft in der Klangfülle. Die englischen Samm- 
ler und Musiker achten seine Arbeit der Stamerschen 
gleich, und namentlich seine Violen und Violoncelli 
erreichen hohe Preise. — Es gibt auch einige sehr gute 
Bässe von ihm, die er mit Vorliebe violoncelloförmig 
baute. Sein noch erhaltenes Tagebuch ist ein wertvolles 
Dokument zur Geschichte des Geigenbaus. Eine von 
ihm im Jahre 1800 gebaute Violine besitzen W. E. Hill 
& Sons. 

Geigenzettel: William Forster, / Violin Maker / in 
St. Martin 's Lane London / 1779. (gedruckt). 

Forster, William III. (*>young Forster«). — 
London. Geb. 7. Jan. 1764, f 24. Juli 1824 

Sohn und Schüler von William 11 F. Er kam in Arbeit 
und Lack seinem Vater sehr nahe und stand in hohem 
Ansehen. Er heiratete im Jahre 1786 und hatte zwei 
Söhne, die beide Geigenmacher wurden. 

Geigenzettel: William Forster Junr / Violin, Violon- 
cello, Tenor &Bow-Maker/ 1809 also music No 43 / 
to their Royal Highness the / Prince of Wales and the 
Duke of Cumberland (gedruckt). 

Forster, William IV. — London. Geb. 14. Dez. 
1788 in London, f 8. Okt. 1824 in Chelten- 

ham 

Altester Sohn von William III F. Schüler seines Vaters 
und seines Großvaters. Er war hauptsächlich Repara- 
teur, arbeitete einige Zeit bei Th. Kennedy und hat 
höchstens 12 — 15 neue Instrumente gebaut, von denen 
nur zwei oder drei Violinen und ein Violoncello als gute 
Arbeiten gelten können. Es kommen übrigens nicht 
selten gewöhnliche Fabriksgeigen vor, in die er seinen 
Zettel geklebt hat. 

V. Lütgfendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Geb. um Forstner. — Geigenmacherfamilie in Schön- 
bach b. E. : 
Forstner, Johann, ist als Halsschnitzer tätig 
Forstner, Martin, ebenso 
Forstner, Vincenz, war Geigenmacher und als 

solcher schon 1826 in der Innung 
Fortier. — Rouen. 1708 

Ein »Luthier«, von dem nur der Name dadurch be- 
kannt wurde, daß er von der Zunft verklagt wurde, er 
arbeite ohne Meisterbrief. 

Foucher, Teilhaber der 1866 gegründeten 
Geigenmacherfirma Haynes, Foucher & Co. 
in London 

Fouquet s. Lecomte 

Fourier, G. — 1893 

Vermutlich ein Mirecourter, vielleicht nur ein Händler. 

Geigenzettel : Lutherie artistique / G. Fourier 1893 (ge- 
druckt). 

Fourneau. — Paris. Um 1780 

Wenig bekannter Geigenmacher, der zwar ganz brav 
zu arbeiten verstand, aber einen schlechten Lack ver- 
wendete. 

Fourner s. Nicolas 

Geigenzettel: Abb. 228, 229. 

Fox, Joseph. — Leeds. 1855. 1862 

Ein Maschinenbauer, der aus Liebhaberei Geigen 
machte und — ■ abgesehen vom Lackieren — seine 
Geigen so gut zu machen verstand, wie irgendein zunft- 
gemäßer Geigenmacher. 

Fracei, Pietro. — Pescia. 1816 

Wenig bekannter Italiener, der nicht allzu sorgfältig 
arbeitete, dessen Geigen aber immerhin wertvoll sind. 
Er bevorzugte ein schmales, an Jos. Guarnerius er- 
innerndes Modell und machte breite Einlagen und zier- 
liche Schnecken. Besonders schön ist sein goldorange- 
gelber Lack. Gottfr. Glaser in Wiesbaden besitzt eine 
Violine von ihm mit einem ausgesucht hübschen klein- 
geflammten Boden. 

Fraiser, Giorgio. — Cremona. Geb. 1648. 1666 

Wahrscheinlich ein Tiroler, der 1666 in der Werkstatt 
N. Amatis arbeitete. 

Fran^ais, Henri. — Paris. Geb. in Mirecourt 
26. Nov. 1861 

Schüler von A. Darte, später kam er zu Lullier in 
Boulogne-sur-Mer und 1880 zu Gand & Bernardel. 
Er arbeitete 22 Jahre lang bei der gleichen Firma und 
wurde am 1. Juli 1901 mit Caressa zusammen Nach- 
folger von Gustave Bernardel. Er arbeitet nach Lupot 
in den Traditionen der Werkstatt, erhielt schon 1897 
in Brüssel eine goldene Mitarbeitermedaille und ist seit 
1911 Officier de l'instruction publique. 

10 



146 



Francdidier — Franke 



Francdidier, Fran^ols. — Mlrecourt. 1774. 

1787 

Nur von A. Jacquot erwähnter Geigenmacher. 

Franciolini, Leopoldo. — Florenz (?). 1780 

In einem sehr schadhaften, oft geflickten Baß, fand 
sich auch der (Rep.)-Zettel : »Leop. FrancioHni Fioren- 
tino ] 780« (geschrieben). Die Heimatsbezeichnung muß 
nicht auch den Wohnort andeuten. Name, Schrift und 
Jahreszahl erschienen, nebenbei bemerkt, sehr ver- 
dächtig. 

Franck, Gottfried Hinrich Anton. — Ham- 
burg. 1785 

Em Instrumentenmacher, der am 21. Januar 1785 
Bürger von Hamburg wurde. 

Franck, Johann Andreas. — Klingenthal. 1 740. 
1765 

Sein Name kommt seit 1 740 in den Innungsbüchern 
vor. Näheres über ihn weiß man jedoch nicht. 

Franck (?), Johann Michael. — Dresden. 1794 

Ein bisher nicht bekannter Dresdener Geigenmacher, 
von dem J. M. Tschenn in Leipzig eine gute, nach 
einem kleinen Amatimodell gebaute Violine besitzt. 
Die Arbeit ist sauber, der Lack gelbbräunlich. Der 
Name ist schwer leserlich (der Besitzer liest >>Framlr<'). 

Geigenzettel : Johann Michael Franck / Violinmacher 
Dreßden 1794 (geschrieben). 

Franck, Ludwig. — Lübeck. Geb. um 1700, 
t 9. April 1763 

Er erwarb am 16. Juni 1724 als Instrumentenmacher 
das Bürgerrecht und wurde 1725 Organist am Dom. 
1729 heiratete er Cath. Dorothea Raggen. Sein Sohn 
Ludewig starb schon 1752. Außer diesem besaß er nur 
eine Tochter; der Hamburger G. H. A. Franck war 
also nicht sein Sohn, wie man früher glaubte. Er hat 
Lauten und Harfen repariert, scheint jedoch fast aus- 
schließlich Klavier- und Orgelbau betneben zu haben. 
Eine Arbeit von ihm, ein Klavier von 1 756, besitzt das 
Museum in Lübeck. 

Franck. — Gent. 1800. 1830 

Ursprünglich Bildhauer, hat er sich erst später auf das 
Geigenmachen verlegt und war namentlich als Re- 
parateur gesucht. 

Geigenzettel : Raccommode par franck / rue De La 
Maison Dieu / paroise St. Sauveur N 5 / gand (ge- 
schrieben). 

Franco (Franchi), Stefano. — Florenz. 1686. 

1692 

Sohn des Caspar F. Ein Lautenmacher, der vermutlich 
Frank hieß. Eine kleine Oktavlaute (Pandurina) von 
ihm befindet sich in W. Heyers -Musikhistorischem 
Museum in Köln (Nr. 494). 



Fran^ois, Jean. — Mirecourt. 1755. 1758 

Gewöhnlicher Mirecourter Meister. Seine Violen ha- 
ben geschnitzte Wirbelkästen. Er bezeichnete seine 
Geigen gern als aus Paris stammend und verwendete 
eine Brandmarke mit seinem Namen. A. Jacquot konnte 
über ihn nichts in den Mirecourter Urkunden finden, 
dagegen fand er einen Frangois Frangois, der um 1774 
bis 1 787 lebte. 

Geigenzettel: Gian Fran9oit ä / Mircour au Lorraine / 
Fai en 1758 (gedruckt). 

Fran9ois, Maitre (»le luppetier«). — Mire- 
court. 1612 

Einer der ältesten überlieferten Namen eines Mire- 
courter Geigenmachers. Wahrscheinlich hat man es da 
nur mit dem Taufnamen zu tun. Es müßte demnach 
erst festgestellt werden, wie dieser Maitre Franfois 
wirklich hieß. 

Frank, Eduard, lebte im 19. Jahrhundert in 

Zwota 
Frank, Joseph. — Linz a. D. 1795 

Vielleicht ein Bruder von Meinrad Fr. Er dürfte jung 
gestorben sein oder nur selten Geigen gemacht haben. 
Obwohl er sich »bürgerlicher Geigenmacher« nennt, 
konnte ich ihn bisher in den Bürgerlisten nicht finden. 
Geigenzettel : Joseph Frank, bürgerlicher / Geigen- 
macher in Linz 1795 (gedruckt). 

Frank, Meinrad. — Linz a. D. Geb. um 1770. 
1832 

Wahrscheinlich Schüler und seit 16. Mai 1799 auch 
Nachfolger von Joh. Bapt. Havelka. Origineller, fleißi- 
ger Meister, von dem bessere Arbeiten noch häufig 
vorkommen. Er besaß ein eigentümliches Modell mit 
tief eingebogenen )( und hoher Wölbung. Die Schnecke 
ist dünn und eckig, der Lack gelbrot bis dunkelbraun, 
meist von wenig Glanz. Arbeit und Holz sind immer 
gut bei ihm. Bei Violen blieb er lange den alten Mo- 
dellen treu, die schlangenförmigen Schallöcher suchte 
er dagegen öfters zu ändern. Eine hübsche Viola 
d'amore aus dem Jahre 1801 von ihm besitzt das Mu- 
seum in Gothenburg. Er gebraucht eine Zeitlang die- 
selbe Vignette wie J. B. Havelka, in die er seinen Na- 
men mit Tinte schreibt. 

Geigenzettel: Abb. 210. 

Frank s. Grohmann 

Franke, Paul. — Nürnberg. Geb. 29. April 

1876 in Frankfurt a. 0. 

Nachdem er von 1890 — 1894 bei Otto Seifert den 
Geigenbau regelrecht erlernt hatte, arbeitete er 15 Jahre 
lang als Gehilfe und hat sich 1909 in Nürnberg 
selbständig gemacht. Er baut hauptsächlich nach einer 
vorzüglichen Stradivarigeige, die er in Berlin zu ko- 
pieren Gelegenheit hatte, urtd bevorzugt ein großes 
Format und eine flache Wölbung, die jedoch nicht 
gleich vom Rande aus ansteigt. Er verarbeitet schönes 
altes Holz, macht alle Teile eigenhändig und bereitet 



Frankland — Fredimaur 



147 



auch seinen rötlichgelben Öllack selbst. Seine Arbeit 
wird sehr gelobt. — Auch sein jüngerer Bruder ist 
Geigenmacher geworden und war sein Schüler. 
Geigenzettel: Paul Franke, Geigenbauer / Nürnberg, 
gefertigt 1910 (gedruckt). 

Frankland. — London. 1785 

Er wohnte Robin Hood Court, Shoe Lane und war 
meist für William Forster beschäftigt, ragte aber als 
Geigenmacher nicht hervor. 

Franz, Joachim. — Havelberg. Geb. 1748 

Im Havelberger Meldeamt ist über ihn nichts zu fin- 
den, doch soll um 1870 ein alter Mann namens Franz, 
der Instrumentenmacher gewesen ist, gestorben sem. 
Er wohnte zuletzt im Heinetterberg (Heinstterberg?). 
Seine Tochter war mit Stellmacher Kardetzki in Da- 
merow verheiratet^). Er hieß Johann Jochen Franz und 
muß wohl ein Sohn Joachim F.s gewesen sein. 

Franza, Glacomo. — Badla Polesme (Prov. 
Rovigo) 

Sein Zettel findet sich in einer unbeholfen gemach- 
ten Violine mit roh gearbeiteter Schnecke aus der 
Sammlung Pasini, jetzt im Besitz des Rittmeisters C. S. 
Picht in Ulm. 

Geigenzettel : Giacomo Franza / Fabricatore Da vlolini / 
in Badia polesine. 

Fratis (Pratls, Pradter), Stephan. — Prag. 1674' 
1695 

Der Name kommt in so verschiedener Form vor, daß 
ich unsicher bin, ob ich diesen Stephan für emen Ver- 
wandten von Leonhard Pradter oder von Georg Fra- 
tisch, der in Prag lebte und im Jahre 1752 zwei Wald- 
hörner für die Lorettokirche machte, halten soll. Vgl. 
Pradter. 

Frauendorf er s. Kurz und Frauendorf er 

Frazier, J., lebt in Bristol als Geigenmacher 

und Geigenlackfabrikant 

Frebinet, Claude. — Mirecourt. 1660 

Bis jetzt der älteste bekannt gewordene Geigenmacher 



Familii 



semer f amuie 



Mirecourt. Geb. 24. Fe- 



Frebmet, Georges 
bruar 1874 

Schüler seines Großvaters Deroux in Reims. Er ar- 
beitete bei Hei und bei Blanchard und entwickelte sich 
zu einem sehr tüchtigen Geigenmacher. 



Frebmet, Georges -Fran^ois. 
1759. 1760 

Nur dem Namen nach bekannt. 



Mirecourt. 



^) Nicht zu finden. 



Frebinet, Jean-Baptiste I. — Mirecourt. 1688 

Ihm gehört wahrscheinlich der abgebildete Zettel, der 
richtig Frebinnet gelesen werden muß, aber meistens 
irrig Frebrunet gelesen wurde. 

Geigenzettel : Abb. 222. 
Frebinet, Jean-Baptiste II. — Mirecourt. Geb. 
um 1718. t 1776 

Vielleicht ein Sohn von Jean Baptiste I. Er heiratete 
im Jahre 1743 und wird sich damals selbständig ge- 
macht haben. Seine Arbeit ist recht gut und mit der von 
Pierray zu vergleichen. Er verwandte einen guten, gelb- 
braunen Öllack. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 
1760 besitzt das Konservatorium in Paris. Im Selhof- 
schen Versteigerungsverzeichnis (Haag 1 739) wird eine 
Geige von J. B. Frebine mit der Jahreszahl 1751 an- 
geführt. Seine Zettel enthalten zumeist nur seinen 
Namen ohne Ort und Datum. Daß er auch in Paris 
gearbeitet haben soll, wird zwar behauptet, aber wahr- 
scheinlich hat er seine Vaterstadt nur in seinen Ge- 
sellenjahren verlassen. 

Fredi, Fabio, O^. — Todi, Rom. Geb. 1 845 in 
Todi, t 18. Januar 1894 in Rom 
Tüchtiger Geigenmacher und Musiker, der von 1875 
bis 1878 in Todi arbeitete und 1879 nach Rom über- 
gesiedelt ist. 

Fredi, O^. Rodolfo. — Rom. Geb. 18. Juni 
1861 in Todi (Perugia) 

Sohn und Schüler von Fabio Fr. Er eröffnete am 
1. Januar 1885 seine eigene Werkstatt in Rom und 
baute bisher nach 10 verschiedenen Modellen, kam 
aber zuletzt auf das Stradivarimodell zurück, das ihm 
jetzt zum Vorbild dient, ohne daß er dabei die Absicht 
hat, lediglich Kopien zu fertigen. Die für den Handel 
berechneten Geigen versieht er mit Spirituslack, die 
besseren dagegen mit Öllack. In der letzten Zeit be- 
schäftigt er sich jedoch mehr mit Orgeln und Klavieren 
usw. als mit Geigen. 

Geigenzettel: Rodolfo Fredi / fece in Roma anno 1901 
(gedruckt). 

Fredimaur, Joannes Baptista. — Florenz. 1740. 

1750 

Weder die Form des Namens noch die Herkunft dieses 
Meisters kann als sicher angesehen werden, selbst die 
Zeit, wann er gelebt hat, müßte erst festgestellt werden. 
Nach Gallay-Brunis Inventaire besaß die Marquise de 
Thuisy eine Violine von »Fredimaure* aus dem Jahre 
175. (?) (S. 175). Die Geigenhändler Lyon & Healy 
bieten eine Violine von J. B. FredrimauPr aus dem 
Jahre 1740 an, in Frankreich befindet sich dagegen 
eine Violine von guter Arbeit, langes, schmales Modell, 
hohe Wölbung, große F-Löcher, breite Reifchen, gold- 
gelber Lack, schmale kleine Schnecke mit der Jahres- 
zahl 1643. Ich halte die Jahreszahl zwar für falsch ge- 
lesen, muß sie aber doch erwähnen, da der Zettel im 
übrigen echt zu sein scheint. 

Geigenzettel: Joannes Baptista Fredimaur eximius / 
ligneus faber, Florentie anno 1 643 (gedruckt). 

10* 



148 



Freeman — Frichelet 



Freeman s. Hare 

Freese, Andres. — Bremen. 1727 

Der seit 1721—1763 in Bremen tätige, sehr geschickte 
Bildhauer Theophilus Freese^) hatte nach den Zunft- 
akten einen Bruder, dessen Vorname leider nicht an- 
gegeben erscheint. Vermutlich war Andres Freese 
dieser Bruder und seine« Zeichens ebenfalls Holz-, 
Elfenbein- und Steinbildhauer. Er wird also nur aus 
Liebhaberei Geigen gemacht haben. Eine Taschengeige 
von ihm besitzt das Städtische Museum in Braun- 
schweig. 

Geigenzettel : Andres Freeße/ Bremen d. 27. /Septemb. 
1727 (gedruckt). 

Freiseisen. — Mittenwald. Anfang des 19. Jahr- 
hunderts 

Da er ausschließlich für die »Verleger« arbeitete, ist 
sein Name unbekannt geblieben ; daß er jedoch zu den 
besseren Geigenmachern seiner Heimat gehört haben 
muß, beweist eine sehr gute Violine mit seinem hand- 
schriftlichen Zettel, die ein Münchener Hofmusiker 
besaß. 

Freitag, Friedrich. — Berlin 

Ein geschickter Geigenmacher, der zusammen mit Paul 
Kurt Ficker arbeitet. Ihre Firma heißt »Freitag & 
Ficker«. 

Frenot, Jean. — Mirecourt. 1750 (?). 1788 

Er gab in seinen Geigen, wie viele Mirecourter, Paris 
als Ursprungsort an, die hinzugefügte Jahreszahl 1 750 
ist wahrscheinlich ebenso unrichtig, denn A. Jacquot 
weist nach, daß er erst 1781 geheiratet hat. 

Freund, F. — Neiße. 1841 

Ist mir nur durch seinen Reparaturzettel bekannt ge- 
worden. 

Geigenzettel: Reparirt von F. Freund in Neisse 1841 
(gedruckt). 

Frey. — Antwerpen 

C. C. Snoeck besaß eine von Maeterlinck in Gent be- 
malte Gitarre von ihm. 

Frey, Christoph. — Wiesensteig, Stuttgart. 

1582. t 30. August 1635 

Er stammte aus Ansbach und kam im Jahre 1582 aus 
Wiesensteig nach Stuttgart, wo er mit Joh. Thanner 
die Musikinstrumentenwerkstatt der Hofkapelle (»La- 
boratorium«) begründete. Er soll viel Geschicklichkeit 
bewiesen haben, namentlich als Pfeifenmacher und 
Orgelbauer, wird aber als »verdreht« bezeichnet und 
erregte durch seine »unzeitige« Heirat Anstoß. 

Frey(Frei),Hans.— Nürnberg. 1450.t21 .Nov. 

1523 

Es ist eine unbewiesene, vielleicht unbeweisbare Über- 
lieferung, daß Hans Frey einer der besten Lauten- und 



^) Eine Elfenbeinstatuette von ihm ist in der Elfenbein- 
sammlung des Museums zu Braunschweig. Vgl. Joh. 
Focke, Bremische Werkmeister aus alter Zeit. Bremen 1 890. 



Violenmacher seiner Zeit war. Als Beruf übte er diese 
Kunst sicher nicht aus. Er war zugleich ein trefflicher 
Mechaniker, Physiker und Erfinder, kurz »ein kunst- 
reicher Mann, der in allen Dingen erfahren war.« »Für 
Musik hatte er Verstand, für einen guten Harfen- 
schläger war er berühmt«, wie Neudörffer von ihm be- 
richtet. Von seinem Leben ist nicht allzuviel Sicheres 
zu berichten. Er soll in seiner Jugend in Bologna ge- 
arbeitet haben und gehörte als der Letzte seines Stam- 
mes einer ehrbaren, wenn auch nicht ratsfähigen Fa- 
milie an. Er war mit der Patrizierstochter Anna Rum- 
lein (t 1521) verheiratet und wurde 1496 Genannter 
des größeren Rats. Einen Teil seines Ruhms bei der 
Nachwelt verdankt er dem Umstände, daß Albrecht 
Dürer sein Schwiegersohn war. Dieser schätzte ihn 
sehr hoch, und als er seinen Tod in der Hauschronik 
eintrug, bemerkte er, daß Hans Frey bei sechs Jahren 
krank war und ein Mann gewesen sei, »der auch in der 
Welt gleich unmöglich Widerwärtigkeit erduldet hat«. 
In den Nürnberger Gerichtsbüchern (Abteilung ht- 
terarum) erscheint Hans Frey (Litter. 8, Bl. 228) 
als Zeuge; im Jahre 1484 (Bd. 3, Bl. 7) schließt er 
und sein Vetter Sebolt Frey einen Vertrag ab mit 
Hans Sendelbeck, dem Vormund des Hans Schütten- 
samen, wegen Verzinsung und Abnützung eines Hau- 
ses, gelegen an dem Hause des Schneiders Ulrich Kolb ; 
1501 am 28. Mai erscheint er als Besitzer eines Hauses 
auf dem Graben hinter dem deutschen Hofe (Litter. 1 7, 
Bl. 99); 1502 am 3. Februar als Zeuge, und in einer 
Urkunde vom Jahre 1504 (Litter. 20, Bl. 105) als Vor- 
mund der Clara Gärtner. Nach seinem Tode fand sich 
ein Vermögen von 425 fl. bar und 600 fl. belegtes Ka- 
pital vor. Er liegt auf dem St. Johanniskirchhofe Nr. 649 
begraben. — Weiteres findet sich noch bei Lochner: 
Die Personennamen in Albrecht Dürers Briefen aus 
Venedig (:Nürnbg. 1870:), S. 12—19. In der Samm- 
lung alter Musikinstrumente des Kunsthist. Museums 
in Wien kann man zwei schön gearbeitete neun- und 
elfspänige Altlauten sehen mit dem geschriebenen 
Zettel: Hans Frei. 

Freyer & Co. — Meißen. 1901 
Erfinder einer Porzellanvioline. 

Freytag, A. — Landsberg a. W. 1855. 1860 

Seinerzeit galt er als recht tüchtiger Reparateur und 
soll auch schätzenswerte theoretische Kenntnisse ge- 
habt haben. Etwas Näheres über ihn zu ermitteln war 
nicht möglich, da die Melderegister in Landsberg a.W. 
nicht so weit zurückreichen. 

Frez, Michael (Mlhaly). — Budapest. 1915 
Geigenmacher. 

Frezza, Bartolomeo. — Brescia. 1624 

Bisher nur als Lautenmacher von Valdrighi (4493) er- 
wähnt. 

Frichelet. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der genannt werden : 
Antoine, 1687, 1691, dessen Sohn 
Claude-Nicolas, geb. 1687 und 
Claude, der noch 1761 und 1762 vorkommt. 



Friede 



Fritz 



149 



Friede (Frledl?), Johann Karl 

Eine angeblich aus dem Jahre 1 700 stammende Zither 
mit diesem Namen stellte A. F. Hill in der Londoner 
Music Loan Exhibition 1904 aus. 

Friedel, Heinrich August. — Berhn. Geb. 
11. Okt. 1863 in Markneukirchen 

Schüler von Gustav Otto. Nachdem er jahrelang bei 
hervorragenden Meistern als Gehilfe gearbeitet hatte, 
gründete er im Jahre 1889 sein Geschäft in Berlin und 
erwarb sich durch seine besondere Tüchtigkeit sehr 
bald einen großen Kundenkreis. Seine neuen Geigen 
werden von ersten Künstlern gern gespielt und als 
Reparateur erfreut er sich eines wohlverdienten Rufs. 
Geigenzettel: H. A. Friedel / Berlin W. 18 . . (gedr.). 

Friedrich, Johann s. Gözel 

Friedrich, John. — New York. Geb. 26. Juni 

1858 in Kassel 

Schüler von Joseph Schonger in Kassel, arbeitete von 
1875—1883 in Kassel, Stuttgart, Leipzig und in Berlin 
bei 0. Möckel ; dann ging er nach Amerika, wo er in 
New York mit seinem Bruder William (f 1 . Mai 1911) 
die Geigenmacherfirma John Friedrich & Bro. grün- 
dete. Nach dem Tode des Bruders trat dessen Sohn 
William J. Fr. in die Firma ein, deren Teilhaber schon 
seit 1893 Ernest N. Darlng ist. Die Geigen sind gut 
und sauber gemacht und erhielten auf den Weltaus- 
stellungen In Chicago (1893) und Saint Louis (1904) 
die höchsten Preise. 
Geigenzettel : John Friedrich feclt New- York (gedr.). 

Friedstadt, Johann Christoph. — Kassel. Geb. 

1 694, t im April 1 775 im Alter von 81 Jahren 

und 1 4 Tagen 

Obwohl er »Hofinstrumentenmacher« war, Heß sich im 
Archiv in Kassel nichts über ihn finden. Er war mög- 
licherweise ein Sohn des 1733 Im Alter von 61 Jahren 
verstorbenen Hofmalers Johann Wilhelm Fr. und ein 
Bruder des Hof musikers Joh. Heinr. Fr. (f 1 782), des 
Stadt- und Turmmusikers Ernst Fr. (f 1787) und des 
am 1 7. Februar 1 762 Im Alter von 57 Jahren zu Kassel 
verstorbenen herrschaftlichen Malers Johann Martin 
Friedstadt. — Seine Arbeit ist gut und reich verziert, 
eine Altviola von Ihm befindet sich In der staatl. 
Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin (Nr. 872). 

Fritsch, Caspar. — Wildstem b. Eger. Geb. 
29. Jan. 1875, t (gefallen) 1916 

Schüler von Ernst Reinh. Schmidt In Markneukirchen. 
Er arbeitete als Gehilfe In Markneukirchen und Schön- 
bach und machte sich 1899 selbständig. Er baute 
Streichinstrumente und beschäftigte sich hauptsächlich 
mit der Wiederherstellung alter Geigen. 



D 



res- 



Fritsche (Fritzsche), Johann Samuel, 
den, Leipzig. 1780. 1810 

Er war ein Schüler von Hunger und ein recht tüchtiger 
Gelgenmacher, der die Cremoneser mit Geschick nach- 



ahmte. .Auch sein bernsteinfarbiger Lack ist verhältnis- 
mäßig gut. Er verwendete verschiedene Zettel. 
Geigenzettel : Joh. Sam. Fritsche / Leipzig. 1 794 (ge- 
druckt). — Johann Samuel Fritsche / Lauten- und In- 
strumentenmacher / fecit Dresde 17 . . (gedruckt). — 
Johann Samuel Fritsche / in Leipzig 17 . . (ge- 
druckt). 

Fritz. — Nürnberg. 1393. 1403 

Im Kreisarchiv Nürnberg findet sich ein »Lauten- 
macher Fritz« erwähnt. Fritz dürfte nur der Tauf- und 
nicht der Familienname gewesen sein. »Fritz Lauten- 
macher« wurde 1393 als Bürger aufgenommen und bis 
1403 in den Losungslisten (Losung, d. 1. direkte Steuer) 
aufgeführt. Er wohnte zuerst bei St. Martha und dann 
am Fischbach (In der heutigen Karolinenstraße). Ein 
anderer Fritz, der der Wende vom 16. zum 17. Jahr- 
hundert angehört haben dürfte, wird in dem 1613 auf- 
gestellten Musikinstrumenteninventar des Landgrafen 
Moritz von Hessen (In Kassel) erwähnt, wo es heißt: 
»25. eine Steinwerk-gelbe Viola dl gamba So fritz von 
Nürnbergk gemacht, darunter Ein baß, drey Tenor undt 
zwey Soprani.« 

Fritz, Johann. — Innsbruck. Geb. 27. Dez. 
1783 zu Pfaffenhofen (Oberinntal), f n. 1825 

Er war ein Bauemsohn und erlernte das Tischlerhand- 
werk. In seinen freien Stunden beschäftigte er sich mit 
der Anfertigung von Harfen und Gitarren und reparierte 
Gelgen. Er kam dann als Geselle zu dem Orgel- und 
Instrumentenbauer G. Gröber, bei dem er seine Kennt- 
nisse vervollkommnete. Angeborenes Talent und Hand- 
geschlcklichkeit kamen ihm zustatten, und Im Jahre 
1816 erbat er beim Innsbrucker Magistrat die Zu- 
lassung als Musikinstrumentenmacher. Diese erhielt er 
aber erst, nachdem er durch Anfertigung einer in allen 
Teilen selbst gemachten Violine seine Tüchtigkeit 
erwiesen hatte. Den Geigenbau hat er zwar nicht 
regelrecht erlernt, sich aber jedenfalls von fach- 
kundiger Seite Rats erholt und sich gute Vorbilder 
verschafft. In seinen Gelgen erkennt man noch die 
Traditionen der alten Tiroler Schule, in seinem Lack 
kommt er sogar den Italienern nahe, die Brust nimmt 
er breit und flach, der Boden ist mehr gewölbt als die 
Decke. Der Boden Ist häufig nach der Schwarte ge- 
schnitten und besteht bei größeren Gelgen auch aus 
weniger schönem Holz (.Apfel- oder Birnbaum). Die 
Schnecke Ist hübsch, die F-Löcher erinnern an Stalner, 
sind aber bei den Bratschen zu klein. Der Ton ist 
meistens recht gut, wenn auch nicht groß. — Nach 
Dr. F. Waldners Forschungen, der ausführliche An- 
gaben über Johann Fritz bringt (Nachrichten über 
Tiroler Lauten- und Gelgenbauer, S. 46ff.), heiratete 
er am 30. März 1818 die Gärtnerstochter Crescentia 
Trenkwalder. Sein Todesjahr war nicht zu ermitteln. 
Die vorläufig letzte Jahreszahl, die ich In einer Gitarre 
von Ihm fand, war 1825, was nur beweist, daß er da- 
mals noch lebte. 

Geigenzettel: Johann Fritz / Gelgen- und Chitar- 
macher / in Innsbruck. 1821 (gedruckt). — Johann / 
Fritz/ Instrumentenmacher /zu Innsbruck /.Anno 1825 
(geschrieben in einer Gitarre). 



150 



Fritzsche — Fücker 



Frltzsche, Johann Benjamin. 
1823 

Zweiter Sohn des 1804 verstorbenen Blasinstrumenten- 
machers Joh. Aug. Fr. Er wohnte im väterhchen Hause 
in der Holzgasse N ■■. 636 und wurde am 1 9. August 1 802 
Bürger. Ein geschickter Meister, der bald zum Hof- 
instrumentenmacher ernannt wurde (anfangs noch 
»Churfürstl.«, dann Königl. Sachs.). Geigen von ihm 
kommen häufig vor, auch als Reparateur war er viel 
beschäftigt. Eine Mandoline von ihm aus dem Jahre 
1806 befindet sich in der Sammlung Seheurleer. 

Geigenzettel : Abb. 206. 
Fritzsche, Karl August. — Dresden. 1797. 1809 

Älterer Sohn von Joh. Aug. Fr. Erlernte bei seinem 
Vater die Holzblasinstrumentenmacherei und verlegte 
sich dann auch auf den Geigenbau. Er wohnte nach den 
Adreßbüchern von 1 797 in der Schloßgasse Nr. 294, 
1 799 in der Pirnaischen Vorstadt Nr. 20 ; am 2 1 . August 
1803 wurde er Bürger und wohnte damals Fischers- 
dorf Nr. 708. Er ist weniger bekannt geworden als sein 
Bruder und wahrscheinlich früh gestorben. 

Fröberg, Andreas. — Stockholm. 1762. 1770 

Ein bisher nur dem Namen nach bekannter schwedi- 
scher Geigenmacher, der im Jahre 1 762 als solcher in 
Stockholm privilegiert wurde. 

Fromm, Franz. — Wien 

Begründete 1886 in Wien sein Streichinstrumenten- 
geschäft. 

Fromm, Karl. — Wien. Geb. 1852 in Wien 

Begründete im Jahre 1878 sein Musikinstrumenten- 
geschäft. Er ist ein vorzüglicher Zitherspieler und baut 
sehr gute und schön gearbeitete Zithern. In seiner 
Werkstatt werden auch Geigen hergestellt, bei denen 
er anfangs das Amati-, später das Stradivanmodell be- 
vorzugte. Er war Juror gelegentlich der Wiener Musik- 
und Theaterausstellung und besitzt Preise der Chi- 
cagoer und Pariser Weltausstellung und von 20 anderen 
Ausstellungen, hat einen Tonregulator für Streich- 
instrumente (ähnlich dem von Stauffer) konstruiert 
und baut auch Konzertzithern mit freischwingenden 
Stegen und ohne Brücke (seine Erfindung). 

Geigenzettel: Carl Fromm, Geigenmacher/ Wien II, 
Taborstr. 20. 1886 (gedruckt). 

Fronhofer, Georg. — Füssen. 16. Jahrhundert 

In Raymund Fuggers Musikkammer (vom Jahre 1566) 
befand sich (Nr. 74) »Eine alte Gute Lauten von 
G. Fronhofer; (Nr. 76): Eine alte gute Lauten von 
Georg Fronhofer; (Nr. 80): Eine alte gute Lautan von 
Georg Fronhofer«. Vgl. Stockbauer, Kunstbestrebun- 
gen unter Alb. V. u. Wilh. V. (:Wien 1874:), S. 83. 
Dasselbe Verzeichnis nennt auch einen Lautenmacher 
Hans Kronhofer. Ob hier nicht ein anderes Mitglied 
derselben Familie gemeint ist? In beiden Fällen fehlt 
die .'Xngabe des Wohnorts, doch gibt Trautmann Füssen 
als Fronhofers Heimat an. 



Dresden. 1802. Frosch, Andreas. — München (?) 

Ein Lauten- und Geigenmacher vom Ende des 17.Jahr ] 
hunderts. EinLautenbassettchenvon ihm befindet sich 
im Münchener Nationalmuseum. 



Fryer, John Charles. — London, dann Leeds. 
1828. t 1840 

Erst Gehilfe und seit 1 828 auch Kompagnon von Dear- 
love. Bei seinen Geigen fehlt gewöhnlich die Hohlkehle. 

Fuchs, Franz. — Linz a. D. Geb. 30. Juli 1875 

in Linz 

Schüler von Ed. Heidegger, bei dem er als Gehilfe u. a. 
mehrere Bratschen nach dem Kleinmensursystem 
Dessauer anfertigte. Seine weitere Entwicklung wurde 
hauptsächlich von Prof. Sadtler beeinflußt, der ihn seit 
1893 in die Ergebnisse seiner durch 50 Jahre fortge- 
setzten Forschungen über die Gesetze des Geigenbaues 
einweihte. In gemeinsamen, vielfältigen Versuchen 
reifte das Können des jungen Geigenmachers, der seit 
dem Tode Prof. Sadtlers es auch verstanden hat, die 
auf wissenschaftlichem Wege gefundenen Richtlinien 
mit der künstlerischen, äußeren Erscheinung seiner 
Arbeiten in Einklang zu bringen. Er arbeitet nach 
einem eigenen, zwischen Stradivari und Guarneri 
liegenden, großen Modell mit schlankem Wirbelkasten 
und schöner Schnecke, verwendet ausgezeichnetes Ton- 
holz und einen weichen, rötlichgelben Ollack. Er ar- 
beitet mit der größten Genauigkeit und macht alles 
selbst, so daß er im Jahre höchstens vier Geigen fertig- 
stellt. Bei diesen sind die Stärkeverhältnisse des Holzes, 
die Wölbung und der Luftraum sorgfältig berechnet. 
Den Baßbalken setzt er ungespannt ein. Der Ton seiner 
Geigen, Violen und Violoncelli ist sehr schön und groß. 
Geigenzettel : Geigenmacher / Franz Fuchs Linza./d.D., 
Baujahr . . No . . 

Fuchs. — Schönbach b. E. 

Als Geigenmacher waren oder sind in ihrer Heimat 
tätig : 

Fuchs, Andreas, f 1898 

Fuchs, Anton 

War 1826 bereits Meister und soll eine Zeitlang in 
Görkau bei Komotau ansässig gewesen sein. 

Fuchs, Franz 

War 1826 bereits Meister und starb 1877. 

Fuchs, Josef 

Kommt schon 1802 und noch 1840 vor. Er war der 
beste Geigenmacher aus dieser Familie. Seine Geigen 
sind nach der Form gebaut, mit schöner Wölbung und 
zeigen rötlichen Spirituslack. Er gebrauchte verschie- 
dene Zettel. 

Geigenzettel: Joseph Fuchs, Geigen- / und Lauten- 
macher in / Schönbach 1 806 (gedruckt). — Joseph Fuchs 
Violinmacher / in Stadt Schönbach / bei Eger in Böh- 
men Anno 1840 (geschrieben). 

Fücker s. Ficker 



Fürst 



■ux 



151 



'p 



Fürst, Georg. — Mittenwald. 1790. 1810 

MIttenwalder Durchschnittsarbeit ohne bemerkens- 
werte Eigenschaften. 

Geigenzettel: Georg Fürst in Mittenwald an / der Iser 
1790 (gedruckt). 

Fürst, Johann I. — Mittenwald. Geb. 1822, 

t 1882 

Wahrscheinlich ein Sohn von Georg F. Seine Geigen 
können als Beispiel dafür dienen, wie um die Mitte des 
19. Jahrhunderts aus den Arbeiten der Mittenwalder 
das Persönliche, das auch die Geigen der weniger ge- 
schickten, älteren Meister noch auszeichnet, allmählich 
verschwindet. — Er verlegte sich auch später mehr auf 
den Zitherbau. 

Fürst, Johann II. — Mittenwald. 1919 

Er arbeitet rriit seinen Söhnen und befaßt sich mit der 
Herstellung von Violinen, Gitarren und Zithern. 

Fürst, Thomas. — Mittenwald. Geb. 29. April 

1860 

Schüler seines Vaters Johann F. Er baut hauptsächlich 
Zithern und Gitarren, aber auch Geigen nach allen 
alten Meisterraodellen. 

Geigenzettel: Thomas Fürst Saiten-Instru- / menten- 
macher, Mittenwald a. d. I. / Bayern 1893 (gedruckt). 

Fulquet, Annibal. — Montevideo (Uruguay). 
1890. 1916 

Sohn und Schüler von Sebastian F., dessen Nachfolger 
er 1 890 wurde. Er arbeitete anfangs nach einem Modell, 
das er nach Nie. Amati, Stradivarl und Guarneri zu- 
sammengestellt hatte. Seit dem Erscheinen von Hills 
Buch über Stradivari arbeitet er nur noch nach diesem 
Meister. Er verwendet schönes Holz und einen guten 
Lack; seine Violinen werden von Geigern sehr gelobt. 
Er gilt auch als geschickter Reparateur. 

Fulquet, Sebastian. — Montevideo. 1860. 1890 

Ein tüchtiger Mandolinen- und Gitarrenbauer, der aber 
auch als Geigenmacher Anerkennung gefunden hat. Er 
betrachtete J. B. Vuillaume als sein Vorbild und als 
seinen Meister. 

Furber, David. — London. 1750. 1760 

Der Stammvater dieser Geigenmacherfamilie, Geburts- 
und Todesjahr sind unbekannt. Er soll ein Schüler 
John Johnsons gewesen sein und namentlich einige 
gute Bässe gebaut haben. 

Furber, Henry John. — London. 1830, lebte 
noch 1865 

Sohn und Schüler von John F., dessen Geschäft in der 
Grafton Street von ihm fortgesetzt wurde. Seine Arbeit 
ist lobenswert. 

Furber, James. — London. Geb. vor 1790 

Ältester Sohn von Matthew F. sen. Nur als Reparateur 
hervorgetreten. 



Furber, John. — London. 1810, lebte noch 
1841 in Cow Gross, Smithfield 

Dritter Sohn von Matthew F. sen. und dessen Schüler. 
Er ist der Bedeutendste aus der Familie und baute zahl- 
reiche gute Geigen, zu denen ihm das Amatimodell als 
Vorbild diente. Er arbeitete auch bei J. E. Betts und 
war als Reparateur hochgeschätzt. 

Geigenzettel: John Furber, Maker / 13 John's Row, 
top of BrickLane, / Old St., Saint Luke 181 3 (gedruckt). 

Furber, Matthew I. — London. 1740. f um 
1790 

Sohn von David F., dessen Schüler er auch war. Er 
hatte drei Söhne, doch nur von den beiden jüngeren 
ist es bekannt, daß sie Geigenmacher waren; ob der 
älteste Sohn namens James die Kunst wirklich selb- 
ständig ausgeübt, ist nicht erwiesen. 

Furber, Matthew II. — London, f um 1830 
oder 1831 
Zweiter Sohn von Matth. I F. und dessen Schüler. 

Füret, Fran^ois. — Lyon. 1583 

Ein Instrumentenmacher, der nur dem Namen nach 
bekannt ist. 

Fux, Jakob.— Wien. Geb. um 1753, f 21 .Aug. 
1819 

Er übernahm im Jahre 1 787 Philipp Wurms Werkstatt 
im »Tiefen Graben Nr. 369« (die vorher Joh. Georg 
Huber innehatte) und legte am 28. Juni 1787 den 
Bürgereid ab. Er ist aus der Familie Fux der Unbedeu- 
tendste. Geigen von ihm kommen selten vor, sind nach 
einem breiten, flachen Modell gebaut und haben gelben 
oder roten Lack. 

Fux, Johann Jakob. — Wien. 1691. 1705 

Vielleicht ein Sohn oder Bruder von Matthias F. Im 
Wiener Steuerbuch von 1692 heißt es: »Fux, Jakob, 
wohnhaft im Wübmer (Wiedener) Viertl. 30. Juni: 
Jakob Fux, Lautenmacher ist vermög der hehl. Steyer 
Anschlags-Commissanen mündlicher Veranlassung, in 
Ansehung seiner Armuth mit der 1692er Steyer zu ver- 
schonen, soll aber im 1693 jährigen Steuer Anschlag 
eingebracht werden.« — • Seine Geigen, die an das 
Stainermodell erinnern, sind sehr gut gearbeitet und 
gut im Holz, ohne im übrigen hervorzuragen. 

Fux, Matthias. — Wien. 1672. 1700 

Ein besonders geschickter Geigen- und Lautenmacher, 
der vermutlich aus Füssen stammte, wenn er nicht aus 
Hirtenfeld in Steiermark kam, wo 1660 der bedeutende 
Kontrapunktist Johann Joseph Fux (f 1741 als Hof- 
kapellmeister in Wien) geboren wurde. Er heiratete am 
19. Juni 1672 als »bürgerlicher Lautenmacher«, muß 
also vorher bereits das Bürgerrecht erworben haben. 
Er hat namentlich gute Violen und Lauten mit reichen 
Verzierungen usw. gebaut, ward Hoflautenmacher und 
verwendete sehr gutes Holz, für den Boden meistens 
Augenahorn, und granatroten Lack. Er bevorzugte ein 



152 



Gabasse — Gärtner 



größeres Stainermodell mit hoher Wölbung. Baron sagt 
von ihm in seiner »Untersuchung des Instruments der 
Lauten« (S. 96), nachdem er ihn als berühmten Lauten- 
macher bezeichnet hat: »Was aber (Math. Fux) an- 
betrifft, so hat er ebenfalls gute Lauten und Violinen 
verfertigt, und hat vom Kayserlichen Hoffe dependirt.« 
Das Stift Osegg besitzt eine Lautengitarre von ihm aus 
dem Jahre 1692 (Kat. Nr. 29. rep. v. C. J. Helmer) und 
die Benediktinerabtei Kremsmünster eine Laute, die er 
»zugerichtet« hat. 

Geigenzettel : Mathias Fux Römisch kayserl / Majestät 
Hof Lauttenmacher in Wien / zugericht. 1685 (gedr.) 
und Abb. 213. 



(jabasse s. Cabasse 

Gabrlelll, Antonio. — Florenz. 1760 

Gute Arbeit und goldgelber Lack machen seine Geigen 
schätzenswert. 

Geigenzettel : Antonio Gabrielli fece / in Firenze 1760 
(gedruckt). 

Gabnelli, Bartolommeo. — Florenz. 1730 

Vielleicht der Bruder Christoforo G.s; seine Geigen 
erinnern an die Evangelistis. 

Gabrielli, Cristoforo. — Florenz. 1730 

Es ist mir nicht gelungen, eine echte Geige von ihm zu 
Gesicht zu bekommen, doch wird sein Name glaub- 
würdig überliefert. 

Gabrielli (Gabbrielli), Giovanni Battista. — 
Florenz. 1739. 1770 

Der bedeutendste Geigenmacher dieses Namens. Er 
erreicht zwar die Cremoneser nicht, ist aber doch einer 
der besten Florentiner seiner Zeit. Seine Arbeit ist ge- 
schmackvoll, das Holz gut, sein Lack meist von hell- 
gelber Farbe, durchsichtig, aber etwas hart. Die F- 
Löcher erinnern öfters an Stainer, der Ton ist schön, 
manchmal aber etwas rauh. Er suchte augenscheinlich 
nach einem neuen Modell und machte eine Anzahl 
Geigen, die allzu rund gewölbt erscheinen. Am besten 
gelangen ihm Violen und Violoncelli. Außer seinen 
Zetteln verwendete er auch eine Brandmarke I. B. G. 
— Er gehört zu den Meistern, deren Name von Händ- 
lern gerne mißbraucht wurde, weshalb man auch den 
unglaublichsten Entstellungen seines Namens begegnen 
kann (»Gabbicellis«, »Garbicelli« usw.). ■ — Ich kenne 
nur geschriebene Zettel von ihm. Eine Geige von ihm 
aus dem Jahre 1 745 besitzt W. Heyers Musikhistori- 
sches Museum in Köln. 

Geigenzettel: Gio Battista / Gabbriell Firenze / Anno 
1 762 (geschrieben) und Abb. 257 und 298. Brandmarke 
Nr. 33. 

Gade, J. N. — Kopenhagen. 1839. 1850 

Bruder von Sören N. Gade. Er machte hauptsächlich 
Gitarren und nur wenige Geigen, zuletzt auch Klaviere 
und war ein geschickter Arbeiter. Eine Gitarre von ihm 
besitzt Claudius in Kopenhagen. Er arbeitete seit den 



vierziger Jahren mit seinem Bruder zusammen, die 
Firma hieß dann Brodrene (Gebrüder) Gade. 

Geigenzettel : J N Gade. Instrumentmager / boende i 
Borgergade 197 Kjdbenhavn (gedruckt). — Brodrene 
Gade / Instrumentenmagere / Boendes i Borgergade 
N° 197 / Kjebenhavn 1846 (gedruckt in einem Oval). 

Gade, Sören Nielsen. — Kopenhagen. Geb. 

1790, t 1875 

Guter Geigenmacher, aber besonders als Gitarren- 
inacher geschätzt. Er ist der Vater des berühmten däni- 
schen Komponisten Niels W. Gade. 

Geigenzettel: S. N Gade, Kjöbenhavn / 1830 (gedr.). 
Gändl, Franz. — Goisern. 1763 

Vielleicht ein Sohn von Franz Carl G. oder mit diesem 
identisch. Seine Geigen sind von guter deutscher Arbeit, 
aber handwerksmäßig ausgeführt. 

Geigenzettel: Franciscus Gändl Geigen- / macher in 
Goisern 1763 (gedruckt). 

Gändl, Franz Carl. — Goisern. 1753 

Ahnlich wie Franz G. 

Geigenzettel: Franciscus Carolus Gändl, Geigenma- 
cher in Goysern, Anno 1 753 (gedruckt). 

Gändl (Gandl), Johann. — Ramsau. 1734 

Er erscheint schon 1734, als Geigenmacher bezeichnet, 
in den Kirchenbüchern der Pfarrei Goisern, wohin die 
Ramsau eingepfarrt ist. Er ist jedenfalls als der Stamm- 
vater der Familie anzusehen. Seine Geigen sind sauber 
gemacht, ohne bemerkenswerte Eigenschaften. 

Gändl, Joh. Joseph. — Goisern. 1747. 1765 

Vielleicht ein Sohn von Joh. G. in der Ramsau. Val- 
drighi führt ihn als »Bandl, Josef, in Oiffern« an. Seine 
Arbeit ist recht brav, das Holz oft zu loben, nur die 
Mensur ist meist unrichtig. 

Geigenzettel: Johann Gendl Geigenmacher / Ihn 
Goisern Anno 1747 (geschrieben). — Joannes Josephus 
Gändl, Lauten- / und Geigen-Macher in Goysern / 
Anno 1 748 (gedruckt). 

Gändl, Michael. — Goisern. 1772. 1780 

Er wird in den Kirchenbüchern mehrfach erwähnt, 
auch haben sich noch Arbeiten von ihm erhalten, die, 
ohne hervorzuragen, recht gut im Tiroler Stil aus- 
geführt sind. 

Geigenzettel : Michael Gändl, / Geigenmacher in Goy- 
sern 1 772 (gedruckt). 

Gändl, Paul. — Ramsau. 1779 

Er wird in den Kirchenbüchern stets als Geigenmacher 
bezeichnet. Arbeiten von ihm sind mir noch nicht be- 
gegnet. 



in 



Stutt- 



Gärtner, Eugen. — Stuttgart. Geb. 
gart 10. April 1864 

Im Herbst 1879 trat er bei A. Sprenger in die Lehre 
und war da bis 1886 tätig, arbeitete Anfang 1887 bis 
Ende 1888 als Gehilfe bei N. E. Simoutre in Basel und 



Gäßler — Gagliano 



153 



ging dann in die deutsche Geigenbauschule zu Schüne- 
mann nach Schwerin, wo er noch drei Jahre blieb und 
sich" besonders im Bau von Konzertgeigen ausbildete. 
Im März 1891 machte er sich in seiner Vaterstadt 
selbständig, gewann bald einen Kundenkreis, wurde 
1896 zum Königl. Hofgeigenbauer ernannt und erhielt 
im Januar 1906 den Titel eines Fürstl. Hohenzollern- 
schen Hoflieferanten. Er ist ein sehr geschickter Künst- 
ler, der bis 1910 etwa 300 Geigen, Violen und Violon- 
celli gebaut hat. Er hat mehrfach Medaillen und Ehren- 
diplome erhalten und die verdiente Anerkennung 
seitens der ersten Künstler, da er sehr sorgfältig arbeitet, 
schönes, altes Holz nimmt und vorzugsweise OUack an- 
wendet. Seine Einlagen bestehen aus echtem Ebenholz. 
Außer seinem in Farbendruck hergestelltem Zettel 
benutzt er auch eine Brandmarke. Er macht jährlich 
mehrfach größere Reisen nach Italien usw., um wert- 
volle Instrumente zu erwerben, und besitzt ein großes 
Lager alter Meisterinstrumente. Seine Verdienste wür- 
digten viele Fachblätter und Musikzeitschriften und im 
Februar 1911 erhielt er vom König von Württemberg 
die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft am 
Bande des Friedrichsordens. 

Geigenzettel: Abb. 254, 258, 259, 260. Brandmarke: 
Nr. 16. 

Gäßler, Andreas. — Mittenwald. 1750. 1753 
Einzelne seiner Geigen sind recht gut, das Modell ent- 
spricht der Mittenwalder Schule. 

Gäßler, Michael. — Mitten wald. Geb. 22. Sept. 

1750 

Wahrscheinlich Andreas G.s Sohn. Er soll jung ge- 
storben sein und hat wohl nur wenig Geigen gemacht 

Gaetano s. Antoniaszi 

Gafflno, Giuseppe. — Paris. 1 734. f vor 1 789 
Ein Italiener, wahrscheinlich aus Piemont, Schüler und 
später vielleicht Gesellschafter seines Pariser Lands- 
mannes Castagneri, wenn die .Abkürzung: »0°«. mit 
Consorto richtig gedeutet ist, und von 1 766 — 1 767 ge- 
schworener Meister der Lautenmacherzunft. Sein Ge- 
schäft, mit dem ein schwungvoller Instrumenten- und 
Saitenhandel verknüpft war und das das Schild »ä la 
musette de Colin« führte, wurde nach 1789 von der 
Witwe fortgesetzt. Seine Arbeit hat ganz den fran- 
zösischen Charakter, er verwandte blaßroten oder gel- 
ben Lack. Ein Alto von großem Patron aus dem Jahre 
1748 ist im Cons. des Arts et Metiers in Paris. Seine 
Geschäftskarte, die als Einfassung die Umrisse eines 
Geigenbodens zeigt, lautete: »a la Musette de Colin.«/ 
»Joseph Gaffino, maitre et marchand Luthier ä Paris 
rue des / Prouvaires, fait vend, achete et loue toutes 
sortes d'instruments de / musique, scavoir: violons, 
basses d'orchestre Violoncellos, alto viola, / violes 
d'amour et toutes sortes de sa fa?on. II vend aussi vio- 
lons / et basses de Cremone, basses de viole d'Angleterre 
et de toutes / sortes d'auteurs etc. etc.« 
Geigenzettel: Gaffino 0° di Castagnery / rue des 
Prouvaires, / Pariggi 1748 (gedruckt). — Gaffino 0° di 
Castagnery / rue des Prouvaires. Pariggi 1 755 (gedr.) 
und Abb. 264. 



Gagliano, Alberto. — Neapel. 1877 

Wahrscheinlich ein Sohn von Raffaele G., dem seine 
Arbeit ähnlich ist. 

Gagliano, Alessandro. — Neapel. Geb. In 

Neapel um 1660, f 1725 

lussupof f erzählt eine romantische Geschichte von einem 
Duell, das der einer vornehmen Familie entsprossene 
Gagliano gehabt haben soll, und das ihn nötigte, 
aus Neapel zu fliehen. Er sei dann nach Cremona ge- 
kommen und Schüler von Stradivari geworden. Das 
Letztere behauptet G. selbst auf seinen Zetteln, es 
erscheint auch recht glaubwürdig, daß er, wie be- 
hauptet wird, 30 Jahre lang Stradivaris Gehilfe ge- 
wesen sein soll. Die ältesten Instrumente von Alessan- 
dro sind allerdings erst von 1695 datiert; sie zeichnen 
sich gleich durch ausgesucht schönes Holz und schöne 
Arbeit aus. Die F-Löcher sind groß und steil (Mensur 
meist 200 mm statt 195 mm), die Schnecke klein und 
manchmal nicht sehr sorgfältig geschnitzt, der pracht- 
voll geflammte Boden meist aus einem Stück. Der Lack 
ist wundervoll tiefrot oder orangefarben und leicht vom 
Cremoneser zu unterscheiden; in der Form erinnern 
seine Geigen an die besten Arbeiten Carlo Bergonzis, 
wofür sie auch oft verkauft werden. G. ist der Gründer 
der Neapolitanischen Schule und das Haupt der bis auf 
unsere Tage bestehenden Familie. Er hinterließ zwei 
Söhne, die gleichfalls Geigenmacher wurden. 

Geigenzettel: Alessandro Gagliano Alumnus / Stradi- 
variUs fecit Neapoli anno 17 . . (gedruckt). —Alexandri 
Gagliano AlOmnus / StradiVariUs fecit Neapoli anno 
1701 (bei Vidal, gedruckt). — Alexander Gagliano 
Alumnus AntoniS / StradivariUs fecit anno 17.. (gedr.) 
und Abb. 266 und 283. 



N 



eapel 



Geb. 



um 



Gagliano, Antonio I. 

1728, tum 1795 

Dritter Sohn von Nicola und jüngerer Bruder Ferdi- 
nandos. Er verwandte roten Lack, machte den Boden 
einteilig und arbeitete fast nur mit Josef und mit 
Raphael G. zusammen. Der gemeinsame Zettel kommt 
noch mit Jahreszahlen bis 1807 vor. 

Geigenzettel : Joseph et Antonivs/Gagliani Filii Nico-/ 
laj et Nepotes Ja- / nuari F Neap. 1771 (gedruckt). — 
Joseph & Antonius Gagliano / fec. anno 1787 / In 
Platea dicta Cerriglio (gedruckt). 

Gagliano, Antonio II. — Neapel. Geb. nach 

1790, t 27. Mal 1860 

Sohn von Giovanni und Enkel von Nicola G . Er arbeitete 
gemeinsam mit seinem Bruder Raffaele und benutzte 
auch nach dem Tode des Bruders die gemeinsamen 
Zettel, die seine Nachfolger allerdings auch noch weiter 
verwendeten. Er war nicht mehr hervorragend. Seine 
Wohnung war um 1826 »Sedile di Porto«, später Via 
Ciriglio Nr. 75. 

Geigenzettel: Antonio Gagliano / Via Ciriglio N° 75 
Neap. / fccit Anno 1837 (gedruckt). 



Gagliano, Garlo — Gagliano, Giovanni II 



154 

Gagliano, Carlo. — Belluno 1732 

Wenig bekanntes Mitglied der Familie. Eine Arbeit 
mit seinem Zettel findet sich im Rathaus zu Regens- 
burg. 

Geigenzettel : Carlo Gagliano / me fecit / Belluno anno 
1732 (gedruckt). 

Gagliano, Ferdinando. — Neapel. Geb. 1724 

in Neapel, t 1781 

Ältester Sohn von Nicola, den er zwar nicht irnmer 
erreicht, aber trotzdem noch ein sehr guter Meister. 
Seine Arbeit ist der von Alessandro G. ähnlich, er ahmt 
das letzte Stradivarimodell nach und verwendet emen 
guten, rotbraunen oder gelben Lack von warmer Farbe. 
Die Wölbung nimmt er flacher, das Patron aber breiter 
und die Zargen manchmal höher als sein Vater, auch 
in der Wahl des Holzes ist er weniger sorgfältig, dagegen 
sind seine meist kleinen Schnecken recht sauber durch- 
geführt. Am besten gelangen ihm seine Violoncelli. Er 
soll einen Sohn namens Giuseppe gehabt haben. Auch 
er brachte, ähnlich wie Giuseppe Guadagnini I, auf der 
Innenseite der Decke die Anfangsbuchstaben einer De- 
vise an. Herr E. Löwenfeld in Wien besitzt eine Viohne 
von ihm, die außer dem Zettel parallel zum Baßbalken 
die Buchstaben trägt: S. L. J. C. J (kann auch F oder S 
sein!) S. SS. S. f. Otto Hiß in Brunn besitzt eine sehr 
schöne, rötlichbraun lackierte Violine von ihm, die nach 
Stradivari gebaut ist und auf dem Baßbalken der Länge 
nach schwer leserliche Buchstaben mit Bleistift ge- 
schrieben zeigt, die der Besitzer in folgender Form 
entziffert: »T G V 0)(-S 1 8' S 1-70 M C S S 
S S S S 6 c S A«; auf der rechten oberen Backe 
sieht man: a(?) 

M— j-rj(?) 

A 

GFM 

SG. 

Die Buchstaben werden wohl einen frommen Spruch 
oder Vers bedeuten, wie solche Nicolaus Gagliano in 
seinen Arbeiten anzubringen pflegte. Um die Deutung 
zu ermöglichen, müßte erst eine sichere Lesart vorliegen. 
Geigenzettel : Abb. 232. 

Gagliano, Gaetano. — Neapel. Geb. um 1770, 

t 1824 

Nach seiner eigenen Angabe ein Sohn von Giovanni G., 
dem er in der Arbeit nahe kommt. Seine Geigen sind 
ebenso sauber gearbeitet, als sie gut klingen. Er machte 
aber auch sehr gute Gitarren und Mandolinen, die so 
geschätzt waren, daß seine Nachfolger auch nach 
seinem Tode noch seine Zettel in Gitarren klebten. 
Geigenzettel: Caietanus Gagliano filius / Joannes (sie) 
Neapolis 1820 (gedruckt). 

Gagliano, Gennaro. — Neapel. Geb. um 1 700, 
fnach 1770 

Zweiter Sohn und Schüler seines Vaters Alessandro G., 
dessen Einfluß in seiner Arbeit unverkennbar ist. Er 
ahmt das Stradivarimodell nach, nur nimmt er die 
Wölbung manchmal höher und macht auch die F- 



Löcher kürzer, weiter und steiler als sein Vorbild. Er 
scheint eine Vorliebe für kurze Ecken gehabt zu haben. 
Seine beste Zeit ist zwischen 1730 und 1750; da er 
jedoch nur selten Zettel eingeklebt hat und noch selte- 
ner die Jahreszahl ausfüllte, ist^das Alter seiner Geigen 
nicht immer leicht zu bestimmen, ja, man hat wegen 
des seltenen Vorkommens seiner Zettel gewiß mit Un- 
recht angenommen, daß er nur sehr wenig gearbeitet 
habe. Was man von ihm kennt, ist trefflich, schönes 
Holz, prachtvoller orangegelber oder rötlicher Lack und 
herrlicher Ton. Eine aus dem Jahre 1758 stammende 
prachtvolle Violine von ihm besaß Gh. Mahillon. 
Gennaro G. kommt seinem Bruder Nicola G. voll- 
kommen gleich, übertrifft ihn aber in der Zierlichkeit 
der Einlagen. Er gebrauchte verschiedene Zettel, auf 
denen fast stets der Wohnort in »Neap.« abgekürzt er- 
scheint. Auf einigen soll er sich einen Schüler Stradi- 
varis nennen. Eine genial, aber sehr liederlich gemachte 
Geige von ihm mit dickem, schönem dunkelroten Lack, 
leichtfertig ausgeführter Einlage, aber wundervoller 
Wölbung erwarb Konzertmeister Deecke in Karlsruhe 
von Siefert sen. Der Ton dieser Geige ist großartig. 
Eine gleichfalls wundervoll klingende, dunkelrot 
lackierte Geige aus dem Jahre 1767 von Gennaro G. 
besitzt Hofsekretär Gerschey in Lissabon. 
Maße einer Violine von 1750: Länge 35,5 cm, obere 
Breite 16,3 cm, mittlere Breite 11,3 cm, untere Breite 
20,1 cm; ob. Zargen 2,9 cm, unt. Zargen 2,9 cm, 
Schnecke 10,8 cm lang. 

Geigenzettel : Januarius Gallanus / fecit Neap. 1 760 (ge- 
druckt). — Gennaro Gagliano fecit Neap. 17 . . (gedr.). 
— Januarius Gaglianus / Fecit Neapoli 1767 (?) (gedr.) 
und Abb. 284. 

Gagliano, Giovanni I. — Neapel. Geb. um 

1740, t 1806 

Er war der vierte Sohn von Nicola und folglich ein 
Enkel von Alessandro und nicht von Gennaro, was man 
nach seiner Angabe auf seinen Zetteln, wo er sich 
»Nepos Januari« bezeichnet, meinen könnte. Er war 
Gennaros Neffe und hat jedenfalls, wie auch seine 
Brüder, das italienische »Nipote« in das lateinische 
»Nepos« verwandelt. Da Nicola 1740 gestorben ist, 
mulj Giovanni spätestens in diesem Jahre geboren sein. 
Er arbeitete in den Traditionen seines Hauses, war ein 
Schüler^) seines Oheims Gennaro und arbeitete wäh- 
rend seiner Wanderzeit um 1760 auch in Venedig und 
scheint schließlich mit seinen Brüdern die Werkstatt 
seines Oheims übernommen zu haben, sonst wäre nicht 
einzusehen, warum sie sich auf ihren Zetteln gerade 
auf diesen berufen. Giovanni ist übrigens kein würdiger 
Nachfolger seiner Vorfahren. Er hat nicht allzuviel 
gemacht und das wenige meist oberflächlich und 
liederlich. 
Geigenzettel: Abb. 255. 

Gagliano, Giovanni II. — Neapel. Geb. 1800, 

t 1867 

Vielleicht ein Sohn von Giovanni I G. Nach F. S. Kand- 

lers Aufsatz über »Neapel im Jahre 1826« (Caecilia, 



^) Auf seinen ältesten Zetteln liest man : Joannes Gagli- 
ano fecit sub disciplina Januarls Gagliani. Neapoli. 



Ga^liano — Gairaud 



155 



Zeitschr. f. d. mus. Welt, Bd. VI, Heft 24) lebte er 
damals und gehörte zu den besseren Geigenmachern, 
wenn auch seine Instrumente ohne bemerkenswerte 
Vorzüge gewesen sem sollen. 

Gagliano, Gio. Battista. — Cremona. 1728 
Ein bisher unbekannter Sprosse der Familie Gagliano, 
und, wenn er wirklich gelebt hat, vielleicht ein jüngerer, 
früh verstorbener Bruder von Alessandro G., dessen 
Zettel hier auch in den Fehlern nachgeahmt erscheint. 
Grillet erwähnt ihn zuerst; ich habe nichts von ihm 
gesehen und halte den Zettel nicht für einwandfrei. 
Geigenzettel : Abb. 240 . 

Gagliano, Giuseppe. — Neapel. 1725. f 1793 

Zweiter Sohn von Nicol. G. und Bruder von Ferdinan- 
do, Antonio und Giovanni. Er arbeitete ohne Sorgfalt 
nach den Modellen seines Vaters, aber er verstand sich 
gut auf den Ton, so daß seine Geigen alle gut klingen. 
In seiner letzten Zeit arbeitete er mit seinem Bruder 
Antonio zusammen. Sein Lack ist der semer Familie. 
Gut sind auch seine Violoncelli, meist 74,5 cm lang. 
Er gebrauchte sehr verschiedenartige Zettel. 
Geigenzettel: Giuseppe Gaglianus filius Nicolini fecit 
Neap. 17.. (gedruckt). — Joseph Gagliano filius / 
Nicolai et nepos ja- / nuarius fecit Nea- / poli 1793 
(sedruckt). — Joseph & .Antonius Gagliano / Fee. Ann 
1793 ' In Platea dictaCerriglio (gedruckt) und Abb. 235 
und 256. 

Gagliano, Nicola I. — Neapel. Geb. um 1695 
(nach anderen schon 1670), \ um 1740 

Ältester Sohn Alessandros, aber ungleich talentvoller 
wie dieser. Er ahmte im allgemeinen die Stradivari- 
modelle nach, meist die der älteren Perioden des 
Meisters, und verarbeitete sehr schönes Holz und gelb- 
braunen Lack. Die Decke ließ er gewöhnlich sehr stark, 
den Boden machte er an den Seiten etwas schwächer. 
Der Lack ist leuchtend gelb, selten rotbraun. .«Xuch die 
Einlagen sind mit Sorgfalt und Geschmack ausgeführt. 
Eine sehr schöne Geige von ihm aus dem Jahre 1730 
besitzt Konzertmeister Prof. J. M. Grün in Wien. Eine 
prächtig eingelegte Violine mit muschelförmiger 
Schnecke und den ursprünglichen Wirbeln sowie dem 
echten Saitenhalter befindet sich in Stuttgart. In den 
meisten Geigen der Gagliani, die noch nicht geöffnet 
waren, findet man innen am .Ansatz des Halses einen 
Zettel mit der Inschrift: »In conceptione tue Virgo 
Maria Immaculata fuisti, / Ora, pro nobis Patrem, cujus 
Filium Jesum de Sp.s. peperisti«. 
Geigenzettel : Abb. 285. 

Gagliano, Nicolall. —Neapel. 1793. 1826 

Sohn und Schüler von Giovanni G. und womöglich 

noch unbedeutender als dieser. Er wohnte in der Galata 

dell'Ospidaletto. 

Geigenzettel: Nicolaus Gagliano / Filius Joannis ; 

Neapoli 1 793 (gedruckt). 

Gagliano, Raffaele. — Neapel. Geb. um 1790, 

t9.Dez. 1857 

Sohn von Giovanni. Arbeitete meist mit seinem Bruder 

Antonio zusammen ; braimer Lack, gewöhnliche .Arbeit , 



ziemlich breite F-Löcher, aber manchmal doppelte 
Einlagen. Die oberste Zeile des hier abgebildeten 
Zettels mit den Worten ^>I Fratelli<' erscheint in vielen 
Fällen weggeschnitten. Ein anderer Zettel enthält in 
einem langovalen Kranz außer den Namen der Brüder 
die Angabe »Quondam Giovanni«. 
Geigenzettel: Abb. 233. 

Gagliano, Vincenzo. — Neapel. 1870, f um 

1886 

Sohn von Raffaele, der die alte Firma fortführte, aber 
eigendich nur Saitenfabrikant war. Obwohl er nach 
übereinstimmenden Mitteilungen unverheiratet und 
kinderlos starb, besteht das Geschäft unter der Firma; 
»Vincenzo Gagliano & Figlio« in Neapel weiter. 

Gaibisso, Giovanni Battista. — Alassio. 1911 
Tüchtiger italienischer Geigenmacher der Gegenwart, 
der nach Stradivari arbeitet. Auf der Turiner Aus- 
stellung 1911 war er gut vertreten und erhielt eine 
goldene Medaille. 

GaiUard. — Mirecourt. 1830. 1856 

Der unbedeutendste Geigenmacher seiner Familie, 
dessen Taufname mir nicht bekannt geworden ist. Er 
war der Bruder von Jules G. und der Vater von 
Charles G. 

Gaillard, Charles. — Paris. 1850. 1881 

Er kam aus Mirecourt, wo er Schüler seines Vaters war, 
nach Paris zu C. A. Gand, bei dem er Werkführer 
wurde. Seine Arbeit ist der von Gand sehr ähnlich. 
Er hat wiederholt Geigen nach einem sehr kleinen 
Guamerimodell gebaut. 
Geigenzettel: Abb. 280 und 297. 

GaiUard, L. — Mirecourt. Ende des 18., An- 
fang des 19. Jahrhunderts 

Eine interessante ZwilHngsgeige mit dem Brandstempel 
»L. Gaillard« aus der Sammlung Snoeck (Nr. 564) 
befindet sich in Berlin. 
Geigenzettel : L. Gaillard (gedruckt). 

Gaillard-Lajoue, Jules. — Mirecourt. Geb. 

um 1820, tum 1870 

Oheim von Charles G. Erst Schüler und dann Gehilfe 
von Gand. Im Jahre 1852 machte er sich selbständig 
und erhielt bereits 1855 auf der Pariser Ausstellung 
eine Medaille. Seine .Arbeit war sehr gut, obwohl er den 
Geigenbau fabrikmäßig betrieb, auch der Ton ist fast 
immer ansprechend, nur der Lack ist hart und spröde. 

Gairaud, Louis. — Nantes. 1735, f nach 1770 
Außer Geigen machte er auch Clavecins, seine Arbeit 
ist gut, wenn auch ohne bemerkenswerte Eigenschaften . 
Er war mit Margarete Destains verheiratet und kommt 
in den Kirchenbüchern von 1737 an vor, zuletzt als 
Pate am 25. März 1770. Vgl. Marquis de Granges de 
Surgeres : Les artistes nantois etc. (Nantes 1 898) S. 23 1 . 

Geigenzettel : Abb. 27 1 . 



156 



Gaisenhofer — Gamble 



Galsenhofer, Aloys. — Wien 

Ein Geigenmacher dieses Namens hat in Wien nie ge- 
lebt. Der abgebildete Zettel findet sich jedoch öfter in 
minderwertigen Geigen, die dann von Unkundigen für 
Arbeiten Geissenhofs gehalten werden. 
Geigenzettel: Abb. 318. 

Galssenhof s. Geissenhof 

Galbani, Pietro. — Florenz. 1640 

Sohn des Jacopo G. Das wenige, was man von ihm 

kennt, ist unbedeutend. 

Galbusera, Carlo Antonio. — Mailand. 1813. 
1833 

Er war k. k. Kriegskommissar in Mailand und wollte 
die Form der Geigen, ähnlich wie Chanot, dadurch 
verbessern, daß er, was ältere Meister, z. B. Guarnen 
u. a., auch schon getan haben, die Ecken wegließ und 
ihr eine der Gitarre sich nähernde Form gab. Da seine 
Geigen trotzdem gut klangen, und ein Quartett, das er 
gebaut hatte, mit Erfolg zu Gehör gebracht wurde, er- 
hielt er von mehreren großen Orchestern Bestellungen 
und von der Mailänder Akademie der Wissenschaften 
am 4. Oktober 1832 sogar eine silberne Medaille. Die 
Prophezeiungen seiner Verehrer (vgl. AUg. musikali- 
sche Zeitung, Leipzig, 23. Dezember 1 832 und 1 0. April 
1833 usw.), daß er der Geige für das ganze Jahrhundert 
eine neue Form gegeben haben dürfte, haben sich nicht 
erfüllt. Besser haben sich seine Gitarren erhalten. Vgl. 
über ihn auch: Wilhelm Schneiders: »Historisch- 
technische Beschreibung der musikalischen Instru- 
mente«. (Neiße 1834.) 

Galdert, Friedrich. — Koburg. 1895 

Schillers Nachfolger. Beide betrieben ursprünglich nur 
ein Musikinstrumentengeschäft; erst mit dem Eintritt 
H. Bücheis wurde eine Geigenbauwerkstatt damit ver- 
knüpft. 

Galeazzi, Eugenio. — Ascoli. 1849 

Sohn des Francesco G. Er hat während des Winters 
fleißig Geigen und Gitarren gebaut und betrieb im 
Sommer die Landwirtschaft. 

Galerzena. — ? 1790 

Ein piemontesischer Geigenmacher, der sich eines ge- 
wissen Rufes erfreute. 

Galieri, Filippo. — Neapel. 18. Jahrhundert 

Vielleicht ein Gaglianoschüler. Er verwandte gelben 
Lack und ein etwas gewölbtes Modell. 

Galieri, Giuseppe. — Padua, Piacenza(?). 1753 

Er nennt sich einen Schüler Nicola Amatis; wenn man 
nicht annehmen will, daß er ein Alter von über 90 Jah- 
ren erreicht hat, könnte als sein Lehrer nur der D. Nie. 
Amati in Bologna gemeint sein. Seine Geige, in der der 
nachstehende Zettel zu finden ist, erinnert mehr 
an die Schule von Neapel als an die von Cremona. 
Die Arbeit ist mäßig, der Lack von gelber Farbe, die 
F-Löcher stehen sehr schräg. 

Geigenzettel: Giuseppe Galieri, Paduensis, / placenti- 
nus Alumnus da Nicolai Amati / faclebat 1 753 (gedr.). 



Gall, J., war im 19. Jahrhundert als Musik- 
instrumentenmacher in Wien ansässig 
Galland, Jean. - Paris. 1744. f vor 1761 

Er ist der erste, der das Amt eines geschworenen 
Meisters der Pariser Lautenmacherzunft bekleidete (für 
1 744). Arbeiten von ihm sind mir jedoch nicht bekannt- 
geworden. Er wohnte Rue St. Honore, wo seine Witwe 
von 1761 — 1779 das Geschäft noch fortführte. Seine 
Tochter war seit etwa 1744 mit Robert Richard, einem 
sehr talentvollen Instrumentenmacher verheiratet, der 
als Orgelbauer usw. Ruf besaß und namentlich durch 
sein automatisches Quartett Aufsehen machte. 

Galland, Joh. — Bayreuth. 1888. 1893 

Er stellte auf der Münchener Kunstgewerbeausstellung 
1888 drei Zithern und eine Violine aus, ist im Jahre 
1893 nach Leipzig-Reudnitz übergesiedelt und dürfte 
dort gestorben sein. 

GalH, Domenico. — Parma. 1687. 1691 

Ausgezeichneter Holzbildhauer, Violoncellist und Ton- 
dichter des 17. Jahrhunderts, der eine Reihe von 
Streichmusikinstrumenten gebaut hat, die er mit 
meisterhaften Schnitzereien verzierte. Eine Violine und 
ein Violoncello mit den obenstehenden Jahreszahlen 
befinden sich im Albergo Arti zu Modena. 
Geigenzettel : Dominicus Gallus Parmensis / fecit Par- 
mae anno salutis 1691 (gedruckt). 

Gallingani. — Mancasale (Prov. Reggio). 
19. Jahrhundert 

Ein Musiker, der eine gewisse Geschicklichkeit im 
Ausbessern alter Geigen besaß und auch vereinzelt 
neue Violinen gebaut haben soll. 

Galram (Galran, Galräo), Joachim Joseph. — 
Lissabon. 1769. 1825 

Geschickt in seiner Arbeit, auch sein gelber Lack ist 
nicht übel. König Karl I. von Portugal besaß ein Quar- 
tett von ihm, das sehr sauber und gut gearbeitet ist und 
auch durch edlen Ton hervorragt. 
Geigenzettel : Joachim Josef Galram / fecit Olesiponae 
1769 (gedruckt). 

Galtani, Rocco. — Florenz 

Er gehört noch dem 17. Jahrhundert an und hatte 
seinerzeit einen guten Ruf. Man kennt freilich nur 
wenig mehr von ihm als seinen Namen^). 

Galvani, Giuseppe. — 1834 

Selten vorkommender italienischer Geigenmacher aus 
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Eine Geige 
von ihm besaß J. Haberzettl in Drasswitz bei Karlsbad. 

Gamble, Ernest. — Leicester 1880 

Er hatte ein gutes Geigengeschäft, die Geigen, die 
seinen Zettel tragen, hat er jedoch nicht gemacht, 
sondern nur verkauft. 

^) Wenn G. Chouquet in seinem Bericht über die Aus- 
stellung 1878 einen »Galiani« erwähnt, meint er wohl, 
wenn nicht einen Gagliano — Rocco Galtani. 



Gamble — Gand 



157 



Gamble, J.- 1785 

In einem guten Violoncello fand sich dieser Name. 

Gambon, A. — Maastricht (Holland). 1828. 

1858 

Seiner Arbeit nach gehört er der französischen Schule 
an. Seine Geigen sind aber in jeder Beziehung mittel- 
mäßig. C. C. Snoeck besaß eine Violine von ihm aus 
dem Jahre 1828. Auf einem Reparaturzettel von 1858 
schreibt er seinen Namen deutlich lesbar »Gambom«. 
Es ist nicht zu entscheiden, ob er sich da verschrieben 
hat, oder ob er diese Schreibweise für richtiger hielt. 
Geigenzettel : Racommode / par A. Gambon / Lutier / 
ä Maestricht. (gedruckt). 

Gambonl— Neapel. Geb. um 1724, fn. 1814 
An seinen Geigen ist eigentlich nur das Holz gut, und 
dies verdankt man dem Umstände, daß er im Besitz 
von Geigenholz aus dem Nachlasse von Antonius Amati 
war^). 

Gand, A. E., lebt als ■>Luthier<' in Laval (Dep. 
Mayenne) 

Gand, Charles- Adolphe. — Paris. Geb. in 
Paris 11. Dez. 1812, f 24. Jan. 1866 
Schüler seines Vaters, dessen Werkstatt er 1845 über- 
nahm. Er hat nicht viele neue Geigen gebaut, die 
v.'enigen aber sind trefflich. Er wurde, wie sein Vater, 
Geigenmacher der Königl. (später Kaiserl.) Hofkapelle 
und des Konservatoriums und wurde 1862 zum Ritter 
der Ehrenlegion ernannt. Im Jahre 1855 trat sein 
Bruder Eugene in das Geschäft; die Firma lautete 
von da an bis 1866 »Gand freres« und stand nach wie 
vor in höchstem Ansehen. 

Gelgenzettel: Adolphe Gand fils / ä Paris 1832 (ge- 
schrieben) und Abb. 300. 

Gand, Charles -Fran^ois (»Gand pere«). — 
Paris. Geb. in Versailles am 5. Aug. 1787, 
t 10. Mai 1845 in Paris 

Sohn von Michel G. Von 1807—1810 würdiger Schü- 
ler, später der Ehemann der Pflegetochter und seit 1824 
auch Nachfolger Nie. Lupots. Nach seiner Lehrzeit 
war er kurze Zeit in Versailles ansässig") und ging dann 
nach Paris, wo er 1810 die Werkstatt und den Nachlaß 
Kolikers kaufte und zunächst in der Rue Croix des 
Petits Champs Nr. 5 und seit 1820 in derselben Straße 
Nr. 24 seine Werkstatt aufschlug. Nach Lupots Tode 
übernahm er 1824 auch dessen Werkstatt. Er war un- 
streitig der bedeutendste französische Geigenmacher 
seiner Zeit, unübertroffen in der Sorgfalt und künst- 
lerischen Durchführung seiner Arbeit. Seine Geigen 
sind herrlich im Ton und schön in ihrem rotbraunen, 
manchmal etwas dicken und nicht allzu durchsichtigen 



^) Bei der 1814 von ihm veranstalteten Auktion kaufte 
Gagliano solches Holz für drei Violinen um 100 span. 
Piaster (über 500 M.). 

^) Damals bezeichnete auch er sich auf seinen Zetteln, 
die vor 1816 zumeist geschrieben waren, als »Gand fils«. 



Lack. Ebenso trefflich war er als Reparateur. Seine In- 
strumente werden schon jetzt den alten italienischen 
als gleichwertig an die Seite gesetzt und teuer bezahlt. 
Das Museum des Pariser Konservatoriums besitzt ver- 
schiedene Arbeiten von ihm. Er hatte zwei Söhne. 
Geigenzettel: Gh. F. Gand eleve de Nicolas Lupct / 
successeur du sieur Koliker / rue Croix des Petits 
Champs 5 Paris 1810 (gedruckt) und Abb. 304-306. 

Gand, Charles-Michel. — Versailles. Geb. um 
1 748 in Mirecourt, f 1 820 in Versailles 
Um 1780 ließ er sich in der Rue du Commerce Nr. 71, 
später in der Rue de la Paroisse Nr. 32 nieder. Sein 
Firmenschild lautete: »Aux tendres Accords«. Über 
seine Arbeiten ist nichts bekannt. Er ist der erste 
Geigenmacher in seiner Familie; doch waren seine 
Vorfahren bereits Geigenhändler. Er hatte zwei Söhne 
Charles Fran^ois und GuiUaume. 

Gand, Charles-Nicolas-Eugene. — Paris. Geb. 
in Paris am 5. Juni 1825, f 5. Febr. 1892 
Jüngerer Sohn und Schüler von Ch. Fran?. G. Er ver- 
band sich 1855 mit seinem Bruder und 1866 nach 
dessen Tod mit den Brüdern Bernardel. Die beiden 
berühmten Häuser wurden dadurch zu einem veremigt, 
ihre Werkstätten waren zuerst in der Rue Croix des 
Petits-Champs Nr. 21 und seit 1883 in der Passage 
Saulnier. Aus ihren Händen gingen nur treffliche In- 
strumente hervor, da sie auch in der Wahl ihrer Mit- 
arbeiter außerordentlich vorsichtig waren. Eugene G. 
war auch ein tüchtiger Musiker und Offizier der Ehren- 
legion. Seine erste Violine trägt den Zettel: »Eugene 
Gand fils / ä Paris 1842 No 1.« 
Geigenzettel : Gand & Bernardel F^es / Luthiers de la 
Musique de l'Empereur et du Conservatoire / No . . 
Paris 18 . . (gedruckt) und Abb. 301 und 302. Nach 
1886 d. h. nach dem Ausscheiden Ernest Bernardeis: 
Abb. 303. 

Gand, Francesco. — Madrid. 1788 

Ein nach Spanien verschlagenes Mitglied der Mire- 
courter Familie. A. Jacquot kennt eine schöne Arbeit 
(Alto) von ihm. Eine Viola trägt den Zettel: Echo p'' 
Franc. Gand / En Madrid aiio 1788 (geschrieben). 

Gand, Guillaume- Charles -Louis. — Ver- 
sailles. Geb. 22. Juli 1 792 in Paris, f 3 1 . Mai 
1858 in Versailles 

Zweiter Sohn von Charles-Michel G. Gilt mit Recht 
für einen der besten Schüler Lupots. Nachdem er bei 
Lupot ausgebildet war. übernahm er die Werkstatt 
seines Vaters; in seiner Arbeit setzte er Lupots Tradi- 
tionen fort und baute viele Geigen, die jetzt sehr ge- 
schätzt werden. 

Gand. — Amiens. 1803 

Er stammte wahrscheinlich aus Mirecourt und dürfte 
ein Bruder von Charles-Michel G. gewesen sein. 
Geigenzettel : Recoupe par Gand / luthier ä Amiens / 
en 1803 (gedruckt). 



158 



Gand — Garman 



Gand. — Toulouse. 1774 

A. Jacquot erwähnt eine Gitarre von ihm. 

Gandl s. Gändl 

Ganzer s. Kranzer 

Ganzeria, Luigi. — San Feiice (Modena). Geb. 

um 1794, t 1861 

Arbeitete handwerksmäßig, seine Geigen smd fast 

wertlos. 

Garai, Janos (Johann). — Temesvär 

Ein Blas- und Streichinstrumentenmacher, der in den 
letzten Jahren des 1 9. Jahrhunderts in Temesvär an- 
sässig war. 

Garani, Michele Angelo. — Bologna. 1685. 

1720 

Nachahmer von Stradivarius. Seine Violen werden be- 
sonders gelobt wegen ihrer guten — aber ungleichen 
Arbeit und wegen ihres weichen Tons. 
Geigenzettel :. A. / Michael / Garanus / F. Bonon. (ge- 
druckt). 

Garani, Nicola. — Neapel. Um 1700 

Soll aus Bologna stammen und als Gehilfe bei den 
Gagliani gearbeitet haben. Dadurch erklärt sich auch 
die Ähnlichkeit seiner Arbeit mit der Gaglianischen. 
Er nimmt die Wölbung hoch und verwendet einen 
dünnen Lack. Der Ton seiner Geigen ist edel, wird 
aber durch das schlechte Holz sehr beeinträchtigt. 

Garbito, Antonio. — ? 1815 

Eine spanische Gitarre aus dem Besitze der Mrs. Cecil 
Bosanquet war im Jahre 1904 in der Londoner »Music 
Loan Exhibition« ausgestellt. 

Garceux, L. — Paris. 1809 

Man findet hier und da seinen Namen in Geigen, die 
er geflickt hat, auch sollen die Bauernrad-Weiberleiern, 
die auf der Decke L. G. und die Jahreszahl eingebrannt 
tragen, von ihm sein. Eine solche von 1797 hat 
eine Lang- und zwei Begleitsaiten, elf Tasten, flachen 
Boden und flache Decke und ist 700 mm lang und 
340 mm breit. 

Geigenzettel: Repare a Paris par / L. Garceux 1809 
(gedruckt). Brandmarke Nr. 53. 

Garcia, Juan. — Madrid 

Mandolinen- und Gitarrenmacher. 

Gardelli, Federico. — Neapel 

Von 1880 bis etwa 1900 besaß er ein mit einer Werk- 
statt verbundenes Musikinstrumentengeschäft. 



Garden, James. — Edinburgh. — Geb. in 

Edinburgh 1849 

Ein vorzüglicher Geiger, der aus Liebhaberei einige 
Geigen und Violen nach Stradivari gemacht hat. Er 
verwendet Whitelaws roten »Amatilack«. 
Geigenzettel: Jas. Garden, Edin. 1887 (gedruckt). 



Gardiner (Gardner), Pearson. — London. 1 760 
Selten vorkommender englischer Geigenmacher, der 
im Stile von Duke arbeitete. Eine Violine von ihm be- 
sitzt J. T. Chapman. 

Gardner, C. — London. 1865 

In englischen Händlerverzeichnissen werden öfter Gei- 
gen von ihm angeboten. 

Garenghi, Giuseppe 

Lebte um 1857 als Geigenmacher in Brescia. 

Garganesi, Vito und Antonio. — Monopoli 

(Puglie). 1898 

Ihre Mandolinen erfreuen sich einer gewissen Be- 
liebtheit. 

Gargnano. 

Aus einer wahrscheinlich in dem mitten in Zitronen- 
gärten und Olivenhainen nahe bei Salö gelegenen statt- 
lichen Dorfe Gargnano am Gardasee betriebenen 
Geigenmacherwerkstatt gingen verschiedene Arbeiten 
hervor, in denen sich der hier wiedergegebene Zettel 
findet. Die Jahreszahl dürfte 1621 gelautet haben. Mir 
wurde ein recht gutes Violoncello von Brescianer Aus- 
sehen bekannt. In seinem verdächtigen Latein und 
seiner Orthographie wird der Zettel, den auch Hajdecki 
erwähnt, immerhin anfechtbar erscheinen, um so mehr, 
als G. Livi nachweisen konnte, daß weder in Brescia 
noch in Salo samt Umgebung je eine Familie Gargnano 
existiert habe. Da aber die Instrumente und der Zettel 
zweifellos alt sind, könnte man im besten Falle anneh- 
men, daß die Witwe Fior, die Schwiegertochter Gaspa- 
ros, sich nach Gargnano bei Salo zurückgezogen und 
dort eine Werkstatt unterhalten hat; sie konnte sich ja 
in gewissem Sinne als Erbin Gasparos betrachten. 

Geigenzettel : Abb. 265. 

Gargo, Giovanni. — Forli. 1785 

Streichinstrumente hat er wohl nur ausnahmsweise ge- 
baut, doch kommen Lauten, Mandolinen und kleine 
Harfen von ihm mehrfach vor. • 

Garini, Michelangelo. — ? 

Mittelmäßige italienische Geigen des 19. Jahrhunderts 
haben Zettel mit diesem wahrscheinlich erfundenen 
Namen, der wohl an »M. A. Garani« anklingen sollte. 

Garjev. — Kaluga 

Russischer Geigenmacher der Gegenwart. 

Garman, Göran. — Stockholm. 1784. 1807 

Er war von 1784—1807 Geselle bei Peter Kraft, der 
ihm seine Werkstatt und alles, was dazu gehörte, unter 
der Bedingung vermachte, daß er Meister werde und 
Lars Mollenberg zum Teilhaber annehme. Um un- 
gehindert die beim Klavierbau nötigen Tischlerarbeiten 
ausführen und Tischlergesellen einstellen zu können, 
schloß er sich, wie vorher sein Meister, der Tischler- 
zunft an. 



Garner — G 



avinies 



159 



Gamer, John. — London-Chelsea, f 1901 

Ein Liebhaber, der es durch Talent und Fleiß zu 
großer Geschicklichkeit brachte und sich auch gut 
auf den Ton verstand. 

Garner, Joseph. — Broxbourne. 1828 

Einige gute Violinen tragen seinen Namen. Auch in 
Chelsea soll um 1849 ein H. Garner ansässig gewesen 
sein und nach Stradivari undGuarneri gearbeitet haben. 

Garnier, Adolphe. — Mirecourt. 1 766. 1 787 
Man weiß nur, daß er gelebt hat. 

Garter (Gärtner), Michel. — Salzburg. 1510. 

1538 

Jedenfalls identisch mit Mich. Barttner (s. d.). Er wird 
im Salzburger Bürgerbuche als Lautenmacher aufge- 
führt und kommt von 1511 — 1538 in den Urkunden 
des Archivs der k. k. Landesregierung in Salzburg vor. 
Von ihm befinden sich zwei Lauten im Museum Caro- 
lino-Augusteum in Salzburg. 

Garter (Gärtner), Veit. — Salzburg. 1510 
Nach dem Salzburger Bürgerbuch war er der Sohn 
Michel G.s und, ebenso wie dieser, Lautenmacher. 

Garzano, Giuseppe, lebt in Catania (Sizilien) 

Gaskin, wird als Name eines englischen Geigen- 
machers angegeben. 

Gaspan s. Caspan 

Gaspard, Leon. — Mirecourt 

Besitzer der Fabrikfirma »Gaspard fils« (L. Gaspard 
& Co.). 

Gast, Jörg. — Füssen. 1606. 1612 

Als Mitglied der Lautenmacherinnung kommt er schon 
1606 vor und ist 1612 Unterzeichner einer Beschwerde 
gegen einen die Zunft schädigenden Holzhandel. 

Gast, Mang (Magnus). — Füssen. 1621 

Er wurde am 26. Dezember 1621 als Meister in die 
Füssener Lautenmacherzunft aufgenommen. 

Gastano, A. — Messina. 1890. 1896 

Er erhielt 1893 in Chicago für eine Geige eine Aus- 
stellungsmedaiUe. 

Gattanani. — ? 1785. 1790 

Ein piemontesischer Geigenmacher von geringer Be- 
deutung soll so geheißen haben. Wahrscheinlich han- 
delt es sich um einen Catenari. 

Gattenan s. Catenari 
Gatti, Angelo. — Mailand 

Italienischer Geigenmacher unserer Zeit. 

Gatti, Ernesto. — Nizza. 1886 

Seine Violinen sind nicht schlecht. Er stattet sie manch- 
mal recht hübsch aus; den Wirbelkasten versieht er mit 
geschnitzten Köpfchen (Leopardenkopf u. dgl.)- 



Gatti, Giorgio. — Turin. 1899. 1911 
Italienischer Geigenmacher der Gegenwart. 
Geigenzettel: Giorgio Gatti / fece in Torino l'anno 
. 1899(gedruck0. 

Gaudre, Nicolas. — Mirecourt. f 1784 
Bogenmacher. 

Gaulard, Joseph.— Mirecourt. 1738. f 19.Mäiz 

1779 

Nur urkundlich nachweisbar, wie auch der 1774 — 1789 
vorkommende Louis Gaulard. 

Gaulard. — Troyes. 1835 

Ein Mirecourter, der sich nicht über den Durchschnitt 
erhob. Besser als seine Geigen sind seine Bögen; ein 
solcher befindet sich in der Sammlung des Pariser 
Konservatoriums. 

Gauss, Jakob. — Cannstatt. 1618 

Ein Orgelmacher, der wohl wie die meisten seiner da- 
maligen Berufsgenossen auch allerlei Lauten gebaut 
hat. 

Gauthie (Gautie), Pierre. — Toulouse. Geb. 

in Fronton 1880 

Erst Schüler seines Vaters, dann von P. Lorange und 
von Cunault. Auch in Mirecourt hat er ein Jahr lang 
gearbeitet. In Toulouse wurde er Nachfolger von 
Simonin. Er verlegte sich hauptsächlich auf Wieder- 
herstellungsarbeiten, besitzt aber bereits verschiedene 
Auszeichnungen. 

Gautier, hat eine Geigenmacherwerkstatt in 

Aix 

Gautrot aine & Co. — Paris. Gegr. 1827 

Bekannte Musiklnstrumenten-Fabriksfirma, die haupt- 
sächlich Flöten, aber auch Gelgen herstellt. Die Firma 
lautet jetzt Couesnon & Cie Succrs. Gautrot aine & Cie. 

Gautrot. — Chateau Thierry. 1855. 1877 
Ein Mirecourter, der 1855 eine Fabrik begründete, In 
der auch Gelgen und Bögen hergestellt wurden. 

Gavelli, Giacomo. — Perugia. 1797 

Ein Gelgenmacher, den Valdrlghl (9175) erwähnt. 

Gavigny. — Paris. 1758 

Hei In Lille bekam eine Violine zur Wiederherstellung, 
deren Aussehen an die Klotzschule erinnerte und die 
den Zettel trug : fals par Moy Gavigny, / Maitre Luthier 
a / Paris 1758 (geschrieben). 

Gavinies, Frangais. — Bordeaux. Paris. Geb. 
um 1700, fnach 1770 

Ein geschickter Meister, der, wenn er wollte, sehr gute 
Gelgen machen konnte, häufig aber so minderwertige 
Ware herstellte, daß böse Zungen von ihm behaupteten, 
er habe nur ein gutes Werk zustande gebracht, und das 
sei sein Sohn — der treffliche Gelger Pierre Gavinies — 
gewesen. Er folgte seinem Sohne 1741 nach Paris und 



160 



javoni 



ließ sich in der Rue St. Thomas du Louvre nieder, wo 
er von der Lautenmacherzunft zum geschworenen 
Meister für 1762 erwählt wurde. Seine guten Geigen 
sind aus schönem Holz gebaut, gut in der Form und 
im Lack. Statt der Schnecke verwendete er auch ge- 
schnitzte Köpfe, z. B. einen König David an emem 
Kontrabaß, den die Schule des Pariser Konservato- 
riums besitzt. Dieser Baß hat einen trefflichen Ton und 
stammt aus dem Jahre 1757. Im Museum desselben 
Konservatoriums befinden sich noch mehrere Geigen 
und Violen von ihm. Ein Quinton von 1749 wird in 
Bruni-Gallays Inventaire (aus dem Besitz des Grafen 
Puysegur) erwähnt (S. 121). — Er ahmte gerne das 
große Stradivarimodell nach und versah seine Arbeiten 
auch mit einer Brandmarke. 
Geigenzettel : Abb. 236 und 312. 

Gavonl, Antonio. — Modena. 1777 

Violoncelli und Bässe von ganz gewöhnlicher, hand- 
werksmäßiger Arbeit von ihm kommen gelegentlich 
noch vor. 

Gavot. — Mirecourt 

Von dieser Familie nennt A. Jacquot : 
Nicolas I G. 1738; 
Nicolas II G. 1741. 1763; 
Nicolas III G. 1747. 1765. 

Gazzeri, Domenico. — Florenz. — 1682 

Sohn des Marco G. Ein älterer florentinischer Lauten- 
macher, den Valdrighi (1 196) erwähnt. 

Gazzola, Prosdocimo. — Crespano. Geb. 1 822, 

fnach 1884 

Hauptsächlich als Baßmacher und trefflicher Repara- 

teur bekannt. 

Geaye s. Jaye 

Gebhardt, J. C. — Hamburg 

Ein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebender 
Meister, der zwar nur selten Geigen oder Violoncelli, 
dagegen sehr viele und gute Bässe gebaut hat. 
Geigenzettel: J. C. Gebhardt / Instrumentenmacher / 
in / Hamburg (gedruckt). 

Gedler (Gidl), Johann Anton. — Füssen. 1 752. 

1800 

Schüler von Maldoner oder S. Niggel, deren Modelle von 
ihm nachgeahmt wurden. Es ist wahrscheinlich, daß 
auch in Füssen schon eine Arbeitsteilung eintrat, und 
daß es dort u. a. schon Halsschnitzer gab. So dürfte der- 
selbe Halsschnitzer, der für Fr. Ant. Stoß die Schnecken 
machte, auch für Gedler gearbeitet haben. Die übrige 
Arbeit ist recht gut, der Boden meist aus einem Stück, 
die Wölbung noch höher als bei Stainer, der rotgelbe 
Lack dünn aufgetragen und spröde. Gedler machte 
auch noch Geigen nach den im 17. Jahrhundert be- 
liebten Modellen, mit wellenförmig ausgebogenen 
Zargen. Der Ton ist manchmal vorzüglich, oft aber 
auch schwach und näselnd. Eine Violine von ihm mit 
der Jahreszahl 1800 befindet sich auf dem Chore der 
St. Mang-Kirche in Füssen. 
Geigenzettel : Abb. 277. 



- Geipel 

Gedler, Joseph Benedict. — Füssen. Geb. um 
1759, t 28. März 1830 

Sohn und Schüler von J. Ant. G., den er nachahmte. 
Sein Lack ist jedoch heller, oft goldgelb oder weinrot, 
aber ebenfalls spröde. Die Arbeit ist gut und der Ton 
hell und leicht ansprechend. Er war der letzte Geigen- 
macher von einiger Bedeutung in Füssen, wo sein An- 
denken bis auf den heutigen Tag fortlebt. 
Geigenzettel: Joseph Benedictus Gedler / in Füfsen 
1 796 (gedruckt). — Joseph Benedikt Gedler in / Füfsen 
1812 (gedruckt). 

Gedler. Norbert. — Würzburg. 1715. 1723 

Er wanderte aus Füssen, wo schon 1504 ein aus Tann- 
heim stammender Konrad Gedler nachzuweisen ist, in 
Würzburg ein und wurde Hoflauten- und Geigen- 
macher des Bischofs von Würzburg. Er war sehr ge- 
schickt, scheint jedoch jung gestorben zu sein. Seine 
Arbeit wurde geschätzt, aber sein Name kam in der 
entstellten Form »Bedler« in die Geigenliteratur, da in 
einigen seiner handschriftlichen Zettel das G dem 
heute gebräuchlichen B ähnelt. De Piccolellis nennt 
ihn sogar BeSler. Das Museum des Pariser Konservato- 
riums besitzt eine sehr schöne Viola di bordone, eine 
ebensolche von 1715 die Sammlung Keil in Lissabon 
(Nr. 256), eine Viola Dr. med. Hildenbrand in Duis- 
burg und Hauptlehrer Roman Dereth in Miltenberg 
ein sehr gutes (aus einer Kirche im Bistum Würzburg 
stammendes) Violoncello von ihm mit dem Zettel: 
Norbertus Gedler / Hochfürstl. / Hof-Lauten- und 
Geigen- ,' Macher in Würtzburg / im / Jahr 1 722. 

Gehring, Friedrich. — Basel. Geb. 1854 in 

Trutingen (Kanton Bern) 

Erlernte bei C. M. Ott in Basel den Klavierbau, ar- 
beitetevon 1881 — 1882 in Paris, hielt sich dann von 1883 
an über sechs Jahre in Nordamerika auf, wo er sich 
1884 selbständig machte, kehrte aber 1889 in die Hei- 
mat zurück und eröffnete in Basel ein Geschäft, in 
welchem er den Klavierbau und den Bau von Streich- 
instrumenten mit neuartigem Resonanzkasten betreibt 
(auch Gitarren und Zithern). Geigen in der gebräuch- 
lichen Form macht er jedoch nicht. Sein Modell hat 
keine seitlichen Einbuchtungen; die Decke ist stark 
gewölbt und direkt mit dem Boden verbunden. Die 
Urteile über diese Erfindung gehen noch scharf aus- 
einander, doch läßt sich nicht leugnen, daß Gehring 
Instrumente von schöner Klangfülle gemacht hat. Er 
verwendet als Grund Spirituslack und als Decklack 
Kopal oder Bernsteinlack. 

Geigenzettel: Fritz Gehring / Instrumentenmacher / 
Basel 18 . . / Pat. N» . . (gedruckt). 

Geiger, Fr. J., lebt in Sulzberg bei Kempten 

Geipel, Hermann. — Brambach i. S. Geb. 

1862 in Fleissen i. B. 

Schüler von Ludw. Glaesel jun., war nach beendeter 
Lehrzeit fünf Jahre als Gehilfe tätig und begründete 
1884 in Brambach sein eigenes Geschäft, in welchem 
nach eigenem System lackierte Streichinstrumente her- 
gestellt werden, die hauptsächlich nach England gehen. 
Er ist der Schwager Aug. Ant. Reicheis. 



Geipel — Geissenliof 



161 



Geipel. — Markneukirchen 

Von dieser Familie, deren Stammvater, aus dem Böh- 
mischen eingewandert, schon 1726 erscheint (ein Adam 
Geipel lebt noch In Fleissen), sind oder waren in der 
Markneukirchener Geigenindustrie tätig : 

Geipel, Carl Christian. Geb. 1. Oktober 1863 

Geipel, Ernst Ferdinand. Geb. 26. Febr. 1866 

in Landwüst 

Geipel, J. Friedrich I. 1727 

Er war der Schüler seines dem Vornamen nach nicht 
bekannten Vaters und wurde am 10. Januar 1727 als 
Meister in die Zunft aufgenommen, wobei er nur die 
ermäßigten Gebühren als Sohn eines Meisters zu be- 
zahlen hatte. 

Geipel, J.Friedrich II. Geb. 10. Sept. 1809, 
t 18. März 1872 

Er war ursprünglich Tischler und wurde erst später 
Geigenmacher. 

Geipel, Moritz. Geb. 12. November 1852 

Geipel, Reinhold Adolph, f 1910 

Geipel, Walter Edwin. — Homburg, Mann- 
heim. 1918. Geb. in Zwota 
Tüchtiger Geigenbaumeister. 

Geissenhof, Franz. — Wien. Geb. in Vilsl 754, 

f 2. Januar 1821 in Wien 

Er war ein Sohn des Pflegers und Urbarverwalters 
Joh. Mich. G. und kam als Gehilfe nach Wien, wo er 
Schüler und seit 1781 Nachfolger von Joh. Gg. Thir 
wurde. Er legte am 29. Juli 1 780 den Bürgereid ab und 
wohnte Singerstraße Nr. 922. Er war ein hervorragen- 
der Meister, der nach italienischen Vorbildern und be- 
sonders nach dem Stradivarimodell von 1716 arbeitete. 
In bezug auf die Arbeit kann er als der beste Wiener 
Meister bezeichnet werden. Leider ist der Ton seiner 
Geigen nicht sehr groß. In seiner Arbeit lassen sich 
vier Perioden unterscheiden. Die erste ist bis 1790 an- 
zusetzen; in dieser Zeit haben seine Geigen einen sehr 
dunklen Lack und sehen wie die seines Lehrmeisters 
Thir aus. Die zweite Periode umfaßt die Zeit von 
1790—1800. Er bevorzugt jetzt ein flacheres Modell, 
der Lack, wenn auch noch dunkel, wird durchsichtiger, 
nur konnte er sich noch kein schönes Ahornholz ver- 
schaffen. Die Böden sind daher nur wenig oder gar 
nicht geflammt. In seiner dritten Periode von 1800 bis 
1810 erreicht er die volle Höhe seines Könnens, 
das Modell wird breiter, Wölbung, Einlagen und Rän- 
der sind von tadelloser Schönheit, der Lack wird braun- 
gelb, manchmal mehr oder weniger rötlich gemischt. 
In der vierten Perlode von 1810 an nimmt er die Rän- 
der etwas massiger, seine Arbeit Ist jetzt so vollendet, 
daß sie von niemand mehr übertroffen werden könnte. 
Der Lack wird von 1815 an immer heller und manch- 
mal sogar hellgelb. Leider pflegte er, wie viele andere 
Geigenmacher seiner Zeit, seine Geigen vor dem 
V. Lütg-endorf f , Geigen- und Lautenmacher. Bd. II 



Lackieren mit Leimwasser zu tränken, um die Holz- 
flächen besser glatt zu erhalten. Der Lack wurde da- 
durch sehr empfindlich und kann namentlich durch 
Nässe leicht zerstört werden. In seiner Glanzzeit 
machte er die Schnecken ganz besonders schön, die 
Facetten treten rein und in vornehmster Linien- 
führung hervor, wie sie kein zweiter Wiener Geigen- 
macher ausstechen konnte. Auch die F-Löcher nach 
Stradivari sind von besonderer Feinheit und die unteren 
Zungen sehr elegant ausgehöhlt. Außer se;nen Zetteln 
gebrauchte er am Boden, in der Nähe des Halsansatzes, 
ein F. G. als Brandmarke (Nr. 21) von einem schief ge- 
stellten Parallelogramm von Doppellinien umrahmt. 
Kommt die Brandmarke am Plättchen des Halsansatzes 
vor, dann fehlt die Umrahmung. Er scheint die Marke 
In den Lack eingebrannt zu haben, weshalb sie jetzt 
manchmal hell hervortritt oder verwischt erscheint. 
Geissenhof war außerordentlich genau und gewissen- 
haft In der Arbelt, er arbeitete meistens allein, da er 
keinen Gehilfen finden konnte, der seinen strengen An- 
forderungen entsprach. Er ließ kein Stück aus der 
Werkstatt, das nicht ganz einwandfrei war, und doch 
Ist die Zahl der von ihm gebauten Instrumente ziem- 
lich groß, so daß man daraus leicht ersehen kann, wie 
fleißig er war. In einzelnen wenigen Fällen arbeitete er 
wohl auf Bestellung auch nach den Modellen von 
Gaspar da Salö oder Maggini usw., aber mit weniger 
Erfolg. Seine Violen entsprechen seinen Violinen ; Vio- 
loncelli scheint er sehr selten gebaut zu haben, ich 
kenne nur drei davon und nur einen einzigen Kontra- 
baß. Er stand in hohem Ansehen und erhielt für eine 
Violine die damals und für Wien ziemlich hohe Summe 
von 60 fl. Schein. Der Verkaufswert seiner Geigen ist 
in den letzten Jahren außerordentlich gestiegen. Von 
einem schön kastanienbraun lackierten Quartett, das im 
Jahre 1877 noch für 100 fl. gekauft werden konnte, sind 
die beiden Violinen und die Viola einige Jahre vor dem 
Kriege für 1600 K. verkauft worden. Heute zahlt man 
für gut erhaltene Violinen geradezu fabelhafte Preise. 
Von den mir bekanntgewordenen Arbeiten erwähne 
Ich der Kürze halber nur die folgenden: Eine sehr 
schöne Viola befand sich In der Wiener Musik- und 
Theaterausstellung. Das Stift Schotten In Wien besaß 
zwei Gelgen von ihm aus den Jahren 1800 und 1809') 
und das Stift Klosterneuburg eine solche von 1810, 
Herr Edw. Speyer in Rldgehurst eine solche von 1804, 
eine Violine von 1 797 Steueroff Izlal Banauch in Auster- 
litz. Die letzte Arbeit von Ihm (gelbbraun lackiert), die 
bei seinem Tode bis auf die Wirbellöcher fertig war") 
besitzt A. Kottenbach In Wien. Eine Violine nach 
Gaspar da Salö besitzt Hofmusiker Franz Heinrich, 
zwei Violinen von 1786 und 1805, eine davon nach 
Maggini, Valentin Waller, in dessen Sammlung sich 
auch eine Viola von 1805 befindet. Ein Violoncello von 
1804 und eine goldgelbe Violine von 1817 besitzt Prof. 
Mayr, eine ebenso lackierte, prachtvolle Viola Dr. med. 



') Im Inventar von 1868 werden die beiden Geigen 
noch aufgezählt, in dem von 1887 nicht mehr, doch wird 
bemerkt, daß sie 1881 oder kurz darnach gestohlen worden 
seien. 

") Sie war als Weihnachtsgeschenk für den damaligen 
Schüler (späteren Lehrer) Weiß bestellt, von dem sie der 
jetzige Besitzer erbte. 

11 



162 



jeissenho 



hof — Ge 



ider 



Jos. Neubauer. Ferner besitzen : das Stift Admont eine 
hochgewölbte Violine von 1 796, Dr. Zimmermann eine 
schokoladenbraune Viola von 1 784. 
Geigenzettel: Neu lackiert und Repariert / Franz 
Geißenhof Wien 1 807 (geschrieben) und Abb. 24 1 , 272, 
313 und 315 (Beispiel eines falschen Zettels.) 

Geissenhof, Josephus. — Wien. 1790 

Im Stift Klosterneuburg befindet sich eine Violine mit 
dem Namen »Josephus Geissenhof fecit Vienae Anno 
1790«. Ein Josephus G. ist urkundlich nicht nachzu- 
weisen, es Ist daher anzunehmen, daß der Zettel eine 
der schon bald nach Geissenhofs Tod zahlreich vor- 
kommenden Fälschungen ist, wobei sich der Fälscher 
dadurch zu decken suchte, daß er den Vornamen oder 
die Schreibweise des Namens änderte. 

Geisser, Ernst. — St. Petersburg. Geb. 1854 

in München 

Schüler von Franz Ramftler, bei dem er von 1866 bis 
1869 lernte. Er arbeitete dann bei Kriner in Stuttgart 
und bei Ludwig Otto, mit dem er nach St. Petersburg 
übersiedelte. Von 1875—1878 diente er als Musiker 
beim Königl. Leibregiment in München, ging dann 
zu Otto zurück und machte sich 1881 selbständig. Er 
arbeitet sehr sauber nach Stradivari, erhielt 1889 m 
Paris, 1893 in Chicago und 1896 in Antwerpen je eine 
silberne und auf der Petersburger Musikfachausstellung 
1907 die große goldene Medaille. Er ist Geigenbau- 
meister des Konservatoriums der Kaiserl. Musikgesell- 
schaft zu St. Petersburg und ein gewiegter Kenner, der 
jährlich größere Reisen unternimmt, um Meister- 
instrumente zu sammeln. 

Geisser, Nikolaus. — St. Petersburg. Geb. 
1 884 zu St. Petersburg 

Nach Absolvierung der deutschen St. Petrischule trat 
er bei seinem Vater Ernst G. in die Lehre und arbeitete 
dann bei L. Mougenot in Mirecourt und bei Silvestre 
und Maucotel in Paris. Seiner Militärpflicht leistete er 
von 1904 — 1905 in Lindau Genüge und wurde dann 
Teilhaber des väterlichen Geschäfts. Er baut Geigen 
und Violoncelli nach Stradivari und Guarneri und nach 
einem eigenen Modell und verwendet einen Ollack. 

Geissler, Ed. Fried. — Beuthen O.-Schl. 1890. 

tum 1898 

Er nannte sich Streichinstrumentenmacher, beschränkte 

sich jedoch auf Flickarbeiten. 

Geitner (Geittner), Wilhelm. — Breslau. 1 826. 

tum 1843 

Der beste Lauten- und Gitarrenmacher seiner Zeit m 
Schlesien. Er hat auch gelegentlich Geigen ausgebessert, 
schwerlich aber neue gebaut. Eine von ihm wieder- 
hergestellte Laute ist im Schlesischen Museum für 
Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau zu finden. 

Gelmini, Geminiano. — Ferrara. 1508 

Ein alter Lautenmacher, den Valdrighi (4179) aufzählt. 



Gelmini, Giovanni. — Brescia. Geb. 1804, 

t 1864 

Nur als Erfinder von Vorrichtungen zur besseren Be- 
saitung von Gitarren und Zimbeln usw. sowie als Er- 
finder einer Gitarrenlaute erwähnenswert. 
Geigenzettel : Joannes Gelmini / Brescianus Inventor / 
Anno 1863 No 26 (geschrieben). 

Gemünder, August Martin Ludwig. — Neu- 
york. Geb. 22. März 1814 zu Ingelfingen, 
t l.Sept. 1895inNeuyork 
Schüler seines Vaters Joh. Gg. G., arbeitete einige Jahre 
in verschiedenen deutschen Städten als Gehilfe und 
begründete 1839 seine eigene Werkstatt In Regensburg, 
ohne es dort zu etwas zu bringen. Er wanderte daher 
1846 nach Amerika aus und ließ sich zuerst In Spring- 
field (Mass.) nieder und ging 1860 nach Neuyork. Hier 
kam er bald zu großem Ansehen und galt bei vielen als 
der beste amerikanische Geigenmacher seiner Zeit. Er 
war ein geschickter, freilich auch von sich selbst sehr 
eingenommener Kopist und arbeitete nach Stradivari, 
Guarneri und Maggini. Das Holz ist gut gewählt, der 
Lack goldgelb bis dunkelrot. Die echt amerikanische 
Reklame, die er betrieb, hat seinem Ruf In Europa 
jedenfalls mehr geschadet als genützt. Er veröffent- 
lichte auch eine Selbstbiographie. 

Gemünder, August & Sons. — Neuyork 

Geigenmacherflrma der Gegenwart, deren Inhaber jetzt 
sind : August M. G. (geb. 4. Mai 1862 in Neuyork;) und 
Rudolf G. (geb. 9. Februar 1865). Die Firma gibt seit 
1892 die Zeitschrift »The violln-world« heraus. 

Gemünder, Georg. — Astoria, Boston, Neu- 
york. Geb. 1816 in Ingelfingen, t 15. Jan. 

1899 

Sohn von Joh. G., bei dem er auch gelernt hat. Später 
kam er zu VuIUaume In Paris. 1849 wanderte er nach 
Amerika aus, verstand es, durch ausgezeichnete 
Arbeit verdiente Anerkennung zu finden. Auf der 
Wiener Weltausstellung 1873 hatte er eine Kopie nach 
Joseph Guarneri ausgestellt, die er »Kaisergeige« taufte 
und für die er 10 000 Dollars verlangte. Wenn der Preis 
auch allzu hoch gegriffen war, so war die Geige doch 
so gut, daß vielfach behauptet wurde. Gemünder habe 
eine echte alte Geige einfach mit seinem Namen ver- 
sehen. Auch er machte gern laute Reklame und ver- 
öffentlichte 1883 gelegentlich der Weltausstellung in 
Amsterdam eine Broschüre »George Gemünders Pro- 
gress in VIolinmaking«. Er verstand sich sehr gut dar- 
auf, das alte Aussehen der Geigen, die er kopierte, nach- 
zuahmen. Weniger glücklich war er manchmal In bezug 
auf die Tonschönheit. 

Gemünder, Johann (Georg Heinrich). — 
Ingelfingen (Württemberg). Geb. 1782, 

t 1836 

Ein kleiner Gelgenmacher, der (angeblich) viel für das 

Fürstl. Hohenlohesche Haus gearbeitet haben soll. 



Genin — Gerle 



163 



Vater von August und Georg Gemünder. Nach den 
Erzählungen des ersteren scheint er jedoch ohne künst- 
lerisches Verständnis gewesen zu sein. 

Genin, Joseph. — Mirecourt. 1778 

Er wird als »Joseph G. fils« in den Akten geführt und 
war Bogenmacher. Es ist daher anzunehmen, daß sein 
Vater dem gleichen Beruf angehörte. 

Gennaro s. Fabbncatore (auch Vinaccia) 

Genouel. — Laval (Dep. Mayenne). 1912 

Er bezeichnet sich als Luthier, doch habe ich keine 
Arbeiten von ihm kennengelernt. 

Genova, Giovanni Battista. — Turin. 1765 

Italienischer Geigenmacher, den ich nur durch eine 
gute, im Besitz von G. Winterling in Hamburg befind- 
liche Geige kennenlernte. 

Geigenzettel : Fecit Taurini Joannes / Baptista Genova 
1765 (gedruckt). 

Genovese, A. — Lille. 1885. 1910 
Ein Luthier, der nicht ungeschickt sein soll. 

Gentile, Michele. — Lucca. 1883 

Unbedeutender Geigenmacher aus dem letzten Drittel 
des 19. Jahrhunderts. 

Gentner, J. — Dillingen. 1891 

Sein Reparaturzettel findet sich in Geigen. 

Georg, Hans. — (Mark-)Neukirchen. 1678. 

1682 

Er kommt zwar urkundlich als Geigenmacher vor, ist 
aber im Kirchenbuche nicht zu finden. Möglicherweise 
hat man es hier nur mit dem Taufnamen eines Meisters 
zu tun. 

Georgeot, Jean-Claude. — Mirecourt. 1 787 
In einer Geige von F. Breton stand auf der Innenseite 
der Decke mit Bleistift sein Name geschrieben. Er 
scheint also für diesen Meister gearbeitet zu haben. 
Auch A. Jacquot nennt ihn. 

Georgi s. Giorgi 

Geraldi, Hieronymus s. Gerolamo Virchi 

Gerani (Garani), N. — Neapel. 1790. 1830 
Die Arbeit ist gewöhnlich, aber gut, der Lack von 
gelber Farbe. 

Gerani. — Turin. 1750 

Eine sehr gute Geige mit diesem Namen wurde vor 
einigen Jahren in London für 30 £ ausgeboten. 

Gerani, Paolo. — Cremona. 1614 

Manche wollen den Namen »Gerans« lesen. Er gehört 
zu den unbekanntesten Cremonesern. 



Gerardin. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der A. Jacquot nennt: 
AntoineG. 1745. 1748 
Denis G. 1789 
Joseph G. 1772. 1789. 

Gerardin. — Paris. 1772 

Ein Mirecourter, von dem C. Snoeck ein .Alto von ge- 
wöhnlicher Arbeit, ohne Einlagen besaß mit dem Zettel 
»Gerardin, maitre luthier pres de la limite des Italiens / 
ä Paris 1772«. Ein Geigenhändler, vielleicht auch 
Geigenmacher dieses Namens kommt in Paris noch 
1819 vor. 

Gerardin — Bourges. 1811 

Gute Arbeit in Mirecourter Stil, roter Lack. 

Gerberon, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 1787 
Nur urkundlich nachweisbar. 

Gerlach, Johann Christian. — Hamburg. 1 744 

Man kennt bisher nur Klaviere von ihm. Er erwarb am 
24. Januar 1744 das Bürgerrecht als »Instrumenten- 
macher«. 

Gerle (Gerla, Gerlein), Conrad. — Nürnberg. 
Blühte um 1460, t 4. Dez. 1521 

Ein berühmter Lautenmacher, dessen Lauten ausdrück- 
lich als »deutsche Lauten« berühmt waren. Vgl. J. Neu- 
dörffers Nachrichten und den noch immer wertvollen 
Aufsatz von J. K. S. Kiefhaber in der Allg. Musik- 
Zeitung, Leipzig 1816, S. 309ff. In »Norischer Christen 
Freydhöfe Gedächtniss usw.« Nürnberg 1682, Bd. 2, 
S. 2 ist bei Grabstein Nr. 1 1 (bei St. Rochus) rechts 
von der Tür am Eingang die Inschrift seines Epitaphi- 
ums verzeichnet: ».'\nno 1521 an St. Barbara Abend 
starb der Erbar Mann Conrad Gerl Lautenmacher dem 
GOtt gnädig sey. Amen.« Er besaß ein Haus in der 
Breitengasse und hinterließ nach seinem Tode eine 
Witwe Walburg und mehrere unmündige Kinder. In 
den Gerichtsbüchern im Nürnberger städtischen Ar- 
chiv (.Abt. L. Literarum Bd. 27, Bl. 146) wird Konrad 
Gerlein Lautenmacher und seine Ehefrau Walburga 
genannt. Sie kauften von Anna Deichsler, Heinrich 
Deichslers Witwe, die Erbschaft ihres Hauses in der 
Kotgasse um 50 fl. rh. Nach Bd. 30, Bl. 168 und Lib. 
Lit. kauften Konrad Gerlein und seine Frau Walburga 
im Jahre 1516 von Martin und Agnes Finsterer ein 
Haus in der Breitengasse um 130 fl. 

Gerle, Georg. — Innsbruck. 1 569, f um 1 589 

Das wenige, was sich über sein Leben ermitteln ließ, 
findet sich in D. Fr. Waldners Nachrichten über tiroli- 
sche Lauten- und Geigenbauer. Danach war G. Gerle 
im Jahre 1569 schon Kaikant und Instrumentenmacher 
bei der Hofkapelle des Erzherzogs Ferdinand, und da 
er sich 1572 auf seine langjährigen Dienste beruft, 
dürfte er schon in Prag bei der gleichen Kapelle an- 
gestellt gewesen sein. 1586 erläßt der Erzherzog ein 
Befehlsausschreiben, dem Georg G. 40 fl. für zwei 
Werke »ehetunlichst« zu bezahlen. Eine Laute von ihm 
befindet sich in der Sammlung alter Musikinstrumente 
des kunsthistorischen Museums in Wien (A. 35), die 

II* 



164 



Gerle — Gliidini 



schon im alten Inventar von 1596 erwähnt wird. 
Diese Laute ist eirund; der Rücken besteht aus elf 
Elfenbeinrippen. Griffbrett 240 mm lang, 40—54 mm 
breit, fünf Doppelsaiten und eine einfache Saite; Länge 
des Korpus 450 mm, im Inneren die gedruckte Zettel- 
inschrift: »Georg Gerle Fürstlicher Durchleuchtig- / 
kait Chalkandt zu Ynnsprugg«. 

Gerle, Hanns. — Nürnberg. Geb. um 1505, 

t 1599 

Sohn von Conrad Gerle. Berühmter Lauten- und 
Geigenmacher, der auch als Lautenist, Gelger und 
Sänger sehr geschätzt war. Seine Instrumente galten 
als die besten seiner Zeit und hatten noch im 17. Jahr- 
hundert eine, man kann sagen, europäische Berühmt- 
heit. In Neudörffers Nachrichten wird er gewürdigt, 
1532 erschien sein Porträt; im gleichen Jahre gab er 
heraus : »Musica Teutsch auf die Instrument der großen 
und kleinen Geygen, auch Lauthen etc. durch Hans 
Gerle lutinist zu Nurenberg aussgangen« (2. Aufl. 1546 
»Musica u. Tabulatur aüff die Instrumenten der kl. u. 
gr. Geygen etc.«)0- In einem Verzeichnis der Musik- 
instrumente des fürstl. Hauses Este in Modena von 
1598 wird unter Nr. 18 ein »Cembalo del Gherla« er- 
wähnt. Bei Doppelmeyer heißt es von ihm (S. 291) 
»ein Geigenmacher, war sowohl in Geigen als Lauten 
von einer schönen Proportion, guten Resonanz und 
mancherlei Größen zu machen, auf welchen beiden 
Instrumenten er auch gar fein spielte, zu seiner Zeit in 
einer guten Renommee«. 

Gerle, Melchior. — Innsbruck. 1589. 1605 

Sohn von Georg G. und seit 1 589 als Kaikant und In- 
strumentenmacher sein Nachfolger in der erzherzog- 
lichen Hofkapelle, die aber nach dem Tode des Erz- 
herzogs im Jahre 1596 aufgelöst wurde. Melchior G. 
blieb in Innsbruck, wo er schon 1591 Barbara Lutz 
geheiratet hatte. 1605 wurde ihm noch ein Sohn ge- 
boren und 1618 starb die »Ehewirtin des Lauten- und 
Instrumentenmachers Melchior Gerl« bereits als Witwe. 
(Vgl. Dr. F. Waldners mehrfach angeführte Schrift 
S. 52.) — Arbeiten von ihm sind mir nicht bekannt. 

Gerlein (Gerle), Hans. — Nürnberg. 1618 
Vermutlich ein Enkel Conrad Gerles. Er erscheint mit 
der ausdrücklichen Bezeichnung »Lautenmacher« m 
den Nürnberger Gerichtsbüchern (Liter. 130, Bl. 55) 
am 14. Juli 1618 als Besitzer eines Hauses in der Kot- 
(jetzt Brunnengasse) und Breitengasse, das vordem 
Conrad G. besessen hatte. 

Germain, Emile. — Paris. Geb. 24. Juli 1853 

in Paris. 1906 

Sohn von Joseph-Louis G. Zuerst lernte er (seit 1864) 
in Mirecourt und seit 1867 bei seinem Vater, dessen 
Geschäft er 1876 übernahm. Bei dieser Gelegenheit 
verband er sich mit dem Lackerfinder-) Dehommais, 

^) Ein Exemplar besitzt die Staats-Bibliothek in Ber- 
lin. Vgl. auch: Beschreibung eines neu entdeckten Lauten- 
buchs von Hs. Gerle usw. Wien 1 900. 

-) Sein Lack wurde im Inneren der Geigen aufgetragen. 
Außerdem erfand er ein Verfahren, das Holz künstlich 
»alt« zu machen. 



einem Liebhaber, der jedoch 1882 aus der Firma wie- 
der austrat. Germain ist ein hervorragend geschickter 
Geigenmacher, der auch auf der Pariser Ausstellung 
1900 treffliche Arbeiten ausgestellt und die goldene 
Medaille erhalten hat. In 10 Jahren hat er an 500 Gei- 
gen gemacht. 

Geigenzettel : Abb. 243 und 294. 

Germain, Joseph-Louis. — Paris. Geb. 23.Juh 
1822 in Mirecourt, t 5. Juh 1870 

Er wurde in seinem Geburtsort ausgebildet, kam 1840 
nach Paris und trat bei Ch. F. Gand ein. Nach dessen 
Tod ging er zu J. B. Vuillaume und blieb hier bis 1850, 
um dann bei den Söhnen Gands bis 1862 zu arbeiten. 
Hierauf machte er sich in der Rue Saint Denis Nr. 364 
selbständig und ging 1870 nach Mirecourt zurück, wo 
er dann am 5. Juli 1870 starb. Ein großes Talent von 
außerordentlicher Bescheidenheit. 

Geigenzettel: Joseph-Louis Germain / ä Paris, Annee 
1868 (gedruckt) und Abb. 234 und 242. 

Germain, Louis. — Paris. 1756 

Vermutlich ein Mirecourter. C. C. Snoeck besaß eine 
Tenorgeige aus dem Jahre 1756 von ihm. 

Germano. — Mailand. 1906. 1907 

Seine Geigen sind in England nicht unbeliebt. 

Geroni (Gerani), Domenico. — Ostia. 1800. 

1820 

Da er nichts eigenartiges besaß, aber leidlich gut nach- 
ahmte, wurden seine Geigen gerne von Händlern mit 
berühmteren Namen versehen, so daß man heute nur 
selten etwas von ihm in die Hände bekommt. 

Geigenzettel : Domenico Geroni Ostiano / fecit Anno 
1817 (gedruckt). 

Gervais, T., lebt in Boston (Mass.). 
Gesü e Maria s. Tomaso Eberle 

Geycke, Joachim Wilhelm. — Hamburg 

Ein Instrumentenmacher, der am 27. Oktober 1797 das 
Bürgerrecht erwarb. 

Gherardi, Giacomo. — Bologna. 1677 

Einige Bässe von ihm haben sich erhalten, jedoch in 
einem Zustand, daß man ihn nicht danach beurteilen 
kann. 

Ghirardi, Giovanni Battista. — Venedig. 1791 
Vielleicht ein Nachkomme des Bolognesers G. Gherar- 
di. In seiner Arbeit recht unbedeutend. 
Geigenzettel : Joannes Bapta : Ghirardi / fecit anno 1 791 
Venetijs (geschrieben). 

Ghidini, Carlo. — Parma. 1746. 1773 

Ein wenig befähigter Nachahmer. 



Giacomett! — Gilbert 



165 



Glacometti,Glanbattista(gen.>>DelVlolino«)-— 

Rom. 1586 

Man kennt ihn wohl nur als Erbauer von Harfen (Dop- 
pelharfen), doch läßt sein Beiname mit einiger Sicher- 
heit darauf schließen, daß er auch Geigen gemacht 
hat. 

Giacomo. — Chioggia. 1346 

Ein alter Lautenmacher, dessen Namen Valdrighi (3963) 
mitteilt. 

Giambenni. 

Von dieser Familie kommt 1701 in Florenz ein Alessan- 
dro G. als Lautenmacher vor, der als Sohn eines 
Giovanni G. bezeichnet wird ; femer von etwa 1 770 an 
ein Simone oder SImeone G., der auch gute Geigen 
gemacht hat. Sein Modell weist Einzelheiten auf, die 
mehr an die Tiroler als an eine italienische Schule er- 
innern. Der Lack ist goldgelb und von guter Be- 
schaffenheit, die Einlage ziemlich breit. Möglicher- 
welse sind beide Nachkommen des um 1 350 erwähnten 
Giovanni Lodovico Giamberini in Ferrara. 

Gianni, Alessio. — Modena (Montagne). 1 793 
Man kennt einige wenige, leidlich gut klingende Geigen 
von Ihm, die aber wenig ansprechend in Ihrer Arbelt 
sind. 

Gianoli, Domenico. — Mailand. 1731 

Ein Nachahmer der Cremoneser und als solcher nicht 
ungeschickt. 

Gianottl, Achille 

Lebte um 1872 In Sarzano und soll gute Reparaturen 
ausgeführt haben. 

Gibbs, James. — London. 1800. f um 1845 

Er arbeitete hauptsächlich für J. Morrison, George 
Corsby und Samuel Gllkes, unter deren Namen daher 
auch die meisten seiner Arbeiten gehen. 



Gibertmi, Antonio. 
1850 



arma 



,G 



enua. 



1797- 



Seinerzeit erfreute er sich eines gewissen Ansehens, 
und selbst PaganinI vertraute Ihm seine Gelgen zum 
Ausbessern an. Er ahmte die Guarnerl mit Geschick 
nach und hatte einen dunkelroten, etwas dicken Lack, 
der noch immer recht gut genannt werden darf. Nach 
1833 war er in Genua ansässig. Er erfand einen Mecha- 
nismus, den er >>zur Erhöhung der Tonfülle« In den 
Geigen anbrachte, und der manche Ähnlichkeit mit der 
Sprengerschen Tonschraube hat. Sein Name wurde 
In weiteren Kreisen zuerst durch Francesco Antolinis 
Broschüre gegen Galbusera bekannt, da in dieser sein 
Loblied gesungen wurde. 

Geigenzettel: Restauro e corresse nell anno 1839 in 
Genova / Antonio Gibertini di Parma / Premiato piü 
volte in Milano con Medaglia etc. (gedruckt). — 
Antonio Gibertini / (Tier -Vignette) Parma 18 . . 
(gedruckt). 



Gibertoni, Giuseppe (gen. Paninlno). — Mo- 
dena. 1829 

Ein Dilettant, der sich in allerlei »Künsten« versuchte, 
so als Feuerwerker, als Tischler und Gelgenmacher — 
überall mit dem gleichen Mißerfolg. 

Gibl, Laurenz. — Prag. Anfang des 17. Jahr- 
hunderts 

Ein Lauten- und Gelgenmacher, von dem nichts 
Näheres bekannt ist. 

Giboreau. — Lüttich 

Giboreau, Auguste und Giboreau, Deslre-Alphonse- 
Dieudonne (geb. 27. April 1866) leben als »Luthlers« 
in ihrer Vaterstadt. 

Gibson, Frank. — Boston. 1908. 1912 

Amerikanische Gelgenmacherfirma der Gegenwart. 

Gidl s. Gedler 

Glehrl, Lorenz. — Amberg (Bayern). Geb. 
10. April 1813, t 2. Juni 1892 

Schüler von Thumhart In Amberg. Nachdem er einige 
Jahre hindurch In verschiedenen Werkstätten gearbeitet 
hatte, machte er sich In Amberg als Geigenmacher und 
Musikinstrumentenhändler ansässig. Während seiner 
vierzigjährigen Tätigkeit hat er eine Anzahl von sehr 
sauber nach AmatI gearbeiteten Geigen gemacht. Am 
Wirbelkasten brachte er gerne einen Löwenkopf an. 
Eine sehr gute Geige von ihm besitzt das Amberger 
Lehrerseminar. Seltener kommen Violen und Zithern 
von ihm vor. 

Gelgenzettel: Lorenz Glehrl / Saiten- Instrumenten- 
macher in Amberg / 1865 (gedruckt). 

Glgli, Giulio Cesare. — Rom.. 1721. 1762 
Wahrscheinlich ein Sohn oder Enkel des 1640 in Rom 
vorkommenden Zimbelmachers Giovanni Giglio. Wenn 
er Im ganzen auch nicht zu den hervorragendsten 
Meistern gehörte, so machte er doch einige sehr gute 
Gelgen nach AmatI, die in ihrem rotgelben Lack und 
ihrer .Arbeit für ihn sprechen. Besonders seine Violon- 
celli sind lobend hervorzuheben. Viele seiner Arbeiten 
sind jetzt unter »berühmten« Namen Im Handel. Das 
Musikhistorische Museum von W. Heyer In Köln be- 
sitzt eine violinförmige Taschengeige (VIolIno piccolo) 
Nr. 757 von ihm, die nicht ohne Verdienst ist. 
Gelgenzettel : Abb. 252. 

Gilbert, Jeffery James. — Peterborough. Geb. 
16. Aug. 1850 in New Rowney (Kent, Eng- 
land) 

Einer alten, angesehenen kentischen Familie entstam- 
mend und ursprünglich für einen anderen Beruf be- 
stimmt, hatte er im Geigenbau keinen eigentlichen 
Lehrer. Wohl war sein Vater (geb. 1 8 1 4) ein begeisterter 
Musikfreund, der als Dilettant einige gute Violoncelli 
machte, und von Ihm erhielt er die ersten Unter- 
weisungen. Nachdem er sich einmal mit dem Geigen- 
bau beschäftigt hatte, verlegte er sich mit Feuereifer 



166 



Gilbert — GiofTreda 



auf das Studium dieser Kunst und trat mit den besten 
Kennern und Künstlern m Verbindung; so mit Charles 
Reade, George Hart, Horace Petherick, Dr. John Day 
und George Withers, von denen er wertvolle Ratschläge 
erhielt. Er begann seine Studien 1873 in NewRomney 
und setzte sie dort bis 1 887 fort, in welch letzterem Jahre 
er nach Peterborough übersiedelte. Er bildete sich ein 
eigenes Modell, das bis zu einem gewissen Grade von 
Stradivari beeinflußt erscheint, und das er, ohne sich 
selbst stets sklavisch nachzuahmen, im Laufe der Zeit 
immer mehr vervollkommnet hat. Seine Arbeit ist von 
lobenswerter Vollendung sowohl in bezug auf die 
Schönheit des Holzes und der Form, als auch in bezug 
auf den Ton. Sein Lack, der von hübscher Leuchtkraft 
ist, zeigt entweder goldgelbe (hell und dunkel), braune 
oder tiefrote Farbe und ist das schließliche Ergebnis 
vieljähriger Versuche. Er hat an 200 Instrumente ge- 
macht, die alle ein individuelles, künstlerisches Gepräge 
haben und von manchen Autoritäten selbst den ita- 
lienischen als nahekommend an die Seite gestellt wer- 
den. Er besitzt viele Auszeichnungen ; eine ausführliche 
Biographie von ihm veröffentlichte Rev. W. Meredith 
Morris in Nr. 121 (Mai 1900) der Zeitschrift »The 
Strad«. 

Geigenzettel : Jeffery J. Gilbert Peterborough / Fecit. 
Anno MDCCCCIV. (gedruckt). 

Gilbert, Nicolas-Louis. — Metz. 1701. 1706 

Em geschickter Violenmacher, von dem 1878 In Paris 
eine hübsche fünfsaitige Viola (Pardessus de Viole) 
ausgestellt war. Das Museum des Brüsseler Konserva- 
toriums besitzt eine gleiche Arbeit von ihm. 

Geigenzettel : NIcolas-Louis Gilbert / facteur d'instru- 
ments ä Metz / 1701 (geschrieben). 

Gilbert, Simon. — Metz. 1730. 1789 

Vielleicht der Sohn von Nie. Louis G. Er war Mitglied 
des Domorchesters in Metz und ein fleißiger Geigen- 
macher, der sehr sauber nach einem Amatimodell ar- 
beitete und einen besonders guten Lack verwendete. 
Ein Quinton (richtiger Pardessus de Viole) von 1744 
befand sich in der Sammlung Sax, ein ähnliches von 
1749 besaß Loup, eine fünfsaitige Viola (Pardessus de 
Viola) findet sich in W. Heyers Musikhistorischem 
Museum in Köln, Nr. 788. Ein gleiches sehr hübsch 
gearbeitetes Instrument von 1752 mit goldgelbem Lack 
und einem geschnitzten Frauenköpfchen mit Hut be- 
sitzt Fritz Wildhagen in Haiensee. 

Geigenzettel: Abb. 274. 

Gilchnst, James. — Rothesay, Glasgow. Geb. 
in Rothesay 1832, f 1894 in Glasgow 

Er begann seine Laufbahn als Metallarbeiter und Me- 
chaniker und fertigte alle Arten der feinsten wissen- 
schaftlichen Instrumente an. Mit einem gründlichen 
Wissen verband er eine außerordentliche Handgeschick- 
lichkeit, außerdem besaß er eine prächtige Tenor- 
stimme und ein feines Gehör. Erst spät, um 1880, 
wandte er sich dem Geigenbau zu, aber dann mit 
solchem Eifer und solcher Begeisterung, daß er es bald 
dahin brachte, daß ihm seine Verehrer den Namen des 
»schottischen Stradivarius« gaben. Er verwendete aus- 
gezeichnetes Holz, berechnete die Stärkenverhältnisse 



von Decke und Boden nach seinen eigenen mathe- 
matischen Grundsätzen und stellte 50 Ausmessungen 
fest, um eine richtige und genaue Einteilung der Decke 
in bezug auf Baßbalken, Stimme und Steg zu erzielen. 
Er gab auf alle Kleinigkeiten acht und fütterte sogar 
die Wirbellöcher der Schnecke nach einem eigenen 
System. Er machte im ganzen 86 Violinen, Violen und 
Violoncelli und ließ keine fremde Hand an seine Arbeit 
kommen; sogar die Werkzeuge, mit denen er arbeitete, 
fertigte er sich selbst an, verbesserte die gebräuch- 
lichen und erfand neue dazu. Seine Geigen wurden 
schon zu seinen Lebzeiten hoch bewertet; für ein Quar- 
tett erhielt er 3000 M. Professor J. Bell Pettigrew, 
dem er auch die Modelle zu dessen Untersuchungen 
des Vogelflugs konstruiert hatte, besitzt eine Sammlung 
von Gilchristschen Geigen. Trotz alledem ist G. zu 
keinem Vermögen gekommen, und seine Frau pflegte 
zu sagen: »Machen kann er alles — nur kein Geld«. 
Er war ein durchaus origineller Mann und ein erfinde- 
rischer Kopf, wie man wenige kennt. 

Geigenzettel: James Gilchnst/ Rothesay, 1881 (gedr.). 

Gilig s. Gülich 

Gilkes, Samuel. — London. Geb. 1787 in 

Morton Pmkney (Northamptonshire), f Nov. 

1827 m London 

Schüler von Charles Harris sen.; arbeitete bei Willi- 
am III Forster und eröffnete 1810 seine eigene Werk- 
statt. Er arbeitete im Stile von Harris nach dem Amati- 
modell recht sauber und verwendete einen guten Lack. 
Er wurde auch von Händlern viel beschäftigt. Seine 
Geigen und Violoncelli sind heute sehr gesucht. 

Geigenzettel: Gilkes / from Forster's / Violin and 
Violoncello Maker / 34, James Street Buckingham 
Gate / Westminster. (gedruckt) und Abb. 287. 

Gilkes, William. — London. Geb. 1811 in 
Tothill Fields, Grey Coat Str. (Westminster), 
t 1875 m London 

Sohn und Schüler von Samuel G., dessen Nachfolger 
er wurde. Er verlegte die Werkstatt später in die 
Dartmouth Street und machte viele Geigen nach ver- 
schiedenen Modellen. Er gehört zu den besten neueren 
Nachahmern Magginis und verstand es auch gut, den 
Lack zu imitieren. Im ganzen ist er aber weniger be- 
deutend als sein Vater. Am besten gelangen ihm Kon- 
trabässe. 

Gilmore, Richard. — Melbourne (Carlton). 
1880 

Ein australischer Musikinstrumentenmacher, der für 
Geigen und einen Dudelsack auf der Ausstellung In 
Melbourne einen zweiten Preis erhielt. 

Gmi lebt als Gesellschafter der Firma Gini & 

Benvenuti in Pisa 
Gioffreda, B. — Turin. 1860 

Sein Name fand sich auf einem schlecht leserlichen 
Reparaturzettel. 



Giordanelli — Gisalberti 



167 



Giordanelli 

Ein Mandolinenmacher, der in Marseille ein Musik- 
instrumentengeschäft betreibt. 

Giordano, Alberto. — Cremona. 1725. 1740 
Er gehört zwar zu den weniger bekannten Nachahmern 
Stradivaris, doch hat er einige hübsche Violoncelh und 
Taschengeigen gemacht. Sein Lack ist schön, von gelb- 
brauner oder rötHcher Farbe. 

Geigenzettel: Alte. Giordano fecit. / Cremonae 17.. 
(gedruckt). 

Giorgetti, Giovanni Antonio. — Barga. 1847 
Ein begabter, aber unbedeutender Geigenmacher; seine 
besten Arbeiten sind denen von Ventapane im Aus- 
sehen, in der Arbeit und im Lack sehr ähnlich. Im 
allgemeinen arbeitete er jedoch sehr ungenau und flüch- 
tig. Auch sein Sohn wurde Geigenmacher (Valdnghi 

4200,4201). 

Giorgi. Nicola. — Turin. 1717. 1760 

Er gilt als ein Schüler G. Cappas, seiner Arbeit nach 
kann man ihn eher einen Stradivarinachahmer nennen, 
dem am besten Violen gelangen. Eine kleine Viola 
d'amore von feiner Arbeit trägt den Zettel: Nicolaus 
Giorgi faciebat / Taurini anno 17.. (gedruckt). 

Geigenzettel: Abb. 246. 

Giovannetti, Leonardo. — Lucca. Geb. in 
Luccaum 1816, f 30. Nov. 1884 

Sohn von Lelio Luigi und Ernesta G. Er war Advokat, 
ein vielseitiger Gelehrter und Dilettant in allen mög- 
lichen Künsten. Als eifriger Musiker (tüchtiger Klavier- 
und Orgelspieler) kam er auch darauf, Musikinstru- 
mente zu bauen, und als es ihm gelang, einen vorzüg- 
lichen Geigenlack herzustellen, machte er in den Jahren 
1855 — 1858 auch einige Violinen, die durch nichts 
verraten, daß sie Dilettantenarbeit sind. Noch größere 
Erfolge hätte er erzielt, wenn er beim Geigenmachen 
geblieben wäre, aber er verlegte sich dann darauf, kleine 
Orgeln zu konstruieren usw. ; er kam durch seine viel- 
fachen Liebhabereien schließlich um sein ganzes Ver- 
mögen und starb im bittersten Elend. Ein Schlaganfall 
machte seinem Leben ein Ende, und es ist nur zu be- 
dauern, daß er seine »Geheimnisse« mit ins Grab nahm. 

Giovannini, Giorgio. — Rom. 161 1 

Ein Lautenmacher, den man bei Valdnghi (3779) auf- 
gezählt findet. 

Giquelier, Chnstoforo. — Paris. 1712 

Lauten- und Geigenmacher, von dem das Pariser Kon- 
servatorium eine fünfsaitige Viola di batarda besitzt 
(Nr. 153). 

Giraniani. — Livorno. 1730 

Vidal und Niederheitmann erwähnen ein gutes In- 
strument mit gelbem Lack und einem geschriebenen 
Zettel von 1730 mit diesem Namen, der wohl »Grag- 
nani« hätte gelesen werden müssen. 



Girardin, Paulus. — ? 1751 

In einer Geige von kleinem Patron wollen einige diesen 
Namen gelesen haben. Das Wort Cremona, das auf 
dem Zettel noch zu entziffern ist, dürfte eine Firma- 
bezeichnung sein, nicht aber den Ursprungsort an- 
geben. 

Girgitto s. Gusetto 

Girod, Claude. — 18. Jahrhundert 

Er wird gewöhnlich als Geigenmacher bezeichnet, doch 
weiß ich nur, daß der 1791 verstorbene Graf von Maille- 
bois eine Drehle-er (vielle) von ihm besaß. 

Girolamo, Antonio. — »Cremona« 

Aus dem mißverstandenen Zettel der Brüder Antonio 
und Girolamo Amati haben findige Händler einen 
neuen Geigenmacher entstehen lassen, den sie in das 
Jahr 1790 setzten und mit dessen Zettel sie sehr 
zweifelhafte Geigen wertvoller erscheinen lassen woll- 
ten. 

Giron, Claude. — Troyes. Geb. 1 . März 1762, 

t 19. Mai 1832 

Er arbeitete (nach Kinskys Ermittlungen) seit 1 . Sept. 
1788 mitVillaume bei Claude Aubert, dessen Geschäft 
beide im Jahre 1791 übernahmen, wobei sie die Firma 
in Villaume et Giron änderten. Giron scheint auch 
einzelne Geigen allein gemacht zu haben. Wenigstens 
gibt es Instrumente, die einen Zettel nur mit seinem 
Namen tragen, der Name Villaume ist einfach weg- 
geschnitten, der Plural »Luthiers« aber geblieben, was 
A. Jacquot zu der irrigen Annahme verleitete, es habe 
zwei (Brüder) Giron gegeben. 
Geigenzettel: Abb. 237. 

Giroux. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der 1 788 ein Jacques G. 
und ungefähr gleichzeitig ein Joseph G. nachzuweisen 
ist. 

Girvan, Thomas. — Edinburgh. Geb. 30. Dez. 
1847 in Dalkeith 

Er war lange Militärmusiker und spielt außer Blech- 
instrumenten auch die Geige. Durch Honeymans 
Schriften kam er darauf, sich im Geigenmachen zu 
versuchen, und hat seitdem aus Liebhaberei etwa zwei 
Dutzend Violinen gemacht nach dem Stradivarimodell. 

Geigenzettel : Thomas Girvan / Edinburgh / 1 869 (ge- 
schrieben). 

Gisalberti, Andrea. — Parma, Bozzolo. 1716. 

1730 

Er nennt sich selbst einen Cremoneser, doch scheint er 
aus Rimini zu stammen. Es ist ungewiß, ob er bei 
Mariani in Pesaro oder bei Maggini gelernt hat, jeden- 
falls hat er von beiden manches angenommen, ohne 
dabei den Einfluß Gasparo da Salos zu verleugnen. 
Viele seiner Geigen verraten die Hand eines echten 
Künstlers, doch scheint er im Alter nachgelassen zu 
haben, oder sein Zettel ist durch Mißbrauch in zwar 
alte, aber gewöhnliche Geigen gekommen. Andere, 



168 



Gisalberti — Gläsel 



die seinem Stil sehr nahe kommen, tragen den Namen 
»Santo Ballerini«, was Horace Petherick veranlaßte, 
wahrscheinlich zu machen, daß dieser Name ein Pseu- 
donym Gisalbertis war. Wichtiger aber ist Horace 
Pethericks Nachweis, daß Gisalberti der Lehrer Guar- 
neris del Gesü war, was er durch Geigenzettel dieses 
Großmeisters aus den Jahren 1706 und 1714 belegen 
konnte, auf denen sich dieser ausdrücklich emen Schü- 
ler Gisalbertis nennt. Diese Bezugnahme auf den Leh- 
rer beweist aber auch, daß Gisalberti seinerzeit in be- 
sonderem Ansehen gestanden haben muß. Geigen, die 
ihm einwandfrei zugeschrieben werden können, smd 
immer sehr gut und haben emen reichen edlen Ton. 
Wahrscheinlich gehört er auch zu den Meistern, denen 
die besten Arbeiten durch das Einkleben von Zetteln 
mit im Handel gangbareren Namen genommen worden 
sind. 

Geigenzettel : Andreas Gisalberti / Cremonensis / fecit 
Bozsolo 1716 (geschrieben) und Abb. 249 und 250. 

Gisalberti, Giuho Cesare. — Bologna. 1588 

Ein Lautenmacher, dessen Name bei Valdrighi (4204) 
genannt wird. 

Gitter, Andreas. — Augsburg. Um 1800 

Ein bekannter Musikalienhändler, der auch mit Musik- 
instrumenten handelte, in die er einen Zettel mit seiner 
Firma klebte. Eine aus seinem Geschäft stammende 
alte Schlagzither besitzt W. Heyers Musikhistorisches 
Museum m Köln. 

Giudici, Virgilio. — Porto Alegre 

Brasilianischer Mandolinen- und Gitarrenmacher der 
Gegenwart. 

Giulani (Giuliani). — Cremona, Saluzzo. 1 660 

Schüler von Nicola Amati, den er recht brav nach- 
zuahmen verstand. Seine Violen sind besonders gut, 
ebenso ein Kontrabaß, der in W. Heyers Musikhiston- 
schem Museum in Köln zu sehen ist. 

Giuliani, Alfonso 

Nur als Mandolinenmacher zu erwähnen. 

Giuseppe, Carlo s. Isep 

Giusino s. Berti 

Giusti, Giovanni Battista. — Lucca. 1682. 

1693 

Als Lautenmacher nicht hervorragend, dagegen zeigen 
seine Cembali durchweg schöne Arbeit. 

Geigenzettel : Joannes Baptista Giusti, / Lucensis fa- 
ciebat anno 1693 (gedruckt). 

Gladstone, Robert. — Newcastle onTyne. 1871 

Englischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 
19. Jahrhunderts. 

Geigenzettel : Robert Gladstone / Newcastle on Tyne / 
Dec. 28t'n. 1871 (geschrieben). 

Gläsel; — Markneukirchen 

Eine weitverzweigte Familie. Als Geigenmacher waren 
oder sind tätig; 



Gläsel, August. — t 1 4. Oktober 1 900 in New- 

York 
Gläsel, Carl Wilhelm. — Geb. 8. Aug. 1770, 

t 30. Jan. 1855 

Seine Geigen sind gut, der Lack dunkelbraun, das Holz 
oft schöner, als bei vielen seiner vogtländer Zeitgenossen. 
Auf älteren Zetteln gibt er auch »Tyrol« oder gar »Tier- 
hier« (sie) als Ursprungsland an. 

Geigenzettel: Abb. 320. 

Gläsel, Ernst. — Geb. 1849 

Schüler seines Vaters Joh. Ludw. Gl. 1873 übernahm 
er das väterliche Geschäft (Firma Gläsel & Mössner). 
Er verwendet einen von ihm zusammengesetzten so- 
genannten Levantiner Lack und erfand einen Bogen 
»zum Selbstbehaaren«. 

Geigenzettel: Abb. 310. 
Gläsel, Friedrich August 

Lebte im 18. Jahrhundert und soll aus Adorf stammen. 
Er war Geigen- und Gitarrenmacher. Seine Arbeiten 
tragen gewöhnlich die Brandmarke F. A. G. Das Mo- 
dell ist ähnlich wie das der Familie Hopf, hat aber doch 
einige Unterscheidungsmerkmale. Brandmarke Nr. 19. 

Gläsel, G. — Geb. 1720, t 1782 

Urgroßvater von Heinr. Hermann Gl. 

Gläsel, Gottlob August. — Geb. 28. Dez. 1872 

in Adorf 
Gläsel, Heinrich. — Geb. 1757, f 1837 

Sohn und Schüler von G. Gläsel. 

Gläsel, Heinrich Adolf. — Geb. 10. Jan. 1866 

Schüler seines Vaters Heinr. Hermann Gl. und der 
Markneukirchener Fachschule. Als Gehilfe arbeitete 
er 1884 in Rostock, dann bei Adam, Möckel sen. und 
Riechers in Berlin, machte sich 1886 in Berlin selb- 
ständig und übernahm auf Wunsch seiner Eltern 1891 
die väterliche Saitenfabrik. Er baut jetzt nur noch in 
seinen Mußestunden Geigen, die jedoch nicht in den 
Handel kommen. Diese sind nach Stradivan- oder dem 
alten Gläselmodell gemacht und haben Spiritus- oder 
Ollack. Der Zettel ist handschriftlich auf Pergament. 

Gläsel, Heinrich Hermann. — Geb. 10. Jan. 

1838 

Sohn und Schüler von Karl Gl. Er machte seinerzeit 
u. a. viele Streichmelodions und verlegte sich schließ- 
lich auf die Saitenfabrikation. 

Gläsel, Heinrich Ludwig 

Streichinstrumentenfabrikant, Mitinhaber der im Jahre 
1917 errichteten Firma L. Gläsel und Sohn. 

Gläsel, Immanuel I. — Markneukirchen. Geb. 
22. März 1819, t 1881 

Sohn von Carl Wilhelm Gläsel. Durch unermüdlichen 
Fleiß und angeborenes Talent brachte er es zu be- 



Gläsel — Glass 



169 



merkenswerter Meisterschaft. Er war auch musikalisch 
gebildet, was seiner Arbeit sehr zum Vorteil gereichte. 
In den Jahren 1850 und 1861 erhielt er in Leipzig und 
Berlin silberne Ausstellungsmedaillen. Sein Nachfolger 
ward sein Sohn Oscar. 

Gläsel, Immanuel II. — Markneukirchen. 
Geb. 27. Jan. 1878 

Sohn von Oscar Gl. und jetzt Mitinhaber der geschätz- 
ten Firma »Oscar Gläsel«. 

Gläsel, Johann Ludwig (»Ludwig Glaesel 
sen.«). — Geb. um 1815, f nach 1890 
Er wurde 1838 Meister und war hauptsächlich Baß- 
macher. 

Gläsel, Karl. — Geb. 1810, f 1850 

Gläsel, Konrad, lebt als Geigenmacher in 

Brüssel 
Gläsel, Ludwig ('>Ludwig Glaesel jr.«). — Geb. 

1842 

Enkel von Carl Wilhelm Gl., Schüler seines Vaters. 
Von 1863 — 1865 arbeitete er als Gehilfe bei Grimm in 
Berlin, bei dem er seine Ausbildung in künstlerischer 
Richtung abschließen konnte. Im Jahre 1867 machte 
er sich in Markneukirchen selbständig und arbeitete 
zunächst wie die meisten Markneukirchener für die 
dortigen Handelshäuser. Im Jahre 1882 begründete 
er mit Herwig ein eigenes Musikinstrumentengeschäft, 
das ihm ermöglichte, seine Geigen unter eigener Firma 
auf den Markt zu bringen. Von 1890 an führt er 
die Firma Ludwig Glaesel jr. Er gehört zu den besten 
Markneukirchener Meistern, arbeitet sehr sauber 
nach Stradivari und fertigt besonders getreue Kopien 
der Geige Joachims an. Er verwendet gutes altes 
Holz und besitzt auch einen leuchtenden, schönen 01- 
lack. Auch seine Wiederherstellungen alter Geigen sind 
lobenswert. Er ist u. a. der Verfasser mehrerer sehr 
lesenswerter Broschüren, wie z. B. »Deutsch-Cremona, 
oder die Entstehung der vogtländischen Musikinstru- 
mentenindustrie usw.« und »Der internationale Geigen- 
schwindel und die Errungenschaften im Geigenbau des 
19. Jahrhunderts«. Seit 1900 gebraucht er den Zettel: 
Ludwig Glaesel jr. / Deutsch-Cremona anno 19 (gedr.). 

Gläsel, Ludwig. — Charlottenburg b. Berlm. 

Geb. 1872 in Markneukirchen 

Schüler seines Vaters Ludw. Gl. jun. Mit 18 Jahren 
kam er in das C. Grimmsche Geschäft zu Siebert nach 
Berlin und mußte dort ganz selbständig alle vor- 
kommenden Arbeiten ausführen. Im Jahre 1899 er- 
öffnete er in Charlottenburg seine eigene Werkstatt und 
erfreut sich allgemeiner Anerkennung. Er führt haupt- 
sächlich Reparaturen aus, macht aber auch neue Geigen 
und verfertigt quintenreine Saiten. 

Gläsel, Moritz (genannt Wiener). — f 1917 

Sohn von Carl Aug. Gl. Er war ein gewiegter Kenner 
und besaß das bedeutendste Lager alter Geigen in 



Markneukirchen. Sein Geschäft ging auf seinen Schwie- 
gersohn Reinhold Voigt über, der es in gleicher Weise, 
wie der Begründer, unter der alten Firma weiterführt. 



Markneukirch 



en. 



Geb. 



Gläsel, Oscar. 
18. Okt. 1850 

Sohn und Schüler von Immanuel I Gl. Er leitete be- 
reits seit 1871 das von seinem Vater 1850 begründete 
Geschäft, das er 1881 übernahm und unter seinem 
eigenen Namen (Oscar Gläsel) fortführt und auszudeh- 
nen verstand. Außer dem Bau von besseren Streich- 
instrumenten und der Herstellung von Violin- und 
Violoncellobogen betreibt er auch einen Handel mit 
Blasinstrumenten aller Art. 

Gläsel, Otto, lebt als Geigenmacher in Sieben- 
brunn i. S. 

Gläszel, Andreas (eigentlich Glassl). — Ham- 
burg. Geb. um 1873 in Watzkenreuth bei 

Fleißen 

Schüler von Maschauer, kam als Gehilfe zu G. Winter- 
ling nach Hamburg, wo er vier Jahre tätig war, ging 
dann zu Horst nach Altona und machte sich im Jahre 
1901 in Hamburg selbständig. 

Geigenzettel: Andreas Gläßel, Geigenmacher / Ham- 
burg / 1. Dez. 1904 Reparirt. (gedruckO- 

Glandenberg, Heinrich Wilhelm. — Leipzig. 

1740 

Arbeiten von ihm kenne ich nicht ; P. de Wit veröffent- 
licht seinen Zettel : Heinr. Wilh. Glandenberg / in 
Leipzig 1 740 (gedruckt). 

Glass, Arthur. — Erlbach. Geb. 1 881 , f 5. Febr. 

1905 

Schüler von Edin. Tauscher. Während der Erfüllung 
seiner Militärpflicht erkrankte er und starb kaum 
24 Jahre alt. 

Glass, Carl Friedrich (August I.). — Klingen- 
thal. 1791 

Seine Geigen, die im Wert denen der Familie Hopf 
gleich stehen, unterscheiden sich durch höhere Wöl- 
bung von diesen, doch hat er in seiner ersten Zeit, ver- 
mutlich nach seiner auswärts verbrachten Gesellenzeit, 
auch ein Stradivarimodell aus dritter Hand nachge- 
ahmt. 

Glass (Claass), Christian. — Klingenthal. 1 740. 
1742 
Soweit bis jetzt bekannt, der Stammvater der Familie. 

Glass, Christian August. — - Brunndöbra. 1814 
Er arbeitete im vogtländer Stil, war aber nicht unge- 
schickt. 

Glass, Christian Fried. — Klingenthal. 1815 

Sohn und Schüler von Christian Gl. Er war der 
Schwiegersohn eines Bergmanns, der sich 1 799 auf das 



170 



Gla 



Gh 



ler 



Bogenmachen verlegte und in Klingenthal die ersten 
Bogen machte. Glass wurde sein Schüler und vervoll- 
kommnete sich dann später noch, so daß er als der 
Begründer der Bogenmacherei in Klingenthal angesehen 
werden kann. Brandmarke: Chr. F. Glass. 

Glass, Friedrich August II. — Klingenthal 

1840. 1855 

Wahrscheinlich ein Sohn von C. Friedr. August Gl. 
Ein geschickter Geigenbauer, der in London für seine 
Arbeiten die goldene Medaille erhielt. Geigen von ihm 
werden u. a. im Grünen Gewölbe in Dresden auf- 
bewahrt. Er gehört mit zu den Meistern, die im 
1 9. Jahrhundert dem Ruhm der vogtländischen Geigen- 
macher neuen Glanz verliehen. Er starb in Unter- 
sachsenberg bei Khngenthal. 

Geigenzettel: Friedr. Aug. Glass, verfertigt / nach 
Jacobus Stainer in Absam / prope Oenipontum 18 . . 
(gedruckt). 

Glass, F. A. — Altona. Geb. 1866 in Klingen- 
thal, f 1906 

Sohn und Schüler von Joh. Traugott Gl. Nachdem er 
ausgelernt hatte, arbeitete er bei seinem ältesten Bruder 
Franz Johann Gl. in Leipzig und dann noch in anderen 
Werkstätten und machte sich 1892 in Altona selb- 
ständig. Seine neuen Geigen sind sorgfältig gemacht, 
die Wölbung ist mäßig hoch und verläuft von der 
höchsten Stelle unter dem Steg allmählich zu der 
flachen Hohlkehle hin. Die Stärkenverhältnisse der 
Decke und auch des Bodens hatte er genau berechnet. 
Sein ÖUack war in kräftigen Farben, von gelb oder rot 
bis zum dunkelsten Braun gehalten. Für billigere 
Geigen verwendete er auch Spirituslack. Seine Werk- 
statt ging nach seinem Tode auf A. Paul König über. 

Glass, Franz Johann. — Leipzig. Geb. 1847 
zu Brunndöbra bei Klingenthal 

Schüler seines Vaters Joh. Traugott Gl. Von 1866 bis 
1870 arbeitete er bei Ludwig Otto in Köln und kam 
dann als Leiter in die »Straten «-Geigenfabrik in Gohlis. 
1878 machte er sich in Gohlis selbständig und zog 
später nach Leipzig; 1897 erhielt er in Leipzig eme 
silberne Medaille und wurde 1901 zum Hofgeigen- 
macher des Herzogs von Anhalt ernannt. Er baut nach 
Stradivari und verwendet einen Ollack eigener Zu- 
sammensetzung ; auch erfand er neue Geigenwirbel und 
einen Bogen zum Selbstbespannen. 
Geigenzettel : Johann Glass / Geigenmacher in Leipzig 
(gedruckt). 

Glass, Heinrich. — Brunndöbra. Geb. in 
Untersachsenberg um 1818, f 1893 in Brunn- 
döbra 

Sohn und Schüler von Friedrich Aug. 11 Gl. Er ar- 
beitete nach den Modellen seines Vaters und galt als 
tüchtiger Meister. 

Glass, Hermann 

Er begründete 1 890 sein Geschäft als Geigenmacher in 
Wernitzgrün. 



Glass, Johann Christoph. — Klingenthal. 1 780 
Einer der weniger bekannten Geigenmacher seines 
Namens. 

Glass, Johann Traugott. — Untersachsenberg, 
Klingenthal. Geb. 10. Juni 1819 in Unter- 
sachsenberg, t 10. Okt. 1895 in Klingenthal 

Vielleicht der begabteste Geigenmacher aus seiner Fa- 
milie. Er arbeitete nach einem eigenen Modell, und die 
echten »Glassgeigen« waren eine Zeitlang so beliebt 
wie echte »Hopf geigen«. Er arbeitete sehr sauber und 
erzielte einen sehr guten Ton. Er hat viele billige 
Violinen gebaut, einzelne aber werden seinem Namen 
dauernd Ehre machen. Auch seine Söhne Johann und 
F. A. sind Geigenmacher geworden. 

Glass, R., arbeitet als Geigenmacher in Sieben- 
brunn 

Glassl, Hermann. — München. Geb. 26. Mai 
1889 in Asch i.B. 

Er erlernte von 1903 — 1907 in Hamburg bei seinem 
Oheim Andreas Glässel den Geigenbau, kam dann als 
Gehilfe zu Züst nach Zürich, ging drei Jahre später zu 
Vrint nach London und dann zu Wittmann nach Wien, 
dem er seine letzte Ausbildung verdankt. Er machte 
sich 1912 in München selbständig und arbeitet sehr 
sauber nach eigenen Modellen, sowie nach den besten 
alten Meistern; auch als sorgsamer Reparateur wird er 
allgemein geschätzt. 

Geigenzettel : Hermann Glassl / Nr. 63 München, anno 
1919 (gedruckt). 

Glassl, Karl, lebt in Schönbach b. E. 

Glenday, James. — Padanaram. 1865 

Schüler von James Findlay und, wie sein Lehrer, seines 
Zeichens ein Weber. Er hat etwa zwei Dutzend Vio- 
linen gemacht, die aber nur von unbeholfener Arbeit 
sind. 

Glenister, William. — London. Geb. 16. Mai 
1850inChendes 

Ein Liebhaber, der es zu bemerkenswerter Geschick- 
lichkeit gebracht hat. Interessant sind auch seine Ver- 
suche, ein neues Modell zu finden. Seine Biographie 
veröffentlichte Meredlth-Morrls in »The Strad« 1900, 
Nr. 124. 

Gelgenzettel: Wm Glenister / 23 Beak Str. / 1898 
London (geschrieben). 

Glier ^). — Markneukirchen 

Dieser Familie gehörten oder gehören die folgenden 
Geigenmacher an : 

Glier, August sen. Lebte noch 1890 
Glier, August Hermann (Baßmacher), f 1 8. Okt. 
1898 in Zwickau 



I 



') Im 18. Jahrhundert wird der Name auch Glür oder 
Gluer geschrieben. 



Glier — Gobetti 



171 



Gller, Carl Wilhelm. — Geb. 7. Aug. 1767, 
t 30. Okt. 1834 

Glier, Johann. — Geb. nach 1812, f um 1895 
Er ging in jungen Jahren nach Rußland und Polen und 
ließ sich dann in Warschau nieder, wo er sowohl Geigen 
als Blasinstrumente fabriksmäßig herstellte. Er beschäf- 
tigte ungefähr 24 Arbeiter. 

Glier, Johann Adam I.— Geb. 1693, f 31 .Nov. 
1 777 im Alter von 84 Jahren 4 Monaten und 

27 Tagen 

Er wurde im November 1 723 Meister, war Bürger und 
verkaufte seine Geigen im Umherziehen, wobei ihn 
sein Sohn begleitete. Er brachte es damit zu einigem 
Vermögen und saß 1768 — 1772 im Zunftrate. 

Glier, Johann Adam II. — Geb. 3. Sept. 1 725, 
t 17. Sept. 1774 

Zweiter Sohn von Johann Adam I Gl. Da er viel mit 
seinem Vater auf Reisen war, bewarb er sich erst im 
Alter von 35 Jahren um die Aufnahme in die Zunft, 
während es sonst üblich war, daß dies schon im 20. 
oder 22. Lebensjahr geschah. Am 2. Dezember 1760 
wurde er Meister, starb aber noch vor seinem Vater. 

Glier, Johann Friedrich. — Geb. um 1730 

Er war keines Meisters Sohn und mußte daher die volle 
Gebühr (31 Taler) erlegen, als er am 24. Mai 1752 
gleichzeitig mit seinem Vetter Joh. Gg. Gl. als Meister 
in die Zunft aufgenommen wurde. 
Geigenzettel: Johann Friedrich Glier, / erfunden von 
Jacob Steiner in .'Xpsam, probe oempundum. (gedr.). 

Glier (Glüer), Johann Georg I. — Geb. 1733, 

t 3. Juni 1809 

Wahrscheinlich Sohn und Schüler von Johann Adam 
F. Gl. Er wurde am 24. Mai 1752 als Meister in die 
Zunft aufgenommen und bei dieser Gelegenheit aus- 
drücklich als .Meisterssohn bezeichnet. Er erreichte ein 
Alter von 76 Jahren 4 Monaten und 2 Tagen. 

Glier, Johann Georg II. — Geb. 25. Nov. 1762, 
t 5. Febr. 1845 

Sohn von Joh. Gottlob Gl. Ein sehr fleißiger Geigen- 
macher, der bis in sein hohes Alter tätig war und neben 
vielen gewöhnlichen Geigen auch einige recht gute 
gemacht hat. 

Geigenzettel: Johann Georg Glier / in Neukirchen im 
Voigtlande / 1812. (gedruckt). 

Glier, Johann Georg III. — Geb. 23. März 
1763, t nach 1810 

Sohn und Schüler von Joh. Georg I Gl. Er war viel 
auf Reisen und soll auch in der Fremde gestorben sein. 

Glier, Johann Gottlieb (Gottlob). — Geb. 1 732, 
t 1799 

Er war unter den Geigenmachern aus seiner Familie 
im 18. Jahrhundert der beste und hat auch viele andere 



Neukirchener Meister beschäftigt. Seine Geigen sind 
recht gut und sauber im vogtländer Stil ausgeführt. 
Er starb 67 Jahre 7 Monate und 1 2 Tage alt. 
Geigenzettel : lohann Gottlieb Glier Fabrique in Neu- 
kirchen bey Adorf im Voigtlande, (gedruckt). 

Glier, O. R. — Geb. 1857 

Schüler von Herrn. Dölling sen. Als Gehilfe arbeitete 
er drei Jahre bei J. J. Held und begründete 1880 sein 
eigenes Geschäft. Er erfand eine Schoßvioline zur Be- 
gleitung des Zitherspiels und ist ein tüchtiger Meister. 

Glier, Robert. — Cmcmnati. 1885 

Ein Markneukirchener, der sich in Amerika niederließ. 
Bekannt sind seine Versuche, Geigendecken aus dem 
Holze der Balsamfichte anzufertigen, wozu er von 
Konzertmeister Schradieck veranlaßt wurde. 

Glier, Wilhelm. — t vor 1900 

Bruder von Johann Gl., dem er nach Warschau folgte. 
Er galt in Rußland und Polen als geschickter Geigen- 
macher und hatte daher viel zu tun. Sein Sohn Adolf 
soll sich mehr auf den Handel verlegt haben. 

Glier s. auch Kher 

Glinton, R. — Cork. 1895. 1905 

Ein Liebhaber, dem einige gute Geigen gelungen sind. 

Gloag, John. — Galston. Geb. 1853 

Seine Geigen sind nach dem Stradivarimodell gebaut. 

Gloss, Friedrich. — Wien. Geb. m Wien 
9. Mai 1882, gefallen 5. Mai 1915 in Przemysl 

Schüler von Carl Zach und lg. Bucher, ein geschickter 
Geigenmacher, der seit 1908 bei Hof geigenmache r 
W. Th. Jaura arbeitete. 

Gluer s. Glier 

Gobetti, Francesco. — Venedig. 1690. 1732 

Nach seiner Arbeit gehört er zur Cremoneser Schule, 
viele machen ihn sogar zu einem persönlichen Schüler 
Stradivaris. Er ist nächst Montagnano und Serafino 
Santo der bedeutendste Venezianer Geigenmacher. Als 
seine Arbeitszeit wird gewöhnlich der Zeitraum von 
1690 — 1725 angegeben; ich halte die Zahlen für un- 
genau, da mir Geigen mit einem vor dem 18. Jahr- 
hundert liegenden Datum von Gobetti nie vorgekom- 
men sind; im Stifte St. Florian in Oberösterreich be- 
findet sich allerdings eine Violine von ihm, auf der 
die Jahreszahl 1761 zu lesen ist, — wenn die 6 nicht 
etwa als gelesen werden muß. — Seine Geigen, von 
breitem, flachgewölbtem Patron, erinnern an frühe 
Arbeiten Stradivaris und halten zwischen dem Stradi- 
vari- und Amatimodell die Mitte, doch wußte er da- 
bei seinen Violinen durchaus den Stempel seiner 
Eigenart aufzudrücken. Er verwandte sehr schönes 
Holz und war sorgfältig in der Arbeit ; seine F-Löcher 
sind denen Ruggeris ähnlich; weniger gelungen ist ihm 
der Schwung der Schnecke. Sein Lack, der ursprüng- 
lich ganz rot gewesen sein muß, erscheint jetzt von 



172 



Gobit — Gözel 



klarer, blaßroter Farbe. Eine besonders schöne Geige 

von ihm befand sich in der Sammlung Wilmotte m 

Antwerpen. 

Geigenzettel : Franciscus Gobettus / Venetijs Fecit 

Anno 17.. (gedruckt). — Francesco Gobetti / in Ve- 

nezia 17(0)1 (gedruckt) und Abb. 276. 

Gobit s. Gobetti 

Goebler, Johann Caspar. — Breslau. 18. Jahr- 
hundert 

Vielleicht ein Schüler von Rauch, doch sind seine 
Geigen weniger hoch gewölbt. Sein Lack ist rötlich- 
braun und dunkel. 

Goepfart, Karl. — Potsdam. 1914. Geb. 
3. März 1859 In Mönchenholgen i.Th. 

Ein Kapellmeister und geschätzter Tondichter, der sich 
aus Liebhaberei mit dem Geigenbau und besonders 
mit dem Lackieren beschäftigt. Seine »Altgrund- und 
Weichlack-Streichinstrumente« werden u. a. von dem 
Prof. Otto Becker-Trio gespielt und wurden auf der 
Delegiertenversammlung der deutschen Musiker in 
Weimar sehr gelobt. 

Goerlich, Joh. — Neiße. 1851. 1859 

Ist mir nur durch Reparaturzettel bekannt geworden. 
Geigenzettel: Repar. v. Joh. Goerlich in Neiße. / 185 1 
(lithographiert). 

Göthel, Christoph. — Borstendorf. 1725 

Er scheint in Borstendorf weder geboren noch ge- 
storben zu sein, war aber dort ein geschätzter Geigen- 
macher. 

Göthel, Gottfried I. — Borstendorf. Geb. 
30. Nov. 1716, t 16. Jan. 1781 

Seine Violen und Gamben sind nicht schlecht, wenn 
auch im Holz und im Lack nicht besonders gut. Da 
er seine Arbeiten selten datierte, sind sie von denen 
seines gleichnamigen Sohnes schwer auseinanderzu- 
halten. 

Geigenzettel: Gottfried Göthel,/ In Borstendorff (ge- 
druckt). 

Göthel, Gottfried II. — Borstendorf. Geb. 
1733. 1755 

Sein Modell geht auf Stalner zurück, ist aber nicht 
schön, der Lack glanzlos und das Holz nicht sorgfältig 
gewählt, der Ton aber manchmal nicht schlecht. 
Geigenzettel: Gottfried Goethel Violinmacher / In 
Porstendorf Anno 1 755 (gedruckt). 

Goethel, Johann Christian. — Borstendorf. 

Geb. 7.JuH 1728, t nach 1750 

Bruder von Gottfried I G. und angeblich auch dessen 

Schüler. 

Goethel, Johann Christoph. — Borstendorf. 
Geb. l.Febr. 1743, f 3. Okt. 1775 

Sohn von Gottfried I G. und dessen Mitarbeiter, doch 
gibt es Gelgen, die seinen Namen tragen. 



Goethel, Johann Georg. — Borstendorf. Geb. 
23. Okt. 1725, t 6. April 1793 

Er war der Sohn eines Christoph G., der wahrschein- 
lich auch schon Geigenmacher war. 

Götz, Albert. — Markneukirchen. 1896 
Guter Gelgenmacher unserer Zeit. 

Götz, C. A. jun. — Wernitzgrün. 1880. 1906 

Im Jahre 1880 begründete Firma, die mit allen Musik- 
Instrumenten Handel treibt und auch eine Saiten- 
splnnerei hat. 

Goetz (Götz), Johann. — Wien. 1819. 1827 

Er wohnte Stadt Nr. 62 und legte am 2. April 1819 den 
Bürgereid als »Gelgen- und Lautenmacher« ab. 

Götz, Johann Michael I. — (Mark) Neu- 
kirchen. 1730. t 27. Okt. 1778 

Er war eigentlich Tischler und betrieb das Gelgen- 
machen nur nebenbei. 

Götz, Johann Michael 11. — (Mark-)Neu- 
kirchen. Geb. 1735, f H.März 1813 

Sohn von Joh. Mich. I G. und, wie dieser, gelernter 
Tischler. Er scheint aber auch eine gute Schule als 
Geigenmacher durchgemacht zu haben und war jeden- 
falls geschickter als viele seiner Zeitgenossen Irn Vogt- 
lande. Sein Holz Ist gut gewählt, nur etwas zu dünn 
ausgearbeitet. Decke und Balken sind fast Immer aus 
einem Stück. Seinen Zettel klebte er gewöhnlich Im 
Innern der Zargen an. 

Gelgenzettel : Johann Michael Götz, Lauten / und Vio- 
linmacher In Neukirchen / Im Voigtlande (gedruckt). 

Götz (Joh. Michael III ?). — (Mark) Neu- 
kirchen. 1820 

Sohn von Joh. Michael II G. Da er im Jahre 1820 auf 
Crasselts Chronik subskribierte, muß er damals noch 
gelebt haben. 

Götz, Josef, lebt als Geigenmacher in Stein- 
grub b. E. 

Götz, Ludwig, lebt in Fleissen 

Gözel (Götzel), Johann Conrad. — Wernitz- 
grün. Geb. um 1700. 1761 

Vielleicht ein Sohn von Johann Gottfried G. Er wird 
als Gelgenmachermeister und Inwohner von Wernitz- 
grün schon 1746 und 1747 erwähnt. Wann er In die 
Neukirchener Zunft aufgenommen wurde, geht aus 
dem Zunftbuch nicht hervor, bei der Aufnahme seines 
jüngsten Sohnes wird er jedoch ausdrücklich als Mit- 
meister bezeichnet. 

Gözel (Götz), Johann Friedrich. — 1715. 1718 

Jüngster Sohn und Schüler von Johann Gottfried G. 
Da er schon, bevor er in die Zunft aufgenommen war, 
»eine Zeltlang gemeistert«, wurde er In Strafe ge- 
nommen, die aber, als er am 5. Juli 1715 wirklich 



Goldt 



173 



Meister wurde, gnädig ausfiel, und »da er ein sehr 
armer Mann« war, wurde ihm Ratenzahlung bewilligt. 
Das Zunftbuch bemerkt, daß er seine Schuldigkeit 
getan, wodurch sein Bürge Conrad Adam Schönfelder 
der Bürgschaft ledig wurde. Er soll viel auf Reisen 
gewesen sein. 

Gözel (Götzel), Johann Georg. — Geb. in 
Wernitzgrün nach 1 730, f ? 

Jüngster Sohn des Joh. (Hans) Conr. G. Er wurde am 
14. Mai 1761 in die Neukirchener Zunft als Meister 
aufgenommen. 

Gözel (Götzel, Götz), Johann Gottfried. — 
(Mark-)Neukirchen. 1677. f vor 1710 

Der Stammvater der Familie, der aus Grashtz nach 
Neukirchen übersiedelte und unter den Gründern der 
dortigen Zunft als »Johann Gotfriedt« angeführt wird. 
Es scheint also, daß die volkstümliche Form des 
Namens Gottfried (Götz, Götzel) allmählich zum Fa- 
miliennamen geworden ist. Die Familie machte sich 
dann in Wernitzgrün seßhaft. 

Gözel (Götzel), Johann Wilhelm. — Wernitz- 
grün. Geb. um 1725 

Sohn und wohl auch Schüler von Johann Conrad G. 
Er wurde am 26. Mai 1 747 von der Neukirchener Zunft 
als Meister aufgenommen und erlegte hierfür die für 
Meistersöhne übliche Gebühr, obwohl nicht nachzu- 
weisen ist, daß sein Vater als Meister in die Zunft ein- 
geschrieben war. 

Götzl, Josef Christof, lebte um 1 900 als Geigen- 
macher m Wien 
Goffredsen s. Gotfredsen 
Gofriller, Antonio. — Venedig. 1 730 

Er wird zwar mehrfach erwähnt, doch gelang es mir 
nicht, irgendein Instrument von ihm zu erfragen. 
Geigenzettel: Antonio Gofriller / fece in Venezia 1730 
(gedruckt). 

Gofriller, Francesco. — Venedig, Udme. 1 960. 
1740 

Bruder von Matteo G. Da er hauptsächlich als Mit- 
arbeiter seines Bruders tätig war, sind selbständig aus- 
geführte Geigen von ihm sehr selten, die wenigen aber 
sehr gut und gelbbraun lackiert. 

Gofriller (Goffriler, auch Gaf riller), Matteo. — 
Venedig. 1690. 1742 

Wahrscheinlich ein Tiroler aus Lajen, der wohl schon 
in seiner Heimat gelernt hat, weshalb seine ältesten 
Gelgen in der Wölbung auch mehr an die Tiroler als 
an die italienische Schule erinnern. Er scheint bei Carlo 
Bergonzi, vielleicht auch bei Stradivari selbst gearbeitet 
zu haben; beiden kommt er sehr nahe. Seine Arbeit ist 
musterhaft, in der Wahl des Holzes ist er sorgfältig, 
der Boden ist meist nach der Schwarte geschnitten, 
bei den Violoncelli aus schön geflammtem Ahorn-, 



seltener aus Pappelholz. Die F-Löcher sind gut, die 
Schnecke tief und schwungvoll gestochen. Besonders 
schön ist sein roter Lack. Der Ton ist sehr edel, 
namentlich sind seine Violoncelli Meisterwerke ersten 
Ranges, und es erscheint glaubwürdig, daß viele davon 
als »echte Carlo Bergonzi« in den Handel gebracht 
wurden. Diesem Umstand ist es zuzuschreiben, daß 
M. Gofriller leider nicht so berühmt ist, als er es zu 
sein verdiente. Werke von ihm sind in verschiedenen 
Sammlungen, so u. a. eine Gamba von 1709 und eine 
Geige 1742 in W. Heyers Musikhistorischem Museum 
in Köln. Eine sehr schöne Violine von ihm mit der 
Jahreszahl 1732 besitzt Albert Berr in Böhmischbruck. 
In seiner ersten Zeit führte er das Ladenschild »All 
msegna di Cremona«. 

Geigenzettel: Mattheus Goffriler faciebat / Venetljs 
anno 1 735 (gedruckt) und Abb. 282 und 292. 

Goldt, Jacob Heinrich. — Hamburg. Geb. um 
1700, t 1775 

Sohn von Samuel G. Er dürfte bei seinem Vater ge- 
lernt haben und ging dann nach Hamburg, wo er wahr- 
scheinlich bei Tielke arbeitete, an dessen Art seine 
Arbeiten erinnern. Er gehörte zu den besten Ham- 
burger Lauten- und Geigenmachern; merkwürdiger- 
weise ist Im Hamburger Archiv nichts über Ihn zu fin- 
den. Er scheint das Bürgerrecht nicht erworben zu 
haben. Verheiratet war er mit Dorothea Elisabeth Hon- 
stede aus Lübeck. Eine Laute und eine Archilaute von 
ihm mit den wahrscheinlich falsch gelesenen Jahres- 
zahlen 1700 und 1712 waren in South Kensington aus- 
gestellt. Eine Geige aus dem Jahre 1754 führt der 
Selhofsche Auktionskatalog auf. Eine Laute mit vier 
einzelnen und vier doppelten Saiten besitzt das Musik- 
historische Museum in Stockholm (Nr. 87). 

Geigenzettel: Jacobus H. Goldt fecit 1742 (gedruckt) 
und Abb. 244. 

Goldt, Jacob Samuel. — Verden. 1770 

Sohn und wohl auch Schüler von Jacob Heinrich G. 
Von ihm weiß ich nur, daß er in jungen Jahren als 
Gelgen- und Lautenmacher nach Verden zog und dort 
mit Louise Dorothea, der Tochter des hannoverschen 
Oberleutnants David Friedrich Brückmann, verheiratet 
war. 

Goldt, Lukas. — Lübeck. 1673. 1695 

Von Ihm ist nur bekannt, daß er aus Hamburg stammte, 
in der Ägidienstraße wohnte und von 1673 — 1681 sechs 
Kinder taufen ließ. Besonders gut scheint es ihm nicht 
ergangen zu sein, denn im Wettegerichtsprotokoll vom 
3. Mai 1695 liest man, daß »Lucas Goldt, ein Lauten- 
und Violenmacher, wegen Schneider-Böhnhaserei« ver- 
klagt worden war. Er hatte zwei Söhne, die wohl beide 
seine Schüler waren, wenn auch der ältere, Johann 
Christoph (f 1707) lediglich als Musiker erwähnt wird. 

Goldt, Samuel. — Lübeck. Geb. 1673 (ge- 
tauft am 2. Okt. d. J.), t 28. oder 29. April 
1740 

Sohn und Schüler von Lukas Goldt. Ein tüchtiger 
Lautenmacher, von dem sich eine Mandora (halbbirn- 



174 



Goll — Gorrieri 



förmige Laute) von 1719 im Lübecker Museum be- 
findet, vermutlich dasselbe Instrument, das 1879 von 
Conr. Ebenhusen in der Lübecker Burg ausgestellt war. 
Von ihm weiß man nur, daß er am 6. Oktober 1698 
Bürger wurde und sich im gleichen Jahre mit Elisabeth 
Wiese verheiratete. Er wohnte damals im Hause seines 
Vaters in der Ägidienstraße und ließ bis 1712 außer 
einem Sohn noch vier Töchter in der St. Agidienkirche 
taufen. Er scheint in zweiter Ehe mit Elisabeth Kum- 
merfeldt verheiratet gewesen zu sein. Eine von ihm 
reparierte Laute befindet sich in der Kunst- und Alter- 
tümersammlung auf der Feste Koburg. Eine sechs- 
saitige Tenorviola di Gamba von 1 723 mit einem mit 
Schildpatt belegten Griffbrett und einem Frauenkopf 
am Wirbelkasten besitzt C. Claudius in Kopen- 
hagen. 

Geigenzettel : Samuel Goldt in Lübeck / 1 720 aufs neu 
zugericht (geschrieben). • — Samuel Goldt in Lübeck / 
fecit 1723 (gedruckt). 

Goll, Karl. — Brunn. Geb. 30. Okt. 1876 in 

Wien 

Schüler von V. Pathan, arbeitete als Gehilfe in Prag 
und Wien und kam 1903 nach Brunn, wo er die Werk- 
statt Jakob Kliments übernahm. Er arbeitet nach 
Stradivari und verwendet einen Spirituslack, haupt- 
sächlich beschäftigt er sich jedoch mit Wiederher- 
stellungen. 

Geigenzettel: Karl Goll / Musik-Instrumenten-Er- 
zeugung / Brunn, Schwertgasse 6. / Anno 19.. (gedr.). 

Goltberg (Goldberg, Gollberg), Johann. — 
Danzig. 1726. 1759 

Berühmter Lautenmacher des 18. Jahrhunderts, über 
den indessen nichts Näheres zu ermitteln war. Im 
Jahre 1726 erwarb ein Johann Goldberg aus Ohra das 
Bürgerrecht in Danzig. Sein Beruf ist nicht näher an- 
gegeben, sondern er wird, da er wohl keiner Zunft 
angehörte, kurzweg als »Arbeltsmann« bezeichnet. Da 
sich nun kein anderer Johann Goldberg in Danzig nach- 
weisen läßt, und da die ältesten Arbeiten von ihm die 
Jahreszahl 1726 tragen, liegt es nahe, anzunehmen, daß 
der »Arbeitsmann« unser Lautenmacher war. Violinen 
von ihm sind mir nicht bekannt geworden, dagegen 
einige gute Violen und Violoncelli. Der Boden ist ge- 
wöhnlich flach, die Decke wenig gewölbt (ein Violon- 
cello 1 05 cm lang). Eine Tenorgeige aus dem Jahre 1 742 
bewahrt das Gewerbemuseum in Markneukirchen, eine 
kleine Laute von 1 733 mit rotem Hals Fr. Wildhagen 
in Haiensee, eine schön eingelegte lautenförmige Gi- 
tarre (von 1 747) W. Heyers Musikhistorisches Museum 
in Köln, ferner sind Arbeiten von ihm in den Museen 
zu Stockholm und Kopenhagen und im Bachhaus zu 
Eisenach. 

Geigenzettel : Abb. 308. 

Gomann, Christian. — Znaim. 1831 

Sein Name findet sich in Geigen, er war aber Klavier- 
macher und hat die Geigen höchstens geflickt, schwer- 
lich aber selbst gemacht. 



Gomier, Nicolas. — Mirecourt. 1747. 1755 

Ein Geigenmacher, dessen gleichzeitig vorkommender 
Bruder Jean G. im gleichen Beruf tätig war. 

Gompaerts, Willem. — Antwerpen. 1560 

Er war wahrscheinlich ein naher Verwandter der Fa- 
milie Rückers und soll außer Tasteninstrumenten auch 
Harfen und Lauten gemacht haben. 

Gomulski (Gamohnski, Gamolawski), Sa- 
muel. — Posen. 1870 

Der Name ist schwer leserlich. Der Träger dieses 
Namens soll ein Tischler gewesen sein, der bei einem 
Orgelbauer gearbeitet hatte und dann neue Geigen 
machte und alte verdarb, die er obendrein blutrot 
lackierte. Eine Geige mit seinem Zettel besitzt Post- 
sekretär Wronicki in Posen. 

Gondolo, Giorgio, lebte noch 1884 als Geigen- 
macher in Turin 
Gönnet, Pierre-Jean. — Paris. 1775. 1785 

Er wohnte Rue du Temple und gehörte zu den un- 
bedeutendsten Vertretern der Pariser Schule. 

Gontershausen, v. s. Welcker 

Gonzales, Francisco. — Madrid. 1867 

Er gilt als der beste spanische Gitarrenmacher des 
19. Jahrhunderts. Eine Gitarre von ihm befindet sich 
im Museum des Pariser Konservatoriums. 

Goram, Carl Gottlieb. — Klingenthal. 1788 
Wird in den Innungsbüchern als Geigenmachermeister 
aufgeführt. 

Goram, Christian Friedrich. — Untersachsen- 
berg b. Klingenthal. 1829 

Wahrscheinlich ein Sohn von Carl Gottlieb G. Er war 
Geigenmachermeister und wurde durch einen Zufall 
Gründer der einst blühenden Holzkammindustrie 
Klingenthals. 

Gordon, Hugh. — Belfast, f 1854 

Ein nordirischer Geigenmacher, dessen gleichnamiger 
Sohn noch um 1910 in Belfast im gleichen Berufe 
tätig war. 

Gori, Pietro. — Rimini. 1820 

Seine Geigen haben ein unedles Aussehen, wenig Ton 
und spröden Lack. 

Gorrie, James. — Glasgow. 1895 

Wahrscheinlich ein Dilettant, der in den neunziger 
Jahren in Glasgow lebte und einige Geigen nach Guar- 
neri gemacht hat. Er verwendete Whitelaws gelben und 
roten Ollack. 

Geigenzettel: James Gorrie, / Glasgow. / 189 .. . (ge- 
druckt). 

Gorrieri, Antonio. — Padua. 1802 

Ein kleiner Geigenmacher, der nichts Bemerkenswertes 
geschaffen hat. 



Goss — Gould 



175 



Goss, Philipp. — Plymouth. 1879 

Seine Violinen sind brauchbare Orchesterinstrumente. 

Goss, W. S. 

Ein amerikanischer Geigenmacher, der in Lyon lebt. 

Gosselin, Jean. — Paris. 1814. 1830 

Der Vater der beiden zu ihrer Zeit berühmten Tänze- 
rinnen. Ein verdienstvoller Dilettant, mit Koliker eng 
befreundet und von diesem unterwiesen. Er machte 
sowohl Geigen als Violoncelli nach Stradivari, die in 
gewisser Beziehung geschätzt sind und jetzt recht gute 
Preise erreichen. Seine Arbeit Ist sorgfältig, der 
Lack von roter und gelber Farbe und gut. Das eigen- 
artig gesprenkelte Ahornholz, das er mit Vorliebe ver- 
wendete, gibt seinen Instrumenten ein persönliches 
Gepräge. 
Gelgenzettel: Abb. 291 . 

Gösset, Nicolas. — Reims. 1752. 1780 

A. Jacquot kennt Arbeiten von Ihm, die er sowohl in 
Ihrer Durchführung als in der Form und dem Lack 
lobt. Bekannt wurde dieser Geigenbauer übrigens 
durch allerlei Erfindungen an Instrumenten. Im Jahre 
1769 legten er und der Orgelbauer Turpin der Aka- 
demie der Wissenschaften eine Erfindung vor, die 
das Greifen der halben Töne erleichtern sollte. In 
einem guten Violoncello vom Jahre 1 752 nennt er sich 
Nicolas G. junior. Ob sein Vater sich schon als Geigen- 
macher betätigt hat, ist nicht bekannt. 

Gotfredsen (Godfredsen, Goffredson), Jes- 
per. — Kopenhagen. 1751. 1766 
Er bekam im Jahre 1751 seinen Gewerbeschein als 
Gelgenmacher. Seine Gelgen zeigen deutsche Modelle; 
in der Wahl des Holzes Ist er nicht immer sorgfältig, 
dagegen ist seine Arbeit durchwegs gut. Das Instru- 
mentenmuseum In Kopenhagen besitzt eine schöne 
Taschengeige von ihm. Eine Tenorviola von 1752 be- 
findet sich in der Sammlung Galpm (Hatfield). 
Geigenzettel: Jesper Gotfredsen, Fiollnmager / l 
Klöbenhavn. 1 766 (gedruckt). 

Goth, Franz. — Meerane i. S. 1880. f April 

1901 

Er Heß sich 1880 in Meerane als Gelgenmacher nieder 
und verband mit seinem Geschäfte einen Musik- 
instrumenten- und Klavierhandel. 

Goth. — Schönbach b. E. 

Als Geigenmacher sind zu erwähnen: 

Goth, Peter. — t 1898 

Goth, Wenzel, hatte seine Werkstatt in der 

Pfarrgasse und t 1909 
Gottardi, Antonio. — Treviso. 1878 

Mittelmäßiger Geigenmacher aus der zweiten Hälfte 

des 19. Jahrhunderts. 

Gottfried, Joh. s. Gözel 



Gottfried, Otto. — Leipzig. 1645 

Ein Lauten- und wahrscheinlich auch Geigenmacher 
aus »Bissing«, der 1645 das Leipziger Bürgerrecht 
erwarb. 

Gottfried, Wenzel, hatte seine Werkstatt (im 
19. Jahrhundert) in Preßburg (Langegasse 
Nr. 6) 

Gotti, Emiliano. — Ancona. 1770 

Wahrscheinlich ein Südtiroler, der sich in Italien 
niedergelassen hat. Seine Arbelt steht der Stamers und 
noch mehr der Albans näher als einer der italienischen 
Schulen. Er nimmt die Wölbung sehr hoch und macht 
tiefe Hohlkehlen am Rande. Die F-Löher sind auf- 
fallend klein, der gelbbraune Lack Ist mager. Dagegen 
ist das Holz, namentlich des Bodens, sehr schön, die 
Ecken sind klein und zierlich, ebenso die in hübschem 
Schwung geschnittene Schnecke. Eine Viola von ihm 
besitzt Stößel in Köln. 
Geigenzettel: i'Emillan Gotti, Ancona/ 1770 (gedr.). 

Gottmannshausen, Hans. — Erfurt. 1670 

Ein tüchtiger Meister, den noch 1738 Johann Gh. Eisel 
in seinem »Musicus avToc)i()(ty.TOi« neben Tielke, 
Hoffmann u. a. als geschätzten Gambenmacher preist. 
Eine Viola da Gamba von ihm besitzt die Königl. 
Sammlung alter Musikinstrumente In Berlin (Nr. 823). 
Gute Arbeit, die Schallöcher nähern sich bereits der 
Form des F. 

Götze s. Botze 

Goudot, F. — Mirecourt. 19. Jahrhundert 

Sein Werkstatteilhaber war Mangln. Ihre Geigen haben 
meistens eine doppelte Einlage, sind sauber gearbeitet 
und tragen den Brandstempel: F.'. X X Goudot et 
Mangln: A Mirecourt. 

Gough, John. — Leeds. 1820 

Er arbeitete eine Zeitlang für M. W. Dearlove und Ist 
unbedeutend. 

Gough, Walter. — London. 1810. f um 1830 
Gehört er auch nicht zu den bedeutendsten englischen 
Geigenmachern, so ist doch seine Arbeit nicht übel, 
das Modell gut und der Lack von gelbroter Farbe. 

Gould, John Alfred. — Boston (Amerika). 
Geb. 11. März 1860 in Windermere (Graf- 
schaft Westmoreland m England) 

Er erlernte in Liverpool bei Oliver & Davies den 
Klavierbau; dabei verlegte er sich frühzeitig auf die 
Gelgenmacherel und wurde von dem Geigenhändler 
Archer als Reparateur beschäftigt. 1883 wanderte er 
nach Kanada aus und konnte bereits 1884 eine Anzahl 
selbstgefertigter Geigen ausstellen. 1885 zog er nach 
Boston, arbeitete bei O. Weemann über zwei Jahre 
lang und eröffnete 1889 seine eigene Werkstatt. Seine 
beiden Söhne sind seine Mitarbeiter. Er verarbeitet 
amerikanisches Holz, hat ein eigenes Modell und einen 
guten glanzvollen und durchsichtigen Ollack. 



176 



Goulding — Graln 



Goulding. - London. 1790. 1800 

Es kommen in England noch viele Geigen von sehr 
verschiedenem Werte vor, die oben auf der Außen- 
seite des Bodens den Namen »Goulding« eingebrannt 
tragen. Er selbst hat keine einzige dieser Geigen ge- 
macht, sondern sie nur in seinem gut gehenden Musik- 
geschäft verkauft. Die billigeren Instrumente bezog 
er aus Mittenwald oder Mirecourt, bessere ließ er von 
guten englischen Geigenmachern anfertigen. Sein 
Nachfolger war Keith, der sich noch mit anderen 
Kaufleuten verband und Filialen in verschiedenen 
Stadtteilen Londons errichtete. 

Gouvernari, Antonio. — Cremona. 1600. 1601 
Wenn die Geigen mit diesem Namen als Werke eines 
Cremonesers vom Anfange des 1 7. Jahrhunderts ange- 
sehen würden, könnte man ihn zu den besseren Geigen- 
mücher seiner Zeit rechnen. Abgesehen aber von der 
verdächtigen Schreibweise des Namens mit OU kommen 
Jahreszahlen von 1600—1715 vor. Nach den Geigen 
selbst zu urteilen, können sie kaum im 1 7. oder 18. Jahr- 
hundert entstanden sein. Irgendein geschickter Imi- 
tator dürfte seine Arbeiten mit diesem wahrscheinlich 
erfundenen Namen versehen haben, um sie leichter 
anzubringen. Die sogenannten Gouvernarigeigen sind 
nach einem länglichen Modell mit mittelhoher Wöl- 
bung gebaut, der Lack ist dünn und olivengelb. Die 
F-Löcher erinnern an Nie. Amati, sind aber länger und 
schwungvoller. Die scharfkantige Schnecke ist meistens 
recht gut. 

Geigenzettel: Antonius Gouvernari / Cremonensis 
Faciebat Anno 16.. (gedruckt). 

Graban, Paul. — Gardelegen. 1861 

Er arbeitete nach italienischen Modellen, verstand sich 
auf den Ton und verwendete einen dunkelgelben Lack. 
Auch liebte er es, seinen Geigen ein altes Aussehen zu 
geben. 

Grabensee, T. K. (nach anderen : T. G., auch 
J.A.). — Düsseldorf. 1818. 1861 

Es war mir unmöglich, etwas über einen Geigenmacher 
dieses Namens zu ermitteln, obwohl er in verschiedenen 
Schriften erwähnt wird. — Ich bin daher geneigt, den 
Namen für apokryph zu halten. Er ist vielleicht durch 
Mißverständnis eines Zettels von Tacke, der in der 
Grabenstraße in Düsseldorf wohnte, entstanden. So- 
wohl Tacke als der sogenannte Grabensee sind nur 
durch Reparaturzettel bekannt. 

Gracio, Joäo Pedro, ein portugiesischer Man- 
dolinenmacher, der (1895) in Lissabon lebte 

Grado, Gaetano da. — Neapel 

In einigen Gitarren findet sich sein Name ohne Jahres- 
zahl. 

Gräbner 

Eine Familie in Großbreitenbach, von der sich mehrere 
Mitglieder im Nebenberuf mit der Geigenmacherei 
beschäftigten. 



Grätz, Hans. — Breslau. 1645 

Sein Name findet sich in einem Handwerkerverzeichnis 
des Breslauer Stadtarchivs (Nr. H, 41, 8), wo er als 
Meister der Tischlerinnung eingetragen ist. Da die 
Breslauer Geigenmacher unzünftig und auch nicht ver- 
pflichtet waren, sich einer Innung anzuschließen, ist 
wohl anzunehmen, daß er trotz seiner Geschicklich- 
keit im Lautenmachen sein Brot als Tischler suchen 
mußte. Eine Laute von ihm, deren Hals mit Elfenbein- 
arabesken eingelegt ist, besitzt seit 1908 das Schlesische 
Museum für Kunstgewerbe und Altertümer. Vgl. 
Schles. Vorzeit in Bild u. Sehr. Neue Folge. (Jahrb. 
des Schles. Mus. f. K. u. A.. Bd. V. Breslau 1909, 
S. 257.) 

Gragnani, Antonio. — Livorno. 1741, soll 
1800 noch gelebt haben 

Kein großer Meister, aber doch der beste aus seiner 
Familie. Seine Arbeiten zeichnen sich mehr durch 
ihren weichen, guten Ton als durch schöne Ausführung 
aus. Sein goldgelber, oft nachgedunkelter Lack ist da- 
gegen recht gut. Sein Modell ist groß, die Zargen 
hoch und der Ton meistens voll und tragend. Er ver- 
wendete gedruckte und geschriebene Zettel, auf den 
gedruckten findet sich neben dem Wortlaut oft noch 
eine Erdkugel und ein Kreuz, außerdem findet man 
auch noch die Buchstaben A.G als Brandmarke auf der 
unteren Zarge unter dem Saitenhalterzäpfchen und 
außen auf der Decke über dem oberen Klotz. Eine fünf- 
saitige Viola von ihm war im South Kens. Museum 
1872 ausgestellt. Eine Violine und eine Viola von ihm 
(von 1791) befinden sich in W. Heyers Musikhistori- 
schem Museum in Köln. 

Geigenzettel: Abb. 243. Brandmarke Nr. 2. 

Gragnani, Gennaro. — Livorno. 1730 

Vielleicht der Vater Antonios. In seinen Violen wendet 
er oft noch altertümliche Formen an. Um 1743 soll 
auch ein Jacopo Gragnani vorgekommen sein. 

Geigenzettel : Januarus Gragnani fec. / Lib. Anno 17.. 
(gedruckt). 

Gragnani, Onorato. — Livorno. 1785. 1799 
Sohn von Antonio G., den er, ohne besondere Be- 
gabung, nachahmte. 

Geigenzettel: Onorato Gragnani / Figlio d'Antonio / 
Fatto in Livorno il 1 799 (gedruckt). 

Grab, Ernst. — Merscheid bei Solingen. 1921 

Einer von den Vielen, die in den letzten Jahren das 
»Problem des altitalienischen Geigenbaus« gelöst haben. 

Graill s. Craile 

Grain, Ernst. — Grünberg i. Schi. 1 874. f um 

1895 

Ein Schuhmacher, der als Pfuscher Geigenreparaturen 
ausführte. Da er seine Geigen häufig mit Reparatur- 
zetteln versah, muß er hier erwähnt werden. 



iramino 



jrancino 



177 



Gramino (?). — Mailand. 1722. 1724 

Unten ist ein 1722 vorkommender Gramino Grancmo 
nach einem geschri?benen Zettel erwähnt. Dr. Borne- 
mann in Eisenach sah eme Geige mit dem schön ge- 
druckten Zettel aus dem gleichen Jahre: »Gravi Gra- 
mino in Contrada ,' larga di Milano 1722«. Erscheint 
mir auch der Vorname ebenso seltsam wie der Zuname 
fragwürdig, so muß ich doch die Möglichkeit zugeben, 
daß ein Geigenmacher Gramino gelebt haben könnte, 
um so mehr, als H. Nicolai vom Wiesbadener Kur- 
orchester eine Violine besitzt, die den gedruckten 
Zettel: »Giovanni Gramino Milano 1724« trägt. Hier 
ist der Taufname nicht mehr sonderbar. Ich vermute 
aber doch nach wie vor, daß der oder die Verfertiger 
Grancino gemeint haben, als sie Gramino schrieben 
oder drucken ließen. 

Grämulo (Grämola). — 17. Jahrhundert 

Dieser Name wird von wenig glaubwürdiger Seite als 
der des Lieblingsgeigenmachers Tartinis überliefert. 
Es liegt wahrscheinlich eine Namensentstellung vor, 
bei der es freilich schwer ist, zu erraten, wer eigentlich 
gemeint ist. Aus derselben Quelle scheint auch 
E. T. A. Hoffmann geschöpft zu haben, der in der Er- 
zählung ~>Der Schüler Tartinis« (Serapionsbrüder III) 
diesen Schüler sagen läßt : »Es ist ein wahrhafter Gra- 
nuelo, und gegen den alten Meister ist sein Schüler, 
Euer Stradivari, nur ein Lump. Tartini mochte auf 
keinen andern Geigen spielen, als auf Granuelos«. — 
Der Name wird in der Form Hoffmanns auch nicht 
greifbarer, trotzdem er hier bis zum Lehrer Stradivaris 
emporgerückt ist. 

Grancino, Andrea. — Mailand. 1646 

Wahrscheinlich der Vater Paolos ; Grillet veröffentlicht 
zuerst seinen Zettel, der in einer recht gewöhnlichen 
Geige gefunden wurde. 
Geigenzettel: .Abb. 281. 

Grancino, Francesco. — Mailand. 1690. f 1 746 

Jüngerer Sohn von Giovanni Gr. Er erreichte zwar 
ebensowenig wie sein Bruder Giov. Batt. (II), mit dem 
er zusammen arbeitete, die volle künstlerische Höhe, 
hat aber doch recht gute Instrumente gemacht. Meist 
ist das Holz sehr gewöhnlich, das Modell nach Amati 
und der Lack, wenn auch manchmal noch von klarer, 
gelblicher Farbe, nicht besonders, der Ton dagegen 
fast durchgängig edel und weich. 

Geigenzettel: Francesco Grancino Figlio Giovanni 
fecit Mediolani 17 . . (gedruckt). 

Grancino, Giovanni I. — (Mailand?). 1645. 

1682 

Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie Gr. 
Wahrscheinlich ein Bruder Andreas, der, einem Zettel 
nach zu urteilen, in Cremona gelernt hat, seiner Arbeit 
nach aber eher an die alttiroler Schule als an Amati 
erinnert. Sein Ladenschild lautete: »al segno delle due 
corone", während die übrigen Grancini nur »della 
Corona« haben. Eine Geige von ihm besitzt Holm 
Viertel in Aachen. 

Geigenzettel: Giovan Grancino / Di Cremona 1682 
(gedruckt). 
V. Lütgcndorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II. 



Grancino, Giovanni II. — Mailand. Geb. um 

1675, t nach 1737 

Zweiter Sohn und Schüler des Paolo G. Als Geigen- 
macher ist er einer der besten unter den Mailändern 
und seinem Bruder durchaus ähnlich und ebenbürtig, 
ja er nimmt gewöhnlich noch schöneres Holz. Die 
Wölbung ist weniger hoch, aber breiter als bei Paolo, 
der Lack von gelber oder braungelber Farbe. Er scheint 
eine Vorliebe für kleinere Modelle gehabt zu haben. 
Anfangs arbeitete er mit seinem Bruder gemeinschaft- 
lich. Eine Violine von ihm aus dem Jahre 1737 befindet 
sich in der Fürstl. Lobkowitzschen Sammlung auf 
Schloß Raudnitz. Ein ihm zugeschriebenes Violoncello 
aus dem Jahre 1702 (Korpuslänge 74,5) besitzt Alfr. 
Keil in Lissabon und eine Viola d'amore von 1696 die 
Sammlung Galpin (Hatfield). Eine gute und schön 
durchgeführte Violine mit besonders schöner Schnecke 
besitzt Bildhauer Heinrich Wirsing in Solin bei 
München. 

Geigenzettel : Gio. Grancino al Segno della Corona / 
in contrada larga di Milano fece 1699 (gedruckt). — 
Fratelli Grancini in Contrada larga di Milano al Segno 
della , Corona 16 . . (gedruckt) und Abb. 299. 

Grancino, Giovanni Battista I. — Mailand, 
Ferrara. 1690. 1710 

Nach seiner eigenen Angabe Sohn des Paolo, den er in 
der Holzwahl übertrifft. Das Modell ist flacher, der 
Lack tiefgelb oder orangerot, der Ton groß und 
kräftig. .Anfangs scheint er sich in Ferrara nieder- 
gelassen zu haben, kehrte aber später doch nach Mai- 
land zurück. Für seine besten Arbeiten werden jetzt 
gute Preise erzielt. 

Geigenzettel : Giov. Bapt. Grancino, Filius , Paoli, fecit 
in Ferrara 16 . . (gedruckt) und Abb. 288. 



Grancino, Gio. Battista II. — Mailand. 1697. 

1705 

Älterer Sohn von Giovanni I. Er arbeitete meist mit 
seinem Bruder Francesco Gr. zusammen. Beide setzten 
das väterliche Geschäft fort. Am besten gelangen ihnen 
Violoncelli und Bässe. Ihre Arbeit ist wenig sorgfältig 
und ihr Lack jetzt ziemlich nachgedunkelt. 
Geigenzettel: Gio. Battista & Francesco fra. Grancini/ 
In contrada larga di Milano 17 (gedruckt) und Abb. 286. 

Grancino, Giovanni Batt. III. — Mantua. 

1727. (?) 

Vielleicht ein Sohn von Gio. B. II Gr., wenn er über- 
haupt gelebt hat. Eine Geige mit seinem Namen zeigte 
ein langgestrecktes Modell, war hochgewölbt und 
kastanienbraun lackiert. Die Einlagen waren breit und 
liederlich in der Ausführung, auch die F-Löcher un- 
schön und wenig italienisch. Dagegen war die massige, 
flach gestochene Schnecke recht hübsch und originell 
(die rechte Seite war flacher gehalten als die linke). 

Grancino, Gramino. — Mailand. 1722 

Pfarrer M. Müller in Oberlahnstein besitzt eine zwei- 
fellos italienische Violine mit einem geschriebenen 
Zettel, wobei er den Taufnamen Gramino liest. Der 

12 



178 



Gri 



ancino 



— G 



raseck 



Ton ist außerordentlich edel und gesangreich, die 
Wölbung von mittlerer Höhe, der Lack auf dem Boden 
gelb, auf der Decke gelbbräunlich, die Schnecke 
schwungvoll mit breiter Stirne. Dieses Mitglied der 
Familie, das die gleiche Adresse angibt, wie fast alle 
übrigen, den Namen aber mit z schreibt, ist sonst 
nicht bekannt. 

Geigenzettel : Gramino Granzino in / contrada Larga di 
Milano / 1 722 (geschrieben). 

Grancino, Paolo. — Mailand. 1665. 1692 

Aus Nicola Amatis Schule hervorgegangen, die er sein 
Leben lang nicht verleugnete. Von der sklavischen 
Nachahmung seines Meisters befreite er sich erst sehr 
spät, weshalb sicher eine große Zahl seiner besten 
Arbeiten von Händlern mit Amatizetteln versehen 
worden ist. An der originellen längeren Schnecke kann 
seine Arbeit übrigens leicht erkannt werden. Sein Holz 
ist nicht immer schön, manchmal nimmt er zu Boden 
und Zargen nur Pappelholz, dagegen ist sein gelber 
Lack recht gut. In seinen Bratschen übertrifft er Amati 
fast immer. Arbeiten von ihm besitzt W. Heyers Musik- 
historisches Museum in Köln. 

Grandadam, Fran^ois. — Mirecourt. 1770. 

t2.Mai 1785 

Geigenmacher, Großvater von Jean-Dominique Gr. 

Grandadam, Jean-Dominique. — Mirecourt. 
1795. t 1864 

Sehr guter Bogenmacher, Vater von Adam (s. d.). 

Grand-Gerard, Jean-Baptiste. — Mirecourt. 

1771. 1820 

Seine Arbeit ist etwa mit der D. Hopfs gleichwertig. 
Das Holz ist mittelmäßig und der glanzlose Lack von 
gelber oder brauner Farbe. Am Boden fehlt oft der 
Halsansatz. Er bezeichnete seine Geigen nur durch 
Aufdrücken eines Brandstempels mit seinem Namen 
ohne Datum. Auf der Wiener Musikausstellung befand 
sich eine Geige von ihm mit der Abbildung einer Kirche 
auf der Außenseite des Bodens. Im Katalog (S. 16) 
wird die Geige für englische Arbeit (!) ausgegeben. 

Brandmarke: Nr. 30. 

Grandi, Luigi. — Pisa. 1874 

Italienischer Geigenmacher aus dem letzten Drittel des 
19. Jahrhunderts. 

Grandini, Geronimo. — Mirecourt 

Dem Namen nach müßte man auf einen Italiener 
schließen, wahrscheinlicher aber hieß er richtig Gran- 
din oder ähnlich und hat den Namen nur italienislert, 
um seine Geigen verkäuflicher zu machen. 

Grandjon. — Amsterdam. 1847. 1850 

Ein Geigenmacher aus Mirecourt, Schwager von L. Ber- 
nardel, dessen Geschäft er auf Betreiben der Witwe 
1847 übernahm, aber nicht auf der früheren Höhe 
halten konnte. 



Grandjon, Frangois. — Mirecourt 

Der von A. Jacquot nachgewiesene Stammvater der 
Familie. 

Grandjon, J. (»Grandjon fils«). — Mirecourt. 
1862. 1868 

Älterer Sohn von Prosper-GerardGr. und dessen Nach- 
folger, übertraf aber seinen Vater und besaß verschie- 
dene Medaillen. 

Grandjon, Jules. — Mirecourt. Geb. 1855 
Sohn von Prosper-Gerard Gr. Bevor er seine Fabrik in 
Mirecourt gründete, arbeitete er längere Zeit in Paris 
und hielt auch später dort noch eine Niederlage. Er 
machte verschiedene Versuche und Erfindungen, so 
eine Geige, deren Hals abgeschraubt werden kann usw., 
und entschied sich zuletzt für ein großes Modell, das 
auch in seiner Fabrik hauptsächlich zur Anwendung 
kommt. Vorzugsweise verwendet er hellroten Lack. 
Geigenzettel: Abb. 295. 

Grandjon, L. — Mirecourt. 1830. 1840 
Er bevorzugte ein flaches Modell und einen orange- 
farbenen Lack. 

Grandjon, Prosper-Gerard (Grandjon pere). — 
Mirecourt. 1820. 1862 

Er war schon der Sohn eines Geigenmachers und besaß 
zwar eine gewisse Geschicklichkeit, arbeitete aber sehr 
handwerksmäßig. 

Granser (Granzer, Grauser) s. Kranzer 

Granuelo s. Gramulo 

Grappello, Giovanni Marco. — Ferrara. 1566 

Ein Instrumentenmacher, der mehrfach erwähnt wird. 
Von ihm ist wahrscheinlich die sechssaitige Viola da 
Gamba im Museum des Mailänder Konservatoriums 
mit dem Zettel: »loannes marcus*. Sie ist sehr sauber 
ausgeführt, ohne Ecken, 108 cm lang, und hat dunkel- 
gelben Lack. 

Graseck, Gustav. — München. Geb. 12. Juli 
1881 in Neuenstein (O.-A. Öhringen, Würt- 
temberg) 

Erst Schüler von Friedr. Kochendörffer in Stuttgart, 
dann von Albert Götz in Markneukirchen ; seine eigent- 
liche Ausbildung fand er jedoch erst bei W. A. Keßler 
in Frankfurt, bei dem er mehrere Jahre lang als Ge- 
hilfe arbeitete. Hierauf kam er zu Fiorini nach Mün- 
chen und machte sich dort am 1. Oktober 1910 selb- 
ständig und mußte von 1914 — 1918 ins Feld. Erarbeitet 
vorzugsweise nach Stradivari und Guarneri und hat 
einen sehr guten Öllack, der die Schönheit des sorgfältig 
gewählten Holzes gut zur Geltung kommen läßt. Er 
vermeidet mit Recht grundsätzlich die Nachahmung 
des alten Aussehens seiner Vorbilder und läßt keine 
fremde Hand an seine neuen Geigen. Da er jedoch als 
ausgezeichneter Reparateur mit Aufträgen überhäuft ist, 
kommt er nur selten zum Neubau. Früher verwendete 
er gedruckte Zettel, in neuerer Zeit aber nur mehr 
geschriebene. 



Grater — Gretschel 



179 



Grater, Thomas 

Begründete 1874 seine noch bestehende Werkstatt in 
Birmingham. 

Gratiani, Giuseppe. — Genua. 1762 

Grillet veröffentlicht nur folgenden Zettel von diesem 
sonst unbekannten Geigenmacher. 
Geigenzettel : Abb. 238. 

Grau, L. — Erfurt. 1846 

Nur als Gitarren- und Zithermacher bekannt. Eine so- 
genannte "Thüringer Volkszither« von ihm befindet 
sich in W. Heyers Musikhistorischem Museum inKöln. 
Geigenzettel: L. Grau / in / Erfurt 1846 (gedruckt). 

Graubner, Adam Gottlieb. — Klingenthal. 

1786 

Wahrscheinlich ein fremder Geigenmacher, der sich in 

Klingenthal eingeheiratet hatte. 

Grauweels (Grouwels), Jan (Hans). — Ant- 
werpen 

Wurde 1579 Meister. Er ist bisher nur als Clavecin- 
macher bekannt geworden und war der Sohn eines 
Meisters. Ein Clavecin von Ihm befand sich in der 
Sammlung Snoeck. Da die Möglichkeit, daß er auch 
andere Musikinstrumente, Lauten und Harfen usw. 
gemacht hat, nicht ausgeschlossen ist, sei er hier er- 
wähnt. Von einem Lodovicus Grovvelus besitzt das 
S. Kens. Mus. ein Virginal von 1600. 
Geigenzettel : Johannes Gravwells fecit Antwerpiae (ge- 
druckt). 

Gray, F., lebte im 19. Jahrhundert in St. Louis 

(Miss.) 

Gray, J. — Fochabers (Banffshire, Schottland). 

1870 

Unbedeutender Geigenmacher aus der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts. 

Gregori, Luigi. — Bologna. 1793. 1808 
Als Geigenmacher nur ein Handwerker. 
Geigenzettel: Luigi Gregori fece in Bologna / Anno 
1808 (gedruckt). 

Gregson, Robert. — Blackburn. Geb. 3. Juni 

1871 in Blackburn 

Er studierte acht Jahre lang das Violinspiel und hatte 
das Holzschnitzen erlernt; so kam er darauf, sich auch 
im Geigenmachen zu versuchen. Von 1894 — 1895 war 
er in Montreal in Kanada ansässig und ließ sich 1898 
in seiner Vaterstadt als Geigenreparateur nieder. Im 
Jahre 1898 machte er seine erste Viola und hat seitdem 
über 100 neue Geigen (nach dem Stradivanmodell) ge- 
macht. Alles an seinen Geigen ist eigene Arbeit, er 
beschäftigt keinerlei Gehilfen und steht sowohl als 
Geigenmacher und Reparateur wie als Händler in 
gutem Ansehen. 

Geigenzettel: »Arte et Labore.« / Robert Gregson, / 
Blackburn. / Anno 1913 (gedruckt). 



Greiff, Andres. — Prag. 1602 

Ein Lautenmacher, der in der Altstadt arbeitete und 
wahrscheinlich aus Füssen eingewandert war. 

Greiff (Greif), Georg I. — Füssen. 15 . . 

Vielleicht ein Sohn des im Jahre 1517 aus Faulenbach 
in Füssen eingewanderten Martin Greiff. Eine Arbeit 
von ihm besitzt das Darmstädter Museum (Nr. 493). 
Geigenzettel: Georgius Greif. A Fies / sen. Me fecit 
15 . . (gedruckt). 

Greiff, Georg II (Jerg). — Füssen. Geb. 
27. Okt. 1599 

Sohn und wohl auch Schüler von Georg I Gr. Er wurde 
am 21. September 1631 als Meister in die Füssener 
Lautenmacherzunft aufgenommen. 

Greiff, Hans (Johann). — Füssen. 1606. 1622 

Wahrscheinlich ein Sohn von Magnus oder Georg Gr. 
Im Jahre 1612 gehörte er zu den Lautenmachern, die 
sich über einen ihre Zunft schädigenden Holzhandel 
beschwerten. Vidal erwähnt einen Johann Greffts, 
gemeint kann doch nur Greif! sein. 

Greiff, Laurentius. — Ingolstadt. 1600 

Wahrscheinlich ein Sohn von Magnus G. und wohl 
auch ein älterer Verwandter von M. Fichtoldt, der 
gleichfalls aus Füssen kommend, sich später in Ingol- 
stadt niedergelassen hat. Eine winkelhalsige Laute aus 
dem Jahre 1600 von ihm besitzt R. Leibbrand in 
Berlin. 

Geigenzettel : Laurentius Greiff / me fecit / Ingolstadij, 
Anno 1600 (gedruckt). 

Greiff (Greif), Lukas (Laux). — Füssen. 1611. 

1612 

Er wurde am 26. Dezember 1611 in die Zunft als 
Meister aufgenommen, nachdem er schon am 27. April 
1609 Anna Pfennig geheiratet hatte. Im Jahre 1612 
wird er als Mitglied der Lautenmacherzunft genannt. 

Greiff, Magnus (Mang I). — Füssen. 1550 
Im Verzeichnis der Raymund Fuggerschen Musik- 
kammer (vom Jahre 1 566) wird unter Nr. 67 aufgezählt : 
»Eine grosse Lauten von Flader mit schwarzen Filetlen 
von Mang Greif zu Fefsen.« Vgl. Stockbauer, Kunst- 
bestr. unter Alb. V. u. Wilh. V., S. 83. Trautmann 
nennt ihn wohl nur irrtümlich Martin Greif. 

Greiff, Mang II. — Füssen. 1606. f 1620 
Er war vermutlich ein Sohn des Mang I und wird 1606 
als Mitglied der Lautenmacherzunft genannt. 

Greßel, Joseph. — Mirecourt. 1781 
Nur von A. Jacquot erwähnter Geigenmacher. 

Gretschel. — Arbeitete die 1869 erschienene 
neue Auflage von Wettengels Lehrbuch um 

12* 



180 



Grevy • — Grinager 



Grevy, Fran^ois. — Paris. Um 1870 

Wahrscheinlich nur ein Händler; seine Geigen sehen 
wie Mirecourter Fabrikate aus. einzelne, offenbar für 
Ausstellungen angefertigte Violinen ausgenommen, die 
reich mit Farbholzornamenten eingelegt sind, aber 
wenig Tonschönheit besitzen. 
Geigenzettel: Fran?ois Grevy / Paris (gedruckt). 

Grienberger (Grünberger), Joseph. — Urfahr- 
Linz a. D. Geb. um 1800, f um 1865 
Er hatte in Urfahr Nr. 195 eine Werkstatt und war 
recht geschickt. Er ahmte das Stradivarimodell nach 
und verwandte einen dunkelbraunen Lack. Holz und 
Arbeit sind gut, ebenso der Klang. 
Geigenzettel: Josephus Grienberger fecit y Urfahr — 
Linz anno 1842 (gedruckt). 

Grieser, Martin. — Dresden. 1790 

Vielleicht aus Füssen stammend, wie Mathias Griesser. 
dessen Sohn er jedoch nicht gewesen sein dürfte, da 
dieser dem Anscheine nach kinderlos geblieben ist. 
Ein Lautenmacher des 18. Jahrhunderts, der auch Gi- 
tarren und Geigen gebaut hat, hauptsächlich aber als 
Reparateur beschäftigt war. 

Griesser, Mathias. — Innsbruck. Geb. in 
Füssen nach 1700, f am 3. März 1784 

Ein geschickter Meister, der wohl in Füssen gelernt 
hat und 1 726 bereits in Innsbruck ansässig war, wo er 
(nach Dr. F. Waldners Forschungen) am 20. August 
Anna Moreller von Imst heiratete. Sein Modell war 
zwar nicht besonders schön, Ton und Lack seiner 
Geigen sind aber meistens recht gut. Das Instrumen- 
tenmuseum des Liceo filarmonico in Bologna besitzt 
eine interessante Viola d'amore von ihm. Im Ferdi- 
nandeum in Innsbruck befindet sich eine Gitarrelaute 
vom Jahre 1747, auch das Stift in Hall besaß von ihm 
eine Violine, die in dem bei Aufhebung des Stifts (1783) 
angelegten Inventar (Cod. 31 des Statthaltereiarchivs 
in Innsbruck) auf 54 Kronen bewertet wurde. (Ferd. 
Zeitschr. 1 885, S. 275). Eine gute Viola von 1 727 stellte 
W. E. Hill im Jahre 1904 in der Londoner Music Loan 
Exhibition aus, wobei er irrtümlich den Vornamen 
Martin angab. 

Geigenzettel: Mathias Griesser, Lauden und Geigen- 
macher in Insprugg ann. 1727 (gedruckt). 

Grilli, Giuseppe. — Arezzo. 1742. 1743 

Seine Geigen verraten keine kunstgeübte Hand. Grillet 
druckt seinen Zettel von 1 743 ab mit dem dort befind- 
lichen Zusatz: Nr. 3. 
Geigenzettel: Josephus Grilli , Aretii 1742 (gedruckt)^ 

Grillon. — MIrecourt. 1880. 1895 

Tüchtiger Geigenmacher, der jedoch nicht selbständig 
aufgetreten ist. 

Gnmaldi, Carlo. — Messina. 1681 

Er gilt als Schüler von Albani, was seine Arbeiten in 
gewisser Beziehung zu betätigen scheinen. 

Grimaldi, 0., lebt m Catania 



Grimes. — Sherborne. 19. Jahrhundert 

Englischer Geigenmacher von wenig Ruf. 

Grimm, Adam Friedrich. — Kimgenthal. 1 784 

In den Meisterlisten kommt er 1784 vor. Seine Arbeit 
ist sehr gewöhnlich. Konzertmeister H. Schatz in Vevey 
besitzt eine Violine von ihm im echten Vogtländer Stil, 
ohne Einlage, Boden aus einem Stück. Auch im Ton 
ziemlich wertlos. 

Geigenzettel : Adam Friedrich Grimm / Violin Macher 
Klingenthal (geschrieben). 

Grimm, Carl Constantm Louis. — Berlm. 
Geb. 17. Febr. 1821 in Berlin 

Sohn, Schüler und zum Teil Nachfolger von K. Grimm, 
da er Teilhaber der Firma mit seinem Schwager Hell- 
mig wurde. Den Geigenbau hat er jedoch in der Folge 
nicht betrieben; er wurde 1844 als erster Harfenist bei 
der Königl. Kapelle angestellt und galt als Künstler in 
seinem Fache. 

Grimm, Heinrich. — Magdeburg. 1630 

Ein Lautenmacher, der auch Monochorde gemacht hat. 

Grimm, Karl. — Berlin. Geb. 1794, f 16. Juni 

1855 m Berlin 

Er eröffnete 1825 seine Werkstatt und war jedenfalls 
einer der allerbesten Berliner Geigenmacher. Er ver- 
arbeitete nur das schönste und beste Holz und war 
sorgfältig in der Ausführung und im Lack. Obwohl er 
sehr fleißig arbeitete, machte er im Jahr höchstens 
30 Geigen. Seine Kopien nach Stradivari sind täu- 
schend ähnlich und das Entzücken der Kenner. Auch 
seine Harfen waren geschätzt. Ebenso schön sind seine 
Violoncelli. Er war eine echte Künstlernatur und 
machte fortwährend interessante Versuche. Er war auch 
musikalisch gebildet und soll u. a. ein Virtuose auf der 
Trompete gewesen sem. Im Jahre 1853 erhielt er den 
Titel eines Königl. Hofinstrumentenmachers. Seine 
Werkstatt übernahm sein Werkführer und Schwieger- 
sohn C. Hellmig. 

Grimm (Grim), Karl. — Saaz. Geb. in Groß- 

Tschernitz bei Saaz 1811, f 8. Sept. 1877 in 

Saaz 

Als Sohn eines Bauern kam er zu einem Musiker, der 
auch Geigen machte, in die Lehre. Nachdem er eine 
Zeitlang gewandert hatte, ließ er sich um 1842 in Saaz 
als Geigenmacher und Musiker nieder, wurde 1846 
Bürger und verheiratete sich mit Maria Anna Stein 
aus Schönhof. Seine Tochter Sidonia wurde Schau- 
spielerin. Seine Geigen sind zwar wenig elegant in der 
Form, klingen aber manchmal gut. 
Geigenzettel: Karl Grim , in Saatz 1841 (gedruckt). — 
Karl Grimm Instrumentenmacher in Saaz. (gedr.). 

Grinager, Lars P. — Brandbo (Hadeland, Nor- 
wegen). 1886. 1889 

Erhielt in Paris 1886 eine goldene, in Christiania 1887 
eine bronzene Medaille, in Barcelona 1888 eine ehren- 
volle Erwähnung für seine Violinen. 



Griseri — G rosset 



181 



Griseri, Filippo. — Florenz. 1650 

Seine Geigen haben manches, was an die deutsche 
Schule erinnert, so daß die Meinung aufkommen 
konnte, daß er ein Deutscher gewesen sei und vielleicht 
zur Familie Grieser (Griesser) aus Füssen gehört habe. 

Grivel, V. — Grenoble. 1867 

Er beschäftigte sich eingehend mit dem Studium des 
altitalienischen Geigenlacks und gab auch eine Schrift 
darüber heraus. 

Griwalski, Franz. — Posen. 1743 

Einer der besten polnischen Geigen- und Lauten- 
macher seiner Zeit. August Zimmermann in St. Peters- 
burg besitzt von ihm eine kunstvoll ausgeführte Viola 
d'amore mit hellbraunem Lack von italienischem Cha- 
rakter. Am Wirbelkasten befindet sich der Kopf der 
Justitia (Frauenkopf mit Diadem und verbundenen 
Augen). 

Geigenzettel: AMDCB . M . V^) 1743 D 30 X bris / 
Franciszek Griwalski w Poznamu. (gedruckt). 

Grob, Andreas Joseph. — Straubing. Geb. 
26. April 1826 in Straubing, f daselbst 
4. April 1909 

Schüler von Jacob Schmidbauer in Regensburg. .Als 
Gehilfe arbeitete er in München und Passau usw. und 
kehrte dann in die Heimat zurück, wo er der Nachfolger 
Melzls wurde, dessen Geschäft er kaufte. Er machte 
sowohl alle Arten von Streichinstrumenten als auch 
Gitarren, Mandolinen und Zithern. 

Grobert. — Mirecourt. Geb. um 1794, \ 1869 

Ein geschickter Gitarrenmacher, von dem noch manche 
.Arbeiten in Sammlungen aufbewahrt werden, so im 
Museum des Pariser Konservatoriums eine Gitarre, die 
ehemals Paganini und Berlioz besessen haben. 

Groblicz, Martin I (Marcin). — Krakau. 1 601 . 
1609 

Einer der namhaftesten polnischen Geigenmacher. Am 
besten sind seine Violoncelli. Arbeiten von ihm waren 
auf der Wiener Musik- und Theaterausstellung zusehen. 
Kolarczkowski ■) erwähnt eine in Krakauer Privatbesitz 
noch vorhandene Viola da Gamba mit dem Zettel: 
Na chwale Boza ukonczyl Marcin Groblicz roku 
panskiego 1602 (Zur Ehre Gottes vollendet von Martin 
Groblicz im Jahre des Herrn 1602.) 

Groblicz.Martin II. — Warschau. 1710. 1750 

Vielleicht ein Enkel des Krakauer Meisters. In der 
Arbeit ist er ihm gleichstehend, verwendet gutes Holz 
und arbeitet nach verschiedenen Modellen, meistens 
aber nach Stainer. Er machte hübsche Einlagen und 
schnitzte Löwenköpfchen am Wirbelkasten. Seiner 
Arbeit nach kann man ihn allenfalls der deutschen 



') Die Buchstaben könnten mit: »Ave Maria Domini 
Christi Beata Mater Virgo« zu deuten sein. 

^) In seiner 1888 erschienenen Schrift über Kunst und 
Gewerbe im alten Polen, S. 221. Dasselbe Instrument 
scheint auch schon A. Grabowski gekannt zu haben. 



Schule zuzählen, nur darf man ihn nicht als »artifice 
tedesco« bezeichnen, wie es de Piccolellis tut. Seinen 
Ruhm in Deutschland verdankt er vornehmlich dem 
Lob, das ihm Kapellmeister Löhlein ') in Danzig 
(t 1782) erteilte. Eine Geige von ihm besitzt das Kon- 
servatorium in Warschau. (Abgebildet in Polinskis 
Geschichte der poln. Musik.) 

Geigenzettel: Marcin Groblicz z Warszawie 1710 (ge- 
schrieben). 

Gröber, Georg. — Innsbruck. 1816 
Er war Orgel- und Musikinstrumentenbauer. 

Groh, Heinrich Moritz. — Geb. 3. Febr. 1869 
in Erlbach, lebt als Geigenmacher in Mark- 
neukirchen 

Grohmann, C. A. G. (gen. Franck). — Bay- 
reuth. 1799 

Ist nur als Reparateur bekannt geworden. Eine Ab- 
bildung seines Reparaturzettels findet sich in G. Kins- 
kys Katalog von W. Heyers Musikhistorischem Mu- 
seum in Köln, Bd. II, S. 623. 

Groll, Math. — Msran. 1800 

In der Arbeit mit den Halleiner Geigenmachern ziem- 
lich gleichwertig. Er scheint übrigens nur vorüber- 
gehend in Meran ansässig gewesen zu sein, wodurch 
es sich erklärt, daß weder im dortigen Archiv noch in 
den Geburts- und Sterbematrikeln etwas über ihn zu 
finden ist. 

Gronau, Joh. Benjamin. — Danzig. 1 794. 1 798 

Ein Geigenmacher, von dem bisher nur Reparaturen 
bekannt geworden sind. 

Geigenzettel: Joh. Benj. Gronau Geigenmacher in 
Danzig , Reparirt 1794 (gedruckt) und Abb. 319. 

Grosjean, John Fredenck. — London. 1837. 

1840 

Er war Harfenmacher, baute aber auch Harfengitarren. 
Grosseiet. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, aus der A. Jacquot die 
Folgenden aufzählt : 

JeanG. 1758. 1770 

Jean-Fran?ois 1 G., geb. 4. Juli 1727, f 1759, Sohn 

des Joseph I G. 

Jean-Fran?ois II G., geb. 5. November 1749, lebte 

noch 1776, Sohn von Jean Francois I. 

Joseph I G. 1727, der Stammvater der Familie. 

Joseph II G., geb. vor 1740, lebte noch 1789. Er 

gebrauchte eine Brandmarke mit seinem Namen. 

Jacquot kennt Geigen von ihm, die er lobt. 

Grosset, Paul-Fran^ois. — Paris. 1744. 1765 

Schüler von Claude Pierray. In Arbeit und Modell 
ungleich und mittelmäßig, am besten ist noch sein 
gelber oder brauner Spirituslack. Die Wölbung nimmt 



') Löhlein gab 1774 eine heute noch wertvolle An- 
weisung zum Violinspielen heraus. 



182 



Grossl — Gschwenter 



er gewöhnlich ziemlich hoch. Er wohnte in der Rue de 
la Verrerie und hatte den Schild »Au Dieu Apollon«. 
Da er nicht viele Geigen gemacht hat, kommen sie auch 
zieiTilich selten vor, doch waren solche aus den Jahren 
1 758 und 1 759 aus dem Besitze E. Mennessons im 
Jahre 1895 auf der retrospektiven Ausstellung in Reims 
ausgestellt. 

Geigenzettel : P. F. Grosset. Au dieu Apollon. / rue de 
la Verrerie, ä Paris 1757. (geschrieben). 

Grossi, Giuseppe. — Bologna. 1803. 1804 

Seine Arbeiten lassen nur noch wenig merken, daß sie 

in Italien entstanden sind. 

Geigenzettel : Giuseppe Grossi / Bologne / 1 804. (gedr.) 

Grossi, Gualterio de. — Neapel 
Mandolinenmacher. 

Großmann, Dr. Max. — Friedrichsfelde bei 

Berlin 

Es ist durchaus wahrscheinlich, daß die alten Meister 
des Geigenbaues über die physikalischen Gesetze besser 
unterrichtet waren, als man gemeiniglich glaubt, und 
daß die schließlich von ihnen festgestellte Form der 
Geige eine Folge wissenschaftlicher Erwägungen war. 
Daß wissenschaftliche Ergebnisse in früheren Zeiten 
häufig als Geheimnis von den wenigen Wissenden ge- 
hütet wurden, kann auch nicht bestritten werden, und 
so darf man den ein Jahrhundert alten Glauben, daß 
die Cremoneser ein Geheimnis besessen und mit ins 
Grab genommen haben, nicht ohne weiteres von der 
Hand weisen. Ist es doch trotz aller Versuche der besten 
Geigenmacher des 19. Jahrhunderts keinem gelungen, 
Stradivari oder Guarneri auch nur zu erreichen, ge- 
schweige denn, sie zu übertreffen. Das zu vermutende 
Geheimnis zu lüften, haben sich bereits zahlreiche 
Geigenmacher und Physiker bemüht, und zu einem 
interessanten Ergebnis ist Sanitätsrat Dr. Großmann 
gekommen, das dieser in einer kleinen Schrift unter 
dem Titel: »Es gibt doch ein Geheimnis der alten 
italienischen Geigenbauer« (Berlin 1898) veröffent- 
lichte, und das in der Forderung besteht, daß Boden 
und Decke in einem einfachen Schwingungsverhältnis 
zueinander stehen müssen. Dieses Verhältnis fand er 
in der höheren reinen Quarte oder Quinte. Bei an- 
nähernd gleicher Stärke stehen die Eigentöne von 
Fichten- und Ahornholz in diesem Verhältnis, woraus 
sich die Wahl gerade dieser Holzsorten zum Geigenbau 
erklären ließe. Dr. Großmann führte seine Theorie 
noch weiter aus in einem Aufsatz der Berliner Mus.- 
Instr.-Ztg. vom 16. Juli (1897/98) Nr. 41, der auch 
als Sonderdruck erschienen ist, sowie in einigen 
weiteren Aufsätzen. Auf seine Ideen gingen verschie- 
dene Geigenmacher mit bestem Erfolge ein. In jüngster 
Zeit ist eine Gesellschaft unter der Firma »Neu- 
Cremona« zusammengetreten, um Dr. Großmanns 
Theorie praktisch auszubeuten. 

Grou. — Paris. 1752 

Er fertigte hauptsächlich Bauernleiern an und scheint 
früh gestorben zu sein. In der Sammlung Arrigoni in 
Mailand waren zwei Arbeiten von ihm. 

Grovvelus, s. Grauweels 



Gruber, Franz Xaver. 1832 

Auf seinem Zettel gibt die schlecht leserliche Orts- 
bezeichnung ein Rätsel auf. 

Geigenzettel: Fr. Xaver Gruber / Geigen Verfertiger / 
in Vollmann (vielleicht Mettmann, Rheinprov. ?) / 
1832 (geschrieben). 

Grünberger, L. — Linz a. D. 1864 

Wahrscheinlich ein Verwandter des J.Grienberger, der 
in dem der Stadt Linz gegenüberliegenden Urfahr seine 
Werkstatt hatte. Er scheint sich Guarneri zum Vorbild 
genommen zu haben, verwendete einen gelblichen Lack 
mit rötlicher Schattierung und gab seinen Geigen gerne 
ein altes Aussehen. Die Arbeit ist ziemlich gut, nur die 
Schnecken lassen zu wünschen übrig. 

Gründler, Johann. — Budapest. Geb. 1839 in 
Szabadka 

Ein talentvoller Schüler seines Oheims Hackhofer und 
von Franz Tischenant, lebte bis 1 863 als Geigenmacher 
in Budapest und wurde dann Beamter. 

Grünwald s. Draßegg 

Grulli, Pietro. — Cremona. 1870. f 1898 

Wenn ein Geigenmacher in Cremona lebt, fordert er 
unwillkürlich zum Vergleich seiner Arbeiten mit den 
besten klassischen Meisterwerken heraus. Es will daher 
schon etwas heißen, wenn man sagt, daß Grullis Geigen 
ihrem Ursprungsorte keine Schande machten. 

Grumet, Alphonse-Joseph. — Paris. Geb. 1857 

Er begründete 1892 ein Saiteninslrumentengeschäft 
und läßt auch nach eigenen Modellen durch einen bei 
ihm angestellten Mirecourter Geigenmacher Instru- 
mente herstellen, die seinen Namen tragen. 
Geigenzettel : A. Grumet, Luthier / ä Paris (geschr.). 

Gschiel, Andreas Johann. — Budapest. Zweite 
Hälfte des 18. Jahrhunderts 

Einer der besten Budapester Geigenmacher seiner Zeit, 
der in seinen Violinen an die Art von Math. Thir er- 
innert, wenn er ihm auch nicht gleichkommt. Arbeit 
und Holz sind gut, nur der Lack ist etwas arm und 
dunkel. 

Geigenzettel: Abb. 316. 

Gschiel (Gschiell), Joseph Michael. — Buda- 
pest. 1807 

Nach Dr. J. Geyers Meinung vielleicht ein Sohn des 
Andreas Joh. Gsch., den er jedoch wesentlich über- 
troffen haben soll. 

Gschwenter, H. Joseph. — Innsbruck. Geb. 
26.Juni 1 838 zu Mals i.Vintschgau, f 1 1 . Dez. 
1894 in Innsbruck 

Er hat in Mittenwald gelernt und kam vor 1859 nach 
Innsbruck. Er hat nur wenige neue Geigen gemacht, 
hauptsächlich beschäftigte er sich mit Ausbesserungen 
und dem Bau von Zithern und Gitarren. Nach Dr. Fr. 



GuadagninI, Antonio — Guadagnini, Giambattista II. 



183 



Waldner erhielt er 1873 in Wien, wo er ein Quartett 
ausgestellt hatte, für eine Bratsche die goldene Me- 
daille. Er verlegte sich zuletzt ganz auf den Instru- 
menten- und Musikalienhandel. Sein Nachfolger Carl 
Gschwenter setzte das Geschäft nur als Kaufmann fort. 

Guadagnini, Antonio. — Turin. Geb. 1831, 
t 1881 

Sohn von Gaetano 1 1 und Enkel von Carlo G. Tüchtiger 
und sauberer Nachahmer alter Meister ; Reparateur und 
ständiger Lieferant der Musiklyzeen in Turin und 
Pesaro, ein ungemein fleißiger Geigenmacher. Auch 
seine beiden Söhne Francesco und Giuseppe sind 
Geigenmacher geworden. 
Geigenzettel: Abb. 251. 

Guadagnini, Carlo. — Turin. 1780. 1839 

Sohn von Gaetano I. Er machte hauptsächlich Gitarren 
und beschäftigte sich nur als Reparateur mit Geigen. 
Er hinterließ drei Söhne, Gaetano, Giuseppe und 
Feiice, die Geigenmacher wurden. 

Guadagnini, Felice I. — Turin. 1834. 1835 

Er bezeichnet sich als »Nepos Joan. Bapt.« und wird 
häufig mit Felice II. verwechselt. Seine Geigen sind 
flachgewölbt und nach dem von seiner Familie be- 
vorzugten Modell gebaut. 

Guadagnini, Felice II. — Turin. Geb. um 1830 

Sohn von Carlo G. und wohl auch dessen Schüler. Er 
übertraf jedoch seinen Vater, seine Violinen haben 
großen Ton und sind sauber gearbeitet, auch die 
kräftiggehaltene Schnecke ist tadellos, nur der Lack — 
oft von rotbrauner oder gelbbrauner Farbe — läßt zu 
wünschen übrig. Bessere Arbeiten von ihm werden 
schon jetzt recht gut bezahlt. 

Guadagnini, Francesco. — Turin. 1889. 1910 

Sohn und wohl auch Schüler von Antonio G. Gegen- 
wärtig der einzige Nachkomme der berühmten Familie 
m Turin. Ein gebildeter und geschickter Meister, der 
nach den Modellen seines Urururgroßvaters Giam- 
battista II G. arbeitet. Von seinem Lack behauptet er, 
daß dieser noch immer derselbe sei, den sein Vorfahr 
angewendet habe, nur fehlten ihm zunächst naturgemäß 
jene Vorzüge, die allein das Alter verleihen können. 
Tatsächlich hat sein Lack (von leuchtend roter Farbe) 
viele Kennzeichen des altitalienischen Lacks. Bis jetzt 
arbeitet er ohne Gehilfen, er hat wohl drei Söhne, von 
denen ist der älteste aber erst etwa siebzehn Jahre alt. 
Seine Werkstatt befindet sich in der Via Santa Teresa 15. 
Die Begründung seines Hauses verlegt er in das Jahr 
1690, was freilich nicht ganz stimmen dürfte. — Eine 
sehr gute Violine von ihm von tadelloser Arbeit und 
großem und doch sehr süßem Ton besitzt Ingenieur 
Hermann Keil in Cöthen i. A. — Ein gleichnamiger 
Guadagnini soll gleichfalls in Turin tätig gewesen sein 
und sich 1889 ins Privatleben zurückgezogen haben. 
Geigenzettel : Francesco Guadagnini fu Antonio / fece 
in Torino anno 1910 F. G. T. 

Guadagnini, Gaetano I. — Turin. 1775. 1831 
Sohn von Giov. Batt. II. Seine Geigen sind sehr gut 
gearbeitet, haben schönes Holz und gelbbraunen Lack 



und klingen vorzüglich. Im Handel wurden Violinen von 
ihm schon vor dem Kriege mit 3000 M. bewertet. Eine 
schöne Violine von ihm besitzt Abt Sales Bauer in Rein 
(Steiermark). Er hat jedoch nur wenig neue Geigen ge- 
macht und verlegte sich zuletzt fast ausschließlich auf 
die Gitarrenmacherei. 

Geigenzettel: Gaetano Guadagnini / J. B. Guadagnini 
Filius / Taurini fecit 1 775 (gedruckt). 

Guadagnini, Gaetano II. — Turin. 1835. 1852 

Altester Sohn von Carlo G. ; wenig bedeutender Geigen- 
macher, der aber trotzdem einzelne recht gute Violinen 
gemacht haben soll. 

Geigenzettel: Abb. 268. 
Guadagnini, Giambattista I. — Mailand, 
Parma. Geb. in Piacenza um 1 685, f n. 1 770 

Er gilt als Bruder von Lorenzo G., mit dem er anfangs 
in Piacenza gearbeitet haben soll. Hierauf ging er für 
längere Zeit nach Parma, wo er in herzogliche Dienste 
trat. Von 1 750 an war er in Mailand tätig. Er war sehr 
fleißig, seine Geigen halten den Vergleich mit den Ar- 
beiten Lorenzos recht gut aus und übertreffen die von 
dessen Sohn Giambattista. Mit dem letzteren wird er oft 
verwechselt. Er ahmte sowohl Stradivari als auch Amati 
nach und verwendete einen schönen, goldigen Lack. 
Auch im Ton sind seine Geigen meist gut. Auf seinen 
Zetteln findet sich stets ein Hinweis auf seinen Geburts- 
ort, sei es, daß er sich darauf ausdrücklich als »Placen- 
tinus« bezeichnet oder daß er unter die Initialen seines 
Namens im Kreise das P anbrachte, auch wenn er sich 
— wohl aus Geschäftsrücksichten — »Cremonensis« 
nannte. Dadurch ist er von Giambattista II, der in Cre- 
mona geboren war, leicht zu unterscheiden. Eine Geige 
von ihm aus Mailand, mit der Jahreszahl 1 750, besitzt 
Prof. Gust. Holländer in Berlin. Besonders schön ist 
das Violoncello in der Sammlung Th. Hämmerle in 
Wien. Jul. Heinr. Zimmermann m Leipzig besitzt eine 
kleine Geige mit rotbraunem Lack und dem neben- 
stehenden Zettel. Eine prachtvolle Violine (Mailand 
1753) besitzt Dr. Thommen in Wien, eine andere Abt 
Sales Bauer in Rein (Steiermark) und ein prächtiges 
Konzertinstrument Stefi Geyer. 

Geigenzettel : Questo corretto e fatto al Convento da 
me / Giam Battista Guadagnini Piacentino / in Milano. 
(Jahreszahl unleserlich.). — Abb. 239 und 296. 

Guadagnini, Giambattista II. — Piacenza, 
Turin. Geb. 1711 in Cremona, f 18. Sept. 
1 786 in Turin 

Sohn von Lorenzo G. und wie sein Vater wahrscheinlich 
Schüler von Stradivari. Er war seinem Vater in jeder 
Beziehung ebenbürtig und baute wie dieser ziemlich ge- 
nau nach Stradivaris Modellen, nur die Schnecke, die er 
massig liebt, gelingt ihm weniger gut, auch die F-Löcher 
sind bei ihm ein wenig geändert. Er bevorzugt das 
flache Modell, verwendet ausgezeichnetes Holz — 
Boden meist zweiteilig — und goldgelben, überaus 
feurigen und durchsichtigen Lack, der aber bei aller 
Schönheit doch nicht dem von Lorenzo G. an Güte 
gleichkommt, da er meistens etwas hart und wenig 
elastisch ist. Auch an Tonschönheit steht Giamb. 1 1. oft 



184 



Guadagnini, Giovanni A. — Guadagnini, Lorcr.zo II. 



hinter Lorenzo zurück, denn Violinen von ihm, die 
einen wirklich hervorragend schönen Ton haben, 
kommen ziemlich selten vor, dagegen findet man 
häufiger Geigen, die äußerlich ganz wundervoll aus- 
sehen, im Ton aber weniger halten, als sie versprechen. 
Die besten Arbeiten von ihm stammen aus dem letzten 
Drittel seines Lebens und geben Turin als Wohnort an. 
Seine Geigen sind hochgeschätzt und haben schon 
vor dem Kriege Preise bis zu 14 000 M. erreicht, eine 
Summe, die jetzt mehr als vervierfacht wird. Nach dem 
Tode seines Vaters übernahm er dessen Werkstatt und 
ging später nach Turin, wo er starb. Daß er auch in 
Brescia gearbeitet habe, wie behauptet wird, läßt sich 
durch nichts beweisen. 

Geigenzettel: Abb. 289^). 

Guadagnini, Giovanni Antonio. — Turin. 1 750 

Er wird zuerst von Grillet erwähnt, der seinen Zettel in 
einer Geige fand, die durchaus einer solchen von 
Lorenzo gleichwertig war. Auch dieser Guadagnini 
nennt sich einen Schüler von Stradivan und war wohl 
ein Bruder Lorenzos und der erste aus der Familie, der 
nach Turin ging. 

Geigenzettel: Abb. 263. 

Guadagnini, Giuseppe (?) — Brescia (?). 1697 

Josef Müller in Schönbach besitzt eine italienische 
Geige, deren Umrisse und Wölbung bis zu einem ge- 
wissen Grade dem Brescianer Stil entsprechen. Die 
Violine ist zweifellos die Arbeit eines tüchtigen Meisters, 
der Ton soll wundervoll sein, der rotbraune Lack ist 
gut. Sie mißt im Corpus 357 mm, untere Breite 209, 
obere Breite 170, Brustweite 109 mm, und hat starke 
Ränder, doppelte Einlage und schwungvolle F-Löcher. 
Der Boden ist von glattem Ahornholz, die Zargen sind 
hoch und die Schnecke ist groß und schön. Die Geige 
trägt den Zettel : (Giuseppe) Guadagnini fecit Brescia 
1697 (gedruckt). Dem Charakter der Schrift nach 
könnte der Zettel aus der Zeit stammen ; auffällig ist 
nur, daß der Taufname in Klammern steht, und daß bei 
einem Zettel in italienischer Sprache das lateinische 
»Fecit« (statt fece) vorkommt, abgesehen davon, daß 
die Brescianer damals fast immer ganz lateinische Zettel 
(»fecit BrixiE« usw.) gebraucht haben. Ein Giuseppe G., 
der schon 1 697 auf der Höhe seiner Kunst stand, ist mir 
bisher nicht bekannt geworden; daß die Familie in 
Brescia ansässig war, gelang mir auch nicht nachzu- 
weisen. Weder im Stadtarchiv zu Brescia noch in den 
Schriften von Cav. Livi und von Prof. Don Angelo 
Berenzi kommt der Name Guadagnini vor. Auch 
Valdrighi kennt keinen Brescianer Guadagnini. Merk- 
würdig ist es immerhin, daß der Name Guadagnini auf 
Zetteln so oft in Verbindung mit Brescia vorkommt, so 
hat u. a. Wild in Eger eine Violine von einem Marco G. 
aus Brescia 1713, und auch ein Giambattista G. gibt 
Brescia als Wohnort an. Da die Guadagnini öfter den 
Wohnort gewechselt haben, wäre die Möglichkeit nicht 
ausgeschlossen, daß einzelne Mitglieder zeitweilig auch 
nach Brescia kamen. Solange aber keine urkundlichen 
Beweise vorliegen, wird man den Brescianer Guadagnini 
berechtigtes Mißtrauen entgegenbringen. 



Guadagnini, Giuseppe I, genannt »Soldato«. — 
Mailand, Como, Parma, Pavia. Geb. 1736, 
t nach 1805 

Zweiter Sohn von Giambattista I G., dessen Schüler er 
wohl gewesen sein dürfte. Er nennt sich einen Cremo- 
neser; ob er in Cremona geboren ist oder vielleicht dort 
gelernt hat, ist unbekannt. Er baute nach Stradivan und 
Guarnen. Flaches breites Modell, gute Arbeit, weniger 
gelingt ihm der Ton ; 1 760 befand er sich in Parma, 
1 763 wohnte er in Como in der Contrada di Porta, 1 790 
in Pavia. Zuletzt kam er ganz herunter. Seine besten 
Arbeiten erreichen immerhin gute Preise. Er liebte 
auch doppelte Einlagen und außer seinen Zetteln 
findet man neben dem Balken noch die Buchstaben : 
»S. J. F. (?) SS. S. GG. F. P.« Eine gute Violine von 
ihm besitzt das Kölner Konservatorium der Musik. 

Geigenzettel : Josef Guadagnini Cremonensis / fecit 
Papiae anno 1790 (gedruckt). — Giuseppe Guadagnini 
fil. / Joannes Baptista Parmae 1768. (gedruckt). — 
Giuseppe Guadagnini figlio di Giov. Battista (ge- 
druckt) und Abb. 279. 



Guadagnini, Giuseppe II. 
1884. 1900 



Rom, Turin. 



Zweiter Sohn von Carlo G. Er macht Geigen und 
Violoncelli nach den alten Modellen seiner Familie. 



T 



urin. 



1890. 



') Auf manchen Zetteln findet sich unter den Initialen 
noch ein T. 



Guadagnini, Giuseppe III. 
1900 

Sohn von Antonio G., Geigenmacher der Gegenwart. 

Guadagnini, Lorenzo I. — Cremona, Piacenza. 
Geb. um 1695 (?) in Piacenza (?), lebte noch 
1 760 und soll in Mailand gestorben sein 

Schüler von Stradivan, bei dem er lange arbeitete. Er 
kehrte nach 1730 in seine Vaterstadt zurück. In seiner 
Arbeit strebt er mit Glück seinem Lehrer nach und ge- 
brauchte ein ziemlich kleines Patron von schöner 
mittlerer Wölbung. Das Holz ist sehr schön, die Aus- 
führung musterhaft, die Umnßhmen schwungvoll. Die 
F-Löcher sind bald nach Guarnen, bald nach Stradi- 
van geschnitten. Charakteristisch für ihn ist die 
Schnecke, die allerdings nicht so schön ist, als die 
seines Lehrers Stradivan. Sein goldroter Lack ist 
wundervoll und wird von keinem Guadagnini außer 
von Giambattista an Feuer übertroffen. Es soll auch 
Geigen von ihm geben, die ähnlich wie die von Maggini 
doppelte Einlagen haben. Er wurde lange den Amatis 
als gleichwertig geachtet, doch steigen die Preise für 
seine Violinen wegen ihres bestrickenden Tons jetzt 
fortwährend. Daß er auch in Mailand gearbeitet haben 
soll, wird zwar behauptet, scheint aber auf einer Ver- 
wechslung zu beruhen. 

Geigenzettel : Laurentius Guadagnini Cremonae / 
.^Mumnus Stradivan fecit Anno Domini 17.. (gedruckt) 

und Abb. 267. 

Guadagnini, Lorenzo II. — Turin. 1790 

Sohn und wohl auch Schüler von Giambattista II. G. 
Da sich Lorenzo I. auf einigen seiner Zettel »Pater« 



Gualzatta — Guarneri 



185 



nennt, hielt man Lorenzo II. bisher für dessen Sohn. 
Durch einen jetzt zutage gekommenen Zettel In einer 
wundervollen Violine im Besitze von Max Sternau in 
Weimar ist er als Enkel Lorenzos I. festzustellen. Da er 
in seiner Arbeit seinem Großvater sehr nahekommt, 
sind sicher viele seiner Geigen diesem mit »ver- 
besserter« Jahreszahl zugeschrieben worden, wodurch 
sich ihr seltenes Vorkommen sehr einfach erklärt. Er 
verwendete einen sehr hellen, goldgelben Lack und 
zeichnete sich auch durch hübsch geschnitzte Schnecken 
aus. 

Geigenzettel: Lorenzo Guadagnini figlio di Giovanni 
Battista / fecit in Turino an. 1790 (gedruckt). 

Gualzatta, Benedetto. — Rom. 1716. 1726 

Ein Lautenmacher, der nicht ungeschickt war. Ein aus 
einem reichverzierten Kürbis gemachtes Lauteninstru- 
. ment («Cavaco«) von ihm besitzt die Sammlung Crosby 
Brown in New York (Nr. 144). 

Guardelli, Fratelli, lebten im 19. Jahrhundert 

in Rom 

Guarlni, Gerolamo 

Ein Geigenmacher dieses Namens wird von Magius zu 
den Meistern allerersten Ranges gezählt, hat aber nie 
existiert und wird wohl nur durch eine Vermengung 
eines Amatitaufnamens mit dem schlecht gemerkten 
Namen der Guarneri entstanden sein. 

Guarlni, Joseph^) s. Mennesson 
Guarlno, Battista. — Ferrara. 1445 

Ein ausgezeichneter Lautenist, den Valdrighi unter dem 
Namen »Petrobono« aufzählte. Ob er ihn mit Recht den 
Lautenmachern anreihte, kann ich weder bestreiten 
noch belegen. Der richtige Familienname geht aber aus 
einer Stelle im Codex 62 der Biblioteca Comunale in 
Ferrara hervor, wo es heißt : . . . »Baptista Guarinus ad 
Petrum Bonum chitarristam rarissimum . . .« 

Guarlno, Mlchele. — Foggla. 1854 
Er scheint nur Reparateur gewesen zu sein. 
Geigenzettel : Michele Guarino / Accomodo in Foggia / 
1854 (geschrieben). 

Guarmandl, Flllppo. — Bologna. 1795 
Ein Geigen- und Lautenmacher ohne Ruf. 
Geigenzettel : Philippus Guarmandi Bononiensis / Fecit 
Anno 1795. (gedruckt). 

Guarneri, Andrea. — Cremona. Geb. um 1626, 
t7.Dez. 1698 

Sohn des Bartolommeo und der Stammvater der be- 
rühmten Cremoneser Geigenmacherfamilie. In fast 
allen Urkunden wird der Name allerdings Guarnieri 
geschrieben, auf den Zetteln der einzelnen Mitglieder 
der Familie findet man aber stets die Schreibart Guar- 
nerius vorgezogen. Andrea war einer der ersten Schüler 



Nicola Amatis und kommt bereits 1641 In den Akten 
der Pfarrei St. Faustino und Giovita mit der Bemerkung 
vor, daß er ein Mitbewohner des Hauses Amati und 
1 5 Jahre alt sei. Es läßt darauf schließen, daß Amati ihn 
besonders schätzte, da er ihn zum Zeugen bei seiner Ver- 
mählung mit Lucrezia Pagliarl genommen hat (23. Mai 
1645). Wenige Jahre später, am 31. Dezember 1652, 
heiratete er selbst Anna Maria Orcelli (f 13. Jan. 1695), 
aus welcher Ehe sieben Kinder, vier Töchter und drei 
Söhne, hervorgingen. Andreas Gelgen sind größer als 
die seines Lehrers, wenn er sich auch anfangs genau an 
dessen Modelle gehalten hat. Später nahm er die Wöl- 
bung flacher, veränderte die F-Löcher und erfand seine 
eigene ziemlich tiefgestochene Schnecke. Sein Lack ist 
verschieden, gewöhnlich orangefarben und oft etwas zu 
dick aufgetragen. Der Ton ist recht gut: am besten 
sind seine Violoncelli, die er, wie fast alle Cremoneser, 
In zwei Größen machte. Außer vollen Gelgen fertigte er 
auch »halbe« an ; eine solche aus dem Jahre 1644 besitzt 
die Kgl. Sammlung alter Musikinstrumente in Berlin. — 
Zwei von seinen Söhnen sind gleichfalls Geigenmacher 
geworden. Arbeiten, die er nicht selbst gemacht hat, die 
aber in seiner Werkstatt hergestellt wurden, tragen den 
Zettel : Sub disciplina Andree Guarnerlj In elus officina 
sub titulo S. teresie, Cremone 16 . . (gedruckt). Eine 
schöne Violine von ihm besaß Prof. Arno Hilf, eine 
andere von 1675 hat Direktor Karl Henricl In Basel, ein 
wunderbares Violoncello vom Jahre 1695, eines der 
schönsten, das je In Cremona gebaut wurde, besitzt der 
Violoncellist Hans Bottermund^), (siehe Bd. I.Tafel 79). 

Geigenzettel: Abb. 307. 
Guarneri, Antonio. — Cremona 

Gian Battista G. hatte wohl einen Sohn namens Giu- 
seppe Antonio, der aber schon in seinem Geburtsjahre 
1683 gestorben ist. Einen anderen Antonio Guarneri 
hat es aber überhaupt nicht gegeben. Wenn daher ein 
Antonio G. angeführt wird, der 1678 »sub titulo 
Thereslae« gearbeitet haben soll, so beruht dies im 
günstigsten Falle auf einer Verwechslung mit Andrea. 

Guarneri, Caterlna. — Cremona 

Wenn es mehr als eine Sage ist, daß auch ein Catarina 
G. Gelgen gemacht hat, die als eine Schülerin der 
Brüder Giuseppe und Pietro G. bezeichnet wird, dann 
könnte nur Pietro G.s Ehefrau Catarina Sussagni (geb. 
um 1658) damit gemeint sein, da die Tochter seines 
jüngeren Bruders Giuseppe G. (Josephus G.), Anna 
Caterlna, geb. 19. März 1697, schon Im Jahre 1698 ver- 
storben Ist. Gelgen, die von einer Caterlna G. her- 
rühren, sind mir zwar nie bekannt geworden, aber es 
wäre Immerhin möglich, daß Caterina, wenn sie ihren 
Mann überlebt haben sollte, das Geschäft fortgesetzt 
hat. 

Guarneri, Joannes Florenus (?). — Cremona. 
1590 

Claudius in Kopenhagen besitzt eine hübsche Laute, 
als deren Verfertiger ein Joannes Florenus Guarneri 



') Was Broadhouse und Miss Stalner über »Guarlni« ^) Vorbesitzer war der Dresdener Hofmusiker Boek- 
sagen, beruht auf einem Irrtum, der Name ist nur ein mann. Die Geschichte dieses schönen Instruments läßt 
Pseudonym. sich übrigens durch mehr als 100 Jahre zurückverfolgen. 



186 



Guarneri, Giuseppe — Guarneri, Giuseppe Gian Battista 



erscheint. Es liegt nahe, diesen Namen als eine willkür- 
liche Verbindung der beiden Namen »Florenus Gul- 
dante« und »Guarneri« zu halten. Sollte der Zettel aber 
echt sein, könnte er vielleicht dazu dienen, Licht über 
das auf dem Namen Floreno Guidante noch ruhende 
Dunkel zu verbreiten. 

Guarneri, Giuseppe, genannt »del Gesü«. 
Cremona. Geb. 16. Okt. 16871), .j. „g^h 1742 
Der größte Meister aus der Familie der Guarneri und 
einer der größten Geigenmacher überhaupt. Er war der 
Sohn des Gian Battista G. und der Angiola Maria, geb. 
Locadelli. Gian Battistas Vater war Bernardo G., ein 
Vetter von Andrea G. Daß Gius. ein Schüler Stradivaris 
gewesen, wie früher behauptet wurde, war von vorn- 
herein unwahrscheinlich. Durch Horace Petherick ist 
die Frage nach dem Lehrmeister Giuseppe Guarneris 
recht glaubwürdig beantwortet, denn er konnte zwei 
Zettel in Jugendarbeiten des Meisters von 1706 und 
1714 veröffentlichen, auf denen sich dieser emen 
Schüler des Andreas Gisalberti nennt. Auch stil- 
kritisch verdient diese Angabe vollen Glauben, wenn 
auch Giuseppe sehr bald seinen eigenen Weg ging und 
vollkommen unabhängig von seinen Vorgängern wurde. 
Er ist ein genialer Künstler, dessen Werke denen Stra- 
divaris ebenbürtig sind und diesen jetzt mit Recht sogar 
manchmal vorgezogen werden. Da er auf seinen Geigen 
das eucharistische Zeichen IHS mit dem Kreuz darüber 
— das u. a. als die griechischen Anfangsbuchstaben des 
Namens Jesu gedeutet wird — anbrachte, erhielt er 
den Beinamen »del Gesü«"). Über seinen Lebenslauf 
ist wenig bekannt ; die Sage, daß er im Gefängnis ge- 
storben sei, ist wohl nur darauf zurückzuführen, daß 
tatsächlich ein Verbrecher Namens Guarneri am An- 
fange des 18. Jahrhunderts eingekerkert wurde, dieser 
aber hatte den Vornamen Giacomo. Gius. G. wechselte 
seine Modelle häufig, ließ das Holz in der Brust sehr 
stark und wählte für die Mitte die engeren Jahresringe. 
Bei geteiltem Boden ließ er die Flammen manchmal 
auch abwärts laufen und bevorzugte breitgeflammtes 
(tigerfellartiges) Ahornholz. Man unterscheidet bei ihm 
drei Perioden. In der ersten wechselt er das Patron 
häufig, ebenso die Form der F-Löcher; die Arbeit ist 
manchmal flüchtig, aber der Ton immer sehr schön. 
Seine eigentliche klassische Periode ist die zweite. Jetzt 
hält er sein gefundenes Modell fester, die Form ist voll- 
endet schön, die Arbeit tadellos, das Holz prachtvoll 
und der Lack durchscheinend mit einem goldigen 
Schimmer. In seiner dritten Periode scheint er einem 
neuen Ziel nachgejagt zu haben, er arbeitete hastiger 
und weniger sorgfältig, und die Geigen aus dieser Zeit 
werden, an die Sage von seiner Einkerkerung an- 
schließend, im Handel »Gefängnisgeigen« genannt. 
Man kennt Violinen, Violen und Taschengeigen, aber 
keine Violoncelli von ihm. Sein Name war durch mehr 
als 70 Jahre fast in Vergessenheit geraten, da erhielt 



^) Giuseppe hatte einen älteren, am S.Juni 1683 ge- 
borenen Bruder, namens Giuseppe Antonio, der wenige 
Monate nach seiner Geburt starb. 

^) Andere deuten die Buchstaben mit »In Hoc Signo« 
(vinces), und wieder andere, wie Dr. E. Pochmann in 
Linz, lesen noch anderes heraus. 



1820, Paganini von dem französischen Kauf manne 
Livron in Livorno eine Geige von ihm aus dem Jahre 
1 743 zum Geschenk. Paganini spielte fortan nur mehr 
auf dieser Geige, und durch seine Kunst wurde der 
Name Guarneri »mit einem Schlage« wieder berühmt. 
Diese Geige befindet sich jetzt als ein Vermächtnis des 
Künstlers an seine Vaterstadt unter einem Glassturze 
im Museum zu Genua. Zwei schöne Geigen von ihm 
besitzt Th. Hämmerle in Wien, eine von 1 730 W. Tol- 
stopjatow in St. Petersburg, andere Kathleen Parlow, 
Dr. Welti in Bern, Architekt E. Heman in Basel, Prof. 
F. Berber, Dr. Hallgarten und Baron von Zwehl in 
München ^). — Die Geschichte der Familie der Guar- 
neri einigermaßen klargestellt zu haben, ist ein be- 
sonderes Verdienst de Piccolellis, der eine ganze Reihe 
bisher unbekannter Urkunden beigebracht hat. 

Geigenzettel: Joseph Guarnerius / Alumnus Andreae 
Gisalberti / fecit Cremona, 1 706 (gedruckt) und Abb. 
247, 248 und 269. 

Guarneri, Giuseppe Gian Battista (»Joseph 

Guarnerius«). — Cremona. Geb. 22. Nov. 

1 666, t wahrscheinlich nach 1 738 

Jüngster Sohn von Andrea, dessen Schüler und Nach- 
folger er war, den er aber weit übertroffen hat. 1690 
vermählte er sich mit Barbara Franchi (f 1738), aus 
welcher Ehe sechs Kinder hervorgingen, drei Töchter 
und drei Söhne, von denen nur einer, Pietro, Geigen- 
bauer wurde. Seine Geigen zeigen sehr verschiedene 
Modelle. Am besten charakterisiert man sie damit, daß 
man sagt, sie stellen den Übergang von Amati und 
Andrea G. zu G. del Gesü dar. Seine Arbeit ist äußerst 
sorgfältig. Das Modell ist klein, in der Brust ziemlich 
schmal und gehört ihm ganz allein an. Charakteristisch 
sind die langen Bügel, die seinen Geigen fast das Aus- 
sehen der Patrons »allonge« von Stradivari verleihen. 
Sein (wie auch del Gesüs) Deckenholz zeigt nach außen 
zu breitere Jahresringe, die nach der Mitte zu enger 
werden. Das Bodenholz ist auch bei ihm oft tigerfell- 
artig, breit geflammt (wie bei G. del Gesü). Die Stel- 
lung der F-Löcher wechselt manchmal bei seinen 
Geigen, was nur darauf schließen läßt, daß er damit 
Versuche anstellte und bestimmte Ziele verfolgte. 
Kommen neben unvergleichlich schön ausgeführten 
Geigen auch solche vor, die die Sorgfalt da und dort 
vermissen lassen, so findet das bei ihm, wie bei 
tausend andern Geigenmachern, die naheliegende Be- 
gründung, daß die Besteller billigere Geigen verlangt 
hatten. Der wundervolle Lack ist goldgelb oder hell- 
braun und manchmal in jenem eigentümlichen Zu- 
stande, den Kenner und Geigenmacher gerne als »zer- 
ronnen« bezeichnen. Man findet dies bekanntlich auch 
bei dem Lack von C. Bergonzi und D. Montagnana. 
Erscheint dieser »zerronnene« Lack auch auf den ersten 
Anblick rauh oder gar undurchsichtig, so gewinnt er 
doch, sobald man das Licht in anderer Richtung darauf 
fallen läßt, das ganze Feuer und die Durchsichtigkeit 
der glatten Stellen. Gerade der zerronnene Lack ist 
unnachahmlich, und selbst so' geschickte Nachahmer 



') Eine möglichst vollständige Liste der erhaltenen 
Arbeiten dieses Meisters wäre recht wünschenswert.^! 



juarneri 



Gülich 



187 



wie Lupot, Vuillaume oder Fr. Coussin in Neuf- 
chateau haben sich vergeblich bemüht, durch plötz- 
hches Trocknenlassen einer dünnen Lackschicht und 
schroffe Temperaturwechsel feine Risse zu erzeugen, 
die dann nochmals überfirnißt wurden. Von weitem 
sehen solche Lackierungen wohl wie »zerronnen« aus, 
in der Nähe betrachtet erkennt man aber leicht das 
regelmäßige Gitter, das dem Gemäldefreund als 
Craquelure bei auf Holz gemalten Bildern hinlänglich 
bekannt ist und das mit dem zerronnenen Lack niemals 
identisch ist. Joseph G. ist nächst G. del Gesü der beste 
Meister aus seiner Familie, und wenn jemand, so war er 
(wie auch Hart meint) der Lehrer seines größeren 
Vetters. Eine schöne Geige von ihm besitzt Th. Häm- 
merle in Wien, andere Sir Robert Berwick und Konzert- 
meister Anton Huber in München, ein prachtvolles 
Violoncello von 1732 Prof. Georg Wille in Dresden. 
Geigenzettel : Abb. 293. 

Guarneri, Pietro (I) Giovanni. — Cremona, 

Mantua. Geb. 18. Febr. 1655 in Cremona, 

f nach 1728 

Erstgeborener Sohn von Andrea G., bei dem er bis 1680 
blieb, nachdem er sich schon 1 677 mit Caterina Sussagni 
verheiratet hatte. Später ließ er sich in Mantua nieder 
und kam nur noch einmal im Jahre 1698 nach Cremona 
zurück, wahrscheinlich veranlaßt durch die schwere, 
mit dem Tode endigende Krankheit seines Vaters. In 
dieser Zeit arbeitete er für seinen Bruder Giuseppe. 
Daß er zuletzt in Venedig ansässig gewesen und dort 
ganz heruntergekommen sein soll, beruht wohl auf einer 
Verwechslung mit seinem Neffen Pietro (11). Man 
wollte ihn früher für einen Amatischüler halten, doch 
hat er wahrscheinlich bei seinem Vater gelernt. Er war 
ein sehr begabter Gelgenmacher, aber ein etwas un- 
ruhiger Geist, was ihn verhindert haben mag, voll aus- 
zureifen. In der Form welchen seine Geigen bedeutend 
von denen seines Vaters und Bruders ab, ja er machte 
sogar Versuche, neue Formen zu finden, wofür eine 
noch erhaltene Altviola von 1698 spricht, bei der er die 
Ecken weggelassen hat, also dasselbe tat, was später u. a. 
Chanot getan hat, der eine ganz neue Erfindung damit 
gemacht zu haben glaubte. Sonst ist sein Modell sehr 
schön und groß, die F-Löcher sind breit und rund und 
halten die Mitte zwischen Amati und Stradivari, 
während die )( mehr an Nie. Amati erinnern; die 
Schnecke ist breit und hat einen originellen Zug, und 
die Einlagen sind sehr schön. Die Wölbung nahm er 
bei breiter Brust ein wenig zu hoch, weshalb auch der 
Ton seiner Geigen, so edel er an sich genannt werden 
muß, oft nicht allzu groß ist. Das Holz ist in der Regel 
sehr schön und der blaßrote oder braungelbe Lack vor- 
trefflich. Seine Arbeit ist manchmal barock und nicht 
immer sehr genau, und wenn dies bei ihm die Schönheit 
des Tons nicht beeinträchtigt, so scheinen die recht zu 
haben, die behaupten, daß es doch ein Geheimnis der 
Cremoneser gab, von dem eben der Ton abhängig war. 
Eine aus Venedig(?) datierte Violine von ihm befand 
sich nach der Mitteilung des Geigenmachers Meth- 
fessel in Wien in Privatbesitz. Eine tadellos erhaltene 
halbe Violine von ihm aus dem Jahre 1696 besitzt 
Heinrich Doevenspech in Düsseldorf. — Eine schöne 
Violine von ihm aus dem Nachlasse ihres Vaters, des 



trefflichen Malers Prof. Gussow, besitzt Frau Prof. 
Dr. V. Fritze in Berlin ^). 

Geigenzettel : Revisto e coretto da me Pietro Guarneri / 
Cremonese In Mantova 1697. (gedruckt) und Abb. 278. 

Guarneri, Pietro (II). — Venedig. Geb. H.April 
1695 in Cremona, f nach 1760 in Venedig 

Sohn von Giuseppe (»Joseph«) G. und Schüler seines 
Vaters. In seinen reiferen Jahren schloß er sich mehr an 
seinen Oheim Pietro an und machte recht hübsche 
Gelgen nach dessen Modellen, weshalb man ihre Ar- 
beiten leicht verwechselt. In seinen letzten Jahren soll 
es ihm sehr schlecht gegangen sein. Sichere Arbeiten 
von ihm beweisen, daß er seinem Namen alle Ehre 
machte. Universitätsprof . Dr. DIsselhorst in Halle a. S. 
besitzt eine prächtige Violine von ihm aus dem Jahre 
1751, großes flaches Modell mit charakteristischen 
großen F-Löchern und leuchtendem braunen Lack. 
Das Deckenholz könnte schöner sein, die Arbeit aber 
ist tadellos, und im Tone kommt die Violine den 
besten Cremonesern gleich. Auch die Schnecke ist 
groß und schwungvoll in den Linien. — Auch der Kgl. 
Opernsänger Gustaf Sjöberg in Stockholm hat eine sehr 
gute Violine von 1719 von ihm. Ein dritter Pietro G. 
soll 1720—1750 in Mantua gelebt haben. 
Geigenzettel : Abb. 253 und 270. 

Guarneri, Ubaldo. — Cremona. 1683 

Ein bisher unbekanntes Mitglied der Familie G., das 
Valdrighi (Nr. 4218) aufzählt. Er vermutet in Üb. G. 
einen Sohn Andreas. 

Gudi, Hieronimo. — Cremona. 1 726. 1 727 
Ein Meister von hervorragenden Fähigkelten, der jung 
gestorben sein muß, da er sonst bekannter wäre. Vidal 
macht auf eine herrliche Viola d'amore von Ihm auf- 
merksam, die sich in der Sammlung Gautier in Nizza 
befindet: prachtvolles Holz, meisterhafte Arbeit, gold- 
gelber Lack, edler Ton, Frauenköpfchen am Wirbel- 
kasten. Eine schöne Geige von ihm besitzt das Cister- 
zienserlnnenkloster Oberschönenfeld bei Augsburg. 
Auch Kammermusiker W. F. Borsche in Hannover be- 
saß eine gute Violine von ihm (mit einer leider er- 
neuerten Schnecke). 

Geigenzettel : Hieronimo Gudi da Cremona 1 727 (ge- 
druckt). 

Guedon, Jacques Antoine. — Paris. 1755. 1783 

Er wohnte erst Rue de la TIssanderle (1775/77), später 
Rue BariUerie (1779/83) und gehört nicht zu den her- 
vorragenden Meistern. 

Gülich, Johann.— Mannheim. 1794. f 27. März 

1837 

Sohn von Math. G. und sein Nachfolger. Er diente zu- 
erst In der k. k. Armee, und als er im Jahre 1794 nach 
Mannheim zurückkehrte, sollte er zum pfälzischen 
Militär eingezogen werden. Intendant v. Dalberg 



^) In der Reihe der Männer, die sich ernsthaft mit der 
Erforschung des altitalienischen Geigenlacks beschäftigt 
haben, nimmt Prof. Gussow einen hervorragenden Platz 
ein, und mehrere der besten Arbeiten von Riechers tragen 
Gussowschen Geigenlack. 



188 



Gülich — Guerin 



machte dagegen geltend, daß Johann G. wegen »merk- 
lichen Leibesschadens« zum Kriegsdienst untauglich 
sei, und für den alten Vater den Dienst als Kaikant 
(Orchesterdiener) versehen müsse. Im Jahre 1800 über- 
nahm er die väterliche Werkstatt und im Jahre 1801 
wurde er als Kaikant mit 200 fl. Gehalt fest angestellt. 
Von da an geriet er oft in einen Widerstreit zwischen 
seinem eigentlichen Berufe und semem Amte, da er 
dem einen nur nachkommen konnte, wenn er das andere 
vernachlässigte. Seine Stelle scheint er dann schon vor 
1817 aufgegeben zu haben, aber er brachte es trotz 
allem Fleiße zu keinem Vermögen und besaß außer 
seinem auf 350 Gulden geschätzten Hause, das er mit 
dem Gelde seiner 1806 verstorbenen ersten Frau ge- 
kauft hatte, keine irdischen Güter. Eine aus dem 
Theaterorchester stammende Geige von ihm besitzt 
das Altertumsmuseum in Mannheim. Das Theater- 
orchester besaß noch 1820 fünf Violinen von ihm aus 
den Jahren 1804 — 181 l.zwei von 1812 und ein im Jahre 
1804 von ihm verkleinertes Violoncello (von Rauch). 
Geigenzettel: Johann GüUich, Lauten- und / Geigen- 
macher Mannheim 180. (gedruckt). 

Gülich (Gylig), Mathias. — Mannheim. Geb. 
um 1714, t im August 1803 

Er wird zuerst im kurpf. Hofkalender 1763 als Lauten- 
macher und kurpfalzbaynscher Hof-Lauten- und 
Geigenmacher (Instrumentenmacher) erwähnt, und 
diente seit 1 774 bei der Hof musik und der französischen 
Komödie als »Kaikant«, wofür er seit 1779 ein Gehalt 
von 150 fl. bezog, dabei aber die Saiten liefern und die 
Instrumente ausbessern mußte. Er selbst unterschreibt 
ein Gesuch von 1782 mit Matthäus Gilig, auf seinen 
Zetteln nennt er sich Mathias Gülich, in Urkunden 
erscheint auch Gylig, und der bayrische Hofkalender 
von 1798 macht gar Gygli daraus. Daß er mit der 
bayrischen Hofmusik nach München übergesiedelt ist, 
erscheint unwahrscheinlich. Die Übersiedlung fand 
1778 statt, während sich Gülich nachweisbar dauernd 
in Mannheim befand. Alt geworden und vom Schlage 
getroffen, geriet er in Dürftigkeit und fand dann im 
Mannheimer Borromäusspital seit 1800 eine letzte Zu- 
flucht. Sein Sohn übernahm damals die Werkstatt. — 
In den Sammlungen des Mannheimer Altertumsvereins 
befindet sich eine 1776 von ihm reparierte Viola da 
Gamba mit seinem Zettel. Eine Violine von 1779 und 
eine Altviola von 1776 besaß nach den Theaterakten 
des Mannheimer Stadtarchivs (»Verzeichnis der am 
15. Nov. 1820 dem Kaikanten Karl Mann übergebenen 
Orchesterinstrumente«) das Mannheimer Theater. 

Geigenzettel : Mathias Gülich Landen- und Geigen , 
macher in Mannheim 17.. (gedruckt). 

Guenet. — Bourg. 1850 

Ein Uhrmacher, der einige Drehleiern (Viellen) ge- 
macht hat. 

Günther, Franz. — Halle, Potsdam, Berhn, 
Zürich, Tiengen. Geb. 13. Oktober 1857 m 

Radegast (Anhalt-Cöthen) 

Sohn von Georg G. Im Jahre 1871 kam er zu Ludw. 
Bausch nach Leipzig in die Lehre und lernte nach dem 



Tode seines Meisters bei seinem Vater aus; von 1878 
bis 1880 arbeitete er bei seinem Bruder in Magdeburg, 
dann bis 1886 in Halle, wo er sich auch nach dem Tode 
seines Vaters selbständig machte und bis Ende Sep- 
tember 1893 blieb. Am 1 . Oktober 1893 siedelte er nach 
Potsdam, über und übernahm 1894 das Grimmsche Ge- 
schäft in Berlin, das er bis 1901 fortführte. Seine 
Geigen sind nach Stradivan gemacht, der Rand nach 
VuiUaume (also nicht abgerundet). Bis 1898 verwendete 
er Spirituslack, seitdem Lasurölfarben aus Tuben und 
als letzten Überzug Schellack. Decke und Boden 
stimmte er nach eigenem System ab. Auf der Berliner 
Musikausstellung 1898 erhielt er für seine Geigen und 
Bogen die goldene Medaille. Seine Zettel sind meistens 
handschriftlich. Um den altitalienischen Geigenlack zu 
erforschen, ging er auf Prof. J. Joachims Rat nach 
Mailand und hielt sich dann längere Zeit in Zürich auf. 
Die Kriegsereignisse führten ihn in die Heimat zurück 
und verschlugen ihn zuletzt nach Tiengen an der 
Schweizer Grenze, als er diese nicht mehr über- 
schreiten durfte. Er ist überzeugt, die Arbeitsweise der 
alten Cremoneser vollkommen erforscht zu haben und 
legt auf den Lack ein Hauptgewicht. 

Geigenzettel: Verfertigt von Franz Günther, / Berlin, 
d (gedruckt). 

Günther, Georg. — Radegast, Halle a. S. 1853, 
t 1886 

Schüler von L. Bausch in Leipzig. Im Jahre 1853 
machte er sich selbständig und siedelte 1865 nach Halle 
über. Solide Arbeit, längliches Patron, dunkelbrauner 
Lack. Die Wölbung zeigt stellenweise einen hartlinigen 
Verlauf. Der Ton ist gut, trägt aber nicht genügend, 
dagegen wird G. noch heute nachgerühmt, daß er bei 
Wiederherstellungsarbeiten verstand, den Ton wirklich 
zu verbessern. 

Günther, Gustav. — Magdeburg, Mamz. Geb. 

1853 in Halle a.S. 

Schüler von L. Bausch. Er erhielt auch eine um- 
fassende musikalische Ausbildung und spielt alle 
Streichinstrumente, was ihm als Geigenmacher sehr zu- 
statten kommt. Während seiner Militärzeit diente er als 
Hoboist. 1879 ließ er sich in Magdeburg nieder und 
übernahm dann 1881 die Werkstatt von A. Milch in 
Mainz. Er hat nur wenig neue Geigen gemacht, diese 
sind kräftig im Holz, nach Stradivari, und haben 01- 
und .Spirituslack. Seit 1895 hat er den Neubau fast ganz 
aufgegeben, dagegen reist er jährlich ein- bis zweimal 
nach Italien, um alte Geigen einzukaufen, die er dann 
recht gut wieder herstellt. An Stelle des Zettels ver- 
wendet er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. 
Sein Sohn und Schüler Georg G., geb. 1893 in Mainz, 
ist gleichfalls ein tüchtiger Geigenmacher geworden 
und im väterlichen Geschäft tätig. 

Günther, H., lebt (1895) in Dresden 
Guerin, Alexandre Sauveur. — Marseille. Geb. 
20. Aug. 1834 in Hyeres 

Schüler und Nachfolger von Edm. Daniel. Er hat sich 
fast ausschließlich auf den Handel verlegt. 



Guerin — Gütter 



189 



Guerin, Marius. — Marseille. Geb. 1871 

Schüler von Darte in Mirecourt, arbeitete dann bei 
Gand & Bernardel und ist jetzt Teilhaber des väter- 
lichen Geschäfts, in welchem er jedoch nur wenig Ge- 
legenheit hat, seinen eigentlichen Beruf auszuüben. 

Guerra, E. — Turin. 1911 

Italienischer Geigenmacher der Gegenwart, der auf der 
Turiner Ausstellung vertreten war. Er arbeitet nach 
verschiedenen Modellen und wendet einen roten 
Lack an. 

Guerra, Giacomo. — Modena. 1810 

Er beschäftigte sich nur aus Liebhaberei mit dem 
Geigenmachen, trieb aber ernsthafte Studien und hat 
einige recht gute Geigen gemacht, die kastanienbraun 
lackiert sind. Auch auf anderen Gebieten machte er 
allerlei hübsche Erfindungen. 

Guerra, Jose Maria, lebte um 1837 und 1839 
als Lautenmacher m Cadix 

Guerrero, Juan. — Malaga. Mitte des 18. Jahr- 
hunderts 

Ein besserer Lautenmacher, von dem sich eine spa- 
nische Gitarre aus der Sammlung Snoeck (Nr. 345) 
in Berlin befindet. 

Geigenzettel : Juan Guerrero me fecit en Malaga ; en 
el anno de 175 . . (gedruckt). 

Guernni, Giuseppe. — Siena. 1813 

Er war Geigenmacher und galt als sorgfältiger Arbeiter 



Guersan, Louis. 

1781 



Paris. Geb. um 1713, t um 



Er ist der einzige aus seiner Familie, die angebl.ch 
mehrere Geigenmacher zählte, der einen gewissen 
Ruhm erlangte. Erst Schüler von Gl. Pierray, wurde er 
später auch dessen Nachfolger. Er war jedenfalls ein 
Meister von seltener Handgeschicklichkeit, der alles zu 
machen verstand, was das Auge befriedigte, Zedern- 
holz zu den Verzierungen verwandte und hübsche 
Schnecken und Köpfchen schnitzte ; nur in bezug auf den 
Ton bleiben seine Arbeiten hinter allen Erwartungen 
zurück. Diese Tatsache war ihm zweifellos selbst be- 
kannt, denn er machte zeitlebens V.ersuche, die Wöl- 
bung, das Stärkeverhältnis von Boden und Decke zu 
ändern, ohne zu einem günstigeren Ergebnis zu 
kommen. Bis zu einem gewissen Grade mag auch sein 
harter, trockener Lack, der leicht abspringt, den Ton 
verschlechtert haben : — es war dies ein Spintus^ck, 
dessen Einführung in den französischen Geigenbau 
ihm geradezu zugeschrieben wird. Am besten gelangen 
ihm seine Violen. Er fand im Leben alle denkbare An- 
erkennung, war geschworener Zunftmeister für 1748 
usw. und zählte Hoch und Nieder zu seinen Kunden. 
Seine Arbelt wurde nachgeahmt, so daß er auch als 
Haupt einer Schule gelten kann. Er wohnte nächst der 
Comedie Frangaise in der Rue des Fosses St. Germain. 
Arbeiten von ihm besitzt das Museum des Pariser Kon- 
servatoriums, Snoeck eine Geige von 1734 und eine 
Bratsche von 1 752 (jetzt in Berlin"), Claudius in Kopen- 



hagen ein Diskant-Quinton, eine sechssaitige Diskant- 
Viola W. Heyers musikhistorisches Museum in Köln, 
eine andere W. E. Hill & Sons, ein Quinton die Samm- 
lung Savoye, das Gothenburger Museum ein Quinton 
von 1763, auch in anderen Museen ist er meist gut ver- 
treten. Sein Schwiegersohn Antoine Saint-Paul wurde 
sein Nachfolger. 
Geigenzettel: Abb. 261, 273, 275. 290. 

Gürtler s. Güttier 

Gütler s. Güttier 

Gütter. — Markneukirchen 

Aus dieser Familie gingen als Geigenmacher hervor: 

Gütter, August Moritz. — Geb. 12. Nov. 1857 
Gütter, Carl August I. — Geb. 23. Nov. 1801 , 

t 25. Okt. 1874 
Gütter, Carl August II. — Geb. 22. Dez. 1802, 

t 7. April 1862 
Gütter, Carl August III. — Geb. 26. Juni 1823 
Gütter, Carl Friedrich. — Geb. 28. Febr. 1 756, 

f 26. Jan. 1830 

Sohn von Georg Adam G. Er wohnte zuletzt in Wohl- 
hausen und war nicht ungeschickt. 
Geigenzettel : Carl Friedrich Gütter , Violinmacher 
1780. (gedruckt). 

Gütter, Carl Gottlob. — Geb. 28. Juli 1797, 

t 15. Jan. 1865 
Gütter, Carl Hans. — Geb. 26. Juni 1872 
Gütter, Christian August. — f 1900 

Erfinder der Akkordzither. 

Gütter, Christian Wilhelm, Sohn von Carl 
Friedrich G. — Geb. 28. Mai 1786, soll in 
Wohlhausen gestorben sein 

Gütter, Ernst Ludwig. — Geb. 28. Juli 1867 

Gütter, Friedrich Wilhelm. — Geb. 20. April 
1862 

Gütter, Georg Adam I. — Geb. 1705, f 1757 

Sohn und Schüler von Johann G. Er wurde am 7. Juli 
1743 als Meister in die Zunft aufgenommen und hat bis 
dahin wohl bei seinem Vater als Geselle gearbeitet. 
Wenn er im Zunftbuch der »jüngste Sohn des Vor- 
meisters« genannt wird, so muß dies ein Irrtum des 
Schreibers sein, da nach den Kirchenbüchern Georg 
Adam der älteste Sohn war. 

Geigenzettel : Georg Adam Gütter , Neukirchen 1 749. 
(gedruckt). 

Gütter, Georg Adam II. — Geb. 1726, 
t 26. Sept. 1811 im Alter von 85 Jahren 
3 Monaten und 5 Tagen 
Sein Sohn war: 



190 



Gütter — Gufler 



Gütter, Georg Adam III. — Geb. 6. Juni 1761, 

t l.Febr. 1829 

Von ihm gibt es Geigen, die aus den neunziger Jahren 
des 18. Jahrhunderts stammen und Wien als Ursprungs- 
ort nennen. Es gelang mir nicht, irgend etwas über seine 
dortige Anwesenheit festzustellen. Es ist daher wahr- 
scheinlich, daß er, wie andere Vogtländer Prag oder 
Cremona usw., Wien angegeben hat, ohne je dort ge- 
wesen zu sein. Sein Lack war dunkelbraun, die Arbeit 
gewöhnlich, Schnecke und F-Löcher unschön. Er ver- 
wendete auch die Brandmarke -;:; G. -.\'c A tk G ^, die 
vielleicht schon sein Vater gebraucht hatte. (Nr. 23.) 
Geigenzettel: Georg Adam Gütter / Violinmacher in 
Wien. 1791. (gedruckt). 

Gütter, Gustav Anton. — Geb. 30. Febr. 1856, 
fS. Mai 1896 

Gütter, Heinrich, ist seit 1896 in Breslau an- 
sässig 

Gütter, Johann. — Geb. um 1690, f nach 1751 

Er wurde am 28. Dezember 1712 Meister, nachdem 
Ihm auf Fürsprache des Landesherrn die Wanderjahre 
erlassen waren. Er galt als tüchtiger Geigenmacher und 
war mindestens von 1743 — 1751 Vormeister der Neu- 
kirchener Zunft. Sein .Sohn war: 

Gütter, Johann Adam. — Geb. um 1726, f um 
1760 

Sohn von Joh. G. Er diente lange bei der Miliz und be- 
warb sich ziemlich gleichzeitig mit dem wohl beim 
gleichen Regiment dienenden Chr. Gotthilf Fischer um 
die Aufnahme in die Zunft. In Anbetracht seines Sol- 
datenstandes wurde ihm die Gebühr für einen Meisters- 
sohn auf die Hälfte ermäßigt und er am 5. Juni als 
Meister aufgenommen, nachdem sein Hauptmann sein 
Einverständnis ausgesprochen hatte. 

Gütter, Johann Georg I. — Geb. 6. Jan. 1759, 

t 25. März 1829 

Sohn von Georg Adam II. G. Einer der besten Geigen- 
macher aus seiner Familie. Er soll um 1799 auch m 
Erfurt gearbeitet haben. 

Geigenzettel: Abb. 317. 

Gütter, Johann Georg II. — Geb. 24. Febr. 

1781. t 12. Juni 1820 
Sohn von Carl Friedrich G. 

Gütter, Johann Gottlob. — Geb. 18. Juli 1766, 
126. Jan. 1845 

Geigenzettel: Johann Gottlob Guetter / Violinmacher 
in Neukirchen bey / Adorf im Voigtlande 1797. (ge- 
druckt). 

Gütter, Johann Heinrich. — Geb. 20. Okt. 
1800, t in Amerika 

Einer der Begründer des vogtländischen Exports nach 
Amerika. 



Gütter, Moritz. — Geb. 1857 

Er arbeitete bei Bausch in Leipzig, Eritzoe und Diehl, 
ging nach Warschau und von da nach London. Auf der 
Heimreise starb er 1883 in Oberhausen a. Rh. 

Gütter, Richard Moritz. — Geb. 1 6. Febr. 1 840 

Er ging in jungen Jahren nach Amerika und starb in 
New York. 

Gütter, Wilhelm Ernst. — Geb. 1 840, f 7. März 
1897 
War hauptsächlich Bogenmacher. 

Gütter, Julius. — Philadelphia. Geb. 30. Sept. 
1872 in Markneukirchen 

Sohn des Stegfabrikanten Adolph G., Schüler seines 
Schwagers Wilh. Ernst Martin, arbeitete dann bei 
J. Glass in Leipzig und Holm Viertel in Aachen und 
ging, 20 Jahre alt, nach Amerika, wo er zunächst bei 
Albin Voigt in Philadelphia tätig war und sich dann 
1893 selbständig machte. Seine angeborene Begabung, 
seine gute Schule und sein Fleiß ließen ihn schnell zu 
einem trefflichen Meister heranreifen. Besonderes Ge- 
schick entwickelte er im Verbessern des Tons alter 
Geigen. Er arbeitet nach Stradivari und verwendet 
einen sehr guten Ollack von rötlicher oder hellbrauner 
Farbe. Seine aus bestem alten Holz gebauten Geigen 
tragen als Brandmarke seinen Namen. 

Güttier (Gütler), Franz X. — Wien. Geb. 1857 

Schüler von C. Schmidt in Wien, bei dem er von seinem 
dreizehnten bis zu seinem neunzehnten Jahre blieb. Er 
arbeitete dann als Gehilfe bei verschiedenen Geigen- 
machern und ließ sich nach Beendigung seiner Militär- 
zeit 1889 in Wien nieder, wo er seine eigene Werkstatt 
eröffnete. Er ist namentlich ein sehr guter, fleißiger 
Reparateur. 

Güttier (Gürtler), Johann Michael. — Breslau. 

1709 

Ein wahrscheinlich aus Füssen stammender Meister. 
Baron sagt von ihm : »Die Bresslauer Lautten sind auch 
nicht zu verachten und hat daselbst . . . Joh. Mich. 
Güttier aber meist auf einen starken Thon gesehen«. 
In der fürstlich Lobkowitzschen Sammlung auf Schloß 
Raudnitz befindet sich eine schlecht erhaltene Laute 
von ihm mit dem Zettel: Johann Michael Güttier / 
Lauten- und Geigenmacher / in Breslau anno 1 709 (ge- 
druckt). 

Gufler, Rochus. — Brixen a. E. 1679 

Wie Dr. Fr. Waldner in seinen Nachrichten über 
tirolische Lauten- und Geigenmacher, S. 54, mitteilt, 
besitzt Advokat Dr. Jos. Hell in Glurns eine Viola mit 
großem Ton von eigenartiger Klangfarbe. Die F-Löcher 
stehen nahe beisammen, die Arbeit ist nicht sehr kunst- 
voll. 

Geigenzettel: Rochus Gufler / zu Brixen an. 1679. 
(geschrieben auf Pergament). 



Guggemos — Gusnasco 



191 



Guggemos, Markus. — Füssen. 1759. 1791 

Seine Geigen sind hochgewölbt und halten zwischen 
Stainer und M. Alban die Mitte. Das Holz ist gut, bei 
den Decken gewöhnlich weitjähng, der Lack dunkel- 
braun, mager und glanzlos. Der Ton bei gut erhaltenen 
Instrumenten recht gut. 
Geigenzettel: Abb. 262. 

Guglielmi, Gio. Battista. — Cremona. 1 747 

Einer der kleineren Cremoneser Meister. Seme Geigen 
kommen selten vor und sind ziemlich sorglos nach 
Amati gemacht. 

Guibourg. — Mirecourt 

Eine Geigenmacherfamilie, von der A. Jacquot die 
folgenden Namen aufzählt : 

Henry G. -1744. 1775 

Joseph IG. -1744. 1763 

JosephllG. — 1766 

Joseph III G.- 1744. 1775 

Remy I G. — Bruder von Joseph I. f 19. März 1779 

Remy II. — Geb. 14. Nov. 1763. 

Guidantus, Antonio 

Niederheitmann u. a. erwähnen einen Antonio Gui- 
dante; es ist dies wohl ein erfundener Name, der ein 
Mitglied der Familie Florenus (»Guidante Florenus*) 
fmgiert. 

Guidantus s. Florenus 

Guide, Joseph. — Mirecourt. 1763. 1770 

Nur dem Namen nach bekannt. 



Guinobaldl. — Nizza. 
Mandolinenmacher. 



1900 



B 



ar- 



Guillami, Joannes. (Vater und Sohn.) 
celona. 1742. 1760 

Schöne Arbeit nach Stradivari, meist hohe Wölbung, 
roter, etwas harter Öllack. Der Vater erinnerte in der 
Arbeit an die Gaglianischule. Auffallend smd die 
Schnecken mit dickem, nicht geschweiftem Wirbel- 
kasten. Es soll übrigens drei Geigen- und Lauten- 
macher dieses Namens gegeben haben, die von 1680 
bis 1780 arbeiteten. 

Geigenzettel : Joannes Guillami me fecit / en Barcelonae 
1 742 (gedruckt). 

Guillani, Sanctus? — Rom. 1710 

Von einem Geigenmacher wurde mir die nachstehende 
Abschrift eines Zettels mitgeteilt. Sollte es nicht richtig 
Santagiuliana heißen? 

Geigenzettel: Sanctus Guillani / fecit Rom 1710 (ge- 
druckt). 

Guillaume, Fran^ois. — Paris. 1783. 1789 

Er war nur Harfenmacher, hat jedoch auch einige 
Gitarren gemacht. Eine solche besaß die Marquise de 
Marbeuf (vgl. Brunis Inventaire). Er wohnte erst Rue 
de rUniversite und dann Rue de Beaune. 

Guillemin, Felix I. — Mirecourt. f 1743 

Man kennt bis jetzt nur seinen Namen. Dasselbe ist der 
Fall bei seinem Sohne Felix II, der 1745 — 1748 nach- 
weisbar ist. 



Guinot. — Mirecourt 

Den Forschungen A. Jacquots verdankt man die 
Namen folgender Mitglieder dieser Familie: 

Claude-Nicolas G. f 1784, Bogenmacher, Vater des 

1 772 vorkommenden Bogenmachers Jean G. 

Joseph I. — 1761. 1768. Geigenmacher. 

Joseph II G.- 1764. 1774. 

Guinot, Nicolas. — Paris. 19. Jahrhundert 
Schwager von Nicolaus Maire. Seine Arbeit ist nicht 
übel, nur der braune Lack etwas zu dunkel. Am besten 
gelangen ihm seine Violoncelli. 

Guntzer, Max. — Stuttgart. Um 1600 

Ein Musikinstrumentenmacher, der wahrscheinlich 
auch Lauten gebaut hat. Bekannt ist nur, daß er dem 
jungen Herzog Achilles Friedrich von Württemberg ein 
Clavichordium lieferte. 

Gurski, Anton. — Kiew. Geb. nach 1830, 

t 1909 in Kiew 

Ein Autodidakt, der keine Gelegenheit hatte, wirklich 
gute Geigen kennenzulernen. Seine Arbeiten waren 
daher recht mangelhaft. Er hat nur sehr wenige neue 
Geigen gemacht. 

Gusetto, Nicolo. — Cremona. 1785. 1828 

Aus Florenz stammend. Seine Arbeit erinnert fast mehr 
an deutsche als an italienische Vorbilder. Die Ecken 
sehr hervorstehend, sehr breite (nicht besonders ge- 
schickt gemachte) Einlage, Decke ungleichmäßiges 
Holz mit engen und weiten Jahren, Wölbung nicht 
sonderlich schön, hohe Zargen, oben und unten 32 mm 
hoch, schmale Reifchen, Boden sehr wenig geflammtes 
Ahornhoiz mit vielen Spiegeln. Eigenartige hübsche 
Schnecke mit kühn durchlaufendem Mittelpunkt. Die 
Seiten ziemlich flach, sehr gewöhnliche F-Löcher, 
brauner Spirituslack. Eine hochgewölbte, in schwung- 
vollem Umriß sauber gearbeitete Violine von auffallend 
kurzem Körper mit kurzen F-Löchern, tief ausge- 
stochener elliptischer Schnecke und rotgelbem Lack 
befindet sich in der Sammlung K. Friedrich in Posen. 
Der Besitzer liest den Namen allerdings Nicol. Gir- 
gitto. Es kommen Zettel mit sehr frühen Jahreszahlen 
vor, bis 1728, die wahrscheinlich dadurch entstanden 
sind, daß die Zahl 7 der vorgedruckten Jahrhundertzahl 
mit einer 8 überschrieben war, was später von Händlern 
beseitigt oder auch von Gusetto selbst übersehen 
wurde. 

Geigenzettel: (?) Nicolaus Gusetto Fiorentinus, / Mu- 
sicus Instrumentalis/ a Cremona. Ao. 1785 (gedruckt). 
Nicol : Gusetto Fiorentino / Fabbricante di violini, Cre- 
monae (geschrieben) und Abb. 311. 

Gusnasco, Lorenzo. — Pavia, Venedig. 1500 
Ein sehr angesehener Musikinstrumentenmacher, den 
u. a. Alessandro Luzio in »11 lusso d'Isabelle d Este 
(Nuova Antologia 1896, Heft 147, 148, 149), femer in 
»La Coltura d'Isabella d'Este« (Giornale stonco della 
litteratura ital. 32 — 40 u. 42) erwähnt. Er verkehrte als 



192 



Gutermann - Gutke 



Gleichgeschätzter mit den besten Künstlern, und so 
konnte er am 13. März 1500 an Isabella von Mantua 
schreiben, daß ihm Leonardo da Vinci ihr wundervoll 
gemachtes Bildnis gezeigt habe. Das Ausführlichste 
über ihn findet sich in Carlo dell Acquas »Lorenzo 
Gusnasco e i Lingiardi da Pavia, Mailand 1886«. 

Gutermann, Wilhelm Theodor. — Wien. Geb. 

22. Aug. 1828 in München, f 8. Juni 1900 in 

Admont 

Die Heimat seiner Familie war Biberach, woher auch 
Sophie Laroche, geb. Gutermann, die Freundin Wie- 
lands, stammte. Er lernte bei Engleder, arbeitete dann 
bei Tieffenbrunner und dürfte bei diesem auch das 
Zithermachen gründlich erlernt haben. Nachdem er bei 
der Witwe Stecher in Salzburg tätig gewesen, wanderte 
er weiter und kam bis Prag und Budapest. In Wien 
fand er zuerst bei Anton Kiendl als Zithermacher Be- 
schäftigung und kam dann zu Anton Hofmann, bei dem 
er von 1851 — 1866 blieb und für den er auch noch 
arbeitete, nachdem er sich bereits selbständig gemacht 
hatte. In seine Anfangszeil fällt seine Verbindung mit 
Dr. Liharzik, der ein neues Modell berechnet hatte. 
Da Dr. Liharzik aber schon frühzeitig starb, dürfte es 
nur wenige Geigen nach seinem Modell geben. Diese 
tragen beim Knöpfchen die Brandmarke: K. K. (österr. 
Adler) Priv. / Liharzik. Die Liharzik-Geigen hat G. 
ganz eigenhändig gemacht; viele Geigen mit Hofmanns 
Zettel sind seine Arbeit, während die Geigen, Violen 
und Violoncelli, die später aus seiner Werkstatt hervor- 
gingen, unter der Mitarbeit seiner Gehilfen, zu denen 
Bartek, Szepessy, Sandner, Herm. Voigt, Jaura u. a. 
gehörten, entstanden sind. Seine Arbeit war von pein- 
lichster Sauberkeit; er war sehr geschickt im Lackieren 
und bevorzugte einen durchsichtigen, feurigroten Lack. 
Für eine Geige erhielt er durchschnittlich 60 fl., für ein 
Violoncell 100 fl. Er war ein streng rechdicher, auf- 
richtiger Mann, der niemand zu Liebe je von seiner 
Überzeugung abwich. Bei alten Instrumenten legte er 
mehr Gewicht auf die tadellose Erhaltung und die 
Schönheit als auf den Ton; verdorbene Instrumente 
hielt er nicht der Mühe einer Wiederherstellung wert 
und hatte dabei gewiß sehr oft nicht unrecht. Im Jahre 
1887 war er stellvertretender Genossenschaftsvorsteher. 
Seit 1898 kränkelte er, bis ihn der Tod zwei Jahre 
später erlöste. — W. Th. Jaura war sein einziger Schüler. 

Geigenzettel : Abb. 309. 

Guterrez, Manuel, lebte um 1832 als Lauten- 
macher m Sevilla 

Guth, August. — Breslau. Antwerpen. Geb. 
10. Januar 1840 in Pilsnitz bei Breslau, f 16. 
September 1912 in Hoboken bei Antwerpen 

Schüler von Ludwig Bausch. Als Sohn eines Ober- 
försters hatte er schon als Kind Gelegenheit, sich eine 
gute Holzkenntnis anzueignen. Als sein Vater einmal 
eine Jahrmarktsgeige heimbrachte, erwachte in ihm die 
Liebe zur Musik, und er ruhte nicht eher, als bis er 
nach diesem Vorbild sich selbst eine spielbare Geige 
angefertigt hatte. Er war damals 12 Jahre alt und sein 
Vater erblickte darin eine besondere Begabung für die 



Tischlerei und gab ihn später auch wirklich zu einem 
Tischler in die Lehre. Da er sich nebenbei zu einem 
guten Geiger entwickelt hatte und als solcher vielfach 
in Anspruch genommen wurde, lernte er viele Musiker 
kennen, die bessere Instrumente hatten als er; er begann 
wieder Geigen zu machen, und nachdem er ausgelernt 
hatte, sattelte er um und ging nach Leipzig zu Bausch, 
der ihn nun regelrecht ausbildete. Als Gehilfe kam er 
dann zu Grimm nach Berlin und machte sich noch in 
jungen Jahren in Breslau selbständig, wo er bis 1888 
blieb und dann nach Antwerpen übersiedelte. Ein guter 
Ruf ging ihm voraus und er hatte seinen Wohnungs- 
wechsel nie zu bereuen, denn er fand reichliche Aner- 
kennung. Er arbeitete ungemein gewissenhaft nach den 
besten alten Meistern, hauptsächlich nach Stradivari, 
und verwendete einen selbstbereiteten Spirituslack, 
dem er den Vorzug vor jedem OUack gab. Auf der Ant- 
werpener Weltausstellung 1894 war er durch ein Quar- 
tett sehr gut vertreten. Eine hübsche Violine nach 
Maggini besitzt das Antwerpener Konservatorium. Am 
Wirbelkasten brachte er gerne Löwenköpfchen an. 
Außer seinem Zettel gebrauchte er auch eine Brand- 
marke mit A. G. und einer Lyra darüber. Auf seinen 
Zetteln war auch sein Bildnis angebracht. 
Geigenzettel: August Guth me fecit / Antverpiae 
anno .... (gedruckt). 

Guth, Paul. — Antwerpen. Geb. 14. Juni 1881 
m Wilhelmshaven 

Sohn und Schüler von August G. Obwohl er von 
frühester Kindheit an nur Geigenmacher werden 
wollte, glaubte sein Vater, daß er noch mehr Talent 
zum Geiger habe. Er ließ ihm eine gründliche musi- 
kalische .Ausbildung zuteil werden, und sandte ihn nach 
Dortmund, wo sein Bruder als Musiker lebte, schließ- 
lich gab er aber doch nach, und nahm ihn in seine 
Werkstatt. Hier hatte er nun reichliche Gelegenheit, 
kostbare Meisterwerke kennenzulernen und sein an- 
geborenes Talent zu entfalten. Er war eben 19 Jahre alt, 
als ihn das Unglück traf, bei einer Lebensrettung sein 
rechtes Bein zu verlieren. Wohl erhielt er für seinen 
Mut und seine Selbstaufopferung eine hohe Ordens- 
auszeichnung, aber er war ein Jahr lang an das Kranken- 
lager gefesselt. Wieder hergestellt ging er mit ver- 
doppeltem Eifer an die Arbeit und war der treueste Mit- 
arbeiter seines Vaters. Nach dessen Tod machte er sich 
selbständig und hat seitdem viele Geigen von Grund 
auf und in allen Teilen eigenhändig gemacht. Er erfreut 
sich des besten Rufs und seine Instrumente kommen 
schnell in feste Hände. Er arbeitet nach alten Meistern 
und nach eigenen Modellen und gebraucht, wie sein 
Vater, einen Spirituslack von dunkelgoldgelber Farbe . 
Auch aissorgfältiger Reparateurwird er viel beschäftigt. 
Eine schöne Violine von ihm besitzt E. J. Duintjer Izn. 
in Veendam. — Außer seinem Zettel mit seinem Bildnis 
gebraucht er auch eine Brandmarke mit seinem Namen. 
Geigenzettel : (Bildnis) Paul Guth, Filius Augusti / me 
fecit Antverpiae Anno 19.. (gedruckt). 

Gutke, A. — Umeä. Trelleborg (Schweden). 
1897. 1900 

Beschäftigt sich aus Liebhaberei mit dem Geigenmachen 
und stellte in Stockholm gut gelungene Geigen aus. 



Guthr 



Hädl 



193 



Guthmann, Friedrich Wilhelm. — Klingen- 
thal. 1823. 1824 

Wenig bekannter Vogtländer Geigenmacher. 
Geigenzettel : Mstr. Friedr. Wilh. Guthmann / in 
Klingenthal 1824. (gedruckt). 

Gutmann, F. W. — Blasewitz. 1847 

Vielleicht ein Sohn des Klingenthaler Meisters F. W- 
Guthmann. Da die Einwohnermeldebücher in Blase- 
witz nur bis zum Jahre 1863 zurückreichen, war nichts 
Näheres über ihn zu ermitteln. 

Geigenzettel: F. W. Gutmann / Geigenmacher / m 
Blasewitz Dresden / 1847 (geschrieben). 

Guyot. — Mirecourt. 1747. 1761 

Er wird als Geigenmacher in den Urkunden erwähnt. 

Gygot, Antoine. — Brüssel. 1801 

Man kennt bisher nur eine Geige von ihm, die übrigens 
schöne Arbeit und schmale F-Löcher zeigt und in 
mancher Hinsicht an die Schule der Medard erinnert. 
Geigenzettel : Antonius Gygot / Bruxelles fecit / 1 80 1 
(gedruckt). 

Gylig (Gygli) s. Gülich 

Haas, Leopold. — Weitra. 18. Jahrhundert 

Den älteren Wiener Meistern nahestehend. Eme kleine 
achtzehnsaitige Mandohne von ihm besaß das Stift 
Herzogenburg, das diese 1826 der Sammlung der Ge- 
sellschaft der Musikfreunde in Wien schenkte. Der 
Handschrift auf seinem Zettel nach könnte man ihn 
vielleicht noch in das 1 7. Jahrhundert setzen, die Arbeit 
aber sieht wesentlich jünger aus. 

Geigenzettel: Leopold Haas Lauthen und / Gaige- 
macher in Waitra / n(ächst?) Zwettl 17...(?) (ge- 
schrieben). 

Haas. — Lissabon. 1810 

Prof. Dr. E. V. Wagner besaß eine gute Geige von ihm. 
Haas war vermutlich ein Deutscher und dürfte mit dem 
im Anfang des 19. Jahrhunderts in Lissabon ansässigen 
Präzisionsmechaniker Pedro Haas identisch sein. 

Haase, Ferdinand. — Magdeburg, Ballenstedt, 
Dessau. Geb. 25. Aug. 1814 in Schauen, 
t 1892 

Da er sich schon cJs Kind mit dem Geigenspiel be- 
schäftigte, kam er zu einem Musiker, der auch alte 
Geigen ausbesserte, in die Lehre. Später wurde er 
Militärmusiker in Magdeburg und trat unter Richard 
Wagner in die dortige Theaterkapelle als Flötist ein. 
Unter Dr. Georges, einem Schüler Savarts, studierte er 
die Gesetze der Akustik und wandte sich schließlich 
ganz dem Geigenmachen zu. Im Jahre 1853 begründete 
er in Magdeburg eine Instrumentenhandlung, die er bis 
1866 fortführte und dann aufgab, um ausschließlich als 
Geigenmacher tätig zu sein; damals verarbeitete er 
freilich meistens vogtländische Schachteln. 1877 über- 
gab er seine Werkstatt an Rautmann und zog nach 

V. Lütgendorff, Geigen- und Lautenmacher. Bd. II. 



Ballenstedt am Harz. Als er zum herzogl. dessauischen 
Hofinstrumentenmacher ernannt wurde, zog er nach 
Dessau, hat aber auch dort nur Schachteln verarbeitet, 
die er so stark ausschabte, daß z. B. der Boden stellen- 
weise dünn wie Papier wurde. Seine Geigen ver- 
loren infolgedessen schon in kurzer Zeit ihren Ton 
völlig und schreien nur noch. Er scheint außerdem die 
Decken gebacken zu haben. Mehrere Geigen von ihm 
besitzt die Dessauer Hofkapelle. Biographie und Bild 
von ihm findet sich in De Wits Zeitschrift B. V. 
(II. April 1884). 

Habermehl, Erasmus. — Prag. 1610 

Er war seit 1610 Kaiserlicher Instrumentarius am 
Prager Hofe und wohl der angesehenste unter den da- 
maligen Instrumentenmachern in Böhmen. 

Habits, Anton. — Budapest. Geb. 1861 \n 
Györ-Szent-Märton 

Ein Geigenmacher, der sich jetzt hauptsächlich auf die 
Herstellung des Cymbals verlegt hat. 

Habits, Johann. — Raab, Stuhlweißenburg. 

Geb. 1820 

Nach Dr. Joseph Geyer ist er der einzige ungarische 

Geigenmacher, der sich das Klotzmodell zum Vorbild 

nahm. 

Geigenzettel: Habits Jänos / Hangszermüvesz Feher- 

varott 1857 (gedruckt). 

Hackenbroich, Peter v. — Leipzig. 1590 

Ein Lautenmacher, der 1590 das Bürgerrecht in Leipzig 
erwarb. 

Hackhofer, Anton. — Budapest. Um 1830 

Es soll gute Gitarren mit seinem Namen geben. Er war 
vielleicht ein Verwandter von Franz H., bei dem er ge- 
lernt haben könnte. Selbständig ist er aber schwerlich 
geworden, und Dr. Geyer bezweifelt überhaupt, daß 
es einen Anton H. gegeben habe. 

Hackhofer, Franz. — Budapest. Geb. 1786, 

t 1839 

Er kam aus der Wiener Schule, die er auch nie ver- 
leugnete. Besser als seine gewöhnlich schwarz lackierten 
Geigen sind seine Gitarren. 

Geigenzettel: Franz Hackhofer / in Pesth, anno 1832 
(gedruckt). 

Häckl, Joseph. — Regensburg 

Ein in Mettenleiters »Musikgeschichte der Stadt 
Regensburg« genannter Geigenmacher, der jedenfalls 
durch einen Lesefehler aus Jos. Hädl (s. d.) entstanden 
ist. 

Hädl (Hadl), Johann. — Regensburg. 1689. 

1717 

In den Urkunden erscheint sein Name entstellt, auch 
als Härtl oder Häckel, er selbst schrieb sich immer 
Hädl. Seine Geigen sind ziemlich hoch gewölbt, er- 
innern an das Stainermodell; die Schnecke hat ein 

13 



194 



Hädl — Hakkert 



deutsches Aussehen und ist dabei sehr schwungvoll, 
dasselbe gilt von den F-Löchern. Der Lack ist fett und 
von schöner gelber Farbe. Außer Violinen und Violon- 
celli machte er auch gute Liebesgeigen. 
Geigenzettel: Johann Hädl / Lauten- und Geigen- / 
macher in Regenspurg 1712 (gedruckt). 

Hädl, Joseph. — Regensburg. 1 700. f 27. Nov. 

1729 

Sohn oder Bruder von Johann H. Er wird als Geigen- 
macher und »Hemauer Spielmann« bezeichnet. In der 
Arbeit ist er Johann H. ziemlich nahestehend. 

Händl, Mich. — Mittenwald. 1732 

Nach den geschriebenen Zetteln ist der Name nicht ein- 
wandfrei zu lesen, man kann oft ebensowohl Schandl 
als Gändl lesen, doch scheint Händl die richtige Lesart 
zu sein. Die Geigen mit seinem Zettel zeigen das Klotz- 
modell. 

Haensel, Johann Anton. — Rochsberg. 1801. 

1811 

Hart gibt als seinen Wohnort Leipzig an, nach anderen 
lebte er auch eine Zeitlang in Berlin. Er ist eigentlich 
nur noch durch seinen Aufsatz in der Allg. musika- 
lischen Zeitung, Leipzig 1811, S. 82 bekannt, in 
welchem er u.a. über eine von ihm 1801 erfundene 
Geige, deren Ober- und Unterbacken ungefähr gleich 
waren, berichtet. Diesen Aufsatz unterzeichnet er als 
»Kammermusikus des jüngeren Grafen Schönburg«. 

Härtl, Hans. — Regensburg. 1689 

Ein Geigenmacher, der in Mettenleiters Musik- 
geschichte der Stadt Regensburg erwähnt wird und 
vielleicht mit Johann Hädl identisch ist. 

Haussier, Christian. — Krakau. 1830. 1871 

Aus Adorf (Vogtland) stammend, wanderte er 1831 
nach Krakau aus, wo er bis 1871 tätig war. In seiner 
Arbeit verleugnete er nie seine Herkunft. Sein 1850 
geborener Neffe und Schüler wurde sein Nachfolger. 

Haussier, Gustav. — Krakau. Geb. in Lübben 
(Niederlausitz) 1850 

Schüler seines Oheims Christian H., übernahm 1871 
das Geschäft seines Lehrers und machte neue Geigen 
nach Stradivari. Er wendet Spintuslack an, ist aber 
hauptsächlich Reparateur und erfand Federzwingen 
(für Geigenmacher), mittels welcher ein gleichmäßiger 
Druck beim Zuleimen der Geigen erreicht wird. Er 
erhielt 1887 in Krakau die bronzene und 1894 in Lem- 
berg die goldene Medaille. 

Geigenzettel: Gustav Häußler in Krakau (gedruckt). 
Haff, Joseph Anton sen. — Augsburg. 1810. 

1866 

Fleißiger Geigenmacher, der nach dem ganz flachen 
Stradivaripatron arbeitete. Die Decke zeigt meist 
ziemlich weitjähriges, schwammiges Fichtenholz, zum 
Boden nahm er Ahorn (aus einem Stück). Die Schnecke 



ist gewöhnlich recht schwungvoll, der Lack braun. Der 
Ton ist von verschiedener Güte, oft etwas näselnd. 
Spiritus- oder Ollack. 

Geigenzettel : Joseph Anton Haff / Geigenmacher in 
Augsburg / anno 1838 (gedruckt). 

Haff, Joseph Anton jun. — Augsburg. 1860. 
t 1902 in Stuttgart 

Sohn von Joseph Anton sen. Er ist um 1875 von Augs- 
burg fortgezogen und lebte 1895 noch am Bodensee. 
Talentvoller Nachahmer der italienischen Meister, 
erhielt 1873 die Verdienstmedaille für ein Streich- 
quartett und eine Geige nach Amati von trefflicher 
Arbeit und schönem Ton. Im Jahre 1894 siedelte er von 
München nach Senftenau bei Lindau über und ist 
später nach Stuttgart gezogen, wo er auch starb. 

Geigenzettel: Abb. 353. 

Haghens, Cornelius. — Antwerpen. 1627. 
tum 1642 
Er gehörte der Lukasgilde als Clavecinmacher an. 

Haghens, Simon. — Antwerpen. 1642. 1644 

Er wird als Sohn eines Meisters (Cornelis Haghens?) 
bezeichnet und wurde 1642 in die Lukasgilde aufge- 
nommen. 

Hagspiel, Oscar. — Dresden. Geb. 2. Mai 
1852inDresden, t Jan. 1901 

Ursprünglich zum Musiker bestimmt, mußte er die 
Klavierfabrik seines Vaters übernehmen und beschäf- 
tigte sich in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts 
auch mit der Herstellung von Streichinstrumenten 
eigener Erfindung. Diese hatten einen gitarreähnlichen 
Körper mit gepreßter (nicht ausgestochener oder ge- 
hobelter) Decke ohne F-Löcher, dagegen mit sechs 
runden Schallöchern in den Zargen. Ein derartiges 
Violoncell besitzt die staatl. Sammlung alter Musik- 
instrumente in Berlin. 

Hahn, John & Co. 

Eine in Buffalo bestehende Geigenfirma. 

Haid, Georg. — Wien. 1903. 1910 

Schüler von J. J. Bucher, hauptsächlich Zithermacher, 
befaßt sich jedoch auch mit der Wiederherstellung alter 
Geigen. 

Hakkert, Jacob Wolfgang. — Rotterdam. Geb. 
29. Aug. 1891 in Rotterdam 

Aus einer Familie stammend, die seit langen Jahren im 
Musikinstrumentenhandel tätig war, wurde er früh- 
zeitig veranlaßt, sich dem Geigenbau zu widmen und 
lernte vom 3. Juli 1906 bis 15. April 1908 bei Marius 
Didier in Mirecourt. Er ging dann zu Louis Otto nach 
Düsseldorf, wo er bis zum 15. April 1909 blieb. Den 
größten Einfluß auf ihn hatte nach seiner Angabe Josef 
Lülsdorf inKöln.beidemerbis 15. Mai 1 91 tätig war. 
Er macht seine Geigen nach italienischen Vorbildern 
und hat bereits 1 909 auf der Rotterdamer Musikfach- 



Hai 



asz — 



H, 



amm 



195 



ausstellung eine Medaille erhalten. Arn 

machte er sich selbständig. 

Geigenzettel : Jaques W. Hakkert / me fecit Rotterdam 

Anno 19— (gedruckt). 



Haläsz (Fischer), Joseph 

Ein Schönbacher, der um 1860 in Ungarn tätig war und 
seinen Namen magyarisiert haben soll. 

Hall, William H. — Oldham. 1905 

Er baut nach Cremoneser Modellen und soll nicht unge- 
schickt sein. 

Hallas, Joseph. — Brunn, f 2. Juli 1844 

Scheint hauptsächlich Gitarren gemacht zu haben. Er 
erlangte im Jahre 1844 das Bürgerrecht und starb schon 
kurze Zeit darauf. 

Geigenzettel : Joseph Hallas, Instrumenten- ,' macher in 
Brunn. Ao. 1843 (gedruckt). 

Hallberg, C. G. — Hultsfred (Schweden). 1823 
Von ihm besitzt C. Claudius in Kopenhagen eine 
schwedische Bauernvioline. Am Wirbelkasten befindet 
sich ein Drachenkopf, auf der Brust sind vier Paare 
tanzender Bauern aufgemalt. 

Haller, G. Albin. — Erlbach i. S. Geb. 1 6. März 
1868 zu Hermsgrün b. Markneukirchen 

Schüler von Christian Schaller und der Fachschule in 
Markneukirchen. Er arbeitet nach italienischen Mo- 
deilen und erzeugt solide Mittelware von großer Billig- 
keit. Sein Lack ist rot, rotgelb oder kastanienbraun. Er 
imitiert das alte Aussehen der Geigen recht gut und 
klebt Zettel mit den Namen der Modelle ein. 



August 1910 Hamberger, Ferdinand. — Preßburg, f 1891 

Sohn und Nachfolger von Jos. Hamberger I und 
diesem in der Arbeit ähnlich. Er führte das väterliche 
Geschäft mit der hochbetagten Mutter fort. 
Geigenzettel: Abb. 349. 



Hamberger, Joseph I. — Preßburg. Geb. m 
Wien 1808, t 16. April 1864 

Ein sehr tüchtiger Meister, der Wiener Schule nahe- 
stehend, aus der er wohl hervorgegangen ist. Er erwarb 
am 26. Oktober 1830 das Preßburger Bürgerrecht 
(Grillet versetzt ihn nach St. Petersburg!). Er baute 
nach Stradivari und verwendete braunen Lack. 
Geigenzettel : Joseph Hamberger/ Guitarre- u. Geigen- 
macher / in Preßburg, 1846. (gedruckt) und Abb. 341. 

Hamberger, Joseph II. — Wien. Geb. in Preß- 
burg um 1850, t 1904 

Sohn von Jos. Hamberger in Preßburg, Schüler von 
Hof mann, bei dem er 1865 in die Lehre trat und dessen 
Geschäft er 1873 übernahm. Die von ihm gebauten 
Geigen sind in den meisten Fällen nur mittelmäßig. Er 
war k. k. Hofgeigenmacher und Lieferant der Hofoper. 
Nach seinem Tode führte die Witwe das Geschäft fort, 
das jetzt auf Alfred C. Coletti übergegangen ist. Eine 
Geige von ihm ist im Besitze des Preßburger Domchors. 

Geigenzettel : Abb. 339. 

Hambleton, Joseph. — Salford. 1854 

Ist mir nur durch ein gutes Violoncello bekannt ge- 
worden. 



Haman, Valentine. — Millwood (Ind., N.-Am.) Hamig, Moritz. 
Geb. 20. März 1831 in Columbiana County, 

Ohio 

Entstammt einer aus Deutschland unter Washington 
eingewanderten Musikerfamilie. Von Hause aus Kunst- 
tischler und Mechaniker, begann er mit 22 Jahren 
Geigen zu reparieren, dann versuchte er sich im Neu- 
bau und brachte es durch Fleiß dahin, bald Erfolge zu 
erzielen. Er arbeitet nach dem Stradivarimodell ; die 
Decke macht er \ ,, Zoll, an den Ecken ^^,i Zoll dick, 
den Boden etwas stärker, den Baßbalken 8 Zoll lang, 
^/, hoch und 'Vi,; dick. Das Gewicht seiner Geigen be- 
trägt samt den Saiten etwa 420 g. Er verwendet mit 
Benzin geklärten Orangeschellack durch in Alkohol ge- 
löstes Drachenblut gefärbt. Zettel klebt er nur selten 
ein. Zur Tonveredlung bringt er auf dem Boden seiner 
Geigen noch einen Resonanzbalken an, dem er die 
Fähigkeit zuschreibt, neue Instrumente wie alte klingen 
zu machen. 
Geigenzettel: V. Haman, / Millwood, / Ind. (gedr.). 

Hamann, Carl. — Posen. 1860. 1880 

Seinerzeit der geschickteste Geigenreparateur m Posen. 
Er verstand sich auf alle Musikinstrumente und war 
außerdem ein guter Violoncellist. Ein von ihm gebautes 
Violoncello ist noch in Posen in Privatbesitz. 
Geigenzettel: Carolus Hamann refecit / Posnaniae. 
Anno 1872 (gedruckt). 



— Dresden, Kötzschenbroda. 
1890. t 1908 

Er war bis etwa 1892 in Dresden ansässig und hat nur 
wenige Geigen gemacht. 

Hamilton, William. — Uddingston. 1880. 

1896 -^ 

Er stammt aus Glasgow und ist Ingenieur. Aus Lieb- 
haberei macht er Geigen nach einem eigenen Modell, 
aber auch nach Stradivari, Guarneri und Gaspar da 
Salb. Er gebraucht Whitelaws Bernsteinlack. 
Geigenzettel: William Hamilton / Uddingston. 1896. 
(geschrieben). 

Hamm, Andreas. — Klingenthal. 1702. 1732 

Vermutlich der Großvater von Johann Andreas H., 
vielleicht auch dessen Lehrmeister. Er soll recht ge- 
schickt gewesen sein und gilt als der .Stammvater der 
Familie. 



Christ. Gottfried. 
Geb. 10. Nov. 



— (Mark)Neu- 

1774, t 29. Aug. 



Hamm, 
kirchen. 

1834 

Sohn von Johann Gottfr. H. und diesem in der Arbeit 
sehr ähnlich. 
Gelgenzettel: Abb. 359. 

13* 



196 



Hamm — Hammig 



— Klingenthal, 
in Klingenthal 



Hamm, Johann Andreas. 
(Mark) Neukirchen. Geb. 
1703, t 9. Mai 1764 

Sohn des »Gerichtsgeschworenen« und Schneiders 
Andree H. in Klingenthal. Am 31. Juli 1724 wurde er 
von der Neukirchener Zunft als Meister angenommen, 
dagegen wehrten sich aber die Klingenthaler Geigen- 
macher, so daß er sich drei Tage später in der Liste 
wieder streichen lassen mußte. Er siedelte im darauf- 
folgenden Jahre nach Neukirchen über und ward dort 
am 24. Juli 1 725 wieder als Meister angenommen und 
Bürger. Er stand in einem gewissen Ansehen und starb 
60 Jahre 5 Monate und 26 Tage alt. 

Hamm, Johann Gottfried. — (Mark)Neu- 

kirchen. Geb. 1744, f 6. Okt. 1817, 73 Jahre 

7 Monate 1 1 Tage alt 

Einer der besten vogtländischen Geigenmacher seiner 
Zeit. Schon am 13. Juni 1764 wurde er Meister und 
war so sorgfältig in seiner Arbeit, daß man ihn lange 
Zeit — veranlal3t durch den Umstand, daß er gerne 
Rom oder Cremona als Ursprungsort angab — der 
italienischen Schule zuzählte, so wenig sein Modell 
und sein Lack auch dazu berechtigten. Bei vielen 
Geigen und Violen scheint ihm ein breites Stainersches 
Modell vorgeschwebt zu haben, auch die Einlagen 
machte er zierlicher als die meisten Neukirchner 
Meister, oft brachte er einen Elfenbeinrand an. Er ver- 
wandte verschiedene Zettel und verwendete auch die 

Brandmarke :»I* *G* *H*. Geigen von ihm 
kommen noch oft vor. Eine solche besitzt Carl Stoeber 
in Würzburg. 

Geigenzettel : Johann Gottfried Hamm / Instrumenten- 
Macher / Stadt Neukirchen bey Adorf / im Voigtlande 
Fecit Ao 18 . . (gedruckt) und Abb. 343. 
Brandmarke Nr. 40. 

Hamm, Heinrich Moritz. — Markneukirchen. 
Geb. 29. Sept. 1850 

Er ist zwar gelernter Geigenmacher, verlegte sich aber 
hauptsächlich auf den Bau von Zithern. 

Hamm, Karl Friedrich. — (Mark-) Neu- 
kirchen. Geb. 26. Dez. 1733, f 26. Sept. 
1761 

Sohn von Johann Andr. H. Er wurde am 25. Nov. 1 75 1 
Meister. Ebenso gewandt als Geigenmacher wie als Ge- 
schäftsmann. Er brachte es bald zu einigem Wohlstand 
und war schon in jungen Jahrenein angesehener Bürger. 
Seine beste Zeit fällt in die Jahre 1 757 — 1 760. 

Hamma, F. — Ulm a. D. 1872. 1882 

Eine 1872 begründete Fabriksfirma, die 1880 etwa 
20 Arbeiter beschäftigte. 

Hamma & Co. — Stuttgart 

Bedeutende im Jahre 1864 von Fridolin Hamma (geb. 
1818, f 1892) begründete Geigenhandlung, deren In- 
haber seit 40 Jahren Emil Hamma (geb. 1855) ist. Er 



gilt infolge seiner großen Erfahrung und seines 
sicheren Blickes als einer der gewiegtesten Kenner und 
hat in seinen Söhnen Fridolin, Emil und .Alexander 
vortreffliche Mitarbeiter. Die von der Firma heraus- 
gegebenen Kataloge haben bleibenden Wert und die 
von ihr ausgestellten Echtheitszeugnisse galten bei 
Sammlern und Liebhabern als unanfechtbar. 

Hamma, Alfred. — Stuttgart, geb. 1891, ge- 
fallen auf dem Felde der Ehre, im Juni 1917 

Sohn und Mitarbeiter von Emil Hamma. Ein reich be- 
gabter, hoffnungsvoller Geigenmacher. An seine Stelle 
sind seine Brüder Emil und Alexander in die Firma ein- 
getreten. 

Hamma, Fridolin. — Stuttgart 

Sohn von Emil H. und dessen Mitarbeiter. Ein treff- 
licher Geigenbauer, der besonders als Reparateur einen 
großen Ruf genießt und auch als feinsinniger Kenner 
geschätzt wird. 

Hammerl. — Schönbach b. E. 
Als Geigenmacher sind zu erwähnen : 

Hammerl, Ignaz, gehörte schon 1826 der 
Innung als Meister an 

Hammerl, Josef. — f nach 1898 

Hammerl, Karl, ist noch tätig 

Hammig, Albertus Robert. — Markneukir- 
chen, Hamburg, Neu-Schönefeld, Leipzig. 
Geb. 10. Mai 1849 

Sohn und Schüler von Wilhelm Aug. H. Als Gehilfe 
arbeitete er bei seinem Bruder in Leipzig und bei 
Bausch jun. bis zu seiner Militärzeit. Er machte den 
Feldzug 1870/71 mit, ging hierauf zu Schmidt nach 
Wien und arbeitete dann in Markneukirchen und 
Hamburg selbständig. Im Jahre 1 896 verlegte er seinen 
Wohnsitz nach Leipzig und trat als Meister bei der 
Firma Jul. H. Zimmermann in Stellung, wo er sich 
noch befindet. Er arbeitet sehr sauber und verwendet 
einen vorzüglichen transparenten Lack von tiefroter 
Farbe. 

Geigenzettel : A. Robert Hammig / Streich Instru- 
mentenmacher / Hamburg Anno 1879 (gedruckt). 

Hammig, Carl Heinrich. — Dresden. Geb. 
1877 

Sohn von Gustav Adolph H. Ein sehr talentvoller 
Meister. 

Hammig, Friedrich. — Wien. 1801 

Er ließ sich in Wien als »musikalischer Instrumenten- 
fabrikant« nieder und handelte mit vogtländischen 
Geigen, hat aber selbst wohl nur Blechinstrumente 
hergestellt. So war er auch der erste Deutsche, der 
Cinellen (türkische Becken) -machte, für deren Her- 
stellung er in Österreich ein »Privilegium privativum« 
erhielt, was er auch im Intelligenzblatt der Allg. musi- 
kal. Zeitung im Juli 1801 anzeigte. 



I 



I 



H 



ammig — Hansen 



197 



Hammig, Georg. — Markneukirchen. 1815. 
1820 

Braver Vogtländer Geigenmacher. Er scheint seinen 
Zettel nur selten eingeklebt zu haben. 

Hammig, Gustav Adolph. — Dresden- A. 1 890. 

1901 

Von Hause aus Baßmacher, verlegte er sich erst später 
auf den Bau von Violinen und Violoncelli und wurde 
Kgl. sächs. Hofinstrumentenmacher und beeideter 
Sachverständiger für Saiteninstrumente. Sem Lack ist 
an sich nicht schlecht, doch soll er ihn gerne auch auf 
alten Geigen auftragen, die dadurch nicht gewinnen 
können. 

Hammig, Hermann. — Berlm. 1899 

Ältester Sohn und Schüler von W. H. Hammig in 
Leipzig. Leiter des Berliner Zweiggeschäfts der Firma 
W. H. Hammig in Leipzig. 

Hammig, Johann Christian. — (Mark)Neu- 
kirchen. Geb. 1732, f 27. Jan. 1816 

Sohn und Schüler von Johann Georg H. Er war gut 
musikalisch vorgebildet und auch kaufmännisch tüchtig. 
Am 22. Febr. 1 75 1 wurde er Meister, doch machte er 
schon als Knabe recht gute Geigen. In seiner ersten Zeit 
verwendete er nur geschriebene Zettel, später gedruckte 

und auch den Brandstempel: tJt \. y^ C ^ H. ^;- 

Selne Söhne führten das Geschäft fort und verwendeten 

auch nach seinem Tode Zettel mit der Firma: Johann 

Hammig et Söhne. 

Geigenzettel: Joh. Christian Hamig / Music. Instr. 

1756 (geschrieben) und Abb. 351. 

Brandmarke Nr. 35. 

Hammig, Johann Georg. — (Mark-) Neu- 
kirchen. Geb. 1702, t 26. Dez. 1754 im 
Alter von 52 Jahren 4 Monaten 

Auch als »derÄltere« bezeichnet. Er wurde im November 
1725 Meister und war ein geschickter Geigenmacher. 
Eine große Viola von ihm besaß Sprenger in Stuttgart. 

Hammig, Moritz. — Markneukirchen. 1861 

Vielleicht mit dem später in Dresden ansässigen Moritz 
Hammig identisch. Eine recht hübsch gearbeitete 
Kindervioline von ihm besitzt Musikdirektor Otto 
Eckenbrecht in Radeberg. 

Hammig, Wilhelm August. — (Mark-)Neu- 

kirchen. 1837. 1865 

Sohn von J. C. Hammig und Enkel von Georg H. 

Seine Geigen und Violoncelli zeigen gute Vogtländer 

Arbeit. 

Geigenzettel : Wilh. Aug. Hammig / Violin- und Cello 

Fabrikant / in / Neukirchen / bei Adorf / 1846 (gedr.). 

Hammig, Wilhelm Hermann. — Leipzig. Geb. 
25. März 1838 in Markneukirchen 

Sohn und Schüler von Wilh. Aug. H. Arbeitete bei 
Grimm in Berlin, machte sich 1863 in Markneu- 



kirchen selbständig und übersiedelte 1875 nach Leipzig. 
Er ist unter den jetzt lebenden Mitgliedern seiner 
Familie der beste Geigenmacher. Seine Arbeit ist sehr 
gediegen; daß seine neuen Geigen auch neu klingen, 
wird ihnen wohl nicht mit Unrecht als Vorzug nach- 
gerühmt, sie können durch Alter und Ausspielen nur 
besser werden, während neue Instrumente, denen 
künstlich die Klangfarbe alter Instrumente beigebracht 
wird, diese später vielleicht verlieren. Er besitzt 
mehrere goldene Medaillen und seit 1894 ein Zweig- 
geschäft in Berlin. Prof. Robert Hausmann in Berlin 
besaß ein von ihm i. J. 1903 gebautes, vorzügliches 
Violoncello, ein ebensolches Dr. med. H. Lang in 
Wiesbaden. 

Geigenzettel : W. H. Hammig / Leipzig 1888 (gedruckt) 
Darüber eingebrannt: W. H. Hammig. 

Hampe, W. — Amsterdam. 1842. f vor 1882 

Von Geburt ein Deutscher. Guter Geigenmacher, der 

den Hoftitel besaß. Sein Geschäft wurde von seiner 

Witwe und seinem Sohne fortgesetzt. 

Geigenzettel : Repareret W. Hampe / Amsterdam. 1845 

(geschrieben). 

Handenberg, Wilhelm. — Leipzig. 1723 

Eine Geige von ihm von mittelmäßiger Arbeit fiel durch 
ihre flache Wölbung auf. Da er außerdem seinen Vor- 
namen auf seinem Zettel italienisch angibt, könnte man 
vermuten, daß er als Geselle in Italien gearbeitet und 
dort die flache Wölbung kennen gelernt hat. 
Gelgenzettel. Guglielmo Handenberg / fecit LIpsiae 
1723. (gedruckt). 

Handley, Henry. — Worcester. Geb. 1839 

Er arbeitet nach dem Guamerimodell und verwendet 
Whitelaws Geigenlack. 

Hansch (Handsch), Gustav. — Graz, Odessa. 

f um 1905 in Odessa 

Sohn von Heinrich Hansch, Schüler der MIttenwalder 
Gelgenmacherschule, der er Ehre machte. Auch er war 
wie sein Vater als tüchtiger Meister geschätzt. Er ließ 
sich überreden, nach Rußland auszuwandern,, wo er 
aber bald starb. 

Hansch (Handsch), Heinrich. — Graz. 1844. 

1900 

Er hatte seine Werkstatt In der Neutorgasse, war ein 
tüchtiger Meister, der Guarnerl mit Geschick nach- 
ahmte, und für seine Leistungen als Geigenmacher die 
silberne Staatsmedaille erhielt. 

Hansen, Amund. — Frederikshald. 1 784. 1 799 

Norwegischer Gelgen- und Lautenmacher des 1 8. Jahr- 
hunderts, der hauptsächlich Zitherinstrumente gebaut 
hat. Zwei norwegische Zithern von ihm besitzt Claudius 
In Kopenhagen, eine solche das Musikhistorische 
Museum In Stockholm, eine Chorzither von 1799 besaß 
Hammer in Stockholm. 

Gelgenzettel: Amund Hansen, Frledrichshald 1784 
(gedruckt). 



198 



H 



ansen 



Hardi 



le 



Hansen, Berner. — Haugesten. 1787 

Norwegischer Instrumentenmacher, von dem sich eine 
Zither mit sechs einzelnen und drei doppelten Stahl- 
saiten im Musikhistorischen Museum in Stockholm 
befindet. 

Hansen, F. W. — Randers. 1860. f um 1880 

Ein tüchtiger Geigenmacher, dessen Arbeiten in Däne- 
mark in hohem Ansehen stehen. Er war ein stiller, be- 
scheidener Künstler, der in seiner kleinen Heimatstadt 
sitzen blieb und zufrieden war, wenn er nur das Nö- 
tigste zum Leben verdiente. 

Hansen, H. C. — Kopenhagen. 1855 

Ein braver dänischer Geigenmacher, der leider nur 
selten schönes Holz besaß, weshalb seine Arbeiten oft 
nicht so gut aussehen, wie sie klingen. 

Geigenzettel : Förfärdigt af Instrumentmager / H. C. 
Hansen i Kjobenhavn / 1855. (gedruckt). 

Hansen, J. Rummelhoff. — Chnstiania. Geb. 
11. März 1877 in Christiania, f das. 1918 

Nachdem er erst in einer Instrumentenhandlung ge- 
lernt hatte, ging er zu A. C. Kleven und vollendete seine 
Ausbildung von 1905—1908 bei Oswald Möckel in 
Berlin. Schon 1907 bekam er ein Mitarbeiterdiplom. 
Im Jahre 1908 ging er zu Hjorth nach Kopenhagen und 
kehrte im darauffolgenden Jahre in seine Vaterstadt 
zurück, wo er sich selbständig machte. Er fand nament- 
lich als ausgezeichneter Reparateur reichliche Aner- 
kennung, doch waren auch seine neuen Geigen in jeder 
Beziehung sehr lobenswert. Auf der Jubiläumsaus- 
stellung 1914 in Kopenhagen erhielt er die goldene 
Medaille. Ein tückisches Leberleiden machte seinem 
Leben ein vorzeitiges Ende. Sein Nachfolger ist Hell- 
muth EUersieck. 

Hansen, Niels. — 1921 

Ein dänischer Bildhauer, der auch zu den vielen gehört, 
die das »Geheimnis Stradivaris« gefunden zu haben 
glauben. 

Harbour, Jakob. — London. 1764 

Von ihm kenne ich zwar nur eine mittelmäßige, halbe 
Violine, ziemlich hoch gewölbt, ohne Einlage, mit 
dunkelbraunem Lack, doch soll er sehr gute Violen ge- 
baut haben. 

Harbour(Harbur),W. — London. 1785. 1786 

Vielleicht ein Sohn von Jakob H. und wie dieser ein 
mittelmäßiger, wenig bekannter Geigenmacher, der 

1785 in Duke Street Lincolns — Inn Fields wohnte und 

1786 nach Southampton Buildings, Holborn, über- 
siedelte. 

Hardie, Alexander. — Maxwelltown. Geb. um 

1776 (in Stonehouse?), f in Maxwelltown 

um 1855 

Ein geschickter Kunstdrechsler, der auch recht gute 
Geigen gemacht hat. 



Hardie, James L — Edinburgh. 1830. 1855 

Obwohl sein Verwandtschaftsverhältnis zu den übrigen 
Geigenmachern seines Namens nicht feststeht, scheint 
er doch ein Schüler von Matthew oder Thomas H. ge- 
wesen zu sein. Er war ursprünglich Modelltischler und 
brachte daher, als er anfing, Geigen zu machen, eine 
große Handfertigkeit mit. Seine Violinen sind meist 
nach Stradivan gebaut. 

Geigenzettel : James Hardie Fecit / Edinburgh 1839. 
(geschrieben). 

Hardie, James IL — Edmburgh. Geb. m 

Aguhadley (Ellon) I.Jan. 1836 
Enkel von Peter H. und seit seinem neunten Jahre 
dessen Schüler. Ein tüchtiger Geigenmacher, der 
über 4000 Geigen gemacht hat. Am liebsten ahmt er 
Maggini nach, verwendet schönes altes Holz, Bem- 
steinlack, und ist vielfach ausgezeichnet worden. Die 
Firma lautet jetzt Jas. Hardie & Sons, doch hat er alle 
Geigen allein gemacht. 

Geigenzettel: James Hardie & Son, / Makers / 117 
Nicolson Street / Edinburgh 1 890 (gedruckO- — Made 
by James Hardie & Sons / Violin Makers / Edinburgh 
18.. (gedruckt). 

Hardie, Matthew. — Edinburgh. Geb. 1 755 in 

Edinburgh, t 30. Aug. 1826 

Einer der bedeutendsten schottischen Geigenmacher, 
den man auch gern den schottischen Stradivari nennt. 
Er war vermutlich von Hause aus Kunsttischler oder 
Modelleur und dürfte ein Schüler von John Blair ge- 
wesen sein, der später mit ihm arbeitete. Er scheint eine 
echte Arbeit von Stradivari gekannt zu haben, die er 
fortan nachahmte. Wenn Hart sagt, daß er Amati ko- 
piert hat, so scheint dies auf einem Irrtum zu beruhen. 
Von den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts an 
arbeitete er mit seinem Sohne Thomas. Obwohl er sehr 
fleißig war, kam er in seinem Alter doch in Vermögens- 
verfall ; er soll einige seiner besten Geigen im Schuld- 
gefängnis gemacht haben und starb schließlich im 
Armenhause. Seine Geigen sind sorgfältig gemacht und 
klingen gut, nur der dünn aufgetragene Spirituslack von 
gelbbrauner Farbe ist unscheinbar. Wenn Vidal von 
ihm kurz sagt : »luthene ordinaire«, so tut er ihm offen- 
bar unrecht. H. war auch ein trefflicher Lehrer, wie die 
große Zahl seiner tüchtigen Schüler beweist. 
Geigenzettel : Made by ' Mat. Hardie & Son / Edin- 
burgh, (gedruckt). — Matthew Hardie / Edinburgh 
1809. (gedruck) und Abb. 324. 

Hardie, Peter. — Dunkeid. Geb. 1775, f Nov. 

1863 in Dunkeid 

Er war der Sohn eines Regimentsarztes und studierte in 
Edinburgh, wo er durch seinen Vetter Matthew Hardie 
darauf gebracht wurde, sich dem Geigenmachen zu 
widmen. Er wurde Schüler seines Vetters und haupt- 
sächlich Willie Blairs. Er hat viele Violinen und Violon- 
celli gemacht, seine Arbeit ist der von Matthew H. sehr 
ähnlich, nur ist die Wölbung bei ihm viel höher und die 
Durchführung weniger sorgfältig. Die Schnecken er- 
innern an die von Ruddiman. Hardie war ein vorzüg- 
licher Geiger und hat auch komponiert. Er gebrauchte 
statt der Zettel nur eine Brandmarke : P. Hardie. 



Hardie — Harnisch 



199 



Hardie, Thomas. — Edinburgh. Geb. 1804, 

t 19. Jan. 1856 

Sohn und Schüler von Matthew H., dessen Modell er 
beibehielt, den er aber in der Durchführung und im 
Lack oft übertrifft; leider trocknete er das Holz im 
Backofen, so daß seine Geigen, die neu recht gut 
klangen, jetzt wenig Ton haben. Er war sehr talentvoll, 
ergab sich aber dem Trunk und sein Tod war die Folge 
eines Sturzes über die Treppe seines Hauses, als er 
wieder betrunken war. 

Geigenzettel : Thomas Hardie Fecit, / Edinburgh, Anno 
1845 (gedruckt). — Repaired by Thomas Hardie / 
Castlehill, Edinburgh 1856 (gedruckt). 

Hardy s. Haxby 

Hare, John. — London. Anfang des 18. Jahrh. 

Viele halten John und Joseph Hare für eine und die- 
selbe Person, was aber bei der auffälligen Verschieden- 
heit der Arbeit nicht angängig ist. John ist entschieden 
der ältere. Er wohnte im gleichen Hause wie später 
Joseph, aber er arbeitete noch nach einem hochge- 
wölbten Modell. Seme Arbeit ist roh, die Einlage unge- 
schickt gemacht und der Lack armselig. 

Geigenzettel : lohn Hare at y- Viel & Flute, near ful 
Royal Exchange in Cornhill London, (gedruckt). 

Hare, Joseph. — London (Cornhill). 1720. 

1726 

Von ihm sind bisher nur wenige Gelgen bekannt. Er ist 
jedoch nach Sandys & Forster der erste Engländer, der 
ein flaches Modell anwendete; auch sein Lack von 
leuchtender roter Farbe ist vorzüglich. Er war jeden- 
falls ein besonders begabter Mann, der seinerzeit nur 
nicht durchdrang, da in England lange das Stainer- 
modell allem in Ansehen stand. Er soll eine Zeitlang mit 
Freeman zusammen gearbeitet haben. 

Geigenzettel : Joseph Hare at y- Viole & Flute / near the 
Royal Exchange / in Cornhill London / 1 726 (gedruckt) 

Harford, Patrik (Patritius). — Rom. 1742 

Em Irländer oder Engländer, der sich in Rom der 
italienischen Schule anschloß. Schöne Form, blaß- 
brauner Lack. 

Hargreaves, William. — Manchester. 1889 

Wahrscheinlich ein Liebhaber, der, wie eine Violine 
beweist, die er im Jahre 1889 mit der Nummer 21 ver- 
sah, eine gewisse Geschicklichkeit erlangt hat. 

Harham. — London. 1765. 1785 

Wenig bekannter englischer Geigenmacher des 1 S.Jahr- 
hunderts. 

Haringer (Häringer), Hans. — Wien. 1675. 
1676 

Er soll als Lautenmacher im Dezember 1675 das Wiener 
Bürgerrecht erlangt haben. Obwohl Lauten und Geigen 
von ihm vorkommen, konnte ich Urkundliches über ihn 
nicht beibringen. Er stammte jedenfalls aus Füssen und 



gehörte zur Familie Heringer und dürfte bald nach 
seiner am 26. Januar 1676 erfolgten Eheschließung ge- 
storben sein. 

Harkendorf, Hans. — Flensburg. 1652 

Eine schöne Altgambe von ihm besitzt W. Heyers 
Musikhistorisches Museum in Köln (Nr. 803). Weder 
Im Flensburger Archiv, noch In den Flensburger 
Kirchenbüchern findet sich Irgendein Eintrag mit 
seinem Namen. 

Harley. — London. 1805 

Eine englische Zither mit Klaviatur, die der dänischen 
Erbprinzessin gehört haben soll, besitzt Claudius in 
Kopenhagen. Er soll auch Lauten gemacht haben. 

Geigenzettel: Harley maker. / Wych street. London 
1805 (gedruckt). 

Harloff, W. — Bergen. 19. Jahrhundert 

Ein von ihm verfertigtes Psalmodicon (Monochord) 
befindet sich In der Sammlung Crosby Brown In New 
York (Nr. 981). 

Harlot, Fran^ois. — Mirecourt. 1757. 1772 

Unter den Bogenmachern seiner Heimat einer der 
ältesten, deren Namen überliefert sind. 

Harmand (Harmond), Nicolas. — Mirecourt. 
1755. 1789 

Er legte am 1 9. Februar 1 772 den Schwur als Meister 
der Mirecourter Lautenmacherzunft ab und war einer 
der besseren Geigenmacher seiner Zeit, jedenfalls 
der beste aus seiner Familie. Er bevorzugte ein kleines 
Modell, seine Arbeit ist gut, er verwandte gutes Holz 
und rötlichen Lack. Seine Geigen haben einen welchen 
Ton. Seine Werkstatt nannte er »Au RoI David«, was 
auch auf seinem Brandstempel steht, den er gewöhnlich 
am Boden unter dem Halse anzubringen pflegte. Von 
Mitgliedern seiner Familie werden noch genannt sein 
Bruder 

Jean H. 1766, ferner 

Joseph H. 1780. 1789 

Louis H. 1784. 1789 und 

Philipp H., der schon 171 9 und noch 1 727 vorkommt. 

Harmand. — Mirecourt. 1830—1870 

Vielleicht ein Enkel von Nicolas H. Besonders als 
Bogenmacher geschätzt. 

Harnisch, Hermann. — Darmstadt. Geb. 1859 
in Gera 

Sohn von J. Gottlieb H. und dessen sowie Otto 
Bauschs Schüler, arbeitete von 1881 — 1885 In Reval, 
wo er auch als Musiker tätig war, wurde 1885 Hof- 
musiker in Darmstadt und übernahm das Geschäft von 
F. Diehl. Im Jahre 1895 wurde er zum großherzogl. 
Hofinstrumentenmacher ernannt. Er beschäftigt sich 
hauptsächlich mit Reparaturen ; die wenigen von ihm 
gemachten Instrumente haben Spirituslack und tragen 
folgenden Zettel : Hermann Harnisch, / Hofinstrumen- 
tenmacher, / Darmstadt 18 (gedruckt). 



200 



Harnisch — Härtung 



Harnisch, Johann Gottlieb. — Gera. Geb. 1827 
in Scheubengrobsdorf b. Gera (Reußj. L.) 

Schüler von L. Bausch und von dessen Sohn Louis B. 
in Leipzig, war von 1853 — 1857 in verschiedenen Orten 
tätig und machte sich 1857 zu Gera selbständig. Be- 
schäftigt sich mit Neubau (und Reparatur) nach 
italienischen Vorbildern, wobei er seine Erfindung, 
mit verschieden altem Holz zu decken, zur Anwendung 
bringt; auch Form und Lage des Balkens, sowie der 
Stimme behandelt er nach eigenen Grundsätzen und 
wendet gewöhnlich Spirituslack an. Er ist seit Jahren 
Hofinstrumentenmacher. 

Geigenzettel: J. G. Harnisch / Instrumentenmacher in 
Gera / Reparirt März 1 864. (geschrieben). 

Harp, Johann. — Kopenhagen. 1730 

Ein wenig bekannter dänischer Geigenbauer, von dem 
die Sammlung Savoye in Paris eine Bratsche bewahrt. 
Vielleicht ist dieser Harp ein Verwandter jenes Königs- 
berger Gregorius, dessen Familienname »Karg« ge- 
lesen wird, bei dem aber auch die Lesart Harp zu- 
lässig ist. 

Harras, ein thüringischer Geigenmacher, der in 

Olze bei Großbreitenbach lebt 
Harras, Adolf. — Masserberg (Thür.). 1893. 

1901 

Wenn er auch in der Regel billige Geigen herstellt, so 
versteht er es doch ganz gut, die Italiener oder Stainer 
nachzuahmen. 1 898 erhielt er für seine Geigen in Erfurt 
die bronzene Medaille. 



Harris (Harrys), Charles I. 
1780. 1800 



Oxford, London. 



Ein Geigenmacher, der von seinen Bewunderern der 
»englische Lupot« genannt wurde. Pearce sagt von ihm : 
»His Instruments are among the f inest of the English.« 
Er kopierte Stradivan und Amati und gebrauchte einen 
prachtvollen rötlichen Lack, klebte aber nur selten 
Zettel ein. Besonders gelangen ihm seine Violoncelli. 
Er wohnte Cannon Street Road, Ratcliffe Highway, eine 
Zeitlang arbeitete Gilkes bei ihm. So tüchtig er auch 
war, scheint es ihm doch nicht besonders gut ge- 
gangen zu sein, da er, um leben zu können, eine Stelle 
als Hafenzollbeamter annehmen mußte. 

Harns, Charles II. — Oxford, London. 1818. 
1830 

Altester Sohn, Schüler seines Vaters Charles I H. und 
als solcher Mitschüler von Samuel Gilkes. Er wohnte 
erst in Oxford (Alderbury) und ging dann nach London. 
Von ihm ist wenig bekannt, da er viel für John Hart 
arbeitete. Seine Geigen sind im ganzen gut, er hebte ein 
langes Modell, schmale Zargen und gelben Lack. Seine 
Zettel sind zumeist geschrieben. Eine Violine von ihm 
aus dem Jahre 1820 besitzt T. W. Taphouse. 

Harris, J. E. — Gateshead-on-Tyne. 1910 

Geschickter englischer Geigenbauer der Gegenwart, 
der auch besondere Sorgfalt auf das Lackieren ver- 
wendet. 



Hart, George I. — London. Geb. 1839, 
t 25. April 1891 

Sohn von J. Th. Hart. Er war als trefflicher Geiger 
Schüler von Sainton, und wurde der Geschäftsnach- 
folger seines Vaters. Er machte selbst zwar keine Instru- 
mente, doch war er einer der besten Kenner und hat 
zwei wertvolle Bücher herausgegeben : »The violin, its 
famous Makers and their Imitators« (London 1875 und 
1887) und »The violin and its music« (1881), von denen 
man allerdings sagt, daß sie zum guten Teil von Charles 
Reade, dem trefflichen Novellisten und Geigenlieb- 
haber, geschrieben worden seien. Mit seinem Sohne zu- 
sammen eröffnete er in seinen letzten Lebensjahren eine 
eigene Geigenmacherwerkstatt. 

Geigenzettel : Hart & Son / — Makers — / 28 Wardour 
Street / 18 London 90 / No 170 (gedruckt). 

Hart, George II. — London. Geb. in London- 
Warwick 4. Jan. 1860 

Sohn von George I H. Nachdem er in Paris seine Aus- 
bildung als Geigenmacher abgeschlossen hatte, trat er 
in das Geschäft seines Vaters ein und fügte diesem eine 
eigene Werkstatt hinzu. Die Firma lautete von da an 
»Hart & Son« und lautet noch so. G. II Hart gilt als 
tüchtiger Meister, dessen Spezialität die getreue Kopie 
Italienischer Geigen ist. 

Geigenzettel: Abb. 365, 366, 371. 

Hart, John Thomas. — London. Geb. 17. Dez. 
1805, t I.Jan. 1874 

Er trat im Mai 1820 in die Lehre bei Samuel Gilkes und 
entwickelte sich bald zu einem tüchtigen Meister, so 
daß er schon 1825 seine eigene Werkstatt eröffnen 
konnte. Er hat zwar nicht viele neue Geigen gebaut, 
diese aber dürfen als gute Amatikopien gelten. Be- 
deutender war er jedoch als Kenner italienischer Geigen 
und als trefflicher Reparateur. Mit Tarisio stand er in 
lebhafter Geschäftsverbindung. 

Geigenzettel: John Hart / maker. / 14. Princeß Street, 
Leicester Square ,' London anno 18 . . (gedruckt). 

Hartan^), Carl. — Köln. 1874. 1875 

Beschäftigte sich viel mit Wiederherstellungen, die je- 
doch, da er Autodidakt war, nicht fachmännisch durch- 
geführt sind. 

Geigenzettel : Carl Hartan / Jnstrumentenmacher / 
Cöln 1875 (gedruckt). 



Härtung (Harton), Michael. 
1624 



Padua. 1602. 



Zweifellos deutschen Ursprungs und zwar wahrschein- 
lich aus Füssen eingewandert, wo der Name Härtung 
heimisch ist und wo man ihn auch auf einer aus der 
Mitte des 16. Jahrhunderts stammenden runden Holz- 
tafel mit 104 Geschlechternamen im städtischen Mu- 
seum zu Füssen verzeichnet findet. Michael Härtung 
suchte allerdings seinen Namen.den Wälschen dadurch 



^) Der Nanie wird irrtümlich auch als »Härtung« an- 
geführt. 



Harvle — Haut 



201 



mundgerechter zu machen, daß er sich Harten statt 
Härtung schrieb. Baron sagt von ihm : »Michael Här- 
tung Anno 1624 zu Padua. Dieser Härtung hat noch 
bey dem gantz jüngeren Leonhard Tieffenbrucker, 
welcher auch gar feine Arbeit gemacht, welche fast mit 
der Vendelino Tieffenbruckers übereinkommt, zu 
Venedig gelernet.« — Eine Laute und eine Theorbe von 
ihm sind im germanischen Museum zu Nürnberg (44). 

Geigenzettel : Padove Michielle (Hart)on (gedruckt). — 
MjH / In Padova / Michielle Harten 160(2?) (gedr.). 

Harvie, Robert, ein geschickter Dilettant, der 
1848 in BerwIck-on-Tweed lebte 

Haslwanter, Johann. — München. Geb. 
11. Febr. 1824 zu Krlnn b. Mittenwald, 
t 4. Sept. 1884 In München 

Pflegesohn und Schüler von Ignaz Simon. Er be- 
gründete 1851 seine noch bestehende Firma und ver- 
legte sich fast ausschließlich auf die Herstellung von 
Zithern. Eine Mandolinenzither von ihm besitzt W. 
Heyers Musikhistorisches Museum in Köln. Sein Sohn 
Johann Otto H. ist sein Nachfolger. 

Hass, Hieronymus Albrecht. — Hamburg. 
1743. 1785 

Vater und Sohn J. A. Hass (Hasse). Daß sie auch 
Lauten u. dgl. gebaut haben, ist wahrschemlich, doch 
waren sie nur als Klaviermacher berühmt. Ein im 
Rokokostil reichverziertes Klavizimbel mit zwei 
Manualen und vielen Registern besitzt das Kopen- 
hagener musikhistorische Museum. 

Hassert (Hasert), J. C. — Eisenach(?). 1728 

Der Stammvater der Familie. Auf dem Zettel seines 
Sohnes Johann Georg, der mir vorlag, war sein Wohn- 
ort unleserlich. Eine von ihm im Jahre 1728 gebaute 
Violine führt das 1773 aufgestellte Inventar der da- 
maligen Cöthener Hofkapelle auf. Hier werden die 
Vornamen J. C. angegeben, leider aber nicht der Wohn- 
ort. Diesen nennt jedoch J. Ph. Eisel in seinem 1738 
erschienenen Musicus avroÖi(i(ty.To^, indem er unter 
den besten Gamben diejenigen '>Haserts aus Eisenach« 
hervorhebt. 

Hassert (Hasert), Johann Christian. — Rudol- 
stadt. Geb. I.Mal 1759 zu Rudolstadt, 
t daselbst 3. Mal 1823 

Sohn des Johann Georg Christian H. (»Fürstl. Musi- 
cal. -Hoff- und Feldtrompeters«). Auch er ward fürstl. 
Hoftrompeter und war einer der bekanntesten Geigen- 
macher seiner Zeit. Er ahmte die hohe Wölbung 
Stainers nach und verarbeitete gutes Holz, doch haben 
seine Geigen nur einen kleinen, spitzen Ton. 

Hassert (Hasert), Johannes Georg Christian. — 
Elsenach, Rudolstadt. 1746. 1775 

Er lebte ursprünglich in Eisenach und kam später als 
Hoftrompeter nach Rudolstadt. Er war ein tüchtiger 
Meister, der nach italienischen Vorbildern arbeitete. 
Im Selhofschen Versteigerungsverzeichnis (1759) 



kommt eine Geige von ihm mit der jedenfalls falsch ge- 
lesenen Jahreszahl 1716 (es wird 1746 heißen sollen) 
vor. Otto hält ihn für einen Bruder von Joh. Christ. H., 
und nach Ottos Vorgang wird er in vielen Büchern auch 
jetzt noch dafür ausgegeben. Auf einem leider verletzten 
geschriebenen Zettel liest man : .... aserti filius / 
.... (unleserlich) / Johann Georgius Hasertius / Rudol- 
stadtensis Anno 1750. Eine Tenorviole von ihm vom 
Jahre 1 753 besitzt C. van Raalte. 

Geigenzettel: Hassert / Eisenach 1772. (gedruckt). — 
(-}- J. H. im Kreis, Johannes Hasert Isenacensis, / 
Faciebat Anno 1775 (gedruckt). 

Haudek, Carl. — Wien. Geb. In Wien 21 . Okt. 
1862, t 14.Juh 1919 

Schüler von C. H. Voigt. Als Gehilfe kam er zu Lem- 
böck, wurde Geschäftsführer und 1892 durch Kauf 
Nachfolger der Firma G. Lemböck. Er besaß mehrere 
Ausstellungsmedaillen und war Mitglied der Aus- 
stellungskommission für Paris 1900, Kommerzialrat der 
niederösterreichischen Handels- und Gewerbekammer 
und seit 1910 auch handelsgerichtlich beeideter Schätz- 
meister. Von ihm sind einige sehr gute Geigen und 
Violoncelli bekannt, auch war er ein vielbeschäftigter 
Reparateur. 
Geigenzettel: Abb. 331. 

Haughton, C, australischer Gitarren- und 
Banjomacher, der 1888 In Melbourne (Carl- 
ton) lebte 

Hauser, Antonl. — Reutte a. Lech. Geb. 1 726, 
t 5. März 1806 In Reutte (nach Dr. Waldner) 

Zur Vilser Schule gehörig. Ein kleines Violoncello von 
ihm besitzt das Ferdinandeum in Innsbruck. 
Geigenzettel : Antoni Hauser Lauten- / macher i. Reuti. 
A. 1 794. (geschrieben). 

Hauslelb (Hauslleb). Lorenz. — Nürnberg. 

1598 

Er war Bürger von Nürnberg und wurde vom Kur- 
fürsten Friedrich IV. von der Pfalz laut einer Urkunde 
vom 3. Juli 1598 in Dienst als Instrumentenmacher 
und Stimmer genommen. Er mußte nach Erfordern, 
mindestens aber zweimal jährlich, im kurfürst- 
lichen Hoflager erscheinen, um alle Instrumente — 
auch die Orgeln — instand zu setzen, wofür er 50 fl. 
Gehalt bezog. Seine Bestallung ist eingetragen im 
Pfälzer Kopialbuch 860 (Großherzogl. Bad. Geh. 
Landesarchiv). 

Hauszer, Gustav. — Budapest, Zombor, Nagy- 
varad (Großwardein). 1888 

Ein Blasinstrumentenmacher, der sich auch hier und da 
mit Geigen beschäftigt. 

Haut, Gottfried. — Lodz. 1840 

Seiner .-Arbeit nach ein Dilettant ohne Fähigkeiten. 
Statt der Einlagen malte er grobe Linien an den Rand, 
die Schnecken schnitzte er flach und sehr unsauber. 
Geigenzettel: Gottfr. Haut / Lodz 1840 (geschrieben) 



202 



Hautstont — Heap 



Hautstont, Charles. — Brüssel. Geb. 1863 

Schüler von N. J. Vuillaume. Er ist ein tüchtiger 
Geigenmacher und Kenner alter Geigen und war 
wiederholt für das Museum des Brüsseler Konser- 
vatoriums beschäftigt. 

Havas, Stephan (Istvan). — Budapest. Geb. 

1872 

Schüler von J. Brückner, auch als Bogenmacher ge- 
schätzt. 

Geigenzettel: Havas Istvan / mühangszerkeszitö / 
Budapest / Üllöi üt 1 6 B. (gedruckt). 

Havelka, Johann Baptist. — Linz a. D. 1741 . 

tum 1799 

Er erlangte 1761, vielleicht als Nachfolger von Blasius 
Weigert, die Geigenmacher-Gerechtigkeit und das 
Bürgerrecht in Linz. Seine älteste Arbeit trägt die 
Jahreszahl 1756 und war in der Wiener Musik- und 
Theaterausstellung zu sehen. Er gebrauchte auf semen 
Zetteln bald nur den Taufnamen Johann (Joannes), 
zuletzt ausschließlich Johann Baptist. Seine Arbeit 
ist sorgfältig und steht zwischen der Wiener und Prager 
Schule; dem Namen nach muß er ein geborener Böhme 
gewesen sein^). Im Jahre 1799 wurde Meinrad Frank 
sein Nachfolger, er dürfte daher anfangs 1 799 gestorben 
sein. Eine gute Violine von ihm von 1783 besitzt das 
Stift St. Florian in Oberösterreich, eine andere, gleich- 
falls sehr sauber gearbeitete Violine aus dem Jahre 1 793 
besaß Gh. Mahillon in Brüssel, eine Viertelvioline (von 
1766) die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. 
Geigenzettel: Abb. 322 und 346. 

Havelka, Simon Johannes. — Linz a. D. 1 763. 

1774 

Vermutlich ein Bruder von Johann Bapt. H. und m 

seiner sorgfältigen, sauberen Arbeit diesem ähnlich. 

Eine Violine, eine Viola und ein Violoncello von ihm 

aus den Jahren 1 763, 1 766 und 1 774 besitzt das Stift 

St. Florian in Oberösterreich. 

Geigenzettel: Simon Joannes Havelka / fecit Lincii, 

1 763 (gedruckt). 

Havemann, Carl Friedrich. — Klingenthal. 

1750. 1785 

Sohn von David Christ. H. und, wie dieser, auch musi- 
kalisch gebildet. 

Havemann, David Christian. — Klingenthal. 

1722. 1730 

Seinem Zettel nach war er schon 1722 Organist; als 
Meister erscheint er in den Innungsbüchern jedoch 
erst 1730. 

Geigenzettel: David Christian Havemann / Organist 
und Violinmacher in / Klingenthal 1722 (gedruckt). 



') Auf manchen seiner Zettel findet sich dasselbe Em- 
blem wie bei Hulinzky. 



Havemann, Friedrich Wilhelm. — Klingen- 
thal. 1761 

Sohn von Carl Frledr. H. — Der unbekannteste der 
Familie. 

Hawes, William. — Northampton. 1912 

Er gilt als guter Reparateur und soll als Tonverbesserer 
Erfolge erzielt haben. 

Hawkes & Son. — London 

Eine 1855 begründete Musikinstrumentenhandlung, 
die seit 1890 in ihrer Werkstatt auch drei Geigenmacher 
mit dem Neubau von Violinen beschäftigt, die als 
»Konzert-Violinen* usw. in den Handel kommen. 

Hawkins, J. J. — London? 1800 

Erfinder einer Geige ohne Zargen und Boden, auf die 
er 1800 in England ein Patent nahm. 

Hawliczek (Havlicek), Friedrich. — Wien, 
tum 1906 

Er begründete 1878 sein Geschäft und war der Nach- 
folger von Fr. Charwath. Er soll hauptsächlich in 
Schönbach vorgearbeitete Geigen fertig gemacht und 
kleine Reparaturen ausgeführt haben. Sein Geschäft 
wird von seinem Neffen fortgeführt. 

Hawraneck, Otto. — Markneukirchen. Geb. 
16. Mai 1866 

Ein Geigenmacher böhmischer Abstammung, der für 
den Handel arbeitete und selbst Handel trieb, aber 
schon vor 1900 von Markneukirchen fortgezogen ist. 

Haxby (Hardy?), Thomas. — York. 1770 

Ein wenig bekannter Meister, von dem auf der Lon- 
doner Music Loan Exhibition 1904 eine Zither aus dem 
Besitze von A. F. Hill ausgestellt war. 

Haynes, Jacob. — London. 1746 

Er baute nach dem Stainermodell und nach Barret, hat 
aber nichts Hervorragendes geschaffen. 

Haynes, W. S. — London. 1854. 1902 

Englische Geigenfirma der Gegenwart (Haynes & Co., 
Lim.)^), Großhandlung mit Musikinstrumenten. Die 
Firma stellt Geigen zu verschiedenen Preisen her und 
gibt ihnen besondere Namen, so: »Bienfait«, »Hidalgo«, 
»El Tesoro«, »Stradella«, »Ruggielli«, »Anton Kessel«, 
»Herm. Schlosser«, »Vosgien«, »Carrodus« und 
»Haynes« usw. 

Heap, John Knowles. — Leeds. 1851 

Stellte 1851 ein Violoncello aus, das nach einem an- 
geblich auf mechanischer und mathematischer Basis 
ruhenden, ganz neuen Prinzipe gebaut war, und das 
nach seiner Behauptung auch nicht einen mangelhaften 
Ton in seiner ganzen Skala hatte. 



^) Früher: Haynes, Foucher & Co. 



Heaps — Heberlein 



203 



Heaps, Alfred Walter. - Sidney, N. S. W. 

Geb. 1854 

Er gilt in Australien als guter Geigenmaclier und soll 

auch einen schönen OUack verarbeiten. 

Heath, S. F., lebte im 19. Jahrhundert in Bir- 
mingham 
Heaton, William. — Gomersal. Geb. 1827. 

1899 

Englischer Geigenmacher, der ursprünglich wie sein 
Vater und Großvater Kunsttischler war. Schon in 
seinem 15. Jahre versuchte er ein Violoncello zu bauen, 
aber erst um 1872 machte er den Geigenbau zu seinem 
Bemfe, und da er mit Geschick und großer Sorgfalt 
arbeitete und sich als feiner Holzkenner bewährte, fand 
er bald die Anerkennung musikverständiger Leute. 
Seine Geigen sind in den Umrissen nach Stradivan, in 
der Wölbung nach Maggini gebaut. 
Geigenzettel: William Heaton / Maker. / Hill, Top, 
Gomersal ' Nr. . . . Leeds (gedruckt). 

Heber, Carl Wilhelm. — (Mark) Neukirchen. 
Geb. um 1712. 1740 

Er ward am 20. März 1 734 Meister und arbeitete nach 
den üblichen Vogtländer Modellen. Er liebte eine flache 
Wölbung und niedrige Zargen. Auf seinen Zetteln fehlt 
entweder der Wohnort, oder es ist Absam (Absom) da- 
für angegeben. In einer seiner Geigen fand Aug. Diehl 
einen zweiten Zettel mit den Versen : 

Viel falsches nachgemacht 

Sich da und dort schleicht ein, 

Drum sieh mein Petschaft an 

Willst nicht betrogen seyn. 
Geigenzettel : Carl Wilhelm Heber / Lauten & Violin- 
macher fecit 17 . . (gedruckt). — Carl Wilhelm Heber, 
setv (sie) / Jacobs Stainer in Absam prope / Oenipun- 
tum Ao 1758 (gedruckt). 

Heber. — Stettin. Um 1860 

Ein Stettiner Theatermusiker, der sich mit dem Geigen- 
bau beschäftigte und einige neue Geigen gemacht 
haben soll. 

Heberl (Heberle) s. Tomaso Eberle 
Heberlein, Albert August jun. — Mark- 
neukirchen 1921 

Geigenbaumeister, dessen Violinen und Violoncelli 
gelobt werden. 

Heberlein, Albert Theodor. — Markneu- 
kirchen. Geb. 1880 

Zweiter Sohn und Schüler von Heinrich Th. H. jun. 
Ein tüchtiger Geigenmacher, der im väterlichen Ge- 
schäfte tätig ist. 

Heberlein, Carl August. — Markneukirchen. 

Geb. 9. Juli 1805, t2 I.März 1879 

Schüler seines Vaters Johann Gottlob H. und dann des 
Dresdener Hofinstrumentenmachers Aug. Fritzsche. 



Er begründete 1835 sein heute noch unter der Firma 
seines Sohnes Heinrich Th. H. jun. fortbestehendes 
Geschäft und machte außer Geigen auch vorzügliche 
Gitarren und Lauten, verlegte aber sich in den letzten 
Jahren ausschließlich auf das Geigenmachen. 

Heberlein, Chr. August (gen. »Spohr<<). — 
Markneukirchen. Geb. 1814, f 1894 

Er war "Baßmacher« von Beruf und hat daher wohl nur 
sehr wenige Violinen aus Liebhaberei gemacht; es 
erklärt sich dadurch auch, daß diese keinen eigentlichen 
Kunstwert haben. Seinen Beinamen verdankt er dem 
Umstände, daß er einen Kinnteller erfunden hatte, den 
er »Spohr« benannte. Die Markneukirchener nannten 
ihn von da an selbst kurzweg den >>Spohr«. 

Heberlein, Christoph. — (Mark) Neukirchen. 

Geb. 1690, t 1761 

Er klebte selten einen Zettel in seine Geigen, die nur 
gute Durchschnittswaren genannt werden können. Er 
starb im Alter von 71 Jahren, weniger 1 Monat und 
5 Tage. 

Heberlein, Ernst Heinrich. — Markneukirchen 
Geb. 26.JuH 1814, t lO.Juh 1894 

Sohn und Schüler von Joh. Gottlob H. In seiner Jugend 
baute er einige Geigen, später verlegte er sich jedoch 
ganz auf das Gi'arrenmachen und erlangte dann einen 
gewissen Ruf. Nach einer Pnvatmitteilung soll er auch 
den Beinamen »Spohr« geführt haben (oder nur er?), 
»da er lange Zeit der einzige Violoncellospieler in Mark- 
neukirchen war«. (Die Begründung des Beinamens 
erscheint mir dadurch allerdings nicht sehr stichhaltig.) 

Heberlein, Ernst Julius. — Markneukirchen. 
Geb. 22. Dez. 1865 

Er gilt als geschickt, ist aber noch wenig hervorgetreten. 

Heberlein, Fritz. — Markneukirchen 

Er bestand im Jahre 1920 die Meisterprüfung als 
Geigenmacher. 

Heberlein, H. — Königsberg. 1895 

Ein Markneukirchener, der einige Zeit in Königsberg 
ansässig war, nicht zu verwechseln mit dem Violoncello- 
virtuosen Hermann Heberlein, der jetzt in Amerika lebt. 

Heberlein, Heinrich Richard. — Markneu- 
kirchen. Geb. 31. März 1847 
Er war Baßmacher. 

Heberlein, Heinrich Theodor jun. — Mark- 
neukirchen. Geb. 5. Nov. 1843, f 1910 

Schüler seines Vaters Carl August H., ging von 1861 
bis 1863 zu Riechers und machte sich 1863 in seinem 
Geburtsorte selbständig. Er gehörte zu den besten 
Geigenmachern Markneukirchens seiner Zeit und be- 
zeichnete seine von ihm selbst gemachten Instrumente 
im Gegensatz zu vielen vogtländischen Berufsgenossen, 
die die »Zettel nach dem Modell einkleben«, stets mit 
seinem Namen. Schon 1873 wurden seine Arbeiten 



204 



Heberlein — Heesom 



denen des Franzosen Thibouville gleichgestellt. Er 
imitierte die alten Meister, sowohl was Sauberkeit der 
Arbeit als auch was den Ton anbelangt. Er besaß sieben 
erste Ausstellungspreise und den Albrechtsorden. Er 
hielt auf die Ehre seiner Kunst und hat auch als Lehrer 
der Fachschule für Instrumentenbau verdienstvoll ge- 
wirkt. Sein Geschäft wird von seinen Söhnen fort- 
gesetzt. 
Geigenzettel: Abb. 337 und 345. 

Heberlein, Johann Gottlob. — Markneu- 
kirchen. Geb. H.August 1782, t 2. Mai 
1856 

Schüler von Joh. Gottlob Schönfelder. Da er selbst ein 
tüchtiger Geiger war, arbeitete er mit Eifer darauf hm, 
einen guten Ton zu erzielen, und machte auch manchen 
interessanten Versuch. So stallte er 1813 mit Hilfe des 
Blasinstrumentenmachers Dürrschmidt eine Geige aus 
Messing her usw. 

Geigenzettel: Johann Gottlob Heberlein / Violin 
macher et Musicus / in Neukirchen 1816 (gedruckt). — 
Johann Gottlob Heberlein / Geigenmacher und Musi- 
cus in Neukirchen (gedruckt) und Abb. 355. 

Heberlein, Julius. — Markneukirchen 

Lebt als Streichinstrumentenmacher in seinem Hei- 
matsorte. 

Heberlein, Paul. — Markneukirchen. Geb. 
15. Mai 1872 

Er lernte bei seinem Vater Heinrich Th. H. jun., war 
dann durch drei Jahre der letzte Schüler von August 
Riechers in Berlin und hat nach dessen Tode auch das 
Geschäft bis zur Auflösung desselben geführt. Er ist ein 
tüchtiger Meister und im väterlichen Geschäft tätig. 

Heberlein, Reichard. — Markneukirchen. Geb. 
1871, t 1895 

Er war kurze Zeit in der Geigenmacherlehre, wurde 
aber Kaufmann. 

Heberlein, Richard. — Nürnberg. Geb. 1862 

in Markneukirchen 

Schüler von Adolph Hammig, bei dem er von 1876 an 
drei Jahre lernte. Er arbeitete darauf bei Gustav Roth 
und Albin Vogt und später bei Liebich in Breslau. 
Nach Beendigung seiner Militärzeit kam er zu Ludwig 
Glaesel und Heinrich Theod. Heberlein. Von da ging 
er nach Berlin, nach Rußland und war Werkführer bei 
Altrichter in Frankfurt a. 0. Zuletzt kam er nach Nürn- 
berg, richtete das Weidingersche Geschäft ein und blieb 
fünf Jahre da. 1894 eröffnete er seine eigene Werkstatt 
und machte sich einen Namen als tüchtiger Geigen- 
macher. 

Hec, Giovanni. — Rom. 1606 

Ein m Rom ansässiger vlämischer Lautenmacher, der 
1606 als Zeuge urkundlich erwähnt wird. Er war viel- 
leicht der Eigentümer der unter der Firma »ä la Trinitä« 
bestehenden und schon 1 590 in Rom erwähnten Lauten- 



macherwerkstatt und dürfte richtig Hecke (van Hecke 
oder Eecke geheißen haben ; wahrscheinlich ist er 
identisch mit Giovanni Ecchio. — Ein Van Hecke 
(Vaneck) wird noch 1 773 als Erfinder einer zwölf saitigen 
Gitarre genannt. 

Hecha. — Cadix 

Ein Mandolinenmacher, der um die Mitte des 19. Jahr- 
hunderts in Cadix lebte, soll diesen vielleicht falsch 
übermittelten Namen geführt haben. 

Heck, August, hat sich als Geigenmacher in 

Baltimore niedergelassen 
Heckel, Friedr. August. — Markneukirchen. 

Geb. 11. Febr. 1840 in Adorf 

Er war eine Zeitlang in Markneukirchen ansässig und 
hauptsächlich für Händler tätig, scheint aber inzwischen 
gestorben oder wieder verzogen zu sein. 

Heckel, Heinrich Wilhelm. — Markneukirchen 
Geb. 13. Nov. 1856, t 26. Dez. 1894 

Die wenigen Geigen, die seinen Zettel tragen, sind in 
der Hauptsache zusammengesetzt aus den einzelnen 
Bestandteilen, die von Facharbeitern hergestellt wurden. 

Heckel, Rudolf. — Dresden. Geb. 1857 in 

Markneukirchen 

Schüler von Ludwig Gläsel. Nach beendigter Lehrzeit 
kam er zu Adolf Paulus (Firma Otto Bausch) und von 
da zu Ernst Liebich, bei dem er etwa fünf Jahre lang 
blieb. Nachdem er dann noch längere Zeit bei August 
Riechers gearbeitet hatte, ging er nach Dresden, wo er 
sich im Jahre 1884 selbständig machte. Er fertigt ge- 
treue Kopien nach alten Meistern; arbeitet haupt- 
sächlich nach Stradivari und verwendet einen selbst- 
bereiteten Ollack. Er erwarb sich bereits mehrfache 
.'\uszeichnungen. — Eine aus Wilhelmjs Besitz stam- 
mende Violine ging in den Besitz P. de Wits über. 

Geigenzettel : Abb. 356. 

Heel, Martino. — Genua. 1697. 1706 

Dem Namen nach ein Deutscher. Da der Familien- 
name Heel in Füssen heimisch ist, liegt es nahe, auch 
diesen Deutsch-Italiener für einen Füssener Meister zu 
halten. Sein Modell ist hochgewölbt, sein Lack rot- 
braungelb und von gutem Glanz. .Seine Böden zeigen 
gewöhnlich das Holz nach der Schwarte geschnitten, 
die Decken sind dreiteilig, haben also zwei Fugen. Die 
Schnecke ist plump und erinnert in den Umrissen an 
Maggini. Von ihm besitzt das Museum des Pariser 
Konservatoriums eine hübsche Viola, ein Violoncello 
befindet sich in Freiburg i. Br. 
Gelgenzettel : Mardino Heel in / Genova. 1 697. (gedr.). 

Heesom, Edward. — London. 1748. 1750 

Geigen von ihm kommen nur selten vor; sie sind leid- 
lich gut und, wie fast alle zeitgenössischen englischen 
Arbeiten, dem Stainermodell nachgeahmt. 

Geigenzettel : Edward Heesom Londini fecit 1 749 (ge- 
druckt). 



Hegner — Heinel 



205 



Hegner, Franz. — Krems. Geb. 1818 (wahr- 
scheinlich in Sandau), f um 1865 
Ältester Sohn und Schüler von Franz Jos. Hegner. 
Nach dem frühzeitigen Tode seines Vaters setzte er mit 
der Mutter zunächst das väterliche Geschäft fort und 
machte sich im Jahre 1845 selbständig, indem er beim 
Bürgermeisteramt die Ausübung der freien Beschäfti- 
gung der Geigenmacherei anmeldete. Er scheint eifrig 
auf die Brautschau ausgegangen zu sein, es sind zwei 
Gesuche von 1845 erhalten, in denen er um die Ehe- 
bewilligung einkommt, jedesmal mit einer anderen 
Braut, aber keine von beiden hat er wirklich geheiratet, 
sondern erst 1853 die Anna Maria Alpers aus Stein, die 
freilich schon 1856 starb. Er wohnte Haus Nr. 84 und 
kam seinem Vater in keiner Beziehung gleich. Seine 
wenigen Geigen sind formlos und handwerksmäßig ge- 
arbeitet. Er war hauptsächlich Reparateur. 

Hegner (Hägner), Franz Josef. — Sandau, 
Krems. Geb. um 1797 in Sandau (Böhmen), 
f 27. Juni 1837 in Krems 

Er muß frühzeitig nach Krems gekommen sein, da 
Geigen mit seinem Zettel schon 1824 aus dieser Stadt 
datiert vorhanden sind. In den Akten des Gemeinde- 
archivs ist er allerdings erst seit 1828 nachweisbar, in 
welchem Jahre er sich beim Kreisamte beschwerte, daß 
ihm von den Städten Krems und Stein die Befugnis zur 
Ausübung des Saitenmachergewerbes verweigert wurde. 
Von da an wird er in den Matrikeln stets als »Saiten- 
macher« bezeichnet^), obwohl er hauptsächlich Gei- 
genmacher war. In den damaligen Zunftverhältnissen 
wird die Ursache dafür zu suchen sein, daß er sich 
nicht in seinem eigentlichen Berufe anmeldete. Er 
war mit Marie Josefa Fischer aus Sandau verheiratet 
und brachte es trotz seiner Geschicklichkeit sein Leben 
lang zu keinem Wohlstand. Schon m Sandau hatte er 
mit Schwierigkelten zu kämpfen, so daß diese Stadt 
noch im Jahre 1830 alte Erwerbssteuerrückstände bei 
ihm eintreiben ließ. Erst 42 Jahre alt starb er an Lun- 
genschwindsucht. Seine Geigen sind gut gearbeitet und 
erinnern manchmal an die Art Kuliks, doch der Lack 
läßt zu wünschen übrig. Er wohnte Haus Nr. 190. 
Von seinen Söhnen wurde nur einer Geigenmacher, 
ein anderer studierte. 

Geigenzettel: Franz Hegner, me fecit / Cremsii 1824. 
(gedruckt). 

Heidegger, Eduard. — Passau, Lmz a. D. Geb. 

1851 

Schüler seines Stiefvaters Johann Hornsteiner in Passau, 
ging dann zu Neuner nach Mittenwald und besuchte 
die dortige Geigenmacherschule unter Kofier, arbeitete 
als Gehilfe in Wien und Pest und machte sich zuerst mit 
seinem Bruder Georg II H. ii Passau selbständig. An- 
fangs 1873 ließ er sich in Linz nieder, wo er eine 
Saiteninstrumentenfabrik und Saitenmacherei be- 
gründete. Er verlegte sich hauptsächlich auf das Zither- 
machen und besitzt dafür etwa 37 Ausstellungs- 
medaiUen. 



^) Nur im Verehelichungsschem seines Sohnes heißt er 
»gewesener Instrumentenmacher«. 



Heidegger, Georg I. — Passau. Geb. 22. Juli 
1815, t 16. März 1859 

Der Vater von Eduard und Albert Heidegger. Er lernte 
in Adorf und begründete in seiner Vaterstadt seine 
Werkstatt als Zithermacher. Nach seinem Tode setzte 
die Witwe das Geschäft fort, das auf die Söhne Albert 
(f 1879) und Georg II (f 1889) überging, nachdem sie 
Johann Hornsteiner geheiratet hatte. Einer gewissen 
Beliebtheit erfreute sich der von Heidegger nach Prof. 
A. Schmids Angaben gebaute Resonanztisch für die 
Elegiezither mit drei Böden und mitschwingenden 
Saiten, der »Aliquodium* genannt wurde. Eine Schlag- 
zither von ihm bewahrt W. Heyers musikhistorisches 
Museum in Köln. 

Gelgenzettel: Georg Heidegger / Musik-Instru- 
mentenmacher in Passau / Repar. 1857 (gedruckt). 

Heil, Johann, lebt in Crefeld und hat das 
Geigenmachen hauptsächlich durch eigenes 
Studmm erlernt 

Heim, Michael. — Wien. 1696. 1713 

Geigen und Lauten von ihm kommen nicht gerade 
selten vor, trotzdem fand sich nichts Urkundliches über 
ihn. Er dürfte jedoch, wie so viele Wiener Laulen- 
macher, seinen Ausgang aus Füssen genommen haben, 
wo der Name Heim mehrfach vorkommt. Seine Arbeit 
ist gut, wenn auch ohne besondere Vorzüge. 

Heims hieß ein um 1830 — 1840 in Amsterdam 
ansässiger Geigenmacher 

Sein Taufname dürfte Joseph gewesen sein. Er war 
nicht ungeschickt und galt als guter Lehrmeister. 

Hein, Martin. — Szekesfehervar (Stuhlweißen- 
burg), Ungarn. Geb. 17. Nov. 1870 in Nagy 

Maros 

Schüler von Schunda in Budapest von 1886^1890, 
arbeitete dann als Gehilfe bei Haudek und Theodor 
Gutermann in Wien und bei Aug. Setzer und er- 
hielt als Gehilfe auf der Millenniumsausstellung in 
Budapest einen zweiten Preis. Im Jahre 1901 machte 
er sich in Stuhlweißenburg selbständig. Er macht außer 
Geigen auch Czimbale und handelt mit allen Musik- 
instrumenten, auch besitzt er mehrere Ausstellungs- 
medaillen. 

Geigenzettel: Javi'totta Hein Märton / Mü hegedü 
keszitö / Szekesfehervar. (geschrieben). — lavitotta 
Hein Märton / hangszer keszitö Szekesfehervärott 19.. 
(gedruckt). 

Heinel. — Markneukirchen 

Als Geigenmacher sind tätig: 

Heinel, Friedrich Ludwig. — Geb. 19. Jan. 

1873 
Heinel, Oskar Bernhard. — Markneukirchen. 

Geb. 7.JuH 1871 (nicht 1874) 

Schüler von Hans Jaeger in Markneukirchen, arbeitete 
von 1888 — 1891 in Dresden und Hamburg als Gehilfe, 



206 



H. 



einel 



Hei 



wo er Gelegenheit hatte, seine Ausbildung allseitig zu 
vervollkommnen. Im Oktober 1893 machte er sich in 
Markneukirchen selbständig und verfertigt recht sorg- 
fältig durchgeführte Violinen, Violen und Violoncelli 
nach Stradivari, Guarneri, Amati und Maggini; er ist 
sehr geschickt in der genauen Nachahmung alter Mei- 
sterwerke, verwendet sowohl Spintus- als auch emen 
selbst zubereiteten feinen Ollack und ist ein sehr ge- 
suchter Reparateur. Als Zettel klebt er den Abdruck 
seines Stempels ein. 

Geigenzettel: Oskar Bernhard Heinel / Streichinstru- 
mentenfabrikation / und / Reparaturwerkstatt / Mark- 
neukirchen 1. Sa. (Stempel). 

Heinel, Otto AdoH. - Geb. 27. Juni 1868 

Heini, Franz Xaver, — Kempten. 1826 

Sein Name findet sich in sehr gewöhnlich gearbeiteten 
Violinen (ohne Einlage) mit dürftigem Lack und un- 
schönem Holz. 

Geigenzettel : Xaver Hemi in der / Neustadt Kempten / 
1826 (gedruckt). 

Heinicke, Mathias. — Wildstem b. Eger. Geb- 
1871 in Maria Kulm (Böhmen) 

Schüler von E. Reinhold Schmidt in Markneukirchen, 
arbeitete längere Zeit in Berlin und Budapest und ging 
dann zu seiner weiteren Ausbildung nach Italien, wo er 
hauptsächlich bei Degani blieb und viel gelernt hat. Im 
Jahre 1897 machte er sich in Wildstem selbständig; 
jetzt gehört er zweifellos zu den geschicktesten Geigen- 
machern Nordböhmens und besitzt eine Anzahl erster 
Ausstellungspreise usw. Er baut nach italienischen und 
eigenen Modellen, letztere zwischen Stradivari und 
Amati liegend (über Form) und zeichnet sich auch 
durch außergewöhnlich treue Kopien bestimmter be- 
rühmter Geigen aus. Er verarbeitet vorzügliches, mehr- 
hundertjähriges Tonholz, das er sich aus alten Kirchen 
usw. zu verschaffen gewußt hat, und verwendet Spiri- 
tus- und Ollack, wobei er namentlich die Farbe des 
Lacks italienischer Meister sehr gut trifft. Sein Bruder 
Josef wurde sein Schüler und hat sich gleichfalls zu 
einem tüchtigen Geigenmacher entwickelt. 

Geigenzettel: Mathias Heinicke Geigenbauer / Wild- 
stein b. Eger 19 Bohemia (gedruckt). 

Heinke, A., war 1895 vorübergehend in Stettin 
ansässig 

Heinl, Johann. — Schnecken b. Fleissen. Geb. 
in Fleissen 1868 

Schüler von .August Bernhardt; war nach beendigter 
Lehrzeit von 1885 — 1890 in der Fabrik von Reinhold 
Schmidt tätig und machte sich 1890 in Schnecken bei 
Fleissen selbständig, wo er jetzt Geigen und Violoncelli 
nach den bekannten italienischen Modellen macht. Er 
verwendet gelbbraunen Spintus- und Ollack. In seine 
Instrumente klebt er die Zettel der Meister, deren 
Modelle er nachahmt. — • Ein Josef Heini lebt in 
Watzkenreuth b. Fleissen als Geigenmacher. 



Heinle, J. — Paris. 1761 

Vermutlich ein Deutscher, der vorübergehend in Paris 
lebte. Es soll bisher nur eine einzige Geige von ihm be- 
kannt sein. 

Heinrich, Andreas. — Schönbach b. Eger 
Geb. in Schönbach (Stadt) 1858 

Sohn von Vinz. Heinrich und Schüler von Anton Pötzl. 
Er arbeitete von 1873—1875 in Markneukirchen, 1875 
in Leipzig und an andern Orten, ging 1876 nach Wien 
und dann nach Budapest, kehrte nach Wien zurück und 
war zuletzt in Breslau tätig, bis er sich 1 881 in Schönbach 
selbständig machte. Er gilt als einer der besten Repa- 
rateure in seiner Vaterstadt. Seine Geigen und Violon- 
celli sind nach italienischen Meistern kopiert und mit 
weichem, sattem Spiritus- und Ollack überzogen. Für 
Händler klebt er den Zettel des Modells m die Geigen, 
für besondere Kundschaften den eigenen Zettel. Er 
wurde auf Ausstellungen mehrfach ausgezeichnet. 

Heinrich, Johann s. Meiß 

Heinrich, Vinzenz. — Schönbach b. Eger. 

Geb. 1825, t 1871 

Er war als Geigenmacher nicht ungeschickt, da er aber 
fast nur für Händler arbeitete und seine Geigen aus 
gelieferten Bestandteilen zusammensetzte, klebte er in 
der Regel keine Zettel ein. 

Heinrichs, Otto. — Berlin. 1895. 1898 

Erfinder der sog. Schoßvioline (einer Art Streich- 
zither), die er jedoch nicht selbst machte. 

Heinzmann, Josef. — Schönbach. 1851. 1859 

Er hatte als Violoncello- und Geigenmacher seinerzeit 
einen gewissen Ruf, benutzte jedoch die Mitarbeit der 
sog. Korpus- und Halsmacher usw. 

Heisele (Aisselle, Eisele), Jakob. — Modena. 

1614. 1629 

Ein deutscher, in Modena ansässiger Geigen- und 
Lautenmacher, auf den zuerst Valdnghi aufmerksam 
machte (Nr. 1428), indem er aus der Chronik von 
Spaccini (vom 10. Okt. 1614) zitiert: ȣ venuto moltidi 
sono un Tedesco habitare, che fa lauti e chittanni et 
simili instromenti, per excelentia« und einige urkund- 
liche Belege beibringt, aus denen u. a. hervorgeht, daß 
H. auch Bögen gemacht hat. 

Hei, Pierre-Joseph. — Lille. Geb. 8. Febr. 

1842 in Mazirot b. Mirecourt, f M.März 

1902 in Lille 

Nachdem er durch acht Jahre in Mirecourt das Geigen- 
machen erlernt hatte, kam er nach Paris zu Seb. Vuil- 
laume, den er zwei Jahre später verließ, um nach Aachen 
zu Darche zu gehen. Im Jahre 1865 eröffnete er seine 
eigene Werkstatt in Lille und machte es sich zur Auf- 
gabe, die großen italienischen Meister (hauptsächlich 
Stradivari, Guarneri, Amati und Maggini) in allen 
Teilen genau zu kopieren, wobei er auch auf den Lack 
besondere Sorgfalt verlegte, den er tatsächlich im Aus- 
sehen dem Cremoneser sehr nahe zu bringen verstand. 



Hei — Heiland 



207 



Seine Geigen sind, was Schönheit der Arbeit und des 
Tons anbelangt, tadellos, und so erhielt er auch auf 
allen von ihm beschickten Ausstellungen erste Preise 
und wurde wiederholt als Juror berufen. Er erfand u. a. 
einen Verlängerungsstachel für das Violoncell und eine 
recht brauchbare Wirbelbefestigung. 

Geigenzettel: Abb. 381. 

Hei, Pierre-Jean-Henry. — Lille. Geb. 15. März 

1884 In Lille 

Sohn von Pierre-Joseph H., lernte bei Bazin in Mire- 
court und schloß seine Ausbildung bei seinem Vater ab, 
dessen Werkstatt er im Jahre 1902 übernahm. Er steht 
seinem Vater nicht nach und erhielt 1904 in St. Louis 
und 1906 in Mailand erste Preise für seine Geigen. 

Held, Georg. — Ellwangen. 1788 

In den Ellwanger Kirchenbüchern kommt sein Name 
nicht vor. Nach einer unverbürgten Nachricht soll er 
Musiker und Tischler gewesen sein, der in der Kapelle 
des Propstes von Ellwangen beschäftigt war. 
Geigenzette