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Full text of "Die Geschichte der Indochinesen: Aus einheimischen Quellen"

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i 



Im 



DIE VOELKER 



DES 



OESTLICHEN ASIEN 



STUDIEN UND REISEN 



VON 



Dr. ADOLF BASTIAN. 



ERSTER BAND. 



LEIPZIG 1866. 

VERLAG VON OTTO WIGAND. 



LONDON, TRUEBNER & CO. 

flO PATERNOSTER ROW. 



DIE GESCHICHTE 



DER 



INDOCHINESEN 



AUS EINHEIMISCHEN QUELLEN 



TOH 



Dr. ADOLF BASTIAN. 



LEIPZIG 1866. 

VERLAG VON OTTO WIQAND. 



LONDON, TRUCBNER & CO. 

•0 PATERNOSTER ROW. 



\ 



v . 1 



Das Recht der Uebersetznnff ist Yom Verfasser vorbehalten. 






Prof. Christian Lassen 



dem lichtvollen Anordner und Erforscher 



Indischer Alterthumskunde 



ridmet 



diese auf einem Nebenfelde gesammelten Materialien 



in Hochachtung und Verehrung 



der 



Verfasser. 



Vorrede. 

Die Anlage dos Werkes ist in dem schon früher aus- 
gegebenen Prospectus bezeichnet. Dieser vorliegende 
Band begreift die Geschichte der Indochinesen, der gleich- 
zeitig ausgegebene zweite die Reisen in Birma im Jahre 
18(U — 62. Der dritte soll den Aufenthalt in Siam mit 
Reisen in Kambodia und Cochinchina (1863) behandeln, 
der vierte Reisen im Archipel, in Japan und China nebst 
der Rückreise von Peking duich Mongolia und Sibirien 
zum Kaukasus (1864 — 1865). Der letzte >vird eine zu- 
sammenfassende Darstellung des Buddhismus der Pali texte 
geben, mit vergleichenden Erläuterungen aus Foismus und 
Lamaismus. Die ftlr Bearbeitung der hinterindischen 
Geschichte im Lande selbst gesammelten Materialien sind 
zum bei weitem grössten Theil ganz neu, doch habe ich 
sorgfältig auf dasjenige Rücksicht genommen, was von 
meinen Vorgängern in diesem Fache geliefert war, und an 
allen Punkten, wo es geschehen konnte, ausser Anderen 



Vin Vorrede. 

die Beiträge Sangermano's , Cm\\'fur(rs, Richardson's, Bur- 
ney's, Phayre's, Mason's, Yule's liirBirnia, sowie Loubere's, 
Jones', Pallegoix' und Bowring's für Siam im Auge be- 
lialten. Die Literatur über Hinterindien ist ausnehmend 
beschränkt und einer vollständigen Uebersicht stellt nur 
die Schwierigkeit entgegen, dass mehrere der wiclitigsten 
Aufsätze in nicht leicht zugänglichen Journalen zerstreut 
sind. Weshalb die indochinesische Halbinsel bislu^r so 
auffallend vernachlässigt war, ist schwer zu begreifen, 
denn der Boden ist ergiebig genug. Ein Blick 
auf den Inhalt dieses ersten Bandes wird zeigen, wie 
reich die Ernte war. Sic stand in der That reif und 
brauchte ich nur rasch einzutragen, um die kurze Zeit 
meines Aufenthaltes möglichst zu benutzen. Dass ich 
dabei auch manches Unkraut mit aufgerafft liaben mag, 
ist leicht möglich, aber auch diis Unkraut, obwohl dem 
praktischen Kaufhiann werthlos, hilft dem Botaniker in 
der Bestimmung der localen Flora. Sorgsames Studium 
der Specialitäten musste vorläufig zur Seite gelassen wer- 
den, demi ich glaubte es der euroi)äischen Wissenschaft 
schuldig zu sein, zunächst wenigstens im Grossen und 
Ganzen, wenn auch nur noch in rohen Umrissen, die 
unverantwortliche Lücke auszufüllen, die imsere litem- 
rische Kenntniss über jenen Theil der Welt bisher ent- 
stellte. Eingehendere Erforschung der Einzelheiten darf 
gemss bald von den Regierungsbeamten und Missionären 
erwartet werden, die oft eben so viele Jahre im Lande 



Vorrede. IX 

zubringen, \vie es mir nur vergönnt war, Monate zu 
bleiben, und unter denen es genug giebt, denen es weder 
an Lust und Liebe, noch an Müsse oder Sachkenntniss 
fehlt. 

Der grösste Gewinn aus der Aufechliessung einer 
fremden Volksliteratur Hegt darin, dass sich in ihr eine 
neue Phase in der Phänomenologie des menschHchenGmstes 
unserem Auge enthüllt, und dieser Gewinn wird um so 
höher anzuschlagen sein, wenn sich mit ihm zugleich das 
Verständniss eines so weit verzweigten Gedankengebäudes 
vei'knii])ft , wie der Buddhismus, der mehr wie eine 
andere Geistesschöpfung die coutinentalen Massengebiete 
unseres Erdballs in ihrer geschichtlichen Ent^vicklung 
beeinfiusst hat. Um in der vergleichenden Psychologie 
den ursächUchen Zusammenhang der Erscheinungen zu 
verstehen, bedarf es vor Allem reiner Vergleichungspunkte, 
denn nur aus richtig verstandenen Verhältnissen lassen 
sich weitere Folgerungen ziehen. 

Für unsere westliche Cultur ist deshalb die ganz 
unabhängig entwickelte des östUchen Asiens von der 
höchsten Bedeutung. Beide laufen in getrennten Reihen 
neben einander her und lassen in dem Studium ihrer 
Proportionsverhältnisse eine scharfe Controlle der daraus 
abgeleiteten Gesetze zu, während alle uns sonst bekannten 
Civilisationskreise (mit Ausnahme der im vorgeographischen 
Amerika untergegangenen) sich mehr oder weniger mit 
dem unseren gemischt haben, indem sie entweder zur 



X Vorrede. 

früheren Grundlage dienten oder sich in späterer Fort- 
bildung abzweigten. 

Obwohl vom ethnographischen Gesichtspunkte aus 
mein Bestreben hauptsächlich auf Bereicherung der Psy- 
chologie mit neuen Thatsachen gerichtet geblieben ist, so 
werden doch auch die historischen*) Wissenschaften man- 
ches Nutzbare in den gelieferten Beiträgen finden. An- 



*) Die Geschichte Kambodia*8 ist bisher noch nicht geschrieben und 
die in dem betrefTendcn Abschnitte eingeschlossenen Sagen sind sämmtlich 
von mir selbst aus dem Munde des Volkes aufgezeichnet. Die historischen 
Daten der Archive liefern oft ergänzende Bestätigungen zu Rdmusat^s Bei- 
trägen aus chinesischen Quellen. Für die siamesische Geschichte standen 
mir dieselben Bücher zu Gebote , aus denen schon früher von Jones und 
neuerdings durch Pallcgoix bruchstückweise Auszüge mitgctheilt sind, aber 
ich hatte ausserdem noch viele andere in den Händen , die jenen beiden 
Autoren nicht bekannt gewesen oder wenigstens nicht von ihnen benutzt 
sind. Ueber Pegu finden sich kurze Mittheilungen bei Mason nach bir- 
manischen oder auch peguanischen Autoritäten. Ich habe denselben, 
neben eigener Untersuchung in erweiterter Form , noch siamesische Ueber- 
setzungen beifügen können und ausserdem während meiner Reisen im Lande 
Gelegenheit gehabt, die Angaben schwerer zugänglicher Bücher nach münd- 
lichen Mittheilungen niederzuschreiben. In der Geschichte Birma*s musste 
ich bei dem Tagoung betreffenden Artikel in der Hauptsache die Dar- 
stellungsweise Burney's wiederholen, da über diese künstliche Herleitung 
der Dynastie nur die eine Version in der von ihm benutzten Chronik 
besteht, auf die vorläufig Jeder zurückzukommen hat. Die nationalen 
Traditionen dagegen sind von mir selbst gesammelt und knüpfen sich an 
die in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde (186 8) veröffentlichten. 
Die kurzen Capitel über Aracan , die Ahorn und Singpho sind zur Ver- 
vollständigung beigefügt nach den im Texte citirten Gewährsmännern , da 
ich diese Stämme nicht selbst besuchte , sondern nur gelegentlich in Birma 
ergänzende Nachrichten darüber einziehen konnte. Auch das Capitel über 



Vorrede. XI 

gesichts der grossen Masse des bisher Unbekannten, das 
hier aufgehäuft ist, würde es aber ebenso unverständig als 
anmassend gewesen sein, wenn ich auch schon jetzt gleich 
hätte selbst versuchen wollen, dieselben in der ganzen 
Tragweite der aus ihnen abzuleitenden Folgerungen ver- 
werthen zu wollen. Die Gelehrtenrepublik hat das Prin- 
cip der Theilung der Arbeit anerkannt, und bei den 
grossen Namen, die in Europa auf dem Felde der indischen 
Literatur glänzen und von denen unsere Universitäten 
allein sich eines Lassen, Benfey, Weber, Brockhaus und so 
mancher Anderer rühmen können, freue ich mich, die 
feinere Ausarbeitung der zusammengetragenen Rohstoffe 
besseren und geschickteren Händen überlassen zu können. 
Ich bin deshalb auch darauf bedacht gewesen, möglichst 
den Charakter der Ursprünglichkeit zu bewahren, trotz 
der davon oft unzertrennlichen Folge scheinbarer Un- 
ordnung und Regellosigkeit. Der Quellenforscher wird, 
wie ich hoffe, damit zufrieden sein und bald das Zusammen- 



Annam ist blos als Zusatz zu betrachten , denn mein Aufenthalt in Cochin- 
China war zu kurz , um die hier schon in chinesischer Ausführlichkeit vor- 
handenen Geschichtsbücher irgendwie gründlich und erschöpfend zu be- 
handeln. Die Karen sind in der letzten Zeit vielfach Gegenstand der 
Besprechung gewesen , besonders in den Berichten der Missionäre , doch 
habe ich das darüber Bekannte durch manches Neue vermehren können. 
Was über die Schan oder Laos gesagt ist , basirt vielfach auf Original- 
mittheilung, und auch in Betreff der südlichen Staaten habe ich an ver- 
schiedenen Stellen einheimischen Berichterstattern folgen können , obwohl 
meine Reiseroute weiter nördlich lag. 



xn Vorrede. 

gehörige herausfinden, während es dem von ciiltiirhistori- 
schem Interesse geleiteten Leser gleichgültig bleibt, ob er 
die Namen in der einen oder der andern Form liest, so 
lange sie nur als Träger mythologischer Gestaltungen 
dienen. Eine übereinstimmende Schi'eibart der liinter- 
indischen Worte war schwer, wenn nicht unmöglich. 
Dieselben aus dem Pali oder Sanscrit entlehnten Bezeich- 
nungen werden durch die Lautverhältnisse der birma- 
nischen Sprache in eine andere Fonn umgewandelt, als 
im Siamesischen, und deshalb erscheinen auch identische 
Königsnamen in der Zusammensetzung der einen ver- 
schieden von der der andern, obwohl sich beide auf den- 
selben Stamm zurückfuhren lassen. Selbst Worte des 
gewöhnlichen Lebens moditiciren sich nach der dialektischen 
x\ussprache der Peguer, Karen, Schan, der nördlichen oder 
südlichen Biimanen, und die massgebende Norm würde 
schwer zu lixiren sein. Ich habe gewöhnlich vorgezogen, 
die mir überlieferte Gestalt zu bewahren, und auch die 
aus europäischen Autoren entlehnten Namen sind meist 
so wiedergegeben, wie sie sich bei ihnen citirt finden. 
Zur Orientirung ist in den Beilagen die Grundform wich- 
tiger Namen beigefiigt, auf die auch mitunter in dem 
Index oder schon wälirend des Textes verwiesen wird. 
Bestimmtere Regeln können aber erst später bei einer 
eingehenderen Besprechung der philologischen Verhält- 
nisse niedergelegt werden. 

Die geschichtlichen Erörterungen werden durch die 



Vorrede. xni 

Reisebeschrcibungen der betreffenden Länder in den 
folgenden Bänden ergänzende Erläuterungen erhalten, und 
besonders bleibt es der Ausarbeitung meines in Kambodia 
geführten Tagebuches vorbehalten, die culturhistorische 
Bedeutung der neu entdeckten Ruinenstädte zu erörtern, 
die in diesem Ueberblick der allgemeinen Geschichte nur 
kurz berührt werden konnte. 

Obgleich für die Kartographie Hinterindien's wenig 
zuverlässiges Material existirt, wird es doch mein Bestreben 
sein, zur Verdeutlichung der Reiseroute bald möglichst 
eine Uebersichtskarte nachzuliefern und hoffe ich dieselbe 
vielleicht schon dem nächsten Bande beigeben zu können. 
Diesem oder dem folgenden soll auch ein Bilderwerk zu- 
gefügt werden, besonders zur Illustration der mythologischen 
Verhältnisse. 



Inhalt. 



Uebersicht 

Birma. 

Die Königsdynastie Tagoung's 

Die mythisch-historische Vorgeschichte Prome's 

Die drei Pagan 

Die Heldensage des letzten Pagan 

Das Zwischenreich der Theilf&rsten 

Die Geschichte Ava's .... 

Die aracanische Geschichte 

Die Ahorn in Assam und die Singpho 

Nationale Traditionen der Volksstämnie 

Die Karen and ihre Ueberliefemngen 

Das angrenzende Hochland und seine Bevölkerung 

Die Fürstenthümer der unteren Schau 

Tenasserim mit den südlichen Staaten 

Pogü. 

Die Ueberlieferungen Thatung's 

Die Legende Rangun's .... 

Die Talein und ihre Könige 

Das Königreich Tongu in Sage und Geschichte 

Die Annalen Martaban's .... 

Die Geschichte Hongsawaddi's . 



Sdt« 
1 



Siam. 

Vorgeschichte der nördlichen Städte 
Traditionelle Erzählungen aus den Königsbucheru 
Mythen der alten Hesidenzen . . . . 



9 

U 

31 

43 

53 

57 

71 

83 

96 

131 

158 

184 

190 



205 
215 
220 
241 
255 
272 



«89 
309 
830 



XVI 



Inhalt. 



Die Könige dor Laos ...... 

Die Gesohichte Ayuthia's 

Kambodia. 

Der Sagenkreis der Steiiiinonuiucnte . . . . 

Die Chroniken Inthapatalinri^ä ..... 
Zeugnii»8e der Notx'nlnnder ...... 

Die Dsiampa 

Die HaHptHtndte der Niederungen und die neuere (ioschichte 
Aunam (Tonqnin und Coehinehin.i) als Zusatz 

Zeitrechnung 

Beilagen ......... 

Register ......... 



Seit« 
353 
360 



»93 
429 
4r)6 
473 
478 
493 

512 
531 
5G4 



k 



Uebersicht 

In geschichtlicher Entwickeluug muss der Knotenpunkt des 
Anfanges im Gange der Untersuchungen gelöst werden uud der 
Ausgang wird nur dort sich als der richtige zeigen, bis wohin als 
letztem Ziel die noch deutlich unterscheidenden FoFBchungen 
zurück zu gehen vermögen. 

In einem so bestimmt in Flussgebiete und Bergsysteme ge- 
gliederten Lande , wie Hinterindien , nehmen die am spätesten 
eingetretenen Eroberer die fruchtbaren Thäler längs der Strom- 
ufer ein, wogegen sich die Hügel mit einem Gemisch wilder 
Stämme füllen werden , die wir Eingeborne nennen , wenn sie in 
derVergleichung als die ältesten erscheinen, die aber vorwiegend 
aus den in Barbarei zurückgesunkenen Besten früherer Cultur- 
staaten bestehen. Gleich Vorderindien bildet die hinterindische 
Halbinsel die in das südliche Meer auslaufende Abdachung des 
schneeigen Massengebirges, um das sich der asiatische Continent 
gruppirt, und wie jenes, ist auch der letztere beständig durch die 
zersprengten Flüchtlinge der das Innere des Welttheils bewegen- 
den Bevolutionen bevölkert worden ; aber Hinterindien spiegelt 
gewissermaassen in seiner Zusammenstellung mit Vorderindien 
denselben Gegensatz im Kleinen, der auf einer weitern Perspective 
Amerika charakterisirt, wenn in seinen geographischen und ethno- 
graphischen Verhältnissen neben Afrika auf der andern Seite des 
Atlantic gestellt. Gleich Amerika ist Hinterindien bis zu den 
äussersten Endpunkten von gigantischen Flüssen durchströmt, 
die in der Länge ihres Laufes dichtrankende Urwälder bespülen 



2 Uebersicht. 

und in ihre Deltas schlammige Niederungen einschliessen, während 
Indien in seinen Terrassengestaltungen des Dekkhan die afri- 
kanische Formation wiederholt, sie mit einer bunten Karte von 
Völkerschaften bedeckend, die durch die Mannigfaltigkeit der 
Varietäten in der Negerrace kaum übertroffen wird und sich um 
so auffallender von seinem Nachbara abhebt, den ein ebcn- 
mässig ausgeprägter Typus in seiner ganzen Ausdehnung tiber- 
zieht. 

Hinterindien gehört ohne Zweifel zu den geographisch jungen 
Bildungen der Erdoberfläche und eben deshalb tritt in seiner 
ethnologischen Erscheinung eins der altern Geschiebe mytho- 
logischer und religiöser Gestaltung zu Tage, da es noch keine 
Zeit hatte, sich dort mit tertiären und alluvialen Niederschlägen 
zu bedecken. Der primäre Anschauungskreis des Buddhismus, 
der sonst immer rasch im lebendigen Treiben der Völker- 
bewegungen zerbrochen und auseinandergerissen wird, waltet 
dort noch ungestört in der ganzen Majestät seiner apathischen 
Ruhe , und die Colosse der Sphinxe , die riesenhaften Memnone, 
die am Nil einer schon längst verschwundenen Vergangenheit 
angehören, blicken auch am Irawaddi und Menam von den Tempel- 
treppen auf die vorbeifahrenden Böte herab , um noch heute ihre 
Opfergaben in Empfang zu nehmen. Der Boden , auf dem sie 
stehen, ist neu, und scheint erst seit kurzem aus dem Meere 
hervorgestiegen. Schon Louböre, bei seinem Aufenthalt im 17. 
Jahrhundert, machte die Bemerkung, dass die Siamesen erst vor 
Kurzem in ihrem Lande angekommen sein könnten, da der Feld- 
bau noch durchgehends im Frischen betrieben wUrde, und Turpin 
bemerkt dasselbe, indem Alles die Jugend der Nation (la jeunesse 
de cette nation) beweise; aber auch ohne auf die einheimischen 
Sagen Eticksicht zu nehmen, die überall von einer Erhebung aus 
der See sprechen, die stets die ersten Städtegründungen auf 
isolirte Hügelkuppen verlegen und die ihre jetzt weit im Binnen- 
lande gefundenen Hauptstädte als frühere Seehäfen erwähnen, 
auch ohne diese durch dichterische Phantasie durch einander 
gewebten Erinnerungen hat der Reisende noch jetzt den leben- 
digen Beweis, der unfertigen Niveauverhältnisse, wenn er für 



Uebersicht. 3 

Tage, für Wochen, fUr Monate durch Gegenden reist, in denen 
die Eingebornen oft selbst nicht wissen, ob sie ein Boot oder 
einen Wagen zum Fahrzeuge wählen können. Der Boden ist 
noch nicht sicher unter den Füssen, und um ihn zu festigen, 
fliesst auch in den einheimischen Traditionen das Opferblut, mit 
dem die von Herkules geführten Tyrier ihre neu entdeckte Insel 
tränkten. Als die Khund vom Berge Dodah auswanderten (heisst 
es), sank die Erde unter ihren Füssen, bis Rani Ättah (die könig- 
liche Urahnin) ihr Blut im Opfer hingab. 

Die Nationen in Hinteriudien mögen zu leichterer Ueber- 
sicht in 10 Klassen getheilt werden, die indess schon in ihren 
allgemeinen Umrissen durch vielfältige Uebergänge in einander 
laufen : 1) die Myammarace, mit Birma und Aracan als Repräsen- 
tanten, 2) die grosse Race der Thai mit ihren Nebenzweigen, 
3) die Hügelvölker der Tiefländer, als die Lava, Karien, Taung- 
thu u. s. w., 4) die Bergstämme der Moi oder Kha genannten Wilden, 
5)dieMon, 6)dieKhom oderKhamen, 7) die Annami tenTonquins 
und Cochinchinas, 8) die Bewohner der an das Hochgebirge ge- 
lehnten Thäler an den Grenzen Indiens, Tibets und Chinas, 

9) die Eingebornen im Innern der malakkischen Halbinsel und 
die nach den Küsteninseln als Fischer zurückgezogenen Reste, 

10) die Malayen. Als Quellen der Geschichte liegen bei den 
ersten Klassen, ausser ihren mündlich fortgepflanzten Sagen, 
auch geschriebene Chroniken vor, deren Werth indess ein sehr 
relativer ist. Die letzte gehört, wie auch in Prichard's Ein- 
theilung, zu den Insulanern des Archipel. 

Im Stamme der Byamma, dessen klaren Zusammenhang mit 
dem der Brahmanen man unnöthigerweise wegzudisputiren gesucht 
hat, liegt der Wiederklang der nationalen Tradition, die alle jene 
eingewanderten Stämme der Singpho, derKhamti, der Ahorn, der 
Laos aus einem himmelhohen Berge , wo sie den Göttern näher 
waren, erst später in die Niederungen herabgeführt hat. Als die 
eingewanderten Hindus die Wiedergeburt der Rajas aus goldnen 
Kühen besorgten und die unreinen Mlech in Rajputen des Surya- 
bangsa verwandelten, wurde auch der Titel Brahmane eine aristo- 
kratische Bezeichnung, wie als Buimaon noch jetzt unter den 



4 Üebersicht. 

Kachar. Buchanan , der scharfsichtige Pausanias Indiens , hat 
zwar in diesem Falle die Absicht in der Entstellung des Wortes 
Mramma oder Myamma übersehen, macht aber anderswo die 
Bemerkung, dass durch den Namen Brahmanen häufig, ohne allen 
Zusammenhang mit den fünf oder zehn Sitzen der Kaste, nur die 
ersten Einwanderer und Bebauer eines Landstriches bezeichnet zu 
sein scheinen, und seit der künstlichen Abstufung der buddhisti- 
schen Mythologie sind die geradenwegs aus dem Brahmanenhimmel 
(„den himmlischen Regionen von Eupa'^, d. h. der Rupa Welten) 
zur ersten Bevölkerung der Erde herabgekommenen Wesen die 
Vorfahren der herrschenden Familien, wogegen die unterdrückten 
und verachteten Hügelbewohner nach ihrer Bequemlichkeit aus 
Steinen, Pflanzen, Bäumen hervorwachsen, sich von Vögeln aus- 
brüten oder von Hirschkühen gebären lassen konnten , wenn sie 
nicht für die directeBrut von Luftteufeln, Ungeheuern oder Affen- 
dämonen erklärt sein wollten. Die Peguaner sind noch zufrieden, 
ihre Vorfahren einfach aus den sechs Himmeln der Ihn (mit 
Indra's Garten als Prototyp) abzuleiten, aber die stolzen Birmanen 
machen höhere Ansprüche, weshalb ihnen der Kaiser Chinas auch 
bei seiner Gesandtschaft (1787) mit den Figuren von acht Abha- 
sara schmeichelte. Bei ihnen läuft diese aristokratische Ab- 
leitung des Menschengeschlechtes wieder mit der Herleitung der 
Königsdynastie aus Misimadesa zusammen, während die Pe- 
guaner , die ihre erste Bekanntschaft mit den Fremden nicht aus 
dem Munde heiliger Lehrer, sondern von habgierigen und raub- 
Büchtigen Schiffern erlernten, dieselben als Feinde zurückstossen 
oder betrügen, und schon in Gautama's Apostelfahrten als ungast- 
liche Bilu oder Ungeheuer spielen. Sie werden deshalb ebenso wie 
die Aracanesen (Rakaings) von den Birmanen Rakshasas oder 
Dämonen gescholten, während diese sich rühmen, dass von allen 
Bacen der Ponas die Byamma allein Gautama verehren und unter 
den Ponas oder Pong die Brahmas der Vedas verstehen. Die 
auf den Gebirgsstamm der Myu gestützten Könige Aracans stan- 
den vielfach in feindlichem und freundlichem Verbände mit den 
Pyu inProme, einer am Terminus, des jetzt wie früher zuMilitär- 
Btrassen dienenden Passes gelegenen Stadt , die das Eingangs- 



Uebersicht. 5 

thorBirmas bildet. Pyu-mya undPyimya (der Plural vonPyu) wird 
dann durch die in solchen Combinationen fruchtbaren Etymolo- 
gisten Hinterindiens von Byamma abgeleitet. Pyu (Byu) oder 
Myu (Pri oder Mra) ist nur dialektische Verschiedenheit, die 
sich noch in andern Worten findet. Die birmanische Geschichte, 
die frühere Verknüpfung mit den Pyu im Süden und mitdenKadu 
oder Kadho im Norden zeigt, gewinnt später ihren Schwerpunkt 
in den Yo, die sich, als Verwandte der Khyen, an die Karen an- 
schliessen aus dem Stammbaum der Lava. 

Die Geschichte der Siamesen kennt ihre Vorfahren noch als Be- 
wohner der ursprünglichen llimmclsstadt, wo sie von ihrem zum 
Götterreich zurückgekehrten Ahnherrn besucht werden, wie auch 
die buddhistische Mythologie die Feier des Neujahrfestes mit dem 
in Ehelosigkeit verharrten Brahmanen verknüpft, der jährlich zu 
den Wohnungen seiner auf der Erde verbliebenen Brüder herabkam. 
Bei den Kambodiern, die die ausländischen Prinzen, wie die Ti- 
beter ihre Tengri'ssöhne als vertriebene Flüchtlinge aufnahmen, hat 
noch die einheimische Version von den Drachengöttern das Ueber- 
ge wicht. Aber auch in den nationalen Dichtungen der Birmanen 
und Mon sind Prinzen vielfach an eine Prinzessin aus dem unter- 
irdischen Reiche der Naga verheirathet, obwohl man in den 
officiellen Darstellungen diese dem Boden entsprossene Herkunft 
der Eingebornen zu verkleiden oder zu beseitigen sucht. 

Die aus dem Süden gekommenen Mon (Mwon) wurden in 
Pegu durch den indischen Einfluss Kalinga's in Talcin ver- 
wandelt und traten über Tongu in Verbindung mit den Bevöl- 
kerungen des Irawaddi - Thaies. Die verwandten Kambodier 
bewahren, gleich den Siamesen , in ihrer Geschichte die Erinne- 
rungen nördlicher Einwanderungen, stützen sich aber für die 
einheimische Bevölkerung.der Khmr auf die Khamen boran (die 
alten Khamen) oder Xong und auf die Khamen dong (Khamen 
der Wälder) oderSamreh. Die übrigen Stamme derSuay kreuzen 
sich in Korat mit verschiedenen Elementen der von ihnen be- 
rührten Grenzländer. Während die Loi zu dem jetzt fast unter- 
gegangen^Ji Volke der ^^iampa in Beziehung gesetzt werden, 
vermitteln die Giaotschi den Uebergang von Annam zu den Moi, 



g Uebersicht. 

die denKambodiern alsPnom und denSiamesen alsKha bekannt 
sind* 

Die Gesehich tsbüchen der Myamma, die Mahayasuen der 
Birmanen und der Kadzawang der Aracanesen, beginnen , nach 
der letzten Welten tstehung, mit dem Reiche des ersten Maha- 
thammada, dessen Thronerhebung durch die zunehmenden Laster 
und Unordnungen für die an die Erde gefesselten Byammagyi 
nothwendig wurde, und rerfolgen dann seine Nachkommen in un- 
endlichen ßeilien von Königen, bis sie sie endlich durch die Zeiten 
früherer Buddha's zu der Periode Gautama's herabgefUhrt haben, 
wo die Verknüpfung mit ihrer einheimischen Geschichte Statt 
findet. Misimadesa ist für die Indochinesen das bevorzugte 

Land der Buddha's und sie erkennen an , selbst nur in Xonabut 

t 

(Xanapada) zu wohnen , d. h. an den wüsten Grenzgebieten des 
heiligen Mittellandes, die nie oder nur vorübergehend vom Fusse 
der Buddha betreten worden. Einen um so höheren Werth legen 
sie deshalb auf die auch sie beglückende Einwanderung ihrer 
Königsdynastien, Glieder des Sakhya-Geschlechts , die ihre llei- 
math in Indien durch feindliche Eroberer zerstört sahen und nun 
den von Manu den degradirten Kschatryas vorgewiesenen Weg 
einschlugen. In den vonMandalay gesungenen Hymnen preisen 
noch jetzt die Brahmanen den König als den direkten Abkömm- 
ling von Mahadhamayadza und Mahathammada. Die Manie der 
Historiographen , in ein graues Alterthum zurückblicken zu 
können, hat indess auch für diese „Aussendörfer'' Chroniken 
ersonnen , die noch in den Epochen vorübergegangener Tatha- 
gatas spielen und die besonders plump in der birmanischen Ge- 
schichte aneinandergereiht sind, wo man sich einfach begnügt 
hat, ein und dieselbe Erzählung nur mit Veränderung der Namen 
zu wiederholen, ohne dass die Phantasie wenigstens eine Variation 
versucht hätte. Diese Geschichten gehören demselben Nichts 
an, in das der damalige Buddha mit seiner ganzen Welt von 
Raum und Zeit längst übergegangen ist, mögen indess der Voll- 
ständigkeit wegen auch ihre Stelle finden. 



Birma. 



Die Königsdynastie Tagoung's. 

Die älteste Geschichte Birnia's dreht sich besonders um die 
Städte Tagoung, Pagan und Prome, während Ava einer viel spä- 
teren Zeit angehört. Die königlich autorisirte Darstellung be- 
kleidet durch die Einwanderung der himmelentsprossenen Könige 
Tagoung mit einem seine Nebenbuhler verdunkelnden Ruhm, 
aber die nationale Tradition scheint fester in Prome zu wurzeln. 
Bald die Birmanen, bald die Aracanesen nehmen den Titel Byamma- 
gyi für sich in Anspruch und schicken sich gegenseitig Colonien der 
Byammagnay (kleine Byamma) zu. Die Bergbewohner, die sick 
in Kyoung-sa (Söhne der Flüsse) und Toung-sa (Söhne der Htt- 
gel) unterscheiden, blicken gern auf die Niederländer oder Ouksa, 
als ihre Nachkommen herab, doch die ältesten Geschichtsereignisse, 
die unter dem, später Assam zukommenden, Namen Wethali auf 
Aracan bezogen werden, gehören eigentlicher dem alten Satung 
an, das lange vor der Einwanderung der Talein in Pegu blühte. 
Ehe auf die vergleichende Behandlung der drei Geschichtsver- 
sionen, wie sie in Aracan, Birma und Pegu vorliegen, einge- 
gangen werden kann, muss jede derselben im Besondem nach 
den Quellen erzählt werden. Ich gebe zunächst, um die Be- 
handlung nicht zu unterbrechen , den Inhalt der nach dem in- 
dischen Muster gearbeiteten Chroniken, die bruchstückweise 
schon ausBurney's und Anderer Mittheilungen bekanntgeworden 
sind. Die Versionen der einheimischen Ueberlieferung da- 
gegen, wie ich sie theils in Büchern, theils im Munde des Volkes 
fand, haben bis jetzt noch keine Behandlung erfahren. 



10 Birma. 

Lange Zeit vor der Erscheinung Gautama's wünschte ein 
EOnig, der über Kantbalatt und Pinjalarit herrschte, in ein Ver- 
wandtschaftsverhältniss zu der Sakifamilie zu treten und Hess 
deshalb bei dem Könige vonKauliya um eine Prinzessin anhalten. 
Da er, als nicht ebenbürtig*), eine abschlägige Antwort erhielt, er- 
klärte er Krieg und zerstörte die drei Residenzen Kauli ya, Dewadaha 
und Kapilawut, die von Prinzen des Saki-Geschlechtes regiert 
wurden. Die Städte wurden in späteren Jahren wieder aufge- 
baut, aber während der Wirren, die auf die Eroberung folgten, 
hatte Abhiraga, der König von Kapilawut, seine Truppen und 
Anhänger um sich gesammelt und wanderte mit ihnen aus Mi- 
simadetha aus. Nachdem sie manche grosse Ströme auf ihrem 
Wege passirt hatten, gelangten sie in dem Thal des oberen Ira- 
waddi zu der Stelle des späteren Tagoung und gründeten dort 
die Stadt Thengattharatha oder Thengathauaga (die Priester- 
stadt). Schon in den Zeiten der drei vorhergehenden Buddhas 
hatte dort eine Stadt gestanden. In der Periode Kaukuson's 
ftlbrte sie den Namen Tauthaya-pura, in der Gonagon's Ratha- 
pura und unter Kasyapa hatte sie Thendweh geheissen. Bei 
dem Tode Abhiraga's oder Thagiyamin brach ein Zwist aus 
zwischen den beiden Zwillingssöhnen , Kanyazagyi (der ältere) 
und Kanyazagnay (der jüngere), der auf den Rath der Minister 
durch einen Wettkampf im Pagode-Bauen (einer sehr beliebten 
Manier in der hinterindischen Geschichte) beigelegt werden 
sollte. Der Aeltere setzte ehrlich zu Werk, eine substantielle 
Steinpagode zu bauen, sah aber am nächsten Morgen, dass sein 
Bruder, der ein hohes Bambugerüst mit bemalten Zeugen hatte 
bedecken lassen, die seinige schon vollendet habe. So überliess 
er seinem Nebenbuhler den begehrten Thron und wanderte mit 
seinen Getreuen aus, den Irawaddi hinabziehend. Als sie an der 



*) In einer anderen Erzählung sind die Prinzen von Koli (in Wyagrapura) 
die Verachteten (weil sie von der aussatzigen Konigin Priya, die mit Rama, dem 
Könige von Benares, im Walde zusammentraf, in einem hohlen Baume geboren 
seien), entfuhren aber die versagten Okkhala Prinzessinnen der Sakya in Kapila- 
wastu. Die vier Prinzen des Okkhala-Geschlechts wanderten aus, als Jauta Be- 
nares durch Amba erhielt. 



Die Königsdynastie Tagonng's. 11 

Mündung des Kyendwen anlangten, fuhren sie diesen Fluss hin- 
auf und verweilten für sechs Monate in Kule Toungnyo, das den 
Namen Yazagyo erhielt. Auf das Ansuchen der Pyus , Kanyan 
und Sit, die damals das Sunaparan genannte Gebiet zwischen 
Pegu , Aracan und Pagan bewohnten , sandte ihnen Kanyazagyi 
seinen Sohn Mudutseitta und baute, östlich von Guttshapanadih, die 
Stadt Kyoukpadung, wo er für 24 Jahre residii-te. Nach Verlauf 
dieser Zeit zog er weiter, und Hess sich in Diniawuddih oder 
Pyuae-gyi in Aracan nieder, das dort von Mayayu gegründete 
Königreich in Besitz nehmend. Dies Land war damals aufs 
Neue in eine Wüstenei verkehrt, und die birmanische Geschichte 
sagt, dass er Diniawuddi und Yakkein-myo im Yakein-to (dem 
Walde von Yakein) gründete. Die Aracanesen wollen dagegen 
Birma schon zur Zeit Mahathamada's erobert haben. Auch eignen 
sie sich den Titel Byammagyi (grosse Byamma) an und lassen 
die Birmanen nur als Byamma-Paloun gelten. Indem die Sage den 
altem der beiden Brüder nach Aracan ziehen lässt , scheint sie 
diesem Lande einen Vorrang einzuräumen. 

Kanyazagnay hatte auf dem Throne Tagoung's 33 Nachfolger, 
deren letzter Bhinnaka Yaza hiess. Als Chinesen und Tataren aus 
dem Lande Tsein (im Reiche Gandalarit) einfielen und die Stadt 
verbrannten , flüchtete der König mit dem Reste seines Volkes 
nach dem Mali-Fluss, und starb dort bald darauf. Die Auswan- 
derer theilten sich dann in drei Theile , von denen der bedeu- 
tendste die 19 Schan-Staaten begründete und nach dem Könige 
Bhinnaka benannte (die Zerbrochenen). Eine andere Partei ver- 
einigte sich mit den Kanyan und Sit im Königreich Sunaparanta, 
das von Königen des Saki-Geschlechtes , den Nachfolgern Mu- 
dut^äeitta's regiert wurde. Die Uebrigen blieben am Mali zurück, 
wo Naga Zein, die legitime Gattin des verstorbenen Königs, über 
sie herrschte. 

Um diese Zeit war es , dass Gautama in Misimadesa aufge- 
treten war. Gegen Ende seines Lebens brach Krieg aus zwischen 
den Königreichen Thawatta und Kapilawut. Pethanadi Kauthala, 
der Herrscher des ersteren, hatte die Tochter Mahanama's, der in 
Kapilawut regierte, zur Gemahlin begehrt, aber (da die stolzen 



12 Birma. 

Sakya*) ihr reines Blut nicht mischen wollten) in ihrer Ver- 
kleidung die Tochter einer Sklavin erhalten. Als ihr Sohn With 
hath-hupa sich nach Kapilawut begab, um seine Verwandten zu 
besuchen, erfuhr er aus dem spöttischen Empfang zuerst den 
seinem Vater gespielten Betrug und schwur blutige Rache. Drei- 
mal gelang es Gautama seine Armee auf dem Wege aufzuhalten 
und ihn zur Umkehr zu bewegen, aber das vierte Mal erfüllte sich 
das Schicksal seines Geschlechts und Kapilawut mit zwei anderen 
Städten in Thekkan wurde zerstört. So wurde die Sakya-Race 
aufs Neue zerstreut, und Daza Yaya schlug den Weg nach Mau- 
riya oderMweyen ein, wo er die Stadt Thendwe gründete. Nach- 
dem er weiter an den Mali-Fluss gewandert war und die ver- 
wittwete Königin aus seinem Geschlecht, die dort herrschte, 
geheirathet hatte, gründete er erst das obere oder ältere Pagan, 
und dann Tagoung oder Pinjalarit, das als Pinja Tagoung (das 
fünfte Tagoung) bezeichnet wird. Unter dem Titel Thado Za- 
budwipa Daza Raja (König Daza, der Erde Herr) regierte er dort 
mit grossem Glänze und hatte siebenzehn Nachfolger in direeter 
Linie. Auch die Regierung des Letzten derselben begann unter gUn- 
itigen Auspicien. Ein Regen von Kleinodien und Gold fiel für sieben 
Tage in den Strassen Tagoung's und das Land blühte im höchsten 
Wohlstande. Dann aber umwölkte sich der Himmel. Verschie- 
dene Plagen brachen aus und grosse Verheerungen wurden durch 
einen wilden Eber angerichtet, der die Fluren verwüstete und 
dem Keiner widerstehen konnte. Der König Thado Maha Yaza 
hatte Khebaduta (Labaduha), den Bruder seiner kinderlosen 
Gattin Keinnari Devi, zum Aingschwemin oder Erbprinzen er- 
hoben und gebot ihm, sich seiner hohen Stellung würdig zu be- 



*) Der Name wird von dem Ansraf ihres Stammvater» abgeleitet, als er die 
Verehelichnng seiner Söhne mit Schwestern einer andern Mutter erfuhr. Wie 
die Könige von Birma, heirathen auch dieTsoboa der Schanstaaten, als Ilaiiptge- 
mahlin ihre Halbschwestern, um das königliche Blut rein zu erhalten, während 
die Perserkönige selbst ihre eigenen Schwestern zu diesem Zwecke sich beilegten, 
wie die Incas. Die Stadt Kabinlapat wurde von den Sakkharat-Prinzen dort er- 
baut, wo sie einen rothen (Kapila) Hirsch oder einen Einsiedler (Kapila) mit den 
Hörnern eines Hirsches oder Ochsen sahen. 



Die Königsdynastie Tagoang^s. 13 

weisen, und das Land von dem Verwüster zu befreien. Der Prinz 
zog gegen das Ungeheuer aus, das erschreckt von dem Glänze, 
der ihn umstrahlte, die Flucht ergriflF. Es schwamm durch den 
Irawaddi, um zu entkommen, aber der Prinz folgte, es kreuzte 
aufs Neue den Fluss und entrann in die Schan-Berge, der Prinz 
stets auf dem Fusse, und durch viele Länder und Provinzen auf 
seinen Hin- und Herfahrten folgte er dem Dämon, bis er ihn zu- 
letzt auf dem Platze des jetzigen Prome einholte und erlegte. Der 
ganze Weg von Tagoung nach Prome ist noch mit den Erinne- 
rungen an diese wunderbare Begebenheit bestreut. Ueberall 
zeigt man Dörfer, Bergpässe, Flussarme, die danach benannt 
sind, weil hier der Eber ruhte, dort hindurchbrach, dort über- 
scbwamm. Nachdem der Prinz dem Riesenthier sein Fell abge- 
zogen, überlegte er, dass es ihm unmöglich sein würde, diese 
ungeheure Last den weiten Weg zurückzutragen. Da er aber zu- 
gleich fürchtete, dass der schon länger auf ihn eifersüchtige 
König ihm auf sein Wort allein nicht glauben, und das Mangeln 
des Beweisstückes zu seinem Verderben benutzen würde, so be- 
schloss er dort im Walde eine Hütte zu bauen, und als Einsiedler 
(Yathay) zu leben, da schon die Zeit nahe war, wo die von Gau- 
tama prophezeiten Omen über die Gründung Tijakittya's sich 
erfüllen sollten. Hiermit läuft die Geschichte Tagoung's in die 
Geschichte Prome's über. 

Nach Burney wird im Zambudipa kwon-gya, das die An- 
kunft Daza Yaza's aus Centraliudien 300 Jahre vor Gautama's 
Erscheinen setzt, nur die zweite Königsliste berücksichtigt. 
Ausserdem sind einige Namen ganz identisch. 



Die mythisch-historische Vorgeschichte Prome s. 

AIb da8 Feaer des grossen Weltenbrandes erloschen war, da 
wachs am Flnssnfer ein Niaungpin (Banyanenbaum) hervor, und 
zwei Krähen, die auf seinen Zweigen nisteten, legten fünf Riesen- 
Eier. Der Niaung-Baum wurde von einem Sturm^vind niederge- 
broehen und die Eier umher geschleudert. Sie hatten ver- 
schiedenes Schicksal. Das eine wurde von einer Kuh gefunden 
und zum Ausbrüten warm gehalten, die anderen von einer 
Schlange, einem Hahn, einem König, einem Bettler. Die daraus 
geborenen BrUder trafen wieder zusammen , und da sie sich er- 
innerten auf einem Baume erzeugt zu sein, beschlossen sie Ere- 
miten zu werden. Nach ihren Eltern suchend , fanden sie nur 
das Grab derselben, da die Krähen ihre Todten einscharren (und 
auch im Westen Adam davon unterrichten). Die Söhne legten 
dort in einem Monument , tiber das sich später die Schwedagon- 
Pagode Rangun's erhob, ihre Insignien nieder, Kaukuson (der 
Sohn des Huhnes) seinen Stab, Gonagon (der Sohn der Schlange) 
sein Wasserfilter, Kasyapa (der Sohn des Bettlers) sein Ge- 
wand, Gautama (der Sohn der Kuh) Haare seines Kopfes, und 
Arimatheia (der Sohn des Königs) Haare aus seinen Augenbrauen. 
Kasyapa wird sonst ein Brahmane genannt und auch der gleick- 
namige Schüler Gautama's hat die Muschel als SjTnbol, wie 
Upali Blumen und Katyayana ein Rad. 

Verschieden von dieser Darstellung , die sich in der Schan- 
Uebersetzung der Samein-Yangun (Rangun-Tameing oder Chro- 
niken Ranguns) findet, ist die folgende : 



Die mythisch-historische Vorgeschichte Prome's. 15 

Als Alles noch See war, und nur der Hügel bei Rangun 
hervorsah, sprossten (am Ende der vorhergehenden Kalpa) fUnf 
Kya (Wasserlilien), zum Omen der kommenden Götter, empor. 
Ein grosser Vogel, der darüber hin wegflog, Hess flinfEier nieder- 
fallen , und aus denselben kam in der Gestalt eines Huhns Kau- 
kuson, der sein Gewand, als Schlange Gonagon, der seinen Stab, 
als Schildkröte Kasyapa, der sein Wasserfilter, als Kuh Gau- 
tama , der Haare , als IHger Arimatheya , der seinen Unterkinn- 
backen dort niederlegte. Beim Oefinen der Lilien enthüllte 
jede ein gelbes Priestergewand , und wurden sie desshalb Kya 
tingan genannt. Als der Untergang der Welt herannahete, 
kamen fünf Götter herab, um diese Gewänder mit sich hinauf 
zum Byamma- Himmel zu nehmen und vor der Zerstörung zu 
retten, bis die neue Erde geformt sein würde, auf der ihre Träger 
zu erscheinen hatten. 

Marini bemerkt, dass die Laos die sechszehn himmlischen 
Königreiche schon vorher gekannt und nicht erst von den ^infames 
disciples de Xaca" gelernt hätten. Ils croyent que le Ciel est de 
tout etemitö. Ils luy soümetent a plomb et en ligne direct seize 
mondes terrestres, dont les plus elevez sont les plus delicieux. 
Un je ne sgay quoy , qu'ils estimoient sur toutes choses estoit le 
dien, qu'ils adoraient sous le nom de Mandarin. Dagegen unter- 
scheidet Turpin zwei ältere Religionsanschauungen, während 
r, la nouvelle doctrine ^tablit öternitö des Cieux et de seize mon- 
des terrestres. " 

Nachdem die neue Erde gebildet war, kamen einige Byamma, 
die aus ihrem Himmel die Luft durchflogen und die Aus- 
dünstung des früheren Brandes bemerkten, neugierig auf die- 
selbe herab, und sahen fünf Lotusblumen emporblühen, die sie 
abpflückten. Nachdem diese herrlichen Byamma die vier Con- 
tinente mit dem Glanz ihrer Körper erleuchtet , kehrten sie zu 
ihrem erhabenen Aufenthaltsorte zurück, aber einige, deren Ver- 
dienste erschöpft waren und die deshalb von der süssen Kruste 
auf der Erdoberfläche gekostet hatten, fühlten ihren Körper schwer 
und konnten sich nicht wieder emporheben. Durch den Genuss 
des später emporwachsenden Reis' öflfneten sich dieVerdauungs- 



16 Birma. 

kanäle, und indem die Gescblechtszeichen hervortraten , wurden 
die Geschlechter getrennt. Sie verheiratheten sich dann in vier 
Paaren. Nur einer aus den Neunen blieb unverehelicht und zog 
sich in die Einsamkeit, als Eremit zurück. Durch seine zu- 
nehmende Heiligkeit gewann er seine frühere Fähigkeit des 
Fliegens zurück und nahm seinen Sitz im Himmel wieder ein, 
pflegt aber jährlich einmal zum Besuche seiner Anverwandten 
auf die Erde zurückzukommen , wo er dann mit Jubel am Neu- 
jahrsfeste mit dem Rufe l'injan (der von der Gesellschaft Abge- 
schiedene) empfangen wurde. Die Vermählungen hatten anfangs 
Widerspruch gefunden , und die Ersten , die sich denselben hin- 
gaben, wurden verfolgt und mit Steinen geworfen, weshalb sich 
dieser Gebrauch noch jetzt in Birma am Polterabend erhalten 
hat. Später aber wurde die Sitte des ehelichen Lebens allge- 
mein, und nachdem sich das Menschengeschlecht in vier Kasten 
getheilt hatte , nahmen mit den Streitigkeiten aller Arten Laster 
überhand, bis zur Herstellung*) von Ordnung und Gesetz in der 
Klasse der Raja oder Kschatrya der Embryo des Buddha Kau- 
kuson als Mahathamada geboren wurde , um die Dynastie der 
Könige zu gründen, unter denen er später selbst, als Buddha 
wieder erschien und die Dhamma verkündete. 

Von den 64 Mahathamada's haben 11 ihre Periode vollendet 
und die Erscheinung von 13 ist noch zu erwarten. Auf den 
letzten folgten 28 Könige, in drei Reichen Kokthawadi, Yazagaya 
und Meitila, dann 100 Könige in Kokthawadi allein, und später 
22 Dynastien in ihren respectiven Ländern , deren letzte (von 
82,013 Königen) in der Heimath Gautama's regierte, dessen 
Grossvater Anjana die gros«e Epoche begründete, 68 Jahre vor 
dessen Geburt wie auch die Mohamedaner die für Mekka be- 
deutungsvolle Aera des Elephanten mit dem Grossvater ihres Ge- 
setzgebers verbinden. Nachdem der Stamm Gautama's in Kapilawut 
oder Makata untergegangen war, folgte ein Geschlecht von sechs 



*) Als Dach der Verdlgung der Xatrijas durch Parasu-Hama Unordnungen 
und Gesetzlosigkeit auf der Erde zunahmen, drohte sich diese in die Tiefe zu ver- 
senken, bis Kasyapa erlaubte, dass die von ihr Geretteten wieder Könige würden. 



Die mythisch-historische Vorgeschichte Prome's. 17 

Königen , das durch Susanaga von Wethali (Vater Kalasauka's) 
vernichtet wurde. Dann folgt (nach dem Mahawanso) die Mauriya- 
Dynastie mit Chandragupta, dem Grossvater Sri-Dharma-soka's, 
dessen Sohn Rahanman (Ran-man in meiner Abschrift der Mahaya- 
suen) von den Birmanen als König von Prome genannt wird, 
nachdem die Residenz von Wethali (Jaintya) oder Majima dort- 
hin verlegt worden. Mahatambawa in Prome soll mit dem 29. 
König von Misimadetha gleichzeitig gewesen sein. Nach den 
Birmanen kamen die Zanekka ponas mit Ghandagupta aus 
Meithila nach dem von Yahanda bewohnten Patalibothra und 
waren durch hervorstehende Zähne kenntlich , wie die Yakkein. 
Auch der Name Mon oder Man wird den Peguanem als Ab- 
kömmlingen Maras mit Hauerzähnen und Schlangenhaaren ge- 
geben (nach Loub^re). Eine der beliebtesten Wuttu handelt 
von Gautama's früherer Existenz als Prinz Zanekka. Die Bir- 
manen rechnen ihre jetzige Heimath zuDsanabok (Xanabut), durch 
den Fluss Tanlawuddi , den Gautama selbst als Grenze setzte, 
getrennt, aber sie sind eingewandert aus Thavuttih, wo die 
ersten Bhyammagyi zur Erde stiegen. In Dsanabok sind deshalb 
auch nur wenige Spuren von Gautama's Sendung zurückgeblieben, 
doch wird ihm der östlich von Aquee eingedrückte Fusstapfen 
zugeschrieben, der die Grenze zwischen Munipur und Kachar 
bezeichnet. Die Abkunft des Königsgeschlechts knüpft direkt 
an die Solot-nakhon an (Enga, Magada, Kasih, Kausala, Witzih, 
Mala, Zetira, Wansa, Kuru, Pintsala, Mitza, Surathena, Asaka, 
Awantih, Gandara, Kambaudza). 

Nach den Listen des Kapparatha - Zea herrschten vor dem 
letzten Mahathammadat bis Ukkayarithmin erst 252 und dann 
556 Könige; von seinem Sohn Ukkamoko, dem Urgrossvater 
des Phaya Shin, in Kapilawut 82,000 Könige bis Sejathtena 
oder Zejasena, von dessen Sohn Tihanu bis Thododena, Vater 
des Theithdatkomaya, 33, 45 und 69 Könige (in drei Dynastien), 
und von Asadatamin (die Stütze der Religion) bis Thirikama- 
thika-min oder Siridamosokha werden 29 Könige gezählt in 
Misimadesa, Ingatein und Meggatein mit den andern 16 Reich en, 
sowie iu Baranat und Tawuthtein mit den andern 16 Reichen. 

Bastimn, OttMien. I. 2 



18 Binna. 

In den Ländern Thanaparantatein und Theppaditadein, die östlich 
und südlich vonMisimadesa liegen, verblieb Phaya (im Jahre 5000), 
nachdem die Brüder Ninaunnapa den Sandaga-Kyaung gebaut 
hatten , für sieben Tage in dem Eyaung (Kloster) Mahazula Pon 
und Hess auf die Bitten des Tissapantara - Yathay seine Fuss- 
tapfen auf dem Arhattapa-Berge, sowie er sie, auf das Gebet des 
Namanta-naga , auch auf einen Fels*) am Ufer des Man-Flusses 
setzte. Als er in Itunaparanta und Theppadipatein predigte, 
prophezeite er die künftige Gründung Tijikitta's, die 101 Jahre, 
nachdem er in Niphban eingezogen , stattfinden würde , und im 
zwanzigsten Jahre starb Thado (der Herr der rothen und weissen 
Elephanten) , der mit Hülfe Shin maha khattapa's die Aera ver- 
ändert hatte und dessen Sohn Thadoschweya oder Asatatath im 
vierzigsten Jahre seinen Schwager zur Verfolgung des Ebers aus- 
sandte. Im 8. Jahre Asatatath's , des ersten Königs von Misi- 
madesa, fiel das Niphan Zina Punghi's. 

Auf der andern Seite des Irawaddi, Prome gegenüber, 
erhebt sich der Po-uh-taun, der, mit dem Yama- Gebirge 
zusammenhängend, dort in den Fluss vorspringt. Die Aus- 
sicht von seinem Gipfel über die mit grünen Wäldern be- 
deckten Hügelkuppen, über den majestätischen Strom, der am 
Fusse vorbeifliesst und gerade da an Breite gewinnt, wo die 
zurücktretende Bergkette sich in einem schlanken Halbcirkel um 
die blühende Ebene Prome's herumschwingt, unter dem goldnen 
Scheine der an die Erhöhung gelehnten Pagoden, wird von den 
Europäern in Birma gern mit dem Siebengebirge des Rheins ver- 
glichen und braucht diese Zusammenstellung nicht zu scheuen. 
Dort soll Gautama gestanden und Ananda , der ein Lächeln auf 
seinen Zügen bemerkte, die künftige Grösse der Stadt, die dort 
in spätem Jahren entstehen würde , mitgetheilt haben. Dieser 



*) Thns two flnnly founded pagodas were fixed in the rock , as if sealed 
down as the Lord said : Hereafter inj religion shall be long established in the 
coantries of Snnaparanta (on the Man-river) and Tampadena (Ceylon). From 
thence the Phra went and arrived at the Phoeuh-hiU. To the soath-east was the 
sea (s. Phajre). Durch Buddha's heilige Fusstapfen verwandelt sich Xana-pada 
(das von Menschen Betretene) in Buddha-pada. 



Die mythisch-historische Vorgeschichte Prome's. ig 

Zug wiederholt sich beständig in der Geschichte derHinterindier. 
Gautama durchwanderte mit seinen Schülern die damals noch 
wüsten Gegenden, die noch unbewohnten Wälder Xanabut's, und 
wenn er auf eine Stelle gelangt, die sein prophetischer Geist als 
die künftige Heimath eines glücklichen Menschenlebens voraus- 
sieht, dann verklären sich seine Züge zu einem Lächeln. Das 
Lächeln eines Buddha aber durchzuckt als Wonnestrahl alle 
Himmel und alle Welten und prädisponirt somit das günstige 
Prognostikon in dein verwobenen Geschick des künftigen Staates. 
Aus einem zufälligen Nebenereigniss erklären dann die Historiker 
meist zugleich den Namen der Stadt, wie in Pegu Ananda das 
Lächeln dort sah, wo zwei Schwäne an dem Ufer eines Sees sassen, 
und der zu gründenden Stadt deshalb den Namen Hansawuddi 
beilegte. In Po-uh-taun wurde Gautama durch Maulwürfe verehrt, 
die , weil sie sonst nichts anderes zu geben hatten , Erde gegen 
ihn sputterten. Ein kleiner Bieber schwamm vorbei , auf dem 
Wasser des Oceans ti-eibend, wo er sich durch Anklammem an 
einige durch Kuhmist zusammengeklebte Strohhalme flott hielt. 
Jede kleine Welle drohte ihn zu verschlingen, aber doch die 
Nähe des Welterlösers fühlend , suchte er einige Tropfen Wasser 
nach oben zu spritzen , als Zeichen seiner Verehrung. Er war 
bestimmt, der grosse König Dwattabong zu werden. 

Die gesegnete Gegend Prome's war von jeher die Stätte einer 
blühenden Stadt. Zur Zeit Kaukuson's hiess dieselbe Tatosnapati, 
zur Zeit Gonagon's Pona-wutti, zur Zeit Kasyapa's Jona und zu Gau- 
tama's ZeitTijikitta. Die Ruinen der letzteren linden sich mit ihren 
dicken Thürmen und Mauern in der Ebene, die früheren aber liegen 
weiter an den Hügeln aufwärts, die damals noch mit der Wasser- 
fläche gleich waren, und wo man die Anlegeplätze der Schifte in 
dem Hafen zeigt und auch grosse Anker gefunden haben will. 
Erst als die von Gautama auf Po-uh-taun vorherverkündeten fünf 
Omen 101 Jahre nach dem Niphan sich erfüllt hatten, veränderte 
der Fluss seinen Lauf und zog sein Wasser von dem jetzigen 
Thale zurück, denn es war prophezeit, dass ein Erdbeben , die 
Bildung eines Sees an einer Landspitze , der Durchbruch eines 
neuen Flussarms, das Einsiuken eines Berges und das Auf- 



20 Birma. 

trocknen des Meeres die Epoche bezeichnen würde,- wenn die 
neue Stadt zu gründen sei. Jetzt liegt Prome viele Tagereisen 
von der See entfernt, aber unter seinen ersten Königen spricht 
die Geschichte stets davon als einem Seehafen. 

Die birmanischen Chroniken, die, wie schon erwähnt, von 
Tagoung als dem ursprünglichen Sitze ihrer Könige ausgehen, 
erwähnen zur Zeit des Königs Kangazaghyee (Kanyan-raxa-gyi), 
dass derselbe, während seines Aufenthalts in Kule, seinen Sohn 
Mudutsitta nach Sunaparan gesandt habe, \im über die Pyus, 
Kanyan und Dsit, die ihn um einen König ersucht hätten, zu 
herrschen. Zu der von Mudutsitta gebildeten ConfÖderation der 
Kanyan und Dsit kommen dann später versprengte Stämme der 
Schan, aus dem Geschlecht des Königs Bheinnaka (der Zer- 
brochene), dem letzten Könige Tagoung's. Die Dsit (wahrschein- 
lich das siamesische Thet) , die auch bei Gautama's Besuch in 
Yamawudditein oder Kamawudditein (Pegu) als die ursprünglich 
Eingebomen erwähnt werden, hatten sich aus den von den Schan 
vertriebenen Tekkabiohn hervorgebildet, und sollen sich jetzt 
noch rein erhalten haben in einem Lande, das nördlich von Tayop 
(China), östlich von Tayek, westlich von den Karenni und süd- 
lich von luthia (Siam) begrenzt wird, also Laos bezeichnen muss. 
In Thatung führten die Thet den Namen Thaukoday. Die 
Birmanen pflegen auch zu sagen , dass nur die Byammagyi in 
Misimadesa die wahren Byamma-dsit (reinen Brahmanen) wären, 
während sie sich selbst Byamma-Palaun (Mischlinge) nennen und 
das Tsalweh (brahmanisches Band) nur den Edelleuten zu- 
erkennen. Die Byammagyi theilten sich ursprünglich in 102 
Racen, wovon der Hauptstock , nach der Vertreibung aus Misi- 
madesa, nach Birma kam, und dort werden wieder fünf Kacen 
unterschieden, die Pioje, Püntaun, Pyuh, Danuh und Dsit. Die 
Siamesen machen 12 Brüder, die in Baranasi geboren wurden, 
zu Vorfahren der Thai , Lao , Mon , Kamen , Phama , Kha , Lava, 
Karlen, Farang, Khek, Juen und Chek. Die erste Ansiedlung, 
ehe QmetrB, gegründet wurde , hiess Yathay-myo (als von Ere- 
miten bewohnt), und diese Stadt, in der Mitte von Ava und Pegu, 
wurde von jenen spätem Rivalen vielfach als der gemeinsame 



Die mythisch-historische Vorgeschichte Prome's. 21 

Grundstock betrachtet, indem aus der Mischung der Einwohner 
Yathaymyo's mitTagoung die Birmanen, aus der mitTathung die 
Taleing abstammten. Zu der dortigen Heimath der Dsit kamen die 
sich von Tagoung vor der Ankunft Abhiraga's zurückziehenden 
Kanyan und Pyu. Die Ersteren, von der jüngeren Tochter ihres 
verstorbenen Königs geführt, siedelten sich in morastigen Niede- 
rungen an , die von der älteren Schwester beherrschten Pyu oder 
Pri (die als Mru die aracanisuhen Hügel bewohnt hatten) auf dem 
Pouhtaun-Berge. Bei einem Einfalle der Aracanesen aus Dinia- 
wuddy wurde Tambula, König derPyus, als Gefangener fort- 
geführt und die Königin- Wittwe Nang Khan zog sich mit ihrem 
geschlagenen Volke auf die andere Seite des Flusses und dann 
nach dem Thagya-See zurück , wo die verbündeten Kanyan und 
Dsit von den Nachkommen Mudutsitta's regiert wurden. Da 
diese den neuen Ankömmlingen kein Land einräumen wollten, 
so kam es zu langdauemden Kriegen, aus denen die Pyus indess 
schliesslich siegreich hervorgingen , besonders mit der Hülfe des 
verbannten Erbprinzen aus Tagoung, den die Pyus bei sich auf- 
genommen und tiefe Verehrung während seines Eremitenlebens 
zollten. 

Mit diesem frommen Einsiedler passirte eine sonderbare 
Sache, die nicht nur von Orion und Vasishtha bekannt ist, son- 
dern auch bei verschiedenen Persönlichkeiten Siams und Kam- 
bodias. Eine in ihrem Trinkwasser nicht wählerische Hirschkuh 
gebar ein Mädchen , das der Prinz als seine Adoptivtochter an- 
nahm und unter dem Namen Bedari in seiner Einsiedelei erzog. 

In der Zwischenzeit hatte seine Schwester , die Königin von 
Tagoung, gleichfalls merkwürdige Dinge erlebt. Nach dem Tode 
des Königs , wo sie sich ganz den Plänen ehrgeiziger Minister 
preisgegeben und verlassen ohne treuen Rathgeber fühlte , hatte 
sie zuweilen unvorsichtiger Weise dem Drachenkönige erlaubt, 
sie zu besuchen und durch seine Gesellschaft zu erheitern. Plötz- 
lich wurden aus Eiern lauter kleine Nagas oder Drachen geboren, 
so dass man Mühe hatte , sie nur schnell genug auf Flösse zu 
spiessen und denFluss hinabzuschicken, ehe sie aufwachsen und 
gefährlich werden würden. Daher rührt auch der Name Ta- 



22 Birma. 

goung Tanyat. Die Königin wäre ihren Freund jetzt gern los 
gewesen, aber derselbe fühlte sich zu wohl im Palast, statt ihre 
Ansicht zu theilen und wiederholte regelmässig alle sieben Tage 
einmal seine Visite. Die bestürzten Minister wussten keinen andern 
Rath, als die Königin wieder auf eine standesgemässe Weise zu 
yermählen und Hessen es deshalb durch alle Königreiche verkün- 
den, dass ihre Hand frei wäre. Angezogen durch den Ruhm des 
mächtigen Tagoung strömten die Prinzen von allen Seiten herbei, 
um seine Krone zu tragen , aber alle hatten ihren Ehrgeiz mit 
dem Leben zu zahlen*), der eifersüchtige Naga pflegte sich stets 
in der Brautnacht im Palast zu verstecken und sobald er den 
Neuvermählten eingeschlafen sah , kam er hervor und zerhackte 
ihm mit seinem eisernen Schnabel den Schädel, das Gehirn 
trinkend. Da war grosse Trauer im Lande und Alles gerieth 
ins Stocken und in Unordnung. Nun lag damals in einem Dorfe 
ein alter Bauer im Sterben , der seinem Sohn Moung-Poukzein 
als Abschiedsworte drei wichtige Lehren gab: 1) wer rasch geht, 
kommt vorwärts, 2) wer fragt, wird lernen, 3) wer wenig schläft, 
lebt lange , und deren Beachtung empfahl. Dem ersten gemäss 
wollte Moung-Poukzein nicht in seiner Heiraath bleiben und kam 
auf der Wanderung nach Tagoung, wo er nach dem zweiten Gebot 
durch Fragen von den Mädchen am Brunnen die Ursache der 
Landestrauer erfuhr und als er, dem dritten folgend, im Palast 
gewacht, statt geschlafen hatte, bemerkte er den in der Bodenluke 
versteckten Drachenvogel , der nach dem Dunkelwerden herab- 
kam , um seinen hinterlistigen Verrath zu üben. Poukzein legt« 
einen Bananenstamm mit Kleidern umwickelt ins Bett und tödtete 
den Drachen, als sich sein eiserner Schnabel an den zähen Fasern 
festgehackt hatte und nicht zurückgezogen werden konnte. So 
wurde er der Gemahl der Königin und von ihm stammten die 
spätem Prinzen von Tagoung. Die ersten Zwillinge aber , die 
die Königin nach ihrer neuen Verheirathung zur Welt brachte, 
zeigten sich noch bedenklicher Natur, da sie blindgeboren 

*) Nachdem Konig Bhartrihai in Malwa dem Throne entsagt hatte , tödtete 
der Vetala Jeden neuen Bewerber , bis Vicramaditya sein Recht geltend machte, 
ODter dem Versprechen eines Bali-Opfers. 



Die mythisch-historische Vorgeschichte Prome's. 23 

waren , in Folge eines von dem Drachen nachgebliebenen Ein- 
flusses. Als Söhne Nagadasaka's traf sie deshalb auch unerbittlich 
das Loos , auf ein Floss gesetzt und den Fluss hinabgeschickt zu 
werden. Die ans Ufer getriebenen Säuglinge wurden von der 
Milch einer Hirschkuh genährt und als sie hinlänglich gealtert 
waren, um gehen zu können, machten sie ihr Floss flott und 
fuhren weiter. Auf der langen Reise Ratten sie Zeit zu wachsen, 
und waren schon dem Jünglingsalter nahe, als sie eines Tages 
im Gestrüpp bei Sitkain festrannten und nicht weiter konnten. 
Sie blieben dort längere Zeit und eine Belumah, die in der Nähe 
wohnte , pflegte , wenn sie ihr Mahl bereitet hatten , daran Theil 
zu nehmen. Die Brüder verwunderten sich , dass das gewöhn- 
liche Quantum Reis nicht mehr, wie früher, zu ihrer Sättigung 
genüge und beschlossen, genau Acht zu geben. Das nächste Mal 
fühlte der älteste Bruder, Mahasambhawa , eine fremde Hand im 
Reis und fragte Kolasambhawa (Ghula - sambha) , ob das die 
seinige sei ? Dieser verneinte und, selbst die Hand fühlend , be- 
fragte seinen Bruder. Da sie jetzt merkten, dass ein Fremder 
unter ihnen sein müsse , packten sie die Hand und zwangen die 
Belumah , sich zu erkennen zu geben als weibliches Belu (oder 
Ungeheuer). Die Ungeheuerin , erschreckt und mit dem Tode 
bedroht, versprach ihnen das Augenlicht wieder zu geben , wenn 
ihr Leben geschont würde, und als die Brüder sehend geworden, 
gründeten sie Meaday an der Stelle , wo sie zuerst den Himmel 
geschaut. Diese Stadt liegt jetzt an der Grenze der englischen 
Provinz und Pinto erwähnt das Königreich Meletay oder Meaday. 
Von dort weiter schiflfend, landeten die Brüder eines Abends in der 
Nähe der Einsiedelei und gingen, um ihren Reis zu kochen, nach 
dem nahegelegenen Brunnen, wo sie mit Bedari zusammentrafen. 
Durch sie wurden sie zu ihrem Onkel geführt, der sie bald er- 
kannte, und auf der Stelle der Erkennungsscene steht noch jetzt 
eine Pagode, die darum die der heissen Liebe heisst. Aus der Ge- 
liebten wurde eine Gattin, indem der Eremit beide mit seiner Adop- 
tivtochter vermählte. Als nachher Nang Khan oder Puih-Mi-Phaya 
(die hohe Frau des Herrn), die Königin der Pyus, von ihrer An- 
kunft hörte, wünschte sie selbst einen solch ebenbürtigen Prinzen^ 



u 

JUM Iriberer VerwBndtiiehaft zo ibrem Osiieii «ad wurde dnrrh 
den HhfanYalbajr wt Mahasainbhawa remihlt Sie lesidirteD in 
Yatkajn jo ond dort wvde, karz naeb dem Tode MelnuMimbbawa"», 
detieo füelle Kolanambbawa einnabm, tod der K^nipn ein Sobn 
geboren, der milerdeni Namen Dwattabong i^päter auf dem Tbrone 
sarbiblglef da Kola^ambbawa's eigener Sobn, der naebber znr 
Welt kam , ron einer Belomab fortgefftbrt wurde , um ein nörd- 
Heliei K0nigreieb zu grttnden. 

Maeb I^aiwien könnte Kolasambbawa mit dem Volke der Kola 
im Dekkban zunammenbängen. Im GegenRatz zu Maba mu88 es 
klein bedeuten , wie «icfa die birmanische Gescbicbte bei ibrer 
sonntigen Wiederholung solch prinzlicher Zwillingspaare der ein- 
heimischen Affexe von kyi und ngay oder kaleh bedient. In 
Siam findet sich , als rerschieden Ton der Maha sakkbarat Sali- 
rahana's, die s^igenannte Cholo oder Chunio- Sakkbarat, die, 
obwohl von denHiamesen gewöhnlich als die kleine Aera erwähnt, 
ihren Ursprung dem Königreich der Chola und deren astrono- 
mischer Akademie zu verdanken haben mag. Von den Chola- 
Rajas, die im 5. — 7. Jahrhundert Indien mit Tempeln bedeckten, 
beisst Aditya Ben Raja der Monarch des ganzen Landes , das die 
See umgiebt. 

Mit Dwattabong, dem Sohne zweier Väter, beginnt jetzt die 
eigentliche Geschichte von Tijikittya myo oder der Stadt Prome 
(Pyu-myo), die der Thagiaming flir ihn gründete, nach dem 
Modell seiner Residenz in Mahaduttattea (Tushita), indem er 
selbst, von sechs Eremiten umgeben, den Stadtpfeiler setzte und 
sich des Naga-Königs als Strick bediente, um die Peripherie des 
Weichbildes zu ziehen. Diese Operation wird noch jetzt von 
den Birmanen bei Stadtgründungen angewandt. Der Faden 
muss von der reinsten Seide sein, und es wird als ein ungünstiges 
Omen für Mandalay betrachtet, dass der fremde Abenteurer, der 
mit der Verfertigung desselben beauftragt war, weil er ihn für 
den billigsten Preis zu liefern versprach , die Hälfte aus Wolle 
eingedreht hatte. Nach den mir bekannt gewordenen Einzel- 
heiten der Persönlichkeit zu urtheilen , war dieser die Zukunft 
eines Königreichs verknausemde Jude polnischer oder gali- 




Die mytUseh-historische Vorgeschichte Prome's. 25 

ziscber Herkunft. Er selbst machte indess auf eine benachbarte 
Nationalität Anspruch. 

Neben seiner Schwester Zandadewi heirathete Dwattabong 
dieBesandi, die Tochter des Nagakönigs, der ihm so gute Dienste 
bei der Stadtgründung geleistet (444 a. d.), und empfing von 
ihm einen Wunderspeer, durch dessen Zauber er alle umliegenden 
Länder beherrschte. Ausserdem wurde ihm durch* den Thagya- 
min ein drittes Auge auf der Stirn oder, wie die Birmanen sagen» 
ein schwarzer Fleck geschaffen, womit er die ganze Erde durch- 
schauen konnte. Er hatte um diese Gunst gebeten, weil ihm 
von einem seiner vertrauten Nats im Geheimen zugeraunt war, 
dass die Belu's (Ungeheuer) beständig bei seinem Palast 
ungenirt vorbeizuspazieren pflegten, und er wünschte ihnen diese 
Frechheit zu verleiden. Nachdem er sie durch den Wunderfleck 
zu erkennen vermochte, Hess er jeden, der ihm vor seine Blicke 
gerieth , einstecken und bald hatte er ein ganzes Gefängniss voll 
Belu , die er nutzbar machte und fttr sich arbeiten Hess. Nach 
den Karen ist der dreiäugige Seju das böse Prinzip, der in den 
Erdbeben die von seinem Bruder Yowa auf ihn geworfene Last 
erschüttert, und bei der Beziehung von Siva's Stirnauge zurYoni 
verlor auch Dwattabong sein drittes Auge durch weibHche Hinter- 
list, indem er es mit dem von Apaitono (der krummen Frau) 
gegebenen Leichentuche abtrocknete. Mit Frauen war der König 
überhaupt nicht glücklich. Eine seiner Sklavinnen , zu der er 
eine besondere Neigung gefasst hatte , bat ihn einst um so viel 
Erde fttr ihr Eigenthum, als sie mit einem Felle bedecken könne. 
Der König nahm keinen Anstand, ein so bescheidenes Gesuch zu 
gewähren , aber die verschmitzte Zofe schnitt das Fell me Dido 
in lauter dünne Streifen und umspannte damit Land genug, um 
die Stadt Issay-Mew bauen zu können. Auch der Name des 
ganzen Königreichs Thara-kettara oder Thayakittaya (Qrixetra 
oder Feld des Glückes) wird von Thara oder Thä-ya (Fell) ab- 
geleitet, wie die Birmanen mit solchen Etymologien überhaupt 
nie in Verlegenheit sind und bei mangelndem Vorrath, dem Be- 
dttrfniss zu genügen, erfinden. Die von den Asuras mit Ochsen- 
häuten vertheilte Erde wird in Yischnu's Verkörperung als Zwerg 



26 Birma. 

fUr die Götter zurück erworben. Als Dwattabong, um einen 
Palast zu bauen, einer armen Wittwe ihr einziges Keisfeld^ aus 
dessen Ertrage sie täglich den Pungyi zu geben pflegte , weg- 
zunehmen befahl, verliess ihn der Segen, der bisher über seinen 
Handlungen geschwebt hatte, die Kraft seines Zauberspeeres 
ging verloren und die unterworfenen Fürsten, die ihn nicht 
länger zu fürchten brauchten, hörten auf,' Tribut zu senden. 
Dwattabong schickte seine Edelleute, um denselben einzufordern, 
und da keiner von ihnen zurückkehrte , weil sie alle von den 
Aufständischen ermordet waren , lieh er das windschnelle Boot 
seines Schwiegervaters und durcheilte damit die Erde. Doch 
auch er selbst hatte nur wenig Erfolg und Hess sich bei seiner 
Bückkehr durch seine Verstimmung und seinen Aerger soweit ver- 
blenden , dass er in den Fluss spie. Die Drachentochter, diese 
ihrem Vater angethane Schmach sehend, verschwand und bald 
erschien der erzürnte Nagakönig selbst auf seinem Schlangenboot, 
in das er den König hineinsetzte und mit ihm in die Unterwelt 
hinabfuhr. Sein Sohn Duttaron folgte und dann der König Yan- 
haun oder Ram-bhaong, aber eine mit so manchen Schandthaten 
schon belastete Dynastie konnte keinen Bestand haben und 
Promo erholte sich erst wieder bei ihrem Wechsel, als Yan- 
man oder Ranman , der Sohn Dharmasoka's , den Thron bestieg. 
Dwattabong soll zu der Zeit regiert haben, als Kalasoka, König 
von Witali , die zweite Synode in Misimadesa abhielt, und Yan- 
baun lebte unter Siridammasoka yonPalibrotha, dem Berufer der 
dritten , an deren Ende also Rahanman nach Promo gekommen 
wäre, wie sein Bruder Mahinthaten ipit Sanghamitra nach Ceylon 
oder die Missionäre Sona und Uttara nach Tathung. Auch die 
Geschichte Tongu's bemerkt, dass Dhammasoka Hinterindien 
durchzogen habe, um den von ihm gefundenen Reliquienschatz 
unter Pagoden in den verschiedenen Ländern zu vei*theilen. Die 
Chinesen dagegen erwähnen aus der nächstfolgenden 2^it, dass 
der gewaltige Gründer der Tsin , der die Nomadenvölker seinen 
Befehlen zwang, sein Reich bis Ava ausgedehnt habe. 

Der Eintritt des Königsgeschlecht« aus Palibrotha in die 
Geschichte Prome's coincidirt mit derzeit, wo das weite Reich 



Die mythisch-historbche Vorgeschichte Prome's. 27 

Dhannasoka's zerfallen oder wenigstens getbeilt zu sein scheint. 
Die Katastrophe wird auch hier durch die Machination eines 
bösen Weibes, Tisbjaraxita, eingeleitet, die die vom Könige zeit- 
weis übertragene Gewalt dazu benutzte, die ihr verhassten Augen 
Kunala's in Taxa^ila ausreissen zu lassen. Nach den birma- 
nischen Autoritäten bei Crawfurd hatte der in weiblicher Linie 
Yon Gautama hergestamihte Susanaga (Vater des Kalasauka) den 
Sitz der Regierung aus Rajagaya nach Vethali verlegt, unter 
welchem Namen das an Sylhet grenzende Jynteah zu verstehen sei. 
lieber Mithila oderTirahut regierten die JonakafUrsten in Janak- 
pur, durch Janika, den Sohn Mithila's, von Ixwashku stammend. 
Nach Kanman oder'Ramman regierten noch vier andere 
Könige derselben Dynastie (Khanlaung, Lakkhong, Sik- 
han). Tirika oder Siririt, der durch sechs Gelehrte historische 
und mathematische Bücher abfassen Hess, war der letzte der- 
selben und mit seinem Tode blieb der Thron unbesetzt. Ein 
Priester, der durch das Studium des San in den Bedas die Kennt- 
niss der Vogelsprache gelernt hatte, hörte den Hahn seines 
Klosters jeden Morgen krähen: „Iss meinen Kopf, iss mich und 
du wirst König!** Er befahl deshalb seinem Schüler, ihm diesen 
Hahn zu Mittag zuzubereiten. Während des Bratens fiel der 
Kopf herunter und da er schmutzig geworden war, ass ihn der 
Schüler, weil er fürchtete, ihn in dem Zustande aufzutischen. 
Da der Priester sah , dass das Geschick es so gewollt hatte , so 
erzog er seinen Schüler sorgfältig und wandte all seinen Einfluss 
an, ihn auf den Thron zu erheben, den er unter dem Namen 
Ngatapa („Ich bin ein Anderer**) bestieg (111). Sein Nachfolger 
Papiram (60 a. d.) war ein weiser Mann und schickte den Ge- 
lehrten Shin-Nagatehn (Nagasena oder Nagarjuna) zu Milaenda, 
König von Talaga, um mit ihm spitzfindige Fragen und Ant- 
worten auszutauschen, und sein Sohn Ranmukkha war gleichfalls 
wohlbewandert in den Vedas. Der folgende König, Ransinga 
(21 a. d.), war schrecklich anzusehen , ganz schwarz mit rothen 
Augen. Auch quälte solch ein Scheusal die Bekenner der wahren 
Religion. Auf Ranmunzalinda folgte Bharinda oder Beringda, 
der selbst nach Tekkatha (Takhasinla) ging, um durch dortiges 



4 



28 Birma. 

Studium die Kenntniss der Yedas wieder in seinem Lande auf- 
zufrischen. Ein anderer Verfolger des Buddhismus war Tantek 
oderThaka, Grossvater des Dumindara oderThamugdara, für den 
der Thagia-min in der Gestalt desPouaMahalana wieder Ordnung 
in die Aera brachte (79 p. d.% die (wie auch Salavihana fand) in 
Verwirrung gerathen war, seitdem sie Asatada in den Zeiten 
Kasapa's verändert hatte. Sein Nachfolger Athita oder Atitya 
heirathete seine eigene Mutter und wurde dafür vom Volke zu 
Tode gesteinigt. Unter Zena (Narasinga) oder Supanyanagara- 
chinna (dem Sohne des Naga Rasein) empörten sich die Kanyan, 
die zum Theile nach dem südlichen Aracan ausgewandert waren. 
Der König zog aus, sie zum GehorsaiJt zurückzuführen, und als 
er auf seinem Rückwege die goldne Statue Arimatheia's in Maha- 
muni sah, fühlte er sich so unwiderstehlich durch die Anziehungs- 
kraft dieses Bildes gefesselt, dass er dort Monate und Jahre ver- 
weilte, ohne an die Weiterreise zu denken. Soldaten und Officiere, 
die sich nach ihren Familien zurücksehnten , murrten lauter und 
lauter, aber der König, dem (wie Gessür Chan im verzauberten 
Palast) jeder Gedanke an die Heimath aus dem Gedächtniss 
entschwunden war, wanderte umher wie ein Verzückter, nur den 
goldnen Buddha vor seinen Augen. Endlich machten ihm die 
Minister den Vorschlag, die Bildsäule nach Prome zu schaffen, 
und sie begingen die Greuelthat, den Gott einzuschmelzen , da 
sonst der Transport unmöglich gewesen wäre. Der geistes- 
abwesende König wusste nichts davon , als er indess das Bild 
nicht mehr erblickte, erwachte er wie aus einem Traume und gab 
Befehl zum Aufbruch und zur Rückkehr nach Prome. Aber mit 
dieser Stadt war es jetzt vorbei. Unmittelbar nach dem Tode des 
Königs brach der Krieg des Siebes aus, in welchem sie zu Grunde 
ging. Die Bürger waren schon sehr erbittert durch die vielen 
Gewaltthätigkeiten , die sich die aus dem Lager entlassenen Sol- 
daten erlaubten, als eines Tages einem Kaufmann auf dem Markt 
sein Sieb zum Beinigen des Reis durch einen Wirbelwind fort- 
geführt wurde. Er lief demselben nach, ^^mein Sieb*), mein 

*) Nach Schora-Bekraorsin Nogmow liegt am Bakssan ein Grab, das das 
8iebgrj|b heisst, als der Erschlagenen in einem Streite , der über ein geliehenes 



V 



Die mythisch-historische Vorgeschichte Pronie's. 29 

Sieb'' schreiend. Die Bauern und Soldaten auf dem Markte liefen 
mit und von allen Seiten kamen die Leute aus den Häusern, ihnen 
mit demselben Rufe folgend. Da Keiner recht wusste, warum 
es sich handelte, so entstand aus der Menschenmenge ein 
grosser Tumult, man packte sich beim Kopf, einePrttgelei begann 
und plötzlich war das Passwort gefunden , die alte Feindschaft 
der Kanyans , Pyu und Dsit erwachte aufs Neue und die Stadt 
theilte sich in drei Heerlager, die sich auf das erbittertste und 
blutigste bekämpften (94 p. d.). Nach langen Kriegen trennten 
sie sich. Die Py us zogen nach Westen, die Kanyans nach Norden 
und Hessen die Dsit zurück, die indess später gleichfalls aus dem 
verwüsteten Lande auswanderten und den Fluss aufwärts nach 
der Insel Johnjhlut zogen, wo sie dann das ältere oder obere 
Pagan der Birmanen gründeten. Die Pyu und Kanyan trafen auf 
ihren Wanderungen noch einmal zusammen und der alte Hader 
drohte sich zu erneuern, als sie vorzogen, statt durch Waffen, mit 
Pagoden zu kämpfen. Die Pyus, als die schlaueren, hatten ihre 
falsche Pagode früher fertig und die besiegten Kanyan siedelten 
sich an den rothen Uferbänken des Irawaddi an, wovon sie den 
Namen führen. San Germano erwähnt den seine eigene Sprache 
und Sitten bewahrenden Stamm der Konjes in den Wäldern Mie- 
du's. Nach dem Abzüge theilten sich die Pyus in Tettuh, Taunio 
und Krabindu, wurden aber durch die Taleings ausgetrieben und 
bauten dann gemeinsam unter König Domodüt oder Samudritmiu 
die Stadt Pantaun tsetja. Frische Kriege mit den Kanyan (aus 
Taunia und Pandaun) zwangen sie, sich in Mendoon einen neuen 
Zufluchtsort zu suchen, wo sie indess durch die Könige von Din- 
jawutti so vielfach beunruhigt wurden , dass sie sich schliesslich 
in die dichten Wälder curUckzogen und dort in einen völligen 
Zustand der Barbarei zurückgesunken sind. Besonders sollen 
sie sich in dem Hügelland zwischen Promo und Pegu finden, 
aber nur schwer zu erblicken sein, da sie sich vor jeder An- 
näherung eines Fremden, ausser vor den Karen, flüchten und 



Mehl-9leb ausbrach. Das Königreich Benares unter Brahmadat wurde zerstört in 
Folge eines Streites, der wegen eines Tropfen Honigs ausgebrochen war , wie die 
Revolte Jamaica's wegen drei Cocosnüssen. 



30 Birma. 

yerstecken. Der Karen, der mir das erzählte , fügte hinzu, 
dass sie aber vor einem Ausländer , welcher der Karensprache 
mächtig, erst recht weglaufen würden, da sie ihn für einen Tazeit 
(Waldteufel) halten würden. Andere sollen indess noch in der vom 
König Tamotara gebauten Stadt Arimandana leben und dort, ihrem 
doppelzüngigen Charakter getreu , den ihnen Gautama's Prophe- 
zeihung vorhersagte, sich nur durch den Lug und Trug des Han- 
dels ernähren und ehrliche Feldarbeit verschmähen. Phyh (wie 
bei den Schan die Nat heissen) bedeutet alt (in Karen). Im Bir- 
manischen meint Pyi einfach das Land. Mit den Paloung leben 
einige Stämme der Dsit unter dem Namen Alo-loo-myo. Der Name 
(Thek oder Sak)Dsit bedeutet die „Aechten oder Wirklichen" und 
wird sich von den civilisirteren Pyu beigelegt sein, um sich von 
ihren verwilderten Verwandten der Wälder zu unterscheiden. 
Die mit den grossen und kleinen (Kanraxagyi und Kanraxagnay) 
Königen der Kan (Kala oder Kara) in Verbindung gesetzten Kan- 
ran (Kanyan) gehören nach Aracan. 

Aus einigen der zurückgezogenen Waldstämme , die durch 
entkommene Verbrecher und anderes Gesindel Zulauf erhielten, 
bildete sich später, besonders am Sittaungflusse , der Stamm der 
Zebain oder Yebain , die sich mit dem Seidenbau beschäftigen, 
seit einer der birmanischen Offiziere aus dem Feldzuge des Königs 
Tharop-piyeh gegen China Würmer- von dort mitbrachte. Da 
indess die übrigen Buddhisten auf diese Mörder unschuldiger 
Geschöpfe nicht gut zu sprechen sind , zeigen sie sich nicht gern 
in den Städten und Alompra erliess ein Verbot, dass kein Bir- 
mane in ihren Dörfern wohnen dürfe. 




Die drei Pagan* 

Die flüchtigen Colonisten auf der InselJohnjhlut hatten sich 
in 16 Dörfern angesiedelt und beschlossen, um eine gemeinsame 
Verwaltung einzuführen, aus der Versammlung ihrer Thugyi 
(Aeltesten) einen Dammatajeah oder Oberrichter zu wählen, 
damit er über die Beobachtung von Recht und Gesetz wache. Die 
allgemeine Stimme traf Thamudirit oder Samudraraga, einen Ver- 
wandten des letzten Königs von Prome, der so als Richter an die 
Spitze gestellt wurde. Trotzdem waren die Emigranten in Folge 
der langen Wirren in einen solchen Zustand der Schwäche und 
Ermattung gefallen, dass es ihnen unmöglich war sich gegen die 
wilden Thiere des Waldes zu vertheidigen , die sich alle im Auf- 
ruhr zu ihrem Verderben erhoben hatten. Um nicht gänzlich zu 
Grunde zu gehen , mussten «ie sich als Vasallen derselben aner- 
kennen, und ihnen regelmässigen Tribut zu ihrer Nahrung brin- 
gen. Täglich war ein Menschenopfer zu liefern , und nachdem 
alle Kinder der Dörfer dahingegeben waren, blieb nur die Toch- 
ter Dammatajeah's übrig, deren Hand dem angeboten wurde, der 
das Land befreien werde. 

Nach langem vergeWHchen Harren meldete sich endlich ein 
Retter, der zu dem Kampfe mit den Tyrannen des Waldes bereit war, 
und nachdem er das Land von den wilden Bestien gereinigt hatte, 
von Dammatajeah freudig als Schwiegersohn angenommen wurde. 
Er war der Sohn eines alten Gärtners am Mali-Flusse, der zu 
solch hfeldenmüthiger That von einem Priester aufgefordert war, 
da dieser durch seine Berechnungen herausgebracht hatte , dass 
derselbe (Thado Adeittsa Yaza genannt) ein Sprosse des alten 



Ci 



t' : 



32 Birma. 

KöniggescUechtes des Thado Malia Yaza von Tagoung sei. Als 
sein Schwiegervater starb , glaubte der Schüler sich selbst noch 
nicht des Thrones wUrdig, sondern setzte seinen Lehrer Yathay 
Tileyoung, der in Crawfurd's Liste Rasse Kyaong (der RUsi des 
Klosters) heisst, auf denselben und folgte erst bei dessen Tode 
in der Herrschaft. Nachdem der Drachenkönig (Naga min dau), 
dessen Tochter Isindadewi er seiner frühem Gemahlin Sanda- 
dewi hinzufügte, die Stadt Pagan (das alte oder obere Pagan) für 
ihn erbaut hatte , wurde Piu-ming oder Phru chauti als König 
gekrönt (104 p. d.). 

Nach Crawfurd wurde eine von diesem Könige erbaute 
Pagode als ältester Tempel Pagans gezeigt , das indess damals 
an einer anderen Stelle lag. Nach seinem Sohne Timing folgte 
Phyugodi oder Yain-min-jlüt (161-241 p. d.), der eine grosse 
Schlacht über die Chinesen in Kambodia gewann , wie die Bir- 
manen sagen, wogegen die Chinesen in dieser kriegerischen Zeit 
ihres Dreireiches (San-kue) eines gemeinsamen Angriffes der 
Birmanen und Laos von Süden erwähnen, um in der Vernichtung 
der Ho w Han mitzuwirken , hinzufügend, dass der birmanische 
König siebenmal von dem grossen Feldherrn Kung Ming gefan- 
gen genommen , und siebenmal freigesetzt wurde. Dann folgten 
vier Könige (Peituhn, Tilejung, Yantujih und Tanmin), worauf 
drei Edelleute um den erledigten Thron stritten , der Maukaman 
oder Poksanlang zufiel , dem König , dem die Sendung Buddha- 
gosa's nach Ceylon zugeschrieben wird (387 p. d.). Bei seinem Tode 
bemächtigte sich der Ursurper Tujaymin der Krone, bis vier der 
vornehmsten Edelleute, um den steten Revolutionen ein Ende zu 
machen, einen König in Tan minda erwählten und ihn durch ihre 
gemeinsamen Kräfte stützten. Der achte König (Teindien, Tin- 
jaumnay, Tinlyoung, Peinomin, Tinlijein, Kanlaun, Kandet) nach 
ihm war Thundein min , der, um (Jen Ackerbau unter seinen Un- 
terthanen zu ^beleben, das Fest des Pfluges einführte, wo der 
König selbst die erste Furche zieht, und das in Siam noch jetzt 
gefeiert wird, obwohl der König sich durch deti, für diesen Tag 
mit königlichen Ehren bekleideten Minister des Ackerbaues ver- 
treten lässt. Le roi legitime de Tonquin et de la Conchinchine 



i 



t ' 



Die drei Pagan. * 33 

tout ensemble qu'on appelle Bua (sagt Loub^re) observe la 
coutume d'ouvrir le premier les terres chaque ann^e et de 
toutes les fonctions royales e'est presque la seule qui lui est 
demeur^e. 

Nach dem Tode Wabosoth , des dritten Königs , gelang es 
dem Vertrauten der Königin Poppozorahen oder Popasoth-Yaban 
(Fupakuraham) sieb der Herrschaft zu bemäebtigen. Als er in- 
dess borte , dass der aus Furcht geflohene Prinz Schweondi in 
Palin in grossem Elende lebte, lies^ er ihn zu sich einladen und 
dankte zu seinen Gunsten ab. Indess hatte er die Zeit seiner 
Herrschaft benutzt, seinen Namen durch Veränderung derAera zu 
verewigen, 638 — 639. Bei seinem Tode Hessen sich sieben Kiesen* 
geier auf dem Palastdache nieder. Auf Schweondi folgte Peitun- 
ming, dann Peitaun, dann Nakve, und dann (unter dem Titel 
Mienjo) ein Sklave, der seinen Herrn auf der Jagd ermordet hatte, 
und dann in der königlichen Tracht zurückkehrend, seinen Platz 
einnahm. Mit seinem Nachfolger Tingan wurde indess der 
Scepter einem Sprossen der königlichen Dynastie zurückgegeben. 
Auf seinen Sohn Tinkun folgte Uhnin, der seinen älteren Bruder, 
den rechtmässigen Erben, nach Sillehmyoh verbannte. Nach 
weiteren sechs Königen, Schuelaun, Tunduin, Schuemann, Manlan, 
Sogin, Kaela, folgt als siebenter Piaebia oderPinpya(Bynbya), der 
das zweite Pagan erbaute, 847 p. d. Einige der älteren Tempel 
(mit dem Datum 850 p. d.) werden ihm zugeschrieben. Sein vier- 
ter Nachfolger war (nach Tannetmin , Sallehnakuay , Theingo) 
Tauntugyi Zo-Yahan oder Taungsukri, ein Gebirgshäuptling, 
der das Bild einer Schlange verehrte , und deshalb von Zauk- 
lojut ermordet wurde (930 p. d.). Auf Kuansojaunbiuh folgte 
Jiso, der zufallig von einem Jäger erschossen wurde, dann 
Schwetzo modehnung, dann Sokadeh (972 p. d.) und dann der 
Liebling in birmanischer Gesqhichte und Sage , Noatasa (Naura- 
tachau oder Anaurattha Säumen) oder Anorata MangxuaKraung- 
phrusan, der 997 p. d. durch die von Thatung eingeladenen Priester 
(unter der Führung des Kahan Ahajan) die Pagoden Pagan's er- 
baute, und einen Feldzug nach China nnternahm, um die heiligen 
Zahnreliquien Gautama's zu erhalten, sich aber nur mit einem 

BattiftiT. OatMlen. I. 3 



34 • Birma. 

aus Oold und Silber gefertigten Kunstwerke begnügen musste. 
Er hatte den Wunsch, auch die Haarreliquien ausSiugkhudan oder 
Rangun wegzuführen, kehrte jedoch in Pruen oder Prome an der 
Grenze der Raman wieder um, um nicht die Freundschaft 
zwischen Mon und Ava zu brechen. Schon vor Noatasa's Zeit 
gab es buddhistische Priester in Pagan , aber sie Hessen sich die 
gröbsten Uebertretungen des Gesetzes zu Schulden kommen , da 
sie keine Bücher besassen. Sie assen am Nachmittage , tranken 
spirituöse Getränke und ritten auf Pferden, wie die rothen Lamas 
Tibet's und der Tartarei. Erst nachdem der Patimok nach Tha- 
tung gebracht war, führte Noatasa eine orthodoxere Sittenstrenge 
ein. Der in der Unfähigkeit seines passiven Widerstandes, durch 
die geschichtlichen Erschütterungen Yorder-Indiens auseinander 
geschleuderte Buddhismus, nach Norden hinter die Gebirgs- 
mauern des Himalaya, nach Süden in die durch die See ge- 
schützte Insel Ceylon's, traf so, in einem östlichen Bogen zurück- 
schweifend , auf dem noch undisputirten Terrain Hinterindiens 
wieder zusammen. In Pegu findet sich noch die Keik*) oder 
Jeik Kalo-arak (die Pagode der Branntweintrinker) und daneben 
wird der Kalukk (Nat) Paichjaukamandon in der Form eines 
Dsedi (eine spiralförmige Pagode) verehrt. In Tibet wurde 
erst durch Tsongkaba's Reform die Ehelosigkeit zur Pflicht ge- 
macht, und Loub^re bemerkt, dass die Talapoine derLao, die 
sich verheiratheten , von den Talapoinen Siams Häretiker ge- 
scholten wurden. 

In der Zeit als Asoka in Patalibutra herrschte , erklärte mir 
ein Mönch in Bangkok , kamen die Mahathero über Land durch 
di^ Lao-Gegenden nach Siam, und unterrichteten dort die in den 
Wäldern zerstreuten Bewohner, da es damals noch keine Städte 
gab. Als aber später die Bücher verloren gegangen, wurden sie 
von Kambodia, wohin sie von Ceylon gekommen, erneuert. Die 
Chinesen wollen zuerst, durch ihre Einfälle unter den Han 



*) Kheik oder Keik (Queik) ist das peguanische Wort für Pagode so wie für 
die Gottheit uad wahrscheinlich dam bei deu Reisenden des Mittelalters so oft auf- 
stossende Qniay oderQaaj. 



\ 



Die drei Pagan. 85 

(ü. Jahrhundert) den Buddhismus inTschinla oderKambodia ein- 
geführt haben. Jetzt aber gehört Kambodia zur indischen Hälfte 
der indochinesischen Halbinsel, und nurAnnam zur chinesischen. 
Interesse für eine gründlichere Kenntniss der Religion, und an der 
Wissenschaft mag, wie nach der Zerstörung Constantinopels in 
Italien, durch die indischen Verfolgungen angeregt sein, dieviele 
gelehrte Männer in die Ferne trieben und auch , wie Matuanlin 
erzählt, den Sohn des Königs Mandjusri 988 p. d. nach China 
brachten. Unter Sangkeem (von denThan) kamen buddhistische 
Brahmanen in Tonquin an (1000 p.d.). Du Halde bemerkt, dass 
die Siamesen ihre Religion und Sprache aus dem Königreiche 
derThaijai erhalten hätten, das durch Priester regiert wurde und 
wahrscheinlich Lhassa (Barontala) bedeute. TheBhotias Mehals 
(of Kumaon) have no priests of their own caste, but avail them- 
selves according to circumstances of the Services of a Brahman 
or of a Lama (Traill). Die Lolos an der chinesischen Grenze 
erhielten ihre Schrift von den Bonzen Pegu's und Ava's, die 
dort von den chinesischen verschiedene Tempel bauten und ihr 
eigenes Ritual bewahrten. Die birmanische Geschichte berichtet, 
dass nach dem dritten Concil (234 a. d.) der Missionär Yaunaka- 
dhammarekkhita nach Aparanta oder Birma geschickt sei , wie 
Uttara und Sauna nach Suvannabhummi oder Pegu. 

Nach Noatasa verläuft die Geschichte deutlich ins Fabelhafte 
und erst mit Alaunsidu's Thronbesteigung und vielleicht erst 
mit Narapadi-sethu wird wieder geschichtlicher Boden betreten. 
Da aber Alaunsidu der König von Mienzain-myo genannt wird, 
einer Stadt, die später nach der chinesischen Eroberung sui Be- 
deutung aufstieg, so wird mit ihm eine neue Dynastie in Pagan 
begonnen haben. Ungefähr um die Zeit von Noatasa's Tod fällt 
der Zug, den ein aracanischer König von der Küste bis nach Ta- 
goung gemacht haben soll, obwohl die Mode der entente cordiale 
zwischen gekrönten Häuptern damals wohl noch nicilt an der 
Tagesordnung war, und wenn ein im Südosten ansässiger König 
Pegu's für Kolonien aracanischer Kriegsgefangener im westlichen 
Sagaing Platz fand, so konnte sich das Gebiet Pagans glicht gerade 
weit erstrecken. Die Chinesen haben aufgezeichnet, dass unter 



36 Birma. 

den Soung (960—1123) viele Gesandtschaften ankamen von den 
Ftlrsten der indochinesischen Halbinsel , die während dieser 
Periode ganz durch innere Kriege zerrissen war. 

Erungphuson (Erung-phra-song) Nauratachau (Anarata- 
raxa-chao) ist ein in siamesischer Art zusammengesetzter 
Titel 9 wie viele Namen der damaligen Zeit auf ein Vorwalten 
der Thai-Race im Irawaddi - Thale deuten, da das eigent- 
lich Birmanische erst mit dem in Tongu gegründeten Königreich 
zur Geltung kam, an die alte Geschichte Prome's wieder an- 
schliessend. 

Noatasa's Sohn, Zolu, suchte Yansitta, dessen künftiges 
Künigthum schon seinem Vater prophezeit war, zu tödten, aber 
dieser floh mit einem Jäger den Fluss aufwärts und gründete 
Tihlein, wo er herrschte, bis es ihm glückte, Ngayaymin zu 
stürzen und dann den verheissenen Thron Pagans zu besteigen. 
Doch vermählte er zur Aussöhnung seine Tochter Schwe-eim-tih 
mit Zolu's Sohn Zoziun. Nach einer Inschrift auf dem Myen- 
kataung (zwischen Mellun und Magwe) wurde König Zolu oder 
Saulu (1030—1056 p. d.) dort von seinem Generale ermordet. 

Dann bricht die glänzende Regierung Alaunsidu's (oder 
Alaun-kani-su*s) an , dem , umgeben von seinem geschmückten 
Hofstaat im gold- und silberglänzenden Palaste, der Thagiamin 
selber einen weissen £lephanten zuführt. Die Nat dienten ihm 
und standen seines Winkes gewärtig. Alaungisu montando una 
superbissima naue de Nat colla comitiva di 80,000 altri piccioli 
legni si porto al luogo, dove epiantato el grande albero sacro di 
quest^ isola Zabudiba, ed ivi per sette continui mese fece grandi 
feste. In questo stesso luogo si porto il Principe de Nat e saluto 
Alaungisu, sagt Sangermano. Als das Königreich Zambadijpa 
oder Jambadwipa (das Erdenreich), die Provinzen Arimaddana*), 
Dougan, Myensoung und Yengya einschliessend, flgurirt Pagan- 
myo nochrjetzt unter den Titeln des Königs von Birma. 



*) Vielleicht AryamandaDa, als eine d€t den Indochinesen geläufigen Trans- 
potsitionen Aryavarta's, die Manu vou dem östlichen bis westlichen Ocean zwischen 
die Gebirge Himandat und Vindliya setzt. 



Die drei Pagan. 37 

AlauDsidu unternahm einen Feldzug nach Tenasserim, um 
eine dort ausgebrochene Revolution zu dämpfen, und gab dem 
durch innere Kriege zerrütteten Aracan einen neuen Herrscher 
(1118 p. d.), der ihm tributpflichtig blieb. Aus seiner Zeit datirt 
die in Buddhagaya aufgefundene Inschrift (1105), die aber schon 
von einer früheren Sendung eines Thadomin spricht. Ausser 
Bassein soll er auch die Insel Ceylon, deren Gouverneur/ wie dem 
von Tenasserim , das Epithet Kala (Ausländer oder Bat-bar) bei- 
gelegt wird, einverleibt haben. Die Ausdehnung seiner Herrschaft 
wird bis Delhi angegeben. Das Mahawanso setzt in diese Zeit 
manche Beziehungen mit dem Festlande. Durch die steten Ein- 
fälle derMalabars zu Grunde gerichtet, hatten sich die Buddhisten 
Ceylons nach Siam gewandt und von dort Geldunterstützung 
erhalten. Als mit Pollonnaruwa's Thronbesteigung (1071 p. d.) 
die Ordnung wiederhergestellt war, erschienen an seinem Hofe 
gelehrte Priester, die Anuradha, König von Aracan , abgesandt 
hatte. Das Ansehen, das sich die Könige der continentalen 
Staaten Hinterindiens in Ceylon verschafft hatten , zeigte sich in 
dem Streite zwischen dem Gesandten des Königs von Sollee und 
des Königs von Siam, wobei Pollonnaruwa dem letztem den Vor- 
rang gab, obwohl er dadurch wieder einen blutigen Krieg auf sich 
herabzog und für einige Zeit selbst seine Hauptstadt vor den 
Feinden räumen mustte. 

Dass das birmanische Reich in der der chinesischen Erobe- 
rung vorhergehenden Zeit eine bedeutende Ausdehnung gewonnen 
haben muss, geht auch aus den siamesischen Ueberlieferungen her- 
vor, wo die Einführung der Chunlosakkharat ein unentschiedener 
Streitpunkt ist und bald dem Phra Ruang, bald dem Phaya Krek 
zugeschrieben wird, beides Figuren, die vielmehr der Mythe, als 
der Geschichte angehören. Ein in den alten Büchern seines 
Landes wohlbewanderter Siamese , mit dem ich darüber sprach, 
bemerkte, dass die Siamesen eine Verehrung für Phaya Krek 
hätten und deshalb ihm gern die Ehre der neuen Aera zuwendeten, 
dass sie aber in Wirklichkeit durch Chao Anuruth eingesetzt sei, 
den König der Phama (Birmanen), der alle Länder bis nach 
Kambbuxa (Kambodia) erobert habe. 



^ Binna. 

Die birmanische Geschichte erzählt auch jetzt, dass der 
König Pagan's nach China gezogen sei, um Gautama's 
Zahnreliquie zu erhalten, dass diese sich aber geweigert 
habe , ihren Aufenthaltsort zu verlassen. Er traf dort mit dem 
Kaiser Chinas zusammen , der ihn täglich mit Speisen in Gk)ld- 
und Silbergefässen versah. Als der König zurückkehrte, machte 
er mit diesen kostbaren Gefässen den Priestern des E^isers ein 
Geschenk, damit in ihnen dem heiligen Zahne tägliche Opfer- 
gaben gebracht würden, und seit der Zeit sollen die chinesischen 
Kaiser es als Pflicht der birmanischen Könige betrachtet haben, 
ihnen solche Gefässe zu schicken, die auch von der Gesandtschaft 
1281 als Tribut verlangt wurden. In der Sage werden die Figuren 
Alaunsidu's und Anauratha's zusammengeworfen und die sie aus- 
zeichnenden Thaten bald dem Einen, bald dem Andern zu- 
geschrieben , bald zusammen auf denselben übertragen. Durch 
Ausdehnung von Anauratha's Regierungszeit scheint auch die 
Geschichte eine mit seiner Periode gleichzeitige Lücke in ihrer 
Königsreihe decken zu wollen. Nach der Inschrift in Ramrih 
begannen mit dem Jahre 1600 (der Aera Buddha's) die Rahan 
(Arahanta) im Königreiche Arimaddana-Paukkam (pyae gyi) An- 
gehen zu gewinnen, als König (A^aurasa) Anauratha-min-^au 
gelehrte Männer aus Sathum zu sich berufen hätte , um die dort 
durch Sonathero und Uttharathero eingeführte Sasana auch in 
seinem Lande heimisch zu machen (mit der Abhitian). Die ver- 
ehrten Namen der beiden Apostel, die noch in spätem Zeiten 
immer wiederkehren, mögen erbliche Abttitel geworden sein, wie 
die Buddhagosa's, Nagasena's u. A. m. in Kambodia. 

Unter Alaunsidu's Nachfolger Kulaya oder Kyan-yeet-tha 
(Kulakyamin oder Narathu) kamen fünf Rahandas vomHemawon 
und bauten die Grotten des Ananda-Tempels (nanda-tsee-goon). 
Dieser König soll in der Schlacht mit einem indischen Volke, 
das aus Chittagbng eingebrochen, umgekommen sein (1153 p.d.), 
was ziemlich mit der ceylonischen Expedition zusammenfällt. 
Als Jinneatinga, sein Nachfolger, die Stadt Arimaddana-Pauk- 
kam-Jama nach einer günstigeren Localität verlegte, fiel für 
sieben Tage ein Regen von Kleinodien. 



Die drei Pagan. 39 

Nach Kriegsunglück pflegen die birmanischen Könige ge- 
wöhnlich ihre Hauptstadt zu verändern , um das böse Omen ab- 
zuwenden, und dies ist eine der Ursachen, dass alle Reiche 
Hinterindiens eine solch grosse Zahl verfallener Residenzen auf- 
zuweisen haben. Die ceylonesische Geschichte erwähnt, dass 
Pakramabahu die Hauptstadt des Königs von Arimaddana (Pagan) 
und Kambodia (das obere Birma der Schan) erobert habe , und 
nach dem Abzüge der Feinde werden die einheimischen Astrologen 
Unglück prognosticirt haben und dem neuen Könige gerathen, 
seinen Thron auf einem unentweihten Boden aufzustellen. So 
entstand das dritte Pagan, welches näher nach derSchwe-Zigong- 
Pagode lag, als das mittlere. 

Ginneatinga's Nachfolger, Narapaetago , wurde durch Nara- 
patiseju oder Jeyasingha (Narapadi - Soethu) getödtet. Dieser 
König, ein Enkel Alaunsidu's, wetteifert mit demselben in dem 
Ruhm seiner siegreichen Unternehmungen. Die Chinesen wurden 
in einer gewaltigen Schlacht bei Kosambhi vernichtet, der alten 
Hauptstadt des Thaies von Nyaung-chwe, deren Reste (nachYule) 
dort noch existiren sollen. Von seinen südlichen Expeditionen 
zurückkehrend , wobei er die weit ins Meer schauende Pagode 
auf der Landspitze Tavoy's erbaut hatte (1204), gründete er an 
der Küste Pegu's die Stadt Martaban und setzte dort Alingma 
als seinen Gouverneur ein. Dann unternahm er eine Pilgerfahrt 
nach den heiligen Pagoden Schuemadu und Schwedagon , sich 
auf dem Sittang zur Heimfahrt einschiffend. In den Wäldern seiner 
Ufer fand er die Reste der Pagoden, die in langer Vorzeit das Brüder- 
paar Ninaun erbaut hatte, renovirte sie und legte dann den Grund 
für Tongu, wo er seinen Schwiegersohn Nandaturiya als Statthalter 
einsetzte. Schon früher hatte dieser fromme König durch eine 
Gesandtschaft fünf Gelehrte aus Ceylon zu sich berufen (1181 
p.d.), von denen der eine ein Kambodier, der andere ein Ceylonese 
war. Buchanan meint, die von ihnen gebrachten Bücher seien 
(1200) aus Aracan gekommen. Eine der in Pagan gelesenen 
Inschriften erwähnt aus seiner Zeit (1187 p. d.) Milchgaben, die 
den Priestern gemacht wurden. Die Inschrift in Ramrih sagt 
Folgendes: Als im Jahre 1724 (der AeraBuddha's) NarapadiCaesu 



40 Bimu. 

herrschte , berief er zu sich nach Pukam fünf Gelehrte , die alle 
wohl bewandert in den Shastras waren und sie völlig im 6e- 
dächtniss bewahrten : ausTaemalitti-yoasadenÖhilavunthen, aus 
ELambau^tein den Sadamaliddhamathen , aus Ki^ipurasa den 
Anandamathen , aus Lingadipana den Yahulathen , aus Dipidaka 
den Maramathen nebst Öhapadathen , von dem dieselbe Inschrift 
schon aus dem Jahre 1714 berichtet, dass er in Ceylon geweiht 
worden war , als er in der Begleitung des Uttaravamathen dahin 
gefolgt war. Dieser treiie Rathgeber des Königs (Pagan-min- 
tora) und Schiller des Aranyavunsathen , der Schüler des Maha- 
kalathen (und dieser des Dasa) , hatte sich nach Ceylon begeben, 
um die Äechtheit der Schriften des Pitakat zu prüfen, und sie zu 
seiner Freude richtig befunden. 

In Narapadisethu, dessen Chronologie durch gleichzeitige 
Zeugnisse der siamesischen Geschichte bestätigt wird, verknüpfen 
sich die Traditionen der Karen durch Tavoy, die der Peguaner 
durch Martaban und die der Birmanen durch Tongu. 

Von dem nächsten König Zayatinganan (der Meister der 
Berechnungen) oder Zeyasinha, der mit einem Fürsten der Schan 
Ober Veränderung der Aera berathen hatte und den Baudhi- 
Tempel in Pagan erbaute, wird das Wunder Hiskias berichtet, 
dass nämlich bei seinem Tode (1212 p. d.) der Schatten der 
Sonne zurückgegangen sei. Auch bemerkt Sungermano aus dieser 
Zeit , dass , weil beim Tode des Königs Samanda ein Komet ge- 
sehen wurde, unter seinem Softne il principe de Nat, tronco dalla 
Erä 642 anni e comindo che invece di 644 si dicesse d'allora in- 
nanzi Tanno 2. Auf Kyazoa folgte, nach Ousena, zur Zeit des 
chinesischen Krieges Mangkhwekhye (1^33 p. d.) ui]# dann 
wurde von denEdeln in dem von der Inschrift Sagain'B erwähnten 
Schlachtjahre (1277) Nagatihapatae (KoayzegH) oder Narathfha- 
pade gewählt, unter dem das damals in der Pracht von 
1000 Pagoden prangende Pagan zum Untergang kommen sollte. 
Das der chinesischen Invasion entgegengesandte Heer wurde 
geschlagen, die schützenden Nats eilten durch die Luft 
nach der Hauptstadt, um die Unglückspost dem Könige mit- 
zutheilen. Eine Menge der Pagoden wurde zerstört, um rasch 



i 



Die drei Pagan. 41 

Steine und Material für den Bau neuer Wälle zu erhalten. Da 
aber eine Unheil verkündende Prophezeiung in dem Fundament 
eines der Tempel gefunden wurde , flüchtete der König in einem 
kleinen Boote, um sich nach Bassein zu retten» wo er bald darauf 
starb und sein Sohn Eyozua von den Orossen ermordet wurde. 
Die Chinesen , deren General (bei Marco Polo) Nestardin heisst, 
eroberten zuerst Kiatfgteou und dann Ta'ikong (die Residenz des 
Königs von Mientien) , das Volk der Kintchi (Goldzähne) unter- 
werfend. Sie verfolgten den fliehenden Fürsten bis nach der 
noch jetzt Tarop-mou (Cap der Chinesen oderTaroup) genannten 
Landspitze, von wo sie umkehrten und scheinen auch Pagan bald 
darauf wieder verlassen zu haben (1284 p.d.). Aus dieser Zeit 
stammen vielleicht die chinesischen Forts, deren Ueberreste 
Griffiths bei Thigan und Myadoung erwähnt. Als nächster Kö- 
nig wird Bihatu genannt, der durch seinen Bruder gestürzt wurde, 
darauf Tschosoa oder Eaasoadah, Sonit und dann schliesslich Somu- 
nit oder Usana, unter dessen Regierung Tiegcr das verwüstete Land 
betraten und in solcher Menge zunahmen, dass es unfähig wurde, 
Menschen länger zur Wohnung zu dienen. Mit ihm endet die 
Geschichte Pagans und folgt die der verschiedenen kleinen König- 
reiche am mittlem Irawaddi, die der Gründung Ava's vorhergingen. 
Die Anknüpfung gesehieht durch ZufÜgung zweier anderer 
Namen. Nach Usana, 9er gewöhnlich für den letzten König 
Pagans*) gilt, regierte, heisst es, ^nkojaedeh, der von China 
gekommen und vielleicht^von China als Gouverneur eingesetzt 
worden war. Unter seinem Sohne Yoseamin kam in Pagan ein 
heiliger Pungyi aus Kapilawut an, Namens Thingaeboh, der 
so grosse^ EinflttBS beim Könige gewann, dass seine drei Söhne 
als Gouverneure in den unterworfenen Provinzen bestellt wurden. 
Als später der König von Pagan selbst sich in ein Kloster zurückzog, 
machten sie sich unabhängig (646 der Chunlosakkherat, 1285 p. d.). 
Tinkeamin oder Athingejah baute für seine Residenz Mekkeah, 
Yantinjanmin^oder Yasat-Tingan baute Mienzain undTihetbaumin 



*) Bein Name steht aach schon froher in der Königsliste and wird sein Tod 
oder doch das Ende der Regierung 1233 datirt, also im ersten chinesischen Kriege, 



42 Birma. 

oder Tihadu baute Pinlae. Indess blieben sie yereinigt und 
bildeten unter sich eine Conföderation , deren Centralregierung 
ihren Sitz in Mienzain hatte. Nachdem seine Brüder gestorben 
waren, bemächtigte sich Tihethaumin der andern beiden Städte 
(674 Ch. S.) und verlegte seine Residenz nach der neu erbauten 
Stadt Panja. Nach einer andern Darstellung erhoben sich beim 
Tode Somunits , mit dem die Hen*schaft t^agans erlosch , drei 
Prinzen der königlichen Familie, Yasat-Tingan , Athingejah und 
Tihadu, die die Städte Mienzain, Mekkeah und Pinlae verwalteten. 
Sie vereinigten ihre Truppen und machten Usana, der noch als 
Schattenkönig in Pagan sass, zum Gefangenen. Als dessen 
Bruder Sonitha (gleichfalls Sohn des frühem Königs Tschosoa 
oderNanschajosoa) sich an den chinesischen Gouverneur Uthiboa 
um Unterstützung wandte, kehrten sie zurück und ermordeten 
ihn. Die Bewohner Pagans wurden dann vertrieben und die 
Stadt wüste gelegt, damit sie in ihren Herrschaften lieine weitere 
Belästigung von dort zu fürchten hätten. 

In den vonBurney benutzten Chroniken wird der Uebergang 
von Pagan zu Mienzain in verschiedener Weise vermittelt. Die 
den nach Bassein geflohenen König bis Taraupmou verfolgenden 
Chinesen hatten von dort, aus Mangel an Nahrungsmitteln, um- 
zukehren, rückten aber aufs Neue gegen Mienzain, als Kyozua, 
der Sohn des letzten Königs, von drei aufrührerischen Edelleuten 
entthront und ins Kloster .gesteckt wurde. Als die Chinesen 
dessen Wiedereinsetzung verlangten, tiefragten die Kebellen einen 
Priester, der sie an Gaukler und Seiltänzer verwies. Some of 
that profession were sent for and they, exhibiting their feats 
before the three nobles, repeated as customary wolds of no 
meaning, a sentence like the foUowing : „ There can be no dispute, 
when no matter for dispute remains. ^ Die Edelleute sahen darin 
einen Wink und hieben das Haupt des Kyozua ab , worauf die 
Chinesen sich zufrieden gaben, wenn sie dem Kaiser zm huldigea 
bereit iirären. Damals wurden auch die neun Schanstaaten von 
Birma abgetrennt. Aus dem Jahre 1297 p.d. wird erwähnet, dass 
König Fatiya seinen Sohn mit Tribut nach China geschickt habe. 



Die Heldensage des letzten Pagan. 

lieber den Untergang Pagans leben noch viele Lieder im 
Munde des Volks , wie überhaupt die Geschichte dieser Tempel- 
stadt für das neue Geschlecht der spätem Birmanen zu einer 
halbmythischen geworden ist. Schon der Begierung Noatasa's 
hat sich die Dichtkunst bemächtigt, die um ihn und seihe Paladine 
(wie die ceylonesische um die 10 Hauptleute des Königs Gamini) 
einen Romanzenkranz gewoben hat, für dessen Wiederholung und 
Erweiterung es den Birmanen nie an Sto£f fehlt. Aus den Helden, 
als Tapferer der Tapfersten, ragtYansitta hervor, der später selbst 
den Thron Pagans bestiegen haben soll und einer königlichen 
Genealogie bedürftig war. Noatasa hatte sich um die Hand einer 
Prinzessin von Wethali beworben und dieselbe auch zugesagt 
erhalten, glaubte aber später aus gewissen Umständen zu er- 
kennen, dass die Dame nicht acht, sondern nur eine ausgekleidete 
Prinzessin sei. Er schickAe sie deshalb von dem geräuschvollen 
Hofe fort nach einem einsamen Jagdschlosse , und sie soll dort 
gegen die Liebe^bezeugungen eines armen verlassenen Naga^ der 
gleichfalls sich nach Theilnahme sehnte, nicht unempfindlich 
gewesen sein und selbst regelmässige Besuche zugelassen haben. 
Genug, der König hörte eines Tages von seinem Hofastrologen, 
dass er böse Zeichen in den Sternen geschaut, am heutigen Tage 
sei der Feind des Königthums zu Pagan im Keime empfangen. 
Der König, um ihn auch gleich im Keime zu ersticken y.erliess 
den Befehl, jedes schwangere Weib im Lande zu tödten und zu 
verbrennen, aber an das entlegene Waldhaus wurde nicht gedacht. 
Nach neun Monaten verfinsterte sich wieder d^ (jesicht des 



44 Birma. 

Astrologen, der Feind war soeben geboren. Sogleich erging der 
Befehl, alle Säuglinge*) im Lande zu tödten, und diesmal wUrde 
auch Yansitta, wie der Knabe der Prinzessin genannt war, nicht 
entkommen sein, wenn ihn nicht der Drachenkönig mit sich in sein 
unterirdisches Reich, um ihn vor Leid zu hüten, genommen hätt«. 
Der König glaubte sich jetzt beruhigt und athniete auf. Der 
Astrologe sah nichts in den Sternen , da diese die Unterwelt der 
Drachen nicht bescheinen. Indess Yansitta wuchs heran und er 
trat in die Jahre , wo ihm das Licht der Religion nicht mehr vor- 
enthalten werden durfte. Die Schlangendrachen, die von jeher 
sehr fromme Buddhisten gewesen sind, fürchteten eine Sünde zu 
begehen , wenn sie ihn länger bei sich behielten , und er wurde 
in die Oberwelt entlassen, wo er sich bei einem Hirten verdingt« 
und in freien Stunden den Lehren eines alten Mönchs zu lauschen 
pflegte. Wie entsetzte sich der Astrologe, als er plötzlich eines 
Morgens den längst vergessenen Feind aufs Neue aus den Sternen 
hervortreten sah, in der Gestalt eines Kuhjungen. Wieerschrack 
auch der König! Und schnell war der Befehl gegeben, alle 
Jungen , die Kühe hüteten oder dahinter herliefen , sogleich und 
auf der Stelle zu tödten. Glücklicherweise war der Naga in der 
Nähe, der seinen Sprössling unsichtbar machte, so dass die 
Henkersknechte vorbeigingen , ohne ihn zu sehen. Yansitta trat 
dann in das Kloster ein und Hess sich weihen. Der Astrologe sah 
ihn wieder, er sah ihn als Priester. Jetzt war guter Rath theuer. 
Das gelbe Gewand schützte selbst den Feind des Vaterlands 
gegen jede Nachstellung des Königs. Dieser aber wünschte 
wenigstens den kennen zu lernen , der ihm so nefährlich schien. 
Er veranstaltete also ein grosses Fest , zu dem er alle Priester 
des Landes einlud, und als er umherging, seine Gaben aus- 
zutheilen, erkannte er den Gesuchten an d^in goldstrahlenden 



*) Pinto- erzählt, dass der See Oregantor tf#em Königreiche Savadi durch 
einen die Stadt mi| 30,000 Priestern zerstörenden Feuerregen gebildet worden, 
als der iCSnig durch sein Gebet zu Qniay Guator (dem Kriegsgotte) allö" männ- 
lichen Kinder getödtet habe, worauf nur 85 Eremiten in der Einsiedelei desQuiay 
Vogarem (des halfreichen Gottes) übrig geblieben seien, um an die 85,000 Kna- 
iMD zu eritaem. . . ^ 




Die Heldensage des letzten Pagan. 45 

Lichte y das aus seinem Munde hervorglänzte. Der Gegenstand 
so vieler Sorgen war sehr verwundert, dieselben jemals erweckt 
zu haben, und bat, die Prophezeiung noch einmal genau zu prüfen. 
Der Astrolog rechnete und rechnete und brachte schliesslich 
heraus, dassYansitta allerdings den Thron besteigen würde, aber 
dass es damit noch 50 Jahre Zeit hätte und keine eigentlichen 
Sorgen zu machen brauche, da der bejahrte König wahrscheinlich 
in der Zwischenzeit sterben würde, ja dass es sich überhaupt erst 
15 Jahre nach seinem Tode erfüllen würde. So muss es im 
Grunde doch ein herzlich dummer Mathematiker gewesen sein, 
dies so lange zu verschweigen , aber der König war auch jetzt 
noch froh, seine Qualen los zu sein, Hess Yansitta in allen ritter- 
lichen Künsten ausbilden und erzog sich in ihm den kühnsten 
seiner Kitter. Er diente ihm stets treu und redlich, wie es einem 
guten Soldaten geziemt, nur als er zum Hüter der reizenden 
Prinzessin von Thatung bestellt wurde, trug seine Galanterie 
über seine Loyalität den Sieg davon. Die Erzählung seiner 
Abenteuer füllt Bände im* Birmanischen. 

Wie gewöhnlich sind in diesem Sagenkreis verschiedene 
Königsgestalten der Geschichte zusammengeworfen, die des Ein- 
ftthrers des Buddhismus, des Eroberers Thatungs, des Siegers über 
die Chinesen und des letzten Königs von Pagan , unter dem die 
Hauptstadt von den Chinesen zerstört wurde. Es ist eine Maxime 
der Geschichtschreiber Hinterindiens, die Zeit, wo ein Land in 
Abhängigkeit fällt, mit den extravagantesten Erfindungen aus- 
zufüllen, um zur nächsten Periode der Selbstständigkeit hinüber- 
zuführen. 

Nach der Eroberung Thatungs übergab König Noatasa die 
Prinzessin Thatungdau seinen vier Helden zur Bewachung, damit 
sie unbeschädigt nach Pagan gebracht würde, wo die Vermählung 
Statt finden sollte. Da sie so fein und zart war, so hielt man es 
für das sicherste, sie ia ein Kyot (eine hölzerne Nadeldose) zu 
stecken, damit die rauhen Hände der Ej'iegsminner sie nicht 
verletzen würden. Die Dose wurde genau gewogen (sie wog 
gerade eine Jasmin-Blume) und dann ausgemacht, dass jeder der 
Bitter sie abwechselnd für einefi Tag unter seiner Obhut haben 



it Birma. 

solle. Yansitta erhielt sie zuerst und trug sie sorgsam bei sich. 
Gegen Abend aber, wo er sich in der Dämmerung ungesehen 
glaubte , konnte er seine Neugierde nicht länger bezähmen und 
gerade um nur ein paar Wörtchen mit dem Fräulein zu reden, 
öffnete er ein ganz klein wenig den Deckel und blickte hinein. 
Aber zugleich drang auch ein säuselnder Zephyr ins Innere und 
das leichte Dämchen blies auf, so dass sie aus der Dose empor- 
zuquellen anfing. Yansitta hatte ziemliehe Noth, sie sorgsam 
wieder hineinzuschieben, ohne ihr ein Leids zu thun, klappte 
den Deckel wieder zu und übergab rasch die Dose seinem Nach- 
folger, froh, von der Verantwortung los zu sein. Aber er hatte 
sich verrechnet. Ehe der andere Leibwächter sein Amt antrat, 
wurde die Dose aufs Neue gewogen , und da sie ein Blättchen 
mehr als eine Jasminblume wog, so gab der erzUrnte König Be- 
fehl, Yansitta zu tödten. Da dieser zu den unverwundbaren 
Luzunggaun gehörte, so konnte es nur mit des Königs fliegendem 
Speer (hlan bian oder hlan dsakya) Ayendama geschehen und 
derselbe wurde den Henkern zu solchem Zwecke übergeben. 
Statt aber Yansitta's Brust zu durchbohren , zerschnitt der Speer 
nur die Bande, mit denen er gefesselt war. Der sich frei 
fühlende Wundermann sprang auf in die Luft, den an den Ketten 
hängenden Speer mit sich führend, und griff auch noch rasch die 
Prinzessin in ihrer Dose auf, die man dorthin gestellt , damit sie 
Zeugin seiner Strafe sei. So wohl zufrieden , setzte er mit dem 
Zauberspeer und der Prinzessin seine Reise durch die Luft fort 
und kam in das Land der Kala, wo er,^ durch langes Fliegen 
ermüdet, ein Schläfchen zu machen gedachte imd auch bei der 
Prinzessin keinen Einspruch fand. Die neugierigen Kalas aber 
hatten die Ankunft eines so sonderbaren Reisenden bemerkt und 
wünschten Näheres über ihn zu erfahren. Vier ihrer Spione um- 
schlichen den Baum, unter dem das Pärchen ruhte, d^n günstigen 
Moment zu Raub und Mord er^ähend. Doch dieweil der Ritter 
schlummerte: ^ 

,Es wacht sein Schild, sein Speer, sein Schwert" und der 
aufmerksame Speer fiel dreimal mit grossem Getöse nieder, um 
seinen Herrn zu wecken. Yansitta sprang auf und warf dc^„ 



Die Heldensage des letzten Pagan. 47 

Speer, der sogleich nicht nur die vier Banditen , sondern alle die 
Kalasy die in den verschiedenen Theilen des Waldes umher- 
standen , in einer Tour durchbohrte. Indess wünschte Tansitta 
nicht, in einem so ungastlichen Lande zu verweilen, er bestieg 
wieder sein Luftross , bis er in den Dörfern der Youngbiah an- 
kam. Er vermiethete sich dort den Priestern eines Tempels und 
arbeitete zusammen mit den Pagode -Sklaven. Für ihn war 
nichts zu schwer oder zu lang. Ganze Wälder hatte er im Nu 
umgehauen, ein Haus im Handumdrehen gebaut und doch sahen 
ihn die Priester nie anders als essend oder schlafend, so dass sie 
nicht begriffen, wo er Zeit für Alles das fand. Eines Tages aber, 
als er im Walde jagte, hörte er einen Vogel zwitschern, der von 
des Königs Tode sprach. Auf diese Nachricht kehrte er sofort 
nachPagan zurück, setzte Namananda, den einäugigen Nachfolger 
Noatasa's, ab und sich selbst auf den Thron, den er mit der ihm 
treu gebliebenen Prinzessin theilte. Den Pungyi's aber hatte 
er ein Andenken seines Aufenthalts bei ihnen hinterlassen. Als 
einst der Abt sich beklagte, dass ihre Lemonenbäume immer 
nur saure Früchte trügen , ritzte er dieselben mit seinem zaube- 
rischen Speer und seitdem sind sie von der prächtigsten Zucker- 
sttsse. 

Als Yansitta den Thron bestiegen, entstand Eifersucht unter 
den übrigen Helden , und besonders Noataya zettelte Intriguen 
an, um sich selbst an seine Stelle zu setzen. Als der König 
diese Verschwörungen entdeckte, Hess er Noataya viertheilen 
und die Stücke seines Körpers an den vier Enden der Stadt 
begraben. Nabonleppae, der Bruder des Getödteten , eilte nach 
Tagoung und kehrte von dort mit starker Truppenmacht zurück, 
Pagan zu belagern. Trotz aller seiner Anstrengungen l^onnte er 
aber keine Fortschritte machen und die Wittwe seines Bruders 
theilte ihm mit, dass Alles vergebens sein würde, so lange ihr 
todter Gemahl die Mauern bewaehe. Die Reste des Gerippes 
wurden ausgegraben und die Stadt fiel dann ohne Widerstand. 
Nachdem durch Ermordung Yansitta's seine Rache gesättigt war, 
kehrte Nabonleppae nach Tagoung zurück und Alaunsidu , der 
König V014. Minsaingmyo, bestieg den Thron Pagans. 



i 



48 Birma. 

Wie mit Tagoung , verknttpft die Dichtung Pagan auch mit 
Thatung. 

Auf dem Gipfel des steilen Berges Keitsakuh, gegenüber ron 
Thatung, lebte in einsamer Selbstbetrachtung ein Dsogih , einer 
jener Eremiten , die durch die Heiligkeit und die Strenge ihres 
Lebens Wunderkräfte erworben haben. Im Laufe der Zeiten 
yerliess er den Körper, den er bis dahin bewohnt hatte, und nahm 
eine andere Form der Existenz an. Niemand wusste davon , da 
der Berg nie besucht wurde und wegen seines schroffen Abfalles 
auch ganz unzugänglich schien. Ein Pungyi sah indess einst 
eine Schlange (Ugon Moay), in deren (xestalt eine Schlingpflanze 
oderNoay (ähnlich dem yon denlndiern verehrten Kraute Darbha 
oder boa cynosuroides) gelegentlich umgebildet wurde, den Berg 
herabkommen, um Wasser zu trinken, und da er, indem dies 
wiederholentlich geschah, an ihrem RUcken hinaufkletterte, so fand 
er den von dem Dsogih verlassenen Körper und brachte ihn mit sich 
herab. Wohl wissend, welche gewaltige Kraft noch in diesem todten 
Leichnam, einst die Behausung so vieler Heiligkeit, wohne, ging 
er nach einer abgelegenen Stelle des Meeresstrandes und schürte 
dort ein grosses Feuer an, um eineMedicin zu bereiten, wodurch 
sein König Manugayaminghyi unüberwindlich und Thatung die 
erste der Städte werden würde. Nun geschah es aber an dem- 
selben Tage, dass ein Schiff aus dem Barbarenlande an der Küste 
scheiterte, aus dem nur zwei der Fremdlinge^ die Brüder Saka- 
naunkula und Kayanaunkula, sich retteten. Bei Nacht das grosse 
Feuer sehend, gingen sie darauf zu und fanden den Pungyi 
schlafend, sahen aber, dass eine grosse Menge Fleisch im Kessel 
brodelte. Matt und ausgehungert nahmen sie, um davon zu 
essen, fühlten sich aber plötzlich nach dem Genüsse einiger 
Bissen in dasjenige verwandelt, was die Birmanen ein Luzung- 
gaui^eanen, d. h. ein Heros, der allerlei Kraftstücke und Taschen- 
Spielereien auszuführen vermag, mit det Geschicklichkeit des 
Affenhelden Hanuman , dessen Figur deshalb auf Schwertgriffen 
getragen wird. Die Armee des Königs von Pagan , die die chi- 
nesische Invasioaaufhalten sollte, bestand vorzüglich a,)As solchen 
Luzun^^uns, von zwei Generalen geführt, die mit Quecksilber 



Die Heldensage des letzten Pagan. 49 

im Munde 15 Ellen hoch sprangen, und Kublaikhan that deshalb 
ganz vernünftig, wenn er, wie Marco Polo erzählt, Bataillone Ton 
Jongleuren und Gauklern, statt Soldaten gegen den grossen 
König von Mien schickte. Als der König von Thatoung hörte, 
dass ihm die Zauberarznei entgangen sei , gerieth er in heftigen 
Zorn und dachte sich zu rächen. Da es indess nicht leicht ist, 
Solcher habhaft zu werden, die einmal Luzunggaun geworden 
sind, so waren seine Bemühungen lange vergeblich, bis er endlich 
auf seine Tochter verfiel , die durch ihre Schönheit die BrUder 
bethören sollte. Es gelang ihr mit dem Aeltesten , der in ihren 
Umarmungen seine Kraft verlor und den Philistern überliefert 
wurde, die ihm denn bald den Garaus gemacht hatten. AlsSaya- 
naun davon hörte, schoss er durch die Luft hinweg, von Thatoung 
nach Pagan , wo er seine Dienste dem König Noatasa anbot und 
sogleich unter die Ritter ohne Furcht und Tadel, mit denen dieser 
seinen Hof umgeben hatte, aufgenommen wurde. Damals waren 
es ausser Yansitta noch drei Helden, die an der Tafelrunde dieses 
Königs Arthur glänzten, Nabonleppae, Natuayju und Nianugopi. 
Jeder von diesen reitet auf einem von dem Götterkönige ge- 
schenkten Pferde und die Namen dieser berühmten Race sind 
Nalonjoungoung, Lemojingoung, Nalonlin und Nalonatu mashi. 
Zu der Zeit, als der Heroe von Thatoung in Pagan ankam, lebte 
auf dem erloschenen Vulkan Puppataun eine Belumah (ein weib- 
liches Ungethüm), Pansa genannt, die der König mit allen seinen 
Helden nicht zu überkommen vermocht hatte imd die er deshalb 
täglich durch die Darbringung einer Blume versöhnte. Aber 
selbst das war ein gefährliches Geschäft, ihr diese Gabe an- 
zubieten, und nur die kühnsten Recken fanden sich dazu bereit. 
Sayanaun indess kannte kein Gruseln , er ging nicht nur muthig 
auf die Behausung der Ungeheuerin zu, sondern war selbst.be- i 
herzt genug, ihr Herz anzugreifen und ihr die Cour zu^machen. 
Niemand ärgerte sich darüber. mehr, als Yansitta, der seinen 
Ruhm durch den des Ausländers verdunkelt sah, und durch Yer- 
leumdungen gelang es ihm , den König zu bewegen , ihm einen 
Hinterhalt zu legen , worin er umkam. Bald nach seineiar^ode 
brachte die Belumah einen Sohn zur Welt, ^er dew Namen 

Baitian.'OtlMien. I. 4 



50 Birma. 

Scfawebinjinaun erhielt. Als Noatasa später seinen grossen 
Feldzug gegen Tarop-gyi (China) unternahm, vermochte er 
nichts auszurichten, da die Grenze allzu stark durch Cetneksakya 
beschützt war, nämlich Messer-Räder, die in steter Umdrehung 
nach allen Seiten auseinanderschlagen. Alle Bemühungen seiner 
Tapfem, diese schneidende Barriere zu durchdringen, waren um- 
sonst, bis zuletzt Schwebinjinaun ins Lager berufen wurde. Für 
ihn gab es keine Hindemisse und der glänzendste Sieg wurde 
erfochten. Zur Erinnerung an denselben beschloss Noatasa, die 
Pagode von Taunbiun zu erbauen und die ganze Genossenschaft 
seiner Starken sollte dabei helfen, indem jedem ein Theil der 
Arbeit angewiesen wurde , die in bestimmter Zeit vollendet sein 
muBste. Gegen Schwebinjinaun, dessen Ruhm den Andern lästig 
fiel, wurde eine Conspiration angezettelt, ihn durch alle Arten 
Unterhaltungen von dem Werk abzuziehen, und es gelang, so 
dass , als König Noatasa zur Inspection des Baues kam , an dem 
Thurm des Schwebinjinaun ganz oben noch ein kleines Steinchen 
fehlte. Wie es damals Sitte gewesen sein muss, wurde dem den 
königlichen Befehlen Ungehorsamen sogleich der Kopf ab- 
geschlagen. Mir wurde diese mangelnde Stelle an der Pagode 
von Taunbiun (nördlich von Mandalay) gezeigt und auch sonst 
häufig bei Bauwerken eine ähnliche Geschichte erzählt, wonach 
daran schliesslich immer ein kleiner Defect geblieben sein soll, 
gleichsam um denselben zu entschuldigen. Indess wird es wahr- 
scheinlich immer ein absichtlicher gewesen sein, um das böse Auge 
abzuwenden, das auch in China sehr für Gebäude gefürchtet wird, 
und je prächtiger sie sind, um so mehr. Bei seinem Tode wurde 
Schwebinjinaun ein Natzeim (böser Geist) und erschien als 
solcher später in der Gestalt eines Büffels, um König Noatasa zu 
tödten. In den birmanischen Nationaldichtungen ist indess diese 
ganze Episode von den Kala's, die erst von Süden hineingekommen 
ist, ausgelassen. In ihnen heisst es, dass Noatasamin, nachdem 
er mit seinen Helden alle Schanländer unterwoi*fen , nach China 
gezogen , um von dem König Udiboa den goldnen Zahn (Schwe- 
toahTOautamtf's (der die Mode der Kintchi adoptirt haben mochte) 
zu verlangen. Da Schwierigkeiten gemacht wurden , liess Noa- 



Die Heldensagfe des letzten Pagan. 5X 

tasamin den chinesiBchen Nat Kissandi , den Schutzgott Chinas, 
aufgreifen und tractirte ihn als tätliche Ration mit einer geo* 
metrisch wiederholten Tracht Hiebe*) für so lange, bis er sich 
willfährig zeigte. Noatasa erreichte so wirklich seinen Zweck, 
ging aber durch diese unanständige Behandlung eines Gottes 
seines Ruhmes verlustig , besonders da er auch der heiligen Re- 
liquie nicht hinlängliche Verehrung bezeugte. Bei seiner Rück- 
kehr nach Pagan träumte er in dem Nachtlager auf der Grenze 
von neun Schlangen, deren acht er tödtete, die neunte aber nicht 
zerhauen konnte. Er begann bei dem Dorfe Kojajein grosse 
Wasserwerke, die Nebenflüsse des Saman für die Felder der 
Stadt Tschautje abdämmend, und war gerade im Bauen eines 
hohen Deiches begriffen, als sich ein wilder Büffel in der Gegend 
zeigte , der grosse Verheerungen anrichtete. Der König bestieg 
seinen Elephanten, um ihn zu jagen, aber der Büffel war Kissandi, 
der , da er seine Prügel noch nicht verschmerzt hatte , sich zu 
rächen gekommen war. Der König und der Elephant sind seitdem 
verschwunden. Niemand weiss wohin, und so ist dieser Herrscher 
ohne Tinjein (Begräbniss). 

Als nach drei weitem Regierungen Yansitta den Thron be- 
stieg, so veimählte er seine Tochter Schue-eimsih an Batekora, 
den Prinzen von Withila, der täglich durch die Luft zum Besuche 
seiner Gattin herbeigeflogen kam, mit dem Badoscha-Stein im 
Munde. Eines Tages hörte er in der Luft, wie ein Pungyi unten 
auf der Erde erzählte, dass seine Frau mit dem Prinzen Sojuhn 
eine Liebschaft unterhielt. Da der Genannte bucklig und sonst 
verschroben war, so kam ihm die Idee so komisch vor, dass er 
sich nicht enthalten konnte , zu lachen ; der Stein fiel aus dem 
Munde und mit ihm er selbst auf die Erde, wo er in Stücken 
schmetterte, mit Ausnahme seines Kopfes, der auf einem Bambu- 
zweige stecken blieb. Nach seinem Tode trat er in den Leib 
seiner Frau ein und liess sich wieder gebären als sein eigener 



*) Die Missionare erzählen von Minjmanh , Köni(? von Cochinchina, dass 
er Rchiffen, die nicht gut segelten , die Cangue znr Strafe anfHetaen liess und die 
Götterbilder bei Regeninaugel auspeitschte. 



« 

« 



52 Birma. 

Sohn Naratisedu. Dieser König umfuhr die ganze Erde auf 
einem Floss , alle Länder besuchend und überall , wo es fttr den 
Ackerbau nöthig war, mit seinem Stabe Wasser aus der Erde 
schlagend. Auf einer fernen Insel traf er den Durian-Baum, 
und von dem Nat, der denselben als Dryade hütete, erhielt er 
einigen Samen , wodurch er diese Königin der Früchte in Birma 
einführte. Während seiner Abwesenheit warPagan durch Nabon- 
leppae, der sich bei der Ermordung seines Bruders Noatayu durch 
Yansitta nach Tagoung zurückgezogen hatte, zerstört worden, 
wurde aber durch Alaunsidu, den König von Min-saing-myo, 
an einer derSchwedozay^Pagode näheren Stelle wieder aufgebaut. 



Das Zwischeoreich der TheilflirsteD. 

Tihethaumin (Sampju-sakhen-tara-mingyi oder Takishang- 
basisu) erbaute Pinlae im Jabre 646 der birmaniscben Aera oder 
1285 p. d., 80 dass also alle die Namen der Könige vonPagan, die 
noch nacb der cbinesiseben Eroberung genannt werden , inner- 
halb eines Jahres zusammengedrängt werden müssen, wenn nicht 
dieselbe während des Feldzugs 1272 oder doch 1277 Statt fand. 
Nach dem Tode seiner Brüder gründete er Panya (674 oder 
1313 p. d.), nachdem er durch einen grossen Sieg über die Chi- 
nesen (1305 p. d.) die Unabhängigkeit Birma's zurückerkämpft 
hatte. Auf Anweisung der Nat sandte er den Priester Ma-king 
nach Lankadwipa, um den heiligen Withuddazanama oder Tri- 
valli zu sich einzuladen. Bei Ankunft der Reliquien baute der 
König die goldne Pagode , um die Aera von 5000 Jahren zu be- 
gründen. In der Inschrift (die das Datum 787 giebt) führt er 
den königlichen Titel Sirisudhammamaharaja. Auch inBuddha- 
gaja Hess er durch den mit Priestern dahin gesandten Minister 
Batha einen Tempel erbauen (1306 p. d.). Er erkannte die 
günstige Lage 9 die die Stelle des spätem Ava bot, und suchte 
dort eine Stadt zu gründen, wurde aber, wie es heisst, durch böse 
Omina daran verhindert, da Wasserfiuthen , Sturmwinde , grosse 
Fische und Ungeheuer alles am Tage Gebaute bei Nacht wieder 
niederrissen. Schon der Oberkönig von Mienzain , der mit der 
chinesischen Prinzessin Poaza vermählt war, hatte ähnliche Ver- 
suche gemacht, aber mit gleich schlechtem Erfolg. Erst sechs 
Generationen später, wenn der See auszutrocknen beginnen 



54 . Birnm 

wUrde, hatte das Geschick bestimmt, sollte das goldne Ava 
(Aengwa) entstehen. Tihethaumin Hess deshalb in der Nähe 
die Stadt Pinja oder Wisahapuja gründen, deren Gouverneur, 
Tasischindidu, sich später unabhängig machte, und dessen Sohn 
Zazan oder Asangkharachaurwan befestigte sich auf den steilen 
Hügeln Sagain's oder Dsitgain's (680Ch. S.), um eine sichere 
Position zu haben , wenn dieser Aufruhr bestraft werden sollte. 
Die Könige Panja's hatten indess damals keine Kraft dazu. Auf 
Tihethaumin war Chau-mwan-nach und dann Uzzana gefolgt, 
der durch seinen Bruder entthront wurde (685). Erst später, 
König Narassu beschloss, den Abtrünnigen seiner Gewalt wieder 
zu unterwerfen und verband sich deshalb mit dem wegen Aus- 
lieferung seines Vaters Sugnamphie durch den König Sagain's an 
die Chinesen Rache dürstenden Sokimpua oder Tho-kheen-ba, 
dem Fürsten der Schan in Mogoung, zur Eroberung Sagain's und 
des davon abhängigen Tagoung. In dem letzteren lebten noch 
immer in ärmlichen Verhältnissen einige Nachkommen des alten 
Königsgeschlechts , und ein Glied desselben , Thado-tschen-dein, 
wufde durch Zazan oder Athenkaya mit seiner Tochter vermählt 
undYahula, der Sohn aus dieser Ehe, erhielt von. dem damals herr- 
schenden Könige Sagain's, Thihapade oder Menbyauk, die Stadt 
Tagoung zu seinem Unterhalte als Lehen angewiesen, unter dem 
Titel Thado-men-byaoder Satomenchin, aber als Vasall von Sagain. 
Der Thron dieser Stadt war der Gegenstand langer Zwistig- 
keiten und Palastrevolutionen gewesen. Auf den Gründer folgte 
Trabia oder Tarabyakri, der durch seinen Sohn Seiocdautek oder 
Kyanychwa entthront, später aber wieder eingesetzt wurde. 
Dann herrschten Chiozoa oder Mauparanasu und später sein 
Bruder Trabia oder Uchchanapraung, während vielfacher Wirren, 
unter denen es dem oben erwähnten Menbiauk, dem Enkel einer 
chinesischen Prinzessin, gelang, sich des Thrones zu bemächtigen 
(716 Ch. S.). Als er von der gegen ihn gebildeten Ligue der 
Könige von Panja und Mogoung hörte und Tagoung rasch in ihre 
Hände fallen sah, floh er vor den heranziehenden Feinden in die 
Wälder des Gebirges und Sagain ergab sich ohne Widerstand. 
Die reiche Beute, die sie dort fanden , reizte die räuberischen 



Das Zwischenreich der Theilfürsten. 55 

Schan , Bich der noch reicheren zu bemächtigen , die die Tempel 
und Paläste Panja's versprachen. Sie wandten plötzlich ihre 
Waffen gegen ihren bisherigen AUiirten, rückten rasch auf Panja 
und erstürmten die Stadt, ehe der König Zeit hatte, sich zu rüsten. 
Nachdem Alles ausgeplündert war, zogen sie mit den fünf weissen 
Elephanten, die sie erbeutet, in ihr Land zurück, den Narassu 
oder Najathu als Gefangenen mit sich schleppend. Das ganze 
Land, wo diese wilden Horden gehaust hatten, war in eine 
Wüstenei verwandelt. Besonders schwer hatte Tagoung zu 
leiden gehabt und blieb seit der Zeit zu der Stelle eines un- 
bedeutenden J)orfes reducirt, das jetzt noch den Namen der alt- 
berühmten Stadt führt. Satomenchin hatte sich mit den von ihm 
zusammengerafiften Truppen mit seinem geflüchteten Herrn in 
den Wäldern vereinigt, und da er sich die stärkere Partei sah, 
so fiel er über seinen Anhang her, ermordete den König und 
nahm , nachdem die Schau die Stadt verlassen hatten , den er- 
ledigten Thron Sagain's ein , zu dem er durch einen Ueberfall 
den Panja's fügte , wo die Minister Uzzanabiau , den Bruder Na- 
rassu's, auf den Thron erhoben hatten. 

Satomenchin, der sich jetzt ohne Nebenbuhjer sah, nahm 
das frühere Project zur Gründung Ava's wieder auf und war 
glücklicher als sein Vorgänger (1364). Er starb dort im Jahre 
729 (1368). Ava wurde (953) durch Narapatizisa oder Tinkea- 
sojun, der Sagain neu erbaut hatte, erobert, aber durch Thegatih 
oderGaunjaun, König von Niaung-yam oderTongu, (961) wieder 
hergestellt, und in dem verödeten Sagain, das seitdem nur selten 
wieder einen König in seinen Mauern sah, reitet jetzt Nachts 
der gespenstige Bodogyi auf dem Pferde des Nat-Hauses umher. 
Auf Gaunjaun folgte 967 sein Sohn Mahauparaza. 

In Ava concentrirte sich jetzt, trotz der verschiedenen 
Wechselfälle des Glücks , die es noch in den Kriegen mit Pegu, 
China, Aracan und Tongu zu bestehen hatte, die eigentliche 
Geschichte der Birmanen , deren Name seit der Regierung ihrer 
die Brahmanen begünstigenden Könige von Tongu der vor- 
waltende wurde, wie der der Pon oder Bon (Ponas) bei den 
Schan von Mogoung. Tagoung war ein armes Dorf, Pagan lag 



56 Birm». 

in Ruinen und Prome blieb der Jehangir eines der Prinzen , seit 
es Monun-min-äiea seinem Solme Miigetschosoa zuertheilt hatte. 
Wie die Schan von Mogoung und Moniin (1526), eroberte (1554) 
der König Pegu'Sy der (von birmanischem Stamme) in Tongu 
(Toun ngu) herrschte, Ava, das sich 1601 durch Nyoong mentara 
wieder unabhängig machte. Nachdem Alomprs die Stadt von 
der peguanischen Herrschaft befreit hatte , verblieb er meist in 
seiner Heimath Mozzobo. Sein Sohn Anaundopra oder Naundau- 
gyi belagerte Ava, um die Rebellion seines (xenerals zu unter- 
drttcken (1760). Bodophaya grflndete Amarapura, um un- 
günstiger Omen wegen seine Residenz neu zu schaffen, Schwen- 
senphaya aber kehrte nach Ava zurück. Tharawaddi residirte 
wechselnd in Mozzobomyo, Kyaunnoun, Amarapura, Maday und 
zuletzt wieder in Amarapura, und dies blieb die Residenz, bis der 
gegenwärtige König (Mendun-min) Mandalay als passenden 
Platz, eine Stadt zu erbauen, auswählte. 



k 



Die Geschichte Ava*& 

Auf dem Platze der Dörfer ( Yova) baute Thadominbia (Sato- 
menchin) oder Ukkamaprang, der König Sagain's und Panja's» 
zwischen fünf Seen die Stadt Ingva oderAva, die mit dem heiligen 
Namen Ratanapura (die Stadt der Kleinodien) geschmückt wurde 
(1364 p.d.). Sein Nachfolger (1367 p. d.) Mengyitsauke (Amin- 
menchoke bei Sangermano oder Manykrichwa bei Crawfurd) oder 
Thimranka muss seine Igroberungen besonders ausgedehnt haben, 
denn es heisst , dass die Könige Birma's Alles als das ihnen zu- 
kommende Gebiet betrachteten, soweit sich die Besitzungen ihrer 
fünf berühmtesten Vorgänger erstreckten , und als solche werden 
genannt: Naurathamenzau , der zweiundvierzigste König von 
Pagan, Mengyitsauke, der zweite König Ava's, Tschenbyu- 
myoyen, der König von Pegu und Ava (1554 p. d.), Nyaungyan- 
mentara, der Ava nach dem Falle Pegu's wiederherstellte (1601 
p. d.) , und Alompra. Mengyitsauke annexirte Promo , dessen 
König Tsauyannoung mit Hülfe derTalaings besiegt wurde, 1388. 
Auf seinen Sohn Tarabyakri folgte in demselben Jahre (1401 p.d.) 
Mangkaun I. oder Maugaung (Mong Bhung oder Meng-tschvai), 
der Mengtsaumoun oder Gunavai , den König Aracan's, besiegte. 
Während seiner Ab Wesenheit auf einem Feldzuge in Pegu machten 
die Schan von Theinni einen Einfall und zogen zur Plünderung 
der neuen Stadt herbei. Der rasch umkehrende König warf sie 
indessen zurück und erschlug ihren Häuptling (1413). Der Sohn 
des Gefallenen, der sich allein zu schwach fühlte, Rache zu 
nehmen, wandte sich an den chinesischen Gouverneur, dessen 



58 Birma. 

Soldaten aber in einen Hinterhalt der Birmanen fielen und ver- 
nichtet wurden. Unter der Regierung Chanyprusangsihasu oder 
Siahassu, dem sein Vater 1422 p. d. den Thron abgetreten, wurde 
Ava, während die birmanischen Truppen auf dem Feldzuge gegen 
die Talain in Unter-Pegu abwesend waren, von einem chinesischen 
Heere belagert, das die gefangen gesetzten Familien der Schan- 
häuptlinge von Mountaun und Mokay befreien wollte. In ihm 
fand sich ein riesiger Kämpfer, der täglich vortrat und die Soldaten 
auf den Mauern verhöhnte, weil sich Niemand mit ihm zu messen 
wagte. Ein peguanischer Kriegsgefangener, Thameimparam mit 
Namen, erklärte sich aber schliesslich bereit, das Wagestück zu 
unternehmen, und erstach seinen Gegner durch die schwache 
Stelle des Panzers, die er ausgekundschaftet hatte (1424 p. d.). 
Er hatte sich die Freiheit ausbedungen, wurde aber von den 
Birmanen, als gefährlich, auf die Seite geschafft Nach Menlane, 
der (787 p. d.) dem in neuen Kämpfen mit den Schan gefallenen 
Siahassu folgte, regierte, nach Sangermano, ein Ausländer in 
Ava (788 p. d.) und bei Crawfurd findet sich der Name Kale- 
kyengo, was (obwohl mir die birmanische Schreibart nicht 
vorliegt) den dummen Barbaren bedeuten könnte , wenn man die 
Verbindung des siamesischen Ngo mit dem birmanischen Kala 
oder Fremdling zulassen wollte. In vielen der Königsnamen 
der jetzt behandelten Zeitperiode finden sich, wie in Chwa oder 
Chu (Chao), Bya oder Phaya, Xang (Elephant) u. s. w. Anklänge 
an die siamesische Sprache, die das von Logan vermuthete Ueber- 
gewicht der nach dem Irawaddi vorgeschobenen Klane der 
Laos vorübergehend bestätigen. Jedenfalls liegt in Kala der 
Begriff des Ausländischen, wie der letzte König Pagan's „der 
vor den Kala Geflohene " und der von Tongu „ der von den Kala 
Fortgeführte "^ (Kalayamin) genannt wird. Meine siamesische 
Uebersetzung der peguanischen Geschichte spricht auch gerade 
um diese Zeit (750) von dem birmanischen Könige Phrachao 
Farang Mangsixava und nennt seinen Sohn Suniet, als er auf dem 
Throne nachfolgt, Phrachao Farang Mangkhlong, in welchen 
beiden Titeln das- Wort Farang nur gebraucht sein wird, um die 
nicht einheimische Abstammung dieser Herrscher zu bezeichnen. 



1 



Die Geschichte Ava*8. 59 

obwohl damals die Europäer (Farang oder Franken) noch nicht 
nach Hinterindien gekommen waren. Schon früher wird von 
derselben Geschichte der von dem König von Pagan in Martaban 
eingesetzte Gouverneur als ein Khek (Mohammedaner oder Malaye) 
erwähnt, mit dem Namen Ali oder Alimamang. 

Nach Crawfurd folgte auf Kalekyengo Manylhangay oder Min- 
gyi hlagay (der grosse König, hübsch und klein) noch in demselben 
Jahre (1425), in dem er den Thron bestiegen, und schon im 
nächsten (1426 p. d.) wird ein neuer König Monhany mangtara 
erwähnt, mit Saddamaraza zusammentreffend, der (nach San- 
germano) die Aera veränderte. Sein Sohn Mangraikyanyachwa 
oder Menekiazoa (Minjetschosoa), der Lehnsfürst von Prome, der 
1439 den Thron bestieg, starb in dem 13. Jahre der neuen Aera. 
Sein Nachfolger Narapatikri oder Sciassu (1442 p. d.) bekriegte 
die Schan in Mogoung, das er eroberte. Auf das Verlangen der 
Chinesen, die die tributpflichtigen Goldgefässe verlangten und nach 
ihrer ersten Niederlage verstärkt zurückkehrten , überlieferte er 
ihnen (1445 p. d.) den Tsoboa Thongabua (den Häuptling von 
Maingmo), der Zuflucht bei ihm gesucht hatte, in Anerkennung 
der von ihnen gegen da49 aufrührerische Yamithein geleisteten 
Hülfe. Er residirte wechselweise in Arimadana (Pagan) oder 
Paknajama (Sagain und Ava) und besiegte (1454) König Uti. 
Thokyeinbua, der Tsoboah von Mogoung, schlug (1449) die an- 
greifenden Chinesen zurück und verharrte in seiner Lehnstreue 
gegen Birma. Den nächsten König Mahasihasura (1468 p. d.) 
tödtete sein Sohn Mangkhaung II. (1480 p. d.), der einen seiner 
prinzlichen Verwandten mit der Regierung Tongu's betraute 
(1485 p. d.), wo bald darauf ein unabhängiges Königreich ent- 
stand. Kriege zwischen Ava und Pegu werden aus dieser Zeit 
von Barthema erwähnt und die birmanische Geschichte wieder- 
holt (1477) die Niederlage des chinesischen Vorkämpfers in 
einem Belagerungsheer vor Ava durch einen Thameinparan ge- 
nannten Talein, der für den König Pegu's einen eisernen Grenz- 
pfeiler in Khamti aufgepflanzt, aber von den Birmanen auf der 
Rückkehr in Yamithein gefangen wurde. Mangkhaung wurde 
durch seinen Neffen ermordet, Narapati, mit dem Titel Schwenan- 



60 Birma. 

kyanyshang (1501 p. d.), zu dessen Zeit die Schan von Munzein 
oder Mogoung unter Supengha, Sohn des (Eroberers von Khum- 
bat) Suhongkam , unterworfen waren , aber später unter ihrem 
Häuptling Sohasua oder Sohansua Ava eroberten (1526 p. d.), 
wo Letzterer (888 Ch. S.) unter dem Namen Monhanyshaupwa 
regierte. Der Krieg mit den Schan hatte im 90. Jahre 
der veränderten Aera begonnen. Nach Kriegen mit den 
Peguem , die bis Ava vordrangen , wurde Sohansua (1541 p. d.) 
durch Ranaon getödtet, der den Thron an Unbhaungchanbhwa 
abtrat (1546 p. d.). Sein Nachfolger (Mobhya bei Pinto) Mo- 
byanarapati (908Ch.S.X den die Häuptlinge des Hochlandes zum 
König erwählt hatten (1551 p.d.), wurde besiegt durch Narapati- 
zisa (Narapatigan) oder Cha kong chany sukyawytang, den Fürsten 
Sagain's, und dieser (1554 p. d.) erlag dem Zinbiuschin (Tchin- 
byu-myayen) oder Satomangchau, dem König Tongu's, bekannt 
als Aleagar, der Brahma-König von Pegu, der schon das eroberte 
Hongsavaddi seinem Reiche zugefügt hatte. In Ava, aus dem 
sich die letzten Schan (1556) zurückgezogen, setzte der Eroberer 
seinen Schwiegersohn Sadomenzau als Statthalter ein. Pranychun- 
mangraikyanychwa , sein Nachfolger, floh nach China vor dem 
anrückenden Heere des Königs von Tongu. Mit den Laos folgten 
die Birmanen im Heere Pegu's nach Siam (1567 p. d.) und die 
siamesischen Chroniken bemerken auch bei dem frühern Feld- 
zuge des Jahres 905 , dass die Vorhut von dem Phra Chao Pre 
(Fürst von Prome) und dem Phaya Phasiin (Bassein) geführt 
worden sei. Der empörte König Ava's wurde (1585) im Zwei- 
kampf durch den König Pegu's überwunden , der seinen dabei 
getödteten Elephanten durch den seines Gegners ersetzte. Der 
Sohn des Schan-Häuptling, Sukopha, der vier weisse Elephanten 
aus Siam erbeutet hatte, wurde von den Birmauen vertrieben 
(1587). , Theyathi oder Gaunjaun (der Sohn des Herrn über 
rothe und weisse Elephanten), der unter dem Titel Nyaung Men- 
darah (Nyaung ram man kri) als König von Nyaungyam regierte 
(959), baute das in den langdauernden Kriegen mit Pegu fast 
ganz zerstörte Ava wieder auf (1601) und wird als der zweite 
Gründer dieser Stadt betrachtet. Er befestigte aufs Neue die 



V 



Die Qeschichtt^ Ava's. ßl 

Grenzen des Reichs, Hess sich Thotsein, den abgefallenen Tsoboa 
von Bhamo, der nach Yunan geflohen war, ausliefern und stellte 
den verblichenep Glanz des Königthuins wieder her. Sein Nach- 
folger Mahauparaza (967Ch.S.), der (1607 p.d.) Tongu eroberte, 
zog nach seinersiegreichen Expedition gegen Syriam (1613) nach 
Zimmay oder Jamahay , wo der Handelsagent Thomas Samuel in 
Gefangenschaft fiel (1617), wurde aber von seinem Sohn Men- 
deippa in Pegu ermordet (1629 p. d.). Seine beiden BrUder, 
Dhamniaraza und Menrekiazoa, hoben indess in Tampi und 
Kiansi Truppen aus, mit denen sie auf Ava losrückten und in 
einem zu Panja abgeschlossenen Vertrage die Minister zwangen, 
den König, der in Uongsavaddi seine Residenz aufgeschlagen, zu 
Gunsten Dhammaraza's zu entthronen (1634). 

Das Königreich der Schau von Mogoung wurde damals für 
längere Zeit durch Prinzen aus Ava regiert. Marini bemerkt, 
dass unter dem 1647 gestorbenen König Ava's die Langienen 
des Königreiches Laos, das bei der Eroberung Pegu's und Siam's 
gleichfalls unterworfen und von Tonkin abgerissen worden , sich 
in ihrer Hauptstadt Langione wieder unabhängig gemacht hätten. 
Während der inneren Fehden zwischen den Prinzen der birma- 
nischen Königsfamilie gelang es dem Könige Pegu's, Satiihn 
genannt, den seit der Vertreibung der Aracanesen und Portugiesen 
an Ava gezahlten Tribut abzuwerfen und diese letztere Stadt in seine 
Gewalt zu bringen (996). Später wurde die Residenz dorthin ver- 
legt(1652), so dass Hongsavaddi, wie früher, nur von Gouverneuren 
regiert blieb. Seit 1 648 regierte Ngadatdayaka (Menrerandameit), 
Sohn des Salwon Mentaragyi, und 1658 flüchtete Younlhi, der sich 
zum Kaiser im südlichen Yunan aufgeworfen hatte, aber gegen die 
Mandschu nicht länger Stand halten konnte, über die birmanische 
Grenze und kam von Bhamo nach Ava, wo der König ihm für 
sich und seine Begleiter Wohnsitze in Sagain gab. Die noch 
unter den Waffen stehenden lYuppen seines Heeres beunruhigten 
vielfach die birmanischen Gebiete und rückten zuletzt bis vor 
Ava, obwohl Younlhi versicherte, dass sie nicht nur ohne, sondern 
selbst gegen seine jBefehle handelten. Die tapfere Vertheidigung 
der Hauptstadt, wobei Mithari Katan (Mr. Cotton, wie Burney 



62 Blrma. 

« 

meint) die aus eingebornen Christen bestehenden Artilleristen 
befehligte, zwang sie zam Rückzüge , aber durch neue ZuzUge 
verstärkt, griffen sie die Stadt zum zweiten Male an. Der König 
hatte seine BrUder von Tongu und Prome zu Hülfe gerufen, 
wurde aber in einem ausgebrocheneu Hader, da das durch die 
Belagerung inNoth gesetzte Volk lauter und lauter murrte, durch 
den letztem entthront und ertränkt, weshalb er auch als der 
Yay-kya-rain (der in das Wasser geworfene König) in der Ge- 
schichte figurirt (1661). Gleichzeitig erwähnt die siamesische 
Geschichte einer durch Phaulcon gegen Ava geschickten Ex- 
pedition, die aber fehlschlug (1 660). 

Der Prinz von Prome bestieg unter dem Titel Mengylgyo- 
gaung (Pruming) den erledigten Thron und zwang die Chinesen 
zur Aufhebung der Belagerung. Bald darauf zeigte sich aber 
ein tatarisches Heer unter den Befehlen des Generals Ainthiweng 
vor der Hauptstadt und der König hielt es für gerathener, seinem 
Ansuchen um Auslieferung Younlhi's nachzukommen (1662), 
wie durchschnittlich beide Regierungen sich gegenseitig das 
Recht zugestehen, solche bei ihren entflohenen Unterthanen zu 
verlangen. 

Durch die kräftige Hand, mit der die Kaiser der Mandschu- 
dynastie das Ruder führten , begann China wieder seinen alten 
Einfluss auf die Nachbarländer auszuüben und die Aussprüche 
seines Kaisers besassen stets eine Autorität, welcher sich die kleinen 
Fürsten gern unterordneten. Wie Dalrymple erzählt, verlaugten 
sogar einst die Holländer, als sie in ihren Faktoreien Zwistigkeiten 
mit den birmanischen Beamten hatten, dass die Entscheidung 
des chinesischen Kaisers angerufen werden solle. Aber soweit 
wollten die „Buraghmah'' verachteten Kalas gegenüber doch 
nicht gehen, und die Holländer mussten alle ihre Faktoreien 
räumen, deren sie damals bis nach Bhamo hinauf besassen. Die 
Schan- und Laosstaaten wissen sehr gut ihre Lage als Grenzländer 
zu benutzen und geben sich bald für Untei:^anen Birina's , bald 
Siam's aus. Am liebsten aber stellen sie sich unter den Schutz 
China's, wenn sie dort angenommen werden. Wie der erwähnte 
König Yuuau's nach Birma, rettete »ich der birmanische König 



\ 



Die Geschichte Ava's. g3 

Thadominso vor seinem Bruder Taungujauk nach China, und das 
Volk erzählt 9 dass am Tage seiner Flucht zwölf Krokodile über 
Ava's Strassen spaziert waren , paarweise in gerader Linie von 
Norden nach Süden gehend. 

Auf Megyiyogoung's Sohn, Narawara, folgte (1035) sein 
Bruder Mangraikyanytang , der Enkel Salwon's (1672 p. d.)» zu 
dessen Zeit die Engländer die Niederlassung ihres Forts und 1753 
eine Faktorei in Negrais gründeten, und dann (1076) Mangaun- 
radangadayaka (1698), unter dem Pegu erobert wurde. Nach 
Changphrashang (1714p.d.) oder Sirimahasihanira (1076 Ch.S.) 
regierte (1731) der weise Mahauparaza (ein Palaun), der in der von 
Hangermano benutzten Ausgabe der Maharazuen als der Pralaun 
oder Paya Alaun (Embryo-Buddha) mit allen Tugenden und Vor- 
zügen ausgeschmückt und ihm eine Regierung von 100 Jahren 
zugeschrieben wird. Seine Thronbesteigung fällt aber nur 
in die Zeit der peguanischen Eroberung, so dass er eine jener 
hinterindischen Phantasiefiguren ist, um den Untergang des 
Reiches zu verhüllen. 

Nach sechs andern Königen wird der letzte (1733) Chioek- 
men (Dwipidi oder Khaungthit) in den Kampf mit Pegu ver- 
wickelt (1740), der zur Eroberung Ava's führte. Birma 
hatte sich nach dem unglücklichen Kriege mit Manipur noch 
nicht wieder erholt, dessen Künig Pamhaoceba mit seinen 
siegreichen Reiterschaaren bis nach Sagain vordrang und nur 
durch den geschwollenen Fluss verhindert wurde, die gegen- 
überliegende Hauptstadt einzunehmen. Erbittert, umkehren 
zu müssen, hieb er mit seiner Streitaxt in einen der geschnitzten 
Pfeiler am Thore der Khoungmudau-Pagode , wo die Spalte noch 
jetzt gezeigt wird (1733 p. d.). Seine Armee wurde von Brah- 
nianen geleitet, die ihm Schutz gegen alle Uebel durch das 
heilige Wasser des Irawaddi versprochen hatten, aber das Um- 
wehen der im Lager aufgepflanzten Fahnen hatte schon die fehl- 
schlagende Expedition prognosticirt. Während das Land unter 
dem Drucke der Fremden seufzte, sammelte in der Stille ein 
Patriot in dem Dorfe Mozzobo einen Anhang Gleichgesinnter um 
sich, mit denen er unvermuthet plötzlich auf Ava losbrach, den 



94 Birma. 

• 

pegoanischen Gouverneur verjagte, und jetzt jene glänzende 
Siegeslaufbahn begann , die Alompra's Namen zu dem beliebte- 
sten in den Erinnerungen der Birmanen gemacht hat. 

Bei der Eroberung Ava's hatte Beinga Della, König von 
Pegu (1752), den König Dwipidi zum Gefangenen gemacht und 
mit sich nach Hongsavaddi fortgeführt. Er setzte seinen Bruder 
Apporatsa zum Statthalter Ava's ein, das aber in dessen Ab- 
wesenheit unter Dotatcheou durch Shembuam, Sohn des in Mont- 
chabou (Mozzobo) aufgestandenen Alompra (Aumdzia oder der 
Jäger) erobert wurde. Die Angriffe des denFluss herauf zurück- 
kommenden Apporatsa wurden 1754 abgeschlagen und aus Rache 
wurde der gefangene König von Ava hingerichtet. Dessen nach 
Siam gefluchteter Sohn stellte sich in Alompra's Lager ein , fand 
aber wegen seiner Annahme der Insignien der KönigswUrde 
nicht die gewünschte Aufnahme und kehrte nach Siam zurück. 
Der das aufgestandene Prome belagernde Beinga Della wurde 
von Alompra geschlagen , der nach der Eroberung des von dem 
Franzosen Boumo vertheidigten Syriam's und der Erbauung Ran- 
gUB's, Pegu (1757) erobert und dann Martaban. Auch die unter 
dem Schutze des Raja's von Munipur stehenden Prinzen von 
Mogoung wurden zur Anerkennung Ava's gezwungen und Muni- 
pur selbst unterworfen. Dann zog Alompra weiter gegen Siam, 
verschied aber auf dem Wege und seine Leiche wurde von dem 
Heere in grossem Pomp nach Birma zurückbegleitet (1760). 
Durch Alompra's Eroberung von Rangun und Syriam wurde die 
schon seit 1613 in Ava angesiedelte Colonie kriegsgefangener 
Christen durch viele Nachsendungen vermehrt. In der dem eng- 
lischen Negociator Baker gegebenen Audienz rühmt sich Alompra, 
seine Waflfen bis an die Grenzen China's getragen zu haben, des- 
sen König ihn mit vielen Kostbarkeiten beschenkte, und zeigte ihm 
die gefangene Königsfamilie von Cassay , die er an seinem Hofe 
mit sich umherftthrte. Der erste Einfall in Munipur (bekannt als 
die Kulthakahalba oder erste Verwüstung) fand im Jahre 1755 
statt, unter dem Befehl eines Verwandten des Königs, und Pem- 
berton bemerkt, dass dies das erste Mal gewesen zu sein scheine, 
wo die Birmanen ihren' Erfolg ganz den Feuerwaffen verdankten, 



Die Geschichte Aya*8. g5 

während sie sich sonst gleich den Manipuriern, nur der Schwerter, 
Speere, Bogen und Pfeile bedienten. Alompra selbst vollendete 
die Eroberung 1758, als er mit einer Boot-Flotille Burut Schah 
bei Pulel besiegte. 

Auf Alompra (Aong-jaya) oder Alaong-bhura (der embryo- 
nale Buddha), der, wenn nicht im Lager, in Moschobo residirte, 
folgte (1760) sein Sohn Uparaja (Auaundopra) oder Naongtan- 
kri (Nandoji Praw), der Sagain zu seinem Aufenthalt wählte, 
da Ava einige Zeit in den Händen des aufständischen Generals 
Nattun (Meinla Raja) war. 

Sein mit dem Heere aus Siam zurückkehrender Bruder Sem- 
buem (Shembuam oder Sen-phyu-shin) oder Changphrushang 
hatte zwar für seine anfänglich meditirte Usurpatiou Verzeihung 
erhalten, nahm aber beim Tode des Nandoji-Phra seine ehr- 
geizigen Pläne wieder auf und entsetzte dessen unmündigen 
Sohn des Thrones (1763), um selbst denselben zu besteigen und 
seine Residenz wieder in Ava aufzuschlagen. Er führte seines 
Vaters Absicht aus und Hess durch den General Maha Noratha 
die Hauptstadt Siam's erobern. Ayuthia wurde nach völliger 
Ausplünderung zerstört, und das Land blieb für zwei Jahre den 
Binnanen unterwürfig, bisPhayaTak die Unabhängigkeit zurUck- 
erwarb. Bei der Eroberung Kachar's verlangte Shembuam als 
Tribut eine Jungfrau und einen mit der Wurzel und anhängender 
Erde ausgerissenen Baum von dem Rajah. Auf diesem Feldzuge 
wurde Beinga-della, der letzte König Pegu's, in der Gefangen- 
schaft hingerichtet. Bei Shembuam's Tode (1776) war sein 
Sohn Chengousa oderShinkousa zum Nachfolger bestimmt, wurde 
aber durch Momien (den in das Kloster geflüchteten Sohn des 
Nandoji-Phra) entsetzt, obwohl dieser nur ein Werkzeug in den 
Händen seines Onkels Minderajih-Plira (Maong mang oder Pa- 
dungmin) oder Badonsachen war, der ihn auch kurze Zeit darauf 
ermorden Hess, um sein eignes Haupt mit der Krone zu schmü- 
cken. Er erbaute Amarapura als neue Hauptstadt des lindes, 
und sandte eine Flotte, die aus dem Imwaddi in die Kanäle 
Bassein's einfuhr, sowie eine Landarmee (unter dem Commando des 
Prinzen von Prome) zur Eroberung Aracan's ab. Der König Maha- 

B»iti»n, OtUsian. I. 5 



66 ' Binna. 

Sunda wurde nach einer verlorenen Schlacht gefangen genommen 
und die Hauptstadt erobert. Nachdem 3ie grosse Statue Guadma's 
oder Gautama's erheutet war, le monarque Binnan, succ^dant 
aux prerogatives du grand Mogo (titre religieux de Radjah*8 
d'Aracau), prit le titre de boa etladt^nominationplusorgueilleuse 
de Seigneur de Telephant blanc. (Jancigny.) Auf den im Lande 
vorgefundenen Prägevorrichtungen Hessen die Birmanen Münzen 
schlagen, ein Versuch, den sie später wiederholten, das Wappen 
des Pfau's (das auch sonst im östlichen Bengalen gefunden wird) 
aufdrückend, wie überhaupt seitdem die combinirende Genea- 
logie der Mra (Byi), Mauriya und Byamma systematischer ausge- 
bildet wurde, im Anschluss an den Ahnherrn des Geschlechts, 
in dem sich der embrvonale Buddha incaniirt hatte. 

Dann rüstete der König ein Heer gegen die Chinesen aus, mit 
denen er vorher Gesandtschaften gewechselt hatte , indem die Bir- 
manen alles dasjenige Gebiet als das ihre in Anspruch nahmen, so- 
weit Pagoden gebaut seien, da die Chinesen solche nicht verehr- 
ten. Eine grosse Niederlage, von der die Birmanen gern sprechen, 
soll ihnen schon 1769 bei Koung-Xoung-myo beigebracht sein, 
in Folge deren die Grenzstädte der Schan unter birmanische 
Oberhoheit kamen. Gelegentlich der Lolos an der chinesischen 
Grenze bemerkt du Halde , dass sie ihre Schriftzüge von Bonzen 
aus Ava und Pegu erhalten , die von den chinesischen verschie- 
denen Tempel gebaut und den Gottesdienst nach dem Ritual 
Pegu's versehen hätten. Im Jahre 1790 wurde eine chinesische 
Prinzessin nach Ava geschickt, und obwohl ihr die aristokrati- 
schen Füsse en miniature fehlten , doch freudig vom geschmei- 
chelten Könige aufgenommen. Bei Symes rühmt sich der König 
sogar, drei Prinzessinnen aus Oudeherit (Jehol in China) em- 
pfangen zu haben. Mit der Gesandtschaft im Jahre 1787 schickte 
der Kaiser von China acht Figuren der Brahma oder Byamha aus 
seinem Palaste, die seit Schöpfung der W^lt verehrt wurden, 
und der König vcm Binna sagt in seiner Antwort, dass die acht 
Figuren der Abassara unter pyramidalen Dächern in seinem Pa- 
laste aufgestellt worden, dass aber der höchste Gegenstand der An- 
betung in den drei Welten Gautama wäre, vonjeher verehrt durch 



Die Geschiebte AVa's. 67 

die Sonne-entsprossenen Könige, die über die Schirm tragenden 
Fürsten des Westens regierten. Die Benuas in der malayischen 
Halbinsel beten zu dem Gott Pirman , der unsichtbar über dem 
Himmel lebt. Als der König Birma's den 1833 vom chinesischen 
Kaiser geschickten Brief beantwortete, trug er seinem Gesandten 
auf, sich nach der ächten Zahnreliquie Gautama's zu erkundigen 
und sie zu verehren. Schon die alten Könige Pagan's haben Kriege 
darum geführt. Im Palasthofe Mandalay's steht ein chinesisch ge- 
schmückter Pagoden-Thunn , der der Zahntempel genannt wird, 
doch auf mein Nachfragen, ob eine wirkliche Reliquie oder nur 
eine Nachahmung in demselben enthalten sei , bekam ich stets 
nur ausweichende Antworten. Nach der Eroberung Ceylon's 
durch die Portugiesen bot der König von Pegu ungeheure Sum- 
men für den erbeuteten Zahn, aber die Geistlichkeit setzte durch, 
dass dieses Product des Aberglaubens zerstört wurde. Indess, ^ 
obwohl er zerstampft, zu Asche verbrannt und dann in's Wasser 
geworfen war, so erschienen doch bald nachher in polypenartiger 
Vermehrung drei neue Exemplare , so dass wahrscheinlich auch 
dem peguanischen Könige von seinem Gelde zu verhelfen war. 

Unter dem thatkräftigen Könige Mentaragyi erreichte 
Birma gerade zu der Zeit, die seinem Falle vorhergehen sollte, 
eine hohe Stufe der Macht, und durch die moralische Stütze seines 
ruhmvollen Namens gelang es in Ceylon (1800), den republika- 
nischen Grundsätzen der binnanischen Sekte im Buddhismus den 
Sieg über die bevorzugte Kaste der Gowi oder Ackerbauer davon 
zu tragen, die das Privilegium der gelben Gewänder für sich 
allein in Anspruch nehmen wollten. 

Auf Mentaragyi folgte sein Sohn, der Erbprinz oder Eim- 
schweming (Phagyidau oder Naung daugyi), der (1822) seinen 
Sitz wieder in Ava aufschlug. Im Jahre 1823 wurde versucht, 
durch Gesandtschaften ein Bündniss mit Cochinchina abzuschlies- 
sen , um gemeinsam in der Eroberung Siam's zusammen zu ope- 
riren. Auch schmeichelten sich die durch ihre letzten Ej-folge 
ttbermüthig gewordenen Binnanen mit dem Wahne, durch eine 
Allianz der unterworfenen Fürsten Vorderindiens die Engländer 
aus ihren Colonien vertreiben zu können. Aber in dem Frieden 

5* 



68 • Birma. 

von Yaudabo mussten sie (182G) nicht nur ihre Eroberungen in 
Aracan und Assam aufgeben , sondern noch die Küste Tenasse- 
rim's cediren. Nachdem die Engländer Molniein zum Sitz der 
Verwaltung eingerichtet hatten, räumten sie das Übrige Land und 
die Peguaner, die mehrfach zu ihren Gunsten aufgestanden wa- 
ren, sich jetzt aber der Rache der Birmanen preisgegeben sahen, 
flohen grösstentheils über die siamesische Grenze. Am Hofe 
Ava's gewann damals ein Emporkömmling, der von einem Fi- 
scher zum Fürstenstaude erhobene Menthagyi, (dessen Schwester 
vom Könige zu seiner Gemahlin gemacht war) , einen grossen 
Einfluss, und als die Unzufriedenheit unter dem Volke zunahm, 
das den König duich einen ihm eingegebenen Trank seiner Sinne 
beraubt glaubte, gelang es dem Prinzen Tharawaddi (1836) 
seinen Bruder zu entthronen. Nachdem er den Aufstand des 
falschen Tsaky am in unterdrückt hatte, kehrte er von Ava nach 
der in Amarapura neu erbauten Hauptstadt zurück und residirte 
dann eine Zeitlang im Palaste zu Madeh. Während seines zu- 
nehmenden Irrsinns missglückte zwar die Empörung des Prinzen 
von Promo, aber der Prinz von Pagan bemächtigte sich 1845 des 
Thrones und nahm nach. seines Vaters Tode (1846) den könig- 
lichen Titel an. Nach dem Ausbruche des englischen Krieges 
wurde er entsetzt und der jetzige König (Mendun-min), wah- 
rend dieEugländer im Anrücken auf die Hauptstadt waren, durch 
eine Palastrevolution auf den Thron gehoben, besonders durch 
die Entschlossenheit seines jüngeren Bruders, den er deshalb 
zum Eimschweming oder zum Erbprinzen ernannte. Er weigerte 
sich lange Zeit, den geschlossenen Waftenstillstand in einen de- 
finitiven Frieden zu verwandeln, da er meinte, von rechtswegen 
die abgenommenen Provinzen zurückerhalten zu müssen, denn 
nicht er, sondern sein Vorgänger habe den Krieg angefangen. 
Bald nach der von Vule beschriebenen Gesandtschaft des Oberst 
Phayre wurde die Gründung der neuen Hauptstadt in Mandalay 
projectirt. 

Uer vorige Krieg erhält nach Winter folgende Version in 
den Hof-Annalen: „In the years 1186 and 87the Kulapyu, or 
white s^traugers of the west, fastened a quarrel upon the Lord 



Die 6*»8chichte Ava's. 69 

of the Golden Palace. They landed at Kangoon , took that place 
and Prome , and were permitted to advance as far as Yandaboo, 
for the king, from motives of piety and regard to lifo, niade no 
effort whatever to oppose theni. The strangers had spent vast 
sums of money in their enterprise; and by the tinie they reached 
Yandaboo, their resources were exhaiistcd, and they were in great 
distress. They petitioned the king, who in his elemency and 
generosity sent them large sums of money to pay expenses, and 
ordered them out of the country. " 

Der Barbarismus, der bei jedem Anlass in der birmanischen 
Natur wieder ausbrechen kann, zeigt sich in der Behandlung, 
die sie bei der Dauer des Krieges den Fremden in Ava an- 
gedeihen Hessen, obwohl die Meisten derselben gar nicht einmal 
Engländer waren. Solchen Unterschied machte auch der Gou- 
verneur Rangun's nicht, der Jeden, der einen schwarzen Castor- 
hut trug, einstecken liess und ohne die zeitigen Kanonenschüsse 
der Kriegsschiffe massacrirt haben würde. 

In den gerichtlichen Depositionen der Gefangenen ist fol- 
gende die Aussage John Laird's: „Q. How were you treated in 
prison? — A. At first, the whole of the prisoners had a longbam- 
boo passed between the legs , over the fetters ; so that one leg 
rested on the bamboo , and the other on the platform on wich we 
lay. We had no mats or pillows to lie on. Our food was not 
allowed to be brought into the gaol to us by our servants, without 
paying a bribe at the door. The head-gaoler informed us, that 
we might be released from this State by paying among us , to the 
best of my recollection , between two and three thousand ticals. 
There were nine of us; we refused to pay so large a sum, and a 
smaller one was taken. As far as I remember, Messrs. Judson 
and Price paid one hundred ticals each. Mr. Gouger, for him- 
self and two persons imprisoned along with him, two hundred 
and fifty ticals." 

„ Q. Were you maltreated when conveyed from Ava to Aong- 
ben-le? — A. Yes; we were stripped of all our clothes, except 
a pair of trowsers and a shirt ; a rope was tied round our waists, 
and we were bound two and two. A keeper, who had a rope 



70 Birma. 

two or three fathoms long fixed to each prisoner, drove us along; 
and in this manner, in the beat of the sun, and in the month of 
May , we travelied , barefooted and bareheaded , to Amarapoora. 
At tbis place, our feet being blistered and cut, and being no 
longer able to travel, we vvere put in irons, and sent in carts to 
Aong-ben-le." 

Bei dem letzten engliscben Kriege war es den Fremden 
nicht besser gegangen, und sogar die in Birma geborenen Ar- 
menier, deren Familien schon seit Geschlechtern im Lande an- 
sässig gewesen waren und weit mehr Sympathien für die ihnen 
Monopole gewährenden Birmanen, als für ihre englischen Han- 
delsrivalen fühlen mochten, wurden in die gräulich schmutzigen 
Gefängnisse geworfen, gekettet und im Lande umhergeschleift. 
Selbst die katholischen Missionäre wurden von den verschiedenen 
Dörfern im Innern zusammengetrieben, und waren mit einem 
schweren Holzkragen (Cangue) am Halse tagelang der glühenden 
Sonnenhitze ohne Kopfbedeckung ausgesetzt, so dass Viele den 
Strapazen erlagen. Der jetzt regierende König ist im Gegensatz 
zu seinem unruhigen und thatendurstigen Bruder friedlich ge- 
stimmt, mehr ein Mann der Bücher als der Waffen, deren Füh- 
rung er auch, die Unterdrückung einiger Unruhen in den Schan- 
ländem abgerechnet, bis jetzt vermieden hat. 

Bemerknnfi:: Die hier und in andern Capiteln in Duplicatcn o>ier Tripli- 
caten gegebenen Königen amen bebalten die Formen bei, in denen sie sieb bei 
den verschiodenen Aatoritaten zerstreut finden und lassen meistens Zurückführung 
auf die birmanidcbe Schreibart , wie theilweise beigefügt , deutlicli zu. luden 
auf meine Abschriften begründeten Listen der Beilagen sind sie nur darnach ge- 
geben. Einige sind so entstellt, dass ihre Verification selbst hypothetisch kaum 
möglich wäre, denn da die Könige keinen eigentlichen Eigennamen besitzen, so 
werden sie nach Titeln oder zufillligcn Beziehungen bonanut, von donen bald die 
eine , bald die andere ausgewählt ist. So heisst Min-tara-gyi (Ming-taya-kri) der 
grosse König des Gesetzes, Aloung-bhura (phaya oder phra) der embryonale Herr- 
scher, Nyaun-dau-gyi-phra der königliche Bruder als Fürst, Zin-pyu-shin der Herr 
des weissen Elephanten u. s. w. Die Transcription birmanischer Namen bietet 
deshalb eigenthämliche Schwierigkeiten, weil sie so vielfach anders gesprochen 
als geschrieben 'werden, und man schwankt, ob sie besser nach ihrer schriftlichen 
Zusamraeosetzuog oder ihrer lautlichen Auffassung zu geben seien. 



IMe aracariische Geschichte. 

Als unter den Nachkommen Mahatliamada's, in dem der 
Embryo des ersten Buddha der jetzigen Periode lag, der Welt- 
beherrscher Waya-adz-dzyau-ya aus dem Geschlecht der Brah- 
manen- Könige sein Reich theilte, fiel die von den Nat oder 
Göttern gebaute Stadt Ramawati auf den Antheil des Aeltesten, 
Thamuti deva (der Meer entsprossene Gott oder König). Als 
der Buddha Kaukuson vorübergegangen war (als Tathagata 
oder der Vorbeigegangene) und der Embryo des Buddha Gautama 
(der in späterer Geburt Mandat Meng werden sollte) im Könige 
Tsek kyawade herrschte, fand eine heueTheilung der Erde statt. 
Der älteste Sohn (Thurya-Thauda) erhielt den mittleren Theil 
des Reiches mit der Stadt Patanaga, der zweite (Tsandathanda) 
den Norden und die Stadt Pintsapura, der dritte (Manithubhawas) 
den Süden mit der Stadt Randapura und der vierte (Kan-myeng) 
die von den Birmanen, Schan und Malay-Racen bewohnten Länder, 
von Kathi oder Manipur bis nach den Grenzen China's. Als 
Kan-myeng nach Ramawati kam, um sein Eigenthum in Besitz 
zu nehmen, entsetzte er die Nachkommen Thamuti deva's, die 
dort noch herrschten. Die Prinzessin aus diesem Hause, Thuwan 
naga hlya (die Göttin des züngelnden Drachen), erhob er zu 
seiner Königin, aber den letzten männlichen Erben, Maharadzan- 
gj'a, sandte er fort, um die Stadt Wethali inAracan zu verwalten« 
Dann versammelte er eine Menge Völkerschaften verschiedener 
Sprachen aus den westlichen Gegenden Hindostans und gab 
ihnen Landbesitz im Gebiete Ramawati's, wo er indess den 



72 Birina. 

besten Platz den Thek einräumte, einem in Aracan ansässigen 
Gebirgsstamm. Kan-myeng und seine Nachfolger regierten un- 
gestört in Ramawati während der langen Zeitperioden, in 
denen die Gesetze Kaukuson's, Gonagou's, Kasyapa's einander 
folgten, blühten und vergingen. 

Während die Religion Kasyapa's noch im Stadium des Zu- 
nehmens begriffen war, herrschte inUtaya maduya (der nördliche 
Continent oder, nach Anderen, mit dem Thal des Hukong in Birma 
identificirt) Thaga ya Deva und dann sein Sohn Maha Thagaya 
(Vater von Thagaya und Ubathagaya). Zeitgenosse desselben 
war in dem Lande Athet tengtsana (schaubar vorm Gesicht der 
Sonne) König Dewakengtha, Vater von Mahakengtha, dem zwei 
Söhne (Ken^ha und Ubakengtha) geboren wurden , sowie eine 
Tochter, Dewakappha genannt. Die Letztere Hess ihr Vater 
in Folge unheilverkündender Weissagungen in einem festen 
Thurme*) bewahren, aber sie wurde trotz aller Aufsicht dennoch 
schwanger, in Folge einer Liebschaft mit Ubathagaya, der von 
seinem Bruder aus seiner Heimath vertrieben und nach Athet 
tengsana geflohen war. Als Kengtha, der seinem Vater auf dem 
Throne gefolgt war, davon hörte, gab er die Heirath seiner 
Schwester mit Ubathagaya ZQ, aber unter der Bedingung, dass 
alle männlichen Kinder getödtet werden sollten. Zuerst brachte 
die Prinzessin eine Tochter zur Welt, die jung starb. Dann 
folgten nach einander zehn Söhne, die es indess alle gelang, 
durch verschiedene Kunstgriffe am Leben zu erhalten, trotz des 
strengen Verbots. Zuletzt wurde noch eine Tochter, Engtsana- 
dewi genannt, geboren. Die Söhne waren in einer abgelegenen 
Provinz des Reiches aufgezogen worden, und als sie heran- 
wuchsen , zeichneten sie sich in allen ritterlichen Eigenschaften, 
aber auch durch einen rohen und ungestümen Sinn aus. Sie 



♦) Nach einem aUen Brauche der Binnanen bleibt die älteste Tochter des 
königlichen Ilansos unverheirathet und wird frei gehalten, um im Falle eines un- 
glücklichen Krieges durch ihre TIand den Eroberer zu versöhnen. Sie heisst 
deshalb die Prinzessin des einsäuligen Palastes , und nach der ceylonischen Ge- 
schichte wird die Prinzessin Chitta von ihren Brüdern in einem solchen bewacht, 
um sie ledig zu erhalten. 



Die aracanische Geschichte. 73 

organisirten eine Räuberbande, die durch ihreGewaltthätigkeiten 
das Landvolk dermassen drückte, das» selbst aus solcher Ent- 
fernung die Klagen bis zumOlfr des Königs gelangten. Kengtha, 
der aus verschiedenen Umständen sie als seine NeflFen erkannte, 
liess ihre Eltern in ein hartes Gefängniss werfen und snndte ein 
starkes Heer aus, um sie ihm als Gefangene vorzuführen. Es 
gelang ihnen indessen, zu entfliehen, und in einem Walde trafen 
sie mit einem heiligen Eremiten zusammen, der ihnen für er- 
wiesene Beschtttzung himmlische Waffen verlieh, womit sie 
unbesiegbar wurden. Sie kehrten nach ihrer Heimath zurück, 
ihre vorige Lebensweise wiederaufnehmend, und Kengtha ersann 
eine List, um sich ihrer zu bemächtigen, indem er grosse Festlich- 
keiten ausschrieb, zu denen das Volk von allen Seiten zu- 
sammenströmen würde. Die zehn Brüder folgten gleichfalls und 
wurden von den geschulten Ringern des Königs zum Wettkampfe 
herausgefordert, wobei sie aber wider Erwarten den Sieg davon 
trugen und dann auch den König Kengtha tödteten. Nachdem sie 
sich der.Herrschaft in Athettengtsana bemächtigt hatten, dehnten 
sie ihre Eroberungen bis Siam aus, wo sie Ayudzdzapura er- 
bauten, und dann wandten sie ihre Waffen gegen Narinda, der 
aus der Race Kan-myeng's in Dwayawati (Dwaraca Kriscbna's) 
oder Thandwai regierte. Als sie mit ihrer Flotte vor der Mün- 
dung des Flusses anlangten, konnten sie nichts von der Sladt 
erblicken, da sie in der Luft schwebte, in Folge der Illusion 
ihres schützenden Hüters, des Belu Bhihi. Die Prinzen, in Ver- 
legenheit, wie sie gegen die unsichtbare Stadt vorgehen sollten, 
befragten einen Eremiten (Yathay), und derselbe rieth ihnen, 
den Belu durch Opfergaben zu versöhnen , da er dann der Stadt 
seinen Schutz entziehen würde. So stellt es die aracanische 
Geschichte dar, wogegen in einem durch Kupfer illustrirten 
Buche, das ich in dem Palaste zu Mandalay sah, die Prinzen dem 
Belu auflauem, als er in der Gestalt eines wilden Esels auf dem 
Plat/:e der verschwundenen Stadt grast und ihn so lange knebeln, 
bis er sich bereit erklärte, dieselbe herabzubringen. Auf die 
eine oder andere Weise gelang es den Brüdern , sich der Stadt 
zu bemächtigen, die sie dann mit einer eisernen Kette umwanden 



74 Binna. 

und an die Erde festbanden , woher sie den Namen Thandway 
(mit Eisen gebunden) erhielt. Die Bedrückungen und Gewalt- 
thätigkeiten , die die Prinzen auch dort fortsetzten , riefen eine 
Revolution hervor, in der acht der Brüder umkamen. In dem 
erwähnten Roman dagegen gehen sie zu Grunde, wie die Jadava, 
durch ein Spielgefecht mit Schilfröhren. Die beiden Uebrig- 
gebliebenen, Wathadewa und Baladewa, flohen mit ihrer Schwester 
unter der Führung eines Brahmanen , der sie nach Norden ge- 
leitete. In dem mit allen Schrecken erfüllten Walde Toung-up 
begegnet ihnen ein Belu, die Einkörperung des Königs Eengtha, 
der in das Leben zurückgekehrt ist, um seinen Mord zu rächen. 
Baladewa muss mit dem Ungeheuer ringen , unterliegt und wird 
gefressen. Wathadewa fällt durch den unabsichtlichen Schuss 
eines Jägers, der auf seine Fusssohle abdrückt, als er im Walde 
einen Busch durch verstecktes Wild bewegt glaubt. Die Prin- 
zessin mit dem Puna (Brahmanen) kommen in Wethali (der 
Hauptstadt Aracan's) an und werden dort mit Jubel begrüsst, da 
das Königsgeschlecht Maharadzaugya's gerade ausgestorben war. 
Nur eine Prinzessin, Therinpare, ist noch übrig, die der mit 
Eng tsanadewi, als sein Köuigsgemahl, auf den Thron erhobene 
Brahmane seinem Sohne Thundarih vermählt. Unter seinen 
Nachfolgern bedeckte sich Aracan mit Städten, und Künste und 
Wissenschaften begannen zu blühen. Aber mit dem Falle der 
Dynastie ging auch der Wohlstand des Landes zu Grunde und 
es verkehrte sich in einen Aufenthalt wilder Thiere, wo es für 
Menschen nicht länger möglich war, zu leben. Die feindlichen 
Ungethüme, von einem Affen und einem Hirsch geboren, waren 
aus dem Himawonda- Walde auf dem Flusse Kaladan nach Khouk 
tau toung hinabgetrieben. Doch von eben daher sollte auch die 
Rettung kommen. König Adzdzunna von Kapilawut, der seine 
Krone niedergelegt und sich nach dem Himawonda zurückgezogen 
hatte, pflegte seineu Aufenthalt an der Quelle des Kuladan unter 
einem Pipul-Baume zu nehmen, wo sich die wilden Thiere des 
Waldes, zu seiner Verehrung, um ihn versammelten. Auch 
Indamayu, eine einem Löwen verwandte Hirschkuh, kam dorthin, 
und da sie in einer früheren Existenz die Gattin des Königs 



Die aracanische Geschichte. 75 

gewesen, geschah es, dass sie sich schwanger fühlte. Durch 
eine Wasserfluth wurde sie den Kuladanfluss hinabgeschwemmt 
und bei Mi-khyaung an's Land geworfen , wo sie ein Kind in 
menschlicher Form zur Welt brachte. Dies wurde von einem 
Häuptlinge desGebirgsstammesMru oderMyu gefunden und unter 
dem Namen Marayu seiner Tochter verheirathet. Von den Nat- 
göttem mit magischen Waffen versehen, befreite Marayu das 
Land von den Ungeheuern , und fand beim Forthauen des Jungle 
unter den Biiinen der früheren Hauptstadt noch eine Prinzessin 
der Puna-Dynastie verborgen, die allein überlebt hatte. Mit ihr, 
als seiner Gemahlin, bestieg er den Thron und schlug seine Re- 
sidenz in Dhi-ngya-wati auf, ein Ereigniss, das in das Jahr 
2()58 a. d. gesetzt wird und die historischen Zeiten der Myu oder 
Pyu (Mra oderMramna) einleiten soll. Unter seinen Nachfolgern 
brach eine Revolution aus und die Wittwe des letzten Königs 
flüchtete mit ihren zwei Töchtern nach dem Gebirge Nilapantoung. 
Dort traf sie mit Kan Radzagyi zusammen, der durch seinen 
Bruder aus Tagoung vertrieben war, und flndet in ihm einen 
Helfer. Die Königin und die ihm verehelichten Töchter mit sich 
führend, steigt er die Ebene hinab und lässt sich in Dhi-nga-wati 
(Dinjawuddi oder Piaehjih) als König anerkennen , 825 a. d. 

Ihm folgt sein Sohn Thilaradza. Von seinen Nachfolgern, 
nachdem die Talein das verbannte Königsgeschlecht wieder auf 
den Thron gesetzt 464 p. d., führt Tsanda Thuriya oder Sanda- 
turiya, der Gründer Yamawuddih's oder Yanbieh's (639), die Re- 
ligion des heiligen Gesetzes ein, und soll den Stifter Bridhi Goadraa 
selbst zu sich eingeladen haben, der dann weiter östlich nach Prome 
zog. Die Chronik dieser Stadt dagegen setzt seine Ankunft dort, 
im Einklang mit der buddhistischen Aera, um etwa ein Jahr- 
tausend früher nach der Autorität des Mahayasuen , während aus 
anderen Quellen geschöpfte Daten auch bei ihr diese tausend 
Jahre auslassen , die nach der Einschiebung der indischen Dy- 
nastie Tagoung's zur Ausfüllung des Zeitraumes nöthig wurden. 
Der entscheidende Wendepunkt in der Staatengeschichte aller hin- 
terindischen Länder ist das siebente Jahrhundert p. d., das mit der 
bedeutungsvollen Epoche der Thang-Dynastie in China zusam- 



76 Binna 

menfällt, und unmittelbar auf die Vernichtung der Ephthaliten 
durch Perser und Türken folgte (VI. Jahrhundert). Das Reich 
der kleinen Jueitchis war im V. Jahrhundert gebrochen und 
musste, wie es die Qilahara und andere Stämme bis in den 
Dekkhan trieb, auch auf Hinterindien Rückwirkung ausüben. 
Unter den Einflüssen der Kalukja-Dynastie im südlichen Vorder- 
indien breitete sich das in Prome herrschende Königsgeschlecht 
aus, dessen letzter Fürst das grosse Bild des Mahamuni nicht 79 p. d. 
rauben konnte, wenn es erst durch Sandaturiya aufgestellt war. 
Mit Kan Radzagyi webt sich die Geschichte Birma's in die Ara- 
can's hinein, indem man die Königsdynastie auch direct von dem 
über I^nd gekommenen Sakhya-Geschlecht ableiten wollte, weil 
die ersten indischen Einwanderungen zur See, von denen jene 
mythischen Legenden frühester Zeit reden , dort so wenig wie 
in Pegu , in gleicher Achtung standen. Man sieht hier beständig 
das Bestreben , das kimigliche Blut durch allen Wechsel der Dy- 
nastien rein zu erhalten, indem gewöhnlich eine Königin oder 
Prinzessin aus dem Untergang gerettet wird, die dann mit Hülfe 
der Bergstämme, deren Häuptling als ihr Gemahl den Thron 
besteigt, eine neue Aera begründet. Ist der eingewanderte 
Füi-st selbst von reiner Abkunft, so mag er, um sich zu acclima- 
tisiren, eine Tochter der unterirdischen Schlangendrachen heira- 
then, die auch in Attika die Ureinwohner*) repräsentirten. Die 
auf Krischna bezügliche Episode wiederholt sich in Assam , und 
auf Siwa's Vertreibung wird der Name Molmein's zurückgeführt, 
der nach Mason im Taleing heissen soll Don-^Iot-Mein-Ling**) 
oder Stadt das Auge des Königs zerstörend, indem ein drei- 
äugiger König (aus Thonapura oder Dhammapura) dort sein 
drittes Stimauge wunderbarer Kraft verlor, als er auf Veranstal- 
tung einer Prinzessin des feindlichen Thatung sich das Gesicht 

*) Das giebt auch die Antwort auf Aniiot's Frage : 11 est surprcnant qne 

la figiir« ou caract^re du drngon ou ^erpeDt (in den KouOuen oder der Sprache 

der King) ait deux fi^ures, qiii sout le$ ä(:^ures abreg^es de l'homme. Ponrquoi 

denx liommoH ä l'oppoHte du serpent? Die Schlangen am Nacken Mahadeo's 
sollen (nach dem Dabistan) die elementare Natur bedeuten. 

••) Der Name wird auch erklärt als die Wildemiss (mein) von Wasser- 

pflanseo (moul) oder als Moulmanyaing (oder die Festung des Marmalon). 



Die aracanische Geschichte. 77 

mit einem von einer Frau gebrauchten Tuche abtrocknete. Als 
Molmein von den Siamesen erobert wurde, hiess es, dass das 
eine Auge Pegu's zerstört sei. Crawfurd sah eine dreiäugige 
Figur unter den aus Aracan gebrachten in Amarapura. Bei den 
Chinesen findet sich die folgende Erzählung über Ling-kwan-ma- 
guenshwui (der General Ma, der Meister der Orakel) i „Als Buddha 
den Chi-miau-kih-tsiang in die Welt hinabgeworfen hatte, fiel er 
in den Leib Ma-kin's und wurde wiedergeboren, als der glänzende 
dreiäugige (San-yen-Ling-kwan). Nachdem er den Drachen der 
östlichen See erschlagen , stahl er den goldenen Speer des Herr- 
schers Tszwi und wurde neu geboren als Liug-yau, wohl unter- 
richtet in dem himmlischen Buche, das von Vuk-hwang->hangti, 
dem Beherrscher des Windes und Feuers, überliefert war. Nach- 
dem er einer neuen Umwandlung sich unterzogen hatte mit seinen 
fünf Brüdern und zwei Schwestern, stahl er die göttliche Pfirsich 
und wurde der Feind vonTsi-tien-ta-shing. Buddha aber stellte 
zwischen Beiden Frieden her." Wie Crawfurd bemerkt, stand 
früher eine indische Stadt ßamapura in der Nähe Molmein's und 
Gouverneur Fitch zeigte mir alte Fundameute, die ihren Wall 
gebildet haben sollen. InSiam hörte ich dieMon meist bei ihrem 
classischen Namen llaman nennen. Nach meiner siamesischen Be- 
handlung der Geschichte Pegu's waren die Gründer Uongsawaddi's 
in der vom König Senakongkha beherrschten Stadt Romawaddi ge- 
boren, die im Walde Motama's odcrMartaban's lag. In den Wäl- 
dern, die die verwüstete Stätte des alten llongsawaddi (in der Nähe 
des jetzigen Pegu mit seinerPagodeSchwemioh) umgeben, finden 
sich ausgedehnte Steinruinen, von denen ich mit Sculpturen und 
Ornamenten verzierte Bruchstücke in Kangun sah. Gesprächs- 
weise hörte ich von Mad. Vinton, die auf ihrer langjährigen Mis- 
sion unter den Karen vielmals die dortige Gegend besucht hat, dass 
das Volk diese Kuinen über die Zeit der Birmanen und Talein's 
hinaus versetze und einem Könige von Bengalen zuschreibe , der 
dort mit seiner Armee durchmarschirt sei. Die birmanischen 
Könige lassen an der Mündung der bei Molmein vereinigten 
Flüsse, auf der Insel Goung-zay-gyoon, das Wasser für die wich, 
tige Ceremonie des Kopfwaschens schöpfen, wie die assamischeu 



7S Binnft. 

aus der BrahniakuDd an der Quelle des Brahmaputra. Nach 
der lusehrift in der Khouk-niyoo-dau-Pagode (in der Nähe Ava's) 
constituiren die Provinzen Hensawuddih , Digou (Kangun), Dala, 
Kosein (Bassein), Yougmya, und Mauttama (Martaban) das König- 
reich Yauianyia oder Kamaniya. Die Taleins sollen von Ya- 
iningatein oder Ramingatein gekommen sein, und die Ära- 
caucseu leiten den ihnen beigelegten Namen Mug's von den 
Magas ab, ein Brahmanen-Stamm , der von Bengalen aus nach 
Osten gewandert sei. In der chinesischen Sprache wird der 
Namen der Jao verehrenden Magier zu Mukh. Nach Prin- 
cep ist Magha der Name einer Dwipa. Jancigny nennt Mugh 
(Meugh ou Magh) une corruption deMogo, terme qui designe 
uue personne sainte et qui ne devrait s'appliquer, a proprement 
parier, qu'k la classe sacerdotale et au Radja. Die Orientalen 
leiten (nachShea) die Magier von Magh oderMogh (excellent) ab. 
In religiösen Traditionen werden die Magas oder Magier nach Saka- 
dwipa versetzt. Indess kann sich der Name noch näher an die 
Grossmogul anschliessen, da die halbwilden Völker immer gern 
ihre civilisirteren Nachbarn nachahmen. De la Puente bemerkt z. B. 
Sirian quedo al Key de Aracan , que se dezia el Mogo. Aus den 
Gebirgsstämmen Mra oder Myu wurden die Marama oder grossen 
Mra zu Bewohnern des „alten Landes". Ehe Aracan sich mit den 
Ihum abschloss, wird Chambahio als die gemeinsame Haupt- 
stadt beider Myammastämme genannt. Die bestimmte Trennung 
wird 1061 p. d. datirt. In den Traditionen der (jenseits derChu- 
meas wohnenden) Kukis sind sie und dieMugs die Abkömmlinge 
desselben Vaters, die Mugs von dem ältesten, und die Kukis von 
dem jüngsten Sohne abstammend, welcher Letztere vernach- 
lässigt wurde, und deshalb den Namen Luncta oder „der Nackte" 
bekam , der sich auf seine Nachkommen forterbte. Macarae be- 
merkt, dass die Mugs und Kukis einander gegenseitig verstehen, 
da ihre Sprache fast ein und dieselbe sei. Die Kukis üben die 
Blutrache auch gegen Thiere und selbst unbelebte Gegenstände. 
Sie bewahren die Leiber ihrer Todten bis auf einen besonderen 
Tag, an welchem sie jährlich ihre Todtenfeste feiern, wobei sie 
die Leichname verbrennen. Ausser der Khogein Pootteang ge- 



Die aracanische Geschichte. 79 

nannten Gottheit (der Schöpfer der Welt), verehren sie haupt- 
sächlich eine niedere Gottheit, oder einen göttlichen Vermittler, 
dessen Bildniss, unter einem Baum aufgestellt, Ziegen zum Opfer 
erhält 

Die ßhyanimagyi vertheilten sich in Misimadesa in 102 Ge- 
schlechter, aber der Hauptstock wanderte in den Birmanen nach 
dem Irawaddi aus. Die ursprünglichen liaceu ihres Landes sind die 
Pioje, Piintaun, Pyu, Danuh und Theth. Von den Kakeiu (Ara- 
canesen) leben die Yanbiaeh nahe der birmanischen Grenze, die 
Man-aun an der Küste, die Zihtway auf den Inseln, die Piaehgih 
im Norden des Innern, um die königliehe Residenz, die Tand- 
wuay im Süden des Innern. Als vier Stämme der Birmanen 
gelten die Yo, Yakain, Talein und Yuthia. In dem von den 
Birmanen das alte L4ind genannten Araean waren die Mru oder 
Thoungmru, die sich besonders am Mayuflusse finden (wie die 
Sak am Naufflusse), von den aus Norden gekommenen Kumis aus- 
getrieben, als die Myamma das Land betraten. In Tibet werden 
die Httgelstämme Indiens unter dem gemeinsamen Namen Mhon 
oder Mron zusammengefasst. Die Marams zwischen den Luhup- 
pas und Kacharis zeichnen sich nach Pemberton durch ihre Ge- 
stalt und Erscheinung vor ihren Nachbarn aus. Fremde werden 
in Araean Paloun genannt, wie Kala von den Birmanen, während 
diese unter Paloun einen Mischling verstehen, und nach Leyden 
ist die Sprache derKukheng oder Aracanesen reiner und weniger 
verdorben, als der birmanische Dialekt. Die aracanische Be- 
zeichnung der Byamma-Paloun mag mit dem alten Volk derThee 
bauenden Paloun in Birma zusammenhängen und Hlpon meint 
Mann in verschiedenen Dialekten der Karen. Die Kajbunsi oder 
Myammagyi in Chittagong, die in Bengalen Mugs heissen, wollen 
von den Königen Aracan's abstanmien. Ptolemäus' Name Kir- 
radia für die Küste bis zum Aracanfluss hat sich in den Kiratas 
NepauPs erhalten und nach Lassen findet sich dieses Volk durch 
den Mahabharata an den Lauhitja oder Brahmaputra gesetzt. 

Zur neuem Geschichte Aracan's bleibt wenig hinzu- 
zufügen , so dass nur kurz aufgezählt zu werden braucht. Ihr 
bedeutendster Name, Sanda Thuriya oder Sandaduyamin, der, 



80 ßirma. 

wenn er die Mug-Aera gestiftet (636 p. d.), entweder einen zweiten 
Gautama in sein Land gebracht haben wird, oder den Buddhismus 
ohne ihn eingeführt hat» scheint, wie schon bemerkt, unter einer 
sehr unbestimmten Chronologie zu leiden, da ihnPaton um's Jahr 
701 p. d. (im 65. Jahre der Mug-Aera) sterben lässt, wogegen 
(nach Phayre) Ngami, der den Anfang der aracanischen Ge- 
schichte 2658 a.d. setzt, seine Regierung 146 198 p.d. angiebt 
Unter ihm wurde in Yamawuttatein von den Nats das grosse Bild 
Gautama's als Mahamuni gegossen , das nach andern Autoritäten 
zu seiner I^bzeit, entweder im Himmel Tuschita oder nach seinem 
iüJchatten verfertigt war. Auch Ceylon will ein ähnliches Ge- 
schenk wie König Abgar erhalten haben. Als die Prinzessin 
Mutigchen durch Kaufleute aus Madhyam oder Central-India mit 
der durch Suras und Asuras verehrten Lehre bekannt wurde, 
schickte sie Geschenke an Chomdanda oder Sakya, der dieselben 
mit seinem Portrait erwiederte. Der berühmteste Tempel des 
Mahauiuni steht in Tassisudon, der Hauptstadt des Deb Rajah in 
Bhutan. 

Nachdem die Dynastie Sanda Tb uriya's, die 25 Glieder zählt, 
zu Grunde gegangen war, verlegte Mahasainhakhandra( Vater der 
Thuriya-Taing-Tsandaya) die Residenz von Dhanjavati nach 
Vai^ali oder Aracan. Mit ihm giebt die Geschichte (wie Phayre 
bemerkt) das erste Datum im Jahre 151 (7.>1> p. d.). Unter 
seinen Nachfolj^ern unternahm Kudhasainhakhandra (nachdem er 
Chittagong erobert und Siegessäulen aufgestellt) mit seinem 
himmlischen Speer einen Feldzug (überHansawuddi und Prome) 
nach China (für seinen Hundsschädel*) einer früheren Existenz), 
ertrank aber auf der Rückkehr (957 p. d.). Die Wittwe ver- 
heirathete sich mit Häuptlingen des Mju-Stammes, die, nachdem 

- • — - • 

*) GltMchsam dit^ Kriniieriiiijj: an Hn früheres Noiiiadciileb«*!! seines Stammes 
an den Aassenposten des Mittrlreiches , um dir Znganff«' der Grenze für den 
Lehnsherrn zu hüten , wie Stnuislas Julien eine Anspielung auf die Seelen- 
Wanderung in den Worten 8se-nio*8 finilet : Vonz nfave/. conible de hienfaits et 
m*avez mis k la t^e de toutes les hordes. Je de^ire d*etre de siecle ä siecle un 
Ghien de votre royaume et d'aboyer en gardant la porte septentrionale du fils do 
Ciel 



Die aracanische Gesehiclite. ^1 

die Angriffe desPyu-Köüigs vonProme zurückgeschlagen waren, 
durch den SchanfUrsten Thakhengbhawakje (aus Pegu) ver- 
trieben wurden (976 p. d.). Anauraktadzan versuchte vergebens, 
das Bild Mahamuni's fortzuführen, aber der durch den Thekstamm 
erhobene König Nga Mengngatum (356) wurde durch den 
König von Pagan getödtet und Anaurahtadwza (Anaurataso) 
unterstützte (380) den neuen König (Khet-ta-theng), sich in 
Pingtsa festzusetzen. Alaunsidu setzte Let ja nag uam oderPyu- 
ta-thin-meng (der Herr der 100,000 Pyu), den Sohn des ver- 
triebenen Prinzen (der seine Tochter geheirathet), wieder ein. 
Das Idol von Mahamuni wurde während des Kriegs durch die 
Pyu-Armee des Königs sehr beschädigt. König (Jaulaja (der 
fünf weisse Elephanten besass) empfing Tribut von Hirma, Ben- 
galen und Pegu (1168 p. d.). König Ananthiri erregte duich sein 
ausschweifendes Leben eine Empörung und wurde durch seinen 
Bruder Mengphungtsa entthront (1167 — llDl). 

Die ältesten Münzen Aracan's stammen von König Taing- 
khejit. Alaudnaphyu kriegte mit den Birmanen und König Radza 
thugyi trieb die Talein von Süden aus. König Nankyagyi wurde 
wegen seiner Tyrannei durch zwei in Büffel verwandelte Studen- 
ten getödtet, die ihn bei der Verwandlung in einen Papagei als 
Habichte verfolgten. König Mengdi schlug die Schan zurück 
(656), trat in ein Freundschaftsverhältniss mit Ngai)ukheng, 
Fürst von Thuratan, blieb siegreich gegen die Conföderation der 
Schan, Birmanen undTalain, die der Häuptling desTliekstammes 
gegen ihn angestiftet hatte. König Thiutsi wurde auf dem Feld- 
zuge gegen Ava (752) durch Empörung zur Umkehr gezwungen. 
Die Birmanen trieben (1406) Mengtsaumoun oder Jumuvai, der 
1404 p. d. seine Residenz in Aracan aufgeschlagen, nach Ben- 
galen und besetzten das Land 1408 noch einmal, bis sie mit 
Hülfe der Peguaner vertrieben wurden (1426). Dann wurde die 
Residenz aufs Neue nach Aracan verlegt (1430). Durch den 
König von Thuratan wurde Mengtsaumwun wieder eingesetzt 
(1457) und Tatsanphyo dehnte seine Besitzungen bis über Bengalen 
aus (1460). Meng Thatoung bekriegte Tripura (1585). Durch 
den nach Aracan geflüchteten Suju (Bruder des Aureugzeb) 

Baatiau, OaUtien. I. g 



g2 fiinna. 

wurden die Aracanesen in Kriege mit dem Gouverneur von Ben- 
galen verwickelt, wo sie früher »chon mehrfach einzudringen 
versucht haben müssen, da der Dzedi von Dacca ihnen zu- 
geschrieben wird. Aus der birmanischeu Eroberung Aracan's 
stammen die meisten der Hofbrahmanen in Ava. Andere wur- 
den aus Munipur zugefügt und jetzt pflegen sie auch direkt von 
Benares zu kommen. Im Jahre 1825 wurde Aracan als eng- 
lische Provinz besetzt. 



Die Ahorn in Assam und die Singpho. 

Die Chroniken der Ahorn bß^nnen (nach Robinson) mit 
einer Berathung zwischen den zwei Königen des Himmels, Leng- 
dun undThenkham, die beschlossen, ihre beiden BrttderKhun lai 
und Khun tai als Könige auf Erden einzusetzen. Begleitet von 
Khuntun, dem Sohne des Mondes, und Khum bum, dem Sohne der 
Sonne , als priesterlichen Berathem , und mit zwölf Familien der 
Phokun oder Burunas stiegen sie auf einer goldnen Leiter vom 
Himmel herab, zum hohen Berggipfel (^harai karang, der zu- 
weilen mit einer der Spitzen der Patkoi-Kette identificirt wird. 
Dieser ragte bis über die Wolken empor, ähnlich den Bergen in 
Shuh, auf denen (wie die Chinesen erzählen) die Hunde von der 
Nähe der Sonne erschreckt werden und zu heulen beginnen, 
oder in Wuh, wo die Ochsen den Mond für die Sonne halten und 
ob der schrecklichen Hitze stöhnen. Die Khyen bringen in be- 
stimmten Fristen die Knochen ihrer Vorfahren auf den hohen 
Berg Yehautoung, von dem die ganze Welt überblickt wird, und 
den Mishmis ist der Kegelberg Regam der Sitz der Geistor. Die 
Jakun's in Johore erzählen , dass Gott zuerst im Himmel einen 
Mann und eine Frau geschaffen, die Batin oder Könige gewesen, 
und dass diese , auf Erden herabkommend und am Flusse Johore 
sich niederlassend, die Menschen beherrschten. 

Nach einem Aufenthalt von 14 Jahren auf dem Berge entstand 
ein Streit zwischen den Brüdern. Die Minister trafen die Ver- 
einbarung, dass Khun tai, im Besitze der dortigen Herrschaft 
verbleiben und den Gott Chun als seinen Schutzgott bewahren 

6* 



84 Birma. 

sollte. Kbun lai dagegen entscliloss sieh , zum Himmel zurück- 
zukebren. Bucbanan giebt indess eine andere Version, dass 
nämlicb Kbun lai nacb Südosten zog und sich in Nora nieder- 
liess, den Gott Cbeng mit sich nehmend. Chu-kapha, der Sohn 
Kbun tai's, begründete kurz nacb der Induwanya- Dynastie in 
Kamrup das Königsgescblecbt der Ahom in Assam (1228 p. d.), 
während die dortige Induwan^a- Dynastie von Andern mit den 
Pong-Königen der Scban in Mogoung in Beziehung gesetzt und 
von Sam long pha (dem Bruder des Königs Chukampba, der ihn 
aus Neid über sein Kriegsglück vertrieb) abgeleitet wird (777 
p. d.). In Vorder -Assam oder Kamarupa war im 12. bis 13. 
Jahrhundert die Dynastie der Palas (deren bengalische Kajah in 
Gaur regierten) durch die Koch beendet (in der Brahmaputrija- 
Dynastie). Vor der Brahmanisirung Assam's durch den Einfluss 
einer indischen Prinzessin versahen die Deodhaing den myste- 
riösen Gottesdienst des Gottes Chung (aus der tibetischen Pro- 
vinz der Limbus) nach den alten Büchern Bulongji, die (mit dem 
Birmanischen ähnlichen Buchstaben) in einer nur Priestern ver- 
ständlichen Sprache geschrieben sein sollen. Auch der Dienst 
der Kameswari oder Kamathya in Kamrup war früher ein Ge- 
heimdienst gewesen und wurde erst unter Rajah Debeswar 
popularisirt (76 p. d.). Bald darauf wurde der Linga eingeführt 
(95 p. d.). Bei den Kiranti beissen die das Opferamt der Manen 
(Samkha) versehenden Hauspriester Nak-Chong (nach Hodgson). 
Bucbanan bemerkt von dem Tempel derTulasi Bhuwani in Kath- 
mandu: There is no image of tbis deity, which is represented by 
a cabbalistic figure or Yantra. In order to impress the subjects 
with awe, no person is admitted into tbis shrine, except theRaja, 
the Rani, the Guru and the Pujari (who is always of the Guru's 
family). PrithvviNarayan offered human sacrifices, but the deity 
reprimanded bim in a dream and since then animals only are 
sacrificed , wbose blood is carried into the temple by a prince or 
priest. 

Der assamesische Dialekt hat den ursprünglichen der Abom's 
fast ganz verdrängt, doch ist es nacb den von Jenkins und Brown 
gesammelten Kesten ausser Zweifel , dass ihre Sprache die der 



Die Ahom in As^am und die Singpho. g5 

stammyervvandten Siamesen und Laos war. Khun ist ein siame- 
sisches Wort, das jetzt Edelmann, in alten Schriften aber König 
bedeutet^ ebenso wie das spätere Chau (Chu oder Cha) und dann 
Phra (Pha oder Phaya). 

Nach Huliram Dhaikiyal Fuhkun regierte in Nura oder 
Nora (östlich von Soumar) der Kajah Tscbaingla und sein 
Verwandter, Tschukapha, wanderte (13. Jahrhundert) von 
Khranungdjing aus, um sich in Tschuntuk niederzulassen und 
Eroberungen südlieh vom Brahmaputra zu machen, worauf er 
Usumu (unvergleichlich an Macht) oder Assama (Assam) genannt 
wurde und sich für einen Nachkommen ludra's erklärte. Die 
Lao Ho rühmen sich, dass sie früher Niemandem unterthänig 
waren, als nur dem Himmel allein. Sie besassen einen grossen 
Kürbiss , der (wie die Kebe der Mandan an der Erdoberfläche) 
bis zum Himmel emporwuchs , so dass sie daran emporklettern 
und ihren Tribut dem Himmel darbringen konnten (vielleicht 
dem Sohne des Himmels, da sie damals in Yunan lebten), um 
sich den an andere Könige der Erde zu ersparen. Als sie 
aber einst leichtsinniger Weise die Pflanze abgehauen , fielen sie 
unter das Joch Kambodia's und später in die Gewalt Viengchan's. 

Bei Khun tai's Ankunft unter>varfen sich die zwölf Häuptlinge* 
(BaroBhungya), die damals über Assam herrschten, seiner hohem 
Würde und Bildung. Sein Sohn Chutuopha oder Chukapha (1281) 
hatte schon Indra als Stammvater kennen gelernt und führte durch 
eine Beihe von 48 Königen auf ihn zurück. Von seinen Nach- 
folgern bestellte Chukum, aus Liebe zu einer indischen Concubine, 
deren Sohn (Godahor Singho genannt) zum Thronerben, obwohl 
er nach den alten Gesetzen der Ahom ganz illegitim gewesen 
sein würde. Damit begann die heilige Classe der Brahmanen 
Einfluss XU gewinnen und die alten Priester behielten nur ihre 
Funktionen als Purohits der königlichen Familie. Die Ein- 
wanderung der Brahmanen wurde besonders durch Rudru Sing, 
den Nachfolger Godadha's, begünstigt (1695 p. d.). Fabian fand 
auf seiner Reise(399 -4I4p. d.) brahmanische Könige in Assam, 

• 

die indess den Samanäern Hochachtung bezeigten. Kamrup war 
zur Zeit der Ankunft der Ahom in Assam durch grosse Unordnungen 



86 Birma. 

zerrissen. Die Gemahlin des Köni^ Ramachandra war mit der 
Umarmung des Fiussgottes Brahmaputra beglückt worden, da 
aber die bösen Zungen flüsterten, dass es nur ein verkleideter 
Brahmane gewesen, so zog sie sich in stolzer Verachtung solcher 
Lästerungen nach dem Hofe ihres Vaters (in.Badyagarh) zurück 
(1238 p. d.) und gebar dort ihren Sohn Sha-shank oderArimastha, 
der später (nach Kriegen mit deniKajahPhenua von Phenuagarh) 
den Ramachandra erschlug, ohne ihn als seinen Vater zu kennen 
(1279 p. d.). 

Nach den Sagen derSingpho oderSinboh (die sich beiNeuf- 
ville linden) war ihre ursprüngliche Heimath zwischen Khamti 
und der chinesischen Grenze auf dem Hochplateau des Berges 
Mujaisangrabhum gelegen. Dort waren sie unsterblich und dem 
Himmel so nahe, dass sie, wie die Nachkommen Seth's, mit den 
Planeten Unterhaltung führten , ein höchstes Wesen verehrend, 
das unsichtbar war, wie der Gott Pirman auf dem Berge der 
Benua's. Als sie von dort herabstiegen und zur Selbstvcrthci- 
digung das Blut von Menschen und Thieren zu vergiessen ge- 
zwungen wurden, sanken sie zu dem Stande gewöhnlicher Sterb- 
licher herab und ihre religiösen Anschauungen vermischten sich 
mit dem Aberglauben ihrer Nachbarn. Dieser heilige Berg, wie 
der in den birmanischen Sagen bei Sangermano, fällt mit dem 
Maha-Meru zusammen, auf dessen erhabener Fläche der von den 
vier Raja's bewachte Hofsitz Indra's in seinen Himmel ragt. 

Bisa Goam erzählt über die Wanderungen der Singpho, dass 
nach der Schöpfung der grosse Gossein den Menschen die ganze 
Erde gegeben. Als sie sich aber trotz seines Verbotes in dem Flusse 
Rham Sita wuschen, wurden sie von Raksha's verschlungen, und 
nur ein Mann, Siri Jia, entkam mit seiner Frau Phaksat. Als sie 
untereinem Baume ruhten, gab ihnen, aufGossein's Veranlassung, 
ein Papagei das auch den Azteken in der Vögelsprache*) mitge- 
theilte Gebot, nach Süden zu ziehen, mit der Warnung, den Norden 
zu vermeiden , wo sie in die Hände der Raksha's fallen würden. 



•) In ossetischer Sage wird Ir-barek durch die Unterhaltung der Vögel 
▼OD dem Anzüge der Hundsmäuler unterrichtet. 



Die Ahorn in Assam und die Singpho. g7 

Sich auf dem Hügel Mu yra singra bhum niederlassend, wurden 
sie die Vorfahren der neuen Menschen. Nach ISatao Goam wurde 
das Menschengeschlecht in einer Sündfluth vernichtet (weil bei 
dem Schlachten von Büffeln und Schweinen die Opfer versäumt 
worden), mit Ausnahme von Khun litang und Chu liyang mit 
ihren Frauen, die von der Gottheit den Singrabhum-Hügel zum 
Aufenthalt angewiesen erhielten und die Stammeltern der Men- 
schen wurden. Auch von der über die gewöhnlichen Menschen 
erhabenen Classe waren zwei Wesen gerettet worden, Kai-Jan 
mit seiner Schwester Giung, und sie wurden von der Gottheit 
auf einen hohen Kegclberg gesetzt, mit zwei Hähnen und neun 
Bambustäben. Als sie die letzteren hervorzogen , sprang Licht 
heraus, die Hähne fingen an zu krähen *) und verriethen so ihren 
Aufenthaltsort den Kakshasas. Die alte Grossmutter derselben 
(die auch in der Hölle der Neuseeländer sitzt) suchte sie zu er- 
greifen, aber sie entkamen nach dem neunten Himmel, wo sie 
vergöttert wurden und seitdem von den Siugpho's Opfer erhalten. 
Ihnen gehört die Deo Monroe (göttlichen Kleinodien) genannte 
Perlenart, die von den Singpho's als preislos geschätzt wird. 

Hieran schliesst sich eine Sage, die Marini bei den östlichen 
Laos sammelte: dass die Bewohner des Himmels sich wegen 
Frauen entzweiten und dass nach blutigen Kämpfen die besiegte 
Partei nach einer öden Insel getrieben wurde. Sich einsani 
sehend, ils se rendirent sur la plus haute montagne qui fut dans 
l'isle, sur la plus haute cime de laquelle on avait plante un arbre 
d'une hauteur prodigieuse, d'oü chacun s'efForyaut d'appeller sa 
femme qui estait demeurt^e dans le Ciel, elles se resolurent d'en 
sortir pour t^moigner leur amour, qu'elles avaient conservö. Als 
ihre Nachkommenschaft zahlreich geworden, rächten sie sich 



*) Als die Orang Subimba , die auf einer Reise nach Celcbes Scliiffbruch 
gelitten und in ßantam verblieben waren , ihre Ansiodlungen wiederholentlich 
durch Seeräuber zerötort sahen , zogen sie sich in das Innere zurück und Hessen 
alle einen Eid schwören , nie wieder das Feld zu bauen oder Huhner zu halten, 
da die letzten durch ihr Krähen hauptsachlich immer ihre Tersteekten Wohnungen 
verrathen hatten. 



gg Birma. 

(wegen Gewaltangriffe auf ihre weissen Frauen) an certains 
hommes noirs qui estaient d^mons. Nach Borie beten die Man- 
tras besonders zu dem Gipfel des Berges Bermoni, wo sie weisse 
Hühner opfera, und verehren ausserdem den Fels Batu Tra (in 
Klam). Such as go there must not take fire with them , because 
-if a spark falls upon the rock, it would be immediately take fire 
and be consumed. Die Kasia verknüpfen nach Yule die Ent- 
stehung der Sterne mit einem hohen Baume. Up this climbed a 
great multitudc and when they were fairly among the branches 
another multitudc came and hewed the tree. Wherefore all the 
multitudc remained above, where they form a great bazar and 
are the stars we see. 

Als (nach Sadya Kawa Gohein) Soari Mittia die lasterhafte 
Erde mit den sieben Sonnen des Meru (Noi Sao Pha) verbrannte, 
blieben nur vier heilige Goheins übrig, die Zuflucht im Himmel 
gesucht hatten und nachher. die Welt wieder bevölkerten, also 
ganz buddhistisch. Goddard erzählt von den Lolo im Süden 
Yunan's gleichfalls eine buddhistische Reminisccnz. Ursprünglich 
seien zwölf Sonnen und zwölf Monde gewesen, aber der Himmels- 
gott habe elf davon ausgelöscht, da sie sonst alle Dinge verbrannt 
haben würden. Die Khaniti oder Kham-tai oder Bor-kamti, die 
mit den Singpho's im Hochgebirge an der Irawaddi - Quelle 
vereinigt lebten, ehe sie zur Eroberung Suddij<Vs mit Raja Gou- 
rinath (1790) herabgedrängt wurden, gehen auf ihre alte Haupt- 
stadt Myang Kamarat zurück, die sie im Kriege mit den Chinesen 
verloren hätten. Kamboja, von den Eingebornen Namwuam ge- 
mannt, hcisst im Sanskrit oder Pali Maha Not Korlorot Kamer, 
bemerkt auch Gibson, freilich etwas unorthographisch. Aus Kara- 
tih-myoh kamen die Gründer Thjitoung's zum Fischer Posuwanah 
am Gyne-Fluss. Den mythischen Bhong-Radja (vielleicht in 
Nora), dem die Radja Assam's Tribut zahlen sollten, glaubte 
ILimilton mit den Khamti oder Abor identificiren zu können. 
Das grosse Königreich der Lao long breitete sich nach den 
Coehinchinesen am Flusse Cuilong jiang (der Fluss der neun 
Drachen) oder Mekhoug aus (nach Louis). Ilannay setzt Kai 
Khao Mau Long (die grosse und glänzende Stadt), als ds|.s 



Die Ahorn in Assam and die Singpho. 89 

Schan-Reich blühte, an den Schweli. Die Lao myang luan (die 
königliche Stadt der Lao) gehöre jetzt den Phama, sagen die 
Siamesen. Der Chao Khomerat spielt eine bedeutungsvolle Rolle 
in der alten Geschichte Kambodias und selbst Phaya Krek soll 
über die Xao Khamera geherrscht haben. 

Als die Tartaren China eroberten (schreibt du Halde), kam 
eine grosse Zahl der aus Yunan vertriebenen Flüchtlinge und fiel 
über die Gebiete ihrer Nachbarn her, dieselben unterjochend. 
Nebst vielen anderen wurden auch die Bewohner von Mohang 
Kemarat gezwungen ihre Stadt zu verlassen. Aber vor dieser 
Auswanderung standen sie in jährlichem Handelsverkehr mit den 
Chinesen. Auch Wilcox spricht vom Untergange der Myang 
Khamti. 

Nach Maggowan kennen die Chinesen die nördliche Stadt 
Utbai-thani (die königliche Stadt der aufgehenden Sonne), wo die 
Einwohner bis zum 14. Jahrhundert auf schwarz gefärbte Felle 
Bchrieben, wie einst dieKambodier (13. Jahrhundert) und angeb- 
lich die Karen. Auch in deren Heimath Tenasserim, dessen erster 
König aus der aufgehenden Sonne hervortrat, werden im 15. Jahr- 
hundert Pergamentbftcher erwähnt. Die aracanesische Geschichte 
nennt Kengtha (den Kansa des Mahabharata) König von Athet- 
tengsana (die im Angesicht der Sonne strahlende Stadt) und 
Udajapura (Stadt des Sonnenaufgangs) wurde (12. Jahrhundert), 
als Nikka in Rangamati herrschte, durch Gajarpha, König von 
Tripura, zerstört. Die Chinesen erwähnen (642 p. d.) die Ge- 
sandtschaft des Tamo-in-to-ko-sü , der über das indische Reich 
Utja oder Ufana herrschte. 

Wie die Singpho*) oder Thingbau, die Kincaid mit den 
Kakhyen identificirt und in deren Dialecte auch Bigandet Ver- 



♦) The lan^rnn nrp of the Sinji^pho possesses many words in common with fhc 
Abor, the Burmese and th«» Manipnrian dialects. The intonations are »imilar fo 
Uie Burmese and its j;ranimatienl eonstruction is almost precisely the same 
(Robinson). Jrnkins trennt die Singpho ganz von den Schan ab. The langnage 
is entirely diflTerent (s. Mac. Cosh). Nach Brown scheint die Sprache der Garos 
mit der der Sinsrpho's und ilirero Dialecte der Jili verwandt ra sein. 



90 Birma. 

wandtscliaft fand , maeben auch die Bkor Khamti Anspruch auf 
göttliche Herkunft. Während Hannay's AnwcBcnheit in Mogaung 
wurden dort Opfer gebracht zur Verehrung von drei Brüdern, 
die daselbst begraben liegen, als die der Gründer der dreiSehan- 
reiche von Khamti, Assaui und Mogaung. Jetzt ist die Stadt der 
►Sitz des birmanischen Gouverneurs, der zugleich mit der Ueber- 
wachung der Singpho beauftragt ist. Die von Hannay in der 
Nähe Mogaungs angetroffenen Phwons wollten von Motoung- 
Maolong gekommen sein. Die Birmanen gewannen durch ihre 
Bekanntschaft mit Europäern und die dadurch erhaltenen Waffen 
Uebergewicht über ihre Nachbarn, wie auch die Kachar (die 
nach Fischer von demselben Stamme als die Bewohner Tripuras 
sind und nach Hamilton bis zur Ankunft der Brahmanen dem 
Patris genannten Aberglauben folgten) durch ihre Feuergewehre 
den Nagas furchtbar wurden und sie in den Gehorsam der Purbuttie 
Kachars zwangen. Der Kajah von Kachar darf nur im Bamba- 
Palaste wohnen, und auch für die Wohnung des birmanischen 
Königs wurden früher keine Steine verwandt. Der Kajah derBor- 
Khamti (am oberen Irawaddi) hat seinen Palast zu Mautschi, von 
einem Pallisadenwerk zugespitzter Bambupfähle umgeben. Der 
vornehmste der beiden Kajah heisst Bura- Kajah (Buni oder 
Phaya), während sein Nefle in der Eigenschaft als Kriegsminister 
und General die ausübende Gewalt in Händen hat. Der Mattuck- 
Kajah heisst der Bara Senapati (grosser Feldherr). Neben den 
Tempeln Guduma's (Gautama) verehren die Singpho ihre in der 
Schlacht get^idteten Landsleute und opfern in schweren Zeiten dem 
Ningdeota(Gott der Elemente) oderNingshih. Nach Mac-Cosh trennt 
die Patkoi-Kette die Singpho von ihren birmanischen Verwandten, 
von denen sie abstammen. Seit der englischen Besitznahme 
Assam's ist ihren Einfallen dort ein Ende gemacht. Die von den 
Pilgern benutzte Strasse nach Tibet führt durch das Land der 
Abor, längs des Dihong oder Sampu und wird (nach Bruce) in 
16 Tagen zurückgelegt. Früher kam eine jährliche Caravane 
aus Lhassa nach Chouno, uiti mit den Assamesen in Geganshur z\i 
handeln. 

Monay (Konandi), wo jetzt der birmanische Gouverneur resi- 



L 



Die Ahom in Assam und die Singpho. 91 

dirt, führte früher*, im Pali, den Namen Camboza, als der Sitz 
von vier Oberhäuptern , die die 9 Königreiche regierten. Jetzt 
werden die unter Yunan's Botmässigkeit stehenden Städte die 
neun Schan-Staaten oderKosehaupri genannt, als welche Burney 
Maigmo, Tsiguen,. Hotha, Latha, Mona, Tsanta, Mowun, Kaingma, 
Maing-Lyin (Msiing Lyi) und Hannay Moongniau, Hotha, Latha, 
Santa, Moongwun, Sanla, Moongsai, Moongla und Moongtye oder 
Moongti aufzählt. Xiochoth gründete Kothanibi oder Zengwui 
zwischen Legia und der chinesischen Grenze, als die Hauptstadt 
des Schan - Königreichs. Der heilige Name Khiang-Tung's ist 
Khemarata, das Wilson als Kshemaraslitra (regio felix) erklärt 
und darunter sind die 32 Städte der Gong begriflfen, während 
Cambozatein die Schanstaaten diesseits des SaLwehn umfiisst. 

Mithila ist das Land der Dsanekka-Ponas, wohin die Bir- 
manen ihren beliebten Roman von Agaetha-Dsanekka und Pola- 
Dsanekka, den Söhnen Maha-Üsanekka's , verlegen und die Ver- 
mählung des ersteren Sohns mit der Prinzessin Thiriladevi, nach 
seiner Rückkehr aus Sampanago. Aus Mithila kam derDsanekka- 
Pona, der entrüstet über König Thagiwinmin's Hochmuth sich 
seine Zahn-Hauer ausriss (die er nach den Mahavanso seiner 
Kindespflicht opfert) und Sandagatha-miiigyi auf den Thron in 
Pataliputra setzt, den Vater des durch die harten Eingeweide der 
Ziege mit schwarzen Flecken bedeckten Königs Bindudaimingyi. 
Die vorstehenden Zähne werden stets als ein characteristisches 
Merkmal der Pona's erwähnt, ähnlich den Rakshasas, die als ge- 
zähmte Begleiter Gotama's den ehrenvollen Namen Bhyammagyi 
in Aracan erwarben. In den Telinga-Manuscripten (von Mackenzie) 
führt derBrahmane, der dieNandas bildete, den Namen Rakshasa 
und sein Gegner, dessen Schützling Chandragupta durch eine 
Armee von Mlech angegriffen wird, heisstChanakya, als der Sohn 
des Lehrers Chanaka. Nach der Vischnu Purana ist Maurva ein 
Patronymic, den Sohn Mura's bezeichnend, und Tod stellt es mit 
Mori zusammen, einem Zweig de>5 Pramara-Geschlechts der Raj- 
puten, die im 8. Jahrhundert Chitore besetzten. In Assam wurden 
die Moras oder Mura, {ils die Muttuck der Khamti, (verächtlich 
auch Moa Mureya oder Fisch fressende Mora genannt), von den 



92 Birma. 

beiden Gosseins Madho deo und Sunkur deo zur Verehrung 
Krischua's bekehrt, schon lange ehe die Ahom der Durga Tempel 
bauten. Dieselben gewannen besonders Ausbreitung unter Nahor, 
dem berühmten Gossein der Moa Mareya Muttuck, der Ushtobhoj 
genannt wurde, als eine achthändige Gottheit simulirend, indem 
er drei hinter ihm versteckte Schüler ihre Hände vorstrecken 
Hess und dann seine eignen zufügte. Von den Marams zwischen 
den Luhuppas und Kachars, in der Nähe Munipur's, wird es 
gesagt, dass sie sich durch ihre Körperbildung und äusserliche 
Erscheinung vortheilhaft vor ihren Nachbarn auszeichneten. Of 
the three chieftams to the East of Assani, the Bara Senapatti, the 
head of the Muamaria tribe is the niost iniportant. The Island 
formedby the Brahmaputra and theBuriDihing is inhabited by the 
Muamaria, Muram, Mattuck or Morah tribe, as theNorah-country. 
The Shanchicftam of Mogaung is also calied the Norah-Rajah by 
the Singpho and the same term is applied to the Shans between 
Hukong and Mogaung. 

Unter den Moriah oder Mariah hat sich die Verehrung des 
vorzeitlichen HUgelgottes im unteren Himalaya, des starken 
Bhima (Bhim Sem oder Bhimpsen), mit dem Sohne des Pandu 
oder Bhishma identificirt, erhalten und er wird mit seiner Gattin 
durch zwei in die Erde gesteckte Hölzer, von denen das eine 
etwas niedriger ist, repräsentirt. Der Pfeiler in Allahabad ist 
dem Volke als Bhima's Keule (Gada) bekannt. Die königliche 
Familie der Kachar ist durch Katrik Chando von Bhim herge- 
leitet, der, in das Land kommend, Hirimba, den Bruder der von 
ihm gefreiten Riesin, tödtete. Vor Kalapahar, einem anderen 
indischen Helden indessen, floh der Rajah Chakradaj, der die 
Burgen bei Dliinapur erbaut hatte, nach Mybong in*s Gebirge. 
Der Tempel des Bhima inSamye wurde 811 bereits durch König 
Thisrong erbaut. Bhimo Devo (Sohn des Prat^iba Rudra Devo), 
der später seinen Wohlthäter alsAnaka opferte, wurde durch den 
Ruf einer Krähe zur Herrschaft über die acht Mallikas geführt, 
als Ahnherr der Rajas in Sano und Bodo Kimidi (s. Frye). 

Assam war schon früh ein Schauplatz der Thaten Krischna's 
und seiner Verwandten. Auf seinem Garuda heranfliegend, brachte 



. Die Ahorn in Assam Und die Singpho. 93 

Erischna das Wasser, um das die Agnighar- oder Anigarh-HUgel 
verzehrende Feuer zu löschen, und so (wie in Latium) den Platz 
zur Gründung einer Süidt geschickt zu machen , die Pura (Pora 
oder die Verbrannte) genannt wurde, oder, nachdem der von 
Brahma stammende Raja Banh den Cultus des Mahadeva einge- 
führt hatte, Lohitpur oder Sonitpur (die Stadt des Blutes). Nach 
dem Sri Bhagavah erlangte der tausendhändige Banh , der Sohn 
Bali's, durch seine Concerte und Balle te die GunstSiwa's in hohem 
Grade und damit unüberwindliche Stärke. Zu ihm kam von 
der Küste Dwarika's Anirud, gleich seinem Grossvater in Liebes- 
künsten wohl erfahren. Er gewann die Zofe Chitra - likha und 
durch sie die Zuneigung der Prinzessin Usa, die ihn schon im 
Traume gesehen und geliebt hatte. Der König, über diese Ver- 
letzung des Gastrechts erbittert, ergriff den Eindringling, vor 
dessen Pfeilen die Wachen gefallen waren, mit eigener Uand in den 
Gemächern seiner Tochter und warf ihn gefesselt in ein dunkles 
Verliess. Durch den eifrigen Botenträger (Narada) Narot war 
Krischna bald von dem Missgeschicke seines Enkels unterrichtet 
und zog, von Balaram begleitet, aus, um ihn aus dem Gefängnisse 
Sonitpur's zu befreien. Zu seines Verehrers Banh Hülfe kam nun 
Siwa auf dem. Ochsen herbeigetrabt, aber Krischna warf durch 
seine zauberische Maya solch' wirre Verblendung in das unge- 
staltete Heer der Zwerge und Kobolde, dass der dreizackige Gott 
genug zu thun hatte, seinen eigenen Kopf zu wahren und ting 
dann an, von den 500 Armenpaaien Banh's eines nach dem 
andern herunterzusäbelu, bis nur zwei übrig waren. Eben bereit 
den tödtlichen Streich zu versetzen, sah er die Damen des Harems 
mit zurückgeschlagenen Gewändern und verwirrten Haaren auf 
sich zueilen, und als er, wie Bellerophon vor den lykischen 
Frauen, mit gesenktem Kopfe zurücktrat, hatte Banh Zeit zu ent- 
kommen. Siwa sandte jetzt Fieber, um das Lager seines Gegners 
zu decimiren, empfing aber gleiche Gabe zur Erwiederung und 
als er bei der nächsten Schlacht durch die von Krischna geblasene 
Muschel das ganze Heer Banh's im panischen Schrecken über 
den Haufen geworfen sah, blieb ihm nichts übrig, als den Weg 
gütlicher Verhandlungen zu suchen , und aus Götterfreundschaft 



94 Bimui. 

versprach Krischna Verschonung seines Anbeters gegen Heraus- 
gabe Aninids. Wie Rowlatt bemerkt, sollen die Abors der Hügel 
nach der Zerstörung von Rajah ßhishmuk's Reich dorthin geflüchtet 
sein. Nach den Traditionen der Chardwar (bei Westniacott) war 
Raj ßanh vom Nermadaflusse nach Assam gekommen. Nach 
dem Si-yU-ki stammt der König von Kamarupa mit dem Titel 
Keöumolo (Kumara) aus der Race der Polomen (Brahmanen) 
von dem Gotte Naloyen (Narayana deva). Die Rabhas in Kam- 
rup verehren den Gott Rischi und sein Weib Charipeck. Die Koch 
opfeni (ausser der Sonne, dem Monde und den Sternen) dem 
Gotte Rischi mit seiner Gattin Jago, und die älteste Verehrung 
der Siamesen war die der RUsi oder Rischi, zu denen ihr sie vom 
Himmel besuchender Uralin gehörte. Zu ähnlicher Repräsentation 
stellt der Gauda in Belluru den Stein des Dorfes als Gramde- 
vata auf. 

In Wethali, theilte mir ein Birmane mit, leben die Kossali 
oder Kacharih, die Titpahi, die Zaundan, die den Gefangenen die 
Obren abschneiden, die DoUn, die mit andern keinen Reis essen 
noch Wasser trinken, die Mohaung, die für den Wethali-König 
Sak auskochen. Der Äthan (Assam-König) in Wethali-myo ver- 
theilte die verschiedenen Geschäfte des Landes unter seine Diener 
und durch Vererbung entstanden die verschiedenen Geschlechter 
(oder Kasten). 

In Assam lebt noch die Sage von einer wunderbar mäch- 
tigen und hochcivilisirten Gegend, die frühere Heimath der Ko- 
litas (die alte Priesterschaft der Koch odcrKukis), in einem unzu- 
gänglichen Hochgebirgsthale*) nach Norden, bis wohin aber früher 
ein unterirdischer Tunnel eröffnet war, durch den die an den 



•) Mohamed Bukhtyar, der Gonvernenr von Bchar, soll auf seinem Fddzuge 
gefren Tibet von einer christlichen Colonie zurück jireschlajjren sein (1205 p. d.)* 
Nach Khwajah Ahroud Shah Niikshbundih Synd wird im Ladak-Tha!c ein Gott, 
Manih genannt, verehrt, wohl in lU-zu;? auf die himaischo Formel, wodurch Georp 
den Manes zum Apostel Tibets macht. Nach dem AJaib-al Mnkhhikat verehren 
einige der Tartarep und Turkomanen die Sonne, wahrend andere dem Mnni 
folgen. C*est sur la doctrine de Manes, quc ce cnlte insense est fondö, sagt 
Turpin von der Religion Pegn's. 



Die Ahom in Assam und die Singpho. 95 

Ufern des Sri-Lohit angesiedelte Colonie Verkehr mit ihren Ver- 
wandten unterhielt. Den Anlass werden djizu die hoch umw^illten 
Städte der Lamas gegeben haben, die dort in der vom indischen 
Dorfleben frappant abstechenden Ordnung des chinesischen Bör- 
gerthums wohnen, dem Gouverneur in Lhassa unterwürfig. Die 
Mek im Süden des Brahmaputra kamen aus den Grenzländern 
Bhutan's und Nepal's nach Measpar, und Mike ist der Name, den 
die Kachar oder Bados den Khyeti geben. 

Nach den Chroniken Mogoung*? (bei Pemberton) herrschten 
von Khullii, dem ersten Könige von Pong («0 p. d.), 12 Könige 
bis auf Murgnau (()67 p. d.). Nj\ch dem Tode desselben C*??? p. d.) 
folgte sein Sohn Snkampha, der Bhamo und M'unipur eroberte 
und seinen Bruder Chaunakhum zur Eroberung Assam's sandte. 
Nach Sukampha's Tode (808 p. d.) folgten 10 Könige bis auf 
Sugnampha (1315 p. d.), der bei der chinesischen Eroberung 
(1322) nach Ava floh. Der von der zu den Khampti geflüchteten 
Königin geborene Suuppha kehrte (1363 p. d.) zurück und be- 
stieg den Thron Mogoung's. Suuppha (der Schan- König Soky- 
anboa) zerstörte Sagain und Panya (1364). Auf seinen Nachfolger 
Subungpha folgte dessen Sohn Suhungkhum, der (1474) das Kubo- 
Thal eroberte. Die Birmanen erobern Pong (1512). Die Munyen 
und Mogoung Schans zerstören Ava (1526). Nach Supengha's 
Tode (1568) folgte Sukopha, der von den Birmanen zu den 
Khampti floh, bei seinem Tode (1587) Chaukalkhum und 
dann der von den Birmanen eingesetzte Chauangkhum, der in 
einer Empörung entthront wurde. Die Schan adoptirten 1576 
die birmanische Haartracht und Kleidung. 



Natmiiale Traditionen der VolJiSNtämme. 

Neben den offieiellen Chroniken der Birmanen, die sich mit 
der aristokratiHchen Herkunft ihres Königs^eschlechts aus dem 
heiligen Misimadesa brüsten , läuft die nationale Geschichte her, 
die sich immer in bedeutungsvollen Phasen mit jener verknüpft. 
Die ältesten Ereignisse werden in das obere Becken desirawaddi 
verlegt, und die En^ählung steigt den Lauf dieses Flusses hinab, 
von Thigayn, der Hauptstadt der Kädos, nach Tagoung, von da 
nach Pagau und Prome. Noch höher aufwärts, an einem Neben- 
flusse, liegt in der Nähe der Kubin-Minen Mweyen oder Maurya^ 
und weiter, jenseits des chinesischen Emporium von Bhamo, 
an einem andern, der von der rechten Seite zuströmt, Mogoung, 
wo der gesi'hätzte Serpentinstein gebrochen wird. Maurya, dem 
in Aracan Mru, in Birma Pru genannten Gebirgsstamme an- 
gehörig, gilt als der älteste Sitz der indischen Könige, der Ver- 
wandten des von dem Murustamme seinerMutter Maurya genann- 
ten Chandragupta , aber das ganze Land zwischen Mogoung und 
Tagoung ist der nächste Ausgangspunkt der Goung oder 
Gong, in den Gong thoungze nhit myo (den 32 Städten der 
Gong) in Khian Tung, dessen classischer Name Khemarata 
auch in der grauesten Vorzeit siamesischer und kambodischer 
Geschichte als Myaug Komerat steht. Mogoung ist der Mittel- 
punkt jenes Pon genannten Schanstaates , dessen schriftliche 
Annalen mit dem Könige Khool-lie (80 p. d.) beginnen 
und dessen Eroberungen Assam schon vor den Ahom, die 
dort die Bodos, wie die Khamti die Laiuas, fanden, in Besitz 



Nationale Traditionen der Volksetamme. 97 

nahmen. Wie den Birmanen der Name der Brahmaneu , hängt 
diesen Schan der der Ponas an, mit welchem Namen noch 
jetzt in Ava und Pegu die vorbuddhistische Pon- und Bon-Reli- 
gion Tibefs bezeichnet wird, da die Himmel der Brahmanen 
oder Bhyamma in das orthodoxe Pantheon aufgenommen sind. 
Die Bhwons oder Phongs im Norden Ava's werden als die Reste 
des gleichnamigen Königreiches betrachtet. Sie sind verwandt 
mit denKakhyens, von denen sie bei deren Einfällen in die Schan- 
Dörfer nicht verletzt werden. Die Bhootas wanderten 633 p. d. 
von jenseits des Schnees herüber, als die Pote oder Lepchas, und 
die Tibeter, denen Birma als Meneupguiebo in Sakatra (das Land 
der tättowirten Völker des Südens) bekannt ist, schickten im 
7—10. Jahrhundert ihre Nomadenstämme der Sok po*) zur Ero- 
berung Bengalens hinunter, dessen Bucht deshalb (bei Ibn Hau- 
kai) die tibetische See genannt wurde. Bodha werden neben 
den Zaath an den Indus versetzt. 

Die Tibeter wurden auch mit Kambodia bekannt, und er- 
wähnen es in ihren Büchern alsKanpou tschi (wie die Chinesen). 
In den Deb Pal Deb's, aus der dem Andhra folgenden Dynastie 
der Pala (gleichfalls Buddhisten , die 1025 p. d. Buddhatempel 
in Benares bauten) werden indess schon wieder tibetische Stämme 
als unterwürfig und tributspflichtig erwähnt. Die vier Stämme 
Tibet's (Ngari, D'zang, Wei oder U und Kham) vereinigten sich 
(313 p. d.) zu einem Staat. Nachdem die Chinesen 698 am Ku- 
kinor besiegt worden, blühte das tibetische Reich, aber Kasch- 
mir herrschte einst bis Yalang. Ymeutsin, König von Nantschao, 
führte (808) Krieg mit Tufan. 

Nach Bumey basirt die Maharägavanga (Mahayasuen) der 
Birmanen besonders auf zwei Geschichtswerken , von denen das 
von Moung Kula (1750) verfasste von der Erschaffung der Welt 



*) Die Sokyeul (am KulciDor) oder Sifao , die von ihrem Gyaba oder Wang 
regiert werden, heissen die Qya rungbo oder die eigeotlichen Fremden im Gegen- 
sats KU den Bodpa in Kam. In Tibet ist das Wort phod (kräftig) durch thub ver- 
stärkt (nach Schiefer). Les indig^nes de Tibet se donnent ä eax mSmes le nom de 
Bod (fort) et k lenr pays Bodyul (Feer). Herodot erwähnt die Bovdut anter den 
Geschlechtem der Medier. Wilson setzt Banttas an die Nordseite des Himalaya. 

Basti »n, OttMlen. I. 7 



98 Birnui. 

bis zum Jahre 1721 reicht, das andere eine Fortsetzung des- 
selben durch Päna Mengji ist. Der Hauptstolz dieser Geschichts- 
werke liegt darin , genau angeben zu können, in welchem Jahre, 
an welchem Tage der jedesmalige König geboren sei, womöglich 
auch zu welcher Stunde , wieviel Jahre er als Privatmann gelebt, 
wie \'iel Jahre als Könige und dann, was besonders >vichtig aber 
bei der Schwierigkeit der Operation nicht immer richtig ausgeführt 
ist, diese beiden Zahlen zusammen zu addiren und dem Leser mit- 
zutheilen, wieviel Jahre er im Ganzen auf Erden gewandelt hat, 
unter beigefilgter Beschreibung der Omen, die sich bei seiner Ge- 
burt und seiner Erhebung in den Nathimmel zeigten. Die Gewis- 
senhaftigkeit und Pünktlichkeit, mit der sie immer ausserdem die 
Chronologie berücksichtigen, würde sehr zu loben sein, wenn sie 
nur zu häufig selbst nicht wüssten , wo der feste Anfangspunkt 
ihres fortgeführten Zählens sei. Ihrer Acren sind so viele, dass 
es .oft langes Hin- und Herrathen giebt, und obwohl als Regel nur 
die religiöse oder die vulgäre betrachtet werden sollte, so fangen 
sie doch oft mitten in der Geschichtserzählung eine neue an, ohne 
zu erwähnen, ob der eben genannte König einer der vielen Ka- 
lenderverbesserer gewesen sei, oder springen auch mitten in ihren 
Listen von einer Acra zur andern über, und lassen in Ungewiss- 
heit , welche sie beizubehalten gedenken. 

Am Ende eines Abschnittes werden die Königsreihen oft in 
Listen zur Wiederholung beigefügt , wie z. B. 

Mahasambhava, geboren im Jahre 60, Privatmann für 
20 Jahre, König für 6 Jahre, Alter 26 Jahre, am Montag; 

Kholasambhava , geboren im Jahre 66, Privatmann für 
23 Jahre, König für 35 Jahre, Alter 58 Jahre, am Montag; 

Dwattabong, geboren im Jahre 101, Privatmann für 
35 Jahre, König für 70 Jahre, Alter 105 Jahre, am Dienstag. 

Oder im Yasuen-tschop wird z. B. gesagt: 

„Im 45. Jahre der zwölften Periode bestieg der junge Prinz 
Tileyoung den Thron. Für 20 Jahre hatte er als Privatmann 
gelebt und für 29 Jahre erfreute er sich der Königswttrde, worauf 
er vom Leben abschied. Sein Geburtstag war ein Montag. Als 
er den Wunsch verspürt, seine Existenz zu verwandeln, da stieg 



Kationale Traditionen der Volksstämme. - 99 

das Wasser im Flusse und Regen fiel in Strömen." Die Einwebung 
der indischen Dynastieen inTagoung verschiebt jede richtige Per- 
spective, und auch auf Pronie wurde Gautama's Prophezeihung 
Übertragen, dass 1 00 Jahre nach seinem Nipban im Dorfe Patali die 
Residenz Patalibothra gegründet werden würde, wohin Asoka 
von Radzagyo den Königssitz verlegte. 

Der erste Atuin derMahayasuen handelt von den Mahadham- 
mata's, der zweite von Misimadesa, der dritte von Tagoung, 
der vierte von Tyikittia oder Prome und der fünfte über Pagan, 
Panja, Ava u. s. w. Ausserdem besass ein angesehener Privat- 
mann in Mandalay, der Hauswirth des damals noch incognito 
dort lebenden Dr. Williams , in seiner reichen Bibliothek viele 
historische Werke bezüglich Pegu's, Aracan's, Zimmay*s, La- 
bong's, Mon^'s u. s. w. , aber er theilte uns, halb im Vertrauen, 
mit, dass die eigentliche Urgeschichte des Landes sich nicht in 
diesem dickleibigen und majestätischen Mahayasuen fände, son- 
dern in dem kürzeren Abriss des Yasuen-kyap. Davon konnte 
ich damals, wo schon meine Abreise nahe bevorstand, kein Exem- 
plar zu Gesichte bekommen, und ich weiss nicht, ob Dr. Williams 
später glücklicher gewesen ist. Ich erfuhr nur soviel , dass die 
älteste Hauptstadt Birma's Haiin gewesen sei , in der Nähe von 
Schwebohmioh und durch ihre Salzwerke wichtig. Von dieser 
zuerst durch Namanisedu beherrschten Stadt, die ein Erdbeben in 
Folge blutschänderischer Ehe des Königs zerstört habe, seien die 
Edelleute nach demselben Hügel ausgewandert, an dessen Fusse 
jetzt Mandalay liegt, und hätten in kurzer Entfernung von dem 
heutigen Madeya, ein durch seine Gärten und seine Cigarren be- 
rühmtes Dorf, die Stadt Mingelaeh (Mingelay oder Klein-König) 
erbaut, noch ehe die Aera Gautama's angebrochen. Erst wäh- 
rend dieser wurde Tagoung Sitz der Regierung. Ich kann nicht 
bestimmen , wie weit di^se Erzählung durch den Wunsch beein- 
flusst sein mag, den von dem Könige neu gewählten Platz seiner 
Hauptstadt mit dem Schimmer vorzeitlicher Glorie zu umgeben. 
Einer der Hofschranzen erzählte mir auch, dass Gautama selbst 
auf dem Hügel Mandalay's gestanden, den künftigen Palast, 
wahrscheinlich mit seiner Wenigkeit mitten darin, im Geiste 



100 Birma. 

vorausschauend, und solche Gelegenheits-Novellen erfinden sich in 
Birma ohne Schwierigkeit, besonders, wenn es zu schmeicheln gilt. 
Die Gründung Halin's wird nach der gewöhnlichsten Auffassung 
einem Edelmann zugeschrieben, der Kaniasagyi bei der Aus- 
wanderung aus Tagoung folgte , aber sich unterwegs mit seinen 
Vasallen von dem Könige trennte und mit Hülfe der Myae-thoo 
jene Stadt erbaute. Bei einer späteren Gelegenheit hörte ich, 
dass die Gemahlin des Königs von Haiin so hübsch und zart ge- 
wesen, dass man das von ihr getrunkene Wasser in die Gurgel 
und die Brust des durchsichtigen Körpers hinabrinnen sah. Sie 
bethörte deshalb auch ihren Sohn, der sie nach seines Vaters 
Tode heirathete. Da aber öffnete sich die Erde, die sündige 
Stadt zu verschlingen, und noch jetzt soll Haiin beständigen 
Erdbeben ausgesetzt sein, ja der Boden stets beim Auftreten 
unter den Füssen wanken. Auch Tumansye , eine Stadt der Schan 
am Engdaugyi-See, soll in einem Erdbeben niedergesunken sein. 
Ein gelehrter Birmane, in der Hauptstadt geboren und er- 
zogen , mit dem ich in Schwegjin zusammentraf, wo er das Ora- 
kel der Stadt bildete , schien mir Haiin in die spätere Periode 
der Gründung Pagan's durch die Job hinab zu versetzen, während 
er für Tagoung zwar eine indische Einwanderung anerkannte, 
aber nur als ein neu hinzutretendes Element der schon vorhan- 
denen Eingeborneu. Andere dagegen machen diese Einwanderer 
zum Kern der Bevölkerung des Landes, und überschlagen sogar Ta- 
goung ganz, mit Pagan (dem oberen) als dem Ursprung beginnend. 
Von den Bhyammagyi , die vom Himmel nach dem Lande Thavutti 
(Savutti) gekommen und sich dort in Ragen vertheilt hätten, 
wären nämlich die Birmanen von Misimadesa ausgewandert und 
lange in den Wüsteneien*) von Dsanabok umhergezogen, bis 
wohin Gautama's segnende Fusstritte nie vorgedrungen. Als sie 
zum Irawaddi gekommen, hätten sie einen Sprossen des Sonnen- 
geschlechts unter dem Titel Dhammatah zum König erhoben 
und die Stadt Pagan erbaut. Diesen allgemeinen Titel führt 



*) Die UeberlieferuDgen der Karen sprechen von einem dorchreisten Sand- 
meer , das Anlass zn sehr angeographischen Hypothesen gegeben hat. 



k 



Nationale Traditionen der Volksstäiome. 101 

ebenso der Oberrichter, der, wie Dejoces in Medien, von den 
Dörfern in Johnjlut erwählt wurde, und später tritt auch der- 
selbe Piusadih als ein anderer Sonnensohn auf, das Land von 
den wilden Thieren zu säubern. Unter ihm habe man ange- 
fangen, den Meizza-po mingyi, den Sohn des Thougyi (Dorf- 
ältesten) Poau-myin , als Nat zu verehren, einen Mann mit einem 
spiralig gewundenen Fleischthttrmchen auf dem Kopfe , der über 
alle anderen Geschlechter in Tauniin hervorgeragt habe. Durch 
drei spiralig gewundene ThUrmchen characterisirt sich die könig- 
liche Rage in den kambodischen Sculpturen. Im Mahabharata 
wird den Qaka, Tukara und Kanka das Epithet der Haarreichen 
oder Gehörnten (wie Dulkharnein) gegeben und ^'ringin bedeutet 
nach Lassen auch gipfelig (spitzköpfig). Ein Priester in Man- 
dalay bemerkte mir über die Erbauung des alten Pagan , dass 
Kanyazagyi und Kanyazangay das Land fast menschenleer ge- 
funden und es deshalb mit den Bhyamma-Palaun bevölkert hätten, 
d. h. einer Mischung zwischen den Nagama-myoh (den Bewohnern 
der Drachinnen-Stadt) aus Tagoung, den Bhyammagyi-myoh aus 
Indapatanaga (die wegen Mahathammatha's Glanz Nai-mioh 
genannt werden) und den Ponah-myoh von Kapilawut. Indess 
auch er sagte vorsichtigerweise nur fast menschenleer und konnte 
nicht ganz leugnen , dass nicht schon ein ursprünglicher Stock 
vorhanden gewesen. Dieser Wurzelstamni aber sind die Kuay 
oder dieGad-Hmun (denNatZau verehrend), von denen sich noch 
jetzt einige Ueberreste in den Wäldern um Tagoung finden. 

Der Ahnherr der Kuay, erzählt die Sage, lebte als Holz- 
hacker mit seiner Frau im Walde , und mit ihnen ihre Tochter 
Sari. Diese verirrte sich mit einem Naga und gebar ein Mädchen, 
das, da es Naga-ma (Schlangenweibchen) heisst, etwas von der 
Drachennatur an sich gehabt haben musste. Dies trat auch bald 
genug zu Tage, denn als der Sonnenkönig (Nay-min), für den es 
damals wahrscheinlich noch keine Prinzessin zu verfuhren gab, 
sie allzu heiss beschien, fing sie an Eier*) zu legen, und aus 

*) Die Yon 32 Eiern geborenen Söhne Sangama's aus Champa wurden von 
dem Könige Kosala's vemichtet. Rabu wird eine zablreiche Nacbkommensebaft 
yon Crocodilen zugeschrieben, in deren Form auch Typhon (bei Aelian) erscheint. 



« 




102 Birra». 

diesen Eiern krochen kleine Drachen aus, die die entsetzten 
Grosseltern eiligst nach dem Flusse brachten und despatchirten. 
Der Naga Hess das ruhig geschehen und war darüber durchaus 
nicht erbittert, that im Gegeutheil Alles, um bei seiner Geliebten 
und seinen Schwiegereltern in Gunst zu bleiben, baute eine Stadt 
für sie, gab ihnen ReichthUmer und verbreitete Wohlstand über 
das Land. Trotz alledem war er, als nicht zum Menschen- 
geschlecht gehörig, nur ungern gesehen, und da er sich so all- 
gemein verhasst fand, so setzte er seine täglichen Besuche aus 
und kam nur bei Nacht, um das Bett seiner Ehehälfte zu theilen. 
Diese aber, längst seiner Überdrüssig, versteckte einst einen aus 
weiter Ferne hergewanderten Fremdling, Kissaenalin mit Namen, 
der von der den Landesbewohnern anhaftenden Scheu vpr ihrem 
Drachenvater frei war, in dem Palast, um ihren unheimlichen 
Gemahl zu erschlagen. Er vollbrachte die That auch ohne Mühe 
während seines Schlafes und theilte dann mit der Wittwe den 
Thron des Landes. Der neue König unterwarf die umliegenden 
Gegenden , die bisher nur von Edelleuten regiert waren , seinem 
Scepter, aber sein Glück hatte keinen Bestand. Die Rache der 
Naga's blieb nicht aus. Ein Unfall nach dem andern traf den 
Mörder, der nach kurzer Herrschaft vom Tode hingerafft wurde. 
Unter den Verheerungen innerer Kriege , unter Misswachs, 
Seuchen und Hungersnoth ging das Volk zu Grunde und um das 
Elend vollständig zu machen, begann der menschenfressende 
Riesenvogel täglich Besuche in der Hauptstadt abzustatten und 
die Leute bei Dutzenden aus den Strassen von Kathamyoh auf- 
zuhacken und fortzutragen. Auf das allgemeine Jammern und 
Klagen erklärte derselbe endlich , dass er sich befriedigen wolle, 
wenn man ihm die einzige Tochter des Königs, die bis dahin 
immer sorgsam unter dem Dache des Palastes gehütet war, zur 
Beute überlasse, und da keine andere Rettung in Aussicht war, 
mussten sich die Eltern zu diesem Opfer entschliessen. Schon 
stand sie umgeben von den weinenden Gespielinnen auf der 
Terrasse des Palastes , schon hörte man das ferne Rauschen der 
mächtigen Schwingen , als auf dem Flusse drei gigantische Eier 
vorbeitrieben, von denen zwei den Strom hinabschwammen, abör 



Nationale Traditionen der VolksstSninie. J03 

eins sich an den Bltschen verfing und am Lande liegen blieb. 
Es zerbrach und aus demselben trat gerüstet und gewappnet ein 
Heldenjüngling, der durch den Glanz seiner Waffen den häss- 
lichen Geier verscheuchte und die Jungfrau als seine Gemahlin 
heimführte« Dieser Retter, Naymintha (der Sohn der Sonne), 
war von seinem Vater Thagyamin (der Sonnen-Gott oder Nay-min) 
mit einer Belumah gezeugt worden, die auf einem hohen Himmels- 
berge lebte, wo jener auf seiner Tagesfahrt mitunter auszuruhen 
pflegte. Die von ihm gegründete Stadt Tiripanaga wurde später 
nach einer günstigem Localität verlegt und Tamawnddih genannt 
(unter König Theiktein). Tiripitza-myoh, vonYaunbyih aus zehn 
Dörfern vereinigt, wurde unter Tiddein zerstört, der Teppa- 
wuddimyoh baute. 

Nach einer neuem Version hiltten die neun Bhyammagyi, die, 
aus dem Himmel nach dem Lande Savuttih kommend, in Folge der 
materiellen Nahrung die Geschlechtsunterschiede an ihren Kör- 
pern hervortreten sahen, sich in vier Pa.ire getheilt, als die Ahn- 
herrn der Birmanen , Talein , Kalas und Tayop. Die aus Misi- 
madesa nach Janabut gewanderten Birmanen hätten dort aus 
ihrer Mitte einen Puisodih genannten Mann unter dem Titel 
Dhammatah zum Könige Pagan's erhoben. 

Der Name Thagyamin (Sakhyamin), Götterkönig oder Indra, 
der unter änderndem Abhiraga, dem ersten G runder Tagoung's, bei- 
gelegt wird, erhält auch den Zusatz Bo (Grossvater oder Urahn), wie 
als solcher in der vorbuddhistischen Dämonen - Verehrung der 
erste Mensch oder specieller der ^'orfahre des Königsgeschlechts 
seine Opfer erhielt. Noch jetzt findet sich in Birma manchmal 
ein Nathans mit solcher Repräsentation der Pagode angebaut. 
In dem Yekkan von Inau wird Thagyamin der Urgrossvater (Bay) 
genannt, wenn er den Vater des Prinzen Tinjakata, den er Nachts 
im Zayat trifft, nach dem Königreiche Bhamo geleitet. Nach 
Hamilton führte der König von Birma den Titel Boa und wird 
der Kaiser China's der Boa vonOudih genannt. Vielfach kommt 
Utiboah vor. DemVua, als geistlichen Herrscher Tonquin's, steht 
der weltliche als Chua (Chau) gegenüber. Indra als Sakra oder 
Sakka ist der Ahnherr der Sakhya oder Sakra, deren erster König, 



104 Birma. 

wie in Karabodia der älteste Resident in Viswacarma^s Tempel, 
aus dem Tiisehita-Himmel als Indra*s Sohn auf Erden geboren 
wurde. Später liess ihn die Mythologie mit der religiösen Auf- 
fassung des Buddha zusammenfallen, nachdem die Butas der 
populären Dämonologie in Tulava zum Gott geworden , wie 
Batho der Bado und Puthen (Putten) der Lungkhe. Die Grie- 
chen kennen Boudyas, den Sohn des Spatembas, als den zweiten 
König Indiens, aber während der Monddynastie der Hase heilig 
ist, heisst Vikuxi (im Surjavan^a) fa^ada (Ilasencsser). Schon 
Hamilton , dem eine Menge aus dem lebendigen Volksleben ge- 
schöpfter Data zur Beurtheilung vorlagen, hat die Vermuthung 
ausgesprochen, dass zwei Stifter des Buddhismus anzunehmen 
seien, von denen der spätere, der Sakya-muni genannte Refor- 
mator, ungefähr in die Zeit der christlichen Aera zu setzen sei, 
d. h. der Herrschaft der nördlichen Saka in Indien, aus deren 
Dwipa oder Continent auch Krischna Brahmanen holen lässt. 
Kämpfer meint, dass die Siamesen den jungem Siacka mit 
Buddha verwechselt. Der Babu-Daong-Tempel Anican's enthält 
(nach Tytler) die Figuren Gautama's, Sakya-muni's, Sri-muni's 
und Maha-muni*s. 

Der noch immer beibehaltene Name Sakkharat fllr die 
herrschende Aeni deutet auf den ausgedehnten Ruhm ihrer 
mächtigen Gründer, den Eigennamen in einen allgemein 
gültigen Titel verkehrend. Eine durch neue Einführung ab- 
geschaffte Aera wurde in dieser Veränderung ursprünglich zur 
Sumbut und erst später hat ein Missbrauch der Sprache auch für 
sie die Bezeichnung Sakkharat bewahrt, die an sich nur bedeuten 
kann, dass sie die von dem herrschenden Könige festgesetzte 
Zeitbestimmung sei. Im Tibetischen zeigt schon Sakhya, als 
Sang-ryas, das königliche Aflfixum. Bei Wong Pub meint Sakya 
efificient virtue or able to practice virtue (s. Beale). Bei der 
nachherigen Zusammenordnung der umhergestreuten und aus allen 
Theilen zusammengesuchten Elemente des dann officiell und 
orthodox proclamirten Buddhismus in systematischer Regelmässig- 
keit wurde der jüngste Reformator zum eigentlichen Stifter und 
in seine mit der Chronologie der Jainas übereinstimmende Zeit 



Nationale Traditionen der Volksst&mine. 105 

versetzt, während der ältere in den Buddha der früheren Periode 
zurückgedrängt wurde, der nur der Sohn eines Brahnmnen war, 
aber durch das bedeutungsvolle Eingreifen seines Namens in 
verschiedene Entwickelungsepocheu des Buddhismus in khirer 
Manifestation gegen das ausgewischte Verschwinden seiner Exi- 
stenz im Nirwana protestirt. Der neue Aufschwung, den der 
Buddhismus durch die indo-scythischen Könige erhielt, verdunkelte 
seine Vergangenheit. L'expression Sat-tchong est la meme que 
Chi-tchong, la rage des ^akyas ou les enfans de ^)äkyas (nach 
Stanislas Julien). Davon werden die Buddhabilder in Cochin- 
china genannt und Xi hiess im alten Laos der Priester. Unter 
den als Sacae bekannten Völkern wurden gleich anfangs die Sai 
am Ili- Flusse beim Aufbrechen des Reiches der Youeitchi in 
Bewegung gesetzt. Ihrem Berichte über die Kriege, die zum 
Untergange des Sakhya-Geschlechts fllhrten, fllgt die Dulva hinzu, 
dass viele der zerstreuten Sakhya nach Nepaul geflohen seien, als 
der Hphags-skyes-po, der König von Kosala, ihre Städte zerstört 
habe. Während der Belagerung wurde von den Sakhya ihr 
Landsmann Shampaka aus Kapila verbannt und auf seine Bitte 
gewährte ihm Sakhya beim Abschiede einige Haare seine» Hauptes, 
Nägelabschnitte und Zähne, aber Alles nur illusorisch. Nach 
dem Lande Bagud oder Vajud kommend, wird er dort zum 
König gemacht und baut Kapellen über den Reliquien. Von 
Bagdad oder Babylon kehrten später die Bischöfe nach Ceylon 
zurück. Aus früherer Zeit erwähnt die Dulva, dass der inChampa 
residirende König von Anga den König Padma-chhen-po besiegt 
und seitdem aus Magadha Tribut eingetrieben habe, bis sich 
Sakyasinha*s Freund Bimbasara, der Rajagriha zur Hauptstadt 
erhob , diesem Verlangen widersetzte. Wie Sinhala war (^'akala 
(die Hauptstadt der Bahika) oder Wohnung der t'aka Aufenthalt 
der Löwen, nach Bournouf , der davon Saggala oder Sangala ab- 
leitet, das Arrian, als Stadt der Kathaioi (Xatri oder Khatti), im 
Osten der Irävati setzt, Nach dem Mahabharata waren die 
schwer zu besiegenden ^^aka dem f/akra (ludra) an Tapferkeit 
gleich und Arjuna kämpft im siebentheiligen ^^akadwipa mit den 
Bogen tragenden Fürsten. Mit den Tukhara und Kanka brachten 



106 Birma. 

die ^aka dem Könige von Pandava Geschenke. Nach Menander 
hatten die TUrken früher Saker geheissen. Strabo erwähnt die Saka 
nebst denDaai und Massageten (im Osten des caspischen Meeres) 
als drei scythische Völker, die besondere Namen trugen, während 
die Übrigen nur im Allgemeinen Scythen genannt wurden. Hero- 
dot setzt die Sakai in Sogdiana (das Turkestan und Bochara um- 
fasst). Ptolemäus zählt die Massageten unter den Stämmen der 
Saka auf und der Name Sacae , den die alten Perser den scythi- 
schen Völkern gaben, soll von einem Stamm derselben genommen 
sein. Weiterhin (sagt Herodot) sind . die Völker der Scythen. 
Die Perser nennen sie im Allgemeinen Sacai , von dem nächsten 
Stamme derselben, in ähnlicher Weise wie später die Namen der 
Mongolen und Tartaren durcheinander liefen. Die Scythen 
eroberten (144 a. d.) das nördliche Sogdiana. Unter den No- 
maden des nördlichen Sogdiana, sagt Strabo, seien die be- 
rühmtesten diejenigen gewesen, die das griechische Reich in 
Bactrien stürzten, und er nennt die Asioi, die Pasianoi, die 
Tocli^aroi und die Sakarouloi. Sie waren von dem Lande 
jenseits des Jaxartes ausgewandert und dem von den Sakai be- 
sessenen Theil Sogdiana's. Bei Trogus Pompejus heissen die 
scythischen Völker in Bactria und Sogdiana Sarancae und Asini 
(Scythicae geutes, Sarancae et Asini Bactra occupavere et Sog- 
dianos) und zu dem Stamme d«r Letztern (oder der Usun) wird 
das Königsgeschlecht der Tochari gerechnet. Der Name Saka 
findet sich in der Inschrift des Darius und Segestan meint Saka- 
stane. Les Qakes occupaient le Sedgestan et une bonne partie 
de TAfghanistan (Khanikoff). Die Inseln Abasa und Sakaia 
werden in den Fluss Ser neben der Insel Öeria verlegt. Die 
Chinesen bezeichnen die turanischen Nationen als Sse. Nach 
den chinesischen Uebersetzungen Hyakinth's hiessen die Noma- 
den der Mongolei vor den Zeiten des Herrschers Jao , bei den 
Chinesen : Chunjui, dann Ssän-jun unter der Dynastie Ssä, Hui-fan 
unter der Dynastie In, Jaujun unter der Dynastie Tschoi, Chunnu 
oder Hunnu unter den Dynastieen Zin und Chan. Darauf führten 
sie abwechselnd den Namen Ssänbi, Shushan, Tulga, Kidan, Tatan, 
Mongol. 



Nationale Traditionen der Volksstamme. 107 

Nach der bactrischen *) Erhebung , bemerkt Strabo , wurden 
die Griechen so mächtig, dass sie (nach ApoUodorus) Herren 
Ariana's und India's wurden. Ihre Fürsten , und besonders Me- 



•) Die Eroberungen der Turanier in Bactrien (nach der Regierung des 
Eukratides) wurden ihnen von den Parthern wieder abgenommen (140 a. d.). 
Nachdem die ecjthischen Hnlfstruppen den Partherkönig Phraates erschlagen 
hatten (128 a. d.) > gingen die Sakarauler und Tocharer über den Jaxartes. Die 
paka eroberten (129 a. d.) Bactrien und (127 a. d.) Theile Drangiana's. Arta- 
bancsll. (Nachfolger des Phraates) fiel in einer Schlacht gegen die Tocharer oder 
Thogarier (nach Justin). Aus chinesischen Berichten (bei Remusat) hatten die 
Jueitschi (nach Besiegung der Tahia) dieAnszu (Parther) unterworfen, die damals 
ohne Oberhaupt gewesen. Mithridates, König von Parthien , kämpfte glucklich 
gegen die Scythen (f 88 a. d.)- Der vertriebene Sinatrukes (f 69 a. d.) wurde 
durch die Sakarauler wieder auf den parthischen Thron eingesetzt. Phraates IV. 
flüchtete vor einer Revolution zu den Scythen , die ihn wieder in sein Reich ein- 
setzten (37 a. d.) und den Tiridates vertrieben. 

Nachdem Maotun (Sohn des Theuman , der den Titel des Tschenju oder 
König der Hunnen annahm) die Jueitschi (in Kansu am Hoangho) bct^iegt (208 
a. d.), tödtete sein Nachfolger (Laoshang) ihren König (165 a. d.), worauf die- 
selben (mit Ausnahme eines kleinen Theils , der zu den Khiang oder Kanka im 
östlichen Tibet flüchtete) nach dem Iliflusse (am Balkasch) zogen und das Reiter- 
volk der Sse südlich nach Sogdiana trieben. Als die benachbarten Usun oder 
Usinn von den Hiongnu gedrangt wurden , schlug ihr König Kunmo die Jueitschi, 
die, südwärts über den Jaxartes ziehend, die Sse nach Süden jagten (wo sie, den 
Hindnkusch überschreitend, das Land Kipin oder den nördlichen Theil Ara- 
chosiens eroberten) und dann die Tahia (Dahae) unterwarfen , worauf der König 
seine Residenz im Norden des Oxus aufschlug. Der chinesische General Tschang- 
kien traf (126 a. d.) die Jueitschi in einem fruchtbaren Lande, wo sie friedlich 
und glücklich lebten, ohne Keigun^r, nach ihrer rauhen Tleiniath zurückzukehren. 
Während sie früher als Bogenschützeu mit ihren Heerden umhergezogen, änderten 
sich jetzt ihre Sitten. Sie waren in fünf Horden getheilt, aber Kieoutsieukio ver- 
nichtete (24 a. d.) die vier andern Fürstenthümer und machte sich zum König 
unter dem Namen Kouei-schu<iug. Ausserdem besiegte er die Könige von Pota 
and Kipin (wo noch das Reich der Sse bestand) und unterwarf ihre Länder. 
«Nachher zum zweiten Male besiegte er Thien-tchou (Indien)- Von dieser Zeit 
an wurden die Jueitschi sehr reich und blühend** (Matuanlin). Hei seinem Tode 
folgte sein Sohn Jenkaotchin. Die Sprache der kleinen Jueitschi ähnelte der 
tibetischen (nachKlaproth). Nach den Chinesen waren die Sse und Usun stamm- 
verwandt. Auf Kadphises IL (den Eroberer Kieu-tsieu-kio:«) folgten die drei 
Tnriishka- Könige, mit Hushka und Gushka als Vorgängern des Maharaga Kanishka, 
der (400 Jahre nach Buddha) die buddhistische Synode unter Vorsitz des Vasamitra 



108 Birma. 

nander, eroberten „mehr Nationen, als Alexander." Unter ihren 
Städten wird, ausser Zariaspa und Darapsa, auch Eucratidia 
erwähnt und Ptolemäus nennt Sagala und Euthydemia. Das 
eroberte Land wurde von den Griechen in Satrapieen vertheilt 

Der auch in ganz Vorderindien, von Kaschmir bis Ceylon, 
uralte Cultus der Schlangengeister, den noch Alexander's 
Macedonier in Taxila fanden , zog sich vor dem Eindringen der 
Arier mehr und mehr in das Dunkel eines verfolgten Aberglaubens 
zurück , so dass der grosse Weltendrache , den , wie der Kaiser 
von China, der König von Tonquin und Cochinchina auf seinen 
gelben Gewändern trägt, schliesslich in den Repräsentanten des 
ahrimanischen Bösen verkehrt wurde. Bei dem durch den Fluch 
der Brahmanen als Schlange vom Himmel gestürzten Nahuscha 
wird an den Ammoniterkönig Nahash erinnert. In den ursprung- 
lichen Mythen ist nicht Indra's Architekt Visvakarma, sondern 



(Zeitgenosse des Nagarjuna) abhielt. Auf ihn folgte (40 p. d.) Abhimaoju und 
dann Vigaja. 

Unter der Dynastie der Tanishka erreichte die Macht der Jueitschi in 
Indien ihren höchsten Gipfel. Kanishka (10 p. d.), der die vierte Synode der 
Buddhisten berief, dehnte das indo-scythische Reich in Indien aus. Die grossen 
Jueitschi tödteten die indischen Könige und ersetzten sie durch ihre Feldherreo. 
Das Reich zerfiel nach dem Tode Balan's. Matuanlin giebt das Jahr 22? p. d. 
als das Ende der indischen Herrschaft der Jueitschi. Auf Narendraditja (f 300 
p. d.) folgten in Kaschmir Herrscher der weissen Hunnen (4. — 5. Jahrhundert), 
bis Rai^Äditja (Anfang des 6. Jahrhunderts) die einheimische Herrschaft wieder 
hersteUte. 

Während die Macht der Jueitschi (im Anfange des 3. Jahrhunderts p. d.) 
in Indien unterlag, hatten sie im Norden des Hindukusch sich behauptet und ihre 
Fürsten ubteu Ende des 4. Jahrhunderts einen überwiegenden Einfluss auf ihre 
Nachbarn aus. Erst im Anfluge dos 5. Jahrhunderts eroberte ein Fürst der 
kleinen Jueitschi indische Gebiete. Vivien de St. Martin identiflcirt die weissen 
Hunnen oder Ephthaliten mit den Jueitschi. König Perozes oder Firuz (König 
der Sassaniden) wurde von den weissen Hunnen besiegt (480 p. d.). Sein Sohn 
Kavades oder Kobad flüchtete vor einer Revolution zu dem Fürsten der weissen 
Hunnen und wurde von ihm (als Schwiegersohn) wieder eingesetzt (499 p. d.). 
D«imals beherrschten die Hunnen unter ihrem mächtigen König GoUas das nörd- 
liche Indien. Chosroes Anuservanes (Khosru Anushirvan) brach die Macht der 
Ephthaliten (529—562) und der Hest derselben wurde (568 p.d.) durch den Khan 
der Turi^cn vernichtet. 



Nationale Traditionen der Volksstämme. 109 

der Nagakönig der Städteerbauer, der die Nakhon oder Naghara 
nach den Windungen seines die Erde durchschlingenden Riesen- 
körpers gründet und ihnen daher im begUnstigtsten Falle eine 
spiralige Sehneckenform giebt, wie jener ersten Hauptstadt der 
Giao-tchi , ehe noch ein anderer Theil der Halbinsel bewohnt 
war. Bevor Visvakarma das Geschäft allein in die Hand nahm, 
fand (wie bei der Erbauung Prome's) eine Art Compromiss statt, 
indem Indra den centralen Stadtpfeiler pflanzte und um den- 
selben , wie einst um den Berg Meru , den Schlangenkönig als 
Strick umherwand, um dadurch die Ausdehnung des Weichbildes 
abzuspannen. Noch jetzt, wie bei jedem Häuserbau, ist es das 
wichtigste Geschäft der Wahrsager inBirma und Siam, die Spiral- 
windungen des Schlangenkörpers unter der Erde zu kennen, 
damit die Grundpfeiler auf die richtigen Glieder desselben gesetzt 
werden. Der Eisenpfosten Delhi's ruht auf dem Kopfe des Sahes 
Nag oder Vasuki (Sehlangenkönigs) und als der Tomar - Fürst 
beim Eintreiben des Stadtpfeilers Vasuki's Kopf*) durchbohrte 
und ihn blutig wieder heraufzog, prophezeite Vyas aus diesem 
ungünstigen Zeichen den Fall der Dynastie. Auch im Buddhismus 
ist es nothwendig, die verschiedenen Phasen, die die Schlangen- 
verehrung durchlaufen hat, in ihren graduellen Veränderungen 
auseinander zu halten, um nicht iu Widerspruch zu gerathen, 
wenn man die von den frommen Missionären exorcisirten Höllen- 
geister zugleich als Hüter der höchsten Wissenschaft im Mahayana 
erblickt oder das sonst verfolgte Ungethüm sich als schützendes 
Dach über dem Haupt des Xina wölbt. Gleich den Nagbansis in 
Chota-Nagpur, deren Stammvater Bhim durch die Drachentochter 
wiederbelebt wurde, rühmen sieh die Chero's und Sunaka-FUrsten 
(inKikata) ihrer Herkunft von Kasyapa durch die grosse Schlange, 
die in Patala herrscht, und ehe die (iebirgsstämme ihre hochfliegen- 
den Adler und Geier mit sich brachten, das kriechende Gewürm zu 



*) Porchase states, that tbe Rase (Raja), who foanded Delhi, by advice of 
bis magicians tried the ground by driving an iron stake , wbich came up bloody, 
having woonded a snake. This the Ponde (Pände or Pandit) or magician said 
was a fortanate sign (s. Canningham). 



110 Birma. 

vertilgen, wurde der westliche Hafen Potala zum Ausgangspunkt 
derSakhya Ra^e genommen. Als Janama Java, um den Tod seines 
Vaters Purikhit (Sohn Judishter's) zu rächen, den Surpavatar-jog 
celebrirte, flüchtete die Schlange Tukshaka zu Indra's Himmel 
und bat um dessen Fürsprache. Dagegen hörte Apollonius von 
den Bergbewohnern des Hindukusch, dass sie die Adler verfolgten, 
um den gefesselten Prometheus zu rächen. Die von Tod bei den 
Kajputen gegebenen Formen Sesh und Takshak erwähnt Hügel 
auch in Kaschmir. Die Puranas erklären (nach Tod) den 
Tschandragupta für einen Abkömmling der Takschakas und nach 
dem Mahawanso stammte sein Mentor Tschanakja aus Taxila. 
Zum Schutz gegen Schlangen wird Manasa, Sib's Tochter, 
verehrt. Bei dem Feste des Nagpanchami in Gorrukhpur füttern 
Jungfrauen die acht Drachenkönige mit Kuchen , die ins Wasser 
geworfen wurden , während man sie im alten Italien in Höhlen 
niederlegte. Nach Matuanlin sah Sangfa auf seiner Reise nach 
Sumatra (983 p. d.) die buddhistischen Bettelpriester einen mit 
Schlangen geschmückten Kopfputz tragen. Das Symbol des 
Jaina- Heiligen Parswa ist die Schlange oder Takscha. Nach 
Wilford sind die Sacshacas ein Schlangengeschlecht mit zwei 
Gesichtern, die nach Belieben angenommen und verändert werden 
können. Als Buddha das falsche System der Berg - Eremiten 
verworfen hatte , wurde er in der Höhle Bodhimanda durch den 
Drachenkönig Kacha geehrt. The wars of the Pandus and Tak- 
shas, the professors of the old and new religion respectively were 
typified by serpents and dragons (s.Tod). Nachdem dieNagasin 
ihrem Kampfe mit den Asuras jenseits der Grenzen Jambudwipa's 
besiegt waren, flüchteten sie nach dem Hinmiel der Chatu-Maharaja 
und trafen dort mit Garuda oder Tarkcha (im Astika sauparna parva) 
zusammen. Doch sind sieben ihrer Könige (Pandutara, Kumbha- 

latara, Thatharasa, Sattawe, Thantarawasi , Bopphataka und Pa- 

• 

thawitaka) gegen diesen Vogel sicher, der sie sonst, wie schon 
im alten Aegypten, verfolgt. Als untergeordnete Fürsten werden 
(bei Low) genannt: Phothe-Mukkha, Akke-Mukkha, Latha-Muk- 
kha, Katha-Mukkha. Nach der Kola- pürva-Patayam war der 
im Hause eines Töpfers geborne ^alivahana ein Anhänger der 



Nationale Traditionen der Volksstamme. Hl 

Qramana oder Buddhisten und Verehrer des Sarpe^vara (Herr- 
schers der Sehlangen), wurde aber wegen seiner Verfolgungen 
durch Qiva vernichtet, indem derselbe die Könige von Chola, 
Chera und Pandja schuf. Krischna bezwingt den fttnfköpfigen 
Schlangenkönig Kaliya. Knef (Agathodämon oder Shis) wurde 
in der unschädlichen Schlange personificirt zum Emblem der 
Weisheit, Jugend, Gesundheit, Ewigkeit und Unendlichkeit. 

Als die beiden Brüder Kaniazagyi und Kaniazangay nach 
Tagoung kamen, fanden sie die Kuay, als die Verehrer des Tin- 
gasajah, eines Dämon mit einer Haarlocke an beiden Seiten, der 
auf Pferden oderElephanten ritt, und dem Schnapstrinken leiden- 
schaftlich ergeben war. Die indischen Einwanderer hatten keine 
Scrupel, die menschenähnlichen Geschöpfe, die sie im Lande vor- 
fanden und die nicht zu der himmlischen Rage der Bhyammagyi 
gehören konnten , zu ihrem eigenen Besten nutzbar zu machen 
und als Sklaven zu knechten. Nur die Kookis (Kakuis oder 
Ka-Kuay) der entlegenen Hügel blieben von der Unterwerfung 
frei, von wo sie gelegentlich Einfälle machen, um sich für Hoch- 
zeiten oder Leichenbegängnisse mit obligaten Menschenköpfen zu 
versehen. Diese Kookis*), die (nach Scott) wie die Padaei 
Herodots, die Alten und Kranken essen, ehe sie durch den Tod 
verdorben sind, nennen sich selbst Thadoo. Die Sprache der 
neuen Kookis', die ein höchstes Wesen unter dem Namen Puthcn 
verehren, heisst Thadau Pao nach dem vorzüglichsten Geschlecht 
und die früheren Dynasten in Tagoung führen stets den Titel 
Thado, was mit dem birmanischen Affix dau für königliche oder 
göttliche Bezeichnungen zusammenhängt. Nach Burney kam 
ihnen dieser Titel Thado zu, weil sie als Abkömmlinge des könig- 
lichen Thaki- (Sakhya-) Geschlechts Kinder der Sonne gewesen. 

Nachdem Tagoung schon längere Zeit erbaut war, ging einst 
ein Bürger dieser Stadt im Walde spazieren. Er hieb einen Bambu 
um und war nicht wenig erstaunt, ein Mädchen darin zu finden. 
Doch machte er keine Einwendungen und dort ^zwischen sieben 
Bergen," wie es in dem birmanischen Liede heisst, zeugte er als 

*) Die unter ilmen herrschende Sitte , vor der Ilochzcit Menscheuköpfe zu 
j^igeu, wird von Suleyuian alö der Insel AI Ramny eigenthumlich beschrieben. 



112 Birm». 

erster Ahnherr derßafe die Joh, die dann nach dem Ehyendwen- 
flusse zogen und sich in Jaunbiohpiuh ansiedelten unter ihrem 
Führer Kharot. Dieser hatte mit seiner Gemahlin Weluwadi 
einen Sohn Pi-joh und eine Tochter Pa-joh, die Letztere von 
solcher Schönheit, dass sie das Gelüste des Königs des Landes 
reizte und von ihm geraubt wurde. Darüber entstand allgemeine 
Trauer und in der Berathung, was zu thun sei, beschloss ein Theil 
der Joh , das Gesicht der Frauen mit Messern zu zerschneiden 
und sie so sehr durch Narben und Wunden zu entstellen, dass sie 
nie wieder einen Fremden anlocken würden. Die andern Joh, 
von dem Jomah-Gebirge benannt, die sich zu solch barbarischem 
Vornehmen nicht entschliessen konnjten , zogen nach Tilein , wo 
sie sich einen König erwählten. Die Zurückgebliebenen, die 
unter dem Namen der Khyen bekannt sind, führten ihren Vorsatz 
aus. Nachdem das Gesicht möglichst durch Scarificiren entstellt 
ist, wird das Mädchen den Hunden des Dorfes vorgeworfen und 
wenn diese heulend davon laufen, so erklärt der Rath der Aelte- 
sten sie für perfect. Bei einigen Stämmen soll der auch unter 
den Garos bekannte Gebrauch existiren, dass der Bräutigam beim 
Herannahen derHochzeitsprocession davonläuft, und seine Eltern 
einen Scheinkampf zu seiner Vertheidigung beginnen, wie sonst 
in mehr entsprechender Weise die Volkssitte solchen Widerstand 
zum Schutze der Braut vorschreibt. Die von den Kachar's Miko 
genannten Khyee besitzen den bhutanesischen ähnliche Heiraths- 
gebräuche, in denen wegen der Polyandrie die Männer mehr 
gesucht sind als die Frauen. In der aracanischen Geschichte 
wird von dem Könige Ananthiri (1167 p. d.) erwähnt, dass er die 
schönen Mädchen des Landes für seinen Harem rauben Hess und 
dadurch das Volk so sehr erbitterte, dass eine Revolution aus- 
brach 9 in der er umkam. Auch König Tandwaemioh verfuhr in 
sehr tyrannischer Weise mit dem weiblichen Theil seiner 
Unterthanen, keine Vorstellungen der vier Edelleute achtend, 
bis sein Vertrauter Sadaunja heimlich Briefe an den König von 
Birma schrieb und ihn zur Eroberung des Landes einlud, die 
leicht glückte. Der Gebrauch , das Gesicht zu tättowiren , findet 
sich auch bei einigen Nagastämmen am Brahmaputra, während 



Kationale Traditionen der Volksstamme. 113 

die Nagas im Allgemeinen die Tättowirung auf den Körper*) 
beschränken und je nach den Figuren den Rang der Individuen 
unterscheiden. Schon Conti erwähnt (1444) die Sitte des Tätto- 
wirens in Macin (Birma). „Die Einwohner vonPegu machen ihren 
Leib von den Scluiltern an bi.s zum Nabel voll von allerhand 
Figuren, dergleichen thun sie auch mit ihren Angesichtern " (Vogel 
1678). Dagegen war es zu Fitch Zeit den Peguanern verboten 
sich zutättowiren, da dadurch nur die ächten Birmanen bezeichnet 
werden. Die Schans sind noch jetzt am ganzen Körper tättowirt 
vom Halse an, während die Birmanen sich auf die Beine be- 
schränken. Die Karennih tättowiren auseinander strahlende Li- 
nien auf ihrem Rücken als ihr Wappen, das die Normannen im 
gespreizten Adler einschnitten. Die alten Eingeborenen Ton- 
quins werden von den Chinesen als Picti beschrieben. Bei den 
Birmanen, die von den Chinesen Ot-thon oder sich bemalende 
I^utc genannt werden, soll das Tättowiren ursprünglich von den 
Prinzen angewandt wofden sein, um ihre Abhängigen zu markiren, 
und in Siam wird jeder Unterthan an der Hand gestempelt (als 
Sak) mit dem Zeichen der Section der königlichen Arbeiter, zu 
der er gehört. Früher aber unter König Uthong, der von den 
1^0 (Lao juen) stammte, sollen die Siamescn ebenfalls tättowirt 
haben. Nach Kämpfer wurden die an den Armen bemalten 
Leibwächter des siamesischen Königs von den Portugiesen Bra^os 
pintados genannt. Le Comtc liemerkt über das Tättowiren: 
Aujourdhui Ics Pegouans partagent cettc coutume avec les Bir- 
mans. Ccpendant il m'est quelquefois arrive de dcmander par 
curiosite aux individus, qui venaicntmc voir, s'ilsetaicntByamma. 
Atissitöt pour m'en donner la preuve et m'öter toute doute en cet 
<^*gard, ils me montraicnt leurs tatouages. Das Tättowiren bei den 
Birmanen , das sich über die ganzen Beine erstreckt, ist ein et- 
was ernstliches und jedenfalls sehr schmerzhaftes Geschäft und 
es wird in Bii-ma wie auch bei den Laos von dem Jüngling er- 
fordert, dass er die Pein muthig und standhaft erträgt, aber die 



•) \U se tracent des fijjnros noirrs snr la face ot se tntonont U; corpi», hoisHt 

es (bei de Rosny) im Ti-ton-tsoniig-yao von den Hewohnern Japan's (W^o-nou). 
Bastian, OstMien. I. 8 



114 Birma. 

Prinzen von Mandalay waren weniger begierig, als einst die der 
Incas , eine solche Probe abzulegen , denn ich wurde beständig 
von denselben um die schlafniachende Medizin der Europäer an- 
gegangen, da sie vom Chloroform gehört hatten. Die Nagas ge- 
brauchen auch ein betäubendes Mittel, das sie vor der Operation 
einnehmen, um Nichts von derselben zu fühlen. 

Das Tättowiren wird von der Tradition (bei Sheldon) einer 
Königin zugeschrieben, die zugleich die lascive Tracht der Frauen 
einführte, um die Männer von einem durch metallene Glöckchen 
bekämpften Laster zu entwöhnen, dem (nach Pinto) auch der 
Brahmakönig ergeben war, der aus Hass gegen die Frauen die- 
selben tiberall mit grosser Grausamkeit martern Hess. Linschoten 
erwähnt die Infibulation bei den Peguern. 

Nicht nur von den Job, die jetzt als Trödler und Hausirer 
im nördlichen Birma umherwandern, sondern auch von den Karen 
lässt die Sage die Khyens sich abtrennen. Früher lebten die 
Khyens und Karen, erzählen die letzteren, als Brüder zusammen, 
aber als sie einst ein Stachelschwein erjagt hatten, verzehrten 
die Karen das sämmtliche Fleisch und Hessen den später nach- 
kommenden Khyens nur die Stacheln. Darauf ärgerten sich 
diese und schieden sich ab. Die Karen bewahren eine Tra- 
dition, dass sie früher im Besitze einer Menge Bücher waren, die 
auf Felle geschrieben und einst aus Versehen von den Hunden 
gefressen wurden. Die Khyens aber (nach Compstock) essen 
die Hunde, um die von ihnen verdaute Wissenschaft zu assimiliren. 
.Vertomanus erwähnt (1503) Pergamentbücher in Tenasserim, 
früher hauptsächlich von Karen bevölkert. Nach Tavernicr war 
Hundefleisch ein Leckerbissen für die Assamesen. 

Die Khyens behaupten früher die Herren der fruchtbaren 
Ebene Sagain's gewesen zu sein, als tartarische Emigranten 
(Tajet), vom Norden kommend, sich zwischen sie eindrängten. 
Sie nahmen anfangs die Ankömmlinge gastlich auf und es wurde 
beschlossen, dass die beiden Könige gemeinsam regieren sollten 
(wie die der Thai-yai und Thai-noi in Siam). Allmählich aber 
machten die Fremden grössere Prätensionen, nahmen immer mehr 
Terrain für sich in Anspruch, wollten den König der Eingebornen 



i 



Nationale Traditionen der Volksstamrae. 115 

nicht länger anerkennen und Hessen diesen, wenn sie keine Lust 
hatten sich zu Sklavendiensten zu bequemen, Nichts übrig, als 
sich in die wilden Gebirge des Yoma-doung zurückzuziehen. Dort 
wohnen sie jetzt unter der geistliehen Oberhoheit des Passine 
am Moh- Flusse (s. Tränt), die nach den Gewittern fallenden 
Donnerkeile gläubig verehrend oder (nach Malcolm) zum Gott 
Aporathe betend. Ein Koch, der einige Zeit in meinen Diensten 
stand und aus den birmanischen Dörfern am Khyendwen nach 
Mandalay gekommen war, erzählte mir von einer Art krummer 
Pfeile, womit die Khyen über Bäume hinweg oder im Ciikel um 
die Ecke herumschiessen könnten , der Beschreibung nach etwa 
in der von Boomerang beschriebenen Ellipse. Seine Theorie über 
die Khyeen war übrigens, dass sie die versprengten Reste einer 
im Gebirge verlorenen Armee Birmanen seien , wie die Karenni 
sich selbst sogar für Ueberbleibsel einer chinesischen Armee aus- 
geben. Der Schan-Häuptling von Mogoung, der (1363 p. d.) Ta- 
goung eroberte, führt den Titel Tho-Khyen-ba und Toungnu wurde 
gegründet von Karen -ba (dem Vater der Karen). The Kami 
State, that they once dwelt onthe hills, now held by the Khyens 
(Latham). 

Hamilton erfuhr von seiner Autorität in Pagan , dass sich 
auf dem Jowa- Flusse die grosse Stadt Jo finde. On its ncigh- 
bourhood are many villages , inhabited by a pcople of the same 
name who, he said, are very ugly, having white teeth, largebellies 
and long loose hair. Nach den Berichten des Sklaven stand der 
Stamm der Jo unter sechs erblichen Häuptlingen with the title of 
Zabua, namelyZho, Kakhiap, Thilaen, Jo, LaunsciandTauduaen. 
Die Jo sprächen einen Provinzial-Dialect der Mramma-Sprachc. 

Die Gründung Pagan's war schon lange vom Volke erwartet 
worden. Man wusste, dass prophetische Zeichen diesem grossen 
Ereignias vorausgehen würden und man sah denselben mit Span- 
nung entgegen. Da glückte es dem Edlen Maheinda, der von 
der Insel Jaimbuihjoah am Khyendwenflusse her des Weges kam, 
die vcrhängnissvollen Omen zu erblicken. Auf einem Pauk- 
Baume sass ein Pyein-Vogel, in der Mitte ein Phoot (Guana) und 
am Fusse ein Pah (Krabbe). So waren die vier P vereinigt. 



116 Birma. 

Als er in Tagoung Bericht abstattete, was er gesehen, erliess 
König Pisohdihmin sogleich die nöthigen Befehle und Pukham 
wurde erbaut. Die Gegend am Zusannnenfluss des Khyendwen 
und Irawaddi wird im IMtel des birmanischen Königs noch jetzt 
als Sonarapanta bezeichnet. 

Die Kados oder Kadoos nennt Hannay the most intercsting 
of the northern tril)es, like the Yos, oue of the old Burmese 
races*), und wie die Yos in Haiin der Gründung des unteren 
Pagan vorhergingen, so stehen neben dem oberen die Steinburgen 
der Kados in Thigyain, was früher den Danoo (Daonai) gehört 
haben mag. Die Danoo sprechen den Dialect Tavoy's, von wo 
viele der aus Birma hingesandten Colonisten in späteren Kriegen 
zurückgebracht sind. Sie tättowiren und von ihnen wird behauptet, 
dass sie a relic of the original uncivilizcd Myamma seien. Unter 
den Schan sind sie die Weber. Von den zu den Schan gerech- 
neten Kadoos wurde mir in Schwegyien gesagt, dass sie meist 
ihre frühere Wohnstätte dort verlassen und nach Zimmay oder 
Yuthia fortgezogen seien. Eine eigenthümliche Bestätigung des 
Rechtes der Kadoos, zu den ältesten pjugeborenen gerechnet zu 
werden, findet sich in dem vielfach in Indien wiederkehrenden 
Gebrauche, dass neue Eroberer sich von den frühern Insassen 
des Bodens die Bestätigung ihrer Ilerrscherwürde ertheilen Hessen. 
Bei den Kajputen drückte der Häuptling der Bhecls das Zeichen 
der Tika auf die Stirn des Knjah**), die Laos bewahrten ein gleiches 
Amt in Zimmay unter dem Wechsel der verschiedenen Dynastieen, 
die über diese Stadt herrschten , und der König von Kambodia 
so wie der von Cochinchina soll früher dem Feuer- und Was- 
serkönig unter den Kadeh huldigenden Tribut gesandt haben. 
Der König von Birma bewahrt in seiner Staatstracht die charac- 



•) and similar in type tö wliat wo seo of the Bliiirs and Ranje Bliurs of the 
prescnt day, a race known hy tradition as the oldest of Indian races. 

••) Eine ähnlictic Rolh» spiclon die Mantras (oder Mintira) , von denen Boric 
8a^: The Qrand Batin (Batu Kapala or adiiiinistrator of the laws) iakes part in 
the election of the Malay chiofs of Johol, Sonjreioujong, Jelebu and Klam. Nach 
DaUon verleiht der Sawunt der Bhooya'n den Bamra- und Gangpore - Rajas ihre 
Investitur. 



V 



Nationale Traditionen der Volksstamme. 117 

teristischen Insignien der Kadoo, wie Symes ihn bei der Audienz 
beschreibt, als ein geharnischter Mann mit Flügeln an den Armen 
(a gilded or probably a golden wing on each Shoulder). Durch 
dasselbe CostUm wird in den Dramen der Character des Königs 
ausgezeichnet, wie sich in Rom das Andenken der alten Oscier 
durch die attellanischen Dramen erhielt. 

Von den Kadoos aber erwähnt die Mythe, dass sie mit einem 
Federstreifen der Armbeuge entlaug geboren wären, und giebt 
zur Erklärung die folgende Erzählung: Zwei aus Kosali-theinpieh 
verbannte Prinzen Yekkha gyi und Yekkha gelay wanderten über 
die Erdoberfläche , und da das Leben der Menschen sich damals 
noch auf 1000 bis 1500 Jahre belief, so konnten sie schliesslich 
zum Haemawun-Walde gelangen ; dort sahen sie auf einem Baum 
zwei Kenia-Vögel *) (Menschen-Vögel) sitzen, ein kenia-bo und 
eine kenia-ma. Sie schössen das Männchen, wurden aber, als sie 
das verlassene Weibchen mit menschlicher Stimme klagen hörten, 
selbst so tief gerührt, dass sie den Verwundeten zu heilen suchten 
und als er starb, ihn begruben. Aus Dankbarkeit diente ihnen die 
Kenia-ma und brachte ihnen Waldfrüchte zur Nahrung* Sie wurde 
später Mutter und gebar dann die Kadoo mit Fcderflügeln am 
Arme. Ihr Ahnherr Dwaywuntha, der mit seiner Schwester 
Setschi den später berühmten Kauschi zeugte, baute die Stadt 
Haemawun myoh. Wie die Kadoo Federn am Arme, haben die 
Kotbali-Leute dichte Haare auf der Brust. Pengalo-Namoo ist der 
Name des bedeutendsten Platzes imOebiete der Kadoos. In einer 
ähnlichen Beziehung stellten sich die von der Gottheit Babrubahan 
abstammenden Manipurier zu der eingeborenen Ilace der Kasay 
oder Ka-Thay und ist hier durch ihre spätere Brahmanisirung 
die Dichtung weiter ausgesponnen. 

Von dem Könige von Sinapaton (dem Lande derKalae) aus- 
getrieben, wanderten die vier Brüder Upakantha, Seyakantha, 
Mahakantha und Sonakantha mit ihrer Schwester nach Athantein, 
wo Upakantha sich dem Einsiedlerleben widmete, und später 
auch Seyakantha. Die Schwester Keyanatantide lebte mit ihren 

*) Der Kanala- Vogel, nach dessen dchöacn Aiij^eu Asoka'ä Sohn benannt war 



118 Blrma. 

andern beiden Brüdern, wurde aber einst, als sie sich allein im Walde 
befand, von einem Fremden, der dort hingekommen, gemissbraueht. 
Sie brachte ein Stück Holz zur Welt, das die Brüder verbrannten, 
die Asche in den Fluss werfend , auf dem sie herabtrieb bis zu 
einem Platze, wo ein Cutch-Baum] aus ihr aufwuchs. Ihre 
Schande zu verhehlen, tüdteten die Brüder ihre Schwester und 
sie prophezeihte vor ihrem Tode, dass das ganze Geschlecht auf 
eine schmähliche Weise zu Grunde gehen werde, indem die Be- 
wohner der Stadt sicli aus dem Shapinbaume (Cutchbaum) Stöcke 
schnitten und sich gegenseitig damit niederschlugen (wie in 
Dvvaraka). Von Upakantha nach ihrer Schwester befragt, ent- 
flohen Mahakantha und Sonakantha, um seinen Nachforschungen 
zu entgehen. -Auf ihren Wanderungen trafen sie in einem Walde 
mit einer Mann-Bärin zusammen und erzeugten mit ihr die Rage 
der (Moi-tay) Kathay. Die Kalac wurden bei der Trennung von 
den Kathay als Kalae-taundah bezeichnet. Unter Ganurshin- 
rajah, dem Gründer von Kathay-myoh oder Manipur, kam ein 
Pona von Hindostan, der mit einer Frau des Landes die Pona-Rage 
erzeugte. Dann wurde der Dienst des Kadakrishno, Hanuman, 
Kam, Lakshman eingeführt. Seitdem rühmt sich das Königsge- 
schlecht der Abstammung von demPanduiden Arjuna. Mit Ulupi, 
die Tschitrangada's (Tochter desNaga-Königs von Manipur) Sohn 
Vabhruvahan aufzog, zeugte Arjuna (nachdem Asvamedhika) den 
Iravan. Bei den ersten Entdeckern heissen die Bewohner Pegu's 
die Pandalus von Mon, als Gründer des Kalaminham- Reiches. 
Besonders hoch verehren die Manipurier die Tulsi- Pflanze (Piu- 
sinbin) und in Amarapura sieht man stets eine solche an der 
Seite ihres Hauses. Der Belu Sankassur besass so unüber- 
windliche Stärke, dass er aus seinen Kämpfen mit Brahma, 
Vischnu und Mjihesu stets siegreich hervorging. Einst aber Hess 
er sich verleiten, seinem Weibe zu fluchen, weil sie Brahma in 
ihr Bett zugelassen, und mit dieser Zorneswallung war seine 
Ueberlegenheit vorbei. Seine Frau allerdings wurde in die 
Pinsin-bin verwandelt und Vischnu, der Brahma's Platz eingenom- 
men hatte, in einen Salagramma-Stein, aber zur Rache zwangen 
sie Sankassur, die Form der Kajudin -Muschel anzunehmen, die 



Kationale Traditionen der Volksstäminc. 119 

vor ihnen auf der Erde liegt. Dieser Cultus hat sich auch zu 
den Wilden des aracanischen Grenzgebirges verbreitet, die eine 
Schlingpflanze in den Wäldern abschneiden und in ihren Nat- 
häusem zur Verehrung aufhängen, oft mit einem schwarzen Stein 
daneben. Das Salagramma ist die Versteinerung Vischnu's als 
Ammonshom, angenagt von Vajrakita (Donnerkeil-Wurm), wäh- 
rend seiner Vereinigung mit dem Gandaka-Berge (s. Mögling). 

Die gemeinsame Wurzel der Karen und Khyen oder viel- 
leicht ihren noch ungetheilten Stamm scheinen die Lava oder Loah 
zu bilden, das Volk der Tolteken in der hinterindischen Halbin- 
sel. Von den prachtv'ollen Tempelruinen Java's liegen mehrere auf 
dem Berge Lawu, wo Ankavigaja mit der Dämonentochter seinen 
Heldensohn zeugte, den Eroberer Bali's. In Birma sind die Lava 
jetzt fast ganz verschwunden, bis auf einige Beste, die mit den 
Thoungthoos untermischt leben oder nach den Laosbergen von 
Zimmay hinaufgedrängt worden ; aber sie waren es, die einst die 
Goldbergwerke und Goldwäschereien des goldenen Chersoneses 
bearbeiteten, wovon sich noch Spuren in Schwegyien finden. In 
Siam sind sie noch als ein altes Cultur-Volk bekannt und einige 
der glorreichsten Namen der Vorzeit werden von der Geschichte 
ihrem Geschlechte zugewiesen. Auch in Birma, das bei den 
Chinesen Lawa-Mien heisst, schwebt um ihren Namen ein 
Mysterium jetzt unverstandener Scheu, und ein Birmane wagt es 
nie, ein von Lava bewohntes Dorf zu betreten, da er unfehlbar 
von Wehrwölfen (Loowun oder Mann-Bären) gebissen und sterben 
würde. Nach Sangeimano sind auch die Joh von den Birmanen 
als Zauberer gefürchtet. An Wehrwolfgeschichten über Lao so- 
wohl als über Lava ist Siam ebenso wie Kambodia reich, die 
Rolle auf den Tiger übertragend. Von den Karenni werden die 
Lava: Pray (Pyay oder Pyu) genannt, bei den Schan aber führen 
sie den bedeutungsvollen Namen Manu-mano, als die alten 
Gesetzgeber des Landes, die Sammlungen des Menü verbreitend. 
Tritesta, der mit der Brahmanin Kali aus Kamboja verheirathet, 
Java civilisirte, war Vater des Mcnu Manasa. Die Lava haben 
noch in voller Kraft den bei den anderen Stämmen Hinterindiens 
mehr und mehr verschwindenden Gebrauch der durchbohrten 



120 inrma. 

Ohren und ilire YcrgröHHcning durch Ausdehnen bewahrt. Die 
AKHuniCHen ^hiuben an die Existenz eines Volkes, Harkanas ge- 
inmnt , desHen Ohren so weit herabhängen , dass sie sieb darin 
einwickeln können. Nach Nonnus schhifen die Ouatrecetoi auf 
ihren breiten Ohren. Auch mehrere der Khastiininie haben ihre 
durchbohrten Oiiren durch stetes Ausdehnen lang herabhängen 
wie die Incas. J)ie Chinesen legen die Eigenschaft langer Obren 
dem Kaiser IJ bei. Williams beschreibt den in Pagoung ver- 
ehrten Nat mit hingen Ohren. Les habitans d'Aracan ont le front 
largü et plat (bemerkt Turpin). C'est une bizarrerie de leur goüt 
plutot <|u*un vice de naissance. C'est en appliquant unepla<iuede 
plomb sur le front de leurs enfans, (pi'ils gatent Touvrage de la 
nature. Leurs narines sont larges et ouvertes, leursoreillesHottantes 
descendent jusque sur leurs cpa^iles. Auch Semler spricht vom 
Aufitinden des HIei's. Dass die Siamesen den Namen Lavo als 
aus Ciurken entstanden erklären, deutet gleichfalls auf die innige 
He^iohung, in die sie zu iiiremheimathlichen Mutterboden gesetzt 
wenlon. Ixvaku (Sohn des Manu), der Ahnherr des Gajasena 
i(tn>ssvater des (tautama), bedeutet Kürbiss. Wilde Stämme der 
Uiwa sollen sich noch nönllich und westlich von Myang I^m 
tiuden. Westlich von dort localisiren die Chinesen den mvtbi- 
scheu Wald des liimaphuu oder Ilaemawun in dem geognipbisehen 
Uebirgo des llimalaya. Nach Macleod sind die Kiantung um- 
gt^lHMuloa Berge mit Stämmen der I«:iwas, Ka-kuas und Ka-kuis 
iH^rdkerU In den südlichen l^iosläuderu bei Zimmav sind die 
l«^wa:> Aekerl^uior und üben das in uueivilisirten liludem stets 
bodeulunpivolle Geschäft der Si^huiiiHle und die frühere Industrie 
der luiWÄ loigl sieh mH*h in dem Numeu versi*hiedener Arten 
Z*ni^. die Pha l«H\va \ Zeugt* der l-siwa'^ heisst^n. Der wilde 
Suiuitti der I«aw;i in Tavov wirtl von den Karten Wa srenaunt. 
Dio l^w^ iHler K^wa in Siam aln^r sind den Käiiieng ^Karen) 
verw^ttdu DioShimcsoM. die sieh nie am K\»|*!e horühivn Ia:>seD, 
s;!^»« dasäi 5iie den Scheitel hv^'hhalieu* wie die Lawa die gros^ 
Z-ehe uttd die Karvu Ja^t Knie. Die friiher ;iui den l'feni de$ 
Ouko ÄÄS^iJj^iwn l-aw;ji-TaIiues wanderten , uaeh Kieh;inlson Wort 
tttti :^itrk den iHHlrürkuu^n der Himumea i;i entziehen. Jetit 



Kationale Traditionen der Volksstamme. 121 

rechnen die Birmanen die La was in gleicher Linie mit den Karen 
und Toungthu zu denjenigen Völkern, die durch generatio aequi- 
voca ins Leben sprangen, weil es zu Buddha's Zeit keine sie be- 
treffende riadetha gab. 

Die Lava (Lavü) werden von denSiamesen als gewaltige Rie- 
sen beschrieben, die Speere von drei Fuss Länge mit Leichtigkeit 
geschwungen hätten. Von ihnen trennten sich ihre Brüder, die 
Ravo, ab und zogen nach der SeekUste. Dort aber entarteten 
sie in dem heissen Klima durch MUssiggang, während die Lavo 
in ihren Bergwäldern durch den steten Kjxmpf mit wilden Thieren 
gestählt, an Kraft und Tapferkeit wuchsen. In gleicher Vorstel- 
lungsweise sagen die Laos, dass die Gründer ihrer Nation im 
Walde llimaphan lebten, wo sie die wilden Thiere ausrotteten. 
Auf der Stelle des alten Lavo wurde später die siamesische 
Hauptstadt Nophburi (Neustadt) gebaut. Marini erzählt v(m einer 
ähnlichenTrennung zwischen den Bergstämmen und Küstenbewoh- 
nern in Cochinchina. Kinh douang, der Neffe des Kaisers von China, 
der den Ackerbau eingeführt hatte, wurde von ihm entlassen, um 
Tonquin zu civilisiren. Seine Schwiegertochter (Au -Co) gebar 
100 Söhne aus Eiern und zog sich mit der Hälfte derselben nach 
den Bergen zurück (San Tinh), mit der andern Hälfte den Vater 
nach der See sendend (Thui Tinh). Ucbcr beide regierte Ili- 
Vuong und seine Nachkommen, bis nach der 18. Generation nur 
eine Tochter übrig war, die von denen der Berge sowohl, als von 
denen der Küste zur Gattin begehrt, aber den ersteren gegeben 
wurde, weil sie auf den Flüssen hinabfahrend, rascher die Mit- 
gift herbeigebracht hatten. Aus Rache hält Thui Tinii die See 
zurück, um die Flüsse auszutrocknen, und in den Ebben und 
Fluthen des Wassers sieht das Volk den Kampf der feindlichen 
Gewalten. 

Die wilden Stämme in dem Gebirgszuge zwischen Cochin- 
china und Kambodia, die Myang der Annamiten oder die PuOm 
dcrKambodier, werden von den Siamesen unter dem gemeinsamen 
Namen der Klia zusammengrcfasst, und dieses Wort der Thai- 
Sprache, das eine dienende und unterwürfige Stellung bedeutet, 
findet sich auch den Namen vieler der um Birma wohnenden Hügel- 



122 Birma. 



\ 

Völker beigelegt. Von diesen sieh gegenseitig für Sklaven be- 
kämpfenden Barbaren versehen sich die Kanibodier mit ihren Ar- 
beitern, und sie thaten es schon im XIII. Jahrhundert, wie der 
chinesische Gesandte erwähnt. Unter den Singphos bestand (nach 
Neufrille) früher der Gebrauch , dass Anne und Bedürftige sich 
selbst an reiche Herren verkauften und so die Klasse der Garn 
Lao bildeten , aber seitdem ihre Kriege sie mit Sklaven versehen 
haben, hat dieses Verhältniss aufgehört, und jetzt besitzt jeder 
der zwölf Garn der Singphos oder Sinbo einen entsprechenden 
Clan der Ka-koos , der für ihn die Feldarbeiten verrichten muss. 
Die Khamti machen denselben Gebrauch von den Kha-Pok. Ne- 
ben den Khyen finden sich die Ka-khyen , neben den Kukis die 
Ka-kukis, neben den Kuae die Ka-kuae, und die von den Hindus 
Naga genannten Wilden (die Nanglogai des Ptolemäus), die 
sich selbst nur nach den Beziehungen ihrer verschiedenen Ge- 
nossenschaften kennen, heissen bei ibren Nachbarn Ka-Phyu 
(Kwa oder Qua Phyee), und würden sich so mit den eingebomen 
Pyu oderMru ergänzen. DieNagas wurzeln fest in ihrem Mutter- 
boden und kennen (nach Fischer) nicht die wandernde Jhoom- 
Feldwirthscbaft der Kachar's und Kukis, die arva in annos mu- 
tant. Die Nagas werden auch inBorNagas updAborNagas, freie 
und unfreie oder freundliche und unfreundliche , unterschieden. 

Die Vagina gentium der eingeborenen Kha oderPnom bilden 
die östlichen Berge, und aus ihren Wäldern, wo die Betelpflanze 
wild die Bäume umwindet, mögen die Sesatai oder Besadai die 
wcrthvollen Blätter des Malobathron gebracht haben, das die 
Kaufleute auf ihren verlassenen Lagerplätzen einsammelten. 

Die gemischte Ka(,*c der Ka-shin (KaShan), die Nachbarn der 
Yun, wird aus dem Zusammentreffen der Chinesin Sandi mit Muni- 
duh und Vomingyayah, zwei Prinzen aus dem Kothali-Lande *), 
erklärt, deren Söhne, die Stammväter derKa-shin, bei ihrer Aus- 



•) Nach Buchanan erstreckte sich KoQala bis zu Gandaki (der Westgronie 
Tirhut's). Komusat bestimmt Kosala (mit Sawati oder Qrawastu als Hauptstadt) 
als das jetzige Oude. Nachdem diis mit den Weibern und Kindern des Usurpators 
Olonashuu (der ans seiner Hauptstadt Cliapooliolo nach dem Königreiche Wei 
oder Kdyala geflüchtet war) nach dem Flusse Kantowei (Gonduk) zurückgezogene 




Nationale Traditionen der Yolksstämme. 123 

Wanderung die drei Dörfer Miin mojoah, Apoajoah und Amae- 
nojoah gegründet. Unter ihrem Kun-tha finden sich Ka ehin in 
der Nähe Tagoung's. Sie opfern dem Schwoaynat Büffel, frliher 
die allgemeine Verehrungsweise auch unter den Singphos, und in 
Pegu selbst ist eine buddhistische Pagode über BUflFelknochen 
erbaut. In Mogoung wird vor jedem grössern Unternehmen ein 
BüflFel dem Natgyi geopfert. 

DieKalay (KahRadeh) stammen von einigen Frauen der aus 
den Bäumen hervorgewachsenen Waldmeuschen , die durch die 
Liebe eines Sohnes der Bhyammagyi beglückt wurden. Die 
Kalay Taundoh gleichen in der Sprache den Khampti. Die Mo- 
pay sind Waldmenschen , die zum Theil in Cocosnuss-Bäumen, 
zum Theil (wie Aschanes im Harz) aus Felshiöcken entstanden, 
und deren Frauen von den Birmanen, die sie dort fanden, für 
die Erzeugung der zu Waldarbeiten brauchbaren Karen (Ka- Yen) 
verwandt wurden. Die Karen ihrerseits wieder bildeten die 
rothen Karen mit Hülfe eines fliegenden Affen , in den sich eine 
Bamburatze verwandelte, als sie sich bis nach der Spitze eines 
hohen Bambu hindurchgefressen hatte und nicht wieder herun- 
ter konnte. Die Karen selbst dagegen sagen von sich, dass 
sie , die Panganioh , ursprünglich durch Yoah in allen Ländern 
der Welt geschaffen seien. Die Abstammung der Menschen vom 
Affen wiederholt sich in der zur Brag ssrin mo verwandelten 
Luftdämonin Tibet's und in der malayischen Halbinsel. Tlie 
first race in tlie jungles of Palmow are called monkey people 
(Piddington). Bei den Siamesen heissen Affen Khon-Pa (Men- 
schen des Waldes), und die Bergstämme Xao-Pa (Bewohner des 
Waldes). P^igentliche Wilde, besonders die Papuaartigen Sa- 
mong*) im Innern der malayischen Halbinsel, werden Ngo ge- 
nannt, was die doppelte Bedeutung von stumpfsinnig und kraus- 



Heer von dem cliinesischen Gesandten besiegt war (650 p. d.), erhielt derselbe 
Geschenke von dem Könige im östlichen Indien , Shc-keoii-nia, sowie von dem 
Könige von Kea-mo-loo (Kamarupa). 

•) Un debris pen considerable de la race noire de Paponah vit, sons les 
Doms de Samang et Büjvs , en peuple sauvage et chasscur, dans In pays mon- 
tagneux des districts malais au sud du royaurae de Slam (Janciguy). 



124 Biima. 

haarig hat. lu der äiamesischen Fabelsammlung werden die 
betrügerischen ludier besouderä als schwarzhaarig characteriBirt, 
wogegen bei den Chinesen Le shuw (das schwarzhaarige Volk) 
mit Pill sing (die hundert Namen) äquivalent ist. Nach den Ja- 
kuns, den Sungei Llong oder Oraiig Binua (^Lenschen der Erde 
oder Eingeborene), lebte im Anfang der Schöpfung eine weisse 
Unka und ein weisser Siamaug auf dem Gipfel eines hohen Ber- 
ges, von wo sie nachher in die Ebene kamen 'und die vier Stämme 
zeugten. Die Orang Laut sollen von einem weissen Alligator 
und einem weissen Delphin stammen. Nach Borie behaupten 
einige Stämme von zwei weissen AflFen (Ounka puteh) ab- 
zust:unmcu, während andere den Aflen für einen entarteten Men- 
schen erklären. Von den ßhooyas sagt Dalton, dass sie sich 
Pawun-buns, Kinder des Windes, nennen, vielleicht aus einer 
Verwandtschaft zu Ilanuman, dem Pawun-ka-put, dem Sohne 
des Windes. Der heilige Zahn von Ceylon ist vielfach als der 
eines Aften erkannt, und auch Marini bemerkt, dass er nicht von 
Thic-Ca(Xaca) selbst, sondern von einem seiner Schüler stamme, 
der sich in einen Affen verwandelt habe. Kapilawutti ist die in 
Affen Wäldern liegende Eremitenstiidt, umgeben von Wohnungen 
der Affen (Kapila), welche, von Baumfrüchten genährte Wesen 
das Prototyp für das Musterbild der Heiligen abgegeben haben. 
Dag(»gen wurden (nach Mirchond) die dem Gebote des Allmäch- 
tigen ungehorsamen Juden unter Ikilas ben Bahram in Affen ver- 
wandelt. 

Ein Pali-Gelehrter in Birma erklärte mir, dass alle dieKha- 
Völker, die nach dem ihnen einwohnenden Geschicke aus Blumen, 
Knollen, Wurzeln, Fruchten oder aus Felsen und Steinen em- 
porgewachsen, durch die Tandaedaza oder Zeugung durchfeuchte 
Wärme (wie im vegetabilischen Reiche) entstanden seien und 
Waldmenschen wurden. Die Laos (bei Marini) erzählen (von 
dem origine de la nation noire et blanche) , que les Mandarins 
du Ciel se renfermerent dans une grande pierre, comme les vers 
daus du bois et que les anges et les demons ayant entendu par- 
ier des gens, qui y estoient, les demons tirent grand feu a 
Feulour de cette pierre , aiin que les anges la pussent ouvrir. 



k. 



Kationale Traditionen der Volksstamme. 125 

Que quelques-uns, aiix preinic>res atteintCB desinipressionsdufeu, 
en sortirciit les prcmiers, inais aussi noirs que du cliarbon, et 
que les autres, qui n'en usörent pas avec tant de precipitation, en 
sortirent sans avoir est^ incommodez du feu, n'y noircis de la 
fumöe. 

Nach der Zerstörung der Uhernitithigen Kscliatryas salien 
die Bralinianen bald die Notliwendigkeit ein, sie durch die 
Schrq)fung von llajputcnstännnen zu ersetzen, die es indess nicht 
mehr gelingen wollte aus dem Feuer, wie in der frommen Vorzeit, 
zu erzeugen, und zu denen deshalb die indenTuranas als unrein 
verabscheuten Khas oder anderer Auswurf der Mlechli das Ma- 
terial liefern musste. Sie verstanden es jedoch, das Vortheil- 
hafte mit dem Nützlichen verbindend, dies Geschäft zu einem 
möglichst einträglichen für sich zu machen. Eine der neuesten 
Productionen ihrer Kunst war die Wiedergeburt der Rajah von 
Hirumbha oder Kachar, im Jahre 1790 p. d. Die beiden Brü- 
der Krischna und Gobindschundra wurden in dem ganzen Schmutze 
ihrer Pariah-Verworfenheit in das Bild einer goldenen Kuh ge- 
steckt, und kamen als rein glänzende Krieger der Sonnenra^e 
(Chettry der Suryabangsi) wieder liervor, deren Gegenwart 
selbst ein heiliger Brahmane nicht zu scheuen brauclit. Das 
Goldgewicht der Kuh wurde dann gern für gehabte Mühe ange- 
nommen und so das Verdienst des Gebers durch die gütige^ Be- 
reitwilligkeit des Empfängers noch vermehrt. Im Jahre 1528 
wurde Visva Sinha, der Enkel Ilajo's, der das Koccli-Königreich 
im XV. Jfihrhundert gegründet hatte, in einen Hindu der zwei- 
mal geborenen Kaste verwandelt. Die Segnungen dieses Schrittes 
verbreiteten sich über alle seine IJntertlianen , die man Kajbansi 
nennen durfte und selbst das Land profitirte, da es den Titel Bi- 
har erhielt. Ja, als man in den Tantras die Entdeckung machte, 
dass der König, weit entfenit, einem verworfenen Kucchis oder 
Mlech sein Dasein zu verdanken, die Frucht einer von Gott Sib 
geliebten Jungfrau sei, wurden alle Glieder seiner Familie in Deb 
oder Devas verwandelt. Natürlich waren die Remunerationen ent- 
sprechend, denn ohne diese würden Bemühungen erfolglos sein, 
wie die Lados gemerkt haben. Obgleich sie schon seit alter Z^t 



*.' 






126 Birma. 

die dreifache Schnur tragen und von ihren Vorältern überkommen 
haben, diiss sieChettries derSuryanbangsi's seien, gelten sie doch 
in den Augen der Brahmanen für nicht besser als Sudras. Near 
Agra , the Jaut^ by other castes are reckoned tlie same as Aheer, 
although being very powerful they call theniselves Kajpoots, but 
in the niountains they are considered Sudras (Hamilton). Die 
Häuptlinge der noch ungebonien Hajong meinen eben die nach 
Chin geflüchteten Kschatryas zu sein, wie Martin bemerkt. Nach 
Hariballah wurden die von Saliwahana stammenden Nachkom- 
men des Fürsten Asanti , der das Königreich Karuviri)ur stiftete, 
für Suryabangsi erkannt, als sie Brahmanen eingeführt hatten. 

Schon ehe die Raja's von Hirumbha als Glieder der Krieger- 
kaste proclamirt wurden, existirte indess unter den Kachars ein erb- 
licher Titel derBunnans genannten Adligen. Viele der tibetischen 
Nevesit, die, als Chettries der Suryabangsi, die Kiratas aus Ne- 
paul vertrieben hatten, nahmen, als sie vor den Newars nach den 
Bergen Kuti's in Bhotiya sich zurückziehen mussten, den Titel Bur- 
mahs oderVarmas als ehrenvoll an (1323 p. d.). The followers of 
Buddha are usuallv called Brahmas bv the Hindus. Von der letzten 
Königin der Burmah-Ra^e ist die Mal-Familie in Nepaul herge- 
stammt. There is a distinctive hereditary title (Burmon) amongst 
theHazai, which meets with great consideration , the Burmans 
being the aristocracy , sagt Stewart. Die bei den Birmanen zum 
adligen Abzeichen dienende Schnur findet sich als Phrot auch 
bei den Siamesen und wird den Rüsi oder Einsiedlern beigelegt. 
Nach der Vernichtung der alten Kschatrya*; schufen sich die 
Brahmanen in den Agnicola ein neues Kriegergeschlecht. 



•) The descrndants of Brahmans by womrn of the lower tribes , altliou^h 
admitted to be Khas or impare, are called Kshatris (which terms are considered 
as perfectly svnonyroous) and hare now fornied two tribes (Pauriyal aiid Sili), 
but some preper Kshatris , caUed Dewkotas and L-ihaorives (froin Barili and La- 
haar), have settUni in the country and intermarry with the Paaryal and Sili , all 
of whom wear the thread and are cons;i»1ered as belonpirg to th«* military Trihes 
(Bachanan). Raber b-itet den Namen Kaschmir s von den Khas ab. The {irreat 
abori;naal stock of the inhabitants of the niountains , east of the river Kali , as 
in Xepanl. is Mongol. But since the XU. Century (after the Miisulman con- 
^iMBt) Imultitodes of the Brahmins of the plaia3|from Hindostan entered the 



Nationale Traditionen der VollcssUimme. 127 

Nach Dalton waren die Häuptlinge vonMonai und Gangpore 
ursprünglich Bhooyas, die sich zur Leitung ihres Volkes aufschwan- 
gen, und, indem sie sich durch Heirathen mit andern Rajah ver- 
banden, allmälig in die Brüderschaft der Rajputen oder Khettris 
(Kschatryas) zugelassen wurden; obwohl die Rajah von Gangpore 
behaupten, dass sie durch die Bhooyas, die durch eine „Kaiser 
buns" genannte Rajputen-Familie ausgetrieben waren, eingeladen 
wurden, die Regierung zu übernehmen. The Gondis (in Saran- 
gaddah) esteem themselvcs of great purity of race, so that in 
former days, they considered the approach of a Brahman to thcir 
dwellings as conveying an impurity to the spot. The titles 
amongst them are Dalbehra and Magi (Frye). Die Häuptlinge 
der Godah (befestigten Dörfer) heissen (bei denUriya) Patro(Ra- 
jenju bei den Khond). 

Die Birmanen legen grossen Werth auf die, wie sie meinen, 
ihnen characteristische Art langen Haares, das auf dem Kopf 
in einen Knoten aufgebunden wird, und sie blicken höhnisch auf 
dag wie eine Bürste kurz geschorene Haar der Siamesen , das bei 
ihnen einen Verbrecher bezeichnen würde. In Kambodia gilt 
das aufgebundene und in einen Knoten zusammengewickelte 
Haar für das Kennzeichen der Brahmanen, die daran z. B. immer 
gleich in den Sculpturen der alten Tempel erkannt und unter- 
schieden werden. „ Sie tragen ein langes ungebundenes Haar, und 
auff dem Haupbt ein Bund , das mit zwei oder drei Schleuft'en 
umb das Haupt gebunden", sagt Vogel von denBrahminen ander 

proziniate hilla (wcstem territories of Nepaul). Converting tiie barbarians, 
they communicated to tliem the rank and hononrs of tlicKsliatriaordt'r, and com- 
mnnicated to the progeny of a Hrahmin with a native f(Mnale also the ranlc of 
the second Order of Hindooism. From these two roots, mainly, spranjf the 
ramified tribe of the Khas, originally the namo of creedless barbarians, now 
the proud title of the K»hatriya, or military order of the kingdoin of Nepaul. 
The ofTspring of original Kha's feniales andof Brahmins, with the honoiirs and rank 
of the second order of Hindooism , obtained the patronymic titles of the flrst Or- 
der. The original Kha's , thns favoured, became soon entirely devotud to the 
Brahminical aystem. The Kha*s language became a corrupt diaVct of llindee. 
The Elthoriaii are the descendants (more or less poor) of Rajpoots or othtT Ksha- 
triitö (of the plaiiis) who aought refuge. Thpy elaira some superiority over the 
Kha'd, but tlieir chii<lrcn becanii^ Kha's. The Thakuri are of royal lineage. 



128 Birma. 

malabarischen Küste. Die Birmanen sollen indess früher das 
Haar auf dem Scheitel geschoren und erst später den jetzi- 
gen Kopfknoten angenommen haben , den sie auch den Taleins 
aufzwangen, die ursprünglich das Haar kurz geschoren trugen, 
mit einem über die Stirn hängenden Büschel (den Japanesen ähn- 
lich). Bei der politischen Bedeutung der Haartracht in Hinter- 
indien adoptiren die Männer immer rascher eine neue Mode, wäh- 
rend die Frauen noch in der alten Gewidinheit verharren, ^vic 
sie in Xiengmai ihr Haar noch wachsen lassen, während die 
Männer es den Siamesen gemäss zurecht schneiden. 

\'on den Bamas (a sort of separatists from the Newars) sagt 
Smith, dass sie ihr Haar wie die Bhutias abrasirten und observe 
many of the religioua rites as well as civil costumes of the idola- 
ters inadialect, inwhose languagethey are said to presenc thcir 
sacred writings. De Bry gibt Abbildungen der verschiedenen 
Haartrachten, wodurch sich Männer und Frauen in Berym nach 
den Ständen unterschieden. Die Penimg*) lassen das Haar 
wachsen und brechen die Vorderzähne, um nicht wie Affen aus- 
zusehen. Die Tuncpiinesen schwärzen (nach Bissachere) die weis- 
sen Zähne, die denen der Hunde gleichen. Bei den Khamti 
tragen besonders die Frauen einen hohen Knoten. Kurze Frisur 
findet sich bei den Abors, bei den Mundas, bei den Dibong, Mis- 
mis u. a. m. Die Katchin schneiden ihr Haar mit dem Schwerte 
auf der Slirnc ab, und weil Gautauia dasselbe that, als er sich 
iui Walde zum Priester weihte und kein anderes Instrument zur 
Hand hatte, so soll deshalb sein Haarwuchs die krausen Wülste 
zeigen, derentwegen ihn Jones und seine Zeitgenossen (doch auch 
schon Pinto) aus Aethioi)ien stammen lassen wolllcu. Nach 
Kämpfer ist Vischnu das neunte Mal in der Person eines Schwar- 
zen erschienen und sein Cultus von den durch Cambyses aus 
Memphis vertriebenen Priestern eingeführt. 

Naladhwaja, Kiijah der Kachars, gab das eroberte Mani- 
pur zurück unter der Bedingung, dass ein Bambu ^um Gedächt- 

•) Les chofH des Penon«?:? ont k Li cfinturo im prand nombre des p^rclots et 
dos petites sonnette-?, p^erade wie die Stainme der Eiiitreborenen anf den Sculp- 
tnren Nakhon Vaf s. 



1- 



Kationale Traditionen der Volksstamme. 121^ 

niss in der Hauptstadt aufgepflanzt werde, dass die Bewohner 
sieh den Kopf scheeren und das Haar in Knoten knüpfen , und 
dass nur kleine Gebäude errichtet werden sollten. Als die Khols, 
nachdem ihre Rajah's durch die Mongolen unterworfen wurden, 
von Rudihasgarh nach Ghota Nagpur auswanderten, wickelten 
sie ihre langen Haare nach Art der Darweh zusammen, um durch 
dieses Zeichen der Trauer den Verlust ihrer Unabhängigkeit zu 
beklagen. Die in Siam als Kriegsgefangene ansässigen Juen 
pflegen sich ihr langes Haar abzuschneiden, aber ihre Frisur 
gleicht dann der Kathom-Blume , wogegen die Siamesen es aus- 
gespreizt tragen (phom tok sek). 

Die Kambodier, die früher ihr Haaf aufgebunden trugen, 
wie die Juen, schneiden es jetzt wie die Siamesen. Das Gesicht 
der nicht rasirten Siamesen, wie z. B. bei den Missionszöglingen, 
bekommt durch die tief herabgehende Behaarung, die auch von 
Finlayson bis an die Augenwinkel bemerkt wurde , gewöhnlich 
einen stupiden Ausdruck. Von Tschaipe und Tschong jong, den 
chinesischen Gründern des Königreiches U (die auch von Einigen 
als Eroberer Japan's betrachtet werden), wird gesagt, dass sie sich 
tätto Wirten, und ihr Haar nach Art der Wilden schnitten, die sie zu 
civilisiren kamen. They twist her hairin aknotonthebackofthe 
head, bemerkt Mouhot von den Frauen in Myang luang Phraban. 

„ Die Kauren richten sich nicht streng nach der Hindureligion ; 
sie ziehen und essen Geflügel und haben keine Verehrung für 
die Brahminen. Der „Nau", der Dorfbarbier, welchen sie zu- 
weilen Thakoor nennen, ist ihr Priester und verrichtet als solcher 
die heiligen Handlungen bei allen Heirathen und andern Ceremo- 
nieen. Die Verbindung priesterlicher Functionen und Verrichtun- 
gen mit dem leichten Geschäft des Scheerens ist sonderbar, allein 
sie rührt von der Thatsache her, dass das grosse Ceremonialgesetz 
der Kauren bei jeder feierlichen Gelegenheit zu scheeren vor- 
schreibt. Bei Geburten , Todesfällen und Heirathen werden die 
unmittelbar Betheiligten und alle mit ihnen in Verbindung Stehen- 
den am ganzen Körper reingeschoren. Was die Verfügung über 
die Todten bei diesem Stamme anlangt, so erzählt man, dass 
sie diejenigen, welche unverheirathet sterben, begraben, während 



130 Birma. 

die Körper Verheiratheter in orthodoxer Uinduweise ver- 
brannt werden. Die Tonsur der männlichen Personen ist eigen- 
thUmlich. Auf dem Wirbel kann das Haar lang wachsen und in 
einem Knoten vereinigt werden, aber die Stirn wird bis an den 
Knoten abgeschoren , und ringsherum ist ein geschorener Bing, 
gleichsam als wollte man die Operation des Scalpirens erleich- 
tern ; der Hintertheil des Kopfes wird ebenfalls geschoren , aber 
über den Ohren und Schläfen wird das Haar lang getragen.*" 
(Dalton.) 



V 



Die Karen und ihre Ueberlieferuugen. 

Die Karen, früher kaum dem Namen nach bekannt, sind 
seit kurzem das häufigst genannte und am ausführlichsten 
behandelte V^olk Hinterindiens geworden. Zuerst zufällig von 
Judson, der für die Mission der Birmanen ins Land gekommen war, 
bemerkt, wurden sie bald der Gegenstand eifriger Nachforschungen 
für die Missionäre in Pegu und Tenasserim, und der hochbejahrte 
Herr Wade , dessen und seiner gleich verdienstvollen Gattin Be- 
kanntschaft ich in Molmein machte, erzählte mir voll noch 
jugendlichem Feuer, mit welcher Forschbegierde sie die ersten 
Dörfer eines bisher nie besprocheneu Stammes betraten, und wie 
wieder sie selbst, als fremde Ankömmlinge aus unbekannter 
Ferne, mit gleicher Verwunderung betrachtet wurden. Dies Inter- 
esse stieg auf beiden Seiten mit jedem neuen Worte, bis die 
Karen alte Traditionen fanden , nach denen ihnen schon lange 
die Ankunft ihrer weissen Befreier vorhergesagt war und die 
Missionäre schliesslich in ihren Zöglingen das verlorne Volk 
Gottes zu sehen und die zehn Stämme gefunden zu haben glaubten. 
Die frischen Söhne der Berge empfingen mit Begeisterung die 
neue Lehre , die die Buddhisten mit derselben Apathie von sich 
abgleiten Hessen, wodurch sie schon den ehrwürdigen Dominicaner 
Bonferrus disgustirt hatten, der unter dem säuischen Volk, noch 
dümmer als die Schweine des heiligen Antonius , nicht länger 
leben wollte. Jetzt ist der Mittelpunkt der Mission , ausser in 
Aracan, besonders in Toungnu, wo der gelehrte Missionär Mason 
seine ganze Arbeitskraft diesem Volke zugewendet und sie schon 

9* 



132 Birnia. 

bis in diejenigen Gebiete verfolgt, wo Marco Polo von den Carains*) 
spricht und Malte Brun Karen's erkennt. Die siamesische Aus- 
sprache ist gleichfalls Karlen. Auf Ptolemäus' Karte stehen die 
Kareoi, die Oneikritos als Koliakoi erwähnt, auf der äussersten 
Spitze des Festlandes am Cap Komorin, und scheinen so zu jenen 
ursprünglichen Eingebornen gehört zu haben, die durch die 
einander folgenden Fluthen neuer Einwanderer nach allen Seiten 
aus Vorderindien hinausgeschoben wurden und nur in den 
weniger bestrittenen Hügelländern des öden Hinterindiens ein 
eigenes und unvermischtes Dasein fristen konnten. In der 
Provinz Kamnada (in Kamantha-puram) erhielt sich noch länger 
die eigenthümliche Lehnsherrschaft der Setu-patti, die später den 
Pandiern in Madura tributpflichtig wurden. 

Die Karen sind in viele Stämme getheilt. Da man dieselben 
iudess einen nach dem andern kennen gelernt und immer neue 
hinzugefügt hat, so lässt sich bis jetzt noch keine allgemein 
geltende Eintheilung treffen. Zuerst unterschied man zwischen 
Talein - Karen und birmanischen Karen , um dadurch die Pwo- 
Karen in den Thälern und die Sgau - Karen auf den Hügeln zu 
bezeichnen. Zwischen beiden schwankend ist der Dialekt der 
We-wa. Später erwiesen sich die Bgay- Karen in den von 
Toungnu erreichten Bergen als ein weit ausgedehnter Stamm, in 
roherem Zustande als ihre südlichen Brüder. Sie leben, wie 
viele der Mishmi's und Naga's, in langen Häusern, die alle Fa- 
milien des Dorfes gemeinsam errichten , und tragen zum Kopf- 
putz über ihrem Haarkuoten einen Eberzahn, an dem sie den 
Kamm befestigen. Beim Büffelopfer sprengen sie gebrannte 
Wasser den Geistern der Hügel und Flüsse. Tavernier erwähnt 
den Schmuck der Schweinszähne aus Bhutan und Assam. 

In Aracan , wohin sich nach Sangermano (bei Symes) viele 
Karen vor birmanischer Unterdrückung flüchteten, flnden sich die 
Karen besonders nahe mit den Khyen verwandt und in Tavoy haben 
die Missionäre eine Menge kleiner Stämme unterschieden. Nach 



*) Nach Klaproth wird Yunan noch jetzt bei den Mohamedanem Central- 
lUiien« Kaiayao geuauut, nach den Eingebornen des Landes. 



k 



9 



Die Karen und ihre ITeberlieferungen. 133 

Bridgeman werden die Karen (in Kweichau) Sang oder Ayaing 
(wild), Heh-sang (schwarz und wild), Heh-kioh (Schwarzfuss), 
Man-jin (wilde Menschen), Hang-miaou (die rothe Familie), Yan- 
yin (Hundemenschen) genannt, natürlich nicht von ihren Freun- 
den. Of the tribes called Kadhu, Lowa and Kuwi (by the natives 
of Tavoy) the first are considered as a kind of Karaen, the Lowas 
speak a kind of Siamese (s. Hamilton). Bei den Schan heissen 
die Karen (Kayen) Yang oder Yen, und ein Yens genannter 
Stamm lebte mit den Danoo's und Duno's zwischen Mono und 
dem Salwehn. Als Yem erstrecken sich die Yein bis um Mek- 
hong. Das wUrde die Karen in die grosse Familie der Kha 
bringen. Sie selbst sind allerdings nicht zurück in ehrenvollem 
Erfindungen. Man braucht nur zu fragen. Einer, mit dem ich 
sprach, meinte, Karen möchte \ielleicht ein schöner Tänzer 
heissen, denn Ka bedeute ja tanzen im Birmanischen (yen ist 
htlbsch) und die Tänze in seinem Dorfe wären wirklich sehr nett. 
Das ist nicht viel besser, als die Erklärung von Kaya oder Fun- 
dament. Die Vorfahren der Karen wussten wahrscheinlich schon, 
dass sie in späterer Zeit die Grundlage für Theorieen abgeben 
würden, um sie als das ursprüngliche Volk des Landes dar- 
zustellen. Nach Yule rechnen die Birmanen , ausser sich selbst, 
noch sechs Racen zu den Myamma, nämlich die Aracanesen, 
Talein, Khyen, Karen, Yo und Tavoyer, doch könnte das nur 
unter grossen Beschränkungen gelten. Je weiter von den frühern 
Centren einer freilich nur schwach scheinenden Civilisation ent- 
fernt, in desto wilderem Zustande finden sich die Karen. In 
einigen der rauhen Berge des Nordens gehen die Bimbia fast 
ohne Kleidung, sich nur mit Baumrinde bedeckend, wie die 
nacH Omnath pilgernden Wallfahrer. Auch von einigen der 
rothen Karen wird gesagt, dass sie eine Holzplanke als Kleidung 
trügen, um die steilen Berge hinabzurutschen. Der zu den 
Mophgas gehörende Stamm der Taru, zwischen Toungnu und 
Mobhya, wird von den Birmanen mit dem Namen Belu belegt, 
der den sagenhaften Unmenschen zukommt, wie sie vor mensch- 
licher Besiedlung in denUrwäldera hausten. Die buddhistischen 
Karen -net (schwarzen Karen) oder Yang- lung wohnen in der 



134 Birma. 

Tgoboaschaft I^gia. Bei den Talein's heissen die Karen Ka- 
doou und die Talein - Karen nennen sich Poklin (Schildkröte). 

Die alten Traditionen der Pwo's, deren Priester Mol heissen, 
leiten auf eine erste Königin zurück, die durch den Zauber eines 
wunderbaren Diamanten herrschte. Eine besondere Verehrung 
haben die Karen vor dem Natulloo (der Berg der Nat oder Belu), 
den sie nie zu besteigen wagen. Die Kasia verehren gewisse 
Hügelspitzen und Felsklüfte, zu denen die Geister bei Nacht 
niedersteigen. (Malek Gatschan, der König der dämonischen 
Nachkommenschaft von Jan und Marija, thront auf dem Kaukasus- 
Gebirge.) The Khumis worship the Earth, as author of all the 
possess , and also the sun in its noonday height, as the pledge of 
safety from their foes. The only visible objects of worship are 
two trunks, left in Clearing the forest. Von den Kyaus sagt 
Latter, dass sie in verschiedene Theile ihrer Dörfer aufrechte 
Steine*) stellen, die den Nats der Hügel geweiht werden. Of 
the two Nats, represented by two pebbles, the male one 
(Rwatsaung-Nat)guards the village, the female one presides over 
the river Mayoo. Die Khonds verehren den Nadzu-Pennu (Dorf- 
geist) als Stein unter einem Baumwollenbaume. The great 
divinity of the Curka Coles is the sun (surij), next ranks the 
moon (chandoo) and then the stars, the children of the latter 
(Dunbar). Sie glauben die Wipfel der das Dorf umgebenden 
Bäume von Geistern (Bongas) bewohnt, die beim Umhauen der- 
selben gestört und sich rächen würden. 

Verwandt mit den Karen, die in den Wäldern von 
Schwegyien Toungjoh-Toungjah heissen, sind die Toung- 
thoo oder Toung-tha (Söhne des Berges) aus Thaum-peh, 
die sich selbst Pa-au nennen und einep den Pwo- Karen 
verwandten Dialekt reden. Sie finden sich besonders zahl- 
reich in Thatung und unterscheiden sich dort in die Paniin, 
die im Innern der Stadt wohnen, die Krei, die neben der Pagode, 
und die Lethong, die ausserhalb der Stadt im Gebiete leben. 



*) Jagatma oder Jagadamba , €Le Mutter der Welt , wird in Madhusadan 
durch einen flachen Stein mit aufgeätzten Figuren repräsentirt. 



Die Karen und ihre Ucberliefcrungen. 135 

Die Kaimong und Naimong sind über die Hügel zerstreut. 
O'Riley bemerkt, dass die Toung-tboo die besten Ackerbauer in 
der Provinz Amherst seien. Solche, die die wechselnde Felder- 
wirthschaft im Jhoom beibehalten haben, rechnen nach der drei- 
jährigen Periode ihrer Wanderungen in ihrer Chronologie. Auf 
dem Mergui - Archipel fristen die Selong ihr kümmerliches Da- 
sein als ächte Ichthyophagen. Die Bilu sollen, wie die Samong, 
zu der papu-artigen Rage der Andaman-Insulaner gehören. An 
sie schliessen sich , während die Mantras (Montr) in das Innere 
zurückgedrängt sind, die Mon, ursprünglich ein Fischervolk, 
deren Königreich in Pegu, nach Turpin, durch einen Fischer 
gegründet wurde. The Mantras and Jacoons have constructed 
themselves from the scattered aboriginal tribes of those primitive 
races, who, in the Peninsula as well as all over Malasia, were 
gradually forced back into the interior, ever since the twelfth 
Century, in proportion as the Malays founded their Settlements 
on the sea board. These tribes wander since that period in the 
Valleys, on the tops of the mountains and wherever solitude 
reigns. They are known under different names, those to the 
North of the Peninsula Birmani and the province of Ligor, are 
called Karians, towards Kedah, Perak and Salangor up to Mount 
Ophir: Mantras. The Jacoons are stationed between Mount 
Ophir and the meridian of the Peninsula. The Sabimbangs , the 
Mooka Koonings and the Biduandas , dwell near the Cape ßo- 
mania at the sources of the river Johore. The terms generally 
applied to these savages by the Malays are Orang Birma or in- 
habitants of the country Orang Outang (men of the woods), 
Orang Bukit or men of the mountains (nach Borie). 

Von ihrer frühern Verbindung mit den Khyens haben sich 
noch manche Traditionen unter den Karen erhalten und Mason 
bemerkt, dass ihre Leichengesänge mit einer unverständlichen 
Sprache gemischt wären, deren Worte zum Theil aus der Sprache 
der Khyens entlehnt seien. Bei religiösen Feierlichkeiten wird 
stets nach dem Unbekannten gestrebt, da durch deutliches Ver- 
stehen der Trivialitäten die Andacht nur geschwächt werden würde 
und es also sicherer ist, Nichts verstehen zu lassen. Selbst in 



136 Birma. 

der Sudsee hat man Reste einer geheimen Sprache gefunden, ob- 
wohl «s schwer zu erklären war und auch nicht zu erklären gesucht 
wurde, wie sie nach den abgeschlossenen Inseln gekommen. In 
Indien haben hauptsächlich die Priestersprachen des Sanskrit 
und Pali das Vorrecht, die für profane Ohren unpassenden My- 
sterien in sich zu begraben, aber in Assam haben die Ahorn einen 
Jargon ihres früheren Thai-Dialekts für den Geheimdienst be- 
wahrt. Wenn die Schan aus Ava erhaltene Religionsbücher 
übersetzen, so lassen sie oft die birmanischen Worte unverändert 
stehen und fügen nur ihre Erklärung hinzu, wie es die Birmanen 
im Anet der Palibücher thun. 

Die Khyen sollen ein religiöses Oberhaupt anerkennen , das 
unter dem Titel Passine auf dem Poijou-Berge (an der Quelle 
des Moh-Flusses) wohnt, und bei ihm die nach einem Gewitter- 
sturm aufgesammelten Donnerkeile als Reliquien niederlegen. 
Ein anderer Papst, in dessen Behausung weder WaflFen noch 
schneidende Instrumente gebracht werden dürfen , lebt nördlich 
von Zengwih und wird von den Sotih als höchste Autorität in 
weltlichen und himmlischen Dingen verehrt. Eastward of Ram- 
ree (sagt Malcolm) is a considerable sect, who maintain, that 
there is one eternal god, who has manifested himself in the 
different Boodhs. Einmal im Jahre (erzählt Tränt) versammeln 
sich die Khyen mit ihren Familien unter dem Subri genannten 
Busche *) , von dessen Früchten sie essen. Der Tod eines Ver- 
wandten wird von der Familie mit Jubel begrüsst. Der Körper 
wird verbrannt und die Asche in einem Korbe nach dem hohen 
Yehoantoung- oder Keaungnatyne - Berge gebracht. Bei einem 
aufgerichteten Dache werden Wächter bestellt, und dann ein in 
Menschenfigur geformter Block, um die bösen Dämone fort- 
zuscheuchen. Nach den Aussprüchen der Prinzessin Thoo- 
Dhamma-Isari würde indess die Familie Solcher, die auf 



*) The Juanga sacrifice to their ancestors and when tbey find a wild grrape- 
vine or a plum-tree more than usually fruitful or when thej^ Chance upon a rieh 
»pot in the roots or grasses npon whioh they subsist , they make an offering to 
the genius loci to preserve them from bears and tigers (Samnells). 



Die Karen und ihre UeberliefernDgen. 137 

den Kirchhöfen wachen sollten, bis zur siebenten Generation de- 
gradirt werden. Die .Karen in der Umgegend von Henzada 
behaupten, ihreTodten früher begraben .und erst nachher von den 
Birmanen die Sitte des Verbrennens angenommen zu haben, 
dcponiren aber später auch die Asche auf einem gemeinsamen 
Berge. Das Haus, wo Jemand gestorben ist, wird verlassen, 
damit nicht etwa, wenn der Kelah nach dem vertrauten Ort zum 
Besuche zurückkehrt, vielleicht der Kelah eines Kindes oder sonst 
nicht starkgeistiger Personen sich veranlasst fühlen möge , ihm 
zu folgen. Beim Forttragen der Leichen werden Solche deshalb 
auch (nach Gross) durch eine besondere Art Schnur im Hause 
festgebunden. The Buntars apply to the Nucaru to expel the 
Pjrsachi of such men as dieaccidental death and are very trouble- 
Bome by making extraordinary noices in families and occasioning 
fits, chiefly in women. Die Sgau und Pwo repräsentiren bei 
Leichenbegängnissen durch Fackeln den Morgen- und Abend- 
gtem als die Unterwelt besuchende Geister. Ein Mann der 
Vorzeit, der sich mit Gott unterhielt, hörte die Beschreibung der 
zwei Wege, deren richtige Wahl jetzt der Seele des Verstorbenen 
angezeigt wird. In den Leichengesängen der Rigveda wird der 
Seele zugerufen , auf den alten Pfaden nach dem Aufenthaltsorte 
der Väter zu ziehen. Nach Symes wohnen auf dem Berge Gnowa, 
wo die Bilder der Todten aufbewahrt werden, die Munzing der 
E^in (Khyen), d. h. die Eltern der Erde, durch deren Vermittlung 
der Verstorbene wieder zu einem Kinde wird, wie auf dem Felde, 
wenn der eine Baum verdorrt ist und ein anderer grün aus- 
schlägt. Wenn bei den Dharma Bhutias Jemand in der Fremde 
stirbt, so wird (wo möglich den ganzen Weg) eine Schnur gelegt, 
damit seine Seele darauf nach dem Dorfe zurückkehren und sich 
mit den Ahnen vereinigen möge. Unter den zu den Sgau ge- 
hörenden Karen des Yunsalen- Distrikts ist die Verbrennung 
selten, die Todten werden meistens begraben und, nachdem die 
Verwesung eingetreten ist, bringt man die Knochen mit den den 
Verstorbenen gehörigen Schmucksachen nach einem der heiligen 
Hügel, die Knochenberge (Loede) heissen. Wie anderswo treiben 
die Karen auch dort die wechselnde Feldwirthschaft, die Au^- 



138 Bfrmft. 

wähl des neuen Platzes wird durch Träume bestimmt. Die Nat 
(Muchade) werden im Opoy genannten Feste bewirthet. 

Beim Ausbruch epidemischer Krankheiten in einem Dorfe bar- 
rikadiren alleLÄndern den dorthin führenden Weg mit einem Balken, 
an dem ein schwerer Stein hängt, und wer die Barrikade passiren 
sollte, würde sein Leben verwirkt haben, wenn er sich nicht 
durch das Goldgewicht des Steins loskaufen kann. Dieser Ge- 
brauch herrscht auch in der Provinz Tenasserim, wo Low 
auf seinen Reisen einst in ein solches Dilemma kam. Vor dem 
Ikginn der Feldarbeit wird in einigen Distrikten ein Gebrauch 
beobachtet, ähnlich dem Genua der Naga's, die für einige Tage 
das Dorf ganz in sich abschliessen, unter Auslöschen aller Feuer, 
und Niemand Zutritt erlauben. Die Malayen bestreuen die Pfade 
mit Ranjows, um die Füsse ihrer Feinde zu verwunden, und 
die Neger mit Dornen gegen die Dämone. Nach den Karen 
erneuern die Todten in (dem von Plu pho bewohnten) Plu , wo 
Cpotay oder Theedo herrscht, ihre irdischen Beschäftigungen. 
Die Lungkhe glauben an Städte im Himmel, wo die Todten 
leben und von Bäumen Kleidung und Speise pflücken. Sündige 
Karen werden in die Hölle (Lerah) gestossen und der Teufel 
hiess Mukauli , als der feindlichste der Nah oder Tah-nah , un- 
sichtbare Geisterwesen, die thierische Formen anzunehmen ver- 
mögen. Winde werden durch die Fächer derKelipho verursacht, 
Tah-yumu ist die Ursache der Elipsen. Den Vorfahren (Mukha) 
werden Opfergaben dargebrächt und die alte Phibi Yau sitzt auf 
einem einsamen Baumstumpf, um über die Kornähren zu wachen, 
wie sie reifen. Die Newars (in Nepaul) vertrauen die Hut derselben 
Fröschen an, die sie auf ihren Feldern aufsuchen und unter Ge- 
beten mit gekochtem Reis füttern. Die Bgai sehen in dem 
Farbenspiel eines Edelsteins den Geist, der ihn bewohnt. 

Nach der Mythologie der Khyen entstanden alle Dinge aus 
dem grossen Weltenei, aber die Karen sprechen, oder haben 
wenigstens den Missionären erzählt, von einer Schöpfung der 
Menschen durch Joah (das höchste Wesen), der drei Handvoll 
Erde auswarf und aus der einen die Karen , aus der andern die 
Birmanen und aus der dritten die Kala entstehen liess. Als im 



A'P 



Die Karen und ihre Ueberlieferongen. 139 

Anfange noch Alles Wasser war, fragte Joah den Totkah- 
(Linsoeh-) Vogel, wo die Erde sei. Der Vogel antwortete: „in 
dem Feuerplatze Muchah's" (des ersten Wesens), und dieser 
fand sieh zwischen den Zweigen eines Khlra-(Kaniinpi-) Baums, 
der allein aus den Gewässern hervorgewachsen war. Auf Befehl 
ging der Vogel , heimlich davon zu holen , und brachte das Ge- 
stohlene dem Joah, der einen kleinen Ball (wie einen Goniin- 
Samen) daraus knetete und diesen durch das Wasser rollte. Da 
überbreitete sich Alles mit milchig- weisser Farbe und aus Schaum 
verwandelte sich das Ganze in die feste Masse der Erde. Als 
seine Gattin (Mukoli oder Manatta) einen Sohn geboren, hieb ihn 
Joah in zwei Hälften und gab die eine der Mutter zurück , um 
daraus die Thiere zu schaffen , während er die andere in kleine 
Stücke zerschnitt, als Samen der Menschen. Mukoli lebt 
weder im Walde noch im Himmel, noch in der Erde, sondern in 
der Mitte zwischen allen drei. Sie hadert mit Gott über den 
Tod ihres Kindes und hat in ihrem Zorn die Thiere geschaffen, 
um die von Gott gebildeten Menschen zu vernichten*). Um sie 
zu verderben, hat sie auch böse Leidenschaften und schlechte 
Handlungen hervorgerufen und ferner aus Rache die Wissen- 
schaft der Krankheiten und anderer Unglücksfälle, wodurch 
Menschen sterben, gelehrt. In ähnlicher Weise stört und ver- 
dirbt (bei denKhonds) die Erdgöttin (Tari-Pennu) die Schöpfung 
des höchsten Wesens (von dem sie zur Gefährtin gebildet war), 
called in some districts Boora Pennu (the god of light), in others 
Bella Pennu (the Sun-god) and self-existing (s. Macpherson). 
Die in vielen Mythologieen Asiens und Amerika's wieder- 
kehrende Mitwirkung des Vogels ergiebt sich aus der natürlichen 
Anschauung, dass, wo Alles mit Wasser bedeckt war, nur Fische 
und Vögel exi stiren konnten, von denen der letztere zu Com- 
municationen mit dem Gotte im Himmel geschickter ist, obwohl 
auch dem ersteren oft genug die Hauptrolle zugetheilt wird. Als 
aus der babylonischen Schöpfung die Menschen hervorkamen. 



♦) Da die der Haiuthiere entbehrenden Wilden nur die ihnen furchtbaren 
Banbtbiere kennen. ^ 



140 Birma. 

flohen Adler und Walfisch, die bisher ziisammengespielt hatten, 
jener in die Höhen, dieser in die Tiefe. Zum Vogel kommt natttr- 
lich der aus dem Wasser hervorwachsende Baum als Ruhepunkt. 
Nach den Birmanen stellt Yathandaya mit Gautama's Erlaubniss 
einen gigantischen Storch als Karawit oder Karawita (Karawih 
oder König der Vögel), den sie Hngct mi nennen, auf die Kuppe des 
centralen Berges (oder vielleicht den durch Buddha's Bergpredigt 
berühmten Geiersberg bei RaxakrU). Nach den Chippeway war 
der feueräugige Riesenvogel der erste und einzigste Bewohner 
des Weltalls, das das donnernde Rauschen seiner Schwingen 
füllte (s. Mackenzie). Am Ende der Fluth bringt das grosse 
Boot den Medicin- Vogel der Mandans. Die Krähe (Gigan) 
auf dem Nyaung-pin (Banyanenbaum) der Lotus -Kalpa ist 
der vielwissende Adler auf der Esche Yggdrasil. Die ein- 
. äugige Krähe wird in der birmanischen Bearbeitung des 
Ramayana der Vogel des Thagyamin (Bo oder Grossvater) 
genannt, der "die Welt durchfliegt, um ihm täglich von den 
Vorfällen im Kriege mit Lankapura Kunde über Rama und 
Lakshman zu bringen. Sie besass früher eine gigantische 
Grösse , da sie aber die Pungyi's beim Essen zu belästigen und 
ihren Reis nach Harpyen-Manier zu besudeln pflegte , so fiel sie 
bei einer solchen Gelegenheit einst in die Hände Rama's, der auch 
im Dekkhan den Rishis Ruhe vor Dämonen giebt, und durch das 
Drücken seiner mächtigen Faust wurde sie zu ihrer jetzigen Ge- 
stalt reducirt. Die von Ravana abgestammten Katodis in Konkan 
füttern bei Leichenbegängnissen die Krähen (Kava) zu Ehren 
ihrer verstorbenen Vorfahren und die Korawa ziehen daraus Vor- 
bedeutungen. In Vansavali rühmt sich die vierfüssige (Chatoor 
Bhuj) Krähe desKulp-bur-Baumes, dass selbst der lOOOgesichtige 
Brahma kein Recht habe ihren Schlaf zu stören. In siamesischen 
Fabeln trifi^t die (von Khunthong, dem goldköpfigen Edelmann 
verlassene) Krähe einst mit dem Nok-Jung (dem Pfau) im Walde 
zusammen und neidisch seine prächtigen Farben bewundernd, 
fragt sie ihn, ob er sie nicht in gleicher Weise bekleiden könne. 
Der gutmüthige Pfau erklärt sich bereit, bestreicht die Krähe am 
ganzen Körper mit dem schwarzen Pech des Rakh-Baumes und geht 



Die Karen und ihre Ueberlieferungen. 141 

dann, um das Silber und Gold zu holen, mit dem sie, wie es beim 
Verzieren der Götzen geschieht, beklebt werden soll. Als er 
aber bei seiner Kückkehr die Krähe vom Aas zehren sieht, fasst 
er einen solchen Widerwillen, dass er sie in ihrer schwarzen 
Tracht stehen lässt und so oft er ihr jetzt begegnet, schlägt er 
ein £ad mit seinem Schweif. Nach einer mohamedanischen 
IVadition schuf Gott in der Zeit des Moses einen weiblichen 
Vogel, Enka genannt, mit einem Menschengesicht. Nach Hin- 
zufügung eines männlichen Gefährten vermehrte sich ihre 
Nachkommenschaft, die sich von wilden Thiereu nährte und 
Kinder raubte, bis durch Khaled's Gebet dieses Geschlecht 
vernichtet wurde. In der sufischen Mystik weilt die Gott- 
heit Enka auf dem Berge Kaf oder (nach Azz- eddin Elmoca- 
deni) Enka maghreb (Simurgh) auf einer fernen Insel, von Seen, 
Bergen und Feuerflammen geschützt. Als die von ihrem Könige 
Über die sieben Thäler der Contemplation geführten Vögel die 
Residenz des Simurgh erreichten, erschien er ihnen bei ihrer 
Wiedergeburt als dreissig Vögel und doch als Einheit (nach Fe- 
rideddin Attar). Dieser frühere Rathgeber der Jins oder Genien 
hatte sich das letzte Mal auf Erden an Salomo's Hofe gezeigt. 

AlsYwa im Tode lag, Hess er die Birmanen vonBhamo rufen, 
ihnen mit seinen Sterbensworten den Segen zu ertheilen und hatte 
für die faulen Karen, die zu spät kamen, nichts mehr übrig. Gott 
misebte einst das Fleisch aller Thiere *) zusammen und forderte 
die Karen auf, davon zu essen, da sie dadurch sicher gegen 
Schaden werden würden, aber weil der unsichtbare Na, der sich 
auf den Boden hatte fallen lassen , ihnen entging , kann er ihnen 
jetzt in Krankheiten Leides zufügen. Wenn in früherer Zeit 
Jemand in Krankheit fiel , so pflegte Muchha zu seinem Bette zu 
kommen und seine Verwandten über die richtigen Speisen zu* 
unterrichten und daher haben die Aeltesten der Karendörfer ihre 



*) Sing Bongo , den die von den Marwars in Sinhabhnmi getrannten Uo 
(Menschen) oder Kola (neben Ote Boram in Sirma Thakur) verehren , mischte 
aller Arten Speisen zu einem grossen Feste, wo jedes seiner 12 Kinder-Paare das 
ihm Liebete nehmen sollte. DieUo wählten das Fleisch von Kindern ondBäffehi. 



142 Birma. 

richtige Kenntniss der für die Natfeste pasdenden Gerichte ent- 
nommen. DieAeltesten sind zugleich die Häuptlinge, wieTurpin 
auch von Siam bemerkt : Le triste privil^ge de Tage donne plus 
dedistinctions, que les dignit^s. Le Mandarin ^lev^ dans un poste 
Eminent, est oblige de c^der le pas a ses inf^rieurs plus äg^s que lui. 

Phaya Takin (der höchste Herr) heisst Kasa-Yoa bei den 
birmanischen , und Kasan-Yoa bei den Talein-Karen. Die Nats 
werden von den birmanischen Karen Bgrah genannt. Wenn die 
Keis-Ernte nicht vielversprechend aussieht, so schreiben die Karen 
diesen Mangel der Abwesenheit des Reis - Kelah zu, der zurück- 
gerufen werden muss. Der menschliehe Kelah, der sich in sieben 
Existenzen manifestirt, pflegt zuweilen den Körper zu verlassen 
und umher zu wandern , wo es dann uöthig wird , ihn durch den 
Wi zurück zu rufen. The moral principle , which sins or acts 
rightly, is thah, Kelah being the bad passions. The spirit Tso 
resides in the upper part of the human head and as long, as he 
keeps bis seat, no Kelah can do any mischief. But in order for 
him to do it, the headmust be attended to. Its owner must attire 
it handsomely and keep it out of the reach of danger. The 
Kephoo is the stomach of a wizard , prowling about at night (und 
auch den Malayen bekannt). The theret (the souls of men unti- 
mely slain) feed on Kelahs. The Xahmus and Tahkas (spirits 
of wicked men) in vest themselves with theformsof loweranimals. 

„Eine grosse Klasse geistiger We8en, welche sich in viele 
Unterabtheilungen bringen lassen , fassen die Karen unter dem 
allgemeinen Namen Kelah zusammen. Die ursprüngliche Be- 
deutung dieses Namens ist: rein, unvermischt, hell oder durch- 
sichtig. Man nimmt an, dass jeder Gegenstand*) seinen Kelah 
hat. Aexte und Messer, wie Bäume oder Pflanzen sollen ihren 
*besondern Kelah haben. Wenn man bei drohender Missernte den 
Reis -Kelah zurückzurufen sucht, bedient man sich folgender 



*) In Indien verehrt der Handwerker seine Instrumente nnd der Schmied 
anch im Kankasus. In der Atharva Veda werden den Opferwerkzengen göttliche 
Kräfte zngescbri«ben, wie (bei Mnir) : The ladlc (jnhü) has established the sky, 
the ladle (apabhrt) the atmosphere and the ladie (dhrava) the stable earth. 



k^ 



Die Karen und ihre Ueberliefemng^n. 143 

Formel : „0 komm zurück, Kelah, komm auf da» Feld ! Komm 
auf den Reis ! Mit dem Samen der ausgeworfenen Art komm ! 
Komm aus dem Flusse Kho, komm aus dem Flusse Kaw, von der 
Stelle , wo sie sich vereinigen, komm ! Komm aus dem Westen, 
komm aus dem Osten! Aus dem Kröpfe des Vogels, aus den 
Backentaschen des Affen , aus der Kehle des Fl^phanten u. s. w. 
Komm aus den Quellen der Flüsse und aus ihren Mündungen ! 
Komm aus dem Lande Schan oder Burman ! Aus den Bezirks- 
königreichen komm! Aus allen Kornböden komm! Reis- 
Kelah, komm, komm auf den Reisl"^ Sie glauben, dass alle 
geringeren Thiere ihre Kelahs besitzen, mit der Neigung aus 
dem jedesmaligen Thiere auszuwandern. Wenn der Kelah 
mit einem Feinde zusammentrifft, so ist dasjenige Thier, 
welchem er (der Kelah) angehört, dem Tode verfallen." (Gross.) 
Vom menschlichen Kelah glaubt man, dass er den Körper 
verlassen oder nach Belieben wandern kann. Krankheit erfolgt, 
wenn er über eine gewisse Zeit hinaus, oder der Tod, wenn 
er dauernd festgehalten wird. (Wade.) Umgehende Gespenster 
heissen (bei den Karens) Sekhahs. Opfer werden ihnen nicht 
gebracht. Es sind die Geister von Kindern oder Personen, 
welche in Folge eines Unfalles nicht begraben worden sind, 
oder von alten Personen, welche an Altersschwäche gestorben 
sind. (CrosB.) Die Plupho (Bewohner der Unterwelt) sind die 
Geister aller Personen, welche nach ihrem Tode an ihre zu- 
kommenden Plätze gehen, solcher Todten, welche weder 
Therets noch andere böse Geister werden. Sie gehen in ihr 
eigenes Land und erneuem ihre irdischen Beschäftigungen. 
Die Xahmus oder Tah-kas sind Gespenster oder die Geister 
der Tyrannen oder Unterdrücker oder aller derer, welche sich 
grosser Bosheit (gegen die Karen) schuldig gemacht haben und 
vor Allem gehören die Burmans zu dieser Kategorie. Nachdem 
sie den Körper verlassen haben, erscheinen sie in der Gestalt von 
Pferden, Elephanten, Hunden, Krokodilen oder Schlangen, Geiern 
oder Enten (und dies nicht etwa in Folge der Seelenwanderung, 
sondern der unmittelbaren Wahl de» Geistes). Als Erscheinungen 
zeigen sie sich zuweilen in Baumgrösse oder man sieht sie in 



144 Birma. 

tiefen Einsamkeiten der Wälder oder Jungein, ihre Nahrung 
auf den Bäumen suchend. (Gross.) „Wenn der Wee den Auf- 
trag erhält, den Schatten eines Verstorbeneu oder den fortge- 
wanderten eines Lebenden zurückzurufen, bleibt sein Forschen in 
den Regionen der Todten bisweilen ohne Erfolg. Aber um seinen 
wohlwollenden Zweck nicht zu verfehlen und den gegebenen Auf- 
trag auszufuhren, ergreift er wohl den Schatten einer noch 
lebenden Person , der ihm vor seine Augen kommen sollte , und 
indem er ihn zu der verstorbenen Person hinlenkt, giebt er diese 
dem Leben zurück. Die Folge davon ist jedocli, duss die lebende 
Person, deren herumschweifender Geist in einem wandelnden 
Traume oder in der Stunde des Schlafes sich zu weit von seiner 
Heimath weg gewagt hatte, von Krankheit befallen wird oder 
stirbt. Wenn nun wiederum die letzt verstorbene Person Freunde 
hat, welche die Dienste des Wee anrufen, so sucht dieser (wohl- 
wissend, welche Richtung der Schatten der unglücklichen Person 
genommen hat, um in deu Körper eines Nachbars zu fahren oder 
ihn wiederzuerwecken) abermals rings herum nach einem im 
Traum weiterschweifenden Schatten , ergreift ihp und leitet ihn 
in den neu verstorbenen, und auf diese Weise ist durch eine 
Reihenfolge von Todesfällen Anlass zu grossem Elend gegeben. 
Hier ist noch eine Klasse von Propheten , welche Bookhos oder 
Meister der Feste (die Priester der Religion) genannt werden. 
Sie haben Methoden , in Kranklieitsfällen die Zukunft zu bestim- 
men, übernehmen die Leitung der religiösen Ceremonieen des 
Volkes oder lehren die Doctrinen von den Systemen , welche sie 
bei der Gottesverehrung, den Zaubereien u. s. w. annehmen. Sie 
sind nicht so gefürchtet, wie die Wee's und im Allgemeinen ge- 
achteter, sie sind die Häupter der Gemeinden, aber abgesondert 
von den erblichen Häuptern, obgleich sie bisweilen den Charakter 
und das Amt beider in sich vereinigen." 

Nach einem Märchen der Karen lebte in alter, alter Zeit 
ein armer Mann zwischen lauter reichen Nachbarn. Er nahm 
einst eine vom Alter gebückte Frau bei sich auf, die von den 
Thüren der Reichen weggetrieben war, und deshalb gab sie ihm 
drei Samen , um stets reiche Ernten zu erzeugen , wogegen sie 



I)ie Karen und ihrcÜcbcrlieferungeti. 145 

die Wohnungen und Felder seiner Umgegend mit Wasserfluthen 
zerstörte, aus denen nur er allein gerettet wurde. Seitdem singen 
die Karen bei der Ernte zur Grossmutter Bieyau. 

Die Karen glauben, dass, wenn ein Todesfall durch Hexerei 
verursacht ist, die Leichenbestatter, während sie mit ihren langen 
Stangen den Körper auf dem Scheiterhaufen herumwinden , die 
schädliche Substanz in der Gestalt eines Stückes Haut, Schweine- 
fleisches oderAehnliches finden. Sie pflegen es dann den Umste- 
liendeu als Beweismittel zu zeigen und suchen es zu verbrennen, 
was aber nur schwer gelingt. Sollte Jemand davon essen , so 
würde er für immer gegen alle Nachstellungen seitens der Hexen 
sicher sein. 

Nach Sangermano zerstörten die Carian bei einem Todesfalle 
ihre Dörfer (wie die Neger ihre Häuser), um die gefährliche Njich- 
barschaft der abgescliiedenen Seelen loszuwerden, die (nach 
Marini) sich auch bei den Laos in eine £cke des Sterbehauses 
zurückzielien und dort gefuttert werden müssen, um keinen 
Schaden anzurichten. Nach den Ho wandern die abgeschiedenen 
Geister am Tage umher, ziehen sich aber bei Nacht in die Häuser 
zurück. Unter den Corar (in Tulava) werden die Vei*storbenen 
zu Pysachi und quälen ihre Nachkommen, wenn diese nicht dem 
durch einen Stein repräsentirten Buta Opfer bringen. 

Die birmanischen Karen , die sich selbst Fanganyo nennen, 
heissen Patch bei den Pw o-karen , die sich Moteh nennen. Die 
birmanischen Karen bezeichnen die Karen Toungnu's als Bgay, 
die Talein als Taloch und die Birmanen als Bigoh. Ausserdem 
erhalten die birmanischen Karen den Namen Sobahetjay (der 
König kommt) 9 weil einst ein birmanischer König auf der. Reise 
nach Kangun unter ihnen Nachtlager hielt, und werden G^lahay 
(die Kala kommen) oder Lotho (Kanonendonner) genannt« Bei 
einem Todesfalle unter den birmanischen Karen, die die Nach- 
barschaft Pegu's bewohnen, werden die Knochenreste nach dem 
Verbrennen in die £rde eingescharrt, aber nach 3 oder 4 Jahren 
wieder ausgegraben und auf eine in der Nähe des Hauses errichtete 
Schaubühne gelegt, wo man sie mit Zeug bedeckt und mit Tüchern 
umhängt. Die Knaben und Mädchen des Dorfes oder der Familie» ' 



V k 



146 Birma 

in zwei Chöre getheilt, singen dort während des Festes und an 
einer an der Seite der Bühne aufgesteckten Stange wird der von 
dem Verstorbenen getragene Ring an einem Faden aufgehängt, 
worauf derselbe sogleich hin und her zu schwingen beginnt und 
in beständiger Bewegung bleibt, ohne eine bewirkende Ursache. 
Die Freunde des Verstorbenen treten dann Einer nach dem Andern 
an die Stange heran und bei der Annäherung eines Solchen, der 
von ihm geliebt war, fällt der Ring heraus, wenn nicht, bleibt er 
unbeweglich. Dann werden alle Dinge, die frflher dem Verstor- 
benen gehörten, zerbrochen und in einem bedeckten Korbe durch 
einen dafür bezahlten Mann nach der Spitze des Akauntaun- 
Berges getragen, wo über den Knochen sämmtlicher Verstorbenen 
eine weisse Pagode errichtet und von Belu (Ungeheuern) bewacht 
wird, so dass Niemand dorthin gehen kann, ohne in Krankheit 
zu fallen. Als allen Karen gemeinsam und für sie charakteristisch 
gilt ihr Gebrauch, aus den auf Hühnerknochen beobachteten 
Löchern Vorhersagungen zu ziehen. Doch findet sich bei Purchas 
Aehnliches in Camboia(Kambodia). Whenthey intend a joumey, 
they use divination with the feet of a henne to know whether it 
will be lucky or not. 

Unter ihrer Königin Kaniamoh lebten die Ejtrennih (die 
rothen Karen oder Kaya), von den Schan: Niang genannt, in 
Hotelleh an der Stelle des jetzigen Ava. Als eines Tages die 
Königin im Walde lustwandelte, sah sie eine silberne Blume 
aus der Erde hervorsprossen und die Karennih versammelten sich 
und tanzten voll Jubel um sie herum, Gott für das wohlwollende 
Zeichen dankend, das er ihnen gesendet. Als der Ruf dieses 
wunderbaren Schatzes zu den Birmanen drang, kamen sie herbei 
und verlangten den Besitz für sich und drohten bei Weigerung 
mit Gewalt, die Karennih verachtend, die nur Rattan's zur Ver- 
theidigung gegen ihre Eisenspeere hatten. Aber dennoch, als es 
zum Kampfe kam, behielten die Karennih die Oberhand, und 
ihnen blieb stets der Sieg , bis sie sich eines Tages überreden 
Hessen, dass eiserne Nägel dauerhafter sein würden,* und so ihre 
Rattan's wegwarfen , um sie für bessere Wafifen zu vertauschen. 
Die Birmanen aber nahmen die Rattan's auf und erwiesen sich jetzt 



Die Karen und ihre Ueberlieferungen. 147 

als die Starkem. Die Königin wurde getödtet und die Karennih 
wurden nach Toungnu getrieben. Ungefähr siebzehn Generationen 
sind seitdem vergangen , aber die Karennih werden nie mit den 
Birmanen Frieden schliessen, da das Blut ihrer Königin stets zu 
i^hen bleibt. Ein Theil der Karennih (unter Tawieh) flüchtete 
nach der chinesischen Grenze, und der unter dem Häuptlinge 
Sachrkuoscby in Toungnu angesiedelte Rest der Nation zog sich 
später (in Vereinigung mit den Talia, die ihnen gefolgt waren) 
vor den nachdringenden Birmanen in ihre jetzigen Berge zurück, 
aus denen sie die Schans vertrieben. Ihr Häuptling Kapogyi 
residirt in dem Dorfe Depott. Als im vorigen Jahrhundert Prinz 
Papomen-gyi (Kotzo) oder Tologo unter den Karennih eine Zufluclit 
suchte, erkannte ihn der östliche Theil des Volkes für seinen 
Fürsten an und trennte sich dadurch von dem westlichen Häuptling 
(Kapogyi) ab. Die von Hamilton erwähnten Karen, die 171)5 von 
dem König von Ava abfielen , scheinen der geographischen Lage 
nach die Karennih zu sein. 

An ihrem Jahresfeste richten die Karennih vier Stangen vor 
dem Hause Kapogyi's auf und verzieren sie an der Spitze mit 
Blättern, so dass sie einer Palme gleichen. Sie umwandeln dann 
zwei derselben und opfern Hühner, worauf sie in der den Kaien 
bekannten Weise durch Zerbrechen von Hühnerknochen Vorbe- 
deutungen zu ziehen suchen. Auf die Gräber ihrer Verwandten 
setzen sie einen Vogel. Auch die Kamtih verehren in einem 
Bambu- Pfeiler*) die göttliche Kraft, die darin einziehend, die 
angebundenen Zweige beugt. Die Kagas pflanzen ihren Speer 
in die Erde und nennen ihn ihren Kaj ah. Nach den Mittheilungen, 
dieCapitainBumes mir machte, sind die Karennih sehr dem Braunt- 
weintrinken ergeben, so dass er alle seine Geschäfte wegen 
Teakholzes mit ihnen Morgens abmachen musste, weil sie am 
Nachmittag stets in einem Zustande sinnloser Aufregung seien 



*) Pendant la demiere nnit de Tannee, il est d'usage de planter dcvant* 
les portes des maisons an bambon c^^leve an bont duqiicl est nne espece de boite, 
^alement en bambon, dans laquelle on place du betel, de l'arec et du ohnux. 
Cette botte est entonree de papier d'or et d'argent , sagt Tran^-hoei-dnc ron den 
Gebräuchen des untern Cochinchina (s. Aubaret). 

10* . ' 



148 Birma. 

imd nur mit Specren und Schwertern um sich schlügen. Jeder, 
dem man auf dem Wege begegne (erzählte mir Capitain Lloyd), 
trüge auf dem Kücken einen mit Branntwein gefüllten Schlauch 
und im Munde eine damit communicircnde Köhre, um keine Minute 
ohne dieses begeisternde Getränk zu sein. In Zimmay, Labong und 
Lagong verhandeln die rothen Karen Stocklack oder Sklaven für 
Kindvieh. 

Nach den rothen Karen wurden Uimmol, Erde und alle 
Dinge durch Eapay geschaffen , der erst mit den Menschen zu- 
sammenlebte , sie aber später ihres Ungehorsams wegen verliess 
und jetzt im „siebenten Himmel weilt." DIq Karennih rühmen 
sich, nur den Himmel zu verehren, weil sie nur ihn fürchten. 

Eine Mythe der rothen Karen lässt alle Menschen ursprüng- 
licli von einer Frau, Phabih genannt, abstammen, die in der 
Gegend des jetzigen Ava lebte und durch ihre drei Söhne die 
Mutter der Chinesen, derKala's und der Karen wurde. Im Norden 
von DwonTalwee steht eine hohe Pagode, die Kesidenz vonPha- 
bo, und noch Niemand war im Stande den krönenden Schirm auf 
dieselbe zu setzen. Aber eine grosse Versammlung der Nationen 
wird Statt linden, sie ist tagtäglich erwartet, und dann wird eine 
Himmelsjungfrau (eine Nat-thamee) auf die Erde*) steigen, bei 
deren Anblick Chinesen, Kala's und Karen in gleicher Lust ent- 
brennen und mit einander kämpfen werden , bis das Blut au ihre 
Kniee reicht. Die Nat-thamee wird dann um die Ursa<;he dieses 
mörderischen Beginnens fragen und wenn sie dieselbe eifahren, 
denjenigen der Häuptlinge zu ihrem Gatten wählen , der ihr 
Schwert aus der Scheide zu ziehen vermag. In Kamrup wird 
die Wiederkehr des noch lebenden Komoteswar erwartet, an der 
die Göttin des Entzückens sich wieder mit ihrem früheren Glänze 
bekleiden wird, und alle die Nationen der fremden Eroberer, die 
den Boden des Landes drückten, die Bhoteas, Assainesen, Koch, 
Yovew, durch gegenseitiges Morden vertilgt werden. Nach den 
^ Höhlen Bhot's in der höchsten Gebirgslinie des Himalaya hat sich 

^ Fa-IIian sah in d<{m (1183 zerstörten) Tiiinkathanago oder Tsampatha- 
nago die Leiter, auf der Buddha aus dem Nathimmel auf die Erde Bur&ck- 
gekehrt war. 



Die Karen und ihre Ueberliefemnjjen. 149 

Vyasa zurückgezogen und weilt noch dort, umgeben von seinen 
Heiligen. 

In den von Pegu sichtbaren Bergen lebt der grosse Heroe 
(Luzunggaung) Moolay-Phaya (Morley), den die Karen ver- 
ehren. Sie stellen täglich in ihren Häusern Reis für ihn bei 
Seite und zu seiner Ehre tanzen sie am Vollmond. Er regiert, 
von Engländern und Birmanen unabhängig, über ein grosses 
Volk, wie es Solche berichtet haben, die bestimmt sind, an seinem 
später in Pegu aufzuschlagenden Hofe als Edelleute zu fungiren. 
Er vermag zum Himmel aufzufliegen und besitzt einen wunder- 
baren Bogen, dessen Pfeil, wenn einmal abgeschossen, alle seine 
Feinde tödten wird, so dass die Erde mit ihren Knochen wie ein 
weisses Leichentuch bestreut sein wird. Die Zeit seines Kommens 
ist noch nicht erflUlt, aber nahe an Hand. Mitunter greifen die 
Kala's Jemand auf und stecken ihn ins Gefängniss, weil sie glauben, 
dass es Moolay wäre. Aber sie sind stets getäuscht, den rechten 
haben sie noch nie gehabt. Der erwartete Messias, den die Boo- 
koos den Karen inTenasserim predigten, ist jetzt durch die I^hre 
der Missionäre ersetzt und zum Theil einheimisch amalgamirt. 
The great Kasyapa about to enter Nirvana having delivered 
the law to the keeping of Ananda, took the robe, which Buddha 
had committed to him and entered the cock-footed mountain 
(Kukkutapadagiri) to enter Samadhi, awaiting the time, when 
Maitreya should be born on earth. As king Ajasat arrived, the 
mountain opened itself and there he saw Kasyapa holding the 
robe, sitting with devout mien in the midst of it, citirt Beale aus 
II wui Wah Tai Sse's Commentar. In dem Kommen des Sosiosh 
wird je nach der Auffassung das Königreich dieser oder das jener 
Welt besonders hervorgehoben. 



In der Stadt Twantay verwickelte sich ein Boot in den 
Btlschen der Schleusen , die der Obmann der Fischergilde über 
den Canal gelegt hatte. Der Bootsnumn sah sich atisser St^ind 
die hohe Summe der verlangten Entschädigung zu zahlen, und 
bot zur Ausgleichung ein kleines Götzenbild an, das er aus dem 
Schlamm aufgefischt hatte. Der Fischer, Monng Schwe La mit 



150 Birma. 

^^aiucn, acecptirtc die Fi^ur und stellte sie in Beinern Hause auf. 
Er war so eifrig in seiner täglichen Verehrung derselben, dass 
der Spruch entstand : 

Phaya taka (Laienbnider) 
MuuDg Schwc La, 

die l^esuche häuften sieh, und schliesslich kamen Leute von allen 
Seiten gleichfalls anzubeten. Der Fischer bat den Gott, ihn im 
Traume zu benachrichtigen, ob er noch einen jUngern Bruder 
iiätte und erhielt Anweisungen, nach welchen er in der Thai ein 
zweites Bild an der bezeichneten Stelle fand, und dann, als er 
neue Anfragen gestellt hatte, noch ein drittes. Die Zahl der 
Frommen, die an ihn glaubten, wuchs beständig, und der birma- 
nische Myohwun (Stadtrichter) erklärte sich überzeugt, dass dieser . 
Heilige ein Phaya-alaun oder embryonaler Buddha sein müsse. 
Der Fischer lehnte anfangs diesen Ehrentitel ab, als man ihn aber 
von allen Seiten drängte, erklärte er, es von der Gottheit abhängig 
machen zu wollen und es ihr zu überlassen, ob sie ihm ein 
Zeichen geben würde. Als es nun geschah, dass, während alles 
Volk beisammenstand, sich ein fliegendes Eichhörnchen auf dem 
Hause des Fischers niederliess, so riefen alle aus einem Munde, 
jetzt sei kein Zweifel mehr, dass er in der That Arimateya sei 
und 1)estimmt, dicKala's ausRangun zu vertreiben. Man begann 
damit, den assistirenden Commissär, eurasischer Abkunft, der 
später in l'rome neue Abenteuer mit Räubern zu bestehen hatte, 
zu überfallen und ins Loch zu stecken, aber die Herrlichkeit war 
bald zu Ende , als in den nächsten Tagen von Rangun einige 
Polizisten eintrafen und die Schuldigen zur Verantwortung zogen. 
Dies geschah im Jahre 1858. Ein anderer Phaya-alaun indessen, 
der sich 1860 erhob,' wurde gefährlich genug, um ernstliche Be- 
sorgnisse für die Sicherheit der Stadt Toungnu einzuflössen und 
Capitaiu Lloyd mus'ste ihm mit allen disponiblen Truppen entgegen- 
ziehen. Nachdem er seine Leute zerstreut hatte, Hess er ihn am 
nächsten Baume hängen. Die Soldaten trafen ihn mit gekreuzten 
Beinen unter einem Baume sitzend und hielt er in seiner Hand 
ein verzaubertes Tuch, das ihn aber nicht rettete. 

In den Wäldern nahe bei Sagain lebt ScbinbarinTukkausedoh 



* 



Die Karen and ihre Ueberliefemngen. 151 

oder der weise Mann des Tukkaun - Klosters , ein Priester , der 
früher den Namen Uso führte. Er isst nur einmal täglich und 
giebt nie auf Fragen Antwort. Während der regnigten Jahres- 
zeit kommt er zu dem nächsten Kyaung, um dort zu schlafen, 
aber während der andern Monate lebt er unter einem Baum wollen- 
bäum und hat in der Nähe desselben eine bedeckte Grube» um die 
ihm gebrachten Gaben, die besonders in Zeugen bestehen, und den 
Überflüssigen Reis aufzubewahren. In der Tageszeit sitzt er dort 
und liest in Büchern , die er aus der in dem Kloster verwahrten 
Kiste mitgebracht hat Er wird Gott (Phaya) werden und ist der 
einzige Mann in Birma, der so nahe zum Nibpan gelangt ist. 
Fliegen kann er bis jetzt noch nicht 

Diese Mittheilung wurde mir mit aller Ueberzeugung eines 
Gläubigen gesprächsweise während meines Aufenthaltes in Man- 
dalay (1862) gemacht Auch die chinesischen Pilger wurden 
von den ihre Heiligkeit anstaunenden Indiern gefragt, ob sie noch 
nicht bald fliegen könnten, denn die Erwerbung dieser übernatür- 
lichen Kräfte muss der Erlangung der Buddhawürde vorangehen 
und ist so ein unangenehmer Prüfstein für Competenten. Wie der 
Unglaube Mihirakula's , des in Qakala residirenden Königs von 
Tsekia, soll PhayaMilintba's Verfolgung gegen die Priester haupt- 
sächlich dadurch hervorgerufen sein, weil er sie, die nicht mehr, wie 
in alter Zeit, Wunder zu wirken verstanden, sämmtlich für Betrüger 
gehalten , aber ein kambodischer Mönch erklärte mir mit grosser 
Selbstzufriedenheit, wie Nagasena ihn belehrt habe, dass solche 
Beweise in der jetzigen Weltperiode nicht mehr erforderlich seien. 
Indess scheinen sie sich zu Louböre's Zeit noch harten Proben 
unterworfen zu haben, da er von einer Klasse der Heiligen spricht, 
die sich, wie die von den Griechen bewunderten Gymnosophisten, 
lebendig in den Tempeln Siam's verbrannten. Der Name Phra 
thian theh wird wahrscheinlich bedeuten sollen der ächte Phra- 
Sian (Arimateya). Während meines Aufenthalts in Bangkok 
hörte ich ein Gerede, als ob vor einigen Jahren noch etwas Aehn- 
liches an den Ufern des Menam vor sich gegangen , doch konnte 
ich nicht ausmachen , ob es sich nicht vielleicht auf die Schiiten 
bezog, deren geistliches Oberhaupt beim Jahresfest durch zwei 



* 



/«•. 



152 Bfrma. 

Feuer zu schreiten pflegt, und die >'ielleicht in ihrem Fanatis- 
mus zuweilen weiter gehen. In einer Chronik fand ich bemerkt, 
dass: Xalu I. Sok 1131 (der Chunlosakkharat, dem Jahre des 
Ochsen im ersten desCyklus) oder 1769 p. d. ein (buddhistischer) 
Priester (Phra-Song) durch das Feuer gegangen sei, vielleicht noch 
eine spätere Nachahmung des letzten Patriarchen Indiens Ban- 
neyadora. Vor einigen Jahren geschah es, sagt Turpin, dass ein 
fanatischer Talapoin aus Langcrwcile über die Einf(>rmigkeit des 
Mönchslebens sich in einen Tempel während der Nacht zurück- 
zog, um seinen Körper dem Götzen als Braudopfer darzubringen. 
Er wickelte sich in Leinwand ein, die mit Theer und Pech 
durchtränkt war, und zUndete sie an, dass er rasch verbrannte. 
Am nächsten Morgen, als man die Thür des Tempels öflTnete, 
fanden ihn seine verwunderten Collegen zu den Füssen des 
Götzen. Das Gerücht dieses Oi)fers verbreitete sich ringsum 
und die Leute eilten von allen Seiten herbei , dem angeblichen 
Märtyrer Ehre zu erweisen. Der König Hess ihm auf seine 
Kosten kostbare Begräbnissfeierlichkeiten veranstalten, denen 
die höchsten Würdenträger der Geistlichkeit beiwohnten. Durch 
diese Ehrenbezeigungen wurde ein Anderer verführt, sein Bei- 
spiel nachzuahmen und schloss sich in den Tempel Pipli ein, 
aber bei der ersten Empfindung des Schmerzes schüttelte er 
rasch sein Kleid ab und kam mit einigen Brandwunden davon. 
Au lieu des honneurs qu'il attendait pour prix de ee sacrifice, 
il n'essuya que les railleries de ^es confr^res et le möpris du 
public. 

Die Reisenden des Mittelalters geben vielfache Schilderungen 
von religiösen Festlichkeiten in Hinterindieu, bei denen Götter- 
wagen umhergezogen wurden, unter den aus Jaggarnauth be- 
kannten Greueln, die schon Bruton (1632) dort sah. Auch in 
Siam bestand, wie in Ceybm, das Wagenfest, aber nicht in Laos. 
In Aracan wurde, nach Pinkerton , das schwere Gerüst über zer- 
quetschte Menschenkörper hingezogen, und Ribadeneyra erzählt 
aus Calaminao 9 wie dann ein Priester sogleich herabgestiegen, 
um Stücke des zuckenden Fleisches dem Volke zur Verehrung 



j. 



Die Karen nnd ihre Ueberlieferunjren. 153 

vorzuhalten. Viele den Ceremonieen erinnern an die der Gats 
unter den Newar, die aus den Schädeln der Menflchenopfer 
trinken, oder an die Religion der schwarzen Liaina's, die in 
Lhassa mit Gerippen nur spielten, aber sich in Bhutan durch das 
Blasen der Kuochentronipete ein Reich erwarben. 

Pinto sowohl wie Ribadeneyra ergehen sich ausführlich in 
den Beschreibungen einer Menge von Sekten, die mit den an- 
geführten Göttemamen auf eine fast überwiegende Beimischung 
brahmanischen Cultus im Buddhismus damaliger Zeit deuten. 
Von den Peinigungen der Heiligen in den Königreichen von 
Tartaria, Pegu u. s. w. bemerkt Ribadeneyra, dass Einige sich 
mit ihren Gott begrüben, Andere nur Wurzeln und Kräuter, oder 
Ungeziefer ässen. Otras para mortificarse comen estercol de 
gallina. Und weiter: 

Tambien en el reyno de Pegu (que confina con el de Sian) 
se sacrificar algunos voluntariamente a sus dioscs en especial 
en la muerte de algunas personas principales. Quando muriö el 
sopremo sacerdote de aquella gentilidad, llamado Rollin, en su 
solemne enterramiento se sacrificaron algunos , para hazer mas 
sumptuoso este enterramiento. 

Wer Almosen versagte^ war Feind del dios de los ätomos del 
Sei. In der Linga Purana sagt Vischnu: By me of old has been 
created every thing, that is discemible consisting of the 24 prin- 
ciples, the atoms, which in their ultimate form are eternal, have 
been united and the beings spruug from my wrath (b. Muir). 
Vom Reyno de Tartaria sagt Ribadeneyra, que aquel dios (que 
guarda los huesös de todos que mueren en el mundo) defendra 
los huesos de la serpiente tragadora, que viva en la cueva honda 
de la casa del humo. Y ansi tiene en la mano unabala de yerro 
para espantarla. Este dios dizen que ha sesenta y (|uatro mil 
anos que naeiö de una tortuga y de un cavallero que fue rey de 
los gigantes. Bei Purchas (nach Pinto) war der Gott Pachinarau 
Dubaulem Pinanfaquc von der Scliildkröte Migaia und dem See- 
pferde Tibreraoucan geboren vor 74,(X)0 Jahren. Für die Schild- 
kröte haben sowohl die Talein, als die ihnen benachbarten 
Karenstämme e''ne besondere Verehrung und enthalten sich, von 



154 Birma. 

ihrem Fleische zu essen. Having assumed the form of a tortoise, 
Prajapati created offspring. That which he created , he made, 
henee the word Eurma. Kasyapa means tortoise, hence all 
creatures are said to be descendants of Kasyapa , nach der Sata- 
patha Brahmana (s. Muir). 

Von den BUssem in der Pagode vonTinagogo folgten einige 
(nach Pinto) dem Gesetze des Götzen Situmpor Micay und legten 
sich viele Kasteiungen auf. Die Anhänger des Angemacur 
führten ein beschauliches Leben in Höhlen, die des Oileu Mitray 
ttbten strenge Fasten. Die Taxila^oes genannten Sektirer er- 
stickten sich mit Rauch (wie die Indianer der Antillen). Yimos 
tambem outros da secta de hum, que se chamava (jodomem, que 
acabao seus dias por andarem gritando continuamente e batendo 
com a mao na boca pelos montes de dia e de noite» em vozes 
inuito altas, dizendo sem descansarem „Godomem^ ate que 
cahem mortos no chao, por nao poderem tomar foUego. Die 
Pilger brachten nach der Pagode von Tinagogo als Opfergaben 
diejenigen Dinge, mit denen sie gesündigt hatten. Die Xivaran 
zerschnitten sich mit Scheermessern. In dem Tempel Urpanesendo 
prostituirten Mädchen ihre Jungfrauschaft (wie einst in Babyon). 
En la provincia de Calaminao hazen por el mes de deziembre 
(erzählt Ribadeneyra) la fiesta de sus difuntos , en la quäl llevan 
SU8 idolosenmuycuriosasandas, puestassobrecarros triumphales, 
en los quales van los sacerdotes y por ganar los muchos perdones 
y remission de peccados, sin obligacion a restituir los hurtados 
que conceden, tirando los carros innumerables hombres los que 
llevan con gran furia (wie in Messina am Fest Rosario) algunos 
ministros van incensando al Idolo de la plata ricamente ädere- 
Qando, que va encima, y dizen: Ablanda Senor, la pena de los 
tormentos de los difuntos, porque te alaban con sueno quieto y el 
pueblo responde, plega el que ansi sea, todos los dias, que nos 
muestra su sol. Y en esta occasion havia muchos , que venian 
vestidos con toda la curiosidad que pudian y quando los carros, 
que eran 1390 se echaban en el suelo, paraque passando por en- 
oüna dellos los carros los matasen , quebrandoles los huesos con 
increyble dolor. Y en sacrificandose alguno luego bigaba an 



Die Karen und ihre Ueberliefemngen. 155 

sacerdote del carro y puestos los peda^s del destrozado cuerpo 
en ima vacia de plata los sube a lös mas alto del carro» de adonde 
los mostraba a todos, dizende: Rogada dios pecadoros que os 
haga dignos desercomo este santo, que agora murio en sacrificio 
de suaye olor, y todos postrados por el suelo respondian : rogamos 
al dios de los mil dieses, que ansi sea. 

Auch in Aracan beschreibt Ovington das Wagenfest und 
es wird erzählt: L'idole du dieu Quiay - Paragray est promenöe 
un certain jour de l'ann^e dans un grand chariot, environnä d'un 
grand nonibre de prStres, vStus de satin jaune. II y a des fana- 
tiques , qui se couchent au milieu du chemin pour gtre äcrasäs 
par les roues de son chariot. H y a tout expräs pour d'autres 
des pointes de fer attachäes k ces roues. Hs vont se fair dä- 
cherir pour arroser le dieu de leur sang. On conserve pr^cieuse- 
ment les gouttes de celui , qu'on peut recueillir et les prStres, 
qui trouvent leur profit du fanatisme, conservent dans leur 
temple les pointes ensanglant^es du char de ce dieu barbare. 
Turpin sagt gleichfalls von den Aracanesen : Ds c^läbrent une 
fete de morts , oft leur dövotion est poussöe jusqu'au fanatisme le 
plus cruel. Une de leurs idoles est trainöe sur un lourd chariot, 
que les prStres vStus de satin blanc accompagnent. Les d^vots 
fanatiques se präcipitent sous les roues et leur sang räpandu est 
Toffrande qu'ils croient £tre la plus agröable ä leur idole. D'autres 
s'attachent ä des crochets de fer appliquäs au chariot On les 
place ensuite tout ensanglantäs dans les temples, oft ils deyiennent 
I'objet du culte public. Ghacun se fSlicite lorsqu'une goutte de 
sang tombe sur leurs habits. Ces pieux insens^s sont rävärös 
comme des martyrs. In Nepaul wird (nach Hogdson) das Wagen- 
fest des Matsyendra gefeiert. 

De la Mothe - Lambert schreibt das Menschenkörper zer- 
mahnende Wagenfest in Bengalen (1661) einer Sekte zu, die 
sich durch ihre Excentricitäten den Jaina's näherte : C'est selon 
eux un crime digne de punition ätemelle d'öter ä un animal la 
Tic, que dieu lui a donn^e et la crainte d'attirer un moochenm 
dans leur bouche , empgche les dövots de respirer. Rarement ils 



156 Birma. 

alliiTnent 'uti flambcau, de peur, qu'un papillon ne vienne s'y 
brfiler. IIa nettoient avec une exactitiide minntieuse Tendroit oü 
ilsveulent B'asseoir, pour en öcarter les insectes, qu'ilspourraient 
öcraser. C'est une oeuvre m^ritoire de raeheter la vie aux aoi- 
maux, que les ötrangers destinent h leurs r^pas et quand un 
Portugals a besoin d'argent, il parcourt les nies avec des oiseaux, 
disant qu'il va bientot les nmuger, alors les d<^vots alarm^s lui 
donncnt de Targcnt pour lui enlever sa proie. 

Das in der Pagode von Tinagogo (der 1000 Götter) gefeierte 
Fest (am Neumond des December) , Massunterivo genannt, ist 
dasselbe, sagt Pinto, das bei den Chinesen und Japanesen Forio 
oder Manejo, bei den Lequios Campas, bei den Champas und 
Cauehins Ampalitor, bei den Siamesen, Brama's, Pafues und 
Cacotaees Sansaporan heisst. Das Götzenbild Tinagogo, mit 
ausgestreckten Armen und gekrönt, war, zwischen kleinen Fi- 
guren in sitzender Stellung, in einen runden Wagen gestellt, und 
weiterhin fanden sich zwölf Statuen von Riesen, die zwölf Monate 
des Jahres repräsentirend. An dem Xipatit-lau (der Belustigung 
der Tugendhaften) wurden die Priester, die Grepos, Tala^epos, 
Rolins, Neepois, Bicos, Jacureus, Chanfaranhos in Sänften umher- 
getragen und die auf den verschiedenen Wagen stehenden Priester 
riefen aus: Pautixorau numilem forandache vaticur apolem 
(Abranda Senhor, a pena dos mortos paraque le louvcm con 
somno quieto), worauf das Volk erwiedert: Assim te apraza (que 
seja em todas dias, que nos mostras o teu Sol). Die an den 
Seilen ziehenden Pilger erhielten dadurch Absolution ihrer Sun- 
den und wenn sich Leute vor den Karren niederwarfen , um in 
Stucke gerissen zu werden, so schrie das Volk: A minha alma 
com a tua (Pachito a furao). Priestei; stiegen dann eilig nieder, 
um den Kopf der Schlachtopfer abzuschneiden, den sie dem Volke 
zeigten, mit der Ermahnung, das Beispiel des Heiljgen nach- 
zuahmen. Andere, Xixaporaus genannt, schnitten sich Stücke 
Fleisch aus ihrem Treibe und warfen sie zwischen die Zuschauer, 
die «ich eifrig um diese heiligen Keliquien balgten. Anderen, 
di6- sich selbst ti)dteten , wurde der Kopf durch die Grepos ab- 
gehauen. Andere, Nucaramoes genannt, trugen mit Unrath 



Die Raren und ihre Ueberliefeningen. 157 

gefüllte Töpfe und warfen den Schmutz auf solche , die Almosen 
verweigerten, oder straften sie mit grosser Sünde, indem sie 
selbst davon assen. Am 15. Tage war Nachts eine grosse 
Illumination zu Ehren des Pagoden -Gottes Tinagogo's, der 
mit einem vom Himmel erhaltenen Schwerte hinzog, den ver- 
schlingenden Drachen der rauchigen Behausung zu erschlagen. 
Das gigantische Götzenbild von l'inagogo hatte „os cabellos de 
cafre". Die Figur der Serpe tragadoura wurde vom Volke ge- 
sehmäht und mit Lanzen geprickelt ^ wie auch Krischna ihr den 
Kopf zertritt, und sie im Cultus der 1000 Buddha von ihrem 
frühern Ehrenplatz degradirt wurde. Die Cheros- oder Sonaka- 
Füi*sten in Kikala oder Magadha rühmten sich ihrer ehrenvollen 
Abkunft von der grossen Schlange, dem Könige der höllischen 
Unterwelt oder Patala, der auf die Sonne zurückgeführt wurde, 
als Nachkomme Kasyapa's, des Gemahls der Tochter des 
frühern Schöpfers Dakscba. Tienen hecha una gran serpiente 
(sagt Kibadeneyra) de vulto, cortada la cabeza y al dios de las 
mil dioses, como un feissimo uegro con una hoz en ia mano y 
dizen que ya aquel gran dios ha muerte a la serpiente tragudora 
que moraba en la casa del humo y entonces chicos y graudes con 
agiyas y alfileres grandes, pican a la serpiente y la maltratan de 
palabra por ser ya venciday muerta, llamandola maldita engafia* 
dora, miserable y otras palabras afrentosas. Bei dem Lciclien* 
begängnisse des Königs von Slam sah Pinto zum Schutz der 
Seele gegen die verschlingende Schlange auf dem Sarkophage 
einen geflügelten Knaben stehen, vielleicht jenem Pfeile 
sehicssenden But entsprechend, den die Priester in Lhassa nach 
einem an der afrikanischen Westküste herrschenden Gebrauche 
zu Zeiten in die Stadt hinaussandten. 



Üas angrenzende Hochland und seine ßevölkernng. 

Die Birmanen begreifen unter dem Namen Schan anch die 
Siamesen nebst den andern Laos des Thay-Stammes. Kamboza- 
Tein , das aus vier Haupt-Staaten zusammengesetzt war , um&sst 
(nach Yule) the whole of the Cis-Salwenic Shans up i» Bamo , if 
not to Mogoung. Nach der Inschrift des Königs Nga dat dayaka 
(Sohn des Thalwon Mentaragyi) in der Pagode koung Mhoodan 
in Ava , waren die Districte von Thibo , Nyoung-shwe und Hone 
in dem Königreich Kamboza begriffen , 1650 p. d. Verschieden 
von Kambozatein in ihrer Sprache sind die fllnf Tsoboa der 
Shangyi , als Bamo , Momien , Mogaung , Kauntung, Momeit Die 
Städte sind meistens durch Pallisaden befestigt, wie Mok-mai, 
wo einer der Tsoboa von Kamboza (der Schan) residirte. Von 
den Schan-Staaten ist Theini für Pferde, Thibo ftlr die Schönheit 
seiner Frauen berühmt. Die zu den Shangyi gehörenden Schan 
Yon Hlaytja nennen sich Thai-hau. Der in Küntung residirende 
König der Yun herrscht über die Tsoboa von Monglem , Mong- 
hung , Mongyan , Künhung. 

Yon einer unbekannten Weltgegend her landete ein Schiff 
an einer Küste , wo der herbeigeführte Häuptling , Gandaliet ge- 
nannt, sich niederliess und dem Lande den Namen Tarbp-pyi 
(China) gab. Als in späterer Zeit die Bevölkerung sich so sehr 
vermehrte , dass der Platz zu enge wurde , wurden Colonieen in 
die Fremde geschickt, und indem die Chinesen sich dann mit 
den Khyen der Berge mischten, entstanden die Schan. Nach 
Pinto kam Nanca mit ihren drei Söhnen aus GUmdipocau zur Be- 
siedelung China's. Der türkische Khatainame lässt die Chinesen 



Das asgrenieide Hochland und seine BeTOlkenmg. 159 

von Kain abstammen , der mit seinen Kindern nach Morgen floh, 
bis sie sich erst in dem auf zwei Seiten vom Meere und auf zwei 
Seiten von Wttsten umschlossenen Lande sicher fühlten , das sie 
durch eine Mauer noch mehr befestigten, (s. Zenker.) Die Pas- 
sundi-Tayop (Tarop oder Chinesen) sind ein wildes Volk, das 
kein Schweinefleisch isst. lieber den gegenwärtigen Krieg, der 
gegen die Buddhisten aufgestandenen Mohamedaner in China, 
sagten mir die Schan, die das Ausbleiben der Caravanen be- 
dauerten, dass die Tarop ugih to (die Chinesen mit kurzen Röcken) 
und die Tarop ugih gyi (mit langen Röcken) kämpften , weil die 
ersteren dem Könige Tribut verweigert. 

Die von den Cochinchinesen Lo und von den Chinesen No 
genannten Stämme im westlichen Yunan verehren, ausser den 
Dämonen, (als Moslem) Mohamed. Der Islam wurde nach dem 
untern Tibet (Tientang, Haotang, Heh u. s. w.) von Persien 
(Ba-ttt) gebracht durch die Snau-han (den heiligen Priesterorden), 
und da er ausserdem von (Üampa sich nach Norden verbrei- 
tet, so hat auch diese Religion , gleich dem Buddhismus, Hin- 
terindien von zwei Seiten attakirt, von den Bergen des Nordens 
and aus der südlichen Küste. In Vorderindien spricht man 
an den Süd -Küsten von den aus China eingeführten Frucht- 
bäumen und ebenso (nach Hiuentsang) im nördlichen Tscbina- 
pati. Mittelalterliche Reisende erwähnen, dass der Rajah-Poursa 
(Pousa) , das geistliche Oberhaupt der Talapoinen in Kambodia 
und Laos, in der Grenzstadt Sombrapur wohne. Pinto nennt 
die Insel Munay (am Cap Negrais) wegen ihrer vielen Tempel 
und Priester den Hauptsitz des Gottesdienstes. 

Obwohl die Tsoboa oder Fürsten der Schan jetzt dem Kö- 
nige von Birma unterworfen und durch den Bo-mhu-min-tha re- 
giert sind , dessen Stellvertreter (der Tsitkay-daugyi) in Moneh 
residirt, so ist ihnen doch die Gerichtsbarkeit in ihren Stamm- 
gebieten verblieben. Sie dürfen noc£ das rückwärtsgewundene 
Dach *) auf ihre Schlösser setzen und dieselben durch die Spitze 

*) Auch in Slam bezeichnet die Zahl der aafeioander geseilten Dächer den 
Bang der EdeUente and ihre rückwärts gebogene Form erinnert an das kosmolo* 
gitehe System der Jainas Ton den Qbereinauder gesteUten Schaalefl, 



160 Binna« 

» 

des Terrassenthurnig (Pyathat), mit dem heiligejiTihoderScIiinn 
gekröut, schmücken. Audi der Yaya|mlen» der königliche 
Thron, ist ihnen verblieben, nebst den fünf Insignicn derKönigs- 
wUrde (Meng-hmeauk-tara nga bah). In ihrem eigenen Lande 
dürfen sie auch als Herrscher den weissen »Sonnenschirm entfal* 
ten , aber wenn sie nach Mandalay kommen , erlaubt die Gegen- 
wart der höheren Majestät des Königs der zahllosen Menge 
schirmtragender Fürsten im Westen, nur einen goldenen zu er- 
heben. Indessen war die Macht der l'soboa in keiner Weise so 
absolut, als die des birmanischen Despoten oder des Monarchen, 
der über die jetzt Thay (Freie) genannten Sklaven herrscht. Ihre 
ursprüngliche Verfassung wird oft als eine Art Republik beschrie- 
ben, ähnlich der aristokratischen Oligarchie der l^itchi-Prinzeu 
zu Gautama's Zeit oder der Kegierung der Edolleute, die Arrian 
in die Gangesgebiete setzt, während er in Pu^jab von städtischen 
Demokratieen (auch aus Diodorus bekannt) spricht 

Der Uäuptling von Kiang-Tung (Tsen-wi-fua) herrscht über 
eine Confödemtion von zwölf Tsoboa. Das Tsoboathum von 
Kian-Hung ist, erldicli, muss aber sowohl durch Ava, als durch 
China bestätigt werden. Da Khambah von Manipur abhängig 
ist, so residirt der Wun in Kendah. Der Gouverneur der nörd- 
lichen Provinzen wohnt in Phalangaun. Die über Thounbouk 
führende »Strasse heisst der Lsm ma dau gyi (des Königs Ueer- 
wog). The Tliemeu or Siriam Shans arc originally from Caung- 
ghan (nach ßichardson). Die Yeims finden sich , wie am Me- 
khong, auch in den nördlichen Gebieten Koshanpri's. Die Alwo 
gehören zu der Schan-Familie. Als Judara-Schan oder (bei StoU) 
Yodhya-Schan wurden früher die Kambodier und jetzt die Sia- 
mesen bezeichnet. Zu Pinto's Zeit gehörten die Silbergruben 
von Xalor dem Könige von Cochinchina. 

The people in the kingdom of Pong, of which Mogoung (aecor- 
ding to the Birmans) or Mongmaorong (according to the Shans) was 
the^capital, were called by theManipuris (Kasis, Kathi, Kassayers) 
with the* name of Kubo and distinguish thcm , as thcy were de- 
pendent on Manipur (Moitiiy orMiyithiyi) or on Ava, by the t^rms 
Miyithiyi-Kubo or Ava-Kubo, which expressions are syuonymous 



Das angrenieDde Hocblaiid und seine Beyolkernag. 161 

with the names Kasi-Shans and Mrelap-Shans. From Khul-lii 
(80 p. d.), the first king ofPong to the time ofMurgnau(667p.d.) 
the names of twelve kings are given. 

Während meines Aufenthaltes in Toungnu hatte ich Gelegen- 
heit, den Schan Tsoboa von Tsaga zu sehen, der wegen Zwistig- 
keiten mit dem birmanischen Gouverneur von Monay, sich unter 
englischen Schutz begeben hatte, und erhielt von ihm folgende 
Mittheilungen : Seine Tsoboaschaft gren/t an die von lUaeyoah und 
die Stadt Tsaga wurde durch seinen Ahnherrn , Binjaebhian mit 
Namen, gebaut, den das Volk in gemeinsamer Einstimmigkeit 
zum Dhamm<atha-min erhob. Die Schan's in Kamboja-tein oder 
Camboza-mun haben von jeher dieses Land besessen, aber ihre 
neun Könige wurden durch die Birmanen unterworfen und müssen 
jetzt den Befehlen desNaytwuet gehorchen. Die Sprache Tsaga' s 
ist die auch in Monay herrschende, wird aber von den Inthi (den 
Schan von lUaeyoah) nicht gut verstandei). Untermischt mit den 
Schan*s leben einige Sclaven Völker, die keine Fürsten und da- 
mit kein Band der Vereinigung besitzen. Solche sind die schwarz 
gekleideten Toung too, die roth gekleideten Toung jo, die Dann 
(die sich in birmanische Tracht kleiden), die Bgay und Andere. 
Die sich unter zwei Häuptlingen beständig befehdenden Ka- 
rennih machen verderbliche Einfälle in die Schanstaaten , das 
Tsoboathum Mobye's ist fast schon ganz von ihnen zu Grunde 
gerichtet und in Tsaga wird täglich mit ihnen gekämpft. An die 
Thee bauenden Palouug grenzen die Ka-khyen. Die Loo der 
Schan an der chinesischen Grenze (in der Nähe derYun) pflegen, 
seit sie Birma unterworfen sind, sich das eine Ohr zu durchboh- 
ren, so dass sie die Birmanen auf der einen und die Chinesen 
auf der andern Seite nachahmen. Die Schan hatten früher ihr 
Haar um den Kopf gewunden, binden es aber jetzt in einen Kno- 
ten , wie die Birmanen. Von diesen lernten sie auch das Betel 
Ifauen und das birmanische Kopftuch hat den frühern Turban er- 
setzt. Der Pitagat ist im Binnanischen geschrieben, wird aber 
mitunter in die Schan-Sprache übersetzt, damit ihn auch solche 
Pungyi verstehen , die nicht in birmanischen Kyaung's erzogen 
worden sind. Die Buchstaben des Schan-Alphabet's wurden durch 

Baitiftn, OtUsien. I. 11 



162 Birma. 

Xaluu - Pungj'i erfunden, ein Priester in Monay, der zuerst das 
Volk, das vorher keine Keligiou besass, im Buddhismus unter- 
richtete. 

Die Sehan hatten früher 99 Könige, die aber jetzt alle 
Birma unterworfen sind. In ihrem eigenen I^nde lassen sie 
einen weissen Schirm über sich tragen, aber in Msindalay ist es 
ihnen nur erlaubt, einen goldenen zu öfinen. Auf ihrem wUsteu 
Grenzgebiet vertauschen die Kareunih Schellack gegen das Salz 
der Schan. Jeder legt die Waareu auf seinem eigenen Terri- 
torium nieder und die beiden Parteien stehen sich oft stunden- 
lang gegenüber. Wenn die eine sich stark genug glaubt, fällt 
sie über die andere her, um ihren Feind in die Sclaverei zu ver- 
kaufen. 

Die Schan in Illaeyoah und lutaeyoah feiern ein jährliches 
Fest, wobei die Geschlechter im Dunkeln zusammentrefien, um 
die Heiratheu fUr das nächste Jahr zu schliessen oder noch ein 
anderes zu warten. Für Fremde, die sich einmischen sollten, 
giebt es Bisse statt Küsse, setzte mein Berichterstatter hinzu, der 
es vielleicht versucht hatte. At the festival Chilum Chuti the 
lights are suddenly extinguished and the men rush on the 
women, euch man leading away the nearest female to 
some private place, berichtet Raverty aus Kafiristan. Von 
den innerhalb der siamesischen Grenze lebenden Lawas 
heisst es gleichfalls , dass bei ihnen der Gebrauch existire, die 
Jünglinge und Mädchen sich an einem bestimmten Tage im 
Kyaung zusammentreffen zu lassen, um dort miteinander zu 
schlafen. Ob dem Pungyi dabei, wie einst seinem kanibodischen 
Collegen, die Pflicht des Tchin-Than obliegt, ward nicht gesagt. 
Das goldene Bild von Illaeyoah wird bei Pest herumgeführt und 
durch Gold für die Reisebeschwerden belohnt. Die Inthi sind 
eine in den birmanischen Kriegen aus dem Archipel Tavoy's und 
Mergui's nach den Schaniändern gebrachte Colonie. Die Danoh 
im Tsoboathum Illaeyoah sprechen birmanisch, aber nicht die 
'Danuh. Ptolemäus setzt die Sindoi neben den Daonoi auf Inseln. 

Nach Abb^ Grosier wird in Ponceul, einem Dorfe Yunan's, 
das an den Grenzen Assam's, Ava's und Laos liegt, ein Markt ab- 



- Das angrenzende Hochland uud seine Bevölkerung. ] 63 

gehalten für die Völker der umliegenden Gegenden, während 
Fremden der Eintritt verboten ist. Zwischen Talifoa und Yong 
ehang foo lag Karazan, das Marsden als Kala Schan auslegt. 
The nation , called by the Cochinchinese Lao-lan-tao and by the 
Birmans Lenjen, on the east of the Kamboja-river are the only 
obstructions to au intercourse between Birma and Coehinchina 
(nach Gibson). Die nördliche Handelsstrasse nach Bhamo fuhrt 
über Marco Polo's Unciam , während im Süden Kiang-tung den 
Mittelpunkt der nach Zimmay und Monay auseinanderzweigenden 
Karavanen - Wege bildet. On the east of the Mekhoug-river the 
State of Kiang-Hung comes into immediate contact with China 
and the town of Muang-La, which is parted only by a small river 
from the Chinese town of Esmok under the goverument of Shueli 
(in Yunan). Dieses von Mac-Leod erwähnte Kiachta hält Yule 
identisch mit Chunningfou d'Anville's. Die Entfernung von 
Kiang-tung nach Munglah (Myang-La) wurde mir von einem 
Reisenden auf 15 Tage angegeben, während ein Anderer nur die 
Hälfte nannte. Nach den Mittheilungen eines Kaufmanns wird 
in der ersten Grenzstadt eine Messe abgehalten und weiter dUrfen 
die Schan in Yunan nitht vordringen. „Kiang-hung (Kienjung) 
und Kiang-tung liegen beide gleich weit von Zimmay oder Kai- 
may und die Entfernung zwischen ihnen beträgt acht Tage. Die 
Strasse nach Zimmay fuhrt beständig durch Wald und ist höchst 
gefahrlieh wegen der dort beständig geführten Fehden. Von 
Kiang-hung, das amNamkong-Flusse liegt, gelangt man in neun 
Tagen nach Munglah, einer grossen Marktstadt der Chinesen, wo 
eine Menge Boote auf dem Nomoe - Flusse durch ihre SchiflFfahrt 
den Handel vermitteln. Die Schan dürfen nur bis dahin in 
China eintreten und müssen nach Beendigung ihrer Ein- und 
Verkäufe von dort wieder zurückkehren. Kiang-tung ist acht Tage 
von Munglah entfernt und es existirt ein beständiger Verkehr, 
da die Reisenden eine Auswahl unter mehreren Wegen haben 
und deshalb, wenn der eine durch Räuberbanden unsicher' sein 
sollte, einen andern wählen können. Die Schan bringen Baum- 
wolle, Zeuge, Lacksacl^en, um Sammet, Hüte, Wachs, Seide, 

Kupfer, Eisentöpfe, Salz und Blei zurückzunehmen.'' 

11* 



164 Rirma. 

Das Geld der Schan ist von drei Arten Silber, Lan (als reines 
Silber), Yowetni und Namnuini. Das chinesisehe Geld (Kui) 
ist ein silberner Ball, wie ein Ei geformt Das in maeyoah ge- 
schmolzene Silber nimmt zuweilen die Gestalt einer Muschel an, 
was indess nur durch die verwandten Gefässe bedingt wird. 

Wenn die Chinesen auf ihren Handelsreisen uachBhamo die 
von den wilden Völkerschaften bewohnten Gebirge passiren, 
suchen sie sich mit den Häuptlingen vorher über den zu bezahlenden 
Zoll abzufinden. Hat aber Jemand im Besondem noch eine 
Zwistigkeit mit ihnen , so braucht er nur einen Bambu quer über 
den Weg zu werfen und die ganze Karavane wird sogleich still 
halten, da eine Nichtachtung dieses Zeichens Allen sicheren Tod 
bringen würde. Die Kaufleute schicken dann eine Deputation 
mit einer Bittschrift an den nächst wohnenden Häuptling, dass 
er sich über die Ursache des Veto ihres Weiterziehens erkundigen 
und ihnen Mittheilung machen möchte. Derselbe sucht dann 
mit dem Zänker ein Abkommen zu treffen, und nachdem man 
sich Über die zu zahlende Entschädigungssumme verglichen hat, 
kommt der Nämliche, der den Bambu hingelegt hat, ihn mit 
seinen eigenen Händen zu entfernen , da Niemand anders ihn zu 
berühren wagen durfte. 

Zu denjenigen Stämmen in den Schaniändern, die eine ver- 
schiedene Sprache, weder Birmanisch, noch Schan sprechen, 
gehören die Thoungthu , Thoungjoh , die Nianglam , Niangleim, 
Niangzet, die Karennih (Yanlek) oder rothen Karen, dieYan-lein 
(Karenbiauk oder gestreiften Karen), die nach dem Muster ihrer 
Kleider verschieden benannt werden. Die Pantung sind ein 
Karenstamm, der ohne feste Wohnsitze unter den Schan 
umherwandert. Die Yanglun (Karen-net oder schwarzen Karen) 
im l'soboathum lllaeyoah sind Buddhisten. Die dort zei*streuten 
Danoh sprechen einen birmanischen Dialekt. DieDanuh nehmen 
einige von den Schan Tsoboa's unabhängige Dörfer ein und 
zahlen unter ihren Myoks oder Dorfältesten den Tribut direkt 
an den König Birma's. Sie sprechen eine ihnen eigenthUmliche 
Sprache. 

Der Schan, der mir diese Mittheilung machte, fUgte hinzu, 



^ 



Das angrenzende Hochland und seine Bevölkertinp^. ] ()5 

dass die in den Schanläudern lebenden Karen Wilde (Yan) 
kiessen, wogegen die Bildlichen Karen rohe Mensehen (Tzok) 
genannt würden und die Karenuih (rothen Karen) Tzok-lein. 

Ein Anderer nannte im Schanlande als Stämme mit Büchern 
die Taunglu, Toungthu, ChkUn, Yun, Kay, Hayjuh, Manioh 
(ein birmanischer Stamm mit besonderer Sprache) und als Stämme 
ohne Buch die Chang, Lem, Kaloh, Yanglam, Yangsiek, Danoh, 
Pantung, Palong, Bouh, La, Kakie, Kathay, Yangling (Karen), 
Yangpatung, Seiyin (in hohen Bergen), Danao (aus Tavoy). Die 
Wa scalpiren ihre Feinde. 

Als Stämme, die die Grenzgebirge Kiang-tung's zwischen 
Birma und China füllten, zählte mir ein von dort geflüchteter 
Verbrecher, den ich in einer Mission Birma's traf, die folgenden 
auf: Chhün, Lui, Yun, die eine der in Zimmay ähnliche Sprache 
sprechen, die Woa, die den Kopf bis auf einen Büschel in der 
Mitte abrasiren, die Kako, Muzoe, Kakui, Chhkang, die zu Nats 
beten, die Kalah (auf den höchsten Bergen) und die Zeitum oder 
Zetium, dieGautama verehren, die Kay (von Chinesen stammend), 
die Thay (von Schan stammend), die Thoungthu, die Lahin, die 
Lem , deren Tsoboa in Muug (Myang) Lem wohnt. Die Häupt- 
linge der Leng werden von den Birmanen als zu der Conföderation 
der Taroupschan gehörig betrachtet. Nach du Halde war Myang 
Lem (die Hauptstadt der Laho's) an Ava tributpflichtig. Die 
Zahl der Schanstämme soll sich im Ganzen auf 35 belaufen , wie 
die der Kala auf 3(). 

Nachdem Pinto mit dem Gesandten des Rey do Brama 
Senhor do Tongu über Cabilde dos Jogues nach der Hauptstadt 
von Calaminha gereist war, berührte er auf seinem Rückwege 
von Bidor nach der Stadt Pavel, wo mit den wilden Calugers und 
Fugaos (in kalten^Bergen wohnend) gekämpft wurde, weiterhin 
das Dorf Lun^or, an der Grenze zwischen Pegu und Siam, dann 
Penauchim, der erste Ort im Königreiche Janguma, dann Mag- 
daleu (im Kriege mit dem Könige von Lauhos) , dann Mauchel 
(der erste Platz in Pegu) und kam dann nach drei Tagen in 
Martavaö an , von wo er nach der Stadt Pe^u weiter reiste , um 
sich darauf in dem Hafen Cosmin einzuschiffen. 



166 Birma. 

Als wilde Völker erwähnt Pinto dieCalouhos, Timpates und 
Bugem , dann die Oqueiis und Magores , die von der Jagd lebten 
und für Salz Handel trieben, die Bumioes (mit Barten und Augen 
wie die Chinesen), die Ginafongaos (in Surabasay), die ihre Nasen 
und Ohren durchbohren und in den Bergen Lauhos an den See 
Chiamniay grenzen, die Tuparoes, die Pavileus (in Seide gekleidet), 
die die menschliche Seele mit der einen Püster füllenden Luft 
verglichen , gleich welcher sie beim Tode vergehe. Die Tupa- 
roes waren grosse Fresser und als ein Portugiese mehr als sie 
Alle essen und trinken konnte, führten sie ihn jubelnd auf einem 
Elephanten, gleich einem Heiligen umher. The Pani (primitive) 
Koch (sagtHodgson) eat no tarne animal without offering it tothe 
Gods and consider, that he, who is least restrained» is most 
excellent, allowing the Garos to be their superiors, because the 
Garos may eat beef. 

Die Länder im Westen waren nach den Chinesen von den 
San Miao bewohnt und alle Landschaft im Süden des Nanling 
von einem andern Barbaren-Volk, das die Gebiete Yue und Nan- 
tschao einnahm. Nach dem Commentator des Schuking war 
San Miao (die drei Miao) der Name des Volks oder des König- 
reichs im Süden der Kiang, ostwärts bis nach Kiangnan. Im 
Schuking wird ein Theil des Miao- Volks durch den Kaiser Chun 
verpflanzt. Die zurückgebliebenen Miao wurden Yeou Miao oder 
Miaomin genannt, die verpflanzten Angesiedelten Man undY oder 
die Fremdlinge im Süden und Norden. Von den San Miao der 
ältesten Zeit sollen durch Verpflanzung nach San Wei die Tibeter 
(Kham, Wei und Tsang) herstammen. Nach der Besiegung der 
grossen Youeitschi durch die Hiongnu zogen die kleinen in die 
Länder zwischen Kamoul und Tibet hinab. 

In Yunan oder Vinnan (Myang Tse luang bei den Schan) 
wurden die Pe-Man (weissen Barbaren) und Ou-Man (schwarzen 
Barbaren) oder Cara Djang unterschieden. Die Gnai-Iao ge- 
nannten Barbaren in Yunan waren zur Zeit der Han unter sechs 
Fürsten (Tschao) getheilt, von denen der südlichste, nordwestlich 
an Tufan, südöstlich an Tonquin angrenzend, Mümschelong 
hiess und als der Stammvater der Nan- tschao bezeichneten 




Das angrenzende Hochland und seine Bevölkernng. 167 

Könige (der Könige des Südens) betraohtet wird. Nachdem König 
Pilüko (in Tayhotsching residirend) vier der übrigen Tschao 
unterworfen (8. Jahrhundert), huldigte er China. Lao (Li) meint 
im Chinesischen wildes Volk und werden so auch die im Innern 
Uainan's lebenden Barbaren bezeichnet. Talifu , die Hauptstadt 
Nantschao's, wurde 1076 Tali genannt, nachdem unter Kaiser 
Dang-due-tou (9. Jahrhundert) die Rebellen Namchieu besiegt 
wurden., aber im 13. Jahrhundert herrschten die Namchiao (Le, 
Diau,Kau, Nou. s. w.)in Yunan*). Das Land derPapeh, mit deren 



*) Der Missionär Huot macht folgende Mittheilungen über die Bewohner 
der chinesischen Grenz^rovinzen : Man kann die gesammte Bevölkerung des süd- 
lichrm Yün-nän nnter zwei allgemeinen Kintheiluugen zusammenfassen : die Han- 
jen, weiche sich für gesittet halten und ausgeben, und die Y-sein, welche von den 
erstem Barbaren genannt werden. In der ersten Kategorie stehen die Pen-te-yen 
an Zahl und Wichtigkeit in erster Reihe; sie gehören zur eigentlichen chinesischen 
Ra^e nnd sind der Provinz ursprünglich fremd. Als diese Pen-te-yen hier an- 
kamen, brachten sie eine Eutwickelung mit, welche die der eingebomen Y-sen 
in jeder Hinsicht übertraf; deshalb haben sie auch auf diese einen dauernden 
£iDflus8 erlangt und üben eine festbegrundete Herrschaft über sie aus. Da kamen 
aller die Colonisten von Su-thuon in grosser Zahl in diesen letzten Jahren, frischer, 
kräftiger und thatiger und sie werden ihnen bald das Loos herein, welches diese 
früher selbst den Lolos auferlegt haben. Der Himmel in Yfin-n^ hat sie voll- 
ständig entnervt; ihr Charakter ist Feigheit und W^eichlichkeit , Fehler, die sich 
in ihrem Gange nnd in ihrem ganzen Wesen abspiegeln ; kommen sie auch ein- 
mal zn Kräften , so ist es nur , um sich Ausschweifungen zu überlassen , welche 
ihre Auflösung beschleunigen. 

Die Hin-kia-jen und die Ho-kin-sen scheinen zu derselben Familie zu ge- 
hören. Ta-ly*fou ist ihre Hauptstadt, deren ganze Umgebung sie ausschliesslich 
in Besitz haben. Ta-ly-fou ist eine kleine , alte Stadt und auf einem sehr vor- 
tbeilhaften Platze erbaut. Auf der Nordseite beherrscht sie den schönen See 
gleichen Namens und hat fünfzehn Lieues imUmfauge und ist drei bis sechs Lieues 
breit ; im Süden ist sie von hohen Bergen geschützt , welche eine Verlängerung 
der Ketten Tibet's sind. Diese Berge sind so hoch, dass der Schnee auf ihrem 
Gipfel mehrere Monate liegen bleibt und nicht weit davon 'schmilzt dieser Schnee 
fast niemals. 

Die Mnhamedaner haben sich seit vielen Jahren in dem südlichen Yün-nän 
ausgebreitet, und ihr Cultus hat dort tiefe Wurzeln geschlagen. Sind sie, wie 
Mehrere glauben, in dem Augenblicke gekommen, wo die Secte Ali*s einengrossen 
Tbeil der Malayen für ihren Glauben gewonnen hat, oder sind sie vom Norden 



1 68 ^»r™* 

Königen (1471) Linhao, König von Tonquin, Krieg führt, liegt 
(von der chinesischen Provinz Yunan abhängig) im Südwesten 
Tscheli's , im Norden Siam's und im Osten Bimia's. Im Süden 
Yunan's findet sich die unabhängige Stadt Pueul (Poel oder Phu- 
kül) oder Phu-urh-fu. 

Marini beschreibt das Königreich Laos, als östlich an 
Tonquin und Cochinchina, westlich an Siam, sUdlich an Kam- 
bodia, nördlich an Binna und die Gnai genannten Stämme 
grenzend. Er sagt von dem Könige von Laos , der in Langione 




herab^kommcn , als die Heere des Halbmondes ganz Asien umkehrten ? Das 
sind Fragen, welche zu losen mir noch nicht möglich gewesen ist. Sie scheinen 
übrigens nicht alle denselben Ursprung zu haben ; denn man unterscheidet unter 
ihnen eine alte und eine neue Religion und dieser Unterschied der Religion nährt 
in ihrem Lager viel gegenseitigen Widerwillen und Hass. Die Yun-naner geboren 
fast ausschliesslich der alten Religion an , welche nur ein Rest des Judenthums 
sein soll. 

Unter den Y sen sind die Lolo's und Pai-y diejenigen, welche die erste 
Stelle einnehmen. Ich vereinige diese beiden Familien, weil sie trotz der be- 
trächtlichen Verschiedenheiten wesentliche Vereinigungspunkte haben. Diese 
Völker sind im AUgemeinen von ziemlich sanftem Charakter ; einfach und fkirebt- 
sani, fliehen sie ^ Fremden und furchten Streitigkeiten über Alles. Betritt ein 
Unbekannter ihre Dörfer, so schliessen und verrammen sie sogleich alle ihre 
Thüren ; was man auch sagen oder thunmag, man wird es nie dahin bringen, dass 
sie dieselben öffnen. Sie bewohnten früher die Ebene, aber nach der Ankunft 
der Pen-te-yen sind sie in die Gebirge zurückgedrängt worden. Diese Vertrei- 
bung aus ihrem Eigenthum ist nicht durch Gewalt vollendet worden ; ihr furcht- 
samer Charakter und noch weit mehr ihr massloser Hang zum Weine sind die 
Ursache davon gewesen. Mit einigen Töpfen dieses Getränkes kann man die 
Lolo's zu Allem machen, was man will. 

Die Lolo's bebauen nur wenig den Boden und noch dazu überlassen sie diese 
Sorge den Frauen. Viehzucht und Jagd sind die Beschäftigung der Männer. Sie 
sind sehr geübte Bogenschützen ; mit ihren vergifteten Pfeilen könnten sie es mit 
Vortheil mit den besten europäischen Jägern aufnehmen ; sind sie einmal ihrer 
Beute auf die Spur gekommen, so entgeht sie ihnen selten. 

Die Pai-y haben sich länger in der Ebene gehalten ; nicht als ob sie massiger 
und in grösserem Wohlstande lebten als die Lolo's, aber das Gebirgsleben scheint 
ihnen nicht so zu gefallen. Sie leben grösstentheils in grossem Elend und schicken 
deshalb ihre Frauen und Töchter zu den Fremden , um an diese den Ertrag ihrer 
Arbeit zu verkaufen. Die Fremden haben ihre Landereien in Besita genommen, 



Das angrenzende Hochland und seine Bevölkerung. 169 

residirte, dass er Tribut nach Tonquin geschickt habe, ebenso 
wie der König von Bao aus seinen Goldminen , der Konig des 
kleinen Laos und der KOnig von Ava. Seuls les rois de Co- 
chinchine et de Ciucaughe refusaient toute contribution. Die bei 
Kiang-tung lebenden Mutsa hängen mit den Miaotse zusammen, 
deren Name Erdgeborene oder Eingeborene bedeutet. Von den 



während sie selbst Jagd auf Insecten machen oder in ihren Hütten liegen bleiben 
und den Schrecken des Hungers zur Beute werden. Obgleich sie Jetzt unter der 
anmittelbaren Herrschaft des Kaiserreichs stehen, haben sie doeh eine getrennte 
Gerichtsbarkeit behalten ; sie gehen bei einem Ton-ssen zn Lehen, welcher selbst 
nur dem Lieutenant des Vioe-Königs gehorcht. 

Der Cnitus der Lolo's und Pai-y scheint einfach zu sein wie sie selbst ; sie 
haben keine Pagoden und stellen in ihren Hütten keine Gottheiten auf. Sic be- 
gnügen sich , in einigen seltenen Zeitabschnitten dem Geiste ihre Huldigungen 
darzubringen. Was ist dies für ein Geist? Diese Frage richtete ich an Mehrere, 
aber sie antworteten mir immer, sie wüssten es selbst nicht. Sie haben die Idee 
▼on den Strafen oder Belohnungen, welche dem Tode folgen müssen. Ich glaubte 
za begreifen, dass sie ihr Paradies und ihre Hölle in die Gebirge Tibet's versetzen. 

Die Si-fan und die Lisons schliessen sich den Völkerschaften Tibefs an. 
Sie unterscheiden sich von den Lolo's darin, dass sie von höherem Wüchse sind ; 
sie sind auch stolzer und kräftiger und besonders rachsüchtiger , haben aber mit 
ihnen denselben Cultns, dieselbe Leidenschaft für den Wein. 

Ausser den Stämmen , welche ich bisher angemerkt habe , kommen jedes 
Jahr gegen das Ende des zehnten oder im Anfange des elften chinesischen Mondes 
mehrere Caravanen Lamas hier bei uns au , welche von Tibet heruntcrstuigeu ; 
sie kommen , um den Resten ihrer Vorfahren , welche , wie sie sagen , in einer 
Höhle in der Umgegend von Mouany-kia-pei eingeschlossen sind , ihre Ehrfurcht 
zn bezeigen. Alle haben sich zu dieser Wallfahrt durch einGelfibde verpflichtet. 
So lange sie dauert , leben sie nur von Almosen , das ihnen Niemand verweigern 
darf, die Armen so wenig wie die Reichen , aus dem sehr einfachen Grunde , wie 
sie naiv sagen, weil es recht und billig ist, dass man ihnen, die früher selbst Be- 
sitzer von Mouany-kia-pei waren und es den gegenwärtigen Ansiedlern abgetreten 
haben, einen kleinen Zins entrichtet, wenn heilige Pflichten sie zurückrufen. Auf 
ihrer Reise beten sie ununterbrochen , indem sie sich dazu eines langen Rosen- 
kranzes bedienen, welcher in vielen Stücken dem unsrigen ähnlich ist. Nachdem 
diese Pilger einige Tage in der Höhle der Vorfahren zugebracht haben , begeben 
sie sich nach einer berühmten Pagode , welche Talyfu gegenüber sich befindet, 
uid die sie ebenfalls als ihr Eigen thum vindiciren. Und sie verbreiten sich nicht 
eher auf den Märkten, als bis sie diese Stationen besucht haben ; endlich kehren 
sie im vierten Monde nach Tibet zurück. 



170 Binna. 

Muliao (Holzratzen) genannten Miautse riibnit du Halde die musi- 
kalische Harmonie der von ihnen, wie von den Laos gespielten Blas- 
orgel. Nach Louis findet sich in den coehinchinesischen Karten 
ein grosses Königreich unter dem Namen I^o long verzeichnet, 
dessen Hauptstadt dort amMekhong oder Ciulong (dem Fluss der 
neun Drachen) läge, wo er sich Kanibodia zubeugte. Wie 
durch Marini'sl^ngione wird damit Luang PhraBang(Lanchang) 
gemeint sein, das sich nach Fortführung der Bewohner von Myang 
Phuen bedeutend nach Norden erweitert hat, aber seit dem an 
Viengchan gesetzten Beispiel hinlänglich eingeschüchtert ist, um 
keine Schritte gegen Siam zu wagen. Du Halde nennt noch 
Mong Fang, Mohang Chaydow und Mohang kong als abhängig 
von Mohang Chiay, das von den Chinesen Mohang Vinan (Vieng- 
chan) genannt wird. Bei Wusthofs Anwesenheit in Winkjan 
(1641) führte der König Krieg mit Pegu und auch mit Dsiampa. 
Marco Polo erzählt von denKintschi und nach Abdallah Beidhawi 
nimmt man in dem Königreiche zwischen Kathay und Karadschang 
die Goldplatten der Zähne vor dem Essen ab. Die an den See 
Schiammay grenzenden Gynophages von Surobosoy im Gebirge 
Lauhos trugen Golddräthe in den Löchern der Nasen und Ohren. 
Nach den Mittheilungen des Diego deSeixas (1522) grenzte 
Siam, dem neun Königreiche unterworfen waren, an Ava, Brema 
und Dschangoma. Das nördlich an Muang Thay (mit Hudia als 
Hauptstadt) grenzende Schau-mua(Chao-myang oder die Königs- 
residenz) heisst bei de Barros das eigentliche Siam. Nordwärts 
davon lagen die drei Reiche der Laos, Dschangoma oder Y^an- 
goma (Yuen oder Jonaka), Schomkra Schemkran und Lauschenk 
oder Lanscheng, das an Kascho oder Kauschinchina (das 
China Kecho's oder Cochinchina) grenzte. Die Laos -Völker 
zeigten sich nur dann dem Könige von Siam unterwürfig, wenn 
sie Schutz gegen das grausame Volk der Dscheos bedurften, 
Wilde, die nach Camoens Anderer Fleisch frassen und das eigene 
mit heissen Eisen brannten. Dass Ramusio dort von Stiefel 
tragenden Reitern spricht, die aus den mongolischen Kriegen in 
Yunan zurückgeblieben sein könnten, erinnert an die Tradition 
der Karennih, die sich Kaya (Ka- Ya oder Yeo) nennen und von 



V 



Das ancrreaeende Hochland und seine Bevölkernng. 171 

der verirrten Abtheilung eines chinesischen Heeres abstammen 
wollen. Nach den unglücklichen Kriegszügen theilte der Mon- 
golenkaiser Tsehingtsong seinen Kriegern Ländereien aus, mit 
der Verpflichtung die Miaotse im Zaume zu halten. An der 
Küste lagen (nach Seixas) die Reiche Kosmo und Kambodscha. 
-Westlich folgte auf das Reich Schaidoko das Reich Brema. 
Reyno de Mamprara (aoNascente do reyno de Laojao) parte pelo 
Levante com o Reyno de Cochimchina e pelo Sul com o Reyno 
deSiao. AoNascente delle esta o grande Reyno de Camboja, sagt 
de Couto. 

Die Stadt Sisattanahut, die später Myang Luang Prabang 
genannt wurde, war früher die Stadt des Herrschersitzes unter 
den Lao pung khao (den weissleibigenLaos). Nur diesen, sagte 
mein Berichterstatter, der selbst einer war, gehört in Wirklich- 
keit der Name Lao, denn die Lao pung dam heissen Juen und 
werden nur Lao Juen genannt, um sie 'von den Juen Keoh oder 
Cochinchinesen zu unterscheiden. Die Birmanen unterscheiden 
in Annam die Kio-Biain und Kio-Diain. Kaiser Tsin-chi- 
hoang-ti vereinigte Annam mit dem Lande der Peh-Youeh (der 
100 Youeh). Der Dialekt der Lao pung khao steht dem Siamesi- 
schen näher, als der der schwarzleibigen Laos. In Myang Luang 
Prabang besteht eine Zweikönigherrschaft, die übrigen Städte der 
weissen Laos werden aber von siamesischen Officieren verwaltet, 
wogegen die schwarzen Laos ihre erblichen Könige haben. Muang 
Luang Phraban (the capital of Laos) pays its tribute to Siam in 
ivory, eaglewood etc. It is also tributary to Cochinchina and China. 
To the former it sends presents triennially and to the latter, once 
insevenyears, it sends two elephants (Mac-Leod). Die schwarzen 
Lao, ein bigottes Priestervolk, verachten die weissen als irreligiös 
und die in Korat Seide verfertigenden Laos gehören zu den 
Letzteren, da sich strenge Buddhisten zur Ermordung unschul- 
diger Wttrmchen nicht hergeben würden. Die Lao dorn (die alten 
Lao) leben in Prarai, wo drei Speere bewahrt werden, aber noch 
älter sind die Khamen, denn die Lao entstanden erst später, aus 
dem Nong (See) Seh an der Quelle des Nam khong (Mekhong). 
Bei den Chinesen heissen die Lao Ai - Lao. Marini aber spricht 



172 Birma. 

neben den Lao *) von den Ai , als einem Tonquin unterwürfigen 
Stamm. Als die gebildetsten der Lao werden die Danho, weil 
mit Tonquinesen gemischt, betrachtet. In den Laosdörfern wird 
Recht gesprochen durch die (wie unter den Gonds) Sena ge- 
nannten Aeltesten, welcher IHtel auch aus dem Pali bei den 8ia- 
mcsen als Senabodi oder Senator, besonders für Feldherm, ver- 
wendet wird. Nach Turpin wurde das Königreich Jangoma von 
Priestern regiert. Als verschiedene Arten der Laos wurden mir 
genannt die Sisattanahut, die |Xiyangka , die Lawayawa, die 
Jonaka u. s. w. Die Lao Vieug leben in Viengchan, die Lao 
Phue leben in Myang Siengkran (einen halben Monat vonXieng- 
mai), die Lao Tho leben an der Grenze Tonquin's, die Laol^ophai 
leben an der Grenze Yunan's, die Lao Khaku leben zwischen dem 
Schumaikha und dem Mili. Der Chao (Häuptling) der Lao Suay 
(der tributpflichtigen Laos) wohnt in Myang Attapu (9 Tage von 
Viengchan) an der Grenze der Jucn, zahlt aber Tribut an Siam 
und lässt die Kha genannten Stämme für sich arbeiten. 

Jenseits der Kuay und Suay leben die Ladeh, dann dieTetieng, 
dann die Panong, dann die Kha (die die Flöte mit der Nase 
spielen wie die Neuseeländer). Die Ho (Mann in der Spniche 
der Khol) kommen von China auf dem Mekhong oder zu I^ande 
bis nach den Grenzen von Laos und Kambodia. Wusthof hörte 
(1641), dass die Chinesen alle zwei Jahre den Fluss herabkämen 
bis Meunswae an den Grenzen Pegu's , um mit Winkjan zu han- 
deln. Die holländische Gesandtschaft wurde veranlasst, weil 
Kaufleute aus dem Königreiche derLouwen, das mit Japan, Siam 
und Kambodia in Handelsverbindung stand, bis nach Batavia 
gekommen waren (1641). Zwischen Namnoy und ßassak stand 
der Grenzpfeiler, um Kambodia von dem Laosland zu scheiden. 



*) Le pays de Laos (ou AMao) ^tait jadis en communication avec la Chine 
(220 p. d.). II est contigu k la province de Yun-Qaa et borne au sud par rempire 
d^Annam , au nord-ouest ce ne sont que des moutagnes habit^es par les barbares. 
Ce pays renferme diverses tribus, dont les principales sont Ai-lao, Lac-hoan, Van- 
tuong , Xi-da , Mac-da , Han-vien , Cban-man , Khong-xuong , Mai-xuong-tinh et 
Batac. L'origine de ces differentes peuplades est Laoson (montagnes de Laos) et 
pour cela on Fappelle le pays de Laos (s. Aubaret). 




Das angrenzende Ilochland und seine Bevölkerung. 173 

In einem unter dem Könige Phaya Tak im vorigen Jahr- 
hundert angefertigten Kupferwerke, Trai-lok genannt, das das 
Weltsystem der Buddhisten veranschaulichen soll, fand ich in 
den beigegebenen Noten das folgende Itinerarium über den Weg, 
auf dem Phra-Phuttha nach Siam gewandert sei. Ausgehend von 
Alavina-Nakhon in der Nähe von Takkhasinla, gelangt er über 
die zwischen Pataliphutro und Langka gelegenen Städte nach 
Ho und berührt dann MyangJang, Xiengsen,Xiengrai,Xiengmai, 
Sukothay, Phitsanulok, Kamphengphet. Von dort wendet er 
sich nach Myang Ariya und MyangThai, weiter nach Lavo, Nak- 
honraxasima, Jueu, Ravek, Cham und endet schliesslich in Sri 
Ajuthia. Nach der siamesischen Autorität (bei Low) besuchte 
Buddha auf seiner siebenten Reise Kala-Champaka oder das im 
Süden gelegene Champaka des ^ali. Koppen setzt Tschampa 
als den östlichsten, Kanjakubga oder Mathura als den westlichsten, 
^'ravasti als den nördlichsten Punkt von Buddha's Predigtfahrten. 
Mit Alavi*) wird Tibet im Pali bezeichnet, häufig aber auch nur 
der untere Ilimalaya südlich vom Brahmaputra und den angrenzen- 
den Schan- Bergen. Nach Hough begreift Alowi (als Theil von 
Laos) die Provinzen Mohnyen , Mosit und Mokaung. Nachdem 
Buddha über die Berggipfel Ugando und Mienmo zum Himmel 
Thawadeintha aufgestiegen war, besuchte er clenHimawonda, um 
sich in dem See Anawadat zu baden und seine Speise aus dem 
nördlichen Continentzu erhalten (wie es seine birmanische Lebens- 
geschichte beschreibt). Bei der Stadt Thingkathanaga auf die Erde 
zurückkommend, verbrachte er die nächste Saison der Lehrzeit in 
dem Lande Bhinga-thara-naga, die folgenden im Kloster Gauthita- 
ron zu Thambi, dann in der Elephanten-Wildniss Palale, dann im 
brahmanischen Dorfe Nala, dann in Werasora, dann auf dem 
Berge Dzalia, dann im Kloster Dzetawon , dann in Kapilawut, 
dann im Lande Alawi, dann in Raxagaya (Kadjagriha oder 



•) Alawi (Alovi) gehört zu den 20 Königreichen mit Mithila , Wesali , Sa- 
watti, Barsinasi, Kosambi, Udzeni, Tekkaschwila, Zainha, Sagala, Sandumaragiri, 
Raxagja, Kapilawut, Sakita, ludapatanaga, Ukkata, Patalipnt, Zeluttara, Seug- 
katbanaga, Kusinagara. 



1 74 Birma. 

Königshaus) , dann in der Stadt Isalia u. s. w. £in kanibodi- 
sclier Vielwisser hatte zusammengeklUgelt, das« Takhasinla das 
l^nd der Farang, Kabilaput der Khek, Mithila der Chin, 
Inthabat derKhamen, Ayuthia der Thai, Katong der Juen und 
Baranasi der Phramana sei. Auch wusste er, dass von den Schü- 
lern Phra-rhuttha's, Phra-Mokhalathen der Apostel derKhek ge- 
wesen, Phra Saributr der Farang, Phra Kassapa der Chek, Phra 
Maha-Nakk baten (Nagathero oder Nagasena) der Juen, Phra 
Kachai der Mon, Phra Upali der Phauia, Phra Sammalitheu (So- 
uathero) der Lao , Phra Bothommaten der Khamen u. ß. w. Im 
Ganzen wurde die Phra-Phuttha-Sasana in 112 Sprachen ge- 
predigt. 

Die Hinteriudier rechnen sich nicht zu den 16 Städten der 
um den Bodhi-Baum gruppirten Solot-Nakhon (Magadha, Inga, 
Kuru, Kasi, Kosala, Witzih, Malla, Tsetira, Wantha, Pintsala, Mitza, 
Surasena, Asaka, Awanti, Gandara, Kambodza), sondern obwohl 
sie die heiligen Namen gern auf die nationalen Übertragen, geben 
sie zu, dass ihr Kamphuxa, Asantika, Jonaka und die Uebrigen, 
ausgeschlossen vom heiligen Misimadesa, in den wüsten Grenz- 
gebieten der Xonlabot lägen. Von den in den verschiedenen 
Erzählungen der Djataka erwähntenKönigen haben sie die meisten 
localisirt, nicht nur, wie Phaya Vitareah in Mitliila, Phaya Chu- 
lani in Chamback, sondern auch unter den Laos, den Juen u.a.m. 

Von einem siamesischen Beamten , der aus dem Lao-Lande 
stammte, zeichnete ich die folgenden Einzelheiten über verschie- 
dene in der alten Geschichte erwähnte Städte auf. 

Die Stadt Xieng-Sen liegt auf einem Berge, fünfzehn Tage- 
reisen von Xiengmai entfernt. Sie gehört zu den zwölf Bana 
(sibsong Bana) der Maha-xai , die das Haar in einen Knoten auf 
dem Scheitel zusammenbinden. Die Maha-xai sind Abkömmlinge 
der Xieng Vifa und diese der Ho, die den Haarknoten am Hinter- 
kopfe tragen und aus Myang Chin (China) stammen. Xieng Sen, 
von den Lü bewohnt, war durch einen Thewada in dem Menam- 
(Fluss-) Thale (See) Pho*) geschaffen und dort herrschte durch 

*) Der sudliche Theil des Thale-sab bildet bei niedrigem WasserstaDde eine 
Art See fär sich , der Taleiua-Phoke heisst. 



Das angrenzende Hochland und seine Bevölkerung. 175 

die Ma€ht einer himniliscben Gong der Chao Khi-Xai. Die Thai 
aus Sukothay und die übrigen Nationen der Nachbarschaft ver- 
sammelten sich dort, um das Bild Buddha's (Phra-Phuttba-Kub) 
zu verehren. Als das Verdienst des Königs erschöpft war, kam 
mit Heeresmacht der König von Sathong, der schon Xieng rai 
zerstört hatte und griff die Stadt Xieng Sen an. Chao Khi-Xai 
floli nach Süden und gründete Kamphengphet. 

Ein Gelehrter des königlichen Archivs in Bangkok gab fol- 
gende Erläuterungen über den Anfang der frühern Geschichte : 
„Die Brahmaneu sind nach Siam von zwei Seiten gekommen, 
theils aus Süden, theils aus Norden. Die Brahmanen des Südens, 
weil sie von der Stadt Sai (Banyanenbaum) kamen , wurden Sai 
genannt und ihre Bücher Saiajasat oder Saisatr (Schastra), da 
Satr in ihrer Sprache ein Buch heisst. Die alte Geschichte Siam's 
beginnt mit der Einwanderung zweier Küsi (Eremiten), die über 
den Khao luang, einen zwischen Laos und Birma gelegeneu 
Berg, aus Indien gekommen waren. Ihre Anhänger oder Nach- 
kommen lebten in zehn Dörfern , Tossakama , bauten aber , auf 
den vor Kriegen warnenden Rath ihrer Vorfahren, eine befestigte 
Stadt, die sie Satxanalai nannten. Einer der Eremiten, der auf 
Indra's Anweisung wieder zur Erde zurückkehrte, veränderte den 
Namen in Sukothay oder die Glückseligkeit (Su) des östlichen 
Berges (uthaja im Pali). Die herrschende Religion zu der Zeit 
war ein mit brahmanischen Ceremonieen gemischter Buddhismus, 
bis die reinere Form des Buddhismus von Khamen (Kambodia) 
aus eingeführt wurde. Die religiösen Bücher entnehmen deshalb 
ihre Ausdrücke aus dem Pali , wogegen die Bezeichnungen der 
höheren oder heiligen Sprache in den älteren Büchern mid jetzt 
der profanen Literatur ihren Ursprung aus demSanscrit zur Schau 
tragen. Sie sagen z. B. Nirwan , wie in Indien , wogegen es im 
Pali Neiban oder Nipphan heissen würde." 

Der Name Laos wird am eigentlichsten von den weissen 
Laos beansprucht, deren angesehenste Fürstenthümer die Städte 
Viengchan undLanchan enthalten, wogegen die schwarzleibigen, 
gewöhnlich Yuen genannt, bei den weissen Laos die Bezeichnung 
Njun führen. Ihr heiliger Name im Pali ist Jonaka. Siam ist 



176 Birma. 

Myang-Tbay oder (nach Bissaclierc) Men-aug-tai. Nach Navarrete 
besteht das Wort Siam aus zwei : Sieii-lo. 

Die Lau Keu lcl)en in Cheung Mai, die Lau Fa (Chau fa) in 
den Gebieten von Cheang In und Thong. Die Lau Phau-Thai in 
den Gegenden von Sirraburri und Pathavi, die Fau-Thai sind 
die ursprünglichen Sianiesen. Bei de Cruz heissen die Laos Sione 
Maonc. Nach Hamilton lag der Bergwerksdistrict Boduaen mit 
Gold-, Silber- und Kupfergruben (in Koshanpri) nördlich von 
der Hauptstadt Leng in Ober-Laos. Die andere Hauptstadt, Meng, 
wurde von dem aus demTschiai oderVinan-Gebirge kommenden 
Flusse durchströmt. Die von Bissachere an der Grenze Tonquin's 
erwähnten Lactho sollen mit den Chiwa in den Tarout-Sehan be- 
griffen sein. Nach Hamilton hat sich unter den wilden Be- 
wohnern eine Colonie civilisirter Kio der Tonquinesen nieder- 
gelassen. 

Während die schwarzen Laos den Siamesen ihre Königs- 
dynastie gegeben haben wollen, leitet wieder von diesen Marini 
die Fürsten der weissen Laos ab. Nachdem sich die Langier der 
Leitung der Chinesen entzogen und sich in ihrem Königreiche mäch- 
tig und furchtbar gemacht hatten, bildeten sie unter sich eine Art 
Republik, welche bis zum Jahre 600 der Geburt Jesu Christi bestand, 
in welchem Jahre ihr Staat monarchisch wurde. Die Siamesen 
kamen später als Freunde und mit ihrer Einwilligung zu ihnen, um 
das Königreich bevölkern zu helfen. Als sie nun fanden, dassdie 
Luft hier vortrefflich und das Leben sehr bequem war, verloren sie 
bald die Erinnerung an die Annehmlichkeiten ihres eignen Vater- 
landes und liessen sich in Laos nieder und schlugen daselbst ihre 
Wohnung auf. Um sich ihre Herrschaft mehr zu sichern, be- 
schlossen die Aeltestcn der Langier sämmtlich, ein Oberhaupt zu 
erwählen, welcher sie mit unbeschränktem Ansehen befehlige, 
und den sie als ihren Herrscher anerkennen würden. Aber die- 
ses Unternehmen wurde 'hintertrieben, und da sie sich Über die 
Sache nicht hatten einigen können, erhoben sie unter Begünsti- 
gung der Siamesen, deren Anhang sehr mächtig war. Einen aus 
der königlichen Familie von Siam auf den Thron. 

In der Sprache der Pei (oder Fie nach Mouhot), die die 



Das angrenzende Hochland und seine BevoOcenuig. 177 

Kintschi Wantschang nennen, heissen die Pape Moang-Yung. 
Die der birmanischen Grenze näher wohnenden Lao galten 
als Lao Ngioh (Mohang Jeng; und den Birmanen unterworfen 
sind die Nioh und LU. Nach Kemusat sprechen die Chinesen 
von indischen Nomaden , Yun-tou genannt, unter den Tartaren. 
Von dem Schanstamme der Yun, an den Grenzen Yunan's, er- 
hielt ich durch einen Handelsreisenden von Pegu ein dem bir- 
manischen ähnliclies Alpliabet. Die Birmanen kennen Lau- 
lau's oder Lolos (Nui) als tributpflichtig unter Kiang-hung, 
neben dem Gemisch der Grenzstämme, als Yem, Kali, Putai, 
Li-lun, Kapin, Kalau, Kadams, Kamu, Kämet, zu welcher von 
Yule gegebenen Liste mir noch viele andere Namen hinzugefügt 
wurden. Von den Lolo bemerkt du Halde , dass die Häuptlinge 
von dem chinesischen Kaiser Siegel erhielten mit dem Titel Chi-fu 
oder Chi-chew (Xi), unter der Bedingung, die Investitur von ihm 
zu empfangen. In dem Tibetischen meint Lalo einen Mlechha 
oder Barbaren (nach Koros) und dient auch zur Bezeichnung der 
Mohamedauer. 

Durch Jonaka wird auch in profanen Büchern das Land der 
Lao pungdam bezeichnet, wozu Xiengmai gehört, aber Jonaka- 
buri oder die Stadt der Jonaka (Juen) ist Myang Veh (Hue). Im 
Allgemeinen werden die I-*aosländer auch Varendra genannt. 
Die Chinesen nennen es Kaukhia neben Siemlo-kok (Siam). 
Durch die Städte Phra Pheh und Phra Nan wurden die Nationen 
der Jon von Kambodia getrennt. Myang-Nan wäre einst eine 
Hauptstadt der Mon gewesen. Die ursprüngliche Heimath der 
I^ps, belehrte mich ein Etymologist, hiess Myang Lanathay, an 
der Grenze des jetzt Siam genannten Königreichs. Von dort 
zogen die Laos an den Flüssen hinab und bildeten die Länder 
der Thay, wo sie, durch Vermischung mit den Mon (Peguanern) 
und Khrar (Khamen), das Volk der Sayam (Siamesen) erzeugten, 
80 genannt, weil es aus drei (sam) Elementen gemischt ist. 
Sonst scheint die Ableitung von Sayama (braun) eine beliebte, 
sowie auch die im Mahawanso gegebene, als Uebersetzung von 
Thay. In dem Titel des Königs von Siam finden sich unter den 
beherrschten Völkern die Laos Von, die Laos Khao und die Laos 

l(atti;ftu, Osusivu. I. . 12 



178 Binna. 

Xieng. Von ihnen , sagte ein Commentator, lägen die I.ÄO8 Yon 
nach der Seite Coehinohina's (Myang Yon oder Yuen), die Xieng 
nach Westen. Eine vom Könige selbst beaufsichtigte Redaetion 
der siamesischen Geschichte fand ich eingeleitet mit den Worten 
Buddha's, der Dika Xikhai, wo er von den Nationen der Jonaka 
und Kampot spricht, sie characterisirend als solclie, bei denen 
es keine Kasten-Eintheilung gäbe, so dass der Niedrigste zum 
höchsten Kange aufsteigen und der Vornehmste zum tiefsten hinab- 
sinken kr^nne. 

Ueber die sogenannten Thay yai , die grossen Thay, deren 
frühere Existenz nach Leyden durch alte Bauwerke im Innern 
bezeugt wird, erhielt ich eine Menge der verschiedensten Aus- 
legungen in Siam , von denen die meisten des Aufmerkens nicht 
werth waren, da sie nur eine der Frage angepasste Antwort ent- 
hielten. Unter denkfaulen Völkern werden die unschuldigsten 
Fragen zu leitenden und Reisende haben darauf nicht immer ge- 
nugsam geachtet. Ein mehr auf geographische Verhältnisse ein- 
gehender Berichterstatter sagte , dass die Thay yai ursprünglich 
an den Grenzen Assam's, als Kam-tai oder Kam-ti gelebt hätten, 
und dass sie von dort anfangs nur in kleinen Mengen herabkoni- 
mend, Thay noi (die kleinen Thay) genannt seien. Später aber, 
als das Königreich Siam mächtig geworden, sei seinen Bewohnern 
der Name Thay yai oder grosse Thay, im Gegensatz zu den Thay 
noi gegeben. Die Laos, deren Länder auf dem Durchzugswege 
gelegen , wären dadurch in ein Mischvolk verwandelt, während 
die weiter nach Osten an den Grenzen China's wohnenden Kha 
(die Putten der Lacs) ihre Raye rein erhalten hätten. Unter- 
mischt mit den Laos leben dieTjek ho oderTjin ho, ein in seinen 
Gesichtszügen den Chinesen (Chek) gleichendes Volk in langer 
Haartracht. In der Sprache der Kamti meint Sing-phoo Mann 
oder Mensch, wie phu im Siamesischen, und führt vielleicht Sing 
(gleich dem birmanischen Silin) als Ehren-Epithet, wie sich 
solche in den indochinesischen Sprachen leicht aus Pronomina 
entwickeln, und kann dann später die Erklärung des königlichen 
Thieres ans heiligen Sprachen angehängt erhalten haben. Die 
fieien Miaotse heissen bei den (^hinesen Sing- oder Ye-Miaosse 



i 



Das angrenzende Hochland und seine Bevölkerung. 179 

(wilde Miao). Thai, fügte mein Professor hinzu, meint frei, es 
wird mitunter aucli Thsriy geschrieben , als ob es Geist oder Ge- 
müth bedeute, aber das geschieht nur, weil durch Zufügung dieses 
Buchstabens das Wort zierlicher aussieht. Eine andere Autorität 
wollte jedoch wissen, dass die Laos gar nicht Thai schrieben, 
sondern Tai , weil die Siamesen im Süden (tai) von ihnen wohn- 
ten. Man unterscheidet so das Phuek nya (nördliche Volk oder 
I^os) und Phuek tai (südliches Volk oder ftiamesen).* Im Birma- 
nischen meint Tay den Pflug oder Landbau und die weissen Laos 
gebrauchen Thay in allgemeiner Bedeutung, indem sie z. B. von den 
Thay ban ni, ban nan, den Bauern dieses oder jenes Dorfes, reden. 
Was die obige Erklärung von Thay yai betriöt, so kann die An- 
wendung dieser Bezeichnung auf die Siamesen nur in neuester 
Zeit gelten. Jetzt allerdings, wenn man sie nur als Tliaynoi gelten 
lassen wollte , möchten sie sich beleidigt zeigen , dass man sie, 
die mächtigsten aller Thaystämme , für die kleinen hielte. Das 
Wort ist für sie noch nicht in die Indifi'erenz des Namens über- 
gegangen, sondern bewahrt seinen inwohnenden Sinn für ihr 
Ohr. Auch birmanische Schau, die ich um ihre Abkunft fragte, 
sagten mit Stolz , dass sie zu den Schangyi (den grossen Schau) 
gehörten. Die kleinen werden immer nur in dem Munde der Nach- 
barn oder Feinde leben. Die Siamesen sprechen oft von den 
Mon noi oder kleinen Peguern, und meinen damit die in Siam 
angesiedelten Colonieen dieses Volkes, dereu geringer Zahl gegen- 
über ihr Vaterland natürlich als cinGrosspcgu erscheint. Indess, 
obwohl die Siamesen nicht zu Thay noi erniedrigt zu werden lie- 
ben, so begnügen sie sich doch gewöimlicli einfach mit dem 
Namen Thay, und die siamesische Geschichte erwälmt mehrfach 
der Thai yai als eines besonderen Volks. Während der peguani- 
schen Kriege scliickte König Phra Naret die eingewanderten 
Flüchtlinge seines Volkes nach Ayuthia, um dort Ländereien zu 
erhalten. Auch die siamesische Uebersetzung der peguanischen 
Geschichte spricht von den Städten der Thay yai , die der König 
von Ava eroberte und wahrscheinlich als Schangyi betrachtete. 
Bergbaus bemerkt von den Mrclap Schau in Koshanpri, dass sie 
sich einfach Thay nennen, als ob sie das einzige Volk dieses 

12* 



180 ßirma. 

Namens wäreu. Low kcnut jiusHer Thay jay und noi noch die 
Thay nai (der ilitte) und die 'J'hay nok (der Grenzen). 

Im Allgemeinen jedoch gilt den Siamesen das Volk der Thay 
yai für den Stamm ihrer mythischen Urahnen, die sich den durch 
allzu lange Dämmerungsstunden abgestumpften Augen als gigan- 
tische Gespenster auf dem grauen Nebel der Vorzeit abzeichnen. 
Sie werden deshalb vielfach als hochstämmige Kecken in das Land 
der Radeh gesetzt, jenes isolirten Volksstammes der östlichen 
Berge , der durch den Zauber der Feuer- und WasserfUrsten die 
Könige Kambodia's sowohl als die Gochinchina's zur Huldigung 
zwang. Von ihm gilt der Spruch, dass das Land der freien 
Laos nicht erobert werden könnte , weil Natur-Kevolutionen den 
Zugang wehren. Wasser*) und Feuer springt auf Commando 
hervor, und auch ihre Nachbarstämme schützen sich durch ähn- 
liche Künste. Les Kemoi (sagt Choisy) qui adorent le ciel, sont 
des sorciers , pour empccher les elephants et tigres de les devo- 
rer. Toutes les eaux fönt mourir les etrangers. Schon Marini 
kennt die Fürsten des Feuers und Wassers unter den Gebirgsstäm- 
men Tonciuin's. In den Bergen der Radeh wurde in alter Zeit 
einst eine mörderische Schlacht gekämpft, in der die Elephanten 
bis zum Bauche im Blute wateten. Dort tiel ein mächtiger Held, 
und sein Schwert, von den Radeh gefunden, wurde von ihnen 
ehrfurchtsvoll unter einem Steindache bewahrt**), und wenn sie 
auf demselben Kerzen anzünden, bricht Unheil über ihre Feinde 
herein. C'est une tradition chez les habitans du (^iampa, que 
le fondateur de leur religion qui leur a laiss(5 un livre, qu'ils 
conservent tres precieusement, etait un grand homme et un fa- 
meux guerrier, avec un baton d'or il arretait les tempetes, divi- 
sait les eaux et commandait aux (^li^mens. Ils gardent dans leur 



*) Der (nach dein Radjataran^nni) in der wasserlosen Wüste irre geleitete 
Lalitaditya läwst Wasser durch Einstecken von Lanzen hervorspringen , wie der 
dreiaugige Gott durch seinen Tridcnt. 

♦*) iJer König von Taxila (Fhraot(?s) erzählt, wie die Hrahnianen (von den 
►Sophoi der Oxydraken verschieden) <len Bacclins nnd Hercules (den Apolionins 
für den egyptischen halt) durch Naturn'vohitionen besiegt nnd das fortgeworfene 
Schild im Teuipel aufgestellt hatten (bei Philostratus). 



Das angrenzende Hochland und ssoino Bevölkerung. Jgl 

teniple un l)at<)n pr^eicusemeiit gariii , qiii selou eux peiit eneore 
op^rer les meiucs merveillcs (Gagelin). 

Wie die Radeh erhalten die Thay yai das Epithct khon mi 
bhiin (an Verdiensten Reiche). Andere wieder sehen in den Ka- 
deh oder Ladelj nur die Lawah, und das führt sie zurück zuLavo 
oder Lavarata, der alten Hauptstadt im spätem Lande Siani, wo, 
als Phra Kuang sein llerrscherscepter schwang, alle Könige der 
Nachbarländer als Vasallen erschienen. Da dieser König zugleich 
als der Erfinder der Alphabete gilt, so unterscheiden mitunter 
dieSiamesen ihr vulgäres Alphabet als die Buchstaben der Lawah. 
Auch scheint es den Siamesen keine Schande, sich nur den jün- 
geren Bruder (nong) dieses berühmten Volkes zu nennen, oder 
sie mögen zugeben, dass die Siamesen von Ayuthia nur Thay noi 
seien, verglichen mit den Thay yai von Sukothay, oderSchaumu, 
das schon Barros als das eigentliche Siam von Myangthay 
Yuthia's unterscheidet. In den nur mündlich fortgepflanzten 
Traditionen, die die Siamesen unter dem Namen Dükdamban 
besonders hochhalten, wird Phra ßuang gleichfalls König der 
Lawa genannt und gesagt, dass er aus dem XatLawa (Geschlecht 
der Lawa) stamme. 

Die Thay yai, sagt du Halde, besassen da« grosse Königreich 
Myang (Mohang) Kosangpyi, im Westen von Mohang Sen, der 
Hauptstadt der Laos. Es war früBer ein weit ausgedehntes König- 
reich, so dass man drei Monate Zeit bedurfte dasselbe zu durch- 
reisen, aber jetzt ist es nur eine weite Wald wilderniss geworden, 
die mit dem Walde Pahimapan zusammenhängt. Unter dem Pa 
Himaphan (pa oder Wald) ist der in die Mythe desHaemawun ver- 
wandelte Himalaya zu verstehen, der den Birmanen und Siamesen 
die irdische Welt der Menschen begrenzt. Die in den Puranas 
und den Ramayanas erwähnte Stadt Kosampi oder Kosambae 
(zwischen Oujein undRajagaha) wird auch von Buddha mehrfach 
besucht. Die Koshan pyi (oder Ko-pyi daung) sind die neun 
Schan-Städte des Nordens, die jetzt an China Tribut zahlen oder 
vielmehr sich durch den Schutz des chinesischen Namens von Tri- 
butzahlung an Birma befreit haben. Die Birmanen pflegen einen 
ehrfurchtsvollen Ausdruck in ihre Stimme zu legen, wenn sie dieser 




182 hirmvL. 

neun Städte erwähnen , und bezeichnen sie stets als die grossen. 
Das mächtige Reich, das dort bestand, wird den Thay yai zuge- 
schrieben. Die von Hannay gehörten Traditionen weisen nach 
dem südwestlichen Yunan, wo an den Ufern des Schwell die 
Hauptstadt Khai Khao Mau Long (die grosse und glänzende Stadt) 
gelegen habe. Das Königreich der Pon in Mogoung mag der 
westliche Ausläufer gewesen sein, nachdem die Schan den Ira- 
waddi passirten und im Osten kann es bis Talifu gereicht haben. 

Ein wohl belesener Mönch (in Bangkok) erklärte Nepoh oderN«- 
paul für den vornehmsten Sitz der Thay yai, die dort Phrabon Savan, 
den Gott im Himmel, verehren. Der erste König spielte in einem 
Gespräch, das ich mit ihm hatte, auf Adhi-Buddha au, mag aber 
diesen Namen aus der europäischen Literatur erhalten haben, da 
er englische Bücher liest und mehrere auf den Buddhismus be- 
zügliche besitzt. Als eine der Zwischenstationen, auf der die 
Thay yai nachSiam kamen, wird die uralte Stadt Kamphcngphet 
betrachtet. Als die Thay noi von Myang Jakai der Thay yai nach 
Sejam gekommen, hätten sie sich mit den Laos gemischt und so 
das Geschlecht der jetzigen Siamesen gebildet. Die inSiam an- 
sässigen Chek (Chinesen) unterscheiden die Kambodier als Thay 
yai von den Thay noi oder Siamesen, in den zw ei Thay genannten 
Ländern. 

Verschieden von den Thay^ong (in der Provinz Chantaburi) 
sind dieXong in Myang Ho-Khamen, die mitdenausUdannakaro 
ausgewanderten Khamen sich mischten und so die Khamen-Khoui 
erzeugten. Udannakaro oder Uttarakuru liegt von Kechtswegen 
ausserhalb der Grenzen der von Menschen bewohnten Welt, und 
Verständigere versicherten mir, dass man von dem Bangkok ent- 
haltenden Continente nicht nach jenem andern der viereckigen 
Gesichter gelangen könne. Doch nehmen sie es damit nicht immer 
so genau, und wenn selbst der heilige Parasu Kama Vorder- 
indiens, der doch sein Djambudvipa hätte kennen sollen, sich 
als ein stümperhafter Kenner der Geographie erweist, so muss 
man es den hintern Indiern nicht übel nehmen , wenn sie nicht 
fleissiger in die Schule gegangen sind. Ich hatte einst eine ge- 
müthliche Unterhaltung mit einem alten, freundlichen Mönche in 



Das angrenzende Hochland und seine Bevölkerung. 183 

Siemrab, einem Wunder der Gelehrsamkeit in seinem Distriete, 
der mit Märchen und Sagen vollsteckte und mir freigebig aus 
seinem Sacke mittheilte. Er erzählte von dem Chao Khomarat, 
der aus fernen Landen zu der Eroberung Kambodia's herbeige- 
zogen, und ich fragte ihn, wo diese fernen Lande gelegen und 
aus welchem im Besonderen er gekommen. Er besann sich etwas 
tlberrascht und sah fragend seinen vor ihm knieenden Lieblings- 
schUler, sowie dieser ihn, an. Ja, woher er wohl gekommen sein 
mag? Man tiberlegte. Ei, hiess es, er ist aus Udannakaro ge- 
kommen, da oben, vom Norden, wahrscheinlich, weil, wie R^- 
musat bemerkt, Outtarakourou (Yo tan pouei) le Continent 
de la victoire ou de la supörioritö guerriere ist. In den Vedas 
wird Uttara Kuru oder Uttara Madras nördlich vomHimalaya ge- 
nannt, während es im Mahabharata eine der continentalen Inseln 
bildet. Nach Wilson wird im Kadjatarangini unter Uttaracora 
oder Uttarakul (Uttaracola) das nördliche Assam verstanden. 
Aus Furcht vor König Lalitaditya flüchteten die Bewohner Uttara- 
kuru's in die Schlupfwinkel ihrer Wälder, sich zu verstecken. 

Die Lawa wurden aus Xiengrai undXiengsen durch dieLao 
Khön der birmanischen Grenze ausgetrieben, die jetzt inChiang- 
tung verweilen. Die Lawa, die nachNophburi kamen, sind iden- 
tisch mit den in der Nähe Motama'8(Martaban) lebenden Toungsu, 
und werden jetzt, nachdem sie sich mit den Karien gemischt 
haben, verschiedentlich bezeichnet als Rasa oderRosu. Es giebt 
unter ihnen eine rothe Art (jang den) und eine weisse Art (jang 
khao), die nach der Farbe ihrer Kleider unterschieden werden. 
So sagte mir ein Siamese, der wohl nur vom Hörensagen sprach 
und nicht wissen mochte, dass die Toungsu der Provinz Martaban 
sich selbst für spätere Einwanderer in Thatuug erklären. 



nie Kilrstenthilmer der iiiilorcn Schau. 

Nach den Clironikeu der südlichen Schan oder I^08, die ich 
in Birina sah und die meistens schon von Kichardson niitgetbeilt 
•sind, beginnt die Geschichte, ähnlich der siamesischen, mit zwei 
brahmanischen Heiligen oder Eremiten,Wathooday und Tukadsiuda 
(Varttadeva und Tokadanda) genannt, die durch das Blasen einer 
rechts gewundenen Jiuschel die Mauern und ThUrme der Stadt 
Labong (Hari jungra) aus der Erde hervorsteigen und den Gra- 
ben einsinken Hessen. Die Tritonenmuscheln werden stets von 
den Brahmanen, zum Theil auch von den Buddhisten, bei Opfer- 
ceremonieen gebraucht, und den entgegengesetzt gewundenen 
wohnt eine besonders heilige Kraft*) bei. Diese Tugend wird 
nicht nur an ihren Ton, sondern schon an die Form geknüpft. 

Nachdem die frommen Männer die Plätze der Tempel um- 
grenzt, versammelten sie die in den Wäldern zerstreuten Ein- 
gebornen und führten sie nach der neuen Ansiedelung, um in 

•) Espncial value was assigrncd to the mincral harmotome or cross stone. 
IMiny rolaten , that the Ethiopicns attached great ^anctity to Animonites (like th« 
Ilindoos). The nummulite was the subject of many Gernian lejirends under the 
nanii! of the iJauern-Pfennig or p'casant'ö niou<'yaudTeufel»g<?!d or devirs money. 
In certain parte of Spain many individuals wear the Shells of tercbratulae in their 
pockets, as Hpecific against cholera. The petrified teeth of ^harks were coneeived 
to act a» charnis ngain.st various maladio^. Under tho name of glossopetrae they 
were believed to be the tonorues of serpentn or birds. At Malta they are siipjjosed 
to be those of vipers petrified by St. Paul , whüe at Krain they bore the name of 
Tt'ufelsklaueu , from an idea there that the evil spirit had tom his clavrs in the 
clefts and crcvices of the mountain (s. Kichardson). 



i 



Die Ffirsteotbfimer der unteren Schan. Ig5 

Städten und Dörfern zu wohnen. Diese Gründung Labong's 
wird in das Jahr 1118 der Aera Buddha's gesetzt (574 p. d.). 
Nach den von Loub6re gesammelten Notizen wurden dieSianiesen 
in ähnlicher Weise durch den König Prapoa in festen Nieder- 
lassungen am Flusse Pourselouc vereinigt. 

Nachdem Labong wohlbefestigt und mit einem Palast vereehcn 
war, würdig für die Wohnung eines Fürsten, sandten die Brah- 
manen an den König von Sarvathina, der in Chandapura oder 
Wintian(Viengchan)residirte, und baten um seine Tochter Jama- 
devi oder Ramadevi , dass sie in Labong herrsche. Dieser Zug 
bestätigt die Bemerkung in der Phongsavadan Myang nya, dass 
in Laos die weibliche Linie vorwiege, denn sonst sucht man in 
siamesischer und kambodischer Geschichte selbst einheimische 
Prinzessinnen nur immer rasch auf irgend eine Weise zu verhei- 
rathen. Bei Mac Leod's Besuch in Kiang Hun führte dort die Wittwe 
des verstorbenen Tsoboa die Regierung für ihren minderjährigen 
Sohn, während die Siaraesen oder Birmanen einen Minister als 
Reichsverweser bestellt haben würden. The country of the Lolo, 
south of Yunan, is governed by a female(Goddard). Jene Königs- 
tochter wird die Wittwe des Königs von Kambodia genannt, aber 
in einem altsiamesischen Gedichte, das ich in Bangkok las, war 
ihr Gemahl noch am Leben und entlässt sie für die wichtige 
Mission der Civilisirung eines wilden Volkes, schwanger mit den 
Zwillingssöhnen, die sie nachher gebar, als die Stammherrn der 
künftigen Dynastie. 

Auf das Verlangen Thevarasi's (des göttlichen Eremiten), 
des Fürsten von Riphunxaija-Kun-Namphon, sendet der König 
von I^avo seine Tochter Chama-devi , dem Kaiser von Kamphot 
vermählt, dorthin, um die Religion Phra-Phuttha's zu begründen 
und den Trai-Pidok einzuführen. Unter den Segenswünschen 
ihres Gemahls betritt sie in der Begleitung von Priestern das 
zu ihrem Empfange vorbereitete Schiff und wird längs des 
Flusses durch Proccssionen aus den verschiedenen Lavo-Städten 
geleitet. Auf dfem Wege baute sie die Stadt Phrabang und setzte 
ihre Reise fort über Kantika, Busarata, Buran, Theburi, Bang, 
Rakasiet und Raheng oder Laheng (Rahein oder Yahein). Der 



186 Birma. 

nächste Halteplatz erhält den Namen llatsio, der folgende (an 
dem die nassen Kleider getrocknet wurden) Myang Tak, der 
darauf folgende (wo ihre hungrigen Begleiter nach Essen ver- 
langten) Sagnau, der nächste Putchara nakhon, der nächste Ko- 
kamin. Als sie am folgenden Hastepunkte nach dem Bade aus 
dem Wasser hervorkam, erschienen, in dem Glänze der aus dem 
Wasser zurückstrahlenden Sonne, drei Personen männlichen 
Geschlechts in ihrem Mutterleihe und ihr Herz war erfreut 
Davon wird der Name Sam gnau ahgeleitet. Der nächste Platz, 
wo nuni einen weiblichen Körper neben einem Bergstrom fand, 
wurde Keng som poi genannt. 

Diese Geschichte der Stadt Lavo oder Lava-rata , von der 
ich mir leider nur unvollständige Bruchstücke verschaffen konnte, 
ist mit einer Menge Idiotismen des Dialekts der Lao geschrieben. 
Die Mission dieser Prinzessin war nach der Darstellung eine 
civilisirende und der Ruf der alten Lawa in Lavarata (die Stadt 
der Lawa), die bei den Schan die Manu-Menu, als erste Gesetz- 
geber, heissen, ist auch in Siam so wohl befestigt, dass selbst 
Phaya Milinth zum Xat (Stamm) Lawa gerechnet wird, sonst 
aber auch alsMonla und gewi'^hnlicher als König von Takkasinla 
tigurirt. 

Das Datum für diese Ereignisse, das Kichardson aus dem 
birmanischen Extracte der Geschichte I^ibong's 1118 der Aera 
Buddha's giebt, und in dem siamesischen, worin ich die Ge- 
schichte I^ivo's fand, als 450 der Mahasakkharat gesetzt wird, 
ist für die vernachlässigte Chronologie dieser Länder ziemlich 
genau, um eine ihrer Vorzeit angehörende Begebenheit zu be- 
stimmen, da es nach beiden Berechnungen in das 6. Jahrhundert 
p. d. fällt. Nachdem Jamadevi auf den Thron erhoben und von 
den Brahmanen gekrönt war, gebar sie zwei Zwillingssöhne, von 
denen ihr der älteste, Mahantaratha, in der Regierung Labong's 
folgte und, nachdem er einen weissen Elephanten gefangen hatte, 
den Titel Sen bor chin oder Herr des weissen Elephanten an- 
nahm. Der jüngere Sohn, Aindavaraga, zog fort, um in dem 
neu gegründeten I^gong Hof zu halten. 

In späterer Zeit folgte in Labong (Haripung-Zayatyne) auf 



Die Fürstenthumer der unteren Schan. 187 

Benya-tliuha König Benya-men-yea (DalamaBenyatso), der seine 
Residenz erst nachKiniyea und dann nach Wencongcan verlegte. 
Nach Ueberschreitung des Salwehn erhielt er von Thuta-Thona, 
dem Könige Pegu's, als Mitgift mit der Hand seiner Tochter eine 
(.^olonie von Peguern , durch welche er die Stadt Yunsalen oder 
Meinlungyi am Salwehn erbauen Hess (1838 Jahre nach Gau- 
tama). Sie bildete zu Pinto's Zeit die Hauptstadt des König- 
reichs Jaca^aton, war aber Anfangs Birma und dann Xiengmai 
tributpflichtig. Vor der Erbauung Xiengmai's war Kiang-Hai 
die königliche Residenz , deren Ruinen Mac Leod sah. In dem 
alten Phrachedi der Stadt Lamphum, die durch Su-theva-rlisi 
gegründet wurde, sind alte Steininschriften gefunden. 

Das Fundament zur Gründung Zimmay's wurde ini 
Dunkel der Mittemacht gelegt und durch König Benya- 
men-yea (Bonta - thona) mit Künstlern und Handwerkern 
aus Hongsavadi bevölkert, 656 p. d. Bei seinem Tode 
folgte sein Sohn Natschoontaschung auf dem Thron Zimmay's 
(Zama pada pur there nagara nawara raza tani) oder Nantapuri, 
von Fitch Yamahey (Rama) genannt. Als die Birmanen (unter 
Chaufa Suttha) Xicngm«ai zur Regierungszeit des Pha Keoh (des 
Nachfolgers des Pha Koh oder Chaumyang Phaku) eroberten 
(1048 p. d.), wurden sie wieder ausgetrieben durch einen Auf- 
stand, den der Priester (JhauThepphasing angestiftet und geleitet 
hatte. VorOngkhan, dem aus Langchan vertriebenen Bruder des 
Königs, musste dieser Volksführer aber später nach Lamphum 
fliehen. Erneute Angriffe der Birmanen wurden glücklich 
abgewiesen. Auf (Jhau lana, der den Gatten seiner Tochter, 
Nang Tum, einen früheren Priester, und dessen ehrgeizige Pläne 
zu bekämpfen hatte, folgte Chao Tung, unter dem Xiengmai 
durch die Birmanen zerstört wurde. Nachdem die Eroberer 
wieder abgezogen waren, den Chau-tung, Bruder Chau-ha-na's, 
mit sich führend, legte sich Chao Kawila (ein Laos aus Lakhong) 
die Königswürde bei. Auf ihn folgte sein Bruder und dann 
dessen Sohn Kawila. 

Als das neu gegründete Martaban noch um seine Existenz 
zu kämpfen hatte , überschwemmte es der König von Xiengmai 



188 Birma. 

mehrere Male mit seinen Heeren und bedrohte die junge Schöpfung, 
sie im Keime zu ersticken. Die ersten Erobererkönige Ayuthia's 
knechteten, nach der Unterwerfung Xiengmai's, die Laosländer 
und führten ihre Bewohner als Gefangene fort. Dann kamen die 
Heerzüge des Königs von Pegu, der in seiner weiten Herrschaft 
alle umliegenden Gebiete verschlang. Während Pinto sich in 
Odia aufhielt, kam die Nachricht, que o Key do Chiammay con- 
federado cos Timocuhos, cos Laos e cos Gueos (que sao quatro 
na^'öes de gente , que contra o nordeste senhoreao a mayor parte 
deste sertao por sima do Capimper e Passiloco) tinhao posto cerca 
ä Cidade de Quitirvao e morto o Oya Capimper fronteiro mor 
daquclle arraya con mais de 30,(K)0 homens. Als nach dem Falle 
Pcgu's der König von Jangoma eine Allianz gegen Toungnu ( 1 600) 
mit dem König von Siam schloss, später aber mit ihm zerfiel, 
wurde er von seinem Bundesgenossen zur Unterthänigkeit ge- 
zwungen (1605), bis der König von Ava seine 1612 begonnenen 
Kriege mit der Eroberung Jangoma*s 1615 endete. Damals 
gerieth der englische Handelsagent Thomas Samuel, der in 
Fitch's Fusstapfen gefolgt war, in Gefangenschaft. Nachdem 
dei König von Siam die Bewohner des eroberten Chiamay (1657) 
fortgetrieben, wurde das Land durch den König von Ava neu 
bevölkert, war aber 1600 wieder in den Händen der Laos (von 
Canjang und Chiamay). 

Am Ende des 18. Jahrhunderts gelang es sieben Brüdern 
mit Hülfe Siam's die Städte Zimmay, I^bong und Lagong vom 
Joche der Binnanen zu befreien. Der älteste erhielt die In- 
vestitur unter dem IMtel Chou-tschee-weet (Herr des Lebens), 
blieb aber dem Könige Siam's tributpflichtig (nach Blundell). 
Der Wiederhersteller der birmanischen Macht zwang auch Zim- 
may in Sklavendienste, aber als Phaya Thak in Siam Kraft zu 
gewinnen anfing, empörte sich, auf ihn gestutzt, der Statthalter 
Zimmay's, Sen-pu-kan genannt (1136 Ch. S.), und trat dann in 
ein L'nterthänigkeitsverhältniss zu den Königen Siam's, um von 
ihnen geschützt zu werden. 

Als Zalapara, die Tochter des Königs Tsomihe, in I^- 
bong herrschte, besetzte Sembue-nya-kin, der König Pegu's, 



k 



Die Füratenthumer der unteren Schan. 189 

die 8tadt und bestellte dort neben der Fürstin , der ein Theil der 
Einkünfte verblieb, seinen Sohn Naratatso als Statthalter (*J20). 
Alle umliegenden Länder beugten sich dem Maehtgebote dieses 
Eroberers, dem die Laos seine Schlachten in Siam schlagen 
helfen mussten. Labong verblieb in der Abhängigkeit unter 
Pegu, bis es sich durch Tsobung davon losriss. 

Low will die Abtrennung der Siamesen von den Laos 8L3 
p. d. datiren. Xiengmai wurde durch Chinesen angegritten, 
rettete sich aber, indem es einen Wettstreit im Pagode - Bauen 
vorschlug und durch eine rasch aus Erde aufgeschüttete die 
Gegner, die schwere Steine hei beigeschleppt hatten, betrog. 
Einer der gefeiertsten Könige der Laos ist Gunbilanga, der 
seinen wunderbaren Zauberspeer von dem Hochgebirge Zimmay's, 
wo er residirte, bis nach Kangun, an die Küste des Meeres, /.u 
schleudern vermochte und dadurch alle zwischenliegenden iJinder 
unterwarf. 



i 



Tciiassciim mit den siidiichen Staateii. 

Als die Länder Pegu's, Siain'« und Kambodia's noch mit 
Wald bedeckt waren , trat eines Morfrens aus der aufgehenden 
Sonne ein Jüngling hervor, der von den Bewohnern Tena^serim's 
freudig als König begrUsst wurde , und von ihm (sagt Do Couto) 
stammt das Geschlecht der Suriavas oder die Ka^e der Sonne. 
Da dieser fürstliche Ankömmling zugleich ein Sohn des Himmels 
und der Erde heisst, so ist das Hervortreten aus der Sonne viel- 
leicht in dem Sinne Pseudo-Psalmanaazoar's zu nehmen, der (in 
Hübner'sUebersetzung) von Japan und Formosa sagt, dass sie als 
die entferntesten Länder des Orients die ersten seien, die von der 
aufgehenden Sonne mit ihren Strahlen begrüsst werden. The 
Dynastie called Kuttoora is the earliest known to have reigned 
in Kumaon. The Kajahs of its line are said to have been of the 
Sooraj - Bunsce origin and to have been clothed by the imagi- 
nation of the Paharce, with almost divine attributes (Hatten). 

Nachdem Colonieen aus Martaban und dem Osten dahinge- 
kommen, wurde Tavov zuerst durch Seefahrer ausAracan erreicht, 
die nach Eisen suchend dahin kamen und in DaungweoderThongive 
landend, den Namen Tavoy (Dahiwch oder Messer kauf!) gaben. 
Die damals gegründete Stadt wurde dur^h furchtbare Naturereig- 
nisse zerstört, aber die jetzigen Bewohner Tavoy's wollen noch 
oft im nächtlichen Lärmen und Getöse das untergegangene Volk 
seine alten Wohnstätten besuchen hören. Aus dieser frühesten 
Zeit soll die Colonie in Kalingaon stammen. In Tanau und 
Mergui (Bheik oder Breit) werden dieSiamesen (Schan) als erste 
Ansiedler genannt, wogegen inTeuasserim dieMon ihnen voran- 



k 



Tenasserim mit den BÜdlichen Btaaten. 191 

gegangen wären. Nach birmanischer Mythologie gab es drei 
Raksehasas, die die Mütter dreier Stämme von Dämonen wurden, 
und einer derselben sind die Danu (D'hanao) oder Dumos in 
Mwegyen. Die Bevölkerung späterer Zeit war vorwiegend sia- 
mesisch in Tenasserim, aber im Lande selbst gelten die Mon für 
die älteren Einwohner und scbliessen sich an den Grundstock der 
Mantras auf der malayischen Halbinsel an. In siamesischer Aus- 
sprachewird auch das dem Pali entnommene Wort für die sanscri- 
tischen Weiheformeln aus Mantra zu Mon, wie solche im Birma- 
nischen Manta (Mantara) genannt werden. Zu den Mon gehören 
die Kambodier, alsKha-mon oder Kho-men. Der Missionär 
Wade bemerkte mir, dass die Tavover unter sich einen verschie- 
denen Dialekt zu reden scheinen, während sie mit Fremden sich 
des Birmanischen bedienen. Sie sprechen M wie B aus, und 
sagen Bien statt Mien für Pferd, R wie L, Sh wie H u. s. w. Auch 
die Birmanen schreiben Myamma und sprechen Byamma. Die 
Tavoyer unterscheiden, nach Hamilton, die Stämme ihres Gebirgs- 
landes in Kadhu, Lowa und Kuwi. 

Die Königin Mahadevi (731 p. d.) gründete die Ansiede- 
lungen in Ye oder Kala-ge. Von Anoratho, dem Könige 
Pagan*s, wird erwähnt, dass er eine Revolution in Tenasse- 
rim unterdrückt habe, weshalb er in seinen Eroberungen auch 
durch Tavoy gekommen sein wird. Später besuchte sein 
Nachkomme Narapati-tsithuh diese Küste (1157 — 1190) und 
Hess auf der Landspitze Tavoy die dort hoch verehrte Pagode 
erbauen (1208 p. d.). Er führte eine Colonie der Tavoyer mit 
sich fort und siedelte sie unter den Schaniändern in Nyoung-yuwe 
an. Auch brachte er von dort die ersten Durian nach Birma und 
die Siamesen erklären daraus den Namen Thavai (anbieten). 

Der König Naratha Jedi Men ( 1 438 p. d.) erbaute Festungswerke 
in Kola Ye. NachBarthemo im 16. Jahrhundert führte der König 
von Tenasserim Kriege mit den Königen von Narsinga (im Dek- 
khan) und Banghalla. Nicolo di Conti, der über die Stadt Moarazia 
von Tenasserim nach Ava reiste, sah den König di provincia di 
Mangi auf einem weissen Elephanten reiten. Tavoy war auch 
nach dem Untergange des Königreichs Tenasserim meistens 



192 Birma 

seinen Nachbarn unterworfen, aber der König von Tavoy machte 
sich 1752 auf kurze Zeit unabhängig. 

Tavoy lag, als westlicher Seehafen, brahmanischen Bekeh- 
rungsversuchen bequem, später aber gewann der Buddhismos 
wieder die Oberhand. Als die diesem feindlichen Brahmanen 
aufs Neue zurückkehrten, und wie sie es in Assam gethan, eine 
Heerde heiliger Kühe vor sich hertrieben, damit'man sie nicht 
beschädigen könnte, sprach die auf sie herabschauende Gott- 
heit das Wort, wodurch sie in Steine verwandelt wurden, wie 
in den Felsblöcken um den Hafen von Tavoy noch jetzt zu 
sehen ist. Die Uajahs der Ha-tsung-tsa-Familie (der Kacharis 
oder Kangtsa) wurden aus Assam (wohin sie von Nordosten 
gekommen) durch die Kajahs von Koch Behar, denen Brah- 
nianen auf Kühen voranritten, ausgetrieben und flohen nach 
Hirumbha. Die Indier würden vielleicht, wie nach Pherekydes 
die Egypter, eher Menschenfleisch als Kuhfleisch essen, aber in 
den buddhistischen Ländern hat man keine Scrupel, es als Aas zu 
verzehren. Das Schlachten einer Kuh wurde in Birma indessnoeh 
unter dem vorigen Könige, ebenso streng wie Menschenmord, mit 
Enthaupten bestraft und bleibt auch jetzt noch eine unerlaubte 
Handlung. Acordaos de loque estaescrito en los libros de nuestras 
verdadesyleyacercadelbienquehabeyzde hacer a los sacerdotes 
querueganpor>'osotrosporque noperezcan por nolesdarlimosna. 
Porque esto seria tan gran peccado como si matasedes unablanca 
vaca, estando mamando los tetas de su madre en cuva muerte 
mueren mil almas que en ella como en casa de oro estan sepultadas 
esperando el dia de su promesa , en que eran bueltas en {lerlas 
blancas, para bayla encima del cielo, hörten die gefangenen Por- 
tugiesen als sermo del summo sacerdote beim Köy de Tartaria nach 

• 

Ribsideneyra. Wenn an den Festtagen die Khampti die Buddha- 
bilder baden, thun (nach Dalton) die Assamesen dasselbe mit den 
Kühen. Lo detti gentili (di Melibari) tengouo le vacche per loro die, 
sagt (1503 p. d.) Giovan da Empoli. Die Jainas erkennen den 
Vrichabhanatha (den Vater des Bharatha chakravarti) oder den 
Herrn der Stiere als ihren Stanmiherrn an. Im Mallalingara- 
Wuttu wird die von Bergen eingeschlossene Stadt Kayaginha, 



k. 



Tenasserini mit den südlichen Staaten. 193 

wohin von allen Seiten Gautama's Schüler zusammenströmten, 
von den Ketzern spöttischer Weise einer Kuhhtirde verglichen 
und Finlayson glaubt gehört zu haben, dass Codoma einen Kuh- 
dieb bedeutet. ^Die Kuh sollte geehrt und geschützt werden, da 
sie den Menschen eniährt. Man muss sie als eine Mutter be- 
trachten, da sie in der Milch Speise giebt, zum bequemen und 
angenehmen Leben beitragend. Es giebt Solche, die ihr Fleisch 
essen, aber das ist nicht besser, als das Fleisch der eigenen Mutter 
zu essen. Es muss nicht gegessen werden , sondern nach dem 
Tode den Geiern tiberlassen bleiben" (Niti-Kyam). Den Stier zu 
tödten ist in Indien ein unsUhnbares Verbrechen und goghnas 
(Stiertödter) die emiedrigendste Bezeichnung (Benfey). Als 
Sivai Singha (der Bruder Hari Singha's) hörte , dass ein Heer 
Rindfleisch essender Männer herannahte (da sein aufrührerischer 
Bruder die Mohamedaner aus Delhi gebracht hatte), stellte er sein 
Königreich unter die schützende Obhut der Göttin Kangkali 
and wanderte als bettelnder Mönch umher. Obgleich sich aber 
die Mohamedaner zurückzogen, verliesseu die Einwohner Har 
Samaran und nahmen das Bild Kangkali's mit. Auf dem Wege 
nach Nepaul geriethen sie in Gefahr, Hungers zu sterben ; da er- 
schien Kangkali einem ihrer Anführer im Traume und theilte ihm 
mity dass sie am Morgen einen Zuschuss an Lebensmitteln be- 
willigen werde, indem sie die Erlaubniss ertheile, die Speise 
zu essen , welche sich zeigen werde. Als am nächsten Morgen 
eine Heerde Btiflfel erschien, wurden sie von dem Volke ge- 
schlachtet, welches sich von dieser Zeit fortan den Genuss dieser 
(früher unreinen) Speise erlaubte. Sie Hessen sich in dem Thale 
Nepaul's nieder und erhielten den Namen Newars. Die Khutsung 
oder südlichen Nagas leben von Reis und Wildpret und trinken 
nie Milch, die sie, wie dieGarros, als eine ungesunde und schwä- 
chende Nahrung betrachten. 

When the gate of the new city of Tavoy were erected some 
few years ago , an eye-witness told nie , a criminal was put in 
each post-hole to become a Nat, schreibt Mason im Jahre 1860. 
Hier wie bei Thatung soll der aus dem Gemordeten entstehende 
Dämon die Mauern vertheidigen , wie dem für sein Vaterland 

B»atiftB, OtUfien. I. 13 



194 Birma.. 

kämpfenden König zu Wales, während in der bei der Gründung Mar- 
tabau's vorgenommenen Ceremonie das Menschenleben für die Stütze 
des Fundamentes nöthig erachtet wurde , mit der Ansicht serbi- 
scher Baumeister übereinstimmend. In Kambodia wurden nach 
den Chinesen Verbrecher in die Erde eingemauert. 

Auch mit Abzug mancher Uebcrtreibungen in den Berichten 
mittelalterlicher Geographen über Hinterindien scheinen doch da- 
mals seine Despoten den grossen Negerschlächtem in Dahomey und 
Ashantee nur wenig nachgestanden zu haben. Die Keisenden sahen 
Götzen wagen (die nach Howland auch in Ceylon beim Feste Manepy 
gebraucht wurden) mit derselben Wuth des Fanatismus über zer- 
quetschte Körper ziehen, wie sie Juggernauth berüchtigt gemacht 
hat. In Tripura wurden indess durch die Reform Qridharma's 
(1512 p. d.) die Menschenopfer auf jedes dritte Jahr beschränkt 
In Vorderindien , ohne von der Meria - Ceremonie zu sprechen, 
wurde das jährliche Menschenopfer der Kurradee - Brahmanen 
erst durch den Peishwa in Pona abgeschafft. Die Mehals brachten 
jedes dritte Jahr ein Menschenopfer, bis zur englischen Besitz- 
nahme. Brugi^re erzählt, dass bei dem Bau der Mauern Bangkok^s 
unschuldige Sehlachtopfer eingestampft worden wären. Nach 
Marco Polo tödtete man Gäste in Korazan, um einen hausbe- 
schUtzenden Dämon zu gewinuen. Der Angriff des Rajah 
von Karrang auf Bliling hatte zum Zweck, sich menschliche 
Knochen zu verschaffen, um sein Gelübde eines Tempelbaues zu 
erfüllen. Als nach der abschlägigen Antwort Cayero's König 
Schambai nha jede Hoffnung verlor, die Stadt Martaban vor dem 
belagernden Brahma-Könige zu retten , wurde beschlossen , alle 
lebenden Seelen, die nicht im Stande wären, das Gewehr zu führen, 
hinzurichten und ihr Blut dem Quiay Nivandel (Gott der Feld- 
schlachten) zu opfern (nach Prevot). Im Anfange des 7. Jahr- 
hunderts brachte der König von Kambodia dem Dämon Pha-to-li 
ein jährliches Menschenopfer und später erzählt der chinesische 
Gesandte (13. Jahrhundert) von einem Tribut, einer mit Menschen- 
galle gefüllten Urne, die dem Könige Cochinchina's.zu zahlen 
gewesen. On envoyait pendant la nuit, de tous cot^s, des hom- 
mes, qui se rendaient daus les villes et dans les villages, et qui, 



Tenasserim mit den südlichen Staaten. 195 

quandils rencontraient des geus marchant de nuit, leur passaient 
une corde au col et ä l'aide d'un couteau dout ils ötaient munis 
leur ouvraient le flanc droit, audessousdecotes et leur enlevaient 
la Yösicule du fiel (nach Kemusat). Marini erzählt. Aebnliches 
von den Laos, die die Galle der heimlieh Ermordeten den Man- 
darinen brächten und damit die Stirn der Elephanten bestrichen, 
um sie muthig und ausdauernd zu machen. Weil Bösewichter 
die Nasen, Lippen, Ohren und Haare menschlicher Opfer suchten, 
um die Reichthümer bringende Boa-Schlange zu versöhnen, it is 
difficult to persuade a Kasia to go into the jungle alone, generally 
for fear of meeting with one of these villains , who are supposed 
to hide in all solitary spots looking out for prey, bemerkt Yule. 
Die blutigen Gebräuche der Vorzeit haften in der Erinnerung 
und leben in Volksgesprächen fort. In Mandalay erzählte mir 
ein dort gebomer Armenier in leisem Flüstern, da die Wände 
Ohren haben könnten , welch' schreckliche Dinge bei der Grün- 
dung der Stadt vor sich gegangen. An dem Tage, wo von sechs 
auf sechs Monate eins der Thore zu beginnen war, wagte sich 
Niemand aus dem Hause , denn die Späher des Königs standen 
bereit Die Brahmanen hatten gewisse Namen augegeben , die, 
als den Constellationen entsprechend , fUr den magischen Bund 
am wirksamsten sein würden. So wurden auf den Strassen Namen 
gerufen, und wenn solche, die sie trugen, unwillkürlich den Kopf 
wandten, so waren sie dem Tode verfallen. Während meiues 
Aufenthalts in Rangun wurde in Puizendaung von einem euro- 
päischen Kaufmann die erste Dampfmühle erbaut und die Ein- 
gebomen sprachen auf dem Markt« von den geheimen Er- 
mordungen, die dort vorkämen. Die Steinmauer konnte nicht 
eher zum Stehen gebracht werden, bis man es eingerichtet hatte, 
dass ein niederfallendes Gerüst vier Menschen ersehlug, und dann 
diese an den Ecken vergrub. Als ich eine Zeitlang in Jauja 
lebte, auf dem Hochlande Pegu's, erbot sich ein englischer Me- 
chaniker, eine Fähre über den nahegelegenen Rio grande zu 
bauen, und es dauerte nicht lange, so wurde man gewarnt, dort 
vorüberzugehen. Die Leute erzählten einander Schauder- 
geschichten von den vielen Opfern , die dort schon geschlachtet 

13* 



196 B»"»»- 

seien, denn wenn kein Menschenblut flösse, wie würde die Fähre 
sich bewegen können. Das ganze Project missglückte schliess- 
lich und die Fähre ging wirklich nicht. Die Chinesen be- 
streichen die Glocken mit Blut, damit sie in Lauten reden , ob- 
wohl zu Mengtseu's Zeit nur mit dem der Ochsen. Colebrooke 
concluded , that the Purusha-medha (sacrifice of men) was never 
any thing but typical, und Wilson führt den Ausruf des Suna- 
gephas an: They will put me to death, as if I were not a man. 
Wenn im Yajna eine Kuh geopfert wird, heisst es Gromedha, 
wenn ein Pferd, Aswamedha, wenn ein Mann, Narmedha, bemerkt 
der Dabistan und setzt hinzu, dass der Vischnuite, als Agnish- 
toma, nicht eine Ziege, sondern nur das aus Mehl geformte Bild 
einer solchen darbrächte. 

In der Provinz Tenasserim überwiegt die Karen -Bevöl- 
kerung verhältnissmässig mehr wie eine andere, da die Ein- 
wanderer nur dünn der Küste entlang gesäet sind und , ausser in 
den Zeiten der Tributeintreibung, die Hügelbewohner selten be- 
helligen. Die Karen erzählen aus alten Traditionen, dass sie 
einst eine voluminöse Bibliothek besessen hätten, die, aus 
alter Zeit, auf Felle geschrieben war, aber eben deshalb das 
Unglück hatte, von einem hungrigen Hunde verzehrt zu werden. 
Die Religion Rajah Brahil's ging den Mantras verloren , als das 
einzig noch übrige Denkmal derselben , die beschriebene Haut 
der Biawah genannten Eidechsenart, zu Xangeib'eisi's Zeit von 
einem Hunde zerstört wurde. In den Ländern Hinterindiens 
wird meist auf Palmblätter oder, wie in Siam, zuweilen auf 
chinesisches Papier geschrieben, doch bemerkt Vertomanus 
(1503 p. d.): The inhabitans of Tenassari wryte on parchment 
like unto ours , and not on barke of trees as doo they of Calecot. 
Indessen bedienten sich auch die Kambodier für ihre Schriften 
bei Anwesenheit des chinesischen Gesandten (13. Jahrhundert) 
der Häute von Hirschen und Rehen. Zoroaster's Bibliothek soll 
auf Häute geschrieben sein, obwohl Hamza Isfahani von der Ent- 
deckung des magischen Rituals auf Baumrinden in Jai spricht. 
Nach Meschalmah beu Ab-Sechuah besassen die Samaritaner aus 
alter Zeit eine Thorah , geschrieben auf Häute von einem Fried- 



Tenasflerim mit den südlichen Staaten. 197 

Opfer. Id dem Manuscript des Buches Josua war die Haut von 
einem Passah-Lamm (b. Geiger). Das schon zu Alexander's M. 
Zeit in Hellas eingeführte Papyrus, dessen Bollen sich in den 
Mumiengräbern finden, wurde spUter zur Charta Augusta ver« 
arbeitet. 



In der Zeit^Asoka's (der nach dem Mahayasuen 255 der 
Buddha-Sakkharat starb) kamen die Mon von Hongsavaddi oder 
Yadi nachLigor und vermischten sich dort mit den Phuek thay, als 
diese später ebenfalls dort anlangten. Die in Ligor gesprochene 
Sprache ist jetzt das Siamesische, aber ein Dialekt, dem vor- 
geworfen wird , dass ihm die Mai-Eh und -To oder die Accente 
mangelten, wie auch die Laos solche durch Dummheit ver- 
gessen hätten. Auch die Moi in Baria sprechen das Cochin- 
chinesische ohne Betonung und die Siamesen nennen die Sprache 
derEha: Nok Jen (Vogelgezwitscher), weil sie der Sieng (Stimme) 
entbehren. Im siamesischen Idiom zu Ligor werden N und L 
verwechselt, so dass die Stadt gewöhnlich Lakhon statt Nakhon 
ausgesprochen und jetzt mit Absicht so betont wird, da die 
meisten Schauspieler (Phuek - Lakhon) von dort kommen. In 
den benachbarten Idiomen finden sich ähnliche Lautverschie- 
bungen. 

Der Prinz Hemaxala (der Goldgestreifte), dessen Geschichte 
die Siamesen in einen beliebten Roman verarbeitet haben , hatte, 
von Feinden bedrängt, sein Reich Nauthaburi, in Kalinkharat 
gelegen , verlassen müssen und kam auf seinen Irrfahrten nach 
der Stelle, wo Srithammarat - Asoka in alter Zeit Myang Ligor 
gegründet und Reliquien vergraben hatte. Diese findend, schloss 
er sie in der darüber errichteten Pagode Prathaht ein und baute 
die untergegangene Stadt wieder auf, als Nakhon Sri Thammarat. 
In einer andern Novelle sind die in Ligor niedergelegten Reli- 
quien aus Langka gebracht , als Gegengeschenk für den heiligen 
Zahn, und Hemaxala mit seiner Schwester hat manche Abenteuer 
zu bestehen, ehe er zum Zweck gelangt. 



198 Birma. 

Als Phra Thammasokharat *) , der König von Sukothay, 
durch die Länder wanderte , um an passenden Plätzen Städte zu 
gründen , erbaute er Ligor oder Nakhon Srithammarat im Lande 
der Batta. Ptolemäus setzt die Batoi östlich von den Brachmae, 
und jetzt führen die Orang Benua (Eingebornen) Sumatra's den 
Namen Battas. Junghuhn hält die Balinesen für ächte Batta's 
und reiht ihnen auch die Alfuren, sowie die Bugis und Makas- 
saren an. Nach Burton kennen ihre Sagen eine östliche Ein- 
wanderung von jenseits des Meeres her nach Sumatra. Wie 
Borie erzählt, wären nach dem Tode Batin - Alam's Menschen- 
fresser aus Sumatra in die malayische Halbinsel eingefallen. 
The Battacks , such is the name of the people , slaughtered and 
destroyed a great number of the Mantras. Sie wurden nachher 
durch die WunderwaflFen vertilgt, die der Häuptling Meragalange 
aus Roum erlangte , aber in späteren Zeiten the Battacks again 
retumed to invade the peninsula and Batin Xangeibesi or Claws 
of Iron, then governing, was completely driven back, he and bis, 
into the interior. Bis zu der Zeit hätten die Mantras die Religion 
des Rajah Brahil (Tuan Isa oder Nabi Isa) befolgt, der die Erde 
aus einer Wallnuss schuf und den Vogel Simerani sich darauf 
niedersetzen Hess, um zu versuchen, ob sie noch weich sei. 

Als Singha-Rajah, König von Dantapura, in der Schlacht ge- 
fallen war, flohen sein Sohn Thontha-Kuman und seine Tochter 



*) Aach die Geschichte Toungnu's verknöpft ihre Pagoden mit einem Dhamma- 
soka betitelten König und der im fünfköpfigen Gebirge (Pantcha circha parvata) 
Mahatchina's geborene Mandjusri kam im Gefolge des Königs Dharmakara oder 
Dharmakar nach Nepaui. Von piladitja, der acht Monate des Jahres auf Be- 
reisung seiner Länder zubrachte , wird gesagt , dass er (ausser dem Sthupas am 
Ganges) überall Sangharamas oder Klöster gebaut habe, wo er Sporen Ton 
Buddha's früherem Wandel angetrofifen. Die Reliquien sollen bei den Nach- 
grabungen Asoka's dem wiederaufgefundenen Schatze Dhana Nanda's entnommen 
sein , eines der verbrüderten Nanda , deren Haupt Krananda (der Bruder Amog- 
ha's) von Thomas (in ZusammensteUung mit Masudi's Kand) mit dem Xandrames 
des Diodor und Agraraes des Curtius identificirt wird. Der Mallalingara-Wutto 
berichtet, dass bei Buddha's Leichenfeier Kasyapa es auf ein Goldblatt verzeichnet 
habe , dass einst ein König , Piadatha genannt , erscheinen wärde , um die von 
Adzatatath niedergelegten Reliquien über die Erde zu verbreiten. 




Tenasserim mit den sfidlichen Staaten. 199 

Hemachala mit der Reliquie von Buddha's Zahn nach Lanka, 
litten aberSchiflTbruch auf dem Diamantenstrande, wo derBorom- 
mathet Thero auf dem Hügel Assakano (einem der niedem Vor- 
httgel des Meru) wohnte. In der Luft schwebend sah er noch 
zu rechter Zeit die Gefahr der Reliquie, die Rajah Naga sich an- 
zueignen strebte, aber, obwohl er sich jenseits des Horizonts 
fortgerollt hatte, auf den heiligen Befehl durch seine Unterthanen 
zurückgebracht werden musste. Mit einem ankommenden Schiff 
segelten sie weiter, wurden aber auf Phaya Nakh's Veranstaltung 
durch einen furchtbaren Sturm überfallen, und der Capitain, der 
vergebens zu den Devattas gebetet hatte, wollte schon den 
Prinzen und die Prinzessin , als zwei Fremde , die die Ursache 
sein möchten , über Bord werfen , als auf deren Anrufung der 
Thero in der Form Supanno's oder Garuda's erschien und das 
Unwetter beschwichtigte. Als der Capitain mit seiner Mann- 
schaft den Thero demüthigst verehrt, erreichte das Schiff bald in 
Sicherheit den Hafen Lanka's. Der König dieser Insel , hoch- 
erfreut über den Zahn, gab Hemachala die nöthigen Reliquien für 
den Bau Ligor's. Diese Mythe vom Diamantenstrande ist schon 
durch Low mitgetheilt. 

Als im Laufe der Zeiten Hemaxala's Geschlecht erloschen 
und ein fremder König auf dem Throne Ligor's sass , wünschte 
man die Reliquien zu haben, um die heilige Periode neu zu 
gründen. Aber man fand sie durch einen bezauberten Knoten 
(Pha Phayan) geschürzt, und da Niemand sie zu lösen verstand, 
80 erliess Phaya Nakhon Sri Thammarat (der König Ligor's) einen 
Aufruf an alle fremden Fürsten und Herren, hohe Belohnung dem 
versprechend, der durch seine Geschicklichkeit die verwobenen 
Maschen des gordischen Kunstwerks entwirren würde. Viele 
kamen, aber keiner zum Ziel, bis Chao Kakaphasa, der Sohn des 
Königs von Kumphisai, das Geheimniss entdeckte. Dann erst 
war es möglich, nach dem Aufgraben der Erde , die mit Charak- 
teren bedeckten Steine zu entfernen , denen gleich , die in allen 
Theilen der Provinz Ligor getroffen werden. 

In spätem Jahrhunderten , als Myang Lakhon von Xava ab- 
hängig war, wurden Chao Mum und Chao Mu , zwei Söhne eines 



200 Birma. 

• 

Setlii , durch den Btnmr auf der Reise von Langka verschlagen 
und litten ScTiiifbruch an der Küste Ligor's. Als sie in dem 
früher von den Farang bewohnten Orte nachgruben, fanden 
sie Reliquien und auf Steinen eingegrabene Inschriften, wie 
solches in dem Buche Phanasutr-Phrathat vorherverkündet war. 
Die Auskunft, die ich geben kann, bleibt unvollkommen, 
aber es war mir selbst schwer, so viel zu erhalten. An Ligor 
müssen sich noch verschiedene andere Traditionen über die Fa- 
rang knüpfen , wie solche sich in Hinterindien immer mehr ver- 
mehren und in den Mythen der Eingebornen zu ihrem eigenen 
Entsetzen, und gerade dadurch, nur grausiger und ungeheuerlicher 
aufwachsen. Ich hatte mich nach dem Buche Hemaxala mehrfach 
erkundigt, und da ich von einer Copie desselben in einem Kloster 
Bangkok's hörte, verschob ich meinen Besuch bis auf bequemere 
Müsse, da ich glaubte, dass es mir nun sicher sei. Als ich aber 
später noch kurz vor meiner Abreise dorthin kam , fand ich in 
dem Eigenthümer einen alten verschrumpften Mönch, der zu der 
conservativen Partei der Fremdenhasser gehörte und mich mit 
dem Häss seiner Augen verschlingen zu wünschen schien. Schon 
bei den ersten Worten merkte ich, dass irgend eine dunkle 
Prophezeiung , entweder schon in dem Buche oder nur in der 
Phantasie meines Informators, Hemaxala und Ligor mit den Farang 
verknüpfte, und ich durfte schon aus Höflichkeit nicht verlangen, 
dass mir durch Verrath das Schicksal seines Vaterlandes in die 
Hände gespielt würde. Mein vis -ä- vis aber dachte auch gar 
nicht an Verrath , er war gewaltig karg in seinen Mittheilungen. 
Ganz indess konnte er mir nicht entgehen , denn durch Kreuz- 
fragen hatte ich oft manche Bemerkung herausgelockt, die er 
aussprach , ohne es selbst zu wissen. Da indess dann ein nur 
um so hartnäckigeres Schweigen folgte , so war mir meine Zeit 
7.U kostbar, um ein so undankbares Tete-ä-tete länger fortzusetzen. 
Doch sind solche Charaktere selten, da ich im Allgemeinen die 
buddhistischen Priester immer durchaus bereitwillig fand, mir 
Alles, was sie wussten, mitzutheilen. Leider war dies Alles nur 
gewöhnlich sehr Weniges. Der Umgang mit den begabteren 
dieser Mönche , wie man sie besonders unter den Vorstehern der 



Tenasserfan mit den sfidlichen Stuten. 201 

Klöster trifft , ist ein sehr anziehender. Die Sanftmuth and das 
Wohlwollen, in dem Vorbilde ihres Stifters personificirt, ist nicht 
ein äusseres Gewand, sondern in ihr Fleisch und Blut über- 
gegangen, «nd wenn man in einsamer Klosterzelle den Worten 
dieser Gandidaten des Nirvana lauscht, bedauert man nur, dass 
dieselbe Religion im praktischen Leben zu Apathie und Thaten- 
losigkeit führen muss. 



Pegu. 



Die Ueberlieferungeu Thatnngs« 

In frühester Zeit war Alles eine weite See, and nur drei 
Hügel ragten hervor, bestimmt fUr die künftigen Städte, Tagöung, 
Tbatung undProme. König Thisaraja von Palibrotha sandte drei- 
mal Explorations-Expeditionen*) aus, um an einer eben aus dem 
Irawaddi gebildeten Insel zu ankern. Auf dem Landweg aus 
Misimadesa kamen gleichfalls Entdecker, aber erst das vierte- 



*) Unter der Djmastie TagooDg's findet sich ein König (Kaleinga-Yaza) Ka- 
lingaraga (s. Lassen) , und Kalinga bozeichnet oft nicht nur das specieUe Land 
der Talinga oder Kling , sondern die Seekuste überhaupt. 

Die ganze Reihenfolge der KSj^ige ist (nach Bumej) die folgende : 

1) Abheerija. 2) His son Kan Yiiza ngay. 3) His son Zaboodeepa Y4za. 
4) His son Thengatha Ykzä, 5) His son Weippana Yiizk. 6) His son Dewata Yiaü. 
7) His son Munika Y4zi. 8) His paternal uncle N»ga Y4za. 9) His yonnger bro- 
ther Einda Y4zä. 10) His son Thamoodi Yäzä. 1 1) His sonDewa Y4zü. 12) His 
son Maheinda Yiz4. 13) His son Wimala Yäzii. U) His son Thihanü Yäza. 
1 5) His son Dengana Yäzik. i 6) His son Kantha Yäz4. 1 7) His son Kaieinga Yaz4. 
18) His sonThendw^ Y4zA. 19) His son ThihalaY4zi. 20) His yonnger brother 
Han-tu Y^Mk. 31) His son Wara YÄz4. 22) His son Alonng Y4z4. 23) His son 
Kanlaka Yäzk 24) HU son Thuriya Y4zä. 25) His son Thengyi Ykzk. 26) His 
son Taing gyi Y4z4. 27) His son Madu Y4zA. 28) His son Menlha gyi Ykzk. 
29) Hisson'ilian thu thihaY4z4. 30) His sonDanengaYizii. 31) HissonHeinda 
Yaza. 32) His son Manriya Ykik. 33) His son Bheinnaka Yizk. 
Und bei der zweiten Dynastie : . 

1 ; Thado Zabudipa Daaa Y4z4. 2) Thado Taing y&Yiai. 3) ThadoY4fha 
ya. 4) Thado Tagwon ya. 5) Thado Lhan byan ya. 6) Thado Shwe. 7) Thado 
Oalonn ya. 8) Thado Naga ya. 9) Thado Naga Naing. 10) Thado Ya Hanla. 
11) Thado Ponng shi. 12) ThndoKyonk shi. 13) Thado Tshen louk 14) Thado 
Tschen dein. 1 5) Thado Taing gyi. 16) Thado Men gyi. 17) Thado Mah4 Yiz4. 



206 Pegu. 

mal gelang es , den noch schwankenden Boden zur Menschen- 
wohnung zurecht zu machen. Auch in Prome bildeten Kaufleute, 
die zur See anlangten , eine Niederlassung. Auf dem Thatung- 
Berge aber btisste ein einsamer Eremit, dessen Stillleben nur 
mitunter durch Besuche eines aus dem Wasser hervorsteigenden 
Drachen Weibchens unterbrochen wurde, und in der Folge grün- 
dete dort der schlangengeborene Tihajasa, auch der Yathay Tiha 
genannt, diefätadtDon-abon-mih, die nach der Herrschaft von fünf 
Königen, unter Ingura-min, dem Leü^ten derselben, durch ein Erd- 
beben zerstört wurde. Dessen Sohn erbaute die Stadt Thudama- 
wuddi, wo ihm sein Sohn Thiwirit auf dem Thron folgte. Dann 
regierte der König Sothakoma und nach demselben Dammathoka. 
Sein Nachfolger Mahawiseah (der Sohn einer Naga und eines Wizza) 
verlegte seine Residenz nach Thatung (Satung), das durch die Htllfe 
der Götter so verschönert wurde, dass der König (vielleicht das 
Schicksal des Polykrates fürchtend) den Thagya-min bat, doch 
wenigstens Eine schlechte Eigenschaft hinzuzufügen, da sonst 
die prächtige Stadt wahrscheinlich nie vor ihren Feinden sicher 
sein würde. Seine Bitte wurde erhört, und seitdem hängt stets 
ein düsterer Wolkenhimmel (Katün) über den waldbedeckten 
Hügeln Thatung's , was demselben indess in meinen Augen nur 
gerade einen besonderen Reiz verlieh , als ich bei der Ankunft 
unter den gedämpften Strahlen einer drohend verschleierten Sonne 
zum ersten Male auf ihre altersgrauen Pagoden blickte , die aus 
dunkel belaubtem Walde am Abhänge her\'orragten. 

Gautama ging über dasmitDvaway zusammengrenzende Ya- 
keinpieh (Land der Yakein) nach Yamawudditein, und war deshalb 
von einigen aus Yasajobieh gekommenen Byammagyi begleitet, 
die, als sie sich im Lande der vertriebenen Dsit niederliessen, 
daraus ihren Namen Yekkain oder Bodo-Yekkain erhalten haben 
wollen. Die Mugs meinen sich denselben also zur E^re rech- 
nen zu können und die Birmanen lassen ihnen diese Erklä- 
rung, fügen aber hinzu, dass diese Aufwärter des Gottes eben 
solche gewesen, als man noch jetzt an den Tempelthüren 
sieht, d. h. hässliche Rakschas oder Yakkas mit lang hervor- 
stehenden 21ähnen, und dass Einige davon sich dem Gefolge 



Die Ueberlieferongen Thatang'B. 207 

Gautama's angeschlossen hätten. Die Wildheit Anderer war in- 
dess nicht so leicht zuzähmen, dennalsGautamainderMartaban- 
Bucht landete, wurde er von den dortigen Belu *) (wahrscheinlich 
den Nachkommen von Ptolemäos' Anthropophagoi) am Benjang- 
Flusse mitSteinwUrfen empfangen und überhaupt so misshandelt, 
dass er sich nach Thatung zum König Therematauka flüchtete, der 
ihn freudig und mit grossen Ehren bei sich aufnahm. Seinem 
Nachfolger Oukala wurde von zwei Brüdern die Reliquie der acht 
Haare gebracht. Als später König Malemin (Sohn des Tatujasa) 
in Wethali-pyih oder Thatung herrschte und das Land von un- 
zähligen Belu schwer bedrängt wurde, kamen vier Johandas, 
die von seiner Noth hörten , zu seiner Hülfe, um ihm das Asyl zu 
vergelten, das er einst ihrem Meister gewährt hatte. Sie brachten 
kräftige Reliquien, über welche die Pagode des Thatung-paya 
gebaut wurde , und der nach Tiho (Ceylon) gesandte Shin Bode- 
gosa beglückte dann die Halbinsel mit der heiligen Sammlung des 
Pitagat, mit einem fliegenden Stifte (Kanitsascha), den Engel vom 
Himmel gebracht hatten, geschrieben. Dennoch fiel Thatung mit 
Halemin's Tode in Ruinen , weil der rechtmässige Erbe , Mitsiü, 
als mit Aussatz behaftet, in die Wälder verbannt worden war. 
Dort erhielt er indess vom Thagyamin ein wundervolles Gewand, 
das durch Anlegen seine Krankheit heilte, und dann mit Zauber- 
waffen versehen, erlöste er das Land von seinen Bedrückern, und 
erbaute Thatung aufs Neue, als Thatung -gyi, das mit Daunu 
bevölkert wurde. Seitdem erhielt Wethali-pyih erst den Namen 
Thatung, wo Thaukaday durch Wajurmin gegründet wurde. Unter 
König Manujasa oder Man uha kam eine neue Collection religiöser 
Bücher durch den Johanda Shin Sudat aus Ceylon nach Thatung 
undNoatasa, König vonPagan, der davon hörte, batumeineCopie 
des damals in Birma noch unbekannten Pitagat, damit sich die 
Sasana auch dorthin verbreite. Als er eine abschlägige Antwort 
erhielt, rückte er mit seinem Heere vor Thatung und eroberte die 
Stadt, deren Cultur und Civilisation das Staunen der Barbaren 



*) In der Nahe des obeni Pagan sollen sich die Ruinen einer Beln-Myoh mit 
scnlptSrteii SteiDbanten linden. 



208 Pego. 

erre^. Die Prinzessin Thatungda erschien ihnen so zart und 
fein, dass sie dieselbe, die der König für seinen Harem wünschte, 
in eine Nadeldose steckten, um sie anbeschädigt zu transportiren. 
Der Pitagat wurde fortgeführt und mit ihm die Thatung bewoh- 
nenden Thoungthu , um beim Bau der Pagoden in Pagan nach 
dem Modell der in Thatung zerstörten zu dienen. 

Nach einer einheimischen Tradition wurde unter König 
Manuha der Pitagat frtther durch Shin Sudat (aus Satung) in die 
Sprache der Talein, als durch Buddhagosa in's Birmanische tiber- 
setzt. ShinTouatih, Buddhagosa's Schüler, soll in Beling ge- 
storben sein. Low hörte von Pungyi in Martaban, dass two 
priests of Buddha, called Autherati and Sonati, arrived in the Bur- 
man territory from Secho (Ceylon) and were succeeded in their 
Spiritual dignity by Bauddha Gotha. 

Ueber die Aussendung der ersten buddhistischen Apostel 
giebt eine siamesische Uebersetzung des Mahawanso folgenden 
Bericht, anPhraMahintha-then's Ankunft in Ceylon anknUpfendu 
Als Phra Mokhalibutditsa-then chao nach der Thutiya-San- 
khyanai die Verbreitung derPhra-Phuttha-Sasana in den fremden 
Grenzgebieten (Pachantha prathet) und den Aussenländem (ban 
myang nok) in Betrachtung gezogen hatte, wurde fttr Katsamira- 
Nakhon Phra Matxa-thika-then bestimmt, die dreifache Religion 
zu begründen, Phra Maha - thepha - then fttr Mahitsamandala- 
Prathet, Phra Rakkhith-athen für Vannavasi-Prathet, Phra Sona- 
kathamvakkhita - then für Parantaka-Xonbot , Phra Mahatham- 
Rakkhita-then fttr Maharatta-Prathet , Phra Maha-Rakkhita-then 
für das Land (Myang) von Jona-loka, Phra Matxima-then fttr Hi- 
mavan-Prathet, und dann zwei Phra Maha-thero, Phra Sona-then 
und Phra Uttara-then fttr Suvannabhumi. Diese zogen mit je fünf 
Begleitern und erhielten die Vollmacht , friester nach den Vor- 
schriften des Gresetzes zu ordiniren , ebenso wie die fünf als Mis- 
sionäre nach Ceylon gesandten Maha-thero. 

Nun gab es damals einen Drachenköuig (Phaya Nakh), 
Alavaranakharat (der Herrscher der Stadt Alowi) genannt, ein 
schamloser Sünder, gräulich und wild, mit furchtbarer Macht be- 
gabt. Er lies» Hagelstürme eimervoll auf das Land Katsamir« 



Die üeberlief«»riingen Thatiing's. 209 

herabregnen. Doch Phra-Matxalikathenehao*), durch die Luft 
herbeifiiegend, entfaltete am See Alavara-Sa (der See von Alowi) 
im Waldgebirge Himaphan seine Wunderzeichen (Itthirit), indem 
er auf dem Wasser spazieren ging. Als die Damen des Hofes 
ihn dort umherwandeln sahen, wurden sie ärgerlich, begaben 
sich zu ihrem Drachenkönig und beklagten sich, dass dort ein 
kahlköpfiger Bursche wäre in zerschnittenen Kleidern, der das 
Wasser schmutzig und unrein mache. Als FhayaNakh die Worte 
seiner Concubinen vernahm , kam er voll Zornes aus dem unter 
dem Wasser gelegenen Schlangenreich (Nakhaphiphob) hervor- 
geschossen und setzte alle seine Zauberkräfte in's Werk, in den 
schrecklichsten und schaudervollsten Weisen, Wirbelwinde um- 
herjagend , durch Stürme Bäume entwurzelnd, Berge zerspaltend 
und dann mit Hülfe aller seiner Drachenunterthanen einen dichten 
Nebel hervortreibend, während sie schimpften und spotteten, 
schreiend: „He da, du Somana, mit deiner kahlen Glatze du! 
Was sind denn deine Kleider so wie mit einem Messer zerschnit- 
ten?" Der König gebot dann seinen Drachen: „Geht hin und 
packt mir den Somana. Wir wollen ihn tödten.'* Der Thero 
aber vertheidigte sich durch seine schützende Wunderkraft, und 
nachdem er alle die Zeichen des Herrn entfaltet hatte , richtete 
er das Wort an den Nakkharat, dass nichts im Himmel oderKrde 
ihn schrecken würde, und bekehrte in seiner Fredigt den Fhaya- 
Nakh mit 84,000 Drachen. Dann predigte er auch den Jakkha, 
den Kumphan und Konthan, die in grossen Mengen um die Nach- 
barschaft des See's im Himaphan-Walde hausten. Der Fantha- 
kajakli genannte Jakh erlangte den Soda- Fa tiphon nebst den 
weiblichen Harita-jakkhini und 500 Söhnen , die zugegen 
waren. Der Thero belehrte dann die Drachen (Nakh), wie sie 
nicht länger die Menschen belästigen dürften und allen Wesen 

*) Der Conimentnr des ceylonischou Mnliawanso i^iebt dein Madbjii aCMadli- 
jaina) noch vier Begleiter (Kassyapa, Mulakadcva, Sahasadeva und Dlian('abinaoa), 
und Cunnin^ham fand Kassyapa Gota, als den lielnor de«^ ;,'aiizpn Ilimawuntn, in 
einer Inschrift der BhUsa-Topen. In einer andern In^ehIift wird noch Gotipnttra 
hinzngefügt nnd ein geistlicher Verwandter der Darda nnd Aldiisara (Hazara) 
genannt. 

Bastian, Ostaaien. I. 14 



210 Pegru. 

Wohlwollen erzeigen mUssten. Der gerührte Phaya Nakh (Dra- 
ehenkönig) heiigte sich vor dem Mahathen und beeiferte sich, ihn 
zu fächeln. AI» die Leute (Mannt) des I^andes Kat^amira mit 
Opfergahen für Pliaya Nakh herbeikamen, fanden sie ihn, den 
Maha-Thero verehrend, und wurden gleichfalls bekehrt, als ihnen 
die Sivisupania-Sutra gepredigt worden. Der Phra Thepha-then 
begab sich durch die Luft nach Mahitsamanthala-Prathet, wo er 
in die Mitte einer Versammlung niedersteigend, die Thevathutha- 
Sutra predigte und viele Bekehrte gewann. Phra Kakkhitha-then, 
nach Vannavasi - Prathet ziehend , liess sich in der Mitte einer 
Versammlung nieder, wo zur ßekelirung die Anamattakhasutra 
gepredigt und Khister (Vihara) gebaut wurden. Und Phra 
Thamma-Kakkhitha-then, ein Bewohner Jonaka's und in den Mo- 
ralgesetzen wohl erfahren, ging nach Parantaka-Xonbot, um einer 
grossen Versaunnlung die die Parabel des Feuerhaufens*) an- 
wendende Sutra, Akkhikhantopama-Sutra genannt, zu predigen. 
Dann gab er 37,000 aus seinen Zuhörern von dem Engelswasser 
der Unsterblichkeit zu trinken und durchdrang sie mit Kühnheit 
Kr liess sie die vier Makh (Megga oder Wege), die vier Phon 
(Früchte) und Niphan annehmen. Von Männern gab er 1000 
die Weihe und von den zahlreicheren Frauen 6000, alle aus 
fürstlichem Stamm und jetzt in die erhabene Phuttha-sasana ein- 
tretend. Dann ging Phra Mahathamrakkhitha-then, der die Sila- 
kantha-thikun suciiend, die Isi genannte Khun fand, nach Maha- 
ratthanakhon, die Mahanaratthakatsa-Xadok erklärend. Und der 
Maha-Thamma-Bakkhitha genannte Phra Ariya-Chao , die Ge- 
bräuche der Junaka adoptirend, bekehrte seine Zuhörer durch das 
Predigen der Kala-kalama-sutr. Und der Paxima-then genannte 
Phra Ariya-Uhao zog mit vier Begleitern nach dem Waldgebirge 

♦) In seiner iKTÜhuiten IJcivpnMÜgft viTgloicht liiuldlia AUe», wa« sich in 
den drei W'elten der Men.sehen, Nat und lirnlnna's linde, einem brennenden Feuer. 
Nach der tibetischen Legende (s. Schmidt) beh'hrt die Nonne Utpala ihre 
Sclifderinnen , d:vss (li(» Begehrlichkeit einer verzehrenden Feuermasse gleich sei. 
Im Kaivaljanavanita wird der Schüler dnrcli die Leiden des dreifachen Feiier- 
schmerzes (von den Weltgottheiten , den Kiementen und elcmentarisehen Ge- 
bilden Ihim zur Krkciintnis^; «le>* Trivrntnia PakNa gefuhrt (s. Graul). 



I 



Die ITfberlieferunjjen Thatung's. 211 

Phra-Himaphan , wo er Viele bekehrte und fünf Niederlassungen 
gründete. Und Phra Sona-Tlien-Chao begab sieh mit Phra Uttara- 
then nach Suphannaphum , wo vor seiner Ankunft die Phi-süa- 
nani (die Schnietterlings-Geister*) des Wassers) die Gewohnheit 
hatten, alle Kinder zu fressen, die in dem königlichen Palaste 
geboren wurden. Da es geschah , dass Phra Sona-then gerade 
zu der Zeit ankam, als ein Kind im königliehen Palaste geboren 
war, so glaubten die Leute, als sie ihn sahen, dass er einer der 
Gefährten derPhi-sUa-nam wäre und zu ihnen gehöre, da sie noch 
die Priester (Phra-song) nicht k» unten. So bewaffneten sie sich 
und kamen hcrbeigehiufen, den Mahathero zu tödten, und dieser, 
der sie in voller Kriegsrüstung sah, fragte sie, was sie mit den 
Waffen wollten. Das Volk erwiederte: Die Phi-süa-nam pflegen 
hierher zu kommen, um die in den königlichen Behausungen 
geborenen Kinder zu fressen, und Ihr gehört auch zu dieser Sipp- 
schaft. Wir werden jetzt ein Ende mit Euch machen. Der Ma- 
hathen sagte zur Antwort: Wir sind einSomana, die Vorschriften 
(Sin oder Sila) beobachtend, und zu diesen gehört, dass kein 
Wesen getödt^t werden darf, sondern Alle in glücklichem Frieden 
leben mögen. Wie könnten wir ein Genosse der Phi-süa-nam 
sein? Während der Mahcithero noch sprach, siehe da kamen die 
Phi-süa-nam eiligst und geschwind in grossem Gefolge aus dem 
Teiche hervor, indem sie nach reiflicher Ueberlegung bei sich 
dachten: Haha, ich werde jetzt dies Neugeborene zerkauen und 
essen. Als die versammelten Leute sie erblickten, schrieen sie laut 
auf vor Schreck : Herr, unser Meister, erbarmt Euch Eurer Diener. 
Da sind die Phi-süa-nam gekommen, den Säugling zu fressen. 
Der Mahathen schuf die Erscheinung von einer grossen Menge 
Phi-süa-nam, die sich in zwei Theile theiltcn, furchtbar anzu - 
«lelien. Sie umgaben den Phi-süa-nam mit seinen Begleitern von 



•) Wie (Ko birmanische Psyclioloj^ie dio Seole als Leip-y:i (Scliiuottcrling) 
rersinnliclit , sah ich ihr Bihl in tlersrlbon Form auf den Felsongräbern Dara*8 
ein(^(ihanen. Bei llesychiiis wird die ^v/^ ein ^worfvtoy nrt^voy genannt, bei 
Nicander mit den Phaläncn znsammrngestellt , sowie auch mit den Erucae oder 
Kampai , wührend nach Diodor x«//;//; ein indischen Ungethfim meint. "Exaaroy 
Xrtr« rr^y iSinv fpvaiyavjfjn ianv^ o uyyt'Ao^, 9] ^t'/f, o dntuwy (Macarins). 



212 ^«"firu. 

allen Seiteu. Als der Plii-sUa-uaiu und seine Anhänger dieses 
mächtige Heer von Phi-süa-naui sahen, so fingen alle an zu zittern 
und es wurde ihnen schwach uin*s Herz. Dann ergriffen sie die 
Flucht und liefen davon, indem sie üherlegend dachten und 
zu sich selbst sagten: ^Dieser Platz hier ist die Grenze des 
den Phi-süa-nani zukommenden Gebietes." Nachdem der Ma- 
hathen dies Land in seinem Umkreis beschützt und Mcher gestellt 
hatte, predigte er vor der Versammlung diePhromaxalasutra und 
befestigte seine Zuhörer in dem Phra TraiSaranakhom (den drei- 
fach heiligen Preisungen Buddha's) und den Sin (Sila). Die 
Zahl Solcher, die in die Makh und Pon eingingen, war 6<X)0. 
Von Kula-Tharok (adligen Knaben; bekannten sich zur Weihe in 
der Phra-Phuttha-Sasana eine Zahl von 3500 und von Kula- 
Tharika (adligen Mädchen) 1500. l'nd von der Zeit an wurde 
es Gebrauch, die in der Residenz der königlichen Majestät ge- 
borenen Knaben Sonutaraman zu nennen, nach den Namen der 
beiden Apostel. 

Die Mahavasuen setzt das dritte Concil in das Jahr 234 der 
Buddha-Sakkharat , nach ('unniugham*s Berechnung würde es 
243 a. d. fallen. 

Nach der Inschrift auf der Insel Kamree oder Kamanati, 
die bei der Weihe des Tempels Kalyani simtokri im Jahre 1786 
p. d. abgefasst ist, wurde die Lehre Buddha's, auf Antrieb Mog- 
galiputt;itinathcu's, zuerst durch Sonathen und l'ttarathen in dem 
I^nde Suvannabhumi verbreitet, im 23H. Jahre nach Buddha's 
Eingehen in das Nichts. Im Jahre IGOO B. S., als die Arahanta 
im Lande Pukam und in dem Königreiche Arimaddana Einfluss 
gewannen, sandte ihr Beherrscher Anorathacho, erfüllt mit 
Achtung für die Shastras, eine Einladung an die Gelehrten in 
dem Lan<le von Sathum und brachte sie nach den ihm unter- 
worfenen Ländern durch die Mitwirkung der Nachfolger Sona- 
then's und Uttarathen's. Im Jahre 1714 B.S. ging Uttarajivathen, 
der priesterliche Lehrer des Königs von Pukam, nach Ceylon, 
um dort mit den Anhängern Mahintathen*s religiöse Erörterungen 
zu pflegen. Sein zum Priester geweihter Schüler Chapada-sa- 
mana kehrte während der Regierung Narapatisethu's nach Pukam 




Die Ueberlieferungen Thatung^^*8. 213 

zurück, im Jahre 1724, und führte die Sliastras ein, die er in 
Ceylon studirt hatte. 

Nach einer singalesi^ehen Darstellung kam Buddhathe- 
gooseke Terunwahanse im 6. Jahre Mahananio's (dem 930. Jahr 
Buddha's) nach Ceylon und kehrte, nachdem er das Buch Visuddhi- 
marge und andere verfasst, nach Suvamabhunii zurück. Das Maha- 
wanso erwähnt seine Ankunft unter König Mahanamo (410 bis 
432 p. d.) und sagt, dass er nach derUebersetzung der singale- 
sischen Atthakathain die Wurzelsprache des Pali nach Jambudvvipa 
heimgegangen, um den Bo-Baum zu verehren. Anoratho scheint 
nur gelehrte Männer von Thatung nach Pagan eingeladen zu 
haben, um die Bücher kennen zu lernen, und die letzte Zer- 
störung jener Stadt fällt wahrscheinlich in die Regierung Narapa- 
tisethu's, der das ganze Land als Eroberer durchzog. 

Die Bewohner Thatung's wurden vonNaurathamenzau weg- 
geführt und südöstlich von Nyaung jowen, das Narapatisethu 
später einer Colonie von Tavoyern zuwies (1157— IHK) p. d.), 
angesiedelt, wo sie das nördliche Thatung (Thatung-ngay oder 
das kleine Thatung) der Toungthu erbauten und jetzt den 
Karennih Tribut zahlen. Die geschickten Arbeiter und Künstler 
unter den Bürgern der eroberten Stadt waren indess nach der 
Residenz geschickt worden und dort als Pagodesclaven bei der 
Verschönerung der Paläste und Tempel nutzbar gemacht. Die 
buddhistischen Könige haben vielfach unterworfene Stämme den 
Tempeln als Sclavenvölker übergeben. Der vom Geschlecht der 
Qakja stammende Ssematsiulo, König der Tuholo oder Tukhara 
im nördlichen Kaschmir (600 Jahre nach Buddha), hatte den 
Sclavenaufstand der Krita, die sich ihren eigenen König gewählt 
hatten, zu bekämpfen, um die buddhistischen Priester gegen Ver- 
folgungen zu schützen. Durch Schenkung an die Pagoden wurden 
nicht nur Sachen und Thiere . sondern auch die Bewohner als 
herem geweiht, wie die Minäer durch die Simeoniten. 

Der Fall Thatung's ist vielfach mit phantastischen Extra- 
vaganzen ausgeschmückt. 

Als Manuyasa, heisst es, in Thatung herrschte, ging ein 
ausländ! seh es Schiff an der Küste verloren, und nur zwei retteten 



214 Pegu. 

ihr Leben, Moung-gyi und Moung-ugay. Sie traten in die Dienste 
des Königs, der sie nach dem Berge Popadaun (in der Nähe 
Pagan's) schickte, um ihm dem Kopf eines heiligen Sogyi zu 
bringen, der, wie er von einem Pungyi erfahren hatte, dort seinen 
Aufenthalt genommen. Die Brüder, vollführten den Auftrag, 
konnten *aber unterwegs dem Gelüste nicht widerstehen, den 
Kopf, den der König zu essen wünschte, selbst zu verzehren, 
und als sie es gethan, fühlten sie sich in Luzunggaun umgewan- 
delt, oder Helden, denen Nicht« unmöglich ist, sich durch Stilrke 
und Leichtfüssigkeit*) auszeichnend. Der König war erzürnt, 
dass ihm dieZauberarzuei entgangen war, und da er solchen ge- 
fährlichen Luzunggaun sonst nichts anhaben konnte, liess er sie 
durch die Reize seiner Tochter bestricken und es gelang ihm, so 
den Aelteren zu tödtcn. Seine Arme und Beine wurden unter 
den vier Eckthürmen der Stadtmauer vergraben , sein Kopf aber 
unter dem Hauptthore, seine Eingeweide unter dem Throne, und 
die Befestigungen 'Hiatung's waren jetzt unüberwindlich. Das 
lernte Noatamin, König vonPagan, der die Stadt berennen wollte, 
bald zu seinem Schaden , denn so oft seine Sturmcolonnen zum 
Angriff fertig standen, waren die Mauern plötzlich verschwunden 
und nichts davon zu sehen. Gegen solche Feinde war selbst 
Jansitta's Kraft nutzlos. Moung-shin-ngay aber, der aus Kache 
zum Feinde übergegangen war, citirte den Geist seines Bruders, 
um von ihm den Schlüssel des Geheimnisses zu erhalten. Das 
Gespenst rieth ihm, die ganze Länge des Walles mit einem Blut- 
strom zu tränken, von Ecke zu Ecke, die Glieder würden sich 
dann wieder zusammenfinden und müssten rasch in die See ge- 
worfen werden , um keinen weiteren Schaden zu thun. So ge- 
schah es und die jetzt ihres Schutzes beraubte Stadt fiel dann 
leicht in die Hände des Feindes. 



•) Nach dem Pion-i-tien erwarb Assena das Königreich der Toiikioiie (Türken), 
weil er am Höchsten gegen einen Baum sprang. 



^ 



Die Legende Uangiiifs. 



Die Heiligkeit der Sehwedagon - Pagode begründet sich 
hauptsäehlich darauf, weil sie nicht nur Reliquien des letzten, 
sondern selbst vormaliger Huddha's einschliesst. Nach Hough 
sind diese (ausser den acht Haaren, die die Kaufleute dort 
niederlegten) der Stab Kakusanda's, der Wasserfilter Gonagam- 
ma's und das ßadegewand Kasyapa's. Ehe die Stadt unter eng- 
lische Botmässigkeit kam , stand neben der grossen Pagode in 
einem Nathause die Figur des Kabasaun-Nat, auf die Erfüllung 
der grossen Cyclusperiode wartend. Die einheimischen Könige, 
in deren Besitz Rangun früher war, thaten Alles in ihrer Macht, 
um die heiligen Schätze zu sichern , und im Volke laufen viele 
phantastische Sagen um, von den unterirdischen Seen im 
Fundament und den drehenden Messerrädern, um Eindringlinge 
abzuhalten , aber dennoch sollen einige Reliquien durch einen 
diebsgewandten Chinesen gestohlen sein. Auch bei der Dagon 
vonSyriara spricht Balbi von solchen Vertheidigungsmitteln. Auff 
jeder Seite dieser Stegen auflf dem Fundament steht ein gross 
Tieger von Holtz gemacht und mit sein natürliche Farben ge- 
mahlet und wieder zwei mitten auff der Breyte der Stegen. Sie 
haben ihre Rachen weit offen, die obere Leffzen in die Höhe gezogen 
und die Zunge weit herausgestreckt, und stellen sich so grausam , 
als wollten sie ein jetzund anfallen. Und sagen die Inwohner 
des Orts, sie stehen allda zur Gewahrsam und Beschul /.ung des 
Bildes oder Abgottes Pagode und sobald etwa Jemand komme, der 



216 P<*gu 

ihn wolle beleidigen, mache er diese Tieger lebendig, die fallen 
alsdann den Beleidiger an und machen jn den Garaus. Wer wil 
mag es glauben, bei mir lautet es ein Mährehen gleich 
(de Bry). Gewöhnlich wird in Birma und Öiam die Bewachung 
von den Löwen unternommen , die Asoka auf die Sinhastambha 
stellte. Tagoung entspricht im Norden dem Dagon Kangun's, 
das Hamilton Tangoung nennt, wie das südliche Thatung einen 
obern l)(4)pelgänger hat. Der Name Dagon wird verschiedent- 
lich erklärt, soll aber aus dem Peguischen gegeben sein, wegen 
einer kreuzweisen Lage von Baumstämmen an dem Gründungs- 
ort. Nach Pinto wurde in Dagon der Gott der Sonnenflecken 
(Frigau oder Firgau) verehrt, zu dem auch der Calaminha 
betete. 

Als Gautanui in einer frühern Existenz als Minister des 
Königs von Kamtih-Myoh fungirte, herrschte die grösste Unord- 
nung im Lande, in Folge steter Streitigkeiten zwischen den 
Söhnen des Kr)nigs. Gautanui rieth daher seinem Herrn, sie alle 
mit ihren Anhängern auf iMJl) Flösse zu setzen, und ohne Segel 
oder Ruder den Wellen zu überlassen. Selbst die Kleidung wurde 
ihnen genommen , bis der König auf wiederholtes Bitten Jedem 
ein paar Hosen erlaubte und so Anlass zu dem Gebrauche gab, 
dass die ausgewandeiten Taleins in Pegu mit Hosen begraben 
werden. A1& die Ausgesetzten an die gegenüberliegende Küste 
angeschwemmt wurden, fanden sie dort auf einer so eben aus dem 
Schlamme gebildeten Insel eyien Fischer angesiedelt, der von 
Ginjawuddimyoh am Gyne- Flusse dahin gekommen war. Sie 
erbauten Twanteh, die älteste Hauptstadt der Talein, deren 
Name noch jetzt einen so mächtigen Eindruck auf das Volk 
ausübt, dass man dort selbst in neuerer Zeit an eine Wieder- 
erhebung des einheimischen Königsgeschlechts dachte. Als 
Twanteh unter die Botmässigkeit der Könige von Thatung 
fiel, salbte ein Priester einen Spross des fürstlichen Hauses 
als König von Okkala, unter dem Namen Moung-Palay und 
der Thagya erbaute für ihn die reiche Hafenstadt Rangun. 
Es waren 'Kaufleute aus dem Okkala -Königreiche (des Okka- 
lamingyi), zwei Brüder Namens Pa-uh und Ta-pau (Tapoka 



Die Legende Kan{^nn*8. 217 

und Palika), die für ihre reichen Geschenke von Gautania 
das werthvollere seiner acht Ha^ire erhielten. Obwohl sie ge- 
zwungen wurden, zwei davon an den König von Dzeta oder 
Ezeta und zwei andere an den Naga von Nagarit (der in den 
Stürmen am CapNegrais hauste) abzulassen, so brachten sie den 
Rest doch glücklich nach dem Tingotea-Khyun , wo sie (auf die 
Anweisung des Nat Zulu) in dem Fundament der Schwedagon- 
Pagode niedergelegt wurden (588 a. d.). An dieser Pagode haben 
die Könige von Ilansawuddi und Maitaban nacheinander ebenso 
eifrig weiter gebaut, als die ccyloncsischen an ihrer Mahathupo. 
Die reichste Anweisung auf Sciaven und Land wurde ihr (1501 
p. d.) durch die Königin tShin-tsau-bu (in Ilansawuddi) genhicht, 
eine in schwierigen Käthselfragen erfahrene Königin von »Saba. 
Als Mahamingaun, König von Ava, gegen Pcgu zog, waflnete sie 
sich, als let/.te des königlichen Stammes, in männlicher Rüstung 
und führte ihre Truppen in die Schlacht. Im Zweikampfe mit 
Mahamingaun wurde mit dem Zerhauen des Panzers ihr liuscn 
biosgelegt und der König, beschämt, mit einem Weibe gestritten 
zu haben, kehrte in sein Land zurück. Später sandte er in einer 
Gesandtschaft seinen weisen Mann oder seinen Hofnarren Poeasah, 
der am Hofe der Königin Shin-tsau-bu viele Wettkämpfe von Witz 
und Scharfsinn mit dem Talein Minkein zu bestehen hatte, und 
diese beiden gelten noch immer für die Urheber der meisten im Volke 
umlaufenden Bonmots. Andere machen sie zu einer Tochter des 
Königs von Ilansawuddi , die von dem König von Ava entführt 
wurde, undsoAnlasszu einem langen Kriege gab, den endlich ein 
Friede in Yangun(Rangun) schlichtete. Daraus leiten die Birmanen 
den Namen Yan goon (Ende des Streites) ab, wie auch Piaeh- 
myoh oder Prome seine Bezeichnung von den Friedensworten 
(Dsaga piaeh) erhalten haben soll, die dort einst die Könige von 
Thatung und Pagan nach langem Kriege sprachen. DieSiamesen 
erklären Rangun als Jankung oder geräucherte Fische, 

Später erhob sich in der Nähe Rangun's , das durch den in 
Zinimay geschleuderten Wunderspeer des Laos -Königs Gurbi- 
huiga zerstört war, (lieSt<ultTaniin oderTaniin-Tajih, von einem 
Kaga erbaut. Sie gelangte zu höchster Blüthe unter König 



218 Pegn. 

MinnaDda, der vom Thagya-Könige mit einem Do-Setja (Zauber- 
8tabe) beschenkt war. Wenn er denselben auf die Erde sties», 
80 versammelten sich alleThiere um ihn, seiner Befehle wartend ; 
schlug er in das Wasser, so kamen die Fische herbei, ihm zu 
dienen. Für sein Stelldichein bei der auf der andern Seite des 
Flussarmes in Kangun wohnenden Prinzessin Schin-nulum pflegte 
er auf einem Alligator reitend seine Besuche abzustatten. Das 
ist dieselbe Stadt, die unter dem Namen Kalamvobh oder Taniin- 
myoh )>eim Streite um Hansawuddi von den Peguanem den 
VOR Sottala gekommenen Fremden eingeräumt wurde und die 
unter dem Namen von Syriam den mittelalterlichen Seeleuten 
wohl bekannt war, als Schauplatz mancher rühmlichen und "vieler 
schmählichen Thaten. Dort begann und endete auch die wechsel- 
volle Laufl>ahn desAbenteurei^s deBrito, der, Eidam und Schwie- 
gervater von Königen, sein eigenes mit der Krone geschmücktes 
Haupt durch Henkershand verlor. Als schliesslich die Fremd- 
linge wieder aus dem Lande verschwunden waren , erbauten die 
Talein die silberne Pagode (Jeik-leik), die erste, die dem nach 
langer Seefahrt ermüdeten Reisenden bei der Einfahrt in den 
Hafen entgegenschaut, ehe er noch die goldene Pagode Rangun's 
erblickt hat. Doch trotz der Weihe dieses heiligen Gebäudes 
bleibt der Ort ein gefeiter. Dort in dem verwilderten Gestrüpp 
des Jungle steht das gespenstige Dorf Don-aperan (das Frauen- 
dorf), nur von Nat-tiimih oder Feeen bewohnt. Sie sind be- 
herrscht von Tanliin , der Einzige männlichen Geschlechts, ein 
wahrer Hahn im Korbe, der alle Söhne, die geboren werden 
sollten, sogleich tödten lässt. Das Dorf ist unsichtbar für mensch- 
liche Augen, und wenn Jäger, die in der Luft die Stimmen 
hören, bemerken, dass sie sich in der Nähe befinden, entfliehen 
sie eilig, da somut auch sie das Todesurtheil des Königs treffen 
würde. 

Von den verschiedenen Nationen, die das Land in Anspruch 
nahmen, sollen die Kala neun Schüsseln, die Talein neun Angel- 
haken und die Birmanen neun Körbe, als ihre Zeichen untereinander 
vergraben haben. Die Kala werden auch mitunter genauer iden- 
tificirt, indem mir von einem Patih-min (König der mohameda- 



Die Legende Rangnn's. 219 

nischen Indier) gesprochen wurde, der Rangun einst zur See 
angegriffen habe. 

In den Käthselfragen zwischen Birmanen und Peguern schrei- 
ben sich, in ihrer eigenen Geschichte, natürlich die Letztern den 
Sieg zu. Als der erwähnte Poeasah von Ava an dem Hof der 
Shin-tsau-bu anlangte, gab ihm Minkein, der Kathgeber der 
Letzteren, ein Zuckerrohr, um seinen Witz auf die Probe zu 
stellen. Poeasah fing es oben zu saugen an und gab als Grund 
an, dass er auf diese Weise das Beste zuletzt habe, da das 
Rohr süsser und süsser würde-, je weiter er käme. Minkein da- 
gegen erwiederte, dass er klüger gethan haben würde, gleich am 
süssen Ende anzufangen, denn bei der Vergänglichkeit und Un- 
sicherheit des menschlichen Lebens, das jeden Augenblick durch 
Tod oder andere Unglücksfälle zerstört werden könne, wisse man 
nie, ob das noch in der Zukunft Liegende je erreicht werde, und 
handle vernünftiger, zu nehmen, was sich darböte. 

Zwei Brüder, in allen Gelehrsamkeiten bewandert, bewarben 
sich um die Hand der Königin Shin-tsau-bu. Als diese den älteren 
Dammasedi bevorzugte, war der jüngere trostlos und konnte keine 
Ruhe finden. Seine Gewänder mit magischen Vierecken bemalend, 
erhob er sich in die Luft und umflog die Thürme des Palastes, 
alle Arten von Unheil hervorrufend. Der König postirte Häscher 
rings umher, die auf ihn lauerten und ihn, sobald er herabkam, 
packten und enthaupteten. Da er indess ein mit Gatha beschrie- 
benes Papier in seinem Munde trug, kam sein Kopf nach der 
Stadt zurück und erzeugte dort allgemeine Panic. Dammasedi 
hörte noch, früh genug davon, um ihm die Zauberformeln nach 
sechs Tagen aus dem Munde nehmen zu lassen, denn sonst wäre 
er am siebenten wieder aufgelebt. 



IHr Tnhiii und ihre kOiiigc. 

Die Talein, die uiit ihrem elassisehen Namen Ramun heissen, 
bezeichnen sich selbst als Mon nnd theilen sieb in vier Ra^n, 
die Miin-thu in Bassein, die Mun-<lein in Pe^u. die Mun-nia in 
Martaban und die Mun-wae. Durch dialektische Ei^nfbümlich- 
keiten werden die Mon-va, Mon-tein, Mon-thet unterschieden. 
Sie nennen die Senjun-Insel in dem Tanniin-Lande ihre früheste 
Heimath an der dortigen Küste und sagen, dass sie, von Patheen 
(Bassein) im Munlande nach der heutigen Stadt Pegu kommend, 
dieselbe von Yathay (Eremiten) bewohnt gefunden hätten. Nach 
Phayre war Sandoway 346 p. d. in den Händen der Talein , und 
Mason schliesst aus der aracanischen Geschichte , dass der ein- 
gebi>me Stamm der Thodun sich in den Talein verloren habe. 
Ihren ursprünglichen Ausgang nahm die Einwanderung vom 
Süden. Eine der ältesten Städte der Talein, Yaymyoh, lag am 
Yaytschaun, auf dem Wege von Amherst nach Tavoy, und die 
Ruinen des vom König Meinwaeriuh gegründeten Donwekkeruh 
oder Wageroo-my<»h finden sich am Wageroo-Flusse. Der Name 
Talein weiset deutlich auf die gegenüberliegende Küste des 
Dekkhan hin, wo zu der Zeit ihrer Blttthe die Andrab > Könige 
den Namen Telingana's durch ganz Indien bis nach Nepaul ge- 
fürchtet machten. Das ganze Dekkhan war unter der Herrschaft 
von Bylemdi's Sohne, Nanda, vereinigt, 1034 p. d. Die Sprache 
Telinga's oder Kalingarat's, bei den Siamesen auch Kalünkharat 
(oder das Lnnd des Linga) geschrieben, hiess ursprünglich (nach 
Appa Cavi) lYilinga, ^vie die Sicilier bei Apulejus. Brown bc- 



Die Talein und ihre Konige. 221 

merkt: ^Campbell quotes a passage from Ptolomy speaking of 
the Triglyphon or three-iinaged region. In Thomas Herbert's 
voyage (1638) Pegii seems to be intended in the account given 
by Ptolomy. ** Schon als Ptoleniäus seine Geographie schrieb, 
wurden regelmässige Seefahrten nach den Goldländern unter- 
nommen, und der Hafen an der Mündung des Godavery, von wo 
sie absegelten, heisst heute noch Koringa oder Kaiinga (in 
Kalinga-dezam). Damals war es Palura, zu des Periegeten Zeit 
Kalingapatana oder Kikakol. Als Hauptstiidt Kalinga's nennt 
Plinius Parthalis. Die Birmanen führen Kaiinga*) unter den 21 
grossen Reichen auf. Seit lange sind überall auf dermalayischen 
Halbinsel, sowie auf dem Archipel, die indischen Kmigranten 
als Klings (Kaling) bekannt. Hrowijaga Savela Kala, der (bei 
seiner I^ndung in Matarem) Mendang Kamalau gründete, kam 
von Kaiinga (603 p. d.) ^In Japan and the islands of the China 
sea, the only name for India is Telinga or Kaiinga (as in the 
ancient books)." Das Fürstenthum Banjermassin in Borneo 
wurde im 12. Jahrhundert durch Ampu- Jatmika, einen Kauf- 
mann von Nangkhum bhume an der Küste Coromandel, gegründet. 
Als die Oraons, die zu den Gebirgsstämmen der K<ilcs gehr)ren, 
durch die brahmanischen Hindus von der NtR'hbarschaft des 
Ganges vertrieben wurden, trafen sie (nach Tickeil) in Chotia 
Xagore das Volk der Moandas oder Hos, deren Uinlekt, wie 
Mason meint, eine sprechende Aehnlichkeit mit dem der Talein 
oder Moans habe. Die Marunda oder Lampaka (die Bewohner 
L4imgan's in Westkabulistan) weiden (nach Lassen) von Ptolemäus 
als Besitzer eines grossen Reiches am Ganges (mit den Städten 
Kanjakubga und Käyi) erwähnt (bis zur Mündung reichend), wie 
sie auch Oppianos (200 p. d.) als Anwohner des Ganges kennt. 
Die in den Hügeln der Uriyas an dieTelingas grenzenden Gondh 
hauen, wie die Peguaner und Birmanen, ihre Häuser auf Pfählen 



•) Die Birmanen rechnen Kalin^a zu den 21 Orosslündcm , mit Knni, 
SekkA, Kosala, Ma^adha, Siwih , Awantih, Fintnala. Witzib, Oandara, Dzetira, 
Weiif^^a, Videba, Kamboza, Madda, Begga, Eu^ga^ Tbibala. Ka^mira , Ka^i, 
baudawa. 



222 l*«fini- 

und binden, gleich ihnen, ihre Haare in einen Knoten zusammen. 
The relation of thc Mon-Anani to the Vindlivan dialects »liows, 
that the Dravirian traita of the fornier were wholly acquired in 
Keugal and rendcrs it prohaDle, that tliey did not reach the South 
by the basin of the Irawaddy, but by that of the Tsango-Hrahnia- 
putra, like Ihe later 'ribeto-Hurman tribes (s. I^)gan). 

Die ältesten 'rraditi<men der Talein spreclien von Colonieen, die 
über das iMeer ihnen zugeführt wurden, und San Honian sagt: Segun 
iioferro b)s nioradores del reyno de Pegu tienen origen j dcsoen- 
dencia de aqueUos desterrados Indios, que fueron codenados {»or 
el Key Salonion, a las niinas de oro y plata. Die Peguaner 
wussfen nicht viel von Salonion, ehe ihnen die Missionäre davon 
erzählten , aber sie kennen einen mächtigen Kaiser des heiligen 
Misimadesa*), der alljährlich seine Flotten in die weiten Seen 
sandte, um ihm Kunde von fernen Landen zu bringen. Sie be- 
richteten ihm einst bei ihrer Heimkehr, auf der Oberfläche der 
grauen WasserwUste Ktwas kräuseln und branden gesehen zu 
haben, als ob ein I^and geboren werden solle. Der König, der 
sein wohlwollendes Auge gern auf jedem neuen Platz bewohn- 
barer Erde ruhen Hess, befahl, diesen Bericht in den Aunalen 
niederzulegen und in der Schatzkammer zu bewahren. Er schied 
von der Erde ab, 500 Jahre vergingen und ein ebenbürtiger 
Nachfolger solch' wohlgesinnten und weisen Fürsten sass auf 
dem Thion. Er fand in den Chroniken jenen Kapport, der Er- 
wartuugcn rc^c machte,* und sandte ein anderes Schill' aus, um 
zu sehen, ob die Vermuthung sich verwirklicht habe. Die See- 
fahrer fanden an der bezeichneten Stelle eine niedrige Sehlamui- 
inscl; die sich eben über das Niveau des Wassers emporhob, und 
sie pflanzten dort den Pfeiler ihres Königs, um später von ihneo, 
als den ersten Entdeckern, zu zeugen. Auch diese Notiz wurde 
sorgtältig aufgezeichnet und der Nachwelt überliefert, da der 
Boden damals noch nicht fest genug war, um ihn zur Menschen- 



*) That coniitry, whlcli lii^s botwoon Ilimawat and Vindliya to tlie cast of 
Vinasnna niid to the wpst ofPraynga, is rclobratod by the title of Mndhyjidesdi 
nach Manu (s. Jones). 



Die Talein und ihre Koni(|re. 223 

Wohnung zu machen. Fünfhundert andere Jahre vergingen und 
wiederum durchkreuzte ein Schiff die Meere, um nach ihrem 
Padron auszusehen. Als sie dort anhmgten, war die Scene ver- 
ändert. Auf der früher wüsten Insel war lebendiges und reges 
Treibeu, wie in einem Bienenkorb bei Niederlassung eines neuen 
Schwanns. Von allen Seiten kamen eifrig wilde Gestalten an 
Flössen heran, sich mit Stangen durch die engen Wasseranne 
schiebend, die sich in der lehmigen Masse bildeten, um das 
Wasser von dem höüer steigenden Mittelpunkt abzuleiten. Wo 
der Boden schon trocken war, wurde eifrig gearbeitet, ihn zu 
reinigen und zu ebnen, Baumaterial wurde herbeigeschafft, man 
war im Begrift*, die junge Erde durch eine Städtegründung äu 
krönen. Die Fremden, die diesem Treiben venvundert zu- 
geschaut hatten , traten jetzt heran , Einspruch zu erheben. Sie 
zeigten auf die Säule, die klar ihre Rechte proclamirfe, und ver- 
langten Einräumung dessen, was ihnen gehöre. Die Talein 
waren überrascht und rathlos bei diesem Vorbringen der Kala. 
Sie hatten die Insel nur als einen Theil ihres eigenen Landes 
betrachtet, als ein neues Geschenk, das die Götter hinzugefügt, 
aber es war schwierig, über den Kechtspunkt zu entscheiden. 

DieseNachtlagderFürstderTalein schlaflos auf seinem Lager. 
Da erschien ihm in Traumgestalt der Himmeiskiaiig und ermun- 
terte ihn, guten Muthes zu sein, er würde die Zeichen verwirren 
und die fremden Eindringlinge mit Hohn und Schande schlagen. 
Als am nächsten Tage die Richter zur Versammlung kamen, fand 
sich auch ein P<ma(Brahniane) ein, der verlangte, dass vor Allem 
die Beweise geprüft werden müssten. Die Kala beriefen sich 
freilich auf den Pfeiler, er aber habe vim alten Fischern gehört, 
dass sie einst dort an derselben Stelle, noch lange vor der Er- 
richtung des Pfeilers, eiserne Angeln verloren hätten, die im 
Boden liegen müssten. Die Kala lachten ob dieser Behauptung, 
aber als beim Nachgraben solche wirklich gefunden wurden, 
kehrten sie beschämt um, lösten die Ankertaue ihrer Schiffe und 
wurden nicht mehr gesehen. Der Pona aber, der Thagyamin*) 

•) Andere »olicn in dein lielfenden Pona den Brnlimaköni^if eingekörpert, 
und n.icli dem Vansavali ontsclioidot Hrahnin pl>pntalls den Streit zwischen König 



224 l'egu. 

in höchst eigener Person, umgrenzte nun mit der Mcssruthe den 
Fhitz der neuen Stndt, Hansawuddi genannt, weil Oautama'8 
Prophezeiung davon gesprochen, an einein See, wo er ein Pär- 
chen Hensa- Vögel an dem Ufer bei einander sitzen sah. 

Diese Erzählung erscheint in vielfachen Modificationen. Auch 
die Hinnanen werden herbeigezogen, um mitzustreiten, und man 
findet beim Graben unter der Säule erst Eisengeräthschaften und 
tiefer noch Erbsen , um als Beweismittel zu dienen , und das 
durch Erbsen gestohlene Land wird dann Pegu(Pae-koo) genannt. 
Nach einer andern Mvthe war der Pfeiler schon versunken, als 
der Streit entstand, und erhielten die Kala einen nahen Wohnort 
angewiesen. In der Talein-Geschichte, die ich in Pegu erhielt, 
heisst es einfach, dassSamein-Ihn (der König in Indra's Himmel) 
das Reich Hongsawaddi den beiden Brüdern Samaleah uudWimü- 
leah, di« aus Dsaunthu gekommen, übergeben habe (1160 Jahre 
nach Gautama's Nibpan); aber gewöhnlich wird das dort herr- 
schende Königsgeschlecht mit dem altern Thatung's verknüpft. 
Nach dem Vorbild von Indra's Wohnsitz in Travastrinha sind die 
Städte Pegu's und BirmaV stets im Viereck gebaut. 

Capitain Duft' theilte mir freundlich die nachstehende Form 
mit, in welcher er die Erzählung von Birmanen gehört hatte: 
„Vor langer Zeit, als das ganze Delta des Irawaddi noch eine 
grosse Bucht war, segelte der König vcm Kala-gyee über das Meer 
und sah dort eine wilde Ente auf ihrem Neste sitzen. Er sprach 
zu seinen Begleitern: ..Sieh da, das Wasser sinkt hier, wie 
könnte sonst diese Ente ihr Nest bauen?" uud als sie näher 
kamen, erschrack der Vogel und flog von dannen, und sie fanden, 
dass ein kleines Stück Erde über das Wasser herausragte, gerade 
gross genug, um das >Jest darauf zu bauen. Und der König 
sprach: „Kommt, lasst Uns hier eine Säule errichten als Grenz- 
stein, und nachdem das Wasser vertrocknet ist, wird das Land 
unser sein.*" Und sothaten sie — und in ihr Land zurückgekehrt, 



Indradyuinna und Koni«,' (tal Madhavu über das Kij^oiitliiimsrpclit zu d«in Tempel 
Parsottam Cliutr, für dessen Bau die Schildkröten auf ihren Kucken die Steine 
gebracht. 



^ 



Die Talein und ihre Konige. 225 

schrieben sie eine Urkunde dessen, was sie gethan, und legten 
sie in dem königlichen Archiv nieder. Lange nachher kam 
abermals ein König von Kala-gyee hierher und fand , dass das 
Wasser ganz ausgetrocknet und das Land von den Taliyns be- 
wohnt war, und er spnich: „Ihr habt kein Recht hier, dieses ist 
mein Land — richtete nicht hier mein Vorfahr seinen Grenz- 
stein auf?" Und die Taliyus erwiederten: „Das Land ist unser, 
wo ist euer Grenzstein? — wir kennen ihn nicht." So suchte 
der Kala-gyee-König die Säule und grub darnach an der be- 
zeichneten Stelle (die Erde hatte sich rings herum angesammelt 
und sie vergraben) und er fand die Säule mit ihrer Inschrift und 
sprach: „Sehet, hier ist mein Grenzstein, übergebt das Land I " 
Und die Taliyns wsvren besorgt und wussten nicht, was sie sagen 
sollten, aber in jener Nacht erschien dem Fürsten der Taliyns 
(im Traume) der Thakyamin (der Fürst der Nats) und sprach : 
„0 mein Sohn, sei nicht besorgt, du sollst das Land haben. 
Mach dich auf am Morgen und sag zu dem Kala-gyee-König: 
Wahr, das ist dein Markstein, aber grabe unter- demselben und 
du wirst sieben göldne Schüsseln und neun eiserne Haken finden, 
das Sinnbild unseres Geschlechts. " Und der Fürst der Taliyns 
that, wie ihm geheissen. So gruben sie unter der Säule und 
fanden da die goldnen Schüsseln, und sie gruben unter den 
goldnen Schüsseln und fanden die eisernen Haken, das Sinnbild 
der Taliyns, und so behielten die Taliyns das Königreich, und 
deshalb wurde es Pae guh oder das gestohlene Land genannt, 
denn die Taliyns hatten ihr Sinnbild dort nicht niedergelegt, 
sondern es kam dahin durch die Macht des Thakyamin." 

Die Aussendung solcher Erforschungs-Expeditionen war den 
malayischen Fürsten als Buka nagri (Ansiedelungen zu eröffnen) 
bekannt und gewöhnlich mit der Jugend eines Ver sacrum aus- 
geführt. Die angeschwemmten Delta's der Niederungen waren 
das Recht des ersten Kommers, und so auch Pegu, la India chia- 
mata la bassa (nach Hi^ronymo da Santo). Im Chinesischen ist 
Pe-Quo (Pegu) die nördliche Provinz , im Gegensatz zu Se-Yan 
(das westliche Land) oder Siam. 

Nach der siamesischen Darstellung wurde der von Phra 

BfttliAii, OttMieii. I. 15 



226 Pegu. 

Phuth im 8. Jahre seiner Wanderung besuchte Berg von einem 
vorbeifahrenden Kauff'ahrteiscliiife , als aus dem Wasser hervor- 
ragend, erblickt. Bei ihrer Ankunft in Phitthajauaklirom be- 
richteten die Schiffer dem Könige Banthurajen, der sie beauftragte, 
eine Säule dort zu errichten, und dieses ereignete sich 1000 Jahre 
nach Buddha's Nibpan. Auf Satirajcn, jenes Königs Sohn, folgte 
Banthurajen II., der in Taikala ein anderes Schiff mit allen für 
eine Niederlassung nöthigen Zubereitungen ausrüstete, im Jahre 
1100. Dieses aber kehrte unverrichteter Sache zurück, da es 
den Platz schon besetzt gefunden. Vimalakuman und Sommala- 
kuman, die durch die Vermittelung eines Eremiten mit einem 
Nakh oder Draclienschlangc erzeugten Söhne des Königs Sena- 
khongkha, waren, aus ihrer lleimath verbannt, in den Dienst des 
Königs Athinrah vonSuthamvadi oderSathöm(Thatung) getreten, 
und hatten sich von dort, vor Nachstellungen nach ihrem I^ben, 
auf einem Flosse retten müssen , das sie nach der von Buddha 
bezeichneten Stelle trug, wo sie die St4ult Inthachak-Myang oder 
Kayat-töng, auch Hongsavadi genannt, in dem Lande der Ilaman 
gründeten. Solches geschah zu der Zeit, als König Kovatham in 
Arinthamburi oder Phukam und König Athinrat in Suthamvadi 
oder Sathöm herrschte, im Jahre 514, während die Stiidt Roma- 
vadi oder Jangkung im Walde Molama die Residenz des Königs 
Senakhongkha l)ildete. 

Das zuweilen nur als Kala-gyih oder Barbarenreich bezeich- 
nete Land wird sonst auch Pattala genannt, und Potala könnte 
Hafen bedeuten. Potalanakhon (die Stadt des Hafens) am Indus 
war die Residenz Ixvaku's und seiner Nachkommen des Sonnen- 
geschlechts. Von dort wanderten vier verbannte Prinzen aus, um 
die Stadt Kapilawastu an dem Bhagirattiflusse zu erbauen. Da 
Chennezik, der geistige Sohn Amitabha's, in Potala lebte, ehe er 
Tibet, dessen Schutzpatron er ist, besuchte, so wurde die im 
12. Jahrhundert erbaute Residenz des DalaiLama inLhassa eben- 
falls Potala (gruhdriu oder Boot- Aufnahme) genannt. Die Linie 
der Mauriya-Dynastie gehört zur Familie der^Yikja, deren Stamm- 
vater Ixvaku nach Pattalene versetzt wird, bemerkt Benfey, 
der den Namen Mauriya von maru oder todtes Leben (mri oder 



Die talein und ihre Konige. 227 

sterben) ableitet, wie die wasserlosen WUstenstrielie in der Nähe 
Pattalene'ö heissen. Das später in den Hafen Potala der Sakya 
verwandelte Badala (Naga Phipliob) ist die Residenz des Paya 
Varun Nakharat und heisst auch (nach der Entthronung des alten 
Uranus oder Varuna) wegen seiner KeichthUnier an Gold und 
Silber: liiran-Vadi, wie (den Iranieru die Degradisung Indra's 
vergeltend) Brahma das Epithet Hiran der von Vischnu in seinen 
Avataren besiegten Giganten trägt. Ella, daughter of Iswara, 
(son of the sun) was ravished by Buddha, the serpent (s. Tod). 
Hence sprang the Manus. „Die Mehrzahl der Inschriften der in 
Kaljani residirenden Kalukja bezeugt, dass sie Verehrer des^iva 
waren, als Mahadeva. Doch beteten sie auch Vishnu, besonders 
in der Form des Ebers, an und zeigten überhaupt Toleranz, indem 
Pulake^i und Vigajäditja die Jaina begünstigten und Yikramä- 
ditja die Lehre des Cäkjasinha. Es kamen Spuren der Verehrung 
der Schlangengötter vor. Ein Mandalegvara oder Statthalter 
(Sindhu genannt) leitete sich ab von den Nagavan^aoderSchlan- 
gengeschlechte und hatte gelobet nach dem Heiligthume des 
Schlangenkönigs zu pilgern. Andere Vornehme nannten sich 
Ahija (Ahi oder Schlange). In vielen Tempeln fanden sich 
Sculpturen von Schlangen" (s. Lassen). Der Schlangentempel 
Ahikhatra am Indus wurde von Pilgern aus dem Dekkhan besucht. 
Die im Dekkhan mehrfach verehrte Form Vischnu's in der Eber- 
Avatara verkehrte sich bei der nach Tagoung vertriebenen Dynastie 
in das böse Prinzip. Nach dem Tode des Königs Karkaräga I. 
bekämpften sich seine Söhne Indraräga und Krischnaraga, und 
unter Karkaräga II. (812 p. d.) erreichte die Macht der Rashtra- 
kuta (im Tapti-Thal) ihren Gipfel und dehnte die Herrschaft über 
das ganze Guzerat aus. Die Inschrift des Königs Dantidurga 
(derauf die Ballabhi folgenden Räshtraküta) wurde inSan.angarh 
(auf dem Hochlande des Dekkhan) gefunden (754 p. d.). In der 
Inschrift Käkala's (von denJaclava imKoukan) werden (973 p.d.) 
seine Siege Über Gurgara, Kola und Hfina gepriesen (s. Lassen). 
Im Birmanischen bezeichnet Kala alle Fremden oder Bar- 
baren, besonders die über Meer zu ihnen gekommenen, schwarze 
(Indier) sowohl als weisse (Europäer), die man dann wieder durch 



228 P<^ 

Zusätze (Kala uet, Kala pyu) unterscheidet, während Kala 
(Sohloss) sonst einfach schwarz bedeutet. Die .Schwarzen gelten 
dann nach den bekannt gewordenen Beispielen der faetischen 
Sachlage für Diener der Weissen. Khek meint gleichfalls hostis 
oder hospes unter den Siamesen, und Pin (Gäste) nannten die 
Chinesen die Jung-keang oder Barbaren anfangs des Nordens 
und später des Südens. Die an der Küste Aracans angesie- 
delten Bengalen als Kula (Kala; yekain gelten. Der Büsser 
Sphines wurde von den Macedouiern, die erniitdeniBegrüssungs- 
Worte Kaijana anredete, Kalanos genannt, wie die Chinesen den 
Matrosen als Tschin-tschin bekannt sind. Suleiman beschreibt 
das reiche EniporiuniKalah. das damals dem Könige von Zabedsch 
gehörte, und Al)ulfeda sagt, dass sein eigentlicher Name Ol- 
Kalahij sei. Kala-gA'i heisstGross-Kala. Nach Kazwini wohnten 
dort viele Brahmanen oder die Weisen der Indier. Die von 
den arabischen Schiffen durchfahrene Malaccastrasse hiess das 
Meer von Kalah oder Schelahet (s. Peschel). Im Dekkhan ge- 
bot für fünf Jahrhunderte die Kalvän-Dvnastie*) und während 
Satyasraya inKuntala-desa (mit Kalyan als Hauptstadt) residirte, 
eroberte (am Ende des (>. Jahrhunderts p. d.) sein jüngerer Bruder 
Kubja (der Kleine oder Bucklige) Vischnu Vardhana die Uaupt- 



*) Die zar Zeit des Meirasthenes (der die Andarae oder Andhni südlich Ton 
den CaliDgae mit der Hauptstadt Parthalis setzt) bestehende Andhrabhriya- Dy- 
nastie, aiLs derPulimat (SinpolemuiosoderSri-Paliman) dasKeich des (^aUvahana 
stürzte, gin^ zu Gnimle, als ^430 p. d.) Javasinha vom Rajapatra-Geschlecht der 
Khalokja (in der Monddynnstii*) aus Arudhia (der Hauptstadt Kosala's) in das 
Dekkhan einwanderte (nachdem der an Kaiser Wuti Gesandtschaften schickende 
König Chandraprija der jüngeren Gupta in Magailha sich Kapilawa^tu's bemächtigt 
hatte) und die zwei älteren Familien der Karta und Ratta äl>erwä]tigte. Lausen 
bemerkt von den Kähikja: ,,Ihre grossen Erfolge schreiben diese Monarchen der 
Gnade Närajann's oder Vishnu'.s , besonders in seiner Verkörperung als Eber cn, 
sowie der Gun<t des Kriegsgottes Kartikeja.- In einer Inschrift rühmt sich 
Jajasinha den Indra , Sohn des Krischna , au-t dem Geschlecht der Ra^^htrakäta 
(Ratta) überwunden zu haben . und Abhiraga führt den Titel Thagyamin (Sakra 
oder Indra). Ausserdem eroberte er den östlichen Theil des Reichs der Andhra- 
bhritja und später fiel auch der Rest. Sein den Jaina's ergebener Enkel Pulake^ 
(489 p. il.) besiegte den König Ceylon's. Der in Bandelakhand seine Residenx 



Die TaleiD und ihre Könige. 229 

Stadt Vengi - desam (Vengipurain) in Telingaua. Mit Rajendra 
Chola erhielten die Chola das Uebergewicht. 

Als der von Prabu Gaja Baja, Nachkömmling des Arjuna 
und König von Uastinapura, ausgesandte Minister Penggawa auf 
der Insel *Java zwei Leichname böser Geister, Buchstabenblätter 
haltend, gefunden, wurde der Bericht seiner Entdeckung bei der 
Bückkehr aufgezeichnet. Nachdem Aji Saka nach Java gekommen, 
sandte ein römischer Fürst Familien, die umkamen bis auf den 
nach Kum zuiückkehrcnden Rest. Flüchtige Prinzen aus Rum 
spielen in der Vorgeschichte der Kambodier und Malayer. Nach 
Plutarch schickte Cleopatra den Cäsarion , den Sohn des Julius 
Cäsar, über Aethiopien nach Indien. Die vom Könige von Ka- 
iinga nach Java gesandten Familien wurden unter Karo's Herr- 
schaft in Virätä civilisirt. Nach den Inschriften (650 p. d.) war 
der Stammvater (Ganamegaya) der Dynastie derKesari (473p. d.) 
der Oberherr (Adhipas) von Tilinga. Unter seinen Nachfolgern 
führte der Eroberer Udjotaka Kesari (8. Jahrhundert) den Titel 
Kalingadhipati oder Oberherr von Kaiinga. Herodot kennt die gold- 
suchenden Kalanthier. „Vor grauen Zeiten, von denen man nicht 
einmal das Jahrhundert zu bestimmen weiss, erbaute ihrer Häupt- 
linge einer, der Batin-Alam, der König des Weltalls, ein grosses schö- 
nes Schiff und segelte von Rum ab. Dieses Schiff, welches mit grosser 
Schnelligkeit dahinsegelte , besass die wunderbare Eigenschaft, 



aafschlagende Devagnpta der Jüngeren Gnpta (deren Aera 319 p. d. beginnt) dehnte 
(400 p. d.) seine Eroberungen im Narmada-Thalc aus, Mahisvara oder Siva 
(Bhairav) verehrend. 

Einige Zeit nach dem Tode Vinajäditja's (Sohn des Vikramaditja) verloren 
die Khalukja die oberste Herrschaft an die Ratta , welche Jnyasinha nicht voll- 
ständig vernichtet hatte. Die Inschriften dieser Fürstenfamilie (1057 — 1097 p. d.) 
sind meistens an Samadati in der Nähe von Pängshir gefunden , indem sie sich 
auch noch später in abhängiger Stellung erhielten. Durch Tailapa mit dem Bei- 
namen Vikramaditja begann (973 p. d.) die Macht der Khalukja , sich von ihrer 
vorübergehenden Schwäche zu erholen. Er besiegte die Ru-ihtrakuta "nd tödtete 
(985 p d.) den Prämära Munga. Sein Sohn Satja^raja oder Satja^ri unterwarf 
sich Konkana und belehnte damit den Fürsten Keturaga aus dem Stamme (pl.ii- 
b&ra, der früher in Sinhala oderCeylon geherrscht hatte und sich von dem Könige 
der Vijädbara genannten Halbgötter ableitete (s. Lassen). 



230 P«-?« 

sieh g^elbst fortzutreiben. Es ankerte nach mehrtägiger Fahrt in 
einem kleinen Hafen, welcher si)äter den Namen Malaera erhielt. 
In diesem »Schiffe befanden sich alle zur Gründung einer Colonie 
nöthigen Bestandtheile. Die Einwanderer wurden in fünf Theile 
getheilt — dem einen wurde der Fuss des Johole und Komboo 
angewiesen: ein zweiter fuhr deuFlussLiugu hinauf und siedelte 
sich an dessen Quelle an: zwei andere drangen tiefer in das 
Innere des Landes vor und Hessen sich . der eine am Klam , der 
andere am Jilibon nieder. Das Schiff Katin -Alam's ging nicht 
unter; es »oll sich ncch jetzt unter einem Berge der Halbinsel 
befinden , - bemerkt Borie aus den Sagen der Mantras (der Nach- 
barn der Sakai oder Sakkye). Nach der Chronik von Quedah 
kam Mahawangsa, der erste Herrscher, aus Kum. Neben dem 
von Ask ben Askan erbauten Medain lag Rumia und in Mesopo- 
tamien wurden zu Cosmas' Zeit die Bischöfe Tür Indien ordinirt, 
wie in Eg^pten für das abyssinische Aethiopien. Schon Alfred 
M. schickte ( nach Malmesbury ) Gesandte, um das Grab des heiligen 
Thomas von Alellaipur zu besuchen. 

Da die Anfänge der peguanischen (beschichte in das 5. Jahr- 
hundert p. d. gesetzt werden, so kiumte unter dem vorderindischen 
Könige, der die ersten Schiffe zur Entdeckung des Landes aus- 
sandte, der durch seine Begünstigung der Wissenschaft berühmte 
Kaiser Samudragupta zu verstehen sein, dessen Name schon seine 
Vorliebe fdr's Meer auszudrücken scheint. Nach der von Hari- 
sena verfassten Inschrift begriffen seine Eroberungen nicht nur 
Kamarup;) , sondern erstreckten sich auch über Tschittagong und 
noch weiter an der Küste hinab. Benfey setzt seine Kegierung 
zwischen 4(Hl-45(> p. d. , und Lasseu schon früher, etwa um 
2(K) p. d. an. Aus dem Jahre 428 p.d. erwähnen die chinesischen 
Geschichtsbücher die Gesandtschaft eines grossen Königs von 
Kapili, Yuegnai genannt. Kapili war die am Hengho (Ganges) 
gelegene Hauptstadt von Polomüen kiie vLand der Brahmaneu) 
oder Tientso (Mokato oder Magadha) und erhielt in ihrem Namen 
den Kuf des alten Kapilawastu leln^ndig, wohin sich als Stadt der 
Kapila oder derKothen (ein zweites Vathay myoh ) einsiedlerische 
Könige zurückziehen. Aus dem mittlem llen^o schickte (503) 



k 



Die Talein und ihre Könige. 231 

König Kuoto Gesandte. Nach Cosmas Indicüpleuötcs herrschte 
(550 p. d.) der mächtige König Gollas in Houunia über das öst- 
liche Indien. Als nach dem Tode von lliiientlisang's Beschützer 
(l'ilädityä oder Kilitie, der über die vierTientso regierte und mit 
dem Kaiser Gesandtscliaften tauschte, der chinesische Bevoll- 
mächtigte den Usurpator gefangen fortführte, wird gleichfalls Ka- 
pili als Hauptstadt Mokato's erwähnt. Die Hauptstadt Chintou's 
lag zur Zeit der Yuetchi am Fusse des Geierberges an dem Ufer 
des Kapili-ho (Kapilofiusses) oder dem Heugho, beschreibt Matu- 
aulin. Als ein Herrscher, der schon früher seine Eroberungen 
über Assam hinaus nach Osten ausgedehnt haben soll, wird 
Sucarna devi (190 p. d.), der grösstc der Andlira-Köuige genannt, 
der den König von Magadha entthronte. 

Zu einer ins 5. Jahrhundert gesetzten Zeit stieg ein Drache in 
Gestalt eines schönen Weibes aus dem Golf von Martaban, deren 
Tochter die Königin Thatung's wurde, aber ihren I)eiden Söhnen 
Thamala und Wimala nicht das Erbrcclit der Nachfolge zu ver- 
schallen vermochte. Diese zogen sich deshalb mit ihren An- 
hängern in die sumpfigen Niederungen zurück und fanden dort, 
wo das Land am höchsten war, den Pfeiler der Kala aufgerichtet, 
um den sie die Eigenthümer betrogen. Nachdem die Stadt Pegu 
oder Hongsavaddi gegründet war (573 p. d.), herrschten beide 
Brüder gemeinsam , bis Wimala den älteren tödtete. Kheikto- 
mintha (der göttliche Prinz) , der Sohn Thamala's , der sich vor 
der Verfolgung zu BüflFelhirten geflüchtet hatte und dort versteckt 
lebte, erwarb den Thron zurück und gründete Sittaung oderDun- 
Katein. Unter den Königen Pegu's wird (599 p. d.) Katha ge- 
nannt, ein Fürst, so eifrig der buddhistischen Religion ergeben, 
dass seine Frömmigkeit das Land in ein Paradies verwandelte. 
Niemand fürchtete die wilden Thiere, die wie gezähmt zwischen 
den menschlichen Wohnungen umherwandelten, ein vielsagendes 
Lob in Pegu, wo sogar jetzt unter einer geordneten europäischen 
Verwaltung man nicht immer in den Häusern vor Tigern sicher 
ist und in einem Orte meiner Durchreise die Dorfbewohner 
aus den Betten weggeraubt waren. Die Geschichte Pegu's 
spricht auch später mehrfach von Ankunft fremder Schiflfe oder 



232 P^gw- 

Ansiedelungen. Nach de Barros stammte seine ganze Bevölke- 
rung von Schiftbrüchigen. A historia desta sua gera^ao he, que 
vindo ter a costa do quelle Reyno Pegu, que entao eram terra» 
hermas, hum junco da China, com tormenta se perdeo, de que 
somente escapou huma mulher e hum caö com o quäl ella teve 
copula, de que houve filhos, que despois os houveram della, com 
que a terra se veio a multiplicar. Noch während die beiden 
ersten Könige regierten , kam eine Flotte des Königs der Kala 
an , der sie abschickte , um seine Rechte zu behaupten , als sein 
früheres Schiff* unverrichteter Sache zurückgekommen war. Die 
kaum vollendete Stadt wurde belagert, und täglich trat ein ganz 
in Eisen gekleideter Kämpe aus dem feindlichen Lager vor das 
Thor, einen der Tapfern zum Zweikampfe herausfordernd. Da 
er auf einem feuerschnaubenden Rosse beritten war, getraute sich 
keiner mit ihm sich zu messen, bis sich ein Hirtenknabe erbot, das 
Wagestück zu unternehmen, wenn man ihm dafür später erlauben 
würde, seine Büfl*el in dem Brunnen des Thores zu tränken. Er 
setzte sich auf seinen grössten Büffel , ein kolossales Thier mit 
weit geschweiften Hörnern, und ritt auf den Ritter zu. Die Gelenk- 
öff'nung des Panzers erspähend, als jener zum Hiebe ausholte, 
stiess er seinen Ochsenstachel hinein und errang den Sieg. 

Die Brunnen sind noch jetzt in Pegu den Büff'eln zur Benutzung 
erlaubt und dieses Thier, das in Vorder-Indien dem dämonischen 
Mahesasur dient , besass auf der andern Halbinsel eine heilige 
Weihe, derentwegen es auch von den Gebirgsstämmen des 
Nordens vorzugsweise zum Opfer ausersehen wird. . In populären 
Legenden wird oft der Sieg des Büff^els über den aristokratischen 
Elephanten gefeiert, wie in Menangkabo der Büffel siegreich aus 
dem Kampf mit Tigern hervorgeht. In Pegu ist selbst eine 
buddhistische Pagode, die Pagode von Kyeikkadhath über den 
Knochen eines Büft'els gebaut, die dort statt göttlicher Reliquien 
eingeschlossen sind. Es wird gesagt, dass jener Jüngling, der 
die Stadt befreite und später König wurde, ein ausgesetzter Find- 
ling oder der vor dem Usurpator geflohene Sohn des ersten Königs 
gewesen, der von der Milch einer Büffelin aufgezogen sei und sie 
deshalb als seine Mutter betrachtete. Aus Dankbarkeit erbaute 



Die Talein und ihre Könige. 233 

er ihr dieses Monument und. begrub dort ihre Gebeine. Als ieh 
in der Nähe vorbeikam , Hess ieh mich zu der Stelle hinführen, 
fand aber nur eine fast undurchdringliche Wildniss desdichtesten 
Gestrüpps und Unkrauts, das auf sumpfigem Boden rankte und 
den morschen Steinbau bis zur Spitze überwachsen hatte. Eine 
in der Nähe gelegene Pagode indessen war in ziemlichem Stande 
und die Priester in dem daneben stehenden Kloster wollten von 
den Büffelknochen der andern nicht viel wissen. Ebenso wenig 
wird von den Priestern die Verehrung des Volkes für die Schild- 
kröte*) anerkannt, die bei den Talein und benachbarten Karen 
ein heiliges Thier ist. Als der in Pegu, Tenasserim und Mar- 
taban regierende König der Sonne (erzählt Couto) von einem 
fremden Eroberer angegriffen wurde, sollte ein Zweikampf des- 
selben mit dem als Hirten (wie Viracocha in Peru) erzogenen 
Prinzen, der viele Tiger und Löwen mit seinem Stocke erschlagen, 
entscheiden. Als sie auf dem Kampfplatz zusammentrafen , rief 
der Prinz seinem Gegner zu, dass er unehrlich handle, da seine 
Leute ihm zu Hülfe kämen. Der Riese drehte sich um , um sie 
zurückzuschicken, aber in dem Augenblicke, wo er den Kopf 
wendete, versetzte ihm sein Gegner den tödtlichen Streich und 
erwarb so sein Land durch Betrug. In der späteren Geschichte 
Birma's wird von einem Talein gesprochen , der als Gefangener 
in Ava lebte zur Zeit der chinesischen Belagerung und einen 
Eisenritter, mit dem sich kein Birmane zu messen wagte, im Duell 
durch Gewandtheit überkam. 

Unter den späteren Königen, die auf dem Throne Hong- 
sawaddi's sassen , wird des gottlosen Tektha oder Titzareeziah 
(t 841 p. d.) erwähnt, der atheistische Lehren einführte. Ein junges 
Mädchen, das angeklagt war, unter dem Discus des Indra, dem 
Discus des Vischnu, dem Discus des Kelawaka, dem Discus des 
Rama gebetet zu haben, wurde zum Tode verurtheilt, aber die 
Elephanten wichen vor ihr zui ück und wollten sie nicht nieder- 
staiApfen. Der erstaunte König Hess sie vor sich führen und ge- 

*) In the kingdom of Kaiinga they have formed thn imaf^e of a tortoisc 
(heisst es im Dabi^^tan). The Persian astronomors represent the conetellation 
Cancer by a tortoise (Shea). 



. 234 Pegu. 

stattete ihr Gesuch, den häretischen Lehrern gegenübergestellt zu 
werden. Auf ihr Gebet erhoben sich die Götterbilder, die auf den 
Gerichtsplatz gebracht worden , in die Luft und schwebten über 
der Stadt. Als dieBrahmanen aufgefordert wurden, ein ähnliches 
Wunder zu wirken und sich unfähig zeigten, wurden sie von dem 
Könige, der reuig zum buddhistischen Glauben zurückkehrte, aus 
der Stadt getrieben. Nach den siamesischen Büchern soll dieser 
König, den sie Ditsaraxa nennen und in das Jahr 681 der Aera 
setzen, die Thepharaxa verehrt haben, dem Volke vertraute 
Schutzgeister, die noch jetzt in Siam manche Opfergabe einstecken, 
die von Keditswegen der Pagode zugekommen wäre. Die Chi- 
nesen crwälinen eines an der Coromandelküste herrschenden 
Königs, Hulomiento genannt, der den Kaiser der Tang-Dynastie 
um Bilder des Laotse bitten liess, wohl als Ersatz für die vielen 
Buddha' s, die aus Indien dorthin gegangen. Hiuenthsangfand (516) 
die Bewohner von Thsanpan oder Mohotschenpho (Mahachampa) 
nicht nur dem Buddhismus, sondern auch dem aus China stammen- 
den Cultus des Laotse ergeben. Nach der peguanischen Chronologie 
fallt dieser abtrünnige Julian mit derEinkörperungdesSchimnus 
zusammen, der 821 p. d. unter dem Namen Tamo oder Lang- 
dharma den Thron Tibets bestieg, und vor dessen Verfolgung die 
Buddhapriester nur in den Bergen Kham's undNgari's Sicherheit 
fanden. Feer schreibt dem „ culte de Siva et de Bon " einen gemein- 
samen Ursprung zu. Nach Kalyana wurde König Djaloka (der 
die Töchter der Nagas seinen Vergnügungen dienen liess) durch 
die als Frau erscheinende Göttin Kritya zur Beschützung der 
Bauddha's zurückgeführt. 

Nach Assameah , dem Sohne Wimaleah's , zählt die pegua- 
nische Geschichte siebzehn fromme Könige und Einer derselben 
wird in einer Inschrift besonders seines Gerechtigkeitssinnes 
wegen gerühmt, da er auf dem Markte eine Glocke aufhing, an 
die jeder von den Grossen Bedrückte schlagen durfte, damit der 
König selbst seine Sache untersuchte. Auf der Inschriff der 
Glocke wird gesagt : Sollte diese Glocke in künftigen Zeiten ver- 
fallen, so mögen die spätem Könige sie wiederherstellen, denn 
sie ist zu dem Zwecke von mir aufgestellt, dass dem Volke Becht 



Die Talein and ihre Könige. 235 

und Gerechtigkeit werde und das» ich das Nibpan erlange. Um 
für immer die Gesetze in Kraft zu halten , habe ich dieses ver- 
dienstliehe Werk unternommen. 

Nach dem siebzehnten Könige wurde Pegu von Pagan er- 
obert und die steten Kriege verkehrten das Land in eine Wild- 
niss, bis Akamiamum, der als Gouverneur eingesetzt war, die 
Stadt wieder erbaute. Er warf bald darauf seine Lehnsiinter- 
thänigkeit gegen Pagan ab und Hess sich als König krönen. Auf 
seinen Nachfolger Lekkajeah folgte Keijapeah (Theijapeah), der 
Weiruh, den König von Martaban, gegen eine von Pagan aus 
Kaetuwathi gesandte Armee zu Hülfe rief und diese auch erhielt, 
aber bald nachher seine eigene Stadt an den treulosen AUiirten 
verlor, indem sein Elephant Vopanthata durch den Elephant 
(Airawon) des Gegners getödtet wurde. Pegu wurde so eine 
Provinz der Könige von Martaban,' von denen der achte (710) in 
der Reihe (Pienjauh genannt) seine Residenz nach Hongsawaddi 
verlegte im Jahre 716 Ch. S. und (748 (^h. S.) die Pagode 
Rangun's erweiterte. Ihm folgte (745 Ch. S.) sein Sohn Hariaseah, 
dessen Nachfolger (783 Ch. S.) Mukareah grosser Grausamkeiten 
beschuldigt wird. Sein Bruder Pinjaremkeik, ein durch Fröm- 
migkeit ausgezeichneter König (786 Ch. S.), wusste auch stets 
Mittel und Wege, seine Feinde, denen er in offener Schlacht nicht 
gewachsen gewesen, durch Kriegslist zu überkommen. Sein 
Nachfolger Penjataoh handhabte die Gerechtigkeit mit grosser 
Strenge gegen Menschen und Thiere, das Land von Räubereien 
jeder Art zu befreien. J> vollendete den Bau der Rangunpagodc, 
der nach seinem Tode (822) sein Neffe und Nachfolger Pienja- 
kinteauh den Schirm (tih) aufsetzte. Ihm folgte (825) sein Neffe 
Miauüiuh, ein grausamer König und dann dessen Tochter Piinja- 
tauh, die ihren Namen mehrere Male änderte und unter verschie- 
denen bekannt ist. Sie vollbrachte viele verdienstvolle Werke 
und weihte ihr Gewicht in Gold der Pagode Rangun's. Ihr 
Nachfolger (832) Upareseah war tief in den Schriften des Pitagat 
bewandert. Auf einer in der Pagode Rangun's gefundenen Re- 
liquie (das Modell einer goldenen Miniaturpagode) sind die guten 
Werke einer Königin Pegu's aus dem Jahre 846 (1484 — 1485p.d.) 



236 Pegu. 

eingeschrieben, und Sparks bemerkt, dass sie eine Gemahlin des 
Königs Pyniya Kyaula gewesen sein müsse. Dann fällt Pegu 
unter die Brahma-Könige Tongu's und wird damit vereinigt. Ce 
royaume fondö par un pecheur, il y a environ onze cent ans, fut 
gouvern^ par ses rois h^r^ditaires jusqu'en 1539 qu'il futsubjug^ 
par les Bramas, sagt Turpin, nach dessen Bericht die früher 
zu Minenarbeiten Gezwungenen sich empörten. Das Land der 
Brahma's gehörte (nach Pinto) zu den 13 Königreichen, die das 
Joch des gemeinsamen Monarchen abwarfen, indem sie ihn bei 
einem Gastmahl in der Stadt Chaleu (in dem Königreiche Chaleu 
zwischen Ava und Prome) vergifteten und sich dadurch sowohl 
von Pegu als von denUebrigen unabhängig machten. Die Empö- 
rung bracli zuerst in den Bergwerken aus. Nach de Faria 
y Souza war das Königreich Pegu 1100 p. d. gestiftet und der 
erste König ein Seefahrer gewesen. Auf seinen Sohn folgte Tarn 
(mit dem Titel Banna oder Bainha), dann Kael Vea, Talanna, 
Inda, Dazar, Mampla und sechs Andere bis auf Shemindoo (Shin- 
min-dau). 

Die Geschichte der Mon-noi beginnt in folgender Weise : 
Im Jahre 522 der Chunlosakkharat der ersten Reihenfolge 
(Pathom-Prixet) im fünften Monat, der neunten Nacht des abneh- 
menden Mondes, am Mittwoch , als von den acht Jahren , die den 
Predigten gewidmet waren , das letzte zu Ende ging , wanderte 
Somdet-Phra-Khotama-Samma-Sam-Phutthi-Chao umher, um 
FusseindrUcke zurückzulassen , und kam zu dem Berge Suthat- 
Namarang-Sit, im Lande Hongsawaddi's, im Gebiete (Prathet) der 
Raman. Zu der Zeit war das Land Hongsawaddi noch vom Meere 
überströmt. Als später die Wasser aufzutrocknen begannen und 
sich verminderten , da stieg ein Berg zu der Höhe von 20 Faden 
auf und hatte, von ferne erblickt, das Ansehen einer Pagode 
(Phra-Chedi). Wenn dann das Wasser in der Fluth sich zum 
Kande der Küste zu erheben pflegte , so Hess sich ringsum ein 
Kräuseln bemerken , und davon blieb dem Volke der Raman der 
Name Suthat-Nabanphot. Als in späterer Zeit ein Rokfa-Baum 
keimte und auf dem Berge hervorsprosste , so entstand die Be- 
zeichnung Khao-Suthat-Namarangsit-Phut-kttn-ma, und diese 



Die Talein und ihre Könige. 237 

Worte Phut-kün-ma (es entsprang und sprosste hervor) wurden 
allmälig so verändert, dass das Volk Raman den Namen Mutao 
erhielt, wie sie noch heute geheissen werden. An der Stelle, 
wo Phra-Puttha zwei Schwäne sah, verkündete er die künftige 
Gründung der Stadt Hongsawaddi. 

Als nach Phra-Phutthi-Chao'sNeibban eintausend Jahre ver- 
gangen waren, hob sich der Dünensand am Fusse des Berges, so 
dass ihn das Wasser beim höchsten Fluthstande nur drei Faden 
tief bedeckte. Damals geschah es, dass ein Kauffahrteischiff 
auf der Reise von der Stadt Phitthajanakhram nach der Stadt 
Savannaphum, zwei Schwäne, Nachkommen der von Buddha ge- 
sehenen, auf der Sandbank bemerkte , und die Schiffer, die Khek 
waren, statteten bei ihrer Rückkehr nach Phitthajanakhram dem 
Könige Banthurajen Bericht ab, der darüber die in den Trai- 
Phet (drei Vedas), den Rök (Constellationen), den Ditthi (Omen) 
und den verschiedenen Kamphi (Textbüchern), sowie in den 
grossen und kleinen Grundlagen der Traditionen wohlbewander- 
ten Gelehrten befragen Hess. Sie gaben eine aus dem Kamphi- 
Chotmai-hetu gezogene Antwort, dass Phra-Phutth auf seiner 
Reise nach Suthamvadi zwei Schwäne gesehen und auf der dor- 
tigen Stelle die Gründung einer künftigen Königsresidenz pro- 
phezeit habe, wie es auch durch das Tamra-Trai-Phet bestätigt 
sei. Der König Hess eine Säule verfertigen, worauf Namen und 
Daten eingeschrieben waren , und sandte dieselbe fort in einem 
Schiffe, das bei dem Berge Yoei-Kabang anlegte , oder, wie es 
im Siamesischen (Kham thay) wiedergegeben ward , Thi-rang- 
kam-pan. 

Auf Banthurajen folgte Satirajen und dann ein zweiter König 
des Namens Banthurajen , der ungefähr hundert Jahre später ein 
zweites Schiff mit einem Edelmann aussandte , nach der Säule 
auszusehen. Zu der Zeit herrschte König Kovatham in Arintham- 
buri oder Phukam , Athinvat in Suthamvadi oder Sathöm. An 
die Wälder Motama's stossend, lag eine Stadt Romavadi oder 
Jangkung und König Senakhongkha residirte in Romavadi. 

Auf dem Berge Khreng Nakh oderNgonNakh lebte in seiner 
Einsiedelei der Eremit Lomadabot, und eines Tages stieg ein 



238 ^egix. 

Drachenfräulein (Nang Nakh) zu dem Gipfel empor, die dort von 
einem Phetjathon (einem fliegenden Zauberer) besucht wurde. 
Dieser verliebte sich in sie und blieb bei ihr. Als er aber sah, 
dass sie ein £i legte, erkannte er in ilir die Drachennatur und 
verliess sie. Die Drachenprinzessin wnrf das Ei fort und kehrte 
nach ihrem Reiche zurück. Der Einsiedler, der das Ei fand, 
zog das daraus ausgebrütete Mädchen in seiner Zelle auf. Sie 
war ausnehmend schön, und ein Jäger, der sie in der Wildemiss 
gesehen hatte, rühmte sie vor den Leuten, bis ihr Ruf zu den 
Ohren des Königs Senakhongkha drang, der sie zu seiner Köni- 
gin erhob und zwei Söhne mit ihr zeugte, niich dem Stande der 
Sonne bei ihrer Geburt Sommala-kuman und Vinala-kuman ge- 
nannt. So oft es geschah , dass die Königin ärgerlicli wurde und 
mit einer der Dienerinnen zürnte, so fiel diese sogleich todt zur 
Erde , da der giftige Hauch , der ihr aus der Drachennatur ver- 
blieben war, hervorbrach. Als man darauf aufmerksam wurde, 
machte einer von des Königs Leibärzten einen Versuch mit Me- 
diciuen, die unter ihre kosmetischen Pulver gemischt wurden, 
und als sie in Folge dessen in eine auszehrende Ki^ankheit fiel 
und hinsiechte, wurde es Jedermann klar und deutlich, dass sie 
eine Drachin sei. Den Prinzen wurde deshalb der Ruth ge- 
geben, das Land zu verlassen und in die Dienste des Königs 
Athinrat von Suthamvadi zu treten. Als aber die dortige Prinzes- 
sin eine Liebschaft mit Sommala anknüpfte, fanden sie ihr Leben 
bedroht und flüchteten zu einem Eremiten, der ihnen vorschlug, 
auf dem durch Buddha's Prophezeihung geheiligten Platze eine 
Stadt zu erbauen. Die Prinzen sammelten 170 Begleiter um sich, 
mit denen sie auf 17 Flössen fortfuhren und bei der Sandbank 
anlegten. Als die Bewohner der ualiegenden Wälder von dieser 
fürstlichen Ankunft hörten, kamen sie herbei, sich mit ihnen zu 
vereinigen, so dass sich die Zahl bald auf 1000 belief. Es wurde 
dann über die Anlage einer Stadt entschieden und Somdet Ama- 
rintharathirat (Indra) beschloss sie darin zu unterstützen. In der 
Form efnes Brahmanen aus der St^idtVattaki und mit einer Mess- 
schnur in den Händen, die mit kostbaren Edelsteinen geziert war, 
nahte er sich der Stelle, wo das Volk mit Arbeiten beschäftigt 



I 



Die Talein imd ihre Ronige. 239 

war, und als er auf die gestellten Fragen hörte, dass sie die 
Gründung einer Stadt beabsichtigten , versprach er seine Hülfe, 
da sie sonst nicht verstehen würden, die Sache richtig anzufassen. 
Als er angefangen hatte, das Weichbild abzustecken, langte ein 
Schiff der Khek dort an, die, nachdem sie geankert, um den 
Grund und Boden stritten, denselben als den ihrigen beanspru- 
chend und sich zum Beweise auf die Steininschrift berufend, welche 
dort begraben läge. Der Brahmane indess erwiederte, dass sein 
Volk in schon weit früherer Zeit dort einen goldenen Pfeiler nie- 
dergelegt habe und dass sie beim Nachgraben diesen unter dem 
ihrigen finden würden. In der folgenden Nacht schuf Phra-ln 
eine solche Goldsäule mit d^n nöthigen Inschriften , und als man 
am nächsten Morgen nachgrub, wurde es so gefunden, wie er ge- 
sagt hatte. Die Khek, darüber erschreckt, zogen ab und Hessen 
sich bei ihrer Rückkehr in Taikala nieder, wo sie eine Stiidt er- 
bauten. Die Stelle, wo der Pfeiler gefunden worden, im Innern 
der Stadt Hongsawaddi , wurde Inthachakmyang von den Kaman 
genannt, und als sie später dort ein Phra-Sathub überbauten, 
hiessen sie ihn den Phra-Chedi-hen-lak (die Pagode, wo der 
Pfeiler gesehen wurde) oder Kajat-töng. 

Nachdem Hongsawaddi im Jahre 514 der gewöhnlichen Aera 
gegründet war, regierte dort nach den beiden Brüdern noch eine 
Reihenfolge mehrerer Könige, die mit frommem Sinn der Religion 
Phra-Phutthi-Chao's ergeben waren, streng die Vorschriften 
beobachteten und den heiligen Baum verehrten. Dann aber kam 
ein König, der die drei Kleinodien vernachlässigte und die The- 
pharak verehrte. Er Hess überall die Bilder Phra-Phutthi- 
Chao's aufsuchen und in's Wasser werfen, aber ein Mädchen, 
das eines derselben beim Baden gefunden hatte , ))chielt es bei 
sich und verehrte es , unerschrocken die Gebote des Königs ver- 
achtend. Als ihr Todcsurtheil gesprochen war, den Elcphanten *) 
vorgeworfen zu werden , wollte keines der zur Wuth gereizten 



*) Auch bei den Christen Verfolgungen in Cochinchina erwühnen es die Mis- 
Bioimre slU eine gewöhnüche Art der Todesstrafe . dass die Märtyrerinnen den 
"bilden Elephanten vorgeworfen wurden. 



240 ^^^ 

Thiere »\e berühren. Dann aber erbo^len sieb auf ibr Gebet die 
aebt Figuren bocb in die Luft, und als der König $ab, da$$ die 
ketzeriM'ben Lebrer (Acban Mitxatbiti dies Wunder niebt naeh- 
abmen konnten, so trieb er sie binweg und >teUte die Religion 
Phra-Phuttb's wieder ber. Die frr»mnie Jungfrau aber wurde sein 
königliebes Gemabl. 

Im Jabre 63<J kam der birmanisebe Herrseber «Krasatr Fama) 
PVa-^ao .VlankVftsu genannt, einMäebtigerinBbukam, und zog 
berbei, Hongsawaddi undSatböm erobernd. Naebdem erMotama 
erbaut batte, begab er sieb nacb Tavoy (Taveb), eine Stadt, die 
ibren Namen erhielt , weil dort von den Eingebomen Durian- 
Früebte dargebraeht ft'avay; wurden. Der Krmig fand ausneh- 
mendes Wohlgefallen an dieser Fruebt und er Hess dort eine bir- 
manisehe Colonie zurüek, mit dem Befehle, dass ihm jäbrlieh ein 
Tribut an Durian gesehiekt werden solle. Als naeb dem Tode 
des Königs der Khek Alimamang, der als SUittbalter in Motama 
zurückgelassen war, sieh empörte, fiel auch der Gouverneur 
Tavov's ab, da er zwischen sieh und Pukam die Mon als Schutz- 
mauer gab, und die Uebersendung des Tributs wurde unterlassen. 
Die Sprache der Bewohner Tavoy's ist durch diese Colonie die 
binuanische geworden, und obwohl sie in Einzelnbeiten von der- 
selben abweicht, ist sie doch von der Sprache der Kaman ver- 
schieden. 



Das KüDigreich Tongu in Sage und Geschichte. 

Als Gautama auf seinen Wanderungen nach dem Lande 
Jeyavatana kam , zeigte er seinem Lieblingsschüler Ananda die 
Stelle, wo später Tongu gebaut wurde, sprechend: Hier haben 
wir beide in einer frühem Existenz als weisse Hähne gelebt, jeder 
mit 500 Begleitern , und hier haben wir uns genährt. Hier auch 
werden in einstiger Zukunft meine Reliquien niedergelegt und 
verehrt werden. Als sie über den Fluss gesetzt nach dem andern 
Ufer, wo jetzt die Pagoden Myatöoüinauü stehen, sagte er zu 
Ananda : Hier waren wir beide als weisse Hähne geboren und 
hierher kamen wir, Nachts zu rasten. Hier auch werden in einstiger 
Zukunft meine Reliquien niedergelegt und verehrt werden. Als 
Dhammasoka, König vonPalibrotha, den verborgenen Schatz seines 
Vorgängers aufgegraben, berief er zu sich die Fürsten der 84,000 
Länder und vertheilte die Reliquien unter sie , mit dem Gebote, 
über denselben bei der Rückkehr in ihre Heimath Pagoden zu 
bauen und daneben Brunnen und Cistemen anzulegen. Die 
Häuptlinge von Tongu empfingen ehrfurchtsvoll die ihnen zu- 
fallenden Reliquien und legten sie in dem Fundamente von vier 
Pagoden nieder, an der durch 6autama*s Prophezeiung vorher 
bezeichneten Stelle. 

So rühmte sich das Land schon Reliquien aus ältester Zeit, 
und deshalb hörte Tachard (der auch eines sich nach der Anzahl 
der Pilger accommodirenden*) Hügels an der Grenze erwähnt): 
dans le royaume de Pegu, les os de Sommonakhodom partie 



*) Als Buddha sich auf den l^els Pantnkambala im Himmel Thawadeintha 
niedersetzte , sog sich die Oberfläche so zusammen , dass er sie mit seinem Ge- 
wände bedeckte. 

Bftstiftn, OttMien. I. 16 



242 Pegu. 

ohangös en divers m^taux, partie dans leur ätat naturel, r^pandent 
un 6clat merveilleux. Ausser dieser Hauptvertheilung der 
segnenden Reliquien über alle Tbeile der Erde, holte f&r König 
Dewananpiyatisso in Ceylon der Samanero Sumano nicht nor 
Reliquien von Pupphapura (Palibrotha) , sondern auch ans 
dem Himmel Sakko's (Indra's) , des Königs der Deva. Die bir- 
manische Geschichte spricht schon von früheren Pagoden, die 
zur Zeit Dwattabong's gebaut wurden, und die Schwedagon Ran- 
gun's erhielt Reliquien bereits bei Gautama's Lebenszeit. Auch 
Thatung war auf ähnliche Bevorzugung stolz. Gautama gab bei 
seiner Ankunft vier Haare dem Yathay (Eremiten) Jeik-Tiho, 
der dieselben in seinen Haarknoten aufband und während seiner 
Andachtsstunden herausnahm, um vor ihnen zu beten. Als unter 
König Dhammapala sein Ende nahe war, Hess sich der Thagya- 
min die Haare von ihm geben und legte sie nach dem Tode des 
Yathay in einen Stein, der nach der Gestalt seines Kopfes geformt 
war. Als König Tihajasa eine Pagode darüber zu bauen wünschte, 
wollte es ihm nicht gelingen, bis der Thagyamin zu seiner Hülfe 
kam und den Thagya-Paya in Thatung vollendete. 

Nachdem Buddha's Leichenbegängniss in Kusinara begangen 
war, kamen die Sakhya-Prinzen von Kapila, die Lichawi-Fürsten 
von Wisala, die Prinzen von Allakappa, die Prinzen von Rama- 
gama, die Brahmanen von Wethali und die Malwa-Fürsten von 
Pawa an der Spitze ihrer Heere und verlangten von Ajasatru die 
Auslieferung der Reliquien. Da diese verweigert wurde, stand 
ein blutiger Vernichtungskrieg bevor, als noch im letzten Augen- 
blicke dem Brahmanen Dronah eine gütliche Vermittlung glückte, 
indem sich Alle mit seiner Vertheilung befriedigen zu wollen 
erklärten. Der Brahmane vertheilte die Reliquien nach Becher- 
massinachtTheile und benutzte einen Moment, wo die von Trauer 
übermannten Könige sich ihre Brüste schlugen, um einen der 
Zähne für sich zu abstrahiren und in seinem Haarknoten zu ver- 
bergen. Sakra oder Indra aber, der es gesehen hatte, nahm den 
Zahn zu sich nach dem Himmel, ohne dass es der diebische 
Eigenthümer merkte, der, als er ihn nachher vermisste, sieb 
seine Schuld einzugestehen schämte und mit dem Goldbecher, 



i 



Das Königreich Tongn in Sage nnd Geschichte. 243 

der zum Mesaen gedient, als seinem Antheil begnügte. Was von 
der Asche und Kohle übriggeblieben war, wurde den zu spät 
gekommenen Fürsten von Pittali überlassen. Nach einem bir- 
manischen Volkswitz sollen dieselben indess von dem Pona 
Dronah gesammelt sein , der damit eiligst nach dem Lande der 
Nagas gelaufen und die ganze Nacht darauf sitzen geblieben 
wäre, aus Angst, dass sie gestohlen werden möchten. Am andern 
Morgen waren sie aber dennoch verschwunden und an ihrer Stelle 
aus etwas dem Körper des Pona Entschlüpften die Pinseng- 
Pflanze aufgewachsen, die seitdem von den Brahmanen angebetet 
wird. Nach Plutarch stritten die verschiedenen Staaten um die 
Asche des Menander'*'), bis man sich über ihre Vertheilung 
vereinbarte und in jeder Stadt ein Monument über dem zu- 
gefallenen Antheil errichtete. 

Als Alaunsidu's Enkel, König Narapatisedu von Pagan oder 
Tampadiepa, der in einem Baum am Tavoy-Flusse eine Zahn- 
reliquie gefunden, nach frommen Pilgerfahrten den Sittang- 
fluss hinauffuhr, wurde er von der Bestimmung zu einer Stelle 
am Paloungflusse geleitet, wo er, von dichtem Jungle über- 
wachsen, die Pagoden des Brüderpaars Ninaun (aus Ninaun- 
piaun) in ihren verfallenen Ruinen fand. Nachdem er sie wieder 
hergestellt und auf diesem geweihten Boden eine Stadt zu erbauen 
beschlossen hatte, vermählte er seine Tochter (Schwester des 
Dzaejatinja-Nandaumioh)mit Nandai§uriya, den er als Gouverneur 
Dzaejawundatein's in Kampamyen-joa (joa oder Dorf) bestellte 
(1191 p. d.). Ihm folgte sein Sohn Minhlaßo, dessen Nachfolger 
^vonlakyien seine Residenz nach der von ihm erbauten Stadt 
Kyakhatvara verlegte. Dort sammelte er viele Bewohner der 
naheliegenden Länder als Ansiedler um sich, zog sich aber, 
durch das Aufblühen seines Reiches , auch viele Feinde zu , die 
beutegierig von allen Seiten heranschwärmten. Der König 

*) Zur Zeit des Periplos waren bis ins südliche Indien die Münzen des Me- 
nander nnd Apollodotus in Gebrauch. Ausser der gewöhnlichen Devise des Apollo 
Hess Antiochus Theos für die ostlichen Staaten Münzen mit dem Emblem des 
Jopiter Aegiochns prägen. Nach Cunninghara begriff das Reich des Menander 
(161 — 140 a. d.) Nysa und Taxila. 

16* 



244 Pegu. 

indess fürchtete sie nicht. Er hatte von den Gröttem eine Zauber- 
trommel erhalten , die er schlug, wenn Gefahr drohte » und so oft 
die räuberischen Schan ihren dumpfen Ton hörten , flohen sie 
erschreckt in die Berge zurück. Ausserdem war die Hauptstadt 
von einer unüberwindlichen Mauer umgeben , die aus einer drei- 
fachen Pallisade stachlichter Cactus bestand, für jeden Angreifer 
unnahbar. Wagiu oder Waraerau, König von Martaban, erfuhr 
das zu seinem Schaden , denn , obwohl ihm Naratiyapadsae von 
Pagan, der König von China und König Towaiijumin Hülfe ge- 
sandt, lag er lange Zeit vor dieser Festung, ohne Etwas dagegen 
ausrichten zu können. Indess seine gewohnte Schlauheit liess 
ihn nicht im Stich und gab ihm ein Auskunftsmittel an die Hand. 
Er sandte einen seiner Minister unter dem Verwände, Verhand- 
lungen anzuknüpfen, in die Stadt, und dieser, der länger dort 
verweilte, pflegte täglich einen regelmässigen Spaziergang über 
die Stadtmauer zu machen , wobei es immer der Zufall wollte, 
dass sein Geldbeutel ein Loch hatte und glänzende Gold- und 
Silbermünzen zwischen den Dornenbüschen hinabrollten. Solche, 
die es sahen , schwiegen still , kamen aber heimlich bei Nacht, 
sich ihren Fund anzueignen , und trugen aus Habgier kein Be- 
denken, ihre eigenen Vertheidigungswerke niederzuhauen, da 
sie sonst nicht dazu hätten kommen können. So wurden die 
Talein Meister der Stadt. Eine ganz gleiche Fabel wird bei der 
Eroberung Lawek's, der Hauptstadt Kambodia's, erwähnt, in 
deren Dorn^enwälle die Siamesen goldne und silberne Kugeln 
hineingeschossen, und hat in so fern Werth, als sie zu bestätigen 
scheint, dass früher in Hinterindien solch nattlrliche Befestigungen 
angewandt wurden. In dem Drama Mananhurry ist die Silber- 
stadt von der Menschen weit durch eine dreifache Barriere ge- 
schieden, aus Stachelhecken, flüssigem Kupfer und Belu gebildet 
Die dornigen Hecken bestehen hauptsächlich aus Ziziphusjiyuba. 
In Sangermano's Bericht regieren nach Saun , dem königlichen 
Prinzen Pagan's, der 614 die Stadt Taunu baute, 29 Könige bis 872. 
Wariru führte den König als Gefangenen mit sich fort 
(13. Jahrhundert) nach Pegu, und als er dort auf seinem 
Todesbette lag, berief er seine beiden Söhne, l^vongyi und 



k 



Dm Königreich Tonga in Sage und Geschichte. 245 

l^vongelay, zu sich und sagte ihnen: Dieses Land der Raman 
ist nicht das unsere. Eure Heimath ist in Jeyavatana, und dort- 
hin kehrt zurück. Das ist der Wunsch eures sterbenden Vaters. 
Zieht den Fluss AhsavatipauülauA aufwärts und dann folgt dem 
Bache KhabouA, bis ihr zu einer vorspringenden Landspitze 
kommt. Das ist der euch bestimmte Platz. Die Söhne thaten, 
wie ihr Vater ihnen geboten: sie verliessen das fremde Land, um 
ihre Heimath wieder zu sehen; aber sie hatten die ihnen von 
ihrem Vater empfohlene Instruction nicht richtig verstanden und 
erbauten die Stadt Naungbiaun an einer Stelle , wo sie beständig 
von den waldbewohnenden Karen belästigt wurden. Sie verlegten 
ihren Wohnort nach Dinjawuddi , konnten aber auch dort keine 
Buhe finden, bis es ihnen gelang, einen der einflussreichsten 
Häuptlinge unter den Eingebomen in ihr Interesse zu ziehen. 
Dieser hatte in seiner Jugend in der Stadt Htieling den Unter- 
richt eines Priesters genossen, war aber von demselben, der eines 
Tages eine Schlange um den Hut seines Schülers gewunden sah, 
angewiesen, nach Süden zu ziehen, da er dort ein grosser Mann 
werden würde. Er folgte dieser Weisung, hielt sich erst einige 
Zeit in Eentha auf und sammelte dann südöstlich von Eaylen 
verschiedene Familien der Karen, um sich an einer Stelle, die 
davon den Namen ^Ansiedlung der Karen ''erhielt, niederzulassen. 
An ihm, als einem Sohn des Waldes, fanden die mit den Lo- 
ealitäten weniger vertrauten Prinzen eine sehr brauchbare Person 
nur Förderung ihrer Zwecke. Er durchstreifte ftti* sie mehrere 
Monate lang alle die wilden Jungle des dortigen Hügellandes, 
bia er endlich den richtigen Platz gefunden zu haben glaubte, 
auf dem dann die Stadt Tjaukawa oder Dinjawuddi (Alt-Tongu) 
erbaut wurde. Zwischen ihren Trümmern liegt jetzt ein kleines 
Dorf, in der Nähe des heutigen Tongu, wohin später König Ma- 
hatisedu, auf den Rath eines Priesters aus Tiho oder Ceylon, 
seinen Sitz verlegte, weil die Luft dort gesünder sei. Die Nats 
waren indess nicht dieser Ansicht. Denn als das Bild des Shin 
Taugih dem Könige nach Tongu folgen sollte, kehrte es (wie 
jener starrköpfige Heilige , der Peter des Grossen neue Stadt 
verabscheute) stets nach seiner alten Behausung in Dinjawuddi 



246 Pegu. 

zurück. Die Nats scheinen sich übrigens dort auch besonders 
wohl befunden zu haben. An den yier Ecken*) der Stadt waren 
Tempel für sie gebaut, wo ihnen Feste gefeiert und üppige Mahle 
bereitet wurden, während früher in Amarapura und jetzt in Man- 
dalay alle diese hübschen Dinge den ungeschlachten Buddha- 
kolossen zu Gute kommen, die dort die vier Eckthürme bewachen 
sollen. Die Könige Tongu's fuhren vielfach den Titel Natschin 
(Oöttertempel), wie die buddhistischen den yonPhrabat (heiliger 
Fusstapfen) oder Phra-Phutth. Beiden kambodischen Königen 
findet sich noch der Titel Patenta (Festung). 

Nach Gründung der Stadt, deren eines Quartier an Karenba 
(Vater der Karen) überlassen war, regierten die Brüder ge- 
meinschaftlich unter Vorsitz Savongjd's oder Jakauwean-myo 
(1281), aber später brach ein Zwist aus und der Aeltere 
wurde durch den Jüngeren getödtet (1317 p. d.), der dann allein 
die Regierung führte. Unter ihm geschah es, dass der Naga des 
südlich Yon der Stadt gelegenen Teiches die Form eines sonder- 
baren Fisches annahm und den Geist der Uferbewohner ver- 
wirrte, so dass sie anfingen, Fische zu fangen und Fische zu essen. 
Da der Naga so erreicht hatte, was er wollte, durfte er seinen 
Wunsch ausführen und, die Wasser des Sees in einer furchtbaren 
Fluth aufthürmend , schwemmte er die ganze Zahl der ihn in- 
commodirenden Dörfer hinweg**). Alle kamen um. Nur ein 
altes Weib konnte entrinnen , da sie wegen Mangels an Zähnen 
nie von den Fischen gegessen hatte. Sie sah einen Säugling 
am Wege liegen und riss ihn zu sich empor, um ihn in ihrer 
Flucht mitzunehmen. Aber der Säugling, der schon von der 
Milch der schuldigen Mutter getrunken, war bereits der Ver- 
dammung verfallen , eine schäumende Welle eilte der alten Fran 
nach und schleuderte das Kind aus ihrer Hand , es mit sich in 
den Abgrund ziehend. Als so nach Hecht und Gesetz der sündige 

*) Konig BäDthakaphai bestellte verschiedene Baksbasas, um die Seiten 
der von ihm gegründeten Stadt Annratburi (Annradhapnra) zu bewachen (nach 
dem Mahawanso). 

*^ Nach dem Radjatarangini zerstörte der enfimte Naga-K5nig die Haupt- 
stadt des Königs Nara mit allen Bewohnern in einem Oewittersturm. 



Das Königreich Tongu in Sage nnd Geschichte. 247 

Säugling den Höllenpeinigungen überantwortet wurde , klatschte 
der vom Himmel zuschauende Urahn der Familie , aus der er 
stammte, erfreut in seine Hände, und daher heisst der Platz noch 
beute Apoelekkuttih. Als l^avongelay von dieser Begebenheit 
hörte, kam er nach dem See heraus, und als er auf seinem süd- 
lichen Ufer stand , wurde es ihm schwindlig vor den Augen und 
es kam ihm vor, als ob sich nach Osten und Westen Allein von 
nttauk - Bäumen erstreckten, und davon wird dann der Fluss 
auch der Pattauk-Fluss genannt. 

Soweit die Chroniken Tongu's. Gegenwärtig tragen die 
Pungyi Sorge, dass dieNagas ihr gefährliches Spiel nicht wieder- 
holen. Ein mir während meines temporären Aufenthalts in Tongu 
befreundeter Priester war selten zu Hause in seinem Kloster zu 
treffen. Gewöhnlich aber fand ich ihn bei dem Teiche, auf dem 
er sich bei der englischen Behörde ein Eigenthumsrecht erworben 
hatte. Dort fuhr jener treue Hüter der Menschen oder Fische 
bewohnenden Seelen im Sturm und Bogen auf einem Flosse um- 
her, sorgfältig und unermüdlich darauf achtend, dass kein un- 
bedachter Leichtkopf in einer schwachen Stunde sein künftiges 
Heil durch Verletzung der Ahinsa riskire. 

Bei Öavongelay's Tode (1324 p. d.) führte die Wittwe die 
Regierung für ihren minderjährigen Sohn , aber der ehrgeizige 
Karenba beklagte sich , dass sie ihm nach dem Leben trachte, 
und benutzte die Gelegenheit einer Festlichkeit, um alle Glieder 
der königlichen Familie zu ermorden oder zu vertreiben. Er 
setzte sich dann die Krone auf sein eigenes Haupt und übertrug 
sie bei seinem Tode (1342) auf seinen Sohn Dzaejatinga, der 
durch die Meuchelmörder seines Bruders Tohlayga fiel (1845 
p. d.). Die Karen bildeten den Grundstock dieses Königreichs 
und die mit Talein gemischte Ra(e der Karen im Dorfe Talo- 
pakwa übt manche Künste der Givilisation , die ihren Brüdern 
* des Waldes unbekannt geblieben sind. 

König Thimpanka (der als am ganzen Leibe behaart be- 
schrieben Wird, gleich einem Vorfahren der von Grawfurd und 
Yule gesehenen Familie) brachte sein Beich zu einem hohen Grade 
des Wohlstandes und wechselte Gesandtschaften mit den Talein, 



248 P^««- 

Birmanen und Yuen oder Yun. Er eroberte die fünf Provinzen von 
Raebiay und griff, mit den Talein alliirt, den König von Promo, 
ÖaurannauA, an, der besiegt und getödtet wurde (1370 p. d.). 
Sein Sohn Punshigyi verband sieh, von Pegu zurückkehrend, 
mit den Talein gegen Ava. Seines Nachfolgers Sohn war Min BouA, 
der Friedenstractate mit Öafokay, König von Ava, und Byaika-uh, 
König von Pegu, abschloss. Während der Abwesenheit Min 
BouA's in der nördlichen Provinz Myahla überfielen die 
Schan die unbeschUtzte Stadt Tongu, wurden aber vom Könige, 
der ein grosses Blutbad unter ihnen anrichtete , zur Räumung 
gezwungen. Der König wird wegen seiner Beförderung des 
Ackerbaues und religiöser Verehrung gerühmt. Ihm folgte sem 
Sohn (1392 p.d.). Der König von Pegu, Byiliaran, schloss (1428 
p. d.) ein neues Bündniss mit Tongu gegen Promo. Die Stadt, 
von den Peguem mit Kriegsböten und von dem König von 
Tongu zu Lande mit Elephanten angegriffen, wurde erobert 
und völlig ausgeplündert. Bei dem Tode des Königs von Tonga, 
dessen Tochter einem birmanischen Prinzen verheirathet war, 
kam Tongu in Abhängigkeit von Ava (1449 p. d.) unter der 
Regierung Narapati's. Tongu wurde durch dorthin deputirte 
Prinzen der königlichen Familie von Ava regiert, aber Zotut oder 
Jaehlyasura (Minjug}4 Tihatuya oder Nimahatiridzaehatuya), der 
Entthroner Mentrasevadi's , machte sich unabhängig (1485) in 
Tongu , als er von Öitkain dahinkam , und baute die verfallene 
Stadt neu wieder auf. Anfangs residirte er in Dwayawuddie am 
KabouA-Bache (1502), gründete aber dann das jetzige Tong« 
unter dem Namen von Ketumatie oder Besitzerin des königliche 
Banners (1510 p. d.). Er zog viele Brahmanen nach seinem 
Hofe, die sowohl auf ihn, als auf die Religion des Landes grossen 
Einfluss ausübten. Mason , dem die erste Stimme über Tonga 
zusteht, sagt darüber: On my arrival, in 1853, 1 found a round 
building in the north-west corner of the city, which contained 
decayed wooden images of Vishnu, and some other Hindu 
gods, to which the inhabitants were in the habit, fermerly, of 
making offerings ; and in the account of the eeremonies ofthe 
completion of the city, it is said that Ganesa was placed on a 



Das Königreich Tongii in Sage und Geschiebte. 249 

BtoBe slab on the south aide of the city. In the centre was an 
Image of Gaudama with the Pitakata before bim. The people 
were assembied without the walle and a procession formed, with 
the king at the head, wbo entered the city at the principal gate 
on the eastside. When he reaehed the outer gate of the palace, 
the brahmans and the chief architect exclaimed: „Let the ruler 
of this land and water , the excellent king of the law, possessing 
great glory, ascend into the golden palace which he has built, 
that he may obsenre the ten laws of kings , that he may give 
during the whole of bis lifo prosperity to religion and to the in- 
habitantfl of the eountry. " At the foot of the palace steps , he 
did homage to Brahma , Indra, Devas and to the three objects of 
Buddhist worship, exclaiming: I worship the Buddha, I worship 
ihe law, I worship the priesthood. ^ 

Noch jetzt trifft man mitunter Pona's , besonders aus Eathay 
oder Munipur stammend , die auf ihrer Reise nach Ava auch 
Tongu besuchen und, wie sie sagen, in der Absicht gekommen 
sind, um(jautama zu verehren. Derselbe sei indess nicht, wofür 
die Birmanen ihn ausgeben, ein Gott, sondern nur achtungs- 
würdig ids der Lehrer ihres Gottes Vischnu. Der birmanische 
Name für den buddhistischen Mönch ist Pungyi (Punha) oder der 
grosse Pon, was allerdings wieBhun-gyi, der grosse Glanz, 
erklärt 'wird, um es nicht mit Phun oder Phon (Bettler>*) zu ver- 
wechseln. Die chinesischen Beisenden erwähnen im alten Kam- 
bodia neben den Fo- und Taosse-Priestem eine Kaste der Ge- 
lehrten, die sie Pan-ki nennen. In Mahasinghi the Godiab style 
themselves Brahmans Bonso, claiming origin from aBrahman, 
who accompanied the Nolo Bonso Patro into the malo (s. Frye). 
Damit hängt auch der Name Bonze zusammen. De Cörös con- 
sidered the Bonpas to be the oldest sect of religionists in Tibet. 
In the Himalaja llie name still lingers as the designation of the 
exorcists of this or that rüde or unlettered tribes, such as the 
Mumi and Sunwars, sagt Hodgson.- Die Bilder der S6kte Idro- 



f) Nach dem Saddharmafankara erklärte sich Pnma (Pnnna) Kasjapa ffir 
einen I^Lgrambara, als er durch Räuber seiner Kleider betäubt worden. 



250 Peg«- 

phuDcho scheinen indess ganz lamaistisch zu sein, theils 
Buddha's, theils Figuren der Dokschit Die Könige Tongu's 
wurden die Brama - Könige genannt und ihr Reich OReynodi 
Bimir (fica a Leste de Ava, nach Couto). They had a prinee, 
called Brahma y whom they lock up to; as the Imam of their 
faith and from whom descended theBrahmans, heisstesimAjalb- 
al-Mukhlukat von den Hindus (s. Newbold). Nach Feiishta 
erfand Brahma , ein Gelehrter aus dem Greschlecht des Bang und 
Erbauer von Oude , die Künste des Schreibens und der Eiaes- 
arbeiten zur Zeit Krischen's, Vater des Maharaga. From one 
Brahma, resembling a gilded egg, proceededmanyBrahmaSy sagt 
das Yon Jenkins übersetzte Manuscript der Ahoms. Die Ponas 
in Birma folgen noch jetzt der brahmanischen Beschäftigung der 
Kuhhirten und nach Windischmann veränderte Ardasiddhi seinen 
Namen in Gotama (Hirt der Kühe), um auf die Führung und 
Befreiung der Seelen als gebundener Thiere hinzuweisen. Nach 
Purchas wurde ein Rinderfest zu Ehreü Perimal's gefeiert , des 
die Indier vermutheten to be the sonne of a cow. Priesterliehe 
Schmeichelei machte die Hranma zu Byamma, wie Gregor die 
Angeln als Angeli begrüsste. Auf den mittelalterlichen Mttmen 
von Orleans figurirt das als Fels erklärte Petersmännchen als 
Birmanne. Als aus den Bavanas heissen dieByamha (derRupa) 
Bon. Der indische Guru Dshu Adhischa fand seinen Sohn Pad- 
mapani in einem Geistlichen aus dem tibetischen Adelsgeschieeht 
der Brom. 

Kurz nachdem der BauTongu's (Toungnu) vollendet war, woide 
König Jaehlyasura , der den Titel Minteahschwedih oder Tabin- 
schwedih angenommen hatte , in einen Krieg mit Narapati oder 
Schweananjoshin-narapati , König von Ava, verwickelt, dem er 
(1503 p. d.) eine schwere Niederlage beibrachte, trotz der durch den 
Schan-Tsoboa Obaus herbeigeführten HtUfstruppen. Barthenu 
erwähnt im Jahre 1505 eines über Ava erfochtenen Sieges. Naeh 
einer zweiten gewonnenen Schlacht über die von Barinnadapali 
befehligten Schan lag Ava preisgegeben und würde das ganze 
Land in die Hände des Siegers gefallen sein, wenn man ihn 
nicht durch die Hand einer Prinzessin versöhnt und aum Fpeden 



Dm Königreich Tongu in Sage und Geschichte. 251 

bewogen hätte. Ausserdem completirte er seinen Harem noch 
mit Prinzessinnen Pegu's, Mochaun's, Lezen's, Bhamo's und 
Zimmay's. Seine Schwester wurde an Mahauparaja, König von 
Ava, verheirathet. Der Sohn seiner ersten Frau herrschte als 
König vonMartaban, die übrigen in Sagain , Pagan, Ava und 
Prome. Die glorreiche Regierung dieses Königs ist durch viel- 
fache Dichtungen ausgeschmückt, die von seiner Liebe zu der 
Tochter eines Thugyi der Dann erzählen , die später auch vom 
Sonnengotte besucht wurde. Als Sinnbild des Wohlstandes, der 
im Lande herrschte, überbauten Bienen die Mauern Ketumatie's 
mit Honigwaben. Sein Sohn Mentara oder (Mohauparaza) Men- 
trawedi (1531 p. d.) befestigte die Eroberung seines Vaters in 
Pegu, wohin er seine Residenz verlegte , um besser Sorge für die 
Wiederbevölkerung des verwüsteten Landes tragen zu können. 
The Brames (a proud nation and valiant) are lords of Pegu, 
sabdued by force of ai*ms some jears before they subdued the 
Laos. Tongu wurde dem Schan Menraysihasu überlassen , der 
seinen jüngeren Sohn Thiehathu oder Minkhaun zum Nachfolger 
einsetzte. Der ältere Mentaraschwedi oder Htsen-phu-shen aber 
gab seine Bechte erst auf, nachdem er die Krone von Pegu erworben. 
Auf Minkhaun folgte sein Sohn Minaykiautin oderMinjaetingatin, 
der einen grossen Palast erbaute , und dann sein Bruder Natshin 
maha damayaza oder Tihatu (Tabinshwedi oder Banzinkanmin). 
Er wurde durch seinen Bruder, den grossen Siegeskönig (Aleagar) 
Zinphyushin (der Herr des weissen Elephanten), entthront (1550 
p. d.), der dann seine Residenz nach Hansawuddi verlegte (1552 
p. d.) und Ava , Mogoung , Jangomai (Ziramay) nebst dem west- 
lichen Tunan eroberte. Pinto erzählt, dass der König von Ava, 
verbündet mit den Savadi's und Chaleu's , den Siammon *) (die 
westlich und nordwestlich an Kalaminha grenzten) Einlass ge- 
geben, um die Festungen des Brama im Königreiche Tongu zu 
halten. 

Die siamesische Greschichte erzählt bei Gelegenheit der 

*) Derselbe sah am chinesischen Hofe Gesandte des Siammon, Kaisers der 
6aco8 (dessen Land an Brama und Tonga stösst) , des Calaroinham , des Somaa < 
TOB Odia u. 8. w. 



252 P««". 

Feldzüge Narrt's , dass der König von Tonga (Phaya Tongu) die 
Stadt Uongsawaddi eingenommen und mit Phaya Lac (dem 
Könige der Lao) und dem Chao Myang (Statthalter) von Motama 
eine Allianz geschlossen , dass aber der siamesische König Mo- 
tama (Martaban) erobert habe. Der König von Tongu verbrannte 
dann Hongsawaddi und entfloh, den König von Hongsawaddi mit 
sich führend. Als der König von Siam nach Hongsawaddi kam, 
brachte er der Pagode Phra-Phutthi-Chao-Phra-Mao-tao seine 
Verehrung dar. Dann folgte er auf der Strasse nach Tonga und 
wies alle Anerbietungen des Phaya Tongu und Phaya Laköng, 
um Verhandlungen anzuknüpfen, zurtick. Mangel an Lebens- 
mitteln zwang ihn indessen, die Belagerung Tongu's wieder auf- 
zuheben. Auf seiner Expedition gegen Ava durchzog der 
siamesische Eroberer das Gebiet Tongu's , ohne die Hauptstadt 
zu berühren. 

Auf Tihatu oder Bari-min-saun (1585 p. d.) folgte in Ketu- 
matie (1598 p.d.) sein Sohn Minjaejohtin odefMahalihaturadham- 
mayaja, und nach der siamesischen Eroberung Pegu's flüchteten 
viele Bewohner nach Tongu, um sich dort niederzulassen. Unter 
seinem Nachfolger Natschin - naun oder Tirimahadhammaraja 
wurde Tongu (1607 p. d.) von dem Sohne des NauArammaha- 
dhammaraja erobert, der die Mutter und die Brüder des Königs 
(Minraykyautin und Minraykyauioa) nach Penya verbannte. 
Ihm folgte Natschin-Nauntirichadhammajaya, der den Fürst von 
Nyaungjam gefangen nahm und in Krieg mit Taniin (Syriam) 
gerieth. Als die Nachricht von dem Anrücken der Portugiesen 
und Aracanesen gegen Tongu nach Ava kam , liess der König 
rasch Truppen ausheben , um (unter dem Befehle von Minray- 
kyautin) Hülfe zu bringen , aber ehe sie anlangen konnten, war 
die Stadt schon in die Hände der Feinde unter De Brito ge* 
fallen und zerstört worden (1611 p. d.). Im nächsten Jahre in- 
dess (1612) eroberte der König von Ava den Hafen von Syriam 
und liess Tongu wiederherstellen, das fortan (1637) als eine 
Provinz von birmanischen Gouverneuren, die von Ava geschickt 
wurden, verwaltet blieb. 

Als es den Aracanesen in Verbindung mit dem König von 



Das Königreich Tonga in Sage und Geschichte. 253 

Tongu gelungen war, die Macht des peguanischen Reiches zu 
brechen , hatten sie den Hafen von Syriam dem portugiesischen 
Piraten Philip de Brito Nicote überlassen , der mit einiger aus 
Goa erhaltenen Hülfe sich zum Könige von Pegu aufwarf und 
seine Tochter mit dem Könige von Martaban vermählte, während 
er nach Denis vom aracanesischen König nur als Statthalter ein- 
gesetzt war. Nach der Eroberung Tongu's glückte es ihm 
allerdings, den deshalb Kalayamin (den von den Kalas fort- 
geführten) genannten König mit sich wegzuschleppen, er musste 
sich aber nach längerer Vertheidigung in Syriam der birmanischen 
Uebermacht ergeben und wurde (1613) zur Hinrichtung auf einen 
sein Königreich überschauenden Pfahl gesteckt, an dem er für 
zwei Tage noch fortgelebt haben soll. Der König von Ava, um 
weitere Expeditionen abzuwenden, schickte bald darauf eine 
Gesandtschaft nach Goa. 

Die Portugiesen treten mehrfach in der hinterindischen 
Geschichte auf. Portugiesische Galeeren , von Gayero befehligt 
(1544), wurden bei der Belagerung Martaban's von beiden 
Parteien um Hülfe angegangen. Gonzalo Neto's Musketenschuss 
entschied den Krieg zwischen Zotut, dem Shemin (Samein) von 
Satan (Sittang oder Cittaun), und Shemindu, König von Pegu 
(1547). Ihre Besitzungen waren für eine Zeit so ausgedehnt, 
dass Andrea Corsali (1515) sagen konnte: Queste terre di Ben- 
gala e Pegu dominano i mori Malachi i Portoghezi.' Durch ihre 
Etablissements in den Häfen schlössen sie die Binnenländer vom 
Meere aus, denn als Barbosa dort reiste (1519), war das König- 
reich Verma, zwischen Bengalen und Pegu, senza porto di mare. 
Die Talein dagegen waren als gute Seefahrer bekannt, und als 
die Aracanesen Zinbiushin gegen Siam unterstützten , hatten sie 
sich dafür Matrosen zur Bemannung ihrer Flotte ausbedungen. 
Das belagerte Yuthia wurde (1544) durch 50 Portugiesen unter 
Pereyra vertheidigt und bei den Peguern finden sich 150 unter 
Juarez de Melo. Im Jahre 1605 wurde die Flotte der Aracanesen 
von den Portugiesen geschlagen. Der Portugiese Kebello zer- 
streute die birmanische Flotte, die (nach der Eroberung Tavoy's) 
Tenawerim belagerte. 



254 Pega. 

In einer von mir eingesehenen Geschichte Tongu's fand ich 
folgenden auf die Portugiesen bezüglichen Bericht : 

Im Jahre 933 schickte Natschin-naun, derKönig.von Tongu, 
nach Eiekyokanja und dem Kala (Ausländer) !^ajiA (^ajaft) von 
Sanlien. In Begleitung des Kala ^ajift kam auch der Sohn des 
Bakein-Königs (von Aracan) mit einer grossen Armee , um dem 
goldenen Fusse Huldigung darzubringen [vielleicht nach nor- 
mannischer Weise am französischen Hof]. Als die Nachricht 
davon bekannt j^urde, bestellten die BrUder Minraekyautin und 
Minraekyau6oa den Tiridzayjatschotin an die Stelle des Atha- 
jakamanilekjahteiu und wandten auf ihrem Wege zurück, um 
nach Tongu zu marschiren. Ehe aber Minraekyautin dort an- 
langen konnte, bemächtigte sich im Jahre 974 NajiA, der Kalt 
von Sanlien, des Siri-damma-raxa-natschin-nyaun mit allen 
seinen Grossen und Edelleuten und führte sie mit sich fort Als 
Minraekyautin und Minraekyau6oa nach der Stadt kamen, er- 
nannten sie den Athajakamanilekjahtan zu ihrem Gomman- 
danten und versetzten den Zoatimahatiridzayhataja von seinem 
Platze als Niaunlontalein nach derCitadelle, um ihre Bewachung 
zu übernehmen, während sie für die erledigte Stelle einen andern 
Zintamin, ohne die Befehlshaberschaft der \'ier Regimenter, ein- 
setzten. In demselben Jahre brach Mahadhammar^ja (der 
gerechte König des Gesetzes) gegen Sanlien anf und nachdem 
er dort nach seinem Belieben geschaltet hatte, siedelte er in dem 
Palastbezirk Hongsawaddi's 5000 der aus Tongu nach Sanlien 
fortgeführten Bewohner an und theilte sie in sechs Compagnieen, 
um mit den Cavalleristen im Osten und Westen die Wache ZQ 
versehen. Dann nach Tongu zurückkehrend , ernannte er den 
Dzayyakyautin zum Suaysoukgyi (den grossen Bluttrinker, als 
Officierstitel) und den Uttajoh zum Suaysouk (Bluttrinker). Die 
Familie und die Verwandten des Herrn Kala (^a-Kula, indem 
^a, wie die aristokratische Form des ersten Pronomen, auch 
überhaupt einen Ehrentitel ausdrückt), sowie die des Königs von 
Tongu behielt er bei sich. 



Die Annalen Martaban's. 

Narapadisethu, König von Pagan, gründete auf seinen Feld- 
zttgen die Stadt Martaban und bestellte als Gouverneur den Edlen 
Alingma, der, da er sich aufsätzig zeigte, durch ein birmanisches 
Heer vertrieben wurde. Er floh nach Zimniay , kehrte aber von 
dort mit gemietheten Hülfstruppen zurUck und erschlug den an 
seine Stelle gesetzten Gouverneur Talapua. Er regierte dann 
unabhängig, bis ihn der Abenteurer Wajumin oder Wayaeru, der 
die Tochter des siamesischen Königs in Sukothay entführt hatte, 
ermordete. Dieser errichtete dann das Königreich Martaban und 
baute im Jahre 649 der vulgären Aera seinen Palast, in dessen 
Fundament ein schwangeres Weib eingemauert wurde , an einer 
Stelle, wo er drei Omen sah, einen Tiger, eine Schlange und 
einen Pfau auf Eiern brütend, von denen das erste zahlreiche 
Feinde, das zweite zahlreiche Schiffe und das letzte weisse Ele- 
phanten bedeutete. 

Dies sind die Angaben der peguanischen Geschichte , wie 
ich sie in Birma fand. Als ihr Verfasser wird der Edelmann 
Tameinpiatzo, der unter der Regierung Biinjaou's in Pegu lebte, 
genannt, und zur Zeit Alompra^s wurde eine birmanische lieber- 
Setzung angefertigt. Eine siamesische Uebersetzung der Ge- 
schichtsbücher der Raman macht ähnliche Angaben. 

Phrachao Alangkhachosu (oder Narapadisethu) , der König 
Pukam's, der die Stadt Sathöm (Thatung) erobert hatte, baute an 
einer Stelle des Waldes Pathavan , wo Buddha von den Jacks 
Huldigungen [also diesmal keine Steinwürfe] empfangen hatte, 
die Stadt Motama und setzte als ihren Gouverneur den Khek 
(Malayen oder Fremdling) Alimamang oder Alingma ein. Das 



256 Pegü. 

ihm zuertheilte Gebiet grenzte uördlich an Tongpu , westlich an 
die Dörfer, östlich an Siam und sUdlich an Sathöm. Als bei 
Alangkhachosu's Tode sein ISohn Chattavediraxa (der König der 
vier Vedas) oder Nandaraza (Zeyasiuha) den Thron bestieg, em- 
pörte sich Alimamang und floh vor dem gegen ihn ausgesandten 
Ueere unter dem Befehle des Generals Sihasurasena nach Hari- 
punxai in den Laosländem. Mit dort erhaltener Unterstützung 
gelang es ihm, den birmanischen Gouverneur Attayaphayo zu 
ermorden und sich unabhängig zu erklären. 

Das Rttang Phrachao-Raxathirat (das Buch der Könige) der 
Raman oder Mon holt, wie gewöhnlich, weit aus, mit einer Pro- 
phezeihung beginnend : 

„In der Zeit, als unser Herr noch auf Erden wandelte, ge- 
langte er auf seinen Wanderungen nach Aranja-prathet-tani (das 
Land der Waldgegenden) , die da heisst Pa-Motama (der Jungle 
von Martaban). Dort lebten acht Jacks (Rakshasa*) ) und ihnen 
erschien Somdet-Phra-Phutti-chao (unser Herr, der Gott und 
König Buddha) , transfigurirt in dem Glänze seines strahlenden 
Angesichts (Xaphan-rangsi Ittem-phra-phak). Als die Mahajacks 
(die Grossteufel) diese Herrlichkeit erblickten , wurden sie froh 
und fromm. Sie sammelten die Blätter von achtPhluang-Bäumen 
und erbauten einen Baldachin. Dorthin stellten sie einen weissen 
Stein als Thron und luden demttthigst den Herrn und König ein, 
sich auf diesem Sitze niederzulassen. Dann brachten sie die 
Früchte des Waldes, sie bereiteten parfümirtes Wasser und 
brachten es dem Herrn dar, sie entzündeten Oel und verbrannten 
Weihrauch vor dem Angesichte des Herrn, der ihnen dann in 
seiner Predigt die Weissagungen des Gesetzes verkündete , also 
sprechend : Hört mich , all ihr Grossteufel hier ! der Samen des 



*) Der Name Rakshasa wird den Bakhein bei|r«legt , die sk^ sonst Byam- 
magyi nennen. Mehrere der bei der sweiten Synode aosgesandten Priester ffihres 
den Titel Rakkhita und in einer Version der Geschichte Chandragnpta's heisst der 
Brahmane der Nanda : Raxasa. In der Mythologie stammen die Rakshas and 
Takshas, die die Berge und Wälder bewohnen, von Kha^a, einer der Töchter des 
Daksha, mit Ka^yapa vermählt. Die Yakäha im (befolge des Kavera seigea 
sich wohlwollend gegen die Menschen. 



t>ie Annalen Martaban^s. 257 

Verdienstes (Phollanisong), den ihr jetzt so eben ausgestreut, in 
Opfergaben für Tathagata, er wird einst zu Früchten reifen und 
euch in künftigen Zeiten grosse ReichthUmer im Himmel und auf 
Erden sammeln. Ihr werdet als acht mächtige Fürsten wieder- 
geboren werden, mit Glanz und Pracht begabt, und weithin als 
Gebieter herrschen. Und diesem Waldlande (Prathet - pa) hier 
ist ein göttlicher König verheissen , der in ihm die berühmte 
Stadt Motama, als seine Kesidenz, erbauen wird. Nachdem der 
Herr diese Worte gesprochen und das Gesetz den Jacks gepredigt, 
zog er weiter, um seine Segnungen allen Creaturen zu Theil 
werden zu lassen und als er bis zum Alter von 80 Jahren gekom- 
men, trat er ein in das Phra-Pari-Nibphan.** 

Dann, „lange Epochen später, *• erzählt die Geschichte den 
Feldzug des Königs von Pakham, die Vertreibung des aufständi- 
schen Gouverneurs und seine Rückkehr im Jahre 632 Ch. S. Zu 
der Zeit nun wurde jener Gottessohn (Thevabutr), von dem der 
Herr Buddha den Maha-Jacks prophezeiht hatte, in dem Grenz- 
dorfe Koh-vahn von der Frau des Kaufmanns Mapa geboren und 
Makatho genannt. Seine Schwester hiess Unruen und sein Bruder 
Mukata. Die Uebersetzung lässt dann gleich die Reise nach Siam 
folgen, wogegen das Original noch manche Züge aus seiner Kind- 
heit einfügt. Eines Tages, als er in dem Felde seines Vaters 
gearbeitet und sein Mittagsmahl in seinen Ueberwurf eingewickelt 
auf die Erde gelegt habe, sei eine Krähe gekommen, die das Kleid 
fortgetragen, um den Reis zu fressen, und daraus wird der Name 
Magadhu erklärt. Als Makatho zum Jüngling herangewachsen 
war, starb sein Vater und die Leitung des Geschäfts fiel nun auf 
ihn. Mit einer Caravane von dreissig Leuten, die er gemiethet, 
begab er sich auf den Weg, um Waaren nach Sukothay (Saukoday 
im Birmanischen) zu bringen und dort zu verkaufen. In der 
Nähe des Zollhauses, amFusse des Grenzgebirges zwischen Pegu 
und Siam, ermattete einer der Lastträger, und Makatho lud den 
Pack auf seine eigenen Schultern, ihn an des kranken Mannes Statt 
za tragen. Als sie auf der Höhe des Passes angekommen, um- 
wölkte sich plötzlich der Himmel, obwohl es mitten in der trocknen 
Jahreszeit war. Ein furchtbarer Gewittersturm brach los, der 

BAitian, OtUsien. I. 17 



258 Pegtt. 

Kegen fiel in Strömen und der Donner rollte. Ein Donnerkeil 
fuhr herab, riss die Last, die Makatho auf dem Rücken trug, her- 
unter und schleuderte sie weit hinweg. Er hob die Last und lud 
sie wieder auf, aber ein zweites Mal wurde sie ihm entrissen, und 
dies wiederholte sich, als er sie aufs Neue aufgelesen, ein drittes 
Mal, mit welchem das Gepäck einen Abgrund hinabrollte. Von 
Schreck ergriffen stand Makatho bewegungslos auf der Stelle, wie 
festgebannt. Ua, als er nach Osten schaute, sah er den Himmel 
am fernen Horizonte wie in dem Glänze einer purpurnen Mor- 
genrüthe wetterleuchten, und als er den Blick nach Westen wandte, 
fuhr ein blendender Blitzstrahl durch das dichte Gewölk und 
zeigte ihm fUr einen Augenblick die goldenen Dächer und ThUrme 
eines KTünigspalastes , der im nächsten wieder wie ein Phantom 
in der dichten Finstemiss verschwand. Makatho sprach kein 
Wort, aber schweigend dachte er bei sich selbst: Was mögen 
diese wunderbaren Zeichen zu bedeuten haben? Was die übrigen 
Packträger betrifft, so war keinem etwas Besonderes passirt, und 
Makatho Hess sie wieder aufbrechen, da das nächste Nachtquartier 
im Dorfe Mateva oder Nigur noch weit war. Aber gerade mit 
Einbruch des Abends langten Alle wohlbehalten dort an. Sie 
kehrten in dem Hause des Dorfältesten ein und hörten von ihm, 
als sie über die Ereignisse des verflossenen Tages sich unter- 
hielten, dass in seinem Dorfe ein weiser Mann lebe, der die Gabe 
der Prophezeihung und Zeichendeutung, besitze. Auf den Bath, 
ihn zu befragen, versah sich Makatho mit passenden Gaben und 
Geschenken, wie er sie für angemessen hielt, und begab sich nach 
seiner Wohnung. Als er ihm alles Geschehene im Einzelnen mit- 
getheilt, erwiederte der Greis: „Dir ist ein grosses und kostbares 
Omen (nimit) gesendet. Bringe von deinen Waaren und lege 
sie aufeinander, bis sie einen Haufen bilden, so hoch als dein 
Kopf; das soll meine Bezahlung sein. Darnach will ich dir die 
Zeichen auslegen. "" Makatho überlegte mit sich: Alles, was ich 
besitze, reducirt sich auf 30 Tical (ein Bath oder Tical ist unge- 
fähr eine Rupie) Silbergeld. Was soll ich machen? In dieser 
Unschlüssigkeit fiel ihm ein Termitenhügel (Chompluek) in die 
Augen, von Menschenhöhe, und er legte so seine dreissig Tical als 



i 



Die Annalen Martaban's. 259 

Opfergabe auf die Spitze der Erhöhung. Dann berichtete er dem 
weisen Greise, dass sein Verlangen erfüllt sei. Ich sehe, dachte 
dieser bei sich , unser Mann ist des Luges und Truges voll. Er 
muss sich hohe Verdienste in seinen frühern Existenzen erworben 
haben: Dann that er seinen Mund auf und prophezeite: ,, Von heute 
an, für die Zukunft hin, darfst du nicht länger Lasten auf deinen 
Schultern tragen , befasse dich nicht weiter mit dem Handel , es 
ziemt sich nicht. Dein Platz ist unter Königen, tritt in königliche 
Dienste. Im Osten sahst du aufleuchtend die Morgenröthe her- 
vorbrechen. Dort im Osten, wo die Sonne aufgeht, herrscht ein 
König, der dir die erste Stütze sein und dir emporhelfen wird. 
Aber dass dir im Westen der züngelnde Blitzstrahl die Erschei- 

m 

nung eines Königspalastes erhellte, das bedeutet, dass du im 
Abendlande selbst als Fürst gebieten wirst. Gross wird deine 
Macht und Gewalt sein, zweifle nicht. ^ Makatho bewahrte diese 
Worte in seinem Herzen und verliess mit seiner Gesellschaft am 
nächsten Morgen das Dorf Mateva. Als. er nach Sukothay ge- 
kommen, verkaufte er seine Waaren auf das erste Angebot, zahlte 
seinen Leuten ihren Lohn und schickte sie nach Motama zurück. 
Er selbst aber, dem prophetischen Worte vertrauend, blieb in 
der Residenz und sah sich nach einer passenden Stelle um. Da 
seine Kleider durch die Beise zerrissen und abgetragen waren, 
wagte er nicht bei vornehmen Edelleuten seine Dienste anzubieten, 
aber er fand Aufnahme bei dem Nai (Meister oder Aufseher), der 
die EUephanten der königlichen Ställe zu füttern hatte. Makatho 
zeigte sich eifrig in der Arbeit und feierte nicht. Er half dieFüsse 
der Elephanten waschen und sie am Mittag wie bei Nacht re- 
gelmässig mit Gras versehen. Der Elephantenhüter, der die 
Pflichttreue seines Stallknechtes bemerkte, gewann ihn lieb und 
so oft ihm durch die königliche Gnade sein monatlicher Gehalt 
ausbezahlt wurde, theilte er mit ihm. 

Nun geschah es eines Tages, dass seine Majestät, der König 
Phra Ruang (Somdet Phra Ruang Chao) die Neigung fühlte, seine 
Elephantenställe zu besichtigen. Von den Stufen* der zu seinem 
Thronsitz führenden Treppe niederschauend, sah er Makatho un- 
verdrossen den Kehricht der Elephanten zusammenfegen* An 

17* 



260 Pegru. 

den ElephantenhUter, das Wort richtend , begnadigte er ihn mit 
einer Frage, also sprechend: „Ist der Bursche da von deinen 
Leuten?'' Der ElephantenhUter in demUthigster Huldigung flehte 
zu seiner Majestät dem Könige Phra Ruang und crwiederte: „ Dieser 
Mann, Makatho genannt, ist ein Raman (Peguer). Er ksm, um 
bei dem Sclaven der göttlichen Majestät (Phra-Phutti-Chao) zu 
dienen und hilft die Elephanten reinigen und füttern. Er zeigt 
sieh in derThat sehr fleissig und brauchbar. "^ König Ruang fühlte 
Wohlwollen für Makatho und trug dem Marschall auf, gut für 
Makatho zu sorgen und ihn nicht darben zu lassen. Als König 
Ruang in den Ställen umherging, hatte er die Gewogenheit auf 
die Erde zu spucken, und als der Dreck durch den höchsteigenen 
Speichel nach allen Seiten umherflog, sah er darunter halb ver- 
borgen eine Cowric-Muschel hervorsehen. „ He, du kleiner Peguer 
(Raman-noi), rief er, nimm doch diese Cowrie, die kannst du be- 
halten.'' Makatho, in tiefster Huldigung zur Erde gebeugt, hob die 
Cowrie auf und steckte, sie ein. Phra Ruang, nachdem ersieh 
die Elephanten genug besehen, kehrte nach seinem Palaste zurück. 
Was Makatho betriffst, so schwoll sein Herz vor Freude und 
jubelte ob des königlichen Geschenkes. Seit der ganzen Zeit 
nun, sagte er zu sich, seit ich den Elephautenställen diene, ist es 
heute das erstemal, dass ich aus königlichen Händen eine Gnade 
empfangen , hier diese Cowrie-Muschel ; was ich nur am Besten 
damit thue? Sehr wohl, ohne Zeitverlust muss sie verwerthet 
werden. So ging er nach dem Markte, um Senfsamen zu kaufen, 
und verlangte für eine Cowrie (9000 — 1 0,000 Cowries machen eine 
Rupie aus). Der Händler erwiederte: „für eine Cowrie Senf- 
samen, für diese deine einzige Cowrie, weiss ich wirklieb 
nicht wie viel zu geben." Höre> sagte Makatho, für diese meine 
Cowrie, für diese meine einzige Cowrie, bitte ich nur um so 
viel Samen, als au einem Finger haften bleiben werden, wenn 
ich ihn in den Haufen stecke. „Meinetwegen, sagte der Kaufmann, 
nimm denn. "^ Makatho aber machte seinen Finger mit Schleim 
und Speichel klebrig und brachte ihn ganz mit Körnern bedeckt 
aus dem Korbe heraus. Der Verkäufer verwunderte sich über 
die Schlauheit seines Kunden und dachte bei sich, aus diesem 



\ 



Die Annalen Martaban's. 261 

Peguer da wird noch wohl was werden. Nachdem Makatho die 
Senfsamen gepflanzt hatte, düngte er sie mit Elephantenmist, 
und da er sie sorgsam bewässerte, fingen sie bald an lustig her- 
vorzutreiben. Als einige Zeit später König ßuang sich wieder 
in den Ställen umsah, pflückte Makatho einige der jungen Senf- 
pflanzen und legte sie vor des Königs Füssen nieder. Dieser 
fragte, woher sie gekommen, und als er hörte, dass sie Product 
der geschenkten Cowrie seien , war er überragcht durch die Be- 
triebsamkeit des kleinen Peguers und nahm ihn mit sich in den 
Palast, wo er ihn unter den Küchenjungen anstellte. Er behielt 
ihn im Auge, und da er noch manche Proben seiner Energie und 
seiner Thätigkeit sah, machte er ilm zum Hofjunker (Khangwang) 
und später zum Oberrichter. Er gewann ihn sehr lieb wie seinen 
eigenen Sohn und vertraute ihm die wichtigsten Geschäfte. Als 
er bald darauf in einen Krieg ziehen musste gegen die Khek 
Xava (oder nach der birmanischen Ausgabe , gegen die Yun) *), 
stellte er Makatho an die Spitze der Verwaltung während seiner 
Abwesenheit. Da er ungehinderten Zutritt zu allen Theilen des 
Palastes hatte, so entspann sich zwischen ihm und der Prinzessin 
Ninto-aydan, einer Tochter Phra Ruang's, ein Liebesverhältniss. 
Einer der Minister entdeckte es und drohte mit der Strafe des 
Königs bei seiner Rückkehr. Als diese deshalb nahe bevorstand, 
ergriflf das Paar die Flucht, 70 Palastwächter und 100 Soldaten mit 
sich nehmend, die bestochen und zur Begleitung überredet waren. 
Auf einsamen Waldpfaden erreichten sie in Sicherheit die Grenze 
und dort kehrte sich Makatho um und huldigte seiner Majestät 
dem Könige Phra ßuang, dem Beherrscher der Erde, in dank- 
barer Anerkennung der Wohlthaten, die er von ihm empfangen. 
Er schrieb Alles, was ihm passirt und wie es gegangen, in einem 
Document nieder, das er dort zurückliess. Als Phra Ruang aus 
seinem Feldzuge nach Sukothay zurückkam und von der Entfüh- 
rung seiner Tochter hörte, gerieth er in grossen Zorn und sandte 
Truppen aus, die Flüchtlinge zu verfolgen. Als sie zur Grenze 



*) Nach R^mosat sprechen die Chinesen von indischen Nomaden , Yun- 
Ton genanDt, unter den Tartaren. 



262 Pegu. 

kamen , waren diese indesB schon in Sicherheit und sie fanden 
nur die Schriften, die sie nach Sukothay zurücknahmen. Als 
Phra Ruang aus diesen die Omen erfuhr , die Makatho's Eönigs- 
wUrde verkündeten, und dass dieser, vor der Erde als Zeugen, 
ihm als seinem Oberherrn gehuldigt, beruhigte er sich mit einem 
Schwiegersohne, dem seine Sterne einen Thron zugesichert hatten. 
Makatho kehrte nicht in sein heimathliches Dorf zurück, 
sondern Hess sich jn der Nähe nieder, wo seine Verwandtschaft 
ihn besuchte. Er wurde bald der allgemeine Gegenstand des 
Gesprächs im Lande, und überall redete man von ihm, wie er als 
einfacher Händler fortgezogen und nun mit einer Prinzessin und 
unermesslichen Reichthümem zurückgekommen. Als erdeshalb 
eine Botschaft an Alimamang, den rebellischen Gouverneur Mar- 
taban's, schickte und ihm die Hand seiner Schwester anbot, hatte 
dieser keine Abneigung, sich mit dem kühnen Abenteurer zu ver- 
schwägern. Erwünschte nur, als raffinirter Kenner weiblicher 
Schönheit, nach der Natur zu beurtheilen, ob das Mädchen seinem 
Geschmacke zusage , und Makatho versteckte ihn deshalb neben 
dem Bassin, wo Fräulein (Nang) Unruen zu baden pflegte, und wo er 
ungestört ihre enthüllten Formen kritisiren konnte. Da die Inspec- 
tion günstig ausfiel , wurde bald darauf die Hochzeit mit grossem 
Pomp gefeiert. Nicht lange nachher aber wurde Alimamang be- 
denklich über den grossen Einfluss, den Makatho mehr und mehr 
unter dem Volke zu gewinnen begann, und da er zugleich glaubte 
durch seine Bestrafung die Freundschaft des Königs von Sukothay 
Zugewinnen, so legte er einen Plan zu seiner Ermordung. Er Hess 
deshalb auf den Dünen des Seestrandes ein Haus errichten, das 
mit schneidenden WaflFen gefüllt und so eingerichtet war, um übej 
den Gästen zusammenzufallen, wenn sie der gut^n Dinge des Festes 
voll, berauscht und schlafend daliegen würden. Makatho wurde 
durch seine Schwester von diesem verrätherischen Vorhaben unter- 
richtet und verabredete mit seinen siamesischen Dienstiingen ge- 
wisse Passwörter , womit sie sich während des Festes zusammen 
verständigen würden. Um keinen Verdacht zu erregen, zeigten 
sie sich eifrig im Trinken, gössen aber die Gefässe unbemerkt aus 
und heuchelten dann Unwohlsein und Uebelkeit. Als das Wasser 




Die Annalen Martaban's. 263 

in dem vorbeifliessenden Canal zu steigen anfing, gab Makatho 
seinen Leuten das Zeichen, die über die wirklich betrunkenen 
Diener Alimaniang's herfielen und sie alle niedermetzelten. Alima- 
mang stieg rasch auf seinen Elephanten, um zu entkommen, aber 
das Wasser im Canal war schon zu hoch und auch er kam um, da 
der Elephant sich durchzuschwimmen weigerte. So erwarb Ma- 
katho sein Königreich im Jahre 643. Er überhäufte seine Sia- 
mesen mit grossen Ehren und versammelte, im Einverständniss 
mit den Somana-Xi-Phrahmana, alle Aeltesten und Angesehenen 
des Landes, um sein Benehmen wegen der Nachstellungen Alima- 
mang's zu rechtfertigen und sie mit seiner Ergreifung der Krone 
auszusöhnen, die ihm doch als Schwager zukäme. 

Als er dann eine Stadt zu bauen beschloss, Hess er am richtigen 
Termin die Hora den passenden Platz glätten , worauf die schon 
erwähnten Zeichen gefunden wurden, und dieRaxa-Parohit (könig- 
lichen Astrologen) bereiteten dann die nöthigen Opfergaben (Phli 
kam buang vuang) für den Thevada. Da Makatho indess überlegte, 
dass er vor der Errichtung eines Palastes eines passenden Namens 
bedürfe, so schickte er eine Gesandtschaft an Phra Buang, um 
die Ertheilung eines solchen bittend. Dieser Hess ihm die 
fünferlei Insignien der Königswürde zukommen, den weissen 
Terrassen-Schirm (Savatraxatr), die Krone, den Säbel, den Fächer 
und die Schuhe , sowie viele kostbare Gefässe und gab einen auf 
Goldblättern geschriebenen Namen, der im Siamesischen Phaya 
Fa Rua (der Herr des geöffneten Himmels) lautet. In der bir- 
manischen Geschichte wird er gewöhnlich Wayu-min genannt. 
Die siamesischen Könige baten in China um ihre Siegel, und der 
birmanische König Mendaraji erhielt einen Ehrentitel in Pali 
vom Kaiser von China. «Nachdem Fa Rua nach der Richtung 
gegen Sukothay gehuldigt hatte, befahl er den Hora's, die richtige 
Constellation für die Grundlegung des Palastes zu berechnen. 
Die Gerüste des Baues wurden errichtet, um das Fundament fest- 
zurammen , und alles Volk stand erwartungsvoll umher , auf den 
richtigen Moment harrend. Da, gerade als eine Frau im 
achten Monat der Schwangerschaft an der Grube vorüberging, 
riefen die Arbeiter aus: „Jetzt ist es Zeit, die günstige 



264 Pegu. 

Constellation culininirt," das schwangere Weib wurde hinab- 
gcstossen*) und der schwere Pfeiler fiel auf sie nieder, dass ihr 
Blut uniherspritzte. Acht giftige Schlangen schlängelten sich aus 
der Blutlache der Grube hervor. Sieben starben auf dem Flecke, 
wo sie nach Oben kamen , die achte aber kroch nach Westen. 
Der Hora zog daraus die Prophezeihung, dass acht Könige in der 
Stadt herrschen und sieben von ihnen dort ihr ganzes Leben 
bleiben, der letzte aber seine Residenz nach einer Stadt im 
Westen verlegen wUrde. 

Nach der Knuiung im Jahre 649 der Chunlo8akkharat(l287 
p. d.) fixirte Fa Rua die Grenzen seines Reiches und ordnete die 
inneren Angelegenheiten. Im Norden Motama's lag die Stadt 
Kamalani , die Makatho bei Abwesenheit ihres Königs und der 
männlichen Bevölkerung überfiel, und daraus alle Frauen mit 
reicher Beute fortführte. Er heirathete des Königs Tochter und 
als dieser bei seiner Rückkehr, entrüstet über den treulosen 
Sabiner-Raub, mit seinem Heere vor Motama rückte, bat er ihn 
zu entschuldigen, djiss er einige Dinge genommen, deren ernoth- 
wendig bedurfte, und bot ihm Freundschaft an, die ein Fest be- 
siegeln solle. Als der arglose König darauf einging, wurden 
ihm vergiftete Speisen geschickt, wodurch er mit allen seinen 
Soldaten umkam. Nach dieser Zerstörung Kamalani's oder Kan- 
palene's fing die Macht des Fürsten von Motama rasch an 
zu steigen, indem er jetzt fast alle Provinzen des früheren 
Königreiches Meerawuddi einverleibt hatte, das früher in Kau- 
kerit anMartaban grenzte und überZimmay, Labong und Lagong 
gebot. Ihre Ruinen passirte ich in dem Jungle bei Tinganihnaun. 
Auch in der jetzt verfallenen Stadt Miingundein (in der Nähe von. 
Laydwuin) wnr sonst der Sitz eines Königs. Hamilton erfuhr, 
dass der Regierungsdistrict Ye durch den Fluss Asami von 
Mouttama getrennt wurde. Der Ruhm seines Zekya-Dah oder 
magischen Seh wertes, das er dem Könige der Lawas in Meera- 
wuddi abgenommen, hatte sich bis nach Tavoy verbreitet, und 

*) Hei (1(Mn Bau der Pa^^odo Sariputra*s in Nalaka wurde dessen Antine 
Rewati bei dem Menschengewühl eingestampft. 



V 



Die Annaleu Martabaii's. 265 

der König dieser Stadt sandte zum Austausch seinen Smaragden, 
der mit solcher Intensität strahlte, dass er durch alle TUcher und 
Decken hindurchschien , so viel man auch immer darum wickeln 
mochte. Als die wunderbare WaflFe in Tavoy ankam, war der König 
sehr enttäuscht, nichts als einen rostigen alten Säbel vor sich zu se- 
hen, und er schickte spornstreichs seine Boten zurllck, den Tausch 
zu nuUificiren. Da König Wabgeru(Wayurain) indess eine Pagode 
(Mya-thein-dau) über dem Smaragden gebaut und ihn Gott geweiht 
hatte^ so konnte dem Wunsche nicht gewillfahrt werden, und die 
Gesandten musstenoin verrichteter Sache abziehen. Aus Aerger war- 
fen sie unterwegs das alte Schwert, das ihnen wieder mitgegeben 
war, in'sMeer, aber statt zu sinken, drehte es sich umher und er- 
zeugte gefährliche Wirbel. Als der König von Tavoy davon hörte, 
sammelte er die besten Schwimmer aus seinem ganzen Lande, 2000 
an Zahl, um darnach zu tauchen, aber so oft einer nahe kam, wurde 
ihm der Kopf abgeschlagen, und so wird die See dort der Schwert- 
Wirbel genannt. Tachard erwähnt bei den Tempeln Pegu's einer 
Stelle, wo die Matrosen, um da^ stürmische Meer zu beruhigen, einen 
Ring hineinwarfen , wie der Doge von Venedig. Nach Misarbin 
Muhalhil wurden die acht indischen Schwerter in Kalah verfertigt. 
Gleichzeitig mit Martaban war durch König Narapadisethu 
auch Pegu zu einer Provinz Pagan's reducirt, und die Bewohner 
mussten einen um den andern Monat sich nach der letzten Stadt 
begeben , um die königliche Arbeit zu versehen (wie es noch in 
Birma und Siam Sitte ist, gewöhnlich für drei oder auch für sechs 
Monate aus dem Jahr). Zu der Zeit lebte im Dorfe Ma-ikhet ein 
gewisser Akhamamom, der als Schüler bei seinem Lehrer wohnte, 
aber das Kloster verliess , als er seinen Urin einen Stein durch- 
löchern sah und daraus die Gelehrten grosse Dinge für ihn pro- 
phezeien hörte. Nachdem er eine Frau genommen, machte er 
seinem Schwiegervater den Vorschlag, dass sie unter einem 
Dache wohnen bleiben wollten , um so das öflFentliche Werk ab- 
wechselnd versehen zu können. Der Andere war es zufrieden, 
und der Schwiegersohn machte den Vertrag, in dem er schrieb : 
Der Schwiegersohn bleibt zu Hause, der Schwiegervater arbeitet, 
der Schwiegervater arbeitet, der Schwiegersohn bleibt zu Hause. 



266 Pega. 

Der Alte las das Document drei- oder viermal durch, glaubte 
Alles in Ordnung, arbeitete seinen Monat und wollte nun seiner^ 
scits feiern. Der Schwiegersohn aber behauptete, er hätte noch- 
mals zu gehen, und berief sich auf das Papier. Dieses wurde pro- 
ducirt und der Schwiegervater von der Dorfversammlung herzlich 
ausgelacht, während alle die grosse Schlauheit des Schwieger- 
sohns priesen. Das stieg diesem zu Kopfe, und er sah im Traume, 
wie sein einer Fuss auf der Stadt Pagan und der andere auf Pakho 
(Pegu) stand. Während er, um seinen angefUhi-ten Schwieger- 
vater doch ein Mal abzulösen , des Königs Arbeit in Pagan ver- 
sah, wurde er in der Staatsbarke verwendet, aber er brach 
durch seine gewaltige Kraft alle Ruder und musste in dasYorder- 
theil des Bootes placirt werden. Dort zog er die Aufmerksamkeit 
des Königs auf sich , der viele brauchbare Eigenschaften an ihm 
erkannte und ihn zum Tax-Collector ernannte. Später wurde er 
mit der Verwaltung Pegu's betraut, und in dieser Stellung Über- 
redete er die Bürger der Stadt, von Pagan abzufallen und den 
Frohndienst für die Zukunft zu verweigern. Als die Nach- 
richt dieser Rebellion nach der Residenz kam , wurde Prinz Che- 
tukri mit einer Armee ausgeschickt, sie zu unterdrücken. Die 
Peguer hatten sogleich angefangen, Mauern und ThUrme zu 
bauen, um ihre Stadt eiligst zu befestigen, aber sie waren doch 
noch zu weit zurück, um schon eine Vertheidigung bestehen zu 
können. Auf Akhamamom's Zureden Hess sieh sein Schwieger- 
vater (Matajot) mit Rattans blutig schlagen und ging in diesem 
Zustande in das feindliehe Lager, vorgebend, dass man ihn miss- 
handelt habe, weil er seinem Schwiegersohn von der Empörung 
abgerathen hätte. Er bot sich als Führer an , um dem Prinzen 
den directesten Weg nach seiner Heimath zu zeigen , leitete ihn 
aber nach der Zopyrus-List*) (wie der verstümmelte Minister 
Kanjakubja's den Kanishka) für mehrere Tage in der Irre um- 

•) König Adzatathat überkam die Wethalifürsten durch denVerrath eines an- 
geblich verbannten Brahnianen, da sie sonst (nach Gautama's Wort) wt»gen ihrer 
Heobachtang des Gesetzes zu langer Bluthc bestimmt waren. Auch Raminavi 
heuchelte Hache gegen den Inca, um die Festung Ollantaj in seine Gewalt xa be- 
kommen. 



Die Anoalen Martaban's. 267 

her 9 bis er glaubte , dass die Bürger Zeit gehabt hätten, ihre 
Festungswerke zu vollenden. 

Als der Prinz sein Lager aufschlug, sah er in einer offenen 
Halle eine königlich geschmückte Bildsäule, mit Fächer und 
Schirm, die Akharaamom dort placirt hatte, um den König Pa- 
gan's vorzustellen , die er aber für die Figur des aufständischen 
Gouverneurs hielt und deshalb seinen Pfeil darauf abdrückte. 
Der Bogen zerbrach jedoch in seinen Händen, und Akhamamom, 
der, um Verhandlungen einzuleiten, aus der Stadt herausgekom- 
men war, warf ihm sein hochverrätherisches Handeln vor, indem 
er auf das Bild seines Herrn und Königs schiesse. Zugleich be- 
hauptete er, verleumdet worden zu sein, da im Gegentheil sein 
Schwiegervater derjenige gewesen sei, der die Stadt zum Abfalle 
habe verleiten wollen und deshalb mit Recht gestraft worden. Um 
seine aufrichtige Gesinnung zu beweisen, bereitete er ein grosses 
Fest zu Ehren des Königs von Pagan , wusste aber während des- 
selben Gift in den Trinkbecher des Prinzen zu schütten , so dass 
dieser wenige Tage nachher starb. Die führerlose Armee kehrte 
dann nach Pagan zurück. Der König beschloss einen neuen 
Feldzug in eigner Person, wurde aber durch den Aufstand seines 
in Lakong regierenden Bruders daran verhindert, und Akhama- 
mom hatte Zeit, seine Unabhängigkeit in Pegu zu befestigen. 

Der Anfang seiner Regierung war glänzend und segensreich, 
aber mit dem Tode seines rothweissen Elephanten (aus der Rage 
der Ubosoph) verliess ihn das Glück. Er wurde auf Lekkhajaphaju, 
seinen jüngeren Bruder, erbittert, weil er ein dem Palast an 
Grösse beinahe gleiches Haus erbaut habe, und dieser, seinen 
Zorn fürchtend, sandte Banditen aus, ihn zu tödten. Akhamamom, 
der sie kommen sah, vertheidigte sich längere Zeit, erlag aber dann 
der Uebermacht, und wurde, trotz seiner Bitten um Gnade, ge- 
tödtet. Lekkhajaphaju bemächtigte sich des Thrones, wurde 'je- 
doch schon nach acht Tagen durch Akhexamamom, einen andern 
Schwiegersohn Matajot's, getödtet, der auf die Nachricht von 
seines Schwagers Ermordung herbeikam und dem Matajot die 
Thore der Stadt öffnete. Dieser regierte dann als König unter 
dem Titel Phrachao Tra Phaya oder Tarabya, und heirathete die 



268 Pegu. 

Tochter FaRua's inMartaban, dem er dafür seine eigne schickte, 
in Wechselheirath. 

Als Mangkriekpieng in Pagan , das damals in den Händen 
der Chinesen lag, mächtig wurde und seinen Enkel Mangseso mit 
einem Heere zur Eroberung Pegu's schickte , wendete sich der 
König dieser Stadt um Hülfe an Fa Rua inMartaban. Die beiden 
Könige gewannen eine grosse Schlacht über die Chinesen und Bir- 
manen und eroberten auch die St^vdt Sathong. Tra Phaya aber 
wurde eifersüchtig auf FaKua und suchte ihn durch Gift aus dem 
Wege zu schaffen. FaKua indess, der die Nachstellung erkannte, 
sandte die Schüsseln zurück, und Tra Phaya, als er sich entdeckt 
sah , liess seine Truppen in Schlachtordnung stellen. Ein Soldat 
Fa Rua's verwundete den Elcphanten des feindlichen Königs in 
das Auge , so dass er floh , und Fa Rua gewann den Sieg und 
eroberte Pegu, den König als Gefangenen nach Martaban schickend, 
1287 p. d. Den Soldaten, dem er im Gefecht zur Erkenntniss 
ein Tuch zugeworfen, das er um den Kopf band, überhäufte er mit 
grossen Ehren. Diese Erzählung findet sich in der siamesischen 
Uebersetzung. Das Original sagt, dass Weiruh, als er verräthe- 
rischer Weise vom Könige Pegu's angegriffen wurde, zu Himmel 
und Erde gebetet habe , einen goldenen Becher als Opfergabe 
niederlegend. Als er dann seinen Elephanten bestiegen, habe 
dieser mit dem Fusse den Goldbecher fortgestossen und derselbe 
den feindlichen König zu Tode getroffen. Die Uebersetzung da- 
gegen lässt den gefangenen König nach Martaban fortführen und 
ihn erst später hinrichten, als er sich verrätherischer Machinationen 
verdächtig gemacht. Pegu wurde nun von Martaban abhängig. 

Im Jahre 655 Ch. S. erhielt Fa Rua einen weissen Elephan- 
ten aus Sukothay, wo noch Phra Ruang herrschte. Dieser 
Elephant, „weiss wie gekämmte Baumwolle '^ , stammte ab von 
einem Elephanten des Himaphan, der sich in Sukothay mit einem 
schwarzen Weibchen begattet. Da der junge Elephant nichts 
frass, befahl der König die Befragung durch Gras zu versuchen. 
Man legte ihm drei Bündel Gras vor, die Städte Sukotluiyf 
Xiengmai und Martaban bezeichnend, und weil der Ellepbant das 
letztere wählte , so wurde beschlossen , ihn dorthin zu schicken. 



Die Annalen Martaban's. 269 

Als man ihn auf das Floss brachte, folgte seine Mutter, und die 
Leute waren in Verlegenheit, was zu thun, da sie keine Ordre 
hatten, sie gleichfalls mitzunehmen. Das Elephanten junge legte 
indess seinen Rüssel auf den Kücken seiner Mutter, worauf diese 
umkehrte. Aber „ihre Augen standen voll Thränen". Der Kö- 
nig von Xiengmai legte sich vor Martaban , die Auslieferung des 
Elephanten zu verlangen, und Fa Rua, in Zweifel, was zu thun, 
brachte die nöthigen Opfer, worauf derThevada-Chao im. Traume 
zu ihm niederstieg und ihn ermuthigte, auf die segensreiche Gegen- 
wart des weissen Elephanten zu vertrauen. Dieser wurde des- 
halb unter königlichen Schirmen auf einen Hügel gestellt, mit 
einem goldenen Eimer daneben, aus dem er Wasser auf die feind- 
lichen Truppen spritzte, die, als sie die Stimme des heiligen 
Thieres vernahmen , in Verwirrung entflohen. Nachdem er noch 
eine Empörung der Söhne des früheren Königs vonPegu zu unter- 
drücken gehabt hatte und daraus die Wahrheit des Sprüchwortes 
erkannte, dass beim Abhauen eines Stammes auch die jungen 
Schossen zerstört werden müssten, starb Fa Rua (nach einer Re- 
gierung von sechsundzwanzig Jahren) im Jahre 675 Ch. S. Die 
Grossen verbrannten seinen Körper und bauten über den Knochen 
ein Phra-Chedi mit der Goldfigur eines Pfau's auf der Spitze. Ihm 
folgte sein Bruder Mokata(Binjakuuloh oderKrunglau), der seine 
Thronbesteigung dem Phra Ruang anzeigte und von demselben 
den Namen Phaya Rama Pradöt erhielt. Er baute die Städte 
Satong und Vahn und setzte in der letzteren den Saming (Edel- 
mann) Jiramala als Gouverneur ein, blieb aber unthätig, als diese 
Stadt durch den König von Xiengmai erobert wurde. Dar- 
über erzürnt, benutzte sein Schwager Mongmala die Gelegenheit, 
als der König mit Stricken und Netzen ausgezogen war , einen 
vermeintlichen Elephanten nüt drei Hauern im Walde Molamlöng 
zu fangen , die Thore zu schliessen , so dass der König nicht in 
die Stadt zurückkehren konnte und von den Karen erschlagen 
wurde (676). Er setzte seinen ältesten Sohn auf den Thron, dem 
Phra Ruang den Titel Phra Chao Sen Myang ertheilte. In der 
birmanischen Geschichte wird er Zauaubinhmaing oder Binja- 
jandaeh (1320 p. d.) genannt Er bemächtigte sich der Städte 



270 Pegn. 

Laniphum und Tavoy (1321 p. d.), und sandte den Edelmann 
Laugka zur Eroberung Tanaosi's , starb aber (682) an einer Ge- 
schlechtskrankheit Unter seinem Nachfolger (1323 p. d.) Phayt 
Ramatai (Byanyranda oder Byanyalau) oder Kotojaaah (Zauzeik) 
kamen Siamesen aus Phetxaburi , um in seine Dienste zu treten. 
Er eroberte die Stadt Marong. Bei der Geburt seiner ältesten 
Tochter ereignete sich eine Mondfinstemiss und sie wurde des- 
halb Chantamangkhala genannt. Der Hauptmann der siamesi- 
schen Soldtruppen, Xiphone (Soaycanyoung), legte einen Hinter- 
halt, in dem der König getödtet wurde, und bemächtigte sich 
des Thrones (689) , wurde aber nach wenigen Tagen durch den 
Edelmann Chetasongkhram getödtet, den die verwittwete Königin 
Ampa und die übrigen Coneubinen des frühem Königs durch 
ihre Kostbarkeiten dafür erkauft hatten« Der nächste Usurpator 
Saming-Aya-Kamkong (Zauzeik oder Byanyalau) wurde durch 
die Königin- Wittwe vergiftet, die Phaya Ailao (Binjatin-mein), 
dem Gouvemeur von Myang Satong, ihre Hand und die Krone 
Motama's anbot. Unter diesem Könige wurde die Freundschaft mit 
Sukothay abgebrochen (1348 p. d.). Sein Nachfolger Phaya U 
oder Phrachao Xangphuek (Binja-ou der Birmanen) schlug Ge- 
neral Uphit des Königs von Xiengmai, der Satong, Takkbala, 
Vahn, Sangrön und Nakhon-thöng erobert hatte, von Hotama 
zurück (710) und schickte, zur Stärkung der Religion, einen 
Gesandten an den König von Lankha-thavib, um die Reliquien 
zu holen, über denen dann ein Phra-Chedi erbaut wurde. Der weisse 
Elephant verschwand plötzlich (716), und da der König hörte, 
dass sich im Walde ein anderer gezeigt hätte, so zog er hin, um 
denselben zu empfangen. In seiner Abwesenheit bemächtigte 
sich der Edelmann Pattaba der Gewalt in der Stadt. Der König 
fand die Thore bei der Rückkehr verschlossen und die Königin, 
die sie öffnen lassen wollte, wurde getödtet. Die Empörer brach- 
ten dann die Frauen und Kinder derEdelleute, die sich im Lager 
des Königs fanden, auf die Hauern der Stadt, peinigten und miss- 
handelten sie vor den Augen ihrer Eheleute und Väter, und 
drohten sie zu tödten , wenn ein Angriff gemacht würde. Bei 
Nacht entfernten sich die meisten Begleiter des Kteigs heimlieb 



Die Annalen Martaban's. 271 

aus dem Lager, in die Stadt zurückzukehren, und jenem blieb 
nichts übrig, als sich nach der Stadt Vahn zurückzuziehen. Da der 
Usurpator Motama's dem König von Xiengmai Vorschläge machte, 
gemeinsam die Stadt Vahn zu erobern, bot König Xangphuek dem 
Könige von Xiengmai die Hand seiner Tochter an , um ihn durch 
Verschwägerung zum Freunde zu gewinnen. Als bald darauf die 
Königin starb, Hess er alle Bürger Vahn's sich die Kopfhaare 
abrasiren, und diesen Umstand benutzte Pattaba, einige Hundert 
seiner Anhänger mit kahlgeschorenen Köpfen in die Stadt einzu- 
schmuggeln, die sich plötzlich früh am Morgen erhoben und der 
Thore bemächtigten , so dass der König kaum Zeit hatte , auf 
seinem Elephanten zu entfliehen. Er begab sich zu seiner 
Schwester in Pakho oder Pegu, und verblieb fortan in dieser 
Stadt (720 Ch. S.), die jetzt wieder die königliche Residenz 
einer selbständigen Monarchie wurde. 

' In diese Zeit fällt die Eroberung Martaban's durch König 
Uthong von Siam (1350 p. d.). Bei der Austreibung derSiamesen 
durch den Talein-König von Molmein heisst es, dass sie nicht 
in einer Schlacht, sondern durch das Erbauen einer falschen Pa- 
gode besiegt wurden. Nach Andern waren es die Birmanen , die 
die Pagode Kjeik-pungoo rascher beendeten, als die Schan die 
Pagode von Kjeik-tanbau. König Theha, Sohn Dhammaraza's, 
oder Mukkha regierte (1426 p. d.) über die vereinigten Reiche 
Pegu's und Martaban's. 

AufKönigHattirazaoderByanya (1453 p.d.) folgte Dhamma- 
watie oder Poparaza (1474 p. d.), unter dem der Talein-General 
Thameinparau den Eisenpfeiler des Königs von Pegu an den Gren- 
zen China's errichtete, aber auf seinem Rückwege von den Birma- 
nen zum Gefangenen gemacht wurde (1477 p.d.). Von König Thu- 
nekktsa werden seine reichen Schenkungen an die Pagode Ran- 
gun's gerühmt. Bei der wachsenden Macht der Brama-Könige 
wurde auchMartaban absorbirt und sein letzter Fürst, nachdem er 
seine Frauen und Kinder qualvoll hatte enden sehen, mit einem 
Stein um den Hals in's Meer geworfen (1544 p. d.). 



Die Geschichte lloDg$a\vaddr& 

Nachdem der aus Motania vertriebene (716) König Phaya 
Xang Phuek oder Pienjauh seine Residenz in Hongsawaddi auf- 
geschlagen, wurde diese Stadt vergrössert und verschönert (730 
Ch. S.). Er begann die Erweiterung der Psigode Rangun's und 
flpanzte Schösslinge des heiligen Bodhi-Baunis. Beim Treuesch war 
tranken die Grossen das Blut aus der Fusssohle des Königs. 
Die Regierung des Königs wurde vielfach beunruhigt durch die 
■Liebesintriguen seiner Schwester Maha-Thevada» die noch in 
ihren alten Tagen sich gern den Hof machen Hess und deshalb 
vom Volke in Spottliedern verhöhnt wurde, sowie durch die ehr- 
geizigen Pläne Phaya Noi's , der beim Tode Xang Phuek's (749 
Ch. S.) auf dem Throne folgte unter dem Titel Phra Chao Raxa- 
thirat. Er eroberte Motama (750) und schloss ein BQndniss mit 
Monthienthong, dem Könige von Krung-Ava (Ait-Ava), als 
Phrachao Farang Mangsixava, der eine grosse Armee von Phama 
und Thai-yay ausgehoben hatte , mit einem Angriff drohte (753). 
Als bei dem Tode des Phrachao Farang Mangsixava der Sohn 
desselben, Suniet, unter dem Titel Phrachao Farang Mangkhong 
gefolgt und durch die Empörung seines Bruders Mangnithat iu 
anhaltende Kriege verwickelt war, rückte Raxathirat mit seinen 
Peguern auf Ava ( Angva) , und König Farang Mangkhong> der 
ihm keine Rüstungen entgegenzustellen hatte, schickte den Phra 
Sangkharat (das bischöfliche Haupt der Geistlichkeit) , um ihn 
zum Rückzüge zu bewegen. Der König, der leicht ahnte, mit 
welchem Anliegen der Priester zu ihm ins I^ger käme, Hess ihn 



Die Qeschichte HongBawaddi's. 273 

mit absichtlicher Veraachlässigung für mehrere Stunden unter 
seinem Hofgesinde stehen und dann, wie zufällig auf ihn blickend 
und sich über seine Gegenwart wundernd, fragte er, wie lange 
er schon da sei. „Seit dem Augenblick, wo Eurer Majestät 
Augen mich erblickten,'' erwiederte der gewandte Diplomat und 
begann dann eine lange Verhandlung, die schliesslich ihren 
Zweck erreichte und die Hauptstadt vor einer Belagerung be- 
wahrte. Als er mit seinem Heere Über das Ruinenfeld vonPagan 
zog, baute Baxathirat dort eine Menge Zellen (Kudi) für die 
Mönche und kehrte dann nach Hongsawaddi zurück. So findet 
es sich in der siamesischen Uebersetzung der peguanischen Ge- 
schichte, aber auch die birmanischen Bücher rechnen damals 
Pagan oder Paukhan zu dem Gebiete Pegu's , wie aus folgender 
Erzählung derselben hervorgeht. 

Unter der Kegierung Min-kaun-gyi's in Ava entstand eine 
Ketzerei unter den Pungyi, die Angriffe gegen den Pitakhat 
schrieben. Der König stellte eine strenge Untersuchung an und 
ganze Wagenladungen ihrer Abhandlungen und Dichtungen 
wurden zur Stadt hinausgeführt und dort. verbrannt Eine grau- 
same Verfolgung wurde über die Ketzer verhängt, und der König 
liesB eine grosse Zahl der Priester hinrichten , auspeitschen oder 
verbannen. Ihr Oberhaupt^ der weise Lehrer Uttamakhyoh, floh 
über die peguanische Grenze nach Paukhan und begab sich 
dann auf die Einladung des Königs Tijisaetijab (Sohn des Saja- 
dih) nach der Hauptstadt, wo er mit grossen Ehren aufgenommen 
wurde. Bald nach seiner Entfernung schickte Tadotidihtu- 
damahjasa, der König von Aracan, eine Gesandtschaft mit 
schwierigen Räthselfragen an den König von Ava , der , da Nie- 
mand an seinem Hofe dieselben zu lösen vermochte , den König 
von Pegu bitten Hess, ihm seinen gelehrten Bischof zurück- 
zuschicken. Dieser weigerte sich Anfangs, dem Ansuchen 
Gehör zu geben , erklärte sich aber schliesslich zur Beise bereit, 
wenn für Stärkung auf derselben ihm drei Dinge von Ava geschickt 
wtlrden , deren Gebittuch der puritanische König von Pegu ver- 
boten hatte , nämlich Branntwein , Opium und Hanfextract Der 
nach Ava zurückkehrende Bote brachte von dort das Verlangte 

BmitiABfOttMUn. I. 18 



274 Pegu. 

und nachdem er die stärkenden Medicinen eingenommen, machte 
er Bich mit. ihnen auf den Weg. An dem zur Disputation fest- 
gesetzten Tage nahm der aracanische Gesandte einen kleinen 
Vogel in seine Hand , den er durch den Druck der Finger tödten- 
konnte, und fragte, ob derselbe todt oder lebendig sei. Sein 
scharfsinniger Gegner , die List bemerkend , stellte sich auf die 
mittelste der drei Stufen, die zum Throne führten, und verlangte, 
dass er vorher entscheide, ob er hinauf- oder hinabsteigen würde. 
Diese Vogelfrage wird schon in Gautama's LiebensbeBchreibungen 
in ähnlicher Weise erwähnt. Uebrigens wird dieses Wortgefecht 
nur in der beliebten Weise der Buddhisten eine Beschönigung 
für das blutigere sein , in welchem Menkaun oder Maugaung mit 
Oundvai kämpfte. 

Als Phrachao Farang Mangkhong sich durch die Unter- 
werfung von Myang Takeng und Myang Thay-yai freier fühlte, 
sann er darauf, den früheren Einfall des Königs von Pegu zu 
rächen und schickte Briefe an die Lao von Xiengmäi , um sie zu 
einem Bündniss gegen ihren gemeinsamen Feind zu bewegen. 
Die birmanischen Gesandten wurden indess auf ihrem Rückwege 
durch den Gouverneur von Myang Tieng, dessen Gebiet sie 
streiften, aufgefangen, nach Hongsawaddi gebracht und dort hin- 
gerichtet. Nach der Eroberung von Takengj wo der vom König 
Monthienthong vertriebene Naramin wieder eingesetzt, führte 
Raxathirat auf dem Feldzuge gegen Phasim viele Künstler und 
Handwerker fort,* die er in Hongsawaddi ansiedelte und zur Aus- 
schmückung seiner Paläste verwandte. Ueber Farang Mangkhong, 
der mit einer grossen Armee in Pegu eingebrochen war, gewann 
er einen glänzenden Sieg , bei dem der Fluss zu Hülfe kam und 
durch sein Steigen den Rückzug der Feinde hinderte , so dass 
eine grosse Menge derselben zu Grunde ging. Bei seiner Rück- 
kehr nach Ava wurde Farang Mangkhong von dem Chao Krung 
Chin (dem Kaiser Ghina's) angegriffen und konnte dem heraus- 
fordernden Kämpen desselben , Kamari genannt , nur einen ge- 
fangenen Peguer entgegenstellen , da keiner unter seinen bir- 
manischen Soldaten ihm gewachsen war (785). Der Chinese 
war ganz in Eisen gekleidet und sein Gegner schlug ihm deshalb 



Die* Geschichte Hong8awaddi*8. 275 

vor» dass sie erat in ritterlichen Spielen ihre Reiterkünste zeigen 
wollten, ehe sie den ernstlichen Kampf begännen. Während 
dieser drehte der Peguer seinen KOrper in allen möglichen 
Wendungen und Verrenkungen herum , den ihm nachahmenden 
Chinesen beobachtend, um zu sehen, wo die Gelenke des 
Harnisches in einander fassten. Dort versetzte er ihm dann den 
tödtlichen Streich , als der Kampf begonnen. Der zweite Krieg 
zwischen Raxathirat und Farang Mangkhong war ausgebrochen, 
weil die Birmanen den Bewohnern von Phrahmdehn nicht erlauben 
wollten, das Petroleum zu schöpfen, obwohl in dem vorigen 
Frieden ausgemacht worden war, dass das SUdende der Wasser- 
lachen im Berge Pratong zu Pegu gehöre und nur das nördliche 
birmanisches Gebiet sei. Phra Chao Raxathirat fügte neue An- 
bauten zu der Pagode Mutao hinzu, die von dem „Könige Dit*' 
zuerst begonnen war, d. h. in uralten Zeiten. Unter ihm erhielt 
Pegu den Namen Hongsawaddi. 

Auf Phra Chao Raxathirat oder Hariaseh folgte sein Sohn 
Muttareah und dann (783) dessen Bruder Pinjaremkeik. /Seinem 
Sohn Penjataoh (f 822) succedirte sein Neffe Pienjakinteah 
(t 825) ; bei dem Tode des nächsten Nachfolgers, Miautauh, regierte 
dessen Tochter, die Königin Pünjatauk, und dann (832) Upareseah. 

Diese Namen giebt die peguanische Geschichte , und unter 
dem letztern wird Hongsawaddi an das Königreich Tongu gefallen 
sein, dessen Macht (1485 p. d.) durch Zeyathura begründet 
wurde. Die siamesische Uebersetzung, die mir zu Gebote steht, 
fbllt die ganzie Zeit mit den Namen von ein paar Königen aus, 
die mehr Productionen der Dichtkunst, als historische Figuren 
zu sein scheinen , wie mit solchen die hinterindische Geschichte 
zweifelhafte Zeitperioden zu überdecken pflegt. 

Während die vereinigten Königreiche von Pegu und Tongu 
von denjenigen Königen Tongu's aus birmanischem Geschlechte, 
die in Pegu residiren und bei den mittelalterlichen Reisenden 
die Bramakönige*) heissen, regiert wurden, fallen die mit 



*) Pinto sagt , dass das Königreich Pegu von dem Hochlande Panganiraa 
nmgeben sei, wo die Nation der Bramaas wohne (1546). 

18* 



276 



am weisse Elephanten geführten Kriege , oder aber nieh 
De Couto um Prinzessinnen. O Brama fez com elles pazes com 
estas eondi^oes, qne o Bey de Stao ficaria sen Tasallo Ihe daria 
homa filha para casar com ello e que todos os annos Ihe mandaria 
dos seos principaes. Indess widersetzten sich die siamesischen 
Grossen später der Einforderung dieses Tributs und erschlugen 
die peguanischen Gesandten. Nach Fitch hatte der K5nig ron 
Pegu vier weisse Elephanten und schickte zu solchen Königen, 
die davon besassen, um sie für sich zu verlangen. 

Gleichzeitig mit Darsha inPegu (1526) regierte Thengathon 
in Molmein (1527). Hentara (Mentaragyi) oder Mohauparaia 
(Talanga oder Para Mendara), König von Tongu, eroberte (1531) 
das schon seinem Vater tributpflichtige Pegu und bemichtigte 
sich Martaban's mit Hülfe einer portugiesischen Flotte, vos 
Cayero befehligt Der gefangene König wurde in schwarzes 
Sammet gekleidet auf einem Elephanten umhergefbhrt, mit einem ^ 
Strick am Halse, in Gegenwart der Königin mit zwei Söhnen 
und zwei Töchtern, die von vierzig Ehrenfräulein umgeben, 
herbeigebracht waren. Nachdem sie an den Beinen aufgehingt 
waren , wurde der König mit Steinen belastet ins Meer gestOrzt 
Bei der Eroberung Prome's wurde die Tochter des Königs voi 
Ava, die die Stadt verwaltete, gefangen und Turpin erzählt: La 
reine toute nue fut livr^e ä la brutalit^ du soldat eflMn^ des boor- 
reaux arm^s de fouets lui d^hirerent le corps. Cregen Siam 
ziehend (1544), belagerte Mentara Ayuthia und Hess es dureh 
Eisen wagen berennen, auf die hohe Thttrme gebaut waren. 
Nachdem der Bramakönig Melitay erobert hatte, schickte er 
(1546) eine (jesandtschaft an den Calaminha*) in Timplan, 
weil sich der König von Ava mit dem Siammon, Kaiser von Pno- 
dalus (das Schan-Königreich der Pong), verbündet hatte. Der 
Shemin von Saton (Samein von Sittang) gerieth naeh seiner 



*) Nach dem Bache Sigipaton's wurde Thomms Modeliar in IndieB bit- 
Sericbtet, weil er predigte , dass der Menscb gewordene Gott gestorben sei, aber 
seine Lebre gewann sablreiche Anbänger im Beicbe de? Calaminha, bis dort 
Terboten wnrde, dass Qott am Krenae gestorben sei. Doch hatte sich beim 
Niesen der Spruch be¥rahrt, der wahre Gott ist Drei mid Eins. 



i 



Die Geschichte HoDgsawaddrs. 277 

Mordthat in Krieg mit Shemindu, einem Sprossen des alten 
Königsgeschlechts von Pegu, der seine Rechte auf die Krone 
geltend zu machen suchte , aber 1552 fiel Pegu aufs Neue in die 
(Gewalt Tongu'Sy wo damals Aleagar (der Brama-König Pegu's) 
oder Chaumigren herrschte, der Milchbruder Mentara's, dem er 
seine Siege erfochten hatte. Nachdem dieser König Ava, Mo- 
goung, Zimmay nebst dem westlichen Yunan und mit Jangoma 
(1556 p. d.) alle Länder der Laos sich unterthänig gemacht hatte, 
eroberte er 1555 Ayuthia. In Folge von Klagen des durch Ein- 
fiLlle belästigten Häuptlings von Momeit wurden die neun Schan- 
staaten (Koshanpyi oder Kopyidaung) angegriffen und annectirt, 
die Hauptstadt Aracan's indess vergeblich belagert. 

Für kurze Zeit hatten die damals weit berühmten Brama- 
Könige fast ganz Hinterindien unter ihrem Scepter vereinigt. £1 
Bey del reyno de Pegu habia sido seiior de un grande Imperio, 
conteniendo las ciudades y reynos de Prom, Melintay, Calam, 
Bacam, Mirandu y Ava , todos poblados de los Bramos 6 Bremos, 
sagt de la Puente. lieber seine Eintheilung bemerkt de Barros : 
Em baixo o reyno de Brema se cham a Bremä Ovä, e logo Bremä 
Tangut, depois Bremä Pram e mais acima Bremä Becä et por 
cabefa Bremä Lima. Nach Sheldon wurde Pegu im Norden 
durch das Land Brama, das Gebiet des Siammon und des Cala- 
minha , im Süden durch das Grenzgebirge Preh ( Aracan's) und 
die bengalische Bucht, im Osten durch das Land Laos, im Süden 
durch das Königreich Siam begrenzt. Die Beisenden sind etwas 
masslos in ihren Ausdrücken, die Macht dieser Könige zu be- 
schreiben, die sie noch über den „ Gross - Türken '^ stellen. 
There is not a king on earth , that hath more power or strength 
than this king of Pegue, because he has 26 crowned kings at bis 
command, sagt Frederick. Sie zählen ihre Soldaten bei Millionen, 
und de Cruz (1555) erwähnt die zahlreichen Flotten der Brames. 
Spätere Reisende erzählen aus der Zeit, wo Naret siegreich vor- 
räckte, wie der König von Tongu mit grosser Heeresmacht 
herabgekommen sei und den König von Hongsawaddi mit sich 
fortgenommen habe , angeblich um ihn gegen die Angriffe seiner 
Feinde zu schützen. Die siamesische Geschichte spricht nicht 



278 ^e«n- 

nur von der temporären Eroberung Hongsawaddi's durch König 
Naret, sondern auch von der spätem Verödung der vormaligen 
Hauptstadt, deren Paläste sich alle in Klöster verwandelt hätten. 
Nachdem der König Phrachao Kateh, der ein Verwandter Naret's 
gewesen, das Kloster Sanamxai gebaut, wären alle Bewohner 
Hongsawaddi's Mönche geworden und die Stadt habe ihren Na- 
men in Songphanburi (die Stadt des Priesterheeres) verändert 
Mit dem Tode des Königs , nach einer Regierung von 40 Jahren, 
sei das königliche Geschlecht erloschen. 

Der Verfall trat schon unter dem Nachfolger des so hochge- 
feierten Brama ein, welchem sein zum Statthalter von Jangoma ein- 
gesetzter Bruder nach der Krone trachtete, indem das durch die 
beständigen Kriege erschöpfte Pegu unter den verwüstenden In- 
vasionen von Aracan, von Siam, von Tongu und Ava aus za 
Grunde ging* Die Eingebornen Pegu's (heisst es bei Purchas) 
sind, wenn noch nicht völlig vertilgt, so doch meistens in fremde 
Länder geflohen. Pimenta erwähnt der Zerstörung der peguani- 
schen Monarchie nach den aus Indien kommenden Nachrichten 
(1598), und Boves fand (1600) die Städte zerstört, die Felder in 
Wüsteneien verwandelt, und die Strassen und Flüsse voll mensch- 
licher Gerippe und verwesender Leichen, nachdem der König von 
den Königen Aracan's und Tongu's getödtet worden. Der weisse 
Elephant des letzten Königs von Pegu wurde (nach Leblanc) von 
dem Könige Aracan's fortgeführt, der dann seinem früher ein- 
facheren Titel , als Palastfürst , dieses Epithet zufügte. 

Die klarste Uebersicht über diese in den einheimischen 
Geschichtsbüchern verworrene Periode, wo die Hegemonie 
zwischen den drei Bivalenstädten wechselte , lässt sich aus den 
Darstellungen der damals in Hinterindien anwesenden Europäer 
gewinnen, und in vergleichender Zusammenstellung der bei die- 
sen unparteiischen Zuschauem zerstreuten Andeutungen lässt 
sich folgendes Kesumö ziehen. Als Bressagukan (1518 p. d.) 
über Pegu herrschte, langte Anton Correa (1519) zum Abschluss 
eines Friedens an seinem Hofe an. Der König wurde 1539 durch 
die in den Gruben arbeitenden Unterthanen des ihm zinspflichti- 
gen Para Mendara (König der Barmas) getödtet. Da die Thron- 



i 



Die Geschichte HoDgsawaddi's. 279 

besteigung des Dacha Eupi von andern Kronprätendenten be- 
stritten wurde, bemächtigte sich Para Mendara Jes Reiches Pegu 
and eroberte 1544 Martaban. Nach dem auf die Zerstörung Prome's 
(1545) folgenden Fall des (von Mons vertheidigten) Meletay, be- 
gab sich der König von Ava unter den Schutz des Siammon 
(Kaisers von Pandalus) , und erbot sich gegen Unterstützung an 
Httlfstruppen Tribut zu zahlen , worauf der Bramakönig mit dem 
in Timplam residirenden Calaminha (Herr der Welt) eine Allianz 
abschloss. Eine Unternehmung gegen das Königreich Seyadi 
schlug fehl. Von der Belagerung Siam's (1548) wurde Para Men- 
dara durch den Aufstand des Shoripam Shay in Pegu zurückgerufen, 
der von dem Volke aus dem Kloster auf den Thron gesetzt war, 
unter dem Titel Shemindu, aber bei Annäherung des königlichen 
Heeres geschlagen wurde und entfloh. Indess brach bald ein 
neuer Aufstand in Martaban aus , wo der Chalagomim oder Gou- 
verneur sich zum Shemindü erklärte, und als der König Para 
Mendara den ihm verdächtigen Shemin von Satan oder Zatan zu 
sieh rief, wurde er von diesem, der für sein Leben fürchtete, er- 
mordet. Nachdem Chaumigren, der Milchbruder des Para Men- 
dara, sich mit seinen Birmanen nach Tongu zurückgezogen, 
wurde der Shemin von Zatan durch das peguanische Heer zum 
König ausgerufen , aber die Vornehmen schlugen sich meist zu 
der Partei des geflüchteten Shemindü, der bald eine hinläng- 
liche Armee zusammen hatte, um die Hauptstadt Pegu anzugreifen, 
und bei der Belagerung wurde der Shemin durch einen von 6on- 
zalo Neto abgefeuerten Schuss getödtet (1551 p. d.). Die ge- 
rechte und sanfte Begierung des Shemindü wurde durch den 
Einbruch des siegreichen Chaumigren beendet (1553), der den 
Shemindü hinrichten Hess und in der Nähe Pegu's eine neue 
Hauptstadt anlegte (1587). Das Königreich Laos wurde 1556 
erobert, ausserdem aber Kavelam, Ava, Bakkan, Tangram, Prome, 
Jangoma (mit der Hauptstadt Jamahay), Lawran, Trukon, Kablan 
und Siam. Die Expedition gegen Aracan (1581) missglückte 
durch Einmischung der Portugiesen. Im Jahre 1564 wurde mit 
einer falschen Reliquie eine untergeschobene Prinzessin Geylon's 
heimgeführt. Bei dem Tode des Chaumigren (1583) folgte sein 



280 Pegrii. 

Sohn Pranjinoko (Pruiiginoko), der den rebellischen König Yon 
Ava im Elephantenzwei kämpfe tödtete und Ava schleifen liess, 
aber durch seinen Hoehmuth den ihm za Hlllfe geeilten Prinzen 
Siam's erbitterte und zum Abfall veranlasste. Die Belagerang 
Siam's (1586) musste wegen des Steigens des Flusses aufge- 
hoben werden (1586), und der herbeigerufene König von Jan- 
goma wurde durch den schwarzen Prinzen geschlagen. König 
Pranjinoko schickte seinen Sohn Maupa Raja (den König von 
Martaban) gegen Siam, wo er aber auf dem zweiten Feldzuge im 
Zweikampf gegen den schwarzen Prinzen fiel (1590). Als der 
wtlthende Pranjinoko dann sein ganzes Volk zum Kriegsdienste 
pressen wollte, verödete Pegu, indem die Bewohner Mönche 
wurden, und als das verboten wurde, in Wälder und Wüsten 
entflohen oder sich als Sclaven verkauften. Eine in Kosmin aas- 
gebrochene Empörung wurde unterdrückt» aber einige peguanische 
Grosse bemächtigten sich mit Hülfe der Siamesen der Festung 
Murmulan , und während der König von Promo (der Sohn des 
Pranjinoko) abfiel , kam der siamesische König zur Belagerung 
Pegu*8 , hob sie aber in Folge von Nachrichten aus Kambodia 
wieder auf (1596). Nachdem der König von Tongu abgefallen, 
kam der König von Aracan dem Könige von Jangoma in der Be- 
lagerung Pegu's zuvor und erhielt den Zuzug des Königs von 
Tongu, der, eine Abwesenheit seines AUiirten benutzend, den 
Pranjinoko zur Uebergabe beredete und mit dem grossem Tbeil 
der Schätze aus der Festung Makao nach Tongu zurückeilte, wo 
der gefangene König getödtet wurde (1598). Sein als Statthalter 
von Ava eingesetzter Sohn Naydu kam in demselben Jahre bei 
einem Empörungsversuche um. Der König von Aracan Hess sich 
in Pegu krönen , wogegen die Könige von Jangoma und Siam 
den König von Tongu verfolgten , um ihm seine Schätze wieder 
abzujagen. Bei der Belagerung Siriam's bemächtigte sich der 
König von Ava (1613) der Stadt Pegu und verlegte 1620 seine 
Residenz dahin, nachdem 1616 Jangoma wieder erobert war. 

Den ersten Anlass zu den Kriegen zwischen Pegu und Siam 
gab das Bild des Gottes Samsai, das peguanische Schiffer aus 
Ayuthia geraubt hatten, und das die Bewohner dieser Stadt 



Die Geschichte HoDgsawaddi's. 281 

zurückforderten, da seit seiner Entführung wiederholter MisswachB 
die Ernten zerstört habe. Der König von Pegu versagte die 
Herausgabe, da der Gott absichtlich und freiwillig aus Slam aus- 
gewandert sei, weil er das ruchlose Treiben der Ungläubigen 
nicht länger habe ansehen können. Als datauf von siamesischer 
Seite vielfache Einfälle über die Grenze gemacht wurden , zog 
der König von Pegu gegen Ayüthia und fand nur geringen Wider- 
stand , da der grösste Theil des siamesischen Heeres in Kambodia 
abwesend war. Als König Mahashakraphatraxatirat ihm mit den 
in der Eile zusammengerafften Truppen entgegentrat, trafen in 
der Schlacht die beiden Könige auf einander, aber der Elephant 
des siamesischen ergriff die Flucht und seine heldenmUthige 
Gattin Surijothai konnte die Niederlage nicht verhindern. Der 
König von Pegu oder König der Burmas (Mentaragyi) musste 
damals , aus Mangel an Lebensmitteln, die Belagerung aufheben 
(1553 p. d.), kehrte aber, als ihm zwei der weissen Elephanten 
verweigert wurden, mit solcher Uebermacht zurttck, dass ihm 
der König von Siam (Chao Xang Phuek) viere aus seinen sieben 
aosliefem musste (1546 p. d.). Als dessen Sohn Phra Chao 
Xang -Phuek Über Yergnttgungen das Regierungsgeschäft ver- 
nachlässigte und den Wohlstand des vorher blühenden Landes 
zerrüttete, unternahm der Brama-König Pegu's (Aleagar) einen 
neuen Feldzug gegen Siam (1555 p. d.) und eroberte nach langer 
Belagerung die Hauptstadt, die er gänzlich ausplünderte und ver- 
wüstete , relinquens ibi tantum mille homines sub imperio Phra- 
Thammaraxathirat olim regis Phitsilok, schreibt Pallegoix. 
Dieses Phitomulok kann nicht in Birma liegen, wie Lassen ver- 
mutbet, sondern ist die in der siamesischen Vorgeschichte be- 
rühmte Stadt Phitsanulok an dem gleichnamigen Seitenfluss des 
Menam , wo der peguanische König einen Gouverneur einsetzte, 
am die eroberte Provinz zu verwalten. Ich werde hierauf bei der 
Geschichte Siam's zurückkommen , nach den in Bangkok genom- 
menen Abschriften. Unter der reichen Beute an Edelsteinen, die 
aas dem Königreich Silon (Siam) gebracht war, sah Bidbi (1580) 
auch in- grosser Kunst gearbeitete Kühe, die als Phrakoh wahr- 
scheinlich aus Kambodia geraubt waren. Mit dem Auftreten 



282 Peg«. 

Phra Naref s wendet sich das Kriegsglttck UBd auch die €Mlter 
gingen jetzt treulos zu dem Sieger über, auf dessen Seite sie im 
Jahre 941 kämpften , wie die siamesischen Chroniken erzählen. 
Die ruhmvollen Kriegsthaten dieses Königs , die meist sein Bru- 
der Narai mit ihm theilte, setzten Pegu wie Kambodia in Schreeken. 
Nach der Vernichtung Lftwek's wurde Hongsawaddi und Marta- 
ban erobert und beide Stftdte von siamesischen Beamten rerwaltet 
Naret dehnte seine Eroberungen bis zum Sittang aus , wo noch 
jetzt die von den Siamesen errichteten Befestigungen zu sehea 
sind 9 starb aber, als er ttber Tongu gegen Ava zog (1595 p. d.X 
und unter den Palastrevolutionen , die in der folgenden Zeit den 
Thron Siam's mit Blut befleckten, gingen die meisten Eroberungen 
wieder verloren. 

Fhra-Maha-Birttkthon, der als Gouverneur von Hongsawaddi 
(949 Ch. S.) sich mit dem Tode Phra Naref s unabhängig machte, 
schickte zum Hofe in Langka für Bestiltigung seiner KGnigswttrde 
und erhielt den Titel Phra-Sri-Sokaya vongsadhammaehedi. Bei 
seinem Tode folgte sein Sohn (979), aber nach neun KGnigea 
starb die königliche Familie aus. Im Jahre 983 hatte Hongsa- 
waddi eine Belagerung durch den Sohn des birmanischen Königs 
zu bestehen, der nach Besiegung Philip's deBritos dieAracanesen 
verjagt hatte. 

Den von Cevlon aus betitelten König Hongsawaddi's nennt 
die Geschichte Pegu's in der siamesischen Uebersetzong Phra- 
Maha-Pidok-thon und macht ihn zu einer Art Salomo. Er erhält 
allerlei Boten von dem Kaiser China's , der ihn durch wunder- 
bare Maschinerien und bewegliche Puppen ttberraschen will, oder 
von dem Könige von Ayuthia (Siam), der ihm Räthsel und ver- 
wickelte Streitfragen vorlegt, aus der Jurisprudenz oder aus den 
Naturwissenschaften. So fragt er z. B. , was die grOsste Zahl 
von Blättern sei, die ein Baum trage, und erhält von diesem 
peguanischen Vorgänger Linn^'s zur Antwort , dass keiner mehr 
als zwei habe, da es ausser Monocotvledonen nur Dikotyledonei 
gäbe. Zuletzt kommt auch noch eine Cresandtsehaft ans Langka 
(Ceylon) , die in Siriam (Sieng) landet und mit grossen Ehrenbe- 
zeigungen empfangen wird. DerPhrachao von Hongsawaddi (der 



Die Geschichte Hongsawaddi's. 283 

König von Hongsawaddi) schickte denPhraPhutthaKhosacharya 
rasacbara nach Myang Langka, um dorther Risse von den Pa^ 
lasten , des Phrabat und der Viharas zurückzubringen. Die Kö- 
nige von Xiengmai und Lanxang wünschten ihm ihre Töchter zur 
Vermählung zu geben , baten aber erst um Auskunft tlber seine 
Abstammung und sein Geschlecht, worauf er folgende Antwort 
gab: ,,In dieser Pattha-Kalpa giebtesfbnfPhraPhuttha-chao, von 
denen Phra Kukusontho predigte und als PhraPhuttha-chao ver- 
klärt wurde , worauf er Segen tlber die Wesen verbreitend in das 
Barinibban einging. Von welchem Geschlechte stanunte denn 
er? War Phra Gonagon, der in seiner Gesetzv^rkündigung mit 
dem Bodi-jahn gekrönt wurde, in dem Geschlechte des Phra 
Kukuson nachfolgend? Als Phra Gonagon ins Barinibban einging, 
wurde Phra Phuttha^Kassyapa , nachdem er das Phra Sara-phet 
gepredigt, zum Phra Phuttha-chao transfigurirt, und war Phra 
Phuttha-Kassyapa etwa von dem Geschlecht des Phra Gonagon ? 
Nachdem PhraPhuttha-Kassjapa insNibban eingegangen, wurde 
Phra Sri-Sakjamuni in seiner Gesetzverkttndigung zu Phra 
Phuttha-chao. War etwa Phra Sri-Sakyamuni aus des Phra Kas- 
syapa's Geschlecht ? Und doch ist es nur Alles Eins , das Ge- 
schlecht der Buddha (Phra Phuttha^Yong). Wer nicht die 16, 
nicht die 8 , nicht die 4 Phra Barami besitzt in den unzähligen 
(Asangkhay) Nutzen der 10,000 Maha-Kalpa, der wird nicht 
zom Phra aufsteigen. Unser Herr Phra Phuttha-chao, auf dem 
Kleinodien-Throne am Bodhi-Baume unter dem weissen Schirm 
sitzend , in der Dämmerung des Abend-Zwielichts , trieb Phaya 
Maratbirat mit allen den Herrschern der Mara zurück , ttberkam 
und vernichtete sie ; doch in Betreff der Abstammung aus dem 
königlichen Greschlecht war damals der Zusammenhang noch 
nicht nnterbrochen. In der ersten Nachtwache erinnerte er sich 
seiner Familienbeziehungen und riefdie Persönlichkeiten früherer 
Zeiten in seinen Geist zurück. Die Familienbeziehung mit seinem 
Greschlecht war noch nicht abgeschnitten. In der mittleren Nacht- 
wache empfing der Hohe das himmlische Grcsicht und das ttber- 
natttrliche Gehör, aber die Phra Maha-Sommativong (die Familien- 
beziehung) war noch nicht gebrochen. Dann, als in der Morgen- 



284 P^«"- 

wache der Hohe ttber das Phra Pitisamuhabat in der innem Ver- 
knüpfung der Wechselwirkungen nachsann , dann , als das erste 
Licht der neuen Dämmerung hervorbrach , dann verklärte sich 
der Heilige im Somphathijahn als Phra Phuttha-chao und jede 
Beziehung mit Familie und Geschlecht war unterbrochen und ab- 
geschnitten. Mit dem Tage gehörte er dem (reschleehte der 
Buddha an.'' Als KOnig Thudaudana seinen Sohn verhindern 
wollte, in den Strassen Kapilawut's seine Nahrung zu betteln und 
ihm vorwarf 9 dass ein solches Verfahren für einen Abkömmling 
der glorreichen FtLrsten Thammadat unschicklich wäre, erwiederte 
Buddha, dass diese Abkunft zur königlichen Familie gehöre, dass 
aber das Oeschlecht der Buddha's ein durchaus verschiedenes sei 
und nichts mit Königen oder Fürsten zu thun habe. Mit der 
Aufnahme Rahula's in den Mönchsstand blieb dann der Dynastie . 
kein weiterer Nachfolger. 

Im Jahre 996 Ch. S. eroberte Sattthn (der König Pegu'B)Ava 
und im Jahre 1000 stellte er den Schirm derRangun-Pagode, der 
abgefallen war, neu wieder auf. Im Jahre 1652 p. d. unternahm 
der König Pegu's einen Feldzug gegen China, um den Buddhis- 
mus in seiner Reinheit wiederherzustellen. Dann wurden auch 
die Lanjans wieder zinsbar, die 1647 aus ihrer (refangenschaft in 
Pegu ausgebrochen waren und seitdem die Grenzen durch steteEin- 
fälle beunruhigt hatten. Die Talein-Könige verlegten ihre Residenz 
nach Ava und regierten von dort aus über Hongsawaddi. Später 
aber brach in dieser Stadt eine Empörung aus, um die Unabhängig- 
keit zurück zu erwerben. Taaun, der birmanische Statthalter, 
wurde vom Volke getödtet und ebenso sein Nachfolger Aungnean. 
Die Talein hofften (1703 p. d.) über die Birmanen zu herrschen, 
und es gelang ihnen nach ihrer siegreichen Empörung (1740) Ava 
zu erobern (1752), aber sie erlagen dem kriegskundigen (Alompra) 
Ungsuasiah, dem Könige von Ava, der mit seinem siegreichen Vor- 
dringen (1754) Pegu eroberte (1119 Gh.S.) und die ganze Menge 
der dort versammelten Priester, 3000 an der Zahl, massacriren 
Hess, mit Ausnahme einiger weniger, die uachMartaban und dann 
nach Zimmaj flüchteten. Dann zog er weiter, umTschukiah(Siam) 
zu erobern, starb aber auf dem Feldzuge (1122 Ch. S.). 



Die Geschichte Hoogsawaddi's. 285 

Der von Alompra zum Gouverneur Pegu's ernannte Bttnnia- 
sehn hörte später, dass der eine Empörung ftlrchtende König Be- 
fehle zu seiner Ermordung gegeben, und begab sich mit dem ihm 
anhängigen Theil des Talein- Volkes über die siamesische Grenze. 
Being-della, der letzte König Pegu's in der Gefangenschaft, wurde 
1775 unter Shembuam hingerichtet. König Nyaung jam min- 
theragyi erliess allerlei erniedrigende und demttthigende Verord- 
nungen fUr Pegu , einen bestimmten Schnitt in Kleidung , Haar- 
tracht u. s. w. vorschreibend, so dass die Bewohner haufenweise 
das Land verliessen und nachSiam auswanderten. Die nationale 
Erbitterung der Birmanen hatte es auch auf möglichst gänzliche 
Vertilgung ihrer Erbfeinde abgesehen und sie trafen deshalb son- 
derbare Bestimmungen , z. B. , dass die Häuser die Form eines 
Sarges haben müssten, um durch diese ominösen Wohnungen 
den Tod zu beschleunigen ; die Reisstampfer sollten in Form des 
Lingam und der Mörser in der derYoni sein, wie auch König La- 
litaditya den unterworfenen Turushkas eine schimpfliche Bezeich- 
nung von den Genitalien auferlegt. Erst die englische Besetzung, 
wenigstens nach dem zweiten Kriege, Hess das unterdrückte Volk 
aufathmen. Die Provinz Amherst, als die Engländer Besitz nahmen, 
war fast menschenleer, da (wie Helfers erwähnt) die Einwohner alle 
vor der Unterdrückung der Birmanen geflohen waren, besonders 
nach Tenasserim und Siam. In der Umgegend Ayuthia's und 
Bangkok's finden sich zahlreiche Colonieen der Peguer oder Ta- 
lein , die als Mon-noi (die kleinen Mon) dort bekannt sind , oder 
auch als Raman. 



Slam. 



290 Siam. 

würdigen Bonzen und Brahnianen*), ihr alle werdet Laien werden, 
ihr werdet die Prieatersehaft ablegen. Die Haarlocke eures 
Hauptes abschneidend, werdet ihr anfangen Thiere zu tödten und 
Fische im Wasser; dann wird das Gift die ganze Erde durch- 
dringen, es wird sich verwandeln und als „Arac" wieder erschei- 
nen. Dann werden die ehrwürdigen Bonzen und Brahnianen 
sich besaufen, sie werden besoft'en sein, jeder Mann von euch. 
Dann aber erinnert euch der Worte llirathassaphon's (des mit 
zehn Tugenden Begabten), um den Zorn, die Fleischeslust, die 
Begierden zu unterdrücken, die euch in das Verderben bringen 
würden. Eure Pflicht ist es, das Volk zu belehren und unterrichten. 
Und nehmt das Feuer auf, es mit gefalteten Händen verehrend, 
und tragt es in eure Stadt. Es ist das Opfer unseres Geschlechts, 
seit dem Anfang der Zeiten, durch den ascetischen König einge- 
setzt. Das Volk nmss belehrt werden. Bewahrt diese meine 
Worte in eurem Herzen, handelt in allen Dingen, wie ich euch 
angewiesen habe." Dann fügt« der heilige Büsi die Prophezeiung 
hinzu: „Wenn die Jünger (Phra-Savok) und die Somana-Phrahm- 
Xi nicht länger das Gesetz beachten , dann wird das Herz der 
Stadt in sieben Stücke zerbrechen. Niemand wird länger Sorge 
tragen. Laien (Krahat) werden Priester (Xi), Priester werden 
Laien werden, Alle sich mischen ohne L^nterschied. Die noch 
Verstand besitzen, wird der Tod rasch fortnehmen. Treue und 
Glauben verschwinden. Keiner kann dem Andern trauen, lieber 
euch selbst werdet ihr diese Leiden herabgezogen haben. Dies 
ist's, was euren Ahn bekümmert, aber in zukünftigen Zeiten wird 
es so geschehen." 

Als der heilige liüsi seine Abschiedsworte gesprochen, erhob 
er sich in die Lüfte und verschwand nach dem hohen Gebirge zu, 
das der königliche Berg (Pliu Kbau luang) heisst. Dort erfüllte 
er das Gesetz der Bcmzen (Somanatham) und die Gebote der fttnf 

*) Nachdem der Embryo Gautuma Plira's al» Mahathammada zum ersten 
Könige gewählt war, wurde er Maiiuh genannt (nach dem birraanischen Maha 
Radza Wonfr). After this nien of wisdom , who desired to destroy wickedncss, 
lived in hut,^ in the forest and ate only what they recived in charity. Tbey were 
called Brahmans (s. Phayre). 



Vorgeschichte der nördlichen Städte. 291 

Jana, frei von den Lüsten des Fleisches, die er abgeworfen hatte 
durch die seiner Natur einwohnende Weisheit. 

Und dann berief Bathammarat die Xaphoxi-Phrahmana alle 
zusammen und versammelte um sieh die Vorsteher der Familien. 
Er vertheilte den Boden unter die Xaphoxi-Brnbmaneu und befahl 
Jedem derselben, Banden von Arbeitern zu organisiren, für den 
Bau des Walles, vorne 8 Sok (16 Fuss), 4 Va (82 Fuss) hoch, 
50 Sen («000 Fuss) in der Breite und 100 Sen (16,000 Fuss) in 
der Länge. Bathammarat schaute aus nach Äugurien, um die Omen 
an einem günstigen Tage zu beachten , denn in seinem Aufent- 
halte bei den heiligen Eremiten, seinen Vätern, hatte er gelernt, 
dass am Donnerstage des ersten Monats in der sechsten Nacht des 
zunehmenden Mondes im zweiten Jahre der Aera, in dem Jahre 
des Drachen, ein König aufstehen würde, um das Gesetz für 
500 Jahre nach dem Niphan Phra-Phutthi Chao's zu befestigen. 
Er überwachte auch die Arbeiter im Steinbehauen , und den 
Aufbau der Festungswerke. 

Und Bathammarat, der durch seine Statur über alles Volk 
hervorragte, wurde König. Als nach sieben Jahren des Mauer- 
baues die Flügel der Thore, wohl verkalkt, eingesetzt waren und 
der Hut der Bürger übergeben, dann liess er ein Kloster bauen 
mit seinen Zugehörigkeiten und mit Zellen, als Wohnungen für die 
Lehrer und die Priester, worin die zum Soda Sakkithakhanada 
genannten Grade der Heiligkeit Gelangten aufgenommen wurden 
und die Xaphoxi-Phrahmana. Er gründete einen Tempel (Vihan) 
PhraIn8uen'8(Siva'8) und PhraNarai'8(Narayana's) und errichtete 
Festlichkeiten ein, dass die Beobachtung der Vorschriften im 
Gedächtniss bewahrt bleibe. Für sieben Tage abwechselnd, 
nahmen sie ihre Nahrung nur nach den priesterlichen Gesetzen. 
Dann wuschen sie ihr Haupt, dann bestiegen sie die Seile und 
schwangen an ihnen zu Ehren Phra Insuen's, der er der Herr ist. 
Und so erwarteten sie die bevorstehende Ankunft des Eremiten. 

Der Eremiten-Gott (PhraDaoboth) erinnerte sich seiner edlen 
Nachkommenschaft, und in den Jan Somabath eingehend, den 
ersten der verehrungswürdigen und himmlischen Jana, stieg er 
zum Himmel auf und begab sich durch die Luft nach dem Gipfel 




29ä diam. 

des mit Wald bedeckten Berges. Alle Xaphoxiphrahm beeilten 
sich ihre Opfergaben zu bringen , die von Bathammarat nieder- 
gelegt wurden. Dann huldigend, sagte er: „Der Diener der 
beiden Herren , habe ich die Stadt erbaut , nach den Worten des 
Herren habe ich sie vollendet. Ich bitte jetzt um einen Namen fUr 
die Stadt." Der Eremit Satxanalai erwiederte: „Am heutigen 
Tage noch werde ich aufsteigen, um den Himmel [Thevalok, als 
die Welt oder Wohnung der Götter, wieTengri im Mongolischen] 
des Phra-In-Savan (des Herren In am Firmamente) zu besuchen, 
am heutigen Tage noch werde ich wieder niederkommen: Savan- 
Thevalok sei deshalb der Name der Stadt. ^ Die Xaphoxi-Phrahm 
versammelnd, richteten die heiligen Eremiten, Satxanalai und 
Sitthimongkhon , ihre Worte an sie, fragend: „Wen wollt ihr 
zumKönig?vveristderWUrdig8te?" Alle die Xaphoxi-Phrahmana*) 
erwiederten: „Bathammarat sei unser König, er ist der Aelteste 
von uns Allen." Dann sprachen die Eremiten: „Dreierlei sind 
die Herren , von dreierlei Ursprung entsprossen auf der Fläche 
der Erde, sie sind: der König (Krasat), der Besitzer (Sethi oder 
der Reiche) und der Phrahmana, diese prangen auf der Erdober- 
fläche." Dann bestätigten die heiligen Eremiten Bathammarat 
und setzten ihn zum König ein, unter dem Titel Phaya-Thamma- 
Raxa, und sie gaben ihm zur Seite eine Gattin königlicher und 
himmlischer Abkunft, die in weiblicher Linie von Nang (Frau) 
^lokhali**) herstammte, der Brahminin im Hause Rijapunxai. 
Sie erhoben sie zur (ersten oder rechtmässigen) Königin im Pa- 
laste des Herrschers. Und die heiligen Eremiten nach einiger 
Ueberlegung sprachen so : „Noch bedarf es der heiligen Reliquien, 
die Reliquien schaft't herl)ci des Schädels und der Fingerknochen 
der linken Hand. Zur Zeit, als unser Herr ins Niphan einging, 
erhielt ich bei der Vertheilung durch den König Sritham-Sakkharat 



•) Die Xapho-Xi-Phrahm werden mitGenissen zum WasserspreDgen, wiedip 
.loori dargestellt. In einer Ahsclirift wird bemerkt, dass sie die brahmaniscbe 
Schnnr (Phrot) getrajren. 

•*) Nach Csoma de Korosi erhielt Kolita den Namen Mngalau oder Mongo- 
lyana, weil er von mongolischer Familie abstammte. 



Vorgeschichte der nördlichen Stüdte. 293 

diese Eeliquien [Sri Dharma Sakkharat, als Titel Ayasatru's, 
wie auch Asoka's]. Sie sind uoeh unter einem Eisenbaum [ton 
rang, dessen hartes Holz besonders beim Klosterbau benutzt 
wird] begraben und werden durch zwei Geier bewacht, ein 
Männchen und ein Weibchen. Geht denn, und hebt diese 
heiligen Reliquien ! "" 

Als der heilige Eremit diese Ansprache vollendet, stieg er 
zum Himmel empor, durch die Luft zum Königsberge gehend, 
und dort nach sieben Tagen, als seine Zeit erfüllt war, verliess 
er seinen irdischen Körper. 

Aber Phaya Sri - Thamma - Kaxa - Chao berief die Xaphoxi- 
Brahmanen zur Versammlung, und mit ihnen berathend, sagteer: 
„Lasst uns gehen und des göttlichen Herren Reliquien heben und 
sie in unserer Stadt niederlegen. Eines Baumeisters bedarf es, 
sie wohl und sicher in der Kapelle zu verwahren." Nun fand sich 
ein Mann, Baphitsanu genannt, ein Mann mit Namen Baxiphit, ein 
Mann mitNamen Barittijana, ein Mann mit Namen Ba-in unter ihrem 
Haupt: diese fünf Künstler hielten eine Berathung, wie der Bau 
auszuführen sei, und dann beschlossen sie und sagten: „ Wir werden 
ein Werk vollenden, schöner und wunderbarer, als je ein solches 
von Architecten auf dem Erdkreise ausgeführt ist." Nachdem 
sie es ausgeführt (wie des weitern beschrieben ist) , wurden die 
Reliquien geholt, woher der Spruch Khao rang reng (der Baum 
mit des Geiers Nest) entstand, und dann verordnete der König, 
dass alles Volk sein Gold und Silber brächte, damit die Künstler 
die Schmucksachen des Tempels fertigten. 

Wie Low bemerkt, nennen die Lao ihr Land Chi-mai (priester- 
liches Gebiet) oder auch Sovannaphom (der goldene Brahma), 
weil der erste König im Traume Brahma vom Plimmel herabsteigen 
sah, ihm einen goldenen Pipul-Baum zu überreichen. Der ordi- 
nirende Oberpriester wird Rawli von Fitch genannt. Xi (Mönchs- 
priester) wird noch jetzt von den Lao in einer Weise verwandt, 
um Person überhaupt zu bezeichnen, denn von Rechtswegen sollte 
ein Jeder Priester sein. Für Laien haben sie deshalb auch den 
Ausdruck Kbon dib, ein roher oder unreifer Mensch. Xieng meint 
etwas Schräges und Schiefes, und deshalb eine Stadt , als von 



294 Siani- 

solchen Leuten bewohnt, die, das Kloster verlassend, vom rechten 
Wege abgewichen. In Siaui heissen die Laien Bandit (Pandita) 
oder vielmehr solche, denen man das Aufgeben des Priesterstandes 
noch ansehen kann , da ihr Haar noch nicht gewachsen. Auch 
die mehr eckigen Alphabete für profane Schriften wurden, im 
Gegensatz des runden Pali , -früher Xieng genannt. Alle diese 
verschiedenen Auslegungen sind jetzt in Wechselbeziehung zu 
einander gesetzt, und um die ursprüngliche Wurzel zu finden, 
mUssten erst die aus mehrfachen Sprachen durcheinander gewor- 
fenen Elemente geschieden werden. 

Die beiden hier erwähnten BrahmauinnenNangMokhali und 
Nang Sari Phramani werden die Mütter der beiden Lieblings- 
schüler Buddha's genannt, PhraMokhala und PhraSaributr, welch 
letzterer Name im Siamesischen auch als der uneheliche Sohn 
erklärt werden könnte. The Sanscrit Shi-li-fuh (Sariputra) is 
equivalent to „the son of the Tsou-bird** (sari, a sort of hawk 
with remarkable cyes). This was a name derived from his mother. 
At first he was a disciple of the heretic Shan-cho-na, well versed 
in the 18 Shastras. Auf seine Bekehrung folgte die des Tsai- 
shuh-shi (Muganlan oder Muhkinlin) oder Mudgalaputra, und jeder 
von ihnen führte Buddha 250 Jünger zu. Von den beiden Phra- 
Rüsi wird noch erwähnt, dass sie, als das Alter der Menschen 
sich bis 200 Jahre erstreckte, 16 Fuss hoch gewesen, und nach- 
dem es sich auf 150 Jahre vermindert hatte, 14 Fuss. Nachdem 
die 10 Familien ihre Niederlassung gegründet, wurden die Paneha- 
Matscha - Kh<am (die fünf Fischerdörfer der Mitte) in eine Stadt 
vereinigt mit einer Pagode über den Reliquien des Phra Saributr 
und mit den Reliquien des Phra Mokhala im Hause seiner Mutter. 
Die nördlichen Dörfer (Uttara-Khamani) waren ursprünglich von 
den Xaphoxi - Phrahmana allein bewohnt, die, wie es vorge- 
schrieben war, nur mit einander assen und unter sich Handel 
trieben. Low l)emerkt, dass Utdha Tapasa oder Maha-Rischi, der 
sich unter den birmanischen und siamesischen Asterismen finde, 
von den Siamesen noch lebend und älter als Buddha gedacht 
werde. In their histories of Phra-Pathom, he seems alluded to 
under the title of Utthakhut (Assagutta im Pali). 



Vorgeschichte der nördlichen Städte. 295 

Als Sariputra und Maugalan, unter den Namen Upase und 
Kaulithe noch Laien waren, erkannten sie eines Tages (nach der 
Mallalingara-Wuttu), mit 220 Begleitern auf einem hohen Berge 
stehend, das Prinzip der allgemeinen Vergänglichkeit alles Irdi- 
schen und fühlten eine unbezwingliche Sehnsucht nach Belehrung. 
Der heterodoxe Rahan Thinze, der damals von 550 Schülern um- 
geben in Raya gaya lehrte, konnte ihnen nicht genügen, und 
durch den Rahan Athadzi von Buddha's Erscheinen benachrichtigt, 
gingen sie, jeder mit 220 Jüngern, zu ihm über, weshalb ihr frü- 
herer Meister aus Aerger an einem Blutsturz starb. Als Sariputra 
seinen Nibpan herannahen fühlte, verabschiedete er sich von 
Buddha, um mit seinen Jüngern nach seinem heimathlichen Dorfe 
Nalaka*) zurückzukehren, wo seine Mutter Nupatharivonihmdas 
Gesetz lernte und nach seinem Tode einen Dzedi errichtete, dem 
der Sakyakönig in der Mitte des Ortes einen viereckigen Thurm 
mit hoher Spitze beifügte. Die im Gedränge zertretene Rewati 
(Sariputra's Amme) kehrte am folgenden Tage aus dem Himmel 
Thawadeintha zurück und erschien den Bewohnern in dem Glänze 
einer Nat-Königin, ihre Transformation verkündend. An der Stelle, 
woGautama die Nachricht von Maugalan's Nibpan erhielt, Hess er 
gleichfalls einen Dzedi errichten und sein Lebensende ist im 
Dhamma-Ataga beschrieben. 

Nach dem ceylonesischen Verzeichniss derUeberlieferer der 
Vinaya empfängt Moggaliputto unter Chandragupta die Upasam- 
pada- Weihe. In der Inschrift von Andher wird (nach Cunning- 
ham) Moggaliputto als geistlicher Sohn des Gotiputtra aufgeführt. 
Palladji erwähnt der von Maudgaliputtra gestifteten Schule der 
Vibhadjyavadinas. In der tibetischen Lebensbeschreibung Rat- 
nadharmaraga's (bei Schiefner) wird in dem zu Rajagriha gehö- 
renden Hüttendorfe dem Purohita des 'Königs Kaundinja-Patala 
von seiner Frau Modgal ein Sohn geboren, der, weil ihn seine 



•) Nala or Nalaka (a Brahmin village near Rad/^agio) was the birth place 
of the gresLt disciple Tharipiitra. It seems, that thcre was there a sort of Aea- 
demia , whither the learned of Radzagio resorted for discoursinfif on moral and 
philosophical sabjects (s. Bigandet). 



i 



296 Siani. 

Verwandten auf den Schooss g:enommen, Kolita und wegen Aehn- 
lichkeit mit seiner Mutter Modgali's Sohn aus dem Gesehlechte 
Maudgaljajana genannt wurde. Als der Arhant gewordene 
Maudgaljajana sieh dem Nachdenken über seine Eltern überliess, 
fand er seinen Vater als Brahmakönig, seine Mutter aber in der 
Hölle, wo er bei ihrer versuchten Befreiung selbst umgekommen 
wäre, ohne Ananda's Hülfe und erst durch die auf Bhagavanfs 
Geheiss abgelesenen Sutras ihre Erlösung ermöglichte. In dem 
DorfeNalanda gebar (nach Katnadharmaraga) die (mit den Augen 
des Vogels Gracuhi religiosa begabte) (^'arika (deren Bruder 
Koshthila sich zum Studium des Lokajata -Systems nach Süden 
begeben hatte) einen Sohn, der wegen seiner Aehnliehkeit mit 
dem Vater (dem von Süden gekommenen Brahmanen Tishja am 
Hofe Bimbisara's) von dem Grossvater (dem Brahmanen Mathara) 
Upa-tishja genannt wurde, von dem Vater aber ^^ariputra, weil 
er der Mutter gleiche. 

König Phra-Thamraa-Raxa Hess die beiden Prinzen Thamma- 
kuman und Usokotkuman [Kumara, als Jüngling oder Prinz, wie 
die Infanten], als Bhikkus den Trai-Pidok dreimal von Anfang 
bis zu Ende durchstudiren. Da er aber unruhige Zeiten voraus- 
sah und sich derHorizont mit kriegsdrohendem Gewölk umdüsterte, 
so nahm er sie aus der Priesterschaft in den I^ienstand zurück. 
Auf königlichen Befehl wurden die Pantcha-Matscha-Kham be- 
festigt und nach dem Erbauen eines Palastes der Prinz Usokot 
in der Stadt Hariphunxai als Kiinig Phaya Sri Thamma Sokkha 
Rat gekrönt und mit einer Brahmanin aus jenen Dörfern vermählt 

Aus den nördlichen Dörfern der Xapho-Phrahmana wurde 
die Stadt Kam phaxa-Nakhon (die Stadt Kam phaxa oder KamboZÄ' 
tein) errichtet und der Prinz Thammakuman als Herrscher ein- 
gesetzt, eine Brahmanin als Gattin heimführend. Nach den öst- 
lichen Dörfern (Burakham) wurde der Prinz Singkhuman geschickt, 
um, nachdem die Xaphoxi-Phrahman einen Palast und Festungs- 
werke erbaut hatten, in der Stadt Phitxabut (Phitsanunakon) den 
Thron zu besteigen, mit einer Brahmanin als Königin. Diese vier 
Städte lebten in Freundschaft und Eintracht beisammen, und die 
Könige regierten in Frieden, die den Jahreszeiten entsprechenden 



Vorgeschichte der nördlichen Städte. 297 

Opfer beobachtend. Neid und Zorn war unbekannt und Alles 
blühte in Frieden. 

Angeblieh genauere Zeitbestimmung findet sich in folgender 
Darstellungsweise des Geschichtsanfanges: Die Eremiten Satxa- 
nalai und Sitthimongkhon , die bei Buddha's Geburt 100 Jahre 
zählten, gründeten Savanlok im Alter von 300 Jahren. 

Als die Chuulosakkharat ihren ersten Cyclus vollendet hatte, 
beriefen die Rtisi oder Eremiten, in deren hundertjährigem Alter 
Xinasi noch Phaya war, ihre Nachkommen zusammen, als 
300 Jahre ihres Lebens abgelaufen waren, und sprachen ihre 
ermahnenden Abschiedsworte im Jahre 306 der Phra-Phuttha- 
Sakkharat. Im Alter von 300 Jahren war die Körperlänge 13 Ellen, 
bei 200 Jahren 9 Ellen, bei 1 50 Jahren 7 Ellen. Die Bewohner 
der beiden Dörfer werden von Saribut und Mokala abgeleitet, 
die unter ihren Laiennamen Kolita und Upatissa auch in den 
religiösen Büchern als Dorfbesitzer bekannt sind. Die Familien 
der beiden brahmanischen Dörfer Kolita und Upatissa in der 
Nähe Rajagaha's hatten seit sieben Generationen in Freundschaft 
gelebt und ihre Prinzen hiessen nach den Dörfern Kolita und 
Upatissa. Als diese, um das Heil zu finden, umherwandern, 
lassen sie sich erst unter die Schüler eines durch seine Weisheit 
berühmten Paribrajika Ganga aufnehmen , aber er konnte ihnen 
nicht den rechten Weg weisen. Mit Assaji, einem der bekehrten 
Brahmanensöhne, amHofeKapilawut's zusammentreffend, werden 
sie zu dem wahren Lehrer geführt, der ihre Namen in Saribut 
und Mugalan verändert. 

In Betreff des Weges, den die indischen Könige und Priester 
hergezogen, meint Lassen, dass sie von Silhet zuerst nach Muni- 
pur und dann südlich nach Kule gelangt seien. Wie sie von 
jenseits des Irawaddi weiter gegangen, zeigen die Kaufleute aus 
Thay-yai oder Pamahong (Pama-Angva) bei Du Halde, die mit 
indischen Waaren nach Mohang(Myang) Sen, der Hauptstadt der 
Laos, kamen. Kiang Seng oder Kiang Sen (Xieng Sen) liegt am 
rechten Ufer desMokhong und ist nach Mac-Leod von Kiang-tung 
abhängig. Im siamesischen Städtecatalog ist indess ein Xieng 
Sen aufgeführt. Khiang-Khen, der östlichste aller Schan-Staaten, 



298 Siam. 

trägt den liciligen Namen Thakalanita, da es, ein zweites Thak- 
kasinla, die Erlernung der [in China heimischen] Wissenschaft ver- 
mittelte. Da die Siamesen manche Importationen zur Vermehrung 
ihrer Kenntnisse über die Länder der Laos erhielten, so sagen sie 
bisweilen, dass diese ihre Khru (Guru) oder Lehrer gewesen, 
aber diese Bemerkung hat nicht die ausgedehnte Bedeutung, die 
Low ihr beilegen will. 

Als in sieben Generati4)nen der Könige 500 Jahre in ihrer 
Dynastie vorübergegangen waren, regierte in der Stadt Hari- 
phunxai-Nakhon der König Aphajakha- Muni, der in höchster 
Strenge die Regeln (Sila) beobachtete. Er hatte die Gewohnheit, 
zu Zeiten nach einem hohen Berge hinauszuziehen, um doii das 
Leben eines Einsiedlers zu führen. Auf diesem Berge pflegte 
sich eine Drachenprinzessin zu erlustigen, die den frommen König 
besuchte und drei Tage und Nächte bei ihm verweilte. Als sie 
nach ihrem unterirdischen Reiche zurückkehren wollte, gab ihr 
der König sein geschmücktes Gewand nebst einem kostbaren 
King und ging dann selbst wieder nach seiner Residenz , um die 
Regierungsgeschäfte zu versehen. 

Als das Fräulein (Nang) Nakh sich schwanger fühlte, merkte 
sie, dass das Kind in menschlicher Weise und nicht aus einem 
Ei *) geboren werden würde. Sie schämte sich deshalb im Lande 
der Nakh zu gebären und kehrte nach der Einsiedelei auf dem 
Berge zurück, die aber von dem Könige schon verlassen war. 
Als sie einen Sohn geboren, legte sie ihn, in das kostbare Gewand 
gewickelt, mit dem Ringe daneben, dort nieder und floh in die 
Unterwelt zurück. Ein Jägersmann, der den Wald durchstrich, 
hörte das Schreien des Säuglings und brachte ihn zu seiner Frau, 
die gerade selbst ein Kind geboren hatte. Bei diesem Paare 
wurde der aufwachsende Prinz in allen Tugenden des Gesetzes 
erzogen. 

Nun geschah es, dass seine Majestät der König Phaya-Apha- 
jakhamunirat Befehle an seine Minister und Edelleute ausfertigen 



*) Kadrou repoit l'oeuf du serpent, und Eckhaus steUt damit dasdruidiMhe 
Ovum anguinum (bei PUdIus) zusammen. 



\ 



Vorgeschichte der nördlichen Städte. 299 

Hess, dass ihm ein Schloss erbaut werden solle. So erging ein 
Aufgebot dureh*das ganze Land, und jedes Haus hatte die zum 
ki5niglichen Dienste Pflichtigen zu senden , um an dem Werk zu 
helfen. Auch der Jäger wurde einberufen , um als Holzhacker 
verwandt zu werden. Er nahm sein Söhnchen mit sich , und da 
die Sonne heiss schien, legte er ihn in dem Schatten des Königs- 
sehlosses nieder, das zitternd dröhnt und hin und her zu schwan- 
ken beginnt. Der König (wie mit weiter Ausführlichkeit erzählt 
wird) lässt über die Ursache Nachforschungen anstellen und 
nimmt seinen von dem Jäger erzogenen Sohn, an den Abzeichen 
erkannt, zu sich, den er mit seinem Halbbruder, dem Prinzen 
Rtittikuman, zusammen erziehen lässt, unter dem Namen Arun- 
raxa-kuman. Eingeschaltet ist eine Prophezeiung Buddha's, als 
er einst ausserhalb der Dörfer Pantcha Matschakham sein Mahl 
einnahm und ihm ein Nakh Wasser brachte : „ Ananda, dieser 
Drache, der Tathagata Wasser bringt, wird nach 1000 Jahren 
die Aera Tathagata's erneuern. Und durch die Kraft des in 
Almosen gegebenen Wassers wird kein Wasser mangeln in den 
Grenzen seines Reiches, wo er als unabhängiger König keine 
andere Oberhoheit anerkennen wird. Wenn mit Anisong (der 
aus Verdiensten fliessenden Gnade) gegeben, erlangen auch Feuer 
und Wasser die Kraft von Almosen. Wenn Tathagata für 
950 Jahre in Neibban eingezogen ist, dann wird Phra-Arunarath 
als König geboren werden." König Aphajakha-Muni überlegte 
bei sich, dass es passend sein würde, seinem Sohne eine Stadt zu 
ertheilen, und als er umherschauend, Satxanalai nur von einer 
Prinzessin verwaltet sah, vermählte er mit ihr, der letzten ihres 
Stammes, den Prinzen Arunaraxakhuman und bestellte ihn als 
den Gouverneur der Stadt Satxanalai , unter dem Namen Phaya 
Ruang. 

Dies ist denn der berühmte König Phra Ruang, dem die 
Einführung der vulgären Aera oder der Chunlosakkharat, die Er- 
findung der Buchstaben und eine Unzahl fabelhafter Thaten zu- 
geschrieben wird, wie besonders in dem Buche Rüang Phra 
Ruang des Weiteren sich erzählt findet. Die hier vorliegende 
Geschichte (die Phongsavadan Myang Nya) , die ihn mit einem 



300 Siam. 

weissen ElephaDten schwarzer Zähne beschenkt, sagt Nichts 
von seineu Differenzen mit Kambodia, aber in .den Chroniken 
dieses Landes erscheint er als ein Rebell , der den schuldigen 
Tribut an Weisser verweigert, worauf in der angeführten Pro- 
phezeiung Buddha's angespielt wird. In den populären Er- 
zählungen der Siauiesen trägt er denselben Charakter, da sie 
sich der unter ihm erworbenen Unabhängigkeit freuen und seit 
der Zeit ihren Namen Thai oder Freie erhalten haben wollen, 
was schon deshalb bedenklich erscheint, weil in der durch Phra 
Kuang tixirten Periode die eigentliche Thai-Ra^e in Sayamphra- 
thet noch gar nicht existirte. Indess wiederholt sich sein Name 
mehrfach, da die Geschichte ihn auch auf spätere Repräsentanten 
überträgt, und von den peguanischen Historikern (in siamesischer 
Uebersetzung) wird er fast wie ein Titel jedem Könige Sukothay's 
beigelegt. Sein Name Phra Ruang oder Phra Rung bezeichnet 
seiue Abstammung von den Drachenschlangen, als Phra Lung, 
wie auch die ausgeschmückten Mittheilungen, die Low über den 
Pilgerort der Nang Rung im Padeng oder rothen Walde erhielt, 
sich auf den Tempel der Drachenprinzessin neben dem Pa fai 
(Feuerwalde) Korat's beziehen werden. EinPhaya Ruang, Sohn 
einer Nakh, wird ziemlich übereinstimmend von den Siamesen als 
König vonSukothay in das Jahr 625 derChunlosakkharat gesetzt 
Da Phra Ruang sich ärgerte , dass seine von allen andern 
Monarchen der Erde adoptirte Chronologie in Veränderung der 
Aera nur von dem Kaiser von China (Krung Chin) nicht an- 
genommen war, so schlug er seinem Bruder Rutthikuman vor, 
eine Expedition gegen denselben zu unternehmen. Andere 
sagen, dass diese gegen Magadha gerichtet gewesen. Im achten 
Jahrhundert führte das Königreich in der Provinz von Shensi 
und seine westlich von Sigam gelegene Hauptstadt im Speeiellen 
den Namen Chin. In einem Zauber -Kahne fuhren die beiden 
Brüder (Phra chao Sayam thang song oug phi nong, die beiden 
siamesischen Fürsten, älterer und jüngerer Bruder) von der Stadt 
Sukothay-Satxanalai ab und wurden von einem Strome reissender 
Schnelligkeit durch das Geschlecht der Nakh vorwärts bewegt 
Der Gott, der die Wolken beherrscht (Phalahok), war durch 



Vorgeschichte der nördlichen Städte. 301 

Magie gefesselt und alle die Übrigen Göttei söhne (Thevabutr) 
zogen in der Begleitung der beiden Könige , die , das Wunder- 
schwert und den siegreichen Bogen Sinaxai tragend, aufrecht im 
Boote standen. Phra Phum und Phra Phai (der Gott der Lüfte) 
Hessen die günstigen Winde wehen , um das Schiff vorwärts zu 
treiben, dasMekala, die hocherfreute Göttin der See, sorgsam 
gegen jeden Unfall schützte. „Als sie nach einem Monat Fahrt 
sich den Küsten China's näherten, da ereignete sich ein sonder- 
bares Naturphänoraen. Ein dicker, dichter Nebel erhob sich, 
Alles einhüllend, so dass weder Sonne noch Mond zu sehen war. 
Den Chinesen gruselte es. Es überlief ihnen eiskalt den Kücken 
und ihr Haar stand zu Berge. In allen Städten China's da war 
nur Zittern und Angst und Furcht und Schrecken. Und der 
Kaiser von China rief die Vornehmsten seiner Edelleute zu- 
sammen und hielt eine Versammlung im Palaste, um über 
diese Sache zu berathen. Und es wurde beschlossen, einen 
Mann, der Kunkeokantjin hiess, nach der Küste zu senden, um 
dort umherzublicken, ob er etwas bemerken könne. Und Kun- 
keokantjin ging nach dem Strande hinab und blickte nach Nor- 
den und in die See hinaus , aber kein Schiflf* war in Sicht. Aber 
siehe, da war ein kleines Boot mit zwei Siamesen darin, das 
dahergetrieben kam. ^ 

Auf seinen Bericht erinnert sich dann der Kaiser China's 
einer Prophezeiung, dass ein Siamese kommen würde, seine 
Tochter zu freien , lässt die l)eiden Brüder ehrenvoll empfangen 
und schickt seinen mit der Prinzessin Paithuudevi vermählten 
Schwiegersohn in einem wohlausgerüsteten Schiff zurück, mit 
500 Chinesen, die bei der Ankunft in Satxaualai doit eine 
Porcellanfabrik einrichten. Auch hatte der Kaiser China's sein 
Siegel (wie eine Tessera) in zwei Hälften zerbrochen und die eine 
seiner Tochter mitgegeben, um ihre Briefe damit zu zeichnen. 
Er würde dann das andere Stück daranpassen , um zu sehen , ob 
sie acht seien. Aus China geschenkte Glasspiegel wurden im 
Palast aufgestellt. Der Ruhm seiner Seefahrten muss zu den 
Malayen gedrungen sein, da Shaher ut Nawi(Noi)den liajah von 
Sumadra (Sumatra) gefaugeu nimmt und ihn in seinem Palaste 



302 SiÄin. 

zu Slam zum Füttern der Hühner verwendet. Nach seiner 
Rückkehr wurde Phra-Ritthi-Kuman mit der Prinzessin Malika- 
Thevi (die vom Bestreuen der Tempelbilder mit Mali-Blumen so 
genannt war) zum Fürsten in Phixai-Xieng-mai durch Phra 
Ruang eingesetzt, der zur Schenkungsurkunde aus seiner Gold- 
Hasche Wasser vergiesst. Da die Lao*) um den Prinzen gebeten 
hatten, so hat sieh seitdem unt^r ihnen die Sitte erhalten, dass 
die Madchen den Antrag stellen (der Uebergang zur Polyandrie 
ihrer nördlichen Nachbarn). Durch seine Kenntniss der Trai- 
phet (drei Vedas) hatte Phra Ruang seinen Körper unverwundbar 
gemacht und in Folge seiner früheren Werke lag Kraft zum 
Lebendigmachen oder Sterben in seinen Worten, so dass, was er 
aussprach, auch geschah. Die (Tcschichte spricht dann von dem 
explodirenden Pulver der Kambodier, das, in Wasser nieder- 
fallend, gefährlich wurde, nennt es aber mit demselben Namen, 
den in der kambodischen Geschichte der Edelmann Dam din 
führt, den der König gegen den aufständischen Phra Ruang aus- 
schickt. Dieser grub sich unter der Erde von Kambodia nach 
Siam durch in gefürchteten Minenarbeiten (wie sie auch die 
Annamiten im chinesischen Kriege nur durch Hexenbeschwörungen 
bekämpfen zu können glaubten) und tauchte in dem Kloster, 



*) Von don Frauen in Xi('n<rmai sagt Grandjcaii» dass sie die Männer an 
Arbeitskraft, Fleiss und Vorstand übertrafen. ..Sie besitzen ein deutliches 
Uebergewicht über die Männer und können sie forttreiben , wenn sie nicht mit 
ihnen zufrieden sind.** De Barros sagt vom siamesisehen Stamm der Laos por 
que em esfas partes as mulheres tem melhor pareeer , qiie os homens dizem alias 
qne as fcmeas sahem as primeiras mai eos niachos ao pai. Kämpfer erwähnt, 
dass sie sich tättowiren , um männlicli zu erscheinen. Benfey erinnert bei den 
Vorrechten, die dieFraueif unter denGaro? besitzen, an das indische Frauenreich 
des Utt.ira- (nördlichen) Pandja. Nach Megasthenes wurden die Pandae von 
einer Königin beherrscht und die Pandn-Hrüder begnügen sich mit einer geroein- 
samen Frau. Die Prinzessinnen von Cabenda können (nach Maxwell) Jeden snr 
Heirath zwingen und schlicssen ihre Manner ebenso eifersüchtig gegen das 
andere Geschlecht ab, wie der König von Dahomey seine tYauen. Bei Einigen 
der Sikh herrscht (nachOrlich) die Sitte, dass mehrere Brüder eine Fran nehmen 
und sie gehören meist zu den Jat mi Pendjab , den Nachkommen der Jitha oder 
Jetha (Jueitschi). 



Vorgeschichte der nordlichen Städte 303 

wohin PhraRuang sich zurückgezogen, aus dem Boden auf, wurde 
aber durch sein Wort in Stein verwandelt (wie die Höflinge in 
Vicramaditya's Palast bei dessen Himmelfahrt). Von einer glück- 
licher ausgefallenen Grubenfahrt erzählte man mir in den Ruinen 
Banon's in Kambodia. Einen gebratenen Fisch, der ihm zu gross 
war, ass PhraRuang nur zur Hälfte*) und warf die andere wieder 
in den Teich, wo sie lustig weiter schwamm , und dieser halbe 
Fisch muss noch Junge gehabt haben, denn er schwimmt 
jetzt in vielen Klosterteichen Siam's und noch mancherlei sonst 
in der Einbildung. Ehe Manggalpur von den Ungläubigen in 
Besitz genommen war, besass das Wasser im Teich von Jivat- 
kunda die Eigenschaft, todte Körper, die hineingeworfen wai-en, 
neu zu beleben. 

Ausser mit Würfeln, liebte Phra Ruang das Spiel mit 
Drachen , das in Siam und China von Alt und Jung mit Leiden- 
schaft getrieben wird. Nachdem er einmal sieben Tage nach 
seiner Art umhergewandert war, ohtie etwas zu essen, liess 
er seinen Drachen steigen, der von der Schnur abriss und 
fortflog bis nach der Stadt Toung-U, von einem Sclaven (Nai-U 
oder Meister U) beherrscht, der durch das Glück, einen weissen 
Affen gefangen zu haben, König wurde. Phra Ruang folgte 
seinem Drachen bis Toungu, wo er ihn oben an der Thurmspitze des 
Palastes hängen sah und in einer Sala (für Wanderer aufgebauten 
Halle) vor dem Stadtthore sich zum Schlaf niederlegte. Bei 
Nacht betrat er den Palast, beglückte im Vorbeigehen die Prin- 
zessin mit einer ehelichen Umarmung und stieg dann zum Thunne, 
ganz aus Eisen gebaut, hin<iuf, um seinen Drachen herabzuholen. 
Der König von Toungu, der dort schlief, erwachte und setzte 
sich im Bett aufrecht. Phra Ruang stieg auf seine Schulter und, 
da er den Drachen noch nicht erreichen konnte , auch auf seineu 
Kopf, und machte so einen Sclaven aus dem König, der nichts 
merkte. Nachdem er den Drachen losgemacht, floh er davon. 

♦) Unter don sonderbaren Dingen im Königreiche Kaiinga (erzahlt der 
Oabistan) war ein Teinpeltoich, worin hineingeworfene Knochen eines Brahmanen 
od^r einer Knh innerhalb eines Jahres zur Hälfte za Stein werden, während 
die andere Hälfte an verändert bleibt. 



304 Siäm. 

Als aber die Prinzessin am nächsten Morgen ihrem Vater von 
der unceremoniösen Visite erzählte, schickte dieser Boten aus, 
die Phra Ruang zurückbrachten. Nachdem der König ihm 
die Eingeweide herausgenommen und in einen kupfernen Kasten 
gelegt h<atte, wurde Phra Kuang, der nicht wusste, wie ihm ge- 
schah, wieder zur Stadt hinausgebracht. Dieser Vorfall wird als 
PhoUakam (Folge begangener Handlungen) erklärt, weil in einer 
früheren Existenz Phra Ruang, als Krähe, den König Yon Tongu 
als Fisch entleibt hatte. „Seit dieser Zeit ist das Land Lao voll 
von Phi*) (Dämonen), die die Eingeweide und Gedärme der 
Menschen fressen.'' Nach Satxanalai zurückkommend, ohne zu 
wissen, dass ihm seine Eingeweide herausgenommen waren, 
hatte Phra Ruang ein, wie es scheint, unbefriedigendes Rendez- 
vous mit den Damen seines Harems und ging dann, um in der 
Fontäne auf dem Markte in der Mitte der Stadt zu baden. Dort 
verschwand er**) und wurde nicht weiter gesehen. Als sein 
Nachfolger in Satxanalai Wurde Phra Suttukuman durch Phaya 
Rütthi, König von Phixai-Xieng-mai, bestätigt. 

Nach Phra Ruaug's Tode-, fügt eine andere Abschrift bei, 
brachen Krieg und Fehden zwischen den Königen aus. Das 
Volk der Xiphraui verschwand allmälig und wurde in Lsiien 
(Krahat) verkehrt. Sünde nahm Uesitz von ihrem Herzen, als 
Soldaten und Miethstruppen nahmen sie die Refehle und Ge- 
schenke der Könige an. Alles entartete ins Schlechtere, Körper- 
grösse und Lebensalter wurden vermindert. Sie verachteten die 
früheren Erinnerungen und behielten nur die Zauberformeln 
(Mondon oder Mantradon) bei , um damit schrecken zu können. 



•) Low nennt einen Stamm der Laos Phi Phob und sagt, dass er als 
)Jämonenbe:>chvvorer nnter den übrigen zerstreut sei , aber Phi Phob sind eben 
die Dämonen , die von den Hexenmeistern ausgeschickt werden ,. um die Ein- 
geweide ihrer Feinde zu fressen. Die Nats heissen Phi , böse Nats Phi hei und 
üott Zo oder Zo Phaya bei den Schan. 

♦♦) Auch die Geschichte Kaschmir's berichtet von ihrem Liebting^konig 
Latitaditya ein wunderbares Ver-ichwiuden : 11 s'est couch6 dans Toc^an ce Joyaa 
du ciel, ainsi disent quelques uns, et d'autres: II est entr^ dans le feu, qu'il s'est 
pn'»paii^, d'iiutres encore: II a passe en entier dans Tautre monde (e. Troyer). 



•*. V « V. * '. 



Vorgeschichte der nördlichen St&dte. 305 



Ihre Häuser verfielen, ihre Geräthschaften verdarben und sie 
vertauschten die Städte mit dem Aufenthalt in den von Elephanten 
und Tigern bewohnten Wäldern. Dann entstand eine Ver- 
schiedenheit der Sprachen und Jeder wurde seines Nachbarn Feind. 

Der Nachfolger Phra Ruang's wurde von dem Edelmann 
Trai-Poph-Narok zu Vorsichtsmassregeln ermahnt, da er Kunde 
von feindlichen Rüstungen in grosser Ausdehnung hatte. Mit 
der Vertheidigung betraut, sandte er zu den acht Hauptstädten 
(huamyang) der Grenzposten, um ihre Befestigungswerke in guten 
Stand zu setzen. Ein nach China geschicktes Kriegsboot kam in 
sieben Monaten nach Satxanalai zurück, ,,denn zu der Zeit 
kam das Seewasser in der Fluth bis nach der Stadt Satxanalai, "^ 
und brachte Waffenschmiede. Phrohmvithi , der auf Lüthirat in 
Xiengmai gefolgt war, sandte die Uülfstruppen aus MyangLakhon, 
Myang Nahn, Myang Xiengmai und Myang Pheh nach Satxanalai, 
das bald darauf von Phrachao Sri Thammatraipidok und seinem 
Uparat (Chao Xieng Sen) belagert wurde. Die Vorhut des 
feindlichen Heeres führten die Phaya Xieng rai und Xieng ru, 
den rechten Flügel die Phaya Xieng ngon und Xieng tung, den 
linken Flügel die Phaya Xieng nan und Xieng fang. Der Frie- 
den wurde vermittelt durch Phra Phuttha Khosa Chan , den Abt 
des Klosters Khao Rang Reng in Sukhothay, auf dessen Zureden 
der König Thammatraipidok sich mit der Hand einer Prinzessin 
begnügte und nach Xieng Sen zurückkehrte, wo ihm zwei Söhne 
geboren wurden (Traisonrat und Chat-kon;. 

König Sri Thammatraipidok wusste durch seine ausgedehnte 
Gelehrsamkeit, die er schon zur Zeit des Buddha Kaukuson durch 
das Studium der Bücher desTraipidok erworben hatte, dass Phra 
Phuttha Chao , nachdem er Almosen aus allen Theilen der Welt 
empfangen , sich unter einen Samo - Baum zurückgezogen , um 
seinen Reis zu essen. Da er es passend dachte , an diesem Orte 
eine Stadt zu gründen, so erliess er königliche Befehle an die 
beiden Beamten Cha Nakrong und Cha*) kan> bun mit dem 

•) Deax oncles de Ten^likhan commandaient aax troupes de Toripiit et de 

rocddent , on les appelait les Cha de la gaache et de la droite nach dem Pien-i- 

tien (s. Julien). 

Bastian, Ottasien. I. 20 



306 öiam 

Mandate, 500 Karren fertig zu machen und sie mit Gutem und 
Waaren zu beladen, um eine Stadt zugrUnden. Die zwei Officiere 
huldigten dem königlichen Befehle und machten sich zum Auf- 
bruche fertig. Sie wurden von Kaufleuten geführt, denen die 
Gegend vertraut war. Von Xieng Sen reisten sie Über die Stadt 
Nahn nach Lilomphon, wo Buddha*s heiliger Fusstapfen sich findet. 
Dann passirten sie den Fluss Taniim oder Menam Tanim und 
kamen in der Richtung des Gebirges Luang nach der Stadt 
(Myang) Savankhaburi. Nachdem sie dort in Phra Phuttha's 
Tempel angebetet, setzten sie über den kleinen Arm (Kue noi) des 
Flusses Trom und langten dann auf der Ebene derbrahmanischen 
Dörfer an, wo einst Phra Phuttha gewandelt war, Almosen 
sammelnd. Von den Dörfern der Brahmanen enthielt das öst- 
liche 500 Häuser, das westliche etwas Über 100. Die Officiere 
Hessen Halt machen und stellten eine Berathung an, die zu der 
Entscheidung führte, dass diese grasreiche Gegend, so eben und 
ruhig, wo sich auf beiden Seiten brahmanische Dörfer fänden, 
wahrscheinlich die von ihrem Könige zum Bau einer Stadt be- 
stimmte sei. Sie befahlen den Kaufleuten, die Wagen nach einer 
Stelle zu treiben, die zum Aufsehlagen eines Lagers geeignet sei, 
und errichteten zunächst das Dorf Xaphorat. Dort wurden von 
den Dienern Nakrong's Ziegel verfertigt. Die Soldaten Kan- 
bun's wohnten im Dorfe Xapho-Phrahm. Die Officiere schickten 
Schreiben in die Dörfer an die Aeltesten, dass sie ihnen 1000 
ihrer Leute senden möchten , um ihre eigenen tausend bei der 
Arbeit zu unterstützen, und das Werk wurde dann in drei Theile 
vertheilt, unter die Brahmanen, die Thay und die Lao. 

Zur Weihe wurden die Xapho-Phrahman gerufen, um die reli- 
giösen Festlichkeiten anzuordnen, die Fasten und Speisevorschrif- 
teu zu regeln und Schauspiele aufzuführen. Dann banden sie das 
Haupthaar in einen Knoten, stiegen hinauf auf die Seile und 
tanzten zu Ehren Phra-Insuen's. Darauf trat ein Edelmann vor, 
um den Platz der Stadt zu bezeichnen. Und die Brahmanen 
umzogen ihn mit Schnüren, das Weichbild zu umgrenzen, und 
mit der Messruthe theilteu sie den Boden. Dabei wurden dann 
verschiedene Quartiere für die Brahmanen, Thay und Lao an- 



Vorgeschichte der nördlichen Städte. 307 

gewiesen und unter umständlichen Zeitbestimmungen der gün- 
stigen Constellationen die Reliquien der beiden Mahathen, Phra- 
Ubali - Then - Chao und Phra-Kirimanon, die dort ins Niphan 
eingegangen, niedergelegt. Nakrong baute an der West- , Kan- 
bun an der Ostseite und nachdem sie die brahmanischen Dörfer 
an diesem früher Arangavasi genannten Orte mit einer Mauer 
umgeben und durch Ankömmlinge aus der Stadt Riyaphunxai 
bevölkert hatten , kehrten sie mit ihren 500 Karren nach Xieng 
Sen zurück, den Brahmanen einschärfend, die Stadt während 
ihrer Abwesenheit gut zu hüten. Der König, hocherfreut über 
den abgestatteten Bericht, zog in Pomp mit einem grossen 
Heere , dessen Vorhut die zu hohem Range avancirten Officiere 
der Exploration leiteten, nach der neuen Stadt, die , weil er nach 
der Erklärung der Brahmanen unter der Constellation Phitsanu 
dort angekommen, Phitsanulok genannt wurde , sonst aber auch 
Okhaburi oder Ghantabun heisst. Chantabun wird jetzt nur als 
Name der südlichen Hafenstadt gebraucht, aber die kambodische 
Geschichte nennt den von Phaya Krek nach Viengchan ver- 
triebenen König zuweilen Phaya Chantabun (den Fürst von 
Ghantabun), als jener sich in Mahanakhon niederliess und die 
Ghunlosakkharat einrichtete. Nach dem Bauen verschiedener 
Klöster wollte der König Traipidok ein grosses Bild Buddha's 
(Phra-Xinarat oder Jina) verfertigen lassen, aber der Guss miss- 
glückte beständig und die Werkleute konnten nicht damit zu 
Stande kommen, bis Phra In in der Gestalt eines weissgekleideten 
Greises sich von drei zu drei Tagen unter sie mischte , aber das 
letzte Mal an dem Dreizack auf seiner Stirn erkannt wurde. Er 
war den Arbeitern schon aufgefallen, weil er weder Wasser 
trank, noch Reis ass und nie mit den Augen blinkte , als kühnen 
und furchtlosen Sinnes. Als der König davon hörte , befahl er 
einigen Edelleuten, die Sache zu erforschen. Sie folgten ihm 
bis in die Mitte der Strasse , wo er plötzlich verschwand , und 
dort wurde zum Zeichen* ein Pfeiler aufgepflanzt. Nach de Barros 
fand sieh ein durch seine Grösse ausgezeichnetes Bild en hum 
templo da Cidade Socotay , que elles dizem ser a mais antiga do 
Reino. Pinto spricht von einer Eroberung der Stadt Sorocotao, wo- 



308 Siain. 

bei 500,000 Menschen umgekommen und eine Menge Gk^tzen- 
bilder fortgeführt wurden, die er in dem Tempel Manicafarao sah. 
Die Priester erzählten ihm , dass in einer Schlacht zwischen dem 
n Santo Calaminha ''y Xixivarom Meleutay genannt, und dem „ Siam- 
mon Emperador", der Quiay Nivandel auf einem hölzernen Sessel 
sitzend erschienen sei und dem Erstem den Sieg gegeben habe, 
und dass er seitdem immer als Kriegsgott angerufen worden, 
unter dem Namen Quiay Nivandel des campo Vitau y^mss hon- 
roso, que todas os outras deoses dos Moes e Siöes.*" 

Nachdem sein mit der Prinzessin von Satxanaiai vermählter 
Sohn Kraison inLophaburi gekrönt war, kehrte König Traipidok, 
aus dessen Fusstritten Gold und Silber auf der Erde sprossten, 
nach Xieng Sen zurück und setzte als Fürst von Xiengrai seinen 
Sohn Xatsakon ein , der ihn bei seinem Tode auf dem Thron von 
Xieng Sen ersetzte, im Jahre 1300 der Phutthasakkharat Nach 
sieben Generationen starb die königliche Dynastie aus und das 
Reich ging zu Grunde in, Folge der Kriege mit den Laos. 



Traditionelle Erzähloogen aus den KönigsbUchern. 

In Phra Raang yerknttpft sich die siamesische Greschichte 
mit der kambodischen , und die Thay lassen sich gern des wei- 
teren ttber diese Periode ihrer erworbenen Unabhängigkeit aus. 
Als man 1500 Jahre in der Phra Phuttha-Sakkharat zählte , war 
der Phaya Roi-et der Beamte, um den Tribut an Honig in Phi- 
lalai einzusammeln, und der Nai Khongkrao der Aufseher ttber 
den Tribut an Trinkwasser, das einmal in drei Jahren von Lavo 
nach der Stadt Eamphuxathibodi geschafft werden musste. Er 
hatte 300 Mann unter seinem Befehl , um die Schleusen des Tei- 
ches Xupakhon in Ordnung zu halten und 101 Böte immer fertig. 
Bei seinem Tode fiel die Stelle an seinen Sohn Nai Ruang, der 
sich in einer frttheren Existenz durch Darbringung der acht er- 
laubten Getränke an Buddha Gonagon so grosses Verdienst er- 
worben, dass jedes ausgesprochene Wort von ihm zurThat wurde 
(gleich des Prajapati's, der mitBhuh die Erde schafft). Auch der 
heilige Vijayanarayan war mit der „authority of speech'' (Bakya 
Siddhi) begabt. Als der Knabe Ruang einst auf der Heimfahrt 
nach Hause gegen den Strom anrudern musste und im Selbstge- 
spräch den Wunsch laut werden Hess, dass das Wasser doch 
lieber nach der andern Seite fliessen möchte, geschah es so augen- 
blicklich und er wurde von selbst zurückgebracht. Er wunderte 
sich , schwieg aber davon und theilte es Niemand mit. 

Nachdem die schuldigen drei Jahre des Tributes verflossen 
waren, rttstete der Agent der Regierung 500 Karren aus, von denen 
jeder 25 Krüge hielt, und zog mit einer Bedeckung von 100 Leu- 
ten nach dem See. Dort angekommen, machten sie Halt und 



310 SiÄm. 

sahen sich nach den Aufsehern um, damit sie die Schleusen des 
Wasservorrathes öfifneten. Sie erkundigten sich bei den An- 
wohnern und erfuhren, dass Nai Buang jetzt nach seines Vaters 
Tode damit betraut sei. Dieser auch, durch Vorübergehende von 
der Ankunft des Inspectors unterrichtet, begab sich zu ihm. Als 
er die Karren sah , bemerkte er , die Wasserkrtige wären wohl 
ziemlich schwer, es wttrde besser gewesen sein, Körbe gebracht 
zu haben. „Wie, sagte der Inspector, würden Körbe in ihren 
Löchern Wasser halten können? ^ Nai Ruang erwiederte: »Ich 
fürchte überhaupt, dass es das nächste Mal kein Wasser mehr für 
euch geben wird. Für diesmal mag es noch sein. Ihr mögt 
dann gleich seiner Majestät, dem König berichten. *" Der Inspec- 
tor begann sich zu fürchten , und um den rauhen Aufseher nicht 
noch mehr zu erzürnen , liess er nach seinem Verlangen Körbe 
flechten, 25 für jeden Karren. Als alle fertig waren, wurden 
die Schleusen geöiinet, und als man die Körbe in das Wasser 
tauchte , zog man sie gefüllt heraus. Der Herr Inspector fühlte 
unheimlich, er liess das Geschäft beeilen und entfernte sich 
so rasch wie möglich von dem gespenstischen Ort Als sie 
für das Nachtquartier am Zollhause ankamen , waren die Steuer- 
beamten ungläubig und meinten, wie Körbe*) Wasser halten 
könnten; als sie aber nachsahen, fanden sie alle gefüllt Da 
brachen sie in Staunen aus und Alle verwunderten sich über die- 
sen Mann Nai Ruang. In dem Steueramte wurde aber der ganze 
Bericht in allen Einzelheiten aufgezeichnet und in den Archiven 
niedergelegt Davon heisst das Zollhaus Phra Charük (das der 
Notirungen). Als sie des Weges von Tük-xo weiter zogen , ver- 
breitete sich durch alle Städte das Gerücht ihrer sonderbaren La- 
dung, und bei det Ankunft in Kamphuxathibodi liess Phra Pathom- 
masurivong den Inspector zu sich fordern, um ihm genaue Rechen- 
schaft abzulegen. Als der König Alles im Einzelnen gehört hatte, 
wurde ihm schwach um's Herz und er dachte : „ Ob das am Ende 
der Verdienstvolle ist ? ** Er gebot dann seinen Ministem, dass dieser 



♦) Die aus Thatang^ stammenden Pagodesclaven des Schweridong bei Pagan 
sind berühmt , Trinkbecher aus Körben zu flechten. 




TrmditioDelle Erzählungen aus den Königsbficheni. 311 

Nai Ruang ergriffen und getödtet werden müsste , und sie rüste- 
ten ein Heer aus unter dem Befehle des Grenerals Dam-din-Baxa. 
Als Ruang von dessen Anzüge hörte , flüchtete er erst nach Phi- 
chit und dann nach Sukhothay, wo er auf seinen Wunsch und 
durch freiwillige Contributionen der Bürger von dem Abt des Klo- 
sters als Priester geweiht wurde und nun den Namen Phra Ruang 
erhielt. Als Phaya dexo khom dam din , nach Lavo kommend, 
sich nach Ruang erkundigte , hörte er von den Dorfbewohnern, 
dass er nach den nördlichen Städten hinaufgegangen sei. Der 
Khom grub sich durch die Erde nach Savankhalok hin und fragte, 
ob Ruang dort aus dem Süden angekommen sei. Die Leute er- 
wiederten , wie sie nur gerüchtsweise gehört hätten , dass Ruang 
sich inSukhothay befinde undBhikkhu geworden sei. Der Khom 
grub sich wieder in die Erde ein und stiess aus dem Boden her- 
vor, gerade in der Mitte des Vat (Klosters) , wo Phra Ruang eben 
den Hof fegte. Dam din fragte ihn : „ Wo ist Phra Ruang ? *" 
Phra Ruang erwiederte: „Bleib da, bis er kömmt, ^ und so ist 
er noch heute dageblieben , in Stein verwandelt. Als im Jahre 
1502 der König von Sukhothay starb, schied Phra Ruang , auf 
Bitten des Adels und Volkes, aus der Priesterschaft aus , damit 
er zum König gewählt werden konnte. Dann wurde Siam ein 
für sich selbst bestehendes Land , wie der Mahavanso das Wort 
Siamadesa erklärt. Siam oder Shyan ist aber der Name , den die 
Birmanen den Laos geben , die Siamesen als Schan von Yuthia 
unterscheidend. Turpin sagt, dass in der Sprache der Peguer 
Siam frei bedeute. Im Lande selbst wird die Erklärung frei dem 
Ba^- Namen Thay untergelegt, während Sayam - prathet (das 
Drei-Land) das Gebiet bezeichnet, das die vom Königsberge kom- 
menden Laos besetzten. 

Nach denKambodiem hatte Phra Ruang die Frechheit gehabt, 
mit einem Heere auf seinen frühem Herrn loszurücken, aber Phra 
Pathommasurivong, von den Stadtmauern schauend, habe seine 
Truppen alle dem Boden gleich gemacht, indemnochjetztSiemrab 
genannten District. Später habe er aus Mitleid befohlen , dem 
allein übrig gebliebenen Phra Ruang die Thore zu öffnen , ihm 
gute Ermahnungen gegeben und dann zurückgeschickt. Bei der 



312 8J*m. 

Eifersucht y die Phra Narai in Ramerat wegen der vierhändigen 
Erscheinung eines Namensvetters in Siani fühlte, wird er eben- 
falls der Absendung eines Dam din genannten Hexenmeisters be- 
schuldigt, der sich unter der Erde hindurch grub und beim Hügel 
Nophburi's wieder an die Oberfläche hinaufarbeitete, aber in Stein 
verwandelt wurde , als er halb heraus war. Von diesem Unglttck 
hörend, schickte Phra Narai die verlangten Götterbilder. Die 
von Ramisserat abgesegelten Schiffe der Brahmanen wurden 
durch Sturm zerstreut, und das Phra Uma führende trieb nach 
Kamphuxa, wogegen Phra Narai und Phra Insuen nach Ligor. 
Von dort kamen sie später nach Siam (vielleicht in der Colo- 
nie Birmanen , die Brugi^re zur Erbauung Ayuthia's aus Ligor 
holt). Eben dahin sandte Phra Ruang (700 Jahre nach Buddha), 
um das in Ceylon verfertigte Buddhabild, Phra Sihing, zu erhal- 
ten, das (obwohl von Metall) stromaufwärts schwamm« Auch 
soll Ramathibodi, der als kambodischer König in Ayuthia herrschte 
(zu einer Zeit, wo nur Sukhothay von Kambodia unabhängig 
war), Gesandte an den König von Oudia in Hindostan geschickt 
haben , um Brahmanen mit den drei Veda's zu erhalten. Eine 
siamesische Gesandtschaft, die nach Ceylon für religiöse Bücher 
geschickt wird , erwähnt Marsden aus dem Jahre 950 p. d. , und 
brahmanische Bücher sollen 611 p. d. nach Kambodia gekommen 
sein , vielleicht zu den traditionellen Büchern der Laos Kadilok 
gehörend , woraus Low folgern will , dass die Laos Sabäer ge* 
wesen. In der altem Geschichte Siam's werden besonders iwtt 
Ramathibodi erwähnt, und in der spätem noch mehr. Von JeneA 
regierte der in derPhongsavadan myang nya erwähnte inSuUio* 
thay, der andere in Ayuthia. Da ein anderer Commentator hin- 
zufügt, dass der in Sukhothay regierende Ramathibodi früher ein 
Chao Phaya Kalahom (Minister) gewesen , rebellirt und sich un- 
abhängig gemacht habe , so fällt er mit Phra Ruang zusammen. 
Der brahmanische Phra Ruang, unter dem Titel RamaThibodi und 
Phra Ruang der Lawa, als aus dem Xat Lawa (Geschlecht der 
Lawa) stammend , finden sich vereinigt in der Mythe über König 
Natheya kala voranaditsa, dem Sohn des Phaya Kakkhabat, der 
aus seiner Residenz Takkhasinla Maha-Nakhon ein Heer von 



V 



Traditionelle Erzählungen au? den K^nlgabfichern. 318 

Brahmanen abschickte , um Lavo oder Lawa-rata (die Stadt der 
Lawas) zu gründen und dort aus Savannaburi* geholte Reliquien 
niederlegte (1003 p. d.). Der Name Phrahmana (Brahmanen) 
meint hier wahrscheinlich , wie oft in den indochinesischen Dar- 
stellungen, Phama (Birmanen). Die am meisten durch die Ge- 
genwart Phra Riiang's begünstigte Stadt ist aber Sukhothay oder 
Sacathay (wie Sacadwipa am Jaxartes). Der König der dort ge- 
fundenen Stein-Inschriften führt den Namen Kamkamheng. 

Zur Zeit, als Phra Ruang in Sukhothay auf den Thron er- 
hoben wurde (im Jahre 1502 derAeraBuddha's), hob Srichantha- 
rathibodi Truppen aus und zog nach der Stadt Savadi , von wo 
er den kostbaren Glasbecher und den Traipidok mit sich fort- 
nahm. Zur Stadt Xa Xieng luang kommend, holte er den 
schwarzen Zahn des weissen Elephanten, mit Phra Ruang's Bild 
darauf geschnitzt, wie es aus der alten Zeit von Phrachao Aru- 
narath herstammte , dann den Zahn der grossen Schlange und 
auch den Phra Traipidok nebst den heiligen Reliquien Buddha's, 
die in einem mit Kalk fest versicherten Steingehäuse für 120 
Jahre aufbewahrt dort gelegen hatten. Bei dem Tode des Königs 
fiel die Regierung an Phra Maha-Phuttha-Sakhon aus königlichem 
Geschlecht, der an den Ufern des See's Sano (Sumpf-Pflanzen) 
lebte , damals Vat döm (das alte Kloster) genannt. In jenen Ta- 
gen lebte ein Maha-Thero (ein Hoherpriester) , der sich von dem 
alten Stamme Phra Ramatheph's ableitete. Dieser war in den 
Besitz einer grossen Menge heiliger Reliquien gelangt , 650 an 
Zahl, und hatte ausserdem zwei Schösslinge des heiligen Pipul- 
Baames erlangt. Als er aus Langkha-Singhon (Ceylon) zum 
König Phuttha-Sakhon in Savadi kam, nahm er den Riss des 
Vat Praxetavaranam und baute einen gleichen in Ho, in der 
Nähe des Quartiers Phan , vor den Thoren der Stadt Kampheng- 
phet. Dieses Kloster (Vat) wurde Sanghanavat genannt. Dann 
setzte er den grossen und heiligen Bodhi-Baum in einen Eimer aus 
reinem Gold und trug ihn nach dem SeeNakleh, neben dem Klo- 
ster Semapaknam , um ihn dort zu pflanzen. Dann lud er die 
heiligen Reliquien höchster Zuflucht ein, sich dort niederzulassen, 
und das Kloster wurde Phra Srimaha-Phot-Langkha (der Vat des 



314 

grossen und heiligen Bodhi - Baumes aas Langkba) genannt 
Dann scbloss er einige Reliquien in Pagoden (Phra-ehedi) 
ein 9 einige in grossen Bildern Buddha's (Fhraphuttha-Rab), an- 
dere in hohen: Phra-Prangk (Eegelthiinnen in der Form des 
Linga) , alles zusammen zwölf Sttick. Andere 36 Reliquien legte 
er in der Statue eines schlafenden Buddha (Phra-Phutthi-saiyel) 
im Kloster Pamokba nieder, ebenso 36 Reliquien in dem Bilde 
des Phra-Palelai ausserhalb der Stadt Phannathummaburi, femer 
36 Reliquien in dem Phra-Prangk desVat döm in derStadtNong- 
Sanoh oder dem See (Nong) dejr Sump^flanzen (oder der könig^ 
liehe See) und femer 36 Reliquien unter den heiligen Fusstapfen 
(Phra-Phutthi-bath). In der Höhle des Berges bei der Stadt Na- 
khonsavan wurden 36 Reliquien deponirt, in der Höhle Kuth- 
khasavan und auf dem SteinhUgel auf dem Platze der Stadt Su- 
khothay gleichfalls 36 Reliquien, andere 36 auf dem Berge 
Thumkeoh , andere 36 in dem königlichen Sitz Xongkeoh , dam 
30 Reliquien in der Pagode des Yat Natharam und 30 Reliquien 
in Phramahathat: dies waren drei Klöster in der Stadt Phitsanu- 
lok. Nachdem der König 93 Jahre regiert hatte , starb er. 

Im Jahre 336 der Chunlosakkharat regierte PhayaKhotama- 
thevarat in Yat döm für 30 Jahre und bei seinem Tode bestieg 
sein Sohn Phaya Khotapong den Thron. Er ftthrte das Scepter 
mit grosser Macht und glanzvoller Majestät, bis ihm die Hora 
prophezeiten, dass in Kurzem in seiner Stadt der Verdienstvolle ge- 
boren werden würde. Obwohl er alle Säuglinge verbrennen lieii^ 
entkam doch der Verheissene durch Hülfe der Thepharak und ?rardA 
nur am Körper verkrümmt. Durch Phra-In geheilt, bestieg erdei 
erledigten Thron als Phra Chao-Sinthop-Amarin (t^haya Erek). 

Die Chronologie ist hier, wie gewöhnlich, im höchsten Grade 
verwirrt. Sie rechnet erst nach der Buddhasakkharat, und 
lässt den zweiten PhraRuang, der im vorliegenden Falle deuttich 
von dem ersten oder Phrachao Arunarath (dem Sohne des Dra- 
chen oder der Schlange) unterschieden wird, im 1500. Jahre 
derselben in Sukhothay zum Könige erwählt werden. Dann aber 
soll wieder später, als der Nachfolger eines gleichzeitigen Königs 
Phaya Khotamathevarat im Jahr 336 der Chunlosakkharat regiert 



Traditionelle Erzählungen aus den KönigsbUchem. 315 

haben. Sollte man die aracaniscbe Zeitrechnung für Buddha's 
Todesjahr, die, obwohl jetzt ungebräuchlich, früher allerdings auf 
der Halbinsel nicht unbekannt gewesen zu sein scheint, zulassen, 
so könnten sich die beiden Aera's ziemlich vereinigen, aber dann 
würde das von der Stadt Savadi erzählte Ereigniss aus der Stelle 
gerückt, während es sich nach der gewöhnlichen ungefähr mit 
der Fortführung des Traipidok durch den König Pagau's aus Tha- 
tang oder Sathöm, welche Stadt ebenfalls, wie Hongsawaddi, 
Savadi genannt wird , vereinigen Hesse. Doch herrscht die auch 
in der birmanischen Geschichte bemerkbare Verwirrung, dass 
die friedliche Sendung König Noatasa's , um gelehrte Männer zu 
erhalten, mit der Eroberung und gewaltsamen Fortführung König 
Narapadisethu's zusammengeworfen wird , da diesem in der pe- 
guanischen Geschichte ein König Phra Ruang in Sukhothay 
gleichzeitig ist. In der Chunlosakkharat werden verschiedene 
Cyklen unterschieden. Deutlich scheint indess angenommen 
zu sein, dass die runde Summe von 500 Jahren die beiden 
Phra Ruang trenne, da der erste in das Jahr 1000 der Phut- 
thasakkharat gesetzt wird. Solche Zahlen werden stereotyp, 
wie die Chinesen von der Einführung des Buddhabildes unter 
Kaiser Mingti zurückrechnen, da die Prophezeiung dieses Er- 
eigniss auf 1000 Jahre nach dem Nirwana bestimmt hatte. Die 
Siamesen haben noch eine dritte Manier, die Phutthasakkharat 
zu rechnen , als ob sie den spätem Buddha kennten , den Hamil- 
ton ungefähr um Christi Geburt ansetzt, aber bis zur Gründung 
von Salivahana's Aera Spielraum erlaubt, wenn sie Buddhagosa 
um 236 nach Buddha geboren werden lassen und ihm so 386 seine 
birmanische Sendung ermöglichen. Einen königlichen See, Nong- 
Sanoh , den die Siamesen auch als See der Sumpfpflanzen über- 
setzen, habe ich in dem Ruinenlande Kambodia's auf meinem Wege 
angetroffen, und der erwähnte Vat döm (das alte Kloster) könnte 
der nahegelegene Tempel Phra-Keoh sein , dessen archaistische 
Architectur ihn zu dem ältesten der dortigen Denkmäler zu stem- 
peln scheint. Gewöhnlich indess verstehen die Siamesen unter 
dem Nong-Sanoh die sumpfige Umgebung Ayuthia's, und mitunter 
auch einen See bei Lophburi , so dass es als ein allgemein ange- 



316 S»»«- 

wendeter Name schwer zu localisiren sein wird. Ausserdem 
wird Tum-keoh erwähnt, was, wenn nicht emporschwellendes 
Kleinod , das grosse Kleinod bedeutet , wie Phra-Keoh das gött- 
liche Kleinod. Indem nach dem Tode jenes Eroberer-Königs 
nur gesagt wird, dass der König, der darauf in Vat dorn ge* 
herrscht, aus einem königlichen Geschlecht hergestammt habe, 
ohne aber ihn in Beziehung zu dem vorigen zu setzen , so mag 
das unterworfene Kambodia damit wieder selbständig geworden 
sein, obwohl gerade diese Zeit seiner Schwäche den westlichen 
Provinzen, die jetzt Siam bilden, die gewünschte Gelegenheit 
gab , sich ihre eigene Unabhängigkeit zu erwerben. Vat döm, 
was nur das alte Kloster heisst, ist ein bei vielen Gelegenheiten 
gebrauchter Name. 

Im Jahre 215 der Chunlosakkharat, im Jahre des Hasen, 
dem fünften des Cyclus (dem Jahre 220 , im Jahre des Pferdes, 
dem letzten des Cyclus), trat Phrachao Chantaxat mit Chao fa 
Pattima suda duang chan die Regierung der Stadt Lavo an , und 
sie wurden bei ihrer Ankunft durch Chaofa Keoh Phraphan , die 
Schwägerin Chantaxat's, begleitet. Als er das von ihm erbaute Klo- 
ster Kudithong (goldene Zelle) dem heiligen Lehrer übergab, er- 
baute die Königin das Kloster Khongkhavihan. 

Im 220. (245.) Jahre der Chunlosakkharat regierte in der 
Stadt Sathöm der König Phrachao Anonthamongxa, der im 12. Mo- 
nate an seine Edlen Befehle erliess, Truppen auszuheben, um die 
Stadt Lavo zu erobern. Ein Heer von 1 0000 Elephanten, 5000 Rei- 
tern und 1 00,000 Fusssoldaten wurde ausgerüstet, dessen Vorhat 
von Phaya Röngchittang geführt wurde. Auf dem rechten Flü- 
gel commandirte Nonthakjoxu und auf dem linken Nonthakiyo- 
thang. Die Reserve stand unter Poricharam. Der in einem 
günstigen Momente der Constellationen von seiner Hauptstadt 
aufgebrochene König erreichte in 39 Tagen die Stadt Lavo. Da 
der König den Belagernden keine kriegserfahrenen Truppen ent- 
gegenzusetzen hatte, sandte er die Prinzessin Chaofa Keoh Phra- 
phan (die himmlische Prinzessin im Sohmueke lieblichen Ant- 
litzes) in goldenem Palankine und reichem Gefolge ihrer Eären- 
damen in das feindliche Lager , um sie als Band der Freund- 



k 



Traditionelle Krzählnngen aus den Königsbüchern. 317 

Schaft dem König von Sathöm anzubieten. Dieser, von ihrer 
Schönheit bezaubert/ nahm sie mit sich nach seiner Hauptstadt 
zurück, und seitdem blieben die Städte Lavo und Sathöm verbün- 
det, im freundlichen Austausch von Gesandtschaften. 

Der in'Sathöm geborene Prinz, Phra Naret genannt, wurde 
von seinem Vetter aus Lavo, Pbra Narai (Sohn der Königin Chao- 
fa Pattimarukhaduangchan) besucht, entfernte sich aber nach 
einem ausgebrochenen Zwist über das Reiten eines Pferdes. Der 
König hatte eines Tages , als er durch eine Gallerie gehend , im 
Hofe die beiden Vettern Ball spielen sah , das Gefährliche seines 
Verwandten , der sich oft mit vier Armen zeigte , vorauserkannt, 
konnte aber nicht seine Flucht, wobei er viele Mon mit sich fort- 
führte, verhindern. Als sein Sohn um die Erlaubniss, ihn zu ver- 
folgen, bat, zögerte er dieselbe zuzugestehen und gab nur auf 
mehrfaches Bitten nach. Als dieser den Flüchtling auf seinem Ele- 
phanten eingeholt hatte, hob er den schweren Eisenball, mit dem 
er als Kind gespielt, um ihn anNarai'sKopf zu werfen. Da jener 
ihm aber lächelnd bemerkte, er sei jetzt zu alt für kindische 
Spiele, wandte er beschämt seinen Elephanten um und kehrte 
zurück (278 Ch. S.). Die weggeführten Mon wurden in Bang 
Tham und Bang Khum, Vorstädten Lavo's, angesiedelt im Jahre 
231 (278) der Chunlosakkharat. Seitdem war die Freundschaft 
der Städte Lavo und Sathöm abgebrochen. Als Phrachao Chan- 
taxat nach einer Regierung von 27 Jahren starb, bestieg im Jahre 
242 (289) der Ch. S. Phra Narai den Thron. Als Phra Naret mit 
einer zahlreichen Armee zur Eroberung Lavo's herbeigekommen 
und hörte, dass sein ihm überlegener Vetter den Thron bestiegen, 
erschrack er und gab vor, nur wegen eines Wettstreites im Pa- 
godebau sich herbemüht zu haben. Da nach mehrtägigem Bau 
Narai sah, dass er nicht gleichen Schritt mit den zahlreichen Ar- 
beitern seines Feindes halten konnte , setzte er den Rest der Pa- 
gode durch leichtes Fach werk hinzu, und Naret, der sie fertig 
glaubte, entfernte sich heimlich, die Pagode Phu kao thong (den 
€k>ldberg) zurücklassend. Narai verwandelte die seine in das 
Kloster Jai-xai-mongkhon (die Pracht des glorreichen Sieges). 
Nachdem Narai einen Phra Prangk in Lavo gebaut, nannte er die 



318 Siam. 

Stadt MUangmai (die neue Stadt), und davon kommt der Name 
Lophburi (Noyburi, die Neustadt). Seit der Zeit war LfOpbbari 
eine Residenz. Beim Tode Narai's verfiel die Stadt und blieb 
öde liegen in Verwüstung. Neun Edelleute fochten um den Tbron 
und das Blut stand so hoch in den Strassen , dass es bis zu den 
Sätteln der Elephanten reichte. Nach zwölf Jahren, im Jahre 311 
(301) der Chunlosakkharat, gelang es Phra ChaoLuang sich des 
Thrones zu bemächtigen. Er stellte Ordnung her und regulirte 
den Tarif der Marktpreise. Der Palast wurde in ein Kloster ve^ 
wandelt und Vat dorn genannt, da er seine Residenz nach einer 
neuen Stadt verlegte. Bei seinem Tode im Jahre 372 (383) der 
Chunlosakkharat war das königliche Geschlecht ausgestorben 
und die Hofastrologen beschlossen daher, das Augurium des 
Thrones im Schwanenboote zu versuchen. 

Diese ganze Darstellung, die allerdings in der offieiellen 
Geschichte fehlt, giebt die wildeste Verwirrung nicht nur von 
Mythe und Geschichte, sondern auch von geschichtlichen Personen 
miteinander, und hat natürlich nicht den mindesten Werth, aus- 
genommen um zu zeigen, wie die Volkssage mit historischen 
Figuren spielt. Phra Naret ist der allerdings in Pegu erzogene 
König Siam's, der durch seine Eroberungskriege das Landauf 
die höchste Stufe der Macht erhob, -der hier aber in einer unter- 
geordneten Stellung dem in Lavo residirenden Usurpator Nani 
gegenüber herabgedrlickt ist, Falco's Beschtltzery von dem es 
freilich auch in der autorisirten Version heisst, dass er mitunter 
so erschienen sei , als ob er vier Arme besitze , vielleicht durch 
denselben Kunstgriff, wie sich der assamesische Priester zu 
einem achthändigen machte. In den Kriegen mit Hong^waddi 
wird Naret gewöhnlich mit seinem Bruder, der ihm später ak 
Ekathotsarot folgt, zusammen genannt und das Brüderpaar als 
Naret-Narai bezeichnet. Als unter den stürmischen Kriegen innerer 
Fehden das vorher reiche und glänzende Lavo verödete, und bald 
die birmanische Eroberung das Königreich Siam ganz und gar 
vernichtete, knUpften sich fortgesetzte Märchen an in dem Sueben 
und Finden neuer Könige, und die Phantasie, die, je weiter sie 
sich von dem festen Boden ablöste, einen um so ungehinderteren 



Traditionelle Erzählung^en aus den Konigsbfichern. 319 

Spielraum vor sich sah , wurde immer ungescheuter und kühner 
in der Benutzung desselben , so dass sie zuletzt selbst noch in 
neuerer Zeit China zum zweiten Mal durch einen König Siam's 
erobern lässt.* Wenn sich der Verfasser bei der Chronologie über- 
haupt etwas gedacht hat, was sehr zu bezweifeln steht, da er ge- 
wöhnlich zwei Jahre neben einander nennt, in ganz willkürlichen 
Verhältnissen, so müsste sie sieh auf die von einem spätem Könige 
Siam's versuchte, aber missglückte Aenderung der Aera beziehen. 
Historischer Sinn zeichnet freilich die Buddhisten wenigstens in 
solchen Werken , die auf Autorität Anspruch machen , vor den 
Brahmanen aus, die offen eingestanden, Königslisten je nach dem 
Bedürfhiss auszufüllen und es auf Mackenzie's Wunsch gethan 
haben, ist aber auch bei ihnen noch immer schlecht genug bestellt. 
Eine beliebte Romanze der Siamesen , die man vielfach singen 
hört, beklagt den durch Liebesintriguen verursachten Treubruch 
der vorher unzertrennlichen Freunde Khun Pen und KhunXang, 
von denen der erste ein berühmter Feldherr gewesen und Xieng- 
mai mit allen Laosländem seinem Vaterlande erobert habe. Da ich 
mich wunderte, in der Geschichte nichts darüber zu finden und 
meinen Munschi darum befragte, erwiederte dieser, dass Khun 
Pen's Name in den Annalen nicht aufgenommen sei, da er bei seiner 
Rückkehr den König ermordet habe und so den Edelleuten ein 
schlechtes Beispiel geben möchte. Jedenfalls ein sonderbares 
Motiv, da jede Seite der Chroniken mit Mord und Hochverrath 
gefüllt ist. 

Ueber die wie Krischna's Gottheit schon in den Windeln 
äffende Vierhändigkeit berichten auch die Chronikbücher Ayu- 
thias: Im Jahre 994 träumte der König, dass Phra Amarin- 
tharat herabgekommen wäre, Festlichkeiten anzuordnen, und 
nachdem der Hora nächsten Tages seine Beobachtungen ange- 
stellt hatte, wurde ein Sohn geboren, der zuerst so erschien, als 
ob er vier Arme habe, sich aber nachher in seiner natürlichen Ge- 
stalt zeigte. Er e'rhielt den Namen Chao-Phra-Naraxarat-Kuman 
oder Phra Narai. Der König Hess danials einen See ausgraben 
in der lieblichen Umgebung des Dorfes Kahomat und erbaute 
dort Zellen zu Rasteplätzen. Diese waren anfangs offen, als aber 



320 Siam. 

einst ein junger Sama-nen (Priester), der sein Nachtlager in einer 
aufgesehlagen hatte , bemerkte , dass man von Tigern gefressen 
werden könnte, wurden Balken wände hinzugeftlgt, und seitdem 
hiess diese Zelle Sala Chao Nen oder die Halle des Herren No- 
vizen. Im Jahre 998 Hess der König auf einer Pilgerfahrt die 
Thevasathan (Engelhäuser) des Phra Insuen (Siva) und Phra Narai 
(Vischnu) zerstören, worauf er ein Vihan( Kloster) baute. Als d^ 
König die Festlichkeiten besuchte, Hess er den jungen Prinzen 
Phra Narai, der damals fünf Jahre alt war, zurück, weil er etwas 
unpässlich war. Derselbe lief die Treppen hinauf, um zu spielen, 
und obwohl ihm sein Erzieher einen Schirm anbot, weil es regnete, 
wollte er doch keinen nehmen. Als er gerade neben einer Säule 
stand, kam ein Donnerkeil herabgefahren und spaltete die Säule 
in zwei Stücke , aber Phra Narai blieb unverletzt und er lachte 
seinen Erzieher aus, weil er sich fürchtete. Der König Hess grosse 
Festlichkeiten veranstalten, um die Verdienstesmächtigkeit seines 
Sohnes feierlich zu begehen. In demselben Jahre geschah es, 
dass einer der ElephantenhUter mit einem Handwerksmeister in 
den königlichen Ställen Schach spielte, als ein Blitzstrahl zwischen 
ihnen hinfuhr und den ersten tödtete , während der andere ver- 
schont blieb. 

Als mit dem Tode Phra Chao Luang's im Jahre 372 (383) der 
Chunlosakkharat die königliehe Ra^e erloschen war und Niemand 
mehr die Religion Phra Phuttha's und das Volk (die Gemeinen 
oder Pbrai Phon) beschützte, da beriethen die Phrahm - Parohit 
(die brahmanischen Astrologen) miteinander und sie beschlossen, 
die prophetische Entscheidung dem in einem goldenen Boote mit 
den Insignien der Königswürde abgesandten Throne zu überlassen. 

In dieser köuigslosen Zeit pflegte eine Bande Hirtenjungen, 
47 an der Zahl, die auf den Wiesen ihres Dorfes die Kühe hüteten, 
mit einander König zu spielen. Um die Mittagszeit trieben sie 
ihre Kühe um einen Termitenhügel*) zusammen und dann er- 



•) Eine abergläubische Verehrung für die Hügel der weissen AmeiseD findet 
sich Dicht nur in vielen Theilcn Hinterindiens , sondern auch unter Negern , wo 
die Aymie (der Bullamer) oder die Ma-mull (der Timmanier) darin wohnend 
gedacht werden. 



i 



Traditionelle Erzählungen ans den Kdnigsbüchem. 321 

wählten sie einen aus ihrer Mitte zum Haupte , und setzten ihn 
auf den Erdhaufen, als seinen Thron. Alle die anderen Knaben 
unterwarfen sich seinen Befehlen und gehorchten ihm als ihrem 
Herrn. Er ernannte den Khun Intharatheph als den Officier 
seiner Leibwächter der rechten Hand, und den Khun Phirenatha- 
ratheph als den Officier seiner Leibwächter zur linken Hand, und 
Andere als seine Edelleute. Wenn es geschah, dass die hohe Re- 
gierung auf dem Palaste der Ameisen Ursache zum Zürnen gefun- 
den, dann erging die Proclamation an den Henker, ihm befehlend: 
„ Fähre fort und tödte mit einem Holzstück *). " Der Henkermeister 
fährte fort, er schlug an den Kopf, der Kopf fiel ab. So nannten 
sie es das Dorf des Ameisenkopfes (Sisapuek) seit jener Zeit. 

Als Alles bereit stand für die prophetische Stimme des 
Auguriums , dann traten die Phrahm (Brahmanen) , die Parohit 
(die Zeichendeuter) , die Hora (die Astrologen) und die Chariya 
(die gelehrten Professoren) zusammen. Sie luden die Insignien 
der KönigswUrde ein , Platz zu nehmen in dem Schwanenboote, 
das den goldenen Thron trug, und stiessen vom Lande ab. Der 
Kahn schwamm den Fluss hinab, der Strömung folgend; als er 
aber dem Dorfe Sisapuek gegenüber angelangt war, wandte sich 
der Schwan an seinem Buge ans Ufer und konnte trotz aller An- 
strengung der Ruderer nicht weiter bewegt werden. Da Hessen 
die Edeln die Homer erklingen, die Brahmanen bliesen ihre 
Muscheln, laut schmetterten die Trompeten, die Posaunen dröhnten 
und im rauschenden Töneschwall klangen alle Instrumente zu- 
sammen , als der Knabe , der im Spiele geherrscht hatte , fortge- 
nommen wurde , um als König im Königreich zu gebieten. Das 
Dorf heisst deshalb auch Bahn dek len (der spielenden Knaben). 
Nach seiner Throneinsetzung, die des Weiteren berichtet wird, 
verliebte er sich in ein Mädchen der peguanischen Colonie , von 
der erzählt wird, dass, wenn sie monatlich ihr Untergewand 
zum Trocknen aufhing, die Bienen sich auf den Blutflecken nie- 
derliessen. Nachdem er sie zu seiner Königin erhoben und auch 



*) Chandragupta Hess mit Ziegenhömern Hände und Füsse abhauen, die er 

dann wieder ansetzte. 

BattUm, OitMien. I. 21 



822 ^^iam' 

seine früheren Spielgenossen mit Auszeichnungen bedacht hatte, 
erhielt er einen Brief des Kaisers von China, der ihm seine Tochter 
(so zart, dass sie in der Schaale einer Areca-Nuss aufbewahrt 
wurde) zur Ehe anbot. Um sie zu holen , lässt er eine Flotte 
ausrüsten, mit der er an der Mündung des Canals beim Vat Pattih 
klong für die Nacht ankerte , während das Wasser in der Flott 
am höchsten stand. Bienen sehend , die unter dem Dache des 
Klosters zwischen dem Schnitzwerk bauten, sprach er den Wunsch 
aus, dass durch die Kraft seiner Verdienste, in gerechter Regie- 
rung gesammelt, der Honig in genügender Menge herabkommen 
möchte, um sein Schiff emporzuheben, dass es unmittelbar an dem 
Tempel anlegen könnte. So geschah es und davon erhielt er 
den Namen Phra Chao Sainam-Phüng (der König des Honigstroms). 
Er setzt dann ohne Unfall seine Fahrt nach China fort, und 
passirt die Vulcane (Phukaofai, die Feuerberge). Die Chinesen 
lustwandelten am Strande, als sie plötzlich die Flotte heran- 
segeln sahen. Der Kaiser, davon hörend, „fällt besinnungslos 
nieder vor Schreck." Andere lange Excurse über die an der 
Küste aufgestellten Truppen u. s. w. Als die Minister sich der 
geschickten Einladung erinnern, laden sie den König ein, in der 
IMgersbucht (bocca tigris) zu landen. Nach der Vermählung mit 
der Adoptivtochter des Kaisers, segelte er in 15 Tagen nach 
Ayuthia zurück. Als er in Betreff der Ehrenbezeigungen des 
Empfanges im Scherz eine etwas rauhe Antwort gab, starb die zarte 
Prinzessin des fein civilisirten China sogleich am gebrochenen 
Herzen und fiel todt hin. Nach ihrem Leichenbegängniss dachte 
er daran, den Canal Bangnaikrai bei Bangtrai zu graben, um eine 
neue Stadt zu bauen, aber der Phra Acharya (das Haupt der Ge- 
lehrten) rieth ihm davon ab , weil das Wasser noch brakisch sei, 
und die Zeit, wo Buddha's Prophezeiung sich erfüllen würde, 
noch nicht gekommen wäre. Dies ist eine Anspielung auf die 
spätere Gründung Bangkok's und wiederholt die vielfach •wiede^ 
kehrende Ansicht, dass die See sich erst allmählig*) zurückzöge, 

*) Lea pays des Siamois ne sont habit^ , que depoia pea de ai^les , si 
Ton en Juge par le pou qu'il y eii a de defriches (sagt Lonb^re). 



Traditioaelle Erzählungeo aas den Königrsbficheni. 823 

um das fllr Menschen bewohnbare Land frei zu legen. Parasuram 
der Brahmanen vollzog diese Procedur rascher. In dem Tempel 
des Vat Sanaw Kräng wurde mir ein in verbietender Stellung 
die Hände ausstreckender Phra, der Phra Ham-Samuth (der Gott 
der dem Meere verbietet) genannt. Beim Tode des Königs im 
Jahre 1636 derPhuttha-Sakkharat oder 427 der Ghunlosakkharat 
folgte sein Sohn Thanmitkarat, der zwei weisse Elephanten'erhielt. 
Er achtete streng auf Gesetz und Ordnung und regulirte Taxen 
und Abgaben genau. Alle umwohnenden Nationen fürchteten 
seine Macht. „Goldene und silberne Blumen Wuchsen in grossen 
Mengen auf/ womit die Einsendung derselben als Huldigungs- 
zeichen gemeint sein wird. 

Im Jahre 469 (419) der Ghunlosakkharat schickten die Be- 
wohner Hongsawaddi's Dämonen (Phi) nach Siam, die sie in ein 
Buddhabild einschlössen und den Fluss, von der Stadt Thön aus, 
hinabtreiben Hessen. Als die Anwohner des Flusses diese Figur 
Buddha'svorUberschwimmen sahen, kamen sie von allen Seiten zu 
verehren und Opfergaben darzubringen, und als sie an der Hauptstadt 
anlangte, Hess der König Terrassenschirme errichten und grosse 
Processionen vorbereiten, um sie nach Ayuthia zu geleiten. Aber ein 
alter Peguaner*) (Baman oder Phama-ßaman), der die Verschlagen- 
heit seiner Landsleute kannte, schüttelte den Kopf und sagte : „ Das 
ist kein Bild unseres Herrn Buddha, sondern ein böser Geist und nur 
ein schlimmer Zauber, um das Königthum nach Hongsawaddi zu- 
rückzubringen. " Als der König, der in freudiger Erwartung am Ufer 
stand, diese ominösen Worte hörte, begann er zu zittern und ging 
schleunigst nach Hause, weil er sich unwohl fühlte. Nach Berathung 
mit seinen Ministern hielt er es für wünschenswerth, den alten Mann 
weiter darüber zu vernehmen ; aber obwohl er ihn überall in der 
Stadt suchen und mit der Gong nach ihm ausrufen Hess , war er 
doch nirgends zu finden. Nach einiger Zeit aber erzählten Kinder 
in dem Dorfe Bahn Namphüng, dass ihr alter Onkel, den sie ge- 
beten, ihnen den schwimmenden Gott zu zeigen, etwas Aehnliches 
verfertigt habe, und der König auf weitere Nachfragen erfuhr von 



*) Les devins du roi de Siam soBt toos Branies ou Peguans , sagt Lonb^e. 

21* 



324 SUm. 

ihm , dass die auf dem Wasser schwimmende Statue nicht der 
Gott Buddha, sondern nur der Sitz von Dämonen sei, um das 
Land auszukundschaften. Auf seine Bitte, sie greifen zu dürfen, 
erhielt er Erlaubniss. Er streute dafür Opfergaben von Reis in 
die Nähe des Bildes und legte dann rasch einen geweihten Zauber- 
strick (Sai din) um dasselbe, worauf es augenblicklich zu Boden 
sank. Die Zuschauer, die es sahen, erhoben ein grosses Geschrei 
und da entstand ein furchtbarer Lärm und Aufruhr. Alle eilten 
in Hast nach ihren Häusern, weil jeder fürchtete, der verwünschte 
Dämon möchte in den Canal ihrer Strasse hineintreiben. Die 
ganze Stadt war in Angst und Verwirrung. Auf Befehl des Königs 
wurden rasch aus alle Klöstern Priester abgeschickt, um die Han- 
tras Phra Phuttha's an den Mündungen der verschiedenen Canäle 
zu sprechen , die alle durch geweihte Zauberschnüre abgesperrt 
wurden. Da die Figur nach vergeblichen Versuchen in keinen 
der Canäle hinein konnte, so blieb sie in der Vorstadt Karaliegen. 
Alles war indess in Ungewissheit, weil sie auf dem Grunde des 
Flusses lag und nicht gesehen werden konnte*. Selbst der alte 
Mann, der vorher so gute Dienste* gethan hatte, war getäuscht 
Er war während drei Tagen mit den Polizeibeamten schnüffelnd 
umhergegangen, aber zuletzt erklärte er, sie sei nirgends mehr da 
und nach den nördlichen Gegenden zurückgekehrt. Doch der 
König, der sich noch nicht ganz sicher glaubte, liess Fallen und 
Netze in den Canäleu aufstellen und andere vorbereiten, die 
man am Wassersgrunde entlang schleppen konnte. Nach meh^ 
tägigen AnstrcDgungen wurde die Figur zuletzt bei Paknam ge- 
fangen , als sie eben ausschlüpfen wollte. Man war schnell bei 
der Hand, sie nach allen Seiten mit Zauberstricken zu umschnUren 
und schickte dann spornstreichs eine Depesche an den König: 
„Wir haben sie, was soll jetzt damit geschehen?'' Man hätte sie 
tödten , ertränken oder verbrennen können , aber nach längerer 
Berathung wurde gefunden, dass solches Vornehmen „der könig- 
lichen Majestät nicht zur Ehre'' gereichen würde. Das Beste 
würde sein, sie ihren Eigenthümern zurückzusenden. Ueberalles 
das geht die siamesische Erzäliluug noch ins Einzelne. Das Ende 
war, dass man den Dämon in einen stark gearbeiteten Sarg» 



Traditionelle Erzählungen aas den Königsbüchem. 325 

„wohlverpicht und verkalkt" mit dichtverschlossenem Deckel, 
einschloss, denselben mit Zauberschnüren umgab, die magischen 
Formeln des Verbotes auszubrechen darüber sprach und die 
nöthigen Opferceremonieen vornahm. Der so übel behandelte 
Dämon schwamm dann schleunigst in seinem Kasten den Fluss 
aufwärts und wird froh gewesen sein, wieder bei seinen Freunden 
in Hongsawaddi anzulangen. Diese G^spensterfahrt muss aus 
einer Zeit stammen, wo die nördlichen Laosländer dem Könige von 
Pegu oder Hongsawaddi unterwürfig waren , oder vielleicht als 
diePandalus von Mon das von ihnen gegründete Reich Calaminha 
besassen. Les Pa Man ou huit Man sont les anciens habitans 
de la Chine m^ridionale, avant que cette contr^e fut soumise 
k l'empire, berichtet Klaproth. Beim Tode des Königs im Jahre 
1688 der Phutthasakkharat oder 469 (419) der Chunlosakkharat 
folgte sein Sohn Phaja Nusem. 

Solche Excursionen gehören freilich nicht in Geschichts- 
bücher, da sie sich aber einmal darin finden, so mögen sie folgen, 
zumal diese, Auslassungen abgerechnet, wörtlich gegebene Ueber- 
setzung einen lebendigeren Einblick in das Volksleben gewährt, 
als theoretische Discussionen geben würden. Mit ihren Nachbarn 
in Zaubereien zu kämpfen , war bei den Siamesen , wie im alten 
Königreiche Pagan's, nichts Ungewöhnliches. So bemerkt Turpin 
bei der letzten Eroberung Ayuthia's : Tandis que les Bramas r6- 
pandus dans toutes les provinces faisaient la guerre aux hommes 
et k la nature par les brigandages , le roi et ses ministres super- 
stitieux mettaient toute leur confiance dans leurs magiciens. Les 
officiers et les soldats, entrain^s par cet exemple, les consultaient 
sur les moyens de se rendre invisibles afin de pouvoir attaquer 
Tennemi sans en etre aper^us , et Tespoir d'apprendre un secret 
qui favorisait leur lachet^ les empechoit de s'exposer k combattre 
avant qu'il leureüt 6t6 riviU. L'illusion fut si forte, queTexpöri- 
ence 6tait impuissante k les convaincre de la vanitä de cet art 
imposteur. 

Als König Thamtrailok, Sohn des Königs Phattasucharat von 
Satxanalai, in Okhaburi ins Kloster gegangen war, wo Prinz 
Krabapharat die Haar - Reliquien im Phrachedi Chulamuni ein- 



326 8i*™- 

schloBs, folgte ihm in Satxanalai sein jüngster Sohn, Chao Bo- 
romrat, während der älteste (Phra Thamraxa) die Tochter des 
Phra Chao Suvanraxa, des Königs von Ayuthia» heirathete und dort 
suecedirte. Eine vom Kaiser von China geschickte Gesandtschaft 
war von einem riesigen Chinesen begleitett der som Wettkampf 
herausforderte, aber von einem Siamesen im Biigea llbefwunden 
wurde. Sein Bruder und Nachfolger Boromimiathirat begünstigte 
den Seehandel, der in hohem Grade unter seiner Regierung 
blühte, dankte aber ab zu Gunsten seines Sohnes Voraxet- 
Khuman und machte seinen Verwandten in den nördlichen 
und südlichen Städten die Mittheilung, dass er in das Kloster 
gehen würde. 

Im Jahre 1708 der Phutthasakkharat oder 671 (420) der 
Chunlosakkharat wurde Phaya Kong, dem Könige Kanchaburi's, 
ein Sohn geboren, von dem die Hora prophezeiten, dass er zwarzo 
einem Mann grosser Verdienste aufwachsen wiLrde, aber zugleich 
so wilder Leidenschaft, um seineu eigenen Vater zu tödten. Als 
der Vater bei der Geburt das Kind in einem goldenen Geisse 
auffing, fiel es mit der Stirn auf den scharfen Rand und zog sich 
eine später stets sichtbare Narbe zu. Die Königin übergab ihren 
Sohn, den sein Vater fürchtete und gern getödtet hätte, einer 
alten Frau zur Erziehung, durch die er später an den Hof des 
Königs von Raxaburi gebracht wurde. Dieser war dem Könige 
von Kanchaburi tributpflichtig, der Prinz indess stachelte ihn aii( 
die Einsendung der Gold- und Silberblumen zu unterlassen, und 
erbot sich zu Uebernahme des Oberbefehls , als der König von 
Kanchaburi zur Bestrafung der Rebellion heranzog. In der Schlacht 
traf er mit seinem Vater zusammen, ohne ihn zu kennen, und tödtete 
ihn. Als er in Kanchaburi unter dem Namen Phaya Phan zum 
König gewählt war und auch den Harem seines Vorgängers mit 
übernommen hatte, ging er am Ende der ersten Nachtwache, um 
seine Mutter zu besuchen , nach den inneren Gemächern des Pa- 
lastes. Als er in die Halle eintrat, sass dort eine Katze, Mutter 
und Junges. Das Junge schrie, weil es saugen wollte, die Mutter 
aber hielt es zurück und sagte: „Schrei nicht, lass uns erst sehen, 
wie der falsche Sohn bei seiner Mutter schläft. *" Phaya Phan, 



Tra^tionelle Ers&hiuDgen aas den Königsbfiohem. 327 

diese Worte hörend, erschrack und dachte bei sich: „Was mag das 
bedeuten?" In der zweiten Nachtwache wollte er wieder gehen, 
aber als er beim Stalle vorbeiging, hörte er eine Stute dem schrei- 
enden Füllen sagen: „Warte noch mit dem Saugen, erst wollen 
wir sehen, iria der fidache Sohn bei seiner Mutter schläft.'' Phaya 
Phan fühlte kilt UJl aiuiHerz und sagte : „Wie kann das Pferd so 
sprechen?" Kr kehrte nochmals um, führte aber in der dritten 
Nachtwache seinen Vorsatz aus und kam ans Bett seiner Mutter, 
die ihn indess an der Narbe auf seiner Stime erkannte. Als er 
dadurch zugleich den begangenen Vatermord erfuhr, gerieth er 
in grosse Verzweiflung, Hess seine alte Erzieherin, die ihin nichts 
tlber seine Herkunft mitgetheilt hatte, tödten und berief eine 
grosse Versammlung weiser und frommer Priester, um zu erfahren, 
durch welche Busse er sein Verbrechen sühnen könne. Nach 
ihrer Entscheidung sollte er eine Pagode bis zu der Höhe , wie 
eine Taube fliegt, bauen und dadurch wurde der Pathommachedi 
gegründet, zwischen Bangkok und Petchaburi, der auf den Befehl 
des gegenwärtigen Königs wieder restaurirt wird und für eine 
der ältesten Pagoden in Siam gilt , als auf dem Platze Sinda's 
(d^r Hauptstadt der Sindoi) stehen könnte. Die dort ausgegra- 
benen Thon-Medaillons ^it Buddha-Bildern sind denen bei Ta- 
goung gefundenen ähnlich, und während sie in Hinterindien jetzt 
nicht mehr gebräuchlich sind, ganz denen gleich, die man in der 
Mongolei an den heiligen Plätzen aufgestellt sieht , in dem Ma- 
terial, das den alten Assyriern nicht nur zum Siegeln , sondern 
auch für Documente diente. Die Legende führt den Bau dieser 
Pagode in der Stadt Nakhon-Xaisi bis auf Phaya Asoka von Patali- 
bhutra zurück. Ihre Wiederherstellung wird ins Jahr 1199 der 
Phutthasakkharat gesetzt. Nach dem Badjatarangini baute Asoka, 
als er die Beligion Djina's angenommen, auf dem Vitasta eine 
Pagode, deren Höhe mit den Augen nicht erreicht werden konnte. 
Nach dem mongolischen Dsanglun prophezeite Buddha dem ihm 
Erde darbringenden Knaben, dass er einst als König Asoka 
84,000 Pagoden über Sarira (Reliquien) errichten würde. Asoka 
ist ein auf vorragende Könige angewandter Titel , wie Bennett 
aus der Malalengara (Blumenschmuck) citirt : Hereafter a prince 



328 S»am. 

called Piyadasa, bearing the umbrella, will become Asoka, King 
of the law (Dhammaraja). 

Nach dem Bau der Pagode pilgerte Phaya Phan nach Lani- 
phung, um die heiligen Reliquien zu verehren, und dann nach Na- 
khon Xaisi, floh aber, als er hörte, dass sein Adoptiyyater, der König 
von Raxaburi, sich seiner Länder bemächtigt habe, nach der Stadt 
Phrathessarat, wo er von den Edelleuten gebeten wurde, die Re- 
gierung zu übernehmen. Bei seinem Tode im Jahre 669 (500) 
folgte sein Sohn Phannasa, unter dem die KLrieger Nai Phlai Keoh 
und Nai Phlai Ngam berühmt waren. Ihm folgte im Jahre 775 
(590) sein Sohn Chaofaphimonsavang, der die Klöster Suenluen 
und Sophsavan baute und im Jahre 1994 der Phutthasakkharat 
oder 814 (626) der Chunlosakkharat starb. Im Jahre 906 (627) 
bestieg Phra Ram Phong Banthit den Thron, der, weil die ChuD- 
losakkbarat in grosse Unordnung gerathen war, sie abschaffen und 
durch die wiederhergestellte Phutthasakkharat ersetzen wollte. 

Im Jahre 1995 der Phutthasakkharat oder 995 der Chunlo- 
sakkharat baute Sithanongxai ein Phra Chai rai (schiefen Thurm). 
Er wird sonst auch der Hofnarr des Königs Phra Rama-Vong ge- 
nannt und gilt den Siämesen, die leicht befriedigt sind, für einen 
höchst komischen Witzbold. Im Jahre 1997 der Phutthasakkharat 
(995) kam der Phra Sangkharat (der höchste Bischof) von der Stadt 
Hongsawaddi herunter, sich nach der Atthakhatha zu erkundigen, 
ob sie schon ganz verloren oder noch etwas davon übrig sei, und 
ob es irgend Jemand gäbe , der noch in dem Traipidok verharrt 
hätte. Er nahm seine Residenz in Vat (dem Kloster) Phohom. 
Damals baute Ong-In (aus dem Geschlecht des Ph[\ya Kalapat), 
nachdem er 35 Jahre regiert hatte, den Vat Na Phra Meru, ab 
einen Pfeiler der Religion Buddha's, und starb im Jahre 900 (665) 
der Chunlosakkharat. 

Phra Chao Khateh , aus dem Geschlechte Phra Naref s in 
Hongsawaddi stammend, Hess dieMon-noi (die kleinen Peguer)*) 



*) Colonieen der Pe^rner sind vielfach zwischen Ayuthia und Bangkok, sowie 
weiter unterhalb bis nach Paknam längs des Flusses angesiedelt. Die erste 
Einführung datirt schon aus fi'Qher Zeit, sie vermehrten sich aber besonders seit 
der letzten birmanischen Eroberung. 



Traditionelle Ersählungen aus den Königsbüchern. 329 

aus königlichem Blute das Kloster Sanamxai bauen und restaurirte 
die Klöster Phra-Palilai und Lanmakhuih im Gebiete der Stadt 
Phantkumburi. Als alle die königlichen Sclaven v.vA die Arbeits- 
leute in dem Tempel Mönche wurden, erhielt die Stadt den 
Namen Songphanburi. Beim Tode des Königs verödete die 
Residenz (deshalb Yat döm genannt), da die königliche Familie 
erloschen war. 



Mythen der alten Residenzen. 

Der Erbauer der Pagode von Xetuphon , zur Zeit als Kassa- 
pa's Lehre blühte , ging nach seinem Tode zum Himmel ein und 
wurde dann aufs Neue in einer angesehenen Familie des Dorfes 
Araxakham wiedergeboren. Auf Phra In's Geheiss erbaute 
Phitsanukham ( Viswakarma) *) für ihn in sieben Terrassen den 
Palast von Inthapat-Nakhon , wo er von dem Volke zum König 
gekrönt wurde unter dem Titel Suthatsana. Als Buddha auf 
seinen Wanderungen auch dorthin kam, um Almosen zu sammeln, 
fand sich in dieser Stadt ein schmutziger Bettler, ganz zerfressen 
vom Aussatz. Als derselbe den Herrn vorbeigehen sah , nahm 
er von dem erbettelten Reis und legte eine Handvoll in 
Buddha's Almosentopf, aber einer seiner geschwungen Finger 
fiel gleichzeitig aus dem Gelenk und blieb in dem Topfe. Als 
Buddha, unter einem Baume ausserhalb der Stadt zurückgezogen, 
sein Mahl halten wollte und den Finger zwischen dem Reis fand, 
nahm er ihn erst heraus , ehe er zu essen begann , aber er pro- 
phezeite , dass dieser Bettler am selbigen Platz als König den 
Thron besteigen , die Aera verändern und den (brahmanischen) 
Sayasat einführen würde. 



*) Comme Takshaka est issu de l'oeaf de la Kadroa , Viahva-ronpa est le 
prototype de rinnombrable peaple de serpents artistes et artisans , peaple qoi se 
m^tamorphose k travers tous les i^gDes de la nature. Quoiqa*U füt, 4 aneöpoqne 
ancienne, le grand dieu de la caste naissante de Brahmaos, sons le titre de Vishfa- 
Karman , da fea comme ouvrier du monde , il flnit par etre d^lass^ et abaodonnor 
a la caste des Sudras (Eckstein). 



Mjtheo der alten Residenzen. 331 

Der abgefallene Finger dieses Kronprätendenten mag eine 
Anspielung auf den früheren Gebrauch in Kambodia sein, nach- 
dem die Königin - Wittwe den Nachfolger ernannt hatte, allen 
andern Prinzen einen Finger abzuhauen. Der Balläla- König 
Vischnuvardhana Hess sich von Ramänuga bekehren , weil sein 
Jaina-Guru von ihm wegen Verlust eines Fingers keine Speise 
nehmen wollte. Der Sayasat begreift die Btlcher des brahmani- 
schen Cultus, in dem Buddha selbst durchaus nicht den prinzipiellen 
Gegensatz sah , wie er neuerdings von ihm verlangt worden ist. 
Unter den Nachfolgern des Königs Suthatsana begann das Gold 
und der Schmuck der Paläste allmälig zu verbleichen und zu ver- 
schwinden, so dass zuletzt nichts übrig blieb, als die kahlen 
Steine. Und mit dem angesammelten Verdienst erlosch schliess- 
lich auch die Dynastie. Dies mag vielleicht eine euphemistische 
Beschreibung der Eroberung Siam's unter der Sui-Dynastie durch 
Kaiser Jangti sein, der, nachdem er die Empörung der Kiaotschi's 
oder Tonquinesen unterdrückt hatte , bis dorthin vordrang und 
in der Hauptstadt neben vielen andern Schätzen 18 Idole aus 
massivem Gold gefunden, also auch wohl weggeführt habe. Auch 
lieoufang führte bei der Besiegung des Königs von Liny (Fan- 
tchi) 18 Ahnentafeln von Gold fort (7. Jahrhundert). Die Reste 
des zerstreuten Königsgeschlechts entschlossen sich , nach dem 
spätem Abzüge der Chinesen , zur Auswanderung aus der zer- 
störten Hauptstadt ihres verwüsteten Landes. 

Nach den Forschungen des chinesischen Gesandten, der 1295 
im Lande verweilte, hatte Kambodia ursprünglich zu der chine- 
sischen Provinz Hunan gehört, war aber mit der Auflösung der 
Han- Dynastie unabhängig geworden. Später indess wurde es 
durch indischen Einfluss aufs Neue veranlasst, Tribut zu senden 
(616 p. d.). Die erwähnte Eroberung würde nur wenige Jahre 
früher falllen , da die Hauptstadt Linye's 605 von den Chinesen 
besetzt ward. 

Als Phaya Kotathevarat, der Erste seines Geschlechts, in 
Inthapat regierte , war alles Volk auf die Erscheinung des Ver- 
dienstvollen gespannt, und als der von Phra In geheilte Aus- 
sätzige sich in der Luft zeigte , entfloh der König und überliess 



332 Siam. 

ihm den Thron , den er als Phaya Krek oder Sintho-Amarin be- 
stieg, sich einer Prinzessin aus der Dynastie Kotathevarat^s 
vermählte und die Aera abänderte , im Jahre 206 der Chunlo- 
sakkharat. Auf seinen Tod war nach drei Generationen nur 
noch eine Prinzessin aus königlichem Blute übrig und diese 
wurde auf den Kath zweier Sethi (Xotok-Sethi und Kala-Sethi), 
die das höchste Ansehen im Volke genossen, mit Uthong, dem 
Sohne des Xotok-Sethi, verheirathet. 

In der tonquinesischen Geschichte wird, nach der Regierung 
des vom Volke gewählten Polomtien oder Brahmanen, beim Unter- 
gange des Königsgeschleehts die Tochter desTeuli auf den Thron 
gesetzt und durch die Grossen mit Tschukati verheirathet (756 
p. d.). Vareni schreibt: Leges et successiones Kegni in 
successione mortui Regis singularem quidem sed constantem 
modum praescribunt , nempe ut defuncto rege f rater natu major 
evehatur adregnum, qui si nullus sit, filiusnatumaximusobtineat 
et post hunc fratres ejus ordine aetatis, donec horum nemo sit 
amplius superstes. Tunc demum filii fratris, qui primo regnavit, 
eodeni ordine regnum adipiscuntur. Filiae autem exclusae sunt 
a successione regia. In der von Kulien (263 p. d.) begründeten 
Dynastie erbt die Thronfolge in weiblicher Linie. 

Da eine Pest ausbrach und das Land entvölkerte, so zog 
Uthong im siebenten Jahre seiner Regierung mit dem Reste 
des Volks erst nach Vienglek und Hess dann an einem aus- 
gewählten Platze die Stadt Ayuthia gründen, im 711. Jahre der 
Chunlosakkharat. Die Birmanen, obwohl sie Yudia als die 
Hauptstadt Siam's kennen, verstehen doch unter Judara-Schan 
die Kambodier. In der kambodischen Geschichte wird Kota- 
thevarat König von Kemarat (Kemalatain) genannt, wo die 
chinesischen Kaufleute den an Ava goldne und silberne Bäum- 
chen als Tribut zahlenden König Phra tschao Otong nennen. 

Die Erscheinung des Verdienstvollen und seine mirakulöse 
Heilung durch Indra ist ein beliebter Gegenstand in der Geschichte 
der buddhistischen Siamesen, denen diese Verwandlung ihrer 
aussätzigen Könige zu einer schlagenden Parabel für ihre Re- 



i 



Mythen der alten Residenzen. 333 

ligionsgrundsätze dient. Die Erzählung wird deshalb auch in 
verschiedener Weise und Ausführlichkeit wiederholt: Als die 
tagtägliche Erwartung des Verdienstvollen alles Volk in höchster 
Spannung hielt, kroch auch ein armer Krüppel die Heerstrasse 
entlang, hoffend, seine Verehrung darbringen zu können. Ihm 
begegnet ein reichgeschmückter Reiter auf stolzem Rosse, der 
ihm zurief: „He, du da, wohin schiebst denn du so eilig ?^ 
„Herr," erwiederte der Bettler, „ich bestrebe mich aus allen 
meinen Kräften, ob ich vielleicht einen Blick auf den gesegneten 
Verdienstvollen gewinnen könnte." Der Reiter war der Himmels- 
herr Phra In, der erwiederte: „Ja, auch wir würden uns freuen, 
den Verdienstvollen zu erblicken. Du magst mir eben mein Pferd 
halten, da sonst Niemand in der Nähe ist. Hier, Bettler, nimm 
die Zügel, halte das Ross fest und erwarte meine Rückkehr. 
Sollte ich vielleicht gar nicht wiederkommen , so gehört es mit 
den Sachen darauf dir."" „Bleibt nicht zu lange, *" rief ihm noch 
der Bettler nach und dann dachte er bei sich: „Sonderbarer 
Mann das, mir das Pferd mit all den Kostbarkeiten hier auf 
offener Landstrasse zu übergeben. Wenn er nur bald wieder- 
käme.'' In dem Augenblicke bäumte das Pferd mit dem Kopf 
zurück und durch den Ruck riss es den verkrümmten Arm des 
Krüppels gerade , der ihn plötzlich in ein schön geformtes Glied 
verwandelt sah. „Ei, was ist das?** dachte er. Er versuchte es 
beim linken Arme und mit demselben Erfolg. Jetzt kam 
ihm ein Gedanke , dass er wohl selbst der erwartete Verdienst- 
volle sein möchte, er fühlte sich mit uugekannter Thatkraft 
durchströmt. Nachdem seine Glieder alle gerade waren, 
öffnete er eine Flasche , die am Sattel hing und , sich mit der 
Salbe bestreichend , sah er die Runzeln und Geschwüre seines 
Körpers verschwinden und sich selbst in einen muskulösen und 
blühenden Jüngling verwandelt. Rasch waren die Gewänder 
und die Waffen des Götterkönigs angelegt und , das himmlische 
Ross besteigend , sauste er durch die Luft nach der Hauptstadt 
und schwebte schon, die Krone auf dem Haupte, über dem Hofe 
des Palastes, als der bestürzte und hoffnungslose König noch 
eben durch das Thor das Weite suchte. Kotathevarat floh nach 



334 - 8i«n. 

« 

dem Menam (1057 p. d. nach einigen Angaben), während die 
Tochter des Bettlers Über Kambodia herrschte. 

Die leichte Erregbarkeit der indischen Völker, ihre Phan- 
tasieen in Wirklichkeiten gestaltend, zeigte sich noch in neuerer 
Zieit auf Java, wo die Behörden in wenigen Tagen eine Strasse 
auf einem hohen Berge von den Landbewohnern verfertigt fanden, 
da sie in Erwartung einer Gottheit standen , die auf dem Gipfel 
erscheinen würde. 

Nach einer andern Version hatte König Kotabong, dem die 
Hora die baldige Ankunft des Verdienstvollen verkündigt hatten, 
bei sich ausgemacht, dass er Widerstand leisten würde, wenn er 
gegangen käme , aber fliehen , wenn geflogen. Als er ihn über 
sich am Himmel erblickte, warf er dreimal seine gewaltige Keule; 
aber da diese Wunderwaffe jetzt zum ersten Male ihr Ziel ver- 
fehlte, gab er den Gedanken an Vertheidigung auf und räumte 
den Platz. Nachdem Phaya Krek von den Brahmanen als Phra 
Chao Sinthop - Amarin gekrönt war, traf ein Gk>ttesurtheil alle 
solche, die auf ihn zu zeigen wagten, sprechend: „dieser war 
früher ein aussätziger Krüppel.^ Sie wurden in der nämlichen 
Stellung, mit den Fingern ausgestreckt, in Stein verwandelt 
Diese jetzt nicht mehr verstandene Mythe mag von den damals 
die Oberhand gewinnenden Brahmanen erfunden sein , um die 
stehenden Buddhabilder in der Attitüde eines Lehrers verächtlich 
zu machen. Der chinesische Gesandte erwähnt, dass die Kam- 
bodier keinen Widerwillen gegen Aussätzige hätten und mit ihnen 
zusammenlebten, weil einer ihrer eigenen Könige ein Aussätziger 
gewesen. Der kambodische König scheint in seinem Uebertritt 
vom Buddhismus zum Sivaismus dem verkrüppelten Kuna-Pandja 
(8. Jahrhundert) nachgeahmt zu haben, der nach seiner Ver- 
mählung mit einer Prinzessin von Chola von den Jaina's abfiel 
und dadurch so hübsch wurde, dass man ihn Sundara*) Paadja 



*) Die Laiita vist^ra erzählt, dass, als Sakya-muni sich der Ansbussang de« 
die Kräfte aller andern Wesen übersteigenden Gelübdes Asphänaka Qberliess, 
seine harten Fasten ihn zu einem Skelet aasmergelteu. Les enfants des villages 
d'alentonrs s'amusent k enfller des brins de paille dans ses oreilles et k les faire 
sortir par la bouche et le nez. II ressemble tellement ^ancadavre, qne quelques- 



Mjrthen der alten Residenzen. 335 

(den schönen Pandja) nannte. Der Name des EOnigB Bindusara 
wird als der Aussätzige übersetzt. Phaya Erek, nachdem er 
eine neue Aera eingeführt hatte, starb im Jahre 260 der Chunlo- 
sakkharat. 

lieber die Ordnung der Chronologie, die besonders Phaya 
Sjrek's Namen bekannt gemacht hat, finden sich weitläufige Mit- 
theilungen, die aber doch, wie alle jener Zeit, sehr vage bleiben. 
Da Buddha's Aera 1857 Jahre zählte, in dem Jahre des Drachen, 
dem siebenten des Cyclus, trat Phra Chao Sinthop- Amarin hervor, 
das dritte Jahresfest seiner Regierung zu feiern, und bestieg den 
Thron Sangkhet in dem östlichen Flügel des Palastes Chatura- 
mak , an einem Sonntage des fünften Monats , der dritten Nacht 
des zunehmenden Mondes. Als alle die Herren und Fürsten, 
die königlichen Diener und dicEdeln, die Hofleute hohen und 
medem Ranges versammelt waren, tranken sie am Mittwoch, dem 
dreizehnten Tag des abnehmenden Mondes, das Wasser der 
£idestreue für alle Städte und Länder nahe und fem. Damals 
brachte der verehrungswürdige Priester (Thero) aus dem Ge- 
schlechte Nakhasena's (des Edeln unter den Nakh oder des 
Kühnen gegen die Nakh) die magischen Schriften (Kahang) und 
überreichte sie dem Könige. Dann in dem Jahre 1857 der 
Phutthasakkharat, im Jahre 206, im Jahre des Drachen, im 
sechsten des Cyclus (als im Jahre 206, dem Jahre der Maus, dem 
sechsten des Cyclus) nach derChunlosakkharat, wurde die Phra- 
Phutthasakkharat, die 1857 Jahre gedauert, abgeschafft und eine 
neue Aera der Chunlosakkharat eingesetzt, als eine politische 
Rechnung für den ganzen Umkreis des Reichs, um bis zum Ende 



BUS des dieox Trayastrinsat croyant qnll avait suecomb^ ä Texc^s de ses tour- 
ments, rapportent la nouvelle desamort äMayadevi sa m^re d^c^d^e, quidescend 
sans dölai sur la terre snivie d*an grsLud nombre de femmes Celestes, ponr pleurer 
•or le tombeaa de son Als. Als nach Znrfickweisnng des Versuchers Märahpä- 
plyfin, der aus der Wüste £urückkehrende Einsiedler aufs Neue zur Stärkung 
seiDer Kräfte Speise zu sich zu nehmen beschliesst , la nourrlture frugale rend en 
pen de jonrs k son corps ext4^nu^ sa belle rondeur naturelle et les femmes des 
▼illages environnants ne le connaissent plus que sous le nom du bei hermite ou 
Sondara-sraraana (s. Lenz). 



336 ^i»- 

der Religion Phra Phuttha's zu währen , für die gsnze Daner der 
5000 Jahre des Herrn Somdet-Phra-Phutthi-Cliao. Nachdem 
König Sinthop-Amarin für 57 Jahre regiert hatte, beschloss er 
seine Tage. 

Nimmt man hier das aracanesisehe Datum für Buddha'» 
Todesjahr (1554 a. d.) als Norm, so wQrde die Aera ins Jahr 
303 p. d. fallen und die 206 Jahre ziemlich auf die sogenannte 
^lahasakkharat , die ungefähr mit der Aera Salivahana's zu- 
sammenfällt, zurückführen. Um die dadurch bezeichnete Zeit- 
periode fanden grosse Umwälzungen in Hinterindien Statt, indes 
sichTonquin (265 p.d.) von China beim Verfall der Han-Dynaatfo 
losriss. Die zuerst regierende Dynastie, unter der besonden 
Fan-y als grosser Reformator bekannt ist, führt den Namen FIm 
und würde also wie Phaya Krek auf brahmanischen Einflofl 
zurückleiten, so dass der Buddhismus, den „Prinz Kork" in Siaa 
G38 eingeführt, eher ein Brahmanismus gewesen. Selbst in 
China versuchte damals der Kaiser Wenti (der Sui-Dynastie) die 
Kasten - Eintheilung des Volkes durchzusetzen (590 p. d.). In 
Kaschmir führte Djaloka die vier Kasten mit den Einrichtungen 
des Yudishthira ein. Die auf die brahmanische Religion bezüg- 
lichen Malereien in den buddhistischen Tempeln, mit Scenen 
aus der Mythologie Narai's , Isuen's u. s. w. , werden von den 
Siamesen der Zeit vor Buddha zugeschrieben. Die Constituirung 
Siam's als selbstständiges Königthum findet sich in das Jahr 
855 p. d. gesetzt, wo mit dem Untergange der Fan die von ihnen 
abhängigen Länder getrennt blieben. Von Phaya Krek , der als 
König der Lava in dem von Hanuman gegründeten Nophburi 
residirte, wird gesagt, dass er die von dem Kamboja-Monarchen 
Kaou Maharat verbesserten Gesetze*) des ersten Gesetzgebers 

*) Auf Nachfragen sagen aus die Siamesen, and besonders die von Tanaserey 
(eines der ältesten and mächtigsten Königreiche dieser Krone) , als eine an sieh 
iLlare Sache, dass vor 2024 Jahren Siam ein sehr wüstes Land gewesen, ohneFürstea, 
ohne Königreich, and dass in dieser Zeit der Sohn eines Kaisers Ton China, der 
sich den Sohn der Sonne nannte, and der, weil er seinen -Vater nm Krone ood 
Leben bringen wollte, aus dem Lande verbannt wnrde, mit einer grossen Menge 
Volkes aus China aasgesogen and saerst bei Djamba und Komboya angelandet, 



Mythen der alten Residenzen. 337 

Saniut Thakudum mit Zusätzen in sein Reich eingeführt hahc, 
650 p. d. I^w setzt Prya Krek (Viha taraga in Juthia) ins Jahr 
77 p. d., also in die Nähe des Stifters der Mahasakkharat. 

Wie Tien-hoang oder Bio-linj , der Stifter der eingebornen 
Dynastie Din in Tonquin, 968 p. d., war Kotabong früher 
ein Hirtenknabe*), der die Kühe hütete. Als einst sein nach 
einer derselben geworfener Stab wunderbarerweise in der Erde 
verschwand, wurde ihm das ein Zeichen seiner künftigen Grösse 
und, nachdem er König geworden, baute er dort die Stadt Batta- 
bong (die verschwundene Keule), und von dem nahegelegenen 
Tempel Vat Ek geht die Sage, dass er von Kuhjungen erbaut sei. 
Ans dem Zauberholze eines wilden Baumwollbaums erhielt er 
•{Ater eine neue Keule von unbesiegbarer Gewalt, wodurch er 
seinen Namen überall hin gefürchtet machte und die umgebenden 
Völker in Abhängigkeit hielt. Sie verlor indess ihre Kraft, als 
er sich vermass, sie gegen den Verdienstvollen zu werfen, dem 
er seinen Herrschersitz einräumen musste. Während PhayaKrek 
von den Brahmanen zum Könige gekrönt wurde, folgte Kotabong 
seiner fortgeflogenen Keule, um, nachdem er sein Reich verloren, 
wenigstens seine geschätzte Waffe zurückzuerhalten. Die Keule 
fiel nieder in der Stadt Lanxang und vertilgte sogleich , um ein 



von wo er dann um das Cap herum in die Bucht von Sinm eingelaufen und sielt 
bei einem gewissen Vorgebirge, Guy genannt , niedergelassen und eine vornehme 
Stadt mit einem herrlichen Tempel dabei gebaut hat. Von da breitete sich sein 
Volk aus im Süden von DJamba, im Norden nach der Stelle, wo jetzt die Stadt 
Pitsanoeloc oder Porse-luc liegt. In späterer Zeit wurde die Hauptstadt Yudia 
auf eine wunderbare Weise gebaut. Dieser Konig wird bei ihnen auch für ihren 
Gesetzgeber gehalten , der alle die Gesetze des Königreichs und die Grundzüge 
der Religion mit eigener Hand aufgeschrieben habe, welche denkwürdigen Bücher 
noch jetzt in der Stadt Yudia in dem Tempel Watsiserhudt aufbewahrt werden. 
Da nun dieser Fürst aus China verbannt war , hat er den Kaiser von China stets 
als seinen Oberherm betrachtet und den Tribut eines Vasallen bezahlt. Die 
8iamesen beginnen ihre Zeitrechnung mit dem Tode des Sommona Codom. Ihre 
Djmastie fing 1300 p. d. zu regieren an (s. Valentyn). 

•) Der ßtiaer der BaMla- Jadava war der Kuhhirte Sala , der den einen 

Büsscr angreifenden Löwen tödtete. 

Bastian, Otiasien. I. 23 



838 Siam. 

Debttt zu geben, die zehnmal 100,000 Elephanten, die ihr Gebiet 
verwüsteten. Als nun bald darauf auch ihrEigenthlimer erschien, 
fühlte sich der König des I^indes, Phrachao Sathanakhonhat, 
unbehaglich, einen so gefahrlichen Gast beherbergen zu müssen. 
Er wusste deshalb keinen bessern Ausweg, als ihn mit seiner 
Tochter zu vermälilen, um hinter seine Geheimnisse zu kommen. 
Diese hielt ihm so lange Gardinenpredigten über seine Ver- 
schlossenheit, bis er ihr zuletzt im Vertrauen gestand, dass er 
allerdings am ganzen Körper gefeit und unverwundbar sei , aber 
nur so weit die äussere Haut denselben bedecke. Auf diese Mit- 
theilung hin wurden heimtückische Pläne geschmiedet und zu- 
letzt einer der niederträchtigsten ausgesonnen, indem die feilen 
Hof bedienten sich damit beschmutzten, eine durch versteckte 
Springfedem hcrvorschiessende Lanzenspitze unter einen Stuhl 
zu stellen, auf dem man solche Sorgen nicht erwarten sollte. 
Als Kotabong sicl\ seiner Bequemlichkeit nach darauf nieder- 
liess, flog er, wie sich denken lässt, jählings wieder in die 
Höhe, aber er flog so weit, dass er einen weiten Zirkel durch die 
Luft beschrieb und erst in Vat Dom niederfiel , wo er seine Tage 
beendet haben soll. Da seine Regierung noch in dankbarer 
Erinnerung von dem, nach ihm geknechteten, Volke bewjihrt wurde, 
Hess Phaya Krek, um dem allgemeinen Wunsche zu genügen, 
sein Leichenbegängniss mit grossen Feierlichkeiten begehen und 
baute auf dem Platze, wo der Körper verbrannt war, da« Kloster 
^Saphsavan. Noch jetzt lebt Kotabong als mächtiger Held in 
populären Dichtungen, die seine Kriegsthaten mit Vorliebe feiern. 
Die von Prija (Paya) Krek (Kork) in Ober-Siam und Laos ver- 
richteten Thatcn werden eher ihm zukommen. 

In einer andern Darstellung heisst der vor Phaya Krek 
fliehende König Kotathevarat (der aus königlichem Geschlecht' 
Entstammte) und er begiebt sich zu seinem Sohn Phaya Melek, 
der über die Städte Phisit und Phixai am Menam regiert, so 
dass die Schlangenmythe sich in den Schwanz beisst. Die 
Keule gehörte auch zu den königlichen Insignien der Chälukya- 
Dynastie, die (nach Dowson) in den Inschriften aufgezählt 
sind, als Swetätapatra (the white canopy), Varäha - länchhana 



k 



Mythen der alten Residenzen. 339 

(the boar signet), Mayüra-pinchha (the peacock fan), Kunta 
(the royal mace) und Kanaka-dandam (the golden scepter). 
Nach Ferdewsi rührt die Erfindung des Streitkolbens von 
Kahirman her, der damit dem Waldteufel Kahthan den Schädel 
einschlug, die der Keule von Buzurdschmihir (s. Schlechta- 
Wssehrd). 

Bei meiner Reise in Kambodia wurde mir in einer der 
Ruinenstädte die Figur Phaya Krek's gezeigt und derselbe Ta- 
Phrohm (Grossvater Brahma) benannt. Diese Residenz, von 
späterem Datum als Nakhon Tom, hiess deshalb auch Paten-Ta- 
Phrohm oder die Festung des Ta-Phrohm. Die Brahmanen, d. h. 
Eingebornen, die sich von solchen ableiten und ihr Haar in einem 
Knoten tragen, sind noch jetzt zahlreich in Kambodia, und Alles 
deutet darauf liin, dass sie früher von bedeutendem Einflusa 
waren. Sie blicken auf die alte Burgruine Banon am Battabong- 
Flusse als ihren frühern Stammsitz, wo sie in dem Dunkel der 
Bergesgrotte das Augurium des Landes zogen, in wunderbarer 
Weise gefüllte Wasserkrüge beobachtend. Jetzt sind sie die 
Hüter des königlichen Schwertes Phra-Khan, das, als in Udong 
nicht sicher genug, in der von unzugänglichen Sümpfen um- 
gebenen Stadt Barai bewahrt und von den Brahmanen bewacht 
wird. Von dort kommt alljährlich ihr Abgesandter, Phrohmxeh 
genannt, um es, durch heilige Mantra's geweiht, in die Hände 
des Königs zu legen , und bringt es dann zu sicherem Hort zu- 
rück. Als die Hauptgegenstände ihrer Verehrung nannte mir 
einer der Hof brahmanen die Götter Phralnsuen (Siva), derauf dem 
Berge Sumen in Himaphan lebe, Phra-Narai (Narayana oder 
Vischnu), den vierhändigen (wie der brahmanische Buddha nach 
Kaempfer), und Phra-Kachai (Kachchayana), der mit Phra-Phuttha 
in Xakhon-Langka-Sinho lebe und, um die Bücher der Bibliothek 
zu hüten, ihrem Pantheon zugefügt sei. Dieser gelehrte Pro- 
fessor ( Viscavarma) wird mit dickem Bäuchlein und wohlgefällig 
lachendem Gesicht dargestellt, wie der japanische Gott des 
Reichthums, der auch in China neben den corpulenten Buddha's 
steht, und wird nicht nur dort, sondern auch (wie mir Sir Robert 

Schomburgk mittheilte) in dem Höhlentempel Petchaburi-s in 

22 • 






340 Siam 

den Lingamdienst*) hineingezogen, da unfniehtbare Frauen von 
ihm Kindersegen erwarten. Schon in den buddhistisehen Böehem 
wird er/ählt , dass dieser Schüler Buddha's auf seine Bitten in 
einen Krüppel entstellt sei, weil er seiner Schönheit wegen die 
Nachstellungen fürchtete, denen Ananda (nach dem Leng-yan- 
king) fast erlegen wäre. In Siam ist gleichfalls die Anordnung 
der iKilitischen Jahresfeste das Geschäft der Brahmanen , die die 
richtige Erfüllung derCeremonieen beaufsichtigen müssen. Pram 
thai significat Brahmenes Siamenses qui Astrologiae judieiariac 
et secretis artibus operani navant(Kaenipfer). Bei dem Feste des 
Ackerl)aues, dem ich in Bangkok beiwohnte, verschwanden sie 
freilich fast unter den gelben Reihen der Mönche, die die Seiten 
des Zeltes füllten , waren aber doch sichtlich die IIaupti>crdonen 
der Feier. 

Die kambodischen Brahmanen nennen sich noch im Be- 
soudem die Schüler des Malia - Xeyset , des heiligen Rüsi oder 
Eremiten, der unter der Kegierung Ketumalea's von Himaphan 
nach Nakhon Vat kam. De Cruz bezeichnet die kambodischen 
Priester als Brammen. Am Eingangsthor zu der Trümmerstätte 
Nakhon Tom's schaut ein gigantisches Brahmagesicht nach den 
vier Weltgegenden und soll dort ausgehauen sein , um den ver- 
rathenen Drachenkrmig, der einst das Land und die Herzen der 
Bewohner sein eigen nennen durfte, in seine unterirdischen Gebiete 
zurückzuscheuchen. Selbst vor den Buddhatempeln auf den 
Hügeln Udong's sah ich in behaglicher Ruhe ungestört Siva's 



*) Ein KaofmanD, der Terschiedentiich Zimmay besucht hatte, erzählte mir, 
in den dunkeln Corridoren der Pagoden grosse Linga-Figuren auf den Wänden 
eingegraben gesehen zu haben. Auch in Java sind solche nichts Seltenes und 
ich habe in siamesischen Tempeln charakteristisch genug geschnitzte Holzbloeke 
in Haufen aufgeschichtet gesehen. Das Hauptzeichen der Jangomas war Siva's 
Symbol und die conischen Pagoden Siam 's tragen auch den Dreizack. Der die 
Macht der Kalaknri usnrpirende K;isnva gründete im iDekkhan (1168 p. d.) eine 
Secte, deren Anhänger ihre Priester (Gangäma) als Verkörperongen der Gottheiten 
verehrten. Sie enthielten sich der Fleischspeisen, beteten zum Linga Siva*» 
und zu seinem Stier Nandi. eine Buchse am Halse tragend, nach einem den Aradhya- 
Brahmanen entlehnten Gebranch. Kaiinga heisst Kaiungkarat oder Stadt des 
Linga bei den Siamesen. 




Mythen der alten Residenzen. 34 X 

Nanda liegen und Blumen der Opfergaben auf dem Piedestal. 
Die kambodische Geschichte erwähnt häufig des IMira Kho (des 
Stiergottes; oder llerr Ochs), und der Herr Ochs, den der siamesi- 
sche König von Nakhon Xaisi nach Ayuthia mitbrachte (1418), 
war wahrscheinlich aus Kambodia nebst den Übrigen Götter- 
bildern, die dort Pozen heissen, gestohlen. Der Tempel des 
TerrassenhUgels von Bakon war mir für den Sitz dieses Apis ge- 
baut, und die Mönche, die auf der TrUmmerstätte des alten Lawek 
unter den Ruinen ihre Zellen errichtet hatteij, konnten mir nicht 
genug von der Wunderkraft des früher dort verehrten Phra Kho 
erzählen. In welcher Stadt immer dieser niedergefallen, solche 
Stadt erwarb die Weltherrschaft. Als ich sie fragte, wie sie 
diesen Götzendienst mit ihrer gerühmten Religion vereinigten, 
und ob ihr Gautama noch vielleicht in einer nähern Beziehung 
zu der Kuh seines Namens stände , drehten sie das Blatt um und 
meinten, der Phra Kho wäre nur deshaU) so geschätzt gewesen, 
weil sein dicker Bauch als Bibliothek gedient habe, die heiligen 
Bücher aufzubewahren, und die Verehrung sei nur diesen gezollt 
worden. Darüber sei ein Phra Thamnai (eine Prophezeiung 
Buddha's) aufgefunden, und man habe deshalb den Krahatt 
(Laien) den Cultus erlaubt. 

König Kotama-Theva-Rat zog westlich nach dem brahma- 
nischen Dorfe Katan jakhäm und erbaute eine Stadt in sieben 
Zirkeln im Jahre 1600 der Phutthasakkharat. Nach seinem Tode 
erhoben die Sethi*) seinen Sohn Phanchonkuman zum König, 
mit dem Titel Phra Vaijaksa. Bei Gründung der Stadt Phra 
Phichit erhielt er den Namen Kotabong und als erPhixai baute, 
wurde er Phaya Müa lek (der Kernig mit der eisernen Hand) ge- 
nannt. Dann wurde der Name Inthapat für die Residenz erneuert. 
Kinduang-vouang, der Neflfe des chinesischen Kaisers, bjiute, als 
König der Giaochi , in der Provinz Xüntei seine Hauptstadt in 



*) 8ethi ist die Kaste der Vaisya , die aber bei den Buddhisten auch die der 
Edelleate meint, und überhaupt neben demKönij^ a)h:in genannt vNird, ausserdem 
gemeinen Volke. Ucbersetzer der siamesiäclien Geschichte haben es zuweilen 
durch „Geizhals** wiedergegeben , aber nicht jeder „reiche Mann** braucht des- 
halb ein geiziger zu sein und bei den Almosen gebenden Buddhisten am wenigsten. 



342 Sl^m* 

spiraliger Scliiieckenforni (2000 a. d.). Die Residenz wurde spä- 
ter nach Hanoi verlegt und schliesslich nach Kecho, als die Kö- 
nige der Li-Dynastie die Muschelstadt (Tanj Ouchh) verliessen. 
Die letztere mag, wie Tschentscheng, die an der Schildkröten- 
kliste in das Meer gebaute Residenz der Könige Ngannan's, ein 
Hafen gewesen sein, und auf den Kohn-gatj (Ziegelhügel) ge- 
nannten Untiefen liegen noch dieTrllniniern einer zerstörten Stadt 
am Grunde der See. 

Als Phra Chao Kolathevarat noch in Inthapat regierte, schickte 
er seinen Vertrauten Khunsinghonsnkon in einem Schiffe aus, um 
für seine Rechnung eine Handelsspeculation in entfernte Länder 
zu unternehmen und ihm Kunde von neuen Entdeckungen zu 
bringen. Mit den Gütern von 500 Kaufleuten beladen, segelte 
das Schiff an einem gUnstigen Tage von Inthapat ab und nahm 
den Curs uachPraphangji. Nachdem sie sieben Monate gefahren, 
verloren sie ihre Richtung und wussten nicht länger, wo sie sieh 
befanden. Für fünfzehn Tage herrschte völlige Windstille und 
das Schiff konnte nicht gelenkt werden. Dies ereignete sich in 
Folge der auf den Kaufleuten lastenden Sünden. Als sich später 
wieder ein Wind erhob, war es kein günstiger. Er wuchs be- 
ständig an und wüthete zuletzt als furchtbarer Sturm , der das 
Schiff von den Ankern riss und von der Küste der Bucht binaus- 
trieb in den grossen Ocean. Von da war es unmöglich zurück- 
zukommen. Für sieben Monate flogen sie vordem Orkan, der 
sie jagte, und da kam eine Stadt in Sicht, die Stadt Kuven-Na- 
khon, die Residenz des Phra Kanchao, deren Häuser und Wälle 
von reinem Gold und Silber sind. Voll Freude steuerten die 
Schiffe auf den Hafen zu und ankerten dort. Die Matrosen und 
Passagiere gingen anVLaud und zerstreuten sich über den Markt 
in verschiedenen Richtungen, um Provisionen einzukaufen. Bei 
der Rückkehr erzälilten einige Diener des Khunsinghonsakon, 
dass sie eine Frau getroffen, die vollständig ihrer Herrin gliche, 
und neugierig gemacht, begleitete er sie dorthin und fand seine 
eigene Frau. Als diese ihren Gatten sah, schrie sie auf vor 
Freude , umhalste ihn und beide weinten und lachten zusammen. 
Dann sagte die Frau: „Ihr habt Euch verirrt und seid einen ver- 



Mjrthen der alten Residenzen. 343 

kehrten Weg gefahren, dass Ihr hierher gekommen. Dies ist 
die Stadt Phra-Kan's , des Todesgottes. Als Du abreis'test, war 
ich im Anfange der Schwangerschaft, und als die Zeit der Geburt 
kam, da sandte Phra-Kan seine Diener, die erdrosselten mich 
und jetzt nach meinem Tode wohne ich hier in dieser Stadt. Und 
lass mich Dir Alles im Einzelnen mittheilen. 20 Pfund an Silber 
wirst Du in meinem Kasten und 1 Pfund an Gold finden; ferner 
sind da neun männliche und zehn weibliche Sclaven, die uns bei- 
den gehören. Wenn Du heimkommst, nimmmeine jüngere Schwe- 
ster zu Dir und bringe Opfer für mein Heil. Doch jetzt lausche: 
diese Kaufleute, Deine Begleiter, sind alle innerhalb sieben 
Tagen gestorben , denn sie haben die Stadt des Todes betreten. 
Dass Du entkommst, dazu ist nur ein Weg. Bereite einen Vor- 
rath von getrocknetem und gezuckertem Reis , und binde ihn um 
Deinen Gürtel. Dann klettere zum Mastkorbe hinauf und beachte, 
wenn Du beim Vorbeifahren an der Küste den Zweig eines Oli- 
venbaumes überhängen siehst, dann ergreife ihn und schwinge 
Dich hinauf. Nur so ist Deine Rettung möglich. Doch jetzt geh, 
verkaufe des Königs Waaren und lass uns nicht zusammen ge- 
sehen werden. Wenn Dich des grausigen Phra-Kan Auge trifft, bist 
Du des Todes : er saugt alle existirenden Dinge in sich ein und 
isst die Menschen für seine Nahrung." Khunsinghonsakon folgte 
demRathe seiner Frau, präparirte eine grosse Menge getrocknete 
Reiskuchen und nahm bei der Abfahrt die Stelle des Capitains 
ein, um das Schiff längs der Küste zu halten. Die Segel vom 
Winde geschwellt, glitt das Schiff rasch daran entlang, als der 
Zweig eines wilden Oelbaums an den Mastbaum stiess. Rasch 
ergriff ihn Khunsinghonsakon und Hess unter sich das Schiff 
fortfahren, das noch sieben Tage auf dem Meere umhertrieb und 
dann mit den 500 Kaufleuten in die Hölle Avichi versank. 

Für sieben Tage glitt Khunsinghonsakon an den Zweigendes 
Oelbaumes herab, bis er zu einer breiten Spalte kam, die den Weg 
abschnitt. Zehn Tage war er dort aufgehalten und nährte sich 
durch dieFrUcht« des wilden Oelbaumes. Dann sah er die Winde 
eines wilden Jasmin's hervorwachsen , der sich um die Blätter 
geschlungen hatte , und dem Stengel der Pflanze folgend , kam 



«344 Siam. 

I 

• ^^ 

er nach weitereu sielien Tagen dem Fu88e des Baumes nahe. 
Eben wollte er auf die Erde springen, aln er einen grossen Lüweu 
erblickte, der unter dem Baume stand. Voll Furcht blieb er auf 
den Zweigen sitzen und warf vom Morgen bis Mittiig die Früchte 
der wilden Oliven auf den Löwen, bis es ihm vorkam, dass der- 
selbe todt sein könnte. Als er hinabstieg und ihn schüttelte, fiel er 
um. Er zog jetzt kühn sein Schwert und weidete desl^wen Fell 
ab, das er über seine Schultern legte und einem engen Pfade 
folgte , der durch den Wald hinführte. Nachdem er 15 Tage vor- 
wärts gereist war und seine Pi*ovi8ionen fast schon aufgezehrt hatte, 
kam er an ein Steueramt, und als die Zöllner ihn sahen, packteu 
sie ihn und schleppten ihn herein,' um ihn in das Verhör zu neh- 
men. Als sein Abenteuer an den König berichtet worden , be- 
fragte ihn dieser selbst und Hess ihn wohl bewirthen. l)m 
Löwenfell wurde, in kleine Stücke zerschnitten, an alle Städte 
versandt, damit jede etwas zum Andenken habe. Als Khun- 
singhonsakon in Inthapat ankam , war zuletzt nur soviel davon 
übrig, um einen Sitztejjpich davon zu machen, und diesen erhielt 
König Kotathevarat. Als er njich seinem Hause kam, fand 
Khunsinghonsakon Alles genau, wie seine Frau ihm berichtet. 
Der jetzt aus dem südlichen Indien verschwundene Löwe wird 
in den Erzählungen als nur ein im Ilimaphan- Walde existirendes 
Wunderthier betrachtet und ninmit deshalb vor den Pagoden jene 
fabelhafte Gestalt an, in der er noch jetzt zu sehen ist Sein 
früherer Aufenthalt im Dekkhan scheint die Ableitung von Wi- 
jayai's Geschlecht zu beweisen, und wie die Könige von Ceylon 
schmückten sich viele andere Dynastieen Indiens mit dem Titel 
der Löwenherrscher. Auch die Häuptlinge derNats, oder wie 
sie von den in drei Pali getheilten Maler, zum Unterschiede von 
den Gauklern, genannt wurden, die Parahya (Parabutti) Nat«- 
(oder Bergbewohner) in den Hügeln llajuiahaPs, nannten sich 
Singha oder Löwen. Die Löwengesehichte des ceylonesischen 
Ahnherrn ist in ähnlicher Fassung auch zu einer allgemeinen 
buddliistischcn Legende geworden, indem die Birmanen erzählen, 
dass der aus dem Walde in die Menschenstädte zurückgekehrte 
Sohn seinem vor Schmerz gestorbenen Vater die Löwen vor den 




Mythen der alten Residenzen. 345 

Pagoden zu seiner Verehrung errichtet habe. Der besonders 
kostbare Werth, der einem Löwenfelle als Sitz in Kambodia bei- 
gelegt wurde, entging auch nicht der Aufmerksamkeit des chine- 
sischen Gesandten. Nach dem türkischen Khatainame trat der 
von den Ungläubigen zurückgewiesene Schamguni in einen Berg, 
kam aber dann zu deren Schrecken als Löwe wieder daraus hervor. 
Der Name Sakyasinha bezeichnet ihn als den Löwen aus dem Ge- 
schlecht der Sakya. Die tibetische Bezeichnung alsQakja thubpa 
(der Mächtige der ^^äkja) erinnert an den alten Königstitel der 
Tobba, der auch im Yemen gefunden wird. Nach Megasthenes 
trug (der in Kleisobora oder Krishnapura, Hauptstadt der Qura- 
sena verehrte) Herakles (der seine Tochter Pandaia schwängerte, 
um einen König flir Indien zu erzeugen), ausser seiner Keule, ein 
Löwenfell. Mathura (Kleisobora nach Plinius) heisst bei Ptole- 
mäos die Stadt der Götter. 

Als nach dem Tode des Chao pendin (der Herr der Erd- 
oberfläche) keiner aus dem Königsgeschlecht übrig war im 
Lande Kamphut, wurde üthong, unter dessen Tritten Gold ber- 
vorsprosste, von den Angesehenen des Volkes zum König er- 
wählt und zog, als eine Pestilenz ausbrach, von seiner Hauptstadt 
Xaxieng nach Savannathevalok (565 Ch. S.). Als er dort Alles 
ruhig fand, wandte er sein Boot und schlug sein Lager auf in der 
Nähe von Fangtai, wo das Volk, einen Verdienstvollen in ihm 
erkennend , ihn zu der Würde eines Chao ])endin erhob. Er re- 
gierte dort nach den alten Gesetzen , und als er Alles beruhigt 
und geordnet hatte, gab er die Stadt Suphanrathakhirija an seinen 
altem Bruder. König Uthong wurde der Ahnherr der königlichen 
Ra;e. Den Platz für seinen Palast zu enge findend, schickte er 
Edelleute aus, um die Gegend zu erkundschaften, und erbaute auf 
einer Insel, nach den Anweisungen des dortigen Eremiten , die 
Stadt Ayuthia auf einem durch Feuer geweihten Grunde. Seine 
Tochter wurde einem Prinzen aus Xiengmai vermählt Nach 
Andern war Uthong seinem Schwiegervater in der Regierung Cha- 
liang's gefolgt, als er Kundschafter für die neue Stadt ausschickte. 
Die Kuinen der alten Hauptstadt Kamphengphet sollen noch im 
Walde neben der Stadt zu sehen sein, wo Inschriften gefunden wor- 



i 



346 8ü«. 

den »ind. Unter ihren Königen wird Khun Samxon erwähnt. Auch 
Nackhonsavan war einst der Sitz unabhängiger Fürsten und die 
jetzt verfallenen Städte Phra-In undPhra-Phrom mögen eine bes- 
sere Vergangenheit genossen haben. 

Nachdem er im Jahre 712 der Chunlosakkharat seine Resi- 
denz Krung theph oder Ayuthia gegründet, herrschte Uthong oder 
Ramathibodi über 16 Städte. Bei seinem Tode (731 Ch. S.) kam 
sein Sohn Ramasuen, der als Gouverneur von Lophburi eingesetzt 
gewesen, nach Ayuthia und folgte auf dem Thron seines Vaters. 
Nachdem er Kamphuxathibodi erobert hatte , bestellte er seinen 
Sohn Borommaraxathirat zum Könige von Ayuthia und kehrte 
nach Lophburi zurück. Als der König von Ayuthia, der Laos un- 
ter>vorfen hatte, starb, folgte ihm sein Sohn, wurde aber durch Ra- 
masuen, der aufs Neue von Lophburi nach Ayuthia kam, getödtet. 

Als die vom König Uthong ausgeschickten Officiere, um 
einen gesunden Platz für eine zu gründende Stadt zu suchen, zu 
einer fischreichen Stelle des Menam gekommen waren, liessen 
sie Baumstämme aushöhlen, um nach einer Insel im Flusse tiber- 
zufahren. Die Edlen und Gemeinen brachen mit vieler Mühe 
ihren Weg durch das dichte Gestrüpp des Jungle, die Wasser- 
pflanzen der Sümpfe oder die Knäuel dorniger Büsche, die durch 
eine ungehindert fortraukende Vegetation in eine unentwirrbare 
Masse zusammengeballt waren. Aber als sie bis in das Centrum 
der Insel gekommen waren , sahen sie dort zu ihrer Verwunde- 
rung einen einsamen Eremiten, der unter einem Baume sass und 
die Leute fragte, für welchen Zweck sie seine ruhige Abgeschie- 
denheit störten. Als er hörte, dass der König dort eine Stadt zu 
erbauen gedenke, erwiedcrte er: „Seit lange haben wir hier 
gelebt, seit Phra Phutthichao, unser Herr und Gott, den Schutz 
seiner Verdienste begründete und sein Gesetz verkündigte. Jetzt, 
wo die Zeit erfüllt ist und die Stadt gebaut werden muss, werden 
wir uns nach dem Berge Keo-Bauphot zurückziehen. Aber dieser 
Platz hier, wo sich die Feuerscheite übereinandergehäuft haben, 
ist kein günstiger, dies ist nicht siegreicher Boden. Geht nach 
Südwesten, dort werdet ihr eine glückbringende Stelle finden» 
ein Ton-Baum soll euch das Zeichen sein.'' Nachdem die Edeln 



Mythen der alten Residenzen. 347 

es nach seinen Worten gefunden, kehrten sie zurück, dem Könige 
Bericht abzustatten, und begaben sich auf seinen Wunsch aufs 
Neue zu dem Eremit, Phra Satham Kodora genannt, um ihn zu 
sich einzuladen. Dieser erwiederte: „Noch werde ich nicht 
kommen. Geht und holt eure Leute, dass sie mit dem Umhauen 
des Waldes beginnen. Dann wenn Alles aufgeschichtet ist, und ihr 
auf die Feuersäule blickt, werdet ihr das Warum verstehen. " Nach 
seinen Worten wurde es ausgeführt. Die Arbeiter hieben die 
Bäume um, sie in einen hohen Scheiterhaufen auf einander thUr- 
mend. Dann als der Eremit ihn anzündete, da flammte derllolz- 
stoss auf, glanzvoll und strahlend, die Lohe schlug empor, höher 
als die höchsten Palmbäume, und die Helle leuchtete*) über 
alle Nationen ringsum. Der Eremit sprenkelte Wasser, mit magi- 
schen Formeln geweiht, auf die ausgebrannte Asche und sprach 
dann so zu den Edeln: „Dies hier wird der Sitz einer langen 
Reihe von Königen in künftigen Zeiten sein. Die Stadt, hier erbaut, 
wird ein reicher Hafen werden, in dem ein Mastenwald von 
Schiffen ankert; aber auch Kriege ohne Ende sehe ich kommen 
und Schlachten und Blut." Nach diesen Worten des Eremiten 
kehrten die Edeln zum König zurück, der sie seine Einladung 
wiederholen Hess. Aber als sie am nächsten Morgen den Heiligen 
suchten, war er nirgends zu finden, obwohl der König überall 
nach ihm forschen Hess. Nach Ayuthia's Gründung krönten die 
Xiphram den Uthong als Ramathibodi. 

Uthong oder Ramathibodi ertheiltc seinem ältesten Bruder 
Borommaraxathirat die Regierung Suphanburi's und seinem Sohne 
Ramasuen die Stadt Ix)phaburi. Bei seinem Tode folgte ihm der 
älteste Sohn auf dem Thron, der zweite regierte inTanao und der 
dritte in Petchaburi. Einen Schwiegersohn erhielt er aus den 
Städten des Nordens. 

Als Suphanthaburi inXiengmai-Phixai regierte, traten seine 
Söhne Xaijathat und Xaijasen in die Priesterschaft ein, eine 



•) Die bei der Geburt des aus der Lende seiner Mutter hervortretenden 
Aurva aufschiessende llaniuie leuchtete über die Erde, dass die Xatrijas er- 
blindeten. 



348 8»am. 

Pflicht, die auch iu Siam Jedem, besonders Vornehiiieu aufliegt. 
Schon Pedro de Sa weiss, dass die Kinder die Ilofsprache oder das 
Balic lernen müssen. Nachdem die Prinzen erst in Phukam (Pagan) 
studirt hatten, gingen sie dann nach Hongsawaddi (Viterat-llUma- 
Hongsa), wo sie ein Liebes verhältniss mit der Prinzessin unter- 
hielten. Um Mitternacht schlichen sie in den Palast und nahmen 
die Prinzessin mit sich in ihre Mönchszelle, ohne dass Jemand 
davon wusste. Und die beiden Brüder wurden verstört in ihrem 
Geist und für drei Tage wanderten sie wie besinnungslos um- 
her, die Prinzessin in ihren Armen tragend. Dann übten sie die 
Gebete des Kammathan , die auf die Düngsakan (die 32 Theile 
des Körpers) Bezug haben und thaten das Gelübde , die Erschei- 
nung eines Phi (Dämon) annehmen zu wollen. Als der König 
von Hongsawaddi seine Tochter vermisste, und Niemand ihm ihren 
Aufenthalt mittheilen konnte, streute er Radiessamen auf seinen 
Kopf und wurde durch das Keimen derselben in ausstreckender 
Linie nach dem Kloster geleitet. Die Entführer wurden zum 
Tode verurtheilt, baten aber, erst Proben ihrer gelernten Künste 
ablegen zu dürfen. Als der König ein Wasserbecken bringen 
Hess, verwandelte sich der eine Bruder in einen Fisch, der andere 
in einen Wasservogel, nahm seinen Bruder in den Schnabel und 
flog mit ihm davon. Der König schaute verwundert hinterher 
und Hess nachsehen, obsich vielleicht ein Almosentopf und gelbes 
Gewand in ihrer Zelle finde. Aber da war nichts der Art. 

Als die Prinzen nach Xieugmai zurückgekehrt, traten sie aus 
dem Priesterstande wieder aus, um später auf dem Throne folgen zu 
können und machten in der Zwischenzeit eine Reise nach Ayuthi.% 
da sie von dem Ruf der Schönheit der dortigen Prinzessin angezogen 
waren und keine andere fanden, die ihnen zusagte. Sie nahmen 
die Gestalt alter Thero's (Priester) an und erhielten ein Logis in 
einem Vat (Kloster) in der Nähe des Palastes , wo sie durch die 
Lobpreisungen, die sie hörten, noch begieriger wurden. Bei 
Nacht deshalb warfen sie die Verkleidung ab, stiegen auf einem 
Blumenbaum (Ton Phikun) über die Mauer und gelangten in das 
Gemach der Prinzessin , die , da sie die hohe Abkunft ihrer Be- 
sucher erfuhr, keinen Anstand nahm, ihnen Erlaubniss zum Wie- 



Mythen der alten Residenzen. 349 

dcrkominen zu geben. Als nach einiger Zeit ihre Schwanger- 
schaft den Augen des Königs deutlich wurde , wunderte er sich, 
wie bei den hundertfältigen Thoren und Kiegeln in den Passagen 
des Schlosses Jemand Eingang gefunden hätte, und schloss, dass 
es nur durch den Wasserablauf geschehen sein könne. Er Hess 
in demselben ein eisernes Netz aufstellen, und als der ältere Prinz 
seinen nächtlichen Gang antrat, verfing er sich darin und wurde 
am nächsten Morgen todt gefunden. Dadurch wurden sie auf die 
Spur seines Bruders gebracht, und da die Prinzessin, bekümmert 
um den Tod ihres Liebhabers , ihre Zuneigung seinem Freunde 
zuwenden zu wollen erklärte, gestattete Uthong die Vermählung 
und Hess sie mit grossen Festlichkeiten, wobei die verschiedenen 
Städte für ausgesetzte Wetten in Ringkämpfen stritten, feiern. 
Die Statue Phaya Krek's kam freiwillig aus eigenem Antriebe aus 
der Stadt Inthapat nach Sri Ayutliia und blieb dort. 

Bei König Uthong's Tode folgte ihm Xaijasen auf dem Throne. 
Als indes« die Prinzessin den Sohn seines Bruders gebar, trat er 
diesem , als Chao Suvan Kuman , die Regierung von Ayuthia ab 
und kehrte mit seiner Gemahlin nach Xiengmai zurllck, wo er 
nach seinem Vater den Sceptcr führte. Diese ganze Fabel mag 
eine ingeniöse Erfindung der Laos sein, um das Factum der Er- 
oberung Xiengmai's durch Ramasuen zu verkleiden. 



Nach den siamesischen Annalen setzt Turpin den ersten 
König*) ins Jahr 1444 a. d. LoubÄre beginnt aus den in Siam 



*) Der erste Konis^, von dem die Siamesen Kenntniss haben, begann 1300 
nach Christi zn regieren. Besonders viel wissen sie von den Thaten des Brhama 
Tjibodi, der in India regierte, zu erzählen. Obwohl Anfangs dem Kaiser von China 
tributpflichtig, machten sich die Siamesen später anabhängig, bis sie vom Kaiser 
Xico aus der Dynastie Yuen 1280 p. d. aufs neue nnterworfen wurden und es bis 
zur Ankunft der Holländer blieben. In den ältesten Zeiten der Malayen stand die 
ganze malayische Küste bis zum Vorgebirge Singapore unter diesem Fürsten, ehe 
sich I160n. Ch. der malayische König Siri tocri Bowana unabhängig machte. Da 
die Könige von Siam ihren Handel sehr ausdehnten , hatten sie auch viel mit den 
Japanesen zn thun, die dort Jährlich grosse Capitalien von Silber in ihren Dschunken 
hinbrachten und dafür Hirsch- und andere Felle einkauften , wie sie in Japan ge- 
tragen werden. Manche der Japanesen blieben wegen der Fruchtbarkeit des 



350 Siam. 

gesammelten Naclirichten die Königsreihe mit Pra Poa Honne- 
Hourittep-pennaratui-sonammc-bopitra, der (1300 B.S.) in Tschai 
pappe mahanacon regierte. Nach zehn Königen folgt Ipoia-sanne- 
thora-thesma-teperat, der Tasoo nacon luang (Nakhon luang) 
erbaute und dann (nach zwölf Königen) König Pra-poa-noome- 
thele-scri, in Lacontai am Flusse Porselouc (1731 B. S.) regie- 
rend; dann nach vier Königen Ramatilondi, Erbauer der Stadt 
Siam im Jahre 1894 (1349 p. d.) und später Schaupasathay 
(1627 p. d.). Von Zeiten Prapoa's (des ersten der siamesischen 
Krmige in den Annalen) führten die Siamesen ein wanderndes 
Nomadenleben bis zur Zeit Ramatilondi's. In festen Ansiede- 
lungen wurden sie (wie nfich Megasthenes die mit Wagen umher- 
ziehenden Indier durch Dionysos) durch Prapoa (den 24. König) 
vereinigt, der sie mit sich nach lacontai nahm, am Flusse Por- 
selouc, und dann Pipeli für seine Residenz erbaute. In dem Titel 



Landes dort oder Hessen sich in die Dienste des Königs anwerben. Es heisst, 
dass Soniinona Codom einer ihrer ersten Könige oder der Sohn des ersten 
Königs gewesen sei und dass er nach seinem Tode in einen Gott verwandelt 
worden. Der Fusstapfen desselben , der zufällig von einem ihrer Priester oder 
Talapoin gefunden wurde , soll der des rechten Fusses sein , der auf dem Adanis- 
berg in Ceylon der des linken Fusses. Die den Gottesdienst betreffenden Gegen- 
stande sind in einer nur den Priestern bekannten Sprache geschrielien , welche 
die balische genannt wird. Der ehrbare Herr Abraham Rogerins »ngt, dass die 
Heiden der Küste Koromandel, die in der Nähe von Paleacatta wohnen, der 
Meinung sind, dass ihr Gott Hrama bald nach Sommonacodom geboren sei, 
wogegen Andere Beide für denselben halten. Die Siamesen sagen weiter, das;} 
die Mutter des Codom Mahamania oder Mahameria geheissen , was die gros^^e 
Maria meint. Der Vater des Sommonacodom war ein König von Thevelanca 
oder der Insel Ceylon. Ausser diesem Sommonacodom erwarten die Siamesen 
noch einen zweiten, den sie Pranaotte nennen. Sie schreU>en ihrem Codom die 
Besiegungen des mächtigen Gottes Prasouane , der an seiner Gottheit xwetfelte, 
zu. Seine Bilder in den Tempeln stehen zwischen zwei Schülern, von denen der 
zur rechten Hand Pramogla, der zur linken Hand Prasaribut genannt wird. 
Ausser anderen Namen geben sie auch den Prapoctitsjaoe an. Sie sagen , dass 
er an einem Leibweh starb , weil er zu viel Speck gegessen , obwohl sie auch 
sagen, dass er durch den Pfeil eines Mannes im VerlH>rgenen getödtet sei. Anch 
meinen sie, dass er gesündigt und gestraft sei, später aber den Zustand der 
Glückseligkeit erlangt habe (s. V^alentyn). 



X 



Mythen der alten Residenzen. 35 1 

Sourittep (Suriya thephada) liegt die Abstammung von dem 
königlichen Sonnengeschleehte in ISiam und Birma, wie in Tenas- 
serim, und Phra-Phutth ist ein oft auch Königen gegebener 
Titel, sowie auch Phra-Bat (der heilige Fusstapfen). Le roi de 
Siam se nomme Phat- vuong (roi Bouddha), k cause de la pro- 
fonde v6n6ration , qu'ont les Siamois pour Bouddha. Chez les 
Anuamites, qui ont une v^n^ration particuli<^re pour le ciel, le roi 
se nomme Thien-vuong (roi Celeste), nach dem Gia Dinh Thung- 
chi (s. Aubaret). 

Pra-poa-noome-thele-seri mag derselbe König sein, von 
dem Ribadeneyra hört<5: dizen los letrados de Sian, que un Key 
de los primeros de aquel reyno , les havia dado la ley que guar- 
dabau. Porque despues de vivir casado muchos anos y teuer 
hijos, se fue a hazer vida solitaria y de gran penitencia en un 
monte y despues de haber estado alla algun tiempo , se volviö a 
SU reyno y les dio ley, la quäl contiene siete mandamientos. 
Que son: honrar los Idolos, no matar, nohurtar, no bever vino,no 
tratar con muger agcna, ni mentir. Y algunos entienden tan 
estrechameute el no matar, que ninguna cosa viva matan. Der 
religiöse Stifter wird hier also mit dem weltlichen zusammen- 
geworfen, und schon in dem Titel Phra Poa (Poat), der wie hier 
Phra Phutth*) (Buddha) sagen will, und in der Geschichte oft als 
Ehrenbezeichnung der Könige beigesetzt wird. Ausser Phrabat, 
den heiligen Fusstapfen, gebrauchen die Kambodicr noch 
Paten ta (Festung) als Titel. Auch die chinesische Herkunft, die 
in verschiedenen Figuren der alten Civilisatoren Hinterindiens 
spukt, wird herbeigezogen. Les Chinois et les Siamois se dis- 
putent rhonneur d'avoir eu Sommonakhodom pour compatriote. 
Les Premiers pretendent, qu'ayant 6te envoyö par Tempereur de 
la Chine en qualitö de Tambassadeur au roi de Siam, celui-ci 
reconnut en lui une si grande sagesse, qu'il lui donna sa fille en 
mariage et le d^clara son successeur au trone. Les Siamois 
Boutiennent, qu'il ^tait fils d'un de leurs rois et qu'il fut le 
meilleur roi, qui ait gouverne. Les uns et les autres s'accordent 

*) Nach Masiidi war Bndab der allgemeine Titel dor Könige von Kl Kanoj. 



352 SUun. 

a dire, ({u'apr^s avoir regnö avcc bcaucoup de »agesse et donn^ 
les lois les plus belies , il abdiqua la counmoe pour se retirer 
daus les bois et fit öclatcr les vertus les plus meireiUeuscs. Aebn- 
licbc Volkstraditionen von einem einbeimischen Fürstensohne, 
der das BUsserleben wählte, bewahren die Ceylonesen, ungeachtet 
des ihnen geschrieben vorliegenden Mahawanso. 

Wie U-thong (der goldene U) stehen an der Spitze vieler 
Dynasticen in China , den Namen U oder Wu fllhrende Kaiser, 
die das zerrüttete Reich aufs neue durch Gesetze ordnen und be- 
festigen: so beim Erheben der Tschcou, Kaiser U-wang, der seinen 
lasterhaften Vorgänger Scheusin entthronte, dann Ou-ti, Gründer 
der Tsin (265 p. d.), Ou-ti, Gründer der Leang (502 p.d.), Ou-ti, 
Gründer der Tschin (557 p. d.). Bei Du Halde führt der König 
(Prachyan) von Kemarat, den er an Pamahang tribut])flichtig 
nennt, den Namen Otting. Der erste König der kanibodisclieD 
Mythe heisst Phra Thong. 



i 



Die Könige der Laos« 

Was die Könige anbetrifft, die über die siamesischen Nationen 
(Sayam - Phrathet) herrschen, so gab es zuerst einen grossen 
König , der in« der Stadt Xiengrai über das Jon - Volk ( Jonaka- 
Phrathet) regierte. Gegen ihn kam ein König aus dem Lande 
Satong, und da er in der Schlacht überwunden war, so verliess 
er mit seiner Familie und seinen Anhängern die königliche Re- 
sidenz und flüchtete über die Grenzen von Sayam -Phrathet 

Sie passirten den Fluss Pho und kamen nach dem Lande 
Peb, einem wüsten Platz an dem, Kamphengphet (die diamantene 
Mauer) gegenüber liegenden, Flussufer. Als sie in diesem Walde 
weilten , erzeugte die Kraft ihrer Verdienste Hitze in dem Sitze 
des Götterkönigs Amarintharat*), der die Gestalt eines Eremiten 
annahm und als Erscheinung vor des Königs Elephanten stand, 
zu ihm sprechend : „ Hier gründe eine Stadt , dies ist ein sieg- 
reicher und gesegneter Platz, frei von allem Unfall.^ 

Der König , hocherfreut ob dieser Worte , rief seine Unter- 
thanen zusammen und baute eine Stadt, die er durch Cita- 
dellen und Thürme wohl befestigte. Ein königliches Schloss 
auch wurde errichtet und Wohnungen für die Herren der Laos 
(Phaya Lao) von edler Abkunft, eine Zuflucht für alles Volk. 
Als Alles vollendet war , erhielt die Stadt den Namen Traitrüng, 



*) Indra's Himmel heisst bei den Siamesen Devadfingsa oder der Himmel 
der Dreiunddreissig. Nach dem Dabistan giebt es 33 Koti von Engeln , d. h. 
330 Bfillionen , neben nenn Brahmanen (die bei den Jangoman die Ansns oder 
Strahlen Brabma's heissen) , elf Radras oder Mahadeos , sWölf Sonnen und tehn 
Kegionen. 

BAtiiftn, Oiiaaien. I. 23 



354 8»*m- 

weil Indra der Tausendäugige sie angezeigt hatte. Der König 
herrsehte dort bis zu seiner Todesstunde , und ihm folgten sein 
Sohn und Enkel , bei denen die Regierung fttr vier Generationen 
von Königen verblieb. 

In diesem Lande lebte ein Aussätziger, am ganzen Körper 
mit Geschwüren bedeckt, der das Feld bestellte, Pfeffer uhd 
Liebesäpfel (Madtla) pflanzend. Er sammelte die reifen Früchte 
und verkaufte sie, um seinen Lebensunterhalt zu gewinnen. An 
einem der Apfelbäume, der nahe bei seiner Hütte stand, pflegte 
er täglich zu urinireu , und die Samentheilchen imprägnirten die 
Wurzel, so dass der Baum durch ihre Grösse ausgezeichnete 
Früchte trug, weil das Princip des Lebens in ihnen schwoll. 
Nun geschah es , dass die Prinzessin des königlichen Hauses ein 
Gelüst verspürte , Liebesäpfel zu essen. Sie schickte eine ihrer 
Dienerinnen, die umherging, zu kaufen und einen besonders gros- 
sen und schönen Apfel zurückbrachte. Die Prinzessin fühlte sich 
schwanger und theilte es ihrem Vater mit, der strenge Nach- 
forschungen anstellen Hess, aber sich überzeugte, dass kein 
männlicher Besuch bei ihr eingetreten war. Die Schwanger- 
schaft schritt fort und nach zehn Monaten gebar sie einen Sohn, 
der die Tanja-lekkhana (die Zeichen des Königthums) an sich 
trug. Seine königlichen Verwandten beeilten sich alle um die 
Wette, ihn zu liebkosen , zu pflegen und sorgsam zu hüten. Als 
er das Alter von drei Jahren erreicht hatte, beschloss sein Gross- 
vater, sein Prognostikon zu stellen und wünschte deshalb aus- 
zumachen, wer sein Vater sein möchte. Er Hess es deshalb durch 
das Schlagen der Gong verkünden, dass alle männlichen Bewohner 
seines Königreichs, ohne irgend eine Ausnahme, sich auf der 
Ebene versammeln sollten, Jedermann mit Kuchen und Früchten 
verschiedener Art in seinen Händen. Nachdem der König im 
Gebet um Erkennung des wahren Vaters nachgesucht hatte, Hess 
er seinen Enkel hervorbringen und durch die Versammlung hin- 
durchtragen. Der Aussätzige nun, Sen Phom mit Namen, hatte 
nichts in seiner Hand, als einen Klumpen kalten Reis , aber den- 
noch, als der Prinz bei ihm vorbeikam, fiel er ihm um den Hals, 
umarmte ihn und begann von dem Reis in seiner Hand zu essen. 



Die Könige der Laos. 855 

Als die Leute das sahen, verwunderten sie sich, man hörte murren 
und spotten und allgemeiner Unwille gab sich kund. Der König 
von TraitrUng war im höchsten Grade beschämt und nieder- 
geschlagen. Er gab Befehl, dass die Prinzessin und sein Enkel 
zusammt mit dem Aussätzigen auf ein Floss gesetzt und ihrem 
Schicksal Überlassen werden sollten. Das Floss aber trieb zu 
der Apfelpflanzung in der Nähe der Stadt und der Aussätzige 
half seiner Frau und seinem Kinde dort ans Land. Die vereinten 
Verdienste dieser drei Personen zogen Amariutharat herbei, ihnen 
in Körpergestalt zu erscheinen , und er überbrachte ihnen eine 
Gong, deren Klang alle ausgesprochenen Wünsche erfüllen würde. 
Der Aussätzige schlug zunächst die Gong, Heilung seiner Krank- 
heit wünschend, und wurde in einen von Schönheit strahlenden 
Jüngling verwandelt. Mit der Gong nach Hause kommend , war 
seine Frau überrascht und erfreut. Sie wünschten sich Gold und 
gaben es den Künstlern, um eine goldne Wiege für den jungen 
Prinzen zu fertigen, und deshalb wurde dieser unter dem Namen 
Uthong bekannt. In dem Jahre 681 der Lusakkharat Hess 
Uthong's Vater an jener Stelle durch den Klang der Gong (wie 
Putraka durch die Zeichnung seines Stabes Pataliputra) eine 
Stadt entstehen, Khirixai-Xieng-Sen (der Platz, der den Aussatz 
heilte) oder auch Thepha-maha-nakhon genannt, weil sie durch 
die Macht der Thephajuda geschaffen war. Von allen Seiten 
strömten Bewohner nach dieser Stadt, so dass sie bald volkreich 
wurde. Und der König, der dort herrschte, ist inSayam-Phrathet 
als der König Khiri-Xai-Xieng-Sen bekannt. Als im Jahre 706 
der Lusakkharat der König Khiri-Xai-Xieng-Sen im 26. (nach 
Andern im 45.) Jahre seiner Regierung starb, verschwand das 
Himmelsgeschenk der Gong und wurde nicht mehr gesehen. 
Der Prinz Uthong aber folgte seinem Vater und regierte an seiner 
Statt. Er fasste (nach sechs Jahren) den Plan , eine neue Stadt 
zu gründen, und sandte seine Boten aus, um nach einer passenden 
Stelle auszusehen, wo kein Mangel an Fisch wäre. Auf ihrem 
Wege nach Süden kamen die Kundschafter in die Umgegend des 
SeesSano, mit Sumpfpflanzen bedeckt, und fanden ihn fischreich, 
sowie iü jeder Hinsicht fruchtbar und günstig. Sie kehrten des- 

23* 



356 ß>am. 

halb zurück und berichteten dem Könige Uthong, der mit seinen 
Heerschaaren in vier Abtheilungen aufbrach, alle seine Familien- 
glieder und königlichen Verwandten mit sich führend. Im Jahre 
712 der Lusakkharat, im Jahre des Tigers, dem zweiten Jahre 
des Cyclus, kamen sie an die Stelle, wo die königliche Residenz 
erbaut wurde, die anfangs Krung-Thepha-maha-nakhon hiess und 
später (nach der gleichfalls von Flussarmen umgebenen Stadt 
Thaoravat) Thaoravat genannt wurde und auch Srijutthia, weil 
man bei derAnsiedlung dort ein altes Paar lebend fand, von dem 
die Frau Sri-Aju und der Mann Uththaja hiess*). Durch Ver- 
einigung dieser drei Namen kommt die Bezeichnung Krung- 
thepha-maha-nakhon-bovon-thava-raoti-Sri-Jutthaja. Tachard 
bemerkt, dass Crung-si-ayu-thaya auch Crung theppa ppra ma 
ha na kon genannt würde. Cela veut dire Ville angölique , ad- 
mirable et extraordinaire In den 37 Jahren seiner Regierung, 
nach der Krönung, erhielt König Uthong den Titel Phra-Rama- 
thibodi. Es giebt auch Versionen, die die erste Anlage Ayuthia's, 
das zweimal gegründet sein soll, in uralte Zeit zurückführen. 
So heisst es, dass Phra-Nara-Avatan dort geherrscht habe , lange 
vor der Menschwerdung Buddha's , und dies würde zu der araca- 
ncsischen Mythe von der Gründung Ayuthia's durch die Prinzen 
des Kengtha- Königs ein Seitenstück liefern. Interessant ist 
dieser Gebrauch Avatar, der den von Batara in Java bestätigt 

*) Eine ebenso g^eistreiche Erklärung horte ich in Udong-Mi-Xai über den 
Namen dieser Residenz. Die gebildeten Siamesen übrigens kennen sehr wohl 
die Beziehungen, in welche ihre Hauptstadt zu dem indischen Ayuthia gesetzt wird. 
Sie verlegen auch das heilige Kusinagara nach ihrem Lande. ConoUy bemerkt : 
The practice of giving to favourite spots the namos of celebrated foreign sacred 
places is common in Oujein and elsewhere. By this simple process, the Hinda 
thinks to concentrate a quantity of holiness into a sranll space and piety indulges 
in the consolation of worshipping at home the objects of diffteult pilgrimage. 
I>alton bemerkt von dem Mahabeer -Hügel der Bhooyas: The tntelary deity of 
this hin is a favourite object of worship , and is more or less revered by all the 
country. The top of the hill or rock being difflcult of access, Mahabeer has 
stndied the convenience of his votaries and entered an appearance down below in 
the forme of a stone , in a sacred grove or Surna (a fhigment of the primitive 
forest left when the first clearance was made , as a refuge for the sylvan deities 
whom the Clearing might have disturbod) at the foot of the hiU. 




Die Könige der Laos. 357 

Nach Fani sind die Avataren von ViBchuu's Essenz aus- 
strömende Strahlen , obwohl Krischna bei seinen Anhängern als 
völlige Einkörperung gilt. Der König Kambodia's fahrt die 
Figur Narai's im Banner*). Ein siamesischer Brahmane, den 
ich kennen lernte, behauptete, dass Uthong, der Gründer Erung- 
khao's , den Namen Ramathibodi erhalten habe (ebenso wie sein 
Enkel) , weil seine Vorfahren dem Sayasat (den brahmanischen 
Shastra's) hohe Achtung bezeigt hätten. Der beliebte Name 
Rama wird von den Brahmanen verschiedenen Königen beigelegt, 
besonders Phra Suang oder Phaya Krek. 

In einem vom Könige selbst redigirten und durch Dr. 
Dean veröffentlichten Abriss hcisst es: ourancient capital Ayuthia 
before the year 1350 p. d. was but the ruin of an ancient place 
belonging toKambuja, fonuerly called Lawek, whose inhabitants 
then possessed Southern - Siam or Western -Kambuja. Die von 
Uthong's Vater gegründete Stadt soll in der Nähe des heutigen 
Nakhon-Savan gelegen haben , und hörte ich auf meiner Durch- 
reise davon sprechen , dass noch einige Trümmer in dem Walde 
zu sehen seien. 

Aus Xiengrai, von wo die Gründer Kamphengphet's stammten, 
hatte schon früher Phra Thamma Traipidok seine Kundschafter 
ausgesandt und , als sie eine fruchtbare Gegend entdeckt hatten, 
die Stadt Phitsanulok gebaut. Von der Stadt Satong wird gesagt, 
dass sie im Lande Mon an den Grenzen der wilden Karlen ge- 
legen. Die Trennung Siam's von Laos wird auf 813 p. d. datirt. 

Von der zweimaligen Gründung Ay uthia's ist die zweite den 
aus Norden herabgekommenen Fürsten zuzuschreiben, die in dem 
dann in der Geschichte als Hauptstadt Siam's bekannten Ayuthia 
regierten und sogleich, nach Art der plündernden Räuberbanden 
in den Laosländern , über ihre reichen Nachbarn herfielen und 
die Civilisation Kambodia's zerstörten. Der Name Uthong mit 



*) Wie der siamesische drei Pagoden oder den Elephant und der birma- 
nische den Pfau. Peacock-feathers are wom on the head by Gonds (s. HaU). Als 
das Geschlecht der von dem tausendarmigen Arjana stammenden Haihaya-Raja 
(die in Manipora , Champayati und Mahishmati herrschten) untergegangen war, 
erhob sich die Macht der Gonds. 



358 s^AiD. 

dem Titel Ramathibodi für den Gründer wurde , als bekannt und 
berühmt, nur wiederholt. Das ältere Ayuthia wird die Haupt- 
stadt eines kambodischen Fürsten genannt, der über Siam re^erte, 
mit Ausnahme des abgefallenen Sukhothay, und knüpft sich des- 
halb an den aus Kambodia gekommenen und zum Chaopendin 
erhobenen Uthong, von dem nicht gesagt wird, wie bei den nörd- 
lichen Einwanderern, dass er von einem Feinde vertrieben wurde, 
sondern dass er aus einem von Seuchen verheerten Lande aus- 
wanderte und der also , nachdem er seine Residenz nach einer 
günstigem Localität verlegt hatte, auch die angestammten Pro- 
vinzen neben den neu hinzugefügten in seiner Botmässigkeit 
bewahrte. Darin findet der Name Judura oder Judaya seine Er- 
klärung, mit dem die Birmanen Yuthia früher benannten, sowie 
auch die Kambodier. Die Beziehung zu Vischnu folgt aus dem 
Einfluss , den damals die Brahmanen nicht nur über Kambodia, 
sondern, wie es scheint, auch über Annam ausübten. Auch die 
später eingeführten Bilder aus dem sivaitischen Götterkreise 
kamen zur See nach Kambodia und Ligor früher, als nach Siam, 
da mehrfach bemerkt wird, dass sie nach dem letzteren Lande erst 
aus jenen beiden herübergebracht wurden. Ueber Ceylon wogten 
die Wellen der beiden feindlichen Religionen, fluthend und 
ebbend. Buddhismus und Brahmanismus verdrängten einander. 
In den Blüthezeiten des Buddhismus wurde der Continent mit 
Buddhabildem und Büchern überschwemmt und, wenn die Chola's 
die Oberhand erhielten, wie 1059 p. d. bei der Gefangennahme 
des Königs Mahendra oder 1195 p. d. durch Kalingaraja's 
Eroberungen, werden die Brahmanen nicht versäumt haben , ihre 
Götter und ihren Cultus nach den nahegelegenen Küsten zutragen. 
Mit ihnen mag auch die Anordnung der Chronologie gekommen 
sein. Die brahmanischen Colonieen , die durch die nördlichen 
Einwanderer in den Flussthälern angetroffen wurden, können 
keine Schwierigkeit bieten, wenn in Assam schon im vierten 
Jahrhundert durch Fabian Brahmanen gefunden wurden und 
bereits zu Ptolemäus Zeit unter den Indrapathai nördlich von 
den im Süden an die Nangalogai grenzenden Ibethingai wohnen 
mochten. Die Legende führt Vicramaditya , das Prototyp brah- 




Die Könige der Laos. 359 

manischer Superiorität, nach Kamrup, um Subhaou zu stürzen, 
und unter den Pala, besonders zur Zeit Dharmapala's, bltthte die 
Verehrung Qiva's. Bald nachdem das Reich der Ponas oder 
Pon den umliegenden Völkern seine Gesetze aufzwang (777 p.d.), 
drang der König von Talifu in Nantschao (862 p. d.) erobernd 
nach dem Süden Tonquin*s vor. Nach Ribadeneyra kamen die 
kambodischen Gründer Ayuthia's aus Nakhon Tom. Los Sianos 
supieron, que los fundadores deaquel reyno habian venido de una 
grande ciudad , que esta fundada en un desierto en el reyno de 
Camboxa que esta cerca de Sian. 



< 



Die Geschichte Ayuthia's. 

Während die Siamesen selbst zugeben , dass in der Phong- 
savadan Myang Nya Dichtung und Wahrheit gemischt sind, und 
sie dieselbe nur als eine vorzeitliche Hythengeschichte betrachten, 
sind sie dagegen stolz auf ihre neuere Geschichte, die im Beson- 
deren die Chroniken der Stadt Ayuthia genannt werden, and 
deren Chronologie nur selten Schwierigkeiten bietet Bei meinen 
Besuchen des königlichen Archivs im Palaste zu Bangkok habe 
ich die dicken Bände, die sie zusammensetzen, oft in den Händen 
gehabt und durch die Zuvorkommenheit des Bibliothekars manch- 
mal einzelne derselben entlehnt und mit mir nehmen können. 
Es würde mir leicht gewesen sein, eine vollständige Uebersetzung 
derselben anzufertigen, und fehlte dazu nur die Zeit Mein 
ganzer Aufenthalt inSiam beschränkte sich auf etwa zehn Monate 
und da mir, ausser der Erlernung der Sprache selbst, in diesem 
kurzen Termin vor allen bis jetzt unbekannte Werke des reli- 
giösen Faches zur Bearbeitung vorlagen, so habe ichdenCapiteln 
der modernen Geschichte , aus denen das Wesentliche und be- 
sonders schon das Interessantere durch Bischof Pallegoix mitge- 
theilt ist, nur dann und wann einen kurzen Durchblick widmen 
können. Indess hatte ich Gelegenheit, mich nicht allein zu über- 
zeugen, dass der bei Pallegoix gegebene Abriss, der sich auch 
beiBowring wiederholt findet, im Allgemeinen richtig ist» sondern 
auch demselben in besonderen Punkten erläuternde und ergän- 
zende Zusätze beizufügen , abgesefien von den collateralen Be- 
stätigungen , die sich aus der nebenherlaufenden Geschichte der 
Nebenländer ergeben. Für die augenblicklichen Tagesereignisse 




Die Geschichte Ayuthia'«. 361 

würden sich mitunter interessante Mittheilungen aus deniNongsU 
Raxakitcha entnehmen lassen, ein der Hofzeitung in Peking nach- 
geahmtes Blatt, das in unregelmässigen Zwischenräumen im 
Palaste ausgegeben und unter den Voniehmen vertheilt wird. 
Der König benutzt es als halb ofiicielles Organ, schreibt aber die 
Leitartikel meist mit höchst eigener Hand. Aus der Phongsa- 
vadan Myang Nya (die Geschichte der nördlichen Städte) sind 
einzelne Auszüge durch den Missionär Jones gemacht worden. 

Nach Gründung Ayuthia's wurde Uthong von den Brahmanen 
mit dem Titel Phra Ramathibodi gekrönt im Jahr 711 der Chun- 
losakkharat (1350 p. d.) Bald nach seiner Thronbesteigung 
muss er das den Laos damals beliebte Waffenhandwerk wieder 
aufgenommen haben , um seine neue Hauptstadt durch die aus 
den Tempeln und Palästen Kambodia's fortgeführten Kostbar- 
keiten zu schmücken; denn die kambodische Geschichte, aus der 
ich mit Hülfe des königlichen Archivars in Udong einen kurzen 
Aaszug anfertigte, setzt den ersten Einfall Ramathibodi's , zur 
Zeit als König Borommalompongraxea in Nakhon Vat herrschte, 
in das Jahr 1274 der Mahasakkharat (1353 p. d.). Er kehrte ein 
zweites Mal im Jahre 1278, unter König Chao Karabong, zurück 
und führte dann den grössten Theil der Bevölkerung als Kriegs- 
gefangene mit sich fort, um sie in Siam anzusiedeln. Er schickte 
eine Gesandtschaft nach China, die dort aber erst unter seinem 
Nachfolger ankam (1369 p. d.) und den kaiserlichen Almanach 
zurückbrachte, ein nothwendiges Requisit für den Stifter einer 
neuen Dynastie, um den Kalender seines Reiches zu ordnen. Sein 
Sohn Ramesuen wurde zum Gouverneur der Provinz Lophburi 
bestellt. Unter den ihm unterworfenen Ländern werden Malaka, 
Xava, Tenasserim (Tanaosi), Ligor (Nakhon Sri Thammarat), 
Tavoy (Thavay), Martaban (Motama), Molmein (Molamlong), 
Songkhla, Ghanthabun, Phitsanulok, Sukhothay, Phixai, Savan- 
khalok, Phichit, Kamphengphet aufgezählt. Die letzten Namen 
gehören meistens noch jetzt existirenden Städten im eigentlichen 
Siam an, die zum Theil schon aus der Geschichte der nördlichen 
Länder bekannt sind. Martaban wurde damals von einer Dynastie 
von Königen beherrscht , die sich eine Zeit lang die Bestätigung 



362 

ihrer König*» würdeauüSukhothav zu holcD pflegten, al^o die dor- 
tigenHerrscher für ihre Oberherreo anerkanDten. VoDdem im Jahre 
1368 p. d. regiereDden Könige wird gesagt, da«s er die Freund- 
ftchaft mit »Sukhothay abgebrochen , und durch die Superioritat 
Ayuthia'8 musste jene Stadt ihren Einfluss verlieren. EHe Ge- 
Hchichte Martaban's erwähnt gleichzeitig aus 8iam gekommene 
Kriegerbanden, die in den »Sold des Königs tretend, PalmstreT4>- 
lutionen anzettelten, und deshalb wohl zu denselben Abenteorem 
au4 dem Laoslande gehörten, die sich in den kambodischeB 
Grenzpro\inzen durch Gründung Ayuthia's ein Königreiek er- 
kämpften. Die Eroberung Martaban's durch Uthong fiiUl in eine 
Periode, wo diese Stadt durch innere Fehden geschwäckt war, 
und der vertriebene König seine Residenz nach Hongsawaddi 
verlegt hatte. Die Provinzen Tenasserim*8 mit Tavoy and viel- 
leicht auch Ligor waren auf den Eroberungszügen Narapatisetha*s 
temporär in den Besitz der Birmanen gekommen, werden aber 
leicht in die Hände der Siamesen gefallen sein, daPagan damals 
schon von den Chinesen zerstört war, und das kaum gegrtUidete 
Ava genug zu thun hatte, sich seiner pltinderungssttchtigen Nach- 
barn zu erwehren. Dass sich die Macht der siamesischen Könige 
noch weiter hinab*), bis nach Johore erstreckte, geht aus den 
malayischen Berichten hervor, und daher mag der Name Malaka 
(Malakka) bei der späteren Revision der Chroniken eingefügt sein. 
Auch Singapore wird als dem Könige Siam's (Boubatnya, König 
von Syahamou oderSomau) tributpflichtig genannt, der, um den 
Mord seines Schwiegersohnes Sanghasinga zu rächen, den javani- 
schen Usurpator Paramegvara vertreiben Hess, wogegen nach 
de Barros eben dieser mit Hülfe der Cellates Cingapura einnimmt 
Die Geschichte Java's oder (im Siamesischen) Xava's berichtet von 
Mcnak Gengga, der seine Eroberungen durch das angeheirathete 
Majapabit vergrösserte , dass er den Angrifi* eines von Kambodia 
gesandten Heeres zurückgeschlagen habe, und bedient sißh so 



*) E porqae snbe que a terra |era del rey de Siao Ihe mandon pedir qoe 
Ihe qaizesse dar com o titalo do Key , sagt Coato von dem Malakka gribidendeo 
MalayenfQrsten. 



k 



Die Geschichte AjQthia's. 363 

des aus früher bekannten Namens, während in Wirklichkeit 
Kambodia damals dem in Siam residirenden Herrscher unter- 
worfen war. 

Bei Ramathibodi's Tode (1369) succedirte sein Sohn Rame- 
suen, der, nach Pallegoix, dem Bowring folgt, für ein Jahr auf 
dem Throne gesessen habe, dessen sich dann (1370) sein Bruder 
Borommaraxa bemächtigt. In der mir mitgetheilten Copie wird 
gesagt, dass Ramesuen bei seines Vaters Tode aus seiner Statt- 
halterschaft Lophburi nach Äyuthia gekommen und dort gekrönt 
sei , dass er aber , nach einem glücklichen Kriege in Kambodia 
vorgezogen, in seiner, den eroberten Provinzen näheren Residenz 
Lophburi zu verbleiben , und seinen Bruder Borommaraxathirat 
in Ayuthia eingesetzt habe, um von dort aus die Kriege mit 
Xiengmai und Laos (im Jahre 742 der Chunlosakkharat) zu leiten. 
Die kambodische Geschichte nennt freilich denjenigen König 
Siam's, der im Jahre 1294 der Mahasakkharat die gänzliche 
Unterwerfung des Landes beendete und seinen Sohn, PhayaKrek 
unter dem Titel Chao Entraraxa auf dem Throne installirte, Chao 
Borommaraxa, doch will dieser Name nur besagen, dass er der 
höchste Oberkönig gewesen. Das berühmte Gold-Bild Buddha's 
in Pichai wurde unter dieser Regierung verfertigt (1380). Von 
Tachard wird ein goldenes Colossalbild in Sukhothay erwähnt. 
Auf die Sendung des Kronprinzen nach China (1376) erhielt 
Siam sein Staatssiegel und den Namen Sien - lo. Auch bei der 
Thronbesteigung war (1370) ein Huldigungsbrief geschickt, in 
dem die Chinesen den königlichen Titel als Cham lit chiu piya 
lesen. Als beim Tode PhraBorommaraxa's sein Sohn Chao Thong- 
Lan sich die Krone aneignen wollte , kam Ramesuen aufs Neue 
von Lophburi nach Ayuthia herab (1382 p. d.) und Hess seinen 
Neffen erschlagen, um von jetzt an selbst in Ayuthia, als der 
durch seine günstige Lage an Bedeutung wachsenden Hauptstadt 
des Landes, zu verbleiben. Die Kriege mit den nördlichen Laos- 
ländem wurden eifrig fortgeführt und nach der Eroberung 
Xiengmai's zahlreiche Colonieen von Kriegsgefangenen in Batta- 
bongy Sangkhala, Srithammarat , Chantabun angesiedelt. Auch 
mit dem alten Reiche Kambodia war es jetzt vorbei. Um einen 




364 Si«». 

mit Hülfe der Juen oder Coehinchinesen versuchten Aufstand zu 
bestrafen, unteruahni der König einen neuen Feldzug dahin, zer- 
störte völlig, was von der Hauptstadt noch übrig war, und Hess 
das entvölkerte Land als Wüstenei zurück , auf deren durch die 
Behausungen vieler Menschen - Generationen gedüngtem Boden 
bald ein dichter Urwald emporwuchs und ihre Existenz selbst in 
der Erinnerung vertilgte. Die von mir eingesehene Geschichte 
Kambodia's schweigt über diesen letzten Gnadenstoss. Aber 
während sie früher Nakhon Vat und Nakhon Luang als Haupt- 
stadt genannt hat, sagt sie von dem nächsten Könige, PhayaJaht, 
dass er erst in Basan und dann in Panompen regiert habe, zwei 
Städte, die schon südlich vom See in den sumpfigen Niederungen 
liegen , wo allein die flüchtige Herrscherfamilie vor ihren blut- 
gierigen Verfolgern Sicherheit zu finden hoffen durfte. Als das 
Jahr des Regierungsantrittes Phaya Jaht's wird das Jahr 1306 
der Mahasakkharat genannt , was genau mit dem Jahre 747 der 
Chunlosakkharat zusammentrifft, in welchem die siamesische 
Geschichte die Zerstörung der kambodischen Hauptstadt durch 
Ilamesuen ansetzt (1385 p. d.). Mit den geraubten Schätzen 
wurde (749 Ch. S.) der Bau der grossen Pagode Phukbao thong 
begonnen, die noch jetzt unter den lYümmern Ayuthia's hervor- 
ragt. Der Kaiser von China beehrte ihn mit einer Gesandtschaft 
(1386) und als sein Sohn Phaya Ramchao auf dem Throne folgte 
(1387), schickte er sogleich nach China, um seines Vaters Tod 
anzuzeigen und um Bestätigung zu bitten. Ein Eunuch von 
hohem Rang wurde abgeschickt, um die Investitur zu vollziehen, 
nachdem die Trauerzeit für seinen verstorbenen Vorgänger pflicht- 
schuldigst beobachtet worden. 

Von dem Tode seines Vaters erzählt die siamesische Ge- 
schichte, dass Ramesuen oderRamasan, als er eines Abends nach 
dem Palaste zurückkehrte , vor sich mitten auf der Strasse die 
Erscheinung eines längst verstorbenen Prinzen, Mola oder (nach 
Andern) Thao Montien genannt, vor sich gesehen hätte, der auf 
einem Elephanten dort gesessen und ihn unbeweglich angeblickt 
habe. Der König, der ausser dem Morde seines Neffen wohl noch 
ß-ndere Urgachen hatte, Gespenster zu sehen, verschied bald darauf. 



Die Geschichte Ayuthia's. 365 

Unter der Regierung Phaya Ramchao's (Tzoepandan) wurde 
zuerst chinesisches Gewicht und Mass eingeführt. Bei seinem 
Tode (1401) bemächtigte sich Intharaxa, König von Suphanna- 
buri, des Thrones von Ayuthia und belehnte von seinen Söhnen 
Chao Ai (den ältesten) mit Suphan, Chao Ji mit Phreksiraxa 
und Chao Sam (den dritten) mit Xainat. • Der König erhielt ein 
neues Siegel von China und Hess die Gewichte und Masse dort 
nochmals berichtigen. 

Nach ihres Vaters Tode (1418) bekämpften sich die drei 
Brüder um den Thron. Chao Ai und Chao Ji beeilten sich jeder 
zuerst in Ayuthia anzukommen , und auf einer Brlicke mit ihren 
Elephanten zusammentreffend, fielen beide im Zweikampf, so dass 
der Preis unbestritten dem Jüngsten , Chao Sam blieb , der den 
Thron unter dem Titel Borommaraxathirat bestieg. Von Xainat 
nach Ayuthia kommend , brachte er Kühe nebst anderen Götter- 
bildern mit und Hess seinen Sohn Phranakhon Indra krönen. Von 
ihm wird eine neue Verheerung der Laosländer berichtet , und 
Bevölkerung Siam's mit den aus Xiengmai fortgeführten Ge- 
fangenen. Da der chinesische Handel unter den andauernden 
Seekriegen, die Siam mit Malakka führte, empfindlich litt und 
die Kauffahrteischiffe beständigen Piratereien ausgesetzt waren, 
so benutzte der Kaiser von China seine Autorität, um den beiden 
feindlichen Mächten Frieden und Freundschaft anzuempfehlen 
(1418). Der Krieg war entstanden, weil Sakanadhara, der König 
Malakka's, die die Strasse passirenden Kauffahrteifahrer anhalten 
Hess , um dem Handel Singapura's , das unter siamesischer Bot- 
mässigkeit stand , zu schaden. Er soll sich später freiwillig zu 
Tributzahlungen verpflichtet haben, aber die siamesische Ge- 
schichte spricht unter Phra Ramesuen oder Borommatrailokanat, 
dem Nachfolger Borommaraxathirat's (1434), von einer Eroberung 
Malakka's (1441). Die Malayen setzen sie unter Sultan Alaweddin. 
Um die Abhängigkeit loszuwerden, wird erzählt, dass er eine Reise 
nach China unternommen und von dem Kaiser, dem er die Ober- 
lehnsherrlichkeit angeboten, eine Prinzessin zur Gemahlin erhal- 
ten. Wie Malakka musste sich auch Tavoy den Geboten des sia- 
mesischen Königs unterwerfen (1467), der stets den Sieg an seine 



366 3^^- 

Fahnen zu fesseln wusste und der durch seine EinrichtimgeD das 
eigentliche Siam umgrenzte (1460). Als der aufständische Ffiist 
von Chalian oder Xalicng, nach der Eroberung Phitsanulak*s, auf 
Kamphengphet marsehirte, besiegte ihn der König (1449) in 
einer mörderischen Schlacht. Im Handgemenge gab der König 
viele Beweise persönlicher Tapferkeit, und obwohl esvierKriegs- 
elephanten der feindlichen Laos gelungen war, ihn mit nur einem 
Begleiter von seinen Truppen abzuschneiden und zu umringen, 
hieb er sich doch unbeschädigt wieder zu den Seinigen durch. Bei 
dieser Gelegenheit wird gesagt, dass der Prinz Phra-Intharat, 
der sich allein an der Seite des Königs befand, an der Stirn ver- 
wundet sei durch eine Pyn genannte Waffe, womit jetzt Sehiess- 
gewehre, Flinten oder Kanonen, bezeichnet werden. In chi- 
nesischer Geschichte findet sich die Erwähnung solcher bekannt- 
lich noch viel früher, aber diese und andere Stellen beweisen, 
dass Bowring dafUr in der siamesischen Geschichte 1584 als zu 
spätes Datum angesetzt hat. Uneinigkeiten mit den Cham oder 
Dsiampa beizulegen, die im Interesse ihrer malayischen Ver- 
wandten in Malakka, siamesische Ilandelsschiife zu kapern pflegten, 
wurde die Schiedsrichterschaft des Kaisers von China angerufen 
(1456). Nach den Malayen hatte Malakka unter Muzaffer Schah 
den Gehorsam gekündigt. Bei dem Tode Borommatrailokanaf 8 
(1472) folgte sein Sohn Phra Ramathibodi, der ein colossales 
Buddha-Bild giessen Hess undPhixai stark befestigte. Unter ihm 
brach die Empörung des Königs Mohamed von Malakka aus 
(1500), für deren schliessliche Dämpfung der Monarch Siam*s 
dem portugiesischen Admiral zwar höflichen Dank sagen Hess, 
aber Nichts dafUr zurlick erhielt. Das kostbare Juwel blieb ver- 
loren. II Re di Sian e principe che avanti che li Mori li ribel- 
lassino con il regno di Malaccha comminciava il suo stato in 
quella citta e finiva nelli monti del regno delli Guei, die vielfach 
als Wilde erwähnt werden. 

Die siamesische Flotte, die anfangs einen Vortheil er- 
focht (1501), wurde (1502) theils durch Sturm, theils durch 
Kriegslist zerstört, und eine zweite Expedition , die (unter dem 
Commando Pulo Pagu's) zuAVasser und zu Lande angreifen soUte, 



Die Geschichte Ayathia's. 367 . 

schlug gleichfalls fehl. Sein Sohu, der unter dem Titel Borom- 
maraxa (1509 p. d.) auf dem Thron folgte, begann noch grössere 
Ausrüstungen, um diese wiederholten Scharten auszuwetzen, 
aber ehe er damit zu Stande kam , durchflog schon das Gerlicht 
von dem Falle der reichen Handelsstadt und von Albuquerque's 
glänzenden Thaten die Reiche Hinteriudiens. Im Jahre (1511), 
der Eroberung Malakka's durch Albuquerque (bemerkt Peschel), 
begab sich Duarte Femandez als portugiesischer Bevollmächtig- 
ter zu Schiff durch die Strasse von Singapur nach dem Menang 
an den Hof Ayuthia's und kehrte zu Lande UberTenasserim nach 
Malakka zurück, während sich gleichzeitig eine andere Botschaft 
nach Martaban und Pegu verfügte. Nur mit Aracan , dessen Ha- 
fenstadt Tschittagong einer Heimsuchung durch Jao da Silveira 
widerstanden hatte, und mit dem Königreiche Atschin blieben die 
Portugiesen auf feindseligem Fusse. Correa schloss 1519 einen 
Handelsvertrag mit Pegu. Nach seinem Successor Raxakuman 
(1513) folgte (1514) Xaijaraxathirat oder (nach Pigafetta) Siri 
Zacabedera, der Lamphunxai eroberte (1526) und den Fürsten 
von Phitsanulok gegen Xiengmai absandte. Unter seiner Regie- 
rung wurde im Jahre 887 der Chunlosakkharat, Ayuthia durch 
eine grosse Feuersbrunst fast ganz in Asche gelegt. Im nächsten 
Jahre (888) fiel ein blutiger Regen und die Geschichte erwähnte 
schon früher einer grossen Epidemie (802) und einer Hungersnoth 
(805), als verderblicher Landesplagen. Beim Tode des Königs, 
der den ersten Handelsvertrag mit den Portugiesen abgeschlos- 
sen, wurde sein minderjähriger Sohu Jot fa gekrönt (1527), die 
Königin aber, die eine Intrigue mit einem der Minister (Banbut- 
sitep genanut) unterhielt, schaffte ihn auf die Seile, um ihrem 
Günstling den Scepter zuzuwenden, kam Jedoch mit ihm in einer 
Empörung um , durch welche sich Suriya Thai , der Onkel des 
ermordeten Königs, unter dem Titel Mahachakraphatraxathirat 
auf den Thron schwang (1529). Unter ihm führten Feindselig- 
keiten mitKambodia, das sich damals unter den Königen vonLa- 
wek neu constituirt hatte, zum Kriege, und der feindliche König 
sah sich so sehr durch die siamesischen Heere bedrängt, dass er 
sich zur Auslieferung seiner beiden Söhne eutschliessen musste 



368 Slam. 

(1532). Sie lebten anfangs als Geisseln am Hofe Ajuthia'B, ge- 
wannen sich aber die Zuneigung des Königs, der einen deiBelbea 
zum Fürsten von Sangkhalok einsetzte. Pinto erzählt, dasB Ple- 
chau Salca (membro santo de Deos), König von Somau oderSiaD» 
die Königin im Reiche Guibem unterworfen, unddass er nach dem 
See Singuapamor, gewöhnlich Chiammay genannt, marschirt sei. 
Turpin bemerkt bei dem Feldzuge gegen Quibem, dass die Armee 
marschirt wäre sous les ordres de quatre marächaux de camp, 
dont deux ötaient Turcs et les deux autres Portugals. 

Unter diesem Könige begann die lange Reihe der Kriege 
mit Pegu, die einen so verderblichen Ausgang für Slam nah- 
men, ehe ihr gefeierter l^ationalheld als Retter erschien. Als 
der Hader über den geraubten Götzen schliesslich zu offe- 
nen Fcindneligkeiten geführt hatte, begann der König von 
Pegu unter dem Vorwande, dem bedrängten Kambodia HfLlfe 
leisten zu wolleu , ausgedehnte Rüstungen und brach im Süden 
durch den Pass der drei Pagoden in Slam ein. Mahacbakraphat 
stellte sich ihm in offener Feldschlacht entgegen und suchte den 
feindlichen König auf, um sich mit ihm im Zweikampf zu messen. 
Sein Klephant indessen, durch die gigantische Grösse des andern 
erschreckt, wendete um und rannte mit dem König in's Lager 
zurück. Als die Königin die Flucht ihres Gemahls sah, liess sie 
sich rascli , um das Heer nicht zu entmuthigen , eine mit den kö- 
niglichen Insignien geschmückte Waffenrüstung bringen und 
stellte sich dem andringenden Könige Pegu's entgegen , erhielt 
aber einen furchtbaren Schwerthieb, der ihr die Schulter und fast 
die ganze Körperhälfte abtrennte. Sie würde vom Elephanten 
gestürzt und in die Hände der Feinde gefallen sein , wenn es 
nicht den beiden Prinzen, die sich in ihrer Nähe gehalten hatten, 
durch heldenmUthigc Vertheidigung gelungen wäre, wenigstens 
die Leiche ihrer inzwischen verschiedenen Mutter in Sicherheit 
zu bringen. Aber das Geschick des Tages war entschieden, und 
auch der erfahrene Feldherr Phaya Nakh konnte die Niederlage des 
siamesischen Heeres nicht länger aufhalten. Der Sieger cemirte 
sogleich Ayuthia und betiieb die Belagerung mit grossem Eifer, 
musste sie aber aus Mangel an Lebensmitteln aufheben (1543). 



Die Geschichte Ayathia^s. 3(39 

Seinen RUckzug nahm er auf dem nördlichen Wege über Kam- 
pbengphet Im folgenden Jahre kehrte er zurück, aber der 
noch geschwächte König Siam's, der eine Erneuerung des Krieges 
ftochtete, Hess sich zu einem Vertrage bereit finden (1544), ob- 
wohl nach de Couto die Friedensbedingungen sehr demlitbigend 
waren. Er hatte als Vasall des Königs von Pegu zu huldigen, 
und ausser der Hand seiner Tochter sich zu verpflichten, als 
jährlichen Tribut eine edelgeborene Dame und eine bestimmte 
Zahl Kriegselephanten zu liefern. Als nach dem Tode des Königs 
von Siam sein minderjähriger Sohn von dem Galan der Königin 
ermordet war (1545), wurden beide bei einem Gastmahl durch 
OyaPassiloko und den König Kambodia's getödtet (1546), worauf 
der Talapoin Pretien den Thron erlangte. 

Siam scheint sich bald von seinen Wunden erholt zu ha- 
ben, denn Ayufhia wird kurz darauf als eine der blühend- 
sten Städte beschrieben, in deren Hafen sich die Handelsschiffe '^) 
der verschiedensten Nationen drängten. Und als Unterpfand 
dieses glücklichen Wohlstandes besass der grosse König Phra 
Chao Xangphuek sieben weisse Elephanten, die indess, wie 
gewöhnlich in der Geschichte Hiuterindiens, ein zweideu- 
tiges Geschenk der Götter waren, da sie nur neidische Feinde 
herbeizogen. Nach Pinto wurde der König Siam's von der 
Königin, die während seiner Abwesenheit im Feldlager einen 
der Höflinge allzu sehr bevorzugt hatte , vergiftet (1547 p. d.), 
und in demselben Jahre brach ein neuer Krieg mit Pegu aus, weil 
die Grossen , die nicht länger ihre Töchter in den Harem eines 
fremden Fürsten fortschicken wollten, die Tribut einfordernden 
Gesandten erschlugen. Der König von Pegu stand bald zur 
Rache fertig und umgab sich, als seiner Leibwache, mit einer 
Schaar erprobter Portugiesen, unter dem Befehle des Diogo Soares 
de Melle. Seine Armee zählte 900,000 Fusstruppen, 7000 Ele- 
phanten und 15,000 Reiter. Mit einer Pracht und Herrlichkeit, 



♦) Fn dem regen Verkehr Siam's war damals auch Japan eingeschlossen. 
Alli vam os Sioes com muitos embarca^oes h csu^sl. E he tan grandc o nnmero 
destas alimarias, que matan, qiie carregam, dalli todos os annos mnitos Jnncos 
de seos pellames e os levam a Japan , sagt Diego de Couto. 

UftBfcian, OaUsieu. I. 24 



370 ^i«n 

die den Pomp aller andern Könige der Erde flbertimf , u^ dieses 
Barbaren -Volk einher, erzahlt Diogo de Conto. Allnlckflich 
fanden nieh zur Käst luxuriöse Gebäude, vergoldet und mit Scr- 
rathen gesehnt ückt, und an jedem Tage standen sie andeaHille- 
plätzen neu aufgeschlagen. Sämmtliche Bedflrfiiisse wmreii toh 
Pegu mitgebracht, das Bauholz, die Möbeln, die Daehsparreii, die 
Thüren und was sonst immer nothwendig war. Alles wurde aof 
Elephanten vorausgeschickt im Gefolge von Schmieden, Zimmer- 
leuten, Schlossern, Malern, Vergoldem und Andern, zum Baaen, 
zum Decoriren und zum Ausschmücken der Wohnungen. Aach alle 
Vorbereitungen, um die Werkstätten einzurichten, hatten sie bei 
sich, und bei der Ankunft desKönigs waren reiche Paläste zu seinem 
Empfange bereit, mit zahlreichen Zimmern, Corridoren, Baikonen, 
mit Kochgelegenheiten und Prunkgemächern für die Damen. Die 
i^aläste waren mit starken Pallisaden zur Befestigung umgeben, 
und dem Könige wurde in Goldgefässen, an denen Juwelen glänz- 
ten, aufgewartet. Pferde, Elephanten, mit Gold geschmfickte 
Wagen standen jeden Augenblick bereit. Das Heer erzwang den 
l'ebergang über den Menam, den ein siamesisches Tnippeneorps 
zu verhindern postirt war, und legte sich dann vor Ayuthia. Eine 
starke Kanonade wurde eröflFnet und die Stadt würde sich ergeben 
haben ohne das tapfere Beispiel einer kleinen Schaar portugie- 
sischer Ritter, die den Belagerten Muth einflössten, in der Ver- 
theidigung zu verharren. Da der König von Pegu die Wasser des 
Flusses wachsen sah, und wusste, dass bald die Zeit der Ueber- 
schwemmung eintreten würde, so suchte er durch ihre Landsleute 
die Portugiesen im Dienste des Königs von Siam zu bestechen, 
aber sie gaben die edelmüthige Antwort, dass kein Gold in der 
Welt sie zum Verrathe bewegen würde, und dass sie bis zum 
letzten Blutstropfen auf dem ihnen anvertrauten Posten verharren 
würden (1548). Der König von Pegu gab sich schliesslich zu- 
frieden, als ihm vier der weissen Elephanten mit dem Prinzen als 
Geissei ausgeliefert wurden, und zog über Phitsanulok zurück, 
unterwegs noch versuchend , die Stadt Campape zu erobern , von 
wo er aber durch eine siamesische Nachahmung der chinesischen 
Stinktöpfe zurückgeschlagen wurde. Neben fremden Kriegen 



Die Oeschichte Ayuthia's. 371 

wurde das Land auch durch innere Unruhen zerrissen. Pinto 
erzählt, dass die Königin- Wittwe den Erbprinzen ermordet und 
ihren Liebhaber auf den Thron gesetzt habe (1548), dass sie 
aber mit ihm in einem. Tempel ermordet wurde, und dann ein il- 
legitimer Bruder nebst einem Onkel der beiden letzten Könige aus 
einem Kloster geholt wären, um zu herrschen (1549), was nur 
eine Wiederholung der vor dem ersten peguanischen Kriege einge- 
tretenen^Ereignisse seheint. Sich nach der Ruhe des Mönchstan- 
des zurücksehnend, überliess der König seinem Sohne Mahinthara- 
thirat die Krone, sich mit dem Priestergewand begnügend (1552). 

An weissen Elephanten muss noch damals kein Mangel ge- 
wesen sein, denn zwei derselben wurden als Tribut nach China 
gesandt. Dort wurde aber auch bald der Untergang ihres eifri- 
gen Tributträgers durch den benachbarten Staat Tung man ngau 
(Mon oder Pegu) bekannt. Der König Pegu's war aufs Neue 
mit einem ungeheuren Heere herbeigekommen, das auf ein bis 
zwei Millionen berechnet wird, und beranntc Ayuthia (1555). 
Nach dem Tode Phra Chao Xangphuek's hatte sein Sohn , den 
Lüsten und Ausschweifungen ergeben , keine Kraft zum Wider- 
stände. Verächtlich und rathlos wurde er von seinen eignen 
Creaturen verrathen. Die Stadt mit allen ihren Schätzen wurde 
eine Beate des Feindes, der Alles mit sieh fortschleppte, nur 
einen rauchenden Trümmerhaufen zurücklassend. Der König 
erhing sich , sein Sohn starb als Gefangener auf dem Wege im 
feindlichen Lager (1556). Der König von Pegu bestellte Phra 
Thammaraxathirat, den Fürsten Phitsauulok's, als Verwalter des 
verwüsteten Landes und zog in sein Reich zurück. 

Diesen Zustand der Schwäche des ganz zu Boden geworfenen 
Siam's suchte der König von Lawek zu benutzen, um seinem ge- 
fallenen Feinde noch einen Fusstritt zu versetzen. Er überzog 
das verödete Land, plündernd, was noch übrig war und die hülf- 
losen Bewohner als Gefangene forttreibend. Aber der Statthalter, 
obwohl zu schwach zum offenen Widerstände, hatte sich we- 
nigstens rasch in den Ruinen Ayuthia's befestigt, und es geLang 
ihm, dieselben gegen die Kambodier zu vertheidigen (1557). 
Unterstützt wurde er dabei durch seinen Sohn Phra Naret, der 

24* 



372 ß«*«n- 

al» Geissei nach Pegu geschickt, aber von dort entkommen 
war, und an den sein Vater , seine grossen Eigenschaften eri^en- 
nend, schon als einen Jüngling von 16 Jahren das Filrstenthum 
Phitsanulok abtrat ( 1 558). Bei einem Kriege mit Kambodia (1559)9 
in welchem sein Vater (PhraChaoKrung Thai) beidemÄng^ffauf 
Phanom tjangkang durch Phraxai, den König Panomphen's, ge- 
schlagen wurde(1563), liessPhraNaret, obwohl er noch zu schwach 
war, den Einfall zu verhindern, doch bei so manchen Gelegenheiten 
schon seine kriegerischen Tugenden hervorblicken, das« der König 
von Pegu, die von ihm drohende Gefahr voraussehend, ihn durch 
schmeichlerische Vorwände zu sich einladen Hess, um ihn durch 
Verrath zu verderben. Aber der Prinz , obwohl er voreilig in die 
Falle gegangen war, erhielt noch rechtzeitig einen Wink durch 
einen befreundeten Priester und fand die Mittel, sich wieder daraus 
zu befreien. Er führte selbst eine grosse Anzahl der in Pegu 
angesiedelten Kriegsgefangenen mit s'ch wieder in ihre Heimath 
fort. Der König, auf erhaltene Nachricht, schickte eine starke 
Heeresabtheilung zu seiner Verfolgung, wagte aber nicht sie 
selbst zu führen, sondern Hess sich auf dem königlichen Ele- 
phanten durch einen Andern vertreten. Naret, von den Verfol- 
gern eingeholt, machte Halt und ordnete seine Leute zur Schlacht 
Er selbst stürzte sogleich auf den Staatselephanten .los, auf 
dem er den König vermuthete , und war so rasch damit fertig, 
dass ein panischer Schrecken die Peguer ergriflF, die in Ver- 
wirrung zurück flüchteten. 

Während Naret's Abwesenheit in Pegu (1564) floh eine zu 
Wiang Süa geliörende Abtheilung der Thay yai von Kampheng- 
phet nach Phitsanulok und später kamen 20,000 derselben weiter 
herab , um sich in Chliang Thong niederzulassen. Unter ihnen 
fand sich ein aus Chi stammender Fürst und ein anderer aus 
Longchemiai. Von diesen Thay yai wird bemerkt, dass ihre 
Schriftzüge denen der südlichen Laos glichen. Bei seinem 
neuen Feldzuge gegen Pegu (1565) befahl Naret seinen Officieren, 
den Rest der Thay yai von Kamphengphet nach* Phitsanulok zu 
führen und überwachte die Uebersicdlung selbst, als er später 
während der Rebellion Nati^u's und Raja Songkhram's dorthin kam. 



i 



.Die Geschichte Ayuthia's. 373 

Er schickte im folgenden Jahre (1566) alle die Thay yai, die bei 
ihm Zuflucht gesucht hatten, nach Ayuthia, wo sie sein Vater in 
der Umgegend dieser Stadt colonisirte. 

Phra Naret widmete jetzt seine ganze Sorge und alle seine 
Fähigkeiten dem Wiederaufbau des zerstörten Staatsgebäudes. 
um die Grenzen zu befestigen, eroberte er verschiedene westliche 
Städte und führte die gesammte Einwohnerschaft nach der Trüm- 
merstätte Ayuthia's, um die Hauptstadt neu zu gründen (1567). Zur 
Bestätigung seiner Königswürde schickte Phra Naret Gesandte 
nach China (1569) und berichtete dem Kaiser von den über sein 
Land hereingebrochenen Unglücksfällen. Er verpflichtete sich, wie 
Hanuibal, sein Vaterland an Tung man ugau (Pegu) und Chan- 
lap (Kambodia) für die aufgehäuften Unbilden zu rächen. Nach 
einem über den Gouverneur von Xieugmai davon getrageneu Siege, 
woUßi viele Edle der Laos, Birmanen, Pcguer und Thay yai in 
Grefangenschaft fielen , begann er seine Angriffe auf die peguani- 
schen Provinzen (1568) und erhielt während derselben eine Bot- 
schaft von dem König Kambodia's, der sich ihm als Bundesge- 
nossen antrug. Dem König, dem sein verödetes Land noch wenig 
Mittel zur Kriegführung bot, konnte eine solche Hülfe nur will- 
kommen sein ; aber als er, im Vertrauen, den Rücken gedeckt zu 
haben, sich verleiten Hess, weiter in das feindliche Gebiet vor- 
zudringen, fand er sich von seinem treulosen Alliirten verlassen, 
der sogar über die siamesischen Dörfer und Städte, in die man ihn 
als Freund eingelassen, mit verrätherischer Schadenfreude herfiel 
und am Lebendigen wie Leblosen seine Wuth ausliess. Damals 
schwur Phra Naret den furchtbaren Eid, den er auch ausgeführt 
hat, dass er die Waff^en nicht niederlegen würde, bis er nicht 
seine Füsse in dem noch warmen Blute des kambodischen Königs 
gewaschen. Das Siegesglück verliess ihn nicht; denn statt 
menschlicher Bundesgenossen fand er himmlische. Als er mit 
den Peguern zur entscheiJenden Schlacht zusammentraf, ver- 
hüllten dichte Staubwolken die Heere, so dass der Kampf unter- 
brochen wurde. Da rief Phra Naret zu den Götteni (Thevada): 
„Mein Zweck ist, unsere heilige Keligion zu fördern. Weshalb 
vertreibt ihr nicht diese verdüsternden Wolken?" Und die 



374 8"*«- 

Götter erinnerten sieh ihrer Pflicht. Ein Wind sprang auf^ 
der die Luft klärte , und vom reinen Himmel strahlte die Sonne 
auf einen glänzenden Sieg der siamesischen Waffen nieder (1579). 
Der günstige Ausgang war schon durch die Omen Torheigesagt, 
wie der siamesische Historiker mit Ausführlichkeit besehreibt: 
Als Ayuthia von den Mon belagert wurde, träumte dem Könige 
»Siam's , dass er im W^asser mit einem riesigen Alligator kämpfte, 
aber ihn zuletzt tödtete, und der Hora erklärte dies Zeichen, 
Sieg über seine Feinde zu meinen. Dann sah er die Sarika- 
boromma-that (des Höchsten körperliche Reliquien) in der Form 
einer glattschaligen Orange umherkreisen, rechter Hand (thakki- 
navat), vom Süden (thaksinath) kommend und sich nach Norden 
(Udom) wendend. Da ging er mit freudeerfülltem Herxen, um 
anzubeten. Als er zur Schlacht aufbrach, sah er, aus Ayuthia's 
Thor tretend, einen Pratu-Baum mit einem Termitenhügel da- 
neben , und er nahm es für ein Zeichen in der Kruth-nana (eines 
mit dem Kruth-Buchstaben beginnenden Namens) des Xaia-phum 
(siegreichen Bodens). Er Hess das Lager aufschlagen und stellte 
das Heer in Schlachtordnung mit den Flügeln an beiden Seiten. 
Die Kriegskunst der Siamesen basirt auf der verschiedenen 
Thierfiguren (hier der des Garuda) nachgeahmten Form der 
Armeestellung, worüber sie ein illustrirtes Lehrbuch besitzen. 
In der folgenden Sehlacht hieb Phra Naret den Uparat (zweiten 
Kimig) der Mon von seinem Elephanten nieder und trieb die 
Feinde in die Flucht. 

Nachdem er sich noch durch Einverleibung der Laosländer 
gekräftigt hatte, beschloss der König, sich seines übernommenen 
Gelübdes zu erledigen. Bald überschritten seine siegesgewohnten 
Truppen die Grenze (1583) und trieben ihre Feinde vor sich her, 
die nur Sicherheit hinter den Wällen des stark befestigten Lawek 
zu finden hofften. Diese Stadt wurde belagert und trotz ver- 
zweifelter Gegenwehr erstürmt (1583). Phra Naret, im Königs- 
ornate auf seinem Throne sitzend, Hess den meineidigen Fürsten 
vor sich bringen und vor sich enthaupten, so dass das warm 
hervorquellende Blut über seine Füsse in eine goldne Wanne 
rieselte, unter dem Klange triumphirender Siegesmusik. 



Die Geschichte Ayuthia's. 357 

Nachdem er einen ihm ergebenen Prinzen als Nachfolger 
auf dem Thron Kambodia's eingesetzt hatte , kehrte Phra Naret 
nach Ayuthia zurück. Er bot jetzt die ganzen Kräfte seines Kelches 
auf, um einen entscheidenden Schlag gegen Pegu zu führen (1587). 
Alle Festungen fielen rasch in seine Hand , im Siegesfiug wurde 
Martaban, selbst Hongsawaddi erobert und die Siamesen drangen 
bis an den Sittang vor, wo sie ihren Gouverneur zur Verwaltung 
des eroberten Landes einsetzten. Der Schrecken hatte Alles ge- 
lähmt und Phra Naret würde keinen Widerstand gefunden haben, 
die ganze Halbinsel als Sieger zu durchziehen, wenn ihn nicht 
der Hülferuf des Königs von Kambodia zur Umkehr bewogen hätte. 
Die nationale Partei, die ihren einem Fremden tributpflichtigen 
König verachtete , hatte sich unter der Führung des verwegenen 
Phaon erhoben, der zahlreiche Schaaren der wilden Chbrongs 
aus den nördlichen Bergen als Miethstruppen herbeiführte. 
Diese Barbaren hausten aber in so fürchterlicher Weise im 
Lande, dass Freund wie Feind bald ihre Entfernung wünschten 
und nur in dem Könige Siam's einen Retter erblickten. Phra 
Naret hatte sie rasch in ihre Wälder zurückgejagt (1591) uud 
dann, zur Erholung nach den vielen Strapazen ununterbrochener 
Märsche, überliess er sich mit seinem Bruder den lange entbehrten 
Vergnügungen. Das Brüderpaar, das gewöhnlich zusammen als 
Naret-Narai genannt wird, die Freundschaft liama's mit Laksman 
zu bezeichnen , besuchte auf Vergnügungsfahrten die Inseln des 
siamesischen Golfes und begab sich dann mit einer Bootflotille 
nach den Sam rai yot (den 300 Bergspitzen) auf der Ostküste 
der malayischen Halbinsel, um Jagd auf Haie anzustellen (1592). 
Während seiner Anwesenheit in Lamphuu berichtet die Chronik 
vom Könige, dass er das Land von einem wilden Tiger befreite. 

Aber dem thatendurstigeu Phra Naret Hess es keine Ruhe. 
Zwar gehorchten ihm ausser Pegu die Königreiche Kamboya, La- 
niaugh, Zayomay, Leegor, Parava, Thenasarim uud andere, wie 
Floris sie nennt, noch aber blieb Ava zu erobern, die reiche Haupt- 
stadt der Birmanen , die auf dem vorigen Feldzuge fast schon in 
seiner Hand gewesen war, und er bcschloss jetzt, durch einen neuen 
das damals Verlorene wieder einzubringen. Doch seine ruhmvolle 



I^ufliahn war tK'tK'hlo^i^en. Schon war er bi«Tongu vorgedrungen, 
als der lV>d ihn ereilte (1593), und mit seinem Athemzuge ver- 
wehte auch, wie ein luftigei» Meteor, der feurige Glanz blutiger 
Sehlachten und Siege, in dem, wie jene Flammensäale auf 
Avuthia'H Insel, die sianiesisehe Krone über die Nebenlinder 
hervorgeleuchtet hatte, selbst bis China hin, wo man die Mit- 
wirkung des kriegskundigen Königs an einer Expedition gegen 
Japan wünschte (1593). In seinem Nekrolog sagt der ein- 
heimische Gcsehichtschreil>er , dsu^s er siegreich gewesen gegen 
Phra Phrom, Phra Phitsanu, Phra Isuen, Pbra Phayu, Phra Pha- 
run, Phra Phlöng, Phra Jama, Phra Phraisaph, Phra Inthon, Phra 
Chantaratharat (d. h. Brahma, Visvaearma, Siva, Jama, Indra, 
Winde, Feuer u. s. w.), dass er in dem Jutta-tham (dem rechten 
Gesetze) verharrt habe , dass er den ganzen Pbra-Traipidok neu 
in Pali abfassen und den Conimentar (Atthakatha-dika) zuffigen 
LjesH , dass er viele Klöster baute und die Phra-Phuttha-Sasana 
(die heilige Religion Buddha's) sehtitzte. 

Mit Narct's Tode war es mit den Kriegen und Siegen vorbei. 
Jetzt wurde das Blut nur in iunem Fehden vergossen, aber auch dort 
floss es bald in Strömen. Schon unter Naret's Bruder und Nachfolger 
Kkathotsarat gingen die meisten Eroberungen verloren , aber es 
gelang ihm doch wenigstens, den einheimischen Thron zu be- 
wahren, oll wohl sein Leben vor dem natürlichen Ende durch den 
Dolch des Meuchelmörders abgeschnitten wurde (1601). Dann 
aber folgte Mord auf Mord und der Thron wurde nur bestiegen, 
um von ihm ins Grab zu steigen. Dennoch steht diese Periode 
der Usurpationen und Revolutionen hoch verherrlicht in der 
siamesischen Geschichte da, da in ihr der Phrabat, der heilige 
Fusstapfcn Buddha's, entdeckt wurde. In einem Walde bei 
l^phburi (oderLouvo) wurde ein Jäger durch ein über ihm weg- 
ziehendes Seh wänepaar , den Schwanenkönig selbst, PhayaHe- 
marat, wie die Dichter singen, zu der Stelle geführt, und da die 
1 08 gesegneten Charakter- Zeichen erkannt wurden, so erhoben sich 
bald prachtvolle Tempel und Klöster in der Umgegend (1603), 
die jährlich durch unzählige Pilgerschaaren besucht wurden, 
nachdem der König eine bequeme Strasse durch den Wald hatte 



k 



Die Geschichte Ayuthia's. 377 

hauen lassen.- Auch vom König Ekathotsarat wird gerühmt, dass 
er reiche Tempel gebaut, viele Ländereien zum Unterhalt von 
Priestern angewiesen und Copieen von den heiligen Büchern habe 
anfertigen lassen , die aus 84,000 Bänden bestanden. Bei der 
Anlage des Weges» bemerkt der siamesische Geschichtschreiber, 
wären zur Nivelllning Khlong Farang gebraucht worden, was wöi-t- 
lich fränkische Teleskope*) bedeuten würde, doch kann Khlong 
auch jede andere Art von Rohr bedeuten. Galiläi wurde erst 
1609 auf die von den holländischen Brillenmachern verkauften 
Femröhre aufmerksam , obwohl indess schon Roger de Baco ihre 
Theorie im Schleifen der Linsen auseinandergesetzt hatte. 

Wie Phra Naret häufig der schwarze König oder auch der 
Feuer-Prinz genannt wird, so findet sich sein Bruder Ekathotsarat 
oder Phra Narai als der weisse König bezeichnet. Er hatte den 
bei ihm verleumdeten Erbprinzen ermorden lassen und der zweite 
Sohn, Chao Fa, in der Chronik als einäugig bezeichnet, konnte 
beim Tode seines Vatere sich nur mit dem Schwerte den Weg 
zum Throne bahnen. Er erlag einer Verschwörung (1602), wo- 
durch der frühere Priester und in den Trai-Phethang (den drei 
Veden) wohl bewanderte Phra Sisin unter dem Titel Phra Chao 
Song tham sich auf den Thron erhob. Eine Hauptursache der 
Palastrevolutionen waren die unruhigen und anmassenden Prä- 
torianer, die der kriegerische König Naret vorzugsweise aus 
tollkühnen Japanesen oder auch Buginesen von Macassar (aus 
Tanah - Bugis oder Celebes) **) zu rekrutiren geliebt hatte , die 
seinen schwachen Nachfolgern aber bald zu gefährlich wurden. 
In ganz Ostasien ist der Japanese der Einzige, der jene Kraft 
und Entschlossenheit besitzt, wodurch ein einzelner Europäer 
eine Armee apathischer Indier oder Chinesen aufwiegt. Die 
Japanesen haben sich selbst schon früher vortheilhaft mit den 
Europäern gemessen. Während im Zeitalter der Entdeckungen 



*) Die Ma-la-len-ga-ra Woottoo zählt (Dach Bennett) unter den Waffen, mit 
denen Maha-Nat den meditirenden Buddha angreift, auch Kanonen und Feuer- 
waffen auf. 

**) Aach 1840, nach der von den Juen erlittenen Niederlage, schickte der 
König von Siam nach Bfacassar, am Soldtruppen anzuwerben. 



V 



378 fiuun- 

die gCBtählten Seefahrer Portugals und Hollands mit Leichtigkeit 
Königreiche über den Haufen warfen , gelang es einer kleinen 
Schaar japanischer Gefangener, eine ganze Colonie der Holländer, 
die in hohem Wohlstande aufzublühen begann, zu zerstören, so 
dass seitdem bis heute die Insel Formosa den Europäern un- 
zugänglich gemacht ist. Floris erzählt, wahrscheinlich als 
Augenzeuge, bei seiner Beschreibung Siam's, dass 260 Japanesen, 
die iSclaven des auf Befehl des Königs hingerichteten Edelmanns, 
auf die Nachricht von seinem Tode in den Palast gedrungen und 
sich der Person des Königs bemächtigt hätten. Sie zwangen 
ihn, das Todesurtheil von vier der Angesehensten des Landes zu 
unterschreiben, und sie verlangten vier der vornehmsten Priester 
zur Bürgschaft, dass er alle seine Versprechen erfiillcn würde. 
Die Japanesen durchzogen dann plündernd das Land und schifften 
sich mit Beute beladen nach ihrer Heimath ein , ohne dass sich 
Jemand ihnen zu widersetzen gewagt oder der König die Macht 
dazu «gehabt hätte. Während dieser Unruhen revoltirten die 
Königreiche Kambodia und Laos. Aufgestachelt durch einen 
Peguer, Namens Banga-de-lau , fiel der König von Laniaugh in 
Siam ein, zog sich aber vor dem anrückenden König wieder zu- 
rück, da die Japanesen, auf deren Hülfe er gerechnet hatte, schon 
aus dem Lande abgezogen waren. Der Tribut Kambodia's blieb 
indessen aus und die Nachlässigkeit konnte nicht bestraft werden. 
Nach dem Tode des Königs Phra Chao Song (1627) bestieg 
der älteste seiner drei Söhne den Thron, wurde aber durch den 
Minister Kalahom, mit Namen Surivong, ermordet und dieser 
Hess sich unter dem Titel Phrachao Phrasat-thong als König 
krönen. Er schickte eine Gesandtschaft nach Manilla , um sich 
bei dem Gouverneur über die spanischen Kreuzer zu beklagen, 
die in ihrem Kriege mit den Holländern auch siamesische 
Dschonken verbrannt hatten (1629). Der König war ein eifriger 
Buddhist und Hess (998 Ch. S.) zwei Tempel Phra-Narai's (Na- 
rayana oder Vischnu) und Phra Isuen's (Siva), die er auf dem 
Wege antraf, zerstören. Als die Chunlosakkharat 1000' Jahre 
vollendet hatte, wollte der König die Aera erneuem lassen (1638 
p. d.) , stand aber davon ab y weil der König von Angva (Ava) 



Die Geschichte Ayuthia's. 379 

seine Zustimmung ihrer Annahme verweigerte. Beim Tode des 
Königs (1655) folgte sein Sohn Chao Fa, aber Pbra-Narai (Na- 
rayana)y der zuweilen vierhändig erschienen und davon benannt 
sein soll , zettelte mit seinem Oheim Sisuthammaraxa eine Ver- 
schwürung an, wodurch der letztere, nach dem Morde des Königs, 
auf den Thron erhoben wurde. Da der König indess der schönen 
Schwester Narai's Gewalt anzuthun suchte, erschlug ihn dieser 
und setzte sich die Krone auf sein eigenes Haupt, den Titel Phra 
Chao Xangphuek annehmend (1656). Zwei seiner Brüder, die 
Unruhen anzustiften suchten, wurden hingerichtet. Unter diesem 
König gewann der griechische Abenteurer Constantin Falco 
grossen Einfluss beim Hofe und, von dem König zu der hohen 
Stelle eines PhayaVixaien (1657) befördert, zeigte er sich dieses 
Vertrauens wUrdig, das er durch grosse dem Lande erwiesene 
Dienste belohnte. Ein Feldzug nach Ava missglUckte, aber 
Xiengmai musste die Oberhoheit Siam's anerkennen (1661). 
Falco leitete zuerst die Beziehung Siam's zu Europa ein, wodurch 
sich dieses Eeich stets unter den übrigen Hinterindiens aus- 
gezeichnet hat. Auf seine Veranlassung schickte der König eine 
Gesandtschaft nach Frankreich, und der gern geschmeichelte 
Louis XIV. erwiederte dieselbe durch die Sendung, von der 
Loub&re seinen werthvoUen Bericht veröfifentlicht hat Auch die 
katholische Mission, die schon länger im Lande bestand, zog 
viele Vortheile aus dieser Annäherung an die Fremden , erregte 
aber auch die Eifersucht der Mohamcdaner, die den König zum 
Islam zu bekehren gehofft und mit Opium berauschte Macassaren 
zur Ermordung des Ministers und aller seiner Anhänger am Hofe 
aussandten, aber durch die Geistesgegenwart Falco's ihr Project 
fehlschlagen sahen, zumal ein Prinz von Champa das Complot durch 
seine Indiscretion schon halb verrathen hatte. Eine andere Gesandt- 
schaft schickte der König zu den Chinesen, die ihn als Schanlit- 
poklapchiukulungpimahulukwansz begrüssten, und bat um In- 
vestitur nebst Siegel (1673). Nach Cerri wurde eine Gesandtschaft 
mit Opfergaben an den grossen Tempel Kambodia's geschi ck t. Der 
wachsende Einäuss Falco's zog ihm viele Neider und Feinde zu, 
besonders unter Solchen, denen das Eindringen ausländischer 



380 

Sitten entgegen war. Während der König krank in Lophbori 
lag, benutzten Chao Dua und Pbra Phetraxa die Gelegenheit zum 
Sturze des allgewaltigen Gttnstlings. Falco wurde ermordet, und 
)>ei dem bald darauf erfolgten Tode des Königs bemächtigte sich 
Phra Phetraxa des Thrones (1682). Nach Kaempfefs Darstellung 
war Faleo selbst der Conspirator, der Moupi Tatso, des Königs 
Schwiegersohn, auf den Thron setzen wollte und bei Entdeckung 
des Coniplots durch richterliehen Spruch enthauptet wurde. 
Nach D'Orleaus brach dann eine Verfolgung gegen die Christen 
aus, wobei einige der peguanischen Mütter die Gesichter ihrer 
Töchter durch F^inreibeu mit Kräutern oder heissen Eisen ent- 
stellten , um sie vor der Verfolgung zu schützen. Vom Könige 
wird gesagt: II estimait les gens demente et les voyait volontiere 
dans sa cour. II avait le meme gout pour les beaux arts et s'il 
ue fut ]>oint mort sitot, il avait pris toutes lesmesures nöcessaires 
pour les faire passer de Paris k Siam. 

Der neue König schickte eine Gesandtschaft nach Frank- 
reich , um im guten Einvernehmen mit dem grosseh MonarcheB 
zu bleiben, mit dem sein Vorgänger in so engen Freuudschafts- 
buud getreten war (1688). Er unterdrückte (1689) die Empöruug 
Thammathien's, eines Kronprätendenten, der sieh für einen Ab- 
kömmling des alten Königsgeschleclits ausgab (ein peguanischer 
Priester, wie Kaempfer sagt) , und hatte später noch mit einer 
anderen zu kämpfen , durch einen Zauberer, Raxa-Sima genannt, 
angestiftet, der durch seine Hexereien die Behörden so in 
Schrecken setzte (1692), dass sich Keiner an ihn -heranwagte. 
Mit Langjuin, der Hauptstadt der Laos, wurde Krieg geführt, 
und durch zwei englische Capitaine (Howell und Williams) wurden 
die auf dem Kambodiaäusse festgesetzten Piraten, die sich von 
der chinesischen Küste dorthingezogen hatten, vertrieben (1687). 
Der adoptirte Sohn des Königs, Luang Si Son Sok, wurde (1691) 
zum Phra -Kaxavong-Bo von des vorderen Palastes als zweiter 
König ernannt. Im Jahre 1688 wurde die Führung des Pfluges 
bei dem 1588 eingeführten Feste des Ackerbaues (Rehk na) einem 
maskirten Stellvertreter des Königs überlassen. 

Bei Phetraxa's Tode folgte sein Sohn Chao Dua (1059 Ch.S.), 



Die Geschichte Ayuthia's. Sgl 

der als wollüstiger Tyrann beschrieben wird. Er war leidenschaft- 
lich dem Fischen ergeben» was den strengen Buddhisten ein Gräuel 
ist, und ist deshalb in der Geschichte unter dem Namen Kunluang 
Len Pia (der mit Fischen spielende König) aufgezeichnet. Auch 
sein Sohn führte diesen Namen. Die Chronik erzählt bei seinem 
Aufenthalte in Sakonburi (1702), das9, ^Is eines Tages sein Boot 
beim Angeln an einen unter dem Wasser verborgenen Baum- 
stumpf streifte, er sogleich sämmtliche Steuerleute auf den vordem 
Bänken niedermachen Hess. 

Sein Sohn und Nachfolger Kunluang Süa (1706) Hess das 
grosse Bild eines schlafenden Buddha fttr den Vat Pakmok 
giessen. Er vertrieb die Cochinchinesen aus Kambodia und 
machte dies Land aufs Neue tributpflichtig. Der Gouverneur der 
Philippinen wünschte einen Handelsvertrag mit Siam zu schliessen 
und sandte deshalb Unterhändler nach Ayuthia. Der König war 
anfangs nicht abgeneigt, aber unglücklicher Weise kamen wäh- 
rend ihres Aufenthalts Nachrichten von Misshandlungen, die 
siamesische Schiffe inManilla erlitten hätten (1717), und in Folge 
dessen wurde aller Verkehr abgebrochen. 

Nach dem Tode des Königs (1732) brach ein Bürgerkrieg 
aus, indem der zweite König den Erbprinzen ermordete und sich 
selbst des Thrones bemächtigte. Um seine Schandthat unter 
Prunk und Schimmer zu verkleiden , wandte er sich nach China 
für ein prachtvolles Staatsgewand (1735). Ausser einer durch 
chinesische Abenteurer angezettelten Revolution (1734), sandte der 
Zorn des Himmels einen Kometen (1743), eine Feuersbrunst, die 
den Palast in Asche legte (1744) und epidemische Seuch^ (1749). 

Im Jahre 1114 der Chunlosakkharat, im Jahre des Affen, im 
vierten des Cyclus (Vok 4 Soklll4), schickte der Phrachao 
Langka (der König von Ceylon) eine Gesandtschaft nach Siam 
mit Briefen und Geschenkten, um die alte Freundschaft zu er- 
neuem. Er bat um den Traipidok und um Priester (Phrasong), 
um den Traipidok wieder zu ordnen. Es wurde genehmigt, dass 
28 Priester unter dem Vorsitz des Phra - Ubali - Raxakhana den 
Traipidok nach Ceylon brächten (1752). Aus dem folgenden 
Jahre (Raka 5 Sok 1115) wird berichtet, dass der Chao Phama 



382 

Manglong in Phukama-Phrathet regierte, wahrscheinlich ans 
Vorahnung 9 dass Siam bald genauere Bekanntschaft mit diesem 
grossen Erobererkönig machen sollte. 

Kun 7 Sok 1117 (der Chunlosakkharat, dem Jahre des 
Schweines, im siebenten des Cjclus) erhielt seine Majestät der 
zweite König (Phra Maha Uparat) auf Befehl des ersten Prügel, 
weil er die Hofetikette verletzt hatte , und zwar solche Prügel, 
als königlich gegeben und königlich empfangen, dass er gleich 
darauf im Gefängnisse starb. 

Xalu 9 Sok 1119 (der Chunlosakkharat, dem Jahre des 
Ochsen, dem neunten des Cyclus) wurde der neue Uparat gekrönt 
Der Uparaga ist der zweite oder Unterkönig, wie im Staate der 
Likhavi und Vaigali, wo auf ihn der Senapati folgte. 

Khan 10 Sok 1120 (der Chunlosakkharat, dem Jahre des 
Tigers, dem zehnten des Cyclus) starb der König. Der Nach- 
folger Chao Fa dok düa, die stürmische Zukunft voraussehend, 
übergab nach kurzer Regierung das Scepter an seinen Bruder 
Chao Fa Ekathat und zog sich in die Einsamkeit des Klosters 
zurück. 

Gerade als nach Jahresfrist die Verbrennungsfeierlichkeiten 
für die Leiche des verstorbenen Königs fertig waren, eraehien der 
gefUrchtcte Manglong oder Alompra, der ohne Widerstand Siam 
durchzogen hatte, mit seinen siegreichen Birmanen vor der 
Hauptstadt und schloss sie ein (Pho 1 Sok 1121). Sein Tod (Ma- 
rong 2 Sok 1122) befreite diesmal noch den siamesischen König 
von der drohenden Gefahr, da sein Nachfolger Malok oder Mang- 
lok (Naongtankri der Birmanen) sich nach Ava zurückzog» 
um den erledigten Thron zu sichern. Sein Nachfolger indessen, 
Sembuem oder Changphrushang, den die Siamesen Mangra 
nennen, überzog Siam aufs Neue mit Krieg und bemächtigte sich 
am 28. April 1767 Ayuthia's*), aus depi die schonungslose Plttn- 



*) Ce fat an mois de Mars que Tarm^e des BraniAs s'avan^ jntqu*» den 
lieues de la ville. Elle fat arretee dans sa marche par la mort da g^odral, qni 
fat empörte par une esqninancie. On erat devoir cacher cette mort anz soldats, 
et le secret n'en fat r^vele qac par la division qui ^lata parmi les chefe, qiii toi» 
avoieot Tambitioii da commaDdement. Mais bieotdt r^anis iMur ramoiir da botiOt 



Die Geschichte Ayuthia's. 383 

derang seiner Soldaten mit folgender Feuersbrunst nur jene 
Ruinen überliess, die in einer Wildniss wuchernden Gestrüppes 

ils se mirent en monvement ponr aller piller le plns celebre et le plus Hohe temple 
qoi füt anx environs de la capitale. Ils s'^toient flatt^s d'y troaver le pied de 
l'idole qoi ^toit d'or massif ; mais le Roi de Slam avoit eu la pr^caution de faire 
transporter dans son palais ce monnment da calte public, qae des barbares, quo!- 
qae snperstitieax , auroient pea respecte. Les Bramas irrites qu'on leur eüt 
enlev6 leur proie, s'en vengerent sur les murs du temple qolls d^molirent, et snr 
les d^bris ils ^leverent nn ^diflce consacr^ k des usages profanes. Les aatres 
pagodes baties autoor de la ville ne furent point epargn^es. Elles ^toient bäties 
de briques, et entour^s de foss^, qoi sembloient les prot^er contre les flammes 
et les assauts de rennemi. Les Elises chrdtiennes bien diflf^rentes, n'^toient 
qii*un assemblage de pieux et de planches , qui etoient moins propres* k les pro- 
t^er , qu'k faciliter le progr^s de rincendie. Mais malgr^ cet ^tat de foiblesse, 
elles furent maintennes par la vigilance et le courage de ceux qui furent charg^ 
de les defeodre, et rennemi n'y mit le pied qu'aprcs qne lesChinois etlesSiamois 
eorent essny^ de fr^uentes defaites. Le 7 Septembre 1766, il s'empara d*une 
tonr fort ölevee k un demi - quart de lieue de la ville royale. 11 y dressa nne 
batterie de canon sur la greve, ce qui le rendit absolument le maltre delarivi^re. 
Le danger devenant plus pressant, on n'eut plus d'espoir que dans les Chretiens, 
dont on avoit ^pronv^ la valeur hcroique dans la demiere r^volution. On leur 
coofla la defense desbastions; on leur accorda trente pieces de canon, desbonlets 
et de la poodre. Six mille Chinois furent charg^s de defendre la löge Hollandoise 
et nne grande pagode qui y etoit contigne ; et par une faveur particuliere, on leur 
flt präsent d'une somme de dix mille livres. Les Chr^tiens n'etoient que quatre- 
Tingt soldats ponr defendre differens postes expos6s anx surprises d'une arro^e 
nombrense. Cette roilice courageuse n'6toit point exerc^ dans la discipline mi- 
litaire , ni dans le maniement des armes : nne 6p^e et un fusil dans leurs mains 
anroit 6te an sc^et de d^rision aux yeux d'un soldat £urop6en. Mais malgr^ 
leor ioeptie , ils 6toient Tölite de Tarm^e des Siamois , et Ton n*avoit droit de se 
d^er qne de Tabus de lear courage. Les premiers jours se passerent en escar- 
moaches ; mais enfln l'ennemi ayant r^uni ses forces , s'empara de cinq grands 
temples, qui farent changes en antant de forteresses, d'oü ils foudroyoient les 
onvrages avanc^, et snr-tout J*^lise de S. Joseph, dont le toit fut perc^, sans 
eaoaer le moindre accident k la multitnde qui s'y etoit rassembl^e. Le 8 D^cem- 
bre on fat infonnä que les assiegeans se pr^paroient k livrer un nonvel assaut. 
Aossi-töt les Chr6tiens sortirent de l'^lise au son des tambours etdestrompettes-, 
Us engagerent nne action , oü ils firent an grand camage de Tennemi , qui fut 
platdt vaincu par sa fhiyeor que par leurs armes. Ce premier sacc^s leur inspira 
le ooorage d'dtre aggresseurs k leur tour. Ils attaquent les Bramas retranch^ 
dans nne pagode, rien ne leur resiste. Ils reviennent avec un ^löphant, gage 
6eJatant de leor victoire. Leur nom devient redontable k rennemi , et pr^cieox 



384 Siam. 

noch jetzt von der einst berühmten und glänzenden Residenz 
zeugen und in ihren gebrochenen Pagoden , von dichtem Epheu 




k leurs ooncitoyens. Le« Portugfais eloign^s de denx petites lieoes de la r6ildeiiee 
de l'Kvcque de Tabraca , donnerent aussi de brilians teiiioiinisMl^ de leur valeor. 
Hb »abrcrent une multitudc de Bramas qui avoient tcntd d'escalader lear coU^ge. 
l^s Brainas confus et rrbuttSi de llnutilite de leurs attaqnes, se retirerent pleiBt 
d'admirntion ponr cette poignee de Chretiens , qulls redoatoieiit beaaconp plu 
que cinqoante mille SiamoiA, qui o'avoient ni le conrage de lee attendre, ni de let 
ponranivre dans leur retraite. II est vrai que les Chretiens, plus eoaragenx, 
n*ötoient pas niieuz di^cipUnös ; et ce fut oe döfaot qai entratna la perte du quar- 
tier des Fran9oi8. La garde ^toit plongee dans an profond sonuncii« lor«qae les 
Bramas revenus de lenr premiere terrenr, mirent le foa k la partie anperieore ds 
quartier de TBveque. Les Chrt;ticns se refugieront en foule dans l'^glise, ot \m 
cris des femmos ei des enfans annon^ient nn danger dont les t^ebrcs redoo- 
bloiont encore l'horrcur. Un Chrätien qui s*etoit ^eart^, tat impitoyableineBt 
niassacrä. Lus autres firent une döfense opiniätre ; et quoiqne surpris, üb pars- 
rent invincibles. Les cnuemis par-tout repousses , furent tentor ono attaqne as 
quartier des llollandois. La roputation de leur courage attira dans lenr quartier 
beauconp de Siamois et de Chinois , qui sous lenr oinbmge se cmrent k l'abri de- 
la tempete. Tons contribnerent k la defense commune. Ils ^leverent des man 
sur les döbris des pyramides detrnites. Les Chinois y tronverent beanoonp d'ar 
gent. Les Chretiens eureut pour lenr partage des cauauz de plooibv dont Us 
firent des bales. Les officiers Siamois avoieiit abuse de lenr autorite ponr laiie 
de grands aiiias de graius qu*ils s*approprierent pour sc garantir de la ßuninedoBt 
ou ötoit monac^ : et k force de lirc d(*8 manx dans Tavonir, on fkit cn proie ä des 
manx pr6sens. On ne tronva plus de vivres pour de Targent; et lospanyres, pour 
finir leurs souffrances, n*curent plus quo la ressonroe de mourir. La peste, plM 
meurtriere et plus dostructi?e, exerya de nouveaux ravages. Les rues ette« 
places publiques ötoient jouchees de cadavres, qnc rhorrcnr de la contagion em- 
püchoit d'enterrer. Les cliicns ^galeinent devor^ par la faini, en firent lenr 
pature pendant six mois. Ce fl^au ne finit qu'avec la mine entiere du pays. Les 
sentinelles descendoicnt avoc des cordes du haut des mnraillcs, et aimoient nüenx 
s'abandonner k la discr^tion des barbares, qned'attendreanmilien des sonftraaecs 
une mort qui leur paroissoit trop lente. Les Bramas tonmereat leurs anaes 
coutre la löge UoUandoise« defcndue par les Portugals et les Chinois. L'attaqoe 
fut vigooreuse, et la defense opiniätre. Mais enfin la löge fut prise et r^nite ea 
cendres , apr^s hutt jours d*un siege , qui fut extr^cment meurtrier. L'^iie 
fut respectee pendant deux ou trois Jours, et lesPrdtres conscrverent leni^s effets. 
Cet ext^rieur imposaut de mod^ration n*^toit qn'nn artifice pour engager l'Ev^ioe 
et son troupeau k se soumettre. Le göneral Braraas craignoit de r^aodre da 
aang inutilement. II le fit assurer qne 8*U donnoit rczemple de la soumiBsioo, 



Die Qescbicbte Aynthia's. 3g5 

omflorty über die verwaiste Stadt zu klagen scheinen , die später 
wieder neben ihnen aufgebaut wurde , aber ihren Herrschersitz 



toQ» sea eifets seroient conscrv^ et qu'on n'enleveroit qne les armes. On entama 
one n^godation , et TEv^ue se rendit en personne sous la tente du Bramas. II 
y fnt ref Q avec des distinctions qne sa modestie n'ambitionnoit pas. Le gen^ral 
fnt prodigue en promesses , qiü ne fnrent appuy^s d'aucun ^crit. II ajonta qne 
dans la nuit mSme il iroit mettre le fen an quartier des Chr^tiens : ainsi qu'il les 
pr^venoit quMls devoient chercher nn autre asile. II assigna pour demeure au 
Prälat une pagode, oü on lui donna des gardes pour sa sürete. II fallut souscrire 
k tontes ces conditions, parce qu'on ^toit dans rimpuissance d'en obtenir de meil- 
lenres. Ce fut encore nn bonbenr de les avoir accept^es. Le g^n^ral eifectua 
ses menaces. Tont le quartier des Cbrätiens fut incendi^. L'^lise fut r^nite 
en cendres. Le soldat entra dans le s^minaire, oü, violant la foi des promesses, 
il pilla tont ce qu'on s'^toit engag^ de respeeter. Les PrStres avec leurs disciples 
fnrent tratn^d au camp de l'ennemi. Un Prince de l'ancienne famille des Rois 
d'Ava, commandoit dans le lien de leur d^tention, et il pourvut g^n^reusement k 
lenr snbsistance. Un grand nombre de Cbr^tiennes s'^toient rang^es anpr^ d'eux, 
ponr se sonstraire aux Insultes du soldat. On profita de l'^Ioignement momentan^ 
de leurs surveillans importuns pour marier les fillesavec les JeunesCbretiens. On 
yonloit sonstraire ces vierges a la brntalite de cette soldatesque effr^nee, qui, 
comme je Tai deja dit, respectoit l'union conjugale. L'Ev^que soup^nnä d'avoir 
de grands tr^rs , parce quil faisoit abondamment l'aumöne , fut envoyö dans la 
tonr haute occupee par le g^n^ral , oü , sous pr^texte de lui faire honneur , on se 
flattoit de d^couvrir l'endroit oü il avoit enfoui ses richesses. Les autres Chre- 
tiens fnrent tourment^ et d^pouilles pour avoir leur argent ; et celui ä qui l'on 
en tronvoit leplns, ^toit soup^onn^ d'en avoir le plus cach6. Cette pauvretä 
forc^e rendit lenr foi plus fervente ; et priv^s des biens de la terre , ils n'eurent 
plus d'espoir qne dans l'b^ritage du Ciel. La ville prete de tomber au pouvoir 
des Bramas , eüt ^t^ ensevelie sous ses rnines , si l'on n'eüt eu recours k la nego- 
ciation , pour flechir les assiegeans d^Ja arm^ de torches pour la r^duire en cen- 
dres. Les Bramas fiers de leur sup^riorit^ , r^pondirent qu'ils n'avoient d'antres 
conditions k prescrire que de les recevoir k discr^tion, et qu'ils ^toientd^termin^s 
k naer de tons les droits que leur donnoit la victoire. Des loix si dures fureoi^ 
rejet^, et U fallut recommencer les bostilit^. Ce fut le 28 Avril 1767 que la 
▼iUe Alt prise d'assant. Les ricbesses du palais et des pagodes ne formerent plus 
qn'u moncean de cendres et de d^bris. Les simulacres d'or des fanxdieux fnrent 
fondns , et la rage insens^e de ces barbares les priva des r^compenses qui allu- 
moient lenr cnpidit^. Leur propre fureur les priva de lenr proie ; et ce fut pour 
se venger de cette perte , qu'ils flrent tomber leur ressentiment snr les habitans, 
k qni on brüla la plante des pieds pour leur faire r^v^ler l'endroit oü leurs tr^sors 
^ient Caches. On violoit devant eux leurs Alles g^missantes. Les Talapoins 

Bastian. OtUsien. I. 25 



386 Sitm. 

verlor. Der letzte König Ayuthia's soll allein und verlassen 
durch das Land geirrt und in den öden Wüsteneien , wo nur 
rauchende Schutthaufen die Leichenstätten seiner Unterthanen 
zeigten, dem Elende und Hunger erlegen sein. Die Birmanen 
Hessen eine kleine Besatzung in Ayuthia zurilek, die sie genügend 
glaubten, da in Siam Niemand übrig gelassen schien, um Wider- 
stand zu leisten. Aber die Regeneration des Landes kam rasch 
und unerwartet aus dem Süden, wo die Küstendistricte nur wenig 
gelitten und vom Durchzuge der feindlichen Heere verschont 
geblieben waren. Ein in Siam geborener Chinese, Phaya Tak 
mit Namen, dessen Vater mehrfach den Posten eines Gouverneurs 
bekleidet hatte (besonders in Myang Tak, das schon Loub^re 
als erbliches Fürstenthum kennt), sammelte rasch in der Provinz 
Chantabun eine Flussflotille , mit der er die Canäle hinauffuhr 
und so plötzlich über die birmanische Garnison herfiel, dass die- 
selbe ihr Heil in der Flucht suchte. Da das zerstörte Ayuthia 
unbewohnbar geworden war, erbaute er zu seiner Residenz weiter 



soup^onn^s de cachor des richesses, ^toient perc^ k coaps de fl^hes et de Imnoes, 
et plusieurs ^toient assomm^s sons le poids des massaes. Les campagnes aiosi 
que les pagodes etoient jonch^es de morts : on ne voyoit qne des cada>Te8 flotter 
Bur les rivi^res , et Todeor qu'ils exhaloient attiroit des essains de mouches , qai 
farent les vengeresses du pays , par les ravages qu'elles exercerent snr l'arni^ 
pendant sa retraite. Les grands offlciers du royaume, et les premiers favoris da 
Monarqne, furent charg^ de fers, et condamnes h ramer sur les galeres. LeBoi, 
t^moin du malheur de ses courtisans , tenta de se soustraire k Thorreor de leor 
destin^ ; mais il fut reconnu et massaer^ k la porte de son palais. Le Boi Bonie 
arrach^ du sUence de sa retraite, fut emmenö captif avec les Princes et les Priii- 
cesses de son sang ; et tous , par la crainte de souffrir , dMarerent avoir cach^ 
des tr^ors. Lorsque la cupidit^ ne trouva plus rien pour s'assouvir, et quele 
liays n'offrit plus qu*un spectacle de morts et d'expirans , Farm^ victoriense m 
mit en marehe pour le P^gu. Elle traiuoit ^ sa suite le Roi de Siam, qai, an lien 
de courtisans fortunes, n'avoit que les compagnons de sa capttrit^, moins malhen- 
reux que lui, parce qu'ils n'avoient point <^t^ pr^ipit^ de si haut L'Ev^ue de 
Tabraca envelopp^ dans la disgrace commune, fut transport6 aar nne galere. Le 
d^tachement qui veilloit k sa garde , ^toit command^ par un homme qui n'avoit 
rien de barbare. Sa valeur et ses Services lui avoient m^rit6 le gouvememeBt 
de Tavail, poste de confiancequi justifioit le discemement da maltredmos lecboix 
d'un sujet. 



Die Geschichte Ayuthia's. 387 

abwärts, am Flusse, eine neue Stadt, dieThonburi (Thorani oder 
die Erde) oder Thanburi (die Stadt der Reichthümer oder die 
Stadt der Schirme) genannt wurde, und von der noch jetzt 
einige Reste an dem Palaste des Prinzen Kromluang, dem könig- 
liehen Palast in dem neuen Bangkok gegenüber, zu sehen sind. 
Phaya Tak scheint ein grosses Organisationstalent gehabt zu 
haben, denn in kürzester Zeit gelang es ihm, wieder Ordnung in 
das zerrüttete Land zu bringen. Er fand Mittel, Armeen zu re- 
crutiren und auszurüsten und stellte den ganzen Umfang der 
alten Monarchie wieder her. Vom chinesischen Kaiser erhielt 
er auf sein Ansuchen Siegel und Bestätigung. Nachdem Korat, 
Ligor, Phitsanulok und Kambodia (1767) erobert worden, unter- 
warfer (1769) Xiengmai und setzte einen neuen König ein. Ein sia- 
mesischer Prinz, der nach Ceylon verbannt und bei der Belagerung 
Ayuthia's mit Hülfstruppen zurückkehrte, aber damals vom Hofe 
zurückgewiesen war, suchte jetzt, wiewohl vergeblich, seine Rechte 
geltend zu machen und wurde 1768 enthauptet. Als die Birmanen 
zurückkehrten, um das empörte Land zur Ruhe zu verweisen, 
gelang es ihm, sie durch geschickte Märsche zu umzingeln und zur 
Ergebung zu zwingen (1777). Bei der Eroberung Satanakhana- 
hut's (Viengchan) wurde das kostbare Buddhabild Phra Keoh *) 
(der Kleinodien - Gott) erbeutet, das noch jetzt im Tempel des 
königlichen Palastes zu Bangkok prangt (1777). Nach dem 
darüber veröffentlichten Bericht des jetzigen Königs wurde diese 
Jasper-Statue (1436 p. d.) in einer vom Blitze getroffenen Pagode 
Chiangrai's im Königreiche Zemmi gefunden. Die Bronzestatue 
eines Ochsen, auf dem Phra Insuen reitet, in dem Thevasathan 
(dem Brahmanentempel) zu Bangkok , soll der viel besprochene 
Phra Kho (Stiergott) Kambodia's sein. 



*) Es wird von den Siamesen and Kainbodiern mit derselben Verebrnng 
betrachtet , wie in Aracan und Birma das Riesenbild des Mabamuni , das den 
Bat besitzt» ein nach dein Leben genommenes Portrait darzustellen. Fabian er- 
zählt, dass die Statue des Maitreya (nach deren Errichtung zuerst buddhistische 
Priester den Indus nach Osten zu überschritten hätten) nach der Copie eines zum 
Tnshita- Himmel aufgestiegenen Künstlers (Madhjantika bei Hiuenthsang) ge- 
fertigt sei. 

25* 



388 Slam. 

Eine so ununterbrochene Kette glücklicher Erfolge scheinen 
PhayaTak am Abende seines thatenreichen Lebens den Eindruck 
gegeben zu haben , als ob er schon zu der Höhe eines Buddha 
emporgestiegen und gleich einem solchen zu verehren sei. Daraus 
soll Unzufriedenheit und Revolution entstanden sein (1780) und 
der König floh in ein Kloster. Der Phaya Chakkri, der gerade gegen 
die Cochinchinesen im Felde lag, kehrte, als er von diesen Um- 
wälzungen hörte, rasch zurlick, und nahm mit dem Heere, worauf 
er sich stützen konnte, eine so drohende Stellung an, dass die 
übrigen Grossen ihm bald den Vorrang Hessen. Nach der ersten 
Wahl derselben war freilich schon ein Gesandter nach China ge- 
schickt, Bestätigung fUrKwah-Chang zubitten (1781), aber Phaya 
Chakkriliess sich lieber erst krönen (1782) unter dem Titel Phen- 
din-ton oder Phra Phuthichao luang und schickte die Gesandtschaft 
an den Kaiser nachher (1786). Unter dem Vorwande, dass der 
frühere König der Sicherheit des Staates gefährlich wäre, Hess er 
ihn tödten, und verlegte dann seine Residenz nach dem jenseitigen 
Ufer des Flusses in das jetzige Bangkok, wo schon zu Fidco's 
Zeit ein kleines Fort erbaut und einige Zeit von den Sranzosen 
unter Desfarges besetzt war. Das Ende Phaya Tak's bleibt nach 
der Darstellungsweise der officiellen Geschichte etwas problema- 
tisch, da der Richter dieses Königs der Vorfahre des jetzt regie- 
renden ist, und die Historiker vielleicht noch nicht die Freiheit 
der Unparteilichkeit fühlen. 

Der Gründer Bangkok's , gewöhnlich als Phendin-ton (der 
erste Erdenbeherrscher) bekannt, warf verschiedene Angriffe der 
Birmanen von den Grenzen zurück, verlor aber die Stadt Thalang, 
die bei Einbruch der Nacht (in der Zeit, wenn die Kinder 
schlafen, sagt die Chronik) überrumpelt wurde (1810). Unter 
ihm wurde Battabong erobert. Sein Nachfolger (1811) geht beim 
Volke unter dem Namen ^Phendin-klang .(der mittlere Erdenbe- 
herrscher), seit ihm (1825) der Vorgänger des jetzigen Königs 
unter dem Titel Boromma-Thammikaraxathirat-Phrachao-Prasat- 
Thong gefolgt ist. Unter ihm wurde das rebellische Viengchan 
(Vienchac oder Banchan) oder Viengxan (1829) erobert und mit den 
Cochinchinesen unter Minjmong (dessen Vorgänger einige Zeit als 



Die Geschichte Ayuthia's. 3g9 

Flüchtling in Bangkok lebte) Krieg in und um Kambodia geführt 
(1834). Er war im Grunde nur ein Usurpator, vor dem sein 
legitimer Halbbruder es gerathener fand, sich in das Kloster 
zurückzuziehen, bis er bei seinem Tode (1851) das Mönchsge- 
wand abwarf, um sich mit dem Königsornate zu schmücken, und 
jetzt als erster König Siam beherrscht. 

Er ist ein gründlicher Kenner des Pali und der buddhisti- 
schen Religionsschriften, hat aber schon seit seiner Jugend, 
ebenso wie sein Bruder , der zweite König , ein grosses Interesse 
an der europäischen Wissenschaft genommen und liest nicht 
nur englische , sondern auch lateinische Bücher. In Keligions- 
sachen zeigte er die grösste Toleranz und hat den Missionären 
jede Erleichterung angeboten, so viele seiner Unterthanen zu 
bekehren als ihnen beliebe, den zu bildenden Gemeinden im 
Voraus seinen Schutz versprechend. Schon aus dem Jahre 1834 
erzählt Pallegoix, dass, als die katholischen Missionsschüler sia- 
mesische Pagoden in der Nähe des ihnen von der ßegierung 
geschenkten Landes demolirten, der damals regierende König 
seinen Priestern, die ihn um Schutz dagegen baten, anrieth, lieber 
nachzugeben und ihre Bethäuser anderswohin zu verlegen. In 
dem als passende Einleitung zum Zeitalter der Encyclopädisten 
nach Frankreich kommenden Antwortschreiben auf die Gesandt- 
schaft Ludwig XIV. drückt der heidnische Fürst sein Erstaunen 
über den Bekehrungseifer seines königlichen Bruders aus und 
meint, dass die Gott allein angehende Sache der Religionsver- 
schiedenheiten besser auch diesem überlassen bliebe, 

Während sein Vorgänger jeder Verbindung mit Europäern 
abgeneigt war und sowohl die Gesandtschaft des General-Gou- 
verneurs von Indien , sowie später die amerikanische unverrich- 
teter Sache zurückschickte, schloss der jetzige König durch 
Bowring einen Handelsvertrag mit England, und bald darauf 
gleichlautende mit anderen Staaten. Der Seehandel , auch der 
der Eingeborenen , wird grösstentheils auf europäisch gebauten 
Schiffen betrieben, die mehr und mehr die chinesischen Dschonken 
zu verdrängen beginnen. Auch Dampfschiffe werden schon im 
Lande selbst gebaut und häufig nur von Eingeborenen bemannt. 



r 



890 S»a™- 

Zur Förderung dieser und anderer Betriebszweige trug besonders 
der zweite König bei , der eine grosse Vorliebe für die exacten 
Naturwissenschaften besass und verhältnissmässig genaue Karten 
von solchen Provinzen anfertigte, die er mit dem Sextant in der 
Hand bereist hatte. 

In einer Chronik (Samut chot mai oder neuer Bericht u.s. w.) 
wird bei Gelegenheit der Zerstörung Ayuthia's bemerkt: „Von 
der Gründung Krung Sri Ayuthia's in dem Pi kan tho sok (dem 
Jahr des Tigers, dem zweiten des Cyclus), der Chunlosakkharat 
dem 712. Jahr, bis dass es durch die Phama (Birmanen) zerstört 
wurde, verflossen 412 Jahre. In dieser Zeit herrschten Könige 
aus drei Dynastieen : die Dynastie des Phrachao Uthong, die Dy- 
nastie des Phrachao Songtham und die Dynastie des Phrachao 
Prasathong oder des Chaophaya Kalahom Surivong. Khun Vo- 
ravongsa, der als Phra - Phexarasa oder Phrachao Xangphuek 
regierte , hatte keine Nachkommen und wird deshalb nicht als 
Dynastie gerechnet. Die Zahl der Könige war 34. " Mit Krek, 
als dem ersten Könige beginnend, rechneten die Siamesen (1824) 
60 Könige, unter denen der Gründer Yuthia's (1350) der 27. 
gewesen. 

In der vom Könige selbst redigirten Königsliste werden vier 
Dynastieen aufgezählt: die erste des Somdet Phra RamaTibawdih 
(1351 p. d.), die 5;weite, mit Phra Chow Song Tam (1603), als 
erstem König, die dritte mit Phra Chow Prasat Thong (1631) be- 
ginnend, unter dessen Nachfolgern der Usurpator (1683) nicht 
mit aufgezählt ist, und die letzte Dynastie, die (1782) von Somdet 
Phra Bawroma Racha Pra Pooti Ywat Fa gestiftet wurde. 



i. 



Kambodia. 



/ 



Der Sagenkreis der SteiDmoDiimente. 

In Myang Rom oder Romavisei, nicht weit von Takkhasinla, 
regierte ein mächtiger und weiser König, der, sein Volk über 
die Bedrtlckungen des Uparat klagen hörend, Befehl gab (damit 
Gerechtigkeit walte und nicht nach seinem Tode schlimmeres Un- 
heil einbreche), dass derselbe gleich einem Verbrecher in die Ver- 
bannung geschickt würde, obwohl er sein eigener Sohn war. 
Das Haar geschoren, mit einem Querholz im Munde, mit einem 
Holzkragen um den Hals, wurde der Prinz, Phra Thong genannt, 
mit allen seinen Angehörigen und Anhängern auf ein Floss ge- 
setzt und dem wogenden Meere preisgegeben. Nach der Ent- 
fernung vom Lande befreiten ihn seine Frauen von den Fesseln 
und das schwache Fahrzeug trieb dann leitungslos umher, ein Spiel 
der Winde und Wellen. Nach langer Fahrt warfen es dieFluthen 
an eine kleine Inselerhöhung, die so eben aus der Meeresober- 
fläche hervorgetreten war, an der Stelle, wo die jetzige Stadt 
Siemrab liegt, während alles andere Land von den tiefen Meeres- 
wassern noch bedeckt war. Die Flüchtlinge stiegen auf diese Er- 
höhung, Khok Talok genannt, hinauf; da sie indess das Land so 
schmal und von Allem entblösst fanden, so beschlossen sie lieber 
aufs Neue die gefährliche See zu versuchen , lieber auf ihr einen 
raschen Tod zu finden, als in solcher Einsamkeit elendiglich zu 
verderben. Weil jedoch , als sie das Floss flott machen wollten, 
dasselbe in keiner Weise zu bewegen war, so nahmen sie es 
für ein Zeichen , ihr Bleiben gebietend, und fügten sich in das 
Unvermeidliche. Für weitere Auskunft umherwandernd , sah 



894 Kambodia. 

PhraThong die Zweige eines Baumes über sich niederhangen. Er 
ergrifif dieselben, um hinauf zu klimmen, aber plötzlich streckten 
sich die gebogenen Aeste von selbst kerzengerade in die Höhe 
und hoben ihn mit zum Gipfel des Baumes hinauf, und dieser 
fing an unter ihm empor zu wachsen in die Höhe, höher und immer 
höher. Da Phra Thong weder herabspringen noch sonst densel- 
ben Weg zurückgehen konnte, den er gekommen, blieb ihm 
Nichts übrig, als von seinem gefährlichen Sitze längs des Stam- 
mes hinabzugleiten, hoffend, auf die Erde zurückzugelangen. 
Aber nachdem erlange daran hinuntergeklettert, fand er sich zuletzt 
in einer grossen Aushöhlung des Baumes , wundersam gestaltet 
und anzuschauen, wie eine künstlich verfertigte und geschmückte 
Grotte. Und wohl mochte er staunen. Sie führte hinab in das 
unterirdische Keich des Drachenkönigs, und zu ihr pflegte täglich 
NangNakh*) (Fräulein Naga), die jüngste seiner Töchter, herauf- 
zukommen, um in dem klaren Wasser des Sees ihren jungfräu- 
lichen Leib zu baden. Da Phra Thong, als galanter Kitter, ihr 
bei der Toilette behülflich war, geschah es, dass Nang Nakb- 
Vorzeichen der Mutterschaft fühlte, und da sie sich fürchtete unter 
solchen Umständen ihrem gestrengen Herrn Vater vor die Augen 
zu treten, verblieb sie bei ihrem Liebsten im hohlen Baume. Der 
über ihr Ausbleiben bekümmerte König schickte einen vertrauten 
Edelmann, die Erde für sie zu durchsuchen. Er wanderte überall 



•) In dem Radjatarangini w<;rden die Töchter der Naga's wegen ihrer Schön- 
heit gerühmt und das Zusammentreffen des Königs Nara mit der Prinzessin Tom 
Hofe des Nagaf ürsten Su^rava wird (in Troyer's Uebersetsang) in folgender Weise 
beschrieben : 

II vit alors devant lui , sortant d*an berceau de fleurs , deux jennes filles anz 
yeux charmants, couvertes de voiles bleus. Blies s^duisaient les yenz par les 
attrayants ornements des tiges de Iotas , des rubis et des boucles d'oreillcs , et 
par une ligne delicate de collyre trac^e dans les coins blancs et gracienz de lears 
yeux , ainsi que par des echarpes de soie verte qni , attach^es sur lenrs ^paales, 
et d^rangees par les ondulations d'un vent doux, ressemblaient k des pointes d*iuie 
belle banni^re. Ayant vu les deux femmes dont le visage ägalait la lone en 
beaute s'approchant peu ü peu de lui , il cessa de manger, immobile d'une grande 
pudeur. II flxait de teraps en temps , avec des regards quelque pen attentifs, 
les helles aux yeux de lotus , qui plac6es devant lui mangeaient des grains et des 
tooffes d'herbe sur le ri?age. 



Der Sagenkreis der Steinmonamente. 395 

umher, und erspähte zuletzt das Pärchen in der Höhlung. Die 
Prinzessin bemerkte ihn gleichfalls und erschrack gewaltig, doch 
der Höfling, ihre Angst nicht zu vermehren, war discret genug, 
sich zurückzuziehen und zu schweigen. Seine Dienste waren 
auch nicht weiter von Nöthen. Einer der königlichen Zeichen- 
deuter hatte durch seine Berechnungen erfahren , dass die Prin- 
zessin einen Ehegemahl gefunden , der ihrer würdig sei , da sie 
schon in einer früheren Existenz mit ihm vermählt gewesen, und 
der König, auf diese freudige Nachricht, sandte sogleich für 
seinen Schwiegersohn, um ihm den Thron abzutreten. Phra 
Thong wurde mit grossen Ehren empfangen und gekrönt, aber, 
obwohl er alle Schätze des reichen Naga-Reiches zu seiner Ver- 
fügung hatte, so gefiel ihm doch nicht dieses Leben unter der Erde 
und er sehnte sich in die Oberwelt zurück. Phaya Nakh (der 
Drachenkönig), seinem Wunsche zu willfahren, erbaute *) für ihn 
auf dem Khok Talok die prachtvolle Stadt Nakhon Tom, die damals 
Kamphuxa, oder die aus dem Wasser Geborene genannt wurde. 
Dort herrschte Phra Thong alsKönigunderhobNangNakh zu seiner 
Königin, der die schon mitgebrachten Frauen als Concubinen unter- 
geordnet waren. Ihr zäi*tlicher Vater pflegte sie täglich zu besuchen, 
sich ihres Glückes und seiner herrlichen Schöpfung freuend. Aber 
er war doch immer nur ein Drache, ein Gast des unheimlichen 
Schattenreiches, und die Stadtbewohner meinten, dass er nicht unter 
Menschen Wohnungen gehöre. Selbst die eigene Tochter, sehend, 
dass bei ihres Vaters Besuchen an Markttagen stets viel Leute in 
Folge seines giftigen Athems starben , dachte auf Mittel , seine 
Besuche zu verhindern , und zuletzt eutschloss sich Phra Thong, 
das Bild des viergesichtigen Brahma vor dem Stadtthore aufzu- 
richten. Als Phaya Nakh am nächsten Tage sorgenlos und selbst- 
vergnügt einhergewandelt kam, froh der Aussicht, seine Lieben 
zu umarmen, sah er vor sich das Bild seines furchtbaren Feindes, 
und hatte kaum Zeit, jählings zurück in die Unterwelt zustürzen. 
Dort haust er jetzt und wagt nicht mehr den Kopf hervorzu- 
stecken, um alles das Schöne, was er da droben verfertigt, zu 

*) Für König Titidschi erbauten die vier Nagaradscha die Pagode de» 
Odsmng (Kasjapa) aus edelen Stoffen (s. flbhmidt). 



396 Kambodia. 

betrachten; aber auf seine undankbaren Kinder schleuderte er den 
Fluch , dass von ihren Nachkommen nur solche , die mächtiges 
Verdienst besässen, fähig sein sollten, in der von ihm gegründeten 
Stadt zu herrschen, und deshalb ist dieselbe auch so vielfachen Un- 
terbrechungen der Dynastieen ausgesetzt gewesen. Als Gundicha, 
die Gemahlin des Indra Dyumna, den prachtvollen Tempel Gua- 
dichaMundal gebaut hatte, betete sie zuJugunnath: Oh divinity, 
let none of my offspring survive, lestbecominginflatedwithpride, 
they should lay claim to the merit of having built the temple and 
say: the iniage is ours (s. Stirling). 

Als Samdeit Kamlong, der Sohn des Phra Thong, auf dem 
Thron folgte, befahl er, damit das Ansehen seines Vaters hoch- 
geachtet bliebe, die Zeichen der Schande, mit denen er in's Land 
gekommen war, in Ehrenzeichen zu verwandeln, und seitdem 
haben die Khamen ihre Haare kurz, ihre Ohren durchbohrt und 
tragen im Munde ein Stück Holz zum Zahnstocher, um damit als 
Bürste ihre geschwärzten Zähne zu reiben. Diese Sage wurde 
mir von einem Manne des Volkes mitgetheilt, aber ein Mönch, 
mit dem ich später darüber sprach , wollte die Erwähnung des 
Landes Romavisei in dem Mienphran genannten Buche gefunden 
haben, das über die von Mara, dem Gott des höchsten Himmels, 
auf Mahathen Upakot gemachten , aber ohne Erfolg bleibenden 
Angrifte handele. Eine andere Erwähnung findet sich in Pa- 
thomma-Sompat. Nach Buddha's Tode stellte Ajatusattru über 
die vergrabenen Reliquien ein drehendes Messerrad, und als 
Thammasokarat später die Reliquien herausnehmen wollte, konnte 
Niemand nahe kommen , da die Messer des Schwungrades nach 
allen Seiten hinschlugen. Zuletzt wurde eine Gesandtschaft an 
Chao Myang Rom geschickt, der einen Künstler aus Romavisei 
sandte, und dieser drehte die Maschine mit einem passenden 
Schlüssel auf, so dass sie stillstand. Auch die Schätze Dhana 
Nanda's oder (nach Hiuenthsang) Nan tho's wurden später auf- 
gegraben. Verschieden von diesem übermtithigen König, dem es 
bei den Drachen nicht wohl war, erzählen die Malayen (nach de 
Couto) von einem der ihrigen, dass er, nachdem er in einem 
Glaskasten den Wasserkönig besucht, sich dort so heimisch ge- 



Der Sagenkreiä der SteiDmonomente. 397 

■ 

fühlt, dass er seine Tochter geheirathet, und weder durch die 
Klagen seiner auf der Oberwelt zurückgelassenen Wittwe , noch 
durch die Anstrengungen seiner Söhne, die auf Delphinen reitend 
ihn suchten , zur Rückkehr bewogen werden konnte. Nach den 
Chinesen war Hoenhoei, der erste König Funam's, der die einhei- 
mische Königin heirathete, gleichfalls zur See ins Land gekommen. 

Während in der obigen Erzählung das Geschlecht der hoch- 
näsigen Menschen den armen Drachen nicht unter sich leiden will, 
wird ihnen in einer andern Mythe mit gleicher Münze vergolten. 

Als noch die weite See alles das Land bedeckte, was jetzt 
Kambodia ausmacht, hob sich allmählich aus dem Wasser eine 
schmale Erhöhung hervor, die Insel Khok Talok bildend. Als 
Phaya Nakh merkte , dass festes Land geworden sei , pflegte er 
an schönen Tagen dorthin zu kommen"^), um seinen feuchten 
Körper in der Sonne zu trocknen. Auch Nang Nakh, seine 
Tochter, zog sich in einsamen Stunden dorthin zurück und wurde 
einst in einer solchen von Phra Amarin (Indra) gefunden, der 
vom Himmel gekommen war, sich die neu entstehende Erde zu 
besehen. Die Frucht ihrer Liebe war ein reizender Knabe, Phra 
Ketumalea genannt, und Phra In, stolz auf seinen Sprössling, 
nahm ihn mit sich in seinen himmlischen Palast. Der Leib des 
lieben Jungen duftete wie eine Parfüm -Dose, versicherle mir 
mein Berichterstatter, aber dennoch rochen die Götter heraus, dass 
er nur ein Mensch sei, also etwa, wie in unsern Märchen der 
Ogre Menschenfleisch riecht. Wenn der Sohn im Gemache seines 
königlichen Vaters spielte und einer der bedienenden Götter beim 
Hineintreten ihn bemerkte, so war er sicher seine Nase zu 
rümpfen und zu schnüffeln, als ob etwas passirt wäre, und Phra In, 
dem die Sache zuletzt peinlich wurde , und der sich seiner zwei- 
felhaften Geburt, die nicht, wie in Jamaica, durch Kafleetrinken **) 
entschuldigt werden konnte, schämte, schickte Phra Ketu- 

*) Nach dem Sattawecha kommt der Raja Naga jeden siebeuten Tag aus 
seinem unterirdischen Reiche hervor, um auf einem hohen Berge anzubeten. 

**) Doch kannte man in Ostindien ähnliche Ausfluchte , wie aus Viswanatba 
Panchanana's Beispiel über Schlüsse hervorgeht, wenn z. B. die Schwärze von 
Mittra's Sohn ihrem Essen schlechter Geuiiine zu^escbriebeu würde. 



398 Kainbodia. 

malea wieder auf die Erde *) hinab mit sieben Priestern , sieben 
£deln und sieben Brahmanen und ausserdem mit Phra Pitsanu- 
kam (Visvacarma), um für ihn die Stadt Inthapataburi zu erbauen, 
wie in Kaschmir Visvacarma und Maya als Architecten der Stadt 
Pravarasena genannt werden. Die Kischi zerfallen in Devar- 
shajas (Götterseher), Brahmashajas (Brahmanenseher) und Ragar- 
shajas (Königsseher), und von den ersten entsprangen die Pitris, 
die als Patriarchen verehrt werden , bemerkt Benfey. 

Unter der Regierung Pathummasurivong's, der seinem Va- 
ter auf dem Thron folgte, begannen die in dem Gebirge zerstreut 
lebenden Stämme sich um die Stadt zu versammeln, und die ver- 
schiedenen Theile der Erde, wie sie nach und nach mit dem Zu- 
rücktreten des Meeres trocken wurden, zu besiedeln. Dieses 
Trockenlegen **) des Landes wird gleichfalls Phaya Nakh zuge- 
schrieben, indem derselbe, nachdem Pathummasurivong (der 
Sonnenspross des Lotus) die Prinzessin geheirathet, das Wasser 
aufgesogen, damit Phra In festen Fuss linde, wo Phitsanukan 
die Stadt nach dem himmlischen Modell erbauen könne. Der 
chinesische Gesandte (bei R^musat) hörte noch die Mythe, qu'an- 
ciennement il yavaitdans la tout* du palais une f(^e sous la forme 
d'uu serpent a ueuf totes, laquelle ^tait la proteetrice du royaume, 
die sich jede Nacht zeige, oder, wenn sie nicht erscheine (die 
weisse Frau travestirend) , den bevorstehenden Tod des Königs 
anzeige. Der Zauberer Wolkow regierte als König in dem präch- 
tigen Palaste der Stadt Slawensk , während er gleichzeitig als 
gefrässiger Crocodildrache im Flusse lebte. 

Phra Thong wurde in einer anderen Erzählung der Sohn des 
Königs der Khamen dorn (alte Khamen) in der Stadt Khoverat 
genannt, der, nachdem er Nang Nakh (Neak) geheirathet, im Lande 
der Xong die Stadt Tom gebaut, wo die mit ihm sich niederlassen- 
den Khamen durch Mischung die Khamen Xong gebildet. Neak 
heisst im Kambodischen auch Otter , welches die Seen üdong's 

*) Nach der Legende in Mandavi (bei Postans) wirft Indra ans Eifersucht 
seinen Sohn Vikram in der Gestalt eines Esels auf die Erde hinab. 

**) Als Djyotirnpa Svayambhu in dem Lotus des Sees Nagavasa erschienen 
war, zerhieb Mandjusri den Berg, um den Wassern einen Ausflnse lu geben. 



Der Sagenkreis der Steinmonamente. 399 

füllende Thier, gleich dem Biber, bei den Indianern dieselbe Bedeu- 
tung des Erdgeborenen oder Erstgeborenen hat, wie die Schlange 
sonst in Indien. Nach nordischer Dichtersprache heisst das Gold, 
womitdieAsen ihreBlutschuld abkauften, das Ottersgeld undFafner 
bewacht es in Schlangengestalt. Im Mahabharata heirathete Pa- 
rikschit , der König Ayuthia's, die Susobhana , die Tochter des 
Froschkönigs Ayu im See seines Palastes. Nach der Sage der 
Oraou stammte die Nägavanga - Dynastie in Chotia von einem 
durch eine Schlange (Naga) beschützten Knaben ab, den ein 
Brahmane am Ufer eines Teiches fand. Als in Magadha das Volk 
die Vatermörder verjagte und die Residenz von Benares nach 
Rayagriha verlegt wurde, trat an die Stelle Nagadasaka's der wie 
Erichthonius bei der Geburt von einer Schlange beschützte Kö- 
nig ^'igunaga, Sohn einer Tänzerin mit dem Fürsten der Likhavi 
in Vaigali. Windischmann setzt Nahash , als Schlange des Para- 
dieses, mit Nahousha in Beziehung. In älteren Geschichts- 
büchern findet sich Neak oder Nak als königlicher Titel, und 
nach Uodgson werden die Priester derKiranti, die die Manen 
(Samkha) der Vorfahren mit Opfergaben versöhnen, Nak-Chong 
genannt. Der Tanz der sechs Naga's (in demSutra der 42 Sätze) 
erinnert Schiefner au die Wassergeister der germanischen Mytho- 
logie und, fügt er hinzu: „Selbst der Name (Näk), den dieselben 
noch jetzt in Schweden führen, scheint in einer Verwandtschaft der 
indischen und germanischen Mythologie seinen Grund zuhaben.*" 

Nicht nur zur See , sondern auch zu Lande soll der fremde 
Gründer angelangt sein. 

Der Chao Pamah (nach den Siamesen) oder der Sadeik Pu- 
meah (nach den Kambodiern), d. h. der König von Birma, zürnte 
seinem Sohne , der Arac trank , Thiere auf der Jagd tödtete und 
in anderer Weise das Gesetz Buddha's verletzte. In die Verban- 
nung geschickt, zog er mit seinen Anhängern durch Siam nach 
Kambodia und fand das Land in den Händen der Dscham, deren 
König in Barai residirte, eine jetzt von Brahmanen bewohnte 
Stadt. Die Khamen, die mit dem Prinzen von Birma gekommen 
waren , überwältigten die Dscham und siedelten sich in Nakhon 
Tom an, wo bei der Geburt Pathummasurivong'slndra den Tempel 



400 KambodU. 

Nakhon Vat baute. Der Name des mythisehen Königs Keta- 
malea wiederholt in kambodischer Aussprache den Mali-Fluss, 
von dem die zweite oder, nach genaueren Autoritäten, alleinige 
Dynastie Tagoung's ihren An&ng nahm. Den verbannten Prin- 
zen, der Ceylon besiedelte» kennt auch De Couto als Vigia Baya, 
und er bringt ihn von dem Reyno de Ajota (a que hoje chamamos 
TanaQerim), wo sein Vater als der mächtigste König des Orients 
herrschte (500 a. d.)» porque tinha debaixo do seu sceptro todo o 
que jaz da ribeira do Gange ate Cochinehina e pelo Sertao atd 
quasi 40 gra6s do Norte. 

Als Phra In bei einer seiner Wanderungen auf Erden ver- 
gessen hatte, weibliche Bedienung, die ihn im Himmel stets 
umgab, mitzunehmen, und sich in Folge dessen einsam fühlte, 
traf er mit Nang Nakh (wie Herkules mit Echidna) zusammen 
und baute für seinen Sohn Ketumalea, der im Himmel nicht ge- 
duldet wurde, eine königliche Residenz. Da aber Phra Ketumalea 
in Erinnerung einer himmlischen Schönheit, die seine Liebe nicht 
erwiederte, in Wahnsiun fiel, sandte Phra In zu seiner Heilung 
und Zerstreuung PhraAnon und Phra Isuen mit vielen Thevadas. 
Nach seiner Heilung kam auch Maha Phrohm vom Himmel und 
weihte sieben Schiller als Phrahmana. Diese, die Vorfahren der 
kambodischen Brahmanen , lebten zusammen mit den (buddhisti- 
schen) Priestern, die aus den Schülern Phra Anon's hervoi^ngen 
und in Nakhon Vat wohnten. Der König mit seiner Familie, für 
welche Phra Isuen die Waffen hütet, bildete die dritte Kaste. 
Nach einer siamesischen Mythe kamen Suvanne Haie undSuvanne 
Malai , die geflügelten Töchter des auf Khan Krailat (der Berg 
der drei Gipfel oder Kailasa) rosidirenden Götterkönigs, auf 
Erden herab, um König Sinthong zu rauben, und als dieser wieder 
aus dem Himmel entfloh, seine Gemahlin, deren Sohn später, von 
den Thevadas begleitet, auf Erden zurückkam, um seinen Vater zu 
suchen, und alle Widersacher mit seinem mächtigen Bogen schlug. 

Als bei der Ankunft Phra Phutthakhosa's mit aller Art Alpha- 
beten König Ketumalea demselben Nakhon Vat zum Aufenthalt 
überlassen , zog er nach Osten und baute die Stadt Bengmalea. 
Phra Ketumalea's Mutter, Nang Thevadi, war dem Könige Prom- 



Der Sagenkreis der Steinmonumente. 401 

ThevoDg, der in Nakhon Tom herrschte, vermählt, aher sein 
wirklicher Vater war Phra In , zu galanten Abenteuern immer 
fertig, wie der hellenische Zeus. Toutes les deux constituent, 
mythiquement parlant, une meme femme, bemerkt Eckhaus von 
den beiden Schwestern der brahmanischen Legende (im Ästika- 
parva) als Vinata und Kapishi oder Kadrou (m^re d'un peuple 
de Kadraveyas, de deux seq)ent8, d'honimes serpents). Dans la 
Separation de ses deux njitures une d'elles, representant Torigine 
Celeste, est de nature lumineuse , Tautre d'origine tcrrcstre et de 
nature t^nebreuse, la Naga-Knnya, est la fille de serpent. In 
dem Svayamvaraparva (des Mahabharata) finden sich Schlangen 
im Gefolge der Götter, da ausser den unterirdischen andere die 
Himmel bewohnen. Zu den 33 Göttern im Devadüngsa werden 
drei Klassen von Göttern gezählt, als 8 Vasu, 11 Budra und 
12 Aditja mit Pragapati und Indra (nach der Vrihadaranjaka- 
Upanishad). Moore fUgt an ihrer Stelle die beiden Reiter (A^vi- 
nau) ein. Die Mongolen unterscheiden die 8 Götter der Güter 
(erkin naimanedun tengri), die 11 fruchtbaren Götter (arbannigen 
dokshin tengri), die 12 Söhne der Sonne (arban chojar naranu 
köbcgün)und die zwei jungen Götter (chojar salagho tengri) unter 
Chormusda. 

In weiter Ferne, nordöstlich von demThalesab, dem grossen 
See Kambodia's, liegt das Reich Khomeratta oder das Land der 
Ix)tosblumen (Khoma oder Dok bua). Die Bewohner desselben 
trugen Gewänder, die aus dem Ausspreizen der breiten Lotos- 
blätter verfertigt waren, indem sie die jetzt verlorene Kunst ver- 
standen, aus den Fibern der Lo tospflanze Zeuge zu weben (während 
die feinen Stoffe Manilla's aus denen der Ananas bereitet werden). 
Kambala bezeichnet im Sanscrit den Namen eines aus Pflanzen wolle 
oderLotos bereiteten Zeuges und zugleich den Namen eines Naga. 
Wie Virgil spricht auch Plinius von den feinen Geweben, die die 
Frauen der Serer aus den Blättern eines Baumes verfertigten. 
Am Indus sah Apollonius Sandalen aus den Fasern des Byssus 
getragen und die Vornehmen waren in Byssus gekleidet, der 
ihnen auf den Bäumen wuchs. Nach Ilerodot benutzten die 
Indier die auf wilden Bäumen wachsenden Vliesse zur Tuch- 

Jt^n ti.ii), OBtiisiun. I. 2G 



402 Kambodia. 

Verfertigung, und Dionysius beschreibt ein Gewebe, feiner als 
das der Spinne, das von den Indiem aus Blumen zusammen- 
gekämmt und versponnen wurde. 

Ein Prinz, dieses Königreichs Khomerat oder Khumerat, 
dessen stolzer und hochfahrender Sinn sich nicht länger dem 
Joche väterlichen Gehorsams fügen konnte, wanderte mit seinen 
Vasallen aus und brachte dieses Volk der Khom oder Khamen 
nach dem Lande Kamphuxa, wo sie die Samreh der Linchiberge 
als Eingeborne antrafen und diese unter dem fremden Ftirsten- 
geschlechte in Nakhon Tom ansiedelten. 

Die nördlichen Khamen von Siemrab, aus ihrem Lande ver- 
trieben , liessen sich unter den Dscham im südlichen Kambodia 
nieder. 

In dem nördlichen Udannakero*), an den Grenzen China's, 
lag die ursprüngliche Heimath, aus der die alten Khamen (Khamen 
döm oder Khamen boran) nach dem jetzigen Kambodia gekommen 
sind. Dort regierte, als weit berühmter König, Phrabat Kavero, 
und der Sohn desselben, Phrabat Songkaya, zog mit vielen Be- 
gleitern nach dem Süden. Sie fanden die Länder von den Xong 
bewohnt und, indem sie sich unter ihnen niederliessen , entstand 
die Rage der Khamen -Khom. Sie gründeten die Stadt Kam 
oder Inthapat, die bei den Karabodiem Nakhon Tom (die grosse 
Stadt) oder bei den Siamesen Nakhon Luang (die königliche 
Stadt) heisst, und von ilir wurde das Land Kam-Phuxa genannt,, 
als durch das edle Geschlecht (Phuxa) der Kam bevölkert. Dort 
regierten 1700 Könige, die Nachfolger des Phrabat Songkaya, 
bis das Geschlecht ausstarb mit dem letzten derselben, einem 



*) Nach Lassen war Harivarsha mit den Uttara Kurus früher ein wirklich 
historisches Land , das erst später unter die mythischen Dwipas gestellt wnrdt* 
und schon von Ptolemfius als Ottorokorra in Kashgar (als Theil von Serica) er- 
wähnt wird. Nach dem Vansavali konnte in dem von Atih deo in Utra Khnnd 
gebauten Tempel des Ullah Nath die Musik des himmlischen Chors an Indra'« 
Hofe gehört werden. Die Ostia fluminin Octogorrae, ex quo Oceanus Sericos ap- 
pellatur, finden sich bei Paulus Orosius. Sudlich von Scythia bis zum Indus ood 
Ganges setzt Ammianus Marcellinus dieMontes Anriva et Nazavicam et Asmira et 
Emodon et Opurocorra. 



Der Sagenkreis der Steinmonumente. 403 

Aussätzigen, der durch einen in den magischen Operationen be- 
gangenen Fehler starb, als er in der Xub (Intingere im Siamesi- 
schen) genannten Ceremonie geheilt werden sollte, ein ähnlicher 
Verjüngungsprocess, wieerdemPelias im Hexenkessel zugedacht 
war. In dieser Königsreihe wird Ketumalea akSohn desDevong- 
Otcha aufgeführt, was ihn wieder zum Sohne des den Donnerkeil 
führenden Indra macht. Ein anderer der Könige , Tasok-Paem, 
wird der Vorfahre des Seitenzweiges genannt, der jetzt auf dem 
Throne des untern Kambodia sitzt. Nach dem Erlöschen des 
alten Stammes wurde vom Volke der verdieustvolle Baksoh 
Chamkrong erwählt, der bei dem Tode Takekih's, des Uparats 
oder zweiten Königs, das Denkmal zu Lalai baute und dem sein 
Sohn Chao Hatsarath auf dem Throne folgte. Das indische 
Indraprastha (oder Inthapat), die Hauptstadt des Yudhishthira, 
gehörte zu den fünf Pats oder Prasthas , die von Duryodha ab- 
zutreten verlangt wurden, und Cunningham übersetzt es the piain 
of Indra. Auf die Dynastie derGautamas folgte die derMayuras, 
bis der letzte König (Raja-päla) durch den Raja von Kumaon 
(Sakäditya oder Herr der Sakas) getödtet wurde, von dessen 
Besiegung Vikramaditya den Titel Sakari erhielt. 

In beliebter Weise auf indischen Ursprung zurückgehend, 
findet sich gesagt , dass die Khamen ursprünglicli in Myang In- 
thapat lebten, einer zu denSolot-Nakhon gehörigen Stadt, von wo 
der König einen seiner Söhne zur Besiedeluug neuer Länder 
aussandte, und dass dieser, nachdem er Nang Nakh geheirathet, 
die nach seiner Heimath Inthapataburi genannte Stadt für sich 
gebaut habe. 

Als der Chao Khamen (der König der Kambodier) den 
Tempel vonNakhonVat restaurirt hatte, schickte er an den König 
von Baranasi (Benares) und bat um Brahmanen , die er in Banon 
ansiedelte, wo sie über das Augurium des Landes wachen sollten. 
Die unter Pathummasurivong zur See angelangten Brahmanen aus 
Myang Hindu hatten den Ramakhicn (Ramayana) mitgebracht 
und übersetzten ihn erst in das Kambodische und dann in das 
Siamesische. Zu ihnen gehörte Phaya Krek, der nach dem Ver- 
falle Nakhon Vafs die neue Residenz Patentaphrohm oder die 

26* 



404 KambodUi. 

Festung des Ta-Phrohm (Grossvater Phrohm oder Brahma) er- 
baute und der, ehe er König wurde, Tit-Phrohm (Ditsa) hiess. 

Der König Chao KirUen oder Sadeit Kon]h)n , der Sohn de« 
mächtigen Königs Song Kaya, der durch seine hohen Verdienste 
(phu mi bun oder lub meang bon) glanzvoll in Nakhon Tom 
herrschte, wurde vom Aussatz befallen, da der durch das Aus- 
bleiben des Tributes erbitterte PhayaNakh*) im Kampfe mit ihm 



•) Von den Maharadjas (Grosskönigen) auf dorn Snmcm beschützt Virn- 
pakcha (Rruiij? der Nagas) den Westen , Vai^varana (König der Yakeha») den 
Norden , Dhritaraehtra (König der Gandlhirvas) den Osten , Vimtaka (König der 
Mnhoragas) den Süden (nacli lamaiseher Mythologie). Als die Buddhisten in 
Kaschmir aus Hass gegen die Shastras den Cultus der Nila-purana ah»chafllpn, 
wurde das Land von d(^n erzürnten Nagas in Schnee begraben . crzühlt Kalhana. 
Nach Abufazl wurden an sieben Orten in Kaschmir Schlangen verehrt, und im 
Radjat'irangini wird die Aufrichtung von Karkote^as oder Schlaugenherren be- 
sproclien. Mit den andern Göttern wird im Rudhiradyaya (des Kaliha-purana) 
auch Sarpa-Radja (der Schlaugenkönig) ang«Tufen , indem d«T Priester die Man- 
tr.'us über dem Magen des Schlaclitopfers spricht. Nach dem Foe-kue-ki gehören 
die Mahoragas (Grossschlangen), Kinuaras, Garudas, Asuras , Gandharvas, Yak- 
clias, Nagas und Dcvjis zu den acht Klassen übcmrdischer Wesen. Manu be- 
richtet y dass die Naga-^ von den Maharchis (grossen Heiligen oder Rishi) und den 
Pradjapatis (Il<Tren der Wesen) geschaffen wurden , zusammt mit den Yakchns, 
Rakchasas, Pisatchas (Vampiren^, Gandhaj'vas, Apsaras, Asuras, Sarpas 
(Schlangen) , Suparnas (Vögel) und den Pitris (oder göttlichen Ahnen). Unter 
den vielköpfigen Schlangenkindern der Surasa und Kadru (Töchter des Dakcha) 
nehmen S^cha , Vasukri und Tacliaka den ersten Rang ein. Als der Zauberer 
aus iJravida die Wasser des Sees mit magischen Pfeilen zertheilt, sieht (nach dem 
Radjatarangini) König Djayapida auf dem Grunde den von seiner Familie um- 
gebenen Naga in Schlangcnform mit menschlichem Gesicht. Die von Juwelen 
glanzenden Götter df^s siebenten Manvantira sind neben denViswas. Rndras, 
Maruts , Adityas , Ayvinis die Sadhyas , unter denen die Nagas genannt werden. 
Um die Zahl der 11 Rudras zu completireu, muss (nach der Linga-purana) 
der Name Abi vradhna in AI» (Schiauge oder Sonne) und Vradhna (Sonne) zerlegt 
werden. Als Volk bilden die „nackten*' Naga die Bewohner d<»r Berge (Näga), 
entsprossen von der Schlange (Naga), die das Totem der Schlangcnindianer 
bildet, wie sie auch auf dem Banner eines Aztekenstammes getragen wurde. La 
montagne est Na-gah, celle qui ne marche pas , d'oü Nagah le serpent , Phabitant 
de la montagne (Eckhaus). Aus Furcht vor Tarkchya flüchteten die Nagas (die 
auch im alten Aeg>T)ten von den Vögeln verfolgt wurden) nach Kaschmir , wo sie 
unter ihren Häuptlingen Sangka und Padnia lebten. Von Nimmbha, König der 



Der Sagenkreis der Stehimoniiinente. 405 

neinen giftigen Speichel auf seinen Körper gespritzt hatte, und 
starb, weil er die vorgeschlagene Heiluugsmethode eines von 
Himavvun gekommenen Eremiten (Rüsi) nicht annehmen wollte, 
obwohl derselbe eine ebenso gute Probe mit einem Hunde ge- 
macht hjitte, wie Medea mit einem Widder. 

Da Nakhon Vat durch Ketsamalea an Phutthakosa über- 
geben und die Macht Pathummasurivong's durch die gleichzeitige 
Geburt Phra Ruang's in Siam paralysirt war, erbaute der König, 



Asuras, wurde ihr Feind Gariida gefangen. Nachdem Vi^chnu-purana verkörpert 
sich Viächnu ala Piirukut^a (Sohn des Manth:idu) , um die Nagas gegen die Gan- 
dharvas zu schützen. Gandarioi werden von Herodot (neben den Pardoi, Choras- 
mioi , Sogdoi und Dadicai) in der Armee den Xerxes erwähnt und Troyer findet 
sie in dem Namen der Goryandis , aus deren Lande Deriades (Duryodhana) und 
Morrlieus (Maha-radja) Hülfstruppcn gegen Haechus zogen . Unter den 56 Stammen 
der Yadavas werden die Nagas (Takchas oder Schlangen) , die Asva (Haya oder 
Pferde) und die C^^a^a (Hasen) genannt. Als die Nagas sich bussfertig zeigen, 
wird das Opfer des Djanamedjaya unterbrochen. Nach Wilford existiren die im 
Vrihatkatha an der Vitasta genannten Takcha^ila dort noch unter dem Namen 
Syalas oder Schlangen (mit Jehung syal als Ilnuptstadt). Desireux de son bic>n< 
^tre pour se rassurer contre Garuda , le formidable ennenii des serpens, Serha 
quitta son ancien bien-etre, en faiaant de son corps un lit pour servir k Vishuu, 
renneroidesAsuras, mais la penible tache de sup. orter le fardeau de la terre, qui 
n*a point des bornes, lui fut impos^e par cc dien , qui connaissait en lui la force 
de supporter la fatigue (Troyer). Le vrai genie de l'oeuf du monde, le grand 
serpent solaire, qui l'enveloppe et qui a Ini-meme la forme de l'oeuf, est le Dhrita- 
rashtra, le grand serpent, roi du paysdesTakshakas. Issus d'une fusion desAryas 
guerriers avec la ra^e des Cephönes , les Takshakas sont des alliös des Madr**» et 
des Kauravas , Aryas purs , mais qui adorent les dieux shivaites , fruits d'un me- 
lange de doctrines. De la vieut que les Kauravas placent le Dhrita-rashtrah au 
rang de leurs ancetres. Martt-anda ou le solcil des vivants , ^clos du Mrit andah 
ou de Toeuf roort, est ainsi leur primitif Dhartta-rashtrah, fils de Taveugle Dhrita- 
nishtrah.' Die heilige Schlange des Protrimpos galt den Preussen für unsterb- 
lich, da sie sieh mit jeder Uäutung verjungte. Jormnngard, die grosse Midgard- 
Schlange , wuchs , von den Äsen ins Weltmeer geschleudert , zu der Grösse der 
Ananda aus. Gleich Apollo, dem Pythonbesieger, zertrat Krischna den Kopf der 
tausendköpflgeu Kalinak und Bacchus schüttete in Libyen einen Hügel auf den 
Lindwurm der Campe, wie der Buddha Gaya*s über dem riesigen Leib des Asuren 
steht. Für Quetzaleoatl , die grüngefiederte Schlange , wurde die Pyramide 
Cholula's errichtet. In Schlangengestalt führte Ophion das Heer der iigyptischeo 
Götter. 



406 Kambodia. 

der bei den JSiamesen Phaya Kiek und l)ei den Kambodiern Ta- 
Phrobm heisst, die neue Residenz Patentaphrohm und daneben 
den Tempel Plira Keoh , wo das g:rüne Buddhabild (der Phra 
Keoh) verehrt wurde. Das weisse Bild des Phra Kho, das bei 
der Ankunft Phutthakosa's mit 1000 Arahan verfertigt war, 
stand im Tempel Ban^kong, wurde aber von den Siamesen 
geraubt und später nach Angva (Ava) weggeführt, wo man es in 
Stücken brach , um das in seinem I^ibe eingeschlossene Queck- 
silber zil erhalten, wodurch dieser Stiergott laufen konnte. 

Als der Nakkharat (der Naga- König) Phaya -Phuxong die 
Stadt NakhouTom für seine Tochter erbaut hatte, vermählte er sie 
mit einem Gatten aus dem Menschengeschlecht, Photisat genannt. 
Die Stiidt wurde volkreich und blühend und litt nur unter den 
täglichen Besuchen des Gründers, der durch seine giftige Aus- 
dünstung stets viele Menschen tödtete. Als der König mit seinen 
Ministern über ein Mittel zur Aushülfe berieth, gab ihnen die 
Drachenprinzessin, die ihres Vaters Aversion kannte, den Wink, 
das Bildniss eines Kputh(Garud{i) aufzustellen, und als der Naga 
beim Zurückkommen denselben erblickte, fiel er nieder und starb. 
Nakkharat oder Neakhereik würde ausser seiner Pali-Bedeutung 
als Dracheukönig im Kambodischen auch das bezeichnen, was 
die Engländer ^the little folks" nennen, etwa König der Gnonie 
oder Elfen. Die drachenfüssigen Giganten der Griechen waren 
aus den Gäa befruchtenden Blutstropfen des Uranos entstanden. 
Die Cochinchinesen geben den kambodischen Königen den 
Titel Ncac (Nakh , was ebenso wie das auch im alten Siamesi- 
schen gebräuchliche Ong Pronom und Ehrenbezeichnung ist. 
Nak markirt im Siamesischen die Auszeichnung in Etwas, wie 
Nak Sith (ein in Vollkommenheit Ausgezeichneter) einen Priester 
meint und Nak Prath einen Gelehrten oder Doctor. Dieses Nak 
hängt mit Naya zusammen , wie Nahk mit Naga. Nay meint im 
Birmanischen die Sonne, im Siamesischen einen Herrn. 

Als durch die Ueberraacht feindlicher Gewalten Zerstörung 
über die königliche Stadt Inthapata hereingebrochen war, floh 
eine Prinzessin, die einzig Ucberlebende ihres Stammes, von der 
Stätte hinweg, wo ihre gekrönten Eltern als Lieichen lagen. 



Der Sagenkreis der Steinmonnmente. 407 

Längs des Weges, den sie wanderte, streute sie duftenden Reis 
aus und die in den wüsten Wäldern hausenden Däraone, die Phi- 
Phisat, kamen, angezogen durch den süssen Geruch, herbei- 
gelaufen, um von solch lieblichem Reis zu essen. Die Prinzessin 
aber knüpfte ihre Erlaubni^s an die Bedingung, dass sie erst 
eine würdige Residenz für ihren Aufenthalt erbauten, und nannte 
die neu gegründete Stadt Inthapataburi. Während sie dort als 
Königin herrschte, wurde sie von ihrem altern Bruder erblickt, 
der, unter einem Trümmerhaufen verkrochen, nachträglich auch 
aus der Zerstörung seiner Vaterstadt gerettet war und nach dem 
Abzug der Feinde den Thron wieder aufgerichtet hatte. Er war 
jetzt auf der Wanderung, um eine seiner würdige Königin zur 
Genossin zu finden , und wurde geblendet durch die Schönheit 
seiner Schwester, die er nicht erkannte. Auch sie erwiederte 
aus Wahlverwandtschaft seine Neigung, aber der geschlossene 
Ehebund blieb kinderlos und bei ihrem Tode wurde ein Grosser 
aus edlem Geschlecht auf den Thron erhoben, von dem die 
folgende Königsdynastie sich ableitete, wahrscheinlich um die 
später getadelten Verwandtschaftsheirathen, wie sie noch in 
Birma gelten, vergessen zu machen. 

Lange nachdem Phra-Nirat, der Photisat oder Bodhisatva, 
dessen Geschichte in den Beschreibungen von Buddha's früheren 
Existenzen zu finden ist, in Kambodia geherrscht hatte , wurde 
dieses Land durch die Khek Cham (der ausländische Stamm der 
Dsiampa) eingenommen. Während sie dort walteten , als ob es 
ihr Eigenthum wäre, langte unter ihnen mit 1,100,000 Begleitern 
ein aus seinem nördlichen Reiche durch Unglücksfalle ver- 
triebener König an, der Chao Khamen, der ihre Rechte zu dem 
Besitz bestritt. Man haderte und zankte, aber alles Disputiren 
führte zu keinem Resultat. Da, durch einen Traum erleuchtet, 
berief der König eines Tages eine neue Versammlung beider 
Völker und erbot sich , unleugbare Beweise beizubringen , dass 
der Grund und Boden seinen Vorfahren gehörig gewesen. „Das 
Insignium unserer Königswürde," sagte er, „ist ein goldener 
Schirm, und zwar ein solcher Schirm, der sich durch einen 
geheimnissvollen Mechanismus öfifnen und schliessen lässt. 



.|(),s Raiulxulia 

Wenn ihr liier an dieser Stelle in der Erde naehgraht, werdet 
ihr einen derartigen Öchinn finden. Das uiuss entscheiden, 
denn wie würde ein harbarisehes Volk, wie ihr Cham, eine so 
wunderbare Kunst erfunden haben?** Der Herr (Chao) Khauieu 
hatte es wahrscheinlich durch seine Nachbarschaft zu den kunst- 
fertigen Chinesen gelernt, und die entlegeneren Völker gebrauchen 
in der That häutig unbewegliche »Schinne, wenn sie dieselben 
nicht noch einfacher durch ein am Zweige festgewachsenes Blatt 
ersetzen. Doch genug. Die Probe wurde angestellt, das Wunder- 
werk des Schirmes gefunden, und die beti übten Cham zogen wie 
begossene Hunde ab. Da ein solcher Schirm (Xatr) nun ein 
Schirm mit Spitzen (Kampul oder Kampu) im Kambodisehen hiesse, 
80 sei daher das Wort Kamphuxatr oder Kamphuxa entnommen. 
Gewöhnlich wird es erklärt als geboren (xa oder Geschlecht) aus 
dem Wasser (amphu oder ap) oder auch aus Kamma (Handlung) und 
phuxa (adlige Herkunft) und ausserdem wird noch mannigfaltig 
andere Auswahl geboten. Im Annamitischeu heisst Am-phu die 
Unterwelt (infernus), quia locus ille est tenebro8Us(nachRhodes). 
Von dort kommen die abgeschiedenen Seelen zur jährlichen 
Fütterung zurück und werden von dem Volke an einem andern 
Tage fetirt, als vi»n den Mandarinen, damit nicht die Verwandten 
der Letztern den Ihrigen die Geschenke zum Tragen geben 
möchten. Unterirdisch ist auch das Pat^ila oder Bandau, als 
Schlaugenreich. Während Alexander M. mit den sich in ihren 
Städten verbrennenden ßrahmanen und den Xatroi kämpfte, be- 
stätigte er den König von Patala in seinem I^nde. 

Nachdem durch Hülfe dieses Zeichens der Chao Khameu 
sich auf dem Throne niedergelassen hatte, folgte ihm eine lange 
Reihe von Nachfolgern, die in Nakhon Tom regierten. Der 
Letzte wurde als Gefangener nach Siam fortgeführt, als Phra 
Hamesuen, der Sohn Chakraphan's (Bruder des Raxathirat), der 
in Krung (Ayuthia) regierte, die Stadt Nakhon Tom zerstörte. 
Der Krbprinz, der damals als Uparat fungirte, floh zu den Juen 
(Cochinchinesen) und befestigte sich mit ihrer Hülfe in Boribun, 
wo noch sein Sohn und Enkel regierte. Durch inneru Zwist, den 
weibliche Bänke veranlasst hatten, ging die Stadt später zu 



k. 



Der Sagonkreis der StpinnionnmeDte. 409 

Grunde, und dann erbaute Phra Cheychessada die Stadt l^awek. 
In der Mythengeschichte des spätem Kambodia ist dieser auch 
den sichern Chroniken nicht fremde Name besonders berühmt. 

Hiernach hat das mit der Auswanderung der übrigen Thay 
aus Khamti gleichzeitig in Kambodia etablirte Königsgeschlecht 
bis zur siamesischen Eroberung regiert, während es von seinen 
mythischen Vorgängern durch eine temporäre Besetzung des 
Landes durch die Dsiampa getrennt scheint. 

Vier Mak oder Verdienstvolle (Khon mi bun) sind in der 
Welt bei Namen bekannt. Der Erste ist Phra-Ketumalea in Kam- 
bodia, der unter dem Titel Tschumpon die vier Paläste baute. 
Der Zweite ist Phra Ruang von Sri Ayuthia, der auf einem fünf- 
köptigen Elephanten an den Wällen Nakhon Tom's entlaug eilte, 
eine wcitschallende Gong schlagend. Der Dritte ist Phaya Krek 
aus Myang Chin, der einen die Menschen im Gebiete Nakhon Tom's 
fressenden Kakshasa tödtete. Der Vierte ist noch nicht erschienen, 
aber er wird aus Myang Farang (Europa) erwartet. Dieser ver- 
heissene Vierte wird auch Phaya Mükkharat genannt. 

Als Phra Ruang, Sohn des Phra Athit (der Sonne), der in Krung 
Khao regierte, Worte tiefer Weisheit in Siam sprach, da fiel Kam- 
bodia's Gelehrsamkeit und dieSiam's stieg empor. So hiess nach 
dem Dabistiin die Einkörperung Parasu-Rama's die mudgha oder 
dumme Avatare, weil luit der Erscheinung der Ramachandra- 
Avatar seine Kraft verloren ging. Phra Ruang zieht zum Lande 
Tschin, wie (nach Firdusi) Iskander als sein eigener Gesandter 
vor Fagfur (dem Kaiser China's) erscheint. 

König Pathummasurivong herrschte durch die Macht seiner 
frommen Verdienste über ein weites Reich in Kamphuxathibodi, 
aber er fühlte plötzlich seine Kraft geschwächt, da, als eine 
Frucht noch höherer Verdienste, in Siam Phra Ruang geboren 
war, eine Einkörperung des Üng-Phra-Sian (Arimathya). Der 
Edelmann Etscho-Damdiu, ein mächtiger Zauberer, der in Kam- 
phong Suay hauste, wurde gegen ihn ausgeschickt und brach 
sich einen unterirdischen Gang bis in die Hauptstadt Phra Rujing's, 
wurde aber durch das Wort dieses in Stein verwandelt. Pathum- 
masurivong Hess dann Phra Ruang zu sich einladen, fand jedoch 



410 Kambodia. 

in der Unterhaltung dessen Ueberlegenheit aus und rieth bei 
seinem Tode seinem Sohne Phra-Bath-Diohkeh oder Thao Jot- 
sakhien , die von Indra vermachte Residenz zu verlassen. Als 
neue wurde die Stadt Patai - Saman gebaut und dort lebte der 
König, von Stantsgeschäften zurückgezogen und nur frommen 
Werken ergeben. Als mit der Kraft böser Zauber (Vixa) König 
Thao Vilom, der in Myang Bahn Prao regierte (und aus dem 
Laoslande gekommen war), die Stadt umringte, verschmähte 
es der König, ihm eine Armee entgegenzustellen und passirte 
ungesehen durch das feindliche Lager, sich mit seiner schwangeren 
Gattin nach den Bergen zurückziehend. Dort wurde ein Sohn 
geboren, der, weil seine Mutter im Kindbett starb, von den Kam- 
bodiern den Namen ChaoSeraivibol und von den Siamesen den Vo- 
rakhien erhielt und der, als eine der Einkörperungen der Gottheit, 
gegen alle Arten Watfen unverwundbar war. Da auch sein Vater 
bald seiner Mutter zum Grabe folgte, wurde er verlassen auf 
den Bergen von einem Jäger gefunden, der ihn für sieben Jahre 
in sicherem Verstecke hielt, denn Thao Vilom, durch einen 
Astrologen von seiner Erhaltung unterrichtet, Hess ihn überall 
suchen, um ihn zu tödten. Nach dem Tode seines Feindes 
wurde er erkannt und durch die Grossen mit der überlebenden 
Tochter Thao Vilom's vermählt, um in Patai-Sarnan zu herrschen. 

Als die Dynastie der kambodischen Könige sich ihrem Ende 
nahte, wurde ein Verdienstvoller geboren, der Enkel des Königs 
Takalie, und Bakseit Xamkrong genannt, weil er von Geiern 
beschützt worden war, als der Usurpator, der sich damals des 
Thrones bemächtigt hatte, seine schwangere Mutter tödten wollte. 
Nachdem er (wie Mohammed) durch ein vorgewebtes Spinnen- 
netz in der zum Versteck dienenden Höhle gerettet war, wuchs 
er in der Verborgenheit des Klosters auf und bestieg den Thron, 
als er beim Tode des feindlichen Tyrannen durch den Schicksals- 
spruch des Königswagens erwählt worden (wie Prschemischl 
durch den des weissen Bosses). 

Die Ursache der VerkrUppelung des Verdienstvollen wird 
oft durch die Verbrenn ungs versuche der Verfolger erklärt Auch 
die spätere Geschichte kennt noch solch verstümmelte Helden. 



Der Sadfenkrcis der Strinmonnmonte. 411 

Die siamesische Uebersetzung dcrkanibodischen Annalen erzählt 
aus dein Jahr 1674 derMahasakkharat die Empörung des Gouver- 
neurs von Phratheipet gegen König Phra-Sixairaxet. In derselben 
war Silasueh , ein Häuptling der Gcbirgsstämme, implicirt, der 
einen Mensehen ohne Hände und Füsse, den er Ongkulirat (das 
königliche Fingerglied) betitelte, mit sich führte. Er liess ihn 
auf einem geschmückten Palankin unter dem Dache eines Bal- 
dachin der Armee vorantragen und vermehrte dadurch die Zahl 
seiner Anhänger. H parut, if y a quelques annöes, k Siam un 
jeune gar^on, ne muet et si hebet^, qu'il ne semblait avoir rien 
d'humain, quo la figure. Neanmoins le bruit se repandit pour 
tout le royaume qu'il ^tait de la race des premiers hommes qui 
ont habite le pays, et qu'il devait quelque jour devenir dieu. Le 
peuple accourut de toutes partes pour l'adorer et luy faire des 
pr^sents, erzählt Loub^re und der König hatte einzuschreiten, um 
die Aufregung zu hemmen. Ferner nach Tosi : Les Bonzes de la 
Cochinchine ayant 61eve parmy eux un enfant stupide, lemontr^- 
rent au peuple comme un dieu. 

Phaya Krek, der Sohn eines Sethi in Bahn TschUntien (in 
der Nähe von MyangTescho), sah sich im Traume in die Himmels- 
lüfte emporgehoben, wo von allen Seiten Dinge der verschieden- 
sten Art, als Reistöpfe, Feuerholz, Werkzeuge u. s. w. auf ihn 
zuflogen, die er sämratlich aufass. Sein Lehrer, dem er diesen 
Traum mittheilte, prognosticirte, dass er schwere Krankheit vor- 
bedeute, und Phaya Krek fiel bald darauf wirklich in ein heftiges 
Fieber, aus dem er Jbei der Genesung am ganzen Körper ein 
Krüppel verblieb. Zu jener Zeit war Sadeik Kamlong, der König 
der Khamen, in Nakhon Tom gestorben, und die Jakhs der um- 
liegenden Wälder, die von ihm zu Tributzahlungen gezwungen 
worden waren, kamen jetzt von allen Seiten herbeigerannt, um 
aus Rache das schutzlose Land zu verheeren , die Bewohner der 
Städte für ihren Frass wegraubend. Als Ketter aus dieser Noth 
erschien ein aus China herbeigekommener Held, den die Kam- 
bodier Tambong-Kajuhn und die Siamescn Kotabong nennen. 
Er überkam die Yakshasa oder Rakshasa und trieb sie nach 
Yieiigchan, in dem von ihnen befreiten Lande die Krone 



412 Kanibodia. 

erwerbeud, iu Naklion Tom, als seiner Residenz. Im Volke lebte 
damals eine aus alten Zeiten Überlieferte Prophezeiung, dass ein 
Verdienstvcdler erscheinen wilrde, um die verfallende Religion 
Buddha's aufs Neue aufzurichten, und alle Leute standen in täg- 
licher Ervvartung der verheissenen Erscheinung. Auch Phaya 
Krek wurde in der allgemeinen Aufregung mit fortgezogen und 
legte sich, auf der Reise nach Nakhon Tom, zum Ausruhen an 
dem Ufer des Sees Tapang-neak nieder, wo später Nakhon Vat 
gebaut wurde. Dort schaute er im Traume Phra In auf prächtigem 
Rosse heransprengen und als er erw achte , sah er denselben vor 
sich stehen. Auf sein Geheiss badete er im See, mit göttlichen 
Arzneien gesalbt, und kam als ein von Schönheit umstrahlter 
Jungling in Fülle der Gesundheitskraft aus dem Wasser hervor. 
Sich auf das feurige Ross schwingend, flog er im königlichen 
Schmucke über die Stadt Nakhon Tom dahin, und als die ge- 
fürchtete Keule Taml)ongkajuhu's sieben Mal ihr Ziel verfehlt 
hatte, Hess er sich aus der Höhe hernieder und nahm seinen Sitz 
auf dem Thron ein, Tambongkajuhn zu seinem Uparat (Neben- 
könige) ernennend. Als später Tambongkajuhn nach dem Laos- 
lande gezogen, auf das Flehen der dortigen Bewohner, die durch 
die menschenfressenden Yakshasa's fast ausgerottet waren, regierte 
Phaya Krek allein, und dann iiel für sieben Tage ein Regen von 
(iold und Silber, von Kleinodien und Edelsteinen in Nakhon 
Tom , wo alle Nationen aus den verschiedenen Theilen der Welt 
zusammentrafen, um Thaya Krek zu huldigen. Wenn nun später 
die Leute auf Phaya Krek zu zeigen wagten, ihn als denjenigen 
bezeichnend, der früher ein Krüppel war, so wurden sie in dieser 
Stellung mit dem ausgestreckten Zeigefinger in Stein verwandelt 
Unter den Nachkommen Phaya Krek's herrschte Phaya Ketnmalea 
als König und auf ihn folgte Taphrohm. 

Während dieser Zeit war Tambongkaj uhn mit den Jakhs fertig 
geworden und regierte, nachdem er sie sämmtlieh erschlagen, 
als König in Myang I^ao. Da kamen an ihn Briefe mit Iltilfs- 
gesuchen aus Myang Chin, denn dort hatte sich der schreckliche 
Vogel Nok Insi gezeigt, der die Leute aus den Strassen der Städte 
aufgriff und sie in sein Nest fortschleppte, um sie zu verzehren. 



Der Sagenkreis der Steinmonnmente. 413 

Gern erfüllte Tambongkajuhn das Gesuch seiner Compatrioten 
und in seine Heimath zurückkehrend , bestand er siegreich den 
Kampf mit dem Vogel Insi und wurde von dem dankerfüllten 
Volke zum Könige gewählt. Dort verblieb er bis zum Tode, 
denn als Gesandte aus Myang Farang bei ihm um Unterstützung 
flehten gegen einen riesigen Jack , der in ihrem Lande aus dem 
Wasser hervorgekommen war und die Menschen scheffelweise 
frass, so fühlte er sich zu alt, die lange Reise zu unternehmen 
und schickte seinen Sohn an seiner Statt. Dieser Prinz, der 
seinen furchtbaren Gegner übermannte, errang dadurch den 
Königsthron in Myang Farang und von ihm haben die Farang 
(Europäer) Weisheit gelernt, so dass sie jetzt alle möglichen 
Arten von Kunstwerken zu verfertigen verstehen; 

Kotabong war ein Mann aus dem gemeinen Volke (Phrai); 
da er aber einst, um seinen Reis zu essen, sich aus dem Zaul)er- 
holze eines schwarzen Baumwollcnbaumes (Ngiu dam) einen 
Löffel geschnitzt hatte, fühlte er, denselben in den Mund steckend, 
sich von übermenschlicher Kraft durchdrungen, und als die übrigen 
Arbeiter ihn nach dem Ende der Feierstunde zurückrufen wollten, 
sahen sie ihn beschäftigt, die Gipfel der höchsten Bäume zu- 
sammenzubiegen und die dicksten Stämme zu entwurzeln. Mit 
einer gewaltigen Keule auf seinen Schultern wanderte er nach 
l^anxang, wo das Land durch eine Million (Lan) hereingebrochener 
Elephantcn (Xang) auf das Gräulichste verwüstet und zertreten 
wurde. Er aber legte mit seiner Keule so wacker um sich, dass bald 
reine Bahn gemacht wurde, und die Belohnung war die Hand der 
Prinzessin. Durch perfide Hinterlist des seine Kraft fürchtenden 
Königs fortgesandt, gründete er sich ein neues Königreich in 
Siemrab neben Nakhou Vat. Als ihm dort seine Weissager (Mo- 
du oder Mo-hon) mittheilten , dass der vom Volke erwartete Ver- 
dienstvolle schon im zehnten Monate der Scliwangerschaft (nach 
siamesischer Rechnungsweise) wachse, Hess er alle dem Gebären 
nahen Frauen verbrennen , aber der gefälirliche Embryo entkam 
lebendig, obwohl durch die llilze des Feuers zu einem Krüppel 
zusammengeschrumpft. Ein über die Brandstätte gehender Mönch 
hörte das Wimmern des Kleinen und erzog ihn im Kloster, wo ein 



414 KambodU. 

Wägelchen für ihn gemacht war, mit dem er sich umherrollen 
konnte. Als die Ankunft des verheissenen Messias nahe war, 
wurde auch er durch das zusammenlaufende Volk herbeigezogen 
und fand sich zuletzt durch die göttliche Medicin des Himrael!»- 
königs selbst in den gesuchten verwandelt. Als Kotabong, ihn 
auf dem Pegasus in der Luft schweben sehend, seine Keule nach 
ihm warf, verfehlte sie dies Mal ihr Ziel und flog in weite 
Ferne fort. Kotabong, um seine unschätzbare WaflFe wieder zu 
erhalten, lief ihr nach, sah sie aber bei Battabong verschwinden, 
und als er nun rasch nach der üauptstiidt zurückeilte , fand er 
auch diese verloren, denn PhavaKrek sass schon auf dem Thron. 
Der Name Kot-tabong wird als das Geschlecht der Keule erklärt 
und die Stadt Dat-t^ibong, die dieSiamesenPhra-Tabong nennen, 
als der Ort, wo die Keule verschwand. Kotamgbong Kranium 
meint den Ko mit der Keule (Tamgbong) des Kranium - Baumes 
(Xiengxang). 

Die Furcht vor dem Verdienstvollen liegt in dem Geist des 
Buddhismus begründet, da Ansammlung zu hoher Vei-dienste 
dieselbe Macht gewähren wird, mit der die brahmanisehen Bttsser 
Erden- und Ilimmelskönige stürzten. Allzu grosse Frömmigkeit 
ist deshalb gefährlich und Verständige sehen sich vor. Bei 
Crawfurd's Ankunft in Ava hatte ein Kaufmann einen so höchst 
prächtigen Zayat erbaut, dass er nicht wagte das ganze Ver- 
dienst für sich zu behalten, sondern den König durch das Geschenk 
desselben zum Partner machte. 

Nach dem Pancha Jatok (zu den hasib Xat oder fünfzig 
Existenzen Buddha's gehörig) regierte Photisat oder Bodhisattwa 
als König Prarot oder Prarathisen in Kamphuxa. Später wurde 
das Land durch die Cham oder Khek Cham in Besitz genommen, 
die in kleinen Dörfern zerstreut lebten, als der Chao Khamen mit 
seinem Volke aus Nord -Osten einwanderte. Dieser vergrub 
heimlich in dem Erdhügel Thalok (Kok Thalok) , an der Stelle, 
wo später Nakhon Tom gebaut wurde , einen mit Mechanismus 
versehenen Schirm (Kamphuxatr) unter einem Thalok -Baunie, 
und dann begann ein Hader mit den Cham um das Besitzrecht 
zu dem Grunde, der durch die Vorweisung des goldenen Schirmes, 




« • 



Der Sagenkreis der Steinmonumente. 415 

als Zeichen der KönigswUrde , zu seinen Gunsten entschieden 
wurde. Der letzte seiner Nachfolger, die nach ihm den Thron 
bestiegen, wurde unerkannt durch seinen Gärtner, Tasok poem oder 
Tasong preahm, getödtet, als er in Verkleidung seine Melonen- 
pflanzungen hatte besuchen wollen. Da Niemand königlicher 
Herkunft übrig war, riethen die Brahmanen, denjenigen auf den 
Thron zu setzen, durch welchen derselbe erledigt war, und Tasok 
poem wurde zum Könige gekrönt. Sein Sohn gründete, als der 
Sadeik Lawek, die Stadt I^awek. Als sein Geschlecht erloschen 
war, wurde ein früherer Kuhhirte aus Battabong uuter dem Namen 
Ta-Phrohm zum Herrscher gewählt, aber dieser, eine Person von 
nur geringen Verdienstschätzen, wagte nicht in dem herrlichen 
Nakhon Tom seine Residenz aufzuschlagen , sondern baute für 
seinen Aufenthaltsort die Stadt Paten-Taphrohm. Als sich nach 
seinem Tode noch ein Spross des alten Königsgeschlechts auf- 
fand , bestieg dieser den Thron , und seine Nachfolger kehrten 
nach Nakhon Tom zurück. Unter ihnen regierte Tao Athitvong 
(der Monarch des Sonneugeschlechts), dessen Gemahlin, von 
Phra In heimgesucht, einen Sohn gebar, denPathummakeson(der 
König mit dem Lotushaupte). Dieser wurde erst zum Himmel 
aufgehoben , musste aber wieder fortgeschickt werden , weil die 
Thevadas seine Menschennatur herausrochen, und erhielt dann 
den Prangka-Prasat (Tempelpalast) Nakhon Vat's für sich erbaut, 
der später als Kloster für Phra - Phutthakosa eingerichtet wurde. 
Die Mutter Pathummakeson's lebte abwechselnd, die eine Hälfte 
des Jahres mit ihrem göttlichen Gemahl im Himmel und die 
andere Hälfte mit ihrem menschlichen auf Erden. 

Die spätere Ausarbeitung der Sage sucht alle die verschiedenen 
Städte zusammenzuverknüpfen in mannigfaltigen Combinationen, 
wie z. B. die folgende : Als unter der Regierung Tambongkajuhn's 
in Nahkon Tom, Phaya Krek König geworden , baute er auf den 
Rath eines alten Ministers, Ta-Phrohm genannt, die Stadt Patenta- 
phrohm. Von den Nachfolgern Phaya Krek's wurde Ketumalea 
durch Phra In mit Nakhon Vat beschenkt, und nachdem der 
König diesen Palast für Phutthakosa in ein Kloster verwandelt 
hatte, verlegte er seine Residenz nach der Stadt Lawek. 



416 Kambodia. 

In einer von Tachard bei seinem dortigen Aufenthalte (1687 
p. d.) gehörten liegende wird das Auftreten Somnionakodom's 
als Prinz des siamesischen Sonnengesclilechts mit dem Ursprung 
der Religion aus Kambodia vermittelt. II y a plus de 2231 ans 
disait un fameux Sancra, parlant au Roy des MystOrcs de leur 
Religion, qu'une jeune tille s'etant retiree dans une affreuse forest 
de Siam pour y vivre plus parfait<iment en attendant la venue de 
Dieu, que les Peuples att<*ndaient avec beaucoup d'cmpressement 
Sie wurde schwanger ohne ibrc Jungfräulichkeit zu verlieren, 
indem Ic soleil par le ministc^rc de ses rayons forma lecorpsd'un 
enfant dans sou sein pendant la ferveur de sa pri^re. Sie zog 
sieb aus Scbam noch weiter in die Wälder zurllck und arriva 
enfin aupres d'un grand lac entre Siam et Camboje, oü elleaecou- 
cha Sans peine et sans travail (hi plus bei enfant du monde. Da 
sie keine Milch zur Ernährung hatte, wollte sie sich in dem See 
ertränken, mais la nature pourveut a la surete de cct enfant, qui 
ötait ne le üieu si attendu de TUnivers. Car sa merc l'ayant 
mis sur le bouton d'une fleur, lafleur s'cpanouit d'elle-nieme pour 
le recevoir et ensuite le renferma comme dans un berceau. Das 
Mädchen verschwand darauf, aber ein Einsiedler (dem ein Engel 
prophezeit hatte, dass er vor seinem Ende das Kommen des Herrn 
schauen wlirde) nahm das Kind aus der auf dem See schwimmen- 
den Hlume (Lotus) heraus und erzog es mit Milch und Honig. 
D'abord certainsRois jaloux de leur autorittSent^ndant que leurs 
peuples disaient entre eux, que le veritable Roi desRois c^tait ni^ 
le firentchercher long temps pour letuer, quoyqu'inutilement, car 
le bon Hermite s'enfuit avec cet enfant dans le Royaume de 
Camboje, oü il le tint long temps cacht^ dans un desert II y 
bätit ensuite un tres-beau ehäteau, dont on voit encore les masu- 
res. II y demeura tnndis qu'il craignit qu'on voulut faire mourir 
Sommonocodom qui faisait durant tout ee temps la une infinit<5 
de prodiges, par oü le bon vieillard reconnut sa divinitö. A Tslge 
de 10 ou 12 ans Sommonocodom sortit de Camboje et revint a 
Siam et Ton voit encore dans une vaste campagne une assez 
grande maison de pierre, que les Talapoins disaient publiquement 
avoir cte batie par miracle a la seule parole de leur dieu. 



Der Sagenkreis der Steinmonumente. 417 

Ein in den Büchern seines eigenen Landes wohlbewanderter 
Tonquinese, der durch den Unterricht französischer Missionäre 
auch der europäischen Literatur nicht fremd war, führte mir das 
Folgende aus den Historien an : Wie in Europa die Barbaren das 
römische Reich zerstörten, so überschwemmte einst ein grau- 
samer König, Tahmbao genannt, die Länder zwischen Indien, 
China und Tonquin mit seinen wilden Horden. Woher er ge- 
kommen , ist nicht bekannt und sein Geschlecht ist spurlos ver- 
schwunden, aber während seiner Herrschaft wählte er die Resi- 
denz am grossen See Kambodia's in der Provinz Tambong zu 
seinem Aufenthalte, sie mit der reichen Beute seiner Siege und 
Triumphe schmückend und sich selbst mit dem Titel Tien-bihn, 
der Nachfolger des Himmels. Von diesem Könige Tien-bihn 
rechnen die Kambodier ihre Aera. 

Die Kambodier selbst dagegen zählen sie von Phaya Krek, 
und auch hieraus, wie aus anderen Gründen, scheint hervorzu- 
gehen, dass dieser Name nur ein Lückenbüsser ist, der noth- 
wendig war, um ein gerade in der wichtigsten Epoche der Ge- 
schichte gerissenes Loch auszufüllen. Dass er nicht ganz als voll 
betrachtet wird, zeigt sich schon darin, dass man ihm stets nur 
den Titel Phaya statt Phra beigelegt ündet. Der chinesische 
Eroberer der hinterindischen Länder war der Sohn desjenigen 
Kaisers, der in China die brahmanische Kasten -Eintheilung 
einzuführen dachte und konnte leicht versucht sein , das bei dem 
zähen Widerstände seines eigenen Volkes fehlgeschlagene Pro- 
ject an einem bildsameren Material zu wiederholen. Von ihm 
wird die reiche Ausstattung seiner Residenz Lojang gepriesen 
und er soll Gesandtschaften von dem fernsten Königreiche des 
südlichen Meeres, der Insel Tschitu, erhalten haben. Da sich 
seine Dynastie besonders auf dieGoei und andere Tartaren stützte, 
so ist die beabsichtigte Vergleichung mit den Hunnen verständ- 
lich, und obwohl nach Desguignes das gedoppelte Kaiscrthum 
der Nan-pe-tschao eigentlich eben mit dieser Dynastie enden 
sollte, so mag vielleicht mein Berichterstatter erst das glänzende 
Reich der Tang als den neuen Anfang des wiederhergestellten 
China betrachtet haben, und so das verhasste Geschlecht des 

Railiau . OsUsivu. I. 27 



418 Kambodia. 

tyranniächen Eroberers spurlos kommen und spurlos gehen lassen* 
Die Einführung einer Aera kann für Ilinterindien von keiner 
Seite passender anlangen, als von China, von wo noch später 
immer die Könige ihre Almanarhe baten und erhielten. Statt 
Nakhon Vat mit Siegeszeichen zu schmücken, mag es ausgeplün- 
dert sein zum Besten Lojang's unter Fortführung der Goldbilder. 
Während der Tang- Dynastie findet sich sogleich eine huldigende 
Gesandtschaft von Kamlx)dia erwähnt, wo die eingesetzten Könige 
unter schwachen Kaisern China's mit selbstherrschenden lltelD 
prahlten. 

Obwohl die Residenz der kambodischen Könige .erst später 
nach Lawek verlegt wurde, hat doch der temporäre Glanz dieses 
nachmaligen Reichs gleichfalls einen Sagenkreis um sich zu- 
sammengezogen. 

In I^awek stand früher , als Hüter des Reichs , ein eolossales 
Buddhabild, das, als viergestaltig, der Phra Muk Buen (der Herr 
mit vier Gesichtern) genannt wurde. Die von ihm ausströmende 
Macht war so gewaltsam, dass Vögel, die darüber hinwegfliegen 
wollten, todt zur Erde fielen. Vor demselben waren als Wachen 
bestellt der Phra Kho (der Stiergott) und der Phra Keoh (der 
Juwelengott). Die Thay, die damals Kambodia tributpflichtig 
waren, wussten, dass alle ihre Versuche, Selbstständigkeit zu er- 
ringen , fehlschlagen müssten , so lange dieses heilige Bild Ver- 
ehrung empfinge. Sie sandten deshalb zwei verschlagene 
Zauberer, Te Banjo und So Banjo, die sich in Lawek einschlichen. 
Der eine derselben rief durch seine magischen Künste Krank- 
heiten hervor, wodurch eine Menge Menschen hiuweggerafTi 
wurden. Auch des Königs Sohn wurde ergriflen, und als der 
König eine Belohnung ausschreiben Hess für denjenigen, der ihn 
zu heilen wüsste, meldete sich der andere, der das Fehlschlagen 
seiner Heilversuche dem feindlichen Einflüsse des Buddha's, 
Phra-Thalcngkeng, zuschrieb, der auch so grausam sei, unschul- 
dige Vögel zu tödten. Der König , in seinem Zorne , Hess die 
Statue verbrennen und die Asche in den Fluss werfen, auf dem 
sie nach der Stelle des jetzigen Udong schwamm. Nur die zwei 




Der Sagenkreis der Steinmonnmente. 419 

Kleinodiengötter*), Phra Keoh und Phr^. Koh, wurden zurückge- 
lassen. Die Siamesen konnten dann ohne weitere Schwierigkeit 
bis zur Hauptstadt vorrtlcken , hatten aber noch eine lange Bela- 
gerung zu unternehmen , da sie auf unangreifbare Weise durch 
eine dreifache Pallisadenreihe stachlichter Cactus vertheidigt 
wurde. Zuletzt fanden sie das Auskunftsmittel, silberne Kugeln 
hineinzuschiessen , die Habgier der Einwohner reizend , die , um 
dieselben sich anzueignen, die Dornen selbst umhieben. Dann 
wurde die Stadt erobert. Die Stelle, wo der viergesichtige Buddha 
(Phra Si Na) gestanden, wurde zerstört^ der Phra Keoh und Phra 
Koh aber wurden nach Siam mitgenommen, und von da kam der 
letzte nach Birma. So erfüllte sich die Prophezeiung, dass das 
Land, das den Phra Koh besitze, die Herrschaft erhalten würde, 
denn das Land , das die Herrschaft erhalten hatte , machte sich 
in der Beute auch jedesmal zum Besitzer desselben. Der vier- 
gesichtige Grott, der im Kambodischen Phra muk buen und im 
Siamesischen Phra Si Na heisst, ist nur in mythologischer Weise von 
Brahma auf Buddha übertragen, da der orthodoxe Buddha diesen 
Vögelmord nicht auf sich laden würde. Damit die Luftbewohner 
nicht die Respectswidrigkeit begehen, sich höher zu setzen, als der 
Gott des Tempels oder der König des Palastes, so setzt man in Birma 
auf den Thurm eine dreieckige Spitze, Hnet-ma-na (keine Rast 
für Vögel) genannt. Auch findet sich die Vorschrift, dass die 
Pagode höher, als der Vogel fliegt, zu bauen sei. Dies wird auch 
als Sühne aufgelegt , für unsühnbare Verbrechen , da bei der Un- 
möglichkeit des genauen Masses dem Beichtvater nachher die 
Entschuldigung bleibt, dass die Busse nicht der Vorschrift ent- 
sprechend ausgeführt sei. 

Phra In liess für seine drei Söhne Paläste erbauen , Banon 
für Phra-Maha-Anon , Vat Ek für Phra Ek und Baset für Phra 
Viset, die Ruinenstätten welcher drei Plätze in derProvinzBatta- 
bong liegen. Von Phra-Maha-Anon, dem ältesten seiner Brüder, 



•) Im Radjatarangini vertauschte König Lalitaditya die von Magadha auf 
einem Elophanten herbeigeführte Buddhafigur. gegen die zwti Wunder-Kleinodien 

seines Ministers T^chankara. 

27* 



420 Kambodia. 

waren die drei Städte abhängig und ebenso Nakhon Vat mit noch 
500 andern Königreichen. Als Phra-Maha-Anonthanthathen ins 
Kloster gegangen war, obwohl er als Priesterkönig zu herrschen 
fortfuhr, kam ihm zu huldigen Phra Cheyssada nach Banong, da- 
mals der Grundpfeiler des Landes Kambodia, dessen Untergang 
mit jenes Fall prophezeit war. Von dem Felsengebirge Banon's 
aus baute sieh der durch Weisheit ausgezeichnete König Phra 
Mahot, der letzte seines Stammes, einen unterirdischen Tunnel 
bis nach Chantaiboon (Chantaburi), um sich mit Phra Ramat 
Krung in Siam zu vereinigen. 

Phra Cheyssada, der Sohn Phra In's, war anfangs Gouver- 
neur in Kaniphong Suay gewesen, einer unter der Regierung 
Sadeik Kamlong's durch Phra-In-Kuman gebauteij Stadt, die 
später eine Zeit lang königliclie Residenz war, folgte aber nach 
dem Tode Phra Ketumalea's, auf dem Thron in Nakhon Vat. Ihm 
wird auch die Erbauung der Stadt Lawek zugeschrieben, während 
andere Phra Raxa Ongkan als den Gründer nennen, oder es auch 
gesagt wird, dass Lawek eine uralte Stadt sei und schon in jenen 
Zeiten ])e8tandcn, wo die Köpfe der Menschen noch so dick gewesen 
wie die Almosentöpfe der Priester. Einer der Könige I-*awek'8 
erbaute die Stadt Prarai, geschützt durch die Zauberkraft der dort 
residirenden Brahmanen, so dass weder dieCochinchinesen noch 
die Siamesen in ihren Einfällen ihr etwas zu Leid anthun konnten. 
Die späteren Könige Lawek's verlegten ihre Residenz nach dem 
nahen Udong, wo Üng ('hau, Öng Eng, Ong Suen regierten, die 
Vorfahren des gegenwärtigen Königs. 

Auch über die Stadt Panompen, die in der neueren Ge- 
schichte Kambodia's verschiedene Male als Hauptstadt auftritt, 
besteht die Mythe, dass der Hügel derselben zu einer Zeit, wo 
alles Land noch mit dem Ocean bedeckt gewesen, aus dem Wasser 
emporgestiegen und immer höher geworden sei, so dass Men- 
schen sich dort hätten ansiedeln können. Mit Hülfe des Königs 
von Lawek wurde dann die Phrachedi (die Pagode) in Panompen 
(der Hügel Pen's) durch Don-Pen gebaut, eine reiche Dame aus 
der Klasse der Setlii. 

In der Nähe des jetzigen Udong bestand eine alte Stadt, als 



N 



Der Sagenkreis der Steinmonnmente. 421 

alles übrige Land noch mit Wasser bedeckt war. Auf demselben 
sah der Sohn des Königs eines Tages etwas treiben und bemerkte, 
dass es ein Holzstamm war, zu dem Nang Nakh hinaufgestiegen, 
um sich zu sonnen und zu spielen. Dem Prinz, Prabat Ka- 
vero mit Namen, schien es lustig mitzuhalten und Nang Nakh 
erzählte bei ihrer Rückkehr ihrem Vater von der geschlossenen 
Heirath und bat um eine passende Residenz für ihren Gemahl. 
So wurde die Stadt Tom gegründet. Dies geschah vor der Zeit 
des Kommens Buddha's. Die alten Kbamen (Khamen döm), die 
in der neuen Stadt sich niederliessen , waren riesige Kerle, die 
Felsblöcke bewegen konnten und Köpfe so dick , wie die Reis- 
töpfe der Bonzen hatten. 

Phrabat-Rommaret Lameatibbadeik, dessen Vater in Pateih- 
Pet regierte, erbaute die Stadt Lawek, wurde aber bei der Erobe- 
rung Kambodia's durch Phra Narai-Naret nach Siam geführt, und 
dann, als Siam in die Hände der Birmanen fiel, nach Birma, wo 
er starb. Phra Chak Sassadeh, der Sohn des Phrabat-Rommaret, 
erbaute die Stadt Udong für seine Residenz. In dieser Version 
ist der siamesische Feldzug aus dem Jahre 1532 p. d. mit dem 
1583 p. d. verwechselt. Die erste Erbauung Lawek's wird aber 
auch weiter zurückgeleitet. Als die Siamesen die Provinz von 
Siemrab eroberten und mit dem PhraKoh die Bibliothek fortführten, 
wurde die ganz6 Bevölkerung nach Ayuthia getrieben und der 
in dem verwüsteten Lande noch übrige Rest des Volkes wanderte 
aus, um Lawek zu gründen. Als in spätem Jahrhunderten auch 
dahin der siamesische Zerstörer gefolgt war, flohen die Bewohner 
in die Wälder der Küstendistricte , wo die Stadt Bay Incor (die 
Stadt des Waldes) an der Stelle des heutigen Saigon gegründet 
wurde. Nachdem diese Stadt an die Cochinchinesen verloren 
gegangen war, wurde Udong erbaut durch Luang Phra Ream 
(Phra Ram). Die Könige Udong's leiten sich noch von der 
alten Dynastie, die in Nakhon Vat herrschte, ab. Zum zweiten 
Male wurde Udong durch Paibubeh gegründet, den König 
mit abgeschnittenen Ohren. Gewöhnlich wird die Haupt- 
stadt Udong Mi-Xai (die Siegreiche) genannt, aber das Volk 
leitet den Namen ab vom Grossvater Dong und der Gross- 



4*22 Kamhodia. 

mutter Xeh, die auf dem Platze des spätem Udong inienXeh(wie 
Udong miXai im kambodischenProvincial-Dialect ausgesprochen 
wird) ihr Feld bestellt hätten. Kambodia zerfiel früher in drei 
Abtheilungeu, als Encor (Ancor oder Nakhara) toni (das grosse 
I^and) oder Nakhon Vat, Encor Riet (das königliche Land) oder 
Korat und Bay-F^ncor (das Waldland) oder Saigon. 

Die Kambodier kennen, wie Siamesen und Birmanen, viel- 
fache Legenden, um Namen von Hügeln und Flüssen zu erklären. 
So wurde mir inTavisai die folgende zur dortigen Landschaft ge- 
hörige Geschichte erzählt, um die Namen von Localitäten abzulei- 
ten : König Retchkol hatte ausser seiner rechten Königin Saisoh, 
die in Banon lebte, auch eine Goncubine, Meh ka, inMongkhon- 
buri. Die Erstere, ärgerlich über die vielen Besuche der Letz- 
teren, sandte in Verfolgung des Bootes, das ihren Gemahl führte, 
einen Alligator, der beim Auftrocknen der Wasser zum Berge 
Taphau bei Battabong w urde. 

Ausser den beiden Ruinengruppen in den Provinzen Siem- 
rab und Battabong finden sich noch andere Trümmerstätten durch 
das Land zerstreut. Zu Kossatin am Mekong triflFt sich ein mit 
Sculpturen und Inschriften verzierter Palast mit vierThUrmen um 
einen mittleren, und grosse Steinblöcke sind umhergesäet, die, 
wie das Volk spricht, von den Göttern dahin geworfen. In Pnom- 
Paseh steht ein Steinpalast mit Inschriften, und Äuf einem Berge 
in der Nähe Panompen's die Ruine von Baxeh-Beah. Zwei 
Steintempel existireu in ihren Ueberbleibseln zuKamphong suay, 
eine Khet Lawek genannte Mauer in der Nähe des späteren La- 
wek, Stein-Inschriften in VatSulokhun und Schichten von Töpfer- 
scherben zwischen dem anffcschwemmten Alluvium der Fluss- 
bank in der Nähe Mot Casa's am Mytho-Flusse. Die Steinwälle 
in den Wäldern zwischen Nakhon Vat und Phra Phix-ai werden 
Phra Nan zugeschrieben. Zu Takeoh finden sich die Ueberreste 
eines alten Palastes. Ein reicher Tempel soll früher auf der In- 
sel Ko Phra Sasana (die Insel der heiligen Religion) auf dem 
Flusse bei Panompen gestanden, aber versunken sein , und seit 
der Zeit datirt das Volk den beginnenden Verfall seines Glaubens. 
Die Sculpturen der Steinmonumente sind nachgeahmt als Schnitze- 



Der Sagonkreis der Steinmonnmente. 423 

reien in dem Vat Boribun, von Phaya Cheychessada erbaut. 
Einen besonders grossartigen Eindruck machen die aus mäch- 
tigen Quadern aufgeführten Steinbrlicken auf der früheren Heer- 
strasse von Lavo nach Inthapataburi, für welche Bauart (nach Scott) 
die Jynteah in Hinterindien berühmt sind. Unter den Monumen- 
ten bei Siemrab ragt besonders der Tempel zu Nakhon Vat her- 
vor, einst, wie Cerri schreibt,* die Peterskirche für alle Indier, 
und noch jetzt mitunter von Pilgern aus fernen Ländern als Ziel 
ihrer Wanderungen betrachtet. Wie Phimai oder Patai Saman 
rühmt er sich, auf des Götterkönigs Geheiss durch den Meister der 
Architecten Visvacarma gebaut zu sein. Er steht auf einer Basis 
aus eisenhaltigem Gestein, enthält aber in den oberen Theilen 
Granitblöcke, und für die Sculpturen weicheren Sandstein, aus de- 
nen andere der alten Tempel ganz erbaut sind. Die Qu«idern 
sind so genau aufeinandergepasst und oft durch Rillen in ein- 
ander geschnitten, dass sie keines Kalkes bedurften. Die Corri- 
dore des centralen Doms durchschneiden sich im Kreuz, und auch 
bei den Kapellen stehen sich die vier Eingänge gegenüber. 
Nach dem Vinajavastu (bei Schiefner) bewohnen die Brahmanen 
(deren Gedanken nach Aussen gerichtet waren) vierthürige 
Häuser, um Fremden Gaben auszutheilen. Auf den Brücken und 
Gebäuden heben sich drohende Drachenköpfe hervor, aber die 
Zinnen sind- überall mit der Figur des die Schlange zerdrückenden 
Garuda*) gekrönt. Die Stätte des nahen Nakhon Tom wird ge- 



•) Ktesias erzählt bei Aelian von den Greifen, mit denen die goldsuchenden 
Arimaspen in der Wütüte kämpften, und kambodische Märchen kennen vielfach 
den menschenfressenden Riesenvogel Arabiens, stark wie Irnn's Simurg. Das Ra- 
japntra-Geschlecht der (^ilahara leitet sich ab von dem Könige der Vidjädhara 
genannten Halbgötter Gimütavahana (dem Trügcr der Wolken) , dessen Leben 
von dem göttlichen Vogel Vischnu's (Garud.i) beschützt wurde. Seine Nachkom- 
men führten das goldene Bild dieses Vogols im Banner. Dieses Kriegergeschlecht 
wurde aus seinen im nördlichen Kabulistan (wo ein Stamm der Kaiir den Namen 
Silär führt) gelegenen Stammsitzen durch die turanischen Völker vertrieben , als 
die Herrschaft der kleinen Jueitchi (500 p. d.) endete und erkämpfte sich (nach 
dem südlichen Indien wandernd) eine neue Herrschaft (s. Lassen). DerKalukja- 
Monarch Sa^a^ri setzte den ^ü^^linra- Fürsten Rahu als seinen Vasallen in Kon- 
ka^a ein. 



424 Kambodia. 

legentlich von Priestern aus Juen Keoh oder MyangTschwea be- 
sucht und ist nie leer von temporären Ansiedlern , die dort nach 
Gold oder Sehätzen graben. Mit seinen fünf Spitzen wird der in 
Nachahmung des Elephantenpalastes im Himmel gebaute Tempel 
Nakhon Vat's ein Phrangka Pi-asat genannt, da er grösser ist als 
ein Moradob, wie z. B. der Tempel Banon's heisst. Die Brah- 
maneu behaupten, dass der letztere früher ihnen gehört habe, 
und der chinesische Gesandte sagt, dass die Pa-sse (qui ne par- 
tagent le repas d'un homme ctranger k leur secte et ne souffrent 
pas, qu'on les voie manger) ihre eigenen Gebäude und ThUrme, 
Klöster und Tempel besessen hätt-n, obwohl weniger prächtig 
als die Buddhisten. Die Gebäude von Vat Ek bilden ein Mou- 
don und ihre Errichtung wird einem Setthi (reichen Mann), 
Mangmi genannt, aus Battabong, beigelegt, .von Andern aber, 
ebenso wie Nakhon Vat, dem grossen Könige ihrer Mythen, Phra 
Ketumalea (dem mit Blumeuguirlanden*) umwundenen Kö- 
nigshaupte) zugeschrieben, der auf den Sculpturcn eine hohe 
Spitzenkrone (un boneto de brocado de dos palmas de alto, >vie 
Marti nez de la Puonte von dem König von Narsinga und Bisnaga 
sagt) trägt und stets von weiblichem Gefolge umgeben ist, was 
Louis auch von den spätem Königen Kambodia's, wie die Chinesen 
von den altern erwähnt. Seine Begleiter auf den Bildwerken 
sind die eine dreigethürmte Blumenkrone tragenden Thephakanja 
oder Chao Savan, die Figiireu ätherischer Himmelsbewohner, 
deren Bildnisse Phra Phrütsakam (Visvacarma) für die irdischen 
Menschen malte, damit diese durch ihr Anschauen sieb mit Freude 
und Frömmigkeit durchdrängen. So geschieht es , und nennen 
sie sie dankbar die Pujing thuen kiri jai (Serai krab prak) oder 
die Damen wohlwolleuden und guten Herzens. Die Thephakanja 
als Chao Savan bewohnen die 16 Welt-Etagen über der Erde, 
wo Indra über die Thevadas herrscht, und von ihnen als seinem 



•) The term Maliah or Malo (hiU tracts) is a corruption of the Sanscrit- 
word mala (garland) and h applied to the continuous jungles , which Cover the 
surface of the eastem Ghauts (s. Frye). Mallika meint im Birmanischen ein be- 
sonders kostbar geschmücktes Gewand. 



Der Sagenkreis der Steinraonnmente. 425 

weiblichen Gefolge umgeben ist. Mitunter kommen sie hervor, 
um zur Erholung am Firmaraente zu wandeln und durchschwe- 
ben dann in goldenen Palästen seine Aether-Regionen. .Von 
alten Zeiten her haben ^ie Vorfahren gewisse Bilder herabge- 
sandt und ihre Kinder und Kindeskinder ermahnt, auf sie zu 
Behauen und sie Thephakanja zu nennen. In der Vorzeit aber 
haben. die Thephakanja die verschiedenen Gegenden der von 
Menschen bewohnten Erde mit ihrer Gegenwart beglückt und 
von ihnen stammen Künste und Wissenschaften. Wer ihre auf 
den Steinen eingegrabenen Bilder durch Berührung mit profaner 
Hand entweihen sollte, wird mit Krankheit und Tod geschlagen 
werden, denn über sie stehen Üämone (Phi) zur Wache, die den 
Verbrecher nicht ungestraft lassen. Sie heissen auch die Kru 
blahk oder Vollkommenen, da sie in den fünf Erfordernissen voll- 
kommen sind, vollkommen an Haaren , Zähnen, Haut, Händen 
und Statur. Ihre reiche, mit Blumen und Edelsteinen geschmückte 
Kopftracht wird in den chinesischen Berichten vielfach erwähnt, 
die ausser den Wunderbauten des Palastes, auch die weite Aus- 
dehnung der Hauptstadt beschreiben, mit dem Grabmale Loupan's 
neben dem von ihm in einer Nacht erbauten Thurm. Eine an- 
dere Kopftracht zeigt zwei gewundene Spitzen, und Perceval de 
Caussin bemerkt: La raison du surnom de Doul - Carnain peut 
etre l'usage, de porter une couronne avec des pointes semblables 
ä des comes ou la possession des deux extremit^s du monde 
connu k rorient et k Toccident, ou Thabitude d'avoir descheveux 
boucles des deux cotös de la tote. Der Tempel Nakhon Vat's 
kann der von Low's Informatoren so hoch gepriesenen Pilger- 
stätte Nang Lung (der Drachenprinzessin) entsprechen, als das 
Heiligthum des Schlangeukönigs. Seine Architectur wrederholt 
die Anlage eines gigantischen Stupa. Die weitere Beschreibung 
der von mir besuchten Monumente wird in dem die Reise durch 
Kambodia behandelnden Bande folgen. 

In den Schnitzwerken des aus Holz gebauten Tempels zu 
Boribun, am südwestlichen Ufer des Sees, finden sich in getreuer 
Nachahmung die meisten der Darstellungen wiederholt, die in 
den nördlichen Monumenten durch Steinsculpturen verewigt sind. 



426 Kambodia. 

Das gefallene Königsgeschleeht suchte in den entlegenen Provin- 
zen, wo es auf der Flucht ein Asyl zu finden hoffte, die Erinne- 
rung seiner grossen Vergangenheit zu bewahren, und Hess aus 
leichtem Fachwerk errichten, was sie nicht mehr fähig waren 
aus massivem Material darzustellen. Die Figur des grössten 
Buddha ist aus dem Holze eines Zauberbootes gemacht, das 
solche Schnelligkeit besass, um jeden Morgen*) den Priestern 
den in Nakhon Vat gekochten Reis noch warm fürs Frühstück 
zu bringen, und so eine grössere Entfernung zurücklegte, als die 
Schweizer auf dem Rhein. 

Das alte Kambodia besass (nach den Chinesen) viele befestigt« 
Städte. Die breiten Mauern waren aus grossen, fest zusammenge- 
fügten Quadersteinen oder Ziegeln erbaut. Im Jahre 1295 hatte 
die Hauptstadt einen Umfang von 20 Li; sie war durch Wälle und 
Gräben stark befestigt, man gelangte in sie durch fünf Thore, 
auf den Brücken standen steinerne Statuen auf jeder Seite in Ge- 
stalten von Riesen. Die Brücken ruhten auf Bogen, welche die 
Form von neunköpfigen Schlangen hatten. Von Figuren in den 
Händen getragene Schlangen sollten den Zugang hüten. Ueber 
den Thoren waren grosse Stein-Statuen Buddha's mit fünf Gesich- 
tern aufgestellt, nach Westen gerichtet. An den innem Seiten 
der Thore fanden sich Figuren von Elephanten. Die meisten 
Städte waren umwallt, regelmässig gebaut und während der 
Nacht wurden die Thore geschlossen. Auf einem Berge in der 
Nähe der Residenz lagen auf heiliger Stätte vierundzwanzig 
steinerne Topen, nebst einer, die mit goldenen Platten belegt 
war, und Löwen davor. Die vor den Wohnungen der Mönche auf- 
gestellten Statuen Buddha's hatten acht Körper. Der Palast des 
Königs ^ind die Wohnungen der vornehmsten Beamten befanden 
sich in einem besondern Quartier in dem östlichen Theile der 
Hauptstadt. Der königliche Palast war durch eine Brücke mit 



♦) Buddha erhielt tiiglich durch die Luft sein Frühstück durch den fliegen- 
den Kalaudari (der, wie aUe andern Gesandten des Königs, bei ihm geblieben und 
Rahan geworden) , auf der Reise nach Kapilawut , wo es indess erst neuer Wun- 
der bedurfte , um die stolzen Verwandten des Sakhyageschlechts von seiner Pro- 
pheten-Berufung zu überzeugen. 



Dor Sagenkreis der Steinmomim'^nte. 427 

der Stadt verbunden. Der zum Palaste gehörende Park hatte einen 
weiten Umfang. Um den Palast lief eine Säulenhalle, deren 
Wände mit Bildern geschmückt waren , Darstellungen aus dem 
Leben Buddha's zeigend. Für die Sitzungen der Minister war 
ein grosser Saal bestimmt; der König schlief in einem Thurme 
am Ende des Palastes. Die Innern Einrichtungen sollten sehr 
prachtvoll sein, aber Fremden wurde der Zutritt erschwert. 
Nach der Inschrift von Mongir dehnte der (in Mudgagiri oder 
Mongir residircnde) König Devapaladeva seine Eroberungen in 
das Vindhyagcbirge und bis Kambodia aus. Als sein besonderes 
Eigenthum nennt er (nach Lassen) die Provinz Sri Nagara 
(900 p. d.). In der Inschrift zu Benares werden mit Mahipala 
zwei Söhne (Sthirapala und Vasantapala) genannt, die (1027 p. d.) 
buddhistische Denkmäler errichteten. König Devapala soll nach 
der Inschrift des Narajanapala die Erde von der Narmada bis 
zum Himalaya und vom Berge des Sonnenaufgangs im Osten bis 
zum Berge des Sonnenuntergangs Asta im Westen sich unter- 
worfen haben. Unter den besiegten Völkern befinden sich die 
Huna. Der Fluss Lamkikala bildete die Grenze. We find no 
monumental remains of Hindus in the Dekhan earlier, than 
450 p. d., about which period Jaya Sinha of the Hindu race ruled 
Guzerat. There have been discovercd by Wathen and Elliot se- 
veral copper plates of that period , by which Jaya Sinha confers 
land on Brahmans in the Dekhan (s. Briggs). Die ältesten Mo- 
numente des Dschainismus gehen bis 1032 p. d., als ein Tempel 
des Adhi-Nath (oder Parswanatha) zu Abu angelegt wurde , wo 
früher nur Siva - Monumente sich fanden (s. Benfey). Nach 
Friedrich deuten die Inschriften der javanischen Monumente auf 
das achte und neunte Jahrhundert nach ^-aka, als ihre Blüthe- 
zeit. Der kambodische Ruinenkreis knüpft an den javanischen 
an, und während jetzt der puritanische Buddhismus derPalitexte 
in den indochinesischen Ländern sich auf das ceylonische Mut- 
terland stützt, scheint in früherer Zeit wenigstens der östliche 
Theil der Halbinsel vielfach von Java beeinflusst zu sein, wo die 
lamaistischen Götterfiguren Tibet's , Mandjusri und die Dhyana- 
Buddha's Nepaul's wieder erscheinen. Der Buddhismus erstreckte 



428 Kambodia. - 

sich einst weit durch den Archipel. Die Legenden auf Celebes 
erzählen von der Ankunft heiliger Männer, die in goldleuchtende 
Gewänder gekleidet waren, von Schirniträgern umgeben; auf der 
Lord North's-Insel will man von einem Gott Pitagat gehört haben, 
und auf den fernen Osterinseln stehen jene mysteriösen Coloss- 
Bauten, gleichsam die Reste eines der Brückenpfeiler, über 
die Quetzalcoatl nach Mexico gewandert sei und Munco Capac 
zum See IMticaca. Auch nach Formosa und Japan fanden Sa- 
khya-Schüler dort ihren Weg. 



Die Chroniken Inthapataburi's. 

(Ans dem Siamesischen.) 

Die Städte Phra Nakhon Vat und Phra Nakhon Tom wurden 
im Jahre 1500 der Phutthasakkharat in Xambodia erbaut. 

Phra Intharathirat (der königliche Herr Phra In) träumte, 
dass ein kostbares Juwel des strahlendsten Glanzes in seinem 
Munde zerbrach und auf die Menschenwelt hinab in einen 
lehmigen Sumpf fiel. Phra In fühlte tiefe Bekümmerniss über 
diesen Verlust, da es ihm ganz unmöglich war, sich zu ent- 
schliessen, herabzusteigen*, um dieses Kleinod aufzunehmen und 
damit zurückzukehren. Als er beim Erwachen mit seinen 
Götteraugen umhersehaute, erkannte er, dass jeder seiner sieben 
Söhne, die Thevabutr*) (Göttersöhne), bestimmt wäre , hinab- 
zugehen und innerhalb des Kreislaufs wechselnder Existenzen 
auf der Menschenwelt wiedergeboren zu werden, und dass Einer 
wenigstens von ihnen dieReligion Buddha's (Phra-Phuttha-Sasana) 
beschützen werde. Da berief er die sieben Thevabutr um sich, 
und als sie in seine Gegenwart gekommen, erzählte er ihnen die 
ganze Sachlage, Alles, was er im Traume gesehen, und forschte 
sie darüber aus. Darauf richtete er das Wort an sie und sprach : 
„Wer von euch sieben Engeln will seine Existenz verwandeln 
und auf die Menschenwelt hinabsteigen, um unseres Herrn 



•) Thevabutr oder Gottersöhne meint im Si^imesischen einfach die Götter 
in Beziehung zu Indra's Vaterschaft. Mnir bemerkt über die Hymnen desKigveda, 
dass Himmel .und Erde als Eltern nicht nur der Menschen , sondern auch der 
Götter betrachtet werden , as appears from the varions texts where they arc 
designated by the epithet Devaputre ^having gods for thcir children." 



430 Kambodia. 

■ 

Buddha's Lehre zu besebützen?" Secbs dieser Tbevabutr fUblten 
keine Neigung, in die Seelen Wanderungen einzutreten, aber der 
Jüngste, Ketu - Tbevabutr mit Namen, ergab sich darein und 
sagte : „Wenn es geziemend ist, unseres Herrn Buddha Religion 
zu schützen, so bete ich um gnädige Hülfe in meinen Wanderungen 
auf der Welt der Menschen. " Phra In war im Herzen erfreut 

und durch seine königliche Gunst wurde es vermittelt, dass 

• 

Ketu-Thevabutr beim Herabsteigen sich in dem Mutterleibe der 
Dame Thephavadi einkörpcrte , der vornehmsten Königin des 
Königs Khomerat, der im fürstlichen Staate über die mächtigen 
Gebiete von Kliomerat-thani herrschte. Durch die Gewalt und 
majestätische Hoheit der V^erdienste des königlichen Prirfzen, 
der im Mutterleibe ruhte, geschah es, dass alle solche der hin- 
und herfliegenden Vögel, die sich auf der Thunnzinne des 
Königin-Gemachs im Palast niederliessen , sogleich todt hinab- 
stürzten. Und das war eine höchst sonderbare Sache. Und die 
Gesammtheit der königlichen Minister und der Edelleute, die 
grossen sowohl wie die kleinen, als sie dies sahen, traten in der 
Audienz vor den König Khomerat und sprachen folgendermassen : 
„Die Leute, die diese Stadt bewohnen, leben in der Beobachtung 
des fünffachen -und des achtfachen Gebots (Sin oder Sila). Da- 
durch wird Mitleid und Wohlwollen gegen alle Geschöpfe vor- 
geschrieben. Obwohl die Unglücksfälle, die aus Sünden noth- 
wendig folgen, durch angemessene Strafen gemildert werden 
könnten , so würde doch immer das Glück des Allgemeinwohls 
darunter leiden und Verminderung erfahren. Es ist deshalb 
besser, dass der Prinz selbst die Verbrechen sühne, die er in 
dem fortgesetzten Vogelmorde seit dem Tage seiner Empfängniss 
begangen hat." Der Krmig folgte den Vorschlägen seiner 
Staatsräthe und machte ihre Ansicht zu der seinigen, sprechend: 
„ Wahrlich, der Prinz, der in der Königin Mutterleibe wächst, ist 
ein Ausbund böser Laster."^ Dann befahl er, die schwangere 
Königin auf ein Floss zu setzen und dasselbe flott zu machen, 
damit es forttreibe. Es fand sich indess Einer unter seinen 
Beamten, ein Parohit, der seine Stimme dagegen erhob und 
widersprach. Des Königs Verzeihung für die Erlaubnis» zum 



Die Chroniken Inthapataburi's. 431 

Reden bittend, sagte er : „ Die Königin jetzt, wo sie noch schwanger 
ist, zu bestrafen, würde nicht angemes.sen sein. Wenn sie in 
späterer Zeit von einem Sohn entbunden sein wird, dann möge 
sie aus der Stadt getrieben und fortgeschickt werden." In Folge 
dieser Vorstellung veränderte der König seine Anordnung und 
erst nachdem die Königin einen Sohn geboren hatte, verbannte 
er sie aus seinem Reiche. Die Königin nahm den Säugling, mit 
ihm in die Fremde zu wandern, aber es war ein schwieriges und 
schmerzvolles Ding für sie, da sie bisher immer nur im Schoosse 
des Uebei-flusses gelebt hatte und an Beschwerden nicht gewöhnt 
war. Durch die Kraft der hohen Majestät, die den angesammelten 
Verdiensten des zur Herrschaft über die weiten Gebiete der 
Khamen (Kambodier) bestimmten Prinzen inwohnte , fühlte Phra 
In warm und die Hitze immer höher in sich aufsteigen. Als er, 
mit seinen Götteraugen umherschauend, die Ursache erkannt 
hatt€, veränderte er' sein Aussehen und nahm menschliche Ge- 
stalt an. In weisse Gewänder gekleidet, zog er die Strasse 
entlang und leitete als Führer die erhabene Königin mit ihrem 
Söhnchen den nächsten Weg, so dass er sie in sieben Tagen zu 
der Bcrgwaldung des Phaya Fai (des Feuergottes) brachte. 
Dort schuf er für sie die magische Erscheinung eines Zauber- 
palastes , in welchem sie bleiben und ausruhen konnte , durch 
himmlische Speisen ernährt. Dann nahm er sie auf weiteren 
Wanderungen mit sich nach dem Bezirke des Khok-thalok (die 
geglättete Kuppe) an der Südseite des Gebirges. Dort richtete 
er eine Höhle zum Aufenthalt ein , dass die edle Frau mit ihrem 
Kinde darin weile, an einer Stelle nicht weit von der Stadt Phra 
Bath Xan-xum entfernt. 

Als der Knabe ein Alter von drei Jahren erreicht hatte, 
entfaltete sich seine Gestalt in Zierlichkeit und iSchöne, seine 
himmlische Herkunft von dem Geschlechte der königlichen Götter 
(Deva) zur Schau tragend. Niemand menschlichen Abkommens 
in der irdischen Welt hätte irgendwie an Schönheit mit diesem 
Prinzen verglichen werden können. Phra In liebte ihn mit der 
herzlichsten Zuneigung, und er begab sich in der Verkleidung 
eines alten Mannes zu der Königin , um sie und ihren Sohn zu 



432 Rambodia. 

besuchen. Als die Königin seiner ansichtig wurde, knüpfte sie eine 
Unterhaltung an und fragte ihn: „Ihr gingt damals auf einmal 
fort und habt Euch nicht wieder gezeigt. Es ist eiue schon lange, 
lange Zeit, seit ich Euch zuletzt sah."" Phra In erwiederte und 
sagte: „Wahr, so isfs. Ich kehrte nach meiner Heimath zurück. 
Es ist weit von hier , wo ich wohne , aber ich erinnerte mich des 
jungen Prinzen und ich bin deshalb nun gekommen, um i^n 
wiederzusehen , und ich möchte Euch bitten , dass ich ihn mit 
mir nehmen könnte.'' Die Königin gab zur Antwort: „Ihr wäret 
lange abwesend , beinahe zwei oder drei Jahre. Ich kann un- 
möglich zugestehen, dass Ihr den Prinzenknaben mit Euch fort- 
führt." Der Greis entgegnete: „Wenn Ihr so darüber denkt, so 
werdet Ihr mir doch wenigstens wohl erlauben, ihn einen ein- 
zigen Tag bei mir zu behalten, um ihn zu liebkosen und mit ihm 
zu spielen." Dagegen hatte die Fürstin nichts einzuwenden, 
und der alte Mann ging hinein, um den knaben zu umarmen. 
Dann aber, einen Augenblick benutzend, wo die Königin ihr 
Gesicht abgewendet hatte, nahm er ihn mit sich fort, ohne dass 
sie es bemerkte und, in die Lüfte aufsteigend, führte er ihn in 
den Himmel der Dreiunddreissig oder der untergehenden Sterne 
(Daodüiig-savnn) ein. Als der Prinz die Pracht der königlichen 
Kesidenz im Himmel erblickte, wurde or ausnehmend entzückt. 
So oft jedoch während seines Aufenthalts in der Engelstadt die 
Thephajuda zur königlichen Audienz eintraten, fühlte sich Phra 
In beschämt und im Herzen verwirrt. Er schlug deshalb dem 
Prinzen vor, wieder auf die Erde hinabzugehen, aber das geüel 
diesem nicht. Er schrie und weinte, weil er in der schönen 
Eugelstadt des Himmels bleiben wollte. Phra In redete ihm zu 
und sagte: „0, du mein liebes Prinzchen, gehe hinab und kehre 
ins Land der Menschen zurück. Ich werde dort eine Stadt für 
dich bauen, ebenso hülisch und prächtig, als diese himmlische 
Residenz hier." Er nahm dann den Prinzen mit sich und brachte 
ihn nach dem Aufenthaltsort der Königin, seiner Mutter. Auf 
den dortigen Fels tretend, Hess Phra In den Abdruck seines 
göttlichen Fusses (Phrabat) an der Oberfläche zurück und er ist 
dort noch bis zum heutigen Tage zu sehen. Daher wurde die 



k. 



Die Chroniken Inthapatabnri's. 433 

an dem Abhänge gelegene Stadt Phrabat-Xanxuni genannt. 
Phra In spähte dann mit seinen Götteraugen umher und indem 
er in der Nähe von Khok-thalok siegreichen und günstigen Boden 
erblickte, beschloss er dort, als auf einem angemessenen Platze, 
eine Königsstadt zu gründen , die eine würdige Residenz für den 
prinzlichen Fürsten bilden würde. Er gab dann Auftrag an 
Phra Phitsanukam und schickte ihn dorthin , um die Hauptstadt 
Khok-thalok zu bauen. Nachdem Phra Phitsanukam das Werk 
vollendet hatte, machte Phra In die neue Stadt dem Prinzen mit 
seinerMutterzum Geschenk, und die in den umliegenden Wäldern 
wohnenden Stämme siedelten sich mit ihnen dort an. Da ihre 
Zahl indess nur klein war, dachte Phra In darüber nach, wie er 
die grosse Volksmenge, die die Stadt Khomarathani bewohne, 
dorthin versetzen könne. Aus den Ih'ihen herabkommend, nahm 
er die Gestalt eines weissen Elephanten riesiger Grösse an und 
hielt sich in der Umgebung der Stadt Khomarathani auf. Als er 
beim Grasen von einem Jäger bemerkt wurde, entfernte er sich 
nach der Richtung der Stadt Khok-thalok und der Jäger, der ihm 
folgte, sah ihn dort plötzlich verschwinden. Die Spur seiner 
Fusstritte ist noch offenkundig und sichtbar bis zum heutigen 
Tage. Als der Jägersmann des Waldes die prachtvolle Stadt 
erschaute, begab er sich in dieselbe hinein. Umherblickend und 
Erkundigungen einziehend, erfuhr er, dass dort der Sohn der 
Königin Khomerat's regiere, und war ausnehmend erfreut über 
diese Nachricht. Mit aller Hast eilte der Jäger zurück , um den 
Herrscher Khomerat's über Alles, was er erfahren hatte, zu unter- 
richten. Der König sandte einige Edelleute aus, in Begleitung 
von 5000 Leuten des gemeinen Volkes, um den Prinzen mit 
seiner Mutter zur Rückkehr nach Khomerat einzuladen. Als 
diese dazu keine Lust verspürte, blieben die Edeln nebst ihren 
5000 Begleitern alle bei ihnen zurück. Da König Khomerat sie 
nicht zurückkommen sah , sandte er neue Edelleute mit 10,000 
Soldaten. Aber auch diese verblieben bei dem Prinzen, und so 
eine dritte Sendung. Der König von Khomerat hob dann eine 
zahlreiche Armee aus und zog selbst an ihrer Spitze nach der 
Stadt Khok-thalok. Als er seinen Sohn und die Königin wieder- 

Bastian, 0«tasi«iu. I. 28 



434 KamtiodU. 

sah, wurde sein ITerz erfreut und er drängte sie, dass sie mit ihm 
zurückkehren möchten. Weil der Prinz indess sich abgeneigt 
zeigte, so Hess er ihn krönen und verlieh ihm die Herrschaft 
über Phra-Nakhon-Khok-thalok unter dem Titel Phra Chao Ketu- 
Mala-Mahakrasat. Als Phra In davon hörte, verdoppelte er das 
himmlische Reichsschwert und liess das Duplicat auf Erden 
niederfallen, in der Mitte einer Volksversammlung der Kdeln, 
der Minister und der frommen Männer. Am Krönungstage Phra 
Chao KetumaLVs zeigten sich eine Menge von Wunderzeichen. 
Dies Reichs:ichwert hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten 
in dem Gebiete der Stadt Kh(»k- thalok, die nun den Xamen 
Inthapat-Maha-Xakhon bekam. 

Was König Khomerat betrifft, den erhabenen Vater, so nahm 
er die Königin, die Mutter Ketumala's, mit S!ch in sein Reich 
zurück. König Ketumala aber fuhr fort, in seinem I^nde zu 
regieren, wo seine Unterthanen glücklich und zufrieden lebten. 
Der Ruf dieser wunderbaren Ereignisse durchdrang alle Völker 
und aus jedem Lande kamen die Könige herbei, Gold- und 
Silberblumen zum Tribut darzubringen. Das Glück der Re- 
gierung war nur dadurch getrübt, dass der König we<ler 
Sohn noch Tochter hafte, um sein Geschlecht fortzupflanzen. 
Er befleissigte sich deshalb eifrigst einer strengen Beobachtunjr 
der Vorschriften (Sin), in Gebeten und Werken der Mildthätigkcit 
dahinlebend. Als er für sielten Tage darin verharrt hatte, drang 
die Hitze zuletzt hinauf bis zu dem himmlischen Ruhebette, das 
Phra In zum Sitze dient. Nachdem er sich durch seinen Gölter- 
blick mit der Ursache bekannt gemacht hatte, kam Phra In herab, 
sehend, dass Ketumala diese Büssungen und Bettage angestellt 
hatte, weil er einen Sohn erwünschte, sein Geschlecht fort- 
zupflanzen. Phra In schlug dann einem seiner Göttersöhne vor, 
in den Kreis der Seelenwanderungen niederzugehen und in einer 
Blume aus der Lotos-Gattung wiedergeboren zu werden, die auf 
einem nahegelegenen See blühte. Dann bewegte er den Sinn 
Ketumala*s, mit seinem königlichen Hofgesinde im W^alde zu 
spazieren , wo er den Prinzen in der Lotos-Knospe ruhend fand 
und mit sich heimnahm, ihn zu erziehen und als seinen Sohn zu 



Die Chroniken Inthnpatabnri's. 435 

adoptiren. Das Kind wuchs und nahm zu unter hininilischen 
Segnungen, und als der Knabe zum Jüngling gereift war, ertheilte 
ihm der König Ketumala den Namen Phra ChaoPathummasurivong. 

Nun geschah es eines Tages, dass Pathummasurivong (vom 
Sonnengeschlecht des Lotos) sich lustwandelnd im Walde erging 
und zu einem uralten Thalok- Baume kam, auf dessen um- 
gestürztem Stumpfe er in einer voji den Zweigen gebildeten 
Laube ausruhte. 

Mit diesem Thalok-Baume hatte es eine eigenthümliche Be- 
wandtniss und aus den ältesten Tagen der Vorzeit her ist die 
folgende Snge davon überliefert: Einst im grauen Alterthume, 
in dem Beginne der Kalpa, wann noch alles Land der Erde von 
dem grossen Ocean bedeckt war, ging der König der Naga- 
Schlangen (PhayaNakh), der den Namen Thao-Xomphu-Papakat 
führte, zu Phra Isuen (Siva), um ihm seine Ilülfsdienste an- 
zubieten. Er umschlang mit seinem Schwänze in tausendfachen 
Windungen den Berg Meru, um sein Seitwärtslehnen zu ver- 
hindern. Da, Phra Phai, der Engel des Windes, der ungeduldig 
wurde in seinen Bemühungen, den Berg Meru umzublasen, zog 
sein Schwert, dem Naga-Könige das Haupt abzuschlagen, das er 
dort niederwarf. Und Phra Isuen, aus der grossen Freundschaft 
und dem Wohlwollen, das er für ihn hegte, streute Zauberkräuter 
auf das Haupt und verknüpfte es mit einem geheimnissvollen 
Omen, den Eidesschwur darüber sprechend, dass, an welchem 
Platze immer das Haupt des Thao-Xomphu-Papakat niederfallen 
sollte, dort sich ein Khok Thalok (ein geglätteter Grund in 
zirkelrundcr Form) erhebe und Bäume auf ihm wachsen. Und 
so, weil das Ganze in einem weiten Thalok-Baum begriffen war, 
nannten sie es deshalb ein „Khok Thalok." Soweit djis kambo- 
dische Manuscript (in der siamesischen Uebersetzung). Auf die Be- 
deutung dieser Sage des auch im östlichen Afrika heiligen Meru, die 
sich in der javanischen Version mit dem verrückten Schwerpunkt *) 



•) SoUte sich der unter Bezwingung der Damone zum Buddhathüme An- 
strebende anderswohin setzen , als auf den centralen Diamant-Thron , so wurde 
die Krde ihr Gleichgewicht verlieren, bemerkt Iliuenthsang. So bedurfte es auch 

28* 



43G Kambodia. 

der Erde verbindet, sowie auf das abgeschlagene und von den 
Händen der Jungfrauen bewässerte Haupt Brabnia's, das in dieser 
Legende, wie unter dem ewigen Koma, begraben wurde, werde 
ich später bei der Behandlung der buddhistischen Mythologie 
zuriickzukominen haben. 

Was nun Phra Pathumniasurivong betriift, so fühlte derselbe, 
den geneigten Bauiustiimui erblickend, Lust zum Ausruhen, und 
er sandte einen seiner Pagen nach Teppidien und Kissen, um 
solche auf demselben auszubreiten. Dann legte er sich dort 
nieder und fiel in Schlaf. Als der Abend herangekommen war, 
fing der Thalok-Haum leise und laugsam an, sich hciher und höher 
zu heben, aber der Prinz war im Schlafe nicht gestört. Der 
Thalok-Baum fuhr fort, noch hi'dier aufzusteigen und schnellte 
empor, als ob durch Menschenhände bewegt. Phra Chao Pathum- 
niasurivong fuhr aus dem Schlafe auf und sein Herz begann 
zu zittern und zu schaudern, als er sich in der schwindelnden 
Höhe in den Zweigen hängen sah , ohne irgend welche Stütze. 
Er hatte ruhig unter dem Laubdache zu verbleiben, bis der sich 
weiter und weiter von der Erde entfernende Baum seine Be- 
wegung nach aufwärts beendet hatte. Er rief nach seinen Pagen 
und Begleitern, aber sie konnten seine Stimme nicht mehr ver- 
nehmen. Alle seine Vasallen und Edeln, die Wachen und 
Sclaven stjinden wartend da und verblieben in Furcht und 
Schrecken unter dem Thalok-Baume. Als die ersten Strahlen 
der aufgehenden Sonne den Thalok-Baum beschienen, fing der- 
selbe an, sich tiefer und tiefer zu senken, bis er wieder sein 
früheres Niveau erreicht hatte. Pathumniasurivong stieg herab 
und kam zu seinen Leuten zurück, die ihn mit grossem Jubel 
empfingen. 

Mit der ersten Dämmerung des frühen Morgens rief Naug 
Nakh (Fräulein Nakh oder die Drachenprinzessin) ihre Damen 
um sich und erhob sich von ihrem Lager, um in dem Wasser des 
Sees zu spielen, nachdem sie ihre Form verändert hatten. Sie 



des Ausschreiten» von Arabien nach Ceylon und dann nach Siam , um durch Auf- 
druckung des Fusstapfens die Her^e zu befestig«*n, von Feeukreisen umgrenzt 



k. 



Die Chronikm Inthapatabnrrs. 437 

belustigten sieli umher zu sehwiimnen und dem Strom des Wasser- 
armes folgend, kamen sie nach der Stelle des Ufers, wo Phra 
Pathummasurivong lustwandelte. Dieser, die Schaar der Baden- 
den bemerkend, umstellte sie mit dem Heer seiner Begleit<;r, 
erhaschte das Fräulein und nahm es mit sich nach der Höhlung 
des Thalok-Raumes, wo er sich mit ihr vermählte. 

Als die Ehrenjungfrauen die Prinzessin ergriffen und aus 
ihrer Mitte fortgeführt sahen, stoben sie jammernd auseinander 
und in ihr Reich zurücktiiichtend, berichteten sie dem Drachen- 
könige, was geschehen sei. Dieser sandte den Prinzen Jius, seinen 
königlichen Sohn, den jüngeren Bruder der Fräulein Nakh, indem 
er ihm befahl, eine Armee von Drachentruppen zu versammeln 
und dem Pathummasurivong seine Beute zu entreissen. Er zog 
gegen diesen undgrift* ihnan, wurde aber im Kampfe überwunden. 
Phrachao Pathummasurivcmg war im Begritfe, ihn zu tödten, 
schonte jedoch auf der Schwester Bitten seines Lebens und liess 
ihn frei nach Myang Nakh (dem Drachenlande) zurückkehren. 
Als der Prinz dort Alles, was sich ereignet hatte, seinem 'Vater 
erzählte, verfiel der Drachenkönig in Nachsinnen und nach län- 
gerer Ueberlegung sagte er: „Unsere Tochter gerieth in Gefangen- 
schaft, doch ist sie würdig behandelt und zur Königin erhoben. 
Als unser Sohn ausgeschickt wurde, sie zu befreien, unterlag er 
und war preisgegeben. Aber obwohl sie es in ihrer Macht hatten, 
tödteten sie ihn nicht. Im (iegenthcil, sie setzten ihn in Freiheit. 
Gross sind die Wohlthaten, die sie gegen uns bewiesen haben. ** 
So liess er reiche Geschenke vorbereiten und beauftragte seine 
Gesandten , sie an die Oberwelt zu führen und dem Könige Pa- 
thummasurivong darzubringen. Er liess denselben einladen, mit 
seiner königlichen Tochter in das Schlangenreich herabzukommen. 
Der König erfüllte seinen Wunsch und begab sich mit seiner 
Gemahlin in das Keich der Schlangen, wo er für etwa einen 
halben Monat verblieb. Dann richtete Phaya Nakh das Wort an 
ihn, sprechend: „Hir seid ein Menschenkind und länger in dem 
Drachenlande zu bleiben, würde weder passend noch angemessen 
sein. Geht denn wieder hinauf in das Land der Menschen (Myang 
Mannt) , die Erde zu sehen und Eure Heimath. Es ziemt sich, 



438 Kambodia. 

eine Stadt zu gründen, und so oft Ihr meiner bedürft, werde ich 
erscheinen und beim Baue helfen." Nachdem Phrachao Pathuni- 
masurivong sich von Phaya Nakh verabschiedet hatte, nahm er 
seine Gemahlin mit sich und stieg an die Oberwelt, beiuiThalok- 
Baum hervorkommend. Dann brachte er die Dnw*henprinzessin 
vor die Augen des Königs Ketumala, seines Adoptiv-Vjitcrs, und 
er erzählte ihm Alles, was sich ereignet hatte, mit jeder Einzel- 
heit. Und König Ketumala war erfreut in seinem Herzen. Dann 
entfernte sieh Pathummasurivong, um mit seinen Edeln und 
Grossen umher wandernd, einen geeigneten Platz zur Anlage 
einer Stadt auszuersehen. Er kam bald zu der Einsicht, dass 
der Platz um den Thalok-Baum alle Vortheile böte, um dort eine 
grosse Stadt einzurichten. Als er für diese Mittheilung eine Bot- 
schaft an Phaya Nakh schickte, kam derselbe aus der Unterwelt 
herauf mit allen seinen Ilcerschaaren. Und sie bauten dort eine 
grosse und prächtige Stadt, dasEigenthum des l*hrachao Pathum- 
masurivong. Sie erhielt den Namen Phra-Nakhon-Tom, und 
Phrachao Ketumnla begab sich dorthin, um Phrachao Pathumma- 
surivong als König der erhabenen Kesidenz Tom zu krönen. 

Nachdem eine lange Zeit vergangen war, segnete Phrachao 
Ketiunala das Zeitliche und Phrachao Pathummasurivong weihete 
die Stadt, in der sein Vater Ketumala geherrscht hatte, indem er 
sie als Kloster (Vat) dem Apostel Phra Phutthakhosa (P'ra 
Fut dhaghosa^ariya) übergab, zu der Zeit, als dieser von Lang- 
kathavib zurückkehrte. Und aus diesem Grunde, weil Phra 
Pathummasurivong, als Verdiensteswerk für den Dahingeschie- 
deneu, die Stadt Khok-thalok, als Kloster eingerichtet, darbrachte, 
erhielt dieselbe den Namen Phra-Nakhon- Vat (die königliche 
Stadt der Klöster). Von der Zeit an für die Zukunft bestimmte 
Phrachao Pathummasurivong, dass jährlich königliche Geschenke 
an seinen Schwiegervater gesandt werden sollten, an den Drachen- 
könig, Phaya Nakh. 

Damals musste jeder Herrscher aus allen den verschiedeneu 
Königreichen sich huldigend nach der Residenz Tom begeben, 
der grossen und mächtigen Stadt. Durch die gewaltige Kraft 
seiner Verdienste zwang Phra Pathummasurivong die Stadt 



Die Chroniken Inthapatabnn's. 439 

Sukothay (Siikhot'ay), einen Tribut an Wasser zu bringen, die 
Stadt Talunf^ zur Einlieferung von Seidenzeugen und die Stadt 
Lavo von getrockneten Fischen, als Abgabe. 

Was Phaya Nakh betriffst, den Scliwiegervater des Phracbao 
Pathummasurivong, so schied er aus dem Leben, und sein Sohn, 
der jüngere Bruder der Drachenprinzessin, regierte an seiner 
Statt. 

Als Phracbao Pathuniinasurivong noch nicht sehr lange re- 
giert hatte, in dem Jahre 1501 der Phutthasakkharat, geschah 
es, dass Phra Kuang in der Stadt Lavo geboren wurde. Er ge- 
hörte zu den Beamten des Zollhauses, um die Aufsicht über die 
Wassersteuer zu führen, und er füllte das Wasser*) in Rohrkörbe, ^ 
als er zu Phra Pathummasurivong hinaufzog, um den Tribut zu 
überbringen. Als der König sah, dass der mit Wasser gefüllte 
Korb nicht leckte, so erkundigte er sich, wer derjenige wäre, der 
auf soh'he Weise den Tribut bringe und Wasser in Körbe zu 
füllen vermöchte, ohne dass es ausliefe. Die Thay-Leute (Phuek 
Thay), die mit diesem Korb voll Wasser hereingekommen waren, 
gaben dcmüthigst Bescheid, dass Phra Kuang, ein Aufseher des 
Zollhauses und wohl erfahren in allen Arten wunderbarer Kräfte, 
das Wasser in die Körbe gefüllt habe, um es als Huldigung dem 
Könige darzubringen. Da rief Phracbao Pathummasurivong ausS 
„Ein Mann mächtigen Verdienstes ist in dem Lande Thay (Myang 
Thay) aufgestanden," und damit endete die Abhängigkeit der 
Myang Thay vom I^ande Khamen (Myang Khemara). Phra Pathum- 
masurivong wandtesich an die Thay, die das Wasser als huldigen- 
den Tribut gebracht hatten und sagte: „Kommt fernerhin nicht 
länger hierher, Wasser zu bringen." Das Thay -Volk kehrte 
dann zurück und stattete über Alles, wie es geschehen, Bericht 
ab an Nai liuang. 

Um diese Zeit nun trat Dexo-Damdin (Dam-din oder der 
Taucher unter der Erde), ein Grosser des Landes Khom (Myang 



*) Nach den Bhadrakalis konnte Mariatalc das Wasser , ohne Gefass , in 
eine Kugel ziuaniniengeballt au8 dem Teiche holen , bis sie durch die beim An- 
blick der Gaudharvas erzeugten Begierden ihre Tugenden verlor. 



440 Kambodia. 

Khoni), vor dan Angesicht des königlichen Herrschers, der ihn 
anredete und sagt«: „Alljetzo ist ein Mann geboren uisichtigen 
Verdienstes; er ist aufgestanden im Lande Thjiy. Körbe füllte er 
mit Wasser und schickte sie nach unserer Stadt. Nachdem ich 
es gesehen, habe ich Befehl gegeben, dass sie fürderhin nicht 
länger kommen sollten.** Dann brachte PhayaDexo-Damdin eine 
unterthänige Bitte vor und flehte zu seiner Majestät sprechend: 
„Ich werde hinziehen und diesen Nai Huang ergreifen.** Der 
König aber verbot es, mit den Worten: „Thue es nicht, greif ihn 
nicht, ^ aber Phaya Dexo-Damdin hörte nicht auf diese Warnungen. 
Nachdem er Huldigung bezeigt und seinen Abschied genommen, 
hob er eine Armee aus, in grosser Kile aufljrechend. Phaya 
Dexo-Damdin grub sich in die Erde hinab. Als Phaya Uuang 
davon hörte, dass ein Heer im Khamen-l^inde zu seiner Ergrei- 
fung ausgezogen sei, ergriff er die Flucht. Bei der Stadt Phichiton 
anlangend, schlug er sein Lager an ihren Aussenlinien auf in 
einem Klosterhofe und bat die Dorfbewohner um etwas Reis und 
Fisch fiir sich zu essen. Man brachte ihm mit anderen Speisen 
einen Mo -Frisch. Nachdem er alles Fleisch davon abgegessen 
hatte, so dass nur die Knochen übrig waren, warf er dieselben 
in das Wasser. Und siehe, die Knochen belebten sich wieder 
zu einem Fisch und kamen an die Oberfläche, im Wasser umher- 
schwimmend. 

Phaya Dexo-Damdin begab sich nach dem Hause, wo Nai 
liuang zu wohnen pflegte. Dort hob er sich emi)or und stieg 
heraus, die Insassen des Hauses befragend. Die aber sagten ihm 
zur Antwort, dass Nai Ruaug geflohen sei und in einem andern 
Dorfe lebe. Phaya Dexo-Damdin schlüpfte dann wieder in die 
Erde hinunter, ihn weiter zu verfolgen. 

Als es an Nai Ruang berichtet wurde, setzte er seine Flucht 
fort und suchte Schutz in einem Kloster der StiidtSukothay. Dort 
wurde er durch den Abt zum Mönch geweiht. Eines Tages, als 
Phra Ruang herabgekommen war und den Klosterhof fegte, 
schwoll die Erde auf und Phaya Dexo-Damdin stiess hervor, 
dicht neben der Stelle, wo er stand. Er erkannte ihn indes» 
nicht, und ohne zu wissen, dass er selbst Phra Ruang sei, fragte 



Die Chroniken Intbapataburi's. ' 441 

ihn: „Wo ist PhraRiiang?** ,Wart' hier ein wenig," erwiederte 
Phra Kuang, „ich werde gehen und ihn rufen." So durch seine 
einwohnende Kraft Hess er Dexo-Damdin verbleiben, wie er war, 
halb oben und halb unten , zur Hälfte aus der Krde hervor und 
zur Hälfte in derselben. Allmälig im Laufe der Zeit verlor sich 
die Körperforni Dexo-Danidin's und wurde zum Stein*). Daher 
rührt jenes Spruch wort: Khom dam din (der Kambodier tiiucht 
unter die Erde). 

In dem 1502. Jahre der Phutthasakkharat schied der Herr- 
scher Sukothay's vom Leben ab, und da Niemand aus seinem 
königlichen Geschlecht übrig war, so berief die Kitterschaft 
(Senabodi) PhraRuang, die Regierung zu übernehmen. Phrachao 
Ruang ül)eilegte dann bei sich und dachte: Phrachao Pathumma- 
surivong hatte Befehl gegeben , dass Niemand fernerhin Wasser 
zum Tribut bringen solle. Dennoch aber kam Phaya Dexo-Damdin 
herbei, mit der Absicht uns zu ergreifen. Wir werden ein Heer 
ausheben und gegen Phrachao Pathummasurivcmg marschiren. 
Er ertheilte dann seine Befehle und Hess eine grosse Menge 
Truppen requiriren, um alle Regimenter vollzählig zu machen. 
Von der Stadt Sukothay aufbrechend, rückte er auf die Stadt 
Siemrab und dann weiter nach der Stadt Tom. Als man an 
Phrachao Pathummasurivong die Nachricht davon brachte, er- 
wiederte dieser: „Lasst PhraRuang herbeikommen und öifnet 
die Thore für ihn." 

Phrachao Ruang aber hob sein Lager auf und versuchte die 
Thore der SUidtzu offnen, doch war er es nicht im Stande. Als 
Phrachao Pathummasurivong sah, dass Phrachao Ruang die Thore 
nicht zu öffnen vermochte, beschloss er es selbst zu thun, damit 
Phrachao Ruang eintreten und vor dem königlichen Angesicht 
erscheinen könne. Er wiederholte also seine Befehle, sprechend: 
„Oeffnet die Thore weit, dass Phaya Ruang eintreten mag und 
vor dem königlichen Angesicht erscheine." Und dann mit einem 



♦) Nach der Mytliologie der Qiiisquoja (auf Haiti) wurde der die Vorfaiiren 
des Menschengeschleclits in der Höhle Kauta bewachende Kiese zu Stein, als er 
sich an das Sonnenlicht hervorwagte. 



442 Kambodia. 

Male ötTncten sich säniiiitlielie Thore. Fhrachau Ruang mit allen 
seiueu Soldaten des Thay- Heeres priesen die erhabene Macht 
der königlichen Majestät nnd huldigten in deniüthigster Ergebung 
den heiligen Tugenden des Phrachao Pathununasurivong, von 
den königliehen Städten Tom und Vat bis zur Stadt Sieiurah 
Alles erfüllend. Und aus der Zeit rührt der Name Sienirab (die 
friedvolle Ebene der Siamesen). Nachdem Phrachao Kuang 
zur Audienz zugelassen worden und nach Herzenslust angebetet 
und verehrt hatte, gab Phrachao Pathummasurivong Befehl, ihn 
mit allem Noth wendigen zu versehen, mit Gold und Silber, mit 
Speisen jeder Art. Officiere und Edle und auch die Gemeinen 
in der königlichen Armee schwelgten in grossem Ueberfluss. Als 
Phaya Kuang sich verabschiedet und zur Rückkehr vorbereitet 
hatte, Hess Phrachao Pathummasurivong seine Schatzkammern 
öftnen, Phrachao Ruang mit Geschenken überhäufend. FaUc so- 
wie Officiere und auch die gemeinen Soldaten konnten alle, was 
und so viel ihnen beliebte, aus dem königlichen Schat/e nehmen 
und derselbe wurde doch nicht leer. Denn gross waren die er- 
habenen Verdienste des Königs Pathummasurivong. 

Von einer seiner Nebenfrauen war dem Phrachao Pathum- 
masurivong ein Sohn geboren, der Phrachao Krung Phala hiess. 

Nachdem Pjithummasurivong einen langen Zeitnium regiert 
hatte, während welches alle Majestäten ihm bestündig goldene 
und silberne Blumen zu senden i)flegten, schied er vom I^hen 
ab, in dem 100. Jahre seines Alters. Mit der Zeit hörte das 
Reich Thay (Krung Thay) fernerhin auf, Tribut zu schicken, 
weder an Wnsser, noch an Fischen. In der KönigswUrde des 
Sonnengeschlechts (Surivong) folgte seiner Majestät Sohn Phra- 
chao Krung Phala. Von diesem Könige an wurde kein weiterer 
Tribut an Phaya Nahk bezahlt. Als der Drachenkönig bemerkte, 
dass eine lange Zeit vorübergegangen wäre, ohne dass die Be- 
wohner des Landes Khamen ihm Tribut gebracht hätten, so 
schickteer einige Edelleute des Drachenvolkes aus, um denselben 
einzufordern. Phrachao Krung Phala aber war abgeneigt zur 
Bezahlung und erwiederte: „In früherer Zeit war der Vater des 
Phaya Nakh der Schwiegervater meines königlichen Vaters, und 



Die Chroniken Inthapataburi's. 44f3 

weil gegenseitig manche Verpflichtungen bestanden, so pflegte 
das Reich Khanien (KrungKhanien; einen Tribut in das Drachen- 
land hinabzuschicken. Gegenwärtig giebt es keine solche Ver- 
pflichtungen zwischen uns. Weshalb sollten wir gehen, Euch 
Tribut zu bringen?" Als die Edeileute bei ihrer Rückkehr diese 
Worte berichteten, gerieth Phaya Nakh darob in grimmigen 
Zorn und stellte eine Armee auf die Reine mit der Drohurfg, 
Inthapata anzugreifen. Er Hess noch eine Rotschaft durch seinen 
Sohn abgehen, um den Grund der Tributverweigerung zu erfaliren, 
erhielt aber nur dieselbe Antwort wie früher und gab das Zeichen 
zum Marsch. Phrachao Krung Phala aber kam zur Schlacht 
heraus und Phaya Nakh unterlag im Kampfe. Der König Krung 
Phala nuichte ihn zum Gefangenen und hieb sein Haupt ab, wurde, 
aber durch einige Tropfen des vorströmenden Rlutes bespritzt. 
Die geschlagenen Regleiter des Drachenköuigs flüchteten in ihr 
Land zurück. Nach einiger Zeit zeigte sich an König Krung 
Phala eine aussätzige Krankheit, die über seinen ganzen Körper 
ausbrach, da derselbe vom Rlute des Drachenkönigs befleckt 
worden. Der König berief seine Leibärzte zu sich, aber keines 
der von ihnen verwendeten Arzneimittel war von dem geringsten 
Nutzen. 

Nun lebte damals ein heiliger Eremit (Phra-RUsi)*) im 
Walde Himaphanta, der zu seinem Rrudcr- Einsiedler, seinen 
Schülern und Dienern so sprach: „Ich denke eine Erholungstour 
zu machen und die Stadt Inthapat zu besuchen, in etwa drei 
Monaten werde ich zurück sein." Solche Worte gesprochen 
habend, flog der heilige Eremit in die Lüfte hinauf und fand sich 
bald darauf in der Nähe der Stadt Inthapata, der königliehen Resi- 



*) Die Phra-Rasi oder Rü.si wohnen auf der äusseren Wcltmauer, wo sie von den 
dort verzeichneten Hieroglyphen die Wissenschaft ihrer (Jeheimnisse ablesen, und 
obwohl sie durch ihre Wunderkenntnisse d.as Leben ewig verlängern könnten, 
sich doch alle 1000 Jahre opfern , indem sie freiwillig den Scheiterhaufen be- 
steigen , mit Ausnahme eines IJebrigbleibondeu , der aus der Asche die Heiligen 
zu neuem Leben erweckt. Die indier versetzen die heiligen Rischi in das Sie- 
bengestirn des grossen Haren , wo (bei den Finnen) Wäinämöinen , der Sobo 
des Kawe, die Seelen der Abgeschiedenen empfängt. 



i 



444 K^iiDbodia. 

denz. Dort j*ah er eiiieo weissgekleideteo Orei* und ging auf 
ihn zu, sir-li stellend, als ob er von Xiehts wüsste. Er fragte ihn, 
wie die Stallt dort lieisse. lier weissgekleidete Alte en%iederte: 
-Diese St'idl ist Inthapat genannt, die Residenz desKönigs." -Sie 
ist präehtig und lieblich diese Stadt,* antwortete derKreinit, .nur 
schade, dass der König, der in ihr herrseht, am Aussatz*) leidet. 
Diese Krankheit wird ihn in wenigen Jahren fortraflfen. Will er 
sieh aber meiner liehandlKng anvertrauen, so kann er der Hei- 
lung versichert sein und wird ein hohes Alter erreichen, in Glück 
und Frieden über sein I^nd herrschend. Der Ein weich ungspro- 
cei»8(xub; wird ihn kuriren." Als der weisse (treis dieses gehört, 
trat er vor die königliche Majestät, und wiederholte in deniüthig- 
ster Huldigung die Mittheilung, sprechend: «Ein Eremit ist ange- 
kommen, der sich erbietet. Eure Majestät einzuweichen und da- 
durch die Krankheit zu heilen, so dass sich das königliche Leben 
bis in ein hohes Alter verlängern wird." Phrachao KruugPhala 
gab Befehl, den Eremiten in den l\*ilast zu bringen. Dieser liess 
einengrossen Kessel herbeiholen, schürte ein mächtiges Feuer 
an, setzte dann den Kessel mit Wasser gefüllt hinauf, und als 
das Wasser im vollen Sieden war, lud er seine Majestät den 
grossen König ein, lierabznkommen und in den Kessel hinein zu 
steigen. König KrungPhala erwiederte: „Ich verstehe noch nicht 
recht. Lege erst eine Probe ab, wie es gemacht werden muss.** 
Einer der EdcUeute nahm einen Hund und steckte ihn in den 
Kessel. Nachdem er zu Tode gekocht war, streute der Eremit 
Arznei auf den Hund und er kam wieder hcrausgesprungen, ein 
noch hübscherer Hund als zuvor. Aber der König hatte dennoch 
sein Hedenken und sagte: „Lass einen der Edelleute erst in den 
Kessel steigen und es versuchen." Mau warf einen Edelmann in 



*) Der eliiiicäischc Gesandte liemerkt von Kambodia : II y a beauconp de 
lepreiix sur le» grandes rontes et quoique les hoinnies sains couchcnl et niangrent 
avec eux, ils ne contractont pas le mal. U y a eii im roi, qai en a M afflig^, ses 
siijets ne s'en »ont pas effrayes (s RemuBat). In Hirnia dagegen übt der Leso- 
wun strenges Regiment, um jeden Angestockten ans der menschlichen (Gesellschaft 
fort in die Aussatzdörfer zu verweisen. Die Cochinchinesen nennen auch im 
Feldzuge 1767 p. d. den biame»ischen König einen Aussatzigen (Phong). 



Die Chroniken Inthapatabnri's. 44«5 

das kochende Wasser hinein. Durch die aufgestreute Medicin kam 
er munter wieder hervor, ein noch schönerer Edelmann als zuvor. 
Selbst jetzt nahm der König weitern Anstand. Er erliess einen 
königlichen Befehl, sprechend: „Möge der grosse und heilige Ere- 
mit zuerst er selber in den Kessel hineinsteigen, dann werde ich 
glauben." Der Eremit legte den geweihten Schmuck der Amulette, 
die er am Körper trug, ab und gab seine Vorschriften : „Nachdem 
ich in dem Kessel zusammengekocht bin, mlisst ihr diese Medicin 
hineinwerfen." Nachdem er solche Medicin den Händen des 
Königs Krung Phala übergeben, ging er in den Kessel ein. Als 
sein Körper unter dem siedenden Wasser verschwunden war, 
nahm der König die Arznei und warf sie hinein, aber nur die 
Hälfte. Eine Hand und ein Fuss, in Existenz gerufen, kam an 
der Oberfläche hervor. Der König wollte nicht den Rest der 
Wunderarznei hinzufügen, sondern befahl seinen Edelleuten, den 
Kessel mit Allem, was darin war, am Fusse des Berges, südlich 
von der Stadt aui^ugiessen. 

Als die verabredeten drei Monate vorüber waren, und 
der grosse Eremiten -Lehrer, das Haupt der Einsiedeleien, den 
zur Einweichung des Königs Krung Phnla ausgezogenen Ere- 
miten nicht zurückkommen sah, so befragte er alle die grossen 
und heiligen Eremiten, deren es in alten Zeiten 500 an Zahl 
gab, sprechend: „Unser würdiger Herr fehlt in unserer Mitte." 
Die heiligen Eremiten dann durchschauten klar das Vergangene 
und erkennend, was geschehen war, erwiederten: „Unser 
Herr ist nach der Stadt Inthapat fortgezogen." Und der grosse 
Eremiten-Oberste stieg in die Lüfte auf und versetzte sich nach 
Inthapat, wo er die Bürger fragte, ob sie einen Eremiten 
nach der Stadt hätten kommen sehen. Diese erzählten ihm, wie 
es dem Eremiten gegangen und dass der Kessel am südlichen 
Ende der Stiidt ausgegossen sei. Dort die Leiche findend, be- 
lebte er sie aufs Neue, und als er den Verrath des Königs, gegen 
den so wohlwollende Gesinnung bewiesen worden, gehört hatte, 
sprachen die beiden Eremiten den Fluch aus , dass des Königs 
Krankheit unheilbar zu raschem Tode führen und dass mit seinen 
Nachfolgern die Pracht und Herrlichkeit der Stadt verschwinden 



446 Kaniltodia. 

Holle, bis das ganze I^nd in eine öde Waldwildniss verkehrt sein 
wUrde. Dann zogen sie nach dem Iliniaphan zurück. 

Da Phrachao Krung Phala in keiner Weise von seinem Aus- 
satze genesen konnte , brachte man ihn mit seinen Concubinen 
und seiner Dienerschaft nach dem Berge der acht Ecken, der 
noch heutigen Tages Khao Ku Sen oder (im Siamesischen) Khao 
Sin Chi (der Herg des gänzlich Verbrannten) heisst. Der König 
litt unter seinem Aussatz bis zu seinem Tode. Die Gestalt Phra- 
chao Krung Pliala's und die seiner Favoritin wurden versteinert, 
und zeugen bis heutzutage [in dem Uuinenfelde Nakhon Tom^s]. 

Seitdem gab es nur noch für eine kurze Zeit innerhalb der 
Grenzen der kambodischen (jlebiete Könige, die in Phra Nakhon 
Tom residirten.^ 

Unter den Nachfolgern Krung Phahi's wird ein Kaufmann, 
Nai Phrom, genannt, der die Residenz nach der andern Seite des 
Flusses verlegte, westlich von Nakhon Tom. Er baute eine 
Stadtmauer aus weichen Steinen (sila leng) und sie ist noch 
heutzutage sichtbar. Nachdem er 20 Jahre regiert, schied er 
vom Leben ab. Ihm folgte sein Sohn, und dann regierte ein 
Usurpator, der nicht zu dem königlichen Geschlecht gehörte. 

In Krankheit fallend, befragte er die Hora, die ihm prophe- 
zeiten: „Ein Verdienstvoller wird geboren werden, aus dem Leibe 
einer Schwangeren , der Frau eines Arbeiters in dieser Stadt." 
Der König befahl dann seinen Edelleuten, dass sie alle armen 
Frauen ergreifen sollten , die schwanger wären, sie wegführen 
und tödten. Die liora legten Fürbitte ein und sagten : „ Schwangere 
Weiber zu tödten wäre eine Handlung, deren sUndenvolle Folgen 
auf lange Zeit fortwirken würden. Die Zeichen aber besagen 
in ihrer Hindeutung, dass der Verdienstvolle von der Frau eines 
Arbeiters geboren werden wird, die sich jetzt in der Schwanger- 
schaft befindet. Sic ist ausgegangen, Brennholz zu sammeln. 
Njichdem sie das Reisig aufeinander gehäuft hat, wird sie es in 
ein Bündel zusammenbinden und auf den Kopf heben, um es fort- 
zutragen. Wenn sie auf ihrem Wege ausruht, wird sie das 
Holzbündel auf die Erde legen, es mit ihrem Kopftuch bedecken 
und sich darauf setzen. Diese Vorsicht wird gebraucht, weil der 



1 



Die Chroniken Inthapatabnri's. 447 

Sohn in ihrem Mutterleibe hoher Verdienste voll ist. Sobald 
man diese Dinge vor sieh gehen sieht, dann möge die schwangere 
Arbeitersfrau getödtet und fortgeschafft werden." Als der König 
die Bittstellung der Hora vernommen, befahl er seinen Officieren 
hinzugehen und umherzuspähen. 

Nun geschah es zu der Zeit, dass eines Arbeiters Frau mit 
sechs andern ihres Standes ausgegangen war, Feuerholz zu sam- 
meln. Sie trugen die Bündel auf dem Kopfe, und als sie an dem 
Wege zu einem Baume kamen, sassen sie unter seinem Schatten 
nieder, um auszuruhen. Und jenes Weib nahm ihr Kopftuch, 
breitete es über das Bündel aus und bereitete sich einen weichen 
Sitz. Als die Kriegsleute es sahen, da ergriffen sie dieses 
Weib und nahmen sie hinauf vor das Angesicht ihres königlichen 
Herrn. Der König winkte den Henkersknechten, sie fortzuführen 
und auf einer kleinen Erhöhung hinzurichten, nicht weit von dem 
VatPhra-Maha-Songkrat (das Kloster seiner Eminenz des grossen 
Bischofs). Heutigen Tages wird sie Don-Phra-Sri (der Hügel 
des glorreichen Herrn) genannt. 

Was den fürstlichen Embryo betrifft, so fand sich, als er an 
das Tageslicht hervorkam, ein Geier, der mit den Schwingen 
ausgebreitet, ihn bedeckte und schützte, dass er weder von der 
Hitze der Sonne getroffen werden möchte, noch von dem Winde. 
Nun gab es einen alten Mann, Dehe genannt, der die Kühe seiner 
Heiligkeit, des königlichen Bischofs, hütete. Als er die Kühe 
austrieb, wurde er von denselben zu der Leiche der Mutter ge- 
führt. Dort sah er einen grossen Schwärm von Geiern und 
Krähen zusammen, die alle emsig miteinander beschäftigt waren, 
das Kindlein durch ihre ausgebreiteten Flügel zu sichern. Die 
Sache war über jeden Zweifel erhaben. Als er näher hinzuging, 
den Säugling zu besehen, fand er ihn so vollendet schön in seinem 
Aussehen , dass er ihn in seine Arme aufnahm und zu dem heili- 
gen Bischof brachte, der alsbald die Sache durchschaute und aus 
tiefer Einsicht sagte: „Dieses Knäblein wird zu einem Mann 
hohen Verdienstes erwachsen. Obwohl des Königs Majestät 
aussandte, ihn zu t<)dten, so starb er nicht." Er übergab ihn 
dann der Hut Ta-Dehe's, ihn mit sich heim zu nehmen und auf- 



448 Kambodia 

zuziehen, bis er das Alter von sechs bis sieben Jahren erreicht haben 
würde. Als diese Zeit gekommen war, kehrte aufs Neue die 
Krankheit des Königs zurück. Dann prophezeiten die Hora, 
wahrsagend: „Der Verdienstvolle ist noch am Leben. Die Per- 
son, die ihn auferzieht, lebt nach Osten in der Stadt Phon-ma- 
pheu.'' So beauftragte der König seine Beamten, ihn zu er- 
greifen. Sobald der erhabene Bischof und Ta-Dehe davon 
hörten, gab der Bischof dem Ta-Dehe den Kath, den Prinzen 
nnt sich zu nehmen und fort zu flüchten. Die Häscher aber folg- 
ten ihm auf den Fersen. Als Ta-Dehe sah, dass sie ihn bald 
einholen würden, so verbarg er den Prinzen in einem aufge- 
trockneten Morast an dem Orte, der jetzt Kokban-banxau heisst. 
Nachdem er ihn dort niedergelegt hatte, setzte Ta-Dehe seine 
Flucht fort, wobei ihn die Verfolger erblickten. Als diese an 
dem Sumpfe anlangten, schauten sie überall umher, konnten 
aber nichts entdecken. Sie Hessen dann eine Heerde Elephanten 
hinübertreiben, um alles Kraut und Gras zu zerstampfen, aber 
einer der weiblichen Elephanten näherte sich dem Verstecke und 
hob den Knaben in seinem Rüssel empor, während ringsumher 
Alles durch die Füsse der Elephanten zusammengequetneht 
wurde. Niemand konnte länger zweifeln, dass das Werk richtig 
ausgeführt sei, und die königlichen Beamten kehrten nach der 
Hauptstadt zurück, um ihren Bericht abzust'itten. Als Ta-Dehe 
sah , dass Alle fortgegangen waren , kehrte er zurück und holte 
den Prinzen aus dem Moraste hervor, worauf er mit ihm in einer 
Waldwilderniss, Phrai-thab genannt, verweilte. . 

Als der König die Hora zur Wahrsfigung aufforderte, sprachen 
sie: „Der Verdienstvolle lebt jetzt in einer Waldwilderniss nach 
dem Süden zu. " Der König liess Befehle ergehen an seine Grossen, 
dass sie Truppen ausheben und die Verfolgung antreiben sollten ; 
Ta-Dehe aber, der es in Zeiten bemerkte, flüchtete mit dem Prinzen 
nach dem Jungle Puen. Als er dort keine Sicherheit mehr fand, 
ging er südwestlich nach dem Khao (Berg) Pra-Sith. Als er da- 
selbst in eine Höhle eingetreten war und sich mit dem Prinzen in 
die entfernteste Ecke derselben zurückgezogen hatte, hing eine 
Spinne ihr Netz vor die Oefl*nung, so dass Niemand vennuthen 



Die Chroniken Inthaimtabari's. 449 

konnte, daas Ta-Delie mit seinem Schützlinge sich dort finde. 
Die Grossen kehrten deshalb mit ihren Truppen zurtlck, dem 
Könige zu berichten , und die ganze Sache fiel in Vergessenheit. 
l\i*Dehe begHb sich dann mit dem Prinzen nach dem Flussufer 
bei PanoBiphenund erstieg eine Erhöhung an der Ostseite. Der 
erhabene Prinz nahm dort den Zweig eines Banyanenbanmes, 
den er abgäbrochen hatte , und indem er ihn pflanzte , that er ein 
Oelilbde, sprechend: „Wenn es mir bestimmt ist, in künftigen 
Zeiten Verdienste zu erwerben , so bete ich , dass dieser Zweig 
aufwachsen und einst zn einem grossen und dicken Baume er- 
starken möge. *" Dieser fianjanenbaum ist heutigen Tages noch zu 
sehen. Nachdem er diesen Wunsch gesprochen , legte sieh 4er 
Prinz inTa-Dehe's Schooss; ein wenig zu sohlummem. Ta-Dehe 
sah einen Reiher\^ogel hembkommen und Fische fressen, mit 
denen der Teich ' volK war. Er nahm es als ein Zeichen und 

• 

dachte bei sich: Die Truppen sind aufgeboten , sie werden 
kc»romen in keisser Verfolgung und Ta-Dehe ergreifen. Er ri^ss 
deshalb den Prinzen in die Höhe , ihn aufzuwecken , und sagte 
warnend: „Die Soldaten sind aufgeboten, sie nahen zur Ver- 
folgung.'' So flohen sie eiligst nach einem Mangobäume! Ta- 
Dehe stieg hifiauf, um umherzuschauen, aber da waren keine 
Soldaten noch Verfolger zu sehen. Er erblickte nur einen 
Schwärm von Reihern, die herbeiflogen, um die Fische im 
Teiche zu fangen. Elrleichterten Her/ens sammelte er Früchte, 
und nachdem er dieselben dem Prinzeh 'dargebracht, sagte er: 
„ Da sind keine Verfolger ! ^ Der Prinz überlegte bei »ich und 
dachte:^ ^Ta-Dehe t&uscht uris und sucht uns zu schrecken. 
Wenn vnt Verdienst besitzen und die Königswürde erlangen 
sollten, wird es nöthig sein, Zucht und Ordnung zu lehren»^ 
Der Prinz ass dann von den Mango-Frtichten , und Ta-Dehe, 
den allerhöchsten Ausspruch veinehmend , dass diese Früchte 
trefflieh und schmackhaft wären, sammelte die Samen der 
Miängo, nm sie mitzutiehmen. Dann gingen sie miteinander 
nach einer Stelle, wo ein Dorf lag. Der Prinz fühlte sich hungrig 
und ausnehmend erschöpft. Eine weissgekleidete Frau sehend, 
die vor ihrem Hause stand, sagte der ]*rinz: ^Gehc, die weisse 

Bastian, Oatasien. I. 29 



450 KambodU. 

Dame, die dort steht, um etwas Speise zu bitten, ein ganz klein 
wenig Keis zum wenigsten. *" Ta-Dehe ging hin und bat ein wenig 
Reis von der Frau, die ihn fragte : „ Von wo kommt mein Gross- 
vater?** Ta-Dehe setzte ihr den ganzen Sachverhalt auseinander, 
Alles, was sieh ereignet hatte und wie es mit dem Prinzen stand. 
Die Weissgeklcidete empfing den Prinzen und fUhrte ihn bei sich 
ein. Sie eilte, Fleischspeisen zu bereiten und tischte ihnen auf. 
Dann Hess sie den Prinzen nebst Ta - Dehe fttr sieben Tage in 
dem Dorfe bei sich verweilen. 

Was nun den grossen KiSnig betrifft, so nahm seine Krank- 
heit zu und w^urde schlimmer und schlimmer, bis er sieh zuletzt 
auf dem Todtenbctte fand. Die Aeltesten der Edelleute und die 
gelehrten Weisen hielten eine Versammlung und. befragten die 
Hora, die wahrsagend antworteten: „Der Verdienstvolle ist 
noch am Leben.'' Sic kamen deshalb zu dem Entschluss, die 
Stimme dcsKönigswagens als Wahrzeichen reden zu lassen. Der 
Königswagen ging geradeswegs nach dem Flussufer und hielt 
dort an. Die Hofbeamten und die Professeren folgten dem Wa- 
gen, und nachdem sie ihn mit gegenseitiger Uttlfe auf die andere 
Seite hinUbergesetzt hatten , sahen sie ihn seinen Weg fortsetzen, 
bis in die Nähe des Platzes, wo der Prinz *sich * aufhielt. Als 
die Edcln und Grossen den Prinzen erblickten, sahen sie ihn mit 
allen den Zeichen begabt, die ihn zu der FUrstenwUrde berechtig- 
ten , um in der fiegierung Über ein Königreich dem Volke Glück 
und Wohlstand zu versprechen. So unter dem tönenden Klang 
musikalischer Instrumente luden sie den Prinzen ein, den Thron- 
wagen zu besteigen und führten ihn im grossen Pomp nach der 
königlichen Kesidenz der vier Seiten (Chaturamuk) in Panom- 
phen , wo er gekrönt wurde unter dem Titel Phra Chao Paksi- 
chamkrong, weil er als Säugling durch die ausgebreiteten 
Schwingen der Geier beschützt worden war. Der König Uber-r 
häufte Ta-Dehe mit Ehren und beförderte ihn zu hohem Bang, 
indem er ihn als Chao Fa Talaha £k Umnatri in dem Dorfe 
einsetzte, wo sie mit der weissgekleideten Frau zusammenge- 
troffen waren. Die dort erbaute Stadt wurde Siaono genannt 
Die Verwaltung der Steuern und Einnahmen übergab er der 



Die Chtoniken Intlia|>atabari'8. 451 

weissen Dame, die ihn bei sich aufgenommen. Auf dem Platze, 
wo &ei^e Mutter hingerichtet worden , Hess er ein Kloster (Vat) 
bauen , Vat Don Phrasni genannt, und auf der Stelle , wo er den 
Banyanenbaum gepflanzt hatte, errichtete er einen Tempelhof (Vi- 
han) , unter dem Namen Vat Phra-Vihan Savanra. 

Ta-Dehe, nachdem er zum Chao Fa Talaha ernannt war, 
pflanztedieauf derFluchtmitgenommenenMangb-Samen in seinem 
Uorfe , und nachdem sie aufgewachsen waren , brachte er nach 
sieben Jahren die gereiften Früchte dem Fürsten , der ihren aus- 
gezeichneten Geschmack lobte. Er fragte ühao Fa Talaha, von 
wo sie kämen, und hörend, dass es die auf der Flucht mitgenom- 
menen seien, sagte er: „Wir waren damals sehr zornig, weil 
der alte Kerl uns täuschte und erschreckte. Wir konnten damals 
nieht strafen. Möge der alte Kerl jetzt selbst überlegen, in wel- 
cher Weise er zu strafen ist. ^ Chao Fa Talaha flehte und bat : 
^Möge meine Strafe der Tod sein. Ich hofie auf die königliche 
Gnade, dass ich getödtet werden möge, ein warnendes Beispiel, 
dass Keiner wieder die Etikette breche." Der König er>viederte: 
„Wenn wir Euch mit solcher Strenge bestraften, würden wir die 
Vorschriften der Gesetze übertreten. Wir ^verden Euch nicht 
tödten.'' Chao Fa Talaha aber bestand darauf, dass sein Ver- 
brechen des Todes würdig sei, und quälte und drängte mit 
wiederholten Bitten, dass er hingerichtet werden möchte, be- 
merkend: „Eure Majestät hat keinen Begriff von Gerechtigkeit. 
Der unwürdigste Sclave wird mit Gutthaten und Ehren tiberhäuft, 
und sind doch meine Vergehen in vollem Masse todeswUrdig. " 
Phra Chao Paksichamkrong sagte dann : „Wenn Ihr durchaus so 
meint, möge es geschehen nach Eurem Willen." Er beauftragte 
dann seine Officiere, eine Matte zu bringen und auszubreiten, 
dass Chao Fa Talaha darauf niederliege. Dann Hess er ihn 
mit Tüchern bedecken in vielfachen Windungen j weil seine Ab- 
sicht war, sich nur einen Spass zu machen, ohne den Hals Chao 
Fa Talaha's zu verletzen. Nachdem er ihn dann dick über und 
über mit Kleidern und Zeug hatte zudecken lassen , schwang er 
das königliche Richtschwert hoch in die Luft und legte es dann 
ganz leise und sanft auf den Nacken Chao Fa Talaha's. Aber, 

29* 



i 



452 Kambodia. 

als das Schwert die Kleider berührte, setzten diese keinen Wi- 
derstand entgegen, und als man sie auseinander wickelte,» siehe, 
da lag der Kopf abgeschnitten auf der Erde und der Delinquent 
war gestorben*) (vielleicht aus Angst, wie der Hofharr des Her- 
zogs vonModena beim Anrühren mit dem nassen Handtuch). Das 
war eine höchst sonderbare und wunderliche Sache. Weil nun 
aber der König ausnehmende Freundschaft gegen Chao Fa Ta- 
laha hegte, so Hess er pnichtige Leichenfeierlichkeiten anstel- 
len, seiner hohen Stellung im Range der Hofedeln gemäss. 
Naclidcm die Verbrennung Statt gehabt hatte, wurden die 
Knochen in dem Dorfc Muhkamphun l>egraben. Wegen »einer 
hohen Verehrung, die er für Chao Fa Talaha bewahrte , liess 
der König seine Tochter erziehen und erhob sie in den Adelstand. 

Nachdem Paksichamkrong die ganze Zeit seines Lebens 
regiert hatte, folgte eine Succcssion verschiedener Könige, 
bis ein Abkömmling aus demselben Geschlechte den Thron be- 
stieg, dessen Name nicht bekannt ist. Dieser König aber dachte 
übel in seinem Herzen und er handelte nicht in Uebereinstimmung 
mit den Vorschriften richtigen Verständnisses, von dem Gresetz 
abweichend, so dass die Edelleute das Volk drückten und im 
Lande umherstreifend, die Leute ihres Eigenthums beraubten. 

Zu der Zeit lebte im Walde in der Nähe der Stadt ein frommer 
Eremit, streng und eifrig die Sinla (Regeln) beobachtend. Er 
ptlegte täglich sein Wasser in einen ausgehöhlten Stein zu lassen, 
der neben seiner Zelle stand. Nun geschah es, dass ein Wald- 



*) Eid äo]ch «zufallitreiii'* Tödten des NVohlthäters wiederholt sieh oft in der 
hintcrindUcben (iesohichte. und auch iu der Ka^ehmirs nennt der Damara, der 
Täehavravanna auf den Thron zurückfuhrt, dies die königüehe Wei*e . um ein- 
gegangener Verpt1ichtnn<,'en ledig zu werden. Aid der flüchtige König HarUban*s 
in Pegu aukdnimt, bi>klngt er sieh »t>er Keine Elephanten fuhrer, dass sie sich im 
Unglück rej.p«'etwiilrig gegt-n ihn benommen nnd deshalb strafwürdig seien, und 
die siamesischen Chroniken sprechen von einem Beamten, der bei einer Sho- 
lichen Gelegenhoit in denselben Fehler gi^fallen, und nachher solehe Reue fühlte, 
dass er sich cewaltsaui zur Hinrichtung drängte und die Schneide des (^erichts- 
»i'hwfues \'u'i\ iii^ ,»ö iiiiii j^ii Kopi aii^chnitr, zum ^Tuss.-n «Itodaueiu** Jf * rd 
schauenden Königs , der es nicht hindern konnte. 



Die Chroniken Inthapataburi's. 453 

bewohner (Xao pa), von der Raye clerKuai-Phau (ein Bergstamm 
zwischen Kambodia und Siam), eines Tages mit seiner Frau und 
Tochter im Walde Wurzeln ausgrub und dass die letzteie unwohl 
wurde, als sie sich auf dem Heimwege verirrt hatten. Die El- 
tern suchten für Wasser, um sie zu erfrisclien und fanden das des 
Eremiten im hohlen Stein , das sie in ihrer Unwissenheit ihrer 
Tochter zu trinken gaben, die sich bald darauf schwanger*) fühlte. 
Die Eltern wunderten sich , da ihre Tochter nie männliche Ge- 
sellschaft gekannt hatte, und waren völlig von ihrer Unschuld 
überzeugt, wie auch das Mädchen auf alle Fragen botheuerte, 
von keinem Manne zu wissen. Nach 10 Monaten der Schwanger- 
schaft wurde ein Sohn geboren , den , als mit allen Zeichen der 
Schönheit begabt, die Grosseltern bei sich aufzogen. Als er, 
herangewachsen, im Alter von sieben Jahren, von den Kindern 
des Dorfes im Spiele der vaterlose Sohn gescholten wurde, be- 
fragte er, darüber erzürnt, seine Mutter, die ihm gestand, dass sie 
keine andere Ursache ihrer Schwangerschaft wüsste, als Wasser, 
das sie einst aus einem Stein im Walde getrunken, und das etwas 
uriuös gerochen habe. Um nicht im Dorfe verlacht zu werden, 
zog der Knabe, trotz seiner Mutter und Grossletern Bitten, in die 
Fremde, um seinen Vater zu suchen, und traf im Walde den Ere- 
miten, der aus der Erzählung seines Ursprungs den Zusammen- 
hang ahnend, ihm anbot, in seiner Einsiedelei zubleiben, um 
die Sinlaprasat (magische Wissenschaften) zu erlernen. 

Ab der Eremit zum Abscheiden nach dem Walde Himaphan ent- 
schlossen war, gab er seinem Schüler ein wunderbares Stück Eisen, 
süss an Geschmack, das seinen Körper gegen alle Waffen unver- 
wundbarmachen und Giften ihre tödtliche Wirkung nehmen würde. 
Allein im Walde zurückbleibend, richtete der Jüngling einen 
Gurten ein, wo er (Khao Fot) Mais und (Khao Fang) Hügelreis 



*) Nach dem zur Secte der Yazdanier (Göttlichen) gehörenden Mobed 
Sariish berichten (im Dabistan) die Lehrer dos Behdin-Glaubens, dassZardu8cht*fl 
Vater von der Milch einer mit getrockneten Blättern ernährten Kuh genoss und 
ihren Einfluss seiner Frau Dughduyah niittheilend , dadurch das Empf^gniss 
seines heiligen Sohnes bowirlcte. 



454 Kambodia. 

zog, um CK in der »Studt Tom zu verkaufen. Eines Tiiges, als er 
während der Arbeit das Einen auf die Erde gelegt hatte, kam eine 
Krähe, die in fernen Landen Melonen gegessen und sass auf dem 
EisenstUck , ihre Exeremcnte dort zurücklassend. In ihnen fand 
der Gärtner einige Melonensamen, die er pflanzte und daraus 
80 sUsse Früchte zog , dass er überall unter dem Namen Burut 
tcngvan (der Mann der sUssen Melonen) bekannt war. Als 
eines Tages der König im Walde lu8t>vandelte und seine Beglei- 
ter fUr ihn Frucht« sammelten , schmeckten ihm diese Melonen 
so wohl, dass er dem Gärtner befahl, alle Früchte auf die kö- 
nigliche Tafel zu liefern und keine zu verkaufen. Als einst die 
Kuh eines Nachbarn in die Umzäunung einbrach und von den 
Melonen frass , konnte sie der Gärtner nicht wegscheachen und 
nahm zuletzt ärgerlich sein Stück Eisen , um es nach ihr zu wer- 
fen. Aber das Eisen drang direct durch den Körper hindurch, so 
dass die Kuh toilt niederfiel. Der Hirte verklagte ihn, auf seine 
Kuh geschossen zu haben; da aber der Gärtner darauf bestand, 
nur mit einem Eisenstück, des Königs Eigenthum zu vertheidi- 
gen , geworfen zu haben , so bewunderten die Richter die Wun- 
derkraft dieses Eisens, und der König Hess daraus eine Lanzen- 
spitze schmieden , die dem Gärtner übergeben wurde , um damit 
den Garten zu hüten. Einst wünschte sich der König persön- 
lich zu überzeugen , ob über seine Melonen gute Wacht gehalten 
würde und kroch verkleidet durch die Hecken in den Garten 
hinein. Der Gärtner aber, der ihn für einen Dieb hielt, .schlug 
ihn mit der I^inze auf den Bauch, so dass erstarb. 

Als die Edelleute am nächsten Morgen den König suchten, fan- 
den sie seine I^eiche in dem Garten , und von Burut tengvan den 
Zusammenhang hörend , versuchten sie , da Niemand von könig- 
licher Abkunft übrig war, das Augurium des Thron -Wagens, 
der auf die Wohnung des Gärtners zufuhr, der dann unter dem 
Titel Phni Chao Surijophon gekrönt wurde. Kne ganz ähnliche 
Erzählung von einem in einem Melonengarten getödteten Kö- 
nige findet sich in den birmanischen Gesetzen Manu's (von Ri- 
chanlson übersetzt). Die Nachkommen des Königs Surijophon 
regierten in Inthapat Xakhon bis zur Zeit des Phra Chao Borommar 



Die Chroniken Inthapatabiiri'8. 455 

niphanthaboth , und der wunderbare Speer existirt noch heute. 
Das von den Brahnianen in Udong bewahrte Schwert des Kö- 
nigs (Phra Khan) soll aus einem Eisen verfertigt sein, dessen 
Wunderkraft in derselben Weise durch Tödten einer Kuh ent- 
deckt wurde. 



Zeuß;uisse der Ncbeiiläuder. 

Die Kaiiihudier und mit ihnen ihre siamesidchen Schüler 
sind stolz darauf, dass ihre Namen schon von den heiligen Lippen 
Buddha*s ausgesprochen wurden: Yavana-munda uudKambodja- 
munda (kahlkö))fige Yavana und Kambodja) in gana mayura- 
vyansika, und sie würden wahrscheinlich auch sämmtliehe Er- 
wähnungen der Kambodjas in den Epen auf sich beziehen, wie 
alle die indochinesischen Nationen keine Abneigung haben, die 
vertriebenen Kschatryas Manuls bei sich aufzunehmen. Als zu 
Sudra's degradirte Kschatryas werden genannt die Paundrakas, 
Odras, Dravidas, Kambodjas, Yavanas, Sacas, Paradas, Pahlavas, 
Tschinas, Kiratas, Daratas und Khayas. Troyer lindet die letztem 
in den Casiri (Ab Attacoris gentes Phruri et Tochari et jam 
Indorum Casirij und Cesi des Plinius, und Wilford erklärt den 
Kaukasus als Khai^agiri oder Gebirge der Kliayas. Im Mudra- 
rakshasa fuhrt Tschaudraguptas im BUndniss mit dem Berg- 
könig (Parvate^'vara) ein Heer von Bergbewohnern, ^^akas, Ya- 
vanas, Kambojas und Persern gegen Pataliputra. In der Inschrift 
von Kapur-di-Giri rechnet der König die ciw Kabul loealisirteu) 
Kamboja zu seinen Besitzungen, undRaghu, nachdem er den 
»Sindh passirt hat, erobert das Land der Kamboj. Die Kafirs 
werden Kamoze oder Kamboja genannt (nach Elphinstone). Die 
Chinesen kennen seit den ersten Han das Land Kam-Kui , süd- 
östlich von dem Königreiche der Zwerge , wo in langen Nächten 
Perlen funkelten , und die Provinz Kham steht bei den Tibetern 
in besonderer Achtung, da dort ihre heiligen Bücher, von dem 



Zeugnisse der Nehenlander. 457 

Cfaubilghan des Teufels verfolgt, eine Zuflucht fanden. Die 
nomadisirenden Schafhirten der Kampas oder Khampa, die weit 
über das östliche Tibet verbreitet sind, geben sich zu Gaukeleien 
und Maskeraden her, aber in Sikkhim ist die königliche Familie 
vom Stamme der Kampa. In der chinesischen Geschichte der Tang 
wird Kam als die Bezeichnung der Kirgisen am Jenisei fUr Zauberer 
(Schamane) erwähnt. Im Dronaparva werden die Narayanas, 
als Kuhhirten, zusammen mit den Kambojas von Karna besiegt. 
Wie im Mahawanso wird in den birmaYiischen Chroniken Kam* 
bauza mit Arimandana(Arya-mandala'*) oder Aryavarta) zusammen 
genannt. Als Kam - boza - tein (argyra chora) sich noch nicht 
über seine Berge ausgedehnt hatte, gehörte dem Lande des öst- 

*) Meiiu umzieht da^ Keich der Ehrwürdigen in Indien als Arya.varta. 
Nach Strabo en«treckte sich Ariana «wischen Medien ,und Persien auf der einen 
und Bokhara auf der andern Seite. Denys de Sainos (cito par Ktienne de Hy- 
zanze) nomine les Kaspiroi avec leä UQitirot (Arienoi*) , qui sont les meines que 
les Arii , 4ont les demeures sont placöes par Pline aux dernieri» limitee occidün- 
tales de l'Inde , determinees par hi rivi6re de Kophenes , parmi le« quatre satra- 
pies orientales do la Perse (s. Troyer). Nach Nonnus werden gegen Bacchus 
die wilden Stämme der Xonthi und die schlachtfertigeu Arieni bewaffnet, sowie 
die Zaori, die Jori und die Kaspirier. Ptolemäus setist die Stadt Ariaka in 
Marj^iana (in die Nähe des Oxns) und die Landschaft Ariake in Indien. Tagara 
in Uifiaxf] (zwischen GU)davery und Kistna) war Hauptstadt de« Siropolemios 
{ßaaiktior Zioionoktaiovy Die Landschaft Aria (Haroiu bei den Persern) 
wurde (nach P^oiemäus) durch den Flusa Areias bewässert. Nach Herodot 
führten die Meder den Namen Arier. Plinius kennt einen seythischen Volks- 
Btaniiu Ariakao. Isidoms rechnet die Landschaft Anabon als zu Aria ge- 
hörig. Die Stadt 'Jkt^ayd{)(iu i) iy *AQioig wird in der Anlage dem 
Alexander M. zugeschrieben. Die Provinz Aria (im westlichen Chorasan) war 
(nach Arrian) vom Flnsse Anns benannt. Herodot lässt die Arier (in Aria) mit 
So^diem, Chorasmiem und Parthern eine Satrapie der Perser bilden. Hesy- 
chius nennt die Arier ein persisches Volk. Nach -Diodor wurde Zathrauptes 
durch Eingebungen eines guten Geistes der religiöse Qesetzgeber der Arianer 
(Arimaspi). Plintns setzt Ariana in die Nähe des Indus. Nach Mela grenzte 
Ariene südlich an Aria. Wie Wahl bemerkt , bezeichnet Eriene oder Iran die 
ebenen Länder,, im Gejrensatz zu den nördlichen Gebirgsketten vonTnran (Tau- 
ms). In der Nähe der Arimi (in Cilicien) fand sich die Lagerstätte des Typhon. 
Orpheus nennt im Argohaotenzuge das Volk der Arimasthae am mäotischen See. 
Die Arispae wohnten an derConäuenz desAkesinas und Uydaspes. DieAriaspae 
von Drangiana (in S(?ge8tan) wurden von Kyros, den sie auf einem Feldzuge durcU 



458 Kambodia. 

liehen Khom der Name (^'lampa oder DBchaniiWy der, immer 
weiter verdrängt, zuletzt nur auf einen schmalen KUstenstreifen 
beschränkt blieb , aber in den Niederungen Bengalens lange als 
künigliche Eesidenz glänzte. Von Shambala (Champala) oder 
Bdehbyung (der Ueimath des Glückes) stammte das Beligions- 
system der Kala-Chakra, das, im 10. Jahrhundert in Central- 
indien eingeführt, durch den gelehi-ten Puton mit Padma Carpo 
zur Geltung gebracht wurde. Nach Pallas blicke^ die Mongolen 
nach einen> von Enetkäk oder Indien verschiedenen Lande des 
Südens, in dessen seligen Gefilden sie ihre Wiedergeburt ersehnen. 
Bei Erwähnung der Kambodier und Javanas in den 
Sutras wird es als charakteristisches Zeichen der Ra^e an- 
geführt, dass unter ihnen keine Kasten bestünden, und so wird 
es auch im Volke von dein alten Khamen gesagt, dass eine 
Gleichheit in Geschlecht und Ursprung unter ihnen gewesen 
(Xat sakuhn saniö kan) , dass sie weder Hohe noch Niedrige 
(mai sung, mai tam) gekannt hätten. Sie waren unter zwei 



Lebensmittol untorstütst hatten, mit einem Ehrentitel belohnt, den die Griechen 
EviQ/trai äberdctzten. Nach Eratosthenes war Ariana eine atlgemehie Be- 
nennung für den Länderstrich , der südlich vom indischen Meer, östlich vom 
Indus, nördlich vom Paropamisos und den zn den kaspischen Pforten hinlaafendea 
Gebirfcen , westlich durch die Qebirgshöhen , die , von den kaspiachen Pforten 
südlich gehend, Medien, Parätakene und Persis und Parthien und Karmanien 
scheiden , begrenzt wird ; doch setzt Strabo hinzu , dass der Name Ariaaa auch 
auf Persien und Medien nebst Baktrien (das ApoUodorus die Zierde Ariana'z nannte) 
und 8ogdiana ausgedehnt werde. Die Arii (Araohoti, Ariaspae, Arabies, Aribes) 
bildeten eine Abtheilung der Ariani oder Iranier. Ana im weitem Umfange (mit 
dem Land der Gedrosi , Arachotae und Paropamisadae hinzugerechnet) bildete 
Ariana (s. Kannegiesser). AU Grund der weiten Ausdehnung des Namens Ariana 
giebt Strabo an, dass Medi^r, Perser, Baktrianer und Sogdianer mit geringer Ab- 
weichung dieselbe Sprache redeten. Der Sassanide Artaxerzes nennt sich den 
König der Arier und Anarier , ein Titel , den auch die armenische Geschichte 
mehrfach in den persischen Proclamationen erwähnt. Der geistliche Titel der 
Vollkommenen , als Aryah , wird im Tibetischen durch Feindebesieger erkl&rt. 
Nach Panini war die einfachere Form Ürja eigentlich der Beiname der dritten 
Kaste ( Yai^as) , die vriddhirte (verstärkte) Form ärja dagegen Bezeichnung der 
ersten Kaste (der Brahmanen) von der Wurzel arh , als der VcrehmngBwQrdigen 
(s. Benfey). Die Arya sind in die vier Megga eingetreten. 



Zeugnisse der Nebenländer. 459 

• 

Namen bekannt, die, obwohl in gewisser Beziehung im Gegen- 
satz , auf dasselbe hinauskommen , da sie auf Alle gleichmässig 
angewandt wurden. Tbeils bezeichnete man sie als die Khamen 
edler Abkunft (Khamen phudi im Siamesischen oder Khamen 
nak scheab im Kambodischen) , theils als abhängige Khamen 
(Khamen myang kUn im Siamesischen oder Khamen channok sok 
im Kambodischen). Alwis citirt (aus derMajjhima Nikaya) Gau- 
tama's Frage : Assalayana, what thinkest thou of this? Hast thou 
not heard, that in Yona and Kamboja and in other foreign coun- 
tries , - there are various Ayyas (superiors) and Dasas (inferiors), 
that superiors become inferiors and inferiors superiors? Die alte 
Ra^e der Khamen wird als verschwunden betrachtet, doch im 
Gegensatz zu den Nak nea (kleinem Volk) der Aussenposten, 
legen sich die jetzigen Khamen den Titel Khamen jai oder Kha- 
men tom (grosse Khamen) bei. Kam bezeichnet als Dorf die 
Ansässigen den Nomaden gegenüber. 

Die Angaben des chinesischen Gesandten, der 1295 p. df 
.Kambodia besuchte , sind noch so deutlich in den Üeberresten 
der von ihm beschriebenen Monumente zu erkennen , dass auch 
seine übrigen Mittheilungen allen Glauben verdienen werden. 
Ausser mit China stand Kambodia auch mit Java in inniger 
Verbindung und auf dieser Insel waren den in Ardi Kasuma's 
Gefolge nach Mendang Kamulon gekommenen Steinhauern und 
Erzgiessem (663 p.d.) neue Colonieen von Künstlern und Hand- 
werkern durch Ami Luhur (896 p. d.) hinzugefügt. Wie die 
Ruinen in der Provinz Battabong zeigen , scheinen die Könige 
Kambodia*s bis in ziemlich späte Zeit fortgefahren zu haben , in 
Stein zu bauen, aber die mit der Schnitzperiode Boribun's gleich- 
zeitigen Sculpturen tragen nicht den Stempel der Vollendung, 
der in den älteren Werken an die aus dem Norden gekommefien 
Architekten*) Mahabalibura*s erinnert, die nach der Ausführung 



*) Nach Strabo hat Homer seine Cyklopen von den (durch Aristeas be- 
sungenen) Ariinaspen entlehnt , die Uerodot als einäugig erklart. Ihrer Kunst- 
fertigkeit wurde die Erbauung argivischer Mauern, wie der Ringmauer von 
Mykene, zugeschrieben, und Grotefend hält sie für indische Verehrer 8iva's, 
dessen Sohnitzbild noch von Pausanias auf der argivischen Burg , als Larissa, 



460 Kambodia. 

der begouuenen Arbeit versehwanden und vielleicht aus Taxa- 
^ila*), der Stadt der Steinmetzen, stammten. \je pays**) Tak- . 
8chaähila, de la roehe du serpent ou de Tartiste, ce pays qui est 
le Taxila de^ Grees, a re^u son nom d'un serpent Takschaka***) 
et d'uue raf;ede pontifeschthonienn, qui y instita^rent le sacrifice 
(F]okhau8). ApoUonius, bei seinem Besuche des Philosophen- 
KOnigrs, der Weisheit ttber KOnigswUrde setzte, sab in dem 
Tempel Taxila*s die Schlachten zwischen Porus und Alexander 
dargestellt. Namen griechischer Architekten, wie Xenagoras, 
sind auf den Inschriften der dekkhanischen Felsentempel gelesen. 
Aus griechischem Einfluss auf die indische Baukunst bestimmt 
Cunningham die arische Säulenstellung der kaschmirischen 
Tempel. Die Peutinger'schen Tafeln zeigen ein templum AugnsH 
in der Nähe von Muziris an der Malabarkilste. Die Fernwirkung 
der westlichen Astronomie wiederholt sich in dem Namen Hora 
für die kr»niglicheu Astrologen. Die Horai standen den vier 
Jahreszeiten vor, weshalb sie von Homer die Thttrwächter des 
Himmels genannt werden und so zur Verfertigung der Ralendec 
geschickt waren. 

Eine religiöse Legende schreibt die kambodischen Monu- 
mente dem Dhamiaghosa zu, der auf seiner Reise von Malabar 
an der Küste gelandet, und Ceylon kennt Kaiinga t) als das 
heilige Land, von wo es die geweihte Reliquie des Zahns empfing. 

gesehen sei. Nach Ovid wurden die Cyklopen oder Kekropen aaf der Insel 
Pitti'kasa in s:ei<chwftnzte Affen verwandelt. 

*) Biii'trian wriling or YaTanani-lipi iiinj«t have been freely current atTaiite 
(». Thomas). Die für Pnli gehaltonen Inschriften in Ka>*hkar werden Yanani 
{iTiMiannt und den Griechen zugeschrieben. 

V **) Les colonies commercinles de cette region de Taxila ftirent de toute 
antiquite en rapport avec les cites de rOuttara-Konrn oo de la S^rique, oü noiu 
rencontronä un sacerdoce de roeme natnre. 

***) Kd depit de sc$ fonction*« primitifement sacrees, le Taksba (Trashtar <ni 
Tn9chtnr> on Takshnka nppartient h la religion originelle dn dragoa ; les volcan» 
Inl constifupnt ime forjre. il e<t le wrriteor de ce triple seipent, qai enrahit le 
ciel et In terre et enveloppe Tatmosph^re. 

t) lu den buddhl8ti:4chen Kfichtrm spielen die »päteni Köaige Kalinga'a als 
abtrünnige Fürsten y die für ihren Verrath des wahren Glaabena bettraft werden. 



ZeagnisBe der Nebenländer. 461 

Der Einfluss, den Java auf das Festland ausgeübt hat, ist ver- 
schieden von dem religiösen Ceylon's, mehr politischer Natur, 
und hat besonders die profane Literatur bereichert durch die 
Uebersetzung des Epos Inao und verschiedener Dramen. In der 
siamesischen Hofsprache heisst eine Glasse Worte Kham Xava 
(javanische Worte) und zeigt deutlich ihren Ursprung, wie auch 
das vemaculare Alphabet der Siamesen sich näher an das Sanscrit 
derKaviin-Form, als andasPali anschliesst. InKarobodia tragen 
die Vomehmen, als Zeichen ihres adligen Ranges, hohe Strohhüte, 
die, von Kaiapa eingeführt, in Siam nur bei Volksbelustigungen 
benutzt werden, die ich aber in Java häufig unter den Eingebornen 
bemerkte, in den Bildern des Palastes zu Java glaubte Mande- 
vilie die Abenteuer des dänischen Kitters Ogier zu sehen , und 
die von Ribadeneyra gehörte Sage nennt als Erbauer der kam- 
bodischen Tempel denselben Alexander den Grossen, dessen 
Nachkömmling, von den Malayen am Flusse Maladjou in Me- 
nangkabo zum Könige erwählt, unter dem Titel Tri BawanallGO 
p. d. Singapura gründete. Die Malayen sind ebenso adelsstoU^ 
wie die tahitischen Häuptlinge, deren Ausdauer und Erbitterung; 
wenn sie über den Vorrang ihres Geschlechts disputiren, vor dem 
nordischen Wettstreit zwischen Ottar und Agantyr nicht zurück- 
steht. 

VonKhmr verkürzt sichKhamen zu Khom (Kam oder Gama). 
In der Van^a brahmana desSamaveda ein vedischerRischicKam- 
boja Aupamanyava) ist genannt nach dem Volke der Kamboja, 
dem auch der persische Kambyses (Kabujiya) seinen Namen ver« 
dankt (s. Weber). Gleichfalls in Kashkar (wohin das ursprüngliche 
Eriene verlegt wird) wohnten die Ketumalas , die (nach Wilford) 
sich durch die Schönheit ihrer Frauen auszeichneten. Aus der 



WeU König Dandaki auf den Einsiedler Kisawacha gespuckt hatte , wurde das 
Land Kaiinga durch einen Regen schneidender Waffen zerstört , und unter König 
Nalikcra , der die ihn zur Busse ermahnenden ßrahmanen aus Spott mit Koth- 
gericbten tractirte, begrub ein tiefer Sandregen das ganze Land Kaiinga. Im 
Dordsche tscliodpa spricht Tschomdande von seinem Martjrrerthnm unter einem 
Könige von Kaiingka. 



462 Kambodia. 

Bemerkung Yaska's (in der Nirukta) folgert Roth, dass anter den, 
den Arya gegenübergestellten Kanibojas die Sanseritgrammatik 
Btudirt wurde, was den Dialekt des Pali bezeichnen mag, in dem 
noch jetzt in Hinterindien die NongsU Khom (die kambodischen 
liUcher) verfasst sind. Die ISiamesen bedieneb sich des Puli, 
welches die Peguaner in ihrem Khom (oder »Sprache der Khomehts) 
Maccatapasa nennen , sagt Kaenipfer. Im Mahabharata erobert 
Pakasasani die Danvdas mit den Kanibojas und den Dasyus , die 
in den nordöstlichen Gegenden wohnen, sowie auch die Be- 
wohner der Wälder mit den Lohas, den Paramakanibojas und 
den nördlichen Kishikas. Femer heisst es dort (nach Huir): 
Saineya (Krishna's eharioteer) made the beautiful carth a mass 
of mud with the flesh and blood of thousand Kambojas, Sakas, 
Savaras(, Kiratas, Varvaras. The earth was covered with the 
helmets and shayen or bearded heads of the Dasyas as with 
birds bereft of their wiugs. In der Inschrift von Gimar heisst 
Antiochus ein YonaKaja, wie Milinda in der Milindapprasna, 
und der Mahawanso spricht von Alasadda oder Alasanda (mit 
Alessandria identificirt) als der Hauptstadt des Jona -Landes. 
Die indischen Astronofuen erkennen die Verdienste der 
(iriechcn (Javanfis) an. Javana oder Janigyara, Jona, Javana- 
charja ist eine ihrer Hauptautoritäten, und \Vhish erkennt wohl 
mit Hecht in dem Souuendiener, der als Komaka bezeichnet und 
Maja genannt wird, einen Magier (s. Benfey). Die von Bhatta 
IJpala (der mit Indien das Land der Bhadraswas, der Kurus und 
Ketumala zusammenstellt) erwähnte Yavana-pura (neben dem 
Lande llomaka) wird von Kern für Alexandria gehalten. Auf 
der au Javan geknüpften Völkertafel findet sich Tharshish oder 
Tartessos, auf dessen Schiffen tropische Producte verführt wurden. 
Der König, in dessen Lande derlltigel der von Apollonius besuchten 
Sophoi lag, war von den Egyptern gegen die Griechen eingenom- 
men, aber der EinflusSvder letztem zeigte sich neben dem (nach 
Damascenus) griechisch geschriebenen Brief des Königs Porus 
(20a.d.) in der von Aelian erwähnten Uebersetzung der Gedichte 
Homer^s. Der Königstitcl Phraortc« bei Parthern und indischen 
Scythen trennt den egyptischen Pharao vom brahmaniseheu Phra, 



Zeugnisse der Nebenländer. 463 

und der semitische Abu-Ram, der Erfinder der Sternkunde 
nach Eupolemos, mit Brahma's Energie Sarasväti oder Sarai (Sarah) 
vermählt y ist sowohl mit dem Rama des Suryarnn^a, wie mit 
dem bieroglyphisehen Sonnengott zusammengestellt worden. 

Nach B^mu6at ist Tonquin , nach Stanislas Julien ist Siaro 
und nach Louis ist Kambodia mit dem Namen Funan (Phu-nam) 
gemeint. In älterer Zeit war Kambodia von Funan abhängig, 
bemerkt R^musat, und bei der Revolution, die Cochinchina und 
die benachbarten Staaten von China trennte, wurden dort indische 
Sitten und die Schrift der Brahmanen eingeführt. Als in Funan, 
einer westlich von Siam gelegenen Insel, die mit Tientso im Ver- 
kehr steht, die Königin Ye - Heu herrschte, langte dort zur See 
ein Ausländer, Hoen-Hoei genannt, an, der, nachdem erdasl^nd 
erobert hatte, Gesandte nach China schickte (227 p. d.). Unter 
seinen Nachfolgern liess Fantschen seinen Verwandten Sou - we 
eine Reise nach dem Flusse von Thientschou (Indien) unter- 
nehmen (243) und die Erwiederung des Königs Meou - lun traf 
mit chinesischen Beamten zusammen. Gesandte wurden durch 
Telipomo geschickt (434), sowie durch Kia tschin jU tu ye pomo 
(503). In den Dichtungen dringen unter Augustus die römischen 
Legionen bis zur Besiegung der Gangariden an die Meeresküste 
vor, und Virgil besingt, noch weiter greifend, die Weltherrschaft 
des ewigen Rom. 

Nach Wade, der für Bowring's Werk die chinesischen Auto- 
ritäten consultirt hat, findet sich Siam zuerst in den Chroniken 
der östlichen Tsin-Dynastie erwähnt (303 — 416), als ein Fu-nam 
oder Funan genanntes Land. Nach den Chroniken der Lin 
(584-622) heisst es auch Chiktu (Chihtu oder Chikdu) oder 
Rothe Erde, und nach dem Tien-Hia Kuin Kwoh Liping Shuh 
fuhrt es zugleich den Namen Polosha. Der unter den Tang 
(620 — 900) als Chikdu genannte Staat wurde in 1jO-(o und Sien 
(Tsim) getheilt, bis der letztere hinlängliche Macht gewann, um 
den andern zu absorbiren, und das vereinigte Reich hiess dann 
Sienlofo. The chronicles of theMing speak of the country by its 
present Chinese name Sien Lo or Tsien Lo (Tsim Id). Les 
Kambodjiens sont nomm<^s par les Chinois au XIII. siecle Khan 



464 KamiMdüi. 

pbou toche et psir lem ('hiimis aoruels TuDg pu Tschai, par les 
Anuaniites Kaoiuen et par eux iiiL'iiie> Kammer ii^, Janeignv). 

Im 'i. Jahrhunilert war CtLmhitze «Ohoii lap oder riiiem lap) 
in z\v(;i Theile «retheilt, indem die Orang Ijiut von Cham lap 
(Hler(ria tlinh an der KUiste wohnten, die <Jranjs:6unung inC*hieui 
lap nach Xurden im Innern. Mnrini er/ählt die Mythe von Sau 
Tiiih in den Ik^rg^'n, und Tai Tinh am Meere, die über die letzte 
Prinzessin (My (.'iu> aus dem Oeschleeht lli Vuong in Streit ge- 
riethen, von Tonquin, wo Au Co. die Schwiegertochter Kinh 
douon^*s f Netten des Kaiser» Thau-nou). die eigeboreuen STihne 
zur Welt brachte. Seit 606 p. d. wurden beide Theile unter 
dem allgemeinen Namen Camboze oder Chiemlap vereinigt. 
On triuive en recherehant Tetymologie du motBa-ria, que ce 
pays, qui s'est appele C'o-Iue et f*han-lnp. a pu faire partie. 
eomme le pretend le livre Tan-duong, du royaume de Ba-loi, qui 
s'etendait au sudest dcpuis le ]Kirt de GiaoH*hi jusqii' k Xich* 
tbo (Terre-Kouge). Ce royaume etait eonsiderable: il eomprenait 
une grande Lle sur laquelle il y avait beaueoup de chevaux, et 
qu* a eause de cela on appelait Ma-le. La eoutume du peuple 
qui rhabitait etait percer les oreilles et {Kirter des ehaines en or 
autour du cou ou des scins et de se draper une epaule an Heu de 
p(»rtcr un habit. Dans le sud est le royaume deTu-nai.qui 
apres la niort de remjtereur de diine Vinh-hui fut r^uni au Chan 
lap. L'n autrc livre, le (*hau-van. change le caractere loi 
en ria, ee qui teudrait ä prouver, que ee Baloi n^est autre ehose, 
que lia-ria, lieisst es (bei Aubaret) im Trang-boi-due's Gia dinh 
tliung chi (pays de üia dinh ou la hasse Coehinehine). Die sans- 
eritisehen Kamboja sind für ihre Pferde berllhmt. 

In dem Briefe eines eingeboi-enen Kambodiers, der aus dem 
Courri er de Saigon in derUevue maritime et coloniale abgedruckt 
ist, wird gesagt: Nous nous appelons Kmer eomrae notre pays. 
LcsSiamois nous connaisseut sous le noni deKammen, les Anna- 
mites sous celui de Kaonien , les Chinois nons d^signent par le 
noni de Tang-po-cba , entin les Malais par celui de Cambodia; 
c'est ce dernier noin qui a prevalu en Kuro|)e, puisque vous nous 
appclez Canibogieus ou Cauibodgieus. 



Zea^iase der Nebenlander. 465 

Nach den Chinesen wurde die erste Gesandtschaft Kambo- 
dia's, das, früher zu der Provinz Honan (Founan) gehörig, sich 
bei dem Falle der Han unabhängig gemacht hatte, durch indischen 
Einfluss veranlasst (616 — 617 p. d.) unter dem mit dem Reiche 
Thsampan im Nordwest und Kuking verbündeten König Jishona- 
sian-ai, Sohn des Ki to she na (KittasenaoderKitrascna), des Er- 
oberers Siam's, der mit Linje und Thojonam Kriege führte, dagegen 
mit Thsampan und Tchukiang (im Westen von Tchhe-kiu) 
freundschaftliche Beziehungen unterhielt. Zur Zeit der Thang 
wurde mit Piao und Thsampan gehandelt, dagegen mitHoan und 
Kan-tho-youan Kriege geführt. Als die Siamesen 627 einen 
Empörungsversuch machten, wurden sie durch König Shalijikirna 
von Kambodia aufs Neue unterworfen. Nach der Theilung des 
Reiches 707 in ein nördliches Küstenland und ein Binnenland 
im Süden , bot der Vicekönig des ersteren , Pho-mi mit Namen, 
freiwillig dem des letzteren , Titsung genannt, Tribut an (779), 
und wurde das ganze Reich wieder vereinigt 780, unter Ertheilung 
des Titels als Palastherr (Uparat). Nachdem 1128 ein chinesischer 
Resident (Kiji) am kambodischen Hofe eingesetzt war, schickte 
1220 ein einheimischer Herrscher, der den Thron bestiegen hatte, 
Gesandte nach China. Der Name Kimiei, den Tchinla zuweilen 
unter den Thang führt, wird mit den Kemoi zusammenhängen. Ho- 
eitsong, König von Kambodia, schicktc{l 1 1 6) Gesandte nach (.1iina. 

Tchinla est situö au sud-est de Lin-ye. A Toucst de Tchhe- 
kiu est le pays deTschukiang(le fleuve rouge), le nom de famille 
du roi est Tchha-li*), son nom propre est Tchi-to-sse-na. l)t>8 

*) Lfn» rois de Finde sont de la famille i\on Ki-li-tclii. qii'on appelle aiissi 

Tßn-li (Kchatrya!«), sa^t (bei Julien) Matouanlin. Cheli ist Kianj; Ilniig (Zodina- 

lirara). In der Sprache der Loktai ist Tcheli der Name von Moang (Myung) Lnh 

(einer Jener Laojstädte , ans denen die Krobererkönige nach Süden kamen) in 

Papetatian, wo (nach Morrison) die beschwänzten Paphaiyao oder Yaodschung 

für ein malayisches Volk gehalten werden , wahrend nach Matouanlin die ihnen 

identischen Tanghiang sich von den Affen (deren tapferer Hanuman die Krieger 

schQtxt) herleiten. Die Indier gehen vielfach ihren Königen , wie die Griechen 

den Heroen einen himmlischen Vater, nnd indem die Söhne der Götter die Tochter 

der Menschen beschliefen, wurden Riesen gcbon^n, die al-« Anak über die andern 

firdenbewohner herrschten. 

3«tii»ii. OtUtien. I. 30 



466 Rambodin. 

Ic teiiips de son aieul, le pays rtait dcvenu puissant, et Ti*lii-t«»- 
sse-iia souniit tont le F<ni-nan a son autorite. A sa niort, suii fils 
Yi-che-na-sian-tai suceeda. II deiiieure daus ime ville nommee 
Yi-elie-na. Tons les trois jours le roi se rend h la salle d'aiidi- 
enee et s'assied siir un lit orne de oinq especes d^aroniates et de 
sept sortes de pierres prreieuses. Le pavillon ressemble ii un 
petit palais siispendii, tont eclatant d'or. Chaque fois qiie le n»i 
se niontre en public*, il se eouvre les relns d'une sorte de ceiu- 
ture de toile de eoton, qui tonihe au dessous des reins jusqu'aux 
janilies et il ]>ortc sur sa tr*te uue tiare enrichie de i>erles et de 
pierres pm-ieuses. II a ji ses oreilles des pendaus d'or. II est 
toujours habilh* de blaue. Sa cbaussure est ornee d'ivoire. 
Quund les ofHciers paraissent devant le roi, ils touehcnt trois fois 
la terre du front au bas des niarebes de son trone. Devant la 
porte de la salle oü est le trone, il y a niille gardcs revetus de 
euirasses, et annes de lanecs. Bei Lciehenbe^ängnissen wurde 
lan<;e getrauert und setzten die Kinder für sieben Festtage 
die Todtenkliigc fort. La parente s'assemble avec les pretres 
de Fo, les pretresses et les religieux de Tao et reeonduisent 
le niort en ehantant et en jouant des instrunients de niusique. 
<)n brfile le corps sur un bfieher fait de toutes sortes des bois 
aromatiques , et on eonserve les eendres dans une ume d'or et 
d'argcnt. Quand Turne est reniplie, on la porte au milicu d*une 
grandc rivierc. Bei Annen waren die Urnen aus Ziegelerde. 
En approehant de la eapitale , on trouvc une niontagne nonimee 
Ling-kio-po-plio (Linelii). II y a sur Ip soniniet un teniple, qui 
est toujours garde jKir 5()()() honnnes de troupes. A Test de la 
ville est un autrc teuiple de Tesprit nomine Pho-to-li, auquel 
on saeritire des boninies. Gliaque ann^e le roi va dans ee teinple 
faire lui-menie un saerifice humain, pendant la nuit. La trci- 
zienic annee Tai-nieY (617), les gens de ce pays, cnvoyßrent un 
tribut et des anibassadeurs. Wiedurebdie bicr und anderswo cr- 
wäbnten Mcnscbenopfer für die Städte suchte man sieh auch gerne 
für die Wobnungen scbützende Proteetoren zu vei*schafren, und von 
einigen (liegenden wird er/ilblt, dass man selbst als GUste auf- 
genommene Fremde für solchen Zweck tödtete. Doch blieb auch 



Zeugnisse der KebenlSndor. 46? 

die Gefahr, dass die zur Vcrtlieidigun^ Geopferten sicli in feind- 
lichen Spuk verwandelten , wie das im Fundament von Detinez 
(der Kindesstadt) eingemauerte Kind die Gegend durch seine 
Plagen verheerte, bis nach Kji's Untergange der neue Garten 
(Nowgorod) erbaut wurde. 

Das bei den Chinesen Tchinla genannte Kanibodia führte 
den Namen Kan pou tchi, unter welchem es auch in den heiligen 
Blichern Tibet'» erwähnt wird. Die Tchanan gchcissene Provinz 
leitete (13. Jahrhundert) zu der Stadt Kan-pau-tsin. Kambodia 
hiess auch Nakhon oder mit verstellten Buchstaben Angcor, das 
Königreich xr/t' i^oxtjv, und von seinen vier Provinzen warKorat 
(Nakorrieh) die königliche. Als die kambodischen Könige sich in 
die waldigen Ktlstengegenden zurückzogen und auf der Stelle des 
durch Ueberreste noch angedeuteten Thinae, das (wie Sera von 
Ptolemäos) von Arrian als Hauptstadt Sinae's*) genannt wird, ihre 
Residenz Saigon gründeten, wurde ihr Königreich Tschan l.ip 
(wahre Majestät) genannt und als sie (nach vielen Kriegen niitden 
Siamesen) durch die über die Siem siegreichen Annamiten aus- 
getrieben wurden , empfingen sie den Namen Khaomen (Khora). 
Nach ihrer Besitznahme Saigons fanden die Cochinchinesen 
beim Aufgraben des Fundamentes der 8iel>en Pagoden, die einst 
zu Caimai standen , einen goldenen Buddha von alterthümlicher 
Arbeit, auf einem Elephanten sitzend. Auf diesem künstlichen 
l'eocallihügel war an dem Platz des königlichen Palastes der 
heilige Baum gepflanzt. In der Geschichte Ayuthia's findet sieh 
Sienlo als der chinesische Name Si.im's und (^honlap als Kam- 
bodia's erwähnt (14. Jahrhundert). Es ist Römusafs Verdienst, 
zuerst die chinesischen Nachrichten über Kambodia hervorge- 
zogen zu haben. Nach Marco Polo wurde das wilde Königreich 
von Lochac nur wenig besucht und bei Gaspar de Cruz heisst 
Kambodia (I^vek) Loech. Im Mittelalter bezeichnet die siame- 
sische Geschichte den König von Kambodia als Phaya Lavek. 
Der Name Loi für die in den Bergen an der Mündung des 

•) An die Beschreibung der leuchtenden Waldt^r Serica'« wurde ich oft er- 
innert hei nächtlicher Ik)otfahrt in Siain , wc»uii «lie Fcueriliegen im rhythmischen 
Tacte ihre Lichtconcerte spielten. 

30* 



468 Kambodia. 

Mekliong wohnenden Wilden, wird wie Hoi, von den Cochin- 
cbinesen auch verächtlich auf die Dschani übeiiragen. 

Nach dem Tung van ki (Bericht von dein östlichen Ocean) 
bildeten in alten Zeiten T^im undlx> zwei Königreiche, die später 
unter dem Namen Tsim-lo (Siam) vereinigt wurden. Fuh ist 
vorwiegend der Gegenstand der Verehrung. Die Gewänder des 
Königs waren mit den Bildern Fuh's bemalt, und ass derselbe nur 
aus goldenen Geßissen vergoldete Speisen , hatte also einen bes- 
seren Magen, als Midas, der zu verhungern fürchtete. Kambodia 
heisst Tung pochai bei den Chinesen. 

Entre 713—741 le pays deTchin-la fut partagö en deux 
(^tats, le Tchin-la d'eau et cclui de terre. I^e roi de Tchin-la de 
terre ^tant mort, son parent vint a la cour. Nach Anderen fand 
die Theilung im Jahre 707 statt. Der König des stldlichen 
Küstenlandes, das mit Seen und Sümpfen gefüllt war, residirte 
in der Stadt Pholo-ti-pa (Phra-Theva-mahanakhon). Das nörd- 
liche Gebirgsland hiess auch Wen -tan (Viengchan) oder Pho- 
leou. Le roi a le titrc de tsiei - khiu. Während der Ilegierung 
Soutsoung's kam Phomi, der Vicekönig des Binnenlandes, an den 
Hof (779). On ac^corda ji cc Pho - mi le grade de seeond Presi- 
dent, inspecteur du palais, et on lui donna de plus le surnoni de 
IMn-han, hote de l'empire. Entre 806 et 820 Ics habitans du 
Tchin - la d'eau envoycrent payer le tribut (unt^r Hiantsoung). 
Unter lloeitsoung (1116) wurde durch die Bewohner Tchinla's 
Tribut geschickt. Le pays deTchin-la est aussi nomme Tchan-la. 
II y a une tour de cuivre avec 24tourelles pareillement en cuivre 
et 8 figures d'^lephant de mcmemötal, plac(l'S comme pour garder 
les tours. Andere Tributsendungen kamen 1120, 1128 und 1200. 

Dans les anm^s Khing-youan des Soung le roi de Tchin-la 
subjugua la Cochinchine et la röunit a ses etats, et ü c^use de 
cet cvcnement le nom du pays fut change en Tchan-la (Tchan- 
tching ou C(»chinchinc). Sous les Youan, Tancien nom de 
Tchin-la ((,)iem oder Dsiampa) fut rctabli. lütter bemerkt, dass 
der Gebrauch, Hinterindien mit dem Namen Tschin oder China 
(im Gegensatz zu Mahachin oder Grosschina) zu belegen, bis auf 
Ptolcmäus zurückgeht, der die Hnll)insel und den Golf Tonquin's 



Zeugnisse der Nebenländer. 469 

mit den Sinae bevölkert. Zu Polo's und Conti'» Zeit hie88 
Birma Ma<;in. 

Unt^r den Ming scliickte (1371) Hou-eul-na, der König von 
Tchin-la, eine Goßandtschaft , nachdem schon im vorigen Jahre 
eine solche gekommen war. L'annc^e suivante , le premier jour 
de l'an, on fit prösent au roi du calendrier imperial et de piöces 
d'6tx)ffe de difförentes couleurB. Suivant l'histoire du monde, les 
habitans, hommcB et femmes, nouent leurs cheveux et portent 
des pendans d'oreilies. Le Traitö sur les barbares des lies dit, 
que dans le Tchin-la il y a une ville de 70 li de tour. Le palais 
contient trente apparteuiens, la plupart de magniiicence. Le roi 
et les grands ijortent sur la tcte des ornemens d'or enrichis de 
pierreries et souvent de Üeurs. II y a un proverbe, qui dit: 
„Riebe comme le Tchin - la. " Die Figuren auf den Sculpturen 
zeigen IJeberladung an jeder Art Schmuck, besonders bei den 
schon erwähnten Frauengestalten der vom Himmel gestiegenen 
Thephakanja. Einige derselben erscheinen in tanzender Stellung. 
Die Bajaderen, bemerkt Perrin, nehmen den stolzen Titel Deva- 
dassi und Devalliales (Dienerinnen der Gottheit oder göttlichen 
Personen) an. Bei einigen Höfen h<aben die Priester, Kourou, 
und die Devadassi allein das Recht, sieh dem