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Full text of "Die Germanen und die Renaissance in Italien"

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6. Frhr. v. Hammerstein. 



Die Gtermanen 



und* 



die Renaissance in Italien 



Von 



Ludwig Woltmann. 



Mit über hundert Bildnissen berühmter Italiener. 




Thüringische Veriagsanstalt Leipzig 

1905. 



// 






Druck von Dr. L. Nonnc's Erben (Druckerei der Dorffzeitung) 

in Hildburghausen. 




Inhalt. 



Seite 

Einleitung 1 

Erstes Kapitel: Die anthropologische Geschichtstheorie 7 

Zweites Kapitel: Die Ansiedelung der Germanen in Italien 19 

Drittes Kapitel: Die Entwicklung der italienischen Stände und Städte ... 28 

Viertes Kapitel: Der Ursprung der berühmtesten italienischen Familien . . 42 

Fünftes Kapitel: Germanische Elemente in der ilalienischen Sprache ... 50 

Sechstes Kapitel: Die Wiedergeburt der Ideale 57 

Siebentes Kapitel: Die Architekten und Bildhauer 65 

Achtes Kapitel: Die Maler 77 

Neuntes Kapitel: Historiker und Humanisten 94 

Zehntes Kapitel: Die Naturforscher und Philosophen 107 

Elftes Kapitel: Die Dichter 116 

Zwölftes Kapitel: Die Musiker 129 

Dreizehntes Kapitel: Das neue Italien 133 

Ergebnisse und Betrachtungen 142 




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Druck von Dr. L. Nonne's Erben (Druckerei der Dorffzeitung) 

in llildburghausen. 



Inhalt. 



Seite 

Einleitung l 

Erstes Kapitel: Die anthropologische Geschichtstheorie 7 

Zweites Kapitel: Die Ansiedelung der Germanen in Italien 19 

Drittes Kapitel: Die Entwicklung der italienischen Stände und Städte ... 28 

Viertes Kapitel: Der Ursprung der berühmtesten italienischen Familien . . 42 

Fünftes Kapitel: Germanische Elemente in der ilalienischen Sprache ... 50 

Sechstes Kapitel: Die Wiedergeburt der Ideale 57 

Siebentes Kapitel: Die Architekten und Bildhauer 65 

Achtes Kapitel: Die Maler 77 

Neuntes Kapitel: Historiker und Humanisten 94 

Zehntes Kapitel: Die Naturforscher und Philosophen 107 

Elftes Kapitel: Die Dichter 116 

Zwölftes Kapitel: Die Musiker 129 

Dreizehntes Kapitel: Das neue Italien 133 

Ergebnisse und Betrachtungen 142 



Meinen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle nachgenannten Herren 
aussprechen, die mich in manchen schwierigen Fragen der Beschaffung von bio- 
graphischem und ikonographischem Material mit Rat und Tat auf das bereitwilligste 
unterstützt haben: Herrn Professor Dr. H. Brock haus, Direktor des kunsthistorischen 
Instituts in Florenz, Herrn Professor Dr. Pasquale Papa in Florenz, Herrn Professor 
Dr. Zanichelli in Pisa, Herro Professor Dr. St de Chiara in Cosenza, Herrn 
Professor Dr. Croce in Neapel, Herrn Dr. P. Müller- Walde in Florenz, Herrn 
Marchese T. Bosch i in Bologna, Herrn Graf Paolo Guicciardini in Florenz und 
Herrn Dr. R. Schwartz in Leipzig. 



Verzeichnis der Bildnisse. 



Albert), Leon Baltista, Medaillen-Bildnis 
in Opere volgarl, Firenze 1S43. Bild 4. 

Alflcri, Vittotio, Phot. Brogi, Bildnis 
von Fabrc in der Qallcria Ulfizi, 
Florenr. Süd 104. 

Alighieri, D.inic, Phol. Minari, Bildnis 
von Orcagna in S. M. Nüveila, Florenz. 
Bild 66. - Phot. Alinari, Bildnis von 
Oiollo im Bargcllo. Florenz. Bild 68. 
Pliol,, BQsle im Miisco nationale, 
Neapel. Bild 67. 

Andrea d'AgnolOi genannt A. del Satio, 
Phol. Alinari, Selbstbildnis in der Gal- 
leria Uffiit, Fiorcni. Bild 30. 

Applani, Andrea, Stich nach einem 
Selbstbildnis in der Qalleria Uffizi, 
Florenz. Bild 107. 

Aretlno, Pieiro, Phot. Alinari, Bildnis 
von Tizian in- der Galleria Ulfizi, 
Florenz. Bild 74. 

Ariosto, Lodovico, Zeichnung von 
Tizian, in der Ausgabe des Rasen- 
den Roland 1532. Bild 72. 

BandinelH, Baccio, Phot., Selbst- 
bildnis in der Oalleria Uffizi, Florenz. 
Bild 11. 

BarbarclH, Oiorglone, Phol. Alinari, 
Selbstbildnis in der Oalleria Uffizi, 
Florenz. Bild 44. 

BardI, Donato, genannt Donatcllo, Phot, 
Bildnis nach Paolo Ucello in der Gal- 
leria UIhzf. Florenz. Bild 3. 

BhzzI, Antonio, genannt Sodoma. Phot., 
Selbstbildnis in den Fresken von 
Monte Olivelo. Bi[d4l. - Bildnis von 
Raifael in den Stanzen des Vatikan, 
Rom. Bild 43. 



Bcccaria, Cesare, nach einem SÜdl. 
Bild 101. 

Bellini, Giovanni, Phot Alinari, Selbst- 
bildnis in der Pinacoleca Capitotina, 
Rom. Bild 45. 

Bellini, Vinccnzo, Phof. nach einem 
Bildnis im Miiseo di San Martino in 
Neapel (?). Bild 114. 

Bembo, Pietro, Stich nach dem Bildnis 
von Tizian in der Biblioteca nationale, 
Venedig. Bild 62 

Betli, Bernardino, genannt Pinturicchio, 
Phot, Selbstbildnis in den Fresken der 
Libreria des Domes zu Siena. Bild 29. 

Bigordi, Domenico, genannt Ohirlan- 
dajo, Phot Alinari, Selbstbildnis in 
den Fresken in S. Maria Novella, 
Florenz. Bild 28. 

Bojardo, Matteo Maria, Stich in Studi 
EU Matteo M. Bojardo, Bologna 1894. 
Bild 70. 

Boltkellf, Alessandro, Phot Alinari, 
Selbstbildnis in der Anbetung der 
Könige, Oalleria UCfizl, Florenz. 
Bild 25. 

Bramante, Donato, Phot., Bildnis in 
dem Fresko der Disputa von Raffael 
im Vatikan, Rom. Bild 12. 

BruncllcBchi, Filippo, Phot Alinari, 
Büste im Dom zu Florenz. Bild 2. 

Bruno, Oiordano, Stich in Rixner und 
Siber, Leben und Lchrmelnungen be- 
rühmter Physiker. 1824. Hefts. Bild 83. 

Buonarroli, Michelangelo, Phot., Bild- 
nis im Palazzo Buonarroti, Florenz. 
Bild 7. - Phot Alinari, Selbstbildnis 
in der OaM. Capitolina. Rom. Bild 8. 



- VI 



Caliari, Paolo, genannt Veronese, Phot. 

Naya, Selbstbildnis im Oastmahl des 

Levi, Academia, Venedig. Bild 52. 
Campanella, Tommaso, nach einem 

Stich. Bild 86. 
Canova, Antonio, Stich nach einem 

Selbstbildnis. Bild 108. 
CardanuSy Hicronymus, Stich in Rixner 

und Siber, Leben und Lehrmeinungen 

berühmter Physiker. 1830. Heft 5. 

Bild 84. 
Cavour, Camillo, Phot. nach dem 

Leben (?). Bild 105. 
CimabuCy Giovanni, Phot. Anderson, 

Bildnis in S. Maria Novella, Florenz. 

Bild 15. 
ColombOy Christoforo, Phot. Alinari, 

Bildnis im Passaggio der Galleria 

Uffizi, Florenz. Bild 77. 

Donizettiy Gaetano, Phot. nach einem 
Bildnis im Liceo musicale in 
Bologna (?). Bild 116. 

Doria, Andrea, Phot. Anderson, Bild- 
nis von Sebastiano del Piombo in 
der Qalleria Doria, Rom. Bild 75. 

Doviziy Bernardo, Phot. Alinari, Bild- 
nis von Raffael in der Galleria Pitti, 
Florenz. Bild 73. 

FIcino, Marsilio, Phot. Alinari, Bildnis 

in den Fresken des Ghirlandajo in 

S. M. Novella, Florenz. Bild 58. 
Filangieri, Gaetano, Stich nach einem 

Bildnis im Museo di San Martino, 

Neapel. Bild 93. 
FoscolOy Ugo, nach einem Stich. 

Bild 109. 
Fra Angclico, Phot., Bildnis in den 

Fresken des Signorelli im Dom zu 

Orvieto. Bild 17. 

Galilei, Galileo, Phot. Alinari, Bildnis 

von Sustermans in der Galleria Pitti, 

Florenz. Bild 78. 
Oalvani, Luigi, Stich in La inaugura- 

zione del monumento a L. Galvani, 

Bologna 1879. Bild 92. 



Garibaldi, Giuseppe, Phot. nach dem 
Leben. Bild 106. 

Ghibertiy Lorenzo, Phot Alinari, Bild- 
nis von Vasari im Palazzo vecchio, 
Florenz. Bild 1. 

Giamberti, Giuliano, genannt da San 
Gallo, Phot. Bruckmann, Bildnis von 
Piero di Cosimo im Museum im 
Haag. Bild 14. 

Giobertiy Vincenzo, nach einem Stich. 
Bild 97. 

Giotto di Bondone, Phot., Bildnis 
von Benozzo Gozzoli in Monte Falco. 
Bild 16. 

Goldoniy Carlo, Stich nach dem Bildnis 
im Museo civico in Venedig. Bild 1 10. 

Gozzoli, Benozzo, Phot. Alinari, Selbst- 
bildnis in der Capella Medici, Florenz. 
Bild 18. 

Guarino, Guarini, Stich nach einem 
Bildnis im Museo Trivulziano, Mai- 
land. Bild 57. 

Guerrazzi, Fr. Dom., Phot. nach dem 
Leben. Bild 103. 

Guidi, Tommaso, genannt Masaccio, 
Phot. Alinari, Selbstbildnis in der 
Brancacci-Kapelle, Florenz. Bild 19. 

Landini, Christoforo, Phot. Alinari, 
Bildnis von Ghirlandajo in S. Maria 
Novella, Florenz. Bild 59. 

Leonardo da Vinci, Phot. Mannelli, 
Bildnis in der Galleria Uffizi, Florenz. 
Bild 32. Phot. Alinari, Bildnis in 
Verrochios Tobias und die Erzengel 
in der Academia delle belle arti, 
Florenz. Bild 33. Phot. Alinari, Bild- 
nis in der Galleria Uffizi, Florenz. 
Bild 34. Phot. Alinari, Selbstbildnis 
in der Pinacoteca nazionale, Turin. 
Bild 35. 

Lcopardi, Giacomo, Phot., Büste auf 
dem Monte Pincio, Rom. Bild 111. 

Lippi, Filippo, Phot. Alinari, Selbst- 
bildnis in der Krönung der Maria, 
Academia delle belle arti, Florenz. 
Bild 21. 



^^^^MIP^P VII ^^^^^^^^^^^^1 


Lippi, Fdippino, Phot. Alinari, Selbst- 


Petrarca, Francesco, Bildnis aus der ^^^^^^| 


bildnis in der QalieriH Uffizi, Florenz. 


Schule des Oiov. Bellini in der Call. ^^^^H 


Bild 36. 


Capiloiina, Rom. Bild ^^^^^H 


Lulero, Bernardino, genannt Luini, 


Pico, Giovanni, von Mirandola, Phot. ^^^^^| 


Phot. Alinari, Selbstbildnis in den 


Alinari, Bildnis in der Galleria Uffizi, ^^^^^^| 


Fresken zu Saronno bei Mailand, 


Florenz. ^^^^H 


Bild 37. 


Pierluigi, Giovanni, genannt Palesltina, ^^^^^^| 


Machiavelli, Niccolö, Pliot. Alinari, 


Phol.. Bildnis im Vatikan (?), Rom. ^^^^H 


Bildnis in der Oallcria Uifizi, Floren;. 




Poliziano, Angelo, Phot. Alinari, Bild- ^^^^H 


Malpighi, Marcello, Slicli in 0. Alli, 


nis von Ghirlandajo in den Fresken ^^^^^^H 


NoIJzie edite ed inedhe della vita 


in S. Maria Novella, Florenz. Bild 60. ^^^^H 


di M. Malpighi, Bologna 1847. Bild 81. 


Porpora, Niccolö, nach einem Stich. ^^^^^^H 


Mamiani, Terenzio, nach einem Stich. 


Bild 99. 


Raibolini, Francesco, genannt Francia, ^^^^^^H 




Stich nach dem Selbstbildnis. Bild 31. ^^^^^H 


in S. Andrea, Mantua. Bild 23. Pliot. 


Raimundl, Marcantonio. Phot., Bildnis ^^^^^^H 


Alinari, Selbstbildnis in den Fresken 


von Raffael in den St.-inzen des Vatikan, ^^^^^^H 


im Palazzo dncale, Mantua. Bild 24. 


^^^^H 


Manzoni, Alessandro, Phot. nach einem 
Bildjiis (wo?). Bild 112. 


Reni, Guido. Pliot., Selbstbildnis ^^^^H 


der Oalleria Uffizi. Florenz, ßild 50. ^^^^H 


Mazzinl, Giuseppe, Phot. nach dem 

Leben. Bild 102. 
Medlci, Lorenzo, Phol. Alinari, Bildnis 


Robbia, Luca della. d. A., Phot. Alinari, ^^^^H 


Bildnis von Vasari im Palazzo vecchio, ^^^^^^H 


von Qhirlandajo in S. Ttinitä, Rorcnz. 




Robbia, Luca della. d.J.. l>hot. Alinari, ^^^^H 


Melozzo da Forli, Phot. Alinari, Selbst- 


Bildnis von Andrea del Sarto in den ^^^^^H 


bildnis in den Fresken der Santa 


Fresken im Chiostro di S. Annundab, ^^^^^^H 


Casa in Loreto. Bild 22. 


^^^^H 


Monli, Vincenzo, Bildnis nach Appiani 


Romagnosi, Domenico, nach einem j^^^^^H 


in N. Beitoni, Notizic sulla vita c 


^^^^^H 


l'ingegno di V. Monti, Milano 1829. 


Romano, Giulio, Phot. Alinari, Selbst- ^^^^^H 


Bild 113. 


bildnis in der Galleria Uffizi, Florenz. ^^^^H 


Morgagni, Oiov. Balt., nach einem 


^^^^H 


Stich. Bild 79. 


Rosmini, Antonio, nach einem Stich. ^^^^^| 


Muratori, Ludovico, Phol., Büsle im 


^^^^H 


Konservaloren-Palast. Rom. Bild 64. 


Rossini, Gioachino, Phot. nach dem ^^^^^| 




Leben ^^^^H 


Paimczzano, Marco, Phot. Alinaii, 


^^^^^^H 


Bilduis in der PlnakoUiek zu Forll. 


Sacchi, Antonio, genannt Pordcnonc, ^^^^^^H 


Bild 47. 


Phol. Alinari, Selbstbildnis in der ^^^^H 


Pcrgolese, Qiov. Balt., nach einem 


Oalkria Ufliti. Florenz, Bild 49. ^^^^1 


Stich. Bild 90. 


Sacchi, Uarlolomeo, genannt Pialina, ^^^^^H 


PerüMi, Baldassare. Phot. Alinari. 


Phol. Alinari, Bildnis von Melozio ^^^^^H 


Bildnis von Raffacl in den Stanzen 


da Forli in der Pinacoteca Vaiicana, ^^^^^^^| 


des Vatikan. Rom. Bild 10. 


^^^^H 



— vm — 



SannazarOyOiacopo, Stich nach Raffacl 
in Colangelo, Vita di Oiac. Sanna- 
zaro, Napoli 1819. Bild 69. 

Santfy Magia, mit Raffael als Kind, 
Phot. Alinariy Bildnis von Giovanni 
Santi, Casa di Raffaelo, Urbino. 
Bild 38. 

Santf, Raffael, Phot., Bildnis von 
Pinturicchio in der Libreria des 
Domes zu Siena. Bild 39. — Phot. 
Alinari, Selbstbildnis in der Galleria 
Uffizi, Florenz. Bild 40. — Phot., 
Selbstbildnis in den Stanzen des 
Vatikan, Rom. Bild 43. 

Savonarola, Hieronymus, Phot. Alinari, 
Bildnis von Fra Bartolommeo im 
Museo di San Marco, Florenz. 
Bild 53. 

Scarlatti, Alessandro, Phot., Bildnis im 
Liceo musicale, Bologna. Bild 89. 

Scarpa, Antonio, nach einem Stich. 
Bild 95. 

Signorelli, Luca, Phot., Selbstbildnis in 
den Fresken des Domes zu Orvieto. 
Bild 20, 27. 

Spallanzani, Lazzaro, Zeichnung seiner 
Büste in Primo Centenario della morte 
di L Spallanzani 1899. Bild 82. 

Tapparelliy Massimo, genannt d'Azeg- 
lio, nach einem Stich. Bild 100. 

TassOy Torquato, Phot. Alinari, Bildnis 
von Bronzino in der Galleria Uffizi, 
Florenz. Bild 76. 



Tattiy Qiacopo, genannt Sansovino, 

Phot. Alinari, Bildnis von Tintoretto 

in der Galleria Uffizi, Florenz. 

Bild 9. 
TelesiOy Bemardino, Stich nach einem 

Originalgemälde. Bild 85. 
TorricelHy Evangelista, nach einem 

Stich. Bild 80. 
Vannucciy Pietro, genannt Perugino, 

Phot. Alinari, Selbstbildnis im Cambio, 

Perugia. Bild 26. 
Varchf, Benedetto, Phot. Löwy, Bildnis 

von Tizian in der Wiener Gallerie. 

Bild 54. 
Vasari, Giorgio, Phot. Brogi, Selbst- 
bildnis in der Galleria Uffizi, Florenz. 

Bild 55. 
VecelliOy Tiziano, Phot Bruckmann, 

Selbstbildnis in der Gallerie Hannover. 

Bild 46. 
Verdi, Giuseppe, Phot. nach dem 

Leben. Bild 115. 
VerrocchiOy Andrea, Phot Alinari, 

Bildnis von Lorenzo di Credi in der 

Galleria Uffizi, Florenz. Bild 6. 
VicOy Giov. Batt, nach einem Stich. 

Bild 87. 
Volta, Alessandro, Zeichnung nach 

einer Miniatur im Museo civico in 

Como. Bild 94. 

Zampieriy Domenico, genannt Domeni- 
chino, Phot Alinari, Selbstbildnis in 
der Galleria Uffizi, Florenz. Bild 51. 



Einleitung. 



Poca (avilla gran fiamms secotida. 



Jas Wiedererwachen der Kultur in Italien während des Mlttel- 
' alters und in der Renaissance verführte die damaligen Träger 
der Macht und Bildung zu dem Glauben, sich für die späten 
Abkömmlinge der alten Römer und ihre Schöpfungen für 
eine neue Blüte des antiken Geistes zu halten. Dante nannte Florenz 
„die schönste und berühmteste Tochter Roms", und er war stolz darauf, 
daß seine Familie aus römischem Blut entsprossen sein sollte. Auch 
Petrarca vertrat die Ansicht, daß die Italiener die unmittelbaren Nach- 
kommen der Römer und daß ihre Literatur eine Fortsetzung der 
römischen sei. Viele edle Familien suchten ihre Herkunft von berühmten 
Geschlechtern des Altertums mit unglaublich leichtfertigen Gründen 
nachzuweisen. So wollten die Massimi von Quintus Fabius Maximus, 
die Cornari von den Corneliern, die Manelli von den Manliem, die 
Barbi von den Ahenobarbi, die Zeni von dem Kaiser Zeno und die 
Plato in Mailand sogar von dem großen griechischen Philosophen 
gleichen Namens abstammen. 

Um die italienische Kunstübung in unmittelbaren Zusammenhang 
mit der griechischen zu bringen, wurden Künstler wie Buschettus, der 
Erbauer des Domes von Pisa, der Maler Bizzomanus von Olranto und 
Rico von Candia für Griechen ausgegeben, obgleich ihre Namen deutlich 
genug auf germanische Herkunft hinweisen. Und die Menschen der 
Renaissance fühlten sich so sehr als „Römer", daß sie die mittelalter- 
liche Baukunst schlechthin eine gotische, d. h. nach ihrer Ansicht 
„barbarische" nannten, da sie die Goten für die Zerstörung der alten 
Kunstwerke verantwortlich machten und ihnen die Erfindung der 
mittelalterlichen Kunst zuschrieben. 



In den Schriften Machiavellis verspürt man deutlich den Haß 
gegen die „Barbaren", und er nannte die Langobarden sogar „die letzte 
Pest Italiens". Noch Leopardi, der unzweifelhafte Abkömmling von 
Langobarden, die einst in Recanati ihre Kastelle errichtet hatten, war 
über sich und sein Volk in einer anthropologischen Selbsttäuschung, 
wenn er schrieb: „O patria mia, vedo te mura e gli archi e !e colonne 
degli avi nosfri, ma la gloria non vedo." Unter diesen Umständen 
ist es eine auffallende Ausnahme, wenn der Novellist Bandello sich 
gotischer Abstammung rühmte, und wenn der Historiker Bacchini, wie 
Gregorovius erwähnt, die Langobardenrasse „das edelste Blut Italiens 
und die Erzeugerin seiner glänzendsten Talen" nannte. Von den 
neueren italienischen Historikern sind nur Denina und Muratori anzu- 
führen, die in ihren Schriften eine erfreuliche Vorurteilslosigkeit gegen- 
über den germanischen Eroberern zutage treten lassen. Aber sie 
bilden Ausnahmen unter ihren Volksgenossen, die heute noch gewöhnt 
sind, die nordischen Barbaren zu verachten und sich auf ihre „latei- 
nische Rasse" zu berufen, obgleich nur sehr spärliche Tröpfchen Blut 
von den alten Römern her in ihren Adern fließen. 

Oino Capponi, der Verfasser einer berühmten „Geschichte der 
Florentinischen Republik" (1875) meint, daß das neue italienische Volk 
seinen Ursprung aus der alten Bevölkerung genommen habe. „Die 
unterworfene italienische Bevölkerung, der nichts anderes übrig blieb, 
als Handel zu treiben und das Land zu bebauen, vereinigte sich in 
Gemeinden, indem es den Kampf gegen die Schlösser aufnahm, sich 
diese gleichsam tributpflichtig machte, wie es ja stets die Handel- 
treibenden mit den auf ihre Gewalt Trotzenden tun, und nach und 
nach durch die Kraft ihres Reichtums und ihre Klugheit noch schneller 
als durch Waffengewalt unterwarf. Auf diese Weise erlangte in ganz 
Italien, besonders aber in Toscana, die alle Bevölkerung das Übergewicht 
über die neue, welche sich nun mit der ersteren mischte oder zugrunde 
ging." (!) Und ohne irgend einen Beweis zu erbringen, behauptet er, daß 
die „Toscaner sich weniger mit den siegreichen Langobarden, Herulern 
oder Goten vermischten". — Indes ist auch das redlichste Pathos des 
Patriotismus kein wissenschaftlicher Beweis, und meine Untersuchungen 
werden den unzweifelhaften Nachweis führen, daß gerade das Gegen- 
teil von Capponis Behauptungen richtig ist. 

Neuere Geschichtsforscher sind einem ähnlichen Irrtum verfallen. 
J. Burckhardt spricht von zwei weit auseinanderliegenden Epochen 
„eines und desselben Volkes". Doch gesteht er gelegentlich zu, daß 




— 3 



der „inzwischen anders gewordene Volksgeist der germanisch-lango- 
bardischen Staatseinrichlungen" zur Entstehung der neueren italienischen 
Kultur beigetragen habe, ohne freilich diesem anthropologischen Einfluß 
näher nachzuforschen. 

Es ist von jeher ein besonders reizvolles Problem gewesen, über die 
Ursachen nachzudenken, warum gerade Toscana in der Hervorbringung 
einer so großen Zahl bedeutender Talente sich auszeichnete. Lombroso, 
Capponi und andere wollen diese Überlegenheit dem Einfluß des 
elruskischen Elementes zuschreiben, sie machen aber keinerlei Versuch, 
nachzuweisen, daß Oiotto, Dante, Petrarca, Leonardo, Galilei Abkömm- 
linge der alten Etrusker sind. 

Der Meinung, daß die alten Kulturrassen Italiens, aus einem jahr- 
hundertelangen Schlummer erwachend, die neue Bildung und Gesittung 
ins Leben riefen, steht die andere Hypothese g^enüber, die in der Ver- 
schmelzung des römischen und germanischen Volkstums die Quellen 
für die neue Entwicklung zu erkennen glaubt. Dabei verstehen die 
einen unter dieser Verschmelzung eine talsächliche physiologische 
Mischung der Rassen, derart, daß die Verschmelzung der verschieden 
gearteten Gehirne und Nerven ein neues und besseres organisches 
Substrat schafft, aus dem die großen Geister und ihre Werke hervor- 
gehen sollen, Die anderen denken dabei mehr an eine fruchtbare 
Verbindung von germanischer Kraft und römischer Kultur. Die erstere 
Auffassung wird in diesem Buche ausführlich wideriegt werden, und 
die letztere bedarf einer bedeutenden Einschränkung. 

Graf Gobineau, der in der rassenanthropologischen Geschichts- 
Iheorie Epoche machte, verkannte zwar nicht den Einfluß der Germanen 
auf die nachrömische Geschichte Italiens, hielt aber die „Renaissance" für 
eine Reaktion des romanischen Volksgeistes gegen den germanischen. 
Nach seiner Auffassung soll die einheimische Bevölkerung Oberitaliens 
so stark mit hellenistischen Elementen durchsetzt gewesen sein, wie 
man nur wünschen könne, „und da sie im Verhältnis zur germanischen 
Ansiedelung sehr zahlreich war, so mußte die Verschmelzung sie bald 
zum Übergewicht führen". Er hält die Städteverfassung des mittel- 
alterlichen Italiens für römisch, das Patriziat für antik und den ganzen 
geistigen Inhalt der Renaissance für „Romanismus". 

Gegenüber diesen Hypothesen — und es sind nur schlecht oder 
gar nicht begründete Hypothesen — wird dieses Buch den exakten 
Beweis führen, daß in anthropologischer Hinsicht weder Etrusker noch 
Römer und Griechen, sondern die eingewanderten Germanen, die Goten, 




Langobarden, Franken und Normannen im wesenllichen die Erzeuger 
der neuen Kultur Italiens gewesen sind, und daß nur eine geringe 
Anzahl von Talenten der vorgermanischen Bevölkerung lugeschrieben 
werden kann; daß es ferner in ideologischer Hinsicht falsch ist, 
von einem „Wiedererwachen des Altertums" zu sprechen, daß der 
geistige Inhalt der nachrömischen Kultur vielmehr ein wesentlich neuer 
ist. Gewiß besteht eine Ideentradition von der klassischen Zeit her; 
ohne Zweifel wurden zahlreiche Anregungen vom Altertum direkt oder 
indirekt übermittelt, ja einiges kann man sogar als eine direkte Wieder- 
holung bezeichnen, aber die wesentlichen Formen und Inhalte der 
neuen Kultur sind andere und eigenartige Lebensäußerungen einer 
neuen Rasse, die selbslschöpferisch auf die Bühne der Geschichte 
traf. Die neue Kultur hat vielmehr eine innere Verwandtschaft mit 
jener allgemeinen geistigen Bewegung, die fast zu gleicher Zeit, etwa 
um das Jahr 1000, eine neue Epoche in der Geschichte von ganz 
Europa einleitete. Es war der „Eintritt der Germanen in die Weif- 
geschichte", wie Ludwig Nohl es genannt hat, das geistige Erwachen 
der germanischen Rasse, die nach den Stürmen der Völkerwande- 
rung zur Ruhe und Anpassung gekommen war und Muße fand, die 
angeborenen Anlagen zur Entfaltung zu bringen. 

Vor mehr als hundert Jahren hat der große englische Historiker 
Gibbon als erster darauf hingewiesen, daß die Germanen es gewesen 
sind, denen das Wiedererwachen der Künste und Wissenschaften zu ver- 
danken ist. In seinem berühmten Werk über „Die Geschichte des 
Untergangs des römischen Reichs" (1774) schreibt er, daß seit dem 
dritten Jahrhundert im italienischen Volke infolge der germanischen 
Einwanderung eine physiologische Umwandlung vor sich ging, indem 
die Volksvermehrung zunahm, das Militärmaß größer wurde, Sitten 
und Anschauungen andere wurden. „Die Gestalt der Menschen", 
heißt es, „wurde immer kleiner, und die römische Welt war in der 
Tat mit einem Geschlecht von Zwergen bevölkert, als die wilden Riesen 
aus Norden einbrachen und die kleine Brut verbesserten. Diese stellten 
den männlichen Geist der Freiheit wieder her und nach dem Umlauf 
von zehn Jahrhunderten wurde die Freiheit die glückliche Mutter des 
Geschmacks und der Wissenschaften." 

Noch deutlicher hat Schnaase in seiner „Geschichte der bilden- 
den Künste" (1865-79) den Einfluß der germanischen Rasse auf die 
italienische Kulturgeschichte hervorgehoben: „Vor allem zeigte sich die 
Verschiedenheit der Mischung der germanischen und italienischen 




Rassen zwischen dem oberen lombardischen Italien und den südlichen 
Provinzen. Während dort jener Zusatz germanischen Blutes höchst 
kräftig war und bei der neuen Gestaltung der Dinge augenscheinlich 
mitwirkte, war er in Unteritalien schwach, so daß die Bevölkerung im 
ganzen den Charakter behielt, den sie ohne denselben haben mußte, sich 
willenlos fremden Völkern unterwarf, und nur durch den Einfluß, den 
die Normannen, Deutschen, Franzosen allmählich ausüblen, und durch 
den Verkehr mit dem nördlichen Italien sich demselben näherte. 
Zwischen beiden stand Rom, das gerade, indem es den germanischen 
Einfluß abwehrte, von demselben wenigstens Widerstandskraft annahm." 

L. Wilser schrieb in seinem „Stammbaum und Ausbreitung der 
Germanen" (1895): „Durch die Einwanderung der germanischen Völker 
wurde in Italien außer dem nordischen Stil auch deren Schönheitsideal 
heimisch; es ist der Adel langobardischer Erscheinung, den wir in den 
Meisterwerken Tizians, üonardos, Paolos bewundern." 

Der erste Schriftsteller, der auf einen unmittelbaren anthropo- 
logischen Zusammenhang zwischen den Germanen und den großen 
Gentes in der Renaissance hinwies, war H. St. Chamberlain, der in 
seinen „Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts" (189Q) betonte, daß 
die großen Genies Italiens den physischen Typus des germanischen 
Stammes hätten und Nachkömmlinge der einst eingewanderten Goten 
und Langobarden seien. 

Mit überlegener Anschauungskraft hatte Gibbon ein historisches 
Problem erkannt, dessen kurze und prägnante Formulierung auf mich 
den tiefsten Eindruck gemacht hat. Sie regte mich an, den Ansichten 
anderer Forscher über diese Frage nachzuspüren, und da ich hier 
ein noch unbearbeitetes Feld anthropologisch-historischer Untersuchung 
vorfand, selbst an die Klärung und Lösung der Aufgabe heranzugehen. 

Dabei leitete mich die Idee einer anthropologischen Kultur- 
geschichte, die sich drei Aufgaben zum Ziele setzt: erstens die Ent- 
wicklung der sozialen Cinnchlungen und geistigen Ideen und Werke 
von ihren ersten Anfängen bis zur höchsten Differenzierung zu ver- 
folgen; zweitens die anthropologische Geschichte eines Volkes, seine Ein- 
wanderung, Niederiassung, soziale Gruppierung, die Rassen misch ungen, 
das Aufsteigen und Aussterben der Familien, die Hervorbringung der 
Genies zu erforschen; und drittens zu zeigen, welches ursächliche und 
gesetzmäßige Verhältnis zwischen der physiologischen und ideolo- 
gischen Geschichte eines Volkes besteht, von welchen anthropologisch 
bestimmbaren Gruppen und Individuen die entscheidenden Ideen und 



— 6 — 

Taten ausgehen und welche organische Ursachen schließlich zur Blüte, 
zum Stillstand und zum Verfall einer Kultur führen. 

Von diesem Gemälde einer allgemeinen Rassen- und Oeistes- 
geschichte des Menschengeschlechts entwerfe ich hier eine Skizze von 
derjenigen Periode, die in der neueren Kulturgeschichte die größte 
Rolle gespielt hat. Italien ist auch das geeignetste Objekt für eine 
solche Untersuchung. Seine soziale und geistige Geschichte ist gründ- 
lich erforscht, und kein Volk Europas ist in seiner anthropologischen 
Struktur so genau bekannt wie das italienische. Nirgends finden wir 
auch so zahlreiche und vortreffliche ikonographische Hülfsmittel, Bild- 
nisse, Büsten, Statuen, Medaillen, und nirgends eine so umfangreiche 
und ausgezeichnete genealogische und biographische Literatur. 

Trotzdem fehlten für eine solche Untersuchung fast alle Vor- 
arbeiten. Mehrere Fachwissenschaften, die man sonst ängstlich von- 
einander fern hält, mußten in engste Fühlung gebracht werden: Historie, 
Anthropologie, Philologie und Porträtkunde mußten zusammenwirken, 
um die Geschichte der Menschen, der Einrichtungen und Ideen dem 
Blicke des Forschers zu enthüllen. Auf dem Gebiete der italienischen 
Namenkunde betrat ich ein von den Germanisten vollständig unbebautes 
und vernachlässigtes Feld der Sprachwissenschaft. Die schwierigste Auf- 
gabe aber war, das vielfach verborgene oder zerstreute biographische 
und ikonographische Material aufzufinden und zugänglich zu machen, 
und man wird sich schwerlich eine Vorstellung davon machen, welche 
Mühe es nicht selten gekostet hat, festzustellen, ob jemand blaue oder 
braune Augen, ob er schwarze oder blonde Haare gehabt hat. Aber 
erst durch die Summierung zahlreicher Einzeltatsachen ward es möglich, 
in den dunkeln und verwickelten Beziehungen zwischen Rasse und 
Genius Klarheit zu schaffen. 



Ersles Kapitel. 



Die anthropologische Geschichtstheorie. 



Jiejenigen Historiker, die sich bisher mit den anthropologischen 
Ursachen des Untergangs der antiken Welt und der geistigen 
Wiedergeburt Italiens näher beschäftigt haben, O. Seeck 
und H. St. Chamberlain, haben mehr mit einer liefen 
historischen Inluitionsltraft die großen Zusammenhänge erkannt als 
exakt und einwandsfrei bewiesen. Dies zeigt sich namentlich in ihrer 
Auffassung des Rassebegriffs und der europäischen Menschenrassen. 
Freilich darf man diesen Forschern darum keine Vorwürfe machen, 
wenn man an den wenig erfreulichen Zustand denkt, in welchem sich 
die Rassenanthropologie und namentlich die Lehre von der Rassen- 
geschichte Europas bei den meisten Schuianthropologen befindet. Denn 
diese sind mit wenigen Ausnahmen einseitig interessierte anatomische 
Anthropologen und hegen die größten Vorurteile gegen die Anwendung 
der Biologie und Anthropologie auf Geschichtswissenschaft, Soziologie 
und Politik. 

Seeck hält es für gänzlich unbewiesen, daß Haarfarbe und Schädel- 
form die Abzeichen verschiedener Rassen sein müßten. Diese Unter- 
schiede seien so geringfügig und gingen so sehr ohne scharfe Abgrenzung 
ineinander über, daß zu ihrer Erklärung die natürliche, soll heißen, 
individuelle Variabilität vollkommen genüge. Die Veränderung des 
germanischen Typus seit den Zeiten der Reihengräber hält er für eine 
Wirkung der Kultur, und er fragt naiv genug: Warum sollten nicht 
braune Mittelschädel und schwarze Kurzschädel von blonden Lang- 
schädeln abstammen? - Kurz, er glaubt, daß Klima und Boden- 
beschaffenheit, und nicht die Abstammung Körperbildung und Haar- 
farbe bestimmen. 



Chamberlain hat schon eine viel schärfer umgrenzte Vorstellung 
von den körperlichen Unterschieden der europäischen Rassen, denn ihm 
sind die Untersuchungen von Retzius, Penka, Wilser, Lapouge, Ujfalvy, 
Ammon nicht unbekannt geblieben; doch in dem einen Punkte bleibt 
auch er unsicher und schwankend, ob gewisse körperliche Merkmale 
als Eigenvariationen der germanischen Rasse oder als Mischlings- 
eigenschaften anzusehen sind. 

Um in dem Wirrwarr der Rassenanthropologie Klarheit zu schaffen, 
ist es von grundlegender Wichtigkeit, die Begriffe von Volk und 
Rasse scharf voneinander zu unterscheiden. Volk ist ein historisch- 
soziologischer, Rasse ein naturwissenschaftlich-biologischer Begriff. 
Ein Volk kann aus zwei oder mehreren Rassen und ihren Mischlingen 
zusammengesetzt sein, die im Laufe der Jahrhunderle eine gemeinsame 
politische Geschichte und geistige Tradition hervorgebracht haben, 
in den ersten Zeiten bleibt bei solchen Völkern das Bewußtsein 
verschiedener Abstammung, sowie eine ungleiche soziale Lage mit 
ungleichen Rechten bestehen, während später diese Unterschiede sich 
ausgleichen und vergessen werden, namentlich wenn die Rassen sich 
näher stehen und die Zahl der Mischlinge das Übergewicht erhält. 
Bei diesen Völkern entsteht dann ein sekundäres Bewußtsein von 
Blutsverwandtschaft, das sich im „National gefü hl" äußert, und Volk 
und Rasse scheinen dann identisch geworden zu sein. 

Vor einer wissenschaftlichen Untersuchung kann diese Selbst- 
täuschung über die Gleichheil von Rasse, Volk und Sprache nicht 
bestehen. Ein Volk kann eine Sprache reden, die einer längst aus- 
gestorbenen, einst herrschenden Rasse angehört, und das gegen- 
wärtige Geschlecht gibt sich dem Irrlum hin, mit der Sprache auch 
das Blut jener Rasse ererbt zu haben. So hielten sich die Renaissance- 
Menschen Italiens für Nachkömmlinge der allen Römer, und die heuligen 
Griechen sind slolz auf ihre antiken Vorfahren, obgleich kaum eine 
Spur der römischen und hellenischen Rasse sich erhalten hat. 

Rassen bedeuten biologische Lebenseinheiten, die morphologisch 
und genealogisch scharf umgrenzt sind. Eine einheitliche konstante 
Summe von erblichen Merkmalen unterscheidet die eine Rasse von 
der anderen. Körpergröße, Proportionen, Kopf- und Gesichtsbildung, 
Farbe von Haut, Haaren und Augen sind die Merkmale, die den 
Rassenunterschieden zugrunde liegen. Alle diese Merkmale bewegen 
sich innerhalb einer bestimmten individuellen Schwankungsbreite, die 
bei dem einen Merkmal größer, bei dem anderen geringer sein kann. 



Dadurch können sich Eigenschaften der einen Rasse denen der anderen 
nähern, Aber alle Meri<male gruppieren sich um einen Durchschnitts- 
typus, dem die überwiegende Zahl der Varianten angehört und der 
den Rassetypus ausmacht. Überdies stellt die anthropologische Analyse, 
je mehr sie sich von der bloß anatomischen Methode frei macht und 
sich von historischen und sozialen Gesichtspunkten leiten läßt, als 
unzweifelhaft fest, daß eine ganze Reihe von Übergangs merkmalen in 
Wirklichkeit Mischungseigenschaften sind, also nicht in den Bereich 
individueller Variabilität fallen. So wird es immer wahrscheinlicher, 
daß nur die nordeuropäische Rasse eine helle Komplexion, blonde 
Haare, blaue Augen, weiße Haut besitzt, und daß überall da, wo wir 
bei anderen „Rassen" solche Merkmale mehr oder minder vereinzelt 
auftreten sehen, eine Beimischung der nordischen Rasse in historischer 
oder vorhistorischer Zeit stattgefunden hat. In den meisten Pällen 
können solche Beimischungen als Folge von Einwanderung, Sklaven- 
verkauf, Frauenraub nachgewiesen werden; wo aber alle historischen 
Nachrichten fehlen, werden sie durch den Umstand erwiesen, daß 
zugleich mit der hellen Komplexion auch die korrelativen Merkmale 
der nordischen Rasse gefunden werden. 

Zwischen weit abstehenden Rassen können Analogieen oder 
Konvergenzbildungen in den körperlichen Merkmalen auftreten, ohne 
daß eine direkte Blutsverwandtschaft zu bestehen braucht. Z, B. ist 
Langköpfigkeit das Merkmal der nordischen, der mittelländischen und 
der Negerrasse. Aber der Schädel der nordischen Rasse ist umfang- 
reicher und gröber modelliert, zeigt meist eine fliehende, dabei 
hohe Stirn, starke Augenbrauenwülste und vorspringendes Kinn. 
Diese Merkmale können auch bei der mediterranen Rasse, wenn zwar 
viel seltener, auftreten, und es ist unmöglich, einen grazil gebauten 
nordischen Schädel von einem mediterranen zu unterscheiden, wenn 
nicht die Herkunft oder andere Körpermerkmale bekannt sind. Dagegen 
kann diese Verwechselung mit dem langen Negerschädel nicht ein- 
treten, da die Prognathie und die ausgesprochene occipltale Dolicho- 
cephalie ihn von den beiden ersteren ohne Übergänge unterscheiden. 

Um den Rassenbegriff noch schärfer zu umgrenzen, muH demnach 
noch das Merkmal einheitlicher Abstammung hinzutreten: E,rsl die 
morphologische und genealogische Einheit zusammen machen den 
vollständigen Begriff der Rasse aus. 

Was die Entstehung der Rassen anbetrifft, so gehört dieselbe 
zur organischen Vorgeschichte des Menschengeschlechts. Innerhalb 



10 



des für kulturhistorische Probleme begrenzten Zeitraums können wir 
die Rassen als Dauertypen betrachten, als gegebene Naturfaktoren, 
welche die geschichtliche Entwicklung beherrschen. Veränderungen 
des Typus entstehen in den meisten Fällen durch Rassenkreuzung, 
seltener durch Krankheit und Entartung. Hier sind besonders gewisse 
Knochenerkrankungen zu nennen, wie Rachitis und Hydrocephatus 
(Wasserkopf), die den Schädel breiter machen und dadurch eine „falsche 
Kurzköpfigkeit" (Pseudobrachycephalie) verursachen. Infolge Rachitis 
und schlechter Ernährung kann die Körpersfatur verkleinert werden, 
Indem das Wachstum gehemmt wird. Aber umgekehrt ist es aus- 
geschlossen, daß gute Ernährung eine von Naiur kleine oder mittel- 
große Rasse zu einer großwuchsigen macht. Oute Ernährung und 
gtinstige Milieuverhältnisse können nur die angeborene Wachstums- 
energie zur vollen Entfaltung bringen. Das beweist auch die oft 
gemachte Beobachtung, daß zu einer und derselben Familie kleine 
und große Personen gehören, obgleich sie den gleichen Ernährungs- 
bedingungen ausgesetzt sind. 

Nur in einem Punkte ist ein Einfluß der Kultur auf die Körper- 
größe zu konstatieren, wenn die Selektionsbedingungen höherer Kultur 
die Existenz und die Züchtung von kleineren und grazilen Personen 
möglich machen, die sich geistig auszeichnen und dadurch überleben. 
Aus diesem Grunde kann eine ursprünglich hochgewachsene Rasse, 
wenn sie vom Kriegs- und jagdleben zu einem geistigen Typus der 
Gesellschaft übergegangen ist, körperlich kleinere und grazile „Kultur- 
varianten", sogar feminine Typen, aus sich hervorgehen lassen. 

Eine von solchen methodischen Gesichtspunkten geleitete anthropo- 
logische Analyse der Bevölkerungsgeschichte Italiens stellt hier, wie in 
den meisten Ländern Europas, im wesentlichen drei scharf voneinander 
abzugrenzende Rassen fest: den Homo europaeus flavus, den homo 
brachycephalus und den homo mediterraneus. auch die nordische, die 
„alpine" und die mittelländische Rasse genannt. 

Der homo europaeus ist großgewachsen, langschädelig, schmal* 
nasig, mit blonden Haaren, blauen Augen, rosig-weißer Haut, Sonst 
häufig vorkommende Merkmale sind gebogene Nase, markante Augen- 
wülste und vorspringendes Kinn. Der Nasenrücken kann auch gerade, 
ja zuweilen rückwärts gebogen sein, wobei das Gerüst der Nase 
an sich lang und schmal bleibt. Entscheidend ist nur der niedrige 
Nasenindex, d. h. an der knöchernen Nasenöffnung muß die Breite 
im Verhältnis zur Nasenhöhe gering sein. Ob sich ursprünglich 



II 



mit den schmalen Schädeln breite Gesichter verbinden können, halte 
ich für sehr zweifelhaft. Meist handelt es sich dabei um disharmonische 
Mischungen, oder das breite Gesicht wird durch etwas vorspringende 
Jochbeine vorgetäuscht, während der Oberlciefer selbst schmal ist. 

Das Haar ist weich und lockig. Wie weit der Abänderungs- 
spielraum der blonden Haarfarbe reicht, ist noch ein umstrittenes 
Problem. Der Grundton ist wohl gelblich, kann aber auch mehr dem 
Rötlichen sich nähern. Doch scheinen die dunkleren Grade des Blonden, 
die dem Braunen sich nähern, durch leichte Mischungen mit Schwarz- 
haarigen zu entstehen. Die blaue Farbe des Auges kann zwischen 
wasserblau und dunkelblau variieren; auch dürfte eine leichte Neigung 
ins Graue und Grüne noch eine unvermischte Nuance des Blauen sein. 

Der homo mediterraneus hat im wesentlichen Proportionen 
wie die nordische Rasse; nur ist der Gesa mf Organismus kleiner und 
das Pigment ist dunkel. Das Haar ist schlicht und schwarz, die Haut 
braun und ebenso das Auge. 

Der homo brachycephalus ist wesentlich verschieden von 
den beiden langköpfigen Rassen. Klein von Gestalt, hat er einen 
runden Kopf, rundes Gesicht, breite Nase, schwarze Haare und braune 
Augen. Diese brachycephale Rasse wird „alpiner Typus" genannt, 
weil er hauptsächlich den mitteleuropäischen Gebirgsstock bewohnt, 
wo er den Forschem zuerst auffiel. Sie erstreckt sich aber auch durch 
Osteuropa, durch ganz Mittelasien bis nach China und Japan. Pruner- 
Bey, der auf diesen Typus zuerst aufmerksam machte, nannte ihn den 
„mongoloiden" Typus. Der echte Mongolenlypus unterscheidet sich 
aber von jenem durch die gelbe Haut, das straffe Haar, die schief- 
stehenden Augen und die Mongolenfalte. Inwiefern beide Typen mit- 
einander verwandt sind, ist eine noch ungelöste Frage. 

Alle drei Rassen finden wir in Europa in reiner und in vermischter 
Form. Der homo europaeus hat sich am reinsten in Nordeuropa, in 
der norddeutschen Tiefebene und in Skandinavien erhallen; den homo 
mediterraneus findet man am zahlreichsten in Südeuropa, während nach 
Mitteleuropa hin die Mischungen mit dem alpinen Typus zunehmen. 
Alle Völker Europas sind im wesentlichen aus diesen drei Rassen 
zusammengesetzt, wobei bald die eine oder andere oder ein bestimmter 
Mischtypus überwiegt. 

Was die Mischtypen anlangt, so können dieselben entweder aus 
je zwei dieser Rassen hervorgehen oder sogar Merkmale aller drei 
1 zeigen. Am genauesten sind die Mischprodukte der nordischen 



12 



und alpinen Rassen erforscht. Hier erhält sich am beslen die helle 
Haut, weniger gut das blaue Auge, während das blonde Haar am 
schnellsten und leichtesten untergeht. Auch kann eine mittlere Haut- 
farbe, eine Aufhellung der braunen Haut, entstehen, ferner graue und 
gesprenkelte Mischaugen, braune Haare, die in der Jugend meist heller 
sind. Was die Kopfform anbetrifft, so besteht höchstwahrscheinlich 
ein Überwiegen des alpinen Typus, namentlich scheint der Hinterkopf 
der nordischen Rasse zu verschwinden (Pseudobrachycephalen), wahrend 
Stirn und Gesicht widerstandsfähiger sind. Oder es verbreitert sich 
der Schädel, während die ursprüngliche Länge erhalten bleibt (Eury- 
dolichocephalen). Wenn bei den Völkern Europas im Laufe der Jahr- 
hunderte der Schädelindex sich erhöhl hat, so beruht das zum großen 
Teil darauf, daß die nordischen Langköpfe aussterben oder auswandern 
und der alpine Typus durch stärkere Vermehrung an seine Stelle tritt, 
zum Teil aber auch darauf, daß die falschen und breiten Langköpfe 
an ihre Stelle treten, was keineswegs mit einer Verschlechterung der 
Rasse identisch zu sein braucht, da solche Mischlinge sich nicht selten 
ebenso leistungsfähig gezeigt haben wie reine Vertreter des nordischen 
Typus. Deshalb kann der Vergleich des bloßen Kopfindex einer 
Bevölkerung im Abstand der Jahrhunderte allein keinen genauen Ein- 
blick in den tatsächlichen Verlauf des Rassenwechsels gewähren. 

Die ungleiche Vererbungskraft des Gesichts und Schädels bei 
der Mischung der beiden Rassen zeigl sich auch im Pigment, so daß 
bei solchen Mischlingen die Kopfhaare mehr oder minder dunkel sind, 
während Augen und Barthaare ihre helle Farbe behalten. Noch deut- 
licher ist dies bei Kindern zu beobachten, wenn die Haare der Stirn 
heller sind als die übrigen. 

Bei den Mischungen zwischen der nordischen und mediterranen 
entstehen jene Typen, die man in Unteritalien nicht selten sieht: große 
Gestalten mit heller oder aufgehellter, seltener brauner Haut und mit 
dunklen Augen und Haaren, die in der Jugend häufig hell sind. 
Während die Kreuzungen zwischen der nordischen und alpinen Rasse 
viele Disharmonien in Proportionen und Pigment verursachen, werden 
solche in diesen Mischungen viel seltener beobachtet, ja es können 
eigenartig schöne Formen entstehen, wenn sich mit dunklen Haaren und 
Augen und gutem Gliederbau eine Haut „wie Milch und Rosen" verbindet 

Die Kreuzungen zwischen der alpinen und mediterranen Rasse 
sind noch wenig erforscht. Doch scheint auch hier der Rundschädel 
den Langschädel zu verdrängen. 



13 



Mischtypen, die aus allen drei Rassenmerkmalen zusammengesetzt 
sind, findet man in Oberitalien und auf der Balkanhalbinsel zusammen. 
Sie zeigen z. B. die große Gestalt des Nordländers, den runden Schädel 
des Alpinen, das Gesicht und das Pigment des Mittelländers. 

Die nordische, alpine und mittelländische Rasse haben in der 
politischen und kulturellen Geschichte Europas eine verschiedene Rolle 
gespielt. Im Lichte der Geschichte tritt der homo europaeus als 
arische Rasse auf, als die eigentliche Kulturrasse Europas, die auch 
die orientalischen Civilisationen stark beeinflußt hat. Alle Völker, die 
eine arische Sprache reden oder einst besaßen, haben ursprünglich 
den physischen Typus der nordischen Rasse gehabt, die Inder, Perser, 
Hellenen, Italiker, Slaven, Gallier und Germanen. Zu den Italikern, 
die seit dem Anfang des zweiten Jahrtausends v. Chr. aus der 
nordischen Urheimat in die apenninische Halbinsel einwanderten, 
gehörten die Umbrer, Sabeller, Latiner, Siculer, Etrusker, Veneter und 
Gallier. Sie standen teils dem keltischen, teils dem thrako-hellenischen 
Zweig der Arier nahe. Daß arische Rasse und homo europaeus 
ursprünglich identisch sind, ist durch die Untersuchungen von Penka, 
Wilser, Lapouge, Ujfalvy unwiderieglich erwiesen. Nur über die 
Etrusker herrscht noch ein scheinbar unlösbarer Streit zwischen den 
Anthropologen und den Sprach- und Kulturhistorikem. Was auch 
immer die fremdartigen Elemente sein mögen, die in der etruskischen 
Sprache sich finden, so kann über ihre anthropologische Stellung im 
System der europäischen Rassen nicht der geringste Zweifel auf- 
kommen. Wie die bemalten Statuen und Sarkophage und die Wand- 
malereien beweisen, waren die Etrusker Menschen von hoher Gestalt, 
heller Haut, gelbblonden Haaren und blauen Augen. Schon Gobineau 
und Wilser haben darauf hingewiesen, und ich kann diesen Forschern 
auf Grund meiner eigenen Untersuchungen in den etruskischen Grab- 
stätten nur beistimmen. Die Etrusker unterscheiden sich deutlich von 
der eingeborenen brünetten Bevölkerung, doch lassen sich auch Misch- 
typen feststellen, z. B. gelbes Haar in allen Übergängen durch das 
braune bis zum schwarzen. 

Was den psychologischen Kulturwert der drei Rassen betrifft, 
so liegen hinreichend soziale und geschichtliche Tatsachen vor, welche 
der nordischen Rasse eine entschiedene Überiegenheit über die beiden 
anderen Rassen zuerteilen. Die nordische Rasse hat die höchsten und 
besten Leistungen in der Kulturgeschichte des Menschengeschlechts 
hervorgebracht. Nicht ist es das natüriiche oder wirtschaftliche Milieu 



14 



gewesen, das die Völker arischen Ursprungs auf den Gipfel der 
Civiiisatlon erhob, sondern ihre angeborene psychophysische Energie, 
ihre höhere Begabung. Bei dieser bloßen Tatsache dürfen wir aber 
nicht stehen bleiben; wir müssen in der morphologischen und physio- 
logischen Ausstattung dieser Rasse ihre Leistungsfähigkeit begründen, 
gemäß jenem Naturgesetz, das Leuckart dahin formulierte, „daß die 
Leistungen eines jeden Geschöpfs mit dem Bau seines Körpers, seiner 
Größe, Form und Ausrüstung unzertrennbar verbunden sind". 

Die nordische Rasse ist die durchschnittlich größte und kräftigste. 
Wohl findet man bei Negern und Indianern einzelne Individuen und 
Gruppen, die sich der nordischen nähern, aber im Durchschnitt ist 
jene die größte, auch heute noch, wo sie infolge von differenzierten 
geistigen Selektionswerten auch kleinere und schwächere Individuen 
hervorbringt. Mit kräftigem und großem Körperbau verbindet sie die 
schönste Proportion der Glieder, deren Gesetzmäßigkeit im goldenen 
Schnitt begründet ist und die zweckmäßigste Verteilung der organischen 
Massen darstellt. „Lamarcks Gesetz der Anpassung", schreibt G. Fritsch, 
„kann sich recht gut mit dem goldenen Schnitt abfinden; denn das 
hierdurch gegebene Verhältnis ermöglicht eine gewisse Geschlossen- 
heit der ganzen Bildung und darauf beruhende Kraft, während die 
Verschiedenheit der Teile mannigfache Beweglichkeit und Verwendung 
der Glieder vermittelt Ein überschlanker Rumpf, allzu lange Glied- 
maßen lassen Schwäche erkennen, zu dicker Rumpf und kurze Glied- 
maßen machen den Eindruck von Ungeschicklichkeit."*) Aus den 
Untersuchungen von Stratz geht hervor, daß die schönsten Proportionen 
bei den Blonden gefunden werden.") Zwar hat die mittelländische 
Rasse einen ähnlichen Gliederbau, aber ihr fehlt die Größe und Kraft 
der nordischen Menschen; ihr fehlt die helle Haut und das blonde 
Haar, die in der griechischen und italienischen Kunst zum ästhetischen 
Ideal der Menschengestalt gehörten. 

Die morphologische Überlegenheit zeigt sich auch darin, daß die 
beiden Geschlechter in ihrem Körperbau stärker differenziert, daß die 
sekundären Sexualcharaktere in ihrer Eigenart und Schönheit am 
stärksten ausgebildet sind. 

Die nordische Rasse hat das durchschnittlich größte Gehirn, und 
wenn in manchen Listen den Brachycephalen das größte zugeschrieben 



•) Q. Frilsdi, Die Gestalt des Menschen. 1899. S. 138. 
**) C, H. Stratz, Die Rassenscliönlieil des Weities. 1903. 



15 



wird, so liegt hier wieder jener Irrtum vor, die breiten Langköpfe mit 
den echten Kurzköpfen zu verwechseln. Namentlich ist es die starke 
Entwicklung des Vorderhirns, an das die höheren intellektuellen 
Funktionen gebunden sind, und das dem nordeuropäisclien Menschen 
eine Überlegenheit seelischer Fähigkeiten verleiht. Mit der größeren 
Leistungsfähigkeit des Nervensystems scheint die helle Pigmentierung 
in ursächlicher Beziehung zu stehen. Dafür führt R. Weinberg den 
einleuchtenden Orund an, daß eine starke allgemeine Pigmentierung 
einen außerordentlichen Stoffverbrauch hervorrufe, während er bei den 
lichten Rassen der Anlage und Kraftentfaltung des Nervensystems in 
erster Linie zugute komme.') 

Außer diesem zweckmäßigeren physiologischen Kräfteumsatz ist 
die späte Entwicklung der Pubertät hervorzuheben, die auf das Wachs- 
tum der intellektuellen Energie günstig einwirkt. Es ist eine bekannte 
Erscheinung, daß der brünette Typus früher geschlechtsreif wird als 
der blonde und daß die Pubertät bei den farbigen Rassen sich noch 
früher einstellt. Wenn man nun bedenkt, daß die Geschlechtsreife 
mit der Entwicklung der geistigen Fähigkeiten aufs innigste verknüpft 
ist, daß eine physiologische Beziehung zwischen Gehirn und Sexual- 
drüsen besteht, so ist es leicht verständlich, daß das Wachstum der 
Intelligenz durch die frühe Reife organisch gehemmt wird. Damit 
hängt zusammen, daß das Geschlechtsleben in der Psyche schnell 
reifender Rassen eine viel größere Rolle spielt als bei den Nordländern; 
und Soziologen, wie Ferri, machen für den Niedergang der romanischen 
Völker, bei denen das brünette Element bei weitem das Übergewicht 
hat, nicht zum wenigsten die starke Konzentration der Affekte auf das 
Geschlechtsleben verantwortlich. 

Das langsamere Wachstum und die spätere Reife ist die physio- 
logische Ursache dafür, daß die Menschen der nordischen Rasse länger 
jugendlich bleiben. Die Brünetten und Farbigen werden früher alt 
und sind schneller erschöpft, während die Blonden bis ins höhere 
Alter körperliche Rüstigkeit und geistige Elastizität bewahren können. 
In der Jugend ist der Mensch empfänglich und schöpferisch, und weil 
der blonde Mensch mit einem ausgebildeteren Organismus ins tätige 
Leben tritt und weil seine Jugend länger dauert, ist seine Rasse an 
geistigen Taten und Schöpfungen allen anderen fibedegen. 



*) R. Weinberg, Die Rassen des russisclien Volkes. Polilisch-anlhropologisclie 
Revue. III. Jahrg.. S. 505. 



16 — 



Der Umstand, daß bei den Mischungen des homo europaeus 
mit den Brünetten die helle Haut eine stärkere Vererbungskraft zeigt, 
so daß noch nach Jahrhunderten dieser Einfluß zu erkennen ist, wenn 
die blonden Haare selbst längst geschwunden sind, — dieser Umstand 
hat dazu geführt, von einer einheitlichen weißen oder europäischen 
Rasse zu sprechen, die in Wirklichkeit nicht existiert. Dabei ist man 
inkonsequent genug, auch die echten Brünetten in Nordafrika und 
Vorderasien zu dieser „weißen Rasse" zu rechnen, obgleich sie nichts 
mit ihr gemein haben. Der Name der weißen Rasse gebührt einzig 
und allein der nordischen, und nur durch Kreuzungen hat sie anderen 
Rassen mit der hellen Haut zugleich höhere Geistesfähigkeiten und 
den Adel ihres Namens verliehen. 

Der Gehalt eines Volkes an blonder Rasse bestimmt seinen 
Kulturwert, und der Niedergang der höheren Kulturen hat seine 
anthropologische Ursache im Aussterben der Blonden. Das natürliche 
Milieu kann die angeborenen Anlagen in ihrer Entfaltung begünstigen 
oder hemmen, wohl spielen moralische und wirtschaftliche Faktoren 
eine wichtige Rolle, aber die entscheidende Ursache für den Sturz 
der Völker ist die Verschlechterung ihrer anthropologischen Struktur. 
Diese Veränderungen in der physischen Existenz der Völker entstehen 
durch Mischung mit weniger begabten Rassen und durch das Erlöschen 
der blonden Geschlechter. Bossuet und Gobineau haben die Mischung 
mit den „Barbaren" für den Sturz des römischen Reichs verantwort- 
lich gemacht, und sie mögen recht haben, wenn sie unter diesen 
Barbaren die Orientalen verstehen. Aber viel bedeutungsvoller war 
die Erschöpfung der arischen Rasse. Die ganze Entwicklung Roms 
war eine fortwährende Selbstverzehrung der arischen Familien, zuerst in 
Rom, dann in Lalium und ganz Italien, bis Gallier und Spanier und 
schließlich Germanen die letzten „Stützen des Staates" waren. 

Wenn Schnaase sagt, daß Rom fiel, weil sein Schicksal vollendet 
war, weil die Seele, die den gewaltigen Körper belebt hatte, abstarb, 
so ist das im buchstäblichen Sinne des Wortes wahr. Die Seele des 
römischen Volkes starb ab, weil die römische Rasse dahingeschwunden 
war. Es gibt eine Reihe von Nachrichten, aus denen erwiesen werden 
kann, daß die blonden und großgewachsenen Menschen in den letzten 
Jahrhunderten des Reichs ausgestorben oder sehr selten gewesen 
sein müssen. Tacitus und andere italische Schriftsteller beschreiben 
das körperliche Aussehen der Germanen, ihre hohe Gestalt und die 
blonden Haare, mit dem Gefühl der Bewunderung und dem Eindruck 



17 



des Fremdartigen, woraus hervorgeht, daß zu seiner Zeit die reinen 
und un vermischten Merkmale der nordischen Rasse fast unbelcannt 
geworden waren. Wie in Italien, scheinen um dieselbe Zeit auch in 
Gallien die Blonden verschwunden zu sein, denn nach Sueton mußten 
die Gallier, die für den Triumphzug des Gajus als Germanen ver- 
kleidet wurden, sich die Haare gelb färben. Noch deutlicher geht 
dieses Bewußtsein, in den Germanen einen fremdartigen Typus vor 
sich zu haben, aus den späteren Schriffstellern, wie Ammianus und 
Procop, hervor. Von einem der spätesten Kaiser, Majorianus {456 — 461), 
wird berichtet: „Sein Haupthaar, das bei allen Menschen berühmt war, 
weil es blond war, so daß man es mit dem reinsten Golde verglich, 
färbte er mit einer eigens dazu erfundenen Salbe, so daß er es in 
dunkles verwandelte." (Procop, Vandalenkneg I, 7,) Des Kaisers Haar 
war berühmt, „weil es blond war", ein Beweis, wie ungemein selten 
und auffallend das blonde Haar unter Römern und Ilalikern gewesen 
sein muß. Mit dem Schwinden des blonden Haares hing eine andere 
korrelative anthropologische Veränderung zusammen, das Schwinden 
der hochgewachsenen Menschen; denn im zweiten und dritten Jahr- 
hundert war das Miiitärmaß auf 1,42 Meter herabgesunken. 

Zuerst starben die Blonden aus, dann die ihnen verwandten 
Mischlinge, bis schließlich fast allein die schwarzhaarigen kleinen 
Menschen übrig blieben und nur die aufgehellte Haut noch an den 
Adel des vergangenen Geschlechts erinnerte. Rom ging am Rasselod 
zugrunde. Alle anderen Schädigungen, wie Sittenverderbnis, Lati- 
fundien Wirtschaft, Sklavenarbeit, selbst eine Vermischung mit Orientalen 
hätte Rom ertragen und überwinden können, wenn ein organischer 
Quell gesunden und unverbrauchten arischen Rasseblutes erhalten 
geblieben wäre. Aber erst das erneute Einströmen der „Riesen aus 
dem Norden", das im Grunde nur die letzte Welle der arischen Ein- 
wanderungen bedeutete, konnte Italien einer neuen Kullurepoche ent- 
gegenführen. 

Unsere überlieferte und heute noch übliche Geschichtsschreibung 
steht einer anthropologischen Betrachtung der Kuiturentwicklung und 
der Blüte und des Verfalls der Nationen verständnislos gegenüber. 
Sie sieht nur die Formen der Staaten, Sprachen und Ideen und deren 
Veränderungen. Sie hat keine Ahnung von den Vorgängen, die sich 
hinter diesen Dingen abspielen, von den Naturgesetzen und Natur- 
kräften, welche die Hervorbringung einer Kultur, ihren Verfall und 
Untergang beherrschen. Es wäre töricht, die Wirksamkeit von 



— 18 — 

ideologischen und wirtschaftlichen Faktoren in der Geschichte zu 
leugnen; aber um in die Geheimnisse der Entwicklung unserer Gattung 
einzudringen, bedarf es einer naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise, 
der Beziehung aller ideellen und materiellen Mächte auf die Menschen 
als leibhaftige Gestaltungen der lebendigen Natur. 

Ich leugne nicht, daB in der Geschichte Handlungen aus Frei- 
heit geschehen, denn ohne Freiheit des Willens wäre die Geschichte 
nur mechanische Bewegung und Veränderung, aber keine Entwicklung. 
Die Erfahrung zeigt, daß die Freiheit des EntschlieBens und Handelns 
bei den Menschen in großer Ungleichheit auftritt und mit ihren 
psychischen Eigenschaften und Zuständen aufs innigste zusammen- 
hängt. In der physischen Organisation ist uns ein sichtbares und 
meßbares Abbild ihrer geistigen Kräfte gegeben, nach einem psycho- 
physischen Gesetz der gesamten organischen Schöpfung. Für die 
Menschengeschichte ist die kulturschöpferische Kraft der körperiich 
verschiedenen Rassen ungleichartig und ungleichwertig, und die Gesetze 
des Rasselebens sind entscheidend für die Entwicklung der Ideen und 
Einrichtungen, für die Blüte und den Verfall der Nationen. Wie es 
heute keine Psychologie ohne Physiologie gibt, so kann es von nun 
an keine Geschichtswissenschaft ohne Biologie und Anthropologie 
mehr geben.*) 



*) In großen Zügen habe ich hier die Orundgedanken der anthropologischen 
Oeschichtstheorie dargestellt, wie sie sich mir aus dem gegenwärtigen Stand der 
Forschung ergibt. Hinsichtlich der allgemein-biologischen und der speziellen 
Gesichtspunkte muß ich auf meine „Politische Anthropologie" (1903) verweisen, wo 
auch die einschlägige Literatur angegeben ist. 



Zweites Kapitel. 



Die Ansiedelung der Germanen in Italien. 



Pn der Kaiserzeit war die Bevölkerung Italiens in einer starken 
Abnahme begriffen. Die Lücken wurden durch Sklaven und 
Soldaten ausgefüht, die außeritalischen Ursprungs waren, in 
anthropologischer Hinsicht verursachten die Ansiedelungen 
durch afrikanische und asiatische Sklaven eine Verschlechterung der 
italienischen Rasse, während die Niederlassung der germanischen 
Soldaten den ersten Anfang einer Regeneration des Volkskörpers 
bedeutete. Schon zur Kaiserzeit wurden ganze Haufen dieser Stämme 
angesiedelt, durch Marc Aurel Markomannen in die Gegend von Ravenna 
verpflanzt, und Ammianus Marcellinus berichtet, daß Alemannen, die in 
Rhätien scharenweise sich zerstreut halten, gefangen genommen und 
nach Italien geschickt wurden, wo sie gutes Ackerland empfingen und 
zu seiner Zeit als Tribularii am Po wohnten. 

Die anthropologischen Umwandlungen, welche die Italiener infolge 
dieser Durchsetzung mit germanischen Elementen erfuhren, waren so 
auffällige, daß im vierten Jahrhundert das Material fijr die Aushebungen 
überaus reich war. Das Militärmaß, das vorher nur 1,48 Meter betrug, 
konnte auf 1,65 Meter und für die Elitetruppen sogar auf 1,72 Meter 
erhöht werden: „Eine neue kriegerische Jugend war, gleich der 
Drachenbrut des Kadmos, jählings aus der Erde geschossen; daß sie 
ihre Lebenssäfte nicht aus der faulen Wurzel der römisch-griechischen 
Nation sog, kann kaum bezweifelt werden."') 

Schon früh finden wir Germanen tn hohen politischen und 
militärischen Ämtern. Unter Gallienus (260—268) wird ein Heruler 
namens Naulobatus als Konsul erwähn L Unter Theodosius war 

*) O. Seeck. Oeschichle des Untergangs der antiken Welt. 1897. I. S. 44. 



20 



Stilicho {= Stillich) Stalthalter des Abendlandes, Oildo stand Afrika 
vor. Hierius, Ardabures, Ricimer, Aspar, Triarius, Hilarianus nahmen 
die Stellung eines Konsuls oder Patricius ein, und Odoakers Bruder 
Onulf war Magister equilum in lllyrien. 

Die römischen Heere des vierten bis sechsten Jahrhunderts 
bestanden vorwiegend aus germanischen Söldnerscharen. Im Jahre 382 
traten 40000 Westgoten in das Heer des Theodosius ein. Wie sehr 
im vierten Jahrhundert das römische Heer germanisiert war, geht aus 
den Berichten des Ammian deutlich hervor. Als höhere Offiziere 
alemannischer Abkunft, die als „Hauptstützen des Staates in allgemeinem 
Ansehen standen", nennt er Latinus, Agilo, Scudilo. Als Tribunen 
werden angeführt Arintheus, Senianchus, Bappo, Bainobaudes, Laipso, 
Nestica, Charietto, Hariobondes, Dogalaif, Balchobaudes, Vadomar, 
Munderich, Logariman, Richomeres, Barzimer, Frigerid, Mallobaudes. 
Man erfährt auch, daß gewisse germanische Völkerschaffen Rekruten 
für das römische Heer stellten, daß von anderen, die sich ergaben, 
„wie immer in solchen Fällen geschah", die kräftigsten Männer unter 
die römischen Soldaten aufgenommen wurden. Und trotzdem spricht 
Ammian von diesen Soldaten, als wenn sie Römer wären: „Endlich 
siegte die Tapferkeit der Römer." 

Wie gegen die Alemannen, so waren es auch Germanen, die 
gegen die Parthen kämpften; Germanen haben die Kraft der Ostgoten 
in Italien gebrochen, Belisar war ein Oole, und Totila wurde in der 
blutigen Schlacht bei Gualdo Tadino (552) von einem Germanen Asbad 
durchbohrt. Selbst die Langobarden schickten auserlesene Hülfstruppen 
dem Belisar zu Hülfe (Paul. Diac. II, 1). Aber Procop, der den Ooten- 
krieg so anschaulich beschrieben hat, redet stolz von „Siegen der 
Römer''. 

Nichts bezeugt mehr die Auflösung der alten römischen Militär- 
verfassung als der Umstand, daß an die Stelle der Legionen die 
„Völkerschaften" und „Scholae", an Stelle des römischen Adlers die 
Fahne getreten war, „welche die Römer Bandum nennen". (Pr. V. K. II, 2.) 
Bandum ist die aligemeine germanische Bezeichnung für die Kriegs- 
fahne. So hieß auch das große Banner der Goten, und Bandelarius 
der Träger des Bandum. (Pr. O. K. I, 18.) 

Die erste Ansiedelung von Germanen, die als Eroberer auftraten, 
geschah unter Odoaker, dessen Scharen aus Skiren, Goten und Alanen 
bestanden. Sie erhielten ein Drittel des italienischen Bodens, die 
sogenannten „Sortes Herulorum". „Längst war der Ruhm der römischen 



21 



Soldaten geschwunden", schreibt Procop, „und die Barbaren breiteten 
sich immer mehr in Italien aus; diese Eindringlinge herrschten 
unbeschränkt unter dem beschönigenden Namen von Bundesgenossen; 
ohne Scheu griffen sie immer weiter um sich und verlangten schließ- 
lich, das ganze Ackerland Italiens sollte unter sie verteilt werden." 
(O. K. I, 1.) 

Wie in „Der Langobarden Herkunft" erzählt wird, führte Odoaker 
Krieg mit den Rugiern, tötete ihren König und „führte viele Gefangene 
mit sich nach Italien", wodurch auch germanisches Blut in die Schichten 
der Sklaven und Hörigen gebracht wurde. 

Nach der Eroberung durch die Ostgoten (489) wurden die 
meisten Heruler umgebracht, doch nicht alle, da Procop berichtet, daß 
Theoderich diejenigen, die von seinen früheren Gegnern noch übrig 
waren, für sich gewann und von nun an unangefochten über Goten 
und Italiker herrschte. Die Goten scheinen teils zerstreut, teils sippen- 
weise sich angesiedelt zu haben. In dichteren Gruppen saßen sie 
in einigen Teilen von Nord- und Mütelitalien, während in den süd- 
lichsten Teilen, in Calabrien und Apulien, weder Siedelungen noch 
Besatzungen, in Bruttium nur wenige Soldaten waren. Auf Sizilien 
waren vier Festungen von Goten besetzt; in Neapel lagen acht 
Hundertschaften, 

Über die Gesamtzahl des gotischen Volkes in Italien sind viele, 
zum Teil sehr unfruchtbare Erörterungen angestellt worden. Nach 
Procop führte Witigis ein Heer von 150000 Mann vor Rom, von 
denen 30000 getötet wurden. Man kann daraus schließen, daß das 
Gesamtvolk der Goten, mit Weibern und Kindern, gegen eine Million 
gezählt hat. Neuere Forscher wollen die Zahl der streitbaren Männer 
nur auf 20000 und das ganze Volk auf lOOOOO Seelen bemessen. 
Ich halte diese Zahl für viel zu niedrig, wenn ich auch nicht in Abrede 
stellen will, daß Procop übertrieben haben mag. Als Theoderich dem 
Vandalenkönig Trasamund seine Schwester Amalafrida zur Gemahlin 
schickte, sandte er 1000 edle Goten als Leibwächter mit, denen noch 
ein Haufe von 5000 streitbaren Männern als Diener folgte, was auf 
eine weit größere Gesamtzahl von Goten schließen läßt, als jene 
Gelehrten annehmen. Während zweier Menschenalter mochte die Zahl 
der eingewanderten Goten unter den günstigen Lebensverhältnissen 
Italiens sich verdoppelt haben, so daß es nicht zu hoch gegriffen ist, 
wenn man auf Grund der Angaben Procops die Gesamtzahl gegen 
eine Million einschätzt 



22 



Freilich wurden die Reihen der Goten in den blutigen Kriegen 
mit Belisar und Narses nicht wenig gelichtet, wenn es auch ganz 
falsch ist, von einem „Untergang der Oolen in Italien" zu sprechen. 
Als Rasse sind die Goten zum größeren Teil In Italien 
erhalten geblieben. Abgesehen davon, daß fast alle Frauen, 
Kinder und die halbwüchsige Jugend überlebten, was für die physio- 
logische Erhaltung einer Rasse von der größten Bedeutung ist, so blieb 
auch eine große Anzahl von gotischen Kriegern am Leben .und in 
Besitztum, Das geht aus den Schilderungen des Procop unwiderleg- 
lich hervor, und es ist in höchstem Grade lehrreich, dem Schicksal 
der Gruppen und Siedelungen der Goten im einzelnen nachzuspüren. 

Einmal war ein nicht zu unterschätzender Teil von Goten schon 
romanisiert worden und zum katholischen Glauben übergetreten. Schon 
im Jahre 537 ergab sich Pitzas, ein gotischer Führer aus Samnium, mit 
allen Goten, die mit Ihm angesiedelt waren, und brachte dadurch 
Beitsar in Besitz von der Hälfte des samnischen Küstenlandes bis an 
den Fluß Volturno, der mitten durch das Land fließt. Die Goten aber, 
die jenseits des Flusses saßen, wollten nicht dem Beispiel des Pitzas 
folgen und dem Kaiser Untertan sein. (G, Kr. I, 15.) Diejenigen, die 
in Petra waren, ergaben sich 538 unter der Bedingung, des Kaisers 
Sklaven und Belisar Untertan zu sein. Die Mehrzahl wurde ins Heer 
aufgenommen, einige mit Weib und Kindern am Ort zurückgelassen. 
(II, 11.) Alle Goten, die in Todi und Chiusi sich ergeben hatten, 
wurden nach Sizilien und Neapel verpflanzt, (II, 13.) Die zahlreiche 
Besatzung der Oolen in Urbinum unter Morras übergab sich und die 
Stadt an Belisar unter der Bedingung, daß ihnen nichts Böses geschehe 
und daß sie als Untertanen des Kaisers ganz gleiche Rechte wie das 
Heer selbst genossen, (II, IQ.) Die Besatzung von Fiesole wurde 
nach Übergabe ins Heer aufgenommen, (II, 27.) Die Goten in 
Ariminium durften die Hälfte des beweglichen Eigentums behalten 
und wurden Untertanen des Kaisers. {II, 27.) Die edlen Goten, die 
in den Burgen der Cottischen Alpen wohnten, ergaben sich und 
leisteten den Treueid. (II, 28.) Nach der Übergabe von Ravenna Heß 
Belisar die Goten, die südlich vom Po wohnten, zu ihren Ackern 
zurückkehren, um sie In Frieden zu bebauen. Die in Ravenna 
wohnenden Goten, an Zahl ebensoviel wie die römischen Soldaten, 
blieben dort und behielten ihr Eigentum. (II, 29.) Ebenso ergaben 
sich die Besatzungen von Tarvislum (Treviso) und der übrigen Burgen 
Venetiens, ferner die Goten von Cesena dem Belisar und „sie blieben 



23 



. bei ihm". Wer in der Schlacht bei Taginae vom Gotenheer nicht 
umgekommen oder in die Hände des Feindes gefallen war, der suchle 
im Verborgenen zu entschlüpfen, zu Fuß oder zu Pferde, wie Glück, 
Umstände und Örtliche Verhältnisse es eben gestatteten. (IV, 32.) 
Nach der Schlacht am Vesuv zogen die berühmten tausend Goten, 
die Unversöhnlichen, nach Ticinum, um Italien zu verlassen. Die 
übrigen beschworen sämtlich den Vertrag, des Kaisers Untertan zu 
sein. (IV, 35.) 

Agathias berichtet uns über diesen Vertrag Genaueres. Die 
Goten kamen mit Narses überein, daß sie ihre eigenen Güter bewohnen 
und dem römischen Kaiser fürderhin Untertan sein sollten. Von den- 
jenigen, die sich infolge des Vertrags zerstreut hatten, zogen die einen, 
die früher südlich vom Po gewohnt hatten, nach Tuscien und Ligurien, 
wie es jedem beliebte; die anderen verteilten sich, wie früher, über 
Venetien in die Städte und Kastelle dieser Gegend. 

Der Gotenkrieg hatte ein Nachspiel im Frankenkrieg. Denn nach 
Tejas Tode schickten die Goten, die nördlich vom Po saßen, zu 
Theodabald, dem König der Franken, um Hülfe. „Die übrigen sahen 
wohl auch die Änderung und Umwälzung der bestehenden Verhält- 
nisse mit günstigen Augen an, verhielten sich aber untätig, da sie an 
dem Erfolg zweifelten und die Unbeständigkeit des Glückes fürchteten; 
sie schwankten unentschlossen hin und her und beobachteten mit 
großem Eifer, was vorging, um sich den Siegern anzuschließen." (1, 5.) 
Tatsächlich schlössen sich die Goten, die Aemilia, Ligurien und die 
angrenzenden Landschaften bewohnten, den Franken an. (I, 15.) Der 
Krieg verlief unglücklich. Aligern. der Bruder des Tejas, übergab die 
Festung Cumae mit dem Kronschafz und beschloß, „als Römer zu 
leben". Auch Ragnaris ergab sich mit 7(X>0 Mann, die nach Byzanz 
geschickt wurden. 

Mögen in diesen letzten Kämpfen auch zahlreiche Goten um- 
gekommen oder verschickt \fforden sein, so ergibt sich doch aus der 
ganzen Darstellung, daß unzweifelhaft eine große Anzahl im Lande 
und in seinen Besitzungen blieb. Ferner ist es sehr wahrscheinlich, 
daß viele von den zu Narses übergetretenen Goten im Lande ver- 
blieben sind. Auf sie und andere germanische Elemente dürfte der 
heftige Widerstand zurückzuführen sein, der den Langobarden von 
Seiten einiger Städte Ober- und Mittelitaliens entgegengesetzt wurde. 

Der Auffassung, daß die Goten gänzlich oder fast gänzlich in 
Italien untergegangen seien, sind schon früher Muratori (im dritten 



— 24 — 



Band seiner Annalen), Leo und von Olöden entgegengetreten. Nament- 
lich hat der letztere gezeigt, daß die oft ausgesprochene Meinung von 
dem völligen Untergang des ostgotischen Volkes sehr übertrieben sei. 
Der größere Teil sei in Kolonatsverhältnisse eingegangen, aber andere 
hätten sich unter der neuen Herrschaft im vollen Besitz ihrer Güter 
behauptet, wie aus manchen Urkunden aus jener Zeit bewiesen werde. 
Es ist klar, daß aus jenen frühen dunklen Zeiten nur wenige Zeug- 
nisse erhalten sind. Aber es ist von Bedeutung, daß im Cartularium 
Langobardum nicht nur zwischen den Rechtsgebräuchen der Lango- 
barden, Franken, Alemannen, Bayern, sondern auch der Goten und 
Burgunder unterschieden wird. Noch bis ins elfte Jahrhundert erhielt 
sich gotisches Recht. Es gibt eine Urkunde vom Jahre 769, in der 
ein Stavila, ein Bürger von Brescia, nach gotischem Recht einen 
Rechtsakt vollzieht, und eine aus dem Jahre 1045, in welcher ein 
Obezo de Vico Oodi angibt, nach gotischem Recht zu leben.') 

Mehr noch als die spärlich erhaltenen Urkunden von gotischen 
Rechtsbräuchen beweisen die zahlreichen gotischen Namen die 
Erhaltung ihres Volkstums, besonders in Miltelitalien, wie aus den 
Regesten des Klosters Farfa hervorgeht. Die gotischen Namen unter- 
scheiden sich nach Brückner von den langobardischen hauptsächlich 
durch den schwachen männlichen Nominativ auf a, der im Lango- 
bardischen auf o ausgeht, dann durch inneres ja- und je-, durch i für 
westgermanisch-langobardisches e, durch e oder i für langobardisches ä, 
und durch das Fehlen der zweiten Lautverschiebung im allgemeinen. Zu 
diesen gotischen Namen gehören: Nefila, Tinea, Leunia, Hermia, Guala, 
Trocla, Trotta, Maurica, Barbula, Mimpula, Merula, Hilpja (a. 823), Leonia 
sculdahis (a. 770), Mauricula, Ansefrida, Asfrida, Gilgerardus, Gtlio- 
dorus, Oiliepertus, Oiliefredus, Tresidius (langobardisch = Trasitheo), 
Merualdus, Merulus, Amilpertus, Gutta, Quala (= Wala). In Ober- 
italien sind die Reste gotischer Namen dürftiger als in Mittelitalien, 
z. B. Tricideus, Gisa, Romedius, Eldiselus, Uula, Totila, Uuilia, Tanca 
(= Zanco), Fasta, Widica.") 

Außer diesen möchte ich noch Aldighieri anführen, den gotischen 
Namen jener Familie, aus der Dantes Stammbaum sich ableitete, 
an Fraulissa Savolina (savil gotisch = Sonne), die Mutter Oiordano 
Brunos. Auch der Name Teja oder Tegia ist in Mittelitalien nicht 

*) Neues Archiv der Gesellscliaft für allere deutsche Geschieh tskundc XIV, 
S. 535; XXVIII, S. 767. 

**) W. Brückner, Die Sprache der Langobarden. 1895. 



25 



allzu selten. Davidsohn erwähnt sechs Ortschaften in Toscana mit 
dem Namen Ariana oder Riana, die er auf arianische Ooten zurück- 
führt. Ferner dürfte der in Toscana so häufig vorkommende Familien- 
name Gotti oder Oodi an diesen Stamm erinnern. 

Aus den Berichten des Procop geht aufs deutlichste hervor, daß 
namentlich in Toscana Ooten in größerer Zahl sich erhielten. Das ist 
auch die Ansicht von Leo, Oregorovius, Brückner und anderen, die 
sich mit der mittelalterlichen Geschichte Italiens beschäftigt haben. 
Und wenn Toscana und Florenz vor allen anderen Teilen Italiens sich 
durch eine erstaunliche Produktion von Genies auszeichnete, so dürfte 
dies in erster Linie dem Einfluß der gotischen Rasse zu danken 
sein, die nach dem Urteil aller Historiker den edelsten und begabtesten 
Zweig der Germanen bildete. 

Die für die politische Entwicklung Italiens wichtigste germanische 
Einwanderung war diejenige der Langobarden. Im Jahre 568 ver- 
ließen die Langobarden unter ihrem König Alboin das Land Pannonien 
und zogen mit Weib und Kind und Hab und Gut, um Italien in Besitz 
zu nehmen. Zuerst wurde Venetien mit Forojuli eingenommen und 
dem Oisulf, des Königs Neffen, zugeteilt, dem eine Anzahl der hervor- 
ragendsten langobardischen Geschlechter sich anschlössen. Treviso 
ergab sich freiwillig. Dann wurden Vicenza, Verona und die übrigen 
Städte Venetiens erobert, mit Ausnahme von Padua, Monselice und 
Manlua. Anfang des Jahres 560 zog Alboin in Mailand ein und 
eroberte von hier aus sämtliche Städte Liguriens außer den am Meere 
gelegenen. Nach dreijähriger Belagerung ergab sich Pavia. Inzwischen 
wurde alles Land bis nach Tuscien hin, ausgenommen Rom, Ravenna 
und noch einige feste Plätze an der Meeresküste, eingenommen. Fünf- 
unddreißig Herzogtümer wurden eingerichtet, von Bergamo und Pavia 
bis nach Spoleto. „Zu jener Zeit", sagt Paulus Diaconus, „wurden 
viele vornehme Römer aus Gewinnsucht ermordet, die übrigen wurden 
zinspflichtig gemacht und den langobardischen Fremdlingen in der 
Art zugeteilt, daß sie den dritten Teil ihrer Früchte an sie zu ent- 
richten hatten. Unter diesen langobardischen Herzögen und im 
siebenten Jahre seil dem Einbruch Alboins geschah es, daß die 
Kirchen geplündert, die Priester ermordet, die Städte zerstört, die Ein- 
wohner, die den Saaten gleich aufgeschossen waren, umgebracht, und 
der größte Teil Italiens von den Langobarden erobert und unterjocht 
wurde, ausgenommen die Gegenden, die schon Alboin eingenommen 
hatte." (II, 32.) In den Zeiten des Papstes Benedict (578) bedrängten 



_ 26 — 



die Langobarden das Land rings um Rom. Unter Authari wurde 
Francio auf der Insel Comacina im Corner See, der noch von des 
Narses Zeit her sich bereits zwanzig Jahre gehalten hatte, zur Über- 
gabe gezwungen. Authari drang dann nach Süditalien bis nach 
Regium vor und gründete das Herzogtum Benevent, dessen erster 
langobardischer Fürst Zotto war. Der Herzog Romuald belagerte und 
eroberte Tarent und Brundisium und unterwarf das ganze Land im 
weiten Umkreise seiner Herrschaft. Von hier breiteten sich vier- 
unddreißig langobardische Grafschaften aus. Noch um das Jahr 1000 
nannten die Griechen Calabrien das „Thema Langobardum". Das 
Herzogtum Benevent dauerte bis zur Ankunft der Normannen, ebenso 
die von ihm abgesonderten Fürstentümer Saierno und Capua, sowie 
die Marlcgrafschafl Camerino, deren Name sich heute noch in den 
„Marken" (Marche) erhalten hat. 

Im Jahre 602 wurde endlich Padua, 605 Orvieto unterworfen. 
König Rothari eroberte 642 von Lucca ab längs der Meeresküste alle 
Städte bis zur fränkischen Grenze und zerstörte Opitergium (Oderzo). 
Liutprand unterwarf Narnia, Bologna und die sogenannte Pentapolis, 
Desiderius riß die Städte des Exarchats an sich, ferner das Gebiet von 
Senogallia, Montefeltro und Urbino. Verschont blieben von einer 
unmittelbaren Eroberung Rom, Ravenna und Venedig. Die Umgebung 
von Rom, wie auch die Stadt selbst, wurde mehrfach von den Lango- 
barden besetzt und wieder aufgegeben. Im Jahre 767 machte der 
Herzog Toto sogar seinen Bruder Constantinus mit Gewalt zum 
Papste, und es wird berichtet, daß die gewaltsame Wahl „im Hause 
des Toto in Rom" geschehen sei. Auch gab es um diese Zeit lango- 
bardische Priester in Rom, und als Karl der Große in Rom einzog, 
bestand neben der fränkischen auch eine langobardische Landsmann- 
schaft. Latium wurde von langobardischen Rittern eingenommen, die 
dort ihre Kastelle gründeten und den Ausgangspunkt für die Bildung 
des mittelalterlichen römischen Adels bildeten. Alberich I,, der im Anfang 
des zehnten Jahrhunderts sich zum Herrscher von Rom aufwarf, war 
ein langobardischer Edelmann. Er erzeugte mit der „Römerin" Marozia, 
deren Name germanisch ist, Alberich II., der die weltliche und geist- 
liche Gewalt eine Zeitlang inne hatte. Sein Sohn Ottaviano, Papst 
Johann XII., wurde von Otto I. abgesetzt. 

Außer der kriegerischen Ausbreitung zerstreute eine friedliche 
Wanderung, ein innerer Bevölkerungsstrom von Norden nach Süden, 
die Langobarden über die Halbinsel. Auf Sizilien gab es eine große 



27 



Anzahl langobardtscher Kolonien, die zum Teil lieute noch bestehen 
(Piazza, Fratello, Nicosia, Aidone) und in denen gegenwärtig 40000 
Personen den lombardischen Dialekt sprechen. Noch um das Jahr 1050 
flüchteten Langobarden nach Viterbo, die dort einen besonderen Stadtteil 
einnahmen und bis ins fünfzehnte Jahrhundert ihr Volkstum bewahrten. 

Die Eroberung durch die Franken brachte neue Scharen von 
Germanen ins Land, und manche heute noch besiehende Adels- 
geschlechler oder solche, die in der politischen und geistigen Geschichte 
Italiens eine Rolle gespielt haben, leiten von fränkischen Grafen ihren 
Stammbaum ab. 

In Südilalien hatten die Germanen nur einen geringen Anteil an 
der Zusammensetzung der Bevölkerung. Daran wurde auch durch 
die Eroberung der Normannen nicht viel geändert, da sie in geringer 
Anzahl einwanderten und eine vornehme Herrenschicht in den Kastellen 
und Palästen der Städte bildeten. Dennoch spielten die Normannen 
und ihre Abkömmlinge in der politischen und geistigen Geschichte 
Italiens keine geringe Rolle, denn sie wurden zu einer Stütze des 
Papsttums und in den Adern eines Thomas von Aquino, Telesius, 
Filangieri floß Normannenblul. 

Nicht ohne Bedeutung waren die Römerzüge der deutschen 
Kaiser, die Sachsen und Schwaben im Lande zurückließen, von 
denen manche hervorragende Geschlechter ihren Ursprung nahmen. 
Außerdem ist in Norditalien von den Alpen her ein fortdauernder 
Etnwanderungsstrom von seilen der Bajuvaren und Alemannen 
festzustellen. Die Patriarchen von Aquileja (deutsch Algei) stammten 
z.B. von 1019 — 1250 fast ohne Ausnahme aus deutschen Familien.*) 
Bis ins späte Mittelalter hinein hat in Gradisca, Görz, Friaul und in 
Venetien bis in die unmittelbare Nachbarschaft von Verona und Vicenza 
sich deutsches Volkstum erhalten. Die letzten Reste bestehen in den 
„Dreizehn Gemeinden" und „Sieben Gemeinden" und am Monte Rosa. 
Das südliche Tirol, das heute fast ganz romanisiert ist, war damals 
deutsch, und die Chroniken von Trient sind „im schönsten Mittelhoch- 
deutsch" geschrieben. 



') C. von Cioemig. Die allen Völker Oberitaliens. 1885. S. 55. 



Kapitel. 

Die Entwicklung der italienischen Stände 
und Städte. 



^Is die Langobarden Italien eroberten, setzten sie sich in Besitz 
der römischen Güter und machten sie sich zum Herrenstand 
in Land und Stadt. Nach den Untersuchungen von Leo, 
Troya, Hegel, Oaupp') und anderen ist es unzweifelhaft, 
daß der größte Teil der italienischen Bevölkerung in Nord- und Mittel- 
italien verknechtet wurde und in Hörigkeitsverhältntsse überging, was 
nicht ausschließt, daß einzelne Römer im Besitz ihrer Güter blieben 
oder, was später häufig geschah, frei gelassen wurden. 

In der neuen sozialen Gliederung haben wir im wesentlichen 
drei Schichten zu unterscheiden. Die Valvassori und Capitanei, die 
Bürger oder Cives und die zinspflichtigen Hörigen, zu denen auf dem 
Lande die Bauern und in den Städten die Handwerker gehörten. 

Die ersteren waren unzweifelhaft germanischen Ursprungs. Sie 
bildeten den Feudaladel, der meist in den Kastellen wohnte, aber auch 
schon frühzeitig in die Stadt zog oder zugleich in Stadt und Land 
Besitzungen und Häuser hatte, wie aus der Geschichte von Genua 
und Florenz deutlich hervorgeht. 

Auch die Bürger der Städte waren zum großen Teil, in der einen 
Stadt mehr, in der anderen weniger, germanischen Ursprungs. Dafür 



') H. Leo, Über die Verfassung der freien lom bardischen Städle im Mittel- 
aller, 1820. Entwicklung der Verfassung der lom bardischen Städte, 1824. Geschichte 
der italienischen Staaten, 1829. — C. Troya, Della condizione dei Romani vJntJ da 
Langobardi, 1341. — E. Th. Gaupp, Die germanischen Ansiedelungen und Land- 
teilungen in den Provinzen des römischen Reichs, 1844. -- K. Hegel, Geschichte 
der Städle Verfassung in Italien, 1847. — ?. Dahn, Urgeschichte der germanischen 
und romanischen Völker, 1881. 



29 - 



spricht besonders der Umstand, daß die Cives „Arimannen" genannt 
werden, was der Ehrenname der wehrhaften freien Langobarden 
war. Die Bürger wurden auch „popolo grasso" genannt, wie in 
Mailand, Genua, Bologna, Siena, Florenz, Piacenza. Zu ihnen gehörten 
die Kaufleute, die Arzte, die nichtadeligen Doktoren der Rechte 
und die angesehensten und reichsten Handwerker, Leo vermutet, 
daß „popolo grasso" eine schlechte tJbersetzung des deutschen 
Rachimburgen (= reiche Bürger) sei.*) Der „popolo minuto" ging 
wohl aus den ursprünglich zinspflichtigen und hörigen italienischen 
Einwohnern der Städte hervor, die unter der Frankenherrschaft frei 
geworden zu sein scheinen, während die Hörigkeit der Landbewohner 
im zwölften und dreizehnten Jahrhundert aufgehoben wurde. 

In den Städten wandten sich die Germanen schon früh dem 
Kunsthandwerk zu, namentlich wurden sie Münzer, Gold- und Waffen- 
schmiede. Dafür sprechen eine ganze Reihe von Urkunden, die Leo 
anführt, worin Gold- und Waffenschmiede in Mailand und Pavia 
zusammen mit Lehensleuten und Edlen als Zeugen aultreten. Übrigens 
waren dies Beschäftigungen, die schon in der voritalischen Zeit von 
freien und edlen Germanen nicht verschmäht wurden.") 

Es ist daher eine wohl begründete Ansicht, daß die Goldschmiedc- 
kunst, die in Oberitalien und in Toscana während des ganzen Mittel- 
alters in hoher Blüte stand, nicht eine Fortsetzung antiker Tradition 
ist, sondern von den Langobarden mit ins Land gebracht und höher 
ausgebildet wurde. Für die historische Betrachtung ist dies insofern 
von großer Bedeutung, als eine ganze Reihe der hervorragendsten 
Künstler der Renaissance aus den Ooldschmiedewerkstätten hervor- 
gegangen ist. 

Auch dem Handel wandten sie sich zu, wie die langobardischen 
Namen in alten Urkunden beweisen. Und um die Mitte des achten 
Jahrhunderts, schreibt Harlmann in seiner Geschichte Italiens im Mittel- 
alter, bestand ein so zahlreicher Stand von freien und grundbesitzlosen 
Gewerbs- und Kaufleuten, daß ihre Kriegsdienstpflicht besonders 
geregelt werden mußte. Es waren Kaufleute, deren Gut so groß war, 
daß sie zu Roß und im Panzer wie die Voll-Hufener zu Felde ziehen 
mußten™) 

•) H. Leo, Über die Verfassung der freien lombardischen Städte im Mitlei- 
alter. 1820. S. 25 ff. 

") H. Leo, Entwicklung der Verfassung der lombardischen Städte. 1824. S. 32 ff. 
*") Hartmann, Oeschichle Italiens im Mittelalter. 1900. 111. Bd., S. 21. 



30 



Die Langobarden gaben zwar ihre Sprache auf, nahmen römische 
Tracht und Sitten an, aber an ihrem angestammten Recht hielten sie 
mit großer Zähigiceit fest. Dies hängt mit ihrem starken Familien- 
und Sippenbewußtsein zusammen und dem darauf beruhenden Privat- 
recht in Ehe- und Erbschaftssachen. Die Germanen der Völker- 
wanderung hatten nur ein gering entwickeltes Nationalbewußtsein, 
das sich erst im Laufe einer längeren gemeinsamen staatlichen und 
kulturellen Entwicklung auszubilden pflegt. Um so stärker war das 
Oemeinschaftsgefühl der Geschlechter und Familien. Leo hat das 
germanische Privatrecht nicht ohne Grund als ein „völkerrechtliches 
Verhältnis" bezeichnet. Der freie und selbständige Germane bildete 
mit seiner Familie und Sippe eine kleine Welt für sich, daher die 
Fehden zwischen Familien wie zwischen Völkern sich abspielen, und 
wenn wir im italienischen Mittelalter die Familien so häufig im Kampf 
miteinander und Frieden schließen sehen, wie zwei Völker, so ist das 
eine altgermanische Sitte. Die Kämpfe in Bologna, Florenz, Perugia 
und Rom weisen schon aus diesem Grunde auf den germanischen 
Ursprung jener Adelsfamilien hin. 

Dieser Unabhängigkeitssinn des freien Germanen, ein Selbst- 
herrscher, ein baro liber (Baron) zu sein, wie es in seinem Privatrecht 
so deutlich zum Ausdruck kommt, wurde der natürliche psychologische 
Quell für die Entwicklung des geistigen Individualismus in Kunst 
und Wissenschaft, als die Sitten sich verfeinert und die kriegerischen 
Leidenschaften sich beruhigt hatten. Daraus ging jene geistige Frei- 
heit der Persönlichkeit hervor, die wir an der Renaissance so sehr 
bewundem, und die in dem schlichten Selbstbekenntnis Benvenuto 
Cellinis wie eine Naturtatsache zum Ausdruck kommt: „Ich würde 
immer nur mir selbst und niemand anders angehören, und wer mich 
brauchte, möchte mit mir übereinkommen." 

Neben dem langobardischen finden wir in Italien den Gebrauch 
von fränkischem, sächsischem und gotischem Recht. Im Bereich der 
römischen Kirche erhielt sich auch das römische Privatrecht, während 
das römische Öffentliche Recht fast gänzlich zugrunde ging. Das 
langobardische Recht blieb bis ins dreizehnte, teilweise bis ins fünf- 
zehnte Jahrhundert in Gebrauch. 

Die Sitte der Langobarden, die Gerichte unter Bäumen abzuhalten, 
die veru-lubi genannt wurden, blieb bis ins elfte Jahrhundert bestehen. 
Wie Leo mitteilt, wurde ein Gericht, wobei Arimannen, also freie 
Nachkommen der Langobarden, als Richter erwähnt werden und 



31 



Oastalden als Kläger erscheinen, noch im Jahre 1005 in der Nähe von 
Imola „sub arbore verulubio" abgehalten. Später wurden dann die 
bedeckten, nach den Seiten offenen Orte, wo in den Städten Gericht 
gehalten wurde, laubia oder Lauben genannt.*) 

Während das römische Privatrechf sich teilweise erhielt, wurde 
durch die langobardische Eroberung in den meisten Städten Ober- 
und auch Miitelitaliens die alte römische Stadf Verfassung fast gänzlich 
vernichtet. Nur wenige Reste blieben übrig. Savigny hat zwar ver- 
sucht, in seiner „Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter" eine 
Kontinuität der römischen Stadt Verfassung nachzuweisen. Aber nach 
den Untersuchungen von Muratori, Troya, Leo, Hegel, Oaupp ist die 
mittelalterliche städtische Verfassung ein wesentlich Neues und Anderes, 
wenn auch einige Namen, wie consules, in einigen Städten an die alte 
Tradition anknüpfen. Und manche Einrichtungen, die an antike 
erinnern, sind nur der Ausdruck dafür, daß aus ähnlichen Verhält- 
nissen und Bedürfnissen analoge Formen herauswachsen, ohne daß 
ein direkter historischer Zusammenhang zu bestehen braucht. 

Manchmal wurde das römische Recht nur aushülfsweise in 
Gebrauch genommen. So heißt es z. B. in den Genuesischen Annalen 
des Jacobus de Auria (1292), daß der Podesta von Genua volle Gewalt 
hatte, Recht zu sprechen, und zwar nach den Gesetzen der Stadt, und 
wo diese keine Auskunft geben, nach römischem Recht; oder nach 
den Gesetzen der Stadt und nach römischem Recht, wobei jedoch die 
Befehle der Kapitäne vorbehalten blieben, welche der Podesta in allen 
Gesetzen und Verordnungen zu beachten halte. Dieses Zurückgreifen 
auf römisches Recht ist wohl kaum aus einem kontinuieriich lebendigen 
Gebrauch zu erklären, sondern vielmehr durch theoretische Studien 
vermittelt. Für letztere Annahme spricht, daß in jener Zeit die römische 
Rechtsgelehrsamkeit in großem Flor stand. In Genua selbst werden 
um diese Zeit Palmerius Mignardus und Percivallus de Baldizone als 
Rechtsgelehrle genannt, die übrigens beide altdeutsche Namen haben. 

Es kann kein Zweifel sein, daß die Verfassung der Städte des 
italienischen Mittelalters eine politische Leistung der eingewanderten 
Germanen ist. Neue Menschen mit frischen Kräften und anderen 
Bedürfnissen schufen diejenigen Formen des städtischen Lebens, die 
ihren natürlichen Entwicklungstendenzen entsprachen. Dort aber, wo 
sich alte Formen ganz oder teilweise erhielten, waren die Menschen 



') H. Uo, Geschichte der italienischen SUaten. 1S29. t. Teil, S. 61. 



— 32 



selbst von anderer Art geworden. So bestand in Rom im elften und 
zwölften Jahrhundert ein Senat, aber nur dem Namen nach, denn in 
Wirklichkeit war er eine deutsche Ritterversammlung. 

H. Leo. wohl der beste Kenner der Geschichte Mailands im frühen 
Mittelalter, schrieb als Ergebnis seiner Untersuchungen: „Mailand 
erscheint, ungeachtet sich noch keine Spur einer Städteverfassung findet, 
doch unter langobardischer Herrschaft auf alle Weise bedeutend. Schon 
im Jahre 739 hatte es herrliche Mauern und Türme, enthielt es pracht- 
volle und zierliche Gebäude. Neun schöne Tore gewährten den 
friedlich verkehrenden Gästen den Eingang; Befesügungs werke aller 
Art standen den Feinden entgegen. — Nicht geringe Freude gewährt 
es, was bei Anfang einer Periode in Asche und Verwüstung lag, am 
Ende derselben so herrlich erstanden, so neu gekräftigt und erwachsen 
zu erblicken. Wenn die, unter deren Herrschaft dies vorging, auch 
von wilden Leidenschaften getrieben und in mannigfacher Roheit zuerst 
erscheinen, so muli doch eine gründliche Bildungsfähigkeit in ihnen 
anerkannt werden, und Mailands Schicksal kann als vollgültiger Beweis 
gelten, dail die Barbaren des deutschen Nordens nichts gemein hatten 
mit den Wilden der nordamerikani sehen Wälder." 

Die Chroniken und Urkunden aus dem Mailand des Mittelalters 
wimmeln geradezu von germanischen Namen. Statt vieler Zeugnisse 
führe ich nur ein Beispiel aus jener Zeit an, als in Mailand noch 
Konsuln gewählt wurden. Unter zwanzig Konsuln werden genannt 
als Capitanei: Arialdus Vesconte. Arialdus Grasso, Lanfrancus Ferrarius, 
Lanfrancus de Curte, Arnaldus de Rode, Arialdus de Sexto Azofante, 
Manifredus de Setera, Albericus de la Turre, Anseimus Avocatus; als 
Valvassoren: Johannes Mainerii, Ardericus de Palazzo, Guazzo Aresta- 
guido Malastieni, Otto de Fenebiago, Ugo Crivello, Ouibertus Cotta; 
als Cives: Ugo Zavatorius, Alexius Lavezarius, Paganus Ingouart, Azo 
Martinoni, Pagano Maxsaso.') 

Die berühmtesten Familien Mailands tragen germanische Namen: 
Berlini, Durini, Isimbardi, Labus, Mainoni, Mandelli, Manzoni, Oldofredi, 
Trotti, Giulini, Litta, Borromei, Poldi-Pezzoli, Zucchi, Suardi usw.") 

Genua hatte nacheinander unter der Herrschaft der Ostgoten, 
Langobarden und Franken gestanden und im Wettbewerb mit Pisa 
einen ausgedehnten Handel entwickelt. Die Jahrbücher von Genua, 



•) Savigny, Geschichte des römischen Rechts im Miltelaller. 
**) F. Calvi, Pamigh'e notabili Milanesj. 1875. 



id., S. 117. 



33 



verfaßt von den Kanzlern Cafarus, Obertus, Ottobonus usw^ gewähren 
einen lehrreichen Einblick in die Zustände Genuas vom elften bis 
zwölften Jahrhundert. Ungemein zahlreiche germanische Personen- und 
Familiennamen von Konsuln, Podestä usw. werden aufgeführt, im Jahre 
1097 z. B. als edelste Genuesen, die am Kreuzzuge teilnahmen, folgende 
genannt: Anseimus Racherius, Obertus, Sohn des Lambertus de Marino, 
Obertus Bassus de Insula, Ingo Flaonus, Dodo de Advocalo, Lanfrancus 
Rozza, Pascalis Noscentius Asfor, Wilheimus de Bono Seniore, Opizzo 
Mussus und viele andere, so daß sie zwölf Galeeren und ein Last- 
schiff mit den tapfersten Kriegern bemannen konnten. 

In Genua waren, wie in Rom und Florenz, die Paläste der Edeln 
zugleich Festungen mit hohen Mauern und Türmen. Sie bildeten 
besondere Quartiere, in denen die Familien und Sippen mit ihren 
Anhängern saßen. 

Für den germanischen Charakter Genuas um diese Zeit läßt sich 
auch ein direkter anthropologischer Beweis führen. In den Jahrbüchern 
von Genua findet man einige farbige Gruppenbilder, die Genuesen 
und Pisaner darstellen. Alle Personen haben blonde oder rötliche 
Haare und verraten durch ihre ganze Gestalt die nordische Herkunft 
Auch findet man in denselben Annalen die ältesten germanischen 
Porträts des italienischen Mittelalters, den Kanzler Cafarus als hohen 
stattlichen Greis mit langem weißen Bart und neben ihm seinen blond- 
haarigen Schreiber Macrobius, dem er sein Werk diktiert. Noch einige 
Jahrhunderte später zeigten die Patrizier von Genua den gleichen 
Typus. Im Palazzo det Municipio sieht man mehrere Fresken aus 
der zerstörten Kirche S. Sebastiano, in denen Szenen aus dem Leben 
des Dogen Grimaldi dargestellt sind. Fast alle Personen sind hohe 
Gestalten mit blauen Augen und blonden Haaren. Und wer in den 
Palästen die Familienbilder durchforscht, wird finden, daß noch im 
achtzehnten und Anfang des neunzehnten Jahrhunderts die Patrizier 
Genuas einen fast reinen Typus bewahrt hatten. Heute sind die meisten 
germanischen Familien ausgestorben. 

In Pisa waren im dreizehnten Jahrhundert die herrschenden 
Familien die Oualandi, Sismondi, Lanfranchi, Ubaldini, Upezinghi, - 
alles germanische Namen. Noch ältere Zeugnisse besitzen wir aus 
den Konsularlisten des zwölften Jahrhunderts. Im Jahre 1166 waren 
Konsuln: Sinibaldo Lei, Bandino Barucci, Ildebrando Tignoso, Sinibaldo 
Buonfigli, Guigliardo Lamberti, Guidone Bella; im folgenden Jahre: 
Cicco Oriffi, Bartolomeo Catanelli, Stefano Masca, Bandino Omici, 



— 34 - 

Pietro Erici, Blandino Familiati, Ugucdone Bononi, lldebrando lanni, 
Bidolfo Grugni, Guiftone Vesconte, Lamberto Pandoifi.') 

Nichts ist unbegründeter als die Meinung der Florentiner Schrift- 
steller, daß Florenz die wahre Tochter Roms und die Erbin und 
Hüterin der antiken Kultur gewesen sei. Die seltsamste Verwirrung 
des historischen Bewußtseins findet man in der „Chronica de origine 
civitatis", wo unbedenl<lich Caesar und ein - Graf Rinaldus als Zeit- 
genossen zusammengestellt werden, und dem Catilina ein Sohn 
namens — Uberto zugeschrieben wird. 

In der langobardischen Zeit stand Florenz unter einem Dux, gab 
es dort einen Königshot, ein Königsfeld und einen Königsmarkt. In der 
Nähe des Königshofes hatten drei Familien Magiberfi, Mauriperti und 
Floriperti Grundstücke in Besitz, wie aus einer Urkunde von 8Q8 
hervorgeht; es sind dies wohl die ältesten germanischen Familien in 
Florenz, die bekannt sind. Der Name campus regis lebt noch in dem 
nordwestlich von Florenz Hegenden Careggi fort. Das forum regis, 
der älteste öffentliche Platz der Stadt, ist der heutige Mercato vecchio. 
Mons regis hieß die hlöhe am linken Arnoufer, auf der das Kloster 
San Miniato erbaut wurde. Im achten Jahrhundert herrschte ein lango- 
bardischer Dux Gudibrandus und ein fränkischer Graf Scrot, im neunten 
Jahrhundert Graf Theudifrasius, im zehnten Graf Rudolph,") 

Von Anfang des neunten Jahrhunderts treffen wir in Florenz 
germanische Erzbischöfe: Aliprandus (826), Ardinghus (853), Grasulphus 
(898), Raynbaldus (930). Sichelmus (967), Wido (1002), lldeprandus 
(1008), Lambertus (1025), Atho (1036), Gerardus (1046), Raynerius 
(1071) usw. 

Die Taufkirche S. Giovanni, der Mittelpunkt des Florentiner kirch- 
lichen Lebens, ist langobardischen Ursprungs. Auch in Florenz wurde 
das alte römische Amphitheater „Periascio" = Bärengelaß genannt, und 
noch zur Zeit des Villani hieß die Stelle, wo einst das Wachhaus der 
langobardischen Besatzung war, „gardingus" (= Warte). Ihren höchsten 
Beamten nannten die Florentiner mit einem altdeutschen Namen „Gon- 
faloniere", d. h. Fahnenträger, von ahd. gundfano = Kriegsfahne. 

Noch heute erinnern Ortsbezeichnungen vor den Toren der Stadt, 
wie Monte Rinaldi, Monte Ripaldi, Montughi = Monte Hugo, Ponte a 



*) Ardiivio storjco italiano. VE. Bd., S. 334 u. 344. 
") O. Hartwig, Quellen und Forschungen zur ältesten Oeschichle v 
S. 82. 



— 35 



Rifredi, Ponte a Jozzoli, Bandino, Borgunto usw. an die dort 
angesiedelten Germanen, 

Hunderte von altdeutsclien Familiennamen lassen sich bei den- 
jenigen Geschlechtern nachweisen, die im dreizehnten bis vierzehnten 
Jahrhundert in Florenz eine Rolle gespielt haben, z. B, Lambert!, Uberti, 
Conteguidi, Mannelli, Lapi, Beinardi, Maccinghi, Bigazzi, Bardi, Fresco- 
baldi, Rossi, Poppr, Manni, Agii, Adimari, Tinghi, Gaddini, Ouicciardini, 
Strozzi, Alberti, Aibizzi, Guadagni, Pitti, Ardinghelli, Lotti, Altoviti, 
Cambi, Rinuccini, Sassetti, Orlandini, Alamanni, Nardi, Corsi. Gherardi, 
Gordi, Benci, Ughi, Scarfi, Ridolfi, Zati, Bartoli, Mellini, Lanfredini, 
Gori, Guasconi, Folchi, Nerli, Sacchetti, Federigi, Aldobrandi usw.*) 

Alles dies beweist, wie sehr Florenz eine germanische Stadt 
geworden war. Im dreizehnten Jahrhundert begann es nach einer 
Zeit stetiger und ruhiger Entwicklung an die Spitze des italienischen 
Geisteslebens zu treten, nachdem germanische Rittergeschlechter in die 
Stadt gezogen waren und sich durch die ländliche Einwanderung ein 
Bürgerstand des gleichen Stammes gebildet hatte. Denn alles weist 
darauf hin, daß die Langobarden in der Zeit um das Jahr 1000 eine 
starke Vermehrung erfahren hatten und daß die um dieselbe Zeit 
beginnende Blüte der Städte in erster Linie der stärkeren Ein- 
wanderung und Ansammlung von germanischen Abkömmlingen in 
den Städten zu verdanken ist. Es war ein außerordentlich günstiges 
Schicksal für Italien, daß die Germanen nicht nur die oberen herrschen- 
den Schichten bildeten, sondern von den ersten Ansiedelungen unter 
Marc Aurel her bis zur Besiegung der Goten ihre Rasse auch die 
niedere Bauernbevölkerung durchsetzte. So war ein organisches 
Reservoir vorhanden, aus dem die Talente aufsteigen und die ent- 
stehenden Lücken ausfüllen konnten. 

Es ist richtig, daß Venedig nie von den Langobarden und 
Franken erobert wurde, wenn es auch feststeht, daß die Langobarden 
sich wiederholt in die inneren Verhältnisse der Seestadt einmischten 
und sich hier und da Güter gewaltsam aneigneten. Der erste Germane, 
der in Venedig historisch bekannt ist, ist ein Ttepolo, der bei der 
Wahl des ersten Dogen als Tribun mitwirkte. Er ist vielleicht ein 

*) Jticopo Pitti, Dcir Islorla FJor«ntina. ArchJvIo storico ilaliano, 1. Bd., S. 2. — 
Noch gegenwärtig ist eine auffallend gro6e Zahl von Familiennamen in Florenz 
germanischen Ursprungs. Aber mil den Namen hat sich keineswegs die Rasse 
vererbt, und die meisten unter diesen Familien sind die Abkömmlinge unterworfener 
Italiker, die von ihren Herren neue Namen empfangen hatten. 



36 



Nachkomme aus gotischem Stamm, da gotische Flüchtlinge sich dorthin 
gerettet hatten, hn Laufe der Jahrhunderte wurde Venedig durch jene 
langsame friedliche Einwanderung von Einzelnen und Familien, die, 
ohne viel Aufmerksamkeil zu erregen, in mehreren Generationen den 
organischen Bestand einer Bevölkerung ändern können, der germanischen 
Rasse gewonnen. Dafür zeugen die altdeutschen Familiennamen der 
Nobili, wie Brandolin, Baffo, Dandolo, Barozzi, Emi, Tiepoli, Oritti, 
Bernardo, Foscolo, Boidu, Gambara, Gonzaga, Bembi, Foscarini, Garzoni, 
Chigi, Ghisi, Benzon, Memmo, Diedo, Grimanni, Pizzamano, Manin, 
Girardi, Badoeri, Bragadin, Ruzzini, Gussoni, Albani, Erizzo, Rimondo, 
Alberti, Landi, Steni usw., und von vielen ist direkt nachweisbar, daß 
sie langobardischen oder deutschen Ursprungs sind, wie die Candiani, 
Landi, Pallavicini. 

Rom germanisch! Bei diesem Ausspruch denke ich weniger 
daran, daß das römische Reich germanisiert wurde, wie Gobineau 
das Wort verstand, sondern daß die ewige Stadt selbst in den Besitz 
langobardischer, fränkischer und deutscher Ritter und Krieger über- 
ging. Denn die antiken Römer hatten, schreibt Jordanes, ihren Namen 
fast zugleich mit ihrer Tugend zu Grabe getragen. Schon in den 
Zeiten Procops gab es in Rom arianische Kirchen und nannten die 
„Römer" ihre Stadt- und Kriegsfahnen mit einer deutschen Bezeich- 
nung „Bandum" oder „Bandora". Zur Zeit Karls des Großen gab 
es in Rom Scholae Francorum und Saxorum, und man kann 
annehmen, daß um das Jahr 1000 die ewige Stadt in den oberen 
Schichten vollständig germanisiert war. Um diese Zeit war Rom 
ein Komplex von Kastellen und Burgen geworden, deren Besitzer 
und Anhänger in heftigsten Fehden miteinander lagen. Sehr lehr- 
reich ist eine von Liutprand beschriebene Kirchen Versammlung, die 
963 in Rom stattfand, wo Patriarchen und Bischöfe von ganz 
Italien zusammen kamen. Die übergroße Anzahl ihrer Namen ist 
germanisch, der Rest biblischen Ursprungs. Aus dem „römischen 
Adel" waren anwesend: Stephanus des Johannes Sohn, Demefrius 
des Meliosus Sohn, Crescentius vom marmornen Pferd, Johannes 
Mizina, Stephan de Imiza, Theodor de Rufina, Johannes de Primi- 
cerio, Leo de Cazunuli, Richard, Petrus von Canapaha, Benedict 
mit seinem Sohn Bulgaminus. - Keine Spur mehr von altrömischen 
Namen! Auf dieser Versammlung wurden allerhand Beschuldigungen 
gegen den Papst Johannes vorgebracht, unter anderem, daß „er des 
Teufels Minne getrunken habe"; und Liutprand, der selbst zugegen 



— 37 — 



war, schreibt, daß es alle, Geistliche wie Laien, mit lautem Zuruf 
bezeugt hätten, — ein merkwürdiges Zeichen dafür, wie in jener Zeit 
in Italien und Rom der deutsche Mythus allgemein bekannt war. 

Im elften Jahrhundert findet man unter den Adelsfamilien Roms 
zahlreiche alldeutsche Namen, wie: Normanni, Sassi, Astaidi, Senebaldi, 
Duranti, Scotti, Berardi, Berizo, Tebaldi, Traueulini, Brazuti. Auch die 
älteste Senatoren liste, die Gregorovius aus dem Jahre 1144 mitteilt, ist 
voll von altdeutschen und barbarisch-lateinischen Namen.') 

Wie für Genua, so kann auch für Rom die historisch und 
philologisch nachgewiesene Oermanisierung durch anthropologische 
Zeugnisse bekräftigt werden. In der kleinen Kirche Sant Urbano bei 
Rom befinden sich Fresken aus dem elften Jahrhundert, welche die 
Leidensgeschichte Christi darstellen und in ihren großen Gestalten mit 
rosig-heller Haut, blonden Haaren und ausdrucksvollen Gesichtern 
den neuen Stil der Malerei ankündigen. Dieselben germanischen 
Typen zeigen die Freskenreste aus S. Agnese fuori le mura (zwölftes 
Jahrhundert) und in besonders interessanter Weise die Wandgemälde 
in der Unterkirche von San demente aus dem elften Jahrhundert, die 
ein Beno de Rapiza hat anfertigen lassen. Man weiß, daß ein Graf 
Rapiza {= Rabitz) im elften Jahrhundert in Rom lebte. Auch glaube 
ich, die ersten Spuren germanischer Gestalten auf den leider sehr 
zerstörten Fresken in S. Maria antiqua zu erkennen, die nachgewiesener- 
maßen aus dem achten Jahrhundert stammen.") 

Die Besitzergreifung von Italien und der Stadt Rom durch die 
Germanen bedeutete auch die Germanisierung der römischen 
Kirche. Diese Auffassung steht in direktem Gegensatz zu jener 
Meinung, die neuerdings von H. St. Chamberlain und schon früher 
von H. Leo vertreten wurde, daß nämlich die römische Kirche eine 
antigermanische Institution und der Kampf zwischen Kaiser und Papst 
ein Ausfluß des Gegensatzes zwischen der germanischen und roma- 
nischen Rasse sei. „Die Hierarchie", schreibt Leo, „ist mit der Natur 
des Romanischen so innig zusammenhängend, daß sie nimmermehr 
als ein Italien fremdartiges, als ein germanisches Institut betrachtet 
werden kann."*") 



*) P. Oregorovius. Geschichte der Stidl Rom im Mittelalter. IV, S. 433 u. 468. 
••) O. Mc. N. Rushforth. S. iWaria antiqua in Papcrs of thc British school at 
RoRie. 1902. vol. I. S. 65. 

■**) H. Leo, Qeschichte der italienischen Staaten. 1829. I, S. 43. 



38 



Das Papsttum ist ursprünglich eine aus römischem Verwaltungs- 
talent und jüdisch-christlichen Ideen hervorgegangene Institution. Seine 
Erhebung zu einer politischen Weltmacht ist aber ein Werk des 
germanischen Stammes. Wie das Kaisertum, so ging auch das Papst- 
tum auf die Germanen über. Nichts beweist diese Auffassung 
schlagender als ein Bück in die Liste der Päpste. Seit dem neunten 
Jahrhundert, seitdem in Rom Germanen aus allen Stämmen, Lango- 
barden, Franken, Sachsen sich zusammenfanden und in Rom um die 
Herrschaft kämpften, bemächtigten sie sich auch des päpstlichen 
Stuhles und machten sie ihn zum Mittelpunkt einer geistlich-politischen 
Institution.') 

Der erste Papst germanischen Ursprungs ist vielleicht Conen 
(t 687) aus Thrazien, der auch Cuno genannt wird; dann folgen 
Leo III. (t 816) aus Rom, dessen Vater Airulphus oder Azulphus hieß; 
Eugen III. (824-827) aus Rom, Sohn des Boemund; Johann IX. (f 882) 
aus Rom, Sohn des Gundo; Johann X. (f 905) aus Tivoli, Sohn des 
Rampoldo; Sergius III. (f 910) aus Rom, Verwandter des Markgrafen 
Albertus von Toscana; Lando (913—914), ein Sabiner; Johann XIL war 
des Papstes Sergius Sohn, den er mit der Marozia gezeugt hatte; 
Stephan VIII. (f Q43), ein Deutscher; Johann XIII. (f 964), Sohn des 
Albericus; Bonifacius VII. (f 985), mit dem Zunamen Franco oder 
Franson; Johann XVII. (t 99Ö) aus Rom, Sohn des Robertus; 
Oregorius V. (f 998), sonst Bruno genannt, Sohn des Markgrafen 
Otto von Verona; Sylvester II. (f 1003), ein Franzose namens Gilbert; 
Johann XIX, {'f 1003), Sico zubenannt; Johann XX., mit dem Beinamen 
Fasonus oder Fanasus; Benedict XIII., aus dem Geschlecht der Grafen 
von Tusculum; Johann XXE. (f 1033), Sohn des Grafen von Toscanella; 
Benedict IX. (f 1034), Sohn des Grafen Albericus von Tusculum; 
Clemens II. (f 1047), ein deutscher Edelmann Suidgerus; Damaslus II. 
(f 1048), ein Bayer namens Poppo; Leo IX., Bruno, aus dem gräf- 
lichen Hause Dagspurg; Victor IL, Gebhard; Stephan IX. (f 1058), 
Friedrich, Sohn des Oazzelone; Benedict X. (f 1059), Sohn des Guido 
Mincii aus dem Geschlecht der Grafen von Tusculum; Nicolaus II. 



*) Diese Auffassung habe ich bisher nur bei einem einzigen Seh ri fisteller als 
eine gelegentliche Bemerkung gefunden. A. Schönbeck schreibt in seiner Biographie 
Walthers von der Vogelweide (1805, S. II): „Das Papsttum als eine Spitze des 
Oanzen, der Verlreler des Himmelsherm als das persönliche Oberhaupt der Erde, 
ist eine germanische Schöpfung, durch welche eine notwendige Einrichtung der 
kirchlichen Administration zu einer weltgeschichtlichen Höhe emporgehoben wurde." 



39 



(t 1061), ein Burgunder Gerhard; Alexander II. (f 1073), Anseimus 
aus Mailand; Gregor VII., Hildebrand, ein Sohn des Bonizo; Victor ill. 
(t 1086), Dauferius, Sohn des Fürsten von Benevenl; Urban iL, ein 
Franzose Odon; Paschalis II. {f 1118), Rainerius, aus Toscana; 
Calixtus III., Guido, aus Burgund; Honorius II. (f 1130), Lambert, aus 
Bologna; Coelestinus IL, Guido, aus Citlä Castello; Lucius IL, Oerardo; 
Eugenius IIL, Peter Bernhard, aus Siena; Anastasius IV., Konrad; 
Alexander IIL, Roland, Sohn des Ralnucius, aus Siena, usw. 

Wie die Papstlisten, so zeigen auch diejenigen der Kardinäle 
zahlreiche germanische Namen, denn die hervorragendsten Familien 
Italiens sandten Sprößlinge in die Kardinalskollegien. Noch deutlicher 
und auffälliger ersehen wir die Germanisierung der Kirche aus den 
Bischofslisten, besonders in Ober- und Mittelitalien, aber auch in Süd- 
italien. Z. B. werden als Bischöfe von Siena genannt: Dodus (440), 
Aymus (597), Robertus (612), Peritheus (628), Antifredus (642), Maurus 
(649), Andreas (658), Oualteranus (670), Gerhard (674), Grossus (73!), 
Jordanus (761), Peredeus (776), Oebhard (795), Peritheus (800), Thomas 
(830). Gerhard (841), Concius (844), Gerhard (855), Ansifredus (886), 
Uberiinus (900), Theodoricus (913), Gerhard (937), Hildebrand (987), 
Giselben(1013), Leo (1031), Adelbert (1031), Rofredus (1059), Rodulphus 
(1068), Gvalfredus (1085). Raynerius (1128), Gunteronus (1170) usw. 

Eine ähnliche Fülle von germanischen Namen bieten die Bischofs- 
listen von Mailand, Florenz, Arezzo, Urbino, Benevent, Bari, Salerno, 
Viterbo, Spoleto, Pavia, Cremona, Bologna, Perugia, Verona, Genua 
und vielen anderen Städten. Die ältesten germanischen Bischöfe in Italien 
scheinen Albachius in Pavia (354), Auderius von Cremona, Tibaldus 
von Pavia (405), Dodus von Siena (440), also noch vor den Zeiten 
der Heruler und Ostgoten, gewesen zu sein. Sie sind wohl aus jenen 
germanischen Ansiedelungen hervorgegangen, die schon im dritten 
und vierten Jahrhundert in der Poebene stattgefunden hatten.') 

Aus diesen anthropologischen Wandlungen der Stände, Städte 
und der Kirche erwuchs im allmählichen Prozeß die neue italienische 
Nation. Es sind dabei zwei Vorgänge voneinander zu unterscheiden, 
die Wandlung der anthropologischen Struktur in den herrschenden 
Schichten durch die germanische Rasse und die Romanisierung der 



*) Wer sich für diese Dinge interessiert und weiter forschen wi'll, findet das 
einschlägige Maleria! in dem mehrbändigen Werk von F. Ughclli, llalia sacra (1717) 
ütKrEJchtlicti zu samme austeilt. 



— 40 



letzteren durcti Annahme von römischer Sprache und Sitte. Während 
der anthropologische Prozeß schon schwer zu verfolgen ist, so ist 
der psychologische Vorgang in der Wandlung des Abstammungs- und 
Sprach bewußtseins noch viel schwieriger aufzudecken. Jene seltsame 
Veränderung in den germanischen Seelen, die von Generation zu 
Generation ihre Wirkungen summieren mulile, führte aber schließlich 
dazu, daß die Enkel und Enkelkinder der eingewanderten „Riesen aus 
dem Norden" sich für Abkömmlinge der Römer hielten und sogar 
als verfeinerte Renaissance-Menschen ihre eigenen Ahnen als „fremde 
Barbaren" schmähten. 

Im zehnten Jahrhundert hatten die Langobarden zum Teil noch 
ein klares Bewußtsein ihrer germanischen Abstammung. Dies kommt 
am deutlichsten in üutprands Bericht über seine Sendung nach 
Konstantinopel zum Ausdruck. Der Kaiser Nicephoros wirft ihm vor: 
„ihr seid gar keine Römer, sondern Langobarden", worauf Liutprand 
antwortet; „Wir aber, wir Langobarden, Sachsen, Franken, Lotharingier, 
Baiern, Schwaben und Burgunden, verachten diese Römer so sehr, 
daß wir für unsere Feinde, wenn wir recht zornig sind, kein anderes 
Scheltwort haben als: Römer. Denn mit diesem einzigen Namen, 
nämlich dem der Römer, bezeichnen wir alles, was es an Niedertracht, 
Feigheit, Geiz, Lüsternheit, Lügenhaftigkeit, ja an Lastern nur gibt." — 
Liutprand unterscheidet hier deutlich die Langobarden als einen 
germanischen Stamm unter vielen anderen, während er an einer 
anderen Stelle Italiener und Langobarden gleich setzt oder Lateiner 
und Deutsche unterscheidet. Das war im Anfang des zehnten Jahr- 
hunderts, aber noch in den Annalen des Genuesischen Kanzlers 
Obertus werden den Lombarden die „Römer" als Feinde des Reichs 
entgegengestellt. 

Indes haben wir gezeigt, daß die Germanen schon seit Procops 
Zeiten, wenn sie römische Tracht und Sitte angenommen hatten, 
„Römer" genannt wurden, und daß die Germanen, die in Rom 
wohnten, sich schlechthin für „Römer" hielten. Seit dem zehnten Jahr- 
hundert nahmen immer mehr Langobarden römische Sitte an; der 
anthropologische Inhalt des Namens „Römer" änderte sich, und die 
romanisierten Germanen wurden die Träger der antiken Tradition und 
der nationalen Eigenart und Selbständigkeit Italiens. Nur so ist der 
Kampf zwischen Papst und Kaiser, zwischen Guelfen und Ghibellinen 
zu verstehen. Nicht zwei verschiedene Rassen, sondern romanisierte 
Germanen und deutsche Germanen rangen um die Vorherrschaft 




— 41 — 

Wie wenig hier unmittelbare Rassengegensätze wirksam sein können, 
zeigt sich auch darin, daß zahlreiche Städte und Geschlechter, also 
dieselben Menschen, bald ghibellinisch und bald guelfisch gesinnt 
waren. Jene Zeit war eine Epoche des Übergangs, des Schwankens 
der Gefühle und Bestrebungen, die noch keinen sicheren nationalen 
Halt gefunden hatten. Dazu bedurfte es einer neuen Tradition, 
die nur durch eine gemeinsame Kultur und Sprache geschaffen 
werden konnte. 



Viertes Kapitel. 

Der Ursprung 
der berühmtesten italienischen Familien. 



Jie Geschichte der Niederlassung der Germanen m Italien 
und der durch sie hervorgerufenen gesellschaftlichen Um- 
wälzungen hat offenkundig bewiesen, daß die herrschenden 
Schichten, der Adel und die Patrizierfamilien der Städte, 
fast ganz aus den germanischen Stämmen hervorgegangen sind. 

Dieses allgemeine Ergebnis der historischen Forschung wird 
durch die besonderen genealogischen Untersuchungen bestätigt, die 
sich mit der fierkunft und der Geschichte der einzelnen berühmten 
Familien beschäftigen. Das wird selbst von vorurteilslosen italienischen 
Forschern zugegeben. So schreibt L. Passerini, einer der tüchtigsten 
Genealogen Italiens, über den Ursprung des Florentiner Adels: „Die 
ältesten Adelsgeschlechter von Florenz rühmen sich, einen feudalen 
Ursprung zu haben, wenn auch manche Familie aus der römischen 
Kolonie hervorgegangen zu sein behauptet. Aber alle diejenigen 
Familien, deren Ursprung man durch Urkunden beweisen kann, 
stammen von jenen Barbaren, die in den Zeiten der Langobarden und 
Franken in das schöne Land einbrachen."*) 

Von vielen Familien ist bekannt, daß ihre Vorfahren aus Deutsch- 
land eingewandert sind, von anderen wird ausdrücklich berichtet, daß 
sie nach langobardischem oder fränkischem Recht lebten. Bei vielen 
anderen weist der Umstand, daß ihr Stammvater ein Ritter, Kastell- 
oder Feudalbesitzer mit germanischem Namen war, oder dal) in den 
älteren Generationen nur oder fast nur germanische Vornamen gebraucht 
werden, auf ihren nordischen Ursprung unzweifelhaft hin. Bei nicht 



*) L Passcrini, Ocnealogia e storia della tamiglia Corsinu 1858. S. 1 ff. 



43 



wenigen kann überdies durch biographische und ikonographische 
Mittel der anthropologische Beweis geführt werden, daß ihre Glieder 
den germanischen Typus besaßen. 

In Toscana erkennt sich heute noch der hohe Adel reinen Blutes 
an blauen Augen und blonden Haaren, otine daß man sich der 
ursprünglich anthropologischen Bedeutung dieser Merkmale bewußt 
ist. Auch in Sizilien läßt nach E. Meyer der Adel den vom Durch- 
schnitt abweichenden germanischen Typus deutlich erkennen. 

Im folgenden gebe ich eine kurze Übersicht über die genea- 
logischen Verhältnisse der bedeutendsten und berühmtesten Familien, 
die in der politischen und geistigen Geschichte Italiens eine größere 
Rolle gespielt haben. Als literarische Quelle dienten: Pompeo Litta, 
Famiglie celebri d'ltalja {181Q — 83), ferner Passerini und Giulini, 
Sommario delle 125 famiglie celebri Toscane (1862), sowie die Einzel- 
schriften Passerinis über den toscanischen Adel. 

Bentivoglia di Bologna, — Stammvater ist ein Ritter Zambone, 
der im elften Jahrhundert in Viadagola geboren wurde. Seine Ver- 
wandten sollen Gottfried von Lothringen auf dem ersten Kreuzzug 
begleitet haben. Die Familie hat lange ihren germanischen Typus 
bewahrt. In der Capeila Bentivoglio in S. Qiacomo Maggiore zu 
Bologna ist ein Gemälde, auf dem Giovanni II. mit seiner Frau und 
elf Kindern abgebildet ist. Alle dreizehn Personen haben blonde Haare. 

D'Este di Ferrara. — Stammvater ist Adalberto, der Ende des 
zehnten Jahrhunderts nach langobardischem Rechte lebte. Einige 
wollen ihn von den Markgrafen von Toscana herieiten, aber diese 
bekannten sich zum ripuarisch-fränkischen Recht. Von den Est^ sieht 
man in den italienischen Galerien zahlreiche Porträts, die alle Gene- 
rationen hindurch den blonden Typus aufweisen. 

Sforza di Milano. - Sie stammten von Muzio Attendolo aus 
Cotignola, der 1326 auftrat. Von ihm stammt Jacopo, der Sforza, 
d. h. Gewaltige, genannt. Er war ein Mensch mit Riesenkräften und 
hatte zwanzig Geschwister, die alle einen kriegerischen und rauhen 
Charakter hatten. Im Museo artistico in Milano sieht man die Bildnisse 
von mehreren Sforza, z. B. von Galeazzo Maria (1466—76), Oian 
Galeazzo Sforza (1476—94), Lodovico il Moro (1494—09), die alle 
blonde Haare haben. 

Guidi di Romagna - Die Guidi kamen mit Otto I. aus 
Deutschland um das Jahr 948 nach Italien und wurden mit Modigliana 
in der Romagna belehnt. Der älteste bekannte unter ihnen ist Tegrimo 



44 



Ouidi. In den älteren Generationen findet man deutsche Frauennamen, 
wie Engelrada, Oervisa, Adelaide. Von den Guidi nahmen zahlreiche 
italienische Grafengeschlechter ihren Ursprung, die meist den Namen 
ihrer Kastelle und Feudalgüter führen; Die Conti di Bagno, Poppi, 
Borgo alla Collina, Belforte e Moncione, Porciano, Palagio, Ubrecche, 
Romena, Bagginopopoli, Montegranella. 

Die Malaspina stammen von Oberto Obizzo (1055) und weisen 
auf dieselben Vorfahren zurück wie die Este, Pallavicini und die Massa. 
Alle vier Familien lebten nach langobardischem Recht. 

Strozzi di Firenze. - Stammvater ist Ubertino Strozzi {= Strotz), 
der um 1200 lebte. Allgemein bekannt ist das liebliche Bild von der 
Hand Tizians, das Maddalena, die Tochter des Roberto Strozzi, mit 
ihren gelben Löckchen und hellblauen Augen darstellt. 

Pazzi di Firenze. — Stammvater ist ein Ranieri {= Reiner), 
dessen Sohn Pazzo (= Bazzo) hieß. Ihm folgten Pozzo, Jldebrando, 
Pazzo Uguccione, Aldobrando ~ alles alldeutsche Namen. 

Trinci di Foligno. — Stammvater ist Corrado (= Conrad), der 
im Anfang des zwölften Jahrhunderts lebte und sich zum lango- 
bardiscben Recht bekannte. Sein Sohn Trincio gab der Familie wohl 
den Namen, (trincare = trinken, zechen!) 

Della Rovere di Savona. — Stammvater ist ein Leonardo, dem 
von einigen der Familienname Beltrame {= Bertram) beigelegt wird. 
Bekannt ist das Bildnis des Francesco della Rovere, das Raffael in 
der Scuola d'Atena anbrachte. Es ist der schöne schlanke Jüngling 
mit den langen blondgelben Haaren, der hinter dem Philosophen 
Anaxagoras steht. 

Da Polenta di Ravenna. — Sie haben ihren Familiennamen 
nach einem Castello Polenta; Stammvater war ein Lamberto, der aus 
Deutschland eingewandert sein soll. 

Die Co 1 1 a 1 1 o. — Sie heißen nach einem Kastell am Soligo. 
Als Ahnherr gilt Rambold I., der um die Mitte des zehnten Jahr- 
hunderts lebte und nach einigen ein Abkömmling eines langobardischen 
Herzogs von Friaul sein soll. Die Trevisani di Venezia zweigten 
sich aus dieser Familie ab. 

Landi di Venezia. — Sie sind deutschen Ursprungs und 
stammen von einem Grafen Hugo, der im zehnten Jahrhundert nach 
Italien gezogen war. 

Medici di Firenze. — Schmeichler und Sklavenseelen, sagt 
Passerini, haben die Fabel erfunden, daß sie von einem Arzte Karls 



45 



des Großen abstammen. Es liegt nahe, bei dem Namen an das 
lateinische medicus zu denken; er könnte aber auch altdeutschen 
Ursprungs sein und dem nhd. Medicke, Mädicke, Mettike entsprechen, 
das vom ahd. Mado, Medo, Madico sich ableitet. Der älteste bekannte 
Vorfahr ist Filtppo Medici, der mit Alessia aus dem Geschlecht der 
Orimaldi in Genua verheirate! war. Ob die Medici germanischen 
Ursprungs sind, ist zweifelhaft, wenigstens zeigen Cosimo vecchio, 
Piero und Lorenzo Medici einen Mischtypus; erst von Cosimo I. ab 
haben sie ein germanisches oder fast germanisches Aussehen. 

Da Camino di Trevigi. — Sie stammen von einem Guido ab, 
dessen Sohn Guecello (= Wetze!) das Kastell Camino erbaute. 

Pio di Carpi. — Sie stammen von Bernardo, einem Sohn des 
Manfredo aus Reggio, der ein Langobarde war. 

Da Correggio. -- Ihr Stammvater ist ein Frogerio (ahd. Frocho, 
Frocheri), Sohn eines Guido aus der Grafschaft Reggio, der nach 
langobardischem Recht lebte (100Q). 

Spada di Firenze. ~ Ihr Stammvater ist Berardo, auch Spada 
genannt. Spado = nhd. Späth, was Spaten oder Schwert bedeutet. 
Seine ältesten Nachkommen hießen Gerardo, Ildebrando, Oerarduecio. 

Emi di Venezia. — Emo ist ein altdeutscher Name. Aus dieser 
Familie war Anzolo Emi, der bekannte Gouverneur von Morea. Anzilo 
in ahd. Anzo, Anzilo, Enzilo (nhd. Antze). 

Riccardi di Firenze. — Stammvater ist Anichino di Riccardo, 
der aus Köln stammte und 1308 nach Florenz kam. 

Ordelaffi di Forü. - Sie stammen von Pino, Sohn eines 
Ordelaffo (1170), der Nachkomme eines Condottiere Alloro dell' Affia, 
eines deutschen Barons war. Ordelaffo = nhd. Ortloff. 

Steni di Venezia. — Sie stammen von einem Girolamo Steno 
(946). Steno = nhd. Stein. 

Smeducci di Sanseverino. — Sie stammen von einem Rinaldo, 
Sohn eines Grafen Rodolfo (1218), der aus Deutschland gekommen 
war. Smeducci ist eine Ableitung von Smedo = Schmidt. 

Cantelnii di NapoM. — Sie stammen von zwei Brüdern 
Bertraimo und Glacomo ab, zwei „Francesi", die mit vielen anderen 
Franken unter Carl I. d'Anjou nach Italien gekommen waren. Canlelmi 
= Candihelmi. 

Arcimbaldi di Milano. — Sie stammen von einem Giovanni 
Arcimbaldi (= Archimbald) ab. 



- 46 - 



Conti di Montefellro. — Sie sollen nach den einen mif Otto Ili. 
aus Deutschland gekommen sein, nach den anderen vom Grafen 
Uldarico (962) abstammen. 

Gambara di Brescia. — Der Stammvater Ancilao Oambara 
wird in den Chroniken von Brescia ein „Alemanno" genannt. 

Conti della Cherardesca. — Sie stammen von einem Gherardo, 
der nach iangobardischem Recht lebte. 

Ottoni di Matelico. Sie stammen von einem Morico, der 
nach Iangobardischem Recht lebte. 

Sanvitale di Parma. — Sie nannten sich nach einem Turm bei 
Sanvitale, den ihr Stammvater Ugo im zwölften Jahrhundert errichtete. 
Ältere Vornamen sind Anselmo, Gherardo, Ouarino, Ugo usw. 

Die Camposampieri di Trevigliana. - Sie stammten von 
einem Tisone {Tiso — nhd. Theis) und lebten nach salischem Gesetz. 
Tisone war verheiratet mit Elica, die nach Iangobardischem Recht lebte. 
Sein Sohn Tisone war mit Imilda verheiratet, die aus salischem 
Geschlecht stammte. 

Panciatichi di Firenze. — Stammvater ist ein Bellino, von 
dem unbekannt ist, ob er langobardischer, fränkischer oder italienischer 
Herkunft ist. Jedenfalls ist sein Name altdeutschen Ursprungs. Berühmt 
sind die Bildnisse von Bartolomeo und Lucrezia Panciatichi in den 
Uffizien, wo beide mit ihren blonden Haaren und blauen Augen 
unverkennbar ihren Ursprung anzeigen. 

Colonna di Roma. — Sie sind nach einem Kastell in Latium 
benannt und sollen von einem Herzog Stephan abstammen, der 1137 
aus Deutschland kam; nach anderen war Petrus von Colonna, der 
1101 auftrat, wahrscheinlich ein Sohn des Grafen Gregor von Tusculum, 
der langobardischer Herkunft war. 

Tiepolo di Vinezia. — Unter den zwölf Tribunen, die 6Q7 den 
ersten Dogen wählten, war ein Tiepolo. Von ihm stammt vielleicht 
Bartolo, der bekannte Vorfahr der Tiepolo (= Tiepolt). 

Adorno di Genua. - Sie stammen von Adorno I., der mit 
einer Schar von Deutschen nach Genua kam, um ins heilige Land 
zu reisen. 

Corsini di Firenze. ~ Der Stammvater der Corsini war ein 
Corsino (ahd. Corso). Seine Nachkommen hießen Neri, Lapo, 
Duccio usw. Über den Typus der Familie, der bis in die letzten 
Zeiten germanisch blieb, geben zahlreiche Porträts Auskunft, die man 
im Patazzo Corsini in Florenz findet. 



- 47 



Candiani di Venezia. — Ihr Statnmvaler gehörte zu einer 
Familie, die aus CandJana bei Padova kam und nach langobardischem 
Recht lebte. Pietro I. Candiano wurde 887 zum Dogen gewählt, 
ein Anzeichen, daß damals die Langobarden einen großen Einfluß in 
Venedig gewonnen hatten. Aus derselben Familie gingen noch die 
Dogen Pietro II., Pietro III. und Pietro IV, hervor. 

Carraresi dt Padova. Stammvater ist Oumberto {= Humbert), 
der vor Q70 starb. Sein Sohn Oumberto lebte, wie aus einer Urkunde 
hervorgeht, nach langobardischem Recht. 

Alloviti di Firenze. Meistens wird angenommen, daß sie 
von einem „Barbaren" abstammen, der von den Alpen her ins Land 
gekommen. Andere nehmen an, daß ihr Vorfahr ein Tebaldeo war, 
ein Langobarde und Günstling Alboins. Nach Passerini stammen 
sie dagegen von einem Langobardo di Corbizza, der in Florenz 
wohnte. Die Familie hatte ihren Namen von dessen Sohn Altovita 
(= Altwitt). 

Ansaldi di S. Miniato. — Sie stammen von Pileo Ansaldi, 
Kanzler Karls des Großen. 

Lotteringhi della Stufa. — Stammvater ist Lotlaro oder 
Lottaringo, der germanischen Ursprungs war und 998 in Begleitung 
Ottos Itl. nach Italien gekommen war. 

Cavalcabö di Cremona. - Stammvater ist ein Corrado, der 
1136 als Marchese erwähnt wird. 

Bonacolsi di Mantova. Ihr Stammvater Berardo besaß bei 
Mantua die Herrschaft Poleto als Feudalgut. 

Guadagni di Firenze. Sie stammen nach Gamurini von 

einem Langobarden ab, nach Passerini von Ouittone, einem Feudal- 
herrn des elften Jahrhunderts. 

Berardenga di Siena. Sie stammen von Guinigi di Ranieri, 
einem fränkischen Baron, der von Ludwig M. im Jahre 865 in Toscana 
Lehen erhielt und nachher kaiserlicher Graf von Siena wurde. Von 
ihm haben auch noch andere Adelsgeschlechter Sienas ihren Ursprung 
genommen. 

Ricasoli di Firenze. Sie waren langobardischen Ursprungs 
und lebten nach langobardischem Recht. Der älteste bekannte Vorfahr 
ist Geremia, ein Sohn von lldebrando, der 107ö erwähnt wird. Geremia 
hatte einen Sohn Ridolfo, von dem die Firidolfi (= tili Ridolfi) ihren 
Ursprung genommen. Die anderen Nachkommen nannten sich nach 
ihren Kastellen, welche sie erhalten hatten, I da Ricasoli e Panzano. 



48 — 



In den älteren Generationen findet man als Vornamen: Ridolfo, Cherardo, 
Azzo, Ranieri, Teodorico, Gisla, Guglielmo, lldebrando, Tebaldo, Vale- 
fredo, Ugo, Rolando. 

Morozzo di Mondovi. — Stammvater war Oezone (ahd. Oazo, 
Oezo), der um 980 lebte. Ihm folgten Eremberto, Anseimo, Robaldo, 
Bosone, Ouidone, alles altdeutsche Vornamen. 

Marchesi di Saluzzo. — Stammvater war Ottone (f 1084), der 
von Aleramo di Guglielmo abstammte. 

Gonzaga di Mantua. - Sie stammen von einem Philippo 
Qonzaga ab, über dessen Abkunft nichts bekannt ist. Gonzaga leitet 
sich von ahd. Gunza, Gonza, Gonzaeg (nhd. Kuntze). 

Euffreducci di Fermo. — Stammvater ist ein Talerone, der 
1261 Herr des Kastells Manardo (=- Mainhart) «'ar. Vornamen in der 
älteren Zeit sind Corrado, Oiberto, Rinaldi. Euffreducci leitet sich 
wohl von Uffredo, Offredo {= Otlfried). 

Passerini di Firenze. — Stammvater ist Rodolfo, ein Sohn 
des Pagano (UOl). Sein Sohn hieß Levaldo (= Leewald) mit dem 
Beinamen Passerino, nach dem die Familie benannt wurde. Die Vor- 
fahren lebten nach salischem oder langobardischem Recht. 

Mansi di Lucca. — Stammvater ist ein Gherardo, der 999 mit 
Otto III. aus Deutschland kam. Von seinem Sohne Manso nahm die 
Familie ihren Namen. 

Roncioni di Pisa. — Sie waren deutschen Ursprungs und mit 
Otto III. nach Italien gekommen. 

Scaligeri di Verona. — Stammvater ist Sigiberto, der um die 
Mitte des elften Jahrhunderts lebte. In dieser Familie sind zwei 
Vornamen üblich, die besonderes Interesse erwecken, Mastino und Can. 
Mastino ist ahd. Masto (nhd. Mast, Mastag). Cangrande, das Dante 
als „großer Hund" deutet, ist in Wirklichkeit nichts anderes als Conrado 
grande, denn Cano (nicht Cane!) ist der Kurz- und Kosenamen von 
Conrado oder Canrado. 

Manfredi di Firenze. — Sie stammen von einem Manfredo, 
der wahrscheinlich ein Langobarde war, dessen Frau Imilda hieß. 
Seine Nachkommen waren Guido, Alberigo. Enrico, Alberigo usw. 

Altemps di Roma. — Sie stammen von einem deutschen Ritter 
Marquardo, der von Hohenembs war. Altoembs — Altemps. 

Pallavicini de Veneria. — Sie stammen aus einer deutschen 
Adelsfamilie, die im zehnten Jahrhundert nach der Lombardei kam, wo 



— 49 — 

sie bedeutende Ländereien erwarb. 1427 erlangten sie das Palriziaf in 
Venedig. Seitenlinien sind in Cremona, Ceva und Genua. 

Orimaldi di Oenova. — Die Gritnaldi bilden eines der vor- 
nehmsten und ältesten Geschlechter Italiens, das seit dem zehnten 
Jahrhundert das Fürstentum Monaco besitzt und sich in verschiedene 
Linien geteilt hat. Es soll von Orimoaldo (= Grimwald), dem Sohn 
Pipins von Austrasien, herstammen. Der Zweig der Familie in Genua 
leitet sich von Borel, Sohn der Ingo, ab. 

Doria di Oenova. — Sie hießen ursprünglich D'Orla, das heißt 
Kinder der Oria oder Orietta, Gemahlin Arduins von Narbonne, der 
in der ersten Hälfte des zwölften Jahrhunderts lebte, auf seiner Fahrt 
ins heilige Land nach Genua kam und nach seiner Rückkehr sich 
dort niederließ. Älteste Vornamen in der Familie sind Ansaldo, 
Perceval, Oberto, Corrado, Lamba, Odoordo. Aus diesen Familien 
stammt Andrea Doria, der größte Seeheld Italiens. Er war von 
hoher Gestalt und kräftigem Körperbau,') sein Gesicht lang, die Nase 
stark gebogen, die Augen blau, wie aus seinem Porträt von der Hand 
Sebastianos del Piombo hervorgeht. 

Fieschi di Oenova, — Sie sollen von einem bayrischen Prinzen 
namens Rotoaldus abstammen. Fieschi ist das ahd. Flasco, Flesco, 
nhd. Fiesch. 

Spinola di Genova. — Sie sollen von Ido Visconle her- 
stammen. Als erster wird der Konsul Guido (II02) genannt, sein 
Sohn Oberto war Capitano del popolo. 



*) F. Ouerrazzi, Vita di Andrea Doria. 1864. I, S. 364. 




Fünftes Kapitel. 

Germanische Elemente 
in der italienischen Sprache. 



Ms das langobardische Reich durch Kar] den Großen zerstört 
wurde, stand Italien in einem hoffnungsvollen Anfang ein- 
heitlicher nationaler Entwicklung. Desiderius war im Begriffe, 
ganz Italien seiner Herrschaft zu unterwerfen und den 
politischen Einfluß des Papstes in Rom zu vernichten, da wurde der 
aufstrebende langobardische Staat durch die Einmischung der Franken 
und durch ihre Übermacht zerbrochen. Die Italiener fingen damals 
an, mit den Langobarden identisch zu werden; noch im elften Jahr- 
hundert hießen sie in Frankreich einfach „Lombarts", und ohne dieses 
gewaltsame Eingreifen Karls des Großen würde Italien heute ebenso 
Lombardia heißen, wie Gallien zu einem Francia und Britannien 
zu einem Anglia wurde. 

Der Vertust der staatlichen Selbständigkeit hatte zur Folge, daß 
die schon seit dem Übertritt zur katholischen Kirche fortschreitende 
Romanisierung schneller und tiefer um sich griff. Erstaunlich schnell 
ist auf einmal die langobardische Sprache bis auf wenige Reste ver- 
schwunden. Die Annahme der lateinischen Sprache wurde um so 
notwendiger, weil sie die Sprache der Kirche, des Rechts und der 
fiberlegenen Bildung war. Zweifellos haben die Langobarden eine 
Zeitlang beide Sprachen beherrscht, bis schließlich die eine das Über- 
gewicht erlangte. Doch wurde das Latein, das sie sprachen und 
schrieben, immer barbarischer, indem sie zwar den Wortschatz der 
lateinischen Sprache, aber nicht ihren grammatischen- Geist flber- 
luhmen. So entstand die italienische Sprache als ein Verschmetzungs- 
produkt aus gomanischer Grammatik und lateJnlschem Wortschatz, der 



51 



durch die Ausdrücke der lingua rustica schon eine Formveränderung 
durchgemacht hatte. Diese Verschmelzung konnte um so leichler 
und schneller sich vollziehen, als die alldeutsche Sprache in Kon- 
jugation, Deklination und Wortendigungen der lateinischen viel näher 
stand als die neuhochdeutsche erraten läßt. 

Es ist eine allgemeine Auffassung der Sprachforscher, daß im Laufe 
des neunten Jahrhunderts die langobardische Sprache im allgemeinen 
der lateinischen gewichen war, wenn sie auch in einzelnen Gebieten 
sich etwas länger erhalten haben mag. So nimmt Brückner an, daß 
etwa um das Jahr 1000 die langobardische Sprache vollständig erloschen 
war. Nur einzelne Ausdrücke erhielten sich länger. Im Jahre 1003 
findet man einen Benedictus mit dem Beinamen scamafol = Schmier- 
fink, und noch 1005 werden die Gerichtsbäume verulubio genannt. Im 
neunten Jahrhundert hieß das alte Capua „Berolais", nach dem dort 
befindlichen Amphitheater, das die Langobarden mit „Bärengelaß" 
bezeichneten, und noch vierhundert Jahre später (1275), als das Amphi- 
theater verschwunden war, wurde der betreffende Bezirk „Berolasis" 
genannt.*) 

Der Einfluß der germanischen Sprache auf die Ausgestaltung der 
italienischen ist im wesentlichen ein vierfacher. Die Haupteinwirkung 
war eine grammatische, aber auch Wortbildung, Wortschatz und Aus- 
sprache sind von ihr beeinflußt worden.*') 

Es steht zwar fest, daß schon in der lingua rustica die Flexion 
der Wörter vernachlässigt und durch Präpositionen ersetzt, und daß 
auch das Zeitwort haben zuweilen mit dem Partizipium verbunden 
wurde, aber die Einführung des bestimmten und unbestimmten Artikels, 
sowie der durchgängige Gebrauch von haben als Hülfszeitwort muß 
dem deutschen Sprachgeist zugeschrieben werden, was man aus den 
von „Barbaren" verfaßten Urkunden deutlich nachweisen kann. 

Was die Formveränderungen der Worte betrifft, so waren schon 
in der lingua rustica solche aufgetreten, die an das Italienische erinnern, 
z. B. findet man lacte statt lac, woraus später latle wurde. Die 
Umwandlung der Endigungen us und um in o, sowie von is in e 



*) R. Perla, C»pua vetere. 1887. S. 340. 

•*) Zu diesem AbschniU vergleiche: F. Dietz, Etymologisches Wötlctbuch 
der romanischen Sprachen. 1887. — C. Meyer, Sprache und Sprachdenkmäler der 
Langobarden. 1877. ~- W. Meyer-Löbke, Grammatik der romanischen Sprachen, 
1890. - E. Förslemann, Alldeulsches Namenbuch. 1900. - W. Brückner, Die 
Sprache der Langobarden. 1895. 



— 52 — 

dürfte dagegen germanischen Ursprungs sein, da die altdeutschen 
Worte auf die volle Vokalendigungen o, a und e ausgingen. 

Germanischen Ursprungs ist die Vergrößerungssilbe -one (= uni) 
und die Verkleinerungssilbe -ino. Das Deminulivum -ilo oder -ulo 
geug wurde zu -ello, doch gibt es auch im Neudeutschen Beispiele, 
in denen wir ein -eil finden, wie in Engel!, Wetzetl, Endell {= Angilo, 
Wezilo, Andilo). Deutsch sind die Suffixe auf -ingo und -engo, sowie 
auf -esco und -asco, -elto und -atto. 

Die italienische Umwandlung des W in Qu oder Qu kann man 
auch im Neudeulschen beobachten. Winico wird zu Guinigi und 
Quinigi, dem das deutsche Winke und Quincke entspricht. Im 
Italienischen gibt es Querini, Quarenghi, Quezzi, im Deutschen 
Quensel — Wensel, Quidde = Guido, Wido, Wiede. 

Hinsichtlich der germanischen Elemente im italienischen Wort- 
schatz ist zu bemerken, daß mehr Wörter aus dem Altdeutschen in das 
Italienische übergegangen sind, als man gewöhnlich anzunehmen pflegt. 

Germanischen Ursprungs sind viele Bezeichnungen, die mit 
kriegerischen und politischen Tätigkeiten zusammenhängen; guerra 
= Wehre, Krieg; spada = Degen; brando = Schwert; elmo = Helm; 
lanzo = Landsknecht; guardia — Warte; sciabolo = Säbel; baluardo 
= Bollwerk; bandiera ^= Fahne; marchese = Markgraf; marca = Grenze; 
barone = Baron; baldo = kühn; lesto = listig, flink; ferner die Bezeich- 
nungen für Farben: bruno = braun; rosso = rot; giallo = gelb; 
biondo — blond; bianco = blank, weiß. Von anderen Wörtern sind 
anzuführen: bichiere = Becher; schiatta — Geschlecht; schietlo 
= schlank, schlicht; guancia = Wange; guisa = Weise; grosso 
= groß; binda = Band; trincare = trinken; fresco = frisch; ricco 
= reich; albergo = Herberge; stallo = Stall; spanno = Spanne, Hand- 
spanne; brodo = Brühe; stanga = Stange; stecco — Stachel, Hölzchen; 
zezzola = Zitze; rima ^ Reim, und viele andere. 

Daß „Gonfaloniere" germanisch ist, wurde schon erwähnt; auch 
könnte „Caroccio", der Kriegsfahnen wagen, altdeutschen Ursprungs 
sein. Der Name des Palazzo di „Bargello", womit die Florentiner die 
Wohnung des Podestä bezeichneten, ist eine Ableitung vom italienischen 
barigello, ahd. barigildo {= Häscher- Hauptmann), wie in Italien der 
Anführer der Justiz- und Polizeidiencr genannt wurde.*) 



•) F. Dictz, Etymologisches Wörterbuch der romanischen Sprachen. 
Seite 43. 



53 



Einen merkwürdigen Ursprung liat die ilalienische Bezeichnung 
cattivo für schlecht. Die Langobarden nannten sich boni homines 
{=^ buonomini, gute Menschen) im Gegensatz zu den unterworfenen 
Italienern, die capüvi = Gefangene waren. Für einen Stamm mit 
kriegerischer Moral ist ein captivus ohne weiteres ein schlechter Mensch. 
So kam es, daß captivus das lateinische malus gänzlich verdrängte. 

Der tiefste Eingriff bestand in der Verdrängung der lateinischen 
Personennamen durch germanische. Zahlreiche ilalienische Namen, 
die uns, die wir Neuhochdeutsch sprechen, so fremdartig, so — 
italienisch klingen, sind in Wirklichkeit nichts als die urallen, 
fast unveränderten germanischen Namen, die in Deutschland durch 
die Entwicklung der mittel- und neuhochdeutschen Sprache ihren 
ursprünglichen vollen und schönen Klang verloren haben. Bei näherem 
Studium findet man jedoch für den italienischen und neudeutschen 
Namen dasselbe Stammwort, und in den meisten Fällen laßt sich zum 
italienischen Namen ein entsprechender neudeutscher in Parallele stellen. 
Vielfach haben alldeutsche Namen sich auch in Deutschland bis auf 
unsere Tage in unveränderter Form erhallen; die häufigsten sind: 
Wida, Spiro, Thilo, Litla, Bruno, Lisa, VCella, Beta, Botia, Vico, Ferra, 
Vido, Werdo, Farra, die mit italienischen Namen genau übereinstimmen. 
Andererseits ist man im ersten Augenblick nicht wenig überrascht, 
in Italien ganz gewöhnliche deutsche Namen, wie Steno = Stein, 
Smedi = Schmidt, Suardi = Schwarz, Scorzi — Schurtz, Sciffi 
= Schiff, Lippomanno = Lippmann, Dorna = Dorn und dergleichen 
zu finden. 

Das starke Vorherrschen germanischer Namen, namentlich in 
Ober- und Mittelitalien, ist der deutlichste Beweis dafür, daß die 
Germanen die Herrscher waren und den Unterworfenen ihre eigenen 
Namen zuerteilten. Die alte römische Familien- und Personenbezeich- 
nung wurde vollständig zerstört, Die Menschen nannten sich nicht 
mehr mit drei Namen, z. B. Cajus Julius Caesar, sondern nach alt- 
germanischer Sitte Guido di Barlolo, Pietro d'Agnolo usw. Dieser 
Gebrauch, sich nach dem Vater zu benennen, hat sich teilweise bis 
in die Renaissance-Zeit erhalten. Nur die alleredelsten germanischen 
Geschlechter hatten einen eigenen Familiennamen, wie die Amaler, 
Balthen, Asdinger; und als im zwölften und dreizehnten Jahrhundert 
die Adelsgeschlechler Familiennamen annahmen, bezeichneten sie sich 
nach altdeutscher Sitte mit der Mehrzahl eines Personennamen, meist 
nach einem Vorfahren, wie Aldighieri, Sinibaldi, Uberti, Ubaldini, 




AflMfll^ üunbert^ Aifimri, Oukfi. S|dlcr ging diese SMe wS du 
gmze Voflc Ober. 

Die große Zahl der Kose- und Kurznamen, die man im Ita B e niach eu 
findet, ist auf langobardische Sitte zurüdczuführen. Den Römern waren' 
sie unbekannt. Um den Namen zu verkürzen, wurde selten der zweite 
Teil, meist der erste Teil genommen, wobei von dem zweiten nur der 
anlautende Konsonant erhalten blieb, z. B. Betto aus Bertoldo, Mino 
ans Maginardo, Leono aus Leonardo, Barbo aus Bariberlo, Nippo aus 
^fidbe^to, Gumpo aus Oundberto oder Oundbaldo, Maffo aus Magberto. 
Ein Bdspiel für Abkürzung aus dem zwdten Tai ist: Noifo aus 
Amotfo, NardJ aus Leonardi, Duccio aus Carducdo, Neri aus Ranieri, 
Accursio aus Buonacorso. Solche Abkürzungs-Zusammenzidiungen 
wurden auch an lateinischen oder biblischen Namen vorgenommea 
So entstand Cola aus Niccota, Netto aus Benedetto, Cecco aus 
Francesco, Baccio aus Bartolomeo, Jacco aus Ciacolx}, Gianni aus 
Oiovanni, Maso aus Tomaso. 

Manche italienische Personennamen endigen auf -i, wie ßicd, 
Vieri, Neri. Nach Förstemann ist dies ein altgermanJscher SfHradi- 
gebrauch, der namentlich bei den Sachsen beobachtet wird. Er fQhrt 
Forti, Pugi, Qeri, Rppi, Sdri, Sadi an, denen man auch in Italien nicht 
sdten b^egnet 

Wie die Germanen die biblischen Namen, besonders Andrea, 
Niecola, Giovanni, die geradezu als langobardische Namen bezeichnet 
werden können, in Italien einfährten, so gebrauchten sie auch andere, 
die aus biblischen und altdeutschen zusammengesetzt sind, z. B. Piedro- 
bergo, Oianiberti, Giaccoroio. 

Schon sehr früh nahmen die Germanen lateinische Wörter auf 
und machten sie zum Ausgangspunkt von neuen Namenbildungen, 
z. B. fuscus (dunkel), aus dem sie Namen wie Foscari, Foscolo, 
Fuscoaldo, Fuscardo, Fuskias herleiteten. 

Andererseits gibt es eine Reihe altdeutscher Namen, die mit 
lateinischen zum Verwechseln ähnlich sind, namentlich wenn sie in 
latinisierter Form gebraucht werden. Romulus und Remus k&nnen 
ganz gut altdeutsch sein. Romilo, Romolo, latinisiert Romulus, kommt 
von dem altdeutschen Hromo, Hromüo (nhd. Rohm, Rommel), wovon 
sich auch ähnlich lautende Namen, wie Romeo, Borromeo hertdten. 
Selbst Romanus kann germanisch sein (ahd. Romano, Romino, Romeno, 
nhd Romann). Remus kommt von Ramo, Remo, nhd. I^dim. So 



sind auch Mario, Marco, Dono, Magno, Primo echt germanische Namen, 
aber nicht selten mögen sie mit lateinischen verwechselt und zusammen- 
geworfen worden sein. 

Der Name Bono kann lateinisch sein und ist ohne Zweifel oft 
eine Übersetzung des deutschen Out; aber die Formen Buno und 
seine Ableitungen zeigen, daß es auch ein ursprunglich germanisches 
Stammwort gegeben haben mag. Im Nhd. haben wir Bohn, Bonne, 
Bohnke, Bönitz usw. Italienische Ableitungen sind Boninus, Bonitus, 
Bonrzo, Bonualdi, Bonipert. 

Viele Schwierigkeilen bereitet den Germanisten der Name Leo, 
den einige vom lateinischen leo (gen. leonis), andere aber von dem 
altdeutschen Stammwort lev, levon herleiten. Woher das Wort auch 
stammen mag, der Gebrauch als Personenname war den Römern 
gänzlich unbekannt und ist erst bei den Germanen aufgekommen. 
Der erste mit diesem Namen war ein byzantinischer Kaiser im fünften 
Jahrhundert, der Leo Thrax genannt, was auf einen germanischen 
Ursprung hinweist, da Thracien damals von Germanen besetzt war. 
Für den altdeutschen Ursprung spricht auch die Form Lei, die in 
Italien vorkommt und weicher das nhd. Ley, Leu entspricht. 

Lupus ist häufig Übersetzung von Wolf, kann aber auch latini- 
sierte Form von ahd. Lubo. Leubo, Lobo sein; ebenso Ursus Über- 
setzung von Bär, kann aber auch von einem deutschen Stamm Horsa 
entspringen. (Ital. Orso, Orsini, Orseoli.) Der so häufig vorkommende 
Name Angelo ist meist das ahd. Angilo (nhd. Engel, Engell), ist 
aber schon früh mit dem griechischen t"tyyü.«i verwechselt worden. 
Der Name Amico ist sehr häufig germanisch, nhd. Emmecke, wofür 
auch die latinisierte Genitivbildung Amiconis spricht, ferner Ammati, 
Ammatias. Selbst Namen wie Deo und Dei, die nichts mit dem 
lateinischen deus (— Gotl) zu tun haben, sind altdeutsch, abgeleitet 
von Thiva, thius, deo {= Diener); ebenso Aletheo, Paradeo. Das 
altdeutsche fiamideo, Omideo ist oft mit dem lateinischen Amideus 
verwechselt worden. 

Sehr eigentümlich klingen jene aus einem barbarischen Latein 
entstandenen Namen, die eine Aufforderung, Wunsch oder Lob aus- 
drücken, wie Bevilaqua, Bentivoglia, Buoninsegna, Bentivegna, Saltn- 
guerra, Arrivabene, Toinaquinci. Auch hierin wirkt eine uralte 
germanische Sprachsitte nach. Im Deutschen haben wir ähnliche 
Bildungen: Fürchtegott. Seh lagint weit, Hebestreil, Schlundwein, Sladen- 
kop, Thugut, Bleibtreu, 



— 56 — 

Manche Personennamen haben eine gewisse Ähnlichkeit mit 
konkreten Dingen, und der gewöhnliche Verstand ist leicht geneigt, 
sie davon abzuleiten. Der Name Tasso z. B. hat mit dem italienischen 
tasso, dem lateinischen taxus nichts zu tun, Sante nichts mit dem 
italienischen santo, Agiio oder Agiia nichts mit dem lateinischen allium, 
Buonarota nichts mit einem „guten Rad", sondern alle vier sind echte 
altdeutsche Namen. AgHo kommt von Agilo, wie es auch in Agilulf 
und Agliardi sich findet. Dali Buonarota ursprünglich auch Buonarotto 
geschrieben wird und das „Rad" im Italienischen ruota heißt, übersieht 
man dabei gänzlich. Eine ähnliche Verwechselung mit konkreten Dingen 
kann man auch an deutschen Namen beobachten. Brod, Wein, Sand, 
Rauch, Bach, Holz und dergleichen lauteten ursprünglich Brodo, Wino 
(= Freund), Sante, Rocco, Bacco, Holdo und haben mit „Brod", 
„Wein" usw. nichts zu tun. 

Weniger zahlreich Im Vergleich mit den Personennamen, aber 
immerhin doch recht häufig, sind die Ortsnamen germanischen 
Ursprungs. Es liegt in der Natur der Sache, daß es sich dabei nur 
um kleinere Ortschaften, Dörfer und Kastelle handeln kann. Hierhin 
gehören: Bazzana, Berchidda, Bernalda, Bondeno, Borzoli, Bozzolo, 
Br^ndizzo, Brisighella, Brondolo, Bruno, Bussi, Berlinghleri, Cozzo, 
Gambettola, Galdo, Gazzoldo, Oazzo, Ghedi, Goito, Godo, Oualtieri, 
Guardastallo, Gravina, Guastalla, Guidizzoia, Guindazzi, Guizza, Lanzo, 
Manzano, Marzabotto, Mazzano, Mazzara, Meldola, Melzo, Mondolfo, 
Malbergo, Cataldo, Umbertide, Uzzana, Vernazza, Randazzo. Zahlreich 
sind die Zusammensetzungen mit Borgo {= Burg): Borgofranco, Borgo 
S. Giovanni, Borgo S. Lorenzo; oder mit Castello: Castellfranco, Castell 
Ooffredo, Castello St. EImo (= Ermo), Castell Oandolfo, Castell Fidelfo; 
oder mit dem langobardischen Fara (= Geschlecht, Sippe): Farra di 
villa nuova, Farra di Mel, Farra di Feltre, Fara di Oottolengo, Fara in 
Fluvio Laura, Fara Bianca, Fara Bolderocco, Fara in penne, Fara 
Baldura, ferner Ableitungen wie Faretta, Farla, Farulla, Fariolo, 
Farazzo, Farone.*) 

Germanische Bezeichnungen von Bergen sind: Montevarchi, Monte 
Bardo, Montefaico, Monte Gottero, Monti Berici, Monte Ripaldi, Monte 
Saldi, Monte Rinaldi. 



'} Hartmann, Geschichte Ilahens im Millelaller. II. Bd., S. 52. 



Sechstes Kapitel. 



Die Wiedergeburt der Ideale. 



Jie veränderte anthropologische Struktur des italienischen 
' Volkes halte nicht nur gesellschaftliche Umwälzungen und 
die Entstehung einer neuen Sprache zur Folge, sondern 
führte auch zu bedeutsamen psychologischen Wandlungen 
im ästhetischen Ideal und sittlichen Charakter. 

Die germanische Rasse schuf ein neues Schönheitsideal und 
machte die Bildung und die Farben ihres Typus zum Spiegelbild ihrer 
Empfindungen und Erlebnisse. Die „neuen Menschen" waren aber 
Abkömmlinge jener Stämme, deren Helden und Frauen von den alten 
Schriftstellern in bezug auf Kraft und Schönheit des Leibes hoch 
bewundert wurden. Procop ist voll des Lobes über ihre weiße 
blühende Hautfarbe, das blonde Haar, die treffliche Gestalt und die 
Schönheit des Antlitzes. Von Hunimund sagt Jordanes, daß er von 
blühender Schönheit am ganzen Körper war. Authari, schreibt Paul 
Warnefrit, blühte in jugendlichem Mannesalter, war von edler Gestalt, 
wallendem hellen Haar und sehr würdigem Antlitz; der Knabe Grim- 
wald war von schöner Gestalt, glänzenden Augen und langem hellen 
Haupthaar, Die Vandalinnen nennt Procop „wunderbar schöne Weiber", 
oder „so schön, wie kein Mensch sie sonst gesehen". 

In den Fresken von Sant Urbano, Sant Agnese und San Clemente 
in Rom treten diese Gestalten zum erstenmal auf. Sie bedeuten die 
Befreiung vom byzantinischen Typus und damit von den Fesseln einer 
hemmenden Tradition. Man pflegt von Giotto ab die neue Epoche 
der Malerei zu datieren, weil in seinen Schöpfungen der Kunst wieder 
Natur wurde, indem er den neuen Typus siegreich einführte. Aber die 
Anfänge dieser Versuche Hegen zweihundert bis dreihundert Jahre 



58 



zurück, und ihre Stätte war Rom, das später von Toscana vollständig 
überflügelt wurde. 

Fast gleichzeitig mit dem Auftreten des germanischen Typus in 
der Malerei finden wir ihn in der Poesie, zuerst im Minnesang der 
Trovalori. Die „biondi capelli" und die „bionde treccie", sowie die 
schneeweiße Haut kennzeichnen das Frauenideal der Dichter von 
Jacopo da Lentino an bis zu Dante, Petrarca, Ariost und Tasso. Statt 
vieler Beispiele führe ich nur eine Stelle aus Dantes siebenter Kanzone 
der „Vita nuova" an: 

„O ich legte 

An ihre blonden Haare, 

Die Amor mir zum Unheil lockt und goldel, 

Die Hand, und würde dann mich sältigen. 

Hätl' ich die blonden Flechten so ergriffen. 

Die Ruth' und Geißel mir geworden sind, 

Ich hielte von der Tene 

Sie bis zum Vesper und zur Abendglocke." - 

Daß dieses Schönheitsideal nicht nur in Instinkt und Empfindung 
lebte, sondern den Renaissance-Menschen zu klarem künstlerischen 
Bewußtsein gelangte, zeigen am deutlichsten Agnolo Firenzuolas 
Gespräche über die Schönheit der Frauen (1541). 

Im zweiten Dialog, der über das weibliche Schönheitsideal handeil, 
unternimmt er es, das Bild einer Frau zu entwerfen, deren Schönheit, 
wenn auch nicht unbedingt, so doch wenigstens zum größeren Teil 
vollkommen zu nennen sei: Was die Haarfarbe anbetrifft, so muß 
sie blond sein. Dieses Blond ist ein nicht allzu sehr leuchtendes 
Gelb, das sich etwas dem Fahlbraunen nähert, verbunden mit etwas 
Glanz, und wenn es auch nicht in jeder Hinsicht dem Qotde ähnlich 
sei, so werde es von Dichtern doch oft damit verglichen. Z. B. spreche 
Petrarca an vielen Stellen davon, daß die Haare von feinem Golde 
sind, einen Kranz von schimmerndem gelockten Golde bilden. Die 
Fleischfarbe soll eine weiße, mit rot untermischte sein oder rot unter- 
mischt mit weiß, wie die Rosen, die fleischfarben heißen. Im übrigen 
sollen die Haare fein, dicht und lockig sein. Nach Apulejus habe die 
schöne Venus goldschimmerndes Haar gehabt. Die Pupille soll nicht 
völlig schwarz sein, obgleich alle griechischen und lateinischen Dichter, 
ebenso die neueren, die schwarzen Augen preisen und versichern, die 
Göttin der Schönheit habe solche besessen. Nichtsdestoweniger fehle 
es nicht an solchen, welche die blauen Augen verherrlichen, weil sie 
in der Farbe des Himmels prangen, und die Angabe, die schöne Venus 



— 59 



habe solche gehabt, finde sich bei den zuverlässigsten Schriftstellern, 
Die Augenbrauen sollen die Farbe des Ebenholzes haben und aus 
feinen, kurzen, seidenweichen Haaren bestehen. Die Wangen sollen 
am äußersten Rande schneeweiß beginnen, was mit der Rundung 
abnimmt, während das rosige Inkarnat beständig wächst. Die Nase 
darf nicht allzu groß sein, sie muß gerade oder nur eine Spur von 
Krümmung mit kleinem Vorsprung zeigen. Der Hals soll schneeweiß 
sein, der Nacken weiß mit einem Anflug von rol, ebenso Arme, Hände 
und Beine. 

Am vollkommensten ist der germanische Typus bei Oiotto und 
seiner Schule zum Ausdruck gekommen, ferner in der Frührenaissance, 
bei Fra Angelico, Filippo Lippi, Bolticelli, während in der Hoch- 
renaissance teilweise ein leichter Mischtypus vorgezogen wird. Die 
schönsten Frauentypen germanischer Rasse sind von Palma vecchio 
und Tizian geschaffen worden. 

Was Maler, Dichter und Novellisten aus ihrer natürlichen 
Anschauung heraus als schön und anmutig empfanden, wird durch 
die anthropologische Untersuchung bestätigt. Einer der besten 
Kenner der Rassenschönheit des Weibes, C. H. Stratz, sieht in der 
nordischen Rasse die vollendete Schönheitsblüte der organischen 
Schöpfung. Danach ist das klassische Land der Frauen Schönheit 
Skandinavien, wo er mehr normale und schöne Proportionen fand als 
selbst in Italien. In Italien nimmt die Schönheit des weiblichen Körpers 
nach Norden hin zu. Die schönsten Frauengestalten sah dieser 
Forscher in Florenz und Mailand, und noch heute schätzt der Italiener 
die blonde Schönheit am höchsten, wie sie Firenzuola in seinem Dialog 
gerühmt hat. 

In dem neuen Menschen lebte eine neue Seele, denn mit dieser 
Wiedergeburt des sinnlichen Schönheitsideals war eine Erneuerung 
der sittlichen Empfindungen und Vorstellungen parallel gegangen. Mit 
der Einwanderung der Germanen traten unverdorbene Nalurkräfte des 
Willens in die Geschichte Italiens ein. Besonders wichtig war die 
Regeneration der sexuellen Instinkte, deren Verfall einer der bezeich- 
nendsten Symptome des niedergehenden Römertums war. Vergeblich 
hatten römische Cäsaren die Kinderzeugung zu fördern gesucht; 
aber seit dem dritten Jahrhundert nahm die Bevölkerung zu, die sexuellen 
Sitten wurden reiner und keuscher. Schwerlich hat das Christentum 
diesen Erfolg erzielt. Im Gegenteil, die christlichen Lehren jener Zeiten 
haben die entartenden Wirkungen einer gesunkenen Geschlechtsmoral 



- 60 



noch verschlimmert, indem sie Askese und Ehelosigkeit als etwas 
Heiliges und Golf Wohlgefälliges begünstigten. Überzeugt von einem 
nahen Ende und Wandel der irdischen Dinge, haben Paulus und die 
Kirchenväter bis zu HIeronymus und Ambrosius die Ehelosigkeit als 
den religiös besseren Zustand gepriesen. Indem das Christentum die 
besten Geister an sich fesselte und für diese Lehren gewann, gab es 
der römischen Rasse den letzten Stoß, denn die Zahl der ehelosen 
Männer und Weiber nahm immer mehr zu.') Und wenn auch das 
Christentum die ehelichen Sitten zu bessern suchte, so bedeutete ihm 
die natürliche Seite des Geschlechtslebens doch immer ein notwendiges 
Übel. Überdies vermögen Lehren und Predigten einer gesunkenen 
Voikskraft nicht aufzuhelfen. Dazu bedarf es einer neuen Rasse. 

Freilich verfielen auch die Germanen, wie es jedem Naturslamm 
zu geschehen pflegt, bei der Berührung mit einer höheren Civilisation 
dem Laster und der Ausschweifung, zumal ihnen als den Herren des 
Landes alle Vergnügungen und Luxusmittei einer im Niedergang 
begriffenen raffinierten Kultur zur Verfügung standen. Und es gibt 
nicht wenige Vorkommnisse, wo man die ungezügelte Leidenschaft 
und Willkür der Naturkinder mit den entarteten Lustberauschungen 
der „Römer" wetteifern sieht. Doch werden solche Erscheinungen 
mehr bei den Franken und Westgoten als bei den Langobarden 
beobachtet, die zweihundert Jahre lang um den vollständigen Besitz 
von Italien kämpfen mußten und so ihre physischen und moralischen 
Kräfte in fortwährender Anspannung hielten. Vielleicht Hegt darin die 
Ursache, warum die Franken und noch mehr die Westgoten, die fast 
widerstandslos die neuen Länder in Besitz genommen halten, so 
schnell verweichlichten, während die Langobarden ihre Kräfte fast 
ungebrochen in die Sphären einer höheren Kulturenlwicklung retteten. 

H. Leo hat in seiner noch immer unübertroffenen Darstellung 
der Geschichte Italiens im Mittelalter mit scharfsinnigen Bemerkungen 
die großen geistigen Veränderungen geschildert, die Italien namentlich 
durch die Einwanderung der Langobarden erfahren hat. „Die wich- 
tigste Folge", schreibt er, „welche das langobardische Reich für Italien 
gehabt hat, ist die gänzliche Veränderung des Charakters der Italiener. 
Von der Zeil an, wo Rom sich der Herrschaft über ganz Italien 
bemächtigt halte, bis auf die Einwanderung der Langobarden, erscheinen 
die Einwohner Italiens im ganzen unterwürfig, wenigstens gehorchend 

•) J. Muller, Das sexuelle Leben der ehrisllichen Kulturvölker. 1904. S, 38. 



61 



und ordnungsliebend. Seit der Einwanderung der Langobarden hin- 
gegen entwickelt sich mit raschem Schritte jene losgerissene Freiheit 
im Denken und Handeln, die bis auf den heutigen Tag die Italiener 
vor allen anderen europäischen Nationen auszeichnet." Dies sei zwar 
nicht der Charakter des ganzen Volkes oder aller einzelner, sondern 
nur der herrschenden Schicht. Die in den Wissenschaften wie im 
Herrschen ausgezeichneten Männer tragen fast alle diesen Charakter: 
Die Freiheit des Tyrannen sei das Ziel, wohin der Italiener strebe. 
Diesen Eindruck gewähre die ganze Geschichte Italiens seit der Ein- 
wanderung der Langobarden, „und wenn ein ausgezeichneter Italiener 
von dieser Weise abwich, wurde er fast nie verstanden". 

In ähnlicher Weise hat später Montalemberl im ersten Kapitel 
der „Moints d'Occident" (1860) auf die sittlichen und geistigen Wand- 
lungen hingewiesen, die durch den Eintritt der Germanen in die 
römische Welt herbeigeführt wurden; „Die Germanen zerstören, aber 
sie setzen Neues an die Stelle des Zerstörten; zudem vernichten sie 
nichts von dem, was noch lebenswert und lebensfähig ist. Blut in 
Strömen wird von ihnen vergossen, aber mit ihrem eigenen Blut 
erneuern sie das Lebensmark des erschöpften Europa. Kraft und 
Leben bringen sie mit Feuer und Schwert. Neben tausendfachen 
Freveltaten und unzähligen Übeln kommt mit ihnen zweierlei, was die 
römische Welt nicht mehr kannte, wieder zum Vorschein; Die Würde 
des Mannes und die Achtung vor dem weiblichen Geschlecht. 
Beides war in ihnen mehr instinktmäßig als grundsätzlich; aber wenn 
diese Naturgaben dereinst vom christlichen Geist befruchtet und 
geläutert sein werden, geht aus ihnen das katholische Ritter- und 
Königtum hervor. Es bildet sich ferner daraus ein neues, im römischen 
Reiche ganz unbekanntes Gefühl, das wohl auch den besten und 
edelsten Männern des heidnischen Altertums fremd gewesen sein 
dürfte, das jedenfalls mit dem Despotismus unverträglich ist: Das 
Gefühl der Ehre, diese innerste tiefe Schwungkraft in der neuen 
Gesellschaft, die im Grunde nichts anderes ist als das Bewußtsein 
der Unabhängigkeit und Un verletzlich keit des menschlichen Gewissens, 
eine Macht, die hoch über allen Gewalten, über jeder Art von Tyrannei, 
über allen rein äußerlichen Kräften steht. Sie bringen ferner die Frei- 
heit, allerdings nicht die Freiheit, wie wir sie in der Folge in unser 
Bewußtsein aufgenommen und besessen haben, aber doch die Keime und 
die Bedingungen aller Freiheit, d. h. den Geist des Widerstandes gegen 
eine ausschreitende Gewalt, eine männliche Ungeduld über das Joch, 



62 



das tiefe Bewußtsein des persönlichen Rechts, des individuellen Werts 
jeder Seele, sowohl vor dem anderen Mensch als vor Ooit. — Freiheit 
und Ehre ist es, was Rom und der Welt seit Auguslus Zeilen fehlte, und 
was wir nur unseren germanischen Vorfahren, den Barbaren, verdanken." 

Schönheit, Würde und Freiheit brachten die Germanen nach 
Italien. Die angeblichen Nachkommen der Römer haben aber heute 
noch nicht das Vorurteil abgelegt, in ihnen nur Barbaren, nichts als 
Barbaren zu sehen. Ursprünglich wurde mit dieser Bezeichnung 
keineswegs etwas Verächtliches gemeint, da die Griechen und später 
die Römer alle diejenigen so benannten, die nicht ihre Sprache redeten. 
In diesem Sinne wird das Wort noch von Procop gebraucht. Die 
Germanen nannten sich in lateinischen Urkunden selbst Barbaren und 
trugen kein Bedenken, Barbaro, Barbarino, Barbarelli als Personennamen 
zu gebrauchen. 

Einen verächtlichen Sinn hat das Wort erst bekommen, als die 
neuen „Römer" glaubten, daß sie zur „lateinischen Rasse" gehörten, 
und dem Irrtum verfielen, die germanischen „Barbaren" für den Unter- 
gang des römischen Reichs, für die Zerstörung der antiken Kunst- 
werke und für alle rohen Bildungen in der italienischen Kunst des 
frühen Mittelalters verantwortlich zu machen. 

Aber auch im ethnischen Sinne können die Germanen der Völker- 
wanderung nicht „Barbaren" genannt werden. Als die Germanen in 
den Kulturkreis des römischen Reichs traten, befanden sie sich auf 
der wirtschaftlichen Stufe der Ackerbauer, der materiellen Vorbedingung 
aller höheren Entwicklung. Sie standen auf jener Kulturstufe, die 
Morgan den niederen Grad der Civilisation genannt hat. Man hat 
sich erdreistet, sie mit Indianer- und Negerslämmen in eine Reihe zu 
stellen. Wenn aber irgendwo, dann versagt die ökonomische Geschichts- 
Iheorie in diesem Punkte, wo sie aus einer gleichen wirtschaftlichen 
Stufe eine gleiche geistige Beschaffenheit ableiten will. Diese Theorie 
vergißt, daß Wildheit, Barbarei und Civilisation keine Rassenstufen, 
sondern Kulturstufen bedeuten. Alle Stämme müssen nach einem 
Gesetz natürticher Entwicklung von niederen zu höheren Zuständen 
fortschreiten. Aber aus ihrer natürlichen Anlage heraus beharren 
einige in Wildheit, andere in Barbarei, und nur bestimmte Rassen 
erreichen die höheren Grade der Civilisation. Für diese sind Wildheit 
und Barbarei nur Durchgangsepochen. 

Die hochentwickelte Sprache, der tiefe Gehalt ihres religiösen 
Mythus, ihr ganzer persönlicher Charakter verbietet uns, die Germanen 



63 



der Römerzeit mit Negern und Indianern in Vergleich zu bringen. 
Mit einer wunderbaren Anpassungsfäliigkeif traten sie in die Lücken 
ein, die das absterbende Römerium hinter sich ließ. Würden Indianer 
und Neger in einem eroberten Lande sich so benehmen wie die 
Ostgolen in Italien? Ihnen muß sogar Machiavelli Recht wider- 
fahren lassen. „Im Kriege stets siegreich, beglückte Theoderich im 
Frieden seine Städte und Länder. Er vergrößerte Ravenna, stellte Rom 
wieder her und gab außer den Waffen den Römern die Ehre wieder. 
Unter seiner achtunddreißigjährigen Regierung versetzte er Italien in 
einen so blühenden Zustand, daß die alten Wunden nicht mehr zu 
erkennen waren." Gewiß haben die germanischen Krieger Städte 
zerstört und Menschen umgebracht, wie der Krieg, die Eroberung und 
der Übermut es mit sich bringt. Aber von Griechen und Römern 
sind sie in der Zerstörung von blühenden Kulturstätten, in Grausam- 
keit und Mißbrauch der Gewalt bei weitem übertroffen worden. 

Mit fortschreitender Anpassung ging der kriegerische Typus ihres 
Lebens zu einem industriellen und geistigen über, und wandten sie 
sich mit großer Hingebung den Künsten und Wissenschaffen zu. Dabei 
konnte es nicht ihre Aufgabe sein, das Vorgefundene und Alte, das in 
Niedergang und Verfall begriffen war, einfach fortzusetzen. Aus ihren 
eigenen Bedürfnissen heraus mußten sie ein neues Milieu, eine neue 
Tradition und neue Ideale schaffen. Schon zur Zeit der politischen 
Herrschaft der Langobarden sehen wir in ihren Klöstern, an den 
Höfen ihrer Fürsten in Benevent, Spoleto, Friaul, Pavia, eine hoffnungs- 
volle Vorblüle der Renaissance aufsprießen. Und wenn die Germanen 
in der Folge ihre Sprache und das Bewußtsein ihrer Abstammung 
verloren, so blieben sie doch als Rasse bestehen und bildeten sie das 
vorwiegende und herrschende Element im Adel, im städtischen Patriziat 
und im Kirchenregiment. Sie übernahmen die geistige Führung 
der sich bildenden neuen Nation, denn aus ihren Schichten ging 
die überwiegende Mehrzahl der großen Genies des Mittelalters, der 
Renaissance-Zeit und des neueren Italien hervor. Es ist daher ein 
bedeutsames völkerpsychologisches Problem, auf allen Gebieten ihres 
geistigen Schaffens den ersten Bedürfnissen und Regungen nach- 
zuspüren und im einzelnen zu verfolgen, wie aus kleinen und 
unscheinbaren Anfängen die stolze Epoche der Renaissance heraus- 
gewachsen ist. 

Was den geistigen Charakter dieser Kultur vor dem augusteischen 
und perikleischen Zeitalter auszeichnet, das ist die Geburt des univer- 



— 64 — 

seUen Menschm» die o^taunlidie Vidseifigkdt und Tidie dner und 
derselben Begabung. Die größten Kflnstler waren zugleich Baumeister» 
Bildhauer und Maler, und nicht wenige zugleich Dichter, Musiker und 
Naturforscher. Das ist ein Charakter und eine Leistung, wodurch die 
Germanen an die Spitze aller arischen Stämme erhoben wurden. Ober 
die Größten der Griechen und Römer ragt der einzige Leonardo, der 
nach allem, was wir von ihm wissen, das körperiich und geistig voll- 
•kommenste Genie gewesen zu sein scheint, das auf Erden wandelte, der 
Kepräsentant jenes universellen Individualismus, den die germanische 
Rasse in die Welt gebracht hat. 



Siebentes Kapitel. 

Die Architekten und Bildhauer, 



/er erste nactiweisbare Einfluß der Germanen auf die Kunst- 
' geschichte Italiens ging von Theoderich d, O. aus, 
während es eine geschichtlich merkwürdige Tatsache ist, daß 
Ricimer der erste Oermane war, der in llalien eine arianische 
Kirche bauen ließ. In Theoderich offenbarte sich, wie später in den 
Fürsten der Langobarden, der starke Bautrieb seiner Rasse, der in den 
Kastellen, Palästen und Kirchen des Mittelalters und der Renaissance 
zur kraftvollsten Entwicklung gelangle. „Er liebte es, zu bauen und 
Städte wieder aufzurichten", schreibt der Anonymus Valesianus (XII, 63). 
In Pavta führte er einen Palast, Bäder, ein Amphitheater und neue 
Stadtmauern auf, ferner Paläste in Ravenna, Verona und Spoleto. Für 
die Herstellung des Palastes in Rom und die Wiederaufrichtung der 
Stadtmauern wies er jährlich 200 I^und Gold aus dem Ertrage der 
Weinsteuern an. Derselbe Anonymus schreibt: „Bei seinen Lebzeiten 
hatte er sich ein Denkmal aus Quadersleinen erbaut, ein Werk von 
wunderbarer Größe, und einen ungeheuren Block suchen lassen, um 
damit das Werk zu krönen." (XIV, Q6.) 

Es ist sein Grabmal in Ravenna, das zwar nach römischen Vor- 
bildern erbaut, doch mit germanischen Gedanken erfüllt ist. Die 
riesige Kuppelwölbung aus einem Stein ist eine Erinnerung an 
nordische Hügelgräber, an „heimische Ricsenleistungen". Ferner findet 
man eine Verzierungsweise, die nordischen Ursprungs zu sein scheint. 
Schnaase rechnet dazu einen schmalen Streifen des Türgestells, dann 
besonders eine originelle Verzierung an dem Kranzgesimse unter 
der Kuppel. 

Die Frage, wie weit hier nur dn ideeller Einfluß germanischer 
Geschmacksrichtung anzunehmen ist, oder germanische Künstler eigen- 



66 



händig an den gotischen Bauten tätig gewesen sind, ist schwer zu 
entscheiden. Ds es aber feststeht, daß die Germanen der Völker- 
wanderung eineh, eigenen Bau- und Zierstil gehabt haben, so dürften 
auch -gotische Bailmeister tätig gewesen sein. Ausdrücklich ist dies 
schon sehr früh von den Westgoten bezeugt, die sogar eine besondere 
Bauart gehabt haben müssen, da von einer „manu gotica" die Rede 
ist. Unter den Osfgoten werden im Jahre 530 drei Architekten mit 
germanischen Namen genannt, Oelinth, "Bulius und Aldo, Mönche 
aus Monte Cassino, die manche für sagenhaft hallen, wofür nach 
meiner Meinung kein stichhaltiger Grund vorliegt. 

Unter den Mosaikarbeitern in Ravenna werden im sechsten Jahr- 
hundert Cuserius, Paulus, Janus und Stephanus angeführt, von welchen 
Namen Janus und Cuserius auf germanischen Ursprung hinweisen. 
Cuserius ist das ahd. Gozlier, Oautser, Causarius (nhd. Kosser) und 
Janus scheint dem italienischen Jano, Giano, dem Kosewort von 
Johannes, zu entsprechen, da der römische Göltername Janus nie als 
Personenname gebraucht wurde. i 

Wie bei den Goten, so waren auch unter der Herrschaft der 
Langobarden die Handwerker, Künstler und Gelehrten in der ersten 
Zeit meist italischer Herkunft. Die Eroberung des Landes, die Auf- 
rechterhallung und Ausdehnung ihrer Macht, ließen ihnen selbst nur Zeit 
und Kraft für die altgewohnte Tätigkeit des Kriegs und Waffenspiels. 
Aber wenn sie auch die Kunst selbst nicht ausübten, so waren sie 
doch kunstiiebend, erbauten Paläste, Kirchen und Klöster in großer 
Zahl, wie aus den Nachrichten des Paulus Diaconus hervorgeht. 

Zwei deutsche Forscher, Rumohr und Molhes,*) haben durch 
eingehende und sorgfällige Untersuchungen sehr zahlreiche Baudenk- 
mäler aus der langobardischen Periode Italiens, die zum Teil nur noch 
in Resten vorhanden sind, nachgewiesen. Die langobardischen Bauten 
haben eine eigenartige Verzierungs weise, die in seltsamen und phan- 
tastischen. Tiergeslalten besteht, und die man bis nach Mittel- und 
Südilalien verfolgen kann, wo die lombardischen Werkleute und Bau- 
meister bis ins späte Mittelalter berühmt waren. Dahin gehören auch 
die „Magisfri comacini", Baumeister und Steinmetzen aus der Gegend 
von Como, die -anfänglich wohl Italiener gewesen sind, nachher aber 
durch Langobarden verdrängt wurden. Nach Mothes kommen im 

•) E. F. von Riimohr, llalknisclie Forsclmngen. 1827-1831. - O. Molhes, 
Die Baukunst des Mitlelallers in llalicn. 1934. 



67 



Jahre 615 als solche Maximus und LeolJvus und ein Ursus mit seinen 
Schülern Joventinus und Jovianus vor, von denen Leotivus und 
Ursus auf germanischen Ursprung hinweisen. 

Einer der äUesten germanischen Baumeister auf italienischem 
Boden ist der Magister Paulo oder Faulone, der 686—690 genannt 
wird. Der Name Paulo (ahd. auch Pavilo) scheint langobardisch zu 
sein, da er in den Regesten von Parfa nach Pörslemann zweimal 
vorkommt. 

Im Jahre 739 wird ein Rodpertu (— Robert) als Magister 
Cumacinus genannt, im Jahre 990 ein Baumeister Wilhelm aus 
langobardischer Pamilie, der mit anderen Bauleuten nach Prankreich 
zog (Mothcs, S. 366), im Jahre 1009 ein Magister Ermanricho (ahd. 
Ermanrich). 

Berühmt sind die Baumeister 'des Doms zu Pisa im Anfang 
des elften Jahrhunderts: Buschetto (ahd. ßuso, Busco), Rainaldus 
(^ Reinwald) und Hitdebrand, ferner Uberto, Leone und Signorelto. 

Aus der großen Schar mittelalterlicher Architekten Italiens mit 
altdeutschem Namen führe ich (nach Mothes) folgende an: Alfanus aus 
Termoli (1062), Raymundus Lombardus (1175), Nicolaus, Wilhelm und 
ßriololo in Verona (1122). Alemann oder Altmann in Trient (1124), 
Guglielmo, Leopardus in Ancona (II4S), Biduinus (1180), Albertino 
von Taneto, Guido da Como (1250), Oiroldo aus Lugano (1226), 
Marchione (1206), Arrigo von Campione (1287), Guglielmo d'Agnello 
(1240), aus späterer Zeit: Giacomo Lanfrani in Imola (1343), Mario 
Ugoleti und Mario Loschi in Parma, Undetuatdo (= Uno-det-waldo), 
der Erbauer des Doms von Cesena (1350). 

In Rom finden wir um dieselbe Zeit folgende Namen: Johannes 
und Guido von Corneto, die in langobardischem Stil arbeiteten, 
Magister Wilhelm (1124), Petrus Oderisius (1101). eine ganze Bau- 
meisterfamilie Guido (1121), Antonio di Rabotlo (1183), Gualterius 
(1210), Vasalellus (1234). 

Was die Langobarden für Nord- und Mittelitalien, das bedeuteten 
die Normannen, mit denen auch Pranken und Proventjalen gekommen 
waren, für Süditalien und namentlich für Sizilien. Hier blühte schnell 
ein neuer, von der alten Heimat mitgebrachter Stil auf, der durch 
arabische und langobard Ische Einflüsse mannigfach abgeändert wurde. 
Daß in der Normandie schon sehr früh die Baukunst von Germanen 
ausgeübt wurde, beweist der Abt lldebert, der schon im jähre 552 als 
Baumeister genannt wird. Unter den südüalisch-normannischen Bau- 



meistern zeichneten sich aus; Mainhard aus Ariano, Oderisius aus 
Rom, Magister Savolus (1197, Savolo ist wohl gotisch), Raymundus 
de Podio, Magister Leonardus aus Atri, Magister Petrus Cataldus 
Fusco in Ravello, Robert von Calabrien, Wilhelm de Oifono (1326), 
Landulf (1350). 

Die beiden bedeutendsten Familien, die für die Entwicklung der 
Baukunst in Sizilien von der größten Wichtigkeit waren, sind deutschen 
Ursprungs gewesen: Die Chiaramonti (ahd. Ciarmunt?), deren Vor- 
fahren Vereland und Hugo von Karl dem Großen abstammten und mit 
Roger 1061 nach Sizilien kamen, und die Sciafani, die mit jenen in 
Kunstliebe und Aufwand für Kunst wetteiferten. (Molhes, S, 583 — 585.) 

Wie für die Poesie, so bedeutete die schwäbisch-hohenstaufische 
Herrschaft auch für die Baukunst eine Periode der Blüte, deren 
schönstes Beispiel die Bauten in Bari und Bitonto sind. „Unter der 
Herrschaft der Normannen und Schwaben waren alle diese glänzenden 
Werke (in Südilalien) entstanden; aus späterer Zeit ist kaum ein einziges 
zu nennen. Der Olanz der apulischen Kunst erlosch mit dem Sturze 
der Staufen."*) 

Während die altrömische Baukunst in den christlichen Kirchen 
ein ununterbrochenes Dasein, wenn auch in umgewandelten Formen, 
aufzuweisen hat, war die Bildhauerkunst und der Erzguß im achten 
Jahrhundert fast vollständig untergegangen. Roh und steif ist das 
Relief an der Kathedrale von Monza aus dem Ende des sechsten 
Jahrhunderts, ebenso unerfreulich sind die Figuren in Cividale aus 
der Zeit des Herzogs Pemmo. Es ist schwer zu entscheiden, ob 
man es hier mit den letzten absterbenden Fähigkeiten einheimischer 
Künstler oder mit den ersten knabenhaften und ungeschickten Ver- 
suchen der eingewanderten Fremdlinge zu tun hat. Nur die Gold- 
schmiedekunst blieb in diesen Zeiten des Verfalls erhalten. Es dürfte 
dies dem Umstände zuzuschreiben sein, daß die Germanen selbst 
Goldschmiede mit ins Land brachten. Diese Kunst war schon früh 
bei ihnen entwickelt, wie aus einer Nachricht im „Leben des 
Heiligen Severinus" aus dem fünften Jahrhundert hervorgeht, daß die 
Königin der Rugier in Noricum einige Barbaren — Ooldarbeiter — 
in strengem Gewahrsam hielt, damit sie ihr einen königlichen Schmuck 
anfertigten. Um 600 wird ein Goldschmied Abbo (wohl ein Franke) 
in Limoges erwähnt. In Italien finden wir in einer Urkunde von 769 



•) Aus dem Idassisclien Süden, 1896. S. 20. 



69 



einen langobardischen Goldschmied in Monza, im Jahre 820 einen 
anderen namens Martinus, Sohn des verstorbenen Edlen Andreas, 
867 einen Goldschmied Leo deutschen Ursprungs, 850 einen Münzer 
namens Theodorus, Solm des verstorbenen Edlen Richepert'). Im 
neunten Jahrhundert verfertigte Wolvinus, der auch als Deutscher 
angesehen wird, den Hochaltar in Sant' Ambrogio in Mailand. 

Von älteren Bildhauern sind zu nennen: Wiligelm, der im zwölften 
Jahrhundert die Skulpturen an der Fassade der Kathedrale von Modena 
verfertigte, ferner Nicolaus und Wiligelmus, die 1131 die Reliefs an 
der Fassade von San Zeno Maggiore in Verona herstellten; Rogerius 
(= Roger) von Amalfi, Oderisius Berardus aus Benevent sind aus dem 
Anfang des zwölften Jahrhunderts als Erzgießer bekannt; ferner Girardo 
aus Piacenza (1180), Anselm in Mailand (1167), der Glockengießer 
Ouidofto in Parma (1287), Barisanus aus Trani (1173)"), Giacomo del 
Vasto Aimone (1160), Robert und Roger aus Teramo (1160), Tankred 
da Pentorna (1272), Guido Bigarelli aus Como (1246), Belenato und 
Aldibrando (1233). 

Den Höhepunkt mittelalterlicher Bildhauerkunst bildet die Schule 
von Pisa im dreizehnten Jahrhundert: Niccolo Pisano und sein Mit- 
arbeiter Gulglielmo. ferner Andrea Pisano, der Sohn des Ugolino 
Nino. Ugolino kommt von Hugo, Ugolo; Nino ist wohl eine Abkürzung 
von Oiovannino. 

Arnolfo di Cambio und Arnolfo di Lapo waren die Begründer 
der toscanischen Bildhauerkunst; ahd. Arnolfo ^ Arnulf; ahd. Cambio 
oder Camfio = Camp, Oamb, Kampff; ahd. Lapo oder Laiffo, Laffo 
= Läpp, Lappe. 

Die epochemachende Entfaltung der Architektur und Bildhauer- 
kunst in der Früh-Renaissance ist mit den berühmten Namen vier 
großer Florentiner Künstler verbunden: Ohiberfi, Brunellesco, Donatello 
und Atberti. 

Lorenzo Ohiberti (1378 1455). — Der Name der Ghiberti, die 
zuerst 1260 unter den guelfischen Familien in Florenz erwähnt werden, 
leitet sich vom ahd. Wiberto, Guiberto. nhd. Wilbert. Wie Vasari 
im Leben des Lorenzo Ghiberti berichtet, brachte er sein Bildnis an 
der Bronzelür des Baptisteriums in Florenz an. Er selbst gibt in 



*) H. Leo, Entwicklung der Verfassung der lombardischen Städte. 1824. S. 32H. 

") Von Barisanus rühren die berühmten Türflügel an den Kathedralen von 
Trani und ßavello her. Barisanus halte ich fflr einen germanischen Namen, analog 
Trabesan, Gomessanus und Monsanj. 



70 



seinem Werk ein Profilbüdnis, das offenbar nach diesem Bronzekopf 
gezeichnet ist. An einem Gipsabguß habe ich die anthropologischen 
Merkmaie dieses Kopfes genauer studieren können. Danach ist der 
Schädel sehr lang und schmal, mit einem Index von etwa 73, also aus- 
gesprochen dolichocephal. Auch das Gesicht ist lang und schmal, 
die Nase leicht gebogen, das Haar gelockt. Obgleich über die 
Farbe der Haare und Augen nichts berichtet ist, können wir auf 
Grund des Familiennamens und der Kopf- und Gesichtsbildung mit 
großer Gewißheit annehmen, daß er ein Abkömmling der Germanen 
gewesen ist. 

Philippo Brunelleschi (1379—1446) erhielt seinen Namen 
von seiner Großmutler, die dem altadetigen Hause der Brunelleschi 
angehörte. {Bruno, Brunilo, Brunelio, nhd. Brünell.) Die väterliche Familie 
hieß Lapi (= Lappe), die nach Vasari manchmal auch Aldobrandini 
(= Aldrobrand) genannt wird. Nach Vasari war er hager von Gestalt 
und wenig einnehmenden Zügen. In der Opera del Duomo sieht 
man seine Totenmaske, nach welcher sein Schüler Andrea die lebens- 
wahre Halbfigur des Künstlers im Dome verfertigte. Danach war sein 
Schädel lang, das Gesicht hager, die Nase lang, etwas gebogen und 
hängend, von nicht besonders edler Form. Paolo Ucello malte sein 
Bild auf der berühmten Tafel im Louvre, aber diese Bildnisse sind so 
vielfach übermalt und restauriert worden, daß namentlich dasjenige 
des Brunellesco kaum die ursprünglichen Farben erkennen läßt. Eine 
alte Kopie dieses Porträts befindet sich im Passaggio der Uffizien, 
Die Augen haben auf diesem Bilde eine unbestimmt graue Farbe, die 
höchstwahrscheinlich ursprünglich blau gewesen ist. 

Donatello Bardi (1386-1466). — Die Bardi (nhd. = Barth) 
führen ihren Stammbaum auf einen Bardo von Rubalta zurück, der 
im Jahre 1040 genannt wird. In den älteren Generationen der Familie 
kommen ausschließlich deutsche Namen vor, wie Bardo, Berardo, Berling- 
hiero, so daß ihre germanische Herkunft höchst wahrscheinlich ist, 
worauf auch das hohe Alter dieser adeligen Familie hinweist. IJber 
das körperliche Aussehen des Künstlers wird nichts berichtet. Das 
einzige ikonographische Zeugnis ist sein Bildnis auf der Tafel des 
Paolo Ucello. Da diese aber im Laufe der Zeit sehr gelitten hat, muß 
einer alten Kopie dieses Bildnisses im Passaggio der Uffizien größerer 
Wert beigelegt werden. Hier zeigt er die Züge der germanischen 
Rasse, langes Gesicht und edelgeformte, schmale, leicht gebogene 
Nase. Der Teint ist weiß, das Haar bedeckt und nicht zu sehen, der 



— 71 — 



Bart ergraut-weiß, doch läßt er noch die ursprünglich blonde Farbe 
erkennen. Die Farbe der Augen ist schwer zu bestimmen, wohl 
dunkelgrau mit einem Stich ins Braune. 

Luca della Robbia (1300-1482). Die Della Robbia bildeten 
eine zahlreiche Bildhauerfamilie, die mehrere Generationen hindurch 
hervorragende Künstler hervorbrachte. Der älteste ist Simone di Marco, 
der 1343 geboren wurde. Die berühmtesten sind Luca, Andrea und 
Oirolamo. Von Luca gibt Vasari in seinen Lebensbeschreibungen ein 
Profilbildnis, das wohl nach dem von ihm erwähnten, verloren 
gegangenen Selbstporträt gezeichnet ist und das er auch im Palazzo 
vecchio anbrachte, wo er Cosimo und die Künstler seiner Zeit dar- 
stellte. Danach muH Luca von hoher Gestalt gewesen sein, die Nase 
war groß, schmal und aquilin, das Kinn vorspringend, ein anthropo- 
logischer Typus, wie wir ihn bei den anderen Gliedern der Familie 
wieder finden. Andrea del Sarto hat die Bildnisse von Andrea della 
Robbia und seinen Söhnen Girolamo und Luca auf den Fresken im 
Kreuzgang von S. Annunziata in Florenz angebracht. Hier erscheinen 
sie als hohe Gestalten mit dem charakteristischen Profil der germanischen 
Rasse und rosig-hellem Teint, Andrea als Greis, Luca mit lang herab- 
wallendem blonden Haar und einem „Schillerprofil", Oirolamo ebenfalls 
mit blonden Haaren. 

Michelozzo Michelozzi (1396—1476). -- Wie Vasari mitteilt, 
malte Fra Angelico das Bildnis des Michelozzo in einer Kreuz- 
abnahme, die sich früher in der Sakristei von S. Tnnitä befand und 
jetzt in der Academia delle belle arli in Florenz ist, und zwar „in der 
Gestalt eines alten Nicodemus mit einer schwarzen Kapuze, der Christus 
vom Kreuze herabläßt". — Offenbar bestand zu Vasaris Zeit die 
Tradition, daß Nicodemus den Michelozzo darstelle, aber welche Figur 
auf diesem Bilde der Heilige Nicodemus sein soll, ist von Vasari 
wohl falsch gedeutet worden. Es ist nicht die Person mit der 
schwarzen Kapuze, sondern mit dem roten Barett. Alle biblischen 
Gestalten, Johannes, Josef von Arimathia, Marie, Magdalene usw., haben 
einen Heiligenschein. Da der Heilige Nicodemus auch einen solchen 
haben muß, kann er nur die Figur mit dem roten Barett sein. Danach 
halte Michelozzo einen Bart von mittelblonder Farbe, der damals 
weiß zu werden begann. Die Haare, die ein wenig unter dem 
Barett hervorkommen, sind rötlich-blond. Die Farbe der Augen ist 
nicht zu erkennen, da der Blick gesenkt und das Auge durch das 
pbere Lid verdeckt ist, 



72 



Leon Battista Alberti (1405—1472). — Die Vorfahren der 
Alberti waren Feudalherren, Besitzer der Kastelle von Catenaia, Talla 
und Montegiovi und stammen sehr wahrscheinlich von dem Grafen 
Goffredo (= Gottfried), dem Sohn eines Hildebrand, der nach saüschem 
Gesetz lebte und dem Otto I. im Jahre 967 große Landgüter übergab. 
Die Alberti sind demnach fränkischer Herkunft; den Familiennamen 
führen sie nach einem ihrer Vorfahren Alberto (~ Albert), der in 
einem Dokumenl aus dem Jahre 1252 genannt wird.') Das Profil- 
bildnis des Künstlers zeigt die berühmte Alberti-Medaille, mit leicht 
gebogener Nase und hervortretenden Augenwülsten. Als Vasari sein 
Werk schrieb, sah er ein Selbstbildnis Albertis im Palazzo di Palla 
Rucellai. Er selbst gibt ein Bildnis, das mit demjenigen identisch ist, 
das sich im Passaggio der Uffizien befindet, wohl eine Kopie jenes 
Originals darstellt und mit dem Profilbildnis der Medaille überein- 
stimmende Gesichtszüge aufweist. Danach hatte er dunkelbraunes 
kurzlockiges Haar, blaue Augen, hellen Teint und eine ebenmäßig 
gebaute, schmale und leicht aquiline Nase. 

Andrea Verrochio {1435 — 1488) wurde so benannt nach seinem 
Lehrer, dem Goldschmied Giulio de' Verrochii {ahd. Waracco, Waracchio, 
Wericho), und hieß eigentlich Andrea de'Cioni, was wohl eine Abkürzung 
von Uguccione ist. Das einzige, was wir über sein körperliches Aus- 
sehen wissen, entnehmen wir seinem Bildnis in den Uffizien, das von 
der Hand seines Schülers Lorenzo di Credi herrührt. Verrochio hatte 
schwarzes, leicht gelocktes Haar, grau-bräunliche Augen, eine hohe 
Stirn, leicht gebogene, aber etwas breite Nase und ein fettwangiges 
Gesicht. Von Gestalt scheint er mittelgroß, vielleicht unter mittelgroß 
gewesen zu sein: ein Mischling, der stark zur alpinen Rasse neigt. 
Germanisches Blut dürfte er kaum in seinen Adern gehabt haben. 

Donato Bramante (1444—1514). — Sein Vater Angelo Bramante 
stammte aus Urbino. Sein Name ist, wie auch Bramieri, schwerlich 
vom italienischen bramare (ahd. breman) herzuleiten, vielmehr von dem 
ahd. Bramo (= Brahm, Brehm), und in eine Reihe mit ähnlichen Namen, 
wie Weilanf, Milante, Timanle, Durante, zu setzen. Seine Mutter 
war eine Tochter des Pascuccio Lombardelli in Monte Astrualdo, wo 
Donato geboren wurde, weshalb er auch Bramante Astrualdensts 
genannt wird. Monte Astrualdo lautet auf deutsch „Osterwalds-Berg" 
(ahd. Austrowaldo = Astrualdo). Auch heißt es, daß Bramante mit 



•) L Passerini, Oli Alberti di Firenze. Oenealogio, storia e documetiti. 1809, 




Raffael Sanli verwandt gewesen sei.*) Bramante wurde in St. Peter in 
Rom begraben, wo an seinem Grabmal sein Porträt in einfachen 
Umrissen angebracht war; doch findet sich heule keine Spur mehr 
davon. Eine ungefähre Vorstellung von seinem Aussehen können wir 
aus dem Profilbildnis der Medaille des Caradossa und aus den beiden 
Bildnissen gewinnen, die Raffaet in den Stanzen des Vatikans dar- 
gestellt hat. Indes haben diese Köpfe eine für unsere Zwecke sehr 
unglückliche Hallung; überdies sind sie sehr übermalt, so daß die 
Farbe der Augen nicht mehr zu erkennen isi, während das Haar weiß- 
ergraut ist. Das einzige, was sich mit einiger Sicherheit sagen läßt, 
ist, daß er von großer Gestalt war, eine gerade Nase, vorspringendes 
Kinn und rosige Gesichtsfarbe halte. 

Andrea Sansovino (1460 — 152Q), eigentlich Andrea Contucci 
(ahd. Gundo, Oonto?), war nach der Beschreibung Vasaris von etwas 
kleiner Statur, aber sonst sehr schön und kräftig gestaltet. Seine 
Haare waren schlicht und weich, die Augen hell glänzend, die Nase 
adlerförmig, der Teint weiß und rot. Vasari nennt seine Augen „occhi 
bianchi", wie man von „arme blanche" spricht. Es isl damit jene 
sehr hellblaue Augenfarbe gemeint, die man im Deutschen als „wasser- 
blau" zu bezeichnen pflegt. 

Michelangelo Buonarotti (1475—1564) gehörte einer Familie 
an, deren Stammvater Bernardo (= Bernhard) um 1210 in Florenz 
leble. Er hatte zwei Söhne, Berlinghieri und Buonarrota, von denen 
der erstere ebenfalls einen Buonarrota zum Sohn hatte. Nach diesem 
Namen, der auch in späteren Generationen noch häufig vorkommt, 
wurde die Familie später benannt. Der Name ist ein germanischer, aus 
Bono (~ Bohn, Bonne) und Hrodo, Roto (= Rohde, Rothe) zusammen- 
gesetzt. Bona und Rotto werden als langobardische Namen angeführt, 
und Buonarotti ist vielleicht das altlangobardlsche Beonrad und ent- 
spricht dem nhd, Bonroth, Analoge Namen sind z. B. Mackrodt, 
Osterroth, Leonrod. 

Nach Condivi sollen die Buonarroti aus der Familie der Grafen 
von Canossa stammen, einem edlen langobardischen Geschlecht im 
Gebiet von Reggio, das mit Kaiser Heinrich 11. verwandt war. Talsache 
ist, daß die Grafen von Canossa den Künstler immer als Verwandten 
betrachtet haben. 



*) L. Pungileone, Memoric Jntomo lllo viU cd alle opere dt Donatg Bramante. 
1836. S. 53. 



— 74 — 

Ober das körperliche Aussehen Michelangelos haben wir genaue 
Beschreibungen von Vasari und Condivi, die im wesentlichen überein- 
slimmen. A. Condivi schreibt in seinem „Leben des Michelangelo 
Buonarroti": Michelangelo ist von guter Leibesbeschaffenheit, der 
Körper eher sehnig und knochig als fleischig und fe(t, vor allem 
gesund, sowohl von Natur als durch körperliche Übungen und durch 
seine Enthaltsamkeit, obwohl er als Kind kränklich und Zufällen unter- 
worfen war. Er ist im Gesicht immer gut gefärbt gewesen, von 
mäßiger LeibesgröBe, breit in den Schultern, im übrigen Körper eher 
schwach als stark. Die Schläfenteile des Kopfes ragen stark hervor, 
mehr als die Ohren. Die Nase ist ein wenig gequetscht, nicht von 
Natur, sondern weil ein gewisser Torrigiani in seiner Jugend ihm mit 
einem Faustschlag den Knorpel der Nase einschlug, so daß er wie 
tot nach Hause getragen wurde. Die Stirn ragt im Profil weiter vor 
als die Nase, die Augenbrauen haben wenig Haare; die Augen könnte 
man eher klein als groß nennen, von Hornfarbe, aber veränderlich mit 
gelblichen und blauen Flecken, Haare und Bart sind schwarz. 

Diese Nachrichten werden durch die Porti äle bestätigt. In erster 
Linie kommt hier das Bildnis von Bugiardini in Betracht, das im 
Museo Buonarroti sich befindet. Hier ist auch das gefleckte Aus- 
sehen der Iris zu erkennen, namentlich auf dem rechten Auge, während 
das linke fast ganz blau zu nennen ist. Das seitliche Vorspringen 
des Schädels über den Ohren ist durch ein abnormes Knochen- 
wachslum zu erklären. Michelangelo scheint Rachitis und einen 
Wasserkopf (Hydrocephalus) gehabt zu haben, womit auch die Zufälle 
seiner Jugendkrankhett zusammenhängen. Aus der Bemerkung, daß 
sein Gesicht immer gut gefärbt gewesen, muß man schließen, daß die 
Wangen ein frisches Rot besessen haben. Auf den Bildnissen in den 
Uffizien und im Konversatorenpalast in Rom ist dies nicht zu erkennen, 
da diese Bilder ungemein dunkel geworden sind. Aber es gibt im 
Museo civico zu Pavia ein Fresko-Bildnis von unbekannter Hand, auf 
dem diese frische Röte seines Gesichfes deutlich zu erkennen ist. 

Prüft man die körperlichen Merkmale Michelangelos von anthropo- 
logischen Gesichtspunkten, so muß man sagen, daß er, obgleich einer 
ursprünglich germanischen Familie angehörend, ein Mischling zwischen 
der nordischen und brünetten Rasse gewesen ist. 

Jacopo Sansovino (H77— 1570) hieß mit seinem wahren Namen 
Tatti, der als langobardischer Königsname häufig vorkommt. Vasari 
beschreibt ihn als einen Mann von gewöhnlicher Statur, der sich sehr 



— 75 — 

gerade hiell, dessen Hautfarbe weiß und dessen Bart rötlich war. 
Mir sind zwei Bildnisse von ihm bekannt, beide von der Hand 
Tinlorettos, das eine in Florenz, das andere in Weimar, die außerdem 
blaue Augen und germanische Gesichtsbildung erkennen lassen. 

Baldassare Peruzzi (1481 — 1536) wurde von Raffael in den 
Stanzen des Vatikans auf dem Fresko von der Vertreibung des Helidor 
dargestellt. Er ist eine hohe Gestalt, wie der neben ihm stehende 
A. Raimundi, mit länglichem Gesicht, schmaler Nase, braun-blonden 
Haaren und hellerem spärlichen Bart. Die Farbe der Augen ist wegen 
der großen Distanz nicht zu erkennen. 

Antonio da Sangallo {1485-1546). — Die Künstlerfamilie 
Sangatlo, nach der Porla Sangallo in Florenz benannt, hießen eigentlich 
Giamberli, ein Name, der aus Oiano {= Oiovanni) und Berto zusammen- 
gesetzt ist und in der Form Janibert im ahd. vorkommt. Antonio 
hatte blaue Augen und dunkles Haar, wie aus seinem Porträt in der 
Brera hervorgeht. !m Museum im Haag befindet sich ein Profitbildnis 
von Francesco mit blauen Augen und ergrauten Haaren. Das Porträt 
des Giuliano, von der Hand des Piero di Cosimo, ist neuerdings 
in demselben Museum gefunden worden. Es zeigt ein bartloses 
Gesicht mit schönen und regelmäßigen Zügen, graublauen Augen 
und hellblondem Haar, das in Locken auf die Schultern fällt.^) 

Baccio BandineUi (1487—1559) entstammte der Familie der 
Viviani, legte sich aber den Namen BandineUi {ahd. Bando, Bandino) 
bei, weil er glaubte, aus dem Geschlecht der BandineUi in Siena 
zu stammen. Von ihm gibt es mehrere Porträts, darunter zwei in 
den Uffizien, die erkennen lassen, daß er blaue Augen, einen hell- 
blonden Bart, dunkelblond-rötliche Haare und germanische Gesichts- 
züge hatte. 

Benvenuto Cellini {1500—1571). - Vasari hat sein Bildnis 
im Palazzio vecchio in jenem Gemälde angebracht, das Cosimo 1. im 
Kreise der Künstler seiner Zeit darstellt. Es ist der Kopf, der zwischen 
Cosimo und dem zu seiner Linken sitzenden Tribolo sich befindet,**) 
Das Haupthaar ist braun und leicht gelockt, der Bart blond mit einer 
Neigung ins Rötliche. Nach der Photographie zu urteilen, ist die 
Farbe der Augen hell, vermutlich blau, da nur blaue Augen einen 
derartig hellen Reflex in der Photographie hervorzurufen pflegen. 



*} Q. Clausse, Lei San Qollo. 1900. S. 287. 
•*) Vita di B. Ceillni. Herausgegeben von O. Bacci. Vorwort S. 87. 




— 76 — 

Bartolomeo Ammanati (1511—1592) wurde von A. Allori in 
einem Altarbild in S. Qiovannlno deg^i Scolopi als St Bvtt^omlus 
dargestellt Er ist ein stattlicher hoher Oreis.*) Leider ist das Bild 
sehr verdunkelt u>id auBerdem sind die Augenlider gesenkt, so dafi 
das Bildnis nicht genügt, um den Typus genau festzustellen. Ammanadi 
B ahd. Amman-had. 

Andrea Palladio (1518-1580) hatte, nach seinem Bildnis im 
Museo civico zu Vicenza, die Gesichtszüge der nordischen Rasse und 
blaue Augen. Eine Notiz, die aber erst drd6ig Jahre nach seinem 
Tode auftritt tiesagt, daß er klein von Gestalt gewesen sei. Magrini 
bflit diese Nachricht indes für wenig verbürgt.**) 

Pellegrino Tibaldi (1532-1598) hatte, wie sein Bildnis in den 
URizien zeigt, germanische Gesichtszüge, dunkelblonde Haare^ blonden 
Bari und blaue Augen. Tibaldi = Theobald, Thiebald. 

Gianlorenzo Bernini (159Q— 1680) hatte schwarze Haare, 
braune Augen und dunklen Teint, aber seine hohe Gestalt und 
sdne Gesichtszüge verraten ihn als Mischling der nordischen und 
brünetten Rasse. (Bemini, ahd. Bemo, Bernin.) 



') O. Patti, Oulda di Rrenze. 9. Aufl. S. 80. 
**} A. Magrini, Vita di Palladio. 1845. S. 336. 




Achtes Kapitel. 

Die Maler. 




;^eiin irgend eine Leistung des italienischen Volkes ein 
unvergleichlich Höchstes darstellt, dann ist es die Kunst 
der Malerei. Eine imponierende Schar von Künstlern 
ersten und zweiten Ranges, eine fast unübersehbare 
Menge von Bildwerken hat dieses Volk hervorgebracht, und in diesem 
Volke besonders jene Rassenschicht, welcher eine germanische 
Abstammung zuzuschreiben ist. 

Der erste bekannte Maler mit langobardischem Namen ist 
Auripert (— Ariberl). der im Jahre 723 erwähnt wird. Nach Mothes 
wird im neunten Jahrhundert ein Maler Eribert oder Erbert genannt. 
Schnaase erwähnt einen Abt Wilhelm, einen geborenen Lombarden, 
der im zehnten Jahrhundert lebte und die Malerkunst in Frankreich 
eifrigst förderte, ferner einen italienischen Maler Transmundus (= Transi- 
mund), den Erzbisctiof Adalbert von Bremen im elften Jahrhundert in 
seinen Diensten hatte. Im Jahre 1068 wird ein Maler Eberhard 
erwähnt, der nach langobardischem Recht lebte. Aus derselben Zeit 
stammen die Bilder des Bonizzo (= Bonitz) in St. Urbano bei Rom. 
Anfangs mögen die langobardischen Maler die byzantinische 
Manier sklavisch nachgeahmt haben. Den ersten schwachen Schimmer 
beginnender Naturbeobachtung erkennt man in der merkwürdigen 
Darstellung der Kreuzigungsszene und in den Fresken von Sancta 
Maria antiqua in Rom, die aus dem achten Jahrhundert stammen. 
Die Fresken des Bonizzo, diejenigen in der Unterkirche von San 
demente und Sant Agnese aus dem elften und zwölften Jahrhundert 
bringen dann deutlich den blonden Typus zur Darstellung. Die Fresken 
in San demente verraten ihren nordischen Charakter auch dadurch. 



78 



daß die Bilder mit teilweise fremdartigen Ornamenten eingefaßt sind, in 
weiche der Künstler nach germanischer Weise kleine Vogel gestalten 
eingesetzt hat. 

Aus der Benediktinerabtei Monte Cassino, deren Blüle im frühen 
Mittelalter dem langobardischen und deutschen Stamme allein zu danken 
ist, ging nach den Forschungen von F. X. Kraus eine eigene, von den 
Byzantinern unabhängige Malerschule hervor, deren bedeutendste 
Leistung der Freskenzyklus im Kloster Sant' Angelo ad Formas bei 
Capua aus dem elften Jahrhundert ist. Auf diesen Bildern, deren 
Kopien im Museo di San Marlino (Neapel) zu sehen sind, haben die 
Figuren, Krieger, Mönche und Heilige, alle blonde Haare. Der dunkle 
byzantinische Typus ist vollständig überwunden. 

Viel später, fast zweihundert Jahre nachher, befreite sich in Ober- 
italien der germanische Künstler von der byzantinischen Manier. Es 
ist lehrreich, diese Emanzipation in ihren einzelnen Stadien zu ver- 
folgen. Manche Künstler malen die Figuren noch in den alten 
Stellungen und Gebärden, während sie die Haare blond und die Haut 
rosig färben. Auf anderen Bildern sieht man dunkle byzantinische 
neben den hellfarbigen Typen oder an einer und derselben Figur 
beide Stilarten in seltsamster Weise miteinander vermischt. 

Die ältesten bekannten Maler Nordilaliens aus dieser Zeit sind 
Guillelmus (1138), der kleine Bilder im Dome zu Sarzana malte, und 
Giovanni Alighieri (= Aldiger), ein Mönch aus Ferrara, von dem 
die Karmelitermönche in Ferrara einen Kodex des Vergü mit Miniaturen 
von 11Q8 bewahren. 

Mit Beginn des dreizehnten Jahrhunderts sehen wir in Toscana 
eine große Schar von Malern auftreten, in Lucca, Pisa, Florenz und 
Arezzo, Besonders sind zu nennen: Berlinghieri {= Berlinger), Giunta 
Pisano, Sohn des Ouidotio da Colle, Margaritone di Magnano {ahd. 
Magano), Deodato Orlando (= Roland), Coppo di Marcowatdo (= Mark- 
wald), Guido di Guallieri und Duccio di Buoninsegna. Duccio ist eine 
Abkürzung von Riccarduccio oder Carduccio {— Richard). 

Als Begründer der italienischen Malerei wird häufig Giovanni 
Cimabue (12'10— 1302) genannt, Cimabue ist wohl ein Ruf- oder Spitz- 
name, während über seinen wahren Familiennamen unter den Kunst- 
historikern einige Meinungsverschiedenheit herrscht. Nach Vasari 
stammt er aus einem edlen Geschlecht, dessen Name vom späteren 
Herausgeber seiner Lebensbeschreibungen als Gualtieri (= Walther) 
festgestellt wurde. Die Ansicht von Strzygowski, daß sein Sohn 



79 — 



Gualtieri liieß und von ihm erst die Familie den Namen angenommen 
habe, mag vielleicht richtig sein. Nach Vasaris Angabe finden wir 
seine Gestalt auf dem Gemälde der triumphierenden Kirche in Santa 
Maria novella zu Florenz. Hier erscheint er als eine große schlanke 
Person mit rötlichem Haar und blondem Spitzbart. 

Weit höher als Duccio und Cimabue stellt Giotto di Bondone, 
der im Jahre 1286 als Sohn eines armen Landarbeiters in Vespignano 
geboren wurde. Die einen halten Giotto für einen selbständigen 
Namen, die anderen für eine Abkürzung von Angelotto, Rugierotto, 
Ambrogiotto und dergleichen. Letzteres ist vollständig unbegründet. 
Giolto, latinisiert Jotfus, ist das alldeutsche Jodo, Jolo, das neuhoch- 
deutsche Jolte oder Jötle. Der Name Bondone leitet sich von Bondo 
ab, das so viel wie „Freibauer" bedeutet und in der Form Bonde in 
Deutschland und Skandinavien sehr häufig vorkommt. 

Daß Giotto ein selbständiger Namen ist, geht auch daraus hervor, 
daß Giotti und die wohl gotische Form Oioda heute noch in Italien 
als Familiennamen niclit allzu selten gefunden wird. 

Von Giotto gibt es mehrere Bildnisse, in der Unterkirche zu Assisi, 
auf der Porträttafel des Paolo Ucello und in San Francesco zu Monte- 
falco von der Hand des Benozzo Gozzoli. Dem letzteren möchte ich 
den größten ikonographischen Wert beimessen, da es der Nachricht 
am meisten entspricht, daß Giotto häßlich gewesen sei. Es ist auch 
demjenigen sehr ähnlich, das H. Thode auf den Fresken zu Assisi als 
Bildnis Giottos ansieht. Danach hatte er ein hageres Gesicht, lange 
gebogene Nase, vorspringendes Kinn und rötlich-blonde Haare. 

Unter den Schüiern Giottos ragen hervor die Gaddi (nhd. Gade, 
Gäde), Daddo (nhd. Dathe, Dette), Ouariento (= Wariant), Ramboldo, 
Landadio, Roberto di Oderisio (= Oderich), Oderigi da Gubbio, Franco 
da Bologna. 

Altichiero da Zevio, der um 1376 in Verona und Padua tätig 
war, hat für die Lombardei ähnliche Bedeutung wie Giotto für Toscana. 
Sein Name ist eine andere Form von Aliger oder Aldiger. 

Fra Giovanni da Fiesole (1387-1455). — Wie Vasari mitteilt, 
hieß er mit seinem weltlichen Namen Guido (— Wido, Wiede). Sein 
Vater Pietro scheint ein einfacher L^ndmann gewesen zu sein. Zur 
Kenntnis seines physischen Typus dient am besten die lebensgroße 
Statue an seinem Grabmal in Santa Maria sopra Minerva und das 
Bildnis in ganzer Figur, das Luca Signorelli neben dem seinigen in 
den Wandgemälden der Cappella della Madonna di San Brizio in 



Orvieto darstellte. Danach hatte er eine hohe Gestalt, ein hageres, 
starkknochiges Gesicht mit schmaler gerader Nase und blonde Haare. 
Die Augen sind auf diesem Bilde hell, wie diejenigen Singorellis. Da 
dieser aber blaue Augen hatte, so dürfte es bei Fra Angelico ebenso 
der Fall gewesen sein. 

Masaccio (1402-1430), der berühmte Maler der Fresken in der 
Brancacci-Kapelle von S. Maria del Carmine, hieH eigentlich Tomaso 
Guidi (= Wido, Wiede, Witte). Nach Vasari malte er sein eigenes 
Bildnis in den genannten Fresken in der Gestalt des Thomas, mit 
blonden Haaren, blondem Bart und blauen Augen. 

Antonello da Messina (geboren 1414), eigentlich Anlonello 
d'Antonio, hatte nach seinem im Louvre befindlichen Porträt blaue 
Augen. 

Benozzo Gozzoli {1420—1498) hieß mit richtigem Namen 
Benozzo di Lese. Benozzo ist ein vielverbreiteter altdeutscher Name, 
Lese ist ahd. Leiso, nhd. Leise, Leese. Aus seinen Bildnissen, die 
er zweimal in seinen Fresken im Campo Santo in Pisa gemalt hat,') 
sowie aus seinem Bildnis in der Cappella de" Medici geht hervor, daß 
er blondhaarig und blauäugig war. 

Filippo Lippi (1402-1469). — In der Chorkapelle des Doms 
zu Prato hat Fra Filippo sein Bildnis in den Wandgemälden angebracht, 
die aber so verdüstert und übermalt sind, daß namentlich das Selbst- 
porträt für anthropologische Zwecke unbrauchbar ist. Ferner hat er 
sich in der „Incoronazione della Vergine" gemalt, wo das Porträt 
leider fast farblos gehalten ist. Es ist ein Kopf mit schmalem 
langen Schädel und ebensolchem Gesicht. Ein drittes Selbstporträt 
befindet sich auf dem Bilde der „Maria als Mutter des Erbarmers" im 
Beriiner Museum. Hier blickt er aus der Männergruppe nach links 
aus der Szene heraus; der Kopf zeigt helle, blaue Augen, rosig-weiße 
Haut und helle blond-gelbe Haare. 

Giovanni Bellini (1426- 1507) hat zwei Selbstbildnisse hinterlassen, 
von denen das eine in den Uffizien und das andere im Konservaiorenpalast 
in Rom ist. Beide zeigen germanische Gesichtszüge, helle strohgelbe 
Haare und blaue Augen. Bellini kommt von ahd. Belo, Bello, Bellin. 

Melozzo de' Ambrogini{l438 1494) wird nach seinem Geburts- 
ort meist Melozzo da Forti genannt. Melozzo ist eine ähnliche Ableitung 



*) O. Rosini, IDcscrizione delle pillure del Camposanto in Pisa. 1816. S. US. - 
J. G. Supino, II Campo Santo di Pisa. 1896. S. 294. 




— 81 — 

von ahd. Melo wie Benozzo von Beno. Man zeigt sein Bildnis auf 
dem Fresl<o „Palmsonntag" in der Santa Casa zu Loreto. Er hatte 
ein wohlgebildetes ovales Gesicht mit edelgeformter Nase, blaue Augen 
und lang herabwallende blonde Haare. 

Andrea Mantegna (1431 1506), eigentlich Andrea di Biagio. 
Über sein Leben ist sehr wenig bekannt. Eine eherne Büste, noch bei 
Lebzeiten angefertigt, hat uns die kraftvollen und markigen Züge seiner 
Gesichtsbildung überliefert. Neuerdings hat P. Kristeller versucht, sein 
Selbstbildnis in den Fresken der Camera degli Sposi zu Mantua nach- 
zuweisen, und zwar ist es der Kopf im Hintergrund der rechten Seite 
auf dem Fresko, das die Begegnung Ludovicos mit Kardinal Francesco 
darstellt.*) Das Gesicht hat unverkennbar ähnliche Züge wie der 
Bronzekopf, die Augen sind hellblau. 

Luca Signorelli (1441-1523). - Der Stammvater der Familie 
war ein Signorello. der 1266 erwähnt wird, seine Mutler eine Tochter 
des Bartolommeo Schiffi (= Schiff). Luca hatte eine hohe Gestalt und 
sfarken, gut proportionierten Körperbau. Seine langen und dichten 
Haare waren rötlich-blond"), und die Augen blau, wie seine Bildnisse 
in Gotha und in Orvteto deutlich zeigen. 

Alessandro Botticelli (1446- 1515) wurde so nach einem 
Goldschmied benannt, der sein Lehrer war, während seine Familie in 
Wirklichkeit Filipepi hiel). Der Name Botticelli ist ahd. Ursprungs: 
Botta, Bodico, Bottico, nhd. Bott, Bottke, Bedeck. Den Namen Filipepi 
möchte ich mit Filiberto, Filiprando. Filangieri in Analogie bringen, 
so daß er aus Filo und Papo oder Pepo (nhd. Pape, Peipe) zusammen- 
gesetzt wäre. Von Botticelli besitzen wir ein schönes Selbstporträt in 
ganzer Figur in der Anbetung der drei Könige in den Uffizien. Er 
war von hoher Statur, hatte schöne ebenmäßige Gesichtszüge, hell- 
blonde lockige Haare und blaue Augen. 

Pietro Perugino (1446—1524). — Sein Familienname Vannucci 
kommt von Vanni, einer Abkürzung von Giovanni. Unter den Bildnissen 
möchte ich anthropologischen Wert nur seinem sicher beglaubigten 
Selbstbildnis im Collegio del Cambio in Perugio zuschreiben, das ihn 
im Alter von 54 Jahren darstellt. Die Haare sind lichtbraun oder braun- 
blond, stellenweise, namentlich an den auf die Stirn herabfallenden 
Locken, heller und rötlich. Die Augen sind braun-grau, der Teint 



*) P. Kristeller, Andrea Manlegna. 1902. S. 259. 
") 0. Mandni, Luca Signorelli. 1903. S. 243. 



82 



ist rosig, das Gesicht rund und breit, mit einer kleinen Stumpfnase. Er 
dürfte von mittlerer und untersetzter Statur gewesen sein. Wir haben 
in ihm einen Mischling der alpinen und nordischen Rasse zu sehen, 
der nach seiner Kopf- und Oesichlsbildung der ersteren nahe steht, 

Domenico Ghirlandajo (1449—1494) hieß eigentlich Domenico 
di Currado Bigordi. Currado = Konrad. Bigordi ist vermutlich das ahd. 
Bagordo oder Bigordo. Nach Vasari hat er sich in den Freslten der 
Chorkapelle von Santa Maria Novella selbst abgebildet, wo er in der 
Gruppe rechts die Figur mit dem roten Mantel und bloßen Kopf 
darstellt. Danach muß er von hoher Gestalt gewesen sein. Da aber 
diese Fresken infolge der Unbill der Zeit in ihrem Farbenton sehr 
verdüstert sind, sind sie zur Feststellung seiner Haar- und Augenfarbe 
wenig geeignet. Ein anderes allgemein anerkanntes Selbstbildnis, das 
mit dem erstgenannten absolut identische Züge hat, findet man auf 
seinem Altarbild „Anbetung der Könige" (in S. Maria degli Innocenfi), 
Es ist der vierte Kopf in der Männerreihe hinten links, ein bartloses läng- 
liches Gesicht mit energischen, etwas harten Zügen. Das Haupthaar ist 
braun, doch mit hellblonden Haarstreifen überzogen, so daß wir als 
Oesamtfarbe ein Dunkelblond oder Lichtbraun annehmen können, jenes 
Blond, das je nach der Beleuchtung bald heller, bald dunkler erscheint. 
Die Augenfarbe ist nicht genau festzustellen, sie ist weder braun noch 
blau, von derselben indifferenten Farbe, die man auch bei anderen Per- 
sonen desselben Bildes, selbst bei solchen mit hellblonden Haaren findet. 

Bernardino Belti (1454-1513), Pinturrichio, der kleine Maler 
genannt. Betto ist ein germanischer Name, entweder selbständigen 
Ursprungs oder ein aus Bertoldo verkürzter Kosename. Zuweilen kann 
Betto auch Verkürzung von Benedetto sein. In S. Maria Maggiore 
zu Speilo sieht man in einer kleinen Kapelle das Selbstbildnis des 
Malers. Die Haare sind dunkelblond-rötlich mit hellblonden Strähnen, 
die Augen haben deutlich blaue Farbe. Das Bild ist stark beschädigt 
und zeigt Spuren von Übermalung. Daß seine Haare in Wirklichkeit 
heller waren, zeigt sein Bildnis auf den Fresken in der Libreria im 
Dome zu Siena, wo er sich neben Raffael in ganzer Figur abbildete. 
Die Haare sind hier mittelblond und die Augen hellblau. An der 
Identität der beiden Bildnisse kann nicht gezweifelt werden, da die 
Gesichtszüge sehr ähnlich sind. Wie dieses Bildnis zeigt und auch 
sein Beiname andeutet, muß er von kleiner Gestalt gewesen sein. 

Francesco Raibolini, auch Francia genannt, wurde um die Mitte 
des fünfzehnten Jahrhunderts geboren. Der Name Raibolini verrät auf 



83 - 



den ersten Blick seinen germanischen Ursprung, er ist abgeleitel von 
Rabo, Raibo, Rabilo (nhd. Raabe, RabI, Raible), und ist eine ähnliche 
Bitdung wie Pickelein, Kräpelin und dergleichen. Francesco war von 
schönem Äuliern, bellissimo di persona, sagen die Biographen. Ein 
Selbstbildnis befand sich in der Qalleria Marchesi Boschi in Bologna, 
scheint aber jetzt verschollen zu sein. Leider gibt es keinerlei farbige 
Kopie des Bildes, sondern nur Kupferstiche aus dem Jahre 1763. Wenn 
man danach urteilen darf -- und bis zu einem gewissen Grade darf man 
es — , waren die Haare heil, d. h. blond, wie auch der Ausdruck der 
Biographen „bellisimo di persona" es höchst wahrscheinlich macht, 
daß er dem blonden Typus angehörte.*) 

Leonardo da Vinci {1452—1519), oder wie er sich selbst nannte, 
Leonardo Vinci "), entstammte einer adeligen Familie, deren ältestes 
Dokument in einem Aktenstück besteht, das im Jahre 1339 von 
Ser Guido di Ser Michele, einem florentinischen Notar, unterzeichnet 
ist. Der Geburtsort Leonardos ist ein altes Kastell nördlich von 
Empoli. von dem heute noch ein Turm und einige Mauern erhalten 
sind und das in alten Zeiten „Cassero di Vinci" genannt wurde, um 
den rings der kleine „Borgo di Vinci" lag. Das Kastell ist offenbar 
nach einem germanischen Ritter Vinco (= Winke, Vincke) genannt. 
Später war die Burg im Besitz der Adimari {=^ Hadimar), im drei- 
zehnten Jahrhundert in den Händen der mächtigen Familie der Grafen 
Guidi, [n der Umgebung liegen noch mehrere Kastelle und Dörfer 
mit alldeutschen Namen, wie Cerreto Guidi, Lamporrechio {= Lamp- 
recht) und Tizzana (Tizzo — Tietz). Eine halbe Stunde nordöstlich 
von Vinci liegt am Abhang des Monte Albano ein „Luogo d'Anchiano", 
wo früher ein Kastell gestanden haben soll, dessen Name von dem 
altdeutschen Ango (= Anke, Enke) sich herleitet. Hier hatte die 
Familie Vinci ein Landhaus, wo Leonardo geboren wurde, mitten in 
einem Landstrich, der einst von Germanen besiedelt worden war. 
[n den Tälern und an den Abhängen des von der großen Verkehrs- 
straße abgelegenen Monte Albano findet man in der Bauembevölkerung 



*} Auch die Kupferstiche beginnen sehr selten zu werden. Ein Exemplar 
verdanke ich der Güte des Marchese Tommaso Boschi in Bologna. Vermutlich ist 
die Oalleria Boschi nach England verkauft worden, und es wäre wünschenswert, 
wenn Spezial lorscher dem Schicksal des Originalbildnisses nachspüren würden. 

") Daß Leonardo sich selbst immer Vincio oder Vincius nannte, ist von 
O. Campoii nachgewiesen worden. Vergleiche seine Nuovi documenti per la vit« 
di L da Vind. IS65. 



84 



noch viele blonde und blauäugige Menschen, wahrscheinlich Reste des 
gotischen Stammes. Aus diesen Schichten ging die sonst unbekannte 
Caterina, die Mutter Leonardos, hervor, „que era dl bon sangue", 
d, h, einem kräftigen, gesunden Menschenschlag angehörte, Leonardo 
war ein unehehches Kind, wurde aber später von seinem Vater legiti- 
miert und in Haus und Familie aufgenommen, wo ihm eine sorgfältige 
Erziehung zuteil wurde.*) 

Leonardo scheint seine körperlichen und geistigen Eigenschaften 
besonders von der väterlichen Seite geerbt zu haben. Denn Vasari 
schreibt über Piero da Vinci, einen sehr begabten, früh verstorbenen 
Bildhauer und Neffen Leonardos väterlicherseits: „Als der Knabe drei 
Jahre alt war, hatte er ein schönes Gesicht, gelocktes Haar, zeigte 
Anmut in jeder Bewegung, und eine bewundernswerte Lebendigkeit 
des Geistes in allem, was er tat", und er fügt hinzu, dal) der Vater 
Pieros an dem Kinde um so mehr Freude gehabt hätte, weil Gott 
„in dem Sohn den Bruder wieder geschenkt" habe. Der Knabe war 
wohl das Ebenbild seines Oheims Leonardo, denn Vasari rühmt an 
Ihm die Schönheit seines Leibes und die unübertreffliche Anmut 
der Bewegungen. Seine Körpergestalt war hoch und kräftig, Bart 
und Haar außerordentlich lang gewachsen, so dalJ ihn, wie Lomazzo 
sagt, der wahre Adel der Weisheit schmückte, wie einst Hermes und 
Prometheus. Auch ein anderer Berichterstatter schreibt, daß er schönes, 
lockiges und gut gepflegtes Haar gehabt habe, das bis zur Mitte der 
Brust herabhing.**) 

Das Bild von dem physischen Typus Leonardos wird vervoll- 
ständigt durch die gezeichneten und farbigen Porträts, unter denen in 
erster Linie das Selbstbildnis in der Pinakothek zu Turin in Rötel- 
zeichnung zu nennen ist. Es ist der Kopf eines Greises mit schmaler, 
hochgewölbter Stirn, schmalem Gesicht und leicht aquiliner Nase, in 
der Bibliothek von Windsor befindet sich ein Profilbildnis, von dem 
man auch eine Kopie im Passaggio der Uffizien und auf den Fresken 
Vasaris in der Sala Leone im Palazzo vecchio zu Florenz sieht. Aus 
diesem Porträt geht unzweifelhaft hervor, daß sein Schädel einen 
großen Längendurchmesser gehabt haben muß, 

In der Sammlung der Selbstbildnisse in den Uffizien befindet sich 
ein Porträt Leonardos, das nach der übereinstimmenden Kritik aller 



*) O. Uzielli, Ricerche intorno a Leonardo da Vinci. 1896. 
'*) E. Munt?. Leonard de Vinci. 1S99. S. 487. 



— 85 



Kenner unmöglich als Selbstbildnis angesehen werden kann. Von 
wem und wann es ausgeführt, ist gänzlich unbekannt. Doch ist 
nicht daran zu zweifeln, daß es nach dem Leben gemalt wurde 
oder die Kopie eines solchen Gemäldes ist. Es entspricht den 
biographischen Beschreibungen und den anderen Bildnissen, nur mit 
dem Unterschied, daß Leonardo hier in jüngeren Jahren dargestellt ist 
Danach hatte er hellblondes Haar an Haupt und Bart und blaue Augen. 
Daß Leonardo blond war, wird von den Biographen nicht ausdrücklich 
erwähnt, aber die immer wieder gerühmte Schönheit seines Haares 
schließt diese Eigenschaft fast selbstverständlich ein, denn für den 
Italiener und speziell für den Renaissance-Menschen ist die blonde 
Haarfarbe ein vielgerühmtes Merkmal körperlicher Schönheit. 

Leonardos Haare scheinen sehr früh weiß geworden zu sein. 
So schreibt E. Müntz: „Sein goldfarbener Bart, seine blonden gelockten 
Haare, welche die Bewunderung seines Zeitalters erregten, waren silber- 
weiß geworden, noch bevor er das 50. Lebensjahr überschritten hatte,"*) 

Außer den genannten sind noch einige Bildnisse anzuführen, die 
nicht historisch sicher beglaubigt sind, aber große Wahrscheinlichkeit 
für sich haben. In erster Linie interessiert uns hier ein Porträt, das nach 
Bayersdorffer und Müller-Walde auf dem Gemälde „Die drei Erzengel 
und Tobias" von Verrocchio sich befindet und das in der Gestalt des 
Michael den jungen Leonardo darstellt. Dieser Kopf ist ohne Zweifel 
ein Porträt und hat mit den anderen Bildnissen Leonardos auffallend 
ähnliche Gesichtszüge. Es wäre ungemein interessant, in diesem 
schlanken, hochgewachsenen Jüngling mit den großen blauen Augen, 
dem goldgelben Haar, den wohlgebildeten, ausdrucksvollen Gesichts- 
zügen, die wahre Gestalt des jungen Leonardo zu erblicken. Freilich 
handelt es sich hier nur um eine wohl begründete Vermutung, aber 
sollte eines Tages unwiderruflich bewiesen werden, daß jenes Gemälde 
nicht von Verrocchio herrührt, würde damit auch die Identifikation des 
Jünglings mit Leonardo unmöglich sein. Aber dann würde uns dieses 
Gemälde immerhin zeigen, wie Leonardo in seiner Jugend ausgesehen 
haben kann, ja bis zu einem gewissen Grade ausgesehen haben muß. 

Dr. Müller-Walde teilte mir mit, daß ein Bildnis Leonardos sich 
auf den Fresken des Borgognone in S. Simpliciano in Mailand befindet. 
In der Tat ist dieses dem Selbstporträt in Turin außerordentlich ähnlich 
und von großem historischen Wert 



•) E. Müntz. Leonard de Vind. 1899. S. 493. 



Aus den biographischen und ikonographi sehen Zeugnissen 
ergibt sich demnach als anthropologisches Gesamtbild von Leonardos 
physischem Typus: Hohe und kräftige OeslaU, langer schmaler Schädel, 
ebensolches Gesicht mit bedeutender leicht gebogener Nase, heller 
Teint, große blaue Augen, blondes und lockiges Haupt- und Barthaar. 
Wenn irgend einer unter den großen Italienern, dann war Leonardo 
ein unvermischter Sproß der germanischen Rasse. 

Von den Schülern und Nachfolgern Leonardos nenne ich nur 
die bedeutendsten, Meizi, Ferrari und Luini. 

Francesco Melzi (1493—1570), aus einer vornehmen Mailänder 
Familie, die in deutscher Sprache Meltz heißen würde, hatte nach 
seinem Bildnis in der Pinakothek zu Turin blonde Haare und blaue 
Augen. Melzi von ahd. Melo, Melizo. 

Gaudenzio Ferrari (1481 — 1549) brachte sein Bildnis auf den 
Fresken in Santa Maria delle Grazie in Varallo an, und sein Schüler 
Lanino malte ihn auf dem Fresko in San Nazzaro zu Mailand, wo er 
das Martyrium Katherinas darstellte. Danach hatte Ferrari eine ziemlich 
große, aber beleibte Gestalt mit hellem, rötlich-blondem Haar und Bart 
und blauen Augen. 

Bernardino Luini (1 475 — 1 535), der nach den Forschungen 
von Argellati mit Familiennamen Lutero (= Luther) hieß, stellte sich 
selbst, wie Passavant gezeigt hat, in den Fresken der Vermählung 
Mariae zu Saronno dar. Hier erscheint er als ein stattlicher Greis, 
ein Buch in der Rechten haltend, mit weißem Haupt- und Barthaar, 
germanischen Gesichtszügen, rosigem Teint und blauen Augen, eine 
Gestalt, die Leonardo ähnlich gewesen sein mag. 

Francesco Oranacci (1477-1543) wurde von Masaccio auf 
seinen Fresken in der Brancacci-Kapetle als der knieende, blondhaarige, 
nackte Königssohn dargestellt. 

Tiziano Vecellio (1477—1576) stammte aus Pieve di Cadore 
am Abhang der Karnischen Alpen, das bald zum deutschen Reiche, 
bald zu dem fast ganz deutschen Erzbistum Aquileja {^= Aglei) gehörte 
und erst 1420 in venezianischen Besitz überging. Diese Gegend wurde 
zuerst von den Langobarden eingenommen, später fand eine Ein- 
wanderung von Alemannen und Bajuvaren statt, die bis ins dreizehnte 
Jahrhundert dauerte. Die Romanisierung hat sich in diesen Distrikten 
relativ spät durchgesetzt. In der Nähe von Cadore liegen die Sieben 
und Dreizehn Gemeinden, die letzten germanischen Sprachinseln auf 



— 87 — 

italienischem Boden, ferner die iieute nocli deutschen Dörfer Zahre 
(ital. = Sauris), Bladen {= Sappada) und Tischwang (— Timan). 

Der Stammvater der Vecelli war Ser Ouecello aus Pozzale. Der 
Name Ouecello kommt in jener Gegend während des Mittelalters sehr 
häufig vor und, wie seine Schreibweise (Qu = W) schon andeutet, ist 
er altdeutschen Ursprungs. Ouecello leitet sich ab von Wezo, Wezilo, 
Wezelo. Wezello, das im nhd. Wetzel oder Wetzell lautet. 

Was das körperliche Aussehen Tizians betrifft, so ist in ihm der 
germanische Typus nicht zu verkennen. Biographische Notizen, die 
anthropologisch verwendbar wären, habe ich bisher nicht ausfindig 
machen können; aber seine zahlreichen Porträts zeigen ein schmales 
Oesicht, schmale, leicht gebogene Nase, fliehende hohe Stirn, blaue 
Augen und eine rosige Hautfarbe. Was die Farbe des Haupt- 
und Barthaares anbetrifft, so war dieselbe röllich-blond, wie sein 
Bildnis in der Wiener Gallerie zeigt. Er muß von hoher Körper- 
gestalt gewesen sein, da er auf dem Famiiienbilde des Bassano in 
den Uffizien, wo er im Hintergrunde der Szene steht, über alle anderen 
hervorragt.') 

*) Meine Absicht, die Heimat Titians ta besuchen, gab ich auf, als ich die 
anschaulichen Schilderungen von Dr, R. Oertel las, in denen er über das berichtet, 
was ich dort zu suchen und zu finden gedachte: „Auch der Menschenschlag seiner 
Heimat halte es ihm angetan. Die meisten seiner Frauenköpfe sind echte Cadore- 
typen. Noch heute trifft man in diesen Tälern Knaben und Mädchen von seltenem 
Adel der Züge und aulierordentlicher Zartheit der Gesichtsfarbe, wie sie im Alpen- 
gebiel selbst unter den Zillertalern nicht leicht wiederkehren dürften. Sicherlich 
stammte auch daher des Meislers Vorliebe für blonde Haare. Die Bevölkerung 
dieses Oebirgslandes ist ihrer Abstammung nach verschieden, die Völkerwanderung 
hat deutliche Spuren in ihr zurückgelassen. Obwohl von Schluderbach ab südlich 
alles Volk italienisch spricht, tragen doch neben ausgesprochenem Romanentum so 
viele Köpfe echt germanisches Oepräge, daS man sich manchmal in ein Seitentat 
des Miltelrheins versetzt wähnt. Die Sprache gibt keinen Maßslab, denn leider 
haben von alters her die germanischen Stämme auf fremdem Boden gern die 
Sprache der Besiegten angenommen. Das Ampezzolal scheint allerdings vorzugs- 
weise von einer Bevölkerung kelto- romanisch er Abstammung tjesiedetl zu sein, im 
Auronzotal aber und in Buchenslein ist zweifellos das germanische Element 
vorherrschend. Ob es Reste der Cimbem sind oder versprengte Ootenslämme, die 
sich in entlegene Alpentäler flüchteten, oder Elemente späterer Einwanderungen, 
kommt hier nicht weiter in Betracht. Ich wollte nur auf die auffällige Häufigkeit 
blonder Haare und germanischer Oe Sichtsbildung in diesem itahenischen lande und 
auf den Zusammenhang hinweisen, in dem jene mü Tizians Gemälden und mit der 
venezianischen Malerei überhaupt stehen." (R. Oertel, In Tizians Heimat Neue 
Preußische Zeitung. 1904. Nr. 545-551.) 



Giorgio Barbarelli (1478—1511), aucli Oiorgione, der lange 
Georg genannt, stammte aus einem friaulischen Adelsgeschleclit in 
Castelfranco. Der Adel Friauls ist nachweislich langobardischen und 
fränkischen Ursprungs, und der Name Barbarelli weist, ähnlich wie 
Barbaro, Barbarini, auf den „barbarischen", d. h. germanischen Ursprung 
hin. Georgione war von hoher Statur, und wie sein Bildnis in den 
Uffizien zeigt, hatte er braunes gelocl<tes Haar, während der Bart 
rötlich-blond und die Augen blau waren. In jüngeren Jahren waren 
die Haare heller, wie sein Jugendbildnis zeigt, das früher im Palazzo 
Manfredi in Venedig war, und von dem man eine Kopie in der 
Akademia delle belle arti sieht. 

Antonio Pordenone (1484—1540) hieß mit seinem wahren 
Familiennamen Sacchi (ahd. Sacco, nhd. Sack, Seeck). In den Uffizien 
befindet sich sein Selbstbildnis, wo er dunkelblonde Haare, hellblonden 
Bart und blaue Augen hat. In der Galleria Borghese ist ein großes 
Gemälde von seiner Hand, das seinen Bruder und dessen f^amilie 
darstellt. Früher wurde dies Gemälde für ein eigenes Familienbildnis 
gehalten; diese Verwechselung konnte um so leichter eintreten, als 
sein blonder, blauäugiger Bruder ihm ungemein ähnlich ist.*) Auch 
die Mutter und ihre sieben Kinder haben alle blaue Augen und blonde 
Haare. Das Bild ist eine anthropologisch interessante Darstellung 
einer friaulischen Familie aus der Renaissancezeit, die den germanischen 
Typus unvermischt erhalten hat. 

Jacopo Palma {1480—1520). — Palma Vecchio, dessen Name 
in Wirklichkeit Negruti war, hatte braune Augen; seine Haare waren 
dunkelbraun, das Gesicht lang, wie sein Bildnis in der Münchener 
Pinakothek zeigt. Dasselbe Aussehen hat er auf einer Miniatur in 
den Uffizien, die als Selbstbildnis bezeichnet wird. 

Paris Bordone (1500—1571) hatte nach seinem Selbstbildnis 
im Museo civico zu Treviso dunkelbraune, fast schwarze Haare, 
blonden Bart, rosige Gesichtsfarbe und blaugraue Augen. Bordone 
von ahd. Bordo, nhd. Bürden. 

Marcantonio Raimundi (1 475— 1 534) wurde von Raffael in 
den Stanzen des Vatikans auf dem Fresko der Vertreibung des Helidor 
dargestellt. Es ist eine hohe kräftige Gestalt mit germanischer 
Physiognomie. Das lang herabfallende Haar ist braun, mit hell- und 
mittelblonden Strähnen, so daß es in seiner Gesamtfarbe als dunkel- 



•) L'Arlc Periodico. VI, S. 304. 



- 89 



blond bezeichnet werden kann. Die Farbe der Augen konnte ich 
nicht bestimmen. Raimundi oder Raimondi =^ Raimund. 

Antonio Bazzi (1479— 154Q), meist Sodoma genannt, malte 
sich auf seinen Fresken in Monte Oliveto in ganzer Figur in der 
Kleidung eines mailändischen Edelmannes. Ein anderes Selbstbildnis 
befindet sich in den Uffizien, doch wird von einigen behauptet daß 
es zwar ein von Bazzi herrührendes Bildnis sei, aber einen anderen 
darstelle. Ich finde indes die Gesichtszüge zwischen beiden Bildnissen 
außerordentlich ähnlich, so daß ich sie für identisch halten möchte. 
Danach hatte er eine übermittelgroße Gestalt, braune oder braunblonde 
Haare und blaue Augen. Raffael hat ferner sein Bildnis in der „Schule 
von Athen" in den Stanzen des Vatikan neben seinem eigenen gemalt. 
Hier sind die Haare dunkelblond mit hellen Strähnen, ähnlich wie 
diejenigen Raffaels, Der Name Bazzi ist ahd. und entspricht dem 
nhd. Batz, Bätz oder Beetz. 

Francesco Bigt (1480—1525) meist Franciabigio genannt, brachte 
sein Bildnis in ganzer Figur in der Vermählung Mariae im Chiostro 
von Santissima Annunciata in Florenz an. Hier ist er die Gestalt 
rechter Hand, die sich auf die Schulter eines anderen stützt. Von mehr 
als mittlerer Körpergröße, hat er ein längliches Gesicht, schmale Nase, 
rosigen Teint, braune Haare und, wie das rechte Auge des sehr 
beschädigten Freskos erkennen läßt, blaue Augen. Bigi = ahd. Bico, 
Pico, nhd. Bick, Bigge. 

Raffael Santi (1483—1520). — Wie Passavant nachgewiesen hat, 
lebte in Colbordolo, dem Geburtsort von Raffaels Vater, um die erste 
Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts ein gewisser Sante, von dem seine 
Nachkommen den Familiennamen del Sante oder Santi annahmen.*) 
Der Name des Kastells Colbordolo ist altdeutschen Ursprungs, analog 
Heribord, Heitiport und dergleichen. Sante ist, wie die Ableitungen 
Santini, Santoni, ebenfalls ein germanischer Name, dem im nhd. Sandt 
entspricht. Ableitungen sind z. B. Sandheri. Sandebert oder Santepert. 

Raffaels Mutter hieß Magia Ciaria und war die Tochter eines 
Kaufmanns in Urbino. Nach Muratori soll Ciaria von Charles stammen 
und durch die Franken nach Italien gebracht worden sein. Es wäre 
demnach mit dem altdeutschen Carla gleichbedeutend. 

Über das körperliche Aussehen von seinem Vater Giovanni ist 
m'chts Sicheres bekannt, mehr wissen wir dagegen von seiner Mutter. 

*) V. Ouerrinj, Elogio storico di Qiovanni Santi. 1622. 5. 123. 



00 



In der Casa di Raffaelo in Urbino befindet sich ein in die Wand ein- 
gelassenes Freskobüdnis von der Hand Giovannis, das Frau Magia 
und Raffael als Madonna mit Bambino darstellt. 

Es ist auffallend, daß die Zeitgenossen Raffaels nur spärliche 
Notizen über das Äußere des damals schon liochberühmten Malers 
hinterlassen haben. Was spätere Biographen berichten, beruht nicht 
auf unmittelbarer Anschauung, sondern sind Beschreibungen, die 
namentlich dem Porträt in den Uffizien entnommen sind. Das Selbst- 
bildnis in den Uffizien stellt den Maler im Alter von 23 Jahren dar. 
Nach dem Urteil von Sachverständigen ist dieses Bild mehrfach 
übermalt worden, nur Mund und Nase blieben unberührt. Hier hat 
Raffael ein edel gebildetes, schmales Gesicht, sanfte graue Augen mit 
einer leichten Neigung ins Bräunliche und dunkelblonde Haare mit 
einer Nuance ins Rötliche. 

Im Berliner Museum befindet sich ein Altarbild von Giovanni 
Santi, das Maria und das Jesukind darstellt und von jeher als Raffael 
und seine Mutler gedeutet wurde. Hier haben beide hellblonde Haare, 
das Kind blaue Augen, während die Mutter graue Mischaugen mit 
bläulichem und bräunlichem Schimmer zeigt. Auf dem schon erwähnten 
Freskobildnis in Urbino haben beide ebenfalls hellblonde Haare. Die ' 
Augen des Kindes sind leider geschlossen, die der Mutter zeigen eine j 
graue Mischfarbe. Ferner gibt es ein Bildnis des sechsjährigen Raffael, 
das seinem Vater zugeschrieben wird und von dem man im Museum 
zu Hannover eine gute Kopie sieht. Hier hat Raffael ebenfalls gelb- 
bionde Haare und dunkelgraue Augen. 

In der Libreria des Domes zu Siena sind in der „KanonisatioTt | 
der heiligen Kafherina" Raffael und sein Lehrer Pinturrichio in ganzer 1 
Gestalt als Kerzenträger dargestellt. Beide haben blonde Haare und 1 
rosig-weiße Haut. Während aber Pinturrichio deutlich blaue Augen \ 
zeigt, was seinem Selbsfporlrät in Spello entspricht, hat Raffael grau- ' 
gelbliche Augen. Diesem von Pinturrichio herrührenden Bildnis Raffaels, 
der damals sein Schüler war, muß man in der Beurteilung seines 
physischen Typus die größte Bedeutung zuschreiben. An der Identität 
kann nicht gezweifelt werden. Die Gesichtszüge sind genau dieselben 
wie auf dem Porträt in den Uffizien und in den Stanzen des Vatikans. 
Namentlich ist das für den Gesichtsausdruck Raffaels so charakteristische 
Herabsinken des oberen Augenlides deutlich dargestellt. Nach alledem i 
dürfen wir mit großer Gewißheit annehmen, daß Raffael in seiner J 
Jugend hellblondes Haar und bläuliche Augen hatte, daß aber mit J 



- 91 - 

zunehmendem Alter Haare und Augen etwas dunklere Färbung 
annahmen. 

Das Skelett Raffaels, das im Pantheon aufgefunden wurde, war 
5 Fuß und 2 Zoll Pariser Maß, etwa 167,5 cm lang. Der Schädel 
war schmal.*) 

Nach Beendigung meiner Studien über den physischen Typus 
Raffaels finde ich, daß O. K. Nagler in seiner Schrift über „Raffael als 
Mensch und Künstler" (1836) zu ähnlichen Ergebnissen gekommen ist. 
Er schreibt: „Seine Züge waren von regelmäßiger Schönheit, das Auge 
ktar und rein, der Spiegel einer schönen Seele, die Form des Kopfes 
oval und die Haare anfangs blond, bis sie sich mit den Jahren leicht 
ins Bräunliche neigten." Er glaubt in einem Altargemälde seines 
Vaters in S. Francesco zu Urbino seine Eltern und den jungen Raffael 
zu erkennen und danach annehmen zu dürfen, „daß Raffael nach 
seiner schönen und edelgeformten Mutter artete". 

Andrea del Sarto (i486 1530) wurde del Sarto genannt, weil 
er der Sohn eines Schneiders Agnoio oder Angelo war, weshalb sein 
eigentlicher Name Andrea d'Agnolo ist. Auch wird ihm der Familien- 
name Vannucchi beigelegt. Nach einer nicht ganz unbegründeten Sage 
soll sein Vater aus Flandern stammen und wegen Totschlags nach 
Italien geflohen sein, wo er seinen Familiennamen Van Huysen in 
Vannucchi eingetauscht haben soll.") Von Andrea gibt es mehrere 
Bildnisse, von denen einige als Selbstbildnisse bezeichnet werden. 
Alle lassen erkennen, daß seine Augen blau, die Haare blond und 
der Teint hell gewesen, wobei auf dem einen Porträt die Haare heller, 
auf dem anderen dunkler oder mehr rötlich gefärbt sind. Andrea muß 
von hoher Gestalt gewesen sein, wie aus seinem Bildnis in ganzer 
Figur hervorgeht, das er im Kreuzgang von S. Annunciata in Florenz 
angebracht hat. 

Marco Palmezzano (1490—1540). — Sein Bildnis in der Pina- 
kothek zu Forli zeigt germanische Gesichtszüge, blonde Haare und 
blau-graue Augen. Die Namen Palma, Palmien, Palmezzo möchte ich 
von einem ahd. balm- herleiten, ebenso die im nhd. häufigen Namen 
Palm und Palmer. Balma und Pelnia kommen in Norditalien auch 
als Ortsbezeichnungen vor. 



•) J. D. Passavant. Ralfael von Urbino. I, S. 565. 
**) L Biadi, Noiizie inedjte della vita d' Andrea del Sarto. 1829. Kap. 1 und Hl. 



92 



Giulio Clovio (1498 — 1578), der berühmte Miniaturmaler, hatte 
blaue Augen, germanische Gesichlsbildung mit schmaler, gebogener 
Nase, helle Haut. Auf seinem Pastellbildnis, das sich in den Uffizien 
befindet, sind Haar und Bart weiß. 

Jacopo da Pontormo (1493— 1556) hieß in Wirklichkeit Carucci 
(Caro = nhd. Kahr, Kehr). Sein Bildnis sieht man auf der „Anbetung 
der drei Könige" in der Galleria Pitti, wo er rötlich-blondes Haar und 
ebensolchen Bart hat. Ein anderes Bildnis befindet sich im Passaggio 
der Uffizien, auf dem ebenfalls der blonde Bart und blaue Augen zu 
erkennen sind. 

Antonio Allegri (1494—1534) stammte aus Correggio In der 
Nähe von Parma. Der Name Allegri wird von dem lateinischen 
alacer (schnell, munter) hergeleitet. Allegro, Allegretto, Allegrino sind 
barbarisch-lateinische Vornamen, die im Mittelalter nicht selten vor- 
kommen. Seine Mutter hieß Bernardina Piazzolo {= Platzel, Plätzel), 
aus dem Qeschlechte der Ormanni oder Aromanni (= Heermann, 
Hermann). Sind die biographischen Nachrichten über Correggio an 
sich schon spärlich, so fehlen anthropologisch verwertbare Notizen 
gänzlich. Selbst sicher beglaubigte Bildnisse sind nicht vorhanden. Zwar 
werden mehrere Porträts mit seinem Namen angeführt, aber schon Vasari 
berichtet, daß er sich vergeblich bemüht habe, ein Bildnis des Künstlers 
ausfindig zu machen, denn er selbst habe sich nicht gemalt, noch ein 
anderer, da er in kleinen und bescheidenen Verhältnissen lebte, 

Giulio Romano (1498—1546) hieß Giulio de" Januzzi (= Jani 
= Giovanni), war von mittlerer Größe, hatte braune Augen, schwarzes 
Haar und schwarzen Bart*), langes Gesicht, schmale, aquiline Nase 
und rosige Gesichtsfarbe. Er war ein Mischling der mediterranen 
und nordischen Rasse. 

Jacopo Robusti (1519—1594), auch Tintoretlo genannt, weil er ' 
Sohn eines Färbers war. Von ihm gibt es mehrere Selbstbildnisse, 
unter anderem hat er sich auf dem großen Gemälde des Miracalo di 
S. Marco viermal dargestellt. Ein Vergleich der Porträts ergibt, daß 
er ein Mensch von mittelgroßer oder von etwas über mittelgroßer 
Gestalt war, schwarze Haare, braunen Bart, rosigen Teint und dunkle 
Augen hatte. Ihre eigentliche Farbe konnte ich aber schlechterdings 
nicht feststellen, da die einen Bilder mehr dunkelblaue, die anderen 
braungraue Augen vermuten lassen. 



*) Carlo d'Arco: Storla delle vita e delk opere di Oiulio Romano. 1838. S. TT. 



03 



Paolo Caliari oder Cagliari (1530 1588), meist Paolo Veronese 
genannt, war von hoher und hagerer Gestalt. Es gibt zahlreiche 
Porträts von ihm. die aber in alle Weil zerstreut worden sind. Seine 
Physiognomie mit der großen, gebogenen Nase und der hohen, fliehen- 
den Stirn ist eine germanische. Die Augen waren blau, Haar und 
Bart scheinen dunkelbraun gewesen zu sein, wie aus seinem Bildnis 
auf dem „Gastmahl des Levi" in Venedig hervorgeht. 

Federigo Zuccheri (1550- 160Q) halte nach seinem Bildnis in 
der Pinakothek zu Lucca dunkles, rötliches Haar, blonden Bart und 
blaue Augen. Zuccheri = nlid. Zocher. 

Annibale Caracci (1560 1609), der bedeutendste aus der 
Malerfamilie der Caracci, hatte blondes Haar, blonden Bart und blaue 
Augen, wie seine beiden Bildnisse in den Uffizien zeigen. 

Guido Reni (1575—1642), dessen ahd. Name dem nhd. Reyne 
entspricht, hatte braune Haare, blonden Bart und blaue Augen. 

Domenico Zampieri (1581- 1641), meist Domenichino genannt, 
hatte nach seinem Bildnis in den Uffizien braunes Haupthaar, hell- 
blonden Bart und blaue Augen. 

G. F. Barbieri (1590 1666), auch Guercino genannt, hatte zur 
Mutter eine Elena Ghisellini (Oiso, Gisilo ^ Geiß, Giese); er war von 
hoher Gestalt und hatte einen weißen, leicht rosigen Teint.') Dome- 
nichino hat sein Bildnis in dem Fresko zu Grotlaferrala angebracht, 
wo er hellblaue Augen und heilblonde Haare zeigt. 

Giambattista Salvi {1605-1685). nach seinem Geburtsort meist 
Sassoferrato genannt, hatte nach seinem Bildnis in den Uffizien dunkel- 
aschblondes Haar, hellblonden Bart und blaue Augen. Der Name 
Salvi ist germanischen Ursprungs, ebenso wie die Ableitungen Salvini, 
Salviati. Ahd. Salvo, Salo = Saal, Seel. 

Salvatore Rosa (1605—1673) war ein eigentümlicher Mischling. 
Er hatte nach D'Argenville eine mittlere Statur, langes schwarzes Haar, 
dunkle Gesichtsfarbe, aber blaue Augen. 

Carlo Maratta oder Maratli (1625—1713) hafte blonde Haare 
und blaue Augen. 

Lorenzo Tiepolo (1692—1769) hatte, wie sein Bildnis in der 
Akademie zu Venedig zeigt, germanische Gesichtszüge, rosigen Teint 
und blaue Augen. Tiepolo = Tiepel, Dippel. 



*) J. A. CalvJ, Notizie della vita de! Q. F. Barbieri. 1808. S. 37. 



Neuntes Kapitel. 

Historiker und Humanisten. 



^ Is die Langobarden in Italien einwanderten, waren sie zum 
' Teil Arianen und zum Teil noch Heiden. Der Herzog Arichis 
von Benevent soll noch als Heide gestorben sein, und in 
den langobardi sehen Gesetzen findet man nicht wenige 
Spuren des Verbotes heidnischen Gottesdienstes. Die Bekehrung zum 
katholischen Glauben war ein wichtiges Mittel, diese unbändigen 
tatendurstigen Menschen zu zähmen und ihren Willen auf die reichen 
inneren Ajilagen zu lenken, die in den Tiefen ihrer Seele schlummerten. 
Die Mönchsorden und die Klöster waren die Stätten, wo dieser seelische 
Wandel sich zuerst vollzog. Die langobardi sehen Könige und Fürsten 
bauten zahlreiche Kirchen und Klöster, und verschmähten es nicht, 
nach einem tatenreichen Leben das Mönchsgewand anzulegen. Als im 
Jahre Ö12 der Schotte Columban das Kloster Bobium gründete, wurde 
er von den Langobarden freundlich aufgenommen. Dem Kloster wurden 
von einzelnen Fürsten und Langobarden viele Besitzungen geschenkt, 
„und es sammelte sich daselbst eine zahlreiche Genossenschaft von 
Mönchen" (Paul. Diac. IV, 41). Um dieselbe Zeit wurde das Vincentius- 
Kloster am Volturno von drei edlen Brüdern, Tato, Taso und Paido, 
erbaut. Monte Cassino, das lange Zeit einsam und öde gelegen, wurde 
720 von den Langobarden wieder aufgebaut und entwickelte sich dann 
zur bedeutendsten Stätte frühmittelalterlichen Geisteslebens. 

Auch viele italienische „Heilige" gingen aus langobardischem 
Stamme hervor. San Romualdo (= Romwald), geboren 950, stammte 
aus einer langobardischen Fürstenfamilie Ravennas. Er war Stifter des 
Camaldulenser-Ordens, der nach einem langobardischen Grafen Maldulo 
genannt ist, weil er Ländereien für Einsiedelei und Klöster schenkte. 
(Campo di Maldulo = Camaldulo.) Giovanni Gualberto (= Walberl), 



05 



aus einer vornehmen Florentiner Familie, gründete 1015 das Kloster 
Vallombrosa. Santa Caterina aus Siena stammte aus einem Geschlecht, 
das durch den gemeinsamen Stammvater Tiezzo (= Tietz) mit den 
Borghese verwandt war, Sie hatte gelb-blonde Haare, die sie nach 
ihrer Berufung sofort abschnitt.*) 

Francesco d'Assisi (1182—1226) war der Sohn des Pietro di 
Bernardone und der Rica (= Bick). Nach dem Bericht des Thomas 
von Celano hatte er eine mäßige Körpergröße, langes Gesicht, feine 
gerade Nase, flache Stirn, große schwarze Augen, schwarzen Bart 
und schwarze Haare. Bonaventura schreibt, daß sein Haar fuscus, 
d. h, dunkelbraun, gewesen sei, denn fuscus bezeichnet eine dunkle 
Farbe, die nicht gerade schwarz ist, sondern einen bräunlichen und 
rötlichen Schimmer hat. Die Haut war „zart". Das älteste Bildnis des 
Franciscus, das im Kloster zu Subiaco noch zu seinen Lebzeiten 
gemalt wurde, entspricht im wesentlichen dieser Beschreibung. Es ist 
leider kein farbiges Gemälde, sondern mehr eine mit dunkelbraunen 
Linien ausgeführte Zeichnung auf graugelbem Grunde. Merkwürdig ist 
auf diesem f^orträt, dali an den Augen mit großen Pupillen die Iris 
hell gelassen ist. Sogenannte große, dunkle Augen werden haupt- 
sächlich durch eine große Pupille verursacht, wobei die Iris keineswegs 
braun zu sein braucht. Auch blaue Augen können dann den Eindruck 
großer, dunkler Augen machen. Auffallend ist, daß die späteren 
Bildnisse in San Francesco a ripa in Rom, dasjenige des Berlinghieri 
und andere ihm einen blonden Bart zuerteilen.") Ich möchte darin 
nur den Ausfluß des Kunstgeschmackes jener Zeit sehen, zumal 
Franciscus sich selbst „klein und schwarz" nennt Wir haben dem- 
nach in ihm einen Vertreter der mediterranen Rasse oder, falls das 
Haar braun und die Haut hell gewesen ist, einen Mischling zwischen 
mediterraner und nordischer Rasse zu sehen, zumal es nicht ganz 
sicher ist, daß er braune Iritiden gehabt hat. 

Wie viele Heilige, so waren auch die bedeutendsten Theologen 
langobardischen Ursprungs. Lanfranco (1005—1089) entstammte 

•) K. Haase, Calerina von Siena. 1864. 

**) H. Thode, Franz von Assisj und die Anfänge der Kunst der Renaissance 
in Italien. 1904. S. 67 (f. — Tliode schreibt auch dem Bildnis in der Ünletkirche 
lu Subiaco blonde Haarfarbe und blonden Bart zu. Ich kann ihm darin nicht bei- 
stimmen. Die Haare sind mit dunkelbraunen Strichen auf graugelbem Orunde 
gezeichnet. Daraus auf blande Farbe zu schließen, liegt kein zwingender Orund 
vor, da das gan^e Biltt fast farblos gehalten ist 



96 



einem vornehmen Geschlecht in Pavia. Anselm von Catiter- 
bury (1033—1109) hatte zum Vater Gandulf, zur Mutter Emberga, 
beide von vornehmer langobardi scher Abifunft. Petrus Lombar- 
dus, geboren gegen Ende des elften Jahrhunderts in Lumello, 
einem Städtchen der Lombardei, hatte zum Lehrer Lotuif aus 
Novara 

Thomas von Aquino (1224—1274), der größte Scholastiker 
Italiens, entstammte einem iangobardischen Geschlecht, das die Fürsten- 
tümer Salemo und Capua inne hatte. Sein Großvater Thomas hatte 
eine Schwester Kaiser Barbarossas zur Frau. Seine Mutter Theodora war 
eine Gräfin von Theata, aus einem normannischen Fürstengeschlechl, 
dem königlicher Rang zukam. Thomas' äußere Erscheinung wird 
von den zeitgenössischen Schriftstellern als eine „sehr edle und 
gewinnende geschildert. Er war von hoher Statur, sehr wohl gebildet 
und sein Kopf von vollendeter Schönheit. Seine Züge drückten Sanft- 
mut und Würde aus, die erhabene Stirn war frühzeitig von Haupt- 
haar entblößt worden."') Thomas ist zu seinen Lebzeiten mehrfach 
abgebildet worden, aber kein Original ist auf unsere Zeit gekommen. 
Doch gibt es mehrere alte Kopien von Traini und Fra Angelico, 
auf denen er lichtbraune oder blonde Haare hat. Über die Farbe 
der Augen läßt sich nichts Gewisses sagen, da in jener Zeit die 
Maler zwischen braunen und blauen Augen noch keinen Unterschied 
machten. 

Hieronymus Savonarola (1452 — 1498). — Sein Großvater ' 
Michele Savonarola war aus einer paduanischen Familie, die schon 
1372 als ein altadeliges Geschlecht angeführt wird. Seine Mutter 
gehörte zu der Familie der Buonacorsi in Mantua, deren Namen 
analog wie Buonaroto, Bonipert, aus Bono und Corso gebildet ist. 
Hieronymus hatte eine mittelgroße, aber aufgerichtete und freie Statur. 
Seine Hautfarbe war weiß, neigte aber ein wenig ins Rötliche. Die 
Stirn war erhaben und gerunzelt, die Augen waren strahlend und 
himmelblau, von langen, roten Wimpern umgeben. Die Nase war groß 
und aquilin, die Unterlippe dick.") Der Name Savonarola könnte alt- 
deutschen Ursprungs und eine Ableitung von ahd. Savo, Savoni, 
Savonazzi sein. Analoge Bildungen sind Braghirolli, Straparolo, 
Matliroli, Sellorolo. 



'} K. Werner, Der heilige Thomas von AquJno. 1358. S. SSO. 
••) P. Burlammacchl, Vita die Qirolamo Savonarola. 1764. S, 3—4. 



97 - 



Wie die chrislliche Religion, so wirkte nicht minder der Geist 
der klassischen Bildung, der auch in den dunkelsten und wildesten 
Zeiten Italiens nicht ganz erlosch, auf die Gemüter der kriegerischen 
Eroberer mildernd und sltligend ein. Denn da die lateinische Sprache 
das ganze Mittelalter hindurch sich lebendig erhielt, so wurde auch 
ein gewisser Schatz höherer geistiger Kultur überliefert, der den ein- 
gewanderten Germanen schon friihzeitig nahe trat und in ihnen 
Interesse für Geschichte, Grammatik und Literatur erweckte. Theo- 
derich umgab sich mit gelehrten Männern wie Cassiodor, Boethius 
und Ennodius, seine Tochter Amalaswintha war eine hochgebildete 
Frau und Theodat schrieb an den Kaiser in Byzanz: „Krieg und 
Waffenlärm bin ich nicht gewöhnt. Denn da ich von Liebe zu 
den Wissenschaften beseelt bin und mich ausschließlich mit diesen 
beschäftigt habe. . . ." Ob der Übersetzer der Bibel, Wulfilas, ein 
Gote, ein gotischer Mischling oder ein vorderasiatischer Eingeborener 
war, ist nicht zu entscheiden. Theoderichs Leibarzt Helpidius wird 

Lauch als Dichter genannt. Der erste Gote, der als Schriftsteller auftrat, 
war Jordanes, der Verfasser einer Goten geschichte, der vorher, wie 
sein Großvater, Notar gewesen war. Das Amt eines Notarius scheint 
der erste praktisch- wissenschaftliche Beruf bei den Germanen gewesen 
zu sein. 
Auch die Langobarden entwickelten schon früh einen geschicht- 
lichen Sinn. Daß sie historische Lieder und Sagen besaßen, ist aus 
Paulus Diaconus zu ersehen. Der erste bekannte Gelehrte aus diesem 
Stamm war der von Paul erwähnte gelehrle Autpert, der Abt des 
langobardischen Klosters des Heiligen Vincentius, der ein Buch über 
die Gründung dieses Klosters verfaßte, Im Jahre 776 wird ein könig- 
licher Arzt Gaidoald, im Edictum Rothari ein Notar Anscaldi 
erwähnt. Paul Warnefrits Sohn (geb. 720 oder 725) schrieb die 
berühmte Geschichte der l^ngobarden, eine römische Geschichte und 
versuchte sich auch in der Dichtkunst. 
Unter den langobardischen Fürsten ragte besonders Arichis, 
Herzog von Benevent, durch seine Kunst- und Weisheilsliebe hervor. 
Mit Paul pflog er häufig Gespräche über die freien Wissenschatten, 
und selbst Karl der Große bewunderte seine „berühmte Herrlichkeit und 
Weisheit". In diesen Zeiten war Benevent eine Stätte geistigen Lebens, 



*) H. Leo, Qeschichlc der italienischen Staaten. 



— 98 — 

Der nächste bedeutende Schriftsteller genmanischer Abkunft ist 
Luitprand von Cremona /geb. 922), der dnem angesdienen lango- 

bardischen Geschlecht angehorte und noch ein klares Bewußtsein 
seiner germanischen Herkunft hatte. Seine Schriften zeigen, daß er 
mit den lateinischen Klassikern aufs beste vertraut war, zumal er 
„den Becher des Lateir.'schen schon in seinen Knabenjahren bis auf 
den Grund geleert hatte'*. 

Unter den Chronisten des eh'ten Jahrhunderts sind zu nennen: 

m 

Amatus aus Sa!erno, Guüelmus Appulus (ein Franzose), Gaufredus 
Malatesta und kornualdus (beide Normannen), Landulphius in Mailand, 
Raoul und Otto in Lodi, Gottfried von \'iterbo (ein Langobarde), 
Henricus F^aufjer. Dem sizilischen Reiche gehört Hugo Falcandus 
an (ahd. Faico, Falcand), den Leo einen der besten Schriftsteller nennt 
und der durch die Fülle und Frische der Farbengebung in seiner 
Darstellung vor unzähligen neueren sich auszeichnet. 

Eine bemerkenswerte Stellung nehmen unter den Chroniken die 
Jahrbücher von Genua ein, die uns einen gut orientierenden Einblick 
in das Leben und Treiben der italienischen Städte des zwölften Jahr- 
hunderts bieten. Ihre Verfasser sind Cafarus, Obertus, Otobonus, 
Marchisius, Lanfrancus Pignolus, Guillielmus de Murtedo, Enricus 
Drogus, Obertus Stanconus und andere, deren Namen ebenfalls die 
germanische Abkunft verrät. 

Die eigentliche Geschichtsschreibung beginnt mit Giovanni und 
Mattco Villani in Florenz gegen Ende des dreizehnten und Anfang 
des vierzehnten Jahrhunderts und Albertino Mussato aus Padua 
(t 1329). Mussato dürfte mit Astat, Mannato in Analogie zu bringen 
und wahrscheinlich von einem ahd. Muso abzuleiten sein (nhd. 
Müsse, Müsing, Muske, fr. Musset). Von Giovanni und Matteo Villani 
gibt es Bildnisse im Passaggio der Uffizien, wo beide blaue Augen 
und ergraute Haare haben. Ob diese Porträts echt sind oder auf 
unzweifelhafte Originale zurückgehen, ist nicht festzustellen. 

Flavio Biondo (1388-1463), eigentlich Biondo (= Blond), 
wovon |-lavio nur die lateinische Übersetzung ist, stammte aus der 
vornehmen I amilie der Kavaldini in Forli (ahd. Ravaldo). Über seinen 
physischen Typus ist nichts Sicheres bekannt. 

Niccolo Machiavelli (1469—1527). — Über die Herkunft der 
Machiavelli gibt es verschiedene Meinungen. Nach der einen war 
der Stammvater, der um 1120 lebte, ein Buoninsegna dl Dono de! 
Machiavelli, deren Geschlecht ursprünglich im Besitz der Feudalguter 



- 99 — 

von Montespertoli {Monte Asperto, Ansrpert) war.*) Nach der anderen 
soll der Stammbaum der Familie bis auf die Markgrafen von Toscana, und 
zwar auf Marchese Hugo zurückgehen,**) Machiavelli war von mittlerer 
Statur, mager, seine Augen waren höchst lebhaft, die Haare dunkel, 
die Nase leicht adlerförmig gebogen. Von ihm gibt es zwei Bildnisse, 
im Palazzo Doria in Rom und im Passagio der Uffizien, beide im Profil 
und von unbekannter Herkunft. Beide lassen seine charakteristische 
Physiognomie mit den eng zusammengezogenen Lippen und dem etwas 
zurückstehenden Kinn, dunkle, etwas ergraute Haare und blaue Augen 
erkennen. Den Namen Machiavelli möchte ich von ahd. Mache, Machio 
(~ Mach) und Welo, Vella herleiten, analog Bothwell, Floltwell, Crom- 
well im ags., Denivelli im ital., Mackwitz, Mackroth im nhd. Ob es 
im nhd. den Namen Mackwell gibt, ist mir unbekannt. 

Francesco Guicciardini {1483—1540), — Die Quicciardini 
stammten von einem im zwölften Jahrhundert lebenden Guicciardino, 
der Besitzungen in Valdipesa hatte. Der Name entspricht dem ahd. 
Wico-hardi, Wichardo, nhd. Wichard oder Wiehert. Francesco hatte 
eine hohe Statur, breite Schultern und starken Körperbau."*) Im Palazzo 
Guicciardini in Florenz befindet sich sein Bildnis, wo er die Gesichts- 
züge der nordischen Rasse zeigt; aber bei dem Zustand des Bildes, 
das stark nachgedunkelt und übermalt ist, wage ich über die Farbe 
der Haare und Augen nichts auszusagen. Graf Paolo Guicciardini 
hat auf meinen Wunsch die älteren Dokumente der Familie in bezug 
auf den physischen Typus Francescos durchforscht, aber über die 
Farbe der Haare und Augen keinerlei Notizen gefunden. 

Benedetto Varchi (1502 — 1565). — Der Familienname leitet 
sich von Waro, Warico, Warco ab. Sein Bildnis von der Hand 
Tizians befindet sich in der Gemäldegallerie in Wien. Danach muß 
er von hoher Gestalt gewesen sein; die Augen sind blau, Haare und 
Bart dunkel, doch ist der Schnurrbart und die „Fliege" gelbblond, 
ein Anzeichen, daß In jüngeren Jahren die Haare heller gewesen sind. 
Auf einem anderen, diesem sehr ähnlichen Porträt in den Uffizien ist 
der Bart dunkelblond. 

Giorgio Vasari (1512—1574), der als Kunsthistoriker viel 
bedeutender war denn als Maler, halte eine hohe Gestalt, blaue 



*) ViU di N. Machiavelli in Opera die N. M. 1782. T. Bd. 
") F. Nitli, Machiavelli nella vita e ncllc dottrine. 1876. S. 1. 
") Storia d'ltalia di Fr. Guicciardini. 1B37. S. 43. 



— 100 - 

Augen, dunkd-braune Haare, aber helleren Bart In jüngeren Jahren, 
ais er die Bildnisse seiner Familie in der Badia zu Arezzo malte, waren 
sdne Haare blond. 

Carolo Sigonio (1524—1584). — Der älteste bdcannte Vorfihr 
ist dn Ser Gullianus de Sigonibus. Der Name Sigone isl lango- 
bardischen Ursprungs = Sicone und wurde erst später in Sigonius 
umgewandelt. Sigonio war von mittlerer Statur*), sein Gesicht lang 
und schmal, wie sein Porträt im Passaggio der Uffizien zeigt. Dieses 
ist aber so düster geworden und übermalt, daß über die Farbe der 
Augen und Haare nichts Gewisses ausgesagt werden kann. 

Carlo Baronio (1538—1607). — Der Name Baronio (= Barone) 
leitet sich entweder von fara (^ Geschlecht) ab, bedeutet also einen, 
der den Geschlechtern angehört, oder nach Leo von waro {= Mann). 
Wie sein Biograph berichtet, hatte er einen weißen Teint, glänzende 
blaue Augen, eine lange Nase und schwarze Haare.") 

Paolo Sarpi (1552 — 1Ö23) war von mittlerer Statur, hatte ver- 
hältnismäßig großen Kopf und eine große, dicke, aber sonst eben- 
mäßig gebildete Nase, der Teint war rosig-weiß mit einer Neigung ins 
Gelbliche."*) Es gibt mehrere angebliche Porträts von Paolo Sarpi, 
aber sie stimmen nicht untereinander überein, so daß sie für unsere 
Zwecke unbrauchbar sind. Sarpi ist wohl das ahd. Scharp. 

Ludovico Antonio Muratori (1672—1750). — Seine Mutter 
hieß Joanna Alemannia (= Altmann). Er war von hoher Gestalt und 
gut gebautem Körper, die Augen waren himmelblau, die Nase lang, 
das Gesicht ebenfalls länglich, mit weißer gesunder Hautfarbe. f) 



An die Geschichtsschreiber sind die Rechtsgelehrten anzu- 
schließen. Savigny hat in seiner „Geschichte des römischen Rechtes 
im Mittelalter" (1815—1831) nachzuweisen gesucht, daß das römische 
Recht das ganze Mittelalter hindurch ununterbrochen bestanden und 
Einfluß ausgeübt habe. Was das öffentliche Recht anbelangt, so ist 
diese Ansicht von anderen mit guten Gründen widerlegt worden. 
Anders verhall es sich mit dem Familien- und Erbrecht, das sich 



*) L A. Muralari, Vita Carolf Sigomi, in Opera omnia, 1732. 
") M, Barnabeo. Vita Caesaris Baronii. 1651. S. 198. 
"•) F. Micawa. Vila di Paolo Sarpi. 1658. S. 181. 
t) A. Fabronius. Vitae Ilatorum usw. vol. X, S. 382. 



vol. I. 



— 101 - 

dauernd erhielt, namentlich in Süd- und Millelilalien und im Macht- 
bereich der katholischen Kirche. 

Jedoch war die römische Rechtswissenschaft vollständig unter- 
gegangen. Die Erneuerung der römischen Rechtsstudien ist das Werk 
des irnerius, Quarnerius oder Wernerius, des Begründers der Rechts- 
schule von Bologna. Die form Wernerius hat schon früh die Ansicht 
hervorgerufen, daß Irnerius ein „Deutscher" gewesen sei. während sie 
in Wirklichkeit nur beweist, daß in jener Zeit altdeutsche Namenformen 
in Italien sich noch unverändert erhalten hatten. 

In der Geschichte der italienischen Rechtswissenschaft spielt 
Irnerius eine so große Rolle, daß Savigny die Rechtsgeschichte des 
Mittelalters in zwei Abschnitte einteilt, von denen der eine die sechs 
Jahrhunderle vor Irnerius umfaßt, wo von wissenschaftlicher Tätigkeit 
nur geringe Spuren vorkommen, und der andere die Zeit nach Irnerius, 
mit dem eine neue Epoche beginnt. 

Unter den Nachfolgern sind um die Mitte des zwölften Jahr- 
hunderts vier berühmte Rechtslehrer in Bologna zu nennen: Bulgarus 
(oder Burgarus, ahd. Burgo, Borgo), Martino Gosio aus der adeligen 
Familie der Gosi {— Ooose), Jacobus und Hugo de Alberico 
{= Alberich). — Andere berühmte Rechtslehrer von der Universität 
Bologna sind: Lotharius (1189), Bandinus ()IQ8), Guido Boncambi, 
Jacobus Balduini, Otto Landriano, Guizardino (1216), Lambertinus 
Azonis Gardini (1220). — Als berühmte Glossatoren werden auf- 
geführt: Hugo, Hugolin, Otto, Heinrich, Lothar, Roger, Cari, Roffred, 
Alberich, Wilhelm, Odofred, ferner Pillius oder Pilius, Otto von Pavia, 
Azo, Tancredus, Bemardus Dorna. — Unter den späteren Rechtslehrern 
ragen hervor: Bartolus (geboren 1314) und Baldus de Ubaldis (1327), 
ferner Salverius de Aliprandis (f 1344) und Silvestro Aldobrandini 
(1499-1558). 

Es sind fast nur altdeutsche Namen, denen wir in der Rechts- 
schule von Bologna begegnen, und es ist sehr wahrscheinlich, daß 
die meisten dieser Gelehrten germanischer Abstammung gewesen sind. 



Wie die Sprache und das Recht der Römer, so blieb auch die 
Literatur, zum mindesten die Erinnerung an die römische Literatur 
erhalten. Unter den Langobarden werden noch einige italische 
„Grammatiker" genannt, aber bald übernahmen germanische Abkömm- 
linge die wissenschaftliche Beschäftigung mit der lateinischen Sprache 



— 102 — 



und Literatur. Paul Warnefrits Sotin und Luitprand wurden schon 
erwähnt Als ältester langobardischer „Grammatiker" ist Hilderich 
zu nennen, ein Schüler Pauls in Monte Cassino, der in der ersten 
Hälfte des neunten Jahrhunderts wirkte Um das Jahr 1000 wird 
Vilgard von Ravenna genannt, der die lateinischen Dichter, nament- 
lich Vergil, Horaz und Juvenal studierte, im elften Jahrhundert der 
Grammatiker A 1 be ri c u s , sein Schüler hl u go von Bologna, der 
„Philosoph" Droge und der „Peripateliker" Anselm von Parma. 

Infolge dieser nie unterbrochenen Beschäftigung mit der lateinischen 
Sprache und dem geistigen Inhalte ihrer Werke erwachte allmählich 
ein tieferes Verständnis für die Lebensauffassung der klassischen 
Zelt und das Bemühen, dieselbe für die unmittelbare Gegenwart, für 
Erziehung und Lebensführung fruchtbar zu machen. Aus diesen 
Quellen entsprang der Humanismus, die natürlich-geistige Auffassung 
von Welt und Leben. 

Ouarino da Verona (1370— 1460), der erste bedeutende Humanist, 
stammte aus einer edlen Familie in Verona Ouarino ist das ahd. 
Warin. Erst seine Nachkommen haben sich nach ihm den Familien- 
namen Guarini beigelegt. Von seinen Zeitgenossen wird berichtet, 
daß er von robuster Gestall gewesen und bis ins hohe Alter 
farbige und frische Wangen hatte.*) Im Museo Trivulziano ist 
ein altes Miniaturbildnis, von dem mir leider nur eine nichtfaibige 
Kopie bekannt geworden ist, da alle Bemühungen, das Original zu 
sehen, vergeblich waren. Sein Gesicht war lang und schmal, ebenso 
die Nase. Die hohe Gestalt, rosige Haut, die Gesichtsbildung und 
edle Abkunft machen seine germanische Abstammung gewiß. 

Vittorino Ramboldoni (1378 — 1 446) gehörte einer edlen 
Familie in Feltre (Venezien) an, deren Name (Ramboldo = Rampolt) 
ihren germanischen Ursprung verrät. Vittorino war klein und von 
zartem Körperbau, sein Gesicht mager und von rosigem Teint.") 

Poggio Bracciolini (1380-1459) soll nach den einen aus der 
Familie der Brandolini (ahd. Brando, Brandila), nach anderen aus dem 
Geschlecht der Blandolini stammen. Größere Wahrscheinlichkeit hat 
die Annahme, daß er von den Bracciolini stammt. Der Name scheint 
gotischen Ursprungs zu sein, da ein gotischer Graf Bracila schon 



*) Carlo de' Rosmini, Vila e disdplina di Ouarino Vcroncse. 1805. S. 123. 
**) Carlo de' Rosmini, Idea dell' otttiHo prenttore nella vita e disdplina dl 
Vittorino da Feltre. 1845. 




— 103 



zu Procops Zeiten genannt wird. Im Passaggio ist ein Büdnis, wo er 
blaue Augen und ergraute Haare hat, ein anderes in der Oalleria Colonna 
in Rom, wo er dunkelblonde Haare und hellblonden Bart zeigt. 

Antonio Beccadelli (1303—1471), meist Panormita genannt, 
weil er in Palermo geboren war. Sein Vater Arrigo (= Heinrich) 
stammte aus einer edlen Familie Bolognas. Von seinem körperlichen 
Aussehen ist nur bekannt, daß er eine hohe Körpergestalt und eine 
unangenehme Physiognomie hatte.*) 

Gianozzo Manetti (1396—1459) war von mittlerer Statur, nicht 
zu groß und nicht zu klein, wie der Biograph schreibt. Er hatte 
einen großen Kopf, und zwar besonders von vorne nach hinten in 
die Länge gezogen. Schon in frühen Jahren waren seine Haare 
ergraut.") Im Passaggio der Uffizien ist ein Bildnis, das den großen 
Kopf erkennen läßt und blaue Augen zeigt. Der Name Manetti ist 
eine Ableitung von ahd. Mano, Manno, Mann. 

Christophoro Landini (1424—1504). — Die Familie der 
Landini stammte aus Prato vecchio, und zwar von einem Landino, 
der 1289 erwähnt wird.*") Landino ahd. Lando, Landino, nhd. Land. 
Biographische Notizen über sein Äußeres sind nicht überliefert. Im 
Passaggio befindet sich ein Bildnis, auf dem er blaue Augen und die 
Physiognomie der nordischen Rasse hat. Es ist sehr ähnlich dem- 
jenigen, das von Ghirlandajo im Chor von S. Maria novella gemalt 
wurde. Die Haare sind auf beiden Bildern weiß. 

Lorenzo Valla (1407—1457). — Die Vorfahren des Lorenzo 
wohnten in Vigoleno bei Piacenza. Sein Name ist früher häufig in 
De Valle, Vallensis, Vallati entstellt worden, während er richtig Valla 
lautet, wie Mancini gezeigt half) Valla ist das ahd. Wala, Walla 
(= Wehl, Walle). Seine Eltern wanderten nach Rom, wo Lorenzo 
geboren wurde. Es gibt eine liegende Marmorstatue auf seinem Grab- 
mal in S. Giovanni Laterano in Rom, nach welcher er von hagerer und 
großer Gestalt war, da Mancini seine Körperlänge als 1,79 m berechnet 
hat. Das Gesicht ist lang und schmal, die Nase lang und leicht 
gebogen. In der Biblioteca Laurenttana in Florenz befindet sich ein 
Codex des Thucydides, dessen Anfangsbuchslaben ein Miniaturbildnis 



*) Fr. Colangelo, Vita di Antonio Beccadelli 1820. S. 257. 
**) Vespasiano da Bisticci, Vite ät uomini jlliistri. II. Bd., S. I 
•*•) A. M. Bandini, Speeimen Literaturae Florentinac. I, S. 24. 
t) O. Mandni, ViU di Lorenia Valla. FIr 1891. S. 3. 



— 104 — 

des Lorenzo in Halbfigur trägt, das den Gesichtszügen der Statue 
sehr ähnlich ist. Auffallend ist die rosig-weiße Haut des Gesichtes; 
die Haare sind ergraul; die Farbe der Augen ist wegen der geringen 
Größe des Bildes nicht festzustellen; aber das ganze Bildnis bestätigt 
den aus der Statur gezogenen Schluß, daß Lorenzo eine große, hagere 
Körpergestalt hatte. 

Oioviano Pontano (1426 — 1503) war, wie er selbst berichtet, 
von guter und aufgerichteter Körpergestalt, er halte eine scharf 
geschnittene Nase, himmelblaue Augen, magere Wangen, einen rosigen 
Teint, während er in der Jugend blaß aussah.*) 

Bartolomeo Sacchi (1421—1481), meist nach seinem Geburls- 
ort Plafina genannt, hatte blaue Augen und hellen, rosigen Teint, wie 
sein Bildnis in ganzer Figur auf dem Gemälde „Eröffnung der 
vaticanischen Bibliothek" von Melozzo da Forli zeigt. Die Haare 
sind ergraut dargestellt. Nach dem Bildnis zu urteilen, muß er von 
hoher Gestalt gewesen sein. 

Lorenzo de' Medici (1448—1492), wohl der geistig Bedeutendste 
dieser Familie, war von hoher Gestalt, brünett, mit dunklen Haaren und 
häßlichen Gesichtszügen.") Sein Bildnis brachte Domenico Ghirlandajo 
in seinen Fresken in Santa Trinitä an. Auf diesem Bilde sind auch 
die Köpfe seiner drei Söhne Piero, Giuliano und Giovanni, der spätere 
Papst Leo X. Alle drei haben blonde Haare, es liegt daher die Ver- 
mutung nahe, daß Lorenzo in seiner Jugend auch heilere Haare gehabt 
hat. Bestätigt wird diese Vermutung durch das Bildnis, das Benozzo 
Gozzolo in seinem „Zug der Könige" im Palazzo Medici von dem 
jugendlichen Lorenzo gemalt hat. Doch da die Deutung dieser 
Figur nicht zweifellos ist, berufe ich mich lieber auf seine Dar- 
stellung des jungen Lorenzo im Campo sanlo zu Pisa, wo er ebenfalls 
blonde Haare hat.*") 

Marsilio Ficino (1453—1499). — Der Name Ficino, der sonst 
auch in der Form Figino vorkommt, hat seine Wurzel im ahd. Ficcho, 
Figo (= Fick, Figge). Marsilius war von ziemlich kleiner und graziler 
Statur, dabei etwas buckelig, was auf Knochenerkrankung in der 
Kindheit hinweist. Die Hände waren lang, ebenso das Gesicht, die 



*) Fr. Colangelo, ViU di Giovanni Pontano. 1826. S. 158. 
") Nach den biographischen Nachrichten von N. Valori und B. Cerretoni. 
Vergl. Warburg, Bildniskunst und Flore ntinisches Bürgertum. I, S. 32—33. 
•**) O. Rosini, Descrizione delle pilture del Camposanto in Pisa. 1816. 



105 



Haare blond und gelockt, der Teint rosig.*) Wie sein Bildnis im 
Passaggio der Uffizien zeigt, war die Nase schmal und leicht gebogen, 
die Farbe der Augen blau. Dies Bildnis ist demjenigen ähnlich, das 
Ghirlandajo in den Fresken von S. M. Novella und Vasari im Palazzo 
vecchio anbraclite. 

Angelo Poliziano (1454—1494) hieß eigentlich Ambrogini oder 
verkürzt Oini. Er hatte eine auffallend große, gebogene Nase, gelbe 
Augen,") und wie sein Bildnis im Fresko des Ghirlandajo in S. Trinitä 
und im Passaggio zeigt, braune bis dunkelblonde Haare, helle 
Gesichtsfarbe. 

Pico von Mirandola (1463—1494), oder mit richtigem Namen 
Giovanni Pico (= Pick, Bick), entstammte einer Familie, die von einem 
Manfrede aus Reggio ihren Ursprung herleitete. Dieser Manfredo lebte 
zur Zeit Karls des Großen, war langobardischer Herkunft, bekannte 
sicli aber zum salischen Recht. Die Pico waren Inhaber der Grafschaft 
Mirandola, nördlich von Modena. Giovanni Pico war ein schöner 
und ziemlich großgewachsener Mann, wie aus seinen Bildnissen 
hervorgeht. Antonello da Messina malte ihn im zwölften Lebensjahr 
(Bild im Museo Civico zu Venedig), Cosimo Rosselli auf seinem 
Fresko in S. Ambrogio zu Florenz, wo er in mehr als mittelgroßer 
Gestalt erscheint, außerdem befindet sich noch ein schönes Profil- 
bildnis im Passaggio der Uffizien. Er hatte eine ebenmäßige Gesichls- 
bildung und lange hellblonde Locken. Auf dem Bildnis des Antonello 
hat er blaue, etwas ins Grünliche spielende Augen, während das 
Passaggio- Bildnis hellbraune Augen zeigt. Doch ist bei der Authen- 
tizität des ersteren Bildes diesem der größere ikonographische Wert 
zuzuschreiben; immerhin ist es möglich, daß seine Augen später einen 
leicht bräunlichen Farbenton angenommen haben. 

Pietro Bembo (1470-1547) entstammte einer vornehmen Familie 
in Venedig, deren Name Bembo (Bambo, Bemporad) germanischen 
Ursprungs ist und im nhd. Bemb, Pampe lautet. Es gibt zahlreiche 
Bildnisse von Bembo, im Palazzo Barbarini in Rom, ein Profilbildnis 
von C. Domenico im Museo Civico zu Pavia, ein anderes, dem 
Tizian zugeschriebenes, in der Bibliothek zu Venedig, ein kürzlich 
wieder aufgefundenes Bildnis von der Hand Tizians im Museo nazionale 
zu Neapel. Alle diese Bildnisse stimmen darin überein, daß Bembo 



*) Joannes Cotsio, Marsilii Ficini viU. S. 47. 
••) F. O. Menckenius, Historia vitae Angeli Poliliani. 1736. S. 448-449. 



— 106 — 

ein langes schmales Gesicht, eine lange, sehr schmale und g c bogcue 

Nase und hdlen Tdnt hatte In bezug auf die Augenfarbe besteht 

zwischen den Bildnissen, d:e zum Teil sehr gelitten haben oder 
übermalt sind, keine Lbereinstirnmung: sie sir.d auf dem einen bräun- 
lich, auf dem anderen grau oder grau-bräunüch. Nach dem in Halb- 
figur gemalten Bildnis im Pa^azzo Barbenn: mui er von hoher Gestalt 
gewesen sein. Nachträ^::ch habe ich Gelegenheit, ein Porträt des 
Bembo in der Leipziger L'niversitäts-Bibüjthek zu sehen, auf dem das 
Gesicht bartlos ist. Es ist aber überlieferr, dafi er sich erst in späteren 
Jahren den Bart wachsen lie^j: im übrigen sind die Gesichtszüge den 
anderen Bildnissen durchaus ähnlich, so da3 an der Echtheit kaum 
gezweifelt werden kann. Danach hatte Bem^bo hellbraune Augen und 
mittelbraunes Haar. 



Zehnfes Kapitel. 



Die Naturforscher und Philosophen. 



jie Italiener haben einen hervorragenden Anteil an den Ent- 
deckungsreisen und an der Erforschung fremder Völker 
und Länder gehabt. Die Erforschung von Inner-Asien und 
die Entdeckung Amerikas ist ihr Verdienst, und Namen wie 
Marco Polo, Cabotfo, Vespucci, Columbus ragen allbekannt hervor 
unter den kühnen Genuesen, Venetianern und Florentinern, die im 
Beginn der neueren Zeilen den geographischen Horizont der Mensch- 
heit erweiterten. 

Das älteste geographische Buch verfaßte Roberto Guido aus 
Apulien, eine Reisebeschreibung über Palästina (1240). Im Jahre 1246 
reiste ein Lombarde Ascelino (ahd. Ascelin) zum Gran Kan der 
Tartarei. Oderico aus Pordenone (= Oderich) betrat als erster 
Europäer die Insel Borneo {1286-133!).*) 

Die Familie, aus welcher Marco Polo hervorging, soll von 
einem Lucio Polo sich herleiten, der aus Sebenico in Dalmatien 
stammte. Im Jahre 1250 werden Niccolö und seine beiden Söhne, 
Marco und Maffio Polo, als „nobili onorati" angeführt. Über das 
körperliche Aussehen Marcos unterrichtet uns weder ein authentisches 
Bildnis, noch eine biographische Nachricht. Wenigstens habe ich in 
den in Betracht kommenden Werken von Ramusio, Zurla und Amat 
de San-Filippo nichts gefunden. Der Name Polo ist wohl identisch 
mit Paolo, Paulus. 

Von anderen venezianischen Seefahrern sind zu nennen: Niccolö 
und Antonio Zeni (ahd. Zano, Zeno, Zahn), Lutgi Roncinotlo (ahd. 
Runo, Rono, Runco), Cesare dei Federici (= Friedrich), Pietro 



■) Amat de San-Filippo, Studi biografid. 1875. S. 9-26. 



— 108 — 

Querini (= Ouerini, Werini), Giovanni Bembo, PellegrJno ßroccardi 
(= Brockard), Gianantonio Soderini (ahd. Sodo, Suder). 

Paolo dal Rozzo Toscanelli (1397—1482). — Der Name der 
Familie dal Rozzo Toscanelli rührt von einem Brunnen in Florenz her.') 
Baldovinetli malte sein Bildnis in Santa Trinitä, das aber untergegangen 
ist. Doch existiert noch eine Kopie im Palazzo vecchio, das Vasari auf 
seinem Fresko „Cosimo il vecchio im Kreise der Gelehrten seiner Zeit" 
anbrachte. Danach muß er von Gesicht häl3Iich gewesen sein, mit 
einer stark vorspringenden Nase, vorragendem Kinn und großem Mund. 
Die Augen sind hell, ob ursprünglich blau, kann ich nicht entscheiden. 

Christoph Columbus {144Ö — 1506). — Über den Entdecker 
Amerikas haben wir mehrere biographische Nachrichten von Zeit- 
genossen, die sein körperliches Aussehen auf Grund eigener 
unmittelbarer Kenntnis sehr genau beschreiben. Diese Zeugnisse sind 
von Henry Harrisse in seinem umfangreichen und bedeutenden Werk 
übersichtlich zusammengestellt worden.") Petrus Martyr beschreibt 
Columbus als einen Menschen von hoher und schlanker Gestalt, 
rothaarig und mit langem Gesicht. Orviedo berichtet, daß er weit 
über mittelgroß und von starkem Gliederbau gewesen sei. Seine 
Augen waren lebhaft, das Haar rot und der Teint rosig. Die aus- 
föhriichste Schilderung gibt Las Casas: Columbus war von hoher 
Statur, über mittelgroß, das Gesicht war lang und imponierend, die 
Nase adlerförmig gebogen, die Augen hellblau, der Teint weiß mit 
lebhaftem Rot; Bart- und Haupthaare waren In seiner Jugend blond, 
aber Not und Sorge bleichten sie schon früh. Über die Genealogie 
seiner Familie ist nichts bekannt, auch kennen wir den anthro- 
pologischen Typus seiner Eltern nicht. Doch ist es bemerkenswert, 
daß seine Mutler wahrscheinlich aus einem kleinen Dorf nordöstlich 
von Genua stammt, das den altdeutschen Namen Quezzi {= Ouezzt, 
Wezzi, nhd. Wetz) trägt. Auch will ich nicht unerwähnt lassen, daß 
es eine Sage gibt, nach welcher Columbus von einer deutschen Familie 
namens Dauber abstammen soll. 

Amerigo Vespucci (1451 — 1512). — Die Vespucci waren eine 
adelige Familie und stammten aus Peretola in Toscana, wo sie zuerst im 
Jahre 1342 in einer Streitsache mit den Grifoni (Grifo — Greif) erwähnt 



*) C. Uzielll, La vita e i templ di Paolo Toscanelli. 1894. 
") H. Hanisse, Cliristoph Columbus, son origine, sa vie, ses voyages, 
famillc et ses descendants. 1884. S. 163. 



log 



werden. Der Ursprung des Namens Vespucci ist zweifelhaft, er weist, 
wie Vespino, auf einen Namen Vespo zurücl<, der sowohl germanisch 
als keltisch sein könnte (Vespasianus). Seine Mutler war Lisabefto 
Mini (ahd. Maino, Meine, Mino). Der Name Amerigo oder Americo 
und Emerico ist germanischen Ursprungs (ahd. Emmerich). Der neue 
Weltteil trägt demnach einen deutschen Namen. H. Brockhaus hat 
gezeigt, daß es kein echtes Bildnis von Amerigo gibt, und daß 
die unter seinem Namen gehenden zum Teil freie Erfindungen, zum 
Teil den Bildnissen von Verwandten nachgebildet sind. Auch der 
Jüngling, der auf dem Fresko des Ghirlandajo in der Kirche Ognissanti 
in Florenz angegeben wird, kann unmöglich Amerigo sein, sondern 
gehört einem anderen Zweig der Familie an.*) Das einzige echte 
Bildnis ist dasjenige auf der Karte des deutschen Geographen Wald- 
seemüller. Lange lockige Haare, kurzer Bart, leicht gebogene Nase 
sind die einzigen Merkmale, die angegeben werden können. 

Sebastiano Cabotto (1472-1557). — Der Name ist wohl eine 
Ableitung von Gabo, Cabo und steht in Analogie mit Rabotto, Belolto, 
Wallod, Rachot, Wichot und anderen. Über seinen physischen Typus 
ist nichts bekannt. 

In derselben Zeit, als kühne Italiener ihre Entdeckungsreisen 
unternahmen und die Erdoberfläche erforschten, begann auch die 
wissenschaftliche Erforschung des Weltenbaus und des menschlichen 
Organismus, begann Astronomie, Physik, Mathematik und Medizin. 

Im elften Jahrhundert wird ein Astronom Pandulfus von Capua 
(^ Pandoif) genannt. Um dieselbe Zeit schrieb ein salernitanischer 
Arzt Cophorn, dessen Name deutschen Ursprung verrät, eine 
Anatomia porci. Im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts wird ein 
Magister Richardus als Anatom genannt. Montini dei Luzzi 
(Raimondini = Raimund Lutz), Professor in Bologna (1275 — 1326), 
war der erste, der auf Grund eigener Untersuchungen an mensch- 
lichen Körpern ein Lehrbuch der Anatomie des Menschen schrieb. 
Leonardo Fibonaccio aus Pisa war um dieselbe Zeit Begründer 
der neueren Mathematik. Fibonaccio ist wohl von einem ahd. Fibo 
herzuleiten (nhd. Fiebe, Feibe), das entweder mit Feva identisch oder 
eine Kurzform von Filiberfo Ist. 

Julius Caesar Scaliger (1484—1558) hieß mit seinem wahren 
Familiennamen Bordone (nhd. Bürden) und stammte nicht, wie er 



•) H. Brockhaus. Forschungen über Florentiner Kunstwerke. 1902. S. ; 



110 



vorgab, von der berühmten Familie der Scaligeri in Verona. Aus der 
Lebensbeschreibung, die sein Sohn J. Scaliger verfaßl hat, ist zu 
ersehen, daß er blaue Augen halte.*) Sonstige Nachrichten oder 
Bildnisse sind mir nicht bekannt. 

Andrea Cesalpini (151Q— 1603). — Nach Cinelü stammen die 
Cesalpini aus der edlen Familie der Blanci (^ Blancke). Biographische 
Nachrichten über sein Äußeres fehlen gänzlich. Im Cabinetto botanico 
zu Pisa befindet sich ein Bildnis, dessen Zustand und neuerdings vor- 
genommene Restaurierung aber nicht erlaubt, anthropologische Schlösse 
daraus zu ziehen. 

Ulisse Aldrovandi (1522—1605). — Die Aldrovandi oder 
Aldobrandi sind eine sehr alte Familie, deren Namen einen germa- 
nischen Ursprung andeutet. Die Mutter des Ulisses war Veronica 
Marescalchi (= Marschall), aus einer sehr edlen Familie in Bologna. 
In der Gemälde-Oallerie in Wien befindet sich ein Bildnis, das ihn mit 
dunklem Haupthaar, blauen Augen und blondem Bart darstellt. 

Galileo Galilei (1564 — 1642). — Sein Vater war ein Florentiner 
Edelmann und geschickter Mathematiker, der sich durch Schriften über 
die Theorie der Tonkunst berühmt gemacht hat. Seine Mutter ent- 
stammte einem allen und berühmten Geschlecht namens Ammanati 
aus Pescia. Ammanati ist eine Ableitung vom ahd. Amano (= Amann) 
und lautet ursprünglich Amman-had, ähnlich Amalhad und anderen. 
Er kann aber auch mit Nado oder Natho zusammengesetzt sein, 
ähnlich Hasnat, Arnad, Wannato, Romanath. Über den physischen 
Typus Galileis sind wir durch Nachrichten und Bildnisse hinreichend 
unterrichtet: Jagemann gibt in seiner „Geschichte des Lebens und 
der Schriften Galileis" auf Grund älterer italienischer Biographen 
folgendes an: „Er war von ehrwürdigem Aussehen, viel mehr groß 
als klein von Statur und von starkem Gliederbau. Seine Augen waren 
voll Feuer, seine Stirn hoch und breit, die Gesichtsfarbe weiß und 
das Haar rötlich." (S. 165). Diese biographischen Nachrichten werden 
bestätigt und ergänzt durch die Bildnisse, unter denen das schönste 
dasjenige von Sustermans in der Galleria Pitti ist und große, blaue 
Augen erkennen läßt. 

Giuseppe Verzaglia, ein Schüler Galileis, hatte nach seinem 
Bildnis in der Biblioteca Malatestiana in Cesena blaue Augen und 



') j. Scaligeri Epistola de vetustate el splendore gentis Scaligeri. S. 49. 



u 



blonde Haare. Der Name Verzaglia ist von Werzo {= Werizo) und 
Agila herzuleiten. Analog ist Barzaglia. 

Evangelista Torricelli (1608— lö'lT). — Auf seinem Bildnis in 
den Uffizien zeigt er germanische Gesichtszüge, rosig-weiße Gesichts- 
farbe, helle, blaue Augen, dunkelbraune, fast schwarze Haare, während 
der Bart und die Augenbrauen hellblond oder gelb sind. Den Namen 
Torricelli möchte ich in Analogie bringen mit ähnlichen Namen zweifel- 
los altdeutschen Ursprungs, wie Guinicelli, Botticelli. Er ist von Toro, 
Turo, Torico herzuleiten, nhd. Dorr, Dörr, Doreck. Torricelli entspricht 
im nhd. Doergell. 

Vincenzo Viviani (1622—1703) entstammte einer Florentiner 
Adelsfamilie, als deren Stammvater nach Passerini im Jahre 1174 ein 
Borgognone di Piero di Lapo festzustellen ist. Wie Borgognone und 
Lapo, so ist auch Viviani höchstwahrscheinlich ein altdeutscher Name. 
Von dem Stamme Vibo, Wivo leiten sich ähnliche Namen, wie Vivaldi, 
Vivarini, Wivanes, ab. Doch könnte der Name auch lateinischen 
Ursprungs sein. Über seine äußere Gestalt ist mir aus Biographien 
nichts bekannt geworden, dagegen gibt es ein schönes Pastellbildnis 
in den Uffizien, mit germanischer Ocsichtsbildung, rosiger Haut und 
hellblauen Augen. Die Haare scheinen dunkelbraun gewesen zu sein. 

Giovanni Dom. Cassini {1625—1712) hatte nach seinem Bildnis 
in der Universitäts-Bibliothek zu Bologna ein langes, schmales Gesicht, 
ebensolche Nase, hellen, rosigen Teint, blaue Augen und braunes, 
lockiges Haar. 

f^rancesco Redi (1626-1604) gehörte der edlen Familie der 
Redi in Arezzo an (Rado, Redo, nhd. Rade). Es gibt zwei Bildnisse 
von ihm, im Palazzo communale von Arezzo und im Passaggio der 
Uffizien. Er hat ein langes, schmales Gesicht, ebensolche Nase und 
große blaue Augen. Der Teint ist hell und die Farbe der Haare 
braun mit blondem Schimmer. 

Antonio Vallisneri (1661 — 1730) gehörte zu einer alladeligen 
Familie, die ursprünglich Neri (ahd. Naro, Nero, nhd. Nehr, Nehring) 
hieß und die in einem gewissen Tale ein Kastell erbaute, woher 
sie den Namen Vallisneri führt. Als ältester Vorfahr wird ein 
Ridolfo Vallisneri, Sohn des Rainero aus langobardischem Geschlecht, 
im Jahre 1105 genannt. Seine Mutter war Lucretia Davini, aus einer 
alten Familie in Reggio (ahd. Davo, nhd. Dawe). IJber die physische 
Konstitution des Antonio gibt uns ein Gedicht Aufschluß, das den 
Abate Oirolamo de' Conti Lioni zum Verfasser hat: 



— 112 



Di membra asduUi e i1 Vallistier formato, 

Alto, ma quanto ad uom conviensi appieno; 

Ha fronte aperta, e di grau ciEÜa armata 

L'occhio ognor sfavJllante, ognur screno, 

Un virile color \e guniicie avviva 

E niilla toglie degli spiriti suoi 

II pel, ehe bianco in sii tiel vollo arriva. 

In der Gesamtausgabe seiner „Opere fisico-mediche" (1733), 
welcher die obigen Nachrichten entnommen sind, befindet sich ein 
Bildnis mit schönem germanischen Profil. Auf seinem Bildnis in der 
Universitäls-Bibliothek zu Bologna hat er blaue Augen. Die hohe 
Gestalt, die rötlich gefärbten Wangen, das Profil, die blauen Augen, 
sind eine anthropologische Bestätigung für seine historisch überlieferte 
langobardische Abstammung. 

Marcello Malpighi (1628—1694). — Nach dem Bericht von 
O. Atti war Malpighi von mittlerer Größe, dunklen Haaren und Augen; 
der Teint war rosig, und seine Gesichtsbildung zeigte die Züge der 
nordischen Rasse, wie sein Bildnis in Casa Savini in Bologna erkennen 
läßt.') Was den Namen Malpighi anbetrifft, so möchte ich ihn in 
Analogie mit Respighi setzen, die beide durch ihre Schreibweise den 
altdeutschen Ursprung verraten. Er ist wohl eine Zusammensetzung 
aus Malo (Melo) und Pico (Bigo) und würde einem nhd. Mallbig 
entsprechen, analog Hellbig und anderen. Doch könnte er auch aus 
ahd. Malpago entstanden sein. 

J. B. Morgagni (1682—1771). — In seinen Lebensbeschreibungen 
der wissenschaftlich berühmten Männer Italiens schildert A. Fabroni 
den großen Naturforscher als einen Mann von hoher Gestalt und 
ehrwürdigem Aussehen, mit heiterem und fröhlichem Gesicht, gelb- 
blonden Haaren und himmelblauen Augen.'*) In der Gallerie zu Forli 
sieht man sein Porträt von der Hand des Antonio Bellori, das zu der 
obigen Beschreibung noch ein schmales Gesicht und eine lange 
schmale Nase hinzufügt. Der Name Morgagni ist wohl verwandt mit 
dem altdeutschen Morgand, Morgante, dessen Stammwort Morg oder 
Morgo von Morigo sich ableitet, wie Garzo von Oarizo, Merlo von 
Merilo, Serie von Serilo. Analog sind Namen wie Guadagni, Gualagni, 
Borgagni, Mascagni, die alle an das gotische Arevagni erinnern. 



*) Qaetano Atti, Notizie edile e inedite della vita e delle opere di M. Malpighi 
e di Lorenzo Bellini. 1847. S. 9. 

**) Angelo Fabronio, Vitae Italomm doctrina excellenlium. vol. 12. 




— 113 - 

Lazzaro Spallanzani (1729-1799). — Luigi Vella beschreibt 
ihn als einen Mann von hoher Statur, vornehmer Hallung, breiter 
Slirn und mit tiefliegenden, funkelnden Augen.') Seine Büste sowie 
ein Bildnis in Stahlstich lassen die Kopf- und Gesichtsbilclung der 
germanischen Rasse erkennen. Den Namen Spallanzani möchte ich 
mit Wolfanzo, Custanzo usw. in Analogie bringen und von einem 
italienischen Namen Spalla ableiten, der im ahd. nur in Marispalla 
vorkommt und im nhd. Spalle, Spahle lautet. Er war geboren in 
Scandiano bei Modena; Scandiano von Scandia = Scandinavia, dem 
alten Namen für Schonen im südlichen Schweden. 



In der Entwickelung der italienischen Philosophie, die früher als 
in anderen Ländern zu einer freien und selbständigen Wellanschauung 
gelangte, zeichneten sich in erster Linie Telesius, Cardanus, Campanella, 
Bruno und Vico aus. 

Bernardino Telesio (1508—1588). — Die Familie der Telesii 
in Cosenza war wegen ihres hohen Alters, Adel des Blutes und durch 
großen Feudalbesitz hoch berühmt, und wohl normannischer Herkunft, 
da sie zu den Fürsten- und Baronengeschlechtern Calabriens gehörte.") 
Der Name lautet auch Tilesio, Thilesio und deutet damit seinen 
Ursprung von ahd. Thilo, nhd. Thiet an. Biographische Nachrichten 
besagen, daß seine Statur mittelgroß und sein Teint braun gewesen 
sei."*). Ein Bildnis des Philosophen befindet sich bei einem seiner 
Nachkommen in Jasano in Apulien. Nach einer freundlichen Mitteilung 
von Professor St. de Chiara in Cosenza sind Haare und Bart auf diesem 
Bilde ergraut-weiß, die Farbe der Augen dunkelblau. Die Gesichtszüge 
sind diejenigen der nordischen Rasse. 

Hieronymus Cardanus (1501 — 1576). — Als Stammvater der 
Cardani wird ein Milo Cardanus genannt, der im Jahre 1189 der 
städtischen Verwaltung in Mailand vorstand. Sowohl Milo wie 
Cardano ist alldeutschen Ursprungs. Cardano leitet sich von Hardo, 
Cardo ab und ist eine ähnliche Bildung wie Rodanus, Brandanus, 



') L Velta, Lazzaro Spallamani. 1882. S. 13. 

") Rixner und Siber, Leben und Lehrmeinungen berühmler Physiker am 
Ende des sechzehnten und Anfang des siebzehnten Jahrhunderts. 1S20. 11, S. 3. 
•") S. Spiriti. Memoric degli scriltori Cosentini. 1750. S. 90. — Woher 
L Spirili diese Notiz hat, gibt er nicht an. 



114 



Caldani. Der Philosoph hat eine selbslverfaßte Lebensbeschreibung 
hinterlassen, in welcher er sein Äußeres genau schildert. Seine Statur 
war mittelgroß, die Augen waren klein und zusammengekniffen, die 
Farbe der Haare und des Bartes hellblond (flavus), das Gesicht ziem- 
lich lang und der Teint rötlich-weiß.') 

Tommaso Campanella {1568 — 1639) war von hoher Statur 
und hatte einen großen, melonenförmigen Kopf. Die Haare waren 
struppig und die Augen kastanienbraun.'*) Über die Farbe der Haare 
und der Haut ist mir nichts bekannt. Die Form seines Kopfes war wohl 
abnorm, durch Hydrocephalus entstanden. Die hohe Statur und die 
braunen Augen weisen auf eine Mischung zwischen der nordischen 
und brünetten Rasse, 

Giordano Bruno (1548—1600), — Über seine Familienverhält- 
nisse gibt Bruno selbst folgende Auskunft: „Jo ho nome Giordano, 
della famiglia di Bruni, della ciltä di Noia, vicina a Napoli, nato e 
allevato in quelle cittä. Mio padre haveva nome Giovanni e mia 
madre Fraulissa Savolina, e la professione di mio padre era di soldato." 
Bruno ist das nhd. Bruhn oder Braun, Savolina ist ein gotischer 
Name, Fraulissa (nach Brückner) eine Zusammensetzung mit Fro oder 
Frao = froh und Lisa, eine ähnliche Bildung wie Fraupett. Über 
dits körperliche Aussehen Giordanos gibt es keinerlei biographische 
Nachrichten, als die wenigen Andeutungen in einem seiner Gedichte: 
„Männlich derb in den Gliedern, in rauher Kraft ungezügelt." Man 
daif daraus schließen, daß er von großer und kräftiger Statur 
gewesen ist, wie auch aus seinem Brustbild hervorgeht. Ein farbiges 
Porträt existiert meines Wissens nicht, nur der bekannte, oft reprodu- 
zierte Kupferstich, aus dem uns die typische Physiognomie des 
germanischen Stammes entgegenblickt, das Gesicht eines Träumers 
und Schwärmers, wie wir es im Norden nicht selten sehen. Da sich 
in Nola Norddeutsche niedergelassen hatten, und ein Nachbar seines 
Vaters Alemanna und ein anderer Danese (= Däne) hieß, so hat man 
daraus schließen wollen, daß Giordanos Vater aus dem Kreise dieser 
Einwanderer hervorgegangen sei. 

Giovanni Baftista Vico (1668—1744). — Der Name VIco ist 
germanisch, nhd. = Wieck, wofür auch die sonst vorkommende Form 
Ouico und Vigo spricht. Biographische Nachrichten über sein Äußeres 



•) Hieronymi Cardani Mediolanensis, De propria vila. 1643, 
") M. Baldachini, Vita di Tommaso Campanella. 1847. 



S. 23. 




— 115 - 



sind mir nicht bekannt, abgesehen von der Nachricht eines Zeit- 
genossen, daß seine Augen „lebhaft und durchdringend, voll von 
Feuer" gewesen seien. Nach einer Mitteilung von Professor Crocc in 
Neapel, der im Besitze eines Bildnisses von Vico ist, halte er braune 
Augen, schwarze Haare und schmale, gebogene Nase. Da über die 
Körpergröße und die Hautfarbe nichts bekannt ist, so bleibt es zweifel- 
haft, ob wir es in ihm mit einem Vertreter der mediterranen Rasse 
oder mit einem Mischling der nordischen und brünetten Rasse zu 
tun haben. 



Elftes Kapitel. 

Die Dichter. 




^ie die bildende Kunst Italiens durch die voraneilende Ent- 
wicklung der nordischen Völker mancherlei Anregungen 
I erfuhr, so ist dies bei den Anfängen der italienischen 
Poesie noch deutlicher und in viel größerem Maße fest- 
in den frühesten Zeiten des Mittelalters werden der Gote 
und der Langobarde Paut Warnefrit als Dichter genannt; 
ferner gibt es ein Lobgedicht auf den Kaiser Berengar von einem 
Lombarden; indes ist dies alles, was vor dem Jahre 1000 nachgewiesen 
werden kann. Erst mit dem Aufschwung des geistigen Lebens, der 
im elften Jahrhundert sich allgemein bemerkbar macht, traten zahl- 
reichere Dichter auf, so im elften Jahrhundert Alphanus (ahd. = Alfan) 
und Gaiferius (ahd. Waifarius, Weifheri), Mönche aus Monte Cassino, 
die Gedichte in lateinischer Sprache verfaßten. 

Als gegen Ende des zwölften Jahrhunderts die Troubadours aus 
Frankreich nach Norditalien kamen, erwachte der poetische Sinn zu 
kräftigerem Leben. Es bedarf kaum eines Hinweises, daß die französischen 
Troubadours germanischer Abstammung gewesen sind, wie Pier Vidal, 
Raimbaut, Aimeric de Pegulham, Gaucelm Faidit, Uc de Cire {= Hugo), 
Guiliem de la Tor. In Nordilalien ahmte der langobardische Adel die 
Troubadours nach; besonders sind zu nennen Manfred IL, Lancia 
(^ Lanza), Alberto Malaspina, Rambertino Buvaletio, Lanfranco Cigala, 
Jocopo Grillo. Der berühmteste unter ihnen ist Sordello von Mantua 
(ahd. Sordo, Sordilo, nhd. Sordel). Einen mehr selbständigen Charakter 
haben die Lieder der sicilianischen Trovatori, die meist schwäbischen 
oder normannischen Ursprungs sind, z. B. Kaiser Friedrich IL, sein ^ 
Sohn Enzio, Mazzeo Ricco, Rinaldo d'Aquino, Rugieri Apugliese, 
R.inieri aus Palermo, Guido delle Colonne. Dem Ciullo d'AIcamo -j 



117 



gehört ein viel gerühmtes Liebeslied aus der Zeit Kaiser Friedrichs 
an. Ciullo oder Cielo ist (nach Förstemann) ahd. Kielo, Chiello, ags. 
Ceol, Ceola. 

Es folgten Guittone von Arezzo, Folchachiero de Folchachieri 
aus Siena (ahd. Folco) und Dante da Majano. Dante ist ein germanischer 
Name, entweder ein selbständiges Danto, Dando (davon Dandolo, 
Tandulf) oder eine Abkürzung von Durand, Durante. 

Der erste, der sich vom provengalischen Einfluß frei machte, war 
Guido Guinicelli von Bologna. Guiniceili leitet sich von Wino, 
Guino, Winico (nhd. Wienecke). Aus Bologna war auch Guido 
Ohisleri (= Geißler) und Spero Sperone (— Spier). 

Den Höhepunkt der italienischen Dichtung bildet Dante Alighieri 
(1265 — 1321). Der Stammvater seiner Familie war ein Cacciaguida, 
ein tapferer Ritter des elften Jahrhunderts, der Conrad III. auf seinem 
Kreuzzug begleitete. Der Name Cacciaguida ist aus Cazzo, Gazzo 
(= Katz) und Wida oder Quida zusammengesetzt. Man könnte ihn 
mit Kaatzwitt wiedergeben. Ob dieser Name im Neuhochdeutschen noch 
vorkommt, ist mir nicht bekannt; er ist einerseits in Analogie mit 
Cacilo, Caciprand, andererseits mit Altwid, Roswitt, Liuzwtd, Castwid, 
Asquid und dergleichen aufzufassen. Aldighleri ist ein Name von 
unverkennbar germanischem Ursprung. Dantes Familie erhielt ihn von 
einer Aldighiera degli Aldighieri aus einem vornehmen, vielleicht 
gotischen Geschlecht in Ferrara, mit der Cacciaguida verheiratet war. 

Was das körperliche Aussehen Dantes betrifft, so ist es eine 
traditionelle Meinung, daß Dante brünett gewesen sei. Sie geht bis 
auf Bocaccio zurück, den ersten und ähesten Biographen des Dichters. 
Was Fiüppo Villani in seinen Lebensbeschreibungen berühmter Italiener 
mitteilt, ist nur eine Wiederholung der Nachrichten des Bocaccio. 
In seiner „Vita di Dante Alighieri" beschreibt er sein Äußeres in 
folgender Weise: „Unser Dichter war von mittlerer Statur, und als er 
zu reiferem Alter gekommen war, ging er ein wenig gebückt. Sein 
Gang war ernst und gemessen, sein Gesicht lang und die Nase adler- 
lörmig gebogen, die Augen eher groß als klein, die Kinnladen groß, 
und die Oberlippe wurde von der unteren überragt. Seine Hautfarbe 
war braun, Haar und Bart dicht, schwarz und kraus, sein Gesichts- 
ausdruck immer melancholisch und nachdenklich." Daran schließt er 
die bekannte Anekdote von dem Gespräch einiger Weiber in Verona: 
„Daher geschah es, wie er eines Tages nach Verona kam, als der 
Ruhm seiner Werke, namentlich seiner „Hölle", weit verbreitet und 



118 



vielen Männern und Frauen bekannt war, und als er an einem Stadttor 
vorüberging, wo mehrere Frauen saßen, daß eine von ilinen leise, 
aber doch so, daß er und die anderen Frauen es hören konnten, 
sagte: -Seht ihr jenen dort, der in die Hölle steigt und wiedericommt, 
wenn es ihm beliebt und uns Nachrichten von denen in der Hölle 
bringt? — Und eine von den Frauen antwortete: Fürwahr, du 
mußt recht haben. Siehst du nicht, wie sein Bart so kraus und seine 
Haut so braun ist, wegen der Hitze und des Rauches da unten? — 
Als jener die Worte hinter sich sprechen hörte, lächelte er ein wenig 
und ging weiter." 

Diesem von Bocaccio entworfenen Bilde stehen die eigenen 
Mitteilungen des Dichters gegenüber, die nicht mit ihm in Überein- 
stimmung gebracht werden können. Was seine Hautfarbe anbetrifft, 
so kommen in den Canzonen der „Vita nuova" mehrere Stellen vor, wo 
es heißt, daß sein Antlitz infolge von Kummer blaß und bleich 
geworden sei. Nun können ja auch Menschen mit brauner Haut blaß 
und bleich werden, wenn auch nicht in dem auffallenden Maße, wie 
es hier geschildert wird. Unwahrscheinlich ist aber, daß ein Mensch 
mit braunem Teint sagen würde: „Mir war der Wange Farbe so 
erblichen", es sei denn, daß die Haut durch Mischung stark aufgehellt 
ist. Der „Wange Farbe" bedeutet meist jenes rosige Rot, jenes 
Inkarnat, wie es die nordische Rasse besitzt, bei der das Blut durch 
die helle Haut durchscheint. 

Sein Haar soll nach Bocaccio schwarz gewesen sein. Auch 
dieses stimmt nicht mit den eigenen Angaben des Dichters überein, 
der ausdrücklich berichtet, daß sein Haar blond gewesen sei. In der 
zweiten Ekloge schreibt Dante an Giovanni di Virgilio: 

„Nonne Iriumphales melius pexare capillos 

Et patrio redeant si (]uando, abscondere eanos 

Fronde sub inserta solitum flavescere Sarno?" 

„Wärs nicht besser, ich riclilete mir das Haar zum Triumph zu. 

Und ich, kehrt ich dereinsl In die Heimat, bärge 

Das graue Haupthaar unter dem Kranz, das einst blond war am Arno?" 

Und der Freund erwidert ihm: 

„O si quando sacros iterum flavescere canos 
Fönte tuB videas — — — ." 

„O wenn du wieder dereinst blond werden die heiligen Haare 
SähesI in deinem Quell — ." 




ng 



G. Albini hat in seinem Kommenlar zu Dantes Eklogen die 
Meinung geäußert, daß „Oavescere" nicht „blond", sondern „blühend" 
und die jugendliche Fatbe und Kraft bedeute. Er schließt dies aus 
dem „iteruni flavescere" in der Antwort des Giovanni, das unmöglich 
bedeuten könne, daß das Haar des Dichters wieder blond werden 
solle, sondern das nur den Wunsch ausdrücke, daß das müde und 
ergraute Haupt des Dichters wieder aufblühen möge.*) 

Ich kann mich dieser Hypothese durchaus nicht anschließen, 
da nicht der geringste Zweifel bestehen kann, daß Dante selbst in 
tatsächlichem Sinne von „canos solitum flavescere" spricht, von 
grauen Haaren, die einst blond waren, als er noch am Arno weilte. 
Auch ist es durchaus nicht nötig, das „iterum flavescere" des 
Giovanni im bildlichen Sinne aufzufassen. Wieder jung zu werden, 
ist ein Wunsch, der in eines jeden Menschen Brust zuweilen 
erwacht, und in seiner lebhaften Anschauungskraft denkt der Dichter 
dabei unwillkürlich an die natürliche physische Jugend, obgleich die 
Verwirklichung dieses Wunsches absolut ausgeschlossen ist. Daß 
Giovanni an die wirkliche Jugend gedacht hat, beweist auch der Zusatz 
„fönte tua", d. h. am „Borne deiner Taufe". 

Wie wenig zuverlässig die Mitteilungen des Bocaccio sind, beweist 
auch seine Bemerkung über einen angeblichen Bart des Dichters, 
den er als dicht, schwarz und kraus beschreibt. An einer anderen 
Stelle bemerkt er aber, daß der Kummer um die tote Beatrice den 
Dichter abgemagert und ihn dazu gebracht habe, sich einen Bart 
wachsen zu lassen und sich ganz zu vernachlässigen. Danach muß 
er den Bart nur zeitweise getragen haben. Daß Dante sonst bartlos 
gewesen, geht auch daraus hervor, daß ihm große und, wie Villani 
sagt, etwas herabhängende Unterkiefer als besonderes Kennzeichen 
zugeschrieben werden. Diese würden aber schwerlich zu erkennen 
gewesen oder überhaupt aufgefallen sein, wenn Dante einen „dichten, 
krausen und schwarzen Bart" gehabt hätte. Dazu kommt, daß alle 
Bildnisse Dantes, auch die ältesten, ihn ohne Bart darstellen. Ob 
diese nun authentisch oder nach Originalen angefertigte Kopien sind, 
will ich hier nicht untersuchen. Aber sie stellen ihn alle mit langem 
Gesicht, gebogener Nase, großem Unterkiefer und vorspringender 
Unterlippe dar. Hier muß entweder ein Originalbild oder eine von 
dem Bericht des Bocaccio abweichende mündliche Tradition fort- 



*) Dantes Eclogae, a cura di O. AlbinJ. 1903. S. 37. 



120 



wirken.') Damit entsteht die Frage, welche Quellen Bocaccio für 
seinen Bericht gehabt hat. Er hat Dante selbst nie gesehen. Bei 
dessen Tode war er acht Jahre alt, und Dante starb in der Verbannung. 
Als Bocaccio seine „Vita di Dante" schrieb, werden schwerlich noch 
Leute in Florenz gewesen sein, die den Dichter persönlich gekannt 
hatten, doch berichtet er von einem Enkel des Dichters, Andrea di 
Leone Poggi, der in Florenz lebte, und der in auffallender Weise in 
den Linien des Gesichtes und in der Statur dem Dichter glich. Mög- 
licherweise hat er ihm den Bart und das schwarze Haar entlehnt und 
dem Dichter zugeschrieben; oder es kann auch sein, daß er die braune 
Haut und den schwarzen Bart jener Anekdote höchst zweifelhaften 
Ursprungs entnommen hat, die von dem Gespräch der Frauen in 
Verona handelt. Anders können die Widersprüche zwischen der 
unzweifelbaren Selbstbeschreibung des Dichters, seinen Bildnissen und 
dem Berichte des Bocaccio, sowie die Widersprüche in dem letzteren 
selbst nicht gelöst werden. 

Über die Augenfarbe wird nichts berichtet. Nach den Regeln 
der Wechselbeziehung anthropologischer Merkmale liegt die Annahme 
sehr nahe, daß sie auch hell gewesen sind, wie Haare und Gesichts- 
farbe. Eine Rechtfertigung erhält diese Annahme durch das Dante- 
Bildnis, das Orcagna in der Cappella Strozzi von S. M. Novella 
gemalt hat. Nach der Photographie zu urteilen, hat die Iris eine 
auffallend helle Farbe, wie sie nur blaue Augen hervorzurufen 
pflegen. Leider habe ich das Bild nicht aus unmittelbarer Nähe 
studieren können. 

Im Jahre 1865 wurden die Gebeine Dantes in Ravenna gefunden. 
Der Schädel war nach den Untersuchungen von Oaddi dolicho- 
cephal.") 

Mittlere Gestalt, schmaler Schädel, langes, schmales Gesicht mit 
großer, gebogener Nase, vorspringendes Kinn, blonde Haare, helle 
Haut und helle, wahrscheinlich blaue Augen, müssen danach als 
anthropologische Merkmale Dantes angesehen werden. 



•) Ich will hier auf die widetspruchsvollen Ansichten über die Bildnisse von 
Dante nicht eingehen, da für anthropologische Zwecke nichts Besonderes dabei 
herauskommt. Ich verweise auf F. X. Kraus, Dante Alrghicri, Sein Leben und sein 
Werk (1897). - Pasquale Papa, 1 ritralti di Dante in S. Maria Novella. Estratto di 
Giomale dantesca XI, i. — Michele Scherlllo e Pasquale Papa, Questioni di icono- 
grafia dantesca, Giornale dantesca, XII, 3—4. 

") P. Oaddi, Mem. dell' Accademia di Modena. 1866. Vil, 29-46, 




121 



Francesco Petrarca (1304 — 1374) steht neben Dante als der 
größte Lyriker Italiens. Petrarca ist eine Abänderung von Petracco, 
dem Namen seines Vaters, der soviel wie „Peterchen" bedeulet. Der 
älteste bekannte Vorfahr ist sein Urgroßvater Oarzo (ahd. Oaro, 
Oarizo, nhd. Oarfze), der In Incisa lebte und 104 Jahre alt wurde. 
Passerini nennt ihn Ser Garzo, was auf den Beruf eines Notars hin- 
weist.') Die Mutter Petrarcas ist wahrscheinlich NIcolosa, die Tochter 
von Vannis Cini Sigoii. Sigoli leitet sich ab von ahd. Sigo, Sigüo, 
nhd. Siegel. 

G. Koerting beschreibt auf Grund der Nachrichten, die von 
Bocaccio, Vlllani, Sicco und anderen überliefert sind, den physischen 
Typus des Dichters in folgender Weise: „Petrarca durfte Anspruch 
darauf erheben, für einen schönen Mann zu gelten, und war sich in 
seiner Jugend dessen auch bewußt. Er war hoch gewachsen, und 
in der Jugend war seine Gestalt schlank, während sie im Alter 
freilich einer zu großen Leibesstärke zuneigte. Der Ausdruck seines 
Gesichtes war heiter, ohne doch der Würde zu entbehren, sein Blick 
lebhaft, durchdringend und doch mild, seine Stimme aber so klangvoll 
und bezaubernd, daß, wer nur einmal ein Gespräch mit ihm begonnen 
halte, es gern weiter spann, nur um ihn reden zu hören. Die Farbe 
seiner Haut war hell und zart, ohne doch eines dem Manne wohl 
ansiehenden Anflugs von Bräune zu ermangeln. Nur das Haar 
kontrastierte mit der stattlichen und frischen Erscheinung, es war in 
früher Jugend, fast zur selben Zeit, als der Bart zu sprossen begann, 
bereits ergraut."") 

Unzweifelhaft beglaubigte Bildnisse des Dichters sind nicht mehr 
vorhanden, wenn auch zahlreiche als solche angegeben werden. Bei 
der großen Unsicherheit der Tradition kommen für unsere Zwecke nur 
drei Darstellungen in Betracht, Am meisten ist das Bild beglaubigt, 
das im Palazzo vescovado In Padua von Guariento gemalt wurde. 
Hier hat der Dichter eine gerade Nase, im Gegensatz zu jenen zweifel- 
haften Porträts, die ihm eine gebogene zuerteilen. Ist dieses Bildnis 
echt, so erhält auch das berühmte Porträt in der Biblioteca Laurentiana 
einen großen tkonographischen Wert, sowie ein anderes aus der 

•) Passerlni e Giuüni, Sommario delle 125 famiglie celcbri Toscane. 1862. 
**) O, Koerlfng. Pelrarcas Leben und Werke. 1878, S, 454. — Man vergleiche 
darüber bei A. Solerti, Lc vite di Dante, Pelraiea e Bocaccio. Die Lebensbeschrei- 
bungen des Dichters von Bocaccio, S. 239. von Pielro da Caslelletlo. S. 265, von 
Fiiippo Vülani, S. 275, Oiannozzo Manetti, S. 303, 



122 



Schule Giovanni Bellinis, das in der Oalleria Capilolina in Rom sich 
befindet. Das letztere weist durch seine altertümliche Art der Auffassung 
darauf hin, daß es die Kopie eines verloren gegangenen, alten Originals 
ist. Beide Bildnisse geben dem Dichter ebenfalls eine gerade Nase 
und gleichen auch sonst demjenigen in Padua, so daß wir mit großer 
Gewißheit annehmen können, dali sie uns die wahren Gesichtszüge 
Petrarcas überliefert haben. Was die Farbe der Augen anbetrifft, so 
ist darüber keine biographische Nachricht vorhanden. Auf den 
genannten Bildnissen sind die Augen in jenem hellen, graugelben 
Ton gemalt, der in der älteren Zeit (bis auf Fra Angellco) immer eine 
blaue Farbe angeben soll. Die Darstellung echter blaufarbener Augen 
tritt erst relativ spät in der italienischen Maierei auf. 

Giovanni Bocaccio (1313 — 1375) wurde zu Certaldo im Tal 
der Elsa geboren. Certaldo war ursprünglich ein germanisches Kastell, 
wie der Name schon verrät; er ist gleich Certowaldo, nhd. etwa 
Oertwald. An das Kastell schloß sich eine germanische Niederlassung, 
was sich aus den auffallend zahlreichen germanischen Familiennamen 
ergibt, die ich dort gefunden habe, wie Daddi, Zinkoni, Piccardi, 
Maccianti, Tani, Bernini, Brizzi, Mori. Bocaccios Stammbaum kann 
bis auf seinen Urgroßvater Bonajuto. der Grundbesitz bei Certaldo 
besaß, verfolgt werden. Die Familie, deren Haus heute noch zu sehen 
ist, zog später nach Florenz, ohne den Besitz in Certaldo aufzugeben. 
Der Name Boccaccio ist germanischer Herkunft, und von Bocco 
(= Bock, Bueck), Boccazzo abzuleiten, das heute noch in der Form 
von Buchatz vorkommt. iJber seine Mutter ist nichts bekannt. Er 
war augenscheinlich ein außereheliches Kind, was vielen Literatur- 
Historikern ein Greuel zu sein scheint, da sie sich große aber 
vergebliche Mühe geben, eine eheliche Mutter zu erfinden. Ph. Villani 
berichtet, das Bocaccios Gestalt ein wenig beleibt, aber hoch- 
gewachsen gewesen sei; sein Gesicht war rund (offenbar fett- 
wangig), seine Nase über den Nasenflügeln ein wenig eingedrückt, 
die Lippen etwas voll, sein Anblick heiter und freundlich. Authentische 
Bildnisse sind nicht mehr vorhanden. Aber es ist bezeichnend, daß 
alle Bildnisse aus späterer Zeit dem Dichter blaue Augen zuerteilen, 
worin eine Tradition nach älteren Vorbildern nachwirken mag.') 

♦) E. Schaeffer (Das Florenlrner Bildnis. 1904. S. 204) hält zwei Figuren auf 
den Fresken des Ofcagna in S, M. Novella für Petrarca und Bocaccio, In der Tat 
kann die lelitere Figur mit der Beschreibung des Villani in Uebe reinst immung 
gebracht werden. Aber die andere Figui mit dem fast pathologisch zurückstehenden 




— 123 — 

Luigi Pulci {1431 — 1487) entstammte einer der edelsten Familien 
von Florenz, deren Namen wohl von ahd. Buto, Pulo, Pulico abzuleiten 
ist, wofür auch die in Italien sonst vorkommende Form Buligo 
(nhd. Pullig) spricht. Seine Mutter war Brigida aus der Familie der 
Bardi (= Brigitte Barth). Sein Porträt hat Filippino Lippi in der 
Brancacci-Kapeile angebracht, aber wie A. Warburg meint, ist dieses 
Bildnis wahrscheinlich erst nach seinem Tode und nach einer Toten- 
maske angefertigt. Er hält ein anderes für das Porträt Pulcis, das sich 
auf den Fresken Ohirlandajos in S. Trinitä befinden soll.*) Eine gewisse 
Ähnlichkeit zwischen den beiden Bildern ist zweifeltos vorhanden; es 
zeigt eine vorspringende Nase, braunes Haar und hell-rosigen Teint; 
die Augenfarbe ist nicht zu erkennen. Aber bei der Unsicherheit der 
Diagnose möchte ich keine anthropologischen Schlüsse daraus ziehen. 

Matteo Bojardo {1434 — 14g4). — Die Bojardi (ahd. = Bajohardi) 
entstammten wahrscheinlich den Bianchi di Lunigiana (= Blank), 
die im zwölften Jahrhundert das Kastell von Panzano bei Carpi als 
Feudalbesitz inne hatten; die Muller des Dichters war eine Lucia Strozzi 
{= Strotz).") Wie Name, Feudalität und die in den älteren Generationen 
zahlreich vorkommenden Vornamen (Ruggero, Guido, Uguccione usw.) 
erweisen, war die Familie germanischen Ursprungs. Ein Porträt des 
Dichters befindet sich in der Gallerie zu Modena, wo er braune Haare, 
blaue Augen, rosigen Teint und blonden Bart zeigt. 

Giacomo Sannazaro (1458 — 1530). — Die Sannazaro sollen 
vom spanischen Adel ihren Ursprung genommen haben. Ein Zweig der 
Familie ließ sich in Oberitalien bei Lomellina nieder und bewohnte 
das Castello di San Nazzaro, woher sie ihren Namen führen. Später 
zogen sie nach Neapel, wo sie unter den Adel aufgenommen wurden. 
Die spanische Herkunft der Familie ist indes sehr zweifelhaft; der 
Dichter selbst war der Meinung, daß sie vielmehr in Oberitalien ihren 
Ursprung hatte. Sannazaro war von über mittelgroßer Oesfall und 
starkem Oliederbau."*) Raffael brachte sein Bildnis in ganzer Figur im 
„Parnaß" in den Stanzen des Vatikan an. Danach war er von hoher 



Kinn, der gerade aulstrebenden Stirn, der vorgebauten Habichlsnase kann unmöglich 
Petrarca sein, da sie den am beslen beglaubigten Bildern und auch der Nacliricht 
widerspricht, daß Petrarca ein schöner Mann gewesen sei. ist diese Figur aber 
nicht Petrarca, dann kann die andere auch nich( Bocaccio darstellen. 

•) A. Warburg, Bildniskunsl und Florentiner Bürgertum. 1901. S. 16, 

■•) N. Campanini, Stndi su M. M. Bojardo, 1894, S. 4. 

•") Fr. Colangelo, ViU di Oiacomo Sannazaro. 1819. S. 94. 



124 



Statur, sein Gesicht schmal, die Nase lang und leicht gebogen, die Augen 
hellblau. Die Haare sind ergraut, wie auf dem Bilde im Passaggio 
der Uffizien, das offenbar eine Kopie des ersteren ist. Das Bildnis, 
das Vasari im „Einzug in Florenz" (Palazzo vecchio) anbrachte, läßt 
dagegen blonde Haare erkennen. 

Bernardo Dovizi (1470—1520), wurde nach seinem Geburts- 
orte auch Bibbiena genannt. Dovizi ist von ahd. Davo, Dauvo 
(nhd. = Dowe) abzuleiten. Es gibt mehrere Bildnisse von ihm, von 
denen das berühmteste von der Hand Raffaets ist. Eine gute Kopie 
sieht man in der Qallerie Pilti, wo er germanische Gesichtszüge, blond- 
rötliche Haare und blaue Augen zeigt. Auch in dem Bildnis des 
Vasari im Palazzo vecchio im Konsistorium, das Leo X. anbrachte, hat 
er deutlich blonde Haare. 

Lodovico Ariosto (1474—1533) entsprang einer Familie, deren 
Name nach einem Landstrich bei Bologna „Da Rioslo" lautete, der 
später in Ariosto umgewandelt wurde. Als Stammvater gilt ein Alberto, 
dessen Söhne Gherardo und Ugo (= Hugo) hießen, von denen der 
letztere im Jahre 115Ö in Bologna Konsul war. Die Kinder des Ugo 
hießen Alberghetto, Adelasra, Lodovico, Aldrovandino, Obizzo und 
Niccolö. Diese in den älteren Generationen vorkommenden Namen 
weisen auf einen germanischen Ursprung der Familie hin.') Ariosto 
halte eine hohe Körpergestall, schwarzes, lockiges Haar, lebhafte, 
aber angenehme schwarze Augen. Die Nase war groß und adler- 
förmig gebogen, die Wangen waren mager und gebräunt, aber 
am übrigen Körper war die Haut äußerst weiß.") Wir haben in 
Arioslo einen Mischling zu sehen, dessen Skelett, Kopf- und 
Oesichtsform, sowie helle Haut der nordischen Rasse angehört, 
während Haare und Augen das dunkle Pigment der brünetten Rasse 
aufweisen. 

Baldassare Castigüone (1478 — 1529). — Sein Vater war der 
berühmte Condottiere Cristoforo Casliglioni, seine Mutter Luigi di 
Antonio Gonzaga (ahd. Gonzaeg). Die Casliglioni stammten von 
einem Corrado (^ Konrad), einem Sohn des Grafen Berengar, der 
den Namen Castiglione nach einem Kastell bei Seprio führte. Nach 
seinem Bildnis im Palazzo Corsini in Rom zu urteilen, hatte er dunkel- 
blond-rötliches Haar und blaue Augen. 



•) Ponipeo Lilta. Famrglie celebri ilaliane, Bd. Vit. 
") Q. Baruffaldi, La vita di Lodovico Arioslo. 1807. S. 250. 




— 125 — 

Oiangiorgio Trissino (1478—1550) gehörte zu einer Familie, 
die von alters her wegen ihres Adels, ihres Reichtums und ihrer 
Tapferkeit berühmt war und von Miglioranza, einem tapferen Kriegs- 
mann zu den Zeiten des Ezzelino da Romano, abstammte. Die Trissini 
besaßen in Vincenza große Paläste mit Bollwerken und Türmen, — 
eine germanische Feudalfamilie mit kaiserlicher Investitur. Trissino 
hatte eine auf^^erichtete Statur und war von sehr schöner Gestalt, wie 
die Zeitgenossen berichten. Das lange lockige Haar war blond, der Bart 
goldfarben und die Augen blau und leuchtend. ) In der Universitäts- 
Bibliothek zu Bologna befindet sich ein schönes, wenig bekanntes 
Bildnis des Dichters. 

Matteo Bandello (1480—1561) ist der einzige unter den 
Italienern, der sich einer gotischen Abstammung rühmt. Er leitet den 
Ursprung seiner Familie von einem Goten Velamir ab, von dessen 
Sohn Bandelchil die Bandelli ihren Ursprung genommen haben sollen. 
Bandello --^ ahd. Bando, Bandilo, nhd. Bändel, Bandeil.* ^) Über seinen 
physischen Typus habe ich nichts feststellen können. 

Francesco Berni (1490—1536) wurde geboren zu Lamporecchio 
(= Lamprecht) in Toscana und entstammte einer verarmten Adels- 
familie, die sich ursprünglich dei Pucci (--= Butz, Pütz) nannte und 
deren Stammvater ein Guido di Puccio war. Von ihm stammte ein 
Bernarba ab, dessen Name in Berna verkürzt wurde, das schließlich 
in den Familiennamen Berni überging. Seine Mutter war eine Isabella 
Baldi (= Bälde). Er hatte eine hohe Gestalt, eine große Nase und 
blaue Augen, wie aus einer eigenen Beschreibung seines körperlichen 
Aussehens hervorgeht. 

Di persona cra grande, niagru c scliietlo, 
Liinj^lie c sotlil Ic gambe forte aveva. 
F.'I iiaso grande, e 'I viso lar^^o, e stretto 
l.o spa/io clie le ciglia divideva. 
('oneavo Toccliio aveva, a/7.urro e netto, 
l.a baii->a folia quasi il nascondera, 
Se I'avesse portata; ma il padrone 
Aveva eon la barba aspra «.|iiestl(jne.** ) 

Pietro Aretino (14U2 1556) gehörte (nach L. Passerini) der 
Familie Bacci (= Bazzi, Batz) in Arezzo an, die von den Langobarden 






•) B. Morsolini, Giangiorgio Trissini. 1878. S. 2. 
) La prima parte delle novellc del Bandello. 1791. 11, S. 159. 
) A. Virgili, Francesco Berni. Con documenti. 1885. S. 23. 



126 



in SasseÜo abslammten, einem kleinen Kastell bei Capolone. Wie 
seine Bildnisse zeigen (in den Uffizien, im Museum zu Arezzo), hatte 
er blaue Augen, eine lange Nase, aber dunkle Haare und dunklen Bart. 

Luigi Alamanni (1495—1556). — Der Name Alaman, nhd. 
Ahlemann oder Ahlmann, ist besonders bei den Langobarden 
gebräuchlich gewesen. Die Familie stammt wahrscheinlich von einem 
Rainerio {= Rainer), der um das Jahr 1000 lebte.') Auf einem Bildnis 
im Passaggio der Uffizien hat er blaue Augen, schmale Adlernase, 
ein Gesicht, demjenigen Leonardos nicht unähnlich. Die Haare sind 
ergraut und lassen die ursprüngliche Farbe nicht mehr erkennen, aber 
der Bart ist ursprünglich blond-rötlich gewesen. 

Giovanni Battista Guarino (1537 — 1612) war ein Enkel des 
berühmten Humanisten Guarino. Ein Bildnis in Kupferstich läßt die 
Gesichtszüge der nordischen Rasse erkennen. Biographische Nach- 
richten über sein Äußeres fehlen. 

Torquato Tasso (1544 — 1595). — Die Tassi waren eine hoch- 
angesehene Familie in Bergamo und stammten aus dem edlen Geschlecht 
der Torreggiani, die hohen burgundischen Ursprungs waren und die 
Herrschaft von Valsassina besaßen. Sein Vater trat in die Dienste des 
Fürsten von Salerno, wo Torquato geboren wurde. Tasso ist ein alt- 
deutscher Name, der im nhd. Tasso oder Dasse lautet und von dem 
das bekannte Tassilo nhd. Dassel sich ableitet. Seine Mutter Porzia 
de' Rossi (ahd. Hruozzo) stammte ebenfalls aus einer edlen Familie, 
die ehemals in Pistoja ihren Sitz hatte. 

Über die äußere Gestalt Tassos sind wir durch zeitgenössische 
Schriftsteller genau unterrichtet. Er hatte eine hohe Statur, so daß 
man ihn, wie Manso berichtet, zu den größten und bestproportionierten 
Menschen rechnen konnte. Die Gesichtsfarbe war weiß, später infolge 
von Krankheit und Überarbeit bleich. Die Farbe der Haare und des 
Bartes war „mitten zwischen braun und blond", so daß wir ein 
mittleres Blond annehmen können; die Stirn hoch und breit, die Nase 
groß, die Augen himmelblau und glänzend.**) 

Von den Porträts, die auf uns gekommen sind, ist wohl das 
ähnlichste dasjenige in den Uffizien, das dem Alessandro Allori 
zugeschrieben wird und das ihn in einem abgemagerten und leidenden 

*) Passerini e Qiulini, Sommario delle 125 famiglie Toscane. 1862. 
•') Q. B. Manso, Vita die Torqualo Tasso. 1621. S. 136. — Femer Guido 

Casonis Lebensbeschreibung in Qerusalemmc liberala, Venezia. 1625. 




— 127 — 

Zustande darstellt. Auf diesem Bilde hat der Bart eine hellere Farbe 
als das Haupthaar.*) 

Alessandro Tassoni (1565 — 1635), geboren in Modena aus 
der altadeligen Familie der Tassoni (Tasso ^^ Tasse), die lange Jahr- 
hunderte in Modena gewohnt hatte und deren ältester bekannter 
Vorfahr Bonavere de' Tassoni 1306 in den Bürgerlisten der Stadt 
erwähnt wird. Nach Muratori war er blondhaarig, der Teint weiß, die 
Augen lebhaft, und zwar nach einem in der Oallerie zu Cesena 
befindlichen Porträt zu urteilen, von blauer Farbe.**) 

A. Fr. Orazzini (1503 — 1584). — Die Familie Grazzini nannte 
sich auch da Stcggia, nach einem Kastell in Valdelsa, das sie nebst 
großen Landgütern besaß. Sie wird nach O. Villani schon im Jahre 
1170 erwähnt, und nahm ihren Namen nach einem Grazzino an, 
der in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhundorts lebte.***) Ein 
Bildnis des Orazzini befindet sich im Wappensaal der Academia della 
Crusca. Er hatte eine helle Haut, schmale gerade Nase, braune 
Haare, hellen Bart und hellgraue Augen, die wohl ursprünglich blau 
gewesen sind, da das ganze Bild in matten, fast verloschenen Farben 
gehalten ist. Orazzini von ahd. Orazzo, Orazzolus. 

Fulvio Testi (15Q3 1646) hatte nach seinem Bildnis in der 
Pinakothek zu Modena braune Haare, blonden Bart, blaue Augen, 
rosigen Teint. 

Vincenzo da Filicaja (1642—1707) stammte aus einer alten, 
vornehmen Familie in Florenz.f) Nach seinem Porträt in der Academia 
della Crusca zu urteilen, hatte er blaue Augen, weißen, rosigen Teint, 
lange Nase, blonde Haare, rötliche Augenbrauen. 

Pietro Trapassi (1698 -1782), meist unter dem Namen Metastasio 
bekannt, wurde in Rom geboren, aber sein Vater stammte aus Assis! 
und seine Mutter Francesca Oalasti aus Bologna. Er hatte mittlere 
Körpergröße, rosigen Teint, namentlich rühmt der Biograph die rote 
blühende Farbe der Wangen ff), und wenn ich nach einer Glas- 
Miniatur im Museo in Pavia urteilen darf, waren seine Augen blau. 

*) Über die Porträts Tassos vergleiche man A. Sf>lerti, Vita di Tortiuato 
Tasso. Vol. III. 

*) L A. Muratori, Vita di A. Tassoni. S. 76. 

*) Pietro Fanfani, Vita del Lasca in Le Gene cd altre Prose di A. Grazzini. 
1857. S. 7. 

t) O. Caponi, Vincenzo da Filicaja. 1901. S. 23. 
tt) M. A. Luigi, Storia deir abate Pietro Trapassi. 1733. S. 163. 






Carlo Ooldoni (1707-1793) wurde in Venedig geboren, doch 
stammten seine Vorfahren aus Modena. Nach seinem Porträt im 
Musco civico zu Venedig zu urleilen, hatte er die Gesichtsbildung 
der germanischen Rasse, helle, rosige Haut, aber braune Augen, 
die er von seiner Mutter, einer anmutigen und brünetten Person, 
geerbt zu haben scheint. — Goldoni ist ein bekannter alt« 
deutscher Name. 



Zwölftes Kapitel. 

Die Musiker. 



j/ie antike Musik ist in der Form gottesdienstlicher Gesänge 
' durch die katholische Kirche teilweise in lebendiger Über- 
lieferung erhallen worden. In Rom gab es Sängerschulen, 
scholae caniorum, die noch im zehnten Jahrhundert, wie 
man aus Luilprands Schriften ersehen kann, in Blüte standen. Ob 
aber in den vorhergehenden Jahrhunderten eine lückenlose Tradition 
höherer Musik fortwirkte, ist sehr zweifelhaft. Auch auf diesem Felde 
geistiger Betätigung mußte eine frische Naturkraft in die Erscheinung 
treten, um neue Ausdrucksmittel und neue Ideen zu schaffen. Diese 
Naturkraft war die germanische Rasse. 

Von Rom aus wurden Lehrer in die germanischen Länder 
geschickt, deren Wirken so erfolgreich war, daß die Schüler bald die 
Lehrer übertrafen. Die künstlerische Ausbildung der Kirchenmusik 
wurde in Deutschland besonders durch Rhabanus Maurus, Abt in 
Fulda {813), gefördert. Auch lernte man schon im neunten Jahrhundert 
Instrumente anfertigen, so daß Papst Johann VIII. (872-880) von 
Bischof Hanno in Freising eine gute Orgel und einen Künstler erbat, 
der sie in Stand halten und spielen könne. 

Der Mönch Hucbald von St. Armand in Flandern berichtet 
über die damaligen Versuche in der mehrstimmigen Musik und führte 
selbst den Gebrauch der Notenlinien ein. Zu gleicher Zeit vervoll- 
kommnete in flauen der Mönch Guido von Arezzo (zehntes Jahr- 
hundert) die musikalischen Methoden, so daß von ihm eine neue 
Epoche in der Geschichte der Musik datiert. Über das körperliche 
Aussehen des Guido ist nichts bekannt, auch gibt es kein echtes 
Bildnis, wie Kiesewetter gezeigt hat.*) Doch dürfen wir mit großer 



*) R. O, Kiesewetter. Guido von Areao, Sein Leben und sein Wirken. 1840. 



— 130 



Wahrscheinlichkeil annehmen, daß in so früher Zeit der germanische 
Name auch germanische Abstammung anzeigt. 

Während bis dahin Italien die Lehrerin der Völker in der 
Musik gewesen war, wurde es vom elften Jahrhundert ab von den 
nordischen Ländern, England, Frankreich und Deutschland, überflügelt, 
indem hier die Mehrstimmigkeit erfunden und die Instrumentalmusik 
vervollkommnet wurde. Besonders sind Franco von Köln, Franco von 
Paris und Marchetto von Padua zu nennen, Zu einer höheren Ent- 
wickelung gelangte die italienische Musik erst gegen Ende des fünf- 
zehnten Jahrhunderts, und zwar gingen die Anregungen von den 
Niederländern aus. Ouilelmus Dufay (1380 — 1432) brachte die ersten 
im Kontrapunkt geschriebenen Musikstücke nach Rom und war Kapell- 
meister in der päpstlichen Kapelle. In Venedig wirkte Bernhard der 
Deutsche. Im fünfzehnten Jahrhundert gab es in Neapel eine Musik- 
schule, an welcher die Niederländer J. Tinctorius, Guileimus Guarnerii 
und Bernardo Hycaert lehrten. Hadrian Willaert war der Stifter der 
venezianischen Schule. Den größten Einfluß übten aber Ooudimel 
aus Burgund und Roland de Lätres (Orlando Lasso) aus. 

Giovanni Palestrina (1526—1594) ging aus der Schule des 
Goudimel hervor. Er hieß eigentlich Giovanni Pierluigi, so daß 
Pierluigi sein wahrer Familienname ist. Seine Mutler war Maria 
Gismondi {= Sigismund).') Cametti beschreibt sein Äußeres auf Grund 
von Porträtstudien daliin, daß Augen, Haare und Bart braun waren. 
Von den Bildnissen habe ich dasjenige in der Sängerschule von 
S. Pietro in Valicano und ein anderes im Gemeindehaus von Palestrina 
gesehen. Danach hatte er ein wohlgebildetes, längliches Gesicht mit 
einer großen, leicht gebogenen Nase und einen rosigen Teint. Sind die 
biographischen Nachrichten über Giovanni Palestrina an sich schon sehr 
spärlich, so fehlen Notizen über seinen körperlichen Typus ganz und gar. 
Soweit wir nach den Porträts urteilen können, ist er wohl als Mischling 
zwischen der nordischen und mediterranen Rasse aufzufassen. 

Claudio Merula (1533 — 1604). — Sein Familienname lautete 
eigentlich Merlolti (ahd. Merilo, Merlo). Nach seinem Bildnis im Liceo 
musicale in Bologna hatte er germanische Gesichtszüge, seine Augen 
waren blau, Haar und Bart dunkelbraun. 

Jacopo Peri (1561—1633). — Die Perl waren eine altadelige 
Familie in Florenz, deren Name dem ahd. Bero, Pero, nhd. Bär, Sehr 



') O, Camclli, Centii biografici di Oiovanni Pierluigi Palestr 




— 131 



entspricht. Wie ein Zeitgenosse berichtet, war er von schöner Gestalt 
und die Farbe seines Haares „zwischen blond und rot".*) Corazzini 
hat in den Verhandlungen des Florentiner Musikalischen Instituts ein 
Bildnis veröffentlicht, das ihn in der Figur des Arion darstellt. Danach 
muß er von großer, hagerer Gestalt gewesen sein. 

Claudio Monteverdi (1567—1643). - Von Monteverdl sind 
mir weder biographische Notizen über sein körperliches Aussehen, 
noch farbige Bildnisse bekannt. Es gibt wohl nur ein einziges 
Bildnis in Kupferstich, das offenbar aus Monteverdis letzten Lebens- 
jahren stammt. Nach E. Vogel stellt es ein energisches, geistvolles, 
aber unschönes Gesicht dar; eine hohe, gewölbte Stirn, mittelgroße 
Augen, kräftige, stark gebogene Nase, magere eingefallene Backen und 
spitzes Kinn. 

Girolamo Frescobaldi (1583—1644). — Frescobaldi ist ein 
ahd. Name. Nach seinem Bildnis im Liceo musicale zu Bologna ttatte 
er dunkelblond-rötliche Haare, hellblonden Bart, blaue Augen, eine 
lange, schmale und gebogene Nase. 

Arcangelo Corelli (1653 — 1713). Coreili ist wohl mit dem 
ahd. Corillus verwandt, das von Jordanes als der Name eines Ooten- 
königs angeführt wird. Mir ist nur ein Bildnis bekannt, das Fayolle in 
seiner Biographie wiedergibt, wo er ein wohlgebildetes Gesicht mit den 
Zügen der nordischen Rasse zeigt. Haar- und Augenfarbe ist unbekannt. 

Alessandro Scarlatti (1659-1725). — Nach seinem Porträt 
im Liceo musicale zu Bologna war sein Gesicht oval, die Haut rosig, 
die Farbe der Augen blau. 

Francesco Gasparini (1668—1737). — Von Dr. Wilser wurde 
ich darauf aufmerksam gemacht, daß Gasparo ein ahd. Name ist. Dafür 
spricht auch die Schreibweise Ouaspari und die Form Gaspard. Man 
findet Gasparo in den altdeutschen Namenbüchern nicht verzeichnet, 
da die Germanisten es offenbar für unmöglich gehalten haben, daß 
ein Name, der in der Legende einem der drei heiligen Könige bei- 
gelegt wird, germanischen Ursprungs sein könnte. Über Gasparini 
finde ich in meinen Notizen nur, daß er nach seinem Bildnis im Liceo 
musicale in Bologna blaue Augen hatte. 

Niccolä Porpora (1685 1765). - Sein Bildnis in Bologna zeigt 
ein langes, schmales Gesicht mit hellbraunen Augen und rosigem Teint. 

*) G. O. Corazzini, Jacopo Pen c la sua famiglia, Atli dell' Academia del 
K. Islitulo musicale di Firenze. XXXtll, S. 33. 



132 



Francesco Duranle {\fif>j-\7^). — Durante, Durand ist ein 
abd. Name. Sein Bildnis im Liceo musicale in Bologna lIBt germa- 
nische OesicIilszQge und blaue Augen erkennen. 

Oiov. Balt. Pergolese (1710—1736). ~ Sein Biograph benchlel, 
daß er von angenehmem Äußeren war, große, lebhafte Augen, hohe 
Stirn und adlerfdrmige Nase hatte.*) 

NIccolö Jomelli (1714 1774). — Nach dem Beridite von 
Burney war er von hoher und korpulenter Statur. Er soll Händel 
sehr Ähnlich gewesen sein, der eine ungemein große und stämmige 
Oestall hatte.**) Nach seinem Bildnis in Bologna waren seine Augen 
blau und die Gesichtszüge diejenigen der germanischen Rasse. Jorndü 
leitet sich ab vom ahd. Oomo, Jomo, wie Jomard, Oomo, Gomell. 

Giovanni I'aisiello (1741—1816). — Sein Biograph schreibt, 
daß seine Statur etwas Kolossales, Großes, Imponierendes und rasch 
Hervorfretcndes hatte. Sein Haar war schwarz.***) Wie sein Bildnis 
In Bologna zeigt, hatte er hellblaue Augen und rosigen Teint. 

Unter den Geigenbauern Italiens ragen drei Familien aus Cremona 
hervor, die Amatr, Guarneri und Slradivari. Amati kann, wie schon 
früher gezeigt wurde, sehr wohl ein altdeutscher Name sein, wie 
Aniatias, Amad-hildis. Guarneri ist Werner. Die Stradivari waren 
eine alte Palrizlerfamilie, aus welcher Decurlonen und Senatoren hervor- 
gingen. Ihr ältester Vorfahr ist Oltolinus SIradivarius, der 1127 als 
Senator patriae erwähnt wird. Die Familie wird in älteren Urkunden 
auch Stradivcra und Stradivertus genannt. Die Annahme eines italie- 
nischen Gelehrten, daß der Name sich von „strada averta" (= strada 
iperta) ableite, ist ebenso komisch wie die Deutung von Buonarrott 
als „Gutes Rad". Stradivari, Slradiverti oder Stradari ist vielmehr ein 
niclit seltener altdeutscher Name, der mit Sigiwar, Tagawar oder mit 
Madrevcrt, Qodrevert, Grasevert usw. in Analogie zu bringen ist. 
Der berühmteste Geigenbauer ist Antonio Stradivari (1644 — 1727), 
von dem berichtet wird, daß er von hoher und hagerer Statur 
gewesen ist.f) 

•> L CIrelll, PcrKolese, Ccnno biografico. 1877. S. 12. 
") I'iclm Alfierl, NotWc biogr. di N. Jomelli. 1845. S. 2. 
*") J, P. AmoM. Oiovfttinl PjilsieMo. 1810. S. AO. 
t) F. J. Fi!H», Antoine Stndiviri liilhier «lebre. 1856. S. 76. 



Dreizehntes Kapitel. 

Das neue Italien. 

(1750-1850.) 



jjtwa um 1750 beginnt eine neue Epoche der politischen 
und geistigen Geschichte in Italien, die zur langersehnten 
I politischen Einheit und Unabhängigkeit führte und in ihrer 
' kulturellen Bedeutung teilweise heute noch in fortschreitender 
Entwicklung begriffen ist. In dem Zeitraum von 1750—1850, der hier 
zu behandeln ist, hat das italienische Volk eine große Zahl hervor- 
ragender Männer hervorgebracht, namentlich Vertreter der Poesie, 
Wissenschaft und Politik, während die bildende Kunst nur wenig 
bedeutende Talente aufzuweisen hat. Es scheint, als ob die außer- 
ordentliche Anspannung der Künstlertalente in der Renaissance-Zeit 
diese Art von geistigen Anlagen der Rasse frühzeitig erschöpft hat. 

Das tierrschergeschlecht des neuen Italiens, das aus den Herzögen 
von Savoyen hervorgegangen ist, leitet seinen Ursprung von einem 
Umberto (— Humbert) ab, mit dem Beinamen „delle blanche mani", der 
1003 als Graf erwähnt wird, und dessen Vater Bervaldo (= Bärwald), 
wie eine Sage berichtet, von Witukind abstammen soll.*) 

Die politische Wiedergeburt Italiens ist vornehmlich der Tatkraft 
von zwei Männern zuzuschreiben, Camillo Benso di Cavour und 
Giuseppe Garibaldi. 

Giuseppe Garibaldi (1807—1882) war von mittlerer Statur, er 
hatte helles, rötlich-blondes Haar und ebensolchen Bart. Nach seinen 
Porträts in der Gallerie zu Palermo, im Museo nazionale in Neapel 
und im Museo civico zu Como halten seine Augen eine graue Misch- 



•) P. LitU, Famiglie celebri italiuii. Bd. V. 



134 — 



färbe, die bald mehr ins Blaue, bald mehr ins Braune sich änderie. 
Die Nase war schmal und gerade, der Teint rosig-weiß. Garibaldi 
ist das altdeutsche Garipalt. 

Camino Cavour (1810-1861). — Daß in den Adern Camillo 
Cavours germanisches Blut floß, ist schon durch H. von Treitschke 
hervorgehoben worden. Er schreibt: „Den Italiener verrät nur das 
Feuer des Auges; nach seiner hellen Haut, seinem blonden Haar ist er 
Nordländer. — Er ist geradezu stolz darauf, daß er dem Grenzvolke 
angehört, halb Romane und halb Oermane ist."') Diese Beschreibung 
wird durch die Porträts bestätigt, von denen dasjenige im Zimmer des 
Direktors der Uffizien in Florenz das schönste ist. Danach war auch 
sein Bart blond, die Nase schmal und adlerförmig gebogen. Auf den 
Bildnissen ist die Farbe der Augen nicht zu erkennen, da sie fast 
geschlossen sind. Auch ist in den Biographien nichts darüber gesagt. 
Nach einer brieflichen Mitteilung von Professor Zanichelli in Pisa, der 
sich bei Personen erkundigte, die ihn persönlich gekannt haben, hatte 
Cavour blaue Augen, die etwas ins Graue neigten. Doch ist es 
möglich, daß die Augen erst im Alter diese graue Nuance annahmen, 
da die betreffenden Personen ihn nur in den späten Jahren seines 
Lebens gekannt haben. Nach einer Familienüberlieferung war der 
Stammvater der Familie ein deutscher Richter namens Benz, der mit 
Barbarossa nach Italien gekommen war. Der Wahlspruch der Familie 
war deutsch: Gott will Recht! 

Giuseppe Mazzini (1805—1872) war klein von Gestalt, hatte 
schwarze Haare und braune Augen, das Gesicht war längüch-oval und 
die Nase aquilin,*') Während im Alter seine Haut bleich war, hatte 
er in jüngeren Jahren einen braunen Teint, der sich durch eine auf- 
fallende Frische auszeichnete, also jene Hautfarbe, die bei der Mischung 
zwischen der nordischen und brünetten Rasse entsteht.*") Seine 
kleine Gestalt ist vielleicht durch pathologisches Wachstum infolge 
Rachitis bedingt, da berichtet wird, daß er in den drei ersten Jahren 
seines Lebens immerfort krank gewesen. Der Name Mazzini ist von 
ahd. Mazzo (= Matz) herzuleiten. 

F. D. Guerrazzi (1805 — 1873) war von hoher Statur und wohl- 
proportioniertem Körperbau. Nach seinem Bildnis im Museo civico 
zu Livomo zu urteilen, hatte er braunes Haar, die Gesichtszüge des 

*) H. von Treilschke, Hislorisch-polilische Aufsätze. N. F. I. S, 349, 
") O. RossinF, Dell' ultima maiattia di G. MaKzitii. 1872. S. 6. 
•") J. Mario, Della vJta di O. Mazzini, 1886. S. 110. 




135 



nordischen Stammes und blaue Augen. Guerrazzi hat zum Stammwort 
ahd. Wera, Werazzo.*) 

Massimo d'Azeglio (1798 — 1866) hieß eigentlich Massimo 
Tapparelii, Marchese d'Azeglio, aus einer alladeligen piemontesischen 
Familie. Nach seinem Bildnis in der Brera zu Mailand halte er die 
Gesichtszüge der germanischen Rasse, rosig-weißen Teint, hellblaue 
Augen, blonden Schnurrbart, während das Haupthaar ergraut ist, aber noch 
die ursprüngliche blonde Farbe erkennen läßt. Den Namen Tapparelii 
möchte ich von Dabo, Tapo herleiten, der Kurzform von Dagoberto, 
von welcher im nhd. Namen wie Tappert, Tapken herkommen. 

Vitlorio Alfieri (1749 — 1803) entstammt einem uralten Grafen- 
geschlecht aus Asti. Alfieri ist ein bekannter altdeutscher Name, der 
von Alfo, Alfheri abzuleiten ist. Ein schönes Bildnis des Dichters, 
gemalt von F. X. Fabre, befindet sich in den Ulfizien. In einem 
Sonett hat der Dichter selbst seine Körpergestalt beschrieben: 

Sublime specdiio di veraci delli, 
Mostrami in corpo ed in anima quäl sono, 
Capelli or radi in fronte e rossi pretd*: 
Lunga statura e capo a terra protio, 
Sotlil persona in su duc stinchi schictli, 
Bianca pelle, occlii aznirri, aspello biiono; 
Qiiislo naso, bei labbro, e denti elelti, 
Pallido in vollo, piii ehe un re sul Irono; 
Or duro, acerbo. ora pieghevol'. milei 
Per lo piii tncsto, e talor lieto assai. 
Or slimandomi Achille, ed or Tersite: 
Uoffl, se' lu grande o vil? Muoi, il saprei. 

Die hohe Gestalt, der weiße Teint, die rötlich-blonden Locken, 
die blauen Augen, eine Physiognomie, die derjenigen Goethes nicht 
unähnlich ist, sowie adelige Herkunft und der altdeutsche Familien- 
name lassen seine germanische Abstammung und den reinen Typus 
dieser Rasse unverkennbar zutage treten. 

Vincenzo Monti (1754-1828). — Wie Betfoni berichtet, war 
er von hoher Gestalt. Seine Augen leuchteten in mildem Glanz und 
lebhaft zugleich.**) Nach seinem Bildnis von Appiani, das ich nur im 
Stich kenne, hatte er die Gesichtszüge der nordischen Rasse mit Adler- 
nase. Die Augen waren hell (vermutlich blau), die Augenbrauen schwarz; 
über die Farbe der Haare konnte ich nichts Sicheres eifahren. 

*) P. Oh. Molmenti. F. D. Ouerrawi, Studio crilico-biografico. S. 13. 
") N. Bettoni, Notizie sulla vila e Tigegno di Vincenzo Monti. 1S2Q. S. 29. 



136 



Ugo Foscolo (1777—1827), aus einer venezianischen Familie 
stammend, wurde auf Zante geboren. Von Foscolo sind mir zwei 
Bildnisse bekannt, das eine in der Brera und das andere im Zimmer 
des Direktors der Ulfizlen. Er war von mittlerer Gestalt, halte rötlich- 
blondes lockiges Haar und ebensolchen Bart, die Augen waren blau, 
der Teint hell. Foscolo ist ein langobardi scher Name, der zwar vom 
lateinischen fuscus sich herleitet, aber fuscus wurde sehr früh rezipiert 
und in den Namen Fosco umgewandelt, von dem Foscolo, Foscari, 
Fuscaldo und andere abgeleitet wurden. Der Dichter hat sich in einem 
Sonett selbst beschrieben: 

Solcalo ho fronte, occhi incavati, intentii 

Crin fulvo, em utile guancie, ardi'to aspetto, 

Labbro tumido, acceso, e tersi denli, 

Capo eliino, bei collo c largo petto, 

Giuslc membra, veslir semplice, elcllo, 

Ratti i passi. i petisier, gli alti. gli accetili: 

Sobrio, umano, leal prodigo, schietto, 

Avverso al mondo, avverso a me gli eventi. 

Talor di lingua, e spesso di man prode, 

Mesto i piii giorni e solo, ognor pensoso, 

Pronlo, iracondo, inquieto, tenace: 

Di vizi ricco e di virlü, do lode 

Atta ragion, tna corro ove al cor piace. 

Morte sol mi darä fama e riposo. 

Alessandro Manzoni (1784—1873) gehörte einer Grafenfamilie 
an, seine Mutter war eine Tochter des berühmten Beccaria. Manzoni 
ist ein alldeutscher Name (Manzo, Manzone, nhd. Mantz). Über den 
physischen Typus Manzonis sind wir genau unterrichtet. Er war 
über-mittelgroß (172,3 cm), hatte kasfanienfarbene Haare, blaue Augen 
und helle Haut. „Eigentümlich war es", sagt der Biograph aus eigener 
Anschauung, „wie die ganze Familie nach ihrer Haut, ihrem Teint und 
ihrer ganzen Leibesbeschaflenheit das Aussehen von Personen mit 
roten oder wenigstens blonden Haaren zeigte, so daß sie einen fast 
englischen Typus hatte." Augenscheinlich waren die lichtbraunen 
Haare in jüngeren Jahren blond, wie es in ähnlichen Fällen meist zu 
sein pflegt. Die Augen hatten eine himmelblaue Farbe, die ein wenig 
ins Grünliche neigte.*) Um diese Schilderung nach den Bildnissen zu 
vervollständigen, füge ich hinzu, daß die Stirn hoch, ein wenig fliehend, 
das Gesicht schmal und lang war und das Kinn hervorragte. . 

*) S. Stampa, Alessandro Manzoni. La sua famiglla, 1 suoi atnid, 1885. S.329. 




— 137 — 



Oiacomo Leopard! (1798—1837), Sproß eines allen Orafen- 
geschlechts zu Recanati, einem Ort in der langobardtschen Mark Ancona, 
der um das Jahr 1000 ein bedeutendes Kastell war. Des Dichters 
Vater hat eine „Istoria gentilizia della famiglia Leopardi" verfaßt, worin 
er nachweist, daß die Familie bis auf einen Attone (ahd. Hatlo, Atto) 
zurückgeht, der im zwölften Jahrhundert lebte. Die Familie besaß 
damals weite Landstrecken am Flusse Potenza. Der Name des Stamm- 
vaters, der Feudalbesitz, die germanischen Vornamen in der älteren 
Zeit, wie Mainetto, Qradolone, Tedelgardo, beweisen deutlich, daß 
wir es mit einer Familie langobardischen Ursprungs zu tun haben. 
Sie hatte sich mit anderen Familien in Recanati niedergelassen, 
das im zwölften Jahrhundert aus mehreren eng zusammenhängenden 
Kastellen bestand.') Diese vornehmen Familien, deren Paläste heute 
noch stehen, sind außer den Leopardi die Roberti, Anlici, Mazzagalli, 
Caradorl, Massucci. Leopardi ist identisch mit dem ahd. Leubared, 
Liuparat, Luipart und ist eine analoge Bildung von Leopoldo, Leonardo. 
Der Dichter war von mittlerer Gestalt und gebeugter Haltung. Seine 
Hautfarbe war weiß, die Augen waren blau, die Nase groß und vor- 
springend**), die Farbe der Haare kastanienbraun.*") 

Aleardo Aleardi (1812 — 1878) stammte aus einem Orafen- 
geschlecht in Verona, dessen Name Aleardi ahd. Adelardi lautet und 
ähnlich wie Alberto aus Adelberto entstanden ist. G. Daneo beschreibt 
ihn als einen Menschen von mittlerer Statur, mit dem Gesichtstypus 
der Napoleoniden, und großen, glänzenden Augen. f) Diese Schilderung 
wird vervollständig! durch ein lebensvolles Bildnis im Museo dvico 
zu Livorno: Die Haare waren dunkelblond, der Bart hellblond, die 
Augen blau und der Teint rosig. 

Cesare Beccaria (1738 — 1794), eigentlich Cesare Bonesano de 
Beccaria, stammte aus einer Marchesenfamilie, die im vierzehnten Jahr- 
hundert in Pavia und in Tredici Colli mächtig war. Biographische 
Notizen über sein körperliches Aussehen sind mir nicht bekannt, auch 
habe ich kein farbiges Bildnis studieren können. Nach seiner Büste 
in der Brera und nach einem gestochenen Bildnis in seiner Lebens- 
beschreibung von Villa hatte er die Gesichtszüge der germanischen 

•) C. Anton a-Traversi. Documenli e uoüz'k intomo alla (amiglia Leopardi. 1888, 
"} A. Ranieri. Seite anni di sodalizio con O. Leopardi. 1S80. S. 108. 
*'*) M. L Palrizi, Saggio psicho-antropologico su 0. Leopardi e la sua tamiglia. 
1896. S. 92. 

t) Q. Daneo, Aleardo Aleardi. 1879. S. 6. 



— 138 - 



Rasse mit einer edel geformlen, leicht gebogenen Nase. Die Familie 
Beccaria ist wohl langobardi sehen Ursprungs, und der Name Bonesano 
in Analogie mit ahd. Gomesano, Barisano zu setzen. 

Gaetano Filangieri (1752 — 1788). — Tuccel, der Vorfahr der 
Familie, war einer der vierzig berühmten Normannen, die im Anfang 
des elften Jahrhunderts nach Italien kamen. Sein Sohn Angerio war 
ein Kriegsgenosse Rogers, der ihn mit grolien Feudalgütern beschenkte. 
Nach ihm nannten sich seine Nachkommen „Söline des Angerio", 
Filii Angerii, woraus später Filangieri entstanden ist. Gaetano war 
von würdiger Schönheit und hoher, schlanker Gestalt.*) Von ihm 
sind mir drei Bildnisse bekannt, zwei im Museo civico und eins im 
Museo nazionale in Neapel. Das Bildnis von der Hand Morellis zeigt 
blaue Augen, rosige Haut, schmale, leicht gebogene Nase. Die Haare 
sind braun, aber in jüngeren Jahren waren sie hellblond, wie ein 
anderes Bildnis erkennen läßt, das ihn im sechsten Lebensjahr darslellL 

Antonio Rosmini {1 797 - 1 855) gehörte einem vornehmen 
adeligen Geschlecht an, dessen ältester bekannter Vorfahr sich 
Aresmino oder Erasmino (von ahd. Erasmo) nannte, der Sohn eines 
Pietro aus der Familie der Oprandi oder Aliprandi (= Aliprand). 
Des Aresmino Sohn hieß Gusmero (ahd. Gaudomer, Gausmer), von 
dessen Sohn Rosmino die Familie den Namen angenommen hat. 
Rosmino ist wohl Rasmino oder Resmino, eine Abkürzung aus Ares- 
mino. Ein lebensvolles Bildnis in der Brera (von Fr. Hayez) läßt 
erkennen, daß er ein schmales Gesicht, blaue Augen und rosigen 
Teint hatte. Der Biograph vorvollständigt dieses Bild dahin, daß er 
von mittlerer Gestalt war, daß die Farbe seiner Haare zum Schwarzen 
neigte, also wohl dunkelbraun, die Nase ein wenig gebogen war und 
das Kinn etwas hervorragte.") 

Terenzio Mamiani (1799—1885) entstammte einer Familie aus 
Parma, die 1584 vom Herzog von Urbino in den Grafenstand erhoben 
wurde. Mamiani war von grazilem Körperbau und mittlerer Statur. 
Er hatte eine aquiüne Nase, glänzende, graue Augen, blondes, lockiges 
Haar und rosiges Inkarnat.*") 

VincenzoOioberti (1801—1852).— In G. Massaris Nekrolog ist 
ein Bildnis enthalten, auf welchem er Gesichtszüge der germanischen 

*) D. Tommasi, Elogio storico del Cavaltere Filangieri. 1841. S. 3. 
") Fr. Paoli, Della vita di Anionio Rosmini. 1880. S. I und S. 8. 
"*) I>om. Oaspari, Vita dj Terenzio Mamiani della Rovere. 1S8S. S. 212. 




- 139 - 

Rasse zeigt. Wie ein Biograph berichtet, war er von männlicher 
Schönheil, er hatte eine hohe Statur und die Farbe seiner Haare war 
blond- rötlich oder wie es heißt, „zwischen blond und rot".*) — 
Oioberti, franz. Joubert, leitet sich von ahd. Htiguberto, Huberto ab. 

Gian Domenico Romagnosi (1761 — 1835). — C Cantii 
berichtet über ihn, dal! er von schönem Äußeren war und daß 
sein Kopf an denjenigen von Leonardo da Vinci erinnerte.") Mir 
sind von Romagnosi zwei, leider nicht farbige, Bildnisse belcannt, 
welche die Gesichtszüge der nordischen Rasse erkennen lassen, 
Cantiis Hinweis auf Leonardo legt die Vermutung nahe, daß er 
blondhaarig und blauäugig gewesen sein mag. 

Carlo Troya (1784-1858). — In der Academia delle belle arti 
In Florenz befindet sich sein Bildnis in ganzer Figur: Hohe Gestalt, 
germanische Qesichtsbildung, frischer, rosiger Teint, hellblaue Augen, 
weiße Haare. Er wurde in Neapel geboren, wo sein Vater ein 
berühmter Arzt war; seine Mutter hieß Anna Maria Marpacher, deren 
Name auf deutsche Herltunft schließen läßt."*) 

Cesare Balbo (1789-1853) entstammte einer alten gräflichen 
Feudalfamilie aus Chieri. Er war ziemlich klein von Statur und von 
zarler Konstitution. Er hatte eine lange, schmale, etwas hängende 
Nase, vorspringendes Kinn, so daß seine Gesichtszüge an diejenigen 
Dantes erinnerten. f) 

Aloisio Galvani (1737 1798). Der Name Oalvani, der im 
Mittelalter auch die Schreibweise Ghalghani, Oualvaneus. Oalvagno 
oder Walvani hat, ist zweifellos germanischen Ursprungs. In der 
Universiläts-Bibliothek zu Bologna befindet sich ein Bildnis, auf dem 
er blaue Augen, langes Gesicht und schmale, gerade Nase hat. 

Alessandro Volta (1745 — 1827), aus dem Grafengeschlecht der 
Volta, dessen Stammvater ein Ser Zaninus de Voltis war, der 1420 in 
Loveno bei Corno geboren wurde. ft) Seine Mutter stammte aus dem 
Orafengeschlecht der Inzaghi aus Como, dessen Name altdeutsch 
und in Analogie mit Barzaghi, Linzaghi und dergleichen aufzufassen 
ist. A. Volta hatte eine hohe Gestalt, ein ehrwürdiges Aussehen 



*) I contemporani ItalianJ, Vincenzo Gioberlt. \8fi2. S. 33. 
") Cesare Canlii, Gian Dom. Romagnosi. 1861. S. 73. 
"^ O. Trevisani, Brevi noiizie della vita di Carlo Tro>a. 185S. S. 68. 
t) E. Ricotli. Della vita e degli scrilli de! coiUe Cesare Balbo. 18M. S. 32t. 
tt) Raccolta Voltiana 1809, daselbst: Q. Oemelli, Oeneaiogia cd Arma genlilizia 
detl« famigUa Volta. 



140 



und blitzende, leuchtende Augen/) Im Museo civico zu Como 
gibt es zahlreiche Bildnisse von ihm, unter denen die lebensvolle 
Darstellung von A. Fussati rühmlich hervorragt. Rosige Haut, hell- 
blaue Augen, schmales Gesicht, schmale, gebogene Nase, die weiß 
werdenden Haare, die noch die ursprünglich rötlich -blonde Farbe 
erkennen lassen, dazu die hohe Gestalt, alle diese Merkmale lassen 
über seine Rassenabstammung keinen Zweifei aufkommen. 

Antonio Scarpa (1747—1832). — Der Name ist das ahd. Scarpa, 
nhd. Scharp, Scharf. Scarpa war von hoher imponierender Gestalt, 
sein Blick lebhaft, sein Gesicht voll Ernst und Würde.") Ich kenne 
nur ein Kupferstich-Bildnis, auf dem er ein langes, schmales Gesicht, 
eine schmale, große, leicht gebogene Nase zeigt, kurz, eine aus- 
gesprochen germanische Physiognomie hat. Er war geboren zu Motia 
in der Mark Treviso. Motta ist ahd. Moda, Mola. 

Amadeo Avogadro (1776-1856) stammte aus einem Orafen- 
geschleclit lombardischen Ursprungs, dessen Stammvater Gualonus de 
Advocalis im zwölften Jahrhundert große Feudalgüter besaß. Gualone 
ist ahd. Walo, Gualo. Über seinen physischen Typus habe ich nichts 
feststellen können. 

Andrea Appiani (1754 1817), der „Maler der Grazien" genannt, 
wurde aus einer edlen Familie zu Bosisio in der Brianza geboren, 
einem von den Langobarden besiedelten Landstrich nördlich von 
Mailand. Nach seinem Selbstporträt in den Uffizien hatte er ein schönes, 
wohlgebildetes Antlitz und blaue Augen. Die Haare sind auf diesem 
Bilde ergraut, 

Antonio Canova (1757—1822) hatte eine edle und ebenmäßige 
Gesichtsbildung, der Teint war rosig-weiß, oder, wie der Biograph 
poetisch sagt, „un misto di verecundia e di pallore". Nach seinen 
Selbstbildnissen waren die Augen blau, doch scheinen die Haare 
dunkel gewesen zu sein. 

Domenico Cimarosa (1749—1801) war nach seinem Bildnis 
im Museo di S. Martino in Neapel von mittlerer Statur, hatte hell- 
braune Augen und rosige Haut. 

Oasparo Spontini (1774— 1851). — Der Name Spontini ist von 
dem langobardischen Spento herzuleiten, auf das auch nhd. Namen 

•) T. Bianclii. Della vila del conte A. Volla. 1729. S. 95. 
") O. Tagliaferri, Mein, intomo la vita del Ant. Scarpa, in Opere compleli dl ' 
Scarpa. 1S37. I. S. 24. 




141 — 



wie Spendig, Spendert, Spendelin hinweisen. Spontini halle eine hohe 
Slalur, braune Augen und dunkle, zum Schwarzen neigende Haare.*) 

Oioach. Ant. Rossini {17Q2— 1868). — Rossini ist das ahd. 
Hrozzo, Hruozin. Er hatte eine hohe Gestalt und, nach seinem Porträt 
in dem Direktoren-Zimmer der Uffizien, blondes Haar, blaue Augen, 
helle Gesichtsfarbe, was durch ein anderes Bildnis im Liceo musJcale 
zu Bologna bestätigt wird. 

G. Donizetti (1798-1848). - Der Name Donizetli ist aus 
Dono und Zato oder Zelo zusammengesetzt, ähnlich wie nhd. Matzaf. 
Donizetti war von hoher Gestalt, seine Haare neigten ins Bräunliche, 
der Teint war rosig- weiß.'*) Wie seine Porträts zeigen, waren die 
Augen blau und der Bart heller als das Haupthaar. 

VincenzoBcllini(1802— 1835). -Der Name Bellini ist ahd. Belo, 
Balo, Belin. Nacli seinem Porträt im Liceo musicale in Bologna hatte 
er blondes lockiges Haar, blaue Augen, rosigen Teint und ebenmäßig 
und schön gebildete Gesiclilszüge. 

Giuseppe Verdi (1814-lQOl). — Verdi ist das atid. Werdo, 
nhd. Werth oder Weert. Seine Mutler hieß Luigia Utini (von ahd. 
Ulo, Udo, Utino). Wie ein Biograph berichtet, war er von hoher 
Gestalt. Er hatte eine große, gebogene, etwas hängende Nase, 
seine Augen waren blau-grau und veränderlich, die Farbe der Haare 
und des Bartes war dunkelbraun. Diese Notizen rühren von Personen 
her, die ihn gekannt haben, und stimmen mit seinen Bildnissen 
öberein, die man im Liceo musicale zu Bologna und im Museo 
Verdiano in Mailand findet. 

Saverio Mercadante (1797—1870) hatte nach seinem Bildnis 
im Museo nazionale zu Neapel blaue Augen und rosige Haut. Die 
Haare sind auf diesem Bilde ergraut-weiß. Von Gestalt war er klein. 

*) A. Moretli, Vila di Oasparo Sponlini. 1875. S. 30. 
") AlbcrgoliieOalli, OaelanoDonizelli, Noiizieedocunienli. 1875. S.43, 44,218. 



Ergebnisse und Betrachtungen. 



Jie anthropologische Geschichte [faliens seit Untergang des 
römischen Reichs und der Einwanderung der Germanen 
enthüllt einen tief eingreifenden Rassenwechsel im Organis- 
mus des italischen Volkes; sie eröffnet uns zugleich einen 
Einblick in die einheitliche ununterbrochene geistige Entwicklung der 
germanischen Rasse in Hallen von ihren ersten kulturellen Regungen 
bis zu jenen herrlichen Schöpfungen der Kunst und Wissenschaft, die 
von den genialen Abkömmlingen der kriegerischen „Barbaren" hervor- 
gebracht wurden. 

Als Roms Schicksal sich vollendet halte, waren die Vertreter der 
blonden und großgewachsenen Rasse in Italien ausgestorben; wohl 
mögen einige Elemente sich erhalten haben oder hin und wieder 
Rückschläge aufgetreten sein, aber diese haben im späteren Leben 
der italischen Nation kaum eine bedeutsame Rolle gespielt. Daher 
sind wir zu dem Schluß berechtigt, daß die großgewachsenen 
und blonden Menschen, die wir in der Kulturgeschichte 
Italiens auftreten sehen, Nachkömmlinge der eingewanderten 
Germanen sind. Dieser Schluß wird bekräftigt durch die allgemeine 
historische Forschung, die eine anthropologische Kontinuität zwischen 
der Einwanderung der Germanen und der nachfolgenden geistigen Ent- 
wicklung Italiens feststellt; durch die zahlreichen altdeutschen Familien- 
namen, die auf germanische Herkunft um so sicherer hinweisen, je früher 
sie auftreten; und schließlich durch die genealogischen Forschungen, 
welche die Abstammung der bedeutendsten Familien von Langobarden, 
Franken, Normannen, direkt nachweisen oder in anderen Fällen sehr 
wahrscheinlich machen. 

Auf Grund dieser Gesichtspunkte wurde die anthropolo^sche 
Genealogie, d. h. der körperliche Typus und die Abstammung der 200 
bedeutendsten Italiener möglichst genau und vollständig untersucht. 



143 



Bei den meisten gelang es, die wichtigsten anthropologischen Merk- 
male ganz oder fast ganz festzustellen, bei anderen wenigstens so 
weit zu erforschen, daß ihre Rassenzugehörigkeit, namentlich unter- 
stützt durcli genealogische Gesichtspunkte, mit einiger Sicherheit 
bestimmt werden konnte. Nur bei einer geringen Zahl fehlt das 
Unlersuchungsmaterial gänzlich oder war es bisher nicht zugänglich. 

Der physische Typus wurde nach Körpergröße, Kopfbildung, 
Farbe von Haut, Augen und Haar untersucht. Ein zahlenmäßiger 
Vergleich in bezug auf die Körpergröße kann nur schätzungsweise 
angegeben werden. Die überwiegende Mehrzahl ist groß und mittel- 
groß, nur eine geringe Zahl von kleiner Statur. Die große Gestalt 
verrät bei den dunkelpigmentierten, hochgewachsenen Menschen eine 
Mischung mit der nordischen Rasse; oft deutet hellere Haut, braunes 
oder in der Jugend helleres Haar auf diese Mischung hin. Die 
meisten dieser Individuen müssen als germanische Mischlinge auf- 
gefaßt werden, wenn es auch im Einzelfall nicht immer unzweifelhaft 
bewiesen werden kann. 

Was die Kopfbildung betrifft, so ist eine Statistik der Schädel- 
indices ohne diagnostischen Wert, da wir es in Italien mit zwei 
dolichocephalen Rassen zu tun haben, abgesehen davon, daß die Auf- 
stellung einer solchen Statistik wegen mangelnden Untersuchungs- 
materials nie möglich sein würde. Im einzelnen Falle hat es natürlich 
einen sehr großen Wert, die Kopfform festzustellen. So ist uns 
bekannt, daß Ohiberti, Dante, Raffae! einen dolichocephalen Schädel 
hatten. Bei anderen, wie bei Tizian und Leonardo, konnte aus dem 
Vergleich der Profil- und Frontal-Bildnisse festgestellt werden, daß ihr 
Schädel lang und schmal gewesen ist. Nur bei zweien, Verrocchio 
und Perugino, fanden wir einen breiten Kopf und eine dem alpinen 
Typus sich nähernde Gesichtsbildung, während die überwiegende Mehr- 
zahl eine der nordisch-germanischen Rasse angehörende Physiognomie 
aufweist. 

Nur von sehr wenigen wird berichtet, daß ihre Hautfarbe 
bräunlich gewesen sei. Fast alle haben eine weiße oder rosig-weiße 
Haut und zeigen dadurch ihre Zugehörigkeif zur weißen Rasse an, 
d. h. sie sind Glieder der nordischen Rasse oder Mischlinge, welche 
die helle Haut von ihr ererbt haben. 

Von 125 Individuen, deren Augenfarbe bekannt ist, haben 102 
blaue, blaugraue oder blaugrüne Augen und 18 braune oder braun- 
graue Augen; 5 haben ausgesprochene Mischaugen. Doch glaube ich, 



144 — 



daß die Zahl der blauen Augen viel größer ist, da blonde Gestalten, 
wie Perl, Oioberti, Cardanus, Cimabue, Olotto, Dante, ferner Spallanzant, 
Beccaria, MontI, Balbo, Scarpa usw. höchstwalirscheinlich blaue Augen 
gehabt haben. 

Hinsichtlich der Haarfarbe wurde festgestellt, daß 14 Personen 
schwarze, 26 Personen braune und 68 Personen blonde Haare haben. 
Dazu kommen noch einige Abstufungen der Haarfarbe, die in diese 
Kategorien nicht eingeordnet werden können. Es handelt sich um 
Individuen, die ich als halbbraune und halbblonde bezeichnen möchte, 
die z. B. schwarzes Haupthaar und braunen Bart, dunkles Haar und 
blonden Bart haben oder von denen berichtet wird, daß ihr Haar in 
der Jugend blond gewesen ist, aber im Alter dunkel wurde. 

In bezug auf die Rassenabstammung sind die zweihundert 
Genies, die hier in Betracht kommen, in mehrere Gruppen zu gliedern. 

1. Eine Anzahl von Genies, über deren Typus wir nichts oder 
zu wenig wissen, um ihre Rassenabstammung mit einiger Sicherheit 
feststellen zu können, ist von vorneherein aus der Gesamtzahl aus- 
zuscheiden. Hier gehören Marco Polo, Orcagna, Fra Bartolommeo, 
Filelfo, Pulci, Cabotto, J. B. Guarini und andere. 

2. Der physische Typus der Genies des frühen Mittelalters ist 
nicht bekannt. Doch können Männer, wie Paul Warnefrit, Luitprand, 
Lanfranc, Auselmus und andere, deren langobardischer Ursprung 
berichtet wird, unbedenklich der germanischen Rasse zugeschrieben 
werden. Auch dürfen wir, von den Ergebnissen dieser Untersuchungen 
zurückblickend, die frühesten Dichter, wie Sordello, Guido Guinicelli, 
Sperone, den Musiker Guido von Arezzo, ferner bildende Künstler, 
wie Buschettus, Rainaldus, Hildebrand, Niccolä Pisano, Arnolfo di 
Cambio usw., mit großer Wahrscheinlichkeit als langobardische 
Abkömmlinge betrachten. 

3. Von den übrigen 150 Genies sind etwa 130 ganz oder vor- 
wiegend der germanischen Rasse zuzuschreiben. Die übergroße Mehr- 
zahl unter ihnen hat alle Merkmale dieser Rasse unvermischt oder nahezu 
unvermischt. Die übrigen sind ihr nahestehende Mischlinge, bei denen 
eine leichte Verdunkelung des Pigments eingetreten ist. Diese sind in 
genealogisch-historischer Hinsicht zweifellos als Abkömmlinge der 
Germanen anzusehen, da die Grundorganisation ihres Typus sich erhalten 
hat und sie ohne die Einwanderung der Germanen in Italien überhaupt 
nicht existieren würden. Auch wenn keine echten blonden Haare 
mehr ihr Haupt zieren, werden sie in Italien selbst zum „tipo biondo" 



145 



gerechnet, da der lialiener mit feinem Instinkt ihre wesentliche Ver- 
schiedenheit von den brünetten Rassen und ihre Gleichheit mit der 
blonden Rasse herausfühlt. 

4. Etwa 20 Genies stellen ausgesprochene Mischlinge dar, von 
denen die einen mehr der nordisclien, die anderen mehr der alpinen 
oder mediterranen Rasse nahestehen. Von einigen der ersteren bleibt 
es zweifelhaft, ob wir in ihnen germanische oder altiialische Mischlinge 
zu sehen haben. Dazu gehören z. B. Campanella, Ariosto, Bernini, 
Spontini. Ihre hohe Gestalt spricht aus schon erörterten Gründen für 
germanische Mischung, die bei Ariosto noch dadurch bekräftigt wird, 
daß er aus einer ursprünglich germanischen Familie stammt. Schwierig 
ist es, bei Michelangelo festzustellen, ob er ein altitalischer oder 
germanischer Mischling ist. Für letzteres spricht die langobardische 
Herkunft seiner Familie. Aber aus der Familienangehörigkeit allein 
kann über die Rassenabstammung nichts unbedingt Sicheres erschlossen 
werden. Entscheidendes ließe sich nur dann aussagen, wenn wir über 
den physischen Typus seiner Eitern unterrichtet wären. Leider ist 
das nicht der Fall. Ebenso zweifelhaft ist der germanische Blut- 
einschlag bei Perugino, Palestrina, Franciscus. 

Ich unterlasse es vorläufig, genaue Prozentualzahlen über die 
einzelnen anthropologischen Merkmale anzugeben, da die Untersuchung 
nicht abgeschlossen ist und die Zahlen im einzelnen sich noch ver- 
schieben können. Soviel läßt sich aber schon auf Grund der vor- 
liegenden Untersuchungen sagen, daß mindestens 85—90 Prozent der 
italienischen Genies ganz oder vorwiegend der germanischen 
Rasse zugeschrieben werden müssen. 

Äußerst gering ist die Beteiligung des mediterranen Elements 
an der Produktion genialer Begabung, obgleich es den Grundstock 
der italienischen Bevölkerung bildet. Diese Tatsache ist für die 
Rassetheorie von nicht geringer Bedeutung, da sie die Frage heraus- 
fordert, ob die brünetten Rassen in unvermischtem Zustande überhaupt 
große geistige Genies, monumentale Geister, hervorbringen können. 
Immer mehr wird es wahrscheinlich, daß in den Kulturen, die man 
bisher für eigene Leistungen der Brünetten hielt, wie in Ägypten und 
Babylonien, die blonden Elemente eine große Rolle gespielt haben, 
die in prähistorischer oder frühgeschichtlicher Zeit mit den Brünetten 
sich vermischten, aber heute fast gänzlich ausgestorben sind. Doch 
wäre es unwissenschaftlich, die Möglichkeit zu leugnen, daß auch 
den Brünetten ein großer Wurf gelingt, obgleich die Wahrscheinlich- 

10 



146 



keit viel größer ist, daß die spezifische Beimischung der nordischen 
Rasse ihnen erst die höchste Kraft des Genies verleiht. 

Damit ist auch die oft geäußerte Hypothese erschüttert, daß die 
Rassenmischung als solche einen besonders günstigen organischen 
Boden für die Entstehung des Genies schaffe. Die überwiegende 
Mehrzahl der monumentalen Genies Italiens gehörte der germanischen 
Rasse an, wie Oiotto, Dante, Petrarca, Leonardo, Botticelli, Tizian, 
Raffael, Tasso, Galilei, Morgagni, Bruno, Columbus. Mischlinge sind 
Ariosto, Michelangelo, Franciscus, Palestrina. Wenn die Rassen- 
mischung selbst der günstigste Boden für Genieproduktion wäre, 
müßte die Anzahl der Mischlinge bedeutend größer sein, während 
das Umgekehrte tatsächlich der Fall ist. Diese Auffassung wird 
dadurch bekräftigt, daß auch bei anderen Völkern zahlreiche rein 
germanische Genies gefunden werden, und ferner durch die allgemeine 
historische Erfahrung, daß mit der Abnahme der blonden Rasse, sei 
es in reinen oder Mischlingsexemplaren, der organische Quell der 
Genieproduktion versiegt. Daß nur die spezifische Beimischung der 
nordischen Rasse und nicht die Rassenmischung als solche die brünetten 
Stämme mit der Kraft des Genies befruchtet, beweist auch die immer 
wiederholte Klage der Forschungsreisenden, daß die mediterranen 
Stämme Nordafrikas durch Mischung mit den Negern moralisch und 
geistig verschlechtert werden. 

Einen weiteren Beweis findet die Lehre von der Überlegenheit 
der germanischen Rasse in einer statistischen Untersuchung über die 
regionäre Herkunft der Genies. Schon bei dem Studium der 
Örtlichen Herkunft der Talente fällt es auf, wie ungemein gering die 
Zahl der Talente ist, die aus Süditalien und dem römischen Gebiet 
stammen. Eine systematische Zusammenstellung der örtlichen Herkunft 
der zweihundert Talente mit den Ergebnissen der anthropologischen 
Forschung der einzelnen Dipartimenti Italiens — man vergleiche die 
beistehende Tabelle — läßt mit großer Deutlichkeit erkennen, daß 
ein fast durchgängiger Parallelismus zwischen der Häufig- 
keit der germanischen Rassenmerkmale und der Produktion 
von Talenten besteht. Das kann kein bloßer Zufall sein, sondern 
ist der Ausdruck eines ursächlichen Verhältnisses zwischen Rasse und 
Genie, das schon durch die Ergebnisse der anderen Untersuchungs- 
methoden aufgedeckt wurde. 

Besonders auffallend ist der ungemein große Abstand in der 
Produktion von Talenten zwischen Nord- und Süditalien. Aber auch 




— 147 — 

bei den einzelnen Dipartimenti besteht eine gradweise Abstufung 
zwischen anthropologischer Struktur und Anzahl der Talente. Daß 
diese Abstufung nicht absolut parallel läuft, dürfte seine Ursache darin 
haben, daß die Zunahme der Bevölkerung in den einzelnen Provinzen 
nicht gleichmäßig geblieben und Veränderungen in der Zusammen- 
setzung der Bevölkerung eingetreten sind. So ist es sehr wahr- 
scheinlich, daß Toscana im Mittelalter und in der Renaissance-Zeit 
relativ mehr blonde Elemente gehabt hat als in der Gegenwart. 
Piemont, das auch eine Unterbrechung in der Parallelität bildet, ist 
von allen Provinzen zuletzt in die Geschichte Italiens und damit in 
seine Produktion von Talenten eingetreten, die noch nicht abge- 
schlossen sein mag, Von ihm ging die Gründung des neuen 
Staates aus, und seine Talente sind vielleicht die größten des neueren 
Italiens: Cavour der größte Staatsmann, Alfieri der größte Dichter, 
Gioberti der größte Philosoph und Balbo der größte Historiker. 



Toscana 

Venelien 

EmiIJs 

Marken 

Lombardei 

Ligurien 

L^lium 

UmbHen 

Campanlen 

Piemont 

Calabrien 

Sizilien 

ApuKen 

Abnizzen 

Basilicata 

Sardinien 



M«',;, 


KäT... 


Role 


Blond. 


Br..ne 


S<b.>r 


Bl.u. 


Orfluc 


B,..„ 


Schw.r. 


Ei... 


gröde 


HMte 


Hm« 


H«K 


Hure 


Aug.. 


AuEcn 


AuKcn 


Aue.. 


24.9 


164,64 


0,7 


9,2 


63.3 


26.8 


10.4 


21,1 


61.6 


6,9 


10,4 


165,15 


0,8 


12,6 


61,7 


24.9 


15.7 


25,7 


52.6 


6,0 


14,2 


163,91 


0,5 


7,2 


60.8 


31.5 


9.4 


21,8 


60.9 


7,9 


W 


162,64 


0,6 


7.5 


62,7 


29.2 


10.1 


21,2 


62.4 


6,3 


7.1 


163.15 


0,7 


10.1 


63,1 


26.1 


13.4 


23,8 


56.0 


6,8 


7,0 


163,00 


0,5 


10.5 


64.0 


25.0 


10.5 


19,3 


61,9 


8,3 


6,6 


162.45 


0.8 


6.4 


60.8 


32.0 


8.3 


17,9 


64,8 


9,0 


5,3 


163,03 


0.5 


9.0 


60.4 


30.1 


11.7 


21,1 


59,4 


7,8 


4,1 


161,30 


0.5 


6.8 


57.6 


35.1 


8.4 


17,2 


63,2 


11,2 


2,6 


163,20 


0.7 


12,4 


63.9 


AO 


13.6 


26,4 


53,9 


6,1 


1,6 


159.36 


0,2 


3,8 


52.1 


43.9 


5,5 


14,1 


66,2 


14,2 


1,4 


160.87 


0.4 


5,0 


56.3 


38.3 


7,7 


16,0 


63,6 


12,5 


0,6 


159.68 


0.4 


5,7 


57.2 


36.7 


7,6 


18,8 


63,5 


10,1 




160.21 


0.5 


6,6 


62.6 


30.3 


Si 


20,0 


64,0 


7,5 


— 


159.72 


0.2 


1.7 


43.5 


54.6 


4.0 


9,9 


66,4 


19,7 


- 


159,85 


0,5 


4,8 


59.5 


35.2 


6,7 


16,4 


68,9 


8,0 



Aninerltung: Die anthropotoglsclicn Angaben entstammen den Listen der 
ilaljenischen Militär-Saniläls-Inspcklion über die Jalirgänge 1859— IBÖ3. — Die Ein- 
wolinerzahl der einzelnen Dipartimenti wurde der Volkszählung von 1S81 entnommen. 

J. Burckhardt führt den Umstand, daß Rom auf allen geistigen 
Gebieten keine einheimischen Celebritaten aufzuweisen hat, auf die 
Malaria und die starken Schwankungen der Bevölkerung gerade in 



148 



den entscheidenden Kunstzeiten zurück, zum größten Teil aber auf 
den von Jugend an gewohnten Anblick des häufigen Parvenierens 
durch Protektion. Florenz hätte dagegen eine gesunde, nicht ein- 
schläfernde Luft und eine große Stetigkeit gerade in denjenigen 
Familien gehabt, welche die großen Künstler erzeugten; auch wäre 
man dort von Jugend an gewohnt gewesen, den Genius und die 
Tüchtigkeit siegen zu sehen.*) Gewiß haben dergleichen äußere 
Umstände mitgewirkt, namentlich ist die „Stetigkeit in den Familien" 
eine physiologische und soziale Voraussetzung höher« Kultur, aber 
ausschlaggebend sind immer die angeborenen Rassenanlagen. Nach 
Rom sind nur relativ wenig Germanen gekommen; am meisten lassen 
sie sich, wie wir gesehen haben, in den frühmittelalterlichen Adels- 
familien nachweisen. Aber die blutigen Parleifehden und das städtische 
Leben haben diese Familien schnell erschöpft. Die germanische Ein- 
wanderung war eine plötzliche und kurze, es fehlte der langsame und 
selektorisch wirkende Einwanderungsstrom vom Lande in die Stadt, 
der die Lücken immer wieder ausfüllt, der bei Florenz sich deutlich 
nachweisen läßt und ihm die Talente aus den Tälern und von den 
Hügeln Toscanas zuführte, wo Nachkömmlinge der edlen Goten sich 
erhalten hatten. 

Dazu kommt, daß eine Anzahl von Talenten Roms und Süd- 
ifaliens nur bedingter Weise in diesen Dipartimenti aufgeführt werden 
dürfen. Metastasio und Valla werden als „Römer" bezeichnet, während 
die Eltern des ersteren aus Umbrien, die des letzteren aus der 
Lombardei stammten. Aus Norditalien waren ferner die Vorfahren 
Sannazaros nach Neapel, die Eitern Tassos nach Salerno, die des 
Becadelli nach Palermo eingewandert. 

Auch das Klima kann nicht verantwortlich gemacht werden. 
Denn zur Zeit der blonden Griechen, Normannen und Schwaben 
herrschte in Süditaüen und Sizilien eine hohe Kultur. Überdies 
zeigen die Talente Süditalicns mit wenigen Ausnahmen den „tipo 
biondo", wie Scarlatti, Bellini, Antonello, Filangierr, Durante, Jomelli, 
Tasso, Telesio, Troya, Sannazaro usw. 

Man könnte einwenden, daß die Germanen in Italien darum 
mehr und größere Genies als die anderen Rassen hervorbrachten, 
weil sie als herrschende Schicht die wirtschaftlich und intellektuell 
günstigsten Entwicklungsbedingungen gehabt haben. Diesem 



*) J. BurcktiardI, Oeschiclite der Renaissance in Italien. 



S. 35. 



149 



Einwurf gegenüber ist zu betonen, daß die Germanen in Italien ein 
neues soziales Milieu aus eigener Kraft liervorb ringen muBlen, und daß 
die antike Tradition in ihrem Verfall eher eine Hemmung als eine 
Förderung der angeborenen Anlagen bedeutete. Ferner haben in 
Italien der Entwickelung des Genies nie Standes Vorurteile entgegen- 
gestanden; nie hat es eine Epoche in der Geschichte gegeben, wo 
dem Oenie so leichte und freie Bahn der Entfallung und Ausbildung 
geboten war, wie in der Renaissance-Zeit. Überdies ist eine nicht 
geringe Zahl von Talenten aus niederen und einfachsten Lebens- 
verhältnissen hervorgegangen, wie Oiotto, Fra Angelico, Fra Barto- 
lommeo, Dovizi, Caravaggio, Vico, Metastasio, Oioberti, Verdi, Doni- 
zelti, Monti, Spontini, Rossini, 

Die reiche Genie-Produktion der germanischen Rasse kann auch 
nicht in einer zahlenmäßigen Überlegenheit begründet sein. Denn 
was die quantitativen Verhältnisse angeht, mit denen sie sich in den 
verschiedenen Epochen an der Oesamtbevölkerung Italiens beteiligte, 
so dürfte sie bis zum elften und zwölften Jahrhundert eine starke 
Vermehrung erfahren haben. Indes wird sie schwerlich jemals mehr 
als 20 Prozent des gesamten Volkes ausgemacht haben; doch mochten 
in Oberitalien und Toscana einige Bezirke 50 Prozent und mehr 
Germanen aufweisen, während in Süditalien ganze Strecken von ihnen 
fast freigeblieben waren. 

Mit dem Beginn der städtischen Kultur, dem Einwanderungsstrom 
und dem Auslese-Prozeli in den Städten fängt die Abnahme der 
Blonden an. Die Ursache liegt viel weniger in der Mischung 
mit den Brünetten, als in dem Aussterben der Familien, die politisch 
oder geistig sich auszeichneten. Schon Dante war diese Tatsache 
nicht unbekannt. Im sechzehnten Gesang des „Paradies" nennt er 
eine Reihe edler Geschlechter von Florenz, die im zwölften Jahrhundert 
in ihren betürmten Häusern sicher wohnten, im dreizehnten Jahr- 
hundert aber schon erloschen waren: Die Ravignani, Pigli, Chiara- 
montesi, Uberti, Lamberti, Visdomini, Tosinghi, Aliotti, Adimari, 
Oualterotti, Rusticelli. Amidei, Valori, Donati. 

„So staunest Du wobi niclit, noclr kl.igsl darum, 

Zu liören, daß Oesclilcchtcr sicli vcrzeliren, 

Denn, wie Du sielisl, auch Stäillc Itommen um." 

Das Erlöschen der Geschlechter geht auch aus den Forschungen 

der italienischen Genealogen, wie Litta und Passerini, deutlich hervor, 

und schon in der Renaissance-Zeit muß das blonde Haar selbst in den 



150 



vornehmen Kreisen zurückgegangen sein, da vielfach künstliche Mittel 
angewandt wurden, den Haaren blonde Farbe zu geben. 

Krieg und Zölibat haben die germanischen Geschlechter dezimiert. 
AuCerdem zeigt die Familiengeschichte der bedeutenden Männer Italiens, 
wie das Genie die Blüte, aber in den meisten Fällen auch das Ende 
der Familie ist. Individualismus und Intellektualismus sind die psycho- 
logischen Quellen aller höheren Kulturentwicklung, sie zerstören aber den 
organischen Bestand der Rasse und leiten schlieHlich jenen unabwend- 
baren Prozeß ein, den man die geistige Selbstverzehrung der Völker 
genannt hat. 

Fassen wir die Ergebnisse zusammen: 

1. Die iiachrömische Kulturgeschichte Italiens ist keine Renaissance 
des Altertums, wenn auch antike Überlieferung und Zurückgreifen auf 
antike Vorbilder eine Rolle gespielt haben. Sie ist vielmehr im wesent- 
lichen eine eigenartige Leistung der eingewanderten germanischen Rasse, 
die in einheitlichem Zusammenhang mit der germanischen Kultur in 
ganz Europa steht. Von Norden her. namentlich von Frankreich und 
Flandern, hat Italien wichtige Anregungen und Beeinflussungen erfahren, 
besonders in Architektur, Musik und Dichtkunst, weniger in Plastik, 
Malerei und Wissenschaft. 

2. Die Germanen haben in Italien die meisten und größten 
Genies hervorgebracht, abgesehen von einer geringen Zahl von Misch- 
lingen, die teils mehr der nordisch -germanischen, teils mehr den 
brünetten Rassen sich nähern. 

3. Diese Leistung der Germanen ist nicht die Folge günstiger 
wirtschaftlicher Bedingungen oder einer zahlenmäßigen Überlegenheit, 
sondern der Ausfluß ihrer höheren natürlichen Begabung, 

4. Die Kulturentwicklung Italiens vollzieht sich auf Kosten der 
blonden Rasse, die von Jahrhundert zu Jahrhundert an Zahl abnimmt. 
Das Schicksal Roms wiederholt sich. 






Loreni'O Ohibrrti 



3. Pilippo BrMtiellescIii 





:i. Donalello Bardi 



4. Leon Ball. Albcrtj 




7. Michelangelo Buonarroli 



8, Michelangelo Buonarroli 





12. Donalo Bramante 




23. Andrea Matitegi 



24. Andrea Manlegna (?) 





32. Leonardo da Vinci 




35. Leonardo da Vinci 



36. filippino Lippj 



^ 




49. Antonio Sacchi 



5U. Guido Reni 




54. Bencdello Varchi 55. Oiorgfo Vasati 








, 




NICOLNiACCHIAVtLl, 








59. ChristoCoro Landini 



60. Angclo Poliziano 




04. Luiiuvico Muratori 



üb. BaHoloninieo Sacchi 




69. Jacopo Sannazaro 



70. Maria Matieo Bo|ardo 




71. Fiaiiccscu l'cliarc, 





^L. 






CRISTO: COLOMBO 


1 




P 




84, Hieronymus Cardanus 



r^j^ 



W%\^- 



S5. Bernardino Telesio 




86. Tommaso Campanella 



S7. Oiov. BatL Vico 




107. Andre.! Appiaiii 




112. Alessandro Manzoni 113. Vinccnzo Monll 




114, VincenzD Bellini 



115. Giuseppe Verdi 




(^ 




116. Gadano Doniiclti 117. Oioacli Anl. Rossini 



>i und dto FMMiaMn 



3 6105 033 235 693 



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Stanford, California 



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