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Full text of "Die Gemäldegalerie des Kaiser-Friedrich-Museums, vollständiger beschreibender Katalog, mit Abbildungen sämtlicher Gemälde, im Auftrag der Generalverwaltung der Königlichen Museen bearbeitet von Hans Posse"

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in 2010 with funding from 

University of Toronto 



littp://www.archive.org/details/diegemldegaler1v2berl 



Königliche Museen zu Berlin 

DIE GEMÄLDEGALERIE DES 

KAISER- FRIEDRICH - MUSEUMS 

Vollständiger beschreibender Katalog 
mit Abbildungen sämtlicher Gemälde 

Im Auftrag der Generalverwaltung der Königlichen Museen 
bearbeitet von Hans Posse 

Erste Abteilung 
Die Romanischen Länder 

Byzanz Italien Spanien Frankreich 
Mit 534 Abbildungen 




Im Verlag von Julius Bard 
Berlin 1909 



V 



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SEP 2 7 1971 



Entwurf des Umschlages 

und des Originaleinbandes von 

E.R.Weiß 

des Wappens auf dem Titelblatt von 

Heinrich Wieynk 

Druck von A. Wohlfeld 
in Magdeburg 







|rst die neueren außerordentlichen Fortschritte in der mechanischen 
Wiedergabe alter Gemälde ließen es möglich erscheinen, der Aus- 
gabe eines Kataloges unserer Galerie mit Nachbildungen sämtlicher 
I ^ Gemälde näher zu treten. Die mannigfachen Schwierigkeiten, die sich 
der Ausführung entgegenstellen, wenn man den künstlerischen An- 
r) ]<0^dlv' ^P''"'^^^" in gleicher Weise wie den wissenschaftlichen gerecht werden 
^^L^^HBrii will, sind, wie wir hoffen dürfen, glücklich überwunden, dank der 
Unterstützung der Verlagsanstalt Julius Bard, die auf den Katalog alle Sorgfalt ver- 
wandt hat. 

Um nicht durch Vermischung der Gemälde der verschiedensten Schulen eine 
ungünstige Wirkung hervorzurufen, und um das Studium der zusammengehörigen 
Werke zu erleichtern, ist das Verzeichnis nach Schulen und Meistern angeordnet. 
Da der Gegenstand der Darstellung sich aus der trotz des beschränkten Umfanges 
doch scharfen Abbildung ergibt, ist im Text auf eine Beschreibung ganz verzichtet, 
und statt dessen das, was die farblose Wiedergabe nicht bietet, eine Analyse der 
Farben, Valeurs und des Tons, gegeben. 

Dr. Posse, in dessen Händen die Bearbeitung des Kataloges lag, hat sich 
dieser schwierigen Aufgabe unterzogen, die hier zum erstenmal in einem Katalog 
alter Meister gestellt worden ist. Dabei mußte sich die Art der Beschreibung — die 
natürlich nur der Erinnerung als Stütze dienen, nicht die Anschauung ersetzen kann — 
dem Gange der malerischen Entwicklung anpassen: von der ins Einzelne gehenden 
Angabe der Farben wurde allmählich zu einer auf die Gesamtheit des koloristischen 
Eindruckes gerichteten Darstellung überzugehen versucht. 

Die Bilder der Sammlung J. Simon sind durch ein „S" vor der Nummer kennt- 
lich gemacht. 

Leihweise ausgestellt sind für einige Jahre die Sammlung v. Carstanjen, sowie 
sechs Bilder der Sammlung v. Wesendonk. Diese Bilder sind nicht in den Katalog 
aufgenommen. 

Für den Gebrauch des Verzeichnisses ist Folgendes besonders zu beachten: 

In den Beschreibungen der Bilder sind die Bezeichnungen „rechts" und „links" 
stets vom Standpunkte des Beschauers gemeint; die Größe der Bilder ist nach dem 
Metermaße angegeben, und zwar innerhalb des Rahmens; wo das Bindemittel der 
Farbe nicht besonders angegeben ist, handelt es sich um Ölgemälde. 

Dem vorliegenden ersten Teil, der die romanischen Schulen umfaßt, wird in 
wenigen Monaten der zweite Teil mit den germanischen Schulen folgen. 



DER DIREKTOR DER GEMÄLDEGALERIE 
BODE 



V 



ZUR GESCHICHTE 
DER GEMÄLDEGALERIE 



Die Berliner Gemäldegalerie entstand als letzte unter den großen europäischen Sammlungen. 
Zwar hatte schon der Große Kurfürst, dann vor allem Friedrich der Große eine nicht un- 
erhebliche Anzahl von bedeutsamen Werken der älteren Kunst durch Erbschaft und Kauf erworben, 
der Gedanke aber, eine umfassende Gemäldesammlung zu schaffen, ist erst im 19. Jahrhundert auf- 
getaucht, zu einer Zeit, da die großen Galerien des Kontinents bereits in sich abgeschlossen, die Er- 
werbungsgelegenheiten weniger m.annigfaltig als früher, die Bilderpreise schon auf eine ansehnliche 
Höhe gestiegen waren. Trotz der ungünstigeren Verhältnisse haben glückliche Erwerbungen und 
der Sinn für historische Entwicklung schon von Anfang an der Galerie ihre universelle Richtung vor- 
gezeichnet, ihre heute neben der Londoner National Gallery einzigartige Vielseitigkeit an Bildern 
aller Schulen und Epochen vorbereitet. 

Der Plan einer Museumsbildung ist unter König Friedrich Wilhelm III. gefaßt und durch- 
geführt worden. Anfangs hatten die Napoleonischen Kriegszeiten das Projekt zurückgedrängt. Die 
königlichen Kunstsammlungen erlitten 1806 den härtesten Schlag, als Napoleon die besten Antiken 
und Gemälde nach Paris schleppen ließ, von wo sie erst nach dem zweiten Pariser Frieden, wenigstens 
zum größten Teil, wieder an ihre alte Stätte zurückgeführt wurden. Erst nach Beendigung des Krieges 
ist der Plan wieder aufgenommen und durch Erwerbung zweier wichtiger Sammlungen, der Sammlungen 
Giustiniani und Solly, deren Bestand mit einer Auswahl von Gemälden des königlichen Besitzes zu 
einem Ganzen verschmolzen wurde, der Grundstock der Berliner Galerie gebildet worden. 

Eine Kabinettsorder des Königs vom 24. April 1823 befahl die Aufführung des am Lustgarten 
zu errichtenden Museums, das außer den übrigen königlichen Sammlungen vor allem die neu- 
gebildete Gemäldegalerie aufnehmen sollte. Am 3. August 1830 wurde der von Schinkel ausgeführte 
Bau eröffnet. 

Den ältesten Kern der Berliner Galerie bilden die Gemälde des königlichen Besitzes. 
Die ersten Erwerbungen führen in die Zeiten des Großen Kurfürsten zurück, der nach Gregorio 
Letis Bericht [1687] ein Gemach voll von Gemälden van Dycks, darunter eine Abnahme vom Kreuz 
[vielleicht Nr. 778?] besaß. Gottfried Bartsch stach im kurfürstlichen Schlosse van Dycks „Maria 
mit den bußfertigen Sündern" [Nr. 787]. An den Kurprinzen [nachmals Friedrich III.] fielen 1667 
20 — 30 Gemälde, darunter mehrere Bildnisse Willem van Honthorsts [wohl Nr. 1008, 1009, 1017], 
die Jagd Dianas von Rubens [Nr. 774] und die Kinder Karls I. von van Dyck [Nr. 790] als Erbe 
seiner Großmutter, der Prinzessin Amalie von Nassau -Oranien, Gemahlin Friedrich Heinrichs. Aus 
demselben Besitz gelangte Diepenbeecks Flucht der Clölia [Nr. 964] an das kurfürstliche Haus. 

Einen bedeutenden Zuwachs erhielt die Sammlung durch die große Oranische Erbschaft, die 
nach dem Tode König Wilhelms III. von England an König Friedrich Wilhelm I. als Nachkommen 
der Gemahlin des Großen Kurfürsten, Luise Henriette von Oranien, gelangte. Aus dem Gemälde- 
bestande des alten Hofs im Haag, aus Honslaerdyk und dem Haus im Bosch sind noch 1742 im 
Auftrage Friedrichs d. Gr. durch Knobelsdorff Gemälde für die königlichen Schlösser ausgewählt worden. 

Systematischer und mit einer ausgesprochenen Vorliebe für bestimmte Perioden hat Friedrich 
der Große Bilder gesammelt. Sein Geschmack an dekorativen Werken entsprach dem großen Be- 
darf zur Ausschmückung der königlichen Schlösser. Sein stärkstes Interesse hat der König der fran- 
zösischen Malerei seiner Zeit entgegengebracht. Watteau, sein Lieblingsmaler, Lancret, Pater, Boucher 
u. a. waren z.T. mit Hauptwerken vertreten. Später wandte sich sein Geschmack mehr den vlämischen 
und italienischen Malern des großen Stils zu. In der Galerie von Sanssouci, seiner Lieblingsschöpfung 
seit 1756, überwogen bald Gemälde von Rubens und van Dyck. Das alte Verzeichnis der 37 Ge- 

Vlll 



mälde, die 1742 in Honslaerdyk ausgewählt wurden, führt Bilder von Rembrandt, Rubens, van Dyck, 
Dujardin u. a. auf. Auch die jetzt im Museum befindliche Darstellung Dianas neben erlegtem Wild 
von Fyt [Nr. 967] scheint dieser Auswahl zu entstammen. Von den Italienern ist Tintoretto, Vero- 
nese, G. Reni und L. Giordano [das Urteil des Paris, Nr. 441] vorhanden. Bei Batoni in Rom be- 
stellte der König die Vermählung der Psyche [Nr. 504]. Vor allem aber gelang ihm die Erwerbung 
eines Hauptwerks der italienisdien Malerei wie Correggios Leda [Nr. 218, 1755 zusammen mit der 
alten Kopie der Jo — Nr. 216 — in Paris erworben]. 

Von diesen in den Schlössern zu Berlin. Charlottenburg, Potsdam und Sanssouci zerstreuten 
Gemälden, die nach dem Inventar von 1812 eine Gesamtzahl von 2 244 Stück erreichten, wurden 
1829 — wie schon 1820 in Aussicht genommen — 378 Bilder für das Museum ausgewählt. Doch 
sind nur 346 der Galerie eingefügt worden. Dieser Grundstock bot an Italienern einige Meister- 
werke des 16. Jahrhunderts aus der venetianischen [Nr. 169 P. Bordones Schachspieler; Nr. 174 
Palma, Porträt; Nr. 190 Calcar, Porträt] und lombardischen Schule [vor allem Correggios Leda; 
Melzis Pomona und Vertumnus], auch gute Stücke des 17. und 18. Jahrhunderts. Ein Hauptwert 
dieser Auswahl aber beruhte auf den Bildern der französischen Schule des 17. Jahrhunderts 
[N. Poussin, Jupiters Erziehung; Helios und Phaeton], besonders aber des 1 S.Jahrhunderts [Watteau, 
Lancret usw.] und auf der stattlichen Anzahl holländischer und vlämischer Bilder, unter denen wieder 
Rubens und seine Schüler mit Altargemälden und großen mythologischen Malereien hervorragten. 
Der Rubenssaal im Kaiser -Friedrich -Museum verdankt zum großen Teil dieser Auswahl seinen hohen 
Grundbestand. Auch ein Teil des Reichtums an vlämischen Meistern des Sittenbildes [D. Teniers d. J.], 
des Tierstücks und Stillebens [F. Snyders, Fyt, Seghers] entstammt den königlichen Schlössern. Von 
den Holländern des 1 7. Jahrhunderts war vor allem Rembrandt mit sieben Werken vertreten, aber 
auch seine Nachfolger wie G. Flinck, Livens, Eeckhout, S. Koninck und G. Horst [die letzteren mit 
sehr umfangreichen Gemälden]. Zwar fehlte es an Bildern der zeitgenössischen Hauptmeister wie 
J. Steen, G. Dou usw., doch trat dafür eine um so größere Zahl von kleinen Meistern des bürger- 
lichen und bäuerlichen Sittenbildes, des Bildnisses, und in besonderer Vollständigkeit die Landschafts- 
und Seemalerei, das Stilleben und das Tierstück ein. 

Von den 157 Gemälden der römischen Galerie Giustiniani, die der Kunsthändler Bonnemaison 
in Paris ausstellte, wurde 1815 eine Auslese von 73 Nummern getroffen, nachdem schon früher 
einige wertvolle Stücke wie Dom. Ghirlandaios „Judith" [Nr. 21] und Terborchs „Väterliche Er- 
mahnung" [Nr. 791] angekauft worden waren. Die Stärke dieser Sammlung, die um das Jahr 1600 
MarcheseVincenzo Giustiniani in Rom, z.T. noch aus den Händen der Maler selbst, zusammengebracht 
hatte, lag in dem reichen Bestand an Hauptwerken des italienischen Seicento, u. a. an Bildern 
Annibale Carraccis und seiner Schüler, G. Renis [Nr. 373], vor allem Caravaggios, der mit sieben 
Werken aus allen Schaffenszeiten in keiner Sammlung reichhaltiger und besser vertreten war. Doch 
hat diese Erwerbung auch einige Werke der Hochrenaissance geliefert, vor allem die drei Bildnisse 
von Lorenzo Lotto. 

Weit wichtiger und für den Charakter der neuen Berliner Galerie bestimmend war die Erwer- 
bung der Sammlung des in Berlin ansässigen englischen Großkaufmanns Eduard Solly [1821]. 
Diese reiche, wenn auch etwas wahllos zusammengebrachte Sammlung umfaßte 3 000 Gemälde, von 
denen ebenfalls nur eine Auswahl von 677 Stück für das neue Museum bestimmt wurde. Ihr einzig- 
artiger Reichtum bestand in einer Fülle von z. T. monumentalen Werken der italienischen Malerei. 
Vom Trecento ab, das durch einen Teil charakteristischer Werke vertreten war, bot sie ein glänzendes 



IX 



und anschauliches Bild der Entwicklung der italienischen Malerei durch das ganze Quattrocento, in 
einer Vollkommenheit und Reichhaltigkeit an Werken der Hauptmeister und der verschiedenen 
Schulen wie in keiner anderen Sammlung. Die erste Stelle an Zahl und Güte nahm die florentinische 
Schule des 15. Jahrhunderts ein mit den Altartafeln und Gemälden von Botticelli, Fra Filippo und 
Filippino Lippi, Piero Pollaiuolo, Verrocchio, C. Rosselli, Raffaellino del Garbo, der Schule Ghir- 
landaios, Pieros di Cosimo und aller der Meister zweiten und dritten Ranges, die dieser Schule die 
reiche Mannigfaltigkeit verleihen. Gleichwertig stand ihr die Schule von Venedig mit Hauptwerken 
von Alvise Vivarini, Gio. Bellini, Cima, Antonello da Messina, Carpaccio u. a. zur Seite. Daneben 
waren alle Schulen wenigstens durch ihre Häupter repräsentiert: die ferraresische durch die mächtigen 
Altarwerke Cosme Turas und Marco Zoppos, die paduanische durch Mantegna, die umbro-toskani- 
sche durch Signorelli und Melozzo, ebenso, wenn auch durch geringere Werke, die Umbrer, die 
Lombarden usw. Auch das Cinquecento wies eine bedeutende Zahl von Gemälden auf. Die Tos- 
kaner waren durch Bugiardini, Franciabigio, Pontormo, Ridolfo Ghirlandaio vertreten, die Venetianer 
durch Bordone, Catena, Lotto, Montagna, Gir. dai Libri, Moroni, Tintoretto, Romanino, Santa Croce, 
Savoldo usw., die Lombarden durch Boltraffio, G. Ferrari, Sacchi, Bologna durch Francesco Francia, 
seine Söhne und Innocenzo da Imola, die Ferraresen durch Panetti, Dosso, Garofalo, Mazzolini u. a. 
Doch fehlten gerade hier die Namen der Hauptmeister, unter denen nur Raffael durch eine frühe 
Madonna [Nr. 141] und Tizian durch sein aus Casa Barbarigo stammendes spätes Selbstporträt ver- 
treten waren. Hier ebenso wie in der niederländischen Schule des 15. Jahrhunderts fanden sich Lücken, 
die erst nach und nach ausgefüllt worden sind. Dafür bot die altniederländische Schule den glän- 
zendsten Ersatz in den Tafeln des Genter Altars, des berühmten Hauptwerks der Brüder van Eyck. 
Reicher war der Bestand an Werken derselben Schule im 16. Jahrhundert. Er ergänzte sich 
hier ebenso wie in der vlämischen und holländischen Schule des 17. Jahrhunderts [hier ein großes 
Gemälde Rembrandts, Jakob mit dem Engel ringend, Nr. 828 und Horsts Darstellung der Großmut 
Scipios, Nr. 824] mit den gleichartigen Werken aus den königlichen Schlössern. Die deutschen Schulen 
waren ebenfalls durch eine Reihe von charakteristischen Werken vertreten, von den älteren des 

15. Jahrhunderts besonders die kölnische und niederrheinische [darunter der Meister des Marien- 
lebens, damals Meister der Lyversberger Passion gen., Nr. 1235], auch mit einzelnen guten Stücken 
die mittel- und oberrheinische Malerei [Nr. 562 Schule Schongauers]. Bedeutenderes bot das 

1 6. Jahrhundert mit Werken von Cranach d. Ä. und seiner Schule, G. Pencz [Bildnisse des Malers 
Schwetzer und seiner Gattin], Altdorfer, Schäufelein. Alles aber überragte H. Holbeins d. J. Haupt- 
werk, das Bildnis des G. Gisze [Nr. 586]. Daneben empfand man den Mangel an Werken seines 
größten Landsmannes Albrecht Dürer besonders schwer. 

Während auf allen Gebieten, die in der Sammlung Solly mittelmäßig oder gar nicht [wie die 
französische Schule] vertreten waren, die Bilder aus den königlichen Schlössern eintraten, ist hier wie 
auch in der spanischen Schule, von der nichts von Bedeutung vorhanden war, bis in die neuere Zeit 
eine Schwäche zu beklagen gewesen. Diese Lücken zu ergänzen, das Vorhandene im Sinne einer 
historischen Sammlung auszubauen, ist man in der Folgezeit durch Einzelerwerbungen bemüht gewesen. 

In dem Jahrzehnt von 1820 — 1830 gelarig die Erwerbung einiger Bildnisse von G. Pencz 
und Amberger [Kosmograph Münster], von Werken Cranachs und H. Baidungs [Kreuzigung Nr. 603]. 
1823 wurde die schöne Madonna von Qu. Massys angekauft, im selben Jahre als Ergänzung der 
originalen Teile des Genter Altars die alten, für Philipp II. angefertigten Kopien M. van Cocxies. 
Ein vorteilhafter Tauschhandel mit Solly brachte sieben weitere Bilder in die Sammlung, darunter 



X 



das feine Bildnis von Antonello da Messina [1832] und Mantegnas Porträt des Card. Mezzarota 
[1830]. Vor allen kamen den Schwächen der italienischen Schule einige Erwerbungen Rumohrs 
in Italien zugute. 1827 wurde Raffaels Madonna Colonna, 1829 die frühe Madonna mit zwei 
Heiligen aus dem Besitze des Barons v. d. Ropp erworben, so daß die Galerie mit der Madonna 
SoUy jetzt drei Werke Raffaels besaß, 1829 in Italien die große farbenreiche Altartafel Botticellis 
[Maria mit den beiden Johannes, Nr. 106], die reizvolle mythologische Darstellung mit Venus, Amor 
und Mars von Piero di Cosimo [Nr. 107], außerdem ein Bildnis von Franciabigio [Nr. 245]. Im 
Jahre 1830 war die Gesamtzahl der Bilder, 111 Einzelerwerbungen einbegriffen, auf 1207 gestiegen, 
eine Zahl, die dem jetzigen Bestand gerade gleichkommt, obgleich nahezu die Hälfte desselben aus 
neueren Ankäufen besteht. 

In der Folgezeit war man bestrebt, die italienischen Schulen des 16. Jahrhunderts durch Er- 
werbung von Hauptstücken zu ergänzen. 1832 konnte in Florenz ein Meisterwerk Tizians, das 
Bildnis seiner Tochter Lavinia, im folgenden Jahre die Altartafel der Ancajani von Spagna [Nr. 150], 
1836 in Paris ein Hauptwerk Andrea del Sartos [Nr. 246] erworben werden. Reichhaltiger waren 
die Ankäufe Waagens auf einer 1841/42 nach Italien unternommenen Reise, obgleich sie ihr eigent- 
liches Ziel, die Erwerbung bedeutender Werke der großen Meister des Cinquecento, verfehlte. Der 
Erfolg dieser Reise war der Gewinn einer Anzahl dekorativer venetianischer Gemälde aus der 
Sammlung des Grafen Lecchi zu Brescia, darunter Morettos schöne Allartafel mit den Stiftern 
[Nr. 197], drei Bilder Tintorettos [300, 310, 316], Paolo Veroneses Deckenmalereien aus dem Fondaco 
dei Tedeschi und Pal. Pisani zu Venedig, Tizians Bildnis des Admirals Gio. Moro [Nr. 161], außerdem 
ein Bildnis von G. B. Moroni [Nr. 193]. Das Porträt des Grafen Fugger von Catena [1841 in 
München erworben] schließt sich hier an. Auf derselben Reise wurde auch die erst elf Jahre später 
ins Werk gesetzte Erwerbung von Raffaels Madonna di Terranuova [Nr. 247 A] vorbereitet. 

Auch für das Trecento [Ankäufe Rumohrs, besonders für die sienesische Schule] und das 
Quattrocento haben die Erwerbungen nach 1830 einigen Zuwachs gebracht. Hier sind außer der 
Altartafel Giovanni Santis [1842] und einigen unbedeutenderen Erwerbungen aus der umbrischen 
Schule vor allem Gentiles da Fabriano Altarbild [1836] und Antonio Vivarinis Anbetung der Könige 
[1844] zu erwähnen. 

Mit größerem Erfolg ging man an die Vermehrung des noch kleinen Besitzes altniederländischer 
Bilder. Hier konnten eine Anzahl kleiner Altäre Rogers van der Weyden [unter ihnen das Altarbild 
mit dem Stifter Peeter Bladelin aus der Kirche von Middelburg, ein Hauptwerk des Meisters, 1834; 
und der Johannesaltar, 1850], zwei Flügel [Nr. 533, 539] von dem beglaubigten Hauptwerk des 
Dirk Bouts, dessen Mittelstück sich noch in der Peterskirche zu Löwen befindet, und die bezeichneten 
und datierten Flügel eines Altarschreins von Petrus Cristus [Nr. 529 A und B] erworben werden. 

Schon 1841/42 waren einige Werke der ältesten westfälischen und schlesischen Schule [z. B. 
1217, 1219/21] in die Galerie gelangt. Einen weiteren Zuwachs erhielt um 1850 die deutsche 
Schule durch Werke B. Strigels [damals Meister der Sammlung Hirscher gen.], Burgkmairs, Zeitbloms. 
Die vlämische Schule des 17. Jahrhunderts wurde durch van Dycks Bildnis des Prinzen von Carignan 
[1835], durch C. de Vos' Doppelbildnis seiner Töchter [1837], durch Bilder von Jan Breughel, 
Snyders, Seghers und Fyt ergänzt. Bedeutender waren die Erwerbungen der holländischen Schule. 
Namentlich füllte hier der Ankauf einer Anzahl guter Werke aus der Sammlung Reimer zu Berlin 
[1843 versteigert] einzelne Lücken. Außerdem wurden — um nur die wichtigsten zu nennen — 
erworben: Metsu, Familie Gelfing [1832] und die Köchin [1861]; Terborch, die Familie des Schleifers 



XI 



[1837]; Bilder von Dujardin, A. v. d. Neer, F. Bol, Victors und vor allem vier vortreffliche Bildnisse 
von Frans Hals [1840—43; 800 und 801, 766 und 767]; dazu Landschaften von A. Cuijp, 
J. v. Ruisdael, S. v. Rujsdael, A. v. de Velde, Everdingen, des Haarlemer J. v. d. Meer u. a.; Stilleben 
von J. de Heem, J. Weenix, J. v. Huysum; Bildnisse von Verspronck, A. v. d. Tempel, Nasen, 
Janssens, Netscher. 

Zu dem kleinen Bestand an französischen Gemälden kamen Lebruns großes Familienbild [1837] 
und einige Bildnisse von A. Pesne [Friedrich d. Gr., 1841; Kupferstecher Schmidt, 1845] hinzu. 

Völlig neu zu schaffen galt es einen Stamm für die spanische Schule. Schon in den ersten 
Jahren gelang die Erviferbung eines Hauptbildes der Sammlung, des hl. Antonius mit dem Christ- 
kinde von Murillo [1835]. Ihm folgten 1852 die Ankäufe aus der Sammlung des Marschalls Soult 
zu Paris: Zurbaran, Vorgang aus dem Leben des hl. Bonaventura; Cano, die hl. Agnes und Roelas 
[414A]. Dazu kam 1836 als Geschenk das Bildnis Carls II. von Carreüo. 

Verschiedene Umstände, namentlich Schwierigkeiten innerhalb der Verwaltung, waren die Ursache, 
daß seit etwa 1855 bis 1872 nur noch vereinzelte Erwerbungen für die Galerie gemacht werden 
konnten. Alle Bemühungen, auf den großen Auktionen Pourtales, Pommersfelden, Salamanca mit 
den ersten auswärtigen Vertretern des Kunsthandels zu konkurrieren, schlugen fehl, weil man die 
Mittel nicht auf einzelne Hauptwerke konzentrieren wollte. 

Der neue Aufschwung seit den Jahren 1870/71 ist auch den königlichen Museen zugute ge- 
kommen. Zwei Umstände vor allem haben eine Neubelebung bewirkt: die Ernennung des Kronprinzen 
zum Protektor und die Bewilligung weit größerer Geldmittel für Erwerbungen. So wurde es möglich, 
im Jahre 1874 die Galerie Barthold Suermondt in Aachen, damals die größte und bedeu- 
tendste Privatsammlung Deutschlands, anzukaufen. Sie hat der Galerie einige Meisterwerke der alt- 
niederländischen Malerei, voran den Mann mit den Nelken und Maria in der Kirche von Jan van Eyck, 
auch einige wertvolle deutsche Bilder, darunter zwei gute Bildnisse von Holbein [586B — C], Bilder 
von Altdorfer und Baidung zugeführt. Der Schwerpunkt der Sammlung aber bestand in einer Reihe 
von auserlesenen holländischen Kabinettbildern des 17. Jahrhunderts, die bisher in der Galerie nur 
mäßig vertreten waren. An erster Stelle standen: Jan Vermeer van Delft, „das Mädchen mit dem Per- 
lenhalsband", ein Hauptstück der Galerie, Terborchs Bildnisse des Ehepaares van Marienburg, Jan 
Steen mit zwei Bildern, Frans Hals mit vier Hauptwerken: der Hille Bobbe [801 C], den Bildnissen 
eines jungen [801 F] und eines älteren Mannes [801 E] und der Amme mit dem Kinde [801 G]; 
J. van Ruisdael mit fünf Bildern, dann Aelbert Cuijp, A. v. d. Neer, Everdingen, Wouwerman, A. v. 
de Velde u. a. Auch die Stilleben- und Blumenmaler, sowie kleine, aber seltene Meister der ver- 
schiedenen Fächer [z. B. Hercules Seghers] waren durch Werke vertreten. Von Vlamen brachte die 
Sammlung Suermondt mehrere Bilder von D. Teniers d. J., von Snyders, Fyt u. a Wichtig war 
auch der Zuwachs an Bildern der immer noch ärmlich vertretenen spanischen Schule: den Bildnissen 
der Maria Anna von Velazquez und Philipps II. von Coello, vor allem aber dem hl. Sebastian von Ribera. 

Schon 1873 setzten außerdem wieder bedeutendere Einzelankäufe ein. Dem Quattrocento 
wurden einige neue Hauptstücke zugeführt: Signorellis Pansbild [79A] und Verrocchios Maria 
mit dem Kinde [104 A]. Von ersterem konnte 1875 auch das kleinere Rundbild der Heimsuchung 
angekauft werden, von Botticelli zwei Bildnisse, darunter das des Giuliano de' Medici [1875 und 1878, 
aus Pal. Strozzi], von Pinturicchio ein Reliquiarium [1875] und zwei Predellenbilder von Masaccios 
Pisaner Altarwerk [1880]. 



XII 



Trotz der Seltenheit der Hauptwerke des Cinquecento im Handel gelang doch der Ankauf 
von Tizians Tochter des Roberto Strozzi [1878, aus Pal. Strozzi], daneben von Werken Sebastianos 
del Piombo [259 A], Bronzinos [Bildnis des Ugol. Martelli, 1878, aus Pal. Strozzi], Franciabigios, 
Moronis, Schiavones [zwei Landschaften] und Savoldos. Als Hauptstück der erst später ausgebauten 
venetianischen Schule des 18. Jahrhunderts trat Tiepolos Martyrium der hl. Agathe [1878] hinzu. 

Die deutsche Schule konnte durch zwei Werke Altdorfers [638B und C] und das Hauptbild 
Hans von Kulmbachs [Anbetung der Könige; alle drei 1876 aus der Sammlung F. Lippmann, Wien], 
sowie durch einige frühe Kölner Tafeln ergänzt werden. Bei der neuen Aufstellung der deutschen 
Bilder im Jahre 1880 bot diese Schule mit den zwei Altaraufsätzen aus der Wiesenkirche zu Soest 
aus dem 13. Jahrhundert ein anschauliches und wesentlich vollständigeres Bild der Entwicklung. 

An Werken der vlämischen Schule wurden gleichzeitig einige bedeutende Werke gewonnen, 
vor allem von Rubens ein Frühwerk, der hl. Sebastian [1879], und die feine kleine Beweinung 
Christi [1880]. 

Zu der durch den Erwerb der Sammlung Suermondt zu besonderer Bedeutung gelangten Ab- 
teilung holländischer Bilder kamen hinzu: P. de Hoochs sonniger Innenraum mit Mutter und Kind 
[1876] und das erst neuerdings diesem Meister zugeteilte geschlachtete Schwein [1879; damals 
N. Maes gen.]; Jan v. d. Cappelle, Stille See [1876]; Terborch, fünf Bilder; A. v. Ostade mit 
Werken aus den verschiedenen Schaffenszeiten; J. v. Ruisdael; vor allem aber das Bildnis des 
Tyman Oosdorp, ein spätes Hauptwerk des F. Hals [1877], der nunmehr glänzend in der Galerie 
vertreten war. Von Rembrandt konnte 1879 das Bildnis der Hendrikje Stoffels erworben werden. 

Von den gleichzeitigen Einzelerwerbungen der französischen Schule seien noch N. Poussins 
römische Landschaft mit dem hl. Matthäus aus Pal. Sciarra [1873], die Bildnisse von Largilliere [1875] 
und Trinquesse [1874], ein Mädchenkopf von Grenze [Geschenk I. M. der Kaiserin Friedrich, 1873] 
und aus der spanischen Schule das dem Velazquez zugeschriebene imposante Bildnis des sog. Feld- 
hauptmanns Borro [1873 Florenz] genannt. 

Wie schon einmal im Jahre 1843 machte die große Zahl dieser Neuerwerbungen [reichlich 300] 
eine Durchsicht des gesamten Bestandes und die Ausscheidung des Mittelgutes, besonders der vielen 
Schulbilder notwendig, die durch ihre Masse das Gute erdrückten. Diese Sichtung, der namentlich 
eine Zahl von gleichgültigen Bildern des italienischen Cinque- und Seicento zum Opfer fielen, die 
aber auch aus dem Vorrat manch gutes Stück zutage förderte, wurde zugleich bedingt durch den 
Umbau der Galerieräume, die Schaffung neuer, durch Oberlicht erhellter Säle und kleiner Kabinette 
und die damit verbundene wirkungsvollere Neuaufstellung ganzer Teile der Sammlung. 

Als Nachfolger J u 1 i u s Meyers übernahm Wilhelm Bode, der schon 1872 in die Verwaltung 
des Museums eingetreten war, 1890 allein die Leitung der Gemäldegalerie. Durch regelmäßige 
Ankäute ist die Sammlung seit dieser Zeit weiter beträchtlich und systematisch erweitert worden. 
Zunächst konnte einem bei dem Umfang der Sammlung besonders fühlbaren Mangel abgeholfen 
werden. Von dem Hauptmeister der deutschen Schule Albrecht Dürer gelang im Verlaufe weniger 
Jahre die Erwerbung von sieben Gemälden, darunter das berühmte Bildnispaar des Hieronymus 
Holzschuher [1884] und des Jakob Muffel [1883], die in Venedig entstandene farbenprächtige 
Madonna mit dem Zeisig [1892] und das Porträt Friedrichs des Weisen, ein Frühwerk des Meisters 
[1882]. Auch von Hans Holbein d. J. wurde 1897 ein viertes Bildnis, das koloristisch reizvollste 
der Galerie, auf der Versteigerung Millais erworben. 



XIII 



Die altniederländische Schule konnte durch zwei Hauptstücke bereidiert werden: durch das Bildnis 
des Giovanni Arnolfini von Jan van Eyck [1886] und durch das einzige beglaubigte Werk A. Ouwaters 
[1889], die niederländische Schule des 16. Jahrhunderts durch das feine Brustbild einer Magdalena 
von Qu. Massys und ein aus der Sammlung des Herzogs von Marlborough zu Blenheim stammendes 
Bildnis Joos van Cleves d. J. [1885]. 

Aus der letzteren Sammlung gelangte auch das große Bacchanal und die Andromeda von Rubens 
[beide 1885 erworben] in die Galerie. Schon 1881 war die Darstellung von Neptun und Amphi- 
trite aus der Sammlung Schönborn in Wien angekauft worden, so daß der Hauptmeister der vlämischen 
Schule jetzt, wenn auch nicht so reich wie in München, Wien oder Madrid, doch in einer Viel- 
seitigkeit und Qualität vertreten war, die seinen künstlerischen Entwicklungsgang klar vor Augen 
zu führen imstande war. Nur von Rubens als Landschafter gab es keine Probe in der Galerie, bis 
1898 zwei Stücke aus der Sammlung Clinton Hope [776D und E] auch diese Lücke ausfüllten. 

Besonders der Bestand der holländischen Schule hat durch die neueren Erwerbungen ge- 
wonnen. Hier war es vor allem Rembrandt, der dank der Ankäufe jener Jahre mit Haupt- 
schöpfungen ersten Ranges in Berlin vertreten ist. Die „Vision Daniels", die „Susanna", „Joseph und 
Potiphars Weib" [alle drei 1883 in Paris erworben] sind kostbare Proben aus Rembrandts bester 
Zeit, der Mennonitenprediger Anslo [1894] ein seinen Hauptschöpfungen gleichwertiges, auch dem 
Umfange nach sehr bedeutendes Bild. 1892 ist dann die figurenreiche Predigt Johannis d. T., 
1897 „Rembrandts Bruder mit dem Goldhelm" hinzugekommen. Schon 1881 war als Gabe 1. M. 
der Kaiserin Friedrich der „Geldwechsler" in die Sammlung gelangt, interessant als eines der beiden 
frühesten bezeichneten Bilder des Meisters. Unter den zahlreichen Erwerbungen von Werken der 
Zeitgenossen Rembrandts sind als die bedeutendsten Terborchs „Konzert" [1891], und Jakob van 
Ruisdaels „Eichenwald" [1891] zu nennen. Einige treffliche Werke der in der Galerie immer noch 
schwach vertretenen Kleinmeister, wie N. Maes [81 9 C], A. v. d. Velde [922 C] und J. v. d. Heijde 
[1623], lieferte der Ankauf aus der Sammlung Clinton Hope [1898]. 

Dem an und für sich schon glänzenden Bestand der italienischen Schulen konnten noch manche 
wertvolle Werke, besonders des Quattrocento, eingereiht werden. Für das Trecento wurde 1884 
ein Teil der Predrella von Duccios berühmtem großem Altarwerk im Dom zu Siena erworben, für 
das Quattrocento u. a. ein desco da parto Masaccios mit der Darstellung einer Wochenstube [1883], 
Antonio Pollaiuolos „David" [1890], Domenico Venezianos Frauenbildnis [1897] und Signorellis 
Männerporträt [1894]. Von venetianischen Bildern ist besonders Crivellis große Altartafel [1892], 
zu nennen, von Werken derselben Schule des 16. Jahrhunderts Palmas schönes Frauenbildnis [1884], 
Giorgiones Jünglingsporträt [1891], die „Dorothea" Sebastiano del Piombos aus der Sammlung des 
Herzogs von Marlborough zu Blenheim [1885] und Tintorettos Verkündigung [1899]. 

Unter den Erwerbungen der Zeit bis 1900 ragt schließlich noch des Velazquez Bildnis einer 
Dame [1887] hervor. Für die französische Schule konnte als erstes primitives Bild eine stattliche 
Tafel, der Flügel eines Diptychons von Jean Fouquet erworben werden [1896]. Aus den kgl. 
Schlössern wurde 1889 Watteaus unvollendete „Gesellschaft im Freien" überwiesen. 

Die trotz der mehrfach vorgenommenen Sichtung des Gemäldebestandes immer stärker an- 
schwellende Masse der Bilder und die starke Vermehrung, welche auch die mit der Gemäldegalerie 
verbundene plastische Abteilung erfahren hatte, legte den Gedanken eines Neubaues nahe, der die 
Sammlungen der Malerei und Plastik der christlichen Epochen bis zum Jahre 1800, zu einem Ganzen 



XIV 



vereint, aufnehmen sollte. So wurde in den Jahren 1897 — 1903 das Kaiser-Friedrich-Museum 
auf der hintersten Spitze der Museumsinsel erbaut und am 18. Oktober 1904 eröffnet. 

In Verbindung mit dem Museum steht eine schon vor Beginn der Bauperiode [1896] geschaffene 
Organisation, der Kaiser-Friedrich-Museums-Verein. Durch seine Tätigkeit ist die Entwick- 
lung der Galerie im letzten Jahrzehnt besonders gefördert worden. Der Verein übergibt die von 
ihm auf Vorschlag der Galerieverwaltung erworbenen Kunstwerke dem Museum zu dauernder Auf- 
stellung und erwirbt teurere Kunstwerke in der Absicht, sie demselben zu den Ankaufspreisen zu 
überlassen. Mit seiner Hilfe wurde eine Anzahl hervorragender Gemälde erworben, wie das Bildnis 
des Estienne Chevalier von Fouquet, das Männerbildnis Holbeins aus der Millaissammlung, Rem- 
brandts Bruder mit dem Goldhelm, die holländischen Bilder der Sammlung Clinton Hope u. a. m. 
Wie der Verein, so haben namentlich auch einzelne seiner Mitglieder oder andere Kunstfreunde 
in den letzten zwanzig Jahren die Sammlung durch zahlreiche und z. T. sehr bedeutende Geschenke 
bereichert. 

Zu dem Eindruck überraschender Bereicherung, den das neue Museum bei seiner Eröffnung 
bot, trugen zwei Sammlungen bei, die dem Museum eingefügt worden waren. Es sind dies die 
als Geschenk überwiesene reichhaltige und wertvolle Sammlung James Simon mit einer kleinen 
Zahl von altitalienischen [darunter eine frühe Madonnendarstellung von Mantegna] und altnieder- 
ländischen Bildern sowie die Galerie Adolf Thiem mit trefflichen dekorativen Bildern der Nieder- 
länder des 17. Jahrhunderts [darunter als Geschenk van Dycks Bildnis der Marchesa Spinola] und 
einigen feinen primitiven niederländischen und französischen Gemälden. Auch gelang es, eine Aus- 
wahl der besten Bilder zweier deutscher Privatsammlungen, der Sammlungen Wesendonk und 
Carstanjen, zu mehrjähriger leihweiser Ausstellung überwiesen zu bekommen. 

Die Einzelerwerbungen des letzten Jahrzehnts sind gleichfalls an Zahl und Qualität bedeutend. 
Für alle Schulen galt es gleichmäßig noch vorhandene Lücken auszufüllen, durch Erwerbung von 
Hauptwerken ihre Qualität zu heben. 

Der deutschen Schule wurden einige frühe Bilder zugeführt, darunter ein hervorragendes Altar- 
bild der thronenden Madonna aus der böhmischen Schule des 14. Jahrhunderts. Das beginnende 
15. Jahrhundert repräsentieren die beiden aus je vier Tafeln bestehenden Altarflügel Hans Multschers 
[1900] und die reizvolle kleine Kreuzigung des seltenen schwäbischen Meisters Konrat Witz [1907]. 
An Erwerbungen der schwäbischen Schule sind ferner hervorzuheben: M. Schongauer, die Anbetung 
der Hirten [1902, K.-F.-M.-V.], H. Baidung, Beweinung [1907], von M.Schaffner zwei Flügel eines 
Altars [1906 aus der Sammlung Hainauer], von B. Strigel die hl. Sippe [1908], besonders aber das 
frühe, farbenprächtige Hauptwerk L. Cranachs d. A., ,,die Ruhe auf der Flucht" [aus der Sammlung 
K. Fiedler, 1902]. Die Werke A. Elsheimers konnten um zwei feine kleine Bildchen auf Kupfer 
[1900], der bescheidene Bestand an deutschen Gemälden des 1 8. Jahrhunderts um zwei schöne Bild- 
nisse Graffs [1909] bereichert werden. 

Für das Kabinett der altniederländischen Malerei, das an Zahl und Kostbarkeit seiner Tafeln 
den Bestand aller anderen öffentlichen Sammlungen übertrifft, gelang die Erwerbung eines weiteren 
Bildnisses Jan van Eycks, „der Ritter vom goldenen Vlies" [1902]. Auch von den Nachfolgern des 
Meisters kam manch neues Werk hinzu, wie Geertgens Johannes d. T. [1902], von Petrus Cristus zwei 
große Altarflügel mit Heiligen [1907], vor allem aber die Anbetung der Hirten von Hugo v. d. Goes, 
nächst dem Portinari- Altar in Florenz ein Hauptwerk des Meisters [1903]. In den letzten Jahren ist 
noch das besonders anziehende Bildnis einer jungen Frau, dem Roger v. d. Weyden zugeschrieben 



XV 



[1907], eine Tafel mit zwei Heiligen von demselben Meister [1909] und eine für die Beziehungen 
der Werkstatt des Dirck Bouts zu H. v. d. Goes wichtige Tafel mit der Darstellung der Predigt 
Johannes d. T. [1909] hinzugekommen. 

Die Niederländer des 16. Jahrhunderts wurden durch zwei Tafeln H.Boschs [1905 und 1907], 
durch das schöne Bildnis einer jungen Frau von Joos van Cleve [1906], durch Scorels Maria mit 
dem Kind [1904] und das Bildnis der Margarete von Parma [1906] von Antonis Mor ergänzt. Ihnen 
schließt sich als jüngste Erwerbung ein Bildnispaar von Lucidel an [1909]. 

Schon 1903 hatte der Rubenssaal durch die Erwerbung des prächtig dekorativen ,, Bekehrung 
Pauli " ein wirksames Hauptstück erhalten. Im selben Jahr kam als Geschenk S. M. des Kaisers die 
Darstellung von Diana mit Nymphen und Satyrn hinzu. Zwei weitere Gemälde von Rubens: die 
büßende Magdalena und Venus und Adonis [Nr. 763 A und 767 B], sind 1906 aus den königlichen 
Schlössern überwiesen worden. Auch Rubens als Bildnismaler ist seit kurzem mit zwei tüchtigen 
Werken vertreten, den Bildnissen seiner Gattin Isabella Brant [1903] und des Herrn van Glindertalen 
[1909 aus der Sammlung Pourtales, durch den K.-F.-M.-V.]. 

Von van Dyck, von dem die Galerie bisher fast nur Werke aus der Zeit seiner Zusammen- 
arbeit mit Rubens besaß, gelang 1901 die Erwerbung eines pompösen Bildnispaares, das in der Zeit 
seines Genueser Aufenthaltes gemalt ist. Ein Apostelkopf, die Studie zu der im Vorrat bewahrten 
„Ausgießung des hl. Geistes", wurde 1906 zusammen mit den Rubensbildern aus den königlichen 
Schlössern überwiesen. Von anderen neu erworbenen Werken der vlämischen Schule ist vor allem 
die farbenfrische Landschaft von D. Teniers d. J. [Versteigerung Königswarter 1907] zu erwähnen. 

Gleichmäßig erstreckten sich die Bemühungen der Verwaltung auf die Ergänzung der hollän- 
dischen Schule. Durch Ankäufe aus den Sammlungen des Lord Pelham Clinton Hope 
und neuerdings aus der in Paris verkauften Sammlung Rudolf Kann war man darauf bedacht, einer 
Schwäche der holländischen Schule, ihrem Mangel an Bildern der Kleinmeister, abzuhelfen. So lieferten 
die Erwerbungen aus der Sammlung Kann außer zwei kleinen Gemälden Rembrandts [Christuskopf 
und der späten Darstellung der Samariterin] ein stimmungsvolles Frühwerk Jakob van Ruisdaels 
„die Windmühlen am Wasser", ein selten reich gefärbtes Winterbild von A. v. d. Neer, den „Holzsteg 
über den gefrorenen Bach" von Ph. Wouwermans [zu dem auch ein passendes Gegenstück „der 
Sommer" um dieselbe Zeit erworben wurde], dazu von ein paar vlämischen Meistern je ein besonders 
erwünschtes Werk : von J. Fyt ein außergewöhnlich zart gefärbtes Stilleben [tote Vögel], und von 
dem bisher in der Galerie nur mit einem kleinen Bildnis vertretenen Gonzales Coques ein treffliches 
repräsentatives Familienbildnis dieses Terborchs unter den Vlamen. Außer zwei wichtigen Er- 
werbungen von 1901 aus der Sammlung Clinton Hope, von Jan Steens „Kindtaufe" und des Delfter 
Vermeer ,,Paar beim Wein" gehören mehrere Einzelerwerbungen in diese Richtung, wie Metsus 
„Kranke" aus der Galerie Leuchtenberg [1906], der „Stier" von Paul Potter, der durch dieses kleine 
Bild charakteristischer als durch den „Ausritt zur Jagd" aus der Sammlung Suermondt in die Galerie 
eingeführt wurde [1908], und Slingelandts „angelnder Knabe" [1908]. Von Brouwer konnte außerdem 
eine dritte seiner seltenen Landschaftsdarstellungen [1907] erworben werden, von Kalf ein kleines 
Interieur [1906] und zu den zwei des älteren Besitzes ein prächtiges Stilleben. Schließlich wurde 
auch der reiche Bestand an Werken des Großmeisters der holländischen Schule, Rembrandts, außer 
durch den Kannschen Ankauf durch ein 1906 aus den königlichen Schlössern überwiesenes Früh- 
werk ,,Simson und Delila" und durch eine Studie zum Gemälde des barmherzigen Samariters im 
Louvre [1 906] erweitert. 



XVI 



Die italienische Schule, seit der Gründung der Galerie die stärkste Seite der Sammlung, hat 
auch, besonders in den letzten Jahren, eine reiche Zahl von wertvollen Erwerbungen aufzuweisen. 
Vor allem galt es, den Wert der Trecentosammlung durch Werke der wichtigsten Meister zu heben. 
Neben der florentinischen Schule [ein großer Altar B. Daddis; 1907] konnten der Schule von 
Siena wichtige Stücke zugeführt werden, wie Simone Martinis farbenprächtige Grablegung [1904], 
Ugolinos drei lebensgroße Heiligenhalbfiguren [1904, K.-F.-M.-V.] vom ehemaligen Hochaltar in 
S. Croce zu Florenz, zu denen zwei zugehörige Predellentafeln, die im Kunsthandel auftauchten, 
1907 erworben werden konnten, und A. Vanni, Maria mit Kind [1907]. Als Beispiel der venetiani- 
schen Trecentomalerei gelangten 1906 zwei Heiligenfiguren von Lorenzo Veneziano in die Samm- 
lung. — Die Schulen des Quattrocento erhielten als Zuwachs: die florentinische ein Freskobruchstück 
Filippino Lippis [1904], sowie mehrere treffliche kleinere Werke, von Pesellino [Christus am Kreuz], 
Benozzo Gozzoli [„Wunder des hl. Zenobius", 1909 aus der Sammlung R. Kann] und Fra Angelico 
[Totenklage um den hl. Franziskus, 1909], namentlich die beiden letzteren in ihrer tadellosen Erhaltung 
glänzende Beispiele der heiteren Farbenfreudigkeit des Quattrocento. Auch konnten die Teile, welche 
die Galerie von Masaccios Hauptwerk in Pisa besaß, durch die Erwerbung von vier Heiligen- 
figuren, von diesem Altar stammend [1905, K.-F.-M.-V.], ergänzt werden. Als besonders glücklicher 
Fund kam 1908 auch noch die von Vasari erwähnte dritte Predelle desselben Altarwerks, von 
der Hand von Masaccios Schüler Andrea di Giusto, hinzu. Für die paduanische Schule wurden 
1904 zwei Tafeln, wohl ursprünglich als Schmuck eines Musikinstruments dienend, von der Hand 
des seltenen Mantegna-Nachfolgers Bernardo Parentino hinzuerworben. Die venetianisdie Schule 
empfing einen Zuwachs durch zwei frühe Werke Gio. Bellinis, die großartig stimmungsvolle Auf- 
erstehung Christi aus der Sammlung Roncalli in Bergamo [1903], auch sonst ein Hauptwerk 
der Schule, und eine gleichfalls noch im strengen Stile der früheren Zeit gehaltene Maria mit dem 
Kinde [1905]. Von zweien unter seinem Einflüsse stehenden Zeitgenossen, Cima da Conegliano und 
Carpaccio, die besonders gut in der Sammlung vertreten sind, kamen eine kleine Landschaftsdarstellung 
des ersteren [1901], eine eigenartig stimmungsvolle, große Bestattung Christi des zweiten [1905] 
hinzu. Unter den Haupterwerbungen von Bildern der Venedig verwandten Schulen ist besonders 
der Altar B. Montagnas mit der Darstellung des „Noii me tangere" aus der Ashburnham- Sammlung 
[1903] zu nennen. Ein treffliches Bildnis von Tintoretto [1908], eine Pietä mit Stifterfamilie von 
dem tüchtigen Schüler Paolo Veroneses, Francesco Montemezzano, und eine Enthauptung Johannis d.T. 
von Romanino [1906 aus den königlichen Schlössern überwiesen] kamen zu dem reichen Bestand an 
Bildern der venetianischen Hochrenaissance. 

Auch in der durch eine Reihe von Werken der Hauptmeister gut vertretenen Malerei des Seicento 
konnte eine Lücke ausgefüllt werden durch den Erwerb einer Landschaft von Salvator Rosa [1908]. 
Zu einer Abteilung von besonderem Wert aber erhob sich die venetianische Schule des 18. Jahr- 
hunderts, an deren malerischen Qualitäten das Interesse erst in den letzten Jahren neuerdings er- 
wachte. Zwei Skizzen Tiepolos, die Kreuztragung für S. Alvise [1906; K.-F.-M.-V.] und die Dar- 
stellung Rinaldos im Zaubergarten der Armida [1908] zeigen mehr noch als die ausgeführten Ge- 
mälde die pikanten malerischen Reize des Hauptmeisters dieser spätvenetianischen Blütezeit. Eine 
treffliche Probe seiner heiteren Villendekorationen bieten die 1902 in Venedig erworbenen mytholo- 
gischen Fresken aus Villa Panigai in Nervesa aus dem Jahre 1754, die mit genauer Nachahmung der 
reichen rahmenden Originalstukkaturen in einem besonderen Kabinett des Kaiser-Friedrich-Museums 
eingefügt wurden. Daneben galt es, von den zeitgenössischen Vertretern der neuen Blüte der Land- 

XVII 



Schafts- und Architekturmalerei ein Bild zu geben. Zu den beiden schon vorhandenen Städtebildem B. Be- 
iottos gelang es, zwei sonnige Ansichten venetianischer Kanäle seines berühmteren Oheims Antonio 
da Canale zu erwerben [1907]. Einen eigenen Reiz verleihen dieser Abteilung die drei [1899, 
1901 und 1906 durch den K.-F.-M.-V. erworbenen] venetianischen Stadtansichten von Francesco 
Guardi mit ihrer prickelnd flotten Malweise. Die gleichzeitige Porträtmalerei vertritt außer dem 
Bildnis von Rotari das 1908 erworbene Porträt einer Dame als Diana von P. Longhi [1908]. 

Für den verhältnismäßig jungen Bestand spanischer Gemälde war es trotz der Seltenheit der 
käuflichen Werke von Velazquez möglich, ein charakteristisches Jugendwerk des Meisters zu erwerben, 
„die drei Musikanten" [1906], die nach guter alter Tradition aus kgl. spanischem Besitze stammen. 
Von Murillo kam 1905 ein Frühwerk des Meisters, die Anbetung der Hirten, von F. de Zurbaran 
1906 ein bezeichnetes und sehr energisch gemaltes Bildnis eines vornehmen Knaben hinzu. Das 
koloristisch feine Bild eines unbekannten Malers um 1630 gibt eine besonders gute Probe spanischer 
Stillebenmalerei der Zeit. Wie in den anderen Schulen machte sich auch hier das Bedürfnis geltend, 
die Entwicklung der Schulen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts weiterzuführen. Goya, der Haupt- 
meister dieser Zeit, ist jetzt außer durch die impressionistische Skizze zu einem Repräsentations- 
gemälde [Nr. 1619, erworben 1900] mit zwei sorgfältigen Bildnissen [1903 und 1904] aus ver- 
schiedenen Zeiten vertreten. 

An Beispielen der primitiven französischen Malerei hatte es bis in die neueste Zeit gefehlt. 
Ein bedeutendes Werk von Jean Fouquet [1896] hatte den Grund zu dieser auch jetzt noch kleinen 
Zahl von Gemälden gelegt, zu der 1905 die kostbaren Tafeln des Flügelaltars von Simon Marmion 
aus dem Besitze der Fürstin Wied, ein treffliches Beispiel der engen Beziehungen der französischen 
Kunst zur niederländischen Malerei, und 1906 die kleine altfranzösische „Krönung Maria" hinzu- 
kamen. Ein römisches Landschaftsbild von Gaspard Dughet [1904] füllte eine neben der in der 
Galerie so gut vertretenen Kunst Nicolas Poussins bisher besonders fühlbare Lücke aus. Von Malern 
des- 18. Jahrhunderts konnte ein Hauptwerk Pesnes, der Maler mit seinen Töchtern [1903], von 
Chardin ein Stilleben [1908] und von dem wenig bekannten P. Angeliis eine Genreszene [1908] 
erworben werden, die auch für die Zusammenhänge der französischen Malerei des 1 8. Jahrhunderts 
mit den Niederlanden von besonderem Interesse ist. 

Noch vor der Ausstellung englischer Malerei in Berlin im Frühjahr 1908, die das allgemeine 
Interesse der Liebhaber und Sammler auf diese eigenartige und neben der französischen Schule der 
Zeit bedeutungsvollste Periode der europäischen Kunst im 18. Jahrhundert lenkte, hatte man be- 
gonnen [seit 1903], einige charakteristische Werke dieser bisher in der Galerie noch nicht vertretenen 
Schule zu sammeln. Durch Geschenke und Erwerbungen gelang es binnen wenigen Jahren eine 
Gruppe von Bildern zusammenzubringen, die, wenn auch keine reiche, doch eine anschauliche Vor- 
stellung von jener Kunst geben kann. Von Sir Joshua Reynolds besitzt die neue Abteilung drei 
Werke [ein Selbstbildnis, 1905; die Skizze eines Schauspielerinnenporträts und vor allem das reprä- 
sentative Bildnis der Mrs. Boone mit ihrer Tochter, 1906], Bildnisse, darunter einige von 
stattlicher Größe, von Gainsborough [1904], Raeburn [1908], Romney [1909] und 
Zoffany [1908]. Die gleichzeitige Landschaftsmalerei vertreten 
zwei Gemälde von Wilson [1904, 1905]. 



XVlll 



ROMANISCHE LÄNDER 



BYZANTINISCHE SCHULE 



Byzantini- 
che Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1048 



1051 



Byzantinische Schule des 
XV. Jahrhunderts 

1048 Maria mit dem Kinde. Der 
stumpf karminrote, mit Goldmustern 
besetzte und im Umschlag grüne Man- 
tel läßt vorn das dunkelblaue Gewand 
sehen. Das Kind trägt über dem gold- 
verzierten Unterkleid von derselben 
Farbe einen grell zinnoberroten Mantel, 
in den die Falten mit Gold einge- 
zeichnet sind. Die Fleischschatten sind 
schmutzig ockergelb. 

Vielleicht in Italien [Venedig?] von einem byzanti- 
nischen Künstler gemalt .". Sammlung SoUy, 1821 .'. 
Aufgestellt in der Abteilung der altdlristlichen Bild- 
werke. 

Tempera. Pappetholz, h. 0,65, br. 0,51. 

Byzantinische Schule des 
XV. Jahrhunderts 

1051 Maria mit dem Kinde. Die Farben: 
Karminrot im Mantel, Grün im Mantel- 
umschlag, Dunkelblau im Gewände Marias, grelles Zinnoberrot im Mantel des Kindes 
stimmen vöUig mit Nr. 1048 überein; nur sind die Fleischschatten in reinerem Ockergelb 

* * Sammlung Solly, 1821 -•. Aufgestellt in der Abteilung der alt- 

christlichen Bildwerke. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,21, br. 0,17. 



Bi^rorYioT-iz-v Angelo Bizamano von Otranto. 
izamano jätia um isoo. 

1062 Kreuzabnahme. Das Bild ist rotbraun 
nachgedunkelt. Die Gewänder der Figuren 
waren goldgelb, blau, ockergelb und oliv- 
grün, besetzt mit goldenen Ornamenten. Die 
Gestalt der Magdalena wird hervorgehoben 
durch das Zinnoberrot des Mantels. Die 
Lichter sind scharf mit Weiß aufgesetzt. Der 
weiße Himmel geht oben in hellblau über. 

Auf der Rückseite der Tafel abgekürzt: 'in hoc signo vinces' 
und die Inschrift: Angelus Bizamanus Pinxit In Hotranto .". Er- 
worben 1832 .-. Aufgestellt in der Abteilung der altchristlichen 
Bildwerke. 

Tempera. Tannenholz, h. 0,23, br. 0,18. 






Byzantinische Schule 
des XVI. Jahrhunderts [Kreta] 

1051a Triptychon. Mittelstück: Christus 
zwischen Maria und Johannes d. T. Tiefes 
Karminrot im Gewände Christi und im Man- 
tel Marias, Zinnoberrot in den Kissen, dem 
Schnitt des Buches und den Beischriften 
stehen gegen den braungelben, mit Gold- 
zeichnung gezierten Thron, den ockergel- 
ben Mantel des Johannes und stumpfes Grün 
und Grau in den Untergewändern der bei- 
den Seitenfiguren. Das Schwarzblau des 
Mantels Christi wird fast verdeckt von dem 
goldgezeichneten Faltenwerk. Rotbraunes 
Haar. — Linker Flügel: Drei Kirchen- 
väter Gregor von Nazianz, Johannes Chry- 
sostomus und Basilius der Große. Die Ge- 
wänder in hellen grauen und karminvio- 
letten Tönen mit zinnoberroten, ockergelben und goldenen Besätzen. — Rechter 
Flügel: Der hl. Bischof Nikolaus und die hll. Märtyrer Georg und Demetrius. Die 
Gewänder in tiefem Karmin- und Zinnoberrot, Dunkelgrün und Ockergelb, mit golde- 
nem Besatz. — Dunkelblauer Boden. Goldgrund. 

Aus der Königlichen Kunstkammer .*. Aufgestellt in der Abteilung der altchristliclien Bildwerke. 
Tempera. Pappelholz, Mitte h. 0,245, br. 0,23, Flügel h. 0,245, br. 0,12. 

1 Zane Emanuel Tzane. Priester, tätig um 1640 in Venedig. 

1056 Die Verkündigung. Der Engel mit braunrot und dunkelgrün geteilten Flügeln 
trägt einen zinnoberroten Mantel über violettem Gewand, Maria dunkelkarminroten 
Mantel über dunkelgrünem Gewand. 
Die Architektur links 
in grauen und gelb- 
bräunlichen, rechts in 
hellroten, die Land- 
schaft in blaugrünen 
Tönen. Ockergelber 
Boden. In der Glo- 
rie oben kehren vor 
weißgrauen Wolken 
dieselben Farben, 
vor allem Zinnober- 
und Karminrot, Blau- 
grün, Violett und 
Braungelb wieder, 



Byzantini- 
sche Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

1062 




1056 



die auch in den kleinen seitlichen Darstel- 
lungen [links: Jakob, David, Ezechiel, 
Daniel; rechts: Moses, Aaron, Jesaias, 
Habakuk] verwendet sind. Fleischschatten 
gelbbraun. Die Lichter sind mit Weiß auf- 
gesetzt. Goldgrund. 

Bezeichnet: IIOIHMA, 'EMMANDYHA, 'lEPEOC TOY 
TZANE. AXM. [Werk des Emmanuel Tzane, des Priesters, 
1640] .-. Sammlung Solly, 1821 ..Aufgestellt in der Ab- 
teilung der altchristlichen Bildwerke. 
Pappelholz, h. 0,96, br. 0,72. 

Byzantinisch-Russische Schule 
des XVII. Jahrhunderts 

1061 Mittelstück und Flügel einesTri- 
ptychons. DasLebenderMaria. Mit- 
telstück: Maria mit dem Kind in der 
Glorie, von Engel- und Heiligenchören 
umgeben [Illustration zu : „Über dich freuet 
r^l ^ ■ ^ii-^-^— -SSHHJP sich ... die ganze Schöpfung"]. Die Ma- 

* '^ 9?T/I donna in zinnoberrotem, fast ganz mit 

■"'^ goldener Innenzeichnung bedecktem Ge- 

wand vor grün marmoi-ierteui Rundleid. In den Gewändern der Figuren wechseln Zinnober- 
rot, Gelbgrün, Blaugrün und Gelbbraun ab. Die Nimben, z.T. auch die Gewänder, sind ver- 
goldet. Die Figuren der unteren Bildhälfte stehen vor ockergelbem Felsengrund, die Engel 
mit silbernen Flügeln oben vor weißer und rötlicher Architektur mit silbernen Kuppeln [das 
himmlische Jerusalem]. Weißer Himmel. Das Fleisch ist bräunlich mit aufgesetzten weißen 
Lichtern. — Linker Flügel: Vier Darstellungen: Begegnung Joachims und Annas vor 
der goldenen Pforte; Geburt Maria; Maria Tempelgang und Aufenthalt im Tempel, wo 

sie von Engeln gespeist 
wird; Tod der Maria. Die 
Figuren in zinnoberroten, 
dunkelblauen und grünen 
Gewändern stehen vor 




' iii ^-! weißer, ockergelber und 
M-Ä? -^^-' eelbgrünerArchitekturmit 




silbernen Dächern. Dun- 
kelgrünlichbrauner Boden. 
An Stelle des Himmels 
Goldgrund. 

Erworben vor 1830 .-. Aufgestellt 
in der Abteilung der altchristlichen 
Bildwerke. 

Lindenholz, jedes Bild h. 0,15. 

br. 0,11. 



ITALIENISCHE SCHULEN 



ITALIENISCHE SCHULEN DES 
XIII. und XIV. JAHRHUNDERTS 



TOSKANISCHE SCHULE 
Um 1250 

1663 Maria mit dem Kind. Maria in schwarzem [ehemals dunkelblauem] Mantel, 
der vorn auf der Brust das mattrote Gewand sehen läßt. Kräftiges Zinnoberrot im Kleide 
des Kindes kehrt wieder im Thronkissen. Die Falten der Gewänder sind mit Gold 
eingezeichnet. Gelbbraunes Fleisch mit grünlichen Schatten. Der rotbraune Thron ist 
mit ockergelben und zinnoberroten Ornamenten verziert. Die Engel in rötlichbraunen 
Gewändern mit bläulichen, gelb schillernden Flügeln und lichtem, mit Grün untermaltem 
Fleischton. Goldgrund. 

Erworben 1902 in Florenz als Geschenk des Herrn Generaldirektors Dr. W. Bode. 
Tempera. Pappelholz, h. 1,57, br. 0,89. 



Toskanisdxt 
Schule des 
XIII. Jahr- 
hunderts 




1663 



^lorentini- 
■:he Schule 

des XIV. 

Jahrhun- 
derts 



1074 A 



1073 




FLORENTINISCHE SCHULE 

* i.J._^ Giotto di Bondone. Geboren um 1266 in del 

lULHJ Collg (jei Florenz, gest. zu Florenz den 8. Jan. 1337. 

Tätig vornehmlich zu Florenz, einige Zeit in Rom [um 

1290—1300] und in Padua [seit 13056], außerdem in 

Assisi, Verona, Ferrara, Ravenna, Avignon und Neapel 

1330-33]. 

w^*-' -■ ■ ■ 

1074a Kreuzig-ung-. Kühle g-ebrochene Farben, 
namentlich Blaugrün, nach Rot changierend, Dun- 
kelblau in der Gewandung Marias und des gläu- 
bigen Hauptmanns und Hellkarmin [Mantel des 
Johannes und Untergewand des aufwärts wei- 
senden Pharisäers rechts] werden beherrscht von 
gleichmäßig verteiltem Zinnoberrot, das im Kleide 
der Magdalena den stärksten Ausdruck findet. 
Goldgrund. 

Aus des Meisters späterer Zeit [wohl Werkstattbild] .'. Wahrscheinlich 
Mittelbild eines Triptychons .'. Ähnliche, kleinere Darstellung in der 
Galerie zu Straßburg .'. Wahrscheinlich Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz. h. 0,58. br. 0,33. 



Taddeo Gaddi. Geboren zu Florenz, angeblich 
um 1300, gest. daselbst gegen Ende des Jahres 1366. 



Gaddi 

Schüler und Gehilfe Giottos; urkundlich zuerst 1332 er- 
wähnt. Tätig zu Florenz und einige Zeit zu Pisa [1342]. 

1073 Ausgießung des hl. Geistes. Vor 
weißgrauer Architektur leuchtet tiefes 
Ultramarinblau [Maria, Decke], Rot und 
Goldgelb. Nach dem Vordergrund zu 
sind diese Farben gebrochen und klin- 
gen nochmals wieder in der bunten Mar- 
morierung der Balustrade. Goldgrund. 

Siehe die Bemerkung zu Nr. 1074 .*. Erworben 1828 29 
durch Rumohr. 

Tempera. Nußbaumholz, h. 0,39, br. 0,31. 

1074 Ein Wunder aus der Legende 
des hl. Franziskus [der Heilige er- 
weckt einen Knaben aus der florentini- 
schen Familie Spini, der durch einen Sturz 
aus dem Fenster den Tod gefunden hat]. 
Auf Goldgrund vor weißer Architektur 
und neben dem Weiß der Gewänder in 
der Mitte, das leuchtende Rot der Ge- 
wänder der knienden Frau und des herab- 
stürzenden Knaben. Gelbbraune Franzis- 
kanertracht. Rechts und links ein tiefes 
Blau in den sitzenden Gestalten. 



Die Bilder [Nr. 1073 und 1074] bildeten Teile der 
Schranktüren der Sakristei von S. Croce zu Florenz, 
die Vasari irrtümlich dem Giotto zuweist .-. Zweiund- 
zwanzig Tafeln befinden sich in der Akademie zu 
Florenz, zwölf mit dem Leben Christi, zehn mit der 
Legende des hl. Franziskus; es waren wohl von jeder 
Reihe dreizehn .-. Zwei Tafeln sind verschollen .-. 
Erworben 1828 29 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,41, br. 0,36. 

1079—1081 Flüg-elaltar. Mittelbild 
[1079]: Maria mit dem Kind und 
Heilige. Tiefes Ultramarinblau des 
[im Umschlag dunkelgrünen] Mantels 
der Maria hebt sich kräftig vom weißen 
Thron ab und kehrt wieder in den 
Kappen des Baldachins. Leuchtendes 
Rot des Thronkissens [gedämpfter im 
Mantel des Stifters] und Goldgelb des 
Thronsockels stehen dagegen. Die Ge- 
wänder der Apostel und Heiligen in der 
Umrahmung sind in lichten gebroche- 
nen Tönen [hellblau, ockergelb, gelb- 
grün, Zinnober, violett usw.] gehalten. 
Grünlichgrauer Fleischton. Goldgrund. 

Bez. unten: t- ANNO ■ DNI • M • CCC • XXXIll ■ MENSIS SECTENBRIS: TADEFP ME FECIT . 
Tempera. Pappelholz, h. 0,61, br. 0,38. 




Florentini- 
sche Schule 
des XIV. 
Jahrhun- 
derts 

1074 



n-rworben 



1823. 



Innenseiten der Flügel [1080]. Linker Flügel, untere Darstellung: Geburt Christi. 
Von dem mit Ocker lasierten Weißgrau der Landschaft heben sich in leuchtenden 
Farben die Gewänder der Engel ab [besonders Rot], schon weniger sprechend der 
dunkelblaue Mantel der Maria, die auf hellkarminrotem Lager ruht. Nach dem Vorder- 
grund zu überwiegen 
gebrochene Farben in 
den Gewändern Jo- 
sephs [stumpfes Hell- 
violett über Goldgelb] 
und der Hirten [violett- 
braun]. Darüber im 
Spitzbogenfeld: Vor- 
gang aus der Legende 
des hl. Nikolaus von 
Bari. Orangeundtiefes 
Blau vor hellvioletter 
Architektur und gold- 
gelbem Teppich mit 
roter Bordüre. Links 
als lebhafteste Note 




1080 
1079 



Florentini- 
sdie Schule 

des XIV. 

Jahrhun- 
derts 



insi 





das leuchtend rote Gewand des Heilig-en. — 
Rechter Flügel, untere Darstellung: Kreu- 
zigung. Zwischen dunkelblauem Mantel der 
Maria und gebrochenem Karmin und Blau in 
der Gewandung des Johannes tritt kräftiges, 
nach gelb changierendes Zinnoberrot im Kleide 
der Magdalena hervor vor bräunlichem Grau 
des Bodens. Darüber im Spitzbogenfeld: Vor- 
gang aus der Legende des hl. Nikolaus von 
Bari. Die Farben sind gedämpfter als in der 
Darstellung des linken Flügels. Hellblau, Hell- 
rot, Grau, Violett, Goldgelb und Rot stehen 
vor grünlichgrauer Architektur. — Goldgrund. 

Sammlung SoUy, 1821. 

Tempera. Pappelholz, das ganze Bild h. 0,62 [mit dem 
Giebelfeld], br. 0,20. 

1081 Außenseiten der Flügel. Linker 
Flügel, unten: Christus mit Maria und 
Johannes. Zwischen dem dunkelblauen 
Mantel Marias und der hellkarmin und licht- 
blauen Gewandung des Johannes erscheint grelles, vom 
graublauen Mantel unterbrochenes Zinnoberrot im Kleide 
Christi. Im Gewände der hl. Margaretha darüber kehrt 
Karminrot wieder. — Rechter Flügel, unten: Der hl. 
Christoph. Grelles Goldgelb, Karminrot, Hellblau und 
Saftgrün [Christkind] stehen unvermittelt nebeneinander. 
Im Gewände der hl. Katharina darüber wiederholt sich 
Saftgrün. — Lichtes Fleisch mit grüner Untermalung. Beide 
Außenseiten auf Silbergrund. 

Die Außenseiten sind geringer und wohl von einem Schüler des Meisters .*. 
Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, jeder Flügel h. 0,63 [ mit dem Giebelfeld], br. 0,215. 

Florentinische Schule um 1350 

1141b Die Gürtelspende. Das gelblichweiße Kleid Marias, 
der grauviolette Mantel des Thomas, Stahlblau der Man- 
dorla und Blaugrau der Engelsflügel geben mit dem leb- 
haften Blaugrün des Bodens den kühlen Grundton, der 
durch ein sehr zartes Rosa im Fleisch und den Gewändern 
der Engel und wenig, aber leuchtendes Zinnoberrot des 
Gewandumschlages der Madonna belebt wird. Goldgrund. 

Erworben 1904 als Geschenk des Grafen Tide- Winckler. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,52, br. 0,23. 



10 



Florentinische Schule um 1350 

1141a Maria mit dem Kind und acht Heilige 
[Bartholomaeus, Antonius, Petrus, Franziskus, 
Katharina, Agathe, Stefanus und eine Unbe- 
kannte]. Vordunkelrotbraunem Grund desThrones 
ist teppichartig Zinnoberrot in den Gewändern 
von Petrus und Agathe und in den Teppich- 
feldern, tiefes Blau im Mantel Marias, Weiß und 
Schwarz in breiten unmodellierten Flächen kom- 
poniert. Goldgrund. 

Erworben 1904 aus dem englischen Kunsthandel /. Eigentum des 
Kaiser - Friedrich - Museums -Vereins. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,675, br. 0,325 [mit dem alten Rahmen 

aus einem Stück ]. 

P\„ JJ; BernardoDaddi. Urkundlich erwähnt von 1317 [?] 
LydaUl bis 1355, gestorben nach 1355. 

1064 Kleiner Flügelaltar. Mittelbild: Krönung 
Maria. Leuchtendes Ultramarinblau, vor allem im 
Mantel Christi, der gegen einen Teppich mit gold- 
gelbem Grund und neben dem weißrosa Gewand 
der Maria steht, und Zinnoberrot bilden den 
Hauptkontrast. Dazwischen sind in den Gewän- 
dern der Heiligen zartere rosa, violette und matt- 
grüne Töne verstreut. Die in den Gewändern der 
Engel wiederkehrenden Hauptfarben sind nach 
vorn zu gedämpft vor mattgrünem Boden. ^Lin- 
ker Flügel: Geburt Christi. Vor grauer Landschaft 
im Gewände der Maria lebhaftes 
Ultramarinblau, das in den Kleidern 
der Engel zwischen Rosa und Grün 
wiederkehrt. — Rechter Flü- 
gel: Kreuzigung Christi. Der 
Kontrast von Zinnober und 
Ultramarin herrscht wie im 
Mittelbild. Goldgelbe Töne 
treten dazwischen. Die Gruppe 
links in ernsteren Farben. — 
IndenGiebelfeldern: dieMe- 
daillonbilder Christi u. zweier 
Evangelisten. — Goldgrund. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters .'. 
Alte Kopie des Altärchens im Louvre ; eine 
vielleicht eigenhändige Wiederholung des 
linken Flügels in der Galerie zu Alten- 
burg .•. Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, Mittelbild h. 0,42, 

br. 0,22 ; Flügel je h. 0,37, br. 0,18. 




Florentini- 
sche Schute 
des XIV. 
Jahrhun- 
derts 




11 



Florentini- 
sche Sdiule 
des XIV. 
Jahrhun- 
derts 

1064 A 





1064a Gemälde in drei Abteilun- 
gen. Mittelbild: Maria mit dem 
Kinde. Zinnoberrot in der Umhüllung 
des Kindes erscheint als stärkste Farbe 
gegen das mattkarminrote Gewand, 
den graublauen Mantel und lichten 
gelblichweißen Fleischton. — Auf dem 
Sockel: ORA PRO NOBIS-PIA VIRGHO 
DEI GENETRIX MARIA.— Linker 
Flügel: Der hl. Salvius. In leuchtend 
rotem, mit goldgelbem Besatz verzier- 
tem Ornat; in der linken ein Buch mit 
grünem Einband. Bräunlicher Fleisch- 
ton. Auf dem Sockel: SCS. SALVIVS- 
ALBIENSIS • EPISCHVS. — Rechter 
Flügel: Der hl. Bernhard. In braun- 
grünem, mit goldgelbem Besatz ge- 
ziertem Mantel über violettbraunem 
Untergewand. Er hält ein leuchtend 
rotes Buch. Auf dem Sockel: SCS. 
BERNARDVS • PARMENSIS • EPISCHVS. — In den Giebel- 
feldern die Medaillonbilder Gott -Vaters und der hl. Paulus 
Petrus. — Goldgrund. — Predella [von späterer 
Hand]. Mittelbild: Geburt Christi. — Linker 
Flügel: Der hl. Salvius heilt Pestkranke. Auf dem 
Sockel: -[- COME • SCO • SALVI • LIBERA • IL • 
POPOLO • SVO • DELLA • PESTILENTIA • DEL 
GAVOCCIOLO • COL SEGNO DEL. : . — Rechter 
Flügel: Der hl. Bernhard befreit die Stadt von den 
Feinden. AufdemSockel: -'t COME -SCO -BERN AR- 
DO • LIBERO • LACnrA • SVA-CHE • ERA-ASSEDI- 
ATA • DAINIMICI • COLLANSVA • BENEDICENTE . 
— In allen drei Abteilungen herrschen kühle ge- 
dämpfte Farben vor, meist Blaugrün, Gelbgrün, 
Goldgelb und stumpfes Zinnoberrot vor grauen 
Gründen. — Goldgrund an Stelle des Himmels. 

Bez. auf dem Sockel des Mittelbildes der Predella: + ANNO • DO- 
MINI • M ■ CCCC ■ XXIII DIE XX APRILIS HOC ■ OPVS . 
FACTVM FVIT TEMPORE ■ DOMINI . lOHANlS ABBATIS .-. 
Gemalt um 1335 .'. Die erst später hinzugesetzte Predella ist an- 
scheinend von der Hand des Bicci di Lorenzo [geb. 1373, 
gest. 1452 zu Florenz] .". Erworben 1906 als Gesdienk des Herrn 
Hans Schwarz in Wien. 

Tempera. Pappelholz [mit dem alten Rahmen], h. 1,14, br. 1,53, 
Mittelbild [ohne Rahmen] h. 0,74, br. 0,46, Flügel je h. 0,67, 
br. 0,37; Predella [ mit dem alten Rahmen ] h. 0,63 , br.1,51, Mittel- 
bild [ohne Rahmen] h. 0,41, br. 0,40, Flügel je h.0,41, br. 0,32. 



12 




1040 Maria mit dem Kinde. Zarte, ins Graue spielende Töne: Bräunlichrosa [Ge- 
wand der Madonna], Weiß [Hemdchen des Kindes] und Weißgrau im Fleisch werden 
umgeben von dem [nachgedunkelten] Blau des Mantels und belebt durch Hellgelb 
[Umhüllung des Kindes] und wenig Zinnoberot [Umschlag des Mantels und der Um- 
hüllung]. Goldgrund. 

Früher Agnolo Gaddi zugeschrieben .". Sammlung Solly, 1821 .". Tempera. Pappelholz, h. 0,80, br. 0,49. 
GaClcli Art des Aanolo Gaddi. 

1113 Geburt Christi. Weißgraue Felsenlandschaft mit rosabrauner Architektur und 
hellgelbem Strohdach. Die Schatten der Felsen links sind bräunlich, rechts schwärzlich. 
Der hellblaue Mantel Marias läßt das bräunlich rote Untergewand sehen. Das Gelb- 
grün des Mantelumschlags kehrt im Gewände Josephs wieder, das ein rosafarbener 

Mantel deckt. Goldgrund. Sammlung Solly, 1821 .-. Tempera. Pappelholz, h. 0,25, br. 0,60. 

G •_-.„_,„■ Giovanni da Milano [urkundlich: Johannes Jacobi Guidonis de Mediolano], Lebensdaten 
luv dl II 11 unbekannt. Tätig seit etwa 1350 in Florenz, wo er 1366 das Bürgerrecht erhält, und Rom [1369]. 

1059 Beweinung Christi. Dem zinnoberroten Gewände Magdalenas zu Füßen des 
Kreuzes entspricht der gelbgrüne Mantel der vorn sitzenden Frau. Zu den Seiten 
Magdalenas rotbraune Gewänder. Das Ultramarinblau der Kleidung der äußersten 
Figur rechts kehrt wieder 
im Untergewande d. Jo- 
hannes [links], dort von 
Ockergelb in den Män- 
teln und Zinnoberrot im 
Gewände Petri begleitet. 
OckergelbesHaar. Weiß- 
grauer Felsengrund und 
Goldgrund an Stelle des 
Himmels. 

Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,19, 
br. 0,37. 




Florentini- 
sche Schule 
des XIV. 
Jahrhun- 
derts 

1113 



1059 



13 



Florenüni- 
sche Sdiule 
des XIV. 
Jahr- 
hunderts 

1039 



1112 



Florentinische 
Schule um 1375 

1039 Dreiteiliger Altar. Die 
Gesamtwirkung ist bunt in 
vorwiegend kühlen hellen 
Farben mit überall verstreu- 
tem Rot und Gelbrot [Tep- 
pich]. M i 1 1 e 1 b i 1 d : Maria mit 
dem Kind und Engeln. Maria 
wird hervorgehoben durch 
[nachgedunkeltes] Blau des 
Mantels.das gegen Zinnober- 
rot im Kleidchen des Kindes 
und den Engelsflügeln, Gelb, 
Grün und Rosa in den Ge- 
wändern der Engel steht. — 
Linker Flügel: Johannes 
d. Ev. und Johannes d. T. 
Neben graublauem, im Umschlag zinnoberrotem Mantel des Evangelisten, der über 
gelbgrünem Gewand liegt, der rosafarbene, innen tiefblaue Mantel des Täufers. — 
Rechter Flügel: Jacobus d. A. und Bartholomäus. Der erstere trägt ultramarinblauen 
Mantel über gelbem Untergewand, der andere weißrosafarbenen, innen ultramarin- 
blauen Mantel über Zinnober. — Über dem Mittelbild auf dem Originalrahmen zwei 
schwebende Engel in blauen und hellgelben Gewändern und die Taube des heiligen 
Geistes; über den Seitenbildern je ein schreibender Kirchenvater. — Goldgrund. 

Sammlung SoUy, 1821. 

Tempera. Pappelholz, Mittelbild h. 1,1 /, br.0,69; Flügel je h. 1,18, br. 0,69; die beiden Vierpässe Durchmesser je 0,27. 

Niccolö di Pietro Gerini. 1380 und 1414 urkundlich in Florenz erwähnt. 1392 — 95 in Pisa 




lerini 



und Prato tätig. 



1112 Anbetung der Könige. Vor dunklem, braungrauem Felsgrund stehen hell die 
Figuren in grellen Farben, unter denen Gelbgrün, Zitronengelb und heller Zinnober 
gegen dunkles Kobaltblau vorwiegen. An Stelle des Himmels Goldgrund. 

Sammlung SoUy, 1821 .-. Tempera. Pappelholz, h. 0,21, br. 0,70. 




14 



UMBRISCHE SCHULE 

ÄlpTrrP'ffr» Alegretto Nuzi. 

/-ViegrCLLU Geboren zu Fabriano, 
urkundlich zuerst erwähnt 1346 als 
Mitglied der Florentiner Malerg-ilde, 
gestorben zu Fabriano, angeblich 
1385 im Alter von 79 Jahren. Tätig 
zu Fabriano, kurze Zeit zu Florenz 
und Venedig [vermutlich 1348]. 



1076 Maria mit dem Kind 
und die hll. Bartholo- 
maeus und Katharina. 
Blau hält die in Gelb, Blau 
und Zinnober schillernde Far- 
beng-ebung zusammen. Ein 
dunkelblauer Mantel um- 
schließt das karminrote Un- 
tergewand Marias, vor dem 
weißliches Blau im Kleidchen 
des Kindes steht. Nach Blau 
changiert das rosafarbesie 

Untergewand und der gelbe Mantel des Heiligen, ebenso das gelbe Gewand Katha- 
rinas, deren gelber Mantel wiederum nach Zinnober changiert. Auch im Thronsockel 
kehrt das helle Blau wieder. Im Vordergrunde stärkster Kontrast der grünen Thron- 
stufen und des karminroten Bodens. Grauweißes Fleisch. Goldgrund; der Mittelteil 
braun lasiert. 




Umbrische 
Schule des 
XIV. Jahr- 
hunderts 

1076 
1078 



Bez. auf der untersten Thronstufe: ALEGRICTVS 
Tempera. Pappelholz, h. 0,49, br. 0,26. 



DE ■ FABRIANO ME PIMXIT .-. Sammlung Solly, 1821. 




15 



Umbrisdie 
Schule des 
XIV. Jahr- 
hunderts 

III 43 



Sdiule von 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 




1078 Christus am Kreuz. Die vollsten 
Farben sind nach links verleg-t: [nachge- 
dunkeltes] Blau im Mantel, Karminrot im 
Gewände Marias und kräftiges Zinnober- 
rot im Kleide der vor bräunlichgrauem Bo- 
den knieenden Magdalena. Die Gewandung 
des Johannes zeigt lichtere Farben: Ultra- 
marinblau im Gewand und Rosa im Mantel. 
Goldgrund. 

Wohl ursprünglich mit Nr. 1076 zu einem Diptychon ver- 
einigt .". Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,49, br. 0,26. 

SCHULE VON SIENA 

r^ iir>r>ir» Duccio di Buoninsegna. Geboren ver- 
Ly liLyCHJ jjiutlich ru Siena um 1260, zuerst nachweis- 
bar 1278, gestorben im Juli 1319. Tätig zu Siena. 

1062a Gemälde in drei Abteilungen. Mittelbild: Geburt Christi. Aus dem bräun- 
lichen Gesamtton mit kühlen silbrigen Farben [hellem Blau, Grün, Rosa, Violett] wird 
Maria durch den Gegensatz des dunkelblauen Mantels und des roten Lagers hervor- 
gehoben. Das Rot kehrt wieder im Hüttendach; Joseph in rosarotem Mantel. Das 
Graubraun der Felsen geht in den Schatten in Dunkelbraun über. — Linker Flügel: 
Der Prophet Jesaias, in violettem Mantel über hellrotem Untergewand. — Rechter 
Flügel: Der Prophet Hesekiel, in dunkelblauem Mantel über hellrotem Untergewand. — 
Die Fleischfarbe ist bräunlich mit grünen Schatten. Goldgrund. 

Teil der Predella des großen Altarwerkes, das Duccio 1308 bis 1310 für den Hauptaltar des Domes zu Siena malte 

und dessen Hauptteile jetzt in der Opera des Domes aufgestellt sind .'. 
Erworben 1884 in Florenz als Geschenk. 

Tempera. Pappelholz, mit der ursprünglichen Rahmenleiste h. 0,87, 
br. 0,47, Mittelbild [ohne Rahmen] h. 0,43, br. 0,44, Flügel je 
h. 0,43, br. 0,16. 

L'UCCIO Schule des Duccio di Buoninsegna. 

111 43 Ein Engel. Mattes Ziegelrot des Gewandes und 
Gelbgrün des Mantels sind auf das stumpfe Rotbraun 
der Haare, des Gewandeinsatzes und der Flügel, deren 
Federn mit Gold eingezeichnet sind, gestimmt. Den 
bräunlichen Fleischton unterbricht in den Schatten 
die grüne Untermalung. Goldgrund. 

Erworben 1829 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h.0,18, br. 0,17. 

^imonP Simone Martini. Nach Vasari geboren 1284, 

gestorben 1344. Tätig in Siena und Umgebung 

[1321-33], Pisa, Florenz, Orvieto und Avignon [von 1339 ab]. 

1070a Grablegung Christi. Bunte Farben von 
emailartiger Leuchtkraft werden zusammengehalten 




16 






durch Rot und 
Goldgelb, zwi- 
schen denenUl- 
tramarinblau u. 
Gelbgrün ver- 
streut sind, vor 
warmem, dunk- 
lem Grund mit 
rötlich. Abend- 
himmel. In den 
sitzenden Figu- 
ren des Vorder- 
grundes sind 
die vier Haupt- 
farben aufge- 
lichtet zu Hell- 
blau, Hellrot, 
Zitronengelb, 
Ockergelb. 

Bildete ursprünglich den rechten Flügel eines Klappaltärchens, dessen übrige Stücke sich im Museum zu Antwerpen und 
im Louvre erhalten haben .'.Wahrscheinlich ist der Altar in Avignon, in Simones letzter Zeit, entstanden .■. Erworben 1901 
von Emile PacuUy in Paris .". Eigentum des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,22, br. 0,15. 




Ugol 



mo 



Ugolino di Neri [oder di Pietro?] da Siena. Geboren zu Siena, gest. angeblich 1339 
in Siena. Tätig zu Siena, wo er 1317 urkundlich erwähnt wird, und zu Florenz. 



1635 Der hl. Paulus. Über dem dunkelblauen Gewand liegt ein violettbrauner Mantel. 
Dunkelroter Bucheinband. Kastanienbraunes Haar. — Der hl. Petrus. Unter dem 
leuchtend grünen Mantel ist am Hals ein Stück des Untergewandes in kräftigem Karmin- 
rot sichtbar, das sich in der Schlüsselschnur wiederholt. — Johannes d.T. Der zinnober- 
rote Mantel deckt zum Teil das rotbraune härene Gewand, mit dem das kastanienbraune 
Haupt- und Barthaar zusammengestimmt ist. — Rotbräunliches Fleisch mit grünen 



Schule iion 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 




}f > l %l':!' .IWf V 




1635 A 
1635 B 



17 



Schule von 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 

1081 A 





Schatten. Goldgfrund. — Die Gewänder der Engel in den 
Zwickeln zeigen bunte leuchtende Farben [helles Karmin, 
Blau, Zinnober, Violett, Grün]. 

Gemalt um 1320 — 1330. Die drei Tafeln gehören zu dem vielteiligen Altarwerk, 
das Ugolino für den Hochaltar in S. Croce zu Florenz malte, und das die Be- 
zeichnung: ,,Ugolino de Senis me pinxit" trug. Vom Hochaltar entfernt, blieb 
das Altarwerk lange Zeit im Dormitorium des Konvents, wo es Della Valle ent- 
deckte. Es kam nach England in die Sammlung W. Y. Ottley ; seit ihrem Verkauf 
im Jahre 1847 datiert die Zersplitterung der einzelnen Teile. Bis 1885 waren jedoch 
13 Tafeln im Besitz des Rev.J. Füller Russell bei Enfield vereinigt. Bei der Auflösung 
dieser Sammlung kamen zwei Teile der Predella in die National Gallery, London; 
die übrigen Stücke befinden sich in englischem Privatbesitz .■. Erworben 1904 aus 
dem englischen Kunsthandel .". Eigentum des Kaiser - Friedrich - Museums-Vereins. 

Tempera. Pappelholz, jeder Flügel ii. 1,37, br. 0,57 [mit dem Originalrahmen 

aus einem Stück ]. 

1635 A Geißelung Christi. Bräunlicher Fleischton, stumpfes 
Hellrot und Grauviolett in der Kleidung der Knechte vor 
graublauem Architekturgrund erzeugen eine lichte tonige 
Gesamtwirkung. Goldgrund. 

Teil der Predella vom Altarwerk Ugolinos in S. Croce zu Florenz .'. Siehe die 
Bemerkung zu Nr. 1635 .*. Sammlung Rev. John Füller Russell, Enfield .-. Erworben 
1906 aus dem englisdien Kunsthandel. 

Tempera. Pappelhoiz, h. 0,405, br. 0,58 [mit der Rahmenleiste aus einem Stück]. 

1635b Grablegung Christi. Vorockergelb getöntem Felsen- 
grund mit bräunlichen Schatten und gegen den weißen 
Sarkophag heben sich in klaren roten, violetten, hellblauen, 
hellgrünen und goldgelben Farben die Gewänder der 
Figuren ab. Bräunlicher Fleischton mit grünen 
Schatten. Goldene Gloriolen mit eingeprägten 
Ornamenten und Goldgrund. 

Teil der Predella vom Altarwerk Ugolinos in S. Croce zu Florenz .*. 
Siehe die Bemerkung zu Nr.l635 .-. Sammlung Rev. John Füller Russell, 
Enfield .*. Erworben 1906 aus dem englischen Kunsthandel. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,41, br. 0,58 [mit der Rahmenleiste aus 

einem Stück]. 

T |T-jT-jo L'PP° Memmi. Geboren zu Siena, gestorben da- 
LiljjpU ggH,st 1357. Als Gehilfe seines Schwagers Simone 
Martini wesentlich unter dessen Einfluß gebildet. Tätig vor- 
nehmlich in Siena, einige Zeit in S. Gimignano [1317]. 

1081a Maria mit dem Kinde. Neben dem Ultra- 
marinblau des Mantels ist das Rot in der Umhüllung 
des Kindes und im Gewände Marias nach Braun 
abgestumpft. Das Fleisch zeigt einen zarten grauen 
Ton mit rosigen Lichtern. Die Gewänder sind mit 
Goldborten geziert. Reich gemusterter Goldgrund. 
Im Medaillon des Giebelfeldes der Engel der 
Verkündigung. 



18 



Bez. am unteren Rande : - LIPPVS - MEMMl DE ■ 
SENIS — .'. Auf der Rückseite ein Siegel mit den Worten : 
Inslgne Campo Santo di Pisa .'. Erworben 1863 aus 
Hofrat Fr. Försters Besitz in Berlin. 

Tempera. Pappelholz [mit dem Oriainalrahmen aus 
einem Stück], h. 0,665; die eigentliche Bildftäche 
h. 0,46, br. 0,25. 



1511 Maria mit dem Kinde. Der blaue 
Mantel der Madonna ist stark, nachge- 
dunkelt. Davor steht leuchtendes Kar- 
minrot [Umhüllung- des Kindes], das als 
Lasur auch im Inkarnat und im gold- 
verzierten Gewände Marias wiederkehrt. 
Das Fleisch mit grünen Schatten. Gold- 
grund mit eingeprägten Mustern. 

Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,275, br. 0,19. 

1067 Maria mit dem Kinde. Gegen 
das [nachgedunkelte] Ultramarinblau des 
Mantels der Madonna steht im Kleidchen 
des Kindes kräftiges Karminrot, das 
schwärzlicher im Untergewande der 
Mutter wiederkehrt. Das Kind trägt 
ein weißes Hemdchen. Rosabräunliches 
Fleisch mit graugrünen Schatten. Gold- 
grund. 

Erworben 1843. 

Tempera. Pappelhotz, oben ursprünglich spitzbogig abgeschlossen, 
h. 0,77, br. 0,55. 

1072 Maria mit dem Kinde. Vor ultramarinblauem 
Mantel mit weißem Umschlag die rosafarbene, in den 
Schatten karminrote Umhüllung des Kindes. Dasselbe 
Rosa findet sich heller im Inkarnat wieder. Das dunkel- 
rote Untergewand ist mit goldenen Ornamenten ver- 
ziert. Den Boden deckt ein bunter, rot, blau und 
gelblich ornamentierter Teppich, auf dem das gold- 
gemusterte Sitzpolster liegt. Goldgrund mit einge- 
prägten Mustern. 

Das Bildchen wird neuerdings dem Bartolo di Maestro Fredi [geboren um 1 330, 
gestorben imjanuar 1410 zu Siena] zugeschrieben .*. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,28, br. 0,19. 




Schule von 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 

1067 




1072 



19 



Schule von 

Siena im 

XIV. Jahr- 

hundert 



1054 





Schule von Siena um 1350 

1071 A Maria mit dem Kind und die hl 1. Franziskus, 
Jakobus d. A., Bruno und Laurentius. Zwischen 
Graubraun und Weiß der Gewänder des Franzis- 
kus und Bruno steht der dunkelblaue Mantel Marias 
gegen zinnoberroten, goldgemusterten Teppich. Grau- 
brauner Thronsockel. Auch im Inkarnat dringt das vor- 
herrschende Graubraun durch. Der Boden ist blau, rot 
und braun marmoriert. — Oben in drei Runden: 
Christus, Maria und Johannes in leuchtendem Ultra- 
marinblau, Zinnoberrot und Goldgelb [Haare]. — 
Goldgrund. 

Erworben 1863 [?]. 

Tempera. Pappelholz, in der ursprünglichen Einrahmung mit dem Giebel- 
feld h.0,56; das Hauptbild h. 0,36, br. 0,25. 

Yonr-ii AndreaVanni. Geboren 1332 zu Siena, gestorben 1414 [?]. 
dlHll Xätia zu Siena. 

1054 Maria mit dem Kinde. Der [stark nachgedun- 
kelte] blaue Mantel Marias hebt die Figur mit dem 
rosa-graugrünlichen Fleischtone kräftig vom Goldgrund 
ab. Das mit Goldmustern durchsetzte Gelbrot im Kleid- 
chen des Kindes kommt als Zinnober im Gewände der 
Madonna wieder. 

Erworben 1907 als Geschenk. 

Tempera. Pappelholz [mit dem ursprünglichen Rahmen aus einem Stück], 
h. 0,60; die eigentliche Bildfläche h. 0,50, br. 0,243. 




Lorenzetti £'^,:,h7 



)renzetti [in Urkunden: Petrucciodi Lorenz oj. 

[?] Bruder Ambruogio Lorenzettis. Urkundlich zu- 
erst 1305 als Meister nachgewiesen. Tätig zumeist in Siena bis 1348, zeit- 
weilig in Florenz, Pisa und Arezzo. 



1077 Die hl. Humilitas heilt eine kranke Nonne. Weiß 
und Grau der Architektur, Schwarz und Graubraun der Non- 
nentracht und Olivgrün der Bettdecke bestimmen den hellen 
kalten Ton des Bildes, der durch helles Ziegelrot der Dächer 
und des Fußbodens, durch Hellocker der Bettstatt und das 
hellkarminrote Gewand des Arztes nur wenig erwärmt wird. 
Goldgrund. 

Dieses und das folgende Bild gehören zu einem ntehrteiligen Altare, der jetzt — bis 
auf die beiden in Berlin befindlichen Stücke — in der Akademie zu Florenz aufbe- 
wahrt wird. Dieser Altar, in seinem Mittelstück die heilige Humilitas in ganzer Figur 
und ringsum in elf Abteilungen Vorgänge aus ihrem Leben darstellend, muß zu den 
Werken Pietro Lorenzettis gerechnet werden. Unter dem Mittelbilde findet sich die 
[jedenfalls erneute] Inschrift: A. MCCCXLI. hec sunt miracula beate Humilitatis prime 
abbatisse et fundatricis hujus venerabilis monasterii et in isto altari est corpus ejus. 
Der Altar, urspninglich gemalt für das Nonnenkloster Vallombrosa [unweit Florenz], 



20 




Schale von 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 



1077 
1077 A 



dessen Gründerin und erste Äbtissin die heilige Humilitas war [d. i. Rosana, 
die Gemahlin des Ugolotto de' Caccianemici von Faenza, als Heilige S. Umiltä ge- 
nannt, geb. 1226], kam aus dem Kloster S. Servi bei Florenz in die Akademie. 
Über seine Entstehung berichtet eine Biographie der Heiligen vom Jahre 1632. 
Von den dort erwähnten 14 quadretti finden sich jetzt nur 13 einschließlich der 
Berliner Bilder .". Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,46, br. 0,56. 

1077a Der Tod der hl. Humilitas. Die farbig-e Wir- 
kung ist ähnlich wie in Nr. 1077. Lichtgrüne Töne in 
Brunnen und Bettdecke sprechen hier neben dem hellen 
Ziegelrot der Dächer und des Fußbodens am stärksten. 
Goldgrund. 

Gehört zu einer Folge mit Nr. 1077 [siehe die Bemerkung daselbst] .". Erworben 
1888 in Berlin. 

Tempera. Pappelholz, b. 0,42, br. 0,31. 

LI I • Schule des Ambruogio Lorenzetti [1323 als 
Ol dlZcLLl Maler genannt und nach 1345 nicht mehr erwähnt]. 

1094a Geburt Christi [Teil eines Altars]. Die Landschaft 
in schmutzig gelbgrauem Ton mit weißgrauen Lichtern. 
Die Tracht der Hirten ist rotbraun und blaugrau. Zur 
Belebung der schweren Gesamtfärbung dienen Karminrot 
und Blau in der Gewandung Josephs, tiefes Blau in den 
Gewändern Marias und der Engel. Die Engel der Ver- 
kündigung an die Hirten [oben] sind in hellem Rosa auf 
den Goldgrund lasiert. Im Dreipaß des Giebelfeldes die 
Verkündigung Maria. 

Erworben 1896 aus italienisdiem Kunsthandcl als Geschenk. 

Tempera. Pappelbolz [ mit dem ursprünglichen Rahmen aus einem Stück ], 
h. 0,855; die Hauptdarstellung h. 0,49, br. 0,255. 




— 1094 A 



21 



Schule von 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 

1094 



1097 



.^PljM j ft J* ■* fe-^ LorenZetti Schule des Ambruogio Lorenzetti. 

1094 Der hl. Dominicus [das ihm an der Zellen- 
wand erscheinende Kreuz verehrend]. Vor weißer 
Architektur stehen lichte kühle Töne: Rosa in 
den Gewändern der Engel, gelblicher im Fußboden, 
und Ultramarinblau im Gewände der zuschauen- 
den Frau. Schwarz in der Tracht des Heiligen, 
der Decke des Gemachs und den Offnungen der 
oberen Galerie. 

Neuerdings Andrea Orcagna zugeschrieben .■• Erworben 1829 durch 
Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,37, br. 0,30. 

LiOrGnZGttl Kopie nach Ambruogio Lorenzetti. 

1097 Aus der Legende einer Heiligen 
[Helena?]. Unter bunten Lokalfarben, na- 
mentlich Karmin, Zinnoberrot und Gelb, wird 
die Heilige hervorgehoben durch das starke 
Ultramarinblau ihres Mantels. Hellrote Archi- 
tektur, ockergelber Strand und weißblaues 
Meer. 

Freie Kopie nach einem Bild Ambruogio Lorenzettis, einen 
Vorgang aus der Legende des hl. Nikolaus von Bari dar- 
stellend, in der Akademie zu Florenz, wahrscheinlich von 
der Hand eines Sieneser Meisters um 1420, der Verwandt- 
schaft mit Giovanni di Paolo zeigt .". Erworben 1823. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,25, br. 0,32. 




Schule von Siena um 1350 — 1380 

1069 Darstellung aus der Legende der hl. Margaretha. Vor dunkelgrauem 

1069 vi^^s^^B^i^^^s^^^^" B- ^m^t^ i^^ j^- ifci.- •• _ Felsengrund mit dunkel- 

grünen Bäumen ist Zin- 
noberrot [Heilige, Feld- 
herr, Gefährtin rechts], 
Goldgelb und Rotbraun 
verstreut. Goldgrund an 
Stelle des Himmels. 

Die Heilige,die in Pisidien die Herden 
ihres Vaters Theodosius, eines heid- 
nisdien Priesters in Antiochien, hütet, 
wird auf Befeh! des Olybrius [ Feld- 
herrn des römischen Kaisers Aure- 
lian], der sie zum Weibe begehrt, hin- 
weggefuhrt .'.Sammlung SoUy,1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,22, 
br. 0.40. 




22 



Bi 1 Bartolo di Maestro Fredi [dei Bat- 
ariOlO tilori?]. Geb. um 1330, gest. im Januar 
1410 zu Siena. Tätig in Siena und Umgebung. 

1142 In zwei Abteilungen. Oben: Ver- 
kündigung-. Dunkelblau und Karminrot 
der Kleidung Marias stehen im harten 
Gegensatze zu den zarten, mit eingepräg- 
ten Goldmustern durchsetzten graublauen 
und rötlichen Tönen in der Gewandung 
des Engels und dem von Cherubim ge- 
tragenen Christkind. — Unten: Sechs 
Heilige: Hieronymus, Franziskus, Au- 
gustinus, Agnes, Klara, Katharina. Rot- 
gelbe, von eingeprägten Goldmustern 
durchsetzte Töne in der Mitte klingen 
nach den Seiten über kräftiges Ultrama- 
rinblau in Rot aus. — Goldgrund. 

Erworben 1828 29 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,525, br. 0,385 [mit der 
Rahmenleiste aus einem Stück]. 



Schule von 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 



Tadd 



Art des Ta 

eo bis 



iddeo di Bartolo [1363 

1422]. 

1095 Kleine Altartafel. Mittel- 
bild: Maria mit dem Kind und die 
hll. Katharina und Johannes d.T. Der 
Kontrast, den der ultramarinblaue 
Mantel Marias und der zinnoberrote 
Behang des Thrones bilden, be- 
herrscht die Altartafel und kehrt auch 
im mittleren Giebelfeld und im linken 
Flügel wieder. Das Kind in rot- 
gelbem Kleidchen und grauer Um- 
hüllung vor rosarotem Kleide Marias. 
Die Gewänder der Heiligen und] 
Engel zeigen lichte, ins Graue spie- 
lende Töne, besonders Rosa und 
Graublau. Im Giebelfelde erscheint 
Zinnoberrot im Kleide Magdalenas 
zwischen Blau und Rosa. — Linker 
Flügel: Die hll.Stephanus und Lau- 
rentius, der erstere in zinnoberrotem, 
der andere in ultramarinblauem Or- 
nat mit eingeprägtem Goldbesatz; 
im Giebelfelde der Engel der Ver- 





1095 



23 



Schule X'on 
Siena im 
XIV. Jahr- 
hundert 

1062 B 



1171 



Schule von 
\fodena im 
XIV. Jahr- 
hundert 




kündigungf in hellkarminrotem Mantel, der über blauem 
Gewände liegt. — Rechter Flügel: Der hl. Franziskus 
und ein Heiliger mit Schwert in gelbgrünem Gewand 
und rosafarbenem Mantel; im Giebelfelde Maria, 
die Verkündigung empfangend, in denselben Farben 
gekleidet wie der Engel der linken Seite. — Rosiger 
Fleischton mit hellgrünen Schatten. — Goldgrund. 

Erworben 1829 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz [mit dem ursprünglichen Rahmen aus einem Stück], 
Mittelbild h. 0,40. br.0,17; Flügel je h. 0,38, br. 0,07. 

_^*_ Francesco [Francio] di Vannuccio. Geb. 
IlllUL^ClU 2u Siena, tätijf daselbst, und in der Sieneser Maler- 
iste als Francio di Vannuccio verzeichnet; zuerst 1361, zuletzt 
1388 urkundlich erwähnt. 

1062b Christus am Kreuz. Die Farbenwirkung ist 
trocken und erinnert an Guaschemalerei. Dunkelblau 
im Mantel Marias und Hellblau mit hellem Karminrot 
in der Gewandung des Johannes dominieren gegen 
das Grau der Landschaft und Schwarz in den Trachten 
der beiden knienden Figuren. Zinnober- 
roter Mantel des Bischofs. Goldgrund. 
Von dem Stifter [Franziskaner] gehen die 
Worte aus: Pate • drie • speravi nö cöfun- 
dar in aeternum, von dem hl. Bischof: 
vulnerasti dne carnem. caritate tua . — 
Rückseite [Unterglasmalerei in Gold, 
Weißblau und Gelbrot]: Maria mit dem 
Kinde, auf einem Throne sitzend, zwischen 
einem männlichen und einer weiblichen 
Heiligen und dem Donator [Franziskaner], 
von dem die Worte ausgehen: Misere mei 
et audi orationes meas. 

Bez. auf der Leiste des Rahmens : FRANCISCHVS DEV AN- 
NUCIO DESENIS PINSIT HOC HOPVS MCCCLXX ...... 

Das kleine Altärchen [ mit seinem gotischen Rahmen aus 
einem Stücke] diente wohl als Abzeichen einer religiösen 
Körpersdiaft bei Umzügen und dgi. .*. Erworben 1885 in 
Florenz als Geschenk des Herrn James Simon. 

Tempera. Pappelholz, h. [die eigentliche Biidfläche 
bis zur Spitze des Mittelgiebels] 0,24, br. 0,18. 

SCHULE VON MODENA 

D V Barnaba daModena.Geb.zuModena, 

Darnaua tätig in Modena [1364— ISSOJ, Genua 
[daselbst urkundlich 1364, 1370, 1380 u. 1383 nach- 
gewiesen], Pisa [1380] und Piemont [um 1377]. 

1171 Maria mit dem Kinde. Das gelb- 
rote Gewand des Kindes hebt sich grell 



24 



vom dunkelblauen Mantel ab, in den die Falten mit Gold einge- 
zeichnet sind. Das schwärzlich karminrote Kleid ist am Hals, am 
Ärmel und unten sichtbar. Das Fleisch zeig-t schwere dunkel- 
braune Schatten. Goldgrund. 

Bez. unten in goldener Schrift auf rotem Grunde : - Barnabas • deniutiiia pinxit MCCCLXVIIIl 
.-. Erworben 1845. 

Tempera. Leinwand auf Pappeiholz, h. 1,06, br. 0,66. 

SCHULE DER ROMAGNA 
Um 1330—1350 

1110 Fünf Darstellungen aus dem Leben Christi. Die 
Färbung aller Darstellungen ist durch den Kontrast von Blau- 
grün und Rosa bestimmt, belebt durch wenig Zinnoberrot. Die 
dunkelblaugrünen Gewänder Christi und Marias sind mit Gold- 
zeichnung geziert. An Stelle des Himmels Goldgrund mit ein- 
geprägten Ornamenten. 

a] Christus vor Pilatus. Rosa in der Gewandung der Gruppe 
links und im Untergewande Christi hält dem Blaugrün der 
rechten Seite die Wage, das wieder von Rot und Hellgelb 
[Schild] durchbrochen wird. Graue Architektur. 

b] Der auferstandene Christus. Rosa im Mantel der Ma- 
donna links und im Sarkophag steht vor grünlichem Grau 
der Felsenlandschaft. Der Engel in hellblaugrünem Gewand, 
mit dunkelblaugrünen Flügeln. Im Vordergrunde Blaugrün, 
Zinnober [Schilde] und Hellgelb in der Bewaffnung der 
Wächter. Zinnoberrot kehrt wieder in der Kreuzesfahne. 

c] Christus in der Vorhölle. Kaltes Karminrot und Dunkel- 
grün in den Gestalten Christi und des Königs links heben 
sich gegen hellblaugrünen Felsen ab. Die Gruppe rechts ist 
gleichfalls in kühlen graublauen und grünlichen Tönen ge- 
halten. 

d] Christi Himmelfahrt. Zinnober, Hellkarminrot und Blau- 
grün auf der linken Seite stehen auf der andern gelbbraune 
und graublaue Töne gegenüber. Graublau wiederholt sich 
im felsigen Boden. Die Engel in Blaugrün und Rosa. 

e] Ausgießung des hl. Geistes. Blaugrün und Grau [z.B. 
in den Treppenstufen] werden durchbrochen von Zinnober- 
rot [Untergewänder, Flammen], Hellkarminrot und Gelb- 
braun. 

Sammlung SoUy, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. je 0,16, br. je 0,15. 




Schule von 
Modena im 
XIV. Jahr- 
hundert 






.,^'^.. 




Schule der 
Romagna 
im XIV. 
Jahrhundert 

1110 



25 



Venetiani- 
che Schule 
des XIV. 
Jahrhun- 
derts 



VENETIANISCHE SCHULE 

LiOrCnZO Lorenzo Veneziano. Tätig in Venedig, nach urkundlichen Nachrichten von 1357 — 1379. 

1650 Zwei Teile von einem Altar. Der hl. Marcus. Der dunkelblaue, im Um- 
schlag gelbgrüne Mantel ist mit goldgelben Borten besetzt. Darunter ist das rosa- 
farbene Gewand mit grünem Besatz sichtbar. Zinnoberroter Bucheinband. — Johannes 
der Täufer. Über dem härenen Gewand von gelbbrauner Farbe liegt ein gelbgrüner 
Mantel. — Dunkelrotbraunes Fleisch mit dunkelbraunen Haaren. Goldgrund. 

Erworben 1906 aus dem englischen Kunsthandel. 
Pappelholz, jede Tafel h. 0,74, hr. 0,27. 



1650 




26 



ITALIENISCHE SCHULEN DES 
XV. JAHRHUNDERTS 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




1123A 




FLORENTINISCHE SCHULE 

orPTlVO '-'°" Lorenzo gen. il Monaco [Kamaldulensermönch im 
UlCIlZU Kloster degli Angeli zu Florenz]. Geburts- und Todesdatum 

unbekannt. Tätig um 1390 — 1425, vornehmlich zu Florenz. Nach Vasari 

55jährig gestorben. 

1119 Maria mit dem Kind, Johannes d. T. und der 
hl. Nikolaus. Kühle auf Graublau gestimmte Töne: in 
der Gewandung Marias [hellblaugraues Unterkleid, blau- 
schwarzer, im Umschlag hellgrüner Mantel, hellgraublaues 
Kopftuch] und der Engel [hellblau und grauviolett] über- 
wiegen. Bräunliches Zinnoberrot [Teppich], Hellrosa im 
Gewände des Kindes, noch matter im Mantel des Johannes 
und Hellzinnoberrot [über Graublau] im Mantel des hl. 
Nikolaus. Grünlicher Boden. Goldgrund. 

Datiert auf der Thronstufe; Anno domini MCCC [unvollständig] .-. Aus der früheren 
Zeit des Meisters .". Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,90, br. 0,49. 

1123a Maria mit dem Kinde. Der dunkelblaue, im Um- 
schlag goldgelbe Mantel Marias läßt vorn das mit goldenen 
Sternen besetzte graublaue Untergewand sehen. Karminrot 
im Gewände des Kindes kehrt als Rosa im Erdboden wieder. 
Lichte Fleischfarbe mit durchscheinendem Grün. Gold- 
grund. — Unten in drei Medaillons auf Goldgrund: Christus 
im Grabe, Maria, Johannes d. Ev. 

Erworben 1903 aus dem florentiner Kimsthandel als Geschenk. 

Tempera. Pappelholz, mit dem Tabernakelrahmen aus einem Stück, h. 1,48, 
br. 0,76. 

A_, 1* Fra Giovanni da Fiesole gen. Ano^elico oder 

Ilg^eilCO Beato Angelico, auch Fiesole. Geboren 1387 
in der florentinischen Provinz Mugello, trat 1407 zu Fiesole in 
den Dominikaner- Orden, gestorben zu Rom am 18. März 1455. 
Tätig vornehmlich in Fiesole [1418 — 1436] und Florenz [1436 
bis 1446], zeitweilig in Cortona [zv^ischen 1409 und 1418], Or- 
vieto [1447] und Rom [zwischen 1446 und 1455]. 

60 Maria mit dem Kinde und die hll. Domini- 
kus und Petrus Martyr. Von dem goldgemusterten 
Teppich mit rotem Grund heben sich kräftige bunte 
Lokalfarben ab: Ultramarinblau, das sich nach vorn 
zu auflichtet, im Mantel, Gelb im Mantelumschlag, 
tiefes Karminrot im Untergewande Marias. Das Kind 
in rosafarbenem Kleid mit Goldbortenbesatz. Zarter 
rosiger Fleischton. 

Aus der früheren Zeit des Mei.sters -■. Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,70, br. 0,51. 



28 



60a Flügelaltar. Das jüng-ste Gericht. Mittel- 
bild: Die obere Hälfte zeigt vorwiegend hell- 
blaue und rote Töne in allen Abstufungen gegen 
den Goldgrund. Christus in hellgraublauer Ge- 
wandung auf gleichfarbigen Wolken ist umgeben 
von zinnoberroten Seraphim mit goldenen Flügeln, 
die wiederum nach einer saftgrünen von einer 
hellblauen Sphäre umgeben werden. Die Apostel, 
Evangelisten, Propheten, Heiligen und Engel zu 
den Seiten in lichten blauen, roten, violetten und 
olivgrünen Gewändern, die reich mit Gold geziert 
sind. Die untere Hälfte des Bildes ist in kräftigeren 
Lokalfarben [vor allem Blau und Rot] gehalten 
vor schmutzigbraunem und dunkelgrünem Hinter- 
grund: links lichtes Gelbbraun der Ordenstrachten 
zwischen Hellblau und Hellrot; rechts Schwarz und 
Braun [Teufel] zwischen Ultramarin, Dunkelrot 
und Goldgelb. — Linker Flügel: Vor dunklem 
Grün stehen lichte, zarte Farben [Violettblau, Hell- 
braun, Karminrot, Zinnoberrot], unter denen das lichte Braun der Mönchstrachten über- 
wiegt. Alle Gewänder und die Flügel der Engel sind reichlich mit Gold verziert. — 
Rechter Flügel: Im oberen Teil die gleichen lichten Farben wie im Mittelbild. Unten 
vor dem schwarzbraunen Grund der Hölle das gelbbraune Fleisch der Verdammten, das 
Rot des Feuers, Rotbraun, Grauschwarz und Gelbgrün der Teufelsgestalten. 




Florentini- 
sche Schule 
desXV. 
Jahrhun- 
derts 

hO 



Aus der Zeit des römischen Aufent- 
haltes, mithin wahrscheinlich 1446'47 
oder bald nach 1450 gemalt .'. Im 
Jahre 1811 befand sich das Bild im 
Besitz eines Bäckers zu Rom, von dem 
es bald nach 1816 Kardinal Fesch er- 
warb -■. Bei demVerkaufe der Samm- 
lung Fesch im Jahre 1845 zog es einer 
der Erben, Fürst Musignano, Sohn 
des Lucien Bonaparte, zurück, um es 
später an Lord Ward, den nachmali- 
gen Earl of Dudley, zu verkaufen .-. 
Erworben 1884 aus der Sammlung 
des Earl of Dudley zu London. 

Tempera. Pappelholz, Mittel- 
bild, h. 1,01, br. 0,63; Flügel je 
h. 1,01, br.0,27. 



61 Die hll. Dominikus u. 
Franziskus. Das Gelb- 
braun der Franziskaner- 
tracht, das mit dem gleich- 
farbigen Erdboden zu- 
sammengeht, und Schwarz 




60 A 



29 



Florentini- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




mit gelbbräunlichem Weiß 
der Dominikanertracht ste- 
hen vor hellrosa und gelb- 
brauner Architektur, deren 
hellrote Dächer sich gegen 
den tiefblauen Himmel ab- 
heben. Der gelbbraune Bo- 
den des Vordergrundes geht 
nach rückwärts in Graublau 
über. Oben von Gold- 
strahlen umgeben Christus in karminrotem Gewand und hellultramarinblauem Mantel, 
Maria in weißlichblauem, mit goldenen Sternen besetztem Mantel. 

Gegenstück zu Nr. 62 .*. Erworben 1823. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,26, br. 0,31. 

62 Verklärung des hl. Franziskus. Das Gelbbraun der Franziskanertracht kehrt wieder 
in der Holzdecke und in einer wärmeren, gelblicheren Abstufung in den Wänden. Gegen 
diese Töne stehen bräunliches Hellrot des Fußbodens und etwas Grün im Türausschnitt. 

Gegenstück von Nr. 61 .•. Erworben 1823. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,26, br. 0,31 



ICO Schule des Fra Giovanni Angelico da Fiesole. 



Angel 

57 Das jüngste Gericht. Christus in rosafarbenem Gewand und stumpfblauem, im 
Umschlag grünem Mantel ist umgeben von zinnoberroten, blauen, dunkelgrünen, gelben 
und violetten Tönen in den Gewändern und Flügeln der Engel. Reiche Goldverzierung. 

Die Heiligen, Apo- 



stel undKirchenväter 
rechts und links in 
blauen, violetten, 
zinnoberroten, hell- 
karmin, gelben und 
grünen Gewändern 
mit Goldbesatz und 
goldenen Gloriolen, 
auf grauvioletten 
Wolken vor dunkel- 
blauer Luft, die sich 
nach unten auflichtet. 
Unten vor grauem 
Steinboden in der 
Mitte kräftiges Blau 
und Zinnoberrot in 
der Kleidung des 




30 



auferstehenden Jünglings links, dem ein hellkarminrot 
gekleideter Engel aufhilft. Rechts ein Mann, dessen 
hellrotes Gewand nach Blau changiert, mit dunkel- 
grünem Mantel, von ockergelb gekleidetem Engel mit 
zinnoberroten Flügeln aufgerichtet. Ganz links vor 
dunkelgrünem Grund kühle lichte Farben; rechts vor- 
wiegend Grau, weißliches Blau und Schwarz, mit Zin- 
noberrot untermischt. In den Zwickeln: Daniel, Jere- 
mias, Jesaias, Elias. 

Bez. auf dem Sockel des Rahmens: HOC OPVS FEC. FIERl JACOBVS LODO- 
VICI S JACOBlTjivil LEI DE VILLANIS PRO REMEDIO "AIE SVE ET DN. MAG- 
DALENE VXORIS EIVS ET .SVORVM. ANNO DOMINI MILESIMO CCCCL VI .'. 
Das Bild ist also ein Jahr nach dem Tode des Fra Angelico gemalt .'- Die Aus- 
führung ist von verschiedenen Händen .'. Einige Teile erinnern an die Kunst- 
weise Cosimo Rossellis .". Sammlung Solly. 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 1,81, br. 2,84. 



B 



enozzo 




Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



Benozzo Gozzoli, eigentlich Benozzo di Lese 

di Sandro. Geb. 1420 zu Florenz, gest. 1498 zu Pisa. 
Zuerst als Goldschmied und Erzbildner Gehilfe des Lorenzo Ghiberti 
[1444]; als Maler Schüler des Fra Giovanni da Fiesole und dessen 

Gehilfe; 1446 in Rom, 1447 in Orvieto. Tätig zu Montefalco [1449 bis um 1455], kurze Zeit in Perugia 
[1456] und Rom [1458], zu Florenz [1459—1462], in S. Gimignano [1463 bis um 1468] und vor- 
nehmlich in Pisa [1469 — 1485 oder noch länger]. 

60b Maria mit dem Kind und die hll. Magdalena und 
Martha. Die Gesamtfärbung ist sehr licht und spielt ins 
Graue. Helles Blau im Mantel Marias vor goldenem ge- 
mustertem Vorhang kehrt wieder im Untergewande Mag- 
dalenas, das dumpfe Karminrot des Gewandes der Maria im 
Mantel Magdalenas und dem unter gelbgrünem Mantel sicht- 
baren Gewände Marthas. Ockergelbes Kissen auf schmutzig 
grauem Boden. Die Engel in rosafarbenen Gewändern 
und rosa -gelbgrünen Flügeln vor dunkelblauer Luft. 

Verwandt der 1450 datierten Altartafel des Meisters, die Gürtelspende darstellend 
[ in der Sammlung des Laterans zu Rom ] .'. Stammt aus der Nähe von Perugia .•. 
Erworben 1883 von A. Castellani in Rom. 

Tempera. Pappelholz, ohne den alten Originalrahmen h. 0,59, br. 0,36. 



ManViia\/^lli Zanobi [Cenobius] Machiave 
aCniaVeill gestorben den 7. M 



Geboren 1418, 
arz 1479. 

94 A Der hl. Jakobus. Über dem gelblichgrauen härenen 
Gewand, aus dem die roten Ärmel des Untergewandes 
hervorkommen, liegt der karminrote Mantel mit dunkel- 
grünem Umschlag. Das Karminrot des Mantels kehrt 
im Bucheinband wieder. Rotbraunes Fleisch und gelb- 
braunes Haar. Bräunlichgrauer Erdboden. Goldgrund. 

Bez. am unteren Rande mit der modern übermalten Inschrift: M. CCCCLXIII. 

PINSIT. CENOBIVS. DE MACHIAVELLIS .'. Erworben 1888 als Geschenk des 

Herrn Geheimrats R. v. Kaufmann. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,235, br. 0,49 [ohne den aufgesetzten alten Rah- 
mengiebel]. 




94 A 



31 



Florentini- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



58 C 



58 B 



5SA 




QCQr*r'ir~» Tommaso di Ser Giovanni 
dödCCIU jjj Simone Guidi, gen. Ma- 
saccio. Geboren in Castello S. Giovann 
im Arnotal den 21. Dezember 1401, jest 
zu Rom 1428 [wahrscheinlich gegen Ende 
des Jahres]. Angeblich Schüler Masolinos 
Tätig vornehmlich zu Florenz [1421, 1422 
1424 und 1427 urkundlich erwähnt], einige 
Zeit in Pisa [1426] und Rom. 

58c Die Wochenstube einer vor- 
nehmen Florentinerin. Weiße 
Architektur mit schwarzen Bändern, 
graublauen Säulen und dunkelultra- 
marinblauen Gewölben. Die Rück- 
wände sind schmutziggraubraun. 
In den Figuren kräftigt sich die Fär- 
bung von gedämpften, meist rot- 
bräunlichenTönen links und Schwarz 
im Hintergrunde nach vorn u. rechts, 
wobei Ultramarinblau [Frau in der 
Mitte, Magd ganz rechts] und Zin- 
noberrot [Wappenlilien, Frau hinter dem rechten Pfeiler, Magd rechts hinten] den Haupt- 
kontrast bilden, der in der Mitte von Rotbraun [nach links blickende Frau, Boden], rechts 
von Ockergelb [Frau mit Kind, Bettstatt] und Rotbraun [Bettdecke] begleitet wird. 

Das Bild ist ein ,,Desco da parto", deren mehrere im Inventare der mediceischen Kunstschätze — darunter auch einer von 
Masaccio — erwähnt werden, bemalte runde Platten, auf denen den Wöchnerinnen Geschenke überbracht und Speisen dar- 
gereicht wurden -■- Unsere Darstellung zeigt den innigsten Bezug zum Zwecke der Tafel .*. Ein Jüngling auf unserem Bilde 
trägt einen desco da parto .'. Erworben 1S83 in Florenz. 

Pappelholz, Durchmesser [ mit dem zugehörigen Rahmen ] 0,56. 

58b Tafel mit zwei Darstellungen neben einander. Links: Martyrium des hl. Petrus. 

Vor hellgrauem Archi- 
tekturgrund gebrochene 
lichte Töne: Rosa u. Blau- 
violett in der Kleidung 
der nagelnden Henkers- 
knechte, Ockergelb und 
Graublau in den Soldaten 
links, mit Silber verziertes 
Graublau der Rüstungen. 
Aus der kühlen Gesamt- 
färbung hebt sich warm 
der rotbraune Fleisch- 
ton heraus. Das Ganze 
wird übertönt von leuch- 
tendem Zinnoberrot in 
den Schilden, das in der 




32 




gleichen Stärke als füh- 
rende Farbe in allen 
Teilen der Predella 
wiederkehrt und diese 
koloristisch zusammen- 
hält. — Rechts: Mar- 
tyrium Johannis d. T. 
Die Färbung entspricht 
der vorhergehenden 
Darstellung. Zwischen 
Graublau, Hellkarmin, 
Ockergelb bricht das 
Zinnoberrot der Schil- 
de hervor. 

Gehört mit dem folgenden Bild 
und Nr. 58 E zu der Predella eines 
von Vasari erwähnten Altarwer- 
kes, das Masaccio 1426 im Auftrage des Giuliano di Colino degli Scarsi. Notaro di S. Giusto, für die Kirche del Carmine zu 
Pisa malte .'. S. auch Nr. 58 D .-. Das Hauptbild stellte Maria mit dem Kinde zwischen den hll. Petrus, Johannes d. T., Julianiis 
und Nikolaus dar .'. Sein Mittelstück glaubt man neuerdings in der Madonna mit Kind und musizierenden Engeln in der Samm- 
lung A. F. Sutton-Brant Broughton wiedererkannt zu haben .*. Die Bekrönung der Mitte bildete die Darstellung des Gekreuzig- 
ten mit Maria, Johannes und Magdalena [ Neapel, Museum ], die der Seiten Paulus [ Pisa, Museum ] und Andreas [ Graf Lancko- 
ronski, Wien] .'. Die Predella enthielt nach Vasari fünf Darstellungen in drei Tafeln, in der Mitte die Anbetung der Könige, 
einerseits die Martyrien des Petrus und des Johannes, anderseits Darstellungen aus den Legenden des Julianus und Nikolaus .-. 
Die Pilaster des Rahmenwerkes schmückten Einzelfiguren von Heiligen [vgl. Nr. 58 D] .-. Das ganze Altarwerk war schon um 
1750 aus der Kirche verschwunden .*. Erworben 1880 aus der Sammlung des Marchese Gino Capponi zu Florenz. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,21, br. 0,61. 

58a Anbetung der Könige. Vor braungrauer Landschaft mit rotbräunlichen Tiefen und 
hellblauen Bergzügen am Horizont sind die leuchtendsten Farben in der Mitte angeordnet: 
Ultramarinblau im Mantel Marias, im Gewände Josephs und des jüngsten Königs, Zin- 
noberrot in der Umhüllung des Kindes, den Beinkleidern des jüngsten Königs, den Röcken 
seiner beiden Diener und den Beinkleidern des vorderen Stifters. Joseph in ockergelbem 
Mantel, die beiden knieenden Könige in dunkelolivgrünen und in lichtkarminroten Ge- 
wändern. Die Stifter sind schwarz und grau gekleidet. Nach den Seiten zu sind die 
Farben in Übereinstimmung mit dem Hintergrund zu Grau und Rotbraun gedämpft. 

S. die Bemerkung zu Nr. 58B .•- Erworben 1880 aus der Sammlung des Marchese Gino Capponi zu Florenz. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,21, br. 0,61. 

58 D Vier Heilige. Auf allen vier Tafeln kehrt in der Gewandung das schmutzig gelb- 
bräunliche Weiß wieder, abwechselnd mit Dunkelgraubraun und Zinnoberrot [Bücher, 
Obergewand des dritten 

Heiligen, vielleicht Hie- i ^^h^h '^'' U M 

ronymusj. Der gelbliche ^^P^^H ^ Ivp: 

Mantel desBischofszeigt 
hellweißrote Schatten. 
Braunrotes Fleisch. 
Goldgrund mit einge- 
prägten Gloriolen. 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

58 D 




33 



Florentini- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




Die vier Tafeln gehören wie Nr. 58 A, 58 B und 58 E zu dem von Ma- 
saccio für die Kirche del Carmine in Pisa 1426 gemalten Altarwerk 
und schmückten wahrscheinlich die Pilaster des Rahmenwerkes .'. 
Charles Butler, London .-. Erworben 1905 aus dem englischen 
Kunsthandel .*. Eigentum des Kaiser- Friedrich -Museums -Vereins. 
Pappelholz, jede Tafel h. 0,38, br. 0,125. 



Mcico/->/^i/-v Werkstatt des Masa 
abaCClU Andrea di Giusto 




saccio. Wahrscheinlich 

[Manzini] aus Florenz 

[gest. den 2. Sept. 1450], der laut Urkunde vom 24. Dez. 

1426 den Meister bei der Arbeit am Pisaner Altarwerk 

unterstützt hat. 

58e Tafel mit zwei Darstellungen neben- 
einander. Links: Der Elternmord des hl. 
Julian. Am kräftigsten wirkt wieder Zinnober- 
rot in der Kleidung des mit dem Schwert aus- 
holenden Heiligen u. dem auf rotbraunem Boden 
liegenden Mantel gegen Blau, das sich nach 
Dunkelblaugrün verändert hat, in der Bettdecke. 
Vor dunkelgrauer Wand ockergelbe Bettstelle. 
Ganz rechts der Heilige nochmals in zinnober- 
rotem Kleid, im Gespräch mit seiner Frau, die 
ein gelbgrünes Gewand trägt. — Rechts: Der 
hl. Nikolaus beschenkt drei mitgiftlose Mädchen 
mit goldenen Kugeln. Die Färbung entspricht 
der linken Seite. Der Heilige in zinnoberrotem 
Obergewand mit blaugrünen Ärmeln u. Bein- 
kleidern. Die schlafenden Mädchen in zinnober- 
roten, blaugrünen und violettbraunen Kleidern. 

Teil der Predella von Masaccios Altarwerk in Pisa .'. S. die Bemer- 
kung zu Nr. 58 B .-. Erworben 1908 als Geschenk. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,21, br. 0,61. 

Florentinische Schule um 1450 

1141 Der hl. Antonius von Padua. In grauschwarzem 
Ordenskleid, von dem sich der rote Bucheinband ab- 
hebt; mit lichtem rotbraunem Fleischton. Vor dem 
goldenen Grund Christus und Maria in hellen kühlen 
Tönen. Grauviolette Balustrade mit dunkelbraunen 
und schwarzen Füllungen. Rot, gelb und schwarz mar- 
morierter Boden. 

Der Meister dieses Bildes wird nach einem seiner Werke im Bargello zu Florenz 
Meister des Carrandschen Triptychons genannt .■- Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,99, br. 0,49. 



Pesell 



Francesco di Stefano, gen. Pesellino, geb. 
iriO 1422 zu Florenz, gest. 1457 daselbst. Tätig nament- 
lich zu Florenz. 

1651 Christus am Kreuz. Leuchtendes Zinnoberrot 
im Gewände der Magdalena und dasselbe Rot mit 



34 



D 



Karminlasuren im Mantel des Johannes 
entsprechen sich auf beiden Seiten gegen 
lichtes Ultramarinblau [Mantel Marias und 
Untergewand des Johannes]. Der Körper 
Christi ist ockergelblichweiß mit bräun- 
lichen Schatten. Oben auf hellblauen Wol- 
ken Gott-Vater in hellblauer nach Rot- 
violett changierender Gewandung; davor 
die zinnoberrote Inschrifttafel. Goldgrund. 

Aus der früheren Zeit des Meisters .". Erworben 1907 aus 
englischem Kunsthandel .■. Eigentum des Kaiser -Friedrich- 
Museums -Vereins. 

Pappelholz, h. 0,185, br. 0,15. 



_^^_^!„_ Domenico Veneziano, eigentlich 
UIIlClllCU Domenico di Bartolommeo da 
Venezia. Geb. zwischen 1400 und 1410, vermutlich 
zu Venedig-, urkundlich zuerst 1439 erwähnt, begraben zu 
[1438] und zumeist in Florenz. 




Florentini- 
sche Scliule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

64 



Florenz am 15. Mai 1461. Tätig in Perugia 



64 Martyrium der hl. Lucia. Das Bildchen ist ganz in lichten Farben gehalten. In 
der Architektur steht Hellrot gegen Weiß und Grau. In den Figuren Hellkarmin 
[Mantel der Heiligen, Gewand des Henkers] und Hellblau [Ärmel der Heiligen, Bein- 
kleider des Henkers, matter im Gewände des Pascasius, Statthalters von Sizilien, der 
vom Balkon aus die Hinrichtung befiehlt]. 
Das schmutzige Grün der Zypressen kehrt 
gelblicher im Umhange des Henkers wieder. 
Blaßblauer Himmel. 

Gehört als Teil der Predella zu dem Hauptwerke des Meisters, 
das sich in den Uffizien zu Florenz befindet -•- Dasselbe ,,OPUS 
DOMINICI DE VENETIIS" bezeichnet, stammt aus der Kirche 
S. Lucia de' Bardi in Florenz und stellt die thronende Jungfrau 
mit dem Kinde zwischen den hll. Johannes d.T-, Franziskus, Niko- 
laus und Lucia dar .■. Erworben 1841 42 in Italien. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,25, br. 0,285. 

1614 Bildnis einer jungen Frau. Der Kopf 
ist einheitlich in lichtbräunlichem Ton gehalten 
vor ultramarinblauem Himmel mit weißen 
Wölkchen. Das weiße Atlaskleid ist mit 
grüiien und karminroten Mustern bestickt; 
Kragen und Ärmel sind aus karminrotem 
Brokat mit goldgelben Palmetten. Weiße 
Marmorbalustrade mit braunen Füllungen. 

Ehemals Piero della Francesca zugeschrieben, doch wie das Bild- 
nis in der Sammlung Poldi zu Mailand vielmehr von der Hand 
Domenico Venezianos .'. 1815 in der Galerie Massias, Paris, als 
„Cimabue" beschrieben und abgebildet .*. Erworben 1897 aus 
der Sammlung des Earl of Ashburnham, London. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,51, br. 0,35. 




1614 



35 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

69 




58 





T Jv-ji-vi Fra Filippo Lippi. Geboren zuFlorenz 
'-'^FF^ um 1406, gestorben zuSpoleto den 9. Ok- 
tober 1469. Tätig vornehmlich zu Florenz, 
einige Zeit in Padua [um 1434], Prato [zwischen 
1452 und 1465] und Spoleto [1467—1469]. 

69 Maria, das Kind verehrend, mit 
dem kleinenjohannes und dem hl. 
Bernhard. Lichtes Ultramarinblau im 
Mantel Marias, aus dem vorn zwischen 
olivgrünen Falten der Innenseite das hell- 
rote Untergewand hervorsieht, löst die 
Gestalt kräftig von dem gedämpften 
Grün des Waldgrundes ab, in das sich 
das Graubraun der Felsen und Stämme 
mischt. Gelbbrauner Fleischton. Der 
kleine Johannes in hellkarminrotem, im 
Umschlag ockergelbem Mantel über 
grauem Pelz, der hl. Bernhard in weiß- 
grauer Kutte. Gott -Vater in zinnober- 
rotem Gewand und grauviolettem Man- 
tel auf graublauen Wolken, vor dunkelblauer, mit goldenen 
Sternen besetzter Glorie. Von der Taube gehen goldene 
Strahlen aus. Ebenso sind die Gloriolen vergoldet und 
die Gewandung Marias mit Gold verziert. 

Bez. auf dem Stiele der vorn links in einen Baumstumpf eingehauenen Axt: 
FRATER • PHILIPPVS ■ P ■ .-. Aus der früheren Zeit des Meisters unter dem 
Einflüsse Fra Angelicos .". Zur Erklärung der Darstellung vgl. Brockhaus, For- 
schungen über Florentiner Kunstwerke, S. 53ff. .'. Das Bild stimmt überein mit 
der im mediceischen Kunstinventar aufgeführten Altartafel in der Kapelle des 
Palazzo Medici-Riccardi .*. Zwei ähnliche, aber schwächere Darstellungen in der 
Akademie zu Florenz, eine gute Schulkopie mit gemalter Laubbordüre im Vorrat 
der Uffizien [unter dem Namen Alesso Baidovinetti ].'. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 1,27, br. 1,16. 

58 Maria mit dem Kinde. Am stärksten spricht leuch- 
tendes Ultramarinblau im Mantel und Hellkarminrot im 
Gewand. Goldgelb im Umschlag des Mantels auf den 
Schultern und Ärmeln tritt dazwischen. Die lichte Gesichts- 
farbe mit durchscheinendem Grün und bräunlichen Schatten 
geht in dem Körper des Kindes und den Händen 
der Madonna in Rotbraun über. Hellblonde 
Haare. Der Architekturhintergrund ist in ge- 
dämpften Tönen gehalten: graue Umrahmung 
mit gelbgrünen Profilen, gelbroten Füllungen 
und violetter Muschel. Das Ganze ist allent- 
halben mit Gold verziert. 

SaiuMilung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,76, br. 0,48. 



36 




952 Darstellung aus der Kindheit eines Heiligen. Gedämpfte Töne [Hellrot, 
Blauviolett, Gelbgrün, Graublau, Weiß] überwiegen in den Gewändern der Frauen- 
gruppe links vor braungrauer und hellgrauer Architektur und gelbgrünlichem Boden. 
Dazwischen treten Goldgelb, Zinnoberrot, Gelb und Blau. 

Wahrscheinlich als linkes Seitenstück der Predella zur „Krönung Mariae'* aus S- Ambrogio in der Akademie zu Florenz ge- 
hörig, stellt das Bild vielleicht das Bienenwunder des hl. Ambrosius dar .•- Eine Zeichnung zu der rechts knienden Figur 
im Kupferstichkabinett zu Berlin .*. Sammlung Viscount Powerscourt .•- Erworben 1905 aus dem englischen Kunsthandel .*. 
Eigentum des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,28, br. 0,51. 

95 Maria als Mutter des Erbarmens. In karminrotem Kleid und graublauem, gold- 
verziertem Mantel, den links ein Engel in hellblau -braunrot changierendem Gewand 
und mit dunkelgrünen Flügeln, rechts ein Engel in hellkarminrotem Gewand empor- 
halten. Goldgrund. An Stelle des lichten bräunlichen Tons der Köpfe und weißen 
Tücher rechts wiegt links ein rotbräunlicher Ton vor. Beide Seiten werden durch 
grelles Orangerot [Gewänder des knienden Alten links und des jungen Mannes neben 
der Madonna rechts] belebt, dem Hellblau und Gelbgrün [die beiden äußersten Figuren] 

entgegenstehen. Die ungleichwertige Ausführung läßt auf Mitwirkung von Schüler- 

händen schließen .'. Sammlung Solly, 1821. 
» • • _ Tempera. Pappelholz, h. 1,00, br. 2,28. 

Lippi Nachfolger des Fra Filippo Lippi. 

94 Christus und der kleine Johannes. 
Durch den schwärzlich grünen Wald 
blicken blaugrüne Bergzüge unter lich- 
tem Horizont und grünblauem Himmel. 
Zwischen den dunklen Stämmen sind 
Gelbbraun im Fleische der Gestalten, 
den Rehen, dem Mantel Josephs, Blau- 
grau im Gewände des Christusknaben 
und den Felsen verteilt. 

1842 von König Friedrich Wilhelm IV. der Galerie 
überwi -sen .'. Tempera. Pappelholz, h. 0,30, hr. 0,48. 




Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

95 



94 



37 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




0_.^_q||J Cosimo Rosselli. Geboren zu Florenz 1439, gestorben 
XUaaClll daselbst den 7. Januar 1507. Tätig zu Florenz, einige 



Zeit in Rom [zwischen 1480 und 1484] und Pisa [1466]. 



71 Grablegung- Christi. Blaugrün und Zinnoberrot ent- 
sprechen sich wechselseitig in den Gewändern Marias 
und Nikodemus, Magdalenas und Josephs von Arima- 
thia. Der gelblichgraue Leichnam, den ein hellviolettes 
Lendentuch umhüllt, in weißem Laken, wird von dem 
karminrot gekleideten Johannes gehalten. Die Säume 
der Gewänder sind mit Gold verziert. Warm bräun- 
liches Fleisch, gelbblonde Haare. Das tabernakelartige 
Grab aus weißem Marmor mit grauen und schwarz- 
grünen Füllungen steht vor hellblauem Abendhimmel 
mit violetten Wolken und gelbem Horizont. 

Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,51, br. 0,34. 



59a Die hl. Anna Selbdritt, der Erzengel Michael und die hll. Katharina, 
Franziskus und Magdalena. Die Gewänder der Figuren sind in bunten Lokalfarben 
gehalten zwischen grauweißer Säulenarchitektur mit goldgelben Kapitalen, violettgrauen 
Wänden und goldgelb-blau kassettierter Decke. Maria in hellkarminrotem Gewand, über 
dem der dunkelblaue, innen saftgrüne Mantel liegt. Ihr graublaues Kopftuch steht gegen 
das zinnoberrote Gewand der hl. Anna, das ein moosgrüner Mantel deckt. Ultramarin- 
blaue Luft. In der Gruppe der Heiligen links sind die Farben tiefer und weniger 

leuchtend: Der hl. Michael in bräunlich- 
S9A t&^ix:-- - . • - ' ^ai^MBB^^^S'~Til^^^^^^i^^^B grauer Rüstung, purpurfarbenem Man- 
tel und zinnoberroten Schuhen. Das 
zinnoberrot - goldene Brokatgewand 
der hl. Katharina, die ein blaues Buch 
hält, ist nur auf der Brust unter dem 
dunkelgrünen Mantel sichtbar. In der 
Gruppe rechts ist die Farbenwirkung 
am stärksten. Das leuchtende Zin- 
noberrot im Mantel der Magdalena über 
hellblauem Gewand wird noch ge- 
steigert durch das nebenstehende Grau 
der Kutte des hl. Franziskus. Es kehrt 
wieder im Kreuz, das der Heilige hält. 
Warm rotbraunes Fleisch. 

Bez. unten in der Mitte: ÄNÖ . XFi . M . CCCCLXXl . 
I.D. .". Das Bild ist die früheste unter den da- 
tierbaren Arbeiten des Meisters .'. Sammlung Solly, 
1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,63, br. 1,63. 




38 



59 Maria in der Herrlich- 
keit mit Heiligen. Helles, 
etwas stumpfes Zinnoberrot 
in den Gewändern und Flü- 
geln der Engel, kräftiger im 
Gewände Marias und den Flü- 
geln derSeraphim, u. schwärz- 
liches Blau im Mantel Marias, 
den Gewändern und Flügeln 
der Engel sind die Haupt- 
farben gegen das Gold des 
Grundes. Das Kind wird durch 
seine gelbe Umhüllung her- 
vorgehoben. Im unteren Teil 
überwiegt Grau und Schwarz, 
belebt durch Zinnoberrot [be- 
sonders derManteldesKaisers 
rechts]. Graubrauner Fleisch- 
ton. Grauer Boden. 

Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 1 ,89, br. 1 ,77. 




Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

59 



Rossell 



1 Art des Cosimo Rosselli 



47a Maria Himmelfahrt. Verschiedenartiges leuchtendes Rot [dunkles Karmin in Ober- 
gewand und Beinkleidern des Heiligen links. Zinnoberrot in Gewand und Beinkleidern 
des Heiligen rechts, des Engels links unten, in der Glorie und den Gloriolen, Hellkarmin 
im Gewände Marias und des En- 
gels Loben] erzeugt mit dem Golde 
des Hintergrundes die feurig 
warme Farbenwirkung, die durch 
Gegenstellung von Dunkelblau im 
Mantel Marias und Grün in dem 
des Heiligen rechts noch gestei- 
gert wird. Die Hauptfarben Rot, 
Blau und Gelb kehren wieder in 
den Flügeln der Engel, Rot und 
Grünblau changierend im Gewän- 
de des Engels rechts oben. Dun- 
kelbrauner Boden. Weißer rot- 
geaderter Sarkophag. 

Das schwer zu bestimmende Bild, das früher 
cier Schule von Murano zugeteilt wurde, steht 



der Art des Cosimo Rosselli nahe 

scheinlich Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,50, br. 1,58. 



Wahr- 




39 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



Florentinische Schule um 1460 

71a Maria mit dem Kinde. Lichter, in den Schatten 
violettbräunhcher Fleischton. Maria in dunkelblauem, 
innen dunkelgrünem Mantel über hellkarminrotem 
Gewand. Das blondhaarige Kind steht auf grau- 
violettem Sockel. Gegen die hellblaue Luft hebt sich 
schwarzgrünes Gezweig mit dunkelroten, hellroten 
und [oben] weißen Rosen ab. Goldene Gloriolen und 
Mantelbordüre. 

Der Meister, der mehrfach dieselbe Komposition ausgeführt hat, läßt sich 
auch sonst nachweisen [ Pierfranccsco Fiorentino?] .". Genaue Wiederholung 
u. a. in der Sammlung Widener, New York .*. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,68, br. 0,45. 

P/-vlloiii/"»l<^ Antonio del Pollaiuolo. Älterer Bruder Piero 
UlldlUUlO Pollaiuolos. Geboren zu Florenz 1429 [nach 
Vasari 1426], gestorben zu Rom den 4. Februar 1498. Tätig 
in Florenz und Rom [seit 1484]. 

73a David als Sieger. Vor dunkelgrauem Architekturgrund mit schwarzen Tiefen, in 
rostbraunem, innen mit weißem Pelz gefüttertem Obergewand, unter dem vorn und an 
den Ärmeln das hellblaue, mit gelber Goldstickerei gezierte Untergewand sichtbar ist. 
Die Strümpfe sind hellgelb mit violettbraunen Schatten. Rotbraun findet sich in ver- 
schiedenen Nuancen von Lichtbraun bis Schwarzbraun im Fleisch, den Haaren und 
dem Haupte des Goliath. Der Farbenauftrag ist, namentlich in der Gewandung, dick 
und zäh. Grauer Fußboden. 




Erworben 1890 aus florentiner Privatbesitz. 
Pappelholz, h. 0,46, br. 0,34. 



73 A 




P]l • 1 Piero del Pollaiuolo. Geboren zu Florenz 

OliaiUOlO 1443, gestorben vermutlich zu Rom; 1496 als 
verstorben angeführt [nach Vasari im Alter von 65 Jahren]. 
Schüler Andreas del Castagno, unter dem Einflüsse seines 
Bruders Antonio weiter ausgebildet. Tätig vornehmlich in 
Florenz, einige Zeit in San Gimignano und vielleicht auch 
in Rom. 

73 Verkündigung Mariae. In der Architektur über- 
wiegen neben Weiß und Ockergelb vor allem rot- 
braune und olivgrüne Mischtöne in dickem harzigem 
Auftrag. Auch in den Figuren kehren diese unbe- 
stimmten, wenig ausgesprochenen Töne wieder [Oliv- 
braun im Gewände Marias, Graublau in dem mit Gold, 
rotem und blauem Gestein reich verzierten Unter- 
gewande, Dunkelrotbraun in den Flügeln des Engels], 
werden aber übertönt von dem hellen Ultramarin- 
blau des im Umschlag braunroten Mantels der Maria 
und Karminrot im Mantel des Engels. Hellbraunes 



40 




Fleisch und dunkel- 
rotbraunesHaar.AUe 
Flächen sind durch 
ein mit spitzem Pin- 
sel eingezeichnetes 
Detail reich belebt. 

Der Entwurf wird zumeist 
Antonio zugeschrieben, die 
Ausführung ist dagegen von 
Piere.-. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h.l,50,br.l, 74. 

Verrocchio deVvVrt 

rocchio [nach seinem 
ersten Lehrer dem Gold- 
schmiede GiulianoVerroc- 
chio]. Nach dem Vater 
Andrea di Michele di Fran- 
cesco Cioni. Goldschmied, 
Bildhauer und Maler, geh. 
zu Florenz 1436, g-estor- 
ben zu Venedig- zwischen 
dem 27. August und 
dem Oktober 1488. Tätig 
zu Florenz und Venedig^ 
[zwischen 1480 und 1488]. 

104a Maria mit dem Kinde. Die Malerei scheint zum Teil unfertig. In den Fleisch- 
partien steht die schwere gelbbraune Untermalung unvermittelt neben hellen Lichtern- 
Maria mit weißem Kopfschleier, den eine braun-goldene Gloriole umgibt, in hellblauem 
Mantel, der, auf der linken Schulter hochge- 
schlagen, die smaragdgrüne Innenseite sehen 
läßt, und bräunlichrotem Gewand. Ärmel und 
Mieder sind reich mit ockergelber Stickerei 
geziert. Das graublaue Hemdchen des Kindes 
umschlingt ein zinnoberrotes, grüngestreiftes 
Tuch. Das gelbbraune Haar umgibt eine 
gleichfarbige Gloriole. Die bräunlichgrüne 
Landschaft mit dunkelgrünen Bäumen geht 
über Hellgrün in Hellblau über. Links violett- 
grauer, hellgrün bewachsener Felsen. Hell- 
blaue Luft. 

Die Bestimmung des Bildes beruht hauptsächlich auf der Ver- 
gleichung uiit den Skulpturen des Meisters, da das einzige 
authentische Gemälde, das von ihm erhalten ist, die Taufe 
Christi in der Akademie zu Florenz, für sich allein keine ge- 
nügenden Anhaltspunkte bietet .-. Das Bild stimmt überein mit 
einer Gruppe von Madonnenbildern, zu der eine Maria mit dem 
Kind und Engeln in London [früher „Antonio PoUaiuolo" ge- 
nannt], eine Madonna im Staedelschen Institute [Nr. 9] zu 
Frankfurt a. M. und Maria mit dem Kind in unserer Galerie 
[Nr. 108] gehören .". Erworben 1873 in Florenz aus der 
Sammlung des Prinzen Napoleon. 
Papp-Iholz, h. 0,72, br. 0,53. 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




41 



Florentini- 




sdie Sdiule 


."-^ 


des XV. 


f ^ 


Jahrhun- 
derts 


1- 




\- 


108 


-h- 



d 




108 Maria mit dem Kinde. Warme sonnige Wirkung. 
Der Fleischton ist gelbbraun. Der helle Kopf der Ma- 
donna, von dem bräunlichweißen Kopftuch umgeben, 
steht vor weißblauem Himmel, auf den die Gloriole 
gelb auflasiert ist. Das karminrote Gewand wird zu- 
sammengehalten durch gelbbraunen Gürtel. Darüber 
liegt der hellblaue, innen olivgrüne Mantel, der am Hals 
mit gelbbraunem Schmuck, dessen Mitte ein Rubin 
bildet, besetzt ist. Einen zinnoberroten, gelbgestickten 
Schleier hält Maria in den Händen, ein blauviolettes 
Tuch ist um den Leib des Kindes geschlungen, das 
auf weißer Marmorbalustrade steht. Über die rotbraune 
Mauer mit weißer Deckplatte im Hintergrund Ausblick 
in dunkelbraungrüne Landschaft, die am Horizont in 
Graublau übergeht. 

Kann das Büd auch in der Ausführung dem Meister selbst nicht zugeschrieben 
werden, so zeigt es doch in den Typen und der Komposition völlig Verrocchios 
Charakter .'. S. die Bemerkung zu Nr. 104 A .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,74, br. 0,46. 



VerrOCchio Schule des Andrea de 



V 



errocchio. 



70a Christus am Kreuz, die hll. Antonius der Eremit und Laurentius, Petrus 
Martyr und der Erzengel Raphael mit dem jungen Tobias. Schwere braune 
Töne vor hellblauem Himmel. DerLeichnam, umhüllt von zinnoberrotem, grüngestreiftem 

Lendentuch, an gelbbraunem Kreuz 
mit zinnoberroter Inschrifttafel. Die 
schwebenden Engel mit hellroten, 
reich mit Gold verzierten Gewän- 
dern und Flügeln. Neben dem hl. 
Antonius in schwarzer und brauner 
Tracht steht der hl. Laurentius im 
Diakonenkleid mit Goldstickereien 
auf zinnoberrotem und ultramarin- 
blauem Grund. Am farbigsten wirkt 
die rechte Gruppe, wo Hellkarmin 
im Mantel des Erzengels [über blau- 
goldenem Untergewand], Ultra- 
marinblau in der Jacke und Zin- 
noberrot im Mantel des jungen To- 
bias ungebrochen nebeneinander- 
stehen. Nur in der schwarz -weißen 
Tracht des Petrus Martyr und 
den braungoldenen Engelsflügeln 




42 



kommt derschwere Gesamt- 
ton wieder. Schwarzgrüner 
Boden. Das Gelbgrün der 
Landschaft verläuft sich 
nach der Ferne in Graublau. 

Unten die Inschrift: QUESSTA TA- 
VOLA SEFATTA FARE PER LO- 
RENTIO DUGOLINO DE ROSSI. 
LA QUÄLE A FATTCA FARE 
BELTRAME DI STOLDO DE ROSSI 
1475 .-. Die Inschrift besagt, daß 
Beltrame di Stoldo de' Rossi das Bild 
bestellt und zum Andenken an Lorenzo 
d' Ugolino de' Rossi gestiftet habe .•- 
Das Bild liefert einen wertvollen Bei- 
trag zur Kenntnis der Malerschule 
Verrocchios und läßt durch seine nahe 
Verwandtschaft mit der „Vierge GIo- 
rieuse" im Louvre und anderen Bildern 
einen Meister dieser Schule erkennen .'. 
Sammlung SoUy, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,77, 

br. 1,94. 

72 Krönung Maria. Als 
Hauptfarben, vor hellblauer 

Luft, die nach oben gegen die hellgelbe Glorie dunkler wird, mit schwärzlich blauen 
Wolken, stehen Karminrot [Gewand Gott-Vaters, Marias und Johannes d. T., Ge- 
wänder und Flügel der rosenbekränzten Engel] und lebhafteres, mehr nach Zinnober 
neigendes Rot in den Flügeln der Seraphim und dem Gewände der Magdalena. Da- 
zwischen sind graue und bläuliche Töne verstreut. Bräunliches Grau entspricht sich in 
der Kleidung des hl. Franziskus [links] und der hl. Katharina [rechts]. Die Heilige 
neben dieser in gelbgrüner Gewandung. Rot- 
braune Fleischfarbe. 

Von Rumohr als „Cosimo Rosselli" erworben .'. Das Biid läßt indes 
in der knienden Maria und den musizierenden Engeln sowie in der 
Färbung deutlich das Vorbild Verrocchios erkennen , wie auch im Auf- 
bau und in der Anordnung die ebenfalls der Werkstatt Verrocchios 
angehörige „Vierge Glorieuse" im Louvre bestimmend war .". Das 
Bild rührt von demselben Meister her wie Nr. 70 A .*. Erworben 1829 
durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,81, br. 2,09. 




Vei 



ihi 



rrOCCniO Werkstatt des Andrea del Verrocchio. 

80 Bildnis eines jungen Mädchens. Der bräun- 
lichweiße Ton des Fleisches, auf dem eine rote 
Korallenkette liegt, kehrt etwas kühler im Ge- 
wände wieder, durch dessen Schnürung das grüne 
Untergewand sichtbar ist. Um das rotbraune, in 
den Lichtern gelbliche Haar ist ein weißes Tuch 
geschlungen. Blaß rosafarbene Ärmel. Die ganze 
Gestalt hebt sich licht vom dunkelblauen Himmel, 




Florentini- 
sche Schute 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



.SO 



43 



Florentini- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




geEjolten hat, 
durch Runiohr 
Pappelholz 



1128 



der dunkelgrauen Balustrade und der bräun- 
lichgrünen Landschaft mit hellblauer Ferne 
ab. Unten auf dunkelblauem Streifen stehen 
in goldenen Buchstaben die Worte: NOLI ME 
TANGERE. 

Auf der Rückseite der Tafel in der Mitte ein aiisgrekratztes Wappen 
in einem Lorbeerkranz und an den vier Seiten die Inschriften : 
.FV CHE IDIO VOLLE. .-. .SARA CHE IDIO VORRA . .-. 
. TIMORE DINFAMIA . . E . SOLO DISIO . DONORE . .-. 
. PIANSI GIA QVELLO CHIO VOLLI . . POl CHIO LEBBI .-. 
Die letzten Worte sind dem Sonett „Chi non puö quel vuo! . . ." 
entlehnt, das früher irrtümlich als eine Dichtung Lionardos 
ndessen von Matteo di Meglio, einem Herolde der Florentiner Signorie, herrührt [1452] .-. Erworben 1829 

h. 0,45, br. 0,29. 

93 Das Christkind und der kleine Johannes. 
Die Gewandung der Figuren ist auf den grünbrau- 
nen Ton der Landschaft, der links durch das Grau- 
braun, rechts durch das Graublau der Felsen unter- 
brochen wird und in der Ferne in Hellblau über- 
geht, gestimmt: Christus in violettbräunlicher Ge- 
wandung, Johannes in gelbbraunem Kleid und 
bläulichkarminrotem Mantel, Maria und Joseph 
in blauer und gelbbrauner Kleidung. Rotbraunes 
Fleisch. Ultramarinblauer Himmel mit weißen 
Wolken. 

Das Bildchen, das ehemals Piero di Cosimo zugeteilt wurde, zeigt die 
charakteristischen Merkmale von Verrocchios Kunstweise .'. Vielleicht ist 
es, worauf auch der Charakter der Landsdiaft deutet, ein frühes, noch 
unter Verrocchios Einfluß entstandenes Werk des Domenico Ghirlan- 
daio .'. 1842 von König Friedrich Wilhelm IV. der Galerie überwiesen. 
Pappelholz, h. 0,31, br. 0,48. 



Bii* ll" Sandro di Mariano Filipepi, gen. Botti- 
OLllCClll celli. Geb. zu Florenz zwischen dem I.März 1444 
und dem 1. März 1445, gest. daselbst den 17. Mai 1510. 
Zuerst Schüler des Goldschmieds Botticelli, dann des Fra 
Filippo Lippi, ausgebildet unter dem Einfluß Antonio Pol- 
laiuolos und Verrocchios. Tätig vornehmlich zu Florenz, 1482 
und 1483 in Rom und Pisa [1474 5]. 

1128 Der hl. Sebastian. Ein heller gelblichbrauner 
Gesamtton hält Figur und Hintergrund, der von 
grünlichem Braun über Gelbbraun in Graublau 
übergeht und durch rot gekleidete Staffage etwas 
belebt wird, vor lichtblauem Himmel mit weißen 
Wolken zusammen. Die Hüften des Heiligen, der 
an dunkelbraunen Baumstamm gefesselt ist, um- 
schlingt ein weißes Lendentuch. Das schwarz- 
braune Haar umgibt eine goldene Gloriole. 




44 



Aus der früheren Zeit des Meisters, unter dem Einfluß Antonio Pollaiuolos und 
Verrocchios -■. Vermutüch das Bild des hl. Sebastian, gemalt im Jahre 1473, das 
sich lange in S. Maria Maggiore zu Florenz befand .'. Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 1,95, br. 0,75. 



106b Bildnis des Giuliano de' Medici. Gelbbraune 
Gesichtsfarbe, von dem Schwarz der Haare umgeben. 
Dunkelkarminrotes Gewand mit grauem Pelzbesatz und 
gelbgrünem Unterkleid, das am Ärmel und Kragen zum 
Vorschein kommt, steht gegen den dunkelultramarin- 
blauen Grund. 

Vermutlich kurz vor dem Tode des Giuliano, Bruders des Lorenzo Magnifico, 
gemalt, der, fünfundzwanzigjährig, am 26. April 1478, bei der Verschwöruna 
der Pazzi im Dome von Florenz ermordet wurde .'. Eine alte Kopie in der 
Galerie zu Bergamo .'. Erworben 1878 aus dem Pal.o Strozzi zu Florenz. 
Tempera. Pappeiholz, h. 0,54, br. 0,36. 



1124 Venus. Kühle silbergraue Fleischfarbe mit ro- 
sigen Tönen in den Händen, Füßen, Gesicht und 
Brüsten. Die Lichter des gelbbraunen Haares sind 
mit Gold aufgesetzt. Vor tiefschwarzem Grund auf 
grauem Sockel. 

Verwandt der Venus in dem Bilde „Geburt der Venus" in den Uffizien zu 
Florenz, das Sandro für die Villa Cosimos de' Medici zu Castello malte 
und vielleicht eine Vorarbeit für dieses Bild. Nur ist die Florentiner Ve- 
nus Botticellis mehr nach rechts geneigt, schwebend, niclit stehend. Dem- 
entsprechend ist auch die Haaranordnung eine andere .•- Sammlung SoUy, 
1821. 

Tempera. Leinwand, an den Seiten angestückt, h. 1 ,57, br. 0,68. 



102 a Maria mit dem Kind und Engeln. Der Grund- 
ton ist gelbbräunlich mit durchschimmerndem Grün 
im Inkarnat und Braun von verschiedener Abtönung 
in den Haaren, deren Lichter mit Gold einge- 
zeichnet sind. Die mit Gold gezierten Gewänder, 
allenthalben bedeckt von durchsichtig darüber la- 
sierten Schleiern, sind auf denselben Ton gestimmt. 
Dem blau- und weißgrauen Gewände des Engels 
links 3ntspricht rechts blasses Rosaviolett. Am 
stärksten wirkt das ungebrochene dunkle Ultramarin- 
blau im Mantel Marias, während das goldgemusterte 
Rot des Gewandes wieder auf den bräunlichen 
Grundton gestimmt ist. Der Mantel Marias ist auf 
dem Schöße umgeschlagen und zeigt dunkelgrüne, 
goldgemusterte Innenseite. Goldgestickte graublaue 
und weiße Kopfschleier der Madonna. Den Ober- 
körper des Kindes bedeckt ein durchsichtig auf- 




Florentini- 
sche Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



45 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

102 A 



102 




lasiertes weißes Hemdchen. Die weißen 
Lilien stehen gegen die hellblaue Luft, die 
oben in eine braun -mattgelb -rote Glorie 
mit zwei eine goldene Krone haltenden 
Händen übergeht. 

Aus der früheren Zeit des Meisters [um 1475] .'. Für die 
Sammlung des Grafen Raczynski 1824 in Paris für 2500 fr. 
erworben von Herrn Revil, der das Bild als Kriegskonimissar 
aus Italien mitgebraclit hatte.'. Eigentum des Gräflich Raczyns- 
kischen Familienfideikommisses [dauernde Leihgabe]. 
Tempera. Pappelholz, Durchmesser 1,35. 

102 Maria mit dem Kind und Engeln. 
Vor weißlichblauer Luft und gelblichgrauer 
Architektur mit dunkelbraunen [Sockel] 
und ultramarinblauen Füllungen und ver- 
goldeter Muschel, die Engel links in weiß- 
grauen, gelbgrünen und karminroten, rechts 
in ockergelben, weißgrauen, grünen und karminroten Gewändern, mit Kränzen aus roten 
Rosen im Haar und in den goldverzierten Vasen, aus denen die grauweißen Lichter 
mit zinnoberroten Flammen hervorkommen. Alle Farben übertönt das Ultramarinblau 
im [innen dunkelgrünen] Mantel Marias, der über hellkarminrotem Gewand liegt. Ge- 
wänder und Vasen sind mit Gold verziert. Gelbbräunliches Fleisch mit grünlichem 
Schimmer. Die Haarfarbe wechselt von Gelbbraun bis Dunkelbraun. Über dem Haupte 
Marias halten zwei Marmorengel in der Farbe der Thronarchitektur eine goldene Krone. 
Ein weißer durchsichtiger Schleier mit goldenen Fransen fällt über ihre Schultern herab. 

Die halbkreisförmige Balustrade im 
Hintergrund überragt schwärzlich-blau- 
grünes Gebüsch mit hellroten Rosen. 
\- Aufder rechten der zwei Thronwangen, 

die, wie der Sockel, im Geschmack der 
Frührenaissance mit Ornament und 
Masken in Grisaille verziert sind, hebt 
sich der zinnoberrote Bucheinband mit 
gelbem Schnitt von graublauem Tuch 
ab, dessen Farbe lichter in dem die 
Hüften des Kindes umschlingenden 
Tuche wiederkehrt. 



Vielleicht das vonVasari angeführte, als „cosabellissima" 
gerühmte „Tondo", weldies B. für die Kirche S. Fran- 
cesco vor dem Tore nach S. Miiiiato malte .*. Um 
1482 — 85 unter Mitwirkung von Gehilfen gemalt .". 
Sammlung SoUy, 1821. 

Tempera. Pappelholz, Durchmesser 1,92. 




46 




1 06 Thronende Maria mit dem Kind 
und die beiden Johannes. Ultra- 
marinblau und tiefes Karminrot bilden 
den beherrschenden Kontrast vor 
ockerg-elblicher Thronarchitektur mit 
braunroten Füllung-en und mattem 
Gelbgrün der Laubnischen, die von 
roten Bändern mit Inschriften durch- 
flochten sind. Maria in hellultramarin- 
blauem Mantel, der, auf den Schultern 
umg-eschlagen, die grüne Innenseite 
zeigt, über karminrotem Gewand, unter 
dem die zinnoberroten Schuhe sicht- 
bar sind, sitzt auf bräunlich-grünem, 
goldgesticktem Kissen. Das Kind um- 
hülli '?in weißes Tuch. Lichte, grün- 
liche Fleischfarbe Marias, rosiger im 
Körper des Kindes. Karminrot kehrt 
in dem über graubraunem Pelz liegen- 
den Mantel des Täufers wieder, kälter im Mantel des Evangelisten über ultramarinblauem 
Untergewand. Dunkelbraunes Haar, rotbrauner Fleischton. Goldene Borten zieren die 
Gewänder Marias und Johannes des Ev. Vorn auf ockergelblicher Brüstung, hinter der 
auf Stumpfgelbgrünem Rasen ein gelbgrünes Bronzebecken steht, eine goldgelbe Pax 
mit dunkelblauem Grund. Vor den Laubnischen stehen in Schalen, von dunkelroten 
und hellroten Rosen umgebene, von Spruchbändern umwundene rotviolette goldgezierte 
Vasen, aus denen weiße Lilien hervorkommen. Die glitzernden Lichter des Blattwerks 
sind in Gold aufgesetzt. Lichtblauer Himmel. Auf dem Spruchband am Kreuze, das 
Johannes d.T. hält: ECCE AGNVS DEI QVI TOLLIS PECHATA MVNDI. 

Urkundlich 1484 85 ausgeführt im Auftrag Agnolo di Bardis für die Kapelle 
der Bardi in S. Spirito zu Florenz .'. Wahrscheinhch 1825 von den Kirchen- 
patronen an den Bilderhändler Fedele Acciaj verkauft /. Erworben 1829 
durch Ruinohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,85, br. 1,80. 



78 Bildnis eines jungen Mannes. Aus dem ein- 
heitlich dunkelbraunen Ton prallt das gelblich be- 
leuchtete Gesicht mit gelbbraunen Schatten hervor. 
Das Dunkelbraun des Haares kehrt als schwärzliches 
Braun im Gewände wieder. Schwarzbraune Kappe und 
Kragen. Schwarzer Grund. 

Ehemals dem Filippino Lippi, auch Raffaellino de! Garbo zugeschrieben .•. 
E-Tvorben 1829 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,41, br. 0,31. 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

106 




47 



Florentini- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




106a Bildnis einer jungen Frau. Lichtes gelb- 
bräunliches Fleisch mit durchscheinenden grünen 
Tönen. Die Lichter des gelbbraunen Haares 
sind mit Gold aufgesetzt. In karminrotem, gold- 
verziertem Gewand mit dunkelgrünem Mieder- 
einsatz. Dunkelblaugraue Wand mit Öffnung auf 
lichtblauen Himmel. 

Stammt aus dem Pal.o Medici .-. Erworben 1875 in Florenz. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,475, br. 0,35. 



Botticell 



1 Werkstatt des Sandro Botticelli. 

1117 Verkündigung. Helles Blaugrün im Mantel 
mit saftgrüner Innenseite und gedämpftes dunkles 
Karminrot im Gewände Marias sind auf die 
dunkelgraue Architektur und den rosagrauen 
Boden gestimmt. Der Engel ist in wärmeren, 
aber flauen Farben gehalten: hellgelbes Gewand 
mit gelbbräunlichen Schatten über dunkelgrünem Unterkleid und hellkarminroter Mantel. 
In seinen Flügeln kehrt bläulicher das Grau der Architektur wieder. Die Gewänder sind 
mit goldgestickten Borten besetzt. Die Gloriolen sind bräunlichgelb über den Grund la- 
siert. Warmer rotbräunlicher Fleischton und rotbraunes Haar. Rechts steht vor schwärz- 
licher Nische das braune Bett mit karminvioletter Decke und mit blaugrünen Quasten ge- 
ziertem Kopfpolster. In der Mitte Ausblick auf Landschaft, die von Gelbgrün bis Blaugrün 

getönt ist, mit braunen Details 
und weißblauer Luft. 

Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,06, br. 1,13. 




Botticelli Botticetu 



Sandro 



81 Bildnis einer jungen Frau. 
Gelblichweißes Fleisch mit rot- 
braunen Schatten. Ein weiß- 
graues Tuch deckt am Hinter- 
kopf das gelbbraune Haar. 
Unter dem zinnoberroten Ge- 
wände kommt auf der Brust 
und am Armschlitz das dunkel- 
grüne Untergewand zum Vor- 
schein. Schwarzer Grund. 



Erworben 1829 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,39, br. 0,25. 



48 



!„„; Filippino Lippi. Nach dem Vater Filippo di Fra 

-* r^f-^* Filippo. Zeichnet sich meist Filippinus Florentinus. Geb. 

zu Prato um 1457, gest. zu Florenz den 18. April 1504. 

Schüler Fra Diamantes; unter dem Einflüsse seines Vaters 

und Botticellis ausg-ebildet. Tätig vornehmlich zu Florenz, 

/zeitweilig' in Prato, Pavia und Rom. 

/ . . 

$2 Maria mit dem Kinde. Sehr leuchtendes, auf 
hellen Grund lasiertes Ultramarinblau im Mantel 
und Hellkarminrot im Gewände der Madonna, über 
dem sich auf der Brust dunkelolivgrüne, goldg-e- 
musterte Bänder kreuzen, stehen vor grauer Wand. 
Der durchsichtig grünliche Fleischton, dessen Zart- 
heit noch durch die rötliche Haarfarbe gesteigert 
wird, ist auf die kühle Gesamtfärbung gestimmt. 
Durchsichtige weiße Schleier fallen vom Haupte 
Marias herab und umhüllen die Hüften des Kindes. 
Reichliche Goldverzierung am Gewand und dem 
dunkelgrünen Bucheinband. Die Gloriolen sind 
dünn mit Weiß auflasiert und mit Goldtupfen ge- 
ziert. Auf der Fensterbank steht eine Vase mit 

weißen Heckenrosen und dunkelroten Nelken vor gelbgrüner Landschaft mit dunkel- 
blaugrünen Bäumen, die sich im hellen Wasser des Flusses spiegeln. Ein schmaler 
Weg führt zu einem hellgrünen gotischen Turm, dessen Umrisse sich scharf gegen den 
dunkleren Bergrücken und den lichten hellblauen Himmel abheben. 

Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,77, br. 0,51. 




Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 
81 



V 



l 



A Brustbild eines Jünglings. Mit dunkel- 
brauner Kappe auf dem rötlichbraunen Haar 
und in grauschwarzem, mit rotem Nestel ver- 
schnürtem Gewand, unter dem vorn, am Hals 
und am Ärmel das weiße Hemd sichtbar ist. 
Hellbräunlicher Grund, dessen Ton, durch Bei- 
mischung von Rot, sich wärmer im Gesicht wieder- 
findet. 



Bruchstück aus einem Fresko .*. Angeblich früher in der BrancaccI- 
Kapelle zu Florenz .*. Erworben 1904 als Geschenk des Herrn General- 
direktors Dr. W. Bode. 

Fresko. Stuck, h. 0,495, br. 0,345. 




82 



49 



Florentini- 
scke Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

96 A 




78 A 



78a Allegorie der Musik. Kühle Farben überwiegen: 
helles, in den Lichtern ausgebleichtes Karminrot im 
Gewand und Dunkelgraublau im Mantel, vor dem 
das rotbraune Haar flattert. Helles Karmin und Blau 
kehren mit Hellgelb in den Flügeln der Amoretten 
wieder, Blaugrau außerdem in den Bändern, die ihre 
Körper umschlingen. Mit ockergelbbraunem Gürtel 
wird der Schwan angeschirrt. Rötliche Fleischfarbe 
mit grauer Untermalung. Das Ganze vor gelblich- 
braunem Boden und Felsen, bräunlichgrünem Laub- 
werk, blaugrünem Meer und hellblauem Himmel. 
Ockergelbbraune Musikinstrumente, die in das Ge- 
weih eines Hirschkopfes gespannte Leier mit goldenen 
Saiten. 

Erworben 1883 vom Maler Landsinger in Florenz. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,61, br. 0,51. 

96 Christus am Kreuz, von Maria und Franziskus 
verehrt. Der einheitliche braune Ton in verschiede- 
nen Abstufungen [Graubraun in der Kutte des Franziskus, rotbraunes Kreuz, gelbbrauner 
Erdboden] ist auf den goldenen Grund gestimmt, von dem sich der elfenbeinfarbene 
Leichnam abhebt. Am Erdboden liegen graue Steinplatten und hellockergelbes Gebein. 
Belebt wird diese ernste Harmonie durch tiefes Blau im Mantel Marias, über den das 
weißgraue Kopftuch herabfällt, und Weißblau in den Gewändern der Engel. 

Aus der späteren Zeit des Meisters .•. Vasari [Sans. HI, 465] erwähnt „un crocefisso e due fignre in campo d' oro" des 

Filippino in S. Ruffello [Raffaello] zu Florenz, das sich aber [nach 
Borghini und Richa ] in S. Procolo, Cappella Valori befand .'. 
if^ijw^^l^Mr Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,86, br. 1,79. 



101 Maria mit dem Kinde. Die Gesamt- 
färbung ist kühl. Hellultramarinblau im Mantel, 
wiederkehrend in der Ferne des Ausblicks [auf 
die Stadt Florenz], Graublau in der Umhüllung 
des Kindes und Grau in der Architektur und 
dem Stadtbild werden durch lichtes Zitrongelb 
des Schleiers, der Kopf und Hals der Madonna 
umhüllt und den ihre Hände halten, und be- 
sonders Karminrot im Gewände belebt. Am 
linken Arm ist ein Stück Ärmel des goldgelben 
Untergewands sichtbar. Bräunlichgrauer Fleisch- 
ton. Mattgelbe Gloriolen. Gelber Abendhimmel. 

Erworben 1829 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,96, br. 0,72. 




50 




^^illair. Ja«^°P° del Sellaio. 
OCllctlU Nach seinem Vater Ja- 

copo di Arcangelo. Geb. 

1442 zu Florenz, gest. daselbst 

im November 1493. Gebildet 

unter dem Einflüsse der Floren- .„ - ■f. vj -v _ — ^ . .- ^^„^ _- ■. 

tiner Hauptmeister, namentlich ^^^^•"^ .*^J? ^^"""-^"^r tr~~ \^ J^ 

SandroBotticellis und Domenico ^ ^f jC^Jl^ S \ \ i^.^^ 

Ghirlandaios. Täti? zu Florenz. SltlK^ iL-- \^Lj^^^'~'t kH \ 1 iv "£ V "»- 

1132 Julius Caesar vor -^.-«tS • V» \ - ..-s^:^. 
seiner Ermordung. Die 
Fig-uren sind in buntfar- 
bige, reich mit Gold ver- 
zierte Gewänder geklei- 
det. Besonders wirksam 
ist ein Blaugrün, das zwi- 
schen Gelbrot, Karmin, 
Violett, Grün undzwischen 
lichtrotenPfeilern vorgelb- 
lichgrüner Landschaft mit 
weißgrauer Architektur 
und blaugrüner Ferne ver- 
teilt ist. Cäsar, auf den 
ein Bote in hellkarmin- 
rotem Mantel über grau- 
blauem Gewand zueilt, steht rechts in zinnoberrotem, goldgeziertem Mantel über 
dunkelblauem Gewand. Der hellultramarin- 
blaue Himmel spiegelt sich blaugrün im 
Wasserlauf zwischen bräunlich -gelbgrünen 
Wiesen. Auf dem ockergrauen Boden sind 
lilafarbene und blaugrüne Steine verstreut. 

S. die Bemerkung zu Nr. 1133 .*. Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelhoiz, h. 0,46, br. 0,72. 

1133 Julius Caesars Ermordung. Die Wir- 
kung ist noch bunter und unruhiger als im 
Gegenstück. Vor karminrotem, goldverziertem 
Wandteppich und auf lichtrotem Boden über- 
wiegen Rot in allen Abstufungen von Gelbrot 
bis Karmin, Gelb, Grün und das für Sellaio 
charakteristische Blaugrün, das auch im Bal- 
dachin rechts wiederkehrt. RotbraunerFleisch- 
ton mit durchscheinender grüner Untermalung. 
Die Architektur ist gelblichgrau mit farbigen 
Füllungen und Goldornamenten. Blaugrüne 
Landschaft. 



Floreniini- 
sche S(^ule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

% 




51 



Florentini- 
sdie Sdtale 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1132 
1133 





Die beiden Gegenstücke [Nr. 1132 und 1133] dienten mit anderen Tafeln als Füllungen zum Schmucke von Möbeln, Truhen 
oder dgl. .*. Eine dritte zugehörige Tafel ehemals im Florentiner Kunsthandel .*. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h 0,46, br. 0,72. 

1055 Beweinung Christi. Zinnoberrot im Gewände Marias, über dem ein dunkelblauer, 
innen gelbbrauner Mantel liegt, und im Kardinalshut des hl. Hieronymus, Karminrot im 
Ornate des hl. Augustinus stehen vor ockergelbbraunem Erdboden, dem sich das grün- 
lich-gelbbraune Fleisch im Tone nähert, vor schwärzlichgrünen Zypressen und grau- 
blauer Ferne. Vom dunkelgrünblauen Himmel heben sich in blassen rosa [links] und 
gelbroten Farben [rechts] die Gewänder der Engel ab. 

Die Tafel wurde 1483 von der Brüderschaft von S. Frediano bestellt und ist identisch mit einer der von Vasari erwähnten, 
die Richa noch in S. Frediano sah und unter Ghirlandaios Namen aufführt .". Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 1,82, br. 1,83. 

/'^ „ L Raffaellino del Garbo. 

VJdl Uyj 2u unterscheiden von dem 
gleichfalls in Florenz malenden Raffaello 
Carli. Geboren in Florenz um 1466, 
gestorben daselbst 1524 [nach Vasari]. 
Schüler des Filippino Lippi zu Florenz 
und dessen Gehilfe in Rom [um 1493, 
bei den Fresken in S. Maria sopra 
Minerva]; dann auch von Domenico 
Ghirlandaio beinflußt; 1498 als selb- 
ständiger Meister urkundlich nachge- 
wiesen. Tätig vornehmlich zu Florenz. 

98 Thronende Maria mit dem 
Kind und die hll. Sebastian 
und Andreas. Die Färbung, 
besonders das zarte grünliche 
Grau des Fleisches und das Rot- 
blond der Haare, erinnert noch 
an Filippino Lippi. Unter den 
kräftigen Lokalfarben der Ge- 
wänder tritt leuchtendes Rot 
hervor: Karmin im Kleide Marias, 
Zinnober im Mantel Sebastians, 




52 



dem Teppich und dem Buche des An- 
dreas. Dazwischen erscheint Ultramarin- 
blau im [innen dunkelgrünen] Mantel 
Marias, etwas ins Grünliche spielend 
im goldverzierten Gewände Sebastians, 
Goldgelb im Gewände des Engels 
rechts mit karminroten Ärmeln und 
Gelbgrün im Gewände des Andreas, 
der ein ockergelbes Kreuz hält. Graue 
Architektur mit ockerbraunen Säulen und 
Goldfüllungen; weißer Boden mit hell- 
rosafarbenen und schwarzgrünen Feldern. 
Die Landschaft ist bräunlichgrün. Dun- 
kelsaftgrüne Bäume heben sich vom hell- 
blauen Himmel ab. 



Das Bild stammt aus der Frühzeit des Meisters .'. Eine 
Zeichnung im Dresdener Kupferstichkabinett scheint eine 
Studie zu dem hl. Andreas zu sein .". Der mit bildlichen 
Darstellungen geschmückte alte Rahmen gehört ursprüng- 
lich nicht zu dem Bilde, stammt aber aus der gleichen Zeit 
wie dieses und vermutlich auch aus Florenz .■. Sammlung Solly, 1S21 
Tempera. Pappelholz, h. 1,62, br. 1,44. 




Florentini- 
sche Schule 
lies XV. 
Jahrhun- 
derts 



90 Maria mit dem Kind und zwei Engel. Vor kühlem luftigem Grund [violettgraue 
Balustrade, saftgrüne Landschaft, die in Blau übergeht, und lichtblauer, nach dem Horizont 
zu weißgelblicher Himmel] steht Maria in tiefblauem, innen saftgrünem Mantel über 
karminrotem Gewand, unter dem die ultramarinblauen Schuhe sichtbar sind, rosa- 
farbenem Schleier um den Kopf und in den Händen, ein grüngebundenes Buch in 
der Rechten. Der lichte gelbgrüne Ton im Fleische der Madonna wird bräunlicher 
beim Kinde und den Engeln. Der Engel 



links mit der goldgelben Harfe, mit rot- 
braunem Haar, in gelbem [in den Schatten 
rotgelbem] Unterkleid und rosafarbenem 
Obergewand mit hellblauem Gürtel und 
Bändern. Der Engel mit der Rohrflöte 
rechts in zinnoberrotem Obergewand, unter 
dem ein weißlichblau -karminrot schillern- 
des Kiüid sichtbar ist. Die violettblauen 
Unterärmel kommen aus weißen Ober- 
ärmeln hervor. Die graublauen Flügel der 
Engel schillern nach Rot und Grün. Rot- 
brauner Boden mit grünem Rasen. 

Zeitgenössische Kopie bei Sir Bernhard Samuelson in London 
und eine freie eigenhändige Wiederholung bei Me Andre 
in Paris .-. Sammlung Solly, 1821. 

Temp:— a. Pappelholz, Durchmesser 0,84. 




90 



53 



Florentini- 
sehe Schule 
des AT 
Jahrhun- 
derts 

87 




Sammlung SoIIy, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,54, br. 1,37. 



87 Thronende Maria mit dem Kind und 
die hl 1. Nikolaus, Dominikus,Vincen- 
tius und Petrus Martyr. Stumpfes Hell- 
blau [im innen gelbgrünen Mantel Marias, 
im Gewände des Engels rechts, im Mantel- 
umschlag des Heiligen links] und Graublau 
[im Gewände des Engels links, im Mantel 
des Heiligen rechts] überwiegen neben Zin- 
noberrot [Mantel des Heiligen links, Um- 
schlag des dunkelgrünen Thronvorhanges, 
Unterärmel des Engels rechts, Seraphim- 
flügel, Buch des Heiligen rechts] und Gold- 
gelb [Ärmel des Engels links und Mantel 
des Engels rechts]. Auch der landschaft- 
liche Grund ist auf den kühlen graublauen 
Gesamtton gestimmt. Die beiden vorn 
knienden Heiligen sind ganz in Schwarz 
und gelblichem Weiß gehalten. Rotbrauner 
Fleischton. 



S 1 Maria mit dem Kind und zwei Engel. Unter gebrochenen Tönen : hellem Gelb, 
nach Orange changierend im Gewände des Engels links über bläulichweißem Unterge- 
wand, Rosa, nach schwärzlichem Oliv changierend im Gewände, gelblicher in den Armein 
des Engels rechts, und Rosagrau im Fleisch tritt Karminrot im Gewände Marias, das teil- 
weise der dunkelblaue Mantel deckt, 
kräftig hervor vor bräunlichgrauer 
s 1 .^■iS'S^^.^^^—JIW^^^^^ Wand. Die Bank, auf der ein weiß- 

graues, goldverziertes Kissen liegt, 
und der Fußboden sind gelbbraun. 

Sammlung Hermann Sax, Wien .-. Sammlungjames 
Simon. 

Pappelholz, Durchmesser 1,05. 

r^V»irlanrl;iir» Domenico di Tom- 

Beinamen Ghirlandaio [Grill jndaioj. 
Geb. zu Florenz 1449, gest. daselbst den 
11. Januar 1494. Tätig zu Florenz, einige 
Zeit in S. Gimignano [1474/75?] und in 
Rom [1475, 1478, 1482 83]. 

21 Judith mit ihrer Magd. Nur 
die Gewänder der Figuren sind in 
lebhaften Farben gehalten: Judith 
in hellblauem [innen dunkelgrünem] 
Mantel über goldgelbem Gewand 




54 



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und roten Sandalen; die Mag-d in karminrotem [in den 
Lichtern ausgeblaßtem] Gewand über wenig sichtbarem 
dunkelgrünem Unterkleid. Ockergelbbraune Haare, grau- 
bräunliches Fleisch. Die Architektur des Hintergrunds 
ist einförmig dunkelgrau mit braungelben Kapitalen 
und bräunlichen Reliefs. Durch die Fensteröffnung Aus- 
blick auf violettbraune Felsen mit Grün, weißlichblaue 
Ferne und Himmel. Der gelblich-weiße Boden wird 
von grünen, weißlichblauen und violettbraunen Fliesen 
belebt. 

Auf einem Relief zur Linken ein Triton mit einem Täfelchen ; darauf die 
Jahreszahl; MCCCCLXXXVIIII .■. Sammlung Giustiniani, 1815. 
Tempera. Pappclholz, h.0,41, br. 0,29. 

C^ l-«ii'lon/-loi/^ Domenico Ghirlandaio mit FrancescoGra- 
\jriinailUdlU „3^0; und Gehilfen. 

88 Maria mit dem Kind und vier Heilige. Maria und die beiden stehenden Hei- 
ligen sind in kräftigen Lokalfarben gehalten: Maria in dunkelblauem, innen grünem 
Mantel über karminrotem Gewand, umgeben von einer Glorie, deren Ringe von Zin- 
noberrot nach Gelb, Grün und Graublau übergehen. Das Kind steht auf gelbem Kissen. 
Vor hellblauer Luft Graublau und Rotgelb in den Flügeln der Cherubim. Johannes 
d. Ev. [links] in karminrotem, innen goldgelbem Mantel über hellultramarinblauem 
Untergewand, Johannes d. T. [rechts] in zinnoberrotem [innen dunkelgrünem] Mantel 
über graubraunem Untergewand. Graubraunes Fleisch. Die beiden knienden Heiligen 
im Vordergrunde fallen aus der 
bunten Färbung der übrigen 
Figuren heraus durch den ein- 
heitlichen grauen und braunen 
Ton: der hl. Franziskus in grau- 
brauner Kutte, der hl. Hiero- 
nymus, mit stumpf rotbraunem 
Fleisch, in hellgrauviolettem 
Mantel. Am Boden liegt der zin- 
noberrote Kardinalshut neben 
gelbgrün gebundenem Buch. 
Der gelbbraune Boden des 
Vordergrundes wird im Mittel- 
grunde dunkelschmutziggrün 
und geht nach der Ferne über 
Blaugrün in Hellblau über. 

Die knienden hll. Franziskus und Hieronymus 
sind von Francesco Granacci [wohl erst nach 
dem Tode Domenicos] in Ol gemalt .'. 
Sammlung Solly, 1821. 

Tempera tmd Ol. Pappelholz, h. 1,81, 
br. ',79. 



Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




55 



IlMO^DnAM MW 1 



76 

75 
74 




('^Vlivlanrlnir» Nach dem Entwürfe Domenico Ghirlandaios ausg-eführt von Davide und 
VjIlirid.IlCicll(J Benedetto Ghirlandaio. — Davide, geboren zu Florenz den 14. März 1452, 
gestorben daselbst den 10. April 1525. Bei Lebzeiten des Bruders Domenico hauptsächlich als dessen 
Gehilfe und in den Jahren 1481 82 in Rom [urkundlich] beschäftigt; später vornehmlich als Mosaizist 
tätig. — Benedetto, geboren zu Florenz 1458, gestorben daselbst den 17. Juli 1497, ursprünglich 
Miniaturmaler. Bei Lebzeiten des Bruders Domenico in dessen Werkstatt tätig, mit ihm in Rom 
[1481 — 1482 urkundlich erwähnt]; nach dessen Tod in Frankreich, dann wieder in Florenz. 

75 Auferstehung Christi. In Kleidung und Bewaffnung der Wächter des Grabes 
stehen grell bunte Lokalfarben hart nebeneinander, besonders Zinnoberrot, Karmin, 
Dunkelgrün, Goldgelb, Gelbrot, sowie Hellblau und Dunkelgraublau. Dieselben Farben 
kehren auch in den Gestalten der drei Marien in der Landschaft links wieder. Christus 
in grauweißem Tuch vor hellblauem Himmel, auf hellblauer Wolke und zinnoberrot 
geflügeltem Seraph. Dasselbe Zinnoberrot wiederholt sich in der Gloriole und dem 
Kreuz der Fahne. Der Hintergrund ist stumpf und trocken in der Färbung: der graue 
Sarkophag steht in gelbgrüner Landschaft mit ockergelben Wegen, braunen Felsen- 
gebirgen und graublauer Ferne mit rötlichem Horizont. Gelblichbraunes Fleisch. 

Das Gemälde bildete, mit den Seitenflügeln Nr. 76 und 74, die Rückwand des Triptychons, das sich bis 1804 als Altarwerk 
im Chore von S. Maria Novella zu Florenz befand; die Vorderseite — Maria mit den Kind in der Glorie mit den hll. Domi- 
nlkus, Midiael und den beiden Johannes — ist in der Pinakothek zu München .'. Nach Vasari wurde das Mittelbild auf der 
Rückseite des Altars, der bei dem Tode Domenicos [1494] unvollendet war, von Davide und Benedetto ausgeführt .*. 
Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 2,21, br. 1,99. 



56 



Ghirland 



rtif^ Nach dem Entwürfe Dome- 
"'"•'^ Ghirlandaios aus- 




nico 
geführt von Francesco Granacci. 

74 Der hl. Vincentius Ferrerius [Do- 
minikaner, g'estorben 1419]. Rotbräun- 
liche Fleischfarbe. In schwarzer und 
grauweißer Ordenstracht vor grau- 
blauer Nische mit goldgelber Muschel 
und roten Füllungen. Grauer Boden. 

Flugelbild zu Nr. 75 .•. Wenn bei dem andern Flügel 
[Nr. 76] das Zeugnis Vasaris dafür spricht, daß an 
seiner Ausführung Granacci beteiligt gewesen sei, so 
weist für Nr. 74 die ganze künstlerische Behandlung 
noch entschiedener auf diesen Schüler Domenicos hin 
.'. Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 2,06, br.0,55. 

76 Der hl. Antoninus [Dominikaner 
und Erzbischof von Florenz, gestorben 
1459]. Die Färbung entspricht fast 
genau dem Gegenstück, nur sind die 
Füllungen in der Architektur rot- 
grau-grün marmoriert. Zinnoberrote 
Einzelheiten am Buch, das der Hei- 
lige hält. 

Flügelbild zu Nr. 75 .•. S. die Bemerkung zu Nr. 74 .-. Die Flügel sind in Öl ausgeführt, während der übrige Altar in 
Tempera gemalt ist; auch dies weist auf Granacci hin, der sich zuerst in der Werkstatt Domenicos dem neuen Ver- 
fahren zuwandte .*. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 2,06, br. 0,55. 



Florenüni- 
sche Schule 
Jes XV. 
Jahrhun- 
derts 

86 



jV/r^^j-. „ j, Jj Bastiano [Sebastiano di Bartolo] Mainardi. Geboren zu San Gimig-nano, deshalb 
iVlCtlllctl Ul von Vasari Bastiano da San Gimignano genannt; tätig seit 1482, gestorben im September 

1513, wahrscheinlich in Florenz. 

Schüler und Gehilfe seines 

Schwagers Domenico Ghirlan- 

daio.Tätig vornehmlich zu Florenz 

und San Gimignano, zeitweilig 

in Pisa und Siena. 

68 Thronende Maria mit 
dem Kind und zwei 
Heilige. Gegen das Grau 
in den Trachten der beiden 
Heiligen, in der mit gold- 
gelben Konsolen, Muschel 
und Füllungen gezierten 
Architektur und dem mit 
gelblichbraunen und blau- 
grünlichen Fliesen belegten 





86 
83 



57 



Florentini- 
sche Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

85 



77 




Boden steht als Hauptfarbe Hellkarmin im Gewände 
Marias und im Mantel des Bischofs [rechts], daneben 
Zinnoberrot im Buche des hl. Franziskus. Dunkelblauer 
Mantel der Madonna. Stumpf gfraubräunliches Fleisch. 

Nach dem Entwürfe Domenico Ghirlandaios und wohl noch in dessen Werkstatt 
ausgeführt .'. Sammhmg Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 2,02, br. 1,51. 

86 BildniseinesjungenMannes. Ockerbrauner Fleisch- 
ton. Das gelbbraune Haar deckt eine grell zinnober- 
rote Kappe. Unter dem hellkarminroten Obergewand 
ist das dunkelgraue Untergewand sichtbar. Die gelb- 
grüne Landschaft des Hintergrundes geht nach rück- 
wärts in Graublau über. Hellblauer Himmel. 

Gegenstück zu Nr. 83 .'. Erworben 1829 durch Rumohr. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,43, br. 0,33. 

83 Bildnis einer jungen Frau. In der stumpfen Gesamtfärbung überwiegen Gelbbraun 
und Grau. Ockergelbbraun in den Fleischschatten kommt wieder im Haar, das ein weißes 
Häubchen mit hellkarminroten Bändern teilweise deckt. Unter dem weißen Kragen ist 
das braunviolette Gewand mit goldbraunen Ärmeln sichtbar. Dunkelgraue Mauern und 
rotbraune Säulen, zwischen denen man auf grüne Landschaft mit graublauem Himmel 
blickt. In dem Wandfach rechts als kräftigste Farbe im ganzen Bild ein leuchtend roter 
Bucheinband und eine teilweise sichtbare Korallenkette von derselben Farbe. 

Gegenstück von Nr. 86 .-. Von der Dargestellten gibt es noch zwei B!ldnis.se 
von derselben Hand, mit anderen männlichen Gegenstücken, das eine Paar 
bei William Drury Lowe [Royal Academy, 1893], das andere bei Marchesa 
Arconati Visconti in Paris .'. Erworben 1829 durch Rumohr. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,43, br. 0,33. 

85 Bildnis eines Kardinals. Gegen den dunkelblauen 
Grund steht in schreiendem Kontrast das grell- zin- 
noberrote Obergewand, unter dem ein karminrotes 
Untergewand sichtbar ist. Gelbbraunes Fleisch. 

Erworben 1829 durch Rumuhr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,54, br. 0,42. 

77 Maria mit dem Kinde. In mattblauem, innen dun- 
kelgrünem Mantel, aus dem gelbe, nach Orange chan- 
gierende Ärmel hervorkommen, über karminrotem Ge- 
wand. Sie hält ein Buch mit zinnoberrotem Einband. 
Warm bräunlicher Fleischton. Gewandbordüren und 
Gloriolen sind golden. Links auf bläulichem Sockel 
eine goldgelbe Vase, rechts braungelbe Brüstung mit 
karminrotem Kissen, auf dem das Christkind sitzt. Die 
bräunlich grüne Landschaft geht nach der Ferne in 
Blaugrün über. Hellblauer Himmel. 




58 



Eine Wiederholuna dieser Madonna bis zu den Knien bei Oberst 
V. Heyl in Damistadt .". Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,83, br. 0,46. 



Cred 



1 



Lorenzo di Credi [Lorenzo di Andrea 
d'Oderig-o]. Geb. zu Florenz 1457, gest. daselbst 
den 12. Januar 1537. Zunächst Schüler seines Vaters, des 
Goldschmieds Andrea, dann Andreas del Verrocchio und 
unter dem Einflüsse seines Mitschülers Lionardo da Vinci 
ausgebildet. Tätig zu Pistoja und hauptsächlich zu Florenz 
[in Verrocchios Werkstatt bis zu dessen Tode, 1488]. 

103 Maria von Ag-ypten. Unter dunkelrot- 
braunen Haaren leuchtet gelbbräunlichesFleisch 
hervor. Gelbbrauner Boden und graubraune 
Felsen dienen der Figur als Hintergrund. Vor 
blauer Luft, die sich nach dem Horizont aufhellt, 
schwebt der Engel in graublauem Gewand, aus 
dem goldgelbe Ärmel hervorkommen, mit weiß- 
lichblauen und goldgelben Flügelfedern. Die 
- sonnige landschaftliche Ferne geht von saftigem 
Grün in Hellblau über. Im Wasser spiegelt sich 
der lichtblaue Himmel zwischen gelbgrünen 
Wiesen. 

Ähnlich kommt die Gestalt der Maria von Ägypten öfters vor, wie 
in einem Bilde des Louvre, Maria in der Herrlichkeit darstellend, 
das der Schute Verrocchios angehört und in der Komposition wohl 
auf diesen Meister selbst zurückgeht, ferner in einem Altarbild in 
S. Spirito zu Florenz, das mit Unrecht dem Cosimo Rosselli zuge- 
schrieben wird .". Endlich stimmt mit der Figur überein eine Ton- 
statuette der hl. Magdalena von Verrocchio im Kaiser-Friedrich- 
Museum zu Berlin -•. Es wird somit das Bild Lorenzos auf ein Vor- 
bild von der Hand Verrocchios zurückzuführen sein .•.Ursprünglich 
in S. Chiara zu Florenz .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,42, br. 0,85. 

100 Maria, das Kind anbetend. Maria in dun- 
kelblauem Mantel über graublauem Gewand. 
Bräunliches Rot im Mantelumschlag kehrt als 
dunkles Karminrot in der Decke wieder, auf 
der das Kind liegt und die um ein goldgelbes 
Kopfpolster gewickelt ist. Lichtes gelbbräun- 
liches Fleisch. Die Zusammenstellung von Blau, 
Goldgelb und Karmin wiederholt sich in der 
Kleidung Josephs. Die Landschaft, im Vorder- 
grunde dunkelgrün, geht über stumpfes Gelb- 
grün in dunstiges Hellblau über. Vor der hell- 
blauen Luft, die nach dem Horizont zu gelb- 
licher wird, steht dunkelrotbraune Architektur. 

Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,10, br. 0,70. 




Floreniini- 
sdxe Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



59 



Florentini- 
sche Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

107 




204 



)■_„_ Piero [Pietro oder Pier] di Cosimo [nach seinem Lehrer Cosimo Rosselli]. Nach dem Vater 
'^' ^ genannt Pietro di Lorenzo. Geb. 1462 zu Florenz, gest. daselbst 1521. Schüler und Gehilfe 
Cosimo Rosseliis, unter dem Einflüsse Lionardos da Vinci [seit 1501] weiter ausgebildet. Tätig zu 
Florenz, kurze Zeit als Gehilfe Rossellis zu Rom [um 1482 — 1484]. 

107 Venus, Mars und Amor. Das rötliche Fleisch der Figuren mit graugrünlichen 
Schatten hebt sich vom hellgelbgrünen Rasen ab, in den in der Mitte ein dunklerer 
beschatteter Strich einschneidet. Grauweißes Tuch und Schleier umhüllen Venus und 
Amor, Mars ruht auf blauviolettem Tuch mit rötlichen und goldenen Streifen, ein 
hellkarminfarbenes Tuch um die Hüften. Rotbraunes Haar. Das Zinnoberrot des 
Kopfkissens kehrt überall in kleinen Flecken belebend wieder: im Riemenzeug der 
Rüstung und einzelnen Waffenteilen, stumpfer im Kopfkissen der Venus, den Flügeln 
Amors und der mit den Waffen des Mars spielenden Putten, deren rotbraune Körper 

vor dem bräunlichen Gelb- 
grün der weißblühenden Lor- 
^# 'iSl^T^O^^^.^^. ^B beerbüsche und dem Gelb- 

braun der Felsen stehen. Die 
Ferne mit dem Meer und der 
Himmel hellultramarinblau. 

Von Vasari beschrieben, in dessen Besitze 
sich das Bild befand .'. Kam später angeb- 
iich mit der Erbschaft Gaddi in die Casa 
Nerli im Borgo San Niccolö zu Florenz .". 
Aus der früheren Zeit des Meisters .". Er- 
worben 1829 durch Rumohr. 

Pappelholz, h. 0,72, br. 1,62. 

204 Anbetung der Hirten. 
Warme sonnige Wirkung. In 
den Figuren, die auf hellok- 
kergelbem Boden graublaue 
Schatten werfen, steigert sich 
die Färbung von Braungelb, 
Olivgrün, Blaugrün. Rotbraun 




60 



und Schwarz [Hirt und Stifter] zu Goldgelb, Karmin- 
rot, Dunkelblau [Joseph] und zu leuchtendem Grün 
der Innenseite des dunkelblauen Mantels und Zin- 
noberrot im Gewände der Maria. Warme rotbraune 
Fleischfarbe. Das Kind liegt auf bräunlichviolettem 
Tuch. In der sonnigen Landschaft mit ockergelben 
Abhängen, saftgrünem Rasen und Bäumen, hellultra- 
marinblauer Ferne und blauem Himmel mit grau- 
weißen Wolken, gegen den die dunkelbraunen Sparren 
des Stalles stehen, ist links der Erzengel Raphael mit 
Tobias und die Verkündigung an die Hirten dar- 
gestellt. Gelbbraune Kuh. 

Aus der späteren Zeit des Meisters .*. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h.1,32, br. 1,47. 

Florentinische Schule um 1500 

90a Maria mit dem Kinde. Unter dem hellultrama- 
rinblauen Mantel kommt ein auf der Brust gerafftes 

graublaues Jäckchen zum Vorschein, unter diesem wieder an den Armen und am Hals 
das rote Untergewand. Rot wiederholt sich mit gelblichem Schimmer im Kissen, auf dem 
das Kind steht. Ockergelbweißes Fleisch mit schwärzlich braunen Schatten. Dunkel- 
braunes Haar. Vor grauer Balustrade mit blaugrün -braunrot schillernden Säulen und 
grünlichblauem Himmel hängt ein dunkelgrüner Teppich mit braungelber Borte. 




Florentini- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

90 A 



Unter dem Einflüsse Lionardos da Vinci ' 
Pappelholz, h. 0,98, br. 0,58. 



ielleicht in Mailand entstanden .'. Erworben 1863. 



SCHULE VON SIENA 

""'-^ „_ ' Giovanni di Paolo. Eigentlich Giovanni di 
iiyjy alllll Paolo di Grazia, gen. del Poggio. Urkund- 
lich schon 1423 zu Siena tätig, zuletzt 1482 erwähnt und 
wahrscheinlich in diesem Jahre gestorben. Nach älterer Nach- 
richt unter dem Einflüsse Gentiles da Fabriano gebildet und 
vielleicht dessen Schüler. 

1112b Christus am Kreuz. Graublau im Mantel 
Marias und Hellkarminrot im Mantel des Johannes 
über dunkelsaftgrünem Unterkleid stehen gegen 
den Goldgrund. Dunkelgrauer Felsboden mit zin- 
noberrotem Blut. Der Fleischton ist graugrünlich 
mit rosigen Lichtern. 

Rf*'Jits unten das Wappen der Sieneser Familie Piccoloniini [Gold auf 
dunkelsaftgrünem Feld ] .*. Auf der Rückseite ein späteres Kardinals- 
wappen und die Buchstaben N. R. .'. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,32, br. 0,23. 




Schule von 
Siena im 
XV. Jahr- 
hundert 

1112 B 



61 



Schule von 
Siena im 
XV. Jahr- 
hundert 

in2C 



1112cKreuzig-ung. In der Gruppe 
rechts vom Gekreuzigten über- 
wiegen hellblaue und graue Töne 
[Mantel des Pharisäers rechts über 
gelbrotem Untergewand, Gewand 
seines linken Nachbars, das ein 
goldgelber Mantel deckt, Kopf- 
bedeckung des Mannes zwischen 
ihnen, Rüstungen] zwischen Gold- 
gelb, Zinnober- und Karminrot. 
Johannes in hellkarminrotemMan- 
tel über dunkelgelbgrünem Ge- 
wand. In der Gruppe der Frauen 
links sind die Farben tiefer und 
leuchtender. Neben Hellkarmin- 
rot und Dunkelultramarin [Mantel Marias, über violettem Gewand] stehen Goldgelb 
und Zinnoberrot [Magdalena]. Goldene Gloriolen. Die Reiter in hellblauen, goldgelb 
verzierten Rüstungen, der eine mit zinnoberroter Fahne, auf schwarzen Pferden, Lon- 
ginus mit rosafarbenem Mantel auf weißem Pferd. Dunkelgrauer Boden. Goldgrund. 

Erworben 1904 .". Eigentum des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,385, br. 0,53. 




53 B 



C___^^j.j.„ Stefano di Giovanni, gen. Sassetta. Urkundlich seit 1427 tätig, 1428 in die Sieneser 
OaoScLLd. Malerzunft aufgenommen, gest. um 1450. Von den Lorenzetti und Bartolo di Maestro Fredi 

beeinflußt. Tätig zu Siena. 

63b Maria mit dem Kinde. Von dem nachgedunkelten 
schwärzlichen Blau des Mantels heben sich die zinnober- 
rote Umhüllung des Kindes und der lichte grünlich -weiße 
Fleischton ab, der an den Wangen durch rote Flecke be- 
lebt wird. Weiß kehrt im Mantelumschlag und etwas 
wärmer in den Gewändern der rotbraun geflügelten Engel 
wieder, deren Hüften goldene, mit roten und schwarzen 
Mustern gezierte Gürtel umschließen. Ockergelbbraune 
Haare. Am Halse Marias ist der goldene Besatz des Ge- 
wandes sichtbar. Zu ihren Füßen ist ein goldgemusterter 
Teppich ausgebreitet, auf dem das zinnoberrot gemusterte 
Sitzpolster liegt. Gott -Vater, der die Taube herabsendet, 
umgeben von Cherubim, in bräunlich -roten Tönen. Gold- 
grund, in den Gloriolen, Krone und Umrahmung einge- 
prägt sind. 

Vermutlich Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,47, br. 0,25. 




62 



63c Maria mit dem Kind, Johannes d. T. und eine 
unbekannte Heilige. Unter dem schwarzblauen, innen 
mit weißem Pelz g-efütterten Mantel Marias ist das braun- 
gelbe Gewand sichtbar. Braungelb kehrt noch etwas 
dunkler im Gewände der Heiligen rechts und in der Halb- 
figur des segnenden Gott -Vaters oben wieder. Links 
entspricht kräftiges Karminrot im Mantel Johannes d. T., 
dessen härenes Untergewand mit hellblauen Streifen be- 
setzt ist. Die Haut des Täufers ist tief rotbraun. Hinter 
Maria ist in Schulterhöhe ein weißes Tuch gespannt. 
Der hellkarminrote Thronsockel steht auf dunkelgelb- 
grünem Rasen. Goldgrund mit eingeprägten Gloriolen. 



Aus der späteren Zeit des Meisters 
Otto Feist in Berlin. 



Erworljen 1904 als Geschenk des Herrn 
Tempera. Pappelholz, h. 0,43, br. 0,19. 



Maff*ir\ Matteo di Giovanni [di Bartolo], gen. Matteo da 
dLLCU Siena. Geb. um 1435 [in Borgo S. Sepolcro?], zuerst 
1453 in Siena urkundlich erwähnt, gest. daselbst im Juni 1495. Tätig 
zu Siena. 




Sdiule von 
Siena im 
XV. Jahr- 
hundert 

63 C 



1127 Maria mit dem Kind und die hll. Hieronymus und Franziskus. 
in stumpf dunkelblauem Mantel über tief karminrotem Gewand. Lichte warm 
liehe Fleischfarbe mit graugrünlicher Unter- 
m.ilung, dunkler in den Köpfen der beiden 
Heiligen. Rot erscheint überall zwischen 
den Figuren: Zinnoberrot in der Korallen- 
kette, die das Kind in den Händen hält, 
und in dem flammenden Herz des hl. 
Franziskus, Karminrot im Gewände des 
hl. Hieronymus, violettkarminrot mit gelben 
Lichtern im Gewände des Engels rechts. 
Rosa in den Flügeln des Engels links ent- 
spricht Goldgelb in denen des Engels 
rechts vor dunkelblauem Grund. Bräun- 
lichgraue Kutte des Franziskus, der ein 
dunkelviolettes Buch mit gelbem Schnitt 
hält. Goldene Gloriole mit eingeprägten 
Ornamenten und Goldzeichnung an den 
Gewandsäumen. 

Das Bild ist für den Meister selbst zu gering und wohl nur 
eine Arbeit seiner Werkstatt .*. Von Crowe und Cavalcaselle 
vermutungsweise dem Guidoccio Cozzarelli [tätig zu Siena 
um 1480 bis 1495, unter dem Einflüsse des Matteo da Siena] 
zugeschrieben .-. Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,58, br. 0,42. 



Maria 
bräun- 




63 



Schule von 
Siena im 
XV. Jahr- 
hundert 

63 A 



1122 




N 



• Neroccio di Bartolommeo di Benedetto 

^' vJL^dU de' Landi. Maler und Bildhauer, geboren zu 

Siena um 1447, gestorben daselbst vor dem 26. November 

1500. Unter dem Einflüsse des Vecchietta und Francesco 

di Giorgio gebildet. Tätig zu Siena. 



63a Maria mit dem Kind, ein hl. Dominikaner- 
bischof und die hl. Katharina. Lichtes 
weißgrünliches Fleisch mit rosigen Lichtern und 
blondes Haar werden von dem nachgedunkelten 
Blauschwarz des innen dunkelgrünen Mantels um- 
geben, unter dem das karminrote Gewand sicht- 
bar ist. Das Kind ist mit einem goldenen Hemd- 
chen bekleidet. Die beiden Heiligen in weiß- 
grauen Trachten und warmbräunlichem Fleisch. 
Die hl. Katharina hält ein zinnoberrot gebundenes 
Buch. Goldgrund mit eingeprägten Gloriolen. 

1884 von Herrn Generaldirektor Dr.W. Bode der Galerie geschenkt. 
Tempera. Pappelholz, h.0,41, br. 0,30. 



Schule von Siena um 1450—1480 




1122 Himmelfahrt Maria. An Mosaiken 
erinnert die auf Gold gestimmte Farben- 
wirkung, mit gelblichen, rötlichen, blau- 
grauen, violetten und gelbgrünen Tönen 
in den Gewändern der Engel. Maria 
in weißem, goldgeziertem, innen grau- 
violettem Gewand. In der Glorie der 
Heiligen oben sind die Farben kräftiger 
[Dunkelblau, Karmin usw.]. Die Land- 
schaft unten ist blaugrün mit farbiger, 
vorwiegend zinnoberrot und goldgelb 
gekleideter Figurenstaffage [ die um 
das Grab versammelten Apostel, unter 
ihnen Thomas, der vom Himmel den 
Gürtel der Maria empfängt]. Goldgrund. 

Das Bild trägt in seinem oberen Teile *J.t.ut!ich die 
charakteristischen Züge des Sassetta, der wohl das Bild 
hei seinem Tod unvollendet zurückheß. In der unteren 
Hälfte verrät sich eine andere [spätere] Hand .". Er- 
worl>en vor 1830. 

Tempera. Pappelholz, h.3,32, br. 2,24. 

C" Art des Francesco di Gior- 

rrancesco gio Martini [1439-1502]. 

1655 Die Heilung des Lahmen. Vor 
buntfarbiger Architektur mit hellblauen 



64 




Füllungen, olivgrünen,violetten, 
g-oldgelben und zinnoberroten 
Gesimsen, Kapitalen und Pi- 
lastern, und vor ockergfclb- 
braunemErdbodenstehenbunte 
leuchtende Lokalfarben in den 
Gewändern der Figuren. Ultra- 
marinblau im Kittel des Lahmen. 
Das tiefe Rot der Innenseite 
ist auch für die in der Tempel- 
tür stehende Gestalt verwendet. 
Blau kehrt wieder im Gewände 

Johannis d. Ev., über dem ein karminroter Mantel liegt. Goldgelb und wiederum 
Karmin in der Kleidung Petri stehen daneben. Auch in der rechten Gruppe wechseln 
Karminrot, Goldgelb und Ultramarinblau. Dunkelgrünes Obergewand des Priesters. 
Goldgelbe Haare Johannis d. Ev. und des Jünglings rechts. 

Ein Gegenstück, Girolamo da Cremona zugeschrieben, befindet sich im Besitze der Lady Somerset, London .*. Sammlung 
Füller Maitland .'. Erworben 1908 aus dem englischen Kunsthandel als Geschenk des Geh. Kommerzienrats Dr. E.Simon. 
Pappelholz, h.0,31, br.0,555. 

UMBRISCHE SCHULE 

(jgQfjlp Gentile da Fabriano. Nach dem Vater Gentile di Niccolö di Giovanni di Masso. 
Geboren zu Fabriano, vermutlich zwischen 1360 und 1370, 1422 in die Gilde zu Florenz auf- 
genommen, gestorben um 1427 in Rom. Schüler des Alegretto Nuzi und vielleicht des Ottaviano Nelli, 
nach Vasari auch Fra Giovannis da Fiesole. Tätig zu Fabriano, Brescia, Venedig [um 1422], Florenz 
[um 1422 bis 1425], und zu Rom [1426 27], kurze Zeit in Orvieto [1425] und in Siena [1425/26]. 

1130 Maria mit dem Kind und zwei 
Heilige. Die Farben sind auf Grau 
gestimmt, Zinnoberrot steht dagegen. 
Silbrig-rosiger Fleischton, der sich in 
den männlichen Figuren zu Rotbraun 
erwärmt. Maria in nachgedunkeltem 
blauem Mantel, dessen stumpf grün- 
liche Innenseite mit Goldtupfen über- 
sät ist, über blaurötlichem, von Gold- 
fäden durchzogenem Gewand. Eine 
innen mit weißem Pelz besetzte, außen 
bräunhchrote Decke umhüllt das Kind. 
Dieselben zarten Töne in der Klei- 
dung der hl. Katharina. Ihr hellblauer, 
innen mit weißem Pelz gefütterter 
Mantel läßt das mit Kleeblattmustern 
gezierte Gewand sehen, dessen kar- 
minrötlicher Ton durchsichtig auf Sil- 
ber las'ert ist. In den Falten des 



Schule von 
Siena im 
XV. Jahr- 
hundert 

1655 




Umbrische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1130 



65 



Umbrische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1616 




Mantels sind die Ansätze der zinnoberroten Ärmel 
sichtbar. Bräunlichgelbes Haar. Der kniende Stifter 
in bräunlichgrauer und schwarzer Tracht. Dahinter 
steht der hl. Nikolaus in grauweißem Chorhemd 
und zinnoberrotem, goldgesticktem Pallium und 
Bischofsmütze. Karminrot auf der Innenseite des 
Palliums kehrt wieder in dem Kissen auf goldenem 
Thron. Dunkelgrüner Rasen. In den dunkelgrünen 
Bäumen musizieren hellrote Seraphim auf goldenen 
Instrumenten. Goldgrund. 

Bez. unten auf der Leiste des ursprünglichen Rahmens, die dem neuen 
Rahmen eingefügt ist: — gentihs de fabriano pinsit +. Gemalt für S.Nic- 
colö zu Fabriano und daher wohl aus der frühen Zeit des Meisters, bevor 
er aus der Heimat in das Venetianische zog. Später befand sich das Bild 
in Osimo, Matellica und Rom .". 1837 von König Friedrich Wilhelm III. 
überwiesen .". Tempera. Pappelholz, h. 1,31, br. 1,13. 

D _ _ _ _ J.! Giovanni Boccati, eigentl. GiovannidiPier- 
IJUCCdLl Matteo d'Antonio d'Annutio. Geb. zu Came- 
rino, Geburts- und Todesdatum unbekannt. Gebildet unter 
dem Einflüsse Pieros della Francesca und Benozzo Gozzolis. 
Tätig hauptsächlich in Perugia, wo er 1445 in die Malerzunft 
' aufgenommen wrA. 

1616 Die drei Erzengel mit dem kleinen Tobias. Vor schwarzem Grund, auf grauem 
Boden stehen von links nach rechts der hl. Michael in weißlichblauem Gewand, karmin- 
violettem Besatz, der hl. Raphael in karminrotem Gewand mit graublauem Besatz, den 
kleinen Tobias hinter sich, und Gabriel in gelblich -grauweißem Gewand mit zinnoberrotem 
Besatz und dunkelolivgrünem Mantel. Weißgraue Haare. Goldene Gloriolen und Flügel. 

In Stil und Typen mit dem 1447 bezeichneten Gemälde Boccatis in der Pinakothek von Perugia übereinstimmend .'. Aus dem 
Nachlasse des Geh. Medizinalrates Schröder, der es in Ferrara erwarb .'. Geschenk des Herrn Generaldirektors Dr. Bode. 

Pappelholz, h. 0,37, br. 0,25. 

Buonfigii. Geb. vermutlich 
um 1420, gest. ebenda den 8. Juli 
1496. Unter dem Einflüsse Domenico Venezianos, Pieros 
della Francesca und Benozzo Gozzolis weiter ausge- 
bildet. Tätig in Perugia [seit 1453 nachweisbar]. 

137a Maria mit dem Kinde. Den Hauptkon- 
trast bilden Karminrot [im Gewände der Ma- 
donna, den Mustern des goldenen Throntep- 
pichs und des Kissens, weniger leuchtend im 
Thronsockel und den Profilen der grauen Ar- 
chitektur], Zinnoberrot [Flügel des Engels 1., 
nach Hellblau changierendes Gewand des En- 
gels r.] und Gold [Himmel, Gloriolen, Teppich 
und Verzierungen der Gewänder]. Ultrama- 
rinblauer Mantel der Madonna. Rotbraunes 
Fleisch mit grünen Schatten. 

Der Meister zeigt sich in diesem Bildchen besonders von Be- 
nozzo Gozzoli beeinflußt .'. Ehemals in Perugia .'. Erworben 1887 
als Gesdienk Tempera. Pappelholz, h. 0,27, br. 0,21. 




Buonfigii ?„^Ä:4iru°m 



66 



'*_„__.__ Fiorenzo di Lorenzo. Geb. zu Perugia um 1440, 
lUlCllZU gest. daselbst nach 1521. Urkundlich zuerst ge- 
nannt 1472, zuletzt im Mai 1521. Vermutlich Schüler Benedetto 
Buonfiglis in Perugia; unter dem Einflüsse Benozzo Gozzolis, 
besonders aber in Florenz in der Werkstatt Verrocchios weiter 
ausgebildet. Tätig namentlich zu Perugia. 

129 Maria mit dem Kinde. In tiefblauem Mantel, 
dessen dunkelgrüne Innenseite mit Goldpunkten be- 
streut ist, über karminrotem Gewand mit Brokat- 
ärmeln, das unter der Brust ein grauvioletter Gürtel 
zusammenhält. Ein gleichfalls violetter Schleier mit 
weißen und gelben Stickereien umschließt den Kör- 
per des Kindes und fällt rechts über die mit golde- 
nem Granatapfelmuster gezierte Decke herab, die 
auf den weißen, am Sockel mit rotem und blauem 
Kosmatenmosaik geschmückten Marmorsitz gebreitet 
ist Weißes Kopftuch, gelblichbraunes Fleisch. Leuch- 
tender Goldgrund mit eingeprägter Gloriole. 

Bez. am Fuße des Bildes: • MARIA • VGO ■ PRlS SlR ■ 7 GRE . [virgc 
purissima mater et genitrix ] MCCCCLXXXI .'. Mittelbild eines Tripty- 
chons, dessen Fliigelbilder [ Maria Magdalena und Johannes d. T.] sich in 
der Galerie zu Altenburg befinden .■. Das Bild zeigt den überwiegenden Ein- 
fluß der Schule Verrocchios .*. Die Autorschaft des Fiorenzo ist nicht 
sicher .". Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,44, br. 0,66. 

S 4 Fiorenzo [?] Salome bringt Herodes das 
Haupt des Johannes. Vor weißgrauer Hofarchi- 
tektur, deren mittlere Halle sich auf blaugrüne 
Landschaft, graublaue Ferne und hellblauen Himmel 
öffnet, und auf hellockergelbem Boden stehen die Figuren in gelben, blauen, violetten, 
olivgrünen und vor allem zinnober- und karminroten Gewändern. Am buntesten wirkt 
die Gruppe der links stehen- 
den Männer: der in rotem 
Turban mit zinnoberrotem, 
innen dunkelblauem Mantel 
über gelblichbraunem Gewand, 
der andere rechts neben ihm 
in Kellgelbem Mantel über 
dunkelgrünem Gewand. Auch 
in den Figuren rechts vorn 
kehren Zinnoberrot, Dunkel- 
grün und Graublau wieder. 
Rotbraune Fleischfarbe. 

Erworben im florentinischen Kunsthandel .'. 
Sammlung James Simon. 

Pap'ielholz, h. 0,29, br. 0,45. 




Umbrische 
Scixule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

129 




r^ S 4 



67 



Umbrische 
Schale des 
XV. Jahr- 
hunderts 




Umbrische Schule um 1480 

137 Maria mit dem Kind. Lichter grauer Freskoton. 
Maria in stumpfblauem [innen dunkelgrünem] Mantel 
über karminrotem Gewand, auf bräunlichgrauer Bank. 
Heller graubräunlicher Fleischton. Links steht in gelb- 
braunem Gewand vor grauweißer Mauer der hl. Petro- 
nius, das graue Stadtmodell von Bologna auf zinnober- 
rot gebundenem Buch tragend, rechts ein hl. Dominikaner 
in Grau und Weiß gekleidet, der ein grauviolettes Buch 
mit rosafarbenem Rücken hält. Beide Figuren sind stark 
abgeschnitten. 

Ausschnitt aus einem Bilde .•. Vermutlich im Anschluß an ein Fresko zu Assisi 
früher über der Porta S. Giacomo [jetzt im Municipio], gemalt, das die Madonna 
[in ähnlicher Haltung] mit dem Kind in der Glorie, von Cherubim umgeben, 
darstellt und wohl von Fiorenzo di Lorenzo herrührt. Einer gewissen Verwandt- 
schaft mit dem signierten Bild des Lorenzo diS.Severinoin der Londoner 
National Gallery wegen neuerdings, wohl mit Unrecht, diesem Meister zuge- 
schrieben .■. Die Reste der beiden Heiligen kamen nach Entfernung eines mo- 
dernen Goldgrundes zutage .*. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h.1,17, br.0,69. 



C I • Giovanni Santi 

oanti 



139 



Santi. Der Vater Raffaels, g^eboren zu Colbordolo [Gebiet von Urbino] vermutlich 
zwischen 1430 und 1440, gestorben zu Urbino den 1. August 1494. Unter dem Einflüsse des 
Piero della Francesca und namentlich des Melozzo da Forli ausgebildet. Tätig zu Urbino, kurze Zeit 
in Cagli, Pesaro und vermutlich in Fano. 

139 Maria mit dem Kind und 
vier Heilige. Maria thront in 
schwärzlich blauem, innen grü- 
nem Mantel über karminrotem 
Gewand auf weißem Thron, vor 
grauem, rot gemustertem Tep- 
pich. Links der kniende Stifter, 
ein Graf Matarozzi, in karmin- 
rotem Gewand. Hinter ihm der 
hl.Thomas von Aquino in schwar- 
zer und weißer Ordenstracht, ein 
zinnoberrot gebundenes Buch in 
derRechten,unddiehl.Katharina 
in zinnoberrotem Gewand, das 
hinter dem Mantel des Thomas 
nur wenig sichtbar ist. Rechts 
der ApostelThomas in zinnober- 
rotem Mantel über gelbgrünem 
Gewand, hinter ihm der hl. 
Antonius der Abt in hellkarmin- 




68 



roter Tracht. Stumpfe bräunliche Fleischfarbe. 
Gelbbrauner Erdboden. Hellblaue Luft. 

Erworben 1842 in Rom. 

Pappelholz, h. 1,92, br. 1,82. 

140a Maria mit dem Kinde. Graubräunliches 
Fleisch und braunes Haar, graublauer Mantel 
über karminrotem Gewand heben sich hart von 
schwarzem Hintergrund ab. Karminrot kehrt 
neben Grün in den Vorhängen oben wieder. 
Das Kind mit schmutzig goldgelber Gloriole, 
die ein zinnoberrotes Kreuz füllt, steht auf weiß- 
grauer Balustrade. 

Erworben 1846. 

Pappelholz, h. 0,63, br. 0,48. 

PJj-.l-m-J/-»y-«V-»iy-v Bernardino Pinturicchio. Nach 
1 illLUIlL.«^UlU jg|^ Ygjg^ Bernardino di Betto 



^p^^l^^ 







Biagio. Geboren wahrscheinlich zu Perugia um 1455, 

gestorben zu Siena den 11. Dezember 1513. Unter dem Einflüsse Fiorenzos di Lorenzo [vielleicht als 
dessen Schüler] in Perugia und als Arbeitsgenosse Pietro Peruginos [in Rom] ausgebildet. Tätig in 
Perugia, Rom von 1481—1502 mit Unterbrechungen, Orvieto [1492/94 und 1496], Spello [1501] und 
längere Zeit zu Siena [seit 1503 mit kurzen Unterbrechungen]. 



Umbrische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



132a Reliquiarium. Der Kirchenvater Augustinus mit den hll.Benedikt und 
Bernhard. In zitronengelber, rötlich gerandeter Mandorla, vor dunkelultramarinblauem 
Himmel mit weißen, gelben, orangefarbenen und neutraltintenen Wolken schwebt der 
hl. Augustinus im Bischofsornat, weißer, goldverzierter 
Mitra, grauviolettem Chorhemd und hellkarminrotem 
Mantel, der durch eine schwere grün-goldene Schließe 
zusammengehalten wird. Das Grün des Bucheinbandes 
kehrt wieder im Gewände des rotgeflügelten Engels 
rechts und den Flügeln des linken Engels, der ein vio- 
lettgraues Gewand trägt. Unten links der hl. Benedikt 
mit dem Weihwedel [älterer Form] in bräunlich -schwarz- 
grauer Kutte, ein zinnoberrotes Buch in der Linken, 
rechts Bernhard von Clairvaux in gelblich weißgrauer 
Tracht. Rotbräunliches Fleisch mit graublauen Schatten 
und weißen Lichtern. Die ganze Darstellung ist [be- 
sonders die Gewänder] reich mit Gold verziert. 

Aus der Frühzeit des Meisters, noch unter dem Einflüsse Fiorenzos di Lorenzo .•. 
Die Holztafel, auf der das Bild gemalt ist, bildet mit dem Rahmen und Untersatz 
ein Ganzes. Rahmen und Untersatz enthalten in verglasten kleinen Behältern 
Reliquien .". Ehemals in einem Nonnenkloster S. Donato in Polverosa bei 
Florenz .'. Erworben 1875 in Florenz vom Bankier ßrini. 
Wasserfarbe. Lindenholz, h. 0,43, br. 0,23. 




69 



Umbrische 
Sdiule des 
XV. Jahr- 
hunderts 




B 



143 Maria mit dem Kinde. Gelbgrünliches Fleisch 
mit gelbbraunen Schatten. Das rötlichgelbe Haar 
der Madonna ist von violettblauem, mit zinnober- 
roten und goldenen Fäden durchzogenem Schleier 
durchflochten. Unter hellblauem, im Umschlag dun- 
kelgrünem Mantel, der sich hart von schwarzem 
Grund abhebt, ist das karminrote Gewand sicht- 
bar. Maria hält in der Linken einen zinnoberroten, 
auf der beschatteten Seite blaugrünen Apfel. Ge- 
malte hellkarminrote Rahmung. 

Erworben 1829 durch Rumohr. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,46, br. 0,33. 

P^Kflirr*! Giovanni Battista Bertucci, gen. Giovanni 
Cl LUL-Cl Battista da Faenza. Geb. zu Faenza, urkund- 
lich daselbst zuerst 1503 erwähnt, tätig um 1503 bis 1516 
zu Faenza. Bildete sich unter dem Einflüsse von Perugino 
und Pinturicchio. 



132 



132 Anbetung der Könige. Bräunlichgrüne Land- 
schaft, die nach vorn zu im Ton immer mehr in 
das Grau der Ruinen übergeht. Auf dieses Grau, 
das überall im Fleisch durchschimmert, ist auch der graublaue Mantel des Stifters links 
[aus der Familie Manzolini zu Faenza] gestimmt. In der Mitte überwiegen Ultramarinblau 
[Mantel der Madonna und des stehenden Mohrenkönigs] und Hellkarminrot im Gewände 
der Maria, des knienden Königs und des stehenden jüngsten Königs, der über dem Gewand 

einen goldgelben, im 
Umschlag grünenMan- 
tel und zinnoberrote 
Beinkleider mit violett- 
grauen Stiefeln trägt. 
Gelbbrauner Mantel 
Josephs über grünem 
Gewand. Graublauer 
Himmel. 



Für die Familie Manzolini ge- 
malt und ursprünglich in S. Ca- 
terina zu Faenza. Die Flüge!- 
bilder mit den Darstellungen 
Johannis d. T. und der Magda- 
lena in der Galerie zu Faenza, 
die Lünette 1902 auf der Ver- 
steigerung Guidi zu Rom .". 
Zeichnung zu dem Bild im Kgl. 
Kupferstichkabinett zu Berlin 
[Sammlung vonBeckerath]. Ko- 
pie bez. B. 1521 auf der Auktion 
Heberle in Köln 1901 [aus Villa 
Dahm zu Godesberg] .". Samm- 
lung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 2,1 5, br.2,63. 




70 




Umbrische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



Umbrisch-Florentinische Schule um 1490 

142 Darstellungen aus dem Leben des jungen Tobias. Vor gelblichgrauer Architektur, 
die durch Blaugrau in den Gliederungen und Profilen und Lichtrot im Ziegelboden belebt 
wird, stehen die Figuren in bunten Lokalfarben, unter denen Zinnober, Karminrot und 
Goldgelb überwiegen neben weißlichem Blau und Grün. Der junge Tobias ist durch 
zinnoberrote Beinkleider und weißblaue Jacke, der Engel durch weißgraue Gewandung 
kenntlich. Blaugrüne Landschaft mit hellblauen Bergen unter hellorangegelbem Horizont. 
Hellblauer Himmel. 

Wie das Gegenstück Nr. 149 und eine dritte Tafel im Kunstgewerbemuseum zu Berlin Teil eines Cassone, und zwar wohl 
florentinischen Ursprungs, wofür auch das wiederholt angebrachte Mediceerwappen spricht /. Erworben 184142 in Italien. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,58, br. 1,57. 

149 Darstellungen aus dem Leben des jungen Tobias. Weniger bunt als das Ge- 
genstück. Die Architektur ist graubräunlich, in den Lichtern mattockergelb, belebt von 
graublauen Pfeilern und Profilen, mit lichtrotem Ziegelboden. Bräunlichgraues Pflaster. 
Die Staffage ist vorwiegend in graublauen, weißlichblauen, violettgrauen und grünen 
Farben gehalten, die von kräftigem Zinnoberrot und Hellkarmin durchsetzt werden. Unter 
der Halle links dient ein grüner Wandteppich als Hintergrund. Rechts und in der Mitte 
überwiegen Blaugrün und Zinnober. 

Gegenstück von Nr. 142 .-. Erworben 1841 42 in Italien .'. Tempera. Pappelholz, h. 0,58, br. 1,57. 




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Umbrische 

Schule des 

XV. Jahr- 

hunder ts 

131 




Pal 



Marco Palmezzano. Ei- 
meZZanO gentllch Marco di Anto- 
nio Palmezzano. Geb. zu Forli 1456, gest. 
vermutlich 1538. 



1129A 



131 Geburt Christi. Das einheitliche 
Graubraun des Bildes wird durch 
wenig stumpfes Grün in der Land- 
schaft und bläuliches Grau der Ferne 
und des Himmels, das am Horizont in 
einen rötlich gelben Ton übergeht, 
unterbrochen. Fleisch und Gewänder 
sind auf den Gesamtton abgestimmt. 
Hellblauer, innen gelbgrüner Mantel 
Marias über rotem Gewand. Noch 
stumpfer kehrt Rot wieder im Kra- 
gen und dem Flicken am Mantel des 
Hirten vorn, in der Kappe Josephs 
und der figürlichen Staffage der Land- 
schaft. Joseph in hellgelbem, in den 
Schatten gelbbraunem Mantel mit 
dunkelgrüner Innenseite, über wenig sichtbarem, violettem Rock. 

Auf dem Blättchen in der Mitte unten eine ^anz undeutlich gewordene Bezeichnung, die ehemals RoccoZoppo gelesen wurde .*. 
Sammlung SoUy, 1821 .-. Pappelholz, h. 1,55, br. 0,97. 

1129a Der auferstandene Christus. Vor einheitlich graubrauner Landschaft und dem 
Kreuz von derselben Farbe hebt sich der Körper Christi in einem rosigen Ton ab, den 

grünlichgraue Schatten und das Grauviolett des Hüf- 
tentuches unterbrechen. Neben der Fleischfarbe wirkt 
in dem allgemeinen Ton das dunkle, grünliche Blau 
des Himmels am stärksten, das sich nach dem Horizont 
zu aufhellt. 

Bez. am Felsen links auf einem Blättchen : Marchus palmezzanus pictor foroli- 
uiensis faciebat MCCCCCXXV .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappclholz, h. 0,88, br. 0,52. 




G 



Gerino da Pistoia [Gerino d'Antonio Gerini]. 
CnOO Geb. zu Pistoia, Geburts- und Todesjahr unbekannt. Unter 
dem Einflüsse Peruginos gebildet; nach Vasari lange Zeit als dessen 
Gehilfe, sowie gemeinsam mit Pinturicchio tätig. Tätig nach den 
Daten auf seinen Werken um 1500 bis 1529; in Pistoia nachweis- 
bar zwischen 1505 und 1509, 1514 und 1520, dann vornehmlich in 
Borgo S. Sepolcro und einige Zeit zu Florenz. 

146a Gerino? Das Abendmahl. In den Gewändern 
Christi und der Apostel sind Karminrot, Goldgelb, Zin- 
noberrot, Blau, Blaugrau und bräunliche Töne vor 
dunkelgrünem Grunde verteilt. Lichtroter Boden. An 
den Seiten bräunliche Architektur mit graubräunlichen 
Pilastern und Tafeln. 



72 







^.^^.p 



i 



Unihrische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1-46A 



Die Inschrift lautet: HOC OPVS FECIT FlERl SER BERNARDINVS S. ANGELI, ANNO SALVTIS M. D. .-. Im 
Hintergrund und in einzelnen Köpfen veränderte Kopie nach dem Fresko in S. Onofrio zu Florenz .-. Der große Stich 
von L. A. de' Uberti in der Bibliothek zu Gotha, eine etwa um 1490 entstandene Nachbildung des Abendmahls in S. Onofrio, 
weicht in Einzelheiten ebenso von dem Fresko v^ie von der Berliner Tafel ab .■. Erworben 1883 in Frankfurt a. M. 
Pappelholz, h. 0,18, br. 1,21. 



Mel 



UMBRISCH-TOSKANISCHE SCHULE 

Melozzo da Forli. Nach seiner Familie Melozzo degli Ambrosi. Geb. zu Forli 1438 
OZZO [wahrscheinlich den S.Juni], gest. daselbst den S.November 1494. Schüler Pieros dellaFrancesca, 
auch unter Einwirkung der niederländischen Schule durch Justus van Gent zu Urbino Gebildet. Tätic zu 
Forli, Rom [um 1461—1472, dann wieder von 1476—1481 ], Loreto [147S] und Urbino [uml473— 1475r76]. 

54 Die Dialektik. In rotem Mantel mit dunkelkarminroten Ärmeln kniet Herzog Federig-o 
von Urbino auf den mit grünem Teppiche belegten Thronstufen. Neben ihm die karmin- 
rote Kopfbedeckung. Nach der Tiefe wird die Färbung einheitlicher: Die Frau in gold- 
gelbem, rotgemustertem Gewand auf gelbbraunem Thron mit grünem Fries. Die bräun- 
lichgrauen Wände werden von goldgelbem Gesims abgeschlossen. Rechts oben ein 
schwarzer Adler mit dem Wappen der Montefeltre. 

Im Friese des Wandgesimses; DVRANTIS COMES SER .'. Mit Nr. 54 A aus einer Folge von Gemälden der 7 freien Künste, 
die einst die Bibliothek Federigos da Montefeltre im Palaste zu Urbino schmückte .-. Zwei noch erhaltene Bilder dieser Folge 
[Musik und Rethorik] in der National Gallery zu London; die drei übrigen [wohl Grammatik, Geometrie und Arithmetik] 
verschollen .•. Neuerdings ist Justus van Gent als Autor genannt worden .■- Sammlung Solly, 1821 .■. Pappelholz, h.1,50, br.1,10. 

54 A Die Astronomie. Die Färbung ist toniger als im Gegenstück, Braun überwiegt 
neben dem Grau der Wände, gelblichem Weiß der von gelbbraunen Profilen durch- 
zogenen Thronarchitektur, Grauviolett und Hellgrau der mit roten Mustern und Borten 

wenig belebten Ge- 
wandung der thro- 
nenden Frau. Zu ihren 
Füßen kniet ein Mann 

in dunkelblauem 
Mantel, über den die 
karminrote Kopfbe- 
deckung herabhängt. 

Dargestellt ist wahrscheinlich 
Graf Ottaviano Ubaldini, der 
Freund des Herzogs Federigo, [ 
der sich mit astronomischen [' 
Studien beschäftigte .'. Unten 
und oben ist je ein Stück von 
13 cm Breite, an der linken 
Seite eines von 11 cm Breite 
neuerdings angesetzt, da dem 
Bilde der obere Abschluß mit 
Wandgesims und Inschrift 
fehlte und die Tafel in der 
Breite beschnitten war 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h.1,50, br.1,10. 





Umbrisch- 
Toskanische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



54 
54 A 



73 



Umbrisch- 
Toskanisdie 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

79 





79 A 



Sil* Luca Si^norelli, gen. Luca da Cortona. Nach dem Vater Luca d'Egidio di Ven- 
lö^nOrClll tura. Geb. zu Cortona, vermutlich 1441, gest. daselbst zwischen dem 16. Oktober und 

8. Dezember 1523. Zuerst Schüler des 
Piero della Francesca zu Arezzo, unter 
dem Einflüsse der florentinischen Meister 
weiter ausgebildet. Tätig vornehmlich in 
Cortona, Perugia und Loreto [1476 bis 
1479], läncrere Zeit in Rom [besonders um 
1482— 1484],in Monte Oliveto [1497 98?], 
Siena [1506 und 1509] und in Orvieto 
[zwischen 1499 und 1504]; kürzere Zeit in 
Arezzo, Cittä di Castello [1474], Spoleto 
[1485], Florenz und Volterra [1491]. 

79 Zwei Flügelbilder eines Al- 
tars mitjedreiHeiligen. Lin- 
ker Flügel: Derbraune, in den 
Schatten grünliche Körper des 
hl. Hieronymus wird von hellvio- 
lettem Mantel über rotgelbemHüft- 
schurz umhüllt. Die hinter ihm 
stehende hl. Katharina von Siena 
ist schwarz und weiß gekleidet, 
während die hl. Magdalena, mit 
gelbbraunem Haar, über grünem, 
goldschimmerndem Gewand einen 
leuchtend zinnoberroten [innen graublauen] Mantel trägt. Rot, Blau und Grün kehren in 
den Fliesen des Bodens wieder. Der graue Bogen mit goldgelben Ornamenten auf ultra- 
marinblauem Grund steht gegen blauen Himmel. — Rechter Flügel: Hinter dem in 

grauer Kutte knie- 
enden hl. Antonius 
vonPadua steht der 
hl. Augustinus in 
goldgeschmücktem 
Bischofsornat, des- 
sen Casula mit far- 
bigen Stickereien 
aus der Geschichte 
Christi auf blauem 
Grunde geziert ist. 
Das karminrote, 
goldschimmernde 
Gewand der hl. Ka- 
tharina von Alexan- 
drien, die ein grün- 
gebundenes Buch 
und grüne Palme in 
den Händen hält, 




74 




deckt teilweise ein graublauer [innen gold- 
gelber] Mantel. Lichtes grauweißes und 
rotbraunes Fleisch. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters [um 1498] und bei Vasari 
beschrieben .". Die beiden Gemälde bildeten die Seitenflügel 
zu einem Mittelslück, auf dem der hl. Christophorus in Re- 
lief dargestellt war [von Giacomo della Quercia?]; das 
ganze Altarwerk war für die Kapelle S. Cristoforo in S. Ago- 
stino zu Siena bestimmt. Die Staffel enthielt die Darstellungen 
der Hochzeit zu Kana, des toten Christus auf dem Schöße der 
Maria und des Martyriums der hl. Katharina und scheint wie 
das Relief des Christophorus beim Brande der Kirche im Jahre 
1655 zugrunde gegangen zu sein .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, jeder Flügel h. 1,44, br. 0,74. 

79a Pan als Gott des Naturlebens und 
als Meister der Musik mit seinen Be- 
gleitern. Dunkles Rotbraun in der Fär- 
bung der Figuren und Felsen und schwärz- 
liches Grün der Bäume stehen gegen den 
tiefblauen Himmel mit rosafarbenem Ho- 
rizont. Die graugrüne Modellierung der Körper tritt besonders in den heller gehalte- 
nen Figuren neben hellroten Lichtern hervor. Grauer Boden und blaugrüner Rasen, der 
nach der Ferne zu gelblicher wird. 

Bez. avif einem Täfelchen, das an dem Stabe der im Vordergrunde stehenden Nymphe hängt: LVCA " CORTONEN ' .*. Viel- 
leicht das für Lorenzo de' Medici ausgeführte Gemälde, dessen Vasari gedenkt [,,dipinse a Lorenzo de' Medici, in una tela, 
atcuni Dei ignudi, che gli furono molto commendati", Vasari, Sans. III p. 689]; 1687 im Pal. Pitti ; 1865 an einer Decke im 
Pal. Corsi bei S. Gaetano in Florenz wieder aufgefunden .■. Signorelli hat den Gegenstand später nochmals behandelt, im 
Palaste des Pandolfo Petrucci zu Siena [Fresko, nicht mehr erbalten] .'. Erworben 1873 vom Marchese Stufa in Florenz. 
I einwand, h. 1,94, br. 2,57. 

79b Maria von Elisabeth begrüßt. Bräunlichrote und gelbe Töne überwiegen neben 
Blau vor rotbräunlichem Grund. Dunkelrotbraune Fleischfarbe. Hellblau im Gewände des 
Zacharias kehrt dunkler im Gewände Josephs und im [innen bräunlichgelben] Mantel 
Marias über graublauem, rosa schillerndem Gewand wieder, 
das Goldgelb seines Mantels im Untergewande Elisabeths; 
Karminrot in den Mänteln Josephs und Elisabeths. 

Bez. auf einem Papierstreifen am Boden: LVCHAS • SIGNORELLVS • DECOR- 
TONA " .■. Wohl aus der späten Zeit des Meisters .". Alte Kopie mit Verände- 
rungen 1876 im Kunsthandel zu Rom, jetzt bei Girolamo Mancini in Cortona .*. 
Erworben 1875 in Rom vom Marchese Patrizi. 
Pappelbolz, Durchmesser 0,70. 

79c Bildnis. Leuchtendes Zinnoberrot in der Kappe, im 
Gewand unterbrochen von der schwarzen Binde, steht 
gegen graue Architektur und bläulichweißen Himmel, der 
sich zwischen gelbgrünenWiesen im Flusse spiegelt. Ocker- 
grauer Fleischton mit weißgrauen Haaren, der mit auf- 
gesetzten bläulichen und rosafarbenen Reflexen in den 
nackten Figuren des Hintergrunds wiederkehrt. 

Aus des Meisters reifster Zeit, um 1500 -'. Casa Torrigiani zu Florenz .'. Erwor- 
ben 1894 aus dem Florentiner Kunstbandel. 
Pappelhi. ., h. 0,50, br. 0,32. 



Umbrisch- 
Toskanische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 




Ib 



Umbrisch- 
Toskanisdje 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1615 



Francesca Vie^" 

della Francesca [um 
1415-1492]. 

1615 Architektoni- 
sche Vedute. Die 
vordere Hallenarchi- 
tektur, mit grauen 
und goldgelben Kas- 
setten der Decke, 
ist graubraun; in 

der Häuserflucht 
rechts und links, mit 
schwarzen Fenster- 
"^ höhlen und ocker- 
gelben Läden, wech- 
seln rotbraune, rosabraune und graubraune Töne ab. Bräunlich weißer Boden mit schwärz- 
lichen und rotbraunen Fliesen und rotbraunen Pflasterstreifen. Hellgrünliches Meer und 
bläulichweiße Luft. Auch die gemalte Täfelung unten ist in dem allgemeinen graubraunen 
Tone gehalten. Oben und unten wird die Tafel durch vergoldete Profile abgeschlossen. 

Eine ähnliche Darstellung in der Galerie zu Urbino, zwei andere Stücke ehemals in der Sammlung Massarenli zu Rom. Neuerdings 
dem Architekten Luciano Dellaurana zugeschrieben .'. Angeblich aus einer Villa bei Florenz stammend .". Erworben 1896 
aus dem florentinischen Kunsthandel .'. Eigentum des Kaiser-Friedrich - Museums-Vereins. 
Tempera. Pappelholz, h. 1,24, br. 2,34. 




Schule der 
Romagna 
im XV. 
Jahrhun- 
dert 

1164 




SCHULE DER ROMAGNA 

'7 11* Francesco di Bosio Zaganelli. 

O Zeichnet sich auch Zanganelli. Geboren 

zu Cotig-nola, tätig zu Ravenna, nach den Daten 
auf seinen Gemälden 1505 1527. Schüler des 
Niccolö Rondinelli, unter dem Einflüsse Gio. Bellinis 
und der Schule von Bologna weiter ausgebildet. 

1164 Verkündigung Maria, die hll. Jo- 
hannes d.T., Antonius von Padua und 
der Stifter. Der dunkelgelbbraune Kör- 
per des Täufers ist mit rosabräunlichem 
Fell bekleidet. Der Stifter in graubraunem 
Gewand, Antonius in gelblichgraubrauner 
Kutte. Auch der unruhige Architekturgrund 
ist in Grau und Braun gehalten, mit bunten 
Ornamenten und viel Gold. Aus dieser 
Stimmung in Braun, Grau und Gold wird 
Maria hervorgehoben durch farbige Ge- 
wänder: dunkelblauen, innen grünen Mantel 
über hellkarminrotem Kleid, leuchtend 



76 




weißes Kopftuch und Ärmel vor blauem Himmel. Grün kehrt wieder im Gewände 
des Engels, mit hellblauen Armein und rotgelbem Mantel. Goldene Gloriolen. Bräunlich- 
gelbgrüne Landschaft. 

Bez. auf einem Blättchen unten: 1509 A Aprilys, darüber Spuren einer ausgelöschten Inschrift .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,98, br. 1,56. 

236 Ein Wunder aus der Legende des hl. Antonius vonPadua. Die gelbbraunen 
und gelblichweißen Mönchstrachten geben den hellen bräunlichen Gesamtton an, nach 
dem Karminrot und Goldgelb in den Figurengruppen gebrochen sind. Als lebhafteste 
Farben wirken Hellblau, Graublau und Dunkelgrün. 

Der Heilige sucht den Ketzer Bovidilla, der an die Gegenwart Christi im Sakrament nicht glauben will, zu bekehren, indem er 
dem Maulesel des Bovidilla befiehlt, vor der Hostie niederzuknien .*. Gehört mit Nr. 241 zu einer Predella .'. Erworben 1841/42 
in Italien. .-. Pappelholz, h. 0,19, br. 0,49. 

241 Ein Wunder aus der Legende des hl. Antonius von Padua. Die gelbbräun- 
liche Tönung ist etwas dunkler als im Gegenstück. 

Das Bild scheint die Legende darzustellen, nach der der Heilige die Gattin eines Edelmannes zu Ferrara vom Vorwurfe der 
ehelichen Untreue reinigt. Auf die Aufforderung des Heiligen hin bezeichnet das neugeborene Kind mit Hand und Mund 
den Edelmann als seinen Vater.'. Gehört mit Nr. 236 zu einer Predella .*. Erworben 1841/42 in Italien. 
Pappelholz, h. 0,19, br. 0,49. 

SCHULE VON BOLOGNA 

F'l'Unr'ia Francesco Raibolini, gen. Francia. Geboren zu Bologna 1450, gestorben daselbst den 
1 I dllL-lct 5. Januar 1518. Zuerst Schüler eines Goldschmieds, dann Francesco Cossas [der um 1470 nach 
Bologna übersiedelte], ausgebildet besonders unter dem Ein- 
flüsse Lorenzo Costas. Tätig zu Bologna. . _, 

125 Heilige Familie. Blau im Mantel Marias und 
als durchsichtige Lasur in der landschaftlichen 
Ferne und im Himmel, steht gegen bräunliches 
Zinnoberrot [Gewand Marias, Innenseite des bräun- 
lich gelben Mantels Josephs], das auf die warme 
rotbraune Fleischfarbe gestimmt ist. 

Bez. auf der Brüstung in goldenen Lettern : BARTHOLOMEl SVMPTV 
BIANCHINI MAXIMA MATRUM HIC VIVIT MANIBVS FRANCIA 
PICTA TVIS ■ Das Distichon [ ,,hier lebt von deinen Händen, o Francia, 
gemalt, die höchste der Mütter"] ist wohl von Bianchini selbst ver- 
faßt, dem Freunde des Meisters und Besteller des Bildes, der in der 
Literatur wie auch im öffentlichen Leben als Senator zu Bologna eine 
angesehene Stellung einnahm .■- Aus der früheren Zeit des Meisters 
[vor 1490] -■. Eine etwas veränderte Wiederholung bei Lord Elcho in 
London [nach der Behandlung aus Francias späterer Zeit und wohl nur 
eine gute Arbeit aus seiner Werkstatt] .". Das Porträt des Bianchini 
von Francias Hand bei G. Salting in London ist das Gegenstück zu 
unserem Bilde, mit dem zusammen es vielleicht ein Diptychon bildete .". 
Sammlung Solly, 1821. 

Pap, elholz, h. 0,54, br. 0,40. 




Schule der 
Romagna 
im XV. 
Jahrhun- 
dert 

236 
241 



Scitule von 
Bologna im 
XV. Jahr- 
hundert 



77 



Schule von 
ßoloana im 
XV. Jahr- 
hundert 

122 




122 Maria mit dertiKindinderGlorieund 
Heilige. Vorhellem, weißlichblauem Himmel 
mit weißen Wolken thront in hellgelberGlorie, 
umgeben von einem rötlichen Kranz von hell- 
karminrot und graublau geflügelten Seraphim, 
Maria, in graublauem Mantel über bräunlich- 
rotem Gewand, auf graublauen Wolken. Die 
kühle nach Grau und Blau neigende Fär- 
bung wird im unteren Teile der Tafel von 
tiefem Rot und Goldgelb belebt. Vor grüner, 
nach der Ferne in Hellblau übergehender 
Landschaft stehen von links nach rechts: 
die hll. Geminian, Schutzheiliger von Modena, 
in weißem und goldgelbem Ornat, Bernhard, 
in bräunlichgrauer Ordenstracht, Dorothea, in 
dunkelultramarinblauem Mantel über weißlich- 
blauem Gewand mit dunkelroten Ärmeln und 
roten Rosen im rotbraunen Haar, Katharina, 
in bräunlichkarminrotem Gewand und hellgel- 
bem, nach Rotbraun changierendem Mantel, 
Hieronymus, in zinnoberrotem Gewand, aus dem weiße Ärmel hervorkommen, und 
Ludwig von Toulouse, in dunkelblauem, goldgesticktem Bischofsmantel, unter dem das 
gelbbraune Ordensgewand zum Vorschein kommt. Warme rotbraune Fleischfarbe. 

Bez. auf einem Blättchen unten links: FRANCIA • AVRIFABER ■ BONON 1502 .-. Gemalt für S. Cecilia in Modena, bei 
Aufhebung der Kirche 1737 nach S. Margherita übergeführt .■. Sammlung Solly, 1821 .•. Pappelholz, h. 2,55, br. 2,01. 

T7„_„_' Giacomo Franc! a. Maler und Goldschmied, geb. zu Bologna 1486, gest. daselbst 1557; 

^ ^ £lllV.^lCl ]yg\ Lebzeiten seines Vaters Francesco dessen Gehilfe. Seit 1518 bezeichnet er selbständig-. 

Tätig in Bologna. — GiulioFrancia. Maler, Kupferstecher 
und Goldschmied, geb. zu Bologna den 20. August 1487, 
gest. daselbst nach 1543. Mit einer einzigen Ausnahme sind 
nur Werke von ihm bekannt, die er gemeinsam mit seinem 
Bruder Giacomo ausführte. 

281 Maria mit dem Kind und die hll. Fran- 
ziskus, Dominikus, Magdalena, Agnes 
und der kleine Johannes. Vor hellblauem 
Himmel mit weißgrauen Wolken und vor ocker- 
gelbgrauem Erdboden stehen die Figuren, gleich- 
falls meist in grauen Tönen, mit kalter weißlicher 
Fleischfarbe, die sich nur in dem von weißem 
Schleierhemd umhüllten Christkind und dem 
kleinen Johannes etwas erwärmt. Namentlich 
die linke Seite ist ganz in Graubraun, Schwarz 
und Weiß gehalten. Dagegen ist die Ge- 
wandung der Frauen farbiger, besonders die der 
Maria. Sie trägt über zinnoberrotem Gewand einen 




78 



A 



dunkelblauen Mantel, der, auf der Schulter 
umgeschlagen, die leuchtend grüne Innen- 
seite zeigt. Rot kehrt wieder als bräunliches 
Karmin im Gewände Magdalenas und im 
Mantel der hl. Agnes über goldgesticktem, 
von blauem Gürtel zusammengehaltenem 
Gewand mit bräunlichweißen Ärmeln. 

Bez. unten am Boden : 1- FRANCIA .-. SammlungSolly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,93, br. 1,64. 

287 Maria als Himmelskönigin. Vor grau- 
blauem Himmel, in hellgelber, von bräunlich 
grauen Wolken umgebener Glorie steht 
Maria in hellkarminrotem Gewand und dun- 
kelblauem Mantel. Auf hellockergelbem 
Erdboden, der nach der Tiefe in saftiges 
Grün übergeht, in der Mitte die hl. Katha- 
rina in braungelbem Kleid und dunkel- 
blauem, innen grünem Mantel und der hl. 
Franziskus in hellbräunlichgrauer Ordens- 
tracht. Kräftiges Zinnoberrot im Mantel des 
hl. Paulus über gelbgrünem Gewand und im 
Mantel Johannes d. T. über graublauem 
Gewand halten die untere Gruppe zu- 
sammen. Rotbräunliche Fleischfarbe. 

Be.. unten in der Mitte auf einem Blättchen, nach dem ein Specht pickt: • 1 • I ■ FRANCIA • AVRIFI • BONON • FECER • 
MD- XXV .-. Ehemals in S. Paolo in Monte zu Bologna .'. Dieselbe Komposition ist von Giacomo Francia gestochen 
worden .'. Sammlung Solly, 1821 .-. Aufgestellt in der Basilika .'. Pappelholz, h. 3,05, br. 2,01. 

1 • Antonio da Crevalcore, eigentl. Antonio Leonelli da Crevalcore. Tätig um 1480-1500 

"'•'-'l"'-' zu Bologna. Gestorben vor 1525. Gebildet wahr- 
scheinlich unter dem Einflüsse der Schule von Verona. 

1146 Heilige Familie. Auf den gelbbräunlichen 
Ton des Inkarnats ist das bräunliche Rot im Ge- 
wände Marias und im Mantel Josephs gestimmt. 
Reines Zinnoberrot erscheint nur im Beeren- 
kranz und dem Gewandumschlag des kleinen 
Johannes. Dagegen steht dunkles Blau im Mantel 
Marias, im Himmel mit hellrotem, abendlichem 
Horizont und der landschaftlichen Ferne. Ocker- 
gelbe Umhüllung des Kindes, Ärmel und Kopf- 
tuch Marias. An den braunen Pfeilern gelb- und 
rotbräunliche Fruchtgebinde. 

Bez. auf einem Blättchen unten: Opra de Antonio da Creualcore: 
14y3 .". Einziges bekanntes Werk des Meisters, der von Lokalschrift- 
stellern des 17. Jahrhunderts als ein „gefeierter Maler von Blumen, 
Früchten und Tieren" [ um 1490] angeführt wird .'. Sammlung Solly, 
1821 .-. Pappelholz, h. 0,67, br. 0,54. 




Schule %'on 
Bologna im 
XV. Jahr- 
hundert 



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Schule von 
Bologna im 
XV. Jahr- 
hundert 

118 




./\SD6rtini Amico Aspertini, gfen. Amico Bolognese 



Lombardi- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

I. 133 



mico Aspertini, gfen. Amico 

Geb. zu Bologna um 1475, gestorben daselbst 

Ende 1552. Vermutlich Schüler seines Vaters Giovanantonio, 

gebildet unter dem Einflüsse der umbrischen und der ferra- 

resischen Schule. Tätig namentlich in Bologna, Lucca und Rom. 

118 Anbetung- der Hirten. In der bräunlich- 
gelbgrünen Landschaft, mit grauen und gelb- 
braunen Baulichkeiten, sind lichtes Blau [Mantel 
der Madonna, grauer im Gewände des stehenden 
Hirten und in der landschaftlichen Ferne], Grau- 
weiß und Graublau in den Hirten und bräunliches 
Rot [Gewand Marias und Außenseite des innen 
goldgelben Mantels Josephs, noch matter in der 
Kleidung der Engel] verstreut. Dieselben Farben 
wiederholen sich in den Figuren der Ferne. Gelb- 
bräunlicher Fleischton. Reichliche Verwendung 
von Gold [Gloriolen, Gewänder]; vielfach sind 
auch die Lichter in der Landschaft mit Gold auf- 
gesetzt. Der graublaue Himmel ist nach dem Hori- 
zont zu gelblich aufgelichtet. 

Bez. auf dem Postament der Säule links: amicus bononiemsis faciebat .*. Sammlung Solly, 1821 .'. Pappelholz, h. 1,14, br. 0,80. 

LOMBARDISCHE 
SCHULE 

r ODD3. Vincenzo Foppa. Geb. um 1427, 
r"^'"^ wahrscheinlich zu Brescia, gest. wahr- 
scheinlich 1516 ebenda. Gebildet unter dem 
Einflüsse der Schule von Verona und vielleicht 
Schüler Jacopo Bellinis zu Venedig. Tätig zu 
Brescia [bis etwa 1456 und wieder seit 1489], 
und abwechselnd in Pavia und Mailand [seit 
1456]; in Genua [1461, 1471, 1488, 1489]. 

1. 133 Beweinung Christi. Der schwere 
dunkelrotbraune Ton der besonders 
im Vordergrunde sichtbaren Unter- 
malung lichtet sich in der Landschaft 
auf unter weißlichblauem Himmel. 
In den Figuren stehen grelle Lokal- 
farben nebeneinander, vor allem Zin- 
noberrot [der innen saftgrüne Mantel 
Magdalenas, Innenseite des Mantels 
der wehklagenden Frau, Gewand 
Josephs von Arimathia] und Gold- 
gelb [Mantel der klagenden Frau 
rechts und Josephs von Arimathia, 
Gürtel und Kopftuch der Madonna]. 




80 




Dazwischen tritt schwärzliches Blau [Gewand Marias, 
Mantel der klagenden Frau hinter ihr], das heller im 
Gewände Johannis und Magdalenas, als Graublau im 
Gewände der klagenden Frau wiederkehrt. Vom Man- 
tel der Madonna ist nur die braune Untermalung sicht- 
bar. Graubrauner Fleischton. 

Bez. auf dem Mantelsaum des hl. Nikodemus: VINCENTIVS • DE • PHOP 
PINXIT ANCOP .•. Aus der späteren Zeit des Meisters .*. Ehemals in der 
Kirche S.Pietro inGessate[Capp.De' Rossijzu Mailand .'. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 2,04. br. 1,65. 

Lombardische Schule um 1480 

30a Maria mit dem Kinde. Die Architektur hat eine 
rotbräunliche Färbung mit braunroten und weißgrauen 
Profilen, rotbraunen und lichtroten Füllungen und Pi- 
lastern und ockergelben Einzelheiten. Vor dem hell- 
blauen, am Horizont leicht gelblichen Himmel hängen 
Fruchtgehänge aus roten Kirschen und gelbgrünen 
Äpfeln mit dunkelgrünen Blättern. Das Grau der Archi- 
tektur kehrt wieder im bläulichweißen Mantel der Ma- 
donna, Rotbraun im bräunlichroten Gewände. Rosa- 
bräunliches Fleisch mit grauen Schatten. Der Stein- 
boden ist rötlich und olivgrün gefärbt. 

Der italienische Ursprung des schwer zu bestimmenden Bildes ist mit Unrecht bezweifelt worden. Manches, wie die oben am 
Throne angebrachten Fruchtgehänge, deuten auf die Schule von Padua. Doch zeigt die Architektur bramanteske Züge in 
der Art lombardischer Bauten; ebenso weisen die vollen, etwas schweren Formen der Madonna imd des Kindes wie auch die 
malerische Behandlung [besonders der Fleischton und das Helldunkel] auf 
die lombardische Schule hin .'. Vermutlich zur Sammlung Solly gehörig. 
Pappelholz, h. 1,25, br. 0,67. 



Lombardische Schule um 1520 

1181 Maria mit dem Kind und Engel. Blasses 
graues Fleisch mit graugrünlichen Schatten. Das rosa- 
farbene Gewand Marias, das gegen gelbgrünes Kopf- 
tuch steht, deckt unten der tiefblaue, im Umschlag 
goldgelbe Mantel. Gelbgrün wiederholt sich in dem 
Engel lechts, Goldgelb, mit rotgelben Schatten, im 
Engel links. Ockergelbgrauer Boden. Der graubraune, 
mit grünem Gras bewachsene Felsen, auf dem die auf 
hellgelben Lauten musizierenden Engel sitzen, ver- 
liert sich oben in schwärzlichem Dunkel. Goldene 
Gloriolen. 

Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,02, br, 0,66. 



Lombardi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

3üA 




1181 



81 



Lombardi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 





Br»rfrnCrnnnF> Ambrogio di Stefano da Fossano, gen. 
^' ^'-'^''*-'i'C Borgognone. Zeichnet sich meist Ambrosius 
Bergognonis. Geboren zu Mailand um 1450, gestorben daselbst, 
wahrscheinlich an der Pest, 1523 [das letzte datierte Bild von 1522]. 
Vermutlich Schüler Vicenzo Foppas. Tätig namentlich in Mailand, außer- 
dem in Pavia und der nahegelegenen Certosa [1486 — 1494], in Lodi 
[1497] und Bergamo [um 1508]. 

51 Thronende Maria mit dem Kinde. Lichtes weißHch- 
graues Fleisch und weißHches Blau im [innen saftgrünen] 
Mantel der Madonna stehen vor dunkelgrünem Teppich 
und braunem, reich vergoldetem Thron, auf den das matt- 
rosafarbene Gewand Marias gestimmt ist. Der Thron ist 
mit Reliefdarstellungen auf rosabräunlichem Grund geziert 
[in der Nische Moses mit den Gesetzestafeln, auf dem Sockel 
Mannaregen und Wasserspende, auf den Pfeilern Propheten- 
figuren]. Das weißgraue Hemd des Kindes ist von einer 
hellgelben Binde umwunden. Die Engel in gelbgrünen, 
goldverzierten Kleidern und Kappen heben sich von weiß- 
lichblauer Luft ab. 

Um 1490— 1500 gemalt .-.Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,19, br. 0,54. 



52 Thronende Maria mit dem Kind 
und die hll. Johannes d. T. undAm- 
brosius. Das weißgraue Fleisch er- 
wärmt sich in den männlichen Heiligen 
zu Rotbraun. Maria in tief ultramarin- 
blauem, innen grünem Mantel über hell- 
karminrotem Gewand vor zinnober- 
rotem, aber fast ganz mit goldenen 
Stickereien bedecktem Thronvorhang, 
über dem sich der innen mit zinnober- 
rotem Stoff beschlagene Baldachin er- 
hebt. Die Thronstufe deckt ein in matten 
Farben gehaltener persischer Teppich 
mit rosafarbenem Grund. Johannes in 
zinnoberrotem Mantel übergelbbraunem 
Pelz, Ambrosius in weißem Chorhemd, 
dunkelgrünem Bischofsgewand darüber 
und braun -goldener Stola. Die Ge- 
wänder sind reich mit Gold geziert. Vor 
ultramarinblauem Himmel schweben 
weißgekleidete Engel. Die beiden vor- 
dersten in dunkelgrünen und hellkarmin- 
roten Gewändern. Gelblichgrüner Rasen. 



82 



In der Landschaft r. eine Schlacht, in der Ambrosius 
zu Pferd in den Wolken erscheint. 



Bez. unten auf einem Blättchen: ambrosij bergognoni op' .' 
Zeit des Meisters, um 1505 — 1510 .■- Vermutlich ehemals 
S. Liberata zu Mailand .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,82, br. 1,33. 



Aus der späteren 
m Oratorium von 



' • Defendente [de] Ferrari. Geboren zu Chiavasso, 

^' ' tl' i vermutlich unter dem Einflüsse des Macrino d'Alba ausg^e- 
bildet, tätig zu Vercelli, wohl schon zu Anfang des XVI. Jahr- 
hunderts. Urkundlich erwähnt 1530. 

1147 Anbetung des Christkindes. Tiefes leuchtendes 
Rot im Mantel Josephs [über dunkelgrünem Gewand], 
im Gewände der Madonna, Kappe und Untergewand 
des geistlichen Donators, der über weißgrauem Chor- 
hemd einen grauen, rotbraun schillernden Pelz trägt, 
hebt sich von bräunlichgrauem und dunkelbraunem Ge- 
mäuer ab, durch das oben ein weißlichblauer Himmel 
sichtbar ist. Das Kind liegt auf dem dunkelblauen 
Mantel Marias. Ockergelblichgrauer Boden. Im Gewände 
der neben Joseph zuschauenden Frau, deren Kopf 
ein weißes Tuch umhüllt, kehrt Blau wieder. Die Flügel 
der Engel sind abwechselnd bräunlichrot und hellblau 
gefärbt. Ockergelblichgraues Inkarnat mit rötlichen 
Tönen. Die Gloriolen und die Flämmchen sind golden. 




Lombardi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



Bez. rechts am Kapitell des den Bogen tragenden Pilasters: 1511 
Solly, 1821 .-. Pappelholz. h. 1,75, br. 0,80. 



Frühestes bekanntes Bild des Meisters .*. Sammlung 



Sol 



Andrea Solario. Familienname nach dem Flecken Solaro bei Saronno im Gebiete von 
dl lU Mailand. Geboren wahrscheinlich zu Mailand um 1465, gestorben nach 1515 ebenda. In seiner 
früheren Zeit von Antonello da Messina, später wesentlich von Lionardo beeinflußt. Tätig in Mailand, 
Venedig [um 1490—1493 und vielleicht auch 1495] und Frank- 
reich [1507—1509]. 



225 Bildnis eines Mannes [angeblich aus dem 
Herrschergeschlechte der Bentivoglio zu 
Bologna]. In zinnoberrotem Gewand, über das die 
schwarze Binde herabfällt. Das rotbraune Gesicht, 
von dunkelbraunem Haar umgeben, auf dem eine 
schwarze Kappe sitzt, kommt aus schwarzem Grund 
hervor. 



Ehemals vermutungsweise dem Boltraffio zugeschrieben .". Worauf sich die 
Angabe des Waagenschen Katalogs stützt, daß der Dargestellte ein Benti- 
voglio sei, ist unbekannt. Ist die Angabe richtig, so stellt das Bild Antonio 
Bentivoglio dar, Sohn des Sante B. und Günstling des letzten Herrschers 
aus dem Hause der Bentivoglio zu Bologna, Giovannis II. (1443 — 1509], 
den er auf seinen Feldzügen begleitete .■. Erworben 1841 ''42 in Italien. 
Pappelholz [ringsum angestückt], h. 0,28, br. 0,21. 




83 



Lombardi- 
sche Schule 
des A'K. 
Jahrhun- 
derts 

55 




c 



1 • Bernardino de' Conti. Zeichnet sich Bernar- 
OIlll dinus de Comitibus oder de Co mite, auch 
Bernardinus comes. Geboren zu Pavia. Tätig zu 
Mailand, nach den Daten auf seinen Bildern von 1499 bis 
nach 1522. Gehörte der älteren lombardischen Schule an 
und bildete sich unter dem Einflüsse Lionardos weiter aus. 

55 Bildnis eines Kardinals. In zinnoberrotem 
Mantel und Kappe vor schwarzem Grund. Grau- 
bräunliches Fleisch und dunkelbraune Haare. 

Bez. links oben in der Ecke in gelber Schrift: ME FECIT B'NAR- 
DINVS DE COMITIBVS .-. Oben die Inschrift : ET ATIS. AN- 
NORVM. XLVII. MCCCCLXXXXVIIII. DIE. XV. MARTII .-. Er- 
worben 1836 als Geschenk des damaligen preußischen Gesandten 
zu Paris, Freiherrn von Werther. 
Pappelholz, h. 0,51, br. 0,48. 

208 Bildnis der Margherita CoUeone, erster 
Gemahlin Gian Giacomo Trivulzios. Die 
einförmig hellgraue Kleidung ist mit bräunlich- 
grauen Schleifen besetzt. Ein bräunlichgrauer Gürtel hält das Kleid zusammen. Die 
Arme ruhen auf mattgrüner Tischdecke, rechts ist die zinnoberrote Stuhllehne mit gold- 
gelbbraunem Knopfe sichtbar. Rotbräunliche Fleischfarbe und braunes Haar, über dem 
ein weißer Schleier liegt. Schwarzer Grund. 

Bez. unten rechts [die älteste Inschrift]: margarita coleonea nicolini ; oben rechts [später hinzugefügt]: MARGARITA CO- 
LEONEA; dann nodimals zu beiden Seiten des Kopfes in ursprünglich goldener, später schwarz übergangener Schrift : MAR- 
GARITA COLEONEA NICOLINI FILIA ET MAONI TRIWLT. PRIMA UXOR .-. Margherita [1455— 1483], die Tochter Nicolino 
Colleones, eines Verwandten des berühmten Condottiere, und der Cia Visconti, wurde 1467 mit G. G. Trivulzio [ 1441— 1518, 
mailändischer Feldherr, später französischer Marschall] vermählt. Das Bildnis ist lange nach ihrem Tode gemalt und erinnert 

namentlich in der Haltung der Hände an Lionardos Mona Lisa .". 
Bis 1813 im Besitze von Goethes Freund Friedrich Rochlitz in 
Leipzig .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,75, br. 0,55. 

Oberitalienischer Meister 
um 1500 

S 12 Bildnis eines jungen Mannes. Die 
warm braunrote Farbe des Gesichts, das, von 
dunkelbraunen Haaren umgeben, sich vom 
dunkelblauen Hintergrund abhebt, ist auf das 
leuchtend zinnoberrote Gewand gestimmt. 
Schwarze Kopfbedeckung. 

Erworben aus Wiener Privatbesitz .■. Sammlung James Simon. 
Pappelholz, h. 0,32, br. 0,26. 

Q I • Pier Francesco Sacchi. Zeichnet sich 

OaCCni Petrus Franciscus Sachus de Papia. Aus 
Pavia stammend. Geburts-undTodesjahr, sowieLebens- 
verhältnisse unbekannt. Vermutlich unter dem Ein- 
flüsse des Carlo del Mantegna zu Genua ausgebildet. 
Tätig vornehmlich zu Genua [1520 urkundlich als Mit- 
glied der Gilde] nach den Daten auf seinen Bildern 
von 1512-1527. 




84 




53 Christus am Kreuz mit den drei Marien, 
Johannes und dem Stifter. Bunte, nach den 
Seiten abgestumpfte Lokalfarben in den Gewän- 
dern. Vor kühler Landschaft, in der Ockergelb und 
Gelbgrün vorwiegen, mit rotbräunlichen Bauten 
und blauer Ferne. Gegen den ultramarinblauen 
Himmel, der sich dunkel in dem See des Hinter- 
grundes spiegelt, hebt sich hell das ockergelbe 
Kreuz und der noch lichtere, von weißem Tuch 
umschlungene Körper des Gekreuzigten ab. Die 
Mitte wird farbig betont durch tiefes Karminrot 
im [innen graublauen] Mantel Magdalenas über 
ultramarinblauem Gewand. Graublau wiederholt 
sich in dem von goldgelbem Gürtel zusammen- 
gehaltenen Gewand der links stehenden Maria, 
unter v/eißem Kopftuch und schwarzblauem, innen 
grünem Mantel. Gelbgrün und Goldgelb [Innen- 
seite] im Mantel und Hellkarminrot im Gewände der Knienden links entsprechen Goldgelb 
und Dunkelkarmin in der Kleidung des Johannes rechts, während die ernsten Farben 
in der Kleidung der Madonna in der schwarzen Tracht des Stifters ihr Gegenstück haben. 
Rotbrauner Fleischton. 

Bfz. auf einem Blättchen unten am Kreuz; Petri franci sachi de papia opus 1514 .". Über Maria und Christus die auf den 
Erlösertod Christi bezüglichen Inschriften: ACCIPE 
FII.IV MEV ET DA PRO TE; TOLLE ME ET REDIME 
TE .*. Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,83, br. 1,50. 

116 Die hll. Martin, Hieronymus und 
Benedikt. Zinnoberrot und weißliches 
Ultramarinblau bilden den Hauptkon- 
trast vor bräunlichgrauer, von stumpfem 
Grün belebter Landschaft mit grau- 
blauer Ferne und hellblaugrauem Him- 
mel. Der farbige Akzent liegt auf der 
Rittertracht des auf weißgrauem Pferd 
haltenden hl. Martin: Blau und Hellgelb 
in den Streifen des Gewands, Zinnober- 
rot in der Kopfbedeckung, den Bein- 
kleidern und Rot und Blau im Mantel, 
der zur Hälfte um die Gestalt des 
Bettlers geschlungen ist. Nach rechts 
nimmt die Lebhaftigkeit der Färbung 
ab. Das weißlichblaue Untergewand des 
hl. Hieronymus deckt vom Schöße ab- 
wärts ein mattkarminroter Mante'. Vorn 



Lomhardi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

S 12 




85 



Lombardi- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

115 



Schule von 
Padua im 
XV. Jahr- 
hundert 




am Erdboden liegt der zinnoberrote 
Kardinalshut. Der hl. Benedikt ist ganz 
in Schwarz gekleidet, von dem sich ge- 
dämpft das zinnoberrot gebundene Buch 
abhebt. Warm rotbraunes Fleisch. 

Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,96, br. 1,53. 

SCHULE VON PADUA 



Sq 



CO Sc 



Geb. 



1 1 Q*"r»ir^r«P» ' rancesco aquarcione. 
Udl CIUIIC ^„ Padual397, gest. daselbst vor 
1472. Nach Reisen In Italien und Griechenland 
tätig zu Padua und Venedig. 

27a Maria mit dem Kinde. Rotbräun- 
licher Fleischton mit schweren dunkel- 
braunen Schatten. Gelbbraunes Haar. 
Der mit goldener Borte besetzte blaue 
Mantel der Madonna ist schwarz nach- 
gedunkelt und hebt sich von dunkel- 
karminrotem Teppich ab, dessen Farbe 
sich im Gewände wiederholt. Das Kind 
stützt den Fuß auf die braune, grau 
marmorierte Balustrade, auf der ein gelbroter Apfel liegt. Zu den Seiten des roten Teppichs, 
über den sich dunkelgrüne Laubgewinde mit gelbbraunen Früchten und hellroten Bändern 
spannen, vorbei an dunkelbraunen Leuchtern mit gelbbraunen Wachskerzen, Ausblick in 
grüne Landschaft mit zinnoberroten Dächern und schwärzlichblauem, weiß bewölktem 
Himmel. Goldene Gloriolen mit eingeprägtem Ornament. 

Bez. auf der Brüstung: OPVS ■ SQVARCIONI PICTORIS .-. 
Das Bild ist, neben einer mehrteiligen Altartafel in der städtischen 
Galerie zu Padua [urkundlich zwischen 1449 und 1452 ausgeführt], 
das einzige erhaltene bezeichnete Gemälde des als Führer der Schule 
von Padua berühmten Meisters. Es stammt, gleich jenem Altar- 
werk, aus dem Hause Lazzara zu Padua, für das beide Bilder ur- 
sprünglich gemalt waren .*. Die Erfindung verrät den starken Einfluß 
der Madonnenreliefs Donatellos .'. Erworben 1882 in Padua. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,80, br. 0,66. 

^r-Ki Q\7(~vnp> Gregorio Schlavone, eigentlich Gior- 
OLIUctVUUC g.j^ diTommaso Chiulinovich. Aus 
Dalmatien gebürtig. Zeichnet sich deshalb Dalmaticus. 
Geburts- und Todesjahr unbekannt. Lernte zu Padua bei 
Francesco Squarcione, als dessen Schüler er sich bezeichnet, 
tätig daselbst um 1440-1470 [1441 in der dortigen 
Malerzunft]. 

1162 Thronende Maria mit dem Kind und 
zwei Engel. Thron und Himmel, der oben 
in schwärzliches Blau übergeht, sind in lichtem, 
grauem Ton gehalten, auf den das rosafarbene, 
in den Schatten graue Fleisch gestimmt ist. Hell- 
gelbgrüne Landschaft. Maria in nachgedunkeltem 




86 



schwarzblauem [innen grünem] Mantel über kar- 
minrotem Gewand. Die Engel in hellgelben [links] 
und zinnoberroten Gewändern [rechts], die von 
grauen Bändern umschnürt sind. Der rechte En- 
gel hält eine gelbgrüne Traube. Im Halsschmucke 
des Kindes kehrt Zinnoberrot wieder. Ocker- 
gelber, rot und grau geäderter Marmorsockel. 

Bez. auf einem Blatt unten rechts : OPVS • SCLAVONI • DALM ATICI ■ 
SQARCIONI .-. Mitteistück eines Triptychons .'. Die beiden Flügel 
mit je zwei Heiligen befinden sich noch im Dome von Padua, in der 
Sakristei der Canonici [der ganze Altar früher in S. Francesco; doch 
wird schon 1776 das Mittelbild allein erwähnt, das sich 1817 im erz- 
bischöflichen Palast zu Padua befand] .-. Sammlung SoUy, 1821. 
Pappelholz, h. 0,81, br. 0,57. 

PnKPrifino Bernardo Parentino [Parenzano], zeich- 
1 dlCllLlIlVj net sich Bernardin Pare^an. Als Augustiner- 
mönch führt er den Namen Fra Lorenzo. Geb. 1437 zu 

Parenzo, gest. 1531 zu Vicenza. Tätig anscheinend zu Padua 
4. j i?;_fi \x i. 




1628 Musikanten. Gegen hellgrüne Berge und 

bläulichweißen Himmel steht Zinnoberrot im Gewände des tanzenden Knaben, in der 
Feder auf der Kappe des 1. sitzenden Mannes und den Pilasterbruchstücken r. Der I. 
auf weißgrauer Steinplatte sitzende Mann in hellblauem Gewand mit goldgelben Ärmeln. 
Gelblichgraue Fleischfarbe. Hellblau wiederholt sich im Gewände des Flöte spielenden 
Knaben und dem Kragen des bräunlich gekleideten Mannes r. Die Fleischfarbe ist rot- 
bräunlich. Gelbgrüner Boden, am Rande der Tafel von rotbraunem Felsen begrenzt. 

Gegenstück zu Nr. 1628 A .*. Ein vollbezeichnetes Bild des seltenen Meisters in derGalerie zu Modena .'. Sammlung Piancia- 
tichi, Florenz .". Erworben 1904 als Geschenk .". Leimfarbe. Leinwand, h. 0,33, br. 0,51. 



Schule i'on 
Padua im 
XV. Jahr- 
hundert 



1628a Musikanten. Die Gesamtfärbung ist noch toniger als im Gegenstück. Vor gelb- 
grünem Berg sitzen auf hellgrauen und ziegelroten Steinen der Laute spielende Mann in 
graublauem Gewand und goldgelbem Mantel, die Flöte blasende Frau in blaßgrünem 
Gewand mit hellroten Bändern. Grauer Fleischton. Graublau im Gewände des Knaben, 
Goldgelb im Faß, dessen Spundloch der Affe zuhält. Gelbgrüner Rasen. 

Gegenstück von Nr. 1628 [s. die Bemerkung daselbst] .". Sammlung Pianciatichi, Florenz .'. Erworben 1904 als Geschenk. 
Leimfarbe. Leinwand, h. 0,33, br. 0,51. 




1628 
1628 A 



87 



Sdiule von 
Padua im 
XV. Jahr- 
hundert 



S5 







IVfanfPCrna Andrea Mantegna. Maler und 
iVldllLC^llcl Kupferstecher, geboren in Vicenza 
1431, gest. zu Mantua den 13. September 1506. 
Schüler und Adoptivsohn Francesco Squarciones 
zu Padua [schon 1441 und als solcher in die 
Malergilde zu Padua eingeschrieben], ausgebildet 
daselbst unter dem Einfluß der Werke Donatellos 
und seines Schwiegervaters Jacopo Bellini, sowie 
durch das Studium der Antike. Tätig vornehm- 
lich zu Padua und Mantua [seit 1460], kurze 
Zeit in Verona [1463], Florenz [1466] und Rom 
[1488-1490]. 

27 IVIaria mit dem Kinde. Das karmin- 
rote Gewand Marias, über das der weiße 
Kopfschleier herabfällt, ist in den Lich- 
tern ausgeblichen. Die an den Ellenbo- 
gen hochgeschlagenen, innen hellblauen 
Ärmel lassen an den Unterarmen das gelb- 
braune, dunkelblaugemusterte Unterge- 
wand sehen. Das Kind trägt über weißem 
Hemdchen ein dunkelsaftgrünes Kleid. 
Es sitzt auf dunkelblau gebundenem Buch, 
das auf gelbroter Brüstung liegt. Rotbraunes Fleisch mit gelblichweißen Lichtern. Vor 
dem dunkelgrünen Hintergrund hängen an hellkarminroten Bändern dunkelgelbgrüne Ge- 
winde mit gelbgrünen und gelbbraunen Früchten. Goldene Gloriolen. — Der dunkel- 
blaue Grund des zugehörigen bemalten Rahmens wird durch bräunlichgrüne, gelbbraune, 
blaugrüne und braunrote Cherubimgruppen in Felder geteilt, in denen auf weißen Wolken 
rotbräunliche Engel mit zinnoberroten, grünen, braunen und graublauen Flügeln und den 
Leidenswerkzeugen dargestellt sind. Zwischen dem Engelpaar unten steht ein rotbraun- 
zinnoberrot geteiltes Wappen mit grauem Flügel 
[wahrscheinlich dasjenige der Familie Bevilacqua 
von Verona]. 

Die Autorschaft Mantegnas ist mit Unrecht bestritten worden. Das Bild 
ist offeni)ar ein Jugendwerk des Meisters, wofür auch das Wappen — 
anscheinend dasjenige der Veroneser Familie Bevilacqua — spricht. 
Eine etwas veränderte Wiederholung, ohne die gemalte Umrahmimg, 
stark beschädigt, ebenfalls unter dem Namen Mantegna, bei Ch. Butler 
in London [ehemals bei Dr. Fusaro in Padua] .*. Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h.0,79, br.0,67 [mit dem gemalten Rahmen]. 

S 5 Maria mit dem Kinde. Graubräunliches Fleisch 
mit wenig Rot auf den Wangen und Lippen und 
weißlichen Lichtern. Braunes Haar. Gelbbraun 
im Kopftuch kehrt als Goldgelb im Mantel mit 
mattrotem Ornament wieder, der das schwärzlich- 
blaue Kleid und das in weißes Linnen gewickelte 
Kind umhüllt. Links unten ist ein Stück grünen 
Stoffes sichtbar. Schwarzer Grund. 




88 




Frühes Werk des Meisters im Anschluß an Do- 
natellos Madonnenkompositionen .'. Sammlung 
des Conte della Porta in Vicenza .". Erworben 
aus englischem Kunsthandel .'. Sammlungjames 
Simon. 

Leimfarbe. Leinwand, h. 0,42, hr. 0,32. 

29 Darstellung- Christi imTem- 
pel. Alle Farben sind nach Grau 
g-ebrochen vor schwarzem Grund: 
Rosarot im Mantel Simeons, das 
durch ein Granatapfelmuster in 
hellerem Tone belebt wird, mit 
gelblichen Lichtern im Gewände 
der Madonna, über deren Ärmel 
ein Zipfel des dunkelolivgrünen 
Mantels liegt, und Weiß [Kopf- 
tücher der Frauen, Wickelung des 
Kindes, Bart und Ärmel Simeons, 

Bart Josephs]. Der dunkelolivgrüne Mantel Marias ist nochmals in der Mitte, neben 
dem in weißes Linnen gewickelten Kinde sichtbar. Zwischen den beiden Hauptfiguren 
erscheint mattes Rot mit bläulichem Schimmer in den Lichtern im Mantel Josephs, 
kräftiger [als Karmin] im Käppchen des Kindes und Goldgelb im Gewände der Prophetin 
Hanna. Rotbrauner, ins Graue spielender Fleischton. Eine graue gemalte Steinum- 
rahmung, an den Seiten grau und zinnoberrot geädert, umgibt das Bild. Vorn auf der 
Brüstung liegt ein schwärzlich blaues Kissen. Goldene Gloriolen und Strahlen, die das 
Haupt des Kindes umgeben. 

Aus der früheren Zeit des Meisters [um 1455]. Eine alte Kopie auf Holz in der Sammlung Querini -Stampaglia zu Venedig, 

{'edoch mit zwei Figuren mehr. Das Berliner Bild ist, wie dies oft bei Mantegna vorkommt, auf feiner ungrundierter Leinwand 
renzo] mit Leimfarben gemalt. Ein Bild dieses Gegenstandes sah A. Michiel 
im Anfange des 16. Jahrhunderts in Padua bei Pietro Bcmbo .". Sammlung 
Solly, 1821. 

Leimfarbe. Leinwand, h. 0,68, br. 0,86. 



Bildnis des Kardinals Lodovico Mezzarota 
[geboren zu Padua um 1402, gestorben zu Rom 1465]. 
Leuchtendes Zinnoberrot im Mantel und Gewand, über 
dem das gelblich weiße, in den Schatten bräunliche 
Chorhemd liegt, vor tiefschwarzem Grund. Rot- 
bräunliches Fleisch mit weißgrauen Lichtern. Graues 
Haar. 



Gemalt etwa zwischen 1458 und 1460. Vgl. die Medaille des Dargestellten. 
Eine freie Kopie des Bildes, früher in der Sammlung Davenport Bromley zu 
London, trug auf der Rückseite außer dem Wappen des Kardinals seinen 
Nimen und die Titel seiner sämtlichen Würden. Auch bemerkt Jac. Phil. 
Tomasinus in seinen Elogia virorum illustrium von 1645, daß Mantegna das 
Bildnis des Kardinals gemalt habe .'. Erworben 1830 durch Tausch von Solly. 
Tempera Pappelholz, h. 0,44, br. 0,33. 



Schule von 
Padua im 
XV. Jahr- 
hundert 




89 



Schule von 
Padua im 
XV. Jahr- 
hundert 




V'CLNERIS-RFDF . 
MTORI . 



Schule von Padua um 1470—1480 

1144 Beweinung Christi. Dunkle schwere Färbung. Vor 
dunkelblauem Himmel mit weißen Wolken, zwischen 
denen grünliche Engelsköpfe erscheinen, stützen Maria, 
in dunkelblauem Mantel über hellkarminrotem Gewand, 
und Johannes, in blauviolettem Mantel über dunkelblauem 
Gewand, den ockergelblichgrauen Körper Christi, dessen 
Schoß ein weißes Tuch verhüllt, auf dem graubraunen, 
graublau und rot marmorierten Sarkophag. Der braune 
Fleischton ist gelblicher bei Maria, rötlicher bei Johannes. 
Rotbraune Haare. Goldene Gloriolen. 

Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz. h. 1,37, br. 0,76. 

7 rw\r\r\ Marco Zoppo. Eigentlich Marco de' Ruzieri. Geboren 
r^H zu Bologna. Geburts- und Todesjahr unbekannt. Schüler des 
Francesco Squarcione zu Padua. Tätig um 1455 — 1498 zu Padua, 
Venedig und zu Bologna, wo er gestorben sein soll. 



1170 Thronende Maria mit dem Kind und vierHei- 
lige. Ein kühler grauer Ton überwiegt in der grünlichen Landschaft mit bräunlichen Felsen, 
ebenso im Thron mit weiß, ockergelb und hellblau marmoriertem Sockel und bräunlichgrauen 
Vasen, aus denen Laubgewinde mit gelbgrünen und goldgelben Früchten hervorkommen. 
Vor dem hellgraubraunen Thronteppich sitzt Maria in grauweißem Kopftuch und dunkel- 
ultramarinblauem, im Umschlag grau- 
blauem Mantel, unter dem vorn das 
karminrote Gewand sichtbar ist. Röt- 
lichgraues Fleisch. Die Heiligen, mit 
rotbrauner Fleischfarbe, sind links 
mehr im Tone des Hintergrunds ge- 
halten: Franziskus in bräunlichgrauer 
Kutte, mit dunkelrotem Buch, Jo- 
hannes d.T. in hellkarminrotem Man- 
tel über graubraunem Fell. Auf der 
Gegenseite stehen grelle Kontraste: 
Zinnoberrot im Mantel, Violettblau 
im Gewände des hl. Paulus, Zitron- 
gelb im Mantel, Hellultramarinblau 
in Gewand und Kappe des hl. Hie- 
ronymus. Graublauer Himmel. 

Bez. unten auf einem Blättchen : • M ARCOj ZOPPO • 
DA BOLOGNIAPINSITMCCCCLXXI • IVINEXIA 
.-. Das Hauptwerk des Meisters. Nach Vasari ehe- 
mals in S. Giovanni Evangelista zu Pesaro; später 
kam da-s Bild angeblich zu den Osservanti ebenda .•. 
In Guhbio, in der Sammlung des Conte U. Beni, 




90 



befanden sich ehemals zwei Bildchen, die gleich- 
falls aus Pesaro stammten und vielleicht als Stücke 
der Predella zu dem Berliner Bilde gehören, kleine 
Halbfiguren des hl. Martin und der hl. Lucia .-. 
Sammlung SoUy, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 2,62, br. 2,54. 

SCHULE VON FERRARA 

T]|v-o Cosma [Cosimo] Tura g-en. Cosme. 
1 UI d. Geboren wahrscheinlich 1432 zu Ferrara, 
gestorben daselbst 1495. Tätig zu Ferrara. 
1452 — 55 ist der Meister von Ferrara ab- 
wesend [wahrscheinlich in Padua und Ve- 
nedig] und vielleicht auch 1465—67. 

111 Thronende Maria mit dem Kind 
und die hll. Apollonia, Katha- 
rina, Augustinus und Hiero- 
nymus. Vor graurötlichem Thron- 
ba'.i mit rotbraunen Profilen,schwärz- 
lichrotbraunen Säulen, grauen Stein- 
figuren in den Lünetten, braungrauen 
Reliefdarstellungen vor Goldgrund 
am Sockel und Durchblicken auf 
blaue Luft stehen die Figuren in 
meist kühlen Farben: schwärzlichem 
Hellblau [Mantel Marias, Gewand 
der Heiligen 1., Mantelumschlag der Heiligen r. und des hl. Augustin], Grün [Mantel- 
umschlag Marias, nach Gelb changierendes Gewand der Heiligen 1., Umschlag des 
blauvioletten Mantels des hl. Hierony- 
mus], silbrigem Weiß [Chorhemden der 
beiden Heiligen], im Gegensatz zu 
Zinnober- und Karminrot [Gewand 
Marias, Mantelumschlag der Heiligen 1., 
Gewänder der Heiligen r. und der hll. 
Augustinus und Hieronymus]. Rot- 
braunes Fleisch mit grauen Schatten. 
Über dem bräunlichockergelben Boden 
mit schwarzbraunem Adler und gelb- 
braunem Löwen und zwischen braun- 
gelben und roten Thronfüßen mit 
dunkelgrünen Wülsten Ausblick in 
grünlichgraue Landschaft. 

Dieses Hauptwerk des Meisters wurde nach Petrucci 
[Baruffaldi I. 75 Note 1] für den Hauptaltar der Kirche 
S. Lazzaro in Ferrara gemalt und kam dann nach S. 
Giovanni Battista dei Canonici Lateranensi .'. Samm- 
lung Solly, 1821. 

Lcir. vand, h. 3,09, br. 2,34. 




Schule von 
Ferrara im 
XV. Jahr- 
hundert 




inoB 

UTOC 



91 



Schule z>on 
Ferrara im 
XV. Jahr- 
hundert 




1170b Der hl. Sebastian. Der Körper des Heili- 
gen in lichtem bräunlichgrauem Ton, mit weißem 
Hüfttuch und zinnoberroten Wunden, mit brau- 
nem Haar und gleichfarbiger Gloriole steht vor 
dunkelbraunem Stamm und graubraunem Boden. 
Goldgrund. 

Gegenstück zum folgenden Bild [Nr. 1170 C] und mit ihm zu einem 
größeren Altarwerke gehörig, ehemals in S. Luca in Borgo bei Fer- 
rara, dessen übrige Teile sich jetzt im Louvre [ der hl. Antonius von 
Padua ], in der Accademia Carrara zu Bergamo [ Maria mit dem Kind ] 
und in den Uffizien zu Florenz [der hl. Dominikus] befinden .". Samm- 
lung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,73, br. 0,30. 

1170c Der hl. Christoph. Auch hier bestimmt 
die rotbraune Untermalung den Grundton. Das 
Fleisch ist rotbraun mit hellbräunlichen Lichtern 
und braunem Haar. Das Graublau des Rockes 
kehrt gedämpfter wieder unten im Wasser, an 
bräunlichgrauem Ufer. Das Christkind in karmin- 
rotem, über die bräunliche Untermalung lasiertem 
Gewand. Goldgrund. 

Gegenstück von 1170B .•- Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,75, br. 0,32. 



c 



Francesco [del] Cossa. Geb. zu Ferrara um 1435, gest. 1477. Tätig^ in Ferrara, nach 1470 
in Bologna. Mit Cosme Tura und Ercole de' Roberti Hauptmeister der ersten Generation der 



113A 



ossa 

ferraresiscben Schule. 

115a Allegorie des Herbstes. Lichte silbrige Färbung. Vor hellblauer Luft mit 
weißgrauen Wolken und vor gelbgrünlicher Landschaft mit violettbräunlichen Felsen und 

Bauten steht auf grauer Stufe die Winzerin in 
bräunlichrosafarbenem Gewand, das durch gelb- 
grünen Gürtel zusammengehalten wird, bräun- 
lichen Strümpfen, dunkelolivbraunen Schuhen 
und weißem Kopftuch. Die Farbe des Gewandes 
kehrt grauer im Fleisch wieder. Die Geräte sind 
gelbbraun mit grauen Metallteilen. Die Reben- 
zweige mit gelbgrünen Blättern und dunkel- 
violettblauen Trauben. 



Gehört zu einer Folge von Jahreszeiten oder Monaten und stellt 
daher den Herbst oder den Oktober dar. Die Tafel paßt v^eder 
der Auffassung noch den Maßen nach in die Folge, die Crowe und 
Cavalcaselle anführen, befand sich aber ursprünglich mit den dort 
erwähnten Bildern in einem und demselben Räume, dem Sitzungs- 
saale der Inquisition, dem alten Dominikanerkonvent zu Ferrara .'. 
Die Winzerin trug in der Galerie Costabili zu Ferrara den Namen 
Cosme Turas .*. hrworben 1894 aus dem Florentiner Kunsthandel. 
Pappelholz, h. 1,15, br. 0,71. 




92 



113a Cossa [?] Atalante im Wettlaufe die 
Äpfel aufhebend. Der gelbgrüne Ton der Land- 
schaft, der neben Weißgfrau und Braunrot auch in 
der Architektur wiederkehrt, wird belebt durch 
die buntfarbig-en Gewänder der Figuren: Braunrot, 
Dunkelgrün, Dunkelblau, Goldgelb, Zinnoberrot 
[Beinkleider des laufenden Meilanion] und Hell- 
karmin [Atalante]. Blaugrünliche Ferne, hellblauer 
Himmel. 

In den Typen und der Landschaft den Predellentafeln Cossas in der va- 
tikanischen Galerie nahestehend .". Vermutlich Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,30, br. 0,28. 



Roberti 




•Schule zion 
Ferrara im 
XV. Jahr- 
hundert 

1120 



Ercole de' Roberti. Nach seinem Vater Ercole 

di Mastro Antonio. Geb. nach 1450 zu Ferrara, 
gest. ebenda im Juni 1496. Heranijebildet unter dem Ein- 
flüsse Jacopo Beilinis und der Schule von Padua, vor allem 
?ber unter Cosme Tura. Zuerst erwähnt 1479 in Ferrara, 
um 1482 in Bologna, seit 1486 wieder in Ferrara, wo er 

1487 Hofmaler der Este wird und mit kurzen Unterbrechungen [zweifelhafte Reise an den Hof des 
Mathias Corvinus, 1489 in Venedig, 1492 in Rom] bis an sein Ende tätig war. 

112d Maria mit dem Kind. Gegen den rotbraunen Ton, der durch das ganze Bild 
geht [mit schwärzlichen Schatten im Thron; in den Bodenfliesen; im Fleisch und dem 
Haar der Madonna], steht Grau in der Balustrade und dem Steinboden. Auf dieses 
ist das weißliche Blau [mit schwärzlichen Schatten] im Mantel Marias und etwas heller 
in der Luft, auf Rotbraun das rote Gewand Marias gestimmt. Ihr Haupt umgibt ein 
braungoldener Glorienschein. 

Das Bild ist in Komposition und Faltengebung von Cosme Tura abhängig, 
unter dessen Namen es Rosini beschreibt [III, 72] .*. Früher in der Samm- 
lung Costabili in Ferrara, dann bis 1879 bei Mr. Barker in London .*. Er- 
worben 1891 in London auf einer Versteigerung anonymer Sammlungen 
als Geschenk des Herrn Generaldirektors Dr. W. Bode. 
Pappelholz, h. 0,33, br. 0,25. 



112c Johannes der Täufer. Die braune Gesamt- 
färbung geht von der gelblichen Terrasse im Vor- 
dergrunde nach dem schwärzlichblauen Horizont zu 
in den rötlichen Ton des Abendhimmels und seinen 
Wiederschein im Wasser über. Die Gestalt des Hei- 
ligen ist im gleichen graubraunen Ton gehalten und 
bekleidet mit leuchtend grüner, im Umschlag karmin- 
roter Umhüllung und gelbbraunem Fell. Rotbraunes 
Haar. Oben bläulichgrauer Himmel. 

Der Heilige, der durch das wenig sichtbare härene Gewand als Johannes 



gtkcnnzeichnet ist, wurde auch als Hieronymus angesehen . 
Dondi - Orologio zu Padua, wo das Bild als Mantegna galt 
1885 in Venedig als Geschenk des Herrn Wilhelm Wolff. 
Pappelholz, h. 0,54, br. 0,31. 



Sammlunir 
Erworben 




112 C 



93 



Schule von 
Ferrara im 
XV. Jahr- 
hundert 

112E 




112 E Der hl. Hieronymus. Leuchtendes Zinnoberrot im Mantel, 
im Hut und seinen Schnüren steht gegen kühle silbrige Töne: 
Graublau in der Kapuze und dem Bart, Weiß im Chorhemd, karmin- 
violett in dem an den Armein und unten zum Vorschein kommen- 
den Untergewand und der Kappe. Graubräunliches Fleisch. 
Der Heilige hält in der Rechten ein gelbgrün und braungrau 
gefärbtes Kirchenmodell, in der Linken ein schwärzlichgrünes 
Buch mit gelbem Schnitt. In der Landschaft mit dem graubraunen 
Löwen dunkelgelbbraune und grüne Töne. 

Erworben 1904 .". Sammlung A. Thieni. 
Pappelholz, h. 1,28, br. 0,43. 



Schule von Ferrara um 1480 

112a Thronende Maria mit dem Kind und die hll. Hiero- 
nymus [?], Franziskus, Bernhard und Georg. Lichter 
grauer Gesamtton. Vor ockergelblicher Architektur mit rosa- 
farbenen und violettgrauen Profilen, gelbbraunen Kapitalen und 
Basen, dunkelgrünen und schwärzlichblauen Verbindungsstücken 
und grünen Säulen stehen die Figuren gleichfalls in kühlen lichten 
Tönen. Maria in hellblauem, innen grünem Mantel über dunkel- 
karminrotem Gewand mit goldgelben, grün gemusterten Brokat- 
ärmeln. Sie sitzt auf rosafarbener Bank und graugrünlichem 

Sockel mit braunroter Relief- 
füllung. Die hll. Franziskus in 
braungrauer, Bernhard in weiß- 
grauer Kutte; grau mit rotem 
Riemenzeug ist auch die Rüstung 
des hl. Georg. Der hl. Hierony- 
mus in hellblauviolettem, innen 
grünem Mantel über rotgelbem 
Gewand, in zinnoberrotem Buche 
lesend. Das graue Inkarnat Ma- 
rias erwärmt sich in den Heiligen 
zu Rotbraun. Bräunlichocker- 
gelber Boden. Rechts und links 
zwischen den Säulen Ausblick in 
bräunlichgrüne Landschaft mit 
hellerer Ferne. 



Nach Baruffaldi [Vita des Galesso Galassi] u.a. 
ehemals in S. Maria delle Rondini zu Bologna .'. 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,60, br. 1,65. 




94 



Schule von Ferrara [?] 
um 1460—1470 

1175 Eine Verlobung. Das 
Ockergelb des Erdbodens und 
der Architektur, das Grün der 
Wiesen, die mit schwärzlich- 
grünen Bäumen bestanden 
sind, einigt ein durchscheinen- 
des Grau. Grauockergelbe 
Töne auch im Fleisch, dem 
Gewand der Braut, dem Haar 
des Bräutigams. Zinnoberrot 
und bräunliches Goldgelb ste- 
hen in den Gewändern der 
Figuren dagegen. Nur die Fi- 
gur am weitesten rechts ist in 
Blaugrau gekleidet. Rotbraune Haare. Gelblicher Himmel. 

Einige Züge in diesem Bilde, dessen Schulzusammenhang schwer zu bestimmen ist, weisen nach dem Venetianischen oder 
Veronesischen .'. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pinienholz, h. 0,96, br. 1,08. 




Schule von 
Ferrara im 
XV. Jahr- 
hundert 



|y/I„' _ ■ Gian Francesco de' Maineri. Maler und Miniator, geboren zu Parma um die Mitte des 
IVldlllCXl 15 Jahrhunderts. Gebildet unter dem Einfluß Ercoles de' Roberti und vielleicht dessen 
Schüler. Tätig zu Ferrara [seit 1489 dort nachweisbar], und Mantua [1503/04]. 

1632 Die hl. Familie. Die goldgelben und karminroten Töne in der Gewandung und 
im Kopftuche Marias sind nach dem warmen, die 
ganze Tafel beherrschenden Rotbraun gebrochen, die 
Lichter mit Gold aufgesetzt. Reiner erscheint das 
Zinnoberrot im Mantel Josephs über dunkelgrünem 
Gewand. Auch die Architektur ist rotbraun und 
bräunlichgrau mit weißen Statuen vor Goldmosaik. 
Rosabräunliches Fleisch. Gegen den warmen Ge- 
samtton steht grünliches Blau im Mantel Marias, der 
grünlich durch das weißeTuch schimmert, heller in den 
beiden seitlichen Durchblicken auf den Himmel, und 
gelbliches Grün in dem goldgestickten, mit rosa Borte 
besetzten Kissen, auf dem das mit einer Kristall- 
kugel spielende Kind liegt. 

Der Meister hat diese Komposition mehrfach gemalt. Eine der Wieder- 
holungen in größeren Verhältnissen, mit Veränderungen, bez. : lo. Fran- 
ciscos Maynerius parmensis faciebat, bei Sir Julius Wemher in London .'. 
Erworben 1903 aus italienischem Kunsthandel /. Eigentum des Kaiser- 
Friedrich - Museums - Vereins. 

Pappelholz. h. 0,34, br. 0,24. 




95 



Schule von 
Ferrara im 
XV. Jahr- 
hundert 




115 



/"^ I Lorenzo Costa. Geb. zu Ferrara 1460, 
V-'OSta gest, zu Mantua den 5. März 1535. Her- 
angebildet unter Cosme Tura und Ercole de' 
Robert! zu Ferrara. Tätig vornehmlich zu Bo- 
logna [wohin er schon 1483 übersiedelte], eine 
Zeitlang gemeinsam mit Francesco Francia, end- 
lich in Mantua [seit 1507]. 

112 Darstellung Christi im Tempel. 
Mit tiefem Rot und Goldgelb wechseln 
kühle blaue, graublaue und grüne Töne 
ab, vor hellblauer Luft, weiß- und dun- 
kelgrauer Altararchitektur und ocker- 
gelbbraunem Boden, der nach rückwärts 
in Grün übergeht. Schwärzlichbraune 
Schatten. Vor karminrotem, grün ge- 
streiftem Baldachin hängt ein goldener 
Vorhang mit graublauem Schild. Die 
Färbung der Gewänder steigert sich von 
graublauen und weißen Tönen [Mini- 
stranten] über Dunkelblau und Karmin- 
rot [Leviten] zu leuchtendem Rot [Die- 
nerin rechts und Diener links mit den 
Gerätschaften zur Beschneidung]. Maria mit weißem Kopftuch, in dunkelblauem Mantel, 
unter dem das karminrote Gewand hervorkommt, Joseph rechts in rotem [innen graublauem 
Mantel] über bräunlichgelbgrünem Gewand, Simeon links in goldgelbem Mantel. Die 
Farben der Kleidung Josephs und Simeons wiederholen sich in der Gewandung der Si- 
bylle links und des Propheten. Warm rotbraune Fleischfarbe. 

Bez. auf der Tafel, die die Sibylle hält; LAVRENTIVS COSTA F .-. 
Ein Kupferstich danach, mit geringen Abweichungen, vom Beginn des 
16. Jahrhunderts .■. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 3,08, br. 2,61. 

115 Beweinung Christi. Tiefe dunkle Färbung, 
in der Rot [Mantel des Johannes und Nikodemus 
rechts]. Goldgelb [Joseph von Arimathia links], 
Violett [Beinkleider Josephs von Arimathia, Man- 
tel Magdalenas], Dunkelblau [Mantel Marias, 
Gewand Magdalenas, Ärmel des Nikodemus] und 
Grün [Gewänder des Nikodemus und Johannes] 
überwiegen. Dazwischen ist reines Weiß verstreut. 
Dunkelrotbraune Fleischfarbe. Schwere, rotbraune 
und gelbgrüneTöne in der Felspartie rechts, helles 
Blaugrün in dem links sich eröffnenden Ausblick. 

Bez. auf einem Blättdien unten : LAVRENTIVS COSTA ■ M ■ CCCCC • 
llll- .-. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelhülz, h. 1,81, br. 1,37. 



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96 



P_„^l.i-j Domenico Panetti. Nach dem Vater Dome- 
r dllCLLl nico di Gasparre. Geb. zu Ferrara um 1460, 

g-est. daselbst Ende 1511 oder 1512. Vermutlich Schüler 

Cosme Turas, unter dem Einflüsse Lorenzo Costas weiter 

ausgebildet. Tätig zu Ferrara. 

113 Klage um den Leichnam Christi. Der 
bräunhche Ton, der in der Landschaft neben 
Gelbgrün vorwiegt, hält auch die Figuren des 
Vordergrundes zusammen. Die roten und gold- 
gelben Gewänder [Rot in den Mänteln Magda- 
lenas und Josephs von Arimathia, goldgelbe 
Brokatärmel Magdalenas, Karminviolett im Man- 
tel des Johannes] sind nach Braun gebrochen. 
Vor allem wirkt reines Weiß, daneben tiefes 
Ultramarinblau [Gewänder Magdalenas und Ma- 
rias] und Dunkelgrün [Gewänder des Johannes 
und Josephs von Arimathia]. Tiefes Blau kehrt 
wieder im See des Mittelgrundes, den Christo- 
phorus in braunrotem Gewand durchschreitet. 

Die Landschaft, in der Christus, Magdalena erscheinend, und nochmals mit den Jüngern 
auf dem Wege nach Emaus dargestellt ist, begrenzen graublaue Bergzüge unter gelb- 
lichem Horizont und dunkelblauem Himmel. 




Schule von 
Ferrara im 
XV. Jahr- 
hundert 



Bez. rechts unten auf einem Blättchen: dominici panett opus 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,95, br. 1,43. 



Ehe 



als in der Sakristei von S. Niccolö 



C/-vl4-öll'T->i Michele Coltellini. Zeichnet sich auch Cortelini. Angeblich geb. 1480 zu Ferrara, 
Oliellini gest. daselbst 1542; doch sind beide Daten nicht beglaubigt, 1529—1535 urkundlich nach- 
weisbar. Unter dem Einfluss Ercoles de' Roberti und Lorenzo Costas gebildet. 

119 Beschneidung Christi. Bräunliches Karminrot, Dunkelgrün und Gelbbraun sind 
die Hauptfarben. Diese Farbenzusammenstellung findet sich in der Gewandung Josephs 
links, des Hohenpriesters und Joachims ganz rechts. Dazwischen stehen wenige grau- 
blaueTöne, vor allem Hellultramarin- 
blau im Gewände Marias, über das 
rotbraunes Haar herabfließt. Sie 
reicht das Kind auf gelbbräunlichem 
Tuch dar. Den rotbraunen Altar deckt 
ein weißes Tuch. Rotbraune Fleisch- 
farbe. Ein dunkelgrüner, im Umschlag 
goldgelber Vorhang rahmt die Fi- 
gurengruppe ein, vor dunkelgrauem 
Grund und graubraunem Boden. 



Bez. rechts unten mit der Jahreszahl: MDXVl 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,51, br. 0,76. 




119 



97 



Schule von 
Modena im 
XV. Jahr- 
hundert 




SCHULE VON MODENA 



rran 



Francesco [de] Bianchi Ferrari [Frari]. Ge- 
burtsort und -datum unbekannt, gestorben 1510. 

Tätig vornehmlich zu Modena. Angeblich Lehrer Cor- 

reggios. 



1182 Thronende Maria mit dem Kind und 
die hll. Franziskus, Johannes d. T., Am- 
brosius und Hieronymus. Die graue, im 
Bogen mit buntfarbigen Darstellungen auf Gold- 
grund geschmückte Architektur mit rosa Profilen, 
der dunkelgraueThron, die nach Grau und Braun 
neigenden Farben der Gewänder und der grau- 
braune Fleischton geben die stumpfe eintönige 
Grundfärbung, von der sich Ultramarinblau 
[Mantel Marias, landschaftliche Ferne, heller die 
Luft], Gelbgrün [Thronteppich, Landschaft], 
schwärzliches Karminrot [Gewand Marias, Man- 
tel Johannis d. T.] und Zinnoberrot [Hierony- 
mus] abheben. Hellgelber Horizont. 



Saniiiiking Solly, 1821 



Pappelholz, h. 1,61, br. 0,96. 



Modenesischer Meister um 1520 

114 Darstellung Christi im Tempel. Bräun- 
licher Gesamtton, der in der rotbraunen Fleisch- 
farbe, dem bräunlichgrauen Boden und Altar 
und der graubraunen Architektur mit grauen 
Profilen angeschlagen wird, und auf den auch die 
Farben der Gewänder gestimmt sind. Zwischen 
dem bräunlichkarminroten Mantel des Jünglings 
1. und Simeons braungelbem Ornat, das über 
schwärzlichblauem Gewand liegt, ist der dunkel- 
blaugrüne Mantel und das blaugrün-rot schillern- 
de Kopftuch Hannas sichtbar. Maria in dunkel- 
blauem Mantel und karminrotem Gewand, Joseph 
in rotbrauner Kleidung, das Mädchen vorn rechts 
in stumpf gelbgrünem Gewand. 

Ehemals dem Lorenzo Costa zugeschrieben, gehört das Bild wohl 
einem von Costa und Ercole Grandi beeinflußten Meister von Mo- 
dena oder Carpi an [ Bernardino Loschi?] .'. Das am Altar ange- 
brachte Wappen ist das der Patrizierfaniilie Pio aus Modena, und 
zwar des älteren Zweiges, der 1450 dem Hause Savoyen aggregiert 
wurde. Wahrsd^einlich für Alberto Pio di Savoya [1475 — 1531 ] in 
Carjji gemalt .'. Sainnilung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,40, br. 0,94. 



98 



SCHULE VON PARMA 

M„„_^-^)„ Filippo Mazzola [Mazzuola]. Geboren zu 
dZZOld Parma um 1460, gestorben 1505. Tätig zu Parma 
und einige Zeit in Venedig. 

1455 Maria mit dem Kinde. Alle Farben sind 
auf den warmen rotbraunen Ton des Fleisches 
und der Haare g-estimmt. Maria sitzt vor rot- 
brauner Brüstung und schwärzlichem Vorhang auf 
ockergelber Bank, in bräunlichzinnoberrotem 
Gewand und gelbgrünem Mantel, der, auf dem 
linken Knie umgeschlagen, die violette Innen- 
seite mit rotem Randreflex [vom Gewand her] 
zeigt. Bräunliches Kopftuch. DunkelbraunerBuch- 
einband mit goldgelbem Schnitt. Weißlichblauer 
Himmel über grünlichbrauner Landschaft. 

Bez. : Regina celi Letare Alleluya. F • M ' P ■ [ Filippo Mazzola 
Pinxit?] .'. Die Umschrift ist vielleicht anders zu deuten; die Autor- 
schaft Mazzolas steht nicht fest .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,64, br. 0,47. 

1109 Maria mit Kind und zwei Heilige. Leuch- 
tende bunte Lokalfarben. Auf grauweißem Thron 
mit dunkelrotbraunen und ockergelblichen Füllun- 
gen, überragt von dem roten, goldgemusterten 
Baldachin, dessen gelbgrüne Innenseite, von blond- 
haarigen Engeln in zinnoberrotem Gewand und 
hellkarminroten Flügeln [links], in bräunlichkar- 
minrotem Gewand und grünen Flügeln [rechts] 
vor hellblauer Luft emporgerafft, den Hintergrund 
verdeckt, sitzt Maria in tiefultramarinblauem, im 
Umschlag grünem Mantel über goldgelbem, zin- 
noberrot gemustertem Brokatgewand. Das blond- 
haarige Kind trägt eine rote Korallenkette. Unten 
vor grauweißem Boden und Thronstufen und 
bräunlichgrauer Mauer Katharina, wie Maria in 
goldgelbem, rotgemustertem Gewand mit dunkel- 
karminroten Armein und hellkarminrotem, innen 
grünem Mantel. Die hl. Klara in schwarzer Or- 
denstracht mit weißem Kopftuch. Vor ihr am 
Boden liegt ein zinnoberrotes Buch. 

Bez. unten auf der zweiten Stufe des Sockels auf grünem Feld: * D ■ 
MCCCCC ■ II • ■ PHILIPVS ■ MAZOLA ■ PARMENSIS • P ■ .-. Samm- 
lung Solly, 1821. 

Pap;>elholz, h. 2,40, br. 1,14. 




Schule von 
Parma im 
XV. Jahr- 
hundert 



1109 



99 



Venetiani- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



1058 




VENETIANISCHE SCHULE 

V' " • Antonio 

IVarini Vivarini, 
gen. Antonio da Mu- 
rano. Zeichnet sich selbst 
nur Antonio da Mu- 
rano. Geboren zu Mu- 
rano bei Venedig, nach 
den Daten auf seinen er- 
haltenen Gemälden tätig 
seit 1 440, gest. zu Venedig 
zwischen dem 24. März 
1476 und dem 24. April 
1484. Unter dem Einflüsse 
des Gentile da Fabriano 
und Antonio Pisano ausge- 
bildet. Tätig zu Venedig. 

5 AnbetungderKö- 
nige. Von dunklem 
Grund, in dem rot- 
braune, graubraune 
und grünliche Töne 

vorwiegen und der links [Betlehem] in Lichtrot übergeht, heben sich die Figuren in 
bunten Gewändern ab. Am meisten ist helles Ultramarinblau [Mantel Marias, Unter- 
gewand Josephs, Mann hinter dem knieenden König usw.] und Zinnoberrot verwendet, 
daneben Goldgelb [Mantel Josephs] und Hellkarminrot [Gewand Marias], vor allem aber 
Gold in den Gewändern der Könige und ihres Gefolges, den Fahnen, Instrumenten, Ge- 
räten, den Glorien usw. Alle vergoldeten Teile des Bildes sind zugleich plastisch auf- 
getragen. Zwischen Blau, Zinnober und Gold ist überall Weißgrau verteilt [z. B. stehender 
König 1., Priester an der Spitze des Zuges r., die beiden Edelleute im Profil, die Pferde]. 
Lichter grauer Fleischton Marias und des Kindes, rotbräunlicher bei den männlichen 
Figuren. Vor graublauem Himmel in roten, grünen und gelben Gewändern Engel mit 
goldenen Flügeln und Posaunen. 

Aus der früheren Zeit des Meisters [um 1440], als er vornehmlich unter dem Einflüsse des Gentile da Fabriano stand .•- 
Ursprünglich im Palo. Zen, später in der Sammlung Craglietto in Venedig .'. Erworben 1844 in Venedig von den Erben des 
Capitano Gasparo Craglietto. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,11, br. 1,76. 

Antonio Vivarini [?] 1058^ Sechs Täfelchen. Vorgänge aus dem Leben der Maria: 
Tempelgang, Krönung undGeburt der Maria, Vermählung Marias, Anbetung 




100 



der Könige und Darstellung- Christi im Tempel. 
Die Täfelchen sind in kühlen bunten Farben gehalten. 
Hellultramarinblau, Goldgelb, Zinnoberrot, Gelbgrün und 
Hellkarminrot sind die Hauptfarben vor weißgrauer, auch 
braunroter Architektur oder dunkelgrüner Landschaft. Grau- 
bräunlicher Fleischton. An Stelle des Himmels Goldgrund. 

Neuerdings dem Michele Giambono zugeschrieben. Die sedis kleinen Tafeln sind 
Teile eines Altanverlces und bildeten vielleicht die Predella .*. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, jedes Bild h. 0,37, br. 0,23. 

Cli^mnOnO Michele Giambono [Zambon]. Eigentlich Michie 
de Zane [Giovanni] bon [Bono] S. Gregorio. 
Maler und Mosaizist, geboren zu Venedig, Geburts- und Todesdatum 
unbekannt. Tätig zu Venedig, wo er 1420 — 1462 urkundlich erwähnt 
wird. Vermutlich unter dem Einflüsse des Gentile da Fabriano aus- 
gebildet. 

Giambono [?] 1154 Magdalena von Engeln emporge- 
tragen. Das ockergelbbraune Haar verhüllt fast das 
bräunliche, in den Lichtern graue Fleisch. Die Heilige 
wird von dunkelkarminrot, blau, grün und gelb geflügelten 
Engeln in dunkelblauen und gelben, violettweißen und 
grünen Gewändern gehalten. Goldgrund mit eingeprägtem 
Nimbus. Bräunlichgraue Landschaft, in der die Stifterin, eine 
Äbtissin, in weißer Tracht kniet. 

Vielleicht identisch mit dem ursprünglich im Nonnenkloster S. Maria 
delle Vergini zu Venedig befindlichen Gemälde, das schon Martinioni in 
seinen Zusätzen zu Sansovino [Venetia descritta ] dem Giambono zu- 
weist .-. Sammlung SoUy, 1821 .-. Pappelholz, h. 1,03, br. 0,44. 

\/J»,pi».Jj-.| Bartolomeo Vivarini. Geboren zu Murano ; Ge- 
burts- und Todesjahr unbekannt; nach den Daten 
auf seinen Gemälden tätig von 1450 — 1499. Zuerst Gehilfe 
und vermutlich Schüler seines Bruders Antonio; dann von der 
Paduaner Schule und von Antonello da Messina beeinflußt. 
Tätig zu Venedig. 

1160 Der hl. Georg. Rot steht gegen graue und 
gelbgrüne Töne. Die graue Rüstung umflattert ein 
zinnoberroter Mantel, mit hellkarminrotem Sattel- 
und Zaumzeug [die Metallteile Gold auf Gelbbraun] 
ist das weißgraue Pferd aufgezäunt. Der Drache 
schimmert blaugrün und rotbraun. Die Königs- 
tochter in bräunlich goldenem, hellblau gemustertem 
Gewand unter hellkarminrotem Mantel, vor blau- 
grünlicher Landschaft. Graubräunliche Fleischfarbe. 
Braune Felsen. Am blauen Himmel ist oben eine 
rotgelbe Glorie sichtbar. 

Bez. unten auf einem Zettel: FACTVM ■ VENETIIS PER BARTHOLO- 
MEVM VIVA ■ RINVM DE MVRIANO PINXIT ■ 1485 .-. Wohl wesent- 
lich in der Werkstatt ausgeführt -■- Sammlung Solly, 1821. 
Pa, pelholz, h. 1,29, br. 0,66. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



101 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1173 




Crivelli 

Carlo Crivelli. 
Zeichnet sichKa- 
rolus oder Ca- 
rolus Crivellus 
Venetus, seit 
1489 mit dem Zu- 
satz Miles oder 
Eques. Geboren 
zu Venedig; um 
1430—40, tätig 

nach den Daten auf seinen Gemälden von 1468—1493 in Venedig und vornehmlich in den Marken [Ascoli]. 

Gebildet unter dem Einflüsse der Schule von Padua. 

1173 Christus im Grabe und Heilige. Schwerer brauner Gesamtton. Die Füllungen 
zwischen den Bogen, deren lichtrote Farbe im Sarkophag wiederkehrt, und in den grauen 
Pfeilern sind rotbraun -ockergelb -olivbraun marmoriert. Der gelblichbraune Leichnam 

wird von Maria, in schwärzlichblauem Mantel, und Johannes in 
karminrotem, innen dunkelgrünem Mantel über dunkelblauem 
Gewand mit zinnoberrotem Besatz gehalten. Hieronymus mit 
grauem Haar, in gelblichweißem Gewand. Die Heilige r. in 
zinnoberrotem, goldgelbgemustertem Kleid mit dunkelgrüner 
Innenseite. Sie hält ein dunkelviolettes Buch. Braunrote 
Fleischfarbe. Bräunlichgrüne Landschaft und weißlicherHimmel. 
Goldene Nimben. 

Bez. auf beiden mittleren Pfeilern: OPVS ■ KAROLI • ■ CRIVELLI • VENETI. .-. An- 
scheinend Predella zu einem Altarbild. Aus der frühesten Zeit des Meisters, unter 
dem Einflüsse der Schule Squarciones .'. Ehemals im Besitze Girol. Zanettis in Venedig .•. 
Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,36, br. 1,27. 

1156 Die hl. Magdalena. Das lichte bräunlichgraue Inkarnat 
ist auf den kühlen Gesamtton gestimmt. In hellkarminrotem, 
innen smaragdgrünem Mantel über kobaltblauem, gelb ge- 
mustertem Gewand mit goldgesticktem Mieder, aus dem der 
karminrote Einsatz hervorkommt, und goldenen Brokatärmeln, 
aus denen das weiße Hemd hervorquillt, hält sie ein goldenes, 
plastisch verziertes Gefäß. Auch die Besätze und Ornamente 
an den Ärmeln, Schultern und Mieder, sowie der Nimbus 
sind plastisch aufgesetzt und vergoldet. Den Hals um.^chließt 
eine rote Perlenschnur. Bräunlichgelbe Haare mit plastischem 
Goldschmuck. Über dem grauen Teppich, zu dessen Seiten 
der gemusterte Goldgrund sichtbar ist, hängt ein graugrünes 
Blattgewinde mit rosafarbenen Feldblumen. Ockergelb -Zin- 
nober marmorierter Boden und Balustrade mit weißgrauer 
Deckplatte. Graubraune Vorderseite des Sockels. 

Bez. auf einem Papierstreifen rechts unten : OPVS • RAROLI ■ CRIVELLI ■ VENET- .-. 
Gemalt um 1475 .*. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 1,52, br. 0,49. 




102 




1156a Maria mit dem Kind 
und sieben Heilige. 
Gold, Gelbrot und Zin- 
noberrot sind die Haupt- 
farben gegen Weiß und 
Blau. Maria, in blauem, 
mitGoldmustern besetztem 
[innen gelbgrünem] Mantel 
über zinnoberrotem Ge- 
wand, hält das blaugrün ge- 
kleidete Kind, dem Petrus, 
in weißem, rot- und gold- 
gemustertem Ornat, die 
goldenen Himmelschlüssel 
reicht. Auf lichtrotem Sitz, 
vor weißer, grauer und 
braunroter Thronarchitek- 
tur und vor hellgrauem, kar- 
minrot gemustertem Tep- 
pich, über dem an rötlichen 
Bändern ein Gebinde von 
gelbroten Früchten hängt. 

Die Heiligen heben sich von dem zinnoberroten, silbergemusterten Teppich, der den 
Hintergrund gegen den dunkelblauen Himmel abschließt, und dem unruhig hchtrot und 
olivbraun marmorierten Boden ab. Der Bischof Emidius [Schutzpatron von Ascoli] 1. in 
zinnoberrotem, goldgemustertem Ornat über dunkelblauem Gewand. Die Heiligen hinter 
ihm [Johannes Capistranus und Franzis- 
kus] in bräunlichgrauen und blaugrauen J^Mv 
Kutten. Rechts der hl. Ludwig von Tou- ^^' K^ _ 
louse in blaugrünem Mantel mit goldenem 
Lilienmusterund rotemBesatz überbraun- 
grauer Kutte. Der hl. Bonaventura da- 
hinter in zinnoberrotem goldgemustertem 
Ornat, S. Giacomo della Marca ganz r. 
in grauer Kutte, mit goldener Monstranz. 
Rotbraune Fleischfarbe. 



Bez. auf einem Zettel unten : + OPVS - CAROLI - CRI- 
VELLI- VENETI .-. Aus den 80 er Jahren des XV. Jahr- 
hunderts. Vielleicht identisch mit dem im Auftrage von 
Vincenza Paccaroni während CrivelHs Aufenthalt in T ermn 
1487 für die Kirche der PP. MM. Osservanti daselbst ge- 
.Tialten Altarbild .'. Ehemals in Rom .". Erworben 1892 
auf der Versteigerung der Sammlung des Earl of Dudley 
in London. 

Tempera. Pappelholz, h. 1,91, br. 1,96. 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




1156B 
11550 



103 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



38 





1156b Der hl. Hieronymus. In leuchtend zinnoberrotem Man- 
tel, vor grünblauem Teppich. Gelbbräunlicher Boden und 
Balustrade. Goldgrund. 

Gegenstück zu Nr. 1156C .". Erworben 1904 .*. Sammlung A. Thiem. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,505, br. 0,25 [mit dem Rahmen aus einem Stück]. 

1156c Der hl. Bernhard. In bräunlichweißem Ordenskleid, vor 
hellkarminrotem Teppich, in hellblau gebundenem Buche lesend. 
Rotbraunes Fleisch. Goldgrund. 

Gegenstück von Nr. 1156B .". Erworben 1904 -■. Sammlung A. Thiem. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,52, br. 0,25 [mit dem Rahmen aus einem Stück]. 

MuranO Schule von Murano um 1450. 

1155 Der Erzengel Michael. In bräunlichgoldgelbem Panzer 
mit zinnoberroter Polsterung und Bändern und in zinnober- 
roten Stiefeln über hellblauen Beinkleidern. Hellkarminrote und 
gelbgrüne Flügelfedern. Braune Haare, lichter Fleischton mit 
bräunlichen Schatten; Wage und Nimbus sind golden. Der 
schwarze Drache hebt sich von weißgrauem Felsengrund ab. 
An Stelle des Himmels schwarzer Grund. 

Sammlung Solly, 1821 ^.•. Pappelholz, h. 1,16, br. 0,49. 

ll/avini '^'^'^^ Vivarini. Geboren zu Murano[?], 
IVclIllil nicht vor 1445, gest. zwischen dem 6. Sep- 
tember 1503 und dem 14.November 1505. Tätig von 1464 
bis 1503 zu Venedig. Vermutlich Schüler seines Onkels 
Bartolomeo zu Venedig, unter dem Einflüsse der Padu- 
aner Schule, des Antonello da Messina und Gio. Bellinis 
ausgebildet. 

38 Thronende Maria mit dem Kind und 
sechs Heilige. Vorhellockergelblicher Archi- 
tektur mit goldener Kuppel, rotbraunen Bän- 
dern und dunkelgrünen Füllungen stehen die 
Figuren in leuchtend farbigen Gewändern. 
Maria in dunkelblauem Mantel über bräunlich- 
goldgelbem Gewand und mit grauweißem 
Kopftuch. Ultramarinblau kehrt wieder in den 
Untergewändern der hll. Petrus und Hierony- 
mus, grauer in den von hellgelben und roten 
Bändern umschnürten Hemden der Engel. Dem 
Goldgelb im Mantel Petri steht als stärkste 
Note Zinnoberrot im Mantel des hl. Hierony- 
mus gegenüber, das sich im [innen graublauen] 
Mantel der hl. Katharina 1. wiederholt. Grün 
im Gewände der hl. Katharina, bläulicher im 
Gewände der hl. Magdalena mit gelbbraunen 
Ärmeln und im Buche, das Hieronymus hält. 



104 



Die hll. Georg und Sebastian sind ganz im bräun- 
lichen Ton der Untermalung gehalten, der erstere 
in silbergrauer Rüstung mit bräunlichen Reflexen. 
Rotbraunes Fleisch und dunkelbraunes Haar. 

Bez. unten am Sockel auf einem Zettel: • ALVVIXE • VIVARIN • .-. 
Das Hauptwerk des Meisters, aus seiner mittleren Zeit, gemalt für 
S. Maria de' Battuti zu Belluno. Dort befand es sich auf einem privi- 
legierten Altar unter dem Sängerchor und war vermutlich von Gio- 
vanni Corner di Andrea, Prokurator von S. Marco [gest. im August 
1493], für sein Grab gestiftet. Kam nach Aufhebung der Kirche in 
den Besitz des Grafen Marino Pagani in Belluno .'. Sammlung SoUy, 
1821. 

Pappelholz, h. 3,85, br. 2,31. 

1165 Maria mit dem Kind und vier Heilige. 
Von dunkelgrauer Architektur mit dunkelrot- 
braunen Bändern und dunkelgrüner Lünette, mit 
goldenem, braun lasiertem Kreuzgewölbe hebt 
oich hellgrau der Thron ab, vor dessen schwärz- 
lichem Teppich mit grüner Kante Maria in hellkar- 
minrotem Gewand unter tiefblauem Mantel sitzt, 
ein blaugrünes Kissen unter den Füßen. Auch hier 
wirkt Zinnoberrot im Mantel des hl. Hieronymus, 
der ein dunkelkobaltblaues Buch hält, am stärksten. 
Ihm entspricht Dunkelgrün in dem mit gelbbrau- 
nem Besatz gezierten Mantel des hl. Augustinus 
über schwarzer Kutte. Grün kehrt wieder 
im Umhang Johannis d. T., dessen rosa- 
bräunliches Gewand von goldgelbem Gürtel 
zusammengehalten wird. RotbraunesFleisch, 
grauer im Körper des hl. Sebastian. Weißer 
Steinboden mit lichtroten Fliesen. 

Aus der späteren Zeit des Meisters.*. Sammlung Solly, 1821 .'. 
Aufgestellt in der Basilika. 

Pappelholz, h. 2,59, br. 1,81. 

V ivarini Werkstatt des Alvise Vivarini. 

1143 Altartafel in sechs Abteilungen. 
Helle, ins Graue spielende Färbung. Un- 
tere Reihe. Mittelbild: Ausgießung des 
hl. Geistes. Vor grauer Architektur die Ge- 
wänder der Figuren in kühlen Farben, be- 
sonders Graublau und Gelbgrün, zwischen 
denen leuchtendes Zinnoberrot verteilt ist. 
Blaugrüner Himmel. — Linker Flügel: 
Die hll. Franziskus undAntonius vonPadua. 
— Re -hter Flügel: Die hll. Bernhardin 




Veiietiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1165 



105 



Venetiani- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

40 




und Bonaventura. Die vier Heiligen in ockergelblich- 
grauen und grauen Trachten vor grauen Teppichen und 
Goldgrund. Gelblichbraune Fleischfarbe. — Obere 
Reihe. Mittelbild: Der gelbbraune Körper Christi 
hebt sich von violettgrauem Teppich ab. Die Engel in 
hellkarminroten und gelbgrünen Gewändern, vor Gold- 
grund. — Linker Flügel: Der hl. Paulus in rosafar- 
benem Mantel über gelbgrünem Gewand, mit dunkel- 
blauem Buch; der hl. Georg in blauem Mantel über zin- 
noberrotemGewand. — Rechter Flügel: Johannes d.T. 
in gelbgrünem Mantel über grauviolettem Gewand, 
Hieronymus in zinnoberrotem Mantel. Die beiden bunt- 
farbigeren Seitenteile vor dunkelblauen Teppichen und 
Goldgrund. Gelblichbraunes Fleisch. 

Der Stil ist nicht einheitlich. Mindestens zwei Hände sind zu unterscheiden .*. 

Der Rahmen ist modern .■. Sammlung Solly, 1821. 

Tempera. Pappelholz, untere Reihe, Mittelbild, h. 2,00, br. 1,25; Flügel, 
h. je 1,72, br. 0,60. Obere Reihe, Mittelbild, h. 0,91, br. 1,27; Flügel, 
h.je 0,93, br. 0,60. 



Vi 



1170A 



IVanni Richtung des Alvise Vivarini [?]. 

40 Maria mit dem Kind und zwei Engel. Die überall, besonders im Fleisch und in 
der Landschaft, durchscheinende braune Untermalung hält das Bild zusammen. Auch 
das bräunlichzinnoberrote Gewand Marias ist darauf gestimmt. Dagegen steht Blau 
im Mantel der Madonna und dem Himmel mit weißen Wolken. Auf schwärzlicher 

Brüstung in brauner Schale gelbliche und 
grüne Früchte. Die graugrün und braunrot 
geflügelten Engel in dunkelblauen und 
olivbraunen Gewändern, mit gelbbraunen 
und blauen Armein. Die Lichter der bräun- 
lichen Landschaft sind mit Weißgrau auf- 
gesetzt, das auch in der Modellierung des 
Fleisches verwendet ist. 

Weder die Färbung noch die Zeichnung und die Typen deuten 
auf rein venetianischen Ursprung; während die Landschaft 
mit Benutzung Dürerscher Stiche [„Meerwunder" und „Ver- 
lorener Sohn"] ausgeführt ist, verraten die Engelköpfe Man- 
tcgnas Einfluß .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,72, br. 0,49. 



Vivarini Schule der Vivarini. 

1170a Beweinung Christi. Gegen den 
braunen Ton der Untermalung, der in den 
Schatten des gelblichen Fleisches und im 




106 



Haar zu Tag-e liegt, steht Karminrot im Mantel Jo- 
hannis über hellgelbgrünem Gewand und stumpfes 
Blau im Mantel Marias vor schwarzem Grund. Grau- 
brauner Sarkophag. 

An das bezeichnete Bild des Lazzaro Bastian! in S. Antonino zu Venedig, 
gleichfalls eine Beweinung Christi, erinnernd, das aber farbiger und weicher 
in der Behandlung ist .'. Sammlung Soily, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,94, br. 0,78. 



^CCkX~\r\ J3<^°P° da Valenzia [Valesa]. Tätig um 1485 bis ^^ 
iCUjJU 1509 in Serravalle, und Venedig. Schüler des Barto- sT 
lomeo und Alvise Vivarini. 

1403 Maria mit dem Kinde. Gegen die kühlen 




Venetiani- 
sche Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1403 



grauen und grünlichen Töne [grünlichblauer, im Um- 
schlag gelbgrüner Mantel der Madonna] steht Rot 
im Gewand. Als Hintergrund dient vor schwärzlich- 
grüner Mauer mit grauem Pilaster rechts ein weiß- 
grauer Vorhang, in dessen Kante das Rot des Ge- 
wandes wiederkehrt. Das kräftigste Grün findet sich 
in der Decke, ebenfalls mit roter Kante, auf der, den 

Kopf gestützt auf ein weißgraues Kissen mit goldgelber Borte, das von goldgelbem 
Tuch umhüllte Kind liegt. Bräunlichgraues Inkarnat. Rotbraunes Haar. Ausblick auf 
Landschaft und Himmel in gelbgrünen und blaugrünen Tönen. 

Bez auf dem weißen Blättchen vorn: lACOB- D'- VALETIA .-. Sammlung Solly, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,59, br. 0,40. 

P<=»r<r» ar>r"Vii P'^'' [Pietro] Maria Pennacchi. Geboren zu Treviso 1464, gestorben daselbst 1514 

^ CllllClCL^lll (jjer Anfang 1515. Erhielt seine erste Unterweisung in Treviso [wahrscheinlich von einem 

unter Squarcione gebildeten Meister]; dann in Venedig Schüler Gio.Bellinis. Tätig zu Treviso und Venedig. 



1166 Christus im Grabe von Engeln gehalten. Die Färbung wird 
ders in den Fleischschatten, durchschei- 
nende Grau der Untermalung bestimmt. 
Der ockergelbliche, von weißgrauem 
Tuch umhüllte Körper Christi, in grauem 
Sarkophag, wird von gelbgrün geflü- 
gelten, blondhaarigen Engeln, 1. in kar- 
minrotem, r. in hellblauem Kleid, ge- 
halten, vor graubraunen Felsen, gegen 
die das rotbraune Haar Christi steht. 
Bräunliche und gelbgrüne Töne in der 
Landschaft. Hellblaue Luft und Ferne. 



Bez. auf der Brüstung des Grabes : PETRVS MARIA 
TAPVISIO ■ P ■ .-. Aus der früheren Zeit des Meisters .-. 
Ganz ähnliche Komposition, eine Jugendarbeit Gio. Bel- 
linis, im Museo Civico zu Venedig .". Früher in der 
Sammlung Avogaro in Treviso .■. Sammlung Solly, 1821. 
Papp. Iholz, h. 0,57, br. 0,64. 



durch das, beson- 




107 



Venetiani- 
sche Sdtule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1180 




49 



R<=>llini Gentile Bellini. Geb. zu Venedig, vermutlich 1429, gest. 

ebenda den 23. Februar 1507. Schüler seines Vaters Jacopo 

Bellini, in Padua unter dem Einflüsse seines Schwagers Andrea Man- 

tegna weiter ausgebildet. Tätig hauptsächlich zu Venedig, 1479/80 

in Konstantinopel am Hofe Mohamets II. und kurze Zeit in Rom. 

1180 Maria mit dem Kind und Stiftern. Den lichten, 
rötlichen Ton des Inkarnats durchdringt die graue Un- 
termalung. Das Weißgrau im Hemd des Kindes kehrt 
wieder in Haarband und Nackenschleier der Stifterin, 
das blasse Hellrot des Gewandes der Maria in Kragen 
und Ärmeln des Stifters unter schwarzem Obergewand. 
Durch das schwärzliche Blau im Mantel Marias schim- 
mert die braune Untermalung. Bräunlichgoldenes Ge- 
wand der Stifterin. Die Haarfarbe ist braun, rotbraun 
bei der Stifterin. Goldgrund mit eingeprägtem Nimbus. 

Bez. auf dem Sockelfriese des zugehörigen Rahmens: OPVS " GENTILIS ' BEL- 
LINVS • .*. Aus der frühesten Zeit des Meisters, um 1 450 .*. Sammlung Solly, 1 82 1 . 
Tempera. Pappelholz, h. 0,75, br. 0,46. 

Venetianische Schule um 1500 

49 Maria mit dem Kind, die hll.Petrus, ein Unbekannter, Georg undjohannes 
d. T. Tonige Gesamtwirkung in Braun und Grau vor schwärzlicher Wand und bläulich- 
weißem Fensterausschnitt. Maria in grauweißem Kopftuch, in schwärzlichblauem Mantel 
über gelbbräunlichem Gewand sitzt vor graubrauner Brüstung, auf der weiße, braunrote 

und violette Muscheln liegen. Links Petrus 
in stumpf bräunlichrotem Ornat über grauem 
Untergewand. Warm rotbräunlicher Fleisch- 
ton, gelbbraune Haarfarbe. 

Bez. auf einem Zettel rechts an der Balustrade : petrus ■ mario 
pinxit. Die Bezeichnung ist, weil undeutlich und zum Teil aus- 
gelöscht, nicht mehr bestimmt zu deuten. Crowe und Cavalca- 
selle fanden in dem Bilde Verwandtschaft mit einem Gemälde 
des Marco Marziale aus seiner früheren Zeit [1499]; doch hat 
es mit dem im Kaiser-Friedrich-Museum befindlichen Werke 
des Marziale [Nr. 1] keinerlei Zusammenhang. Auch zu den 
Malern Pietro Maria Pennacchi und Pietro Marescalco, auf 
welche die Bezeichnung allenfalls hindeuten könnte, steht das 
Berliner Bild in keinerlei Beziehung. Eis mag um 1500 gemalt 
sein und zeigt eine entschiedene Anlehnung an Mantegna und 
AloiseVivarini. Eine Darstellung desTodes der Maria [Akademie 
zu Venedig] mit der Signatur .... rus . . aria scheint von der- 
selben Hand .'. Sammhmg Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,88, br. 0,67. 

RaKhuKI Jacopo de' Barbari, in Deutschland 
UdlUdll Jakob Walch [d.h. der wälsche Jakob] 
genannt. Maler und Kupferstecher, geboren vermutlich 
zu Venedig um die Mitte des XV. Jahrhunderts, ge- 
storben vor 1515. Unter dem Einflüsse des Gio. Bellini 
gebildet. Tätig in Venedig bis um 1500, in Wittenberg 
1503 und 1505 in kursächsischen Diensten, in Nürnberg 
1 504, in Frankfurt a. d. 0. 1 508 und in den Niederlanden 
im Dienste des Grafen Philipp; seit 1510 Hofmaler der 
Erzherzogin Margarete, Regentin der Niederlande. 




108 




26 a Maria mit dem Kinde, 
die hll.Barbara, Johannes 
d. T. und die Stifterin Ca- 
terina Cornaro, Königin 
von Cypern [1454—1510]. 
Bunte Lokalfarben in den Ge- 
wändern heben sich von grau- 
grüner Wiese und in kühlen 
Tönen gehaltener landschaft- 
licher Ferne ab: Ultramarin- 
blau im Mantel Marias, der 
Ferne unddemHimmel,dersich 
tiefblau im Flußlaufe spiegelt, 
schwärzliches Blau im Kopftuch, 
das die rotbraunen Haare Ma- 
rias umschlingt, dem Gewände 
der hl. Barbara und grauer in 

den Felsen des Mittelgrundes; helles Karminrot im Gewände Marias; Zinnoberrot im 
Mantel des Johannes über gelbem, in den Schatten rotbraunem Gewand. Die Stifterin 
trägt gelbgrünes Kleid mit goldgelbbraunem Miedereinsatz und Ärmeln. Rotbraunes 
Fleisch, kälter im Körper des Kindes und im Antlitze Marias. 

Erworben 1877 als Geschenk vonSirCharles Robinson in London .■. Weißtannenhoiz auf Nußl)aum-Blendholz, h. 0,67, hr. 0,84. 

(~"ai'r»ar»r*ir» Vittore Carpaccio [eigentlich Scarpazza]. Geboren in Venedig um 1455, gestorben 
V^aipdCClU daselbst zwischen 1525 uncll526. Schüler des Lazzaro Bastiani. Tätig in Venedig. 1507 
als Gehilfe Giovanni Beilinis im Dogenpalast beschäftigt. 

14 Maria mit dem Kind und zwei Heilige. Die Farben der Gewänder sind nach 
Rotbraun gebrochen und auf den rotbräunlichen Ton des Inkarnats gestimmt: dunkles 
Karminrot im Gewände der Madonna unter dunkelblauem, innen goldgelb-grün schillern- 
dem Mantel und im Mantel des 
hl. Hieronymus, über dessen 
Schulter ein goldgelbes Tuch 
liegt. Magdalena in olivgrünem 

Gewand mit braungelben, in _ _^^^^ 

den Lichtern goldgelben Ar- 'KbTm ' fVS^^^^ /m::~nssl^^mdimir^SK/' -wBPf 
mein und karminrotem Kragen. 
Ockergelblichbraune Land- 
schaft mit dunklem Grün und 
blauer Himmel. 



Die Autorschaft Vittore Carpaccios ist 
wohl mit Unrecht l)estritten. Das Bild 
wurde auch dem Pietro Carpaccio zuge- 
schrieben -■- Sammlung Solly, 1821. 
Papp-Iholz, h. 0,74, br. 1,11. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

26 A 



109 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

23 A 



23 



23a Grablegung Christi. Ok- 
kergelbbrauner, von stumpfem 
Grün unterbrochener Gesamt- 
ton, der r. in Ockergelb, 1. in 
Grau übergeht. Graublauer 
Himmel. Der ockergelblich- 
graue Leichnam mit dunkel- 
braunem Haar, ein weißes 
Tuch um die Hüften, ein 
blaues unter dem Kopf, ruht 
auf hellockergelbem, im Um- 
schlage rötlichemLaken. Seine 
obere Umrißlinie hebt sich 
gegen ein auf den Boden ge- 
breitetes grünes, im Umschlag 
blaues Tuch ab. Allenthalben 
ist Rot in verschiedener Ab- 
stufung [Lichtrot im Marmoruntersatz und der verkürzten Säule, Zinnoberrot im Mantel 
des sitzenden Greises, in den drei Männern am Grabe, dem Flöte blasenden Hirten auf 
der Höhe, dem Mantel der Maria stützenden Frau usw., Hellkarmin im Gewände Marias 
und Johannis] und Dunkelblau [Untergewänder der Männer am Grabe, Mantel Marias, 
Staffage r.] verteilt. Blaugrünes Meer und graublaue Ferne. 

Auf dem Sockel des Tisches die falsche, aber alte Bezeichnung; ANDREAS MANTINEA. f. Als Mantegna beschrieben im Ka- 
talog der Sammlung Canonici zu Ferrara [1627]. Die Darstellung ist angeregt namentlich durch die Stelle bei Matth. 27, 52 .'. 
Aus der späteren Zeit des Meisters .". Erworben 1905 .". Eigentum des Kaiser- Friedrich -Museums -Vereins. 
Leinwand, h. 1,45, br. 1,85. 




ich 



ichen 



23 Einsegnung des hl. Stephanus. Klare sonnige Stimmung. Die Landschaft, in bräun- 
und gelbgrünen Tönen, mit hellen weißgrauen Bauten, und hellockergelber Erdboden 

dienen den leuch- 




tenden Farben der 
Figuren, zwischen 
denen überallWeiß 
verstreut ist, alsHin- 
tergrund. Petrus in 
ultramarinblauem 
Gewand und bräun- 
lichgoldgelbem 
Mantel, die Männer 
hinter ihm in kar- 
min - zinnoberroter, 
blauer und dunkel- 
grünerGewandung. 
In den Trachten der 
knienden Diakonen 



110 




überwiegen Weiß, Grauvio- 
lett mit hellblauem Orna- 
ment und Karminrot. Die 
Gruppe r. vorn in kühlen 
grauen Farben. Die vier 
Frauen in karminroter, blau- 
er, goldgelber und gelb- 
grüner südslavischer Tracht 
mit karminroten Kopfbe- 
deckungen. In der Gruppe 
links stehen satte rote, gold- 
gelbe, grüne und ultramarin- 
blaue Farben nebeneinan- 
der. Hellblauer Himmel mit 
weißen Wolken. 

Bez. r-chts unten auf einem Blatt: VICTOR CARPATHIVS FINXIT M ■ D • XI ■ .-. Gehört zu einer Folge von fünf für die 
Scuola di S. Stefano zu Venedig ausgeführten Gemälden aus der Geschichte des hl. Stephanus, von denen sich je eins von 
der Hand Carpaccios jetzt in Stuttgart [Galerie], Paris [Louvre] und Mailand [Brera] befindet. Das zu der Folge gehörige, 
P. F. Bissolo zugeschriebene Triptychon mit den Figuren von drei Heiligen, in der Brera zu Mailand. Unser Bild kam nach 
der Aufhebung der Scuola di S. Stefano [ um 1806 ] in die Sammlung David Weber in Venedig [ Moschini, Guida di Venezia, 
1815], aus der es später in den Besitz Sollys gelangte .■. Sammlung Solly, 1821. 
Leinwand, h. 1,48, br. 2,31. 

IVAancil^fl Giovanni Mansueti. Geboren um 1470 zu Venedi?, gestorben daselbst 1530. Schüler 
IVianSUeil ^„^ Gehilfe Gentlle Bellinis. 

48 Anbetung der Hirten. Ockergelbbraun [Stall] und Ockergelb [Erdboden] geben den 
Grundton an, von dem sich Rot [Mantel Josephs, Gewand des Hirten r.], bräunliches 
Goldgelb [Gewand Josephs, Mantel des Hirten 1., kniender Hirt r., Ochse], Dunkel- 
blau [Mantel Marias], Karminrot [Gewand Marias] 
und Grün abheben. In den Gewändern der Engel 
kehren die gleichen Farben wieder vor hellblauem 
Himmel. Rotbraunes Fleisch. Die grüne Land- 
schaft geht in der Ferne in Blaugrün über. 

Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,14, br. 1,56. 

A «4-^-. j-,/a|]^ Antonello da Messina [Antonello di 
/^IlLUllCllU Salvatored'Antonio, oder degli Antonjj. 
Geboren zu Messina um 1430, gestorben daselbst den 14. 
oder 15. Februar 1479. Unter dem Einflüsse der Eyckschen 
Schule und später des Gio. Bellini ausgebildet. Tätig na- 
mentlich in Messina [bis August 1474 und wieder vom 
14. November 1476 ab] und von etwa 1475 bis 1476 in 
Venedig. 

18 Bildnis eines jungen Mannes. Vor leuchtend 
ultramarinblduem Himmel und grüner Landschaft, 
von der links unten ein Stück sichtbar ist, steht 
Schwarz in der Mütze und Sendelbinde, die das rot- 




Venetiani- 
sche Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

48 



18 






111 



Venetiani- 
sche Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




braune Haar einfassen, bräunlicher im Gewand, 
aus dem die weiße Peizfütterung- hervorsieht. 
Warm gelbbräunlicherTon des Gesichts mit roten 
Lippen. Graue Deckplatte. 

Am unteren Rande der rotbraunen Brüstung steht in goldenen Buch- 
staben die Inschrift : PROSPERANS • MODESTVS • ESTO ■ INFOR- 
TVNATVS • VERO • PRVDENS [Im Glüdc sei bescheiden, im Unglück 
aber klug] .". Bez. auf dem Blättchen : 14 • • Antonellus messaneus 
me pinxit .". Die Zahl, in ihren beiden letzten Stellen undeutlich, ist 
1478 zu lesen [vgl. auch A. M. Zanetti ] .'. Letztes erhaltenes Bild 
des Meisters. Ehemals Sammlung Vitturi in Venedig [1773] nach 
einer Notiz auf der Rückseite .■. Erworben 1832 durch Tausch von 
Solly. 

Nußbaumholz, h. 0,20, br. 0,14. 



18a Bildnis eines jungen Mannes. In hellrotem 
Gewand, aus dem der weiße Kragen hervorsieht. 
Das goldig bräunliche Gesicht wird von rot- 
braunem Haar umgeben und bräunlichschwarzer 
Mütze mit Sendelbinde vor schwarzem Grund. 

Die Farbe des Haars kehrt in den Augen wieder. An der graubraunen Brüstung ist 

ein weißer Zettel befestigt. 

Bez. auf dem Papierblättchen an der Brüstung: ■ 1474 * Antonellus messanus me pinxit .•- Ehemals Sammlung Hamilton .*. 
Erworben 1889 in Paris. 

Pappelholz, h. 0,32, br. 0,26. 

AI 11 Antoneilo da Saliba. Zeichnet sich Antonellus de Saliba oder Antonellus 

IILOIICIIU Messanensis. Geburts- und Todesdatum unbekannt. Tätig nach den Daten auf seinen 
Bildern und nach urkundlichen Nachrichten etwa 1497 — 1535. Namentlich in Messina unter dem Einfluß 
der Werke des berühmteren Antoneilo gebildet, und wahrscheinlich kurze Zeit in Venedig [vor 1497] 
unter dem Einflüsse des Cima da Conegliano. 

8 Der hl. Sebastian. Die ganze Darstellung ist ein- 
heitlich in braunem Tone gehalten vor hellblauer 
Luft. Der Heilige mit dem dunkelbraunen, gegen den 
Himmel gelblich aufgelockertem Haar ist an rotbraunen 
Stamm gefesselt und von rotbraunen Pfeilen durch- 
bohrt. Ockergelblicher Körper mit grauen Schatten 
und zinnoberrotem Blut an den Wundstellen. Schwarz- 
braune Brüstung. 

Bez. auf der Brüstung: • ANTONELLVS ■ MESANEVS • P ■ .-. Freie Wieder- 
holungen in den Galerien zu Frankfurt a.M., Bergamo und in Padua [früher 
Casa Maldura] .'. Sammlung Solly, 1821. 
Rotbuchenholz, h. 0,46, br. 0,35. 

13 Maria mit dem Kinde. Bräunlicher Fleischton mit 
grauen Schatten. Dunkelbraunes Haar des Kindes, 
das auf ockergelbbrauner Brüstung steht. Maria in 
dunkelkarminrotem Gewand und dunkelblauem, am 
Rande mit gelber Stickerei geziertem Mantel, der 




112 



über das bräunlichweiße, mit goldgelber 
Kante gezierte Kopftuch gelegt ist. Goldene 
Nimben. Vor blaugrüner, in den Tiefen 
bräunlich schimmernder Landschaft und 
grünlichblauem Himmel, der am Horizont 
rötlich gefärbt ist. 

Bez. auf der Brüstung: • ANTONELLVS ■ MESSANESIS • P ■ 
Das Bild stammt aus Treviso und wurde, nach Ridolfi und 
Federici, von A. für Caterina Cornaro gemalt, von dieser 
aber an eine ihrer Damen verschenlct, die sich zu Treviso mit 
einem Conte Avogaro vermählte. Im Besitze dieser Familie 
befand sich das Bild noch im Anfange des 19. Jahrhunderts .*. 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,69, br. 0,54. 



Antonello ä'e's!:, 



des Antonello da 



25 Bildnis eines jungen Mannes. Vor 
schwärzlichgrünem Grund steht tiefes Rot 
in der Kappe und im Gewand, aus dem am 
Kragen und den Schlitzen der Ärmel das 
dunkelsaftgrüne Untergewand zum Vor- 
schein kommt. Warm rotbraunes Fleisch 
mit weißlichen Lichtern, von dunkelbraunen Haaren umgeben. Weißer Kragen. 




Venefiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

13 



Vielleicht der Schule von Murano angehörig . 
Pappelholz, h. 0,38, br. 0,50. 



Erworben 1841/42 in Italien. 



Bll* • Giovanni Bellini. Geboren zu Padua oder Venedig um 1430, gestorben zu Venedig den 
Cllini 29. November 1516. Schüler seines Vaters 
Jacopo, in Padua [zv^schen 1450 und 1462] unter 
dem Einflüsse seines Schwragers Andrea Mantegna 
weiter gebildet. Tätig in Venedig, wo er sich seit 
dem Aufenthalt Antonellos da Messina in Venedig 
nach dessen Vorgang der Ölmalerei zuwandte. 

1177 Maria mit dem Kinde. Leuchtendes 
Zinnoberrot im Mantel der Madonna steht 
vor bräunlichsaftgrüner, nach der Ferne in 
Blaugrün übergehender, mit grauem Ton 
untermalter Landschaft und schwärzlich- 
blauem Himmel mit gelblichweißem Hori- 
zont Wie in der Landschaft und in den 
Gewändern ist die braune und grüne Unter- 
malung auch in den Schatten des hellocker- 
gelblichen Fleisches, das besonders in den 
Gesichtern durch Rot erwärmt wird, sicht- 
bar. Bräunlichkarminrotes Gewand Marias. 
Das Kind mit rotbraunen, im Lichte gelb- 
lich schimmernden Haaren, in blaugrün und 




25 



113 



Venetiani- 
scfie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1177 



violett schillerndem Kleide mit braunroter Borte, 
durch das die rotbraune Untermalung durchkommt, 
steht auf hellockergelber Brüstung, auf der ein hell- 
gelber Apfel liegt. 

Eine der frühesten Arbeiten des Meisters. Ein ähnliches Bild, ebenfalls 
Original, im Museo Civico zu Verona .". Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,67, br. 0,49. 

10a Maria mit dem Kinde. Leuchtendes Karminrot 
des Vorhangs und tiefes Blau in dem mit goldener 
Kante gezierten Mantel Marias bilden den Haupt- 
kontrast. Aus den vollen Farben hebt sich hell der 
warme bräunlichockergelbe Fleischton mit graugrün- 
lichen Schatten heraus. Maria in bräunlichgold- 
gelbem, karminrot gemustertem Brokatgewand, aus 
dem an den Armein das grauweiße Hemd hervor- 
sieht. Das Kind mit rotbraunen Haaren trägt ein 
dunkelblaugrünes Kleid, das auf der Schulter von 

dunkelbrauner, mit Altgold ornamentierter Rosette zusammengehalten wird. Graue 

Brüstung. 




Bez. auf der Brüstung: lO ANNES BELLINVS ■ P • .-. Aus der früheren Zeit des Meisters . 
ebenfalls Original, in S. Maria dell' Orto zu Venedig -■. Erworben 1905. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,755, br. 0,53. 



Ein fast übereinstimmendes Bild, 



28 Der tote Christus mit Engeli 



10 A 




Der ockergelbliche, grünlich schimmernde Körper 
mit hellbrauner Modellierung, aus dessen Seiten- 
wunde rotes Blut fließt, den Schoß bedeckt von 
blutbeflecktem, weißem, in den Schatten bläulichem 
Linnen, hebt sich von hellrosafarbenem Tuch ab. 
Das Antlitz mit bläulichen Reflexen umrahmt dunkel- 
rotbraunes Haar und etwas lichterer Bart. Die 
Engel in grünlichgrauen und violettgrauen Ge- 
wändern mit rotbraunen Schatten. Rotbraunes Haar, 
warmer Fleischton mit gelbgrünen Schatten. Die 
Flügel sind weißgrau mit blaugrünen, zinnoberroten 
und grauen Tönen. Blaugrüner Himmel. 

Aus des Meisters früherer Zeit und unter dem Einflüsse des Andrea 
Mantegna [um 1465] .". Sammlung SoUy, 1821. 
Tempera. Pappelholz, h. 0,82, br. 0,66. 

1177a Die Auferstehung Christi. Vor rötlichem 
Morgenhimmel mit hellroten und bräunlichenWolken, 
der am Horizont hellgelb gefärbt ist und nach oben 
in tiefes Ultramarinblau übergeht, schwebt die rosa 
bestrahlte Gestalt Christi mit rotbraunem Haar, 



114 



weißem, in den Schatten blauem Lendentuch 
und weißer Fahne mit zinnoberrotem Kreuzes- 
zeichen und Schaft. Die in bräunlichen und 
gelbgrünenTönen gehaltene Landschaft, dunkler 
in der Ferne, wo über dem Turm ein tief- 
blauer Bergzug- auftaucht, geht nach vorn in 
blaugrünliche und hellgraue Töne über. Weiß- 
grauer Erdboden, auf dem die hellockergelbe 
Grabplatte liegt. Der Wächter links, der vor 
ockergelbem Felsen und bräunlichschwarzer 
Grabesöffnung steht, in olivgrünem und licht- 
rotem Panzer, unter dem der ultramarinblaue 
Rock sichtbar ist, in gelben, innen zinnober- 
roten Stiefeln, auf dem graublauen, karminrot 
gefütterten Helm mit goldgelbem Beschlag 
rosarote Federn; der schlafende in karminroter 
und goldgelbbrauner Rüstung über weißem 
Rock, vor grünlichgrauem Felsen. Der braun- 
rote Ton im Körper des am Boden kauernden, 
dessen Hüften ein bräunlichgelber Schurz umhüllt, wiederh 
braunemGestein lehnenden Schild. 
Der aufblickende Wächter rechts 
in grauem Panzerhemd, stumpf- 
gelbgrüner und hellroter Tracht 
mit weißen Beinkleidern und mit 
rotbraunem Lanzenschaft. Rot- 
braune Fleischfarbe. Die drei 
Marien auf dem Wege zum Grab 
in ultramarinblauen, violetten, kar- 
minroten, weißen und zinnober- 
roten Gewändern. 



Aus der mittleren, noch von Mantegna beein- 
flußten Zeit des Meisters [vor 1478]. Gemalt für 
die Kirche S. Michele di Murano vor Venedig 
und zuerst erwähnt bei Franc. Sansovino, später 
von Ridolfi Ijeschrieben als „Cima". Erst wahr- 
scheinlich bei Aufhebung des Klosters [1810] 
wurde das Bild veräußert und kam in den Besitz 
des Conte Roncaüi zu Bergamo. Ehemals dem 
Cima da Conepliano zugeschrieben. Die Figur 
des sitzenden ooldaten kommt auf einem Stich 
vor, der dem Mocetto zugeschrieben wird .". 
Erworben 1 903. 

Pappelholz, h. 1,48, br. 1,28. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 
28 



olt sich in dem rechts an grau- 




115 



Venetiani- 
sdie Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




11 Maria mit dem Kinde. Maria in dunkelblauem 
Mantel, der über das leuchtend weiße, in den 
Schatten graue Kopftuch gezogen ist, und tief- 
karminrotem Gewand. Weicher goldigbrauner 
Fleischton mit durchwirkendem Grau in den Schat- 
ten. Das Kind steht auf rotbrauner Brüstung. Vor 
gedämpft bräunlichkarminrotem, mit gelben und 
grünen Sternen geziertem Teppich und blauer 
Luft. Zu den Seiten ist bräunlichsaftgrüne Land- 
schaft sichtbar. 

Bez. auf der Brüstung: lOANNES BELLINVS ■ .-. Zwei ähnliche Ma- 
donnen in der Ai<ademie zu Venedig [Nr. 94 mit der Jahreszahl 1487] .'. 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,77, br. 0,56. 

10 Maria mit dem Kinde. Vor Goldgrund mit 
eingepreßten Nimben und Strahlen Maria in 
blauem, innen dunkelgelbgrünem Mantel, das Kind 
in weißem Hemd mit violettgrauen Schatten. Auf 

den rotbräunlichen Ton des Inkarnats ist das bräunlichkarminrote, an den Rändern mit 

gelben Stickereien gezierte Gewand der Madonna gestimmt. 

Eine ganz ähnliche Darstellung, ebenfalls Original, in der Galerie zu Bergamo. Eine Schulkopie in der städtischen Samm- 
lung zu Treviso .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,54, br. 0,42. 

06llini Kopie nach Giovanni Bellini. 

36 Darstellung Christi im Tempel. Vor schwarzem Grund stehen die Figuren in 
rotbraunem Ton, der besonders im Fleisch zum Vorschein kommt, auf den aber auch 

alle roten und gelben Töne gestimmt sind. Über das 
weiße Kopftuch Marias ist der ultramarinblaue Mantel 
gelegt, dessen graublaue, braunrot changierende In- 
nenseite als Unterlage für das Kind über den rot- 
braunen Tisch gebreitet ist. Vorn ist ein Stück des 
grauvioletten Gewandes sichtbar. Simeon, der das 
Kind in Empfang nimmt, trägt über grauem Chor- 
hemd ein grünes, mit lichtrotem Besatz verziertes 
Ornat, aus dem bräunlichrote Ärmel hervorkommen. 
Dazwischen erscheint im Mantel Josephs Goldgelb 
über bräunlich karminrotem Gewand, ganz links bräun- 
liches Karminrot im Mantel der Frau, deren Haar ein 
gelblichbraunes Tuch umhüllt, über dunkelgrünem Ge- 
wand. Der Fleischton in den Köpfen der Frauen 
und dem Körper des Kindes ist lichter und kühler 
als in den männlichen Figuren. Goldene Nimben. 




116 



Ehemals dem Gio. Bellini selbst zuge- 
schrieben. Nach Crowe & Cavalcaselle 
Kopie von Gio. Mansueti. Unter den 
vielen Wiederholungen dieser Darstel- 
lung, denen wohl ein verloren gegan- 
genes Original BelUnis zugrunde liegt, 
die beste im Museo Civico [Correr] zu 
Venedig .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,72, br. 1,02. 



BIT* • Schule des Giovanni 
ellini Bellini. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

36 



3 Segnender Christus. 
Kühle silbrige Färbung. Vor 
hellblauem Himmel, der mit 
weißen und grauen Wolken 
bedeckt ist, und vor bräun- 
lich gelbgrüner Landschaft 
mit graubraunen Architek- 
turen, hinter denen blaugraue Bergketten sichtbar werden, steht Christus in stumpf- 
blauem Mantel über hellkarminrotem Gewand, das durch goldgelben Gürtel zusammen- 
gehalten wird. Dunkelgrün gebundenes Buch mit goldgelbem Schnitt. Den warmen 
bräunlichen Ton des Antlitzes umgibt braunrotes Haupt- und Barthaar. Gelbgrünes 
Blattwerk ragt in das Bild hinein. 

Ein nahe verwandtes Bild mit der ganzen Figur Christi in der Galerie zu Dresden wird dem Cima zugeschrieben .-. Samm- 
lung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,04, br. 0,87. 



12 Bildnis zweier jungen venetianischen Edelleute 
wiegen. Schwarze Kappen und Schauben. 
Das blasse gelblichbraune Antlitz des 
Linken umgibt blondes gelbbraunes Haar, 
dessen Farbe gedämpft im Pelzbesatz der 
Schaube wiederkehrt. Der Rechte, mit 
wärmerer rotbrauner Fleischfarbe, kräftig 
roten Lippen und schwarzem Haar, trägt 
über weißem Hemd und graurötlichem, 
dunkel gemustertem Brokatunterkleid eine 
Schaube, deren schwarzgefleckter Pelz- 
besatz von Weiß nach Rotbraun übergeht. 
Vor dunkelbraunem Hintergrund. 

Eine spätere Wiederholung des Bildes im Louvre, mit dem Mj^ 
Unterschiede, daß hier die Figuren ihre Plätze getauscht ^ jf 

haben und vor einen landschaftlichen Hintergrund gestellt 
sind .'. Sammlung Solly, 1821. 
Leinwand, h. 0,43, br. 0,61. 



Rotbraune Töne über- 




117 



Venetiarii- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



1664 




Venetianischer Meister 



um 



1500 



1664 Bildnis eines Deutschen. Vor 
grauer Wand, die rechts ein karmin- 
roter Vorhang verdeckt, steht in warmen 
rötlichbraunen, mit Grau durchsetzten 
Tönen das von bräunlichockergelbem 
Haar umgebene Antlitz mit blaugrünen 
Augen. In schwarzer Kappe und gleich- 
farbiger Schaube, die mit rotbraunem 
Pelz besetzt ist. Auf der Brust ist das 
weiße goldgestickte Hemd sichtbar, 
dessen gelbbraune Borte von eingestickten grünen Ranken mit blauen Blüten durchzogen 
ist. Durch den Fensterausschnitt Ausblick in blaugrüne, in der Ferne hellblaue Gebirgs- 
landschaft mit der Stadt Trient und ultramarinblauen Himmel mit weißen und graublauen 
Wolken. — Auf der Rückseite der Tafel ist ein nacktes Liebespaar in einer in grauen, 
schwarzen und bräunlichen Tönen gehaltenen Halle mit goldigockergelben Seitenfenster- 
gewänden und altgoldenen Profilen, auf gedämpft lichtrotem Boden stehend, dargesteUt. 
Helle, ockergelbbraune Körper mit grauen Lichtern. Das Weib mit ockergelbem Haar 
hält einen kleinen Gegenstand [Spiegel?] in der Rechten. Rechts leuchtet das tiefe 
Karminrot eines Tuches, das von leuchtend gelbgrünem Grunde sich abhebt. Die Dar- 
stellung ist von grauschwärzlichem Fensterrahmen eingefaßt, auf dessen Brüstung ein 
graues Wasserglas mit weißen Reflexen und einem grünen Zweig steht. 




Sammlung Pourtales, Paris 1865; Ulame, Paris 1904 , 
aus der Sammlung Rudolf Kann, Paris. 
Pappelholz, h. 0,575, br. 0,425. 



Erworben 1907 



r^ima Giovanni Battista da Conegliano, gen. Cima. 

V.^1111CI Zeichnet sichJoannes Baptista Coneglianensis, 
oder bloß Joannes Baptista. Geboren vermutlich zu 
Conegliano 1459 oder 1460, gestorben den 2. [?] September 
1517 oder 1518. WahrscheinHch Schüler Bartolommeo Mon- 
tagnas inVicenza [1488 dort nachweisbar], später in Venedig 
namentlich unter dem Einflüsse Gio. Bellinis «weitergebildet. 
Tätig zu Udine und Conegliano, zu Venedig [1492 — 1516] 
und wieder in Friaul. 



Maria mit dem Kind und dem Stifter. Vor 
dunkler, in rotbraunen und saftgrünen Tönen ge- 
haltener Landschaft, die im Hintergrund von 
einem hellgraublauen Bergzuge unter goldgelbem 
Horizont und hellblaugrauer Luft mit bräunlichen 
und weißen Wolken begrenzt wird, sitzt Maria 
in dunkelblauem Mantel über bräunlichweißem 



118 




Kopftuch und karminrotem Gewand. 
Die Gestalt des Stifters mit dem 
rotbraunen Haar, in violettbraunem 
Gewand, ist auf den dunklen Ton 
der Landschaft gestimmt. Warme 
goldigbraune, durch Grau gedämpfte 
Fleischfarbe. Im Hintergrunde das 
Schloß Colalto bei Conegliano. 

Bez. auf einem Blättchen in der Ecke rechts unten : 
joanes baptista Coneglanensis .". Frühes Werk des 
Meisters .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,66, br. 0,90. 

15 Heilung des Anianus. Von 
lichter, farbiger [lichtrot, hellgrau, 
ockergelblichweiß] Architektur mit graublauen, rotbraunen und gelblichen Marmor- 
füUungen und graublauen Dächern [gemeint ist der Marktplatz von Alexandria] und 
von bräunlichockergelbem Boden hebt sich die Figurengruppe in tiefen leuchtenden 
Lokalfarben, besonders Ultramarinblau, Rot, Grün und Rotgelb, ab. Der Schuster Anianus 
in blauem Kittel mit gelbrotem Schurz. Blau, Zinnober und Gelbgrün in dem gestreiften 
Gewände des Mannes links hinter ihm. Diesem zur Seite ein anderer in weißem, blauge- 
mustertem Rock, der von hellkarminroter Schärpe zusammengehalten wird. Auf seinen 
Arm legt die Hand der Zuschauer 
hinter diesem in violettem, saftgrün 
gestreiftem Gewand mit gelbem Kragen 
und karminrotem Unterkleid. Markus in 
karminrotem Gewand und ultramarin- 
blauem, im Umschlage gelbgrün -rosa 
schillerndem Mantel. Sein Begleiter 
in graublauem Mantel über gelb -rosa 
schillerndem Gewand. Der vom Rücken 
gesehene Zuschauer in rotgelbem Ge- 
wand, dem zur Seite Graubraun steht. 
Der Reiter auf dunkelrotbraunem Pferd, 
in hellgrünem Gewände mit gelbem 
Kragen und bräunlichzinnoberroterPelz- 
mütze. Gedämpftes Weiß der Turbane. 
Dunkelrotbraunes Fleisch. Hellblauer 
Himmel. 

Gemalt um 1499. Nach Boschini ehemals in der Kirche 
der Gesuati in Venedig. Es bildete mit drei anderen 
Gemälden von verschiedenen Meistern einen Zyklus, 
der das Leben des hl. Markus zum Gegenstand hatte. 
Eine Zeichnung zum Giebelschmuck im Berliner Kupfer- 
stich -Kabinett .". Ganz links unten als Reste der Be- 
zeichnung: TA AP .•. Sammlung Solly, 1821. 
Papp. 'holz, h. 1,72, br. 1,35. 



Venefiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




15 



119 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



2 Thronende Maria mit dem Kind und die 
hl 1. Petrus, Romualdus, Paulus und Bruno. 
Bunte Lokalfarben in heller Sonnenbeleuchtung. 
Vor g-elbgrünem Teppich und hellblauer Luft 
mit weißen Wolken, auf ockergelblichem Marmor- 
thron mit goldgelber Bekrönung, braunroten 
Füllungen und violettgrauem, von rötlichbraunen 
Säulen eingefaßtem Sockel über sonnig-ocker- 
gelben Stufen, thront Maria, mit weißem Kopf- 
tuch, in karminrotem Gewand, das ein hellblauer 
Gürtel zusammenhält, und ultramarinblauem [im 
Umschlag gelbgrün -rosa schillerndem] Mantel. 
Goldgelbe Haare des Kindes. Grünlichgraue 
Fleischschatten. Links stehen Petrus in gold- 
gelbem Mantel über hellblauem Gewand mit 
einem Buch in blaugrünem Einband und Ro- 
mualdus in gelblich weißer Ordenstracht, mit 
schwärzlichen Schatten, beide mit dunkelrot- 
braunem Inkarnat, rechts Paulus in hellkarmin- 
rotem Mantel über grünem Gewand, einen gelb- 
lichen Pergamentband mit violettem Schnitt 
haltend, und Bruno in gelblichweißer Tracht, in 
zinnoberrotem Buche lesend, beide mit grau- 
brauner Fleischfarbe. Die ockergelbliche Architektur ist oben grau beschattet. Das 
goldene Mosaik der Kuppel zeigt, der Darstellung in der Vorhalle von S. Marco nach- 
gebildet, die Geschichte Josephs in gedämpften Farben. 

Bez. auf dem Blättchen an den Stufen des Thrones: Joannis bapiste Coneglianesis opus .'. Aus der mittleren Zeit des Meisters 
[um 1495 ]. Das Bild befand sich ehemals auf der Insel S. Michele, zwischen Venedig und Murano, und hing zu Boschinis Zeiten 
in der Sakristei der Camaldulenserkirche .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 2,06, br. 1,35. 

17a Küstenlandschaft mit zwei kämpfenden Männern. Die rotbraune Untermalung 
durchdringt das Saftgrün der Rasenfläche im Vordergrund und des Bergrückens im Mittel- 
grund. Links führt ein ockergelber Weg zum Meeresstrand, an dem ein schwärzlich- 

^ braunes Schiff liegt. Der hellblaue 

Himmel wird von durchsichtig blau- 
grünen Gebirgen begrenzt. Gedämpftes 
Zinnoberrot, Goldgelb und Dunkelblau 
in den Gewändern der kämpfenden 
Männer, Weiß im Kleide des Flöten- 
spielers. 

Früher in der Ashburnham -Sammlung zu London -■. 
Vielleicht ursprijnglich als Schmuck eines venetia- 
nischen Prachtmöbels gemalt .*. Erworben 1901 aus 
dein englischen Kunsthandel. 

Pappelholz, h. 0,32, br. 0,53. 





120 



17 Maria mit dem Kinde. In der kühlen Ge- 
samtstimmung herrscht Blau vor. Die braune 
Untermalung' wirkt im Fleisch mit Grau zu- 
sammen. Das graublaue, in den Lichtern hell- 
gelbe Kopftuch Marias, unter dem ein durch- 
sichtiger, weißer, mit blauen Blumen bestickter 
Schleier liegt, fällt über das karminrote Gewand 
herab, aus dem hellblaue, rosa schillernde Ärmel 
hervorkommen. Der dunkelultramarinblaue 
Mantel schillert im Umschlag gelbgrün und rosa. 
Das Kind hält einen braunen Stieglitz mit kar- 
minroter Brust. Bräunlichgrauer Marmorsitz. 
Vor grüner Landschaft mit bräunlichen Einzel- 
heiten und graublauer Ferne unter goldocker- 
gelbem Horizont und hellultramarinblauem 
Hinimel mit weißgrauen Wolken. Braunrote 
Brüstung im Vordergrund. Goldene Nimben. 

Bez. auf der Brüstung: • lOVANNESBAPTISTA ■ CONEIS • P .-. Aus der späteren Zeit des Meisters .-. Eine kleinere 
Originalwiederholung mit einigen Veräriderungen in der National Gallery zu London .*. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,62, br. 0,51. 




Venetiani- 
s<Jie Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



V^irnS Schule des Cima da Conegliano. 

44a Maria Magdalena von Engeln emporgetragen. Vor ultramarinblauem Himmel, 
der nach unten zu in einen graueren Ton übergeht, schwebt Magdalena, ganz eingehüllt 
in bräunlichgoldgelbes Haar, auf dessen Farbe das in ockergelblichbraunen und grauen 
Tönen gehaltene Fleisch gestimmt ist, getragen links von Engeln in grauweißen, rötlich- 
gelbgrün schillernden, und grünen, rechts von Engeln in karminroten, goldgelben und 
graublauen Gewändern, mit graublauen, karminroten, grünen und weißgrauen Flügeln. 
Das Fleisch der Engel ist im 
Gegensatze zur Heiligen in 
lichterem, ockergelbbräun- 
lichem Ton gehalten. 

Wohl Ausschnitt aus einem größeren Bilde .'. 
Sammlung Solly, 1821. 

Leinwand auf Holz, h. 0,95, br. 1,23. 



Cl ^-. „ Nachfolger des Giovanni 
"1'" Battista da Conegliano, 
gen. Cima. 



42 Die hll.Lucia, Magdalena 
und Katharina. Kühle, nach 
Graublau neigende Gesamt- 
färbune Lucia in hellblauem 




121 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



Gewand mit hellkarminrot geschlitzten, im Um- 
schlag weißen Ärmeln und hellkarminrotem 
Mantel, auf grauem Sockel. Die Farben in 
den Gewändern der Seitenfiguren sind ge- 
dämpfter: Magdalena in mattgoldgelbem Mantel, 
graublauem, in den Lichtern rosafarbenem Ge- 
wand mit dunkelkarminrotem Besatz und gelb- 
grün gefütterten Armein, einen grauen Kelch 
in den Händen; Katharina in hellkarminrotem 
Gewand mit ultramarinblau gefütterten Armein 
unter gelbgrünem, innen mattgelbem Mantel, 
ein hellkarminrotes Tuch um das Haar ge- 
wunden. In dem ockergelblichen Fleischton 
wirken graue Töne mit. Braunes Haar. Licht- 
roter Boden und graue Pfeiler, mit dunkel- 
braunen Füllungen, zwischen denen der Be- 
schauer in bräunlichsaftgrüne Landschaft mit 
ultramarinblauem See und Gebirgen unter gold- 
gelbem Horizont und blauem Himmel mit bräunlichgrauen Wolken blickt. 

Sammlung Solly, 1821 




Leinwand, h. 1,38, br. 1,19. 



l\/r QWi silfi Marco Marziale. Geboren zu Venedig. Tätig nach urkundlicher Nachricht seit 1489 und 
iVldl Z.lClxC nach dem Datum auf unserem Bilde bis 1507. Vermutlich Schüler Gentile Bellinis, an- 
scheinend von Dürer beeinflußt. Tätig zu Venedig [ 1492 in der Sala del Maggior Consiglio beschäftigt, 
1493 Mitglied der Scuola grande di S. Marco], einige Zeit zu Cremona [seit etwa 1500 bis 1507]. 

1 Christus inEmaus. Ockergelb im Erdboden mit schwärzlichgrünen Gräsern, im Mittel- 
grund untermischt mit hellem Gelbgrün, Graublau in der Ferne unter gelblichem 
Abendhimmel, der nach oben in Hellblau übergeht, mit zinnoberroten Wolken, um- 
rahmt von schwärzlichgrünem Laub, die- 
nen den meist nach Grau gebrochenen 
Farben in den Gewändern der Figuren 
als Hintergrund. Die kräftigsten Farben 
sind in der Gewandung Christi vereinigt: 
Blau im Mantel, Zinnoberrot im Gewand, 
das ein graublaues Untergewand deckt. 
Der Jünger 1. mit grauem Hut, in gelb- 
grünem Gewand unter goldgelbem Man- 
tel, dessen Farbe im Mantel des Jüngers 
r. wiederkehrt neben Graublau in den 
Ärmeln. Neben Weiß [Tischtuch] und 
Grau ist überall Schwarz verstreut: im 
Mantelkragen Christi, des Jüngers r., dem 
Gewände des Stifters, das unter karmin- 




122 




roter, mit bräunlichgrauemPelz besetzter 
Schaube sichtbar ist, der Kappe des in rosa 
schillerndes Grün gekleideten Knaben 
[anscheinend des Sohnes des Stifters], 
den Stiefeln derjünger. Rotbraunes Haar. 

Bez. unten rechts auf einem Blättchen: MARCHUS 
MARZIALVENETVS • P ■ M ■ D ■ VII • .•. Eine ähnliche 
Darstellung des Meisters, bez. und dat. 1506, in der Aka- 
demie zu Venedig .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,19, br. 1,43. 

S6 Christus in Emaus. Von gelbgrü- 
nem Vorhang und weißer, rotgestreifter 
Wand r. heben sich die Figuren in lichten, 
bunten Farben ab. Christus, mit rotbrau- 
nem Haar, in hellkarminrotem Gewand und hellblauem, im Umschlag bräunlichgrauem 
Mantel. Hellblau kehrt wieder im schwärzlichgrün gestreiften Rock mit hellrotem Kragen 
der Figur r. daneben, Hellkarmin im Mantel des 1. sitzenden Jüngers über goldgelbem 
Gewand. Der Jünger r. in grünem, innen zinnoberrotem Mantel über ockergelbem Ge- 
wand, dessen Farbe sich im Gewände des Mannes mit karminroter Kopfbedeckung, 1. 
neben Christus, wiederholt. Weiß im Tischtuch, auf dem blaugrüne Becher und Kanne 
stehen, und den Kopftüchern der beiden r. sitzenden Gestalten. Weiße und schwärzlich- 
grüne Bodenfliesen. 

Offenbar Kopie nach einem verschollenen Original Gio. Bellinis. S. Monaco, Raccolta di opere scelte II, 91 .". Erworben 
aus dem Londoner Kunsthandel .". Sammlung James Simon .■. Pappelholz, h. 0,43, br. 0,55. 

D'i.! Marco Basalt i. Von griechischen Eltern geboren im Venezianischen. Geburts- und Todesjahr 
Udo dl LI unbekannt. Schüler und Gehilfe des Alvise Vivarini, dann vermutlich des Gio. Bellini. Tätig zu 
Venedig von 1490 bis mindestens 1521. 

6 Klage um den Leichnam Christi. Hell beleuchtet stehen die Figuren, in buntfarbige 
Gewänder gekleidet, hart vor schwarzem Grund. Ockergelblichgrauer Fleischton, rot- 
braun in den Köpfen der drei Männer. Dunkelrotbraune Haare. Den Schoß Christi 
verhüllt ein weißes Tuch. Maria in hellultramarinblauem Mantel über karminrotem Ge- 
wand, dessen Farbe im Mantel des Johannes über violettblauem Gewand wiederkehrt. 
Links Nikodemus in goldgelbem, 
mit graubraunem Pelz besetztem 
Mantel, r. Magdalena in grünem 
Kleid, hinter ihrjoseph vonArima- 
thia in ultramarinblauem Mantel. 

Von einer alten goldenen Inschrift finden sich 

oben rechts noch die Reste : • lOAN ' ■ I ' B 1 ■ 

P * .'. Aus der frühen Zeit des Meisters .". 
Eine solche Komposition von Basaiti wird von 
Boschini u.a. in einer Cappellina inS. Francesco 
della Vigna zu Venedig erwähnt, wo sie sich bis 
1819 befand .'. Gehört zu den häufigen Wieder- 
holungen der Beweinung Christi [mit Verände- 
rungen], welche zumeist auf den Namen Gio. 
Bellinis getauft sind, aber, sämtlich von Schülern 
oder Nachfolgern des Meisters ausgeführt, wohl 
auf ein verschollenes Werk Bellinis zurück- 
gehen .*. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,60, br. 0,86. 




Veneiiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

S6 



123 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




1262 Maria mit dem Kinde. Kühle Färbung. Lichtes 
graubräunhches Fleisch. Das Kind hebt sich von dem 
ultramarinblauen, im Umschlage grünen,violett schillern- 
den Mantel ab, der das tiefkarminrote Gewand Marias 
deckt. Der leuchtend grüne Vorhang ist hinter dem 
weißen Kopftuche Marias umgeschlagen, so daß die 
tiefkarminrote Rückseite sichtbar ist. Unter weißlich- 
blauem Himmel bräunlichsaftgrüne Landschaft mit 
hellblauer Ferne. 



Bez. rechts unten: MARCHO BAXAITI • 
Pappelholz, h. 0,63, br. 0,47. 



. Sammlung Solly, 1821. 



37 Der hl. Sebastian. Der goldigbraune Körper des 
Heiligen, dessen Haupt dunkelrotbraunes Haar um- 
gibt, steht, an graue Säule gefesselt, auf lichtroter 
Terrasse, die mit dunkelolivgrünen und rotbraunen 
Fliesen belegt ist. Die Landschaft ist in dunkel- 
bräunlichem Ton gehalten, mit gelbgrünen Hängen, rotbräunlichem Gemäuer und bräunlich- 
saftgrünen Büschen. Als belebende Farbe dient blasses Blau im Hüftschurz des Heiligen, 
in dem von grauweißen Wolken bedeckten Himmel und im Spiegel des Flusses. 

Bez. auf derPlinthe der Säule: ■ MARCVS BASAITI ■ P ■ .-. Eine kleinere Ori- 
ginalwiederholung mit geringen Abweichungen in der Galerie Dorta zu Rom. 
Eine zweite ganz verwandte Darstellung in S. Maria della Salute zu 
Venedig .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 2,17, br. 1,02. 

B'i* Pseudo - Basaiti. So wird neuerdings ein dem Basaiti 
"^•ÜLl verwandter anderer Schüler Bellinis genannt, dessen Werke 
früher unter dem Namen Basaitis gingen. 

4 Beweinung Christi. Mit graubrauner Modellierung 
und dunklem, rötlichbraunem Haar stehen sonnenbe- 
leuchtet die Körper vor blauem Himmel. Goldigocker- 
gelb leuchtet der Körper Christi, dessen Schoß ein grau- 
weißes Tuch verhüllt; in dunklerem rotbraunem Ton ist 
das Inkarnat Marias und Johannis gehalten. Über dem 
weißen, in den Schatten grauen Kopftuch Marias 
liegt der dunkelultramarinblaue Mantel, unter dem das 
gedämpft karminrote Gewand sichtbar ist. Ultramarin- 
blau kehrt wieder im Gewände des Johannes unter leuch- 
tend gelbgrünem, im Umschlag hellkarminrotem Mantel 

Die vielfach in Wiederholungen und Kopien vorkommende Darstellung geht 
wohl auf ein Original aus der Spätzeit des Gio. Bellini zuriick .'. Sammlung 
Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,68, br. 0,86. 

20 Altartafel in vier Abteilungen. Untere Ab- 
teilungen. Kühle, auf Grau gestimmte Färbung. Links: 




124 




Der hl. Hieronymus, in silbergrauem 
Gewand, karminviolettem Mantel und 
zinnoberroter Kappe, mit gelbbräun- 
lichem Schriftband. In der Mitte: Jo- 
hannes d. T. mit dunkelrötlichbraunem 
Haar, in leuchtend gelbgrünem, im 
Schatten smaragdgrünem Mantel über 
schiefergrauem Gewand. Rechts: 
Der hl. Franziskus, in gelblichgrauer 
Kutte, von der sich ein braunrotes 
Buch mit hellgelbem Schnitt abhebt. 
Die Häupter umgeben gelbbraune 
Nimben. Die Gestalten, mit dunkelrot- 
braunem, mit Grau gedämpftem Fleisch- 
ton, stehen vor heller, sonniger Land- 
schaft nnd werfen graublaue Schatten auf den grauen und ockergelblichen Steinboden. 
Hellgrüne Wiese vor grau- und hellblauer Ferne und weißlichblauem Himmel mit graublauen 
Wolken. — Obere Abteilung: Maria mit dem Kind und die hll. Katharina von Siena 
und Veronika. Vor dunkelgrünem Teppich mit roter Kante und ultramarinblauem Himmel 
mit weißen Wolken sitzt Maria in 
weißem Kopftuch, blauem, innen 
gelbgrünem Mantel über schwärz- 
lichkarminrotem Gewand. Sie stützt 
die Linke auf ein bräunlichrotes 
Buch. Katharina mit weißem Kopf- 
tuch, das über die schwarze Tracht 
fällt, und braunrotem Kreuz. Vero- 
nika mit hellzitrongelbem Kopftuch, 
in karminrotem Mantel über oliv- 
grünem, rötlich schimmerndem Ge- 
wand. Lichtes bräunlichgraues In- 
karnat. Gelbbraune Nimben. 



Nach Boschjni [1674], der es als ein Werk Cimas 
aufführt, befand sich das Bild noch im 17. Jahr- 
hundert auf der Insel S. Cristoforo zwischen Vene- 
dig undMurano. Es ist das Werk eines dem Marco 
Basaiti verwandten, von Dr. Ludwig ,,Pseudo- 
Basaiti" benannten und in seiner Eigenart charak- 
terisierten Künstlers, eines dem Namen nach un- 
bekannten Gehilfen Gio. Bellinis. Er ist mit Andrea 
Busati identifiziert worden, von dem sich ein be- 
zeichnetes Bild in der Akademie zu Venedig be- 
findet. Eine Originalzeichnung zum hl. Hierony- 
mus im Louvre. Kopie der Mitteltafel, angeblich 
von Mocetto, in der Galerie zu Budapest .*. Samm- 
lung Solly, 1821. 

Pappelholz, obere Abteilung [später ver- 
breitert], h. 0,47, br. 1,64; jede der unteren 
h. 0,93, br. 0,37. 



Veneiiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




20 




125 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




TZ)' 1 Francesco Bissolo [Bissuolo]. Geburtsjahr un- 

UläoUlU bekannt, gestorben den 2. April 1554. Angeblich von 

Geburt Trevisaner. Schüler des Giovanni Bellini. Tätig zu Venedig 

seit 1492 [in diesem Jahr im großen Ratssaale des Dogenpalastes 

beschäftigt, wahrscheinlich als Vergolder]. 

43 Auferstehung Christi. Christus mit dunkel- 
braunem Haar, den goldigbräunlichen Körper umhüllt 
von dem schimmernd weißen [in den Schatten grauen] 
Tuch, mit weißer, von rotem Kreuzeszeichen durchzo- 
gener Fahne an rotem Schaft, steht auf gelblichweißem 
Sarkophag, vor kräftig grün, rotbraun und in der Ferne 
dunkelultramarinblau gefärbter Landschaft und gold- 
gelbem Morgenhimmel, der nach oben zwischen grauen 
Wolken in Hellblau übergeht. Der Wächter vorn in 
grauer Rüstung, rotgelben Ärmeln und bräunlichroten 
Beinkleidern ruht auf gelbgrünem Rasen und ocker- 
gelbbrauner Bodenerhöhung. Am Sarkophag lehnt der 
saftgrüne Schild mit weißem Streifen und rotgelber 
Verzierung. Bräunliches Rot, Rotgelb und Grün kehren 
im Gewände des auffahrenden Wächters wieder. Rot- 
braune Fleischfarbe, dunkelbraune Haare. 

Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,82, br. 0,86. 



Ir-irroT-> of IC Petrus de Inganatis, 
illgdliailb ln„anadi oder d'Ingan 



venetianisch Piero de 
ganai. Geburts- und Todes- 
jahr unbekannt. Von 1529 bis 1547 als Maler erwähnt. Wahr- 
scheinlich Schüler des Francesco Bissolo. 

41 Maria mit dem Kind und vier Heilige. Sonnig-gelbbrauner Fleischton vor hell- 
blauer Luft. Maria, mit violettem Kopftuch, in karminrotem, von violettem Gürtel zu- 
sammengehaltenem Gewand und dunkelblauem Mantel mit goldgelbem Umschlag. 
Johannes d. T. in graubraunem Kittel und leuchtend gelbgrünem Mantel; die Heilige 

dazwischen in grauviolettem, gold- 
gelbgemustertem Gewand, über 
dem ein zinnoberroter Mantel liegt. 
Der hl. Antonius von Padua in 
grauschwarzer Tracht, von der sich 
das rotbraune Buch abhebt; Mag- 
dalena in goldgelbbraunem, kar- 
minrot gemustertem Gewand und 
gelbgrünem, rötlich schillerndem 
Mantelumschlag. 

Bez. auf der Brüstung: PETRVS ■ DE ■ INGANA- 
TIS ■ P ■ .*. Außer dem Berliner Bilde trägt noch 
eins, das sich in der Galerie Manfrin zu Venedig 
befand, diese Bezeichnung.'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,68, br. 1,00. 




126 




Unbekannter Meister 

vom Beginne des 

16. Jahrhunderts 

[jetzt als Pseudo-Boccaccino 
bezeichnet] 

1424 Maria mit dem Kind, 
Joseph und die hl. Lucia. Vor 
schwärzlicher Wand und leuchtend 
gelbgrünem Teppich stehen bunte, 
leicht bräunlich getönte Lokalfarben: 
Ultramarinblau im Mantel, bräun- 
liches Zinnoberrot im Gewände 
Marias, Rosa im Gewände Josephs und Goldgelb in dessen Mantel und dem Mantel der 
hl. Lucia, unter dem der zinnoberrote Ärmel hervorkommt. Grün wiederholt sich in der 
Decke, auf der das mit zinnoberroter Korallenkette und Armbändern geschmückte und 
mit grauviolettem Gewand und weißen Ärmeln bekleidete Kind auf weißem Kissen sitzt. 
Die Glanzlichter des dunkelbraunroten Haares der Maria sind mit Gelb aufgesetzt. Das 
Fleisch Marias ist gelblichbraun mit rosigen Tönen, rotbraun in der graubärtigen Gestalt 
Josephs, grauer in Hand und Antlitz der Heiligen, die zwei Augen auf einer Platte trägt. 
Saftgrüne Landschaft mit rotbraunen Felsen und hellblauer Ferne. Hellblauer Himmel 
mit gelblichem Horizont. 

Von diesem dem Namen nach unbekannten Künstler, der neben lombardischen Anregungen von Solario u. a. auch den Ein- 
fluß Giovanni Bellinis zeigt, kommen mehrfach Gemälde vor, z. B. die Fußwaschung Christi von 1500 in der Akademie zu 
Venedig, in der Galerie zu Neapel eine Madonna zwischen zwei Stiftern und im Kaiser - Friedrich - Museum zu Berlin [Nr. 1 550, 
im Vorrat ] der Engel der Verkündigung [auf der Rückseite der 
Tafel ist Johannes d. Ev. dargestellt] .".Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,57, br. 0,74. 



Venetianische Schule um 1500 

S9 Bildnis eines jungen Mannes. In 
schwarzen und rotbraunen Tönen. Das röt- 
liche Gesicht mit braunen Augen ist von 
schwärzlichbraunem Vollbart und rotbraunem 
Haupthaar mit ockergelben Lichtern umgeben. 
Schwarzgraues Gewand und schwarze Kappe 
vor dunkelgrauem Grund. 



Erworben aus dem Pariser Kunsthandel 
Simon . , Pappelholz, h. 0,29, br. 0,25. 



Sammlung James 




Venetiani- 
sche Schute 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1424 



S9 



127 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

19 




Catena 



VincenzodiBi- 
ag^io, genannt 
Catena. Geboren zu Ve- 
nedig, Geburtsdatum unbe- 
kannt, gestorben daselbst im 
Dezember 1531. Unter dem 
Einflüsse Giovanni Bellinis 
ausgebildet. Tätig zu Ve- 
nedig. 

19 Maria mit demKind, 
Joseph, die hll. Jo- 
hannes d. T., Katha- 
rina, Antonius von 
Padua und derStif- 
ter. In kühlen kreidigen 
Farben, mit lichtem rot- 
bräunlichem Inkarnat stehen die Figuren vor tiefschwarzem Grund. Maria mit weißem 
Kopftuch, in hellultramarinblauem, innen gelbgrünem Mantel über blaßrosafarbenem 
Gewand, das nach dem helleren Gürtel zu in ein kräftiges Karminrot übergeht. Am 
Halsausschnitt ist das weiße, mit goldgelber Bordüre gezierte Hemd sichtbar. Joseph 
in bräunlichgoldgelbem Mantel über hellblauviolettem Gewand. Dazwischen tritt Gelb- 
grün im Mantel Johannis d. T., dem rechts Hellrot im Gewände Katharinas unter grau- 
blauem Mantel entspricht. Antonius von Padua in dunkelgrünem, mit hellrotem und 
hellultramarinblauem Besatz geziertem Ornat über blaugrauer Kutte und weißer Mitra 
mit goldgelbem Besatz empfiehlt den in grauschwarzes Gewand gekleideten Stifter, mit 
dunkelbraunem Haar. 

Sammlung Solly, 1821 .". Leinwand, h. 0,87, br. 1,52. 



32 




32 Bildnis des Grafen Raimund Fugger. 
Vor hellgrauem Grund in grauschwarzer 
Sammettracht, die durch graubraunen Gürtel 
zusammengehalten wird, mit helleren grauen 
Ärmeln, weißem Hemd und schwarzem Barett. 
Das ockergelbliche Inkarnat, mit roten Tönen 
in den Wangen, erscheint, umgeben von 
Schwarz und Grau, warm und blond. Grau- 
blaue Augen. Rötlichbrauner Bart. 

Aus der späteren Zeit des Meisters .■. Wahrscheinlich das Bildnis, 
das Vasari in Venedig sah, wo sich Rainnind Fugger [1489 bis 
1535], ein GUed der bekannten Augsburger Bankierfaniilie, als 
einer der angesehensten deutschen Kaufleute aufhielt. 1530 von 
Karl V. in den Grafenstand erhoben, war er der Begründer der 
[älteren] Raimundus- Linie des Hauses .•- Erworben 1841. 
Leinwand, h. 0,75, br. 0,63. 



128 



57 JungfeVenetianerin als Magdalena. Gegen 
goldigbräunliches Fleisch und stumpfrotbraunes, 
am Hinterkopf von goldgelbem Netz zusammen- 
gefaßtes Haar, von dem sich zwei hellbraune 
Locken loslösen, steht tiefes Ultramarinblau im 
Mantel vor grauem Grund. Graue Augen. Goldener 
Nimbus. Vorn schneidet in das Bild die graue 
Salbbüchse ein. 

Erworben im Florentiner Kunsthandel .*. Sammlung James Simon. 
Pappelholz, h. 0,33, br. 0,26. 

58 Catena? Bildnis einer jungen Frau. Die 
Figur ist in hellen silbergrauen Tönen gehalten 
vor schwarzem Grund. Rosiges Fleisch mit röt- 
lichen Wangen und Lippen und graublauen Augen. 
Das hellblonde, weißlich schimmernde Haar ist 
rückwärts von einem grauweißen Schleiertuch um- 
wunden. In grauweißem Kleid mit dunkleren grauen Mustern und gelben Gold- 
stickereien auf den Ärmeln und am Brustausschnitt. 

In der Stickerei am Ausschnitt wiederholen sich verschlungen die eingestickten Buchstaben MC oder CM, die wohl den 
Namen der Dargestellten andeuten /. Die Autorschaft Catenas ist bestritten, die gleichfalls vorgeschlagene Bestimmung 
als Jacopo de' Barbari ergibt sich schon aus dem späten Kostüm als irrtümlich .'. Erworben im Pariser Kunsthandel /. 
Sammlung James Simon. 

Pappelholz, h. 0,40, br. 0,31. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

S7 



SCHULE VON BERGAMO 



Santa Croce llT 



cesco da Santa Croce. Nach dem Vater Francesco di Simone. Zeichnet 

Franciscus de Santaf. Geboren zu Santa Croce im Brembotal, unweit 

Geburtsjahr unbekannt, gestorben Ende 



Bergamo 

Oktober 1508 zu Venedig. Schüler Gio. Bellinis, unter 

dem Einflüsse der Nachfolger Bellinis ausgebildet. Tätig 

in der Umgegend von Bergamo und vornehmlich zu 

Venedig. 

22 Anbetung der Könige. Der buntfarbige 
Gesamteindruck des Bildes ist durch leuch- 
tende kräftige Lokalfarben erzielt, die in breiten 
Flächen nebeneinander stehen. Ultramarin- 
blau, Gelb und Rotgelb sind die Hauptfarben 
vor dunkelbrauner Wand und kühler bräunlich- 
grüner Landschaft. Blau im Mantel Marias kehrt 
wieder in den Gefäßen, welche die Könige 
darreichen, dem Band, das den hellkarminroten 
und goldgelben, braunrotgestreiften Turban 
des Mohrenkönigs durchschlingt, in den fernen 
Gebirgen, dem Fluß und dem Himmel, grauer 
in den Ärmeln des Mohrenkönigs, in dessen 




S8 



129 



Schule von 
Bergamo im 
XV. Jahr- 
hundert 



Untergewand und dem mit 
rotbraunem Pelz besetzten 
Gewände des knienden Kö- 
nigs; Gelbgrün in dem 1. 
rankenden Efeu, dem Mantel- 
umschlag der Madonna; 
Dunkelgrün in der Kopfbe- 
deckung des hinteren Königs, 
die von gelbem, im Schatten 
rotbraunem Tuch umwunden 
ist, und des Mohrenkönigs 
Obergewand, aus dem gelb- 
rote Ärmel hervorkommen. 
Rotbraunes Inkarnat, zarter 

und weißlicher in der Madonna und dem Kinde. Auf saftgrün bewachsenem Felsen 

liegt eine hellgraue Burg mit zinnoberroten Dächern. 

Bez. links an der Wand auf einem Blättchen : FRANCISCVS DE SANTA 4- • F • .-. Nach einem Originale Mantegnas [früher 
bei Lady Ashhurton, London ] .■. Eine Wiederholung von Santa Croce selbst in der Eremitage zu St. Petersburg, andere 
Wiederholungen von verschiedenen Meistern in der städtischen Galerie zu Verona und bei Mr. Butler in London .■. 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h.0,62, br. 1,00. 




Sj,j-J.„ C^ YC\Of^ Girolamo da Santa Croce. Geboren zu Santa Croce im Brembotale bei 
dllLd V^IUCC Bergamo. Geburtsjahr unbekannt, gestorben den 9. Juli 1556 zu Venedig. 1503 
als Schüler Gentile Bellinis erwähnt und nach dessen Tod in der Werkstatt Cimas tätig. Tätig in der 
Umgegend von Bergamo und vornehmlich zu Venedig. 

26 Martyrium des hl. Sebastian. Gelblichgraue Architektur mit lichtroten Boden- 
fliesen. Vor dem tief ultramarinblauen Himmel mit bräunlichen, gelb beleuchteten 
Wolken fliegt ein Engel mit grünlichen Flügeln, in hellkarminrotem Gewand, mit gold- 
gelbem Gürtel und Krone. Gelber Horizont über hellblauer Ferne und bräunlich- 
gelbgrüner Landschaft. Diokletian thront links, unter gelbbraunem Baldachin, einen 

smaragdgrünen Teppich mit karmin- 
roter Kante unter den Füßen, mit 
dunkelblauer Krone, in gedämpft gold- 
gelbem [innen grauem], der Sitzende in 
hellkarminrotem, der Stehende in sma- 
ragdgrünem Mantel mit rosafarbenem 
Gürtel und dunkelkarminroter Kappe. 
Die Figuren im Hintergrund in gold- 
gelben, hellkarminroten und gelb- 
grünen Gewändern. Ockergelblich- 
grauer Körper des Heiligen mit hell- 
rosafarbenem Hüftentuch. Die Bogen- 
schützen imVordergrund sind zinnober- 
rot, gelbgrün, graublau und goldgelb 




130 




gekleidet, entsprechend die Gruppe im 
Mittelgrund. 

Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,615, br. 0,89. 

24 Geburt Christi. Vor weißlichblauem 
Himmel mit grauen Wolken, ockergelb- 
brauner Hütte, die an bräunlichgrauen 
Felsen angebaut ist, und vor bräunlich- 
gelbgrüner Landschaft, die über Blau- 
grün nach Blau übergeht, unter gold- 
gelbem Horizont, stehen die Figuren 
in meist stumpfen Tönen: Joseph in 
graublauem Gewand und braungelbem Mantel, Maria in dunkelblauem, innen braun- 
gelbem Mantel über hellkarminrotem Gewand, die Hirten in gelbbraunen und hell- 
blauen Röcken, die Reiter rechts in zinnoberroten und graublauen Trachten. Die Engel 
in iiollkarminroten, saftgrünen und hellblauen Gewändern, mit braunen, blauen und 
roten Flügeln. 

Ein verwandtes Bild des Meisters mit der gleichen Darstellung in der Galerie zu Dresden [ Nr. 55 ] -■- In den Figuren der 
beiden Hirten ist ein Stich von Marcanton [B. 16.] benutzt .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,57, br. 0,76. 

P„_^.!i.„|; Andrea Previtali. Zeichnet sich Andreas Bergomensis, später Andreas Previtalus, 

^ iCVlLdll auoh Andreas Cordelle agi [bei Vasari Cordelliaghi]. Geboren zu Bergamo um 

1480, gestorben daselbst den 7. November 1528. Schüler Gio. Bellinis, später namentlich von Cima 

und Lorenzo Lotto beeinflußt. Tätig zu Venedig und Bergamo [vornehmlich von 1511 bis zu seinem Tode]. 

39 Maria mit dem Kind, Heilige und der Stifter. Bunte, etwas harte Färbung 
in sonniger Beleuchtung. Vor saftgrüner Landschaft, ultramarinblauer Ferne und Himmel 
Maria, mit weißem, rotgemustertem Kopftuch, in hellultramarinblauem Mantel, dessen 
grüne Innenseite rosa schillert, über karminrotem Gewand. Paulus in tief zinnober- 
rotem, innen gelbgrünem Man- 
tel. Gelbgrün kehrt im gold- 
gelb gemusterten Gewand und 
der gelbgestickten Kappe der 
hl. Magdalena [?] neben ihm 
wieder, von deren Schulter 
ein hellblauvioletter Mantel 
herabfällt. Die hl. Katharina 
r. in leuchtend gelbgrünem, 
innen bläulichweißem Mantel 
mit zinnoberroter Kante und 
weinrotem, in den Lichtern 
gelbem Kopftuch. 



Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,68, br. 0,84. 



Schule von 
Bergamo im 
XV. Jahr- 
hundert 

24 




131 



Schule von 
Bergamo im 
XV. Jahr- 
hundert 



Schule von 
Vicenza im 
XV. Jahr- 
hundert 



44B 




45 Verlobung der hl. Katharina. Ma- 
ria, mit weißem Kopftuch, in blauem 
Mantel, dessen Innenseite gelbgrün- 
gelbrot schillert, und hellkarminrotem 
Gewand mit braungelber Borte. Katha- 
rina, mit gelblichbraunem Haar, in weiß- 
lichblauem Gewand mit rotem Muster 
und gelbgrünem Besatz. Über ihre 
Schultern fällt ein grüner, im Umschlag 
rosafarbener Mantel. Petrus, in rot- 
gelbem Mantel über weißlichblauem Ge- 
wand, hält ein zinnoberrot gebundenes 
Buch. Rötlichbraunes Fleisch. Gelb- 
grüne Landschaft mit hellblauer Ferne und Himmel. 

Sammlung Solly, 1821 /. Pappelholz, h. 0,57, br. 0,79. 

SCHULE VON VICENZA 

l\/Ior»f arrns Bartolommeo Montagna. Geboren vermutlich zu Orzinovi [der Heimat seines Vaters 
IVlUllLClglia. Antonio] im Gebiete von Brescia um 1440 — 1445, als Bürger von Vicenza urkundlich zu- 
erst 1480 erwähnt, gestorben daselbst den 11. Oktober 1523. Unter dem Einflüsse Mantegnas und 
Carpaccios wahrscheinlich in Venedig gebildet. Tätig zu Vicenza, kurze Zeit in Venedig [1482], Bassano, 
Padua und Verona. 

44 b Der auferstandene Christus mit Magdalena und die hll. Johannes d. T. 
und Hieronymus. Das Bild ist auf goldiges Graubraun abgestimmt, belebt durch 
leuchtendes Zinnoberrot. Die mittlere Darstellung ist im Gesamttone gehalten: 
Christus in gelblichgrauweißem Gewand und goldgelbem, in den Schatten grünlichem 
Mantel, mit gelbbräunlichem, von Grau durchsetztem Inkarnat; Magdalena, mit gelb- 
braunem Haar, in hellkarminrotem Ge- 
wand und graublauem Mantel, dessen 
Ton lichter im Himmel wiederkehrt. 
Die leuchtendste Farbe im Bild ist 
das Zinnoberrot im Mantel des Jo- 
hannes, das etwas heller in den 
lichtroten Bogen und Pfeilerbasen der 
bräunlichgrauen Architektur wieder- 
kehrt. Goldigrotbraunes Fleisch und 
dunkelbraunes Haar. Die Gestalt des 
hl. Hieronymus geht wieder ganz im 
Gesamtton auf: gelblich -graubraune 
Kutte mit graublauer Kapuze. Zin- 
noberrotes Buch und Kardinalshut. 

Das Bild befand sich nodi 1770 in S. Lorenzo zu Vi- 
cenza .". Sammlung Lord Ashburnham, London .". Er- 
worben 1903 aus dem Londoner Kunsthandel. 
Leinwand, h. 1,72, br. 1,60. 




132 




44 Thronende Maria mit dem Kind 
und zwei Heilige. Ein heller silber- 
grauer Ton durchdringt die Darstellung, 
die besonders durch Rot belebt wird. 
Vor grünem Teppich, auf weißgrauem 
Thron mit bräunlichen Füllungen und 
ockergelben Zieraten thront Maria in 
goldenem, rot und grün gemustertem 
Kleid, rosavioletten Unterärmeln und 
blauem, im Umschlag rosarotem Mantel. 
Graubraunes Fleisch. Die stärkste Note 
bildet Zinnoberrot in dem mitweißgrauem 
Pelz gefütterten Rocke des hl. Homobo- 
nus. Zinnoberrot kehrt wieder in der Ver- 
steifung des Gebälks 1. und der Balustrade 
r. hinter dem Thron. Der Bettler neben 
ihm in grauer Jacke und graublauem 
Beinkleid mit hellrotem Flicken. Der hl. 
Franziskus, in gelblichgraubrauner Kutte, 
hält ein hellblaues Buch und Kreuz. Hinter 
ihm kniet in grauer Franziskanertracht 

der Stifter, Bernardino da Feltre, über dessen Händen das Wahrzeichen der Pfandhäuser 
schwebt. Die hl. Katharina in hellkarminrotem Mantel über gelbgrünem Gewand vor 
lichtrotem Boden mit gelbgrünen Fliesen. Rotbrauner Fleischton mit Grau. Braunrote 
und goldockergelbe Balken vor graublauem Himmel und grünen Bäumen. 

Auf dem Thronsockel: M. D. [Mater Doniini] und unten auf der gemalten Leiste die modern restaurierte Bezeichnung; 

OPVS MONTAGNA .-. Das Bild wurde für 

S. Marco in Lonigo gemalt .". Die zugehörige Pre- 
della im Museo Civico zu Vicenza .". Bernardino da 

Feltre war der Gründer der Pfandhäuser in Italien .*. . ^i "^^t ■' " ^. 

Sammlung Solly, 1821 .•. Leinwand, h. 2,03, br. 1,57. W« 

SCHULE VON VERONA 

Pjopj-jp. Antonio Pisano, gen. Pisanello. 

1 ladllU Eigentlich Antonio di Bartolomeo, 
von Vasari fälschlich Vittore Pisano gen. 
Zeichnet sich zumeist Pisanus Pictor. Maler 
und Medailleur, geboren 1397, gestorben im Ok- 
tober 1455. Tätig vornehmlich zu Verona [da- 
selbst urkundlich erwähnt 1433—1438, 1446], 
zeitweilig in Venedig [um 1420-24, 1441-1446] 
in Pavia [wahrscheinlich um 1430], in Rom 
[1431/32], in Ferrara [1443], in Rimini [1445], 
in Mailand [vor 1447], in Mantua [um 1439 
und 1441] und in Neapel [1448/49]. 

95a Anbetungder Könige. DieLand- 
schaft ist in dem braunen Tone der 
Untermalung gehalten, mit dunklem 



Schule von 
Vicenza im 
XV. Jahr- 
hundert 

44 




Schule von 
Verona im 
XV. Jahr- 
hundert 

95 A 



133 



Schule von 
Verona im 
XV. Jahr- 
hundert 

46 C 




Grün bewachsen, mit ockergelblichen Felsen r. und g-raublauer 
Ferne, unter weißlichblauem Himmel, wo zwei graue Reiher 
einen gleichfarbigen Falken schlagen. Weiße und zinnober- 
rote Einzelheiten sind allenthalben bis in die Ferne ver- 
streut. Die Figuren in prächtigen hellzinnober-, karminroten, 
graublauen, schwärzlichgrünen und weißen Gewändern mit 
reicher Goldverzierung. Auch die Lichter in den Haaren sind 
zum Teil mit Gold aufgesetzt. Zinnoberrot, Violett und schwärz- 
liches Blau in den Kopfbedeckungen. Die lichtesten Farben sind 
rechts angeordnet: Graublau im Mantel, Hellkarmin im Ge- 
wände Marias, Goldgelb im Mantel, Graublau im Gewände 
Josephs, Karminviolett im Rocke des knienden Königs. 

Die Könige und ihre Begleiter scheinen zumTeil Porträtfiguren zu sein ; an einzelnen Ge- 
wandstücken und an einem Pferdegeschirr sind Devisen in goldenen Lettern angebracht, 
die auf Persönlichkeiten aus dem venezianischen Gebiet hinzuweisen scheinen. An dem Man- 
tel eines neben dem vom Rücken gesehenen Jüngling stehenden Mannes: ainsi va le 
[monde ^ Zeichen des Orbis terrarum, globus cruciger]; am Oberkleid eines neben dem 
knienden Könige stehenden Mannes; grace fai die [wahrscheinlich: gräce fait Dieu ]; an 
der Kopfbedeckung eines Reiters zur Linken: tenpo [ tempo] ; an dem Riemenzeug des 
Schimmels vorn zur Linken: HONIA BOA IN TENPOR [omnia bona in tempore] .•. Zeich- 
nungen zu der reichgekleideten, vom Rücken gesehenen Figur, zur Madonna, zu einigen 
Tieren und den Vögeln im Codex Vallardi im Louvre .". Sammlung Barker in London, 1874 
[als „Fra Filippo Lippi"] /. Erworben 1880 in Paris .". Pappelholz, Durchmesser 0,84. 



46A 




B. Yx 
OnSlgnOn Verona 1455, gestorben zu Caldiero bei Verona 1519. 
Schüler oder Nachfolger des Liberale, später von Mantegna in Mantua 
beeinflußt. Tätig in Verona und seit 1495, vielleicht auch schon früher, 
am Hofe der Gonzaga in Mantua. 

46c Der hl. Sebastian. Schwerer brauner Gesamtton. 
Der ockergelbbraune Körper des Heiligen, mit dunkelrot- 
braunem Haar, die Hüften von weißgrauem Tuch, mit brau- 
nen Schatten, umwunden, steht vor dunkelrotbrauner Land- 
schaft mit braunroten Tönen in den Dächern der Häuser 
und grauen und weißlichen Lichtern. Graublauer Himmel. 

Rechts unten ein Zettel mit dem Namen des Stifters und der nicht mehr ganz deut- 
lichen Jahreszahl: Zoane Batista de Antonjo Banbasato a fato fare 1495 [?] .". 
Erworben 1887 in Florenz .". Leimfarbe. Leinwand, h. 1,52, br. 0,73. 

T ^l^y^«^]^^ Liberale da Verona. Nach dem Vater Liberale di 
*— '*'-'^' "^^ Jacomo genannt. Geboren 1451 zu Verona, gestorben 
daselbst 1536 [nach Vasari am Tage der hl. Clara, also am 12. Au- 
gust]. Zuerst als Buchmaler tätig [urkundlich schon 1469] bei und 
in Siena bis 1476; dann vornehmlich in Verona mit Fresken und 
Tafelgemälden beschäftigt. 

46 a Der hl. Sebastian. Kühle Stimmung in Braun und 
Weißgrau. Vor gelblichbraunen Ruinen mit braunroten 
Säulenbasen und Kapitalen, mit gedämpftem Blau und Zin- 
noberrot in den Staffagefiguren, an den dunkelbraungrauen 
Stamm eines Orangebaumes gefesselt, dessen gelbgrünes 
Laub und gelbe Früchte sich von hellblauem Himmel ab- 



134 




heben, steht die hellbräunliche Gestalt des Heiligen 
mit rotbraunem Haar, ein grauweißes Tuch um die 
Hüften, auf bläulichweißgrauen Säulentrümmern. 

Ein ähnliches Bild des Meisters mit dem gleichen Gegenstand in der 
Brera zu Mailand .-. Sammlung Solly, 1821 .-. Pappelholz, h. 2,1 1, br. 0,92. 

M Francesco [di Domenico] Morone. Ge- 

Or Oric boren zu Verona 1473 oder 1474, gestorben 
daselbst den 16. Mai 1529. Schüler und Gehilfe seines 
Vaters Domenico. Tätig; zu Verona. 

46 Maria mit dem Kinde. Auf den warmen grau- 
braunen Fleischton ist das gelbbraune Gewand, 
die braunrote, auf dem Kopf und an den Ärmeln 
sichtbare Innenseite des Mantels der Madonna 
und die zinnoberrote Decke, die über die Brüstung 
im Hintergrunde gebreitet ist, gestimmt. In den 
Lichtern kommt die goldene Untermalung des Ge- 
wandes zutage. Goldene Nimben mit rotbrauner Innenzeichnung. Dagegen steht ge- 
dämpftes Blau im Mantel, heller im Himmel, Grün in der Landschaft und Graublau in 
der Ferne. 

Bez. auf dem Halssaum des Kleides der Maria: FRANCISCVS MORONVS ■ P ■ Im Nimbus des Kindes die Umschrift: 
UNUS VERONEN ■ F • T. VERONAE. .-. Erworben 1830 durch Tausch von Solly .-. Leinwand, h. 0,48, br. 0,40. 

46b Thronende Maria mit dem Kind und zwei Heilige. In dem rotbräunlichen 
Gesamtton stehen tiefes leuchtendes Karminrot und Goldgelb gegen Blaugrün. Vor 
braunroter Rückwand und blaugrünem Teppich, der unten über den Thronsockel herab- 
fällt, sitzt Maria in goldenem Mantel mit bräunlichen Schatten über bräunlichkarmin- 
rotem Gewand. Auf der blaugrünen Innenseite des Mantels und auf bläulichem Kissen 
sitzt das Kind. Rot kehrt bräunlicher im 
mittleren Streifen des Sockels wieder. 
Auf der untersten, grauvioletten, rötlich 
geäderten Stufe ein Wappen : rote Rosen 
auf grünem Feld. Tiefkarminroter Man- 
tel des hl. Paulus über geflochtenem 
rotbraunem Unterkleid. Der hl. An- 
tonius Eremita in bräunlichgrauem 
Mantel über gelblichbrauner und vio- 
letter Tracht. Warm rötliches Fleisch, 
lichter im Körper des Kindes und dem 
Antlitz der Madonna. Am Boden grau- 
blaue, rosarote und gelbliche Fliesen. 
Ockergelbbraune, grün bewachsene 
Landschaft. Graublauer Himmel mit 
bräunlichweißen Wolken. 

Bez. rechts unten : FRANCISCVS MORONVS P .-. 
Sammlung Solly, 1821. 

Lein-.vand, h. 1,56, br. 1,37. 



Schule von 
Verona im 
XV. Jahr- 
hundert 




46 B 



135 



Ober- 
italienische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



Oberitalienischer Meister um 1510 

S 13 Maria mit dem Kinde. Überall, besonders im ockergelblichen Inkarnat und den 
Schattenpartien, dringt der warme rotbraune Ton der Untermalung durch. Vor schwärz- 
lichgrauer Wand und leuchtend rotem Vorhange steht Maria, einen violetten Schleier 
über dem dunkelrotbraunen Haar, in blauem Mantel, der, über der Schulter emporge- 
schlagen, die bräunlichgoldgelbe Innenseite zeigt, und karminrotem Gewand, das von 
gelbbraunem Gürtel zusammengehalten wird. Das Kind, mit rotbraunem Schurz be- 
kleidet, steht auf zinnoberrot gebundenem Buch, das auf einem graubräunlichen, über 
die hellockergelbe Brüstung gebreiteten Tuche liegt. Durch die Fenster Ausblick auf 
Landschaft mit ockergelbbraunen Felsen, bräunlich grünen Bäumen, blaugrüner Ferne 
und dem büßenden hl. Hieronymus [in rotem Mantel] als Staffage. Hellblauer Himmel. 

Der Meister zeigt In der Komposition Einflüsse von Bellini und von Leonardo, in der tiefen Färbung verrät er die Schule von 
Vicenza oder Verona. Das Bild befindet sich im ursprünglichen, teilweise bemalten Tabernakel .'. Sammlung Conte Bardi, 
Venedig .". Sammlung James Simon. 
Pappelholz, h. 0,48, br. 0,37. 



S13 




136 



ITALIENISCHE SCHULEN DES 
XVI. JAHRHUNDERTS 



Florentini- 
sche Sdiule 

des XVI. 

Jahrhun- 
derts 

249 



lichgrü 
Seite 
des hl, 
Kleid. 



FLORENTINISCHE SCHULE 

D o ^4- ^^ 1 y-. Tvi TY-« o /^ FraBartolommeodellaPor- 
DarLOlOnillieU ta [Bartolommeo Pagholo 
oder di Paolo del Fattorino; als Dominikaner 
Fra Bartolommeo di San Marco]. Geboren 
den 28. März 1472 in Florenz [vor der Porta di 
S. Pier Gattolino; daher der Beiname], gestorben 
daselbst den 31. Oktober 1517. Schüler des Cosi- 
mo Rosselli [seit 1485]. Tätig namentlich zu Florenz, 
von 1492 — 1512 gemeinschaftlich mit Mariotto Alberti- 
nelli, kurze Zeit in Venedig [1508], in Rom [1514] 
und Lucca [1515]. 

249 Himmelfahrt derMaria. In gelber, röt- 
lich und violett ausstrahlender Glorie, auf 
grauweißen Wolken, unter denen der grau- 
blaue Himmel erscheint, schwebt Maria in 
blauem Mantel über dunkelkarminrotem Ge- 
wand. Rötliches Inkarnat. In den Gewändern 
und Flügeln der Engel sind die Hauptfarben 
des Bildes hart und bunt vereinigt: Karmin- 
rot mit gelben Lichtern, Gelbgrün [Ärmel], 
Gelbgrün und Rot in den Flügeln des 1. En- 
gels; Blau, Rosa, Goldgelb und Graublau im 
Gewand, Rotgelb in den Flügeln des r. Engels. 
Unten vor graugrünlichem Boden und bräun- 
ner Landschaft mit graublauer Ferne stehen die leuchtendsten Farben: auf der r. 
des dunkelgrauen Sarkophags Zinnoberrot im Mantel, Gelbgrün im Gewände 
Paulus. Gelbgrün kehrt wieder im Mantel der hl. Magdalena über karminrotem 
Links entsprechen Goldgelb [in den Schatten Braunrot] im Mantel Petri über 

graublauem Gewand, Karminrot im Mantel 
Johannis d. T. über braunviolettem Fell. 
Die hll. Dominikus und Petrus Martyr in 
Schwarz und Grau. Rotbrauner Fleischton 
mit durchscheinendem Grau der Untermalung. 

Auf dem Sarkophag die Inschrift: ORATE PRO PICTORE .'. 
Wahrscheinlich um 1507— 08 für dieCompagnia de' Contemplari 
sremalt. Die Komposition rührt wohl ganz von Fra Bartolonniieo 
her [Handzeichnungen zur Madonna im Louvre und in den 
Uffizien]; dagegen erscheint die Hand eines Schülers in der 
Ausführimg namentlich des oberen Teiles .-. Sanmilung SoUy, 
1821 .-. Aufgestellt in der Basilika. 
Pappelholz, h. 3,01, br. 1,95. 





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' Francesco Granacci. Geboren 
iranaCCl zu Florenz den 23. Juli 1477, ge- 
storben daselbst den 30. November 1543. Schüler 
und Gehilfe Domenico Ghirlandaios [1488], weiter 
ausgebildet unter dem Einflüsse Fra Bartolommeos 
und Raffaels. Tätig vornehmlich zu Florenz, kurze 
Zeit in Pisa [1495] und Rom [um 1508]. 



138 




229 Die Dreieinigkeit. Die leuchtende Far- 
benwirkungf beruht auf dem Gegensatze von 
tiefem Blau im Himmel und Zinnoberrot im 
[innen grünen, mit Goldborten besetzten] 
Mantel Gott -Vaters, vor dem an rotbraunem 
Kreuz der Körper Christi, in ockergelbbraunen 
und grauen Tönen, mit dunkelrotbraunem Haar, 
hängt. Blau kehrt dunkler im Gewände Gott- 
Vaters wieder, dessen Haupt bräunlichgraues 
Haar umgibt. Auf bräunlichgrauen Wolken 
[mit rotbraunen Schatten] umringen ihn, der 
von weißer und goldener Glorie umstrahlt ist, 
rot, blau und grün geflügelte Cherubim. 
Warmer rotbrauner Fleischton. 

Sammlung Solly, 1821 .". Pappelholz, Durchmesser 1,03. 

/'^l • 1 J^*^-. Ridolfo Ghirlandaio. Nach dem 

VjninanaaiO Vater Rldolfo di Domenico Bi- 
gordi. Geb. zu Florenz den 4. Februar 1483, gest. 

daselbst den 6. Juni 1561. Zuerst Schüler seines Vaters, dann seines Oheims Davide, unter der Leitung 
Fra Bartolommeos und dem Einflüsse Raffaels und Leonardos ausgebildet. Tätig zu Florenz. 

91 Anbetung des Christkindes. Vor graubräunlicher Landschaft mit stumpfem Gelb- 
grün Maria in dunkelblauem, goldgeziertem, innen gelbgrünem Mantel über dunkel- 
karminrotem Gewand. Goldgelb im Mantel Josephs über violettem Rock mit zinnober- 
roter Kapuze. Das Kind ruht auf graublauem Tuch. Die Engel in hellkarminroten und 
gelbgrünen Gewändern mit hellblauen und roten Flügeln. 

Aus der Zeit, in der Ridolfo vorwiegend unter dem Einflüsse Fra 
Bartolommeos stand .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,01, br. 0,78. 

Bi'ocr'ior-iir-i/-» Andrea del Brescianino [Familien- 
rebCldlllllU name: Piccinelli]. Geburts- und To- 
desjahr unbekannt. Tätig von 1507 bis nach 1525. Unter 
dem Einflüsse Sodomas in Siena, dann Fra Bartolommeos 
gebildet. Seit 1507 in Siena ansässig, von 1525 an Mit- 
glied der Gilde in Florenz und daselbst tätig [zumeist 
gemeinsam mit dem Bruder Raffaello]. 

230 Die hl. Anna Selbdritt. Das Grau der 
Nische kehrt überall, besonders in den Schatten 
des rötlichen Inkarnats wieder. Die Farben der 
Gewänder sind kühl und glasig. Maria in hell- 
karminrotemGewand und blauem Mantel, dessen 
auf dem Schoß umgeschlagene Innenseite rosa 
und grau schillert. Die Gewandung der hl. 
Anna ist in dunklerem, violettgrauem Ton ge- 
halten, entsprechend dem dunkleren rotbräun- 
lichen Inkarnat. Rotbraunes Haar des Kindes. 

Erworben 1829 durch Rumohr .-. Pappelholz, h. 1,29, br. 0,96. 



Florentini- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

91 




230 



139 



Florentini- 
sche Schule 

des XVI. 

Jahrhun- 
derts 

278 




283 



ZL' Paolo Zacchia d. Ä. Lebensver- 
d-\.^K.ylllcl hältnisse unbekannt. Vermutlich ge- 
bildet unter dem Einflüsse Fra Bartolommeos, 
sowie des Beccafumi. Tätig um 1520 — 1530 
in Lucca und wahrscheinlich in Florenz. 

278 Maria mit dem Kind und dem 
kleinen Johannes. Lichtes bräun- 
lichgraues Fleisch und stumpf gelb- 
braune Haare. Maria in zinnoberrotem 
Gewand und schwärzlichblauem Mantel 
mit leuchtend gelbgrüner Innenseite, 
deren Farbe in den Armein des dunkel- 
graublau geflügelten Engels wieder- 
kehrt neben Karminrot im Gewand. 
Rotbräunliche Landschaft mit saft- 
grünen Lasuren und hellblauer Ferne. 
Hellblauer Himmel. Goldene Nimben 
und Gewandsäume. 

Sammlung Solly, 1821 .■. Pappelholz, Durchmesser0,85. 

RllCriairUni Giuliano Bugiardini. Zeichnet sich auf seinen Bildern Julianus Florentinus [nach 

ö seinem Vater Giuliano di Piero genannt]. Geboren in einer Vorstadt von Florenz 

den 29. Januar 1475, gestorben zu Florenz den 16. Februar 1554. Schüler Domenico Ghirlandaios und 

Mariotto Albertinellis, eine Zeitlang Gehilfe Michelangelos. Tätig vornehmlich in Florenz, einige Zeit 

auch in Rom [1508] und Bologna [zwischen 1526 und 1530]. 

283 Maria, das Kind verehrend, und 
Heilige. Vor dunkelblauem Himmel 
und grünlichbrauner Landschaft mit 
blaugrüner Ferne unter rötlichem Hori- 
zont stehen,hell von oben beleuchtet,die 
Figuren in meist gebrochenen Farben, 
beherrscht von Rot. Warm rotbräun- 
licher Fleischton mit durchscheinendem 
Grau. Maria in ultramarinblauem Man- 
tel und karminrotem Gewand. Philippus 
[1.] in zinnoberrotem Gewand und 
stumpf gelbgrünem Mantel, Johannes 
d.Ev. in hellblauem Gewand, unter matt- 
rotem, in den Lichtern gelbem Mantel. 
R. vorn Hieronymus in bräunlichgrauem 
Rock; vor ihm der zinnoberrote Hut. 
Joseph in rötlichviolettem Gewand. 
Oben vor hellgelbroter Glorie und 
bräunlichgrauen Wolken der Engel in 
dunkelblaugrünem, rötlich schillerndem 
Gewand, mit dunkelgrünen Flügeln. 




140 




Florentini- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



Bez. unten in der Mitte in Goldschrift: IVL 
Pappelholz. h. 2,10, br. 1,72. 



FLO • FAC ■ 



Sammlung SoUy, 1821. 



Florentinische Schule um 1515 

105 Vermählung- der Maria mit Joseph. Zwischen den kühlen, auf Grau gestimmten 
Farben: meist Blaugrün, Weiß und Rosa stehen vor grauem Grund Ockergelb, mattes 
Goldgelb, Rotgelb und Zinnoberrot. Weißbräunliches Fleisch. 

Teil der Predella eines Altars .*. Stilistisch dem Albertinelli nahestehend .*, Sammlung SoUy, 1821 .•. Pappelholz, h.0,24, br. 0,75. 

C^ f^r^CT^ Girolamo Genga. Maler und Architekt, geboren 1476 in Urbino, gestorben 1551 ebenda. Schüler 
^— *^ ö und Gehilfe Signorellis, seit etwa 1500 Perug-inos, weitergebildet unter dem Einflüsse Raffaels. 
Tätig in Urbino [bis etwa 1494, 1504 — 08, 1523 bis zu seinem Tode], Orvieto [bis etwa 1500], Perugia, 
Florenz, Siena [1497—98, 1510], Cesena, Forli, Mantua [seit 1514], Rom [seit etwa 1519]. 

1317 Streit der Kirchenväter über die unbefleckte Empfängnis. Auf grauem Sockel, 
an den grauen Stamm des Baumes der Erkenntnis gelehnt, lagert Eva. Ihr ockergelblich- 
grauerKörper mit braungelbem Haar hebt sich von dunkelgrauem Grund, gelbgrünem Ra- 
sen und Blattwerk des Baumes ab. Von 1. nachr.: Bernardus, Ambrosius, Hilarius, Ansel- 
mus, Cyrillus, Origines, Augustinus, Cyprianus. In den buntfarbigen Gewändern steht 
namentlich Zinnoberrot, Karmin, Rosa und Goldgelb g^egen leuchtendes Grün und Ultra- 
marinblau. 

Dazwischen 

sind graue, 
graublaue und 
violette Töne 
verstreut. Das 

Inkarnat 
der Gruppe r. 
ist rotbraun, 
1. graubraun. 

Bez. auf der Schließe 
am Mantel d. hl. Am- 
brosius : MDXV . . . 
[1518?] .-. Samm- 
lung SoUy, 1821. 

Pappelholz [?], 

h. 1,56, br. 3,08. 




I 317 



141 



Florentini- 
sdie Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

147 




Roff oöllr-, Raffaello Santi, gen. Raffaello da Ur- 
dildeilU bino. Nach dem Vater Raffaello di Gio- 
vanni Santi. Zeichnet sich Raphael Urbinas. Maler 
und Architekt, geboren zu Urbino den 7. April 1483, ge- 
storben zu Rom den 6. April 1520. Schüler seines Vaters 
Giovanni und nach dessen Tode wahrschemlich des Evan- 
gelista di Pian di Meleto. Gebildet in Urbino unter dem 
Einflüsse TimoteoVitis, des Werkstattgenossen Evangelistas; 
später Gehilfe Pietro Peruginos zu Perugia; in Florenz [seit 
Ende 1504] unter dem Einflüsse der Werke Leonardos und 
Fra Bartolommeos weiter ausgebildet; in Rom [seit 1508] 
durch das Studium der Antike und eine Zeitlang durch 
Sebastiane del Piombo und Michelangelo beeinflußt. 
Tätig in Urbino, Perugia, Cittä di Castello [zeitweilig 
zwischen 1500 und 1504], Florenz, Siena [1504], und 
vornehmlich zu Rom [seit 1508 bis zu seinem Tode]. 

147 Maria mit dem Kind und dem kleinen 
Johannes. Das goldig- ockergelbliche Fleisch 
ist leicht gerötet an den Wangen. Wie im Fleisch 
schimmert die braune Untermalung auch im ultra- 
marinblauen Mantel Marias und dessen über 
dem rotbraunen Haar umgeschlagener dunkel- 
saftgrüner Innenseite durch. Karminrot im Ge- 
wände kehrt heller im Mantel des kleinen Jo- 
hannes, über dunkelgelbbraunem Fell, wieder. 
Mantel und Kleid sind mit Goldstickerei geziert. Gelbbraunes Haar. Vor blaugrüner Land- 
schaft und ultramarinblauem Himmel. 

Bekannt unter dem Namen Madonna della Casa Diotalevi, nach dem früheren Besitzer Marchese Diotalevi zu Rimini. Dort galt 
das Bild für ein Werk Peruginos; jedenfalls ist es ganz unter dessen Einfluß entstanden, um 1502. In der Behandlungsweise ist 

es anderen Jugendwerken Raffaeis nahe verwandt; insbesondere 
M.f - v " Vtt'^W'AVJb.na gT'.g.^^^^fc^' ' "'.VK^ig^^^BH^^^^H stimmt das Christkind mit den Kinderfiguren des Meisters in der 

Madonna des hl. Hieronymus [Nr. 145], in der Madonna Terranuova 
[Nr. 247 A] und der Madonna Solly [Nr. 141] überein .-. Erworben 
1842 vom Marchese Diotalevi in Rimini .*. Pappelholz, h. 0,69, br. 0,50. 

141 Maria mit dem Kinde. In der kühleren Ge- 
samtfärbung spricht besonders Ultramarinblau 
im Mantel Marias über karminrotem Gewand, 
vor blaugrünlichen Bergen, hellblauer Ferne 
mit bräunlichsaftgrünen Bäumen und hellblauem 
Himmel. Schwärzlichgrüner Einband und gold- 
gelber Schnitt des Buches. In dem hellbräun- 
lichen, zum Teil rötlichen Fleisch wirkt die graue 
Untermalung. Gelbbraunes Haar und goldener 
Nimbus. Das Kind hält einen braungrauen 
Stieglitz mit hellgelben Flügelfedern und rotem 
Fleck am Kopf. 

Aus der Zeit, da Raffael unter dem bestimmenden Einflüsse 
Perueinos stand [etwa um 1502 03]. Unter dem Namen Madonna 
der Sammlung Solly bekannt .". Über die fünf auf dieses Bild sich 
Iteziehenden Handzeidinungen s. Koopniann, Raffaelstudien p. 47 .". 
Sanunlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,52, br. 0,38. 




142 



145 Maria mit dem Kind und zwei Heilige. 
Warm brauner Fleischton mit Rot in den Konturen 
und Wangen und Grau in den Schatten. Maria, 
mit weißem Schleier auf dem gelbbraunen Haar, 
in Schwärzlichultramarinblauem, innen saftgrünem 
Mantel über karminrotem Gewand. Auf dunkel- 
violettem, goldgesticktem Kissen mit karminroten 
Quasten und der saftgrünen, goldpunktierten 
Innenseite des Mantels sitzt das Kind, von weißem 
Schleier umhüllt. Links steht Karminrot im Hut 
und Gewände des hl. Hieronymus, rechts gelb- 
liches Graubraun in der Kutte des hl. Franzis- 
kus. Goldene Nimben und Goldverzierung am 
Gewände Marias. Vor graublauem Himmel und 
graublauer Landschaft unter hellerem Horizont. 



Aus der Zeit, in der Raffael unter dem Einflüsse Peruginos stand 

[etwa 1503] .■. Eine entsprechende Handzeichnung in der Albertina, Wien .'. Erworben 1829 vom Baron von der Ropp. 
Pappelholz, h. 0,34, br. 0,29. 




Florentini- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

145 



247a Maria mit dem Kind und dem kleinen Johannes. Aus der bräunlichen Ge- 
samtfärbung löst sich weich der goldig leuchtende Fleischton. Vor dunkelbraungrauer 
Brüstung und bräunlichgrüner Landschaft, die nach der Ferne in Graublau übergeht, 
unter hellgraublauem Himmel und hellerem Horizont, mit graubraunen Felsen, die r. von 
der Sonne gelblich bestrahlt sind, sitzt Maria, mit dunkelbraunem Haar, in karminrotem 
Gewand, von dem sich der ockergelbliche, mit Braun und Grau modellierte Körper des 

Kindes abhebt, und dunkelblauem — ^ 

Mantel mit Goldkante. Johannes trägt 
über ockergelbbraunem Fell, dessen 
Farbe im Haar wiederkehrt, einen hell- 
karminroten Mantel, der in den Lich- 
tern graublau schimmert. Der Knabe 
zur Rechten [wahrscheinlich Jakobus 
minor] in goldgelber Umhüllung. 
Goldene Nimben. 

Bekannt unter dem Namen Madonna del Duca di 
Terranuova, da sich das Bild lange im Besitze dieser 
Familie zu Genua [später In Neapel] befand .'. Aus 
dem Anfang der florentinischen Zeit [um 1505] .*. 
Eine Zeichnung zu dem Bild im Museum zu Lille, eine 
andere von mehr perugineskem Charakter im Ber- 
liner Kupferstichkabinett .". Erworben 1854 in Neapel 
vom Duca di Terranuova. 

Pappelholz, Durchmesser 0,86. 

248 Maria mit dem Kinde. Unvoll- 
endet. Es fehlen die letzten Lasuren, 




274 A 



143 



Florentini- 
sdie Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 




daher die helle bunte Färbung in Karminrot 
[Gewand Marias], Hellultramarin [Mantel, 
Himmel] und Gelbgrün in der Landschaft, die, 
im Vordergrund gelbbraun, nach der Ferne 
in Hellblau übergeht. Goldig-gelbbraunes 
Fleisch mit rötlichen Tönen und Grau in den 
Halbschatten. Maria, mit goldgelbbraunem Haar, 
hält ein braunrot gebundenes Buch mit ocker- 
gelbem Muster. 



Bekannt unter dem Namen Madonna di Casa Colonna, da sich das 
Bild lange im Besitze dieser Familie zu Rom befand, in den es 
durch Erbschaft aus dem Hause Satviati in Florenz gelangt war .'. 
Aus der letzten Zeit des Florentiner Aufenthaltes, etwa Ende 
1507 oder erste Hälfte des Jahres 1508. Das Bild zeigt in den 
Typen wie in den Formen eine nahe Verwandtschaft mit der Ma- 
donna Niccolini [bei Lord Cowper], die mit der Jahreszahl 1508 
bezeichnet ist. Zeichnungen mit verwandten Motiven in Florenz 
und in Wien [Albertina] .■. Nach Crowe und Cavalcaselle rühren 
nur Erfindung und Zeichnung von Raffael her, während die 
malerische Ausführung einem Gehilfen der Werkstatt zu Perugia, 
imd zwar dem Domenico Alfani, zuzuweisen wäre .*. Erworben 
1827 von der Familie Lante in Italien. 
Pappelholz, h. 0,77, br. 0,56. 



C„j.i.-. Andrea del Sarto. Urkundlich Andrea d'Agnolo di Francesco genannt. De 
Odl \.\J jg| Sarto erhielt er nach dem Handwerk seines Vaters, der Schneider war. Geborer 



)en Beinamen 

Doren zu Florenz 

den 16. Juli 1486, gestorben daselbst den 22. Januar 1531. Schüler Pieros di Cosimo, unter dem 

Einflüsse Fra Bartolommeos, Leonardos da Vinci und Michelangelos weiter ausgebildet. Tätig zu 

Florenz, kurze Zeit zu Paris [1518/19]. 

240 Bildnis einer jungen Frau. AUa prima gemalte Studie. Die bräunlichgoldgelbe 
Grundierung liegt im Ärmel und im Hintergrunde zutage, der in der Umgebung des 
das dunkelbraune Haar umschlingenden weißen Tuches ins Grünliche übergeht. Durch 
das weiße Brusttuch scheinen graue und braune Töne. Rötlichbraunes Fleisch. 

240 " — ^3^^^^^BV^^''*'^IVHIHI^^^^^I A"^ '^'^^ Spätzeit des Meisters .'. Galt ehemals für das Bildnis der Lucrezia 

di Bartolommeo del Fede, der Gattin des Malers .-. Erworben 1829 durch 
Rumohr. .-. Pappelholz, h. 0,44, br. 0,37. 

246 Thronende Maria mit dem Kind und acht 
Heilige. Vor luftig grauer Architektur und zwischen 
grauem Gewölk steht leuchtendes Rot, das, schräg 
nach hinten springend, im kühlen Licht wie alle 
anderen Farben nach der Tiefe zu an Intensität ab- 
nimmt. Im hellsten Lichte thront Maria, mit dunkel- 
braunem Haar, in zinnoberrotem Gewand, graublau- 
rot schillerndem Schleier und tiefblauem Mantel. 
Petrus 1. in matterem Rot. Markus r. verschwindet 
in bräunlichgrauem Helldunkel. Nach den Bild- 
rändern zu wird die Färbung noch toniger: Bruno 
1., mit grauem Haar, in gelblichweißem Mönchs- 




144 



kleid, Antonius von Padua, das 
flammende gelbrote Herz in 
der Linken, in gelbbrauner 
Tracht. Im gleichen Ton [ocker- 
gelbbrauner Körper und weiß- 
graues Haar] ist der kniende 
hl. Onuphrius gehalten, während 
nach vorn zu die Farben voller 
und glänzender werden. Dem 
leuchtenden Zinnoberrot im Ge- 
wände der hl. Katharina r., mit 
hellroten und hellvioletten 
Tüchern, hält das tiefste Rot 
im Mantel des hl. Celsus vorn, 
über dunkelblauem Gewand 
mit goldgelber Kette und Säu- 
men, auf der 1. Seite die Wage. 
Die hl. Julia r., in matt zitron- 
gelbem Mantel über lilagrauem 
Gewand und grauem Schleier, 
entspricht wieder der kühleren 
Färbung der oberen Gruppe 1. 
Das beherrschende luftige Grau 
kommt überall in der weichen Modellierung des rötlichen Fleisches zum Vorschein. 

Bez. mitten auf der obersten Stufe : ANN. DOM. MDXXVIII -■- Ein Hauptwerk des Meisters, von Vasari beschrieben. Die zur 
Altartafel gehörige Lünette, die Verkündigung darstellend, jetzt in der Galerie Pitti zu Florenz [ursprünglich ein Halbrund, 
später durch angesetzte Stücke in ein Viereck verwandelt] .*. Im Auf- 
trage des Giuliano Scala für Sarzana im Florentinischen gemalt, wo das 
Bild bis zur Revolution von 1789 geblieben zu sein scheint. Von da 
kam es nach Genua und später nach Paris in die Sammlungen Laperiere 
und Lafitte : aus der letzteren wurde es 1834 durch den letzten Besitzer, 
einen Engländer Arrow Smith, angekauft .■- Handzeichnungen zu den 
hll. Marcus und Antonius von Padua in British Museum .'. Erworben 
1836 in Paris. 

Pappelholz, h. 2,28, br. 1,85. 

n **anr>i Ql-»irri/~« Francesco [di Cristofano] Bigi, ge- 
1 IdllL-ldUI^lU „annt Franciabigio, auch Francia 

Bigio. Geboren 1482 zu Florenz, gestorben daselbst den 

24. Januar 1525. Anfangs Schüler Mariotto Albertinellis, 

dann vermutlich Pieros di Cosimo; als Gehilfe Andreas del 

Sarto v^eiter ausgebildet. Tätig zu Florenz. 

235 Bildnis eines Mannes. In grauschwarzer Mütze 
und gleichfarbigem Gewand, unter dem am Hals 
das weiße Hemd hervorsieht. Warmbräunliches 
Inkarnat und dunkelbraunes Haar. Vor bräun- 
lichem Grund. 

Sammlung SoUy, 1821 .-. Nußbaumholz, h. 0,47, br. 0,33. 




Florentini- 
sdie Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 




235 



145 



Floreniini- 
sche Schule 

des XVI. 

Jahrhun- 
derts 



245 A 



245 Bildnis eines jungen Mannes. Die kühle 
Färbung in Grau, Schwarz, Blaugrün und Blau 
wird durch rötliche Töne belebt. Gegen hell- 
blaugrüne Landschaft und blaugraue, am Hori- 
zonte rötlich gefärbte Wolken, zwischen denen 
der tiefblaue Himmel sichtbar ist, steht bräun- 
liches Grauschwarz im Barett, von dem sich 
warm der graubräunliche Fleischton abhebt, 
reines Grauschwarz in der Kleidung, aus der 
dunkelkarminrote Ärmel hervorkommen, und 
graubläuliches Weiß im Hemd. Die Hände 
ruhen auf rosagrauer Brüstung und bräun- 
licherem Schreibpult, auf dem weiße Blätter, in 
braungraues Pergament gebunden, liegen. 
Graues Schreibzeug. 

Bez. auf einem Blättchen, das auf dem Pulte liegt: + 1522: li 
24 d'ottobre und mit dem aus den Buchstaben FRACR zusammen- 
gesetzten Monogramm, das Franciscus Cristofani bedeutet .". Das 
Bild wird von den Herausgebern des Vasari für das Bildnis Matteo 
Sofferronis gehalten -•- Erworben 1829 durch Rumohr. 
Pappelholz, h. 0,78, br.0,61. 

245a Bildnis eines jungen Mannes. Vor tiefblaugrünem Himmel mit hellrotem Horizont 
und vor blaugrüner Landschaft mit ockergelben und braunroten Einzelheiten hebt sich 
warm, von dunkelbraunroten Haaren umgeben, auf denen ein grauschwarzes Barett sitzt, 

das rötliche Fleisch des Gesichts ab. In bräun- 
licher, mit grauschwarzem Pelz gefütterter 
Kleidung, aus der die grauen Ärmel hervor- 
kommen. 





Die Autorschaft Franciabigios ist zweifelhaft 
vom Marchese Patrizi in Rom. 
Pappelholz, h. 0,79, br. 0,57. 



Erworben 1876 



Bar>r>V»i;5rPa FrancescoUbertini, gen.Bacchi- 
ay^y~^VVlCl\.^\^tX acca. Nach dem Vater Francesco 
di Ubertino di Bartolommeo; Familienname Verdi. 
Geboren den 1. März 1494 zu Florenz, gestorben da- 
selbst den 5. Oktober 1557. Schüler des Pietro Peru- 
gino und Franciabigio zu Florenz; unter dem Einfluß 
Andreas del Sarto weiter ausgebildet. Tätig zu Florenz 
und einige Zeit in Rom [vermutlich nach 1524]. 

267 Taufe Christi. Auf den kühlen grauen 
Ton der Landschaft, die mit bräunlichsaft- 
grünen Bäumen bestanden ist, mit grünlich- 
blauer Ferne unter graublauem Himmel, sind 
die Farben der Gewänder, unter denen Grau- 
blau und Grün überwiegen, und der lichte ocker- 
gelblichgraue Fleischton der Figuren gestimmt. 



146 



Zwischen den kühlen 
Tönen ist Hellkarmin 
und Goldgelb [Mäntel 
der vom Rücken ge- 
sehenen stehenden 
Männerrechtsundlinks] 
sowie Changeantfar- 
ben, z. B. Graublau — 
Rosa [Kleider halten- 
der Engel], Gelbgrün— 
Braunrot [stehende 
Frauganz rechts] oderGrün— Rosa verteilt. Im graublauen Wasser desFlusses wird Christus, 
dessen Hüften ein blauweißes Tuch verhüllt, von Johannes in karminrotem Mantel, getauft. 

Das Bild ist das eine der nachVasari für den Florentiner Gio. Maria Benintendi zum Schmucke von Truhen oder dgl. gemalten 
Stücke und von Vasari besonders gerühmt. Als Seitenstück dazu erscheint das sogen. „Leichenschießen*' in der Galerie zu 
Drei^den , das nach der Überlieferung ebenfalls aus der Casa Benintendi stammt. Nach handschriftlichen Bemerkungen 
Waagcns war das Berliner Bild früher gleichfalls im Besitze der Dresdener Galerie .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,75, br. 1,66. 




Florentini- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

267 



1539 Enthauptung Johannis desTäufers. Der kühle graue Gesamtton der Landschaft, 
der im Vordergrunde graubraun, in der Ferne blaugrün erscheint, wird besonders durch 
Karminrot [Gewand des Mannes mit Turban in der Mitte, heller im Gewände des ent- 
haupteten Täufers und im Kopftuche Salomes], Zinnoberrot [Gewand und Sandalen 
des Mannes mit weißem Turban rechts] und Goldgelb [Mädchen hinter Salome] belebt. 
Karminrot dient ein leuchtendes Gelbgrün [im Mantel des Mannes mit Turban in der 
Mitte und im Unterkleide des Mäd- 
chens links] als Gegenfarbe. Dazwischen 
stehen kühle gebrochene Töne: Oliv- 
grün, nach Braunviolett schillernd im 
Gewände Salomes, über dem auf der 
Brust ein blaugrünes Band liegt. Grau 
im Schurze des Henkers und der mit 
rosafarbenen Bändern gezierten Rüstung 
des Hauptmannes, Blaugrün [rosa schil- 
lernd] im Obergewande des Mädchens 
im Profil links]. Salome hält eine gold- 
gelbe Schüssel. Kalter, ockergelblich- 
grauer Fleischton mit grauen Schatten, 
etwas wärmer in der Gestalt des 
Henkers. 



Die Komposition geht auf den Holzschnitt Dürers vom 
Jahre 1510 mit der Darstellung der Enthauptung Jo- 
hannis d. T. [ B. 125] zurück .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelho.z, h. 1,69, br. 1,46. 




147 



Florenüni- 
sche Schule 

des XVI. 

Jahrhun- 
derts 



261 tK Bildnis einer jungen Frau. Zarte kühle 
Stimmung in Grau und Blaug-rün. Sie sitzt vor 
grauer Wand, in blaugrünem Kleid und hält auf 
dem Arm eine gelbbraune Pantherkatze. Auf dem 
weißlichen, an den Wangen leicht geröteten, mit 
Graublau modellierten Fleisch liegt eine goldgelbe 
Kette. Das rotbraune Haar ziert grauweißer Kopf- 
putz mit einer goldenen Schaumünze. 

Erworben 1897 im italienischen Kunsthandel, als Geschenk des Herrn 
Generaldirektors Dr. W. Bode. 

Pappelholz, h. 0,26, br. 0,185. 

Florentinische Schule um 1530 

S 15 Maria Tempelgang. Graue Umrahmung mit 
hellgrauen Karyatiden. Vor grauer Architektur, gelb- 
braunem Boden und hellblauem Himmel mit weißen 
Wolken stehen die Figuren in karminroten [Unter- 
gewand des Hohenpriesters, heller im Mantel des 
am Fuße der Treppe stehenden Mannes und im Brustpanzer des Soldaten links], gold- 
gelben [Mantel des Hohenpriesters und der am Fuße der Treppe stehenden Anna], 
meist aber graublauen, gelbgrünen und blauen Gewändern. Rötlicher Fleischton mit 
durchscheinendem Grau. 

Gegenstück zu Nr. S 16 .'. Sammlung James Simon. 
Pappelholz, h. 0,28, br. 0,59. 

S 16 Vermählung Maria. Graue Umrahmung mit hellgrauen Karyatiden. Vor lichtem 
grauem Grund, hellblauem Himmel mit weißen Wolken und rosagrauer Architektur die 
Figuren in hellroten, braunroten, grünen, goldgelben [Mantel Josephs] und hellblauen 
Gewändern [Joseph, Frau mit Kind rechts]. Maria in grauweißem Kleid, der Hohe- 
priester in zinnoberrotem Ornat über grauviolettem Untergewand. Dazwischen, beson- 
ders im Hintergrunde, stehen blaue und graublaue Töne. 

Gegenstück von Nr. S 15, und mit diesem Bilde wahrscheinlich zu einer Predella gehörig .'. Die Tafeln stehen der Art Fran- 
cesco Granaccis nahe .'. Sammlung James Simon. 
Pappelholz, h.'0,28, br. 0,59. 




S15 
516 




148 



Florentinische Schule um 1530 

1649 Bildnis eines Mannes. In kräftiger, 
dunkelrotbrauner Modellierung, mit dun- 
kelbraunem Haar und Kinnbartansatz, mit 
etwas Rot in den Lippen und Augenwinkeln 
hebt sich der Kopf vom graugrünen Grund 
ab. Blaugrünliche Augäpfel. In grau- 
schwarzem Barett und Gewand, aus dem 
der weiße Kragen hervorkommt. Der 
dunkelbraune Mantel ist innen mit grauem, 
schwarz gemustertem Damast gefüttert. 

Erworben 1906 aus deutsch-russischem Privatbesitz. 
Pappelholz, h. 0,57, br. 0,44. 

Col-iri-jfJ Francesco Rossi de' Salviati [nach 

OdlVldLl dem Vater Francesco di Michelanaelo 
de' RossiJ, nach seinem Beschützer dem Kardinal 
Salviati, Cecchino del Salviati oder kurz Fran- 
cesco Salviati gen. Geboren zu Florenz 1510, 
gestorben zu Rom den 11. November 1563. Schüler 
des Giuliano Bugiardini, Baccio Bandinelli, Raffaello del Brescia [Brescianino] und um 1529 des Andrea 
del Sarto zu Florenz. Tätig zunächst in Rom [von etwa 1530 — 1542], von 1539 — 1541 in Florenz und 
Venedig, vifieder in Florenz [1543 — 1548] und von 1548 an wieder in Rom; nach etwa anderthalbjährigem 
Aufenthalt in Paris [1554 — 1556] abwechselnd in Florenz und Rom. 




Florentini- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

1649 



339a Bildnis des Ranuccio Farnese [1530 — 1565]. Vor grauem Grund in grau- 
schwarzem seidenem Mantel mit dem weißen Kreuz des Malteserordens und hellkar- 
minrotem Wams, das in den Schlitzen der Ärmel zum Vorschein kommt und dessen 
Farbe in den Lichtern ausgeblichen scheint. Weißer 
Kragen und Manschetten. In der Rechten hält er 
einen dunkelgelbbraunen Handschuh. Rotbraunes 
Fleisch mit braunem, rötlich schimmerndem Haar. 

Auf der Rückseite findet sich zweimal der Name Salviati [einmal auf 
einem aufgeklebten Papierblatt in der Schrift des 16. und ein zweites Mal 
auf dem Holz in der des 17. Jahrhunderts]. Unser Bild ist eine Kopie in 
kleinerem Maßstabe nach dem Porträt Ranuccio Farneses von Tizian [ voll- 
endet um die Mitte des Jahres 1542], von dem sich eine alte Kopie bei 
Sir Frederik Cook in Richmond, eine andere in der Sammlung Brauer zu 
Florenz befindet .". Ehemals dem jüngeren Salviati [Giuseppe Porta] zu- 
geschrieben, aber wohl eher von Francesco, der vielfach fiir die Farnese 
tätig war .'. Erworben 1880 in Mailand. 
Nußbaumholz, h. 0,20, br. 0,14. 

iJ^OnyinO A"?^'°diCosimo diMariano,gen. Bro nzino. 
Geboren in Monticelli bei Florenz um 1502, ge- 
storben zu Florenz den 23. November 1572. Zuerst Schüler des 
Raffaellino del Garbo, dann des Jacopo da Pontormo in Florenz; 
ausgebildet durch das Studium der Werke Michelangelos. Tätig 
zu Florenz. 

338b Bildnis der Eleonore von Toledo [gest. 
den 17. Dezember 1562 ]. Vor dunkelkarminrotem 




339 A 



149 



Florenüni- 
sche Schule 

des XVI. 

Jahrhun- 
derts 




338 A 



Vorhang, in karminviolettem Kleid, das ganz mit 
gelbbraunen, gelb blitzenden Borten und mit grauen 
Perlen in goldgelber, karminrot emaillierter Fassung 
besetzt ist, mit silbergrauem Kragen- und Armel- 
umschlag. Der dunkelkarminrote Brusteinsatz, auf 
dem eine bräunlichgraue Perlenkette ruht, ist mit 
goldgelber Stickerei geziert. Das mit grauen Bän- 
dern gebundene dunkelgelbbraune Haar umfaßt ein 
goldgelbes Netz. In den Ohren silbergraue Gehänge 
mit grauen Perlen. Lichtes bräunliches Inkarnat mit 
rötlichen Tönen und gelbbraunen Schatten. Die Hand, 
ein weißgraues Taschentuch haltend, ruht auf blau- 
grüner Brüstung. 

Eleonore, Tochter Don Pedros von Toledo, Vizekönigs von Neapel, ver- 
heiratet [seit 1539] mit Cosimo, dem ersten Großherzog von Toskana .". 
Das Bildnis kommt in Wiederholungen häufig vor /. Erworben 1890 in 
Florenz .-. Pappelholz, h. 0,5S, br. 0,42. 



338a Bildnis des Ugolino Martelli. Die hellgraue 
Architektur mit dunkelgraublauen Gesimsen und Fensterumrahmungen stellt den Hof des 
Palazzo Martelli zu Florenz mit der bräunlichgrauen Statue des David von Donatello dar. 
In grauschwarzem Barett und Kleidung, aus der an den Ärmeln und den Schlitzen der 
Hose das graublaue Untergewand hervorkommt. Die linke Hand stützt ein ultramarin- 
blau gebundenes Buch mit goldgelbem Schnitt [Bembo] aufs Knie, die Rechte weist auf 

die beim Anfange des 9. Gesanges auf- 
geschlagene llias, ebenfalls in blauem 
Einband. Die gelbgrüne Decke, auf der 
1. ein Buch in graublauem Einband, mit 
der Inschrift MARO auf dem goldgelben 
Schnitt, liegt, ist auf der rosagrauen Tisch- 
platte zurückgeschlagen. Ockergelbbrau- 
ner Fleischton mit grauen Halbschatten. 

Bez. auf der Kante der Tischplatte: BRONZO Fl'OREN- 
TINO .". Von Vasari erwähnt .". Ugolino Martelli [1519 bis 
1 592], Humanist, literarisch tätig, in späteren Jahren Bischof 
zu Grandeves in Südfrankreich /. Der Hof des Palazzo 
Martelli zeigt noch heute die gleiche Gestalt, nur befindet 
sich jetzt die Statue des David im Innern des Hauses .•. Er- 
worben 1878 aus dem Pal . Strozzi zu Florenz. 
Pappelholz, h. 1,02, br. 0,85. 



338 Bildnis eines jungen Mannes. In 
grauer Kleidung, die vorn durch eine gelb- 
braune Schließe zusammengehalten wird, 
sitzt er auf grauer Bank vor graugrünem 
Grund, einen weißen Brief haltend. Weiße 




150 



Krausen an Hals und Ärmeln. Ockergelb- 
lichbraunes Inkarnat mit roten Lippen. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Pappelholz, h. 0,86, br. 0,67. 

S2 Bildnis eines Jüng:lings. Vor braunem 
Grund, in grauschwarzem Gewand und Barett. 
Bräunliches Fleisch. Die Hände liegen, in 
grauweißem Buche blätternd, auf gelbgrüner 
Brüstung. 

Erworben im Florentiner Kunslhandel .-. Sammlung James 
Simon. 

Pappelholz, h. 0,74, br. 0,58. 



SCHULE VON BOLOGNA 



Imol 




„ Innocenzo [di Pietro] Francucci, gen. 

"■ Innocenzo da Imola. Geboren zu Imola 
1493/94, gestorben zu Bologna um 1550. Schüler 
Francesco Francias [urkundlich seit 7. Mai 1508] zu 
Bologna und Mariotto Albertinellis zu Florenz, weiter 
ausgebildet durch das Studium Raffaels. Tätig vor- 
nehmlich zu Bologna. 

280 Maria mit dem Kind und die hll. Eligius und Petronius. Gegen kühle, nach 
Grau gebrochene Töne steht bräunliches Gelbrot. Vor blauem Himmel und gelber, von 
grüner, blauer und violetter Zone begrenzter Glorie, umgeben von rötlich und graublau 
geflügelten Cherubim, sitzt Maria auf blaugrauen Wolken, in hellkarminrotem Gewand, 
dunkelblauem Mantel und blaugrauem Kopftuch. Unten vor grünlicher, mit Ockergelb 
und Grau untermischter Landschaft der hl. Eligius als Schmied, mit schwarzblauer Kappe, 
in gelbrotem Mantel und Beinkleidern, violett- 
grauem Rock und gelblichgrauem Schurz. Gelb- 
rot kehrt wieder im Ornat des hl. Petronius 
über grauweißem Chorhemd. Die leuchtend- 
grüne Innenseite des mit Goldstickerei auf 
blauem Grund gezierten Ornats ist über der 
linken Schulter hochgeschlagen. Weiße Bischofs- 
mütze. In der Rechten hält er das goldocker- 
farbene Stadtmodell von Bologna, in der Linken 
ein blau gebundenes, goldgeziertes Buch. Grau- 
brauner Fleischton. In gebrochen rötlichen 
Tönen ist in der Landschaft der hl. Eligius dar- 
gestellt, wie er dem störrischen Pferde das 
Bein wieder ansetzt, das er abgehauen hat, um 
es beschlagen zu können. 

Die Madonna ist in der Haltung Raffaels Madonna da Foligno 
nachgebildet .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,97, br. 1,73. 




Florentini- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

338 



Schule "von 
Bologna im 
XVI. Jahr- 
hundert 



S2 



151 



Schule von 
Bologna im 
XVI. Jahr- 
hundert 



Schule der 
Romagna 
im XVI. 
Jahrhun- 
dert 



$^ 



'mJM 4 



^ f^ 1* 1 Girolamo Marchesi, gen. 

V^OtlgnOia GirolamodaCotignola. Ge- 
boren zu Cotignola um 1481, gestorben um 
1550, wahrscheinlich in Rom. Schüler des 
Francesco und des Bernardino Zaganelli, dann 
des Francesco Francia; in Rom nach Raffael 
weiter ausgebildet. Tätig in Bologna, Rom und 
Neapel, kurze Zeit in Rimini und in Ravenna. 

ti^Ji ^ ^CS&^B^^ ^la^LT ^^^ Erteilung der Ordensregel an 

BL^^. yß^^KKr I Jn9^^ die Bernhardiner. LeuchtendesSma- 

ragdgrün im Vorhang, der über rot- 
braune Brüstung herabfällt und von 
warm rotbraun gefärbten Putten ge- 
halten wird, und gelbliches Grauweiß 
der Ordenstracht sind die Hauptfarben. 
Zu beiden Seiten des Thronvorhangs 
sind tiefblauer Himmel und Berge unter 
rötlichem Horizont sichtbar. Der hl. 
Bernhard, Abt vonClairvaux, trägt über 
der gelblichweißen Tracht das karmin- 
rote, innen tiefblaue Ornat, mit gelb- 
grünen Fransen und goldgelben Stickereien geziert. Der rechts auf braungrauem Boden 
kniende Mönch hält ein zinnoberrot gebundenes Buch. Dunkelrotbrauner Fleischton. Am 
Boden das Sinnbild der Brüderschaft. 

Bez. auf der unteren Thronstufe: HIeronymus Cottignol's F 
MDXXVI. .-. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 2,02, br. 1,54. 

SCHULE DER ROMAGNA 

LI • Luca Longhi. Geboren zu Ravenna den 
Ongni \\ Januar 1507, gestorben daselbst den 
12. August 1580. Vermutlich Schüler Niccolö Ron- 
dinellis, dann wahrscheinlich nach Giacomo Francia 
[in Bologna?] weiter ausgebildet. Später Nach- 
ahmer Parmeggianinos. Tätig zu Ravenna. 

117 Thronende Maria mit dem Kind 
und zwei Heilige. Grelle, bunte Lokal- 
farben, besonders leuchtendes Gelbgrün 
[Vorhang, Thronteppich], Zinnoberrot [Ge- 
wand Marias, bräunlicher im grün, weiß, 
ockergelb und graublau gemusterten 
Teppich] und Blau [Mantel Marias, Himmel] 
stehen hart vor grauer Architektur und 
ockergelbem Boden. Der hl. Sebastian an 
hellgrüner Säule, mit dunkelrotbraunem 
Haar. Franziskus in braungrauer Kutte, von 
der sich violettes Kreuz und Buch abheben. 




152 



Ockergelblichgraues Fleisch. Vorn auf 
rotbrauner Stufe ein Wappen [bräunliche 
Fische auf dunkelblauem Feld]. 

Bez. rechts unten auf einem Papierblatt undeutlich : Luchas 
de Lo[nghis] de R"^ pingebat mill"T^ [quingentesimo [?] 
[quadrajgesimo [?] secundo pridie kl. ottobris [also voll- 
endet den 30. Sept. 1542?] .-. Rechts ein Blatt mit der 
Inschrift: Virgini Mariae et Sebastiano usw. .*. Sammlung 
Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 2,52, br. 1,62. 

LOMBARDISCHE SCHULE 

T ö/^r» Qi*/"!/"» Leonardo [Lionardo] daVinci. 

LieUIiarUU Na^h seinem Vater di Ser Piere. 
Baumeister, Bildhauer und Maler, geboren 1452 
in der Villa Anchiana bei Vinci oberhalb Empoli, 
gestorben den 2. Mai 1519 auf Schloß Cloux bei 
Amboise. Schüler Andreas del Verrocchio in 
Florenz. Tätig zu Florenz bis Ende 1481, dann 
zu Mailand [nachweisbar seit 1487 bis 1499], zu 
Venedig 1500, zu Anfang 1501 wieder in Florenz, 
von Mitte 1502 bis Mitte 1503 auf Reisen in Mittel- 
italien, 1506 und 1507 vorübergehend in Florenz, 
1508-1513 ständig in Mailand, 1513—1516 in 
Rom, 1516 — 1519 auf Schloß Cloux als Hofmaler 
Franz I. Begründer der Mailändischen Schule des 
16. Jahrhunderts. 

90b Der auferstehende Christus 
von den hll. Leonardo undLucia 
verehrt. Die Farben sind nach 
Grau und Rotbraun gebrochen. Vor 
dunkelgraubraunen, rotbraun be- 
wachsenen Felsen, blaugrüner Ferne 
und hellblauem Himmel mit bräun- 
lichweißenWolken schwebt Christus, 
mit rötlichbraunem Haar, und weißer 
Fahne mit zinnoberrotem Kreuz, den 
hellockergelblichen Körper in grau- 
weißes Bahrtuch gehüllt. Unten vor 
bräunlichgrauem Boden, zu Seiten 
des grell lichtroten Sarkophags knien 
der hl. Leonardo in gelblichbraunem 
Ornat mit karminroten und hell- 
blauen Mustern, graublauer Schärpe 
und Rückenstück mit rotem Orna- 
ment, unddiehl.Lucia ingraublauem 
Gewand und braunrotem, innen 
mattgoldgelbem Mantel. Warm rot- 
bräunliches, weich mit Grau model- 
liertes Fleisch und rotbraunes Haar. 




Schule der 
Romagna 
im XVI. 
Jahrhun- 
dert 



Lombardi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

90 B 



153 



Lombardi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

207 



222 




In den älteren Katalogen „Malländische Schule unter Einfluß des 
Leonardo daVinci" genannt. Über die Gründe, aus denen das Bild, 
als es 1884 wieder zur Aufstellung gelangte, dem Meister selbst zu- 
geteilt wurde, s. Jahrb. der k. pr. Ksts. V. 293 ff .'. Befand sich 
früher [nachweisbar im 17. Jahrhundert] in der Kirche S. Liberata 
zu Mailand und trug damals, wie Torre [Ritratto di Milano, 1714, 
S. 199] berichtet, den Namen Bramantinos, mit dem das Bild keine 
Verwandtschaft hat .'. Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz [oben ursprünglich wohl im Bogen abgeschlossen], 

h. 2,30, br. 1,83. 



D _^li. _£i!'_^ Giovanni Antonio Boitraffio oder 
DUllIdlllU Beitraf fio. Geboren zu Mailand 1467, 
g-estorben daselbst den 15. Juni 1516 [nach seiner Grab- 
schrift im Alter von 49 Jahren]. Schüler Leonardos da 
Vinci. Tätig- zumeist in Mailand , vorübergehend in 
Bologna. 

207 Die hl. Barbara. Auf den warmen rot- 
braunen Ton des Inkarnats und des Haares 
ist auch das braunrote Gewand gestimmt, das, 
über dem olivgrünen Unterärmel hochge- 
schlagen, am Ellenbogen die graublaue Innen- 
seite zeigt, unter dunkelgrünem Mantel mit 
goldgelbem Umschlag. Gelbbrauner Kelch. 
Vor hellblauer Luft mit grauweißen Wolken 
und vor grünlichbrauner Landschaft mit grau- 
bräunlichen Felsen und Turm. 



Aus S. Satiro in Mailand .'. Urkundlich 1502 in Auftrag ge- 
geben .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,70, br. 1,11. 



Mel 



Francesco Melzi. Geboren zu Mailand 
ZI 1491 oderl492, daselbst 1566 noch am Leben. 
Schüler und Freund Leonardos da Vinci, den er 
nach Rom [1513 — 1516] und Frankreich begleitete. 
Tätig vornehmlich in Mailand. 

222 Pomona undVertumnus. Den warm 
rötlichen, mit grauen Schatten modellierten 
Oberkörper Pomonas verhüllt ein weißer 
Schleier. Den Unterkörper deckt ein hell- 
karminroter Mantel. Rotbraunes Haar. 
Vertumnus, als alte Frau, in weißer Haube, 
orangegelbem Gewand, graublauem, innen 
braunrotem Mantel, sucht sie mit dem 
Gleichnis der die Ulme umschlingenden 
Rebe zur Liebe zu bereden [Ovids Meta- 
morphosen XIV 623 f.]. Vor braunem und 
grauem Erdboden, kühler blaugrüner und 
graublauer Ferne und weißlichblauem 
Himmel, der durch grünes Laub blickt. 



154 




Identisch mit einem Bilde der „Flora", das sich in der ersten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Paris bei dem Herzog von Saint- 
Simon befand und nach dem Zeugnisse Mariettcs [ 1694 — 1774 1 
mit dem Namen des Meisters und dem Zusatz „mailändischer 
Edelmann" in griechischer Schrift bezeichnet war. Mariette hat 
offenbar das Bild selbst gesehen, das, bevor die Inschrift be- 
achtet worden war, immer für Leonardo gegolten hatte; er be- 
schreibt es als Vertumnus und Pomona und fügt hinzu, daß es 
im Besitz eines Händlers sei, der, um es für ein Werk Leonardos 
auszugeben, die Bezeichnung gelöscht habe. In der Tat taucht 
dann das Werk in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts als 
Leonardo in der königl. Sammlung zu Sanssouci auf [Nr. 44 der 
Galerie, nach dem Verzeichnis M. Oesterreichs von 1776]; doch 
ist es, nach seiner Überführung in das königl. Museum, schon 
im Katalog von 1830 als Francesco Melzi verzeichnet .*. Dem- 
selben Meister gehört ohne Zweifel die sog. Colombine in der 
Eremitage zu St. Petersburg an .'. Die Gestalt der Pomona ist 
nahe verwandt in der Haltung mit der Madonna in Leonardos 
Komposition der Anna Selbdritt, die in dem Karton der Lon- 
doner Academy erhalten ist .*. Königliche Schlösser. 
Pappelholz, h. 1,85, br. 1,34. 



• " Bernardino Luini. Geboren zu Luino am Lago 
,ilillli Mao-oiore zwischen 1475 und 1480 als Sohn eines 
Giovanni Lutero, gestorben zwischen August 1531 und 
Juli 1532. Schüler Ambrogio Borgognones, dann Nach- 
folger Leonardos. Tätig in Chiaravalle [1512, 1515], 
Legnano [1516], Cesariano [1521], Mailand, zeitweilig 
von 1523 — 1533 in Legnano, Saronno [1525], Como und Lugano [1529 und 1532], Busto Arsizio. 

217 Maria mit dem Kinde. Aus schwarzem Grunde lösen sich in weicher Modellierung- 
die hellbräunlichen Körper. Durchsichtige weiße Schleier fallen über das braune Haar 
Marias herab und umhüllen den Körper des Kindes, das einen gelbbraunen Apfel hält. 
Maria, in hellkarminrotem Kleid, unter dem auf den Schultern ein zinnoberrot und blau 
schillerndes Untergewand sichtbar ist, und blaugrünem, im Umschlage bräunlichgold- 
gelbem Mantel, hält ein zinnoberrot gebundenes Buch mit hellgelbem Schnitt. 

Königliche Schlösser .'. Pappelholz, h. 0,53, br. 0,42. 



219 Geburt Christi. Vor dunkelbrauner Wand 
mit Ausblick auf blaugrüne Landschaft und 
tief grünblauen Himmel mit goldenen Sternen, 
an dem vor gelber Glorie der rotgeflügelte 
Engel der Verkündigung- an die Hirten erscheint, 
kniet Maria in zinnoberrotem Gewand und 
dunkelblauem, innen grünem Mantel, mit blau- 
grauem Kopftuch und Hemd, das Kind in weißen 
Linnen haltend. Joseph in goldgelbem Mantel 
über braunviolettem Rock. Vor gelbbrauner 
Krippe der Engel in weißem Schleierhemd, 
mit gelb -rot schillernden Flügeln. 

Wohl nur Werkstattkopie nach dem Original bei Mr. Butler, 
London .-. Erworben 1841,42 in Italien. 
Pappelholz, h. 0,47, br. 0,37. 



Lombardi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

217 



1 

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219 



155 



Lombardi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

219C 
219 B 





219a — 219i Freskenzyklus: Der Mythus der Europa. Goldg-elb, Rot und Hellblau 
in den Gewändern sind die Hauptfarben, die vor gelbgrüner und blaugrüner Wiesen- 
landschaft und hellgraublauer Wasserfläche und Himmel stehen. Rotbräunlicher, mit Grau 
durchsetzter Fleischton. 



219 H 
219 G 



219c Vor blaugrüner Wiese Goldgelb und bläuliches Weiß, Gelbgrün, Graublau in den 
Gewändern der Blumen pflückenden Gespielinnen der Europa. 

Fresko auf Leinwand übertragen, h. 1,16, br. 1,23. 

219b Dem links stehenden Mädchen [Europa?] in goldgelbem Gewand und ziegelrotem 
Mantel reicht ihre Gefährtin, in rötlichem Gewand, Blumen. 

Nr. 219C und 219B gehörten ursprünglich zu einer Darstellung, wie sie in einer Handzeichnung im Kupferstichkabinett zu 
Berlin erscheint. 

Fresko auf Leinwand übertragen, h. 1,07, br. 1,305. 

Auf graublauer Wasserfläche Neptun, von hellgrünem Mantel umflattert. Rotbraune 
,,, Körper. Links ist noch ein Teil des weißen Stierkörpers 

sichtbar. 

Fresko auf Leinwand übertragen, h. 1,59, br. 1,09. 

219g Europa, in goldgelbem Gewand, dem der geblähte 
^_^„___„„____^_ ziegelrote Mantel 

rV V*.' '^BBHBHI^^^^W^BI als Hintergrund 

dient, auf dem gelb- 
lichweißen Stier 
die graublaueWas- 
serfläche durch- 
schwimmend. 

Fresko auf Leinwand 
übertragen, h. 1,15, br. 
1,21. 

219a Die auf blau- 
grüner Wiese la- 





156 





Lombardi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

219A 
219 E 



g-ernde Europa in goldg-elbem Gewand und rotem Mantel, 
zu der in gelblichbraunes Gewand gekleideten Venus auf- 
blickend, die auf den gelb -rot -geflügelten Amor hinweist. 

Fresko auf Leinwand übertragen, h. 1,69, br. 1,99. 

219e Europa, goldgelb und rot gekleidet, mit ihren Ge- 
spielinnen, von denen die linke ein bläulichweißes Gewand 
trägt, bekränzen den Stier. 

Fresko auf Leinwand übertragen, h. 1,03, br. 0,92. 

219d Blumen pflückendes Mädchen in rotem Kleid und grau- 
weißem Hemd. Fresko [nicht auf Leinwand übertragen], h. 0,42, br. 0,34. 

219f Die Gefährtinnen, die linke in hellblauem Mantel über 
gelbem Gewand, die mittlere in graublauem, die rechte in 
hellblauen Gewändern, sind Europa, in roter und gelber Ge- 
wandung, be- 
hilflich, den auf 
gelbgrüner, 
blumiger 
Wiese lagern- 
den, bräun- 
lichweißen 
Stier zu be- 
steigen. Hell- 
blaue Ferne. 



Fresko auf Lein- 
wand übertragen, 
h.1,68, br. 2,00. 




219 D 




219 F 
2191 



157 



Lombardi- 
sche Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 




219i In graurötlichem Gewand, auf gelbgrüner 
Wiese sitzend. 

Die Stiicke gehören wahrscheinlich zu einem der 181 7 abgelösten 
und seitdem zerstreuten Freskenzyklen religiösen und mytholo- 
gischen Inhalts, mit denen Luini die Villa Pelucca bei Monza aus- 
malte, und von denen sich Teile jetzt in der Brera, im Louvre, in 
der ehemaligen Sammlung Kann und a. a. O. befinden /. Aus dem 
Kupferstichkabinett überwiesen .*. Aufgestellt in der Abteilung 
der christlichen Bildwerke. 

Fresko auf Leinwand übertragen, h. 1,45, br. 0,89. 



Leonbruno \;,i:t::i. 



205 



Leonbruno. Getauft zu 
den 10. März 1489, gestorben 
1537 wahrscheinlich zu Mantua. Unter dem Einflüsse 
des Lorenzo Costa und der lombardischen Schule, dann 
des Giulio Romano ausg-ebildet. Tätig am Hofe der 
Gonzag-a zu Mantua und einige Zeit [seit 1532] in 
Mailand. 

264a Das Urteil und die Bestrafung- des 
Mi das [Ovids Verwandlungen XI. 146 f]. Das 
goldigbraune Fleisch ist mit dunklem Grau 
modelliert. Vor grünem Laubgrund und grau- 
blauem Himmel und Ferne steht Apollo, über 
dessen Schulter ein hellkarminrotes Tuch her- 
abfällt, auf ockergelbbrauner Geige spielend. 
Rechts vorn sitzt Tmolus, der Gott des Ge- 
birges, in hellgraublauem Gewand, über das ein weißes Tuch geknüpft ist, und gelbrotem 
Mantel, dessen Farbe sich dunkler im Haar wiederholt. Midas, mit Eselsohren, mit braun- 
grauem Haar, über dem roten Gewand ein bräunlichweißes Tuch. Der gelbbraune Erd- 
boden geht nach dem Mittelgrund zu in Gelbgrün über. 

Das Bild trug nach Prandi unterhalb der aufgestützten Hand des 
Tmolus die nicht mehr sichtbare Bezeichnung LA V. LEONB. MAN. .*. 
Erworben 1873 in Florenz. 

Pappclholz, h. 1,89, br. 1,28. 




Ped 



nni 



Giovanni Pedrini, auch Giampietrino und 



Gianpedrino genannt. Sein eigentlicher Name 
Giov. Pietro Ricci. Lebensverhältnisse unbekannt. 
Schüler Leonardos da Vinci [seit 1508?]. Tätig zu Mailand 
[etwa 1510—1530] und Pavia [1521]. 

205 Die büßende Magdalena. In Graubraun. 
Der hellbräunliche, mit Grau modellierte Körper, 
in den Wangen und Brüsten etwas belebt durch 
Rot, hebt sich von graubraunem Felsen und 
schwärzlichem Grund ab. Bräunliches Goldgelb 
im Haar bildet die stärkste Farbe. Auf grau- 
brauner Felsplatte steht vorn das hellgelbbraune 
Salbgefäß. 

Sammlung SoUy, 1821. 

Pappelholz, h. 0,62, br. 0,50. 



158 



215 Die hl. Katharina. Die Färbung- ist wärmer 
als im vorigen Bild und neigt mehr nach Rot- 
braun. Den bräunlichen Körper umgibt ein bräun- 
lichkarminroter Mantel. Rötlichbraunes Haar. 
Zu den Seiten die gleichfalls rotbraunen Räder, 
auf die, vor schwarzbraunem Grund, gelbe und 
bräunlichzinnoberrote Flammen herabfahren. 



Samtniung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,62, br. 0,47. 



Ogg 



lOnO Marco d'Oggiono [auch Oggionno und 
Ugione]. Geboren um 1470 vermutlich zu 
Oggionno, gestorben zu Mailand 1530 [?]. Schüler Leo- 
nardos da Vinci [1490 in dessen Werkstatt]. Tätig in 
Mailand. 




Lombardi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

215 



210a Der hl. Sebastian. Kühle Töne [Hellblau, 
Grün und Grau] überwiegen. Auf graubraunem, 
mit bräunlich saftgrünen Farren bewachsenem 
Felsen, an dunkelgraubraunen Baum gefesselt, 
hebt sich, trotz der dunkelgrauen Modellierung, warm der ockergelbliche Körper des 
Heiligen von kühlgefärbter, leuchtend gelbgrüner Landschaft mit graublauen Felsen 
und grünlichblauem Flußbett, und von ultramarinblauem Himmel mit grauen Wolken 
ab. Lebhaft wirkt nur das goldgelbe, in den Schatten gelbbraune Lendentuch und 
Hellkarmin im Gewände des gelbgrün und blau geflügelten Engels. 

Der Vergleich mit dem Hauptbilde Marcos d'Oggiono, den drei Erzengeln in der Brera zu Mailand, läßt auch diesesBild, dem 
eine Komposition Leonardos [vgl. eine Zeichnung in der Hamburger Kunsthalle] zugrunde liegt, dem Meister zuweisen .'. 
Früher in mailändischem Privatbesitz .". Erworben 1896 im Florentiner 
Kunsthandel als Gesdienk des Herrn Karl v. d. Heydt. 
Pappelholz, h. 0,76, br. 0,485. 

r_„„„„' Gaudenzio Ferrari. Auch Gaudenzio de Vince 
^' ' *^' ' oder de Vincio gen., namentlich in seiner früheren 
Zeit, wo er sich öfter Gaudentius Vincius zeichnet. Maler 
und Tonbildner, geboren zu Valduggia [im Sesiatal, Piemont] 
um 1481, gestorben zu Mailand den 31. Januar 1546. Ver- 
mutlich zuerst Schüler des Macrino d 'Alba zu Vercelli, 
dann in Mailand unter Stefano Scotto und Bern. Luini, be- 
sonders aber durch Studien nach Leonardo da Vinci ausge- 
bildet. Tätig in Varallo [daselbst wohnhaft schon 1508 und 
nach 1524], Vercelli [1508/9; dann zwischen 1517 — 1521; 
daselbst wohnhaft 1528 — 1532], Sauthiä, Mailand [vermutlich 
seit 1536; dann 1539—1546], Novara 1514 bis 1518 und 
1521], Valduggia [1526], Saronno [1535—1545] und Busto 
Arsizio [1539]. 

213 Verkündigung. Bräunliches Rot und leuchten- 
des Gelbgrün bilden den Hauptkontrast vor schwärz- 
lichem Grund mit goldenen Buchstaben und golde- 
nen Strahlen. Warm rötliches Inkarnat mit grauen 
Schatten. Braunrot im Gewände Marias und im 
innen ockergelbbraunen Mantel des Engels steht 




159 



Lombardi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 




g-egen das Gelbgrün im Umschlage des 
dunkelblauen Mantels der Maria. Aus 
dem graublauen Gewände des grau- 
braun geflügelten Engels, der einen 
gelbgrünen Lilienstengel mit weißen 
Blüten hält, kommen grünlichblaue, gol- 
dig schillernde Ärmel hervor. Goldene 
Nimben umgeben das rotbraune Haar 
Marias, das gelbbraune des Engels. Die 
Gewänder sind reich mit Gold, der 
goldene Mantelsaum Marias mit grauen 
Perlen verziert, die Lichter auf die 
farbigen Stoffe mit Gold aufgesetzt. 
Ein goldgewirkter Schleierdurchschlingt 
das Haar der Madonna. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters .'. Sammlung Solly, 
1821. 

Pappelholz, h. 0,88, br. 0,86. 



209 



Schule von 
Siena im 
XVI. Jahr- 
hundert 



T^ 1 Bernardino Fasolo [Fagiuolo, Faxolo]. Zeichnet sich Bernardinus Faxolus de Papia. 

r aSOlO Geboren zu Pavia. Schüler seines Vaters Lorenzo Fasolo [Lorenzo da Pavia]; Nachfolger der 
älteren lombardischen Schule, unter dem Einflüsse der Schule Leonardos und P. Fr. Sacchis weiter aus- 
gebildet. Tätig zu Genua, wo er 1520 urkundlich aufgeführt wird. 

209 Die heilige Familie. Kühle, silbrige Töne vor leuchtend gelbgrünem Vorhang 
und blauem Himmel. Maria in dunkelgraublauem Mantel, weißem, in den Schatten 
grünlichem Kopftuch mit rotgelber Kante und karminrotem Gewand. Zarte grau- 
braune Fleischfarbe. Das Kind mit rotgelbem Haar. Joseph in gelbrotem, mit rot- 
braunem Pelz besetztem Mantel über dunkelgrünem Gewand, mit bräunlichgrauem 

Haar und dunkelbrauner Fleischfarbe, hält ein 
zinnoberrot gebundenes Buch mit goldgelbem 
Schnitt. Bräunlichgrüne Landschaft mit blau- 
grüner Ferne. 

Das Bild gehört einer früheren Zeit an als die bezeichnete Ma- 
donna von 1518 im Louvre, die leonardeske Einflüsse aufweist .*. 
Sammlung Giustiniani, 1815. 

Pappelholz, h. 0,57, br. 0,50. 

SCHULE VON SIENA 

SI Giovanni Antonio Bazzi oder de'Baz- 

OQOlTla zi, gen. Sodoma. Geboren zu Vercelli [in 
Savoyen] spätestens 1477, gestorben zu Siena den 
14. Februar 1549. Schüler des Martine Spanzotti zu 
Vercelh [1490—97], seit 1498 in Mailand, durch das 
Studium des Leonardo da Vinci weiter ausgebildet. Tätig 
namentlich in Siena [seit 1501], in Rom [ 1508]; 1518 bis 
1525 wieder in Oberitalien; Mantua [seit 1518], Florenz 
[1529], Volterra [1540], Pisa [1541]. 




160 




109 Caritas. In der bräunlichen, besonders im Inkarnat 
mit grauen Tönen durchsetzten Gesamtfärbungf wirkt als 
kräftigste Farbe Dunkelkarminrot im Mantel der Caritas, 
vor blaugrüner und hellblauer Ferne, unter hellgelb- 
lichem Horizont und hellblauem Himmel. 

Aus der früheren Zeit des Meisters, um 1503 — 1505, wie aus der nahen Ver- 
wandtschaft mit den Freslien in S. Anna in Creta [bei Pienza] hervorgeht .". 
Erworben 1841/42 in Itahen. 

Pappelholz, h. 0,87, br. 0,49. 

SCHULE VON FERRARA 

D* Giovanni di Niccolo Lutero, gen.Dosso Dossi. Ge- 
IJSol boren um 1479 im Ferraresischen, gestorben vor dem 26. Juli 
1542 zu Ferrara. Schüler Lorenzo Costas in Bologna. Tätig in 
Mantua [1512], Trient [1532] und vornehmlicli in Ferrara. 

264 Die Kirchenväter in Betrachtung über das My- 
sterium der unbefleckten Empfängnis Maria. 
Tiefes Rot und Goldgelb, zwischen Graublau und Weiß, 
vor saftig gelbgrüner Landschaft mit dunkelgrünen 
Bäumen und weißgrauem Himmel mit dunstig blauem 

Horizont. Die stärkste Farbe ist nach 1., in die Gewandung des hl. Hieronymus, ver- 
legt: Zinnoberrot im gelbgemusterten Mantel und im Kardinalshut, durch kaltes Grau- 
blau im Gewand gesteigert zu leuchtender Kraft. Nach der Tiefe nimmt die Leucht- 
kraft der Farben ab: Orangegelb im Mantel des hl. Augustinus r. vorn ist durch 
das überspinnende karminrote 
Muster gedämpft, ebenso Gold- 
gelb im Ornate des hl. Ambro- 
sius 1. hinten, r. hinten dunkles 
Karminrot im Mantel des hl. 
Gregor. Nach der Mitte zu häuft 
sich außerdem kühles Grauweiß 
[Chorhemden, Bischofsmütze, 
Buch des hl. Hieronymus, Tiara, 
Barthaar, Wolkenhimmel], das 
die leuchtendeWirkung der tiefen 
warmen Farben verstärkt. Warm 
rötlichbraunes Fleisch. 



Der obere Teil, der die unbefleckte Empfäng- 
nis symbolisch darstellte, Maria in der Glorie, 
den Segen Gott-Vaters empfangend, fehlt .*. 
Zwei große Darstellungen desselben Gegen- 
standes von der Hand des Meisters [ beide mit 
dem oberen Teile] in der Galerie zu Dresden .-. 
Sammlung Solly, 1821. 

Pappclholz, h. 1,84, br. 1,77. 



Schule von 
Siena im 
XVI. Jahr- 
hundert 

109 



Schule von 
Ferrara im 
XVI. Jahr- 
hundert 




264 



161 



Schale von 
Ferrara im 
XVI. Jahr- 
hundert 

227 




227 Heilige Familie. Hellkarminrot im Ge- 
wände der Madonna beherrscht die Mitte. 
Wenige Flecke Grün [Kranz im Haar, 
Gürtel] kontrastieren dazu. Lichtes Inkar- 
nat in graubraunen, breit hingesetzten 
Mischtönen mit gelblichen Lichtern, vor 
schwarzem Grund. Der größeren dunkel- 
blauen Fläche des Mantels der Madonna r. 
entspricht 1. Goldgelb im Mantel Josephs 
[mit braunrotem Antlitz]. Der hl. Franzis- 
kus in gelblich graubrauner Kutte. 

Sammlung Giustiniani, 1815. 

Pappelholz, h. 0,63, br. 0,48. 



Mazzolini 



273 



l__^|.^ Lodovico Mazzolini. Geboren ver- 

LaZZ,UllXii rnutlich um 1478 zu Ferrara, gestorben 

daselbst gegen Ende 1528. Schüler Lorenzo Costas, 

anscheinend unter dem Einfluß Ercoles de' Roberti 

ausgebildet. Tätig vornehmlich zu Ferrara. 

273 Christus im Tempel lehrend. Vor 
gelblich weißgrauer Architektur, mit durch- 
scheinendem Braun der Untermalung, heben sich als geschlossene Masse die Figuren in vor- 
wiegend lichtroten, gelbroten und karminroten Gewändern ab. Als Gegenfarbe zu Rot, 
auf das auch der rötlichbraune Fleischton gestimmt ist, steht im Mittelgrunde tiefes Grün 
[Teppich, der über die Brüstung im Hintergrund gebreitet ist] und stumpfes, mit Gold 
gestricheltes Olivgrün im Vordergrunde [Mantel Christi, über zinnoberrotem Gewand; 
Thronsockel, über den ein zinnoberrotes Tuch herabfällt ; Gewand des r. sitzenden Pharisäers, 

der ein gelbrotes Tuch um die Schultern geschlungen 
IX trägt]. 

Eine eigenhändige Wiederholung beim Earl of Northbrook in London, eine 
andere in der kapitolinischen Pinakothek zu Rom .". Einzelner Ankauf aus 
der Sammlung Giustiniani vor 1815. 
Pappelholz, h. 0,44, br. 0,30. 



6 Christus im Tempel lehrend. In bunten präch- 
tigen Farbflächen heben sich die Figuren der Phari- 
säer und Schriftgelehrten, die auf den bräunlichgrauen 
Stufen sitzen, als geschlossene Masse von der grau- 
weißen Architektur ab, die rückwärts unter der 
Säulenhalle dunkelgrau gefärbt und mit braungoldenen 
Reliefs geziert ist. Auf rotbraunem, goldverziertem 
Sesselthrontder zwölfjährige Christus in weißem, grau 
gemustertem Gewand, umwogt von einem aufge- 
regten Meer leuchtend roter und gelber Lokalfarben 
[besonders Zinnober-, Karminrot, Orange, Gelbrot], 
denen tiefes Grün, Violett und Ultramarinblau 




162 



gegenübersteht, durch überall dazwischen 
verstreutes Weiß in ihrer Intensität noch 
gestärkt. Im Vordergrunde stoßen die Far- 
ben in breiteren Flächen zusammen, nach 
rückwärts in noch größerer Unruhe aufein- 
ander prallend [der sich umblickende Schrift- 
gelehrte im Vordergrunde 1. trägt ultramarin- 
blaues Gewand mit grünen Ärmeln und kar- 
minroten Mantel, der demonstrierende r. 
neben ihm grünes Gewand mit ultramarin- 
blauen Ärmeln undKappe und zinnoberrotem 
Kragen, der diesem Zugewendete in ultra- 
marinblauem Gewand, zinnoberrotem und 
orangefarbenem Mantel, der rechte in grünem 
Mantel, goldgelbbraunem Kragen, zinnober- 
roten Ärmeln und Strümpfen, blauer Kappe]. 
Der Stifter 1. in schwarzer Schaube. Braun- 
rote Fleischfarbe. Die Gewänder sind reich- 
lich mit Gold geziert. 

Bez. links unten auf einer Stufe: MDXXIIII ZENAR [Januarii] 
LVDOVICVS MAZOLINVS FERRARIENSIS .-. Von Vasari 
als Hauptwerk des Meisters erwähnt -■- Die Altartafel wurde 
von Francesco Caprara für eine Kapelle in S. Francesco zu 

Bologna gestiftet und hatte als oberen Abschluß eine Lünette mit Gott -Vater und eine Predella mit der Geburt Christi [die 
Lünette und ein Teil der Predella in der Pinakothek zu Bologna] .". Das Bild wurde um 1600 von Bartolonimeo Cesi restau- 
riert .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 2,55, br. 1,79. 




S(JiuIe von 
Ferrara im 
XVI. Jahr- 
hundert 

266 



^( 



Die heilige Familie mit Elisabeth und dem kleinen Johannes. Helles Ultra- 
marinblau [Mantel Marias, Kragen Josephs, Ärmel der r. stehenden hl. Elisabeth] im Ge- 
gensatz zu bräunlichem Goldgelb [Mäntel Josephs und Elisabeths] verleiht der tiefen, auf 
dunkles, in den Schatten schwärzliches Kar- 
minrot [Gewand Josephs und Marias, Mantel 
Annas, die dem Kind Kirschen reicht,], und 
dunkles Grün [Smaragdgrün im Mantel der 
hl. Anna und Saftgrün in der Landschaft] ge- 
stimmten Gesamtfärbung in breiter flächiger 
Behandlung, die durch Weiß [in den Kopf- 
tüchern und entsprechend auf der rechten 
Seite in dem Marmorrelief] an Leuchtkraft 
gewinnt, den schräg nach 1. vorn strebenden 
Bewegungszug. Dunkelrotbraune Fleisch- 
farbe. Dünn punktierte goldene Nimben. 

Sammlung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,40, br. 0,42. 




270 



163 



Schule von 
Ferrara im 
XVI. Jahr- 
hundert 



275 





S 14 Beiderseitig bemaltes Andachtstäfelchen. Der hl. Hieronymus. Rotbraunes 

_ Fleisch. Dunkelkarminroter im Lichte 

goldig schimmernder Mantel. Vor 
bräunlichgelbgrüner Landschaft, in 
der vorn der zinnoberrote Hut liegt. 
Hellblaue Ferne und Himmel. — Rück- 
seite: Der Erzengel Michael. In 
karminrotem Panzer, dessen Farbe 
in den Flügeln und den Beinkleidern 
wiederkehrt, über gelbgrünem Ge- 
wand. Alles ist mit Gold verziert. 
Vor weißlichblauer Luft und weißen 
Wolken, auf der weißlichblauen Erd- 
kugel stehend. 

Sammlung James Simon -■. Pappelholz, h. 0,07, br. 0,06. 

275 Dreiteiliger Altar. In vorwiegend bräunlichroten und rotbraunen Tönen neben 
Grau und Blau. Warm rotbraunes Fleisch. Mittelbild: Maria mit dem Kinde. In ultra- 
marinblauem, im Umschlag gelbrotem Mantel über bräunlichkarminrotem Gewand mit 
dunkelgrünen Unterärmeln. Rotbraunes Haar. Gelbbrauner Schleier. Goldener Nimbus. 
Vor grauer und rotbrauner Architektur mit grünen Profilen; r. Durchblick auf gelbgrüne 
Landschaft mit hellblauer Ferne unter rotgelbem Horizont. Der rotbraune Boden ist 
blaugrün bewachsen. — Linker Flügel: Der hl. Antonius Eremita. In schwarzer und 
gelbbrauner Tracht, vor hellgelber Wolkenwand, durch die r. oben der dunkelblaue 
Himmel bricht, und gelbgrüner Wiese mit bräunlichgrünem Baum. — Rechter Flügel: 
Maria Magdalena. In bräunlichrotem Mantel, ein weißes, schwarz gestreiftes Tuch um 
die Schultern geschlagen, über gelbbraunem Gewand. Rotbraunes Haar. Sie steht, das rot- 
braune Salbge- 
fäß in der Rech- 
ten, vor gelb- 
grüner Wiese 
und hellgelber 
Wolkenwandam 

dunkelblauen 
Himmel, auf ok- 
kergelbbraunem 
Weg. 

Bez. links am Fuße des 
Thrones: MDVIIII.-. Für 
iltfGestaltderMadonna 
ist Dürers Kupferstich, 
ilic Madonna mit der 
Meerkatze, benutzt /. 
Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, Mittelbild, 
h. 0.90, br. 0.60; Flügel 
je h. 0,90. br. 0,42. 




164 



Gf I Benvenuto Tisi, gen. Benvenuto [daj 

arOraiO GarofalooderilCarofalo. Geboren 1481 
im Gebiet von Ferrara, gestorben daselbst den 6. September 
1559. Schüler Domenico Panettis zu Ferrara [seit 1492] 
und Boccaccio Boccaccinos zu Cremona [1499]. Unter 
dem Einflüsse Costas zu Bologna, dann unter dem Raffaels 
zu Rom weiter ausg-ebildet [vermutlich um 1510 — 1512]. 
Tätig vornehmlich zu Ferrara. 

243 Der büßende Hieronymus. In leuchtend 
karminrotem IVIantel über blauviolettem Kittel, 
der den rotbraunen Fleischton wärmer erscheinen 
läßt. Vor brauner Felsenlandschaft und grau- 
braunem Erdboden. Gegen Karminrot steht 
Saftgrün im Mittelgrund und grünlichblaue Ferne 
unter rötlichen und grauen Wolken, die oben 
der tief grünblaue Himmel durchbricht. 

Bez. unten links an der Mauer: MDXXIIII SETE' [settembre] .-. 
Sariimlung Sotly, 1821. 

Pappelholz, h. 1,69, br. 0,84. 



261 Garofalo? Anbetung der Könige. Die 
Figuren in leuchtend farbigen Gewändern, be- 
sonders Rot, Goldgelb und Ultramarinblau, vor 
graubraunem Gemäuer und vor kühler, gelbgrüner 
Landschaft mit bräunlich saftgrünen Bäumen 
und hellblauer Ferne unter hellgelbem Horizont 
und hellblauem Himmel. Von leuchtendem Rot 
im Mantel des Mohrenkönigs 1. vorn, dessen dunkelgrüne Ärmel ebenso wie das Gelb- 
grün des Hintergrunds die Wirkung verstärken, nimmt die Wärme der Färbung nach 
r. zu ab [Rotgelb im Mantel des mittleren Königs, Graublau in dem des knienden, 
über smaragdgrünem Gewand mit 
hellkarminrotem Kragen], um sich 
wieder in der Gewandung Marias 
[tiefrotes Gewand, dunkelultramarin- 
blauer Mantel, weißes Kopftuch], von 
blaugrünem Rasen sich abhebend, 
noch mehr im gedämpft orangegel- 
ben Mantel Josephs über graublauem 
Gewand mit hellblauem Kragen, zu 5I 
stärken. Dunkelrotbraune Fleisch- 
farbe. 



Abweichend von der Art des Garofalo, von einem 
dem Ortolano und Mazzotini nahestehenden Ferra- 
resen .'. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,70, br. 0,81. 




Schule von 
Ferrara im 
XVI. Jahr- 
hundert 




261 



165 



Schale von 
Ferrara im 
XVI. Jahr- 
hundert 

255 




274 



Ferraresischer Meister um 1539 

255 Himmelfahrt Christi. Buntes Gewirr 
satter Farbenlcontraste, vor allem Ultramarin- 
blau [Mantel des 1. stehenden Apostels, über 
orangegfelbem Gewand, Mantel Marias; land- 
schaftliche Ferne, Himmel] und Orangegelb, 
Karminrot [Gewand des Apostels mit betend 
erhobenen Armen, der Maria, Mantel des 
Apostels r.] und Blaugrün [verschiedene Mäntel, 
Landschaft]. GraubraunerBoden. Dunkelbraun- 
roter Fleischton. Goldene Nimben. Oben, vor 
graublauen Wolken, unter denen der rötlich- 
gelbe Horizont sichtbar ist, in goldgelber Glorie 
mit goldenen Strahlen, schwebt Christus in 
grauweißem Mantel. 

Das Bild, das [nach handschriftlicher Bemerkung von Waagen] 
aus S. Antonio in Ferrara stammt, gehörte dort mit zwei anderen 
Gemälden, der Auferstehung Christi und der Ausgießung des hl. Geistes, zu einem Altarantependium und galt für ein 
Werk desGarofalo. Die beiden zugehörigen Gemälde, von denen die Auferstehung die Jahreszahl 1539 trägt, befinden sich 
heute in der Pinakothek zu Ferrara, wo sie dem schon 1500 verstorbenen Stefano Falzagalloni zugeschrieben werden. Sie 
gehören einem von Mazzolini und Dossi beeinflußten Meister an .-. Eine Replik unseres Bildes, datiert 1521, im Besitze 
des Sir Theodore C. Hope in London .-. Sammlung Solly, 1821 .-. Pappelholz, h. 0,57, br. 0,48. 

Ferraresischer Meister um 1530 

274 Die Heimsuchung. Gegen schwärzliches Blau, das die Komposition vor bräunlicher, 

mit Saftgrün getönter Landschaft zusammen- 
hält [Mantel Marias, Gewänder Josephs 
und des Mädchens r., landschaftliche Ferne, 
heller im Uberkleid Elisabeths], und im 
Himmel mit bräunlichgrauen Wolken über 
hellgelbem Horizont und goldgelber Glorie 
wiederkehrt, steht Zinnoberrot im Gewände 
Marias, auf den bräunlichen Gesamtton ge- 
stimmt, aber durch den Gegensatz zu Saft- 
grün [Untergewand Elisabeths] doch kräftig 
wirkend, nach rückwärts zu Braunrot im 
Obergewande des Mädchens, zu Gelbbraun 
im Mantel Josephs sich abstumpfend. Gol- 
dene Nimben und Gewandsäume. Graubraune 
Architektur. 

Die Behandlungsweise, besonders an Ortolano sich anlehnend, 
steht unter der Einwirkung der großen Meister der Hoch- 
renaissance .". Das Bild befand sich früher unter dem Namen 
des Gaudenzio Ferrari zu Savona in der Kapelle der Familie 
Dorla in der Kirche S. Giacomo .'. Sammlung Solly, 1821 .'. 
Pappelholz, h. 1,92, br. 1,56. 




166 



VENETIANISCHE SCHULE 

r'^iriirrionP Giorgio [Zorzon] da Castelfranco, 

VJUJIgHJllC gen. Giorgione. Geboren zu Castel- 

franco 1477 oder [nach der zweiten Auflage des Vasari] 

im Oktober oder November 1478, gestorben in Venedig 

1510. Schüler Gio. Beliinis. Tätig meist in Venedig. 

12a Bildnis eines jungen Mannes. Im 
Gegensätze zur karminvioletten Gewandung 
[mit blaugrauen Tönen in den Lichtern] und 
zum kühlen dunkelgrauen Grund kommt das 
Antlitz in weicher verschmolzener Modellie- 
rung, in warmem rotbräunlichem Ton, mit 
etwas Rot in den Lippen und im Augenwinkel, 
von dunkelrotbraunem Haar umgeben, her- 
vor. Am Hals ist das weiße Hemd sichtbar, 
dessen Farbe nachdrücklich der Erwärmung 
des Inkarnats dient. Die Hand ruht auf grau- 
bräunlicher Brüstung. 

Bez. auf der Brüstung: V. V. .•- Früher in der Sammlung Gius- 

tiniani, Padua .'. Erworben 1891 in Florenz .". Leinwand, h. 0,58, br. 0,46. 




Venetiani- 
^che Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 

I lerts 

12A 



Palma Giacomo Palma d. A., gen. Palma Vecchio. 
■^ dllllcl Negreti oder Nigretti. Geboren zu Serinaita 



Nach dem Vater Giacomo d' Antonio de 
;greti oder INigretti. Ueboren zu :>erinalta bei Bergamo um 1480, gestorben in Venedig 
den 30. Juli 1528. Schüler Gio. Beliinis, später unter dem Einflüsse Giorgiones und Tizians weiter ge- 
bildet. Tätig meist zu Venedig. 



31 Maria mit dem Kinde. In der lichten Gesamtfärbung, die auf das Grau der Wand 
gestimmt ist, bilden den Hauptkontrast grelles 
Zinnoberrot in dem mit gelber, grüner und 
blauer Stickerei gezierten Obergewand Ma- 
rias und Gelbgrün im zinnoberrotgestreiften 
Wandteppich, auf den der blaugrüne Schatten 
der Gestalt fällt. Hellkarminrote, in den 
Lichtern weißliche Ärmel bilden den Über- 
gang zur kalten Färbung des Vordergrundes. 
Der grünlichblaue Mantel ist auf dem Schöße 
umgeschlagen und zeigt die gelbbraune, in 
den Lichtern hellgelbe Innenseite. Davor 
liegt, ganz in kühlen, auf Grau gestimmten 
Tönen, das Kind mit hellockergelbem Haar, in 
weißgrauem Hemd, auf dunkelsaftgrünem 
Kissen mit hellroten Quasten. Lichtes rötlich- 
graues Fleisch, lichter und grauer im Körper 
des Kindes. Über dem ockergelbbraunen 
Haar Marias liegt ein grauweißes Kopftuch, 




167 



Venetiani- 
sdje Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



mit gelb und blau gestickter Bordüre. Der 
landschaftliche Ausblick ist in braunen, 
saftgrünen und graublauen Tönen gehalten. 

Bez. auf einem Blättchen unten links: • lACOBVS ■ PALMA •, 
darunter zwei gekreuzte Palmenzweige .*. Aus der frühesten 
Zeit des Meisters .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h.0,66, br.0,51. 

174 Bildnis eines jüngeren Mannes. Vom 
blaugrauen Hintergrund hebt sich in rot- 
braunen und lichtroten Tönen das Antlitz 
ab, umrahmt von dunkelbraunem, rötlich 
schimmerndem Haupt- und Barthaar, in 
seiner Wärme gesteigert durch den Ge- 
gensatz zum weißen Hemd, auf dem die 
Schaube einen blaugrauen Schatten wirft. 
In der Tönung des grauen, braunschwarz 
gefleckten Pelzbesatzes der schwarzen 
Schaube klingt nochmals der warme bräun- 
licheTon des Inkarnats nach. Auf der Brust 

ist das grauschwarze Gewand sichtbar. Die Rechte hält einen ockergelblichbraunen 

Handschuh. 

Königliche Schlösser .*. Pappelholz, h. 0,74, br. 0,61. 




183 D 
von 



ie heilige Familie. Lichte, auf goldiges Braun gestimmte Färbung, beherrscht 
gedämpftem Hellkarminrot im Gewände Marias. Olivbraun im Mantelumschlag 

vermittelt mit dem schwärzlichen Blau der Außen- 
seite des Mantels. Lichtes, durchsichtig bräunliches 
Inkarnat mit grauen und rötlichen Tönen, weich 
und verschmolzen gemalt, erwärmt durch den Kon- 
trast zu Blau und Weiß [Kopftuch, Hemd und Kissen 
des Kindes]. Links wird die Färbung leuchtender 
und tiefer. Vor goldgelbem Mantel Josephs, der 
über graublauem Rock liegt, ruht das Kind, in 
kühlen zarten Tönen, auf weißem Kissen. Rot- 
braunes Inkarnat Josephs. Bräunlichgraue und rot- 
braune Felsen, blaugrünes und braunes Laubwerk. 
Rechts überwiegt gedämpftes Blau, im Himmel 
mit weißem, nach dem Horizont zu ockergelbem 
Gewölk, über bräunlichsaftgrüner Landschaft mit 
hellblauer Ferne. 



Sammhing Giustiniani, 1815. 

Pappelholz, h. 0,61, br.0,51. 




168 



197a Halbfigfur einer jungten Frau. Vor 
schwärzlichg-rüner Laubwand [oben ein vom 
Licht getroffener hellerer gelbgrüner Zweig], 
durch die blauer Himmel mit weißen und 
ockergelben Wolken schimmert, lehnt sie an 
bräunlichgrauem Postament, in karminrotem 
Mantel.bräunlichgoldgelbem Rock und gleich- 
farbigem offenem Mieder mit blaugrünem 
Besatz. In dem zerstreuten Licht ist das hell- 
ockergelbliche Fleisch zart mit weichen grauen 
Halbschatten modelliert. Das umgebende 
Weiß des Hemdes hilft den sammetartig 
schimmernden Charakter der Haut steigern. 
Rote Lippen. Auf das lichte Inkarnat ist das 
blonde, ockergelbbraune, von weißer Perlen- 
kette durchflochtene Haar gestimmt. 

Die Bezeichnung unten links in der Ecke [R. L (?)] ist kaum 

eine Künstlerbezeichnung .". Aus derspäteren Zeit des Meisters 

[um 1515 — 1520] .'. Eine Abbildung in Andrea Vendram ins Katalog „de picturis in Museis" im British Museum zu London . 

Erworben 1862 in Stuttgart .'. Leinwand, h. 0,65, br. 0,54. 




Venetiani- 
sche Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



c 



197b Halbfigur einer jungen Frau. Die Farbenstimmung ist weniger zart als im 
vorhergehenden Bilde. In heller Beleuchtung hebt sich goldig der ockergelbliche Körper 
mit zarten grauen und bräunlichen Schattentönen, umgeben von dem leuchtend weißen, 
in den Schatten graublauen Hemd, vom 
graubräunlichen Grund ab. Die Wangen 
und die Brust sind leicht gerötet, die Lippen 
sind durch Zinnoberrot belebt, das bräun- 
lichgelbe Haar mit goldgelbem Schimmer 
von einem grauen, von blauen und roten 
Fäden durchzogenen Schleier und einer 
weißen Perlenschnur durchflochten. Ein 
karminroter, innen graublauer Mantel deckt 
den Schoß. Am Mittelfinger der linken 
Hand trägt sie zwei goldgelbe Ringe mit 
karminrotem Edelstein. 

Wie Nr. 197A eine jener idealen Darstellungen weiblicher 
Schönheit, wie Palma deren viele geschaffen hat .*. Erworben 
1884 in London .-. Pappelholz, h. 0,73, br. 0,58. 

• • Giovanni Busi oder de' Busi, gen. 

anani Cariani. Geboren zwischen 1480 und 1490 
von berg-amaskischen Eltern wahrscheinlich in Vene- 
dig, Todesdatum unbekannt [urkundlich 1 547 noch am 
Leben]. Unter demEinflusse Bellinis, Palma Vecchios 
und Giorgiones ausgebildet. Tätig in Venedig 
[schon 1509]. 




197 B 



169 



Venetiani- - ' -<av- ^^-^v^-^H^^^^^^^MH^^MHHH 188 Bildnis eines jungen Mannes. Dasbräun- 
, ^^/f ^^^^^^^^^^^^^^^^^1 liehe Grau der Wand, etwas heller in der 

des Ä VI. p <^ P^S^^^^^^^^^^^^^^^^^^H -111 I 1 o I 

Jahrhun- LJBfc '- '^^^^^^^^K^^^^^^^ Brüstung vorn wiederkehrend, und das ochwarz 

derts ^^^'^•.-r^f ^^^^ 'Sf- W^/^^^^^^M der Kappe und der mit grauem Pelz gefütterten 

188 '^ ~-^^Hi9^^^H Schaube geben dem Bildnis die kühle tonige 

Stimmung, aus der warm das mit Rot durchsetz- 
te ockergelblichbraune Inkarnat hervorkommt. 
Dunkelrotbraunes Haar. Im Fensterausschnitt 
bräunlichsaftgrüne Landschaft mit stumpfblau- 
grüner Ferne und blaugrünem Himmel mit 
weißen Wolken. 

Sammlung Solly, 1821 .•. Leinwand, h. 0,59, br. 0,51. 

185 Junge Frau in einer Landschaft. Ein 
roter Mantel mit weißlichen Lichtern umhüllt den 
graubräunlichen Körper, der durch rötliche Töne 
im Fleisch und durch den Gegensatz zu Weiß [im Tuch, das dunkelbraunes Haar be- 
deckt, im Kissen und im Hündchen] erwärmt wird und sich schimmernd von schwärz- 
lichgrüner Wiese abhebt. Schwärzlichbraune Baumstämme. In der Landschaft stehen 
stumpfe ockergelbbraune, gelbgrüne, dunkelgrüne und weißlichblaue [Gewässer im Mit- 
telgrund] Töne mit blitzenden Lichtern nebeneinander. Zinnoberrote Flecken in der 
Reiterstaffage am Flußufer. Links graubraune Architektur. Rechts entlad sich ein Ge- 
witter über eine Ortschaft, über der rote Flammen emporzüngeln. Die tief ultramarin- 
blaue Ferne wird fast verhüllt von gelblichgrauen und bräunlichen Rauchwolken. 

Der Stoff zu dieser Darstellung ist wahrscheinlich einem mittelalterlichen Roman in der Art des 'Roman de la Rose' ent- 
nommen [ Merlin ] /. Das Bild, ehemals Giorgione, dann Morto da Feltre zugeschrieben, steht Cariani nahe, ist ihm aber in 
künstlerischer Beziehung überlegen .*. Königliche Schlösser. 
Leinwand auf Holz, h. 0,74, br. 0,94. 

Rr»nif Jir>ir» Bon'facio Veneziano, eigentlich Bonifacio de' Pitati da Verona. Geboren 1487 
OUIllldL/lU 2y Verona, gestorben den 19. Oktober 1553 zu Venedig. Schüler Palma Vecchios. Tätig 

namentlich in Venedig [seit 1505]. 



185 





SlO Allegorie. Das Mädchen in hell- 
blauem Gewand, mit goldgelbbraunem 
Haar, der Jüngling in gelbbraunem 
Rock, kellkarminrotem flatterndem Tuch 
und gleichfarbigen Stiefeln. Hellgelb, 
Karminrot und Blau kehren in der 
Gruppe der Musizierenden rechts wie- 
der, vor bräunlichsaftgrüner Landschaft 
mit ultramarinblauer Ferne und Himmel. 
Ockergelbbräunlicher Fleischton. 



Gegenstück zu Nr. Sil .•. Sammlung James Simon. 
Leinwand, h. 0,17, br. 0,47. 



170 




Venetiani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

SlO 

SU 



Sil Allegorie. Das Mädchen in Hellkarmin, der junge Mohr in weißem, rot- und blau- 
gestreiftem Rock, mit goldgelbem, im Umschlag blauem Obergewand. Matteres Blau, 
Rot, Gelb und Grün in den Figuren der Ferne. Vor bräunlichsaftgrüner Landschaft 
mit graublauem See und ultramarinblauer Ferne. 

Gegenstück von Nr. S 10, mit dem es wohl den Einsatz eines Möbels bildete .'. Sammlung James Simon. 
Leinwand, h. 0,17, br. 0,47. 

""• • __^ Tiziano Vecellio oder Vecelli, gen. Tiziano. Geboren zu Pieve di Cadore im Friaul 
IZldllU angeblich 1477, gestorben zu Venedig den 27. August 1576. Schüler Gio. Bellinis [nachVasari und 
lod. Dolce] zu Venedig, daselbst unter dem Einflüsse Giorgiones, vermutlich als dessen Gehilfe, weiter aus- 
gebildet. Tätig zu Venedig, kurze Zeit in Padua [1511], Rom [1545 46] und Augsburg [1548, 1550/51]. 

160a Bildnis einer Tochter des Roberto Strozzi. Figur und Architekturhinter- 
grund [dunkelgraubraune Wand, rötlichbrauner Boden, rotbraune Balustrade mit ocker- 
gelblichen und grauen Tönen im Relief] werden in warm braunem Ton zusammen- 
gehalten, der, neben grauen Tönen, auch im weißen Seidenkleide des Kindes durch- 
schimmert. Von der Hüfte hängt ein Schmuck aus goldgelben und weiß, rot und 
türkisblau emaillierten Gliedern herab. Warmbräunliches Inkarnat mit rötlichen Tö- 
nen. Ockergelbbraunes Haar. Das Wachtelhündchen bräunlichweiß mit rostbraunen 
Flecken. Die Wirkung der goldigbrau- 
nen Töne erhöht der Kontrast zu tiefem 
Ultramarinblau im Himmel und Blau- 
grün in den Bäumen der Landschaft, 
hinter denen eine ferne ultramarinblaue, 
im Ton fast mit dem Himmel zusam- 
mengehende Gebirgskette aufragt. Die 
starken kühlen Farben werden durch 
leuchtendes Karminrot im Stoff, der r. 
über die Brüstung herabfällt, der war- 
men Gesamtstimmung wieder zuge- 
führt. 

Bez.anderoberenPlattedesPostaments: XmANUS F.-. 
Auf einer rechts oben an derWand angebrachten Tafel : 
ANNOR' II. MDXLII .-. Roberto Strozzi, vermählt mit 
Maddalena de' Medici, lebte abwechselnd in Venedig, 
Frankreich und Rom .-. Die dargestellte Tochter Robertos 
ist wahrscheinlich Ciarice, die 1557 mit Cristofano Savelli 
vermählt wurde und 1581 starb .-. Pietro Aretino schrieb 
dem Künstler über das „wunderbare" Bild einen be- 
geisterten Brief [vom 6. Juli 1542] .-. Eine alte Kopie 
befand sich in der Sammlung des Herzogs von Choiseul, 
andere an anderen Orten .'. Erworben 1878 aus dem 
Pal« Strozi. zu Florenz .'. Leinwand, h. 1.'5, br. 0,98. 




160 A 



171 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

166 




161 




166 Tizians Tochter Lavini a. Die 
luftigen, gebrochenen Töne sind im ge- 
dämpften Licht auf das bräunhchgold- 
gelbe Brokatgewand mit hellgelben 
Lichtern und braunen Schatten und 
ockergelbbraunes Haar gestimmt, das 
ein gleichfarbiges Golddiadem ziert. 
Das zarte gelbbräunliche, von Grau 
durchsetzte Inkarnat wird durch den 
Gegensatz des mit grauen und bräun- 
lichenTönen gemischtenWeiß im Hemd 
erwärmt. Die Gestalt löst sich von 
dunkelbrauner Wand mit bräunlich- 
karminrotem Vorhang, vor graublauer, 
mit rötlichen Tönen untermischter Luft, 
bräunlichgrüner Landschaft und grau- 
bläulicher, rötlich bestrahlter Ferne ab. 
Sie hält eine bräunlichgraue Silber- 
schüssel mit Früchten und Blumen in 
gebrochenem Gelbbraun, Rosa, Saft- 
grün und Rot; in der Zitrone kehrt am 
hellsten das die Stimmung beherr- 
schende Gelb wieder. 

Tizians Tochter vermählte sich 1555 mit Cornelio Sarcinelli 
von Serravalle, wo sie seitdem lebte und starb. Das Bild wird 
um 1550 gemalt sein, etwas später als das Bildnis in der Ga- 
lerie zu Dresden. Wiederholungen des Berliner Bildes: in 
der Sammlung des Earl of Cowper zu Panshanger, woLavinia 
ein grünliches Kleid und statt des Fruchtkorbes ein Schmuck- 
kästchen auf silberner Platte trägt, und im Museo del Prado 
zu Madrid, wo sie als Salome mit dem Haupte des Täufers dar- 
gestellt ist. Kopie des Kopfes der Lavinia in der Eremitage zu 
St. Petersburg .". Erworben 1832 in Florenz aus dem Besitze 
des Abbate Celotti. 

Leinwand, h. 1,02, br. 0,82. 

161 Bildnis des venetianischen Admi- 
rals Giovanni Moro [gestorben 1539]. In 
leuchtend bräunlichroten Tönen kommt der 
Kopf, von bräunlichschwarzem Haupt- und 
Barthaar umgeben, aus dem unbestimmten, 
schwärzlichbraunen Grund hervor. Auf dem 
schwärzlichen Panzer spielen weiße Glanz- 
lichter und braune, graue und vor allem rote 
Reflexe, die von dem auf den Schultern 
liegenden dunkelkarminroten Mantel her- 
rühren. Die rotbraune Rechte hält den 
dunkelbraunen Kommandostab. 



172 




Bez. oben rechts in späterer, jetzt zugedeckter Aufschrift ■ 
lOANNES MAVRVS GENERALIS MARIS IMPERATOR. 
MDXXXVIII .*. Eine Zeitlang irrtümlich Dosso zugeschrieben 
.-. Erworben 1841 in Venedig .-. Leinwand, h. 0,83, br. 0,67. 

301 Bildnis eines jungen Mannes. Das 
goldigfgelbbraune, mit rötlichenTönen durch- 
setzte Antlitz wird von dunkelbraunem 
Haupt- und Barthaar umrahmt. In schwar- 
zem Wams, dessen geschlossene Fläche 
goldgelber Zierrat und wenig Dunkelkar- 
minrot im Unterkleid, das am linken Ärmel, 
über der weißen, schwarzgeränderten Spit- 
zenmanschette, und an den Ärmelschlitzen 
sichtbar ist, unterbricht. Bräunlichgrauer 
Grund. 

Bez. links in der Mitte: Tizianus * F • .'. Ehemals Tintoretto 
zugeschrieben. Bei der Reinigung des Bildes kam die echte 
Bezeichnung zumVorschein. Als, .Tizian" bereits inVandyckes 
italienischem Skizzenbuch inChatsworth .". Sammlung SoIIy, 
1821 .-. Leinwand, h. 0,94, br. 0,72. 

163 Selbstbildnis des Malers. Unvollen- 
det. Der ganze farbige Nachdruck des in 
Mischtönen gehaltenen Bildes liegt auf dem 
Antlitz mit seinen lebhaft geröteten, in den Schatten mit Grau untermischten Tönen, vor 
graubräunlichem Grund. In dem grauen 
Bart stehen braune Schattentöne. Schwärz- 
lichbraune Kappe. Das Dunkelbraun der 
Schaube, deren braunrote Fütterung am 
linken Armelausschnitt sichtbar ist, geht 
weich mit dem Grunde zusammen. Das 
Gewand, aus dem der grauweiße Kragen 
hervorkommt, ist in gebrochenen karminröt- 
lichen Tönen mit graublauen Schatten und 
pastos aufgesetzten grauweißen Lichtern 
gehalten. Das gleichfalls mit grauen und 
rotbraunen Tönen gebrochene Gelbgrün 
der Tischdecke bildet die Ergänzung dazu. 
Über der Brust liegt die braunrote Ritter- 
kette. Die nur angedeuteten Hände sind 
braun und grau untermalt, mit roten 
Flecken. 

Um 1550 gemalt .". Das Bildnis Tizians in den Uffizien zu 
Florenz ist ähnlich in der Auffassung bei anderer Haltung 
der Hände .-. 1814 von Cicognara aus Casa Barbarigo zu 
Venedig erworben und einige Jahre später für 300 Pfund 
an Solly verkauft .". Sammlung Solly, 1821. 
Leinwan.i, h. 0,96, br. 0,75. 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
Jvrts 

301 




163 



173 



Venetiani- 
sche Sdtule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

259 B 




Pi/-~»TY->l->/-^ Sebastiane del Piombo. Zeichnetsich 
I lOITlDO Sebastianus Venetus. Nach dem 
Vater Sebastiane di Francesco Luciani. Ge- 
boren zu Venedig- um 1485, g-estorben zu Rom den 
21. Juni 1547. Schüler Gio. Bellinis und Giorgiones 
in Venedig, dann unter dem Einflüsse Michelangelos 
in Rom weiter ausgebildet. Tätig zu Venedig und 
Rom [seit 1511], 1527/28 und 1530 vorübergehend 
wieder in Venedig. 

259b Bildnis einer jungen Römerin. Vor 
graubrauner Wand scheint das rotbräun- 
liche Antlitz leicht bestrahlt von dem röt- 
lichen Scheine des rotgelbenAbendhimmels. 
Das dunkelrotbraune Haar bedeckt das 
weiße Kopftuch der Römerin. In rosavio- 
lettem, mit goldgelber Borte besetztem 
Gewand, unter dem auf der Schulter und 
an den Armen das weiße Hemd sichtbar 
ist. Zu Zinnoberrot ist der Zusammenklang 
von rötlichen Tönen gesteigert in dem mit 
grauem und bräunlichem Pelz besetzten 
Mantel, der in den Schatten in den warm 
bräunlichen Gesamtton übergeht. Auch in den Früchten kehren zwischen bräunlichgelb- 
grünen Blättern gedämpfte gelbe und rote Töne wieder. Dem Rot hält tiefes Blau im 

Himmel, über rotbrauner, warm von rot- 
gelbem Horizont bestrahlter Landschaft 
mit schwärzlichblauer Ferne die Wage. 

In der Sammlung zu Blenheim „Raphael" genannt und 
für das Bildnis der Fornarina, der Geliebten des Künstlers, 
ausgegeben. Allein schon 1835 von Waagen als „Sebasti- 
ano del Piombo" erkannt, ebenso von Passavant .". Eine 
Wiederholung des Bildes, früher und vielleicht jetzt noch 
in Verona [alte Kopie?], ist schon 1657 im Microcosmo 
della Pittura von Scanelli als hl. Dorothea beschrieben .'. 
Das Veroneser Bild befand sich noch 1829 zu Verona im 
Besitze derSignoraCavallini-Brenzoni [jetzt in Casa Per- 
sico Citadella ?] und kann also nicht das Bild aus Blenheim 
sein, das schon 1779 dort war [damals in einer von John 
Boydell herausgegebenen Sammlung von Stichen „nach 
den hervorragendsten Gemälden in England" veröffent- 
licht] .".Aus der ersten römischen Zeit des Meisters [1512 
bis 1515] .'. Erworben 1885 aus der Sammlung des 
Herzogs von Marlborough zu Blenheim. 
Pappelholz, h. 0,76, br. 0,60. 

259a Piombo? Bildnis eines Edel- 
mannes in der Rittertracht des 
Ordens Sant Jago. Die dunkelroten 
Ordenszeichen auf schwarzem Mantel 
und Wams, das dunkelrotbraune Antlitz, 
umrahmt von rötlichbraunem Bart, ste- 
hen im Gegensatz zu dunkelsaftgrünem 




174 



Hintergrund. In schwarzem Barett mit 
hellroter Agraffe und weißer Feder. 
Goidgelbbrauner Degengriff. Gelb- 
braune Handschuhe. 

Erworben 1875 vom Marchese Patrizi in Rom. 
Leinwand, h. 1,11, br. 0,91. 

/'^ 1 „„ Johannes Stephan [oder Stevens] 

^-'"'*-'"' von Calcar, gen. Giovanni da 
Calcar. Maler und Zeichner für den Holz- 
schnitt, geboren zu Calcar [Herzogtum Kleve] 
um 1500, gestorben zu Neapel 1546. Schüler 
Tizians, tätig vornehmlich in Venedig [wohl 
schon vor 1536] und später in Neapel. 

190 Bildnis eines iVlannes. Warm 
braunrot, von rotbraunem Haupt- und 
Barthaar umrahmt, kommt aus kaltem, 
schwärzlichem Grund das Antlitz her- 
vor. Graublaue Augen. Die grau- 
schwarze Tracht, mit violettbraunen 
Armein, geht mit dem schwärzlich- 
braunen Ton des Ruinenbogens zu- 
sammen, zu dessen Seiten sich Ausblicke auf rotbraune und ockergelbbraune Mauern 
mit rotbrauner Staffage und [als Gegengewicht zum rötlichen Inkarnat] auf tiefblau- 
grüne Ferne und Himmel öffnen. Die Rechte hält die grauen Handschuhe, die Linke 
ruht am silbergrauen Dolchgriff. 

Bez. unten links : AETATIS. 23. A. 1 536 [die letzte Ziffer, undeutlich geworden, könnte auch 3 oder 5 sein ] .". Von derselben 
Hand wie das Porträt im Louvre , das schon in dem alten Inventar von Bailly [ 1709 — 1710] als das Werk des Calcar be- 
zeichnet ist .". Königliche Schlösser .*. Leinwand, h. 1,06, br. 0,88. 




Bordone ^ 



'ans Bordone. Getauft zu Treviso den 5. Juli 1500, gestorben zu Venedig den 19. Januar 
1571. Schüler Tizians. Tätig hauptsächlich in Venedig, ferner in Treviso und Vicenza, Crema, 
Genua und Turin; in Paris 
[1538 bis 1540] und Augs- 
burg [um 154Ö]. Vermut- 
lich 1559 zum zweiten 
Male nach Paris berufen. 

169 Die Schach- 
spie 1 e r. In der dun- 
klen Masse der Ge- 
wänder glüht das 
braunrote Inkarnat, 
vor kühl gefärbtem 
Hintergrund. Der 
Linke, mit dunkel- 
braunem Haar, in 
grauschwarzerSchau- 
be über schwärzlich- 




Venetiani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

190 



169 



175 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

191 



karminrotem Sammetgewand. Der 
Rechte in grauschwarzer Schaube über 
dunkelviolettbraunem Gewand. Die 
warmen Töne des bräunlichzinnober- 
roten, dunkelsaftgün gemusterten Tep- 
pichs, auf dem das goldgelbe Schach- 
brett mit rotbraunen Feldern steht,halten 
die Figuren zusammen. Durch die Bogen 
der weißgrauen Architektur leuchtet tief- 
blauerHimmel, vor dem sich weiße Wol- 
ken ballen. In der gedämpft grünen Land- 
schaft mit dunkelblaugrüner Ferne sitzen 
Kartenspieler in bräunlichzinnoberroten 
und schwärzlichen Gewändern. 

Bez. unten auf der Brüstung: O ' PARIS ' B ■ .'. König- 
liche Schlösser. 

Leinwand, h. 1,12, br. 1,81. 

191 Thronende Maria mit dem Kind 
und vier Heilige. Vor tiefblauem 
Himmel mit grauen Wolken, der durch 
den Bogen der ockergelbbraunen Archi- 
tektur leuchtet, steht Hellkarminrot im 
Gewände der Madonna. Ihr dunkel- 
blauer Mantel fällt, über die r. Schulter 
geworfen, rückwärts herab. Goldig- 
ockergelbliches Fleisch mit rötlichen Tönen. Im Helldunkel I. lehnt Jakobus d. A., mit 
rotbraunem Haar, in dunkelblauem Mantel mit braunrotem Kragen; r. steht, mit gelbbraunem 

Haar, in gelbgrünem Mantel über rötlich- 
violettem Gewand, auf das rotbraune Rad 
gestützt, die hl. Katharina. Das volle Licht 
sammelt sich vorn auf dem weißen Chor- 
hemd Gregors d. Gr., über hellkarminrotem 
Gewand, unter dem zinnoberrote Schuhe 
sichtbar sind, umgeben von dunkelblauem, 
innen grünem Mantel, von dem sich der 
zinnoberrote Bucheinband abhebt, und auf 
dem goldigockergelblichen, mit grauen Tö- 
nen durchsetzten Körper des hl. Sebastian, 
den ein leuchtend blaues Lendentuch um- 
gibt. 

Aus der Kirche S. Maria de' Batuti zu Belluno und wahr- 
scheinlich die eine der beiden von Vasari gerühmten Altar- 
tafeln aus Belluno [„che sono bellissime"] .'. Sammlung 
Solly, 1821 .-. Aufgestellt in der Basilika. 
Pappelholz, h. 2,96, br. 1,79. 





176 



156 Männliches Bildnis. 
Bräunlichockergelbes, mit röt- 
lichen Tönen erwärmtes In- 
karnat, von dunkelbraunem 
Bart umrahmt. In grauschwar- 
zem Barett und Gewand. Vor 
bräunlichgrauer Wand mit 
schwärzlichem Nischenschat- 
ten. Die Linke ruht auf gelb- 
grüner Decke. 

Erworben 1841 42 in Italien. 
Leinwand, h. 0,86, br. 0,87. 




r^olz-loi-o VI Giovanni Maria Zaf- 

N^dlUeran foni.gen.Calderarl. 
Nach seinem Geburtsort auch Gio- 
vanni Maria da Pordenone ge- 
nannt. Geburts- und Todesjahr un- 
bekannt. Nachahmer des Giovanni 
Antonio da Pordenone. Tätig um 
1534 bis 1564, vornehmlich in Por- 
denone und Umgegend. 

158 Calderari? Bildnis eines Ballschlägers. In mattockergelbem Wams, schwärzlich- 
blauen Beinkleidern, mit goldgelben Borten besetzt, und schwarzem Barett. Er hält 
in der Linken das graubraune Schlagholz. Der Diener, der ihm den Gurt nestelt, in 
dunkelkarminroter Kappe mit grauweißer Feder und karminroten, im Lichte gelblich 
schillernden Ärmeln, die aus schwarzem Gewand hervorkommen. Warm ockergelblich- 
braunes Fleisch. Vor dunkelbrauner Wand. Durch das Fenster Ausblick auf Stadthaus 
und Loggia von Udine in braungrauen und lichtroten Tönen unter grünlichblauem Himmel. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Leinwand, h. 1,03, br. 1,17. 



Venetianische Schule 
um 1515—1525 

152 Bildnis zweierMänner. Vor 
dunkelgrauer Wand, in grau- 
schwarzen Baretts und Kleidern. 
Schimmerndes Weiß in Hemd und 
Brief. Einziger warmer Ton das 
von Grau durchsetzte, rotbräun- 
liche Inkarnat. Gelbgrüne Tisch- 
decke. Hellblaue Ferne unter 
graublauem Himmel mit gelb- 
lichen Wolkenstreifen. 

Sammlung Solly, 1821. 

Leinwand, h. 0,87, br. 1,02. 




Venefiani- 
sdie Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

158 



177 



Venetiani- 
sdie Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 




Tinfr\rAffr> Jacopo Robusti, gen. 
1 inLOreLLÜ toretto [aU der Sohn 



Tin- 



- 298 B 



Färbers, tintore]. Geboren zu Venedig im 
September 1518, gestorben daselbst den31.Mai 
1594. Schijler Tizians [nur kurze Zeit]; weiter 
ausgebildet durch das Studium Michelangelos. 
Tätig in Venedig. 

299 Bildnis eines Prokurators des 
hl. Marcus. Leuchtendes [lasiertes] 
Karminrot in dem mit bräunlichgrauem 
Hermelin gefütterten Mantel [schwärz- 
lich in den Schatten] steht zwischen 
dunk.elsaftgrünen,in den Lichtern gelb- 
grün schillernden Vorhängen. Vor 
dunkelgraubrauner Wand der goldig- 
ockergelbe Fleischton, in den sich rote 
und graue Töne mischen. Gerötete 
Augenlider. Bräunlichgrauer Bart. 
Die gelbrote Färbung der Abend- 
landschaft im Fensterausschnitt stimmt 
das Inkarnat herab. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Leinwand, h. 1,12, br. 0,95. 

298b Bildnis eines alten Mannes. Das bräunlichockergelbe Antlitz, an den Augen, 
den Backen, den Lippen lebhaft mit Rot gefärbt, mit bräunlichen Schatten, von weiß- 
grauem Haar umgeben, kommt aus schwarzem Grund hervor, zu dem das über graue 
und weiße Töne lasierte, gedämpfte Karminrot im Gewand und der schwärzliche Mantel 

den Übergang bilden. 

Erworben 1908 aus dem englischen Kunsthandel .'. Sammlung Kilenyi, 
Budapest .'. Leinwand, h. 0,58, br. 0,44. 

298 Bildnis eines Prokurators des hl. Marcus. 
Das Antlitz in goldig- ockergelben und rötlichen 
Tönen, mit graugrünen Schatten, vor dunkelgrau- 
braunem Grund. Das rotbraune Haupt- und Bart- 
haar ist von grauen Tönen durchsetzt. In bräun- 
lichkarminrotem Sammetmantel mit schwärzlich- 
blauem Kragen. 

Sammlung Solly, 1821 .■. Leinwand, li. 1,05, br. 0,83. 

-v^'lö Venetianische Prokuratoren [Camerlenghi] 
V o r d e m h l.M a r c u s. In gedämpften silbrigenTönen. 
Vor hellblauem, mit weißen Wolken bedecktem 
Himmel und sonnenbeleuchteten ockergelben Stein- 
fliesen des Ufers an grünlicher Lagune sitzt der 
Evangelist in rosarotem Gewand und dunkelblauem 




178 




Mantel auf bräunlichgrauem Sockel. Die drei 
Prokuratoren in gedämpft karminroter, in 
den Lichtern rosafarbener, mit grauem Her- 
melin gefütterter Amtstracht. Goldig-ocker- 
gelbbraunes Inkarnat, vor dunkelgrau- 
brauner Architektur. 

Die Prokuratoren gehören nach den drei Wappen am Sockel 
des Thrones zu den Geschlechtern Zanc, Cornaro und Molino. 
Unter den Wappen die Jahreszahl 1569 und die Inschrift: 
PENSATE LA FIN [bedenket das Ende], über ihnen :TRES 
ET VNVS -■. Das Bild stammt aus dem Palazzo del Magistrat© 
dei Camerlenghi di Commune neben dem Rialto, wo es zuerst 
von Boschini erwähnt wird. Drei Nobili verwalteten hier ge- 
meinsam [daher die Inschrift tres et unus] das Amt. Alle Staats- 
einkünfte flössen hier zusammen und alle Auszahlungen er- 
folgten von hier [ darauf bezieht sich die Geste des Heiligen 
und die Mahnung: pensate la fin] .". Das Bild war über der 
Tür angebracht, in der Mitte eine Darstellung des Marcus- 
löwen von Carpaccio, auf der anderen Seite wieder ein Ge- 
mälde Tintorettos, andere Camerlenghi in Verehrung vor der 
hl. fustina darstellend [jetzt in der Akademie zu Venedig] .■. 
Erworben 1S42 in Rom. 

Leinwand, h. 2,08, br. 1,77. 

310 Luna mit den Hören. Im Lichte der 1. 
aufgehenden Sonne erstrahlen die grau- 
blauen Wolken und die mit braunen und 

grauen Schatten modellierten Körper, von stark farbigen Gewändern umhüllt, in leuch- 
tendem Goldgelb, das durch das 
tiefe Ultramarinblau des Himmels, 
der zwischen den Wolken erscheint, 
und kühle blaue und grüne Töne 
in den Gewändern der Figuren an 
Intensität gewinnt. Tiefes Karmin- 
rot im Obergewande Dianas über 
mattblaugrünem Unterkleid, und 
im Teppiche, der über den rot- 
braunen, mit rotem und blauem 
Gestein gezierten Wagen gebreitet 
ist, bräunlicher in dem um die 
Hüften geknüpften Tuche der Len- 
kerin, weicht nach der Tiefe zu 
kühleren, luftigeren Tönen. Eine 
Höre, in blaugrünem, rosa schillern- 
dem Gewand und dunkelblauem 
Mantel, der sich von goldgelbem 
Himmel abhebt, in goldgelben, 
edeisteingeschmückten Stiefeln, 
Rosen in der Linken, krönt Diana 
mit blaugrünem Kranz. Zur Seite 



Venetiani- 
sche ScJiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 
298 




316 



179 



Venetiani- 
sche Schule 
des XV!. 
Jahrhun- 
derts 

310 




300 



des Wagens stürmt 
eine dritte Höre da- 
hin, in weißlichblau- 
em Schleiergewand. 
Dunkelrötlichbrau- 
nes Haar. 

Aus dem Fondaco deiTedeschi 
in Venedig .■- Erworben 1841 
aus der Sammlung des Grafen 
Lecchi in Brescia. 

Leinwand, h.l ,48, br.2,53. 

SpO Maria mit dem 
Kinde, von den 
Evangelisten Mar- 
cus und Lucas ver- 
ehrt. Goldig-ocker- 
gelb leuchten die 
Körper vor luftigen bläulichen Tönen. In tief ultramarinblauem Mantel über matt karmin- 
rotem Gewand thront Maria auf der Mondsichel, umstrahlt von mattgelber Glorie, in der 
rotbräunliche Engel mit der Sternenkrone schweben. Durch das zerrissene, bläuliche, an 
den Rändern gelb beleuchtete Gewölk blickt der tiefblaue Himmel. Nach unten zu wird die 

Modellierung kontrastreicher, die Lokal- 
farben verschwinden im Halbdunkel. Die 
goldiggelb bestrahlten Heiligen sitzen auf 
graublauen Wolken. Marcus [1.] mit schwe- 
ren rotbraunen Fleischschatten, in bräun- 
lichkarminrotem Mantel. Den fahl ocker- 
gelben, grau beschatteten Körper des 
hl. Lucas [r.] umhüllen grauweißes Ge- 
wand und gelbgrüner Mantel. Zwischen 
beiden in dunkelgelbbraunenTönen Löwe 
und Stier. 

Aus der späteren Zeit des Meisters .-. Erworben 1841 in 
Venedig. 

Leinwand, h. 2,28, br. 1,60. 

298a Verkündigung. Die rechte Seite 
in dunklen, von Braun durchsetzten Misch- 
farben [schwärzlichblauer Mantel, grün- 
liches Untergewand Marias, dunkeloliv- 
grüner Vorhang und gleichfarbige Pult- 
decke], von denen sich nur das gebrochen 
hellkarminrote, im Umschlag goldocker- 
gelbe und von graublauem Tuch umwun- 
dene Obergewand loslöst, steht als stark 
zurücktreibende Kulisse gegen den sonnig- 




180 



ockergelben 
Boden und den 
lichten Hinter- 
grund. DerEn- 
gel, auf stahl- 
blauen Wol- 
ken, in lufti- 
geren Tönen: 
bräunlich kar- 
minrote und 
grünliche, 
weißlich schil- 
lernde Gewan- 
dung,graublau 
rosa und grün- 
lich gefärbte 
Flügel. Die 
gelbrote, matt- 
gelben Glanz verbreitende Glorie erfüllt die Luft mit goldigem Schimmer, durch den 
man wie durch einen Schleier auf graue Architektur, einen in silbrigem Dunst da- 
liegenden blaugrünen Park mit dunkelgrünem Laubgang, unter hellblauem Himmel 
mit goldgelben Wolken, blickt. 

Erworben 1899 als Geschenk des Herrn Generalkonsul Hermann Rosenberg .•. Eigentum des Kaiser- Friedrich- Museums- 
Vereins .*. Leinwand, h. 2,01, br. 2,89. 




B 



assano 



Francesco da Ponte, gen. Bassano. Geboren zu Bassano den 26. Januar 1549, gestorben 
zu Venedig den 4. Juli 1592. Schüler und Gehilfe seines Vaters Giacopo. Tätig zu Bassano 
und vornehmlich zu Venedig [seit etwa 1580]. 

314 Der barmherzige Samariter. Glitzerndes Licht sammelt sich auf der Figuren- 
gruppe, besonders auf dem weißen Tuche, das den ockergelben, in den Schatten 
schwärzlichbraunen Körper des Verwundeten umhüllt, und in den Händen des Samariters, 
und tönt das Karminrot in dessen Gewand nach Weiß. Den rotbraunen Oberschenkel 
umgibt ein hellblaues Beinkleid. Vor 
kühler, saftgrüner Landschaft mit 
graubraunen Felsen. Luftige grau- 
blaue Ferne und Himmel. Vorn ein 
weißer, gelbbraun gefleckter Hund. 
Der bräunlichschwarze Esel mit leuch- 
tend rotem Zaumzeug und rotem 
Zügel. 

Eine bei den Bassani häufig vorkommende Dar- 
sUIiung, der woh! ein Original von der Hand Gia- 
copos zugrunde liegt [ wahrscheinlich das in den 
k. k. Hofmuseen zu Wien befindliche Gemälde] .'. 
Königliche Schlösser. 

Leinwand, h. 0,60, br. 0,89. 



Veneliani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

298 A 




314 



181 



Venetiani- 
sdie Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

182 B 



170 A 
170 B 



Schiavone 

Andrea MeldoUa 
[auch Meld ola.Me- 
dola und Medula], 
g;enannt Schiavone. 
Maler und Radierer, 
geb. zu Zara oder 
Sebenico in Dal- 
matien angeblich 

1522, gestorben zu 
Venedig den 1. De- 
zember 1563. Unter 
dem Einflüsse Tizi- 
ans [wahrscheinlich 
eine Zeitlang dessen 
Schüler] und der 
Werke Parmeggiani- 
nos ausgebildet. Tä- 
tig zu Venedig. 



182b Waldlandschaft. Kühle Stimmung in hellem Gelbgrün und Hellblau [Himmel], mit 
durchschimmerndem Graublau und Rotbraun. Kulissenartig setzt sich der Vordergrund in 
dunklerer warmbrauner Färbung ab. Braunrote Töne in den Baumstämmen. Links fließt 
weißlichblaues Wasser. Die Körper der Figuren [Diana mit Nymphen] sind in goldig- 
rotbraunen Tönen, mit Gewändern in gebrochenem Karmin, Gelb, Dunkelblau, Hellblau 
und Hellviolett [kniende Nymphe r.] gehalten. Links wird Diana zur Jagd geschmückt. 
Die Figuren der Ferne sind in luftigen, rötlichen und hellblauen Tönen flüchtig angedeutet. 




Gegenstück zu Nr. 182 A .-. Erworben 1873 in Florenz 



Leinwand, h. 1,05, br. 1,88. 



170a Die Parabel vom ungerechten Haushalter. Den Hauptkontrast vor grauer 
Mauer bilden Blaugrün im Vorhang, dessen Farbe in der Tischdecke wiederkehrt, und 
Karminrot in Ärmeln und Kappe des Herrn. Alles Übrige ist in warmen Mischtönen 
gehalten. Der Herr, in bräunlichgoldgelbem Gewand, wendet sich zum Haushalter, in 
grünlichbrauner Kleidung. Durch die Tür 1. vor graublauem Himmel derselbe im 
Gespräch mit zwei Schuldnern des Herrn in mattgrünen und zinnoberroten Trachten. 
Rötlichbraunes Fleisch mit grauen Schatten. 

Gegenstück zu Nr. 170B .-. Erworben 1845 von Direktor Schorn in Berlin .-. Leinwand, h. 0,25, br. 0,79. 

170 b Die Parabel vom Weinberge des Herrn. Von kühlem graublauem Himmel 
und blaugrüner Ferne heben sich der ockergelbbraune Vordergrund ab, noch wärmer 
der ockergelbe Hügel mit saftgrünen Weinstöcken und, in skizzenhafter Ausführung, die 
Figuren in warmen rötlichen Mischtönen: der Herr, in karminvioletter Kappe, dunkel- 
blauem Mantel, saftgrünem Gewand und hellkarminroten Beinkleidern, einen grauen Hund 
neben sich, zu zwei Arbeitern sprechend, in deren Kleidung Hellrot neben gebroche- 




182 




nem Weiß über- 
wiegt. Dieselben 
rötlichen, blauen 
und grauen Töne 
in der Gruppe 
der Arbeiter 1. 

Gegenstück von Nr. 
170A.-. Erworben 1845 
von Direktor Sehern in 
Berlin .*. Leinwand, 
h. 0,25, hr. 0,79. 

182 A Bergland- 
schaft. Im Ge- 
gensatz zu Nr. 
182 B ist die Ge- 
samtfärbung 

warm in bräunlichem Saftgrün mit rotbraunen Tiefen, ockergelben Tönen im Vordergrund 
und vom Lichte des Abendhimmels durchglüht. Im Vorder- und Mittelgrunde glitzern 
rote, silbergraue und rötliche Flecken. Nach der Ferne zu mischen sich luftige graublaue 
und silbergraue Töne in das Gelbrot des Abendlichts. In der Staffage [Pan mit Gefolge, 
Satyrn und Nymphen] kehren die roten Töne des Abendhimmels wieder. Die Nymphen 
1. mit kühlerem ockergelblichem Inkarnat in dunkelblauen und karminroten Gewändern. In 
der Mitte sitzt Marsyas auf einem Felsen, hinter ihm in einer Höhle Midas, seinem Spiele 
lauschend. 

Gegenstück von Nr. 182 B .-. Erworben 1873 in Florenz .'. Leinwand, h. 1,05, br. 1,88. 

Venetianische Schule um 1590 

1665 Die Schachspieler. Der gedämpft goldige Ton der gelbbraunen Tapete erfüllt das 
Bild und steigert sich nach vorn zu 
bräunlichem Zinnoberrot imTeppich 
mit goldockergelben, schwarzen und 
weißen Mustern. Im Gegensatz zum 
unruhigen Geflimmer derUmgebung 
stehen die geschlossenen Flächen 
der grauschwarzen Tracht. Das röt- 
lichbraune, stark mit Grau durch- 
setzte Inkarnat, r. von graublauemTa- 
petenstreifen sich abhebend, wird 
vom schimmernden Weiß der Kragen 
erwärmt. Rotbrauner, weiß gefleck- 
ter Hund. 

Erworben 1909 aus englischem Privatbesitz .". 
Eigentum des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins. 
Leinwand, h. 0,83, hr. 1,04. 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 




1665 



183 



Venetiani- 
sche Sciiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



309 




Veronese S^i' - 

a r i , gen. Veronese. 
Geboren zu Verona 
1528, gestorben zu 
Venedig den 19. April 
1588. Schüler des 
Antonio Badile zu 
Verona, daselbst unter 
dem Einflüsse der 
Werke des Paolo Mo- 
rando, gen. Cavazzola, 
dann in Venedig unter 
demTizians und Tinto- 
rettos weiter ausge- 
bildet. Tätig zu Verona 
und vornehmlich zu 
Venedig [seit 1555], 
in Mantua [um 1548], 
im Trevisanischen [um 
1 551 ' 1 553 und wieder 
1566/67], in Vicenza 
[1572] und in Padua. 

303 Jupiter, Fortuna und Germania. Vor dunkelgrünblauem Himmel mit dem hell- 
grauen Streifen des Tierkreises bräunlichgraue Wolken [durch rötliches, von links her 
strahlendes Licht erwärmt] und goldigf- ockergelbbraune Körper, deren Leuchtkraft aber, 
besonders in den Schatten, der luftige graue Grundton dämpft. Auf Grau sind auch 
die schillernden Farben der Gewänder abgestimmt, von Hellkarminrot im Mantel Ju- 
piters, dem Gelbgrün im Gewände der Fortuna links. Dunkelgrün im Unterkleide der 
blondhaarigen Germania rechts zur Seite stehen, absteigend zu der letzteren karmin- 
violettem, in den Lichtern silbergrau schillerndem Oberkleid und dem grauweißen Hemd 
Fortunas. Diese beugt sich über goldgelbe Kronen und Geschmeide. Im bräunlichen 
Halbdunkel spielen rotbraune Putten mit dem graubraunen Adler. 

Gegenstück zu Nr. 304 .■. Dieses wie die nachfolgenden 
zugehörigen Gemälde [Nr. 309, 304 und 311] sind vom 
Meister unter Mithilfe von Schülern ausgeführt. In 
Venedig selbst galten diese Malereien, ursprünglich 
im Kaufhause der Deutschen [ Fondaco de' Tedeschi, 
inderSaladei banchetti] für Paolos Werk. Von Ridolfi 
[1648] ausführlich beschrieben .'. Erworben 1842 aus 
der Sammlung des Grafen Lecchi in Brescia. 
Leinwand, h. 1,45, br. 2,45. 



309 IVIinerva und Mars. Die Farben 
sind leuchtender. Vor tief grünblauem 
Himmel die goldig-ockergelb schim- 
mernden Schultern Minervas, von 
weißem Hemd und blaugrauer Rüstung 
umgeben. Ihr goldgelber Mantel hebt 
sich von blaugrauen Wolken ab. Das 
auf der linken Hüfte sichtbare hell- 
karminrote Gewand wird durch den 
rosafarbenen, graugrünlich schillernden 




184 



Mantel des Mars 
zu kühlem Grau- 
grün im hellblau 
gefütterten Pan- 
zer überführt. 
Rötlichbrauner 
Fleischton. 



Das Bild soll nach Ri- 
dolfi die Kriegstüchtig- 
keit Deutschlands, das 
hier als Minerva darge- 
stellt ist , veranschau- 
lichen .'. Gegenstück zu 
Nr. 311 .'. S. die Bemer- 
kung zu Nr. 303 .-. Er- 
worben wie Nr. 303. 

Leinwand, h. 1,44, 

br. 1,46. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

304 



304 Saturn, der Gott der Zeit, hilft der Religion die Ketzerei überwinden. Vor 
dunkelgrünblauem Himmel der hellgraue Streifen des Tierkreises und bräunlichgraue, 
von 1. rötlich bestrahlte Wolken. Im unruhigen Halblicht leuchtet rötliches Fleisch der 
Putten auf, während die ockergelbbraunen, grau beschatteten Körper der Hauptfiguren 
im Gegensatz zu Weiß und Goldgelb [Tücher, Mantel] und Zinnoberrot [Kappe der vorn 
lagernden Ketzerei] noch stumpfer erscheinen. Rückwärts kühlere Töne: Dunkelblau im 
Mantel der Religion; neben dem olivgrünen Erdball nach Blau schillerndes Karminviolett 
im Mantel, der die goldig aufleuchtende Schulter Saturns umgibt. 

Gegenstück von Nr. 303 .■. S. die Bemerkung daselbst .'. Erworben wie Nr. 303 .'. Leinwand, h. 1,44, br. 2,42. 

311 Apollo und Juno. Vor dunkelgrün- 
blauem Himmel sind die Lokalfarben auf 
kühles Grau der Wolken und des Tier- 
kreises abgestimmt. Gelb schillern die Ge- 
wänder im Licht. Ockergelblich, an Hän- 
den und Füßen rötlich gefärbt, das gelb- 
braune Haar von rosafarbenem Nimbus 
umstrahlt, leuchtet der Körper Apollons, 
von kühlem Graublau im Mantel [grau- 
blau auch die goldgelb gezierte Leier] 
umgeben, dessen karminviolette Schatten 
zu dem bräunlichrosaroten Gewand und 
dem warm rotbräunlichen Inkarnat Junos, 
vor grünblauem Himmel, führen. 

Bezieht sich wahrscheinlich auf die Blüte der Kunst, nament- 
lich der Musik in Deutschland [nach Ridolfi auf den Reichtum 
der deutschen Metallbergwerke] .'.Gegenstück von Nr. 309 .". 
S. die Bemerkung zu Nr. 303 .*. Erworben wie Nr. 303. 
Leinwand, h. 1,47, br. 1,36. 




185 



Venetiani- 
sche Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



327 



330 
326 
329 



326—330 Dekoration einer Decke aus dem Palazzo Pisani zu Venedig [im Kaiser- 
Friedrich -Museum in die Decke von Kabinett 42 eingefügt]. Mittelbild: Jupiter, Juno, 
Neptun und Cybele. In dem hellen, mattgoldgelben Lichte der Glorie entschwindet eine 
Gestalt in lichtblauem Gewand, von Genien aufwärts getragen, deren Körper nur noch 
als matte rosiggraue Flecke wirken. Um den Rand des Feldes, auf bräunlichgrauen, vom 



herabstrahlenden gelb- 
Wolken gelagert, zwi- 
blaue Himmel erscheint, 
nach, in stark farbigeGe- 
über dem luftigeren In- 
Ferne wie stark dieTiefe 
wirken: Ju- 
braunem 
weißem, in 
graublauem 




dem ein 

bigem Edel- 

ter Gürtel 

rote Tam- 

Knie stützend, zu ihren 

grünen Pfau mit rot 

dern und einen bogen- 

hellblauen und gelben 

hellkarminrotem Man- 

Haupt- und Barthaar, 





liehen Licht gefärbten 
sehen denen der licht- 
blicken ihr die Gottheiten 
wänder gehüllt, die gegen- 
karnat und der lichten 
zurückdrängendeKulissen 
no,ingoldgelb- 
Mantel und 
den Schatten 
Hemd, über 




blauer, mit far- 
gesteinbesetz- 
liegt, das hell- 
burin aufs 
Seiten den dunkelblau- 
schimmernden Flügelrän- 
spannenden Putto mit 
Flügelfedern; Jupiter in 
tel, mit dunkelbraunem 
auf schwärzlichbraunem 



Adler sitzend; Cybele in rosafarbenem, in den Schatten graublauem Gewand, über 
das auf der Brust, von goldenem, edelsteingeziertem Gürtel gehalten, ein hellblaues 
Tuch herabfällt, und dunkelgrünem, in den Lichtern gelbgrün schillerndem Mantel, 
mit goldgelbem Szepter, zu den Seiten die dunkelgelbbraunen Löwen; Neptun m 



186 



dunkelblauem Mantel, mit weißem Haar. Ockergelbbraunes Inkarnat mit rötlichen 
Tönen und grauen Schatten. 

Die Malereien, die sich ursprünglich als Deckengemälde im Palazzo Pisani zu Venedig befanden, sind vom Meister selbst 
entworfen und von ihm unter Mitwirkung von Gehilfen ausgeführt .". Erworben 1842 aus der Sammlung des Grafen 
Lecchi in Brescia .". Leinwand, h. 2,20, br. 2,27. 



Venetiani- 
sche Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



327—330 Seitenfelder: Genien. Vor g-rünlichblauer Luft mit bräunlichgrauen Wolken. 
Rötlichbraune Körper, graublau und graubraun beschattet. In den braunen Flügeln 
wechseln hellrote, grünliche und blaue Töne. 

Erworben wie Nr. 326 .•. Leinwand, h. je 0,54, br. je 1,23. 

\U\r\r\^c^rx\f^'j'/ c\r\(-\ Francesco Montemezzano. Geburtsdatum unbekannt, gestorben nach Ridolfi 
1V1UULCI11C/,AC11HJ i^ jung-en Jahren um 1600. Tätig in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts 
zu Venedig und Verona. Schüler des Paolo Veronese. 

1666 Beweinung-Christi und Stifterfamilie. Kühles gedämpftes Licht spielt glitzernd 
auf den Gestalten der r. Bildhälfte, auf dem ockergelblichgrauen, von weißem Tuch 
umhüllten Leichnam, der sich von hellkarminrotem Gewände, nach rückwärts von 
kühleren Farben, dunkel- 
blauem Mantel Marias [de- 
ren Haupt ein rotbraunes 
Kopftuch bedeckt], gelb- 
grünem Gewände und blau- 
grauem, rosa schillerndem 
Unterkleide des Engels 
abhebt. Die grünlich- 
grauen Wolken, r. durch 
das rötliche Inkarnat der 
Putten in das herrschende 
Hellkarminrot überführt, 
erhellt oben mattgelber 

Lichtschein. In zerstreutem lE^^^Ä^^^ '' ÜS?^ '^^^^^^^'- ■ ■ ' ■ ^^S^l-^^iL 'i 
Licht, vor grauer Architek- 
tur, sind die Bildnisse der 
Stifterfamilie fast schatten- 
los modelliert. Das Inkarnat wird durch den Gegensatz zu Weiß und bei den Männern 
durch rötliche Töne erwärmt, zugleich aber durch Schwarz [Haar, Tracht] stark auf- 
gelichtet. Im grün gemusterten Gewände der Stifterin, mit ockergelblichem Haar, 
kehrt das helle lasierte Karminrot der r. Seite wieder. Um den Schwerpunkt des 
Bildes nach der Mitte zu verlegen, bricht vor grünblauem Himmel unter dem dunkel- 
blauen Obergewande des Engels mit rotbrauner Lanze gelb schillerndes Zinnoberrot 
im Unterkleide als stärkste Note hervor. 

Erworben 1907 aus dem englischen Kunsthandel .*. Leinwand, h. 1,10, br. 1,50. 




1666 



187 



Sdtule von 
Bergamo im 
XVI. Jahr- 
hundert 




320 



SCHULE VON BERGAMO 

T ^4-4-/-x Lorenzo Lotto. Geboren um 1480 zu 
■^^'-^^ Venedigf, gestorben zu Loreto zwischen 
dem 18. September 1556 und dem I.Juli 1557. 
Mit Palma Vecchio Schüler Gio. Bellinis. Tätig 
vornehmlich zu Bergamo und Venedig [1515 
bis 1524 und nach 1526]; zeitweilig in Rom 
[zwischen 1506 und 1512], Treviso [1503 bis 
1506, 1532 und 1545] und in den Marken 
[zwischen 1506 und 1512 und von 1550 ab]. 

325 Christi Abschied von seiner 
Mutter. Bunte klare Lokalfarben in 
den Gewändern der Figuren, zartes 
bräunliches Inkarnat mit durchsichtigen 
grauen Schatten, vor hellockergelbem 
Boden. Von Blauviolett im Kleide der 
Stifterin rechts vorn [durchbrochen von 
Weiß und belebt durch wenig Rot] 
wächst die Leuchtkraft der Farben schräg 
nachderTiefe: inderMitte [durch kaltes, 
in den Schatten bläuliches Weiß in 
ihrer Intensität gesteigert] zu starkem 
Ultramarinblau [Mantel Christi und 
Marias, dunkler im Mantel der zuschauenden Alten r.], das durch Goldgelb [in den Ge- 
wändern der Maria stützenden hl. Frau und des Johannes], und namentlich zu Karminrot 
[Gewänder Christi und Marias], das durch Grün [Mantel des Johannes] gestärkt wird, 
und erwärmt sich links zu Goldgelb [Mantel Petri], dem Violett [Gewand], und zu 
leuchtendem Rot [Gewand des Judas], dem Dunkelgrün [im Mantel] entgegensteht. Unter 

der dunkelgrauen Halle mit gelbbraunen Bogen- 
■^J^fc^^^^ ~ Stellungen, die sich auf hellbräunlichen Kloster- 

l^^^^^^K^ hof mit gelbgrünen Laubgängen und hellblauem 

^^^^^^^^^^^ Himmel öffnet. Im Vordergrunde ein bräunlich- 

^^^^^^^^^^^^^k J saftgrüner Kirschenzweig mit hellroten Früchten, 

■Ip^^-^JIk. **^^ f eine gelbrote Orange und ein weißer Brief. 

Bez. auf dem zusammengefalteten Brief vorn: a" laurenttjo Lotto 
pictor 1521 .*. Die Stifterin Elisabetta Rota ist die Gemahlin Dome- 
nico Tassis von Bergamo, für den das Bild gemalt viar . . Eine alte 
Kopie 1875 beim Kunsthändler Baslini in Mailand .*. Sammlung Tosi 
[nach Crowe und Cavalcaselle ) .'. Sammlung Solly, 1821. 
Leinwand, h. 1,26, hr. 0,99. 

320 Bildnis eines jungen Mannes. Vor hell- 
karminrotem Vorhang das ockergelblichgraue 
Antlitz mit den dunkelbraunen Augen. Schwarz 
in Haupt- und Barthaar, Grauschwarz in Barett 
und Wams steigern noch die Blässe des Inkar- 
nats, das wiederum durch schimmerndes Weiß 



r 




188 



im Hemd höher gestimmt wird. Rechts über 
graubrauner, mit grünem Efeu bewachsener 
Brüstung Ausblick auf hellblaues Meer. 

Bez. rechts auf der Steinbrüstung: L Lotus pict .*. Sammlung Giu- 
stinianl, 1815. 

Leinwand, h. 0,47, br. 0,375. 

153 Bildnis eines Architekten. Aus bräun- 
lichgrauem Barett und Mantel, vor grauem Ge- 
wand leuchtet das goldig-ockergelbbraune In- 
karnat, das in dem von bräunlichschwarzem 
Bart umgebenen Antlitz stark durch rote Töne 
erwärmt wird. Vor graubräunlichem Grund. 
Gedämpft weiße Papierrolle und grauer Zirkel. 

Bez. auf der Papierrolle : L . Lotto me fec . .'. Angeblich Porträt 
des Bildhauers Jacopo Sansovino [ 1486 — 1570], wofür es schon in 
der Sammlung Giustiniani galt. Allein die beglaubigten Porträts 
Sansovinos, ein Gemälde Tintorettos und eine Büste Alessandro 
Vittorias zeigen andere Züge .*. Aus der mittleren Zeit des Meisters 
[um 1525] .". Sammlung Giustiniani, 1815. 
Leinwand, h. 1,05, br. 0,82. 




Sdiule von 
Bergamo im 
XVI. Jahr- 
hundert 

153 



182 Bildnis eines jungen Mannes. Vor blaugrünem Vorhang, von dem sich warm das 
rötlichockergelbe Antlitz, von dunkelbraunem Haupt- und Barthaar umrahmt, abhebt. 
In grauschwarzer Tracht mit goldgelben Nesteln auf der Schulter und weißem Kragen. 

Sammlung Giustiniani, 1815 .-. Leinwand, h. 0,47, br. 0,38. 

323 Zwei Altarteile. In gemalter graubrauner Bogenumrahmung. Der hl. Sebastian. 
Der kühle, ockergelbliche, an Händen, Füßen und Gelenken gerötete und mit grauen 
Halbschatten modellierte Körper mit ockergel- 
bem Haar, von dessen Hüften ein mattrosa- 
farbenes, hellblau gestreiftes Tuch herabfällt, 
steht, an graubraunen Stamm gefesselt, vor 
dunkelultramarinblauem Himmel mit bläulich- 
weißen Wolken, grünlichblauem See und auf 
Stumpfgelbgrünem Rasen. — Der hl. Christoph. 
Gegenüber dem kühlen Ton und den im zer- 
streuten Lichte gedämpften Farben des Gegen- 
stücks ist das Kolorit leuchtend und tief, vor 
tief ultramarinblauem Himmel, bläulichen Wolken 
und grünlichblauem Meer. Die dunkelrotbraune 
Gestalt mit schwärzlichem Haar, in zinnober- 
rotem Mantel, von dem sich der lichte, in grauen 
und ockergelblichweißen Tönen gehaltene Kör- 
per des Kindes abhebt, und blaugrünem, in 




189 



Sdiule von 
Bergamo im 
XVI. Jahr- 
hundert 



323 
323 




den Lichtern gelbgrünem Schurz, 
auf die dunkelgraubraune Keule 
gestützt. Graubraunes, mit stump- 
fem Grün bewachsenes Ufer. 

Bez. auf dem Bilde des Sebastian links unten 
am Stamme : L Loto .'. Auf dem Bilde des 
Christoph am untern Ende der Keule: L. Loto 
1531 ■ .". Zeichnung zur Figur des Sebastian 
im Berliner Kupferstichkabinett .*. Wahrschein- 
lich stammen die Bilder aus der Kirche S. Se- 
bastiane di Castelplanco bei Jesi, wo der Altar 
sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts be- 
fand .■. Sammlung Solly, 1821. 

Leinwand, jedes Bild h. 1,39, br. 0,55. 



Mo 



193 





Giovanni Battista Moroni 
'^^ü^ oder Morone. Geboren in 
dem Dorfe Bondo bei Albino [Provinz 
Bergamo] um 1525, gestorben zu Ber- 
gamo den 5. Februar 1578. Schüler 
Morettos. Tätig in Bergamo und Um- 
gebung. 

193 Bildnis eines Mannes. Aus 
grünlichgrauem Grund leuchtet 
in goldig- ockergelbem Ton das 
Antlitz hervor, das weich in das 
mit grauen Tönen untermischte 
bräunlichschwarze Haar über- 
geht. Über dem graugrünen 
Gewand liegt der graue, mit rot- 
braunem Pelz besetzte Mantel. 

Am Hals ist der weiße Kragen sichtbar. 

Erworben 1842 in Rom vom Maler Ximenez. 
Leinwand, h. 0,65, br. 0,48. 

193a Bildnis eines Gelehrten. Vor grauem, um 
den Kopf mit Weiß aufgelichtetem Grund ist 
das Antlitz ebenso wie die Hände mit rötlichen 
Tönen modelliert. Rötlichbraunes Haupt- und 
Barthaar. In schwarzem Gewand, aus dem weiße 
Krausen an Hals und Armein hervorkommen. Er 
hält in der Rechten eine grüne Pflanze und stützt 
den linken Arm auf ein in ockergelbliches Per- 
gament gebundenes Buch, das auf blaugrüner 
Tischdecke liegt. 

Erworben 1873 in Florenz .-. Leinwand, h. 0,97, br. 0,80. 

167 Bildnis eines jungen Mannes. Das blonde, 
ockergelblichbraune Inkarnat ist mit Grau und 



190 



Lichtrot durchsetzt, von dunkelbraunem 
Haar und blondem Bart umgeben. In 
grauschwarzem Gewand, vor hellgrauem 
Grund. Reines Weiß im Brief, Kragen 
und Manschetten, Saftgrün der Tisch- 
decke dienen der Erwärmung des 
Fleischtons. 



Auf einem Briefe, der auf dem Tische lie^t, das Datum: 
Settembre XX. MDLIII .-. Sammlung Solly, 1821. 
Leinwand, h. 1,00, br. 0,80. 



SCHULE VON BRESCIA 



Ferramola Fe°rr 



lano 
amolt 



[oder Fioravante] 
. Geboren vor 1480, 
gestorben zu Brescia den 3. Juli 1528. Vermutlich 
ijchüler Vincenzo Foppas. Tätig- zu Brescia. 




Schule von 
Bergamo im 
XVI. Jahr- 
hundert 

193 A 



155a Thronende MariamitdemKind, 
ein hl. Karmeliter [Angelas?] und 
die hl. Katharina. In bräunlichem 
Gesamtton vor weißlichem, rötlich und braun bewölktem Himmel. Die kräftigsten Farben 
sind in der Mitte vereinigt: Hellkarminrot im Gewände, Gelbgrün im Umschlage des dun- 
kelblauen Mantels der Madonna und im Thronvorhang. Blau klingt, grünlich getönt, 
in der landschaftlichen Ferne nach. An 
den Seiten gehen die Lokalfarben immer 
mehr in den bräunlichen Grundton des 
Bildes über: der Heilige in rotbrauner 
Kutte über bräunlichweißem Mantel, 
Katharina, mit rotbraunem Haar, in 
stumpf karminrotem, in den Schatten 
graugrünem, von karminrotem Gürtel 
zusammengehaltenem Gewand und 
bräunlichgoldgelbem, im Umschlag dun- 
kelblauem Mantel, das karminrote 
Schwert in der Rechten. Rotbräunliches 
Inkarnat. Die Nimben und der Schwert- 
griff sind plastisch aufgesetzt und ver- 
goldet. 



Bez. in der Mitte auf der Thronstufe : OPVS FLORIAI 
FERAMOL^ • CI • BX ■ M ■ D • XIII • .-. Das Bild trägt 
das früheste Datum unter den wenigen vorhandenen Wer- 
ken des Meisters .'. Vermutlich Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,76, br. 1,58. 



Schule von 
Brescia im 
XVI. Jahr- 
hundert 




167 



191 



Sdiule von 
Brescia im 
XVI. Jahr- 
hundert 

155 A 




oldo 



av 



Giovanni Girolamo Savoldo. 

Zeichnet sich öfters Joannesjero- 
nimus de Brescia. Geboren zu Brescia; Ge- 
burts- und Todesjahr unbel^annt. Unter dem 
Einflüsse Gio. Bellinis und Tizians ausgebildet. 
1508 als Meister in die Gilde zu Florenz auf- 
genommen, 1526 urkundlich in Venedig, 1548 
daselbst noch am Leben; angeblich dort in 
hohem Alter gestorben. Tätig zu Brescia und 
vornehmlich zu Venedig, kurze Zeit in Florenz 
und Treviso [15211. 



307a Trauer um den Leichnam Christi. 
In scharfen Umrissen hebt sich der dun- 
kelbraune Felsen mit dem Kreuzes- 
stamm von leuchtend gelbem, von rotem 
Gewölk durchzogenem Abendhimmel 
und blaugriiner Landschaft mit grau- 
braunen Felsen ab. Auf der Haupt- 
gruppe sammelt sich kühles, silbriges 
Licht, besonders auf dem bräunlich- 
grauen Leichnam, dessen Hüften ein 
Tuch in kaltem Grauweiß umgibt. Er 
hebt sich von dem karminroten Gewand und dem dunkelblauen Mantel Marias ab, deren 
Haupt ein bräunliches Tuch umhüllt. Am stärksten spricht neben Karminrot leuchtendes 
Gelbgrün im Gewände Johannis, während die gelben Lichter des gedämpft braunroten 
Kleides der Magdalena eine Ergänzung zum Blau bilden. Die Gestalten Josephs von 
Arimathia, in grauem Gewand mit karminroten Ärmeln, und des Nikodemus tauchen in 
den graubraunen Schatten des Felsens unter. Warmer bräunlicher Fleischton. 

Noch in einem Führer von Brescia [Le 
Pitture e Sculture di Brescia, pubblicate 
di L. Chizzola ] von 1760 als das Gemälde 
des Hauptaltars in S. Croce angeführt, 
später verschollen. Die von Ridolfi [1646] 
erwähnte Darstellung des gleichen Gegen- 
standes in der Casa Antelmi zu Brescia 
[„in Casa Antelmi vi e un deposto di Cro- 
ce*'] scheint ein anderes Bild zu sein .'. 
Erworben 1875 in Brescia. 

Leinwand h. 1,86, br. 2,26. 

307 Die Venetianerin. Im 
Schatten dunkelgraubrauner 
Mauern, über die hellblauer 
Himmel mit weißg-rauen Wol- 
ken blickt. Graue Halbschat- 
ten dämpfen das Gelb der in 
den Tiefen braun schillernden 
Mantille, aus der das Antlitz, 
durchsichtig grau beschattet, 
in warmem goldigem Ton her- 




192 




vorkommt. Unten ist ein Stück des schwärz- J"^ 
lieh karminroten Gewandes sichtbar. 

Bez. links an der Mauer: joanes jeronius sauoldus de brisia 
faciebat. .•. Eine nicht bezeichnete Originalwiederholung mit 
Veränderungen [hl. Magdalena] kam aus der Sammlung Fe- 
naroli zu Brescia in die National Gallery zu London .*. Eine alte 
Kopie des Berliner Bildes in Warwick Castle, unter dem Namen 
Lodovico Carracci, der recht wohl der Kopist sein kann .'. 
Schon Ridolfi [1646] gedenkt des Bildes als eines berühmten 
Gemäldes, von dem es viele Kopien gäbe, und beschreibt als 
das Original das Bild in der Casa Fenaroli [ damals in der Casa 
Averoldi ]. Doch ist auch das Berliner Bild ein unzweifelhaftes 
Original .". Sammlung Solly, 1821. 
Leinwand, h. 0,92, br. 0,73. 

Mii Alessandro Bonvicino, gen. Moretto 

Ul CLLU (Ja Brescia. Geboren zu Brescia um 1498, 
gestorben daselbst vor dem 22.Dezemberl554. Schüler 
und Gehilfe des Fioravante Ferramola zu Brescia, 
dann nach Romanino, Tizian und Raffael [vornehm- 
lich nach seinen Stichen] fortgebildet. Zumeist in 
Brescia tätig, zeitweilig in Bergamo [urkundlich 1529], 
Mailand und Verona [1540—1541]. 

197 Maria und Elisabeth in der Glorie. 

Die kühle silbrige Färbung, von schimmerndem Weiß [Trachten der Stifter, 
blatt, Wolken] in Grau [Architektur], 
schließlich in der Landschaft und im 
weiß bewölkten Himmel in graugrün- 
liche und grünlichblaue Töne über- 
gehend, wird belebt durch Lichtrot 
[Pilaster, Fliesenboden] und den war- 
men, mit Grau durchsetzten rötlichen 
Fleischton. Auch die bunteren Farben 
im oberen Teil sind auf kühles Grau 
gestimmt: mattes Hellkarminrot im 
Gewand, grünliches Blau im Mantel 
Marias; Dunkelgrün im Gewände mit 
dunkelkarminroten Armein und Gold- 
gelb im Mantel Elisabeths, vor matt 
gelbroter Glorie. Der kleine Johan- 
nes in silbergrauem Fell. 



Bez. auf dem Mittelstreifen des Fußbodens; ALES ' 
MORETTVS PRIX • F ■ MDXLI • .-. Auf dem Spruch- 
band des Engels: TVO SYDERE AFFLARl REVI- 
VISCERE EST [etwa: der Strahl deines Gestirnes 
gibt neues Leben] .'. Die knienden Stifter sind Bar- 
tolommeo Averoldo, Abt des Klosters der Umiliati 
zu Verona, und sein Neffe Aurelio Averoldo -■- Von 
Averoldo 1541 für die Kirche S. Maria della Ghiara 
in Verona bestellt .•- Erworben 1841 aus der Samm- 
lung des Grafen Lecchi in Brescia, in der sich das Bild 
seit 1812 befand .-. Leinwand, h. 2,65, br. 1,86. 



Sdiule von 
Brescia im 
XVI. Jahr- 
hundert 

307 



Schrift- 




193 



Schule von 
Brescia im 
XVI. Jahr- 
hundert 

157 




Romanino fCs 



amo Romanino. Zeichnet sich 
ers Hieronymus Rumanus de 



Brixia. Geboren zu Brescia um 1485, gestorben ebenda 
1566. Angeblich Schüler des Stefano Rizzi oder Flori- 
ano Ferramola zu Brescia; später von den Venezianern 
der Hochrenaissance beeinflußt. Tätig vornehmlich in 
Brescia und Umgegend [Valle Camonica], zeitweilig in 
Padua [1513], Cremona [nach 1517, vielleicht auch schon 
vorher] und Trient [um 1540]. 

157 Maria mit dem Kind und Heilige. 
Die Stimmung in warmem Braun, das weich 
die ganze Tafel durchklingt, in goldigem Rot- 
braun [Inkarnat] und bräunlichem Rot [gold- 
gelbgemusterter Mantel des hl. Ludwig von 
Toulouse 1., Gewand Marias unter dunkelblauem 
Mantel, Mantel des Engels, abgestumpft zu 
Gelbbraun in Mantelumschlag und Stiefeln 
des hl. Rochus r.] läßt der Kontrast zu tief 
grünen Tönen [smaragdgrüner Vorhang, saft- 
grüne Hecke, blaugrüne Tracht des hl. Rochus], 
zu bräunlichem Grau [Kutte des hl. Ludwig, 
Kappe und Mantel des hl. Rochus, gelbbraun 

gefleckter Hund] und zu reinem Weiß noch tiefer und leuchtender erscheinen. Der hl. 

Ludwig setzt den Krummstab in die Königskrone [Verzicht auf den Thron von Neapel]. 

Aus der früheren Zeit des Meisters .". Ehe- 
mals auf einem Altar in S. Francesco zu 
Brescia .*. Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 1,69, br. 1,20. 

151 Beweinung Christi. Auf 
bräunlichweißem Bahrtuch ruht 
der blasse, ockergelbbraune 
Körper Christi, mit rotbraunem 
Haar, von dunklem Blau [Man- 
tel Marias, Gewand Johannis] 
sich abhebend. Seitlich bricht 
bräunlich gedämpftes Rot her- 
vor, begleitet von Dunkel- 
saftgrün [roter Mantel Jo- 
hannis, daneben Maria Salome 
in dunkelsaftgrünem Gewand 
und rotem Mantel; 1. Magda- 
lena, mit dunkelbraunem Haar, 
in dunkelolivgrünem Gewand 
mit roten Ärmeln]. Dahinter 
leuchten durch den warm brau- 




194 




nen Gesamtton in ihrer Glut ge- 
dämpft, vor dunkelbraunem Fel- 
sen und dunkelblauem Himmel, 
Goldg-elbbraun im Mantel der 
Maria Kleophas, Goldgelb im 
Mantel mit hellblauem Kragen, 
bräunliches Rot im Gewände 
Josephs von Arimathia. Neben 
ihm der Stifter in schwarzer 
Tracht. Reines Weiß erhöht die 
Wärme des Kolorits, besonders 
des Inkarnats. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters .*. Ehe- 
mals in S. Faustino Maggiore zu Brescia .". 
Erworben 1841 aus dem Besitze des Grafen 
Bragnoli in Brescia. 

Pappelholz, h. 1,85, br. 1,82. 

157 a Enthauptung Johannis 
des Täufers. Rot, durch den 
bräunlichen Grundton gedämpft, beherrscht die 1. Seite vor fahlem grünlichblauem Himmel 
und bräunlichsaftgrünem Laubwerk. Karminrotes Gewand Salomes mit goldgelben 
Ärmeln, rotbrauner Erdboden, karminrotes Blut, das am Block herabträuft. Nach r. fällt 
die Stimmung allmählich zu kühlem Grau, das im weißen Hemd Salomes ansetzt, in der 
Schüssel, dem Hemd des Henkers unter dunkelblauer Jacke weiterklingt, noch begleitet 
von Rot [zinnoberrote Kappe der Gewappneten, rotbraunes Inkarnat des Henkers], um 
in der Gestalt des Stifters [blaugraues Gewand mit goldgelben Borten und rosa Armein, 
dunkelblauer Mantel] vor rotbräunlichem Gemäuer im kühlsten Ton zu enden. 

Auf dem Stein die Buclistaben : V C Q D V M B -•. Die Komposition 
geht auf den Holzschnitt Dürers von 1510 [ B. 125] zurück .'. König- 
liche Schlösser .". 1906 von S. M. dem Kaiser überwiesen. 
Leinwand, h. 1.66, br. 1,78. 

155 Romanino? Judith. Von schwärzlichbrauner 
Mauer, in deren Schatten der rotbraune Kopf 
der Magd sichtbar ist, löst sich weich, mit blau- 
grauen Schatten, das braunrötliche Inkarnat, das 
nach der Brust zu silbriger wird und durch um- 
gebende kühle Töne, vor allem Weiß [Feder, 
Hemd] und Smaragdgrün [Gewand mit karmin- 
rotem Ärmelfutter] noch besonders zur Wirkung 
kommt. 

Möglicherweise identisdi mit dem von Gio. Battista Carboni erwähn- 
ten Bilde Romaninos in S. Giovanni zu Brescia [Pitture e Sculture di 
Brescia, 1760, pubblicate di L. Chizzola, p. 47] .'. Ein ähnliches Bild, 
im Privatbesitze zu Mailand, ist mit dem Namen des Francesco Prato 
da Caravaggio [Schüler Romaninos] bezeichnet .'. Sammlung SoUy, 
1821 .-. Pippelholz, h. 0,84, br. 0,70. 



Sdiule von 
Brescia im 
XVI. Jahr- 
hundert 

157A 




195 



Schule von 
Brescia im 
XVI. Jahr- 
hundert 

S3 



176 




Schale von 
Vicenza im 
XVI. Jahr- 
hundert 



S3 Romanino? Bildnis [angeblich eines 
Bischofs von Brescia]. Vor schwärzlich- 
braunem Grund in gedämpften roten und braunen 
Tönen, aus denen silbrig- braun, von rotbraunem 
Bart umgeben, das Antlitz hervorkommt. In 
grauschwarzem Barett und schwärzlichkarmin- 
rotem, zinnoberrot gefüttertem Rock mit gelb- 
braunen Ärmeln. Saftgrüne Tischdecke. 

Auf dem weißen Blatt die Altersangabe des Dargestellten: AN • 
ETA ■ SVEXLIII .-. Stammt aus Brescia .-. Erworben 1900 vom Conte 
Bardi in Venedig /. Aus dem Eigentum des Kaiser -Friedrich- 
Museums -Vereins [vgl. Katalog 1904, Nr. 1625] übergegangen in 
die Sammlung James Simon .". Leinwand, h. 0,91, br. 0,76. 

Schule von Brescia 
um 1530—1540 

176 Allegorische Darstellung von Krieg 
und Frieden. Die warme, auf Rot gestimmte 
Gesamtfärbung steigt von rotbräunlichen Tönen in der Landschaft [noch wärmer im Inkar- 
nat] zu Hellrot im Horizont, Hellkarminrot im Mantel der Allegorie des Friedens, bräun- 
lichem Karminrot im Panzer, Zinnoberrot in den Stiefeln des Kriegsgottes und der lodern- 
den Flamme und Goldgelb in seinem Mantel und im Schild mit dunkelblauen Balken an, 
begleitet von Grün [saftgrüne Bäume, grünes Gewand der Friedensgöttin, gelbgrüne 
Panzerzier des Gottes]. Reines Weiß, Grau [z. B. der Altar] und Hellblau [gebirgige 
Ferne] erhöhen noch die Glut des Kolorits. 

Kolorit und Typen sowie die Landschaft erinnern zum Teil 
an Cariani, zum Teil an Romanino. Das Wappen ist das 
der Contarini [Venedig] .•- Erworben 1841 42 in Italien. 
Leinwand, h. 1,08, br. 0.94. 

SCHULE VON VICENZA 

TH"/-v/-r/^lir->/--i Marcello Fogolino. Geboren zu 
r OgOlinO S. Vito [Frlaulj; unter dem Einflüsse 
des Giovanni Speranza zu Vicenza, dann unter dem 
Pordenones ausgebildet. Tätig seit 1520 vornehm- 
lich zu Vicenza, zeitweilig in Pordenone [daselbst 
urkundlich 1523 und 1533] und inTrient [seit 1526 
und noch 1548]. 

47 Maria mit dem Kind und Heilige. 
Die kühle, nach Grau neigende Grund- 
färbung, durch Grau in den Kutten der 
hll. Bonaventura und Franziskus [1.], der 
hll. Antonius von Padua, Bernhardin von 
Siena und Ludwig von Toulouse [r.] 
noch gestärkt und in kräftiges Hellblau 
im Mantel Marias, der über den goldgel- 
ben Thronteppich herabfällt, ausklingend, 




196 




wird durch den rötlichbrau- 
nen Fleischton, durch Rot 
und Gelb belebt, die in der 
Mitte [hellkarmin Gewand 
Marias] und an den Seiten 
[zinnoberrotes Ornat Bo- 
naventuras, hellkarmin Ge- 
wand Johannis d. Ev. unter 
gelbgrünem Mantel, rosa- 
farbene Innenseite des 
dunkelblauen Ornats des 
hl. Ludwig] verteilt sind. 
Zu den Seiten der grauen 
Thronarchitektur sonnige, 
saftgrüne Landschaft unter 
hellblauem Himmel. 

Bez. in der Mitte, auf der untersten 
Stufe des Thrones: MARCELLVS • 
FOGOLINVS • P ■ .-. Befand sich noch 
1779 auf dem Hauptaltar von S.Fran- 
cesco zuVicenza .'. Sammlung Solly, 
1821 .-. Leinwand, h. 2,55, br. 2,56. 

SCHULE VON VERONA 

L'l • Girolamo dai Libri. Geboren zu Verona 1474, gestorben daselbst den 2. Juli 1556. Sohn und 
IDll Schüler des Francesco di Stefano [als Illuminator 
von Büchern dai libri genannt]. Zuerst gleichfalls Mini- 
ator; unter dem Einflüsse des Liberale da Verona, dann 
in gemeinsamer Arbeit mit Francesco Morone unter 
dessen Einfluß weiter ausgebildet. Tätig zu Verona. 

30 Maria mit dem Kind und Heilige. In 
dem kühlen, auf Graublau gestimmten Kolo- 
rit [saftgrüne Landschaft, die über Blaugrün 
in Graublau übergeht; weißgrauer Mantel des 
hl. Bartholomaeus 1. über graublauem Ge- 
wand, grauvioletter Mantel des hl. Zeno, 
Bischofs von Verona, r.], wird Maria hervor- 
gehoben durch leuchtendes Rot im Gewand 
unter grünlichblauem Mantel, vor rotbraunem 
Tabernakel. Das warme Inkarnat umrahmt 
ein violettes Kopftuch. Auch an den Seiten 
khngt Rot wieder [Buch des Bartholomaeus, 
Untergewand Zenos], in der Gruppe der 
Engel Karminviolett, Gelbgrün und Rot. 

Aus der späteren Zeit, da der Meister unter dem Einflüsse Fran- 
cesco Morones stand .*. Für die Kapelle der Buonalivi inS. Maria 
in Orsfano zu Verona gemalt -■. Sammlung Soily, 1821. 
Lemwand, h. 2,09, br. 1,43. 



Schule von 
Vicenza im 
XVI. Jahr- 
hundert 

47 




30 



Schule von 
Verona im 
XVI. Jahr- 
hundert 



197 



Sdiule von 
Verona im 
XVI. Jahr- 
hundert 



284 



Schule von 
Parma im 
XVf. Jahr- 
hundert 



• ]£• _ Niccolö Giolfino. Geboren 1476, ge- 
l^lllllyJ stürben zwischen dem S.März und dem 
11. Juni 1555. Tätig zu Verona. 

1176 Maria in der Glorie und Heilige. 
Der Kontrast von stumpfem, auf den grau- 
bräunlichen Gesamtton gestimmtem Kar- 
minrot im Gewand und Grün im Umschlag 
des dunkelblauen Mantels der Maria, vor 
hellblauem Himmel und goldgelber Glorie, 
kehrt in diagonaler Anordnung in den vier 
äußeren Gestalten wieder: Grün im Gewän- 
de des Glaubens [1.] und leuchtender in dem 
Johannis d. Ev., unter dunkelkarminrotem 
Mantel, Rot im Gewände der Liebe [r.], 
stumpfer in dem des Jakobus [1.] unter 
bräunlichgoldgelbem Mantel, vor grüner 
Landschaft. Goldgelb im Gewände derHoff- 
nungbetontdieMitte. Der Stifter in Schwarz. 

Sammlung SoUy, 1821 .'. Leinwand, h. 2,25, br. 1,39. 

284 Lucretia. In ockergelbem Ton, mit durch- 
scheinender brauner Untermalung, kommt 
der Körper fast goldig vom gelbgrünen 
Mantel und schwarzen Grund los. Dunkel- 
rotbraunes Haar. Ockergelblicher Boden. 

Dieselbe Darstellung kommt in mehreren, wenig von einander abweichenden Wiederholungen vor .". Sammlung Solly, 1821. 
Pappelholz, h. 0,77, br. 0,98. 

SCHULE VON PARMA 

CnrrPaaio Antonio Allegri, gen. 

^-''-" ' ^ÖO Correggio. Geboren zu 

Correggio um 1494, gestorben daselbst 
den 5. März 1534. Schüler des Antonio 
Bartolotti zu Correggio, dann wahrschein- 
lich des Francesco Bianchi Ferrari zu Mo- 
dena, [ausgebildet namentlich durch das 
Studium des Andrea Mantegna und der 
Ferraresen [besonders des Lorenzo Costa]. 
Tätig in Correggio und Parma [seit 1518]. 

218 Leda mit dem Schwan. Die 
Zartheit der ockergelblichen Kör- 
per, die im zerstreuten Licht mit 
silbergrauen Tönen modelliert und 
an den Extremitäten rötlich gefärbt 
sind, wird noch gesteigert durch 
den Kontrast kühlererTöne: Weiß 
[Schwan, Tücher] und Grauviolett 





198 



im Mantel. Auch das bläu- 
liche Wasser, der ocker- 
gelbbraune Ton des Erd- 
bodens und der Baum- 
stämme ist von kühlem 
Grau durchsetzt. Die ein- 
zigen kräftigeren, doch auf 
den luftigen Gesamtton ge- 
stimmten Farben, Ziegel- 
rot und Hellblau in den Ge- 
wändern der Dienerinnen, 
sind in den Hintergrund 
verlegt, um den Blick nach- 
drücklich in die Tiefe zu 
leiten. Zwischen dunkel- 
grünem, gelbbraunem und 
gelbgrünem Laubwerk 
schimmert grünlichblaue Ferne und hellblauer Himmel mit lichten Wolken. 

Aus der letzten Zeit des Meisters [um 1530]. Das Bild wurde 1603 in Spanien für Rudolf II. erworben [Prager Inventar 
V. 1621 ] und nach der Eroberung Prags durch die Schweden im Jahre 1648 nach Stockholm gebracht. Darauf in der Samm- 
lung der Königin Christine von Schweden in Rom und einige Zeit beim Kardinal Azzolini. seinem Neffen und zwei Prinzen 
Odescalchi. Seit 1722 im Besitz des Regenten Philipp von Or- 
leans, dessen frömmelnder Sohn Ludwig das Bild zerschnitt und 
den Kopf der Leda vernichtete. Der Hofmaler Charles Coypel, 
Direktor der Sammlung des Herzogs, flickte das Bild wieder zu- 
sammen und ersetzte den Kopf der Leda. Aus dem Nachlaß Coy- 
pels kam das Bild 1752 an den Sammler Pasquier [für 16050 
Livres] und 1755 nach dessen Tode in den Besitz Friedrichs d. Gr. 
[ für 21 060 Livres ]. Seit 1830 im Museum, wo Schlesinger einen 
neuen Kopf der Leda einfügte. Das Bild ist mehrfach zerschnitten, 
ein Teil des Kopfes der Dienerin in der Mitte ist ebenfalls neu 
gemalt und eingesetzt. Gute alte Kopie in Petersburg nach dem 
noch nicht verstümmelten Original .". Königliche Schlösser. 
Leinwand, h. 1,52, br. 1,91. 




Schule von 
Parma im 
XVI. Jahr, 
hundert 



Correggio ^ll^^^. 



h Antonio Alleari, g'en. 



ggf! 

216 Jo und Jupiter. Der ockergelbliche, mit 
Silbergrau modellierte Körper wird durch 
den Gegensatz zum schimmernd weißen 
Tuch erwärmt. In der dunkelbraungrauen 
Wolke die Gestalt Jupiters; 1. grüne Blätter 
und ein Fleck blauen Himmels, vorn im grauen 
Dämmer eine rotbräunliche Vase. 

Alte Kopie, schon 1587 in Spanien für Rudolf II. erworben, wäh- 
rend das Original [im Hofmuseum zu Wien] erst nach 1600 
gleichfalls in den Besitz Rudolfs II. kam. Ehemais in der Samm- 
lung der Christine von Schweden [als Original Correggios]. Wie 
die Leda durch Ludwig von Orleans verstümmelt [s. Nr. 218]; von 
Pasquier für 5602 Livres erworben. Der von Coypel gemalte 
Kopf der Jo wurde später [1806] in Paris von Prud'hon ersetzt .'. 
Königliche Schlösser. 

Leinwand, h. 1,38, br. 0,83. 




216 



199 



ITALIENISCHE SCHULEN DES 
XVII. JAHRHUNDERTS 




SCHULE VON BOLOGNA 

-^K/-v/->^r>/->i'ni Giulio Cesare Procaccini. Maler 
lUCdCUHIl und Radierer, geboren 1548 [?] zu Bo- 
log-na, gestorben zu Mailand um 1626. Schüler seines 
Vaters Ercole, durch Studien nach Correggio und Par- 
meggianino weiter ausgebildet. Tätig in Bologna, einige 
Zeit in Genua und vornehmlich in Mailand. 

355 Der Traum Josephs. Das volle Licht 
sammelt sich auf dem goldgelben, über schwärz- 
lichblaues Gewand gebreiteten Mantel Josephs, 
und spielt, die Linien der Komposition her- 
vorhebend, auf goldig- ockergelbbraunem In- 
karnat, den gelbbraunen Flügeln und Haar 
des Engels. Dazwischen leuchtet glitzernd 
Gelbgrün im Gewände des Engels auf, Karmin- 
violett im flatternden Mantel. Im graubräun- 
lichen Dunkel des Hintergrundes Maria in 
silbrigen hellroten und blaugrauen Tönen, und 
Ausblick auf bläuliche Morgendämmerung. 

Eine Zeichnung zu dem Bild im Kupferstichkabinett zu Berlin .*. 
Eine alte Kopie in der Galerie zu Nimes .*. Königliche Schlösser. 
Pappelholz, h. 0,40, br. 0,28. 

'^PrKarT'i Annibale Carracci. Maler und Kupferstecher, getauft zu Bologna den 3. November 1560, 
_^Cli I dCCl gestorben zu Rom den 15. oder 16. Juli 1609. Anfangs Schüler seines Vetters Lodovico 
Carracci zu Bologna, dann durch Studien nach Correggio in Parma [seit 1580] und nach den Venetianern 
ausgebildet, endlich in Rom namentlich von Michelangelo beeinflußt. Tätig in Bologna und später vor- 
nehmlich in Rom [1594, 1595 1609]. 

364 Christus am Kreuz. Hell hebt das Licht 
den ockergelblichgrauen Leichnam an grau- 
braunem Kreuz von düsteren, bräunlichgrauen 
Wolken ab, die den schwärzlichblauen, am Hori- 
zont, über tiefblauen Bergen, gelbrot gefärbten 
Abendhimmel bedecken. In dem Halblicht ent- 
faltet sich in der Gruppe rechts ein schillerndes 
Spiel leuchtender Farben: Ultramarinblau im 
Mantel Marias, das gegen Orangegelb im Kleide 
der sie stützenden Frau steht. Violett, Karmin- 
rot, Rosa, graublau schillernd. Der karminrote 
Mantel Johannis über grünem Gewand ist auf 
den graubraunen Ton des Erdbodens und der 
seitlichen Bergkulissen gestimmt. Warmer röt- 
licher Fleischton. 

Bez. unten rechts: ANNIBAL CARATIVS •, unten links auf einem 
Blättchen : MDXCIIII ■ .■. Wahrscheinlich während eines kurzen Auf- 
enthalts In Rom gemalt .■. Sammlung Giustiniani, 1815. 
L< nwand, h. 0,32, br. 0,22. 



Scilule von 
Bologna im 
XVII. Jahr- 
hundert 




201 



Schale von 
Bologna im 
XVn. Jahr- 
hundert 

372 




372 Römische 
Landschaft. Das 
mit ockergelb- 
hchen Tönen und 
dunklem Saftgrün 
untermischte Dun- 
kelbraun des Vor- 
dergrundes und 
der seitlichen 

Baumkulissen 
geht nach demMit- 
telgrund zu immer 
mehr in Rotbraun 
und Braunrot 

[Kastell, einzelne 

lichtrote Baumzweige, Staffage] über und stößt dort, durch blaugrüne Töne nur wenig 
vermittelt, mit grellem Ultramarinblau der Ferne [unter gelbrotem Horizont] und des 
Himmels mit grauen Wolken zusammen. In der graugrünlichen Wasserfläche gehen die 
Gegensätze weicher ineinander über. 

Aus der spätesten römischen Zeit des Meisters .'. Einzelner Ankauf aus der Sammlung Giustiniani vor 1815. 
Leinwand, h. 0,80, br. 1,43. 

■• • Agostino Carracci. Maler und Kupferstecher, g-eboren zu Bologna den 15. August 1557, 

xdl I dCCl g-estorben zu Parma den 22. März 1602. Schüler der einheimischen Manieristen und seines 
Vetters Lodovico Carracci, dann durch Studien vor allem nach den Venetianern und Correggio weiter ge- 
bildet. Tätig in Bologna, zeitweilig in Parma [1581, 
1597 und in den letzten Lebensjahren], Venedig 
[1581 und längere Zeit seit 1589] und Rom [1597 
bis 1600]. 

372a Bildnis der Johanna Parolini-Gu- 
icciardini. Das goldig leuchtende Inkarnat, 
vom Weiß des Kragens und der Manschetten 
und dem das Bild in breiter Fläche beherr- 
schenden Blaugrau des Gewandes sich ab- 
hebend, wird durch das Rotbraun im Haar 
und im Schleier in den braunroten Grund 
überführt, der wiederum auf die warm röt- 
liche Fleischfarbe gestimmt ist. Dunkelgrau- 
blaue Augen. Sie sitzt auf rotbraunem Stuhl 
und hält ein in gelbbraunes Leder gebunde- 
nes Buch. 



Rechts oben die Inschrift in gelben und goldenen Buchstaben: 
HANN/E PAROLIN/E GVICCI ARDIN/E IMAGINEM 
AVGVST. CARRATIVS PINXIT ANNO 1598 .-. Früher in 
der Galerie Festetics, dann Sterne zu Wien .". Erworben 1882 
in Wien .-. Leinwand, h. 0,95, br. 0,76. 




202 



Domenichino 



Domenico Zampieri, gen. Do- 
menichino. Maler und Architelct, 
geboren zu Bologna den 21. Oktober 1581, gestorben zu 
Neapel den 6. April 1641. Anfangs Schüler des Dionysius 
Calvaert, weiter ausgebildet in der Werkstatt der Carracci 
zu Bologna und dort besonders durch Agostino beeinflußt. 
In Rom überwiegt bald der Einfluß Annibales, als dessen 
Gehilfe er tätig ist. Tätig zu Bologna, Rom [von etwa 
1602 bis gegen 1617 und wieder von 1621 bis 1630] und 
zu Neapel [von 1630 bis zu seinem Tode]. 

376 Der hl. Hieronymus. In leuchtend klaren 
Lokalfarben. Der zinnoberrote Mantel umhüllt 
den goldig- ockergelben, mit Braun modellierten 
Körper des Heiligen, der vor dunkelbraunem 
Felsengrund kniet. Der goldige Ton des In- 
karnats setzt sich nach rechts oben fort: im In- 
karnat des Engels, das mit Lichtrot erwärmt ist, 
dem ockergelben Haar, dem goldgelben Ober- 
gewand, mit dem Hellblau im Untergewande 
kontrastiert, und schließlich in der goldgelben von 
grauen Wolken umgebenen Glorie, gegen die 
das Graublau der Engelsflügel und links oben 
ein Stück dunkelultramarinblauen Himmels steht. 
Busch bestandene Abhang ab. 

Aus der frühen römischen Zeit des Meisters .•. Königliche Schlösser. 
Leinwand, h. 0,57, br. 0,39. 




Schule von 
Bologna im 
XVII. Jahr- 
hundert 

376 



Braunrot hebt sich der mit einem 



375 Bildnis des BaumeistersVincenzo 
Scamozzi [1552 bis 1616]. Vor grauem 
Grund steht warm das ockergelbliche, mit 
grauen und braunen Tönen modellierte 
und besonders im unteren Teil stark ge- 
rötete Antlitz, von grauem Bart, weißem, 
in den Schatten graublauem Kragen, grau- 
schwarzem Barett und Gewand umgeben. 
Die Rechte hält den goldgelben Zirkel. 



Erworben 1829 durch Rumohr. 
Leinwand, h. 0,65, br. 0,53. 




203 



Sdiule von 
Bologna im 
XVn. Jahr- 
hundert 

362 




362 Derhl.Hieronymus. Vom schwärzlich- 
braunen Grund mit ockergelblichbraunen 
Lichtern hebt sich der Körper in stumpf 
ockergelbbraunen Tönen mit schwärzlich- 
braunen Schatten ab. Zinnoberrot mit 
weißlichen Lichtern im Mantel, begleitet 
vom Weiß des Gewandes und der aufge- 
schlagenen Bücher, ist die Hauptfarbe in 
der trockenen und stumpfen Gesamtfär- 
bung und bildet, im Kardinalshut rechts 
oben sich fortsetzend, eine das Bild durch- 
schneidende Diagonale. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Leinwand, h. 1,27, br. 0,99. 



Reni 



Guido Reni. Maler und Radlerer, geboren 
zu Calvenzano bei Bologna den 4. November 
1575, gestorben zu Bologna den 18. August 1642. 
Schüler Dionysius Calvaerts und besonders Lodo- 
vico Carraccis zu Bologna; in Rom unter dem Ein- 
flüsse Caravaggios und AnnibaleCarraccis, und durch 
Studien nach Raffael und nach der Antike weiter 
ausgebildet. Tätig zu Bologna, kurze Zeit zu Rom [besonders von 1605—1610] und Neapel [1621]. 

373 Die Einsiedler Paulus und Antonius. Dadurch, daß sich das volle goldige 
Licht, vor bräunlichschwarzem Dunkel der Felsenhöhle [oben der Rabe mit dem rot- 
braunen Brot], auf der Gestalt des hl. Paulus und seinem goldgelben Mantel sammelt, 
wird das Gewicht der Komposition ganz nach rechts verschoben, während nach links zu 
der goldgelbe Ton über das dunklere Goldgelbbraun der Kutte des hl. Antonius in das 

Grauschwarz seines Mantels überführt wird. Das 
goldig- gelbbraun gefärbte Fleisch der Einsiedler 
ist kräftig und breit mit grauschwarzen Tönen mo- 
delliert. Graues und braunschwarzes Haupt- und 
Barthaar. Im oberen Teil des Bildes, den die silbrige 
Lichtstimmung und die farbigere Behandlung von 
der unteren Darstellung isolieren, ist der Schwer- 
punkt wieder nach der Mitte verlegt, vor gelblich- 
grauem Grund. Die Hauptfarben im hellkarmin- 
roten Gewand und grünlichblauen Mantel Marias, 
die auf grauen Wolken ruht. Hellockergelbliches 
Fleisch mit grauen Schatten, rötlicher in der Engel- 
gruppe links, die karminviolette und grüne Tücher 
umflattern. 

Ans der früheren, von Caravaggio beeinflußten Zeit des Meisters .'. Ur- 
sprünglich für die Kapelle des Monsignor Monterenzio in S. Francesco zu 
Bologna gemalt, konnte das Bild eines Irrtums in den Maßen wegen nicht 
in die Altararchitektur eingefügt werden und ging alsbald in den Besitz 
des Marchese Giustiniani in Rom über .". Es ist der Moment der Legende 




204 



dargestellt, da Antonius, der sich nach fün fundsieb zig- 
jähriger Buße für den ältesten Einsiedler hielt, auf gött- 
liche Weisung den hl. Paulus besuchte, der neunzig Jahre 
in seiner Höhle zugebracht hatte, und nun in ihm seinen 
Meister fand. Der Rabe, der sonst dem Paulus zu 
seiner täglichen Nahrung ein halbes Brot zutrug, brachte 
an diesem Tage für beide ein ganzes .'. Sammlung 
Giustiniani, 1815. 

Leinwand, h. 2,90, br. 1,87. 



Reni ko 



pie nach Guido Reni. 



363 Mater Dolorosa. Das hell be- 
leuchtete ockerg-elbliche Inkarnat, durch 
zarte, rötliche Töne belebt, die sich zu 
kräftigerem Rot in den Lippen steigern, 
und durch silbergraue Modellierung auf- 
gelockert, taucht in die graubraunen 
Schatten des stumpf gelbbraunen Kopf- 
tuches ein, das sich wie, der graublaue 
Mantel mit Grau gebrochen, gegen 
dunkelbraunen Grund abhebt. Zwischen 
diesen gebrochenen Tönen ist vorn am 
Hals ein Stück des kräftig dunkelkarmin- 
roten Gewandes sichtbar. 



Gute alte Kopie des Kopfes der Madonna aus dem Al- 
tarbild [ Christus am Kreuz mit Maria, Johannes und 
Magdalena], das sich jetzt in der Pinakothek zu Bologna 
befindet .". Königliche Schlösser. 
Leinwand, h. 0,49, br. 0,38. 



Italienischer Meister um 1650 

408a Bildnis eines älteren Mannes. Von 
dunkelbraunem Grund hebt sich hell be- 
leuchtet in matten ockergelblichen und rot- 
braunen Mischtönen, mit starker Verwen- 
dung von Grau in den Halbschatten, das 
Antlitz ab, von rotbraunem Haar und spär- 
lichem braunem Bart umgeben. Mattrote 
Lippen und leicht gerötete Augenlider. Blau- 
grauer Kragen und Manschetten, schwarzes 
Gewand. Die rotbraunen Töne steigern 
sich in den Handschuhen und daneben im 
Rockumschlag zu hellem bräunlichem Rot. 



Ehemals irrtümlich Velazquez zugeschrieben .•. Erworben 
1860 vom Baron Duboutin de Rochefort aus Villa Bellos- 
guardo bei Florenz. 

Leinwand, h. 0,86, br. 0,69. 




Schule von 
Bologna im 
XVII. Jahr- 
hundert 



408A 



205 



Sdiule von 
Bologna im 
XVII. Jahr- 
hundert 

1618 




Alb 



am 



Francesco Albani. Geboren zu Bologna den 
17. März 1578, gestorben daselbst den 4. Oktober 
1660. Anfangs Schüler des Dionysius Calvaert, dann des 
Lodovico und Annibale Carracci. Tätig in Rom [um 1602 
bis 1616, wiederum 1622—1623 und 1625]. in Florenz [1633] 
und vornehmlich in Bologna. 

1618 Christus erscheint Maria Magdalena. Von 
grellem Ultramarinblau in Himmel und Ferne 
heben sich in goldigem Ockergelb, mit rotbraunen 
Schatten, der von dunkelblauem Mantel umhüllte 
Körper Christi und die Cherubim ab. Gedämpftes 
Goldgelb und Karminrot in der Kleidung Magda- 
lenas halten der starken Wirkung des Blau die 
Wage. Der bräunlichgrüne Vordergrund geht in 
das Saftgrün der Landschaft über. An dem bräun- 
lichen, von dunkelsaftgrünem Laubwerk umsäumten 
Felsen bewachen weißgekleidete Engel das Grab. 

Verkleinerte Wiederholung des Altargemäldes in S. Maria de' Servi [ Kap. 
Zoppi ] zu Bologna. Darstellungen desselben Gegenstandes von Albanis 
Hand mit geringen Abänderungen finden sich mehrfacli, so im Pal9 Bianco 
i Genua, im Louvre u. a. a. O. .*. Erworben 1899 als Geschenk des Herrn James Simon. 
Leinwand, h. 0,71, br. 0,51. 



C' _ ' Conte Carlo Cignani. Geboren zu Bologna den 15. Mai 1628, gestorben zu Forli den 

Ö 6. September 1719. Schüler des Gio. Batt. Cairo und des Fr. Albani [dessen Gehilfe bis 

1660], ausgebildet durch das Studium der Werke Correggios und der Carracci. Tätig in Rom, Bologna, 
Parma und Forli [1686 — 1700]. Erster Principe der Accademia Clementina zu Bologna [gegründet 1709]. 



447 Venus und Anchises. Die bunten Lokalfarben sind gebrochen, kühle, auf Grau 
gestimmte Töne überwiegen. Vor ultramarinblauem Himmel mit grauen Wolken und 
weißlichblauem Wasser Mattgelb im Gewände, das bräunlichkarminrote Bänder zieren, 

und Dunkelultramarinblau im flat- 
ternden Mantel der Venus. Dem 
Gelb entspricht links Mattrot im 
Mantel des Anchises, rötliches 
Inkarnat, lichter, von Grau durch- 
setzt im Körper der Venus. Amor 
mit graublauen Flügeln und stumpf- 
karminroter Draperie. In das 
stumpfe Saftgrün der Landschaft 
mischen sich braune Töne im Vor- 
dergrund, graublaue in der Ferne. 

Sammlung Solly, 1821. 

Leinwand, h. 0,98, br. 1,31. 




206 



RÖMISCHE SCHULE 
Um 1600 

237 Der tote Christus, von Joseph 
vonArimathia und Magdalena be- 
trauert. Bräunhcher Gesamtton. Der 
ockergelbliche, mit grauen Halbschatten 
und wenig dunklem Braun modellierte 
Körper Christi, dessen Haupt rötlich- 
braunes Haar umgibt, hebt sich von 
grauweißem Tuch und violettgrauem 
Mantel ab, der das rotbräunliche Antlitz 
Josephs von Arimathia mit dem grauen 
Bart umhüllt. Goldgelbbraunes Haar 
Magdalenas. Schwärzlicher Grund. 

Wie das Seitenstück zu diesem Gemälde [der kreuztra- 
gende Christus], ehemals im Besitze des Herrn Zir zu 
Neapel, von dessen Vorfahren auch das Berliner Bild er- 
worben wurde, früher Sebastiane del Piombo zugeschrie- 
ben, doch eher von einem italienischen Meister um 1600 -•. 
Eine etwa gleichzeitige Nachzeichnung unter Caravaggios 
Namen in der Albertina zu Wien .'. Erworben 1841/42 in 
Neapel. 

Schieferstein, h. 1,55, br. 1,13. 



Para\;-arrm'rk Michelang-elo Merisi 
V^araVagglO [Amerighi, Amerigl], 
gen. Caravag-gio. Geboren zu Caravaggio 
um 1565, gestorben zu Porto d'Ercole im 
Hochsommer 1609. Gebildet wahrscheinlich 
unter dem Einflüsse der Venetianer. In Rom 
Gehilfe des Cavaliere d'Arpino. Tätig in 
Mailand [vor 1585], vornehmlich in Rom 
[um 1585—1606], alsdann in Neapel, Malta 
und Sizilien [1606 — 1609]. Haupt der 
„naturalistischen" Schule. 

365 Der hl. Matthaeus. Vor schwar- 
zem Grund fällt helles Sonnenlicht 
auf die Gruppe, die dunkelbraune 
Schlagschatten auf den ockergelb- 
braunen Boden wirft, und modelliert 
die Körper hart und klar, auch in 
dem warmen Helldunkel. Hellrot 
in dem über gelbbraunen Stuhl fal- 
lenden Mantel, Dunkelolivgrün im 
Rocke des Apostels, die verbrannte 
ockergelblichrote Fleischfarbe, im 
Gegensatze zu reinem Weiß im Buch, 




Römische 
Schule lies 
XVII. Jahr- 
hunderts 

237 



207 



RÖmisdie 
Schule des 
XVIl. Jahr- 
hunderts 




354 



in den Flügeln und, mit Grau getönt, in dem 
beschatteten Gewände des Engels steigern die 
plastische Wirkung der Gestalt zu einem förm- 
lichen Herausspringen aus dem Bilde. 

Das Bild, zusammen mit zwei anderen Darstellungen, der Berufung 
und demTode des Matthäus, um 1591 im Auftrage des Virgilio Cres- 
centij für die Contarelli- Kapelle in S. Luigi de' Francesi zu Rom 
gemalt, aber der vulgären Gestalt und Haltung des Apostels wegen 
aus der Kirche verwiesen und durch eine andere Komposition Cara- 
vaggios ersetzt, ging in den Besitz des Marchese Vincenzo Giusti- 
niani über -•. Sammlung Giustiniani, 1815. 
Leinwand, h. 2,32, br. 1,83. . 

(■■'■VC'/ 

381 Himmlische und irdische Liebe. Der 
Genius, mit gelbbraunem Haar, erhebt die 
Rechte mit dem flammenden Blitz gegen den 
am Boden liegenden Amor. Scheinbar vor dem 
schwärzlichen Dunkel einer Höhle trifft helle 
Sonne die warm mit karminrötlichen Tönen an 
den Extremitäten gefärbten und hart mit schwärz- 
lichbraunen Schatten modellierten Körper von 
oben. Von Braunrot im Hintergrund [der Satyr, 
die „überwundene Lust der Welt" darstellend] 
lichtet sich die Färbung des Fleisches nach vorn 
über das hellere rötliche Inkarnat des siegenden 
Genius zu Ockergelb auf, durch den Gegensatz kühler Töne [Blaugrau im Panzer, auf dem 
weiße Lichter spielen, Karminviolett im Mantel des Genius, blitzendes Weiß und Grau in 
den Flügelfedern usw.] in seiner Wirkung gesteigert. Überall leuchten klare bunte Farben 
auf: Ultramarinblau in dem Lederzeug, Karminrot in der Polsterung des Panzers, Zinnober- 
rot in den Schäften der Pfeile. 

Bei Baglione, Vite de' pittori usw. S. 129 erwähnt als „die irdische 
und die himmlische Liebe" .'. Sammlung Giustiniani, 1815. 
Leinwand, h. 1,79, br. 1,18. 



354 Brustbild eines Mannes. Aus dunklem, 
schwärzlichrotbraunem Grund, mit dem das 
Schwarz der Kutte zusammengeht, springt in gol- 
digem Ockergelb, das in breitem, flottem Strich 
mit Braunrot und Dunkelbraun modelliert ist, 
das Antlitz mit den schwarzen Augen hervor, 
umrahmt von bräunlichschwarzem Haupt- und 
Barthaar. 



Sammlung Giustiniani, 1815. 

Leinwand, h. 0,75, br. Ü,62. 




208 



369 Amor als Sieger. Vor schwärzlichbrau- 
nem Dunkel des Hintergrundes leuchtet der 
goldig- -ockergelbe, mit schwärzlichbraunen 
Schatten modellierte Körper, dessen sonnige 
Wärme unten durch den Gegensatz zum 
weißen Tuch [mit schwärzlichen Schatten], 
Hellblau im Himmelsglobus, Saftgrün im 
Lorbeerkranz, erhöht wird. Lichtrote Töne 
im Antlitz. Graubraune Geierflügel, und dun- 
kelrotbraunes Haar vermitteln zwischen Figur 
und Hintergrund. Er hält den Bogen und 
gelbbraune Pfeile mit zinnoberroten Schäften 
in der Rechten. Auf dem gelblichgraubraunen 
Boden, der in das schwärzliche Braun des 
Hintergrundes übergeht, sind gelbbraune Mu- 
sikinstrumente, gelblichweiße Blätter, grau- 
blaue Waffenteile und andere Attribute der 
irdischen Macht, der Wissenschaften und 
Künste verstreut. 

Nach einer Aussage Orazio Gentileschis im Prozeß gegen Ca- 
ravaggio [1603] für den Marchese Vincenzo Giustiniani und als 

Gegenstück zu einer Darstellung der „Himmlischen Liebe" von Giovanni Baglione gemalt -■. Erwähnt bei G. P. Bellori, Vite 
de' pittori usw. S. 123 als „amore vincitore" .*. Sammlung Giustiniani, 1815. 
Leinwand, h. 1,54, br. 1,10. 




Römische 
Scliule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 

369 



356 Brustbild einer jungen Frau [angeblich einer 
römischen Courtisane, namens Phyllis]. Das lichte 
ockergelbliche Antlitz mit zarten rötlichen Tönen 
in den Wangen und Lippen, mit graublauen Halb- 
schatten und kräftigen schwärzlichbraunen Schatten, 
springt scharf aus schwarzem Grund hervor, um- 
rahmt von rötlichbraunem Haar, erwärmt durch den 
Kontrast zum weißen, in den Schatten graublauen 
Hemd, das aus grau und schwarz gestreiftem, 
mit goldgelber Stickerei geziertem Mieder hervor- 
kommt. Sie steckt weiße Orangeblüten mit schwärz- 
lichgrünen Blättern ans Mieder. 



Aus der späteren Zeit des Meisters 
Leinwand, h. 0,66, br. 0,53. 



Sammlung Giustiniani, 1815. 




356 



209 



Römisdie 
Sdiule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 

353 




353 GrablegungChristi. Aus der düste- 
ren Stimmung in braunen und grauen 
Tönen leuchtet warm der ockergelbbraune 
Fleischton hervor, und während die Farben 
der Gewänder nach dem beherrschenden 
bräunlichen Gesamtton gebrochen sind 
[bräunliches Zinnoberrot im Gewände Jo- 
hannis, bräunliches Goldgelb im Kleide 
Magdalenas], wirkt das Weiß im Laken, von 
dem sich der ockergelbbraune Leichnam 
mit rotbraunem Haar abhebt, als stärkste 
Farbe. Graublau im Gewände, heller [wie 
die beleuchteten Glieder Johannis und 
Christi die vorwärtsschreitende Bewegung 
der Gruppe betonend] im Beinkleide Jo- 
sephs von Arimathia. Ockergelbgrauer Ton 
des Erdbodens, brauner im Hintergrund 
rechts, mit Dunkelgrün untermischt links. 
Grauer Himmel. 

Aus der späteren Zeit des Meisters [kurz vor 1606] .". Samm- 
lung Gtustiniani, 1815. 

Leinwand, h. 2,80, br. 2,11. 



Rrinyi P'^t''° Paolo Bonzi, gen. il Gobbo da Cortona, 
Besonders Maler von Landschaften und Stilleben, auch 



366 



auch de' Carracci oder dalle Frutta. 
Radierer, geboren zu Rom um 1575, ge- 
storben 60 Jahre alt zu Rom unter Urban VIII. [1623 — 44]. 1633 noch urkundlich erwähnt. Schüler des 

Gio. Batt. Viola und vermutlich der Carracci. Tätig 
Rom. 




366 Bursche mit Melone. Vorgrauem Hinter- 
grund die Figur in vorwiegend goldgelben 
Tönen: goldigockergelbes Antlitz, von licht- 
roten Tönen durchsetzt, in breiter schwärz- 
lichbrauner Modellierung und von schwarzem 
Haar, in das sich lichtere bräunliche und 
graue Töne mischen, umgeben; goldgelb- 
brauner Rock; ockergelbliche Melone mit 
mattgrünen Schnittflächen und [stärkster 
Farbfleck im Bild] bräunlichkarminrotem 
Innern. Weißgrau im Pelzbesatz unterbricht 
das Goldgelbbraun. 



Sammlung Giustiniani, 1815. 

Leinwand, h. 0,74, br. 0,61. 



210 



SaSSoferratO Giovanni Battis 
.^»^.-.w.»^ Cjassorerrato. U 



ista Salvi, g-en. 

Geboren zu Sasso- 
ferrato [in der Mark Ancona] den 11. Juli 1605, ge- 
storben zu Rom den 8. April 1685. Schüler seines 
Vaters Tarquinio; ausgebildet unter dem Einflüsse der 
Carracci und ihrer Nachfolger, besonders Domenichi- 
nos in Neapel. Tätig vornehmlich zu Rom. 

420 Beweinung- Christi. Lichte, nach krei- 
dig-em Grau gebrochene Töne vor stumpf- 
blaugrünem Wiesengrund und lichtblauem 
Himmel mit weißen Wolken. Die kräftigsten 
Farben sind rechts in der Kleidung Johannis 
vereinigt: bräunliches Karminrot im Mantel, 
Blaugrün im Gewand. Matter kehrt derselbe 
Kontrast [Mattkarmin, Rosa, stumpfes Blau- 
grün] in der Gruppe der Trauernden wieder, 
unterbrochen in der Mitte von mattem Ultra- 
marinblau [Mantel Marias über violettgrauem 
Gewand, heller im Mantel der den Körper 
Christi haltenden Frauj, von dem sich der blasse, ockergelblichgraue Leichnam abhebt, 
und stumpfem Gelb und Goldgelb [Mantel der stehenden Magdalena], das nach links 
[Mantel der das Haupt Christi stützenden Frau] zu gedämpftem Orangegelb [als 
schwächeres Gegengewicht zum Hauptkontrast rechts] ansteigt. 

Die Komposition schließt sich eng an Raffaels in der Handzeichnungensammiung des Louvre befindlichen Entwurf zur Grab- 
legung an .". Erworben 1825 durch Geheimrat von Bunsen in Italien für Friedrich Wilhelm IIL, und von S. M. dem Könige 
dem Museum geschenkt .•. Leinwand, h. 0,68, br. 0,60. 




Römische 
Schule des 
XVH. Jahr- 
hunderts 

420 



458 Die heilige Familie. Rechts harter Kontrast von grellem Hellultramarinblau im 
Mantel Marias und bräunlichem Zinnoberrot im Vorhang, zwischen dem weißliches Kar- 
minviolett im Gewände Marias 
nur wenig vermittelt. Hart und 
kreidig steht das fast schatten- 
lose hellockergelbe Inkarnat 
[rötlicher im Körper Josephs] 
mit graubraunen Schatten 
vor schwarzem Grund. Das 
Kind, mit gelbbraunem Haar, 
hält eine zinnoberrote Nelke. 
Joseph in blauviolettem Ge- 
wand unter gelbgrünem, 
Mantel. 



Eine kleinere Wiederholung bei Marquess 
of Bute in England .". Königliche Schlösser. 
Leinwand, h. 0,73, br."0,95. 




458 



211 



Römisclie 
Schule des 
XVn. Jahr- 
hunderts 



C^rniir»77i Michelange- 
erqUOZZl loCerquozzi, 
gen. Michelangelo delle 
Battaglie oder Bamboc- 
c i a t e. Schlachten-, Genre- und 
Stillebenmaler, auch Radierer, 
geb. zu Rom den 2. Februar 
1 602, gest. daselbst den 6. April 
1660. Schüler des Cavaliere 
d'Arpino und P.P. Bonzis, aus- 
gebildet unter dem Einflüsse 
Pieters van Laer. Tätig zu Rom. 

443 Auszug eines Pap- 
stesausRom.Der grau- 
bräunliche Ton des Vor- 
dergrundes, in den sich 
neben ockergelben, brau- 
nen und schwärzlichen 
Tönen gedämpftes Hell- 
karminrot, Gelblichweiß, 
vor allem Zinnoberrot, Blau und Goldgelb [Soldaten der Schweizergarde] und nach r. 
gedämpfte hellblaue und rosarote Töne mischen, geht nach der Tiefe zu immer mehr 
in das beherrschende luftige Graublau über. Am Fuße der graublauen Albanerberge, 
über denen vor weißlichblauem Himmel graue, an den Rändern gelblich beleuchtete 
Wolken stehen, sieht man S. Paolo fuori le mura und die Cestiuspyramide. Rechts 
liegt sonniger gelber Glanz über dem fernen Meer. 

Königliche Schlösser Leinwand, h. 0,96, br. 1,31. 

IV/f II Carlo Maratta [Maratti]. Maler und Radierer, geboren zu Camerano in der Mark An- 

iVidlclLLct cona den 13. Mai 1625, gestorben zu Rom den 15. Dezember 1713. Schüler Andrea Sacchis 




426 A 




zu Rom. Tätig zu Rom. 



426a Bildnis eines jungen Mannes. Das 
warm in bräunlichroten Tönen gehaltene Ant- 
litz mit kräftig roten Lippen und bläulichen 
Augäpfeln, das sich, mit Graubraun modelliert, 
auf der Stirne ockergelblich auflichtet, wird 
durch das dunkelbraune, grauschimmernde 
Haar in den dunkelrotbraunen Grund über- 
geleitet. Die Frische des Inkarnats erhöht 
der weiße, auf schwarzem Gewand ruhende 
Spitzenkragen mit grauen und bräunlichen 
Schatten. 



Bez. auf der Rückseite: AETATIS SUAE XXIV ET 111 MENS. 
IN ROMA 1663. C. M. F. .-. Alte Kopie bei Herrn W.Gumprecht 
in Berlin .'. Sammlung Merlo, Köln 1868 .'. Sammlung Suer- 
mondt, 1874. 

Leinwand, h. 0,63, br. 0,52. 



212 



MAILANDISCHE SCHULE 

l^i'pcni Giovanni Battista Crespi, gen. 

\^I CSpi i, Cerano. Maler, Bildhauer und Ar- 
chitekt, geboren zu Cerano [Gebiet von No- 
vara] 1557, gestorben zu Mailand 1633. Schüler 
der Procaccini; in Venedig und Rom ausge- 
bildet. Tätig vornehmlich in Mailand. 

352 Gelübde der Franziskaner. Die 
braunen Kutten der Ordensbrüder sind 
auf den silbergrauen Gesamtton ge- 
stimmt, der sich in feinster Nüancie- 
rung zu schimmerndem Grauweiß im 
Ornate des Bischofs abstuft. Durch 
mattes Goldgelb [mit zinnoberrotem 
Muster] im Umschlag, im Besatz des 
Ornats und in der Bischofsmütze, Zin- 
noberrot [Kardinalshut, den der 1. im 
Vordergrunde Kniende hält], empfängt 
die kühle tonige Stimmung die farbige 
Belebung des Vordergrunds. Das röt- 
liche Fleisch ist mit schwärzlichgrauen 
Schatten modelliert. Rechts kniet die 
hl. Clara. Im Hintergrund schwärzlich- 
blaugrüne Büsche vor hellblauer Ferne 
und Himmel. Oben in bräunlichgrauen 
Wolken, vor weißer strahlender Glorie 
ein weißes Schriftband, auf das eine 
rötliche Hand weist. 

Auf dem Spruchbande die Inschrift: QVICVNQVE H.^NC REGVLAM SECVTI FVERINT PAX SVPER ILLOS ET 
MISERICORDIA .-. Bez. unten rechts auf einem Blättchen [nicht ganz verständlich] : M.D C. CC EDEBAT .-. Sammlung 
SoUy, 1821 .-. Leinwand, h. 3,21, br. 1,93. 

f j-pcr-)i Daniele Crespi. Geboren zu Mai- 

r land um 1590, gestorben daselbst 

1630. Schüler des G. B. Crespi und des 

G.C. Procaccini. Tätig namentlich in Mailand. 

207a Das Schweißtuch der Vero- 
nika. Auf grauweißem Schleiertuch, 
vor schwarzem Grunde das Antlitz, 
weich von ockergelblichen Lichtern 
in braune Schatten und Haar über- 
gehend. Karminrotes Blut. 

Aus einem Kloster in der Nähe von Mailand stam- 
mend; ehemals von Friedrich Wilhelm III. [unter 
dem Namen „ Correggio " ] in seiner Hauskapelle 
aufgestellt .". Königliche Schlösser. 

Seide, auf Leinwand übertragen, h. 0,43, br. 0,56. 




Mailändi- 
sche Schute 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 




207 A 



213 



Florentini- 
sche Sdiute 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 

423 




FLORENTINISCHE SCHULE 

Dl • Carlo Dolci. Geb. zu Florenz den 25. Mai 1616, 
ljlv_i o-est. daselbst den 17. Januar 1686. Schüler des 
Jacopo Vignali. Tätig; vornehmlich zu Florenz. 

423 Der Evangelist Johannes. Vor leuch- 
tend ultramarinblauem Himmel, den durch- 
sichtige weiße Wölkchen durchziehen, steht 
weich die Gestalt in tiefen Farben: in karmin- 
rotem Mantel und saftgrünem Gewand, auf 
dunkelgraubraunen Felsen gelehnt. Weich 
gehen die ockergelblichen Lichter des Ant- 
litzes in die schwärzlichbraunen Schatten 
und dunkelrotbraunes Haar über. Darüber 
erscheint eine gelbliche Gloriole. Die Hände, 
auf das dunkelblau gebundene Buch mit 
goldgelbem Schnitt gestützt, sind mit rot- 
braunen Schatten modelliert. 

Einzelner Erwerb aus der Sammlung Giustiniani vor 1815. 
Leinwand, h. 1,13, br. 0,92. 



Schule i'On 
Neapel im 
XVII. Jahr- 
hundert 



SCHULE VON NEAPEL 

O _ „„ Salvator Rosa. Eigentlich Salvatore di Rosa. Maler und Radierer, geboren zu Arenella bei 

^^^^'-'^ Neapel den 21. Juli 1615, cestorben zu Rom den 15. März 1673. Schüler Aniello Falcones und 

Riberas. Tätig in Neapel [bis 1635, 1637—39], Rom [1635, 1639 und seit 1649], Viterbo [1636—37] und 

Florenz [1639-49]. 

421 B Gebirgslandschaft. Durch dunkel- 
grünes Laub, gegen das vereinzelte braun- 
rote Zweige stehen, und zwischen dunkel- 
braunen, silbergrau und rötlich schimmern- 
den Stämmen und Asten leuchtet dunstig- 
blauer Himmel mit goldgelb bestrahlten 
Wolken, die nach oben in Grau über- 
gehen. Rechts braunrotes Geäst. Links 
sammelt sich das Licht auf goldig- ocker- 
gelbem Felsen [mit grauen und rötlichen 
Tönen untermischt], der sich in stillem 
Wasser spiegelt. Durch leuchtendes Rot 
in der Hose des Soldaten vor bräunlich- 
grünem Gebüsch und grünliches Blau der 
gebirgigen Ferne unter orangegelbem 
Horizont wird diese Stelle des Bildes 
nachdrücklich betont. 

Wahrscheinlich Anfang der 60 er Jahre gemalt .*. Er- 
worben 1908 aus englischem Privatbesitz. 
Leinwand, h. 1,21, br. 1,02. 




214 



421 Rosa? Stürmische See. 
Graue Wetterstimmung. Zwi- 
schen schwärzHchbraunen 
FelsenkuHssen brandet grau- 
grünhches Wasser mit weißen 
Wogenkämmen gegen den ok- 
kergelbbraunen Strand. Nach 
der Ferne gehen Meer und 
Küste in den weißHch blau- 
grauen Ton des Himmels über, 
der mit blaugrauen Wolken 
[in der Mitte ockergelblich 
beleuchtet] bedeckt ist. Die 
Farbentöne sind, z. T. mit dem Pinselstiel, unvertrieben durcheinander gezogen. 

Erworben 1842 in Berlin .-. Leinwand, h. 0,75, br. 1,12. 




Schule von 
Neapel im 
XVII. Jahr- 
hundert 

421 



Gl Luca Giordano, gen. Fapresto. Maler und Radierer, geboren zu Neapel 1632, ge- 

lOrQallO storben daselbst den 12. Januar 1705. Schüler Giuseppe Riberas in Neapel, dann in Rom 
unter Pietro da Cortona als dessen Gehilfe und in Venedig unter dem Einflüsse der Werke Paolo 
Veroneses und Tintorettos ausgebildet. Tätig vornehmlich zu Neapel, zeitweilig in Florenz [um 1679 
und 1682], Madrid und Toledo [1692-1702]. 

441 Das Urteil des Paris. Breite detaillose Farbflächen. Vor dunkelultramarinblauem 
Himmel die goldig- ockergelb leuchtenden, an den Wangen und Extremitäten rot ge- 
färbten Gestalten der Göttinnen [rotbraun die Körper von Paris, Merkur, Amor, von 
karminviolet- 
tem Tuch um- 
flattert], z. T. 
ingrauesHell- 
dunkel ge- 
taucht. Weni- 
ge, aber grell- 
bunte Farben- 
flecken dienen 
der Wirkung 
des Inkarnats, 
dessen Ton 
stumpfer mit 
Grau U.Braun 
gemischt, in 
den Schafen 
und im Erd- 
bodenwieder- 
kehrt: Zin- 




215 



Schule von 
Neapel im 
XVII. Jahr- 
hundert 

358 



Schule von 
Genua im 
XVII. Jahr- 
hundert 




noberrot [Tuch ganz 1., Tuch, auf dem die 
Waffen Minervas liegen], Ultramarinblau 
[Gewand der Venus]. 

Eine Wiederholung von gleicher Größe in der Eremitage 
zu St. Petersburg, bez. Luca Giordano f., ebenfalls Ori- 
ginal, und wohl früher als unser Bild entstanden .'. Kö- 
nigliche Schlösser. 

Leinwand, h. 2,44, br. 3,26. 



SCHULE VON GENUA 



C«»Yil-viac/-v Luca Cambiaso, auch Lu- 
dlllUldbU chetto da Genova und Can- 
g^iaso g"enannt. Geboren zu Moneglia bei Genua 
den 18. Oktober 1527, gestorben zu Madrid um 
1585. Schüler seines Vaters Giovanni Cambiaso, 
tätig- in Genua und Madrid. 



358 Caritas. Von dunklem rotbräunlichem 
Grund, in den sich die saftgrünen Töne 
des Laubwerkes mischen, hebt sich ge- 
schlossen die Figurengruppe in rosigen 
und silbrig-weißen Tönen ab. Die Frauen- 
gestalt in rosafarbenem, in den Schatten 
karminrotem Gewand, mit weißem Kopftuch auf dem gelbbraunen Haar. Das lichte bräun- 
liche Fleisch ist mit Grau durchsetzt und mit Braun modelliert; nur der Körper des Knaben 
rechts ist rötlicher gefärbt. 



Eine veränderte Kopie von der Hand B. Strozzis im Palazzo Brignole zu Genua 
Giustiniani vor 1815 .-. Leinwand h. 1,37, br. 1,07. 



Einzelner Ankauf aus der Sammlung 




St 



„_ * Bernardo Strozzi, gen. il Prete Geno- 
IUZ.Z.1 vese oder il Cappuccino. Maler und Ra- 
dierer, geboren zu Genua 1581, gestorben zu Vene- 
dig den 3. August 1644. Schüler des Pietro Sorri zu 
Genua. Tätig vornehmlich in Genua, später als Geist- 
licher in Venedig. 



437 Strozzi? Bildnis eines Offiziers. In 
warmer Färbung vor grauem Hintergrund 
goldig-ockergelbes Inkarnat mit bräunlich- 
roten Schatten, von braunem graumeliertem 
Haar und Bart umgeben. In goldgelbem, 
innen karminrot gefüttertem Lederkoller und 
blaugrauem Halskragen, mit goldgelbem Be- 
schlag. In dem graublauen Panzerhandschuh 
spiegelt sich das goldgelbe Koller. 



Erworben 1841'42 in Rom. 

Leinwand, h. 0,72, br. 0,60. 



216 



SCHULE VON MANTUA 

^„{-J Domenico Feti. Geboren angeblich 1589 zu Rom, gestorben zu Venedig um 1624. Schüler des 
*-''-' Florentiners Lodovico Cardi da Cigoli zu Rom, Nachfolger der Venetianer. Tätig zu Rom und 
Mantua [1612 bis gegen 1624 als Hofmaler des Herzogs Ferdinand Gonzaga] und zu Venedig. 

380b Elias in der Wüste. Silbergraues Licht durchdringt die Darstellung und bricht 
alle Lokalfarben. Vor heller graublauer Luft, die sich nach unten aufhellt, steht der 
Engel mit schwarzem, weißschimmerndem Gefieder, in bräunlichkarminrotem, in den 
Lichtern rosafarbenem Gewand, mit blondem, bräunlichockergelbem Haar, neben gelb- 
braunem Baumstamm mit schwärzlichgrünem Laub. Das rosige Fleisch der Arme taucht 
in den lichten grauen Schatten des Baumes. Auf hellgrauem Sandboden, zwischen 
bräunlichen und graugrünen Gewächsen kehrt der rote Ton im dunkelrotbraunen Ge- 
wände des Elias wieder, noch wärmer im beschatteten bräunlichroten Antlitz. Weißer, 
grau beschatteter Mantel. Die Hand, in grauen, weißen und roten Tönen, ruht neben 
dem weißen, blaugemusterten Krug und bräunlichgrauem Brot. 

Sammlung Suermondt, 1874. 

Pinienholz, h. 0,49, br. 0,33. 



Schuie von 
Mantua im 
XVII. Jahr- 
hundert 




380B 



217 



ITALIENISCHE SCHULEN DES 
XVIII. JAHRHUNDERTS 




VENETIANISCHE SCHULE 

I |U.|3,-J Pietro Liberi. Geboren 1605 zu 
'— '"-'^' ^ Padua, g-estorben zu Venedig den 

18. Oktober 1687. Nachfolger des Alessandro 

Varotari, gen. Padovanino. Tätig vornehmlich 

in Venedig. 

455 Diana und Aktaeon. Aus dem 
im Schatten weich verschwimmenden 
Knäuel g-raurötlicher, mit braunroten 
Tönen modellierter Frauenleiber, vor 
kaltem graublauem Himmel und blau- 
grüner Ferne, lösen sich die lichten 
ockergelblichen Körper Dianas und 
einerNymphe, vonkühlem schimmern- 
dem Grau durchtränkt und weich in 
die braunroten Schatten übergehend. 
Auf das Inkarnat gestimmte Gewän- 
der [goldgelblicher, rot und blau ge- 
musterter, im Umschlag bräunlich- 
karminroter Mantel Dianas, bräunlich- 
rosafarbenes Gewand der Nymphe 
1., mit gelben Lichtern] füllen die 
Zwischenräume der Figuren. Aktaeon, in graubraunen Hirsch verwandelt, wird von 

gelbbräunlichen Hunden angefallen. Königliche Schlösser .-.Leinwand, h. 2, 17, br.l.SO. 

Venetianische Schule um 1700 

408 Maria Magdalena. Die kühlen, nach 
Grau gebrochenen Töne sind locker, in 
flockigem Auftrag über die braune, in den 
Schatten zutage tretende Untermalung ge- 
legt. Das lichte ockergelbliche Inkarnat, 
mit dem blondes Haar weich zusammen- 
geht, erhält durch graue Töne in den Halb- 
schatten den silbrigschimmernden Charakter, 
der durch Lichtrot in den Wangen, Lippen 
und Händen und durch den Gegensatz zum 
mattblauen Mantels, der dünn über die 
braune Untermalung lasiert ist, erwärmt 
wird. Schwärzlichbrauner Hintergrund. 



Ehemals „Murillo", dann „Cerezo" benannt, aher offenbar 
der venetianischen Schule um 1700 angehörig .*. Erworben 
1842 in Italien. 

Leinwand, h. 0,73, br. 0,61. 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVII. 

und xviir. 

Jahrhun- 
derts 




219 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 

Jahrhun- 
derts 




Tiepolo ?;; 



459 B 



lovanni Batti- 
ta Tiepolo. Maler 
und Radierer, gfeb. zu Venedig 
den 5. März 1696, gest. zu Ma- 
drid den 27. März 1770. Schüler 
des Gregorio Lazzarini zu Ve- 
nedig, unter dem Einflüsse Gio. 
Batt. Piazettas und besonders 
durch das Studium der Werke 
Paolo Veroneses weiter ausge- 
bildet. Tätig in Venedig und 
Umgegend [Udine, Verona, 
Bergamo usw.], einige Zeit in 
Würzburg [1750-1753] und 
Madrid [seit 1762]. 

454 Nach dem Bad. Das 
Bild ist auf lichtes Grau 
abg-estimmt, vor bräun- 
lichgrauem Bad, ocker- 
gelblichen Säulen und 
grauweißer Mauer, unter 
grünlichblauem, weißbe- 
wölktem Himmel von blaugrünen Bäumen überragt, sind die Gewänder der Dienerinnen, 
und der Vorhang 1. in gedämpft roten, braunroten, grünen und gelbbraunen Tönen gehalten. 

Am stärksten wirkt Goldgelb im Gewände 
der dem Bad entsteigenden Magd. Ge- 
dämpftes Rot im Kleide der Dienerin r. 
entspricht ihm. Dazwischen, von kühlem 
Graublau und Weiß in den Tüchern um- 
geben, der leicht gerötete, in den Halb- 
schatten graublaue Körper der nackten 
Dame. Ihr linker Fuß ruht auf hellkar- 
minrotem Polster. 

Jugendwerk des Künstlers; vielleicht Kopie nach Paolo 
Veronese .". Königliche Schlösser. 
Leinwand, h. 1,09, br. 1,42. 

459b Martyrium der hl. Agathe. Auf 
bräunlichgrauen Stufen ist die Heilige 
niedergesunken, ganz in kühlen, lichten 
Tönen gehalten [blasses ockergelblich- 
graues Inkarnat, mattgelbes Gewand, über 
das rotes Blut herabfließt, weißes Hemd, 
um sie ausgebreitet der silbrighellblaue 
Mantel], die sich von warmem Gelbrot 
[Gewand des Knaben, der die abge- 
schnittenen Brüste auf der Schüssel hält] 
und mattem Ziegelrot [Ärmel des Mäd- 
chens, das die blutende Brust bedeckt] 




220 



abheben. Vor sonniger, gelblich- 
grauweißer Mauer steigert sich die 
Färbung zu blutigem Rot in der 
Tracht des sonnenverbrannten, 
braunroten Henkers. DieZuschauer 
rückwärts wieder in luftigen grauen 
und bläulichen Tönen. 

Skizze im Museo Civico zu Venedig .■- Eine ähn- 
liche, geringere Darstellung von der Hand des 
Meisters in S. Antonio zu Padua [ Kapelle Buzza- 
carini], die am 27. Dezember 1 734 bestellt wurde .". 
Unser Gemälde ist wahrscheinlich, nach der Ra- 
dierung Gio. Dom. Tiepolos, ursprünglich oben ab- 
gerundet gewesen, schwebende Engelsgestalten 
waren dargestellt und ein von der Dornenkrone 
umschlossenes Herz in einer Gloriole, zu dem die 
gemarterteHeilige emporblickt. '.SammlungMunro 
in London .'. Erworben 1878 in Paris. 
Leinwand, h. 1,84, br. 1,31. 

^459c Kreuztragung. Eingoldocker- 
gelber Grund, auf dem die Szene in Braun und luftigem Grau hingesetzt ist, verleiht dem 
Bilde den sonnigen Charakter, der durch überall verstreutes mattes Goldgelb [z.B. Zuschauer 
in der Mitte, Fahne, Mann ganz 1.] gestärkt wird. Das Braun steigert sich zu Rot im Ge- 
wände Christi [matter in der Fahne des Hintergrundes], Grau zu Blau im Mantel Christi, 
dem Henker hinter dem Kreuz, stumpfer in verschiedenen Flecken der seitlichen Gruppen. 
Stumpfgrüne Töne im Erdboden. Vor luftig graublauem Himmel mit ockergelblichen 
Wolken. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

459 C 



Eine der Skizzen zum Gemälde des Meisters in S. Alvise zu Venedig [1749], in Einzelheiten abweichend 
des Grafen Francesco Algarotti in Venedig .". Erworben 1906 .*. Leinwand, h. 0,52, br. 0,63. 



Ehemals im Besitze 



459d Rinaldo und Armida. Die goldockergelbe Grundierung, die überall durchschimmert 
und teilweise [z. B. im dunkelgelbbraunen Vorhang 1.] zutage liegt, gibt dem Bilde den 
sonnigen goldigbräunlichen Ton, gegen den Blaugrün [Zypressen, Ferne] und Hellblau 
im Himmel mit orangegelblichen Wolken steht. Schimmernd weiße Parkmauer. Während 
der Mittelgrund in braunen und grauen Tönen nur angedeutet ist, erwärmt sich die 
Färbung in den Figuren über rotbräunliche Töne [Rinaldo] und Grünlichblau [Mantel] zu 
Zinnoberrot und Gelb im Gewände 
Armidas, deren zarten lichtbräun- 
lichen Körper das weiße Hemd um- 
gibt. Überall sind pikante Farben- 
flecke verstreut: Rot neben Grün im 

Papagei, Rosaviolett im Mantel, im ^^^^^^mg '^»i^Twk "3a \ 

Rosengebüsch r. vorn usw. ^^^^^Hf ~ "^^aS^ "^ »9 i - 

Skizze zu einemGemälde imerzbischöflichenSchlosse 
zu Würzburg, Rinaldo im Zaubergarten Armidas 
darstellend [nachTasso, Gerusalemme liberata XVI] 
.*. Gemalt wahrscheinlich um 1751 — 53 .'. Ehemals 
in russischem Privatbesitz .". Erworben 1908 aus 
dem englischen Kunsthandel. 
Leinwand, h. 0,39, br. 0,62. 




459 D 



221 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 




Dekoration eines Zimmers [Stanza dei Satiri] aus dem Palazzo Panigai [ehe- 
mals Volpato] in Nervesa bei Treviso. In Grisaillemalerei und Stukko. Die zwei- 
undzwanzig schwer zu deutenden, allegorisch -mythologischen Darstellungen sind in Grau 
mit weißen Lichtern auf goldockergelben Hintergründen gemalt, auf denen die Figuren 
dunkle Schatten werfen. Drei größere Darstellungen [vielleicht die Erziehung eines 
Götterkindes, Apollo und Daphne, Pan und Syrinx], in geschweiften grauen Stukko- 
rahmen, zieren die grauweißen Wände, eine vierte achteckige, die einen lorbeergekrönten 
Alten, von einem Genius aufwärts getragen, darstellt, nimmt in vertieftem Rahmen die 

Mitte des 
Gewölbes 
ein. Über 
den zwei 
sich gegen- 
überliegen- 
den Türen 
sind je zwei 
Profilköpfe 

[anschei- 
nend Por- 
träts] in 
Runden an- 
gebracht. In 
den kleine- 
ren Mittel- 
feldern der 
Wölbung 





222 



sind vier Opferdarstellungen, in den Hochovalen der Ecken: Fama, Pax, Abundantia und 
Fortitudo, in den unteren Zwickeln Pane und Panesken dargestellt. Die übrigen Flächen 
des Gewölbes nimmt weißgraues Stukkorahmenwerk ein, auf dem kleine Papageien 
und andere Vögel sitzen, und zwischen denen sich weiße Blumengirlanden spannen. 
Die Zwischenräume füllt weißes, mit Rosetten geschmücktes Gitterwerk vor rosabräun- 
lichem Grund. 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 



Die Fresken sind in der ursprünglichen Anordnung und mit genauer Nachahmung der rahmenden Originalstukkaturen 
gestellt .•. Bez. auf einer der Opferdarstellungen der Wölbung mit der Jahreszahl 1754 .-. Erworben 1902 in Venedig. 
Breitbild, h. 1,70, br. 2,60; Hochbilder, h. je 1,70, br. 1,36; Achteck, h. 2,20, br. 2,20. 



wieder aut- 




223 



Venetiaiii- 
sdie Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 




459a Die Verteilung des Rosenkranzes durch den 
hl. Dominikus. Lichte, auf Grau gestimmte Färbung. 
Vor schimmernd weißer Halle steht der Heilige in gelb- 
lichweißer und grauschwarzer Ordenstracht. Wenige ge- 
dämpfte Farbflecken beleben die kühle lichte Stimmung: 
nach Gelb schillerndes Mattrot [Gewand der knienden 
Frau], helles Blau, etwas Zinnoberrot, Rosaviolett, von 
dem sich stumpfes Grün im Gewände des die grau- 
weißen Stufen Hinansteigenden abhebt, rechts hellblaue 
und goldgelbe Töne. Während die Färbung nach oben 
zu, wo auf lichten grauen Wolken, vor graublauem Him- 
mel, der links in den rötlichgelben Schein einer Glorie 
übergeht, Maria thront, immer lichter und luftiger wird, 
die Farben der Gewänder [Hellblau, Violettgrau, Gelb- 
grün und Rot] blasser werden, der ockergelbliche Fleisch- 
ton von Graublau durchsetzt ist, geht sie nach unten zu, 
wo Satan in den Abgrund stürzt, in schwärzlichbraunes 
Dunkel mit ockergelben und rotbraunen Mischtönen über. 

Vom fertigen Fresko abweichender Entwurf zu dem mittleren der von der Hand 
des Meisters in den Jahren 1738 '39 ausgeführten Deckengemälde in der Kirche 
derGesuati [ früher Dominikanerkirche] zu Venedig. Von den beiden Seitenstücken 
der Decke stellt das eine Dominikus in der Herrlichkeit dar, das andere den Heiligen, 
wie er dem Laienbruder Paolo den Segen erteilt .". Erworben 1873 in Rom. 
Leinwand, h. 0,98, br. 0,49. 



1 ICpOlO Schule des Giovanni Battista Tiepolo. 



459 Der feierliche Empfang Heinrichs III., Königs von Frankreich, im Pa- 
lazzo Contarini alla Mira [1574]. In grauem verblasenem Ton. Vor heller grau- 
weißer Säulenarchitektur und hellgraublauem Himmel mit goldgelblichen Wolken 
stehen die Figuren in luftigen, gebrochenen weißen [die Dame 1.], grauen und braunen 

Tönen, die sich nach vorn zu 
bräunlichem Rot [z. B. in 
der Tracht des Hausherrn], 
stumpfem Goldgelb und 
Graublau [der Zwerg rechts 
vorn] kräftigen. Der König 
in grauschwarzer Gewan- 
dung. 

Schulkopie nach dem im Besitze der 
Frau Luise von Rothschild zu Frankfurt 
a. M. befindhchen Entwurf zu einem 1 756 
vollendeten Fresko aus der Villa Conta- 
rini in Venedig, das, jetzt auf Leinwand 
übertragen, im Besitze der Mad. Andre- 
lacquemart in Paris ist .". Königliche 
Schlösser. 

Leinwand, h. 0,69, br. 1,05. 




224 



Rotai 




• Conte Pietro Rotari. Geboren 1707 

i zu Verona, gestorben 1762 zu St. Peters- 
burg. Schüler des Antonio Balestra in Venedig, 
des Fr. Trevisani in Rom und des Fr. Solimena 
zu Neapel. Tätig an verschiedenen Höfen, haupt- 
sächlich in Dresden, einige Zeit in Wien, zuletzt 
in St. Petersburg [seit 1757] als Hofmaler der 
Kaiserin Katharina. 

500a Bildnis des päpstlichen Nuntius 
am Dresdener Hofe Jgnazio Ac- 
coramboni. Vor hellgrauem Grunde 
ockergelbliches, mit lichtroten Tönen er- 
wärmtes Inkarnat. Schwärzliches Haar. 
Auf schwarzem Sammetgewand das kar- 
minrote Band des Anunziatenordens. 
Weiße Manschetten und blaugrauer Kra- 
gen. Ein rotbraunes Buch auf hellblaue 
Tischdecke stützend. 

Erworben 1846 .-. Leinwand, h. 0,88, br. 0,69. 

T rknrrKi P'^t""" Longhi. Geboren 1702 zu Ve- 
L.UI1^1H nejig gestorben daselbst 1762. Schüler 

des A. Balestra in Venedig und des G. Crespi zu Bologna. Tätig vornehmlich in Venedig. 

1659 Bildnis einer Dame als Diana. 
Rosafarbene Töne [mit graubrauner Mo- 
dellierung im Inkarnat, kräftiger im 
Mantel, der um den r. Arm geschlungen 
und r. im Schatten karminrot gefärbt 
ist], durch Weiß im gepuderten, mit 
bräunlichroter und dunkelblauer Feder 
geschmückten Haar und im Hemd, 
Graublau im Schleier, der darüber liegt, 
in ihrer Wirkung erhöht, stehen im 
Gegensatz zu den grünlichgraublauen 
Tönen des Himmels und der hellblauen 
Innenseite des auf der Brust umge- 
schlagenen bräunlicholivgrünen Mie- 
ders. Über der Schulter hängt an gold- 
gelbem Band der dunkelrote Köcher. 
Schwärzlicher Rock mit grauer Stickerei. 
Unten in rotbräunliche Töne [im grün- 
bemoosten Felsen und in den Hunden] 
übergehend. 

Erworben 1908 aus dem venetianischen Kunsthandel als 
Geschenk des Herrn Generalkonsuls Franz v Mendels- 
sohn .-. Leinwand, h. 1,28, br. 0,94. 



Yenetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

500 A 




1659 



225 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

1652 



503 B 




Canaletto 

Giovanni An- 
tonio da Ca- 
nale, gen. Ca- 
naletto oder il 
Tonino. Gebo- 
ren zu Venedio- 
den 18. Oktober 
1697, gestorben 
ebenda den 20. 
April 1768 Schü- 
ler seines Vaters 
Bernardo da Ca- 
nale. Tätig vor- 
nehmlich in Ve- 
nedig, 1746—47 
in London. 

1652 Blick auf 
die Riva 
degfli Schi- 
avoni in Ve- 
nedig. Lichter, dunstiger Tag. Goldig-gelbbraun, im oberen Teil rötlich gefärbt, leuchtet 
die Fassade des Dogenpalastes in der Sonne vor hellblauem Himmel, der von grauen 
Wolken durchzogen ist. Der ockergelbliche, von luftig graublauen Reflexen durchsetzte 
Pflasterboden wird von den in graublauen Schatten daUegenden Prokurazien begrenzt. 
Auf der graublauen Wasserfläche liegen schwärzlichbraune Gondeln und die mit gold- 
gelbem, rotgestreiftem Tuch bedeckte Staatsbarke. Platz und Gondeln sind durch gelbe, 
weiße und hellblaue Trachten belebt, die Mitte durch Hellrot im Mantel einer Figur 
betont. In der Ferne ist vor dunstig graublauem Horizont die Kirche S. Maria della 
Salute in ockergelblichgrauen und bräunlichen Tönen sichtbar. 

Erworben 1908 aus dem englischen Kunsthandel .'. Leinwand, h. 0,73, br. 1,23. 

1653 Ansicht von S. Maria della Salute in Venedig. In goldigen bräunlichocker- 
gelben Tönen auf der Sonnenseite, graublau und graubraun gefärbt in den Schatten, 

heben sich die Gebäude 
von strahlend hellblauem 
Himmelablängsdemgrün- 
lichgraublauen Wasser 
des Kanals. Goldgelbe 
Segel leuchten über der 
warm bräunlichen Mauer 
der Dogana auf. Rück- 
wärts glüht in gelbroten 
Tönen das von hellen 
Segeln belebte ferne Ufer. 
An den Ufern, in den Gon- 
deln blitzen rote, gold- 
gelbe und blaue Trachten 




226 




derStaf- 
fage auf. 
Leuch- 
tendes 
Rot im 
Mantel 
einer 
Figur 
zieht das 
Auge 
auf das 
Kirchen- 
portal. 

Erworben 

1908 aus 

dem englischen Kunsthandel .". Leinwand, h. 0,44, br. 0,89. 

Bill Bernardo Beiotto [Bellotto], gen. Canaletto. Landschafts- und Architekturmaler, auch 
t^i*-' LLU Radierer, geboren zu Venedig den 30. Januar 1720, gestorben zu Warschau den 17. Oktober 1780. 
Schüler seines Oheims Antonio da Canale, von dem er den Beinamen annahm. Tätig in Venedig, Rom, 
Oberitalien [bis gegen 1745], in München [um 1745], Dresden [1747—1758, dann 1762—1768], Wien 
[1758 1760] und in Warschau [1762, seit 1768 als Hofmaler König Stanislaus' 11. von Polen]. 

503b Der Marktplatz zu Pirna. In greller Sonnenbeleuchtung. Aus dem kalten 
grünlichen Ton schimmern weiße Häuserfassaden neben schweren bräunlichschwarzen 
Schatten, vor weißlichblauer Luft mit rötlichen Wolken. Auch das Rot der Ziegeldächer 
ist mit schwärzlichem Grün gebrochen. Das Licht glitzert auf Figuren in roten, hell- 
blauen und gelbbraunen Trachten. 

Bez. links unten; B . B . DE CANALETTO . FEC . .'. Gegenstück zu Nr. 503 C [s. die Bemerkung daselbst] .'. Erivorben 
1878 von Unterstaatssekretär von Grüner in Berlin Leinwand, h. 0,46, br. 0,78. 

503c Das Obertor von Pirna. In fahlem Sonnenlicht geht der ockergelblichgraue Ton 
des Vordergrunds in das leuchtende Ockergelb des Torgebäudes über, hinter dem das 
hellrote Dach der 
gotischen Kirche vor 
blaugrauen Wolken 
aufragt. Zwischen 
blaugrünen Bäumen 
grünlich-rote Dächer 
und diegraubraunen 
Mauern des Sonnen- 
steins. Weißlich- 
blauer Himmel. 

Gegenstück von Nr. 503 B .■. 
Dieselben Ansichten von Pir- 
na, in größerem Maßstab, in 
der Galerie zu Dresden .'. Er- 
worben 1882 in Dresden. 

Leinwand, h. 0,47, 

br. 0,78. 




Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

1653 



503 C 



227 



Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 

Jahrhun- 
derts 

501 G 



'^liarrll F''^"'^^scoGuardi. Architektur- 
JUdl Ul maler, geb. zu Venedig den 5. Ok- 
tober 1712, gest. daselbst den 1. Januar 
1793. Tätig vornehmlich zu Venedig. 

501g Ansicht des Marcusplatzes 
in Venedig. Von 1. her, aus der 
Richtung des Uhrturmes, zieht über 
den tiefblauen Himmel eine blau- 
graueWetterwand herauf, der von der 
Sonne hellockergelblich beleuchtete 
Wolken voraneilen. Der Platz liegt 
in wechselnder Beleuchtung da, in 
graubraunen Tönen mit ockergelben 
Lichtern r. und im Hintergrund, wo 
vor der in lichtroten Tönen gehalte- 
nen Fassade der Marcuskirche gelbe 
Verkaufszelte aufgeschlagen sind. Der Campanile und die ganze r. Seite ist in schwärzlich- 
braune Schatten gehüllt. Die Trachten der Staffage bringen stärkere Farben in die Dar- 
stellung: Rosaviolett, Goldgelb, Hellblau und ganz rechts namentlich Rot. 

Erworben 1906 .*. Eigentum des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins .'. Leinwand, h. 0,545, br. 0,66. 

501e Ansicht der Zattere in Venedig. Das Bild ist in das lichte Blau des Himmels 
getaucht, der sich hellgraublau im Wasser des Kanals wiederspiegelt. Auf den Masten, 
Rudern undTauen der dunkelgrauen Fischerboote, mitFiguren in gelben und roten Trachten 
bemannt, auf gelbbraunen und weißen Segeln, dem Pfahlwerk und auf dem Wasser 
glitzert perlend weißes Licht. Gelblichweiß schimmert die Fassade der Kirche der 
Gesuati zwischen rötlichen Mauern in der ruhigen, von blitzenden Wellen belebten 
Wasserfläche wieder. Am Himmel rötliche Wölkchen, am Horizont violettgrauer Dunst. 



A 



Js«*t. 



M 




Bez. auf einem Fischerboote vorn in der Mitte: Fran.*-'o Guardi 



501 E 



Erworben 1899 im Pariser Kunsthandel .". Eigentum des 
Kaiser - Friedrich - Museums- 
Vereins .■. Leinwand, h. 
0,53, br. 0,84. 




501 F Der Aufstieg 
eines Luftballons 
über dem Kanäle 
der Giudecca in 
Venedig [1783]. 
Weich zerfließen in 
der hellen dunstigen 
Atmosphäre, vor be- 
decktem graublauem 
Himmel, an dem der 
mattockergelbeLuft- 
ballon schwebt, die 
Umrisse der dunkel- 



228 



braunen Halle der Dogana. Ockergfelbliche 
Sonnenlichter erhellen die rechte Wand und, 
mit Grau untermischt, den Steinboden. Durch 
gebrochene rote, goldgelbe, hellblaue, rosa- 
farbene und weißliche Töne werden die weich 
und flockig in Braun gemalten Figuren- 
gruppen belebt. 

Der Aufstieg wurde 1783 vom Conte Francesco Zambeccari, 
nicht lange nach der Erfindung des Luftballons durch Montgol- 
fier, unternommen /. Lavierte Federzeichnung zu dem Bilde bei 
Miß Lucie Cohen, London .". Erworben 1901 .'. Eigentum des 
Kaiser - Friedrich - Museums - Vereins. 
Leinwand, h. 0,66, br. 0,51. 

RÖMISCHE SCHULE 



Pa 



nini 



Giovanni Paolo Panini. Architekturmaler, 




Venetiani- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

501 F 



B 



geboren zu Piacenza 1695, gestorben zu Rom 
den 21. Oktober 1768. Schüler Andrea Locateilis und 
Benedetto Lutis zu Rom. Tätig zu Rom und einige 
Zeit zu Paris [seit 1732 Mitglied der Akademie]. 

454a Römische Landschaft. Zwischen 

gelbgrünem Rasen und rotbraunem Erdreich, in goldigem Sonnenlicht, leuchten ocker- 
gelbbraun, durch bläuliche Töne unterbrochen, mit luftigen graublauen Schatten, zur 
Linken das Kolosseum, davor die Trajanssäule, die Statue des Herkules Farnese und 
der sterbende Fechter, rechts die drei Säulen des Kastortempels, der Triumph- 
bogen Konstantins, der Vestatempel, die Ruinen des Palatins und in der Ferne die 
Cestiuspyramide. Vor hellblauem, sonnigem Himmel, den graue, an den Rändern 
hellbeleuchtete Wolken überziehen. Die Figuren in leuchtend goldgelben, blauen, roten, 
rosafarbenen und 
violetten Tönen. 

Bez. auf dem Steine links 

vorn: P. PANINI Roma 1735 

.'. Erworben 1882 in London. 

Leinwand, h. 0,98, br. 1 ,34. 

afnni P^mpeo Giro- 
«iLUIll lamo Batoni 

[Battoni]. Geboren zu 

Lucca den 25. Januar 1 708, 

gestorben zu Rom den 

4. Februar 1787. Gebildet 

durch das Studium der 

alten Meister, besonders 

Correggios. Tätig zu Rom. 

504 Vermählung 
Amors mit Psy- 
che. Bunte, leuchten- 
de Farben von glasi- 
gemCharakter.Gold- 



Römisdxe 
Schule des 
XVIII. Jahr- 
hunderfs 




454 A 



229 



Römiscfie 
Schule des 
XVIII. Jahr- 
hunderts 



g-elb im Mantel der Psyche, das weniger leuchtend im Taubenwagen der Venus wieder- 
kehrt, und Ultramarinblau im Mantel der Göttin bilden den beherrschenden Farben- 
kontrast. Neben Goldgelb bricht in der Gewandung Hymens Zinnoberrot hervor und 
überführt die leuchtenden Lokalfarben durch ein komplementäres Grün im Vorhang in 
den kühlen grauen Ton der Architektur und der Wolken. Das ockergelbliche Inkarnat 
mit rosigen Lichtern, mit Rot auf den Wangen, Lippen und den Gelenken und kalten 
graublauen und bräunlichgrauen Schatten ist auf den grauen Grundton abgestimmt und 
wird durch den Gegensatz zu Weiß im Hemd Psyches, zu Grau im Schleier der Venus 
und in den Wolken erwärmt. Rechts ruht Zephyr auf weißen, dunkelgraubraun beschatteten 
Wolken, mit gleichfarbigen Flügeln vor blauem Himmel und graublauer Ferne. 

Bez. auf dem Sockel des Bettes: Ponpeo ■ Batoni ■ Pil'f A° 1756 • Roma ■ /. Königliche Schlösser .-. Leinwand, h. 0,83, br. 1,18. 



504 




230 



SPANISCHE SCHULE 



Spanische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



4I4A 




Camp 



„«„ Pedro Campana, als Vlame Peel er 
de Kempeneer gen. Zeichnet sich 
zumeist Petrus Campaniensis [einmal Petrus 
Kempener]. Baumeister, Bildhauer und Maler, ge- 
boren 1503 zu Brüssel, gestorben daselbst 1580. 
Seit etwa 1529 in Italien, besonders in Rom durch 
das Studium Raffaels und Michelangelos ausge- 
bildet; tätig vornehmlich in Sevilla [um 1538 bis 
1562 [?]], zeitweilig in Cordoba und anderen Städten 
Andalusiens, dann [seit 1562] in Brüssel [seit 1563 
Leiter der Tapetenfabrik]. 

409 Maria mit dem Kinde. In wenigen 
breiten Farbflächen hebt sich die Gestalt in 
hartem Umriß vom schwarzen Grund ab. Von 
grünlichem Blau im Mantel lichtet sich das 
kühle Kolorit über Karminrosa im Gewand 
zum rosafarbenen, von hellg-raublauen Schat- 
ten unterbrochenen Ton des Inkarnats auf, 
das wiederum kaltes schimmerndes Weiß 
umgibt. Rotgelbes Haar. 

Erworben 1835 in Paris aus der Sammlung Mathieu de Favier. 
Eichenholz, h. 0,71, br. 0,54. 

D -.AIoq J"3n ^^ 'ss Roelas. Geboren von flan- 
IXUCldS arischen Eltern um 1558 in Sevilla, gestor- 
ben zu Olivarez den 23. April 1625. Unter dem 
Einflüsse venetianischer Meister ausgebildet. Nach 
einer italienischen Reise vornehmlich tätig zu Sevilla, 
zeitweilig zu Madrid und seit 1624 zu Olivarez. 

414a Maria in der Glorie, von einemje- 
suiten verehrt. DiekühleGesamtstimmung 
wird durch blaugrüne [Himmel, Ferne], bis 
zu Hellgrau [Wolken] absteigende Töne und 
durch kontrastierendes, gleichfalls kühles 
Hellkarminrot [Engel r.] bestimmt. Der Kon- 
trast wirkt am stärksten in der Gestalt der 
Madonna [Blaugrün im Mantel, heller in den 
Unterärmeln, Hellkarminrot im Gewände], 
umrissen vom Gold der Glorie; dazwischen 
das zarte, graubräunliche Inkarnat, umgeben 
von gelbbraunem Haar, das sich von blau- 
grüner Zone abhebt. Wenige wärmere Töne 
unterbrechen den kühlen Ton: Goldgelb 
[Engel 1.], Lichtrot [Cherubim]. Unten in 
grauschwarzer Jesuitentracht, mit ockergelb- 
braunem Inkarnat, Fernando de Mata, vor 
bräunlichsaftgrüner und grauer Parkland- 
schaft, die durch rotbraune Töne [Blätter 



232 



der Rosenhecke, Stab, Blumentöpfe usw.] belebt 
wird. Überall sind die Symbole dargestellt, unter 
denen Maria in der Litanei angerufen wird: der 
Turm Davids, der Rosenstock, der Brunnen usw. 

Das Bild ist wahrscheinlich im Auftrage des Stifters D. Fernando de 
Mata [gestorben 1612] für seine Grabkapelle in der Kathedrale zu 
Sevilla gemalt .". Erworben 1852 aus der Sammlung Soult zu Paris. 
Leinwand, h. 2,79, br. 1,68. 

l\/r 1_„ Luis de Morales, gen. el Divino. Geboren 

IVIUI cilCo jn Badajoz zu Anfang des 16. Jahrhunderts, ge- 
storben daselbst 1586. Tätig vornehmhch in Badajoz und 
einige Zeit in Madrid am Hofe Philipps II. 

412 Maria mit dem Kinde. Kühles silbriges 
Inkarnat mit zarten Rosatönen auf Wangen und 
Lippen, mit weicher graublauer und brauner 
Modellierung, von gelbbraunem Haar umgeben, 
vor schwarzem Grund. Bräunliches Hellkarminrot 
im Gewand, grünliches Blau im Mantel [davor der 
Körper des Kindes] sind auf die kalte Gesamt- 
färbung abgestimmt. L. ein Stück des gold- 
gelben, über den Sitz gebreiteten Tuches. 

Von dem Bilde kommen mehrfach [z.B. in der Eremitage] Wieder- 
holungen vor .*. Erworben 1841 42 in Italien. 
Eichenholz, h. 0,48, br. 0,33. 

/'^ 11 Alonso Sanchez Coello. Geboren zu Beni- 

^— ''-"-'*^*-' fayrö [bei Valencia] im Beginn des 16. Jahr- 
hunderts [1515?], heiratete 1541 in Madrid, gestorben 
1590 ebenda. Schüler des Antonis Mor zu Madrid. 
Tätig in Lissabon und Madrid. 

406b Bildnis Philipps II. von Spanien [1527 
bis 1598]. Rot im Bande des Ordens vom gol- 
denen Vlies, den beiden Armbinden und den 
Lippen, matter in den Armelborten, gegen kühle 
silbergraue Töne [bräunlichgraue, goldgelb 
verzierte Rüstung, mattgoldgelbe, mit grauen 
Stickereien gezierte Hosen, durch deren Schlitze 
das graublaue Untergewand sichtbar ist, grau- 
weiße Beinkleider, mattockergelbe Stiefel und 
Kommandostab],vorschwärzlichbraunemGrund, 
im Fußboden durch Ockergelb etwas aufge- 
lichtet. Auch das blasse, hellbräunliche mit 
rötlichen und grauen Tönen durchsetzte Inkar- 
nat ist auf den kühlen Gesamtton gestimmt 
Braunes Haar, gelblicher der Bart. 

Eine alte Kopie im Stadthause zu Löwen .". Königliche Sammlung 
in Madrid bis 1820; Sammlung von Schepeler in Aachen, 1851 .'. 
Sammlung Suermondt, 1874 .-. Leinwand, h. 1,87, br. 1,00. 




Spanis<^e 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

412 



406 B 



233 



Spanische 
Schule des 
XVn. Jahr- 
hunderts 

413F 




413 C 



XA^'lpiTTIllf^V Diego Velazquez de 
VeidZqUeZ Silva, eigentlich Diego 
Rodriguez de Silva y Velazquez. 
Nach andalusischem Brauche führt er 
den Namen seiner Mutter, Velazquez. 
Getauft zu Sevilla den 6. Juni 1599, ge- 
storben zu Madrid den 6. August 1660. 
Schüler des Francisco Herrera d. A., 
dann des Francisco Pacheco zu Sevilla. 
Tätig zu Sevilla und Madrid [seit 1523 
Hofmaler Philipps IV.], zweimal in Italien 
[1629-1631 und 1649—1651]. 

413f Die drei Musikanten. Aus 
dem unbestimmten grauen Dun- 
kel der Wände prallen in breit 
hing-estrichenen Flächen der 
bräunlichockergelbe Fleischton, 
von tiefem Schwarz der Haare, 
kaltem Graublau und Weiß der 
Kragen umrahmt, und im Vordergrunde Goldgelb [Rock und Instrument des Violinspielers, 
Ärmel des Jungen in schwarzem Wams, matter in der hellockergelben Mandoline] hervor. 
Dunkelgrün im Gewände des mittleren [davor der lichtrote Fiedelbogen] hellt sich vorn in 

derTischdecke zu Olivgrün auf. Schimmerndes Weiß 
im Tuch, mattes Goldgelb im Brot, helle Lichtreflexe 
in dem mit gelbrotem Wein gefüllten Glas schieben 
die dunklen Flächen der Mitte in den Raum zurück. 

Aus der frühesten Zeit des Meisters .'. Erworben 1906 aus dem eng- 
lischen Kunsthandel .■. Leinwand, h. 0,87, br. 1,10. 

413c Bildnis der Schwester Philipps IV., Maria 
Anna [1606 — 1646, seit 1631 Gemahlin des Königs 
von Ungarn, späteren Kaisers Ferdinand 111.]. Von 
brennendem Zinnoberrot im Vorhang hebt sich kühl 
das gelblichweiße Inkarnat ab, mit grauen Halb- 
schatten, von gelbbraunem Haar und grauer Hals- 
krause umrahmt. Mattes Gelbrot im Stuhl ver- 
mittelt mit den grauen Tönen der anderen Bildhälfte 
[dunkelgraues Gewand mit blitzenden bräunlich- 
gelben Goldborten und Stickereien, gelblichgrauer 
Boden, graue Wand], die im Kontrast zu Rot eine 
komplementär olivgrünliche Färbung annimmt. 

Das Bild gleicht völlig dem Brustbiide der Maria im Museo de! Prado. 
Dieses wäre nach Justi das 1630 in Neapel, wo sich die Königin vorüber- 
gehend aufhielt, gemalte, während das Berliner Porträt damals, worauf 
das Kostüm deutet, nur entworfen und, wie die Technik verrät, viel später, 
vielleicht erst nach 1646, ausgeführt worden sei .". Kam 1820 aus dem 
königlichen Palast in Madrid [Inventarnummer 471] durch Geschenk [zu- 
gleich mit Coellos Porträt Philipps IL] in die Sammlung des preußischen 
Ministerresidenten Obersten von Schepeler. 1851 von Suermondt er- 
worben, galt es auch in dieser Sammlung als Porträt von Philipps IV. 
erster Gemahlin Isabella von Bourbon, während der ausgesprochen habs- 




234 



burgische Gesichtstypus die jetzige Benennung nahe legt .'. 
Sammlung Suermondt, 1874. 
Leinwand, h. 2,00, br. 1,06. 

41 3 E Bildnis einerDame. Vomhellg-rauen 
Grund löst sich in vollster Körperlichkeit 
die Figfur in dem schwarzen, grau g-e- 
musterten Kleid von bläulichem Schim.mer, 
mit dunkelblauen Ärmeln und Brustein- 
satz, reich geziert mit blitzenden gold- 
gelben Stickereien, Goldschmuck und Ge- 
stein. Die rotbraune Haarfrisur schließt 
ihren Umriß, in dem als lichtester Ton das 
zarte ockergelblichweiße Inkarnat wirkt, 
mit leicht geröteten Wangen und wenig 
Schatten in warmem durchsichtigem Braun. 
L. unten als Gegengewicht die einzige 
lebhaftere Farbe: Karminrot im Stuhl, 
mit Goldgelb in den Knöpfen und Fransen. 

Auf der alten, jetzt durch eine neue verdeckten Leinwand 
steht in alter Handschrift der Name Joana de Miranda. Indes 
bleibt ungewiß, ob damit des Malers Gattin gemeint sei 
oder eine andere Dame vom Hofe Philipps IV., an dem der Name 
Miranda mehrfach vorkommt. Vielleicht ist die Dargestellte die 
Gräfin Olivares. Das Bild gehört nach Justi in die dreißiger 
Jahre .*. Es läßt sich nur bis auf die Sammlung des Sebastian 
Martinez in Cadix zurückverfoigen .". Im Jahre 1867 ging es 
für 98000 Frs. aus der Salamanca- Galerie in den Besitz von 
Lord Ward [Dudley] über .*. Erworben 1887 aus der Sammlung 
des Earl of Dudley .-. Leinwand, h. 1,20, br. 0,99. 

413a Velazquez? Bildnis, angeblich des 
Alessandro del Borro. In schwarzer, 
graugeblümter Gewandung ragt die Gestalt 
als mächtige dunkle Masse, deren Umriß das 
dunkelbraune Haar fortsetzt, vor lichtem 
ockergelblichgrauem Grund empor. Warm 
leuchtet aus dem Schwarz das fette braun- 
rote Fleisch. Ihm halten als einzige leb- 
haftere Farbe Mattrot und Weiß [graublau 
beschattet] in der mit goldgelben Bienen be- 
stickten Fahne die Wage. 

Dem grotesken Charakter des Bildnisses nach scheint es irgend- 
einen Buffonen darzustellen. Die Vermutung, daß der Darge- 
stellte der italienische Feldhauptmann Alessandro del Borro sei, 
gründet sich auf die Fahne unter seinen Füßen. Die Bienen 
sind das Zeichen der Barberini, und in dem Kampfe, den Parma 
mit Hufe von Venedig und Toskana gegen Urban VIII., das 
Haupt der Familie Barberini, um den Besitz des Herzogtums 
Castro 1641 — 1643 führte, war del Borro der Feldhauptmann 
Ferdinands II. von Toskana. Nach dem Ende des 30iährigen 
Krieges trat del Borro in die Dienste Philipps IV. von Spanien. 
Außerdem befindet sich in der Bildnissammlung der Offizien 
[ Nr. 252 ] ein ähnlicher Kopf als Bildnis des toskanischen Mar- 
chese. Ein Bild im Rathause zu Arezzo, das Borro darstellt in 




Spanische 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 



235 



Spanische 

Sdiule des 

XVII. Jahr- 

hiinderfs 

413 D 




ganzer Figur, mit Rüstung und der Inschrift: Alexander aBorro 
Marchio Patritius Arretinus Germanico BelloClarissimusEtrurie 
Defensor Acerrimus Hispanie Citerioris Domitor Turcarum 
Terror Tenedi Lemniqiie Expugnator Obiit Anno Salutis 
MDCLVI Aetatis Suae . . . weist dagegen andere Züge auf als 
unser Bild. Die Zuschreibung an Velazquez ist bezweifelt, und 
verschiedene italienische und nordische Meister des 1 7. Jahrhun- 
derts sind ohnehaltbareGründe inVorschlag gebracht worden .*. 
Früher in der Villa Passerini bei Cortona .". Erworben 1873 
in Florenz .'. Leinwand, h. 2,03, br. 1,21. 



Velazquez Kopie nach Ve 



c 



lazquez. 

413d Bildniseines spanischen Hofzwer- 
gfes. Mit rotbraunem Gesicht und dunkel- 
braunem Haar. In gelbbrauner, goldgelb 
bestickter vlämischerEdelmannstracht. Weiß 
im Spitzenkragen, den Manschetten, den 
Federn und im Hund hält die Figuren vor 
ockergelbbraunem Boden und schwärzlich- 
braunem Hintergrund zusammen und erhöht 
ebenso wie das tiefe Schwarz im Hunde- 
fell die Wirkung der goldigbraunen Töne. 
Das Karminrot der Haarschleife wiederholt 
sich im Band, an dem er das Tier hält. 

Kopie [von Maso?] nacli dt-iii im iVlusoi^ (iel Prado befindlichen Original, in dem der Katalog den Hofzwerg Philipps IV., Don 
Antonio den Engländer, sehen will. Nach Justi indes möglicherweise das Porträt des königlichen Spaßmachers Velazquillo -•. Er- 
worben 1879 in Wien vom Maler Penther, der das Bild aus Spanien mitgebracht hatte .'. Leinwand, h. 1,39, br. 1,01. 

Pinr» '^'onso Cano. Maler und Bildschnitzer, geboren zu Granada den 19. März 1601, gestorben 
daselh<;t den 3. Oktober 1667, Schüler des Francisco Pacheco, des Juan de Castillo und des Bild- 
hauers Juan Martinez Montaüez zu Sevilla. Tätig zu 
Sevilla [bis 1637], Madrid [1637 bis 1651] und Granada 
[bis zu seinem Ende]. 

414b Die hl. Agnes. In breiten sonnigen 
Farbflächen, vor lichtem grauweißem Grund. 
Leuchtend goldgelbbraunes, gelb schillerndes 
Gewand, dunkelgrünes Mieder, karminroter, 
im Lichte violetter Mantel, bräunlichgrüne 
Palme. Auf grauem Sockel das grauweiße 
Lamm. Über dem weißen, in den Falten 
graublauem Hemd erhebt sich das zarte, 
rosige, von dunkelbraunem Haar umrahmte 
Antlitz mit den dunkelbraunen Pupillen, 
bläulichen Augäpfeln und roten Lippen, mit 
Braun modelliert. Ein bräunlicher Schleier 
umflattert das Haupt. 

Bez. rechts an dem Postament mit dem aus ALO und CANO 
gebildeten Monogramm .". Vermutlich aus der früheren Zeit 
des Meisters .■. Erworben 1852 aus der Sammlung des Mar- 
schalls Soiilt. 

Leinwand, h. 1,11, br. 0,86. 




236 



Zurb< 



l_^ Francisco de Zurbaran. Getauft zu Fuente 

-UrUdl an jg Cantos in Estremadura den 7. Nov. 1598, 
gestorben zu Madrid 1662. Schüler des Juan de las Roelas 
zu Sevilla. Tätig zu Sevilla und Madrid [als Hofmaler 
Philipps IV.]. 

404c Bildnis eines vornehmen Knaben im 
Harnisch. Die leuchtend karminrote Schärpe 
liegt über dem blitzenden silbergrauen Harnisch, 
dessen Farbe sich in den seidenen Armein fort- 
setzt. Wenig Grün [im Ordenszeichen auf der 
Brust] begleitet das Rot. Die Wirkung des Metalls 
steigert der wärmere, im Lichte schimmernde 
braune Ton der grauviolett geschlitzten Hosen. 
Blendend weiße Strümpfe und schwarze Schuhe 
[ebenso wie die Hosen mit goldgelben Rosetten 
besetzt] erhöhen die Körperlichkeit der Figur, die 
im kalten weißen Licht hart vor bräunlichschwar- 
zem Grund steht, der nach vorn in den grau- 
bräunlichen Ton des Bodens übergeht. Das 
ockergelbliche, mit grauen Tönen durchsetzte 
Antlitz mit roten Lippen, von braunem Haar 
umrahmt, ist kräftig mit schwärzlichen Schatten 
modelliert. Oben ein goldgelbes Wappen mit 
dunkelgrünenBalken 
und grauem sprin- 
gendem Löwen, mit 
neunzackiger Krone 
und dem Ordens- 
zeichen wie auf der 
Brust. 

Bez. rechts unten ; fran'^o de 
zur baran . f. Darunter : AE- 
TAS 12 A2.S .-. Der Dar- 
gestellte galt als der 1629 ge- 
borene Sohn Philipps IV. 
Prinz Balthasar Carlos. 
Doch ist dies mit dem 
Wappen nicht beweisbar .■. 
Erworben 1 906 aus derSamm- 
lung Alfred Morrison in Lon- 
don -■- Leinwand, h. 1,85, 
br. 1,03. 

404a Der hl. Bona- 
ventura verweist 
den hl. Thomas 
von Aquino auf 
den Gekreuzigten 
als die Quelle 




Spanische 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 

404 C 




404 A 



237 



Spanische 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 



417 




alles Wissens. Zwischen den grauen 
und bräunlich grauen Tönen der Ordens- 
trachten, die im Kontrast zu tiefem, durch 
Weiß gestärktem Schwarz [Kutte des 
hl. Thomas; Wände des Gemachs, die 
der blaugraue Türausschnitt durch- 
bricht] silbrig erschimmern, leuchtet in 
goldiger Wärme das rötlichbraune In- 
karnat mit blitzenden weißlichen Glanz- 
lichtern. Das Ockergelb derPergament- 
bände und des Kruzifixes, Rotbraun 
der Möbel, Blauviolett und Rosaviolett 
der Vorhänge [überall dazwischen Schwarz] dämpft das kalte Licht mit seinem silbrigen 
Glanz, während r. starkes Zinnoberrot, ergänzt durch wenig Blaugrün im Schnitt einiger 
Bücher, [von blendendem Weiß begleitet] den Blick in die Richtung des Kruzifixes leiten. 

Bez. links: F. DE ZVRBARAN . FATA . 1629 .". Gehört zu einer 1629 gemalten Folge von vier Darstellungen aus dem Leben 
des hl. Bonaventura, früher in S. Bonaventura [ Kirche des Franziskaner -Kollegs] zu Sevilla, von denen sich zwei jetzt im 
Louvre zu Paris und eine in der Dresdener Galerie befinden. Unser Gemälde stellt die folgende Begebenheit dar: „Thomas 
von Aquino, erstaunt über die Kraft und den Reichtum der mystischen Theologie Bonaventuras, besuchte ihn [der damals noch 
ein junger Lehrer der Theologie an der Pariser Universität war] und bat ihn, ihm seine Bibliothek zu zeigen, damit er sich die 
Werke anschaffen könne, aus denen jener eine so vielseitige und umfassende Wissensfülle schöpfe. Da wies ihm Bonaventura 
das Bild des Gekreuzigten, aus welcher ergiebigen Quelle er alles das empfangen zu haben bekannte, was er gelesen und ge- 
schrieben" [Pietro Galesini, Acta Sanct. p. 847] -•. Erworben 1852 aus der Sammlung Soult zu Paris. 
Leinwand, h. 2,26, br. 2,56. 

Spanische Schule um 1630 

1667 Stilleben. Das helle bräunliche Rot der Tischdecke dient auch als Grundierung, über 
die das teilweise von bräunlichen und grauen Schatten gedämpfte Weiß der Folianten, das 
bräunliche Goldgelb der Pergamenteinbände und der schwärzlichbraune Hintergund ge- 
gemalt sind. Graubrau- 
nes Tintenfaß mit leuch- 
tend weißem Federkiel. 

Früher im Bezitze der Familie des 
spanischen Gesandten J. Hook- 
ham Frere zu Roydon Hall [Nor- 
folk] .-. Erworben 1908 als Ge- 
schenk des Herrn R. Langton 
Douglas, London. 

Leinwand, h. 0,345, br. 0,553. 

417 Liebe, Hoffnung, 
Glaube. Aus schwärz- 
lichem Dunkel tauchen, 
scharf von silbrig schim- 
merndemLicht bestrahlt, 
mit schwärzlichen Schat- 
ten, die Gestalten auf. 
Kühl gefärbteGewänder 
[silbergrau 1., dunkel- 




238 



blau in der Mitte, gelblichweiß mit 
karminbräunlichen Schatten r.] kon- 
trastieren mit dem warmen rötlich- 
braunen Fleischton. 



Sammlung Solly, 1821. 

Leinwand, h. 1,09, br. 



1,44. 



R*L_ „ Jusepe de Ribera, CTen. lo Spa- 
^^^* " gnoletto. Maler und Radlerer, geb. 
zu Jätiva [jetzt San Felipe] im Königreich 
Valencia 1589 [nach Palomino], gest. zu Ne- 
apel den 2. September 1652. Schüler des 
Francisco Ribalta zu Valencia; durch Studien 
in Rom, Parma und Venedig ausgebildet. 
Tätig vornehmlich zu Neapel. 

405b Der hl. Sebastian. Das volle 
Licht sammelt sich auf dem nackten 
Körper, der über die dunkelbraune, 
in den tieferen Schattenpartien sicht- 
bare Untermalung alla prima in hell- 
ockergelben und silbergrauen Tönen 
und wenigLichtrot auf den Gelenken 
pastos heruntergemalt ist. Kaltes 
Grauweiß im Tuch, das um die Len- 
den gebunden ist, dient der Wirkung 
des Inkarnats. Gedämpfter und 
wärmer, mit Braun gemischt, klingen die 
Ockertöne im Erdboden und im Baum- 
stamm wieder, vor kühlem dunkelgrau- 
blauem Himmel. 



Bez. links unten: Jusepe de Ribera panol. F1636 .'. Samm- 
lung Suermondt, 1874 .'. Leinwand, h. 2,00, br. 1,49. 



Rib 



61"3 Nachahmer des Ribera. 



403 Der hl. Hieronymus. Die Malerei 
ist fester als bei Ribera, die Farben stumpf 
und branstig. Aus tiefschwarzem Hinter- 
grund prallt in greller Beleuchtung der 
ockergelbbraune Körper, mit schwärzlich- 
braunen Schatten modelliert, hervor. Weiß 
im Folianten und im Hüftschurz. Stumpf 
zinnoberroter Mantel. 

Das Bild ist eine Nachahmung Rilieras und vielleicht ein 
Jugendwerk Luca Giordanos .'. Sammlung Solly, 1821. 
Leinwand, h. 1,16, br. 0,91. 




Spanische 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 



403 



239 



Spanisdie 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 

416 




Rib 



era 



Kopie nach Ri 
bera. 



lichten Blau des Himmels ab. 



416 Martyrium des 
hl. Bartholomäus. 
Lichtester Fleck der 
ockerg-elbliche Körper 
des Heiligen, dessen 
Schoß ein dunkelblauer 
Mantel umgibt. Dane- 
ben r. gedämpftes Hell- 
rot im Gewände des 
Henkers, dem 1. Grün 
im Rocke des hinteren 
Knechts entspricht. 
Nach den Seiten und 
rückwärts kühlt sich der 
stumpfe, von Grau 
durchsetzte braune Ge- 
samtton in immer lufti- 
geren Mischungen zum 



Das voll bezeidinete und datierte Original von Ribera befindet sich itn Prado zu Madrid .*. Unser Bild, geringer in der Zeichnung 
und weniger kräftig in der Färbung, ist nur eine Kopie aus der zvi-eiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, von einem Nachfolger Mu- 
rillos .'. Geringere Kopie im Privatbesitze zu Madrid -■. Sammlung Soily, 1821 -•. Leinwand, h. 2,18, br. 2,51. 

Cr%vvckr\r\ Don Juan Carreno de Miranda. Geb. 
drrCllU ^^ ;^yi|^^ i„ Asturien den 25. März 1614, 
gest. zu Madrid im September 1685. Schüler des Pe- 
dro de las Cuevas und des Bartolome Roman zu Ma- 
drid, unter dem Einflüsse von Velazquez, Rubens und 
besonders von A. van Dyclc ausgebildet. Tätig vor- 
nehmlich zu Madrid, kurze Zeit zu Toledo. 

407 Bildnis König Karls II. von Spanien 
[1661 — 1700]. Aus der kühlen, auf Grau ge- 
stimmten Umgebung, aus schwarzer Sammet- 
tracht kommt licht das zarte ockergelblichweiße 
Antlitz, mit grauen Tönen und mattem Rot in 
den Lippen und Wangen, von blonden Locken 
umgeben, hervor. Blaugraue Strümpfe und De- 
gengriff. Mit demGrau und Graublau der Wände 
kontrastiert das bräunlicheGoldgelbderBronze- 
löwen, der Adler, welche die dunkelbraunen 
Rahmen umkrallen, und des Vorhangs, dessen 
gedämpft karminroterUmschlag wieder mit dem 
kalten grauen Gesamtton vermittelt. Mattere 
lichtrote Fliesen beleben den grauen Boden. 




240 



M 




Bez. rechts über dem Tisch : AETAT. SUAE 
XII ANN., und auf dem Sockel des Tisch- 
fußes : JOANNES A CARRENNO PICTOR 
REG. ET. CVBI\B FAC. ANNO. 1673. Der 
Meister zeichnet sich als Pictor Regius et 
Cubicularius, d. h. königlicher Maler und 
Kämmerer .-.Eine Wiederholung des Bildes, 
jedoch ohne Bezeichnung, im Museo del 
Prado zu Madrid, eine andere befand sich in 
der Sammlung des Prinzen Pierre de Bour- 
bon, eine dritte, etwas verändert, unter dem 
Namen Murillo in der ehemaligen Sammlung 
Molinari in Mailand .-. Erworben 1836 als 
Geschenk des Freiherrn von Werther, da- 
maligen Preußischen Gesandten zu Paris. 
Leinwand, h. 2,05, br. 1,42. 

llKill/~> Bartolome Esteban Mu- 
UIllIU rillo. Getauft zu Sevilla 

den 1. Januar 1618, gestorben da- 
selbst den S.April 1682. Schüler des 

Juan de Castillo zu Sevilla; auso-e- 

bildet zu Madrid [1642— 1645] unler 

dem Einflüsse von Velazquez sovt'ie 

der Werke des Ribera, Rubens und 

van Dyck. Tätig vornehmlich zu Sevilla. 

414c Anbetung der Hirten. 
Die warmen Töne des Vorder- 
grundes kühlen sich von dunklem rötlichem Braun [die als kräftig zurückschiebende 
Kuhsse wirkenden Hirten 1.], von goldigem Ockergelb und Gelbbraun [Sattel, Krippe 
r.] über Goldgelb [Rock des knienden Hirten] und den warmen rötlichen Fleischton im 
Schnittpunkte der beiden Diagonalen zu den kühlsten, aber lebhaftesten Farben des 
Bildes ab: Hellkarminviolett im Gewände, Hellblau im Mantel Marias, ihrem lichten 
Inkarnat und schimmerndem Weiß, mit graublauen Schatten, im Tuch, von dem sich in 
lichten rödichen Tönen der Körper des Kindes abhebt. In der Gestalt Josephs [bräun- 
lichgoldgelber Mantel über 
dunkelviolettem Gewand] 
und der dunkelbraunen 
Architektur kehrt die eine 
diagonale Farbenreihe zu 
ihrer ursprünglichen Wärme 
zurück, in der anderen Rich- 
tung geht sie über Weiß 
[Kopftuch der Alten.Haupt- 
und Barthaar des alten 
Hirten] und die gelblich- 
grauen Töne [Gewand des 
jungen Hirten, Mauer des 
Torbogens] in den luftigen 
Ton des blaugrauen Him- 
mels über. 



Spanische 
Schule des 
XVn.Jahr^ 
hunderts 




J14 



241 



spanische 

Schule des 

XVII. Jahr. 

hunderls 

408 B 




Aus der früheren Zeit des Meisters . 
aus dem englischen Kunsthandel. 
Leinwand, h. 1.70, br. 1,96. 



Erworben 1905 



c 



414 Der hl. Antonius von Padua 
mit dem Christkinde. Die von 
Graublau durchsetzten braunen Schat- 
tentöne der rechten Bildhälfte lichten 
sich in der Kutte des Heiligen zu 
silbrigem Blaugrau auf, das dem rosi- 
gen, durch zarte graue Töne aufge- 
lockerten und durch den Gegensatz 
zu Weiß [im Tuch, das den Körper 
des Christkindes umgibt] wärmer 
wirkenden Inkarnat als Folie dient. 
Auch in dem mattgoldgelben Lichte 
der Glorie und dem bräunlichen Ge- 
wölk links klingen, nach der Tiefe ge- 
steigert, die luftigen grauen Töne 
weiter, belebt durch die festeren röt- 
lichbraunen Töne der Engelskörper. 
Diese erwärmen sich am stärksten in 
den beiden Engeln links vorn, mit 
den hellkarminvioletten und gedämpft 

roten Draperien und den Insignien des Heiligen [Buch und Lilie], das kühle Silbergrau 

der landschaftlichen Ferne zurücktreibend. 

Der Meister hat dieses Motiv öfter behandelt. In der Kathedrale zu Sevilla stellt ein berühmtes Bild das Christkind dar, 
wie es im lichten Schein einer En^elsglorie zum knienden Antonius herabschwebt , den Moment also, der unserer Dar- 
stellung vorangeht .*. Eine Sepiazeichnung zu unserem Bild im Louvre [Sammlung His de La Salle] .". Erworben 1835 
in Paris aus der Sammlung des Barons Mathieu Favier, der seine Bilder unter Marschall Soult in Spanien zusammen- 
gebracht hatte. 

Leinwand, h. 1,65, br. 2,00. 

_ Mateo Cerezo. Geboren zu Burg^os 1635, gestorben zu Madrid 1675. Schüler seines Vaters 

^^ CZ.U Mateo und Juan Carrenos de Miranda in Madrid, unter dem Einflüsse Murillos und van Dycks 
ausgebildet. Tätig vornehmlich zu Madrid, zeitweilig in Burgos, Valladolid und Valencia. 

408b Christus am Kreuze. Vor dem schweren Dunkel der braunen Landschaft, die 
von dem dumpf braunroten, links am Horizont die Wolken durchbrechenden Schein 
gefärbt wird, hellt sich der Körper an rotbraunem Kreuz, rotbräunlich beschattet, zu 
kühlem, von Grau durchsetztem Ockergelb auf. Auch die unten vom rötlichen Licht- 
schein bestrahlten schwärzlichen und graublauen Wolken kühlen sich nach oben zu 
ab. Dort durchbricht sie weißlichblauer Himmel, von dem sich licht der Körper des 
Gekreuzigten abhebt. 

Sammlung Suemiondt, 1874. 
Leinwand, h. 2,06, br. 1,62. 



242 




G Francisco Jose de Goya 

Oya. y Lucientes. Maler und Ra- 
dierer, geboren den 30. März 1746 zu 
Fuentetodos in Arag-onien , gestor- 
ben den 16. April 1828 zu Bordeaux. 
Schüler des Don Jose Luzan y Mar- 
tinez in Saragossa und des Francisco 
Bayeu zu Madrid. Tätig vornehmlich 
in Madrid und Saragossa, in Italien 
[Rom, Parma 1771] und in Frank- 
reich. Spanischer Hofmaler seit 1789. 

1619 König- Ferdinand VIl. 
präsidiert einer Sitzung 
der Philippinenkompagnie. 
Die schwarze Grundierung der 
Leinwand gibt den dunklen 
Grundton, auf dem die Szene 
in breiten, die in Licht und 
Schatten zerfließenden Formen 
nur andeutenden Farbflecken hingesetzt ist. Durch die Fenster rechts fällt schimmernd 
weißes Licht ein, das den düsteren Raum nur mäßig erhellt. Es spielt auf dem Boden 
in unvertriebenen ockergelblichen, rötlichen und bläulichen Flecken, erhellt mit gleich- 
mäßigerem weißlichem Schimmer die gegenüberliegende Wand und durch graue 
Reflexe den Plafond. Hinter der mattrötlichen Tischdecke im Grunde tauchen aus 
schwarzen Tönen goldgelb blitzende Stuhllehnen, das Weiß der Hemden, rechts das 
Rot einer Uniform und der rötliche Ton der Köpfe auf. Die Reihe der links Sitzen- 
den in grauen und weißlichen Tönen, 
dazwischen das Rotbraun der Gesichter 
und Hände. 

Gemalt um 1814 — 16. Farbenskizze zu einem Repräsen- 
tationsgemälde Goyas, das sich jetzt im Museum des süd- 
französischen Städtchens Castres befindet .". Erworben 
1900 als Geschenk des Herrn Rudolph Ph. Goldschmidt 
in Berlin .*. Leinwand, h. 0,54, br. 0,70. 

1619a Bildnis einer alten Dame [an- 
geblich der Mutter des Malers]. In hell- 
blauem Kleid, dessen oberen Teil eine 
tiefschwarze Spitzenmantille deckt, in 
weißem Häubchen und Kragen. Vor röt- 
lichgrauem Grund, dessen Ton etwas 
wärmer, von lichtroten Tönen belebt 
und mit grauen Schatten modelliert, 
im Inkarnat wiederkehrt. 



Erworben 1903 aus dem Pariser Kunsthandel. 
Leinwand, h. 0,74, br. 0,62. 



Spanische 
Schule des 
XVIII. Jahr- 
hunderts 

1619 




1619 A 



243 



Spanische 
Schule des 
XVm. Jahr- 
hunderts 



1619b Bildnis eines Mönches. Vor graubräunlichem Grund steht kaltes Graublau der 
Kutte, mit durchschimmernder brauner Untermalung in den Schatten. In warmem rot- 
braunem Ton kommt das Antlitz mit den tiefschwarzen Augen, Brauen und Haar aus 
den kühleren, nach Grau gebrochenen Tönen hervor. Als Gegengewicht zu Graublau 
dient bräunliches Rot in der Tischdecke. 



Erworben 1904 aus spanischem Privatbesitz 
Leinwand, h. 0,82, br. 0,68. 



Eigentum des Kaiser -Friedridi -Museums-Vereins. 



1619 B 




244 



FRANZÖSISCHE SCHULE 



Französi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 




1645 



l\/f a vrnirin Simon Marmion. Buch- und Tafelmaler, geboren zu Amiens, Geburts- und Todesjahr 
IVldl llllUll unbekannt. Tätig nach der Mitte des 15. Jahrhunderts, 1454 in Lille nachweisbar, seit 1458 
in Valenciennes. Ausgebildet unter niederländischem Einfluß. 

1645 — 1645a Die Flügfel des Altars von St. Omer: Das Leben des Benedik- 
tiners St. Bertin. Die Darstellungen sind durch gelblichgraue Architektur mit blau- 
grünen Dächern geschieden. Vor lichten Gründen wird das beherrschende warme 
Schwarz derOrdenstrachten, aus denen goldig das ockergelbliche Inkarnat hervorleuchtet, 
von Karminrot, mit dem Gelbgrün kontrastiert, unterbrochen. Zwischen Karminrot und 
Schwarz vermitteln Violett und Dunkelblau in den weltlichen, reich mit gelben Gold- 
stickereien gezierten Gewändern und Stoffen. 

1645 Linker Flügel. Vorderseite. 1. Der Donator Guillaume Fillastre, Abt von 
St. Bertin, in gedämpft karminrotem, goldgelb gemustertem Ornat neben grün be- 
hangenem Betpult. Derselbe Gegensatz kehrt greller im gelbgrünen Gewände des Engels 
und dem zinnoberroten, mit goldenen Hirschköpfen gezierten Wappenschild wieder. 
Dunkelgraublaue Chorhemden. Bräunlichgoldgelber Vorhang mit schwärzlichblauen 
Mustern. 2. Die Geburt des Heiligen. Karminrot im Vorhang, von dem sich das weiße 
Bettzeug abhebt, kehrt heller in der Bettdecke wieder, deren farbige Wirkung der 
graublaue Umschlag noch steigert. Die Magd in gelbgrünem Gewand. 3. Seine Ein- 




246 








kleidung im Kloster Luxeuil. Als Mitte der Tafel betont durch den kräftig roten Grund 
des Tympanons, auf dem in natürlichen Farben und goldgelben Gewändern das jüngste 
Gericht dargestellt ist. Unter den schwarzen Mönchstrachten Karminrot und leuchtendes 
Gelbgrün in der Gewandung des mittleren Zuschauers r. 4. Aufnahme des Heiligen auf 
der Pilgerschaft in der Diözese Therouane. Zinnoberrot im Gewände St. Omers 1. 
5. Stiftung und Bau des neuen Klosters. In den weltlichen Trachten Karminviolett und 
Gelbgrün, Karminrot in dem goldgelbgemusterten Brokatmantel und schwärzliches Blau 
vor lichtrötlichem und grauem Gemäuer, vor bräunlichgelbgrüner Landschaft mit hell- 
grauen [Gebäude] und blaugrünen Tönen [Dächer, Bäume, Wasser, Ferne]. — Rück- 
seite: Figuren und Nischen grau in Grau, auf bräunlicher Untermalung. Auf den 
Bändern mit schwarzen Inschriften zinnoberrote Zahlen. 

Erworben 1905 aus dem Besitz I. kgl. H. der Fürstin zu Wied .'. Eichenholz, h. 0,56, br. 1,47. 

1645a Rechter Flügel. Vorderseite. 6. Die Wundertat des Heiligen, der Wasser und 
Wein in einem Fasse scheidet. Die Färbung entspricht der vorhergehenden Darstellung. 
Karmin, Gelbgrün, Dunkelblau in der Tracht des Jünglings. In der leuchtend gelbgrünen 
Landschaft, in der der Sturz des Grafen auf der Jagd dargestellt ist, Figuren in roten 
und blauen Trachten. 7. Der Eintritt des Bekehrten ins Kloster und 8. Das Gelübde der 



Französi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1645 A 





247 



Französi- 
sdie Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



vier Edelleute. In beiden Darstellungen belebt Karminrot [Wandvorhang, Brokatmantel, 
den der gelbgrün gekleidete Diener hält, weltliche Figur ganz r.] das reichliche Schwarz. 
Durchblick in hellen Kreuzgang, den bunte Totentanzfresken zieren, mit sonnig gelb- 
grünem Rasen und rot, grün, violett und blau gekleideten Figuren. 9. Versuchung durch 
eine Frauengestalt mit Krallenfuß, in leuchtend zinnoberrotem, mit grauem Pelz gefüttertem 
Gewand, die der hl. Martin von Tours [in schwärzlichblauem Ornat mit gelbbrauner 
Stickerei] vertreibt. Gelbgrüne Türöffnung. 10. Der Tod des Heiligen. Leuchtend kar- 
minroter Bettvorhang mit gelbgrünem Behang. Schwärzlichblaues, gelbbraun gemustertes 
Brokatgewand des betenden Mannes, mit karminroten Ärmeln. Dahinter sein Begleiter 
in gelbgrüner Tracht. Gelbliche Strohmatte. — Rückseite: Die Färbung der Figuren 
und Nischen grau in Grau wie im Gegenstück. 

Die Tafeln bildeten ursprünglich mit den kleinen Aufsätzen [Nr. 1302 und 1303 der Londoner National Gallery] die Flügel 
eines Altarschreines in der Abtei zu Saint Omer, der mit Bildwerk in Silber gefüllt war. Das gesamte Werk gelangte als 
Siftung des Guillaume Fillastre, des Abts von St. Bertin in St. Omer und Bischofs von Toul [spater von Verdun und Tournai], 
1459 in die Klosterkirche und blieb bis 1792 dort vereinigt erhalten. Das Datum der Vollendung überlieferte Dom Dewitte. 
Nach Dehaisne [Simon Marmion] begann die Ausführung des Altars schon 1453. Dom Dewitte berichtete ferner aus alten 
Klosterüberlieferungen, daß diese hervorragende Kunstschöpfung in Valenciennes entstand. Hans Steclin aus Köln war dort 
ein weit berühmter Goldsclimied, und 1458 hatte sich Simon Marmion aus Amiens in Valenciennes niedergelassen, den Lodo- 
vico Guicciardini als "grandissimo maestro nel miniare" rühmt, imd den Jean Lemaire in La Couronne margueritique "prince 
d'enluminure" nennt. Auf Grund dieser Anhaltspunkte hat Dehaisne die Vermutung begründet, daß Simon Marmion der Maler 
der Altarflügel sei, eine Vermutung, die noch besser gestützt wurde durch die Beobachtung, daß der Stil der Altartafeln von 
St. Omer in Buchmalereien nachweisbar ist, in den Grandes Chroniques de Saint Denys, die ebenfalls im Auftrage des Guillaume 
Filastre für den Herzog Philipp den Guten von Burgund entstanden [jetzt in der Kaiserlichen Bibliothek zu St. Petersburg]. 
Wir wissen aus Rechnungen, daß Simon Marmion 1467 — 70 Buchmalereien für den Herzog ausführte. Neuerdings ist Jean 
Hennequart, vaiet de chambre und Maler des Herzogs von Burgund als der Urheber der beiden Flügel genannt worden .". Die 
Tafeln gelangten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Besitz König Wilhelms II. von Holland, in dessen Versteige- 
rung 1850 sie vorkommen. Die königliche Familie zog sie aber zurück, und sie gelangten durch Erbgang in den Besitz I. kgl. 
H. der Fürstin zu Wied .■. Erworben 1905 aus dem Besitz I. kgl. H. der Fürstin zu Wied .*. Eichenholz, h. 0,56, br. 1,47. 

Französische Schule um 1410 

1648 Krönung' Maria. Das satte Ultramarinblau im Mantel Marias umgibt, in seiner 
Kraft gesteigert durch die breite weiße Fläche des Baldachins, Zinnoberrot [mit weiß- 
lichen Lichtern im Mantel Christi, im Kissen, im Gewände des kleiderhaltenden Engels 

und den über das Gold der Glorie 1. lasier- 
ten Wolken; zu Rötlichbraun gedämpft im 
Inkarnat], begleitet von Gelbgrün [Erd- 
boden, Mantelumschlag Marias, Gewand 
des zweiten Engels 1.]. Zwischen Blau und 
Rot vermittelt Violett [Gewand Christi, 
beschattete Teile des Throns, Mantel des 
zweiten Engels], ergänzt durch Gelb im 
Haar der Engel und im Kleide des Engels 
r., neben dem in der Gestalt seines Be- 
gleiters nochmals Blau hervorbricht. In den 
vorn verstreuten Blumen kehren die Haupt- 
farben Blau, Rot und Weiß wieder. Gold- 
gezierte Gewänder, goldene Weltkugel 
und Nimben. Nimbus und Krone Marias 
sind plastisch aufgesetzt. 

Früher dem Mailänder Midiele da Besozzo zugeschrieben, 




248 



doch eher südfranzösisch und vielleicht der 
Schule von Avignon zuzuweisen .'. Erworben 
1906 aus dem englischen Kunsthandel. 
Steineichenholz, Durchmesser 0.205. 

Fniinil^t J*^" Fouquet [Fouc- 

maier, g-eboren zu Tours vermutlich 
zwischen 1415 und 1420, gestorben 
um 1480. Ausgebildet unter dem Ein- 
flüsse der niederländischen Kunst, tätig 
in Tours und Paris, vielfach für den 
Hof unter Karl VII. und Ludwig XL; 
einige Zeit [um 1445] in Rom, hier 
angeregt durch die italienische Kunst, 
namentlich durch Fra Angelico. 

1617 Estienne Chevalier mit 
dem hl. Stephan. Alle Farben 
werden durch die lichte graue 
Grundierunggebrochen und ab- 
gekühlt. Die Gestalt des Stifters 
hebt sich in rötlichen Tönen [In- 
karnat mit schwärzlichem Haar, 
karminroter Rock] von grauer 
Wandundderdunkelgraublauen 
Tracht des Heiligen ab, die 
durch das glänzende Gold des 

Besatzes größere Körperlichkeit empfängt. Schimmerndes Weiß im Kragen hebt das 
zartere Inkarnat. Rot klingt weiter in der Zeichnung des Goldbesatzes, dem Ärmelfutter 
und steigert sich, der Orientierung des Bildes entsprechend, zu Zinnoberrot im Buch. 

An dem Sockelstreifen wiederholt sich der Name: [ChevalJlER ESTIEN[ne]. Hälfte eines Diptychons, das sich bis zum 
Ende des 18. Jahrhunderts in der Kirche zu Melun befand, und dessen andere Hälfte — Maria mit dem Kind und Engeln — 
jetzt im Museum zu Antwerpen bewahrt wird -•. Estienne, tresorier de France und Günstling der Agnes Sorel, war ein 
Gönner Fouquets und ließ von ihm auch ein Gebetbuch reich mit 
Miniaturen schmücken. Dieses war wie unsere Tafel im Besitz der 
Familie Brentano in Frankfurt a. M., bis es vom Duc d'Aumale 
fürdieSammlung in Chantilly erworben wurde .*. Erworbenl896 
von der Familie Brentano in Frankfurt a. M. 
Eichenholz, h. 0,93, br. 0,85. 




Französi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



\nmf^\]]e^ Corneille de Lyon oder de la Haye. 
V.-UI IICIIIC Geboren im Haag [?], gestorben um 1575 



zu Lyon. Tätig namentlich zu Lyon [seit 1544]. 
maier Heinrichs II., Franz' II. und Karls IX. 



5 
Hof- 



1643 Bildnis einer Dame, 
grünem Grund, schwarzem 



Aus schwärzlich- 
Gewand und 
schwärzlichblauer Haube kommt licht und 
blond das Inkarnat hervor, mit blaugrünen 
Augen, goldgelbem Haar, durch Weiß 
[Hemd, HaubenfutterJ erwärmt. Hellkarmin- 
rotes Haubenband. 

Das Bild gehört zu der großen Reihe französischer Porträts, die 
ehemals Clouet genannt, jetzt Corneille de Lyon zugeschrieben 
werden .-. Erworben 1904 .-. Sammlung A. Thiem. 
Eichenholz, h. 0,18, br. 0,155. 




1643 



Französi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



249 



Französi- 
sche Sdiule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 



467 




Po 



ussm 



bis Ende 1623 und wieder von 1640- 



Nicolas Pous- 
sin. Geboren in 
Villers bei Les 
Andelys [Nor- 
mandie] im Juni 
1594, gestorben 
zu Rom den 19. 
Novemberl665. 
Schüler des 
Quentin Varin 
in Les Andelys 
[uml610 1612], 
zu Paris des F. 
ElleundG. Lalle- 
mand, in Rom 
unter dem Ein- 
flüsse Domini- 
chinosunddurch 
Studien nachTi- 
zian, Raffaelund 
der Antike aus- 
gebildet. Tätig 
zu Paris [von 
ungefähr 1612 
-1642 als „Peintre du Roy"] und vornehmlich zu Rom. 



463 Landschaft mit Juno und dem getöteten Argus. Die durchscheinende rot- 
braune Grundierung verleiht dem Grün der Landschaft den warm bräunlichen Ton, in 
den sich Ockergelb in den Felsen der Mitte mischt. Als dunkle Massen heben sich die 
Baumgruppen gegen gelblichweiße, graublau beschattete Wolkenballen ab, die, über 
blauer Ferne vom gelblichen Horizont heraufwallend, den hellblauen Himmel überziehen. 
Den farbigen Akzent geben in symmetrischer Anordnung die kräftig bunten Farben der 
Figuren mit dem rötlichen Inkarnat [Goldgelb und Dunkelblau 1., gelbliche, bläuliche und 
rötliche Töne in der Gewandung Junos, Goldgelb im Wagen; vor allem grelles Zinnober- 
rot in dem 1. um den Baum- 
stamm gebundenen Tuch 
und dem über den Wagen 
hängenden Mantel; oben 
nochmals luftiger der be- 
herrschende Farbendrei- 
klang: rötliche und gold- 
gelbe Töne in dem vor grau- 
blauen Wolken enteilenden 
Merkur]. 

Aus der früheren röniisclien Zeit des 

Meisters.'. Sani nilungGiustinianl, 181 5. 

Leinwand, h. 1,20, br. 1.95. 

467 Jupiter als Kind von 
derZiegeAmalthea ge- 
nährt Der Farbendrei- 




250 




klang : Hellblau im Man- 
tel, Goldg-elb im Ge- 
wände der kauernden 
Nymphe, Rot [gestärkt 
durch das braunrote In- 
karnat] im Mantel des 
Satyrs beherrscht das 
Bild. Weiß im Gewände 
der sitzenden Nymphe 
dient den sonnigen Far- 
ben als Basis und ver- 
mittelt ebenso wie das 
zum Rot komplementäre 
bräunliche Saftgrün des 
Laubwerks und der 
bunt blühenden Büsche 
mit dem bräunlichen 
Tone der Landschaft 
[Erdboden, Felsen, 

Baumstamm], der mit grauen Tönen gekühlt ist und sich in den gelblichgrauen Wolken 
fortsetzt. Hellblauer Himmel [1. oben], luftige grauviolette und graublaue Töne in der 
Ferne und im Flußspiegel erhöhen die warme sonnige Wirkung des Vordergrundes. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters .•. Königliche Schlösser /. Leinwand, h. 0,97, br. 1,33. 

478 Helios und Phaeton mit Saturnus und den vier Jahreszeiten. Der Haupt- 
kontrast [Blau im Gewände des knienden Phaeton, Goldgelb im Mantel ApoUons], der 
im goldgelben Tierkreis und im goldgelben Sonnenwagen vor tiefblauem Himmel wieder- 
kehrt, wird durch ein 
zweites, nach der Tiefe zu 
gebrochenes Farbenpaar 
[Mattrot im Gewände der 
sitzenden Allegorie des 
Sommers, Mattgrün im 
Überwürfe des Blumen 
streuenden Frühlings], so- 
wie durch Grau und Weiß 
in seiner Leuchtkraft ge- 
steigert. Nach vorn [kar- 
minvioletter Mantel des 
Herbstes, als trunkener 
Satyr], noch mehr nach 1., 
fällt die bunte Färbung der 
Gewänder über Graublau 



Französi- 
sche Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 




251 



Französi- 
sche Schule 
des XVU. 
Jahrhun- 
derts 

1626 



[Saturn] zu Weiß [Win- 
ter],derg-oldig-rotbraune 
Fleischton zu stumpfem 
Grau, mit dem lichten 
graubräunlichen Ton der 
Wolken, die sich nach 
oben zu Rotbraun er- 
wärmen, zusammenge- 
stimmt. 

Königliche Schlösser. 

Leinwand, h. 1,22, br. 1,53. 

478a Landschaft mit 
Matthaeus und dem 
Engel. Der Zweiklang: 
Goldgelb im Mantel, 
Hellblau im Rocke des 
Matthaeus, durch Weiß [Gewand und Flügel des Engels] in seiner Intensität gesteigert, 
umgeben von dem graubräunlichen Tone des Vordergrunds, beherrscht die Darstellung. 
Der graublaue Flußspiegel vermittelt mit der Ferne. Dort klingt zwischen saftgrünen und 
rotbräunlichen Tönen luftiger der Hauptkontrast wieder [goldig -ockergelb beleuchtete 
Landstriche, graublaue Berge]. Ihm dient das sonnige Weiß der Wolken als Basis, das im 
Gegensatz zu den dunklen bräunlichsaftgrünen Baumkulissen als stärkste Helligkeit wirkt, 
nach oben durch Grau in das helle Blau des Himmels überführt. 




Freie Darstellung des Tibertals bei Acqua Acetosa 
Leinwand, h. 0,96, br. 1,32. 



Erworben 1873 aus dem Palazzo Sciarra zu Ron 



478 B 




OlirrKp«f GaspardDuahet.g-en. 

Lv'UgllCL Poussin [nach seinem 
Schwager Nicolas Poussin]. Land- 
schaftsmaler, geb. 1613 zu Rom von 
französischen Eltern, gest. daselbst 
den 25. Mai 1675. Schüler Nicolas 
Poussins. Tätig in Rom. 

1626 Römische Gebirgsland- 
schaft. Das einheitliche kühle 
Grün, in den Schattenpartien 
des Vordergrunds durch die 
rotbraune Untermalung er- 
wärmt, geht in das luftige 
Blau der Ferne über unter 
gelblichweißem Horizont, den 
das Grau der Wolken mit dem 
hellen Blau des Himmels ver- 
bindet. Ockergelbliche Töne 
in diagonaler Anordnung, 



252 




durch matte rote, blaue 
und goldgelbe Staffage 
gestärkt, geben die 
Tiefenrichtung an. 

Eine wenig veränderte Wieder- 
holung desselben Motivs in der 
Dresdener Gemäldegalerie [ Nr. 
736] -■. Erworben 1904 aus eng- 
lischem Privatbesitz. 

Leinwand, h. 0,95, br. 1,35. 

M'jj I Fran^ois Millet 
lllC t [Mille, vlämisch Frans 
Mille]. Landschaftsmaler, 
g-etauft zu Antwerpen den 
27. April 1642, begraben zu 
ParisdenS. Juni 1679. Schüler 
Laurens Franckens in Ant- 
werpen und mit diesem schon 
vor seinem 18. Jahre nach 
Paris übergesiedelt. In Paris 
durch das Studium N.Poussins 
und G. Dughets weiter ausgebildet und dort, nach verschiedenen Reisen, bis zu seinem Tode tätig. 

478b Italienische Landschaft. Jenseits des beschatteten dunkelgrünen Vordergrunds 
[mit stumpf roter Staffage] färbt die Abendsonne den grünen Mittelgrund mit gold- 
gelbem Licht. Von 1. [Herde] kräftigen sich die leuchtenden Ockertöne nach r. [Stein- 
bruch]. Über dem graublauen Fluß liegt in blauviolettem Dunst das andere Ufer, unter 
mattgelbem Horizont mit blauvioletten und grauen Wolken. Hellblauer Himmel. 

Erworben 1882 in London .*. Leinwand, h. 0,82, br. 1,03. 

a 1 Claude Gellee [Gillee, seltener Gelee], gen. Claude Lorrain. Maler und Radierer von 

dllClC Landschaften, geboren zu Chamagne bei Mirecourt in Lothringen um 1600, gestorben zu Rom 
den 21. November 1682. Schüler Agostino Tassis zu Rom, unter dem Einflüsse P. Brils, Annibale 
Carraccis und Elsheimers 
ausgebildet. Tätig vor- 
nehmlich zu Rom, vorüber- 
gehend in Nancy [um 

1626]. 

448 b Italienische 
Küstenlandschaft. 
Zwei Paare leuchten- 
derFarben : Goldgelb 
[Schäfer] und tiefes 
Blau [Mantel], Kar- 
minrot [Gewand der 
Schäferin] und Blau- 
grün im Rasen, 
zwischen dem sich im 
Erdboden wiederder 
goldgelbe Ton fort- 
setzt, geben demVor- 
dergrund die stark 



Französi- 
sche Sdiule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 




428 



253 



Französi- 
sche Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 

479 




Aricia vereinigend [Virgils Aeneis VII. 762 
Rot in den Gewändern dient wieder dem 



465 




zurücktreibendeKraftgegenüberder kühleren 
luftigen Färbung der Seiten [bräunlichgraue 
Ruine, grauweißes Zelt] und den duftigen 
Tönen des Mittel- und Hintergrunds. Dort 
klingt das herrschende Goldgelb zwischen 
graugrünen Tönen der Laubwaldung in der 
bräunlichgelben Baumkrone und über grau- 
blauem Meer im sonnigen Dunste des Hori- 
zonts aus. Darüber lichtblauer Himmel. 

Bez. unten in der Mitte: CLAVDE ■ IN ■ F ROMAE 1642 .-. 
Nr. 64 des „LiberVeritatis", des Katalogs der Bilder Claudes in 
Skizzen .■. Die Figuren [ nach dem Kataloge der Sammlung 
des Marquis de la Ganay] von Filippo Lauri [Rom, 1623 bis 
1694], der oft Claudes Landschaften staffiert hat; doch war 
derselbe, als Claude das Bild malte, erst neunzehn Jahre alt .*. 
Sammlung Pourtales, Paris 1865 .■- Erworben 1880 in Paris aus 
der Sammlung des Marquis de la Ganay. 
Leinwand, h. 0,97, br. 1,31. 

428 Heroische Landschaft. Das warme 
Licht der Abendsonne färbt den Horizont 
mit zartem Gelbrot und taucht das dunkle 
Saftgrün der Waldlandschaft [Hain der 
Egeria] in weichen rötlichen Dunst. Ocker- 
gelbe Lichter erhellen den Erdboden im 
Vordergrund. Dort ist Diana dargestellt, 
den wiederbelebten Hippolyt mit der Nymphe 
f.]. Der Dreiklang von Goldgelb, Blau und 
Zurückweichen der duftig graublauen Ferne. 
Oben klärt sich über rötlichbraunen Abend- 
wolken der hellblaue Himmel auf. 

Die Bez. rechts unten stark verrieben: Claude i . . . 165 . . .'. Im 
„Liber Veritatis" findet sich unter Nr. 163 eine ähnliche Kompo- 
sition .*. Sammlung Giustiniani, 1815 .". Leinwand, h. 1,36, br. 1,72. 

1 Simon Vouet. Geb. zu Paris den 9. Januarl590, 
GL gest. daselbst den30.Junil649. Schüler seinesVaters. 
Besonders unter dem Einflüsse der italienischen Kunst 
gebildet. Tätig hauptsächlich in Rom, seit 1627 in Paris. 

479 Verkündigung. Die Lichterscheinung färbt 
die Darstellung in gelbbräunlichem Ton. In 
dem Streben nach räumlicher Wirkung sind 
die stärksten Farben r. angeordnet: Hellrot im 
Gewände [bräunlicher in der breiten Fläche 
des Vorhangs], Goldgelb im Umschlage des 
dunkelblauen MantelsderMaria. Lichtsammeln- 
des Weiß in den Tüchern vorn treibt das bräun- 
liche Dunkel des Raumes zurück und ver- 
mittelt mit dem luftigeren, vom rotgelblichen 
Lichte der Glorie gefärbten Grauweiß der 



Vou 



254 



Wolken und Weiß in der Gewandung des 
Engels mit dem warm lichtrötlichen In- 
karnat und gelbbraunen Locken. 

Aus der römischen Zeit des Meisters .". Sammlung Giustiniani, 
1815 .-. Leinwand, h. 2,90, hr. 1,93. 

1\/Ii rm a K/"! P'^''''f Mig-nard. Maler und Radierer, 
Ö getauft zu Troyes den 17. November 

1612, gestorben zu Paris den 30. Mai 1695. Schüler 
eines sonst unbekannten Malers Boucher zu Bourges, 
des Bildhauers Fran9ois Gentil zu Troyes und des 
Simon Vouet zu Paris; in Rom durch das Studium 
Annibale Carraccis weiter ausgebildet. Tätig zu 
Rom und Paris [seit 1657]. 

465 Bildnis der Maria Mancini, Nichte 
des Kardinals Mazarin [1639—1715; 
1661 mit dem Fürsten Colonna vermählt]. 
Das lichte, bräunliche Inkarnat, von dunkel- 
braunem Haar umgeben, wird durch rote 
Töne in den Wangen, den Händen und 
durch den Gegensatz zum weißen Hemd 
und zum stumpf blauen Gewände erwärmt, 
vor graubraunem Grund. Dunkelbraune 
Augen, kräftigrote Lippen. Rot im Bänd- 
chen, an dem sie eine Perle hält. 

T ficiipiir Eustache 
J—iCoUCm Lesueur oder 

le Sueur. Maler und Ra- 
dierer, getauft zu Paris 

den 19. November 1616, 

gestorben daselbst den 

30. April 1655. Schüler 

SimonVouets, ausgebildet 

durch das Studium der 

Werke Raffaels und N. 

Poussins. Tätig zu Paris. 

466 Der hl. Bruno in 
seiner Zelle. Das 
gelbliche Grauweiß 
der Karthäusertracht 
bestimmt die matte, 
kraftlose, auf bräun- 
lichesGraugestimmte 
Gesamtfärbung. Das 
ockergelbliche Inkar- 
nat ist mit Lichtrot 
erwärmt. Gelbbraun 
im Tisch und Bet- 
schemel 1. als körper- 




Französi- 
sche Schule 
des XVll. 
Jahrhun- 
derts 

466 



Königliche Schlösser .'. Leinwand, h. 0,75, br. 0,62. 




255 



Französi- 
sche Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 



485 B 



hafteste Farbe läßt die Figur in den Mittelgrund zurückweichen. Die von ockergelb- 
lichgrauen und stumpf blaugrünen Tönen in Graublau übergehende luftige Färbung im 
Türausschnitt r. setzt die Bewegung nach der Tiefe fort. 



Scheint nicht zu der Folge von Darstellungen aus der Legende des hl. Bruno zu gehören, die [früher im Karthäuser Kloster 
zu Paris] sich jetzt im Louvre befindet, obwohl die Maße des Bildes nahezu die gleichen sind. .'. Königliche Schlösser. 
Leinwand, h. 1,93, br. 1,41. 



Leb 



Charles Lebrun oder le Brun. Maler und Radierer, geb. zu Paris den 24. Februar 1619, 
rUn gestorben daselbst den 12. Februar 1690. Schüler Fran^ois Perriers und Simon Vouets zu Paris, 
in Rom unter Nie. Poussin und dem Einfluß Annibale Carraccis weiter ausgebildet. Tätig zu Paris, wo 
er die Academie Royale de Peinture begründet. 

471 Bildnis des Kölner Bankiers Eberhard Jabach mit seiner Familie. In der 
rechten Gruppe [die Mutter Marie d'Egrotte mit vier Kindern] sind lichte Farben in 
buntem Spiel vereint: Hellgelb in der Tunique der Tochter, Hellblau im Mieder der 
Mutter bilden den Mittelpunkt, von dem aus die Färbung nach den Seiten und nach 
oben [über das rosige, durch den Gegensatz zu Weiß erwärmte Inkarnat] allmählich 
in den kühlen grauen Gesamtton übergeht. Auf Hellgelb folgt Orange in der Tunique 
der Mutter, Karminrot im Sammetkissen, auf dem das jüngste Kind sitzt, durch Oliv- 
grün im Sitz und im Fußkissen ergänzt, dann, auf den Beschauer zustoßend, Zinnober- 
und Gelbrot unten im Teppich, während helles Blaugrau mit zinnoberroten Mustern im 
Kleide der r. stehenden Tochter in den kühlen Grundton überleitet. In den Bilder- 
rahmen der Wände klingt das Goldgelb gedämpfter wieder. Nach 1. vermittelt der blau- 
graue Rock der Mutter zwischen Orange und den lichteren und zarteren Farben : Grau- 
blau [Rock] und Rosa [Mieder der anderen 
Tochter], die zu dem Grauschwarz in der Klei- 
dung, Graublau in den Strümpfen des Vaters 
und der tonigeren, auf Graubraun und Grau- 
blau gestimmten Färbung der 1. Seite führen. 
Als stärkste Farbe wirkt hier Goldgelb 
[Minervabüste, Figuren des Himmelsglobus]. 
Mattrot [Tuch auf dem Globus und Rock des 
im Spiegel sichtbaren Malers] stehen im Kon- 
trast zum matten Grün im Vorhang 1. oben, 
dessen breite Masse auch dem starken Rot der 
Gegenseite das Gleichgewicht zu halten be- 
stimmt ist. 

Der Bankier Jabach [gestorben 1695], von Köln nach Paris über- 
gesiedelt, daselbst Direktor der Ostindischen Gesellschaft und 
Vertrauter Mazarins, ist namentlich bekannt durch seine ausge- 
zeichnete Sammlung von Gemälden und Zeichnungen, die in den 
Jahren 1670 — 1672 durch Colbert an Ludwig XIV. überging und 
heute noch einen hervorragenden Bestandteil der Sammlungen 
des Louvre bildet. Jabach ist hier in seinem Pariser Hotel in der 
Rue Saint - Merry dargestellt. Vgl. Goethe [Dichtung und Wahr- 
heit, Hempelsche Ausg. XXII. 166. und Kunstschätze am Rhein, 
Main und Neckar, Hempelsche Ausg. XXVI. 268], der das Bild zu 
Köln in Jabachs Hause sah, wo es bis 1835 blieb. Erwähnt von 
J. G. Schadow, Kunstwerke und Kunstansichten 1849, S. 275 .". 
Erworben 1837. 

Leinwand, h. 2,76, br. 3,25. 




256 



klang-: Hellblau im Man- 
tel, Goldgelb im Ge- 
wände der kauernden 
Nymphe, Rot [gestärkt 
durch das braunrote In- 
karnat] im Mantel des 
Satyrs beherrscht das 
Bild. Weiß im Gewände 
der sitzenden Nymphe 
dient den sonnigen Far- 
ben als Basis und ver- 
mittelt ebenso wie das 
zumRot komplementäre 
bräunliche Saftgrün des, 
Laubwerks und der 
bunt blühenden Büsche 
mit dem bräunlichen 
Tone der Landschaft 
[Erdboden, Felsen, 

Baumstamm], der mit grauen Tönen gekühlt ist und sich in den gelblichgrauen Wolken 
fortsetzt. Hellblauer Himmel [1. oben], luftige grauviolette und graublaue Töne in der 
Ferne und im Flußspiegel erhöhen die warme sonnige Wirkung des Vordergrundes. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters .•. Königliche Schlösser .". Leinwand, h. 0,97, br. 1,33. 




Französi- 
sche Schule 
des XVI!. 
Jahrhun- 
derts- 

478 



478 Helios und Phaeton mit Saturnus und den vier Jahreszeiten. Der Haupt- 
kontrast [Blau im Gewände des knienden Phaeton, Goldgelb im Mantel Apollons], der 
im goldgelben Tierkreis und im goldgelben Sonnenwagen vor tiefblauem Himmel wieder- 
kehrt, wird durch ein 
zweites, nach der Tiefe zu 
gebrochenes Farbenpaar 
[Mattrot im Gewände der 
sitzenden Allegorie des 
Sommers, Mattgrün im 
Überwürfe des Blumen 
streuenden Frühlings], so- 
wie durch Grau und Weiß 
in seiner Leuchtkraft ge- 
steigert. Nach vorn [kar- 
minvioletter Mantel des 
Herbstes, als trunkener 
Satyr], noch mehr nach 1., 
fällt die bunte Färbung der 
Gewänder über Graublau 




478 A 



257 



Französi- 
sche Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 

1626 



[Saturn] zu Weiß [Win- 
ter], derg-oldig-rotbraune 
Fleischton zu stumpfem 
Grau, mit dem lichten 
graubräunlichen Ton der 
Wolken, die sich nach 
oben zu Rotbraun er- 
wärmen, zusammenge- 
stimmt. 

Königliche Schlösser. 

Leinwand, h. 1,22, br. 1,53. 

478 a Landschaft mit 
Matthaeus und dem 
Engel. Der Zweiklang: 
Goldgelb im Mantel, 
Hellblau im Rocke des 
Matthaeus, durch Weiß [Gewand und Flügel des Engels] in seiner Intensität gesteigert, 
umgeben von dem graubräunlichen Tone des Vordergrunds, beherrscht die Darstellung. 
Der graublaue Flußspiegel vermittelt mit der Ferne. Dort klingt zwischen saftgrünen und 
rotbräunlichen Tönen luftiger der Hauptkontrast wieder [goldig-ockergelb beleuchtete 
Landstriche, graublaue Berge]. Ihm dient das sonnige Weiß der Wolken als Basis, das im 
Gegensatz zu den dunklen bräunlichsaftgrünen Baumkulissen als stärkste Helligkeit wirkt, 
nach oben durch Grau in das helle Blau des Himmels überführt. 




Freie Darstellung des Tibertals bei Acqua Acetosa 
Leinwand, h. 0,96, br. 1,32. 



rben 1873 aus dem Palazzo Sciarra zu Ro 



478 B 




DuQ"het CaspardDughet.gen. 
^ Po u SS in [nach seinem 

Schwager Nicolas Poussin]. Land- 
schaftsmaler, geb. 1613 zu Rom von 
französischen Eltern, gest. daselbst 
den 25. Mai 1675. Schüler Nicolas 
Poussins. Tätig in Rom. 

1626 Römische Gebirgsland- 
schaft. Das einheitliche kühle 
Grün, in den Schattenpartien 
des Vordergrunds durch die 
rotbraune Untermalung er- 
wärmt, geht in das luftige 
Blau der Ferne über unter 
gelblichweißem Horizont, den 
das Grau der Wolken mit dem 
hellen Blau des Himmels ver- 
bindet. Ockergelbliche Töne 
in diagonaler Anordnung, 



258 




durch matte rote, blaue 
und goldgelbe Staffage 
gestärkt, geben die 
Tiefenrichtung an. 

Eine wenig veränderte Wieder- 
holung desselben Motivs in der 
Dresdener Gemäldegalerie |Nr. 
736] .'. Erworben 1904 aus eng- 
lischem Privatbesitz. 

Leinwand, h. 0,95, br. 1,35. 

IVfillpf Fran^ois Millet 
IVllllCL [^^^ilie_ vlämisch Frans 

Mille]. Landschaftsmaler, 

getauft zu Antwerpen den 

27. April 1642, begraben zu 

Parisden S.Juni 1679. Schüler 

Laurens Franckens in Ant- 
werpen und mit diesem schon 

vor seinem 18. Jahre nach 

Paris übergesiedelt. In Paris 

durch das Studium N.Poussins 

und G. Dughets weiter ausgebildet und dort, nach verschiedenen Reisen, bis zu seinem Tode tätig. 

478b Italienische Landschaft. Jenseits des beschatteten dunkelgrünen Vordergrunds 
[mit stumpf roter Staffage] färbt die Abendsonne den grünen Mittelgrund mit gold- 
gelbem Licht. Von 1. [Herde] kräftigen sich die leuchtenden Ockertöne nach r. [Stein- 
bruch]. Über dem graublauen Fluß liegt in blauviolettem Dunst das andere Ufer, unter 
mattgelbem Horizont mit blauvioletten und grauen Wolken. Hellblauer Himmel. 

Erworben 1882 in London .*. Leinwand, h. 0,82, br. 1,03. 

Gelee], gen. Claude Lorrain. Maler und Radierer von 
ne bei Mirecourt in Lothringen um 1600, gestorben zu Rom 
den 21. November 1682. Schüler Agostino Tassis zu Rom, unter dem Einflüsse P. Brils, Annibale 
Carraccis und Elsheimers 
ausgebildet. Tätig vor- 
nehmlich zuRom.vorüber- 
gehend in Nancy [um 
1626]. 

448b Italienische 
Küstenlandschaft. 
Zwei Paare leuchten- 
derFarben : Goldgelb 
[Schäfer] und tiefes 
Blau [Mantel], Kar- 
minrot [Gewand der 
Schäferin] und Blau- 
grün im Rasen, 
zwischen dem sich im 
Erdboden wieder der 
goldgelbe Ton fort- 
setzt, geben dem Vor- 
dergrund die stark 



Französi- 
sche Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 

448 B 



r^lillirlf Claude Gellee [Gillee, seltener ( 
^^ Landschaften, geboren zu Chamagne 




428 



259 



Französi- 
sdie Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 

479 



465 



zurücktreibende Kraft g'egenüber der kühleren 
luftig-en Färbung der Seiten [bräunlichg-raue 
Ruine, grauweißes Zelt] und den duftigen 
Tönen des Mittel- und Hintergrunds. Dort 
klingt das herrschende Goldgelb zwischen 
graugrünen Tönen der Laubwaldung in der 
bräunlichgelben Baumkrone und über grau- 
blauem Meer im sonnigen Dunste des Hori- 
zonts aus. Darüber lichtblauer Himmel. 

Bez. unten in der Mitte: CLAVDE • IN ' F ROM AE 1642 .-. 
Nr. 64 des „Liber Veritatis", des Kataloirs der Bilder Claudes in 
Skizzen .". Die Figuren [nach dem Kataloge der Sammlung 
des Marquis de la Ganay] von Filippo Lauri [Rom, 1623 bis 
1694[, der oft Claudes Landschaften staffiert hat; doch war 
derselbe, als Claude das Bild malte, erst neunzehn Jahre alt .". 
Sammlung Pourtales, Paris 1865 .". Erworben 1880 in Paris aus 
der Sammlung des Marquis de la Ganay. 
Leinwand, h. 0,97, br. 1,31. 

428 Heroische Landschaft. Das warme 
Licht der Abendsonne färbt den Horizont 
mit zartem Gelbrot und taucht das dunkle 
Saftgrün der Waldlandschaft [Hain der 
Egeria] in weichen rötlichen Dunst. Ocker- 
gelbe Lichter erhellen den Erdboden im 
Vordergrund. Dort ist Diana dargestellt, 
den wiederbelebten Hippolyt mit der Nymphe 
Aricia vereinigend [Virgils Aeneis VII. 762 f.]. Der Dreiklang von Goldgelb, Blau und 
Rot in den Gewändern dient wieder dem Zurückweichen der duftig graublauen Ferne. 

Oben klärt sich über rötlichbraunen Abend- 
wolken der hellblaue Himmel auf. 

Die Bez. rechts unten stark verrieben: Claude i . . 165 . . .". Im 
„Liber Veritatis" findet sich unter Nr. 163 eine ähnliche Kompo- 
sition.'. Sammlung Giustiniani, 1815 .'. Leinwand, h. 1,36, br. 1,72. 

\/ _j. Simon Vouet. Geb. zu Paris den 9. Januar 1590, 

V IJLICL grest.daselbstden30.Junil649. SchülerseinesVaters, 

Besonders unter dem Einflüsse der italienischen Kunst 

gebildet. Tätig hauptsächlich in Rom, seit 1627 in Paris. 

479 Verkündigu ng. Die Lichterscheinung färbt 
die Darstellung in gelbbräunlichem Ton. In 
dem Streben nach räumlicher Wirkung sind 
die stärksten Farben r. angeordnet: Hellrot im 
Gewände [bräunlicher in der breiten Fläche 
des Vorhangs], Goldgelb im Umschlage des 
dunkelblauen MantelsderMaria. Licht sammeln- 
des Weiß in den Tüchern vorn treibt das bräun- 
liche Dunkel des Raumes zurück und ver- 
mittelt mit dem luftigeren, vom rotgelblichen 
Lichte der Glorie gefärbten Grauweiß der 





260 



Wolken und Weiß in der Gewandung des 
Engels mit dem warm lichtrötlichen In- 
karnat und gelbbraunen Locken. 

Aus der römischen Zeit des Meisters .*. Sammlung Giustiniani, 
1815 .-. Leinwand, h. 2,90, Ijr. 1,93. 

l\/Fim-> QK/-! Pi^Te Mignard. Maler und Radierer, 
IVll^IlClI U getauft zu Troyes den 17. Novemher 
1612, gestorben zu Paris den 30. Mai 1695. Schüler 
eines sonst unbekannten Malers Boucher zu Bouraes, 
des Bildhauers Fran^ois Gentil zu Troyes und des 
Simon Vouet zu Paris; in Rom durch das Studium 
Annibale Carraccis weiter ausgebildet. Tätig zu 
Rom und Paris [seit 1657]. 

465 Bildnis der Maria Mancini, Nichte 
des Kardinals Mazarin [1639—1715; 
1661 mit dem Fürsten Colonna vermählt]. 
Das lichte, bräunliche Inkarnat, von dunkel- 
braunem Haar umgeben, wird durch rote 
Töne in den Wangen, den Händen und 
durch den Gegensatz zum weißen Hemd 
und zum stumpf blauen Gewände erwärmt, 
vor graubraunem Grund. Dunkelbraune 
Augen, kräftigrote Lippen. Rot im Bänd- 
chen, an dem sie eine Perle hält. 

T P<:ilPlir Eustache 
LiCaUCUI Lesueuroder 

le Sueur. Maler und Ra- 
dierer, getauft zu Paris 
den 19. November 1616, 
gestorben daselbst den 
30. April 1655. Schüler 
Simon Vouets, ausgebildet 
durch das Studium der 
Werke Raffaels und N. 
Poussins. Tätig zu Paris. 

466 Der hl. Bruno in 
seiner Zelle. Das 
gelbliche Grauweiß 
der Karthäusertracht 
bestimmt die matte, 
kraftlose, auf bräun- 
liches Grau gestimmte 
Gesamtfärbung. Das 
ockergelbliche Inkar- 
nat ist mit Lichtrot 
erwärmt. Gelbbraun 
im Tisch und Bet- 
schemel 1. als körper- 




Französi- 
sehe Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 

466 



Königliche Schlösser .*. Leinwand, h. 0,75, br. 0,62. 




471 



261 



Französi- 
sche Schule 
des XVII. 
Jahrhun- 
derts 



hafteste Farbe läßt die Figur in den Mittelgrund zurückweichen. Die von ockergelb- 
lichgrauen und stumpf blaugrünen Tönen in Graublau übergehende luftige Färbung im 
Türausschnitt r. setzt die Bewegung nach der Tiefe fort. 



Scheint nicht zu der Folge von Darstellungen aus der Legende des hl. Bruno zu gehören, die [früher im Karthäuser Kloster 
zu Paris] sich jetzt im Louvre befindet, obwohl die Maße des Bildes nahezu die gleichen sind .*. Königliche Schlösser 
Leinwand, h. 1,93, br. 1,41. 



Leb 



run 



485 A 



Charles Lebrun oder le Brun. Maler und Radierer, geh. zu Paris den 24. Februar 1619. 

gestorben daselbst den 12. Februar 1690. Schüler Fran^ois Perriers und Simon Vouets zu Paris, 
in Rom unter Nie. Poussin und dem Einfluß Annibale Carraccis weiter ausgebildet. Tätig zu Paris, wo 
er die Academie Royale de Peinture begründet. 

471 Bildnis des Kölner Bankiers Eberhard Jabach mit seiner Familie. In der 
rechten Gruppe [die Mutter Marie d'Egrotte mit vier Kindern] sind lichte Farben in 
buntem Spiel vereint: Hellgelb in der Tunique der Tochter, Hellblau im Mieder der 
Mutter bilden den Mittelpunkt, von dem aus die Färbung nach den Seiten und nach 
oben [über das rosige, durch den Gegensatz zu Weiß erwärmte Inkarnat] allmählich 
in den kühlen grauen Gesamtton übergeht. Auf Hellgelb folgt Orange in der Tunique 
der Mutter, Karminrot im Sammetkissen, auf dem das jüngste Kind sitzt, durch Oliv- 
grün im Sitz und im Fußkissen ergänzt, dann, auf den Beschauer zustoßend, Zinnober- 
und Gelbrot unten im Teppich, während helles Blaugrau mit zinnoberroten Mustern im 
Kleide der r. stehenden Tochter in den kühlen Grundton überleitet. In den Bilder- 
rahmen der Wände klingt das Goldgelb gedämpfter wieder. Nach 1. vermittelt der blau- 
graue Rock der Mutter zwischen Orange und den lichteren und zarteren Farben: Grau- 
blau [Rock] und Rosa [Mieder der anderen Tochter], die zu dem Grauschwarz in der 

sen breite Masse auch 
dem starken Rot der 
Gegenseite das Gleich- 
gewicht zu halten be- 
stimmt ist. 



Kleidung, Grau- 
blau in den Strüm- 
pfen des Vaters 
und der tonigeren, 
auf Graubraun und 
Graublau ge- 

stimmten Färbung 
der 1. Seite führen. 
Als stärkste Farbe 
wirkt hier Gold- 
gelb [Minerva- 
büste, Figuren des 
Himmelsglobus]. 
Mattrot [Tuch auf 
dem Globus und 
Rock des im Spie- 
gel sichtbaren 
Malers] stehen im 
Kontrast zum mat- 
ten Grün im Vor- 
hang 1. oben, des- 




Der Bankier Jabadi [gestorben 
1695], von Köln nach Paris über- 
gesiedelt, daselbst Direktor der 
Ostindischen Gesellschaft und 
Vertrauter Mazarins, ist nament- 
lich bekannt durch seine ausge- 
zeichnete Sammlung von Gemäl- 
den und Zeichnungen, die in den 
Jahren 1670—1672 durdl Col- 
bert an Ludwig XIV. überging 
und heute noch einen hervor- 
ragenden Bestandteil der Samm- 
lungen des Louvre bildet. Jabach 
ist hier in seinem Pariser Hotel 
in der Rue Saint-Merry darge- 
stellt. Vgl. Goethe ]Dichtung und 
Wahrheit, Hempelsche Ausg. 
XXll. 166, und Kunstschätze am 
Rhein, Main und Neckar, Hem- 
pelsche Ausg. XXVI. 268], der 
das Bild zu Köln in Jabachs Hause 
sah, wo es bis 1835 blieb. Er- 
wähnt von J. G. Schadow, Kunst- 
werke und Kunstansichten 1849, 
S. 275 .-. Erworben 1837. 

Leinwand, h. 2,76, br. 3,25. 



262 



Französischer Meister um 1700 

485a Bildnis eines jungen Gelehrten. 
Das Bild ist einheitlich in kühlem Blaugrau 
[grauschwarzes Gewand, grauer Hinter- 
grund] gehalten, aus dem frisch, in rötlichen 
Tönen, das von dunkelbrauner Perücke 
umgebene AntUtz und die Hände hervor- 
kommen. Weiß erhöht noch die warme 
Wirkung des Inkarnats. Die Rechte ruht 
auf weißer Papierrolle mit der Zeichnung 
einer anatomischen Figur. 

Erworben 1873 in Florenz .■. Leinwand, h. 1.25, br. 0,93. 




Französi- 
sche Schule 
des XVII. 
und XVIII.' 
Jahrhun- 
der s 
484 A 



T ii-/-rilli Ai-r:» Nicolas de Largilliere. Geboren 
L.drg^lliiere ^u Paris den 9. oder 10. Oktober 

1656, Gestorben daselbst den 20. März 1746. Schüler 

des Antonius Goubou zu Antwerpen und des Sir 

Peter Lely in London. Tätig in Antwerpen, einige Zeit 

in London und vornehmlich zu Paris [seit 1678]. 

484a Bildnis des Landschaftsmalers Jean 
Forest [1636 — 1712], des_Schwieger- 
vaters des Meisters. Leuchtendes Karminrot im Sammetrock ist durchsichtig über 
Orangegelb lasiert.' Ohne Lasur erscheint Orangegelb in der Hose. Goldgelbe Borten 
und Weste, weißes Hemd überführen in das lichte ockergelbliche, mit roten und grauen 
Tönen durchsetzte Inkarnat. Rotbraune Töne, ansetzend in der Pelzfütterung des Rockes, 
mit Grau durchsetzt im Polster des Stuhles, im Landschaftsbild 1. vermitteln zwischen 
dem leuchtenden Rot und dem reinen Grau der 
Wand. L. als Gegengewicht zum Kopf kräftiges 
Ultramarinblau im Himmel des Gemäldes. 

Eine Originalwiederholung im Museum zu Lille .■. Erworben 
1875 in Paris. 

Leinwand, h. 1,17, br. 0,88. 

484b Largillierre? Bildnis eines jungen Edel- 
mannes. Die kühlen Töne des bräunlichgrauen 
Brustharnischs, der hellblauen Schärpe, des 
weißen Hemds und des Kragens, werden von 
gedämpftem Zinnoberrot in den Armein und 
Hosen umgeben. Über der kalten Mitte er- 
hebt sich das lichte ockergelbe, in den Schatten 
graubraune Inkarnat, vom Dunkelbraun der 
Perücke weich in die gleichfarbige Architektur 
und das schwärzliche Graublau des Hinter- 
grunds I. überführt. 

Erworben 1863 .-. Leinwand, h. 0,85, br. 0,65. 




484 B 



263 



Französi- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 
468 



474 B 




Wi, Antoine Watteau. Ma- 

a.ttCa.U ler und Radierer, getauft 
zu Valenciennes [in Flandern] den 
10. Oktober 1684, gestorben zu No- 
gent bei Vincennes den 18. Juli 1721. 
Schüler des Claude Gillot und des 
Claude Audran zu Paris, durch Stu- 
dien nach Rubens und Paolo Veronese 
weiter ausgebildet. Tätig zu Paris, 
kurze Zeit in England [1720 21]. 

468 Die französische Komö- 
die. Während die grauen und 
gelblichbraunen Töne der 
Gruppe 1. im kühlen grünlichen 
Tone des Hintergrunds, in den 
sich gelbliches und rotbraunes 
Laubwerk, Blaugrün der Ferne, 
Graublau des Himmels mischen, 
aufgehen, liegt der farbige Nachdruck auf der hellbeleuchteten rechten Seite, dem leuchten- 
den Zinnoberrot in der Tracht des vom Rücken gesehenen Tänzers, vor luftigen bläulich- 
weißen Tönen, umgeben von Gelb [Begleiterin des in Grauschwarz gekleideten Scaramuz r.] 
und Hellblau im Mantel des durch den Köcher als Apollo gekennzeichneten Herrn. Dessen 
rosafarbenes Gewand leitet in die luftigeren Töne des Mittelgrundes über: Grauviolett in 
der Tracht der als Bacchus charakterisierten Person, gelbliches Grau im graublau beschatteten 
Pfeiler, Weiß im Tuch. Davor als zurückschiebender Farbfleck die Menuettänzerin in 
dunklen Tönen [dunkelblauer Rock, bräunlichviolette Taille]. Rot klingt überall im Inkarnat 
neben graublauen Schatten wieder. 

Bekannt unter dem Namen „L'Amour au Theätre Frani;ais" [Goncourt, Catalogue raisonne usw. Nr. 65] .'. Gegenstück zu 
Nr. 470 .-. Königliche Schlösser .'. Leinwand, h. 0,37, br. 0,48. 

470 Die italienische 
Komödie. Vor dun- 
kel graugrünlichem 
Grund, der r. durch 
bläuliche und ocker- 
gelbe Töne im Him- 
mel etwas erhellt 
wird, steht in gelb- 
licher Fackelbeleuch- 
tungdieSchauspieler- 
gruppe. Mattrote[be- 
sonders im Fleisch], 
hellblaue und grau- 
blaueTöne, überall in 
den Kleidern ver- 
streut, unterbrechen 
den herrschenden 




264 




gelbbräunlichen Ton. Neben dem 
dieLautespielendenPierrotsteht 
Colombine in gelbem, blauge- 
streiftem Kleid, ihr zur Seite in 
grauschwarzem Kostüm derDot- 
tore di Bologna. Die Trachten 
Harlekins und des fackelhalten- 
den Mezzetin sind blau und rot 
gemustert. Die beiden äußersten 
Figuren r. [Scapin undBrighella?] 
in dunklen Gewändern. 

Bekannt unter dem Namen „L'Amour au 
Theätre Italien" [Goncourt.Catologueraisonne 
usw. Nr. 69] .". Gegenstück von Nr. 468 .'. 
Königliche Schlösser. 

Leinwand, h. 0,37, br. 0,48. 



474b Gesellschaft im Freien. Die Malerei ist unvollendet, daher die feine, matt 
schillernde Färbung, an den Ton verschossener Gobelins erinnernd. Zwischen dem luftigen 
Blaugrün des Laubwerks [mit gelblichweißem Himmel und bläulicher Ferne weich ver- 
schwimmend] und bräunlichem Rot und Goldgelb der Gewänder, der kräftig roten Zeich- 
nung des ockergelben, mit bläulichen Schatten modellierten Inkarnats, dem ockergelblich- 
grauen Vordergrunde vermitteln gelbbraune Töne im Laubwerk der Mitte nach unten 
zu die durchscheinende braunrote Grundierung. Der Hauptakzent liegt seitlich der Mitte 
im hellroten Kleide der Dame, die den in bräunliches Goldgelb gekleideten zudringlichen 
Liebhaber abwehrt. Diese beiden Nuancen, nach r. [tanzendes Paar] in bräunlichgelbe und 
mattrote Töne ausklingend, werden durch die umgebenden kühlen Töne, vor allem kräftiges 
Blaugrün [Dame am Brunnen], lichtes Hellblau [Dame] und die zurückweichenden luftigen 
silbergrauen und violetten Töne [Lautenspieler] 
der Mitte in ihrer Wirkung erhöht. In der Seiten- 
gruppe r. kehrt das kräftige Blaugrün wieder 
[Dame mit Notenbuch, Dame 1.] mit rosaroten 
Tönen abwechselnd, die sich nach dem Bildrande 
wieder zu bräunlichem Rot und Goldgelb er- 
wärmen. 

1889 aus den Königlichen Schlössern überwiesen. 
Leinwand, h. 1,11, br. 1,63. 

474a Das Frühstück im Freien. Gegen das 
Grün der Landschaft [von bräunlichem Gelb- 
grün vorn zu Blaugrün im Hintergrund und in 
das kalte Hellblau des Himmels übergehend] 
steht, durch Grauweiß [Strümpfe, Tuch] in seiner 
leuchtenden Kraft gesteigert, Rot [Herr 1.], das 
ganz zart im Horizont und neben grauen Schatten 



Französi- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

470 




474 A 



265 



Französi- 
sche Schule 
des XVIII. 

Jahrhun- 
derts 

473 



1668 




Pierre Dulin und Claude Gillot zu Paris. Nachfolg-er Watteaus. 



im Inkarnat [hier erwärmt durch 
den Gegensatz der schwarzen 
und dunkelblauenTaillen] nach- 
khngt. Nach r. kühlt sich die 
Färbung über mattes Gelbrot 
und Grauweiß [Röcke der Da- 
men] zu Weiß im Tuch ab, um 
im bräunlichgoldgelben Anzug 
des Herrn r. sich wieder zu er- 
wärmen. 

Bekannt unter dem Namen ,.La Colation" 
[Concourt, Catalogue raisonne usw. Nr. 118] 
.'. Sammlung Leonard, Köln 1865 .'. Samm- 
lung Suermondt, 1874. 

Leinwand, h. 0,35, br. 0,30. 

I Nicolas Lancret. 

".IlLl CL Geboren zu Paris den 

22. Januarl 690, gestorben daselbst den 

14. September 1743. Schüler des 

Tätig zu Paris. 

473 Schäferszene. Nach dem beherrschenden Silbergrau im Seidenkleide der Tänzerin 
sind alle umgebenden Töne gebrochen [mattgelblicher Anzug des Tänzers, ockergelb- 
liches Kornfeld usw.]. Den grauen Tönen ist zartes Violett und Mattrot der Tunique, 
Rosarot und Hellblau der Gewandschleifen untergeordnet, gewinnt aber nach rechts zu 
immer selbständigere Bedeutung [mattgelbes Kleid der Dame, violettes Gewand des 
Herrn mit dem weißen Hund] bis zu starkem Zinnoberrot [Hackebrettspieler]. Dieses 
findet in den luftig blaugrünlichen Tönen der Landschaft, die weich mit dem von weiß- 
grauen Wolken bedeckten hellblauen Himmel verschwimmen, seine Ergänzung. 

Königliche Schlösser .". Leinwand, h. 0,54, br. 0,69. 

Pierre J. Angeliis [An- 
gillisj. Geb. zu Dünkirchen 
den 5. Nov. 1685, gest. angeblich 1734 
in Rennes auf der Rückreise von Italien. 
Tätig in Antwerpen [1715 16 alsMeister 
in der Lukasgilde], London [seit 1719], 
in Italien [seit 1728], in Frankreich und 
vorübergehend in Düsseldorf. 

1668 Die Annäherung. Die 
locker behandelte bräunliche 
Gesamtfärbung, in die sich das 
Saftgrün des Laubwerks mischt, 
steigert sich zu bräunlichem 
Ockergelb [Erdboden, Rock des 
jungen Mannes] und zu mattem 
Ziegelrot[RockderjungenFrau], 
dessen Nuance durch die kühlen 
silbrigen Lichttöne, durch Weiß 




Angin 



266 



[Busentuch, Kragen] und den rosigen Ton 
des Inkarnats bestimmt wird. Den ocker- 
gelben Tönen entspricht helles Graublau 
[Schürze der jungen Frau, Himmel]. Grau- 
blau, Ockergelb und Ziegelrot wiederholen 
sich gedämpfter in den Figuren der Ferne, 
bei wärmerem braunrotem Inkarnat. 



Bez. rechts unten: P. J v. Angellis F. 1725 
aus dem Münchener Kunsthandel. 
Leinwand, h. 0,345, br. 0,425. 



Erworben 1908 




Französi- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

469 



"TP^^ ^ jean-Fran9ois deTroy. Maler und Radierer, 
■^ ' *-^y getauft zu Paris den 27. Januar 1679, gestorben 
zu Rom den 26. Januar 1752. Schüler seines Vaters 
Fran^ois; in Rom und später durch das Studium nach 
Rubens und Paolo Veronese weiter ausgebildet. Tätig 
zu Paris und Rom [Direktor der französischen Aka- 
demie daselbst von 1738 bis zu seinem Tode]. 

469 Das Frühstück. Blaugrün der Bäume, 
lichter sich wiederspiegelnd in der Tisch- 
platte, und kaltes Blau des Himmels bilden 
den Hintergrund für die in warmen Tönen 

gehaltene Figur. Das lichte ockergelbliche Inkarnat umgibt leuchtendes Rot der Feder- 
boa, das, kontrastierend mit Blaugrün, in der Fütterung des Kastens, als Reflex im 
Gesicht, und gedämpft im Bezug der Stuhllehne wiederkehrt. R. überwiegen, im Gegen- 
satze zu Blau [das sich in der Tasse 
wiederholt], bräunlichgoldgelbe Töne 
in Mieder und Stuhllehne, ganz matt 
ausklingend in den Wolken. 

Bez. links unten: DETROY. 1723. .-. Erworben 1843 
aus der Sammlung Reimer in Berlin. 
Leinwand, h. 0,34, br. 0,25. 

P Antoine Pesne. Maler und Radierer, 

1 CallC geboren zu Paris den 23. Mai 1683, ge- 
storben zu Berlin den 5. August 1757. Schüler 
seines Vaters Thomas und seines Oheims Charles 
de la Fosse zu Paris. Nach einer italienischen 
Reise [mit Aufenthalt in Rom und Venedig] 
tätig vornehmlich zu Berlin [Hofmaler seit 1711]. 

489 Bildnis Friedrichs des Großen. 
Das leuchtende [über Orange lasierte] 
Rot des Sammetmantels und reines 
Orange im Bande des Schwarzen 
Adlerordens [mit dem Dunkelblau im 
Sammetärmel kontrastiert] ist, ebenso 
wie das lichtrötliche, mit Braun mo- 
dellierte Inkarnat, vom Grauweiß der 
Perücke, von hellen weißgrauen Tönen 




489 



267 



Französi- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

489 B 




494 



im Hermelin, mit bräunlichen und bläulichen Tönen 
gemischt, im Hintergrund und Dunkelblaugrau 
im Harnisch umgeben. 

Gemalt 1739 zvi Rheinsberg, wie auf der Rückseite vermerkt ist, ein 
Jahr vor der Thronbesteigung Friedrichs |1712 — 1786] .'. Erworben 
1841 von Schulrat Eggers in Neustrelitz .-. Leinwand, h. 0,78, br. 0,63. 

489b Bildnis einer jungen Frau. Aus dunkel- 
graubraunem Grund kommt licht und kühl das 
Inkarnat hervor, mit hellen graubräunlichen Tönen 
modelliert, mit Zinnoberrot in den Lippen, den 
Augenwinkeln usw. Blaugrün [im Halsband, im 
Ohrgehänge, der Schleife im grau gepuderten 
Haar, mit rotbraunen und gelbbraunen Tönen zu- 
sammengestrichen, in der skizzenhaft behandelten 
Taille] und Weiß [Hemd] dienen der Wirkung 
des Fleischtons. Die unten sichtbare r. Hand ist 
in braunen Mischtönen nur angedeutet. 

Alter Besitz .-. Leinwand, h. 0,60, br. 0.47. 

494 Bildnis des Kupferstechers G. F. Schmidt und seiner Gattin. Goldgelb [Rock 
der Frau] und Rot [Kissen, auf das sie den Arm stützt, Haarschmuck, Polsterlehne] sind mit 
Braun gebrochen und auf den stumpf rotbraunen Ton der Kupferplatte, auf gleichfarbigem 
Tisch, gestimmt. Die rotbraunen Töne der r. Seite [Rock und Mütze des Künstlers, der 
die Contes von Lafontaine — aufgeschlagen ist „La chose impossible" — hält], sind stärker 
durch Grau gekühlt und bilden wie das Blaugrün in der Taille der Frau den Übergang 
zum bräunlichen Grau des Hintergrundes. Licht kommt aus dem graubräunlichen Gesamt- 
ton das ockergelbliche, mit Rot 
erwärmte Inkarnat hervor. 

Bez. rechts oben: Ant. Pesnc pinxit 1748 .". 
Georg Friedrich Schmidt, 1712 bei Berlin 
geboren, war vermählt mit Dorothea Luise 
Videbant, der Tochter eines Berliner Kauf- 
manns, und starb 1775 .*. Erworben 1845 
aus dem Besitze des Hofrat Ternite in Berlin. 
Leinwand, h. 1,10, br. 1,26. 

496b Bildnis des Malers mit 
seinen zwei Töchtern. 
Stumpfes Braunrot im Sammet- 
rocke des Malers und die um- 
gebenden rotbräunlichen Töne 
der 1. Seite werden durch das 
kontrastierende Blaugrün in 
der Tischdecke r. [dort kehren 
die rötlichen Töne im Buch 
wieder] in die überwiegenden 
graublauen und grauen Tönen 




268 




[Perücke, Häubchen, gepudertes 
Haar, Spitzen usw.] überführt, aus 
denen sich, vor dunklem bräun- 
lichgrauem Grund warm das lichte 
ockergelbliche, mit Zinnoberrot 
[besonders in den Lippen] durch- 
setzte Inkarnat löst. Mit dem 
schillernden Blaugrau im Seiden- 
kleide der r. sitzenden Tochter 
kontrastiert Mattgelb im Kleide 
der stehenden, zugleich vermit- 
telnd mit der wärmeren Färbung 
der 1. Seite [durch Schwarz im 
Umhang in den Hintergrund über- 
führt]. Durch kräftiges Zinnober- 
rot in der Rose [über der Schul- 
ter des Malers] ist die Mitte 
nochmals nachdrücklich betont. 
Mattere hellrote und hellblaue 
Flecken [Blumen, Bänder] sind 
allenthalben zur Belebung der 
gebrochenen Töne verteilt. 

•Bez. rechts unten: ant Pesne au . . Ses Deux fille Peint p . . luy mesme 1754 .-. Erworben 1903 vom Freiherrn von Berks 
in Bosnien, in dessen Familie das Bild durch Erbgang von einer der Töchter Pesnes gelangt war .". Leinwand, h. 1,76 br. 1 50. 

TrinOUPSSP ^' ^' Trlnquesse. Geburts- und Todesjahr unbekannt. Schüler des Nicolas Laro-illiere. 
M Tätio-in derzweitenHälftedeslS. Jahr- 

hunderts in Paris und im Haag- [1767 als Meister in 
die Gilde aufg-enommen]. 

487a Bildnis einer jungen Dame. Gelb- 
rot im Kleid mit gelblichgrauen Schatten, am 
Busen mit roten und weißen Blumen ge- 
schmückt. Die schillernde Wirkung der Seide 
ist durch eine pastellartig strichelnde Tech- 
nik erzielt. Das Inkarnat in rosigen Tönen, 
mit weißen Glanzlichtern, mit kräftigem 
Rot in den Wangen, durch bläulichweiße 
Rüschen gegen das gelbrote Kleid abgesetzt. 
Graublaue Schatten im Inkarnat, Blaugrau 
im gepuderten Haar, Hellblau und Weiß in 
den Schleifen und Federn am Kleid und im 
Haar sowie Graublau im Notenblatt bringen 
die Figur dem hellgrauen, 1. ins Bräunliche 
spielenden Hintergrund näher. 

Bez. rechts im Grunde: L. R. Trinquesse. fecit. 1774 .-. Er- 
worben 1874 in Paris .-. Leinwand, h. 0,98, br. 0,77. 



Französi- 
sche Scliule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

496 B 




487 A 



269 



Französi- 
sche Schule 
des XVIII. 
Jahrhun- 
derts 

1669 



ttmSmeen^Sim 




"1 (""Karrlin Jean-Baptiste- 
1 V-^narain Simeon Char- 
'\ j!_ r*-! ^.. D_^- 



494 C 



din. Geboren zu Paris 
den 2. November 1699, 
gestorben daselbst den 
6. Dezember 1779. Schüler 
des N. N. Coypel. Tätig 
zu Paris. 

1669 Stilleben. Der 
bräunliche Ton des 
Hintergrundes und 
des Bodens ist dünn 
über die durchschim- 
mernde hellgraue 
Grundierung gelegt. 
Als stärkste Farbe 
wirkt das leuchtende 
Kupferrot des Kessels [mit grauem Einsatz und Henkel], das, im Kontrast zu blau- 
grünen Tönen [schwärzlichgrüne Flasche, Zwiebelstaude], im Flaschenpfropfen, in den 
Rändern der Blätter und im Griff des schwärzlichbraunen Tiegels wiederkehrt. Grün- 
liche Äpfel m.it goldgelben Lichtern. Die grünen Töne lichten sich nach 1. zu grün- 
lichem Weiß [Zwiebelstaude] auf. Die Basis für die gebrochenen Töne gibt das kalte 
bläuliche Weiß der Eier in der Mitte. 

Erworben 1908 als Geschenk des Herrn F. Kleinberger, Paris. 
Leinwand, h. 0,48, br. 0,805. 

(~lKP117f> J«'a" Baptiste Greuze. Geboren zu Tournus [bei Mäcon] den 21. August 1725, gestorben 

VJICUZ.C ^^ p^^j^ j^^ 21. März 1805. Schüler eines sonst unbekannten Malers Gromdon [Charles 

Grandon ■^l zu Lyon in Paris als Schüler der Akademie weiter ausgebildet. Nach einer italienischen 

Reise [1755—1756] tätig zu Paris. 



494c Junges Mädchen. Ein zarter grauer Ton 
dämpft alle Farben. Stumpf gelbbraunes, von 
blaugrauem Band durchflochtenes Haar umrahmt 
das mit graubräuniichen Tönen durchsetzte, mit 
zartem Rot erwärmte Inkarnat, das weich und 
licht aus grauweißem Hemd und grauschwarzem 
Gewand hervorkommt. Grauer Grund. 




Bez. rechts oben: J. B. Greuze. — Auf der Rückseite: J. B. GREUZE. 
Ce 16. Juillet 1787 .-. Erworben 1873 als Geschenk I. M. der Kaiserin 
Friedrich, die es im Kunsthandel zu Augsburg gekauft hatte. 
Leinwand, h. 0,38, br. 0,30. 



270 



VERZEICHNIS DER KÜNSTLERNAMEN 



[Die beigesetzten Ziffern entsprechen den Seitenzahlen] 



Albani, Francesco 209, 210 
Aleg-retto Nuzi . . 15, 16 
AUegri s. Correggio 
Amerighi s. Caravaggio 
Andrea di Giusto . . 36 
Angelico, Fra, da Fie- 
sole 28 — 31 

Angellis [Angillis], 

Pierre .... 266, 267 
Antonello da Mes- 
sina 115—117 

Antonello daSaliball6, 117 
Antonio da Crevalcore 83 
Antonio s. Pisano 
Aspertini, Antonio 83, 84 

Bacchiacca, Francesco 

[Ubertini] gen. 150—152 
Barbari, Jacopo de' 112, 113 
Barnaba da Modena . . 25 
Bartolo di Maestro 

Fredi 20, 24 

Bartolommeo, Fra, della 

Porta 142 

Basaiti, Marco 127, 128 

Bassano, Francesco [da 

Ponte] gen 187 

Bastiani, Lazzaro .. .. 110 
Batoni, Pompeo Giro- 

lamo . . . . 235, 236 
Bazzi s. Sodoma 



Bellini, Gentile . . . . 112 
Bellini, Giovanni 117 — 121 
Bellini, Jacopo . . . . 103 
Belliniano, Vittore . . 127 
Beiotto, Bernardo 

[Canaletto] gen. 232, 233 
Benozzo Gozzoli . . 32, 33 
Bertucci, Gio. Battista73, 74 
Bianchi s. Ferrari 
Bicci di Lorenzo . . . . 12 
Bissolo, Francesco . . 130 
Bizamano, Angelo . . 2 
Boccati, Giovanni 68, 69 
Boltraffio, Gio. Antonio 158 
Bonifacio [de' Pitati] 

Veneziano . . 174, 175 
Bonsignori, Francesco 138 
Bonvicino s. Moretto 
Bonzi, Pietro Paolo . . 212 
Bordone, Paris . . 180, 181 
Borgognone, Ambrogio 

85, 86 
Botticelli, Sandro 46—50 
Brescia um 1530-40, 

Schule von 200 

Brescianino, Andrea del 143 
Bronzino, Angelo 153 — 155 
Bugiardini, Giuliano . . 144 
Buonfigli, Benedetto . . 69 
Byzantinische Schule des 

XV. Jahrhunderts .. 2 



Byzantinische Schule [Kreta] 
des XVI. Jahrhunderts 3 

Byzantinisch-Russische 
Schule des XVll. Jahr- 
hunderts 4 

Calcar, Giovanni da . . 179 
Calderari, Gio. Maria 

[Zaffoni] gen. 181, 182 
Caliari s. Veronese 
Cambiaso, Luca . . . . 219 
Campana, Pedro . . . . 238 
Canaletto, Gio. Antonio 

[da Canale] gen. 231, 232 
Canaletto s. Beiotto 

Cano, Alonso 242 

Caravaggio, Michelangelo 

da 212-215 

Carpaccio, Vittore 113 115 
Carracci, Agostino . . 205 
Carracci, Annibale . . 206 
Carreno, Juan . . . . 246, 247 
Castagno, Andrea . . 41 
Catena, Vincenzo 131-133 
Cerano s. Crespi 
Cerezo, Matteo . . . . 248 
Cerquozzi, Michel- 
angelo . . . . 215, 216 
Chardin, Jean-Baptiste 

Simeon 270 

Cignani, Carlo . . . . 210 



271 



Cima da Conegliano, 

Gio. Batt. . . 122-126 
Claude Gellee, gen. 

Lorrain .... 259, 260 
Coello, Alonso Sanchez 239 
Colteliini, Michele .. 101 
Conti, Bernardino de' 

87, 88 
Corneille de Lyon . . 255 
Correggio, Antonio, 

[Allegri] gen. . . 202, 203 
Cosimo s. Piero 
Cossa, Francesco . . 96 
Costa, Lorenzo . . 99, 100 
Cotignola, Girolamo 

[Marchesi] da .. .. 156 
Credi, Lorenzo di . . 61 
Crespi, Gio. Bat- 

tista .... 222, 223 

Crevalcore s. Antonio 
Crivelli, Carlo.. 106-108 

Daddi, Bernardo.. 11-13 
Defendente s. Ferrari 
Dellaurana, Luciano 79, 80 

Dolci, Carlo 220 

Domenichino . . 208, 209 
Domenico Veneziano . . 37 
Dossi, Dosso . . 165, 166 
Duccio di Buoninsegna 16 
Dughet, Gaspard 258, 259 

Fabriano s. Gentile 
Fasolo, Bernardino .. l64 
Ferramola, Floriano . . 195 
Ferrara um 1460 70, 

Schule von 98 

Ferrara um 1480, 

Schule von . . . . 97, 98 
Ferraresischer Meister 

um 1530 170 

Ferraresischer Meister 
um 1539 170 



Ferrari, Defendente . . 87 
Ferrari, Francesco Bian- 

chi 101 

Ferrari, Gaudenzio 163, 164 
Feti, Domenico . . 219, 220 
Fiesole s. Angelico 
Fiorenzo di Lorenzo 69, 70 
Florentinische Schule 

um 1350 .... 10, 11 
Florentinische Schule 

um 1375 14 

Florentinische Schule 

um 1400 14 

Florentinische Schule 

um 1430 33 

Florentinische Schule 

um 1450 36 

Florentinische Schule 

um 1460 42 

Florentinische Schule 

um 1500 63 

Florentinische Schule 

um 1520 145 

Florentinische Schule 

um 1525 153 

Florentinische Schule 

um 1530 152 

Fogolino, Marcello 200, 201 
Foppa, Vincenzo .... 84 
Fori! s. Melozzo 
Fouquet, Jean . . . . 255 
Francesca, Art des Piero 

della 79,80 

Francesco di Giorgio, 

Art des 67 

Francia, Francesco 81, 82 
Francia, Giacomo 82, 83 
Francia, Giulio . . 82, 83 
Franciabigio, Frances- 
co 149, 150 

Francucci s. Imola 
Französischer Meister 
um 1410 . . 254, 255 



Französischer Meister 
um 1700 263 

Gaddi, Agnolo, Art des 13 
Gaddi, Taddeo . . 8—10 
Garbo, Raffaellino 

del 54-56 

Gariani, Giov. Busi 173, 174 
Garofalo, Benvenuto 

[Tisi] gen 169 

Gellee s. Claude 

Genga, Girolamo.. .. 145 

Gentile da Fabriano 67, 68 

Gentileschi, A 215 

Gerino da Pistoja . . 76 
Ghirlandaio, Benedetto 58 

— Davide 58 

— Domenico . . . . 56 — 59 

— Ridolfo 143 

Giampietrino s. Pedrini 
Giolfino, Niccolö.. .. 202 
Giordano, Luca 221, 222 

Giorgione 171 

Giotto 8 

Giovanni da Milano . . 13 
Giovanni di Paolo 63, 64 
Goya, Francesco 249, 250 
Gozzoli s. Benozzo 
Granacci, Francesco 

57, 59, 142, 143 
Greuze, Jean-Baptiste 270 
Guardi, Francesco 233, 234 
Guercino, Giov. Fr. . . 209 

Jacopo da Valenzia .. 111 

Imola, Innocenzo [Fran- 
cucci] da 155 

Inganatis, Petrus de . . 130 

Italienischer Meister 

um 1650 211 

Kempeneer s. Campana 



272 



Lancret, Nicolas . . . . 266 
Larg-illiere, Nicolas . . 263 
Lebrun, Charles . . . . 262 
Leonardo da Vinci 157, 158 
Leonbruno, Lorenzo . . 162 
Lesueur, Eustache 261, 262 
Liberale da Verona 138, 139 

Liberi, Pietro 225 

Libri, Girolamo dai . . 201 
Lionardo, s. Leonardo 
Lippi, Filippino . . 51, 52 
Lippi, Fra Filippo 38, 39 
Lippo Memmi .. 19, 20 
Lombardische Schule 

um 1480 .... 84, 85 
Lombardische Schule 

um 1520 85 

Longhi, Luca . . 156, 157 
Longhi, Pietro . . . . 230 
Lorenzetti, Ambrogio 22, 23 
Lorenzetti, Pietro 21, 22 
Lorenzo Monaco .... 28 
Lorenzo Veneziano 25, 26 
Lorrain s. Claude 
Lotto, Lorenzo 192—194 
Luini, Bernardino 159—162 
Lutero s. Dossi 

Machiavelli, Zanobi . . 33 
Mailändische Schule 

um 1600 223 

Mainardi Bastiano 59 — 61 
Maineri, Gian Francesco 

de' 98, 99 

Mansueti, Giovanni . . 115 
Mantegna, Andrea 91—93 
Maratta, Carlo 217, 218 

Marchesi s. Cotignola 
Marinas, Henrique de las 249 
Marmion, Simon 252-254 
Marziale, Marco 126, 127 

Masaccio 34-36 

Matteo di Giovanni 65, 66 



Mazzola, Filippo .. 102, 103 
Mazzolini, Lodovico 

166—168 
Meldolla s. Schiavone 
Melozzo da Forli . . 76, 77 
Melzi, Francesco . . 158, 159 
Memmi s. Lippo 
Messina s. Antonello 
Mignard, Pierre . . . . 261 
Millet, Fran9ois . . . . 259 
Modenesischer Meister 

um 1520 102 

Monaco s. Lorenzo 
Montagna, Bartolommeo 

136, 137 
Montemezzano, Francesco 

191, 192 
Morales, Luis de . . . . 239 
Moretto, Allessandro 

[Bonvicino] gen. . . 197 
Morone, Francesco . . 139 
Moroni, Gio. Battista 1 94, 195 
Murillo, Bartolome 

Esteban . . . . 247, 248 

Neroccio di Bartolommeo 66 
Nuzi s. Alegretto 

Oberitalienscher Meister 
um 1500 88 

Oberitalienischer Meister 
um 1510 140 

Oberitalienische Schule 
des 17. Jahrhunderts 

210, 211 

Oggiono, Marco d' . . 163 

Padua um 1470—80, 

Schule von 93 

Palma d. A., Giacomo 

171—173 
Palmezzano, Marco 75, 76 
Panetti, Domenico . . 100 



Panini, Gio. Paolo . . 235 
Parentino, Bernardo 90, 91 
Pedrini, Giovanni 162, 163 
Pennacchi, Pier Maria 

111, 112 
Pesellino, Francesco 36, 37 
Pesne, Antoine 267-269 
Piero di Cosimo . . 62, 63 
Piero s. Francesca 
Pinturicchio, Bernardino 

72,73 
Piombo, Sebastiano 

del 178, 179 

Pisanello s. Pisano 
Pisano, Antonio 137, 138 
Pitati s. Bonifacio 
Pollaiuolo, Antonio del 42 
Pollaiuolo, Piero del 42, 43 
Ponte s. Bassano 
Poussin, Gaspard, s. Dughet 
Poussin, Nicolas 256—258 
Previtali, Andrea 133, 134 
Procaccini, Giulio Cesare205 
Pseudo-Basaiti . . 128, 129 
Pseudo-Boccaccino . . 131 

Raffaellino s. Garbo 
Raffaello, Santi ..146-148 
Raibolini s. Francia 
Reni, Guido .... 207, 208 
Ribera, Jusepe de 245, 246 
Roberti, Ercole de' 96, 97 
Robusti s. Tintoretto 
Roelas, Juan de las 238, 239 
RömischeSchule um 1600 211 
Romagna um 1330 — 50, 

Schule der 26 

Romanino, Girola- 
mo 198-200 

Rosa, Salvator . . 220, 221 
Rosselli, Cosimo . . 40, 41 
Rossi s. Salviati 
Rotari, Pietro . . . . 230 



273 



Sacclii, Pier Francesco 

88, 89 
Saliba s. Antonello 
Salvi s. Sassoferrato 
Salviati, Francesco [Rossi] 

de' 153 

Santa Croce, Francesco 

da 134,135 

Santa Croce, Girolamo 

da 135,136 

Santi, Giovanni . . 70, 71 
Santi s. Raffaello 
Sarto, Andrea del 148, 149 
Sassetta, Stefano di 

Giovanni gen. . . 64, 65 
Sassoferrato, Gio. Battista 

[Salvi] gen. ..216,217 
Savoldo, Gio. Girolamo 

196, 197 
Schiavone, Andrea 

[Meldolla] gen. 186, 187 
Schiavone, Gregorio . . 90 
Sebastiano s. Piombo 
Sellaio, Jacopo del 53, 54 
Siena um 1350, Schule 

von 20, 21 

Siena um 1360, Schule 

von 24 

Siena um 1350 — 80, 

Schule von .... 25 

Siena um 1450—80, 

Schule von . . . . 66, 67 
Signorelli, Luca . . 77 — 79 
Simone Martini . . 16 — 18 



Sodoma, Gio. Antonio 

[Bazzi] gen. . . 164, 165 
Solario, Andrea . . . . 86 
Spagna, Giovanni di 

Pietro gen. lo . . 71, 72 
Spanische Schule um 1600 

244, 245 
Squarcione, Francesco 

89, 90 
Strozzi [?], Bernardo 

218, 219 

Taddeo di Bartolo, 

Art des 24, 25 

Tiepolo, Gio. Battista 

225—229 
Tintoretto, Jacopo 

[Robusti] gen. 182-185 
Tisi s. Garofalo 
Tiziano Vecellio 175 — 177 
Toskanische Schule 

um 1250 7 

Trinquesse, L. R 269 

Troy, Jean-Franfois de 267 
Tura, Cosma .... 94 96 
Tzane, Emanuel .... 3 

Ubertini s. Bacchiacca 

Ugolino 18, 19 

Umbrische Schule um 

1480 70, 71 

Umbrisch-Florentinische 

Schule um 1490 74, 75 



Valenzia s. Jacopo 

Vanni, Andrea . . . . 21 

Vannuccio, Francesco 

di 23, 24 

Vecellio s. Tiziano 
Velazquez, Diego 240-242 
Venetianischer Meister 

um 1500 122 

Venetianische Schule 

um 1450 108 

Venetianische Schule 

um 1515-25 . . . . 182 
Venetianische Schule 

um 1590 191 

Veronese, Paolo [Caliari] 

gen 188-191 

Verrocchio, Andrea 

del 43-46 

Vinci s. Leonardo 
Vivarini, Alvise 108—110 
Vivarini, Antonio 104, 105 
Vivarini, Bartolomeo . . 105 
Vouet, Simon . . . . 260, 261 

Watteau, Antoine 264—266 

Zacchia d. Ä., Paolo . . 144 
Zaffoni s. Calderari 
Zaganelli, Francesco 80, 81 
Zampieri s. Domenichino 
Zoppo, Marco . . 93, 94 

Zuccaselli, Fr 236 

Zurbaran, Francisco de 

243, 244 



274 



INHALTS-VERZEICHNIS 



Vorwort 

Zur Geschichte der Gemälde- 
galerie 

Byzantinische Schule . . . . 
Italienische Schulen 

13. Jahrhundert 
Toskana 

14. Jahrhundert 

Florenz 

Umbrien 

Siena 

Modena 

Venedig 

Romagna 

15. Jahrhundert 

Florenz 

Siena 

Umbrien 

Umbrisch-Toskanische 

Schule 

Romagna 

Bologna 

Lombardei 

Padua , 

Ferrara 

Modena 

Parma 

Venedig 

Bergamo 

Vicenza 

Verona 

16. Jahrhundert 

Florenz 

Bologna 



Seite 

Vll 
IX 

1 

5 



8 
15 
16 

25 
25 
26 

28 
63 

67 

76 

80 

81 

84 

89 

94 

101 

102 

103 

133 

136 

137 

142 
155 



Seile 

Romagna 156 

Lombardei 157 

Siena 164 

Ferrara 165 

Venedig 171 

Bergamo 192 

Brescia 195 

Vicenza 200 

Verona 201 

Parma 202 

17. Jahrhundert 

Bologna 205 

Rom 211 

Genua 218 

Mantua 219 

Florenz 220 

Neapel 220 

Mailand 222 

18. Jahrhundert 

Venedig 225 

Rom 235 

Spanische Schule 237 



16. Jahrhundert 

17. Jahrhundert 

18. Jahrhundert 

Französische Schule 

15. Jahrhundert 

16. Jahrhundert 

17. Jahrhundert 

18. Jahrhundert 



Verzeichnis 
namen . . 



der Künstler- 



238 
240 
249 

251 
252 
255 
256 
264 

271 



275 



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GERMANISCHE LÄNDER 



DEUTSCHE SCHULEN 



DEUTSCHE SCHULEN 
DES XIII. UND XIV. JAHRHUNDERTS 




West- 
fälische 

Schule 
um 1200 
bis 1230 

1216AAltar- 
aufsatz in 
drei Ab- 
teilungen. 
Die Felder 

begrenzen plastisch gehöhte, reich ornamentierte und vergoldete Bänder. Auf Goldgrund 
bunte Farbflächen, vor allem kräftiges Zinnoberrot und Hellblau zwischen Olivgrün und 
Ockergelb, mit schwarzer Zeichnung. Ockergelbliche Fleischfarbe mit grünen Schatten 
und zinnoberroten Flecken. Links: Christus vor Kaiphas. — Mitte: Kreuzigung. Das 
Kreuz ist plastisch gehöht und, wie die Schilde der Soldaten, vergoldet. Unter den Kreuz- 
armen r. die Synagoge, 1. die Eclesia. — Rechts: die Marien am Grabe. 

Hervorragendes Werk der ältesten deutschen Tafelmalerei aus der Wiesenkirche zu Soest, für deren älteren Bau es wohl ur- 
sprünglich gemalt war, vermutlich von einem Soester Meister. Unter byzantinischem Einfluß entstanden, wie besonders das 
Seitenbild der Myrrophoren am Grabe bezeugt .■. Das Altarwerk, ursprünglich ein Superfrontale, ist wohl eine Zeitlang als 
Antependium benutzt worden und war daher in den unteren Teilen stark beschädigt. Neuerdings derartig restauriert und 
ergänzt, daß durch den andern Ton des Grundes [ohne Gold] die neu hinzugefügten Teile erkennbar sind .*. Erworben 1862 
aus der Wiesenkirche zu Soest .'. Aufgestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 

Tempera. Pergament auf Eichenholz, h. [bis zur Rundung des Mittelbildes] 0,81, br. 1,94. 

Westfälische Schule um 1250 bis 1270 

1216b Altaraufsatz. Die Dreieinigkeit mit Maria und Johannes d. Ev. Die 
Felder durch plastische, vergoldete Säulen und Rundbogen getrennt. Die Zeichnung 
der Gewänder schwarz, der hellrötlichen Fleischteile rotbräunlich. Vor goldenem Grund 
wirkt als Hauptfarbe Rot [Mäntel der drei Figuren], mit weißlichblauen [Kopftuch 
Maria, Gewänder Gott- 
Vaters und Johannis] 
und stumpferen saft- 
grünen,ockergelblichen 
und bräunlichen Tönen 
kontrastierend. Gold- 
verzierte Gewänder. 

Große Ähnlichkeit zeigt die Be- 
handlung der Gestalten in den 
Wandmalereien derNikolaikirche 
zu Soest, so daß diese wohl mit 
allem Recht demselben Meister 
zugeteilt werden .*. Von dem- 
selben Künstler ein Madonnen- 
bild im Museo Nazionale zu Flo- 
renz [aus der SammlungCarrand], 
kleiner und ft;iner als unsere 
Tafel .•. Stammt wie das vorige 



Deutsche 
Schulen des 
XIII. Jahr- 
hunderts 

1215A 




1216 B 



Deutsche 

Schulen des 

XIII. und 

XIV. Jahr- 

hunder ts 

1570 




Bild aus der Wiesenkirche zu Soest, scheint aber für 
eine ältere Kirche daselbst gemalt gewesen zu sein .*. 
1862 aus der Wiesenkirche zu Soest erworben .". Auf- 
gestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Tempera. Eichenholz, h. 0,71, br. 1,20. 

Nieder- 
sächsische 
Schule des 
13. Jahr- 
hunderts 

1570 Altarbild 
in Kleeblatt- 
form. Oben: 
Krönung Ma- 
ria. — Unten: 

Christus am Kreuz und die hll. Maria, Johannes, Katharina und Aegidius. — Links: Oben 
Christus vor Kaiphas, darunter die Geißelung. — Rechts: Oben die Auferstehung, dar- 
unter die Kreuztragung. Die Darstellungen, durch zinnoberrote Bänder getrennt, heben 
sich in tiefschwarzer, die bräunlichen, mit Graugrün modellierten Fleischteile in dunkel- 
brauner Zeichnung kräftig vom goldenen Grund ab. Die Umrisse füllen grelle Lokalfarben, 
besonders Zinnoberrot [Mäntel Maria und Christi oben, Lendentuch Christi, Mantel Johannis 
unten, Schriftzeichen usw.] und Dunkelblau; dazwischen verstreut Rosa [Mantel Maria neben 
dem Kreuz, Frau r. in der Kreuztragung usw.] und Saftgrün. Goldgezierte Gewänder. 

Erworben 1868 aus der Aegidiuskirche zu Quedlinburg .'. Aufgestellt 
in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Tempera. Tannenholz, h. 1,70, br. 2,85. 

Westfälische Schule um 1400 

1217 Vera Icon. Das graubraune, von dunkelbrau- 
nem Haar umrahmte Antlitz vor vergoldetem Oval 
[mit eingeprägter Verzierung]. In den grünlich- 
blauen, mit goldenen Sternen übersäten Zwickeln 
zwölf anbetende Engel mit rötlichgrauem Inkarnat 
und gelbbraunem Haar. Dunkelsaftgrüner, rot 
ornamentierter Rahmen. 

Erworben 1843 .•. Aufgestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Tempera. Eichenholz, h. 0,495, br. 0,35. 

Oberdeutscher[?] Meister um 1400 

1620 Diptychon. Links: Christus am Kreuz zwi- 
schen Maria und Johannes. Rechts: Christus als 




Schmerzensmann mit 
dem geistlichen Stif- 
ter und Maria. — 
VorgraubräunHchem 
Grundmit erhabenem 
Goldmuster zarte auf 
Grau gestimmteTöne 
[1. bräunlichweißer 
Körper Christi an 
graubraunem Kreuz, 
violettgraues Ge- 
wand Johannis; r. 
in weißer, bräunlich 
getönter Mandorla 
die gelbbräunliche 

Gestalt des Schmerzensmanns, davor in rosafarbener und weißer Tracht der Stifter]. 
Dunkles Blau im Gewände Marias und der Glorie r. [mit weiß aufgesetzten Gestalten 
Gott-Vaters mit Engeln] entspricht sich auf beiden Bildhälften. Dunkelgrüner Erdboden. 

Früher in südfranzösischem Privatbesitz /. Erworben 1900 in München als Geschenk 
deutschen Bildwerke .'. Eichenholz, jede Bildhälfte h. 0,34, br. 0,265. 




Deutsche 
Schulen des 
XIV. Jahr- 
hunderts 

1620 



Aufgestellt in der Abteilung der 



Kölnischer Meister um 1350 

1627 Diptychon. Innenseiten, links: Maria mit dem Kinde. Vor reich mit erhabenem 
Rankenornament geziertem Goldgrund Karminrot [Mantel Maria, Rückwand und Ver- 
zierungen des grauen Throns usw.] und Saftgrün [Mantelumschlag Marias, Thronfüllungen]. 
Dazwischen Graublau [Gewand Marias] und Grauviolett [Kleid des Kindes]. Gelbbrauner 
Fleischton. — Rechts: 
Christus am Kreuz. Die 
Färbung entspricht der 
Gegenseite, ist aber um 
Goldgelb [Kopftücher] 
und Grauviolett [Mantel 
Johannis] bereichert. — 
Außenseite, rechts: 
Verkündigung. Auf ro- 
tem Grund. 

Das Diptychon befand sich in den 

60 er Jahren des 19. Jahrhunderts 

beim Küster von St. Georg zu Köln 

.*. Erworben 1902 von Sir Charles 

Robinson in London .■. Eigentum 

des Kaiser-Friedrich-Museums-Ver- 
eins .•. Aufgestellt in der Abteilung 

der deutschen Bildwerke. 

Tempera. Eichenholz , jede 
Hälfte [ mit dem Original- 
rahmen] h. 0,49, br. 0,34. 




1627 



Deutsche 
Schulen des 
XIV. Jahr- 
hunderts 

1216 




Niederrheinischer Meister 
um 1325—1350 

1216 Joseph erkennt in Maria die Mutter des 
Heilands. Den Hauptkontrast bilden bräunlichrote 
und blaugrüneTöne [Architektur mit gelbroten Profilen 
und ockergelbem Sitz] vor Goldgrund. Die Gewänder 
mit braunroten Falten sind dunkelgrün und rot ge- 
mustert, auf goldenen und silbernen Gründen. Die 
Rückseite [Ausschnitt aus einer größeren Tafel] zeigt 
den oberen Teil einer Christusgestalt vor gotischer 
Architektur. 

Auf den Spruchbändern die Inschrift; vere * apvd ' te " est • fons • uide 
[vitae] und dominvs ■ possedit ' me .■. Die Behandlungsweise scheint auf den 
Niederrhein hinzuweisen, wofür auch die hiolzart der Tafel spricht .*. Von 
demselben Meister, vielleicht von demselben Altar, eine Krönung der Maria 
zwischen zwei Engeln, in der Galerie von Sigmaringen .'. Sammlung Solly, 
1821 .". Aufgestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Tempera. Eichenholz, h. 0,38, br. 0,27. 

Böhmische Schule um 1350 

1624 Maria mit dem Kind und derStifterErnst 
von Prag. Zwischen leuchtendem Zinnoberrot 
im Mantelumschlag und tiefem Ultramarinblau im 
Gewände Marias vermittelt das kühlere Rot der 
Außenseite des Mantels. Gegen Zinnoberrot steht 
Gelbgrün im goldgemusterten Kleide des Kindes, 
dessen Farbe sich in der Bank und lichter in den 
Thronsäulen wiederholt, gegen Blau das Ocker- 
gelb des Thronbaues, das zum Goldgrund über- 
leitet. Ein schimmernd weißes Kopftuch umrahmt 
das bräunlichgraue Antlitz. Goldene Nimben, 
Krone, Zepter und Reichsapfel. Oben klingen 
bunt schillernd die Hauptfarben wieder: karmin- 
violette Fialen, gelbgrüne Bogen, rote und blaue 
Einzelheiten, vor zinnoberrotem Teppich, den 
Engel in hellblauen Gewändern mit gleichfarbigen 
Flügeln halten. Der krönende Engel in goldenem 
Mantel, mit dunkelblauen Flügeln. Unten der 
Stifter in ultramarinblauem, innen gelbgrünem 
Ornat über silbernem Chorhemd. 

Nach einer Notiz auf der Rückseite von der Hand des Historienmalers 
Ludwig Bittner in Glatz [I.Hälfte des 19. Jahrhunderts] stammt das 
Bild aus der Minoritenklosterkirche auf dem Sand zu Glatz, wohin es, 
wahrscheinlich als Geschenk Ernsts, des ersten Erzhischofs von Prag, 
der in der Stadtpfarrkirche zu Glatz begraben liegt [•i*1364], um 1350 
gelangte .*. Erworben 1902 aus dem Gymnasium zu Glatz .". Eigentum 
des Kaiser-Friedrich-Museums-Vereins .'. Aufgestellt in der Abteilung 
der deutschen Bildwerke Tempera. Pappelholz, h. 1,86, br. 0,95. 



DEUTSCHE SCHULEN 
DES XV. UND XVI. JAHRHUNDERTS 



Ober- 
deutsche 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1662 




1208 
1209 



OBERDEUTSCHE SCHULE 
DES XV. JAHRHUNDERTS 

Süddeutsche Schule um 1410 

1662 Christus am Kreuz. Dunklem Blau im 
Mantel Marias entspricht leuchtendes Rot im 
Mantel Johannis, dessen Wirkung durch Gelb- 
g-rün im Mantelumschlag noch gesteigert wird, 
vor goldenem Grund mit eingeprägten Nim- 
ben. Ein weißes, in den Schatten graublaues 
Tuch umhüllt die Hüften des gelbbräunlichen, 
an goldgelbbraunem Kreuz mit blauen Nägeln 
befestigten Körpers Christi. 

Erworben 1908 in St. Petersburg. 
Tannenholz, h. 0,85, br. 0,81. 

D 1.L ] J Meister Berthold [vielleicht identisch 
'-^^* LIUJIU jjijj Berchtold Landauer, gestorben 
zwischen 1430 und 1432]. Maler und Bildschnitzer, 
tätig- in den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts 
zu Nürnberg. Von ihm der Imhofsche Altar in der S. Lorenzkirche zu Nürnberg. Hauptmeister der alten 
Nürnberger Schule. 

1207-1210 Zwei Altarflügel mit Innen- und Außen- 
bildern. Die Tafeln sind jetzt auseinandergesägt, so 
daß die vier Bilder nebeneinander hängen. 

1208 Linkes Außenbild. Maria mit dem Kinde. In 
bräunlichkarminrotem, innen grünem Mantel, auf saft- 
grünem Boden stehend, vor schwärzlichblauem, gold- 
gestirntem Hintergrund. Lichter bräunlicher Fleischton. 
Goldene Nimben. Das Wappen zeigt weiße Balken 
auf rotem Feld. 

1209 Rechtes Außenbild. Der hl. Petrus Martyr. In 
schwarzem, im Umschlage rotbräunlichem Mantel über 
bräunlichweißem Gewand, auf saftgrünem Boden. Rot- 
bräunlicher Fleischton. Auf dem Haupt die rote Wunde. 
Auf rotem Schild weiße und schwarze Balken. 

1207 Linkesinnenbild. Die hl. Elisabeth von Thüringen. 
In hellblauer Tracht mit leuchtend rotem Mantelum- 
schlag. Sie reicht dem Bettler ein gelbes Brot. Unter 
rotem Baldachin, auf gelbgrün und karminrot ge- 
färbtem Sockel. Goldgrund. 

1210 Rechtes Innenbild. Johannes der Täufer. In 
goldgelbbraunem Gewand, das ein leuchtend roter, 




10 




im Umschlag dunkel- 
blauer Mantel deckt. 
Braunrotes Inkarnat. 

Auf den Außenbildern die 
Wappen der Nürnberger Fami- 
lien Deichsler [links] und Zeu- 
ner [rechts]. Nach einer hand- 
schriftlichen Notiz Waagens 
stammen die Flügel von einem 
Altar in der vormaligen Do- 
minikanerkirche zu Nürnberg, 
den ein Berchtold Deichsler 
[gestorben 1418 oder 1419] 
gestiftet hatte; ein Brett von 
dem geschnitzten Mittelstück 
des Altars enthielt den Namen 
„Berchtold Deychsler". Da- 
gegen erklärt Waagen in 
seinem Handbuch, daß nach 
urkundlicher Nachricht die 
Familie Deiclisler jenen Altar 
im J. 1400 in die jetzt abge- 
tragene Katharinenkirche zu Nürnberg, in der auch v. Murr einen von den Deichsler gestifteten Altar anführt, gestiftet 
habe. — Der dunkle Grund mit den goldenen Sternen gehört einer alteren Restauration an. .'. Erworben 1844 .•. Aufgestellt 
in der Abteilung der deutschen Bildwerke .'. Weißtannenholz, je h. 1,57, br. 0,37. 

Böhmisch- Schlesische Schule um 1400 

1221 Verspottung- Christi. Zinnoberrot im goldverzierten Gewände Christi, vor ge- 
dämpft weißem Thron, kehrt in den Trachten zweier der ihn peinigenden Knechte wieder. 
Rot entspricht wechselseitig Gelbgrün in den 
Kleidern der beiden anderen. Dazwischen r. und 
1. Hellultramarinblau. Die vorderen Figuren in 
gebrochenen graublauen, rötlichen und grün- 
lichen, mit Gold gezierten Gewändern. Stumpf 
graubrauner Fleischton. Goldgrund. 

Gegenstück zu Nr. 1219 .". Erworben 1841 .". Aufgestellt in der 
Abteilung der deutschen Bildwerke. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,30, br. 0,23. 

1219 Kreuzigung. Vor goldenem Grund Chri- 
stus am Kreuz in graubraunen Tönen, die sich 
in den Pferden und den silbernen Rüstungen 
fortsetzen. Zwischen den gebrochenen rosa- 
roten, hellgelbgrünen und bräunlichen Tönen 
des Vordergrundes erscheinen neben dunklem 
Blau einige kräftig zinnoberrote Flecken. 

Gegenstück von Nr. 1221 .■. Erworben 1841 .". Aufgestellt in der 
Abteilung der deutschen Bildwerke. 

Tempera. Pappelholz, h. 0,30, br. 0,23. 



Ober- 
deutsche 
Schule des 
XV. Jahr-- 
hunderts 

1221 
1219 



UltbCIier Muoltscher. 



tscher. Zeichnet sich Hanss 
Maler und Bildhauer in Holz 
und Stein, geboren um 1400 zu Reichenhof en bei Leutkirch, 
1467 zu Ulm als verstorben erwähnt. Tätig^ zu Ulm 
zwischen 1427 [in diesem Jahre daselbst als Bürger auf- 
genommen] und 1467, in Sterzing 1457. 




^'IfSB 




1207 
1210 



11 



Ober- 
deutsche 
Sdiule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1621 
lft21 A 



1621 B 
1621 C 



1621— 1621g Acht 
Tafeln mit Dar- 
stellung-en aus 
dem Marienleben 
und der Passion 
Christi [zwei Al- 
tarflügel mit je zwei 
Darstellungen über- 
einander auf der 
Vorder- und Rück- 
seite]. Der bräun- 
liche Ton der Unter- 
malung tritt beson- 
ders im Fleisch, 
neben den weiß- 
lichen Lichtern zu- 
tage. Rotbraunes 
Haar. Die Haupt- 
farben in den Ge- 
wändern sind Zin- 
noberrot, auch Kar- 
minrot, und Gelb- 
grün, schwärzliches 
Blau und Gelb, vor 
ockergelber und 
rotbrauner Archi- 
tektur. In einigen der mehr im Tone gehaltenen Darstellungen [1621, 1621 d] treten 
nach Grau gebrochenes Karminviolett und Graublau auf. Weiß dient den bunten Farben 
als Basis. An Stelle des Himmels Goldgrund. 

1621 Geburt Christi. Blaugrau [Rock], Karminviolett [Mantel Josephs, Gewand Marias] 
und schwärzliches Blau [Mantel Marias] vor weißlichen Tönen des Hintergrunds. 

1621a Anbetung der Könige. Maria in dunkelblauem Mantel, vor zinnoberrotem Vor- 
hang. Das zinnoberrote, goldgelb gemusterte Gewand des knienden Königs hebt sich 
von gelbgrünem Kleid des hinter ihm stehenden ab. Der Mohrenkönig in bräunlichem Gelb. 

1621b Pfingstfest. Vor gelbgrünem Vorhang leuchtend rote Gewänder, von denen sich 
wieder gelbgrüne Flächen im Vordergrund absondern. Maria in Dunkelblau. 

Oben am Gewölbe die Bezeichnung des Meisters. S. unter Nr. 1621 G. 

1621c Tod Maria. Gegen die zinnoberrote, goldgelb gemusterte Bettdecke steht Gelb- 
grün im Mantel des knienden Apostels in der Mitte. Der Kniende 1. in Hellkarmin 
und Dunkelblau. Die Mitte wird durch Gelb im Rocke des Petrus betont. In den Ge- 
wändern der übrigen Apostel wechseln Zinnoberrot, Grün, Weiß und Blau. 

Am unteren Rande die Bezeidinung des Meisters. S. unter Nr. 1621 G. 




12 



1621d Christusam 
Olberge. Karmin- 
violett im Rocke 
Christi [vor saft- 
grünem Rasen], im 
Kleide des hinteren 
Apostels, etwas 
wärmer in demjeni- 
gen r. vorn [unter 
weißem Mantel] er- 
wärmt sich zu mat- 
tem Rot im Mantel 
Petri. In der den rot- 
braunen Zaun über- 
steigenden Rotte 
wird das Grau der 
Rüstungen durch ge- 
brochen rote Flecke 
und Mattgelb im 
Rocke des Judas be- 
lebt. 

1621e Christusvor 
Pilatus. L. haben 
Gelbgrün [Gewand 
des Pilatus, des 

Pagen, des Soldaten, Thronvorhang] und Zinnoberrot [Tuch, Gewand des Hohenpriesters 
und seines Nachbarn, Kleider der beiden Pagen 1.] das Übergewicht. R. kühlere Töne: 
Karminviolett [Christus], Grau [Rüstungen] und Dunkelblau. 

1621f Kreuztragung. Christus in karminviolettem Gewand vor unruhig bunten Farben. 
Der Henkersknecht r. in gelbgrünem Gewand mit zinnoberroten Ärmeln, Joseph von 
Arimathia 1. in goldgelbem Mantel, der gegen das blaue Kleid Marias steht. 

1621g Auferstehung Christi. Aus hellockergelblichem Grab, vor gleichfarbigem Felsen 
geht Christus in rotem Mantel hervor, dessen Farbe im dunkelblau gestreiften Mantel des 
Wächters r. und neben Goldgelb und Blau in der Tracht des Wächters 1. wiederkehrt. 

Aufder Tafel des Marientodes [Nr. 1621 C] steht in einer Reihe die Inschrift : „bitte • got ■ für • hanssen • muoltscheren • vö ■ 
richehof? ■ bürg' ■ ze ■ ulm • haut ■ dz werk • gemacht • do mä • zalt ■ M" CCCC ■ XXX ■ XVII." Auf der Tafel des Pfingst- 
festes [Nr. 1621 B] steht HANS NVOLTS-CER VO RICHE | HOVEN HAVT GE. — Aus der früheren Zeit des Meisters. — 
Die acht Tafeln bildeten ursprünglich zwei auf beiden Seiten mit je zwei Darstellungen übereinander geschmückte Altarflügel. 
Nach Analogie des Sterzinger Altars dürfen wir die Bilder so geordnet denken : bei geschlossenen Flügeln : oben links 
Christi Geburt, rechts die Anbetung der Könige; unten links das Pfingstfest, rechts der Tod Maria. Bei geöffneten Fügein: 
eben links die ölbergszene, rechts Christus vor Pilatus; unten links die Kreuztragung, rechts die Auferstehung Christi. 
Vielleicht stand die Auferstehung oberhalb der Tafel mit Christus vor Pilatus. Die Flügel verschlossen einen Altarschrein, der 
vermutlich die Kreuzigung in Schnitzerei barg. — Ehemals in der Galerie des Grafen Truchseß von Waldburg, die vor 1803 
nach England geschafft und dort verkauft wurde. .". Erworben 1900 als Geschenk des Sir Julius Wernher in London .*. Auf- 
gestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke .". Tannenholz, jede Tafel h. 1,48, br. 1,40. 




Ober- 
deutsche 
Schule lies 
XV. Jahr- 
hunderts 

1621 D 
1621 E 



1621 F 
1621 G 



13 



Ober- 
deutsche 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 




1205 
1206 



W*i Konrat Witz. Geboren um 1398 wahrscheinlich zu 
IlZ Nantes, gestorben vor dem 5. August 1447. Tätig in 
Konstanz [1412—1427, 1418 als Steuerzahler urkundlich 
erwähnt]. Rottweil [um 1427 bis um 1431], Basel [1431 
bis 1444], Genf [1444]. 

1656 Christus am Kreuz. Vor gelbgrüner Wiese, 
die der graue Weg durchschneidet, hellkarmin- 
rote Gewänder der beiden Seitenfiguren, kühler 
im Mantel Johannis, wärmer im graublau gefütter- 
ten Mantel des Stifters. Nach dem Mittelgrund 
zu wächst die Leuchtkraft der Farben. Dort 
bricht, durch den unvermittelten Kontrast zu 
Gelb 1. und Zinnoberrot r. [die stützenden Frauen] 
zu stärkster Kraft gesteigert, helles Ultramarin- 
blau in der Gewandung Marias hervor. Dieses 
verbreitet sich nach der Tiefe weiter im blauen 
See [in dem sich blaugrün die in luftigen blauen 
Tönen gehaltenen Uferberge spiegeln] und im 
hellblauen Himmel, vor dem in lichtem Grau 
der Körper Christi an dunkelbraunem Kreuz steht. Auch hier werden die blauen Töne 
von Gelb und Rot begleitet [Horizont und Wolken, die von der r. hinter Wolken stehenden 
Sonne gefärbt werden]. Lichter ockergelblicher Fleischton mit dünnen roten Lasuren. 

Erworben 1908 aus Londoner Privatbesitz .■. Von Holz auf Leinwand übertragen, h. 0,34, br. 0,26. 

Mittelrheini- 
scher Meister 
um 1440 

1205 Maria mit dem 
Kinde. Kaltes Karmin- 
rot im Mantel Marias, 
leuchtendes Gelbgrün 
im Mantelumschlag, 
im Lilienstengel und 
stumpfer im Thron- 
teppich. NachderMitte 
zu kühlen sich die Far- 
ben noch mehr ab: 
Violettgrau im Kleide 
des Kindes, Weiß in 
den Lilien und im Kopf- 
tuch, aus dem warm 
das zarte, von silber- 
grauen Tönen durch- 





14 



setzte Antlitz Marias, von gelbbraunem Haar umg-eben, hervorkommt. Bräunlichgrauer 
Thron und Boden, auf dem in weißem Chorhemd der geistliche Donator kniet. Nach 
dem Bildrande zu kräftigen sich die Farben: hellblaue Thronvorhänge neben karminroten 
Wandstreifen und karminviolett, goldgelb, weiß gefärbter Baldachinbehang. — Rückseite 
[abgetrennt]: Anbetung der Könige. Auch hier sind die Farben auf den kühlen bräun- 
lichgrauen Ton der Architektur gestimmt. Kaltes Karminrot [Mantel Marias über dunkel- 
blauem Gewand], dunkler im goldgelb gemusterten Brokatgewande des knienden Königs, 
Hellkarmin im grau gestreiften Kleide des Jünglings in der Mitte werden begleitet von 
Gelbgrün [Mantelumschlag Marias, Gürtel und Tasche des knienden Königs, Gewand 
des Königs r.]. Wenige Flecke leuchtenden Zinnoberrots [Beinkleider des 1. stehenden 
Königs], Rot und Goldgelb im Teppich r. lassen die Gesamtstimmung noch kühler 
erscheinen, während wiederum Weiß, Hellblau [Gewand des Mannes in der Mitte] und 
Graublau [Mantel Josephs] den zarteren Tönen mehr Kraft verleihen. An Stelle des 
Himmels Goldgrund. 

Bildete mit Nr. 1206 zusammen die Flügel eines Altars, dessen mittlerer Teil verschollen ist. Von diesem, um 1440 am Mittel- 
rheine tätigen Meister befinden sich mehrere Tafelbilder in Darmstadt ■-■ Sammlung Solly, 1821 .■. Aufgestellt in der Abteilung 
der deutschen Bildwerke .". Weißtannenholz, h. 2,02, br. 1,08. 

1206 Die Dreieinigkeit. Leuchtendes Zinnoberrot in den seitlichen Wandstreifen und 
im Mantel Gott -Vaters, von dem sich kühl der graubräunliche Körper Christi, von weißem 
Lendentuch umhüllt, abhebt, beherrscht die Tafel, noch gestärkt durch den Kontrast zu 
Gelbgrün im Mantelumschlag und im Thronteppich. Rötliches Inkarnat, silbergrauer Bart, 
goldgelbe Krone Gott -Vaters. Hellblaue Vorhänge. — Rückseite [abgetrennt]: Vor- 
gang aus der Geschichte des hl. Kreuzes. Vor hellvioletter Kirchenfassade und grün- 
licher Mauer r. bilden 
wiederum kaltes Karmin- 
rot [mit grauweißem Pelz 
besetzter Mantel Kaiser 
Konstantins, Gewand der 
Frau ganz r., dunkler im 

goldgelb gemusterten 
Brokatgewand Helenas] 
und Gelbgrün [Ornate 
des Bischofs und der Dia- 
kone mit goldgelbem, kar- 
minrot gemustertem Be- 
satz über weißen Chor- 
hemden,Gewändereinzel- 
nerZuschauer] denHaupt- 
kontrast. Dazwischen ist 
Zinnoberrot, Blau und 
Weiß in einzelnenFlecken 
verstreut. 

Gegenstück von Nr. 1205 .■. Samm- 
lung Solly, 1821 .-.Aufgestellt in der 
Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Weißtannenholz, h. 2,02, br. 1,08. 



Ober- 
deutsche 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 





1205 
1206 



15 



Ober- 
deutsche 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1629 A 

1629 

1629 B 



Schongauer ^/j,"^^*;" 

gauer. Maler und Kupfer- 
stecher, geboren zu Kolmar 
um 1445, g-estorben in Brei- 
sach den 2. Februar 1491. 
Tätior vornehmHch in Kolmar. 

1629 Geburt Christi. 
Emailartig leuchtendes 
Rot im Mantel Josephs, 
das gedämpfter in der 
auf den Boden ge- 
breiteten Decke r. und 
bräunlich gebrochen 
im Rocke des Hirten 
mitgelbbraunemStroh- 
hute wiederkehrt, vor 
leuchtendem Grün der 
Landschaft.Dunkelblau 
im Mantel Marias, das 

sich in der Landschaft und stumpfer im Gewände des Hirten r. wiederholt. Maria mit 

rotbraunem Haar. Rotbrauner Felsen und graues Sparrenwerk vor graublauem Himmel. 

Warm rotbraune Fleischfarbe. Ganz r. in bräunlichgrauer Kutte ein Mönch [der Stifter?]. 

Auf dem ockergelblichgrauen Boden bräunlichweiße Säcke. Weißer Horizont. 

Vgl. Nr. 1629 A und 1629B, die vielleicht ursprünglidi als Fliigelbilder zur Geburt Christi gehörten .*. Erworben 1902 aus dem 
Londoner Kunsthandel .'. Eigentum des Kaiser -Friedrich - Museums-Vereins .'. Eichenholz, h. 0,375, br. 0,28. 




1629 A 
1629 B 



1629a — 1629b Zwei Altarflügel. Die Farben sind stumpfer und weniger klar. 

Innenseiten. 1629a Linker Flügel. Oben: Kreuztragung. Nach dem Kupferstiche 

Schongauers [Bartsch 16]. Rot [Mantel Veronikas über 
gelbgrünem Gewand] und Dunkelblau, vor lichtroten und 
grauen Mauern. — Unten: Kreuzigung. Nach dem Kupfer- 
stiche S.'s [Bartsch 17]. Zu denselben Farben tritt Gold- 
gelb [Turban und Handschuhe des Longinus], vor saft- 
grüner Landschaft mit blaugrüner Ferne und Himmel. 

1629b Rechter Flügel. Oben: Grablegung Christi. Nach 
dem Kupferstiche S.'s [Bartsch 18]. Leuchtend roter, innen 
saftgrüner Mantel Johannis mit goldgelbem Haar. Maria 
in dunkelblauem Gewand. — Unten: Auferstehung Christi. 
Nach dem Kupferstiche S.'s [Bartsch 20]. Dunkelkarmin- 
roter Mantel Christi, zinnoberrote Fahne und Kopfbe- 
deckung des Wächters 1., Dunkelblau und Gelb in den 
Trachten der übrigen Wächter. Vor saftgrüner Landschaft 
mit blaugrüner Ferne. 




16 



Außenseiten: Vor dun- 
kelblauem Grund und saft- 
grünem Erdboden. Golde- 
ne Nimben, karminrot und 
saftgrün verziert.— 1629 a 
Linker Flügel: Der hl. 
Jakobus d.A. In violettem, 
innen karminrotem Man- 
tel über bräunlichsaftgrü- 
nem Gewand, ein blau 
gebundenes Buch hal- 
tend.— 1629ß Die hl. Mag- 
dalena. In zinnoberrotem 
Mantel und bräunlichkar- 
minrotem Gewand mit 
bläulichweißen Ärmeln. 
Weißer Turban auf dem 
goldgelben Haar. 

Die zwei Bildchen gehörten vielleicht ursprünglich als Flügel zu Nr. 1629, sind aber weit schwächer in der Ausführung 
und nur in der Werkstatt Schongauers entstanden -•. Sammlung von Rumohr .'. Erworben 1903 aus Berliner Privatbe- 
sitz .■. Eigentum des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins -•. Fichtenholz, jeder Flügel h. 0,368, br. 0,115. 




,.-' -mi-Kirjuitja'. 



TliLr-T-rrT-TT-r-Tr 



Ober- 
deutsche 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

562 



SchongaUer Schule des Martin Schongauer. 



562 Flügelaltar. Mittelbild: Christus am Kreuze mit Maria und Johannes. Vor gol- 
denem, mit eingeprägten Mustern geziertem Grund, in stumpfen Farben. An dunkel- 
braunem Kreuz der lichte bräunlichockergelbe Körper 
mit grauweißem Lendentuch. Maria in schwärzlich- 
blauem Mantel, Johannes in zinnoberrotem Mantel über 
dunkelgelbgrünem Gewand. Die Hauptfarben, beson- 
ders Rot, kehren unten auf braunem Boden in den 
Trachten der Stifterfamilie wieder. — Linker Flügel: 
Der hl. Hieronymus [?]. In bräunlichkarminrotem Mantel 
über saftgrünem Gewand und weißer Mütze mit dunkel- 
blauen Streifen. — Rechter Flügel: Der hl. Bernhar- 
din von Siena. In graubrauner Kutte, mit zinnober- 
rotem Buch. — Außenseiten [jetzt abgesägt]. Lin- 
ker Flügel: Die hl. Apollonia. In bräunlichkarmin- 
rotem Gewand mit bläulichweißen Ärmeln und saft- 
grünem, innen graublauem Mantel. Goldgelbes Haar. 
Silberne Zange. — Rechter Flügel. Der hl. Stephan. 
In bräunlichkarminrotem Ornat mit goldgelbem Besatz 
und weißen, gelben und blauen Fransen, über bläulich- 
weißem Chorhemd. — Braunrote und goldene Nimben. 




562 



17 



Ober- 
deutsche 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 




Vor dunkelblauem Himmel, den oben 
gemaltes verg-oldetes Rankenwerk 
abschließt. Saftgrüner und grau- 
brauner Boden. 

Für die Kreuzis^ung sind Christus aus Schongauers 
kleiner Kreuzigung [Bartsch 17], Maria und Johannes 
aus der großen [B. 25] mit geringen Abweichungen 
Ivopiert. Die Apollonia ist freie Kopie nach B. 62, 
desgl. Stephan nach B.56 [Laurentius] .*. Sammlung 
SoUy, 1821 .■. Aufgestellt in der Abteilung der 
deutschen Bildwerke. 

Lindenholz, Mittelbild h. 1,36, br. 0,77; Flügel 

je h. 1,36, br. 0,31. 



Schwäbische Schule um 1450 

1232 Vermählung der hl. Katharina. Maria in schwärzlichblauem Mantel, einen gelb- 
roten Apfel in der Rechten. Katharina in stumpf karminrotem, mit weißem Pelz ge- 
füttertem Mantel. Rötlichgrauer Fleischton. Gelbbraunes Haar. Goldgrund mit aufge- 
malten, nur noch wenig sichtbaren Nimben und eingeprägten Kronen. 

Sammlung SoUy, 1821 .-. Aufgestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Leimfarben. Lindenholz, h. 0,34, br. 0,52. 



1224A 



Nürnberger Schule um 1480 — 1500 

1224a Kreuzigung. Der Kontrast von tiefem Karminrot [Gewand Johannis 1., des Kriegs- 
obersten und des Pharisäers ganzr.] und tiefem Grün [Mantelumschlag Johannis, Man- 
telumschlag des Longinus], besonders aber Blaugrün 
[Gewänder Maria und des Kriegsknechts r.] beherrscht 
die beiden Bildseiten vor gelbgrüner Landschaft. 
Leuchtender bricht das Rot in der Mitte [Mantelum- 
schlag Magdalenas, über blaugrünem Gewand] hervor, 
in seiner Wirkung gesteigert durch den Gegensatz 
zur weißen, in den Schatten violett getönten Außen- 
seite des Mantels. Den Hauptkontrast unterbricht 
nach rückwärts Hellgelb [Ärmel der Frau neben dem 
Kreuz], bräunliches Goldgelb [Panzer des Kriegs- 
knechts r., Rock des nach oben weisenden Knechts] 
und Lila [Gewänder der beiden äußersten Figuren 
hinten]. Rötlichbrauner Fleischton. Der blutbedeckte 
Körper Christi an dunkelbraunem Kreuz vor gemuster- 
tem Goldgrund [an Stelle des Himmels]. 

Ehemals „Michael Wohlgemut" [Nürnberg, 1434 — 1519, Lehrer Dürers] 
genannt: doch für den Meister selbst zu gering und wohl nur aus seiner 
Schule .'. Erworben 1850. 

Weißtannenholz, h. 0,59, br. 0,41. 




18 







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NIEDERRHEINISCHE SCHULE 
DES XV. UND XVI. JAHRHUNDERTS 

Kölnischer [?] Meister um 1400 

1205a Maria mit dem Kind. Vor g-oldenem Grund mit 
eingfeprägten Mustern und Nimben, in dunkelblauem 
Mantel über g-oldenem, zinnoberrot gemustertem Kleid 
mit Karminlasuren in den Schatten. Brauner Boden. 
Gelbbräunliches Fleisch und goldgelbes Haar. Das Kind 
hält in der Linken einen Vogel. 

Sammlung Suermondt, 1874 .". Aufgestellt in der Abteilung der deutschen Bild- 
werke .-. Eichenholz, h. 0,30, br. 0,18. 

Kölnischer Meister vom Anfange 
des XV. Jahrhunderts 

1238 Flügelaltar. Mittelbild: Maria mit dem Kind 
und die hll. Dorothea, Katharina, Barbara und Marga- 
retha. Vor gelbgrünem Rasen und dunkelgrüner Hecke Zinnoberrot [Mantel Barbaras r.] 
und Hellgelb [Mantel Dorotheas !.], das erstere durch leuchtendes Gelbgrün [Mantel- 
umschlag Barbaras, Mantel Margarethas hinter ihr], Gelb durch ein kaltes Karminviolett 
[Mantelumschlag Dorotheas] mit dem luftigen Blau [Mantel Marias] und Graublau 
[Mantelumschlag Marias, Gewand Katharinas 1. hinten] vermittelt. Weißliches Fleisch. 
Goldgelbe Haare. Goldene, mit karminroten Mustern gezierte Brokatgewänder. Goldene 
Nimben und goldener Hintergrund mit eingeprägten Ornamenten. — Linker Flügel: 
Die hl. Elisabeth. Kühles Grauviolett im Mantel, Hellblau im Gewand, belebt durch 
rosafarbene Flecke [Mantelumschlag]. — Rechter Flügel: Die hl. Agnes. In bläuhch- 
weißem Mantel, über den gelbrotes Haar herabfHeßt, und goldenem Kleid mit auflasier- 
ten grünen Mustern. Kleine zinnoberrote Flecken im Mantelumschlag. Beide Flügel- 
figuren stehen auf 

m 



dunkelgrünem Bo- 
den, vor Goldgrund 
mit eingeprägten Or- 
namenten. 



In der Art der Bilder, die 
früher dem Meister Wilhelm 
von Köln, neuerdings auch 
Hermann Wynrich vonWesel 
zugeschrieben werden 
Sammlung Solly, 1821 .'. 
Aufgestellt in der Abteilung 
der deutschen Bildwerke. 

Eichenholz, Mittelbild, h. 
0,32, br. 0,28; jedes Sei- 
tenbild h.0,32, br.0,10. 




Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XV. Jahr-, 
hunderts 

1205 A 



1238 



19 



Nieder- 
rheinische 
Sdiule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1235 A 




1199 



Meister der Verherrlichung- Maria 

So genannt nach seinem Hauptbild im Wallraf-Richartz- 
Museum zu Köln. Tätig in Köln zwischen 1460 und 1490. 
Unter niederländischem Einfluß ausgebildet. 

1235 a Geburt Christi. Goldener Himmel glänzt 
durch die Offnungen der dunkelbraunen Archi- 
tektur, auf deren Dach sich blondhaarige Engel 
in dunkelblauen Gewändern niedergelassen haben. 
Gold wiederholt sich im Nimbus Marias. Das 
tiefe Dunkelblau ihrer Gewandung, über die gold- 
gelbes Haar herabfällt, beherrscht in breiter Fläche 
den Vordergrund. Karminrot im Mantel Josephs 
[über graubraunem Gewand]. Zwischen beiden 
in den Kleidern und Flügeln der Engel auf gelb- 
bräunlichem Boden die schillernd bunten Farben: 
Rosa, Rot, Blau, Gelbgrün, Goldgelb, mit überall 
dazwischen verstreutem Weiß. Diese Farben, vor 
allem Rot und Blau, setzen sich auch nach der 
Tiefe zu fort [Hirten, Staffage der Ferne] vor 

gelbgrüner Landschaft, vor rotbrauner und violetter Architektur, Rot und Grün auch in 

den Gewändern der schwebenden Engel. 

Das Gesjenstück, die Anbetung der Könige, das mit unserer Tafel zusammen in der Sammlung Clave-Bouhaben [ehemals Zanoli] 
war, befindet sich jetzt im Aadiener Privatbesitz .-. Erworben 1894 auf der Auktion Clave-Bouhaben zu Köln .-. Aufgestellt in 
der Abteilung der deutschen Bildwerke .-. Eichenholz, h. 1,29, br. 0,91. 

Kölnischer Meister um 1470—1500 

1199 Die Verkündigung. In 
zwei Abteilungen. Kräftiges 
Hellkarminrot im Mantel des 
Engels, besonders wirkungsvoll 
neben leuchtendemGelbgrün im 
Mantelumschlag, spielt in tiefe- 
rer Nuance auch auf die r. 
Bildhälfte hinüber [karminrotes 
Kissen, Bucheinband, Rosen- 
kranz], die von dunklem Blau im 
Mantel, Violettgrau im Mantel- 
umschlag Marias und Blau im 
Himmel beherrscht wird. Das 
Grau der Gesamtfärbung [be- 
sonders der Architektur] kühlt 
sich zu Blaugrau in den Flügeln 
des Engels, Grauweiß im Inkar- 
nat und zu lichtem bläulichem 




20 




Weiß im Gewand ab, geht aber in der 
oberen Bildhälfte [Außenseiten derEngels- 
flügel, Holzdecke] in einen wärmeren rot- 
bräunlichen Ton über. Das flimmernde 
Gold im Wandteppich und im plastisch 
g-ehöhten Nimbus Marias belebt die ein- 
heitlich kühle Grundstimmung. 

Wohl die Außenseite eines Flügelaltars. In der Art des 
Meisters des Marienlebens .■. Sammlung Solly, 1821 .'. Lein- 
wand auf Eichenholz, jede Abteilung h. 1,30, br. 0,70. 

Meister des Marienlebens 

So genannt nach einer Folge von Darstellungen 
in der Pinakothek zu München. Früher „Meister 
der Lyversberger Passion" genannt. Tätig um 
1463 — 1480 zu Köln. Besonders unter dem Ein- 
flüsse des Dierick Bouts ausgebildet. 

1235 Maria mit dem Kind und drei 
weibliche Heilige. Gegen den golde- 
nen Himmel steht dunkles Saftgrün der 
Rosenlaube, gegen das Gelbgrün des Rasens namentlich kaltes Hellkarminrot [im innen 
graublauen Mantel Katharinas 1., im Gewände Marias, stumpfer in den Trachten der 
Söhne des Stifters und den Kleidern der Stifterin und ihrer Töchter]. Dieser Kontrast 
von Grün und Rot steigert sich zu kräftigem Zinnoberrot im innen weißen Mantel 
Barbaras r. und dem stärksten Gelbgrün des Bildes in ihrem Gewand. Ultramarinblau 
[Mantel Marias] beherrscht die Mitte. Den im allgemeinen gedämpften kühlen Tönen 
dienen Blaugrau, Weiß [Mantel Magdalenas vorn] und der lichte, weißgraue Fleisch- 
ton als Basis. In der dunkleren Färbung der kulissenartig zusammengehaltenen 
Stiftergruppen spielen Graublau [der Stifter] und Grauschwarz [die Frauen] eine 
Rolle. Gold ist überall, mit zierlichem farbigem 
Ornament geschmückt, in denGewändern [Katha- 
rina 1., Magdalena, Barbara r.], in den Gewand- 
säumen und im Nimbus des Kindes verstreut. 

Auf zwei Tafeln des Meisters in der Sammlung Dormagen [Köln], 
jetzt im Wallraf-Richartz-Museum, scheinen dieselben Stifter, aber 
mit zahlreicherer Familie dargestellt zu sein .*. Sammlung Solly, 
1821 .'. Aufgestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Eichenholz, h. 0,98, br. 0,87. 

1235 B Maria mit dem Kinde. Das lichte grau- 
bräunliche Inkarnat mit zarter Rötung wird von 
dunkelblauem, im Umschlage schwarzem Mantel 
und gleichfarbigem Gewand umschlossen. Rot- 
braunes Haar Marias. Goldgrund mit einge- 
prägter Randverzierung und Nimben. 

Ehemals beim Marchese del Folco in Vicenza .*. Erworben 1906 aus 
dem Florentiner Kunsthandel .■- Eigentum des Kaiser- Friedrich - 
Museums-Vereins .*. Aufgestellt in der Abteilung der deutschen 
Bildwerke .-. Eichenholz, h. 0,485, br. 0,41. 



Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1235 




1235 B 



21 



Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

M33 
M33A 



578 A 





Kölnischer Meister 
um 1490 

M33 Maria als Mutter des Er- 
barmens und die hll. Adrian 
und Sebastian. Bunte Farben- 
kontraste betonen die Mitte, vor 
dunklem Blau im Kleide Marias. 
Zwischen Karminrot, Saftgrün und 
Gelbbraun leuchtendes Zinnober- 
rot, das im Ornate des Bischofs 
nach Blau changiert und in den Schuhen der beiden Heiligen und dem mit gelbem 
Kreuz gezierten Gewände des hl. Sebastian weiterklingt. Seitlich fällt die Kraft der 
Färbung: 1. zu Gelbgrün [Außenseite] und Karminrot [Innenseite des Mantels des 
hl. Adrian], r. zu Gelbbraun [Mantel des hl. Sebastian, mit hellkarminrotem, gelb schil- 
lerndem Kragen]. Rotbräunliches Inkarnat. Ockergelbbrauner Erdboden. Goldgrund 
mit punktiertem Muster. 

Der Art des Meisters von St. Severin nahestehend .'. Gegenstück zu Nr. M33A, .*. Alter Besitz. 
Eichenholz, h. 0,154, br. 0,132. 

M33a Die hl. Dreieinigkeit und die hll. Johannes d. T. und Petrus. Gott- 
Vater in weißem, graublau getöntem Mantel. Gelbgrün im Mantel Johannis d. T. ent- 
spricht Hellkarminrot im Mantel Petri [über mattblauem Gewand]. Bräunlichocker- 
gelber Boden. Goldgrund mit punktiertem Muster. 

Gegenstück von Nr. M33 .". Siehe die Bemerkung daselbst .". Alter Besitz .". Eichenholz, h. 0.154, br. 0,132. 
A/T^'^i...... J«- U„'l',^„_ C; -^^ So genannt nach seinem Hauptbild im Wallraf-Richartz- 

Meister der heiligen ^ippe MusLm in Köln. Tätig zu kL i486-i52o. 

578ABC Flü- 
gelaltar. In 
der bunten 
schattenlo- 
sen Gesamt- 
färbung ge- 
ben blaue 
Töne, meist 
nach Grau 
gebrochen 
und bis zu 
bläulichem 
Weiß abfal- 
lend,dieküh- 
le Grund- 
stimmung. 




22 



Hellkarminrot, dem lichtes Gelbgrün und Blaugrün [in der Landschaft] entsprechen, ver- 
leiht der farbigen Komposition die Architektonik. 

578a Mittelbild: Maria mit dem Kind, und die hll.Andreas, Petrus, Elisabeth, Dorothea [1.], 
Martha, Helena, Jakobus d. A. und Severin [r.]. In der Mitte der hellkarminrote [auf 
der beschatteten Seite dunkelkarminrote] Mantel Marias und roter, goldgelbgemusterter 
Thronteppich, umgeben von Blaugrau [Thron] und Dunkelblau [Gewand Marias]. In 
der linken Gruppe überwiegen die blauen Töne [bläulichweißes Kleid der knienden Do- 
rothea, graublaue und weiße Tracht Elisabeths mit goldenen Kronen, graublauer Mantel 
des Andreas über gelbgrünem Gewand], in der Mitte durchbrochen von Hellkarminrot 
[Mantel Petri über dunkelblauem Rock]. In der rechten Gruppe spielen neben den 
bläulichen rote Töne die Hauptrolle [Martha in dunkelblauem Mantel über hellkarmin- 
rotem Kleid, Helena in gedämpft karminroter Tracht, Jakobus in graublauer und hellkar- 
minroter Gewandung, Severin in karminrotem, goldgelb gemustertem, innen dunkel- 
grünem Ornat über bläulichweißem Chorhemd]. Lichtes karminrötliches Inkarnat. Hell- 
blauer Himmel mit weißlichem Horizont. 



Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



578b Linker Flügel. Die hll. Georg, Gereon, Mauritius [?] und ein hl. Bischof. 

578c Rechter Flügel. Drei heilige Bischöfe und ein heiliger Ritter mit der Kreuzes- 
fahne. — Die schillernde Unruhe steigert sich in den Flügeln. Namentlich erlangen das 
Übergewicht die hellkarminroten Töne [auch in dem wärmeren Inkarnat], gestärkt durch 
den Gegensatz zu Gelbgrün. Sie werden begleitet von Hellgelb [Stickereien der Prie- 
stergewänder, Leibrock und Fahne des hl. Gereon, Drache], das bereits an den Rändern 
des Mittelbildes [Buchbeutel des Andreas, Drache] ansetzt. Während das Stahlblau 
und Weiß der Rüstungen des linken Flügels sich an die kühle Färbung dieser Seite des 
Mittelbildes anschließt und nach 1. hin sich erwärmt, geht die Färbung des r. Flügels 

entsprechend 

dem Mittelbild 

von wärmerer 

Tönung nach r. 

in kühlere Far- 
ben [Graublau 

und Stahlblau] 

über. 



Wohl aus der späte- 
ren Zeit des Meisters 
und mit Hilfe von 
Schülern ausgeführt 
.*. Sammlung Solly, 
1821 .-. Eiclienholz, 
Mittelbild h. 1,03, br. 
1,76; jeder Flügel h. 
1,03, br. 0,82. 





578 B 
578 C 



23 



Nieder- 
rheinisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

575 A 

575 

575 A 




Meister von Frankfurt 

So genannt nach dem Orte seiner 
Tätigkeit. Wahrscheinlich gebildet 
unter dem Einflüsse des Quinten 
Massys. Tätig wohl hauptsächlich 
zu Frankfurt a. M. um 1500 — 1520. 

575— 575b Flügelaltar. 

575 Mittelbild: Die hl. Anna 
Selbdritt. Blau [mit grau- 
blauem Pelz gefüttertes Kleid 
Marias, heller im Umschlag 
der schwarzen Haube Annas, 
in der Ferne und im weiß be- 
wölkten Himmel] steht Gelb 
im Brokatgewand Annas, im 
Schnitt des Buches und bräun- 
licher im Haar Marias zur Seite. 
Auf diesen beherrschenden 
kühlen Kontrast ist auch das der Belebung dienende zweite Farbenpaar: gedämpftes 
Karminrot im Mantel Annas, Rosarot der Glorie und Gelbgrün in der Landschaft ge- 
stimmt. Kaltes Grauweiß [die Mitte betonend im Kleide des Kindes, in der Taube und 
dem Kopftuch Annas] bildet die Basis für die gedämpften Töne. Graubräunliches Inkar- 
nat. Goldene Strahlen gehen von der Taube des heiligen Geistes aus, oben vor gol- 
dener, rot punktierter Glorie Gott-Vater [in graublauem Mantel über karmin- violettem 
Gewand]. 

Sammlung Solly, 1821 .'. Föhrenholz, h. 0,87, br. 0,55. 

575a Innenseiten der Flügel. Linker Flügel: Die hl. 
Katharina. Gedämpftes Hellgraublau [im Mantel und im 
Himmel] erhöht die Wirkung des warmen, vom Schwarz 
der Haube umschlossenen Inkarnats. Gelbe Krone, gelbe 
Goldstickereien des Gewands und der Haube und gelb- 
braunes Haar. Dunkelsaftgrün im Bucheinband vor stumpfem 
Zinnoberrot im Brokatgewand. Saftgrüne Wiese. Weiß 
in der Mantelfütterung und im Hemd. Rechter Flügel: 
Die hl. Barbara. Zinnoberrot im Mantel. Vor saftgrüner 
Wiese. Das Gelb der Goldstickereien des Brokatgewandes 
ergänzt sich durch Hellblau der Armelaufschläge und Blau 
des Himmels. Schwarze Haube. 




Erworben 1874. 

Föhrenholz, h. je 0,87, br. je 0,24. 



24 



575b Außenseiten der [jetzt auseinander gesägten] Flügel. Linker Flügel: Der 
Engel der Verkündigung. Auf dem weißen Spruchband: -AVE • GRA PLENA • DNS 
TECVM. — Recht ej^FHi gel: Maria. Auf dem weißen Spruchband: ECCE • ANCILLA • 
DNI • FIAT • M • SECVDV VERBV TVVM. — Kaltes Grauweiß der Gewänder [in Nach- 
ahmung von Steinfiguren]. Vor gelbgrünem Grund, von dem sich warm in natürlichen 
Farben das Inkarnat und die gelbbraunen, im Lichte gelb schimmernden Haare ab- 
heben. Die Figuren stehen in gemalten bräunlichen, innen grauen Holzrahmen, auf 
ockergelbbraunem Boden. 



Erworben 1874 



Föhrenholz, h. je 0,87, br. ie 0,24. 



Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



\{/f^r,cctrn '^"'°" Wonsam oder Woensam, meist Anton von Worms genannt [in Urkunden 
WUllbdlll auch Thoniss Wonsam, daher besteht sein Monogramm bisweilen aus T und W]. Maler 
und vornehmlich Zeichner für den Holzschnitt [vielleicht auch selbst Holzschneider], geboren zu Worms 
als Sohn des Malers Jasper Wonsam, gestorben 1541 zu Köln. Tätig zu Köln. 

1242 Das jüngste Gericht. Der vorherrschende stumpf graue Gesamtton, der durch das 
Grauweiß [und Schwarz] in den Trachten der beiden knienden Geistlichen, durch Grau 
in der Architektur und in den Wolken bestimmt wird, erwärmt sich nur wenig in den 
Körpern der Seligen und Verdammten zu einem rotbräunlichen Ton. Zur Belebung 
dieser trockenen Färbung bricht in der Mitte [im Mantel Christi und im Mantel des 
rechten Posaunenengels], links [im goldgelb besetzten Ornat des heiligen Bischofs] 
und rechts [in den Streifen auf dem Chorhemd des knienden Geistlichen] Zinnober- 
rot hervor, dem etwas Gelbgrün [im Gewände Johannis r. oben] entspricht. Stumpfes 
Dunkelblau im Mantel Marias, ganz licht im Himmel wiederkehrend, und mattes Gelb 
im Lichtscheine der Glorie. Vorn lehnen zwei Schilde, auf denen in rötlichen Tönen 
1. Christus als Schmerzensmann, r. der Tod auf blaugrünem Grunde dargestellt sind. 

Sammlung SoUy, 1821. 

Eichenholz, h. 0,86, br. 0,84. 



Bruyn 



Bartholomaeus [Barthel] Bruyn 
auch Bruin, Brun, Bruen, Breun. 
Geboren in Wesel 1493, gestorben in Köln 
zwischen 1553 und 1557. Bildete sich nach 
Jan Joest van Kaikar und dem Meister des 
Todes Maria, später unter dem Einfluß itali- 
anisierender Holländer [Scorel? Heems- 
kerck?]. Tätig zu Köln nachweislich seit 
1515, 1519 einer der „Vierundvierzig" der 
Malerzunft. 

612 Beweinung Christi. Vor schwar- 
zem Grunde bilden die kalten Töne 
der Mitte: Hellblau im Mantel, Grau- 
weiß im Kopftuche Marias und im 
Leichentuch, und Graublau der Brü- 
stung den Hintergrund für den grau- 
bräunlichen Körper Christi [mit dun- 
kelbraunem Haar, blau gefärbten 




1242 



25 



Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

612 



588 




Lippen und Wangen]. Nach r. setzen 
sich die kalten Töne im weißen, blaugrün 
getönten Ärmel Magdalenas fort. Doch 
erwärmt sich das Kolorit von dem mit 
Grau gedämpften rotbraunen Inkarnat der 
Trauernden zu Rotbraun im Haare Magda- 
lenas und seitwärts zum Kontrast von 
Karminrot [im Mantel Johannis, dem Blut 
in gelbbrauner Messingschale, heller im 
Gewände Magdalenas] und Grün [saft- 
grünes Gewand Johannis, hellblaugrüne 
Tönung der Ärmel Magdalenas]. 

Wenn überhaupt von dem Meister, so eines seiner früheren Werke, in dem sich seine Abhängigkeit von dem Meister des 
Todes Maria besonders stark ausspricht .•- Königliche Schlösser. 
Eichenholz, h. 0,27, br. 0,39. 

588 Bildnis des Johannes von Ryht, Bürgermeisters von Köln [i" 1533]. Mit 
dem dunklen Saftgrün des Hintergrundes kontrastierend leuchtet kräftiges Zinnober- 
rot in der linken Hälfte der Schaube auf, das durch die Nachbarschaft zu tiefem Schwarz 
[rechte Hälfte der Schaube und 1. über die Schulter führender Streifen] und Dunkelblau 
[Sammetärmel] an Intensität gewinnt. Mit dem rotbräunlichen, durch graue Töne auf- 
gelichteten Inkarnat, dem rotbraunen Haupt- und Barthaar, das am Kinn ergraut ist, 
vermittelt das Rotbraun im Pelzbesatz. Schwarzes Barett. Einige kühle Farbflecken 
[die weiße, in den Schatten blaugrüne Papierrolle, der blaugrüne Opalring der Linken] 
helfen die Wirkung der warmen Töne steigern. L. oben auf dem saftgrünen Grund 

ein Wappen in Zinnoberrot und Weiß, r. ein an- 
deres in Gelb, das auf dem Siegelring der rechten 
Hand wiederkehrt. 

Bez. oben in goldenen Buchstaben: ANO " 1525 " .'. Sammlung SoIIy, 
1821 .-. Eichenholz, h. 0,61, br. 0,45. 

639 Maria mit dem Kinde und der Stifter, 
ein Herzog von Kleve. Tiefes Blau im Mantel 
Marias und kaltes Hellgelb [Gewand und Flügel 
des r. Engels, Wappen von Kleve auf den Kissen 
an der Fensterwand], das sich zu dem leuchten- 
den Goldgelb der umlaufenden Holzbank erwärmt, 
bilden den beherrschenden Kontrast. Die Wir- 
kung des Blau erhöht das umgebende bräunliche 
Rot [im goldgelb gemusterten Teppich und den 
Kissen auf der Bank], kontrastierend mit Blau- 
grün [Teppichkante, Blattmuster der Kissen]. 
Rosarot im Gewand und den hellblau geteilten 
Flügeln des 1. Engels bildet den Übergang der 




26 



kräftigen Farben zum Grau des Pfeilers, zu den kühlen blaugrünen und graubraunen 
Tönen der Landschaft [in der die hll. Magdalena und Hieronymus als Büßer dargestellt 
sind] und zum Hellblau des Himmels. Auch nach 1. fällt die Färbung über das bräun- 
liche Grau der Tracht, Hellblaugrau der Tasche und der Unterärmel des Stifters und 
Graublau der Kappe zum Hellgrau des Estrichs, dessen hellblaugrüne Fliesen dem Rot 
der rechten Seite die Wage halten. Braunrötliches Inkarnat mit durchwirkendem Grau. 
Goldene Strahlen umgeben die Häupter Marias und des Kindes. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters [um 1528] .-. Königliche Schlösser. 
Eichenholz, h. 1,38, br. 1,16. 

S 20 Bildnis eines jüngeren Mannes. Das kalte Hellkarminrot der Ärmel [neben dem 
Graublau der Brüstung] erwärmt sich, vom rotbraunen, grau schimmernden Pelz der 
schwarzen Schaube unterbrochen, zu tieferer Nuance im Brustausschnitt. Dort stoßen 
zur Hervorhebung des rötlichen, leicht von grauen Tönen durchsetzten Inkarnats [mit 
bläulichen Augäpfeln] die kräftigsten Farben zusammen: Gelb [in der Pelzfütterung des 
Gewands], Weiß [mit graublauen Schatten im Hemdausschnitt] und das alles Rot stärkende 
Gelbgrün im Hintergrund, auf den Rahmung und Figur blaugrüne Schatten werfen. 
Grauschwarzes Barett. Die linke Hand hält ein Paar gelbliche Handschuhe. 

Über dem Kopf datiert mit goldenen Zahlen 1534. Gegenstück zu Nr. S 21 .-. G. P. Boyce und Ch. Butler, London; 
Sammlung Heckscher, Berlin .-. Sammlung James Simon. 
Eichenholz, h. 0,40, br. 0,28. 



Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



21 Bildnis einer jüngeren Frau. Die lebhafte Wirkung des warm rötlichen 
das mit grauen Tönen modelliert ist, wird einmal durch den Kontrast zum 
gelbgrünen Hintergrund, auf den Rahmen 
und Figur blaugrüne Schatten werfen, 
dann aber durch die Umrahmung von 
schimmerndem Weiß [mit graublauen 
Schatten in Haube und Hemdausschnitt] 
erhöht. Die Helligkeit steigert der Ge- 
gensatz zu tiefem Schwarz im Sammet- 
kleide mit helleren dunkelgrauen, im Um- 
schlage weißen Ärmeln. Im Mieder setzt 
Karminrot an und erwärmt sich über das 
Rot der Nelke, welche die Dame in der 
Rechten hält, zu Zinnoberrot in den Um- 
schlägen der Unterärmel und der Gürtel- 
einfassung, begleitet von Goldgelb in 
den Hemdborten, dem Miederbesatz und, 
bräunlicher getönt, im Gürtel. Graublaue 
Brüstung. 

Datiert mit goldenen Zahlen 1534 .*. Gegenstück von 
Nr. S 20 .'. Charles Butler, London ; Sammlung Heck- 
scher, Berlin .". Sammlung James Simon. 
Eichenholz, h. 0,40, br. 0,28. 



Inkarnats, 
leuchtend 




639 



27 



Nieder- 
rheinische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

S 20 
S 21 





Westfälische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



WESTFÄLISCHE SCHULE DES XV. UND XVI. 
JAHRHUNDERTS 

Schule von Soest um 1470 

1222 1233 1234 Flügelaltar. 

1222 Mittelbild: Die Kreuzigfung mit anderen Vorgängen aus der Leidensgeschichte 
Christi. Bunte leuchtende Farben, vor allem Rot, mit Gelbgrün kontrastierend, Blau 
und reichlich verwendetes Gold im Himmel, den Nimben, den Gewandmustern klingen 
in höchster Unruhe zusammen. Dazwischen verstreutes Weiß und Grau steigern die 
Intensität der Lokalfarben. Rotbrauner Fleischton. Vor bräunlich gelbgrüner Landschaft, 
grauer Architektur und blaugrüner Ferne. — In der Mitte: die Kreuzigung. In den 
Figuren des Vordergrundes, besonders in der Gruppe der Trauernden kommt in breiten 
Flächen die farbige Wirkung zum stärksten Ausdruck: Dunkelblau und Hellkarmin [Maria], 
davor leuchtendes Rot [kauernde Frau, vom Rücken gesehen], Gelbgrün [Johannes], 
Hellkarmin über Gold [Maria Salome 1. daneben]. Hellblau und Gold [Henkersknecht 
dahinter]. In der Gruppe der streitenden Kriegsknechte wechseln Zinnoberrot [gelb 
changierend], bräunliches Graublau, Gelbgrün, Hellblau und Gelb. Rückwärts am 
Kreuz leuchtendes Gelbgrün [Mantel Magdalenas über goldenem, karminrot gemustertem 
Brokatkleid], mit Rot dahinter kontrastierend. Weiße Pferde. In den Trachten der seit- 
lichen Gruppen wechseln Gelbgrün, Karminrot und Rosarot, Blau, Gold und Silber, in 
kleinen Flecken verteilt, in immer größerer Unruhe. Links vorn: Die Kreuztragung. 
Christus in graublauem Gewand, auf goldgelbbraunem Wege, von Soldaten in silbernen 



28 



Rüstungen und der Volksmenge in karminroten, gelbgrünen, hell- und dunkelblauen 
Kleidern, darunter Veronika mit dem weißen Schweißtuch, geleitet. Vor ihm die bei- 
den Schacher in weißen Hemden. Rechts vorn: Christus in der Vorhölle. In karmin- 
rotem Mantel mit goldener Fahne und Nimbus. Vor grauer Pforte und rotbrauner am 
Boden liegender Tür. Links oben: Die Gefangennehmung Christi. Rechts oben: 
Beweinung Christi. 

1233 Linker Flügel. Innenseite: Vier Darstellungen aus dem Leben Christi. Die 
Farben der Innenseiten der Flügel erscheinen noch leuchtender und wirksamer in ihrer 
breitflächigen Anordnung als im Mittelbilde. — Verkündigung. Karminrot im Bett- 
vorhang, dem goldgezierten Mantel des Engels, heller im Gewände Marias [mit gold- 
gelbem Haar], steht gegen Gelbgrün [Mantelumschlag des Engels, Decke auf dem Betpult, 
Blumentopf am Boden]. Dazu Dunkelblau in den seitlichen Bettvorhängen, dem Mantel 
Marias und den Innenseiten der rotbraunen Engelsflügel, Weiß im Gewände des Engels, 
den Schriftbändern und dem Boden. — Geburt Christi. Blau im Mantel Marias und im Ge- 
wände Josephs, Karminrot im Mantel Josephs, heller im Gewände Marias. Die Engel in 
weißen, roten und gelbgrünen Gewändern, mit blauen und zinnoberroten Flügeln. Vor 
gelbgrüner Landschaft und graubrauner Hütte. — Anbetung der Könige. Blau [Mantel 
Marias, Gewand des jüngsten Königs r.], Karminrot [Vorhang, Gewand Marias, Beinkleider 
des Königs r., Kopfbedeckung auf grünem Rasen]. Im Vordergrunde der kniende König 
in goldenem, rötlich schimmerndem Gewand, der Mohrenkönig in violettweißem Gewand 
mit gelbgrünen, goldgemusterten Ärmeln. — Darstellung im Tempel. Vor grauer Archi- 
tektur mit karminrotem Kreuzgewölbe, goldenem Altaraufsatz und zinnoberrotem, grün-, 
gold- und silbergemustertem Antependium. Dunkelblau und Hellkarmin [Maria], Gelbgrün 



Westfälische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hiinderts 




29 



Westfälische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1233 




1233 



[Frau mit Tauben]. DerHohepriester in golde- 
nem, in den Falten rotschimmerndem Ornat 
mit hellkarminroten Ärmeln und dunkelblauem 
Umhang. — An Stelle des Himmels Gold- 
grund. Goldene Nimben und Gewandver- 
zierungen. 

1233 Linker Flügel. Außenseite: Bekeh- 
rung und Enthauptung Pauli. Die Färbung 
der Außenseiten ist stumpfer und weniger 
leuchtend. Rot herrscht wieder als Haupt- 
farbe, kontrastierend mit dem dunklen Saft- 
grün der Landschaft und Gelbgrün in einzel- 
nen Trachten. Links, von Gold im Gewände 
des Königs unterbrochen, Gelbgrün und Zin- 
noberrot, über die hellkarminrote linke Hälfte 
der Tracht des Henkers [mit zinnoberroter 
Kappe und silbernem Schwert] zum rötlich 
schillernden Hellgelb der rechten Hälfte an- 
steigend. Dunkelblauer Rock des enthaupteten Paulus. Nach r. stärken sich die Farben von 
Gold [mit grünen Stickereien im Kleide des Zuschauers in der Mitte], Graublau und Hell- 
karminrot [sein rechter Nachbar] zu dem stärksten Rot in der Tracht des r. Stehenden, 
umgeben von Grün, Graublau und Karminviolett. Dunkler rotbrauner Fleischton. Im 
Mittelgründe [mit der Darstellung der Bekehrung Pauli] erscheinen Zinnoberrot und Blau 

in helleren Nuancen wieder, durch Gold be- 
lebt. Weißes Pferd. Graue, ockergelbliche und 
rotbraune Bauten mit blaugrünen Dächern. 
Blaugrüne Ferne und Himmel [davor Christus 
in goldenem, karminrot schimmerndem Kleid]. 

1234 RechterFlügel. Innenseite: Vier Dar- 
stellungen aus dem Leben Christi. Aufer- 
stehung Christi. In karminrotem Mantel, dem 
grauweißen Grabe entsteigend. Die Wächter 
in silbernen Rüstungen, gelben, zinnoberroten 
und hellblauen Trachten. — Himmelfahrt. Die 
versammelten Jünger in roten, gelbgrünen und 
hellblauen Gewändern. Christus in hellkar- 
minrotem Mantel. Lichtere Farben [Hellrot, 
weißliches Blau, Graublau] im Vordergrund. 
— Ausgießung des hl. Geistes. Die Mitte in 
kräftigen Lokalfarben: Blau, Rot und Gelb- 
grün. Vorn lichtere Töne: bläuliches Weiß, 




30 




Rot [nach Gelb changierend], Rosa, Hellblau 
und Gelb. — Jüngstes Gericht. Christus, in 
hellkarminrotem Mantel, auf rot und gelb- 
grün über den Goldgrund lasiertem Regen- 
bogen. Maria in hellkarminrotem Gewand 
und hellblauem Mantel, Johannes in gelb- 
braunem Rock. Die Gewänder der Engel 
in lichteren weißlichen Tönen. Der untere 
Teil der Darstellung mit den Auferstehen- 
den und den Verdammten ist in Graubraun 
gehalten. — Die Innenseiten in vergoldeten 
und gepunzten Rahmen mit blauem und 
rotem Profil. Die einzelnen Darstellungen 
werden durch gemalte rote Bänder getrennt. 

1234 Rechter Flügel. Außenseite: Kreuzi- 
gung Petri. Die Färbung entspricht dem 
Gegenstück. Silbergrau [Mantel des vom 
Rücken gesehenen Mannes 1.] und mit Braun 
lasiertes Silber [vom Rücken gesehene Figur 

r. mit hellkarminroten Beinkleidern] trennen die stärkeren seitlichen Farbenkontraste, be- 
sonders Zinnoberrot [Tracht des Mannes mit dem umgegürteten Schwert 1.] vor Saft- 
grün [Mantel des Königs], Zinnoberrot, Saftgrün und Blau rechts, von der Mitte. Diese 
wird beherrscht vom Golde des in den Schatten karminrot lasierten Ornats des Engels 1. 
[über weißem, rot besetztem Chorhemd] mit gelbgrün und blau gefärbten Flügeln und 
Weiß im Gewände des Engels r. mit bräun- 
lichrotem Buch. Seine zinnoberroten Flügel 
leiten zu der bunten Unruhe der r. Seite über. 
In der oberen Bildhälfte werden die Farben 
heller. Hellkarminrot im Gewände des ge- 
kreuzigten Petrus. Weißer, oben blaugrüner 
Himmel. — Die Außenseiten, von gemalten 
roten Streifen umgeben, sind in rote Holz- 
rahmen mit gemalter Blumenranke und gelb- 
lichgrauem Profil gefaßt. 



Von demselben Meister befindet sich ein Altar gleichen Gegen- 
standes in Schöppingen, nordwestlich von Münster ; ein anderer 
Altar von ihm ist vor einiger Zeit in den Kölner Dom gekommen. 
Der Stil dieses Malers steht zwischen der Weise des Liesborner 
Meisters und einer Reihe derb realistischer Werke der folgen- 
den Zeit [z. B. dem Altar mit den heil. Familien in der Wiesen- 
kirche zu Soest]. Unser Altarwerk stammt nach Waagens Be- 
richt aus einer Kirche in Soest .*. Erworben vor 1830 .*. Auf- 
gestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 

Leinwand auf Eichenholz, Mittelbild h. 1,91, br. 3,42; die 
Flügel h. 1,91, br. 1,59 [ohne den Originalrahmen ]. 



Westfälische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 




1234 



31 



Westfälische 
Schale des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

1193 



700 



Meister von Cappen- 

bövrr '^° genannt nach dem 
CJ^ Altarbilde mit der Kreu- 
zigung in der Kirche zu Cappen- 
berg [bei Lünen in Westfalen]. 
Tätig um 1500—1525. Nach einer 
neuerdings ausgesprochenen Ver- 
mutung identisch mit einem der 
Dünnwegge. 

1193 Tafel mit zwei Dar- 
stellung-en. Links: Ver- 
kündigung. Dunkelblau im 
Gewände Marias vor Hell- 
karminrot der Bettdecke, das 
in größeren Flächen im Bett- 
himmel und dem Mantel des 
Engels wiederkehrt, von 
Saftgrün im Mantelumschlag und Flügeln begleitet. Blau, dem Goldgelb in den Haaren, 
im Mantelbesatz des Engels und bräunlicher in den Möbeln entspricht, klingt lichter 
in den Fliesen des grauen Bodens, den Zinnkrügen im Hintergrund, in der Schattentönung 
des weißen Bettzeugs, des weißen Engelsgewands und des Schriftbandes aus. Lichtes 
Inkarnat. — Rechts: Geburt Christi. Zwischen Dunkelblau [Gewandung Marias, Mantel- 
kragen Josephs, heller im Oberkleide der Stifterin] bricht Hellkarminrot [Mantel Josephs, 
dunkler im Kleide der Stifterin] hervor, das sich zu mattem Zinnoberrot [Gewand Josephs] 
erwärmt. Vor Graubraun in der Architektur und Saftgrün in der Landschaft. Oben in 

den schwebenden Engeln und den Hirten der 
Verkündigung lichte bläuliche, hellgelbe und hell- 
karminrote Töne. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,50, br. 0,72. 





Rinrr Ludger tom Ring d. Ä. Geboren zu Münster 1496, 
O gestorben daselbst am Tage nach Palmsonntag 1547. 
Tätig zu Münster. 

700 Bildnis eines Mannes in mittleren Jahren. 
Der graurötliche Ton des Inkarnats, umgeben vom 
Rotbraun des Bartes, klingt kräftiger in der grau- 
roten Brüstung und dem braunroten Buch mit 
goldgelber Prägung und Schnitt wieder. Kon- 
trastierendes bräunliches Gelbgrün im Hintergrund 
erhöht die Wirkung der rötlichen, durch Grau ge- 
dämpften Töne. Schwarz in Barett und Schaube. 

Bez. oben mit dem Buchstaben L und einem daran befestigten gemalten 
Goldring mit hellblauem Stein. Unten an der Brüstung die Aufschrift: 
NATVS. ANNO. M. CCCCC. X. .-. Das Wappen auf dem Ringe der 
linken Hand ist höchstwahrsclieinlich das der in Westfalen weitver- 
breiteten Familie von Keppel. Die teilweise undeutliche Aufschrift auf 
dem Briefe wird demnach Joost von Keppel zu lesen sein .". Sammlung 
Solly, 1821 .-. Eidicnholz, h. 0,43, br. 0,28. 



32 



Ring- 1'"'^^" 

o t om 
Ring- d. J. 
Geboren zu 
Münster 
nach 1521, 
gestorben 
zu Braun- 
schwei? 
1583 84. 
Schüler sei- 
nes Vaters 
Ludger tom 
Ring d. Ä.; 
tätig zu 
Münster 
und Braun- 
schweig [da- 
selbst 1561 
Bürger]. 

708 Die 
Hochzeit 
zu Cana. 
Grau, 

Grauviolett und Weiß geben den hellen trockenen Grundton, den gelbe und rote Töne 
in allen Abstufungen beleben. In der Mitte setzt Goldgelb [Tischplatte] ein und ver- 
breitet sich weiter im Schranke 1., im Bilderrahmen darüber, in den Ärmeln des Kindes, 
in derTracht des Dieners im Nebenraum, den Früchten und Gemüsen im gelblichgrauen 
Korb r. vorn. Hellrot im Kleide der Hausherrin klingt in den Blumen und Früchten r. 
und in zarteren Rosatönen im abgezogenen Hasen, den Fleischstücken im Korb 1., den 
rosavioletten Bodenfliesen usw. aus. Grüne Töne erhöhen die Wirkung des Rot: Blau- 
grün im Hintergrunde des Gemaches r. [in dem 
das Weinwunder vor sich geht], Grün in den 
Gemüsen, dem rot gefiederten Papagei usw. 

Bez. auf dem runden Miniaturbildnis des Künstlers am Schrank : 
LVDGERVS ■ RINGIVS • MONASTERIENSIS • PICTOR f .-. 
Das Original des rechteckigen Miniaturbildnisses darüber ist im 
Besitze des Kaiser- Friedrich -Museums [J. 511] .". Königliche 
Schlösser .-. Eichenholz, h. 1,27, br. 2,00. 




Westfälische 
Sdtule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



Ring 



Hermann tom Ring. Geboren 1521 zu Münster, 
gestorben spätestens 1597. daselbst. Sohn und 
Schüler Ludger tom Rings d. A. 

629a Ring? Bildnis eines Architekten. 
Kräftiges Rosarot im Gewandausschnitt und 
Weiß im Hemd betonen die Wirkung des 
warm rosabräunlichen Antlitzes, das kaltes 
Blaugrau im Mantel, Grauschwarz im Barett 
umrahmen. Lichte, bräunlichgraue Wand. 



Erworben 1873 i 
als Holbein galt 



Florenz aus Palazzo del Turco, wo das Bild 
. Eichenholz, h. 0,53, br. 0,43. 




33 



DEUTSCHE SCHULEN DES 
XVI. JAHRHUNDERTS 




FRÄNKISCHE SCHULE DES 
XVI. JAHRHUNDERTS 

D" Albrecht Dürer. Maler, Kupferstecher und Zeich- 

Ul CI ner für den Holzschnitt, geboren zu Nürnberg den 
21. Mai 1471, gestorben daselbst den 6. April 1528. Zuerst 
in der Goldschmiedewerkstätte seines Vaters, seit i486 
Schüler des Michael Wolgemut; unter dem Einflüsse Schon- 
gauers und Mantegnas weiter ausgebildet. 1490 — 1494 
auf der Wanderschaft in Süddeutschland, im Elsaß, in 
Basel [1492], Nürnberg [1494], Venedig [1495]. Seitdem 
tätig zu Nürnberg. Ging Ende des Jahres 1505 abermals 
nach Venedig und blieb daselbst während des Jahres 1506; 
seit März 1507 wieder in Nürnberg, 1518 in Augsburg, 
1520 — 1521 in den Niederlanden. 

557c Bildnis Friedrichs des Weisen [1463 
bis 1525]. Die zusammengehaltenen Flächen des 
rötlichen Inkarnats, des rotbraunen Haares und 
der mit schwärzlichen Schatten modellierten 
Hände werden durch den Kontrast zum grau- 
grünen Hintergrund erwärmt und durch das 
Schwarz der Tracht, das Grau der Brüstung 
aufgehellt. Die Einförmigkeit des Schwarz beleben gelbbraune Goldborten mit blit- 
zenden gelben Lichtern. Die Mitte betont die gelbbraune Goldstickerei im Hemdaus- 
schnitt, mit gelbgrüner Blattranke und hellblauen Blumen geziert. 

Bez. links unten mit dem Monogramm AD .% Aus der Frühzeit des Meisters [um 1495 — 1498] und etwa gleichzeitig mit 
dem Mittelbiide des Dresdener Altars, der für Friedrich den Weisen gemalt zu sein scheint .*. Erworben 1882 auf der 
Versteigerung der Sammlung des Herzogs von Hamilton 
in London .■. Wasser- oder Leimfarbe auf feiner Lein- 
wand, h. 0,76, br. 0,57. 

557f Die Madonna mit dem Zeisig. 
Die Färbung, in leuchtenden Lokalfar- 
ben, vor allem Rot und Ultramarinblau, 
erinnert an Gio. Bellini. Doch sind die 
Gegensätze härter und unvermittelter. 
Tiefes Rot setzt in leuchtendster Kraft 
im Vorhang an und klingt, im Gürtel 
noch einmal als Gelbrot aufleuchtend, 
matter im bräunlichroten Gewand 
weiter, dann wieder kräftiger im dun- 
kelkarminroten Kissen, um im rötlich- 
braunen, mit Grau gedämpftenTone des 
Inkarnats und den matten gebrochenen 
Tönen an den Rändern der Figurenkom- 
position [bräunlichrosarotes Fellkleid 
des kleinen Johannes, violettgraues Ge- 
wand des Engels, braunvioletter Buch- 
einband usw.] zu enden. Leuchtendes 



Fränkisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

557 C 




557 F 



35 



Fränkische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

557 E 




5571 



Gelbgrün der Landschaft, dunkler im Maiglöckchen- 
strauß, den Johannes darreicht, stumpfer im Blätter- 
kranz, mit dem mattrot und gelbgrün geflügelte 
Cherubim Maria krönen, bildet die Ergänzung zu 
den roten Tönen. Dieser Hauptkontrast wird durch 
die Zusammenstellung mit leuchtendem Ultramarin- 
blau [im Mantel Marias, in der landschaftlichen Ferne, 
heller im Himmel] und, der absteigenden Kraft der 
roten Töne entsprechend, mit Graublau [im Mantel 
des Kindes, dem Gürtel des Johannes] zu höchster 
Kraft gesteigert, während Blau wiederum durch den 
Gegensatz zu bräunlichem Goldgelb [Tischplatte, 
Haar Marias] an Intensität gewinnt. Kleinere Flecken 
Weiß [Beutel mit Vogelfutter in der Rechten des 
Kindes] bilden die Basis für die leuchtenden Farben. 

Auf der links vorn stehenden goldgelbbraunen Holzbank ein weißer Zettel 

mit derlnschrift : Albertusdurergermanus faciebatpost Virginis partum 1506 

und dem Monogramm A D .". Dem „Rosenkranzfest" am nädisten verwandt 

und wie dieses 1506 in Venedig entstanden. Naturstudie zum Christkind in 

der Bremer Kunsthalle, Zeichnung zu dem Cherub rechts in der Bibliotheque Nationale zu Paris, eine andere, im Gegensinne, zu 

dem Cherub links im Louvre, eine Gewanddetailstudie in der Albertina .-. Das Bild wurde in den 60 er Jahren des 1 9. Jahrhunderts 

vom Marquis of Lothian in Edinburgh angekauft .-. Erworben 1892 vom Marquis of Lothian in New Sattle Abbey bei Edinburgh. 

Pappelholz, h. 0,91, br. 0,76. 

557e Bildnis des Hieronymus Holzschuher. Vor lichtblauem Hintergrund, zwischen 
weißem [z. T. bräunlich beschattetem] Haupt- und Barthaar schimmert warm der grau- 
rötliche Ton des Antlitzes mit den blitzenden weißen Augäpfeln und grauen Pupillen. 

Die dunkle Färbung des rotbraunen, gelbbraun und 
grau schillernden Pelzes [über grauschwarzem Damast- 
gewand] steigert die Helligkeit der oberen Bildhälfte. 

Bez. oben links in gelber Sd.ritt: HIERONIM' HOLTZSCHUER. ANNO ■ 
DÜKlI. 1526. ETATIS. SUE. 57. Auf dem Grunde rechts das goldgelbe Mono- 
gramm AD .'. Das Bild befindet sich noch in seinem ursprünglichen Rahmen; 
auf dem Schiebedeckel [an dessen Stelle jetzt die Glasscheibe getreten ist] sind 
die vereinigten Wappen der Familien Holzschuher und Münzer in einem Kranz 
und mit der Jahreszahl MDXXVl gemalt [ausgestellt an der Fensterwand des 
Dürerkabinetts] .*. Hieronymus [1 469 — 1 529], ein Freund Dürers und Anhänger 
der reformatorischen Bewegung, aus der alten angesehenen Nürnberger Pa- 
trizierfamilie der Holzschuher, kam 1499 in den inneren Rat, wurde 1500 zum 
jüngeren, 1509 zum älteren Bürgermeister erwählt und 1514 zum Septemvir 
berufen .'. Das Bild war längere Zeit im Germanischen Museum zu Nürnberg 
ausgestellt .". Erworben 1884 von der freiherriidien Familie von Hoi/schuher in 
Nürnberg. 

Lindenholz, h. 0,48, br. 0,36. 

557i Bildnis eines jungen Mädchens. Licht und 
zart erscheint der rosige [über die hellbraune Unter- 
malung gelegte] Ton des Inkarnats im Gegensatz zu 
den tiefen leuchtenden Lokalfarben der Umgebung: 
Goldgelb der Locken, Karminrot im Gewand, ge- 
dämpfter in dem mit grauer Perle gezierten Barett, 




36 




und Smaragdgrün, das die Wirkung der roten 
Töne noch steigert, im Besätze des Gewandaus- 
schnitts. 

Bez. ünks oben mit der Jahreszahl 1507 und dem Monogramm AD .'. 
Entstanden wahrscheinlich noch während des venetianischen Aufent- 
haltes. Das Bild ist in den Imhoffschen Inventaren mehrfach beschrieben 
und nach einer Notiz im Geheimbuch Hans Hieronymus Imhoffs 1633 
nach Amsterdam verkauft worden. 1899 tauchte es im Londoner Kunst- 
handel wieder auf .'. Erworben 1899 als Geschenk von P. und D. Col- 
naghi in London .". Eigentum des Kaiser-Friedrich-Museum -Vereins. 
Pergament, das auf eine Holztafel geklebt ist, h. 0,304, br. 0,20. 

557d Bildnis des Jacob Muffel. Die mit grauen 
Tönen gemischte rötliche Färbung des Inkarnats, 
das mit weißlichen Lichtern weich modelliert ist, 
hebt sich warm vom lichten graublauen Hinter- 
grund ab, auf den der Körper schwärzlichen Schatten 
wirft. Schimmerndes Weiß des Kragens und 
schwärzliches Grün des mit weißem Pelz gefütter- 
ten Gewands dienen der stärkeren Wirkung des 
Fleischtons, während wiederum das Schwarz der 
mit goldgelben Borten besetzten Kappe seine Helligkeit steigert. Gelbbrauner Pelz. 

Links oben die goldgelbe Inschrift : AETATIS ■ SVAE • ANNO ■ LV ■ SALVTIS • VERO MD- XXVI • und das Mono- 
gramm AD, darüber „ Effigies Jacobi Muffel " .'. Zwei alte Kopien schon im vorigen Jahrhundert im Privatbesitze zu Nürnberg ; 
die eine aus dem 17. Jahrhundert gegenwärtig im Germanischen Museum .'. Der Dargestellte ist der mit Dürer befreundete 
Nürnberger Ratsherr und Septemvir Jacob Muffel, der 1514 Bürgermeister von Nürnberg wurde und 1526 starb .-. Bis 1867 
in der Sammlung Schönborn zu Pommersfelden .'. Erworben 1883 in Paris auf der Versteigerung der Sammlung Narischkine. 
Ursprünglich auf Holz, 1870 in Petersburg auf Leinwand übertragen, h. 0,48, br. 0,36. 

557g Bildnis einer jungen Frau. Weich, im warmen goldigen Rotbraun der Unter- 
malung, mit weißlichen Lichtern im Inkarnat, ist die Figur vor lichtem hellblauem Himmel 
und dunklerem graublauem Meer zusammengehalten. Auch die einzige kräftigere Farbe, 
Karminrot im Mieder und den mit Schleifen in ge- 
brochenen grünen und graubräunlichen Tönen ge- 
zierten Armein, ist mit Braun gedämpft. Schwärz- 
liches Saftgrün im Streifen des Brusteinsatzes dient 
ihr als Ergänzung. Das dunkelrotbraune Haar 
ist am Hinterkopf von rotem, mit weißen Ro- 
setten besetztem Netz zusammengehalten. Den 
Hals umgibt brauner Halsschmuck. Im Streifen des 
Brusteinsatzes sind mit weißen Perlen Buchstaben 
eingestickt, in denen man den Namen „Agnes D" 
erkennen kann. 



Bez. links oben mit dem Monogramm AD .'. Dieses ungewöhnlich 
maleri.sch behandelte Porträt entstand wohl um 1506, während des 
Meisters Aufenthalt in Venedig. Die nalieliegende Vermutung, daß 
Dürers Frau Agnes dargestellt sei, wird nach den abweichenden Zeich- 
nungen, die von ihr erhalten sind, meist bezweifelt .'. Erworben 1893 
im Londoner Kunsthandel. 

Pappelholz, h. 0,285, br. 0,215. 



Fränkische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hiinderts 

557 D 




557 G 



37 



Fränkische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

557 H 




557 B 



557h Betende Maria. Grelle Farbenkontraste 
stehen unvermittelt nebeneinander: Rotgelb 
im Umschlage des hochgezogenen Mantels 
zwischen tiefem Ultramarinblau der Außen- 
seite und hellem Blaugrün im Kopftuch, das 
letztere der Erwärmung des Antlitzes dienend. 
Bräunliches Karminrot 1. und Gelbgrün r. [mit 
blaugrünem Schatten] geben den Hintergrund. 
Hellkarminrot in den Ärmeln. 

Bez. links oben mit der Jahreszahl 1518 und dem Monogramm 
AD .". Kopie in der Akademie zu Venedig .■. Erworben 1894 
auf der Auktion Morosini -Gatterburg in Venedig, als Geschenk 
des Herrn Geheimrat Dr. W. Bode. 
Lindenholz, h. 0,53, br. 0,43. 

Dürer Kopie nach Albrecht Dürer. 

\.J m^ j) 1^^^F'^^^''^^^^^M 557 b Maria mit dem Kind. Vor schwarzem 

Hintergrund erscheint das Inkarnat [mit hell- 
roten Tönen auf den Wangen und graublauen 
Schatten] sehr licht neben Hellkarminrot im Kleid mit bräunlichgoldgelbem Besatz. Ein 
Stück Blau vom Unterärmel ist neben der goldgelben Armeiborte 1. sichtbar. Dunkelrot- 
braunes Haar mit gelben Glanzlichtern. Das Kind hält eine Frucht. 

Bez. links in der Mitte mit der Jahreszahl 1518 und dem Monogramm A D .'. Nachahmung vom Ende des 16. oder vom An- 
fange des 17. Jahrhunderts .'. Erworben 1880 in Florenz aus der Sammlung Capponi als Geschenk. 
Lindenholz, h. 0,49, br. 0,40. 

TV" 1 L. ]_ Hans von Kulmbach. Nach seinem Familiennamen Hans Süß [Suess]. Geboren zu 
IS.UirnD3Cn Kulmbach in Franken wahrscheinlich 1476, g^estorben zu Nürnberg zwischen dem 29. Sep- 
tember unH dem 3. Dezember 1522. Schüler Jakob Walchs 
[Jacopo de' Barbari], unter dem Einfluß und wahrscheinlich 
in der Werkstatt Dürers zu Nürnberg ausgebildet. Tätig 
zu Nürnberg und zwischen 1514 und 1516 in Krakau. 

596a Anbetung der Könige. Die kühle Ge- 
samtfärbung ist auf Weiß [Hermelinkragen des 
knienden Königs, bläulich getönt im Gewände 
des Mohrenkönigs], Grau und Blau [Gewan- 
dung Marias, Tracht des Mannes r. hinten, Ge- 
wandjosephs, Himmel usw.] gestimmt, Blau durch 
den Kontrast zu Hellgelb [Kleid des Dieners r. 
und blauverschnürter Rock des Zuschauers mit 
der weißen Kopfbedeckung ganz 1. hinten] ge- 
stärkt. Nach der Tiefe gehen die blauen Töne 
in Blaugrün [Säule, landschaftHche Ferne] über, 
das im Vordergrunde zu leuchtendem Gelbgrün 
ansteigend mit Karminrot kontrastiert. Dieses 
setzt an im Mantel des knienden Königs [vor 
leuchtendem Gelbgrün im Mantel dahinter, durch 




38 



karminrot -blaugrüne Schillertöne und 
Graublau mit dem Gelb der Figur r. ver- 
mittelt], springt nach 1. über kleinere 
gedämpfte Flächen [z. B. Gewand und 
Kappe des Mohrenkönigs, hellgraurotes, 
von gelbgrünem Gürtel zusammenge- 
haltenes Gewand Marias] zum Mantel 
Josephs [neben bräunlichem Saftgrün in 
der Figur 1., vor blaugrüner Säule] über 
und klingt in den rötlichbraunen Ruinen- 
mauern und in den rosaroten Trachten 
verschiedener Figuren der Ferne aus. 

Bez. links auf dem Balkenwerk mit der Jahreszahl 1511 
und dem aus H und K gebildeten Monogramm .*. Nächst 
dem Tucherschen Altare der Sebalduskirche in Nürnberg 
das Hauptwerk des Meisters, in dem sich der Einfluß Ja- 
copo de' Barbaris deutlich kundgibt .'. Sammlungen Ignaz 
Theodor Reichsritter von Pachner Edler von Eggenstorff, 
1820; Rosthorn, Klagenfurt 1872 .-. Erworben 1876 aus 
der Sammlung F. Lippmann. 

Lindenholz, h. 1,53, br. 1,10. 



Schaeufelein 




Fränkische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

5%A 



.^1 Hans Leonhard Schaeu- 

laeUieiein feiein oder Schaeufelin. 
Maler und Zeichner für den Holzschnitt, geboren 
vor 1490 zu Nürnberg', gestorben zu Nördlingen 
1539 oder 1540. Schüler und Gehilfe Albrecht 
Dürers [bis 1505]. tätig zu Nürnberg und Augsburg [daselbst um 1512J und vornehmlich zu Nörd- 
lingen [seit 1515]. 

560 Das Abendmahl. Leuchtendes Rot [Vorhang, 1. vorn sitzender Apostel] und Gelb- 
grün [Gewänder Johannis und des einschenkenden Apostels 1.]. Kühleres Karminrot 
[Gewänder des trinkenden Apostels r. und des hinter ihm stehenden, heller im Kragen 
des r. vorn sitzenden, im Mantel des Becher haltenden 1. usw.] vermittelt mit weiß- 
lichem Blau [z. B. Mantel des 
r. vorn sitzenden Apostels], 
Graublau [Christus] und Dun- 
kelblau verschiedener Ge- 
wänder, das sich wiederum 
durch Goldgelb [Tracht des 
Judas, mit gelbrotem Haar 
und bräunlichrotem Beutel; 
Brote auf bräunlichweißem 
Tischtuch] ergänzt. Ocker- 
gelblichgrauer Fleischton. 
Graue Architektur. 

Bez. an der Bank rechts mit dem aus H 
und S gebildeten Monogramm und der Jah- 
reszahl 1511 .". Sammlung Solly, 1821. 
Weißtannenholz, h. 0,79, br. 1,06. 




39 



Fränkische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

M612 




T 



1 Wolf Traut. Geboren um 1478 zu Nürnberg, gestorben daselbst im 
räUt Sommer 1526. Schüler und Gehilfe seines Vaters Hanns, später wahr- 



scheinlich Albrecht Dürers, 
erwähnt]. 



Tätig zu Nürnberg [1512 daselbst urkundlich 



M612 Der hl. Gereon. Die Figur ist holzschnittartig mit schwarzen 
Umrissen und Schraffierung aufgezeichnet. In silberner Rüstung 
und goldener Kappe. Goldener Nimbus. Weißes Schild und 
Fahne an zinnoberrotem Schaft, mit karminroten Kreuzen. Vor 
saftgrünem Hintergrund. Unten in schwarzer Schrift : S Geriön. 

Alter Besitz .-. Tannenholz, h. 0,194, br. 0,075. 



Pen 



Georg Pencz oder Penz [Benz]. Maler und Kupferstecher, ge- 
CZ boren zu Nürnberg um 1500, zuerst 1523 im Verzeichnis der Nürn- 
berger Maler genannt, gestorben zu Leipzig den 11. Oktober 1550. Aus- 
gebildet unter dem Einflüsse Dürers [wahrscheinlich als Gehilfe in dessen 
Werkstatt], sowie während einer Studienreise in Italien unter dem der ita- 
lienischen Meister. Tätig hauptsächlich zu Nürnberg. 

582 Bildnis des Malers Erhard Schweizer von Nürnberg. 
Der rotbraune Ton der Untermalung hält, das Grau des Hin- 
tergrunds, das ockergelbliche, mit rötlichen Tönen erwärmte 
Inkarnat und das Grauschwarz des Wamses durchdringend, die 
Darstellung zusammen. Weißes Hemd. Rotbraunes Haupt- und 
Barthaar. Die Rechte hält einen Dolch mit dunkelrotbraunem 
Holzgriff mit grauem Beschlag. 



Bez. rechts oben in goldenen Buchstaben : ERHART • SVETZER ■ PICTOR • NORINBERG. Links 
Monogramm G P und die Jahreszahl 1544 .". Gegenstück zu Nr. 587 .■- Sammlung SoUy, 1821. 
Lindenholz, h. 0,82, br. 0,63. 



EADATIS XXXIX, das 



582 



585 Bildnis eines jungen Mannes. Im warm braunen Tone der Untermalung, die in den 

Schatten der Nische neben grauen Lichtern zutage 
tritt. Bräunlichockergelbes Inkarnat. Dunkelrot- 
braunes Haupt- und Barthaar. Grauschwarz in 
Barett und Gewand, Grauweiß im Kragen. Die 
Linke hält bräunlichgraueHandschuhe. Die Wärme 
des braunen Gesamttons erhöht der Gegensatz 
zur breiten Fläche von Saftgrün im Teppich. 

Bez. links oben mit dem Monogramm G P und der Jahreszahl 1534 .•. 
Erworben vor 1820 von Frauenholz. 
Lindenholz, h. 1,06, br. 0,82. 

587 Bildnis der Gattin Erhard Schweizers. 
Die Färbung entspricht in ihrem rotbraunen Ge- 
samtton dem Gegenstück. Bräunlichockergelbes, 
mit Grau gekühUes Inkarnat. In grauschwarzem 
Kleid und grauem, mit rotbraunem Pelz besetztem 
Hut. Goldgelbe Pelzaufschläge an den Ärmeln, 
Knöpfe und Bügel der Tasche. Rotbraune Bank. 
Durch den grauen Grund der Nische dringt der 



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40 




rotbraune Ton der Untermalung-. Die Finger 
der rechten Hand schmücken zwei Goldringe 
mit karminroten und blaugrünen Steinen. 

Bez. rechts oben mit dem Monogramm G P und der Jahreszahl 1545 
und mit der Inschrift in goldenen Buchstaben : ELISABETA. VXOR. 
ERHARDI .-. Gegenstück von Nr. 582 .-. Sammlung Solly, 1821. 
Lindenholz, h. 0,82, br. 0,63. 



SCHWÄBISCHE SCHULE DES 

XVI. JAHRHUNDERTS 

[Ulm, Aug-sburg-, Oberrhein] 



Z'il 1 Bartholme Zeitblom. Geboren zwischen 

eilDlOm 1450 und 1455 [?], gestorben nach 1517. 

Vermutlich Schüler des Hans Schüchlin zu Ulm, dessen Schwiegersohn [seit 1483] und Gehilfe er war. 
Tätig in Ulm und Umgegend. 

606a Das Schweißtuch der hl. Veronika. Die helle Färbung ist auf das bräunliche 
Weiß des Schweißtuchs mit dem warm bräunlichen, von dunkelbraunem Haar um- 
rahmten Antlitz Christi gestimmt. Während das Weiß, bläulich getönt in den Ge- 
wändern [über denen sich schwärzlichblaue Bänder kreuzen] und Flügeln der Engel, 
weiterklingt, vom Goldgelb der Haare begleitet, verbreitet sich das Gelbgrün der 
Dornenkrone im Hintergrund, kontrastierend 

mit Hellkarminrot in den Außenseiten der WS^K^^K^^^^^^^^^^^ 
Engelsflügel und dem graurötlichen Inkarnat. 

Vordere Staffel des für die Pfarrkirche von Eschach bei Gemünd 
um 1496 gemalten Altares, dessen übrige Teile sich in der Galerie 
zu Stuttgart befinden .*. Erworben 1850 aus der Sammlung 
Hirscher zu Freiburg i. B. 

Fährenholz, h.0,67, br. 1,82. 

561a Der hl. Petrus. Leuchtendes Rot im Man- 
tel über graublauem, in den Falten rotbraunem 
Gewand. Dunkelblauer Bucheinband mit gold- 
gelbem Schnitt. Vor goldenem, bräunlich la- 
siertem Teppich mit gelblichen und blaugrünen 
Fransen und schwarzem Hintergrund. Rot- 
brauner Fleischton. Silberner Schlüssel. Gol- 
dener Nimbus. Oben in goldenen Buchstaben: 
SC PETTRUS. 

Erworben 1850 aus der Sammlung Hirscher zu Freiburg i. B. 
Eichenholz, h. 0,53, br. 0,24. 



Fränkische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hundert s 

5S5 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




41 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




Strigel 



Bernhard Strigel. Geboren zu Memmingen 1460 oder 1461, gestorben daselbst 1528, vor 
dem 23. Juni. Unter dem Einflüsse Bartholme Zeitbloms ausgebildet. Tätig vornehmlich in Mem- 
mingen, wo er 1506 bis 1528 urkundlich häufig erwähnt wird und verschiedene Ehrenämter bekleidete, 
zeitweilig in Augsburg [um 1517] und in Wien [um 1520, 1522 und 1525], Nürnberg [1524]. Ehe- 
mals Meister der Sammlung Hirscher genannt. 



561 A 



563a — 563d Vier Tafeln, welche die Flügel eines Altarwerks bildeten. Vor 
grauem Boden und goldenem Hintergrund mit eingeprägten Ornamenten und Nimben. 
Lichter graurötlicher Fleischton. 

563b Der hl. Laurentius und die hl. Katharina. Das leuchtendste Rot im Gewände 

der hl. Katharina, dunkles Karminrot im Umschlage des 
Ornats und Buchbeutel, heller im Ornatbesatze des hl. 
Laurentius, kontrastierend mit Gelbgrün in dessen Ornat. 
Dunkelblau im Mantel der hl. Katharina [mit gelbbraunem 
Haar], Graublau im Schwert, bräunliches Grau im Rost. 
Weiß in Gewandbesatz und Chorhemd. 

563a Maria Magdalena und Johannes der Täufer. 
Helles Zinnoberrot im Mantel des Täufers [über goldenem, 
durch braune Lasur gedämpftem Gewand]. Grünliches Blau 
im Gürtel und Bucheinband. Links kühle Farben: bläuliches 
Weiß in den Hängeärmeln, Dunkelblau im Gewand, wenig 
Hellkarminrot in den Unterärmeln Magdalenas. Bräunlich- 
silbernes Salbgefäß. 

563c Der hl. Vitus und die hl. Margaretha. Bräunliches 
Karminrot im Mantel der hl. Margaretha, Mattrot in den 
Armelaufschlägen des hl. Vitus, kontrastierend mit Gelb- 
grün im Kleide der Heiligen und Saftgrün im Drachen zu 
ihren Füßen. Dunkelblau im Mantel des hl. Vitus [mit grau- 
braunem Pelzbesatz]. 




42 





Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

563 B 

563 A 



563d Elisabeth von Thüringen und Kaiser Heinrich II. Tiefes Blau im Mantel des 
Kaisers [mit graubraunem Pelzbesatz]. Graublaues Gewand, hellblau -gelb schillernder 
Mantelumschlag, gedämpft hellroter Mantel der hl. Elisabeth. Weißes Kopftuch. Goldener 
Reichsapfel und Krone. Bräunlichsilberne Kanne. 

Envorben 1850 aus der Sammlung Hirscher zu Freiburg i. B. -•. Aufgestellt in der Abteilung der deutschen Bildwerke. 
Weißtannenholz, h. je 0,87 [Nr. 563 A h. 0,85], br. je 0,70. 





563 C 
563 D 



43 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

583 A 




606 B 



583a Der hl. Norbert als Schutzheiliger eines 
Praemonstratenserordensbruders. Der Ge- 
gensatz von bräunlichem Karminrot [Gewand und 
Kranz der Heiligen, Mantel und Mütze des Hei- 
ligen], das im bräunlichrosigen Inkarnat, als Rot- 
braun im Bischofsstab, im Kelch [darin eine Spinne, 
das Attribut des Heiligen] und Ornatbesatz aus- 
klingt, und Grün in der Landschaft beherrscht das 
Bild. Saftgrün, braunrot schillernd, im Mantelum- 
schlage der Heiligen vermittelt. Tiefes Blau [Ferne 
und Himmel, Chorgewand des Heiligen, Schild des 
Stifters], durch einen Fleck Gelb [Handschuh des 
Heiligen in der Mitte] sich ergänzend. Grau [Erd- 
boden] und Weiß [bräunlich getönte Tracht des 
Stifters] erhöhen die Wirkung der roten Töne. 

Das Bild gehörte wahrscheinlich als rechter Flügel zu einem Mittelbiid, 
auf dem vielleicht Maria dargestellt war, der der Heilige den Stifter 
empfiehlt .*. Erworben 1850 aus der Sammlung Hirscher zu Freiburg i. B. 
Weißtannenholz, h. 0,30, br. 0,23. 

606 Zwei Flügelbilder eines Altares in einem Rahmen. Links: Geburt der Maria. 
Gelbgrün [Kleid der das Kind badenden Frau], von Weiß [Tücher, gelblich getönt im 
Boden] umgrenzt, kontrastiert mit dem leuchtenden Karminrot im Hintergrund [Bett- 
himmel, Bettdecke, Gewand der mittleren Frau], das seinerseits von Gelbgrün [Kante 

des Betthimmels] begleitet wird. Nach 1. fällt die 
Färbung zu bräunlichem Karminviolett und Graublau 
[Wasser eingießende Magd], im Mittelgrunde zu 
Dunkelblau [stehende Frau] und Goldgelb [Truhe, 
Bettstatt]. Der Gegensatz zu reinem Weiß [Kopf- 
tücher usw.] steigert die Leuchtkraft der Lokalfarben. 
An Stelle des Himmels Goldgrund mit eingeprägtem 
Granatapfelmuster. — Rechts: Maria Tempelgang. 
Leuchtendes Rot [Mantel Annas], begleitet von rei- 
nem Weiß und Hellgrau [Architektur], ergänzt sich 
in einzelnen Flecken Grün und fällt nach 1. zu Rosa- 
rot [Boden], zu bräunlichen, karminroten und gold- 
gelbbraunen Tönen in der Figurengruppe. Die Mitte 
betont der Kontrast von Dunkelblau und Mattgelb 
[Mantel und Beinkleider Joachims]. — Unten weiße 
Schriftblätter mit auf die Darstellungen bezüglichen 
Inschriften mit zinnoberroten Initialen. 



Gegenstück zu Nr. 606 C .•. Erworben 1850 aus der Sammlung Hirsdier 
zu Freiburg i. B. 

Weißtannenholz, jeder Flügel h. 1,23, br. 0,33. 




44 



606c Zwei Flügelbilder eines Altares in einem 
Rahmen. Links: Tod der Maria. Leuchtendes Karmin- 
rot und Gelbgrün in den Gewändern der Apostel [unter 
ihnen Christus in rotem Mantel, die Seele Marias auf 
den Armen] bildet den unruhigen Hintergrund, von dem 
sich in breiter Fläche Dunkelblau im Kleide Marias ab- 
hebt. Weiß im Kopftuch und einzelnen Gewändern. 
Violettbraune Architektur. R. schneidet ein gelbgrüner 
Vorhang in das Bild ein. An Stelle des Himmels Gold- 
grund. — Rechts: Heimsuchung der Maria. Leuch- 
tendes Rot im Mantel Elisabeths, Zinnoberrot in den 
Flammen des brennenden Sodom. Saftgrün und Blau- 
grün in der Landschaft. Dunkelblau im Mantel Marias 
[über bräunlichviolettem Gewand]. Weiße Kopftücher. 
Graubraune Felsen. Die Hauptfarben Rot, Blau, Violett 
wiederholen sich in den Kleidern Loths, seiner Frau und 
Töchter im Mittelgrund. An Stelle des Himmels Gold- 
grund. 

Gegenstück von Nr. 606 B und mit diesem Bild von demselben Altar .'. Erwor- 
ben 1850 aus der Sammlung Hirscher zu Freiburg i. B. 
Weißtannenholz, jeder Flügel h. 1,23, br. 0,33. 

583c Altarflügel. Maria mit dem Kind und einem Mitgliede der hl. Si 
beherrschende Rot setzt leuchtend in Mantel und 
Hut Ehuds und in den Bucheinbänden auf dem 
Pult ein, spielt gedämpfter nach r. hinüber [dun- 
kelblau eingefaßter Schurz des Kindes, karminrotes 
Gewand Marias], begleitet von Saftgrün [Teppich 
auf dem Pult, Vorhang], und steigert sich über 
bräunliches Orangerot [Ärmel Eliuds] zu Gold- 
gelb in seinem Stiefel, das im hellgelben, rötlich 
schillernden Mantelumschlage Marias ausklingt. 
Zu Goldgelb, das im Sitze Marias und im Pult 
wiederkehrt, bildet wiederum Dunkelblau [Bein- 
kleid Eliuds, Mantel Marias], das die r. Seite be- 
herrscht, die Ergänzung. Goldene Nimben. Weiß 
in den Tüchern, Grau im Boden bilden die Basis 
für die leuchtenden Lokalfarben. Vorn in schwar- 
zer Schrift mit zinnoberroter Initiale: Eliud ain 
andre fräwen . Von ir der haile. 




Sdiwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

583 C 



ppe. 



Da 



Die Tafel ist in ihrem oberen Teil beschnitten 
Geschenk der Frau Elsi d'Alton in Berlin. 
Tannenholz, h. 1,25, br. 0,65. 



Erworben 1908 als 




606 C 



45 



St^wäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

583 B 



592 A 




583b Johannes Cuspinian mit seiner Familie. 
Rot setzt r. im Kleide der Mutter als bräunliches 
Karminrot an, steigert sich zu leuchtendem Zin- 
noberrot in den Schauben der Söhne und klingt 
im warm rotbräunlichen Inkarnat, im rotbraunen 
Haar und endlich im Pelzbesatz der Schaube und 
dem Barett des Vaters aus. Es kontrastiert 1. mit 
Gelbgrün in dessen Ärmel und in der wenig sicht- 
baren Landschaft. Dunkles Blau in Himmel 
[darauf mattgelb die Inschriften] und Meer, Weiß 
in Haube und Hemden erhöht die Leuchtkraft 
des Rot, tiefes Schwarz [Baretts, Schaube des 
Vaters, Gewänder der Söhne, Brusteinsatz der 
Mutter] die allgemeine Helligkeit. Bräunlich- 
grauer Baumstamm. Graue Brüstung. 

Auf dem Bilde sind folgende Inschriften : Zebedeus über dem Haupte 
Cuspinians; Jacobus major Christo coevus über dem ältesten Sohne; 
Salome uxor i pacifica quia fiHos pacs [ pacif icos ] genuit über der weibHchen Figur; unter dem jüngsten Sohn auf der Brüstung 
Joannes Christi . . . An einem Ast in der Mitte des Bildes eine gelbbraun gerahmte Tafel mit der Inschrift: Filü, colite Deum 
discite prudencia diligite honestate .".Auf der Rückseite der Tafel in goldener Unzialschrift auf schwarzem Grunde drei längere In- 
schriften, die über den Maler selbst, über die Dargestellten und über ein Gegenstück zu dem Bilde nähere Auskunft geben. Durch 
sie ist Name und Herkommen der Persönlichkeit des Meisters der Sammlung Hirscher wieder entdeckt worden. Mit Ergänzung 
der verwiscliten Buchstaben sowie der Abkürzungen lauten die Inschriften; anno humanae reparacionis MDXX mense octobri 
Leone X. pont. max. quum Carolus V. Philippi Castellae regionis ac Granatae regis filius Aquisgrani in Regem Ro. crearetur ac 
Ro. Caesar designaretur. Bernardinus. Strigil. pictor. civis Memingensis. nobilis. qui solus edicto. Caesarem Maximilianum. 
ut olim Apelles Alexandrum pingere jussus has imagines manu sinistra per specula ferme sexagenarius Viennae pingebat. — 
Joannes Cuspinianus doctor francus ex Schweinfurt oüm caes. Aug. Maximilian! imp. a consiliis et ad reges hungariae boemlae ac 
poloniae Vladislaum Ludovicum et Sigismundum orator Caroli V. Caes. consilarius. ac locum tenens in senatu Vienensi quem 
vulgo Anvaldum apellat. Ex prima conjuge Anna octo liberos genuit e quibus hie Sebastianus foelix annum agebat etatis quintum 
decimum, minor natu Nicolaus Chrisostomus duodecimum genitor horum duodequinquagesimum Hagnes noverca quadragesimum 
primum. — Prima tabula habet imagines Maximilian! caes. Aug. Mariae ducissae Burgundiae filiae Caroli ducis Phil, filü Regis 
Castellae CaroH. V. Imp. Aug. Ferdinan. infantis Hisp. Archiducum ac nepotum. Caes. et Ludov. Regis Hungariae ac Boemiae. 
Der Inhalt der ersten Aufschrift ist, daß Strigel, fast sechzigjährig, vom Kaiser geadelt wurde und allein berechtigt war, das Bildnis 
Maximilians zu malen und daß er diese Porträts im Jahre 1520 zu Wien mit der linken Hand und mit Hilfe des Spiegels gemalt 

habe. Der zweite Abschnitt belehrt über Amt, Würden und Alter des 
kaiserlichen Rates Johann Cuspinian [eigentlich Spleßhammer, gestor- 
ben 1529], der zugleich Historlograph war und an der Wiener Universi- 
tät wirkte, sowie über Namen und Alter der dargestellten Glieder seiner 
Familie. Der dritte Abschnitt berichtet von dem Gegenstück zu dem 
Bilde, das die Bildnisse Kaiser Maximilians I., seiner Gemahlin Maria von 
Burgund, ihres Sohnes Philipps I., der beiden Söhne des letzteren, KarlsV. 
und Ferdinands I., endlich des Prinzen Ludwig II. von Ungarn enthält. 
Das Bild befindet sich noch jetzt In Wien In den k. k. Hofmuseen und 
zeigt auf der Rückseite die Sippe Christi, steht also auch im Zusammen- 
hange mit dem Berliner Bilde, sofern auf diesem die Porträt figuren mit 
Namen aus der Sippe Christi bedacht sind .*. Wahrscheinlich zur 
. ^^ Sammlung Solly gehörig. 

^ ^ Lindenholz. h. 0,70, br. 0,61. 




Male 



Hans Maler. Aus Ulm gebürtig und dort wahrschein- 
lich als Schüler Zeitbloms gebildet. Tätig zu Schwaz 

in Tirol, nach den Daten auf seinen Bildern 1519 bis 1529. 

Früher „Meister der Weltzerbildnisse" genannt. 



592a Bildnis der Königin Anna, Gemahlin 
Ferdinands 1. von Ungarn. Von tiefblauem 
Grund hebt sich leuchtend das goldgelbe, schwarz 
gemusterte und karminrot geschlitzte Brokatge- 



46 





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wand ab, dessen Lichter in 
Gold aufgesetzt sind. Die 
Helligkeit des weißlichen, 
von grauen und rosa Tönen 
durchsetzten Antlitzes, das 
gelbbraunes,von goldgelber 
Haube mit goldenen Lich- 
tern bedecktes Haar um- 
rahmt, steigert der Gegen- 
satz zum dunklen Blau des 
Grundes und Schwarz im 
Barett, das mit goldenen 
Nesteln, grauweißen Perlen 
und Feder geziert ist. Gold- 
gelber Halsschmuck. Auf 
dem blauen Grund in Gold- 
schrift: ANNA REGINA • 
1525 Anno Etatis • 22 • 




Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

123-1 B 



Ehemals irrtümlich als Bildnis der Anna Boleyn angesehen und Hans Holbein d. J. zugeschrieben .-. Sammlung Solly, 1821. 
Weißtannenholz, h. 0,34, br. 0,28. 

CpU offi-ipi' Martin Schaffner. Zeichnet sich Martinus Schaffner, seit 1514 mit dem aus M und S 
kJ»..-IlClllllCI gebildeten Monogramm. Maler und Bildschnitzer, geboren um 1480'(zu Ulm, gestorben 

dciselbst angeblich 1541. Schüler des Jörg Stocker 

zu Ulm, ausgebildet unter der Einwirkung Burgk- 

mairs, Dürers, Schäufeleins und der italienischen 

Kunst [Reise nach Italien um 1520?]. Tätig nach 

den Daten auf seinen Bildern von 1496 bis 1535, 

vornehmlich zu Ulm. 

1234b Zwei Flügel eines Altars [ausein- 
andergesägt]. Leuchtende Farbenkontraste, 
vor allem Karminrot und Gelbgrün, dunkles 
Blau und Gelb [oder Gold], durch den Ge- 
gensatz zu Weiß noch tiefer gestimmt. Röt- 
liches Inkarnat mit graublauen Schatten. 
Rosabräunliche und graue Bodenfliesen. 
— Außenseiten. Vor Goldgrund mit 
eingeprägten Ornamenten und Nimben. 
Linker Flügel: Derhl.Andreas. Zwischen 
leuchtendem Karminrot im Mantel und 
tiefem Blau im Gewand vermittelt bräun- 
liches Gelb im Mantelumschlag. — Rechter 
Flügel: Der hl. Gregor. Leuchtendes 
Gelbgrün im Mantel, im Umschlage des 
schwärzlichsilbernen, goldgestickten Or- 
nats [mit saftgrünen Lasuren] und seinen 




47 



SdiTväbisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

603 A 




Fransen kontrastiert mit Karminrot [Mantelumschlag, Tiara], das sich zu Zinnoberrot 
im Bucheinband steigert. Goldgelbe Handschuhe. Weiß im Chorhemd. — Innenseiten. 
Vor goldenen, braungemusterten Teppichen mit gelbgrüner Kante, die vor dunkel- 
blauem Grund mit goldenem Rankenwerk hängen. Linker Flügel: Der hl. Lukas. 
Leuchtendes Karminrot in Mantel und Kappe, Saftgrün im Bucheinband. Dunkelblau 
im Gewand, gelbe, in den Schatten rotbraune Handschuhe. — Rechter Flügel: Der 
hl. Markus. Karminrot im Mantel und mit bräunlichsilbergrauem Muster im Wams, 
noch leuchtender im Einbände des Buches [mit goldenem Schnitt], steht gegen leuch- 
tendes Gelbgrün in Ärmeln und Beinkleidern. Blaue Kappe. 

Vor 1514 gemalt .-. Sammlung Hainauer, Berlin .-. Erworben 1906 als Geschenk der Frau J. Hainauer in Berlin. 
Kiefernholz, jede Tafel h. 1,07, br. 0,26. 

D_l J.,_„ Hans Baidung-, gen. Grien [Grün]. Maier und Zeichner für den Holzschnitt, geboren 
'-'''•^'-^^''ö zu Weyerstein [am Turm bei Straßburg; die Familie stammte aus Schwäbiscl» Gmünd] 
zwischen 1475 und 1480, gestorben zu Straßburg 1545. Gebildet unter dem Einflüsse Dürers. Tätig 
nach den Wanderjahren vornehmlich in Straßburg und in Freiburg im Breisgau [1511 — 1516). 

v,603 Kreuzigung Christi. Das Bild erinnert mit seinen breiten leuchtenden Flächen, 
auch in der Wahl der Farben, unter denen Smaragdgrün und Karminrot, Gelb und 
Blau vorwiegen, an Glasgemälde. Leuchtendes Smaragdgrün, das vorn im Rock 
Magdalenas ansetzt, sich in der Wiese, in Tasche und Armelumschlag des Haupt- 
manns weiterverbreitet und im bräunlichen Saftgrün der Bäume ausklingt, kontrastiert 
mit Karminrot [Mieder Magdalenas, leuchtender im Mantel Johannis, Gewand und 



48 



Kopfbedeckung des Hauptmanns, Tasche des Knechts I. usw.], leuchtendes Gelb [Hose 
des Knechts 1., Gewand und Kragen des Hauptmanns, Kriegsknecht r.] mit Blau [Ärmel 
Marias; heller im Himmel; grünlichblaue Ferne]. Kaltes bläuliches Weiß im Mantel Marias, 
Weiß in den Kopftüchern der Frauen und den Schneegebirgen erhöht die tiefe Lokal- 
farbenwirkung. Die rotbraunen und graubraunen Körper der Gekreuzigten vor stumpf 
grauschwarzer Wolkenschicht. R. vorn der Stifter, Abt des Klosters Schüttern im Breis- 
gau. Neben ihm ein Wappen, Blau in Gold, rot und silbern umrandet. 

Bez. am Fuße des Kreuzes mit der Jahreszahl 1512 und dem aus HB und G gebildeten Monogramm .-. Erworben 1823. 
Lindenholz, h. 1,51, br. 1,04. 

v603a Flügelaltar. Mittelbild: Anbetung der Könige. Die tiefen leuchtenden Farben 
lassen wiederum in ihrer breitflächigen Wirkung und in ihrer scharfen Abgrenzung an 
Glasmalereien denken. Den Hauptkontrast, der auch die Flügel beherrscht, am volltö- 
nendsten aber im Mittelbild erklingt, bilden leuchtendes Karminrot [Gewand des knien- 
den Königs, kühler in Kappe und Gewand des Mohrenkönigs und im Mantel Josephs] 
und Smaragdgrün [Streifen im weißen Umhange des Mohrenkönigs, bläulicher in der 
Kopfbedeckung des knienden Königs am Boden und in Kappe und Ärmeln des Königs 
in der Mitte], das in der Landschaft in Gelbgrün übergeht. Dazwischen ist Blau [Dun- 
kelblau im Gewände Marias, Hellblau im Himmel mit gelber, rot umrandeter Glorie, 
Graublau in Gewand und Kappe Josephs] und Gelb [Beinkleider des Mohrenkönigs, 
rötlicher in der mit dunkelrotbraunem Pelz besetzten Schaube des Königs in der Mitte] 
verteilt. Weiß bildet die Basis für die leuchtenden Lokalfarben. Vor dunkelbraunem 
Gemäuer und grauem Erdboden, der sich in den Flügeln fortsetzt. — Linker Flügel: 
Der hl. Georg. In den Flügeln fällt die Färbung 
zum weiß blitzenden Grau der Rüstungen, Weiß 
in den Fahnentüchern und bräunlichem Grau im 
Erdboden. Leuchtend dagegen steht das Rot im 
Barett, im Fahnenkreuz und -schaft, durch Gelb- 
grün der Wiese und Dunkelgrün im Laubwerk sich 
ergänzend. Goldgelbes Gewand mit blauem Be- 
satz. — Rechter Flügel: Der hl. Mauritius. 
Leuchtendes Rot im Fahnenschaft, in den rosa- 
roten Tönen des Helmbuschs und dem rotbräun- 
lichen Erdboden ausklingend. Gelbgrün im Rasen. 
— Rückseiten: In gebrochenen, auf Grau 
gestimmten Tönen. Linker Flügel: Die hl. 
Katharina. Kaltes Hellkarminrot im Mantel und 
Gelbgrün der Landschaft. Gedämpftes Goldgelb 
im gelbgrün gemusterten Brokatgewand und im 
Haar gegen Hellblau im Himmel und Graublau 
im Kragen. — Rechter Flügel: Die hl. Agnes. 
Zinnoberrot in der Kappe und Karminrot im 
Kleiderbesatz, mit Gelbgrün in der Landschaft 
kontrastierend, belebt das herrschende Grau in 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




603 B 



49 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

552 B 



619 A 



Gewand und Erdboden. Goldgelbe Stickereien der 
Kappe. Das Lamm an dunkelblauem Bande. Die 
Tafeln sind jetzt auseinandergesäg-t. 

Aus der Stadtkirche zu Halle. Der entsprechende, aus gleichem Besitz 
stammende Flügelaltar, die Marter des hl. Sebastian (jetzt bei Frau H. Gold- 
schmidt zu Brüssel ], trägt das Monogramm des Meisters und die Jahreszahl 
1 507 .-. Erworben 1 872 aus der Sammlung des Justizrats Wilke in Halle a. d. S. 
Lindenholz, Mittelbild h. 1,21, br. 0.70, Flügelbilder br. je 0,28. 

603b Beweinung Christi. Kalte lichte Töne halten 
die Mitte zusammen: Weiß im Bahrtuch, den bräun- 
lichgrauen Leichnam umschließend, und im Kopftuche 
Marias, ockergelbliches Grau im Inkarnat, alles über- 
tönend aber Hellblau im Gewände Marias [noch heller 
ausklingend im Himmel]. Die kühle Wirkung der 
Mitte erhöht der Kontrast zu gelben Tönen: mattes 
Gelb im Gewände Magdalenas, gelbbräunliche Töne 
im Holz der Kreuzesstämme, Gelbbraun im Pelzwerk 
der graublauen Tracht Josephs von Arimathia, Gold- 
gelb in dessen Ärmel, Ockergelb im Haare Johannis. 
Zu 1. hervorbrechendem Hellkarminrot in der Gewandung Johannis, das im rötlichen Inkarnat 
und vorn im lichtroten Erdboden ausklingt und die Ergänzung in all den von Olivgrün 
[Mantel Magdalenas] und bräunlichem Saftgrün [Buschwerk] bis Blaugrün [Ferne] ab- 
fallenden Tönen des Hintergrunds findet, steigern sich die gelben Töne, die in der Nach- 
barschaft von Grün nach Rot [Gewand Magdalenas, mit karminrotem Gürtel], neben Rot 
nach Grün [Ärmel Josephs] schillern. Ganz zart kehren rosarote Töne in der Landschaft 

neben Blaugrau und Blaugrün [Berge 
der Ferne] wieder. 



Aus der späteren Zeit des Meisters .". Stammt an- 
geblich aus Südfrankreich .'. Erworben 1907 als 
Geschenk des Herrn Generaldirektors Dr. Bode. 
Lindenholz, h. 1,39, br. 0,93. 





552b Kopf eines Greises. Der 
braunrote Ton des Inkarnats spielt 
auf das graue Haar [mit scharfen 
weißen Lichtern] hinüber. Schwarzer 
Grund und Mantel. 



SAJIX» QTlBaiW VTM -'SÄT mVLK Ä" TfW '"^I^A Wlii VIKjU I ■ M 



Ehemals Albrecht Dürer zugeschrieben .-. Ringsum 
angestückt .*. Sammlungen von Kirschbaum, Mün- 
chen 1822, von Holzschuher, Nürnberg 1869 .". 
Sammlung Suermondt, 1874. 

Holz [Art?], in Eichenholz eingelassen, h. 0,32, 

br. 0,23. 



50 




Meister von Meßkirch e^Lr^lin* 

Hauptwerke in der Kirche zu Meßkirch. Tätig um 
1525 — 1550. Anscheinend Schüler Schäufeleins. 

619a DreiTafeln in einem Rahmen. Vor 
goldenem Grund mit eingeprägten Nimben; 
oben Goldrankenwerk auf Schwarzblau. Auf 
bräunlichweißem Boden, vorn durch weiße 
Tafeln begrenzt. Lichtes rosabräunliches 
Inkarnat. Die hl. Katharina. Tiefes Grün 
in Palme und Oberkleid geht nach unten 
[in den Schatten des Untergewands] in das 
Rostbraun derUntermalungüber. Bläuliches 
Weiß der Hängeärmel. Braun lasiertes 
silbernes Schwert, ockergelbbraunes Rad. 
— Der hl. Paulus. Zinnoberrot im Mantel, 
Hellblau im Buch mit goldgelbem Schnitt, 
Violettgrau im Gewand. Silbernes, braun- 
lasiertes Schwert. — Diehl. Agnes. Weiß- 
lichkarminroter Mantel, zinnoberroter Rock mit graublauem Besatz, oben blaues Kleid. 
Grüne Palme. 

Zu Nr. 619 B gehörig. S. die Bemerkung daselbst .■. Erworben 1850 aus der Sammlung Hirsclier zu Freiburg i. B. 
Fichtenholz, Mittelbild h. 0,61, br. 0,18; Seitenbilder je h. 0,70. 

631 Christus am Ölberge. Im Vordergrunde leuchtende Lokalfarben: 1. Rot [Gewand 
Johannis] im Kontrast zu saftigem Grün in Rasen und Laubwerk [als Karminrot im 
Mantelumschlag und Zinnoberrot im Buch neben Gelb- 
grün im Ärmel des Jüngers r. hinten wiederkehrend], 
r. tiefes Blau im Gewände Petri. Das letztere schwächt 
sich, den Mittelgrund beherrschend, zu Graublau im 
Rocke Christi ab, dort durch den Gegensatz zu bräun- 
lichem Ockergelb in der Felswand [kräftiger im Haar 
des Jüngers] gestärkt. Im Hintergrunde nochmals nach- 
drücklicher derselbe Kontrast: Dunkelblau [Himmel], 
Graublau [See] und Goldgelb [Judas], Hellgelb 
[Horizont]. Goldener Kelch und Nimben. 

Ein Seitenstück, Christi Kreuztragung, im Germanischen Museum zu Nürn- 
berg. — Galt ehemals, wie alle Bilder des Meisters, als Arbeit B. Behams, 
wurde dann irrtümlich dem Schäufelein zugeschrieben .*. Sammlung Solly, 
1821 .-. Fichtenholz, h. 0,63, br. 0,50. 

619b Zwei Tafeln in einem Rahmen. Links: Der 
hl. Crispin. Rosarot im Rock, Grün in der Palme. 
Gelbbraune Stiefel und Axtgriff. Graubrauner Pelz. — 
Rechts: Der hl. Crispinian. Leuchtendes Hellblau im 
Rock, strohgelbes Haar, gelbbrauner Rockumschlag. 
Weißlichkarminrote Beinkleider, grüne Palme. 



Schwiibisclie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

631 




619B 



51 



Sdiwäbische 

Sdiule des 

XVI. Jahr- 

Hunderts 

584 




ZuNr. 619 A gehörig und mit diesem eliemals in der Herrschaft Zimmern. 
In der 1909 versteigerten Sammlung Felis zu Brüssel befanden sich fünf 
dazugehörige Tafeln mit Heiligendarstellungen .■. Erworben 1850 aus 
der Sammlung Hirscher -•. Fichtenholz, jede Abteilung h. 0,64, br. 0,19. 



Burgk 



maiK '^'"'^ Burgkmair. Maler und Zeichner für 
^'■'*^*' den Holzschnitt, geboren 1473 zu Aug-sburg, 
gestorben daselbst 1531. Sohn und Schüler des Thoman 
Burgkmair, in jungen Jahren vielleicht bei Schongauer in 
Kolmar, weiter ausgebildet unter dem Einflüsse der vene- 
tianischen Malerei. Tätig zu Augsburg [daselbst 1498 in 
die Malerzunft aufgenommen]. 

584 Heilig-e Familie. Warme Töne, von Olivbraun 
im Mantel Josephs zu bräunlichem Orangegelb 
im Gewand ansteigfend, fallen nach r. über karmin- 
rot [Armelumschlag] und Saftgrün [Unterärmel] 
zu Weiß [Windel, vor braunrotem Pilaster] und 
Dunkelblau [Mantel Marias über bräunlichkarmin- 
rotem Gewand]. Rotbraunes Inkarnat. Die röt- 
lichen, auf das beherrschende Rotbraun gestimmten 
Töne ergänzen sich im stumpfen Saftgrün der 
Landschaft. 



Bez. unter dem Kapital des Pfeilers: lO • BVRGKMAIR • PINGEBAT ■ IN • AVGVSTA • REGIA 1511 
aus der Sammlung Reimer zu Berlin .". Lindenholz, h. 0,45, br. 0,33. 



Erworben 1843 



569 



569 Der hl. Ulrich, Schutzpatron von Augsburg. Orangegelb und Karminrot in 
Mantel und Bischofsmütze, Goldgelb im Knauf des Bischofsstabes und Karminrot im 

Sudorium auf der r. Schulter steigern sich zum wärmsten Rot im 
Fransenbesatz des Mantels und den Schuhen, kontrastierend mit 
Saftgrün [Landschaft, Fütterung der Bischofsmütze]. Orange- 
gelb als Hauptfarbe ergänzt sich im tiefen grünlichen Blau des 
Himmels [davor warm das bräunliche Inkarnat] und [nochmals 
in der Goldborte anklingend] im dunklen, über Braun gelegten 
Blau des Gewands. Hellblau-rosarote Schillertöne im Mantel- 
umschlag bilden die Vermittlung, während kaltes bläuliches Weiß 
[Chorhemd, Stab, Handschuhe] die Leuchtkraft der bunten 
Farben erhöhen hilft. Braune und graue Untermalung. R. unten 
ist in der Untermalung der abgeschnittene Fuß einer anderen 
Figur sichtbar. 

Gegenstück zu Nr. 572 .'. Aus der späteren Zeit des Meisters [um 1520] .'. Erworben 1843 
aus der Sammlung Reimer zu Berlin .". Fiditenholz, h. 1,04, br. 0,40. 

572 Die hl. Barbara. Leuchtendes Rot [Untergewand] und Gelb- 
grün [Umschlag des Obergewands] bilden den beherrschenden 
Kontrast, dessen Intensität durch kühle graublaue und silber- 
graue Töne im Obergewande gesteigert wird. Hellblau -rosarote 
Schillertöne im Umschlage des Untergewands überführen zum 
Mattgelb des Rockes. Im oberen Teil hat [neben bräunlichen 
Tönen, z. B. im Inkarnat] Goldgelb im Mieder, Kelch und Krone 




52 



das Überg-ewicht. Es wird [im Horizonte 
weiterkling-end] durch den Gegensatz zu Hell- 
blau im Himmel und unten im Häng-eärmel 
durch den Gegensatz zu Graublau [Ober- 
kleid] gestärkt. Saftgrüne Landschaft mit 
blaugrüner Ferne. 



Gegenstück von Nr, 
Reimer zu Berlin .". 



569 .•. Erworben 1843 aus der Sammlung 
Fichtenholz, h. 1,04, br. 0,40. 




Sdiwa'bische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

597 A 



Rffll J""^^ [Georg] Breu d. Ä., Brew oder Prew. 
■'-'* y^yi Zeichnet sich mit dem Monogramm [siehe unten] 

oder auch Jörg- Prew. Maler und Zeichner für den 

Holzschnitt. Tätig- schon 1501, zu Augsburg um 1512 

bis 1530, gestorben daselbst 1536. Wahrscheinlich 

unter dem Einflüsse H. Burgkmairs gebildet. 

597a Maria mit dem Kind und die hll.Bar- 
bara und Katharina. Dunkelblau im Ge- 
wände Marias lichtet sich auf zu Hellblau im 
Mantel [mit weißlichen Lichtern], in den Flü- 
geln einiger Engel, in der Ferne und im 
Himmel mit weißen Wolken. Helles grau- 
bräunliches Inkarnat. Einige Flecken Gold- 
gelb im Gewände des vordersten Engels und in den Mustern des schwarzen Brokat- 
kleides der hl. Barbara [hinten], Gold in den Kronen und dem Schnitte des Buches 
im Vordergrund, Ockergelb im Brunnen, an dem die Engel 
spielen [die durch grauweiße Schriftblätter als Vertreter von 
Glaube, Liebe, Hoffnung und der vier Kardinalstugenden 
gekennzeichnet sind]. In der kühlen, auf Blau und Grau ge- 
stimmten Färbung bricht r. leuchtendes Rot [Kleid der hl. 
Katharina, wiederkehrend im Rosenkranz, den das Kind 
darreicht] hervor, das sich durch Saftgrün [rot gezierte Är- 
mel Katharinas, Wiese und Bäume] ergänzt. Oben sind alle 
Lokalfarben vor hellem Himmel gebrochen: rotgelbe und 
graublaue Gewänder, grünliche und violette Flügel der 
Engel, mattgelbe, rosarot umrandete Glorie, graublaue und 
mattrote Gewandung Gott -Vaters. Der später angefügte 
1. Streifen ist abweichend vom übrigen Teil der Tafel in 
dunkelgrünen und blaugrünen Tönen gehalten, von denen 
sich die Wappen in kräftigen hellblauen, goldgelben, zinnober- 
roten und schwarzen Farben der Felder abheben. 

Bez. rechts am Brunnen mit der Jahreszahl 1512 und dem Monogramm b .■. Die beiden 
Wappen in dem Bild, von späterer Hand hineingemalt, sind die des Christoph Haimer 
zu Reichenstein [1517 — 1571] und seiner Gattin Apollonia Pernerinn zu Rauchen- 
Schachen. Der linke Streifen mit den Wappen und der Landschaft ist angesetzt an 
Stelle eines Stückes der Originaltafel, auf dem vermutlich noch zwei Heilige dargestellt 
waren .-. Erworben zwischen 1845 und 1847. 
Fichtenholz, h. 0,75, br. 0,52. 




572 



53 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

586 




586 C 



HfnlKpln ^^"^ Holbein d. J. Maler und 
1 lUlUClIl Zeichner für den Holzschnitt, ge- 
boren zu Augsburg 1497, gestorben zu Lon- 
don zwischen dem 7. Oktober und dem 
29. November 1543. Schüler seines Vaters 
Hans zu Augsburg. Tätig in Basel [seit 1515 
und daselbst 1519 in die Zunft aufgenommen], 
einige Zeit zu Luzern [um 1516 oder 1519], 
1518 vermutlich in Oberitalien, seit 1526 zu 
London [1536 zum Hofmaler ernannt], mit 
Unterbrechung der Zeit von 1528 — 1531, 
sowie des Jahres 1538, die er wieder in 
Basel zubrachte. 

586 Bildnis des Kaufmanns Georg 
Gisze. Zum leuchtenden Gelbgrün 
der Wände, das in den Schatten eine 
blaugrünlicheTönung empfängt, steht 
im Kontrast das verschiedenartige 
Rot, das am leuchtendsten in den 
karminroten Ärmeln [mit weißlichen 
Lichtern] zum Ausdrucke kommt und 
sich im Vordergrunde zu bräunlichem 
Zinnoberrot, [außer von Grau] be- 
gleitet von Saftgrün, in den Orna- 
menten des persischen Teppichs erwärmt. Die Unruhe des Vordergrundes läßt die breiten 
Farbenflächen der Figur in um so größerer Ruhe erscheinen. Das graurötliche, weich 
modellierte [von graubraunem Haar umrahmte] Antlitz wird außer durch den Gegensatz 
zu Gelbgrün durch das reine Weiß im Hemdausschnitt erwärmt. Tiefes Schwarz der Schaube, 
Grauschwarz im Barett erhöhen die allgemeine Helligkeit. In kleineren Flecken wiederholt 

sich in der Umgebung der Figur überall Rot [hell- 
'^ karminrote und rötlichviolette Nelken in der vene- 

tianischen Glasvase, zinnoberrote Siegel der Briefe, 
zinnoberrote Schnüre der Wage, bräunlichrote Rie- 
men der Bücher]. Hinzu tritt auf der r. Seite bräun- 
liches Goldgelb in den ledernen Büchereinbänden 
und im Kasten oben, reiner in der Bindfadenrolle 
und den Ringen am oberen Bort, kontrastierend 
mit Blau [Fond der Fadenrolle, Ringstein]. Auch 
hier bildet überall Hellgrau [Metallgeräte r. vorn] 
und reines Weiß dieBasis für die leuchtenden Farben. 

Links an der Wand der Name: G. Gisze und darüber der Wahlspruch ; 
Nulla sine merore voluptas .". Oben ein weißer Zettel mit der Inschrift: 
. ttOr/iol' [sie] 1 Jmagine Georgii Gyscnii Jsta refert vultus, qua cernis 
Jmago Georgi Sic oculos vivos, sie habet lUe Genas. Anno aetatis 
siiae XXXIIII. Anno dorn. 1532. [Distidion auf das Bild des Georg 
Gisze: Das du bier siebst, dies Bild, zeigt Georgs Züge und Aussehn. 
So ist lebendig sein Aug' , so sind die Wangen geformt.] .'. Insdirift auf 
dem Briefe: Dem erszamen Jergen Gisze to lunden in engelant mynem 
broder to banden ,•. Auf den Briefen an der Wand die Adresse des Dar- 
gestellten in deutscher Mundart: Gisze, Gisse oder Ghisse to Lunden .'. 
Der Dargestellte entstammt einer Danziger Kaufmannsfamilie und ist an) 




54 



2. April 1497 geboren und Im Februar 1562 gestorben 
Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 0,96, br. 0,84. 



Sammlung 




586c Bildnis eines jüngeren Mannes. Vor 
kaltem Hellg-raublau [darauf wirksam die goldene 
Inschrift], umgeben von Schwarz im Barett und 
bläulichem Grauschwarz des seidenen Schauben- 
umschlags und der Ärmel, kommt warm das röt- 
liche Antlitz mit rotbraunem Bart hervor. Kleine 
Flecken Weiß im Hemd erhöhen die Wirkung des 
Inkarnats. Bräunlichschwarze Schaube. Gelbbraune 
Handschuhe. 

Bez. auf dem Grund in Gold: ANNO . 1541 . ET ATIS . SUAE . 37 . .-. 
Am Zeigefinger der linken Hand ein Ring mit dem Wappen der Fa- 
milie de Vos van Steenwijk in Holland [rote Balken auf weißem Feld] .■. 
Sammlungen von Sybel, Elberfeld, und Merlo, Köln .*. Sammlung 
Suermondt, 1874 .-. Eichenholz, h. 0,47, br. 0,36. 

586 b Bildnis eines jüngeren Mannes. Vor leuch- 
tendem Ultramarinblau des Hintergrundes steht 
warm das rötlichbraune, mit Grau modellierte Antlitz, von röthchbraunem Haar umgeben. 
Weiß im Hemdausschnitte dient ebenso der Erwärmung des Inkarnats. Grauschwarz in 
Gewandung und Barett. Bräunliches Goldgelb der Handschuhe. 

Bez. auf dem Grund in Gold: ANNO 1533 /ETATIS SUAE 39 .-. Nach dem Wappen [schwärzliche Schrägbalken und gelbgrüne 
Wappenzeichen auf weißem Feld] auf dem zinnoberroten Steine des Siegelringes [am Zeigefinger der linken Hand], das sich 
auch auf dem Gegenstücke, dem männlichen Bildnis der Galerie Schönborn zu Wien befindet, ist der Darcrestellte als Hermann 
Hillebrandt Wedig, ein Glied der bekannten Kölner Patrizierfamilie, ermittelt worden. Das Gegenstück der Schönborn - 
Galerie [datiert 1532] stellt einen seiner Brüder dar .-. Sammlung Schönborn, Wien 1866 .". Sammlung Suermondt, 1874. 
Eichenholz, h. 0,39, br. 0,30. 

586d Bildnis eines älteren Mannes. Der Gegen- 
satz zum hellen Graublau im Hintergrund erhöht 
die Lebhaftigkeit des rötlichen, mit Grau gebroche- 
nen Inkarnats, Grauschwarz in Barett [mit gol- 
denen Nesteln] und Damastfütterung der Schaube 
und bräunlichschwarzes, an den Schläfen und im 
Bart ergrauendes Haar die Helligkeit der Ge- 
samtwirkung. Nach unten erwärmt sich das Kolo- 
rit über rötliches Grau in den [mit schwarzen Borten 
verzierten] Oberärmeln zu dem ebenfalls mit Grau 
gebrochenen Hellkarminrot der Unterärmel. 

Bez. auf dem Grund in Gold: Aetatis . Suae . 54 .'. Das Bild war un- 
bekannt bis zur Dresdener Holbein -Ausstellung 1871, zu der es der Be- 
sitzer Sir I. E. Millais geliehen hatte; ausgestellt ferner in der Aca- 
demy zu London 1872 und 1880. Auf der Rückseile in einer, anschei- 
nend noch dem 1 6. Jahrhundert angehörenden Schrift : W. E. P. L. C. 50. 
Dieselben Buchstaben, das Sammlerzeichen eines alten englischen Be- 
sitzers, befinden sich auch auf Holbeins Porträt des Robert Cheseman 
im Haag und auf dem Joos van Cleve zugeschriebenen, aus der Samm- 
lung des Herzogs von Marlborough zu Blenheim stammenden Bildnis 
in unserer Galerie .*. Aus des Meisters später englischer Zeit .*. Erworben 
1897 in London auf der Nachlaßversteigerung des Sir I. E. Millais. 
Eichenholz, h. 0,51, br. 0,37. 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

S86B 




586 D 



55 



Schwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

556 




583 



A^.j-.1_ „„^^_ Christoph Amberger. Maler und Zeich- 
IllUcr^CI „gr für den Holzschnitt, geboren um 1500, 
im Jahrel530 in die Aug^sburger Malerzunft aufgenommen, 
gestorben zu Augsburg zwischen Oktober 1561 und Ok- 
tober 1562. Unter venetianischer Einwirkung gebildet. 
Tätig namentlich zu Augsburg. 

556 Bildnis Kaiser Karls V. [1500—1558]. 
Das bräunliche Karminrot der Brüstung treibt 
die luftigen grauen Töne zurück: das stumpfe 
bräunliche Gelbgrau im Wams, auf dem die 
gelbe Kette des goldenen Vließes ruht, das 
blasse graubräunliche Inkarnat mit der kräftig- 
roten Unterlippe, das hell vor dem [durch die 
bräunliche Grundierung etwas erwärmten] Grau 
des Hintergrunds steht, aber durch das kalte 
Grauweiß im Hemdausschnitt und Handschuhen 
wieder höher gestimmt wird. Die gelblichen 
Töne ergänzen sich durch Grauviolett im Buch- 
einband [mit goldgelbem Beschlag und Schnitt]. 
Tiefes Schwarz der Schaube und des Baretts 
[mit gelben Nesteln], Dunkelgelbbraun im Haar steigern die allgemeine Helligkeit. Oben 
in Gelb das kaiserliche Wappen mit dem schwarzen Adler zwischen den Säulen des Her- 
kules und der Wahlspruch: Plvs ovltre; darunter: Aetatis XXXII. 

Auf der Rückseite aus gleicher Zeit die schadhafte Inschrift: Christoff Amberg .... zu Augspurg und auf einem Blättchen mit 
etwas späterer Schrift: die Handt vom Amberger .'. Eine alte Kopie mit Veränderungen in der Akademie zu Siena, eine andere 
in der Galerie zu Lille .". Nach alter Überlieferung wird berichtet, Karl V. habe für das Bildnis dem Meister eine goldene Kette 
geschenkt und das Dreifache des bedungenen Lohnes [lOTlr.] gezahlt .". Wahrscheinlich ehemals in der von Praunschen Samm- 
lung zu Nürnberg .'. Erworben vor 1820 .'. Lindenholz, h. 0,65, br. 0,50. 

583 Bildnis des Kosmographen Sebastian 
Münster [1489 — 1552]. Zum bläulichen Grün des 
Hintergrundes steht in leuchtendem Kontrast Kar- 
minrot in dem auf der Brust sichtbaren Unter- 
gewand und in der Tischdecke. Auch die Frische 
des warm rotbraunen Antlitzes wird durch das um- 
gebende Grün ebenso wie durch das reine Weiß 
des Hemdausschnitts, im Haar [aufs Inkarnat hin- 
überspielend in den Bartstoppeln] sowie im Pelz, 
der nach außen eine gelbliche Tönung annimmt, 
noch erhöht. Tiefes Schwarz in Barett und Ge- 
wandung steigert die schimmernde Helligkeit der 
Umgebung. 

Auf der Rückseite die Inschrift von einer Hand des 16. Jahrhunderts: Se- 
bastian Münster Cosmographus. Seines Alters 65 gemalt Ao. 1552. [In 
den Zahlenangaben scheint ein Irrtum untergelaufen zu sein.] Ehemals in 
der von Praunschen Sammlung zu Nürnberg -•. Erworben vor 1820. 
Lindenholz, h. 0,54, br. 0,42. 




56 



Amberger? 577 Bildnis des Feldhaupt- 
manns Georg von Frundsberg [1473 
bis 1528]. In der dunkelgrauen, durch die 
bräunliche Untermalung etwas erwärmten 
harten Gesamtfärbung [Rüstung, Nische], 
die sich zu Schwarz im Helmbusch und im 
Gewand vertieft, als wirksamste Note das 
kräftig rotbraune Inkarnat, von dunkel- 
grauem Vollbart umgeben. Karminrote 
Schärpe. Goldgelbe Helmzierate, Gewand- 
schlitze und Borten am bräunlichgrauen Um- 
hang. Ockergelbbrauner Schaft der Helle- 
barde. Rechts oben das Wappen in Gelb 
und Schwarz. Unten auf weißer Tafel die 
Inschrift, die sich auf die Kriegstaten und 
das Lebensalter Frundsbergs bezieht. 

Nach 1528, dem Todesjahre Frundsbergs, gemalt .•. Eine 
alte Kopie, mit deutscher Inschrift, im Augsburger Privat- 
besitz .*. Sammlung Soliy, 1S21. 

Rottannenholz, h. 1,51, br. 0,96. 



]Wr_J„l._„ T C So genannt nach der Bezeich- 
iVlClSLCr Li. O. nung auf unserem Bilde. Tätig 




Sdiwäbische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

577 



um 1540, vielleicht in Augsburg. 






r.iKWIl^, nITMMRl nv, l.t(tMANItl D^ X P(R TIRO 
l( .1U>SO(*\\H .AI(llf..«IT MJ* lll\»I^Ml( l»t,,IONEM 
Ol «l.iiL. liaiV^lVIT *Dr.L\DUMMI*i V iL TOfi *C - 
MCf J n€ I .P! \ Vt iXinWONI ^R E T ^N liajRAMT.VICIE% 

.«IT *Dt\M MODVM ARM*I\> PBIU VM UONC IVIT 
ll*(UMTt>5SIJK«EXTRrM*tiyE MET\T>TIi reini«.|T. 

.\>l OiOlT^VÖtBirrwO StDXX vlll.,VCNJE*VO~t«XX 



629 Bildnis eines jungen Ritters. Das rotbräunliche Anthtz mit graublauen Augen, 
von blondem Haupthaar und wenig bräunlichem Bart umrahmt, mit lichtroten Tönen in 
den Lippen, Wangen und im Ohr, hebt 
sich warm vom umgebenden hellblauen, 
mit weißen Wolken bedeckten Himmel und 
dem Grau des Harnischs ab. Die kühlen 
blaugrünen und graublauen Töne der land- 
schaftlichen Ferne, in die sich bräunliche 
Töne mischen, gehen über Saftgrün, Dunkel- 
grün und Braun im Mittelgrund in das 
warme Rotbraun der in grauen Mischtönen 
marmorierten Brüstung über. Schwarzer 
Schwertgriff. Goldgelbe Ringe. 



Bez. auf dem Streithammer mit dem aus L und S gebildeten 
Monogramm und der Jahreszahl 1540. Die Jahreszahl 1527 
auf der Rüstung bezieht sich nur auf deren Anfertigung. 
Früher deshalb irrtümlich Deutsche Schule von 1527 ge- 
nannt .'. Sammlung Solly, 1821. 
Rotbuchenholz, h. 0,56, br. 0,48. 




629 



57 



Donau- 
sdiule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

638 A 




DONAUSCHULE 



Male 



Bau- 



638 



* Alf r1r»l'fp>r Albrecht Altdorfer. Maler, 

i/~VlH_H_;I ICI meister, Zeichner für den Holzschnitt 
und Kupferstecher, geboren kurz vor 1480, gestorben 
zu Regensburg 1538, bald nach dem 12. Februar. 
Wahrscheinlich Schüler seines Vaters. Bildete sich 
nach Albrecht Dürer, vielleicht auch unter dem Ein- 
flüsse von Matthias Grünewald. Tätig zu Regens- 
burg [daselbst ansässig seit 1505]. 

638a Landschaft mit Satyrfamilie. In 
das Saftgrün der Bäume und Wiese, mit 
glitzernden gelbgrünen Lichtern, mischt sich 
das Rotbraun der Stämme und der im Licht 
ockergelblich schimmernden Felswand. Auch 
die Satyrfamilie ist im rotbräunlichen Ton 
gehalten [dunkler der Mann mit braunrotem 
Haar, lichter das Weib mit ockergelbem 
Haar, ein bräunlichweißes Tuch um die Hüf- 
ten]. Rotbraun stärkt sich zu Karminrot im 

Gewände der von einem Satyr verfolgten Nymphe. Zwischen dem grünen Laubwerk 

leuchtet hellblauer Himmel und luftig blaugrüne Ferne. 

Bez. links oben mit der Jahreszahl 1507 und dem aus A A gebildeten Monogramm .*. Ehemals in der Sammlung Kraenner 
zu Regensburg .". Sammlung Suermondt, 1874. 
Lindenholz, h. 0,23, br. 0,20. 

638 Doppelbild. Stigmatisation des hl. Franziskus. Das dunkle Saftgrün des 
Laubwerks und der Gräser, das nach der Ferne in Blaugrün übergeht, wird im Erdboden, 
in den Baumstämmen, den Felsen, den Wolken vom Braunrot der Untermalung durch- 
brochen. Derselbe warme Ton liegt auch im Inkarnat und den Schattenpartien der bräunlich 
weißen Kutte zutage. Karminrote Strahlen gehen von dem dunkelblau geflügelten Kruzifix 

aus. Die ganze Szene ist von gelbem Schein über- 
gössen, der in breiter Fläche im Horizont ansetzt 
[dort durch den Gegensatz zu Dunkelblau in 
Himmel und Ferne gestärkt] und sich in blitzenden 
Lichtern über den ganzen Vordergrund verbreitet. 
— Der hl. Hieronymus. Die Färbung stimmt 
mit der zugehörigen Tafel überein. Auch hier bildet 
das warme Rotbraun der Untermalung [im Körper 
des Heiligen, den Schatten des weißlichen Gewands, 
den Baumstämmen, im Löwen], das sich zu bräun- 
lichem Karminrot im Mantel 1. am Boden steigert, 
den Kontrast zum bräunlichen Saftgrün der Land- 
schaft. BlaueFerne undHimmel mit weißen Wolken. 

Die linke Tafel ist links und rechts unten mit der Jahreszahl 1507 und 
dem aus AA gebildeten Monogramm, die rechte links unten mit 
der Jalireszahl 1507 und dem Monogramm bezeichnet .". Sammlung 
Solly, 1821. 

Lindenholz, jedes Bild h. 0,22, br. 0,19. 




58 




638b Ruhe auf der Flucht nach Ägypten. 
Tiefes leuchtendes Blau im Himmel, in der 
landschaftlichen Ferne 1. und vorn r. im Mantel 
Josephs [dort durch den Kontrast zu Hellgelb 
in den Beinkleidern besonders gestärkt] er- 
höht die Wirkung des Hauptkontrastes von 
Rot und Grün. Hellkarminrot im Gewände 
Marias nimmt im hellen glitzernden Licht nach 
oben und im Kranz einen karminvioletten Ton 
an. In lichtem Rosa schimmern Inkarnat und 
Mantel. In leuchtenden Flecken hebt sich das 
verschiedenartige Rot [mit Gelbgrün und Violett 
wechselnd] in den Kleidern der Kinderengel 
vom bräunlichen Grau des Brunnens ab. Die 
Mitte betonend, das wärmste Rot des Bildes 
im Kleide des Engels im Wasserbecken, das 
mit Smaragdgrün [Kissen, auf dem das Kind 
liegt] kontrastiert, begleitet von dem zweiten 
Farbenpaar, leuchtendem Blau [Kleid des auf 
dem Rand der Brunnenschale sitzenden Engels] 
und Gelb [Glanzlicht des Kissens]. Die roten 

Töne klingen im Inkarnat Josephs, in den Kirschen, die er Maria darreicht, in den bräun- 
lichroten Dächern der Gebäude in der Ferne und schließlich in dem warmen [in der 
Architektur stellenweise durch Grau gekühlten] bräunlichen Tone der Untermalung aus. 
Durch den Gegensatz zu Dunkelgrün [Stuhlpolster], Gelbgrün [in den Gräsern, vor allem 
im Laubwerk des Mittelgrundes] und Blaugrün [Seespiegel] wird die Wirkung der roten 
Töne gesteigert. 

Bez. auf der Tafel am Brunnen : Ab'tus Altorffer pictor Ratis- 
ponen in salutem aie hoc tibi munus diua maria sacrauit corde 
fideii ■ 1510 und mit dem aus AA gebildeten Monogramm .■. Die 
dritte Stelle der Zahl war früher retuschiert, so daß fälschlich 
das Datum 1540 zu lesen war. [Albrecht Altorffer, Maler zu 
Regensburg, weihte dies Geschenk gläubigen Herzens Dir, hehre 
Maria, zu seinem Seelenheil] .•- Erworben 1876 aus der Samm- 
lung Fr. Lippmann in Wien. 

Lindenholz, h. 0,57, br. 0,38. 

638d Kreuzigung. Klare leuchtende Lokalfarben 
in den Gewändern der Figuren, vor Graubraun 
im Erdboden. Der Kontrast von Karminrot 
[Mäntel Johannis und Magdalenas, Jacke Josephs 
von Arimathia r., Jacke des Knechts neben dem 
Kreuz, Stiefel des Knechts 1.] und Gelbgrün 
[Gewänder Johannis und Josephs, Wiesen im 
Mittelgrund] wird durch die Zusammenstellung 
mit tiefem Blau [Ärmel Magdalenas und 
Marias, Salbgefäß, Tracht des Knechts 1., land- 



Donau- 
schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

638 B 




638 



59 



Donau- 
schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

638 D 




schaftliche Ferne] und gedämpfte weiße Töne [Ge- 
wand Magdalenas usw.] zu leuchtender Kraft ge- 
steigert. Alles Blau aber ergänzt sich in dem Gold- 
gelb der Mitte [Beinkleider des Knechts mit der 
Leiter], das neben Rosarot auch 1. oben in dem die 
grauen Wolken durchbrechenden Schein der Sonne 
weiterklingt. Nach oben verdüstert sich die Fär- 
bung. Die dunkelbraunen Kreuze heben sich von 
dunkelgrauen und weißen Wolken ab [das Haupt 
Christi umgibt eine blaugrüne Glorie mit zinnober- 
rotem Kreuzeszeichen]. R. aber strahlt hellblauer 
Himmel über im Lichte glitzernder Ferne mit einer 
in luftigen Tönen gehaltenen Stadt. 

Bez. unten in der Mitte mit dem aus A A gebildeten Monogramm .'. Auf 
der Rückseite von des Meisters Hand ein halb verwischtes Doppelwappen 
auf schwarzem Grund, dessen Ecken mit Goldrankenwerk gefüllt sind .". 
Alte Kopie in der städtischen Gemäldesammlung zu Koblenz mit dem 
Datum 1528. Das Original ist nicht viel früher entstanden .'. Erworben 
1886 durch letztwillige Verfügung der Frau Dr. Maria Weber in Berlin. 
Lindenholz, h. 0,28, br. 0,20. 



638c Landschaft mit der Darstellung des Sprichworts „Der Hoffart sitzt 
der Bettel auf der Schleppe". Jenseits der dunklen bräunlichsaftgrünen Bäume und 
Büsche, die den Vordergrund kulissenartig einrahmen, dehnt sich in luftigem Blaugrün 
[in der Ferne in Hellblau übergehend], glitzernd in silbrigen und gelblichen Lichtern, 
der bergige Mittelgrund. Blaugrün dient der Wirkung von Zinnoberrot, durch Ultra- 
marinblau und Weiß gesteigert, in den Trachten der Bettlerfamilie, sowie von ge- 
dämpftem Karminrot in der Schleppe [mit weißlichen Lichtern], auf der jene sich nieder- 
gelassen hat. Die 1. Seite geht in der graubräunlichen Schloßarchitektur mit ihren 
bräunhchroten und blaugrünen Dächern und in den Figuren [der das Paar empfangende 
Hofmeister in Graublau und Grauviolett, mit goldgelbem Pokal, der Zuschauer in 

Ultramarinblau] in die luftigen Töne 
des Mittelgrunds über. Nur im 
Schwerte des Hofmeisters und in 
Barett und Unterärmeln des Zu- 
schauers leuchtet nochmals Zin- 
noberrot auf. Darüber spannt sich 
ein lichter blauer Himmel, den 
sonnige ockergelbliche Wolken 
überziehen. 



Bez. rechts an einem Baumstamm mit der Jahres- 
zahl 1531 und dem aus AA gebildeten Monogramm 
.'. Ehemals in der Sammlung Develey, München .*. 
Erworben 1876 aus der Sammlung Fr. Lippmann 
in Wien. 

Lindenholz, h. 0,28, br. 0,40. 




60 



638e Geburt Christi. Glitzernd im Licht einer 
mattgelben Lichtscheibe [rosarot und blaugrau 
umrandet] liegt das bräunliche Gemäuer, dessen 
Färbung sich in den Ziegelwänden zu Lichtrot 
und Rotbraun erwärmt, zwischen saftgrünem 
Rasen und Laubwerk. Die rotbraunen, roten 
und gelben Töne wiederholen sich in den Ge- 
stalten der schwebenden Engel. Alle warmen 
Töne aber konzentrieren sich im leuchtenden 
Rot von Josephs Rock, das vor rotbrauner 
Dunkelheit im Innern der Ruine beim Licht 
einer Kerze aufleuchtet, von Ultramarinblau im 
Gewände Marias begleitet. In dem hellgelben 
Lichtschein am Horizont [daneben ein Fleck 
blauen Himmels] der karminrot gekleidete Engel 
der Verkündigung an die Hirten. 



Aus der mittleren Zeit des Meisters [um 1512 — 15] 
1892 von Ch. Butler in London. 
Lindenholz, h. 0,36, br. 0,255. 



Erworben 




Donau- 
schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

638 E 



SACHSISCHE SCHULE 

f^»*anar>Vl Lucas Cranach d. A. Familienname nicht g-esichert, nach seinem Geburtsorte Cranach 
^-'' """'^'^ genannt. Zeichnet sich seit 1509 mit dem Schlangfenzeichen seines Wappens, und zwar bis 
zum Jahre 1537 mit aufrechtstehenden, nach 1537 
mit liegenden Flügeln. Maler, Kupferstecher und 
Zeichner für den Holzschnitt, geboren zu Kronach 
in Franken [den 4.?] Oktober 1472, gestorben 
den 16. Oktober 1553 zu Weimar [daselbst seit 
1552]. Schüler seines Vaters; tätig vornehmlich 
in Wittenberg [seit 1505; 1537 und 1540 Bürger- 
meister daselbst]; vorher anscheinend in Süd- 
deutschland [1502—1504 in Wien, 1506 in Co- 
burg], in den Niederlanden [1508], in Augsburg 
und Innsbruck [1550-1552], seit 1505 als Hof- 
maler in den Diensten der Kurfürsten von Sachsen. 

^564a Ruhe auf der Flucht nach Ägyp- 
ten. In leuchtender Pracht, vom beherr- 
schenden tiefen Gelbgrün der Landschaft 
begleitet, strahlt Rot [rote Lasur über 
Orange] im Kleide Marias auf, sich etwas 
abkühlend zu dunklem Karminrot im 
Mantel Josephs, im Gewände des singen- 
den Engels 1. vorn, in den Unterärmeln 
des Flöte spielenden, in einzelnen Engels- 
fiügeln usw. Der Hauptkontrast wird 
durch die Zusammenstellung mit tiefem 
Blau im Himmel und der landschaftlichen 




Sächsische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



61 



Sädisisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




Ferne, mit dunklem Blau im Gewände [Graublau in der 
Kappe] Josephs und bläulichem Weiß im Tuch, auf dem 
das Kind steht, und in den Tüchern der Engel zu höchster 
Kraft g-esteigert, während Blau wiederum durch bräunliches 
Goldgelb im Haar Marias und der Engel, durch bräunhches 
Ockergelb im Gewände des Engels vorn in der Mitte und 
im Ornate des Engels 1., durch ockergelbbraune Töne in 
den Felsstücken links an Intensität gewinnt. Blau -rosarot 
schillernde Töne [Gewand des Engels zu Füßen Josephs] 
vermitteln zwischen den beiden Farbenpaaren. In starker 
Helligkeit erscheint zwischen den tiefen satten Farben das 
bräunliche Inkarnat Marias und des Kindes [mit karmin- 
roten Lasuren in den Lippen und Wangen]. Weiß [Birken- 
stamm, Tücher] und Grauweiß [Baumflechte, einzelne En- 
gelsflügel] geben für die leuchtenden Farben die Basis. 
Goldene Strahlen umgeben das Haupt Marias. Im Grase 
blühen blauviolette Disteln, rötliche Nesseln, blauer Ritter- 
sporn u. a. 

Bez. unten links in Gelb mit dem aus L und C gebildeten Monogramm und der Jahres- 
zahl 1504 .-. Das früheste durch Inschrift beglaubigte Werk des Meisters .-.Ehemals 
in der Galerie Sciarra zu Rom .". Erworben 1902 aus der Sammlung des Herrn 
Dr. Konrad Fiedler in München. 
Buchenholz, h. 0,69, br. 0,51. 



544a Die hl. Anna Selbdritt. Die 



563 
563 




Wirkung des tiefen Karminrots im Mantel Annas 
sowie des warmen rötlichen Inkarnats erhöhen 
einerseits kontrastierendes Gelbgrün im Mantel- 
umschlag, andererseits aber die Nachbarschaft 
kühler Töne: Grauweiß in den Tüchern, Dunkel- 
blau im Gewand Annas, Blaugrau [bräunlich 
getönt in den Schatten] im Gewände Marias 
[mit gelbbraunem Haar] und weißliches Blau des 
Hintergrunds, mit dem wiederum das matte Gold 
der Nimben und das wärmere Gold der Borten 
und Besätze am Gewände Marias kontrastieren. 
Rosabräunlicher Erdboden mit saftgrünem Gras- 
wuchs. 



Angeblich aus der Schloßkirche zu Zeitz und trotz der kleineren 
Maße vielleicht Gegenstück zu dem noch heute in der Nikolaikirche 
zu Zeitz bewahrten Salvator .-. Aus der früheren Zeit des Meisters 
[um 1512] .-. Erworben 1865. 
Lindenholz, h. 1,86, br. 0,82. 



62 




Sächsische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



Me'i Flügelaltar. 

Außenseiten. Die Figuren auf ockergelblichgrauem Erdboden, vor schwarzem Hintergrund. 
Goldene Nimben. — Linker Flügel: Christus als Schmerzensmann. Das graurötliche 
Inkarnat, mit karminrotem Blut besprengt, wird erwärmt durch bläuliches Weiß im Lenden- 
tuch. — Rechter Flügel: Maria als Schmerzensmutter. Leuchtendes Blau im Gewand 
hellt sich zu bläulichem Weiß im Mantel auf, mit mattem rötlichem Gelb im Kopftuche 
kontrastierend. Graurötliches Inkarnat. 

Innenseiten. Mittelbild: Das jüngste Gericht. Vor ockergelblichem und lichtrötlichem 
Boden der Hölle, der nach der Tiefe in das Braunrot der Felsen und Dunkelbraun der 
Ferne [mit leuchtenden gelblichen Feuern], übergeht, bilden Zinnoberrot, Karminrot und 
Saftgrün in den Gewändern der Sünder und der sie marternden Teufel und Ungetüme den 
Hauptkontrast, der von dunklem Blau und Graublau [z. B. das mit einem M bez. Messer r. 
unten], durch gelbe Töne in ihrer Intensität gesteigert, unterbrochen wird. Rotbraune Fleisch- 
farbe. Im oberen Teil erhält der Kontrast von grünlichem Dunkelblau [Himmel] und Hell- 
gelb [Glorie] das Übergewicht. Doch kehren auch hier Karminrot [vor allem im Mantel 
Christi] und Gelbgrün zwischen Blau und Gelb in den Gewändern der Heiligen und 
Apostel wieder. — Rechter Flügel: Die Hölle. Die Färbung entspricht dem Mittelbild. 
Von rotbräunlichem Grund der Hölle heben sich Gelbgrün und Karminrot der Ungetüme 
und Marteranstalten ab. Im Hintergrunde leuchten aus schwärzlichem Dunkel gelbe und 
rote Feuerscheine. — Linker Flügel: Das Paradies. Das beherrschende Gelbgrün, das 
von Lichtrot im Felsen r., in den Früchten der Bäume, dem graurötlichen Ton des Inkarnats 



63 



Sächsische 
Sdiule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



und Hellkarminrot in den Mänteln Gott -Vaters und 
des blau und rot geflügelten Erzengels im Mittel- 
grunde belebt wird, geht über das Grau der Felsen 
im Mittelgrund in das Blau der Ferne und im 
Himmel über, vor dem hellrot, in mattgelber Glorie, 
Gott-Vater thront. Darunter auf bräunlichgrauen 
Wolken der Kampf der himmlischen Heerscharen 
gegen die gefallenen Engel. 

Frühes Werk des Meisters .'. Kopie nach Hieronymus Bosch [1462 bis 
1516] .'. Das Original befindet sich in der Galerie der Akademie der bil- 
denden Künste in Wien /. Die Außenflügel sind Originalwerke der Cra- 
nachschule .■- Königliche Schlösser. 

Lindenholz, Mittelbild h. 1,63, br. 1,25, Flügel je h. 1,63, br. 0,58. 

o18a Bildnis eines Bürgermeisters von Weißen- 
fels. Inkarnat, Haar und Pelz [mit feinen schwarzen 
Pinselstrichen durchgezeichnet] wird durch den warm 
rotbraunen Ton zusammengehalten, der sich zu 
bräunlichem Rot im Bucheinbande steigert. Gelbes, 
in den Schatten rotbraunes Schild mit einer teil- 
weise verdeckten Inschrift. Grauschwarz und tiefes Schwarz im Gewand, Schwarz im 
Hintergrund. Gelber Beschlag und Schnitt des Buches. 




Bez. links im Grunde [gelb] mit der Jahreszahl 1515 und der Schlange mit aufrechten Flügeln 
Von Holz auf Leinwand übertragen, h. 0,42, br. 0,28. 



Erworben 1846. 



565 Der hl. Hieronymus. Die Leuchtkraft des Karminrot im Mantel des Heiligen 

[kühler im Hut und im Buchschnitt] und die Wärme 
des rotbräunlichen Inkarnats steigert der Kontrast 
zum umgebenden Dunkelgrün des Graswuchses 
und der Bäume, das, glitzernd in gelbgrünen 
Lichtern, von dem bräunlichen Grau der Felsen 
und Baumstämme unterbrochen wird. In kleinen 
Flecken kehrt Rot in den kleinen Staffagefiguren 
und in einem Dache des Gebäudes wieder. In 
tiefem Blau, das sich durch etwas Hellgelb im 
Schnitte des Buches in der Mitte ergänzt, leuchten 
Himmel und Ferne [mit dem Kloster, in das die 
von dem Löwen verfolgte Karawane einzieht, die 
den Klosteresel gestohlen hat]. 




Gemalt vor 1520 .'. Sammlung Solly, 1821. 
Lindenholz, h. 0,49, br. 0^5. 



64 




^67 A Die hl. Anna Selbdritt. Kaltes Karminrot mit 
weißlichen Lichtern in der Gewandung der hl. Anna 
kontrastiert mit dunklem Grün im Vorhang [gelb- 
grüne Lichter der Falten] und Gelbgrün der Land- 
schaft und klingt in dem rötlichen, durch Grau ge- 
kühlten Inkarnat aus, das durch den Gegensatz zu 
bläulichem Weiß im Kopftuch Annas höher gestimmt 
wird. Dunkelblau im Gewände Marias [darüber her- 
abfallend goldgelbbraunes Haar], dunkler im Himmel 
[davor warm die rötlichen Körper der den Vorhang 
haltenden Engel mit weißgrauen und gelblichen 
Flügeln]. Graublaue Ferne [mit den roten Dächern 
einer Burg unter gelblichem Horizont. Graubrauner 
Sitz und Erdboden. 

Bez. auf der Steinbank links mit der Schlange mit aufrechten Flügeln. 
Aus der mittleren Zeit des Meisters [vor 1520] .". Bis 1825 in der Sammlung 
Hans Albrechts von Derschau in Nürnberg [ nach dem Auktionskatalog 
wäre das Bild von Cranach für Dr. Christoph Scheurl gemalt worden), 
kam dann in die Sammlung des Kunst- und Buchhändlers Dr. Friedrich 
Campe zu Nürnberg und 1851 in die des Stadtrats Lampe in Leipzig .•. 
Erworben 1890 als Vermächtnis des Herrn Dr. C. Lampe in Leipzig. 
Tannenholz, h. 0,405, br. 0,265. 

559 Bildnis des Kardinals Albrecht von Brandenburg, Kurfürsten von Mainz 
[1490 bis 1545]. Grell leuchtend kommt Zinnoberrot in Mütze und Moketta vom tiefen 
Smaragdgrün des Vorhangs los, das auch dem 
rotbräunlichen Inkarnat [mit kräftig roten Lippen] 
und rotbraunem Haar als Hintergrund dient. 
Weiß [graublau getönt in den Schatten] gibt 
die Basis für die breiten detaillosen Flächen 
leuchtender Farben. Rechts das weiße Wappen- 
schild mit zinnoberroten, gelbgrünen, gelben 
und schwarzen Feldern und Figuren, mit gold- 
gelbbraunen Insignien und zinnoberrotem Kar- 
dinalshut; darüber ein weißes, an den Rändern 
graublaues Schriftblatt. Das Wappen kehrt auf 
dem Stein des goldgelben Ringes wieder. 

Bez. links in der Mitte mit der goldgelben Schlange mit aufrechten 
Flügeln. Aus der mittleren Zeit des Meisters [um 1523] .". Kö- 
nigliche Schlösser. 

Lindenholz, h. 0,83, br. 0,57. 

567b David und Bathseba. Die untere Bild- 
hälfte beherrscht der Kontrast von Rot [in den 
Kleidern der Frauen, am leuchtendsten im Rocke 
der Magd, die Bathsebas Füße wäscht], das vom 
Goldgelb der Haarnetze, der Gewandborten 
und Schmuckstücke begleitet wird, und Gelb- 



Sädisische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

567 A 




559 



65 



Sächsisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

567 B 




grün in Rasen und Buschwerk. Ein grauer Ton im 
Wasser 1. und in der Mauer, Weiß in den Hemden 
und Handschuhen erhöht die Wirkung des Rot und 
des graurötlichen Inkarnats. Das tiefe Schwarz der 
Schatten [Rockfalten, Gebüsch] steigert die Helligkeit 
der farbigen Flächen und erzeugt jene harte Klarheit, 
die an die Wirkung kolorierter Holzschnitte denken 
läßt. Oben steigert sich die Leuchtkraft der Farben: 
Rot [Tracht des zweiten Zuschauers von r., Hut des 
Zuschauers 1.], Rot, Gelbrot und Goldgelb [Tracht 
und Harfe Davids], vor tiefem Blau des Himmels. 

Bez. an der Mauer rechts mit der Jahreszahl 1526 und der Schlange mit auf- 
rechten Flügeln .■- Eine Zeidinung dazu bei Herrn Rodriguez in Paris (ehe- 
mals in der Sammlung Lanna in Prag] .". Erworben 1890 von Frau Medizinal- 
rat Klaatsch in Berlin .-. Rotbuchenholz, h. 0,36, br. 0,24. 



618 Bildnis eines jungen Patriziers. Gegen tiefes 
leuchtendes Blau des Hintergrunds steht warm das 
rötlichbraune, mit Grau durchsetzte Antlitz, in das 
die Einzelheiten mit spitzem Pinsel in Schwarz einge- 
zeichnet sind. Dunkelbraun im Haar und Dunkelbraungrau im Pelzkragen vermitteln mit 
den geschlossenen Flächen von Schwarz in Barett und Gewandung, das durch den Gegen- 
satz das Inkarnat um so lichter erscheinen läßt. 

Bez. Hnks [ in Gelb] mit der Jahreszahl 1528 und der Schlange mit aufrechten Flügeln .-. Sammlung SoUy, 1821. 
Rotbuchenholz, h. 0,385, br. 0,243. 

589 Kardinal Albrecht von Brandenburg, Kurfürst von Mainz [1490 — 1545] als 

hl. Hieronymus. Die Darstellung ist mit kräftigem 
Schwarz, das die Klarheit der farbigen Lasuren erhöht, 
in den Schatten durchgezeichnet. Die Intensität des 
beherrschenden Rot [in der Kardinalstracht des Heiligen 
und im Hut, der 1. am Baume hängt, dunkler im Buch- 
einband 1. und stumpf in den Dächern des Klosters im 
Hintergrund ausklingend] steigert der Kontrast zum 
Gelbgrün im Laubwerk und leuchtender in den Wiesen- 
flächen. Zur Betonung der Mitte bricht Hellgelb im 
Buchschnitt hervor, das sich als Goldgelb in den Be- 
schlägen des Buches, im Schnitt der anderen Bücher 
und als bräunliches Ockergelb im Fell des Löwen fort- 
setzt. Tiefes Blau im Himmel, das als Hellblau in kleinen 
Flecken im Tintenfaß und in den Reitern der vom Löwen 
zurückgetriebenen Karawane ansetzt, bilden die Ergän- 
zung zu Gelb. 

Bez. auf dem größeren Baumstumpf mit der Schlange mit aufrechten Flügeln 
und der Jahreszahl 1527 .". Sammlung SoUy, 1821. 
Lindenholz, h.0,57, br. 0,37. 




66 




590 Bildnis Johann Friedrichs des Groß- 
mütigen, Kurfürsten von Sachsen [1503 bis 
1554]. In der auf Grau und Schwarz gestimmten 
Färbung wirkt als wärmste Fläche das rotbräunliche 
Inkarnat, vor grauem Hintergrund, von Schwarz im 
Barett, Dunkelbraun in Haupt- und Barthaar und 
kaltem Weiß im Hemdausschnitt umgeben. Grau- 
braune Pelzschaube. Schwarzes Gewand mit silber- 
grauen Stickereien. Graue Schwertklinge. Gegen 
die grauen, teilweise nach Blau neigenden Töne 
steht bräunliches Goldgelb in der Kette und in 
Griff und Parierstange des Reichsschwerts. Gold- 
gelb ergänzt sich durch einen Flecken Blau im 
Ringstein, der durch die Schlitze des grauweißen 
Handschuhes sichtbar ist. 

Die Tafel ist oben und an den Seiten verlcleinert .■. Königliche Schlösser. 
Lindenholz, h. 0,90, br. 0,70. 

564 Apollo und Diana. Hell heben sich die 
Körper von schwärzlicher Laubwand mit gelbgrün 
beleuchteten Zweigen ab, wärmer in rötlichem Ton, mit graubraunen Schatten modelliert, 
Apollo, ganz licht Diana, deren kühles graubräunliches Inkarnat durch den Kontrast zum 
gelbbraunen Hirschfell in seiner Wirkung noch gesteigert wird [die Helligkeit durch die 
tiefschwarze Halsschnur]. Graublau im Erd- 
boden I. dient der Erwärmung des Fleisch- 
tons. Blauer Himmel und Ferne. Weißer l\ 
Horizont. 

Bez. links unten mit der Jahreszahl 1530 und der Schlange 
mit aufrechten Flügeln .'. Erworben vor 1830. 
Rotbuchenholz, h. 0,51, br. 0,36. 

567 Adam und Eva. Licht, in warmen 
rötlichen, durch das Grau der Modellierung 
gedämpften Tönen [dunkler Adam mit 
dunkelrotbraunem Haar, heller Eva mit 
gelbbraunem Haar], heben sich die Körper 
vom schwärzlichen Saftgrün der Laubwand 
ab, aus dessen dunkler Masse sich gelb- 
grüne Blätter loslösen. Die warmen Töne 
klingen im Fell der Tiere weiter [gelb- 
braun der Löwe, rötlicher der Hirsch], Grün 
kräftiger vorn im gelbgrünen Graswuchs. 
Oben vor hellblauemHimmelgelbroteApfel. 

Bez. links unten mit der Jahreszahl 1533 und der Schlange 
mit aufrechten Flügeln .'. Königliche Schlösser. 
Rotbuchenholz, h. 0,47, br. 0,35. 



Sächsisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
h underts 

589 




67 



Sächsische 
Schule des 
XVi: Jahr- 
hunderts 



564 
567 




1190 
594 



r\ K\i4Ti Dicrn', ^ asmi n\iT ats 




1190 Venus und 
Amor. In bräun- 
lichem Ton, durch 
zarte lichtrote La- 
suren erwärmt, ste- 
hen die Körper in 
scharfen Umrissen 
und mit ganz 
schwacher Model- 
lierung- in Grau- 
braun hart vor 
schwarzem Hinter- 
grund. Als einziger 
farbiger Kontrast 
erscheinen 1. unten 
bräunliches Saft- 
grün in den Flügeln 
Amors und Braun- 
rot in der Honigwabe. 



Bez. links unten mit der Schlange mit liegen- 
den Flügeln -■- Eine Anzahl freier Wieder- 
holungen größeren und kleineren Formates aus 
den Jahren 1530 — 1534 in den öffentlichen 
Sammlungen von Weimar, Nürnherg, Schwerin 
und Wien -■. Königliche Schlösser .". Die gelbe 
Inschrift erklärt den Sinn der Darstellung; 
Amor beklagt sich über die Stiche der Bienen; 
Venus bedeutet ihm, wieviel schmerzhafter die 
Wunden seiner Pfeile seien; vgl. Theok. XIX, 
A iji II I IX /.tnii;^: der Honigdieb. 
' Lindenholz, h. 1,72, br. 0,53. 



594 Venus undAmor. Vor tief- 
schwarzem Hintergrund in ocker- 
gelblichem Ton der mit kühlen 
graublauen Schatten wenig mo- 
dellierte Körper der Venus. Ein 
zarter rötlicher Ton belebt die 
Wangen. Gelbbraunes Haar. Gelb- 
brauner Schmuck. Etwas wärmer 
ist der Körper Amors gefärbt. 
Das Dunkelblau seiner Flügel, 
Lichtrot im gelbverzierten Bogen 
bilden die einzigen lebhafteren 
Farben. 



Königliche Schlösser. 

Lindenholz, h. 1,65, br. 0,60. 





68 




559a Maria mit dem Kind und dem kleinen 
Johannes. Der Kontrast von Rot im Mieder 
und Gelbgfrün im Mantelumschlag Marias gibt 
den farbigen Mittelpunkt. Rot klingt im 
graurötlichen Inkarnat aus, das durch den 
Gegensatz zu Weiß im Tuch und den Ärmeln 
und Dunkelblau im Mantel erwärmt wird. 
Dunkelblau ergänzt sich im Goldgelb der 
Ärmelborten Marias, bräunlicher in der Ge- 
wandung des kleinen Johannes, der Wein- 
traube und in dem im Lichte gelb schim- 
mernden Haar Marias, das die Figurenkom- 
position gegen den schwarzen Hintergrund 
abgrenzt. 

Bez. links unten mit der Schlange mit liegenden Flügeln .•. Aus der 
späteren Zeit des Meisters .". Erworben 1 890 als Vermächtnis des 
Herrn Dr. C. Lampe in Leipzig. 
Lindenholz, h. 0,77, br. 0,57. 

580 Christus am Olberge. Die Intensität der 
breiten Fläche leuchtenden Rots [Gewand des 
auf grauem Felsen r. schlafenden Johannes] wird, ebenso wie die Wirkung des warm röt- 
lichen Inkarnats, durch den Kontrast zum dunklen Saftgrün der Landschaft erhöht. Rot 
kühlt sich nach 1. zu Karminrot im Mantel des Jüngers in der Mitte ab, das mit dem Grau- 
blau in dessen Gewand, bläulichem Weiß im 
Mantel Petri und Dunkelblau in dessen Ge- 
wand vermittelt. Graublau setzt sich im Rocke 
Christi fort und klingt 1. im blauen, rosarot 
schillernden Kleide des Engels [mit saftgrünen 
Flügeln] aus. Im Hellgelb des abendlichen 
Horizonts [mit einzelnen hellroten Wolken] 
finden alle blauen Töne ihre Ergänzung. 

Bez. am Boden unter dem knienden Christus mit der Jahreszahl 
1537 und der Schlange mit liegenden Flügeln .*. Die Gemälde 
Nr. 580 und 581 sowie Nr. 579 [siehe unter Lucas Cranach d.J.] ge- 
hören zu einer Folge von neun Darstellungen der Leidensgeschichte 
Christi, von denen sich die übrigen sechs noch im Königlichen 
Schloß zu Berlin und in Sanssouci befinden .". Königliche Schlösser. 
Lindenholz, h. 1,47, br. 1,10. 

593 Der Jungbrunnen. Der lichte gelblich- 
weiße Ton des Erdbodens, der von dunklem 
bräunlichem Saftgrün des Buschwerks und der 
Wiesenflächen eingefaßt wird, kühlt sich nach 
der Mitte zu Grauweiß im Becken, zu Blaugrau 
in der Wasserfläche ab. Wärmer heben sich da- 
von die hellrötlichen, mitGraublau modellierten 



Sächsische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

559 A 




580 



69 



Sädisisclie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




Körper der im Bade sich 
Verjüngenden ab. Nach 
den Seiten aber steigert 
sich die Färbung in den 
Trachten zu bunter Leb- 
haftigkeit: Rot [z.T. gelb 
schillernd], Rotbraun 
[Wagen und Pferd 1.], 
Blau [teilweise rosarot 
schillernd] und Gelb. Da- 
zwischen überall Weiß. 
Leuchtendes Zinnoberrot 
[verschiedene Trachten, 
Zelt r.] bildet als Kom- 
plement zum Saftgrün die 
alles beherrschende 
Farbe. Ockergelblichgraue Felsen. Die kalten Töne desVorder- und Hintergrunds: Grau- 
blau im Gebirge, Weiß im Horizont und Graublau im Himmel [mit grauen Wolken] er- 
höhen die tiefe Farbenwirkung des Vordergrundes. 



Bez. unten in der Mitte mit der Schlange mit liegenden Flügeln und der Jahreszahl 1546 
Lindenholz, h. 1,21, br. 1,84. 



Königliche Schlösser. 



581 Grablegung Christi. Die in kühlen Tönen: Graubraun [Leichnam Christi], Weiß 
[Leichentuch], Grau [Sarkophag] und Graubraun [Erdboden] gehaltene Mitte umgeben 

breite Flächen leuchtend bunter Lokalfarben. 
Rot, am wirkungsvollsten im Gewände Johannis 
I., in Kappe und Ärmel des Nikodemus zu Füßen 
Christi, gedämpfter im Kleide der hinter Jo- 
hannes stehenden Frau, wechselt mit Dunkelblau 
[Mantel Marias, rosa schillernder Ärmel Josephs 
von Ärimathia zu Häupten Christi, Mantel des 
Nikodemus und der männlichen Figur im Hinter- 
grund] und steigert sich zu Gelbrot in den 
Hängeärmeln des dunkelroten Gewandes der 
Magdalena r. vorn. Saftgrün im Rasen des 
Vordergrundes, dunkler im Kleide der die 
Hände ringenden Frau r. bilden die Ergänzung 
zu Rot. Helles graurötliches Inkarnat vor 
schwärzlichem Grund der grauen Felsenhöhle, 
durch den Gegensatz zum kalten Weiß der 
Tücher erwärmt. 

Bez. unten mit der Schlange mit liegenden Flügeln und der Jahres- 
zahl 1538 .'. S. die Bemerkung zu Nr. 580 .•. Königliche Schlösser. 
Lindenholz, h. 1,48, br. 1,10. 




70 



637 Bildnis der Ka- 
Gemahlin Luthers 
helle graurötliche 
graubraunen Schat- 
Lippen und Nase], 
Kappe mit gelbem 
zusammenfassend] 
warm vom dunklen 
grund ab. Weiß im 
in Kleid, Schnur und 

Bez. rechts [ in Goldgelb ] 

den Flügeln .". Sammlung 

Rotbuchenholz, Durch- 



.ran 



ach 



Werkstatt 




tharina von Bora, 
[vermählt 1527]. Der 
Ton des Inkarnats [mit 
ten, zartem Lichtrot in 
der zu Braunrot in der 
Netz [das braune Haar 
ansteigt, hebt sich 
grünlichblauenHinter- 
Kragen.Tie fesSchwarz 
Umrandung. 

mit der Schlange mit stehen- 
Solly, 1821. 
messer 0,11. 

Lucas Cranachs d. A. 



1191 Bildnis einer Frau. Der rotbräunliche Ton des Inkarnats stärkt sich zu Rot- 
braun in der Pelzfütterung der Kappe, gedämpfter im Kleid mit grauem Pelzbesatz. 
Vor Gelbgrün im Hintergrund. Grauschwarz in Kappe und Kragen. An der Hand 
goldgelbe Ringe. 

Gegenstück zu Nr. 1192 .•. Sammlung SoUy, 1821. 
Lindenholz, h. 0,41, br. 0,29. 

1192 Bildnis eines Mannes. Das Rotbraun des Haares und der Pelzfütterung der 
Schaube lichtet sich in dem mit lichtroten Tönen behandelten Inkarnat auf, umgeben 
von Grauschwarz in Hut und Schaube. Gelbgrün im Hintergrund erhöht die warme 
Wirkung des Rotbraun. Der gelbbraune Ring am Zeigefinger ist mit dem Familien- 
wappen [grüne Raute über gelben Schrägbalken] geschmückt. 



Sächsische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderis 




1191 
1192 



71 



Sächsische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

635 




1155 



Zeigt wie das Gegenstück Nr. 1191 Verwandtschaft mit der Kunstweise 
Cranachs in seiner früheren Zeit .'. Die heiden Dargestellten gehören, dem 
Wappen nach, der sächsischen Familie von Maschwitz an .'. Sammlung 
Solly, 1821. 

Lindenholz, h. 0,42, br. 0,30. 

635 Bildnis des Herzogs Georg von Sachsen [1471 
bis 1539]. Warm hebt sich das hellbräunliche Antlitz 
mit dem graubraunen Bart vom Hellgrün des Hinter- 
grundes ab, auf den die Gestalt einen blaugrünen 
Schatten wirft. Tiefes Schwarz in der Tracht, auf der 
der gelbbraune Orden vom goldenen Vlies ruht, stei- 
gert die Helligkeit der Gesamtwirkung. Den Zeige- 
finger der Rechten schmückt ein gelbbrauner Ring mit 
graublauem Stein. 

Bez. links oben [in Gelb] mit der Jahreszahl 1534 und der Schlange mit auf- 
rechten Flügeln .". Sammlung Solly, 1821. 
Rotbuchenholz, h. 0,20, br. 0,14. 



1155 Bildnis Johann Friedrichs III. des Jüngeren, Herzogs von Sachsen. Röt- 
liches Inkarnat [mit grauen Schatten modelliert, mit hellroten Lippen], durch den Gegen- 
satz zu Schwarz im Hut und Unterkleid, zu Graubraun in Haar und Pelzschaube auf- 
gehellt, durch den Kontrast zu Gelbgrün im Vorhang [mit schwarzen Tiefen der Falten] 
erwärmt. Weiß [mit graublauen Schatten] im Hemd und den [mit goldenen Nesteln 
gezierten] Federn des Hutes. Goldener Hemdkragen [mit weißer Stickerei], Kette und 
Zierat des Hutes. Gelbe Schrift. 

Bez. rechts oben : Herzog Johann Friederich der Jüngere .'. Johann Friedrich III. der Jüngere, Sohn Johann Friedrichs des 

Großmütigen, ist geboren den 16. Januar 1538, gestorben den 31. Ok- 
tober 1565 .". Königliche Schlösser. 
Rotbuchenholz, h. 0,74, br. 0,48. 

('^Vani^pVl Lucas Cranach d. J. Maler und Zeichner für 
V^I dlldCU jg„ Holzschnitt, geboren zu Wittenberg den 4. Ok- 
tober 1515, gestorben zu Weimar den 25. Januar 1586. Schüler 
seines Vaters, dessen Werkstätte er seit 1553 fortführte. Tätig 
zu Wittenberg. 

579 Fußwaschung der Apostel. Die Mitte wird 
durch Dunkelblau [Rock Petri] betont, das nach 
den Seiten zu Graublau [Gewand Christi, Ärmel des 
r. sitzenden Jüngers] und Blau [mit weißen Lichtern 
im Ärmel des Jüngers hinter Christus] abfällt. 
Zwischen den blauen Flächen bricht in der Gruppe 
des Vordergrunds leuchtendes Rot hervor [Mantel 
des r. sitzenden Jüngers und des Jüngers in der 
Mitte, Gewandung des Judas im Hintergrund], das 
wieder durch das Gelbrot der Waschschüssel dem 
Blau näher gebracht wird. Die leuchtenden Lokal- 
farben der Hauptgruppe ergänzen sich Inder weniger 




72 



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betonten Seitengruppe: Blau durch Gold- 
gelbbraun [Gewand des Jüngers mit der 
Kanne] und Goldockergelb [Tisch, Sitz 
und Tür r.], Rot durch Dunkelgrün [Rock 
des Jüngers 1. mit weißem Bart]. Grau der 
Architektur dient den vollen Farben der 
Gewänder und dem warmen rotbraunen In- 
karnat als Hintergrund. Weißes Tischtuch. 

Bez. rechts unten in der Ecke mit der Jahreszahl 1537 und 
der Schlange mit liegenden Flügeln .•. Gehört zu der ohen- 
genannten [s. Nr. 580] Folge von Passionsbildern. Doch ist 
diese Tafel nach ihren stilistischen Merkmalen und nach der 
Form des Monogrammes [mehr nach oben geschwungene 
Flügelfedern und höhere mittlere Schlangenwindung] dem 
jüngeren Cranach zuzuweisen, und zwar als frühestes datiertes 
Bild .■. Königliche Schlösser .". Lindenholz, h. 1,47, br. 1,10. 

614 Bildnis des sächsischen Juristen 
Leonhard Badehorn. In warmen rot- 
braunen Tönen [rötliches Inkarnat mit roten 
Lippen, rotbraunes, leicht angegrautes 
Haupt- und Barthaar, rotbrauner Pelz, licht- 
rötliche Handschuhe] ist die Figur vor kal- 
tem weißlichgrauem Hintergrunde zusam- 
mengehalten, der im Gegensatz zu einigen Flecken Gelb [neben Schwarz] im Wappen 
eine bläuliche Färbung annimmt. Schwarz in Schaube und Barett. 

Leonhard Badehorn [geboren den 6. November 1510 zu Meißen, gestorben zu Leipzig 1587] war 1537 Rektor der Universität 
Leipzig und 1552 sächsischer Gesandter auf dem Tridentiner Konzil .'. 
Sammlung Solly, 1821 .'. Lindenholz, h. 0,76, br. 0,53. 

Sächsischer Meister um 1540 — 1550 

1200 Bildnis einer Frau. Von braunvioletter Pfei- 
lerarchitektur [darauf die gelbe Inschrift] hebt sich 
hell das stumpfbräunliche Inkarnat ab, durch Weiß 
in Hemd und Perlenstickerei der Haube höher ge- 
stimmt. Die Helligkeit steigern tiefes Schwarz im 
Kragen und Dunkelgrau im schwarzgemusterten 
Rock. Gelbbraun im Haubenstoff am Hinterkopf, 
den Halsketten und dem Gürtel mit silbergrauen 
Kettengliedern des Anhängers. Graublau in Himmel 
und Ferne. Stumpfes Saftgrün der Landschaft. An 
den Fingern goldgelbe Ringe mit grünen, roten 
und grauen Edelsteinen. Eine mattrote Nelke in 
der Rechten. 



Sächsische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

579 



Bez. auf dem Pfeiler in der Mitte: 
lung Solly, 1821. 

Pappelholz, h. 0,71, br. 0,49. 



MDXXXXI D. XIII. IVNI . 




73 



Sächsisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



628 Bildnis einer Frau. Goldgelb des reichen Schmuckes, der Fingerringe [mit roten, 
blauen, violetten und grünen Edelsteinen], des Armbandes und des Gürtels [mit silber- 
grauen Rosetten], der Ketten und Stickereien, sowie Rot des Korallenarmbandes und 
Gelbrot der gestickten Füllungen des Kragens steigern sich zu der koloristisch wirksamen 
Zusammenstellung von Hellzinnoberrot und bräunlichem Goldgelb im Haubentuch am 
Hinterkopf vor [grünlichem] Blau des Himmels, dunklem Saftgrün der Bäume und Gelb- 
grün der Landschaft. Das lichte graubräunliche Inkarnat wird durch den Gegensatz zum 
umgebenden Weiß in den Ärmeln, der Halskrause, dem Fond des Kragens und der 
Perlenstickerei der Haube erwärmt. Schwarz im Mieder [mit grauen Streifen an den 
Ärmeln] steigert die Helligkeit. Hellgrauer Rock. Dunkelbraunes Haar. In der Land- 
schaft zwei rotbraune Rebhühner, r. an graubraunem Stamm, mit zinnoberrotem Band 
befestigt eine weiße, lichtrot gerahmte Tafel mit schwarzer Schrift: Anno M'D-XLVllI. 

Sammlung Solly, 1821. 

Lindenholz, h. 0,71, br. 0,49. 



1200 
628 





74 



DEUTSCHE SCHULEN DES XVII. 
UND XVIII. JAHRHUNDERTS 



Deutsche 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 



664 B 



C'|„L_J„^_„ Adam Elsheimer, Elshaimer oder Aelsheimer. In Italien Adamo Tedesco gen. 

LiloIieilUer Maler und Radierer, getauft zu Frankfurt a. M. den 18. März 1578, gestorben zu Rom am 

11. Dezember 1610. Schüler Philipp Uffenbachs zu Frankfurt. Tätig zu Rom [vermutlich seit 1595]. 

664b Der hl. Martin und der Bettler. In warmem graubraunem Ton ist die Gruppe 
mit dem Bodenabschnitt im Vordergründe zusammeng-ehalten vor mächtig-er bräunlich- 
hellblauen Himmel und 
waldiger Ferne. Die 
Töne der Tracht Mar- 
Barett [mit rosaroter, 
blauer Feder] und 
Blaugrün der Ferne ge- 
Silbergrau [Rüstung, 
Blau im Beinkleid ver- 
durch das Mattgelb der 
dem um die Brust des 
genen gelbbräunlichen 
setzt, über das Gelb- 
ligen geteilten Mantels 
rotenTönen gehaltenen 
lers überführt. Ihre to- 
durch den Gegensatz 



grauer Wolke am 
vor blaugrüner 
kühlen farbigen 
tins: Karminrot in 
grüner und hell- 
Schärpe [auf das 
stimmt], durch 
Pferdebrust] mit 
mittelt, werden 
Stiefel, das sich in 
Pferdes geschlun- 
Löwenfell fort- 
braun des vomHei- 
zu der in bräunlich- 
Gestalt des Bett- 
nige Wärme wird 




zu gedämpftem Weiß im Schurz, vor allem zum Blau des Himmels gesteigert. 

Aus der frühen römischen Zeit des Meisters .*. Sammlung Pourtales, Paris 1865 .'. Erworben 1881 in Paris aus der 
Sammlung des Marquis de Ganay unter dem Namen „Guercino " .". Kupfer, Durchmesser 0,21. 

664d Waldlandschaft mit Merkur und Argus. In das schwärzliche Grün des Waldes, 
dessen Tiefe das Grauweiß der Wolke am lichten graublauen Himmel erhöht, mischen 
sich rotbräunliche und ockergelblicheTöne [Gestrüpp, Felssteine, Stämme]. Siesteigen 
zu dem leuchtenden Rot im Rocke des Argus an, in dem die Gesammtfärbung 
gipfelt. Seine Intensität wird durch die umgebenden blaugrünen [Baumstumpf] und 
grauen Töne erhöht, die im hellblauen Mantel Merkurs zusammengefaßt sind und nach 
der Tiefe zu immer mehr das Übergewicht gewinnen. 



664 D 
664 E 




76 




Gegenstück zu Nr. 664 E .■. Erworben 1900 aus 
dem englischen Kunsthandel als Geschenk des 
Herrn Generalkonsuls H. Rosenberg. 
Kupfer, h. 0,12, br. 0,16. 

664 E Waldlandschaft mit der 
Tötung' des Argus. Die Gesamt- 
färbung entspricht ganz dem Seiten- 
stück. Das beherrschende luftige 
Grün ergänzt sich im warmen Rot- 
braun des Inkarnats der Figuren, 
das sich über helles Rot im Rocke 
Merkurs zu tieferem Rot im Mantel 
des Argus und im Gurte der am 
Boden liegenden Schwertscheide 
steigert. 

Gegenstück von Nr. 664 D .'. Erworben 1900 aus dem englischen Kunsthandel als Geschenk des Herrn Generalkonsuls 
H. Rosenberg .-. Kupfer, h. 0,12, br. 0,16. 

664a Die badende Nymphe. Weich löst sich der hellbräunliche, graurosa schimmernde 
Körper aus dem grünlichen Dunkel des Weihers und der ihn umsäumenden Bäume, die 
von wärmerem Saftgrün vorn in das Blaugrün des Mittelgrundes übergehen. Dort 
werden die luftigen grünen Töne des Waldes und der ansteigenden Höhe durch den 
gelblichen Schein des abendlichen Horizonts erwärmt, um in der Ferne in das Blau des 
1. von rötlichem Gewölk überzogenen Himmels überzugehen. Alles Grün empfängt durch 
den Kontrast zu tiefem Rot im Gewände der Nymphe r. am Gezweig [zugleich Gegen- 
gewicht zum nackten Körper 1.], als Rotbraun ausklingend in der Gestalt des ver- 
folgenden Satyrs, größere Tiefe. Ein Fleck Weiß daneben gibt die Basis für die ge- 
dämpften Töne. 

Dieselbe Darstellung, angeblich bezeichnet; Job. König 1597, bei Herrn von Titzenhofen in Greiz .'. 1880 aus dem Kupfer- 
stichkabinett überwiesen Kupfer, h. 0,14, br. 0,20. 



Deutsche 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 



664c Landschaft mit Johannes dem Täufer. Das bräunliche Saftgrün de 
und Büsche des Vordergrundes lockert 
sich an den Rändern durch luftiges 
Blaugrün auf und geht im Bergab- 
hang jenseits des blaugrau glänzenden 
Wassers in helles Gelbgrün über, dessen 
Intensität der Gegensatz zu dunklem 
Blau des Himmels erhöht. Weiße, grau- 
blau beschattete Wolken steigern die 
Lichtwirkung. Ein Fleck Rotbraun im 
Körper Johannis, Zinnoberrot in seinem 
Mantel verleiht dem grünen Gesamt- 
ton größere Kraft. 

Erworben 1884 in Wien von Professor Thausing. 
Kupfer, h.0,13, br. 0,17. 



Bä 




664 C 



77 



Deutsche 
Schule des 
XVn. Jahr- 
hunderts 



664 



664 Altärchen mit Darstellungen aus dem Leben der Maria. In weicher ver- 
schwommener Malerei. Unter den zarten, auf Grau abgestimmten Tönen überwiegen 
Hellblau und Graublau [mit gelben Tönen kontrastierend], Rosarot, das sich zu bräun- 
lichem Rot steigert, und Saftgrün. — Mittelbild: Krönung Maria. Das Graublau des 
Himmels, oben im hellblauen Gewände Marias sich konzentrierend und dort durch 
Mattgelb der Glorie gestärkt [das sich zu Goldgelb im Ornate Gott-Vaters steigert], 
geht 1. in Grün [Gewand des musizierenden Engels], das mit Mattrosa [Gewand Christi, 
Kleid des Engels r.] kontrastiert, nach unten in Blaugrün [Landschaft] über, das sich 
durch gedämpftes Zinnoberrot [Gewänder zweier Apostel r. und 1.] ergänzt. In der Ge- 
wandung des 1. knienden Apostels erklingt am kräftigsten der Kontrast von Hellblau und 
Gelb. Mattere Töne in der Mitte: Rosarot und Hellgelb [Gewandung des in den grauen 
Sarkophag schauenden Apostels]. — Seitenbilder zur Linken. Oben: Verkündi- 
gung Maria. Der rotbräunliche, im Hintergrunde mit Grau gedämpfte Ton des Raumes 



steigert sich 
liches Gold- 
de des En- 
Hellblau im 
[über rosa- 
kontrastiert, 
Tischdecke, 
um durch 
Vorhang er- 
ten: Anbe- 
Vor bräun- 
Hellblauund 

Wandung 

dämpftes 
grün [Tracht 
Blaugrün. — 
zur Rechten 




über bräun- 
gelb im Gewan- 
gels, das mit 
Mantel Marias 
rotem Kleid] 
zu Rot in der 
das sich wieder- 
Saftgrün im 
gänzt. — Un- 
tungdesKindes. 
lichem Grund 
Rosarot [Ge- 
Marias]; ge- 
Rot und Saft- 
Josephs]; rechts 
Seitenbilder 
ariäHeimsuchung. Rosarot 
Saftgrün], Gelbrot in dem 
beider Mänteln, nach der 
der Ferne und Hellblau im 



Oben: 
im Kleide Marias [neben 
Elisabeths, Hellblau in 
Tiefe in das Blaugrün 
Himmel übergehend. Goldgelb in den Trachten der seitlichen Figuren. — Unten: An- 
betung der Könige. Bräunliches Zinnoberrot im Mantel des knienden Königs, von zarten 
hellblauen, rosaroten [Gewandung Marias], weißlichen und graublauen Tönen umgeben. 
— Unter dem Mittelbilde: Tod Maria. Gelb, mit blauen und graublauen Tönen kon- 
trastierend in den Gewändern der Apostel der 1. Seite, durch Blaugrün [Bettdecke] zu dem 
die r. Bildhälfte beherrschenden Kontrast von bräunlichem Rot und Saftgrün überführt. 

Früher als Jujfendwerk Elsheimers bezeichnet, für dessen Urheberschaft der Umstand spräche, daß das Mittelbild, die Him- 
melfahrt Maria, eine freie Wiederholung nach dem Mittelbiide des von Dürer für Frankfurt gemalten Hellerschen Altars 
ist [ durch Brand zerstört ; Kopie von Elsheimers Schüler Jobst Harrich in der städtischen Galerie zu Frankfurt a. M.]. Doch 
weist der Charakter der Malerei auf eine Zeit, in der Elsheimer längst in Rom, wenn überhaupt noch am Leben war .*. 
Königliche Schlösser. 

Kupfer, Mittelbild h. 0,26, br. 0,21 ; unteres Bild h. 0,10, br. 0,21 ; Seitenbilder je h. 0,12, br. 0,10. 



78 




Rottenh 



ammer fea'"" "^""^ 



;nhammer. Geboren zu München 1564, gestorben zu Augsburg- 
Schüler seines Vaters Thomas und seit 1582 Johannes Donauers zu München. 
In Italien, vornehmlich in Venedig, nach Tintoretto ausgebildet. Tätig zu Venedig [noch 1605], dann ab- 
wechselnd in Augsburg und München [seit etwa 1606]. 



690 Die Künste: Dichtkunst, Musik, Malerei und Baukunst. Bunte Farben von 
glasigem Charakter setzen in breiten Flächen in den Figuren des Vordergrundes an: 
Rot [Mantel der Allegorie der Dichtkunst 1.] und Blau [mit weiß schillernden Lichtern 
im Mantel der Musik r.]. Rot, als Rosarot, durch die Nachbarschaft zu graublauen 
[neben bräunlichen] Halbschatten gesteigert, auch im Inkarnat sich verbreitend, springt 
schräg nach r. in die Tiefe [roter über den Sitz der Venus gebreiteter Teppich, deren 
rosarotes Gewand], ^^^h^^^^^^^^^^^^^^^^^^b Malerei sitzt], eine Ge- 
dort von komple- ^^^^^^^^^^^^H^^^^^^^^H gendiagonale zu Rot 
mentärem Blaugrün ^^^^^^^^^^^^^ ^^^^^^^^1 bildend, 
im Rosengebüsch ^^^^^^^ ..^^^^^^^ l- - - r u c ui- 

^^^^^^^^^^f ■f^^^^^^^^^^M Königliche ochlosser. 

und Laubwerk be- ^^^^^g ^;9 f^ "^^^^^H Kupfer, h.o,28, br. 0,21 
gleitet. Darüber 

bricht Goldgelb in ^^^ ^-^ ,_^ . _ i^cilll^l Oenner. Ge- 

dem von Putten ge- ^^^^^B^ -^^^^k"- jfc. S ''°'''^" ^^" ^^- November 

haltenen Vorhang ^^^^■i^.^^^kil^KsibM ^^^l ^'^ '^»°"''' gestorben 
hervor, im Kontrast 
mit Hellblau [Him- 
mel, Gewand Miner- 



vas 1. im Hinter- 
grund, Mantel, auf 
dem die allegori- 
sche Gestalt der 




Denner ^f ^asar 



zu Rostock den 14. April 
1749. Schüler eines Zeichen- 
lehrers Amama zu Altona, 
an der Akademie zu Berlin 
[seit 1707] v^eiter ausge- 
bildet. Tätig vornehmlich 
in Hamburg und London 
[1721 — 1724], zeitweilig an 
deutschen Höfen [nament- 
lich in Schwerin], in Berlin 
und Kopenhagen [1717]. 



Deutsdie 
Schule des 
XVII. Jahr- 
hunderts 

690 

1014 



Deutsche 
Schule des 
XVIII. Jahr 
hunderts 



79 



Deutsche 
Schule des 
XVm. Jahr- 
hunderts 



500 B 




1014 Bildnis eines Greises. Die 
Färbung ist Verblasen und auf Grau 
g-estimmt. Das ockergelbliche, mit 
Grau gebrochene Inkarnat [mit grau- 
blauen Augen und grauem Bart] geht 
weich in das bräunliche Grau der 
Haare, dieses in das Graubraun des 
Hintergrunds über. In den Falten 
und Schatten des Gesichts stehen 
lichtrote Töne, die zu dunklem Braun- 
rot im Mantel ansteigen, durch Grau- 
weiß im Hemd in ihrer Wirkung er- 
höht. Graubräunlicher Pelzkragen. 

Bez. im Grunde rechts an der Seite: Denner fec* .". 
Erworben 1832. 

Kupfer, h. 0,38, br. 0,30. 

1014b Bildnis eines Mannes. In weicher flockiger Malerei. Das graubräunliche, mit 
lichtroten Tönen behandelte Inkarnat [mit graublauen Augen] wird durch den Gegen- 
satz zum kühleren bräunlichen Grau der Perücke, das weich in den bräunlichgrauen 
Hintergrund übergeht, und Grauweiß der Halsbinde erwärmt. Gedämpftes Dunkel- 
braunrot im Sammetrock [mit goldgelben Schnüren] läßt das Antlitz lichter erscheinen. 

Erworben 1850 .-. Kupfer, h. 0,26, br. 0,22. 

C^\-t i-J/-k */2kr»l ' Daniel Chodowiecki. Maler und Radierer, geboren zu Danzig den 16. Oktober 
V_xIlUUU WICi^K.1 1726, gestorben zu Berlin den 7. Februar 1801. Durch Zeichnungen nach Boucher 
und Watteau und in der Malerei unter Haid und Bernhard Rode gebildet. Tätig zu Berlin. 

500 b DerAbschied des Calas. Vordem schwärzlichen Braun der Kerkermauern trifft 
helles Licht die Figurengruppe im Vordergrunde. Kräftiges Zinnoberrot im Rock- 
umschlage des Verurteilten [1., durch Braun gebrochen, in den Uniformen der Soldaten 
im Halbdunkel wiederkehrend] betont die Mitte, ausklingend im rotbraunen Inkarnat 
der im Schatten befindlichen Figuren. Kühle graue und weiße, über Graublau [Rock 

des Verurteilten] zu Hellblau [Kleid 
der stehenden Tochter] und Dunkelblau 
[Rock des Mannes, der dem Gefangenen 
die Fußschellen löst] ansteigende Töne 
umgeben das Rot, wobei die blauen Töne 
durch den Kontrast zu Goldgelb im Kleide 
der knienden Tochter [ausklingend im 
gelbbräunlichen Rocke des Sohnes und 
im gelbbraunen Lager] gesteigert werden. 

Bez. unten rechts: D Chodowiecki. f. [echt?] .'. DasGe- 
mälde wurde 1765 ausgeführt. 1762 iiatte das Parlament 
zu Toulouse den von Voltaire gebrandmarkten Justizmord 
an dem calvinistischen Kaufmann Jean Calas begangen .". 
Erworben 1865 als Geschenk von Frau Gretschel, geb. Cho- 
dowiecki, in Leipzig .'. Leinwand, h. 0,30, br. 0,41. 




80 




482 Das Blindekuhspiel. In Wat- 
teaus Art, doch in härterer und bun- 
terer Färbung. Das beherrschende 
Grün g-eht von den dunkelg-rünen 
KuHssen des Vordergrundes über 
das Gelbgrün der Wiese [die ein 
Streifen ockergelbbraunen Erdreichs 
durchschneidet] in das [rotbräunlich 
gefärbte] Blaugrün desMittelgrundes 
und in Graublau des Himmels und 
der Ferne über. Rotbraun im Rocke 
des lagernden Herrn r. im Vorder- 
grunde, Rosarot im Kleide der Dame 
neben ihm. Braunrot im Inkarnat 
stehen dagegen. Die Hauptfiguren 
der Blindekuhspieler aber werden 

hervorgehoben durch Hellgelb [Kostüm der Dame mit hellblauen Schleifen], dem 
Hellblau [im Kleide des Herrn] entspricht. In gebrochenen Nuancen [Graublau, Hell- 
blau, Gelbbraun] klingt dieser Kontrast in den Kleidern der zuschauenden Gesell- 
schaft aus. 

Bez. links an einem Baumstamme : D. Chodowiecki p. 1768 .'. Gegenstück zu Nr. 485 .•. Erworben 1843 aus der Sammlung 
Reimer zu Berlin. 

Leinwand, h. 0,63, br. 0,78. 

485 Der Hahnenschlag. Im gleichen kühlen, auf Blaugrün gestimmten Tone wie das 
Gegenstück. Der von rotbräunlich getöntem Dunkelgrün im Laub des Baumes r. vorn 
zu Gelbgrün in der Wiese [von ockergelbbraunem Erdreich unterbrochen] und bis Blau- 
grün in der Ferne sich wandelnde grüne Grundton ergänzt sich durch Braunrot im 

Inkarnat[dunklerin den 
Kleidern der Herren], 
Rosarot im Kleide der 
Dame r. und im gelb- 
grünen, rosarot schil- 
lernden Kostüm der 
Dame ganz r. mit rosa- 
roterTunique. Wieder- 
um wird dieHauptfigur 
durch den Kontrast von 
Goldgelb [Rock] und 
Hellblau [Schärpe] her- 
vorgehoben, der matter 
im graublauen Himmel 
und dem gelblichen Ho- 
rizont ausklingt. Im 



Deutsdie 
Schule des 
XVIII. Jahr- 
/tiinderts 

485 





491 B 

491 A 



81 



Deutsche 

Schule des 

XVIII. Jahr- 

hunderts 

491 C 




1034C 



Mittelgrunde Grauweiß im Zelt, Blau und Graublau 
in den Kleidern der Damen. 

Bez. links unten: D. Chodowiecki 1768. .■. Gegenstück von Nr. 482 .", Er- 
worben 1844. 

Leinwand, h. 0,63, br. 0,78. 

491b Bildnis des Dr. Solander. Das Bildnis ist 
in roten Tönen zusammengehalten, die Lebhaftig- 
keit des geröteten Antlitzes durch das umgebende 
Grauweiß der Frisur [mit schwarzer Schleife] und 
Weiß in der Binde gesteigert, durch bräunliches Rot 
im Rocke herabgestimmt. Rotbrauner Hintergrund. 
In bräunlichgrauer, gemalter Umrahmung. 

Unter dem runden Ausschnitte der Umrahmung bez.: D : Chodowiecki: 
pinx: Berol: .■- Gegenstück zu Nr. 491 A .'. Auf der Rückseite mit Tinte 
in alter Schrift : Nach der Natur gemalt von Chodowiecki, welcher das 
Porträt seinem Freunde Bolten zum Gesdlenk gemacht hat, zu einer 
Zeit, als Banks, Solander und Bolten in einem und demselben Ort vereinigt 
waren .". 1859 aus dem Kupferstichkabinett überwiesen. 
Kiefernholz, h. 0,23, br. 0,16. 

491a Bildnis des Joseph Banks. Das rötliche Inkarnat steht warm vor grauem Hinter- 
grund, von Weiß in der Binde und Dunkelbraun im Haar umrahmt. Dunkelblauer, im 
Lichte hellblau schimmernder Sammetrock. Gedämpft rotbrauner Pelzkragen. In grau- 
bräunlicher, gemalter Umrahmung 

Unter dem runden Ausschnitte der Umrahmung bez.: D: Chodowiecki: pinx: Berol: .-. Gegenstück von 491 B .-. 1859 aus dem 
Kupferstichkabinett überwiesen. 
Kiefernholz, h. 0,23, br. 0,16. 

491c Bildnis des Dr. Marcus Levin, des Vaters der Rahel von Varnhagen. Die 
lebhafte Frische des rötlichen, mit bläulichen Halblichtern modellierten Inkarnats erhöht 
der Gegensatz zu Grauweiß in Perücke, Kragen und Manschetten, sowie zu dem grün- 
lichen Ton, mit dem der dunkelrotbraune Hinter- 
grund in der Umgebung des Gesichtes aufgelichtet 
ist. Gegenüber dem Inkarnat ist das bräunliche 
Gelb im Überrock [mit gelben Knöpfen], das sich 
durch Dunkelblau in der Polsterung des Stuhles 
ergänzt, gedämpft. Dunkelrotbrauner Stock mit 
goldgelbem Griff. 




Bez. links neben der Stuhllehne: Chodowiecki pinx 
aus dem Nachlaß des Herrn Dr. Robert -Tornow. 
Eichenholz, h. 0,22, br. 0,175. 



Erworben 1896 



Graff 



Anton Graff. Geboren den 18. November 1736 
zu Winterthur, gestorben den 22. Juni 1813 zu 

Dresden. Schüler Johann Ulrich Schellenbergs in Winterthur. 

Tätig- in Augsburg [1756 — 1766], Regensburg und anderen 

Orten, vornehmlich aber seit 1766 in Dresden [seit 1789 

als Professor an der Kunstakademie]. 

1034c Selbstbildnis. Die Figur ist skizzenhaft 
in brauner Untermalung, über die der gelbbraune 
Ton des Rockes durchsichtig lasiert ist, angelegt. 



82 



vor hellem bläulichweißem Grund. Nur das Ant- 
litz [mit hellblauen Augäpfeln und dunkelbraunen 
Pupillen] ist durchgeführt in lichten ockergelblichen 
und rötlichen Tönen, mit rotbraunen und bläu- 
lichen Schattentönen. Auf dem bräunlichen Haar 
sitzen bläuliche Glanzlichter. 

Das Bildnis sdieint eine Studie zu dem Familienbüdnisse des Meisters 
von 17S6 im herzoglichen Schlosse zu Sagan zu sein .". Aus dem 
Kupferstichkabinett überwiesen. 
Leinwand, h. 0,52, br. 0,41. 

1034j Bildnis des Berliner Oberkonsistorial- 
rats Johann Joachim Spalding-. Das Antlitz 
mit den graublauen Augen und weißen [wie die t 
Lichter der Hautrunzeln flüchtig mit dem Pinsel- } 
stiel eingezeichneten] Brauen ist in rötlichen, rosa- 
roten und auf der Stirn ockergelben Tönen, mit 
grauen und braunen Schatten, flott hingestrichen. 
Gegen das frische rötliche Inkarnat steht von der durchscheinenden Untermalung bräun- 
lich getöntes Gelbgrün in dem nur angedeuteten Rock, Grauschwarz in der Mütze. Grau- 
weiße Halsbinde. Der braune Hintergrund ist in der Umgebung des Kopfes mit Grau- 
aufgelichtet. 

Studie zu dem im Jahre 1800 gemalten Bildnisse Spaldings in der Nationalgalerie zu Berlin .•. Aus dem Kupferstichkabinett 
überwiesen .*. Leinwand, h. 0,58, br. 0,46. 

1034g Bildnis des Herrn von Martens. Das hellockergelbliche Inkarnat, mit grauen 
Schatten modelliert und durch rötliche Lasuren auf Wangen und Mund belebt, erscheint 




Deutsche 
Schule des 
XVIII.Jahr- 
hunderts 

1034 J 





1034 H 
1034 G 



83 



Deutsche 
Schule des 
XV III. Jahr- 
hunderts 



499 



wärmer neben dem Fleck Weiß in der Spitzenkrawatte, dem umgebenden bräunlichen 
Grau des Haares und dem Grau des Hintergrundes, in das sich nach unten zu bräun- 
liche Töne mischen. Das dunkle Braun des Pelzkragens und das im Lichte weißlich 
schimmernde Dunkelblau des Sammetrocks steigern die Helligkeit des Gesichts. Ge- 
malte schwärzliche Umrahmung. 

Gegenstück zu Nr. 1034H .". Gemalt um 1770 .'. Baron Martens, Paris .■- Erworben 1909 aus dem Berliner Kunsthandel. 
Leinwand, h. 0,82, br. 0,65. 

1034h Bildnis der Frau von Martens. Die zarte Frische des lichten ockergelblichen 
[mit graublauen Halbtönen modellierten] Inkarnats, mit rosaroten Lasuren auf den 
Wangen und kräftigem Rot auf den Lippen, wird durch die umgebenden grauen Töne 
[im leicht gepuderten dunkelbraunen Haar und im Hintergrund], vor allem aber durch 
das Grauweiß des Schwanenpelzes erhöht. Dunkles, mit Braun gedämpftes Karmin- 
rot im Kleid [nochmals kälter oben im Haarband wiederkehrend] steigert die Hellig- 
keit des Fleischtons. Gemalte schwärzliche Umrahmung. 



Gegenstück von Nr. 1034G .". Baron Martens, Paris 
Leinwand, h. 0,82, br. 0,65. 



Erworben 1909 als Geschenk des Herrn Eduard Schulte. 



K et Maria Angelica Kauffmann [Kaufmann]. Malerin und Radiererin, geboren zu 

aUlimann Chur den 30. Oktober 1741, gestorben zu Rom den 5. November 1807. Schülerin ihres 
Vaters Johann Joseph Kauffmann. Tätig in Venedig, vornehmlich in Rom und London [1766 — 1781]. 

499 Selbstbildnis der Künstlerin. Vom kalten Grauweiß der Gewandung, die den 
hellen zarten Fleischton der Brust wärmer erscheinen läßt, steigert sich die Färbung 
zu den rötlichen Tönen des Antlitzes [mit dunkelbraunen Augen], dessen Wirkung 
durch Graugrün im Rebenlaub [mit violettbraunen Trauben] und durch kaltes kreidiges 
Graublau des Hintergrundes erhöht wird. Dieses ergänzt sich durch das Goldgelb im 
Gürtel und den Armspangen und bräunliches Ockergelb im Haar. 

Königliche Schlösser .". Leinwand, h. 0,74, br. 0,61. 




84 



NIEDERLÄNDISCHE SCHULEN 



NIEDERLÄNDISCHE SCHULEN 
DES XV. UND XVI. JAHRHUNDERTS 




DER GENTER ALTAR 
GESAMTANSICHT DES GEÖFFNETEN ALTARS 



87 



■^SS; SUDNIEDERLANDISCHE SCHULE 

Schule des •• i r r*-- 

XV. Jahr- T^ \rnlr ^^^^^^ ""*^ J^n van Eyck. — Hubert van Eyck, g-eboren zu Maaseijck [zu Eijck an der 

hunderts ^y^T^ Maas] um 1370, gestorben zu Gent den 18. September 1426. Tätig zu Gent. — Jan van Eyck, 

geboren zu Maaseijck um 1390, gestorben zu Brügge zwischen dem 24. Juni und 22. Juli 1441. Schüler 
seines älteren Bruders Hubert und wie dieser an der Ausbildung der Oltechnik beteiligt. Tätig in 
Gent, dann im Haag [1422 — 1424 als Hofmaler Herzog- Johanns von Bayern] und in Lille [1425 bis 
1428 als Hofmaler Herzog Philipps d. G. von Burgund], nach einer Reise nach Portugal und Spanien 
[1428 und 1429] in Brügge [daselbst ansässig seit Januar 1430 bis zu seinem Tode]. 

512 — 523 Sechs Flügel des Genter Altars: Die Anbetung des Lammes. [Nach 
der Apokalypse Vll, 9.] 

Das Hauptwerk der beiden Brüder, zugleich das bedeutendste Werk der altniederländischen Schule, wurde für die Kapelle 
des Jodocus Vydt, der 1433 Bürgermeister von Gent war, und seiner Gattin Isabella geb. Burluut in der Kirche S. Johann 
[später S. Bavo ] zu Gent ausgeführt. Das untere Mittelbild des umfangreichen Altarwerkes, die Anbetung des Lammes 
darstellend, sowie die darüber befindlichen Einzelfiguren von Gott -Vater, Johannes und Maria stehen noch in S. Bavo, 
während die beiden oberen äußersten Flügelbilder [mit den Figuren von Adam und Eva] in die Galerie zu Brüsssel ge- 
kommen sind [ 1861 1. Über Urheber, Besteller und Zeit der Ausführung berichtet die Inschrift auf dem alten Rahmen des 
Bildes [auf Nr. 519, 518, 523, 522]. Sie lautet: 

[PiCTOR] HVBERTVS E EYCK. MAJOR QVO NEMO REPERTVS 
INCEPIT. PONDVS. q[uod] JOHANNES ARTE SECVNDVS 

[frater perf]ecit ivdoci vyd prece fretvs. 
versvs sexta mai vos colloCat acta TVERI 

d. h. „Der Maler Hubert van Eyck, der größte, der je gefunden worden, begann das Werk, das Johann, der Bruder, in der 
Kunst der Zweite, auf des Jodocus Vyd Bitte vollendete" .*. Die Verbindung der im letzten Verse rot geschriebenen, hier 
groß gedruckten Buchstaben ergibt dsis Datum 6. Mai 1 432 .-. Die eingeklammerten Worte, teils fehlend, teils undeutlich ge- 
worden, sind nach einer Handschriftensammlung aus der Mitte des 16. Jahrh. ergänzt. Allein die hier überlieferte Inschrift 
war wohl nicht nach dem Originale, sondern nach einer älteren Abschrift kopiert, und die Richtigkeit der Ergänzungen ist 
nicht unzweifelhaft: für PICTOR und FRATER PERF. Ist der leere Platz nicht ganz ausreichend, falls die Worte nicht ab- 
gekürzt waren [pondus quod und versus sind Korrekturen für pondusque und versu]. Nach anderer Überlieferung stand 
für „frater perfecit" „suscepit laetus" .'. Wann Hubert den Auftrag für das Altarwerk erhielt, ist unbekannt. Doch laßt 
sich aus der Biographie des Jan van Eyck soviel feststellen, daß dieser vor 1426 sich an der Arbeit nicht beteiligte, und da 
er von Mai 1425 zu Lille im Dienste Philipps des Guten tätig, dann auf längerer Reise bis Ende 1429 von Gent abwesend 
war, vor 1430 nicht an die Vollendung des von Hubert 1426 unfertig zurückgelassenen Werkes herangehen konnte. 
Immerhin konnte sich seine Tätigkeit an dem Werke, dessen Aufstellung am 6. Mai 1432 erfolgte, über mehr als zwei 
Jahre erstrecken. Während allgemein angenommen wird, daß der Entwurf des Ganzen von Hubert herrührt, gehen dar- 
über die Ansichten weit auseinander, welche Teile Hubert, welche Jan ausgeführt und welche etwa der von Hubert 
begonnenen Tafeln Jan fertiggestellt habe. Als Arbeit des Hubert werden ziemlich einstimmig die drei oberen Mittelbilder, 
die Einzelfiguren Gott -Vaters, der Maria und des Johannes angesehen. Adam und Eva gelten jetzt meist als das Werk Jans. 
Im übrigen scheint der Anteil Jans in der Ausführung und Vollendung der unteren k'.einfigurig'en Innentafeln, sowie der 
Außenselten, insbesondere der Verkündigung [mit den Lünetten] und den statuarischen Heiligengestalten zu bestehen .■. 
Das Altarwerk, ein Allerheiligenbild, besteht aus zwölf Tafeln in zwei Reihen, von denen die obere sieben, die untere fünf 
Tafeln enthält. Bei geöffnetem Schreine zeigt die obere Reihe die Herrlichkeit des Himmels, die untere die Anbetung des 
Lammes. Oben: Gott -Vater, links Maria, rechts Johannes der Täufer; auf den vier Flügeln links singende Engel [Nr. 514] 
und Adam, rechts musizierende Engel [Nr. 515] und Eva. Unten: die Anbetung des Lammes, auf den vier Flügeln links die 
Streiter Christi [Nr.513] und die gerechten Richter [Nr.512]. rechts die hll. Einsiedler [Nr.516] und die hll. Pilger [Nr.517]. 
Bei geschlossenem Schrein zeigt die obere Reihe die Verkündigung, darüber die Propheten Sadiarja und Micha [Nr. 520 und 
521] und zwei Sibyllen; die untere Reihe die beiden Johannes [Nr. 518 und 523] und zu deren Seiten die Bildnisse der 
Stifter [Nr. 519 und 522] .". Der ganze Altar wurde restauriert 1550 von Jan van Scorel und Lancelot Blondel, 1663 durch 
Antoine van der Heuvel .-. Die sechs Berliner Flügel wurden 1815 um 3000 Gulden an den Kunsthändler M. C.-J. Nieu- 
wenhuis und von diesem für 100000 Frcs. an den englischen Sammler Solly verkauft .". Neuerdings sind die Tafeln ausein- 
andergesägt worden, so daß die Rückseiten neben den Vorderseiten hängen. 

Der geschlossene Altarschrein 

Die Tafeln der Außenseiten, in dunkelbraunen, steinartig' bemalten Holzrahmen, sind 
einheitlich in einem g-raubräunlichen Tone gehalten, der auf das warme Hellgrau der ge- 
malten Nischen und Steinbilder gestimmt ist. Nur das Stifterpaar wird durch leuchtendes 
Rot und Karminrot hervorgehoben. Ihnen entspricht komplementäres Gelbgrün an den 
Seiten der Verkündigungstafeln und in den oberen Figuren, das die Tafeln zusammen- 
faßt, begleitet von zarteren braunroten und rotbraunen Tönen. Rotbräunliches Inkarnat. 

88 



525 K 




Siidnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



518 



89 



Südnieder- Außenseiten 

ländische 

Schule des Obere Reihe 

XV. Jahr- 
hunderts Verkündigung Maria. Graubräunliche Wände des Gemaches mit rotbrauner Holzdecke. 

520 Der Engel Gabriel [Rückseite von Nr. 514]. Bräunliches Weiß im Gewände [mit 
gelbbraunen Goldborten] hält den die Außenseiten beherrschenden Grundton. In den 
Innenseiten der Engelsflügel klingt das leuchtende Zinnoberrot der Stiftertracht gedämpft 
aus, während in den Außenseiten das komplementäre Gelbgrün ansetzt. Ultramarinblaue 
Edelsteine in der Schließe des Mantels und in dem das gelbbraune Haar zierenden 
Diadem. Goldene Inschrift: ave gracia. — Oben: Der Prophet Sacharja. Das Gelb- 
grün setzt sich im Mantel und im Bucheinband [mit goldgelbem Schnitt] fort, begleitet 
von Graurosa im Gewand und stumpfem Zinnoberrot in den Unterärmeln. Weiß im 
Schriftblatt [mit ockergelbbrauner Rückseite, mit roter und schwarzer Schrift] und im 
Hermelinfutter des Mantels. Vor dunkelbrauner Nische. 

Auf der Schriftrollc die Inschrift : EXVLTASATISFILIASYÜJVBILA. ECCE REX TWS VErT. rSacharja IX, 9: Aber 
du Tochter Zion freue dich sehr, jauchze; siehe, dein König kommt zu dir) .-. Auf dem alten Rahmen die Inschrift: SACHA- 
RIAS . PROPHETA .-. Zu der Darstellung des Gemachs, in dem die Verkündigung [Nr. 520 und 521] vor sich geht, gehören 
noch die Rückseiten der Tafeln mit Adam und Eva in Brüssel [s. die modernen Kopien Nr. 525 K und Nr. 525 L] .'. Sammlung 
Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 1,20 (untere Abteilung], 0,35 [obere Abteilung], br. 0,70. 

525k Innenraum [moderne Kopie]. Graublauer, nach unten weißlich sich auflichtender 
Himmel. Stumpfroter Ton der Dächer. Goldene Inschrift: plena diis tecü. — Oben: Die 
Erytreische Sibylle. Weiß im Gewand [die Schatten leicht bläulich als Ergänzung zu 
den bräunlichgoldgelben Tönen im Schleier und der Rückseite des Schriftbandes], im 
Turban und Schriftband. Tiefschwarzer Kragen. Vor dunkelbrauner Nische. 

Auf der weißen, auf der Rückseite ockergelbbraunen Schriftrolle die Inschrift: Nil mortale sonäb afflata ... .'. Auf dem 
Rahmen die Inschrift: Sibilla eritrea .". S. die Bemerkung zu Nr. 525 L. 

Eichenholz, h. 1,20 [untere Abteilung], 0,33 [obere Abteilung], br. 0,78. 

525l Innenraum [moderne Kopie]. In der Nische ein gelbbraunes, im Lichte gelb 
blitzendes Messinglavabo. Daneben schimmerndes Weiß im Handtuch. — Oben: Die 
Cumäische Sibylle. Leuchtendes Gelbgrün im Gewand. In dem warmen Rotbraun der 
Pelzfütterung und des mit grauen Perlen besetzten Kopfputzes klingen die bräunlich- 
goldgelben Töne weiter. Hellblaues, rot verschnürtes Mieder. Vor schwärzlichbrauner 
Nische. 

Auf der weißen, auf der Rückseite ockergelbbraunen Schriftrolle die Inschrift: rex . . advelet per secia futur' '. Auf 

dem Rahmen die Inschrift: Sibilla cumana .-. Die Originale, auf der Rückseite der Tafeln mit Adam und Eva, befinden sich 
in der Galerie zu Brüssel .-. Beide Bilder [Nr. 525 k und 525 L) sind Kopien, ausgeführt 1904 von Richard Böhnke aus 
Schmiedeberg. 

Eichenholz, h. 1,20 [untere Abteilung], 0,33 [obere Abteilung], br. 0,78. 

521 Maria [Rückseite von Nr. 515]. Bräunlich getöntes Weiß in dem [mit gelbbraunen 
Goldborten besetzten] Gewand, der Taube [in rot, weiß und gelbgrün gefärbter Glorie], 
stumpfer im aufgeschlagenen Buch, hält den Grundton der Außenseiten. Farbige Edel- 
steine am Gewand und dem das gelbbraune Haar zierenden, mit grauen Perlen be- 
setzten Diadem. Gelbgrün im Vorhange des Betpultes entspricht den gleichfarbigen 

90 



Flüg-eln des Engels auf der Gegenseite, kontrastierend mit den stumpfroten Tönen der Südnieder- 
Fransen des Vorhangs und der Büchereinbände. Auf die dunkelgraubraune Wand fallen Schule des 
durch das Fenster gelbliche Sonnenlichter. Goldene Inschrift: ecce ancilla drii. — Oben: XV. Jahr- ' 
Der Prophet Micha. Das Gelbgrün klingt weiter im Gewand. Zarte violette und grau- 
weiße Töne im Mantel. 

Auf der weißen, auf der Rückseite ockergelbbraunen Schriftrolle die Inschrift: EXTE EGREDIETVR QVI SIT DOMINATOR 
IN ISRL' [Micha V, I : Aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei] .-. Auf dem alten Rahmen die Inschrift : MICHEAS. 
B°HETA .-. Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 1,20 [untere Abteilung], 0,35 [obere Abteilung], br. 0,70. 

Außenseiten 

Untere Reihe 

519 Bildnis des Stifters Jodocus Vydt. [Rückseite von Nr.513]. Leuchtendes Zinnober- 
rot in dem mit rotbraunem Pelz gefütterten Rocke. Tiefes Schwarz im Gürtel und der 
Tasche. Warm rotbraunes Inkarnat, graublaue Augen. Vor schwärzlichbraunem Schatten 
der Nische. 

Sammlung Solly, 1S21. 

Eichenholz, h. 1,47, br. 0,51. 

518 Johannes der Täufer. [Rückseite von Nr. 512]. Als bräunlichgraues Steinbild, in 
grauer, schwärzlichbraun beschatteter Nische. 

Auf dem Sockel des Steinbildes die Inschrift: S. JOHES BAPTA. .-. Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 1,47, br. 0,52. 

523 Johannes der Eva ngelist. [Rückseite von Nr. 517]. Als bräunlichgraues Steinbild, 
in grauer, schwärzlichbraun beschatteter Nische. 

Auf dem Sockel des Steinbildes die Inschrift: S. JOHES EWANTA. .-. Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 1,47, br. 0,52. 

522 Bildnis der Isabella Vydt, geb. Burluut, Gattin des Jodocus Vydt [Rückseite von 
Nr. 516]. Kaltes Karminrot im Kleid. Daneben setzt in den Ärmelumschlägen und im 
Einsatz des Gewandes das komplementäre leuchtende Gelbgrün ein. Schimmerndes 
Weiß der Haube dient der Erwärmung rotbräunlichen Inkarnats. Vor schwärzlichbraunem 
Schatten der hellgrauen Nische. 

Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 1,47, br. 0,51. 

Der geöffnete Altarschrein 

Die Tafeln der Innenseiten, in vergoldeten Holzrahmen, leuchten im Gegensatze zur 
tonigeren Färbung der Außenseiten in der bunten emailartigen Pracht der drei herr- 
schenden Hauptfarben: Ultramarinblau, Rot und Gelbgrün. Zusammen mit den glitzern- 
den Lichtern reicher Stickereien der Gewänder und des Schmuckwerks, das mit Perlen 
und buntfarbigen Edelsteinen geziert ist, verleihen diese den Tafeln den Charakter 
blitzenden Geschmeides. 

91 



514 



Siidnieder- 
ländisdie 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



Drei Tafeln des linken Flügels 
514 Die singenden Engel. Leuchtendes Rot [in den 
Chormänteln des vorderen Engels und des Engeis ganz r.], 
durch das blitzende Gelb der Stickereien aufgelockert, 
und breite Flächen satten Gelbgrüns [Mantelumschlag 
des vorderen Engels, Chormäntel des Engels 1. und des 
zweiten von r.] halten sich das Gleichgewicht. In der 
Mitte bricht Ultramarinblau von gleicher Intensität her- 
vor [Edelstein in der Mantelschließe des vorderen Engels, 
Mantel des Engels r. neben ihm, gedämpfter in den 
Mantelstickereien des Engels r. und dem Bucheinband auf 
dem Lektorium]. Während sich das Blau durch Goldgelb 
im Schnitte der Bücher, in den Diademen und den Glanz- 
lichtern des Metallgriffs am Lektorium ergänzt, klingt Rot, 
die Gruppe zusammenfassend, im warmen Rotbraun der 
Köpfe und des Lektoriums aus, in seiner Wirkung ge- 
steigert durch das begrenzende Hellblau im Himmel und 
den Ornamenten der Bodenfliesen. In kleinen Flecken 
glitzern die Hauptfarben in den Edelsteinen, welche die 
Diademe und Besätze der Gewänder zieren, weiter. 

Inschrift auf dem alten Rahmen : MELOS DEO LAVS PHEN'iS GRAR A . . O . 
Die beiden mittleren Buchstaben des letzten Wortes sind durch eine schon in alter 
Zeit eingelassene Eisenschraube ausgelöscht [ vielleicht 
zu ergänzen : perhennis gratiarum actio] .'. Die Inschrift 
bezeichnet den Gesang als zum ewigen Preise [und 
Danke?] Gottes bestimmt .'. Sammlung SoUy, 1821. 
Eichenholz, h. 1,61, br. 0,70. 

512 Die gerechten Richter. Wieder 
bilden leuchtendes Rot und Saftgrün 
den Hauptkontrast,der in der Mitte von 
tiefem Ultramarinblau [Sammetmantel 
des vorderen Reiters — nach alterUber- 
lieferung mit den Zügen Huberts van 
Eyck — auf bräunlichweißem Roß mit 
saftgrüner, rot besetzter Schabracke], 
nach der Tiefe in einzelnen Flecken sich 
fortsetzend, unterbrochen wird. Das 
Ultramarinblau steht gegen Rot [zin- 
noberrotes Kleid des zweiten Reiters 
auf rotbraunem Pferd ; karminroter Rock 
des Dritten, mit weißem Hermelinkra- 
gen], die roten Töne wieder vor saft- 
grünen Trachten, die rückwärts abermals 
mit Rot und Blau abwechseln. Der 
sich zurückwendende Reiter [nach alter 




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512 



92 



515 





Überlieferung- mit den Zügen Jans van Eyck] in Schwarz 
mit rotbraunem Pelzwerk, roter Perlenschnur und Kra- 
gen. Warm rotbraunes Inkarnat. Am Schmuckwerk, den 
Agraffen, dem Zaumzeug glitzern und funkeln buntes 
Gestein und gelbe Goldlichter. Die Figurengruppe mit 
ihren leuchtend farbigen Trachten ist in das Ockergelb- 
braun des Erdbodens und den kühleren braungrauen 
Ton der Felsen gebettet, während auf der Höhe [Wiesen, 
Bäume] das die unteren Tafeln beherrschende Grün, unter 
blauem Himmel mit weißlichem Horizont, weiterklingt. 

Inschrift auf dem alten Rahmen : JVSTI JVDICES .-. Wahrscheinlich beruht die 
ganz weltliche Darstellung der gerechten Richter und der Streiter Christi auf 
einer mißverstandenen Auffassung der im Hymnus de Omnibus sanctis gebrauch- 
ten Bezeichnung fijr die Heiligen des Himmels .■- Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 1,47, br. 0,52. 

513 Die Streiter Christi. Die Grundfarben sind die 
gleichen wie vorher: starkes Rot [in den Fahnenschäften, 
den Fahnentüchern 1. und r., den Kreuzen auf den Ritter- 
schildern und der mittleren Fahne, dem Mantel des Kö- 
nigs 1. hinten], begleitet von leuchtendem Gelbgrün [ge- 
zaddelte Hängeärmel des Ritters 1. vorn, Kränze im 
Haar, Brokatgewand des Reiters in der Mitte]. Doch ist 
das Rot nach r. zu auf das blitzende 
Graublau der Rüstungen, auf das bräun- 
liche Grau und Weiß der Rosse [schon in 
der vorhergehenden Tafel ansetzend] ge- 
stimmt. Das Graublau, das [wie in der 
mittleren Fahne und dem mittleren Ritter- 
schild] bis zu zartem Silbergrau absteigt, 
stärkt sich, von Gelb begleitet, nach rück- 
wärts [Fransen der Fahne, Kopfbedeckung 
des Königs 1.] zu starkem Ultramarinblau 
in der Kappe des hintersten Reiters. Das 
Goldgelb der Ritterschilde, des r. Fahnen- 
kreuzes und der Kronen, das schillernde 
Spiel hellblauer, weißer und roter Reflexe 
in den graublauen Ritterrüstungen, buntes 
Edelgestein der Kronen erhöhen noch 
den Eindruck funkelnder Pracht. Hinter 
der leuchtend grünen Höhe tauchen weiße 
Schneeberge auf. 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr, 
hunderts 



Inschrift auf dem alten Rahmen: 
Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 1,47, br. 0,51. 



CHRISTI MILITES 



93 



Südnieder- Drei Tafeln des rechten Flügels 

ländisdie 

^^y^^i^^ 515 Die musizierenden Engel. Der Vordergrund in warmem braunem Gesamtton: 

XV. Jahr- ° n i i • i i- i ii i • i 

hunderts goldgelbbraunes, schwarz gemustertes Brokatgewand, mit blitzenden gelben Lichtern 

und bräunlichweißem Pelzbesatz, braunrotes Haar des Orgel spielenden Engels; goldig- 
gelbbrauner Faltstuhl mit karminrotem Bezug; rotbraune Orgel mit silbergrauen Pfeifen. 
In den Gewändern der Engel dahinter stehen wieder die leuchtenden Hauptfarben 
nebeneinander, vom rotbraunen Ton des Inkarnats und der Instrumente zusammen- 
gehalten. Der Engel mit der Kniegeige in rotem, sein Nachbar mit der Harfe in ultra- 
marinblauem Chormantel mit gelbem Kragen, mit edelsteingezierten Diademen im 
rotbraunen Haar. Blauer Himmel und blaugemusterte Bodenfliesen. 

Inschrift auf dem alten Rahmen: LAVDAT EV IN CORDIS ET ORGANO [sie preisen den Herrn mit Saiten- und Orgel- 
spiel] .-. Sammlung Solly, 1821 .-. Eiclienholz, h. 1,61, br. 0,70. 

516 Die heiligen Einsiedler. Mit dem ockergelblichbraunen Tone des Erdbodens [auf 
dem zinnoberrote Korallen verstreut sind] und dem rötlichen Braun der Felsen gehen 
die graubraunen und bräunlichschwarzen Farben der Trachten zusammen. Wenig bunte 
Farbflächen beleben den ernsten Gesamtton. Voran schreiten Paulus, Antonius in bräun- 
lichkarminrotem Gewand mit ultramarinblauem Kreuz und einem Rosenkranz aus gold- 
gelben und silbergrauen Perlen mit gelbgrünem Behang. Der Eremit am weitesten r., 
in goldgelbbrauner Tracht mit bräunlichgrauem Kragen, hält einen Rosenkranz an 
zinnoberroter Schnur. Braunrote Fleischfarbe; bräunlichgraues und rotbraunes Haar. 
Ganz r., am Ende des Zuges, leuchten vor den dunkelsaftgrünen Laubwänden mit gold- 
gelben Früchten Hellblau und Karminviolett in den Gewändern Magdalenas und Marias 
von Egypten auf. 

Inschrift auf dem alten Rahmen: HEREMITE m1 .-. Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 1,47, br. 0,51. 

517 Die heiligen Pilger. Vor dem Saftgrün der Bäume und dem Gelbgrün der Wiesen 
steht leuchtendes Rot im Mantel des hl. Christoph [über nur wenig am Knie sichtbarem 
ultramarinblauem Gewand]. Seine Begleiter in braungrauen, rotbraunen und bräunlich- 
grauen Trachten, zwischen denen Hellrot, Karminviolett und Ultramarinblau in den Ge- 
wändern und Kopfbedeckungen verstreut ist. 

Inschrift auf dem alten Rahmen: PEGRINI Sti .-. Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 1,47, br. 0,52. 

Die Mittelbilder [in Kopien] 
In den oberen Tafeln erklingt am mächtigsten vor dem Golde der Nischen der Dreiklang 
der Hauptfarben, die in breiten Flächen die Tafeln füllen. Ultramarinblau und Gelbgrün 
übertönt das in der Mitte hervorbrechende feurige Rot [Gott-Vater]. — Unten stehen 
vor allem rote Töne gegen das leuchtende Grün der Landschaft. 



Moderne Kopien nach Hubert und Jan van Eyck. 



Eyck 

5'25d Maria. Tiefes Ultramarinblau der Gewandung, ausklingend im weißlichblauen, gold- 
gemusterten Teppich. Gelbgrüner Buchbeutel mit karminroten Quasten. Zinnoberrote 
Unterärmel. Das warm bräunliche Inkarnat umgibt dunkelbraunes Haar. Die goldgelbe 

94 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



hunderis 



Südnieder- Krone, mit karminroten und weißen Blüten geziert, ist ebenso wie die goldgelben 

sJiulede" Gewandborten mit buntfarbigem Edelgestein besetzt. Stumpf dunkelrote und giüne 

Xy. Jahr- Bodenfliesen. 

Die im Halbkreis um die Bogennische laufende schwarze Inschrift lautet: + HEC E SPECIOSIOR SOLE . i SVP OEM 

STELLARV DISPOSlCÖEs LVCI OPATA IVEITe PO CADOR E ENI LVCIS E . i SPECLM SN MACLA DEI. Hec 

est speciosior sole, super omnem stellarum dispositionem luci comparata invenitur prior, candor est enim lucis eterne speculum 
sine macula dei .'. S. die Bemerkung zu Nr. 525E .-. Eichenholz, h. 1,61, br. 0,69. 

525e Johannes der Täufer. Vom leuchtenden Gelbgrün des Mantels [mit goldgelben 
Borten, die mit roten und blauen Edelsteinen besetzt sind] hebt sich Zinnoberrot im 
Einbände des Buches [mit roten und blauen Miniaturen] ab, das im mattroten Teppich 
[mit goldgelben und blauen Mustern], im goldgelbbraunen härenen Gewand [von ocker- 
gelblichbraunem Gürtel zusammengehalten], dem rotbräunlichen Antlitz, von dunkel- 
braunem Haar umgeben, ausklingt. Stumpfrote und graublaue Bodenfliesen. 

Die im Halbkreis um die Bogennische laufende schwarze Inschrift lautet: + HIC E BAPTISTA lÖHES MAIOR HOIE • PAR 

ANGLIS • LEGIS SVMA • EWAGELLI SACIO ■ APLOR? VOX • SILECIV PPHETAR . . . LVCERNA MVND 

TESTIS. Hie est baptista Johannes, major honiine, par angelis, legis summa, evangelii sanctio, apostolorum vox, silentium pro- 
phetarum, lucerna mundi, domini testis .•. Beide Bilder sind Kopien aus der oberen Reihe des Genter Altarwerks, nach den 
Seitengemälden zum Mittelbilde des Gott -Vater. Die Originale sind nocli in der Kirche S. Bavo zu Gent. Die Kopien sind 
ausgeführt von Carl Friedrich Schulz [aus Gelchow bei Storkow] im J. 1826 .'. Eichenholz, h. 1,61, br. 0,69. 

Kopien nach Hubert und Jan van Eyck von der Hand des Michiel van Coxie [Cocxie, 

Cocxien oder Cocxyen]. Geb. zu Mecheln 1497, gest. daselbst den 10. März 1592. Schüler seines Vaters 
Michiel und des Bernaert van Orley. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Italien tätig in Mecheln [seit 1539, 
später wieder seit 1563] und in Brüssel [wo er 1543 das Bürgerrecht erwarb, bis 1563]. 

525 Gott-Vater. Das feurige Rot des Mantels [mit goldgelbbraunen Säumen, die mit 
buntfarbigen — besonders ultramarinblauen — Edelsteinen geziert sind] steigert der 
Kontrast zu Saftgrün in den Bändern der weißen Tiara [mit dreifacher goldgelber, mit 
blauen und roten Edelsteinen besetzter Krone] und den Schuhen, die auf stumpf dunkel- 
rotem und saftgrünem Fliesenboden ruhen. Vorn eine goldgelbbraune, mit buntfarbigen 
Edelsteinen und grauen Perlen reich gezierte Krone. Das braunrote Antlitz umrahmt 
dunkelbraunes Haar. Vor schwärzlichblauem, goldgemustertem Teppich. 

Die im Halbkreis um die Tiara geführte Insdirift lautet: + HIC E DEVS ■ POTETISSIM' ■ IP • DIVINA MAJESTATE + SST 
OIM OPXr » DVLCEDIS BOITATE ■ REMVNERATOR LIBERALISSIMUS PROPTER INME ■ NSAM LARGITATEM. 
Hie est deus potentissimus propter divinam majestatem summus omnium optimus propter duicedinis bonitatem etc. .'. Auf 
dem goldgelben Sockel des Thrones die Inschrift: VITA . SINE . MORTE . IN . CAPITE. IVVET^. SN . SENECTVTE 
IFRONTE. GAVDIV . SN . MERORE. A. DEXTRIS. SECVRITAS SN. TIÖRE. A. SINIST'S. Vita sine morte in capite, Ju- 
ventas sine senectute in fronte. Gaudium sine merore a dextris. Securitas sine timore a sinistris .'. Das über die Brust 
laufende Band enthält in Perlen die Inschrift: „SABA.liT". Dies namentlich spricht neben anderen Gründen dafür, daß der 
Dargestellte Gott -Vater, und nicht, wie mandie annehmen, Christus als Himmelskönig sei. Am unteren Gewandsaum in 
Perlen die Inschrift: PEX PEFV [ Rex regum ] und JNaNX [ anax ] .'. Kopie nach dem Mittelbild in der oberen Reihe des 
Genter Altarwerks von Hubert und Jan van Eyck. Das Original in S. Bavo zu Gent .'. Erworben 1823. 
Eichenholz, h. 2,07, br. 0,79. 

524 Anbetung des Lammes. [Nach der Vision des Evangelisten Johannes, Apoka- 
lypse VII, 9; Vgl. XIV.] Rot [bräunlich getönt; mit dem warm rotbraunen Inkarnat 
zusammengehend] einigt die Masse der Figuren vor dem leuchtenden Saftgrün der 
Landschaft. Rot erklingt am stärksten in der Decke des Altars, auf dem das weiße 
Lamm steht, und in den Seitengruppen der Patriarchen und Helden des alten Bundes [1.] 
und der Geistlichen, Päpste, Bischöfe und Mönche [r.] mit ihren bräunlichgoldgelben 
Kreuzen, Mitren und reich gestickten Ornaten, begleitet von Saftgrün und unterbrochen 
von wenig Dunkelblau [z. B. in der Mitte der 1. Gruppe]. Nach der Mitte zu, wo sich in 

96 



grauem Stein mit lichtroten FüUung-en der Brunnen 
des lebendigen Wassers [Apokalypse XXII] er- 
hebt, lichten sich die Farben der Gewänder auf: 
zu Hellrot und Blaugrau in den Trachten der 1. 
knienden Propheten, zu Violettgrau in denen der 
r. knienden Apostel. Ein Kranz von goldgelb und 
rot geflügelten Engeln in Weiß, das nach rück- 
wärts mattrot, hellgrün und hellblau getönt ist, 
umgibt das eigentliche Zentrum. Der Zug der 
Märtyrer im Hintergrund in vorwiegend dunkel- 
blauen Gewändern, der der rosenbekränzten Mär- 
tyrinnen in zartem Hellblau, Hellrot, Grün und 
Violett, zwischen dunklen, rot und weiß blühen- 
den Rosen-, Myrten- und Orangegebüschen. In 
glitzerndem Reichtum sind die Gewänder mit 
Perlen und bunten Edelsteinen geschmückt, der 
Rasen mit bunten Blumen. In den strahlend ultra- 
marinblauen Himmel ragen vor blaugrüner Ferne 
die rotbraunen und grauen Türme der Kathe- 
dralen. Aus goldener Glorie sendet die Taube des hl. Geistes goldene Strahlen herab. 

An aem Altare die Inschriften: ECCE AGNVS DEI, QVI TOLLIT PECCATA MVNDI und JESVS VIA, VERITAS, VITA. 
[Siehe da das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt .-. Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.] .-. Bez. am 
Brunnen : MICHAEL DE COXIE ME FECIT • ANNO ■ 15^58 .-. Das Original, wie der ganze mittlere Teil des Genter Altars, 
befindet sich noch in S. Bavo zu Gent. S. auch Nr. 525 .'. Die Kopie des ganzen Altars war von König Philipp II. bei dem 
Meister bestellt und 1559 vollendet, gelangte aber niemals nach Spanien. Die übrigen Teile der Kopie befinden sich in der 
Münchener Pinakothek und in S. Bavo zu Gent .'. Erworben 1823 .". Eichenholz, h. 1,33, br. 2,36. 




Sädnieder- 
ländisdie 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

525 F 



Eyck 
J 



an van 



Eyck 



525f Christus am Kreuz. Die Wirkung der 
Hauptfarben: Hellkarminrot [Mantel Johannis] 
und lila getöntes Weiß [Mantel Marias] wird er- 
höht durch den Gegensatz zu satten kalten Far- 
ben: Ultramarinblau [Gewand Marias] und Dun- 
kellila [Gewand Johannis]. Diese vollen Töne 
heben sich von lichtem Graubraun ab, das in der 
Landschaft [mit dem Saftgrün der Stauden und 
Büsche wechselnd], im Inkarnat und am wärmsten 
im rotbraunen Kreuz fortklingt. Rot, überall ver- 
streut in kleinen Flecken [karminrote Töne im In- 
karnat der Trauernden, Rot in der Umrahmung 
der weißen Inschrifttafel], erscheint am kräftigsten 
im triefenden Blut der Wunden Christi. Goldene 
Strahlennimben umgeben die Häupter. Im oberen 
Teil des Bildes kühlt sich die Färbung des Hin- 
tergrunds zu grünlichem Blau [schneebedecktes 




97 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

525 C 




525 G 



Gebirge hinter einer Stadt mit rötlichen und graublauen 
Dächern] und Hellultramarinblau im Himmel [mit weißen 
Wölkchen und weißlichem Horizont] ab. 

Dem Stilcharakter nach anscheinend dem Genter Aitarwerk vorangehend. Von einigen 
Forschern zusammen mit den stilistisch verwandten kleinen Flügeln der Kreuzigung 
und des Jüngsten Gerichts in der Eremitage zu St. Petersburg und den drei Frauen 
am Grabe Christi in der Sammlung Cook zu Richmond dem Hubert van Eyck zuge- 
schrieben .•. Erworben 1897 aus dem englischen Kunsthandel .'. Eigentum des Kaiser- 
Friedrich -Museums -Vereins .". Leinwand [von Holz übertragen], h. 0,43, br. 0,29. 

525a Der Mann mit den Nelken. Graue Töne [hellblau- 
grauer Rock, auf dem die blitzende graue Silberkette mit 
dem grauen Kreuz der Antoniusbrüderschaft ruht; bräunlich- 
grauer Pelzhut] dienen dem warm rotbraunen Inkarnat [mit 
den bläulichweißen Augäpfeln, mit schwärzlichbraunem Haar] 
als Folie, vor schwärzlichsaftgrünem Hintergrund. Die rot- 
braune Pelzfütterung vermittelt zwischen den grauen Tönen 
und dem Inkarnat. Rot im Kragen, als kräftigste Nuance 
[neben Weiß wiederkehrend in einer der Nelken], unterstreicht 
die Wirkung des Kopfes. In gemaltem hellgelbem Rahmen. 

Eine Kopie dieses Bildnisses, mit veränderter Handhaltung, findet sich in der Anbetung 
der Könige des kölnischen Meisters der hl. Sippe [um 1500] auf Schloß Velen in West- 
falen, wo der älteste König die Züge des Mannes mit den Nelken trägt .'. Sammlung 
Philipp Engels [Köln 1867], dessenVater das Bild in den ersten Jahren des Jahrhunderts 
von einem Kunsthändler aus Gent um einen namhaften Preis als Jan van Eyck ge- 
kauft hatte .'. Sammlung Suermondt, 1874 .". Eichenholz, h. 0,40, br. 0,31. 

525c Maria mit dem Kind in der Kirche. Im warmen bräunlichen Helldunkel des 
Mittelschiffes, durch dessen bunte Glasfenster die Sonne bricht, auf die Gewölbe und 
den Steinboden gelbe Lichter werfend und auf dem goldgelben Triumphkreuz mit den 
gleichfarbigen Seitenfiguren über dem Lettner glitzernd, leuchtet das rotbräunliche In- 
karnat und das Rot des Gewandes der Maria, um- 
geben vom tiefen Ultramarinblau ihres Mantels. Alles 
wird belebt durch blitzende Lichter der goldgelben 
Säume [am unteren Gewandsaum die eingestickten 
Inschriften sol und luna], dem Perl- und bunten blauen, 
roten und grünen Edelsteinbesatz des Gewandes und 
der Krone. In kleineren Flecken leuchten die vollen 
Hauptfarben [Rot, Blau, Saftgrün] bis in die Tiefe 
wieder: Rot und Blau in den Glasfenstern und den 
Schlußsteinen der Gewölbe. In dem von warmem ge- 
dämpftem Sonnenlicht erfüllten Chore zwei singende 
Engel in karminroten, saftgrünen und ultramarin- 
blauen Meßgewändern und roten Flügeln. 

Eine gute Wiederholung des Bildes vom J. 1499 im Museum zu Antwerpen, 
als Teil eines auf beiden Seiten bemalten Diptychons, mit einigen Verände- 
rungen ; eine zweite, spätere in der Galerie Doria zu Rom, als Hälfte eines 
Diptychons aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Das Bild ist wahrschein- 
lich identisch mit dem von L. de Laborde im Besitz des Architekten Nau 
[Nantes] beschriebenen Gemälde. Der verlorene Originalrahmen trug die 




98 



Y: 



/ 



Inschrift: Mater ■ hec • est ■ filia ■ pater • hie • est • natus ■ quis 
• audivit • taha • deus • homo • natus • etcet • flos ■ floriolorum • 
appellaris .-. Federzeichnungen nach dieser Komposition in der ehe- 
mahgen Sammlung von J. C. Robinson zu London, in den Uffizien zu 
Florenz und a. a. O. .•. Sammlung Suermondt, 1874 
Eichenholz, h. 0,31, br. 0,14. 

525g Bildnis eines Ritters vom Goldenen 
Vließ. Goldig-braun leuchtet das Antlitz [mit 
graublauen Augen, mit zarten lichtroten Tönen 
in den Lippen, den Augenwinkeln, den Hautfalten] 
aus dem dunklen Braungrau des Filzhutes und 
schwarzem Hintergrund hervor. Das Karminrot 
des Brokatmantels, den blitzende gelbe Muster 
und die goldgelbe Kette des goldenen Vließes 
[mit graublauen, rotverzierten Zwischengliedern] 
beleben, wird von der durchscheinenden braunen 
Untermalung gedämpft. 

Nach Dimier und Weale ist der Dargestellte Baulduyn de Lannov [eine 
?!S-^"., , ■""" ''■=*?'="'l^ Zeichnung nach unserem Bild in der Stadt- 
b.bhothek zu Arras]. Baulduyn, geb. 1386 oder 1387, Gouverneur 

^d^n^l r"*- ^"""■i''-^";">" ™" ^y^ '" P°'-'"?='l ""d g<=hörte 
1430 bei Gründung des Ordens vom Goldenen Vließe zu seinen ersten 
Rittern [f 14/4] .-. Das Bild wurde 1900 aus der Sammlung der Mar- 
ntrMornTelnJ^°DTkT-ft " .""^ war wahrscheinlich durch Erbschaft aus der bekannten Genueser Familie Imperiaii 

^:^^miSHr£2^Hr?r-^^r^^^^ 

523a Bildnis des Giovanni Arnolfini. Durch das leuchtende Rot der Kopfbedeckung, 
dessen Wirkung der Kontrast zum saftgrünen Gewand erhöht, wird das rotbräunliche 
nkarnat herabgest.mmt. Zwischen diesem und Saftgrün vermittelt die rotbraune Pelz- 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hundert s 



523 A 



fütterung des Rockes. Schwarzer Hintergrund, 
als Basis. 

Arnolfini lebte als Faktor des Luccheser Hauses Marco Guidecon in 
Brügge. Die I^ersonlichkeit läßt sich nach dem bekannten Verlobungs- 
bilde der Londoner National Gallery [ von 1434] feststellen. Da Ar- 
nolfini dort etwas jugendlicher erscheint, dürfte unser Bildnis erst in 
r«L'""i !" .f^" ''" "*'^''" D^enniums gemalt sein .-. Erworben 
1886 auf der Versteigerung M. C.-J. Nieuwenhuis zu London. 
Eichenholz, h. 0,29, br. 0,20. 

m523c Brustbild eines Mannes. Umgeben von 
der bräunlichroten, mit Grau gebrochenen Farbe 
des Rockes, der graubraunen Pelzfütterung, den 
bräunlichen, mit Saftgrün wechselnden Tönen der 
Kopfbedeckung erscheint am wärmsten das bräun- 
liche Inkarnat, in den Augenwinkeln, den Wan- 
gen und den Lippen mit roten Tönen behandelt. 
Schwarzer Hintergrund. 

Offenbar Ausschnitt aus einer größeren Darstellung; nur oben zeiet 
die lafel den ursprünglichen Abschluß. Ob der individuelle Kopf als 
Kortrat geschaffen wurde, ist fraglich .-. Erworben 1895 aus dem ita- 
lienischen Kunsthandel. 

Eichenholz auf Unterlage von Kiefer, h. 0,115, br. 0,088. 



Ein Fleck Grauweiß im Brief dient 




523 C 



99 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

528 




Eyck 



528 Bildnis Christi, des Königs der König- e. 
In leuchtend rotem Gewand mit goldgelbem Saum 
[auf dem die Buchstaben in saftgrüner, die Kreuze 
in blauer Farbe stehen]. Auch das Antlitz in war- 
men braunrötlichen Tönen, umgeben von dunkel- 
rotbraunem Haar. Vor dunkelblauem Hintergrund 
mit blitzendem goldgelbem Nimbus und den Buch- 
staben ^4 und ii, I [Initium] und F [Finis]. — 
Auf der alten, steinartig gelblichbraun mit roter 
Aderung und mit Fugen bemalten, den Rahmen 
bildenden Einfassung die schwarzen Inschriften mit 
weißen Lichtern : oben VIA . VERITAS . VITA . 
unten: PRIMVS . ET . NOVISSIM'. [Der Weg, die 
Wahrheit und dasLeben; derErste und der Letzte.] 

Bez. auf dem Rahmen : Johes de eyck me fecit et apleiuit anno * 1438 ' 
31. January ■ und der Insdirift: ■ AME • IXH ' XAN • .-. Alte verklei- 
nerte Kopie mit geringen Abweichungen in der Akademie zu Brügge, 
mit der falschen Inschrift: Johannes de Eyck Inventur anno 1440 
30. January .'. Alte Kopien u. a. in der Pinakothek zu München .'. 
Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 0,44, br. 0,32. 



525 B 



Nachahmer Jan van Eycks. 

525 B Maria mit dem Kinde vor der Rosenhecke. Die leuchtende Kraft der Farben 
Jan van Eycks ist gebrochen und auf einen bräunlichen Gesamtton gestimmt. Bräun- 
liches Rot im Mantel Marias [mit blitzender gelber Goldkante; über wenig sichtbarem 

schwärzlichblauem Gewand], bräunliches Inkar- 
nat, kontrastierend mit Saftgrün im Hag [mit 
roten Rosen], im Rasen mit bunten Blumen 
und den Bäumen und Büschen des Hinter- 
grundes. Kaltes Weiß in der Umhüllung des 
Kindes und Hellgrau der Rasenbank geben die 
Basis. Bei einem gelbbraunen Bronzebrunnen 
mit gelben Reflexen. Auf der Rasenbank liegt 
in schwärzlichem Beutel ein Buch mit goldgelbem 
Schnitt und Schließen. Lichtblauer Himmel. 

Die Madonna mit dem Kinde findet sich ganz ähnlich in 7wei anderen 
Gemälden, von denen das eine, im Museum von Antwerpen, den 
Namen Jans van Eyck mit der Jahreszahl 1 439 trägt und das andere 
im Metropolitan Museum zu New -York [früher bei Mr. Beresford 
Hope in London ], dem Meister selbst wohl mit Unrecht zugeteilt 
wird. Das geringere Berliner Bild scheint am ehesten eine alte 
Kopie oder Werkstattwiederholung nach Jan van Eyck zu sein .'. 
Sammlung Mündler, Paris ; früher im Privatbesitze zu Florenz .". 
Sammlung Suermondt, 1874. 

Eichenholz, h. 0,57, br. 0,41. 

523 D BildniseinesjungenMannes. Leuchtend 
rote Rose vor dunkelblauem Gewand, das durch 
Karminrot im Kragen in das warme rotbräunliche 




100 



Inkarnat überführt wird. Leuchtendes Saftgrün [in 
den Schatten blaugrün getönt] der Kopfbedek- 
kung verleiht dem Antlitz mit den kräftigroten 
Lippen und dunkelrotbraunem Haar Wärme. 

Erworben 1900 als Geschenk des Herrn Alfred Beit in London. 
Eichenholz, h. 0,18, br. 0,12. 

528a Der segnende Christus. In hellrotem 
Mantel über grauviolettem, mit blitzendem gel- 
bem Besatz geziertem Gewand. Warm rotbräun- 
liches, mit rötlichen Tönen durchsetztes Inkarnat. 
Stumpf rotbraune Haare. Vor altgoldenem Hin- 
tergrund, auf den durchsichtig rotbraunes Rah- 
menwerk aufgemalt ist. 

Anscheinend Ausschnitt aus einem größeren Bilde .". Der Kopf zeigt 
die Züge einer Vera Ikon, die, in einen Smaragd geschnitten, sich seit 
alter Zeit in Konstantinopel befand und erst von Sultan Bajazid II. dem 
Papst Innozenz VIII. geschenkt wurde .•. Erworben 1888 in London. 
Eichenholz, h. 0,18, br. 0,13. 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

523 D 



(^ • j. Petrus Cristus. Zeichnet sich Petrus XPR oder XPI [Christophori?, Christi?]. Geboren 

V_^I löLUa 2u Baerle; 1472 noch am Leben in Brügg-e, wo er 1444 das Bürgerrecht erwarb. Gebildet unter 

dem Einflüsse Jans van Eyck und wahrscheinlich dessen Schüler; tätig vornehmlich zu Brügge [nach 

den Daten auf seinen erhaltenen Werken 1446 — 1467]. 

'v^23b Maria mit dem Kinde vor dem Karthäuser. Kühle helle Gesamtstimmung. 
Die Ausführung ist miniaturartig fein, mit scharfen blitzenden Lichtern und Einzel- 
heiten. Gedämpftem Rot [im Mantel Marias], durch den Kontrast zu Ultramarinblau 
[Gewand Maria] in seiner Wirkung gesteigert, 
entspricht Saftgrün [im Mantel der hl. Barbara, 
über dunkelkarminrotem Gewand]. Das bräun- 
lich getönte Weiß der Karthäusertracht bildet die 
Basis. Die Hauptfarben Rot und Saftgrün klingen 
nochmals in der Mitte wieder: in den Fliesen des 
rotbräunlichen Bodens, noch wirksamer in der 
Landschaft [zwischen Saftgrün bräunlichkarmin- 
rote, hellrote, auch hellblaue Dächer]. Das bräun- 
liche, mit roten Tönen und weißen Lichtern be- 
handelte Inkarnat steht warm vor lichtem bräun- 
lichem Grau der Hallenarchitektur und weißlich- 
blauem Himmel [mit weißen Wölkchen]. Rot- 
braunes, gelb schimmerndes Haar. Rot und Blau 
in den Glasfenstern und dem Baldachinbehang, 
Saftgrün in der Säule hinter dem Kinde. 

Ehemals Jan van Eyck zugeschrieben .•. Die Komposition stimmt im 
wesentlichen überein mit der Tafel Jans van Eyck bei Baron Gustave 
Rothschild in Paris, auf der derselbe Donator dargestellt ist. Nach 




528 A 



101 



Säclnieder- 
ländische 
S(hule des 
XV. Jahr- 
hunderts 




532 



Weale ist der Stifter Herman Steenken aus Suntdorp, von 1402 an mit einer 
zweijährigen Unterbrechung [1404 — 1406] Vikar des Karthäuserklosters der 
hl. Anna ter Woestire in der Nähe von Brügge [f den 23. April 1428] .'. Ein 
auf der Rückseite aufgeklebter Zettel gibt in holländischer Sprache die irrige 
Notiz, daß das Bild von Jan für den Abt von S.Martin In Ypern gemalt sei. 
Die Tafel ist vermutlich identisch mit derjenigen, die in dem von Blaise Hutter 
1595 verfaßten Inventar des Kunstbesitzes von Erzherzog Ernst erwähnt und 
dem „Rupert van Eyck" zugeschrieben wird .'. Auch das am 17. April 1662 
im Haag mit dem künstlerischen Nachlasse des Joh. Chrisosth. de Backer unter 
Nr. 153 versteigerte Stück: Een L. Vrouw met een Cathuyser, geschildert 
by Jan van Eyck, ist wohl identisch mit unserem Bilde .". Erworben 1888 in 
London aus der Sammlung des Marquis of Exeter in Burleigh House. 
Eichenholz, h. 0.19, br. 0.14. 

•§32 Bildnis eines jungen Mädchens [angeblich einer 
Lady Talbot]. Die kühle Helligkeit des ockergelb- 
lichen, mit zarten Rosalasuren belebten Inkarnats 
steigert der Kontrast zu tiefem Schwarz [Kopfbedek- 
kung mit gelber Goldstickerei, Halsband, Miederein- 
satz], vor grauer Wand mit graubrauner Holztäfelung. 
Schimmerndes Weiß im Kragen, Ultramarinblau im 
Kleid. Die Schultern deckt ein weißer Schleier, der 
mit goldgelber Nadel am Miedereinsatz befestigt ist. 

Trug nach handschriftlicher Bemerkung Waagens auf dem Originalrahmen die Inschrift: Opus Petri Christophori .•. Nach 
Weale ist die Dargestellte die erste Frau des Eduard Grimeston .". Sammlung Solly, 1821 .*. Eichenholz, h. 0,28, br. 0,21. 

529a B Zwei Altarflüg-el. 
529a Altarflügel mit zwei Darstellungen. Oben: Verkündigfung-. Karminrot [Man- 
tel Marias mit goldgelber Bordüre, über schwärzlichblauem Gewand] und Gelbgrün [die 
Bettstatt] bilden den beherrschenden Kontrast. Rot kehrt in den Fransen des Baldachins 

und im Glasfenster über der Tür wieder. Nach 
r. und nach hinten kühlt und stumpft sich die 
Färbung ab: bläulichweißes Gewand des Engels, 
bräunlichgraue Wände und etwas wärmerer Fuß- 
boden des Gemaches. Die Engelsflügel schillern 
in stumpfgelben, mattroten und blaugrünen 
Tönen. Warm graurötliches Inkarnat. Hellblau 
[im Himmel und im Flußspiegel 1.] — Unten: 
Geburt Christi. Lichtes Gelbgrün der Land- 
schaft [darin die kleinen Figuren der Verkündi- 
gung an die Hirten in kräftigem Zinnoberrot] 
hält dem verschiedenartigen Rot das Gleich- 
gewicht [gedämpft karminroter Mantel Marias 
über schwärzlichblauem Gewand, vor rotbraunen 
Felsen ; zinnoberroter Mantel des in der Mitte 
knienden Engels, in seiner Wirkung gesteigert 
durch Gelbgrün und Hellblau in den Kleidern 
der beiden anderen; kaltes Karminrot im Mantel 
Josephs; wärmeres Karminrot in den Armein der 




102 



helfenden Jüdin, dem leuchtendes 
Gelbgrün im Obergewand, über 
graubraunem Unterkleid, entspricht]. 
Leuchtend hellblauer Himmel. Auf 
graubraunem Erdboden liegt das 
Kind von gelben Strahlen umgeben. 
Ein dunkelrotbrauner Balken trennt 
die beiden Darstellungen. 

Bez. unten auf schwarzem Grund in Goldschrift; 
* . petrüs . xpi . me . fecit . -•. Wie 529 B Flügel 
eines Altarschreins, der sich in einer Kirche von 
Burgos befand .". Der Altar kam von Burgos in ein 
Frauenkloster zu Segovia und wurde von dort nach 
Frankfurt a. M. gebracht .". Die jetzt verschollenen 
Außenseiten der Flügel zeigten grau in Grau die 
Apostel Petrus und Paulus /. Erworben 1850 aus 
Privatbesitz in Augsburg. 

Eichenholz, h. 1,34, br. 0,56. 

529b Das jüngste Gericht. Christus 
als Träger des Hauptkontrastes in 
rotem, im Umschlage gelbgrünem 
Mantel, thront vor tiefultramarin- 
blauem Himmel auf gelb und rötlich 
gefärbtem Regenbogen, zwischen si 
dunkelbrauner Säule und Kreuz. In 
den ihn umschwebenden Engeln klingt der Kontrast von Rot und Grün gedämpfter 
weiter, um in den Gewändern der Heiligen, die Maria [Dunkelblau der Gewandung, 
das durch den Gegensatz zu Goldgelb im Kleide des Heiligen neben ihr in seiner 
Wirkung gesteigert wird], Magdalena [in hellroter und dunkelgrüner Tracht] und 
Johannes d. T. [in gelbgrünem Mantel] umgeben, und den Trachten der auf grau- 
braunen, mit Perlen und farbigen Edelsteinen gezierten Bänken sitzenden Apostel und 
der Vertreter der geistlichen und weltlichen Stände hinter ihnen seine höchste Leucht- 
kraft zu erreichen. Gelbe, hellblaue, graublaue und dunkelblaue Töne mischen sich 
darein. Rotbräunliches Inkarnat. Über das helle Gelbgrün der Wiese [mit den Auf- 
erstehenden] an blaugrünem Wasser fällt die Färbung über die braungraue, gelb 
schimmernde Rüstung des hl. Michael [mit dunkelgrünen, auf der Außenseite bräunlich- 
roten Flügeln, mit rotem Kreuzesstab] zu dem bräunlichschwarzen Tone der Hölle mit 
ihren stumpfroten Flammen und saftgrünen Teufelsgestalten und der grauen Gestalt 
des Todes. 

Bez. unten auf schwarzem Grund in Gold: * anno . domini . M . CCCC . LH . .'. Wie 529 A Fliigel eines Altarschreins .*. 
Das Vorbild der Komposition ist das Gemälde Jans van Eyck in der Eremitage zu St. Petersburg .'. Erworben 1850 aus Privat- 
besitz in Augsburg .*. Eichenholz, h. 1,34, br. 0,56. 





Südnieder- 
Ifindische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

529 A 
529 B 



Zwei Altarflügel. 
529e Linker Flügel: Johannes der Täufer. In der bräunlichen Gesamtfärbung leuchtet 



103 



Siidnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

529 E 

529 F 



549 A 





das Rot des [innen schwärzlichblauen] Man- 
tels, von dem sich der dunkelsaftgrüne Buch- 
einband abhebt. Saftgrüne Lasuren auch in 
der ockergelblichbraunen, mit grauen Tönen 
[in den Felsen] durchsetzten Landschaft. 
Gelbbräunliches härenes Gewand. Bräun- 
lichockergelbes Inkarnat [mit roten Tönen 
in den Augenlidern und Lippen]. Dunkel- 
braunes Haar. Grünlichblaue Ferne unter 
dunkelblauem Himmel mit weißem Horizont. 

Erworben 1 908 aus dem italienischen Kunsthandel als Geschenk 
des Generaldirektors Dr. W. Bode. 
Eichenholz, h. 1,73, br. 0,63. 

529f Rechter Flügel: Die hl. Katharina. In 
der bräunlichen Gesamtfärbung wie im Ge- 
genstück leuchtendes Rot der Gewandung 
[über schwärzlichblauem Unterkleid, dun- 
kelkarminrote Strümpfe]. Schwärzlichgrüner 
Bucheinband. Saftgrüne Lasuren in der 
ockergelblichbraunen Landschaft, dunkel- 
saftgrüne Bäume. Die Mitte betont Gold- 
gelb im Schnitte des Buches. Das braune, gelb schimmernde Haar ziert eine blitzende 
goldgelbe, mit weißen Perlen und roten Edelsteinen besetzte Krone. Graublaue Schwert- 
klinge. Hellblauer Fluß, blaue Ferne unter dunkelblauem Himmel mit gelblichweißem 
Horizont. Weiße Pelzfütterung des Obergewands. 

wahrsclieinlicli am Hofe des 
Lionello d'Este zu Ferrara. 

'549a Maria mit dem 
Kinde. Leuchtendes 
Karminrot im Mantel 
umgibt die Figuren 
vor graubrauner Fen- 
sterumrahmung und 
schwärzlichbraunem 
Grund. Leuchtendes 
Saftgrün vorn im 
Kissen schließt den 
Umriß der Figuren- 
gruppe ab. Schim- 
mernd kaltes Weiß 
[Kopftuch Marias, Um- 
hüllung des Kindes] 
und dunkles Ultrama- 



Erworben 1908 aus dem ita- 
lienischen Kunsthandel als 
Geschenk des Generaldirek- 
tors Dr. W. Bode. 

Eichenholz, h. 1,73, br. 

0,63. 



Weyden J°?f:J5:; 

Weyden, auch Roger de 
la Pasture, und in älterer 
Zeit öfters Roger von 
Brügge oder Roger von 
Brüssel gen. Geboren 1399 
oder 1400 zu Tournay, da- 
selbst den 1. August 1432 
als Meister in die Gilde ein- 
getragen, gestorben zuBrüssel 
den 16. Juni 1464. Schüler 
des Robert Campin inTournay 
[seit 1426]. Tätig zu Tournay 
und namentlich zu Brüssel 
[1436 als „Maler der Stadt" 
erw^ähnt], einige Zeit in 
Löwen, vielleicht auch in 
Brügge, 1449 50 in Italien, 




104 



rinblau [mit grauen Perlen und roten Edelsteinen besetztes Gewand Marias; dagegen 
das blitzende Goldgelb der Borten] verstärken die Wirkung des mit zarten rötlichen 
und grauen Tönen modellierten Inkarnats. Rotbraunes, gelb schimmerndes Haar. Gold- 
gelbbraune, saftgrün gemusterte Brokatunterärmel. Goldene Nimben. Rechts hinten 
eine graublaue Lilie mit saftgrünen Blättern. 

Erworben 1862 .-. Eichenholz, h. 0,42, br. 0,31. 

v534b Johannesaltar. Die Hauptfarben Rot und Ultramarinblau sind auf das kühle lichte 
Grau der gemalten architektonischen Rahmungen [mit plastischen Darstellungen aus 
dem Leben Johannis d. T.] und der Innenräume gestimmt. 

Linker Flügel: Geburt Johannis d. T. Hellkarminrot [Himmelbett], wird in seiner 
Wirkung gesteigert durch Saftgrün im Untergewande der Bedienerin und im Rocke des 
Zacharias. Karminviolett in dessen Mantelumschlag und Graublau im Oberkleid der 
Bedienerin vermitteln mit dem Hellgrau der Architektur. Reines Weiß des Bettleinens. 
Ultramarinblau [Obergewand Marias] hält dem Rot die Wage, das nochmals in wärmster 
Nuance und durch das Goldgelb der Musterung gestärkt, im Unterkleide Marias hervor- 
bricht. In der Umrahmung die Statuen von Jakobus minor und Philippus, Thomas und 
Matthaeus. — Mittelbild: Taufe Christi. Von Hellkarminrot [Mantel Johannis, über gold- 
gelbbraunem Gewand], mit dem das Saftgrün der Landschaft kontrastiert, kühlt sich die 
Färbung über das durch den Gegensatz zu Weiß [Lendentuch] und Blaugrün [Flußspiegel] 
erwärmte Braun im Körper Christi zu Blauviolett [sein Gewand] und endlich zu bläulich 
getöntem Weiß [Gewand und Flügel des Engels, die außen karminviolett gefärbt sind] 
ab. Oben vor hellblauem Himmel zur Betonung der Mitte, in Zinnoberrot und Gelb, 
Gott -Vater [von ihm die Worte ausgehend: hie est filius meus usw.]. In der Umrahmung 
die Statuen von Petrus und Andreas, Jakobus maior und Johannes. — Rechter Flügel: 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 




534 B 



105 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

535 




Enthauptung des Johannes. BräunHches Karminviolett [mit weißem Hermelin gefüttertes 
Oberkleid Salomes]. Ultramarinblau im Untergewand [mit goldgelben Borten und 
farbigem Edelgestein geziert], gestärkt durch den Gegensatz zu Gelb in den Unterärmeln 
und der Schlüssel. Den kühlen Farben noch untergeordnet erscheint der Kontrast von 
Rot [Schuhe], Rosa [gelb schillernd in den Unterärmeln] und Gelbgrün [Hängeärmel]. 
Rechts überwiegt dagegen Karminrot [strömendes Blut, heller im Mantel Johannis, wärmer 
im Schurze des Henkers, dort begleitet von Mattgelb], zu Zinnoberrot ansteigend im 
Beinkleide des Henkers [ausklingend im goldgelbbraunen Gewände Johannis]. Reines 
Weiß im Hemd. Saftgrüne und lichtrote Töne in der Hofansicht dahinter. In kleinen 
Flecken verbreiten sich Rot und Blau, von schimmerndem Weiß unterbrochen, bis in die 
Tiefe des grauen Innenraums, in dem die Überreichung des Hauptes an Herodes dar- 
gestellt ist. In der Umrahmung die Statuen von Paulus und Bartholomaeus, Thaddaeus 
und Matthias. 

Aus der früheren Zeit des Meisters .'. Eine Schulkopie von kleineren Maßen im Staedelschen Institute in Frankfurt a. M. .•. 
Erworben 1850, die zwei ersten Tafeln aus der Sammlung Könisr Wilhelms von Holland im Haag, die dritte Tafel in England. 
Eichenholz, jede Abteilung h. 0,77, br. 0,48. 

535 Der Altar des PeeterBIadelin [Gründers der Stadt Middelburg und Schatzmeisters 
des Herzogs von Burgund, gestorben 1472]. 

Mittelbild: Anbetung des Kindes. Der ockergelblichgraubraune Vordergrund und der 
rotbräunliche Ruinenbau, der sich gegen das Gelbgrün der Wiesen absetzt, bilden den 
neutralen Hintergrund für die kühlen leuchtenden Farben der Gewänder. Hellkarminrot 
[Joseph], ergänzt durch das Gelbgrün der Landschaft, überführt die karminviolette 
Tönung der Engelsgewänder zum Kontrast der Mitte: Hellgelb [Kleid des anbetenden 
Engels], bläuliches Weiß [Gewand Marias, über das rotbraunes Haar herabfällt] und 
tiefes Ultramarinblau [in breiter Fläche um sie ausgebreiteter Mantel]. R. bildet wenig 
Karminviolett [Unterkleid Marias] das Verbindungsglied mit warmem Schwarz [mit grau- 
braunem Pelz verbrämter Rock des Stifters Peeter Bladelin]. Oben vor tiefblauem 



106 



Himmel nochmals vor allem Hellgelb, daneben Hellkarminrot und Gelbgrün [Gewänder 
der Engel]. Goldene Strahlennimben. — Linker Flügel: Die Sibylle von Tibur. 
Links leuchtendes Gelbgrün [Gewand der Sibylle mit blauen Unterärmeln, landschaft- 
licher Ausblick] vor Karminrot [Baldachin]. Schimmerndes Weiß im Kopftuche der 
Sibylle. Neben bräunlichem Karminviolett im Obergewande des Kaisers Augustus [in 
burgundischer Königstracht], zarter in der Musterung des grauen Bodens brechen noch- 
mals Karminrot [mit gelber Musterung im Untergewande des Kaisers und in den Bein- 
kleidern des Zuschauers r.] und Zinnoberrot [Beinkleider und Unterärmel des Kaisers], 
das auch in der Tracht des Zuschauers r. hinten wiederkehrt, hervor. Hier dient es 
einem kalten Farbenpaar: Hellblau [Mantel und Kappe des vorderen Zuschauers, satter 
im Hute des Kaisers und im Gewände Marias] und Hellgelb [Ärmel und Gewand des 
vorderen Zuschauers, hellrot umrandete Glorie im Fensterausschnitt] als Hintergrund. — 
Rechter Flügel: Der Stern erscheint den Königen aus dem Morgenlande. Hellkar- 
minrot [Mantel des vordersten Königs], von den bräunlichgelbgrünen Tönen der Land- 
schaft, dem Gelbgrün der Ärmel, dem bräunlichen Gelb des Umhangs umgeben, erwärmt 
sich nach r. hin zu leuchtendem Zinnoberrot [Gewand des zweiten Königs], dessen hell- 
gelbe Musterung wieder mit dem leuchtenden Ultramarinblau [im Mantel] vermittelt. 
Hellkarminviolett [Kappe] und bräunliches Karminviolett [Mantelumschlag] überführen 
zum tiefen Schwarz [goldgelb gezierte Tracht des Mohrenkönigs], dessen Intensität durch 
den Gegensatz zu reinem Weiß in Armein und Kopfbinde gesteigert wird. Am hell- 
blauen Himmel in rosaroter Glorie, von goldenen Strahlen umgeben, das Christkind. — 
Warm graurötlicher Fleischton. 

Außenseiten der Flügel: Verkündigung. Links: Maria. — Rechts: Der Engel [in 
beiden Händen ein Spruchband haltend, auf dem die Worte des englischen Grußes 
stehen]. — Grau in Grau, in Stein nachahmenderMale- 

rei. Die Rückwand des ^ i 'l i ii r - aaMfcMgaaa»— ' « mm aMa t^ Gemaches verdeckt ein 

bräunlichzinnoberroter P J |HBää^^^^^HB|^Hf|' Vorhang, vor dem ein Ma- 

jolikakrug mit einem ^^^^BB^B^^^^^^ Lilienstengel steht. 



Siidnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



Die drei Bilder geben eine in sich 
die weltumfassende Herrschaft 
bild], Verkündigung derselben an 
[Augustus] und an die Herrscher 
Hauptaltar der Kirche zu Middel- 
Kopie befindet .'. Ein Hauptwerk 
[bald nach 1450] .-. Die Rückseiten 
Schülerarbeit Erworben 1834 

Eichenholz, Mittelbild, h. 0.91, 



v/534c Die hll. Marga- 
Das zinnoberrote, gold- 
Margaretha [dessen Ende 
Rachen hält] umrahmt 
Bräunlichvioletter Mantel 
grün gemustertes gold- 
am Brustausschnitt und 




abgeschlossene Darstellung, die sich auf 
Christi bezieht, Geburt Christi [Mittei- 
den Herrscher des Abendlandes 
des Morgenlandes "." Gemalt für den 
bürg [in Brabant], wo sich noch eine 
des Meisters aus seiner mittleren Zeit 
der Flügel sind viel geringer und 
von Nieuwenhuis in Brüssel, 
br. 0,89; Flügel je h. 0,91, br. 0,40. 



retha und Apollonia. 
gezierte Gewand der hl. 
der gelbbraune Drache im 
dunkles Blau des Mantels, 
der hl. Apollonia r., saft- 
gelbes Gewand, unter dem 
zu den Füßen leuchtendes 



534 C 



107 



Südnieder- 
ländische 
Sdiule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

534 A 




Karminrot des Unterkleides sichtbar ist. Lichtes bräunhches Inkarnat, mit rosigen Tönen 
und graubraunen Schatten, von gelbbraunem und rotbraunem Haar umgeben. Goldene 
Nimben. Vor hellgrauer Wand mit rotbrauner Wölbung. L. Ausblick in einen Hof mit 
rosaroten Mauern und saftgrünen Beeten unter hellblauem Himmel. 



Flügel eines Klappaltars .". Früher in Spanien 
Eichenholz, h. 0,515, br. 0,275. 




Erworben 1909 aus dem Pariser Kunsthandel. 

534a Marienaltar. Das Kolorit ist härter, email- 
artiger und weniger reich an vermittelnden Zwischen- 
tönen als im Johannesaltar. Die einzelnen Flügel 
umrahmt gemaltes ockergelblichbraunes Holzrahmen- 
werk mit hellgrauen plastischen Darstellungen aus 
dem Leben Marias. Graue Innenräume. Rötlich- 
grauer Fliesenboden. 

Linker Flügel: Die hl. Familie. Leuchtendes 
Karminrot [innen dunkelsaftgrüner Mantel Josephs] 
vor leuchtendem Gelbgrün in der Vorhangbordüre. 
Dunkelultramarinblaue Kapuze. Karminviolett mit 
gelber Musterung im Mittelstück des Vorhangs über- 
führen den Hauptkontrast in das in den Schatten 
hellblau getönte Weiß im Gewände Marias, über 
das gelbbraunes Haar herabfließt. Oben ein ultra- 
marinblauer Seraph. In der Umrahmung die Statuen 
von Petrus und Paulus. — Mittelbild: Beweinung 
Christi. Von leuchtendem Karminrot [Mantel Marias], 
durch das Gelbgrün der Landschaft in seiner Inten- 



108 



sität gesteig^ert, hebt sich der hellgraubraune, vom weißen Lendentuch umhüllte Körper 
Christi ab. Kühlere Farbflächen umgeben die Mitte: Blauviolett im Mantel Johannis, 
Dunkelultramarinblau in der Tracht Josephs von Arimathia, Weiß im Tuch. Hellultra- 
marinblauer Himmel. Oben ein karminvioletter Seraph. In der Umrahmung die Statuen 
von Johannes und Matthaeus. — Rechter Flügel: Christus erscheint Maria. Karminrot 
[Mantel Christi] und lichtes Gelbgrün der Landschaft, in der die Auferstehung und die 
drei Marien dargestellt sind. Ultramarinblau, das in der landschaftlichen Ferne und im 
Himmel zarter weiterklingt, und reines Weiß in der Tracht Marias. Lichter kehren alle 
Hauptfarben in der Landschaftsszene wieder. Oben ein ultramarinblauer Seraph. In 
der Umrahmung die Statuen von Markus und Paulus. 

Wie Maria der Mittelpunkt der gesamten Schilderung ist, so beziehen sich auch die lateinischen Sprüche auf den von den 
Seraphim gehaltenen Bändern auf Eigenschaften der Maria, um deren willen ihr die „Krone des Lebens" verliehen wurde /. 
Unser Altar entstand wohl in der Werkstatt Rogers nach dem frijhesten bekannten Altar des Meisters, der zum Bilderschatze 
Isabellas der Katholischen gehörte und von dem sich linker Flügel und Mittelbild noch heute in der Sakristei des Domes zu 
Granada befinden. Der r. Flügel tauchte vor einigen Jahren im spanischen Kunsthandel auf .•. Dieser Altar kam als Geschenk 
Papst Martins V. an König Johann II. 1445 nach der Karthause Miraflores bei Burgos .'. Karl V. soll ihn von hier mitgenommen 
und als Reisealtärchen bei sich geführt haben. Nach seinem Tode befand sich das Werk wieder in Burgos bis zur Zeit der Napo- 
leonischen Kriege. Damals fiel es kurz vor dem Brande des Klosters in die Hände des Generals d'Armagnac, der es einem Wein- 
händler verkaufte. Dann erstand es Nieuwenhuys, der es an König Wilhelm von Holland verkaufte -•. Erworben 1850 aus 
der Sammlung König Wilhelms von Holland im Haag. 
Eichenholz, jede Tafel h. 0,71, br. 0,43. 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



1. 545d Bildnis einer jungen Frau. Warm und blühend, in rötlichem Ton mit wenig 
graubräunlicher Modellierung, rundet sich in geschlossenem Oval das Antlitz mit den 
roten Lippen [und den blaugrauen Augen], vom kalten, im Schatten grau getönten 
Weiß der Haube umrahmt, durch welche die Stirn durchscheint. Das schwärzliche 
Blau des Hintergrundes, tiefes Schwarz des Pelzbesatzes und Gürtels helfen die Hellig- 
keit noch steigern. Die graue Farbe des Kleides wird durch die durchschimmernde, 
aus Braun und Karminrot gemischte Untermalung er- 
wärmt. Die Finger der Linken zieren goldgelbe Ringe 
mit rotem Stein, goldgelbe Nadeln halten die Haube 
zusammen. 

Auf der Rückseite ein [ausgekratztes] Wappen in einem Blattkranze .'. Fürstin 
Soltikoff, St. Petersburg .". Erworben 1908 aus dem englischen Kunsthandel. 
Eichenholz, h. 0,47, br. 0,32. 

\j545 Bildnis Karls des Kühnen, Herzogs von Bur- 
gund [1433 — 1477]. Warm kommt das rötliche, von 
grauen Tönen durchsetzte Antlitz [mit den graublauen 
Augen und mattroten Lippen], von dunkelrotbraunem 
Haar umgeben, aus dunkelblauem Grund und schwar- 
zem, grau gemustertem Kleid hervor. Goldgelb im 
Orden des goldenen Vließes auf der Brust. Rot- 
brauner Schwertgriff mit graublauem und goldgelbem 
Knauf. 

Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 0,49, br. 0,32. 




545 



109 



Südnieder- 
ländisdie 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



Vveyden Kopie nach Roger van der Weyden. 



534 Kreuzabnahme. Warme farbige Kontraste [Hellkarminrot im Gewände Johannis, 
daneben leuchtendes Gelbgrün im Kleide Maria Salomes; bräunlichzinnoberrote Bein- 
kleider und dunkelkarminrotes Gewand Josephs von Arimathia, der den Leichnam 
Christi hält] umgeben in breiten Flächen das tiefe Ultramarinblau im Gewände Marias, 
dem r. ein mit Braun gedämpftes Goldgelb im Mantel des Nikodemus [über dunkel- 
blauem Gewand] entspricht. Hellrötliches Inkarnat. Graubrauner Erdboden. Nach 
rechts geht die Färbung in zartere Töne über und klingt über wenig Gelbgrün [Mantel 
Petri] und Rosa [Ärmel Magdalenas] in bräunliches Grau [Gewand] und Blaugrau 
[Mantel Magdalenas] aus. Ebenso kühlt sich die Färbung nach oben ab [Weiß der 
Tücher, graubräunlicher Ton des Leichnams, bläuliches Weiß der Kopftücher und Tracht 
des Mannes auf der Leiter] vor Goldgrund, auf den die Schatten in Braun lasiert sind. 

Bez. in den oberen Ecken in dem rotbraunen Maßwerk mit je einer Armbrust und der Jahreszahl 1488 .*. Alte Kopie 
nach dem Originale Rogers, das sich im Escorial befindet. Ändere alte Kopien im Museo del Prado zu Madrid [Nr. 1818, 
vielleicht von Michiel von Coxie, und Nr. 2193a, früher im Museo Nacional de laTrinidad], in der Peterskirche zu Löwen 
[in kleinerem Maßstabe, Mittelbild des Triptychons in der Agatha -Kapelle], in der Bridgewater-Sammlung zu London usw. 
Ober das Original und die in Spanien befindlichen Kopien s. Madrazo, Museo Espanol de Antiguedades, IV .". Ehemals 
ohne Grund Roger van der Weyden der Jüngere genannt .". Erworben 1830 in Aachen. 
Eichenholz, h. 1,49, br. 2,65, der Aufsatz in der Mitte h. 0,51, br. 0,57. 



Weyd 



Cn Schule des Roger 

600 Das j'üngste Gericht, 
minrot [Mantel Christi], Hell- 
lichter in der Weltkugel] und 
rotbraunem Gewand]. Weiße, 



Weyden. 



Vor goldenem Himmel Hellkar- 
ultramarinblau [Mantel Marias, 
Saftgrün [Mantel Johannis, über 
karminviolett getönteWolken [mit 



534 




110 




gelblichen Lichtern] und weiße, blauviolett getönte 
Gewänder der Engel. — Die Färbung der unteren Bild- 
hälfte mit den klugen [1.] und den törichten Jung- 
frauen [r.] ist schwerer und stumpfer. Zwischen dunklem 
Blau tritt kräftiges Rot hervor. Saftgrün im Kleide 
der Jungfrau r. in der Mitte, bräunliches Orangegelb 
und Grauweiß [Tracht der Jungfrau ganz r.]. Vor grau- 
braunen Felsen, zwischen denen schmutzig rote und 
saftgrüne Flecken [Flammen, Teufel] verstreut sind. 
Nach oben in bräunliches Saftgrün der Wiese über- 
gehend. 

Die Tafel, die aus zwei Stücken zusammengesetzt ist und im Gegenstande 
zwiespältig erscheint, ist offenbar von zwei Malern ausgeführt. Der obere 
Teil zeigt durchaus den Stil Rogers van der Weyden, während der untere, 
weit schwächere Teil von einem Nachfolger Memlings herrührt .'. Sammlung 
Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,65, br. 0,35. 

Der Meister von Flemalle !('j;:::t:''^,:rZ 

der Abtei Flemalle stammenden, jetzt im Staedelschen Institute 
zu Frankfurt a. M. bewahrten Altarflüg-eln. Nach einem Altar im 
Besitze der Gräfin Merode zu Brüssel auch Meister des Merode- 
Altares g-enannt. Tätig zwischen 1420 und 1460 in den südhchen 
Niederlanden. Neuerdings mit Robert Campin, dem Lehrer Rogers 
van der Weyden identifiziert. 

538a Christus am Kreuz. Vor bräunlichgrauem Erdboden mit saftgrüner Lasur 
leuchten r. warmes Rot und Gelbgrün [Unterkleid und Gewandumschlag Magdalenas] 
und, durch dunkles Karminviolett und Grau- 
schwarz [Gewand und Mantel Magdalenas] ge- 
trennt, kälteres Hellkarminrot [Gewand Johannis, 
vor luftigem Gelbgrün der Landschaft] auf. Der- 
selbe Kontrast mit stärkerer Betonung des Gelb- 
grün beherrscht die 1. Seite [gelbgrüner Mantel, 
karminrote Ärmel der hl. Frau], während leuch- 
tendes Ultramarinblau [Maria] die Mitte betont. 
Zwischen diesen klaren Farben ist reines Weiß 
verteilt, das im Kopftuche Magdalenas r. an- 
setzend in schräger Richtung über das Kopftuch 
Marias, den gelblichgrauen, mit blaugrauem 
Pelz besetzten Rock der hl. Frau hinter ihr in 
die kühlen zarten Töne der Gestalt 1. hinten 
[weißes, blauviolett schimmerndes Gewand mit 
gelben Borten und hellblauen Hängeärmeln, 
gelbes Unterkleid] übergeht. Zartes grauröt- 
liches Inkarnat. Vor dunkelgrauen Wolken der 
graubraune, mit rotem Blute befleckte Körper 
Christi. Die Färbung der Gewänder der klagen- 
den Engel steigert sich nach oben von Goldgelb 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

600 





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538 A 



111 



Siidnieder- 
ländisdie 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

537 



537 B 



über Grün und Dunkelblau zu leuchtendem Rot. 
An den Umrissen der Figuren ist ein alter Gold- 
grund sichtbar, über den die Landschaft des 
Hintergrundes mit weißlichblauer Ferne und der 
hellblaue Himmel gemalt sind. 

Vom Munde Marias geht die goldene Inschrift aus; Fili dignare me 
attrahere et crucis i pedem manus figere. Bernhard'. .*. Erworben 
1892 auf der Auktion A. Hulot in Paris. 
Eichenholz, h. 0,77, br. 0,47. 

537 Bildnis eines Mannes. Die bräunlich- 
karminrote Kopfbedeckung fällt über das saft- 
grüne, dunkelgrün gemusterte Sammetgewand 
mit schwarzem [rot verschnürtem Kragen] herab 
und umrahmt das hagere blasse Antlitz, das an 
den Augenlidern, der Nase, den Lippen gerötet 
und mit grünlichgrauen Schatten modelliert ist. 
Schwarzer Hintergrund. 

Der Dargestellte wurde ehemals für Philipp den Guten gehalten .'. Er- 
worben 1836 als Geschenk des damaligen preußischen Gesandten in Paris Barons von Werther .-. Eichenholz, h. 0,37, br. 0,30. 

537a Bildnis eines Mannes. Warm hebt sich das rötliche Inkarnat [mit dunkelbraunen 
Augen, mit graublauen Tönen an den Bartstellen, an Oberlippe, Kinn und Wangen] von 
dunklem Braun des Haars und bräunlichem Karminrot im Gewände [mit gelbbraunem 
Pelzwerk] vom reinweißen Hintergrund ab. 

Der Dargestellte ist vielleicht, wie sich aus 
der Übereinstimmung der Gesichtszüge 
mit der Marmorbüste von der Hand Minos 
da Fiesole im Kaiser -Friedrich -Museum 
zu Berlin ergibt, der Florentiner Niccolö 
Strozzi, der 1434 aus Florenz verbannt, 
nacheinander in London, Barcelona. Avi- 
gnon, Neapel und Rom Banken errichtete 
und 1469 in Rom starb .-. Erworben 1901 
aus dem englischen Kunstliandel .". Eigen- 
tum des Kaiser- Friedrich -Museums-Ver- 
eins .-. Eichenholz, h. 0,285, br. 0,177. 





RH Kopie na 
emalle von Fie 



Kopie nach demMeister 
emalle. 



537b Die Rache der Tomy- 
ris. Über dem unruhigen, rot, 
grün, hellblau, goldgelb und 
weiß gemusterten Estrich, auf 
dem der kopflose Leichnam 
des Cyrus in grauweißem, im 
Umschlage gelbgrünem Ge- 
wände liegt, breite, z. T. reich 
mitGold gezierte, aber stumpfe 
Farbflächen: Dunkelblau [Ge- 



112 



wand der Massag-etenkönigin]; rechts Rot [Gewand der 
Dienerin, die das graue, blau gemusterte, mit karmin- 
rotem Blut gefüllte Gefäß hält, mit gelbgrünen Strümpfen 
und roten Schuhen] und Gelbgrün [Kleid der Frau mit 
dem weißen Hündchen]; links entsprechend Olivgrün, 
Rot [Tracht des Henkers mit dunkelblauen Beinkleidern] 
und kaltes Hellkarminrot [Tracht des hinter ihm Stehen- 
den]. Graubraunes Inkarnat mit Zinnoberrot auf den 
Lippen und Wangen. Weiße Kopfbedeckungen. Vor 
dunkelgrauer Wand mit saftgrünen und braunroten 
Säulen, deren Kapitale Reliefszenen aus der biblischen 
Geschichte zieren, und rot, blau und grün gemusterte 
Glasfenster. 

Der Darstellung nach, die dem typologischen Zyklus des „Speculum humanae 
salvationis" angehört, wahrscheinlich zu einer Folge von Bildern gehörig, die 
zum Schmuck eines Rathauses diente .*. Für den Meister von Flemalle ist die 
Ausführung zu gering, der Stil läßt jedoch deutlich erkennen, daß ein Original 
dieses Meisters zugrunde liegt .". Eine andere aus dem XVI. Jahrhundert 
stammende Kopie mit geringen Veränderungen nach demselben Original in der 
Akademie zu Wien .'. Stammt aus Spanien .". Erworben 1893 als Geschenk 
des Sir J. Charles Robinson. 

Leinwand, h. 1,76, br. 1,76. 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



Niederländischer Meister um 1440 

526a Beweinung Christi. Im kalten Lichte des hellblauen, von schimmernd weißen 
Wolken überzogenen Himmels, von dem sich dunkel das rotbraune Kreuz abhebt. In 
der Mitte stehen fast schattenlose, sehr zarte 
Töne bei einander, denen das [in den Schatten 
bläuliche] Weiß der Tücher als Basis dient: bräun- 
lichgrauer Körper Christi, rosavioletter Mantel 
Marias, bräunlichsaftgrüner Erdboden. Ihre ein- 
heitliche Helligkeit wird noch gesteigert durch 
den Gegensatz zu den kräftigen Farben der Seiten : 
Rot mit weißlichen Lichtern [Mantel des Stifters 
r. mit tiefschwarzer Kapuze, warmes rotbräunliches 
Inkarnat], Saftgrün und Hellblau [Mantel und Ge- 
wand Johannis 1.]. 



Die Komposition kommt mit Abweichungen mehrfach vor [in der 
Galerie zu Brüssel und beim Earl of Powis in London]. Von diesen 
drei, annähernd gleichwertigen Wiederholungen steht diejenige beim 
Earl of Powis dem Roger van der Weyden am nächsten .'. Erworben 
1901 in Florenz .". Eigentum des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins. 
Eichenholz, h. 0,46, br. 0,33. 




526 A 



113 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

542 
527 




DpKpI" J^I"^* Daret. Geb. zu Tournay, zusammen mit Roger van der Weyden Schüler des Robert 
Campin in Tournay. Tätig in Tournay [1432 als Meister in die Gilde aufgenommen], Arras [um 
1433—35, Juli 1441, 1452] und a. a. O. 

542 Heimsuchung. Vor saftgrüner, mit bunten Blumen übersäter Wiese leuchtendes 
Karminrot [Mantel Elisabeths], durch Violett [ihr Gewand] mit dunklem Ultrama- 
rinblau [Gewandung Marias] vermittelt. Graue Pelzbesätze, weißes Kopftuch. Gol- 
dene Strahlen umgeben die Häupter, reich mit Gold sind die Gewänder geziert. Rot 
erscheint leuchtender vorn in der Fütterung der goldenen Bischofsmütze wieder 
[Karminrot über Gold]. Der Stifter, ein Abt, in bräunlichschwarzer Tracht, mit gol- 
denem Krummstab. L. sein Wappen, silber und dunkelblau geteilt, mit goldenen 
Kronen [dem Zeichen seiner Abtei] und Querbalken. In der Ferne die grauen Mauern 
der Abtei mit blauen und braunroten Dächern; dahinter ein dunkelblauer Fluß. Grau- 
bräunlicher Fleischton. 

Gegenstück zu Nr. 527 .". Der kniende Donator ist Jean du Clercq [geb. 1376], Abt von St.Vaast zu Arras [1428 — 62] 
und einer der Kanzler Philipps des Guten .*. Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 0,57, br. 0,52. 

527 Anbetung der Könige. Leuchtendes Ultramarinblau im Mantel Marias ist in ver- 
schiedenartiges Rot gebettet, das von kräftigem Zinnoberrot im Sitze Marias sich nach 
1. zu kaltem Karminrot [Gewand Josephs], nach r. zu Hellkarminrot [Rock des knienden 
Königs, Kopfbedeckung am Boden] abkühlt. Die roten Töne werden von Gelbgrün 
begleitet [Landschaft, Unterkleid und Fütterung der Kappe des knienden Königs, 
Obergewand des hinter ihm stehenden, Tasche Josephs], das neben Goldgelb in der 
Musterung des lilafarbenen Gewandes des Königs ganz r. ausklingt. Reines Weiß im 
Kopftuch Marias und der Pelzfütterung der Gewänder. Die Darstellung ist reich mit 
Gold geziert [Nimbus der Maria, Stern, Gewänder, Kronen und Gefäße], die Ferne 
durch zinnoberrote Staffage belebt. 



114 



Zusammen mit Nr. 542 und einem dritten Gemälde, einer Darstellung im Tempel [früher in der Sammlung Hainauer zu Berlin, 
jetzt bei Duveen Bros, in London], gemalt im Auftrage des Abts Jean du Clercq als Teile der Außenseiten eines Altars 
für die Marienkapelle in der Klosterkirche von St. Vaast zu Arras. 1434 begonnen, scheint der Altar Anfang 1435 vollendet 
gewesen zu sein. Ehemals, wie das GegenstiJck Nr. 542, dem „Gerard van der Meire " [tätig zu Gent zwischen 1452 und 
1474] zugeschrieben, dann Niederländischer Meister um 1460 genannt .*. Sammlung SoUy, 1821. 
Eichenholz, h. 0,57, br. 0,52. 



Sädn ieder- 
ländische 
Schule des- 
XV. Jahr- 
hunderts 



Niederländischer Meister um 1480 

526 Maria mit dem Kind und Stiftern. Rot, auf das stumpfe Dunkelblau im Mantel 
Marias gestimmt und in ihrem dunkelkarminroten Gewand anklingend, hält die Kompo- 
sition farbig zusammen. Als Rosarot im Teppichfond, mit dem stumpfen Saftgrün der 
Musterung, der Bäumchen, die das Ehepaar hält, dem Rasen und Laubwerk kontrastierend, 
bildet es den Hintergrund für die Gestalt Marias. Es stärkt sich r. zu stumpfem Karminrot 
in dem mit silbernen Kreuzen gezierten Mantel Elisabeths von Breda [i" 1280], durch den 
Gegensatz zu Graublau [mit rotbraunem Pelzwerk besetztes Gewand, von hellblauem 
Gürtel mit goldgelber Schließe zusammengehalten] erwärmt, und im Schild mit silbernen 
Kreuzen [Wappen von Breda]. Das Rot im Rocke des Stifters hält ihm [als wärmstes 
Rot im Bilde] auf der 1. Seite das Gegenwicht. Arnold von Löwen [i" 1287] in grau- 
braunem Wappenrock, mit silbernen Löwen und goldener Krone geziert, über graublauer 
Rüstung, mit goldenen Sporen. Oben das Wappen von Löwen [silberner Löwe in grau- 
braunem Feld]. Weiß in der Haube Elisabeths und der Umhüllung des Kindes. Hell- 
rotbräunliches Inkarnat. Blaugrüne Ferne und hellblauer Himmel. 

Wahrscheinlich ist der Stifter ein Nachkomme Arnolds von Löwen .•. In der Art Rogers van derWeyden .'. Sammlung SoUy, 1821. 
Eichenholz, h. 1,53, br. 1,53. 




526 



115 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



590A = 




538 



Niederländischer 
Meister um 1465 

590 A Maria mit dem Kind, der 
hl. Hieronymus, eineHeilige 
und die Stifterfamilie [Graf 
Jacob von Hornes und seine Ge- 
mahlin Johanna mit Söhnen und 
Töchtern]. Die leuchtend bunte 
Lokalfarbenwirkung der Mitte ist 
durch unvermittelte Nebenein- 
anderstellung- von Karminrot [Ge- 
wand Marias, Teppichkante, Man- 
tel des hl. Hieronymus, Kleid der 
Heiligen und der vor ihr knienden 
Tochter der Stifterin, Kissen, auf 
dem der Stifter kniet, Helm- und 
Schildzier] und Ultramarinblau 
[Mantel Marias, Gewand des hl. 
Hieronymus, stumpfer im Mantel der Heiligen] erzielt. Beide Farben gewinnen durch 
das überall verstreute Weiß und den lichten Ton des Inkarnats, Karminrot wiederum, dem 
auch der verbindende rotbräunliche Ton der Rasenbank das Übergewicht verleiht, durch 
den Kontrast zu reichlichem Saftgrün [Landschaft, Teppichmuster] an Intensität. Goldene 
Nimben. In gedämpfteren Farben die Stifterfamilie: der Stifter in goldener Rüstung, seine 
Söhne in schwarzen Trachten und braunlasierten silbernen Rüstungen, der letzte in weißem 

Mantel mit gelbbraunem Besatz; die Stifterin in 
schwarzem Kleid, die Töchter in karminroten, 
dunkelblauen und dunkelgrauen Kleidern, mit 
zinnoberroten Rosenkränzen. Dafür ist wieder 
der Vordergrund reich mit Gold [Helm, Schilde] 
und Rot [Helm- und Schildzier] belebt. 

Goldene Umschrift des alten Rahmens: Jnt iairons heran MCCCCLXI des 
anderen daighs inden aprill starff toe woiriehem die hoigebaren vrouwe 
Johanna dochter greve-frederycks von moirse irste greuynne toe hoirne 
vrouwe toe altena toe niontegys toe torterlhem ende toe ergnendonck 
hierbegrave wes siele nioet ruhen in vreden ame .". Darnach liegt hier 
ein Gedenkbild auf den Tod der Gräfin Johanna von Hornes, geb. 
Gräfin von Moers -Saarwerden, gest. 1461, vor. Da der jüngste Sohn 
Johann, der letzte zur Linken, 1482 zum Bischof von Lüt^ich ernannt, 
hier noch in ganz jugendlichem Alter dargestellt ist, muß das Bild 
zwischen den Jahren 1461 und 1482 gemalt sein. Und zwar wahr- 
scheinlich bald nach 1461, wie neben anderen Anzeichen auch aus der 
Beschaffenheit der Wappen hervorgeht. Dieselben, zum größeren Teil 
Allianzwappen, sind erst später aufgemalt worden, allein, wie sich aus 
dem Allianzwappen des einen der Söhne in Rüstung ergibt, nicht 
später als 1479 .•- Seinem Stilcharakter nach gehört das Bild einem 
Nachfolger des Roger van der Weyden an .*. Erworben 1861 in Leipzig 
aus der Sammlung Minutoli. 

Eichenholz, h. 0,87, br. 0,94. 




116 




Niederländischer Meister um 1480 

538 Anbetung- der Könige. Weiß [Kopftuch 
Marias, Kissen], nach 1. [Mantelumschlag- des 
knienden Königs, Kopfbedeckung des Mohren- 
königs] bläulich getönt, dient den stumpfen, auf 
das Braun des Hintergrundes gestimmten Tönen, 
mit dem auch die gelblichbraune Tracht Josephs 
zusammengeht, als Basis. Der Gegensetzung von 
dunklem Blau [Mantel Marias] und Karminrot 
[Behang ihres Sitzes] folgen nach 1. lichtere Töne: 
besonders Saftgrün [Rock des ältesten Königs, 
Ärmel des Mohrenkönigs], dazwischen Hellkar- 
minrot [Mantel des knienden, Tasche des ältesten 
Königs]. Reiche Verwendung von Gold [in den 
Gewandborten, den Querstreifen des graublauen 
Gewandes des Mohrenkönigs, den Kronen und 
Gefäßen] belebt die Gruppe 1. 

Das Bild erscheint als ein Werk aus dem Kreise des Meisters von Flemalle und des Jaques Daret .'. Alte, etwas veränderte 
Kopien nach unserem Bild im Museo Civico zu Verona und in der Sammlung Rene de la Faiüe in Antwerpen; eine alte 
Zeichnung danach im Berliner Kupferstichkabinett. Eine stilistisch verwandte Darstellung desselben Gegenstandes im Erz- 
bischöflichen Museum zu Utrecht .'. Sammlung Solly, 1821 .■. Eichenholz, h. 0,49, br. 0,41. 

D _ !.„ Dierick [Dirk] Bouts [Dirk van Haarlem]. Geb. zu Haarlem vermutlich zwischen 1410 — 1420, 

'-''-' ^'-'-' gest. zu Löwen den 6. Mai 1475. Unter dem Einflüsse Aelberts van Ouwater [?], später Rogers 

van der Weyden gebildet. Tätig zu Haarlem und vornehmlich zu Löwen [daselbst schon vor 1448]. 

545c Maria mit dem Kinde. In warmer Färbung stehen die Figuren, von Hellkarmin- 
rot im Mantel umrahmt, vor lichtem Saftgrün der Landschaft [mit dunkelsaftgrünen 
Büschen] und hellblauem Himmel. DieWärme 
des lichten rosigen Inkarnats [mit bräunlich- 
grauen Schatten modelliert] erhöht der Kon- 
trast zu Weiß im Horizont und der Umhüllung 
des Kindes und zum dunkelblauen, mit grauem 
Pelz gefütterten Gewände Marias, das über 
dem Ellenbogen umgeschlagen den schwärzlich- 
saftgrünen, goldgelb gemusterten Brokatärmel 
sehen läßt. Gelbbraunes Haar Marias. 

Eine schwächere Wiederholung mit abweichender Landschaft, aber 
genau entsprechenden Maßen in der Galerie zu Sigmaringen .'. 
Erworben 1896 aus Arezzo .-. Eigentum des Kaiser -Friedrich- 
Museums -Vereins .-. Eichenholz, h. 0,28, br. 0,195. 

545b Maria in Anbetung. Zartes Blauviolett 
im Gewand und rosabräunliches, von grauen 
Tönen durchsetztes Inkarnat, vom gelbbraunen 
Haar umrahmt, sind auf das tiefe Ultramarin- 
blau in Mantel und Unterkleid gestimmt. Die 



Südnieder- 
ländisdie 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

545 C 




545 B 



117 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

533 




533 A 



kühlen Töne, denen warmes Braun [im 
Zaun] und Saftgrün [Wiesenlandschaft] als 
Hintergrund dienen, setzen sich in der 
grauen Färbung der Architektur fort. Blau- 
grüne Ferne, weißer Himmel. 

Fragment eines größeren Gemäldes, das die Geburt Christi 
darstellte .•. Stammt aus der 1803 aufgehobenen Abtei 
Salmannsweiler [Salens] und kam dann zu einem Herrn von 
Issel nach Freiburg i. B-, der auch ein zweites Stück aus 
diesem Bilde, den hl. Joseph, besaß [jetzt im Besitze des 
Herrn NoU in Frankfurt a. M.]. Von ihm erwarb unser Stück 
Appellationsgerichtsrat Baer, aus dessen Besitz es in die 
Sammlung Hirscher überging .*. Erworben 1850 aus der 
Sammlung Hirscher zu Freiburg i. B. 
Eichenholz, h. 0,24, br. 0,145. 

533 Der Prophet Elias in der Wüste. 
Grün, von [bräunlichem] Saftgrün im Rasen 
in das Blaugrün der Ferne übergehend und 
zu leuchtendem Gelbgrün im Mantel des 
Elias sich steigernd, läßt das Rot [Karmin 
über Zinnober] im Gewand in leuchten- 
dem emailartigem Glanz erscheinen. Grau- 
violett [Gewandsäume] und Karminviolett 
[Kappe] vermitteln mit dem ockergelblichen Grau des Weges. Seine Helligkeit, noch 
energischer das kalte bläuliche Weiß des Engelsgewandes steigern die klare Leuchtkraft 
des Hauptfarbenpaares, das in der Kleidung des in der Ferne dahinziehenden Elias noch- 
mals ungebrochen wiederklingt vor graubraunen Felsen. Alle blauen Töne gipfeln in 
einem Fleck Gelb der Flügelfedern des Engels [neben stumpfem Rot und Graublau]. 

Dieses Gemälde sowie Nr. 539 und zwei Bilder in München [„Abraham und Melchisedek" und „Mannalese"] bildeten, je zwei 
übereinander, die Innenseiten der Flügel eines Triptychons, dessen Mittelbild das Abendmahl darstellt und sich noch in der 
Peterskirche zu Löwen befindet, für die 1467 der Altar gemalt war .-. Erworben 1834 aus der Sammlung Bettendorf in Aachen. 
Eichenholz, h. 0,85, br. 0,69. 

533a Christus im Hause Simons. Zinnoberrot [Mantel Magdalenas 1., Gewand Petri] 

wird durch den Gegensatz zu Gelb- 
grün [Gewand Magdalenas und 
Simons, Mantelumschlag Johannis] 
unddie unvermittelteNachbarschaft 
zu tiefem Blau [Mantelumschlag 
Magdalenas, Kappe Simons, Mantel 
Petri] zu leuchtender Kraft gestei- 
gert. Bräunliches Karminviolett 
[Gewand Christi] und Lila [Kragen 
und Untergewand Simons] bilden 
dieUbergangstöne zum kalten Grau 
der Wand und des Bodens, Hell- 
karminrot [Gewand Johannis] zum 
reinen Weiß der Karmelitertracht 




118 



des Stifters, das ebenso wie das Weiß des 
Tischtuches die Lokalfarben in harter Bunt- 
heit erscheinen läßt. Warm rötlichbraunes 
Inkarnat. 

Von diesem Bild kommen mehrere geringereWiederhoIungen 
vor, u. a. im Brüsseler Museum im Stile des Aelbert Bouts .■. 
Ehemals im Privatbesitze zu Mailand .". Erworben 1904 .". 
Sammlung A. Thiem /. Eichenholz, h. 0,405, br. 0,61. 

539 Feier des Passahfestes. Leuchten- 
des Rot [Mantel des Mannes 1., Gewand 
des Hausvaters in der Mitte, wärmer in 
Untergewand und Ärmel der Frau r.], 
begleitet von Saftgrün [Untergewand und 
Kappe des 1. Stehenden, Rasen im Hof- 
raum, Innenseite der Kappe des Haus- 
vaters, Obergewand der Frau r.], gibt den 
farbigen Zusammenhalt. Tiefes Ultramarin- 
blau [Gewand des zweiten Mannes von 1., 
Hut des Hausvaters, Obergewand der Frau 
r. hinten] unterbricht, mit wenig Hellgelb 
[Goldborten derblauen Gewänder, Armel- 
umschlag des r. stehenden Mannes] kontrastierend, r. und I. von der Mitte den Haupt- 
kontrast, dem kleinere Flecken Karminviolett [Hutumschlag des Mannes 1., an Kragen und 
Armen sichtbares Gewand des neben ihm stehenden, Gürtel der Frau r. hinten, Rock des 
Mannes r.], mit dem Grau der Wand vermittelnd, untergeordnet sind. Weißgrau [Estrich] 
und besonders das schimmernde Weiß des Tischtuches [darauf bräunlichsaftgrüne Kohl- 
blätter und Glasbecher, goldgelbe Brote und 
eine graublaue Zinnschüssel] steigern die 
Leuchtkraft des Kolorits. 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



Gegenstück von Nr. 533 
Bettendorf in Aachen. 

Eichenholz, h. 0,85, br. 0,69, 



Erworben 1834 aus der Sammlung 



533 b Christus am Kreuz. Bräunlichgrauer Fel- 
senboden. Kräftiges Hellkarminrot im Ge- 
wände Johannis, rötliches Inkarnat, saftgrüne 
Rasenlasuren. Dunkelblau im Mantel Marias. 
Ockergelbbrauner, mit grauen und bläulichen 
Tönen modellierter Körper Christi an dunkel- 
rotbraunem Kreuz, vor dunkelblauem Himmel. 
Am weißen Horizont die Stadt Brüssel. 

Das Bild ist in dem Flügelbild eines Boutsnachfolgers [Nr. 543 
unserer Galerie] kopiert .". Stammt aus Malta .*. Sammlung 
Fr.Lippmann,Wienl870 .'. Erworben 1904 .". Sammlung A. Thiem. 
Eichenholz, h. 0,88, br. 0,71. 




533 B 



119 



Südnieder- 

ländisdie 

Schule des 

XV. Jahr. 

hunderts 




Meister der Himmelfahrt Maria 

So genannt nach zwei Altären im Museum zu Brüssel. Tätig- um 
1470 — 1480 zu Löwen. Schüler oder Nachfolger des Dirk Bouts, 
neuerdings mit dessen Sohn Aelbert Bouts identifiziert. 

540 Derhl. Augustinus undjohannis der Täu- 
fer mit dem Stifter. Zinnoberrot [Mantel Johannis, 
Kante des Baldachins] und Karminrot [Chorge- 
wand des hl. Augustin] stehen gegen das über- 
wiegende Gelbgrün [Thronvorhang und Baldachin, 
Decke der Fensterbank, Landschaft]. Bläuliches 
Weiß [Chorhemd und Handschuhe Augustins, 
Fensterplatte] und Blau [Umschlag des gelb ge- 
musterten Mantels, Ferne und Himmel] steigern 
durch ihre Nachbarschaft mit Karminrot die grelle 
Wirkung des Hauptkontrastes. Grauweiß und 
Schwarz in der Tracht des Stifters. Graue Wände, 
weißer Boden. Rotbräunliches Inkarnat. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,61, br. 0,44. 

530 Verkündigung Maria. Das bläuliche Weiß in Gewand und Flügeln des Engels, das 
Grau des Raumes steigert sich zu Hellblau [Himmel im Fensterausschnitt] und klingt 
in dunkles Blau [Mantel Marias] aus. Diese kühle lichte Stimmung durchbricht außer dem 
warmen graurötlichen Fleischton ein Kontrast von stumpfem Zinnoberrot [Decke auf der 
umlaufenden Wandbank, vor graubrauner Täfelung], das sich zu Karminrot im gelb- 
gemusterten Mantel des Engels abkühlt, und leuch- 
tendem Gelbgrün [Wandteppich im Nebenraum 1., 
Mantelumschlag des Engels r.]. 



Eine Wiederholung im Gegensinn und wohl von anderer Hand [Bouts] 
in der Pinakothek zu München .". Eine andere Wiederholung aus 
der Sammlung v. Kramm - Sierstorpff zu Driburg bei Eugen Schweitzer 
in Berlin .-. Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,93, br. 0,62. 

DOUtS Nachfolger des Dierick Bouts. 

543 Christus am Kreuze mit Heiligen. Lichter 
ockergelblichgrauer Erdboden und kaltes bläu- 
liches Weiß [Horizont, Chorhemd des Bischofs 1.] 
dienen dem Hauptkontrast von Hellkarminrot 
[Gewandung Johannis, gelbgemusterter Mantel 
des Bischofs 1., wärmer im Mantelumschlage des 
Bischofs r.] und Gelbgrün [Berghöhe, Mantel- 
umschlag des Bischofs 1.] als Basis. Mit den roten 
Tönen geht auch das graurötliche Inkarnat zu- 
sammen. Durch den Gegensatz zu dunklem Blau 
[Maria, heller im oberen Teil des Himmels] wird 
die Wirkung der lichten Töne erhöht. 




120 




Südnieder- 
ländische 
Sdiule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

543 
550 



Diesem Bilde lieg^ das Originalwerk des Dirk Bouts der Sammlung A.Thiem [Nr. 533 B] zugrunde. Doch sind die beiden 
Bischöfe hinzugefügt .'. Mittelstück zu dem Flügelbild [ Nr. 550] .-. Sammlung SoUy, 1821. 
Eichenholz, h. 0,71, br. 1,07. 

550 Die hl I.Agathe und Clara. Vor lichtem Gelbgrün der Berghöhe Karminrot [Ge- 
wand] und Dunkelblau [Mantel der hl. Agathe]. Schwarz und Weiß in der Gewandung 
der hl. Clara. — Rückseite: Maria, die Verkündigung empfangend. Grau in Grau, mit 
natürlichem graurötlichem Inkarnat. 

Flügelbild von Nr. 543 .'. Der zugehörige linke Flügel befindet sidi jetzt im Provinzial- Museum zu Bonn .-. Sammlung Solly, 
1821 .-. Eichenholz, h. 0,72, br. 0,51. 

633c Predigt Johannis des Täufers. Das hchtere, mehr auf Grau gestimmte Kolorit 
erinnert, besonders r., an Goes. Bräunliches Gelbgrün der Wiese ergänzt sich durch 
Hellkarminrot [Rock und Kappe des vorn Sitzen- 
den], das, in einzelnen Flecken nach der Tiefe 
sich verbreitend [Untergewand des 1. hinter ihm 
Sitzenden, Tracht des Mannes r.], von Graublau 
[Sitzender r.] und Hellgelb [Zuhörer am Ufer] um- 
geben wird. Dem Hellgelb steht Violett [Mantel 
Johannis] zur Seite, während bräunliches Goldgelb 
[Gewand Johannis] wieder auf das stumpfe Blau r. 
vorn berechnet ist. L. schwärzliches Blau im Ge- 
wände Christi. Hellgraue Felsen. Grünlichblaue 
Ferne unter hellblauem Himmel. 



Die Komposition, vor allem die Christusfigur und die Landschaft, ist 
einer kleineren, dem Dierick Bouts zuzuschreibenden Darstellung des- 
selben Gegenstandes in der Galerie Leuchtenberg entnommen .'. Der 
zwiespältige Charakter der Tafel ist vielleicht so zu erklären, daß sie 
unfertig aus der Werkstätte des Bouts in die Hände eines Goes- 
Schülers gelangte, der sie vollendete .'. Erworben 1909 aus spanischem 
Privatbesitz. 

Eichenholz, h. 0,73, br. 0,56. 




633 C 



121 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1622A 




■* Hugo van der Goes. Wahrscheinlich geboren zu Goes in Zeland [Geburtsjahr unbekannt], 

JUCo gestorben 1482 im Rooden Clooster bei Soignies, in das er 1476 eintrat. Tätig in Gent, wo er 

von 1465 bis 1475 urkundhch als Mitglied und als Dekan der Lukasgilde genannt wird, und in Brüssel. 

1622a Anbetung der Hirten. Die starken Farbenkontraste der Seiten, besonders 
leuchtendes Gelbgrün der Vorhänge [an plastisch gehöhter Stange] und Rot in den 
Trachten der beiden Propheten [der 1. in karminrotem, bräunlichgelb gemustertem, 
innen ultramarinblauem Brokatkleid mit dunkelblauem Gürtel, blauviolettem Unterge- 
wand und orangegelber Kopfbedeckung; der r. in zinnoberrotem Mantel über braunem, 
gelb schimmerndem Rock mit dunkelblauem Gürtel] treiben die luftigen auf Blau ge- 
stimmten Töne der Mitte zurück und steigern die kühle Wirkung des Lichts. Demselben 
Effekt dienen, zugleich auf den Mittelpunkt hinführend. Orangegelb [Gewand] und 
Karminrot [Mantel Josephs], das nach r. durch Gelbgrün [Gewand des knienden Engels] 

zu Dunkelblau [Engelsflügel] und den luftigen bläu- 
1622 jHüüÜHni^H^BHüiB^^^^^K Hchen Tönen der Verkündigungsszene an die Hirten 

überführt wird. Der 1. violett getönte Mantel Josephs, 
stumpfes Goldgelb [Gewand des schwebenden Engels] 
leiten zu den lichten auf Blau gestimmten Tönen der 
Mitte über. Sie wird von Ultramarinblau im Mantel 
Marias beherrscht, das in den weißlichblauen, karmin- 
violetten und graublauen Gewändern und Flügel der 
Engel und in dem lichten, von Graublau durchsetzten 
Fleischtone weiterklingt. Der zart rötlichgraue Körper 
des Kindes hebt sich [wie das Haupt Marias von 
goldenen Strahlen umgeben] vom Grauweiß der Windel 
ab. Ockergelblichgrauer Erdboden. L. kehrt in den 
Trachten der Hirten Rot in luftigerer Nuance als Hell- 
karminrot [Untergewand des niederknienden Hirten, 
Kappe seines Begleiters r.] wieder, kontrastierend 
mit Gelbgrün [Gewand des Engels mit dunkelblauen 
Flügeln r., Rock des niederknienden Hirten 1.], vor 




122 




dunklem Blau im Nachthimmel, von dem 
sich, ebenfalls in luftigfen, mit Blau durch- 
setzten rötlichenTönen,die außen herbei- 
eilenden Hirten abheben. 

Das Format spricht dafür, daß die Tafel ursprünglich die 
Predella eines Altarwerkes bildete .■. Erworben 1903 von 
den Erben der Infantin Cristina de Bourbon in Madrid. 
Eichenholz, h. 0,97, br. 2,45. 

\^ 1622 Gruppe von einer Beweinung 
Christi. Die ursprüngliche Färbung hat 
durch späteren Firnisüberzug ihren lich- 
ten guasche- artigen Charakter verloren 
und ist, besonders im Inkarnat, rotbraun 
geworden. Zinnoberrotes Gewand Jo- 
hannis. Gelbgrüne, mit gelber Stickerei 
und roten Edelsteinen gezierte Ärmel 
und graublaues Kleid Magdalenas r. 
Dunkelblauer Mantel Marias. Weiße Kopftücher. Vor saftgrünem Felsen und hell- 
blauem Himmel. 

Ausschnitt aus einer Kreuzabnahme Christi, wenn nicht Teil eines mehrteiligen Altarwerkes .'. Erworben 1900 aus der 
Galerie Panciatichi in Florenz als Geschenk des Herrn O. Huldschinsky .-. Leimfarbe. Leinwand, h. 0,53, br. 0,36. 

VjOcS Kopie nach Huo-o van der Goes. 

^ 546 Anbetung der Könige. In der stumpfen trockenen Gesamtfärbung, die durch das 
Graubraun des Hintergrunds bestimmt wird, liegt der Nachdruck auf dem Kontrast 
von Hellkarminrot [Gewänder der beiden knienden Könige] und Gelbgrün [Mantel 
des Königs 1., daneben wieder Hellkarminrot der Kappe], das in ganz lichter gelblicher 
Nuance in der Tracht des Knechts am Fenster wiederkehrt. Nach rückwärts begrenzt 
den beherrschenden Kontrast Graublau [Moh- 
renkönig; lichter in der hellockergelb ge- 
teilten Tracht des knienden Dieners 1.], zwi- 
schen dem kräftiges Zinnoberrot [Gewand des 
nach 1. gewandten Mannes] hervorbricht. Nach 
r. kühlt sich die Färbung ab zu Dunkelblau 
und Weiß [Maria], um sich in der Tracht Jo- 
sephs: Hellkarminrot [Mantel], Grauweiß 
[Mantelumschlag], Violett [Gewand] und in 
den Gewändern der Engel: Violett [1.] und 
bleiches Hellrot [r.] nur wenig zu erwärmen. 
Gelblichbraunes Inkarnat. Blaugrüne Ferne. 
Dunkelblauer Himmel. 

Die-se alte Kopie scheint auf ein verschollenes Original des Hugo 
van der Goes zurückzugehen, das auch Gerard David in dem Ge- 
mälde der Münchener Pinakothek [Nr. 118] kopiert hat .'. Ehe- 
mals als Kopie nach Gerard David bezeichnet .'. Sammlung 
Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,95, br. 0,95. 




Sädnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

546 



538 B 



123 



Südnieder - 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

529 




529 C 



Niederländischer Meister um 1480 

538b Tod der Maria. Rot [in den Gewändern der 
Apostel 1. und r., gedämpfter in der Mitte], dem je- 
desmal Saftgrün zur Seite steht, hält die Figuren- 
gruppe zusammen. Das auch in den hinteren Figu- 
ren überall auftauchende Rot wird außer durch Gold- 
gelb durch bläuliches Weiß, vor allem aber durch 
Dunkelblau [Gewand Marias] unterbrochen. Warm 
rötlichbraunes Inkarnat. Die Umgebung ist im Gegen- 
satze zu den klaren leuchtenden Farben der Figuren- 
gruppe in lichten, auf Grau gestimmten Tönen gehal- 
ten: ockergelblichgrauer Boden, bräunlichgraue Wän- 
de. Lila Töne im Bucheinband r. und im Bettvorhang. 

Wenn nicht in der Ausführung, so doch in der Erfindung und Zeichnung 
durchaus in der Art des Hugo van der Goes, ebenso wie eine im Prager 
Museum bewahrte Wiederholung .". Die entsprechende Komposition in der 
Londoner National Gallery dagegen ist von anderer Hand und wird mit Un- 
recht dem Meister von Flemalle zugeschrieben /. FKiher in der Sammlung 
Sciarra zu Rom .*. Erworben 1 894 in Paris als Geschenk des Sir J. Wernher. 
Eichenholz, h. 0,395, br. 0,37. 

l\/förr»linrT Hans Memling, Memlinc oder Memlinck. Geboren um 1430 in Mömlingen [?] bei 
iVieillllll^ Mainz, zuerst 1466 urkundlich nachweisbar in Brügge, gestorben zu Brügge den 11. August 

1494. Schüler Rogers van der Weyden [wahrscheinlich zu Brüssel]. Tätig zu Brügge und vermutlich 

einige Zeit am Niederrhein. 

529 Thronende Maria mit dem Kinde. Im zerstreuten Lichte des Innenraums ist das 
Karminrot des Mantels der Maria, das kräftiger oben im Baldachin wiederkehrt, und 
das rötliche Inkarnat durch Grau gedämpft. Kaltes Blaugrün in den Lilienstengeln 
und den Kissen auf bräunlichockergelber Bank. Dunkelblaues Gewand mit weißem 

Pelzbesatz. Weißes Buch und Lilien. Hellgelbe 
und graublaue Bodenfliesen. Gedämpft goldgelber 
Teppich, dessen violette Musterung der Erwär- 
mung des Inkarnats dient, zugleich zum dunklen 
Grau der Architektur überleitet. Im Gegensatz 
zu den gedämpften Farben des Innenraums liegt 
die Landschaft in heiterem, sonnigem Gelbgrün 
[mit blaugrünem Wasser] da, das wieder der 
intensiveren Wirkung der Hauptfarbe Rot dient. 

Sammlung des Generals Rühle von Lilienstern .*. Erworben 1836 als 
Geschenk des Kronprinzen Friedrich Wilhelm. 
Eichenholz, h. 0,81, br. 0,55. 

529c Bildnis eines alten Mannes. Ein bräun- 
licher Ton, der durch rötliche Töne und durch den 
Gegensatz zur saftgrünen Landschaft und zum 
kalten blauen Himmel im Antlitz am stärksten 
erwärmt wird, hält das Bild zusammen. Auch das 




124 




sammetartige Schwarz derKappe,dergrauschwarze, 
mit graubraunem Pelz gefütterte Rock und die 
graue Steinbrüstung mit dunkelrotbrauner Säule 
sind durch Braun getönt. Die Architektur der 
Ferne ist in zartem bräunlichgrauem Ton gehalten, 
vor blauem Meer. 

Offenbar aus der früheren Zeit des Meisters und Gegenstück zu dem 
Bildnis einer alten Frau, das in der Sammlung Meazza zu Mailand, dann 
in der Sammlung L. Nardus zu Paris war und sich jetzt im Louvre be- 
findet -•. Ehemals auf einem Landsitze bei Danzig .■. Erworben 1896 
in Berlin .'. Eigentum des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins. 
Eichenholz, h. 0,34, br. 0,29. 

529 D Thronende Maria mit dem Kind und 
einem Engel. Das Licht ist durch dunkelbraune 
Fensterläden abgedämpft, hinter denen graublauer 
Himmel sichtbar ist. Im zerstreuten Innenlicht er- 
scheinen die Farben in kühlen gebrochenen Nu- 
ancen, nur übertönt von leuchtendem Rot [Mantel 
Marias, Baldachin oben], das wenig Gelbgrün im 
Kissen r. und Dunkelgrün in der Bordüre des Vor- 
hangs begleitet, und dem zarten rötlichen Tone des Inkarnats. Diese roten Töne umgibt 
gedämpftes Blau [Gewand Marias] und Weiß [Thron, Buch, Lilie, bläulich getönt in der 
Umhüllung des Kindes, in Gewand und Flügeln des Engels, der eine rote Nelke hält]. 
Bräunlichgoldgelber Thronvorhang mit schwärzlichem Ornament. Rot, Grün, Goldgelb 
kehren gebrochen neben Weiß im persischen Teppich auf grauem Boden wieder. 

Ehemals im Privatbesitz zu Mailand .■. Erworben 1904 als Geschenk des Herrn A. Thiem, San Remo, an S. M. den Kaiser für 
das Kaiser -Friedrich -Museum /. Sammlung A. Thiem /. Eichenholz, h. 0,66, br. 0,465. 

528b Maria mit dem Kinde. Wieder sind alle Far- 
ben im hellen zerstreuten Lichte gedämpft. Die zarte, 
durch Grau aufgelockerte Färbung des Inkarnats 
[das gelbbraunes Haar umrahmt] steigert sich zu 
Hellrot im Gewand, zu Zinnoberrot [durch das Gelb 
der Musterung gestärkt] im Kissen und schließlich 
zu Gelb in den hellblau gemusterten Unterärmeln 
und im Apfel. Kühles Ultramarinblau des Mantels 
[lichter im Himmel mit weißem Horizont] umgibt 
die warmen Töne, während helles Gelbgrün der 
Landschaft die Intensität des Rot in der Mitte er- 
höhen hilft. 

Die Tafel gehört anscheinend zu einem Triptychon; zwei den Maßen nach 
dazugehörige Bilder, der hl. Benedict und ein Stifterbildnis in den Uffizien 
zu Florenz [Nr. 769 und 778, datiert 1487] .". Ähnliche Kompositionen 
zeigen das Madonnenbild im Johannes -Hospital zu Brügge, das die eine 
Tafel des von Martin von Newenhoven 1487 gestifteten Diptychons bildet, 
eine Tafel in der National Gallery zu London und eine andere beim Fürsten 
Liechtenstein zu Wien .•. Erworben 1862 .'. Eichenholz, h. 0,43, br. 0,31. 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

529 D 




528 B 



125 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

1658 



573 A 




Niederländischer 
Meister um 1470-80 

1658 Flügelaltar. Mittel- 
bild: Ein Mönch unter dem 
Kreuz, die Krone des Lebens 
empfangend. Lichtes bräun- 
liches Grau [Erdboden] geht 
in helles Gelbgrün des Mittel- 
grunds über [davor zinnober- 
rote Flügelspitzen desEngels] 
und gipfelt im kräftigen Gelb 
des Engelsgewands. Vordun- 
IcelultramarinblauerFerne und 
Himmel [gegen den der bräuniichgraue Körper des Gekreuzigten steht]. Die Tracht des 
Mönchs [gelbbrauner Mantel, bräunhchweißes Gewand] ist auf die gelben Töne gestimmt, 
die r. Seite entsprechend auf die Kontrastfarbe [blaue Kappe, blaugrauer Rock der welt- 
lichen Kleidung, die eine bräunlichschwarze Teufelsgestalt dem Mönche darreicht, um ihn 
vom geistlichen Beruf abzulocken]. — Linker Flügel: Der hl. Petrus und der Stifter. 
Karminroter Mantel Petri über schwärzlichblauem Gewand, vor goldenem Grund. Der Stifter 
in Schwarz, vor ockergelblichgrauer Architektur. Die Wappen in Schwarz und Gold an zin- 
noberroten Riemen. — Rechter Flügel: Die hl. Margarethe und die Stifterin. Als Er- 
gänzung zum leuchtenden Gelbgrün in dem [mit schwarzem Pelz besetzten] Gewände der 
Heiligen, unter weißem, in den Schatten graublauem Mantel. Die Stifterin in Grauschwarz. 
Die Wappen in Rot, Gold und Schwarz. 

Mit Hilfe der Wappen [von denen sich zwei auf den Außen- 
seiten der Flügel wiederholen] läßt sich feststellen, daß der 
Stifter Pieter van de Woestyne, die Stifterin seine Gattin 
MargarethadeGruuthuse ist .'. Das Triptychon entstand wahr- 
scheinlich in Brügge, wo sich auch die Familie der Stifterin 
nachweisen läßt /. Ehemals in der Sammlung KönigWilhelms II. 
von Holland, wurde das Bild mit dieser 1850 im Haag verkauft 
[Nr. 54 des Versteigerungskatalogs] und befand sich seitdem 
in englischem Privatbesitz .'. Erworben 1907 als Geschenk des 
Herrn Ch. Sedelmeyer, Paris. 

Eichenholz, Mitte h. 0,375, br. 0,24, Flügel h. je 0,43, 

br. 0,15. 

DJJ Gerard David. Geb. zu Oudewater in 
aVlU Holland um 1460, gestorben zu Biügge den 
13. August 1523. Hervorgegangen aus der holländi- 
schen Schule, vkreitergebildet unter dem Einfluß Hans 
Memlings. Urkundlich zuerst 1484 erwähnt bei seinem 
Eintritt in die Gilde zu Brügge, 1515 in die Gilde 
zu Antwerpen aufgenommen. Tätig vornehmlich zu 
Brügge und kurze Zeit in Antwerpen. 

573a Maria mit dem Kinde. Der dunkel- 
karminrote Mantel umschließt die Figur vor 
dunkelsaftgrüner Landschaft [mit grauem 
Weg, auf dem Maria in hellkarminroter.Joseph 




126 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 

S 17 



in graublauer Tracht dahinziehen] mit graublauer Ferne unter gleichfarbigem Himmel. 
Das lichte, leicht gerötete Inkarnat [mit graublauen Halbschatten] ist ganz von kühlen 
Tönen, dem Weiß der Tücher und dem Blaugrau der pelzgefütterten Innenseite des 
dunkelblauen Gewands, aus dem blauviolette Unterärmel hervorkommen, umgeben. 

Aus der früheren Zeit des Meisters [um 1490] .*. Ehemals im Besitz der spanischen Familie d'Ossuna .*. Eine freie Wieder- 
holung bei Herrn Traumann in Madrid .'. Erworben 1904 .•. Sammlung A. Thiem .'. Eichenholz, h. 0,42, br. 0,355. 

S 17 Vier Heilige [Flügelbilder eines Altars]. Der hl. Christoph. Dunkelkarminrot 
[Mantel des Heiligen] und warm rotbraunes Inkarnat. Umgeben von kühlen dunkel- 
grünen [Landschaft] und dunkelblauen Tönen 
[Gewand, Himmel, Wasser], die sich zu Graublau 
im Kleide des Christkinds und Eremiten [mit 
goldgelb leuchtender Laterne] auflichten. — 
Der hl. Franziskus. Warm rotbräunliches 
Inkarnat. Blaugraue Kutte. Saftgrüne Landschaft 
mit blaugrüner Ferne und graubraunen Felsen. 
Hellblauer Himmel. — Der hl. Hieronymus. 
Vor saftgrüner Landschaft leuchtendes Rot [mit 
weißem Pelz besetzter Mantel]. Blauviolettes 
Untergewand. — Der hl. Antonius. Karmin- 
violettes Gewand und Kappe. Grauschwarzer 
Mantel. Grauer Erdboden. Dunkelsaftgrünes 
Laubwerk. Hellblaue Ferne. 

Sammlung Charles Butler, London .". Sammlung James Simon. 
Eichenholz, jede Abteilung h. 0,36, br. 0,205. 

573 Kreuzigung Christi. Helles Blaugrau, das 
stumpf in den Wolken, von ultramarinblauen 
Himmelsstreifen unterbrochen, ansetzt und in 




573 



127 



Südnieder- 
ländische 
Schale des 
XV. Jahr- 
hunderts 

551 B 




Sammlunsr SoIIy, 1821. 

Eichenholz, h. 1,41, br 



Blaugrün und Graublau in der Landschaft über- 
geht, stärkt sich in der Gruppe 1. vorn zu dunklem 
Ultramarinblau in der Gewandung Marias [mit 
grauweißem Kopftuch], begleitet von bläulichem 
Weiß [Mantel der Frau 1.], Graublau und Blauvio- 
lett [Mantel und Kleid Magdalenas]. Dazwischen 
brechen wenig gedämpftrote Töne: Rotbraun und 
Zinnoberrot [Gewandung der weinenden Frau] und 
Hellkarminrot [Mantel Johannis] hervor, die durch 
Grün [Gewand der Frau !., landschaftliche Ferne, 
Unterärmel Magdalenas] der bläulichen Gesamt- 
färbung wieder zugeführt werden. Auf der r. 
Seite empfangen die warmen Töne stärkeres Ge- 
wicht [hellkarminroter Rock, violette Beinkleider, 
goldgelbe Stiefel des Hauptmanns, rote Kappen, 
hellrote Staffagefiguren]. Auch der Erdboden 
ist nach vorn mit Ockergelb erwärmt. Warm 
erscheint das graubräunliche Inkarnat in der 
kühlen Grundstimmung. 



1,00. 



518 



P„_..„j,l Jan Provost. Geb. zu Mons im Hennegau, gestorben zu Brügge im Januar 1529. Tätig 

1 I^JVVJoL 2u Valenciennes [?], zu Antwerpen [14*^3 Mitglied der Lukasgilde] und zu Brügge, wo er 

1494 das Bürgerrecht erwarb. Gebildet unter dem Einflüsse von Gerard David und Quinten Massys. 



551b 



Anbetung der Könige. Die schwere dunkelgraubraune Gesamtfärbung empfängt 

durch die zahlreichen weißlichen und blaugrauen, in 
kleinen Flecken verstreuten Lichter den Charakter 
großer Unruhe. Wenige breite Farbflächen betonen 
die Mitte: bräunliches Zinnoberrot [Gewand des 
knienden Königs] und Gelbgrün [Gewand des 
Mohrenkönigs], dem wieder Hellkarminrot [Bein- 
kleider] und Gelb [Stiefel] benachbart sind. Der 
Kontrast von Rot und Grün wiederholt sich r. in 
der Tracht Josephs, während Maria in kalte dunkle 
Farben [schwärzlichblauer Mantel, graublaues Ge- 
wand] gekleidet ist. Rote und gelbgrüne Flecken 
tauchen überall bis in die Tiefe der Landschaft auf 
[Kappe und Ärmel des dritten Königs in goldgelbem 
Brokatgewand, Stifterfamilie usw.]. Hellblauer 
Himmel. 

Aus der früheren Zeit des Meisters [ um 1500 — 1510] .•. Früher Nach- 
folger des Gerard David genannt -•. Erworben 1890 als Vermächtnis des 
Herrn Dr. C. Lampe in Leipzig. 

Von Holz auf Leinwand übertragen, h. 0,86, br. 0,69. 




128 



Niederländischer Meister um 1515 

S 18 Bildnis eines Geistlichen. Vom blaugrünen Hintergrund hebt sich, umgeben 
von tiefem Schwarz der Kappe und des Mantels, warm in rotbraunem Tone das Antlitz 
ab. Weißes Chorhemd. Dunkelrotbrauner Pelzbesatz. 

Von diesem Meister, der sich an Gerard David anschließt, sind mehrere Männerporträts bekannt .•- Erworben aus dem 
englischen Kunsthandel /. Sammlung James Simon. 
Eichenholz, h. 0,38, br. 0,29. 

Isennränt Adn'aen Isenbrant. Geburtsjahr unbekannt, am 29. November 1510 zu Brügge in die 

Malergilde aufgenommen, gestorben daselbst im Juli 1551. Mit diesem Nachfolger Gerard 

Davids ist neuerdings der sogenannte [von Waagen aufgestellte] Jan Mostaert [nicht zu 

vervk'echseln mit dem in Haarlem tätigen Jan Mostaert, dessen Biographie von Mander mitteilt] 

identifiziert worden. 

554 Maria mit dem Kinde. Das weich modellierte rotbräunliche Inkarnat, von braunem 
Haar umrahmt, noch stärker erwärmt durch den Gegensatz zu Weiß [Umhüllung des 
Kindes, Blätter des Buches; bläulich getönt in den Gewändern der bräunlichkarminrot 
und blaugrün geflügelten Engel] und Graublau [Gewand Marias], wird durch das die 
Figur umschließende bräunliche Karminviolett [Mantel] in das kühle Blaugrün des Vor- 
hangs im Hintergrund überführt. Die warmen Töne steigern sich zu leuchtendem 
Zinnoberrot im Bucheinband, das von Gelbgrün im Unterärmel begleitet wird. 

Sammlung SoUy, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,31, br. 0,19. 

Mostaert? 621 Ruhe auf der Flucht nachEgypten. Hellkarminrot im Mantel Marias 
[über dunkelgraublauem Gewand]; rotbräunlicher, durch den Kontrast zu Weiß in 
der Umhüllung des Kindes erwärmter Fleischton. Vor dem Grün der Landschaft, das 



Südnieder- 
löndische 
Scliule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




554 



129 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XV. Jahr- 
hunderts 



552 




sich von Saftgrün vorn zu Blaugrün im Mittelgrund 
[mit dunkelsaftgrünen Büschen und ockergelben 
Häusern] und Graublau in der Ferne abkühlt. Hell- 
blauer Himmel mit weißem Horizont. An grau- 
braunem Baumstamm eine gelbbraune Kürbisflasche. 

Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 0,16, br. 0,13. 

Niederländischer Meister 
um 1460—1480 

552 Tod der Maria. Der beherrschende graubraune 
Grundton lichtet sich in der Mitte [Bettdecke, mit 
roten und grünen Fliesen gemusterter Boden, Chor- 
hemd Petri] zu bräunlich getöntem Weiß auf, das 
den klaren leuchtenden Farben, namentlich Rot, 
Grün und Blau, als Basis dient. In breiten Flächen 
setzt Rot im Vordergrund an [hellkarminroter Mantel des Apostels 1., zinnoberroter r.], 
begleitet von wenig, aber leuchtendem Smaragdgrün [Gewand des Apostels mit aufge- 
stütztem Haupt 1., Bordüre der Bettdecke], und taucht bis in die Tiefe neben Grün [Mantel 
des Apostels mit dem Vortragskreuz, Rock des Apostels mit Räucherfaß usw.] und ab- 
wechselnd mit Graublau [Gewand des Apostels 1. vorn] und tiefem Ultramarinblau [Mäntel 
Marias, des Apostels mit der weißen Kopfbinde, des aufblickenden Apostels r. usw.], in 
klaren Flächen auf. Rotbräunliches Inkarnat. Mattgelbe Nimben. Oben in Gelbbraun Maria, 

von Gott -Vater empfangen. Im Türausschnitt vor 
gelbgrüner Landschaft Thomas in hellkarminrotem 
Kleid, den Gürtel Marias empfangend. 

Früher irrtümlich niederrheinisch genannt .•. Ein stilistisch verwandtes 
Gemälde ist der hl. Petrus bei Genera! von Heyl in Darmstadt [früher 
in der Sammlung Stein zu Köln] .". Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 0,63, br. 0,41. 

Niederländischer Meister um 1480 

548 a Martyrium des hl. Sebastian. Grünliches Blau 
der Ferne, Dunkelblau des Himmels, stumpfer und 
nach Graublau neigend in denTrachten des vorderen 
Bogenschützen undderReiter, zu Grau im Erdboden 
und zu Weiß im Horizont, dem Pferd, dem Hünd- 
chen fallend, geben die kalte bläuliche Grundfärbung, 
die durch ein komplementäres Gelb [Tracht des 
Bogenschützen ganz r.] noch gestärkt wird. Den 
kühlen Tönen untergeordnet ist ein zweiter Kontrast 
von bräunlichem Rosarot [Inkarnat], Hellkarminrot, 
das in kleinen Flecken die Fläche belebt [Mantel 




130 



1. am Boden, Untergewand des vordersten Bogen- 
schützen und des Reiters hinten in derMitte, verschiedene 
Kopfbedeckungen, wärmer im goldgemusterten Brokat- 
gewand seines Nachbars usw.], und Gelbgrün im Gras- 
wuchs. 

Das schwer zu bestimmende Bildchen erinnert in seiner hellen Färbung an 
niederrheinische Maler .". Der alte Rahmen gehört nicht ursprünglich zu dem 
Bilde .'. Erworben 1851 in Berlin von Prof. Dr. L. v. Henning. 
Eichenholz, h. 0,37, br. 0.26. 

Niederländischer Meister um 1500 

539c Joseph wird in die Grube gestoßen. Zwei 
Farbenpaare: Rot und Grün, Blau und Gelb sind tep- 
pichartig in breiten detaillosen Flächen verteilt. Kar- 
minrot [Kragen des Bruders ganz 1. über gelbgrünem 
Gewand und Gewand des Knienden; Schatten des 
gelben Gewandes daneben; zu stumpfem Zinnoberrot 
sich erwärmend in den Beinkleidern des Joseph in die 
Grube stoßenden Bruders mit hellkarminroter Kappe], 

Gelbgrün [Landschaft, Unterärmel des das Schaf schlachtenden Bruders 1.] und Dunkel- 
grün [Beinkleider Josephs]. Dunkelblau [Rock Josephs, Kappe des Bruders ganz hinten, 
lichter im Mantel des r. stehenden mit erhobenem Arm] und Gelb [Gewand des Bruders 
1. neben Joseph, Mantelumschlag und Kragen des r. stehenden mit erhobener Hand]. 
Dazwischen bläuliches Weiß [blutbefleckter Rock 1., Rock des Joseph in die Grube stoßen- 
den Bruders r., Schafe, Horizont]. Dunkelblauer Himmel. 

Mit Nr. 539 A, 539 B, 539 D und zwei im Privatbesitze zu Worms befindlichen Tafeln zusammengehörig .*. Vermutlich ehemals 
in der Sammlung Charles de Croy, Herzogs von Arschot, in dessen Nachlaßinventar von 1613 sechs Tafeln von runder Form 
in Ölmalerei, mit Darstellungen aus der Geschichte Josephs, und sechs andere, von gleicher Form, „mais seullement peincte 
a l'eauwe'*, mit ähnlichen Darstellungen erwähnt werden .". Die Bilder weisen in ihrer Formgebung auf einen dem Namen nach 
unbekannten Meister von Brüssel um 1500, von dessen Hand u. a. die Brüsseler Galerie und der Palazzo Reale in Genua 
mehrere Tafeln besitzen .". Sammlung Demidoff, San Donato .". Erworben 1889 in London als Geschenk des Sir J. Wernher. 
Eichenholz, Durchmesser 1,53. 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 



539a Joseph wird an die Ismaeliten verkauft. Das Kolorit ist leuchtender und klarer 
als in den Gegenstücken. Die kalten Töne sind in der Mitte angeordnet: Weiß [Ober- 
gewand Josephs, Rock des vom Rücken gesehenen Bruders] und Hellblau [Ärmel Josephs, 
grauer im Umhang des Bruders in der Mitte], dem Gelb [im Rocke des Ismaeliten ganz 
r. und des Kamelreiters; gelbrot in den Schatten] entspricht. Das überwiegende Hell- 
karminrot [Rock des Joseph aus der Grube ziehenden Bruders 1. und des in der Mitte 
stehenden] und Zinnoberrot [Beinkleider des vom Rücken gesehenen r.] finden ihre Er- 
gänzung in den breiten gelbgrünen Wiesenflächen der Landschaft. In den Szenen des 
Hintergrunds [1. die Brüder, die Jakob den blutigen Rock bringen] kehren leuchtend die 
Hauptfarben wieder. Zinnoberrot vor allem r. oben vor blauem Himmel. 



Mit Nr. 539 B, 539 C und 539 D zusammengehörig 
des Staatsproknrators Abel in Stuttgart. 
Eichenholz, Durchmesser 1,48. 



S. die Bemerkung zu Nr. 539C .'. Erworben 1863 aus der Sammlung 



131 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

539 C 




539 A 



539b Joseph von Potiphar zum Verwalter eingesetzt. Die Farbenwirkung ist 
stumpfer. Das schmutzige olivfarbene Gelb im karminrot gemusterten Brokatkleid Poti- 
phars steigert sich zu Hellrot im gelb gemusterten Kleide seiner Frau, zu Karminrot 
in seiner Kopfbedeckung, auskhngend im braunroten Tone der Hausmauer r. und be- 
gleitet vom Saftgrün des Gürtels der Frau, des Rasens und Gelbgrün der fernen An- 
höhe. Kaltes bläuliches Weiß [Mantel Josephs] und stumpfes Dunkelblau [sein Gewand; 
lichter im Kleide der Frau ganz r. mit schwarzer Haube] umgeben die wärmere Mitte. 
Helles graubräunliches Inkarnat. In der Ferne ist Potiphar dargestellt, Joseph von den 
Ismaeliten erhandelnd, in hellroten und hellblauen Gewändern vor hellblauem Himmel. 



Mit Nr. 539 A, 539 C und 539 D zusammengehörig 
Staatsprokurators Abel in Stuttgart. 
Eichenholz, Durchmesser 1,48. 



S. die Bemerkung zu 539 C .*. Erworben 1863 aus der Sammlung des 




132 




Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

539 B 



539d Esthers Fürbitte bei Ahasver. Stumpfe Färbung wie im Gegenstück. Braunrot 
[Gewand Ahasvers] in der Mitte ergänzt sich durch Saftgrün [Rasenbank], das nach 
Olivgrün [im rot und goldgelb gemusterten Kleide Hamans] hinüberspielt. R. als 
kräftigste Farben Gelb [mit rötlichen Schatten] im Rocke, Zinnoberrot in der Kappe 
und den Streifen der Beinkleider des aus der Tür tretenden Boten. L. schwärzliches 
Blau in den Kleidern der herantretenden Esther und einer ihrer Frauen, durchbrochen 
vom hellen Rot im Gewände der anderen. Graue und rotbräunliche Architektur. 

Mit Nr. 539 A, 539B und 539 C zusammengehörig .'. Vielleicht hat diese Tafel zu der im Inventar von 1613 erwähnten anderen 
Folge von Darstellungen aus dem alten Testament gehört .'. S. die Bemerkung zu Nr. 539 C .'. Sammlung Demidoff, San 
Donato .'. Erworben 1889 in London als Geschenk des Sir J. Wernher. 
Eichenholz, Durchmesser 1,53. 




133 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

561 



umgeb 
Schaft] 



l\/racc\^Q Quinten [Quentin] Massys. In den Ur- 
IVldöoyo Ifunden und in Bezeichnungen seiner Bilder auch 
Matsys und Metsys. Geboren 1466 zu Löwen, ge- 
storben zwischen dem 13. Juli und 16. September 1530 
zu Antwerpen. Tätig zu Löwen und vornehmlich zu Ant- 
werpen [1491 als Meister in die Gilde aufgenommen]. 

561 Thronende Maria mit dem Kinde. Grelles 
tiefes Rot [wie alle Farben von glasigem Cha- 
rakter] im Mantel Marias wird durch die Nach- 
barschaft mit reinem Ultramarinblau im Kleide 
zu leuchtendster Kraft gesteigert. Zwischen 
beiden vermittelt ein rosa-blau schillernder 
Zwischenton in den Ärmeln. Reines Weiß im 
Tischtuch [darauf goldgelbes Backwerk und hell- 
rote Kirschen], durch Graublau im Mantelumschlag 
zum Blau der Mitte überführt, ockergelblich ge- 
tönt im Marmorthron und dem Fußboden, bildet 
die Basis für die prächtigen Lokalfarben. Weiß 
in der Umhüllung des Kindes und dem Hemd 
Marias dient zugleich der Erwärmung des weich 
und verschmolzen mit graubräunlichen Halb- 
schatten modellierten Inkarnats, das durch die 
enden satten Farben und gelbbraunes Haar herabgestimmt ist. Blaugrün [Land- 
und Ultramarinblau [Himmel] geben den Hintergrund für die warmen Töne. 




574 C 



Vielleicht mit dem Madonnenbild identisch, das der Kunsthändler Diego Duarte in seinem auf der kgl. Bibliothek zu Brüssel be- 
wahrten Inventar von 1682 aufführt mit dem Bemerken, er habe es für fl. 600 der Prinzessin von Nassau verkauft .'. Eine Schul- 
kopie mit Veränderungen [Kniestück auf schwarzem Grund] in der Kirche S. Jacques zu Antwerpen, eine veränderte Wieder- 
holung im Escorial .■. Erworben 1823 .■. Eichenholz, h. 1,35, br. 0,90. 



574c Die klagende hl. Magdalena [?]. Die Farben 
haben den Massys eigenen glasigen Charakter. 
Kaltes Karminrot im Mantel, der r. über die Schulter 
herabfällt, vor blaugrüner Landschaft. Im Inkarnat 
sinkt die Färbung zu einem zarten graurötlichen 
Ton herab, um im Haar, doch durch den weißen 
Schleier gedämpft, wieder zu Gelbrot anzusteigen. 
Die Lokalfarben der 1. Seite sind im Licht zu matten 
weißlichblau - bräunlichkarminroten Changeanttönen 
ausgeblichen. Weiß im Tuch und im Hemd dient 
der stärkeren Wirkung des Inkarnats. 



Aus der reifen Zeit des Meisters .-. Offenbar Ausschnitt aus einer großen 
Darstellung der Beweinung Christi .■. Früher bei Rev. Heath [Enfield] .•. 
Sammlung Warneck, Paris /. Erworben 1896 durch Tausch. 
Eichenholz, h. 0,33, br. 0,24. 




134 



IVläSSyS Nachfolger des Quinten Massys. 

574d Die hl. Magdalena. Die Gesamtfärbung 
wird durch den warmen braunen Ton der Unter- 
malung bestimmt. Den braunen Ton des Rockes 
erwärmt ein durchscheinender orangegelberTon, 
unterbrochen vom Dunkelblau der herabhängen- 
den Schärpe. Eine schwarze gelbgestickte Kappe 
umrahmt das rotbräunliche Inkarnat, dessen 
Wirkung durch den Gegensatz benachbarter 
kalter Töne [hellblaue Lichter im Hängeärmel 1., 
Weiß im Hemd, Blaugrau der Felsen, Blau in 
der Ferne und im Himmel] erhöht wird. 

Das Bild rührt von einem auch sonst nachweisbaren Nachfolger des 
Quinten Massys her. Die Gestalt der Heiligen kommt wenig ver- 
ändert vor in einer Beweinung Christi bei Frau Virnich in Bonn .'. 
Alte Kopie [die Heilige bis zu den Hüften] in der Sammlung König 
Karls!, zu Bukarest .'. Erworben 1897 aus der SammlungdesMarchese 
Mansi in Lucca .'. Eigentum des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins. 
Eichenholz, h. 0,80, br. 0,57. 



574 Bildnis eines jüngeren Mannes. Gedämpftes Dunkelkarminrot der Ärmel 
und des Brustausschnitts und rötliches Inkarnat, das durch den Gegensatz zu Grau- 
weiß [Hemd, Handschuhe, Brief] erwärmt wird, kontrastieren mit dem Gelbgrün des 
Hintergrunds. Schwarzes Barett und Schaube mit graubrauner Pelzfütterung. 




Siidnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hitnderfs 



Bez. in grauer Schrift auf dem Grunde links: Annum Agens 20 .•. Gemalt um 1525 
Eichenholz, h. 0,51, br. 0,37. 



569a Anbetung der Könige. Gedämpftes Hell- 
rot, am nachdrücklichsten einsetzend in dem mit 
graubraunem Pelz besetzten Mantel des in der 
Mitte knienden Königs, im Gegensatze zu Gelb- 
grün in dem von rosafarbenem Gürtel zusammen- 
gehaltenen Brokatgewand des Mohrenkönigs, do- 
miniert in der Uchten und kühlen Stimmung in 
Grau und Blau und klingt nach der Tiefe ge- 
dämpfter weiter im hellroten Mantel des Mohren- 
königs, im roten Gewände Josephs vor gelb- 
grünem Vorhang und neben dem gelbgrünen 
Kleide des Pagen, weiterhin in immer stumpferen 
Tönen in den Figuren der Ferne und endet im 
graubraunen Tone der Architektur mit lichtroten 
Säulen. Den Hauptkontrast begleiten kühle Töne : 
bläuliches Weiß im Mantel Marias, über hellultra- 
marinblauem Gewand [von dem goldgelbes Haar 
sich abhebt], auf der Gegenseite entsprechend 



Sammlung Soliy, 1821. 




574 



135 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

569 A 




violettes Grau in dem mit goldgelben 
Borten gezierten Mantel des Königs 1. 
[mit ockergelbbraunem Bart] über bräun- 
lichgrauem Gewand. Changeantfarben [z.B. 
die rötlich -graublau schillernden Hänge- 
ärmel des knienden Königs] verbinden 
die Gegensätze. Ockergelblichbrauner 
Fleischton. 

Erworben 1846 .-. Eichenholz, h. 1,24, br. 0,92. 



M 



Mar 



Re 



rinus van Keymerswaele [Roy- 

3.rinUS merswale], auch Marinus van Zeeuw 
gen. Aus Zeeland stammend. Schüler und Nach- 
folger des Quinten Massys. Nach den Daten auf 
seinen Bildern tätig von 1521 — 1558. 



574 B 



574b Der hl. Hieronymus in der Zelle. 
Aus warm dunkelrotbrauner Tiefe des 
Raumes, mit der auch das lichtere Inkarnat 
im Tone zusammengeht, wächst leuchtend 
das Zinnoberrot im Kardinalsgewand und 
im Hute des Heiligen hervor. Durch Saft- 
grün in der Tischdecke und kühles nach 
dem Licht zu sich häufendes Grauweiß mit bräunlicher und hellbläulicher Schattierung 
[im Barte, der Pelzfütterung des Gewands, in den Folianten, dem Totenkopf] wird die 
feurige Wirkung des Rot noch gesteigert. Auf graurötlichem Pulte liegt ein Buch mit 
gelblichem Schnitt, silbergrauen Schließen und einer Miniatur des jüngsten Gerichts in 

hellroten, violetten und grünlichen 
Tönen. Gedämpft klingt Rot neben 
Goldgelb und Weiß in den Büchern 
und Geräten im Hintergrunde wieder. 

Ehemals „Massys?" genannt .". Die Komposition ist 
angeregt durch Dürers 1521 in Antwerpen entstan- 
denen hl. Hieronymus .". Sammlung Suermondt, 1874. 
Eichenholz, h. 0,94, br. 0,91. 




Huy 



PeeterHuys. Maler und Kupferstecher, 
^ 1545 als Meister in die Gilde zu Ant- 
werpen eingeschrieben, lebte daselbst noch 
157Ü/71. Nachfolger des Quinten Massys, tätig 
zu Antwerpen. 

693 Der Dudelsackpfeifer. Der be- 
herrschende rotbräunlicheTon erwärmt 
sich im Gesichte der Alten, das ein grau- 
weißes Tuch umgibt, noch mehr im 
Fleische des Sängers und findet, ge- 
stärkt durch den Gegensatz zu kühlen 



136 



H 



Tönen, seinen stärksten Ausdruck im ge- 
dämpften Karminrot der Kopfbedeckung' 
des Mannes [vor Blau im Fensteraus- 
schnitt], im Mantel, der r. gegen das grau- 
blaue Mieder der Alten steht, und im 
Zinnoberrot ihres Armeis. Diebelebenden 
Hauptfarben klingen zarter im Rosa-Blau- 
Changeant der Ärmel des Sängers wieder. 
Mattockergelbliche Pfeifen des Dudel- 
sacks. Die Alte hält einen gelbbraunen 
Steinkrug mit stahlblauem Deckel. 

Bez. unten am Tische [undeutlich]: P HVIIS FE 1571 .-. 
Ein ähnliches Bild in der kgl, Galerie zu Brüssel ,". Samm- 
lung SoUy, 1821. 

Eichenholz, h. 0,86, br. 0,84. 



c,rrn^ccd J^" Sanders, gen. Jan van 

ClllCooCIl Hemessen. Geb. um 1504 zu 

Hemixem bei Antwerpen, gestorben zu Haarlem zwischen 1555 und 1566. Seit 1519 Schüler Hendricks 
van Cleve, 1524 Meister. Tätig in Antwerpen, später [seit 1551] in Haarlem. 




558 Ausgelassene Gesellschaft. In den Trachten der Figuren der 1. Seite überwiegt 
der Kontrast von Goldgelb [die Figurenkomposition zusammenfassend, in den Bein- 
kleidern des in der Mitte stehenden Mannes, dem Wams des ganz 1. sitzenden, in der 
Tracht des Hausierers 1. hinten und den Broten, die auf dem Tische liegen; gedämpfter 
in der vorspringenden Zimmerwand] und Blau, der durch überall dazwischen ver- 
streutes Weiß [Hauben und Hemden der Weiber, Tischtuch, Schriftblatt] an Intensität 
gewinnt. Rot setzt schon 1. in kleineren Flecken an [Beinkleid des sitzenden Mannes, 
Rock der sitzenden Frau], erhält aber erst r., vor bräunlichem Hintergrund [Rock der 
am Boden liegenden Frau, Beinkleider des stehenden Mannes], mit Grün [Ärmel des 
die streitenden Weiber mit Wasser übergießenden Mannes] kontrastierend, das Über- 
gewicht. Graubräunlicher Fleischton. Vor bräunlichgrauen Wänden, die mit zinnober- 
roten, weißen und schwarzen Inschriften bedeckt sind. 



Siidnieder- 
ländische 
Sciiule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

693 



Gehört zu der Gruppe kleiner sittenbildlicher 
Darstellungen, denen sich noch einige verwandte 
Darstellungen auf den Hintergründen seiner 
beglaubigten großen biblischen Gemälde an- 
schließen, die von dem Braunschweiger Mono- 
grammisten herrühren, dessen Identität mit Jan 
van Hemessen sehr wahrscheinlich gemacht 
worden ist .". Ganz ähnlich behandelte klein- 
figurige Bilder mit ähnlichen Motiven sind die 
beiden Stücke in Frankfurt [Städelsches Institut 
und Archiv — letzteres alte Kopie — ], eine 
Spielhölle bei Graf K. Lanckoronski in Wien, 
biblische Darstellungen in den Galerien zu 
Braunschweig, Stuttgart, Paris u. a. m. Eine 
etwas vergrößerte Kopie unseres Bildes im 
Museo Civico in Venedig Erworben 1832. 

Eichenholz, h. 0,29, br. 0,45. 




137 



Südnieder 
ländisdic 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




Hemessen? 656a Die Goldwägerin. Weißlich, mit 
weicher bräunlichgrauer Modellierung-, schimmert 
das Inkarnat, in seiner kühlen Helligkeit noch ge- 
steigert durch das umgebende tiefe Schwarz derHaube 
mit dem zinnoberroten Streifen. Ringsherum warme, 
auf Braun gestimmte Töne: Karminrot im Gewand, 
Rotbraun im Pelzkragen [von dem sich wieder die 
lichten grauweißen Ärmel, wie der Hemdausschnitt 
mit feiner goldgelber Stickerei geziert, abheben], 
Gelbbraun in den Kasten, Goldgelb im Pokal und 
schließlich ein kräftiges Gelbbraun in der Wand- 
täfelung [von weißlichblauen Fensterscheiben durch- 
brochen]. Gelblich schimmerndes, dunkelbraunes Haar. 
Dunkelbraune Augen. 

Ein Bild von derselben Hand, Mädchen am Spinett, befand sich in der 
Sammlung Molinari zu Mailand, versteigert 1885. Beide Bilder sind viel- 
leicht Jugendwerke Jan van Hemessens .*. Erworben 1847. 
Eichenholz, h. 0,44, br. 0,31. 



608 



Pafini»- Joacfi'"! de Patinir oder Patenier. Geboren zu Dinant, 1515 in die Gilde zu Antwerpen 
^ dLllllI aufgenommen, 1521 bei Dürers Anwesenheit dort angesehenes Mitghed derselben und 1524 
daselbst bereits verstorben. Tätig zu Antwerpen. 

608 Ruhe auf der Flucht nach Egypten. Umgeben vom schweren Dunkelsaftgrün 
des Vordergrunds in lichten warmen Tönen Maria, vom Hellkarminrot des Mantels 
umflossen, mit rosigem Inkarnat, das schimmerndes Weiß der Tücher umrahmt und 
dessen Helligkeit der Kontrast zum dunkelblauen Gewände stärkt. Im gelbgrün- 
karminrot schillernden Gewandumschlag klingt der Hauptkontrast wieder. Links ein 

weißer Sack neben goldgelb- 
braunem Korb. Das Dunkelsaft- 
grün des Vordergrunds lichtet 
sich im Mittelgrund auf, dort 
von den gelbroten und rotbrau- 
nen Tönen der Häuser unter- 
brochen, und geht in das kalte 
bräunliche Grau der Felsen, an 
den Seiten in das Blaugrün der 
Ferne über unter dunkelblauem 
Himmel mit schimmernd weißen 
Wolken und Horizont. 



Die Staffage ist [schon nach der besonderen 
Färbung], wie meist auf Patinirs Bildern, 
vielleicht von derHand eines anderen Malers. 
.". Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 0,62, br. 0,78. 




138 



Bles 



Herri [Hendrik] met de Bles, in Italien gen. 

Civetta, nach dem Zeichen auf seinen Bildern, einem 
Käuzchen. Geboren zu Bouvianes bei Dinant um 1480, 
gestorben gegen 1550. Unter dem Einflüsse Patinirs aus- 
gebildet, als dessen Schüler ihn Karel van Mander nennt. 
Nach einem Aufenthalt in Italien tätig in den Niederlanden 
[1521 in Mecheln]. 

Bles? 624 Bildnis eines jungen Mannes. Vom 
leuchtenden Rot der Ärmel, mit Gelbgrün im Ge- 
wand kontrastierend, fällt die Färbung über Gelb- 
braun [Flecken des hellgrauen Pelzes] zum bräun- 
lichen Inkarnat [mit graublauen Augen und brau- 
nem Haar] und dem gelbbräunlichen Laubwerk 
der Bäume, durch den Gegensatz zu kaltem Blau 
des Himmels und Schwarz [Kappe und Schaube] 
wiederum höher gestimmt. Die Linke hält ein 
dunkelblaues Veilchen. 

Bez. mit dem Käuzchen auf einem Baume rechts im Grunde .*. Ein 

ganz verwandtes Bildnis, ebenfalls mit landschaftlichem Grunde, von 

derselben Hand, befindet sich im Louvre [II, Nr. 607] -■. Trotz der 

Signatur ist die Autorschaft des Bles höchst zweifelhaft .*. Erworben 1843 auf der Versteigerung der Sammlung Reimer 

zu Berlin. 

Eichenholz, h. 0,48, br. 0,35. 




Sädnieiler- 
liindisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

624 



Niederländischer Meister um 1520 

630c Enthauptung Johannis des Täufers. Die kühle, auf Grau gestimmte Grund- 
färbung geht über Graubraun zu immer luftigeren Tönen: Blaugrau [Gebäude der 
Ferne], Blaugrün [Landschaft] und Hellblau [Himmel] über. In den Figuren des 
Vordergrunds kühlen sich in kleinen Flecken ver- 
teiltes Gelb [Mantel des Henkers] und Zinnober- 
rot [Kappe, Streifen des r. Beinkleides], von Blau- 
grün [Schärpe] begleitet, zu Rosarot [Mantel 
Johannis über dunkelgelbbraunem Gewand] und 
an den Seiten zu Lichtrot [Panzer des Gerüsteten 
r., Mantel Salomes 1.], dunklem Gelbgrün [Gewand 
des Gerüsteten r.] und zwischen beiden vermitteln- 
den Changeanttönen [Hängeärmel Salomes 1.] ab, 
die inderGruppe r. wiederum vonwenigZinnober- 
rot und Gelb durchbrochen werden. Graublau 
und Weiß dienen als Basis. In einzelnen Flecken 
kehrt Zinnoberrot [in der Staffage] bis in die 
Ferne wieder. Rötlichbraunes Inkarnat. 

Das Bild ist von demselben Meister, wie die mit der zweifelhaften 
Inschrift „Blesius" signierte Anbetung der Könige in der Münchener 
Pinakothek .'. Sammlung Pourtales, Paris .-. Erworben 1906 als 
Geschenk von Frau Hainauer in Berlin .". SammlungHainauer, Berlin. 
Eichenholz, h. 0,48, br. 0,35. 




630 C 



139 



Südnieder- 

ländische 

Schule des 

XVI. Jahr- 

hitnderts 

630 



1611 




Niederländischer Meister um 1520 

630 Ruhe auf der Flucht nach Ägypten. Hell- 
karminrot in dem mit gelber Stickerei gezierten 
Mantel [über wenig sichtbarem dunkelblauem Ge- 
wand] geht mit dem rotbräunlichen Inkarnat zu- 
sammen. Bräunliches Saftgrün [Landschaft] bildet 
den Hintergrund für die warm gefärbte Figuren- 
gruppe. Hellblaue Ferne und Himmel. 

Zeigt Verwandtschaft mit Bildern aus der Frühzeit des Bles und nament- 
lich des Gossart, ohne indes mit Sicherheit einem dieser Meister zuge- 
schrieben werden zu können .*. Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 0,33, br. 0,21. 

Niederländischer Meister um 1520 

1611 Triptychon. Mittelbild: Beweinung Christi. 
Die warmen Töne der Gestalt Johannis: Karminrot 
im Mantel, rötliches Inkarnat, rotbraunes Haar, durch 
den Kontrast zu Dunkelsaftgrün [Gewand, Rasen- 
lasuren] in ihrer Wirkung erhöht, verleihen der Mitte Nachdruck. Derselbe Farbenzweiklang 
setzt sich seitwärts fort [rotes Gewand der weinenden Frau, saftgrünes Kleid der klagenden 
Frau r.], steigert sich zu Goldgelb [Obergewand Magdalenas 1., Kopfschmuck der Frau r.] 
und geht nach vorn in kühle graublaue Töne [rosa changierendes Unterkleid Magdalenas 1.] 
und bläuliches Weiß [Mantel der Frau r.] über, die mit der kalten Färbung des Vorder- 
grunds: ockergelblichgrauer Leichnam, graubrauner Erdboden, dunkelblauer Mantel 
Marias vermitteln. Ebenso kühlen sich die Farben nach rückwärts ab, zu luftigem Grau 
und Graublau, das sich noch einmal zu Rosarot im Horizont, unter blauem Himmel, er- 
wärmt. — Linker Flügel: Die hl. Anna Selbdritt. Zinnoberrot [Mantel Annas]. Von 
kühlen weißen [Kopftuch], graublauen [Gewand], bläulichweißen [Mantel Marias] und 

dunkelblauen Tönen [Gewand] 
umgeben. Vor saftgrüner Land- 



schaft. — Rechter Flügel: 
Der hl. Franziskus empfängt die 
Wundmale. Wenig Zinnoberrot 
[Buch] und das graurötliche In- 
karnat beleben die gelbbraunen 
[Kutte des Heiligen, Felsen] 
und bräunlichsaftgrünen Töne 
[Landschaft]. Blauer Himmel. 

Gehört zu der Gruppe von Bildern, die jetzt 
dem Herri met de Bles zugeschrieben 
werden .'. Sammlung Sir Charles Turner, 
London .-. Erworben 1909 als Geschenk der 
Herren M.Marks, London, undDr. Wolfenberg, 
Berlin .-. Eichenholz, Mittelbild, h. 0,475, 
br. 0,315, Flügel je h. 0,50, br. 0,135. 




140 




Antwerpener Meister 
von 1518 

630b Christi Abschied von den Frauen. 
Die herrschende Farbe ist ein g-edämpftes 
Blau [Dunkelblau im Mantel, Graublau im Ge- 
wände Marias, helleres Blau im Kleide Christi, 
bläulich getöntes Weiß im Mantel Johannis r.], 
das sich in grünlicher Nuance in der Ferne 
und imHimmel verbreitet und dessen Intensität 
durch einen Fleck Gelb im Mantel des Jüngers 
ganz r. [neben Dunkelblau in seinem Kragen] 
erhöht wird. L. bricht belebend der Kontrast 
von Zinnoberrot [Obergewand der Frau 1., mit 
hellblauen Haubenbändern], Hellkarminrot 
[Kleidung Petri] und leuchtendem Gelbgrün 
[Gewand der Frau zwischen beiden] hervor, 
ebenso r. Karminrot [Gewand des davon- 
schreitenden Johannes] und Gelbgrün [Ärmel 
desJüngers ganz r.]. Bräunlichgrauer Erdboden. 

Das Bild gehört zu der großen, noch nicht genügend gesonderten Gruppe von niederländischen, wahrscheinlich Antwerpener 
Gemälden vom Anfange des 16. Jahrhunderts, die gewöhnlich dem Herri met de Bles zugeschrieben werden, und steht dem 
großen Magdalenenaltar der Brüsseler Galerie besonders nahe. Von derselben Hand sind die Flügel des Antwerpener 
Altares in der Katharinenkirche zu Lübeck mit dem Datum 1518 .-. Erworben 1 904 als Geschenk des Herrn Marcus Kappel. 
Eichenholz, h.0,79, br. 0,37. 

Möicfov rloc T/-»/-löc Moviö So genannt nach zwei Darstellungen des Todes Maria [im Museum 
ClbLCI UCä lUUCS iVldlld ^y ^öln und in der Pinakothek zu München]. Ausgebildet unter 
dem Einflüsse des 
Quinten Massys 
und Patinir. Tä- 
tiguml510-1530, 
vermutlich in Ant- 
werpen, vielleicht 

vorübergehend 
in Köln und in 
Italien [Genua], 

Wahrscheinlich 
identisch mit Joos 
van Cleve d. Ä. 
[Joos van der 

Beke, genannt 
JoosvanCleefd.Ä. 
Geb. zu Cleve 
oder Antwerpen 
um 1485, gestor- 
ben zuAntwerpen 
1540. 1511 Mit- 
glied der Lukas- 
gilde zu Ant- 
werpen.] 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

630 B 




578 



141 



Sädnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

578 




615 



578 Flügelaltar. Mittelbild: Anbetung derKönige. 
Das grünliche Blau der Seiten [Mantel Marias und 
des Königs r.], von Rosarot [Inkarnat 1., gelbge- 
musterter Rock des Königs r.] begleitet, erwärmt 
sich über helles Blaugrün [Ärmel des knienden 
Königs] zu Gelbgrün [Gewandjosephs l.,Wiesen des 
landschaftlichen Mittelgrunds, Ärmel des Königs r.], 
mit dem kräftiges Karminrot der Mitte [Gewand des 
knienden Königs, Mantel Josephs] kontrastieren. 
Grauviolett [mit graubraunem Pelz besetzter Mantel 
des knienden Königs] undWeiß [graublau gemustert 
im Mantel des Mohrenkönigs usw.]. Vorn klingt, die 
Mitte betonend, nochmals bunt schillernd der Haupt- 
kontrast von Karminrot und Blaugrün [Hut am 
Boden] wieder, die blaugrünen Töne außerdem 
matter in den Pilastern und Bogen der graubraunen 
Ruine [mit goldgelben Statuen] neben Violett und 
Lichtrot [Pilaster], die roten Töne in der landschaft- 
lichen Staffage. Blauer Himmel mit weißen Wolken und Horizont. 

Linker Flügel: Die hl. Katharina. Die Figur im schillernden Charakter des Mittel- 
bildes: tief karminrote Ärmel gegen saftgrüne Landschaft, Mattrosa, nach Gelb changie- 
rend im Gewand, dunkelblaues Mieder; rosarotes [gelb verziertes] Kopftuch, rötliches 
Inkarnat vor blaugrüner Ferne. — Rechter Flügel: Die hl. Barbara. Hellroter Mantel 
über grünlichblauem Gewand, mattgelbe Ärmel, gelbrotes Haar. Saftgrüne Landschaft. 
Graubraune Architektur. — Außenseiten. Linker Flügel: Der hl. Christophorus. — 

Rechter Flügel: Der hl. Sebastian. Grau in Grau 
vor braunrotem Nischengrund. 

Aus der früheren Zeit des Meisters [uml515], nahe verwandt dem Flügel- 
altare des Meisters im Museum zu Prag -■- Erworben 1843 auf der Ver- 
steigerung der Sammlung Reimer zu Berlin. 

Eichenholz, Mittelbild h. 0,72, br. 0,52 ; jeder Flügel h.0,69, br.0,22. 



615 Bildnis eines jungen Mannes. Karminrot, in 
den Lichtern weißlich ausgeblichen [Ärmel und Ge- 
wandausschnitt auf der Brust], kontrastiert mit dem 
dunklen Grün des Hintergrunds. Die Wirkung des 
blassen rosagrauen Inkarnats [mit den hellroten 
Lippen] steigert der Gegensatz zu kaltem bläulichen 
Weiß im Hemd. Grauschwarzes Barett und Damast- 
schaube mit rotbraunem Pelz. Den graublauen 
Tönen in den Handschuhen und im Degenknauf 
steht Ockergelb in der Fütterung der Handschuhe 
und im Degenknauf entgegen. 




142 





Aus der Spätzeit des Meisters .■. Das Wappen auf dem Siegelringe der Linken scheint das der vlämischen Familie van 
der Straeten zu sein .". Erworben 1843 auf der Versteigerung der Sammlung Reimer zu Berlin. 
Eichenholz, h. 0,62, br. 0,47. 



Meister des Todes Maria 



Kopi 

616 Maria mit dem Kinde. Der Kontrast 
von Zinnoberrot im Gewände Marias und 
Grün im Kissen, auf dem das Kind sitzt, 
beherrscht die Mitte und khngt auch r. [rote 
Kirschen, die das Kind hält, vor gelbgrüner 
Landschaft mit blaugrüner Ferne] wieder. 
Links von der Mitte setzt ein zweites Farben- 
paar an: Dunkelblau im Mantel und Gold- 
gelb im Mantelumschlag, das sich nach der 
Seite in lichten Nuancen: hellblauer, weiß 
schillernder Ärmel, graue Architektur [mit 
gelbroten Füllungen], blaugrüne Deckplatte 
des Gesimses und Gelb im Apfel verläuft. 
Changeantfarben: grün-violett schillernder 
Gürtel, blaugrüne Profile der Architektur 
mit rosaroten Füllungen usw. vermitteln 
zwischen den Hauptkontrasten. Die starken 
Farben der Mitte lassen das stumpf grau- 
bräunliche Inkarnat, nur wenig erwärmt 
durch den Gegensatz zum weißen Streifen 



nach dem Meister des Todes Maria. 




551 A 



143 



Sädnieder- 
ländisdie 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

650 




648 



des Hemdes, vor graubrauner Architektur kühl 
und zart erscheinen. Blauer Himmel mit weißem 
Horizont. 

Von diesem Bilde gibt es viele Wiederholungen und alte Kopien, denen 
wahrscheinlich eine Komposition Leonardos zugrunde liegt, in ver- 
schiedenen Sammlungen [Pinakothek zu München, Galerie zu Oldenburg, 
Kölner Museum, Galerie zu Vicenza, Sammlung Andre in Paris u. a. m., 
die beste vielleidit im Schlosse zu Meiningen] .*. Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 0,70, br. 0,58. 

Niederländischer Meister um 1520 

626 Der hl. Hieronymus in Bußübung. Der far- 
bige Nachdruck des in stumpfen Tönen gehaltenen 
Bildes liegt r. auf dem Hellkarminrot in Mantel 
und Hut an der Wand und den Bucheinbänden, 
während links im landschaftlichen Ausschnitt und 
im Baldachin die grünen Ergänzungstöne zu suchen 
sind. Nach vorn kühlt sich die Färbung ab zu 
Grau und Graublau [Gewand des Heiligen, Tisch, Boden, in dessen Musterung das Rot 
gedämpft nachklingt, usw.], zu Karminviolett in der Pfeilerumrahmung und der Balustrade. 
Ockergelbbraunes Inkarnat. Blauer Himmel. 

Ehemals Hans Burgkmair zugeschrieben, aber sicher von einem niederländischen Meister, wie schon die Holzart der Tafel beweist 
.-. Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,81, br. 0,55. 

Gossart if",*^°'^v''U'^°''l.%'!]',P";.J^" "A"" 

Mabuse. Z.eichnet sich Malbodius. Oe- 
boren um 1470 zu Maubeuge [Mabuse], 1503 als 
Meister in die Gilde zu Antwerpen aufgenommen, ge- 
storben zu Antwerpen nach dem Juni 1533. Ausge- 
bildet unter dem Einflüsse Gerard Davids, während 
eines Aufenthaltes in Italien [1508 — 1512] namentlich 
unter dem Leonardos. Tätig zu Antwerpen, vorüber- 
gehend zu Middelburg [1528], Utrecht und auf den 
Schlössern Philipps von Burgund, des Bischofs von 
Utrecht. 

551a Christus am Olberg. Das nächtliche 
Graublau erhellt der Mond mit scharfen weiß- 
lichen Lichtern. Während das graublaue Ge- 
wand Christi [mit gelben Borten geziert], das 
gleichfarbige Gewand und der mattrote Man- 
tel Petri r. vorn, das mattrote Gewand des 
Engels [mit gelben Lichtern] in dem kalten 
Gesamttone zusammengehalten sind, aus dem 
nur r. einzelne goldgelb blitzende Schilde und 
hellblaue Rüstungen vor dem rotbräunlichen 
Tone der Stadt auftauchen, leuchtet 1. vorn 
ein tiefes glänzendes Farbenpaar, Zinnoberrot 
im Mantel und Gelbgrün im Gewände des 




144 



schlafenden Johannes, auf. Ein Mondstrahl spielt auf 
seinem ockergelben Haar. 



Aus der Jugendzeit des Meisters 
Eichenholz, h. 0,85, br. 0,63. 



Erworben 1848. 



v 




Siidnieder- 
ländisdxe 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

586 A 



650 Maria mit dem Kinde. Vor warm rotbrauner 
Füllung und braungrauem, mit goldgelben Buch- 
staben geziertem Rahmen umgibt Karminrot [mit 
weißlichen Lichtern] im Mantel die Figuren. Grün 
im rot, weiß und gelb gemusterten Teppich der 
Brüstung schließt den Umriß. Nach der Mitte zu 
wird die Färbung kühler. Dunkelultramarinblau im 
Gewand und den Ärmeln, bläuliches Weiß in Hemd 
und dem Schleier erhöhen die Wirkung des lichten, 
hart mit bläulichen Schatten modellierten, auf den 
Wangen und Lippen mit Rot belebten Inkarnats. 
Graubräunliches Weiß im Kopfschleier dämpft das 
Gelbbraun des Haares und leitet zu den bräunlichen 
Tönen des Hintergrunds hinüber. Graubräunliche Schleier umhüllen den Körper des 
Kindes. 

Auf dem von einem gemalten Rahmen umgebenen dunkelroten Grund, wie aus Metall geschnitten, die umlaufende Inschrift: 
VERVS DEVS ET HOMO CASTA MATER ET VIRGO .-. Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 0,46, br. 0,37. 

586a Bildnis eines Mannes. Vor gelbgrünem 
Hintergrund, auf den die Gestalt einen schwärz- 
lichen Schatten wirft, das graurötliche Inkarnat, 
von schwärzlichem Haar, grauschwarzem Barett 
und Wams umgeben. Das Goldgelb des gestickten 
Kragens unterstreicht die Wirkung des Antlitzes, 
während bräunlichesWeiß des Mantels [mit bräun- 
lichen Ornamenten] und Grauweiß des in den 
Gewandschlitzen sichtbaren Hemds die Farbigkeit 
des Bildes erhöhen. Gelbbräunliche Handschuhe, 
gelber Siegelring, gelbe Zierrate und Waffen. 

Nach dem burgundischen Wahlspruch auf der Doldischeide : Autre 
que vous [je n'aime] das Porträt eines burgundischen Prinzen, nach 
der neueren, offenbar nach einer älteren kopierten Inschrift auf der 
Rückseite des Bildes das Porträt Baudoins von Burgund, eines ille- 
gitimen Sohnes Philipps von Burgund, nicht aber Philipp selbst 
[1465 — 1524], dessen beglaubigte Bildnisse ganz andere Züge auf- 
weisen .'. Sammlung Suermondt, 1874. 
Eichenholz, h. 0,54, br. 0,39. 

648 Neptun und Amphitrite. Das Bild ist in 
einem einheitlich blaugrauen Tone zusammen- 
gehalten, dessen Farbigkeit durch den Gegensatz 
zu Gelb in den Verzierungen und Bändern der 




661 



145 



Sädnieder- 

ländische 

Schule des 

XVI. Jahr- 

hunderts 

1202 




656 



Architektur und in den Lichtern auf den Säulen 
[besonders I.] erhöht wird. Die blaugfraue Archi- 
tektur wird vorn durch Hchtrote Pilaster abge- 
schlossen. Mit dieser Rahmung von geraden 
Linien kontrastieren die lichten rötlichgrauen, 
mit Grau und Braun modellierten Körper, die 
sich von dunkelgrauviolettem Vorhang abheben, 
unter dem ein Streifen des weißlichblauen Meeres 
sichtbar ist. 

Bez. auf dem Sockel : t lOANNES J MALBODIVS t PINGEBAT ; 
1516 J .*. Rechts oben die Devise: A . Plus . Sera . phe . bourgne . 
[Name und Devise Philipps von Burgund, des Gönners Gossarts] .". 
Die Gestalt des Neptun geht auf den Adam in Dürers Kupferstich 
von 1503 zurück /. Sammlung SoUy, 1821. 
Eichenholz, h. 1,88, br. 1,24. 

, / 

I w61 Adam und Eva im Paradies. Die Körper 
warm rotbraun, mit schwärzlichbraunen Schatten 
modelliert, vor dunkelblauem Himmel und dunkelblaugrüner Landschaft, die über Gelb- 
grün im Mittelgrund nach vorn in das Dunkelgrün des Erdbodens und Dunkelbraun des 
Baumstammes übergeht. Etwas Gelb im Apfel, den Eva darreicht, vor Dunkelblau 
[Himmel] betont diese Stelle des Bildes. 

Eine ganz ähnliche Darstellung von Adam und Eva, eine alte Kopie nach Gossarts Spätwerk in Hampton Court [Nr. 547], 
befindet sich im Vorrate des Kaiser -Friedrich -Museums [Nr. 642] .*. Erworben 1830 durch Tausch von SoUy. 
Eichenholz, h. 1,70, br. 1,14. 

Gossart? 1202 Bildnis einer jungen Frau. Ein bräunlicher Ton durchdringt alle Farben 

und erwärmt das Schwarz des Hintergrunds und 
des mit braunem Pelz besetzten Kleides. Licht 
kommt aus der dunklen Umgebung das Antlitz 
hervor mit den violettbraunen Schatten [mit 
graublauen Augen und mattroten Lippen], durch 
das umrahmende [in den Schatten grau getönte] 
Weiß in Haube und Hemd [mit goldgelben 
Borten] nur wenig erwärmt. 

Galt früher irrtümlich als Porträt der Agathe von Schoenhoven wegen 
der Ähnlichkeit mit dem Porträt in der Galerie Doria zu Rom, das 
die Bezeichnung „Agatha Sconhouiana 1 529 per Scorelium pin." trägt. 
DieÄhnlidikeit ist aber nicht überzeugend. Unser Bild scheint eher 
ein Jugendwerk Jan Gossarts zu sein. Unten ist ein beträchtlicher 
Streifen abgeschnitten, wie ein Stich Gottfried Bartschs zeigt, der 
Ende des 17. Jahrhunderts am Berliner Hofe tätig war und das Bild 
unter dem Namen „Bauburren" gestochen hat [es war wohl der in 
der Art des Gerard Honthorst malende Künstler Theodor Baburen 
gemeint]. EincWiederholung 'mit den Händen] beim Fürsten Lobko- 
wltz auf Schloß Raudnitz in Böhmen .'. Königliche Schlösser. 
Eidicnholz, h. 0,35, br. 0,33. 

/^ j. Nachfolger des Jan Gossart, genannt 

OOSSdlL Mabuse. 

656 Thronende Maria mit dem Kinde. Die 
wenigen warmenTöne, das graurötliche Inkarnat, 




146 





vor allem Karminrot im Mantel, das sich durch Saftgrün im Rasen vorn erg-änzt, werden 
von kalten Farben: Dunkelblau im Gewand, blau -weiß schillerndem Hemd des Kindes, 
grauweißem Kopftuch, Graublau der Thronnische und dem den ganzen Hintergrund 
füllenden Hellgrau der Architektur umgeben. Die Wirkung der blauen Töne steigert 
der Kontrast zu Goldgelb in den Relieffüllungen des Sockels [rötlicher in den Füllungen 
zwischen den Balustern oben]. 

Für Gossart, dem das Bild früher zugeschrieben wurde, zu trocken in der Malweise und zu nüchtern .". Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 1,29, br. 0,90. 

D 11 1 Jean Bellegambe. Geboren zu Douai um 1470, urkundlich zuerst 1504 genannt, 

DeiiegamDe gestorben um 1533. Tätig zu Douai. 

641 Flügelaltar mit der Darstellung des jüngsten Gerichts. Mittelbild: 
Jüngstes Gericht. Den ganzen Altar beherrscht der Kontrast von Braunrot [Inkarnat] 
und Blaugrün [Landschaft und Himmel]. In den Gewändern der Engel im Vorder- 
grund erscheinen die Hauptfarben gesteigert zu Zinnoberrot im Mantel des Erzengels 
Michael [der die Gottlosen in die Verdammnis stürzt] und Dunkelblau [in seinem Ge- 
wand und dem des vorn knienden Engels]. Dunkelblau wird durch den Gegensatz 
zu bräunlichem Goldgelb [Mantel des vorn knienden Engels, Rüstung des hl. Michael] 
gestärkt. Stumpf violette Töne vermitteln. Weißer Horizont. Im oberen Teil über- 
wiegt das kalte grünliche Blau [Himmel mit bläulichweißen Wolken], dem Goldgelb 
[Weltkugel] und Gelb [Glorie] entgegenstehen, während Zinnoberrot [Mäntel Christi 
und Johannis d.T. r., Gewänder der Engel] und ein vermittelnder Rosaton [Ausstrahlung 
der Glorie] die Komposition, der unteren Bildhälfte entsprechend, zusammenhalten. — 
Linker Flügel: Das Paradies [in verschiedenen Gruppen werden die sieben Werke 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

641 



147 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

II 202 
645 A 




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der Barm- 
herzig-keit be- 
lohnt]. Das 
Kolorit ent- 
spricht dem 

Mittelbild. 
Es überwiegt 
Braunrot [In- 
karnat] vor 

grünlichem 
Blau [Hinter- 
grund], das 
oben wieder 
in die rosa- 
farbenen und 
gelben Töne 
einer Glorie 
übergeht. Die Mitte wird durch grünliches Blau [rot 
schillernd im Gewände des Engels] betont, dem bräunliches Goldgelb [im Obergewand] 
entspricht. Violett als Zwischenton [im Tuch, das über den Arm des Engels hängt]. — 
Rechter Flügel: Die Hölle. Hier herrscht das schon im Mittelbild ansetzende schwärz- 
liche Braun, das durch Braunrot [Körper], Zinnoberrot und Gelb [Flammen] belebt wird. 
Blaugrüne Töne [Teufelsgestalt r.; besonders im oberen Teil sich kräftigend, wo Engel in 
roten Gewändern schweben] stehen dagegen. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, Mittelbild h. 2,22, br. 1,78; jedes Flügelbild h. 2,22, br. 0,82. 

Ol Barend [Bernaert] van Orley. Geboren 

' '^y zu Brüssel um 1495, gestorben daselbst den 
6. Januar 1542. Schüler seines Vaters Valentyn, 
weiter gebildet unter italienischem Einflüsse, be- 
sonders Raffaels. Tätig zu Brüssel [seit etwa 1515], 
wo er 1518 Hofmaler der Statthalterin Margarethe 
wurde. 

Orley? 645a Verkündigung. Kaltes Blau 
von glasigem Charakter [Himmel, Ge- 
wand Marias, weißlich ausgeblichen in den 
Lichtern des Engelsgewands], begleitet von 
Gelb in der Glorie 1. oben und im Unter- 
gewande des Engels [karminrot schillernd 
in den Schatten], stärkt den warmen rot- 
braunen Ton des Innenraums, der im Kon- 
trast zu der dunkelrotbraunen Pfeilerum- 
rahmung von hellem Licht erfüllt scheint. 
Die rotbraunen Töne steigern sich zu bräun- 
lichem Goldgelb [Bettstatt, Säulenkapitäl 




148 





undSockeljund 
schließlich zu 
tiefem Karmin- 
rot im Bettvor- 
hang und den 

Bettkissen. 

Hellgrau [r. 
Wand, Säule, 

Bettpolster] 
dient dabei den 
tiefen Farben 
als Basis. Rot 
kehrt 1. neben 
Blau in den 

Bänderver- 
zierungen der 

Engelsklei- 
dung wieder. 

Das Bild steht den beglaubigten Jugendwerken van Orleys nahe, ohne daß es ihm doch selbst zugeschrieben werden kann .'. 
Erworben 1904 .-. Sammlung A. Thiem .'. Eichenholz, h. 0,755, br. 0,63. 

Orley? II 202 Christus vor Kaiphas. Der Kontrast von roten und grünen Tönen, 
gedämpft durch den rotbraunen Ton der Untermalung, hält die Komposition zusammen. 
Bräunliches Karminrot [1. als Braunrot im Baldachin mit gelbgrüner Oberseite einsetzend] 
in den Mänteln des Kaiphas [neben Gelbgrün im Gewandumschlag am Knie] und des 
aufwärts weisenden Soldaten [neben Gelbgrün 
im Gewand und mattem Blaugrün in der r. 
Bodenfläche] und im Ärmel des Soldaten mit 
rosarotem Turban r. steigert sich zu Zinnober- 
rot in dessen Beinkleidern [neben Grün im 
Gewand]. Entsprechend bricht 1. hinten Zin- 
noberrot [Gewand des am Pfeiler lehnenden 
Mannes] hervor, kräftigem Gelb benachbart, 
das wieder mit den kühlen graublauen und 
blauen Tönen der Stadtansicht und derTracht 
[Gewand und Kragen mitKapuze] des Kaiphas 
vermittelt. Christus in Grauviolett. Rotbraunes 
Inkarnat. Dunkelrotbraune Architektur, durch 
deren Offnungen hellblauer Himmel mit 
schimmernden weißen Wolken blickt. 

Das Bild, dessen Gegenstück [Christus vor Pilatus] im königlichen 
Schlosse zu Berlin bewahrt wird, steht den Werken der Spätzeit 
Orleys nahe, rührt aber wohl von einem anderen Meister her .'. 
Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 0,83, br. 0,61. 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

633 
819 




653 



149 



Südnieder- 
ländische 
Sdtule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 




633 A 



Rlll^f^K J^" ^^" Rillaer. Geburtsjahr unbe- 
IXllldCr kannt, gestorben 1568 zu Löwen, wo 

er seit etwa 1520 tätig war [seit 1547 als 

Stadtmaler]. 

1630 Urteil Salomonis. Auf einheit- 
lich grau gefärbtem Grund ist die Szene 
in schwarzer Zeichnung mit weißen 
Lichtern dargestellt. 

Bez. links unten an den Thronstufen und nochmals auf 
der Thronlehne mit dem aus I VANR gebildeten Mono- 
gramm. Oben in der Architektur: 1528 .*. 1904 aus 
dem Kupferstichkabinett überwiesen. 
Eichenholz, h. 0,74, br. 0,62. 

Niederländischer Meister 
von 1539 

633 Bildnis eines Mannes. Grau- 
schwarz der Schaube und des Baretts 
umrahmt das gelblichbraune Inkarnat, 
das durch die Nachbarschaft mit dem 
stumpfen Braunrot des grau und grünlich marmorierten Hintergrunds noch fahler erscheint. 
Das Wappen r. zeigt roten Balken auf gelbem Feld, das 1. gelbes Gefäß auf dunkelsaft- 
grünem Feld. 

Bez. oben in der Mitte 1539 [zweimal]; darunter das Alter des Dargestellten; 38 .". Das Wappen zur Rechten ist das der in 
Holland heimischen Familie van der Burch .". Sammlung Solly, 1821 .'. Eichenholz, h. 0,36, br. 0,29. 

Niederländischer Meister um 1520 

S19 Bildnis einer jungen Frau. Das bräun- 
liche Inkarnat [mit hellroten Lippen und gelb- 
braunem Haar] erscheint durch den Gegensatz 
zum tiefen Schwarz der Tracht, zu Weiß im 
Hemd und Haubenumschlag sehr licht und wird 
durch den Kontrast zum kalten Blaugrün des 
Hintergrunds erwärmt. 

Der Ursprung des schwer zu bestimmenden Bildes ist von einigen 
Kennern in der französischen Schule vermutet worden .'. Sammlung 
Magniac, London .". Sammlung James Simon. 
Eichenholz, h. 0,40, br. 0,31. 

T /^mV^av/"! Lambert Lombard. Geboren zu Lüttich 

L-UUlUdlU i505_ gestorben daselbst im August 1566. 

Ausgebildet unter dem Einflüsse Jan Gossarts zu Middel- 

burg und während eines Aufenthalts in Italien unter dem der 

italienischen Meister, namentlich Raffaels. Tätig zu Lüttich. 

Lombard? 653 Maria mit dem Kinde. Dunkles 
Karminrot von glasigem Charakter im Gewand 
[r. oben und 1. unten sichtbar] und bräunliches 




150 





Grau im Man- 
tel [1. oben und 
r. unten sicht- 
bar],das im Kon- 
trast zu Rot 
einen olivgrün- 
lichen Ton an- 
nimmt, sind in 
diagonaler An- 
ordnung auf der 
Bildfläche ver- 
teilt. Das grün- 
liche Grau des 
Mantels vermit- 
telt mit dem 
Grauweiß des 
Tuches, von dem 
sich warm der rötliche Körper des Kindes abhebt. Nach oben kühlt sich die Färbung 
ab: weißes Tuch auf der Schulter Marias, sehr lichtes weißliches Inkarnat mit grau- 
grünlichen Schatten, durch ein graubräunliches Kopftuch über gelbbraunem Haar in 
den schwarzen Grund überführt. 

Die Gruppe von Bildern, zu der diese Tafel gehört, wird traditionell, aber wohl mit Unrecht Lombard zugeschrieben. 
Sie stammt von der Hand eines Nachfolgers des Meisters vom Tode Maria, der sich namentlich unter Correggios Einflüsse 
gebildet hat .-. Sammlung SoUy, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,80, br. 0,65. 

^"^l^^.,^ Joos van Cleve oder van Cleef [Familienname wahrscheinlich van der Beke] der Jüngere 
\_^1CVC; — 2m^ Unterschiede von dem älteren Meister dieses Namens, der mit dem Meister vom Tode 

der Maria identifiziert wrird. Geboren wahrscheinlich zu Antwerpen, Geburts- und Todesdatum unbekannt. 

In Antwerpen, Paris und London, vielfach auch an 

den Höfen tätig. Nach Karel van Mander 1554 in 

London dem Irrsinn verfallen. 

633b Bildnis einer Frau. Vor hellgrauem 
Grund die Figur in warmen Tönen. Tiefes 
Schwarz im Kleid und Grauschwarz im Mieder 
stärken die Intensität des Weiß in Haube 
und Hemd, aus dem warm das rötlichbraune 
Inkarnat hervorkommt. Rotbraun im Pelz 
begleitet seitlich den Umriß der Gestalt und 
steigert sich zu bräunlichem Rot im Gürtel 
und dem kleinen Fleck kräftigen Rots im 
Ringstein am Zeigefinger der r. Hand. 

Bez. links auf dem Postament: 1543 AETATIS SVAE 36 .-. 
Früher unter dem Namen Holbein in der Sammlung des Earl of 
Grimstorpe in London, wo sich auch das Gegenstück [Bildnis 
eines Mannes] befand [jetzt im Besitze von Sir George Donald- 
son in London] .-. Erworben 1906 auf der Versteigerung Earl 
of Grimstorpe in London. 

Leinwand, h. 0,90, br. 0,81. 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

632 B 
632 C 




632 D 



151 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

632 



633a Bildnis eines jungen Mannes. Das 
durchscheinende Braun der Untermalung-, im 
Hintergrund in der Umgebung des Inkarnats 
mit Grau und Rotbraun gemischt, verleiht dem 
Bildnis den weichen warmen Gesamtton. Hell 
kommt aus dem Grauschwarz der Tracht das 
ockergelbliche Inkarnat [mit roten Lippen] her- 
vor. Weiß der Hemdkrause stimmt die Blässe 
des Fleischtons höher. L. ein Fleck leuchtenden 
Rots im Ringstein. 

In der Sammlung zu Blenheim „Holbein" genannt .'. Rubens hat 
das Bildnis Icopiert, s. Nr. 786 der Münchener Pinakothek .■- Er- 
worben 1885 aus der Sammlung des Herzogs von Marlborough zu 
Blenheim .*. Papier auf Eichenholz, h. 0,44, br. 0,31. 

]VJ_ £_l_ _i._| Nicolaes Neufchatel, gen.Lucidel. 

INCUldlClLCl Im Antwerpener Gildebuche Colyn van 
Nieucasteel g^en.; zeichnet sich Nicolaus deNovo- 
castello. Geboren wahrscheinlich 1527 in der Graf- 
schaft Bergen im Hennegau, gestorben nach 1590. 1539 
Schüler des Peeter Coecke van Aelst in Antwerpen. 
Seit 1561 oder früher tätig zu Nürnberg. 

632b Bildnis eines Mannes. Im Gegensatz zum hellgrauen Hintergrund, zu Grauschwarz 
der Tracht und Schwarz im Barett erscheint das rotbraune Inkarnat, das sich zu Gelbrot 
im Bart steigert und von Weiß in Kragen und Brief begleitet wird, sehr farbig. Die röt- 
lichen Töne ergänzen sich durch das Saftgrün der Tischdecke. Rotgelbe Fingerringe mit 
grünlichblauem Stein. 

Erworben 1909 aus dem englischen Kunsthandel .'. Leinwand, h. 0,90, br. 0,70. 




675 



632c Bildnis einer Frau. Vor Grau, in grauviolettem Kleid mit schwarzen Borten, 
dunkelgrauem Rock und schwarzem Barett. Warmes Inkarnat. Weiße Halskrause. Gelb- 
rot in der Halskette, im Gürtel- und Taschenbeschlag. 

Erworben 1909 aus dem englischen Kunsthandel. 
Leinwand, h. 0,90, br. 0,70. 

632d Bildnis einer Nürnberger 
Patrizierin. Rotbraunes Inkarnat 
steht warm gegen kühle auf Grau ge- 
stimmteTöne: Hellgraublau imHinter- 
grund, Schwarz in Barett und Mieder, 
Blaugrau in Ärmeln und Rock [mit 
rotbrauner Pelzfütterung]. Goldgelbe 
Halskette, hellerer Gürtel und Ringe 
mit karminroten und saftgrünen Edel- 
steinen. 

Erworben 1910 als Geschenk des Herrn R. Langton 
Douglas, London. 

Leinwand, h. 0,765, br. 0,635. 




152 



Neufchatel? 632 Bildnis eines Mannes aus 
der Familie Tucher. Hell beleuchtet, in 
graurötlichenTönen, denen der Kontrast zum 
stumpfen Gelbgrün des Hintergrunds und 
zu reinem Weiß im Hemdausschnitt Wärme 
und Lebhaftigkeit verleiht, springt das In- 
karnat mit dem rotbraunen, im Lichte grau 
schimmernden Haar aus der Dunkelheit und 
der grauschwarzen Tracht hervor. 

Die Benennung als Neufchatel ist nicht aufreciit zu erhalten, 
wie schon der Vergleich mit unsern drei Bildern zeigt. Es 
scheint eher holländischenUrsprungs und steht den Spätwerken 
Jans van Scorel nahe .". Auf dem Ring an der linken Hand 
das Wappen der Nürnberger Familie Tucher von Simmeisdorf 
.'. Erworben vor 1820 von Frauenholz in Nürnberg. 
Eichenholz, h. 0,61, br. 0,46. 

|\A^~o^rQ Cornelis Massys [auch Matsys oder 
IVldSSyS Metsys]. Maler und Kupferstecher, geb. 

um 1511 zu Antwerpen, daselbst 1531 als Meister in 

die Gilde aufgenommen und 1580 noch am Leben. 

Schüler seines Vaters Quinten. Tätig zu Antwerpen. 

675 Landschaft. Gegen das beherrschende 

grünliche Blau der landschaftlichen Ferne, das durch reines Weiß im Horizont an Tiefe 
gewinnt, grauer im Himmel und grünlicher im landschaftlichen Mittelgrund weiterklingt, 
stehen warmes Lichtrot und Gelbrot der Hausmauern. Graubraune und ockergelblich- 
braune Zwischentöne in den Dächern und im Vordergrunde. Das grünliche Blau kehrt 
in einzelnen Flecken auch im Wasser derTränke 1. vorn und in den Trachten der Staffage 
neben Hellgelb, Rosa und Grauweiß wieder. 

Bez. rechts unten: 1543 CMF [verschlungen] .'. Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,27, br. 0,38. 




Geboren wahrscheinlich in der Lombardei, Geburtsdatum 
am 12. Januar 1550. Tätig zu Brügge, wo er 1519 in die 



Rf nQOn Ambrosius Benson [Bentsoen] 
^ unbekannt, begraben in Brügge 
Lukasgilde aufgenommen wurde. 

206 Bildnis eines Mannes. Vor dunkelgrünem Hintergrunde das rotbraune Antlitz 
mit dunkelrotbraunem Bart [und 
bläulichen Augäpfeln], ebenso wie 
die Hände durch die Nachbarschaft 
mit kleinen Flächen Weiß [Hemd- 
ausschnitt, Brief] noch wärmer ge- 
stimmt. Von Schwarz in Barett 
und Gewand umgeben. Dunkel- 
violette Sammetärmel,grauviolette 
Handschuhe. 



Dem Meister sind außer einigen Altarbildern 
neuerdings eine Reihe von Bildnissen zuge- 
schrieben worden .'. Erworben 1829. 
Eichenholz, h. 0,67, br. 0,53. 




Südnieder- 
/ändisdie 
Sdiule des 
XVI. Jahr- 
hiindfrls 



650 A 



153 



Südnieder- 
ländische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

683 
686 



HansBol. Maler 

[vorzugsweise in 
Wasserfarbe], Zeich- 
ner und Radierer, ge- 
boren zu Mecheln den 
16. Dezember 1534, 
gestorben zuAmster- 
dam den 20. Novem- 
berl593. Schülerder 
Brüder seinesVaters, 
Jan und Jacob Bol. 
Nach längerenReisen 
in Deutschland und 
einem Aufenthalt in 
Heidelberg seit 1560 
in Mecheln tätig, dann 
vornehmlich in Ant- 
werpen [1574-1584] 
und später in Amster- 
dam 

650a Dorfansicht. 

DerVordergrund 

ist kulissenartig 

in einem schwe- 
ren Dunkelbraun zusammengehalten, das von Ockergelb [Wirtshausmauern], Dunkel- 
blau [Staffage], Weißgrau [Baumstämme] und vor allem von graugrünen Tönen durch- 
setzt ist. Im Mittelgrunde dringt neben Braungrau bereits der blaugrüne Ton durch, 
der in der Ferne und im Laubwerk zur alleinigen Herrschaft gelangt. Gelblichweiß- 
grauer Himmel mit blaugrauen Wolken. Stumpfes Zinnoberrot in den Trachten der 
Figuren dient als Ergänzung zum Blaugrün. 

Dieselbe Darstellung, aber größer, im Böhmischen Museum zu Prag .'. Sammlung Suemiondt, 1874. 
Eichenholz, h. 0,25, br. 0,36. 





Pourbus 



1657 



Frans Pourbus d. Ä Geboren zu Brügge 1545, gestorben zu Antwerpen den 19. September 
1581. Schüler seines Vaters Pieter und seit 1562 des Frans Floris. Tätig zu Brügge und 

vornehmlich zu Antwerpen [wohl seit 1562; daselbst 1569 als Meister in die Lukasgilde aufgenommen; in 

demselben Jahre auch Meister zu Brügge]. 

683 Bildnis eines Mannes. Diebraune 
Untermalung durchdringt die Oberfläche 
und erwärmt den grauen Ton des Hinter- 
grunds und das Grauschwarz des Ge- 
wandes. Warm in lichtrötlichen Tönen 
das Antlitz mit dem rotbraunen Bart, 
durch das Weiß des Kragens in seiner 
farbigen Wirkung gesteigert und durch 
Dunkelbraun im Haupthaar mit dem 
Hintergrunde vermittelt. 



Bez. rechts: F. Pourbus Fe. und nochmals auf der Rück- 
seite der Tafel: F. POVRBVS FECIT. .-. Gegenstück zu 
Nr. 686 .'. Königliche Schlösser. 
Eichenholz, h. 0,45, br. 0,32. 




154 






686 Bildnis einer Frau. 
Die technische Be- 
handlung entspricht 
genau dem Gegen- 
stück. Das frische 
lichtrötliche Inkarnat 
umrahmt kaltes, in den 
Schatten bläulich ge- 
töntes Weiß. Die 
breite Fläche von 
Grauschwarz im Kleid 
steigert noch die lichte Wirkung des Kopfes. Dunkelbraungrauer Hintergrund. 



Bez. rechts: F.Pourbus Fe und nochmals auf der Rückseite: F. POVRBVS FECIT 
liehe Schlösser .". Eichenholz, h. 0,45, br. 0,32. 



Gegenstück von Nr. 683 



König- 



\/ol/->L-/aT-«V-v/-»v-r>l-i Lucas van Valckenborch. Geboren zu Mecheln 1540 [?], gestorben zu Nürnberg 
V dlCKeriUUrUl „„ I625. Wahrscheinlich Schüler P. Brueghels d. Ä. 

1657 Stadtansicht. Das Dunkelbraun des kulissenartig behandelten Vordergrundes 
[mit schmutziggrauen Tönen untermischt] geht nach oben und nach der Tiefe in kühle 
luftige Töne über. Die Vordergrundkulisse setzt sich dunkel gegen den ockergelben 
Streifen eines Kornfeldes ab. Jenseits geht die Färbung [anfangs noch von bräunlichen 
Tönen durchsetzt] immer mehr in luftiges Blaugrün [mit dem mattbräunlichrote Dächer 
kontrastieren] und Grau über, um im wolkenbedeckten Himmel in kaltem Weiß zu 
enden, das stellenweise von hellblauem Himmel durchbrochen wird und nach oben zu 
eine ockergelbliche Tönung annimmt. Graugrünes Laub des großen Baumes [mit rot- 
braunen Tiefen] steht dunkel gegen den lichten Himmel. 

Bez. vorn in der Mitte 1567 und mit den Buchstaben LW .-. Erworben 1908 als Geschenk der Geschwister Posselt. 
Eichenholz, h. 0,575, br. 0,72. 

Niederländischer Meister von 1598 

II241 Familienbildnis. DasSchwarz 
der Trachten lichtet sich zu Grau in 
der Mauer auf. Der trockene Grund- 
ton wird belebt durch Rot in der 
Tischdecke und im Schnitte des 
Buches, das der Knabe in der Mitte 
hält, durch Lichtrot in der Stuhllehne 
1. und im Stuhlbezug r., durch das 
rotbraune Inkarnat, das überall durch 
die Nachbarschaft zu kaltem Weiß 
[Kragen und Bücher, Schürze des 
Kindes,Haube derMutter] anWärme 
gewinnt, und rotbraunes Haar. Rot 
ergänzt sich durch Dunkelgrün im 




Siidnxeder- 
länc/ische 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

II 241 



1661 



155 



Südnieder- 
ländiscltf 
Schule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

709 



Ausblick der Mitte und Saftgrün im Vor- 
hänge, der über die goldgelbbraune 
Säule fällt. 

Links auf einerTafel bez. mit den hausmarkenartig inein- 
andergefügten Buchstaben LV B und AN° 1 598 — /ETA . 
ME/E 36 — VXORIS 34 — lACOBI 12 — HENRICI 10 
— lOANNIS '^^ .-. Sammlung Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 0,73, br. 1,66. 



Niederländischer Meister 
um 1600 

1661 Der hl. Christoph. Gegen grün- 
liches Blau mit weißlichen Lichtern in 
den Felsen der Landschaft und dunkler 
im weißlich vom Mond erhellten Himmel, 
in den Tiefen der Felsen [besonders im 
Vordergrund] und in den Wolken vom 
Braun der Untermalung durchdrungen, 
steht Hellkarminrot im Mantel des hl. 
Christoph, gedämpfter in derTracht des 
Einsiedlers, kontrastierend mit dem 
hellen Gelbgrün des Ufers r. Gelber Rock des hl. Christoph [mit dunkelblauem Gürtel]. 
Grünliches Blau in der gelb montierten Weltkugel, an der das Christkind lehnt. Rot- 
bräunliches Inkarnat. 

Erworben 1908 aus dem englischen Kunsthandel als Geschenk des Herrn Marcus Kappe! .*. Kupfer, h. 0,205, br. 0,26. 




\/r»C '*^3^''t^" de Vos. Geboren 1532 zu Antwerpen, gestorben daselbst den 4. Dezember 1603. 
"^^ Schüler seines Vaters Pieter de Vos, des Frans Floris zu Antwerpen und des Tintoretto zu Venedig. 
Nach einem Aufenthalt in Venedig, Florenz und Rom tälig in Antwerpen [seit dem Jahre 1558, in 
dem er als Meister in die Lukasgilde aufgenommen wurde]. 

709 Auf beiden Seiten bemalte Tafel eines Altars. 

Vorderseite: Christus am See Tiberias. Kräftiges Karminrot im Mantel Christi läßt 
den rosigen, mit Grau in den Halbschatten und Braun in den Tiefen modellierten 
Fleischton kühl und licht erscheinen. Doch verleiht der Kontrast zu kalten blau- 
grünen und violetten Tönen in den Wogen des Sees und der fernen Uferlandschaft, 
Graublau im Himmel, der ganzen Figur eine wärmere Haltung. Das beherrschende 
Rot erwärmt sich r. im Mantel Petri, auch dort von grünlichem Blau im Gewand be- 
gleitet. Blaugrün verbreitet sich gedämpfter in der ganzen Umgebung, als Lasur über 
der durchscheinenden braunen Untermalung der Wasserwogen. Nach r. hinten steigert 
sich die Färbung im Lichte des Sonnenuntergangs zu helleren prächtigen Farben- 
kontrasten. Über dem dunkelgraubraunen Schiffskörper schillern in den Trachten der 
die Netze einziehenden Jünger die Hauptfarben in buntem Spiel zusammen: Hell- 



156 



karminrot und Blaugrün, Gelb und 
grünliches Blau, Karminviolett und 
Grau vor Hellblau und Violett im 
Wasserspiegel. Endlich klingt die 
Farbenreihe in Gelb, Orange und 
Blauviolett im Abendhimmel aus. 

709 Rückseite: Der Prophet Jonas 
wird ins Meer gestürzt. Der grünliche 
Ton der Wogen [als Lasur über die 
durchscheinende braune Untermalung 
gelegt] stärkt sich 1. zum Graugrün 
und Blaugrün der Uferlandschaft und 
geht nach r. oben über den grau- 
braunen Schiffsrumpf mit braun- 
schwarzem Segel in dunkles Grau 
der Wetterwolken über. Die grünen 
Töne ergänzen sich durch stumpfes 
Rot in den Walfischflossen r. vorn 
und in den Wolkendurchblicken r. 
oben, vor allem aber durch die vor- 
herrschenden roten Töne in den Trachten der Schiffsbesatzung. In bunter Unruhe 
stehen dort Karminrot, Blaugrün, Graublau, Goldgelb und Weiß beieinander. Rötliches 
Inkarnat. Zinnoberrot, Rosa, Saftgrün usw. in den Wappen am Schiffsdeck. In der 
Ferne ist Jonas dargestellt, vom Walfisch ausgespien. In der Tracht des Propheten 
kehrt der Hauptkontrast von Rosa und Blaugrün wieder. 

Bez. auf der Vorderseite auf einem Faßboden : M V, zwischen den beiden Buchstaben die Hausmarke; auf der Rückseite am 
Schiff: 1589 und auf dem Querholz des Ankers: M. D. V. F. .•. Sammlung SoUy, 1821. 
Eichenholz, h. 2,10, br. 1,74. 




Siidnieder- 
Inndische 
Sdiule des 
XVI. Jahr- 
hunderts 

709 



HOLLÄNDISCHE SCHULE 

/^ 1 Aelbert van Ouwater. Geboren vermutlich zu Ouwater bei Haarlem. Nachfolger, vlel- 

wUWaier lelcht Schaier Jans van Eydc [während dessen Aufenthalt im Haag, 1422—1424]. Tätig 
zu Haarlem etwa 1430—1460. 

532a Auferweckung des Lazarus. Vom dunklen Rotbraun der Schranken des Chor- 
umgangs heben sich in bunten geschossenen Farbflächen die Figuren ab. Die 1. Seiten- 
gruppe beherrscht Rot in der Gewandung der vorn knienden Schwester. Es steigt 
zu Zinnoberrot an im Granatapfelmuster des gelben Unterkleides 1., fällt zu Karmin- 
rot in dem über den Arm der Frau 1. herabhängenden Tuch. Das Rot ist gegen 
kühles Dunkelblau, Weiß und Blauviolett [Gewandung Christi] gestellt und ergänzt 
sich durch das Gelbgrün in den Gewandaufschlägen der knienden Schwester und im 
Gewände Petri. Der Hauptkontrast kehrt in den beiden hintersten Figuren dieser 



Holländi- 
sche Schute 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 



157 



Holländi- 
sdie Sdiule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

532 A 



Seite wieder, während Blauviolett und Gelb- 
grün zur kühlen lichten Färbung der Mitte: 
Weiß im Laken, Grau im Steinboden, Gelblich- 
braun im Körper des Auferweckten überführen. 
Silbergrau [Mantel des sich abwendenden Juden] 
und Hellgelb, durch braune Musterung gedämpft 
[Rock des vom Rücken Gesehenen vorn], ver- 
mitteln mit dem nach 1. sich abermals stärken- 
den Hauptkontrast von Rot [hellroter Kragen 
und hellzinnober Kappe des vom Rücken Ge- 
sehenen, hellkarminrotes Gewand des sich Ab- 
wendenden, Rock des Juden ganz r.] und Gelb- 
grün [Mantel des letzteren], der nach der Tiefe 
von einem zweiten Kontrast von Blau und Gelb 
abgelöst wird. Wie auf der 1. Seite bildet reines 
Weiß die Basis für die leuchtenden Farben- 
kontraste, die in kleinen Flecken in den Trachten 
der neugierigen Menge am Gitter [vor hell- 
grauem Chorumgang] wiederkehren. Bräun- 
liches Inkarnat, durch rötliche Töne erwärmt. 

Einziges authentischesWerl« des namentlich wegen seiner Landschaften hodigerühmten Malers .-. Karel van Mander erwähnt das 
Bild [1604], kannte davon indes nur eine skizzenhafte Kopie, da das Original bei der Plünderung von Haarlem 1573 vom General 
Spinola geraubt worden sei .-. Unser Bild befand sich bei der Familie Balbi in Genua, die es als Geschenk König Philipps II. er- 
worben haben will .-. Durch Erbschaft ging es auf den Marchese Mamelli über .-. Erworben 1889 von Marchese Mamelli in Genua. 
Eichenholz, h. 1,22, br. 0,92. 





Geertgen tot Sint Jans. Geboren um 1465 
zu Leiden, gestorben um 1493, nach van Mander 
Schüler Aelberts van Ouwrater. Tätig in Haarlem. 



Geertg-en 

28 Jahre alt. 

1631 Johannes der Täufer. Bräunliches Gelbgrün 
der Landschaft geht in der Ferne in Blau, Weiß 
[Horizont] und Hellblau [Himmel] über und bildet 
den kühlen Hintergrund für die in warmen rot- 
braunen [Inkarnat] und dunkelrotbraunen Tönen 
[Gewand] gehaltene Figur, deren Wirkung durch 
das umrahmende kräftige Blau des Mantels noch 
besonders erhöht wird. L. ein Fleck von reinem 
Weiß im Lamm. Goldene Strahlen umgeben das 
Haupt des Täufers und das Lamm. 

Ehemals in englischem Privatbesitz bei dem Maler W. Cope .•. Erworben 
1902 aus der Sammlung Percy Macquoid zu London .'. Eigentum des 
Kaiser - Friedridi - Museums - Vereins. 
Eichenholz, h. 0,42, br. 0,28. 

Geertgen Nachfolger des Geertgen tot Sint Jans. 

1631a Maria mit demKinde, dem Erzengel Mi- 
chaelunddemStifter. LeuchtendesHellkarminrot 



158 




im Mantel Marias [über dunlcelblauem Ge- 
wand] geht in der oberen Bildhäifte in rot- 
braune Töne über, die im Inkarnat und den 
Haaren ansetzen und im Thronteppich und 
den Engelsflügeln weiterklingen. Grün 
[dunkelsaftgrüner Mantel Michaels, blau- 
grünes Mittelrund des Teppichs, gelbgrüne 
und blaugrüne Landschaft, blaugrüner Him- 
mel] steigert die Intensität der roten Töne, 
während der grün -rosa schillernde Mantel- 
umschlag Michaels zwischen den beiden 
Hauptfarben vermittelt. Weiß im Gewände 
des Stifters [mit braunroten Streifen] und 
im Horizont, bräunliches Grau [Balustrade], 
bläuliches Grau [goldgelb gezierte Rüstung 
Michaels] dienen dem Hauptkontrast als 
Hintergrund. Dunkle Farben [dunkelblaues 

Gewand und schwarzer Brusteinsatz Marias, Untergewand des Stifters] erhöhen durch 
ihre Nachbarschaft die lichte Wirkung des Inkarnats. 

Sammlung v. Arnswaldt, Rostock .'. Erworben 1908 als Geschenk des Generaldirektors Dr. Bode. 
Eichenholz, h. 0,825, br. 0,735. 

D^Q^L. Hieronymus von Aeken, gen. Hieronymus Bosch. Geboren um 1462 zu Herzogenbusch, 
JJUoLIl gestorben daselbst 1516. Tätig zu Herzogenbusch. 

1647 a Johannes auf Patmos. Die Gestalt des Evangelisten ist in warmen Rosatönen 
[Inkarnat mit rotbraunem Haar und blauen Augen, 
Gewandung] zusammengehalten, die sich zu Kar- 
minrot in den Gewandfalten vertiefen. Weiß im 
Buch, durch helles Gelb im Schnitt betont, gibt 
die Basis für die zarten Töne. Bräunliches Saft- 
grün des landschaftlichenVordergrunds,dünn über 
den lichten grauen Grund gelegt, umgibt das 
Rosarot der Figur, das matter im rotbräunlichen 
Felsensitz nachklingt. Der Vordergrund mit dem 
farbigen Hauptkontrast hebt sich kulissenartig 
vom kühlen Hellblau [Ferne und Himmel mit 
weißem Horizont] ab, das in der Engelsgestalt 
auch auf den Vordergrund herübergreift. Hell- 
gelb [der Glorie, in der Maria in dunkelblauem 
Gewand erscheint] hilft die Wirkung der blauen 
Töne steigern. — Rückseite: In der Mitte auf 
einem Rundfeld Darstellungen aus der Leidens- 
geschichte Christi grau in Grau auf durchschei- 
nendem mattrötlichem Grund. Im Zentrum ein 



Holländi- 
sche Schule 
des XV. 
Jahrhun- 
derts 

1631 A 





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Holländi- 
sche Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

1647 




591 



Fels, in dem ein zinnoberrotes Feuer brennt, darauf 
der Pelikan mit seinen Jungen. Das Rund umgibt 
schwärzliche Nacht, aus der, vom Feuer zinnoberrot 
bestrahlt, allerlei phantastisches Höllengetier, saftgrün 
getönt, und hängende Blumengewinde aufblitzen. 

Sammlung Füller -Maitiand .". Erworben 1907 aus dem englischen Kunst- 
handel. 

Eichenholz, h. 0,62, br. 0,41. 

1647 Der hl. Antonius. Die Felsen des Mittelgrunds, 
an denen der Heilige in schwärzlicher Kutte mit dun- 
kelroter Kapuze sitzt, ihre Spiegelung im weißlich- 
blauen Wasser und das r. Ufer sind einheitlich in lich- 
tem Gelbbraun gehalten. Dunkelgraubraun hebt sich 
der Vordergrund ab. Kühlere Töne: bräunliches Saft- 
grün und Gelbgrün der Landschaft, Weiß und Dun- 
kelblau im Himmel dienen der Erwärmung der lichten 
Färbung der Mitte. Die Ungetüme in matten grau- 
weißen, rosaroten, grünlichen und blauen Tönen. 

Erworben 1904 aus englischem Privatbesitz als Geschenk des Herrn Franz v. Mendelssohn. 
Eichenholz, h. 0,40, br. 0,265. 

Niederländischer Meister um 1510 — 1520 

591 Bildnis eines Mannes. Die Figur in warmen roten Tönen: leuchtendem Zinnober- 
rot im Barett [mit goldgelber Schaumünze] und, durch das Braun der Untermalung ge- 
dämpft, in der Gewandung, Rotbraun im Pelz, 
durchsichtiger im Antlitz. Bräunlich goldgelbe 
Borten. Durch den Gegensatz zum bräunlichsaft- 
grünen Hintergrund gewinnen die roten Töne, 
denen Weiß [in Hemd und Handschuhen] als Basis 
dient, noch an Intensität. 

Von einem holländischen Meister, dem eine größere Anzahl von Altar- 
bildern und Bildnissen zugeschrieben werden, u. a. der Altar mit der 
Kreuzabnahme aus der Sammlung d'Oultremont, das Porträt eines 
jungen Mannes und zwei Flügel mit Stiftern in der Brüsseler Galerie, 
in der Royal Institution zu Liverpool das Bildnis eines jungen Mannes; 
und ein ebensolches [bez. de beer Joost van Bronkhorst, beer the 
Blyswyck] früher in der Sammlung Hainauer zu Berlin [Versteigerung 
Rothan, Paris 1890] .'. Der Meister wird mit Jan Mostaert, dem 
Hofmaler der Statthalterin der Niederlande, Margarethe, identifiziert, 
dessen Biographie van Mander bringt [geb. um 1475 zu Haarlem, 
tätig daselbst von 1500—1549, gestorben 1555 oder 1556] .-. König- 
liche Schlösser. 

Eichenholz, h. 0,42, br. 0,29. 

Ell 1 1 Cornelis Eng-elbrechtsen [En- 

ngelDreCntSen gelbrechtsz.]. Geboren angeblich 
1468 zu Leiden, gestorben daselbst 1533. Lehrer des Lu- 
cas van Leyden. Tätig zu Leiden. Seine durch van Mander 
beglaubigten Hauptviferke im Museum zu Leiden. 




160 




609 Berufung des Matthäus. 
Schwärzliches Grau und Hellgrau 
der Wände des Raumes r. dient 
den bunten, im Licht ausgebliche- 
nen Farben von edelsteinartigem 
Glanz als Hintergrund. Sattes 
Karminrot [Oberkleid des r. 
Sitzenden], im Lichte rosarot 
aufgehellt, gelb changierend in 
Unterärmel und Strumpf, geht in 
gelbliches Zinnoberrot im Beutel 
dahinter über. Leuchtendes Gelb- 
grün [Kragen, Gewandumschlag 
und Beinkleid des r. Sitzenden] 

und Grün, das in der rosarot gestreiften Tischdecke die ganze Mitte beherrscht, steigert die 
Wirkung der roten Töne zu höchster Pracht. Violett [Barett des r. Sitzenden über zinnober- 
roter Kappe] vermittelt mit tiefem Blau [Kleid des hinteren Zöllners], das wieder durch 
den Gegensatz zu Gelbbraun [Pult] größere Intensität empfängt. Tiefes Karminrot wieder- 
holt sich 1. im Gewände des Matthäus [unter gelbbraunem Pelz], Die Marmorierung des 
Säulensockels 1. schillert gelbrot und blaugrün. L. vor lichtem graubräunlichem Erdboden, 
rötlichen Mauern und blaugrüner Ferne Christus in Graublau zwischen leuchtendem Gelb- 
grün [Mantel des Apostels 1., über gelb-rot schillerndem Gewand] und Karminrot [Mantel 
des Apostels r.]. Dahinter tiefes Ultramarinblau [Gewand und Kappe zweier Apostel] , das in 
den kühleren Tönen der Mitte [graublaue Kappe und Ärmel des Matthäus] schon anklingt. 

Ehemals Schule des Lucas van Leyden genannt .'. Auf dem roten Beutel des Zöllners das österreichisch -burgundische Wappen 
zwischen den beiden kreuzweis gelegten roten Sdilüsseln des Leidener Stadtwappens .". Sammluna Solly, 1821. 
Eichenholz, h. 0,51, br. 0,77. ° 

1212 Die Dornenkrönung Christi 
und die hll.Augustinus, Agnes und 
Caecilia. Die kühleren Töne der Mitte: 
Blauviolett [Gewand Christi], weißliches 
Blau [Tracht des Knechtes r.], mit Hell- 
gelb [dessen Untergewand und Kappe] 
kontrastierend, und Weiß [Tracht der 
Stifterin 1., einer Nonne von Marienpoel 
bei Leiden] werden von karminroten 
Tönen [z. B. Beinkleider des 1. knienden 
Knechts, unter olivgrüner Jacke] umge- 
ben, die sich nach r. zu Rosarot auf- 
lichten. Die Wirkung der roten Töne 
erhöht der Kontrast zu Saftgrün im 
Mittelgrund, zu Blaugrün in den Stein- 
bändern vorn. Rosa und Blaugrün 



Holländi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 




161 



Holländi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



584B 




klingen im Ausblick r. weiter. Die unter- 
geordneten Farben: Graublau [Rüstungen] 
und stumpfes Dunkelblau [einzelne Ge- 
wänder] ergänzen sich im Gelb der Ge- 
wandstickereien. Graubraune Architektur. 

Sammlung Solly, 1821 .-. Eichenholz, h. 0,38, br. 0,41. 



Leyden ^:^' 



icas Huyghensz., gen. Lucas 
Leyden. Maler, Kupferstecher 
und Zeichner für den Holzschnitt, geboren zu 
Leiden Ende Mai oder Anfang- Juni 1494, gest. 
daselbst im Sommer 1533. Schüler seines Vaters 
Huijgh Jacobsz. und des Cornelis Engelbrechtsen. 
Tätig zu Leiden, einige Zeit auch zu Antwerpen 
[1522 daselbst als Meister in die Lukasgilde auf- 
genommen]. 

574a Die Schachpartie. Zinnoberrot, in den Baretts der beiden Zuschauer 1. ansetzend, 
erscheint leuchtend im aufgestützten Armel des sitzenden Spielers und den Feldern des 
Schachbretts, neben kaltem Graublau [Mantel des Zuschauers ganz 1.], Grau und NX^eiß 
[Tracht des Spielers], und erwärmt sich r. zu Gelbrot [Kleid der spielenden Dame], 
begleitet von Weiß [Hemd]. Rosarote und dunkelblaue Haube. Die Intensität der 
roten Töne wird durch den Kontrast zu Saftgrün [Rock des Zuschauers in der Mitte, 
Unterärmel der spielenden Dame] erhöht. Gelbbraun [Rock und Pelz der beiden Zu- 
schauer r. und 1. von der Mitte] vermittelt mit dem beherrschenden rotbraunen Ton des 
Inkarnats und dem dunkelbraunen Hintergrund. 

Schon in der Sammlung des preußischen Gesandten Baron Werther in Wien als „Lucas van Leyden" -■- Die Färbung, die weniger 
hell und flüssig ist als in dem sonst nahe verwandten Bilde, den „ Kartenspielern " zu Wilton House, bezeugt wohl, daß unser 

Bild zu des Meisters frühen, vonEngelbrechtsen beeinflußten Werken gehört .'. 
Eine Kopie danach, „ L. Cranach " genannt, im Museum zu Lyon .". Samm- 
lung Suermondt, 1874 .-. Eichenholz, h. 0,27, br. 0,35. 

584b Maria mit dem Kind und Engeln. Die leuch- 
tende Wirkung von Karminrot im Mantel Marias steigert 
der Gegensatz zu Hellgrün in der Brüstung und im 
Apfel, den das Kind hält. Derselbe Kontrast klingt 
gedämpft in den lichtroten Pilastern und den saftgrünen 
Laubgehängen aus. Im dunkelblauen, mit goldgelber 
Borte gezierten Gewände Marias [hellblau durch den 
weißen Schleier schimmernd] und dem gelbbraunen 
Haar setzt ein zweiter Farbenkontrast an, der die obere 
Bildhälfte beherrscht: gedämpfter im Teppich [gelb- 
braune Ranken und Bordüre auf Dunkelblau], leuch- 
tend im dunkelblauen Himmel und der goldgelben 
Dekoration davor. Von den starken Farben umgeben 
wirkt das ockergelbliche Inkarnat [mit den kräftig roten 
Lippen] besonders hell. Vorn kehren die Hauptfarben- 
paare in lichteren Nuancen wieder. Gegen das helle 
Grün der Brüstung stehen schillernd Rosa und Blaugrün 




162 



in den Engelsflügeln, Hellgelb [1.] und 
weißliches Blau [r.] in den Kleidern 
der beiden in ganzer Figur sichtbaren 
Engel [mit gelbbraunen Haaren], zu den 
Seiten gebrochene Töne: Karminvio- 
lett 1., Blaugrün und Graublau r. Gol- 
dene Nimben. 

Aus der mittleren Zeit des Meisters [um 1515] .*. Samm- 
lung Posonyi, Wien .'. Erworben 1892 auf der Auktion 
A.Hulot in Paris .-. Eichenholz, h. 0,74, br. 0,44. 

584a Der hl. Hieronymus. Leuchten- 
des Zinnoberrot [Mantel 1. vorn auf rot- 
braunem Felsen und vor graubraunen 
Baumstämmen], im Gelbgrün der hell 
beleuchteten Wiese und Saftgrün des 

Laubwerks sich ergänzend, schiebt die in kühlen Tönen [vor graubraunem Mittelgrund] 
gehaltene Figur zurück. Violett [Mantel], im Lichte weiß schimmernd, umgibt das ocker- 
gelbliche Grau des Inkarnats, das sich im Kopf zu bräunlichem Rosarot erwärmt vor 
weißem, rosarot ausstrahlendem Nimbus. Rosarot klingt in der Tönung der weißen 
Wolken weiter und kontrastiert mit dem tiefen Blaugrün des Himmels und der Ferne. 

Aus der früheren Zeit des Meisters [um 1512] .'. Erworben 1872 von den S. G. Lieschineschen Erben in Stuttgart. 
Eichenholz, h. 0,27, br. 0,31. 

C^niTifll^y Jacob Cornelisz. van Amsterdam oder van Oostsanen. Zeichnet mit einem aus J und 
V^UIllCllöZ. ^ y„j einer Hausmarke gebildeten Monogramm. Maler und Zeichner für den Holzschnitt, 

geb. zu Oostsanen vor 1470, gest. vor dem 18. Oktober 1533 zu Amsterdam. Tätig um 1500—1533 

zu Amsterdam. 




Holländi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

584 A 



607 Flügelaltar. Mittelbild: 
Marias ge- 
winntdurch 
den Kon- 
trast zum 
Saftgrün 
der Land- 
schaft an 
Tiefe und 
klingt vorn 
in den Kir- 
schen und 
[neben 
Dunkel- 
blau und 
Goldgelb] 
von Saft- 
grün be- 



Maria mit dem Kinde. Dunkelkarminrot im Mantel 




607 



163 



Holländi- 
sdie Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



644 



gleitet im persischen Teppich aus. Von den tiefen 
Farben umgeben wirkt das bräunlichgraue Inkar- 
nat [mit kräftig roten Lippen; rotes Korallenhals- 
band des Kindes] sehr licht, wird aber durch kaltes 
Weiß der Tücher und tiefes Blaugrün [Fluß] wär- 
mer gestimmt. Rot und Blau wiederholen sich matt 
schillernd in den Kleidern der Engel. Goldener Sitz. 
Vor hellblauem Himmel halten Engel eine goldene 
Krone. — L.Flügel: Der Stifter mit dem hl. Au- 
gustinus. Wie im Mittelbild herrscht auch hier der 
Kontrast von Karminrot [Chorgewand], das sich zu 
Rot [Herz in der Linken des Heiligen] erwärmt, 
und Gelbgrün der Landschaft. Dazwischen tritt ein 
zweites Farbenpaar: Goldgelb in den Stickereien 
des Mantels und in der Bischofsmütze, Dunkelblau 
in Mantelumschlag und Handschuhen. Vorn die 
ruhige Fläche der tiefschwarzen Stiftertracht. — 
— R.Flügel: Die Stifterin mit der hl. Barbara. Das Karminrot des Gewandes ist mit 
goldgelben Stickereien übersponnen und kommt rein nur in der Kappe und den Armein 
zur Wirkung. Die Stifterin in tiefem Schwarz, mit rotem Rosenkranz. — Außenseiten. 
L. Flügel: Die hl. Anna Selbdritt. R. Flügel: Die hl. Elisabeth von Thüringen. 

Mit Hilfe eines mit den Namen der Dargestellten bezeichneten Biidnispaares im Museum zu Rotterdam, von der Hand Jacobs [?]' 
läßt sich feststellen, daß der Stifter Augustijn van Teylingen, die Stifterin seine Gattin Juduca van Egmont ist .'. Sammlung 
SoUy, 1821 .-. Eichenholz, Mittelbild h. 0,42, br. 0,32; Flügel je h. 0,50, br. 0,17. 




Scorel tl 



van Scorel. Urkundlich auch Schoorle gen. und so auf einem Bilde sich zeichnend. 
Maler und Baumeister, geboren zu Schoorl [Scorel] bei Allcmaar den I.August 1495, gestorben 

den 6. Dezember 1562, vermutlich zu Utrecht. Schüler 
des Willem Cornelisz. zu Haarlem [um 1509 bis 1512], 
dann des Jacob Cornelisz. zu Amsterdam und des Jan 
Mabuse zu Utrecht. Nach Reisen in Deutschland, durch Steier- 
mark und Kärnthen [1520] und emer Fahrt über Venedig 
nach Jerusalem, in Italien, besonders in Rom [um 1522 23] 
durch die italienische Kunst beeinflußt. Tätig vornehmlich 
in Utrecht [seit 1524], kurze Zeit in Haarlem [um 1527]. 

644 Bildnis des Cornelis Aerntsz. van der 
Dussen [1481—1551, Sekretär der Stadt Delft 
seit 1550]. In der kühlen, auf Grau gestimmten 
Färbung wirkt als wärmster Ton, von Weiß in 
Hemd und Brief begleitet, das rotbraune, gleich- 
falls mit Grau gekühlte Inkarnat, umgeben vom 
Grauschwarz der Tracht mit graubraunem Pelz. 
Vor matt gelbgrüner Landschaft, die nach der 
Ferne in Graublau, Blaugrün und Weiß übergeht. 

Auf dem Briefe die Aufschrift: Sy gegeuen aenden Eersame dis- 
creten . . . nelis aerntsz secrctarius tot delft .'. Gemalt bald nach 
1550 .-. Eine alte Kopie im Rijksmuseum zu Amsterdam .'. Samm- 
lung SoUy, 1821. 

Eichenholz, h. 0,98, br. 0,74. 




164 








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Holländi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

644 B 



644 b Bildnis eines Mannes. Aus dunkelgrauschwarzer Tracht kommt als wärmster Ton 
der rotbraune, mit Lichtrot durchsetzte Fieischton hervor. Die Körperhaftigkeit der Figur 
wird erhöht durch den Kontrast zu luftigen graubraunen [Felsen], hellgrauen, grünen und 
hellblauen Tönen der Landschaft, dem locker behandelten Weiß der Wolke, die den Hin- 
tergrund für den Kopf mit dem grauen Haar bildet, und zu Hellblau im Himmel. — Rück- 
seite: Lucretia. Weiß der Umhüllung, Grauviolett im Bettvorhang, Grau in Bett und 
Boden erhöht die warme Wirkung des rotbräunlichen, von grauen Tönen durchsetzten 





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644 A 



165 



Holländi- 
sche Sdiule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

68.'! A 




623 A 



Körpers. Die Gestalt hebt sich mit scharfem 
Umriß vom Braun des Hintergrundes ab, dessen 
Dunkel das Zinnoberrot der Bettdecke 1. dämpft. 

Gemalt um 1530 .". Vielleicht die rechte Hälfte eines Diptychons, auf 
dessen linkem Flügel Maria mit dem Kinde dargestellt war .'. Eigentum 
des Kaiser -Friedrich -Museums -Vereins /. Erworben 1907. 
Eichenholz, h. 0,65, br. 0,44. 

11153 Taufe Christi. Die braune Untermalung-, 
über die saftgrüne, ockergelbe und graue Töne ge- 
legt sind, beherrscht den Vorder- und einen Teil 
des Mittelgrundes. Dort setzt weißliches Blau im 
Fluß an, in kühles Graublau der Ferne, Weiß und 
grünliches Blau im Himmel übergehend. Wärmer 
hebt sich das rötlichbraune Inkarnat der Körper 
vom braunen Grundton ab. Saftgrün der Land- 
schaft ergänzt sich durch Karminrot im Mantel 
Johannis, das sich zu Karminviolett im Gewände 
des Engels [mit grünem Überwurf] unter graublauem 
Mantel abkühlt. Gelb, rot und dunkelblau schillernde Flügel. In den Figuren der Ferne 
gedämpfte gelbe, graublaue und rosarote Töne. In gelber Glorie zinnoberrot Gott -Vater. 

Aus der späteren Zeit des Meisters .■. Sammlung Solly, 1821 .'. Eichenholz, h. 0,80, br. 0,80. 

644a Maria mit dem Kind. In kontrastreicher Färbung steht die Figur gegen den weiß- 
lichen Himmel und luftige grünliche Ferne. Leuchtendes Karminrot im Gewand und 
schwärzliches, von weißlichen Lichtern erhelltes Blau im Mantel dienen dem graubraunen, 

durch Rot erwärmten Fleischton, seine lichte Farbig- 
keit steigernd, als Hintergrund. Den Umriß des gelb- 
braunen Haares dämpft ein grauvioletter Schleier. 
Leuchtendes Gelb in den Blumen, die Maria hält, 
erhöht die Wirkung der blauen Töne, das saftige 
Grün des Laubwerks die Kraft der roten. 

Sammlung Baron von Mohrenheim, Paris .'. Erworben 1904 als Geschenk 
des Herrn O. Huldschinsky in Berlin. 
Eichenholz, h. 0,44, br. 0,37. 

Holländischer Meister um 1530 

683a Bildnis eines Mannes. Braunrotes, mit 
grauen Halbschatten durchsetztes Inkarnat, von 
kaltem bläulichem Weiß [Hemdausschnitt, Haar, 
Pelz mit gelbbrauner Tigerung] umgeben. Vor 
gelbgrünem Grund. Bräunlichgrauschwarzes Barett. 
Violettbräunliches Gewand. 

Das Bildnis steht Jan van Scorel sehr nahe .'. Erworben 1893 als Ver- 
mächtnis des Herrn Reichert .■- Eichenholz, h. 0,275, br. 0,19. 




166 




T Tl-vo/->l-«f Jä^^ob van Utrecht. Zeich- 
L-ZLICdlL net sich Jacobus Trajec- 

tensis. Bildnismaler, geb. zu Utrecht. 

Vielleicht derselbe Künstler, der unter 

diesem Namen 1506 als Meister in die 

Gilde zu Antwerpen aufgenommen 

wurde. Nach den Daten auf seinen 

Bildern tätig um 1523 24. 

623a Bildnis eines Mannes. 
DieWirkungf der wenigen warmen 
Töne: leuchtenden Zinnoberrots 
der Kappe unddesrotbräunlichen 
Inkarnats, die tiefes Schwarz und 
Grauschwarz der Tracht [mit 
gelben Streifen] umrahmen, wird 
durch Blaugrün in Himmel und 
Wasser, Saftgrün im r. Ufer er- 
höht. Gelber Horizont. 

Bez. auf einem vom Bild unten abgesägten Stück Eichenholz, das auf der Rückseite aufgeleimt ist ; I ACOBVS • TRAIECTENSIS 
1523 .'. Ein anderes bezeichnetes Bildnis von 1524 aus der ehemaligen Sammlung des Barons Minutoli bei Dr. Freund in 
Berlin und eines im National - Museum zu Stockholm .'. Erworben 1847 .'. Eichenholz, h. 0,73, br. 0,52. 

A -«^.i.„-^ Pieter Aertsen [Aertsz.] oder Aertsens, gen. Lange Pier. Geboren 1508 wahr- 
•'»CrLodl scheinlich zu Amsterdam, begraben daselbst den S.Juni 1575. Schüler des Allaert Claesz. 
zu Amsterdam. Tätig in Antwerpen von ungefähr 1535 bis 1555, später [wahrscheinlich seit 1555] 
wieder in Amsterdam. 

719 Junge Frau mit Kind. Braunrot des Inkarnats, wärmer und mit rosa Tönen im 
Körper des Kindes behandelt, steigert sich zu Hellrot im Oberärmelbesatz der Mutter. 
Die Wirkung der rötlichen Töne erhöht der Gegensatz zu Grauweiß in der Kleidung 
der Frau, vor dunkelbrauner Wand. Gelbbraun im Haar des Kindes klingt als weißliches 
Gelb [mit violetten Schatten] in der Tracht des Hirten 1. am Gemäuer wieder, vor Grau- 
weiß. Im Hintergrund karminrosa Töne [Trachten] gegen Blaugrün. 

Bruchstück eines Altarbildes [Geburt Christi], wahrscheinlich des zerstörten Bildes der Nieuwe Kerk zu Amsterdam .". 
Königliche Schlösser .•. Eichenholz, h. 0,65, br. 0,83. 

726 Kreuztragung Christi. 
Der graubraune Ton des Erd- 
bodens wechselt vorn mit gelb- 
grünem Graswuchs ab und 
weicht im Mittel- und Hinter- 
grund dem beherrschendenBlau- 
und Graugrün. Mit den grünen 
Tönen, die auch im Himmel 
neben Grauweiß und leuchtend 
in den Trachten der Figuren 
vorn weiterklingen, kontrastie- 
ren das die Staffage zusammen- 
haltende Zinnoberrot [Trachten, 



Holländi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 

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Holländi- 
sche Schule 
des XVI. 
Jahrhun- 
derts 



570 




derSünderkarrenusw.],unddas 
blasse graurötliche Inkarnat. 
Zinnoberrot bleicht nach der 
Tiefe zu Rosarot aus [vor Blau- 
grün]. Kaltes Weiß und Grau- 
blau [z. B. Gruppe der Frauen] 
erhöht die Wirkung der röt- 
lichen Töne, begleitet von 
Goldgelb in den Trachten. 

Bez. an einem Korbe, den ein Mann in der 
Eclce lintcs auf deniRücicen trägt: 1552 decebr 
22 p a und dem Dreizack, der Marke des 
Meisters /. Sammlung SoUy, 1821. 
Eichenholz, h, 0,77, br. 1,16. 

Heemskerck ^o\\^*f It 

Heemskerck. Geboren zu Heems- 
kerck bei Alkmaar 1498, gestorben zu Haarlem den 1. Oktober 1574. Nach einer Lehrzeit bei Cornehs 
Willemsz. zu Haarlem und Jan Lucasz. zu Delft ausgebildet durch Jan Scorel zu Haarlem [um 1527], dann 
während eines Aufenthaltes in Italien [seit 1532] unter dem Einflüsse Michelangelos. Tätig zu Haarlem. 

655 Momus tadelt die Werke der Götter. Gegen den Hebten, in weißgrauen und grünen 
Tönen gehaltenen Hintergrund steht das warme rotbräunliche Inkarnat, das sich ebenso 
wie die Farben der Gewänder nach der Mitte zu steigert: von Graublau [Mantel Neptuns 
1., Gewand des Momus r.] zu Zinnoberrot [Zaumzeug des Schimmels, Mantel des Momus], 
Orangerot [Mantel der Venus], Goldgelb [Schild und Verzierungen der dunkelblauen 
Ägis der Pallas, über rosarotem Gewand] und Gelb [Schurz Vulkans]. Das beherrschende 
Rot, dem wie allen warmen Tönen Weiß [Schimmel, Mantel der Pallas, Schriftblatt] 
durch den Kontrast größere Tiefe verleiht, und der rotbraune Fleischton ergänzen sich 

in den saftgrünen Tönen des Vordergrunds, die 
über Graugrün des Mittelgrunds in kräftiges Blau- 
grün der Ferne übergehen. 

Bez. rechts unten : Martynus . van . Heemskerck . Inventor. Oben : 1 561 
.•. Königliche Schlösser .'. Eichenholz, h. 1,20, br. 1,74. 

Heemskerck? 570 Bildnis eines Mädchens. Die 
braune Untermalung durchdringt den grauen Grund, 
vor dem das rotbräunliche Inkarnat steht, durch 
den Kontrast zum gedämpften Weiß der Ha;ibe und 
des Hemds erwärmt. Tiefes Schwarz der Gewan- 
dungerhöhtdie lichte Wirkungdesinkarnats. Leuch- 
tendes Karminrot in den Ärmeln, Zinnoberrot im 
Rosenkranz, Goldgelb im Apfel. 

Das Bild ist vielleicht eine frühe Arbeit des Antonis Mor .'. König- 
liche Schlösser -•. Eichenholz, h. 0,52, br. 0,38. 

|\/j Antonis Mor, Moor oder Moro [nach seinem Gut 

iVlUl 3jj(,h ygj, Dashorst]. Vornehmlich Bildnismaler, geb. 

zu Utrecht angeblich 1512, gest. zu Antwerpen zwischen 




168 



1576 und 1578. Schüler Jans van Score! zu Utrecht, unter 
dem Einfluß italienischer Meister ausgebildet [urkundlich 
in Rom 1550]. Tätig zumeist in Utrecht und Antwerpen 
[1547 in die Gilde aufgenommen], zeitweilig an den 
Höfen von Madrid [als Hofmaler Philipps II.], Lissabon 
[1553], London [1554] und Brüssel. 

585b Bildnis der Herzogin Margaretha von 
Parma. Vor graubraunem Grund, vom Schwarz 
des Kleides umgeben, wird die Lebhaftigkeit 
des rötlichen Antlitzes und des rotbraunen 
Haares durch Weiß der Halskrause noch ge- 
stärkt. Sie herabzustimmen dient der Kontrast 
von kräftigem, durch Gelb der Goldstickereien 
noch wirksamerem Zinnoberrot im Unterkleid 
und Gelbgrün in der Tischdecke. Das grau- 
schwarze Seidenkleid wird von der braunen 
Untermalung erwärmt und erscheint nur in den 
mit goldgelben Rosetten gezierten Armein und 
Besätzen tiefschwarz. 

Margaretha von Österreich, Tochter Kaiser Karls V., geb. den 28. De- 
zember 1522, vermählt 153S mit Ottavio Farnese, Herzog von 
Parma, Generalstatthalterin der spanischen Niederlande, gest. den 
21. September 1586 .*. Eine alte Kopie [bis zur Brust] im k. k. Hofmuseum zu Wien 
sitz .•. Leinwand, h. 1.06, br. 0.755. 




Holländi- 
sche Schule 
,les XVI. 
Jahrhun- 
derts 

585 B 



Erworben 1906 aus Berliner Privatbe- 



585a Bildnis der Utrechter Domherren Cornelis van Hörn und Antonis Taets. 
Weiß der Chorhemden und Inschrifttafel fällt zu Blaugrau in den Schatten, Dunkelgrau 
im Hintergrund und Schwarz in den am Halse sichtbaren Gewändern. In diesem einheit- 
lichen Ton leuchtet als einzige lebhafte Farbe das stark gerötete Inkarnat, dem bräun- 
liches Saftgrün in den Palmen entspricht. Der L. mit braunem, der R. mit bräunlichgrauem 
Haar. Auf der Tafel ein rotes Kreuz, 1. ein dunkelblau und gelbes, r. ein weiß und 
rotes Wappen. 

Bez. am oberen Rande der Inschrifttafel; An- 
thonis mor fecit 1544 .'. Auf der Tafel das 
Kreuz von Jerusalem, zu beiden Seiten Namen 
undTitel der Dargestellten, die als Brüder vom 
Orden des hl. Grabes ihre Pilgerfahrt nach Je- 
rusalem gemacht hatten , sowie das Jahr der 
Reise van Horns [ 1521 ] .'. Unter dem Bildnis 
zur Linken ; Meister cornelis van hörn Doctor 
wt weest vrieslant gheboren Canonick in den 
dorn thutrecht was the iherusalem in de hei- 
lichge stee Domen screef dusent vyfhondert en 
tuyntisch so gip [sie, anstatt gy] mocht hören 
hy hebbe daervoor hier naemaels den euichghe 
vree ; unter dem Bildnis zur Rechten: beer 
Anthonis taets van Ameronghen wel becant 
gheboren van vtrecht canonick in den Dom is 
gheweest the iherusalem in dat heyliche lant 
the romen sant iacops ende al om end om .". 
Frühestes datiertes Werk des Meisters, noch 
im Anschluß an Scorel und vor seiner Beein- 
flussung durch italienische Meister .'. Er^vor- 
ben 1859. 

Eichenholz, h. 0,74, br. 0,96. 




585 A 



169 



HOLLÄNDISCHE SCHULEN DES 
XVll. UND XVIII. JAHRHUNDERTS 



SCHULE VON AMSTERDAM 

t/^ •• Thomas de Keijser. Bildnismaler, auch Bildhauer, geboren zu Amsterdam 1596 oder 1597, 

rVClJaCI begraben daselbst den 7. Juni 1667. Sohn des Bildhauers und Baumeisters Hendrick de Keijser. 

Herangebildet unter dem Einflüsse des Aert Pietersz. und Corn. van der Voort. Tätig zu Amsterdam. 

750b Bildnis eines älteren Mannes und seines Sohnes. Aus dem einheitlichen 
Dunkelgrau, das in den Lichtern des Hintergrunds und der Trachten aufgehellt 
ist und vorn im Erdboden in ockergelbliches Braun übergeht, leuchtet ockergelblich, 
durch rote Töne erwärmt, das Inkarnat, durch die Nachbarschaft zu gedämpftem 
Weiß der Kragen und Manschetten noch höher gestimmt. Außer dem Inkarnat, dem 
bräunlichgelben Haar und den goldgelben Schuhrosetten des Sohnes erscheint als 

einzige lebhaftere Farbe in klei- 
nen Flecken Zinnoberrot in 
der Musterung des weißen 
Untergewandes, das in den 
Ärmelschlitzen des Sohnes 
sichtbar ist. 

Gegenstück zu Nr. 750 C .*. Wahrscheinlich 
bildeten die beiden Bilder die Flügel eines 
Altars, und zwar — wie die Gewitterwolken 
des Grundes annehmen lassen — einer Dar- 
stellung des gekreuzigten Christus .". Samm- 
lung Suermondt, 1S74. 

Eichenholz, h. 0,66, br. 0,29. 

750c Bildnis einer älteren 
Dame und ihrer Tochter. 
Die Grundfärbung in schwärz- 
lichemGrau, welches das warme, 
mit graublauen Tönen model- 
lierte Inkarnat zur Geltung 
bringt, entspricht dem Gegen- 
stück. Doch setzt im Pelzbe- 
sätze des Kleides der Mutter 
Rotbraun an, das sich zu Braun- 
violett in den Armein der 
Tochter abkühlt und in deren blaugrünem [durch rotbraune Untermalung, besonders 
in den Schatten gedämpftem], mit gelben Goldborten besetztem Unterkleid seine 
Ergänzung findet. Der grüne Ton spielt auch auf den ockergelbbraunen Boden des 
Vordergrunds herüber. 

Bez. links auf einem Steine mit dem aus TD und K gebildeten Monogramm und der Jahreszahl 1628 .-. Gegenstück von 
Nr. 750B .-. Sammlung Suermondt, 1874. _ 

Eichenholz, h. 0,65, br. 0,29. 



Schule von 
Amsterdam 
im XVII. 
Jahrhun- 
dert 





f^' , 




*ti^ 






750 B 
750 C 



171 



Schule von 
Amsterdam 

im xvn. 

Jahrhun- 
dert 

750 



753 A 



Keijser? 750 Familienbildnis. 
Aus dem Schwarz der Trachten 
und dem tonigen Dunkelg-rau- 
braun des Hintergrunds, das durch 
matte ockergelbliche und rotbräun- 
liche Töne im Getäfel erwärmt 
wird und sich im Boden nach vorn 
zu auflichtet, leuchtet hellocker- 
gelblich, mit Rot erwärmt und mit 
Graubraun modelliert, daslnkarnat, 
vom Weiß der Kragen und Man- 
schetten begleitet. Die rötlichen 
Töne des Inkarnats werden in der 
Mitte zusammengefaßt im Rosarot 
des Buchschnitts, den roten und 
gelben Tönen der Früchte. Sie kontrastieren hier mit dem stumpfen Grün der Tischdecke, 
in deren Kante nochmals Rosarot wiederkehrt. Stumpfkarminviolette Ärmel des Sohnes 1. 

Jedem Familienglied sind Zaiilen beigeschrieben, die das Alter angeben: bei dem Vater 48; neben dem ältesten Sohne 22; nelien 
der Gattin 40; neben der ältesten Tochter 19; neben dem jüngsten Sohne 8; über den beiden jüngeren Töchtern 14 und 10 .'. 
Neuerdings wird anstatt de Keijser Jakob van Loo als Maler des Bildes genannt .'. Erworben 1832 vom Kommissionsrat 
Reichert in Berlin. 

Eichenholz, h. 0,94, br. 1,25. 

Nicolaes Elias [eigentlich Nicolaes Eliasz. Picke- 
noy]. Getauft den 10. Januar 1588 zu Amsterdam, 
jjest. ebenda zwischen 1654 und 1656, vielleicht Schüler des 
C. van der Voort. Tatig in Amsterdam. 





Elias 



753a Bildnis des Cornelis de Graef, Bürger- 
meisters vonAmsterdam. Das einheitliche Grau, 
das im Hintergrund r. und in den Bodenfliesen 
durch Beimischung von Ockergelb wenig erwärmt 
wird, vertieft sich zu Schwarz [mit hellgrauem 
Schimmer] in der Tracht, aus der goldig das ocker- 
gelblichbraune Inkarnat, mit lichtroten Tönen und 
graublauen Schatten behandelt, hervorkommt, durch 
die Nachbarschaft zu kaltem bläulichem Weiß in 
seiner warmen Wirkung noch gesteigert. Braunes 
Haar, blonder Bart. Als einzige ableitende harbe 
mattes Lichtrot in der Gobelinbordure im Flur 
[des 1652 abgebrannten Rathauses]. 

Gegenstück zu Nr. 753 B .". Sammlung des Schlosses Ilpenstein, ver- 
steigert zu Amsterdam 1873 .". Sammlung Suermondt, 1874. 
Leinwand, b. 1,84, br. 1,04. 

753b Bildnis der Catarina Hooft, Gemahlin 
des Cornelis de Graef. Das dunkle Grau des 
Hintergrundes lichtet sich nach vorn und r. zu 



172 



ockergelblichem Grau auf. Tiefes 
Schwarz im Kleid mit g-rauweißer 
Silberstickerei, die sich nach oben 
zu Weiß auflichtet. Weißer Kragen 
und Manschetten. In dieser kalten 
Umgebung steht warm das ocker- 
gelbliche, mit etwas Lichtrot und 
Graublau in den Halbschatten 
behandelte Inkarnat. Goldgelbe 
Ketten. Als belebende Farbe dient 
kaltes Hellkarminrot im Vorhang r. 

Gegenstück von Nr. 753 A und wie dieses ehe- 
mals dem Thomas de Keijser zugeschrieben, 

indes nach der Übereinstimmung mit den zahheichen Porträtstüclcen des Meisters in Amsterdam zweifellos von Elias .'. 
Auf den Rückseiten der Bilder sind Namen, Stand und Lebensalter der Dargestellten verzeichnet /. Sammlung des Schlosses 
Ilpenstein, versteigert zu Amsterdam 1873 .-. Sammlung Suermondt, 1874. 
Leinwand, h. 1,84, br. 1,04. 




Schule von 
Amsterdam 
im XVII. 
Jahrhun- 
dert 

677 



T ocfTTi;^n P'eter Pietersz. Lastman. Maler und Radierer, geb. 1583 zu Amsterdam, begraben 
LidöLllldll jaseibst den 4. April 1633. Schüler des Gerrit Pietersz. [Sweelinck] zu Amsterdam, in 
Italien unter dem Einfluß Elsheimers ausgebildet. Tätig zu Amsterdam. 

677 Taufe des Kämmerers. Die Leuchtkraft des zinnoberroten, in den Schatten 
karminroten Mantels des Diakons Philippus und des gleichfalls stark mit Rot erwärmten 
bräunlichen Inkarnats [Rotbraun im Bucheinband] 
erhöht der Kontrast zu kühlem Graublau im Ge- 
wand und besonders zu komplementärem Blau- 
grün in den Röcken der beiden wartenden Mohren- 
diener r. und in der Landschaft. Karminviolett im 
Mantel des einen Dieners überführt zum Graublau 
der Reiterstracht, während in der Kleidung des 
Knienden Karminviolett, Graublau, Blaugrün und 
Karminrot [Hut am Boden] zusammenschillern. 
Das warm rotbraune, blaugrau schimmernde In- 
karnat des Kämmerers hebt sich von der ocker- 
gelblichen Tönung der Felsen am Wasserfall ab. 
Wenig Weiß [Hüftschurz des Kämmerers, Turban 
eines Dieners] dienen dem leuchtenden Haupt- 
kontrast von Rot und Blaugrün als Basis. Kaltes 
Graublau im Wolkenhimmel, durch den ocker- 
gelbliche Lichter brechen. 



Bez. rechts unten mit dem Monogramm PL und der Jahreszahl 1608 . 
Königliche Schlösser. 

Eichenholz, h. 0,37, br. 0,56. 




753 B 



173 



Schule von 
Amsterdam 

im XVII. 

Jahrhun- 
dert 



M/-»öii'iövf Nicolaes Corne- 
Oeijaeri ^^^ Moeljaert. 
Maler und Radierer, geb. kurz 
vorlöOOwahrscheinlich zuAmster- 
dam, gest. daselbst nach 1659 
[1669?]. Tätig zu Amsterdam, 
wo er 1630 in die Gilde aufge- 
nommen wurde, vorher in Italien. 
In Rom unter dem Einfluß Els- 
heimers, später unter dem Rem- 
brandts ausgebildet. 

1451 Ruth und Boas. Die 
Farbenpaare: Dunkelblau 
[Hose des Schnitters 1.] und 
Goldgelb [Rock des hinter 
ihm stehenden], weißliches 
Blau im Mieder und Hell- 
gelb im Mantel der knienden 
Ruth werden zusammenge- 
halten durch das leuchtende 
Zinnoberrot im Mantel des Boas [dazu Hellrot in der Kappe des Schnitters 1. und das 
warme Rotbraun des Inkarnats]. Die Wirkung von Rot erhöht der Kontrast zu Gelbgrün 
[beleuchteter Gewandstreifen des sich nach Ruth Bückenden] und bräunliches Grün der 
Baumgruppe, das sich zu Blaugrün in der Ferne abkühlt. Dort klingt der Kontrast 
von Blau und Gelb im mattgelblichen Kornfeld [davor luftige hellblaue und rosarote 
Töne in den Trachten der Schnitter] und dem graublauen Himmel aus. Kaltes Weiß, 
überall verstreut [Hemd des Schnitters 1., Turban des Boas, Ärmel Ruths, Wolken], 
bilden für die kräftigen Farben die Basis. 

Alter Besitz .-. Eidienholz, h. 0,72, br. 0,87. 




699 



699 Bacchanal. In warmen roten und ockergelblichen Tönen leuchten die von der Sonne 
beschienenen Körper Silens und seiner Begleiter vor dem rotbraunen Dunkel des Ruinen- 
schattens auf. Saftgrünes Laubwerk steigert die Wirkung der roten und rotbraunen 
Töne des Vordergrunds. Nach der Tiefe kühlt sich die Färbung zu luftigeren Tönen ab: 

ockergelblichgraue und rötliche 
Lichter derRuinenbogen, hellgrüne 
Töne der Ferne, Blaugrau und 
Weiß im Himmel. 

Bez. unten in der Mitte: Cl Moeyaert fe .". 
Sammlung Solly, 1821. 

Eichenholz, h. 0,43, br. 0,80. 




Rembrandt ^" 



ibrandt Har- 
mensz. van Rijn. 
Maler und Radierer, geb. zu Leiden den 
15. Juli 1606, begraben zu Amsterdam 
den 8. Oktober 1669. Schüler Jacobs 



174 




van Swanenburgh zu Leiden, dann Pieter Last- 
mans zu Amsterdam. Tätig zu Leiden und 
vornehmlich zu Amsterdam [seit Ende 1631]. 

828 D Der Geldwechsler. Das bräunlich- 
ockergelbe, stark mit Rot [besonders 
auch in den gegen das Licht stehen- 
den Fingern und dem Reflex an der 
Kerze] behandelte Inkarnat bildet den 
farbigen Mittelpunkt. Ihn hebt die 
NachbarschaftkühlerTöne: olivfarbenes 
Weiß im Kragen, im Lichte ausbleichen- 
des Hellblau im Rock [damit kon- 
trastierend Hellgelb in den Schulter- 
schließen], stumpfesGelbgründerArmel 

[die Intensität der roten Töne steigernd] und bräunliches Karminrot des Baretts noch 
stärker hervor. Das Goldgelb der Lichtzone [in ihrem Bereich einzelne Flecken Hellrot 
im Schnitt verschiedener Folianten], das in den Goldstücken der Mitte seinen stärksten 
Ausdruck findet, wird durch den Kontrast zum Hellblau der Tischdecke und Graublau 
der Schatten gesteigert. Den Lichtschein begrenzt bräunliches Dunkel, stärker von Grau 
durchsetzt im Hintergrund, aus dem ockergelblich beleuchtete Einzelheiten auftauchen. 

Bez. links auf einem Buche mit dem aus R und H gebildeten Monogramm und der Jahreszahl 1627 .'. Eines der beiden 
frühesten bezeichneten Bilder des Meisters .•. Als Geschenk von Sir J. C.Robinson in London 1881 durch I. M. Kaiserin 
Friedrich der Gemäldegalerie überwiesen. 
Eichenholz, h. 0,32, br. 0,42. 

812a Simson und Delila. Vom vollen Lichte getroffen leuchtet das Gelb im Gewände 
Simsons auf, zu goldigem Ockergelb im Fußboden und Braunrot in derSchwertscheide über- 
gehend. Kontrastierendes Hellblau setzt im Gürtel Simsons [neben hellroten Streifen] und 
in den Mustern des goldgelben Kleiderbesatzes 
Delilas an und dient als Violett in ihrem Kleid 
dem Gelb als Hintergrund. Violett kühlt sich 
im oberen Teil der Tracht Delilas zu Graublau 
ab, dient dort wieder der Hebung des ocker- 
gelblichen, mit Graublau modellierten Inkar- 
nats, und klingt in den graublauen Tönen des 
Bettvorhangs, die locker über die braune Un- 
termalung der r. Seite gelegt sind, und im 
Hintergrund aus. Aus den grauen und bräun- 
lichen Tönen der Tiefe leuchtet nochmals ge- 
dämpftes Orangegelb im Gewand und Inkarnat 
des Herbeieilenden auf und verbreitet sich 1. 
oben im Lichtschimmer an der Wand. 



Bez. links unten an der Stufe : Rt 1 628. .*. Königliche Schlösser . 
1906 von S. M. dem Kaiser überwiesen. 
Eichenholz, h. 0,595, br. 0,495. 



Schule von 
Amsterdam 
im XVII. 
Jahrhun- 
dert 

.528 D 




812A 



175 



Schule von 
Amsterdam 

im XVII. 

Jahrhun- 
dert 

828 C 



828c Minerva. Über dem gedämpften bräun- 
lichen Karminrot des Mantels, mit dem zartes 
Graugrün der Pelzfütterung kontrastiert, taucht 
aus dem Dunkelgrau des Raumes, vom hellen 
Licht getroffen, das ockergelbliche, mit zarten 
rosa und graublauen Tönen modellierte Antlitz 
auf, von mattblondem, weich im Lichte ver- 
schwimmendem Haar umrahmt. Gelbe Lichter 
glitzern auch [neben silbergrauen] auf den 
Waffen an der Wand. Mattes Blaugrün der das 
Haar zierenden Olivenzweige und weißlichblaue 
Lichter des Gewandes [dessen graublaue Färbung 
in den Schatten durchsichtig über die dunkel- 
braune Untermalung lasiert ist] dienen der Er- 
wärmung des hellen Inkarnats. Zwischen den 
bläulichen Tönen, die auch in der goldgelben 
Bordüre der Tischdecke 1. wiederkehren, und 
Rot vermittelt das Gelb der blitzenden Gold- 
stickereien am Mantel, ausklingend im mattockergelblichen Fußboden. 

Bez. ganz rechts in der Mitte: R- [einige nodi zur Bezeichnung gehörende Striche scheinen zerstört] .'. Jugendwerk des 
Meisters [um 1632] .-. Im Verzeidinisse der aus den Könighchen Schlössern ausgewählten Bilder als „Minerva von Rembrandt" 
angeführt; nach Eröffnung der Galerie unter dem Namen „Ferdinand Bol" kurze Zeit aufgestellt .'. Königliche Schlösser. 
Eichenholz, h. 0,59, br. 0,48. 




823 Ra 



üb der Proserpina. Bräunliches Goldgelb [durch das Rot der Stickereien gestärkt] 

im Mantel und im Inkarnat Plutos ver- 
breitet sich in kleinen schimmernden 
Flecken in den gelblichen Lichtern auf 
dem Gewände Proserpinas, den gelben 
Goldstickereien ihres Mantels, ihrem 
blonden Haar und den gelben Lichtern 
des bräunlichgoldgelben Löwen. Der 
Gegensatz zu kühlem Graublau im Ge- 
wand, Hellblau der Blumen im Haar, 
Grau im Mantel Proserpinas stärkt die 
Intensität der gelben Töne, die noch- 
mals im Haar und Inkarnat der nach- 
schleifenden Gefährtinnen aus den 
kühlen grauvioletten [ihre Gewänder] 
^^'^^^^^^^^i^^^Bfcü^K^^B und hellblaugrünen Tönen [der Rasen 

mit roten Blumen] aufleuchten. Wäh- 
rend rückwärts die Szene über das 
Grau einer Wolkenwand in das dun- 
stige Hellblau des Himmels, r. oben 
in luftiges Blaugrün des Laubwerks 




176 




übergfeht, taucht die r. Seite in dunklem Grau- 
braun unter. 

Eine Zeitlang Jan Joris van Vliet, einem Schüler Rembrandts, zuge- 
schrieben ; allein in den alten Inventaren , die bis auf den Prinzen 
Friedrich Heinrich von Nassau - Oranien zurückführen, „Rembrandt*' 
genannt und durch die neuere Forschung [auch schon von Waagen] 
mit Recht dem Meister zurückgegeben, für dessen Jugendzeit [um 
1632] das Bild durchaus charakteristisch ist .". Königliche Schlösser 
[oranische Erbschaft, 1676] .-. Eichenholz, h. 0,83, br. 0,78. 

808 Selbstbildnis. Goldig -ockergelbbraun leuch- 
tet das Antlitz, mit rosigen Tönen im Licht, Zin- 
noberrot in den Lippen und den Reflexen, mit 
rotbraunen Tönen in den sonnigen Halbschatten, 
aus der nach den Bildrändern zu sich abkühlen- 
den Umgebung hervor. Die rötlichen Töne ver- 
breiten sich vom Antlitz ausgehend gedämpfter 
im rotbräunlichen Haar und in den Lichtern des 
graubraunen Baretts, um im Halskragen und im 

Hintergrund in kaltes Grau überzugehen. Wenig Weiß [blitzendes Glanzlicht auf dem 
Halskragen, wärmer im Hemdstreifen], dazu das stumpfe Blaugrün der Feder erhöhen 
noch die sonnige Wärme des Inkarnats. Ockergelbliche Lichttöne decken auf der Schulter 
die warm braunrötliche Untermalung des Gewands. Blitzendes Goldgelb der Kette. 

Um 1634 gemalt .". Königliche Schlösser /. Eichenholz, h. 0,55, br. 0,46. 

802 Simsen bedroht seinen Schwiegervater, der ihm die Frau vorenthält. Das 
kalte Grau des Hintergrundes 1. [unten in 
dunklem Braun aufgehend] stärkt sich zu 
Silbergrau und Hellblau in der Musterung 
von Simsons Gürtel. Es kontrastiert dort 
im Schwertgriff und den reichen Gold- 
stickereien des bräunlichvioletten Gewands 
mit glitzerndem Goldgelb, das ein kom- 
plementäres Karminviolett im Mantel 1. 
gegen Grau begrenzt. Nach r. erwärmt sich 
das Kolorit zum goldig- ockergelben, stark 
mit roten Tönen durchsetzten Inkarnat, 
vom dunklen Braun der Haare und dem 
kälteren dunkelgrauvioletten Tons der r. 
Mantelseite begrenzt, zum Ockergelb des 
Gemäuers, das unten in das warme Dun- 
kelbraun der Schatten taucht, und endlich 
zu Rotbraun im Inkarnat und bräunlichem 
Rot in der Tracht des Schwiegervaters. 

Bez. rechts am Pfeiler: Rembrandt. ft. 163. . .-. Die letzte 
Ziffer, die durch eine alte Rentoilage beschädigt ist, ist als 



Schule von 
Amsterdam 
im XVII. 
Jahrhun- 
dert 




802 



177 



Schule von 
Amsterdam 

im XVII. 

Jahrhun- 
dert 

828 K 




Zahl steht in Ein- 
Charakter und der 
Bildes -■. Alte Kopie 
zu Montreal [ friiher 
Schottland] Kö- 

[oranische Erbschaft, 

h. 1,56, br. 1.29. 



5 zu lesen. Diese 
klang mit dem 
Behandlung des 
im Privatbesitze 
Hamilton Palace, 
nigliche Schlosser 
1676]. 

Leinwand, 

828k Predigt 
Täufers. Der 
von Dunkel- 
setzte Grund- 
dergrund 
Seite zutage 
sich zu lich- 
und Hellgrau 
fen der Mitte 
den Figuren 
kendes Blau- 
lenweise von ockergelblichen Lichtern belebt. 

Das Bild ist eine sogenannte „groutje", d. h. grau in Grau gemaltes Bild [Vorlage für einen Stich, der indessen nicht ausgeführt 
zu sein scheint] .■- Ursprünglich kleiner in den Maßen, ist es vom Künstler einige Jahre später ringsum um etwa 10 cm ver- 
größert und in skizzenhafter Weise erweitert worden .*. Entstanden 1635 oder 1636; ehemals in der Galerie des Bürgermeisters 
Jan Six, 1702 von dessen Neffen Pieter ersteigert .'. Im Anfange des vorigen Jahrhunderts beim Kardinal Fesch, seit 1S45 beim 
Earl of Dudley .". Ausgestellt 1S57 in Manchester .". Rembrandt hat einen schwerfälligen Barockrahmen zu dem Bild ent- 
worfen, Federskizze in der Sammlung Bonnat zu Bayonne .'. Erworben 1892 auf der Versteigerung Dudley in London .'. 
Leinwand auf Eichenholz, h. 0,62, br. 0.80. 

810 Selbstbildnis. Die ganze Figur ist zusammengehalten durch den warm braunen 
Ton der Untermalung, die vorn im Mantel, im Haar und im Barett mit grauschwärzlichen 
Tönen z. T. gedeckt ist, j'edoch sich nach dem Antlitz zu auflichtet und zu bräunlichem 



Johannis des 
warm braune, 
grau durch- 
ton, der im Vor- 
und auf der r. 
liegt, erhellt 
tem Ockergelb 
im Lichtstrei- 
und geht hinter 
in kühles dek- 
grau über,stel- 



810 
812 




178 



Rot [durch graue Halbschatten aufgelockert] in den Schattenpartien, zu deckendem gol- 
digem Ockergelb [mit rosigen Tönen und Graublau durchsetzt] im Licht sich erwärmt. 
Grün im Halstuch steigert noch die Wirkung des Inkarnats. Vor hellem, warm bräun- 
lichem Hintergrund, der in der Umgebung der Figur durch deckendes Hellgrau gekühlt ist. 

Bez. rechts unten: Renibrandt f 1634 .-. Königliche Schlösser .-. Eichenholz, h. 0,57, br. 0,46. 

812 Rembrandts Gattin Saskia. Hellockergelbhch, mit rosigen Tönen im Licht, mit 
rotbräunlichen in den sonnigen Halbschatten behandelt, taucht das Inkarnat [mit den 
kräftig roten Lippen] aus dem umgebenden Graubraun der Haare und der Kopfbedeckung 
auf. Diese gehen ihrerseits weich in das warme Braun des Hintergrundes über, der in 
der Umgebung des Inkarnats stark mit Grau gekühlt ist. Weiß im Hemd dient der 
sonnigen Wirkung des Fleisches. Die kräftigeren Farben: Goldgelb im Gewand, bräun- 
liches Kar- ____.^_^___^_____„ ^ __ minrot im 

^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ besonders 
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ der 

beherr- ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^A sehenden 

I^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^H des Inkarnats 
Kon- sj^^^^^^^B^^^^^^^^^^^^^^V^^^^^^^^I^^^^^^^H kurrenz 

goldgelbe ■f^^H^^BoS^^H^^^^^^k^BB^^K i/^^H Kletten, graue 

äHI^^HMBE^^^^^^H^^H^^^^t i^^^^^l ten beleben 

die tonigen l^iS^^^^H^ ^^^^^^IR^^^^^^^^^^^^^^^I Flächen. 



Bez. rechts über 

Brandt f 1643 .-. 

burgh, Tochter 

bertus van Ulen- 

Rembrandt am 

mahlte, starb be- 

Wahrscheinlich 

Künstler dieses 

Tode noch nicht 

führte es erst im 

1643, zu Ende .-. 

Ausländi- 

goni ver- 

h. 0,72, 




der Schulter ; Rem- 
Saskia van Ulen- 
desPredigersRom- 
burgh, mit der sich 
22. Juni 1634 ver- 
reits imjahrel642. 
hatte also der 
Bildnis bei ihrem 
vollendet und 

folgenden Jahre, 
Königl. Schlösser, 
sches, dem Maha- 
wandtes Holz, 

br. 0,59. 



828l Der Mennonitenprediger Cornelis Claesz. Anslo [1592 — 1646]. Ein warm 
rotbräunlicher Ton setzt r. in der Bücherei des halbdunklen Hintergrunds und in den 
Pelzbesätzen der Kleider an und steigert sich zu Hellockergelb, mit roten Tönen belebt, 
in Antlitz und Händen der Frau, vom Weiß in Haube, Kragen und Tuch begleitet. Die 
Lebhaftigkeit des leuchtenden Inkarnats erhöht der Gegensatz zum Grauschwarz der 
Tracht, vor allem aber zum Saftgrün in den Vorhängen der Bücherei, das dünn über 
den braunen Grund lasiert ist. Noch wärmer leuchtet aus der Tiefe das rotbraune, mit 
Rot behandelte Inkarnat Anslos, vom dunkleren Schwarz der Kleidung und Weiß im 
Kragen sich abhebend. Ganz links aber glüht goldiges Licht auf dem Weiß und Gelb- 
braun der Folianten, dem Hellgrau der Wand und faßt alle warmen Töne in dem bräun- 
lichen Rot des zurückgeschlagenen Smyrnateppichs [in den Schatten nach unten zu mit 
kräftigerer Karminlasur] zusammen, dessen Leuchtkraft durch die Nachbarschaft zu 



Scliule von 
Amsterdam 
im XVII. 
Jahrhun- 
dert 



828 L 



179 



Sdiule von 
Amsterdam 

im XVII. 

Jahrhun- 
dert 

805 
806 



812 B 





Saftgrün in den Teppichornamenten und als Lasur über dem Goldgelb der Tischdecke 
1. gesteigert wird. 



Bez. links unten : Rembrandt . f . . 1 64 1 
Leinwand, h. 1,72, br. 2,09. 



Erworben 1894 von Lord Ashburnham. 



805 Die Frau des Tobias mit der Ziege. Vom kalten Grauweiß des Abendhimmels 
ausgehend, decken graue Schattentöne locker das warme rötliche Braun der Untermalung 
und kühlen es nach der Tiefe des Raumes zu ab. Durch das Fenster fällt gelbrotes 
Abendlicht ein, läßt dort einige karminrötliche Einzelheiten aufleuchten, spielt auf der 
Fensterwand, dem Fußboden und der Rückwand hin und glüht, zusammen mit dem 
Scheine des offenen Feuers, in goldigem Ton auf dem Inkarnate der Figuren. 

Bez. rechts unten : Rembrandt . f 1645 .". (jegenstück zu Nr. 806 .'. Eine Zeichnung dazu in der Albertina zu Wien .". König- 
liche Schlösser .*. Auslandisches, dem Mahagoni verwandtes Holz, h. 0,20, br. 0,27. 

806 Der Traum Josephs. In das dunkle, durch Grau in den Schatten gekühlte rötliche 
Braun des Stalles fällt von oben zwischen grauem Gewölk goldiges Licht ein, in dessen 
hellem Schein der weißgekleidete Engel mit weißem Gefieder erscheint. Goldigocker- 
gelb leuchtet sein Haar, der gleiche Ton schimmert auch um die Figuren, auf der Wand, 
demErdbodenund der Spreu [nach vorn 
zu warme ^^^^^^^^^^^___|^^_m_mim_^ braune Halblichter 

übergehend], und ^^^^^^^^^^B^^WV^^^^^H .^ ~' ^'i^l während die karmi