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Full text of "Die Gestüte des In- und Auslandes : Eine Beschreibung der bekanntesten Pferdezuchtanstalten (der Haupt-, Land- und Privatgestüte) nebst Angabe ihrer Ziele und Erfolge für Thierärzte, Pferdezüchter, Landwirthe und Freunde des Sports"



DIE GESTÜTE DES 
IN-toAUSLANÜES 



VON 



CARL BRAUER 



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Die Gestüte 

des In- und Auslandes. 



Eine Beschreibung der bekanntesten 

Pferdezuchtanstalten 

(der Haupt-, Land- und Privatgestüte) 

nebst Angabe ihrer Ziele und Erfolge. 



Für 

Thierärzte, Pferdezüchter, Landwirthe und Freunde des Sports. 

Nach den zuverlässigsten Quellen 
und auf Grund direkt eingezogener Erkundigungen bearbeitet von 

CARL Bräuer, 

K. S. Kommissionsrath, vorm. Kgl. Bezirkstliierarzt. 



Mit vielen Abbildungen von Gestüts - Brandzeichen. 



DRESDEN 1901. 

G. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung. 



Alle Rechte behält sich die yerlaofshandluns vor. 



Vorwort. 



Uas vorliegende Werk ist die Frucht einer vieljährigen, mit Liebe 
"und Ausdauer o-etriebenen Beschäftigung; es verfolgt den Zweck, den- 
jenigen, die sich für Einrichtung und Betrieb von Gestüten interessiren, 
in übersichtlicher Form alles zu bieten, was darüber z. Z. bekannt ist. 
Der Verfasser hat sich nicht damit begnügt, nur das in Büchern und 
Zeitschriften zerstreute Material zu sammeln und zu verarbeiten, er hat 
auch durch ausgeschickte Fragebogen direkte Erkundigungen einzuziehen 
versucht und ausserdem sich bemüht, die Eindrücke, die er aus persön- 
licher Anschauung und Beobachtung auf seinen mannigfachen Reisen 
gewonnen hat, mit einzufiechten. Wenn trotz der aufgewendeten Sorg- 
falt das Buch nicht ohne Lücken und Fehler geblieben ist, so ist dies 
angesichts der Schwierigkeit mit der das erstmalige Zustandebringen 
einer derartigen Arbeit verbunden zu sein pflegt, begreiflich; man wolle 
aber Mittheilungen betreffs etwaiger Irrthümer gütigst an den Verfasser 
gelangen lassen, behufs Benutzung für einen beabsichtigten Nachtrag. 

Einzelne Länder, wie z. B. Belgien und Holland, haben über- 
gangen werden müssen, weil in diesen Staaten weder Staats- noch 
grössere Privatgestüte bestehen und die Pferdezucht dort unter Beob- 
achtung gesetzlicher Bestimmungen nur in den Händen der kleineren 
Grundbesitzer ruht. 

Die mit grossem Fleiss bearbeiteten Sach- und Namenregister 
werden den Werth und die Brauchbarkeit des Werkes namentlich als 
Nachschlagebuch wesentlich erhöhen. 

Schliesslich sei allen Gestütsanstalten und Thierärzten, die den 
Verfasser durch reiche Materiallieferung freundlichst unterstützten, be- 
sonders aber auch Herrn k, k. Bezirksthierarzt Alois Koch in Baden 
bei Wien, der die Güte hatte, die s. Zt. nach Ungarn ausgeschickten 
Fragebogen in die dortige Landessprache zu übersetzen, auf diesem 
Wege herzlichst gedankt. 

Annaberg in Sachsen 

im Ausfust 1901. -^ s »^ ■■ 

Carl Brauer. 



IV 



Inhaltsverzeichniss. 



Seite 

Vorwort . . . III 

Verzeichniss der benutzten Litteratur VI 

DruckfeUer-Berichti^uno'en VIII 



Königreich Preussen: 

Provinz Brandenburg .... 1 

^ Pcmmern 7 

. Schlesien 10 

, Sachsen 19 

Westfalen 25 

Rheinprovinz 26 

, Ostpreussen . 30 

Westpreussen 78 

^ Posen 79 

Hessen - Nassau 83 

, Schleswig -Holstein 86 

, Hannover 87 

Königreich Sachsen 93 

Grossherzogthum Sachsen- Weimar 98 

Herzogthum Sachsen- Meiningen 99 

Sachsen -Coburg -Gotha lOO 

Anhalt 101 

„ Braunschweig 102 

Fürstenthum Lippe 105 

Grossherzogthum Mecklenburg -Schwerin 108 

, Mecklenburg -Strelitz .121 

Königreich Bayern 126 

Württemberg ; . 136 

Grossherzogthum Baden 140 

Hessen 141 

Elsass- Lothringen 143 

Kaiserthum Oesterreich : 

Niederösterreich 144 

Oberösterreich 148 

Steiermark 150 

Kärnthen 154 

Krain. Küstenland 157 

Böhmen 159 

Mähren 173 

Oesterr. - Schlesien 180 

Galizien 182 

Bukowina 226 



Inlialtsvcrzeichniss. V 

Seite 

Königreich Ungarn 235 

Siebenbürgen 299 

Ki-oatien und Slavonien 325 

Königreich Italien 329 

Republik Frankreich 333 

Grossbritannisches Reich . 341 

Königreich Dänemark ........ 350 

„ Schweden und Norwegen 35I 

Kaiserthum Russland 354 

Königreich Rumänien 373 

Afrika -Aegypten . . 374 

Afrika -Berberei 375 

Amerika. Vereinigte Staaten 376 



Register A: Alphabetisches Namen -Verzeichniss der Gestütsinhaber .... 377 

, fr: , Verzeichniss der Gestütsorte . 383 

, C: ^ Verzeichniss der in diesem Buche erwähnten 

Zuchtthiere (Beschäler, Deckhengste, Mutterstuten etc.) . . 388 
„ Da: Alphabetisches Verzeichniss der Gestüte, welche zu Gebrauchs- 
zwecken züchten 400 

b: welche Farbenschläge züchten 400 



VI 



Verzeichniss der benutzten Literatur. 



Adam, Theod., Wochenschrift f. Thierlieilkunde u. Viehzucht. Augsburg. Notizen 
über die k. k. Gestüte: Babolna, Kisber in Ungarn und Kladrub 
i. Böhmen. 

Bossert, Zeitschrift f. Pferdekunde u. Pferdezucht. Erlangen 1896. 1897. 1898. 1899. 

Brückner, Geschichte des k. ungarischen Staatsgestüts Kisber. Wien 1844. 

Brey, Das Gestüt Särvar in Ungarn. München 1897. 

Bruckmüller, Versuch über die histor. Entstehung u. Verbreitung der Pferde- 
rassen. Vierteljahrschr. v. Müller u. Roll. Band 15. Wien 1860. 

Bräu er, Sammlung von Gestütsbrandzeichen etc. Dresden 1877. 

Dünckelberg, Die Zuchtwahl des Pferdes (Englisch - arab. Vollblut). Braun- 
schweig 1898. 

V. Drathen, Das schwere Arbeitspferd in England und Schottland. Bericht einer 
Studienreise. Berlin 1898. 

Egan, Das ungarische Pferd, seine Zucht u. Leistung. Berlin. 

Frey tag, Die Hausthierrassen. (1. Band: Pferderassen.) Halle 1874. 
— , Russlands Pferde-Rassen. Halle 1881. 

Gassebner, Die Pferdezucht in der österr.-ungar. Monarchie. Wien 1894. 

Graf u. Müller, Bericht über eine Bereisung der vorzüglichsten ungarischen 
Gestüte und Schäfereien 1848. Wien 1849. 

Hahn, Vier Wochen in Mezöhegyes, Mittheilung über das k. ungarische Staats- 
gestüt. Stuttgart 1873. 

P. A. H., Reiseerinnerung. P]in Besuch in Trakehnen. Stuttgart 1885. 

Johne, Geschichte der sächsischen Pferdezucht auf aktenmässigen Grundlagen 
unter Mitwirkung von Oberstlieutenant Schlaberg. Leipzig 1888. 

Jacoby, Die französischen und belgischen Pferderassen. Erfurt 1892. 

Koch, Encyclopädie der ges. Thierheilkunde u. Thierzucht, Bände 1—11. (Grass- 
mann, Freytag). Wien 1894. 

Moerder, v.. Die Organisation der Gestüte Russlands. Adam's Wochenschrift. 
Augsburg 1869. 

Mottloch, Geschichte und Zucht des englischen Pferdes zu Kladrub. Manu- 
script. 1890. 
— , Geschichte und Zucht der Kladruber Rasse. Wien 1886. 

Mayr, Die Gestüte des österreichischen Kaiserstaates. Wien 1860. 

Meyendorff, Die Pferdezucht Russlands. Berlin 1863. 

Militär- Wochenblatt: Französische Pferdezucht 1892. Berlin 1894. 

Müller-Parey, Deutsche Landw. Presse. 1878—1898. Berlin. 

Nörner, Brandzeichen der Staats- und Hofgestüte Oesterreich - Ungarns. Leipzig 
1885. 

Nägele, Der Pferdefreund. 1897. 1898. Berlin. 

Oberstmarstallamt Wien: Das k. k. Hofgestüt Lippiza 1580 — 1880. Wien 
1880. (Dedication.) 



Verzeichniss der benutzten Literatur. VII 

Puscli, Das Gestütswesen Deutschlands. Berlin. 1891. 

Ramschak, Oesterreiehische Zeitschrift für Hippologie und Pferdezucht. 1882. 

1884. 1886. Wien. 
Schönbeck u. Schäfer, Deutsche hippologische Presse. 1896. 1897. Berlin. 
V. Schwartz, Das k. preuss. Hauptgestüt Graditz. Berlin 1870. 
V. Schwartz u. Krocker, Deutsches Gestütsbuch. 
Stoeckel, Die k. preuss. Gestütsverwaltung und die preuss. Landespferdezucht. 

Berlin 1890. 
,,Sporn'', Das herzoglich braunschweigische Vollblutgestüt Harzburg. Berlin 1893. 
Simon off, und v. Moerder, Die Russischen Pferderassen. Berlin 1896. 
V. Tennecker, Jahrbuch der Pferdezucht. 1838—1843. Weimar. 
Teige 's Landwirthschaftliche Thierzucht, und illustrirte landwirthschaftl. Zeitung: 

1892—1899. Schöneberg-Berlin. 
Unterberger, Mittheilungen aus dem Innern von Russland. Bericht von 1851. 

Dorpat 1858. 
Wachtier, „Der Pferdezüchter". Landespferdezucht in Steiermark. 1881 -1886. 



VIII 



Druckfehler-Verzeichniss. 



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3 wird gebeten, 


nachstehende 


Fehler vor der 


Benutzung des Buch 


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berichtigen zu wollen 






Seite 


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, Cyrus. 






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, Robin. 






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, Orlando. 






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, Ismail Pascha. 






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, Liaison. 






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, F 1 i b u s t i e r. 






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, Weatherglass. 






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, Hymenaeus. 






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, Blinkhoolie. 






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, The Pique, 






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, Caledonia. 






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, Silverking. 






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, Cremorne. 






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, Telpra Magyar. 






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, Sea Horse. 






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, D and in. 






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Sweep Yakes , 


, Sweepstakes. 






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Samban , 


Samhan. 






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, 17 


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Stutalpe , 


Stubalpe. 






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, 23 


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Coversano , 


Conversano. 






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P r i V a t e e r. 






168 


, 10 


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Pessadoro , 


Passadoro. 






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Talpa Magyar , 


Telpra Magyar. 






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Osteger , 


s t r e g e r. 






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Saydan. 






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Obojan , 


O'ßayan. 






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Saglavy 


Siglavy. 






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, Siglavy. 






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, Valois. 






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, Forbidden. 






286 


, 11 


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Conj'nham , 


, Conyngham. 






291 


, 20 


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Nord-Star 


, North-Star. 






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, C a s 1 r. 






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Zsibö 


, Zsidö. 






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Claunronald 


, C 1 a n r n a 1 d 





Königreich Preussen. 



Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Frankfurt a. 0. Krei« Lebus. 

Name des Gestüts: Alt-GoltTI. 

Besitzer: früherer: J. Süloschifl. 

gegenwärtiger: PviflZ Anbevt VOU Anhalt. 

Topographisches: Alt-Golm liegt ca. 6 km von Fürstenwalde, Stadt an der 
Spree, entfernt und an der märkischen Eisenbahn, 472 Meilen westlich 
von Frankfurt. Das Grestüt Alt-Golm wurde nach dem Tode des bis- 
herigen Besitzers Saloschin an den Prinzen Aribert von Anhalt verkauft, 
und soll dasselbe von jetzt ab: „Herzoglich Anhaltsches G-estüt 
Alt-Golm" genannt werden. 

Geschichtliches: Der vorhergehende Besitzer G. W. Büxenstein gründete 
liier 1890 ein kleines Vollblutgestüt — 1 Hengst, Bandit von Savemake^ und 
6 Mutterstuten; dasselbe wurde nach und nach auf 10 Stuten vergrössert. 
Daneben wurde auch etwas Traberzucht betrieben. 

1895 wurde das Gestüt mit sammt dem Gute an den genannten 
Besitzer verkauft, der ersteres darauf forterhielt. Der Bestand war 
10 Mutterstuten und 6 Absatzfohlen und einige Traber. — 

Hierzu wurden aus England 1895 käuflich erworben: Vollbluthengst 
Galliard, sowie 2 Stuten. 

1896 war der Bestand des Gestüts: 1 Beschäler und 20 Mutter- 
stuten, von denen 18 englische Vollblutstuten und 2 Traberstuten. 

Züchtung: Die Nachzucht wird auf der Rennbahn ausgenutzt. 

Provinz Brandenburg. Reg. -Bez. Potsdam. Kreis Uckermark. 

Name des Gestüts: BärGnkläU (Remontedepöt). 

Besitzer: Staats -FiscMS, 

Topographisches: Bärenklau liegt im Norden der Provinz Brandenburg, 
von der Ucker durchströmt, die in Pommern in das kleine Haff mündet. 

Geschichtliches: Als Remontedepöt wurde dasselbe 1832 errichtet und mit 
515 Remonten belegt. 

IS r ä u e r , Gestüte. 1 



2 Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Potsdam. Kreis Neu-Ruppin. 

Name des Gestüts: LlndendU (Landgestüt), Neustadt a.O. 

(bezw. Brandenburgisches Landgestüt). 

Besitzer: Staats - Fiscus. 

Topographisches: Lindenau liegt am westlichen Ende von Neustadt a. D. 
von der gleichnamigen Eisenbahnstation der Berlin — Hamburger Staatsbahn 
ca. 2 km entfernt. 

Geschichtliches: Hier wurde 1789 das sogenannte kurmärkische Landgestüt 
errichtet. 1802 war der Bestand an Beschälern auf über 140 Stück 
gebracht. Von 1795 an wurden die den Beschälern zugeführten Stuten 
mit beigefügtem Gestütszeichen versehen ; zu Anfang des gegenwärtigen Jahr- 
hunderts (1802) wurden auf 30 Stationen lOG Hengste aufgestellt; später 
nahm die Zahl der Stationen und der Hengste wegen Futterverhältnissen 
und Unruhen um etwas ab. Der Abstammung nach waren die Hengste 
zumeist Preussen, Mecklenburger, mehrere Friedrich -Wilhelmstädter, Ans- 
bacher, Zweibrücker, einige Holsteiner und mehrere Kurmärker. — Nach 
der Schlacht bei Auerstädt flüchtete das Gestüt durch Mecklenburg nach 
Dänemark. Hier abgewiesen, mussten die Hengste umkehren; infolge dör 
Anstrengungen gingen viele davon zu Grunde und fielen mehrere den 
Franzosen in die Hände. 

Züchtung: Das Landgestüt Lindenau wui'de 1815 als das gegenwärtige 
, brandenburgische " mit einigen 40 Beschälern neu eingerichtet; die 

Brandzeichen * ^ Zahl erhöhte sich kurz auf einige 80 

O I Hengste ; später wurde die Zahl eine 

noch höhere. Bestand: 1900 = 217 
Hengste, 1901 desgleichen. 




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Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Frankfurt a. 0. Kreis Friedeberg in der Neumark, 

Name des Gestüts: SchÖlirade. 

Besitzer: Max von Wedemeyer. 

Topographisches: Schönrade ist ein Kittergut mit einem Areal von 
1300 ha mit sandigem Lehmboden. 

Geschichtliches: Während der 1850er Jahre wurde von dem Vater des 
gegenwärtigen Besitzers das hier unterhaltene Gestüt gegründet. Die 
ersten hier eingeführten Zuchtpferde gehörten dem kaltblütigen Schlage 
an. Ursprünglich wurde mit Percheron-Hengsten und dänischen Stuten 
gezüchtet. Stammvater des Gestüts ist ein aus der Normandie eingeführtei- 
Hengst General; für einige ,Zeit fand aber auch ein Clydesdaler Hengst 
■ Verwendung. Später kamen aber einige englische Vollblutpferde zur Auf- 
stellung, die neben dem schweren Zugpferd fortgeführt- wurden. 



Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Frankfurt a. 0. Kreis Friedeberg i. d. Neumarkt. S 

Züchtung: Das Gestüt hält immer einen Bestand von ca. 90 Pferden und 
dabei einen solchen von einigen 20 Mutterstuten und ca. 4 Hengsten; von 
letzteren ist einer „Vollblut" (Kaleb., ein Fuchs), ein Compromiss aus der 
Leu V. Buccaneer; die anderen ein Ardenner, ein Holsteiner und 
ein Kreuzungsprodukt eines Shire- Hengstes und einer Percheron- Stute. 
Mitte der 1890er Jahre setzte sich die Zuchtheerde zusammen aus 7 Voll- 
blut-, 4 Halbblut- und 10 Kaltblutstuten. Von den Vollblutfohlen werden 
durchschnittlich jährlich als Jährlinge ca. 10 — 12 für hohe Preise verkauft. 

Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Potsdam. Kreis Luckau (Niederlausitz). 

Name des Gestüts: ZÜtzen. 

Besitzer: Graf Kleist 

Topographisches: Auf einem Rittergut wird von gen, Besitzer ein Gestüt 
unterhalten. 

Geschichtliches: Seit 1868 wurde hier in geringem Umfange „Vollblut- 
zucht" betrieben. Die erste Vollblutstute : St. Agnes von West- Australien 
(in 10 Jahren 7 Fohlen gehabt); von diesen Fohlen war das nach Blue 
Gown gefallene der Unionsieger von 1877, der um bezeichnete Zeit in 
das Gestüt des Grafen v, Krasinski zu Moczydlo als Beschäler kam, und 
diesem die Erfolge zuzuschreiben sind. Weitere Stuten waren: Listless 
von Marsyas, Midnight von King Tom und Laure von Knight of the Garter. 
Weitere Pferdezucht wird hier mit einigen angekauften Gebrauchsstuten 
„Halbblutzucht" betrieben und werden dazu die Königl, Landesbeschäler 
benutzt, Sämmtliche Stuten und Fohlen, ausser den Vollblutthieren, gehen 
während der günstigen Jahreszeiten über Tag in getrennten Koppeln, 

Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Potsdam. Kreis Ruppin. 

Name des Gestüts: Friedrich Wilhelm-Gestüt 

zu Neustadt a. D. 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt am Bahnhof Neustadt a. d. Dosse^ 
der Berlin — Hamburger Staatsbahn ; es gehören hierzu über 600 ha Areal ; 
die Wässerung der Wiesen erfolgt durch das Wasser der Dosse, welche 
gleichzeitig auch durch die Koppelflächen fliesst, die Koppeln sind vou 
lebenden Hecken umfriedigt. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte zu Anfang des 18, Jahr- 
hunderts, welches von da ab bis zum Jahre 1780 besonders der Maul- 
thierzucht diente. Letztere wurde 1787 aufgehoben und 1788 das 
Gestüt eigentlich gegründet. Hierzu wurden 120 Stuten und 5 Hengste 
eingestellt, von letzteren waren 2 Vollblut- und 3 Halbblut-Hengste, vou 
ersteren waren es 4 englische und 5 anglo - arabische Vollblutstuten, die 
übrigen gehörten dem Halbblut an. 

Mit diesem Bestand und dem Zuchtziel „edles Reitpferd" zu erzeugen^ 
wurde das oben bezeichnete Hauptgestüt, unter Neubau des Gestütshofs ^ 

1* 



4 Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Potsdam. Kreis Ruppin. 

errichtet. — 1789 wurden Hengste aus Spanien, Frankreich und der 
Berberei herbeigeholt und gleichzeitig 12 englische Stuten mit eingeführt. 
1791 wurden 11 syrische Hengste zugebracht, von welchen Bayan, 
Mokraby und Neschty berühmt sind für das Gestüt. Gleichzeitig 
kamen aber noch in das Gestüt die bedeutenden Hengste Persianer und 
Turk mayti Atty, welche letzteren von 1791 — 1801 im Friedrich 
Wilhelm - Gestüt benutzt wurde; dieser kam aus dem fürstlich Kaunitz'- 
schen Marstall, wohin er von der Kaiserin Katharina von Russland ge- 
schenkt worden war. Infolge Kriegswirren wurden 1806 60 der edelsten 
Vater- und Mutterthiere nach Trakehnen bezw. nach russisch Litthauen 
gerettet und blieb daher das Gestüt bis 1810 aufgelöst. Von den zurück- 
gebliebenen Pferden fand man nur wenige wieder. 1810 im Herbst wurde 
das Gestüt mit ca. 70 Stuten wieder errichtet und in früherer Weise mit 
Erfolg fortgeführt. 1845 endlich wurde die Zuchtrichtung der Rennbahn 
angepasst und von da an englisch-arabische Halbblutzucht betrieben, auch 
wurde der Bestand von da ab auf ca. 120 Mutterstuten bis zum Jahre 
1877 erhöht, deren Produkte möglichst starke, edle Halbblut -Reit- und 
Jagdpferde waren. Als Beschäler fanden hierzu meist 2 Vollblut- und 
3 Halbbluthengste Verwendung. 1876 wurde der Bestand des Friedrich 
Wilhelm-Gestüts zum grössten Tbeil nach Beberbeck verlegt, der 
kleinere nach Graditz, eben dorthin auch die Trainiranstalt. Das Haupt- 
gestüt Neustadt a./D. ging somit als solches ein und wurde dafür das 
bisher in Linden au aufgestellte „ brandenburgische " Landgestüt nach 
Neustadt verlegt (s. Lindenau). Auf Wunsch des Kaisers Wilhelm IL wurde 
1895 jedoch das früher verlorene, nach Beberbeck (1876) verlegte „Neustädter" 
Gestüt wieder eingerichtet und dazu „Neustadt" wie ehedem ausersehen. 

Züchtung: Das Zuchtziel bestand in Erziehung eines kräftigen, starken 
Halbblutpferdes, dem früheren Neustädter Pferde ähnlich, es wurde daher 
eine Kreuzung mit englisch-arabischem Vollblute versuchsweise aus- 
geführt, hierzu wählte Graf Lehndorff-Graditz den in Bäbolna gezüchteten 
Araber Young O'Bajan. — Die Mutter dieses Hengstes, eine Araber- 
Vollblutstute (stichelhaariger Lichtfuchs mit Abzeichen und Namen „No. 10 
Amurath-Bratactar") wurde 1880 geboren. Diese ergab in Bäbolna vor- 
zügliche Produkte. — Young O'Bajan zeigte Schönheit der Formen, Adel 
und vorzüglichen Bau, der Körper ungewöhnliche Tiefe und Breite, starke 
Knochen und scharf begrenzte Muskelpartieen. 

Bestand 1895 etwa 20 Stuten, englisch - arabisches Halbblut bez. 
Vollblut, soll gegenwärtig (1899) auf 40 Mutterstuten erhöht werden, 
der Nachwuchs jedoch auf 80 Köpfe. 

1900: zwei Vollbluter: Botschafter und Kirkconnel, berühmte Hengste, 
40 Mutterstuten, Nachzucht ca. 80. 

Brändzeichen: Das frühere Brandzeichen für „Neustadt" war nebenstehendes 

(Pfeil mit Schlange auf rechter Hinterbacke, den Jährlingsfohlen 

^ !? aufgebrannt). Dasselbe Zeichen wurde nach Beberbeck über- 

#) führt. Pfeil und Schlange: Sinnbild der Schnelligkeit und 

> Klugheit. Hengst Young O'Bajan trägt auf der linken Rücken- 

) Seite (unter der Sattelfläche) ein römisches B mit der ungarischen 

T Krone darüber, rechts die Anfangsbuchstaben des Vaters 0. B. und 
die Fohlennummer 12 darunter. Weiteres s. Bäbolna. 



Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Potsdam. Kreis Teltow. 5 

Name des Gestüts: Düppel. 

Besitzer: Prinz Friedrich Carl von Preussen. 

Topographisches: Düppel ist ein 1865 zum Rittergut erhobenes Gut, es 
liegt an der Berlin — Potsdam — Magdeburger Eisenbahn und ist vom Bahn- 
hof Zehlendorf genannter Eisenbahn leicht zu erreichen. Areal 5 ha. 

Während der ersten 6 Monate der Tragezeit werden die Mutterstuten 
zu leichter Ackerarbeit benutzt, später aber in Padocks gebracht. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1860 gegründet, um hier englisches Voll- 
und Halbblut bezw. Reit- und Wagenpferde für den Mar stall zu erzielen und 
wurde darauf geachtet, die Wagenpferde nur in der Fuchsfarbe zu erlangen. 

Um einen geeigneten Mutterstutenstamm heranzubilden, wurden zunächst 
in Hannover Absetzfohlen von bewährten Vollblutvaterpferden und veredelten 
Landstuten stammend, angekauft. Anfangs wurden die Hengste des Hauptge- 
stüts Neustadt a./D. — Friedrich Wilhelm-Gestüt — zum Decken der Mutter- 
stuten benutzt, aber auch die Mutterstuten nach Hannover zum Belegen gesendet. 

Bestand 1872: 2 Voll-, 1 Halbblutbeschäler, 4 Voll- und 13 Halb- 
blutstuten, ca, 8 Vollblutfohlen und gegen 30 Halbblutfohlen. 

Züchtung: Die bisherige (Voll- und Halbblut-) Zucht hat in Düppel auf- 
gehört. Heute ist daselbst ein Pferde - Pensionat eingerichtet, es werden 
marode Pferde behufs Erholung dort untergebracht. 

Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Potsdam. Kreis Prenzlau. 

Name des Gestüts: Klcltl - LUCkOW. 

Besitzer: Oekonomierath Keibel. 

Topographisches: Die Besitzung ist ein Rittergut und hält über 800 ha 
Areal. Die Gegend ist hügelig, der Boden fruchtbar, ca. 10 ha Weiden, 
die jedoch nach nicht zu langer Benutzung mangelhaft wurden. 

Geschichtliches: Vorstehendes Gestüt ist 1845 gegründet; das erste Material 
darin zeigte sich ungenügend. Es wurden Stutfohlen aus Mecklenburg- 
Strelitz und zwar aus Schönhausen bezogen. 1857 wurde das Gestüt 
von Influenza heimgesucht und dasselbe dadurch bis auf den geringsten 
Satz zerstört. Eine noch gerettete Mutterstute verblieb dem Gestüt. Von 
jetzt ab wurden Trakehner Stuten, auch andere ostpreussische Pferde 
gehalten und von dem Schönhauser Hengst Niclat und dem Ivenaker 
Hengst Herodot gedeckt. Es erholte sich nun das Gestüt, sodass sich 
dasselbe nach Grassmann's Angaben während der siebenziger Jahre auf 
einen Bestand von gegen 80 Pferden erhöht hatte, davon wurden durch- 
schnittlich für die Zuzucht ca. 14 Mutterstuten unterhalten, wozu jähr- 
lich ca. 10 Fohlen als Erfolg der Zucht kamen, die dann später mit 
älteren Jahrgängen in Koppeln sich bewegten. 

Züchtung: Zuchtzweck: Erzeugung von Militärpferden, sowie guten Reit- 
und Wagenpferden. 



6 Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. Potsdam. Kreis Angermünde. 

Name des Gestüts: GÖrlsdOPf. 

Besitzer: Graf W. Redern. 

Topographisches: Görlsdorf liegt in der Nähe von Angermünde und ist 
per Eisenbahn von Berlin sowohl, als von Stettin, Frankfurt a. 0., 
Schwedt a. 0. und Stralsund über Angermünde (Station) leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Von obigem Besitzer wurde 1884 das Gestüt gegründet 
und nur für Vollblutzucht bestimmt. Der in diesem Gestüte thätige 
Vollbluthengst Fulmen ist nach Bossert, Zeitschrift f. Pferdekunde und 
Pferdezucht, 1900, Nr. 6, der bei weitem erfolgreichste Beschäler eines 
deutschen Privatgeslütes. In den Jahren 1893 — 1899 haben nach der 
„Sportwelt" 172 seiner Kinder 284 Rennen und im Ganzen 1 616 563 Mk. 
gewonnen. ,. 

Züchtung: Die Züchtung wii'd mit 15 englischen Vollblutstuten (6 waren 
kurz nach der Gründung, 5 direkt aus England eingeführt worden) be- 
trieben, wozu nur die berühmtesten Hengste zur Verwendung kommen. 
Zuchtrichtung für Rennpferde. 

Provinz Brandenburg. Reg.-Bezirk Potsdam. Kreis Westpriegnitz. 

Name des Gestüts: GsdOW. 

Besitzer: Graf von Wilaniowitz-Möllendorff. 

Topographisches: Das Gestüt liegt am rechten Eibufer, ca. 2Y2 Meilen von 
der Kreisstadt Perleberg. Eisenbahnstation Gadow der Lüneburg — Witten- 
bergeschen Bahn. Die Besitzung besteht aus 7 Rittergütern mit einem 
Areal von 2680 ha. Boden feuchter Sand. 

Geschichtliches: In Gadow wurden 1829 Halbblutstuten behufs Aufzucht 
von Jagdpferden eingeführt. Diese Zucht wurde jedoch bald in Vollblut- 
zucht umgewandelt. 1830 wurden deshalb Vollblutpferde angekauft und 
dazu der Vollbluthengst The Caller mit 10 Vollblutstuten eingeführt. 
Mitte der 40er Jahre wurde Trainiranstalt errichtet, die aber wieder 
einging; auch wurde der Rennstall während der 70er Jahre geschlossen. 
Die gegenwärtige Zucht beschränkt sich auf Beschaffung von Pferden für 
den eigenen Guts- bez. Wirthschaftsbedarf. 

Züchtung: Von den Beschälern, welche in Gadow standen, sind The Caller, 
Lara, Künftig, Scherz und Thor zu nennen; dazu gehörten ca. 12 Voll- 
blutstuten. 



Provinz Brandenburg. Reg.-Bez. ■Potsdam. Kreis Prenzlaii. t' 

Name des Gestüts: NeUenSUnd. 

Besitzer: Rittmeister a. D. von Arnim. 

Topographisches: Gestüt Neuensund ist in einem Rittergut untergebracht; 
letzteres liegt ca. 9 km von Strassburg und nordwestlich von Prenzlau, 
an der von Pasewalk nach Neu — Brandenburg führenden Eisenbahn. Hierzu 
gehören 3 Vorwerke. Im Sommer weiden sämmtliche Fohlen. 

Geschichtliches: Am Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte die Gründung des 
Gestüts durch die Vorfahren des Besitzers. Der- Zweck bestand darin, 
edles, starkes Halbblut zu züchten. Es fanden hier z. B. die Hengste 
Hector, Lyrus, Godolphin, Aniboldo, Augustus etc. Verwendung und wurde 
hierdurch das gesteckte Ziel erreicht. Es erfolgte dann aber 1873 die 
Einstellung dänischer Hengste, um dadurch eine Reinzucht nebenbei 
für Landwirthschaftszwecke einzurichten. 

Züchtung: Zuchtziel besteht darin, kräftige Halbblutthiere für starken Reit- 
und Wagendienst zu gewinnen und durch einen dänischen Hengst und 
reinblütige dänische 8 Mutterstuten Oekonomiepferde zu erzielen. 

Ausnützung: Deckung des eigenen Bedarfs; dann Abgabe von Reit- 
und Wagenpferden an Militär und Civil. 



Provinz Pommern. Reg.-Bez. Stettin. Kreis Regenwalde. 

Name des Gestüts: LclOGS (Pommersches Landgestüt). 

Besitzer: Staats-Fiscus. 

Topographisches: Labes, Stadt, nordöstlich und 60 km von Stettin, an der 
Rega, welche hier die Lössnitz aufnimmt, und an der von Stargard nach 
Colberg führenden Eisenbahn, mit den Trümmern einer alten Burg. Das 
hier unterhaltene pommersche Landgestüt liegt eine halbe Stunde südlich 
von der Stadt, an der Strasse nach Wangerin. Areal über 25 ha. Ge- 
bäude: Ziegel-Rohbau, 8 Wohnhäuser, 2 grosse Ställe. 

Geschichtliches: 1876 wurde das Landgestüt gegründet. Der erste Be- 
stand des Gestüts waren 120 Hengste, die aus bestehenden Landgestüten 
stammten. Von 1855 ab trat eine Vermehrung des Bestandes (207) ein 
mit 2 Vollblutpferden; ferner: 1 Trakehner, 13 Graditzer, 4 aus Beb erb eck, 
6 aus dem früheren Friedrich Wilhelm-Gestüt, 1 aus Zirke, 3 Belgier und 
179 Hengste anderer Zuchtabstammungen. Davon gehören dem Gebrauche 
nach 42 Hengste dem leichten, 88 dem schweren Reitschlage und 77 dem 
Wagen- und Arbeitsschlage an. Diese Hengste waren früher über 81, 
in neuerer Zeit über 73 Stationen vertheilt. Hengstbestand 1900: 162, 
1901: 162. 



8 Provinz Pommern. Reg.-Bez. Stettin. Kreis Uckermünde. 

Name des Gestüts: FerdlnandsIlOf (Remontedepöt). 

Besitzer : Staats - Fiscus, 

Topographisches: F er dinandshof liegt nordwestlich von Stettin, an der 
Berlin — Pasewalk — Stralsunder Eisenbahn. 

Geschichtliches: 1862 wurde hier ein königl. Eemontedepot errichtet, worin 
571 Remonten Aufnahme finden. Es werden hier 2 — 3jährige Pferde ein- 
gestellt und 4jährig an die Regimenter — Cavallerie und Artillerie — 
abgegeben. Dem Kriegsministeriura unterstellt. 

Provinz Pommern. Reg.-Bez. Stettin. Kreis Greifenberg. 

Name des Gestüts: NeU-TrGptOW a. d. Rega (Remontedepöt), 
Besitzer: Staats - Fiscus 

(Königlich Pretissisches Kriegsministerium). 

Topographisches: Treptow, Stadt an der Rega, ca. 1 Meile von deren 
Einmündung in die Ostsee ostnordöstlich. In Neuhof Sitz der Ad- 
ministration. Nebenvorwerke sind: Grumminshof und Suckowshof; 
Gesammtareal : 1700 ha.' Wiesen in der Nähe des Deeper-Sees. 

Geschichtliches: Dieses Depot wurde 1821 gegründet und gehört dazu noch 
ein Hauptvorwerk Namens Neuhof; dasselbe liegt ca. 2 km von Treptow. 
Das ganze Depot bringt 6 — 700 Remonten unter, diese stammen meist 
aus Hinterpommern und Westpreussen und zu einem Theil aus dem 
Brandenburgischen, und werden von der Remonte-Ankaufskommission drei- 
jährig angekauft. 

Provinz Pommern. Reg.-Bez. Stettin. Kreis Demmin. 

Name des Gestüts: BrOOCk. 

Besitzer: Freiherr von Seckendorff. 

Topographisches: Broock liegt zwischen den Städten Demmin, Treptow a. T.^ 
Anklam und Greifswald an den Ufern eines Flüsschens, Tollen se, und 
ist von der Eisenbahnstation Sternfeld mit der Nordbahn leicht zu erreichen. 
Die Herrschaft hält ein Areal von ca. 250 — 260 ha mit humusreichem 
Sandboden. Mehrere Vorwerke, Gras- und Weide-Koppeln. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1810 von den Vorfahren des Besitzers 
gegründet. Zuerst begnügte man sich mit der Aufzucht gewöhnlicher 
Pferde für den Oekonomiebetrieb , von hier ab bis gegen 1820 wurde 
mit eingeführtem Mecklenburger Blut gekreuzt, dazu kamen noch mehrere 
edle, mit arabischem Blut gezüchtete Stuten. Hiermit war ein konstantes 
Stutenmaterial geschaffen. 1837 und weiter vmrden bereits gegen 
50 Stuten von selbstgezogenen Hengsten: Hercules, Rabin, Ganymed^ 
Clemens und Othello gedeckt. Dadurch kam Broock in guten Ruf^ 
es wurde das Interesse mehr der englischen Vollblutzucht zugewendet. 



Provinz Pommern. Reg.-Bez. Stettin. Kreis Demmin. 9 

Durch genannte Hengste wurden bis hierher mit den genannten Stuten 
Landesbeschäler, Militär-Remonten und Arbeitsthiere gezüchtet. 
Züchtung: Das Interesse für das englische Vollblut stieg beim Besitzer, es 
wurde demzufolge Mitte der 1830 er Jahre der englische Vollbluthengst 
Liberator eingeführt, mit dem Zuchtziel, schnelle und gewandte Pferde 
für schweres Gewicht zu züchten und Halbblut-Jagdpferde zu schaffen. 
Unter diesem Prinzip wurde ca. 10 Jahre gezüchtet; es wurde aber dieses 
nicht erreicht, deshalb wurden die bisherigen Zuchtthiere abgeschafft und 
solche durch Vollblut- und Halbblutstuten ersetzt, die letzteren waren 
als Jagdpferde geprüft. 1841 zählte das Gestüt 3 Vollblut-, 1 Halbblut- 
Beschäler, ferner 10 Vollblut-, 36 Halbblut -Mutterstuten und 33 Halb- 
blut-Mutterstute q eigener Zucht. Nach Ablauf von ca. 25 Jahren, gegen 
Mitte der 1860er Jahre, war man von der Züchtung leichter Pferde 
zurückgekommen und ging zur Kreuzung holsteiner Stuten mit einem 
Suffolk- Hengst über, man erzielte dadurch ein starkknochiges Pferd. 
Nebenbei jedoch bestand auch noch eine Zucht kleiner litthauischer 
Stuten mit Halbbluthengsten, deren Produkte als Arbeitspferde Ver- 
wendung finden. 

Provinz Pommern. Reg.-Bez. Stettin. Kreis Randow. 

Name des Gestüts: Wartltl. 

Besitzer: Ernst Wiede. 

Topographisches: Das Gestüt wurde in einem Rittergut mit obigem Namen 
betrieben. 

Geschichtliches: 1860 wurde betr. Gestüt gegründet; zu diesem Behufe wurde 
in Ostpreussen ein arabischer Hengst Cohinor angekauft; die Stuten 
kamen aus dem Hauptgestüt Trakehnen. Jährlich wnrden dann gegen 
8 Fohlen angekauft; 1861 befand sich unter diesen ein schönes Hengst- 
fohlen arabischer Abstammung (Brillant), welches später in die Zucht 
gebracht wurde. Dieser Brillant lieferte sehr schöne Fohlen, ohne Aus- 
nahme in der Schimmelfarbe. Der erst gekaufte arabische Hengst Cohinor 
erkrankte an periodischer Augenentzündung, die jedoch nicht zur Ver- 
erbung gekommen war. Später wurden aus dem Hauptgestüt Trakehnen 
zwei arabische Vollblutstuten — Safra und Elnit von Zariff — 
erworben; ferner anderweit wieder solche von da, sowie aus Graditz. 
Es wnrden immer gegen 20 — 30 Stuten belegt. 

Züchtung: Alle im Gestüt gezogenen Pferde waren sehr edel, ausdauernd und 
gaben sehr gute Reit- und Wagenpferde ab. 

Verheerende Krankheiten, die öfter sich wiederholten, gaben dem 
Besitzer Veranlassung zur Auflösung des Gestüts gegen Mitte der 1880 er 
Jahre. 

Brandzeichen: 




rO Provinz Pommern. Reg.-Bez. Sti-alsund. Kreis Greifswald. 

Name des Gestüts: RänZin. 

Besitzer: von Homeyer. 

Topographisches: Eanzin ist Rittergut, der Boden befindet sich in holier 
Kultur; das Gestüt wird vom Besitzer, als bewährter Thierzüchter be- 
kannt, selbst geleitet. Dasselbe ist von der Eisenbahnstation Züssow aus, 
der Berlin — Stralsunder Bahn, bald zu erreichen. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1850 gegründet, von 1883 ab wurde 
demselben mehr Aufmerksamkeit zugewendet. Von 1883 bis 1890 war 
der Stutenstand für die Zucht langsam steigend von 10 — 14, die gegen 
80 Fohlen nach und nach lieferten. 

Züchtung: Der gegenwärtige Zuchtzweck ist der, hauptsächlich schwere 
Arbeitspferde zu erlangen; es wurden daher von 1883 an dazu 
26 Stuten verwendet, wovon 6 dergl. Clydesdaler eingeführt wurden, 
welche sammt ihrer Nachzucht in dem Clydesdaler Stud-Book aufgeführt 
sind, als 6 Clydesdaler Halbblutstuten, 4 Norische, 4 Ardenner und 
2 Wilstermarschstuten. Alle Stuten sind von brauner Farbe, Die halb- 
blütigen Clydesdaler sind aus Müttern der schweren, kaltblütigen Schläge 
gezogen, Höhe bis 1,60 m. — Die aus Salzburg eingeführten Stuten sind 
sogenannte Pinzgauer, die Ardenner stammen aus dem Bezirke Condroz 
und sind Original thiere. Hengste für diese Stuten sind Clydesdaler desgl. 
Ausser diesen 22 Stuten sind noch 4 anglo- normannischer Ab- 
kunft im Gestüt, die von englischen Vollbluthengsten bedeckt werden. 

Die Ranziner Pferde haben besondere Berühmtheit erlangt. Sämmt- 
liche Mutterstuten werden zu landwirthschaftlichen Arbeiten benutzt. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Oppeln. Kreis Cosel (Kosel). 

Name des Gestüts: U0S6l. 

Kgl. preuss. oberschiesisches Landgestüt. 

Besitzer: Staats -Fisctts. 

Topographisches: Cosel ist Station der Kandrzin — Neisser Eisenbahn und 
vom Bahnhof Kandrzin ca. 5 km entfernt. Die Lage geschützt infolge 
tiefer Lage. Cosel ist geschleifte Festung, liegt an der Oder und an der 
oberschlesischen Eisenbahn Oppeln — Ratibor. Das Etablissement liegt 
auf einer durch den Oderstrom gebildeten Insel an der nach Gleiwitz 
führenden Strasse. 

Geschichtliches: Der Gestütshof ist gegen Mitte der 1870er Jahre neu erbaut 
und entsprechend eingerichtet. Mitte der 1880 er Jahre war hier der 
Bestand an Deckhengsten 115 und wurden diese über 42 Stationen ver- 
theilt. Die Zahl der Hengste sowohl, als die der Stationen wurde bis 
gegen Ende der 1890 er Jahre bedeutend erhöht (150). Es deckten bisher 
4 Vollbluter (englische) gegen 100 Halbbluthengste; ferner Percherons, 
Clydesdaler, Belgier und Ardenner. 

Der Bezirk des Landgestüts erstreckt sich über den Reg,- Bezirk 
Oppeln. Bestand 1901: 175 Hengste. 



Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Oppeln. Kreis Cosel (Kosel). 



11 



Brandzeichen: Von Beschälern des oberschlesischen Landgestüts Cosel 

gefallene Fohlen werden mit dem Brandzeichen: Krone mit Kreuz, dar- 

JL A unter S, wie nebenstehend, ver- 

_A_? . » . ^' H sehen. Neben diesem Zeichen ist 

noch ein solches im Gebi-auch, wel- 
ches nur bei den Fohlen in An- 
wendung kommt, die im Kreise 
^^^^^ ■ / ■ Leobschütz, von auf 5 Stationen be- 

M /^r wL. I findlichen 20 Beschälern, aus Cosel 

¥/» y Im. I i stammen. 





Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Breslau. Kreis Wohlau. 

Name des Gestüts: LGUUIIS (niederschles. Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Leubus liegt am rechten Ufer der Oder und 9 km von 
der Eisenbahnstation Maltsch der niederschlesisch- märkischen Eisenbahn 
(Strecke Breslau — Liegnitz). Gelände ist hügelig. Das G-estüt sebst be- 
findet sich im ehemaligen Kloster Leubus. Der Gestütshof war bis 1810 
im Besitz des damaligen Klosters, der jetzigen Pro vinzial - Irrenanstalt. 
Derselbe liegt mitten in alten Eichenwaldungen. 

Geschichtliches: Das Landgestüt wurde 1818 gegründet mit 30 Hengsten, 
die anderen Haupt- und Landgestüten entstammten. Der Bestand stieg 
von Jahr zu Jahr, 1870 waren 163 Beschäler vorhanden, 1888 sank der 
Bestand jedoch auf 141 Hengste, weil von hier aus das „ oberschlesische 
Landgestüt Cosel" um 82 Hengste verstärkt worden war. 

Züchtung: Nach der Abstammung hat Leubus Hengste aufzuweisen: 



1 aus Pommern, 

5 „ Schlesien, 

15 Belgier, 

3 Schotten, 

10 Clydesdaler, 

7 Percherons. 



gegen 7 Vollblut, 

4 Trakehner, 
16 Graditzer, 

5 a. d. Friedr. Wilh.-Gestüt, 
38 Ost- und Westpreussen, 

ca. 30 Hannoveraner, Olden- 
burger, Mecklenburger, 
Bezüglich der Gebrauchszwecke vertheilen sich die Hengste wie folgt: 
ca. 30 dem leichten Reitschlag, 
schweren „ 

leichten Wagenpferdeschlag und 
schweren „ 

Dieser Hengstbestand wird jähr- 
lich am 1. Februar über 51 Beschäl- 
stationen vertheilt. Bestand 1900 
und 1901: 162 Hengste. 



Brandzeichen: 



45 
ca. 32 

« 35 

81 



12 Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Breslau (Niederschlesien). Kreis WoMau. 

Name des Gestüts: WGnrSG (Remontedepöt). 

Besitzer: Staats -Fisciis. 

Topographisches: Wehrse liegt nördlich von Leubus und Wohlau. 
Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Breslau. Kreis Militsch. 

Name des Gestüts: TrachenberQ. 

Besitzer: Fürst Hatzfeld-Trachenberg. 

Topographisches: Trachenberg (Standesherrschaft) ist von der Station 
Militsch der Breslau — Posener Eisenbahn leicht zn eiTeichen. 

Geschichtliches: Die Pferdezucht Trachenbergs wird auf einem Beigut 
Schmiegrode in nur minderem Grade betrieben. Es stehen in letzterem 
Orte eine Vollbhit- und eine Haiblutstute, die gewöhnlich, wenn rossig, 
nach Bielau zu dem Vollbluthengst Trachenberg (Puchshengst) zum 
Decken gebracht wurden. 1879 wurde bez. Hengst im Ge.stüt , Trachen- 
berg" gezogen von Flibustier, dessen bester Sohn er ist, aus dem Dirt 
Cheap von Orlanda. Als Renner ist er berühmt geworden. Seit dem 
Jahre 1884 ist Trachenberg als Beschäler im Gestüt des Freiherm 
von Falkenhausen in Bielau thätig, wo er sehr gute Pferde als Nach- 
kommen hat. 

Ausserdem wurden alljährlich noch 6 — 8 Fohlen aus Arbeitsstuten 
gezogen, die von Kgl. Landesbeschälem gedeckt werden und in Schmieg- 
rode stehen. 

Züchtung: Zuchtzweck: Den fürstlichen Marstall vollzählig zu erhalten 
sowie die Oekonomiepferde zu ergänzen. Etwa noch vorhandene Voll- 
blutthiere werden als Jährlinge verkauft. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bezirk Oppeln (Oberschlesien). Kreis Pless. 

Name des Gestüts: LOUiSGnllOf. 

Besitzer: Fürst von Pless. 

Topographisches: Das Gestüt Louisenhof liegt von der Kreisstadt Pless ca. 
1 km entfernt. Die Fideikommiss-Herrschaft Pless grenzt gegen Galizien 
und Oesterriiichisch - Schlesien und ist von Breslau aus von der Station 
der rechten Oderufer -Eisenbahn, sowie von Oesterreich, von der Kaiser 
Ferdinands-Nordbahn aus zu erreichen. 

Louisenhof umfasst ein Areal von über 255 ha incl. Koppeln und- 
Weiden und liegt in einer Höhe von 238 m über dem Wasserspiegel der 
Weichsel. Der Winter ist kalt und rauh. Dazu gehören kleine Fohlen- 
höfe: Stenzelhof, Miserau, Poremba, Kempa. 

Geschichtliches: Chronikalischer Ueberlieferungen zufolge bestand auf der- 
selben Herrschaft seit dem Jahre 1740 in einem an der Weichsel ge- 
legenen Vorwerke Deutsch-Weichsel das sogenannte „alte Gestüt" bis 
zum Jahre 1845, also über 100 Jahre. Während dieser langen Zeit 



Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Oppeln (Oberschlesien). Kreis Pless. 13 

hatte sich hier eine konstante Rasse gebildet, die hervorgegangen war aus 
der Paarung von besseren Landstuten mit arabischen und spanischen 
Hengsten, die durch besondere Ausdauer sich auszeichneten. Da der 
Besitzer aus diesem Pferdebestand weder Luxuspferde, noch solche für 
Eeit- und Jagdzwecke erlangen konnte, fühlte er sich bewogen, das „alte" 
Plesser Gestüt eingehen zu lassen. 

Bei der Uebersiedelung des Vaters des Fürsten von Pless, Standes- 
herrn Grafen von Hochberg-Fürstenstein nach Pless, wurde von 1845 an 
ausschliesslich nur englisches Voll- und Halbblut eingeführt. Dieses neue 
Zuchtmaterial verblieb vorläufig in dem „alten Gestüt" (Deutsch- Weichsel) 
bis 1851, zu welcher Zeit dieses nach Louisenhof überführt wurde. Seit 
der Neuerrichtung werden in Louisenhof sämmtliche junge Hengste und 
die für den Marstall bestimmten Eemonten, welche später wieder als 
Mutterstuten in das Gestüt kommen, aufgezogen. Die in Louisenhof 
befindlichen ca. 40 Mutterstuten werden, mit Ausnahme der VoUblut- 
und sehr edlen Stuten, welche frei gehen, als Ackerpferde verwendet und 
mit den im Vorwerk Kempa vorhandenen ca. 20 Mutterstuten mit zu 
Wirthschaftsarbeiten herangezogen. Die Fohlen kommen als Absetzfohlen 
nach Kempa. 

Nach 1845 sind als im Louisenhof thätig gewesene englische Voll- 
bluthengste zu bezeichnen: Y. Rebeller, D'Krille^ Flambeau, Black Prhicej 
Napoleo7i, Rhadatnooth, Mzello, Xi, Flame (Sohn des Flambeau)^ Prince 
Camille (Sohn des Black Frince), Blue Rock, desgl. als englische Halb- 
bluthengste: Regulator, Reactionaer, Esfartero (Kgl. Landesbeschäler), 
Deficit, Telegraf^ Young Starke, Stahl (Bruder vom Youfig Starke), 
Secundant, desgl. Kgl. Landesbeschäler. 

Dui'chschnittlicher Bestand des betr. Gestüts erhöht sich auf ca. 
200 — 240 Zuchtthiere incl. der Fohlen, ferner werden gewöhnlich 2 eng- 
lische Vollbluthengste und ca. 5 Vollblutstuten, neben einigen Haiblut- 
Landesbeschälern ca. 100 Halbblutstuten gehalten. Durchschnittlich werden 
ca. 4 VoUblut- und 100 Halbblutfohlen geboren. 
Züchtung: Zuchtzweck: die Zucht von Can'ossiers und edlen, aber starken 
Eeitpferden für schweres Gewicht. Die besten männlichen Thiere werden 
von der Kgl. Gestütsverwaltung alljährlich ausgesucht und mit der Be- 
stimmung zu Landesbeschälern aufgezogen ; di'eijährig verkauft gehen solche 
in die Landesgestüte. Die in der Farbe nicht passenden Wallachen — 
die fürstlichen Herrschaften lieben nur Braune — und die leichteren, edlen 
Stuten, werden dreijährig an die Kgl. Eemonte- Ankaufs -Commission ab- 
gegeben, die übrigen Stuten kommen als Mutterstuten in Louisenhof, 
Miserau und Kempa in Pflege. 

1872 zählte das Gestüt einen Bestand von: 
3 Vollblutbeschälern, 
, 7 englischen Vollblut -Stuten, 

28 „ Halbblut- „ 

1 Suffolk- Mutterstute. 

Später wurde das Gestüt etwas vergrössert. 1897 zählte dasselbe 
1 Vollbluthengst und 4 Vollblutstuten. 

Die Halbblutstuten sind grosse, breite, edle Pferde, jährlich werden 
davon ca. 30 Fohlen geboren, die dreijährigen zur Zucht tauglichen 
werden belebt. 



14 Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Oppeln (Oberschlesien). Kreis Ratibor. 

Name des Gestüts: TWOrkaU. 

Besitzer: Graf Carl Saurma-Jelisch. 

Topographisches: Eine Herrschaft mit über 1500 ha Areal; Tworkau liegt 
IY2 km von der gleichnamigen Station der preussischen Staatseisenbahn 
Breslau — Oderberg, zwischen Eatibor und Oderberg, ca. 15 km von der 
mährischen Grenze. 

Geschichtliches: Im Jahre 1850 wurde das Gestüt von einem venvandten 
Vorgänger des gegenwärtigen Inhabers gegründet; es wurden zu jener 
Zeit Landstuten eingeführt und dazu einige englische Vollbluthengste 
gebracht. Von 1852 an wurde regelrechter mit englischem Vollblut 
verfahren. Dasselbe Verfahren bestand bis 1890 fort. 

Die Mutterstutenheerde zählt über 20 Thiere, die aus der eigenen 
Zucht hervorgegangen. Der grössere Theil dieser sind Haiblutstuten, die 
von englischen Vollbluthengsten erzeugt werden. Die Uebrigen sind 
Kreuzungsprodukte, die aus der Paarung solcher Halbblutstuten mit 
Percheron- oder belgischen Hengsten hervorgegangen sind. Jährlich werden 
ca. 10 Fohlen geboren und gezogen. 

Züchtung: Zuchtziel: Kutsch- und Ackerpferde mit leichtem Gang. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Oppeln. Kreis Gross-Strehlitz. 

Name des Gestüts: OlSChOWa. 

Besitzer: Graf v. Tschirschky-Renard. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt ca. 7 km südlich von Gross- 
Strehlitz und befindet sich dasselbe auf einem Rittergut mit Schloss. Der 
Gestütsort ist von Gross-Strehlitz aus auf Strasse, aber auch durch Eisen- 
bahn von der Station Gogolin der preussischen Staatsbahn Beuthen — Oppeln 
zu erreichen. 

Areal über 20 ha. — Lehmboden, Wald und Teiche in der Nähej 
9 ha von Mauern und Lattenzäunen umschlossenen bezw. getrennten Koppeln. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1825 von Graf Andreas Renard gegi'ündet 
und zwar mit Stutenmaterial unbekannter Abstammung. 1827 wurde 
Vollblutmaterial eingeführt. Seit 1861 begann der Zuchtzweck, nur 
Rennpferde zu erzeugen, dabei war aber auch nicht aus dem Auge ge- 
lassen worden. Reit- und Wagenpferde für den eigenen Bedarf zu züchten. 
Es gelangten durch Vermittelung des schlesischen Aktien -Vereins, 
durch diesen bezogene Vollblutpferde, zur Einstellung die Stuten 
Bobadilla^ Caprice von Reveller, Blücher -Stute; es wurden hierzu anfangs 
eigene Hengste benutzt: King-Forgus, Malvolio, Rush, 'Sinbad; später 
neue desgleichen eingestellt. Auch wurden Halbbluthengste von hier 
ausgezeichnete Rennpferde. 

Züchtung: Vollblutmutterstuten sind durchschnittlich 26 vorhanden und 
werden jährlich ca. 12 Vollblutfohlen geboren. Letztere werden, soweit 
erforderlich, als Jährlinge verkauft. 

Das Gestüt besteht als Renngestüt fort. — 



Provinz Oberschlesien. Reg.-Bez. Oppeln. Kreis Tost-Gleiwitz. 15 

Name des Gestüts: LSlbcind. 

Besitzer: Freiherr von Welczeck. 

Topographisches: Laband ist Majoratsherrscbaft, gleichzeitig Station der 
oberschlesiscben Eisenbahn, in nordwestlicher Lage von Gleiwitz und liegt 
am Koldnitzfluss. Zur Herrschaft gehören noch 3 Vorwerke: Schechowltz, 
Niepaschütz und Alt-Gleiwitz. Sand- und Lehmboden. 6 km von Gleivdtz 
entfernt. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts datirt zurück in die 1850er Jahre. 
Hiermit wurde von dem Vorgänger des gegenwärtigen Besitzers einige 
englische, edle Halbblutstuten und 2 Vollbluthengsten: Blacklock und 
Young Morisco begonnen. Später folgten hierzu noch Gross-Strehlitzer- 

* und andere Hengste. Bis zu letzterer Zeit wurden in Laband bis %&%<i,\L 
150 Pferde insgesammt gehalten. Die Pferde haben ansehnliche Grösse,, 
sind starkknochig und kräftig, von schönen edlen Formen. 

Züchtung: Zuchtziel: Hervorbringung eines schweren edlen Reit- und leichten. 
Wagenpferdes, auch Luxuspferde. Fohlen jährlich ca. 10 Stück iu 
Koppeln und Laufhöfe. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Breslau. Grafschaft Glatz. 

Name des Gestüts: MittelStelnG. 

Besitzer: Freiherr von Lüttwitz. 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich auf grösserem Gute mit Areal 
von 510 ha. 

Geschichtliches: Die Gründung dieses Gestüts erfolgte 1875 mit einigen 

Vollblut- und Halbblutstuten: dasselbe hat einen Bestand von ca. 30 Pferden.. 

Sechs Mutterstuten — kräftige und massige Halbblutpferde — werden 

von Hengsten des Landgestüts gedeckt. 
Züchtung: Zuchtziel: Pferde mit viel Blut, viel Körpermasse, Gängigkeit 

und Ausdauer. Zuchtzweck: Verkauf der jung aufgezogenen Thiere als 

Reit- und Wagenpferde. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bez Breslau. Kreis Wartenberg. 

Name des Gestüts: Ober-Stradam. 

Besitzer: Majoratsherr von Reiner sdor ff. 

Topographisches: Stradam, Station der Breslau — Warschauer Eisenbahn; 
von da liegt das Gestüt ca. 5 km entfernt. Die Grundfläche der Herr- 
schaft umfasst über 1700 ha, der Boden ist meist sandig. 

Geschichtliches: Seit Ende der 1840er Jahre wurde vom Besitzer hier ein 
Gestüt mit unterhalten. Erst wurde mit ^er Zucht von Arbeitspferden 
begonnen, später (1850) einige Vollblutpferde: Alexis von Hochee Pocku 
aus der Alexine, Dartagnan von Bustle aus der Anna v. Velocipede an- 
geschafft, wozu später ein in Neustadt a. d. Dosse gezogener Anglo-Araber 



16 Provinz Schlesien. Reg .-Bez. Breslau. Kreis Wartenberg. 

Fies CO von Ibrahim Pascha eingestellt wurde. 1873 kam Damian 
von Seahorse aus der Doxy v. Sayders hinzu. Seit 1885 versah Maas- 
holder von Shamant aus der Artesia v. Stockwell die Deckung der Stuten. 

Einige Mutterstuten wurden nacli Olschowa zum Decken überführt 
(Flibustier, Pirat), sowie auch zu den Kgl. Landesbeschälern (Virlist etc.y'. 

Die Zahl der Mutterstuten betrug längere Zeit, bis gegen das Jahr 
1889, ca. 20 Stück, davon gehörten ca. 5 dem Vollblut, 7 dem Halb- 
blut und ca. 8 der schlesischen Landrasse an. Gesammtbestand gegen 
200 Pferde. 
Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung edler, leistungsfähiger Jagd- und Offizier- 
Reitpferde, ferner gängiger, mittelstarker Wagenpferde und endlich fleissiger, 
gängiger Acker- und Wii'thschaftspferde. Die erstere Art wird meist ver- 
kauft, die beiden letzten Arten jedoch für den eignen Gebrauch gestellt. 

Brandzetchen : 

Nebenstehendes Brandzeichen wurde auf der 
linken Hinterbacke ans'ebracht. 




Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Breslau. Kreis Oels. 

Name des Gestüts: näclKB. 

Besitzer: Freiherr von Kessel-Zeutsch, 

Topographisches: ßaake l km von Bohrau. Station der rechten Oderufer- 
Eisenbahn. Majorat mit 2 Vorwerken und Hauptgut; Areal 850 ha. 
Boden: hügelig, waldreich, fruchtbar. 

Geschichtliches: Das Gestüt wui'de 1875 gegründet und dazu 2 Hengste 
und 8 Stuten aufgestellt; die Stuten und Hengste waren „Ardenner", die 
theils rein, theils mit schlesischen Landstuten gezüchtet wurden. Der 
Gesammtbestand des Gestüts erhielt sich bis Ende 1889 auf ca. 50 Köpfe. 
Wie die „Ardenner" überhaupt, so zeichneten sich auch die hierher 
gebrachten und hier geborenen Thiere nur in ihrer Rasse besonders aus. 
Die Thiere sind stets gutwillig und stets arbeitsam. 

Die Verwendung der hier gezüchteten Pferde erfolgt nur für Arbeiten 
des Grundbesitzes. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Liegnitz (Niederschlesien). Kreis Sprottau. 

Name des Gestüts: PrlmkenaU. 

Besitzer: Herzog Ernst Günther 

zti Schleswig-Holstem -Augustenburg. 

Topographisches: Primkenau ist eine Herrschaft mit 13 000 ha Ai-eal, 
incl. der dazu gehörigen 7 Vorwerke. Der Boden zum Theil sandig, zum 
Theil moorig, Torfstich; Nadelholzwaldungen. Die Einrichtungen sind 



Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Liegnitz (Niederschlesien). Kreis Sprottau. 17 

einfach, aber praktisch; für Pferdezuchtzwecke — Weiden- und Fohlen- 
garten — ist 1 ha Areal Bodenfläche bestimmt. 

Primkenau ist von Waltersdorf, Station der Hansdorf — Lissaer 
Eisenbahn zu erreichen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte 1887 mit einem aus 
England eingeführten braunen Vollbluthengste Ismail Pascha von Clanronald 
aus der Liason von Lord Clifden, sowie einer aus braunschw. Gestüt 
gezogenen Vollblutfuchsstute Antigene. 1890 kamen noch eine weitere 
Stute des edlen Halbblutes Mignon und zwei ungarische Juckerstuten 
Kikki und Bess hinzu. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Breslau. Kreis Neumarkt. 

Name des Gestüts: RomOlkwItZ (Vollblutgestüt). 

Besitzer: Graf Lasy Henckel von Donner smarck. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt in der Nähe von Canth, am Schweid- 
nitzer Wasser und an der Breslau — Freiburger Eisenbahn. 

Geschichtliches: Vom obigen Besitzer wurde das Gestüt 1864 gegründet. 
Die Mutterstutenheerde besteht aus 14 — 16 Vollblutstuten, in der Y. Buc- 
caneer aus der Lava von Orlando als Beschäler thätig war. Die Zahl der 
Fohlen beträgt jährlich 5 — 8 Stück, die als Jährlinge in Breslau für hohe 
Preise verkauft werden. 

Provinz Schlesien. Reg.-Bez. Oppeln (Oberschlesien). Kreis Ratibor. 

Name des Gestüts: AdamOWltZ. 

Besitzer: Herzog von Ratibor, Fürst zu Corvey. 

Topographisches: Adamowitz liegt am rechten Ufer der Oder, ca. 10 km 
von Ratibor und 5 km von der Eisenbahnstation Nendza; daher leicht zu 
erreichen. Der Gestütsort war früher ein Vorwerk mit Oekonomiebetrieb; 
über 200 ha Areal. Guter Gestütshof mit steinernen Gebäuden; um- 
zäunte Weidekoppeln; viel Oderwiesen. 

Geschichtliches: Um das Jahr 1852 wurde das Gestüt gegründet und dazu 
gegen 20 Stück hannoversche Fohlen, besten Blutes, beschaflt; diese 
wurden in Corvey a. d. Weser aufgezogen und 1855 über die verschiedenen 
Vorwerke der Herrschaft Ratibor vertheilt. Ausserdem wurden einige 
Vollblutstuten, und 1862 zwei Clydesdaler Stuten in die Mutter- 
heerde gebracht, welche letztere in England erzogen waren. — Beschäler 
waren: Aristodemus, Ferozepore, Rienzi, Schegoleff, The Lawyer und der 
Halbbluthengst Salow. 1866 flüchtete das Gestüt nach Russisch- 
Polen (Sielce). Bestand 1872: 1 Vollblutbeschäler, 4 Vollblutstuten, 
21 Halbblutstuten, 2 Clydesdaler Stuten; 1895: unter ca. 30 Mutterstuten 
ungefähr 8 vollblütige. Als Beschäler werden auch die Deckhengste des 
Vollblutes (Goldmann und Weltmann) im Landgestüt Cosel benutzt. 

Züchtung: Starkes, kräftiges Halbblutpferd. 

Bläuer, Gestüte. 2 



18 Provinz Schlesien. Eeg.-Bez. Breslau. Kreis Striegau. 

Name des Gestüts: GäberSdOPf. 

Besitzer: Premier -Leutnant a. D. von Kramsta. 

Topographisches: Das Gestüt liegt IV2 Meilen von der Eisenbahnstation 
Striegau. Der Boden ist ergiebig, deshalb keine Weiden. Die Wiesen 
sind dreischürig, das Wasser ist gesund. Das Gestüt steht mit dem 
Oekonomiehof in engster Verbindung, 4 Koppeln sind von Mauern 
umringt. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde um 1830 gegründet, der erste Stamm 
waren einige, englische und mecklenburger Stuten und ein Vollbluthengst. 
1840 — 1843 wurde das Gestüt von der Beschälseuche heimgesucht. Es 
wurden hiernach wieder mecklenburger Stuten und ein Vollbluthengst 
eingeführt. Anfangs der 1850 er Jahre wurden anderweit 5 Vollblut- 
stuten erworben. 

Unter den früheren Beschälern sind die Vollbluthengste Caravan^ 
Challenger der Erstgeborene und Shakespeare zu nennen und vorher der 
1848 geborene Vollbluthengst St. Bernhard von Heydebrand. 

Die ganze Besitzung mit dem Gestüt wurde 1882 in andere Hände 
gegeben und zeigte hiernach der Nachfolger kein Interesse für Pferde- 
zucht, deshalb wurde das Gestüt aufgegeben. 



Provinz Schlesien. Reg. -Bez. Oppeln Kreis Gross-Strehlitz. 

Name des Gestüts: GrOSS-StrehÜtZ. 

Besitzer: Graf v. Tschirschky -Renard. 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich auf einem Rittergut mit Schloss 
gleichen Namens, in der Nähe der Stadt, woselbst der Direktor der Ge- 
stüte Gross-Strehlitz und Olschowa wohnt. Gross-Strehlitz ist von Oppeln 
aus bequem zu erreichen. 

Geschichtliches: Die Stadt Gross-Strehlitz war ehedem (seit 1650) Eigen- 
thum der Grafen Colonna-Fels und kain durch Erbschaft an den Grafen 
Renard. Letzterem gehört auch das von diesem im Jahre 1825 
gegründete, einige Kilometer südlich von Gross - Strehlitz befindliche 
Gestüt Olschowa. Eine bei Gross-Strehlitz vorhandene Trainirbahn von 
früher wird noch als Bewegungsplatz für die gräflichen Marstallpferde 
benutzt. 

Züchtung: Vom Herbst bis zum folgenden Frühjahr werden die im Laufe 
des Jahres geborenen Vollblutfohlen ausser den gräflichen Marstallpf erden 
untergebracht, wobei ersteren die geeignete Bewegung zu theil wird, 
wonach diese dann während des Sommers wieder nach Olschowa bis zum 
Verkauf in die Koppeln kommen. 

Bestand 1900: 15 Mutterstuten, 1 Beschäler mit Namen Frei- 
maurer (Sohn des Flibuster). 



Provinz Sachsen. Reg -Bez. Magdeburg. Kreis Osterburg. 19 

Name des Gestüts: APendsee (Kgl.pr.Remonte-Depöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Arendsee, Stadt am See gleichen Namens, 3 M. nord- 
westlich von Osterburg, hat bedeutende Landwirthschaft und über 2000 
Einvpohner. 

Geschichtliches: Das Remonte-Depöt w^urde hier 1868 eingerichtet für ca. 
400 Remonten. 

Provinz Sachsen. Reg -Bez. Merseburg. Kreis Halle. 

Name des Gestüts: KrBUtZ (Kgl. pr. Remonte-Depöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Bezeichnetes Landgestüt liegt in der Nähe von Halle und 
ist selbiges von da aus leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Ehedem w^ar betr. Landgestüt in Repitz und in Dohlen 
(zu Graditz) untergebracht, dasselbe wurde 1877 nach Lindenau bei 
Neustadt a./D. verlegt und kam hiernach nach Kreutz, bei einem 
Dorf Namens Kröllwitz, in die zu diesem Zwecke neu errichteten Ge- 
bäude, mit 95 Beschälern. Diese Zahl erwies sich bald infolge des 
grösseren Aufschwunges der kaltblütigen Pferdezucht der dortigen Pro- 
vinz als nicht ausreichend und wiederholt wurde eine Vermehrung des 
Bestandes vorgenommen, sodass das Gestüt im Jahre 1899 125 Beschäler 
aufweist, darunter befinden sich 80 englische Vollbluthengste, 31 Belgier, 
4 vom französischen Ackerschlag und 10 Halbbluthengste (Hannoveraner 
und Oldenburger). Anfang April 1900 ist die Zahl der Hengste auf 135 
gebracht worden. 

Höherer Anordnung zu Folge werden, da das Herzogthum Alten- 
burg ein Landgestüt nicht besitzt, 4 bezw. auch mehr Hengste in 2 Sta- 
tionen des altenburgischen Landes aufgestellt. 

Kreutz lässt zur Zeit genannte Zahl Hengste in gegen 50 Sta- 
tionen decken. 

Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Erfurt (Thüringen). Grafschaft Henneberg. 

Name des Gestüts: VCSSra. 

Besitzer : Staats -Fiscus. 

Topographisches: Vessra, oder früher „Kloster Vessra" genannt, ist ein Dorf 
in der Nähe der meiningschen Grenze, an der Werra; es war hier 1131 
von dem Grafen Gottwalt v. Henneberg eine Prämonstratenser- Abtei mit 
dem Erbbegräbniss des Grafen von Henneberg gegründet worden. Unter 
Kurfürst Johann Georg I. wurde das Kloster aufgehoben und 1646 zu 
landwirthschaftlichen Zwecken und zur Unterbringung eines Gestütes ein- 
gerichtet. Lage im Thüringer Wald, auf dem Kamm desselben, in ca. 
2 Stunden von Schleusingen zu erreichen. Die Weiden umfassten ein 
beträchtliches Areal. Die Wiesen des Gestüts lagen zum Theil im Ge- 

2* 



20 Provinz Sachsen. Reg -Bez. Erfurt (Thüringen). Grafschaft Henneberg. 

birge, zum Theil in Thälern; Ertrag sehr gut. Die Gebäude des Gestüts 
bilden ein längliches Viereck, welches an jedem der beiden entferntesten 
Punkte mit einer Thorfahrt durchbrochen ist. Hengst-, Stuten- und 
Fohlenställe geeignet eingerichtet. Reitschule und Krankenstall vorhanden. 
Sehr gute Beamtenwohnungen in abgesondertem. Gebäude. 

Geschichtliches: Gegen Ende des 17. Jahrhunderts soll nach vereinzelten 
Notizen in Vessra ein Kurfürstliches Gestüt mit gegen 100 Mutterstuten 
bestanden haben. Dasselbe soll jedoch nach kurzem Bestehen etwas 
zurückgegangen, ja selbst dem Auflösen nahe gewesen; doch wird 
letzteres nicht erfolgt sein, da Kurfürst Friedrich August 1744 eine 
Neueinrichtung besagten Gestüts befohlen habe, die einige Jahre später 
(1746) erfolgt sei. Um jene Zeit, bezw. etwas später (1760) befand sich 
hier ein Pferdebestand von 5 Beschälern, 64 Mutterstuteu und gegen 
100 Fohlen verschiedener Jahrgänge. Wegen der Kriegsunruhen flüchtete 
1778 das Gestüt von hier nach Wendelstein. Nach Verlauf eines 
Jahres kehrte dasselbe wieder zurück. Eine neue Organisation der 
sächsischen Gestüte forderte damals (1786) eine Verringerung des Be- 
standes. Die in Vessra gezogenen Pferde sind gute Reit- und leichte 
Wagenpferde gewesen, die sich durch Schönheit und Ausdauer, sowie 
gute Extremitäten auszeichneten; diese Pferde waren stark untersetzt und 
muskulös gebaut. 

1813 hatte Vessra einen Bestand von gegen 140 Pferden. 1815 kam 
es infolge Krieges mit Kursachsen an Preussen. 1821 wurde von der 
preussischen Verwaltung von neuem die Veranlassung zu einem Zucht- 
gestüt in Vessra gegeben. Es kamen Wiesen dazu, es wurde 1822 ein 
Hengststall gebaut; 1824 und 1834 weitere Zuchtställe hergestellt und 
1830 eine Reitschule errichtet. Für die neuaufgenommene Zucht wurde 
die Mutterstutenheerde auf 60 Stück erhöht, diese kamen zum Theil aus 
dem Friedrich Wilhelm-Gestüt zu Neustadt a. D., zum Theil aus Trakehnen. 
Als Beschäler wurden Cotnus von Allahor von Turk-Main-Atty^ sowie von 
Koylan Nachkommen, Talma und Bailirapta (Rappe) benutzt, neben denen 
auch noch die Orientalen: Siwas, Madim und Kapudan- Pascha und auch 
noch Ti-akehner und Graditzer Hengste verwendet wurden. Ausser den 
soeben erwähnten Hengsten kamen 1833 noch der Vollbluthengst Asthley 
von Magistrate aus einer Stute von Sancho. 

Züchtung: Mit diesem Zuchtmaterial sollte Vessra ein leichtbewegliches, 
ausdauerndes Reit- und Wagenpferd erzielen und dadurch die Landes - 
Pferdezucht heben, dabei aber ein Gebirgspferd zu erzeugen im Auge 
behalten, nach den Vorbildern von Harzburg und Lippiza's damaliger 
Zeit. Im Allgemeinen entsprachen die hier gezogenen Pferde dem gesteckten 
Zuchtziel, doch mangelte zumeist ihnen die gewünschte Grösse. 1840 wurde 
das ganze Gestüt zu Gunsten des Graditzer Gestüts aufgelöst. 

Brandzeichen: 

Das Gestütsbrandzeichen bestand 
bis gegen 1836. 




Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Merseburg. Kreis Torgau. 21 

Name des Gestüts: --f GraCÜtZ (Haupt- Gestüt). 
Besitzer: Königlich Preussischer Fiscus. 

Topographisches: Graditz liegt mit den Vorwerken Dohlen und Neu- 
bleesern 4 km südlicli von Torgau am rechten Ufer und Repitz am 
linken Ufer der Elbe. Das Gesammtareal des Gestüts beläuft sich auf 
ca. 1300 ha. Von der Station Zschackau (Halle — Sorauer Eisenbahn) aus 
en-eicht man Graditz in einer kleinen Stunde. Grosser Oekonomiebetrieb, 
Boden fruchtbar (leicht überschwemmbare Eibwiesen). 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte unter Kurfürst Johann 
Georg in. von Sachsen um das Jahr 1686, zu welcher Zeit Eepitz und 
1691 Dohlen gebaut, und diese Komplexe für Gestütszwecke eingerichtet 
wurden. 1722 — 1723 wurde auf Befehl des Kurfürsten August des 
Starken von Sachsen Graditz und Kreyschau hierzu noch mit her- 
gestellt, und zwar unter der Bedingung, dass die zu jener Zeit bestan- 
denen Gestüte Kaikreuth, Bleesern, Borschütz, Zella, Paudritzsch und Repitz 
aufgehoben, bezw. die Bestände dieser nach Graditz, Kreyschau und Dohlen 
verlegt wurden. Zu Anfang dieses Jahrhunderts wurden hier verschiedene 
Rassen und Farben gezüchtet, ebenso auch eine Maulthierzucht mit be- 
trieben. 1723 hatte Graditz im ganzen einen Bestand von 545 Pferden 
mit gegen 60 englischen und türkischen Stuten. Im Jahre 1748 wurde 
durch Herstellung anderweiter Gestüte zu Merseburg, Wendelstein 
und Vessra Graditz vergrössert, aber verschiedene Umstände halber 
1815 wieder eingestellt. 

1815 wurde Graditz von Preussen übernommen mit einem Bestand 
von 8 Beschälern, 186 Stuten und 179 Fohlen. Die Rasse dieser Pferde 
war zu dieser Zeit nicht sehr edel und gleichmässig. Es wurden daher 
von dieser Zeit bis 1819 aus dem Friedrich Wilhelm-Gestüt zu Neustadt a. D. 
edle Zuchtpferde übernommen; auch waren 1816 schon 22 Stuten aus 
der Normandie bezogen worden. Kurz dai'nach wurden fernerweit noch 
Pferde aus dem Friedrich Wilhelm -Gestüt und aus Trakehnen, behufs 
Verbesserung der Graditzer Mutterheerde, edle Stuten geliefert, sowie 
anderweit englische und orientalische VoUblutstviten eingestellt. 
Seit dieser Zeit besteht Graditz als Haupt-Gestüt; daselbst wird bis 
zum heutigen Tage Vollblutzucht betrieben und ist Repitz zur 
Ausführung von Halbblutzucht eingerichtet, auch sind die dazu 
gehörigen Vorwerke Dohlen als Fohlenhof für Stuten und Neubleeseru 
als Pohlenhof für Hengste bestimmt. 

Züchtung: 1814 Stutenbestand ca. -200 Köpfe. 1816 kamen ins Gestüt: 
22 Normänner-Stuten und 5 ebensolche Hengste nach Graditz. Friedrich 
Wilhelm-Gestüt und Trakehnen geben auch fortwährend Pferde nach hier 
ab. Nach preussischer Besitznahme wurden orientalische und eng- 
lische Hengste benutzt: Bayard und Swaran, beide von Tür k- Main- Atty; 
Aleides, Rinaldo, Söhne des Bayard; Fedor Tandem^ Sabal, Madim, vor- 
zügliche Nationalaraber; Herosion, Koylan, Bucephalus, Hildago etc. Von 
1826 an deckten englische Vollbluthengste: Black Amor, Hogard, Dicky 
etc. Von 1832 ab wandte sich das Gestüt nach und nach mehr der 
Vollblutzucht und der Rennbahn zu; die gesammte Vollblutzucht der 



22 Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Merseburg. Kreis Torgau. 

drei Haupt-Gestüte wurde durch Umtausch der Stuten 1866 nach Gi'aditz 
verlegt nebst Trainir- Anstalt. 

Nach Mittheilung des „Sporn" sind 1867 nach Verlauf von 29 Jahren 
257 in Graditz gezogene Pferde zu über lYg Tausend Rennen zur Verwendung 
gekommen. Das erfolgreichste Pferd davon war der 1888 geborene schwarz- 
braune Hengst Peter von Cha?ne?ii aus der Pearling. 1890 5 Vollblut- 
hengste: Fldgeolet, Dandin, Weltmaiin, Potrimpo und Inselberg. Von 
Fohlen wurden 1896 34 Vollblutfohlen geboren, von denen die meisten 
Chame?it zum Vater hatten. 17 Hengste, Voll- und Halbblut, wurden 
1896 für Landgestütszwecke abgegeben. Im Rennstall befanden sich 
um dieselbe Zeit 39 Köpfe, 1900 43 Pferde. 

In Repitz wird die Halbblutzucht von 4 Hauptbeschälern und 
ca. 120 Zuchtstuten vertreten. Durchschnittlicher Bestand 3— 500 Fohlen. 
Insgesammt hatte Graditz 1896 10 Hauptbeschäler, 190 Mutterstuten und 
524 junge Pferde aufzuweisen. — Graf Lehndorff, Excellenz, hat die 
von Mr. B. Gough in England gezogene Fuchsstute Fair Edith von York 
(^von Cathedral)^ Watherglass von Student., für das Haupt-Gestüt Graditz 
angekauft; die Stute gehört zu der bedeutenden Runningfamilie 2. — 
Nach dem Bericht von Ende 1900 besitzt das Gestüt 57 Vollblutmutter- 
stuten. Für die Bedeckung dieser Stutenheerde werden 14 Hengste ver- 
wendet. Jährlinge hat Graditz Ende 1900 18 Stück aufzuweisen. In- 
folge Seuchenhaften Verwerfens der übrigen Stuten ist die Fohlenzahl 
geringer geworden. Dem Rennstall des Gestüts gehören 44 Pferde an. 
Brandzeichen: Es besteht dasselbe aus zwei nach abwärts gerichteten, sich 
kreuzenden Pfeilen, um die eine Schlange sich windet — 
Andreaskreuz mit Schlange. Der Brand wird an der 
rechten Hinterbacke angebracht; es erhalten diesen Brand, 
ausser den Vollblut thieren, alle im Gestüt befindlichen Pferde. 



Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Merseburg. Kreis Querfurt (Thüringen). 

Name des Gestüts: Wendelstein. 

Besitzer: Preussischer Staats -FiscMS. 

Topographisches: Wendelstein, Dorf mit altem, verfallenen Bergschloss 
und einem Kgl. Domänenamte. Dem Gestüt waren viele Gebäude zur 
Unterbringung der Pferde zugetheilt. Die Trinkwasserbeschaffenheit soll 
dort stets eine sehr ungünstige gewesen sein. Das Areal beträgt 5 ha. 

Geschichtliches: In genanntem Orte befand sich ehedem ein umfängliches 
Gestüt, dessen Gründung annähernd in die 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts 
fällt. In den Ställen waren gegen 200 Pferde untergebracht. 

1746, nach dem Tode Johann Albrecht IL von Sachsen -Weissenfeis, 
fiel dieser Zweig an das damalige Kurhaus Sachsen. Es wurde hiernach 
eine Reorganisation des Gestüts angeordnet und zunächst die Pferdezahl 
herabgesetzt. Als im Jahre 1748 die Aufhebung der Stutereien in Neu- 
bleesern und Kreyschau erfolgte, wurde Wendelstein wieder vergrössert, 
später aber eigenartiger Umstände halber 1771 das Gestüt aufgehoben. 




Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Merseburg. Kreis Querfurt (Thüringen). 23 

Wegen der Kriegsunruhen flüchtete das Gestüt Vessra 1778 nach 
Wendelstein. 1780 fand eine Neueinrichtung in Wendelstein statt: es 
wurden 21 Mutterstuten aus der Ukraine sowie 15 Hengste und 21 Stut- 
fohlen behufs Züchtung vom Torgauer Gestüt nach hier versetzt. Unter 
den früher bezeichneten Mängeln litt das Gestüt fort und die Zucht 
konnte keineswegs gefördert werden. 

Das Gestüt litt von 1813 an infolge der Befreiungskriege sehr, 
russische und preussische Truppen requirirten weit über hundert Pferde. 
1815 ei-folgte die Uebernahme durch Preussen. Das Gestüt wurde auf- 
gehoben. 

Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Merseburg. Kreis Merseburg. 

Name des Gestüts: MePSeburg. 

Besitzer: Königlich Preussischer Staats -Fiscus, 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt war ehedem, unter sächsischer Herr- 
schaft, ein sehr umfängliches Gestüt. Merseburg, Stadt a. d. Saale, 
ist an der Thüringer Eisenbahn gelegen. 

Geschichtliches: Dasselbe wurde 1563 vom Kurfürst August von Sachsen 
gegründet und in das mit Einführung der Reformation aufgegebene Kloster 
auf der Altenburg, einer Vorstadt Merseburgs, untergebracht. Kriegs- 
unruhen ])ereiteten dem Gestüt viel Schwierigkeiten, es wurde dasselbe 
deshalb 1818 an das Gestüt Graditz b. Torgau nebst dem Vorwerk Eepitz 
abgegeben. 

Züchtung: Es wurden ehedem für die aus dem kurfürstlichen Marstall in 
das vorstehende Gestüt gebrachten Stuten spanische Hengste verwendet. 



Brandzeichen: 




Jt 



Im Jahre 

1807 
eingeführt. 



um jedoch ein stärkeres Stuten- 
material zu erzielen, dahingehende 
Vorkehrungen mit Erfolg getroffen. 



Provinz Sachsen. Reg.-fiez. Merseburg. Kreis Torgau. 

Name des Gestüts: RepitZ. 

Besitzer: Königlich Preussischer Fiscus. 

Topographisches: Repitz liegt am linken Eibufer nördlich von Torgau, 
ungefähr nach ^2 Stunde vom letzteren Ort zu erreichen. Areal über 
230 ha, incl. 108 ha Wiesen; letztere werden zum Theil von der Elbe 
überschwemmt. Der Gestütshof ist von 3 Seiten mit Stallungen umgeben; 
im Hofraum Laufbuchten für die Fohlen. 

Repitz ist seit der Regelung der Gestüte Neustadt a. D. bezw. 
Lindenau, sowie des brandenburgischen Landgestüts, ganz den Zwecken 
des kgl. preuss. Hauptgestüts dienstbar gemacht. 



24 Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Magdeburg. Kreis Torgau. 

Geschichtliches: Repitz wurde 1686 von Kurfürst Johann Georg III. von 
Sachsen erbaut und zum Gestüt errichtet. Der Bestand desselben belief 
sich 1721 auf 40 Beschäler und 200 Hengstfohlen 1 — 4jährig; 1748 hatte 
sich diese Hengstfohlenzucht bedeutend vermehrt. Anfang des 19. Jahr- 
hunderts wurde, weil zu wenig Raum, das Hauptgestüt in Merseburg er- 
richtet. 1815 kamen die sächsischen Gestüte, und damit Merseburg und 
Repitz an Preussen; 1818 wurde das Landgestüt nach Repitz verlegt, 
blieb daselbst bestehen bis 1877; es übersiedelte dann nach Neustadt a. D. 
in den daselbst gelegenen Gestütshof Lindenau. der bis dahin der Aus- 
stellung des brandenburgischen Landgestüts gedient hatte. Seit dieser 
Zeit gehört Repitz vollständig dem Hauptgestüt Graditz an. 

Züchtung: In Repitz sind umfängliche Einrichtungen zur Ausführung von 
Halbblutzucht getroffen (s. Graditz). 

Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Magdeburg. Kreis Neuhaldensleben. 

Name des Gestüts: Althaldenslcben. 

Besitzer: H. von Nathusius. 

Topographisches: Althaldensleben ist Rittergut, welches früher Kloster 
war, wurde 1807 von Gottlob Nathusius von Baruth, der 1835 starb, 
gekauft, um darin ausser landwirthschaftlichen Unternehmungen noch ver- 
schiedene industrielle Anstalten errichten zu können. Von Magdeburg ist 
genannter Ort durch Eisenbahn leicht zu erreichen; von ersterem Orte 
ca. 20 km entfernt. 

Geschichtliches: im Jahre 1849 wurde hier ein Gestüt gegründet und zwar 
mit starken englischen Halbblutj)ferden, zu denen später Clydesdaler Blut 
gefügt wurde. 1863 wurde dazu ferner Norfolk-Traberhengst (Flyinbuck) 
angekauft, um dadurch einen leistungsfähigen Wagenschlag erzeugen zu 
können. 1865 kamen durch Kauf noch dazu 2 Clydesdaler Stuten; 1868: 
Hengst Napier und 2 Stuten derselben Rasse, nachweislich aus den 
besten schottischen Clydesdaler Familien. 

Gegenwärtig vorhandene Mutterstuten, ca. 25, stammen von dem Hengst 
Napier^ die mit den guten Formen sich den Kreuzungsprodukten bestens 
vererbt haben sollen. Durchschnittlicher Bestand: 1 Clydesdaler 
Hengst, 4 Clydesdaler Stuten, ca. 26 1 — 3jährige Halbblutfohlen. 

Züchtung: Prinzip: 3jährige Stuten wurden gedeckt und sämmtliche 3jährige 
Fohlen zur Arbeit verwendet. Laut direkter Mittheilung vom Gestütsbesitzer 
sollte 1882 zum ersten Mal ein Versuch mit Decken 2jähriger Stuten 
gemacht werden, wie dies in Schottland allgemein üblich wäre. Ueber 
den Erfolg konnten wir nichts erfahren. 

Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Merseburg. Kreis Delitzsch. 

Name des Gestüts: NCUhaUS. 

Besitzer: F, Schirmer. 

Topographisches: Ein Gut mit über 400 ha Areal incl. 1 Vorwerks. Neu- 
haus liegt ca, 6 km von Delitzsch entfernt, ebenso weit aber auch von 



Provinz Sachsen. Reg.-Bez. Merseburg. Kreis Delitzsch. 25 

Bitterfeld, von Halle bezw. Leipzig, aber auch von Berlin — Sorau etc. durch 
die Eisenbahn leicht zu erreichen. Boden sandiger Lehm, sehr fruchtbar. 
Geschichtliches: Dieser Gestütsplatz ist vom Besitzer nach und nach ver- 
grössert worden. Gegenwärtig enthält dasselbe im Ganzen einige 40 Pferde. 
Hiervon sind ungefähr gegen 20 Mutterstuten, theils Clydesdaler, theils 
Belgier, aufgestellt. Hierzu dienen 2 Beschäler genannter Eassen. Die 
Clydesdaler sind sämmtlich brauner Farbe mit Blässe und Fussabzeichen, 
die Belgier sind Schimmel. Jährlich werden 6 — 10 Fohlen gezogen. 

Provinz Westfalen. Reg.-Bez. Münster (Münsterland). Kreis Warendorf. 

Name des Gestüts: Warendorf (Westfäl. Landgesttit). 

Besitzer: Königlich Preussischer Staats -Fiscus, 

Topoyraphisches: Genannter Ort, Stadt an der Ems, ca. 25 km nordöstlich 
von Münster gelegen, befindet sich in sandiger Ebene mit kleinen Torf- 
mooren und ist dieser Gestütsplatz auf der Eisenbahnlinie Münster — Rheda — 
Lippstadt zu erreichen. Das Landgestüt befindet sich linkerseits der 
Ems, das Areal beträgt über 4 ha. 

Geschichtliches: Der Gestütshof wurde 1885 errichtet und in den Räumen 
untergebracht, worin sich von 1866 — 1870 auch das nassauische Be- 
schälerdepöt mit befand; letzteres wurde 1870 mit dem hessischen und 
waldeckischen vereinigt. Geschichtlich ist noch bemerkenswerth, dass 
das westfälische Landgestüt 1826 errichtet und mit 24 Hengsten 
bestellt wurde. Im Jahre 1840 erfolgte die Absonderung der Land- 
gestütseinrichtungen, damals mit 80 Hengsten bestellt, gegenwärtig mit 
einigen über Hundert, davon sind: 

29 Hengste auf 14 Stationen des Reg.-Bez. Münster, 

36 „ 1.17 „ ,„„ Minden und 

37 „ «17 „ , , „ Arnsberg. 
Davon sind von Hengsten: 

34 Hannoveraner, 12 Belgier, 

23 Ostfriesen, 2 Mecklenburger 

19 Oldenburger, 
und je 1 Hengst stammt aus Pommern, Westfalen, Rheinprovinz, Eng- 
land und dem Hauptgestüt Graditz. Massige Halbblutthiere (starker Reit- 
und Wagenschlag) sowie starker Wagen- und Ackerpferdeschlag. Be- 
stand 1900: 108 Hengste und 1901: 130 Hengste. 

Brandzeichen: 



Kam bis 1887 in Anwendung; 




26 Provinz Westfalen. Reg.-Bez. Münster. Kreis Lüdinghausen. 

Name des Gestüts: NordklrChen. 

Besitzer: Graf Ester hdzy (Nicolaus). 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich in der Nähe des Dorfes Nord- 
kirchen mit Schloss in einem grossen Park, welches in südlicher Richtung 
von Lüdinghausen, nach Zurücklegung von ca. 8 km Landweges, zu er- 
reichen ist. 

Geschichtliches: Der nun unlängst verstorbene Besitzer unterhielt hier, wie 
auch in Totis (Ungarn) ein Vollblutgestüt, welches dieser 1868 mit 
4 Vollblutstuten gründete; Ende der 1880er Jahre kamen weitere Mutter- 
stuten hinzu, die gegen 1890 ungefähr die Zahl von 20 — 24 erreicht 
hatten. Die Zahl der Fohlen beläuft sich jährlich durchschnittlich auf 
12 — 14 Stück. Von den Mutterstuten fielen 3 nach Vederemo, je 2 nach 
Cambustan, Ostreger und Blue Clown ^ während die anderen von anderen 
Vätern stammen, wie z. B. Wenlock, Pluhis, Pellegrino, Carnival etc. 
Als Beschäler stand zu jener Zeit Stronzian im Gestüt. 

Züchtung: Zuchtzweck' und -Ziel: Erzeugung von Vollblut-Eeit- und Renn- 
pferden. Die Ausbildung der betr. jungen Pferde erfolgte meist in der 
Trainiranstalt zu Totis mit bestem Erfolg. 

Rheinprovinz. Reg.-Bez. Köln. Kreis Köln. 

Name des Gestüts: Sctilenderhan. 

Besitzer: Freiherr von Oppenheim. 

Topographisches: Schlenderhan ist von Köln aus, von der Eisenbahnstation 
Horrem, der Eisenbahnlinie Köln — Herbesthal, in ungefähr 3 km zu er- 
reichen. Von Köln aus liegt das Gestüt 18 km entfernt. Ausser des 
Areals der Herrschaft sind für das Vollblutgestüt ca. 26 ha Land in 
einer fruchtbaren Niederung abgegrenzt. 

Geschichtliches: Genanntes Vollblutgestüt wurde 1865 gegründet. Dasselbe 
gewann in Deutschland nach einigen Jahren, wegen der intensiven Zucht, 
grosses Ansehen. Die zuerst im Gestüt aufgestellten Beschäler waren 
Monseigneur, Constanz^ Gastgeber und Quid pro quo. Der erstgenannte 
ein 1867 in Frankreich gezogener Fuchs von Orphelin a. d. Maid af Hart. 

Zur Bedeckung der Stuten wurde ein Theil nach England geschickt 
und daselbst den bedeutendsten Beschälern Springfield, Muncaster, Bendigo, 
Tristan, Saraband, Isonomy etc. zugeführt, ein anderer Theil wurde von 
edlen deutschen Hengsten Emilius, The Palmer, Hytnenaus, Chamant etc. 
und der Rest von dem eigenen Beschäler: Monseigneur belegt. 

Fohlen werden jährlich durchschnittlich 10 — 12 gezogen. Die Auf- 
zucht geschieht vornehmlich zu Rennzwecken: eigene Trainirbahn. Renn- 
erfolge sehr gut; Gewinne reichlich. 

Züchtung: Der seit 1899 hier laufende Hengst Saphir soll in der nächsten 
Deckzeit nur für 20 fremde Stuten zur Verfügung gestellt werden. Deck- 
taxe 500 Mk. Bedingung: die Stuten müssen Sieger oder Mütter von 
Siegern sein. 



Rheinprovinz. Reg.-Bez. Düsseldorf. Kreis Grevenbroich. 27 

Name des Gestüts: W ICkräth (rheinisches Landgesttit). 

Besitzer: Königlich Preussischer Staats -Fiscus. 

Topographisches: Wickrath ist ein Dorf mit einem Schloss, letzteres in 
eine Cavalleriekaserne umgewandelt; das Dorf liegt ca. 7 km südlich von 
München-Gladbach an der Niers und ist Station der Eisenbahn München — 
G-ladbach — Aachen. Im Norden von Wickrath Buchen- und Tannenwälder; 
die Gegend ist fruchtbar. Areal 5 ha. 
Geschichtliches: In den noch vorhandenen weitläufigen Nebengebäuden des 
im Jahre 1859 abgebrochenen Schlosses, ehemals dem reichsmittelbaren 
Grafen von Gnadt- Wickrath, umgeben von prächtigen Lindenalleen, ist das 
rheinische Landgestüt Wickrath untergebracht. Das Landgestüt wm-de 
1839 für den Bezirk der ganzen Rheinprovinz errichtet. Gegen 1880 
erhielt das Landgestüt noch gegen 50 Hengste; der Bestand beträgt 
bis über die Mitte der 1890er Jahre weit über 100 dergleichen; davon 
werden besetzt: 

14 Stationen mit 42 Hengsten im Eeg.-Bez. Düsseldorf, 
6 « « 14 „ „ , Köln, 

3 « „ 6 „ « » Aachen, 

2 r, „ 7 „ „ „ Koblenz und 

13 „ „ 31 „ B , Trier. 

Ferner sind 11 Hengste Halbblutthiere (starker Wagenschlag), während 
die übrigen kaltblütigen Schlägen (Belgier etc.) angehören. 
Züchtung: Zuchtrichtung: Erzielung eines schweren Arbeitspferdes. Be- 
stand 1901: 140 Hengste. 

Brandzeichen: •{• 



Wurde früher benutzt. 



Rheinprovinz. Reg.-Bez. Düsseldorf. Kreis Neuss. 

Name des Gestüts: SChSOGmaCk, Schavernach (Trabergestüt). 

(Neuerdings Lauvenburg genannt.) 

Besitzer: Christian Schaunte in Düsseldorf. 

Topographisches: Schabernack ist von der Eisenbahnstation Neuss, der 
Berlin — Düsseldorf — Aachener Eisenbahnlinie sowie der Köln — Clevener 
Eisenbahnlinie nach Zurücklegung 1 Y2 km Weg leicht zu erreichen. Es ist 
ein dem bezeichneten Besitzer gehöriges Gut, auf dem von demselben ein 
Trabergestüt unterhalten wird. Areal ca. 12 ha. Die ganze Fläche 
ist zu Gestütszwecken mit Weiden etc. eingerichtet. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte 1887. Zum Betrieb 
desselben waren neben einigen Halbblutstuten noch 4 englische Vollblut- 
stuten: Barfüsslein, von Barejoot, Enydo von Ethus, Glenarka von Saver- 
nake und Sybilla von Blinkhoole eingeführt. Zum Belegen der Stuten 



28 Rheinprovinz. Reg.-Bez. Düsseldorf. Kreis Neuss. 

wurden die Hengste des Trabergestüts Mariahall benützt. — Von 1889 
an erhielt erst das Gestüt den Typus der Traberzucht. In evsterem wurde 
der amerikanische Traberhengst Atherton von Atherton a. d. Ida Hatcher 
eingeführt, in letzterem, ausser einem solchen Jährling, der Hengst Addis 
Emmet a, d. Kitty Ä, sechs amerikanische Traberstuten von bestem Blut 
und Ansehen. Letztere Stuten waren zum Theil in der Heimat von besten 
Vaterthieren belegt. 1899 sind hier 3 Hengste und 3 Stuten gefallen; 
von diesen stammten 4 von Darkhight und 2 von Wolfhard\ beide 
Hengste stehen in Schabernack selbst. 
Züchtung: Bestand während der 1890er Jahre, ausser den Beschälern, gegen 
15 Mutterstuten (Vollblut) und mehrere Halbblutstuten englischer und 
hannoverscher Abstammung. Jährliche Zahl der geborenen Fohlen ca. 
5 — 6. Zuchtziel: Hervorbringung von Pferden für die Trabrennbahn 
und leistungsfähiger Wagenpferde. 

Rheinprovinz. Reg.-Bez. Trier. Kreis Merzig. 

Name des Gestüts: MßttlclCh. 

Besitzer: Commerzienrath Bock. 

Topographisches: Mettlach, auch Mettloch bezeichnet, ist ein Dorf, welches 
an der Saar und der Saarbahn liegt zwischen den Kreisstädten Saarburg 
und Merzig. Die von Trier nach Saarbrücken führende Eisenbahn berührt 
das Gestüt bis Eisenbahnstation Mettlach. Areal ca. 25 ha auf einer 
Halbinsel, die von einem von der Saar ausgeführten grossen Bogen ge- 
bildet wird. Diese Halbinsel gehört zur Gemeinde Keuchingen. Klima 
mild. 160 m über Meer. 

Geschichtliches: Obiger Besitzer gründete, nachdem er die Jahre zuvor 
die Halbinsel mit Baum- und Strauchgruppen geeignet bepflanzt hatte, 
1856 ein kleines Gestüt. Stallungen und Wohngebäude wurden vor- 
her im schweizerischen Styl errichtet. Kurz nach Gründung des Gestüts 
blieb das Zuchtziel unbestimmt. Um jene Zeit wurde vom Besitzer aus 
dem Privatgestüt des Königs von Württemberg der Araber-Schimmelhengst 
Vezier von Mazoud angekauft, und dieser bis 1870 benutzt und einging. 
Nach direkt eingezogenen Angaben wurde anfangs ein Reitschlag mit 
arabischem Blute erzielt; von 1866 habe man sich das Ziel gesteckt, edle 
Carossiers aus Trakehner und Anglonormaner Stuten und Halbbluthengste 
zu züchten, und daraus die tüchtigsten Produkte erzielt. Auch wurden 
Arbeitspferde aus schweren belgischen und Ardenner Stuten mit Halbblut- 
hengsten gezogen, und aus deren Stuten mit Ardenner Hengsten weiter 
gezüchtet. 

Züchtung: Hauptsächlich werden in Mettlach Rappen zu Carossiers gezüchtet. 
Das grösste Pferd — 188 cm hoch — , welches in Mettlach gezüchtet 
worden sei, habe sich zu Anfang der 1880er Jahre bei den Deutzer 
Cürassieren befunden. Später kam der englische Vollbluthengst Flux in 

Brandzeichen ' ' das Gestüt. Gestütsbestand durchschnittlich 

^"^ "^ ! jährlich 26 — 30 Pferde. Zuchtziel: Pro- 

1 dukte aus Halbblutstuten, tüchtige Militär- 

und Reitpferde zu schaifen. Man scheint 

I wieder mit einem Zuchtwechsel umzugehen. 



y 



Eheinprovinz. Reg.-Bez. Düsseldorf. Kreis Neuss a/Rh. (Kurköln). 29 

Name des Gestüts: Markartzhof. 

Besitzer: Wilhelm Johnen. 

Topographisches: Markartzhof ist ein mittelgrosses Gut mit einem Areal 
von ca. 45 ha. Dasselbe hat eine vorzügliche Bodenbeschaffenheit sowie 
gute Wiesen am Rhein und liegt im nördlichen Theil des Kreises 
Neuss in der Nähe der Städte: Neuss, Düsseldorf und Crefeld. Von 
den Bahnstationen Neuss, Osterrath und Weissenberg aus ist das Gestüt 
leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Der Besitzer hatte sich Ende der 1880 er Jahre sehr für 
Kaltblutzucht von Pferden in Brabanter Form erwärmt und dabei das 
Ziel sich gesteckt, Aufzucht junger Hengste zu betreiben und solche zur 
Verbreitung zu bringen. Das junge Gestüt entwickelte sich erfreulich 
und wurde schon 1890 der erste Beschäler dieser Zucht an die preuss. 
Gestütsverwaltung verkauft. Der Bestand sollte bis 1896 auf ca. 30 Pferde 
erhöht werden. 

Die Feldarbeiten werden durch 4-, 3- und 2jährige Stuten und 
Hengste ausgeführt. Die im Ehein. Pf. -Stutbuch eingetragenen Mutter- 
stuten des Gestüts waren : Basis (Grauschimmel), geb. 1880, älteste, sehr 
bewährte Stute, ferner eine schwere Stute Carree (Rothschimmel), geb. 1884, 
aus Belgien importirt , dann die rheinische Stute Comme il Jaut (Roth- 
schimmel), geb. 1891, die vierte Stute Anselma (Goldfuchs mit Blässe), 
geb. 1887, belgisch-französische Form. Hengste: Brabant (Rothschimmel), 
16 Ctr. schwer, 1,74 cm hoch. Nachkommen vorzüglich, weitere der- 
gleichen sind: Y' Roland, Elias, Conrad etc. Der jährliche Nachwuchs 
beträgt durchschnittlich 6 Fohlen. 

Züchtung: Die Fohlen bleiben in diesem Gestüt gewöhnlich 4 — 5 Monate 
bei der Stute, dann kommen sie im Sommer auf die Weide, im Winter 
in grosse Laufställe, im ersten Jahre ist die Ernährung intensiv: halb 
Gerstenschrot, halb Hafer, Kleie und Leinmehl, trocken verabreicht 
(8 — 10 Pfund), Heu nach Belieben, daneben pro Tag und Kopf 10 Liter 
Magermilch, mit Schluss der Weide Möhren bis zu 20 Pfund. Im 
zweiten Jahre neben Weide nur Schrotfutter, wie erwähnt, gegeben, die 
Fütterung ist voluminöser, mit vollendetem zweiten Jahre wird die Fütte- 
rung wieder intensiver. Im Alter von 18 — 20 Monaten werden die Thiere 
täglich je 1 Stunde angespannt. Das Gewicht eines rheinischen kalt- 
blütigen Fohlens beträgt bei der Geburt 55 — 65 kg, mit vollendetem 
1. Jahre 450 — 500 kg, am Schluss des 2. Jahres 600 — 750 kg und mit 
3 Jahren 750 — 800 kg und darüber. Die Futterverwerthung ist bei den 
rheinischen Kaltblütlern eine vorzügliche, diese nehmen bei mittlerer Arbeit 
pro Tag 15—20 Pfund Hafer nebst Heu auf. Mit 2V2— 2^4 Jahren 
werden die Hengste, soweit sie nicht für das eigene Gestüt gebraucht 
werden, als Beschäler verkauft. 



30 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Goldap. 



Tollmingkehmen. 

Dr. Hans Zarniko. 



Name des Gestüts: 
Besitzer: 

Topographisches: Tollmingkehmen ist ein Rittergut, dasselbe liegt über 
20 km von Goldap und gegen 15 km von dem Bahnhof Trakehnen, 
Station der preussischen Ostbahn, vom Hauptgestüt Trakehnen aber nur 
gegen 10 km entfernt. Gegend hügelig, fruchtbarer Weizenboden. 
Geschichtliches: Der Grossvater des gegenwärtigen Besitzers, Job. Käswurm, 
legte 1821 das Gestüt an. Aus dem Hauptgestüt Trakehnen wurden um 
bezeichnete Zeit mehrere sehr werthvolle Zuchtstuten entnommen, die im 
Stutbuch aufgeführt waren und sich für dieses Gestüt besonders be- 
währten. 1870 zählte das Gestüt 17 vorzügliche Mutterstuten und 32 
1- bis 3jährige Fohlen, Das Gestüt wurde jedoch verkleinert und der 
Bestand nur auf 9 Mutterstuten gestellt. Erneute Ansichten über die 
Pferdezucht haben den Besitzer jedoch wieder bestimmt, den Stand des 
Gestüts nach Zahl und Qualität der Rasse wie 1870 zu erhöhen. Die 
Mutterstuten sind aus einer Mischung von arabischem Vollblut mit 
englischem Vollblut, bezw. mit Pferden Trakehner Bluts hervorge- 
gangen. Beschäler wurden auf der Kgl. Beschälstation Gudwallen benutzt. 
Züchtung: Ausnützung des Gestüts: Jährlich werden mehrere Hengste für 
Brandzeichen ' .J^^ Zuchtzwecke ausgewählt, die dreijährig 

meist an Landgestüte abgesetzt werden. 
Die besten Stuten dienen als Ersatz des 
Mutterstutenstammes, die übrigen Stuten- 
und kastrirten Hengstfohlen werden drei- 
jährig als Militär -Remonten an die An- 
kaufskommission abgegeben. 




Provinz Ostpreussen. Reg. -Bezirk Gumbinnen. Kreis Niederung. 

Name des Gestüts: Rsiutenburg bei Kaukehmen. 

Besitzer: ^^<^ '^'<?^ Keyserlingk. 

Topographisches: Das Gestüt lag ca. 3 km von Lappienen am rechten Ufer 
der Gilge, vom kurischen Haff ca. 11 km entfernt. 

Geschichtliches: Um das 18. Jahrhundert müssen die Rautenburger Pferde 
ein gewisses Ansehen gehabt haben. Die eigentliche Gründung des s. Z. 
bedeutenden Gestüts reicht bis zum Jahre 1801 zurück. Von 1824 an 
wurde hier der Pferdezucht besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Es 
wurde ein Stamm Vollblutstuten aus England eingeführt und Vollblut- 
beschäler von Angerapp bezogen. Diese edle Stutenheerde erhöhte sich auf 
ca. 60 Köpfe und wurde mit dieser in reinem Vollblut weiter gezüchtet; 
auch wurde hier geeignetes Zuchtmaterial von Gielgudyski erworben. 

Züchtung: Infolge besserer Verwerthung der gleichzeitig mit gezüchteten 
anderen landwirthschaftlichen Hausthiere ginsf die Pferdezucht zurück; es 



Brandzeichen: 




Das früher 

benutzte 

Brand zeichen. 



brachen über die Pferde Ejjidemien herein, 
so dass während der 1860er Jahre nur noch 
mit den Landesbeschälern gezüchtet wurde. 
Es schwand das Interesse für die Pferde- 
zucht infolge fortwährend eintretender Un- 
bilden, und das Gestüt ging Anfang der 
1880 er Jahre seiner Auflösung entgegen. 



Provinz Preussen (Ostpreussen) Reg.-Bezirk Gumbinnen. Kreis Insterburg. 31 

Name des Gestüts: Gcorgenburg. 

Besitzer: von Simpson — Staats- Fiscus: i8gg. 

Topographisches: Schloss Georgenburg mit Gestüt liegt am rechten Ufer 
des Pregel, 3 Meilen nördlich von Insterburg, in der Nähe der Kreuzungs- 
stellen der Eisenbahnen Königsberg — Eydkuhnen, Memel — Lyck und 
Memel — Thorn. Areal mit 2 Gütern 1300 ha. Boden: humusreicher 
Lehm. Putterverhältnisse gut. 

Geschichtliches: Schloss Georgenburg, ehemals berühmt, wurde 1264 vom 
deutschen Eitterorden erbaut und bereits zu jener Zeit Pferdezucht darin 
betrieben, 1749 ging der Besitz desselben an den Staat über; die Pferde- 
zucht wurde intensiv betrieben. 1750 — 1760 wurde Zuchtmaterial nach 
Trakehnen abgegeben und wurde dabei 1764 der Blauscheckhengst Spinola 
dahin mit überführt. Während der Kriegsunruhen litt das Gestüt. Der 
Staat verkaufte dasselbe 1828 an den Grossvater des gegenwärtigen 
Besitzers; hiermit erfuhr das Gestüt einen grossen Aufschwung in der 
Pferdezucht. Der neue Besitzer brachte von seiner bisherigen Besitzung 
Pliecken eine grössere Anzahl Trakehner Stuten mit nach Georgenbui'g; 
hierzu übte der englische Vollbluthengst Gomez^ geb. 1833 (vom Emilius 
aus der Varrenes), der durch Zukauf in das Gestüt kam, einen gewaltigen 
Einfluss auf den neuen Stutenstamm aus. Hierzu kam dann ferner noch 
3 Vollbluthengste, 10 Vollblutstuten, sowie 1 Halbbluthengst und 47 Halb- 
blutstuten. Gomez deckte hier von 1844 — 1855. Der Stutenstamm be- 
stand zu dieser Zeit aus 62 Stück; das heisst aus 6 Vollblutstuten und 
56 Halbblutstuten. Als Beschäler dienten dem Gestüt 4 eigene Hengste: 
Pilot, I'antast, Politiker und Marketender und ausser diesen die Inster- 
burger Hengste Kilcreene für Vollblutzucht und Optimus für Halbblutzucht. 
Die Gesammtzahl der Pferde belief sich auf gegen 300 Stück. 

Das Zuchtziel des Halbblutgestüts war stets: starkes Eeitpferd 
im Typus des englischen Vollblutes zu züchten, sowie der Abgabe von 
Vaterpferden an die preussische Gestütsverwaltung und an Privatleute des 
Auslandes gerecht zu werden und eventuell der Remonte- Ankaufskommission 
geeignete Pferde vorzustellen. Vollblutpferde wurden für die Rennbahn 
vorbereitet und zu weiterer Zucht verwendet. Der , Pferdefreund " Nr. 19 
von 1899 brachte die betrübende Nachricht, dass der gegenwärtige Besitzer 
Georgenburgs, wegen Krankheit, das hochinteressante vind mit grossem 
Vortheil seit sehr langer Zeit betriebene und dadurch berühmt gewordene 
Gestüt aufzulösen beabsichtige. Wie nun aber die „Zeitschrift für Pferde- 
kunde und Pferdezucht" von Bessert- Würzburg in Nr. 16 von 1899 be- 
richtet, hat inzwischen, damit nicht das so renommirte Gestüt Georgenburg 
in alle Winde zerstreut werde, der Staat dasselbe mit dem ganzen Areal 
angekauft und damit 182 Köpfe übernommen. Das Gestüt ging am 
1. Oktober 1899 in den Besitz des Staates über. Es soll die Absicht 
bestehen, das Gestüt in dem bisherigen Umfange weiterzuführen und in 
Georgenburg zu belassen. 

Während des Besitzes des Herrn von Simpson hat das Gestüt vom 
Jahre 1875 — 1899 225 Hengste als Haupt- und Landbeschäler verkauft, 
seit 1890 allein 89. Bedeutend höher ist aber die Leistung des Gestüts 



32 Provinz Preussen (Ostpreussen). Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Insterburg. 

fiir die Eemontirung der Armee: in den letzten 9 Jahren sind 699 und 
seit 1875 1750 Remonten an die preussische Remonte-Ankaufskommission 
verkauft worden. Ausserdem wurden alljährlich auch eine grössere Zahl 
Pferde, theils zu Gebrauchs-, theils zu Zuchtzwecken an Private verkauft. 
Seit 1890 beträgt die Summe, welche das Grestüt für Pferde vereinnahmt 
hat, 1250 000 Mk. 

Züchtung: Für das (1900) neuerworbene Staatsgestüt Georgenburg sind die 
Hengste Fantast von Haffard-Todil und Marketender von Capitän-Mode 
als Beschäler aufgestellt worden. Die im Gestüt Georgenburg bisher auf- 
gestellten Vollblütler wurden verkauft, weil hier künftig keine Vollblut- 
zucht betrieben werden soll. Nach Bossert „Zeitschrift für Pferdekunde", 
1900, Nr. 6, wui'den 13 Stück 3jährige Hengste eingestellt, die als Land- 
beschäler dienen sollen. Weiteres siehe Insterburg. 

Brandzeichen: ^,^»_<.,.«.,^ „.^ . Kommt seit Mitte der 1870er Jahre 

nicht mehr in Anwendung. 



Provinz Preussen (Ostpreussen). Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: DegCSen. 

Besitzer: Frau Donalies. 

Topographisches: Obige Besitzerin ist mit Milluhnen durch Miterbung des 
vorher einem Oberamtmann Hecht gehörigen Gutes „Degesen" in den 
Besitz desselben gekommen sammt dem darin befindlichen Gestüt. Das 
Areal beträgt 1450 ha. 

Geschichtliches: Das „Degesen" -Gestüt wurde von dem früheren Besitzer 
Ei'nst Hecht 1827 gegründet und zwar mit englischen und arabischen 
Voll- und Halbblutstuten. Boreas, Calchas und Dschingiskan sind be- 
sonders hervorzuheben. Später wurde das arabische Blut zurückgedrängt 
und nur das englische benutzt. Gegen 1896 betrug die Gesammtzahl 
der Pferde über 200 Stück, wovon über 30 Mutterstuten aufgestellt 
waren, die von eigenen Beschälern gedeckt wurden, trotzdem aber 
kamen auch Kgl. Beschäler des litthauischen Landgestüts Gudwallen 
zur Benutzung. Das englische und arabische Blut ist in den Mutter- 
stuten verschieden vertreten. Jährlich werden durchschnittlich 26 — 28 
Fohlen geboren. 

Züchtung: Zuchtzweck: Theils schwerer Reit-, theils leichter Wagenpferde- 
schlag. Zuchtziel: Remontepferde. 

Brandzeichen: 




Provinz O'stpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Niederung. 33 

Name des Gestüts: HeinHchSWalde. 

Besitzer : Der Pächter der Key serlingk- Rautenburg sehen 

Herrschaft. 

Topographisches: Heinrichswalde, Dorf und Sitz eines Landrathsamtes 
für den Kreis Niederung; dieser Ort liegt ca. 15 km südwestlich von 
Tilsit und ist der Mittelpunkt der Herrschaft. Das Areal beträgt gegen 
400 ha. 

Geschichtliches: Diese Herrschaft gehörte früher dem Staats -Fiscus. Der 
gegenwärtige Pächter des Gutes unterhielt hier ein Gestüt, welches damals 
in so gutem Stande war, dass es Beschäler an das Hauptgestüt Trakehnen 
abgeben konnte. Gegenwärtiger Stand ca. 60 Pferde ostpreussischer 
Rasse, deren Fohlen dreijährig meist der Remonten- Ankaufskommission 
vorgestellt werden. 

Provinz Ostpreussen. Reg -Bez. Königsberg. Kreis Königsberg. 

Name des Gestüts: FHedrichstein. 

Besitzer: Graf Dönhoff. 

Topographisches: Die Besitzung liegt in der Nähe von Rastenburg als Dön- 
hoff'sche Herrschaft: Dönhoffsstadt mit schönem Schloss, Garten und Park. 
Das Schloss ist 1709 erbaut, das Areal beträgt über 7000 ha. Es ge- 
hören hierzu mehrere Beigüter in der Nähe des Pregelflusses. 

Geschichtliches: Auf genannter Herrschaft wurde die Pferdezucht seit langer 
Zeit nur in geringem Maasse betrieben, sowohl in Friedrichstein selbst 
als auch auf den Beigütern: Amalienhof, Hohenhagen, Gross -Barten etc.; 
dies lag in den Anschauungen der betr. Pächter; in der Regel wui'den 
je 3 — 4 Halbblutstuten gehalten und diese, wenn Bedürfniss vorlag, den 
Landgestütshengsten der nächsten Station zugeführt, wonach deren Pro- 
dukte, drei- und vierjährig, dann verkauft oder dem eigenen Bedarf 
überwiesen wurden. Es wurden aber auch in genannte Höfe öfter je 
10 — 12 Halbblutstuten des stärkeren Wagenschlages aufgestellt, die von 
Insterburger Landgestütshengsten belegt waren, diese wurden bis zur 
hohen Trächtigkeit zu Oekonomiezwecken benutzt. Zu den selbst er- 
zeugten Fohlen wurden gleichalterige aus der Umgegend von Gumbinnen 
zugekauft und dreijährig sämmtliche der Remonte- Ankaufskommission 
vorgestellt. 

Brandzeichen: Diese Brandzeichen beziehen sich auf die jeweiligen Inhaber 
O Q O *^®^ Gestüts. 



B 





Brauer, Gestüte. 



34 Provinz Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Ragnit. 

Name des Gestüts: Grduden bei Ragnit 

Besitzer: von Sperber, früher: Donalitius. 

Topographisches: Grauden mit grosser Oekonomie liegt zwischen Insterburg 

und Tilsit, nächste Bahnstation Szillen. 
Geschichtliches: Seit sehr langer Zeit wurde in Grauden neben sehr um- 
fänglicher Rinderzucht Pferdezucht mit betrieben, und dazu von jeher 
Beschälhengste der umliegenden Stationen in Benutzung gezogen, die meist 
der Trakehner Rasse angehören. 
Züchtung: Zur Zucht werden ca. 20 Mutterstuten, welche meist auch von 
Trakehner Hengsten abstammen, verwendet. Der Gesammtbestand an 
Brandzeichen ' ^^~^ I Pf^^^^n, Mutterstuten und Fohlen ver- 

schiedener Jahrgänge, beläuft sich durch- 
schnittlich auf 130. Zweck: Erzielung 
von Armeepferden. 

Provinz Preussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Preussisch-Eylau. 

Name des Gestüts: Grabentin. 

Besitzer: Oberamtmann Deutsch, 

Geschichtliches: Von obigem Besitzer wurde auf dem im Kreis Preussisch- 
Eylau gelegenen Gute bis gegen das Jahr 1860 Zucht und Aufzucht 
ostpreussischer Pferde betrieben. Zum grössten Theil wurden abgesetzte 
Fohlen aus der Umgebung übernommen und diese im Alter von 3 bis 
3 Y2 Jahren veräussert. 

Züchtung: Ostpreussische Pferde. 

Brandzeichen: 





Königreich Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: GÖrltteVI. 

Besitzer: Oberamtmann Kreth. 

Topographisches: Göritten ist Staats-Domäne und wird neben der Land- 
wirthschaft in umfänglichem Maasse von dem Leiter dieser Domäne seit 
längerer Zeit Pferdezucht mit Vorliebe betrieben. Göritten liegt [ca. 
6 km südlich von Stallupönen und ist Station der Staatsbahn Insterburg — 
Eydtkuhnen. 

Geschichtliches: Während der 1830er Jahre wurde das Gestüt, welches 
vorher sehr lange schon bestand, wegen zu geringer Rentabilität auf- 
gehoben. Dasselbe wurde später wieder aufgenommen und in Betrieb 
gebracht. Es befinden sich gewöhnlich 140 — 150 Pferde und ca. 90 Fohlen 
verschiedener Jahrgänge darin. 




Königreich Preussen. Reg.-Bez. Gurabinnen. Kreis Stallupönen. 35 

Züchtung: Zur Zucht werden nur von Trakehner Hengsten gefallene Mutter- 
Brandzeichen * 1^^ I st^t®^ benutzt, die Produkte, ausge- 
wachsen von mittlerer Grösse — den 
ostpreussischen Pferdeschlag bildend 
— 3Y2 — 4 jährig der Remonte- An- 
kaufskommission vorgestellt. 

Königreich Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Ragnit. 

Name des Gestüts: Gerskulletl. 

Besitzer: von Sperber, 

Topographisches: Das Gestüt liegt östlich von der preussischen Staatsbahn, 
zwischen Insterburg und Tilsit, incl. 2 Vorwerke ^ 1787 ha Areal. 
Die Wiesen sind von mittlerer Beschaffenheit bei schwerem Lehmboden. 
Geschichtliches: Der Besitzer hält hier durchschnittlich einen Bestand von 
200 Pferden, wovon die Mutterstutenheerde sich auf 30 — 35 Köpfe be- 
läuft, welche meist reinblütige Trakehner sind oder von Trakehner Hengsten 
stammen. Es wurden zu dieser Stutenheerde stets 2 Hengste gehalten, 
die auch von Trakehner Eltern stammen. 
Züchtung: Die hier erzeugten Produkte sind als schwerer, starkknochiger, 
ostpreussischer Schlag bekannt. Diese Pferde, meist Rappen, werden 
Brandzeichen: dreijährig als Remonten verkauft oder 

für die eigene Wirthschaft verwendet. 
Es werden aber hier auch jährlich 
mehrere Hengste gezogen, die event. 
von preuss. Gestütsverwaltungen als 
Anwendung gebracht. j Beschäler anerkannt und zur Zucht 

I verwendet werden. 



% 



Wird gegenwärtig 
nicht mehr in 



Provinz Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Gumbinnen. 

Name des Gestüts: GrÜnWeitSCKen. 

Besitzer: Staats-Fiscus. 

Oberamfmann von Schultz, Domänenpachter. 

Topographisches: Grünweitschen wird für vorstehenden Pachter, der auf der 

gleichfalls mit erpachteten Domäne Buylien wohnt, verwaltet. 
Geschichtliches: Die in Grünweitschen betriebene Pferdezucht bezieht sich 
auf ca. 40 Stück 2 jähriger Fohlen, die meistens von der Remonte- 
Ankaufskommission erworben werden. 
Brandzeichen: Als um das Jahr 1770 der Oberamtmann Wlömer die Dopiäne 
Grünweitschen in Pacht hatte, wurde von diesem bei 
der daselbst betriebenen Pferdezucht das nebenstehende 
Gestütsbrandzeichen in Anwendung gebracht. 

3* 




36 Provinz Preussen. Reg -Bez. Königsberg. Kreis Fischliausen. 

Name des Gestüts: GrUnllOlf. 

Besitzer: Feldmarschall Bülow von Dennewitz, 

Topographisches: Grünhoff liegt ca. 2 km von der Ostseeküste entfernt. 
Das Areal beläuft sich mit dem der Vorwerke Radnicken und Nanzau 
auf über 1100 ha. Der Boden, milder Lehmboden, ertragsfähig. 

Geschichtliches: Zur Ordenszeit war Grünhoff ein Jagdschloss der Hoch- 
meister; später wurde es eine Kgl. Domäne. Friedrich Wilhelm III. verlieh 
diese, mit Majoratsrecht, dem oben bezeichneten Besitzer. Zur Ordenszeit 
bereits bis in die 60 er Jahre dieses Jahrhunderts wurde in Grünhoff 
Pferdezucht umfangreich betrieben. Im Jahre 1887 hörte hier das Gestüt 
als solches auf. 

Züchtung: Die dort bisher noch bestehende Pferdezucht erstreckt sich nur 
auf das Heranziehen von 5 — 6 Stück von Trakehner Hengsten stammenden 
Fohlen, die, wenn alt genug, der Remonte -Ankaufskommission vorgestellt, 
ev. anderweit verkauft oder sonst verwendet werden. Diese Fohlen gehen 
als Jährlinge ca. 4 Monate auf die Weide, verbleiben dabei Tag und Nacht 
in eingezäumtem Garten. 



Brandzeichen: 




Als Grünhoff als Kgl. Domäne, vor Bülow 
von Dennewitz, von einem Oberamtmann Löbach 
erpachtet war, brachte dieser für sein damaliges 
Gestüt das nebenstehende Brandzeichen in An- 
wendung. 



Provinz Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Pilkallen. 

Name des Gestüts: Grumkowkalten. 

Besitzer: Königlicher Staats- Fiscus. 

Pächter: Andsrath Heidenreich. 

Geschichtliches: Grumkowkalten soll nach den handschriftlichen Aufzeich- 
nungen von G. Zoers und anderen ein sehr alter bekannter und wichtiger 
Gestütsplatz gewesen sein; auch soll sich dort gegen Mitte des vorigen 
Jahrhunderts das „Stutamt" für das gegenwärtige Königl. preussische Haupt- 
gestüt befunden haben und Zuchtpferde dort mit untergebracht gewesen 
sein. Später soll ab und zu, mit einigen längeren Unterbrechungen, in 
Grumkowkalten etwas Pferdezucht betrieben worden sein. 1885 starb 
der bisherige Leiter des Gestüts, Amtsrath Heidenreich. Seit jener Zeit 
wird in Grumkowkalten wesentliche Pferdezucht nicht mehr betrieben. 

Züchtung: Das ostpreussische Pferd kam s. Zt. hier am ausgeprägtesten zur 
Geltung. 

Brandzeichen: 



3xu/ 



Provinz Preussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gerdauen. 37 

Name des Gestüts: Hochündenberg. 

Besitzer: Rittmeister Kreutzberger. 

Topographisches: Obige Besitzung liegt in der Nähe der Staatsbahn Inster- 
burg — Thorn und ist diese von der Eisenbahnstation Klein -Gnie, nach 
ZurücMegung von 7 km Landweg, zu erreichen. Von diesem über 561 ha 
betragenden Areal werden ca. 25 ha für die Pferdezucht verwendet. 

Geschichtliches: Seit Mitte vorigen Jahrhunderts wurde in Hochlindenberg in 
kleinem Maassstabe Pferdezucht betrieben, die in derselben Weise gegen- 
wärtig forterhalten wird. Es werden hierzu zwischen 20 — 25 Mutterthiere 
preussischen Schlages und Trakehner Landesbeschäler aus Eastenburg 
verwendet. 

Züchtung: Zuchtzweck: Benutzung für die Landwirthschaft und dreijährig 
Abgabe an die Remonte -Ankaufskommission. Ungefährer jährlicher Be- 
stand ca. 100 Pferde und darüber. 

Provinz Preussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Friedland. 

Name des Gestüts: GPOSS-Walcleck. 

Besitzer: von Stutterheiin, ehedem Maftl. 

Topographisches: Genannte Besitzung liegt nahe an Domnau, einem Städt- 
chen 7,5 km von Priedland, mit einem Schloss. Das Areal beträgt über 
900 ha, nebenbei findet landwirthschaftlicher Betrieb mit Schaf- und 
Rinderzucht statt. 

Geschichtliches: Der gegenwärtige Besitzer übernahm von dem genannten 
Herrn Maul die Besitzung 1873, bis dahin wurde hauptsächlich Fohlen- 
aufzucht getrieben, die aus der Umgegend angekauft waren, für die Re- 
monte-Ankaufskommission. Sämmtliche gezogene Fohlen stammten von 
Stuten ostpreussischer Abkunft, die von Trakehner Hengsten gedeckt 
worden waren. 

Züchtung: Gegenwärtig werden noch alljährlich 10 — 12 Remonten der 
Kommission vorgestellt. 

Brandzeichen: ^.^^u^^^ _ ^ .^ Nebenstehende Brand- 

zeichen kommen seit dem 
Jahre 1875 nicht mehr in 
Anwendung. 






38 Provinz Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Heydekrug. 

Name des Gestüts: HeydekrUg. 

Besitzer: Familie Radke. 

Topographisches: Heydekrug, Marktflecken zwischen Memel und Tilsit. 
Die Gutsbesitzung, „Adlig Heydekrug" genannt, wird von einem kleinen 
Flüsschen durchzogen und befindet sich über 100 Jahre in derselben 
Familie. Pferdezucht wird z. Zt. in geringerem Maasse betrieben; dahin- 
gegen aber die Zucht anderer Hausthiere. Areal war früher über 1500 ha, 
ist aber gegenwärtig durch die Erben verringert worden. 

Geschichtliches: Noch während der 30er Jahre vorigen Jahrhunderts wurde 
die Zucht edler Pferde verhältnissmässig stark und energisch betrieben; 
nach dem Tode des ehemaligen Besitzers, Amtmann Radke, jedoch ver- 
ringert. Gestüt heute ohne Belang. 

Züchtung: Das ostpreussische Pferd unter Benutzung der Kgl. Landesbeschäler. 
Ausserdem wurden aus der Umgegend viele Fohlen der Trakehner Zucht 
angekauft und diese mit den eigens gezüchteten herangezogen und 3, bezw. 
4jährig der Remonte- Ankaufskommission vorgestellt. 

Dranazeicnen. /^-^/tx -^^.^^ nebenstehende Brandzeichen stammt aus 

den 1830er Jahren; während der letzten Jahre 
ausser Gebrauch gestellt. 

Provinz Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkelimen. 

Name des Gestüts: MedunlSChken. 

Besitzer: Frau von Bvtjack, geb. Fahrenheid. 

Topographisches: Der Pferdezuchtplatz ist ein Gut, in dem auch Rindviehzucht 
in umfänglichem Maasse getrieben wird. 

Geschichtliches: Nach der Gründung des Gestüts war der Mutterstutenbestand 
um einige 20 gestiegen; diese waren arabische und englische Halbblut- 
pferde des leichten Reitschlages. Die Aufzucht geschah für Militärzwecke. 
Diese Pferde wurden 3jährig, später nicht mehr gern gekauft, weil diese 
dem Zweck gegen früher nicht mehr genügten; sie wurden zu leicht. 
Ende der 1880er Jahre wurden nur noch wenig Mutterstuten gehalten. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkehmen. 

Name des Gestüts: Sp6rliny (Remontedepöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus, 

Topographisches: Liegt östlich zwischen Gudwallen und Rastenburg nach 
der russischen Grenze zu. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 39 

Name des Gestüts: HaUptgeStUt Trakehnen m. 12Vorwerken. 
Besitzer: Staats -Fzscus, 

Topographisches: Trakehnen ist eins der bewährtesten und umfangreichsten 
Gestüte in Europa. Dasselbe enthält incl. 12 Vorwerken ein Areal von 
über 4000 ha; es liegt im früheren Lithauen, 15 km von der Kreis- 
stadt Grumbinnen, in einer Meereshöhe von 55 — 75 m, unfern der russi- 
schen Grenze, an der preussischen Ostbahn. Das Terrain ist meist eben 
und wird von verschiedenen Bächen durchschnitten. Der Boden ist von 
guter Beschaffenheit, die Wiesen und Weiden sind sehr gut. 

Geschichtliches: Auf Befehl des Königs Friedrich Wilhelm I. wurde auf der 
grossen Strecke Landes, worauf gegenwärtig das Gestüt sich befindet, 
welches ursprünglich aus Sumpf und Strauchwerk bestand, zunächst ent- 
wässert und von 1725 — 1730 der Boden urbar gemacht bezw. kultivirt, 
es entstanden darnach hier Dörfer, in denen sich, hoher Anordnung zu 
Folge, vertriebene Salzburger niederliessen. 

1732 wurde das neubegründete „ Stutamt " Trakehnen als einzig 
zusammengehörendes Gestüt (nach vorher erfolgter Auflösung der bis- 
herigen einzelnen Kgl. Amtsgestüte) mit den Vorwerken: Bajohrgallen, 
Birkenwalde, Guddin, Gurdzen, Jodslanken, Jonasthal und Kalpakin mit 
513 Stuten aus 8 Staatsgestüten bezogen 1788 kam das Vorwerk 
Mattuschkehmen, 1815 Danzkehmen, 1819 Tauknischken und 1829 Burgs- 
dorfhof zu Trakehnen. 1740 hatte Trakehnen 368 auserlesene Stuten 
zur Pferde- und 18 Stuten für Maulthierzucht. 

Um 1787 wurde das Gestüt reorganisirt, es fanden Ausmusterungen 
statt, wogegen reine Rassen (arabische und englische) demselben zu- 
geführt werden sollten. 1806 und 1812 musste das Gestüt wegen der 
Kriegswirren einmal nach Russland und später nach Schlesien flüchten. 
Hiernach erst wurden arabische und englische Hengste eingeführt 
und seit 1830 auch englische Vollblutstuten zur Zucht verwendet. 

Auf das englische Vollblut wurde nach und nach verzichtet, aber 
auch auf das orientalische Vollblut nur ausnahmsweise zurückgegriffen; 
letzteres konnte man um jene Zeit nicht entbehren. 1800 kam der erste 
Sohn des berühmten preussischen Hengstes Turk mayn Atty nach Tra- 
kehnen, von dem 17 Söhne sehr grosse Verwendung fanden und von 
diesen stammten über 140 Zuchtstuten. Seit 1820 ist der Trakehner 
Pferdestamm konstant vorhanden, jedoch wird mit englischem bezw. 
orientalischem Vollblut aufgefrischt, auch wurde 1861 englisches Halb- 
blut mit eingeführt. 

Züchtung: Trakehnen züchtet seit den 1860er Jahren vorzugsweise nui- 
edles Halbblut (Reit- und Wagenpferde), komplettirt damit das Haupt- 
gestüt sowie die Landgestüte Insterburg, Gudwallen und Rastenburg in 
erster Linie sowie die Marställe zu Berlin. 

Der Bestand des Gestüts war Mitte der 1890er Jahre auf über 
1000 Pferde gestiegen, worunter ca. 14 Hauptbeschäler, über 350 Mutter- 
stuten, gegen 330 Hengstfohlen und gegen 350 Stutfohlen. Der Bestand 



40 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 



im Jahre 1900 belief sich auf 8 Vollblut- und 11 Halbblut- Beschäler. 



Brandzeichen: 




Elenschaufel dar- 
stellend. Dieses Zeichen 
wird seit 1789 in An- 
wendung gebracht und 
auf der rechten Hinter- 
backe fixirt. 



Die Hengste stehen auf den zum 
Hauptgestüt gehörigen Vorwerken 
und zwar je nach der Stutenheerde, zu 
der sie passen; Mutterstuten wie vor- 
stehend und 1100 junge Hengste und 
Stuten. 



Provinz Preussen (Ostpreussen). Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Insterburg. 



Name des Gestüts: 
Besitzer: 



Nettienen. 

von Simpson. 



Topographisches: Nettienen liegt unweit Insterburg und besitzt gegen- 
wärtig ein zu Georgenburg (s. dasselbe) gehöriges Gut. Nettienen 
und Georgenburg halten ein Areal von über 2000 ha. Das Gut 
Nettienen wird, weil der Pferdebestand Georgenburgs als Staatsgestüt 
verringert, das in Insterburg aufgestellte Landgestüt dahin verlegt und 
von Johanni 1900 ab verpachtet worden. 

Geschichtliches: Bis zum Jahre 1873 wurde von dem damaligen Inhaber 
genannter Besitzung, Namens von Eousselle, mehr als Pferdeunterbring- 
ungsstelle betrachtet und benutzt, weil derselbe bedeutenden Pferdehandel 
trieb. Nach 1873 ging diese Besitzung an Theodor Rauschning, den 
Besitzer von Pierugienien über. 1875 wurde William von Simpson- 
Georgenburg Erwerber und gründete hier ein Gestüt nach dem Muster 
von Georgenburg. 18 — 20 Voll- und Halbblutstuten wurden aufgestellt 
und die Zucht regelrecht betrieben. Seit 1886 ist Nettienen als Gestüt 
dem Gestüt Georgenburg einverleibt und bildet nun das letztere die 
Hauptgestütsstätte. Weiteres s. Georgenburg. Seit 1899 ist das Gestüt 
nebst Nettienen vom preussischen Staat übernommen. 

Züchtung: Zuchtziel: Halbblutpferde für Remonten. 

Brandzeichen: 

Als Nettienen im selbständigen Betrieb sich 
befand, war nebenstehendes Brandzeichen im 
Gebrauch. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Angerburg. 

Name des Gestüts: Popiolletl. 

Besitzer: Erben von Hermann IVarkentin. 

Topographisches: Das bezeichnete Gestüt wird auf einem Gute mit 350 ha 
Areal gehalten; dasselbe liegt zwischen Angerburg und Trakehnen, 18 km 
südlich der Eisenbahnstation Trakehnen. 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Angerburg. 41 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1860 von Hermann Warkentin gegründet, 
aber nach ca. Sjährigem Betrieb wegen unter den Pferden ausgebrochener 
Rotzkrankheit völlig zerstört. Aus besonderer Vorliebe für die Pferdezucht 
erfolgte die Gründung des Gestüts anderweit, durch Einführung der 
Trakehner Zucht. 1890 war der Bestand einschliesslich der in der Arbeit 
stehenden Pferde auf 250 Köpfe gestiegen, wovon 30 Mutterstuten in 
das ostpreussische Gestütbuch eingetragen wurden; für diese Stuten sind 
eigene Hengste vorhanden, auch werden die Landbeschäler Trakehner 
Blutes mit benutzt. Jährlich werden gegen 20 Fohlen geboren; aber 
auch bis zu 60 Saugfohlen gekauft und der Bestand dadurch wesentlich 
erhöht. 

Züchtung: Zuchtzweck: Verkauf Sjähriger Pferde an die Remonte-Ankaufs- 
kommission; die besten Hengstfohlen als Beschäler herangezogen und zur 
Zucht abgegeben. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Niederung. 

Name des Gestüts: Perwalkischken. 

Besitzer: Leutnant a. D. Weiss. 

Topographisches: Das bezeichnete Gestüt wird auf dem Gute Perwalkischken 
betrieben; letzteres liegt unweit Tilsit an der Memel an der Insterburg — 
Memeler Eisenbahn. Das Areal des ganzen Gutes beläuft sich auf über 

' 255 ha. 

Geschichtliches: Auf dieser Besitzung, welche seit Anfang des vorigen 
Jahrhunderts in der Familie Weiss sich befindet, wurde ebenso lange 
Pferdezucht betrieben. Die Besitzer zeigten hierfür besonderes Interesse, 
indem sie zuerst anfangs englische und arabische Vollblutstuten an- 
kauften und zur Zucht benutzten. In Mitte des Jahrhunderts Hess man 
von ersteren Rassen ab und wendete sich zur Zucht des Trakehner Blutes 
zu in Verbindung mit den Angloarabern Noblemami und Polydor, und 
benutzte dann während der letzteren Jahre die in Insterburg aufgestellten 
Beschäler des Landgestütes, die daselbst befindlichen Vollblutbeschäler 
Double Zero von Virgilius a. d. Olive, ferner Hochmeister von Blue Gown 
a. d. Alicia und The Adniiral von Rosicrutian a. d. The Pigne. 

Züchtung: Bis gegen 1890 waren gegen 16 Mutterstuten, die aus dem ur- 
sprünglich arabischen und englischen Vollblutstamm zum Theil noch 
datirten. Mit den verschiedenen Jahrgängen belief sich die Zahl der Pferde 
auf einige 50 und darunter. Jährlich durchschnittlich gegen 12 Fohlen. 
Zuchtziel: Ein edles, gängiges, grösseres, starkknochiges Reitpferd zu 
züchten. Zuchtzweck: Verkauf der 3jährigen Fohlen an die Remonte- 
Ankaufskommission. 

Brandzeichen: 




42 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Ragnit. 

Name des Gestüts: Ragnit. 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Stadt Ragnit liegt an der Memel, ca. 10 km südöstlich 
von Tilsit, an der Strasse Tilsit— Ragnit — Lasdehme. Der Boden ist lehm- 
haltig mit vielen guten Wiesen, welche sehr ergiebig sind, ausserdem be- 
finden sich hier starke Waldungen sowie gute Weiden. 

Geschichtliches: Ragnit, vormals eine Burg der Schlalauer, wurde 1277 
von den deutschen Ordensrittern zerstört. 1289 wurde in der Nähe der 
zerstörten Burg das Ordenshaus Landeshut erbaut, welches später Ragnit 
genannt wurde. Der Orden begann um jene Zeit zahlreiche Gestüte im 
Lande anzulegen. Die bisher hier gezüchteten Pferde waren klein und 
unansehnlich, es wurde deshalb darauf gesehen, grosse Pferde aus Dänemark 
und Holland einzuführen und auch orientalisches Blut mit zu verwenden. 
Im Jahre 1717 liess König Friedrich Wilhelm I. in den ost- 
preussischen Stutereien vorgefundene Pferde (über 1300 Pferde) in die 
Domänenämter vertheilen, wobei Ragnit in dieser Zeit mit bedacht wurde 
und dadurch hier ein Staatsgestüt entstand. 1740 —1750 bestand hier 
ein Privatgestüt, aus dem Hengste für Trakehnen angekauft wurden. 

Man berieth darnach, dass für Lithauen ein Landgestüt errichtet 
werden sollte; 1789 wurde dieses errichtet und damit das Staatszucht- 
gestüt zu Ragnit aufgehoben. Landgestütshengste waren 1799: 95 und 
1811 nur noch gegen 60 vorhanden, letztere wurden jedoch nach Jonas - 
thal und Mattischkehmen vertheilt. 1823 wm-de diese Stelle mit dem 
Namen Neuhof-Ragnit belegt und vom Kgl. Preuss. Kriegs-Ministerium 
zum Remontedepöt bestimmt (s. Neuhof-Ragnit). 

Provinz Ostpi-eussen. Reg -Bez. Gumbinnen. Kreis Oletzko. 

Name des Gestüts: Nordenthal. 

Besitzer: Adolf Hilhnann. 

Topographisches: Nordenthal, ein Gut mit dem Nebengut Nordenberg, 
zusammen gegen 400 ha Areal, liegt an dem Flüsschen Lega und ist mit 
guten Weiden und Wiesen versehen. Das Gestüt ist in ca. 2Y2 Stunden 
vom Bahnhof zu Lyck der Ostpreussischen Südbahn aus zu erreichen. 
Im Sommer findet das Gestüt Weidegang in grossen Rossgärten. 

Geschichtliches: Von 1780 — 1819 wurde hier hauptsächlich Pferdezucht be- 
trieben, darnach wurde aus verschiedenen Gründen unterlassen diese 
weiter zu betreiben. Im Jahre 1863 wurde hier jedoch das Gestüt in 
kleinem Maassstabe von Neuem aufgenommen und zwar infolge käuf- 
licher Uebernahme dreier Stuten aus dem Gestüte Georgenburg und zwar: 

1. Alice von Mr. William' s Favorite aus der Adrienne von 
Voltair (Vollblut), 

2. Elma aus der Elmirice von Gomez (Halbblut) und 

3. J. Metha von Sir Pallian aus der Metha. 

Diese 3 Stuten bildeten den Anfang zu dem neuen Gestüt, einige 
lithauische Fohlen von dergleichen Stuten gehörten auch mit zu dem 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Oletzko. 43 

ersten Bestand. In Nordenthal war vom dortigen Zuchtverein aufgestellt: 
Vollbluthengst Str Pallian. Es wurden hiernach aus Greorgenburg weitere 
Mutterstuten angekauft : 

1. Euter pe von Eglan aus der Eveli7ie, 

2. Eveline von Eglan aus der alten Eveline, 

3. Georgine von Fritten aus der Gondel und 

4. Lise von New Light-Sohn aus der Basar-Lise. 

Damit wurde mit Sir Pallia7i mehrere Jahre fortgezüchtet, worauf 
Ende der 1860 er Jahre werthvolle Stuten aus dem aufgelösten v. Saucken - 
sehen Gestüt zu Tarputschen und später aus Georgenburg anderweit wieder 
angekauft und das Gestüt vergrössert wurde. Anfang der 1870 er Jahre 
beziflerte sich der Bestand auf 17 meist braune Mutterstuten und 1 Voll- 
bluthengst. Jährlich werden 15 — 20 Fohlen erzeugt. 1871 wurde vom 
Zuchtverein in Nordenthal der Halbbluthengst Solid von Bachus aus der 
Solide aufgestellt und immer mit neuem Zuchtmaterial weiter gezüchtet 
mit grossem Erfolg. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung möglichst edler Pferde (Reit- und leichte 
Wagenpferde). Zuchtzweck: Hauptsächlich Verkauf dreijähriger Fohlen 
an die Remonte-Ankaufskommission. 

Brandzeichen: Es ist kein eigenes Brandzeichen in Anwendung gebracht 
worden, dafür wurde mit dem Zeichen des Nordenthaler Zuchtvereins: 
einem sitzenden Bären, gebrannt. 

Provinz Ostpreussen. Reg-Bez. Königsberg. Kreis Mohrungen. 

Name des Gestüts: Maldeuteil. 

Besitzer: Rittmeister N. N. 

Topographisches: Das betr. Gut liegt 12 — 14 km von der Kreisstadt Moh- 
rungen entfernt. Man kann dasselbe aber auch mit der preuss. Staats- 
bahn der Strecke Güldenboden — Alienstein erreichen. Das Areal des Gutes 
beläuft sich auf über 2000 ha. Die Gegend ist hügelig, lehmig, mit 
Torflagern. 

Geschichtliches: Von dem Vater des gegenwärtigen Besitzers wurde das 
Gestüt 1842 gegründet. Die ersten Stuten waren Trak ebner und wurden 
hierzu stets gute ostpreussische Hengste in dem Haupt- und dem Land- 
gestüt benutzt. Durchschnittlich werden ca. 20 Mutterstuten aufgestellt, 
die aus englischen oder ostpreussischen Stuten gezogen werden. Jährlich 
werden gegen 15 Fohlen erzeugt. 

Züchtung: Zuchtzweck: Die besten Fohlen verbleiben zur Zucht im Gestüt; 
der Remonte-Ankaufskommission werden dergleichen auch mit vorgestellt. 
Die bis zum 5. Jahre übrig gebliebenen Pferde werden als Reit- und 
Wagenpferde eingeschult und dann verkauft. 

Die Stallungen sind hoch, gewölbt; ebenso ist eine verdeckte Reit- 
bahn vorhanden. Die Bewegung der Fohlen im Freien erfolgt in Ross- 
gärten mit darin angebrachten Hindernissen, um die Thiere zeitig schon 
an das üeberwinden derselben zu gewöhnen. 



44 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: Milluhnetl. 

Besitzer: Frau Donalies. 

Topographisches: Millulinen ist ein Rittergut mit 285 ha Areal; dasselbe 
ist von der Eisenbalinstation Stallupönen (Ostbahn) nach Zurücklegung 
7 km Wegs zu erreichen. Diesem Rittergut steht noch ein Vorwerk 
Namens „Junkerwald" zu, woselbst die Weiden sich befinden. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde im Jahre 1850 von einem Herrn Louis 
Donalies gegründet und hatte dasselbe Ende der 1880 er Jahre 
bereits einen Gesammtbestand von gegen 150 Pferden aufzuweisen. Ueber 
20 Mutterstuten waren zu dieser Zeit im Gestüt, die von Königl. Landes- 
beschälern gedeckt wurden (Trakehner Abstammung). Hauptsächlich ge- 
hörten die Produkte dem schweren Reitschlag an; jährlich beläuft sich die 
Zahl der geborenen Fohlen auf ca. 20. 

Züchtung: Die besten Hengste werden für Zuchtzwecke bestimmt; aus den 
Stutfohlen die erforderlichen Zuchtstuten für das eigene Gestüt rekrutirt 
bezw. als Luxusreit- und Wagenpferde, sowie dreijährige an die Remonte- 
Ankaufskommission abgegeben. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Memel. 

Name des Gestüts: PrÖkulS. 

Besitzer: Curt Sperber. 

Topographisches: Die Besitzung besteht in einem Rittergut mit einem Areal 
von ca. 1300 ha. Von der Station der Memel — Tilsiter Eisenbahn liegt 
Prökuls noch 20 km entfernt in südöstlicher Richtung von Memel, mit 
vielen Wiesen längs des Curischen Haffs; die Gegend, eben und niedrig, 
ist Ueberschwemmungen ausgesetzt. 

Geschichtliches: Der vorvorige Besitzer, Baron von Braun, hatte hier zu 
Beginn der 1840 er Jahre eine umfängliche Pferdezucht zu stände 
gebracht. Dieser starb 1848. Hiernach erkaufte 1850 ein Hermann 
Sperber dieses Rittergut; nach dem Tode letzteren Besitzers, 1868, über- 
nahm 1869 ein Curt Sperber den Besitz. Die zu jener Zeit benutzten 
Mutterstuten stammten aus Schreitlaugken. Kurz nach der üebernahme 
des Gestüts von obigem Besitzer wurden die Zuchtthiere von der Rotz- 
krankheit befallen und dadurch zu Grunde gerichtet. Nach Verlauf 
längerer Zeit entschloss sich der Besitzer die Pferdezucht wieder auf- 
zunehmen, es wurden hierzu Trakehner Mutterstuten aufgestellt und zur 
Bedeckung Trakehner Landesbeschäler verwendet. Bis zum Jahre 1888 



Brandzeichen: 




Wurde von 1848 

an in Prökuls 

zur Anwendung 

gebracht. 



wurde die Zahl der Mutterstuten von 
10 auf noch weniger beschränkt, aus 
diesen aber ein kräftiges Reitpferd zu 
erzielen gesucht. Die Fohlen wurden 
dort in der Gegend freihändig verkauft; 
3jährige an die Remonte- Ankaufskom- 
mission. Das Gestüt ging hiernach als 
solches dort nach und nach ein. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen, Kreis Darkehmen. 45 

Name des Gestüts: PÜCken. 

Besitzer: W, von Simpson. Bruno. 

Topographisches: Flicken liegt ca. 6 km von Gumbinnen und ist Rittergut 
mit einem Nebengut Marientlial. Das Areal beläuft sich auf 575 ha. 

Geschichtliches: In frühester Zeit war Flicken eine Kgl. Domäne, auf der 
bereits bedeutende Fferdezucht betrieben wurde, weiteres hierüber blieb 
jedoch unklar. Im Jahre 1812 kaufte W. von Simpson die Domäne und 
unterhielt hier ein Gestüt von Trakehner Blut. Es wurde hier Voll- und 
Halbblut erzielt und dasselbe später, im Jahre 1828, auch mit Georgen- 
burg in Verbindung gebracht. Für das um jene Zeit hier befindliche 
Trakehner Blut wurden die Beschälhengste der Landesanstalt benutzt. 
Es wurden dadurch jährlich ca. 12 dreijährige Fohlen für Militär-ßemonten 
erzielt. Von 1836 ab kam das Gestüt durch Vererbung bezw. Verkauf 
in den Besitz eines Herrn Bruno, welcher in ähnlicher "Weise wie bisher, 
mit ca. 10 Mutterstuten züchtet und diese von in Buylien befindlichen 



Brandzeichen: 



^.$ 



Beschälern decken lässt. Die dreijäh- 
rigen, hier gezogenen Fohlen werden 
alljährlich an die Remonte-Antaufs- 
kommission abgegeben. 



Pi-ovinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkehmen. 

Name des Gestüts: PogrimiTien. 

Besitzer: Rob. Hensche. 

Topographisches: Fogrimmen liegt nördlich der Insterburg — Prostkener 
Eisenbahn, zwischen Darkehmen und Wiekischken; diese Besitzung ist 
Rittergut mit gegen 800 ha Areal und liegt ca. 8 km östlich von Darkehmen. 

Geschichtliches: Von obigem Besitzer wurde 1826 die Herrschaft gekauft 
und gründete dieser darauf 1830 ein Gestüt, welches sich für lange Zeit 
einen sehr guten Ruf erwarb. Die ersten Stuten entstammten Szirgu- 
poenen, die halbblütig, eine Kreuzung von ostpreussischen Stuten und Tra- 
kehner Voll- und Halbbluthengsten ausmachten. Zur Zucht wurden gegen 
18 — 24 Mutterstuten vei'wendet, wodurch sich nach und nach und durch 
Zukauf von Vollblutstuten die eigene Zucht mehr veredelte: Adrienne 
von Voltaire aus der Laura (England), Langar-mare (England); die besten 
Halbblutstuten des Gestüts waren: Solide nach Blacklock. Behufs Be- 
deckung der Stuten wurden fast nur Voll- und Halbbluthengste aus Tra- 
kehnen gewählt, welche später als Beschäler im Gestütsort eingestellt wurden. 
Nach Verlauf von ca. 30jährigem Betrieb betr. Gestüts seitens der 
Besitzer wurde derselbe 1863 eingestellt und der Bestand an von Simpson- 
Georgenburg verschenkt, wobei freundschaftliche Beziehungen die Ver- 
mittelung dieser Handlung herbeiführten. 

Züchtung: Zuchtzweck bestand hauptsächlich in dem Verkauf der dreijährigen 

Brandzeirhpn* 1 Fohlen an die Remonte-Ankaufskommission. 




46 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Grumbinnen. Kreis Insterburg. 

Name des Gestüts: Pleragieneii. 

Besitzer: Theod. Rauschning. 

P. G, von Simpson- Georgenbttrg. 

Topographisches: Pieragienen ist Rittergut, dasselbe liegt am rechten Ufer 
der Angerapp, 5 km von Insterburg, der Eisenbahnstation gleichen Namens 
der Ostbahn. Mehrere Vorwerke. Gesammtareal 587 ha. 

Geschichtliches: Die Vorbesitzer trieben hier bereits umfängliche Pferdezucht 
behufs Erzeugung von Militär-Remonten. Obengenannter Besitzer jedoch 
suchte die Zucht von Pferden auf andere Bahnen zu leiten. Derselbe 
legte 1871 ein Halbblutgestüt an, um edle und stark fundamentirte Reit- 
pferde zu züchten. Der erste Stamm bestand in 17 Mutterstuten, die 
von guter, starker Halbblutrasse aus dem von Simpson'schen- Georgenburg, 
sowie aus Buylien und Trakehnen stammten. Zur Deckung dieser Stuten 
wurde der damalige Georgenburger Vollbluthengst Bachus benutzt. Aus 
dem 1872 aufgelösten Middle-Park-Gestüt erkaufte Rauschning 8 Vollblut- 
stuten. Von nun an erfolgte hier englische Vollblutzucht, die sich gut 
gestaltete. 1875 ging dieses Gestüt in den Besitz von Simpson-Georgenburg 
über und 1876 wvirde dasselbe aufgelöst. 

Brandzeichen: » OÖV Nebenstehendes Brandzeichen war 

vor dem Besitz Rauschning's von 
einem von HoflFmann eingeführt; 
später kam keines dergleichen in 
Anwendung. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gnmbinnen. Kreis Gumbinnen. 

Name des Gestüts: PuSpem. 

Besitzer: Familie Käswurm. 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich in einem Rittergut mit 6 Vor- 
werken, welches einen Gesammtflächeninhalt von über 1400 ha umfasst. 
Puspern liegt ca. 4 km von der Ostbahnstation Trakehnen bezw. 7 km 
vom Hauptgestüt Trakehnen. Boden sehr gut; Wiesen wenig, dafür 
Feldweiden für die Fohlen. 

Geschichtliches: Das Rittergut befindet sich seit 1786 im Besitz der Familie 
Käswurm und gehört zu den ältesten Ostpreussens. Im Jahre 1820 wurde 
hierzu Einrichtung für den Betrieb von Pferdezucht getroffen; zunächst 
wurde die Züchtung guter Militärpferde ins Auge gefasst. Durch Ankauf 
von Mutterstuten aus Trakehnen, Katterun und Szirgupönen wurde die 
Zahl dieser fortwährend erhöht. Weitere Stuten wurden in den Gestüten 
Göritten, Grumkowkaiten, Döhnhoffsstädt etc. etc. erworben. 

Züchtung: Die von Anfang mit der arabischen Rasse begonnene Zucht war 
klein und schwach, es wurden daher leichtere Beschäler Trakehnens, wegen 
der erheblicheren Grösse und Knochenstärke, verwendet. Das Gestüt zu 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Gumbinnen, 47 

Puspern zählte früher gegen 40 Mutterstuten, die jedoch auf etwa 30 
dergleichen reduzirt wurden. Zum Decken werden stets Trakehner Hengste, 
bez. Hengste des Lithau'schen Landgestüts benutzt. 2 Vollblutstuten, 
30 — 40 Halbblutstuten. Die Grestütspferde sind bis zum Alter von 
3 Jahren auf die verschiedenen Vorwerke vertheilt. 4jährige Fohlen 
ca. 140 Stück, Vollblutfohlen ca. 4 Stück. 3jährig werden die Fohlen von 
der Remonte- Ankaufskommission sehr gerne, gegen Verhältnis smässig hohe 
Preise, übernommen. Zweck: Gute Remonte für Kavallerie und Hengste 
für Landgestüte. /^ — ^ 

Brandzeichen: ^'^^ #/ ^ 



Provinz Preussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: NOWiSCtlketl. 

Besitzer: A, Braemer, 

Topographisches: Genanntes Gestüt wird in einem Rittergute betrieben; 
letzteres liegt unweit Schillehnen und ist von der nächsten Eisenbahn- 
station Stallupönen der Ostbahn aus, nach Zurücklegung von 10 — 15 km 
Weges zu erreichen. Zu diesem Besitzthum gehören 4 Nebengüter: Daris- 
thal, Kummetschen, Dwarischken und Königsbruch. 

Geschichtliches: Von obigem Besitzer wurde das betr. Gestüt 1840 ge- 
gründet, es wurden hierzu dortige Landstuten benutzt und weitere Stuten 
und Fohlen hierzu fernerhin aus guten Gestüten der Provinz sowie aus 
Trakehnen selbst angekauft. Um die 1850 er Jahre nach Gründung des 
Gestütes ist der Beschäler Jnny Thunderklapp von Thunderklapp 
aus der Lacinia von Mahleck aus der Zone benutzt worden und hat sich 
sehr bewährt. Weitere Hengste wurden von Trakehnen erworben. 

Der Bestand beläuft sich nach Grassmann auf ca. 30 — -40 Mutter- 
stuten nebst den Jahrgängen, die eine Gesammtzahl von ungefähr 
200 Pferden ergeben können. Sämmtliche Pferde zeigen den Typus des 
Trakehner Pferdes. 

In Dwarischken, nach Schirwindt zu liegend, betrieb früher ein 
Herr von Plehwe eine umfängliche Pferdezucht in ähnlicher Weise wie 
sein Nachfolger und benutzte zu dieser Zeit das unten befindliche Brand- 
zeichen. 

Züchtung: Zuchtziel in Nowischken: Erzeugung eines starken aber edlen 
und gängigen Reitpferdes. Die Abgabe erfolgt dreijährig an die Remonte- 
Ankaufskommission, Hengste werden als Landesbeschäler abgegeben. 

Brandzeichen: 

Dasjenige des von Plehwe auf Dwa- 
rischken: Pfeile vind Lilien sich kreuzend. 




48 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Danzig. Kreis Elbing. 

Name des Gestüts: PreUSSiSCh -Mark (Remontedepöt). 
Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Preussiscli-Mark liegt ost-südöstlich und 8 Meilen von 
Danzig, ca. 12 Meilen von Königsberg, in der Nähe der von Marien- 
burg nach Königsberg führenden Eisenbahn, in der Nähe von Elbing. 
Preussisch-Mark, Pfarrdorf mit altem Schloss, ist ein sehr besuchter 
Wallfahrtsort mit sehenswerther Kirche. 

Geschichtliches: Zur Zeit des preussischen Ritterordens befand sich hier ein 
sogenannter Komthurstall, der zur Komthurei Christburg (1382) gehörte. 
Gegenwärtig besteht hier ein preussisches Remontedepöt, welchem drei- 
jährige Pferde, von den Remontemärkten erkauft, zugetheilt werden. 

Provinz Preussen. Reg.-Bez Danzig. Kreis Stargard. 

Name des Gestüts: PreUSSJSCh "Stargard (Landgestüt). 
Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Preussisch-Stargard, Stadt an der Ferse, 5 Meilen südlich 
von Danzig, 32 Meilen nordöstlich von Stargard in Pommern. Von dem 
dort in der Nähe befindlichen fiscalischen Gutsbezirk Kochantenberg ist 
das Areal zu einem selbständigen Gutsbezirk mit dem Namen Landgestüt 
Preussisch-Stargard belegt bezw. abgegrenzt worden. 

Geschichtliches: Die Gründung erfolgte vor einigen Jahren. 1901 wurde 
das Landgestüt mit 125 meist im Land gezogenen Hengsten besetzt. 

Provinz Preussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Fi-iedland. 

Name des Gestüts: LlGSkeVI (Zuchtgestüt). 

Besitzer: Oberamtniann Schwinck. 

Topographisches: Liesken, bei Hartenstein befindlich, ist eine grössere 
Domäne mit gegen 1300 ha Areal, von Königsberg durch die Eisenbahn 
leicht zu erreichen. 
Geschichtliches: Seit Beginn der vierziger Jahre wurde in Liesken von den 
Pächtern sehr umfängliche Remonte-Pferde-Aufzucht betrieben. Um diese 
Zeit interessirte sich ein Amtsrath Schwinck sehr dafür; hiernach kam 
diese Domäne von 1846 — 1861 in die Bewirthschaftung eines gewissen 
Negenborn nebst Sohn (von 1861 — 1876), welche die Pferdeaufzucht 
in bisheriger Weise fortführten, wonach im Alter von 3Y2 Jahren die 
Fohlen gleichfalls wieder an die Remonte-Kommission abgegeben wurden. 
Es wurden hier Fohlen Trak ebner Abstammung aufgezogen. 1876 wurde 
Brandzeichen* y~^ Liesken pachtweise vom Militär-Piscus be- 

j hufs Errichtung eines Remontedepöt s über- 
I nommen, darin wurden zu bezeichneter Zeit 
über 500 Pferde untergebi-acht (s. Remonte- 
I depöt Liesken). 



5 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Rez. Gumbinnen. Kreis Pilkallen. 49 

Name des Gestüts: Lindicketl. 

Besitzer: Rittergtäsbesitzer Schultz- Lindicken. 

Topographisches: Lindicken liegt in der Nähe der Stadt Sctirwindt, unweit 
der russischen Grenze, sowie gegen 24 km von der nächsten Eisenbahn- 
station Stallupönen. Dieser Grundbesitz enthällt mit einem Vorwerk 
(Neuhof) ein Areal von über 1000 ha. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde von den Vorfahren des gegenwärtigen 
Besitzers 1801 gegründet mit 12 Mutterstuten und einem Beschäler. 
Durch die damals folgenden Kriegs wirren litt das Gestüt. Durch erneuten 
Ankauf von Zuchtmaterial aus Trakehner und Privat-Gestüten dortiger 
Gegend erholte sich das Gestüt wieder. Um jene Zeit hatten sich im 
Gestüt nach verscliiedenen Mittheilungen die Hengste: Supertor, Julian, 
von Leo, ferner: Abdala, Magnus, Allegro u. A. besonders verdient ge- 
macht. 

Durchschnittlich werden in Lindicken 40 Mutterstuten und etwa 
2 Beschäler gehalten; Gesammtbestand 100 — 130, auch 140 Stück. Die 
Hengste sind gewöhnlich Trakehner, die Stuten arabischer, englischer 
und Trakehner Abkunft. Jährlich 20 — 25 Stück Fohlen. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung eines gängigen, schweren Reit- und leichten 
Wagenpferdes. Zuchtzweck: Sjährig Abgabe an die Remonte-Ankaufs- 
kommission und Zurückhaltung geeigneter, werthvoller Stuten, behufs 
Ergänzung des Zuchtmaterials und ferner zur Begleichung des Wirthschafts- 
bedarfs. 

Brandzeichen: 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Ragnit. 

Name des Gestüts: Lenken. 

Besitzer: von Sperber. 

Topographisches: Das Rittergut Lenken liegt in einer der reizendsten 
Gegenden bei Ragnit; von letzterer Stadt auf kurzem Wege zu erreichen. 

Geschichtliches: Auf bezeichnetem Gute wurde sehr lange schon Pferdezucht 
und zwar mit günstigem Erfolg die Trakehner Zucht betrieben. Der 
Besitzer hatte sich hierbei bestrebt, nur Rappen zu züchten; es wurden 
bisher ca. 30 Stuten zur Zucht verwendet. 

Züchtung: Zuchtzweck: Dreijährige wurden aus der Nachzucht obiger Stuten, 



Brandzeichen: 



j 



Hengste als Landesbeschäler abgegeben 
und die übrigen meist der Remonte- 
Ankaufskommission überlassen. — Der 
Besitzer soll jedoch die Absicht haben, 
das Gestüt aufzulösen (1889). 



Bräuer, Gestüte. 



# 



50 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Friedland. 

Name des Gestüts: Loydetl. 

Besitzer: R. Negenborn. 

Topographisches: Loyden liegt sehr nahe an Bartenstein; diese Besitzung 
umfasst ein Areal von ca. 725 ha. Negenborn war früher Pächter der 
Domäne Liesken. 

Geschichtliches: Der gegenwärtige Besitzer von Loyden hatte nebenbei bis 
zum Jahre 1876 die Staats-Domäne Liesken in Pacht, worin vorher dessen 
Vater sowohl als er selbst Remonte-Pferdezucht trieben. Seit der Ueber- 
siedelung nach Loyden wird daselbst ähnlich wie dort gezüchtet. Jährlich 
werden ca. 14 Stück halbjähriger Fohlen, Trakehner Halbblut, aus der 
Umgegend angekauft, auf die Weide gebracht und dann je 3^2 jährig der 
Remonte-Ankaufskommission zum Ankauf vorgestellt. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Labiau. 

Name des Gestüts: Lablaketl. 

Besitzer: Baron von Gutstaedt. 

Topographisches: Die Besitzung, worin genanntes Gestüt gehalten wird, liegt 
ca. 10 km westlich von Labiau, in der Nähe des Kurischen Hatfs. 
Gegend eben, sandig; moorige Wiesen. Areal über 3300 ha. Der Grund- 
besitz besteht ausser Lablaken aus ca. 10 Vorwerken, bezw. kleinen Dörfern. 
Ausgebreitete Weiden. 

Geschichtliches: Dem Lablakener Gestüt gehören ca. 125 Pferde an, wovon ca. 
20 Stück als Mutterstuten gehalten werden. Ausser der hohen Tragezeit 
werden diese zur Verrichtung landwirthschaftlicher Arbeiten und im 
Kutschdienst benutzt. Dasselbe Gestüt wird nur in Lablaken und 
Vorwerk Julienhöhe gehalten; die übrigen Vorwerke sind verpachtet; 
in ähnlicher Weise wird hier Pferdezucht seit mindestens 80 Jahren be- 
trieben. Hinsichtlich der Züchtung sind von den 20 Mutterstuten ge- 
wöhnlich der dritte Theil Vollblutpferde, die übrigen Halbblutpferde, die 
dem ostpreussischen und littauischen Schlage angehören. Ehedem und 
Züchtung: Zuchtzweck: 3 und 4jährig für die 1 wohl auch gegenwärtig hält 
o . .. ^^ Remonte - Ankaufs- ^^^asGestü 3 Beschäler: 1 

ßrandzeiChen: ^^ i ^ • • ä Vollblut, 1 Trakehner und 

kommissionundzur .,, . ' -r^- rr 1 1 i 

T\ ^ ;i • 1 kleinen Dänen. Die Zahl der 

Deckung des eige- ,^ ,, , , , ,, 
nen Bedarfs Mutterstuten hatte sich wäh- 

rend der letzten Jahre etwas 
erhöht, indem man sich mit 
der Zucht edler Hengste für 
Cirkusdienste befasste.' 





Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Friedland. 51 

Name des Gestüts: McrtenSdOrf. 

Besitzer: Baron von der Goltz. 

Topographisches: Mertensdorf liegt 3 km von Friesland entfernt; dasselbe 
ist durch die Ostbahn von der Station Tapiau zu erreichen. Hierzu ge- 
hört noch ein grösseres Gut, Cortlack, wo auf beiden die Landwirthschaft 
intensiv getrieben v^ird. 
Geschichtliches: Von einem Verwandten des gegenwärtigen Besitzers wurde 
das Gestüt Ende der 50er Jahre vorigen Jahrhunderts gegründet. Zuerst 
wurden 5 Mutterstuten eingestellt und gedeckt; später wurde die Zahl 
auf 10 erhöht und hierzu die Hengste des Landgestüts Rastenburg benutzt. 
Die Stuten sind starkknochig und regelmässig gebaut und für Militärzwecke 
bestimmt. Sjährig werden die Thiere der Remonte- Ankaufskommission 
Brandzeichen' o Q o ^^^' Abnahme vorgestellt. Die 

'^ ~ AAf ;i ^ "V, Mutterstuten werden regelmässig 

Wurde früher ^^^^^ ^^^^ Halbblutthiere und 
in Anwendung 2ukauf ergänzt und wird streng 
gebracht. j ^^rauf gesehen, Verwandtschafts- 
[ zucht zu vermeiden. 

Provinz Ostpreussen. Reg -Bez. Königsberg. Kreis Gerdanen. 

Name des Gestüts: Klein -Gtlie. 

Besitzer: C Gutzeit- Gnie. 

Topographisches: Klein-Gnie ist Station der Thorn — Insterburger Eisen- 
bahn und liegt ca. 14 km nordöstlich von Gerdauen. Klein-Gnie ist ein 
grosses Gut mit einem Areal von gegen 6000 ha. Die Gegend ist 
eben und die Weiden sind hoch gelegen. 

Geschichtliches: Die Gründung ist ungefähr auf die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts zurückzuführen. Das früher bedeutende von Pahrenheit'sche 
Gestüt war hier untergebracht und zwar während der ersten Jahrzehnte 
des 19. Jahrhunderts. Dieses bestand aus 10 Stuten und 1 Hengst des 
von Keudell'schen Gestüts in Gielgudyszki. Der Mutterstutenbestand wurde 
während der 20— 30er Jahre vermehrt und dabei arabisches Blut bevorzugt. 
Während der 1860 er Jahre wurde der Mutterstutenbestand auf 100 be- 
stimmt und hierzu diese von Trakehner Hengsten gedeckt. In derselben 
Weise wird das Gestüt auch heute noch betrieben. Der Gesammtpferde- 
bestand , incl. der Acker- und Wirthschaftspferde , bezifferte sich auf 
4 — 500 Stück, Mutterstuten sind hiervon 100 Stück und darüber vor- 
handen und zeigen den Typus des edlen ostpreussischen Pferdes. 

Züchtung: Zuchtziel: Ergänzung des Mutterstutenbestandes und Verkauf 
dreijähriger Pferde an die Remonte-Ankaufskommission sowie noch Ver- 
kauf von Luxuspferden bezw. eines Theiles als Wirthschaftspferde. 

Brandzeichen: 

Dies ist das früher hier in Anwendung 
gekommene Gestüts brandzeichen. 




52 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkehmen. 

Name des Gestüts: KleSZOWGII. 

Besitzer: Rittergutsbesitzer von Sperber. 

Topographisches: Das genannte Gestüt liegt ungefähr etwas über 2 km vom 
Bahnhof Wikischken der Insterburg — Prostkener Eisenbahn entfernt. 
Das Areal beträgt insgesammt 1000 ha, der landwirthscbaftliche Betrieb 
steht in bester Kultur. Rossgarten ist für das Gestüt vorgesehen. Bei- 
güter: Adelig- Kleszowen, Adelig-Broszaitschen und Charlottenwalde. 

Geschichtliches: Obiges Gestüt besteht über 60 — 70 Jahre. Die Vorbesitzer, 
bez. die Verwandten des gegenwärtigen Besitzers, züchteten stets rationell 
nach dem Vorbilde Trakehnens. Der Pferdebestand erhielt sich incl. der 
Wirthschaftspferde auf ungefähr 200 Stück, die in der Hauptsache auf 
den Gütern Adelig-Kleszowen und Adelig-Broszaitschen und ausnahmsweise 
in Charlottenwalde untergebracht sind. Zur Bedeckung werden Tra- 
kehner Hengste benutzt. Sämmtliche Pferde sind Trakehner Blutes. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung eines hochedlen, leistungsfähigen, aus- 
dauernden Halbblutpferdes mit schönen Körperformen und regelmässigen 
Bewegungen, in dem das beste Trakehner Blut im Verein mit dorthin 
gebrachtem englischen Vollblut bereits viele Geschlechter hindurch forterbt. 
Gute von Trakehner Hengsten und aus bekannten guten Stuten stammende 
Jährlingsfohlen werden zum Stamme zugekauft und mit herangezogen. 
Es werden stets die besten Produkte der Zucht als Beschäler bezw. 
Mutterstuten gewählt und andere als Reit- und Jagdpferde sowie Luxus- 
Wagenpferde verkauft. Ein grosser Theil jedoch wird dreijährig der 
Remonte-Ankaufskommissiou vorgestellt. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Insterburg. 

Name des Gestüts: KrUSinil. 

Besitzer: d'ossgrundbesitzer Wilh, Jmttzon. 

Topographisches: Der Gestütshof liegt 6 — 7 km von Insterburg entfernt 
und ist daher sehr leicht zu erreichen. Das Gut selbst hält ein Areal 
von ca. 450 ha bei bester Kultur. 

Geschichtliches: Von dem Besitzer wurde das Gestüt 1873 gegründet und 
dabei Zuchtobjekte gewählt, wie dergleichen in dem Kgl. Hauptgestüt 
Trakehnen zu gleichem Zwecke Verwendung finden. Die Krusinner 
Pferde zeigen den hervorragendsten Trakehner Typus. 

Züchtung: Zur Zucht werden hier Trakehner Hengste und ca. 20 Mutter- 
stuten benutzt und von letzteren jährlich ungefähr 12 — 15 Fohlen er- 
zeugt. Ausser diesen Zuchtpferden befinden sich hier ungefähr noch 
140 Pferde zur Verrichtung der Wirthschaftsarbeiten, unter welcher Zahl 
sich die verschiedensten Jahrgänge befinden. Die Pferde sind so makellos, dass 
selbst die Kgl. Gestütsverwaltung Hengste von hier kauft; dreijährig wird 
gewöhnlich der Remonten- Ankaufskommission eine bedeutende Zahl jährlich 
vorgestellt. Die hier betriebene Pferdezucht ist eine ganz hervorragende, aus 
der besonders Rappen in den Handel kommen, der Besitzer erhielt deshalb 
den Beinamen „Rappenkönig". Nach den neuesten Nachrichten hat obiger 
Besitzer das Gestüt an einen Herrn Lengnick aus Russland verkauft. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gerdauen. 53 

Name des Gestüts: Mauenwalde. 

Besitzer: Gutspachter N. N, 

Topographisches: Das bezeichnete Gut liegt nicht weit von Greorgenfelde, 
einer Station der Insterburg — Thorner Eisenbahn und ist von da aus 
leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Um das Jahr 1830 gründete ein Gutspachter, Namens Voigt, 
ein Gestüt mit nach und nach ca. 18 Mutterstuten, welche der ost- 
preussischen Easse angehörten. Hierzu wurden die im Orte aufgestellten 
Kgl. Landesbeschäler benutzt und als Zuchtziel die Produktion von 
Militärpferden gesteckt. 1841 erfolgte eine Uebergabe des Gutes in 
andere Hände, wobei sich herausstellte, dass der neue Pächter kein 
Interesse für Pferdezucht hegte und daher um diese Zeit die Auflösung 
des Gestüts erfolgte. 

Züchtung: Der genannte Pachter züchtete mit viel Kenntniss, er züchtete 
sogar meist Luxuspferde, die aber auch der Remonte- Ankaufskommission 
mit vorgestellt wurden. 

Provinz Ostpreussen. Reg. -Bez. Königsberg. Kreis Rastenburg. 

Name des Gestüts: MuhlaCk. 

Besitzer: von Bohlen. 

Topographisches: In dem Rittergut Muhlack wird das Zuchtgestüt betrieben; 
dasselbe liegt ca. 4 km von Rastenburg entfernt und ist von der Bahn- 
station Rastenburg der von Königsberg nach Lyck führenden Eisenbahn 
leicht zu erreichen. Das Areal des Gutes umfasst über 400 ha, wovon 
für das Gestüt 27 ha in Ausläufer und Weiden zur Verfügung stehen. 
Muhlack liegt 250 m über dem Meer. 

Geschichtliches: Nach von dem Gründer des Gestüts, einem Herrn Werner, 
dem Schwiegervater des Herrn von Bohlen, direkt eingezogenen Erkun- 
digungen, ist dasselbe im .Tahre 1842 im kleinen Maassstabe ins Leben 
gerufen worden. Den ersten Stamm bildeten um das Jahr 1848 I.Schimmel- 
Stute Zariffa, vom Araber Zariff aus der Caladonia\ 2. Falconide (Rapp- 
stute) von Leos (Laparello-Stute) aus der Falconide von Falcon aus einer 
englischen Stute; 3. Olympia (Rappstute) von Leos aus ^qx Jung Antimony, 
englisches Vollblut. Bis zum Jahre 1872 hatte letztere Rappstute (1845 ge- 
boren) allein 24 Rappfohlen geliefert, und sollte diese von neuem um 
diese Zeit tragend sein. Die Beschäler wurden von Trakehnen, sowie 
dergleichen anderen derartigen Kgl. Gestüten benutzt. 1881 — 1882 war der 
Vollbluthengst Mars im Gestüt aufgestellt. Um jene Zeit bis später 
war der Pferdebestand 60—65 Stück, als: 1 Vollbluthengst, 1 Vollblut- 
stute, 3 Halbbluthengste, 19 Halbblutstuten, 1 Vollblutfohlen und gegen 
50 Halbblutfohlen 1 — 4 jährig. Die ungefähre Zahl der Mutterstuten wird 
auf ca. 14 — 20 gehalten. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung eines sehr edlen aber starken Reitschlages, 
der grösstentheils in der Rappfarbe erscheint. Das Gestüt ist in in- und 
ausländischen Kgl. Marställen sehr bekannt; auf Ausstellungen deren 
Produkte vielfach prämiirt. 



54 Provinz Ostpreussen. Reg. -Bez. Königsberg. Kreis Friedland, 

Name de Gestüts: Krafthagetl. 

Besitzer: Graf Dönhoff. 

Topographisches: Das Gestüt wird in Krafthagen, einem grösseren Ritter- 
gut mit über 1100 ha Areal, betrieben. Dasselbe ist durch die Eisen- 
bahn leicht zu erreichen, es liegt unweit Bartenstein. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestütes erfolgte durch den früheren 
Besitzer, Baron von Krafft, Mitte des vorigen Jahrhunders, dieser betrieb 
dasselbe mit grosser Vorliebe und Energie bis zum Jahre 1860. Um 
diese Zeit ging es in die Hände des gegenwärtigen Besitzers über. 

Züchtung: Der frühere Besitzer züchtete mit lithauischen Mutterstuten, wozu 
dieser arabische Vaterthiere verwendete — um das Jahr 1858 den Schimmel- 
hengst Baruth. Dessen Nachkommen wurden vom neuen Besitzer mit über- 
nommen und die Mutterstuten (gegenwärtig 20) von Kgl. Landesbeschälern 
bezw. auch von englischen Vollblutbeschälern im Gestüt Steinort gedeckt. 
Die Stuten werden zu Landwirthschaftsarbeiten, so lange dies wegen der 
Tragezeit geht, verwendet; Fohlen werden im Rossgarten etc. reichlich bewegt 
(Tummelplätze). 

Brandzeichen: ^^jSßl^f Früher wurde das nebenstehende Brand- 

zeichen benutzt, gegenwärtig nicht mehr. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: AmaÜenhof. 

Besitzer: Gtäsbesitzer Hecht. 

Topographisches: Amalienhof ist durch die preussische Ostbahn von Gum- 
binnen, bezw. Stallupönen aus — Station nicht bekannt geworden — 
leicht zu erreichen; der Gestütsort hat seine Lage in der Gegend der 
russischen Grenze, ist mit guten Weiden in grosser Ebene gelegen. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde vom Landstallmeister von Burgsdorff zu 
Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Gute Amalienhof begründet; 
dann durch einen Pachter des Gutes, von Stürz, wegen Verfolgung anderer 
Interessen aufgelöst; jedoch von dem folgenden Besitzer (Hecht) 
nach Beginn der 1850 er Jahre wieder ins Leben gerufen. Von letzterem 
wird die Pferdezucht sogar in verhältnissmässig grösserer Zahl betrieben. 
Die Pferde tragen insgesammt den Typus des edlen ostpreussischen 
(Trakehner)Pferdes. Es werden Trakehner Halbblutstuten von ebensolchen 
Landgestüts-Hengsten gedeckt. 

Züchtung: Zuchtzweck: Aufzucht der Gestüts-Produkte für Remonte. 

Brandzeichen: 





Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gerdauen. 55 

Name des Gestüts: WÜlkamm. 

Besitzer: von Rautter. 

Topographisches: Das G-estüt befinäet sicli auf einem Eittergut der v. Rautter- 
schen Herrscliaft; dasselbe liegt in der Nähe von Skandau mit einem Areal 
von 2250 ha und sind daselbst Laufställe und Weiden für die Fohlen 
eingerichtet. 

Geschichtliches: Nach Berichten soll auf diesem Gute bereits gegen 400 
Jahre umfängliche Pferdezucht betrieben worden sein; nur einzelne Ueber- 
lieferungen lassen solches erkennen und sind nur die früher im Gestüt 
aufgestellt gewesenen Hengste Scheitan und Roderich von Bodrigo genannt, 
Scheitan war der Sohn von dem berühmten Araber Zariff. Ende der 
1880 er Jahre stand in Willkamm der frühere Trakehner Hauptbeschäler, 
der 1861 geborene englische Vollbluthengst Lahire von Sahama a. d. 
Luna V. Young Wahlebone. 

Züchtung: Anfang der 1890er Jahre enthielt das Gestüt über 200 Köpfe, 
darunter gegen 20 Mutterstuten des edlen ostpreussischen Schlages, von 
denen ein Theil noch Nachkommen von Zariff sind. Durchschnittlich 
werden jährlich 10 — 13 Stück geboren und werden aus besten Zuchten 
des Landes jährlich 30 — 40 Fohlen zugekauft. Zuchtzweck: Verkauf 
von dreijährigen Pferden an die Remonte-Ankaufskommission. 

Pi-ovinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gerdauen. 

Name des Gestüts: Wandlacketl. 

Besitzer: Verwittw. Frau Oberamtmann Totenhöfer, 

Topographisches: Genannter Ort liegt von der Insterburg— Thorner Eisen- 
bahn ca. 6 km und von Gerdauen (Kreisstadt) ca. 8 km entfernt. König- 
liche Domäne. 

Geschichtliches: Es ist festgestellt, dass die Familie Totenhöfer seit über 
100 Jahre obige Domäne in Pacht hatte und heute — Anfang der 1890er 
Jahre — von genannter Wittwe, mit Pferdeaufzucht verbunden, noch be- 
trieben wird. Früher wurde hier Pferdezucht ganz umfänglich betrieben. 
Gegenwärtig besteht nur eine Aufzucht von Fohlen, die Ygjä'iirig angekauft 
werden, und so viel, dass jährlich ca. 36 3jährige Thiere an die Remonte- 
Ankaufskommission veräussert werden können. Die Fohlen gehören sämmt- 
lich dem Trakehner-Typus an. 

Brandzeichen: 



• 




56 Provinz Ostpreussen. Reg. -Bez. Gumbinnen. Kreis Pilkallen. 

Name des Gestüts: Dorlsthal. 

Besitzer: Heinrich Braemer 

Topographisches: In dem Rittergut Doristhal mit den Vorwerken Vielem ühe 
und Schönbruch wird bezeichnetes Gestüt betrieben. Das Areal beläuft 
sich auf 868 ha; der Boden ist sandig und lehmhaltig. Dasselbe 
befindet sich ca. Y2 Meile von der russischen Grenze entfernt in der Nähe 
von Pilkallen und SYg Meile nordöstlich von Gumbinnen. Gute Weiden; 
im Herbst zeitig regnerisch; rauhe Nord- und Westwinde. 
Geschichtliches: Gegründet 1815 mit einem edlen Stamme Mutterstuten mit 
Blut aus Gielgudski, Gestüt des Barons von Keudell in Russisch-Lithauen, 
4 Meilen von der preussischen Grenze. Es wurden diese Stuten mit 
Hengsten der nächsten Kgl. Domänen-Güter gepaart und wurde dadurch 
ein guter Schlag erzielt. 

Vom Jahre 1835 ab wurden die vom Trakehner Landgestüt dort 
aufgestellten Beschäler benutzt, wodurch der Erfolg ein günstiger wurde. 
Es wurde, nachdem der erste Stutenstamm verbraucht war, Bedacht ge- 
nommen, werth volles Stutenmaterial einzuführen. Die jetzige Zucht ist 
auf Trakehnerblut zurückzuführen, die mit den alljährlich nach Doris- 
thal auf Station kommenden Hengsten sorgfältig weiter betrieben wird. 
Die auf dem Gestütshofe befindliche Reitbahn dient zum Thätigmachen 
der 4jährigen, die als Luxuspferde in den Handel gehen und von einem 
Bereiter fertig gemacht werden. 
Züchtung: Zweck: Fertigstellung von Reit- resp. Wagenpferden schweren 
Brandzpirhpn- W. ^ Schlages und brauchbaren Armee- 

bez. Luxuspferden. Bestand: ca. 
2 — 3 Vollblutstuten, bis gegen 30 
Halbblutstuten, 50 — 60 Fohlen ver- 
schiedener Jahrgänge. 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Insterburg. 

Name des Gestüts: WangOttGII. 

Besitzer: Rittmeister a. D. O. Werner. 

Topographisches: Der Gestütsort ist Rittergut und liegt ca. 8 — 9 km von 
Rastenburg entfernt. Areal über 300 ha. Weiden für die Fohlen; 
Rossgärten. 

Geschichtliches: Der Grossvater des gegenwärtigen Besitzers, David Thiel, 
gründete 1830 mit einigen Stuten ein Gestüt, das später grossen 
Einfluss auf die Pferdezucht der dortigen Gegend ausübte. — Von diesen 
Stammstuten waren zwei aus dem v. Fahrenheit'schen Gestüt Angerapp; 
eine aus England und eine, die Launigte, aus dem Gestüt Tussainen, 
dem von Sanden'schen Gestüt entnommen. Launigte, ein Pferd mit ara- 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Insterburg. 57 

bischem Typus, wurde die bedeutendste Stammmutter Wangottens und 
hatte gegen 20 Foblen geliefert; diese soll in der Ukraine geboren sein. 
Eine weitere Stammmutter Wangottens sollte eine aus England bezogene 
(1838) Fair-Jane sein. Als Deckhengste wurden und werden z. Zt. noch 
die Königl. Landesbeschälhengste der dortigen Gegend benutzt. Mutter- 
stuten werden aus eigener Nachzucht ergänzt. Sämmtliche Pferde tragen 
den Typus edler Trakehner. 

Züchtung: Zuchtzweck: Erzielung tüchtiger Gebrauchspferde. Bestand: 
80 — 100 Pferde, ca. 20 Mutterstuten (edles Halbblut) Ausnützung: 
dreijährige für die Remonte - Ankaufskommission ; zu Zuchtzwecken, 
Offizierspferde. 

Brandzeichen: 

Brandzeichen des Ostpreuss 
Stutbuches für edles Halbblut. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Gumbinnen. 

Name des Gestüts: WalterSkehmeil. 

Besitzer: früher: Ritter gutsbes. William Ger lach, 
gegenwärtig: Preussiscke Gestütsverwaltung. 

Topographisches: Das Gut liegt an der Rominte, ca. 10 km südöstlich von 
Gumbinnen, ungefähr auch 10 km vom Hauptgestüt Trakehnen ent- 
fernt. Das Areal beträgt incl. der Beigüter 380 ha. Zu Gestütszwecken 
stehen ca. 50 ha zur Verfügung. 

Geschichtliches : Die Nähe von Trakehnen gab dem Vater des gegenwärtigen 
Besitzers Veranlassung, in grösserem Umfange Pferdezucht zu treiben und 
gründete er daher 1844 ein eigenes Gestüt. Das erste Stutenmaterial 
entstammte Trakehnen, wozu die Hengste dort verwendet wurden. Die 
in Walterskehmen gezogenen Pferde tragen wegen der nahen Be- 
ziehungen zu Trakehnen auch den Typus des edlen Trakehnerpferdes — 
starke, stramme Beschaffenheit, starken Gliederbau und edle Formen — , 
darunter befinden sich Braune und Füchse, doch überkriegend Rappen. 
Von früher hier benutzten Hengsten waren Venerato, Venezuela und Hector 
am einflussreichsten, nicht minder aber auch der eigene englische Voll- 
bluthengst Jung Vindex von Vindex aus der Emma von GondoHer aus 
der Mathilde, der vorzügliche Eigenschaften seines Vaters vererbte. Jung 
Vindex, 1863 gebo:en, diente dem Gestüte 20 Jahre bis 1887. 

Gegen Mitte der 1890 er Jahre zählte das Gestüt ca. 170 Pferde, 
die Stutenheerde , die aus sich selbst ergänzt wird, zählt ca. 30 Köpfe, 
sämmtlich Halbbluter Trakehner Abstammung, im ostpreussischen Stut- 
buch eingetragen. Die Zahl der im Gestüt geborenen Fohlen beträgt 
ca. 18 Stück, hierzu werden ähnliche Fohlen im Blute, bis zu 60 Stück, 
hinzugekauft und aufgezogen. 

Züchtung: Zuchtziel: Hochedle, kräftige Hengste zu Zuchtzwecken sowie 
edle, gängige Remonten zu ziehen, auch zu Militärremonten abzugeben. 




58 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Gumbinnen. 

Seit 1882 wird hier ein lebhafter Handel mit Zuchthengsten und Zucht- 
stuten nach Isord- und Süd -Amerika betrieben behufs Verwendung zur 
Traberzucht. 

Brandzeichen: \ / 

Neben diesem Brandzeichen G. W. wird 
auch noch das Stutbuchzeichen (doppelte 
Elenschaufel) in Anwendung gebracht. 
(Siehe Wangotten S. 57.) 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkehmen. 

Name des Gestüts: JuÜenfelde. 

Besitzer: von Saucken. 

Topographisches: Julienfelde ist von der Eisenbahnstation Bokellen der 
preussischen Staatsbahn Schneidemühl — Thorn — Insterburg über Abe- 
lischken leicht zu erreichen, aber ebenso auch von der Bahnstation 
Gnie derselben Bahn aus, nach Zurücklegung etwas längeren Weges. Das 
Gesammtareal von Julienfelde mit dem Vorwerk Adamsfelde beläuft sich 
auf 638 ha. Das Gestüt wird mit der gesammten Landwirthschaft ge- 
meinschaftlich und für eine Eechnung betrieben. 

Geschichtliches: Im Jahre 1824 wurde bezeichnetes Gestüt hier errichtet, 
indem aus der nächsten Umgebung von dort (Angerapp, Tarputschen) 
Halbblutmutterstuten angekauft, die von Kgl. Landesbeschälern gedeckt 
wurden. Die letzteren gehörten vorzugsweise dem englischen und ara- 
bischen Blute an. Daraus geht hervor, dass betr. Gestüt einem höheren 
Zuchtziel entgegenging, welches darin bestand, dass dasselbe schön ge- 
formte und edle Reit- und Jagdpferde anstrebte. Dazu kam noch, dass 
im Jahre 1837 das Vollblutgestüt des Landstallmeisters von Burgsdorff 
dem bereits bestehenden einverleibt wurde, welches arabische und einige 
englische Vollblutstuten enthielt. Es entstand somit die Veränderung, 
dass die Zucht des hier sich bewährten Halbblutes der nun eingeführten 
Vollblutzucht weichen musste. Nun entstand in Julienfelde von 1837 
an Vollblutzucht. Der Gesammtbestand war um jene Zeit 20 Voll- 
blutstuten, die hervorragendsten sind: Belle- Atliance, Carresse, Deiphabe, 
Happy und Victor y; Hengste: Theodosius, Rioter, Catton während der 
40er und 50er Jahre, Vital 1863 — 1864. Die Zahl der Mutterstuten 
beträgt zwischen 12 — 20. 
Züchtung: Zuchtzweck: Leistungsfähige Reit- und Wagenpferde (Luxus- 
Brandzeichen* A ^^^ Zuchtmaterial) sind verkäuflich. 



00 



Ein Brandzeichen wurde selten und 
seit Einführung der Vollblutzucht nicht 
mehr in Anwendung gebracht. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Guinbinnen. Kreis Insterburg. 59 

Name des Gestüts: Althof-Insterburg. 

Besitzer: Dr, Aug. Brandes. 

Topographisches: Althof-Insterburg ist Rittergut mit einem Areal von 
1200 ha incl. 6 Vorwerken. Weiden und Ausläufe befinden sich an den 
Ufern des Pregel. Es findet ausgiebige Möhrenfüttei'ung der Fohlen statt. 
Die Gestütsgebäude sind neu aufgeführt, massiv, der Zeit und den Ver- 
hältnissen entsprechend. 

Geschichtliches: Althof ist nach Berichten ein sehr alter Gestütsplatz, Ur- 
kunden geben Nachricht darüber bis gegen 1525 zurück. Bis 1817 war 
Althof eine Kgl. Domäne, bis 1732 war es Muttergestüt Trakehnens. 
Durch Krieg (1757- 1762 und 1813) hatte das Gestüt sehr gelitten. 
1820 reorganisirte Gottfried Käswurm als letzter Pachter der Domäne 
das Gestüt, er stellte 40 Stuten, Trakehner, Mecklenburger, russischer 
und national-englischer Abstammung ein. 1844 wurden arabische Hengste 
benutzt (Zariff, einer der edelsten, dann Basra und Bischrang} , von diesen 
Hengsten stammt der Bestand des Gestüts. Später kamen englische Voll- 
bluthengste zur Benutzung, um dadurch mehr Grösse und Körpermasse 
zu erzielen. 

Züchtung: Zuchtziel: Halbblut. Für die uralten Stutenstämme wurden — 
nach speziellen direkten Nachrichten, siehe Tabellen Seite 9, Band I — 
seit Anfang des 19. Jahrhunderts geordnete Gestütsbücher eingerichtet 
und mit orientalischem Vollblut: Teheran, Turc-Mainatti, ausser 
Zariff etc. (s. oben) fortgezüchtet, später mit Trakehner Halbblut: 
Ethon, Fannor, Provinzial, Hofrath und englischem Vollblut: Bachus, 
Pan, Feio, Beifort, Furveyar. Zuchtzweck: Starke Reit- und Wagen- 
pferde für Remontezwecke, Beschäler für Land- und Privatgestüte. 

In Althof bestehen 7 Stutenstämme, die nicht mit einander ge- 
mischt werden. Davon sind 2 Trakehner Abstammung, 3 mit orien- 
talischem Blute stark gefüllt, 1 Stamm vorherrschend englisch und 1 mit 
altlithauer Blut gezogen. 

Zahlreiche Hengste, aus dem Gestüt hervorgegangen, dienen als 
Beschäler in 2 Landgestüten, Zuchtvereinen und Privatgestüten. Auf 
der Bremer internationalen Ausstellung 1874 erhielten 2 Hengste: Neid 
und Cyrus die ersten Preise, daselbst bekam das Gestüt als solches auch 
den ersten Preis. 

Bestand 1882: 1 Halbbluthengst, 26 Halbblutstuten, 60 dreijährige, 
52 zweijährige; 4 Jährlinge und 3 heurige Fohlen. Jeder Jahrgang wird 
durch Zukauf edel gezogener Bauernfohlen auf 50 — 60 Stück kom- 
plettirt. Von den aufgezogenen Hengsten werden jährlich 6 — 8 Stück 
als Beschäler verkauft. Einige dergleichen Stutfohlen werden der Mutter- 
heerde zugetheilt. Gegen 50 dreijährige Pferde werden als Militär Remonten 
verkauft. 

Brandzeichen: 




60 Provinz Ostpreuesen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Friedland. 

Name des Gestüts: Judltten. 

Besitzer: von Kunheim. 

Topographisches: Das bezeichnete Gestüt befindet sich in der Nähe von 
Friedland, einer Kreisstadt a. d. Alle, sowie bei Bartenstein, auf einem 
grösseren Gute. 

Geschichtliches: Der ehemalige Besitzer, Majoratsherr von Kunheim, der 
Vater des Folgenden, gründete während der 30 er Jahre auf diesem Gute 
ein Halbblutgestüt, welches sich bis in die 40 er Jahre vor. Jahrhunderts 
sehr bewährte; es wurden daselbst bisher 30 - 40 Mutterstuten — Tra- 
kehner Halbblutes — gehalten und diese von den Königl. Landesbeschälern, 
gleichen Blutes, gedeckt. Während der Zeit jedoch, während welcher das 
Gestüt sieh in der besten Entwickelung befand und lukrativ wurde, traten 
erhebliche Verluste durch das Auftreten der Influenza ein. Es wurde von 
da ab der Betrieb verringert. Der Nachfolger schränkte die Zucht noch 
mehr ein und sucht nur den eigenen Bedarf zu decken. 
Züchtung: Die Züchtung ist gegen früher auf Clydesdaler Abkömmlinge 
Brandzeichen: /C^ Seit Mitte der übergegangen, um für den Ackerbau 
~" ^ 50 er Jahre kaltblütige Pferde zu erzielen. Die 
nicht mehr früher gezüchteten Thiere wurden an 
verwendet. ' ^^^ Militär abgegeben. 



Ä 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Insterburg. 

Name des Gestüts: JUCkeln. 

Besitzer: R. Müller. 

Topographisches: Juckeln liegt in der Nähe der Eisenbahnlinie Insterburg — 
Memel und ist von der Bahnstation Grünheide zu erreichen. Das Areal 
beträgt 400 ha und wurden davon 7 ha zu Pferdeweiden in den so- 
genannten Rossgärten bestimmt. 

Geschichtliches: In Juckeln wurde ungefähr vom Jahre 1750 bis 1751 
von den folgenden Gliedern der Familie von Aweiden ein werth volles 
Gestüt unterhalten. Das hier zuerst eingeführte Zuchtmaterial soll Salz- 
burger Abstammung gewesen sein, welches während der Anfangszeit dort 
gezüchtet worden und in mancher bäuerlicher Züchtung, von damals, 
heute noch zu finden ist. Auch soll dieser Salzburger Schlag s. Zt. mit 
arabischem Blut vermischt worden sein und dadurch sehr günstige Erfolge 
gehabt haben. Nach dem Tode des letzten Gliedes der Familie von Aweiden 
ging das Gestüt in andere Hände über, wodurch es 1851 zur Auflösung kam. 

Züchtung: Bisher bestand das Zuchtziel in Produktion eines kräftigen 
Militärpferdes. Seit dem Jahre 1878 befindet sich das Gut in den Händen 



Brandzeichen: Im Besitze des Gestüts 
von der Familie von 
Aweiden kam neben- 
stehendes Brandzei- 
chen in Anwendunar. 




des obengenannten Besitzers, der seit 
dieser Zeit mit 4 Mutterstuten Tra- 
kehner Abkunft und Trakehner Land- 
gestüthengsten züchtet und hiernach 
Fohlen dreijährig an die Remonte- 
Ankaufskommission abriebt. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gerdauen. 61 

Name des Gestüts: KindCrhof. 

Besitzer: von Janson a^if Schloss Gerdauen. 

Topographisches: Kinderhof ist ein dem Rittergutsbesitzer von Janson 
auf Schloss Gerdauen gehöriges Gut mit über 500 ha; dasselbe wurde 
, Gerdauenergestüt " genannt. 

Geschichtliches: Von 1803-1833 wurde unterm Besitz der Herrschaft des 
M. von Romberg zuerst ein kleiner Stutenstamm und eine Anzahl Stutfohlen 
aus ostpreussischen Gestüten, in denen arabisches Blut bereits eingebracht 
war, gegründet. Zur Bedeckung der Stuten wurden Kgl. Landesbeschäler 
benutzt. 1848 wurde von dem von Romberg öfter englisches Voll- und 
Halbblut, sowie nationalarabisches Blut, daneben aber auch Jütländische" 
Stuten in das Gestüt eingebracht und dazu Hengste eigner Zucht, sowie 
Landesbeschäler benutzt. Der Erfolg dieser Zuchtrichtung war kein günstiger 
und wurde daher diese geändert. 

Züchtung: 1880 wurden zur Zucht 180 Mutterstuten benutzt. 1890 desgl. 



Brandzeichen: 




Früher wurde ein 
solches von Romberg 
geführt, wie nebenan 
wiedergegeben. 



15 Mutterstuten. Zuchtzweck 
war: Erzielung guter Militärpferde, 
sowie für den eigenen Bedarf, für 
den Wirthschafts- und Wagendienst. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Gumbinnen. 

Name des Gestüts: KieSelkehtTien. 

Besitzer: H. Burchard. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der Eisenbahn Insterburg— Eydkuhnen 
in südlicher Richtung auf kurzem Wege zu erreichen. Das Gut umfasst 
ein Areal von 1000 ha und dient zu einem grossen Theil den landwirth- 
schaftlichen Intei'essen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts datirt bis gegen Anfang des vor. 
Jahrhunderts. In letzterer Zeit gehörten zum Gestüt über 100 Pferde. 
Zunächst sind gegen 12 Mutterstuten aufgestellt, die nur von Trakehner 
Gestütsstuten abstammen, ferner 1 Beschäler und 30 — 36 Fohlen bis zu 
3 Jahren vorhanden; die übrigen Pferde werden zum Wirthschaftsbetrieb 
verwendet. Beschäler wurden nach und nach verwendet: Neiv Light^ 
Vorwärts, Elimar, Adonis. 

Züchtung: Zuchtziel: Ergänzung mittleren und starken Reitschlages; edle 
Formen; kräftiger Körperbau; Militärpferde. Die Mehrzahl der Fohlen 
wird, nach Deckung des eigenen Bedarfs, der Remonte-Ankaufskommission 
vorgestellt. 

Brandzeichen: ^^ ,,. ^ , ,. ^ , , 

Das Brandzeichen kam nur bis Ende der 
1850 er Jahre in Anwendung. 




62 Provinz Ostpreussen. Reg.- Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: Kemn. 

Besitzer: von Hins. 

Topographisches: Das betr. Gut, worauf neben der Landwirthscbaft Pferde- 
zucht mit betrieben wird, liegt in der Nähe von Stallupönen. Als Be- 
sitzer dieses Gutes bezw. Gestüts sind zu bezeichnen: Kriegsrath von Hinz, 
Stadtkämmerer Wolfi", der von 1809 die Pferdezucht neu begründete 
und diese bis 1843 betrieb; hierauf übernahm es dessen Sohn bis 1873 
und dann der gegenwärtige Besitzer. 

Geschichtliches: Bei-eits zu Anfang vor. Jahrhunderts wurde in Kerrin die 
Pferdezucht von sämmtlichen Besitzern bis auf den heutigen Tag mit 
Erfolg betrieben. Es wurden durchschnittlich 10 — 1.5 ostpreussische Stuten 
zur Zucht verwendet und diese von Trakehner Hengsten gedeckt. Hier- 
durch wurden während der 1860 er Jahre hauptsächlich sehr brauchbare 
Pfei'de geliefert, die, sowohl zu Hengsten wie Stuten, zu Zuchtmaterial abge- 
geben werden konnten. Der gegenwärtige Besitzer setzte aber wegen anderen 
landwirthschaftlichen Verhältnissen die Zahl der Mutterstuten auf die 
Hälfte, gegen bisher, herunter. 

Züchtung: Zuchtziel bestand in Ergänzung des eigenen Bedarfs im Gestüt, 
sowie Abgabe 3jähriger Fohlen an die Remonte-Ankaufskommission. Die 
Mutterstuten wurden zur Feldarbeit bis zu einem gewissen Grad heran- 
gezogen und die Fohlen den Sommer über in sogenannte Rossgärten 
untergebracht. 

Brandzeichen: 

Während des Besitzes des Gestüts von 
Woltf, Vater und Sohn, wurde das neben- 
stehende Brandzeichen in Anwendung ge- 
bracht. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis b'tallupönen. 

Name de Gestüts: KattenRU (Privat- Ge.stüt). 

Besitzer: Richard Schawaller. 

Topographisches: Das Gut des genannten Besitzers grenzt an das Areal 
des Kgl. Preuss. Remontedepöt zu Kattenau. Ersteres hat einen Grund 
von über 380 ha und ist von der Eisenbahnlinie Königsberg — Eydkuhnen 
sowie vom Remontedepöt aus, nach Zuiücklegung 1 km Weges, leicht 
zu eii'eichen. 

Geschichtliches: Bis zum Jahre 1826 hatte die Domäne Kattenau, welche 
das heutige Remontedepöt bildet, ein Amtsrath, Namens Major, in Pacht 
und bewirthschaftete diese von hier aus mit dem in der Nähe und in seinem 
Besitz befindlichen obigen Areal gleichzeitig. Hierbei wurde auf beiden 
Domänen Pferdezucht betrieben. Major brachte auf sein eigenes Gut, 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 63 

nachdem er die Kgl. Domäne 1820 an den Staat zurückgegeben, 8 Stück 
seiner bisher gezüchteten Stuten und kaufte dazu noch weitere dergleichen 
und gründete damit das Gestüt. Nach dem Tode des Herrn Major (1830) 
ging das Gut nebst Gestüt durch Verkauf in die Hände eines Herrn 
Leitner über. Dieser führte das Gestüt mit ca. 10 Stuten fort und be- 
nutzte hierzu meist Trakehner Hengste. 

Zuchtzweck: Militärpferde für die Remonte- Ankaufskommission. 

Im Jahre 1838 wechselte der Besitz dieses Gutes wieder, es kaufte 
dasselbe ein Herr Seh aw aller, der Vater des gegenwärtigen Besitzers. 
Dieser betrieb die Pferdezucht in bisheriger Weise fort und kaufte 
nebenbei noch Fohlen zu, um mehr dreijährige Pferde zum Absatz an die 
Remonte-Kommission zu bringen Um diese Zeit wurden die Kattenauer 
Pferde berühmt, weil man auf Ankauf edler Landstuten bedacht war und 
2 Halbblutstuten (Floranza und Romaika) aus dem Käswurm'schen Ge- 
stüt zu Puspern mit einstellte. Schawaller sen. starb 1865; das Gut 
mit Gestüt wurde Eigenthum des Sohnes Richard, der bis letzte Zeit 
durchschnittlich jährlich 15 Stuten und 10- — 15 Fohlen hält und ca. 
6 — 8 ein- und über 30 zweijährige Fohlen ostpreussischen Schlages ver- 
kauft, so dass er jedes Jahr der Remonte-Ankaufskommission ca. 50 drei- 
jährige Pferde vorstellen kann. 

Züchtung: Zu cht ziel des gegenwärtigen Besitzers ist Erzielung eines guten 
Soldaten-, namentlich Reitpferdes. Bestand in letzter Zeit ungefähr über 
100 Köpfe. 

Brandzeichen: _ ^^_ 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Gerdauen. 

Name des Gestüts: KSinOten. 

Besitzer: Bernhard von Pressentin, gen. von Rautter. 

Topographishes: Das betreffende Gestüt liegt 5 km von Gerdauen. Areal 
über 342 ha. 

Geschichtliches: Hier wurde früher eine umfänglichere Zucht von edleren 
ostpreussischen Pferden betrieben und auch von jeher viel Pferde 
für den Oekonomiebetrieb gezüchtet (gegen 50 Stück). Gesammtzahl 
war durchschnittlich gegen 70 Pferde. Für die Zucht werden 3 Stuten 
benutzt, die von Kgl. Landesbeschälern gedeckt werden, und wird die 
Fohlenzahl durch Ankauf von Jährlingen erhöht. 

Züchtung: Zuchtzweck: Deckung des eigenen Bedarfs und Angebot an die 
Remonte-Ankaufskommission. 

Brandzeichen: 

Wurde bis zum Jahre 1855 benutzt. 





64 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Ragnit. 

Name des Gestüts: TUSSaineVI. 

Besitzer: Freiherr von Sauden. 

Topographisches: Obige Herrschaft umfasst ein Areal von über 3000 ha incl. 
zweier Beigüter. 

Geschichtliches: Das Gestüt ist eines der ältesten Ostpreussens , das sich 
hinsichtlich der Gründung auf 1783 zurückverfolgen lässt. Die ersten 
hier zur Zucht eingeführten Stuten stammten sämmtlicli aus Trakehnen, 
theils vom orientalischen, theils vom englischen Blute. 1800 wurde 
die erste in Tussainen geborene und gezogene Stute Buchsbaum in 
Zucht eingestellt. Die ersten eigenen Hengste hier waren Moczati, 
Wellington und Lionel. 

Da Trakehnen um jene Zeit schon dem englischen Blut dem 
orientalischen gegenüber den Vorzug gab, folgte dieser Annahme auch 
Tussainen. Es trat daher hier eine Aenderung ein. So ist dies nun 
bis gegenwärtig fortbetrieben worden: man hat sich dem Typus des 
Trakehner Pferdes angeschlossen. Der Gesammtbestand, gegen 400 Köpfe, 
gehört dem leichten und schweren Reitschlag an. In neuester Zeit 
gehören dem Gestüt gegen früher nur noch ca. 50 Stuten zur 
Zucht als edle Halbblutthiere an; bis zur Zahl 60 fehlende Fohlen 
werden in demselben Blutstand wie die eigenen, als Absatzfohlen zu- 
gekauft. Als Beschäler werden für das Gestüt die Hengste des 
littauischen Landgestüts zu Insterbm-g benutzt, von denen Tussainen als 
Beschälstation 8 dergleichen erhält 3jährig werden die hier erzielten 
Pferde der Remonte-Ankaufskommission vorgestellt. Die besten Stuten 
werden für die Zucht zurückbehalten. 

Ein hier für das Gestüt angelegtes Gestütsbuch beginnt mit der 
ersten hier eingeführten Stute Rosalie I und weist in ununterbrochener 
Fortführung 1892 gegen 900 Stuten mit ihrer Nachzucht auf. 

Züchtung: Die vom Besitzer von jeher eingeschlagene Zuchtrichtung des edlen 
Brandzeichen' ^ ^_^ Halbblutes wird scharf eingehalten. 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gerdauen. 

Name des Gestüts: TraUSGII. 

Besitzer: v. Janson - Schloss. 

Topographisches: Das zur Gerdauener Begüterung mit gehörige Vorwerk, 
worin Pferdezucht betrieben wird, ist vom Bahnhof Gerdauen nach Zu- 
rücklegung von ca. 6 km Wegs zu erreichen; dasselbe wird von dem 
Pachter des Vorwerks geleitet. Das Areal beträgt über 300 ha. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gardauen. 65 

Geschichtliches: Der Pachter, Herr Achilles, unterhält genanntes Gestüt; 
dasselbe wurde Mitte der 1870 er Jahre gegründet. Es waren bisher 
immer ein Deckhengst, ca. 12 Mutterstuten und ca. 70 Arbeitspferde 
vorhanden. Der erste eigene Hengst in Trausen war Vasco I von 
Vasco de Gania. Derselbe stammte aus dem Sennergestüt, aus dem er 
von der preussischen Gestüts Verwaltung angekauft worden war. Als er 
von dieser ausgemustert wurde, kam er nach Trausen. Der nächste Be- 
schäler war gleichfalls ein von der Kgl. Gestütsverwaltung ausgemusterter 
Hengst, ein Araber- Grieche, der 1883 durch Vasco II, einem Sohne 
Vascds I, und der Krede von Venerato ersetzt wurde. 

Die Mutterstuten sind Trakehner Bluts und nach den Hengsten 
Doming, Ve?ieraio, Elimar , Nancy und Duduk gefallen. Fohlen fallen 
jährlich ca. 10 Stück 

Züchtung: Zuchtziel: Verkauf der dreijährigen Fohlen an die Kgl. Bayer. 
Militärverwaltung, die -in Trausen selbst einen Remontemai-kt abhält. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkehmen. 

Name des Gestüts: TarpUtSChetl. 

Besitzer: Ktirt von Saucken j'un. 

Topographisches: Tarputschen liegt nicht weit entfernt von Darkehmen, 
mittelst der Tnsterburg — Thoi'ner Eisenbahn hat man von Station Bokellen 
aus in östlicher Richtung einen Weg von 11 km zurückzulegen. 

Geschichtliches: 1824 wurde in einem von Saucken'schen Gut (zu Tarputschen) 
von dem Vater oder Grossvater des obigen Besitzers ein werthvolles 
Gestüt errichtet. Hauptsächlich hatte man es sich voi'genommen ara- 
bisches Blut zu züchten, man verkehrte daher auch gemeinschaftlich 
mit dem Fahrenheit'schen Gestüt zu Angerapp und errichtete daraus den 
Grundstamm für das um diese Zeit mit errichtete Gestüt zu Julienfelde. 
Für Tarputschen fand 1844 eine neue Wendung statt, als von 
hier mit Angerapp und dem Althof-Insterburgischen Gestüt ein 
gemeinschaftlicher Besitz von 2 vorzüglichen orientalischen Hengsten 
(Basra und Zariff) hergestellt wurde. Beide Hengste hatte Fürst Pückler- 
Muskau in der Wüste Hama vom Stamme Ruwalla angekauft. Ersterer 
Hengst soll edler, auch die Fohlen von diesem kräftiger und schöner ge- 
wesen sein, dagegen die Zariff'schen nicht so muskulös wie die von Basra. 
Mehrere der in Tarputschen gezüchteten Pferde gingen beiderseits 
als ausgezeichnete Thiere in Privatgestüte der dortigen Umgegend (Doris- 
thal, Nordenthal etc.) über. Ende der 1860er Jahre wurde das Gestüt 
aufgelöst und verkauft. Das von Hillmann'sche Gestüt zu Nordenthal 
übernahm einen Theil des bewährten Gestüts. 

Züchtung: Hauptsächlich wurde Tarputschen für Zucht arabischen Blutes 

Brandzeichen * /^ ausersehen, das in Reinzucht erhalten bleiben sollte. 



f 



Bräuer, Gestüte. 



66 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Wehlau. 

Name des Gestüts: TaplaCkGII. 

Besitzer: Oberamtmann Schmidtke, 

Topographisches: Taplacken, eine Kgl. Domäne, liegt ca. 5 km nördlich 
von Station Pietschdorf der Königsberg— Insterburger Eisenbahn (Ostbahn). 
Die Gegend ist hügelig, wald- und wiesenreich. 

Geschichtliches: Hierselbst wurde, wie durch verschiedene Notizen nach- 
gewiesen, die Pferdezucht über 100 Jahre umfänglich betrieben. Die 
jeweiligen Pächter dieser Domäne erkannten dadurch stets eine gute 
Einnahmequelle. Ein solcher Herr war Oberanitmann Stabenow; ferner 
Oberamtmann Schmidtke, der Inhaber jüngster Zeit. 

Züchtung: Zuchtzweck bestand darin, Fohlen von Y^ bis Y2 ^''^^ ^'^ ^u 
kaufen und solche bis 3- und 4 jährig zu ziehen und dann an die 
Remonte-Ankaufskommission abzugeben, bezw. für eigene Zwecke zu be- 
nutzen. Die eingekauften Fohlen stammten von ostpreussischen Stuten, 
die von dergleichen Landgestütshengsten gedeckt waren. Unter Stabenow 
waren stets Mutterstuten vorhanden, die von Landgestüthengsten gedeckt 
wurden. Inzwischen ist das Gestüt als solches eingegangen. 

Brandzeichen: ^^^^ ^ tt + m , q+ v. 

Unter Oberamtmann Stabenow 
wurden die hier von Mutterstuten 
gefallenen Fohlen, je 1 Jahr alt, mit 
nebenstehendem Brandzeichen auf 
linker Hinterbacke gezeichnet. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Königsberg. 

Name des Gestüts: SchrOmbehnen (Trabergestüt). 

Besitzer: H, Maecklenburg. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt in der Nähe von Königsberg, 
dasselbe ist das erste und wohl auch das einzige Gestüt Ostpreussens, 
welches Traberblut züchtet. 

Geschichtliches: Im Jahre 1895 erschien das erste Traberprodukt Schrombeh- 
nens, ein Schimmelhengst, Namens Babelsberg von Lynwood, aus der 
Tma, einer russischen Stute, welcher mit wenig Trainirung bedeutende 
Schnelligkeit entwickelte und dadurch in Deutschland viele Rennen gewann. 
1896 erschienen aus obieem Gestüt Deborah und Daphne, welche auch 
liefen. Debora, eine schöngebaute, braune, grosse Stute von Wolfhardt a. d. 
Lady Ha7?ibletonian zeigte sich als erste Traberin. 1896 erstand 2jährig 
eine dunkle Schimmelstute Namens Prouba von dem Fuchshengst Natanger 
aus der Tma. Der amerikanische Fuchshengst Silberking von Mambrino- 
king aus der Iron Duke-%i\xi^, deckt vorläufig die Mutterstuten, und 
stehen die Nachkommen davon in hohen Erwartungen, die voll und ganz 
entsprechen sollen. 




Px-ovinz Preussen. Regf.-Bez. Köniffsberof. Kreis Preussisch- Holland. 



67 



Name des Gestüts: 
Besitzer: 



Schlodien. 



Graf zu Dohna- Schlodien. 

Topographisches: Schlodien ist das Hauptgut der Herrschaft; zur Herrschaft 
gehören ausser dem genannten noch 12 — 16 andere Güter und Vorwerke. 
Schlodien liegt südöstlich und 15 km von der Ostbahnstation Mühl- 
hausen, letztere ist eine Stadt an der Baude, einem kleinen Flüsschen. 

Geschichtliches: Seit Ende des 18. Jahrhunderts wird in Schlodien nebst 
3 anderen Gütern ein Gestüt unterhalten. Ein 1790 angelegtes Gestüts- 
register wurde bis zur gegenwärtigen Zeit forterhalten. Die Pferde trugen 
ehemals den arabischen Charakter, wobei die Zucht von Beginn an recht 
energisch und umfänglich betrieben worden zu sein scheint, denn das Ge- 
stüt hat, laut Nachweisen aus dem Register, im Jahre 1812 vier eigene 
Hengste besessen und zwar: Ponto, Saladin, Cyrus und Eldorado. Spätere 
bessere Beschäler waren: Alarlch und N arviges. 

Züchtung: Nach Mittheilungen Grassmann's enthielt das Gestüt zu Anfang 
der 1890er Jahre insgesammt gegen 180 Pferde, von denen über 30 als 
Mutterstuten galten. Die Zuchtthiere werden auf die anderen Güter ver- 
theilt und zu Wirthschaftsarbeiten benutzt. Der Trakehner Typus 
herrscht gegenwärtig im Gestüt vor. Als Hengste für das Gestüt werden 
Kgl. Landesbeschäler zum Decken benutzt. Die Fohlen werden auf einem 
Vorwerk (Hensels) untergebracht. Jährlich werden einige zwanzig 



Brandzeichen: 




-^:$v;^5> 



Fohlen zum Verkauf, dreijährig 
der preussischen Kemonte -Ankaufs- 
kommission vorgestellt. Die übrigen 
Pferde werden angeritten und hier- 
nach veräussert. Eine eigene Reit- 
bahn ist vorhanden. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Gerdauen. 

Name des Gestüts: Laggarben. 

Besitzer: von Jungschulz - Roebern. 

Topographisches: Dieser Grundbesitz (Rittergut) liegt unweit der Station 
Skandaa der Insterburg — Thorner Eisenbahn. Das Areal beträgt über 
800 ha. 

Geschichtliches: Hier wurde seit Anfang des 19. Jahrhunderts die Zucht ost- 
preussischer Pferde in umfänglichem Maasse betrieben. Das Gestüt kam 
dadurch in besonderes Ansehen und erhielt sich bis gegen Anfang 
der 1830 er Jahre in derselben Weise fort. Hiernach wurde infolge 

besonderer Umstände das Gestüt auf- 



Brandzeichen: 




gehoben, dafür aber nur Fohlenauf- 
zucht getrieben durch jährlichen An- 
kauf von 16-20 Absetzfohlen aus der 
Umgegend. Dreijährig werden die auf- 
gezogenen Thiere der Remonte -An- 
kaufskommission vorgestellt. 



68 Provinz Ostpreussen. Reg. -Bez. Königsberg. Kreis Rastenburg. 

Name des Gestüts: SchrengCn. 

Besitzer: Commerzienrath JVilh. Ziemer, Königsberg. 

Topographisches: Schrengen ist von Rastenburg auf der ostpreussischen 
Südbahn von der Station Tolksdorf aus, nach Zurücklegung eines Weges 
von 4 km, zu erreichen. 

Geschichtliches: Das hier bestehende Gestüt wurde 1836 vom Oberamtmann 
Schlick gegründet. Dieser führte von seiner früheren in Lithauen inne- 
gehabten Pachtung ausser über 100 Fohlen und jüngeren Pferden, eine 
Heerde von 62 Mutterstuten arabischen Vollbluts ein. Die Stuten — 
sämmtlich Schimmel — waren theils direkt aus dem Orient eingeführt, 
theils nach den Trakehner Hauptbeschälern Nedjed und Bagdadly ge- 
fallen. Später wurden auch andere Hengste Trakehner Bluts, wie Clitus, 
Rustan, Caledonius etc. benutzt. Am einflussreichsten für die Zucht 
wurden aber die beiden Hengste Zariff und Baspra. Dies sind jeden- 
falls die orientalischen Vollbluter, die 1844 in den gemeinsamen Besitz 
der Gestüte Althof, Tarputschen und Angerapp kamen. Die Pferde 
Schrengens zeichneten sich durch schnittige Körperformen und Gängig- 
keit aus, die beim Traben eine ungewöhnliche Schulterfreiheit zu er- 
kennen gab. Schrengen brachte hauptsächlich Schimmel hervor und 
enthielt die schönsten arabischen Vollbluter. 

Das Gestüt wurde gegen 1870 etwas zu umfänglich, deshalb wurde 
die Mutterstutenzahl etwas verringert und auf 20 herabgesetzt. Diese 
Stuten (Schimmel und Rappen) sind noch Nachkommen der früheren 
arabischen Zucht, sie sind Kreuzungsprodukte arabischer Vollblut- 
stuten und englischer Vollblut- sowie Trakehner Halbbluthengste. 

Züchtung: Zuchtzweck: Die Zahl der jährlich im Gestüt geborenen Fohlen 



Brandzeichen: ^\ 



lg 



beträgt 8 — 10 Stück, zu diesen 
werden ca. 10 Absetzfohlen zuge- 
kauft (aus Lithauen) und aufgezogen, 
bis sie dreijährig der Remonte- An- 
kaufskommission vorgestellt werden 
können. 



Provinz Ostpreussen. Reg. -Bez. Königsberg. Kreis Friedland. 

Name des Gestüts: Lamgarbetl. 

Besitzer: ^mo Krause. 

Topographisches: Das Rittergut liegt ca. 4 km von Tolksdorf, einer Station 
der ostpreussischen Südbahn und der Insterburg — .Deutsch-Eylau — Thorner 
Eisenbahn, zwischen Rastenburg und Korschen. Das Areal beläuft sich 
auf ungefähr 400 ha. 

Geschichtliches: Vom Leutnant a. D. Conrad von Redecker wurde hier Ende 
der 1840 er Jahre ein kleines aber gutes Gestüt gegründet. Hierzu 
wurden aus dem Gestüt Schrengen 8 arabische Vollblutstuten als Mutter- 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Friedland. 69 

Stuten angekauft. Unter Benutzung der arabischen Vollbluthengste in 
Sehr engen wurde hier weitergezüchtet. Die Nachkommen waren 
Schimmel, die Zahl der Stuten blieb die gleiche wie bisher, jährlich 
wurden durchschnittlich 5 — 6 Fohlen produzirt und dreijährig der Re- 
monte-Ankaufskommission vorgestellt bezw. verkauft. 

Das Gestüt wurde später verkauft, doch in bisheriger Weise fort- 
geführt, darnach aber englische und dann Trakehner Hengste benutzt. 
Nach dem Jahre 1870 ging infolge Ablebens des Besitzers das Gestüt ein. 

Brandzeichen: 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Insterburg. 

Name des Gestüts: InSterburg (I. Lithauisches Landgestüt). 
Besitzer: Staats- Fiscfis. 

Topographisches: Insterburg liegt an der Angerapp bezw. Inster, die sich 
hier vereinigen und den Pregel bilden; Insterburg ist Kreuzungspunkt 
der Eisenbahn Memel — Thorn, Königsberg — Eydtkuhnen und Insterburg — 
Lyck. Das hier befindliche Landgestüt liegt nördlich von der Stadt am 
linken Ufer der Angerapp. Das Gestüt besteht aus Direktionshaus, 
5 Ställen, Reitbahn und Remise. 
Geschichtliches: Insterburg war schon frühzeitig ein Gestütsplatz. Zur 
Ritterzeit befand sich auf dem zum Schlosse Insterburg gehörigen Gute 
— jetzt Besitz des Herrn Dr. Brandes Alt-Insterburg — ein Zuchtgestüt 
(s. Alt-Insterburg) in welchem in alter Zeit Pferde für den Bedarf der 
Ritter gezüchtet wurden. Das bereits zu Anfang des 18. Jahrhunderts 
dort unterhaltene Staatsgestüt wurde bei Einrichtung des Stutamtes 
Trakehnen dorthin überführt. Später (1779) wurde in Insterburg das 
lithauische Landgestüt eingerichtet. Gründung des Landgestütsmarstalles. 
Der Bestellungsbezirk ist ein sehr grosser. Bestand an Be- 
schälern 1890: 168 Stück; 1900: 188 Stück; 1901: 200 Stück. 
Dem Blute nach sind vertreten: 

diese rangiren: 
. . ,.,„-,-,, , I 22 zu I. leichter Reitschlag; 

.Ji^^'^'u? !, .^ ^""^ '' 61 - IL starker Reit- u. leichter Wagenschlag; 
157 Halbbluthengste, j ^^ ^ jjj_ ^^^^^^^ Wagenschlag. 

Nach der Herkunft: 98 Trakehner; 2 Graditzer; 68 Ankaufshengste. 

Brandzeichen: 

Nebenstehendes Gestütsbrandzeicheu für 
hier ist dasselbe auch für die übrigen 
lithauischen Gestüte; es erbalten dies all- 
jährlich die jüngsten Fohlen (Juli-August) 
aufgebrannt. 




70 Provinz Ostijreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Rastenbiirg. 

Name des Gestüts: RaStenburQ (2. Lithauisches Landgestüt.) 
Besitzer: Staats-Fisciis. 

Topographisches: Nach Stöckel ist das Gestüts-Etablissement 1876 und 1877 
neu erbaut und im letztgenannten Jahre noch bezogen worden. Dasselbe 
liegt in nächster Nähe der Stadt Rastenburg, die Eisenbahnstation der 
ostpreussischen Südbahn. 
Geschichtliches: Das hier befindliche Etablissement bildet nach Stöokel mit 
dem an der Bartener Chaussee belegenen Direktorialgebäude ein recht- 
eckiges Viereck. Sämmtliche Gebäude sind aus gelben Mauerziegeln unter 
Schieferdach hergestellt. Der Beschälerstall, urspi'ünglich für 132 Hengste 
eingerichtet, wurde 1885 durch einen Erweiterungsbau für 30 Hengste 
vergrössert. Bestand an Beschälern 1890: 172 Stück; 1900: 158 Stück; 
1901: 160 Stück. — Dem Blute nach sind vertreten: 

diese rangiren: 
I 25 zu I. leichter Reitschlag; 
.n"r. ;oy^luth engste, r-r^ jj_ starker Reit- u. leichter Wagenschlag; 

170 Halbbluthengste, | 73 ^ j^j, ^^^^^^^, Wagenschlag. 

Nach der Herkunft: 99 Trakehner; 2 Graditzer; 71 Ankaufshengste. 

Die Einrichtung des Landgestüts Rastenburg geschah im Frühjahr 

1877 unter Aufhebung des Landgestütsstalles zu Trakehnen. 

Brandzeichen: _ 

Das Gestütsbrandzeichen, welches für die 
nach Rastenburger Landesbeschälern ge- 
fallenen Fohlen in Anwendung kommt, ist 
gleich dem in Gudwallen und Inster- 
burg gebräuchlichen, wie nebenstehend. 



Pi-ovinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Wehlau. 

Name des Gestüts: SandittCn. 

Besitzer: G^'^^f von Schlieben. 

Topographisches: Sanditten liegt ca. 5 km nordwestlich von Wehlau und 
ist Majoratsherrschaft. Die Gegend ist sehr futterreich und in der Nähe 
ein Fluss, der Pregel. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt besteht sehr lange; während der 1820er 
Jahre hat man hier bereits mit Vorsicht und Bedacht gezüchtet. Hier 
belief sich der Pferdebestand stets über 170 — 180 Köpfe, davon waren 
immer gegen 20 Stück zu Mutterstuten bestimmt, die sämmtlich dem 
ostpreussischen Reit- und leichten Wagenpferdeschlage anzugehören hatten. 




Brandzeichen: 




Zum Belegen wurden Hengste des 
lithauischen Landgestüts Insterburg 
verwendet. Durchschnittlich werden 
jährlich ca. 15 Fohlen dreijährig der 
Remonte - Ankaufskommission vorge- 
stellt. Zuchtziel: kräftiges und gäng- 
iges Militärpferd. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Wehlau. 71 

Name des Gestüts: Schwansfcld. 

Besitzer: Graf von der Groeben. 

Topographisches: Schwansfeld, auch Grossschwanst'eld genannt, liegt ca. 
7 km von Wöterkeim, einer Station der ostpreuss. Südbahn (Königsberg — 
Korschen — Prostken) und ist von genannter Station aus leicht zu erreichen. 
Besitzung über 12 000 ha Areal. 

Geschichtliches: Ein muthmasslich Verwandter — ■ von der Groeben — von 
dem gegenwärtigen Besitzer, welcher die Herrschaft ('1783 — 1850) besass, 
legte hier etwa zwischen den Jahren 1815 — 1820 ein Gestüt an mit 
4 englischen Vollblutstuten, die direkt aus England eingeführt waren. 
Weiteres über die spätere Zucht blieb im Dunkeln. Gänzlich aufgelöst 
soll das betreffende Gestüt jedoch nicht sein, dasselbe soll stets gegen 10 

Halbblutpferde zur Verfügung gehabt 
haben, wozu die Kgl. Landesbeschäler 
stets in Anspruch genommen worden 
seien. Die jungen Thiere sollen stets 
für Militärzwecke im Alter von drei 



Brandzeichen: 



^ 



Jahren an die Remonte - Ankaufskom- 
mission abgegeben worden sein. 



Provinz Ostpi'cussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Gumbinnen. 

Name des Gestüts: StannaitSChetl. 

Besitzer: Staats -FiscMS. 

Topographisches: Stannaitschen, über 400 ha Areal, längs der Pissa ge- 
gelegen, liegt '4 km nordwestlich von Gumbinnen; sandiger Lehmboden. 

Geschichtliches: Gegen 1850 wurde hier ein umfänglicher Pferdezuchtbetrieb 
durch den damaligen Domänenpachter von Schön ins Leben gerufen. 
Die Stutenheerde hatte v- Schön auf ca. 40 Stück gebracht, diese Pferde 
gehörten zum grössten Theil der Trakehner Halbblutrasse an, der 
andere kleinere Theil waren englische Vollblutpferde. Das Gestüt 
kam nach und nach in hohe Blüthe. Es sollen hieraus Hengste für das 
Landgestüt verwendet worden sein. v. Schön soll mit seinen Pferden 
auch Erfolge bei Rennen erfahren haben. Nachfolger des Gestüts war 
ein Pachter Weymann, der in gleichem Sinne wie sein Vor- 
gänger Pferdezucht betrieben, dieser löste jedoch Mitte der 1860er 
Jahre das Gestüt auf. Ein weiterer Nachfolger, Pachter Gerlach, zog es 
vor, gegen Ende der 1860 er Jahre die Pferdezucht mit nur einigen Stuten, 
Trakehner Abkunft, fortzuführen, um dadurch mit Zukauf von Absetz- 
fohlen jährlich an die Remonte -Ankaufskommission ca. 10 Jährlinge für 
je 800 — 1000 Mark das Stück verkaufen zu können. 

Brandzeichen: 



t ^^^^ 



72 Provinz Ostpreussen. Reg.-ßez. Königsberg. Kreis Friedland. 

Name des Gestüts: SchÖnbrUCtl. 

Besitzer: von Bölschwing. 

Topographisches: Schönbruch ist ein Rittergut mit einem Ai-eal von ca. 
600 ha und verschiedenen Bodenarten, dasselbe ist durch eine Strasse 
von Domnau nach Schippenbeil, 10 km von ersterem Orte, aus zu 
erreichen. 

Geschichtliches: Während der 1870er Jahre gehörte das Gut einem Baron 
von Korff. Dieser betrieb hier umfänglichere Pferdezucht, die Pferde 
züchtete er hauptsächlich für das Militär. Der Bestand blieb immer 
auf 60 — 70 Köpfe, Mutterstuten wurden bisher nicht gehalten, es sollen 



Brandzeichen: 




dergleichen aber aufgestellt werden. 
Zur Aufzucht wurden bisher Fohlen 
in Lithauen angekauft, die dann drei- 
jährig an die Remonte- Ankaufskom- 
mission abgingen. 



Provinz Ostjjreussen. Reg.-Bez. Gnmbinnen. Kreis Angerburg. 

Name des Gestüts: SteinOPt. 

Besitzer: Graf Lehndorff. 

Topographisches: Das Gestüt liegt ca. 20 km nordwestlich von Rastenburg, 
einer Station der ostpreussischen Südbahn. Das Terrain ist hügelig und 
an drei Seiten von Seen umschlossen. Der Boden besteht aus schwerem 
Lehm, die Wiesen sind zum Theil sumpfig. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts soll Anfang des 19. Jahrhunderts 
erfolgt sein, bis 1808 lassen sich Abstammungsnachweise zurückführen. 
Der damalige Mutterstutenstamm belief sich auf ungefähr 30 Stück. 
Drei Stuten waren englischen Halbbluts, sechs arabischen Bluts, zehn 
Moldauer Stuten und die übrigen Landstuten. Beschäler standen um 
jene Zeit dort: ein kleiner Ivenacker Hengst, ein schwerer Halbbluter 
und ein englischer Halbbluthengst. Ausser diesen wurden bis 1814 ver- 
schiedene fremde Hengste benutzt, z B. Vollbluthengst Y'Buzzard, Ci- 
pripor und Huofi^ letztere beiden von Turk-Main-Atty. Durch die Turk- 
Mam- /lUy-Söhne wurde das Gestüt wesentlich in der Richtung des orien- 
talischen Blutes veredelt. Da sich der Besitzer jedoch mehr für das 
englische Blut interessirte , so wurden während der 1820er Jahre mehr 
die Vollbluthengste des v. Fahrenheit'schen Gestüts in Angerapp sowie 
auch Trakehnerhengste : Garrick, Escogido und andere benutzt, letztere 
Hengste deckten bis gegen 1839- Auch Graditzer Hengste: Snap, v. Ri- 
naldo aus der Stute v. YChariat etc. wurden benutzt. Letztere Hengste 
erzeugten vorzügliche Mutterstuten für das Gestüt. Später deckten ähn- 
liche Vollbluter, bis 1854 das Gestüt selbst dergleichen einstellte, die sich 
sehr gut bewährten. Von 1816-1818 wurden 10 edle englische Stuten 
eingeführt, dann erfolgte eine ähnliche Einstellung Ende der 1830 er 
Jahre neben einigen Stuten aus Trakehnen. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Angerburg. 73 

Nach der bisher hier betriebenen Halbblutzucht ging der Besitzer 
nach und nach zur Vollblutzucht über, hierzu kamen als erste Voll- 
blutstuten im Jahre 1840 eine Tarare- und eine Battledore - Stute ins 
Gestüt, später kamen noch mehr dergleichen. Es wurde von hier ab 
eine ausgedehnte Vollblutzucht betrieben, die allerdings nicht von langem 
Bestand war. Bereits 1869 wurde das meiste Vollblutmaterial veräussert, 
sodass Steinort zu Anfang der 1870er Jahre nur noch einen Gesammt- 
bestand von einigen zwanzig Köpfen hatte (ca. 3 Vollblut, 16 Halbblut 
und 3 Pony's). Neben Seahorse fand noch ein Trakehner Verwendung. 
In dieser Weise wurde betreifendes Gestüt bis Ende der 1880 er Jahre 
fortgeführt, wobei sich ergab, dass die Mutterstutenzahl auf 25 erhöht 
worden war. Vollblutstuten waren um diese Zeit: Aura von Massi- 
nissa, Beryl von Andred und Guillerette von Boiard. 

Unter dem gegenwärtigen Züchter, Grafen Carl Lehndorff, begann 
Ende der 1880 er Jahre eine Vermehrung der Vollblutzucht, sodass jähr- 
lich gegen 20 Fohlen geboren wurden. 

Züchtung: Ausnützung des Gestüts: Deckung des eigenen Bedarfs (Renn- 
pferde) sowie Angebot an die Remonte-Ankaufskommission und Jährlings- 
verkauf. 

Bestand: Das alte renommirte Steinort'sche Gestüt besass 1896 
den bedeutenden Bestand von 7 Beschälern und 58 Mutterstuten. Von 
den Beschälern gehören 4 dem Vollblut und 3 dem Halbblut an. Von 
den Mutterstuten zählen 20 zum Voll- und 38 zum Halbblut. Die Halb- 
blutpferde sind edel aber starkknochig und ihre Nachzucht wird sehr 
gesucht. 

Brandzeichen: — ^ ^ 

Kommt seit 1850 nicht mehr in An- 
wendung. 




Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Ragnit. 

Name des Gestüts: Neilhof - Ragnit (Remontedepöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

(Königlich Preiissisches Kriegsministerimn.) 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt nahe der Kreisstadt Ragnit, letztere, 
Stadt an der Memel, 1 Meile von Tilsit, in einer der reizendsten Gegenden 
der Provinz, mit einem alten, 1288 erbautem Schlosse. 

Geschichtliches: Das Remontedepöt wurde 1823 errichtet. Darin werden die 
von der Remonte-Ankaufskommission auf Remontemärkten im Alter von 
3 Jahren angekauften Pferde verpflegt und bis zur Brauchbarkeit bez. 
bis zur Einstellung in die verschiedenen Regimenter erzogen. 



74 Provinz Ostpreussen. Reg. -Bez. Gumbinnen. Kreis Ragnit. 

Name des Gestüts: JurgaJtSChen (Remontedepöt). 

Besitzer: Staafs-Fiscus. 

Topographisches: Jurgaitscheu liegt 9 km nordwestlicli von Szillen, Station 
der Insterburg — Tilsiter Eisenbahn. 

Geschichtliches: Das Depot wurde 1822 gegründet und zur Aufnahme von 
ca. 800 Remonten eingerichtet. Die hier aufgestellten Pferde sind meist 
Sjährig beim Ankauf; v^^enn selbige das erforderliche Alter (4 — 5 Jahre) 
erreicht haben, werden sie den betr. Truppentheilen übergeben. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkehmen. 

Name des Gestüts: Weedern mit Szirgupönen. 

Besitzer: früher: Loiiis von Neumanfi s Witiwe, 
jetzt: von Ziizewitz. 

Topographisches: Weedem ist das Hauptgut und der Wohnort des Besitzers. 
Das Gestüt wird auf den Gütern Weedern und Szirgupönen, gleichzeitig 
mit auf deren A^orwerken betrieben. Das Ai-eal von Weedern beträgt 
1276 ha, dasjenige von Szirgupönen 1072 ha. Ersterer Ort liegt 2 km 
nördlich vom Bahnhof Darkehmen, einer Station der Insterburg — Lycker 
Eisenbahn, letzterer liegt an der Ostbahn, ist ungefähr 30 km von Weedern 
entfernt und grenzt an Trakehnen. 

Geschichtliches: Szirgupönen (deutsch , Stutenmilch") soll bereits während 
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu Pferdezuchtzwecken gedient 
haben, bestimmtere Nachrichten fehlen jedoch. Es steht aber fest, dass 
mindestens im Jahre 1800 die Gründung stattgefunden hat, weil um 
diese Zeit orientalisches Blut in Szirgupönen vorgefunden wurde. Es 
kam um jene Zeit der Stammvater des Gestüts, der Fuchshengst Bze- 
wuski zum Vorschein, der bis 1813 fast immer benutzt wurde, sowie die 
arabische Fuchsstute Tirza, die Mutter des genannten Hengstes, und 
dann noch die arabische Vollblutstute Selma hinzu, welche letztere als 
die Stammmutter des neuen Gestüts anerkannt wurde. 

Während des Jahres 1826 kamen Szirgupönen und Weedern in per- 
sönlichen Besitz des Alex, von Neumann. Nach dessen Tode kam die 
ganze Herrschaft 1851 in den Besitz seines Sohnes. Dieser leitete das Gestüt 
bis 1883, wo auch er starb. Die gegenwärtige Leitung befindet sich bis 
jetzt in den Händen der Wittwe, durch Administratoren etc. unterstützt. 
Bestand: Eine Mutterheerde von 100 Köpfen, welche im Gestüt 
selbst erzeugt und durch Trakehner ergänzt wurde, sowie Vollblut- und 
Halbbluthengste Trakehner bezw. englischer Abkunft. Gesammtbestand 
1893: 660 Köpfe. Jährlich werden gegen 80 Fohlen geboren. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung eines makellosen Pferdes mit Adel, Stärke 
und Gängigkeit. In Werdern wurde bisher nur Halbblutzucht betrieben 
und bestand daher der Zuchtzweck in der Produktion junger Pferde 
zur Zucht sowie dreijährig für Militärzwecke, ferner junge Hengste an 
die preussischen sowie an Privat-Gestütsverwaltungen, als auch zur Kom- 



Provinz Ostpreussen Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkelimen. 



pletirung von Mai'Ställen abzugeben. Neben dieser Zucht jedoch wird 
sich der neue Besitzer (von Zitzevvitz) mit einem kleinen Stamm von 
ca. 10 Yollblutstuten ausserdem noch der Vollblutzucht zuwenden. 

Bei dem jüngst in Ostpreussen stattgehabten Ankauf junger Hengste 
durch die preussische Staats-Gestütsverwaltung hatte das Gestüt des Herrn 
von Zitzewdtz in Weedern den besten Erfolg zu verzeichnen, denn 1 Hengst 
wurde für 10 000 Mk. gekauft, es ist dies Bannerträger, ein Sohn des Weltmann. 
Brandzeichen: Für Weedern mit Szirgupönen wurde nachstehendes Brand- 
zeichen (Anker mit Schlange), wobei der o st- 
preussische Stutbuchbrand mit in An- 
wendung kommt, verwendet. Für Weedern 
bestand vor langer Zeit das Brandzeichen: 
Ein Greif. 






Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Darkelimen. 



Name des Gestüts: 
Besitzer: 



Gudwallen (3. Uthauisches Landgestüt). 
Staats -Fiscus. 

Topographisches: Nach Stöckel liegt gen. Landgestüt dicht an der Chaussee 
von Darkehmen nach Angei'burg; ca. 5 km vom Bahnhof Darkehmen, 
der Strecke der Ostbahn Insterburg — Lyck. Gudwallen gehört zu einem 
Dorfe gleichen Namens. 
Geschichtliches: Das Landgestüt wurde 1824 von Oletzke nach Gudwallen 
verlegt. Zur Einrichtung desselben wurde nach Stöckel 1823 das Erb- 
pachtgut Gudwallen mit dem Vorwerk Astakei'sberg angekauft. 3 Ställe 
geben Raum für 180 Beschäler. Der Bezirk des Landgestüts umfasst 
5 Kreise mit 42 Stationen, auf welchen ca. 170 Beschäler untergebracht 
sind. Gudwallen bildet den kleinsten Bezirk von allen preussischen 
Landgestüten, gleichzeitig aber denjenigen, in welchem der Schwerpunkt 
der edelsten ostpreussischen Pferdezucht konzentrirt ist. 

Der Bestand betrug 1890 wäe erwähnt, und zwar: 19 Vollblut- 
hengste, darunter 13 Inländer, 5 Ausländer, 1 orientalischer Vollbluthengst; 
151 Halbbluthengste: 1. leichter Reitschlag, 2. starker Reit- und leichter 
Wagenschlag, 3. starker Wagenschlag. 

Herkunft dieser Hengste: 87 aus Trakehnen, 8 aus Graditz, 74 An- 
kaufshengste (einschliesslich 10 englische Vollbluthengste). 

Bestand an Hengsten 1900: 191 Stück; 1901: 200 Stück. 

Brandzeichen: 

Der in Anwendung kommende Gestüts- 
brand (lithauischer) wird den Fohlen, von 
Landesbeschälern stammend, während der 
Monate Juli und August aufgebrannt. 




76 Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Braunsberg. 

Name des Gestüts: BraUHSberg (4. Lithauisches Landgestüt). 
Besitzer: Staats -Fiscus, 

Topographisches: Braunsberg, Stadt an der Passarge, die sich ca. 8 km 
weiter in das Frische Half ergiesst und an der preussischen Ostbahn, 
südwestlich von Königsberg und nordöstlich von Elbing gelegen. 

Geschichtliches: Im Jahre 1890 wurde in Braunsberg noch ein 4. Stall 
für das lithauische Landgestüt eingerichtet und 1891 bezw. 1892 ins 
Leben getreten. 

Bestand an Beschälern 1890: 126—130 Stück; 1900: 128 Stück; 
1901 125 Stück. Abstammung: meist Trakehner (Halbblut). 

Züchtung: Die Pferdezucht Ostpreussens dient in der Hauptsache der Pro- 
duktion von Remontepferden. Jeder Züchter dort darf Fohlen an die 
Remonte-Ankaufskommission abgeben. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: KatlGnaiJ (Kemontedepöt). 

Besitzer: Staats-Fiscus. 

Topographisches: Dasselbe besteht aus den Höfen: Alt- und Neu-Kattenau, 
(Alt- und Neubudupönen); Staats-Domäne. Areal gegen 1900 ha. Lehm- 
und Sandboden. 

Geschichtliches: Nachdem die landwirthschaftliche Verpachtung ihr Ende 
erreicht hatte, wurde hier 1826 ein Kgl. Remontedepöt eingerichtet. In 
demselben kamen von jener Zeit an und nach und nach mehr, bis gegen- 
wärtig zu 7 — 800 Sjähi'ige Pferde zur Einstellung, bis diese für ver- 
schiedene Regimenter diensttüchtig sich erwiesen. Die unmittelbare 
Leitung dieses Depots ist dem Kriegsministerium zugetheilt. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Rastenburg. 

Name des Gestüts: ScHakenhof. 

Besitzer: von Gittstedt. 

Topographisches: Das hier betriebene Gestüt, welches auf einem Rittergut 
sich befindet, liegt in der Gegend von Rastenburg. 

Geschichtliches: Die hier zur Zucht benutzten Mutterstuten — gegen 20 an 
der Zahl — gehören sämmtlich der ostpreussischen Zucht an, theils 
schweren, theils mittleren, theils leichten Schlages. Als Beschäler werden 
die in der Nähe auf der preussisch-lithauischen (Rastenburg) Station sich 
befindlichen Beschäler benutzt, deren 3 von den Trakehner Hauptbeschälern 
abstammen. Absetzfohlen werden aus der Umgegend zugekauft, um die 
Zahl der alljährlich gefallenen Fohlen auf mindestens 20 Köpfe zu bringen. 

Züchtung: Gestütszweck: Deckung des eigenen Bedarfs und Vorstellung 
an die Remonte-Ankaufskommission. 



Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Königsberg. Kreis Friedland. 77 

Name des Gestüts: LlGSKOn (Remontedepöt). 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Liesken liegt bei Bartenstein und ist eine grössere Domäne; 
Areal gegen 1300 ha. Von Königsberg aus durch die Eisenbahn leicht 
zu erreichen. 

Geschichtliches: Nachdem der Pacht dieser Staatsdomäne zu Ende gegangen 
war, erwarb sich der Militär- Fiscus diese 1876 pachtweise, behufs Er- 
richtung eines Remontedepöts. Dieses wurde mit 546 Remonten belegt. 

Provinz Ostpreussen. Reg.-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: BrakupÖnetl (Remontedepöt). 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Brakupönen liegt wenige km nördlich von Kattenau 

entfernt. 
Geschichtliches: 1836 wurde hier ein Kgl. Remontedepöt errichtet, worin 

520 Remonten untergebracht werden. 

Provinz Ostpreussen. Reg -Bez. Königsberg. Kreis Welilau. 

Name des Gestüts: TaplaU. 

Besitzer: Amtsrath von Schön. 

Topographisches: Tapiau ist Stadt am Pregel, mit einem 1351 von dem 
Deutschorden erbauten Schlosse, das gegenwärtig anderen Zwecken dient. 

Geschichtliches: Die frühere Domäne Tapiau mit 3 Vorwerken enthielt 
über 2000 ha Areal. 1829 wurde diese dem Amtsrath Petersen in 
Pacht gegeben, der hier umfängliche Pferdezucht trieb. 1865 übernahm 
diese Pachtung ein Amtsrath von Schön. In dessen Händen gelangte 
die hier betriebene Pferdezucht zu einer gewissen Berühmtheit. Der 
Bestand an Mutterstuten betrug ca. 30 Stück, diese führten arabisches 
Blut. Die Zucht hier hob besonders ein Araberhengst AI Raschid. Nach 
dem Tode des von Schön wurde das Vorwerk, worauf Pferdezucht bisher 
betrieben wurde, von dem Hauptgute abgezweigt und selbständig ver- 
pachtet. Bestand 135 Pferde, 23 Jährlinge und 24 bez. 30 zwei- und 
dreijährige Fohlen- 

Züchtung: Ausnützung: Decken des eigenen Bedarfs für Zucht und Zug, 
Verkauf an die Remonte -Ankaufskommission etc. Später ging das Ge- 
stüt ein. 

Brandzeichen: 




78 Provinz Ostpreussen. Reg-Bez. Gumbinnen. Kreis Stallupönen. 

Name des Gestüts: Perkallen. 

Besitzer: C. Reich. 

Topographisches: Betreffendes Gestüt ist in einem Rittergut untergebracht; 
es lässt sich dasselbe leicht von Gumbinnen aus, nach Zurücklegung 
eines kurzen Weges von ca. 6 km, erreichen. 

Geschichtliches: Anfang der 1860er Jahre wurde das Gestüt von dem Vor- 
besitzer gegründet. Dasselbe bezieht sich auf Trakehner Blut, damit 
erwarb der gegenwärtige Besitzer das betreffende Gestüt. Bestand: 
1890 ca. 150 Köpfe, von denen 20 Mutterstuten (Trakehner) sind, sie 
gehören dem starken Reit- und leichten Wagenpferdeschlag an. Zu ihrer 
Bedeckung werden Kgl. Landesbeschäler (Voll- und Halbblutbeschäler) 
des Hauptgestüts Trakehnen ausserdem benutzt. Jährlich werden ca. 
12 — 15 Fohlen geboren. Behufs Erhöhung des Pferdebestandes werden 
ausser den vorstehenden jährlich Fohlen angekauft, um insgesammt der 
Renaonte-Ankaufskommission jährlich gegen 60 dreiundeinhalbjährige Pferde 
vorstellen und abgeben zu können. Ausserdem werden jährlich auch 
noch gegen 20 Luxuspferde, ausser Beschälern, käuflich abgegeben. 

Provinz Westpreussen. Reg.-Bez. Marienwerder. Kreis Marienwerder. 

Name des Gestüts: MarJenWerder (Westpr. Landgestüt.) 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Marienwerder liegt am rechten Ufer der Weichsel in 
einer fruchtbaren Ebene, südöstlich 13 Meilen von Danzig, südwestlich 
20 Meilen von Königsberg und südlich 5 Meilen von Marienburg. 

Geschichtliches: Das Landgestüt wurde 1788 unter König Friedrich Wil- 
helm IL gegründet, es hatte damals den Zweck, Dragoner- und Husaren- 
pferde zu ziehen und die damals sehr klein gebliebenen Pferde nach und 
nach grösser und stärker zu reproduciren. Ferner wurden für die 
Provinz Westpreussen 4 Marställe (Marienwerder, Bromberg, Schneide- 
mühl und Münsterwalde) eingerichtet und diese mit 270 Hengsten be- 
setzt, die aus Holstein, Mecklenburg, Preussen und Dänemark beschafft 
worden waren. Der Marstall Schneidemühl wurde 1788 und der zu 
Bromberg 1803 wieder aufgelöst. Im .Jahre 1806 flüchteten wegen 
Kriegsgefahr die beiden übrigen Marställe (170 Hengste) nach Memel 
und Heydekrug und wurden dort, an Züchter vertheilt, in Pension ge- 
geben. 1816 wurde das westpreussische Landgestüt wieder eingerichtet, 
doch auf einen Stall (Marienwerder) beschränkt. Der Bestand ist bis 
über 120 — 130 Hengste gestiegen, die an 50 Beschälstationen zur Ver- 
theilung kamen. 1901 betrug der Bestand 125 Hengste. 

Züchtung: Das Material besteht aus Ostpreussen und edleren Gestütspferden, 
zum Theil aus Ostfriesen, Oldenburgern, Mecklenburgern etc. 

Brandzeichen: A ^^'^ Brandzeichen, mit dem die von den 

Hengsten des Landgestüts abstammenden 
Fohlen bezeichnet werden, ist eine mit ge- 
rader Linie abschliessende Krone, 
während die ostpreussische Krone nach 
unten abgerundet ist. 



5 Ostfriesen, 



Provinz Posen. Reg. -Bez. Posen. Kreis Ostrowo. 79 

Name des Gestüts: PiotpROWice. 

Besitzer: von Delhaes sehe Erben. 

Topographisches: Herrschaft • mit Hauptsitz und 6 Vorwerken. Areal gegen 
3000 ha. 

Geschichtliches: Die Zeit der Begründung des Gestüts ist nicht bekannt. 
Die Gesammtzahl der Gestüts- und Wirthschaftspferde ist 250 Stück; hier- 
von kommen 80 Mutterstuten in Abzug, die grösstentheils Trakehner Ab- 
stammung sind. Ausser den Landesbeschälern werden noch zum grössten 
Theil Trakehner Hengste, auch ein Oldenburger dergleichen benutzt. 

Das Zuchtziel erstreckt sich auf Erzeugung eines starken, nicht 
zu grossen Reit- und Wagenpferdes. Jährlich werden hier ca. 30 Fohlen 
geboren. Ausnützung: 3V2J3'hrig werden die Fohlen hauptsächlich an 
die Remonte-Ankanfskommission abgegeben; auch finden Verkäufe an 
Private statt. 

Provinz Posen. Reg.-Bez. Posen. Kreis Birnbaum. 

Name des Gestüts: ZirKB (Posen'sches Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscits. 

Topographisches: Zirke liegt ca. 20 km südwestlich von Wronke, Station 
der Posen — Stargarder Eisenbahn; 14 km nordöstlich von Birnbaum, Station 
der Strecke Rokietnice — Meseritz, am linken Ufer der Warthe. 

Geschichtliches: Das Landgestüt wurde 1829 gegründet; Hengste erhielt 
dasselbe zuerst von den Gestüten Brandenburgs, Westpreussens und 
Sachsens. Anfangs waren 60 Hengste vorhanden, die Zahl erhöhte sich 
auf ca. 100. ISIach und nach wurde die Zahl auf 140 Köpfe verstärkt. 
1874 stieg die Zahl der Hengste auf 165 und 1885 auf 257. Von da 
ab ging dieselbe wieder zui-ück bis 1893 auf 168, von denen 7 Voll- 
und 161 Halbbluter sind. Diese Hengste werden jährlich auf 51 Stationen 
zum Decken gebracht Die Deckresultate sind gut. Bestand an 
Hengsten 1900—1901: 184 Stück. 

Seit 1897 besteht zum Zwecke der Förderung des edlen Halb- 
blutes eine Züchtervereinigung, die sich die „Posener Stutbuchgesell- 
schaft " nennt. 

Die in das Stutbuch eingetragenen Pferde erhalten einen Adlerflügel 
als Schenkelbrand. 

Brandzeichen: 



Kommt seit Jahren nicht mehr zur An- 
wendung. 




80 Provinz Posen. Reg. -Bez. Bromberg. Kreis Gnesen. 

Name des Gestüts: GneSBII (Posen'sches Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Das Landgestüt Gnesen liegt von der Kreisstadt Gnesen 
ca. 1 Viertelstunde entfernt; Gnesen ist Eisenbahnknotenpunkt. Behufs 
Erbauung des Gestüts hat die Stadt Gnesen das Areal hierzu gestiftet. 

Geschichtliches: Das Landgestüt wurde 1885 mit 130 Hengsten gegründet, 
die vom Posen'schen Landgestüt Zirke übernommen wurden; der Hengst- 
bestand wurde bis 1897 auf ca. 180 Stück erhöht. Davon sind die 
meisten Halbbluter, einige Kaltbluter und ca. 6 Vollbluter. Diese ver- 
theilen sich über 55 Bescliälstationen in 13 Kreisen. Der Bestand 
wurde 1900 auf 188 Stück erhöht und blieb sich 1901 gleich. 

Seit 1897 besteht zum Zwecke der Förderung des edlen Halb- 
blutes eine Zuchtvereinigung, die sich „Posener Stutbuchgesellschaft" 
nennt Die in das Stutbuch eingetragenen Pferde erhalten einen „ Adler- 
flügel " als Schenkelbrand. 

Von Seiten des Staates wird die Förderung der Pferdezucht durch 
die Landgestüte Gnesen und Zirke unterstützt, die einen Bestand von 
318 warmblütigen Hengsten (Ostpreussen, Hannoveraner, Oldenburger, 
arabisches und englisches Vollblut) aufweisen. 



Provinz Posen. Reg. -Bez. Posen. Kreis Krotoschin. 

Name des Gestüts: TheresJenstein. 

Besitzer: Q^ Scholz. 

Topographisches: Das hier gehaltene Gestüt ist in einem Gut untergebracht. 
Diese Besitzung befindet sich ca. 2 km von der Stadt Krotoschin 
entfernt und ist daher leicht zu erreichen. Erwähnenswerth dürfte 
hier noch sein, dass dem Fürsten Thurn und Taxis 1819 vom König von 
Preussen als Thron -Manneslehen das Fürstenthum Krotoszyn verliehen 
wurde. 

Geschichtliches: Die Einrichtungen zum Pferdezuchten in vorstehend be- 
zeichnetem Gute mögen sehr lange getroffen sein. Hier Pferde zu züchten 
ist als landwirthschaftlicher Betriebszweig anzusehen, dadurch wird leichte 
Ergänzung der Wirthschaftspferde ermöglicht und Ueberschuss der Pro- 
dukte dreijährig der Remonte -Ankaufskommission vorzustellen, Gelegen- 
heit geboten. Bestand insgesammt an Pferden gegen 100 Stück, davon 
dienen 25 als Mutterstuteu, diese sind Landstuten eines kräftigen Arbeits- 
schlages. Königl. Landesbeschäler wurden zum Decken benutzt. 

Züchtung: Zuchtzweck: Erzeugung eines kräftigen Arbeitsschlages für land- 
wirth schaftliche und Militärzwecke. Die in dortiger Gegend aufgestellten 
Kgl. Landgestütshengste haben besonders in letzter Zeit auf die Hebung 
des Gestüts mit eingewirkt. 



Provinz Posen. Reg.-Bez. Bromberg. Kreis Wirsitz. 81 

Name des Gestüts: WlrSltZ (Remontedepöt). 

Besitzer: Preussischer Militär- Fisc^is. 

Topographisches: Wirsitz, Stadt an der Lobsonka, liegt zwischen Schneide-- 
mühl und Bromberg; 5 km nördlich der Ostbahnstation Netzthal. Das 
Depot ist eine Abtheilung für Eemontewesen des Kgl. preussischen Kriegs- 
ministeriums. Die Verwaltung führt ein Oekonomiebeamter. 

Geschichtliches: Die Einrichtung eines Remontedepöts erfolgte hier 1860. 
Dasselbe hat einen durchschnittlichen Bestand von über 700 Pferden, die 
meist Sjährig auf den Remontemärkten gekauft werden. Ein solcher 
Markt findet alljährlich auch in Wirsitz statt, wohin mehr als 100 Pferde 
gebracht werden. 

Provinz Posen. Reg.-Bez. Posen. Kreis Birnbaum. 

Name des Gestüts: ZirKG (Ehemaliges Zuchtgestüt). 

Besitzer: Staats- FiscMS, 

Topographisches: Zirke liegt ca. 20 km südwestlich von Wronke, Station 
der Posen — Stargarder Eisenbahn und 14 km nordöstlich von Birnbaum, 
Station der Strecke Rokietnice — Meseritz, am linken Ufer der Warthe. 

Geschichtliches: Die Unterbringung des Gestütes erfolgte in den Räumlich- 
keiten, welche zu einem von dem ehemaligen sächsischen Minister Grafen 
Brühl erbauten Schlosse gehörten. Die Gründung erfolgte im Jahre 1829 
mit gleichzeitiger Uebernahme der Herrschaft Zirke. 

Den Stamm des Zuchtgestüts bildeten 6 Stuten aus dem Fried- 
rich Wilhelm -Gestüt, 1830 wurden dergleichen von Graditz gebracht 
sowie später noch einige ebendaher. 1839, 1842, 1848, 1849 und 1850 
wurden Staten stärkeren Schlages Trakehnens dem Gestüt zugetheilt, 
ferner noch 6 Percheron- Stuten, in Summa 20 Stuten. Später wurden 
Suffolk-Stuten dem Gestüt zugetheilt und die Percheron-Stuten der Zucht 
enthoben. 

Zur Bedeckung dieser Stuten wurden vorerst Landesbeschäler ver- 
wendet, bis 1835 der in England gezogene Vollbluthengst Young Bigot 
von Bigot aus der Queen Coil von Sweetwilliam von Graditz nach Zirke 
abgegeben wurde. 1839 folgte der Vollbluthengst Sheriff bis 1844 als 
Hauptbeschäler. 

Züchtung: Ungefähr 10 Jahre unterhielt das Gestüt die angeordnete Zucht- 
richtung, nun wurde aber die Meinung laut, schwerere Pferde zu züchten. 



Brandzeichen: 



Z 



diesem Wunsche wurde Rechnung ge- 
tragen, es wurden wieder Percheron- 
Stuten eingestellt bezw. zur Zucht ver- 
wendet. 1862 wurde das Zuchtgestüt 
beschränkt, 1881 wurde die Percheron- 
Zucht abermals aufgehoben und das 
Gestüt 1882 sogar aufgelöst. 



Bräuer, Gestüte. 



82 Provinz Posen. Reg.-Bez. Posen. Kreis Birnbaum. 

Name des Gestüts: ROZbltek. 

Besitzer: Ernst von Reiche. 

Topographisches: Rosbitek ist Fideikommiss-Herrschaft mit einem Areal von 
2350 lia und liegt 15 km von der Kreishauptstadt Birnbaum, 2 km von 
Kwiltsch, Station der preussischen Staatsbahn Meseritz — Rokietnice — Posen, 
und ca. 10 km südlich vom preussischen Landgestüt Zirke. Das Gelände 
ist wellig; es sind verschiedene Seen vorhanden; Bäche, die sich in die 
Warthe ergiessen. Die Mutterstuten sind in schön gewölbten Ställen in 
Rozbitek untergebracht, die Fohlen stehen in Pruschim (Rittergut) in Ställen, 
im Sommer in 2, je 2Y2 ^^ grossen Koppeln. 

Geschichtliches: Von dem Vater des gegenwärtigen Besitzers wurde das Gestüt 
auf einem zur Herrschaft gehörigen Rittergute 1832 gegründet. Der 
nächste Zuchtzweck war der, leichte Reitpferde zu züchten. 1843 wurde 
von dem Gestüt ein in England gezogener Vollbluthengst Cockboat an- 
gekauft und in demselben verwendet; derselbe zeichnete siph durch be- 
sonders starken Knochenbau aus, ebenso die englische Vollblutstute Kerry. 
Diese beiden bildeten den ersten Stamm des Gestüts. Die Pferde fielen 
aber klein und leicht aus und wurden daher wenig begehrt. Es wurde 
versucht die Zucht lohnender zu machen, indem gesucht wurde, massigere 
Pferde zu ziehen. Zu diesem Behufe wurden, nach Aufgabe der Vollblut- 
zucht, Stuten aus Trakehnen, dem starken Reitschlage angehörend, und 
einige mecklenburgische Stuten angekauft; letztere stammten aus dem 
Gestüt Lenschow in Mecklenburg, welche vom Vollbluthengst Belus von 
Emilius aus der Babel und aus Stuten des Jvenacker Gestüts stammten. 
Zum Belegen werden die Landgestütbeschäler in Zirke benutzt. 

Gegen Mitte der 1890er Jahre war der Gesammtbestand 36 Köpfe; 
die Zahl der Mutterstuten ist auf 12 Stück zurückgegangen. 

Züchtung: Zuchtzweck: Die Stuten werden zur Weiterzucht und die Hengste 
als Beschäler aufgezogen und an die Gestüts Verwaltung verkauft; die 
übrigen Pferde an Private und hauptsächlich an die preussische Remonte- 
Ankaufskommission abgegeben. 

Provinz Posen. Reg.-Bez. Posen. Kreis Obornik. 

Name des Gestüts: NitlinO. 

Besitzer: Freiherr von Lüttwitz. 

Topographisches: Das Gestüt liegt auf einem grösseren Gut mit einem Areal 
von über 700 ha und hat besten Boden. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1875 von genanntem Besitzer gegründet 
und dabei einige Voll- und edle Halbblutpferde eingeführt. Im Jahre 1889 
hatte sich bereits ein Mutterstutenstamm von gegen 14 Stück ergeben. 
Hierbei verfolgt man als Zucht ziel: ein Pferd mit hohem Blutgehalt 
und gutem Gehvermögen bei viel Körpermasse zu erzeugen. Jährlich fallen 
durchschnittlich 9 — 10 Fohlen. Als Hengste dienen dieKgl. Landesbeschäler. 

Züchtung: Zuchtzweck: Deckung des Eigenbedarfs und Verkauf der jungen 
Thiere als Reit- und Wagenpferde. 



■h 



Provinz Posen. Reg.-Bez. Posen. Kreis Birnbaum. 83 

Name des Gestüts: LubOSCh. 

Besitzer: . Prau Anna Bar dt 

Topographisches: Die Besitzung ist eine Domäne mit einem Areal von gegen 
1800 ha und liegt ca. 10 — 12 km von Birnbaum nordöstlich. 

Geschichtliches: Hier ist die Pferdezucht innig mit dem Wirthschaftsbetrieb 
verbunden. Es sind zur Zucht 1 Deckhengst Trakehner Abstammung 
und 10—12 Mutterstuten aufgestellt. Letztere werden bis zum Ende der 
Tragezeit zum Wirthschaftsbetrieb verwendet. Jährlich werden 8 — 12 Fohlen 
geboren. Der Pferdebestand für die Oekonomie beträgt gegen 100 Stück. 
Dreijährig werden die Pferde der Remonte-Ankaufskommission vorgestellt. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung eines kräftigen, edlen Gebrauchspferdes. 
Früher in dem Gestüt aufgestellte Hengste waren: Trepido, Atlas etc. 

Provinz Hessen-Nassau. Reg.-Bez. Kassel. Kreis Hofgeismar. 

Name des Gestüts: BebcrbeCk (Preuss. Hauptgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Das früher kurfürstlich-hessische ^Hofgestüt", gegenwärtig 
„preussisches Hauptgestüt" Beberbeck ist von Hofgeismar aus leicht auf 
angenehmem Weg, durch schattigen Eichenwald, in 1 Y2 — 2 Stunden zu 
erreichen. Hierzu gehört das frühere kurfürstliche Jagdschloss , Sababurg". 
Das Gesammtareal beläuft sich auf gegen 900 ha und liegt mitten im 
^Reinhardtswald". — Die Weiden sind mitttelmässig beschaffen; Wasser 
hinreichend; ein Bach fliesst durch die Weidekoppeln. Das Klima in 
Beberbeck ist sehr rauh; die vielen herrlichen Eichenwaldungen bieten 
aber Schutz und gute Luft zum Athmen. Trotz des rauhen Klimas bleiben 
die Pferde vom ersten Frühling bis spät in den Herbst im Freien. 

Geschichtliches: Beb erb eck entstammt einer alten Zucht, die von den Erz- 
bischöfen von Mainz im Reinhardtswald eingeführt wurde, als diese noch 
die Landschaften an der Weser beherrschten. Ursprünglich war die Zucht 
wild, später versuchte man die Hengste von den Stuten dadurch zu 
trennen, dass man sie an der anderen Seite der Weser in den Solling 
brachte; die Hengste schwammen aber immer wieder nach den Stuten 
zurück. Nun entschloss man sich, es war zur Zeit des Landgrafen von 
Hessen, bei der Zapfenbui'g, der späteren Sababurg, etwa 600 Morgen 
Wald mit einer Mauer zu umgeben und diesen sogenannten Mauerpark 
den Hengsten einzuräumen. Allmählich wurden die Gestütsverhältnisse 
mehr und mehr geregelt und es entstand schliesslich in Sababurg ein 
Gestüt von solcher Berühmtheit, dass viele fremde Höfe, so England, 
Pferde aus Sababurg bezogen. Später verlegte man das Gestüt von dort 
nach dem nahegelegenen Beberbeck, von alters her auch Preverbeck 
genannt. — Seit Ende des 15. Jahrhunderts bestand ein Gestüt nur auf 
Sababurg, einem Jagdschloss auf hohem Berg (Basaltkegel). 1728 
wurde von hier das Gestüt nach Beberbeck verlegt und Sababurg als 
Jagdschloss wieder eingerichtet. Das Gestüt hatte den Zweck, von nun 
an zum kurfürstlichen Marstall die erforderlichen Remonten zu beschaffen 

6* 



84 Provinz Hessen-Nassau. Reg.-Bez. Kassel. Kreis Hofgeismar. 

und diente ferner dazu, eine Stanomzucht von 45 Mutterstuten vom Reit- 
und Wagenschlag stets zu unterhalten. Der Reitschlag stammte von 
arabischer und englischer Vollblutrasse, der Wagenschlag von englischer und 
hannoverscher Abkunft. Zu jener Zeit standen im Gestüt: 3 Original-Araber- 
hengste, 1 englisches Vollblut, und ferner mehrere aus der Nachzucht dieser 
Rassen. Die Produkte waren edel, wohlgefällig und gedrungen gebaut. 1827 
wurde der Gestütshof zu Beberbeck nach dem Muster des preussischen 
Friedrich -Wilhelm -Gestüts zu Neustadt a. d. Dosse umgebaut und ein- 
gerichtet und bildet dieses massive Gebäude ein Rechteck von 800 Fuss 
Länge und 600 Fuss Breite. Beb erb eck war bis 1866, dem üebertritt 
an Preussen, im Besitz einer grossen Isabellenzucht, es wurden davon 
gängige Kutschpferde gezogen, die nach und nach allerdings mangelhafte 
Körperformen zeigten. In späterer Zeit wurden hauptsächlich mecklen- 
burgische Hengste als Beschäler verwendet, wodurch eine Verbesse- 
rung der Zucht herbeigeführt wurde. Von 1876 an wurden anderweit 
für das Gestüt 5 Beschäler und ca. 100 Mutterstuten, meist englisches 
Halbblut, gehalten. Zu jener Zeit wurden 77 Mutterstuten vom Friedrich- 
Wilhelm-Gestüt zu Neustadt a. d. Dosse nach Beberbeck überführt. 

Unter den Beschälern zeichnete sich im Gestüt Beberbeck der eng- 
lische Vollbluthengst und in Frankreich erzogene Chamant bezüglich 
der sehr leistungsfähigen Nachzucht aus; weitere Vollbluthengste 
nach ersterem bis auf die neue Zeit waren: Bachus, Gabardine, Adonis^ 
The Prifice etc., sowie die Halbbluthengste Bazame, Lebus^ Odoardo, 
Cystimus etc. 1897 waren Hauptbeschäler die Vollbluthengste Birkhahn, 
Frejeville, Le Butard und Saint Tropes. 

Die Beberbecker Pferde sind sämmtlich sehr edlen Halbblutes, 
von kräftigem, starkknochigem Körperbau. Das Gestüt zählte 1897 durch- 
schnittlich mit denWirthschaftspf erden insgesammt 350 — 400 Pferde, darunter, 
Chamant für sich besonders gerechnet, 6 Hauptbeschäler, 1 Probirhengst, 100 
Mutterstuten, Fohlen gegen 70 Stück, 35 Stück Reit-, Wagen- und Ackerpferde. 

Züchtung: Zuchtziel und Zuchtzweck: Ergänzung von Landgestüts-Hengsten 
und Beschaffung von Reit- und Wagenpferden für Marställe und Privat- 
unternehmungen. 1900 hatte das Gestüt 306 junge Hengste und Stuten. 
Beberbeck ist, mit Ausnahme des erst vor mehreren Jahren wieder ins 
Leben zurückgerufene Zuchtgestüt Neustadt a. d. Dosse, das kleinste der 
preussischen Hauptgestüte. Nach weiteren Berichten aus dem Königl. 
Hau^Dtgestüt Beberbeck besitzt dasselbe Anfang 1901 einen Stamm von 
100 Mutterstuten, dieselben sind sämmtlich in dem 1876 neu entstandenen 
Gestüt gezogen. Von ihnen stammen 63 von den s. Zt. aus dem Friedrich- 
Wilhelm - Gestüt übersetzten Stuten ab, die übrigen Stuten, ungefähr je 
die Hälfte, stammen von früheren Beberbecker oder von angekauften 
Senner-Stuten ab. 67 Stuten wurden von Vollbluthengsten erzeugt. 

Brandzeichen: '^^ Ei^^ schräg abwärts gerichteter Pfeil, um den 

sich eine Schlange windet; auf rechtem Hinter- 
schenkel aufgebrannt (Pfeil und Schlange das Sinn- 
bild der Schnelligkeit und Klugheit). Das Zeichen 
ist vom Friedrich-Wilhelm- Gestüt in Neustadt a. d. 
Dosse übernommen bez. nach dorthin wieder mit 
zurückgegeben. 



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Provinz Hessen-Nassau. Reg.-Bez. Wiesbaden. Kreis Dillkreis. 85 

Name des Gestüts: DÜlenburg (Hessen-NaSS. Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Dillenburg liegt an der von Wetzlar nach Köln führenden 
Eisenbahn. Bis 1739 Residenz des Fürsten von Nassau-Dillenburg. Das 
hier befindliche Etablissement befindet sich in 2 Höfen und besteht aus 
Wohngebäude und Stallungen sowie 1 gedeckten und 1 offenen Reitbahn. 
Den Bezirk des Landgestüts bilden die Provinzen Hessen und 
Nassau, Kreis Wetzlar (Reg.-Bez. Coblenz) und das Fürstenthum 
Waldeck. 

GeSChichthches: Das in Dillenburg sich befindliche Landgestüt wurde von 
Kassel im Jahre 1870 als , Hessisches" nach hier verlegt und das ehedem 
in Corbach befindliche dergleichen als , Waldecker Hengstdepot" mit 
ersterem vereinigt und nun mit der Bezeichnung „Hessen -Nassauisches 
Landgestüt " belegt, welches seit 1866 sich in Warendorf befand. 

Es sind im Gestüt ca. 80 Halbblutpferde und ca. 60 kalt- 
blütige Hengste aufgestellt. Von letzteren hauptsächlich Belgier und 
Franzosen, vereinzelt auch einige Clydesdaler. In Summa 142 Hengste 
für einige 40 Beschälstationen. 

Züchtung: Die Pohlenaufzucht liegt in den Händen der Bauern; es werden 
auch edle Fohlen gezüchtet. Die Remonte-Ankaufskommission kauft die 
Fohlen der dortigen Kreise sehr gern. 

Provinz Hessen-Nassau. Reg.-Bez. Hanau. Kreis Frankfurt a. M. 

Name des Gestüts: MaHahall. 

Besitzer: PF. Mössinger 

zu Sprendlingen bei Frankfurt a. M. 

Topographisches: Das genannte Gestüt liegt ungefähr 12 — 14 km von Frank- 
furt entfernt, gehört zu dem Orte Sprendlingen und ist von da aus nach 
einer Wegstrecke von 20 Minuten zu erreichen Station der Main — 
Neckarbahn. Areal über 25 ha Landweiden. 

Geschichtliches: Obiger Besitzer gründete 1885 hier ein Trabergestüt, 
welches 3 Jahi'e später einen Bestand von ca. 50 Pferden hatte. Hierunter 
waren zunächst 4 amerikanische Traberhengste mit Namen France- Alexander, 
Trouble, Tourist Boy und Young Amber als Beschäler eingeführt; weitere 
dergleichen wurden später eingestellt. Mutterstuten waren 14, theils 
amerikanische Traber, theils Voll- und Halbblutpferde vorhanden, die 
sämmtlich zur Erzielung von Traberpferden dienten und deren Produkte 
entweder auf der Rennbahn ausgenützt werden, oder als Reit- und 
Wagenpferde Verwendung finden. 

Züchtung: 1896 deckten die Traberhengste Lump und Emigrant; letzterer 
braun von Electtoneer aus der Theora, ist der einzige in Europa befind- 
liche Sohn der für die amerikanische Traberzucht von hoher Bedeutung 
gewordenen Electioneer. Lump ist ein Rappe von Lump aus der Nelly 
Parker. 



86 Provinz Schleswig-Holstein. Kreis Sonderburg. 

Name des Gestüts: AugUStenburg. 

Besitzer: Herzog Chris fimi von Augusfenburg. 

Topographisches: Augustenburg ist Marktflecken und liegt an einer Bucbt, 
1 Meile von Sonderburg, mit Amtssitz für den Kreis Sonderburg, Gestüt, 
Hafen, einem schönen 1770 — 1776 erbauten Schloss. Hier residirte 
vormals der Herzog von Holstein-Sonderburg-Augustenburg; hiei'zu ehe- 
dem bedeutende Güterkomplexe gehörend. 

Geschichtliches: Bis 1849 bestand hier auf der Insel Alsen ein Gestüt des 
Herzogs Christian von Augustenburg, welches zu Gunsten des sehr edlen 
Marstalles unterhalten wurde. Während der Mitte der 1830 er Jahre, 
bis gegen 1848 waren darin 10 Vollbluthengste und über 20 Vollblut- 
stuten untergebracht Augustenburg war früher als Gestüt sehr be- 
rühmt, ist aber eingegangen. 

Provinz Schleswig-Holstein. Kreis Segeberg. 

Name des Gestüts: TraVGnthctl (SchleSW.- Holst. Landgestüt). 
Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Traventhal liegt an der Trave. Segeberg (Kreisstadt). 
Eisenbahnstation der Staatsbahn Buchen — Neuraünster. Traventhal, Schloss 
mit grossem Garten, ehedem Lustschloss der Herzöge von Holstein-Plön. 

Geschichtliches: 1866 fand die Gründung obigen Landgestüts statt; die 
erforderlichen Gebäude im früheren Amtshof waren vorhanden, um ca. 
130 Hengste vorschriftsmässig unterzubringen. 

Die Errichtung des Landgestüts reicht zurück bis zum Jahre 1863, 
um diese Zeit wm-den von Seiten des Herzogthums 10 Hengste für Aus- 
übung der Landespferdezucht gestellt. 1867 wurden diese Hengste in 
Glücksburg, 1868 in Plön aufgestellt, bis dasselbe 1874 nach Traventhal 
überführt wurde. In Traventhal werden ungefähr gegen 120 Hengste, 
die dem starken massigen Halblutschlage angehören und geeignet sind 
ein schweres, edles Wagenpferd zu erzeugen, unterhalten. Zu Anfang 
der 1890 er Jahre standen dort die Vollbluthengste Theoretiker, von 
Theurisk, Felham von Cremarne und Pardeutos von Chatnant, von denen 
ähnliche heute noch eingestellt werden. Es werden hier allerdings auch 
kaltblütige Pferde (dänische Hengste) zum kleinen Theil mit in 
Gebrauch genommen. Diese Hengste werden jährlich über 42 Stationen 
vertheilt. 

Züchtung: Der Schwerpunkt der Schleswig-Holsteinischen Pferdezucht liegt, 
nach Stöckel, in den Marschgegenden, in denen in den letzten Jahren 
grosse, mit sehr schönen Erfolgen gekrönte Anstrengungen von Privaten 
gemacht worden sind, um die Zucht des edlen Halbblutpferdes zu lieben. 



Provinz Schleswig-Holstein. Reg.-Bez. Holstein. Kreis Kiel. 87 

Name des Gestüts: WenSltl. 

Besitzer: J, Schwer difegev. 

Topographisches: Wen sin liegt unweit Kiel. 

Geschichtliches: Von 1857 ab wurde auf Wensin stets Pferdezucht, aber 
nur in kleinem Maasstabe, betrieben. Seit der üebernahme der Besitzung 
durch obigen Besitzer (1880) wurde diese vergrössert und der damalige 
Stand auf ca. 50 Köpfe erhöht. Die Stuten waren meistens englische 
Halbblutpferde sowie Hannoveraner und edle aber starkknochige Pferde der 
holstein'schen Marschen. Der Bestand setzte sich in der Hauptsache aus 
Pferden der holstein'schen Zuchtrichtung zusammen. Als Hengste wurden 
die Beschäler des Kgl. preussisch- holstein'schen Landgestüts Traventhal 
benutzt, nebenbei aber eigene aus Irland 1885 eingeführte Hengste: 
Dowro von West-Australian etc. eingeführt. 

Züchtung: Die Ausnützung des Gestüts war in der Weise eingerichtet, 
dass ein Theil dreijährig als Militärremonten verkauft und ein anderer 
Theil für die Oekonomien benutzt wurde, auch wurde Aufzucht von 
Hengsten für Zuchtzwecke betrieben, die von hier aus sehr gern nach 
Amerika angekauft wurden. 1892 gab der Besitzer die Bewirthschaftung 
des Gutes auf, infolge dessen ging das Gestüt ein. 

Prov. Hannover. Landdrostei Hildesheim. Fürstenth. Grubenhagen. Kreis Einbeck. 

Name des Gestüts: HunneSrÜCk (Remontedepöt). 

Besitzer: Preussischer Fiscus. 

Topographisches: ^Hunnesrück liegt am Nordabhang des Solling mit ver- 
fallenem Bergschloss und Domäne, unweit der Stadt Dassel und gehörte 
vor Zeiten den Grafen und Raugrafen von Dassel, die ihre Besitzungen 
im SoUinger Walde hatten. Dassel ist die Kreis- und Hauptstadt des Fürsten- 
thums an der Hme, A^j^ Meilen nördlich von Göttingen. 

Geschichtliches: Hunnesrück und Neuhaus, in der Provinz Hannover am 
Nordabhang des Solling, waren ehedem die Hauptpunkte eines im Sol- 
linger Walde betriebenen halbwilden Gestütes, das aber nie rechten Fort- 
gang gehabt zu haben schien. Wann die Auflösung des Gestüts erfolgte, ist 
nicht bekannt. Während der 1830 er Jahre wurde das Privat- Gestüt 
Memsen nach Neuhaus verlegt, letzteres diente s. Zt. ausschliesslich dazu, 
den hannoverschen Hof mit den für denselben erforderlichen Pferden ab- 
sonderlicher Farbe, wie die Weissgeborenen, Perlfarbenen, Isabellen, Gelben 
mit Aalstrich, zu versehen. Im Jahre 1866 wurde das Gestüt aufgehoben 
und ging ein Theil in das s. Zt. zu Herrenhausen bestehende Gestüt über. 

Züchtung: 1867 und 1868 wurden die Stallungen von Neuhaus aber wieder 
bezogen und dienen diese seitdem den Zwecken des Kgl. Preussischen 
Remontedepöts zu Hunnesrück, 1867 war das Depot hier mit 539 Re- 
monten belegt. 



88 Provinz Hannover. Landdrostei Lüneburg. Kreis Celle. 

Name des Gestüts: CgIIG (Hannover'sches Landgestüt). 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Celle, selbständige Stadt am Einfluss der Fuse in die 
Aller, an der Lehrte — Harburger Eisenbahn und über 40 km nord- 
westlich von Hannover, war ehedem der Sitz bezw. die Residenz der 
lüneburgischen Herzöge (1369 — 1705). Die Fuse theilt das Etablisse- 
ment in 2 Hälften. Diese sind durch eine eiserne Brücke verbunden. 
Ausserdem ist noch eine offene Reitbahn, eine sogenannte Gestütswiese 
vorhanden. Das Areal beträgt ca. 6 ha. Den Bezirk des hannover'schen 
Landgestüts bildet die Provinz Hannover. 

Geschichtliches: Kurfürst von Hannover, König von England Georg IL 
errichtete hier einen Beschälerbestand, der zu jener Zeit 12 hol- 
stein'sche Hengste betrug. 1748 war die Zahl auf 40 Hengste, 1764 
auf 90 gestiegen. Das inzwischen etwas zurückgegangene Landgestüt 
wurde durch Ankauf mecklenburgischer Hengste von 1790 an wieder 
gehoben, denen auch englische Vollbluthengste mit zugesellt wurden. 
Während der Kriegs wirren zu Beginn des 19. Jahrhundeiis hörte das 
Gestüt auf zu bestehen, die Hengste wurden nach Mecklenburg geflüchtet. 
1814 begann wieder neues Leben in Celle, der Hengstbestand erhöhte sich 
auf weit über 100 Stück. Ende der 1830 er Jahre erhöhte sich der Normal- 
bestand auf über 200 Hengste. Die Kriegsfälle von 1866 brachten Hannover 
und damit das Landgestüt an Preussen, sodass Celle seitdem ein preussisches 
Landgestüt gewox'den ist. 1885 standen 187 Hengste daselbst incl. 25 Voll- 
bluthengste. Etatmässig waren 1897—1898 235 Hengste incl. 16 Vollblut- 
thieren aufgestellt, die auf 70 Stationen zur Vertheilung kamen. Der Bestand 
betrag 1900 260 Hengste. Nach Schlägen vertheilt sich der Bestand: 

1. in leichten Reitschlag, 

2. in leichten Wagenschlag, 

3. in starken Reitschlag und 

4. in starken Wagen- und Arbeitsschlag. 

Der Hengst Nordlicht des Celler Landgestütes. Dieser 
Hengst wurde von dem Hofbesitzer Herrn Spöring in Otersen bei Verden 
a. d. Aller gezogen und im Gestüt Heri'enhausen aufgezogen. Er stammt 
ab von dem in Mecklenburg gezogenen Halbbluthengst Norfolk (Enkel 
des Vollbluthengstes Saymour), und seine Mutter ist eine Tochter des 
Vollbluthengstes F. Confederate , welcher wieder auf den Vollbluthengst 
Sampson und die sehr edlen Halbbluthengste Hazard, Unique und Carekss 
zurückgeht. Die Abstammung von Nordlicht ist also eine sehr edle und 
dementsprechend auch seine Vererbung. Am besten vererbte er sich 
jedoch (wie dies ja öfters der Fall ist) in der weiblichen Linie und zwar 
lieferten wieder die Töchter des 16 Jahre in Nordholz stationirt ge- 
wesenen, edel gezogenen und ungemein starken Sebras-'&ohnes Alhambra 
mit Nordlicht die besten Produkte. Mit den von Nordlicht und Alhambra 
abstammenden Stuten vererbt sich nun der seit 1887 in Nordholz auf- 
gestellte sehr starkknochige Halbbluthengst Schlucker ganz vortrefflich, 
während der 1895 auf genannte Station gesandte edle ostpreussische 
Hengst Anselni wieder mit den Stuten der vorhin genannten Hengste 
vorzügliche Produkte liefert. 



Provinz Hannover. Landdrostei Lüneburg. Kreis Celle. 89 

Bei einer so glücklichen Aufeinanderfolge vorzüglich sich vererbender 
Hengste, welche sehr lange und sehr viel benutzt wurden, ist es nicht 
auffallend, dass die Pferdezucht genannter Gegend aussergewöhnliche Fort- 
schritte gemacht hat. Aber nicht nur qualitativ, sondern auch quantitativ 
sind grosse Fortschritte zu verzeichnen. Für die Qualität der Zucht 
spricht die grosse Nachfrage nach Zuchtmaterial aus dieser Gegend und 
für die Quantität der Umstand, dass im Jahre 1900 in Nordholz von 
8 Hengsten 494 Stuten gedeckt wurden. Da nun Nordlicht an diesen 
Fortschritten ganz besonders betheiligt ist, dürfte es interessiren zu 
hören, dass er von 1876 bis einschliesslich 1899 in Nordholz 1644 Stuten 
gedeckt und 1219, also mehr als 74 "^/q befruchtet hat Ausserdem hat 
er 1900 wieder 47 Stuten gedeckt, sodass ihm also in Summa 1691 Stuten 
zugeführt worden sind. Vermuthlich sind von den im Jahre 1900 ge- 
deckten 47 Stuten ca. 39 tragend. Nach den Rapporten des vergangenen 
Jahres wurden in Hannover 103 Töchter und 92 Enkelinnen des Nord- 
licht zur Weiterzucht benutzt. Diese Zahlen dürften beweisen, welch' 
hohen Zuchtwerth dieser Hengst hat und es auch erklären, warum die 
Gestütsverwaltung den alten Beschäler nicht nur bis jetzt konservirt 
hat, sondern sich auch noch bemüht, ihn im Jahre 1901 als 29jährigen 
wieder auf die Station zu schicken. Das hannover'sche Landgestüt ist 
nach Stöckel das älteste in der Reihe der preussischen Landgestüte und 
man muss in demselben und in seiner l^/o hundertjährigen Thätigkeit den 
Grundpfeiler der heutigen blühenden haunover'schen Pferdezucht erblicken. 

Provinz Hannover. Landdrosteibezirk Hannover. Fürstenthum Calenberg. 

Name des Gestüts: HePrenhailSen (HannOY. Hofgestüt). 

Besitzer: Herzog von Cumberland. 

Topographisches: In Herrenhausen wurde sehr früh schon ein Privatgestüt 
unterhalten mit der Bezeichnung „Hannover'sches Hofgestüt". Dasselbe 
hat seine Lage ca. 2 km von Hannover entfernt und umfasst ein Areal 
von über 100 ha. Dieser Privatbesitz datirt aus alten Zeiten bis 1866. 
Nach dem Tode des Königs Georg V. kaai Schloss mit Zubehör durch 
Erbgang an den Herzog von Cumberland. 

Geschichtliches: Unter den Königen von Hannover wurde dieses fürstliche 
Privatgestüt mit der Bestimmung geleitet, dass daselbst die Zucht weiss- 
geborener Pferde mit rothen Augen — die Erzeugung von Kaker- 
laken — betrieben werde. Behufs Erreichung dieser Zucht wurden 
englische Vollbluthengste und während der 1830 er Jahre auch arabische 
Vollbluter (Malcolm) benutzt. Gleichzeitig bestand hier aber auch eine 
Isabellenzucht. Der Bestand an Pferden hatte die Höhe von gegen 
80 Stück incl. der Fohlen erreicht. Es war Vorschrift, dass im Gestüt 12 
weissgeborene Schimmel und 10 Isabellen vorhanden sein und bleiben sollten. 
Die Zucht der Isabellen und Weissgeborenen hat fortbestanden bis 1895. 
Der letzte Rest des berühmten „Hannoverschen Hofgestüts " bestand 
noch in einem weissgeborenen Schimmel, der im November 1895 
getötet wurde und in einem 19jährigen Isabellenhengst, der im 
Juni 1896 dem Vorhergegangenen ähnlich folgte. Weiteres s. Memsen. 



/ 



90 Provinz Hannovei-. Landdrosteibezirk Hildesheim. Fürstenthum Göttingen. 

Name des Gestüts: NeuhaUS (Zucht- bez.halbwild. Gestüt). 

in dem Sollinger Wald. '^"'^ ^°'* ^^' berühmte 

Besitzer: Staats- Fi seit s. 



althannoversches „Landgestüt 
Xeuhaus im Solling" bezeichnet.) 



Topographisches: Neuhaus liegt am Nordabhang des Sollinger Waldes, in 
der Nähe des Städtchens Dassel. Die Gegend liegt westlich vom Harz, ein 
fast durchgehends von Laubholz bedecktes Sandsteingebirge, eingetheilt 
in den südlichen Strich (kleiner Solling), hannoversche Provinz Göttingen 
und grosser Solling, der theils hannoverisch, theils braunschweigisch ist. 
Im Allgemeinen ist der Boden trocken, die Gegend öde; später wurde 
verbessernd eingewirkt; Wiesen im Walde. Gute Gebäude bilden 2 Höfe, 
einer: Häuser mit Wohnung für Beamte, der andere für Stallungen etc. 
Geschichtliches: Die Zeit der Gründung des Gestüts „Neuhaus am Sollinger 
Wald" ist nicht mehr genau bekannt; allem Vermuthen nach hat dasselbe 
vorher über 100 Jahre, als Hannover dem Königreich Westfalen an- 
gehörte, demselben Zweck gedient. Während des laufenden Jahrhunderts 
wurde während der Jahre 1839 — 1840 im Sollinger Walde ein halb- 
wildes Gestüt bei Neuhaus betrieben. Die Mutterstuten bildeten die 
Abstammung in zweiter Linie von Arabern, Persern und Engländern. 
Die Thiere waren äusserst selten krank. Mit 3 72 Jahren wählte man 
die besten Stutfohlen und bestimmte sie zu künftigen Zuchtstuten; die 
übrigen gingen in den Marstall Hannover. Die zu künftigen Beschälern 
geeignet befundenen Hengstfohlen wurden je nach Bedürfniss in ver- 
schiedene Remontedepöts vertheilt. Das halbwilde Gestüt wurde während 
der 1860er Jahre an Memsen wieder zurückgebracht und das zu Neu- 
stadt aufgehoben, die Ueberreste gingen nach Herrenhausen. 1867 
und 1868 wurden die Stallungen zu Zwecken des neuerrichteten König- 
lich preussischen Remontedepöts Hunnesrück, Neustadt als Vorwerk, 
zugetheilt. 

Das einst berühmte althannoversche Landgestüt, „Neuhaus im Solling" 
genannt, eines der ältesten Gestüte Deutschlands, soll einer Notiz der 
Deutschen Landw.- Presse 1899, Nr. 79, Seite 907 zufolge in Kürze auf- 
gehoben und zu anderen staatlichen Zwecken nutzbar gemacht werden. 
Es wird bemerkt, Neustadt habe während der letzten Jahre an Bedeutung 
ständig verloren, da dasselbe nur noch als Zweigstelle der Remontedepöt- 
Administration in Hunnesrück diente. Von den ca. 1200 Morgen 
Viehweiden wird ein bedeutender Theil aufgeforstet, ein anderer Theil zu 
Viehweiden verpachtet und der Rest soll zu Dienstländereien für die 
Oberföi'sterei Verwendung finden, welche die ganze Anlage verwalten wird. 
Der Obeiförster wird das Jagdschloss „Neuhaus" beziehen. In dem Jagd- 
schlosse haben die Könige Ernst August und Georg V. von Hannover 
Brandzeichen * »?« ' ^^^^ häufig gewohnt, wenn sie zur 

Hirschjagd sowie zur Saujagd weilten; 
auch andere deutsche Fürsten, die 
Kurfürsten von Hessen, der Herzog 
von Braunschweig u. a. m., waren 
wiederholt in dem kleinen Schloss 
anwesend. 




4^ii 



Provinz Hannover. Landdrosteibezirk Hannover. Kreis Hoya. 91 

Name des Gestüts: MemSGII (Kgl. Privat-Zuchtgestüt). 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Memsen ist ein Dorf mit Vorwerk und ehemaligem Gestüt, 
Hegt in der Nähe von Hoyershagen (Kreis Hoya) mit einem alten, 1200 
erbauten Schlosse. Memsen v^^ar bis zur Auflösung ein Privat-Zucht- 
gestüt der Krone Hannovers. Letzteres war im Vorwerk untergebracht. 

Geschichtliches: Im 17. Jahrhundert wurde im Eadebrucher Walde zu Memsen 
unter Herzog Georg Wilhelm ein Kgl. Hannoversches Gestüt mit 4 Vater- 
und 70 Mutterthieren gegründet; erstere waren englisches Vollblut, letztere 
Halbblutthiere englischer und orientalischer Abkunft. — 

Unter Kurfürst Georg H. (1730) wurde Memsen durch den bisher 
gezüchteten, kräftigen Reitschlag, sowie durch Erzielung weissgeborener 
Pferde berühmt. Später wurde auf Produktion grosser Wagenpferde, 
theils Falben, theils Rappen gewirkt; auch wurde nebenbei Maulthier- 
zucht betrieben. Die weissgeborenen Memsener Pferde, die als 
Wagenpferde im fürstlichen Marstall der Weifen dienten, wurden erzielt 
durch Paarung des Schimmelhengstes Augustus V. und des silbergrauen 
englischen Hengstes Le Barbeblanc^ mit dänischen Milchschimmelstuten. 
Später (1746) wurden die Nachkommen von einem, in Dänemark ge- 
kauften, jungen Milchschimmelhengst Le Blanc gedeckt, wodurch diese 
weissgeborenen Thiere gegen 30 — 40 Jahre rasseecht sich forterhielten. 
Es sei gestattet, hieran die inzwischen vom Oberst z. D. von Schla- 
berg im „ Pferdefreund ". 1900, 16. Jahrgang, Nr. 15 abgedruckten „Frag- 
mente aus der Geschichte hannoverscher Gestüte" dem Wortlaut 
nach anzufügen: Nach den, auf diesem Gebiete gemachten Forschungen 
waren schon im 14. Jahrhundert Privatgestüte vorhanden, welche es sich 
zur Aufgabe machten, die Marställe durch Zuzucht zu versorgen. Im 

15. und 16. Jahrhundert unterhielten die reichsunmittelbaren Grafen 
von Hoya ein Gestüt in Bücken und züchteten, wie sie ihre Züehtungs- 
produkte nannten, Haushaltspferde. Sie suchten geeignete Mutterthiere 
aus und Hessen sie hauptsächlich durch spanische Hengste decken. Die 
Haushaltspferde waren gross, starkknochig, gängig, aber mit stark ab- 
fallender Kruppe. Dieses Gestüt scheint aber nur bis 1582 im Betrieb 
gewesen zu sein, denn als die Grafschaft Hoya an die Herzöge von Celle 
und Braunschweig fiel, hörte mit einem Male jede Nachricht über das 
Gestüt Bücken auf. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat die Theilung des 
Pferdebestandes unter den Herzögen stattgefunden. Gegen Ende des 

16. Jahrhunderts errichteten die Herzöge von Celle in Memsen ein Gestüt, 
auf welchem der Reitschlag vorherrschend war, aber auch die Existenz 
dieses Gestüts reichte nur bis 1665. Gleichzeitig mit dem Gestüt Memsen 
war ein solches in Radbruch, auf welchem dem Wagenschlage ziemliche 
Sorgfalt zugewendet und nebenbei die Maulthierzucht betrieben wurde. 
Die Maulthierzucht wurde nach kurzer Zeit von hier nach einem Vorwerk 
„In der Behre" bei Celle verlegt. Man suchte passendes Stutenmaterial, 
vorzugsweise esel farbiges, aus und Hess dieses durch Malteser- und 
Neapolitaner -Eselhengste decken. Für die Eselhengste wurden im Lande 
auch Beschälstationen errichtet, damit ihnen Stuten zugeführt würden, so 



92 Provinz Hannover. Landdrosteibezirk Hannover. Kreis Hoya. 

in Ahlden a. d. Aller und in Northeim im Göttingschen. Waren die 
Maulthierfüllen abgesetzt, so wurden sie wieder angekauft und „In der 
Behre" weiter aufgezogen. In Kadbruch traten zuerst die Mausefarbe 
mit Aalstrich und die Isabelle auf, die man dann fortzüchtete und zu 
Galazügen verwendete. Fast zu gleicher Zeit war auch in Neuhaus und 
Solling ein Gestüt für Wagenpferde und ein Fohlenhof für Rapphengstfüllen 
der Kutschrasse errichtet. Bei der Vereinigung der beiden Linien Hannover 
und Celle wurde das Sollinger Gestüt dem von ßadbruch einverleibt und 
1776 beide vereinigten Gestüte mit dem in Memsen verschmolzen. Neu- 
haus wurde später aber wieder Gestüt und zwar als ein Gestüt des 
Herzogs Georg Wilhelm in Nienover, ebenfalls am Solling, woselbst Reit- 
pferde gezüchtet wurden. In Neuhaus wurden die Baulichkeiten wesent- 
lich verändert und Stallungen für 40 Mutterpferde, theils Reitschlag in 
verschiedenem Haar, theils in Mausefarben und Isabellen Kutschrasse, 
eingerichtet. In Memsen widmete man sich mit gi'ossem Eifer der 
weissgeborenen Zucht, die anfangs nicht glücken wollte. Erst nach 
und nach wurde dieses Naturspiel zur konstanten Rasse. 

1798 wurden in Memsen 100 und in Neuhaus 40 Zuchtstuten 
aufgestellt und zwar: 48 für Reitschlag, 10 weissgeborene Kutschrasse, 
20 mausefarbige, 48 schwarze, 14 isabellfarbige, in Summa 140 Stück. 

Als 1803 die Franzosen ins kurhessische Land kamen, wurden die 
Gestütspferde, so viel von ihnen zu retten waren, nach Mecklenburg 
transportirt, hier ein Theil verkauft und ein Theil nach England eingeschifft. 
Nach Errichtung des Königreichs Westfalen, zufolge des Tilsiter Friedens 
1807, wurde Neuhaus wieder mit sehr brauchbai'en und leistungsfähigen 
Zuchtpferden besetzt und die Weiden ganz erheblich verbessert. Als 1813 
sich die westfälische Herrschaft ihrem Ende näherte, wurden von Neuhaus 
28 Pferde nach Memsen gesandt und in Neuhaus der Bestand bis auf 
100 verringert. Importirte englische Hengste und Zuchtstuten 
frischten das Blut in beiden Gestüten in vorzüglichster Weise wieder 
auf. 1817 war der Bestand in beiden Gestüten ein derartig hoher, dass 
sich die Marställe an ihnen vollständig remontii-en konnten. 

In Memsen waren 863 Stuten der Reitrasse, von denen 578 Fohlen 
geboren wurden, und 813 Stuten der Kutschrasse, von denen 428 Fohlen 
geboren wurden. In Neuhaus waren 775 der Reitrasse, von denen 563 
Fohlen geboren wurden. 1883 wurden die Gestüte Memsen und „In der 
Behre" eingezogen, Neuhaus zum Hauptgestüt erhoben und der Etat auf 
3 Hengste und 66 Zuchtstuten festgesetzt. Neuhaus musste alljährlich 
23 — 25 Remonten abliefern. Die erste Ablieferung an die Marställe fand 
im Herbst 1843 statt. Diese Remonte blieb jedoch zu klein. Angestellte 
Untersuchungen ei-gaben das Resultat, dass das rauhe Klima und die 
Bergweiden in Neuhaus für den Reitschlag wohl geeignet, für den Kutsch- 
schlag aber nachtheilig seien. Aus diesem Grunde wurden die Füllen der 
Kutschrasse auf der Domäne Drübber bei Memsen aufgezogen. Finanzieller 
Ansprüche selten des Domänepächters halber wurde im Herbst 1844 der 
Neuhauser Wagenschlag nach Herrenhausen verlegt, 200 Morgen Weideland 
zugepachtet und die Stallungen neu eingerichtet. Nach und nach wurde 
das Gestüt Herrenhausen vergrössert und es liefert bis auf den heutigen 
Tag vorzügliches Material. 



Königreich Sachsen. 

Kreishauptmannschaft Dresden. Amtsliauptmannschaft Dresden-Neustadt. 

Name des Gestüts: Moritzburg (Kgl.Sächs.Landgestüt). 

Besitzer: Staat s-Fiscus. 

Topographisches: Moritzburg liegt ca. 14 km von Dresden entfernt und ist 
Eisenbahnstation der Dresden — Elsterwerda — Berliner Bahnlinie. Nadel- 
holz -(Kiefern-) Wal düngen. Berühmt durch das 1542 von dem Herzoo- 
(später Kurfürst) Moritz erbaute Kgl. Jagdschloss mit 4 runden Thürmen, 
7 grossen Sälen und an 220 Zimmern, wo alle inneren Verzierungen 
und Gemälde auf die Jagd Bezug haben. Das Schloss mit Landgestüt 
liegt auf der rechten Seite der Elbe. 

Geschichtliches: Die ersten für das Landgestüt bestimmten Gebäude wurden 
1733 vom Kurfürst Friedrich August IL errichtet, zunächst für die 
hier zusammengestellten Jagdpferde. Hiernach dienten diese Stallungen 
zur Aufnahme des Annaberger Landfohlen-Erziehungs-Tnstituts (1802 — 12). 
Nach der Abtretung des Herzogthums Sachsen an Preussen (1815) waren 
Sachsen nur 10 Deckstationen verblieben, und wurden die Hengste im 
Marstall zu Dresden untergebracht. 

Eine Reorganisation bewirkte die Verlegung des gesammten Land- 
gestüts nach Moritzburg (1829). Nach der Uebersiedelung des Land- 
gestüts wurden ausschliesslich mecklenburger Hengste eingestellt. Ende 
der 1850 er Jahre wurden Hengste aus dem noi'dwestlichen Frankreich 
(Normandie, Touraine), gleichzeitig aber auch versuchsweise Percherons 
mit eingeführt, ferner aber auch dazu noch englische Halbbluthengste, 
schwere oldenburger und ostfriesische Hengste bis zur Höhe von 88 Stück. 
Der Ankauf der meisten dieser Hengste erfolgte im Alter von 2^0 — 3 
Jahren. Der Bestand beläuft sich auf 85 — 90 Hengste für 26 Deckstationen. 

Brandzeichen: Nach Errichtung des Landgestüts wurde das Gestütsbrand- 
zeichen No. 1 eingeführt, dasselbe wurde jedoch später ausser Gebrauch 
gesetzt (1837). Hiernach kam von 1847 an das mit No. 2 bezeichnete 
Brandzeichen in Anwendung, welches etwas kleiner als das erste war, 







No. 1. No. 2. No. 3. No. 4. 

bis von 1877 ab das noch kleinere No. 3 benutzt wurde, damit werden 
die von Landesbeschälern stammenden Fohlen versehen. Ausser diesen 
Zeichen führte das Landgestüt noch ein Brandzeichen, welches die sogen. 
Stammstuten kennzeichnen soll, d. h. diejenigen Stuten, welche in das Stamm- 
zuchtregister, das neben den Zuchtregistern geführt wird, einofetragen sind. 



94 Kreishauptmannschaft Dresden. Amtshauptmannschaft Grossenhain. 

Name des Gestüts: KalkrGUth (K.SächS.Remontedepöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus, 

Topographisches: Kaikreuth ist mit der Leipzig — Dresdner Eisenbahn über 
Grossenhain in kurzer Zeit zu erreichen. Es ist ein Staatsgut, in welchem 
in alten Zeiten schon länger Pferdezucht neben Landwirthschaft mit be- 
trieben wurde. 

Geschichtliches: Kurfürst Christian I. errichtete 1588 in Kaikreuth eine 
Pferdezuchtanstalt, die bis gegen 1652 in Betrieb war, aber später 
zurückging, ja sogar aufgelöst wurde. (Johne, „Geschichte der säch- 
sischen Pferdezucht".) Genanntes Staatsgut diente dann nur dem Be- 
triebe der Landwirthschaft. Anfang der 1890 er Jahre übernahm das 
Kgl. Kriegs-Ministerium Kaikreuth behufs Gründung eines Kgl. Sachs. 
Remontedepöts, wozu später nach und nach mehrere Ritterguts- bez. 
andere Guts-Komiolexe erworben wurden, um das Depot den in anderen 
Staaten befindlichen ebenbürtig zu machen. 

Soweit Zeitungsberichte ergeben, sind in Kaikreuth Stallungen und 
Laufgärten für die Remonten hergestellt. Das Vorwerk Reiherhof, 
welches zunächst erworben wurde, ist für Weidezwecke eingerichtet. Es 
erfolgte darauf anderweit der Ankauf des Vorwerks Bieberach, dasselbe 
wurde für die Unterbringung der Fohlen sächsischer Zucht bestimmt. 
Im Rittergut Mühlbach erfolgten Einrichtungen von Sommerstallungen, 
ferner von Hocks und die Herstellung eines Krankenstalles. Hiernach 
wurde das Rittergut Adelsdorf erworben, welches am 1. April 1896 
in die Bewirthschaftung der Militärverwaltung überging, ebenso ging aber 
1898 auch noch das Rittergut Scossa an dieselbe Verwaltung über, wo- 
selbst gleichzeitig, der günstigen Umstände halber, eine Rindermast- 
Anstalt mit errichtet wurde. 

Kreishauptmannschaft Dresden. Amtshauptmannschaft Grossenhain. 

Name des Gestüts: ZSChOma. 

Besitzer: Major a, D. von Boxberg. 

Topographisches: Zschorna ist Rittergut und liegt 6 km von Radeburg, 
Station der Dresden — Radebeul — Radeburger Eisenbahn. Das Areal be- 
trägt 700 ha und ist sandiger Lehmboden, gegen 3 — 4 ha sind zu 
Weiden eingerichtet, die gleichzeitig als Laufplätze dienen. Während des 
Winters werden die Pferde in Ställen untergebracht. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte 1879 durch obigen Be- 
sitzer. Von Anfang an befleissigte man sich, den Bedarf an Pferden für 
die Oekonomie im eigenen Gute zu decken, und verwendete um jene 
Zeit nur Halbblutstuten. Von 1891 an wurde ein Theil Halbblutstuten 
durch Vollblutstuten ersetzt, es waren dann vorhanden 5 Vollblutstuten 
und 2 Halbblutstuten. Die Bedeckung geschieht meist durch Beschäler des 
Hauptgestüts Graditz. Durchschnittlich werden jährlich 4 Fohlen geboren. 



Kreisliauptmannschaft Dresden. Amtshauptmannschaft Grossenhain. 95 

Züchtung: Das Zuchtziel besteht darin, starkknochige, ausdauernde Voli- 
bezw. Halbblutpferde zu gewinnen. Zuchtzweck: Jährlich werden mehrere 
Voll- bezw. Halbblutfohlen im Alter von einem Jahr öffentlich versteigert. 
Der Bestand beläuft sich durchschnittlich auf 17 — 20 Pferde incl. der 
Fohlen. Die Produkte vorstehenden Vollblutgestüts vom Jahre 1898: 
2 Hengste und 4 Stuten, sind am 12. September 1899 in Hoppegarten 
zur Auktion gekommen. Die äusserst gut gezogenen Thiere haben Fulmen, 
Aspirant, Kirkonnel, St. Gatten und Tulpa Magyar zum Vater. Letzt- 
genannter Hengst wurde 1899 gegen ein Deckgeld von 1000 Mark den 
Züchtern zur Verfügung gestellt. Dieser Hengst ist ein Buccaneer-'$>o\m aus 
der berühmten Kincsem, bedeutendste englische Vollblutstute der Neuzeit. 

Kreishauptmannschaft Chemnitz. Amtshauptmannschaft Chemnitz. 

Name des Gestüts: OBISnitZ (Fohlenauf zuchtanstalt). 

Besitzer: Fohlenaufz -Verein f. d. Königr. Sachsen. 

Topographisches: Oelsnitz ist Rittergut des Fürsten von Schönburg -Wai- 
denburg. Dasselbe liegt an der Strasse von Stollberg nach Lichtenstein. 
Der jeweilige Landstallmeister zu Moritzburg ist Leiter bezw. Vorsitzender 
des Vereins. Die Station Oelsnitz liegt südwestlich ca. 20 km von 
Chemnitz und ca. 6 — 7 km von Stollberg, westlich in einem Thale. 

Geschichtliches: Ein Theil bezeichneten Rittergutes (über 200 Acker) 
wurde 1883 von obigem Besitzer gegen einen Pachtzins zunächst auf 
12 Jahre von dem Verein übernommen. Es wurde damit Raum und 
Weide geschaffen für Unterbringung von 30 — 40 Fohlen. Letztere wurden 
von jener Zeit an während der Sommerszeit im Alter von je 1 — 3 Jahren 
in Pension genommen für je 15 Mark pro Monat. Bedingungen zur 
Aufnahme in den Fohlengarten sind zunächst die, dass die Fohlen von 
je einem Kgl. Landesbeschäler stammea und darüber für solche eine Zu- 
lassungsbescheinigung vom Kgl. Landstallamt ertheilt wird, die zur Auf- 
nahme in den Fohlengarten berechtigt. Die Fohlen weiden täglich in 
den Koppeln. Ausser dieser Fohlenaufzuchtanstalt bestehen im Lande 
noch 4 und zwar in Tannenberg, Leulitz, Eppendorf und Heu- 
scheune, obigem Verein gehörig und unter denselben Prinzipien wie 
Oelsnitz stehend. 

Kreishauptmannschaft Leipzig. Amtshauptmannschaft Rochlitz. 

Name des Gestüts: KÖnigSfeld (Arabisches Zuchtgestüt). 

Besitzer: Emil von Nif 2 schwitz, Rittergutsbesitzer. 

Topographisches: Königs feld erreicht man von Chsmnitz aus per Eisenbahn 
über Glauchau — 'Leipzig, oder andererseits über Penig — Waldheim. G-e- 
nanntes Gestüt befindet sich im Rittergut. 

Geschichtliches: Im Dezember 1860 reiste der Gründer des Gestütes, Heinrich 
V. Nitzschwitz, gesundheitshalber nach Kairo und traf schon auf dem Schiffe 



/ 



96 Kreishauptmannschaft Leipzig. Amtshauptmannschaft Rochlitz. 

und später mit Beauftragten verschiedener Staaten zusammen, welche die 
Versteigerung des Gestüts Abbassie zur Erwerbung von Zuchtmaterial zu 
benutzen gedachten. Hatte schon früher der Besuch von Weil und Scharn- 
hausen bei Stuttgart Herrn von Nitzschwitz die Ueberzeugung bestätigt, 
dass das arabische Pferd das vollkommenste sei, so wurde die Ansicht durch 
die Bekanntschaft mit obigem Wüsteugebiet nur befestigt und er entschloss 
sich, die voraussichtlichen Opfer nicht zu scheuen und einen Versuch zu 
machen, Zuchtmaterial in arabischem Vollblut zu ziehen. Von den 
beiden damals importirten Stuten ist leider keine Nachkommenschaft 
vorhanden, beide Stuten erwiesen sich als güst, später ging die Saglavia 
ein, während Same zur Erzeugung von Zuchtmaterial zu klein war. Als 
sicherste Quelle arabischen Vollblutes in möglichster Nähe blieb demselben 
nur das Gestüt bei Stuttgart und ist das Gestüt bei Königsfold eigentlich 
als Tochtergestüt desselben zu bezeichnen. 

Vom Jahre 1865 — 1870 wurden für Königsfeld in den jährlichen 
Stuttgarter Auktionen nach und nach 9 Hengste und 8 Stuten angekauft, 
von denen sämmtliche Stuten, mit Ausnahme einer, welche nicht aufnahm, 
zur Zucht verwendet wurden, gleichfalls diejenigen Hengste, welche nach 
ihrer vollen Entwickelung — sie wurden meist 4 jährig angekauft — als 
die geeignetsten erschienen. 

Der Ankauf der Pferde in Stuttgart wurde dadurch wesentlich er- 
leichtert, dass in diese Zeit die Reduktion des dortigen arabischen Gestüts 
fiel, dadurch war es möglich, für verhältnissmässi'gen Preis starkes und 
korrektes Zuchtmaterial zu erwerben, von Nitzschwitz Hess eine andere 
Gelegenheit auch nicht unbenutzt vorübergehen, er erwarb eine Fuchsstute 
aus Bäbolna, eine solche aus Galizien auf der Wiener Weltausstellung und 
eine von Achmed stammende Schimmelstute aus dem Gestüte Rohrenfeld, 

Um die Vorzüge des arabischen Pferdes: Gelehrigkeit, überhaupt 
Intelligenz, Genügsamkeit, gute Constitution, Sanftmuth, Schönheit und 
Ausdauer, auch für Reiter von schwerem Gewicht, zugänglich zu machen, 
wurden versuchsweise arabische Hengste mit starken Halbblutstuten, von 
nachgewiesener Abstammung, aus dem Hannoverschen Gestüt Herrenhausen 
gepaart. Das Resultat war kein günstiges. Die Produkte waren auch 
schön und leisteten bei anfangs schonender Behandlung Jahrzehnte 
lang vortreffliche Dienste, doch blieben sie im Verhältniss zur Mutter zu 
klein, denn der Hengst schlug durch, sein Blut war zu intensiv. 

Züchtung: Nach besonderen Notizen war das Gestüt 1884 von nachstehend 
verzeichneten Beschälhengsten besetzt: Said, geb. 1866 in Weil 
von Tajar a. d. Saida (braun); Padischa, geb. 1871 (Atlasschimmel); 
Tartar, geb. 1879 von Said a. d. Fara (braun); Schagya, geb. 1880 von 
Padischa a. d. Dyra (Schimmel); und ferner von 13 Mutterstuten: 
sämmtliche „Schimmel" bis auf eine Fuchsstute. Die Nachzucht be- 
stand 1884 aus 12 Hengsten (7 Schimmeln und 5 Braunen) und aus 
13 Stuten (8 Schimmeln, 4 Braunen und 1 Fuchs). 

Bestand: 1900 bis 1901 wechselnd zwischen 60 — 80 Pferden. Das 
Gestüt besteht weiter unter den bisherigen Prinzipien fort; die Vererbung 
soll, wie bisher, eine gute sein. 

Zuchtziel: Beschaffung von Zuchtmateiial für das Gestüt; ferner Her- 
stellung von Gebrauchspferden, sowie Reit- und Wagenpferde zum Verkauf. 



Kreishauptmannschaft Leipzig. Amtshauptmannschaft Döbeln. 97 

Name des Gestüts: PaudrltZSCh. 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Paudritzsch ist ein Vorwerk des Kloster- bezw. Kammer- 
guts Zella bei Nossen, dasselbe liegt ca. Y2 Stunde östlich von Leisnig. 

Geschichtliches: Auf Anordnung des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen 
ist 1694 hier ein Gestüt gegründet woi'den, woselbst bis 1722 Pferde 
gezüchtet und um diese Zeit dann Stuten und Fohlen nach dem Torgauer 
Gestüt (dem heutigen Graditz) überführt wurden. Es verblieben hier 
nur noch 24 Stuten und 48 Fohlen; ob diese Thiere weiter verblieben 
sind, ist nicht bekannt geworden. 1744 kam ein Theil des in Bleesern 
unterhaltenen Maulthiergestüts , welches dort aufgelöst wurde, nach Pau- 
dritzsch, ein anderer Theil, die jüngere Nachzucht, nach Zella. 1764 
wurde dieses Gestüt aufgelöst. Später wurde hier eine Landbescbäl- 
station errichtet. 



B r ä u e r , Gestüte. 



98 

Grrossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, 



^,' Fürstenthum Weimar. Kreis Weimar. 

Name des Gestüts: Allstedt (Hofgestüt). 

Besitzer: Grosshersog von Sachsen- Weimar, 

Topographisches: Allstedt, Stadt an der Rohne; 10 km südöstlich von 
Sangerhausen, nördlich von Weimar. Das Gestüt ist von genannten- 
Städten aus leicht zu erreichen; es liegt auf einem hohen Berge in gross- 
herzoglichem Schloss, ein Theil davon aber in der Stadt. Das Gestüt 
besitzt 165 ha Land und Wiesen; welches Areal theilweise zur Weide 
benutzt wird. Stuterei befindet sich in der Stadt, der Hengst- 
fohlenhof im Schlosse. 

Geschichtliches: Allstedt ist eines der ältesten fürstlichen Gestüte Deutsch- 
lands, von dem bereits 1134 Erwähnung gethan wird; nach weiteren. 
Nachrichten war dasselbe lange vor 1738 gegründet; während der 1740er 
Jahre war es mit ca. 40 Zuchtstuten besetzt. Sehr alten Nachrichten 
zu Folge wurden darin von Begiun „Isabelle n" aus Spanien (Andalusien^ 
sowie „Rappen" aus Preussen (Trakehnen) eingeführt und gezüchtet, 
ursprünglich sollen die Allstedter Rappen eine Kreuzung von Original- 
arabern mit eigenen und von auswärts bezogenen Stuten gewesen sein. 
Die „Isabellen ", die nachweislich in der ersten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts schon gezüchtet und wovon die fürstlichen Gestüte in Beber- 
beck und in Herrenhausen remontirt wurden, sind trotz der Nöthigung 
zur Verwandtschaftszucht, hinsichtlich der Farben, Form und Leistung — 
da konstante Isabellenbeschäler überhaupt nicht gut mehr zu beschaffen 
waren — ziemlich gut erhalten. 1748 zählte das Gestüt gegen 150 Köpfe; 
1761 bezeichnete man die Stutenheerde mit der Zahl von 25, wovon 
zum Theil die Isabellen der heutigen Zucht sich noch hervorthun sollen. 
Unter Herzog Karl August soll sich das Gestüt in besonderer Blüthe 
befunden haben, als dieser zu Anfang des 19. Jahrhunderts aus der 
Berberei Hengste habe kommen lassen. Um diese Zeit wurde auch das 
Gestüt umgebaut. Gesammtbestand ca. 100 Köpfe. 
Isabellen-Stamm: 1 Hengst, 7 Stuten. 
Rappen-Stamm: 3 Hengste, gegen 25 Stuten. 
Zur Blutauffrischung dienen in neuerer Zeit Hannoversche Isa- 
bellenstuten und Trakehner Rapphengste. 

Züchtung: Zweck: Remontiren des Marstalles zu Weimar mit Reit- und 
mittel schweren Wagenpferden. 

Brandzeichen: 



M' 



■99 



Herzogthum Sachsen -Meiningen. 



Provinz Meining'sches Unterland. Kreis Salzungen. 

Name des Gestüts: AltetlSteln. 

Besitzer: Herzog von Sachsen- Meiningen. 

Topographisches: Altenstein liegt bei dem Bad Liebensteiu und war das' 
daselbst bestandene „Hofgestüt" in dem Klosterhof eingerichtet. Alten - 
stein, Herzogliches Lustschloss und Sommerresidenz auf einem Felsenberg 
mit schönen Parkanlagen, die sich über 3 Berge ausbreiten. Das Schloss 
wurde 1736 vom Herzog Anton Ulrich erbaut. 

Geschichtliches: Nach einer offiziellen Notiz war im Herzogthum Sachsen- 
Meiningen-Hildburghausen der Pferdeschlag ein sehr verschiedener, selbst 
da, wo schon längere Zeit Pferdezucht getrieben, da bei den französischen, 
russischen und österreichischen Durchmärschen alle Pferde mitgenommen 
worden waren. Seit 1827 bestand ein Herzogliches „Privat- Hofgestüt " 
zu Altenstein. Das Gestüt zu Altenstein bezweckte vorzugsweise die 
Aufzucht geeigneter Landesbeschäler, nächstdem aber die Zucht von Reit- 
und Wagenpferden. Eine Commission des Herzoglichen Marstallamtes 
musterte jedes Frühjahr die zur Pferdezucht bestimmten Stuten und be- 
zeichnete die passenden Hengste; Mutterstuten mit Erbfehlern wurden 
nicht zugelassen. 

Im Herzoglichen Unterland wurde früher Sprunggeld erhoben; 
1824 wurde dieses für alle Inländer aufgehoben. Diejenigen, welche 
nicht zur Musterung erschienen, mussten ihre Stuten vom Kreisthierarzt 
prüfen lassen und für den Sprung zahlen. Im Amt Römhild wurde bei 
Errichtung von Beschälstationen Sprunggeld festgesetzt. 

Sprung- und Geburtsregister wurden rücksichtlich der Veredelung 
geführt. Von 1832 ab war das Streben der Behörde im Landgestüt 
vorzugsweise auf Wagenpferde gerichtet. 

Züchtung: Seit 1832 wurde in Altenstein nur englisches und arabisches 
Voll- und Halbblut zur Züchtung verwendet. 

Laut einer direkten Mittheilung wurde das Gestüt 1848 aufgehoben. 



100 



Herzogthum Sachsen- Coburg- Gotha. 



Herzogthuni Coburg. 

Name des Gestüts: Callenberg (Hofgestüt.) 

Besitzer: Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, 

Topographisches: Etwa eine stunde nordwestlich von Coburg liegt das her- 
zogliche Schloss Callenberg, welches 1857 erneuert wurde, umgeben von 
einem schönen Park mit grossem Thiergarten, zugleich Musterfarm und 
Hofgestüt. 

Geschichtliches: Callenberg ist ein kleines Gestüt; dasselbe besteht aus 
einigen 20 Pferden. Ein Halbbluthengst als Beschäler von 5 Stuten 
(Halbblut- und oldenburger Schlag) ist vorhanden. 

Züchtung: Zuchterfolge sind nicht bekannt geworden. In neuerer Zeit 
wurde die Zuchtrichtung umgestaltet. Die dort neu eingeführten Pferde 
gehören den schweren Schlägen an (Flandei-n, Brabant, Steiermark, Perche). 
Die steierischen Pferde sollen schöne Repräsentanten der Pinzgauer 
Rasse sein. 

Fürstenthum Gotha. Landrathsamt Gotha. 

Name des Gestüts: 

Sachsen-Coburg-Gotha'sches Landgestüt. 

Besitzer: Staais-Fiscus. 

Topographisches: Gotha liegt zwischen Erfurt und Eisenach an der Thü- 
ringer Eisenbahn und ist Winter- Residenz des Herzogs. 

Geschichtliches: Herzog Ernst H. gründete 1845 in Gotha ein Landgestüt 
mit 3 Beschälern, bald musste aber die Zahl bis auf 10 Beschäler er- 
höht werden. Als Beschäler waren um jene Zeit 1 Vollbluter und 
5 Mecklenburger vorhanden. Anfang 1891 war der Bestand der Hengste 
theils Oldenburger, theils Percherons und Anglo -Normannen (kalte 
Schläge). 



101 



Herzogthum Anhalt. 



Kreis Dessau. Kreisgerichtsbezirk Dessau. 

Name des Gestüts: AnhalfsctiGS LandgestUt. 

Besitzer: Staats -Ftscus. 

Topographisches: Dessau, regelmässig gebaute Haupt- und Kesidenzstadt 
des Herzogs von Anhalt-Dessau. Hier befindet sich der Sitz der Direktion 
des Landgestüts. 

Geschichtliches: Bereits vor dem Jahre 1843 bestand in Anhalt ein Land- 
gestüt für damals nur 3 Stationen: Dessau, Zerbst und Wörlitz, durch 
deren Hengste ca. 500 Stuten belegt und davon ca. 300 Fohlen geboren 
"wurden. Zu damaliger Zeit gehörte der Stutenstamm der alten 
Mecklenburger Rasse an. Die Hengste waren englischer oder 
preussischer Abkunft. Wenn die Fohlen abgesetzt waren, wurden diese 
mit ihren Müttern in der betreffenden Station, meistens während des 
Monats August, zusammengebracht, wo sie ins Gestütsregister, welches 
mit grösster Genauigkeit geführt wurde, eingetragen und mit dem Land- 
gestütszeichen versehen wurden. Hierbei hatte der Landesherr das Recht, 
Hengstfohlen, die dem Marstallhof gefielen, für den Preis von 24 Reichs- 
thaler zu nehmen, jedoch aus der ganzen Masse nicht mehr als 6 — 8 Stück. 
Nach und nach wurde dies aber anders. Das Anhalt'sche Landgestüt 
wurde neu organisirt und der Etat (1897) auf 18 Hengste erhöht und 



Brandzeichen: 




diese über 8 Stationen vertheilt. Von 
den 18 Hengsten gehören 7 dem Ar- 
beits-, 7 dem Wagen- und 4 dem Reit- 
und Wagenschlag an. Sie sind neben 
Lincoln undYorkshires, holsteiner, han- 
noverscher, oldenburger, ostfriesischer 
und belsfischer Abstammung. 



Kreis Köthen. Kreisgerichtsbezirk Köthen. 

Name des Gestüts: KotllGn (Laüdgestüt). 

Besitzer: Staats -Ftscus. 

Topographisches: Köthen, Haupt- und vormalige Residenzstadt des Herzogs 
von Anhalt -Köthen, an der Ziethe, beinahe in der Mitte zwischen den 
Städten Dessau und Bernburg, an der Leipzig— Magdeburger Eisenbahn 
gelegen, die hier einen grossartigen Bahnhof hat. 

Geschichtliches: Das hier unterhaltene Landgestüt besteht aus 12 — 16 Heng- 
sten, die den kalten Schlägen angehören und auf 5 Stationen zum Decken 
vertheilt werden. 



102 



Herzogthum Braunschweig. 



Fürstenthum Wolfenbüttel. Kreis Wolfenbüttel. 

Name des Gestüts: Htirzblirg (Herzogl. braunschw. Hauptgestüt). 

Besitzer: Der regierende Herzog von Braunschweig- 

Li'meburg- Oels. 

Topographisches: Das Gestüt liegt an der Eisenbahn Bi'aunschweig — 
HarzlDurg — Bündheim, am nördlichen Abhänge des Harzgebirges, 7,5 km 
östlich von Goslar, auf einem das Land überschauenden Bergkegel 
(Burgberg), gegenwärtig mit elegantem Gasthof bei Neustadt und Bünd- 
heim; letzterer Ort, Dorf im Radauthale, mit Schloss und dem berühmten 
Harzburger Gestüt. Das zum Gestüt gehörige Areal umfasst 165 ha 
und liegt 850 m über der Nordsee; Kalk-, Mergel-, Lehm- und Thon- 
boden. Die Fohlenweide heisst Lindenbruch, durch welche mehrere 
Bäche fliessen. Die Gestütsgebäude bilden einen viereckigen Hof, an der 
Westseite liegt der Mutterstutenstall, nördlich die Ställe für Fohlen und 
Arbeitspferde, letzteren gegenüber der Hengststall, dann folgen die 
Meiereigebäude. 

Geschichtliches: Ueber die Gründung des Gestüts fehlen Nachrichten, 
man nimmt aber an, dass selbige in die Zeit Herzog August's, 1634 bis 
1666, fällt. Das an der Nordseite des Schlossgartens, östlich vom Haupt- 
komplex gelegene sogenannte Alte Schloss mit Pförtnerhaus stammt 
nach Berichten aus jener Zeit; es sei dies ein Denkmal der Tage Herzogs 
August und seines Vorfahren Julius (1573). Mit Bestimmtheit ist aber 
anzunehmen, dass das Gestüt Harzburg das älteste derartige Institut 
im Herzogthum Braunschweig sei, während die beiden anderen, längst 
eingegangenen Gestüte Lange (Jagdscbloss und Domäne) und Langeleben 
am Elm späteren Ursprungs sind. Der französischen Invasion ist auch 
das herzogliche Gestüt zum Opfer gefallen; es wurde deshalb aufgelöst 
und die vorhandenen 108 Gestütspferde nach Neuhaus im SoUing 
überführt. Das Gestüt wurde aber neugebildet, nachdem der helden- 
müthige Herzog von Braunschweig, Friedrich Wilhelm, 1813 wieder in 
Besitz seines Landes gekommen war, so dass es bis heute noch unge- 
•schwächt fortbesteht. 

Ueber die im Gestüt gezüchteten Rassen, von der Zeit der Einrich- 

• tung an bis zu der Zeit infolge der französischen Invasion erfolgten 
Auflösung (1808) ist wenig bekannt. Bei der Neubildung des Gestüts 
(1813) setzten sich die Mutterstuten aus verschiedenen Rassen zusammen. 
W^ährend der Jahre 1817 — 1824 wurde der Ankauf von gegen 30 eng- 
lischen Halbblutstuten bewirkt; dadurch gelang es, die neue Zucht zu 
. heben und das alte, frühere Material zu beseitigen. Von 1817 — 1830 
zeichnete von den Vaterpferden sich besonders Hamilton aus. Dessen 
Nachkommen wurden gross und stark; dieser Stamm starb 1838 aus. — 



Fürstenthum Wolfenbüttel. Kreis Wolfenbüttel. 103 

1821 erhielt das Gestüt den arabischen Schimmelhengst Mirza, dieser 
zeichnete sich durch schwärzliche Mähne und Schweif aus, die Haut war 
ganz schwarz, das Haar mit röthlichen Fliegen, besonders am Halse, auf 
der linken Schulter ein rother Blutfleck, von dem durch Kreuzung mit 
den im Gestüte befindlichen englischen Halbblutstuten sehr gute und 
namentlich schöne Füllen gezogen wurden. 25 Töchter von ihm wurden 
als Zuchtstuten eingestellt und vorherrschend den in den Jahren 1824 
Lis 1831 angekauften Vollbluthengsten Young Bigot, Astonishment, Pelican, 
Laurestinus und Piston zugeführt. Um für die Rennbahn zu züchten, 
wurden 1835 — 1842 zwanzig englische Vollblutstuten angekauft, die 
Vollbluthengste Sheet- Anchor, Basedow, Phosphorus bis Ende der 1840 er 
Jahre. 1847 wurde die Betheiligung an den Rennen aufgehoben und 
das Zuchtprinzip auf Lieferung von guten, schönen Gebrauchs- (Halbblut) 
pferden für den herzoglichen Marstall in Braunschweig (1 Hengst und 
14 Mutterstuten) gerichtet. Während dieser Periode wurde der englische 
Vollbluthengst The Duke of York (1851 — 1872) benutzt. Nach 1869 
hat man es sich wieder zur Aufgabe gemacht, neben dem bereits ange- 
gebenen Zweck auch wieder für die Rennbahn zu züchten. Es erfolgte 
der Ankauf der englischen Vollbluthengste Gabardine, Apollyon, Savernake, 
Hymenaeus, Emilius und Kisber, sowie vieler Mutterstuten aus den besten 
Stämmen Englands, welche eine grosse Anzahl berühmter Rennpferde 
geliefert haben. 
Züchtung: Die Zahl der Vollblutstuten betrug gegen Ende der 1890er Jahre 
33 Stück; die letzteren Vollbluthengste, Nickel vcn^ Gouverneur^ sind Thiere 
besten Bluts. Diese Hengste existirten 1900 gleichfalls noch. Der Hengst 
Calveley ist neu angekauft. 

Brandzeichen: a t^ u t, • tt ^ 

Das in Harz bürg m Verwendung ge- 
brachte Gestütsbrandzeichen bestand aus dop- 
peltem C mit darüber angebrachter herzog- 
licher Krone; dasselbe wurde am linken 
Hinterschenkel aufgedrückt. Mitte der 1840 er 
Jahre kam dieses Zeichen jedoch ganz in 
Wegfall. 

Fürstentlium Wolfenbüttel. Kreis Braunschweig. 

Name des Gestüts: Oelber. 

Besitzer: Freiherr E. von Gramm, 

Topographisches: Oelber ist ein Gut mit 434 ha Areal; dasselbe liegt bei 
Baddeckenstedt. 

«Geschichtliches: Das hier bezeichnete Gestüt wurde von obigem Besitzer 
während der 1840er Jahre gegründet, und hat derselbe dabei im Auge 
behalten, nur ein edles Halbblutpferd zu züchten. Neben dieser Zucht 
hat sich der Besitzer von 1882 an auch zur Vollblutzucht hingezogen 
gefühlt und zu diesem Behufe die beiden Stuten: Liebesgabe von Saunier er 
aus der Lady Grace und Ellen Douglas von Scottish Chief aus der Scarf 
eingestellt. 




104 Fürstenthum Wolfenbüttel. Kreis Braunschweig. 

1889 zählte das Gestüt einschliesslich der in Arbeit stehenden Pferde 
im Ganzen 44 Köpfe. Hiervon sind 9 Mutterstuten, von denen 6 eng- 
lisches Vollblut, die übrigen edelgezogene braune, hannoversche Halb- 
blutstuten sind. Die Stuten sind edelsten Blutes, und da sie auch den 
besten Beschälern, wie dem Flageolet in Graditz, Chamant in Beberbeck, 
Kisber und Emilius in Harzburg zum Bedecken zugeführt werden, so 
werden ihre Produkte auf der Rennbahn ausgenutzt. 

Die aufgezogenen halbblütigen Pferde werden ihrem Zucht- 
ziel entsprechend verwendet. Die Hengste werden als Beschäler ver- 
kauft. 1898 wurde aus England der Vollblut- Deckhengst Alconbury an- 
gekauft und in das Gestüt gebracht. Dieser Hengst war hervorragend 
gezogen und ein sehr beachtenswerther Beschäler. Alconbury ist von 
Paradox- Wheatsheaf. 

Fürstenthum Wolfenbüttel. Kreis Braunschweig. 

Name des Gestüts: BraUnSChwelg (Landgestüt). 

Besitzer: Staats- Fisctis, 

Topographisches: Braunschweig ist Landes - Hauptstadt und herzogliche 
Residenz, liegt an der Ocker und an der Berlin — Kölner Eisenbahn, 
10 Meilen westlich von Magdeburg und 8 Meilen östlich von Hannover. 

Geschichtliches: Das Landgestüt in Braunschweig ist seit langer Zeit im 
Betrieb und durchschnittlich mit 30 — 40 Hengsten besetzt, von denen 
gewöhnlich einer dem englischen, gegen 20 dem hannoverschen und 
gegen 5 dem oldenburger Schlage und die übrigen den schweren 
englischen Schlägen angehören. 

Züchtung: Das Hauptgewicht wird hier auf die Züchtung der schweren 
Schläge gelegt 



105 



Fürstenthum Lippe. 



L Amtsliauptort Detmold. 

Name des Gestüts: SennergGStüt zu Lopshorn 

(Fürstlich Lippesches Hofgestüt in der Senne). 
Besitzer: Der jeweilige regier. Fürst z. Lippe-Detmold. 

Topographisches: Lopshorn ist von Detmold aus ca. 7 km entfernt, da- 
selbst befindet sich das fürstliche Jagdschloss. Die Senne ist ein 
Haidelandstrich, der den Gestütspferden als Weide zugedacht war. Diese 
liegt mit ihrem grossen Areal am südwestlichen Abhänge des Teuto- 
burger Waldgebirges als flachgeneigte Bergebene bis zu 250 m über dem 
Meeresspiegel. Der' Boden ist kalkhaltig, der Graswuchs reichlich, die 
Gräser sind nahrhaft, die übrigen freien Flächen sind mit Haide be- 
wachsen, welche im Winter den Pferden als Nahrung dient. Das Ge- 
stüt wurde von dem jeweiligen regierenden Fürsten in der von altersher 
eingeführten Weise zu Lopshorn betrieben. 

Geschichtliches: Die Gründung des , Sennergestüts " soll zu Anfang des 
15. Jahrhunderts, nach eingezogenen direkten Mittheilungen jedoch schon 
Anfang des 12. Jahrhunderts vor sieh gegangen sein. Einer Sage nach 
sollen die „Senner", welche sich um jene Zeit schon durch ihre Zähig- 
keit und Ausdauer auszeichneten, die Nachkommen von nach einer Schlacht 
übrig gebliebenen Pferde sein. 

Während des 30jährigen Krieges sind die speziellen Nachnchten 
über das Gestüt verloren gegangen. Nach Preuss und Falkmann, lippesche 
Regesten betr., wird Erwähnung gethan von einem Verzeichniss und von 
wilden Pferden im Jahre 1493 gesprochen, deren Gesammtbestand 60 im 
Ganzen ausmachte und von welchen 28 Mutterstuten waren. Eine andere 
Urkunde hierüber bestehe nach den angeführten Regesten aus dem 
Jahre 1500. Durch die Kriegswirren hatte auch dieses Gestüt, trotzdem 
es ein wildes bez. halbwildes war, gelitten. Ausserdem hatten aber 
auch die Unbilden der Winter sowie der stete Mangel an Wasser un- 
günstig auf das Gestütsmaterial eingewirkt, sodass viele Verluste daher 
nicht ausblieben. Der damalige Besitzer Graf Heinrich Hess deshalb in 
Lopshorn ausser im Jagdschloss noch andere Stallgebäude für das Gestüt 
herrichten und solches 1680 dorthin überführen. Dieses Gestüt wurde 
von dieser Zeit ab in halbwilder Form fortgeführt sowie auch mütter- 
licherseits bis 1880 hin kein fremdes Blut in die Zucht gebracht. Das 
alte Senner bez. Lopshorner Pferd war von Grund aus als ein Misch- 
produkt verschiedener dort im Lande vorgefundener Rassen anzusehen, 
welche den Urstamm bildeten. 

Von 1713 an wurden in Lopshorn laufende Gestütsregister,' aber 
erst von 1748 an sichere Nachweise geführt. Die bis dahin eingeführten 
Hengste waren arabische und englische Vollbluthengste, deren fortwährend 



106 



Amtshauptort Detmold. 



noch einige bis in die neueste Zeit eingeführt werden. Dadurch war 
und ist heute noch zu beklagen, dass dem englischen Blute vollster Ein- 
lass in das Gestüt gewährt wurde und in letzter Zeit das Senne rpferd 
von altem Schrot und Korn mehr und mehr verloren gegangen ist. Der 
Typus der vormaligen „ Sennerrasse " war schöner Hals und Rücken, tiefe, 
breite Brust, starke Beine mit kräftigen Gelenken und berühmt durch 
schöne Gänge und zähe Ausdauei'. Die Körperschönheit kam meistens 
nach dem Abzahnen der Thiere zur Geltung und erreichten diese bei 
beständiger fester Gesundheit ein hohes Alter. 

Zu Anfang der 1880er Jahre enthielt Lopshorn 1 Vollblut- und 
2 Halbblut-Deckhengste englischen Blutes sowie 18 Halbblut- 
Mutterstuten und über 40 Fohlen verschiedener Jahrgänge. .• . 

Züchtung: Der Zuchtzweck des Gestüts ist unverändert noch wie früher 
Vollzähligerhaltung des fürstlichen Marstallbestandes und gegenwärtig 
Produktion englischen Halbblutes. Der übrige Bestand wird ver- 
auktionirt. 1895 wurden im Sennei'gestüt die alten Verhältnisse wieder 
hergestellt, indem man die Stuten in Freiheit setzte (38 Pferde überhaupt). 

Brandzeichen: Die Senner-Füllen erhielten je 1 Jahrfilt einen Brand des lippe- 
schen Hofgestüts auf die linke Lende (Hinterbacke). Es gab zwei Brände: 

1. Den Sennergestütsbrand oder Kronensenner- 
brand, d. h. die lippesche Kose mit der Füi'stenkrone, 
in welcher die Initialen der Taufnaraen des jeweiligen 
regierenden Fürsten zur Lippe enthalten sind. 

Dieser Brand konnte allen Pferden und Füllen 
gegeben werden, welche von Sennerstuten und fürst- 
lichen Beschälern abstammten und zu Lopshoi'n ge- 
boren waren. 

2. Den sogenannten Mittelbrand, welcher im ver- 
schlungenen Namenszug des jeweiligen Fürsten zur Lippe, 
darüber die Fürstenkrone, bestand. 

Dieser gebührte allen fehlerfreien Pferden und Füllen, 

dei-en Abstammung in mütterlicherseits aufsteigenden 

Linien von einer Sennerstute und väterlicherseits durch- 

/'PyfyS gehends von fürstlichen Beschälern nachgewiesen wird, 

\jyi-^U (j^gg deren Mutter also auch schon den „ Mittelbrand " 

oder A^ , Sennergestütsbrand " hatte. 





Amt Detmold. 



Name des Gestüts: Uppesches Landgestüt. 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Dieses Landgestüt bestand früher auf den Meierhöfen zu 
Detmold, Varenholz, Hörn und Göttendorf. 

Geschichtliches: Die Einrichtungen des lippeschen Landgestüts standen von 
jeher mit dem eher gegründeten „Sommerzuchtgestüt" zu Lopshorn in 
engstem Zusammenhange. Nach einer Verordnung vom Oktober 1699 
wurden gute Beschäler, Lopshorner Rasse, zum Decken von Landstuten 



Amt Detmold. 107 

aufgestellt. Nach Ad. Collmann's Geschichte der Landespferdezucht im 
Fürstenthum Lippe hob sich 17 10 das Interesse unter den Stutenbesitzern 
mehr und mehr. Auch wurde 1735 durch Aufstellung eines Eselhengstes, 
behufs Einführung der Maulthierzucht im Landgestüt, anderweit das Inter- 
esse vermehrt. 1738 wurde dem Institut die Bezeichnung „Landgestüt" 
verliehen und gleichzeitig ein „Stallmeister" Namens Prizelius angestellt. 
Von dieser Zeit ab wurden Beschäli-egister eingeführt. Von 1768 — 1773 
wich man von der Sennerzucht als Landesbeschäler ab und schob 
zu den benutzten Hengsten 3 englische, 1 jütländer, 3 holsteiner, 1 olden- 
burger, 1 mecklenburger, 1 preussischen und 1 normannischen (schwer) 
Hengst ein, die übrigen waren noch „Senner". Nach und nach kamen 
schwere Hengste (Percherons) in das Landgestüt (1855). 

Die Regierung war späterhin nicht mehr geneigt ein Landgestüt 
weiter fort zu erhalten und kam es daher zu dem Beschluss, das 
„lippesche Landgestüt" als solches 1862 aufzulösen. 

Brandzeichen: Von 1735 ab war ein Brandzeichen eingeführt und dazu be- 
stimmt, den Fohlen von „lipper" Bauern, die von fürst- 
lichen Hengsten stammten, den Brand auf 
die linke Lende (Hinterbacke) aufzudrücken. 
Das Brandzeichen bestand aus einer 
Krone und darunter befindlichen nebenein- 
ander stehenden Buchstaben: L. G. (Land- 
gestüt); vorher war jedoch das Brandzeichen 
mit verschlungenem L. G. und darüber die 
Krone in Gebrauch. 




108 



Grossherzogthum Mecklenburg - Schwerin. 



Herzogthum Schwerin. Ritterschaftliches Amt Schwerin. 

Name des Gestüts: Rabensteinfeld. 

Besitzer: Grossherzog Friedrich Franz IL 

Topographisches: Die bezeichnete Besitzung ist ein grossherzogliches Haus- 
gut mit über 330 ha Areal und neuerbautem Schloss und liegt am süd- 
lichen Ufer des Schweriner Sees, ca. 10 km von Schwerin entfernt. Die 
Wiesen liegen hoch, am kleinen Fluss Stör, und mit guten Gräsern be- 
stellt. Die zwei grossen Stallgebäude sind massiv gebaut und mit um- 
friedigten Ausläufen und Laufhöfen eingerichtet. 

Geschichtliches: In Rabensteinfeld bestand in früheren Zeiten ein gross- 
herzogliches Privatgestüt für Vollblutzucht. Die neuere Gründung erfolgte 
1847 und fällt mit der Aufhebung des Hauptgestüts zu Redefin zu- 
sammen; der dort entbehrlich werdende Stutenstamm von 36 Köpfen ging 
nach Rabensteinfeld über und bildete da den ersten Mutterstutenstamm. 
Davon sind zu nennen: Betty von Y. Muley a. d. Lezinka; Meta von 
Glieder a. d. Terraemare etc. Die Leitung des Gestüts war mit der- 
jenigen des grossherzoglichen Marstalls in Schwerin vereinigt. 

Züchtung: Die Zucht bestand für den grossherzoglichen Marstall; es wurden 
daraus die erforderlichen Pferde rekrutirt. Als Hengste wurden Landes- 
beschäler benutzt. Es wux'den von 1857 ab nicht mehr Pferde für den 
Marstall, sondei'n für die Rennbahn erzeugt, daher wurden die bisherigen 
verkauft und dafür 3 Halbblutstuten und 7 Vollblutstuten eingestellt: 
Berry, Coticula, Dark Lady, Ozema, Red Rose^ Sicily von Touchsione. 
Diese wurden jung einem Privattrainier in Friedrichsthal (7 km von 
Schwerin) überwiesen und nach beendeter Rennlaufbahn vierjährig meist- 
bietend verkauft. 1867 wurde unter neuer Leitung der Rennbetrieb 
wieder eingestellt; zehn vorhandene Mutterstuten wurden behufs Bedeckung 
den besten Beschälern zugeführt. Mit dem Tode des Grossherzogs wurde 
das Gestüt 1883 aufgelöst. 

Herzogthum Güstrow. 

Name des Gestüts: KleCgeStUt. 

Besitzer: Staats -FiscMS. 

Geschichtliches: Vom Herzog Gustav Adolf von Mecklenburg-Güsti-ow wui'de 
1666 ein Gestüt unter dem Namen ^Kleegestüt" gegründet, um darin 
Kutschpferde zu ziehen. 1695 wurde dieses aber wieder aufgelöst, und 
die damals vorhandenen Pferde bezw. Stuten auf Domänenhöfe vertheilt. 

Züchtung: Zuchtrichtung ist nicht bekannt geworden; jedenfalls hat man 
Landrasse-Stuten von edleren Hengsten decken lassen. 



Herzogthum Güstrow. Amt Güstrow. 109 

Name des Gestüts: Hotienfelde. 

Besitzer: Leonhard Wien. 

Topographisches: Der Flächenraum der Herrschaft Hohenfelde ist ein 
bedeutender (über 1000 ha), wobei neben der Landwirthschaft Pferde- 
zucht mit betrieben wird. Das Gestüt liegt nördlich von der mecklen- 
burgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn von Güstrow aus. Seit 1832 befindet 
sich bezeichnetes Gestüt im Besitz des Herrn Wien. 

Geschichtliches: In dem Gestüt werden durchschnittlich jährlich gegen 100 
Pferde gehalten und jedes Jahr 10 — 13 Stuten durch eigenen Hengst 
gedeckt. Wenn ein Ausfall in der Zahl der Geburten eintreten sollte, 
werden Wilstermarsch - Saugfohlen angeschafft und die bestimmte Zahl 
gemeinschaftlich aufgezogen. 

Züchtung: Zuchtzweck: Die Mehrzahl der Fohlen werden bis vierjährig 
als Luxuspferde gut verkauft oder dreijährig auf den Remontemarkt 
gebracht, und die stärksten als Arbeitspferde eingestellt. Das Zucht- 
material bestand früher aus edlen mecklenbui'gischen Stuten vom Thucy- 
dides und Y. Herodot; darnach wurde Trakehner Blut verwendet, sodass 
ähnliches Material, wie früher, fortbesteht. Wilstermarschstuten lehnen 
sich der bisherigen Rasse an. Seit ca. 20 Jahren wurden Trakehner 
Vollbluthengste verwendet, wie Othello und dessen Nachfolger (Othellos 
Vater: Fortschritt, Mutter: Nigra). 

Provinz Herzogthum Güstrow. Ritterschaftliches Amt Gnoien. 

Name des Gestüts: PrebberedC. 

Besitzer: Erben d. Grafen Ad, BernJi. Phil. Vid. v. Bassewitz. 

Topographisches: Genannte Besitzung ist ein Rittergut mit einem Areal 
von über 744 ha. 

Geschichtliches: Von den Vorfahren dieses Grundbesitzers wurde während 
des ersten Dritttheils des vorigen Jahrhunderts hier ein ganz bedeu- 
tendes Gestüt unterhalten, wobei die vortreffliche Beschaffenheit der 
Zuchtthiere eine ganz aussergewöhnliche war. Die Mutterstuten wurden 
meist von Hengsten in Neustadt a. d. Dosse gedeckt. Pferde, welche 
mit Fehlern behaftet waren, wurden trotz aller anderen Vorzüge von der 
Nachzucht ausgeschlossen. Der Korrektheit des Gestüts halber wurden 
nicht allein Hengste von hier in das grossherzogliche Landgestüt Redefin 
(Perideus, Quinze, Landsknecht) aufgenommen, sondern auch viele Privat- 
besitzer ergänzten hieraus ihre Zuchtpferde. Auch nach Georgenburg 
(Ostpreussen) wurden Zuchtthiere erworben. 

Züchtung: Von den Besitzern des Gestüts wird dasselbe in neuerer und 
neuester Zeit in geringerem Massstabe und zwar nur zur Erzeugung 
von Guts-Spannpfei'den betrieben. 



110 Herzogthum Güstrow. Herrschaft Rostock. 

Name des Gestüts: PoggelOW. 

Besitzer: Dv. Schroeder, 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt ca. 5 Meilen südlich von Rostock 
und ist von der Eisenbahnlinie Berlin — Neubrandenburg — Malchin — 
Teterow — Rostock, von Station Teterow aus, in ca. 3 Minuten zu erreichen. 
Poggelow liegt in fruchtbarem Theile Mecklenburgs; daselbst befindet 
sich kalkhaltiger Boden für Kleebau und Kleeweiden, welche letztere jedes 
Jahr von den dort befindlichen Pferden begangen und dadurch bei diesen 
starke Knochen und absolut feste Gesundheit erzielt werden. 

Geschichtliches: Die Gründung besagten Gestüts erfolgte von obigem Besitzer 
in Mitte der 1890er Jahre in der Absicht, ein starkes, aber edles 
Halbblutpferd zu ziehen, wie es früher in Mecklenburg bestand. 
Letzteres wurde nun erreicht durch das Holsteiner Marschpferd, und 
glaubt der Besitzer von Poggelow annehmen zu können, dass er dort ein 
ebenso gutes Pferd ziehen kann wie im besten Theile Irlands. Dr. Schroeder 
ist z Zt. Pi'äsident des Pferdezuchtvereins Mecklenburgs und hat die Verpflich- 
tung, jedes Jahr aus seinem Gestüt 2 Be Schälhengste im Lande aufzustellen. 

Züchtung: Zur Zeit (1898) befinden sich im Gestüt ca. 20 Zuchtstuten ge- 
nannter Rasse und soll die Zahl dieser auf ca. 30 dergleichen erhöht 
werden. In Poggelow wird Hengstaufzucht mit betrieben und sind z. Zt. 
6 — 8 ältere und 10 jüngere Hengste daselbst aufgestellt. Die Pferde- 
zucht war während der letzten 25 Jahre hinsichtlich der Qualität er- 
heblich zurückgegangen. Hierüber war sich Dr. Schroeder am meisten 
klar, daher legte dieser sich geeignet ins Zeug und trug zunächst zur 
Begründung des obigen Halbblutgestüts in Poggelow mit Holsteiner 
Pferden bei. (Weiteres hierüber siehe Deutsche landw. Presse 1898, Nr 9.) 
Laut einer an die Redaktion der Deutschen landw. Presse, Nr. 59, 
Seite 611, vom Besitzer obigen Gestüts abgegebenen Notiz hat dieser mit 
der Zucht von arabischem Vollblut begonnen. 

Herzogthum Güstrow. Kreis Stavenhagen. 

Name des Gestüts: BaSCdOW. 

Besitzer: Graf von Hahn. 

Topographisches: Das Gestüt Basedow liegt ca. 8—10 km von der Station 
Malchin der mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn entfernt; das- 
selbe befindet sich im raajoratsherrlichen Besitz. Das Gestüt wird auch 
als das „Hahn-Basedower Gestüt" bezeichnet. 

Geschichtliches: Die Ahnen des gegenwäi'tigen Majoratsherrn trieben hier 
neben der Landwirthschaft auch noch Pferdezucht und zwar seit dem 
■15. Jahrhundert. Während der 20 er Jahre vorigen Jahrhunderts begann 
man mit englischer Vollblutzucht; es wurden sehr werthvoUe Hengste und 
Stuten direkt aus England bezogen und womit man durch die Hengste 
Godolphin, Gulliver und hauptsächlich durch den Figaro das Gestüt sehr 
zur Geltung brachte. Im Jahre 1885 fand eine Verkleinerung des Gestüts 
statt; es wurden 5 Vollblutstuten und darnach der Vollbluthengst Dalham 



Herzogthum Güstrow. Kreis Stavenhagen. 111 

verkauft. Hiernach enthielt das Gestüt noch 10 englische Vollblutstuten 
und 2 Vollblutbeschäler. 
Züchtung: Die hier betriebene englische Vollblutzucht hat den Zweck, hauptsäch- 
lich Jährlinge zum Verkauf an andere Züchter gelangen zu lassen, um daraus 
weitere Zuchtpferde zu erzielen, die von Landesbeschälern gedeckt werden. 

Herzogthum Güstrow. Amt Güstrow. 

Name des Gestüts: DälWJtZ. 

Besitzer: Graf von Bassewitz. 

Topographisches: Der unweit Teterow, Stadt in der Nähe des gleichnamigen 
Sees, zwischen Güstrow und Malchin gelegene Güterkomplex dehnt sich 
über weitere Güter dortiger Umgebung aus, welche Verwandten obigen 
Besitzers gehören. Das Areal dieser Güter beträgt gegen 5000 ha, 
worunter viele Wiesen von verschiedener Bodenbeschaffenheit sind. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde um 1850 gegründet, der erste Mutter- 
stutenstamm bestand in edlen Halbblutstuten mecklenburgischer Rasse, 
welche zum grössten Theil von Hengsten des gräflich Hahn'schen Gestüts 
gedeckt wurden. Seit dem Jahre 1860 züchtet man in Dalwitz das 
massigere Pferd, welches durch Pinzgauer und Percheron-Material ver- 
mittelt wird. Mit Vollblut gezüchtet, liefern jene praktische Reit- und 
gute Wagenpferde. Der Bestand des Gestüts belief sich Mitte der 
1880 er Jahre auf über 300 Pferde incl. Fohlen. Im Jahre 1870 wurde 
dem Dalwitzer Gestüt durch Ankauf aus dem um diese Zeit infolge 
Verkaufs aufgelösten Gestüt Matgendorf (Amt Güstrow) der grösste Theil 
des Bestandes desselben einverleibt. Um 1885 befanden sich unter 
5 Beschälern 1 Percheron und 1 Pinzgauer. Die Hengste stehen in 
Dalwitz, die Stuten auf den einzelnen Gütern. 

Herzogthum und die alte Grafschaft Schwerin. Ritterschaftliches Amt Neukaien. 

Name des Gestüts: KIGHZ. 

Besitzer: Karl von Treuenfels. 

Topographisches: Klenz ist Rittergut und liegt ca. 7 km von Thürkow, 
einer Station der Gnoien — Teterower Eisenbahn. Teterow ist eine Von 
Klenz ca. 12 km entfernt gelegene Stadt. Das Gestüt Klenz umfasst 
ein Areal gegen 1100 ha incl. eines dazu gehörigen Guts Klein - Markow. 
Der Boden ist kalkhaltig, meistentheils Weizenboden. Den Pferden ist 
in 2 grossen, langen Koppeln freier Auslauf geboten; in diesen Koppeln 
ist je ein rundgebauter Unterkunftsschuppen hergerichtet. 

Geschichtliches: Ende der 1820er Jahre wurde in Klenz von dem damaligen 
Besitzer Josef Jacobson Pferdezucht eifrig betrieben, und zwar so, dass 
um jene Zeit die damals gezüchteten Pferde sich im eigenen Lande 
sowohl, als auch nach Auswärts einen günstigen Ruf erworben hatten, 
sodass diese von Pommern, Baden und für das eigene Land als Zucht- 
pferde gesucht wurden. In Klenz dienten damals 16 — 20 Mütterstuten 
und einige Hengste zur Zucht. Behufs Auffrischung des Blutes wurden 
gegen die 1840 er Jahre stets einige Vollblutstuten eingestellt, ebenso 



112 Herzogthum und die alte Grafschaft Schwerin. Ritterschaftl. Amt Neukaien. 

auch 2 — 3 Vollbluthengste, unter letzteren: Paganini, Spohr, Canning, 
besonders auch Protecior, ein Schimmel, übte bedeutenden Einfluss auf 
das Gestüt aus; auch Figaro aus dem Basedow -Gestüt. Das Gestüt 
wurde in ähnlichem Prinzip forterhalten, dann aber Ende der 1850 er 
Jahre von dem Begründer Jacobson durch Auktion aufgelöst. 1872 er- 
kaufte der Vater des gegenwärtigen Besitzers das Eittergut Klenz, darauf 
wurde Anfangs auch Pferdezucht in kleinem Massstab betrieben. 1886 
übernahm der gegenwärtige Besitzer das Rittergut, der sich für Pferde- 
zucht sehr interessirte. Das gesteckte Ziel bestand in der Produktion 
eines Halbblutpferdes mit gefälligen schönen Formen. Für 
Zwecke dieser Zucht wurden 1889 beste Absetzfohlen aus der Gegend 
von Kehdingen und Hadeln, hannoverschen Schlags, heimgebracht. Diese 
machten den ersten Bestand des neuen Gestüts aus. 
Züchtung: 1895 bestand der Mutterstutenstamm aus 15 eigenen Stuten, wozu dann 
mehrere folgten und der Bestand auf 20 stieg. Die Zahl der Fohlen betrug 
jährlich 12—15. Als Beschäler sind bisher meistens eigene benutzt worden: 
Herold, 1873 in Trakehnen gezogen, Brauner, von Lahire a. d Hedaby\ 
Noble, 1888 in Hannover gezogen, Dunkelfuchs, von Juli a. d. St. v. Flock-, 
Princip, 1894 in Steinort gezogen, von Principal^ d. Corunna v. Seat Horse; 
Goläschau/n, 1891 in Graditz gezogen, Vollblut- Fuchshengst von Flageolet 
a. d Geheimmss von Chamant. 
Bestand: 18 Mutterstuten, 8 dreijährige Stuten, 4 einjährige Stuten, 
5 dreijährige Hengste, 6 zweijährige Stuten, 7 zweijährige Hengste, 10 ein- 
jährige Hengste und 9 Absetzfohlen. 1897 gegen 70 Köpfe im Ganzen. 

Herzogthum Güstrow. Amt Güstrow. 

Name des Gestüts: MierendOPf. 

Besitzer: Max Breem. 

Topographisches: Das genannte Gestüt wird auf einem Rittergut betrieben; 
dasselbe umfasst ein Areal von über 600 ha nebst Weidewiesen. Mieren - 
dorf ist zu erreichen von der Eisenbahnstation Plaaz der Berlin — 
Warnemünder Staatsbahn, sowie von der Güstrow — Flauer Eisenbahn. 
1898 hat der Besitzer einen Stutenstall gebaut, um den Stuten, die 
tragend sind, möglichst viel Raum zu gewähren. 

Geschichtliches: Der Vater des gegenwärtigen Besitzers trieb Pferdezucht 
bereits einige 20 Jahre; dieser kam dadurch in die glückliche Lage, einen 
sehr guten Deckhengst sich heranzuziehen, Namens Protecior. Das Gestüt 
hat einen Gesammtbestand von 80 — 90 Pferden incl. ca. 40 Fohlen, und 
hat sich die Mutterstutenzahl auf ca. 15 vermehrt. Ein Theil der Stuten 
stammen vom Protecior. während die übrigen hannoverscher Abstammung 
sind. Jährlich werden auch einige hannoversche Hengstfohlen zugekauft, 
um diese mit den gleichalterigen Fohlen des Gestüts aufzuziehen. 

Züchtung: Zuchtzweck: Die Pferde werden angeritten und als Luxuspferde 
nach Neubrandenbui-g zum Pferderaarkt gebracht, sowie auch vom Gestüt 
aus verkauft. Die Abgabe von hannoverschen Hengsten als Beschäler kommt 
an Private und Gestütsverwaltungen oder an die Remonte - Ankaufskom- 
mission. 1899 beabsichtigte der Besitzer in seinem Halbblutgestüt 24 Stuten 
belegen zu lassen. 



Herzogthum Güstrow. Amt Güstrow. 113 

Name des Gestüts: n66Z. 

Besitzer: Majoratsherr von Plessen. 

Topographisches: Zu genanntem Rittergut gehören noch die Rittergüter 
Gross-Biegeln und Klein-Biegeln; Reez ist das Hauptgut und Wohnort 
des Besitzers. Gesammtareal über 1200 ha. Der Boden befindet sich 
in hoher Kultur. Die Wiesen liegen am Zarnow-Bach und sind sehr 
ertragreich; viele gute Weiden. Reez liegt zwischen den Eisenbahnlinien 
Berlin — -Laiendorf— Rostock und Schwerin — Bützow — Rostock, 3 km von 
der Eisenbahnstation Kavelstorf. Die nächste Stadt von Reez ist Schwaan 
an der Warnow, südlich und 2 Meilen von Rostock gelegen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte Anfang der 1890er Jahre, 
dasselbe besitzt ca. 70 Pferde (1 — 4jährige Thiere) mit einem Hengst. 
Die Mutterheerde soll vergrössert werden, gegenwärtiger Bestand derselben 
7 Köpfe; sie ist hannoverscher Abstammung, d. h. edelgezogene Halb- 
blutpferde, von denen die meisten in das „Mecklenburgische Gestütsbuch" 
eingetragen sind. Farbe: Füchse und Braune. Typus: schweres Reit- 
und Artilleriepferd. Der gegenwärtige Beschäler „Mambrino''^ (Rappe), 
1896 geboren, stammt von Mandat; letzterer, in Hannover geboren, war 
Landesbeschäler in Celle, aus einer Magnet-Stute, einer Mecklenburgerin. 

Züchtung: Die jährliche Nachzucht in Reez beläuft sich auf 6 — 8 Fohlen, 
hierzu werden alljährlich 15 — 18 Fohlen für hohe Preise zugekauft. Die 
sämmtlichen Fohlen werden gut genährt und viel an die Luft bezw. in 
Bewegung gebracht (Laufplätze mit Weiden). Zuchtzweck: Verkauf 
der Pferde 3Y2 jährig als Militär-Remonten ; die Hengstfohlen, welche hei'- 
vorragend gut zu werden versprechen, werden zu Zuchtzwecken aufgezogen 
und dreijährig als Beschäler verkauft. 

Herzogthum Güstrow. Amt Güstrow. 

Name des Gestüts: MatgCndorf. 

Besitzer: Freiherr von der Kette7iburg. 

Topographisches: Der Grundbesitz ist ein Rittergut und enthält ein Areal 
von über 600 ha. Die Wiesen sind spärlich und erzeugen theilweise 
saure Gräser. Das Gestüt Matgendorf ist von Güstrow aus in nicht 
zu langer Zeit zu erreichen. 

Geschichtliches: Das vor 1870 hier lange schon bestandene Gestüt, welches 
um jene Zeit verschiedene Anzahl Mutterstuten enthielt und darin der 
Vollbluthengst Seahorse sich mit befand, wurde aufgelöst, wovon der 
grösste Theil des Zuchtmaterials nach dem Gestüt Dalwitz (siehe Dalwitz) 
käuflich abgetreten wurde. Behufs Deckung des Bedarfs an Ackerpferden 
hielt hiernach der Besitzer es für angezeigt, geeignete Fohlen anzukaufen 
und mit diesen solche zu züchten. 1882 erfolgte der Ankauf von Halb- 
blutstuten und eines aus dem Hauptgestüt Graditz angekauften, dort^ 
gezogenen Vollbluthengstes Namens Diedenlwfeti von Savernake aus der 
Dolores, woraus nun das heutige Gestüt gegründet wurde. 

Bräu er, Gestüte. 8 



114 Herzogthum Güstrow. Amt Güstrow. 

Bestand: gegen 140 — 150 Köpfe, 14 — 16 Mutterstuten, von 
denen ungefähr die Hälfte englischen Halbblutes sind, die übngen gehören 
dem Ackerschlag an. Ausser dem bereits genannten Vollbluthengst, der 
zum Decken für die Halbblutstuten bestimmt ist, werden die Stuten des 
Arbeitspferdeschlages von einem Pinzgauer Hengst gedeckt. Die Fohlen 
werden in Laufgärten und in Ställen geeignet untei-gebracht, wie es die 
Aufzucht erheischt. 

Herzogthum Güstrow. Ritterschaftliches Amt Ivenack. 

Ivenack. 

Besitzer: Freiherr von Maltzalin. Graf von Plessen-Ivenaek. 

Topographisches: Ivenack, ein Marktflecken, liegt unweit der .pommer- 
schen Grenze in der Nähe von Stavenhagen, Eisenbahnstation der mecklen- 
burgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn, mit gräflich von Plessen'schem Schloss 
nebst grossem Thiergarten und Fasanerie, Ehemals hier ein 1252 ge- 
stiftetes und 1555 säcularisirtes Cisterzienser-Nonnenkloster. Areal 7400 ha. 

Geschichtliches: Nach speziellen Berichten ist Ivenack bereits gegen .300 
Jahre Gestütsplatz, in dem dort um jene Zeit mit 14 Pferden Züchtung 
ausgeführt wurde. 1666 erfolgte infolge einer Verordnung eine bessere 
Organisation im Gestütswesen. Graf von Plessen ei'fasste hierauf vor 
Mitte des vorigen Jahrhunderts die Initiative zur regelrechten Einrichtung 
des Gestüts und legte den Grund dazu, dass es eine stete Berühmtheit 
erlangte. Den ersten Stamm des Ivenacker Gestüts bildeten einige 
morgenländische Pferde, die der Graf zum Geschenk erhielt; hiermit ver- 
grösserte sich das Gestüt nach einigen Jahren wesentlich. Die bedeutend- 
sten Beschäler waren um diese Zeit der Türke Taylor, Alhade etc.; 
1785 kam der Hengst Morivick-Ball ins Gestüt. Um diese Zeit waren 
im Gestüt gegen 150 Mutterstuten. Von Morwick-Ball stammte der so 
berühmte Hengst Herodot her. Diese beiden letztgenannten Hengste 
brachten das Gestüt bis auf die höchste Stufe und w^aren daher für dieses 
von grösster Wichtigkeit. Bis in die dreissiger Jahre vorigen Jahr- 
hunderts trieb Ivenack seine zielbewusste „ Halbblutzucht " fort, jedoch 
nach dem Vorantritt anderer Gestüte und wie auch allerwärts wurde 
hier „Vollblutzucht", wie sich herausstellte mit Erfolg, eingeführt und 
deshalb das alte Ivenacker Gestütsmaterial verkauft. Nach Einführung 
des Vollblutes wurde das alte berühmte Gestüt 1849 aufgelöst, jedoch 
im Jahre 1862 in ähnlicher Weise, wie früher, wieder gegründet. 

Brandzeichen: 




Herzogthum Schwerin. 115 

Name des Gestüts: KlGin-BelltZ. 

Besitzer: Bar ort von Langen, 

Topographisches: Die Besitzung, ein Rittergut, liegt ca. 15 km von Bützow, 
einer Station der mecklenburgischen Friedrich-FranzEisenbabn. 

Geschichtliches: Hier wurde stets Pferdezucht getrieben, jedoch schränkte 
man diese ab und zu ein. Der Gesammtbestand an Pferden erhob sich 
während der letzten Jahrzehnte auf gegen 100 Stück, incl der Hengste. 
Alljährlich werden gegen 50 und mehr Stuten mecklenburger und han- 
noverschen Schlages mit Vollbluthengsten bezw. mit Halbbluthengsten 
belegt. Zuchtziel: Deckung des eigenen Bedarfs sowie Verkauf von 
Hengsten zur Zucht. 

Herzogthum Schwerin. Amt Schwerin. 

Name des Gestüts: Kleefeld. 

Besitzer: von Henkersches Rittergut. 

Topographisches: Das Gestüt Kleefeld liegt ca. 10 km von Schwerin ent- 
fernt und umfasst ein Areal von 1000 ha. 

Geschichtliches: Während der Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde hier 
ein Gestüt unterhalten, in dem nur arabisches Blut gezüchtet werden 
sollte, mit Material, welches aus ostpreussischen Gestüten bezogen war. 
Man beabsichtigte aus den Nachkommen für den Cirkus gelehrige Pferde 
zu erzielen. Später kam man davon etwas ab und versuchte mit Tra- 
kehner Hengsten weiter zu züchten, es wurden dadurch auch leistungs- 
fähige Nachkommen geschaffen, aber dann und wann Farbenveränderungen 
(Tiger- und Scheckenfarben) herbeigeführt. Später wurde mit hannover- 
schen Stuten gezüchtet, deren Nachkommen zur Zucht bestimmt, und dann 
mit Vollblutbeschälern Redefin's belegt. 1888 wurde das Gestüt aufgelöst. 

Herzogthum Schwerin. Kreis Grevesmühlen. 

Name des Gestüts: Vorder-Bollhagen. 

Besitzer: Fatnilie Biinneister, 

Topographisches: Genannter Ort, Grundbesitz und Dorf an der Ostsee, liegt 
.3 Meilen von Wismar und 3 Meilen von Lübeck. 1845 wurde hier ein 
Seebad mit eleganten Einrichtungen errichtet. 

Geschichtliches: In früheren Zeiten wurde hier unter der Regierung des 
Herzogs Johann Albrecht (1547 — 1576) bereits Pferdezucht betrieben. 
Seit gegen 100 Jahren befindet sich diese Besitzung in den Händen ge- 
nannter Familie und wurde von dieser hier stets Pferdezucht betrieben. 
1866 waren im Gestüt 12 Mutterstuten (stramme, tüchtige Halbblutpferde) 
vorhanden; Beschäler: Hengste eigner Zucht. Jährlich werden 30 — 40 
Stuten mit benutzt. Von den gezogenen Fohlen sind dreijährig 30 bLs 
35 Stück jährlich zur Abnahme bereit. 



116 Herzogthum Schwerin. Dominialamt Crivitz. 

Name des Gestüts: oGltin. 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Settin ist eine gegenwärtig verpachtete Domäne und liegt 
3 km von Crivitz, einer Stadt, und ungefähr 15 km südöstlich von Schwerin 
entfernt. Areal ca. 620 ha; Torflager und sandiger Boden. 

Geschichtliches: Herzog Johann Albrecht (1547 — 1576) Hess auf Vorschlag 
des Käthes zu jener Zeit (1560) hier ein Gestüt einrichten. Settin 
wurde bald darnach zum Hauptlandesgestüt erhoben. Es wurden die ver- 
schiedenartigsten Pferde eingestellt, zunächst zwei dem Herzog vom Kaiser 
Ferdinand 1. von Oesterreich geschenkte türkische Hengste. Hierzu 
wurden ungarische Stuten beschafft, die in Kreuzung von spanischen und 
italienischen gezogen waren. Das Gestüt vergrösserte sich bis zu einigen 
70 Pferden, nach vorstehender Abstammung gegen 40 Stuten. Dieses 
Gestüt übte günstigen Einfluss auf die Landespferdezucht aus. Sämmt- 
liche vom Herzog errichteten Gestüte (Settin und Dömitz) zählten gegen 
250 Pferde. Viele Pferde davon wurden eingeritten und eingefahren 
und dadurch zur Verwerthung gebracht. Berichte über den gegenwärtigen 
Stand des Gestüts sind nicht eingegangen. 

Herzogthum Güstrow. Ritterschaftliches Amt Stavenhagen. 

Name des Gestüts: HbIIB, Klein-Helle (Tiabergestüt). 

Besitzer: C. Schwanitz. 

Topographisches: Helle, eigentlich Klein-Helle, liegt unweit Mölln, einer 
Station der mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn. Helle ist wohl- 
bekannte Zuchtstätte. Areal gegen 700 ha. 

Geschichtliches: Der frühere Besitzer, von Ferber, übernahm Helle aus dem 
Erbe 1835. Unter dem Bestand fanden sich einige gute Ivenacker Stuten 
vor, welche nach Adi'ast gefallen waren. Diese wurden zur Zucht verwendet 
und bildeten daher den ersten Stamm des später bedeutend gewordenen Ge- 
stüts. Der Besitzer hatte sich aus besonderer Liebhaberei für sein Gestüt das 
Ziel gesetzt, darin eine edle, konstante Halbblutrasse zu züchten, besonders 
die Zucht von Hengsten im Auge zu behalten, denen die bekannten Eigen- 
schaften der berühmten Ivenacker Pferde anhafte wobei Stärke und Aus- 
dauer damit verbunden und Ebenmass des Körpers, sowie Leichtigkeit 
der Bewegung vorherrsche, ohne dabei Rückschlag auf die Nachkommen 
zu vererben. Dieses Ziel hat der Besitzer bis 1870, seinem Ableben, 
unbeirrt jeglicher Geschmacksrichtung oder sonstiger Einflüsse verfolgt- 
So lange das Ivenacker Gestüt noch in Blüthe stand, wurden dessen 
Hengste zum Belegen der , Heller" Stuten und zwar vorzüglich die un- 
mittelbaren Nachkommen des berühmten Herodot benützt. So fand z B. 
der Imperator von Herodotes von Herodot vielfache Verwendung, wie 
auch dem Rubello von Y. Dick Andretvs und Roundzvaist von Whalebone 
zahlreiche Stuten zugeführt wurden Von der nach und nach aufgegebenen 
Pferdezucht zu Ivenack erwarb sich der Besitzer für Helle ein einjähriges 
Hengstfohlen: Y. Herodot von Prince Liewellyn von Waxy-Pope aus der 



Herzogthum Güstrow. Ritterschaftliches Amt Stavenhagen. 117 

Princess royal, u. A. den Cosarara von Herodot aus der Narina von 
Knowsley, als ein später für das Gestüt äusserst wichtiger Beschäler, er- 
worben. Dieser vereinigte in sich alle die Eigenschaften, durch welche 
sich die Ivenacker Pferde auszeichneten, in vollstem Umfange. Nicht 
minder wohnte ihm die jenen Pferden nachgerühmte Zähigkeit inne, 
sodass er bis in sein dreissigstes Lebensjahr immer noch leistungs- 
fähig war, mit vorzüglicher Vererbungsfähigkeit. Nach dem Tode des 
Besitzers (1870) wurde das Gestüt verkauft durch öffentliche Versteigerung. 

Es waren damals vorhanden: 5 Beschäler, 20 Mutterstuten, 9 ein-, 
7 zwei-, 10 drei-, 8 vierjährige Fohlen und 4 volljährige Pferde. 

Von den Beschälern ist Attila zu erwähnen, gelb von Farbe und von 
Y. Herodot stammend. Derselbe war von solcher Schönheit, dass er seinem 
Besitzer nicht unter 20 000 Louisd'or feil war. Bei der Auflösung des 
Gestüts ging er in das Gestüt Klockow über. 

Seit mehreren Jahren ist jedoch Helle bezw. Klein-Helle als Gestüt 
wieder aufgenommen worden, und zwar als „ Trabergestüt ", als das einzige 
in Mecklenbui'g-Schwerin bestehende Hierfür wurde kürzlich wieder ein 
neuer Beschäler aus Amerika erworben: Kansas Wilkes von George Wilkes- 
Puntana von Almond, ein Hengst, der sich nach verschiedenen Richtungen 
hin emen hervorragenden Namen machte. 
Züchtung: In Klein-Helle wurden 1899 10 Traber-Fohlen (4 Hengste und 
6 Stuten) gezogen, die zum Theil den Henrico^ zum Theil den Dr. Austiti 
und Lutscht zum Vater haben. Ein neuer Traberhengst Namens Kansas 
Wilkes von George Wilkes Puntana vom Hengst Almond wurde 1900 in 
Amerika erworben. Seit nicht zu langer Zeit ist das Trabergestüt Helle 
(bezw. Klein-Helle) in den Besitz des Herrn C. Schwanitz übergegangen 
und decken darin z. Zt. 3 amerikanische Traber: 

Eledioneer (CambelVs) von Electioneer- Edith Carr^ 
Henrico von Patschen Wilkes -Jennie West und 
Du Austin von William M Peepo Day. 

Herzogthum und die alte Grafschaft Schwerin. Kreis Hagenow. 

Name des Gestüts: Redefin. 

(Grossherzoglich Mecklenburg-Schwerin'sches Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Redefin liegt ca. 10 km von Hagenow entfernt. An 
letzterer Stadt kreuzen mehrere Eisenbahnen: Berlin — Hamburg und die 
mecklenburgische Friedrich-Franz-Eisenbahn: Schwerin — Wismar. Gesammt- 
areal früher 182 ha. Es werden durch die durch das Areal fliessende 
„Sude" ca. 70 ha Rieselwiesen, die zweischürig, erfolgreich erhalten. 
Grosser, viereckiger Gestütshof (Wohn- und Wirthschaftsgebäude bezw. 
Stallgebäude). 1821 wurde der Gestütshof neu erbaut. 

Geschichtliches: Aelteren Nachrichten nach hat Redefin eine weitgehende 
Vergangenheit; es soll in alter Zeit eine berüchtigte Raubburg gewesen 
sein, die 1354 von Herzog Albrecht zerstört wurde. Das hier betriebene 
Gestüt ist sehr alt und gehörte von jeher zum herzoglichen Marstall. 



118 Herzoofthum und die alte Grafschaft Schwerin. Kreis Hagenow, 



Es wurde 1795 aufgehoben und 1810 erst wieder errichtet. Wegen 
fehlender, guter Weiden wurde ßedefin 1824 der Domäne Paetow, für 
Mutterstuten und Fohlen, über 300 ha haltend, zugetheilt. Das bis 
1847 bestandene Zuchtgestüt (Hauptgestüt) enthielt englische Voll- 
und Halbblutstuten und einige arabische Hengste. 1849 wurde letzteres 
in ein Landgestüt umgewandelt mit einem Hengstbestand von 130 
bis 150 Köpfen, von denen 20 Vollblut, 30 Halbblut, 40 Halb- und 
weniger Blut und 30 für landwirthschaftliche Zwecke (Schotten, SuflFolk 
und Clydesdaler) zu dienen hatten Diese Hengste wurden auf einige 
30 Stationen vertheilt. Ausserdem wurden in Redefin jüngere Hengste 
als Absetzfohlen angekauft in der Absicht, später als Beschäler zu 
dienen; deren Zahl stieg auf gegen 140, ausser einigen Vollbluthengsten; 
die übrigen sind mehr oder weniger hannoverscher Abstammung. Alle 
diese sind kräftige, massige Thiere. Von den Hengsten des Hauptgestüts 
sind besonders Oracle^ Wildfire, Morisko, Y. Umley zu nennen, deren 
Blut in der Stutenherde hervorleuchtete. Auch unter den Hengsten des 
Landgestüts fanden sich viele Nachkommen dieser Beschäler, wie auch 
solche aus Ivenack und anderen guten Privatgestüten. Im Ganzen war 
das englische Blut vorwiegend, sodass wohl eine Veredelung des mecklen- 
burgischen Pferdes durch die Beschäler stattfand, aber der alte, bewährte 
mecklenburgische Schlag dagegen verloren ging. 1900 gingen 145 Landes- 
besehäler auf 30 Stationen, 8 Hengste verblieben in Redefin. Der 1883 
in Redefin geborene Vollbluthengst The Sun von Bemcclere wurde 1899 
ausgemustert. Die meisten Hengste des Landgestütes sind hannoverscher 
Abstammung, auch besitzt ein Theil oldenburger Blut. 1901 hatte Redefin 
3 Vollbluthengste: Marcus von Fulmen, Programme von Escogriffe und 
Werther von Weltmann. 1901 sendete das Landgestüt 142 Beschäler auf 
37 Stationen; davon ist die Station Bützow, mit 8 Hengsten besetzt, diegrösste, 
Brandzeichen: Die Fohlen werden jetzt nicht mehr gebrannt. Das früher 
gebräuchlich gewesene Gestütsbrandzeichen für die von Vollbluthengsten 






stammenden Fohlen war eine einfache Krone, während die Fohlen 
von Landesbeschälern mit MG gezeichnet wurden. Für das frühere 
Hauptgestüt kam als Brandzeichen ein R mit Krone in Anwendung; 
vorher aber wurde auch das Brandzeichen mit verschlungenen FF und 
darüber angebrachter Krone verwendet. Die vei'schlungenen FF bedeuten 
Friedrich Franz; das im anderen Zeichen angebrachte R Redefin. 



Herzogthum Güstrow. Amt Stavenhagen. 119 

Name des Gestüts: GrOSS-GlevItZ. 

Besitzer: Graf von Voss. 

Topographisches: Gross-Gievitz ist Rittergut mit einem Vorwerk (Minen- 
hof) und sind 65 ha für Gestütszwecke disponibel. 

Geschichtliches: Das bezeichnete Gestüt wurde zu Anfang der 1830er Jahre 
behufs Erhaltung des alten mecklenburgischen Pferdes gegründet, 
wozu einige Mutterstuten von Ivenacker Abstammung (vom Herodot ) nebst 
einigen Vollblutstuten (2 — 4) vom Jahre 1838 in dasselbe eingebracht 
wurden. Bis zum Jahre 1843 wurden die Stuten zum Decken in die 
benachbarten Gestüte Ihlenfeldt, Basedow etc. gebracht. Vom Jahre 1843 
ab hatte das Gestüt einen Beschäler, Namens Cophagos (1840 geboren), 
als ersten eigenen Vollbluthengst gezogen. Infolge der dann folgenden 
Verpachtung der Güter hörte das Gestüt als solches auf zu bestehen. 

Herzogthum Güstrow. Kreis Neukaien. 

Name des Gestüts: GrOSS-MarkOW, 

Besitzer: Domherr Ludwig von Levetzow. 

Topographisches: Behufs Errichtung obigen Gestüts war dazu das nahe- 
liegende Ludwigsdorf, im Ganzen mit gegen 900 ha Areal, mit zugezogen. 

Geschichtliches: Das Gestüt Gross-Markow wurde zu Anfang der 1830er 
Jahre von obigem Besitzer gegründet in der Voraussetzung, das Mecklen- 
burger Pferd unter Benutzung vornehmen Blutes zu veredeln. Unter den 
Vollblatbeschälern, die um diese Zeit im Gestüt standen, ist der Feld- 
marschall, der gegen 10 Jahre benützt wurde, besonders hervorzuheben; 
ebenso auch Edgar, der mütterlicherseits mit Turk-Main-Atti verwandt 
war. Das Gestüt befand sich in sehr guter Entwickelung Im Jahre 
1842, nach dem Ableben des Besitzers, wurde das Gestüt durch dessen 
Bruder aufgelöst. 

Herzogthum Güstrow. Amt Güstrow. 

Name des Gestüts: SchliefTeilberg. 

Besitzer: Graf von Schlieffen. 

Topographisches: Schlieffenberg ist von Laiendorf, einer Bahn -Kreuzungs- 
Station der mecklenburgischen Friedrich -Franz -Eisenbahn Bützow — Neu- 
brandenburg und der Eisenbahn Neustrelitz — Warnemünde, in nördlicher 
Richtung nach Zurücklegung von ca. 6 — 7 km Weges zu erreichen. 
Schlieflenberg ist Rittergut mit über 2000 ha Areal, incl. mehrerer 
Nebengüter. 

Geschichtliches: In früherer Zeit wurde hier die Pferdezucht in erhöhtem 
Maasse und zwar mit arabischem Blut betrieben. In neuerer Zeit züchtete 
man nur mehr für den eigenen Bedarf und wurden hierzu gleichzeitig 
mehrere edle Hengste gehalten. Auch wurde ein spanischer Hengst mit 
gehalten, der besonders für M a u 1 1 h i e r z u c h t in Verwendung kam. 



120 Herzogthum und die alte Grafschaft Schwerin. Ritterschaftliches Amt. 

Name des Gestüts: BlÜChOr. 

Besitzer: W. von Thiele-Winckler, 

Topographisches: Genannter Ort ist ein Rittergut, zwischen dem Fleesen- 
und Kölpin-See gelegen. 

Geschichtliches: Der Besitzer hat das hier bestehende Gestüt 1870 gegründet. 
Es werden hier Vollbluthengste und Halbblutstuten als Zuchtmaterial 
benutzt. 1883 kamen in das Gestüt die ersten Vollblutstuten. Hiernach 
theilte sich die Zucht in Voll- und Halbblutzucht, erstere für Kennzwecke, 
letztere für den eigenen Bedarf als Reit- und Wagenpferde, oder als 
Militär -Remonten. Aus angekauften dänischen Fohlen ist eine kleine 
Zucht schwerer Arbeitspferde entstanden. 

Züchtung: Das Vollblutgestüt, welches unter Zuziehung bester fremder 
Hengste betrieben wird, zählt ca. 8 grösstentheils hervorragende Stuten. 
Seit 1899 ist im Gestüt der 1895 geborene Hengst Stusohr aufgestellt;^ 
dieser soll nach jeder Richtung hin vorzüglich sein. Dieser Hengst ist 
auf einem Auge erblindet, trotzdem aber deckt dieser eine grössere Zahl 
Stuten; derselbe ist Sieger von vielen Preisen auf den Rennbahnen. 

Herzogthum Güstrow. Ritterschaftliches Amt Neustadt. 

Name des Gestüts: opBCK. 

Besitzer: Kamnierherr C, von Haugwitz, 

Topographisches: Speck ist ein grösseres Gut; dasselbe liegt bei Waren^ 
Stadt am Müritzsee, ostnordöstlich und 2^2 Meilen von Malchow. Ge- 
sammtareal über 3000 ha. 

Geschichtliches: Das Gestüt besteht seit den 1830er Jahren und war der 
Betrieb desselben bis zu den 1850 er Jahren ein massiger in Halbblut- 
zucht. Von letzterer Zeit an erhob sich das Gestüt und wurde dessen 
Ansehen durch Einführung eines Ivenacker Hengstes, Namens Moses, ein 
grösseres, mehr Vertrauen erweckenderes, als man durch genannten Be- 
schäler Herodot-V>\\xi in die Zuchtheerde eingebracht wusste. 

Züchtung: Das Gestüt ergab vor wenigen Jahren einen Gesammtbestand von 
ca. 50 — 60 Pferden, incl. 8 — 12 Halbblutmutterstuten. Letztere Stuten 
sind sehr edel und gehören zum Theil der Alt-Ivenacker Abstammung 
an. Für diese Mutterstuten werden ein bis zwei Hengste edlen Blutes 
gehalten. Zweck der Aufzucht ist Deckung des eigenen Materials; die 
Ueberzahl wird verkauft. 



121 



Grossherzogthum Mecklen bürg- Strelitz. 



Herzogthum Strelitz. Kreis Neustrelitz. 

Name des Gestüts: NeUSfrelitZ (Grossherz. Landgestüt). 

Besitzer: Grossherzoglicher Fisciis. 

Topographisches: Neustrelitz, ehemals zum Herzogthum Mecklenburg- 
Güstrow gehörig, ist Haupt- und Residenzstadt am Zierkersee. 

Geschichtliches: 1825 gründete Grossherzog Georg das Landgestüt mit 
9 Hengsten: Jupiter, Bolivar, Nerestan, Strelitz, Scrybbator, Tantalos, 
Trompeter, Diodor und Achmet (erste Landesbeschäler), die auf 3 Stationen 
vertheilt wurden. Die Hengste stammten aus Neustadt a. d. Dosse. 1827 
wurde, da Bedarf ersichtlich, eine weitere Station mit vier weiteren 
Hengsten besetzt. Bis 1831 erhöhte sich die Zahl der Beschäler auf 18; 
Oberon wurde später nach Frankreich verkauft. Es folgte dann Darlington, 
der sich sehr gut und vortheilhaft vererbte, er stammte von dem be- 
rühmten Ivenacker Hengst Herodot. Es wurde den Züchtern hiernach 
zur Veredelung der Pferde mehr Vollblut geboten, und demzufolge von 
dem damaligen Oberstallmeister Graf Moltke (1840) 4 Vollbluthengste 
zugetheilt. 1841 betrug die Zahl der Beschäler 28. 1845 wurde jedoch 
„Halbblut" eingeführt und das Vollblut verlassen. Nach Koch, Hand- 
wörterbuch, hatte 1890 die Zahl des Beschälerstandes auf 32 sich erhöht. 
1900 wurden 25 Landesbeschäler auf 7 Stationen aufgestellt, die gegen 
Mitte Februar dahin abgingen. 

Herzogthum Strelitz. 

Name des Gestüts: GUStaVShof (Trabergestüt). 

Besitzer: G. Schleicher, Commerzienrath Litdicke, 

Topographisches: Gustavshof befindet sich zu Düsterförde unweit Fürsten- 
berg; letztere Stadt liegt an der hier schiffbar werdenden Havel. 

Geschichtliches: Von obigem Besitzer wurde genanntes Gestüt 1890 ge- 
gründet. Der Gesammtbestand war 70 Pferde. Zur Zucht wurden 12 
Mutterstuten (6 amerikanische, 5 russische und 1 österreichische), sowie 
4 Beschäler benutzt. Das Zuchtmaterial war insgesammt bester Rasse. 

1893 ging das Gestüt in den Besitz des Commerzienraths Lüdicke über; 

1894 zählte dasselbe 5 Beschäler: Lysander, Wilkes, General Garfield, 
Bischof und die beiden Irländer Arminius und Alarich. Die Bedeutung 
des Gestüts hatte wesentlich abgenommen. 1899 sollte dasselbe durch 
Verkauf bezw. weitere Auseinandersetzung mit der vorhergegangenen 
Besitzerin in andere Hände übergehen. 



122 Herzogthum Strelitz. 

Name des Gestüts: SchÖnhaUSetl. 

Besitzer: Major atslierr A. von Michael, 

Topographisches: Schönhausen liegt 6 km vom Bahnhof Strassburg — 
Uckermark, dicht an der preussischen Grenze; mit gutem Weg verbunden 
ist es schön gelegen am See, welchen üppige Koppeln einschliessen. Alter 
Buchenwald im Hintergrund. Wohnsitz des Besitzers. Dieser Sitz, ein 
Eittergut, wird hauptsächlich zu Pferdezuchtzwecken benützt und umfasst 
ein Areal von 1100 ha. Kalkhaltiger Höhenboden; wenig Wiesen. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1796 in Ihlenfeld gegründet (siehe 
Thlenfeld). Alle Mutterstuten stammen von damals angekauften besten 
Blutstuten; diese haben daher einen über 100jährigen Stammbaum auf- 
zuweisen. Der Stammvater des Gestüts ist ein brauner Anglo - Araber, 
Namens Grosvenor, welcher s. Zt. im Mutterleibe aus England kam und 
1799 für das Gestüt gekauft wurde. Als guter Stammvater ist ferner- 
weit der englische Vollblut- Goldfuchshengst Guy - Mannering anzusehen, 
welcher 1817 für hier angekauft wurde Von den Deckhengsten zu Anfang 
des 19. Jahrhunderts wurden in Schönhausen benutzt: Nicht und Wellington, 
letzterer, 1821 geboren, stammt von Grosvenor a. d. Rosamund. Wellington 
war vorher in Ihlenfeld und wurde später in das Gestüt des Grafen 
Schwerin zu Mildenitz verkauft. Während der Jahre 1835 — 1836 deckte 
Borowin, 1831 ein von Wellington a. d. Bella Donna von Guy Mannering 
a. d. Pompadour von Grosvenor erzeugter Hengst, und mit diesem zu- 
gleich der Fuchs Paladin (1828) von Guy-Manfiering a. d. Marietta von 
Grosvenor. Paladin deckte sehr lange. 

Für die Güte der damals hier gezogenen Pferde spricht z. B. der 
Umstand, dass nach der Reorganisation des Königlich Sächsischen Land- 
gestüts Moritzburg von hier Beschäler entnommen wurden. Unter den 
Stuten befanden sich viel Vollblutthiere und sind hiervon Bella Donna, 
Meliloma, Veronica und Pamella wegen ihrer guten Verei-bung und Frucht- 
barkeit zu nennen. Jede dieser Stuten brachte je 9 Fohlen zur Welt. 
Von 1837 an ging die Zahl der Vollblutstuten allmählich zurück, dahin- 
gegen vermehrte sich aber der Stand der Halbblutpferde. Es wurde 
gesucht, das Blut des Grosvenor möglichst zu erhalten. Die vorzüglichste 
Stute Schönhausens war die 1885 getötete Sadowa von Conservativ, 
einer Urenkelin der Pompadour von Grosvenor a. d. Adulta. Die Sadowa 
stammte auch väterlicherseits aus dem Grosvenor -^\Mi. Diese lieferte 
unter ihren Töchtern allein 8 Mutterstuten und aus ihren 8 Söhnen ist 
einer Beschäler im Landgestüt Traventhal geworden. Eine andere vor- 
zügliche Stute ist Allinor, von einem in Trakehnen gezogenen Anglo - 
Araber a. d. Bellona; diese lieferte 19 Fohlen, darunter mehrere Mutter- 
stuten, und hat, obgleich edel und etwas leicht, gegen 20 Jahre hindurch 
gearbeitet. Das ist ein Zeichen von der Dauerhaftigkeit der hier gezogenen 
Pferde. Im Jahre 1828 wurde das Gestüt Ihlenfeld getheilt, ein Theil 
kam nach Schönhausen, der andere nach Ganzkow. In beiden Gestüten 
wurde bis 1895 getrennt gezüchtet. Das ganze Gestüt hat 40 Mutter- 
stuten, 4 Hengste und gegen 100 Fohlen. Diese sind zu gleichen Theilen 
auf die beiden Güter vertheilt. Um Inzucht zu vermeiden, werden die 
Beschäler angekauft, und zwar nur solche, welche das beste Blut aufzu- 



Herzogthum Strelitz. 123 

weisen haben. Das Stutennaaterial stammt von Voll- und edlen Halb- 
bluthengsten ab. Da eine grosse Auswahl vorhanden ist, werden nur 
solche mit bestem Blut und schönstem Körper ausgewählt. 

Als Hauptbeschäler wird in Schönhausen (1900) der Hengst Ingo 
benutzt, er ist 1894 in Ganzkow vom Trakehnerhengst Alaun a. d. 
Ismene geboren. Dieser Hengst vereint in seinem Aeusseren das Bild eines 
vornehmen Reit- und Wagenpferdes, und seine leichten Bewegungen lassen 
auf grosse Ausdauer schliessen. Daneben deckt noch ein ebenfalls brauner 
Halbbluthengst Ingraban. In Ganzkow deckt als Hauptbeschäler der 
in Beberbeck gezogene Sohn des Chamant: Starost und als Nebenbeschäler 
Magnus vom Trakehnerhengst Deveroux vom Vollbluthengst Gondolier. 
Züchtung: Auf jedem Gut werden jährlich durchschnittlich 14 Füllen geboren. 
Die Aufzucht dieser wird vom Besitzer selbst und streng geleitet. Die 
Ausnützung des Gestüts besteht im Verkauf von 3 Y2 jährigen Remonten; 
doch werden auch dergleichen passend zusammengestellt und als Wagen- 
pferde behandelt, und an Private und Händler abgegeben. 

Herzogthum Strelitz. Ritterschaftliches Amt Stargard. 

Name des Gestüts: Ihlenfeld. 

Besitzer: Fr. von Michael. 

Topographisches: Die Lage Thlenfelds ist nordöstlich von Neu-Branden- 
burg, in der Nähe des Kreuzungspunktes der mecklenburgischen Friedrich- 
Franz-Eisenbahn, der mecklenburgischen Südbahn und der Berliner Nord- 
bahn. Das Gestüt ist auf einem Rittergutsareal von ca. 600 ha untergebracht. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte nach Ende des 18. Jahr- 
hunderts. Hierbei bildeten gute mecklenburgische Stuten und einige 
englische Halbblutstuten den ersten Mutterstutenstamm. Letztere wurden 
allerdings, da der Erfolg kein entsprechender war, wieder abgeschafft und 
dafür englische Vollblutstuten eingeführt, wo von diesen Honeysuckle be- 
sonders zu erwähnen ist, als deren Enkelin Poiirpadour als Stamm - 
mutter von Iblefeld, Ganzkow und Schönhausen anzusehen 
ist. Der erste Hauptbeschäler Grosvenor, von einem arabischen Fuchs- 
hengst abstammend, besass grosse Vererbungsfähigkeit. Hiex'durch kam 
das Gestüt von 1808 ab in grossen Ruf. Um 1824 hatte der Bestand 
sich auf ca. 40 Mutterstuten erhöht. 

Familienverhältnisse erforderten eine Theilung des Gestüts; daraus 
entstanden ausser Ihlenfeld noch die Gestüte Bassow, Ganzkow und 
Schönhausen. Bassow ging später ein. 1848 war Ihlenfeld zum Voll- 
blutzuchtbetrieb übergegangen; später wurde hier nur Material benutzt, 
welches auf die Abstammung des Grosvenor oder des Herodot des 
Ivenacker Gestüts zurückführte und dazu berechtigte. Auf diese Weise 
ist im heutigen Gestüt (1898) in 12 Mutterstuten das Ivenacker Blut 
forterhalten geblieben. 

Züchtung: Der Gesammtbestand des Gestüts beziffert sich auf 100 Pferde, 
darunter 40 Fohlen. Zuchtziel: Edles Reitpferd. 



124 Herzogthum Strelitz. 

Name des Gestüts: RamelOW. 

Besitzer: Otto Hoth. 

Topographisches: Das Gestüt wird auf einem Rittergute von bedeutender 
Grösse mitbetrieben ; dasselbe liegt bei Friedland, einer Stadt, 3 Meilen 
nordöstlich von Neu-Brandenburg. Friedland ist mit Wällen umgeben 
und hat eine Wasserkunst. 

Geschichtliches: Der Grossvater des gegenwärtigen Besitzers übernahm Anfang 
der 1820 er Jahre obige Besitzung in der Absicht dabei die Zucht edler 
Pferde mit zu betreiben. Die Zucht begann demnächst und erfreute diese 
sich nach und nach eines guten Rufes. Durch Ankauf wurde während 
der 1840er Jahre das Zuchtmaterial des Preiherrn von Seckendorf 'sehen 
Gestüt zu Brook vergrössert und durch Benützung vorzüglicher Hengste 
— Cevallus, Boradit, Portland — sowie noch anderer guten Hengste in 
Ansehen bedeutend gehoben. 1875 übernahm der gegenwärtige Besitzer 
das Gut mit dem Gestüt; dasselbe wurde in ähnlicher Weise wie bisher 
fortbetrieben, nur aber besonders darauf gesehen, ein starkknochiges, 
dabei elegantes und gängiges Pferd zu erzielen. 

Züchtung: Der Bestand war immer incl. der Arbeitspferde gegen 70 Pferde, 
sowie mehrerer eigener Hengste, die dem leichten un^ schweren Reitschlage 
angehören. In letzterer Zeit befand sich ein Traber, Namens Lad, von 
Revisor als Beschäler im Ramelower Gestüt (ein Originalrusse). Fohlen 
von Ramelower Hengsten fallen jährlich gegen 8 — 10 Stück. Aus- 
nutzung des Gestüts: Deckung des Eigenbedarfs, Verkauf als Militär- 
Remonten und als Luxuspferde. 

Herzogthum Strelitz. 

Name des Gestüts: MJItZOW. 

Besitzer: früher: vofi Dewitz. 

Topographisches: Das Rittergut, in dem das genannte Gestüt seiner Zeit 
bestand, heisst eigentlich Gross -Miltzow; dasselbe liegt in der Nähe von 
Oertzenhof, Station der mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn. 

Geschichtliches: Durch einen damaligen Herrn von Dewitz wurde vom Ende 
des 18. Jahrhunderts ab ein Gestüt errichtet und unterhalten, in dem für 
die Mutterstuten altmecklenburger Blutes als zuerst eingeführter 
Beschäler ein englischer Hengst, Namens Falkner, ferner dessen Sohn 
Delight und Kalash von Turk-Main-Atty des Kgl. Preuss. Friedrich 
Wilhelm-Gestüts benutzt wurden. 

Brandzeichen: 




Herzogthum Strelitz. Ritterschaftliches Amt Stargard. 125 

Name des Gestüts: Matzdorf. 

Besitzer: von Rieben. 

Topographisches: Matzdorf liegt in der Nähe von Friedland. 

Geschichtliches: Ende des 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde 
von dem oben bezeichneten Besitzer in Matzdorf ein aus ca. 20—30 
Mutterstuten bestehendes Gestüt betrieben. Die Stuten waren mecklen- 
burgische Pferde, die später mit englischem Blute in Berühiung kamen. 
Der Hengst Unique — wahrscheinlich ein Zweibrückener Rassepferd — 
fand nach, seiner Erbeutung Verwendung in obigem Gestüt. 

Züchtung: Zuchtziel: Verkauf von Jährlingsfohlen, sowie Heranziehung zur 
eigenen Zucht von besseren sowie Ackerbedarfspferden. 

Brandzeichen: Dasselbe bestand in einem R, welches allen Pferden auf die 
linke Halsseite, unter der Mähne aufgebrannt wurde. 

Herzogthum Strelitz. RitterschaftHches Amt Stargard. 

Name des Gestüts: GanzkOW. 

Besitzer: Carl von Michael. 

Topographisches: Vorgenanntes Gestüt ist eins der bedeutendsten Mecklen- 
burgs und lamfasst ein Areal von 600 ha. Die Einrichtungen sind schön 
und zweckentsprechend. Ganzkow liegt nördlich von Neubrandenburg, 
von Neustrelitz aus mit Rostock und Schwerin in Eisenbahnverbindung. 
Dieses Gestüt kam durch Erbschaft 1895 an den gegenwärtigen Besitzer 
A. von Michael-Schönhausen. (Siehe Schönhausen.) 

Geschichtliches: Das betreffende Gestüt wurde 1827 bezw. 1829 aus Ihlen- 
felder Zuchtmaterial (1. Erbtheil 1 Beschäler: Vollbluthengst Gity Manne- 
ring und 10 edle Stuten als erster Stamm) gegründet. 1837 kam aus 
England der Vollbluthengst Ariele 1841 der Sohn desselben, Smoker^ als 
Beschäler ins Gestüt. Damals erhielt dasselbe dann wieder 7 Vollblut- 
stuten. 1885 hatte das Gestüt einen Gesammtbestand von 115 Pferden. 
Neueste Nachrichten gingen trotz Anfragen nicht ein. (Siehe auch Schön- 
hausen und Ihlenfeld.) 

Züchtung: Im Gestüt wird vor Allem darauf gesehen, dass veredelnd auf die 
Nachkommen eingewirkt wird, weshalb stets Vollblut unter den Beschälern 
oder wenigstens Hengste mit vielem Blute zum Decken bestimmt werden. 
Das Zuchtziel des Gestüts ist wie früher das edle Reit- und Wagenpferd. 



126 



Königreich Bayern. 



Provinz Oberbayern. Bezirksamt Landsberg am Lech. 

Name des Gestüts: AchSelSChwang (Kgl. Stammgestüt). 

Besitzer: ' Staats -FiscMS. 

Topographisches: Achselsehwang ist Ortstheil des Dorfes Hechelwang; hierzu 
gehören noch die Vorwerke Engenried, Hübschenried und Westerschondorf, 
liegt am Ammersee und ist Station der Eisenbahnlinie München — Lindau. 

Geschichtliches: Nach Pusch „Das Gestütswesen Deutschlands" erwarb die 
Militärverwaltung Achselschwang, um während der Jahre 1815 und 1816 
daselbst einen Fohlenhof einzurichten. 1840 legte die Militärverwaltung 
zu , Schwaiganger " ein Militäi'gestüt an, um darin Militärpferde zu züchten. 
1864 siedelte dasselbe Gestüt nach Achselschwang über, während 
Schwaiganger , Militäi-fohlenhof " wurde. 1877 wurde Achselschwang vom 
Militär an die Gestütsverwaltung abgetreten. (Siehe Schwaiganger.) 
Von der Civil- Gestütsverwaltung aus werden gegenwärtig nur starke, 
reingezogene, englische Halbbluthengste im Gestüt verwendet und 
mit Mutterstuten, welche je zur Hälfte dem oldenburger und hannover- 
schen Blute angehören, gepaart. 

Züchtung: Der Zuchtzweck wird durch Ankäufe von Fohlen vermehrt und 
dadurch hauptsächlich durch Heranziehung ausgewählter Hengste die Re- 
montirung der Laudgestüte ermöglicht. 

Provinz Oberbayern. Bezirksamt München, links der Isar. 

Name des Gestüts: SchleiSSheJm (Kemontedepöt). 

Besitzer : Staats- Fiscus. 

Topographisches: Schieissheim liegt auf der bayrischen Hochebene in der 
Nähe von München. Schieissheim, auch Oberschleissheim genannt, liegt 
an der Ostbahn. Herzog Wilhelm V. baute hier 1599 ein Schloss zu 
seinem Wohnorte, Kurfürst Max Emanuel gründete 1701 das neue 
Schloss , dazu gehören schöne Anlagen , Gärten etc. Das Areal beträgt 
über 1000 ha. ' 

Geschichtliches: Ehedem wurde hier für die nächste Umgebung ein kleines 
Landgestüt (1754 — 1762) unterhalten. Ob mit diesem ein Zuchtgestüt 
verbunden war, ist nicht bekannt geworden, doch kann angenommen 
werden , dass hier ein fürstliches Gestüt bestand , worin für den Marstall 
gezüchtet wurde. — • Gegenwärtig ist in Schieissheim ein Kgl. Bayer. 
Remontedepöt errichtet. Bestand: 130 junge Pferde, die dem Reit- 
schlage angehören. Ausserdem wird noch Oekonomie betrieben sowie 
nebenbei Rinder- und Schafzucht. 



Provinz Oberbayern. Bezirksamt München, rechts der Isar. 127 

Name des Gestüts: FÜrSteilfeld (Remontedepöt). 

Besitzer: Staats-Fisciis. 

Topographisches: Fürstenfeld ist ein Marktflecken, liegt an der Amper, 
auf der bayrischen Hochebene und 3 Meilen westlich von München, nahe 
an der Eisenbahn nach Augsburg. Hierzu gehören 2 Vorwerke. Das 
Areal beläuft sich auf ungefähr 1200 ha. 

Geschichtliches: Pürstenfeld war ehemals Cisterzienserkloster , welches 
1266 von Ludwig dem Strengen gestiftet wurde und besitzt eine grosse 
Kirche (1718 — 1741 erbaut). Hier bestand seit langer Zeit ein Fohlen- 
hof, der später in ein Remontedepöt umgewandelt wurde. 

Hier kommen jährlich gegen 1000 Pferde zur Aufstellung, die 
4jährig an Cavallerieregimenter und an die Artillerie abgegeben werden. 
Die Pferde gehören hauptsächlich den bayrischen Schlägen an. 

Provinz Oberbayern. Bezirksamt München. 

Name des Gestüts: MÜllChen (Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: München ist Haupt- und Residenzstadt des Königreichs 
und liegt in einer weiten Ebene zu beiden Seiten der Isar. 

Geschicht'iches: Das hier aufgestellte Landgestüt ist mit 100 — 120 Hengsten 
belegt. Diese Beschäler gehören dem deutschen und ungarischen Halb- 
blut sowie dem englischen Vollblut an, auch sind hier englische und 
belgische Kaltblüter vertreten. 

Provinz Oberbayern. Bezirksamt Werdenfels im Hochgebirge. 

Name des Gestüts: ScHwaigaiiger (RemoDtedepöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Schwaiganger liegt bei Oberau, Dorf an der Loisach, 
von hier aus führt eine steile Strasse nach Eltal, Pfarrdorf mit schöner 
Kirche, welche ein Alabaster -Marienbild enthält. Areal, einschliesslich 
3 Voi'werke, gQ§&[i 900 ha. Staats-Domäne. 

Geschichtliches: Nach Pusch legte man 1840 unterhalb des Herzogin- 
Standes ein Militärgestüt an, mit der Bezeichnung , Militärfohlenhof " 
zu Schwaiganger; um dieselbe Zeit wurde neben diesem Fohlenhof auch 
ein Remontedepöt mit eingerichtet und solches nebst Fohlenhof militärisch 
verwaltet. Das Depot ist stets mit gegen 1000 Pferden, bezw. Fohlen 
besetzt. Fast alle hier aufgestellten Pferde gehören dem Reitschlage an 
und stammen aus dem nördlichen Deutschland. Pferde für Cavallerie. 
1864 wurde das bisher mit in Betrieb gekommene Gestüt aufgehoben 
und nach Achselschwang verlegt. 



128 Provinz Oberbayern. Bezirksamt Tölz. 

Name des Gestüts: BeneCÜktbeUren (Remoatedepöt). 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Das grösste bayrische Eemoatedepöt, dem Flächeninhalt nach, 
im bayrischen Hochgebirge gelegen, Staatsdomäne. Areal über 2500 ha. 
Benediktbeuren war seit 740 Benedektinerkloster; aufgehoben 1803. 
Gegenwärtig Invalidenhaus und Militärfohlenhof. 

Geschichtliches: Von jeher wurde das Depot mit 160 — 200 jungen Pferden 
belegt. Die Domäne ist von der Militärverwaltung in Pacht genommen, 
daher steht auch mit dieser das Depot Schwaiganger in näherer Verbindung. 

Kreis Oberbayern. Bezirksamt Laufen. 

Name des Gestüts: Kanzlcrhof. 

Besitzer: Max Graf Drechsei. 

Topographisches: Das Gestüt ist von München aus per Eisenbahn leicht und 
bequem zu erreichen. Kanzlerhof liegt auf einem Plateau zwischen 
Schaftlach und Gmünd in der Nähe des Pfarrdorfes Tegernsee am Tegern- 
see, ca. 50 km südöstlich von München entfernt, sowie gegen Rettach 
am südöstlichen Ende des Sees. Auf dem Plateau befindet sich gewünschter 
trockener Weideboden. Bis 1891 wurden darauf zweckentsprechende 
Stallungen aufgeführt. 

Geschichtliches: Anlässlich der Wiener Pferdeausstellung und infolge der damit 
verbundenen Wettdistanzfahrt Pressburg — Wien gründete Graf Drechsei 
1890 das Gestüt Kanzlerhof, bei welcher Gelegenheit dieser den Entschluss 
fasste, ungarische Pferde zu züchten, und zwar unter Zugrundelegung 
einiger Stuten des Herrn Joseph von Döry-Dombowär (Talnaer Comitat), 
dessen Pferde sich durch sehr gute Kondition und Ausdauer besonders 
hervorgethan hatten. Nach Herstellung der Gestütsgebäude wurden von 
Herrn Joseph von Döry 6 Stuten zur Zucht übernommen; vier davon 
waren in Ungarn am Wagen und zwei unter dem Reiter gegangen. 
Alle 6 Stuten Hess der bisheiüge Besitzer nach dem Verkauf von dem in 
Kisber gemietheten Vollblutbengst Cambusier von Cambuscan a. d. Krisis 
decken. Alle 6 Stuten wurden tragend, überstanden die Reise gut und 
brachten 1892 sechs gesunde Fohlen. Der Gestütsbesitzer ging dann 
abermals nach Ungarn, kaufte von demselben Verkäufer weitere 3 belegte 
Stuten (1892), desgleichen aber auch im Jahre 1893 noch 2 weitere 
Stuten, von sehr guter Mutter und von Cambusier abstammend. 1894, 1895 
und 1896 erfolgten von demselben Verkäufer weitere Ankäufe von Stuten. 

Züchtung: 1898 zählte das Gestüt 14 Mutterstuten, 4 dreijährige, 8 zwei- 
jährige, 5 Jährlinge und 5 1898 geborene Fohlen. 5 und 4jährige 
waren verkauft. Alle diese Stuten aus dem Gestüte des Herrn v. Döry 
sind ungarisch-englische Kreuzungsthiere; in einigen von ihnen ist 
arabisches Blut stark vertreten. Zuchtziel ist: möglichst edle, aus- 
dauernde Pferde ungarisch-englischer Rasse zu ziehen, und zwar 
des grösseren Schlages (D. L. P. 1898, Nr. 1). 



Herzogthum Bayern. Reg.-Bez. Oberbayern. Bezirksamt München links d. Isar. 129 

Name des Gestüts: Schwabitig (Landgestüt). 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Schwabing liegt dicht am englischen Garten, 2 km nörd- 
lich von München entfernt, mit 3 kleinen Schlössern und vielen Landhäusern. 
Hier befindet sich das von der Königl. Bezirks-Gestütsinspektion zu München 
unterhaltene Landgestüt. Der Gestütshof besteht aus 4 Stallgebäuden 
und einem Wohngebäude. Der Landstallmeister ist der Königl. Bezirks- 
Gestütsinspektion unterstellt (Ministerium des Innern). 

Geschichtliches: Der Bestand an Beschälern ist ca. 120; darunter befinden 
sich ca. 4 englische Vollbluthengste, ferner bayerische, norddeutsche, 
Belgier, Pinzgauer, Ungarn (Radautzer) und englische Halbbluthengste. 
Diese Hengste kommen im Reg.-Bez. Oberbayern auf 24 Deckstationen zur 
Vertheilunof. 



Reg.-Bez. Niederbayern. Kreis Landshut. 

Name des Gestüts: Ldndshut (Landgestüt). 

Besitzer: Staats -FiscMS. 

Topographisches: Landshut ist eine unmittelbare Stadt am rechten Ufer 
der Isar, an der München — Regensburger Eisenbahn gelegen. 

Geschichtliches: Das hier aufgestellte Landgestüt ist mit 136 — 140 Beschälern 
besetzt, die dem grossen, starken aber auch dem mittleren Reit- und 
Wagenschlag angehören und vom Halbblut abstammen. Diese Hengste 
besetzen die Deckstationen Nieder bayerns. 

Kreis Niederbayern. Bezirksamt Passau. 

Name des Gestüts: Vombacll. 

Besitzer: Freiherr von Schätzler. 

Topographisches: Vombach ist ein Dorf am Inn und von Passau bezw. 
von Pfarrkirchen aus leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Während der letzten 15 — 20 Jahre wurde hier ein kleines 
Gestüt errichtet. Dasselbe zählte gegen 3 Vollblutstuten, deren Produkte 
auf die Rennbahn kommen. Während der 1890er Jahre hat man sich 
der „ Traberzucht " zugeneigt. 



Brauer, Gestüte. 



130 Provinz Niederbayern. Kreis Straubing. 

Name des Gestüts: Puchhof. 

Besitzer: Reichsrath von Lang- Puchhof. 

Topographisches: Puchhof ist ein Gut mit 2 Nebengütern und einem Areal 
von 850 ha; dasselbe liegt von Radidorf bei Straubing ca. 8 km entfernt. Höhe 
über Nordsee: 340 m. Hier besteht ein Vollblut- und ein Arbeitsgestüt. 
Geschichtliches: Bezeichneter Besitzer gründete das Vollblutgestüt 1887. 
Erste Mutterstuten waren Nellie Blair von Blair Athol aus der Nellie 
Moor und Milchstrasse von Flibustier aus der Stella; später wurden noch 
mehrere gleichen Blutes eingestellt. 1890 zählte das Gestüt 11 Voll 
blut-Mutterstuten. Nach , Grassmann " war kein edlerer Mutterstutenstamm^ 
als dieser hier, denkbar. Einen eigenen Hengst zum Belegen dieser Stuten 
hält das Gestüt nicht, es benutzt aber stets die edelsten Hengste von. 
eben solchen edlen deutschen Gestüten. Beandessert, Peter durch Picklock, 
Kisber, Chamant, Dantin, Weltmatm etc. 

1899 sind im Vollblutgestüt 12 Fohlen, 7 Hengste, 5 Stuten, 
gezogen worden; von den Hengsten sind 2 nach Fulnien^ je einer nach 
Meistersinger, Childwick^ Royal, Hattipton, Trenta?i und Talpra. Meister- 
singer I, brauner Hengst aus der Mocassin, gezogen 1890 von obigem 
Besitzer. Der durch seine Leistung hervorragende Hengst ist 170 cm hoch; 
die Königl. bayerische Landgestütsverwaltung hat durch die Erwerbung 
des Hengstes einen guten Griff gethan. 

Gloire de Dijon, eine sehr hervorragende Stute wurde vom Besitzer 
1 jährig, von Mr. Swanwick gezogen, 1892 in Puchhof eingeführt. Diese 
Stute stammt von Galgim aus der Rose Garden von Knigkcraft aus der 
Eglentine von Hermit. 1897 errang diese Stute viele Ehrenpi-eise, sie 
wurde lahm und daher bedingungsweise dem Gestüt überwiesen. Dieselbe 
vornehme Stute wurde nach England in das Colcham-Gestüt gebracht und 
daselbst mit einem aus Australien eingeführten Hengste gepaart. Die 
ausgezeichnete G^a/it?//«- Tochter: Gloire de Dijon, welche dem Gestüt 
mehrere Jahre schon angehörte, bisher aber verfohlte und güst blieb, hat 
wieder gefohlt und ein Fohlen von Aspirant gezeugt; diese wird demnächst 
von Telpra Magyar in Zschorna gedeckt werden. Der nach Puchhof 
gebrachte Hengst Telpra Magyar, der sich als Beschäler sehr gut erwies, 
wurde 1894 in das Gestüt Zschorna (Sachsen) als solcher verkauft. Telpra 
Magyar heisst zu deutsch: Gelungener Ungar und wurde 1885 im Gestüt 
des Ernst von Blaskovits zu Tapio Szent-Marton in Ungarn gezogen; dieser 
stammte von Buccaneer aus der Kincsem, der zu jener Zeit unbesiegten 
Wunderstute. Ferner ging die Vollblutstute Hyeres, die in dem Gestüte 
der Herzogin von Montrose (England) 1889 geboren war und aus der 
Marguirite stammte und den Hengst Hert7nt a. d. Devtion zum Vater 
hatte, mit ihrem Stutfohlen Hanchen von Macheath durch Vermittelung 
des Deutschen Zuchtvereins in den Besitz des Herrn von Lang-Puchhof über. 

Die gegenwärtig in Puchhof befindliche Vollblutheerde zählt ca. 
23 Köpfe. — Neben dem Vollblutgestüt besteht hier noch eine grössere 
Zahl Juckerstuten, welche letztere mit einem Traberhengst gepaart werden, 
um dadurch leistungsfähige, schnelle Wagenpferde zu erzielen. Im Arbeits - 
gestüt stehen durchschnittlich 6 — 10 Mutterstuten, die dem mittelschweren 
Wagenschlage angehören, wozu ein belgischer Hengst gehalten wird. 



Provinz Niederbayern. Kreis Straubing. 131 

Züchtung: Zuchtziel: Vollbluter - Jährlinge für die Rennbahn werden 
verkauft, bezw. dergleichen nach den Prinzipien im Hauptgestüt Graditz 
vorbereitet. Die Produkte des Arbeitsgestüts — ca. 30 — 40 Stück — 
sind für eigenen Landwirthschaftsbetrieb berechnet. 

Reg.-Bez. Niederbayern. Kreis Regen. 

Name des Gestüts: FraUenaU. 

Besitzer: Ritter von Pose hinger. 

Topographisches: Gut Frauenau liegt in nicht zu weiter Entfernung von 
Regen, einem Marktflecken im Bayerischen Wald. 

Geschichtliches: Obiger Besitzer gründete hier Anfang der 1890 er Jahre ein 
Gestüt. Dasselbe hatte im Jahre 1895 einen Bestand von 3 edlen Hengsten 
und 21 ebensolchen Stuten. Den Zuchtzweck hat man nicht erfahren können. 

Kreis Schwaben und Neuburg. 

Name des Gestüts: BergStetten (Kgl. Hof- Gestüt). 

mit Neuiiof und Rohrenfeld. 
Besitzer: Se. Majestät der König von Bayern. 

Topographisches: Bergstetten wurde mit Neuhof für Gestütszwecke 1816 
angekauft und hiernach sogleich mit dem seit 1571 bereits bestandenen 
Gestüt Rohrenfeld, mit zusammen einem Areal von nahezu 1000 ha, 
vereinigt und nun als Kgl. Hof- Gestüt Bergstetten mit Neuhof und 
Rohrenfeld für die Civilliste Sr. Majestät des Königs von Bayern in Be- 
trieb gesetzt. Sämmtliche Gestütskomplexe befinden sich in einer Höhen- 
lage von 460—470 m über dem Meeresspiegel. 

Geschichtliches: Seit der Begründung war Rohrenfeld ein kleines landes- 
herrliches Gestüt. Es wurden darin Pferde deutscher und neapolitanischer 
Abkunft gezüchtet, selbst auch eine türkische Stute zur Zucht mit ver- 
wendet. Durch die Kriegswirren wurde das Gestüt geschädigt und in 
seiner . Entwickelung zurückgehalten. Ende des 18. Jahrhunderts wurden 
Weidegrundstücke zugekauft. 1796 entführte die französische Armee 
dem Gestüt die besten Pferde. Nach dem Ankauf von Bergstetten mit 
Neuhof und der Vereinigung mit Rohrenfeld wurden von 1816 an im 
letztgenannten Gestüt zunächst die 2 bis 4jährigen Fohlen untergebracht. 
Von 1845 ab wurde, um stärkere als die bisherigen Pferde zum Reit- 
und Wagendienst zu erzeugen, in Rohrenfeld wieder ein Zuchtgestüt 
von gegen 50 — 60 Stuten aufgestellt, dasselbe hatte sich unter Ver- 
wendung des arabischen Blutes vorzüglich entwickelt und fanden die 
Produkte Verwendung für den Kgl. Marstall. Das Muttergestüt zu Berg- 
stetten hatte die schweren Pferde zu liefern. Bis über die Mitte der 
1850 er Jahre hinaus war der Bestand gegen 400 Köpfe. 1890 zählte 
das Gestüt 7 Hengste : 1 Probirer, 2 englische Vollblut- und 4 englische 
Halbbluthengste; 10 englische Vollblut-, 11 englische Halbblutstuten und 
31 Stuten aus der eigenen Zucht hervorgegangen, während der Rest 24 Stuten 

9* 



132 Kreis Schwaben und Neuburg. 

hannoverscher Abstammung war. 1899 war Bergstetten im Besitz von 
98 Mutterstuten, 5 Beschälern (3 Voll- und 2 Halbbluter) und 9 Jährlingen. 
Für die Deckzeit 1901 werden die beiden Vollbluthengste 
Meistersinger J und Vasistas als Beschäler thätig sein. Meistersinger I ist 
ein in Puchhof gezogener Chamant-'Sio\\n aus der Mocassin von Wenlock. 
Vasistas von Idus-Veranda (ein französischer Sieger). 

Die Vollblutstuten Bergstettens sind gegenwärtig: 
Baladava, braun, geb. 1891 von Weltmann-Brandung von The Fahner, 
Da/rosa, Fuchs, geb. 1896 von Aspirant- Dahlia von Faganini, 
Ina, Fuchs, geb. 1893 von Blue Rock- Inga II. von Brown Tommy, 
hies, Fuchs, geb. 1890 von Blue Rock-Indienne von Gabier. 
Inga II., Fuchs, geb. 1884 von Brown Tojnviy-Inga, von The Miner, 
Frofil, Fuchs, geb. 1892 von Nevteleti-Frofitrole von Mortemer, 
Frofitrole IL, dunkelbr., geb. 1887 von Microphone-Frofitrole von Mortemer, 
Frofitrole III, schwarzbr., geb. 1889 von Dalham-Frofitrole von Mortemer, 
Ttlby, Fuchs, geb. 1890 von Blue Rock-Tilby von Lord Lyon, 
Veronique, braun, geb. 1884 von Narcisse-Virtue von Stockwell. 
Sacharin, Fuchs, geb. 1890 von Strotizian-Sorcery von Wenlock. 



Brandzeichen: Nachstehendes Brand- 
zeichen kommt bei den Pferden 
dieses Gestüts zur 
M\ 4l' Anwendung, dai*- 



Mit Ausnahme der Sacharin und 
Veronique entstammten sämmtliche 
Stuten der eigenen Zucht. 

Der Stutenheerde Bergstettens 
unter die Nummer i ist von Görlsdorf auch noch eine 



desFohlenregisters, 
und wird auf der 

linken Seite des Pferdes unter dem 

Sattel eingebrannt. 



1897 geborene braune Stute Opal von 
Fulmen aus der Coffitesse Caroline von 
Buccaneer-Mariolan von Cambuscan 
durch Ankauf hinzugefüoft worden. 



Reg.-Bez. Schwaben und Neuburg. Kreis Augsburg. 

Name des Gestüts: AugSburQ (Kgl. Bayer. Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Augsburg ist Kreishauptstadt und liegt zwischen dem 
Lech und der Wertach und gilt als eine der schönsten Städte Deutsch- 
lands. 

Geschichtliches: Das hier aufgestellte Landgestüt enthält 86 Beschäler, wovon 
4 dem englischen Vollblut angehören. Mit diesen Hengsten werden die 
Deckstationen in Schwaben und Neuburg belegt. 

Reg.-Bez. Mittelminken. Kreis Beilngries. 

Name des Gestüts: KImgenhof. 

Besitzer: Herzog Ludwig Eugen von IVürtteniberg, 

Topographisches: Klingenhof liegt bei Weiltingen, einem Marktflecken an 
der Wörnitz. (Siehe Hauptgestüt Marbach.) 



Reg.-Bez. Mittelfranken. Kreis Beilngries. 1 33 

Geschichtliches: In obigem Ort hatte der damalige Besitzer als Prinz während 
der Jahre 1793 — 1795 ein Gestüt eigenartiger Beschaffenheit errichtet. 
Dasselbe war zusammengesetzt aus podolischen, moldauischen, türkischen 
und circassischen Stuten und türkischen, arabischen und anderen Hengsten. 
Den Erfolg dieser Rasse -Mischungen hat man nicht bekannt gegeben, 
ehebaldigst aber das Gestüt wieder aufgelöst und bessere Pferde daraus 
dem Gestüt .Marbach" zugetheilt. 

Reg.-Bez. Mittelfranken. Kreis Ansbach. 

Name des Gestüts: AnSUclCh (Kgl. Bayer. Landgestüt). 

Besitzer : Staats -Fiscus, 

Topographisches: Ansbach ist Kreishauptstadt und Sitz der Regierung von 
Mittelfranken, an der Gunzenhausen — Würzburger Eisenbahn, 20 Meilen 
nordwestlich von München gelegen. Der Ursprung der Stadt führt auf 
ein Benediktiaerkloster (786) zurück. Die Umgegend von Ansbach hat 
schöne Wiesengründe, ansehnliche Waldungen und vorzügliche Vieh- 
zucht. 

Geschichtliches: Das früher so berühmte und bedeutende Gestüt zu Ansbach 
wurde 1769 gegründet. Gegenwärtig besteht hier nur ein Kgl. Bayer. 
Landgestüt mit ungefähr 100 Beschälern, darunter einige englische 
Vo 11 bluth engste. 

Kreis Oberpfalz und Regensburg. Bezirksamt Regensburg. 

Name des Gestüts: SchwandOPf. 

Besitzer: Chr. Streng. Guts- und Braviereibesitzer. 

Topographisches: Schwandorf, Stadt an der Nah und an der Ostbahn, die 
sich hier nach Böhmen abzweigt, 2 Meilen nordöstlich von Böhmen; wich- 
tiger Bahnhof, bedeutende Brauerei, besuchte Pferde- und andere Vieh- 
märkte. Der Besitzer wohnt auf Schloss Naabeck, 5 km von der Station 
Schwandorf gelegen. Im Frühjahr 1899 bezogen die Gestütspferde eine 
neue schöne Stallung mit 5 grossen Laufständen. Im Freien: Unter- 
standshütte. 

Geschichtliches: Von 1897 zu 1898 gründete der Besitzer hier ein kleines 
Gestüt mit 4 sehr gut ausgeglichenen Stuten von kastanienbrauner Farbe; 
von diesen Stuten sind 3 Oldenburger Abstammung; eine stammt 
aus den Rotthal. Nach Bossert, „Zeitschr. für Pferdekunde vind Pferde- 
zucht" Nr. 12, 1899, S. 93, sind in Schwandorf noch vorhanden ein 
2 jähriges Hengsfohlen, welches vom bayerischen Landgestütshengst Agitator 
abstammt. Im Frühjahr 1899 fielen 2 Fohlen nach dem ungarischen 
Hengst Noniiis, die sehr gut entwickelt sind, 

Züchtung: Zuchtprinzip: Produktion kräftiger, gängiger und edler Karossiers. 



134 Reg.-Bez. Pfalz (Herzogthum). Kreis Zweibrücken (Bezirksamt). 

Name des Gestüts: ZweibrUckGII (Stamm-Zuchtgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Zweibrücken, Stadt im sogenannten Westrich am Scbwarz- 
baeh; 15 km von der lothringischen Grenze, mit der Ludwigsbahn ver- 
bunden; Schloss mit Anlagen. 

Geschichtliches: Das Gestüt Zweibrücken wurde noch Mitte des 18. Jahr- 
hunderts gegründet; von Herzog Christian IV. wurde auf Einführung von 
arabischem Blut hingewirkt, es wurden Beschäler beschafft, die die 
Landes - Pferdezucht veredeln sollten. Bis 1790 war eine ausgleichende 
Kasse gebildet worden, die eines Weltrufes sich erfreuen durfte. Es 
wurde Zuchtmaterial hiervon an verschiedene Länder abgegeben. 

Unter der Regierung des Herzogs Carl (1775) stand das Gestüt 
Zweibrücken auf seinem höchsten Glanzpunkte. Schon in den 1780er 
Jahren befand sich im ganzen Herzogthum ein allgemein veredelter, 
eigenthümlicher Pferdeschlag, dessen Güte auch von dem Auslande an- 
erkannt wurde. So kamen in den 1780 er Jahren nach Preussen 150 
Zweibrückener Hengste, die Stuten und Reitpferde ungerechnet, dann nach 
Trakehnen besonders viele Zweibrückener Stuten. Die Zweibrückener 
Pferde waren grösstentheils Schimmel. Es waren kleinere Pferde, jedoch sehr 
proportionirt gebaut, besassen grosse Energie und waren von ungemeinem 
Feuer. 1799 belief sich die Zahl auserlesener Stuten auf 2000 Stück. — 
Durch die Besitznahme der Anstalt von den Franzosen (1793) kam diese 
zum Untergang. — Alle Pferde kamen, nebst denen des Marstalles, nach 
Frankreich und wurden dort versteigert. 

Nach Bossert, „Zeitschrift für Pferdekunde und Pferdezucht", 1896, 
S. 83, wurde im Jahre 1798 von Seiten der Administration zu Zwei- 
brücken ein Entwurf zur Wiederherstellung des Gestüts oder eiastweilen 
nur zur Erhaltung der Rasse voi'gelegt, und so kamen bereits 1799 
. wieder sechs Zweibrückener Hengste vom französischen Gestüte „Rosiferes" 
nach Zweibrücken. Napoleon I., aufmerksam gemacht durch die Schön- 
heit und Ausdauer seines Leibreitpferdes „Fayhni", eines Zweibrückener 
Hengstes, den er in der Schlacht bei Wagram 28 Stunden unaufhörlich 
ritt, sowie durch die Ausdauer und Leichtigkeit der Bewegungen eines 
Regimentes, das mit Zweibrückener Pferden beritten war, und angegangen 
bei einer Unterredung durch König Maximilian L von Bayern, verfügte 
durch ein Dekret vom 7. März 1806, dass der Stamm des Zweibrückener 
Gestütes seinem Vaterland zurückgegeben werde. Durch eine eigene 
Dotation wurde nicht nur der Besitz der früheren Güter des Gestüts 
bestätigt, sondern auch noch mit dem ehemaligen Parke Tschifflick des 
polnischen Königs Stanislaus Leszynsky mit allen Gebäulichkeiten des 
sogenannten kleinen Schlosses in Zweibrücken, dann der Mastau und einer 
bedeutenden Anzahl von Dominialwiesen vermehrt. 

Bei dem 1814 erfolgten Rückzuge der Franzosen in das Innere von 
Frankreich flüchtete Direktor Struberg mit 78 Beschälern, 29 Mutterstuten 
und 24 Hengstfohlen nach Fontainebleau. Einige Wochen später wurden 
auf Befehl des Königs von Preussen 2 Beschäler, 103 Mutterstuten, 
27 Hengst- und 24 Stutfohlen von dem in Zwei brücken noch vor- 



Reg.-Bez. Pfalz (Herzogthum). Kreis Zweibrücken (Bezirksamt). 135 

handenen Bestände zunächst in das preussische Friedrich Wilhelm-Gestüt 
an der Dosse abgeführt. Den preussischen Gestütsmännern war die Güte 
des Zweibrückener Blutes von früher bekannt. Der berühmte österreichische 
JVomus-^tAvam., welcher hauptsächlich in Mezöhegyes (Ungarn) vertreten 
ist, wurde nachweislich durch den Zweibrückener Gestütshengst Nonius 
begründet. Der Hengst Nonius fiel 1815 mit vielen anderen Hengsten 
in österreichische Hände, als unschätzbare Kriegsbeute. Das Noniusblut 
findet sich heute noch in ganz Oesterreich mit einer durchschlagenden 
Vererbung. Nonius wurde 1815 — 1832 in Oesterreich als Hauptbeschäler 
verwendet und hat in dieser Zeit 79 Söhne und 137 Töchter erzeugt. 
Der Stammvater Nonius in ßosiferes geboren und ursprünglich dem 
Zweibrückener Gestüt angehörig, starb in Oesterreich am 28. Februar 
1838 an Altersschwäche. 

Zweibrücken wurde 1814 nach Abfuhr der besten Gestütspferde 
bald dem Verfalle nahe gebracht. Langsam aber erholte sich das Gestüt 
wieder von den traurigen Erlebnissen, durch Erwerbung neuen, zweck- 
entsprechenden Zuchtmaterials. Die Kreisregierung machte nach Schluss 
des Krieges grosse, aber vergebliche Anstrengungen, das Gestüt wieder 
in die Höhe zu bringen, bis nach vielfachen Experimenten fast gar nichts 
mehr geschah und alles verwahrlost wurde. Erst seit der Uebernahme 
des Gestüts durch die bayerische Staatsverwaltung im Jahre 1890 wurde 
wieder an der Verbesserung gearbeitet; es wurden damals auch Babolnaer 
und englische Vollbluthengste angeschafi't. Unter letzteren waren Isolani 
und Infant. An Stelle der Babolnaer Araber sollen jetzt anscheinend 
Originalaraber treten. Man kann wohl voraussetzen, dass auch der Stuten- 
stamm des Gestüts demnächst um eine Anzahl englischer Vollblutstuten 
vermehrt und so die alte anglo-arabische Zucht von neuem eingeführt wird. 

Herzogthum Pfalz. Bezirksamt Zweibrücken. 

Name des Gestüts: ZweibrÜCkeM (Laudgestüt). 

Besitzer : Staats -Fiscus. 

Topographisches: Zweibrücken ist eine Stadt am Schwarzbach im Westrich, 
liegt 15 km von der lothringischen Grenze und ist durch die Ludwigs- 
bahn verbunden. 

Geschichtliches: Das Landgestüt Zweibrücken wurde mit den übrigen 
Landgestüten 1769 gegründet und blieb dasselbe in der Verwaltung 
mit der des Stamm- bez. Zuchtgestüts, bis es am 1. Juli 1890 der Land- 
gestüts -Verwaltung unterstellt wurde. Durchschnittlich sind hier ca. 50 Be- 
schälhengste aufgestellt und decken auf 20 Stationen. 

Die bayrische Landgestüts -Verwaltung beabsichtigt das Landgestüt 
Zweibrücken mit neuen Original- Araberhengsten auszustatten. Die 
Wiedereinführung der Araber in Zweibrücken wird mit Freuden begrüsst. 
Die Tradition des Zweibrückener Gestüts weist auf die Araber hin. 



136 



Königreich Württemberg. 



Der Neckarkreis. Bezirk Esslingen. 

Name des Gestüts: WOJI (Kgl. Hofgestüt). 

Besitzer : Staats -FiscMS. 

Topographisches: Das Gestüt ist in einer Kgl. Domäne untergebracht, wozu 
noch die Domänen Scharnhausen und Klein-Hohenheim benutzt 
werden. Dasselbe ist von Esslingen aus bald zu erreichen. 

Geschichtliches: Unter dem damaligen Kronprinzen, späterem König Wil- 
helm I. von Wüi'ttemberg, eines hervorragenden Pferdefreundes und feinen 
Beurtheilers jeglichen Pferdeschlags, wurde aus Anlass der Hebung der 
Pferdezucht für die Landwirthschaft etc. das Gestüt Weil 1810 gegründet 
und zunächst in der Domäne Scharnhausen Zuchtpferde aufgestellt. 1817 
wurden vom Könige die Domänen Weil, Scharnhausen und Klein- 
Hohenheim für Gestütszwecke eingerichtet. Weil wurde zum Mutter- 
stutengestüt, Scharnhausen und Klein-Hohenheim zur Aufzucht der 
Fohlen bestimmt. 1816 wurde der noch geringe Stutenstamm durch 
Ankauf von persischen, kaukasischen, ungarischen und Sennerstuten ver- 
mehrt, 1819 wurden 8 Hengste und weitere 12 Stuten durch Graf 
Rzewusky im Orient angekauft, somit war eine grössere Anzahl arabischer 
Stuten im Gestüt vorhanden , denen es an Schönheit und Güte nicht 
mangelte. Unter 4 später noch eingeführten Hengsten war der berühmte 
Schimmelhengst Bairactar befindlich, durch den die arabische Zucht 
in Weil zur Vollblutzucht sich entwickelt hatte (1838). Diese Pferde 
zeichneten sich besonders durch Adel aus und besassen dabei einen 
strammen, festen und regelmässigen Körperbau und vorzügliche Gänge. 
Es wurden hiernach noch Orlow- und -Trakehner- Stuten dem Gestüt 
zugeführt, um dadurch Halbblutpferde, die gängig und für den Wagen- 
dienst sich eigneten und hauptsächlich braun von Farbe seien, zu züchten. 
Später entschloss man sich im Gestüt vor allem Rappen vind Schimmel 
zu züchten. 

Um die Schimmelzucht zu erreichen, wurden Yorkshire- und irische 
Stuten mit dem Araber- Schimmel Sultan Mahmud gepaart, für letzteren 
wurde der von Graf Pückler in der Wüste angekaufte Zariff eingestellt. 
Zur Erzielung der Rappen werden englische, hannoversche und Tra- 
kehner Stuten benutzt. Von letzteren entstammten bis 1840 ca. 10 Rapp- 
fohlen, die in die Mutterheerde dann eingereiht wurden. Um jene Zeit 
zählte das Gestüt ca. 80 Köpfe. 

Die Bedeckung der dunkelfarbigen Stuten erfolgte durch den Rapp- 
Hengst Mameluck^ die der Trakehner Stuten durch den Trakehner Haupt- 
beschäler Tigranes von Koylan (Araber) aus der englischen Vollblutstute 



Der Neckarkreis. Bezirk Esslingen. 137 

Guendolen (Friedrich Wilhelm-Gestüt). Durch diese Zucht glaubte man 
den Wagenschlag zu erzielen, der bei der Rappzucht nicht zu ermög- 
lichen war. Bei den Schimmeln hatte man den Wagenschlag bereits er- 
zielt bezw. hervorgebracht. Zu Anfang der 1860 er Jahre zählte das 
Gestüt über 100 Mutterstuten, die sich ungefähr zur Hälfte in arabische 
Vollblut- und Halbblutstuten theilten. 

Der Gesammtbestand war Mitte der 1860er Jahre weit über 
300 Pferde. Nach Ableben des Königs Wilhelm (1864) ging das Gestüt 
an Zahl zurück. Es kam der Bestand von 88 Mutterstuten auf 
etwa 60 zurück und blieb bis ca. Mitte der 1890er Jahre der Bestand: 
60 Stuten, ca. 8 Beschäler und 80 — 90 Fohlen verschiedener Jahrgänge. 
Die Stuten stehen in Weil, die Fohlen in Scharnhausen und die 
Hengste, die nur zur Deckzeit nach Weil kommen, stehen im Marstall 
zu Stuttgart. Von letzteren giebt es 3 Araber (incl. 1 Original-Araber), 
1 Trakehner, 3 englische Halbbluthengste, 1 englischen Vollbluthengst 
(Parsee, 1889 von Clairvaux aus der Malay von Blair Athol). In 
neuester Zeit herrscht im Gestüt das englische Blut vor, nur ca 15 ara- 
bische Vollblutstuten befinden sich darunter. 

Das Gestüt wendet sich seit Mitte der 1890 er Jahre von der ara- 
bischen Zucht ab und der englischen Vollblutzucht zu. Seit be- 
zeichneter Zeit besteht die Mutterheerde aus 10 Köpfen, von denen die 
meisten tragend waren (1895 — 1896). Hengste waren: Pumpernickel, 
Bryony-'^Q\m: Black Tartar. Parsee war Vorgänger von Pumpernickel, 
letzterer vererbt sich vorzüglich. 
Züchtung: Zuchtzweck: Lieferung von Pferden für den Kgl. Marstall 
(Reit- und Wagenpferde), fo.rner Hengste und Stuten zur Zucht, über- 
zählige Pferde werden jährlich einmal versteigert. 

Provinz Scbwarzwaldkreis. Bezirk Urach. 

Name des Gestüts: GÜterStGin(frtiherLandgestütsdepöt). 

Besitzer : Staats -Fiscus, 

Topographisches: Güterstein liegt gegen 4 km von Urach entfernt. Das 
Areal beträgt gegen 60 ha. Westlich von Urach befindet sich in einem 
engen Thale Güterstein, ehedem Marienkirche und Karthause, jetzt Land- 
gestüt, vorher war es Fohlenhof. Wegen der hohen Berge kann die Sonne 
das Gehöft nur wenig und selten erreichen, daher ist die Luft feucht 
und für Pferdehaltung wenig geeignet. 

Geschichtliches: Zur Zeit des Grafen Eberhardt, in der zweiten Hälfte des 
15. Jahrhunderts, wird ein in Güterstein bestehendes Gestüt erwähnt. 
Bei Gelegenheit der Errichtung des Hofgestüts zu Marbach (1573) 
wurde Güterstein zur Aufnahme von Fohlen bestimmt. Diesem Zwecke 
hat es meistens gedient. 1849 erfolgte hier die Einrichtung eines Be- 
schälerdepöts. Die vorhandenen Stallungen konnten gegen 60 Hengste 
aufnehmen. 1880 kamen die Beschäler, in Berücksichtigung der Gesund- 
heit dieser, auf die Vorwerke des Stamm gestüts Marbach. 



138 Provinz Donaukreis. Bezirk Kirchheim unter Teck. 

Name des Gestüts: IVIärDäCll (Kgl. Haupt-, Hof- u. Stammgesttit). 
Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt an der Lauter, zum Dorfe Dapfen 
gehörig; dasselbe befindet sich 700 m über Meer, ca. 5 km von Münsingen 
im Donaukreis, auf der rauhen Alb. Hierzu gehören die Vorwerke Offen- 
hausen, Rauh, St. Johann und Güterstein; es liegt rauh. Das Areal hierzu 
beträgt über 1000 ha. Marbach ist durch Eisenbahn von Stuttgart, bezw. 
von Urach aus in ca. lYg — 2 Stunden zu erreichen. Obiges , Haupt- 
gestüt " wird auch als , Stammgestüt * bezeichnet. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts Marbach erfolgte 1573 auf der 
Münsinger Alb durch Herzog Ludwig, unter der Bezeichnung „ Hofgestüt " . 
Mit dieser Gründung wurden 8 Mutterstuten eingeführt, wozu einige 
Hengste aus Spanien und Italien kamen. Kurz nach der Gründung wurde 
die Stutenzahl über 30 erhöht und hierzu auch Berberhengste eingeführt. 
Die erzeugten Fohlen wurden bis zum 4. Jahre in den obenbezeichneten 
Gestütshöfen geeignet untergebracht. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts 
wurden zu den vorhandenen Hengsten englische und friesische Beschäler 
gebracht, wozu dann Johann Friedrich, Sohn des Herzogs Friedrich L, den 
vorhandenen Stutenbestand mit arabischen und spanischen Vaterthieren 
und britischen Zeltern zu veredeln suchte. Die Wirren des 30jährigen 
Krieges schädigten das Gestüt bis zur Auflösung. 

Herzog Ludwig errichtete dasselbe von neuem 1674; es wurde .be- 
stimmt, darin Reit- und Wagenpferde zu züchten. Der Mutterstutenstamm 
wurde bis auf 60 bestimmt, der in ostfriesischer Rasse bestand und dazu 
Hengste derselben Rasse gebracht. Unter Herzog Karl wurde von 1772 
ab der Stutenbestand erhöht. Herzog Ludwig Eugen (1773 — 1775) 
verlegte das Gestüt von Marbach nach Klingenhof; dieser liess zuvor 
die im Gestüt befindlichen grossen und schweren Stuten ausmustern und 
dafür türkische, podolische, circassische und moldauische Stuten, sowie 
arabische und türkische Hengste einführen. Die französische Invasion 
verursachte Störung; das Gestüt flüchtete 1796 nach Anspach und Weil- 
tingen. Trotz der Verluste hatte das Gestüt von 1812 — 1816 wieder einen 
Stutenstamm von ca. 80 Köpfen erlangt. Bis um diese Zeit (1817) be- 
fand sich in Marbach das Hauptgestüt als Hofgestüt mit dem Landgestüt 
in lokaler Beziehung verbunden; es erfolgte eine Trennung des letzteren 
in demselben Jahre durch eine Verlegung nach Stuttgart. Bis 1819 waren 
verschiedene Rassen im Gestüt vertreten. In den 1820 er Jahren wurden 
ungarische Stuten zur Zucht eingeführt um mit hinzugekommenen 
orientalischen Hengsten ein bestimmtes Zuchtziel zu erreichen. Hierzu 
wurde aus dem Friedrich Wilhelm-Gestüt in Neustadt a. 0. Sanspareil er- 
worben; dieser Hengst war von 1817 — 1829 in Marbach thätig und hatte 
sich dabei wunderbar vererbt. Die Nachkommen von ihm waren schön, 
kräftig und ausdauernd. — Der Einfluss, den betreffender Hengst auf 
das Gestüt ausübte, war so bedeutend, dass es nach diesem eine besondere 
Rasse gab. 1839 betrug der Mutterstutenstamm 85 Köpfe; nach einer 
Musterung dieses Stammes wurden die Mutterstuten in 3 Klassen eingetheilt : 



Provinz Donaukreis. Bezirk Kirchheim unter Teck. 139 

1. in einen grossen, schweren Wagenschlag der ungarischen Zucht, 

2. in einen mittleren, leichteren und edleren Wagenpferdeschlag der Sans- 
pareil-ßasse und 

3. in einen schweren, englischen, seit 1840 eingeführten edlen Wagenschlag. 

Für die letzte Klasse wurden einige 20 Yorkshire und Cleveland-Stuten 
mit dem Hengst Volunteer, des englischen Kutschpferdschlages, benutzt. 
Die Zucht der letzten Klasse, massige, starke Pferde, wurden bis in die 
neueste Zeit neben der Züchtung der beiden anderen Klassen in hervor- 
ragender Weise betrieben. 

Der Gesammtbestand des Gestüts erstreckt sich bei einigen 

50 Mutterstuten, 1 englischen Vollbluthengst und 2 Anglo-Normannen 

auf gegen 300 Stück. Die Hengstfohlen werden in Rauh und St. Johann, 

die S tut fohlen in Offenhausen untergebracht und aufgezogen. 

Züchtung: Zuchtzweck: Schweres und leichteres Halbblut mit englischem 

Brandzeichen: Ein Brandzeichen kommt nicht Typus. Artilleriepferd. Starker 

Knochenbau neben Frühreife. 
Stuten werden 3jährig gedeckt, 
die Hengste werden in dem- 
selben Alter eingespannt, ange- 
ritten und 4jährig zum Decken 
im Landgestüt verwendet. 



,_;j^y^_^,.- mehr in Anwendung. Früher 



M 



wurden sämmtlichen Gestüts- 
pferden ein M mit einem darüber 
befindlichen halben liegenden 
Hirschgeweih auf die linke 
Hinterbacke aufgebrannt. 



Provinz Donaukreis. Bezirk Kirchheim unter Teck. 

Name des Gestüts: WlärDäCil (Landgesttit). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Siehe Königliches Hauptgestüt Marbach. 

Geschichtliches: Bis zum Jahre 1817 war das Landgestüt (Hengstdepot) mit 
dem Haupt- bezw. Hof- Gestüt vereinigt. Es fand eine Trennung statt 
und wurde das Landgestüt nach Stuttgart verlegt. Dasselbe wurde mit 
ca. 150 Hengsten des mittleren und starken Wagenschlages besetzt. In 
Stuttgart verblieb es bis 1849 und wurde mit dem Hauptgestüt 
Marbach wieder vereinigt. Damit die Hengste ausserhalb der Deckzeit 
zu landwirthschaftlichen Arbeiten verwendet werden konnten, wurden diese 
darauf nach Güterstein bei Urach verlegt; jetzt sind die Hengste aber 
von Güterstein wieder genommen und auf Marbach und die Vorwerke 
St. Johann und Offenhausen vertheilt. 

Züchtung: Die Landbeschäler werden zum grössten Theil im Hauptgestüt 
gezogen. Der Typus der Anglo-Normannen herrscht bei allen hier gezogenen 
Thieren vor. Bestand: ca. 120 Hengste, die auf etwa 40 Beschäl- 
stationen vertheilt werden. Zwei- und dreijährige Remonten werden 
jährlich für das Landgestüt ca. 50 aufgestellt. Im Frühjahr, wenn die 
Hengste auf den Stationen sich befinden, werden die kräftigen und älteren 
Remonten zu landwirthschaftlichen Arbeiten eingespannt. 

Brandzeichen: Die im Hauptgestüt geborenen und die von Landesbeschälern 
gefallenen Fohlen erhalten kein Brandzeichen; dahingegen erhalten aber 
die bei Landesprämiirungen prämiirten Hengste und Stuten als Brand- 
zeichen an der linken Hinterbacke ein wagrecht liegendes Hirschhorn. 



140 



Grossherzogthum Baden. 



Kreis Freiburg. Amtsbezirk Breisach. 

Name des Gestüts: LiliOnhof (Deutsch. Haupt-Trabergest.). 

Besitzer: Trabrenn -Gesellschaft Berlin- Westend. 

Topographisches: Lilienhof liegt unweit Ihringen, am südlichen Fusse des 
Kaiserstuhls und ist ein dem Grafen A. v. Bismarck gehöriges Gut. 
Das Areal beträgt 22 ha, Klima mild und schöner Landbau. Der sehr 
kalkhaltigen Wiesen wegen eignet sich Lilienhof ganz besonders zur Unter- 
bringung von jungen Pferden für die Aufzucht. 

Geschichtliches: Von der als Besitzerin bezeichneten Gesellschaft wurde 
obiges Gestüt im Herbst 1890 eingerichtet, dasselbe setzte sich zu jener 
Zeit zusammen aus 3 Beschälern, je 1 amerikanischen, 1 russischen 
und 1 französischen Traber, ferner aus 5 englischen Vollblut-, 
7 russischen, 5 amerikanischen Traber- und 1 ostpreussischen Stute, ist 
gleich 22 Mutterstuten und 13 Jährlingen. Die Jährlinge werden jähr- 
lich versteigert. 

1900 stellte das Haupt- Trabergestüt einen neuen Traberhengst, yi!<!«/<7, 
zur Verfügung. Betreffender Hengst ist in Kalifornien gezogen; des- 
gleichen hat dasselbe Gestüt 4 neue Mutterstuten erhalten : 

Coty, braun, 1893 geb. von Prince Red- Bella von Nutwood. 

Red- Silvia, braun, 1894 geb. von Prince Red-Cecilia von Del Sur. 

Rubicelle, braun, 1893 geb. von Prince Red-Inex von Sxveep Yakes. 

IValula, schwarz, Stern, 1894 geb. von Prince Red-Lunado von Electioneer. 

Züchtung: Zuchtziel: Hervorbringung von Reproduktionen, welche mit her- 
vorragendem Trabervermögen ein Exterieur verbinden, das den Ansprüchen 
der Landespferdezucht genügt. 



141 



Grossherzogthum Hessen. 



Provinz Starkenburg. Kreis Darmstadt. 

Name des Gestüts: HeSSlSCheS LandgeStÜt (Darmstadt). 

Besitzer : Staats -FiscMS. 

Topographisches: Die Landgestütseinrichtungen befinden sich in Darmstadt, 
der Hauptstadt des Landes. 

Geschichtliches: Das hier befindliche Landgestüt ist eins der ältesten über- 
haupt. Von 1808 ab entwickelte sich dasselbe nach und nach aus den 
im Kurfürstenthum Hessen und Fürstenthum Starkenburg lange vorher 
bestandenen Gestüten. Zu den ersten hier aufgestellten Hengsten gehörten 
2, welche sich vorher in Neu -Ulrichstein befanden, diese stammten aus 
dem preussischen Friedrich Wilhelm-Gestüt und waren orientalischer Ab- 
kunft. Dazwischen getretene Kriegswirren störten für längere Zeit den Betrieb. 
1820 wandte man sich zum Ankauf von Beschälern nach Mecklenburg, 
später nach dem nordwestlichen Frankreich, um ausschliesslich Anglo- 
Normannen zu erwerben. 1848 waren 70 Beschäler aufgestellt. Später 
(1882) wurde der Hengstbedarf zum Theil wieder in Norddeutschland 
gedeckt. 

1882 waren 4 englische Vollbluter und 10 Hannoveraner vorhanden, 
1885: 11 Hannoveraner, 9 Oldenburger, 2 Mecklenburger, 4 Percherons, 
34 Anglo - Normannen , 1 englischer Vollbluthengst. 1897 deckten 
57 Hengste auf 22 Stationen und 1900 59 Hengste auf 23 Stationen 
Der einzige Vollbluthengst Sumsenbacher von Przedswit-Lehet von Biic- 
caneer ist, wie auch in früheren Jahren, zu Dornheim aufgestellt. Die 
Mehrzahl der Hengste sind Belgier. 

Provinz Oberhessen. Kreis Alsfeld. 

Name des Gestüts: NGU- UlrictlSteitl. 

Besitzer : Staats -Fiscus. 

Topographisches: Der Gestütshof Neu-Ulrichstein liegt bei Dannenrod 
in nicht zu gi'osser Entfernung von Giessen bezw. Alsfeld. 

Geschichtliches: Während der ersten Jahre des 19. Jahrhunderts wurde hier 
ein grossherzogliches Gestüt gegründet, welches für ein Hauptgestüt galt. 
Zur Zeit der Gründung wurden zunächst 2 Hengste arabischer und 2 
persischer Abkunft aus dem preussischen Friedrich Wilhelm - Gestüt zu 



142 Provinz Oberhessen. Kreis Alsfeld. 

Neustadt a. d. D. sowie gegen 40 Mutterstuten, wovon eine grössere 
Zahl englischer, ferner einige arabischer und preussischer Abkunft waren, 
eingeführt. 

Züchtung: Zuchtzweck war Aufzucht eines starken Mittelschlages mit guten 
Schenkeln und reinen, trockenen Sehnen, sicherem Tritt und lebhaftem 
Temperament. 

Um das Jahr 1815 war infolge falscher oder Ueberzüchtung bei den 
Gestütsprodukten der Fehler leichten Erblindens eingetreten, dieses wurde 
durch den damaligen Oberstallmeister von Fabrice dadurch beseitigt, dass 
Hengste aus Russland angekauft wurden, wovon einer der persischen, ein 
anderer der türkischen Rasse angehörte. Diese beiden Hengste wurden 
von jetzt ab die Stammväter der später wieder etwas entarteten Rasse 
der sogenannten Ulrichsteiner Landpferde. Um das Jahr 1820 wurde 
das Gestüt durch mecklenburger Hengste sowie durch aus Yorkshire an- 
gekaufte Stuten avifgefrischt. Das Gestüt erhielt sich in befriedigender 
Weise bis Ende der 1840er Jahre, um welche Zeit die Auflösung des- 
selben erfolgte. 



143 



Elsass- Lothringen. 



Departement Nieder-Elsass. Stadtkreis Strassburg i. E. 

Name des Gestüts: 

Kaiserliches Landgestüt (staatshengstendepot) 

strassburg i. Elsass. 

Besitzer: Staats -Fiscfts. 

Topographisches: Bezeichnetes Landgestüt (Staatshengstendepot) ist im süd- 
lichen Theil der Stadt, in der Nähe der Festungsumwallung eingerichtet. 

Geschichtliches: Die ersten Einrichtungen für ein Landgestüt wurden bereits 
im 17. Jahrhundert versucht. Nach dem Frieden von Nimwegen (1678) 
wurden Beschäler aufgestellt. Die neueren Anfänge hatten aber schon 
1748 begonnen. 1870 und 1871 wurde Elsass und ein Theil Lothringens 
deutsches Reichsland und fanden sich dabei 34 Hengste in Strassburg 
vor. Hiernach ergab sich ein Hengstbestand von 86 Thieren; dieser 
setzte sich zusammen aus 2 englischen Vollblut-, 4 Anglo - Normannen- 
hengsten, 1 Anglo-Normanne von Araberblut, 37 Anglo-Normannen-Halb- 
blut-, 1 Norfolker, 1 Engländer aus der Grafschaft Wales und 22 Hengsten 
Ardenner, Percherons und Boulonnais. Die Beschälzeit beginnt am 1. März 
und dauert bis Ende Juni. Auf 24- -25 Beschälstationen werden jährlich 
durchschnittlich über 4000 Stuten belegt. 1897 waren im Landgestüt 
74 Hengste aufgestellt, die auf 29 Stationen deckten Nach dem Bericht 
für das Jahr 1899 waren wieder 29 Stationen: 20 dergleichen im ünter- 
Elsass, 8 im Ober-Elsass, 6 in Lothringen, mit 73 Hengsten besetzt und 
zwar mit 2 Vollbluthengsten (Admiral und Mandinet), 27 Halbbluthengsten, 
17 Percherons, 16 Belgier, 12 Boulonnais und 3 Krümper. 



144 



Oesterreicli -Ungarische Monarchie. 



Niederösterreich. 

Kreis Unter dem Mannliartsberg (Marchfeld\ 

Name des Gestüts: Seefeld -KadolZ. 

Besitzer: Gräfin Alice Hardegg-Harnoncour. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt an der Eisenbahnlinie Lundenburg — 
Zellerndorf und ist von der Station Seefeld-Kadolz aus leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: 1879 wurde betreffendes Gestüt mit 12 Stuten veredelten 
Landschlages gegründet, welche theils von Hengsten russischen Blutes, 
theils von Landesbeschälern der Beschälstation Kadolz gedeckt wurden. 
Die Stuten arbeiten in der Wirthschaft, die Fohlen werden nach 4 Mo- 
naten abgesetzt und an tägliche Bewegung gewöhnt. Als Jährlinge 
werden diese einer Prüfung unterworfen und darnach ihr Zweck be- 
stimmt. Hengste der Beschälstation Kadolz waren: Generale (Anglo-Nor- 
manne), Nonius (Normanne), Goodluck (englisches Halbblut), Volapük (eng- 
lisches Vollblut), Fi9?/«^ Tvm««/ (Anglo-Normanne), Musfang (engl. Vollblut). 

Kreis Unter dem Mannhartsberg (Marchfeld). 

Name des Gestüts: Angem. 

Besitzer: Gi'af und Gräfin Anion Apponyi. 

Topographisches: Graf Apponyi pachtete zu Zuchtzwecken den im March- 
feld gelegenen, zur Herrschaft Angern des Grafen Rud. Christian Kinsky 
gehörigen, eine halbe Stunde von der Balinstation Angern der Kaiser- 
Ferdinands - Nordbahn bei Wien gelegenen Meierhof , Schaf lerhof , behufs 
Errichtung eines englischen Vollblutgestüts. Das Klima ist etwas rauh, 
aber trotz alledem gesund. 

Geschichtliches: Das erwähn+e Vollblutgestüt wurde 1891 gegründet. Es 
trafen nach und nach ein die Stuten The Croum-Jewel, Judica, Sorella, 
Marie Therese und Condiiion^ sowie der berühmte Fuchshengst Triumph; 
letzterer ist ein ganz bevorzugter Hengst. Dieser war vorher im Besitz 
des Prinzen Egon von Thurn und Taxis und betrat zweijährig die 
Rennbahn in Wien; dreijährig errang er, im Besitz des Grafen Apponyi, 
fünf Rennsiege. Die Fohlen sind meist Füchse von sehr edlem Bau 
und edler Haltung. Zuchtzweck: Erzeugung von Rennpferden bester 
Qualität. — Laut einer Notiz in Bossert's „Zeitschr. f. Pferdekunde und 
Pferdezucht" 1899, Nr. 18, hat aus obigem Gestüt der Zuchtverein 
aus Mitteln des Importfonds für Deutschland eine sehr werthvolle Mutter- 
stute: Adria von Paszior a. d. Fantasie von Palmer a. d. Fancy, erworben. 



Niederöstei-reich. 145 

Name des Gestüts: Schönkircheti-Raggendorf. 

Besitzer: Kaiser l. Hoheit, Erzherzog Emest. 

Topographisches: Von der Bahnstation Gänserndorf bei Wien ist Schön- 
kirchen ca. Y2 Stunde entfernt. Gute Strasse, die durch gut kultivirtes 
Ackerland in üppige Wiesen führt, woselbst in der Mitte des Ortes das 
erzherzogliche Schloss gelegen ist. In der Nähe des Schlosses, welches 
als Jagdschloss dient, befindet sich der Oekonomie- bezw. Wirthschaftshof 
mit Viehwirthschaft. Neben dem Schlosse sind die Stallungen nebst anderen 
Räumen angebracht. Y2 Stunde von hier entfernt liegt Raggendorf, das 
eigentliche Gestütsetablissement. 

deschichtiiches: Im Jahre 1850 wurde vom Besitzer der Wunsch aus- 
gesprochen, in Raggendorf Einrichtungen behufs Züchtung von Pferden 
zu treffen. Zunächst wurde eine immer steigende Zahl Mutterstuten an- 
gekauft. Die Stuten wurden zum Decken nach Kisber oder Bäbolna 
gebracht. Der Zweck des. Gestüts war der, tüchtige, brauchbare Reit- 
und Wagenpferde für den Marstall zu züchten, wozu deshalb das Vollblut, 
englisches sowohl wie arabisches, eifrig gepflegt wurde. Dieser Zweck 
wurde dadurch auch glücklich erreicht. Später waren die Hengste 
Teddington, Daniel O'Rourke, Oakball, Revolver, Chief Justice, Codrington, 
Sutherland, Nordstern, El Bedavt, Sade, Samban, Dahoman etc. etc. zum 
Decken der Mutterstuten verwendet, und diese beweisen, dass dem Gestüte 
dadurch eine bedeutende Grundlage beigebracht und dadurch die Zucht 
in Raggendorf eine sehr edle geworden ist. 

Bis Mitte der 1860er Jahre hatte das Gestüt 21 sehr edle Voll- 
und Halbblutmutterstuten sowie einige 30 Fohlen verschiedener Jahrgänge 
in hohem Blut. Wie der bisherige Stand des Gestüts war, bez. wie dieser 
gegenwärtig ist, konnte trotz öfteren Anfragens nicht erfahren werden. 

Kreis Unter dem Mannhartsberg' (Marchfeld). 

Name des Gestüts: Neuaigen-Grafencgg. 

Besitzer: Graf August Breimner-Enckevoirth. 

Topographisches: Der Gestütsort Neuaigen ist von Stockerau aus, Eisenbahn 
Wien — Stockerau, nach Zurücklegung von ca. 12 km Landstrasse zu 
erreichen. Die Gegend ist eben und erstreckt sich an der Donau hin, 
der Boden fruchtbar, die Weiden ergiebig. Es befindet sich daselbst ein 
herrschaftliches Jagdschloss, umgeben von Stallungen für die Mutterstuten. 
Grosse Bewegungsräume, umgeben von hohen Mauern, erstere bepflanzt 
mit Baumgruppen und Alleen, behufs Herstellung schattiger Ruhestellen. 
Die Lage des Gestütsortes ist so günstig, dass hier zeitweilig noch 
Pferde bezw. Fohlen -von anderen Gestüten genannten Besitzers wegen 
der günstigen Fütterungsverhältnisse Niuaigens zugebracht werden, so 
z. B. aus dem Gestüt Zselez (Ungarn: Comitat Bars), ferner aus dem zu 
Nyir. Diese Pferde werden in Grafenegg aufgestellt bez. dort abgerichtet. 

Bräuer, Gestüte. 10 



146 Niederösterreich, 

Geschichtliches: im Jahre 1843 wurde durch Ankauf einiger englischer Stuten 
das Gestüt gegründet und dazu 1 Deckhengst, Nelson, Enkel des Tajar, 
eingestellt. Infolge der unruhigen Zeitverhältnisse wurde 1848 das Gestüt 
aufgelöst; jedoch 1850 wieder neu errichtet Es wurden wieder englische 
Stuten eingestellt und zum Decken die ärarischen Beschälhengste benutzt, 

Züchtung: Zuchtzweck war, gebrauchsfähige Pferde für Reit- und Wagen- 
dienst zu züchten; Reitpferde für schweres Gewicht. Die Pferde sollten 
äusserst gutmüthig und willig sein. 



Kreis Unter dem Mannhartsberg (Marchfeld). 

Name des Gestüts: HotienaU. 

Besitzer: Regierender Fürst von Liechtenstein. 

Topographisches: Hohenau liegt am rechten Ufer des Marchflusses; dasselbe 
ist von Wien aus durch die Nordbahn, von der Station gleichen Namens^ 
in kurzer Zeit zu erreichen. Als Gestütslokalitäten befinden sich daselbst 
grosse und geräumig angelegte Ställe mit Marmorkrippen, kunstvoll her- 
gestellte Raufen, grosse Wasserleitungen. Gegen 200 ha Wiesenflächen 
waren zu Weiden bestimmt. 

Geschichtliches: Die Gestütsarchive von Hohenau reichen über mehrer Jahr- 
hunderte zurück; es müssten die Aufschlüsse hierdurch sehr interessant 
sein. Die hier gezogenen Pferde richteten sich nach den Zeit- und Ge- 
brauchsverhältnissen; doch geniessen hierbei die spanischen und orientalischen 
Pferde besondere Berücksichtigung. Ein späterer Besitzer derselben 
Familie zog vor, die bisher gezogenen Pferderassen durch englisches Blut 
zu verdrängen, um Jagdpferde zu gewinnen; es wurde deshalb von da 
ab darauf besonderes Gewicht gelegt. Durch vortreffliche Vater- und 
Mutterpferde wurden berühmte Jagdpferde gezogen. Ausdauernd, leicht- 
beweglich, gelehrig. Der Bestand erreichte incl. der Fohlen längere 
Zeit die Höhe von gegen 200 Köpfe. Halbblut- Mutterstuten erreichten 
die Zahl von 40—50. 

Züchtung: Zweck des Gestüts war, dem fürstlichen Marstall den erforderlichen 
Bedarf zuzuführen. 

Die Zahl der Pferde nahm mehr und mehr ab, weil weniger ge- 
züchtet. 1886 wurde das Gestüt aufgelöst bezw. dasselbe nach Neuhof 
bei Brunn, Markgrafschaft Mähren verlegt. Siehe dort. 

Brandzeichen: 



Nach Einführung des englischen 
Blutes nicht mehr angewendet. 




Niederösterreich. 147 

Name des Gestüts: TUlIll (l.niederösterr. Pferdezuchtanstalt). 
Besitzer: Vier Pferdeliebhaber in Tulln. 

Topographisches: Tulln (Tullana, Dullona) Stadt am Einflüsse des Tullner- 
baehes in die Donau, und auf dem schönen und fruchtbaren Tulliierfelde, 
oberhalb oder westlich und 2^/2 Meilen von Klosterneuburg bei Wien mit 
römischen Alterthümern. Tulln war früher Hauptstadt des Landes unter der 
Enns und liegt 34 km von Wien an der Kaiser Franz Josef-Eisenbahn. 

Geschichtliches: Im Jahre 1889 wurde hier unter dem Protektorate des 
Grafen Dom. Hardegg von mehreren Bürgern bezw. Liebhabern die 
1. niederösterreichische Pferdezuchtanstalt gegründet. Diese 
Anstalt ist eine Pflege- bezw. Pensionsanstalt, die meistens mit Pferden 
besetzt ist. Es wurden hierher Pferde zum Abfohlen, auch zum Belegen 
von mit hier aufgestellten Hengsten gebracht. Darin werden auch Pferde 
behufs Erholung von Krankheiten oder Strapazen aufgenommen. Für 
Fütterung und Wartung sind Pensionspreise festgestellt. 

Kreis Unterm Wiener Wald. 

Name des Gestüts: Fahrafeld. 

Besitzer: Graf Wiinpffen. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt ist von dem Stationsplatz Leobersdorf 
an der Südbahn in einer Stunde zu erreichen, in derselben Zeit aber auch 
von Vöslau aus. Das Gestüt befindet sich im Schlosshof. Dieser bildet 
ein Viereck und sind darin die erforderlichen Vorkehrungen für ein Ge- 
stüt getroffen. Zu geeigneter Zeit kommen die älteren Fohlen und die 
Mutterstuten in der Nähe des Gestüts auf gute, schattige Gebirgsweide, die 
reichlich bewaldet ist und wo ein Gebirgsbach Tränke nach Bedarf gestattet. 

Geschichtliches: Behufs Durchführung des Entschlusses, hier ein Gestüt mit 
der Bestimmung, Pferde zunächst für eigenen Bedarf zu züchten, zu er- 
richten und die überzähligen zu veräussern, wurde 1863 zunächst eine 
arabische Vollblutstute russischer Zucht Sahara sowie die Original- Araber- 
stute Mabruka, gezogen im Gestüt Ibrahim Pascha's von Aegypten, 
sowie ferner die arabische Vollblutstute Raba , gezogen im Gestüt 
Sr. Kgl. Hoheit des Herzogs von Modena, eingestellt, dann gab der 
Graf die Stute Siglavy XX. 1. (Mezöhegyeser Zucht), welche er selbst 
als ausdauernd leistungsfähig erprobt hatte, in das Gestüt und acquirirte 
für dasselbe noch die Halbblut- Araberstuten Minka, gezogen beim Grafen 
Zieliski in Galizien yxn^ Esinos, Araber -Halbblutstute, gezogen bei Simon 
von Sina in GödöUö (Ungarn: Comitat Pest). Hierbei fanden noch weitere 
edle Araberstuten sowie auch einige englische Verwendung. 

An Vatermaterial wurde 1862 dem Gestüt der Araber -Vollblut- 
hengst Nedschdj (Goldfuchs) aus der Gegend von Triest zugetheilt. Die 
Nachkommen sollen vorzügliche Thiere gewesen sein. In Fahrafeld kam 
man später auf den Gedanken, neben Renn- und Reitpferden auch Wagen - 
pferde mit hervorgehen zu lassen. Gegenwärtiger Stand des Gestüts 



ist trotz öfterer Anfragen nicht bekannt gegeben worden. 



10' 



148 Oberösterreich. 

Name des Gestüts: LlHZ. 

Besitzer: k. k. Postmeister Adolf Winkler. 

Topographisches: Linz liegt am rechten Ufer der Donau und ist mit Dampfe 
schiif und durch die Budweis — Gmundener und die Elisabeth -Eisenbahn 
zu erreichen. Das Gestüt selbst liegt etwa Y2 Stunde von Linz entfernt 
auf dem Areal eines Gutes der Herrschaft des Grafen Weissenwolf, 
Namens Caplanhof, woselbst sich die meisten Pferde des Gestüts befinden. 
Auf einem Meierhof, Namens Lüften berg, der sich über eine Bahnstunde 
von der Station Pulgarn, auf der linken Seite der Donau, befindet, werden 
die Jährlinge auf die Weide gebracht. Zweijährig kommen diese nach 
Caplanhof zurück, um event. in das Training zu kommen. 

Geschichtliches: Bezeichneter Besitzer interessirte sich besonders für die 
Zucht von Trabern und Wageni^ferden. Hierzu stellte dieser während 
der 1880 er Jahre 9 Stück englische Halbblutstuten mittelschweren 
Schlages mit guten Gängen auf, die sämmtlich von einem iin März 1890 
aus Amerika importirten, dem ßennverein in Linz gehörigen. Traber- 
hengst George Pacetnaker gedeckt wurden. Von den zweijährigen 
Fohlen wei'den die, welche nicht schnell genug sind, aus dem Rennstall 
entfernt und später als Wagenpferde für die Oekonomie verwendet, die 
sich jedoch für die Training eignenden nach Wien auf die Ti'abrennbahn 
gebracht, wo solche recht gute Erfolge errungen haben sollen. 

Für den hier vorliegenden Oekonomiebetrieb und den Postdienst, 
den der Besitzer besonders noch zu leiten hat, findet man in dessen 
Ställen ausserdem noch norische Pferde der schwersten Gattung aus 
Oesterreich, Salzburg, Steiermark und Kärnthen. Das ganze Material ist 
mit grosser Sachkemitniss gewählt. 

Kreis Traun. 

Name des Gestüts: TÜlySburg. 

Besitzer: G^^^f Carl O" Heger ty. 

Topographisches: Tillysburg liegt in nächster Nähe der sehr alten Stadt 
Enns, am linken Ufer der hier die Grenze zwischen Ober- und Niedei'- 
österreich bildenden Enns, unweit der Mündung in die Donau. Tillys- 
burg ist eines der gi'ossartigston Schlösser in Oberösterreich, früher 
Eigenthum der Tilly'schen Familie, jetzt des Chorherrenstifts. 

Geschichtliches: Mit dem Zwecke, schöne, kräftige Reitpferde zu erzielen, 
welche gelegentlich auch zum Zuge verwendet werden können, gründete Graf 
O'Hegerty hier ein Gestüt und brachte hierzu 1840 aus England den Hengst 
Volunieer (Vollblut), dann die Stuten Frolicksome, Peleg und Champignon. 
Von diesem Material stammten 1847 alle 3- und 4jährigeu Pferde 
ab. Im Jahre 1852 kam Hengst Lottery (englisches Vollblut) aus- 
schliesslich zur Zucht. Die Zucht wurde hier nach rationellen Grund- 
sätzen betrieben, und nur dadurch zeichneten sich die Pferde Tillysburgs 
durch Gestalt und Leistungsfähigkeit besonders aus. Nach direkt ge- 
stellter Anfrage ergab die Antwort, dass in Tillysburg seit Beginn der 
1860 er Jahre der Betrieb der Pferdezucht aufgegeben sei. 



Oberösterreich. 149 

Name des Gestüts: GmUtlden. 

Besitzer: Johann Dierzer. 

Topographisches: Gmimden liegt am Ausfluss der Traun in reizender Ge- 
gend, ca. 50 km von Linz entfernt und ist durch eine von Lambach 
ausgehende Zweigbahn verbunden. Das Gestüt liegt ca. 1 Viertelstunde 
von der Stadt entfernt am rechten Traun-Ufer und hat schöne, neue Ställe. 
Weiden waren nicht vorhanden, dagegen aber Ausläufe an den Ufern der Traun. 

Geschichtliches: Kurz vor 1845 wurde das Gestüt unter verschiedenen 
Hindernissen gegründet, es war damals Oberösterreich mit Hengsten nicht 
so reichlich versehen als wie andere Provinzen des österreichischen Staates, 
um diese Zeit wurde als erster Beschäler ein Fuchshengst, Siglavi, auf- 
gestellt. Nachdem jedoch dem Besitzer ein weiterer, ärarischer Hengst 
zur Benutzung gegeben worden war, konnte er 1850 auch noch den da- 
mals berühmten englischen Vollbluthengst Scamander von einem Gestüts- 
inhaber H, Bethmann in Miethe nehmen, von welch' letzterem ein Hengst- 
fohlen bei der landwirthschaftlichen Ausstellung 1857 mit einem Preis 
ausgezeichnet wurde. 1858—1861 züchtete der Gestütsbesitzer mit dem 
englischen Hengst Glaucus den oberösterreichischen Stutenstamm weiter 
und kam dadurch zu befriedigenden Resultaten. 1862 begannen Kreu- 
zungen der bezeichneten Stuten mit dem Vollblut-Araberhengst Dahoman 
und 1863 mit dem englischen Vollbluthengst Coronna aus dem Kisber- 
Gestüt, aber die Erfolge waren ungünstig Von 8 Mutterstuten wurden 
jedes Jahr nur 2 tragend. 

Diese Misserfolge brachten den Besitzer zu der Ueberzeugung, vor- 
läufig die Pferdezucht grösseren (Jmfangs aufzugeben, jedoch den 
Bestand an älteren Pferden und Fohlen weiter zu ziehen. Ob seit den 
1860er Jahren die Züchtung anderweit neu aufgenommen wurde, war 
bisher nicht zu ermitteln. 

Kreis Ober dem Mannhartsberge (Waldviertel gen.). 

Name des Gestüts: PerSenbeUg an der Donau. 

Besitzer: Se. k. k. Hoheit Erzherzog Otto. 

Topographisches: Persenbeug ist Marktflecken und liegt am linken Donau- 
ufer der Stadt Ybbs gegenüber, ca. 40 km oberhalb Krems, mit statt- 
lichem auf einem Felsen gelegenen kaiserlichen Schlosse nebst grossem 
und schönem Garten. Der Ort ist von der Dampfschiffstation aus zu 
erreichen, aber auch von der Eisenbahnstation Kemmelbach-Ybbs, nach 
Zurücklegung von 2 km Weg. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1888 als englisches Vollblutgestüt 
gegründet. Es befinden sich darin 7 Mutterstuten, die in Angern, Kisber, 
Napagedl und Totis gedeckt werden und zwar von daselbst aufgestellten 
Vollbluthengsten, Ein Theil der Jährlinge wird vei-kauft, ein Theil in 
den Rennstall des Erzherzogs in Oedenburg überführt. Im Training dort 
befinden sich gewöhnlich 6 — 8 Pferde. 



150 



Herzogthum Steiermark. 



Obersteiermark. Kreis Brück an der Mur. 

Name des Gestüts: WeiSSCnbach bei Üezen. 

Besitzer: Freiherr Jordis von Lohausen. 

Topographisches: Bezeichneter Ort liegt bei Liezen, einem Dorfe im Ennsthal. 
Das Gut, auf dem Pferdezucht mit betrieben wird, hält ein Areal von 
140 ha, es liegt 2Y2 kni nordöstlich von Liezen, am Weissen Bach, un- 
mittelbar am Fusse des Gebirgszuges, welcher das linke Ennsufer in seinem 
Laufe von West nach Ost begleitet. Klima im Winter sehr kalt, jedoch 
sonnig, trocken. Stallungen steinern; Ausläufe. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1889 vom Besitzer gegründet mit Ein- 
stellung von 10 nori sehen Stuten, reiner Abstammung, welche von einem 
der besten norischen Hengste gedeckt wurden. Grundsätzlich deckt hier 
jeder Hengst nur eine einzige Deckperiode. Am meisten hatten sich bis 
1897 die Nachkommen der Staatshengste Bravo und Gumbert bewährt. 
Ein dem Besitzer gehöriger und gekörter Hengst, Armin^ wird ausser seinen 
eigenen, auch den Stuten in Weisseubach und Umgegend zur Verfügung 
gestellt. Hengste, die zur Zucht sich nicht eignen, werden als Arbeits- 
thiere abgegeben. Zuchthengste von hier finden stets guten Absatz: 
die Regierungen von Oesterreich, Ungarn, Kroatien, Slavonien und Bayern 
sind ständige Abnehmer der Hengste aus Weissenbach, welche sich 
vermöge ihrer reinblütigen Abstammung, ihrer guten Form und ihrer 
rationellen Aufzucht eines grossen Rufes erfreuen. Die Stuten dieser 
rein norischen Rasse gehen gleichfalls viel nach Ungarn, Siebenbürgen, 
Bayern und Preussen. 

Untersteiermark. Kreis Marburg. 

Name des Gestüts: ThumlSCh bei Pettau. 

Besitzer: Rudolf von Warren-Lippit. 

Topographisches: Die Herrschaft Thurnisch mit einem Areal von über 
1100 ha liegt ca. 5 km von der Stadt Pettau, am rechten Drau -Ufer. 
Vorherrschend Land- und Alluvialboden. Die Wiesen liegen längs der Drau. 
Die Stallungen sind gemauert, gewölbt etc. Das Klima ist leicht i'auh. 

Geschichtliches: Im Jahre 1885 wurde vom Besitzer ein englisches Halb- 
blutgestüt gegründet und zwar mit vortheilhaftem Erfolg. Dasselbe 
wurde jedoch 1890 in ein Trabergestüt umgewandelt. Es wurden für 
letzteres daher englische Halbblutstuten mit guter Trabaktion eingestellt 
und diese mit englischen Vollbluthengsten gedeckt. Diese Richtung ge- 
nügte nicht. Daher wurden nun Stuten amerikanischer und russi- 



Steiermark. 151 

scher Abstammung dem G-estüt zugebracht und diese mit ameri- 
kanischen Traberhengsten gedeckt: 

1. Nameless, br. gez., 1889 in Italien von Hamilton an Pr. aus der 
Namenlose (Vollblut) von Ostreger aus der Spanish Fly (Gribraltar). 

2. Videito, br. gez., 1890 in Amerika von Lord Byron aus der Ve- 
salia von Stambul und 

3. Swarthmore, 1895. 

Mutterstuten zählte das Gestüt Mitte der 1890er Jahre 16. 1895 
waren vorhanden: Beschäler: 1, Fohlen: 6 vier-, 10 drei-, 11 zwei-, 
12 einjährige und 11 Saugfohlen. 

Untersteiermark. Kreis Voitsberg. 

Name des Gestüts: 

Staatsgestüt Piber (derzeit, k. k. Remontedepot). 
Besitzer: Staats -FiscMS. 

Topographisches: Piber liegt ca. 45 km westlich von Graz, von wo das 
Gestüt mit der Eisenbahn in ungefähr 2 Stunden von der Station Köflach 
in nordwestlicher Richtung erreicht werden kann. Das Areal, welches 
von dieser Gestütsanstalt zur Zeit benutzt wird, beziffert sich nach 
Gassebner I, Seite 312, auf ca. 684,000 ha, wovon dem Gestüt eigen- 
thümlich 271,000 ha gehören. Piber liegt 503 m über dem Meer, auf einem 
Plateau, von schützendem Gebirgszug umgeben. Das Klima ist mild und frei 
von Nebel. Das Dorf Piber zählt gegen 400 Einwohner, die Häuser liegen 
zerstreut. Zu dem Hauptgestüt gehörten noch 5 Gestütshöfe und zwar: 
1. Kampl, mit Laufstall für 30 Fohlen, liegt 2 km von Piber entfernt, 
iL. (irub, „ ,, „ oO „ „ 2 ,, „ ,, „ 

3. Wilhelm, „ „ ^ „ 50 „ „ 2 „ „ „ 

4. Reinthaler Hof, mit 2 Stallungen, „ 10 ,, „ „ „ 

5. Lankowitz, 4 km von Piber, „ 4 „ „ „ „ 

Mit dem Gestüt ist ferner auch der Auftrieb zu Alpenweiden ver- 
bunden (Kleinalpe und Stutalpe), erstere liegt 36 km, letztere 30 km von Piber 
entfernt; beide befinden sich in einer Höhe von 1300 — 1400 m überm Meer. 
Geschichtliches: Kaiser Josef n. zog s. Zt. die in Piber bestandene Benedik- 
tiner-Abtei, zum Stift Langrecht gehörig, ein und bildete 1798 an diesem 
Ort ein Militärgestüt, welchem nach und nach bis gegen 70 Mutterstuten 
zugetheilt wurden. Die um diese Zeit gezüchteten Pferde zeichneten sich 
damals durch kräftigen, schönen Körperbau aus; diese waren aber auch 
fest und widerstandsfähig infolge der Bodenbeschaffenheit und der sonstigen 
guten Zuchtverhältnisse. Daher wurde seitens der Regierung eine Ver- 
grösserung des Gestüts angeregt. Während der Jahre 1808 bis 1809 
wurde dem Gestüt vom Beschäl- und Remontirungs-Departement zu Graz 
7 Hengste, ungarischer, polnischer, englischer und arabischer Abstammung, 
zum Belegen von Stuten dort zugetheilt. Im Jahre 1810 erst wurde 
dem Gestüt ein eigener Hengstbestand gewährt; von da ab bis zum 
Jahre 1852 kam Piber nach und nach in den Besitz von 28 Beschäl- 
hengsten, die hauptsächlich englisches Vollblut repräsentirten, und wozu 
der General - Gestütsinspektor Graf Hardegg die Initiative ergriffen hatte. 



152 Steiermark. 

Es kam Piber infolge Züchtung anglo-arabischer Pferde in die Lage 
grosser Erfolge. Trotz alledem aber wurde von jener Zeit ab wegen des 
Militärgestütes Kisber für Piber eine Aenderung in der bisherigen Zucht- 
• richtung angestrebt, um für Ungarn, Siebenbürgen und Kroatien leichte 
bezw. geeignete Landesbeschäler zu gewinnen und wurde dazu in Piber 
die Zucht der Lippizaner Rasse eingeführt. Von 1853 — 1868 kamen 18 
Hengste der Lippizaner Rasse in das Gestüt; von 1854—1864 wurden 
durch Vermittelung des k. k. Oberstmarstallamtes auch 47 Stuten derselben 
Rasse dort eingeführt. Von dem Militärgestüt Kisber kamen ferner von 
1855 — 1857 noch 16 und vom k. k. Hofgestüt Lippiza 11 Stuten der 
reinen Lippizaner Rasse dorthin. Endlich aber brachte das Militärgestüt 
Ossiach während der Jahre 1860 — 1866 noch 10 Stuten derselben Rasse 
(Rothschimmel) zu. Zum Decken dieser Stuten wurden neben der Lippizaner 
Hengste während der Jahre 1861 — 1866 aber auch noch die Hengste: 

Rhodus Burgunder Rasse, 

Figaro Pinzgauer „ 

Mach Abus .... „ „ 

angekauft. — Um jene Zeit konnte man sich über die Zuchtrichtung für 
Piber immer noch nicht schlüssig werden, trotzdem im Mai 1869 in 
Slawuta in Russland ein Araberhengst Namens Busak angekauft wurde, der 
in Piber 20 Stuten zu decken hatte. Es stellte sich hierbei aber als endgültig 
heraus, dass die Lippizaner Stuten hinsichtlich der Rasse unter damaligen 
Verhältnissen nicht jenes Material an Landesbeschälern produzirten, welches 
die Mehrzahl der österreichischen Provinzen bedurfte, und es wurde daher 
in massgebenden Kreisen der Beschluss gefasst, in Piber nur einen schweren, 
aber edlen Pferdeschlag zu züchten. Dabei fiel die Wahl auf Anglo- 
Normannen, und wurden dergleichen noch im Herbst 1869 aus Prank- 
reich (14 Hengste und 23 Stuten) nach Piber eingebracht, deren Zucht 
bis gegenwärtig betrieben wird. 

Nach Gassebner I, Seite 315, ist die Geschichte Pibers in 3 Ab- 
schnitte zu theilen: 

1. von der Gründung 1798—1869; 

2. von dem üebergang in die Ressorts des Ackerbauministeriums 
(1869) bis zu der im Jahre 1878 erfolgten Auflösung und 

3. von der Wiedererrichtung (1. November 1890) bis in die gegen- 
wärtige Zeit (1900). 

Vom 1. November 1798 — 1808 unterstand das Militärgestüt Piber 
dem illyrisch-innerösterreichischen Beschäl- und Remontirungsdepartement. 
Mit dem 1. Januar 1869 trat das Gestüt unter die Leitung des Acker- 
bauministeriums und in kurzer Zeit traten darnach viele Veränderungen 
ein. Das Gestüt Piber wurde wegen günstiger Lage mit Beginn der 
letzten Periode als Zuchtgestüt neu errichtet und gleichzeitig damit ein 
Remontedepöt aufgestellt. — Der Zuchtplan bestand zu jener Zeit 
darin, Halbbluthengste als Landesbeschäler zu produziren. Die 
Stämme Gydran und Schagya (arabischer Rasse), sowie iV<?«zW-Normannen- 
Rasse wurden rein in sich gezüchtet; die übrigen englischen und ara- 
bischen Stuten wurden von englischen und arabischen Hengsten gedeckt. 

1878 wurde das bisherige Staatsgestüt anderweit aufgelöst, das vor- 
handene Zuchtmaterial dem Staatsgestüt Radautz zugetheilt und an Stelle 
des Staatsgestüts in dessen Räume ein k. k. Remontedepöt unter- 



Steiermark. 



153 



gebracht und über 300 Remonten darin aufgestellt; dasselbe bietet Platz für 
Unterbringung von 450 Pferden. 
Züchtung: Der Ankauf v^on jungen Pferden für das Depot geschieht durch die 



Brandzeichen: 



^ 
? 



Kommission in Ungarn und Gali- 
Für Piber bestand j zien im Alter von 3 und 3^/^ 
nebenstehendes \ Jahren , wovon jährlich 2 bis 
Brandzeichen: ein Pj 300 an Kavallerie - Regimenter 
mit darüber ange- | abgegeben werden, 
brachter Krone und ; 
stehendem Kreuz, i 



Es wurden früher die im Staatsgestüt Piber geborenen Pferde mit den 
nachstehenden „Vaterbr änd e n" und , Rassen- oder Stamm- 
bränden" gezeichnet: 



Vaterbrände. 



Brandzeichen. 



Rassenbrände 
bezw. Stammbrände. 



Brandzeichen. 



Furioso 



Gidran 



Kumpan 



Nonius 



Schagya 



F 
G 
K 

N 
S 



Dahoman 



Furioso 



Gidran 



Nonius 



Schagya 







154 



Herzogthum KärntheD. 



Landestheil Oberkärnthen. Kreis Feldkirchen. 

Name des Gestüts: OSSlaCh 

(Militärgestüt; später Staats-Hengsteudepötposten). 

Besitzer: Staats- Fi scms. 

Topographisches: Genannter Ort ist ein Dorf am Ossiach-See, nördlich, ent- 
hält ein stattliches Schloss, worin früher eine der ältesten Benediktiner- 
Abteien Deutschlands (ursprünglich schon in den Jahren 710 gestiftet) 
sich befand. Hierzu gehören die 3 Meierhöfe: Tauern, Pregad und Arnold- 
stein. Areal über 7000 ha. Klima rauh; Alpen mit steilen Abhängen; 
der Schnee bleibt gegen 6 Monate liegen, daher ist der Weidegang kurz. 

Geschichtliches: Von 1814 — 1849 bildeten Kärnthen, Krain und Küstenland 
das Königreich Illyrien. Von Kaiser Josef IL wurde die als Kloster 
bestandene Benediktiner -Abtei säcularisirt und vom Staat für Pferde- 
zuchtzwecke eingerichtet, nachdem viele mühsame und kostspielige Bauten. 
Drainirungen und Urbarmachungen des Bodens vorausgegangen waren. 
1817 wurde hier zuvörderst ein Militärgestüt errichtet und zu diesem 
Behuf e gegen 60 Mutterstuten von Mezöhegyes und Bäbolna und 
4 Deckhengste, 1 arabischer Abkunft aus Zweibrücken, 1 tür- 
kischer, 1 Klad ruber (dem General-Stamm angehörend) und 1 hoch- 
edler Engländer, aufgestellt. 

Züchtung: Zuchtzweck war, gute Hengste als Beschäler für das Land 
zu ziehen und zu liefern, wodurch Veredelung der Landesrasse erlangt 
werden sollte. Um jene Zeit wurde in Kärnthen in der Nähe von 
St. Paul im Thale der Lavant, zu Kollnitz ein altes Gestüt aufgelöst 
und dessen Bestand dem Gestüt Ossiach behufs Verstärkung zugetheilt. 
1862 wurde das Gestüt, nachdem hier sehr gute Pferde stärkerer Schläge 
der Stämme: Saczomoss, Generale, Nonius und Burgunder sowie Aubry 
und Modus mit Erfolg gezüchtet worden waren, aufgelöst. 

Von 1862 — 1885 blieb Ossiach ohne Pferdezuchtanstalt, bis der in 
Neudau aufgehobene und im März 1885 nach Ossiach verlegte Staats- 
Hengstendepötposten erfolgte (s. Neudau). Hengstbestand (1889) 
107 Stück; davon 50 Stück über 16 Beschälstationen vertheilt. Ausser 
den Staatshengsten decken im Herzogthum noch gegen 50 — 60 lizensirte 
Privatbeschäler. 



Brandzeichen : 







Kämthen. 155 

Name des Gestüts: TaUGm (Theil d. Ossiacher Depötposteii). 
Besitzer: Staats- FiscMs. 

Topographisches: Tauern ist ein Meierhof. 

Geschichtliches: Dieser ist dem in Ossiach befindlichen Depötposten No. 2 
des Grazer Staats -Hengstendepöts zugetheilt. 1885 wurde das Staats- 
Hengstendepöt zu Neudau bei Wolfsberg aufgehoben und nach Ossiach 
und der Depötposten nach Tauern verlegt. Daselbst befinden sich ca. 
30 Hengstfohlen. Einen anderen Theil derselben bilden die in Ossiach 
aus den dort vorhandenen Vollblutstuten unter Verwendung eines Halb- 
bluthengstes gezogenen Hengstfohlen. Die übrigen werden je nach dem 
Abgang der zur Einrangirung als Beschäler gelangenden älteren Fohlen, 
durch Ankauf von Fohlen kaltblütigen Schlages aus der Landeszucht 
ersetzt. Die in Tauern aufgezogenen Fohlen werden nur als Beschäler 
für Kärnthen sowie für Steiermark und das Küstenland verwendet. 



Landestheil Unterkärnthen. Kreis Wolfsberg. 

Name des Gestüts: WalsenaU. 

Besitzer: Graf Henckel von Donner sjnark. 

Topographisches: Waisenau liegt von dem Städtchen Wolfsberg (3000 Ew.) 
an der Lavant, ca. 10 km entfernt; südöstlich von der Saualpe, in dem 
viele Naturschönheiten bietenden Lavantethale, an einer von St. Andrae 
nach Klagenfurt führenden Strasse. Günstiges Klima, gute Wiesen- 
Weidefläche. Areal ca. 30 ha; massive Gebäude. Waisenau ist ein 
Theil der Herrschaft Wolfsberg. 

Geschichtliches: Nach erfolgtem Ankauf der Herrschaft Wolfsberg von Seiten 
obigen Besitzers wurde 1846 das Gestüt Siemianowitz in Preussisch- 
Schlesien nach Kärnthen bezw. Waisenau verlegt, wo dann ausschliesslich 
nur englisches Vollblut gezüchtet wurde. Diese Zucht war aus- 
schliesslich nur für die Rennen bestimmt. 

Bis Ende der 1860er Jahre war der Bestand des Gestüts Waisenau: 
1 Beschäler St. Gyles von Womersley aus der Palmistry; 
13 Mutterstuten, bester Abstammung; 
42 Fohlen, 1 — 5 jährig. 



156 Kärnthen. 

Name des Gestüts: nGUClcllI (Staatshengstendepötposten). 

Besitzer : Staats -Fiscüs. 

(StaatsJiengstendepdtposten No. 2 zu Graz unterstellt.) 

Topographisches: Neudau liegt bei Wolfsberg. 

Geschichtliches: Hier bestand früher ein ärarischer Fohlenhof, dieser wurde 
1881 aufgehoben und dort zu gleicher Zeit ein Staatshengstendepötposten 
für Kärnthen errichtet und ihm die aus dem Fohlenhof bisher vorhandenen 
Fohlen zur weiteren Aufzucht übei'lassen. 1885 wurde dieser Posten 
nach Ossiach verlegt, mit der Weisung, die bisherigen Fohlen nach der 
Meierei Tauern zu übersiedeln. Der von Neudau nach Ossiach überführte 
Bestand betrug über 90 Stück. Nach und nach wurde die Zahl der 
Hengste erhöht, so dass gegenwärtig weit über 100 eingestellt sind für 
ungefähr 20 Beschälstationen. Der Rasse nach befinden sich in Ossiach 
Hengste: englisches Halbblut, Norfolker, orientalische Halbblüter, Lippi- 
zaner, Kladruber, Normannen, Pinzgauer, sogenannte Burgunder (Rhodus^ 
und Walloner. 



157 



Herzogthum Krain, Küstenland. 



Inner- Krain (Prestanea^g). Küstenland (Lippiza). Kreis Adelsberg. Stadt Triest. 

Name des Gestüts: LlppIZd (k. k. Hofgestüt) 

mit Filiale Prestanegg. 

Besitzer: k. k. Hofärar. 

Topographisclies: Lippiza liegt ca. 2 stunden nordöstlich von Triest und 
zwar auf dem Karster Hochplateau bei Sessana und Optschina, 387 m 
über dem adriatischen Meere. Von der Südbahnstation Sessana ist 
Lippiza in einer Stunde zu erreichen. Der Boden ist steinig und un- 
fruchtbar, der Graswuchs spärlich, trotzdem aber bestehen grosse Eichen- 
waldungen mit darin befindlichen guten Waldwiesen. Die Waldungen 
gewähren Schutz vor Sonnenhitze und der infolge der hohen Lage dort 
herrschenden Bora, welche sehr austrocknet. Der ganze Karst ist wasser- 
arm, daher besteht dort die Eigenthümlichkeit , dass für das Karstgebiet 
„ Tränklacken " , d. h. künstlich erweiterte Vertiefungen im natürlichen 
Fussboden mit Cement und Steinplatten ausgelegt , angelegt sind , in 
welchen das Ansammeln von Regen wasser vom umliegenden Terrain durch 
entsprechend angelegte Rinnen vermittelt wird. Solcher „ Tränklacken " 
sind 4 vorhanden. Das Areal beträgt 311000 ha, wovon drei Viertheile 
des Grundes mit über 100jährigen Eichen bepflanzt sind, die Wiesen- 
flächen enthalten über 86 000 ha. 1728 wurde der Gestütshof Prestanegg 
dem Gestüt zugetheilt. Dieser liegt in Krain, Kreis Adelsberg, und sind 
ihm die Höfe Ville und Schinkelhof mit den Alpen Poschka, ülatsch- 
non und Rannegg unterstellt. Prestanegg war ehemals Klostergut mit 
182 000 ha Areal. Eine vorher mitbestandene Filiale Adelsberg wurde 
1736 aufgelöst. 

Geschichtliches: Das Gestüt Lippiza wurde 1580 von Erzherzog Karl, drittem 
Sohn des Kaisers Ferdinand I., gegründet. Vom Bischof von Triest wurde 
das Dorf Lippiza gegen eine Pacht vom Gründer übernommen, um darin 
ein Gestüt einzurichten. Die ersten Zuchtpferde (3 Hengste und 24 Stu- 
ten) wurden aus Andalusien (Spanien) eingeführt und ist, wie ange- 
nommen wird, das Lippizaner Pferd aus einer Kreuzung der Spanier 
mit Berbern bez. Arabern und den schweren Pferden der Pyrenäen 
hervorgegangen. Diese letztgenannte Zucht war arabisch-berberischen 
Blutes. Später wurde zur Auffrischung nur rein arabisches Blut ver- 
wendet und stets die Schimmelfarbe bevorzugt. Vorher wurde aber 
auch Zuchtmaterial aus Ober -Italien eingeführt, dann aber auch Hengste 
aus Deutschland, Dänemark sowie auch Original -Araber. Bis zum heu- 
tigen Tage hat sich durch eigenartige Blutmischung auf dem kümmer- 



158 Krain. Küstenland. 

liehen, steinigen Boden mit kärglichem Graswuchs und dürftigen Wasser- 
verhältnissen die so sehr berühmt gewordene Lippizaner Pferderasse in 
so schönen Formen und mit grossartiger Widerstandsfähigkeit heraus- 
gebildet. 

Das Lippizaner Pferd zeigt am Kopfe starkes Hervortreten der 
Nase, der Hals ist aufrecht, ungewöhnlich kurz und ganz regelmässig 
gebogen. Der Bücken ist verhältnissmässig lang, die Flanke gut ge- 
schlossen, der Schwanz etwas tief angesetzt und die Glieder vorzüglich, 
sowohl bezüglich der Stellung, als auch durch die hervorragend sehnige 
und trockene Beschaffenheit. Besonders hervorzuheben ist der feste und 
widerstandsfähige Huf Die Gänge der echten Lippizaner sind berühmt, 
sie machen trotz etwas hoher Aktion einen ausserordentlich graziösen 
Eindruck. Bekannt ist auch das gutartige Temperament und die Ge- 
lehrigkeit des Lippizaners, dass ihn zur Verwendung als Schulpferd be- 
sonders geeignet macht. 

Züchtung: In Lippiza wird mit den vorzüglichsten Abkömmlingen der Hengste 
früherer Zeit, welche die reine Lippizaner Rasse repräsentiren, in fünf 
Stämmen fortgezüchtet : 

1. Pluto ^ Original -Däne (1772 eingeführt), 

2. Cover sano, Original-Neapolitaner (1774 von Fürst Kanitz erworben), 

3. Maestoso, rein spanisch (1773 dem Gestüt zugetheilt), 

4. Favory, Original - Spanier (1779 eingeführt), 

5. JSI eapoliia7io ^ Original-Neapolitaner (1790 geboren). 

Ausser der seit langer Zeit konstant gebliebenen Lippizaner Rasse 
wird in Lippiza noch eine orientalische Rasse gezogen und zwar mit 
den aus der Wüste angekauften Original- Arabern: Gazlafi, Seydan, 
Samson, Hadudi und einem Vollblut- Araber Ben-Azet vom Grafen Dziedus- 
zycki sowie ferner durch Kreuzung dieser Araber mit dem reinen aus 
Lippizanern hervorgegangenen Schlag, nach dem Original -Araber Siglavy 
gezogen. Die meisten der Lippizaner Hengste finden wegen ihres frommen 
Charakters, ihrer Gelehrigkeit, besonders aber wegen ihrer hohen Gang- 
art, zu Reitpferden für die hohe spanische Schule in Wien Verwendung. 
Von dieser spanischen Schule aus gehen die besten, vollständig erprobten 
Thiere als Vaterpferde in das Gestüt zurück. Wallachen und auch Stuten 
kommen event. als Kutschpferde in den Marstall in Wien. 

Als Zuchtthiere werden für das Gestüt ca. 6 Hauptbeschäler und 
gegen 100 Mutterstuten gehalten. Mit dem Nachwuchs beträgt die Zahl 
sämmtlicher Pferde gegen 350 Stück. Für die Landespferdezucht ist das 
Gestüt von hohem Werthe. 



L 



Sämmtliche hier erzeugte Produkte erhalten 
das nebenstehende Gestütszeichen an der linken 
Ganasche eingebrannt. 



159 

Königreich Böhmen. 



Stadthalterei Prag. Kreis Gitschin. 

Name des Gestüts: Chlumetz an der Cidlina. 

Besitzer: Graf Octavian Kinsky. 

Topographisches: Das Gestüt liegt in der Nähe des k. k. Hofgestüts Kla- 
drub, ca. 15 km von der Station Kolin der Wien — Prag — Dresdener 
Eisenbahn, von wo aus eine gute Strasse nach Chlumetz führt. Hier 
wurde seit Jahrhunderten Pferdezucht in umfangreicher Weise betrieben. 
Das Schloss Chlumetz liegt auf einer Anhöhe. Im Gestütshof Ostrow 
wurden Mutterstuten mit ihren jüngsten Fohlen untergebracht, ältere 
Fohlen hingegen im Thiergarten; letzterer über 2000 ha gross gewährt 
gute Weide. Für Alter und Geschlecht ist die Weide getrennt. 

Geschichtliches: Das Gestüt ha.t mindestens seit Beginn des 18. Jahr- 
hunderts bestanden. 1719 starb der damalige Besitzer. Der Bestand 
war damals noch Tradition: 11 Hengste, 63 Mutterstuten und 67 Fohlen 
verschiedenen Alters. Das Gestüt vergrösserte sich unter den verschiedenen 
Besitzern der Grafen Kinsky von Jahr zu Jahr. 1835 wurde dasselbe 
geeignet reorganisirt, worauf dessen Ruf infolge der Züchtung von Jagd- 
pferden neubegründet wurde. Man näherte sich mehr und mehr der 
englischen Vollblutzucht; der Ankauf des Materials erfolgte entweder 
direkt in England oder von sonstigen Vollblutzüchtern im Inlande. 

Züchtung: Die Züchtung erfolgt, wie die Geschichte nachweist, streng nach 
den gestellten Bedingungen, so dass Verwandtschaftszucht vermieden wird. 
Bisher war der Bestand 2 — 3 Original- Vollbluthengste und gegen 21 — 28 
englische Vollblutstuten. Das Gestüt ist in letzter Zeit zurückgegangen. 

Kreis Prag. Bezirk Neustraschitz. 

Name des Gestüts: Lällcl. 

Besitzer: Fürst zu Fürstenberg. 

Topographisches: Läna, zur Fideikommiss-Herrschaft Pürglitz gehörend, um- 
fasst ein Areal von 2000 ha mit fürstlichem Jagdschloss, Thiergarten und 
Fasanerie versehen, liegt 250 m über dem Meer, in der Nähe der Eisen- 
bahnstation Läna, der Buschtiehrader Eisenbahnlinie Prag — Komotau und 
ist von Prag aus in ca. 2 Stunden, nach Zürücklegung von 43 km Eisen- 
bahnfahrt, zu erreichen. Lage für Pferdezucht mit Weide günstig. Nach 
direkt eingezogenen Berichten besteht das Unterkunftsgebäude aus einem 
hölzernen Gebäude mit Stroheindeckung von 50 m Länge und 10 m Tiefe 
und ist mit dem Namen „ Neuhof " belegt. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde im Jahre 1864 gegründet und mit eng- 
lischem und anglo-arabischem Material besetzt. Nach Berichten von Mayr 
wurden später einige Vollblutstuten irisch-englischer Zucht und mehrere 



160 Böhmen. 

arabischer Abkunft eingeführt. Vollbluthengst Conqueror (Goldfuchs), 
geb. 1858, = n. Ethelbert aus der Lady Barbara von Launcelot-, ferner 
Pony -Hengst Tom, hoch im Blut. Vollblutstute Lady Witweri nach 
Sheet Anchor und 10 Halbblutstuten. Um 1882 — 1884 befanden sich 
im gleichen Gestüt: Vollbluthengst Lavin und 10 Princess Marllys Voll- 
blutstuten; 2 Halbbluthengste, 34 Halbblutstuten, 19 je 1 — 4jährige 
Vollblutfohlen und 14 je 1 — 4jährige Halbblutfohlen. 
Züchtung: Zuchtziel: Reit- und Wagenpferde für den eigenen Bedarf. Ueber 
den gegenwärtigen Stand des Gestüts war, trotz öfteren Anfragens, nichts 
zu erfahren. 

Kreis Prag. 

Name des Gestüts: RepiM. 

Besitzer: Prinz Rohmi-Giienienee. 

Topographisches: Schloss und Ortschaft Repin sind von der Station Unter- 
Berkovitz, der Wien — Dresdener Eisenbahn in 2, von der Station Leckow 
bei Rischitz der Turnau — Kraluper Eisenbahn in einer Stunde zu erreichen. 
Das Gestüt befand sich am Schlosse; die Einrichtung war vortrefflich. 
Steriler Boden; keine gute Weide; auch Wassermangel bestand. 

Geschichtliches: im Jahre 1856 wurde das Gestüt mit der ausschliesslichen 
Bestimmung vom obigen Besitzer gegründet, Gebrauchspferde zu ziehen, 
der dazu zunächst 2 Halbblutstuten aus dem Hofgestüt Kladrub an- 
kaufte und darnach noch einige Stuten erwarb. Die Stuten wurden ev. 
zu benachbarten Hengsten in Krzinec, Scamander etc. gesendet. Hier- 
nach wurde für das Gestüt der Hengst Posthumus von Taurus aus der 
Partisa?i-Qt\ite erworben. Dieser Hengst soll sich vorzüglich rererbt haben. 
Die Pferde, welche arbeitsfähig waren, wurden zu Feldarbeit benutzt. 

Vormaliger Bestand des Gestüts war: 1 Hengst, 4 Vollblutstuten, 
12 Halbblutstuten und ca. 50 Fohlen. Die Herrschaft Repin wairde 
gegen Ende der 1860er Jahre verkauft und damit das Gestüt aufgehoben. 

Kreis Budweis. 

V 

Name des Gestüts: CimGÜtZ. 

Besitzer: Fürst Karl von Schwär zenberg. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt ca. 15 km von Frauenberg an 
der Moldau entfernt und an der Eisenbahnlinie Protivin- — Zdic, wo letzt- 
genannter Ort die Eisenbahnstation für Cimelitz bildet. Dasselbe ist in 
einem besonderen Hofe untergebracht. 

Geschichtliches: Seit Jahren werden in bezeichnetem Gestüt ca. 12 Stuten 
edlerer Rasse und mittelschweren Schlages gehalten, wozu die in der Beschäl- 
station Cimelitz aufgestellten Vollblutbeschäler zum Decken; benutzt werden. 

Züchtung: Zuchtzweck ist die Deckung des Bedarfs au Reit- und Wagen- 
pferden für den fürstlichen Marstal 1. 



Böhmen. 161 

Name des Gestüts: GratZBII. 

Besitzer: Graf Carl Buquoy de Longueval. 

Topographisches: Gratzen, Stadt und Herrschaft liegt unweit der nieder- 
österreicMsclien Grenze an den nördlichen Abhängen des Böhmer Waldes, 
ca. 25 km südöstlich von Budweis, mit gräflich Buquoy-Schloss, nebst 
grossem schönen Park und einem zweiten alten Schloss, an der Oesterr. 
Staatsbahn, mit gleichnamiger Station, 6 km entfernt; über 16000 ha 
Areal mit ganz bedeutendem Waldbestand. 

^Geschichtliches: Im Jahre 1871 wurde obiges Gestüt von dem Grafen Georg 
Buquoy gegründet und in Gratzen untergebracht; nach Gassebner III. 
wurde dasselbe 1879 nach dem Meierhofe Kehammerhof, und 1886 nach 
dem Y2 Stunde von Gratzen gelegenen Orte Sworeschau gebracht. Anfangs 
bemühte man sich, hier Zucht von Luxuspferden zu treiben; der gegen- 
wärtige Besitzer ging aber zur Halbblutzucht über und begann mit einem 
in England gekauften Norfolker-Hengst, der 1885 in Sworeschau eingestellt 
wurde; das Stutenmaterial wurde aus dem Gestüt entnommen. Der Nor- 
folker-Hengst Perfection lieferte schöne Fohlen, von denen allerdings über 
die gi-osse Hälfte Hengstfohlen waren. Zuchtstuten sind 12 Stück aus- 
ersehen, hiervon 6 Stück von edlem, leichtem Schlage, 4 von mittel- 
schwerem und 2 von schwerem Schlage. 

Kreis Budweis. 

Name des Gestüts: Altthiergarteil (Fidei-Herrsch.Frauenberg). 
Besitzer: Fürst Adolf Josef zu Schwär zenberg. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt an der Bahnlinie Budweis— Pilsen, 
Station Frauenberg, von hier aus 9 km nördlich von Budweis. Es liegt 
geschützt, besitzt gute Weiden und Wasser, auch günstige Bewegungs- 
plätze. Der Gestütshof ist in regelmässigem Viereck, mit geräumigen, gut 
ventilirten Stallungen hergestellt und vom Oekonomiehof getrennt gehalten. 
Das für Pferdezucht verwendete Areal beläuft sich auf ungefähr 100 ha. 

Geschichtliches: Nach Beginn des vorigen Jahrhunderts erfolgte die Be- 
gründung des Gestüts Altthiergarten in Murau in Ober-Steiermark. Zu 
jener Zeit wurden dort nur „steirische" Pferde gezogen, die aus einer 
Kreuzung von andalusischen und neapolitanischen Pferden stammten und 
eine konstante Rasse bildeten. Im Jahre 1843 wurde das Gestüt nach 
Altthiergarten überführt und kurze Zeit danach der Bestand der alten 
Easse nach dem in der Nähe liegenden Meierhof Woleschnik verlegt, 
um in ersterem mit der Zucht arabischer und englischer Pferde zu be- 
ginnen. In dieser Absicht wurde der englische Hengst Canadian und der 
arabische Hengst Siglavi angekauft. 1862 wurde der Hengst Flying 
Dutchman aus dem Nimburger Depot in Miethe genommen und hierzu 
endlich 4 Stuten: Zephir, Mascula, Fly und Contessa und 1868 der 
Hengst Infant aus England gebracht. Hierdurch wurde die spanisch- 
neapolitanische Zucht verringert bezw. Ende der 1860 er Jahre ganz 

Brauer, Grestüte. 11 



102 Böhmen. 

aufgehoben. Woleschnik wurde wieder Oekonomiehof und dafür der Hof 
, Neuhof " als zweiter Gestütshof errichtet, in dem die Stutfohlen und in 
Altthiergarten die Hengstfohlen erzogen werden. Die ganze Zucht ist 
hier eine mehr landwirthschaftliche, jedoch werden Hengste hiervon auch 
als Landesbeschäler veräussert. 

Kreis Chrudim. Bezirk Chrudim. 

Name des Gestüts: HefmanmesteC (Hermannstadt). 

Besitzer: Fürst Kinsky. 

Topographisches: Hefmanmestec, Stadt eine Meile westlich von Chrudim, 
Hauptort einer dem Fürsten Kinsky gehörigen ansehnlichen Herrschaft mit 
Schloss nebst Garten, Park und Fasanerie. 

Geschichtliches: Vor vielen Jahrzehnten wurde hier die Pferdezucht in an- 
sehnlichem Maasse betrieben , nach der Auflösung des hierzu mit ge- 
hörigen fürstlichen Gestüts zu Rossitz (1836) wurde ersteres mit auf- 
gelassen. 1874 kam man aber darin überein, dass alljährlich ausge- 
musterte Jagdpferde (Voll- und Halbblutstuten) zur Zucht verwendet und 
von Landesbeschälern in Nemoschitz oder Benatek belegt werden sollten, 
1886 wurde hierzu auch noch der Vollbluthengst Granat^ der dem Grafen 
Zdenko Kinsky gehörte, zu Zuchtzwecken hier mit benutzt. Der Hengst 
war in Neuhof bei Hefmanmestec aufgestellt, auch wurden daselbst die 
erzeugten Fohlen aufgezogen und mit in hergestellte Koppen gebracht. 

Züchtung: Zuchtzweck: Remontirung des fürstlichen Marstalles sowie Er- 
gänzung des Bestandes der Pferde für den Wirthschaftsbetrieb. 

Kreis Bunzlau. Bezirk Jung-Bunzlau. 

Name des Gestüts: Waldsteltiruhe. 

Besitzer: Reichsgraf v, Waldstein u. z, IVartenberg. 

Topographisches: Waldsteinruhe liegt 1 Stimde von Weisswasser und ca, 
10 km von Hirschberg. Sommeraufenthalt der von Waldstein'scheu 
Familie; Wald, Park- Anlagen Die Gegend reich an Gestüten. 

Geschichtliches: Der Vater des genannten Besitzers hatte ehedem in Zveretic bei 
Münchengrätz ein Gestüt errichtet, da aber die Zucht von Reit- und Jagd- 
pferden nicht entsprach, schaffte dieser die Bestände dort ab und gründete 
1860 durch gute Zuchtstuten in dem neuen Gestütsorte Waldsteinruhe eine 
Stätte. In der Mitte des herrschaftlichen Thiergartens wurde das Gestüt 
angelegt. Vor der Gründung bestanden hier 6 einstöckige Häuser, diese 
wurden theilweise abgerissen und zu Gestütszwecken eingerichtet. 

Der Bestand war gegen 1870: 1 Vollbluthengst Count Eugen 
(Graf Eugen) und Dagobert aus der Chaldeau Princessa (Fuchs); 4 Vollblut- 
stuten: 1 Vollblutaraber aus Weil -Württemberg, 3 Vollblutaraber, englisch, 
aus England importirt; 26 Fohlen, 1 — 4jährige. Die 4jährigen Fohlen 
zeigten viel englischen Typus, kurze sehr hübsch geformte Köpfe, hohen 
Widerrist, starke Vorhand, schöne Kruppe mit ziemlich hohem Schweifansatz. 



Böhmen. 163 

Name des Gestüts: KySelOV. 

Besitzer: Freiherr von Aehrenthal. 

Topographisches: Der Meierhof Kyselow, zur Herrschaft Gross-Skal gehörig, 
ist von der Eisenbahnstation Turnau der Eisenbahnlinie Eeichenberg — 
Josephstadt aus leicht zu erreichen. Die Herrschaft besitzt ein Areal 
von über 4000 ha. Die Weideverhältnisse sind nicht günstig und muss 
daher viel Stallfiitterung stattfinden. 

Geschichtliches: Die Einrichtung des genannten Gestütes erstreckt sich auf 
die Mitte der 1860er Jahre; es kam dazu, dass tragende Stuten hier 
fehlten, demnach wurden auf Märkten kleine Fohlen angekauft und 
hier gross gezogen. Hiernach führte man edlere Halbblutstuten ein und 
liess diese von englischen Vollbluthengsten decken (O Weh, Chrysopras^ 
Constantin etc./ Später wurden zur Zucht nur 2 Stuten aufgestellt und 
4jährig von in den nächsten Beschälstationen aufgestellten Vollbluthengsten 
gedeckt; auch wurden hier Stuten bereits erst dreijährig gedeckt. 
Die übrigen 8 — 10 Stuten von schwerem Reit- und Wagenschlag, die 
Halbblut bargen, wurden zur Feldbestellung benutzt. 

Kreis Bunzlau. 

Name des Gestüts: LiSSä. 

Besitzer: Prinz Rökan- Guemenee. 

Topographisches: Die Herrschaft Lissa liegt ca. 10 km von der Bahnstation 
Böhmisch-Brod, der Eisenbahnlinie Wien — Bodenbach — Dresden und hält 
ein Areal von über 4000 ha. Das Schloss liegt auf einer Anhöhe und ist 
weit zu sehen; umgeben von einem ausgedehnten Garten in französischem 
Style, der mit grösster Sorgfalt gepflegt wird. In kleiner Entfernung 
vom Schloss befindet sich das Gestüt auf einer ebenen Wiesenfläche; 
dieses Etablissement ist mit grösster Sorgfalt eingerichtet. Trainir-Stall 
ist mehrere km vom Schloss entfernt auf einem Maierhof eingerichtet; zu 
diesem gehören 2 grosse Bahnen. 

Geschichtliches: Dieses Gestüt wurde 1854 als Renngestüt mit den nach 
Lissa eingeführten Stuten The Novice Tali, Strutaway, Susan, Servia 
Trojana, The Gnat, gedeckt von Flying T)utchman, Kings Town, The 
Cure und Darling aus England gegründet. Später wurden, nachdem 
letztere einige Jahre verblieben, dieselben an Fürst Liechtenstein ver- 
kauft und kamen hinzu die Hampton-Stute (Harlequin's Mutter) Mrs. 
Trimmer, Lachesis etc. 

Züchtung: Die Zuchtprinzipien Englands gelten als Norm und werden nur 
mit Rücksicht auf das Individuum und die klimatischen und lokalen 
Verhältnisse modificirt. Zuchtziel: ausschliesslich nur Rennpferde. In 
Lissa werden sie am 5. bis 6. Tage des Rossens gedeckt, man glaubt die 
Wahrnehmung gemacht zu haben, dass sie dann viel sicherer empfangen, 
als wenn sie gleich am 1. Tage dem Hengste zugeführt werden. 

11* 



164 Böhmen. 

Name des Gestüts: LclUCin. 

Besitzer: Prmz Thurn und Taxis. 

Topographisches: Das Gestüt liegt in der Nähe der Eisenbahnlinie Wien — 
Prag und ist dieses von der Station Podiebrad — Pecek nach zurückgelegtem 
Wege von ca. 10 km zu erreichen. Laucin-Schloss liegt auf einer An- 
höhe mit grossem Park. Das Gestüt befindet sich am Ende des Dorfes, 
inmitten eines Linden waldes gelegen, und sind hierin 8 Mutterstuten mit 
ihren Nachkommen bis zu 4 Jahren untergebracht. 

Geschichtliches: Es wurde nach geschichtlichen Notizen im Jahre 1855 die 
Zucht mit einer aus dem Hunyady'schen Gestüt stammenden, bei Marzaly 
in Ungarn gezogenen Stute begonnen. Von The Provost zeugte sie 
3 gute Stutfohlen, und ähnlich ging dieses weiter. Zuchtbestimmung des 
Besitzers ist, nur erprobte, gute Leistungen aufweisende Stuten als 
Mütter zu verwenden und auf diese Art gute Gebrauchspferde (Reitpferde, 
Jucker und Carossiers) zu ziehen. Bei der günstigen Lage von Laucin, 
welches in der Nähe gute Vollbluthengste hat, ist es nicht nöthig, ein Vater- 
pferd zu halten. Gegenwärtiger Stand des Gestüts war nicht festzustellen. 

Kreis Bunzlau. 

Name des Gestüts: Bonatek. 

Besitzer: Graf Thiin. 

Topographisches: Schloss Benatek liegt auf einer Anhöhe, umgeben von 
reizenden Anlagen, direkt an der Strasse von Jung- nach Alt-Bunzlau 
und an der Isar; von der Eisenbahnstation Böhmisch-Brod etwa 10 km 
entfernt. Im Thale daran liegen die stattlichen Gestütsstallungen. 

Geschichtliches: Durch den gegenwärtigen Besitzer gegründet; die Stuten 
wurden von verschiedenen Hengsten gedeckt, u. A. durch Posthunius des 
Prinzen Arthur Eohan zu Repin. Nach diesem Hengste zeigten die Pro- 
dukte des Gestüts einen konstanten Typus und versprachen viel Leistungs- 
fähigkeit. Ob das Gestüt zur Zeit noch besteht, und wenn solches der Fall, 
mit welcher Leistungsfähigkeit, ist bis zur Zeit nicht bekannt geworden. 

Kreis Czaslau. Bezirk Kaurzim. 

Name des Gestüts: ZaStTlUk. 

Besitzer: Graf von Sternberg. 

Topographisches: Zasmuk ist eine Stadt ca. 10 km südsüdöstlich von 
Kaurzim gelegen, mit ansehnlichem, herrschaftlichem Schloss und ist 
von der Eisenbahnstation Kolin ca. 12 km entfernt. Gestüt und Ross- 
gärten befinden sich im Park. 

Geschichtliches: Mit dem Majorat war von Alters her die Verpflichtung 
verbunden ein Gestüt zu unterhalten. Der Besitzer hatte jedoch bei 
üebernahme der Herrschaft kein solches vorgefunden. 1840 wurde be- 



Böhmen. 165 

zeichnetes Gestüt von dem derzeitigen Majoratsherrn wieder gegründet. 
Hierzu wurden genanntes Jahr der englische Vollbluthengst Antar nach 
Privatur und die englische Vollblutstute Miss Fury angekauft und das 
Gestüt damit errichtet. Antar war ein Bruder yon Furioso und Furio- 
sissinia, die beide mehrere Jahre hindurch Rennen auf weite Distanzen 
(3Y2 Meilen) gewannen. Davon züchtete der Besitzer, obiger Erwerbungen 
zu Folge, seine eigenen Pferde, die er merkwürdiger Weise 10 — 11 Jahre 
auf der Hirschjagd in Pardubitz gebrauchte, und seine Reisen nach 
Neapel gleichfalls mit eigenen Pferden ausführte. Eine schwarze Stute 
mit Namen Pohunka hatte diese Reise zwölfmal gemacht. 

Die ersten Stuten wurden in Kladrub aus der Nachzucht von 
Grimalkin im Jahre 1841 erkauft. Da sich diese Zucht dem Be- 
sitzer leistungsfähig zeigte, entschloss er sich, bei ihr zu verbleiben 
und eine Stammrasse zu bilden. Dieses gelang auch, da die in Zasmuk 
gezogenen Pferde den charakteristischen Typus jener im Gestüt Salgötska 
besassen. 

Der Besitzer hatte damals den Zweck im Auge, Jagdpferde, Carossiers 
und Phaetonpferde, dann Jucker orientalischer Abkunft zu ziehen, welchen 
er durch die Auswahl des Zuchtmaterials vollkommen erreichte, da alle 
diese Arten Pferde in dem Gestütsstall vorhanden waren. 

Der Vollbluthengst Antar hat von 1840 bis 1857 gedeckt und ist 
zu gleicher Zeit 11 Jahre lang als Jagdpferd benutzt worden. Er ist mit 
27 Jahren eingegangen. 

Der Bestand war 1860: Don Sebastian nach Antar und 1 Jagd- 
stute des Fürsten Auersperg. Dieser Hengst zeichnete sich durch auf- 
fallende Schönheit aus (Jagdpferd 11 Jahre lang). Glaucus^ nach einer 
Grimalkin -^i\xtQ^ zeichnete sich durch grosse Stärke aus (Wagenschlag). 
Stuten waren 16 und Fohlen verschiedener Jahrgänge einige 40 Stück 
vorhanden, lieber das Bestehen des Gestüts gegenwärtig ist nichts be- 
kannt geworden. 

'-■ Kreis Czaslau. 

Name des Gestüts: HOStaCZOW. 

Besitzer: Anton, Ritter von Neupauer. 

Topographisches: Hostaczow ist ein freundlich gelegener Ort, einige 30 km 
von der Bahnstation Kolin entfernt; mit Schloss und Fasanengarten. Die 
Stallungen für die Pferde befanden sich in der Nähe des Schlosses. 

Geschichtliches: Der Besitzer errichtete hier gegen 1869 ein Gestüt, weil 
dieser in seiner nächsten Umgebung eine grosse Anzahl vorzüglicher 
Vaterpferde hatte, wie in Repin, Lissa, Sehusehitz und Chlumetz, wodurch 
die Anschafiung eines Hengstes für das Gestüt erspart werden konnte. 
Es wurden 3 Vollblutstuten und 2 Halbblutstuten gehalten, und waren 
an Produkten vorhanden 5 Vollblutfohlen und 2 Halbblutfohlen. 

Nach einer von Hostaczow erhaltenen Antwort, auf einen dahin ge- 
gebenen Fragebogen, ist das Gestüt gegen Ende der 1870er Jahre auf- 
gehoben worden. 



166 Böhmen. 

Name des Gestüts: SetlUSCllitZ. 

Besitzer: Graf Oswald Thun. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt war s. Zt. von der Wien — Prag — 
Dresdener Eisenbahnstation Elbe-Teinitz bezw. Czaslau leicht zu erreichen. 
Das Schloss Sehuschitz steht an ausgedehntem Wildgarten mit Stallungen 
für ungefähr 30 Pferde und einer grossen Reitschule. 

Geschichtliches: 1854 gründete der Besitzer ein Gestüt. Halbblutstuten 
wurden von, auf den Jagden zu Pardubitz erprobten Leistungen durch 
den Vollbluthengst The Provost gedeckt. Ausser diesem Hengst wurden 
noch Chief Baron Nicholson^ Old England, Incognito , Grizzly Boy etc. 
zum Decken der Gestütsstuten verwendet. The Provost ging 1859 in 
Sehuschitz ein und es wurde 1862 der Vollbluthengst Garibaldi Sjährig 
in England angekauft. Mit diesen und den vorhandenen Halbblutstuten 
wurde die Zucht mit bestem Erfolge fortgesetzt. Garibaldi war ein 
schönes, fruchtbares Vaterpferd und erhielt durch seine Produkte das 
Gestüt Sehuschitz einen hohen Ruf hinsichtlich der dort gezogenen Jagd- 
und Wagenpferde (nur grosse und fundamentirte Pferde). 

Bestand: 12 vortreffliche Halbblutstuten und ca. 30 Stück Fohlen 
aus 4 Jahrgängen. Nach direkt von Sehuschitz eingeholten Erkundigungen 
besteht genanntes Gestüt seit Ende der 1870er Jahre nicht mehr als solches. 

Kreis Czaslau. Bezirk Podiebrad. 

Name des Gestüts: KrlnOtZ (KrJnec). 

Besitzer: Freiherr von Bethmann. 

Topographisches: Das Gestüt selbst bildet eine Filiale der übrigen Besitzung. 
Dasselbe liegt auf einem Meierhof mit Namen Ronow, der nach ca. 
1 Stunde zu erreichen ist, wenn man die Staatseisenbahn von Prag nach 
Wien benutzt und bei der Station Podiebrad den Zug verlässt. Krinetz 
liegt zwischen den Städten Nimburg und Podiebrad. Das Klima ist mild, 
der Boden humoser Lehm und fruchtbar. Die Ställe sind vortheilhaft 
von Ziegeln hergestellt. 

Geschichtliches: Nach direkten Mittheilungen ist das Gestüt 1840 gegründet 
worden. Von 1841 an wurde in demselben reine englische Vollblut- 
zucht betrieben. Mit 10 Vollblut- Mutterstuten und 2 Vollbluthengsten 
wurde die Zucht begonnen. Hierdurch erzielte man auf den Rennbahnen 
Deutschlands und Oesterreichs gute Erfolge und das Gestüt kam dadurch 
in guten Ruf. 

Züchtung: Zuchtziel: Züchtung von starken, tragfähigen, hoch im Blute 
stehenden Reitpferden für Jagdzwecke, vorzüglichen Carossiers und Renn- 
pferden. Hierbei besteht Trainiranstalt. 1881 war der Bestand 1 Vollblut- 
hengst, 4 Vollblutstuten, 12 Halbblutstuten, 11 Stück 1 — 4jährige Voll- 
blutfohlen und 39 Stück 1 — 4jährige Halbblutfohlen. Gegenwärtiger Stand 
ist nicht bekannt. 



Böhmen. 167 

Name des Gestüts: CclSlaU (Czasiau). 

Besitzer: Friedrich Wagner, k, k, BezirksthierarzL 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt gegen 30 km nordwestlich von 
Podiebrad, einer Stadt mit 5000 Einwohnern, ist an der Elbe gelegen 
und von Prag aus am bequemsten zu erreichen. Die Pferde sind in 
Caslau, nach „ Gassebner ", geeignet untergebracht, auch kommen diese 
in Ausläufe sowie nach Bernhardshof, einem ca. 7 km von Caslau 
entfernten Ort an der Elbe, die Mutterstuten auf Weide. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1883 in Podiebrad von genanntem Be- 
sitzer gegründet und dann in nicht zu langer Zeit nach Caslau über- 
siedelt. Dieses Gestüt hat in Oesterreich- Ungarn den Ruf eines der 
grössten Vollblutgestüte zu sein. Der Besitzer bemüht sich, stets bestes 
englisches Vollblutmaterial einzuführen, wie z. B. Stute Novelle aus Mecklen- 
burg, Miss France, Leopoldine etc., dazu die Hengste Chislehurst (braun), 
Woodland {^X2,yx\\), Puritan (braun), Horatius (Fuchs, Kladrub). Die Produkte 
sind sehr gesucht und werden theuer bezahlt. Es erfolgt nur Jährlingsverkauf. 

Kreis Chrudim. Bezirk Pardubitz. 

Name des Gestüts: NemOSChJtZ (Staats-Hengstenposten No. 2). 
Besitzer : Staats - Fiscus. 

Topographisches: Nemoschitz liegt 5 — 6 km von Pardubitz entfernt. Die 
zum Gestüt gehörenden Wiesen, die mit als Weiden dienten, waren sehr 
ausgedehnt und schön; sie waren aber stets Ueberschwemmungen 
durch die Elbe ausgesetzt. Die Aecker unterm Pflug waren sehr ertrags- 
fähig. Der Futterbedarf für das Gestüt wurde allerdings nicht gedeckt 
und daher dasselbe aufgelöst. Hiernach wurden jedoch Vorkehrungen zur 
Aufnahme eines Staats-Hengstendepöts getroffen und ein solches eingerichtet. 

Geschichtliches: In Nemoschitz bestand ehedem ein kleines Militärgestüt, 
welches nach Auflösung eines Gestütspostens zu Ilawzanska um etwas 
vergrössert wurde. Im Gestüt befand sich in letzter Zeit ein Mutterstuten- 
stamm von ca. 50 — 60 Köpfen. Als Beschäler wurden besonders gute 
Hengste aus Mezöhegyes und Radautz verwendet. Die Auflösung des 
Gestüts erfolgte 1863. Die Stuten davon wurden nach Mezöhegyes über- 
führt; die Feldgrundstücke und Wiesen verkaiift. Der Gestütshof wurde 
durch Erbauung von neuen, geräumigen Ställen vergrössert und zur Auf- 
stellung von Staatshengsten (LandeslDeschäler) verwendet. Nemoschitz 
bildet daher den Staats-Hengstenposten No. 2 mit 165 Hengsten. 
1889 gehörten diese Deckhengste — 159 an der Zahl — 8 '<dem Vollblut, 
82 dem englischen Halbblut, 32 dem Norfolkerblut, 19 dem orientalischen 



Brandzeichen: 






Blut, 15 dem Normännerblut des Nonius- 
stammes und 1 dem Ardenner Blut an. 
Von der bezeichneten Zahl Hengste wer- 
den je jährlich 40 Deckstationen in 21 
Bezirkshauptmannschaften, vom Februar 
bis Ende Juni, besetzt. Nemoschitz bildet 
die Vollblutstation. 



168 Böhmen. 

Name des Gestüts: Kladrub (k. k. Hofgestüt). 

Besitzer: k. k. Hofärar. 

Topographisches: Kladrub (Domäne) liegt im nordöstlichen Böhmen und 
an der Eisenbahn von Prag nach Wien, zwischen Kolin und Pardubitz, 
Das Gestüt liegt eben und am rechten Ufer der Elbe. Das Klima ist 
verschieden, weil von der Elbluft abhängig. Der Boden ist sandiger 
Humus, die Höhe ü. M. beträgt 210 m. Das Areal beläuft sich auf 
1289 ha incl. Waldungen, 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte 1560 durch Maxi- 
milian n. , König von Böhmen, während der Regierungszeit seines Vaters 
Kaiser Ferdinand I. 1757 wurden die Gestütsgebäude durch Feuer zer- 
stört, wodurch viele wichtige Dokumente verloren gingen. Jedoch einzelne 
wichtige Daten von Maximilian H. haben noch nachweisen können, dass 
s. Zt. edle Pferde aus Spanien nach Oesterreich eingeführt und in dem 
Kladruber Thiergarten untergebracht worden seien. Später habe man 
noch mehrere Pferde dergleichen Rasse dazu bringen lassen. Das Gestüt 
wurde anderweit durch Feuer zerstört und 1770 wieder aufgebaut, gleich- 
zeitig wurde der Gestütshof „ Josephshof " (eine Filiale) mit hergestellt. 
Unter Kaiser Franz I. wurde danach der zweite Kladruber Gestütshof 
, Franzenshof " (Filiale) erbaut (1829—1831). 1865 wurde in Kladrub 
Zucht und Training des englischen Vollblutpferdes eingeführt. 

Züchtung: Trotz des verloren gegangenen Archivs ist aber gewiss zu ver- 
muthen, dass ursprünglich spanisch -orientalisches Blut nach Kladrub ge- 
bracht wurde. Um jene Zeit herrschte das spanische Ceremoniell vor, 
wozu im 16. und 17. Jahrhundert auserlesene starke Reit- und Wagen- 
pferde bestimmt wurden. 

In Kladrub züchtet man: 

1. die alte Kladruber Rasse, wie früher in Reinzucht, 

2. das englische Vollblut, von 1865 ab, 

3. englisches Halbblut, neben Kreuzungen von Kladrubern mit 
Lippizanern. 

Im 18. Jahrhundert besass Kladrub schon selbständige Stämme, 
von welchen nur die Namen nachbenannter Hengste erhalten blieben imd 
zwar: Amore, Galante (1718 geb.), Boemo (1747 geb.), Monarcho , Sou- 
vrano, Montedoro und II Dogio. Von 1730 — 1771 wurden für Kladrub 
theils aus Italien, theils aus Privatgestüten italienische Beschäler an- 
gekauft und zur Zucht verwendet und zwar: Cortosa (braun, 1729 geb.), 
Pessadoro (1744 geb., Polesinerrasse) , Passamonte (Rappe, 1748 geb., 
Polesinerrasse), Florentino (Schimmel, 1751 geb.), Pomposo (Rappe, 1755 
geb.). Principe (Brauner, 1760 geb.), aus Toskana, Glorioso (Schimmel, 
1774 geb.), Original - Engländer (der einzige englische Hengst, der im 
18. Jahrhundert nach Kladrub kam). Ausser diesen kamen später noch 
ähnliche, sehr edle Hengste aus österreichischen Staats- und Privatgestüten 
dorthin, u. A. auch Pepoli (Rappe, 1764 geb.), in Italien gekauft. 
Letzterer wurde der Stammvater der heutigen Kladruber Rasse. 
Im 19. Jahrhundert trat das englische Blut in Kladrub zum Theil in den 
Vordergrund. 



Böhmen. 169 

Von den früheren Stämmen der Vaterpferde ist nur der Pepoli- 
Stamm bis gegenwärtig (1900) in zahlreicher Nachkommenschaft erhalten 
geblieben und bleibt es hoffentlich weiter. 

Im Jahre 1799 kam der erste General (Schimmel), geb. 1787 in 
Koptschan, nach Kladrub, dieser deckte bis 1805. Dessen Grossvater war 
Pepoli (Rappe), geb. 1764, in Italien angekauft, deckte in Enyed und 
Koptschan, er ist der Stammvater und eigentliche Begründer der heutigen 
Zucht in Kladrub. Der erste General (Enkel des Pepoli)^ geb. 1787, 
obgleich aus einer Rappfamilie stammend, vererbte stets seine Schimmel- 
farbe und ist der Begründer der Kladruber Schimmelstämme. Ebenso 
begründeten dessen Söhne Generale II (Schimmel), geb. 1796, und Gene- 
rale III (Schimmel), geb. 1797, die heute noch bestehenden Zuchtzweige 
der Kladruber Schimmelfamilien. 

Im Jahre 1814 wurde ein Stutenmaterial von 84 Köpfen von nur 
5 Hengsten (Generalissimus, Generale, Sacramoso, Superbo und Toscanello) 
gedeckt. 1818 kam der Rapphengst Pompejus , der hauptsächlich zur 
Gründung der Rappfamilie beitrug. 

Von 1830 an stehen nur Nachkommen der Hengste: Pompejus, 
Generale, Sacramoso und Toscanello im Gestüt. Der Stamm Generalissi- 
mus steht gegenwärtig in der 7. Generation, der Stamm Sacramoso in der 
6. Generation (durchgehends Rappen). Da die heutigen Kladruber Pferde 
direkt nach italienischen Hengsten durch 5 — 6 Decennien in Fami- 
lienzucht gegeben wurden, so ist der Schluss berechtigt , dass sie nach 
ihrem Ursprung der italienischen Rasse angehören, aber den Namen 
der Kladruber mit voller Berechtigung führen, weil sie heute einzig in 
der Welt nur in Kladrub gezüchtet werden. 

Zuchtzweck: Die im Gestüt gezüchteten Pferde werden 4- und 
5 jährig an den Kaiserl. Hofmarstall in Wien abgegeben und dort zum 
Gebrauch als Galapferde für achtspännigen Zug einrangirt, auch dienen 
sie als Wagen-, Reit- und Jagdpferde. 

Das Kladruber Pferd ist durchschnittlich 180 cm hoch, hat lange 
Mähne und bis zur Erde reichenden Schweif, der Kopf, auf hoch auf- 
gesetztem Halse ruhend, ist sehr stark gewölbt. Der Rücken ist lang 
und fein, die Kruppe kurz und leicht abfallend. Die Schulter liegt steil, 
daher eine elegante Schenkelaktion. 

Gegenwärtig (1901) stehen im Hauptgestüte folgende Beschäler: 
Napoleone (Kladr., Rappe, 18 J.), Sacramoso (Kladr., Rappe, 12 J.), 
Generale (Kladr., Schimmel, 14 J.), (j<?«i?/'ü;/m/»?«j' (Kladr., Schimmel, 1 7 J.), 
^rö^^a//^«^(engl.Vollbl., br., 12J.), Blue Boy (engl. Vollbl., br., 13 J.), 
Eugen (Noniuskreuzung, br., 5 J.), UOrsay (Originalnonius, br., 5 J.), 
Beltair (Amerikaner, br., 8 J.), Maestoso (Lippizaner, 4 J.). 

Brandzeichen: ^^^^ss^ 

Ein K auf der linken Ganasche. 



K 



170 Böhmen. 

Name des Gestüts: KopidlnO. 

Besitzer: Graf von Schlick. 

Topographisches: Die Herrschaft Kopidlno liegt von Gitschin und Liban je 
15 km entfernt. Kopidlno, Marktflecken mit ritterschaftlichem Schloss 
nebst Thiergarten. 

Geschichtliches: Von 1840 — 1850 stand dieses Gestüt in Blüthe; es wurden 
um jene Zeit nicht nur gutes englisches Halbblut, sondern auch Vollblut- 
stuten, wie nach Maptilla nach Maple und Myrtilla etc. gezüchtet. Nach 
dem Tode des früheren Besitzers ging das Gestüt zurück; es wurde für 
keine Auffrischung des Blutes gesorgt und das damals vorhandene edle 
Zuchtmaterial degenerirte. Die zuletzt noch vorhandenen 22 Pferde 
wurden nur zu landwirthschaftlichen Arbeiten benutzt und die Zucht 
als Nebensache betrieben. 

Kreis Prag. Hauptstadt Prag. 

Name des Gestüts: ■ '*^9- 

(Staats-Hengstendepötposten No. 1 zum Staats -llengstendepöt 

für Böhmen) 

Besitzer: Staats -FiscMS. 

Topographisches: Prag (böhm. Praha) befestigte Hauptstadt des Königi-eichs 

an der Moldau, im Thale und auf Hügeln erbaut. 
Geschichtliches: Im obigen Depotposten beträgt die Zahl der aufgestellten 
Beschäler durchschnittlich 120, von denen ungefähr 
4 — 5 dem englischen Vollblut, 
55 — 60 dem englischen Halbblut, 
15 dem Norfolker Blut, 
3 dem orientalischen Blut, 
6 — 8 dem Normannen und 
einige dem Kladruber Blut angehören. 
Mit dem genannten Material wird der nordöstliche Theil Böhmens 
bestellt und zwar in 26 Beschälstationen. 

Kreis Pilsen. Bezirk Pilsen. 

Name des Gestüts: PJISen. 

(Staats -Hengstendepötposten No. 4 des Staats -Hengstendepöts 

für Böhmen.) 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Pilsen liegt westsüdwestlich und 12 Meilen von Prag, in 
einem breiten schönen Thale, an der böhmischen Westbahn. 



Böhmen. 171 

Geschichtliches: Die Gründung des Staats-Hengstendepötpostens für Pilsen ist 
nicht zu erfahren. Es werden darin durchschnittlich 50 Hengste auf- 
gestellt, davon gehören für gewöhnlich 

1 dem englischen Vollblut, 
32 dem englischen Halbblut, 
10 dem orientalischen Halbblut und 
7 dem Norfolker Blute an. 
Die Hengste werden jährlich über 15 Beschälstationen innerhalb den 
folgenden 11 Bezirkshauptmannschaften: Podebrad, Böhmisch Brod, Kaaden, 
Mies, Leditz, Karlsbad, Pilsen, Kralovic, Tepl, Rakonitz und Eger vertheilt. 

Kreis Pilsen. Bezirk Taus. 

Name des Gestüts: lEUS. 

(Depötposten No. 7 des k. k. Staats -Hengstendepöts in Prag.) 

Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Taus, Stadt in der Nähe der bayerischen Grenze, süd- 
westlich und 6V2 Meile von Pilsen. Nach alten lateinischen Urkunden 
Tusta bezeichnet. 

Geschichtliches: Hier ist der Depötposten No.7 des k. k. Staats-Hengsentdepöts zu 
Prag untergebracht. 1889 waren 35 Hengste aufgestellt, 1891 dergleichen 22. 
Die Hengste werden über 7 Beschälstationen vertheilt. Abstammungen: 
englisches Vollblut, englisches Halbblut, Norfolker, orientalisches Halbblut, 
1 Lippizaner, 3 Normannen des Noniusstammes und Ardenner. 

Kreis Königgrätz. Bezirk Opotschna. 

Name des Gestüts: OpOtSChna (Opocno). 

Besitzer: Fürst Colloredo-Mansfeld. 

Topographisches: Opotschna, Stadt am Diedinabach, liegt ca. 16 km nord- 
östlich von Königgrätz, zwischen Teiclien und grossen Gartenanlagen, mit 
Schloss des Grafen Colloredo, sowie Thier- und Fasanengärten, Obstbau etc. 

Geschichtliches: Hier wurde früher ein bedeutendes Gestüt unterhalten, in 
dem nur Rappen des grossen Wagenschlages gezüchtet wurden. Das hier 
gezüchtete Material führt zum Theil auf die Abstammung vom k. k. Hof- 
gestüt Kladrub, theils auf das ehemalige erzbischöfliche Gestüt zu Rif 
in Salzburg zurück. Ende der 1840 er Jahre wurde das bis dahin all- 
gemein bekannte Gestüt Opotschna aufgehoben. 

Brandzeichen: 




172 Böhmen. 

Name des Gestüts: rlSBK. 

(Staats-Hengstendepötposten No. 5 zum Staats- Hengsten depöt 

für Böhmen.) 

Besitzer : Staats - Fiscus. 

Topographisches: Pisek, Kreisstadt an der Wotawa, einem Fluss, liegt 
nordnordwestlich 6 Meilen von Budweis und südsüdwestlich 12 Meilen 
von Prag mit uraltem Schloss. Die Gegend ist sandig. 

Geschichtliches: Bezeiclmeter Depötposten besteht bereits längere Zeit; die 
Zahl der im Depöt aufgestellten Beschäler beträgt durchschnittlich 82, 
wovon ungefähr 

2 dem englischen Vollblut, 
56 „ englischen Halbblut, 
• 10 „ Norfolker Blut, 

2 „ orientalischen Halbblut, 

5 „ Kladruber Blut, 

5 „ Normannen und 

2 „ kalten (Suffolker) Blut 

angehören. — Obiger Depötposten ist der südwestlichen Ecke Böhmens 
zugewiesen und wird die bezeichnete Zahl Hengste in 21 Beschälstationen 
zur Verwendung gebracht. 



173 



Markgrafenthum Mähren. 



Kreis Brunn. 



Name des Gestüts: KunStadt. 

Besitzer: Freiherr von Honrichs. 

Topographisches: Das Grestüt liegt an der Brunn — Prager Eisenbahn und 
ist von der Station Skalitz-Boskowitz nach Zurücklegung eines Weges 
von 9 km zu erreichen. Das Areal der Besitzung für Larjdwirthschafts- 
zwecke etc. beträgt 2700 ha. 

Geschichtliches: Von dem Vorgänger, dem Vater, des gegenwärtigen Besitzers, 
wurde das G-estüt gegen 1850 gegründet; dasselbe wurde während dieses 
Zeitraums bis dato in gleichmässigem Charakter fortgesetzt. Es kam vor 
allen anderen Eassen hauptsächlich Norfolker und Ardenner Blut in Berück- 
sichtigung; vor allem Kothschimmel, die von Vollblutbeschälern gedeckt 
wurden. Die Zahl der Mutterstuten erstreckt sich über 8 — 10 Stück, 
meist Rothschimmel. Der Besitzer hat bei dieser Züchtung festgestellt, 
dass Genügsamkeit und Frühreife als wesentliche Vortheile sich bewahr- 
heiten. Von der Norfolker Rasse abstammende Mutterstuten sind im 
Schlossstalle, die übrigen im Meierhof untergebracht. Die Fohlen gemessen 
die Pflege im Gestütshof Uyska in Laufställen und auch in freien, ein- 
gezäunten Ausläufen. 

Züchtung: Zuchtziel und Zuchtzweck: Beschaffung von Pferden für den 
eigenen Bedarf. Es steht eine Vergrösserung dieses rationellen Zucht- 
betriebes in Aussicht. Auch werden alljährlich mehrere Hengste als 
Beschäler an den Staat abgegeben. 

Brandzeichen: IX Das nebenstehende Brandzeichen kam bisher 

in Anwendung und wurde auf der Rippenwandung 

— Sattellage, rechtsseitig — aufgedrückt. 



en oiaai 

K 



Kreis Brunn. 

Name des Gestüts: Neuhof. 

Besitzer: Fürst von und zu Liechtenstein. 

Topographisches: Neuhof erreicht man von der Eisenbahnstation Feldsberg 
sowie auch von der Eisenbahnstation Lundenburg aus nach Zurücklegung 
^2 Stunde Wegs. Der Ort ist sympathisch gelegen. Für das Gestüt 
bestehen 3 Stallungen mit den erforderlichen Einrichtungen. Neuhof liegt 
7 Meilen von Brunn und 9 Meilen von Wien. 1838 kam die Herrschaft 
Lundenburg in v. Liechtenstein'schen Besitz. 



174 Mähren. 

Geschichtliches: Das Gestüt Neuhof wurde 1806 in Hohenau, Nieder- 
österreich (s. dieses), mitbegründet und dann hierher verlegt. Hinsichtlich 
Hohenaus liegt dessen Gründung als Gestüt laut Ausweis der Gestüts- Archive 
mehrere Jahrhunderte zurück. Den Zuchtstamm bildeten, wie um jene 
Zeit in Oesterreich überall, neapolitanische und arabische Pferde. 
Im Jahre 1812 fand hier schon englisches Blut im Gestüt Eingang; 
später hielt aber auch die englische Vollblutzucht in Hohenau 
ihren Einzug, deren Produkte auf den österreichisch - ungarischen Renn- 
bahnen bald in Thätigkeit kamen. In Neuhof befand sich das Gestüt bis 
zu einer Umgestaltung mit den Rennpferden zusammen. Die Vollblut- 
zucht Neuhof besteht demgemäss seit 1885 aus 6 Vollblutstuten, die 
von dem um jene Zeit in Feldsberg in der Beschälstation mit aufge- 
stellten Vollbluthengst Müvecz (Fuchs) gedeckt wurden. In Feldsberg 
befindet sich der fürstliche Marstall mit vorzüglichem Bestand. 

Kreis Brunn. 

Name des Gestüts: LiSSitZ. 

Besitzer: Guido Graf Dttbsky. 

Topographisches: Lissitz ist von der Bahnstation Skalitz — Boskowitz der 
Eisenbahnlinie Brunn — Prag nach Zurücklegung eines Landweges von ca. 
8 km zu erreichen. Der Ort ist ein Marktflecken und befindet sich da- 
selbst ein grosses herrschaftliches Schloss, 

Geschichtliches: Das Gestüt besteht unter dem genannten Besitzer bereits 
seit Beginn der fünfziger Jahre vorigen Jahrhunderts. Bei Gelegenheit der 
Begründung wurden 6 Stuten des dortigen Landschlages von den spanischen 
Hengsten Generale und Maestoso und später noch von Generale Furioso 
gedeckt. Als hierdurch eine Anzahl Stuten herangewachsen waren, wurden 
letztere von dem arabischen Vollbluthengst Elbedavy (1866 — 1868) gedeckt. 
Die Produkte wurden jedoch nicht anerkannt, der letztere Hengst ver- 
kauft und an dessen Statt dem englischen Blute freier Eintritt gewährt. 
Mit diesem Blutwechsel wurden 15 Stuten zur Zucht verwendet und diese von 
englischen Staatshengsten, Pride of England, Norfolktraber, und Noirand, 
Anglo-Normänner etc., gedeckt. Erfolge sollen sehr zufriedenstellend sein. 

Züchtung: Zuchtzweck: Erzeugung von starken Reit- und Wagenpferden, 
sowie Landbeschälern. 

Kreis Hradisch. 

Name des Gestüts: BuChläU. 

Besitzer: Graf von Berchtöld, 

Topographisches: Ein Verwandter des vorstehenden Besitzers Graf Leopold 
von Berchtöld, durch seine Menschenfreundlichkeit weit bekannt, wohnte auf 
Schloss Buchlowitz, das am Fusse eines Berges liegt, auf welchem 



Mähren. 175 

letzteren das uralte Bergschloss „Buclilau" steht. Der damalige Graf 
übernahm 1860 die Administration der Güter Buchlau und Zieravitz, 
wovon ersteres ca. 14 000 Joch Wald in Gebirgslage mit fruchtbaren 
Thal wiesen in sich schliesst. Die Entfernung von der Eisenbahnstation 
Üngarisch-Hradisch ist ungefähr Y2 Stunde. 

Geschichtliches: Die Geschichte des bezeichneten Gestüts beginnt mit der 
Uebernahme der Administration genannter Güter durch obigen Herrn 
im Jahre 1860. Von Anbeginn wurde Seitens des Züchters die Auf- 
gabe gestellt, zunächst Jagdpferde für schweres Gewicht zu erzielen. 
Diese Aufgabe war unter den gegebenen Verhältnissen schwer zu lösen, 
weshalb ihr die sorgfältigste Aufmerksamkeit zu schenken war. Der Be- 
sitzer fand mit der Zeit Ersatz für seine Bemühungen in dem Resultate, 
dass, wenn auch nicht alle Pferde, die in Buchlau gezogen wurden, das 
Ideal, tüchtige Jagdpferde für schweres Gewicht zu sein, er- 
reichten, doch die Mehrzahl diesem Zwecke entsprach, aber auch tüchtiges 
Material an Wagen- und Reitpferden für leichteres Gewicht wurde dort 
erzielt, ebenso sehr brauchbare Wirthschaftspferde. Hier wurden die 
Fohlen nach den verschiedenen Richtungen hin sehr streng geprüft und 
für die verschiedenen Zwecke bestimmt und Alles, was sich nicht als 
fehlerfrei erwies — Senkrücken etc. — als Jährling weggegeben bezw. 
verschenkt. 

Das Interesse des Grafen Berchtöld beschränkte sich nicht blos auf 
sein eigenes Gestüt Buchlau, sondern er beabsichtigte auch in weiteren 
Kreisen erfolgreich zu wirken und dabei die Pferdezucht der benachbarten 
Landleute zu heben, sowie in denselben das Interesse für ein rationelles 
System zu wecken. Zu diesem Zwecke wurden in Buchlau stets 6 — 8 
Hengste aufgestellt, welche die Stuten der Bauern, mit strenger Rücksicht 
auf individuelle Conformität, unentgeltlich deckten. 

Züchtung: Bei der konsequenten Durchführung des eigenartigen, scheinbar 
kostenlosen Systems bei den Bauern, hat der Graf von Berchtöld dasselbe 
aber auch über weiter gelegene Ortschaften zu befördern verstanden, indem 
er sich von der k. k. Militär- Gestüts-Inspektion für die Deckzeit während 
eines Jahres einen Nor folk-Traber -Hengst, behufs Deckung seiner 
eigenen, als auch der Mutterpferde der Gemeinden der dortigen Wiesen- 
und Marschgegend, lieh und dabei die Erzielung eines guten Landschlages 
im Auge hatte. 

Aus dem Vorstehenden erkennt man, dass Graf von Berchtöld keine 
Kosten und Mühe scheute, zunächst ein tüchtiges Zuchtmaterial zu schaffen 
und dasselbe fortwährend zu verbessern und zu vermehren und möglichst 
vielen Pferdezüchtern zugänglich zu machen. Es sei noch hinzugefügt, 
dass sich der Graf von Berchtöld als fördernder Freund der Pferdezucht 
aber auch dadurch noch besondere Verdienste erworben hatte, dass er von 
der k. k. General-Gestüts-Inspektion die Zutheilung eines Rothschimmels 
als Vaterpferd erbeten, wobei er im Auge hatte, dass sich diese Farbe, 
welche in dortiger Gegend gar nicht vorkam, nach dem Vaterpferde ver- 
erbe, wie z. B. die Nachkommen des Vollbluthengstes Grizzly Boy und 
des gräflich Sändor'schen Vollbluthengstes Cosarara, welche meistens 
Rothschimmel und Mohrenköpfe gewesen waren, bewiesen. 



176 Mähren. 

Die in Buchlau befindliehen Fohlen werden behufs guter körper- 
licher Entwicklung zur Bewegung in freie Luft und in reichliche Er- 
nährung gebracht. Den Sommer hindurch befinden sich die jungen Pferde, 
je nach dem Stand der Weide, auf dem Buchlauer Burg-Meierhofe 
oder im Marsaver Sommerschuppen , im Winter aber im Buchlowitzer 
Gestütshof. Die einjährigen Fohlen erhalten ohne Unterschied der 
Abkunft Hafer, die älteren Halbblutfohlen nebst der Weide ge- 
brochene Gerste, Vollblutfohlen aber stets Hafer nach Bedarf. 

Dreijährig werden alle Pferde an das Geschirr und leichten Zug 
gewöhnt und 2 Monate hindurch zu ganz geringen Arbeiten verwendet. 
Diese Verwendung gründet sich auf die Erfahrung des Gestütsbesitzers, 
dass Pferde, und besonders solche, die hoch im Blute stehen, wenn sie 
ohne vorherige Verwendung im Geschirre gleich zum Reitdienst ab- 
gerichtet werden, bei später erfolgender Bestimmung für den Zugdienst 
häufig nervös und widersi^enstig werden. Nach der angedeuteten zwei- 
monatlichen Benutzung oder wenn sich die Pferde willig anschirren lassen 
und ruhig ziehen, erhalten sie wieder ihre volle Freiheit auf der Weide 
oder im Laufstall, um zur vollen Entwicklung zu gelangen. Mit dem 
4. Jahre werden die Pferde für den vollen Reitgebrauch vorbereitet und 
zwar vor allem 2 — 3 Tage hindurch unter Sattel longirt, damit sie sich 
auch in der Bewegung an denselben gewöhnen. 

Die Pferde standen, auf Wunsch des Besitzers, zeitweise gesattelt in 
den Stallungen sowie auch diejenigen , welche bereits eingespannt waren, 
diese trugen in der Regel nach 2 — 3 tägigem Longiren den Sattel ganz 
willig und wurden dann gleich durch leichte Reiter neben älteren Pferden 
in successiver Steigerung über Feld und Flur geritten. Die sogenannte 
Reitschularbeit wii'd mit ihnen nicht gemacht, ihre Bestimmung ist Jagd- 
pferde zu sein, daher werden sie auch zu solchen erzogen und angeleitet, 
ausdauernd und sicher an Alles heran- und über Alles fortzugehen. Ein 
Hauptaugenmerk wird hierbei durch sorgfältige Zäumung und die Ueber- 
wachung der Reiter darauf gerichtet, dass sie leicht in der Hand bleiben. 
Graf von Berchtold hat den dortigen Gestütsstand auf eine sehr hohe 
Stufe gebracht, dieses war s. Zt. auch eine feststehende Thatsache. 

Die Wahl des Zuchtmaterials, welche ausschliesslich nur auf erprobte 
Individuen fiel, machte es möglich, dass die Buchlauer Produkte sowi^hl 
im Reit- als Fahrdienste bedeutende Leistungen aufzuweisen hatten. 

Die Rücksicht, welche bei Paarungen auf die Conformität der Zucht- 
thiere verwendet wurde, lieferte das Resultat, dass Buchlau seinen be- 
stimmten Typus schon bis 1864 erreicht hatte, welcher sich in Gedrungen- 
heit, Fundamentirung und Kraft charakterisirte. 

Die tüchtigsten Stuten wurden nach Kisber zu Daniel O'Rourke, 
Ephesus und Pride of England ^ nach Hohenau zu Tirailleur^ Coronet 
und Bompey^ nach Deutschleuten zu Hampdeti etc. geschickt. Im Jahre 
1864 wurde dann der Norfolk -Traber Meryleps für Buchlau gemiethet. 
Buchlau's Stand war 1870 im Besitze von 12 grösseren Hengsten und 
39 eben solchen Stuten. 



Mähren. 177 

Name des Gestüts: Napagedl (Yollblutgestüt). 

Besitzer: Arisfide von Baltazzi. 

Topographisches: Napagedl ist ein Marktflecken an der March, nördlich» 
ca. 2 Stunden von Hradisch gelegen mit schönem herrschaftlichen Schloss 
nebst Garten anlagen. Die Gegend ist sehr fruchtbar; die Herrschaft 
umfasst ein Areal von gegen 4700 ha. Auf 11 Meierhöfen wird der land- 
wirthschaftliche Betrieb ausgeführt. Das Gestüt ist von der Mährischen 
Kaiser Ferdinand-Nordbahn, von der Eisenbahnstation Napagedl aus leicht 
zu erreichen. Zum Gestüt gehören die 2 Gestütshöfe Lessy und 
Mens c ho w, beide sind je in ^2 Stunde von Napagedl zu erreichea. 

Geschichtliches: Die Gründung erfolgte 188G nach und nach mit den Stuten 
Anonyma, Baby, Bonjour, Commencevient, Eilgut, Fantasie, Gabernie, 
Kadvesem, Lydia, Mantika, Miss Buccaneer, Misforiune und Renata, die 
von dem Beschäler des Gestüts Kisber gedeckt wurden. Durch Zukaufe 
aus Deutschland, Frankreich und England, die fortwährend erfolgten, 
erhob sich der Bestand der Vollblutheerde auf 42 Stuten. 
Von 1886—1894 deckten in Napagedl: 

1. Kisber, brauner Hengst, 1886 (aus Kisber), 

2. Digby Grand, schwarzer Hengst, 1887 — 1889 (aus England), 

3. Hastings, brauner Hengst, 1893 (Kladrub), 

4. Arcadian, brauner Hengst, 1888 — 1894 (aus England), 

5. Metcalf, Fuchs-Hengst, 1888 (aus Kisber), 

6. Campbell, brauner Hengst, 1889 — 1892 (aus England), 

7. Zsupdn, Fuchs-Hengst, 1894 (Anton Esterhäzy), 

8. Abonnent, Fuchs-Hengst, 1889—1893 (Rittmeister Söllinger), 

9. Livingstone, brauner Hengst, 1891 (Alpine Stud.-Farm), 

10. Galeotto, Fuchs-Hengst, 1892 (Rothschild), 

11. Master Kildare, Fuchs-Hengst, 1893 (Lord Bonald), 

12. Strofizian, Fuchs-Hengst, 1894 (Nie. Esterhäzy), 

13. Rajta-Rajta, lichtbrauner Hengst, 1894 (aus Kisber). 

Der Bestand des Gestüts war bisher in ungefährer Höhe von 80 — 95 
-und darüber gediehen; hiervon sind 6 — 8 Beschäler und gegen 100 
llutterstuten. Der englische Derby- Sieger Kisber wurde 1887 von 
Napagedl verkauft an das herzogl. braunschweigische Gestüt Harzburg; 
an dessen Stelle kam Campbell. 1899 war Napagedl im Besitz von 4 Volb 
bluthengsten : Tokio, ein Sohn des in Zschorna (Sachsen) aufgestellten 
Talpa Magyar., ferner Matchbox, Zsupdn und Stronzian., der Vater des 
Aspirant, welch letzterer im Basedow (Mecklenburg) - Graf Hahn'schen 
Crestüt sich als Beschäler befindet. 

ZüchtUirg: Der Zuchtzweck besteht in dem Verkauf von Fohlen als Jähr- 
linge und in Heranbildung von Rennpferden. 



träuer, Gestüte. 12 



178 Mähren. 

Name des Gestüts: GrOSS-LucROW. 

Besitzer: Graf Franz Seilern. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt in der Nähe von Holleschan, Stadt 
an der Eussawa (in der Nähe der wallachischen Grenze) und an der Bahn- 
linie Hullein — Friedeck, Kremsier an der Mar ch gegenüber, in der Nähe 
von Hradisch. Nach den Notizen von Gassebner III. ist Spezielles über 
betreffendes Gestüt ausgeblieben. 

Geschichtliches: Die Zeit der Begründung ist nicht zu erfahren gewesen. 
Dasselbe besteht als Vollblutgestüt mit 27 Vollblutstuten, welche von 
2 Hengsten: Livingstone (1879) und Mac Intosh (1888) und ausserdem 
noch von Hengsten in Napagedl gedeckt werden. Das Gestüt befindet 
sich jedoch nicht in Gross -Luckow, sondern auf dem herrschaftlichen 
Meierhof Janufka. Die' Jährlinge werden in Wien zur Auktion gebracht. 



Kreis Neutitschin. 

Name des Gestüts: BiStritZ am Kosteln. 

Besitzer: Ernst Freiherr von London. 

Topographisches: Bist ritz mit dem Beinamen ,am Hostein " liegt an der 
Eisenbahnlinie Hulleiu — Friedeck. Bahnstation Bistritz. 

Geschichtliches: Der Besitzer befasste sich seit 1856 mit der Aufzucht zum 
eigenen Bedarf, indem er bessere mährische Stuten mit Hengsten der 
Staatsgestüte decken liess. Später kaufte er nur prämiirte Fohlen 
aus Mähren und liess selbige nur von r einblütigen Staatshengsten 
decken; die Fohlen davon zog er auf. Der Besitzer vergrösserte auf 
diese Weise seine Zucht und kam auch in die Lage, selbstgezogene 
Hengste an die Regierung abzugeben. 1898 befanden sich 116 selbst- 
gezogene Pferde im Gestüt, worunter 55 Hengste, die als Beschäler ab- 
getreten werden konnten. 1881 kamen 3 englische Vollblutstuten, Esther^ 
Hopeful von Victorioiis und Waise von Bliie Jacket^ in das Gestüt, sowie 
belgische Stuten : die letzteren Stuten wurden durch einen englischen 
Halbbluthengst, Invalide, gedeckt. Ausserdem wird in Bistritz eine bel- 
gische Rennzucht und eine englische Vollblutzucht betrieben. 
Die Vollblutstuten werden von den im Gestüt Napagedl aufgestellten 
Vollblutbeschälern gedeckt. 1893 wurde in Bistritz auch noch der Voll- 
bluthengst Fantasca aufgestellt (Renngestüt). Alljährlich werden auch 
einige Vollblutstuten dem Traberhengst Fern Wilkes zugeführt. 

Züchtung: Aus der H alb blutzucht ist es dem Besitzer von Bistritz. 
gelungen, schöne, gängige Reit- und Wagenpferde zu schaffen. 



Mähren. 179 

Name des Gestüts: HOChwaltl. 

Besitzer: Jeweiliger Fürsterzbischof von Ol i nütz. 

Topographisches: Das betreffende Gestüt befindet sich auf der noch gut er- 
haltenen Ruine Hochwald, s. Zt. die grösste Veste Mährens; dasselbe ist 
von der Eisenbahnstation Freiberg 7 km und von Frankstadt am 
Radhost ca. 12 km entfernt. Der gebirgige Theil betreffender Herrschaft 
(Karpathen) erreicht bei Lissa die Höhe von über 1300 m, der Gebirgs- 
zug der Beskiden. 

Geschichtliches: Die Gründung erfolgte im Jahre 1855 durch den ver- 
storbenen Landgrafen Friedrich von Fürstenberg mit 4 Eappstuten, denen 
1858 weitere 9 Stuten iolgten; sämmtlich in Kladrub geborene Eappen. 
Diese Stuten deckte der 1845 in Rom geborene Rapphengst Napoleone 
während der Jahre 1857, 1858 und 1859, der dann aber nach Kladrub 
zurückging. Bis zum Jahre 1860 deckte dieser Hengst ca. 30 Sacra}?toso- 
Stuten incl. der 13 mit der Begründung eingeführten. Genanntem Hengste 
folgten nachstehende in Kladrub gezogene Rapphengste: Sacramoso-Abassa; 
886 Sacramoso; 887 Sacramoso; Sacramoso-Abassa VIII und Napoleone- 
Persiana sreb. in Hochwald. 



12* 



180 



Herzogthum Schlesien. 



Bezirk Jägerndorf. 

Name des Gestüts: Burgberghof. 

Besitzer: Franz Kurz. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt an der Mähri sch-schlesi- 
schen Centralbahn und an der Haltestelle Burgberghof dieser Eisenbahn. 

Geschichtliches: Genannter Besitzer gründete 1894 ein Trabergestüt. Zucht- 
ziel: Produktion von Trabern für die Rennbahn, sowie grosse Wagen- 
pferde. Im Gestüt befinden sich 7 Stuten verschiedener Abstammung, 
die von 2 Hengsten, Shadeland Meredith (amerikanischer Traber), dann 
Schamster Diener (Russe) gedeckt werden. 

Bezirk Taschen. Herrschaft Karwin. 

Name des Gestüts: DeutSChleUten (Larisch-Moenich-Gestüt). 
Besitzer: Graf Heinrich Larisch- Moenic/i. 

Topographisches: Diese Herrschaft liegt zwischen Oderberg und Teschen; 
hiezu gehören die Höfe Deutschleuten, Waldhof, Nerad, Olschin, Mark- 
lowitz, Karwin -Solza, Steinati, Smoltowitz, Albersdorf, Tzerlitzka und 
Suchau. Areal gegen 4Y2 Tausend ha. Die Herrschaft liegt auf der 
Hochebene, welche sich theilweise den nördlichen Karpathen anschliesst. 
Die Witterung ist grell wechselnd; trotzdem aber wird die Pferdezucht 
bedeutender betrieben. Das Gestüt an sich ist das grösste und bedeutendste 
Privatgestüt. Dasselbe ist von der Eisenbahnstation Oderberg nach Zurück- 
legung eines Landweges von 7 km zu erreichen. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde von dem Grossvater des gegenwärtigen 
Besitzers 1849 begründet. Markmann -Lichtabell leitete dasselbe bis in 
die jüngste Zeit. In das Gestüt wurden als erste Zuchtihiere polnische 
und russische, in Galizien und Russisch-Polen gekaufte Stuten eingeführt, 
und diese durch englische Voll- und Halbbluthengste, sowie den Original- 
Araber-Hengst Derwisch^ 1838 aus der Wüste eingeführt, 1850 gedeckt. 
1851 wurde der englische Vollbluthengst Wanderer eingeführt. 

Züchtung: Zweck der Züchtung ist, dass Reit- und Wagenpferde, sowie Jagd- 
pferde gezüchtet werden. 1859 wurde der Vollbluthengst Hampden von 
Melbour7ie a. d. Emerald in England gekauft; 1860 wurden 8 Stück 
Halbblutstuten gleichfalls aus England ins Gestüt gebracht, um damit 
Jagdpferde für schweres Gewicht zu züchten. 



Oesterr.-Schlesien. 181 

Der Gesamuatbestand auf österreichischem Boden beträgt im genannten 
Gestüt einschliesslich der Arbeitspferde ca. 500 Stück. Mutterstuten sind 
90 — 100 Stück vorhanden, von denen ca. 17 unmittelbar aus England 
anderweit eingeführte Jagdpferde, die übrigen aus der eigenen Zucht 
hervorgegangen sind. Genannte Zahl Pferde ist je nach Bedarf und Zucht- 
verhältnisse in die bezeichneten Höfe vertheilt und werden spezielle An- 
ordnungen von der Gestütsdirektion in Deutschleuten aus getroffen. 

Graf Larisch ist nach Gassebner III. Master der Pardubitzer Parforce- 
jagdgesellschaft, daher wird hier für die Herstellung von Jagdpferden 
gesorgt. Bis vor kurzer Zeit waren die Vollbluthengste O Weh (braun, 
gezogen 1871 von Bethmann in Kfinetz, von Buccaneer a. d. Arrogante 
von Stockwell), Spectrum (braun, gezogen 1881 in England, von Speculuni 
a. d. Red Leaf von Cape Flyaway) und Schweninger (braun, gezogen 
1884 in Nordkirchen, von Vederenw a. d. Annie Day von Ostreger oder 
Cambuscan) aufgestellt. 



Bezirk Hotzenplotz. 

Name des Gestüts: HennerSdOPf. 

Besitzer: Baron Wilhelm Klein. 

Topographisches: Hennersdorf ist ein grosses Dorf mit Schloss, von dem 
aus Pferdezucht und Zucht veredelter Schafe getrieben wird. Der Ort 
ist gleichzeitig Eisenbahnstation. 

Geschichtliches: Im Jahre 1881 wurde ein Lippizaner Gestüt gegründet und 
ausschliesslich mit Schimmeln bestellt. Der Besitzer züchtet gegenwärtig 
mit 3 Lippizaner Hengsten (Grauschimmeln) 13 Lippizaner und 2 Araber- 
Stuten. Die Fohlen werden 4jahrig eingefahren, aufgestellt und als Paare 
verkauft. 



182 



Königreich Galizien. 



Provinz Ostgalizien. Kreis Kolomea. 

Name des Gestüts: Horodenka. 

Besitzer: Jacob Freiherr von Romaszkan. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der Eisenbahnstation Kolomea bezw. 
Sniatyn der Eisenbahnlinie Lemberg — Stauislau — Kolomea — Sniatyn, nach 
Zurücklegung von 40 bezw. 30 km Landwegs zu erreichen. Horodenka 
umfasst ein Areal von gegen 500 ha und befindet sich in hoher Kultur. 
Das Gestüt soll vorzüglich untergebracht sein und unter eben solcher 
Leitung sich befinden. 

Geschichtliches: Die Gründung erfolgte 1825. Zuerst wurde hier mittelst 
einheimischer Stuten und orientalischen Hengsten eine Zucht betrieben, 
durch die für Galizien Landesbeschäler und nebenbei Luxuspferde gedeckt 
werden solltea. Bis zum Jahre 1862 wurde dieses Prinzip auch mit 
Erfolg festgehalten, weil nach Ansicht der dortigen Züchter dem orien- 
talischen Pferde das Klima zuträglicher wäre, als dem englischen. 

Züchtung: Von jeher wurde die Zucht mit ca. 50 Stuten seit ca. 70 Jahren 
betrieben, wozu durch oa. 14 Hengste orientalisches Blut (Dahoman-Blut) 
vererbt wurde. Nun begann aber 1894 der Besitzer mit Verminderung 
des bisherigen orientalischen Halbblutes (Stuteuheerde) mit englischen Voll- 
bluthengsten zu züchten, die auch bis h ute in vorzüglicher Weise fortbestehen. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Kolomea. 

Name des Gestüts: GwOZdzJeC. 

Besitzer: von Puzena. 

Topographisches: Obiges Gestüt erreicht man unter Benutzung der Eisenbahn- 
linie Lembei'g - Stanislau — Kolomea — Sniatyn, wenn man den Weg von 
Kolomea nordöstlich auf der Strasse nach Horodenka einschlägt, von 
Kolomea liegt dasselbe 19 km entfernt. 

Geschichtliches: Es wird hier seit langer Zeit für den eigenen Bedarf gezüchtet. 
Es sind 12 arab Mutterstuten (Schimmel) eingestellt, dazu dient ein Araber- 
Schimmel-Hengst z. Zt Step -Bagdad. Die Nachzucht ist edel mit viel Gang. 

Provinz Ostgalizien Kreis Sanok. 

Name des Gestüts: JaSCZCW. 

Besitzer: Ritter August von Stojowski. 

Topographisches: Das Gestüt liegt am Fusse der letzten Ausläufer der Kar- 
pathen, in einer der reizendsten Gegenden Galiziens und einem vom 
Wislok-Flusse durchschnittenen, reizenden Thale mit breiten Wiesenfluren. 



Galizien. 183 

Diese Gegend mit Gestüt ist durch die Eisenbahn Jaslo — Sanok von der 
Station Jedlicze aus, nach Zurücklegung von ca. 3 km Landwegs zu er- 
reichen. Das Areal des Grundbesitzes beläuft sich auf ungefähr 470 ha. 

GGSChichiliches: Genanntes Gestüt wurde vom Voi-besitzer Eugen Jordan 
Ritter von Stojowski 1848 gegründet und mit 6 in Slawuta angekauften 
arabischen Stuten aus den Fürst Sangusko'schen Gestüten sowie mit 
englischen Halbblutstuten, welche sich durch besondere Leistungsfähigkeit 
hervorgethan hatten, besetzt. Die Mutterstuten wurden während der ersten 
Jahre durch die im Koropiec'schen Gestüt bei Lemberg, dem Ritter 
von Myoslowsky gehörig, aufgestellten englischen Vollbluthengste Muley 
Moloch, Devils-Child u. A. gedeckt und brachten so gelungene Fohlen 
2ur Welt, dass sich in geradezu überraschend kurzer Zeit das Gestüt 
Jasczew schon eines weit über die Grenzen Galiziens hinausreichenden 
vorzüglichen Rufes erfreute. Um die Mutterstuten nicht so sehr weit 
zu den Hengsten bringen zu müssen, kaufte der Besitzer 1857 den 
irischen Hengst Hybernius, der während seiner fünfjährigen Thätigkeit 
hier nicht ganz den Erwartungen entsprochen haben soll. Dieses Vater- 
pferd soll sehr korrekt und kräftig gebaut, mit vorzüglicher Vererbungs- 
kraft ausgestattet und eine elegante Figur, aber sehr kurzbeinig gewesen 
sein. Den Grund zur Vorzüglichkeit des von Stojowski'schen Gestüts 
soll jedoch der hiernach folgende aus dem Paul Palffy'schen Gpstüt er- 
kaufte englische Vollbluthengst Ibrahim gelegt haben. Dieser Hengst 
soll sehr elegant und proportionii't gebaut gewesen sein, ferner leichte, 
elegante Gänge mit grosser Ausdauer gehabt und diese Eigenschaften in 
der glücklichsten Weise auch auf seine Nachkommen im Gestüt vererbt 
haben, unter denen es viele gegeben hat, die eine derartige Tiefe des 
Brustkastens hatten wie ihr Vater. Hiernach wurden hier Jbrahim-'&iViiexi 
von dem braunen Hengst Sclodo gedeckt, letzterer 1866 von Graf Lehn- 
dorf gezogen. 

Der Bestand an Mutterstuten belief sich auf 18—20 Stück, 
derjenige an Fohlen auf 10 — 12. 

Züchtung: Zuchtzweck: Erzeugung von Reitpferden für Kavallerie-Offiziere. 
Hinzuzufügen ist noch, dass ausser den genannten 3 Hengsten in demselben 
Gestüt nur englische Vollbluthengste — bis 1892: 8 Stück — dienten. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Sanok. 

Name des Gestüts: BacKÖrZ. 

Besitzer: Zdislatts Ritter von Skrzynski. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt über 40 km von der Eisenbahn- 
station Sanok, der Eisenbahnlinie JasJo — Sanok in der Nähe des Sauflusses. 
Areal gegen 480 ha. Boden und Weideverhältnisse sehr gut. 

Geschichtliches: Das Gestüt besteht seit 1889 und wurde mit der Aufzucht 
von Remonten begonnen, wozu gegen 30 Stuten des einheimischen 
Schlages und ein gemietheter Staatshengst (320 Dahoman) in Verwendung 
kamen. In derselben Weise wird der Betrieb des betreffenden Gestüts 
fortgesetzt. 



1 84 , Galizien. 

Name des Gestüts: JurOWCG. 

Besitzer: Johann Diilkan, Ritter von Slonecki. 

Topographisches: Durch die Eisenbahn der Linie Jaslo — Sanok wird maB 
bei der Eisenbahnstation Sanok auf den Landweg gebracht, der nach 
Zurücklegung einer Strecke von ca. 8 km in das Gestüt führt. Areal 
1000 ha, zum Theil etwas moorig. 

Geschichtliches: Die Gründung erfolgte 1861 mit 20 orientalischen Stuten, 
die aus dem Gestüt Krechowice (Ostgalizien, Kreis Strj) nach Juiowce 
kamen. Als Hengste wurden von der Gründung an verwendet im eng- 
lischen Halbblut 4; im arabischen Vollblut 1; im arabischen Halbblut 1 
und im englischen Vollblut 2; vom letzteren King Arthur von Camhuscan 
aus der Lay Lister von Orlando gegenwärtig noch decken soll. Die 
Mutterstuten sind vom leichten Reit- und Wagenschlag. 

Züchtung: Zuchtzweck: Erzeugung von Militär- und Privatreitpferden. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Tarnopol. 

Name des Gestüts: Czemietöw mazowiecki. 

Besitzer: Eduard Ritter von Rodtewski. 

Topographisches: Das Gestüt ist durch die Eisenbahnlinie Lemberg — Tarnopol — 
Podwotoczyska und von der Eisenbahnstation Borki wielki aus nach Zurück- 
legung von 9 km Weges zu erreichen. Das Areal dieser Besitzung belauft 
sich auf ca 600 ha. 

Geschichtliches: Die Gründung obigen Gestüts erfolgte während der vierziger 
Jahre durch den früheren Besitzer, Felix von Salacki. Um diese Zeit 
wurden orientalische Hengste und Landstuten, behufs Züchtung von Luxus- 
und Arbeitspferden, benutzt. Der gegenwärtige Besitzer erwarb 1870 
das Gestüt durch Kauf und übernahm damit einen Bestand von grösserem 
und stärkeren Arbeitsstamm arabischer Rasse. Bis 1873 behinderten 
verschiedene Zwischenfälle den Fortgang des Gestüts und traten dafür 
die in der Umgegend aufgestellten Staatshengste, Tarnopol, Zarndzie, ein^ 
Gleichzeitig deckten aber auch arabische, englische und Lippizaner Staats- 
hengste. Zur Zucht wurden einige 20 Stuten des leichten Reit- und 
Wagenschlags verwendet. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Tarnopol. 

Name des Gestüts: KolodzIejÖWka. 

Besitzer: Ritter Eustach von Zagörski. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der Eisenbahnstation Borki wielki der 
Eisenbahnlinie Lemberg — Tarnopol — Podwoioczyska aus nach Zurück- 
legung von ca. 15 km Landweg zu erreichen. Die Besitzung liegt auf 
der galizisch ■ podolischen Hochebene, hat fruchtbaren Boden und gute- 



Galizien. 185 

Weiden und Wiesen an kleinen Flüssen bezw. Bächen. Dieselbe ist in der 
Nähe der russischen Grenze gelegen, umfasst ein Areal von 1725 ha und 
wird das Gestüt ausser vom Hauptgut noch von 3 Meierhöfen aus betrieben 
bezw. bewirthschaftet. Fast beständig weilt das Gestüt bis in den Herbst 
unter freiem Himmel. 
Geschichtliches: Nach einem von der Gestütsdirektion beantwortet zurück- 
erhaltenen Fragebogen besteht das Gestüt gegen 200 Jahre, jedoch ist 
festgestellt, dass dasselbe 1820 von Vorfahren des gegenwärtigen Be- 
sitzers mit 12 Mutterstuten, theils orientalischer Abstammung, theils von 
dem berühmtesten Landeszucht -Material abstammend, gegründet wurde. 
Hiernach vergrösserte sich der Bestand durch Zuführung von orientalischen 
Stuten aus den Gestüten der Grafen Lewicki und Dzieduczyki und ver- 
besserte sich dieser dadurch, indem Auffrischung erfolgte. Man beab- 
sichtigte dadurch starke, leistungsfähige Produkte zu erzielen, die von 
besonderer Ausdauer im Reit- und Zuchtdienst waren. Solche Pferde 
wurden bei dem Gestüt stets begehrt und sah man sich deshalb veran- 
lasst, den Zucht- Stutenbestand auf 50 zu erhöhen. Aus dem seit 1820 
verlässlich geführten Gestütsregister ist zu entnehmen, dass die meisten 
Vaterpferde vorzüglicher Abkunft waren, als: Hardy , Süperb^ Hettmann^ 
Rapid, Alkan, Robdan, Szaryf, Argo, Osman, Tajar, Abuchel und Castor, 
letzterer aus dem Gestüt des Grafen Lewicki etc., wodurch den Produkten 
ein starker Knochen- und Gliederbau verliehen, auch sonst angenehme 
Form zum Ausdruck gebracht wurde. Bis gegen das Jahr 1865 wurde 
in Kolodziejöwka prinzipiell das orientalische Blut gezüchtet und fand 
bis um diese Zeit und auch noch später die Beimischung englischen 
Blutes nur bei einigen Mutterstuten statt und zwar unter strengster Be- 
seitigung der systemlosen Kreuzung. Heute noch wird vom Besitzer 
dieses Halbblutgestüt in der bisherigen bewährten, umsichtigen Weise 
fortgeführt bei einem Bestand von 30 Mutterstuten englischer und eng- 
lisch-arabischer Rasse, die z. Zt. vom eignen Hengst Kalander II und 
einem Miethhengst 394 Przedswit (englisches Halbblut) gedeckt werden. 
1881 befand sich Vollbluthengst Blitz von Osteger aus der Fly trap sowie 
der Anglo- Araber Justice von Justice za Kisber aus einer Samhan-%i\)Li% 
und Norjolk aus England importirt: Coronet. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Tarnopol. 

Name des Gestüts: DCliySÖW. 

Besitzer: Alexander von Ujejski. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist auf der Eisenbahnlinie Przemysl — 
Dobromil — Stryj — Lemberg, von der Station Tarnopol aus nach Zurück- 
legung einer Fahrstrecke mit Geschirr von ca, 3 Stunden zu erreichen. 

Geschichtliches: Ist nicht bekannt. 

Züchtung: Einige 50 Stuten, die landwirthschaftliche Arbeiten mitzuverrichten 
haben und die der arabischen Rasse angehören, werden von arabischen 
Hengsten (177 Hindostan III, Miethhengst) und einem eigenen Hengste, 
Ducat, arabische Rasse, gedeckt. Zuchtziel ist: Arbeitspferde, Remonten, 
sowie leichten Reit- und Wagenschlag zu erhalten. 



186 Galizien. 

Name des Gestüts: KOPSZylÖWka. 

Besitzer: von Strzalkowski. 

Topographisches: Das Gestüt liegt auf einer Hochebene Podoliens im Kreis 
Tarnopol, von Tarnopol aus ungefähr 25 — 30 km entfernt. Der Boden 
ist ohne Waldungen und zum Theil moorig, das Futter besteht aus 
sauren Pflanzen. Das Klima ist für Pferdezucht aber keineswegs un- 
günstig, in den Niederungen befinden sich Quellenbäche mit gutem Wasser. 
Den Sommer über wird das Gestüt ohne Hengste auf die Weide gebracht. 

Geschichtliches: Der Besitzer gründete im Jahre 1853 ein kleines Gestüt 
auf dieser Hochebene mit nur orientalischem Blut. Zur Züchtung dienten 
10 Mutterstuten sämmtlich arabischer Abkunft und der Hengt Turkmen. 
Aus diesem Stamme wurde gezogen. 

Vormaliger Bestand war: 2 Hengste: Bagdad (Grauschimmel), 
Pagat (braun), Mutterstuten: 2 Braune, 8 Grauschimmel und 41 Fohlen. 

Trotz öfterer Sendung von Fragebogen, um über den gegenwärtigen 
Stand des Gestüts etwas zu erfahren sowie auch in Kenntniss zu kommen, 
ob dasselbe zur Zeit noch besteht bezw. betrieben wird, ist keine Ant- 
wort eingegangen. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Tarnopol. 

Name des Gestüts: KPZyWG. 

Besitzer: G'^^^f IVenzel Baworowski. 

Topographisches: Das Gestüt Krzywe liegt von der Eisenbahnstation Borki 
wielki, der Eisenbahnlinie Lemberg— Tarnopol — Podwoloczyska, ca. 24 km 
entfernt, v/ährend diese Entfernung von Skalat, Marktflecken unweit der 
russischen Grenze, bedeutend geringer ist. Die Herrschaft besitzt ein 
Areal von gegen 1600 ha. Weide- und Quellwasser -Verhältnisse vor- 
züglich. In Ki'zywe sind die Beschäler, die Mutterstuten mit den kleinsten 
Fohlen, sowie die älteren Hengstfohlen geeignet untergebracht; die übrigen 
Abtheilungen des Gestüts auf den Meierhöfen Horoduica und Malinowka. 
Der Rennstall wurde nach Ungarn (Käposzkäs-Magyer) verlegt. 

Geschichtliches: Im 18. Jahrhundert wurde das Gestüt von Emir Rzewuski 
gegründet. Anfang vor. Jahrhunderts ging dasselbe in den Besitz des 
Grafen Lanckororiski über, worin stets orientalische Zucht mit edler 
galizischer Rasse betrieben wurde, bald danach aber ging dasselbe an den 
Grafen Wladimir Baworowski über. In den 40 er Jahi'en vor. Jahr- 
hunderts wandte sich letzterer der englischen Voll- und Halbblutzucht zu. 
Auch befanden sich um jene Zeit 7 englische Mutterstuten, die dem 
Vollblut angehörten, im betreftenden Gestüt. Letzterer Besitzer hatte 
dazu 2 auserlesene Stuten Fana (Schimmel) und Piekarka (schwarzbraun), 
beide gezogen nach Medyst, welche heute noch den Stamm des hoch- 
angesehenen Gestüts in Krzywe bilden. 



Galizien. 187 

Züchtung: Zueiatziel des Gestüts ist, Produktion edler, grosser und starker 
Reit- und Jagd- sowie Wagenpferde mit hervorragenden Gängen und be- 
sonderer Ausdauer. Behufs Erreichung dieses Zweckes waren 21 Mutter- 
stuten und z. Zt. der Vollbluthengst Atheist aufgestellt. In Krzywe 
wird neben der Vollblutzucht (Rennpferdezucht) noch eine Arbeits- 
pferdezucht rationell betrieben; dazu werden jährlich über 20 Stuten, 
orientalischer Abstammung von einem Araber-Vollbluthengst, z. Zt. 
Luby^ belegt. Die Produkte genannten Hengstes sollen sehr schön sein 
und daher stets stark begehrt werden. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Tarnopol. 

Name des Gestüts: BUCfliÖW. 

Besitzer: Theodor, Ritter von Serwatozuski. 

Topographisches: Die Heri-schaft Bucniöw liegt ca. 9 km von der Eisenbahn- 
station Tarnopol der Eisenbahnlinie Lemberg — Tarnopol — Podwoloczyska 
ab; diese hält ein Areal von gegen 1100 ha. Der Boden ist schwer, 
Weiden künstlich hergestellt, Steppenklima. 

Geschichtliches: Seit dem Jahre 1860 wurden hier Pferde für den eigenen 
Gebrauch und für Remonten gezüchtet. Es werden in diesem Gestüt, 
bei Aufrechthaltung des arabischen Typus und der Leistungsfähigkeit 
grössere und stärkere Pferde erzielt (Konikistuten). (s. Gestüt Szczucin.) 
Es besteht hier eine Eigenthümlichkeit des Zuchtbetriebes, dass nämlich 
die Stuten jedes 2. Jahr gedeckt werden; es wird daher jedes Jahr nur 
die Hälfte des Stutenmaterials gedeckt. Die Fohlen werden nach 4 Mo- 
naten abgesetzt. Paarung der Konikistuten mit nicht zu grossen ai'abischen 
Hengsten und besserer Fütterung wird für die Hebung der galizischen 
Landespferdezucht empfohlen. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Czortkow. 

Name des Gestüts: CzerWOnOgrod. 

Besitzer: Fürst Kalixt Poninski. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der Eisenbahnlinie Stanislau — Husiatyn, 
von der Eisenbahnstation Czortkow nach Zurücklegung von 26 — 30 km 
Landwegs zu erreichen. In der Sähe von Czerwonogrod befindet sich ein 
altes Schloss mit schönem Park. Die Besitzung befindet sich am Dniestr. 

Geschichtliches: In dem Gestüt werden Gebrauchspferde für die Landwirth- 
schaft sowie für die Remonten von jeher gezüchtet; zu diesem Behufe 
werden ca. 12 Mutterstuten englischer und arabischer Rasse vom mittel- 
schweren Schlag, für Reit- und Wagendienst gehalten. Auch werden 
ausserdem noch gegen 50 Arbeitsstuten belegt, wozu Norfolker, Hengste 
vom Staat gemiethet, benutzt werden. Die Fohlen werden bis zum 
4. Lebensjahre beisammengehalten, auf die sehr üppigen Ufei'weiden 
gebracht und nach Deckung des eigenen Bedarfs der Remonte-Ankaufs- 
kommission zum Kauf zur Verfügung gestellt. 



188 Galizien. 

Name des Gestüts: ChorOStkÖW. 

Besitzer: Graf Wilhelm Siernienski-Lewicki. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt nördlich von dem Städtchen 
Chorostkow. Dasselbe befindet sich auf sehr fruchtbarer Hochebene 
Podoliens und ist von Lemberg auf einem Landweg in 1 Stunde zu 
erreichen. Ferner kann man zu diesem Gestüt durch die Eisenbahn 
Lemberg — Czernowitz von der Station Tarnopol aus, nach Zuiücklegung 
eines Weges von 10 km, gelangen, sowie auch durch dieselbe Eisenbahn- 
linie von der Station Trombowa aus, nach Zurücklegung einer Wegstrecke 
von 10 — 12 km, neuerdings kann man aber auch zu genanntem Gestüt 
durch die Eisenbahnlinie Stanislau — Husiatyn, von der Station Kopyczyiice 
aus, nach Zurücklegung von 7 km Landwegs gelangen. 

Ln Gestütshof liegt ein imposantes herrschaftliches Schloss mit daran 
befindlichem grossartigen englischen Park und Gärtnereien. Der Boden 
der ganzen Landschaft ist humusreich, das Klima ist ausser den Winden 
angenehm, reiche Steppenwiesen sind vorhanden. Die Herrschaft Chorost- 
kow schliesst 10 Dörfer in sich und enthält ein Areal von 12 — 14000 ha, 
welches sich theilweise in guter Kultur befindet. Auf diesem Gelände 
stösst man auf Heerden edler Rasse -Pferde sowie vieler Tausend Schafe, 
ebenso bedecken aber auch viele Heerden Einder die unübersehbare 
Fläche. Viele reichhaltige Wasserquellen erquicken die gesammten Thiere. 
Grösstentheils bilden mächtige Eichenwaldungen die Grenzen des Areals. 
Die Bewirthschaftung der Herrschaft wird von zahlreichen, zei'streut 
liegenden Meierhöfen besorgt. Das Areal zu Pferdezuchtzwecken umfasst 
7060 ha. 

Geschichtliches: Durch das im Gestüt von seiner Gründung an aufbewahrte 
Archiv wird nachgewiesen, dass dasselbe im Jahre 1675 durch Ignaz 
von Lewicki auf der Herrschaft Olszany (Kreis Zlaczow) in Ostgalizien 
gegründet wurde. Nach dem Tode des Gründers ging dasselbe während 
eines Zeitraumes von 125 Jahren in die Hände der folgenden Erben 
über. Um das Jahr 1800 erwarb der darauf folgende Erbe Graf Josef 
Lewicki die Herrschaft Chorostkow und verlegte sein bisher in Olszany 
betriebenes kleineres Gestüt dahin, dieser errichtete aber auch auf seiner 
dritten Herrschaft Borszczowice bei Lemberg ein Zweiggestüt, welches 
auf den Stand von 40 der besten Mutterstuten gebracht wurde. Nach 
Ignaz von Lewicki trat Graf Cajetan Lewicki das Erbrecht an, dem 
während der 1860 er Jahre Graf Wilhelm Sieraienski folgte. 

Nach einer alten majoratsherrlichen Bestimmung hatte jeder Besitzer 
des Gestüts Chorostkow einen Bestand von 100 Mutterstuten zu halten, 
wovon ein hoher Prozentsatz der orientalischen Rasse anzugehören hatte. 
Dadurch sollte das „polnische Pferd", welches in vorzüglicher Weise ge- 
züchtet wurde, erhalten werden. Von jeher ist anzunehmen, dass vor- 
stehendes Gestüt zu den ältesten und besten Galiziens zählt und heute 
noch vorwiegend den Charakter eines arabischen Gestüts trägt. 

Züchtung: In Chorostkow wurden nach 1800 bis gegen 1816: 160 Mutter- 
stuten unterhalten, wozu aus dem Oriente direkt die Hengste Sobol (Ori- 
ginal-Araber), dann der Turkomane Sultan und Effendi angekauft wurden, 



Galizien. 189 

denen bis 1889 noch als berühmte Hengste Bascha, Bayrut, Orient und 
Siglawy folgten, bis um letztere Zeit der englischen Zucht mehr Auf- 
mei'ksamkeit zugewendet wurde. 

In genanntem Gestüt befindet sich in neuester Zeit ein Bestand von 
112 Mutterstuten und 6 Beschälern. Hierdurch zerfällt die Züchtung in 
die englische Vollblutabtheilung und in die orientalische Voll- 
blutabtheilung. (Der englische Vollbluthengst Kaiser war berühmt.) 

Die Pferde sind als Reit- und Wagenpferde pehr berühmt und 
werden in Wien und Berlin theuer bezahlt. Die Rennbahn wird stark 
vertreten. Das Gestüt ist nach Gassebner zu den hippologischen Sehens- 
würdigkeiten zu zählen. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Czortkow. 

Name des Gestüts: CzamOkOlice Wlelkl. 

Besitzer: Ladislavis, Ritter von Bogucki. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt befindet sich auf einer ausgedehnten 
Hochebene, die podolische Platte genannt; dieses erreicht man durch die 
Eisenbahnlinie von Stanislau— Husiatyn, von der daran liegenden Bahn- 
station Hadyn-Kowce aus, von wo aus noch ca. 14 km Wegs zurück- 
zulegen sind. Das Areal der ganzen Herrschaft beträgt 2650 ha. Die 
Gegend ist fruchtbar; für die Pferde sind ausdauernde Weiden mit un- 
absehbaren Ausläufen vorhanden. 

Geschichtliches: Nicolaus, Ritter von Wolanski gründete das Gestüt 1780, 
dasselbe war vorher zu Pauszowka etablirt. Zu jener Zeit wurde dort 
die altpolnische Rasse gezüchtet, zu deren Erhaltung Original- Araber, 
Türkische und Persische Hengste eingeführt wurden. Mit 80 — 100 
Mutterstuten wurde die polnische Rasse bis in die 1830er Jahre hoch- 
gehalten. Um jene Zeit trat eigenthümlicherweise ein Mangel von 
edlen Vaterthieren ein und musste sich diese mit Kreuzungsthieren be- 
gnügen; es wurde daher die bisherige Zucht geschädigt und diese an 
Werth herabgedrückt. 1842 wurde durch den späteren Besitzer des 
Gestüts Erasm. von Wolanski noch ein Halbbluthengst Achilles, der sich 
noch gut vererbte, eingeführt. 

Verschiedene Anschauungen nach einer Theilung des Gestüts ver- 
anlassten Erasm. von Wolanski nach der Uebernahme die englische 
Vollblutzucht zu versuchen; 1849 wurde Material aus England eingeführt, 
und zwar die 3 Stuten Birthday, Dark Lady und Gosling, die von dem 
Vollblutbeschäler des Gestüts Koropiec gedeckt wurden. 1852 kam der 
Vollblutbeschäler Freewill und einige Jahre darnach der Hengst Bellewstown 
ins obige Gestüt, die bis in die neueste Zeit im Besitze des Ritters von 
Bogucki das Gestüt Czarnokorice als berühmtes englisches Vollblut- und 
Renngestüt darstellten. 

Züchtung : Ausser der Vollblutzucht wird in Czarnokonce noch die Zucht von 
Arbeitspferden sowie Remontepferden getrieben; für die Zucht dieses werden 
jährlich gegen 30 — 40 Stuten des stärkeren Schlages benutzt und dazu 
je ein stärkerer, englischer Halbbluthengst verwendet. 



190 Galizien. 

Name des Gestüts: HatynkOWCe. 

Besitzer: Arthur. Ritter von Zaremba-Cielecki. 

Topographisches: Das Gestüt ist von Czartkow aus, durch die Eisenbahn 
bei Station gleichen Namens zu erreichen. 

Geschichtliches: Hier wurden 30 — 40 Stuten von anglo- arabischer Ab- 
stammung zur Zucht verwendet, um mittelschwere Reit- und Wagen- 
pferde zu erzielen, wozu ein Miethhengst 46 Dahommi VI., arabischer 
Hengst benutzt wird. 

Züchtung: Zuchtziel: Gebrauchspferde und ßemonten. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Kolomea. 

Name des Gestüts: CzOrtOWleC dolny. 

Besitzer: Eduard, Ritter von Rawicz-Raciborski. 

Topographisches: Czortowiec ist von der Bahnstation Ottynia der Lemberg — 
Czernowitzer Eisenbahn ca. 10 km entfernt; es führt dorthin eine Strasse. 
Das Terrain ist Steppe mit gutem Boden; Wiesen sind gleichfalls ergiebig; 
das Klima ist gesund. 

Geschichtliches: Dao Gestüt stammt aus dem in Galizien bekannten und 
renommirten bedeutenden Gestüt des Ritter von Cikowsky, welches längere 
Zeit gegen 200 Mutterstuten zählte. Aus diesem Gestüt und dem oben- 
bezeichneten erhielt der Besitzer die besten Mutterstuten durch Erbrecht 
Beide Gestüte sind im 17. Jahrhundert angelegt und in beiden wurde 
die polnische Rasse gezogen. Seit einigen 30 Jahren wurden in Czortowice 
ausschliesslich nur Original -Araber als Beschäler verwendet, weil der 
Besitzer beabsichtigte, nur die polnische Rasse zu züchten. Behufs Auf- 
frischung des Blutes wurden später 20 Mutterstuten aus den edelsten 
Gestüten Galiziens (reiner Araber-Rasse) angekauft; dann kamen noch die 
Original-Araber-Hengste Said-Köhelan, Ttirk7nan-Bajazid, Szamar-Spater, 
Nezdy und Nezib, später El-Kebir und Bil-Kasem. 

Bis in die jüngste Zeit werden in dem bezeichneten Gestüte ca. 50 
Mutterstuten gehalten, von denen die meisten reiner arabischer Abkunft sind. 

Züchtung: Zweck: Ausdauernden, kräftigen Reitschlag zu züchten. 

Provinz Ostgalizien. 

Name des Gestüts: BOSkO. 

Besitzer: Anton Ritter von Gtiiewosz, 

Topographisches: Diese Herrschaft gehört dem Fürsten Czartoryski, ist 
. 950 ha gross und an obigen Gestütsbesitzer verpachtet. Dieses Gestüt 
liegt an der Eisenbahnlinie Jaslo — Sanok und ist von der Eisenbahn- 
Haltestelle Besko zu erreichen. 



Galizien. 1.91 

Geschichtliches: Obiger Besitzer gründete das Gestüt 1878. Das Gestüts- 
material besteht aus ca. 10 Gestüts- und ca. 10 Arbeits-Stuten arabischer 
Rasse, wozu der Halbbluthengst Dahoman (Schimmel), 1877 in Radautz 
gezogen, verwendet wird bez. verwendet wurde. Durchschnittlich werden 
gegen 15 Fohlen produzirt 

Züchtung: Zuchtziel: Remontepferde. 

Provinz Ostgalizien Kreis Sambor. 

Name des Gestüts: Chlopy. 

Besitzer: Graf Lanckorohski. 

Topographisches: Die grössere landwirthschaftlich betriebene Herrschaft ist 
in genanntem Ort für die Zucht von Arbeitspferden für den eigenen 
Bedarf eingerichtet. Man erreicht Chlopy durch die Eisenbahnlinie 
Przemy'sl — Dobromil — Stry— Leinberg von der Station Szczerzec aus nach 
einer Wegstrecke von 19 km. 

Geschichtliches: Seit dem Jahre 1835 hat die betr. Gutsverwaltung, nach 
Gassebner, mit ca. 40 orientalischen Rasse -Stuten, die zur Arbeit in der 
Wirthschaft verwendet werden, mittelst eines gemietheten Staatshengstes 
(Original-Norfolker) gezüchtet, zieht die Fohlen bis zum 4. Jahre auf 
und reiht solche dann in die Arbeit ein. Es werden dadurch gedrungene, 
leichtgängige Wagonpferde erworben. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Zolkiew. 

Name des Gestüts: ChOrobrÖW. 

Besitzer: Ritter Heinrich von Krftszewski. 

Topographisches: Das Areal der Besitzung beläuft sich auf 1000 ha und 
grenzt an Russisch-Polen. Das Gestüt ist von der Eisenbahnstation Sokal,. 
der Linie Rzeszöw — Jaroslau — Rawaruska - Sokal nach Zurücklegung einer 
Wegstrecke von 10 km zu erreichen. 

Geschichtliches: Von einem Vorfahren des genannten Besitzers wurde das 
Gestüt Chorobrow 1848 mit orientalischem Material gegründet. Dieser 
Herr führte bereits mehrere Jahre vor Gründung des Gestüts direkt aus 
Arabien den Hengst Nedsdy ein, wozu ei'stklassige arabische Mutter- 
stuten gehalten und diese Rasse hochgehalten wurde. 1856 wurde wegen 
des Rennplatzes in Lemberg nebenbei englisches Vollblut beschafft. 
Das Gestüt züchtete von 1857 an: 

1. Araber -Vollblut, 

2. englisches Vollblut und 

3. anglo- arabisches Vollblut. 

Züchtung: Nach dem 1880 erfolgten Tode des Besitzers wurde das Gestüt 
aufgelöst, aber auch um dieselbe Zeit hat die im Gestüt eingeschleppte 
Rotzkrankheit ca. 5 Jahre die Weiterzucht zum Aussetzen gebracht. In 
letzter Zeit werden nur Hengstfohlen im Gestüt gezogen und solche zur 
Zucht abgegeben. 



192 Galizien. 

Name des Gestüts: RyChCJCe. 

Besitzer: Graf Julnts Bielski. 

Topographisches: Rychcice ist eine genanntem Besitzer gehörige HeiTSchaft 
mit mehreren Nebengütern. Das Areal beträgt über 2700 ha. Genannte 
HeiTschaft liegt innerhalb der Bezirkshauptmannschaft Drohobyez. Die 
Stadt Drohobyez liegt ca. 10 km von der Herrschaft Rychcice entfernt. 

Geschichtliches: Der Besitzer unterhält zu Rychcice ein Luxusgestüt und 
auf den Beigütern ein Gestüt zur Erzeugung von Arbeitspferden. Das 
Luxusgestüt wurde 1862 von obigem Besitzer gegründet. Zunächst 
erfolgte dafür der Ankauf von Araber-Vollblut aus dem Gestüt Jarczowce, 
nämlich der Vollblut- Araberhengst Aboukir von Ben-Azet aus ^qx Jaszczurka 
von Bagdad. Diese Zucht entsprach jedoch den gehegten Wünschen nicht 
und wurden, weil in den Stuten bereits englisches Blut floss, die eng- 
lischen Vollbluthengste Canaletti, The River und Fadladeen eingeführt, 
wozu noch 3 englische Vollblutstuten folgten. Später kamen noch 
2 Noniusstuten sowie 2 Normannenstuten hinzu, um mehr Grösse und 
Stärke der Individuen herbeizuführen. Die Mutterstutenheerde belief sich 
1890 auf 14 Köpfe. Jährlich beläuft sich die Nachzucht auf ca. 8 — 9 
Fohlen. 

Züchtung: Für das Arbeitsgestüt werden ca. 40 Mutterstuten gehalten. 
Zur Bedeckucg dieser kommen Hengste arabischen Blutes in Verwendung. 
Die auf diese Weise erzeugten Pferde kommen auf den einzelnen Gütern 
in Verwendung, auch werden sie je nach Ei'forderniss als Remonten für 
leichte Kavallerie abgegeben. 



Provinz Ostgalizien. Kreis Lemberg. Bezirk Grodek. 

Name des Gestüts: TuÜglOWy. 

Besitzer: Ritter Stanislaus von Bat. 

Topographisches: Tuliglowy liegt innerhalb der Bezirkshauptmannschaft 
Rucki, ca. 25 km von der Stadt Grodek entfernt; letztere ist die nächste 
Eisenbahnstation zum Gestüt. Tuliglowy nebst Beigütern haben ein 
Areal von über 1600 ha. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde 1830 gegründet; die Zahl der 
Pferde, incl. der Wirthschaftspferde, war ungefähr 120 — 130 Stück. Die 
Mutterstutenheerde erreicht die Zahl von 20; diese führen unter- 
mengtes englisches und arabisches Blut und wurden von den 2 Staats- 
beschälern Cavalier, ein englischer Halbbluthengst, normannischer Abkunft, 
braun, und Le Blond, ein reinblütiger Ardenner Schimmel, belegt. Jährlich 
werden ca. 12 — 15 Fohlen geboren, dieselben kommen mit den Müttern 
auf die Weide und werden 3jährig, auch älter verkauft. 



Galizien. 193 

Name des Gestüts: DubatliOWice. 

Besitzer: Baron Severin Brunicki. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist von der Eisenbahnstation Grödek 
an der Eisenbahnlinie Przemysl — Dobromil — Stryj — Lemberg nach Zurück- 
legung einer Wegestrecke von ca. 15 km zu erreichen. 

Züchtung: Hier werden 20 Arbeitsstuten kleineren Schlages gehalten und 
solche von einem Scheckhengst in Doppelponygrösse belegt. Bei dieser 
absonderlichen Zucht theilt Gassebner mit, dass alle Pferde dieses Gestüts 
die Scheckfarbe in verschiedenen Nuancen tragen. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Lemberg. Bezirk Grodek. 

Name des Gestüts: StaWCZany. 

Besitzer: Ritter Kasimir von M^ierzchleyski. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt von Lemberg aus ca. 14 — 16 km 
in westsüdwestlicher Richtung entfernt. Zu dem Gestüt Stawczany ist 
noch ein anderes Gut, Namens Obroszyn, zugepachtet. Das Gesammtareal 
beträgt über 4000 ha. Es sind Feldweiden vorhanden, der Boden ist sandig. 

Geschichtliches: Während der 1870er Jahre wurde das Gestüt von vor- 
genanntem Besitzer gegründet, letzterer kaufte zu diesem Behufe Stuten 
aus dem Gestüt Jarczowce, gleichfalls in Galizien. Das Zuchtmaterial 
ist ausnahmslos arabischen Ursprungs, welches grösstentheils durch die 
Staatsbeschäler Dahoman, Hadudi, El - Bedavy bezw. auch Aghil-aga her- 
beigeführt wurde. 

Um Beginn der 1890 er Jahre enthielt das Gestüt — nach Gxass- 
mann — im ganzen über 300 Pferde, wovon ca. die Hälfte Arbeitspferde 
waren. Das Gestüt an sich hielt um jene Zeit ca. 130 Pferde incl. der 
Jahrgänge an Fohlen, von denen ca. 30 Mutterstuten und 3 Beschäler, 
einer nach Dahoman sowie ein orientalischer Halbbluthengst gefallen 
waren und der dritte Beschäler Schagya orientalischer Halbbluthengst 
war. Fohlen werden hier jährlich bis zu 30 geboren. 

Züchtung: Zuchtziel ist Erzeugung und Herstellung eines gängigen, aus- 
dauernden Militärpferdes. Zur Zucht sich qualifizirende Pferde werden 
hiervon aber auch zur Ergänzung des Gestüts eingestellt. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Stanislau. 

Name des Gestüts: JeZUpOl. 

Besitzer: Graf Dr. Adalbert Dzieduszycki. 

Topographisches: Genanntes Gestüt erreicht man auf der Eisenbahnlinie 
Lemberg — Stanislau— Kolomea — Sniatjm, von welcher Jezupol Station ist. 
Jezupol liegt auf einer Hochebene zwischen Stanislau und H'älicz, 
letztere Stadt ist berühmt als früherer Sitz der Beherrscher Galiziens 
und später der griechischen und katholischen Erzbischöfe. Jezupol ist 

Bräuer, Gestüte. Ig 



194 Galizien. 

von Halicz ca. 15 km entfernt. Die klimatischen sowie die Bodenver- 
hältnisse sind für die Pferdezucht günstig, die rauhe Luft härtet die 
Pferde ab. Die Thalwiesen sowie Gebirgsweiden liefern fortwährend bis 
Spätherbst den Bedürfnissen entsprechende Nahrung, 

Gsschichtliches: Das Gestüt Jezupol stammt von dem zu Jarczowce, welches 
ehedem der Graf Kajetan Dzieduszycki besass, letzteres lag in Podolien 
auf einer Hochebene, welche unermessliche Ausdehnung hatte. Dieses Ge- 
stüt hatte sich zu einem sehr blühenden gestaltet, weil daselbst Pferde 
gezüchtet wurden, die dem altpolnischen Blute in vollster Reinheit 
angehörten und dieses ausschliesslich mit edlem orientalischen Blute 
aufgefrischt wurde. Zur Auffrischung des Zuchtmaterials wurden Seiten 
des genannten Besitzers seit 1791 nur Oi'iginalhengste aus den Gestüten 
des Grafen ßzewuski und des Fürsten Sanguszko verwendet In Jarczowce 
soll zu jener Zeit das vorzüglichste Vaterpferd, der Hengst Basza, gewesen 
sein. Dessen Produkte sollen ihm auffallend ähnlich gesehen haben und 
soll er auf die Nachkommen seine stark ausgeprägten Foi'men und seine 
kurzen Beine vererbt haben, sodass bis zum Jahre 1837 50-— GO Stuten 
mit ganz denselben Eigenschaften eine Zierde des Gestüts gewesen sein 
sollen. Hiernach wurden vom Besitzer die Hengste Abuchail, Abiat und 
Azet mit den Stuten Mlecha, Gazella und Zachara 1844 selbst in der 
Wüste erkauft und von da nach Jarczowce gebracht. (Orientalisches 
Vollblutgestüt). Um dies3 Zeit (1844) trat der Besitzer dieses oben- 
bezeichneten Gestüts von Jarczqwce das Erbi^echt in Jezupol an und über- 
führte dahin dieselben Gestütsthiere, die er direkt aus der Wüste brachte. 
Ladislaus Dzieduszycki starb im Jahre 1868 Es gelangte hierauf 
das gesaramte englische und anglo-arabische Material Jezupol's, bestehend 
aus 34 Vollblut- und 54 Halbblutpferden nebst Fohlen zur Versteigerung. 
Der Sohn des Verstorbenen, Dr. Adalbert Dzieduszycki, nahm hiernach 
die orientalische Reinzucht wieder auf. 

Bestand in letzter Zeit 3 Araber-Vollblut-Schimmel: AI habt, Lelum, 
Polelum und 11 Schimmel- und 2 braune Muttei'stuten. 

Züchtung: Zuchtzweck: Abgabe der Produkte zur Zucht und als Luxuspfeide. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Stani&lau. 

Name des Gestüts: OSSOWCG. 

Besitzer: Frau Ignazowa Cywinska. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt an der Eisenbahnlinie Stanislau — 
Husiatyn und ist von der Eisenbahnstation Buczacz nach Zurücklegung 
eines Landweges von ca. 14 km zu erreichen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts war nicht festzustellen. Es werden 
hier ca. 20 anglo-arabische Stuten als Muttermaterial gehalten und wurden 
diese von den Miethhengsten 356 Dualist und 54 Panko, beide englische 
Halbbluthengste, gedeckt. Jährlich werden ausser diesen Stuten 10 — 15 
Arbeitsstuten von dem ca. 60 Stück betragenden Bestände gedeckt. 

Züchtung: Zuchtziel: Remonten, Gebrauchs- und Arbeitspferde. 



Galizien. 195 

Name des Gestüts: HorOZanka. 

Besitzer: Edwin Ritter von Hohendorff. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist von der Eisenbahnlinie Leniberg' — 
Stanislau — Kolomea — Sniatyn und von der Station Halicz aus nach 
Zurücklegung eines Landweges von ca. 18 km zu erreichen. Dasselbe 
umfasst ein Areal von gegen 900 ha. Sämmtliche Pferde incl. Fohlen 
sind in 3 Meierhöfen untergebracht; die Mutterthiere werden sämmtlich 
zum Oekonomiebetrieb verwendet. 

Geschichtliches: 1843 wm-de obiges Gestüt errichtet und zwar von 4 ara- 
bischen und 2 siebenbürgischen Stuten, die von arabisch -polnischen und 
Staatshengsten gedeckt wurden; von letzteren Hengsten bewährte sich 
Manfred, engl. Vollblut hengst, 1861 in Kisber von Oakball a. d. Niobe 
von Orlande gezogen. Das Zuchtziel richtete sich auf mittelschweren 
Keitschlag; es wurden dazu 40 Mutterstuten und dafür inmittelst die 
Miethhengste 18 Gidran, 88 Berlick und 9 Przedswit in Horozanka ge- 
halten, und seit 1895 ein englischer Vollbluthengst, Colonel von Lambton 
aus einer Ploughboy-Stute, verwendet. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Stanislau. 

Name des Gestüts: MondzIelÖWka. 

Besitzer: Ritter von Krzysztofowicz. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt ca. 17 km von der Eisenbahnstation 
Monasterzyska, der Eisenbahnlinie Stanislau — Husiatyn, entfernt. Hier be- 
findet sich ein eigener Kenn stall mit einem Trainer und eine Trainirbahn. 

Geschichtliches: Der Grossvater des Besitzers, der in Rumänien bedeutende 
Pferdezucht betrieb, behielt, nachdem das dortige Gestüt aufgelöst war, 
2 Stuten Dropka und Zoska, beide nach einem irapoitirten englischen 
Hengst Rendir gezogen; es wurden dann noch 4 edle Stuten gekauft, 
diese 6 Stuten bildeten hier den Stamm des gegenwärtigen Gestüts Die 
Zucht erfolgte mit Original- Araber-, bezw. mit Radautzer Araber- und eng- 
lischen Vollbluthengsten. Zur Vollblutzucht wurden 4, zur Haibblut- 
zucht 15 Stuten benutzt. 

Züchtung: Die Vollblutfohlen werden rennmässig erzogen, um solche dann 
auf den galizischen Rennbahnen zu starten. Aehnliche Einziehung erhalten 
auch die hier gezüchteten Halbblutpferde Anderweite hier gezüchtete 
Pferde, wie Reit- und Wagenpferde und mindere Fohlen, werden 3V2Jährig 
an Lieferanten verkauft, die dergleichen an die Remonte-Depöts bringen. 

Brandzeichen: 

Die Gestütspferde werden mit neben- 
stehendem Brandzeichen, und zwar das Voll- 
blut an der linken, das Halbblut an der 
rechten Sattelstelle, versehen. 



13* 



K 



196 Galizien. 

Name des Gestüts: KorOpleC. 

Besitzer: Ritter von Myslowski. 

Topographisches: Das Gestüt ist durch die Eisenbahnlinie Lemberg — Czerno- 
witz von der Station Stanislau - Mikitincze aus , nach Zurücklegung eines 
Landwegs zu erreichen. Dasselbe liegt in einem Thale mit schönen 
Wiesen, die von dem Koropiec vortheilhaft bewässert werden, daher sehr 
geeignet für Pferdezucht. 

Geschichtliches: Theofil Ritter von Myslowski gründete das Gestüt um das 
Jahr 1800 auf der Herrschaft Koropiec. Zuerst wurde nur inländisches 
Zuchtmaterial verwendet. Dieses verursachte Stillstand bezw. Rückgang 
in der Zucht. Vom Jahre 1829 ab kam besserer Fluss in die Beschaffen- 
heit der Zucht. Es wurde zunächst ein grosser Theil der vom Jahre 1829 
vorhandenen 29 Mutterstuten gewechselt, sodass nur noch 12 der besten 
Mutterstuten polnischer Rasse verblieben und anderweit wurden der- 
gleichen neu angekauft. Um jene Zeit züchtete man in Galizien vor 
Allem nur orientalisches Blut, welches Fürst Sangusko, Graf Branicki 
und Graf Wenzl Rzewuski in Russisch-Polen vorzüglich pflegten. Letzterer 
lebte mehrere Jahre in der Wüste und brachte von dort sehr edles Ma- 
terial. Dieser verkaufte an den Besitzer des Gestüts 2 arabische Hengste: 
Malek Adel und Lahach, die allen Erwartungen des Besitzers entsprachen. 
Diese beiden Hengste vererbten sich sehr gut und hoben das Gestüt ge- 
waltig. Es kamen nun aus Polen die Hengste Champion und Reindeer 
im Jahre 1837 zur Aufstellung, wovon ersterer etwas hochgefesselt, 
dagegen letzterer vorzüglich gebaut war. Von 1844 — 46 neigte sich das 
Gestüt zur vollständigen arabischen bezw. englischen Vollblutzucht, indem 
ausser den genannten Vollbluthengsten 28 Stuten orientalischer Abkunft 
eingestellt wurden, die direkt in kleineu Abtheilungen aus Arabien durch 
den Fürst Sanguszko eingeführt wurden, denen dann später wieder Ori- 
ginal-Araber-Hengste: Dachmnai, Durzi und Hamdani blanc folgten. 
Hiernach folgten aus England 11 Mutterstuten, die sich bis 1847 im 
Gestüt auf 22 vermehrten. 

Um diese Zeit befanden sich im Gestüt 100 Voll- und 100 Halb- 
blut-Pferde, diese Zahl wurde im Bestand auf die Hälfte herabgesetzt, 
später (1867) erfolgten weitere Herabsetzungen des Bestandes. 

Ob das Gestüt zur Zeit noch besteht und wie der gegenwärtige 
Stand desselben ist, konnte man trotz einige Mal ausgesendeter Fragebogen 
sowie aus der Literatur nicht erfahren. 

Züchtung: Zuchtzweck: Nach Begründung des Gestüts Produzirung eines 
leichten Reitpferdes, später nur Pferde für die Rennbahn. 



A 



Brandzeichen: J'J' -^-^ Gestüts - Produkte werden an der linken 

Seite des Halses unter der Mähne mit neben- 
stehendem Zeichen versehen. 



Galizien. 197 

Name des Gestüts: MJelllica. 

Besitzer: Graf Miecislaus Dunin-Borkowski. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist von der Station Czernowitz der 
Eisenbahnlinie Lemberg — Stanislau — Kolomea — Sniatyn, nach Zurück- 
legung einer bedeutenden Wegstrecke, am leichtesten zu erreichen. 

Geschichtliches: Hier bestand ursprünglich eine rein arabische Zucht, denn 
es waren um diese Zeit Stuten und Hengste arabischen Ursprungs aus 
Jarczowce gedeckt worden. Den Nachkommen dieser wurden weitere 
Vollblutbeschäler: Canaletti, Jezupol und The Reiver zugeführt, seit 1869 
decken Staatshengste (englische Halbbluthengste), 1896: 218 Furioso V 
und 151 Avatar. Ausserdem werden stets ca. 30 Arbeitsstuten gedeckt. 
Seit 1856 begann der Besitzer mit 25 anglo -arabischen Stuten zu züchten, 
um dadurch Luxuspferde und ßemonten zu erzielen. 

Provinz Ostgalizien Kreis Stanislau. 

Name des Gestüts: UlBSZä. 

Besitzer: Wladimir Ritter von Morawski. 

Topographisches: Von der Eisenbahnstation Jezierzany der Linie Stanislau — 
Husiatyn erreicht man das Gestüt nach Zurücklegung eines Weges von ca. 
6 km. Die Weiden sind sehr gut, die Aufzucht ist eine sehr gewissenhafte. 

Geschichtliches: Das Gestüt Olesza, welches zu Anfang des ] 9. Jahrhunderts 
als arabisches Gestüt gegründet wurde, hatte im Bestand immer Ab- 
wechselung zu verzeichnen. Original-Araber Fuchshengst Effendi hat sich 
darin für einige Zeit besonders hervorgethan. Dann werden genannt: 
Bagdad, Abtat, Izet und Abuchail Hiernach wurde zu besserer Nach- 
zucht verschritten und dazu Leviathati, El Delenii, Dahoman etc. benutzt. 
1892 wurde der Stutenbestand von 20 auf 6 reduzirt Diese wurden 
von 1894 an von dem Hengst Mazkour, der gemiethet war, gedeckt. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Stanislau. 

Name des Gestüts: KurOWlce. 

Besitzer: Graf Potocki. 

Topographisches: Von der Eisenbahnlinie Lemberg — Tarnopol — Podwolo- 
czyska erreicht man genanntes Gestüt von der Eisenbahnstation Zadwörze. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1828 gegründet und darin das „alt- 
polnische" Pferd, hauptsächlich für den eigenen Stall, als Eeit-, Wagen- 
und Oekonomiepferde gezüchtet. 1844 sah sich der Besitzer genöthigt, 
behufs Auffrischung der Rasse, die englischen Vollbluthengste Ff-eewih 
und Whalebofie zuzulegen, sowie von 1857 — 1860 die weiteren Vollblut- 
hengste Puritan und Homor einzuführen, 

Züchtung: Die Zucht findet in Kurowice nur für den eigenen Bedarf von 
Reit- und Wagenpferden für den herrschaftlichen Stall, sowie von Wirth- 
schaftspferden für den Oekonomiebetrieb statt. 



198 Galizien. 

Name des Gestüts: Jezlerzany. 

Besitzer: Theodor, Ritter von Senuatowski. 

Topographisches: Auf der Eisenbahnlinie Stanislau — Husiatyn gelangt man 
von der Eisenbahnstation Jezierzany aus in die nächste Nähe des Gestüts. 
Diese Besitzung soll sehr angenehm liegen. 

Geschichtliches: Das Gestüt besteht seit dem Jahre 1885, es werden in 
demselben nur Pferde für den eigenen Gebrauch, sowie für Remonte ge- 
züchtet und zwar in ähnlicher Weise wie in dem demselben Besitzer ge- 
hörigen Gestüt Bucniow im Kreis Tarnopol (Ostgalizien). Alljährlich 
werden 25 Arbeitsstuten arabischer Abkunft von gedrungenem aber edlem 
Schlage durch einen gemietheten Staatshengst, Original-Araber SchimnK.'l 
Mazkour, gedeckt. Diese Aufzucht der Fohlen wai'en nach Gassebner III 
vollkommen übereinstimmend mit der in Bucniow. 

Züchtung: Zuchtzweck: Abgabe an die Remonte-Ankaufskommission. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Stryj. 

Name des Gestüts: JzydorÖWka. 

Besitzer: Graf Edmund Dzieduszycki. 

Topographisches: Das Gestüt liegt von der Eisenbahnstation Stryj, der 
Eisenbahnlinie Przemysl — Dobromil — Stryj — Lemberg ca. 20 km entfernt. 
Stryj ist eine Stadt, am gleichnamigen Fluss, südlich von Lemberg. 

Geschichtliches: 1850 erfolgte die Gründung des Gestüts; dasselbe wurde 
zunächst mit arabischen Stuten aus Jarczowce gegründet und ein Halb- 
blutgestüt mit 10 Mutterstuten belegt. Hier werden auch Arbeitsstuten 
mit zur Zucht verwendet. 

Züchtung: Zuchtziel: Produktion von Landesbeschälern, Luxus- und Arbeits- 
pferden. Diese Pferde haben viel Adel und gute Gänge. Der Staats- 
hengst 323 Nordstern war 1895 gemiethet, betreffender Hengst von 
Nordstern^ Norfolker, aus einer arabischen Stute. Dem Zuchtwerth der 
in Oesterreich beliebten Kreuzung von Norfolker mit orientalischen Stuten 
wird von Pferdezüchtern im allgemeinen wenig Vertrauen entgegengebracht. 
Reines Blut — sagen diese — wäre in der Zucht doch die erste und 
vornehmste Bedingung. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Tarnopol. 

Name des Gestüts: Htlilice. 

Besitzer: Fürst Adam Sapieha. 

Topographisches: Das Gestüt ist auf der Eisenbahnlinie Lemberg — Tarnopol — 
Podwolocyzska, von letzterer Station aus, nach Zurücklegung eines Land- 
weges von ca. 18 km zu erreichen. Areal der Herrschaft über 1600 ha. 



Galizien. 199 

Geschichtliches: Um das Jahr 1889 wurde das Gestüt unter dem gegen- 
wärtigen Besitzer wieder aufgenommen und dasselbe mit Mutterstuten des 
dortigen grösseren Landschlages, sowie mit Ardenner-Abstammung be- 
gründet. Der Bestand wurde nach und nach vergrössert und auf 30 
Stuten gebracht. Ardenner-Stuten mit englischen und arabischen Hengsten 
gepaart. 

Züchtung: Das Zuchtziel ist: Produktion von Arbeitspferden für den eigenen 
Gebrauch und einiger Luxuspferde. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Przemysl. 

Name des Gestüts. MizytlieC. 

Besitzer: Fürstin Adam Liibomirska. 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich auf der Herrschaft gen. Besitzerin 
ca. 12 km von der Eisenbahnstation Nizankowiece der Eisenbahnlinie 
Przemysl - Dobromil — Stryj - Lemberg. 

Geschichtliches: Seit wann das Gestüt besteht, ist nicht festzustellen. Das- 
selbe besteht als Halbblutgestüt mit 12 Mutterstuten, die aus dem Staats- 
gestüt Radautz erworben wurden, um daraus den eigenen Bedarf an ßeit- 
und Wagenpferden zu decken. Die hier fallenden Pferde sind mittelschwer, 
dabei edel gezogen und stammen von dem eigenen Fuchshengst Dahoman 
(arabischer Hengst aus Radautz) und dem Miethhengst 262 Antonius 1. 2. H. 
Ausser dieser Halbblutzucht wird in Mizyniec auch eine ausgedehnte 
Zucht von Arbeitspferden mit Ardenner Hengsten und einheimischen Stuten 
betrieben, bei welcher man die Bemerkung machen kann, dass trotz der 
reichlichen Fütterung, die man in der ersten Generation erzielte, eine 
Vergrösserung der Produkte in den folgenden Generationen wieder ver- 
loren ging. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Przemysl. 

Name des Gestüts: KOSieniCG. 

Besitzer: Sigmund von Dembowski. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt von der Eisenbahnstation Prze- 
mysl der Linie Jaroslau — Przemysl — Lemberg gegen 17 km entfernt. 
Przemysl, ansehnliche Stadt am San, ist eine der ältesten Städte Galiziens 
mit vielen Sehenswürdigkeiten (grossartige Trümmer eines alten Felsen- 
schlosses, der einstigen Residenz der Fürsten von Przemysl im 10. Jahr- 
hundert. 

Geschichtliches: Nach den Angaben Gassebner's besteht bezeichnetes Gestüt 
seit 1870 Um diese Zeit wurden 30 Stuten orientalischer Abstammung, 
die mit Ardennerblut gekreuzt waren, von dem damals gemietheten Staats- 
hengst 242 Elbedavi XXVII (arabischer Hengst) gedeckt. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung von R'monten und Arbeitspferden, die 
4jährig abgegeben werden. 



200 Galizien. 

Name des Gestüts: Lipnikj. 

Besitzer: Stephan Irsay de Irsa. 

Topographisches: Das Gestüt liegt ca. 10 km von der Bahnstation Mosciska, 
der Jaroslau — Przemysl — Lemberger Eisenbahnlinie, östlich der Stadt 
Mosciska, in der die besuchtesten Pferdemärkte Galiziens stattfinden. 
I)as Areal dieses Grundbesitzes beträgt 640 ha und gilt die hier mit- 
betriebene Landwirthschaft, mit Holländer Rind Viehzucht, Yorkshire- 
Schweinezucht als Musterwirthschaft. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte im Jahre 1869 von 
Graf Stanislaus Bielski mit 3 englischen Vollblut-, 6 englisch-arabischen 
Vollblut- und 3 englisch-arabischen Halbblutstuten, welches Zuchtmaterial 
aus Jezupol entnommen war. 1882 übernahm obiger Besitzer die Herrschaft 
nebst Gestüt käuflich. Der Bestand wurde reduzirt, jedoch der englische 
Vollbluthengst: King Alfons (gezogen 1878 in Kisber) Fuchs, angekauft. 
Bestand: 1 englischer Vollbluthengst, 4 englische Vollblutstuten, 
2 arabische Vollblutstuten und 1 englische Halbblutstute. 

Für Rennzwecke wird angestrebt, die Produkte früh zur Ent- 
wickelung zu bringen; wenn die Saugfohlen zu fressen anfangen, erhalten 
sie Hafer und Heu, was sie nehmen wollen; dieses Prinzip bleibt auch 
nach der mit 5 Monaten erfolgenden Entwöhnung aufrecht. Dann Weide 
auf Stoppelfeldern und' Wiesen. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Przemysl. 

Name des Gestüts: KOChanOWka. 

Besitzer: Graf Rozwadowski. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der Karl Ludwigs-Bahn, von Pi'zemysl 
bezw. von der Eisenbahnstation Mosciska aus, nach Zurücklegung eines 
Landweges, von genannter Station aus leicht zu erreichen und ist in 
freundlicher Gegend gelegen. 
Geschichtliches: Vom Grafen Ladislaus Rozwadowski wurde das Gestüt im 
Jahre 1833 gegründet. Es wurde hierbei nur auf bestes Stuten-Material, 
orientalischer Abkunft aus den besten Gestüten Galiziens sowohl als auch 
aus Russisch -Polen, gesehen. Als Vaterpferd wurde der orientalische 
Hengst Bascha^ 1837 der Hengst Ressource^ Sohn des berühmten Arabers 
Dzelfa eingeführt; dem folgte der Vollblut- Araber Alep^ ferner 1840 der 
original-persische Hengst Szamar und noch mehrere dergleichen Hengste. 
Die Ankäufe von Hengsten und Stuten erfolgte, nach den letzten Notizen, 
konsequent bis zum Jahre 1862. 

Im Gestüt wurden bis dahin gezogen: 

Vollblut-Arabisch: Abkömmlinge von dem aus Arabien gebrachten 
Zucbtmaterial. 

Vollblut-Englisch: Aus englischen Vollblutstuten, die zu ver- 
schiedenen renommirten Hengsten des In- und Auslandes zum Belegen ge- 
bracht werden. 



Galizien. 201 

Anglo-Ai'abisch: Abkömmlinge englischer Vollblut - Stuten und 
Original- Araber. 

In Kochanowka wird in ganz konsequenter Weise Reinzucht, 
orientalischer Abkunft, gepaart, das ist: inländische Stuten, orienta- 
lischer Abkunft, durch viele Generationen mit Hengsten rein orientalischer 
Abkunft und mit Original -Arabern (Schimmeln) aufgefrischt. Ebenso 
wird Reinzucht, englischer Abkunft betrieben, jedoch nur in der 
Weise, dass vorzügliche Erfolge ersichtlich hervortreten. (Braune.) 

Wie es mit dem gegenwärtigen Stand des Gestüts sich verhält, ist 
bis zur Zeit nicht festgestellt. Dorthin gesendete Fragebogen kehrten 
beantwortet nicht zurück und blieb daher bis jetzt alles Weitere erfolglos. 



Provinz Ostgalizien. Kreis Przemysl. 

Name des Gestüts: PawlOSlÖW. 

Besitzer: Graf Siemienski. 

Topographisches: Genannte Herrschaft liegt im westlichen Theile Ost-Galiziens 
in gesunder, freundlicher Gegend. Der Boden ist sehr ertragreich. Der 
Gestütshof ist von der Station Jaroslau der Eisenbahnlinie Rzeszöw — 
Jaroslau — Rawaruska— Sokal in kurzer Zeit zu erreichen. 

Geschichtliches: Graf Constautin Siemienski, der Vater des gegen värtigen 
Besitzers (Wilhelm), gründete das Gestüt 1819 mit spezieller Neigung 
zur Züchtung orientalischer Pferde. Es wurde daher nur bestes Zucht- 
material aus der Wüste eingeführt Graf Joseph Lewicki (Schwiegervater 
des Constantin Siemieriskii übergab hierher 20 der edelsten Mutterstuten 
aus dem Chorstkower Gestüt als Geschenk. Hierzu wurden zur Verede- 
lung der Zucht nach und nach mehrere Hengste aufgestellt und zwar : 
Soliman aus dem füi'stlichen Sanguszko'schen Gestüt zu Slawuta, Wezyr, 
Original-Araber, Sohn, Supei'be, Achmet, Original-Araber, Jaffa, Original- 
Araber, Sohn, Wezy?' II, Fingal nach Machmet etc. 

Wezyr und Jaffa sind der Geschichte zu Folge dieselben br. Araber, 
welche Napoleon I. persönlich in vielen Schlachten ritt,, später wurden 
sie auf Befehl des Erzherzogs Ferdinand d'Este von einem diesem nahe- 
stehenden Armeekorps erbeutet und nach Wien gebracht, dann aber von 
Graf Joseph Lewicki angekauft und in Choroskow zur Zucht verwendet. 
Von 1840 ab wurde, um einen gedrungenen Wagenschlag zu erzielen, 
englisches Vollblut eingeführt und zwar die Hengste Gaudy und Sir David. 
Der Erfolg war gut. Graf Wilhelm Siemienski übernahm 1850 das in so 
hohe Blüthe gebrachte Gestüt. Das Stammgestüt wurde hiernach auf 
14 Mutterstuten herabgemindert. Die englische Vollblutzucht wurde wenig 
betrieben. 1862 florirte das Gestüt Pawlosiöw wie früher und befriedigte 
in jeder Hinsicht. Ob das Gestüt heute noch besteht, konnte trotz öfterer 
Anfragen nicht erfahren werden. 



202 Galizien. 

Name des Gestüts: ^ MaglerÖW. 

Besitzer: ( Graf Siemienski. 

Topographisches: Die Herrschaft Magieröw besteht ausser dem Schloss Zamek 
nebst Berki, woselbst das Gestüt untergebracht war, aus noeh 5 anderen 
Dependenzen und besitzt ein Areal von 1000 ha, liegt ca. 18 km von 
der Kreisstadt Zotkiew, sowie ca. 12 km von Magieröw entfernt. Die 
Lage ist flach, der Boden fruchtbar, das Wasser vorzüglich. Die Stallungen 
sind dui'chgehends gemauert und sehr geräumig; Ausläufe sowie eine 
grosse Reitbahn. 

Geschichtliches: Obiger Besitzer gründete dieses Gestüt während der 1840er 
Jahre auf Schloss Zamek, für die Herrschaft Magieröw mittelst Materials 
des im Jahre 1819 zu Pawlosiöw gegründeten Gestüts. Hierzu war das 
beste Material benutzt worden, u. A : Weczyr, Original -Araber, Sohn; 
Süperbe; Achmet, Original- Araber; Jaffa, Original- Araber, Sohn; Fingal 
nach Machmei; Effendi: Cato; Abellino und Abellino II; Tajar, Sohn des 
Original- Arabers; Askol, Sohn des Jaffa. Nachdem nach und nach vor- 
stehendes Vatermaterial mehrere Jahre für Magieröw gewirkt und nach- 
stehendes Mutterstutenmateriul: Babi und Comtesse, englische Vollblut- 
stuten; Pepita, oriental. Stute, nach Kahajlan, Original- Araber, und einer 
berühmten orientalischen Stute etc., in Summa 15 dergleichen dahin ein- 
geführt war, hatte sich der Bestand in nicht zu langer Zeit auf 60 Stück 
erhöht incl. der Reit- und Wagenpferde. Im Jahre 1850 übergab obiger 
Besitzer das Gestüt Pawüosiöw seinem Sohn und er selbst betrieb auf 
seiner zweiten Herrschaft Magieröw dieses als ein Zweiggestüt. 

Bis in die 60 er Jahre vorigen Jahrhunderts wui'de in Magieröw 
vorheiTSchend oiientalisches Blut gezogen, und nur für Wagen- und Reit- 
schlag ausnahmsweise die englische Rasse im Auge behalten und auch 
damit recht gute Erfolge erzielt. Direkt aus dem Gestüt Magieröw ein- 
zogener Erkundigungen zufolge besteht dort zur Zeit das Gestüt nicht mehr; 
allem Vermuthen nach ist dasselbe wieder nach Pawlosiöw übergesiedelt. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Zolkiew. 

Name des Gestüts: MyCÖW. 

Besitzer: Alexander von Hulirnka. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der Station Beiz der Eisenbahnlinie 
Rzeszöw — Jaroslau — Rawaruska — Sokal nach Zurücklegung eines Land- 
weges von 10 km zu erreichen. Die Lage ist gebirgig, das Areal be- 
trägt 900 ha. Die Gegend ist romantisch und ist bester Wirthschafts- 
betrieb vorhanden mit grossem Interesse seitens des Besitzers für Thierzucht, 

Geschichtliches: Im Jahre 1817 gründete der Schwiegervater des gegen- 
wärtigen Besitzers das Gestüt zu Mycöw. Dieser liess um jene Zeit die 
sogenannte altpolnische Rasse bezw. Stuten polnisch -orientalischer Ab- 
stammung, denen auch rein arabisch gezogene Stuten folgten, von orien- 
talischen Hengsten decken Diese Zucht wurde ähnlich fortgesetzt bis 



Galizien. 203 

dex" jetzige Besitzer 1870 das Gestüt übernahm. 1880 wurden englische 
Voll- und Halbbluthengste verwendet. Infolge der konsequent fortge- 
führten Zucht mit 6 arabischen Vollbluthengsten sowie 9 englischen Voll- 
bluthengsten und 29 arabischen Vollblutstuten vom Jahre 1860 an, bildet 
dies hochklassige orientalische Blut den Grund zu der gegenwärtigen 
Zucht in Mycöw. 
Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung von Kavallerie - Offizierpferden. (Vorzüg- 
licher Reitschlag.) 

Provinz Ostgalizien. Kreis Zolkiew. 

Name des Gestüts: OleSZyCe. 

Besitzer: Fürst Ladislaus Sapieha. 

Topographisches: Das Gestüt ist durch eine Seitenbahn der Eisenbahnlinie 
ßzeszöw — Jaroslau — Rawaruska — Sokal, die von dem Marktflecken Rawa- 
ruska nach der Station Lubycza (Dorf), mit einem schönen Schloss ver- 
sehen, an die russische Grenze führt, zu erreichen. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde im Jahre 1884 gegründet, das Zucht- 
material nur nach und nach hei-beigeschaift. Von dem Besitzer wurde 
zunächst der Entschluss gefasst, Stuten des galizischen Schlages mit 
Ai'denner Hengsten zu paaren Dieses Prinzip wurde nach einiger Zeit 
wieder fallen gelassen und dafür arabisches Blut eingeführt und hierzu 
der Miethhengst 127 Gidran XXIV. zur Benutzung herangezogen. 

Bestand: 20 Stuten galizischen Schlages; davon stehen ca. 8 im 
Gestüt und 12 werden in der Oekonomie beschäftigt. 

Züchtung: Zuchtziel: Deckung des eigenen Bedarfs, Remonten, Ai'beitspferde^ 

Provinz Ostgalizien. Kreis Brzezan. 

Name des Gestüts: KoniUSZkJ. 

Besitzer: Albin Ritter von Stonecki. 

Topographisches: In Rede befindliches Gestüt liegt 15 km von der Station 
Bursztyn der Eisenbahnlinie Lemberg — Stanislau — Kolomea — Sniatyn ent- 
fernt. Die Besitzung soll der Beschreibung nach prächtig liegen und 
sich in der Nähe des Lipaflusses befinden. In der Umgebung sollen 
prächtige herrschaftliche Palais mit grossen, englischen Parkanlagen vor- 
handen sein. Alabasterbrüche befinden sich in der Nähe, ausserdem wird 
Getreidebau und Viehzucht betrieben. 

Geschichtliches: Das Gestüt soll nach Gassebner über 200 Jahre bestehen. 
In demselben wird gegenwärtig Halbblutzucht betrieben. Es werden 
darin 20 — 24 Mutterstuten englischer und arabischer Rasse gehalten, 
wozu Staatshengste während der letzten Jahre (383 Notiius, 46 Dahoman 
und 1 Przedswit) benutzt wurden. Die Produkte werden 4 jährig aufgestellt. 

Züchtung: Das Zuchtziel besteht in Erzeugung von Remonten und Ge- 
brauchs - Arbeitspferden. 



204 Galizien. 

Name des Gestüts: PPZeWOZieC. 

Besitzer: Felix, Ritter von Scasighino. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt ist von der Eisenbahnlinie Lemberg — 
Stanislau, von der nach Stryj seitwäi'ts gehenden Bahn, der zweiten Bahn- 
station Bednaröw, nach Zurücklegung von 5 km Landweg, zu erreichen. 
Der Ort Przewoziec liegt am Lomnica-Flusse, in einem Thale, geschützt, 
hügelig. Vier solid erbaute, grosse Ställe mit anstehenden Laufgärten. 
Die anliegenden Weiden sind üppig. 
Geschichtliches: Im Jahre 1892 wurde das Gestüt zur Zucht von Renn- 
pferden angelegt, die edel und leistungsfähig waren. Für diese Rennzucht 
sind bis zur neuesten Zeit 8 Voliblutstuten aufgestellt. Die Rennleistungen 
sollen grossaitig erprobt sein. 

Zum Belegen der Gestütsstuten sind 3 Vollbluthengste aufgestellt: 
Or-vert, gez. 1890 im k. ungar. Staatsgestüt Kisber von Bend Or, 
Pnchmer^ gez. 1891 von Zsupdn a. d. Sugar Plum von Gutmersbury, 
Gyerköcz, gez. 1892 v. Gim?iersbury a. d. Fair Bridget v. Buccafieer. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Kolomea. 

Name des Gestüts: UkllO. 

Besitzer: Liidomir Ritter von Cienski. 

Topographisches: Das Gestüt ist durch die Eisenbahnlinie Lemberg — Stanis- 
lau — Kolomea — ^Sniatyn von Horodenka bezw. der Station Kolomea nach 
Zurücklegutig von ca. 35 km Weges zu erreichen. Die Fohlenweiden 
sind vorzüglich, ausserdem sind grosse, gute Ausläufe vorhanden und das 
Gestüt selbst macht einen guten Eindruck auf den Besuchenden. 

Geschichtliches: 1854 wurde das Gestüt gegründet und mit einem Stamm 
Landstuten besetzt und wurden diese von einem für das Gestüt Petro- 
witz angekauften Araberhengst Schmarmal gedeckt. Diese Zuchtrichtung 
ergab nur kleine Pferde. 1866 wurden deshalb von Jezupol dort ge- 
zogene Halbbluthengste (Fadladeen und Jezupol) acquirirt. Diesen Hengsten 
war es zuzuschreiben, dass die Grösse und Qualität im Gestüt zunahm. 
Die nachfolgenden in Radautz gezogenen Halbbluthengste (Perkun, Araber, 
Nordstern^ Norfolker, Schagya, Dahoma?i, Araber, und Przedswit) erzeugten 
grössere Produkte, aber diesen sollten Adel und Güte der Beine abgehen. 
Infolge dieser Mängel legte sich der Besitzer einen Araber -Vollbluthengst 
aus Jarczowce zu, der das Gestüt sehr günstig umgestaltet hatte. 

Bestand: 24 sehr gut genährte Mutterstuten von mittelschwerem 
Reitschlag und von grosser Ausgeglichenheit. Die Farbe ist braun, alle 
Stuten arbeiten. 

Züchtung: Zuchtziel: Produktion von Luxuspferden und Remonten. Hengst- 
fohlen werden nach Radautz abgegeben , wohin sie einjährig angekauft 
werben. Der Staatshengst 227 Przedswit I (Halbblut) wurde gemiethet. 
Dreijähi'ige Fohlen kommen an das Remonte - Depot. 



Galizien. 205 

Name des Gestüts: PaUSZOWka. 

Besitzer: Ntcolaus von Wolanski. 

Topographisches: Das Gestüt ist auf der Eisenbahnlinie Stanislau — Husiatyn 
von der Station Dzuryn aus nach Zurücklegung von etwa 8 km Land- 
weges zu erreichen. 

Geschichtliches: Von dem Grafen Nicolaus Wolanski, dem Vater oder Gross- 
vater obigen Besitzers, wurde 1780 genanntes Gestüt gegründet mit einem 
Stutenstamm aus dem Poniatowski'schen Gestüte zu Koszjlowic. Mit 
Beginn der 1840 er Jahre hatte das Gestüt die grössten Erfolge guter 
Zucht zu verzeichnen; später ging infolge Mangels guter Hengste das 
Ansehen desselben zurück. 1848 erfolgte die Theilung des Gestüts in 
zwei Theile: Erasmus von Wolanski übersiedelte mit seinem Theil Pferden 
1851 nach Czarnokoiice, Nicolaus von Wolanski setzte die Züchtung in 
Pauszowka fort. Bestand: 2 Vollblutstuten, 30 Halbblutstuten, letztere 
von mittelschwerem Reit- und Wagenschlag und anglo- arabischer Abkunft, 
2 Vollbluthengste. Das Stutenmaterial ist s-ehr breit gebaut, mit viel 
Adel in Kopf und Hals; die Lendenpartie sehr kräftig entwickelt. 

Züchtung: Zuchtzweck: Luxuspferde für Handel, theilweise aber auch von 
Remonten-Assentkommissionen erworben. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Czortköw. 

Name des Gestüts: TorSkle. 

Besitzer: IVladiniir von Sieniiginowski. 

Topographisches: Das berühmte Gestüt liegt von der Eisenbahnstation 
Czortköw, der Eisenbahnlinie Stanislau — Husiatyn, ca. 30 km entfernt, 
die auf dem Fahrwege zurückzulegen sind. Das Gestüt liegt rauh und 
gesund, abhärtend; der landwirthschaftliche Betrieb ist musterhaft; über 
1500 ha Areal. Stallungen mit Boxen- und Laufräumen, offene Reitbahn. 

Geschichtliches: Im Jahre 1868 wurde das Gestüt gegründet mit aus dem 
Gestüt Jezupol entnommenen englischen und arabischen Stuten, wozu 
noch der englische Halbbluthengst Haidamacha, der im Gestüt Brzezany 
gezogen, kam. Während seiner Ojähriger Thätigkeit vererbte dieser seine 
Nachkommen, die ihm selbst eigenen, soliden und eleganten Formen. Weitere 
gute Hengste waren S'QÄtQx Lauffetter, dem dann i?(?i^<7/^ und iJ/r. Milfordiolgi^n. 
Seit der Gründung besass Torskie 5 Hengste: Haidamacha, Lauffeuer, 
Viicina, Robak und Mr.Müford; ferner an Mutterstuten: 6 Vollblut und 
20 Halbblut. Das Gestüt Torskie hat bis gegenwärtig einen sehr hohen Stand- 
punkt erreicht. \^ 

Brandzeichen: |i 

Alle in Torskie gezogenen Pferde werden 
JJL >Ar auf der linken Hinterbacke mit neben- 



\j 



stehendem Gestütsbrandzeichen versehen. 



206 Galizien. 

Name des Gestüts: RzepiflCe. 

Besitzer: Ritter Ladislaus von JVolansky. 

Topographisches: In Galizisch-Podolien liegt auf grosser Steppenfläclie die 
Herrschaft Rzepince in fruchtbarer Gegend, woselbst ausser Pferdezucht 
auch ganz hervorragend Schafzucht betrieben wird. Auf dem Landweg 
ist das Gestüt von Lemberg aus mit Geschirr, von dem Orte Buzcacz 
aus in 1 Stunde zu erreichen. 

Geschichtliches: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde hier durch die 
Vorfahren des Besitzers mit der Pferdezucht begonnen. Seit jener Zeit 
wurde mit Energie die Fortpflanzung des orientalischen Blutes betrieben, 
welches durch die besten Deckhengste aus den Graf Lewicki'schen , den 
Gi'af Baworowski'schen Gestüten und dem des Anton von Myslowski zu 
Koropiec mit gutem Erfolg aufgefrischt wurde. Während der 1840 er Jahre 
kam unter den Gestütspferden der Rotz zum Auftreten, der das ganze werth- 
volle Material vernichtete. Die Wiederaufnahme der Pferdezucht erfolgte 
hierselbst durch obigen Besitzer seit Ende der 1850 er Jahre. 

Züchtung: Von der erneuten Züchtung an wurde von dem orientalischen 
J31ute etwas zurückgegangen und dafür englisches Vollblut bevorzugt. 
Aus dem Anton von Myslowski'schen Gestüt zu Koropiec wurden 
zuvörderst Darling (engl. Vollbluthengst) und Lancaster (engl. Halbblut- 
hengst) eingeführt und dazu 5 Mutterstuten, theils Voll-, theils Halbblut 
erworben, die aus renommirten Familien stammten. — Ob obiges Gestüt 
zur Zeit noch besteht und in welchem Besitz sich dasselbe befindet, ist 
trotz Anfragen nicht festzustellen gewesen. 

Provinz Ostgalizien. Ki-eis Sanok. 

Name des Gestüts: Wlelka-WleS. 

Besitzer: Gi^(^f 'von Szadnicki. 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich auf einem Gut und enthält 
477 ha Areal. 

Geschichtliches: Das vom Besitzer hier betriebene Gestüt ist umfänglich, 
es besitzt gegen 100 Pferde und Fohlen. Jährlich werden gegen 
12 Fohlen geboren. Die Mutterstuten sind ursprünglich auf gali- 
zische Rasse, väterlicherseits auf arabisches Blut zurückzuführen. 
Anfänglich wurden Lippizaner Hengste des T'öfff^rv- Stammes benutzt, 
bis 1872 der VoUbluthengst Kniaz von Reginald aus der Couniess in 
Verwendung kam. Hiernach wurden Halbbluthengste eingestellt, von 
denen die ärarischen Hengste: Gil Blas, Revolver, Cicero und Haudegen 
besonders zu ei'wähnen sind. 

Durch Verwendung bezeichneter Hengste sind die Mutterstuten, die 
zur eignen Zucht stets ergänzt werden, sehr veredelt worden, sodass die 
hier gezogenen Pferde sämmtlich sehr edle, wohlgeformte und gängige 
Thiere sind. Diese Pferde werden daher dreijährig auch sehr gern für 
die Armee oder für den Staats fohl enhof angekauft. 



Galizien. 207 

Name des Gestüts: GrabOWnlca. 

Besitzer: Casimir j Ritter von Ostoia-Ostaszewski. 

Topographisches: Obiges Gestüt liegt 18 km von der Eisenbahnstation Sanok, 
der Linie Jaslo— Sanok, ca. 10 km vom Gestüt Jurowce. Der Grundbesitz 
ist sehr umfangreich und wurden auf mehreren Wirthschaftshöfen dieser 
Herrschaft Gestüte für Zucht des edlen Pferdes betrieben. Grabownica 
hat 2 Stallgebäude aufzuweisen: eines für die Beschäler und Mutterstuten, 
das andere für Fohlen als Laufstall. 1800 m lange Trainirbahn. 

Geschichtliches: Bereits im 18. Jahrhundert bestand obiges Gestüt als eines 
der besten unter den galizischen Gestüten; dasselbe soll um die Zeit den 
Vorfahren des gegenwärtigen Besitzers, Sebastian, Ritter von Ostoia- 
Ostaszewski gehört haben, und sollen von diesem darin polnische Stuten 
und arabische Hengste gezüchtet worden sein. Wie man auch vermuthet, 
soll dasselbe früher als „wildes Gestüt" bestanden haben. Mit dem 
Jahre 1852 wurde aus England der Vollbluthengst Fergus importirt und 
ist damit der Gestütsbetrieb ein der Zeit entsprechender geworden. Seit 
1890 betreibt der Besitzer das Gestüt selbst und wurde 1891 der Voll- 
bluthengst The Donner hörn aus England angekauft, um von jetzt ab 
englische Vollblutzucht intensiv zu treiben. The Donnerhorn ist ein 
grosser Fuchs mit viel Adel, ausdrucksvollem, leichten Kopf, schönem Hals, 
tadelloser Seitenlinie, tiefem Rumpf etc., dieser Hengst wird als eine sehr 
werthvolle Acquisition erachtet. 

Züchtung: Die Mutterherde besteht aus 5 Vollblut- und 14 Halbblutstuten. 
Von den Vollblutstuten zeichnen sich Lauda, in Russland geboi'en, be- 
sonders aus. Viele Pferde dieses Gestüts gehen nach Frankreich und 
Bulgarien. 

Brandzeichen: 



) 



Unmittelbar nach dem Verkaufsabschluss 
* C , I J> pflegt man dort im Gestüt die Pferde auf der 
ken Hinterbacke mit dem nebenstehend 
ebildeten Gestütsbrandzeichen zu ver- 
sehen. 



Vj^ abg 



Provinz Ostgalizien, Kreis Sambor. 

Name des Gestüts: KomalOWlCe. 

Besitzer: Cölesiin von Sozdnski. 

Topographisches: Das genannte Gestüt liegt ca. 10 km von der Station 
Dublany der Eisenbahnlinie Przemysl — Dobromil Stryj — Lemberg abseits. 

Geschichtliches: Hier werden 10 orientalische Stuten leichten Schlages ge- 
halten, aber auch gegen 14 Arbeitsstuten gedeckt. Hierzu wurde bisher 
der Staatshengst 3 Dahonian VI (arabischer Hengst) geraiethet. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung von Remonten und Arbeitspferden und 
Abgabe dieser nach erreichtem 4. Jahre. 



208 Galizien. 

Name des Gestüts: ZUPaWCG. 

Besitzer: Frans, Ritter von Jedrzejowicz. 

Topographisches: Die über 700 ha Areal haltende Herrschaft, worauf Pferde- 
zucht betrieben wird, liegt in der Nähe der russischen Grenze, und zwar 
7 km von der nächsten Eisenbahnstation Lubyczakröleweska, der Eisen- 
bahnlinie Rzeszöw — Jaroslau — Rawaruska — Sokal. Lubycza ist ein 
Städtchen. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde 1884 gegründet; der erste Mutter- 
stutenstamm bestand damals nur aus englischen Vollblutthieren; diesen 
diente der Hengst Scheck, dann von 1888 ab Cornelius, englisches Halb- 
blut; von 1893 ab der braune englische Vollbluthengst Dyplom von 
Volt-mdr aus der Baroness. Alle diese Hengste waren ärarische. Die 
Zahl der Mutterstuten betrug 12 — 14, theils englisches Voll- theils eng- 
lisches Halbblut. Anfangs deckte hier der Norfolker 45 Dexter\ diesem 
folgte jedoch bald der Trakehner Hengst 359 Cornelius und ferner die 
bezeichneten. Ausser den genannten Stuten werden aber noch ein Theil 
von den 45 vorhandenen Arbeitsstuten gedeckt. 

Das Gestüt scheint grosse, breite, gängige, harte und ausdauernde 
Pferde zu liefern; die Thiere werden 3 jährig aufgestellt. 

Züchtung: Ausnützung: Erzeugnisse von Kavallerieoffizierpferden und ße- 
monten für die Ankaufs-Kommission. 

Provinz Ostgalizien. Ehemaliger Kreis Tarnopol. 

Name des Gestüts: PrZeclaW (Vollblutgestüt). 

Besitzer: Graf Mieczyslas PI/rszowec-Rey. 

Topographisches: Bezeichneter Gestütsort liegt ungefähr 15 km von Tarnopol 
entfernt; die Herrschaft ist mit dem Namen Mikulince belegt und hält 
ein Areal von gegen 2400 ha. Davon sind gegen 180 ha Weiden 
(Steppenland) mit gutem Graswuchs. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte 1873 durch Ankauf 
bester Stuten aus dem Gestüt des Grafen Wladimir Baworowski in 
Strusow. Die Züchtung wurde regelrecht fortgesetzt. Hierzu wurde der 
vom Grafen Henckel aus Ungarn erkaufte englische Vollbluthengst 
Oroszvär als Beschäler benutzt. 

Der Bestand war 1890: 200 Pferde. 3 Beschäler: 1 englischer 
Vollbluthengst, 2 arabischen Blutes. 27 Mutterstuten, theil englische 
Voll- und Halbblutstuten. — ^ 

Die Halbblutstuten sind von starkem, kräftigen Körperbau und 
vorzüglich fundamentirt. Braune Füchse. Jährlich kommen durchschnitt- 
lich 20 — 25 Fohlen zur Welt. Fohlen und Stuten kommen so viel wie 
möglich zur Weide. 

Züchtung: Zuchtzweck: Die englischen Vollblutpferde kommen grössten- 
theils auf die Rennbahn, die übrigen werden ausgebildet als elegante, 
gängige Reit- bezw. Luxuspferde. 



Galizien. 209 

Name des Gestüts: StrUSÖW. 

Besitzer: Graf Baworowski. 

Topographisches: Die Herrschaft Strusöw ist auf einer der weitesten Hoch- 
ebenen Galizisch-Podoliens gelegen und Eigenthum des Grafen Baworowski. 
Diese umfasst ein Steppenland von 900 ha humusreichen, schwarzen 
Bodens mit vorzüglicher Vegetation; wasserreiche Flüsse durchströmen 
das Gebiet. Die Wintersteppen ^.Pantalicha" genannt, gleichsam im 
Centrum vieler Meiereien der gesammten Herrschaft, ca. 10 km von dem 
Städtchen Strusow entfernt, bieten einen überraschenden Anblick; während 
einerseits ca. 6000 Stück Merinos sowie zahlreiche Rinderheerden in fast 
unbegrenzter Freiheit weiden, sieht man andererseits Pferdegruppen des 
Strusower Gestüts. Der Eigenthümer wohnt in Strusow; letzterer Ort 
ist von Tarnopol 22,5 km entfernt und ist mit der Brody — Czernowitzer 
Eisenbahn zu erreichen. 

Geschichtliches: Ursprünglich stammt dieses Gestüt aus den seiner Zeit 
berühmten Stutereien der Grafen Rzewuski und Lanckoronski, in welchen 
die sogenannte polnische Rasse auf dem Fundamente des edelsten Blutes 
gezogen wurde; nur erst seit 1836 wird ausschliesslich durch englische 
Hengste gedeckt. Durch diese Kreuzungen hatte sich zum grössten Theil 
der Typus des orientalischen Pferdes in jenen der englischen Formen 
vollkommen verwandelt und haben sich die Eigenschaften und die son- 
stigen physischen Fähigkeiten in den Dimensionen der englischen Rasse- 
pferde vererbt, wobei bemerkt werden muss, dass das Gestüt leistungs- 
fähige Pferde produzirt. Das Strusower Gestüt erzeugt jährlich 20 bis 
24 Stück Pferde. 

Züchtung: Zuchtzweck: Wagen- und Reitpferde, die vortrefflich eingefahren 
und schulmässig zugeritten werden. Bestand bis 1866: 3 Vollblut- 
hengste, 6 Vollblutstuten und 34 Halbblutstuten. — Ob das Gestüt zur 
Zeit noch besteht, darüber fehlen die Nachrichten. 

Provinz Ostgalizien. Kreis Zloczow. 

Name des Gestüts: KlebatlÖWka. 

Besitzer: Thaddätis Ritter von Fedorowicz. 

Topographisches: Das Gestüt liegt ca. 5 km von der Eisenbahnstation 
Bogdadöwna — Kamionka der Lemberg — Tarnopoler Bahn. Die Gegend 
zeigt sich als eine freundliche, w-ohlhabende. 

Geschichtliches: In dem Gestüt werden nur Gebrauchs- und Arbeitspferde 
gezüchtet, welche in der Oekonomie arbeiten. Hier wird mit ca. 30 Stuten, 
arabischer Abstammung, und einem englischen Halbbluthengst gezüchtet. 
Die Fohlen verbleiben, so lange es geht, auf der Weide. Mit 4 Jahren 
werden die jungen Pferde als Reit- und Wagenpferde verwendet und die 
übrigen der Oekonomiearbeit zugetheilt. 

Bräu er, Gestüte. 14 



210 Galizien. 

Name des Gestüts: TSlirOW(ArabischesVollblutgestüt). 

Besitzer: Longin von Lobos. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist von der Eisenbahnstation Jezierna 
der Linie Lemberg — Tarnopol — Podwoloczyska nach Zurücklegung von 
ca. 14 km Landweg zu erreichen. Die Herrschaft enthält ein Areal von 
über 500 ha. Das Klima ist im Ganzen rauh, da hier auf der podo- 
lischen Hochebene vor allem Ost- und Westwinde wehen und im Winter 
andauernder Schneefall erfolgt. 

Geschichtliches: Von dem früheren Leiter und Besitzer des genannten Ge- 
stüts Dionysius von Trzeciak, dem Onkel des gegenwärtigen, wurde das- 
selbe 1852 gegründet. Der Besitzer ging mit der Einstellung von Ge- 
stütspferden sehr vorsichtig zu Werke. Der erste Stutenstamm wurde 
hergestellt aus zwei arabischen Stuten aus dem Gestüt von Alexander 
Potocki zu Brzezany sowie drei dergleichen aus dem Gestüt des Grafen 
Kajetan Dzieduszycki zu Jarczowice, wozu aus Mekka der dort erkaufte 
Schimmelhengst Step nebst noch 3 Mutterstuten: Zulema, Kokietka und 
Nelisonka kamen. Eine weitere Erwerbung von zwei Stuten (Helega 
und Marucha) erfolgte ferner aus den bereits bezeichneten Gestüten. 
Neben Step deckte der früher in Tauröw eingestellte Hengst Schagya. 

Bereits im Jahre 1864 befanden sich im Gestüt 25 Mutterstuten. 
Ein rachgieriger Mensch, der neuer Pächter von Tauröw werden wollte 
und abgewiesen wurde, streute auf die Weide der Mutterstuten eines 
Nachts Arsenik. Nichts Übeles ahnend, wurden diese Thiere am anderen 
Morgen auf die betreffende Weide getrieben. Kaum hatte das Weiden 
begonnen, erkrankten 22 dieser Stuten an den Eolgen bezeichneter Ver- 
giftung und verendeten. Der Verbrecher wurde ermittelt und bestraft. 
Aus besonderer Vorliebe für edle Pferdezucht liess sich der Besitzer 
durch das betrübende Vorkommniss nicht abhalten, das Gestüt wieder 
neu einzurichten. Der Besitzer erwarb wieder einige arabische Voll- 
blutstuten: zwei Stuten aus dem Gestüt Jarczowice: eine Koheilan •'^iVii^ 
und eine im Mutterleibe aus Syrien eingeführte Stute, ferner eine in 
Bäbolna gezogene und eine Stute Bona von Bori Bagdad. Nun wurde 
neben den drei verschont gebliebenen mit ca. 7 Stuten die Zucht von 
Neuem begonnen und mit Erfolg begleitet. 

Von der Gründung des Gestüts (1852) an, waren bis gegen Mitte 
der 1890 er Jahre mit dem erwähnten Schagya und Step 22 Araber- 
Hengste, 15 Araber -Vollblutstuten und 25 Halbblutstuten. Sämmtliche 
Gestütspferde waren und sind heute noch Schimmel. Hier und da 
tritt ein Brauner oder ein Rappe mit auf. Alle Stuten, die in Tauröw 
gezogen werden, sind sehr edel. 

Der inzwischen eingeführte Beschäler Hafiz zeichnete sich durch 
vorzügliche Nachkommen aus. Im Gestüt wird nur darauf hingearbeitet, 
die Beibehaltung des echt arabischen Typus stehend zu' erreichen. 

Züchtung: Zuchtziel: Produktion von Zuchthengsten und Luxuspferden, 
doch werden auch junge Stuten zur Zucht abgegeben. Hauptäbnehmerin 
ist die österreichische Gestütsvex'waltung, doch gehen auch viele Hengste 
nach Rumänien, Polen, in die Ukraine etc. 




Galizien. 211 

Brandzeichen: ä3»— ^»--V^ Nebenstehendes Gestütsbrandzeichen mit 

Krone wurde früher , dasjenige ohne 
Krone aber gegenwärtig 
benutzt. Damit wurden 
aber nur Stuten ver- 
sehen; Hengste und Wal- 
lachen verbleiben ohne 
ein solches. 



Provinz Westgalizien. Kreis Rzeszöw. 

Name des Gestüts: ChOrZelÖW. 

Besitzer: Graf Johann Tarnowski. 

Topographisches: Das Gestüt liegt an der Eisenbahnlinie Debica — Rozwadöw, 
der Eisenbahnstation Chorzelöw; in der Nähe der polnischen Grenze. 

Geschichtliches: Das Gestüt besteht seit 1851. Als Zuchtmaterial wurde 
zunächst eine kleine Anzahl polnische und englische Halbblutstuten an- 
gekauft, die von Hengsten aus Koropiec, Slawuta in Galizien, und letztere 
Stuten vom Carolus aus dem Friedrich Wilhelm- Gestüt gedeckt wurden. 
Dem Besitzer lag daran: Renn-, Luxus- und Arbeitspferde zu erzielen. 
1861 wurde Vollblutzucht im genannten Gestüt eingeführt. In diesem 
Gestüt wurde 1874 der berühmte englische Vollbluthengst Przedswit 
geboren. 1876 wurde dieser Hengst von der österreichischen Regierung 
für das Staatsgestüt Piber angekauft; vom Jahre 1877 — 1889 deckte 
dieser in Piber und in den Vollblutstationen Hohenau, Stadl und Nemo- 
schitz nur 361 Voll- und Halbblutstuten, was daher gekommen sein soll, 
weil man diesen grossartigen Hengst nicht genügend gepflegt habe. Die 
Nachkommen sollen sich bewährt haben. 

Das genannte Gestüt hält zur Zeit 8 englische Vollblutstuten, 5 Halb- 
blutstuten und gegen 30 Stuten des Arbeitsschlages. Original-Norfolker. 

Provinz Westgalizien. Kreis Rzeszöw. 

Name des Gestüts: NOSÖWka. 

Besitzer: Alexander, Ritter von Dambski. 

Topographisches: Das genannte Gestüt ist durch die Eisenbahnlinie Tarnöw — 
Gryböw — Jaslo — Rzeszöw, von der Bahnstation Rzeszöw, nach Zurück- 
legung von ca. 10 km Landweg zu erreichen. 

Geschichtliches: Die Gründung obigen Gestüts erfolgte während der 1880er 
Jahre mit 8 Mutterstuten. Der Bestand war 4 englische (darunter 3 Ir- 
länder), 2 Anglo-Araber und 2 englische Ka,ltblüter. Hengst war Ar päd IL 
(englisches Vollblut) von Doncaster, gezogen (1888) a. d. Agnes Ethel 

14* 



212 Galizien. 

Name des Gestüts: ZaleSJe. 

Besitzer: Ignaz, Ritter von Guminski. 

Topographisches: Die Besitzung wird gebildet durch ein grösseres Gut mit 
einigen Vorwerken; Areal 340 ha. Die Zuchtanstalt ist zu erreichen von 
der Eisenbahnstation Rzeszow, der Eisenbahnlinie Tarnöw — Gryböw — 
Jasio — Rzeszöw, nach Zurücklegung einer Wegstrecke von 4 km. 

Geschichtliches: Wann genanntes Gestüt gegründet, ist nicht zu ermitteln, 
wohl aber ist bekannt, dass der Besitzer seit 1874 Remonten und Arbeits- 
pferde züchtete, letztere für den landwirthschaftlichen Betrieb. Anfangs 
waren nur arabische Stuten und der Araberhengst Wawrzyn ein- 
gestellt. Dieser Rasse folgte ein Norfolker, dann der Normänner Staats- 
hengst 371 Kordyan und nun in letzter Zeit der englische Halbbluthengst 
121 Ma?ifred in Miethe genommen. Von den 20 Mutterstuten, von 
welchen die meisten von Csatär (Vollblut-Fuchs) von Da?iiel O'Rourke 
aus der Fern von Fernhill und dem englischen Vollbluthengst Kofi/öderat 
abstammen, werden 8 zur Zucht verwendet, die übrigen zu Oekonomie- 
arbeiten. 

Züchtung: Ausnützung: Verkauf im Stall; für eigenen Bedarf; Pferdemarkt. 
Provinz Westgalizien. Kreis Rzeszöw. 

Name des Gestüts: SZCZUCln. 

Besitzer: Fürst Andreas Lubomirski. 

Topographisches: An der Eisenbahnlinie Krakau — Tarnöw— Rzeszöw ist von 
Tarnöw aus genannte Herrschaft nach Zurücklegung einer grossen Land- 
wegsstrecke zu erreichen. Vom Gestüt Lubacz, an derselben Eisenbahn- 
linie, soll die Entfernung nur 3 km betragen. 

Geschichtliches: Die Herrschaft Szczucin ging aus dem Besitze der Gräfin 
Helene Hussarezewka in den des oben genannten Herrn über. Zu Anfang 
der 1870er Jahre unternahm ein daselbst fungirender Gestüts verwaltei-, 
Namens Lewantowski, die schwierige Aufgabe, aus dem einheimischen 
kleinen, aber edlen Pferde — dem Koniki — ein nicht minder edles, 
aber grösseres und stärkeres Pferd heran zu züchten. Anfangs paarte 
derselbe die Koniki - Stuten mit nicht zu grossen Arabern und als die 
Produkte derselben allmählich zu mehr Grösse gelangten, wurde bei 
reichlicher Fütterung auch mit dem Vollbluthengst Koral (1875) 
von Zlotolity a. d. Perla von Weatherbit operirt. Dadurch wurde das 
Ziel erreicht, und so steht zur Zeit der ca. 120 Stück zählende Pferde- 
bestand der Herrschaft (158 — 162 cm, vereinzelt 165 cm) mit grösseren 
Pferden da, die ausgeprägte, edle Formen zeigen mit guten Gängen. 
Alljährlich werden 40 Arbeitsstuten von den in Szczucin aufgestellten 
staatlichen Beschälhengsten gedeckt. — Die Koniki-Zucht ist unter konse- 
quenten Ausführungen höchst interessant. 



Galizien. 213 

Name des Gestüts: DzikÖW. 

Besitzer: Graf Zdistaw Tarnowski. 

Topographisches: Dziköw als Herrschaft, liegt unmittelbar an der Weichsel 
und nimmt einen Umfang an Areal von 6000 ha ein. Das Gestüt ist 
von der Eisenbahnstation Tarnobrzeg aus nach Zurücklegung von 2 km 
Weges zu erreichen. Die Wegstrecke von Baranöw-Dziköw soll interessant 
sein, weil man von da aus ein Blick auf Russland werfen kann. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt besteht, nach den Quellen, sehr lange 
und wurden bis 1850 orientalische Blutpferde darin gezüchtet, wie dies 
in Galizien früher stets der Fall war. Hiernach entschloss man sich 
jedoch, wie in anderen dortigen Gestüten, auch zur Zucht englischer 
Pferde überzugehen, jedoch nur in kleinem Massstabe. Der Bestand ist 
zur Zeit 10 Vollblutstuten und ca. 20 Arbeitsstuten. Stuten werden 
mit 4 — 5 Jahren gedeckt. Die Hengstfohlen werden im Alter von 1 Jahr 
castrirt; sämmtliche Fohlen werden Sjährig zum Reiten vorbereitet; hier- 
nach gehen diese an neue Besitzer durch Kauf über. 

Provinz Westgalizien. Kreis Rzeszöw. 

Name des Gestüts: DylegOWka. 

Besitzer: Mary an Ritter von Jedrzejowicz. 

Topographisches: Dieses Gestüt ist durch die Eisenbahnlinie Tarnöw — 
Gryböw — Jaslo — Rzeszöw von der Station Rzeszöw aus nach Zurück- 
legung eines Landwegs von ca. 20 km zu erreichen. 

Geschichtliches: Dylegöwka war 1845 bei der Gründung ein Halbblutgestüt 
mit galizischem Typus. Den Stamm bildeten zwei Vollblut-Araberstuten 
(Schimmel). Diese reine arabische Zucht erhielt sich bis 1883, von 
diesem Zeitpunkte an wurden englische Hengste eingeführt. Von 
1846—1879 waren hier 7 arabische Vollbluthengste, von 1880—1893 
6 englische Vollbluthengste in Thätigkeit. 

Züchtung: Das Zuchtziel besteht in Erzeugung von Luxus - Reitpferden 
durch 26 Mutterstuten. Unter diesem Stutenmaterial befiuden sich seit 
1876 3 Vollblutstuten, die übrigen sind theils arabisches, theils anglo- 
arabisches Vollblut und nur einige Halbblutstuten. 

Brandzeichen: 



Wird an der linken Sattelseite angebracht. 




214 Galizien. 

Name des Gestüts: JaSlOtlka. 

Besitzer: Stanislaits Ritter von Jedrzejowicz. 

Topographisches: Durch die Eisenbalinlinie Krakau — Tarnow — Rzeszöw ge- 
langt man von letzterer Station nach Zurücklegung von ca. 10 km Land- 
vs^eg zu dem vorstehenden Gestüt. 

Geschichtliches: Wann das Gestüt wirklich gegründet wurde, ist nicht fest- 
zustellen. Der Besitzer hatte sich seit dem Jahre 1878 die Aufgabe ge- 
stellt, edle Reitpferde und nebenbei Remonten zu züchten. Es \vurden 
hierzu je 4 aus Jarczowce und Radautz stammende arabische Stuten an- 
gekauft. Dadurch wurde nach und nach auch eigne Nachzucht (Halbblut) 
erreicht, welche später 34 Stuten ergab. Zuerst wurden als Vaterthiere 
die englischen Vollbluthengste Sianczyk und Rosmarifi verwendet und 
dann die Halbbluthengste Reiver-Step und Sclodo -Krach. Die Erfolge 
waren vorzüglich. In gleichem Maasse soll die Zucht heute noch fort- 
geführt werden. 

Provinz Westgalizien. Kreis Rzeszöw. 

Name des Gestüts: TyCZyn BJala. 

Besitzer: Maryan Ritter von Jedrzejowicz, 

bezw. Graf Ludwig Wodzicki. 

Topographisches: Das hier auf einem Gute obigen Besitzers unterhaltene 
Gestüt hat gegen 200 ha Areal in Acker und Wald. Das Gestüt ist 
ca. 15 km von Rzeszöw, Stadt am Wysloka, entfernt; letztere Stadt, 
Station der Carl - Ludwigbahn , liegt westlich und gegen 100 km von 
Lemberg entfernt. 

Geschichtliches: 1848 wurde das Gestüt gegründet; es wurde dasselbe mit 
Vollblutstuten arabischer Rasse von dem Grafen Dzieduszycki zu Jarczowice 
besetzt und mit ebensolchen Hengsten gepaart (Ben-Bagdad und Junak). 
Später kamen an Stelle der Araber, englische Vollbluthengste (Lycophron, 
Lohengrin, Herold und Berück); in letzterer Zeit der Hengst Voli-mdr von 
Osireger a. d. Cuckoo von Buccaneer in dem gegen 60 Köpfe zählenden 
Gestüt. Die Mutterstuten, 16 — 18 Köpfe, sind theils arabische Voll-, 
theils englische Halbblüter. Nachzucht jährlich ca. 14 Fohlen. 

Züchtung: Die hier gezüchteten Pferde sind theils leichte Reitpferde, theils 
spanische Jucker. Zuchtziel: Deckung des eigenen Bedarfs und Ver- 
kauf vierjähriger Pferde. 



Galizien. 215 

Name des Gestüts: Gumiliska. 

Besitzer: Fürst Etistach Sanguszko. 

Topographisches: Gumniska liegt in der Nähe von Grabowka, mit einem 
Lustscliloss des Fürsten Sanguszko und schönem Garten. Dasselbe ist 
2 km von der Eisenbahnstation Tarnöw der Linie Krakau — Tarnow — 
Rzeszöw entfernt. Das Areal beträgt 1200 ha, darunter zur Hälfte Wald, 
der übrige Theil dient der Land- und Milchwirthschaft , auch befindet 
sich dort bedeutende Teichwirthschaft mit einem Areal von 110 ha. 

Geschichtliches: Die Gründung des betreffenden Gestüts reicht bis in das 
17. Jahrhundert und kann besonders hervorgehoben werden, dass in 
diesem bis in die jüngste Zeit das arabische Blut hoch gepflegt worden 
ist. Die Zuchtstuten stammten entweder direkt oder indirekt, nach 
Gassebner III, aus dem Orient, dagegen wurden aber die edelsten Hengste 
nur direkt aus der Wüste entnommen. Der Fürst Ladislaus Sanguszko 
leitete im Jahre 1836 einen geregelten Zuchtbetrieb im Gestüt ein und 
legte Gestütsbücber an. Gassebner III betont, dass durch die Gestüts- 
register die Namen der vorzüglichsten arabischen Vaterpferde bekannt 
worden seien und die Nachkommenschaft sich dadurch als eine ganz 
glänzende auszeichne. Im Jahre 1886 wurde in Gumniska plötzlich das 
englische Vollblut eingeführt, hierdurch hatte die orientalische Rein- 
zucht im Gestüt ihren grossartigen Ruf verloren. Vom Fürst von Pless 
in Louisenhof (Ober-Schlesien) wurde der englische Halbbluthengst Peter- 
hof angekauft und mit diesem gezüchtet, der infolge seiner bedeutenden 
Grösse (177 cm) und auch wegen seines geringen Blutes zu den ara- 
bischen Gestütspferden (155 — 160 cm) nicht passte. 

Provinz Westgalizien. Kreis Tarnöw. Bezirk Mielec. 

Name des Gestüts: PodleSZany. 

Besitzer: Graf Heinrich Breza. 

Topographisches: Genanntes Gestüt gehört einer grösseren Herrschaft und 
besitzt ein Areal von 408 ha. Podleszany liegt 3 km von der Stadt 
Mielec entfernt. Neuerbaute Gestütsgebäude. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1885 gegründet. Gesammtbestand 1890: 
100 Pferde, davon werden jährlich %^%^ri 25 Stuten zur Zucht verwendet. 
Dieselben sind mit Ausnahme von 3 englischen Vollblutstuten meist 
arabischen Halbblutes und nach arabischen Voll- und Halbblut- 
hengsten aus galizischen Landstuten gezogen. 

Züchtung: Zur Bedeckung der Stuten wird seit mehreren Jahren ein eng- 
lischer Vollbluthengst, Blankensee von Peru a. ^. Surprise von Glückzu 
(1890), benutzt. Jährlich werden ca. 12-15 Pferde als Reitpferde von 
edlem Blut (leichtbeweglichen) gezogen, theils zum eigenen Gebrauch, 
theils als Remonten auf den Markt zu Rzeszöw. 



216 Galizien. 

Name des Gestüts: SlemichOW. 

Besitzer: Ignaz, Felix und Thomas von Nalepa. 

Topographisches: Genanntes Gestüt befindet sich von der Bahnstation Tarnöw 
ca. 10—15 km entfernt; es ist die Herrschaft Siemichow, deren Pächter 
die genannten Herren, Gebrüder von Nalepa, sind. 

Geschichtliches: In Siemichow bestand seit längerer Zeit ein Gestüt, welches 
sich zuletzt unter der Leitung eines Herrn von Skrzynski eines guten Rufes 
erfreute. Nach dessen Tod (1851) gingen infolge Erbtheilung elf Stuten 
von hoher arabischer Abstammung in das Eigenthum der Gebr. Nalepa 
über. Es waren die Stuten: Blondyna, Gidranka, Antarka, Chansowna, 
Wegerka, Telegrafka, Dotnbrowska, Ropczycka^ Konopczanka, Zwienczyka 
und Rzczowka. Die Hengste und die übrigen Stuten, deren zuletzt gegen 
50 im Gestüt sich befanden, wurden veräussert. Im Jahre 1853 nahmen 
die beiden erstgenannten Brüder den weiter genannten Bruder, einen Ritt- 
meister, mit in den Pacht. Zu den genannten Stuten wurden noch 
9 ältere Stuten, die gross und gut geformt waren, nebst einem Hengst, 
California — nach Schamyl und der Kantarka — , gezogen bei Fürst 
Sanguszko, gekauft. Dieser hochedle Araber-Fuchshengst diente im Ge- 
stüt bis 1861 mit sehr gutem Erfolge, vererbte sich aber sehr gut. Der 
Besitzer verkaufte jedoch diesen Hengst, weil dessen Töchter zu Mutter- 
stuten herangewachsen waren und dieser deshalb Inzucht nicht treiben 
wollte; dieser ging in das Eigenthum eines Grafen Morsztyn in Polen über. 
Dafür wurde 1862 für das Gestüt aus dem Besitze des Fürsten 
Schwarzenberg der 1846 in England geborene Vollbluthengst Canadian 
gekauft, der durch seinen geraden, trockenen Kopf mit weiten Nüstern» 
feuriges Auge, kleine Ohren, schönen Ansatz des Kopfes am langen 
Halse, hohen Widerrist, schöne Schultern, Brustpartie, guten Rücken, 
verborgene Hüften, muskulöses Hintertheil und tüchtiges Fundament 
ausgezeichnet war. Die Vererbung des letzteren war aber nicht so korrekt 
wie bei California. Interessant ist ein Fall von ungewöhnlicher Lebens- 
dauer und Fruchtbarkeit zu erwähnen: es ist die im Jahre 1864 im 
Gestüte eingegangene arabische Fuchsstute Blondyna, welche 26 Jahre 
alt wurde und 19 Fohlen, nämlich 16 Stuten und 3 Hengste, zur Welt ge- 
bracht hatte. Bei der in Tarnöw 1862 stattgefundenen landwirthschaftlichen 
Ausstellung repräsentirte Blondyna^ trächtig, mit 2 trächtigen Töchtern, 
2 ebenfalls trächtigen Enkelinnen und 2 zweijährigen Urenkeln das Gestüt 
Siemichow. — Ueber längeres Fortbestehen des Gestütes von 1862 ab 
ist bis zur Zeit nichts bekannt. 

Züchtung: Der Bestand bis 1862 war: 1 Vollbluthengst (Canadian); 15 Voll- 
blutstuten, ausser den oben bezeichneten 3 zugekauften (Gosbosia, Schimmel, 
Bulanka, Falb, Polka, braun); 9 einjährige Fohlen, darunter das letzte 
Fohlen: Szatyn (braun) aus der alten Blondyna von Canadian; 8 zwei- 
jährige Fohlen; 13 dreijährige Fohlen (wo die Töchter des Califortiia 
als Mutterstuten erschienen und auswärts gedeckt wurden); 8 vierjährige 
Pferde. Die Produkte nach California waren meistens egale Wagenpferde, 
die nach Canadian versprachen tüchtige Reitpferde zu werden. 



Galizien. 217 

Name des Gestüts: BaratlÖW. 

Besitzer: Stanislaus Ritter von Doldnski. 

Topographisches: Die Herrschaft umfasst ein Areal von 4000 ha und liegt, 
mit schönem Schloss, an der Weichsel. Schwerer, fruchtbarer Boden, 
üppige Wiesen und Weiden, sowie kolossale Waldungen. Von der Station 
der Carl Ludwig-Bahn zu erreichen. Schloss, früherer Sitz der Könige 
von Polen, mit historischen Erinnerungen. 

Geschichtliches: Seit 1878 wird hier die Pferdezucht mit einem Stamm von 
20 Stuten dortigen Landschlages, die mit Hengsten des Halbblutes von 
ßadautz, Przybzszövka u. A. belegt wurden, betrieben, um Remontepferde 
und eigene Wirthschaftspferde zu erzielen. 

Ausser diesen werden jährlich einige Stuten von den englischen 
Vollbluthengsten Corsar, Lohengrin und Albio7i gedeckt. Gegenwärtig 
sind nur 2 Vollblutbeschäler llmur, vom Staat gemiethet und The Farmer, 
Eigenthumshengst, aufgestellt, die 16 Gestüts- und einige 50 Arbeits- 
stuten zu decken haben. 

Die abgesetzten Fohlen, nach Jahrgängen und nach Geschlecht ge- 
trennt, kommen von Baranöw nach dem 2 km von da abliegenden Meier- 
hof Draytrow, woselbst diese sich im Hof frei bewegen können. Hiernach 
kommen sie auf eine grosse Weide an der Weichsel. Die Fohlen sollen 
sich hier sehr schnell und kräftig entwickeln. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung von Remontepferden. 
Provinz Westgalizien. Kreis Tärnöw. 

Name des Gestüts: GrOmnlk. 

Besitzer: Frau von Dzwönkowska. 

Topographisches: Die Herrschaft Gromnik, Station an der Eisenbahnlinie 
Tarnöw — Grybow — JasJo — Rzeszöw, liegt in einem Thale an den Ufern 
des Gebirgsflusses Beata. Bodenbeschaffenheit gut; Wiesen und Gestüts- 
weiden vorzüglich. 

Geschichtliches: Das Gestüt soll eines der ältesten Galiziens und die Grün- 
dung desselben 1805 erfolgt sein. Der Gatte obiger Besitzerin, Eduard 
von Dzwönkowski, hatte das Gestüt von seinem Vater in sehr gutem 
Zustande übernommen; bei der Uebernahme befanden sich um jene Zeit 
Mutterstuten arabischer Abkunft. Seit dem Jahre 1808 — 1860 sind im 
Gestüt ganz zuverlässige Gestütsregister geführt worden. Aus diesen hat 
man entnommen bezw. festgestellt, dass die ersten Mutterstuten aas den 
ältesten polnischen Gestüten stammten und zwar vorherrschend aus dem 
Gestüte des Fürsten Sanguszko und den damals berühmten Gestüten der 
Grafen Dzieduszycki, Lewicki, Morski, Fürst Lubomirski, Graf Kicki etc., 
auch sollen die meisten Deckhengste daher gekommen sein. Im Jahre 



218 Galizien. 

1818 wurde dem Gestüt Gromnik der englische Vollbluthengst Brillant 
zugebracht, der sich vorzüglich vererbt hat. Zu jener Zeit besass das 
Gestüt gegen 80 Mutterstuten, sowie den Vollbluthengst Brillant und 
den Original -Araber Ali, welchen letzteren Baron Fechtig dem Gestüte 
Gromnik zubrachte und diesen ca. 6 Jahre darin decken liess; ferner 
brachte dieser dem Gestüte während der folgenden 5 Jahre den braunen 
englischen Vollbluthengst Samhan, dann den arabischen Vollbluthengst 
Telegraf, dann O Bajan und Gambach, englischer Abstammung, zu. Ferner 
deckten dort gegen Ende der 1840 er Jahre der englische Vollbluthengst 
Sir David, der im Gestüt 13 Jahre thätig war, aber auch 1848 auf der 
Rennbahn in Wien mit Erfolg gelaufen ist. 

Die Pi'odukte des Gestüts Gromnik wurden hart erzogen; die Lage 
des Gestüts war dazu beschaffen. Die Fohlen wurden nach Schluss des 
zweiten Jahres zu verhältnissmässiger Thätigkeit und suecessiver Arbeit 
angehalten, damit sie vierjährig mannrittig, fromm und andauernd leistungs- 
fähig wurden. Jährlich kamen durchschnittlich gegen 20 Fohlen zur 
Aufstellung. Bis gegen 1885 hatte das Gestüt die Blüthe erreicht. 
Während bis zu dieser Zeit die Grotnniker Pferde durch Grösse, Stärke 
und eigenartigen für sie günstigen Typus sich auszeichneten, gingen diese 
guten Eigenschaften zurück, weshalb die Besitzerin sich veranlasst fühlte, 
gegen Ende 1894 das Gestüt aufzulösen. 



Provinz Westgalizien. Kreis Tarnöw. 

Name des Gestüts: LubäSZ. 

Besitzer: Riffer von Bogusz. 

Topographisches: Die Herrschaft Lubasz umfasst ein Areal von ca. 1000 ha. 
Das Gestüt ist von der Eisenbahnstation Tarnow aus, der Eisenbahnlinie 
Krakau — Tarnöw — Rzeszöw, nach Zurücklegung einer Wegstrecke von 
über 30 km zu erreichen. Die Vegetation ist sehr gut; die Länder- 
strecken befinden sich an der Weichsel ausgebreitet. Weiden sehr üppig. 

Geschichtliches: Alexander Ritter von Bogusz, der Vater des gegenwärtigen 
Besitzers, gründete Mitte der 1860 er Jahre das Gestüt mit einigen gali- 
zischen Stuten, die dieser von einigen guten Vaterpferden, Jametro (Araber- 
hengst) von Mohort (vom Original- Araber abstammend) und Selim (Araber- 
Schimmelhengst), decken liess. Die Erfolge waren sehr gut. Von ersterem 
Hengst stammen hauptsächlich die gegenwärtigen Stuten; davon bilden 
4 Stuten den heutigen Gestütsstamm. 1886 kam der englische Vollblut- 
hengst Bar hinzu, wodurch das Vollblut im Gestüt eintrat. Hiernach 
kam der orientalische Halbbluthengst 419 Mac Mahon, 1893 Flintsione 
(englisches Vollblut) und 1895 der englische Vollblut-Staatshengst Stro?ig 
wegen der Rennzwecke hinzu. Ausser einigen 20 Arbeitsstuten werden 
nur 8 — 10 Zuchtstuten gehalten, 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung von Remonten, bezw. Renn- und Privat- 
Reitpferden. 



Galizien. 219 

Name des Gestüts: BällCG. 

Besitzer: Bronislaiis Ritter von Skibniewski. 

Topographisches: Das Gestüt liegt an der Eisenbahnlinie Jaroslau— Pi-zemysl— 
Leinberg, ca. 10 km von der Eisenbahnstation Medyka entfernt. 

Geschichtliches: Die Zeit der Begründung ist unklar; es werden daselbst 
einige 20 Stuten orientalischer Rasse zur Zucht gehalten, wozu ein Mieth- 
hengst dient; in letzter Zeit: 22 El Bedavy XXVII, ein arabischer Hengst. 

Züchtung: Zuchtzweck: Leichte Reit- und Wagenpferde und die Zucht von 
Arbeitspferden für den eigenen Bedarf. 

Provinz Westgalizien. Kreis Krakau. 

Name des Gestüts: WrÖblOWice. 

Besitzer: Ritter von Tabaczynski. 

Topographisches: Wi-6blowice liegt im Dunajec-Thale zwei Stunden von 
der Bahnstation Bogumitowice und 2 Y2 Stunden von Tarnöw entfernt. 
Eine grosse im Thal gelegene Wiese, die eingezäunt und in 4 Abtheilungen 
durch Barrieren getheilt ist, wurde seit Ende der 1850 er Jahre wegen 
Unzulänglichkeit der Gebirgsweide als solche benutzt. 

Geschichtliches: Obiger Besitzer wohnte ehedem im Jasloer Kreis und be- 
trieb dort mit kleinen polnischen Stuten und orientalischen Hengsten 
Zucht für den eigenen Bedarf. Er siedelte infolge Kaufs Wröblowices 
1857 nach letzterem Ort über, um daselbst grössere Pferde, als von ihm 
bisher in JasJo, zu züchten, von 1860 ab zu den von Ibrahim und Nazyr 
stammenden, grösseren Arbeitsstuten, 12 an der Zahl, noch 12 grosse 
dergleichen anzukaufen und diese zur Zucht nur zu verwenden. Es 
wurden daher um jene Zeit 6 Stuten in Radautz und weitere 6 der- 
gleichen in umliegenden Gestüten angekauft, die den Grund zum Gestüte 
bilden sollten. 

Während der Jahre 1860 und 1861 wurden für diese 12 grossen 
Stuten der arabische Vollbluthengst Cah/orfüa aus dem Nachbargestüt 
Siemichow und für den kleineren Schlag der ärarische Beschälhengst 
Gambach, geboren im Gestüt Gromnik, verwendet. Die Produkte dieser 
beiden Hengste waren sehr gut ausgefallen. Die nach California gefallenen 
:= 1,68 m hoch, mittelgross, waren von schönem Exterieur und stattliche 
Wagenpferde; die nach Gambach zeigten viel Temperament und gefällige 
Formen, schöne Gänger, gedrungener Bau und niedrige starke Beine und 
eigneten sich zu Reitpferden. Gambach selbst soll ein leichtes Pferd 
gewesen sein. Im Jahre 1862 deckten: der englische Original -Hengst 
Canadian, sowie der gemiethete, ärarische Araber Saj'dan, 1863 Canadian 
und der eigene Vollblut- Araber Dzelabi^ 1864 Huluk und Aristokrat. 



220 Galizien, 

Um jene Zeit war der Stand: 

1 Beschälheugst: Solferino (braun), geb. 1864, nach Canadian 
und der El Bedavy; 
25 Mutters tuten ; 
40 Fohlen verschiedener Jahrgänge (ein- und vierjährig). 

Provinz Westgalizien. Kreis Krakau. Bezirkshauptmannschaft Dabrowa narodowa. 

Name des Gestüts: StUpleC. 

Besitzer: Ritter Severin von Kisielewski. 

Topographisches: Betreffendes Gut, auf welchem bezeichnetes Gestüt ein- 
gerichtet, liegt ca. 20 km von der Eisenbahnstation Mielec der Carl 
Ludwig-Bahn; Areal über 300 ha. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde 1859 angelegt; es besteht dasselbe 
heute noch. Der grösste Theil der hier gezüchteten Pferde ist arabischer 
Abkunft Anfang der 1890 er Jahre hatte das Gestüt einen Bestand von 
80 Pferden, davon unterhält dasselbe ca. 20 Mutterstuten, die zum. 
grössten Theil von dem arabischen Vollbluthengst Panicz stammen. 
Daneben besteht noch eine Anzahl Stuten mit englischem Typus, die 
von dem englischen Vollbluthengst Stanczyk von Bois Roussel er- 
zeugt wurden. Die Zuchtverhältnisse zwischen Halbblut und Vollblut 
sind sehr günstige. Füchse bezw. Rothschimmel. 

Fohlen werden jährlich etwa 10 — 12 geboren. Die hier gezogenen 
Pferde sind ausdauernd, haben schönen Halsaufsatz, sind kräftig, breite 
kurzgefesselt. 

Züchtung: Ausnutzung: Deckung des eigenen Bedarfs (Arbeits- und Luxus- 
pferde), Abgabe, bezw. Verkauf von Remonten. 

Provinz Westgalizien. Kreis Krakau. 

Name des Gestüts: DabrOWa. 

Besitzer: Romuald Ritter von J/Vojciechowski. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist von der Eisenbahnstation Trzciana 
aus, der Eisenbahnlinie Krakau — Tai'nöw — Rzeszöw, nach Zurücklegung^ 
eines Weges von ca. 3 — 4 km zu erreichen. 

Geschichtliches: Dasselbe ist nach Gassebner HI im Jahre 1856 von bezeich- 
netem Besitzer gegründet worden. Bei dieser Gründung wurden arabische 
Hengste zum Belegen verwendet; später kamen jedoch englische Staats- 
Hengste für einige 20 Anglo-Araberstuten in Verwendung. 171 Kupon^ 
Indulo, gezogen 1880 von The Palmer aus der Theresa von King Tom\ 
1895: 317 Sygnet, Halbblut. 

Züchtung: Zweck der Züchtung ist Luxuspferde und Remonten zu erzielen 
und 3jährig abzugeben. 



Galizien. 221 

Name des Gestüts: GÜny WJelky. 

Besitzer: Josef Ritter von Kierwinski. 

Topographisches: Das Gestüt liegt von der Eisenbahnstation Mielec der 
Debica-Rozwadövver Eisenbahnlinie ca. 13 km entfernt. 

Geschichtliches: Das Gestüt ist seit dem Jahre 1874 in Betrieb; es wurde 
von jeher mit Pferden des stärkeren Reit- und Wagenschlages besetzt. 
Zuerst waren orientalische Stuten eingeführt und wurden diese durch 
englische Vollbluthengste belegt. Von der Gründung bis heute (1899) 
wurden in Gliny wielky nachstehende Beschäler verwendet: Y. Daniel, 
O'Rourke, Jastrzembiec, Kniaz, Herold, Giles the Third. Es werden ge- 
wöhnlich gegen 12 Stuten zu Gestütszwecken gehalten, die allerdings mit 
angespannt werden, ausser den anderen Pferden, für die Oekonomie — 
Nach dem Absetzen werden die Fohlen auf Meierhof Gliny maly gebracht 
und dort während des 1. Lebensjahres nur mit Hafer gefüttert; dann 
auf Weiden gebracht und später mit Rauhfutter und Möhren genährt. 
Vierjährig werden die Stuten gedeckt. Die Zuchtthiere sollen bedeutende 
Brusttiefe zeigen, soliden Bau und gute Gänge haben. 

Züchtung: Zuchtzweck ist: ein gutes, kräftiges Kutschpferd zu ziehen 
und ein edles Kavalleriepferd abzugeben. 



Provinz Westgalizien. Kreis Jaslo. 

Name des Gestüts: GÖPki. 

Besitzer: Ladislaus Ritter von Rydel. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt von der Eisenbahnstation Mielec, 
der Debica — Rozwadöwer Eisenbahnlinie, 16 km entfernt; Von dem Gestüt 
Gliny wielky jedoch nur 3 km südlich. 

Geschichtliches: Das Gestüt (Halbblutgestüt) wurde gegen das Jahr 1832 
gegründet. Von dieser Zeit ab wurden orientalische Stuten von ara- 
bischen Hengsten gedeckt; später bediente man sich jedoch des englischen 
Vollblutes und benutzte dazu die Hengste des Nachbargestütes: Y. Daniel, 
O'Rourke, Jastrzembiec und Kniaz. Durchschnittlich werden zu dieser 
Zucht 20 — 30 Stuten von den genannten Hengsten gedeckt; von diesen 
hat sich Kniaz sehr gut vererbt und werden von diesem stammende 
Hengste zur Zucht auswärts vei'wendet. Fohlen werden im ersten Lebens- 
jahr nach dem Absetzen nur mit Hafer gefüttert, dann, ausser der Weide, 
mit Rauhfutter und Möhren ernährt. Es werden von hier Fohlen für 
das Remonte-Depöt abgegeben und 4jährig entweder als Luxuspferde oder 
als Remonten verkauft. 

Züchtung: Zuchtziel: Zucht von Luxuspferden und Remonten. 



222 Galizien. 

Name des Gestüts: CzndGC. 

Besitzer: Josef, Ritter von Wictov. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt, sowie der Marktflecken Czndec sind 
Eisenbahnstationen der Eisenbahnlinie Tarnöw — Gryböw — Jaslo — Ezeszöw. 
Der Ort ist mit schönem herrschaftlichen Schloss und ebensolchen Garten- 
anlagen geziert. 

Geschichtliches: Das zu Czndec bestehende Gestüt ist nur mit 5 Mutterstuten, 
arabischer und englischer Rasse, bestellt; darin werden aber auch gegen 
50 Arbeitsstuten gehalten, die je ein Jahr um das andere gedeckt werden. 
Für erstere Stuten, die hochgezogene Ai-aberinnen sind, wurden anfangs 
von Araber und Lippizaner Hengsten gedeckt, wie Schagya, Maestoso, 
Dahoman und Napoliiatw-Superbo-, von 1890 an der Norfolker 48 Dexier; 
1893 Staatshengst 159 Gidrati. 

Züchtung: Zuchtziel besteht in Produktion von Kavalleriepferden, die 
3 jährig für Depots und 4 jährig zum Reitdienst vorbereitet werden. 



Provinz Westgalizien. Kreis Jaslo. 

Name des Gestüts: ModGrÖWka. 

Besitzer: August Korczak Ritter von Gorayski. 

Topographisches: Das Gestüt liegt etwas abseits von den Hauptverkehrs- 
wegen, ist jedoch aber am leichtesten durch die Eisenbahn von Tarnöw — 
Gryböw — JasJo — Rzeszöw von der Eisenbahnstation Moderöwka aus zu 
erreichen. 

Geschichtliches: Das hier betriebene Gestüt wurde von dem Vorgänger des 
gegenwärtigen Besitzers 1840 begi'ündet mit dem Prinzip, beziehentlich 
der damaligen Sitte des Landes, arabische Zucht zu treiben. 1869 
ging die Zucht hier jedoch zum englischen Blute über. „Kasbek", 
Hailafi, Bagdad und Ibrahim (1840 — 1868), arabische Beschäler; Oakball, 
Standard, „Reginald", Alfort und Benhur (1869 — 1895), englische Voll- 
blutbeschäler. Kasbek und Reginald, ersterer als Stammvater, hatten sich 
am besten bewährt und dadurch den Zweck des Rennpferdes erreicht. 
Das Gestüt enthielt 1896 ca. 25 Mutterstuten. Die Pferde sind sehr 
berühmt; auf Ausstellungen wurden einzelne hoch ausgezeichnet. 

Züchtung: Rennpferde (Hengste) werden der Regierung zur Zucht angeboten, 
die übrigen Pferde an Kavallerieoffiziere und an die Remonten - Assent- 
kommission verkauft. 



Galizien. 223 

Name des Gestüts: Nlzlny, 

Besitzer: Roman Ritter von Rydel. 

Topographisches: Das Gestüt ist unter Benutzung der Eisenbahn Dembica — 
Rozwadöw von der Eisenbahnstation Jaslany aus nach Zurücklegung eines 
Weges von 6 km leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde 1832 mit dem Gestüt Görki (siehe 
dieses) von einem Herx'n Bonaventura von ßydel gegründet. Beide Ge- 
stüte hatten damals gleiches Zuchtmaterial von gleicher Herkunft und 
daher gleiches Zuchtziel, und zwar von der Gründung an arabisches 
Vollblut, welches Ende der 1860er Jahre durch englisches dergleichen 
verdrängt wurde. Aufgestellt sind 12 Mutterstuten, ausserdem werden 
18 — 20 Arbeitsstuten mit gedeckt. Hauptbeschäler ist der Staatshengst 
Haudegen 247 in Radautz. Niziny hat sich in züchterischer Beziehung 
einen Vorzug Görki gegenüber erworben; es soll dies der Fall deshalb 
sein, weil wegen der guten Weiden die Pferde sich besser entwickelten. 

Züchtung: Zuchtziel: Luxuspferde und Remonten. 



Provinz Westgalizien. Kreis Brzesko. 

Name des Gestüts: DobnO. 

Besitzer: Edmund, Ritter von Jastrzebski. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt ist nach Zurücklegung von ca. .5 km 
Landwegs von der Eisenbahnstation Biadoliny, der Eisenbahnlinie Krakau — 
Tarnöw — Rzeszow zu erreichen. Das Gestüt liegt zumeist auf einer Hoch- 
ebene. Es sind wenig Weiden vorhanden. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1851 begründet und darin mit veredelten 
Landstuten gezüchtet, dabei aber mittelst Einführung arabischer 
Stuten dasselbe verbessert. Bis 1864 hob sich obiges Gestüt mehr und 
mehr; bis dahin waren 16 Vollbluthengste und einige 40 Vollblutstuten 
eingeführt, sowie ein Fohlenbestand von ca. 40 Stück vorhanden. Das 
Hengstmaterial bestand zuerst in Abdel Kader und dessen Nachkommen, 
Frince-Regent, Calerera, Abuleli in Arabien gezogen; bei den Stuten sind 
die Nachkommen von Eclips, Znicz, Nigl, Nezdy und Hailan zu erwähnen. 
Das Gestüt hält stets auf wirklich echtes Blut. Ausser dem Voll- 
blut deckten noch eine grosse Anzahl im Gestüt regelrecht gezogener 
Halbbluthengste. 

Züchtung: Zuchtziel ist: Produktion von Landbeschälern, Luxuspferden 
und Remonten, sowie Abgabe 3 jähriger Fohlen an die Remonten-Depöts; 
hierzu befinden sich in letzter Zeit zwei vom Staate gemiethete Hengste 
und gegen 100 .Mutterstuten im Gestüt. 



224 Galizien. 

Name des Gestüts: MarkUSZOWa. 

Besitzer: Stanislatis, Ritter von Wasilewski. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist von der Eisenbahnstation Wiszniowa 
am Wislok, der Eisenbahnlinie Tarnöw — Gryböw — Jaslo — Rzeszow, nach 
Zurücklegung von ca. 4 km Weges zu erreichen. Weiden fehlen; Aus- 
läufe der Stuten an den Ufern des Wislok; ausschliesslich Stallfütterung. 
Nach Absetzung der Fohlen (nach 6 Monaten) werden diese, in dem zur 
Herrschaft gehörigen Gestütshof Pstragowa gebracht, daselbst befindet 
sich ein Laufstall. 

Geschichtliches: Vom Jahre 1859 ab Hess der Vater des vorstehenden Be- 
sitzei's jährlich einige Stuten von Landesbeschälern decken; bis zum Jahre 
1883 wurde daselbst die Pfei'dezucht in dieser einfachen Weise betrieben. 
Von 1884 ab wurde die Gestütsführung geregelt und zunächst hoch im 
Blute stehende, arabische Stuten aus Jarczowice, welche anfangs durch 
den Halbbluthengst Gidran, 242 El Bedavy X077 und 247 Haudegen 
belegt wurden. 1891 folgte der Vollbluthengst Ernani\ 1895 der Staats- 
hengst Alces, englisches Vollblut. 

Züchtung: Zweck: Luxuspferde und Remonten zu erzeugen. Jährige Hengst- 
fohlen werden kastrirt. 

Provinz Westgalizien. Bezirk Tarnobrzeg. 

Name des Gestüts: GrObÖW. 

Besitzer: Heinrich Ritter von Dotänski. 

Topographisches: Der Ort Greböw, worin bezeichnetes Gestüt angelegt, ist 
ein grösseres Dorf. Das Areal der Herrschaft beziffert sich auf 3500 ha, 
wovon über 1000 ha Wiesen, 200 ha Weiden und das übrige haupt- 
sächlich Waldungen ausmachen. Das Gestüt liegt 16 km von der Eisen- 
bahnstation Tarnobrzeg entfernt. Der Gestütshof zeigt 3 Stallungen, die 
Mutterstuten müssen alle arbeiten. Der Boden besteht aus Sand und 
zum Theil aus Moor. Die Weiden sind gut und reichlich und vom 
Sommer bis zum Herbst besetzt. Die Fohlen verbleiben bis zum Spät- 
herbst dort. 

Geschichtliches: Obiges Gestüt wurde von dem Besitzer, nach Gassebner HI, 
im Jahre 1881 angelegt und mit 9 in Radautz angekauften Araber- und 
Lippizaner Stuten, denen 1883 noch 10 dergleichen Stuten folgten, be- 
setzt. Hengste wurden hauptsächlich aus Radautz übernommen. Der 
Besitzer war Freund des arabischen Bluts, musste aber wegen Mangel 
an solchem zu englischen Hengsten übergehen. 

Radaützer Hengste waren: 91 Hadudi II, 73 Y. Meteor^ 
50 Nonius XX., 148 Antonius, 212 Labancz. Letzterer Hengst ist gegen- 
wärtig noch im Gestüt thätig. Die Zuchtstuten gehören dem leichten 
Schlag an und sind sehr edel; davon werden jährlich 40 — 45 gedeckt. 
Ausser letzteren werden 4 — 5jährige Pferde an Kavallerie -Offiziere und 
die Remonte -Kommission abgegeben oder auf den Märkten verkauft. 



Galizien, 225 

Name des Gestüts: SufCZyn. 

Besitzer: von Wykowskt. 

Topographisches: Genannter Gestütsort liegt ca. 10 km von der Bahnstation 
Slotwina entfernt. Nach Benützung eines guten dahinführenden Weges 
erreicht man denselben nach einer Stunde. Die Herrschaft zeigt hügeliges 
Terrain, Lehmboden; in den Niederungen humusreichen Boden. Wiesen 
gering; viel Kleebau mit Gras. 

Geschichtliches: Das hier betriebene Gestüt besteht seit 1820; dasselbe 
besass stets einen Stand von Mutterstuten veredelter inländischer Abkunft, 
auf welche nur Orientalhengste erster Klasse zur Reproduktion verwendet 
worden sind. 1859 deckten bei dem Stande von 30 Mutterstuten 
3 Hengste im Gestüt: 

1. der englische Vollbluthengst Firmament wurde durch Fürst 
Sapieha 1858 gekauft und war ein Renner ersten Ranges 
auf der Lemberger Bahn; 

2. der Araberhengst Szaik, welcher vom Orient eingeführt wurde; 

3. der englische Halbbluthengst Kahrera, Sohn des Vollblut- 
hengstes Kabrera und einer vortrefflichen Orientalstute Koza. 

Die früheren Reproduzeuten waren meistens Hengste aus dem Ge- 
stüt des Fürsten Sanguszko; der berühmteste davon war Janezar. Das 
Gestüt des Grafen Julius Dzieduszycki lieferte die Deckhengste Kapital, 
Szampion, und den Vollbluthengst Kabrera erkaufte für das Gestüt Fürst 
Franz zu Lichtenstein; dieser Hengst leistete darin 22 Jahre die erspriess- 
lichsten Dienste. Die vorherrschende Farbe war seiner Zeit Braune und 
Schimmel, wovon die meisten zu Reitpferden sich eigneten. 
Züchtung: Die Pferde zeichneten sich besonders durch festen Knochenbau, 
sowie durch eine sehr gefällige Figur und leichtes Gehwerk sowie 
durch viel Temperament bei Frömmigkeit aus. 1861 bis einschliesslich 
1864 war der Bestand des Gestüts: 4 Hengste, 25 meist Halbblutstuten 
und ausserdem 86 junge Pferde eigener Zucht. — Ob das Gestüt gegen- 
wärtig noch besteht, konnte nicht ermittelt werden. 

Provinz Westgalizien. Kreis Wadowice. 



Name des Gestüts: Barwald. 

Besitzer: Ladislaus von Siemonski, 

Topographisches: Der Ort Barwald, welcher an der Wien — Lemberger 
Strasse liegt, ist von Krakau, wenn inzwischen dorthin eine Eisenbahn 
noch nicht erbaut worden ist, in 3 — 4 Stunden zu erreichen. Das 
Terrain ist hügelig und die Vegetation für die Ernährung von Pferden 
günstig. Es bestehen Sommerweiden und wird Klee als Winterfutter 
verabreicht. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde vom bezeichneten Besitzer Mitte 
der 1850 er Jahre gegründet; es wurden von Beginn an dort tüchtige 
ausdauernde Gebraiichspferde unter besonderen Konsequenzen mit Erfolg 

Bräuer, Gestüte. 15 



226 Galizien. 

gezogen. Die Mutterstuten werden fortwährend zu leichten Wirthschafts- 
arbeiten verwendet und nur erst ca. 4 Wochen vor dem Abfohlen in die 
bereits zu diesem Zwecke vorhandenen Ställe gebracht. Nach Ablauf 
dieser Frist kehren die Mutterstuten wieder zur Arbeit zurück. Im 
Alter von 5 — 6 Monaten nach der Geburt werden die Fohlen den 
Müttern entzogen. Nach dem 1. Lebensjahre erhalten diese reichlich 
Hafer und Heu, auch etwas Bohnen und werden mit auf die Weide ge- 
bracht. Während des Winters bleiben die jungen Thiere, auch bei 
Schnee und Regen, während des ganzen Tages im Freien und werden 
nur Mittags zur Fütterung nach dem Stalle getrieben. Im 2. Jahre^ 
vom Herbste ab, erhalten die Pferde Roggen- oder Weizenkleien und 
Häckerling, nach dem 3. Jahre Heu und Stroh nach Belieben. 4jährig 
werden die Pferde aufgestellt und den Winter über angeritten. 

Diese Pferde eignen sich meistens zum Reitdienst, sie sind durch 
starken Gliederbau, schönen Gang und konstanten Typus ausgezeichnet 
und sind sehr fromm. Stammvater: Hengst Pelignon nach Champagjie 
des Grafen Henckel von Donnersmark aus der Alexandra des Grafen 
Branicki; 20 — 24 Mutterstuten der Landrasse Trakehner Halbblut und 
anderen Halbblutes. 



Herzogthum Bukowina. 



Provinz Czernowitz. Kreis Suczawa. 

Name des Gestüts: KaÜneStie, 

Besitzer: Gustav Marin. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt ca. 10 km von der Eisenbahn- 
station Hatna, der Lemberg — Czernowitz — Jassyer Bahn. 

Geschichtliches: Das Gestüt besteht seit 1860; es wurde um diese Zeit mit 
12 in Radautz angekauften arabischen Halbblutstuten besetzt und dafür 
die Landbeschäler benutzt. Bis 1866 hielt das Gestüt ein Bestand von 
20 Mutterstuten und 42 Fohlen. Durch ein fremdes Pferd wurde 1866 
die Rotzkrankheit unter die Gestütspferde übertragen; es fielen dadurch 
60 Pferde und Fohlen; 2 Pferde blieben gesund. Nach Verlauf von 
zwei Jahren wurde die Zucht wieder aufgenommen; 1869 wurden dafür 
in Radautz wieder arabische Mutterstuten als Stamm der dort gegenwärtig 
noch bestehenden Zucht angekauft. Als männliche Thiere wirkten anfangs 
arabische Hengste, dann Normänner und jetzt englische Vaterpferde. 



Bukowina. 227 

Nach Gassebner finden sich in den Gestütsregistern die Namen: El Bedavy, 
Siglavy, Turchmeft, Favory, Gidran, Dahoman, Franc-Tireur, Nonius, 
Przedswit und Furioso. 

Im Jahre 1892 betrug der Mutterstutenstand 26 Stück, der wegen 
mangelnden Absatzes im selben Jahre auf 9 vermindert wurde. 
Züchtung: Die in Kalinestie gezogenen Pferde sind schön gestaltete, feste, 
widerstandsfähige Thiere, die als Reit- und Wagenpferde in sehr gutem 
Ruf stehen. 

Provinz Czernowitz. Kreis Zastawna. 

Name des Gestüts: Ober-ScherOUtZ. 

Besitzer: Adelbert Ritter von Zadurowicz, 

Topographisches: Das Dorf mit dem Gestüt befindet sich im nördlichsten 
Theil der Bukowina zwischen Kotzmann und der galizischen Grenze. — 
Das Gestüt ist per Eisenbahn von Czernowitz in 10 km, von anderer 
Station aus auch in kürzerer Zeit zu erreichen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte im Jahre 1868 und 
stellte der Besitzer sich die Aufgabe, ein orientalisches Gestüt zu 
schaffen, worin grosse, mächtige Araber gezüchtet werden sollten, wie 
ehedem solche in Radautz gezüchtet wurden. Die dazu erworbenen 
Stuten stammten aus Radautz, welche von arabischen Hengsten {Samhan 
und El Bedavy als vorzügliche zu nennen) belegt wurden. In neuester Zeit 
wurden 8 Mutterstuten mittelschweren Reitschlages in Ober-Scheroutz 
aufgestellt (6 von El Bedavy, 1 von Samhan I und 1 von Conservano 11)^ 
die vorwiegend von brauner Farbe sind. Diese werden von Araber- 
hengsten gedeckt, die auf der Beschälstation Rohozna aufgestellt sind. 
Das Gestüt wird sehr rationell betrieben; die örtlichen Verhältnisse sind 
für die Zucht günstig. — Die Pferde kommen 3 Y2 jährig zur Aufstellung 
für den Verkauf; die Abnahme soll aber schwierig sein. 

Provinz Czernowitz. Kreis Czernowitz. 

Name des Gestüts: RcLClautZ (k. k. Staats-Gestüt). 

Besitzer: Staats -FiscMS. 

Topographisches: Radautz in der Bukowina hat 12 895 Einwohner und 
liegt ca. 60 km südlich von Czernowitz, Eisenbahnstation Hadikfalva- 
Radautz, der Lemberg — Czernowitz — Jassyer Eisenbahn. Seit 1889 ist 
das Gestüt mit der Stadt Radautz durch eine Lokalbahn verbunden. Das 
Klima ist rauh, jedoch gesund. Der Boden ist grösstentheils fruchtbar, 
Areal im Ganzen 9810 ha, theils gebirgig. Luczyna liegt bis 1590 m 
über dem Meeresspiegel, theils eben und. niedriger bis zu 316 m. Den 
grössten Theil des Areals durchläuft ein Fluss, Namens Suczawa. Radautz 
grenzt an Siebenbürgen, Ungai-n, Galizien, Moldau und Wallachei.' 

15* 



228 Bukowina. 

Genanntes Gestüt ist in 5 Wivthschaftsbezirke eingetheilt und zwar: 
Kadautz mit über 1390 ha, 
Mittoka „ „ 1039 „ 
Fratantz „ „ 868 „ 
Prädit „ „ 1175 „ 
Frassin „ „ 5285 „ 
wovon letztgenannter Bezirk im Karpathengebirge sich befindet, daher in 
dem Areal auch die Wald- und Weidekomplexe inbegriffen sind. 

Die Gestütshöfe heissen und sind von Radau tz nach km entlegen: 
Wadu-Vladika, 1,9 km von Radautz, 3. Muttergestüt; 

„ 5 Muttergestüt; 

„ Stutenjahrgang; 

„ 6. Muttergestüt; 

„ 2. Muttergestüt; 

„ 1. Muttergestüt; 

„ Hengstenjahrgang; 

„ 4. Muttergestüt; 

„ Hengstenjahrgang; 

„ Stutenjahrgang; 

„ Hengstendepötposten für die 

Bukowina (74 Hengste); 
„ Hengstenjahrgang; 

„ Stutenjahrgang; 

„ Etappenstation; 

„ Stutenjahrgang; [weide. 

„ Huzulengestüt,Hochgebirgs- 

Die mit * bezeichneten Gestütshöfe sind Sommerweidestationen im Gebirge. 

Geschichtliches: Die Gründung erfolgte 1792. Das Areal war nach Mayr 
und Gassebner I vorher Eigenthum des griechisch- orientalischen Religions- 
fonds, sammt 4 Klöstern: Putna, Suczawitza, Solka und St. lUie, mit 
griechischen Mönchen, die der nicht unirten Kirche angehörten. Im 
Jahre 1785 wurden diese Klöster von der Regierung säkularisirt und 
von letzterer administi-irt. Später gingen diese Besitzungen an den 
Bukowinaer Religionsfond über. 

Züchtung: Der Urstamm dieses Gestüts wurde hauptsächlich aus Pfei'den aus 
Persien, Cirkassien, der Moldau, Ukraine, aus Astrachan und dem Kaukasus 
gebildet, seiner Zeit auch m'it halbwilden Pferden, die später mit sieben- 
bürgischer, türkischer und Lippizaner Rasse vermischt wurden. Das erste 
bedeutende Vaterpferd war der Berberhengst Barberino, der 1802 aus dem 
Gestüt des Grafen Johann Bethlen in Siebenbürgen angekauft wurde, 
später wurden meistens Hengste orientalischer Abkunft zur Zucht verwendet. 
Original- und Vollblutaraber wurden aus Bäbolna und Piber und nur 
Maestoso aus Lippiza dem Gestüt Radautz überwiesen. Ferner erhielt 
es von Mezöhegyes die Normännerrasse Nonius; dann mehrere Original- 
Araber mit berühmten Namen: Schagya, Gidran, Feridjan, Fedchan, 
El Bedavy, Tscheleby; während der 1850er Jahre begann man jedoch 
Vaterpferden englischer Abstammung sich zuzuwenden. 1856 wurde durch 
Errichtung des Huzulengestüts in der Lucyna die Landespferdezucht, die 
hier zurückgegangen war, neu gehoben. 



Milleschoutz, 


7,6 „ 




Burla, 


y,o „ 




Mittoka, 


9,5 „ 




Horaitza, 


13,5 „ 




Ogordomnesk, 


15,2 „ 




Voitinell, 


13,3 „ 




Alt-Prädit, 


13,3 „ 




Neu- Prädit, 


11,4 „ 




Hardeggthal, 


13,3 „ 




Ober-Wikow, 


24,0 „ 




« 

Frasin, 


44,0 „ 




Tabora, * 


48,0 „ 




Seletyn, * 


65,5 „ 




Iswor, * 


83,5 „ 




Luczyna* 


101,5 „ 





Bukowina. 229 

Von 1862 — 1892 wurden in Radautz Hengste folgender Schläge 
benutzt: 33 arabischen Halbblutes, 11 arabischen Vollblutes, 14 englischen 
Vollblutes, 14 englischen Halbblutes, 14 Anglonormannen, 7 Nonius, 
14 Norfolker, 7 Lippizaner und 3 Huzulen. Bis 1892 deckten: 4 eng- 
lische Vollblüter, 4 englische Halbblüter, 2 Norraänner, 2 orientalisches 
Vollblut, 5 orientalisches Halbblut, 3 Lippizaner, 1 Huzule. 

Das Stutenmaterial wird in 6 Mutter- und 1 Huzulen -Gestüt, 
nebst den Jahrgängen in 12 Vorwerken untergebracht. Von 340 Mutter- 
stuten sind 184 Normänner- und Norfolker-Halbblutes, 4 arabischen Voll- 
blutes, 104 arabischen Halbblutes, 31 Lippizaner und 17 Huzulen, in der 
Hauptsache aber mittelschwere und leichte Reit- und Wagenpferde. In 
Summa waren bis Anfang 1890 über 1400 Pferde vorhanden. 

Zweck des Gestüts ist: Heranbildung guten Zuchtmaterials; fehler- 
freie Hengste werden als Landesbeschäler an die Hengstendepöts abgegeben. 

Zuchtplan. Nach Gassebner I, S. 260 betreibt Radautz gegenwärtig 
die Zucht des englischen Blutes mit Ausnahme des Vollblutes, der ara- 
bischen Rasse in Voll- und Halbblut, der Lippizaner und Huzulenrasse, 
daher ist das Gestüt in 4 Zuchtgruppen getheilt, welche unter einheitlicher 
Leitung stehen und sich in 4 Mutter- und 1 Huzulengestüt untergliedern. 

Zuchtziel: Dasselbe von Radautz besteht in der Produktion eines 
edlen mittelschweren und eines edlen leichten Reit- und Wagenschlages. 
(Gassebner I, 260). 

Anfangs 1900 zählte Radautz einen Gesammtbestand von 1155 Pferden; 
derselbe setzt sich zusammen aus 14 Hauptbeschälern, 5 Probierhengsten, 
361 Mutterstuten und 773 jungen Pferden. Von den Hauptbeschälern 
sind: 4 englische Vollblüter, 4 englische Halbblüter, 1 orientalischer Voll-, 
8 ebensolche Halbblüter, 1 Lippizaner und 1 Huzule. Die Mutterheerde 
wird gebildet aus 138 englischen und 118 orientalischen Halbblütern, 
1 Norfolker, 57 Normännern, 12 orientalischen Vollblütern, 16 Lippizanern 
und 19 Huzulen. Von dem jungen Nachwuchs, der ein- bis dreijährig 
ist, sind 472 Hengste und 303 Stuten. In die Muttergestüte übersiedeln 
jährlich die Beschäler während der Deckzeit, über 6V2 Monate. Die 
Fohlenjahrgänge sind nach neueren Bestimmungen, ähnlich wie früher nach 
Geschlecht und Jahrgängen stationirt. Tabora, Jswor und Luczyna 
dienen als Sommerstationen. 

Brandzeichen: Nach Gassebner I, S. 285 werden alle im Staatsgestüte Ra- 
, dautz geborenen Pferde mittelst sogenannter Gestütsbrände 

^iX^ gezeichnet. Alle Fohlen erhalten zunächst nach der Ab- 
!▼! späung auf der linken Sattelseite den Vaterbrand, darunter 
den Rassenbrand der Mutter; an der rechten Sattelseite die 
Fohlennummer. Nach vollendetem 1. Lebensjahre wei'den 
die Fohlen mit dem eigentlichen Gestütsbrande an der linken 
Hinterbacke gezeichnet; es ist dies der Anfangsbuchstabe 
des Gestüts mit einer darüber befindlichen Krone. Wird 
eine Stute als „ Mutterstute " bestimmt, so erhält sie ausserdem noch auf der 
rechten Sattelseite die „Mutterstutennummer". Die im Gestüte geborenen 
Huzulen erhalten den Vaterbrand auf der linken, die Fohlennummer auf 
der rechten Sattelstelle, aber einen Gestütsbrand nicht. (Vergl. Abb. S. 231.) 



^ 



230 



Bukowina. 

Brände für Fohlen früherer Jahrgänge: ^ 



Namen der Beschäler 
(Vater). 



An der 
linken Sattelstelle 
werden gebrannt. | 



Namen der Beschäler 

(Vater). 



An der 
linken Sattelstelle 
werden gebrannt. 



Abugress lo 

Abiad .... 

Aghil Aga . 

Amati . 

Bosak .... 

Breteville 

Ben Azet 

Cavalier . 

Cenerie 

Cicero .... 

Crown Prince . 

Conversafio . 

Canonball 
Dahoman III . 
Dexter . . . 
Delpesent . . 

El Bedavy 2J . 



A 

a 



10 



B 

C 

c 

u 
CP 

c 



3 






Hafiz 



Haudegen . 
Justice .... 
Kapirat. 
Koreischan . 
Machbub 
Mercury 

Messrour . . . 
Neapohtano 
Nonius 20 . . . 
Obojan .... 
Organ .... 

Perkun .... 



Przedswit 
Revolver 
Saglavy 
Samhan . 



k 

K 
M 
J( 

N^o 




P 
ß 



Bukowina. 



231 




232 



Bukowina. 





Brand, 




Brand, 




welcher ebenfalls 




welcher ebenfalls 


Rassen brand 
der Mutter. 


an der linken Sattel- 
stelle unter dem 
Vaterbuchstaben- 


Rassenbrand 
der Mutter. 


an der linken Sattel- 
stelle unter dem 
Vaterbuchstaben- 




brand 




brand 




gebrannt wird. 




gebrannt wird. 



Abugress 



Aga 



Asslan 



Canonball 



Conversano 



Dahaby 



Dahoman 



El Bedavy . 



Favory 



Furioso 



V 

c 




§ 

n 
4^ 



Gidran 



Koreischan . 



Messrour 



Neapolitano 



Nonius 



Samhan . 



Schagya . 



Schamar 



Siglavy 



Turchmen 



Y 

O 



Bukowina. 233 

Name des Gestüts: CzerepkOUtZ. 

Besitzer: Frau Valerie von Gorzecka» 

Topographisches: Die Herrschaft umfasst ein Areal von über 1300 ha, 
Czerepkoutz ist Eisenbahnstation. 

Geschichtliches: Dieses Gestüt wurde 1865 von Siegmund von Gorzecki 
gegründet. Das Stammmaterial war arabischer Abkunft und gehörte den 
Familien Siglavy, Samhan etc. (Radautz) an, theils bestand es aber auch 
noch aus Landstuten. Es wurden stets gegen 12 Mutterstuten, vor- 
herrschend arabischer Rasse, gehalten. 

Züchtung: Zuchtziel: Leichte Reit- und Wagenpferde. 

Kreis Sadagora. 

Name des Gestüts: r SLüKä. 

Besitzer: Isidor Ritter von Janosz, 

Topographisches: Panka liegt auf einem Hochplateau der Bukowina am 
Serethflusse. Das erpachtete Areal beträgt 1250 ha und enthält schweren 
Lehmboden, Sand und Sumpf. Das Klima ist rauh. Die Weiden sind 
sehr gut, daher wenig Stall fütterung. Hinreichende gute Stallungen sind 
in der Nähe der Wohnung vorhanden. Das Gestüt ist von der Eisen- 
bahnstation Hliboka von Süden aus in l^/g Stunde zu erreichen und 
fährt man von da auf der Bukowiner Lokalbahn in südwestlicher Richtung 
nach Mezöbrody. 

Geschichtliches: Das Gestüt ist seit 1882 gegründet. Es mussten hier erst 
alle Einrichtungen für ein Gestüt getroffen werden. Die Zucht wurde 
mit 10 Stuten begonnen, jedoch hatten diese auch die Feldarbeiten zu 
besorgen. Diese Stuten gehörten dem Landschlage an, die kleinen Stuten 
aber der Huzulenrasse. Dazu wurde ein Hengst aus dortiger Gegend 
angekauft, der einem galizisch- orientalischem Gestüte entstammte, es war 
dies ein ganz geeigneter Beschäler, der im Gestüt Kalinestie (Bukowina) 
gefunden wurde. Dieser Hengst lieferte sehr gute Nachzucht. Hiernach 
trat ein rein orientalischer Hengst aus einem Gestüt in Rumänien ein, 
dessen Nachkommen wieder gut waren. Von Radautz wurde ferner 
eine tragende Lippizaner Stute erworben: Nr. 37 Neapolitano real von 
Neapolitano Valdamore aus der Nr. 25 Maestoso Erga. Das Fohlen 
dieser Stute war ein Hengstfohlen, welches von dem Radautzer Pepinifere- 
hengst Pluto stammte und später als Hengst (1891) Verwendung fand. 
Von diesem Hengst stammende Stuten wurden später nach Radautz ge- 
bracht, um sie von dem dortigen Hengst Gidran XST/F belegen zu lassen. 
Davon fielen 2 Hengstfohlen, die für das Gestüt Panka aufgezogen wurden. 
Die Stutenheerde umfasst 7 arabische Halbblutstuten und 1 Lippizaner Stute. 

Züchtung: Zuchtzweck: Leichter, stramm fundamentirter Reitschlag. In 
neuester Zeit hat man auch die Aufzucht von Hengstfohlen zu betreiben 
in Aussicht crenommen. 



234 Bukowina. 

Name des Gestüts: NegOStlna. 

Besitzer: Baron Andreas Kapri. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der an der Eisenbahnlinie Lemberg — 
Czernowitz — Jassy gelegenen Station Hadikfalva nach Zurücklegung von 
ca. 10 km Weges zu erreichen. In Negostina sind Gebrauchspferde 
des Besitzers und die Pferde, die zum Verkauf stehen, aufgestellt. Die 
Mutterstuten und Fohlen verschiedener Jahrgänge sind in dem Y2 Stunde 
von Negostina entfernt liegenden Gestütshof Gropana mit gut einge- 
richteten Ställen und Ausläufen untergebracht. Das Areal beträgt 300 ha, 
davon sind 50 ha Waldweiden. 

Geschichthches: Genanntes Gestüt wurde während der 1850er Jahre ge- 
gründet. Die Familie Kapri war im Besitz von noch 4 Gestüten, die 
gleichfalls wie das genannte in gutem Rufe standen. Diese Gestüte 
hatten zusammen einen Bestand von gegen 80 Mutterstuten, die sämmt- 
lich in den Besitz obigen Besitzers nach Negostina übergingen. Vorerst 
waren Araber vorhanden, es folgten dann Anglo - Normänner und dann 
englische Hengste, sodass Dahoman-, Franc -Trieur- und Furioso-'^\\A 
den Stamm bildeten. Eigene Beschäler werden nicht gehalten, dagegen 
werden englische Vollbluthengste, früher ein Araber, in Radautz benutzt. 

Züchtung: Zu cht ziel ist die Produktion von Luxus-, Reit- und Wagen- 
pferden, auch werden abgesetzte Fohlen nach Radautz abgegeben. Zur 
Zucht werden 17 Mutterstuten edler Abkunft benutzt. 



235 



Königreich Ungarn. 



Distrikt diesseits dei* Donau. Comitat Komorn. 

Name des Gestüts: KlSDBr (ungarisches Staatsgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus, 

Topographisches: Kisber liegt in der Nähe der gleichnamigen Eisenbahn- 
station der Südbahn der Wien — Stuhl weissenburger Eisenbahn am Fusse 
des Bakony -Waldes. Die Gegend ist leicht hügelig, doch im Allgemeinen 
eben. Bäbolna ist von da 2 Meilen entfernt. Das Areal der gesammten 
Domäne beträgt 6330 ha. Der landwirthschaftliche Betrieb ist von der 
Gestütsverwaltung getrennt. Das Ganze wird in 4 Bezirke eingetheilt 
und befinden sich darin 13 Meierhöfe. Die Gestütseinrichtungen sind 
sehr praktisch, die Stallungen etc. den Forderungen entsprechend. 

Geschichtliches: Nachdem die gleichnamige Domäne, eine gräflich Batthy- 
änysche Herrschaft dem Staate zugefallen war, wurde hier 1853 das 
heutige kgl. ungarische Staatsgestüt unter staatlicher Verwaltung er- 
richtet bezw. begründet. Die ersten Pferde hierzu wurden den übrigen 
Gestüten entnommen, später jedoch Vollbluthengste und Vollblutstuten 
aus England eingeführt. Bei der Zweitheilung der Monarchie (1869) 
ging Kisber in das Eigenthum der ungarischen Krone über. Es wurde 
Bestimmung getroffen dahingehend, dass in Kisber nicht immer Halb- 
blut, sondern auch Vollblut gezüchtet werde. Daraufhin erhielt das 
Gestüt 1860 einen eigenen Trainirstall, der jedoch 1865 wieder auf- 
gelöst wurde. Der Vollblutstamm in Kisber hatte den Zweck, der 
privaten Vollblutzucht gutes Material zuzuführen und sollten ferner die 
Beschälhengste mit den edlen Halbblutstuten im Blute hoch- 
stehende Halbblutstuten für die Landespferdezucht produziren. 

Der ^'ollblutstamm bestand um jene Zeit (1866 — 1876) aus 
10 Hengsten und 28 Stuten. Der erste Zuchtstamm bestand daher aus 
Vollblütern, Percherons, Norfolktrabern , Arabern, Mecklenburgern etc. 
nebst gleichrassigen Stuten. In Pula, einem dem Gestüt zugetheilten 
und von da aus mit verwalteten Meierhof, wird ein sogenanntes Wirth- 
schaftsgestüt für den eigenen Bedarf unterhalten. Zu diesem Zwecke 
wurden 1883 3 Ardenner Hengste und 3 dergleichen Stuten angekauft 
und diese mit den vorhandenen Pferden gekreuzt. Mit solchen Kreu- 
zungsprodukten wurde dann weiter gekreuzt. 

Bestand. 1887 besass das Gestüt einen Bestand von 545 Pferden, 
darunter 10 Vollblutbeschäler sowie 26 Vollblut- und 130 Halbblut- 
stuten, unter ersteren Buccaneer und Cambuscan (rein englisches Vollblut). 
Mit der abnehmenden Zahl der Vollblutstuten stieg ihre Qualität. 1887 
ging der alte Bucca?ieer ein, nachdem er rund 300 000 Mark an Deck- 
geld eingebracht hatte. 1897 verfügte das Gestüt über 14 Vollblut- 
hengste (Nachprodukte Kisber und Ktncseni). Dadurch errang die unga- 
rische Pferdezucht den Vorrang vor allen Gestüten. 



236 



Ungarn. 



Der Halbblutstamm besitzt hohen Blutgrad und zählt ca. 140 bis 
165 Mutterstuten (englisches Halbblut). 1900 erwarb sich Kisber einen 
neuen Beschäler, den Adieu von St. Simon- Farewell. Dieser ausgezeichnete 
Hengst ist bereits von England aus in Kisber eingetroffen. 

Brandzeichen: )^ Es ist dies das nebenstehende, dasselbe wird bei 

dem Vollblut an der linken, bei dem Halb- 
blut an der rechten Sattelstelle, daneben aber 
ausserdem noch der betreffende Vaterbrand und 
die Fohlennummer dem Vollblut rechts, dem 
Halbblut links aufgedrückt. 

Siehe unten einige Vaterbrände von Kisberer 
Hengsten. 




Name des Hengstes. 



Brandzeichen 
(Vaterbrand). 



Name des Hengstes. 



Brandzeichen 
(Vaterbrand). 



AUbrook 



Bois Roussel 



Buccäneer 



Cambusier 



Crais Miliar 



Doncaster 



a 

( 
CM 

D 



Gunnersburp 



Kalandor 



Kisber Öcscse 



Ruperra 



Taurus 



Verneuil . 



a 




Zivatar .... 
(Nach Dr. Nörner, Gestütsbrandzeicben, S. 13 und 14. Leipzig 1885.) 



z 



y 



Ungarn. 237 

Name des Gestüts: bSICSO. 

Besitzer: Graf Johann IValdstein-lVartenberg. 

Topographisches: Nach dem Jahre 1854 wurde das Areal, zur Herrschaft 
Csicso gehörend, welches das ganze Terrain der Insel Schutt ausmachte, 
ca. 10 [_] Meilen, kanalisirt. Durch die Ueberschwemmungen der Donau 
war die ganze Gegend als Sumpf bekannt geworden. 

Das Gestüt befindet sich in dem zur Herrschaft Csicso gehörigen 
Marktflecken Kagy Megyer (2Y2 Tausend Einwohner) woselbst auch 
ärarische Beschälhengste sich befinden. 

Geschichtliches: Der Besitzer bemühte sich, nachdem die Herrschaft kanalisirt 
war, die Kultur der Felder und Wiesen einzuleiten; gleichzeitig dachte 
dieser aber auch daran, zunächst mit der Thierzucht zu beginnen. Es 
wurden englische Vollblut- und Halbblutpferde direkt eingeführt und mit 
der Zucht begonnen. Dadurch kam das Gestüt, wegen des guten Erfolges, 
in grosses Ansehen. 

Züchtung: Englisches Voll- und Halbblut; erstere sollten der Rennbahn dienen, 
wurden aber noch amnestirt; letztere wurden grösstentheils für Wirth- 
schaftszwecke verwendet. Die hier im Gestüt erzeugten Produkte zeich- 
neten sich durch besondere Gelehrigkeit und Gutmüthigkeit aus. Bestand: 
9 Vollblutstuten und 12 Halbblutstuten. 

Comitat Komorn. Stuhlrichterbezirk Koks. 

Name des Gestüts: BäbOlVISl (Kgl. ungar. Staatsgestüt). 

Besitzer: Staats -FiscMS. 

Topographisches: Babolna liegt an der Eisenbahn Wien — Ofen, nördlich von 
der Bahnstation Acs, 15 km von Komorn. Das Klima ist mild und 
gesund. Lage 160 m über dem Meer. Der Boden ist humusreich und 
fruchtbar. Areal ca. 3000 ha. Gebäude sind in sehr gutem Zustande. 
In Totis, einem Marktflecken, ca. 12 km von Komorn, an einem See 
liegend, mit gräflich Esterhazy'schem Sommerschloss, ist Trainiranstalt 
errichtet. 

Geschichtliches: Die Herrschaft Babolna wurde im Jahre 1789 auf An- 
ordnung des Kaisers Franz Joseph IL käuflich erworben und als Pussta 
Babolna den damaligen Militär-Gestüt Mezöhegyes als Filiale unterstellt 
und wurden dort zunächst Remonten und Schlachtvieh für das Militär 
untergebracht. 

1806 wurde Babolna zur selbständigen Gestütsanstalt erhoben. 
Längere Zeit blieben die Nachrichten über spezielle Zucht unklar, wegen 
Verlustes der schriftlichen Nachweise durch Kriegsverhältnisse; es wird aber 
vermuthet, dass die Pferdezucht in Babolna von Mezöhegyes aus geschah. 
Von 1816 ab scheint die Pflege des orientalischen Blutes in ßäbolna 
sichtlich hervorzutreten ; es soll bestimmt worden sein, im Gestüt mit 
der Zucht von Voll- und Halbblut zu besinnen. Zunächst wurden die 



238 Ungarn. 

erbeuteten Originalhengste, daruntei- der berühnite Siglavy Gidran, der 
Ahne des Gidranstammes in Mezöhegyes, dort in Thätigkeit gebracht. 
Es folgten dann fast jährlich englische Vollbluthengste hinzu, auch wurde 
ein nicht geringer Theil der Gestütsstuten von spanischen Hengsten aas 
dem Hotgestüt Koptschan gedeckt. 1836 wurde dann Zuchtmaterial aus 
Syrien, darunter Schagya, 1843 aus Aegypten und 1852 und 1856 wieder 
aus Syrien herbeigeschafft. Während der Jahre 1857 — 1864 ei-folgten 
andei'weite Ankäufe von Araber-Zuchtpferden beiderlei Geschlechts für 
Bäbolna. Vom Jahre 1875 — 1883 wurde Bäbolna Filiale von Kisber; 
nach erlangter Selbständigkeit (1883) wurde angeordnet, dass in Bäbolna 
das arabische Pferd nach zwei Richtungen hin gezüchtet wird und zwar: 

1. als arabischer Vollblutstamm, der durch ca. 32 der vor- 
züglichsten Mutterstuten arabischen Ursprungs nur mit arabischem 
Vollblut gezüchtet wird, um dadurch die orientalische Rasse 
(2 Hengsten) 1 Original- und 1 Vollblut -Araberhengst, Grösse 
ca. 160 cm, rein zu erhalten; 

2. als arabischer Halbblutstamm, der mit arabischem Voll- und 
Halbblut, ca. 5 Beschälern und 114 Stuten, gezüchtet wird, um 
dadurch leichte Wagen- und besonders Reitpferde hauptsächlich 
für den Militärdienst zu erzielen. 

Die Zahl der Pferde in Bäbolna überhaupt, incl, der Fohlen, beläuft 
sich auf über 600. 

Von den durch diese orientalische Expedition erworbenen Original- 
Araber haben sich nur wenige, einige jedoch aber vorzüglich bewährt, 
so z. B. der von der letzten orientalischen Expedition (1881) erworbene 
Rapphengst O Bajan^ welcher noch jetzt in Bäbolna deckt und die Haupt- 
zierde des Gestüts ist. O Bajan ist nur 154 cm hoch, besitzt viel Adel 
und vorzüglichen arabischen Typus und vererbt, nach Versicherung, seine 
guten Eigenschaften vorzüglich; auch sollen die Nachkommen grösser 
werden als er. Ein Sohn O Bajan ist ein sehr schöner Fuchs: Dschin- 
giskhan. — Von Hengsten, deren Blut noch jetzt in Bäbolna vertreten, 
ist zu nennen: Schagya, Siglavy, Jiissuf, Zarif, Mahmud, Mirza, Abdul 
Aziz und Gazlan als: Gazlan /., Siglavy IL, Gazlan Schagya, Schagya X. 
und El Kabra; diese letzteren sind jedoch keine Original- Araber. 

Brandzeichen: Die Fohlen erhalten bei der Abspäung den Anfangsbuchstaben 

des Vaters mit der etwaigen Nummer desselben und zwar Vollblut auf 

yr der rechten Sattelstelle, daneben den allenfallsigen Rassen- 

^jL^ brand und unter diese die Nummer der Anzahl Fohlen von 

11 II demselben Vater; während das Halbblut dieselben Brand- 

CSmSI zeichen auf der linken Sattelseite aufgebrannt erhalten, so 

Bz. B. bedeutet nach Hartmann >io. /i/ = Anaze aus dem 
Stamm Abu Argub (Tiffle), das zehnte geworfene, von Anaze 
erzeugte Fohlen. Der Vereinfachung wegen wird jederzeit 
der 1. Mai als der Geburtstag der Fohlen angenommen und 
es erhalten dann die Vollblutfohlen auf der linken 
Sattelstelle den Gestütsbrand, B mit Krone, und die Halbblutfohlen 
denselben auf der rechten Sattelstelle aufgebi'annt. Die von Privaten 
als 1 jährig angekauften Hengstfohlen erhalten den Gestütsbrand, wie 
nebenstehend, am rechten Hinterschenkel. 



Ungarn. 



239 



Diese Art des Brennens wurde 1879 eingeführt, während früher die 
im Gestüt geborenen Pferde, und zwar Vollblut wie bisher an der 
rechten Sattelstelle B ohne Krone, Halbblut an der linken Hinter- 
backe den Gestütsbrand erhielten. 



Brände einiger im Gestüt befindlichen IVlutterstuten. 



Name der Stute. 



Brandzeichen. 



Name der Stute. I Brandzeichen. 



Abdul Aziz 



Amurath Bairacte. 



Bagdady 



El Delemi 



Hamdanie Semri . 



Jussuf 



\ 

^ 




t^ 




J^ 



Mahmoud Mirza 



Mehemed Ali 



Padischah . 



Polkan 



Radban 



Zarif 





P 

Z 



240 


Ungarn. 

Vaterbrände. 




Name des Hengstes. Brandzeichen. 


Name des Hengstes. Brandzeichen. 


Anaze 

£1 Hedad .... 

Ferriz Beg .... 

Gazlan 

Jussuf 


< 

8t 


Padischa .... 
Polkan 

Sanihan 

Schagya VIII. . . 

Siglavy 

Zarif 


P 

Shs 

z 



Rassenbrände = 


z Stammzeichen. 




1 Rasse. Brandzeichen. ; R a S S e. 


Brandzeichen. 


Abugress 

Abu Argub (Tiffle) . 
Aga 


V 


Hadban 

Koheilan .... 

Koreischan .... 

1 


Y 



Rasse. 



Ungarn. 



241 



Brandzeichen. 



Rasse. 



Brandzeichen. 



Asslan 



O Bajan 



Dahaby 



Dahoman 



Djilfe 



El Bedavy 



Gidran 






Kubeschan 




Machladie . 



Meneghie 



Messrour 






Samhan . 



Schagya . 



Siglavy 



ü 




® 
O 



Tscheleby 



\U/ 



Bräuor, Gostüto. 



16 



242 Ungarn. 

Name des Gestüts: Derekegyhäza. 

Besitzer: Graf Käroly. 

Topographisches: Das Gestüt befand sich auf der Puszta Derekegyhäza im 
Comitat Csongräd an der Theiss, 2 Stunden vom Orte Szentes und 4 — 5 
Stunden von Mezöhegyes entfernt. Die Puszta besitzt fruchtbare Wiesen, 
Weiden und Felder. Die Gestüts - Stallungen nebst Reitbahn liegen in 
der Nähe des Schlossparkes. Von der Theiss - Eisenbahnstätion Kistelek 
ist das Gestüt zu erreichen. 

Geschichtliches: Im Gestüt hatte man sich die Aufgabe gestellt, mit Ma- 
terial von englischem Blut zu züchten, um dadurch in den Stand zu 
kommen. Renn-, Jagd-, Wagen- und Reitpferde für den eigenen Bedarf 
zu ziehen. Zu diesem Behufe wurden 60 — 80 Mutterstuten zunächst 
ungarischer Rasse eingestellt und dann mit siebenbürger, andalusischen, 
türkischen und englischen Hengsten gepaart. 

Nach dem Tode des Besitzers wurde das Gestüt von 1826 — 1865 
aufgelöst, von letzterem Jahre (1865) an aber von einem Sohne Käroly's 
englische Pferdezucht betrieben bezw. das Gestüt von Föth bei Pest 
nach Derekegyhäza zurückverlegt. Die Begründung des betreffenden Ge- 
stüts selbst soll im vorigen Jahrhundert (1791) erfolgt und die Produkte 
des früheren Besitzers sehr berühmt gewesen sein. 

Züchtung: Das Zuchtsystem bestand darin, nur Reinzucht zu treiben unter 
Vermeidung der Blutsverwandtschaft. Briefliche Anfrage über den der- 
zeitigen Stand des Gestüts wurde ausweichend beantwortet und Frage- 
bogen unerledigt zm'ückgesendet. 

Comitat Neutra. 

Name des Gestüts: AlSÖ-JattÖ. 

Besitzer: Michael, Graf Ester hdzy de Galdntha. 

Topographisches: Das Gestüt liegt in der Nähe der Staats-Eisenbahnstation 
'J'ornöcz, in ebener, freundlicher Gegend auf der Puszta Alsö-Jattö, auf 
welcher nach dortigen Verhältnissen Pferde-, bez. Viehzucht getrieben wird. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1825 gegründet und durch einen 
Oekonomie-Direktor geleitet. Es wurden zuerst 12 braune Zuchtstuten, 
von der Gräfin Wittwe Kasimir Esterhäzy von der Pussta Mähäs-Näza 
im Veszprimer Comitat angekauft und in erster Zeit diese durch Hengste 
des Wagenschlages des Grafen Hunyady gedeckt und später dazu Hengste 
eigener Zucht verwendet. Im Jahre 1843 wurde für das Gestüt ein 
brauner Halbbluthengst Quint-Essenz angekauft und dieser mehrere Jahre 
mit gutem Erfolg verwendet. Bestand war 1 Voll- und 2 Halbblut- 
hengste, 8 Voll- und 20 — 30 Halbblutstuten und durchschnittlich ca. 
50 Stück jüngste, bis 3jährig Fohlen. 

Züchtung: Diese Voll- und Halbblutzucht lieferte gute Wagenpferde. Das 
Gestüt ist eingegangen. 



Ungarn. 243 

Name des Gestüts: KoptSChatl. 

Besitzer: Staats- Fiscus, 

Topographisches: Koptschan auch Kopesan genannt, ist ein Dorf mit 
starkem Tabakbau und früherem kaiserl. Gestüte, welches im Range 
eines k. k. Hofgestüts stand, womit der Marktflecken Holics mit k. k. 
Lustschloss, einer Schweizerei, Schäferei, Porzellanfabrik sowie mit dem 
Marktflecken Göding in Mähren (dicht an der ungarischen Grenze) in 
Verbindung standen, Koptschan liegt an der March, 4 — 5 km von Holics 
und 8 km von Göding. Das Areal beträgt 233 ha. 

Geschichtliches: Anfang des 18. Jahrhunderts soll die Herrschaft Holics und 
das Gestüt Koptschan, nach dem Tode des Grafen Czobör, durch Ver- 
mächtniss oder Kauf während der Regierung des Kaisers Franz I. 
(1745 — 1765) an das Kaiserhaus gekommen sein. Es soll hiernach der 
Grossherzog Leopold von Lothringen das bei Saralb o angelegte Gestüt, 
welches damals Material aus dem Cavrianischen Gestüt der Lombardei 
enthielt, nach Koptschan überführt haben. Hiernach zerstörte ein Schaden- 
feuer infolge Blitzes Koptschan. Deshalb wurden die meisten Gestüts- 
pferde in Holics aufgestellt unter der Benennung des Gestüts als ,.der 
Herrschaft zu der Koptschan". 1770 wurde der neu erbaute Gestüts- 
hof Koptschan wieder bezogen, dieser war für 800 Pferde eingerichtet 
und wurde zum Hauptgestüt erhoben. Göding wurde „Nebenhof", 
von wo aus die Weiden der March benutzt wurden. 

Koptschan wurde 1770 das durch Kriegswirren heruntergekommene 
Gestüt Enyed auf der Insel Schutt mit einverleibt. Dadurch wurden die 
Hengste: Bello (Original-Neapolitaner), Gratiosa und Passadoro (Italiener), 
Danese (Däne), Misto (Rappe), aus dem fürstl. Liechtenstein'schen Gestüt 
sowie Sultan und Principe mit eingeführt. Stuten wurden von Wien 
aus eingeführt. Dann erhielt Koptschan das aus Schimmeln, Rappen und 
Falben bestehende ursprüngliche Züchtungs- Material italienischer Rasse 
Kladrubs. 1799 wurden gegen 60 Stuten italienischer Rasse und die 
Hengste; Principe Gratiosa, Sultan^ Imperator e und Pepoli sowie General^ 
in Koptschan gezogen, nach Kladrub überführt. Letzterer war der erste 
General Kladrubs, dessen Grossvater war daher der Begründer der heu- 
tigen Kladruber Zucht. 

Durch diese Ueberführung genannter Pferde wurde in Koptschan 
Platz geschaflen, um mit der vom Kaiser Franz II. beabsichtigten eng- 
lischen Pferdezucht zu beginnen und Jagdpferde zu züchten. 1815 
kam. diese Zucht zum Aufblühen. Es wurden gegen 70 englische Mutter- 
stuten (Wettläufer -Vollblutstuten) sowie Halb- und Dreiviertelblut- Jagd- 
pferde direkt eingeführt und dazu der englische erste Hauptbeschäler 
Wettläufer Grimalkin von Chause, geboren 1808, angekauft. 1823 ent- 
hielt das Gestüt 273 Pferde. Durch vorstehende Zucht wurde der Grund 
für die Kladruber Rasse gelegt. 

Bis 1825 florirte Koptschan, von da ab wurden Bestimmungen ge- 
troffen, die Weiden zur Benutzung der inmittelst in Holics eingerichteten 
Stammschäferei abzutreten. Für die Pferdezucht traten hinsichtlich des 

16* 



244 Ungarn. 

Betriebes wesentliche Mängel hervor, welche die Veranlassung waren, die 
englische Zucht ganz nach Kladrub zu verlegen und das hier bestandene 
Gestüt 1826 aufzulösen. 



Brandzeichen: 



H 



Ein H ; dasselbe bezog sich auf Schloss Holics. 
Seit Becrinn des 19. Jahrhunderts ausser Gebrauch. 



Comitat Neutra 

Name des Gestüts: UriTieny (Hunyady- Gestüt). 

Besitzer: Graf Hftnyady von Kethely. 

Topographisches: Das Gestüt liegt unweit der Stadt Neutra im nordwest- 
lichen Ungarn. Dasselbe ist von Wien aus nach kui'zer Eisenbahnfabrt 
von der Station Tornöcz und Zurücklegung einer Stunde Landwegs leicht 
zu erreichen. Das Areal der Herrschaft beträgt über 3500 ha. Urmeny 
ist Marktflecken mit schönem Schloss und berühmtem Gestüt. 

Geschichtliches: Urmeny ist als Gestüt seit der Gründung zu Anfang des 
19. Jahrhunderts dui'ch den Grafen Joseph Hunyady zu Kessi berühmt, 
welcher hierbei wesentlich durch die k. k. Hofgestütsinspektoren Justinus 
und Oppel unterstützt wurde. Den ersten Mutterstutenstamm bildeten 
in Siebenbürgen angekaufte Pferde bester und edelster Rassen sowie von 
grösster Formenschönheit und ferner Stuten aus den Hofgestüten Lipizza 
und Koptschan sowie noch aus anderen Gestüten. Das Gestüt vergrösserte 
sich in Qualität und Quantität. Es wurden den damaligen Verhältnissen 
angemessen nur orientalische Pferde gezüchtet und zu diesem Zwecke 
folgende Hengste angekauft: 

Tereffi, Original-Araber (Schimmel), vom Konsul zu Aleppo dem 
Kaiser Franz von Oesterreich zum Geschenk gemacht, wurde 
in Koptschan verwendet und 1811 für Urmeny angekauft. 

Monaki, wahrscheinlich Perser (kastanienbraun) vom Grafen Wenzel 
Bzewuski erkauft. Dieser Graf lebte mehrere Jahre in der 
Wüste und brachte von dort das edelste Material an zahl- 
reichen Hengsten und Stuten mit. 

Saffir (goldbraun) nebst Stuten vom Baron Fechtig 1812 aus 
Kairo für den Grafen Hunyady bis nach Triest gebracht 
und 

Tajar (Fliegenschimmel mit Blässe, beide Hinterfüsse weiss ge- 
fesselt), Stammvater der in Ungarn gezüchteten orienta- 
lischen Pferde. Selten hat sich ein Beschäler bei der Zucht 
so ausgezeichnet bewährt als wie Tajar. 

1818 besass das Gestüt die genannten 4 Hengste sowie einen Probir- 
hengst und 80 Mutterstuten, wovon 2 Original-Araberinnen waren. Durch- 
schnittlicher Bestand umfasst jährlich gegen 200 Stück incl. der Fohlen. 




Ungarn. 245 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung eines edlen Reitpferdes aus orientaliscliem 
Blute für damalige Verhältnisse. Ende der 1830 er Jahre fand im Gestüt 
das englische Blut umfänglichere Aufnahme und wandte man sich des- 
halb der englischen Vollblutzucht zu. Das Material hierzu gestaltete 
sich in der Weise, als sich der Bestand auf 2 arabische Hengste, 3 eng- 
lische Vollblutbeschäler, 13 englische Vollblutstuten, 57 Halbblutstuten 
mit hohem Blut, 19 jährige Hengstfohlen, 4 jährige Vollbluthengste, 
45 zweijährige Halbblutstuten und 3 zweijährige Halbblutstuten belief. 
Das Gestüt steht heute noch in demselben Umfange und derselben 
Grösse da und huldigt denselben Prinzipien wie seither. Trainiranstalt ist 
eingerichtet. ^.^/^^^ Nebenstehendes Zeichen ist bis zur Einfüh- 

Brandzeichen: \ J ^'^^g des englischen Blutes ins Gestüt in An- 

wendung gebracht worden, dasselbe wurde ehe- 
dem den Hengsten r echte rseits, den Stuten 
linkerseits in der Schultergegend aufgedrückt. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Somogy. 

Name des Gestüts: FechtJg-GeStÜt. 

Besitzer: Baron von Fechiig. 

Topographisches: Seit länger als 1821 bestand in der Nähe der steierischen 
Grenze ein vom bezeichneten Besitzer gegründetes, zu Kirchschlag 
(Ungarn) errichtetes Gestüt, welchem nur äusserst werthvoUe orientalische 
Pferde zugetheilt waren, Orientalisches Gestüt genannt. Das Areal der 
Puszta Lengyeltöty für den Zuchtbetrieb beläuft sich auf 6900 ha. 
Von Wien aus konnte man das Gestüt bequem erreichen. 

Geschichtliches: Bei Gelegenheit der Begründung wurden 15 Original- und 
6 selbstgezogene Araberstuten, mit noch 40 — 50 von nachstehend ver- 
zeichneten Original -Araberhengsten El Bedavy, Hadban, Cohesnan und 
Saklavy abstammenden Fohlen in das Gestüt eingeführt. Ende 1825 
wurde dieses orientalische Gestütsetablissement, der günstigen Witterungs- 
verhältnisse halber, nach der Gegend des Plattensees, auf die Herrschaft 
zu Lengyeltöty, wo es reichliche, gute Weiden und hinlängliches Wasser 
gab, überführt. Orientalische Zucht wurde streng fortbetrieben; nur 
später kam man zu der Bestimmung, ausser Pferden rein orientalischer 
Rasse auch solche für Reit- und Wagenschlag zu paaren, und man nahm 
dazu inländische veredelte Stuten mit Hengsten orientalischer Abkunft. 
Hiernach wurde das ganze Gestüt eingetheilt: 

1. in das Hauptgestüt in St. Gyorgy mit 15 Original- Araberstuten, 

2. in das Reitgestüt auf der Puszta Bechin mit 16 anglo-arabischen 
Stuten des Grafen Viczay zu Ireg, 

3. in das Wagengestüt, welches mit gegen 30 Pferden aus dem 
Gestüt des Grafen Hunyady zu Kessi, sowie dem national- 
ungarischen Gestüt des Anton von Inkey zu Iharos - Bereny 
begrändet wurde. 

Das Gestüt lieferte bei dieser Zusammensetzung vorzügliche Pferde; 
dasselbe wurde aber, unbekannter Umstände halber, gegen 1850 aufgehoben. 



246 Ungarn. 

Name des Gestüts: Adänd. 

Besitzer: Paul von Czapodi. 

Topographisches: Adänd liegt zwischen der Drau und dem Plattensee; 
wird von letzterem aus leicht überschwemmt. Die Oekonomie wird 
musterhaft bestellt; Kleebau wird im Grossen ausgeführt. Alle Felder 
sind in Parzellen von je 60 Joch getheilt, zwischen denen Alleen von 
Pappel-, Akazien- und Maulbeerbäumen verlaufen. Ausser den Pferden 
befanden sich hier gegen 14000 Schafe, gegen 200 Büffel, sowie Esel 
und Schweine. Bedeutende Geflügelzucht. 

Geschichtliches: 1834 wurde das Gestüt begründet; dasselbe erhielt sich 
stets vorwärtsschreitend fort, so dass es nach Jahren als ein hervorragendes 
englisches Vollblutgestüt anerkannt wurde, welches nur edle ßeit- 
und Rennpferde erzielte. Mit gegen 30 vorzüglichen englischen Vollblut- 
Mutterstuten und 2 — 5 ebenso edlen Vollblut-Hengsten wurden vorzügliche 
Produkte erzielt. Möglichste Vorkehrungen wurden mit Verständniss ge- 
troffen. Alle Vollblut-Fohlen, die auf die Training kommen, werden nie 
zur Weide gebracht. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Somogy, 

Name des Gestüts: Iharos Bereny. 

Besitzer: Inkey de Pallin. 

Topographisches: Das Gestüt ist von der Eisenbahnstation Gross - Kanizsa 
nach kurzem Landweg zu erreichen. 

Geschichtliches: Dieses Gestüt ist eins der ältesten in Ungarn, seine Grün- 
dung ist unbekannt. Es wurde hier die rein ungarische Rasse gezüchtet 
und das ganze Gestüt nach der Begründung „wild" gehalten: man liess 
die Hengste im Frühjahre in die Stutenheerde. Später kam man aber 
von diesem System ab. Hiernach wurde die Rasse durch den Ankauf 
siebenbürgischer Stuten geändert, auch anderweit Stutenmaterial ange- 
schafft und dieses durch Original-Araber belegt. Hierdurch bildete sich der 
eigentliche Stamm des Gestütes. Später wurden zur Veredelung des 
Blutes die englischen Vollbluthengste: Guildroy, Conscript, Da Capo und 
BoU Peel angekauft. Auch wurden Halbbluthengste: Cordenio, Violet, 
Favorit etc. mit eingeführt bez. ins Gestüt gebracht. 

Im Jahre 1855 wurde das Gestüt für zwei Brüder Inkey getheilt 
und der Mutterstutenbestand auf je 12 nebst Nachwuchs festgesetzt. Ob 
das Gestüt zur Zeit noch besteht, konnte trotz mehrfach gestellter An- 
fragen nicht festgestellt werden. 

Brandzeichen: 



ö.^ 



Wurde an der linken Ganasche angebracht. 



Ungarn. 247 

Name des Gestüts: BabÖCSa. 

Besitzer: Adolf Graf Somssich de Säard, 

Topographisches: Am Draufluss, nahe der Grenze Kroatiens, ca. 50 km von 
der Eisenbahnstation Gross-Kanizsa entfernt, liegt die Herrschaft Baböcsa, 
deren Umgebung die Natur mit all' den Reizen und Segnungen aus- 
gestattet hat, welche dem Somogyer Comitat so reichlich zu Theil wurde. 
Von Kanizsa bis Iharos-Bereny führt eine Chaussee, von dort bis Ber- 
zencze (Bressnitz) ein gewöhnlicher Landweg bis zum Gestütsorte. 

Das herrschaftliche Schloss ist von Wirthschaftsgebäuden und 
Stallungen sowie Gartenanlagen umgeben und nur durch Strasse von dem 
umfangreichen Parke getrennt. 

Das Gestüt ist je nach der Jahreszeit und dem Alter der Pferde 
theils in Babocsa, theils in Patosfa (von Baböcsa ca. 20 km entfernt) 
untergebracht. Während des Sommers weidet dasselbe im Walde oder 
auf dem für den gesammten Viehbestand bemessenen Wiesengrunde von 
ungefähr 2000 Joch Ausdehnung. Nächst des Waldes giebt der Drau- 
fluss den Pferden die Tränke und Schwemme, während auf der Weide 
die beiden, Rinya genannten Bäche, welche sie durchschneiden, für die- 
selben Bedürfnisse der Thiere sorgen. Im Walde sowohl, wie auf der 
Weide sind Akols (gedeckte, doch sonst ofiene Stallungen) zum Schutze 
der Pferde vor den Sonnenstrahlen oder Regengüssen aufgestellt. Die 
Weide auf dem sehr guten Boden ist eine üppige und äusserst nahr- 
hafte, der Weidegang ist der Hufentwicklung sehr zuträglich. In diesen 
Akols befinden sich Krippen, in welchen den Pferden ca. aller 14 Tage 
Salz zur Lecke nach Belieben gereicht wird. Den Winter verbringen 
die Fohlen im Baböcsaer Fohlengarten, welcher einen Umfang von 
15 — 16 Joch hat. Dieser in der Nähe des Schlosses befindliche Fohlen- 
garten enthält auch Stallungen zur Unterbringung der jungen Pferde. 
Die Mütter und älteren Pferde überwintern in Patosfa in Akols. 

Geschichtliches: Vor ungefähr 130 Jahren gründete ein Herr von Vegh das 
Gestüt Baböcsa mit Abkömmlingen orientalischen Blutes. Bisher wurde 
die Zucht stets mit den eigenen Produkten und Inzucht betrieben. 

Zum Decken wurde vor ca. 90 Jahren ein fremder Hengst aus dem 
Gestüt Marczali, einem Grafen Szechenyi gehörig, verwendet. Es dürfte 
dies die einzige gegen die Inzucht gemachte Ausnahme sein. Von den 
verwendeten Hengsten steht einer Namens Magister durch die Vorzüg- 
lichkeit seiner Produkte noch jetzt in gutem Rufe. Englisches Blut 
wurde nie in das Gestüt verpflanzt. Der Bestand an Hengsten betrug 2, 
Mutterstuten 50 und Fohlen aller Jahrgänge ca. 60 Stück. 

Züchtung: Seit Bestehen des Gestüts wird reinste Inzucht orientalischer 
Pferde betrieben, welche gute Wagenpferde liefert. 

Brandzeichen: 






248 Ungarn. 

Name des Gestüts: BorOnka. 

Besitzer: Jenö von Kund. 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich auf einer Puszta, Namens Gajes, 
in einer Entfernung von 5 Minuten vom Dorfe Boronka und 15 km von 
der Plattensee -Bahnstation Keszthely, von wo aus man auf Chaussee in 
nicht zu langer Zeit dahin gelangt. Die Weide des Gestüts besteht in 
einer trockenen Wiese mit üppigem Graswuchs. Brunnen zum Tränken 
sind in der Nähe. Der Gestütsstall ist einfach und aus Ziegeln erbaut, 
doch dem Zwecke entsprechend. 

Geschichtliches: Bezeichnetes Gestüt wurde im Jahre 1847 von Gustav 
von Kund mit 3 Stuten gegründet, die als Jucker verwendet worden 
waren und sich als solche durchaus bewährt hatten, nämlich : 1 Schimmel- 
Stute Mocskos aus dem Stamme des Czindery'schen Gestüts und Erczel, 
1 Braun -Stute Marquise (engl. Halbblut) aus dem gräfl. Nikol. Festetics'- 
schem Gestüt und 1 Schimmel-Stute Szikra aus einem gräfl. Hunyady'schen 
Hengst nach Tajar (Sohn) gezogen. Die Zahl der Mutterstuten wurde 
aber noch um 8 vermehrt, auch wurde vom Jahre 1848 — 1857 aus- 
schliesslich der Vollbluthengst The Hero zum Decken verwendet, dessen 
Nachzucht als Mutterstuten jetzt noch vorhanden ist und sich als Ge- 
brauchspferde so gut bewährte, dass eins dieser Pferde (Schimmel- Stute 
Mocskos II, ungarisch- englisches Halbblut) ohne Fütterung eine Tour 
von 14 deutschen Meilen zurücklegte. Nach The Hero deckte im 
Gestüt bis 1860 der braune Hengst Radler (Kladruber) des Grafen 
Gyula Szechenyi, Schimmelhengst Slglavy (Mezöhegyes) und der Schimmel- 
hengst Cherif (Bäbolnaer), dann 2 Jankovic'sche Hengste Kegyes und 
Barna. Im Jahre 1860 wurde der Original - Lippizaner Hengst Favory 
angekauft und ausschliesslich als Vaterpferd verwendet. Diesem folgten 
später ähnliche Bluthengste. Bis 1865 befanden sich 25 Pferde im Ge- 
stüt; seit dem Gebrauch des Schimmelhengstes Favory waren sämmtliche 
Pferde Schimmel. Ausserdem wurden noch Reit- und Wagenpferde ge- 
züchtet. 

Comitat Somogy. Distrikt jenseits der Uonau. Bezirk Baböcsa. 

Name des Gestüts: Csokonya-Kälmäncsa. 

Besitzer: Grafen Emerich und Denes Szechenyi. 

Topographisches: Csokonya, Marktflecken, in dessen Nähe ein gleichnamiges 
Gestüt besteht, welches letztere, von der Eisenbahnstation Babocsa der 
Eisenbahnlinie Fünfkirchen — Kanizsa, nach Zurücklegung einer Stunde 
Landwegs zu erreichen ist, liegt in der Herrschaft Csokonya-Kälmäncsa 
deren Areal gegen 10 000 ha ausmacht. Die Gegend ist schön, der Boden 
vorherrschend sandig und fruchtbar; gute Weiden; hügelig, auch eben, 
etwas sumpfig. Ausser Pferdezucht wird in grossem Umfange Land- 
wirthschaft, sowie Rinder-, Schaf- und Schweinezucht betrieben. 



Ungarn. 249 

Geschichtliches: Die Vorfahren der genannten Besitzer waren bereits 
während der Jahre 1815 — 1830 als intelligente Pferdezüchter Ungarns 
bekannt, wie dies die von diesen betriebenen Gestüte zu Zinken- 
dorf (Comitat Oedenburg) und Marczaly (Comitat Somogy) bewiesen; 
ebenso zeigte sich dieselbe Energie in dem Betrieb des Gestüts: Csokonya, 
dessen Leiter Graf Jonas Szechenyi im Jahre 1856 verstarb. Aus dem 
Erbe übernahmen die obenbezeichneten Besitzer das Gestüt und leiteten 
dasselbe unter festbegründeten Züchtungsgrundsätzen fort. 

Züchtung: Das Gestüt Csokonya hatte während der 1860er Jahre noch 
einen durchschnittlichen Pferdebestand von 150 Stück, wovon gegen 40 
Mutterstuten zur Verwendung kamen. Das Gestüt wurde zur Züchtung 
von Pferden nach zweierlei Richtung eingerichtet: 

1. zur Erzielung von Luxus- bez. Gebrauchspferden und 

2. zur Erzielung von Arbeits- bez. Wirthschaftspferden. 

ad 1. wurden ca. 20 Mutterstuten gehalten, die von Beschälern 

aus dem Staats- Gestüt, Furioso-Qtamm., gedeckt wurden, 
ad 2. wurden ca. 20 Mutterstuten verwendet, die mit Hengsten 
der Kreuzung von Kärnthner- und noch schwereren Pferden 
der Mur-Insel gedeckt wurden. 
Daneben besassen alle diese Pferde einen Theil Percheronblut, weil 
zuerst „Percheroner" aus Frankreich direkt eingeführt waren. Früher 
wurde hier englisches Blut benutzt; da aber letzteres mit ungarischem 
sich nicht zufriedenstellend zeigte, wurde wieder zum arabischen bezw. 
zum anglo-arabischen Blut übergegangen. 

Zuchtziel des Gestüts war ein für alle Verhältnisse passendes 
Gebrauchspferd zu schaffen. Neueste Nachrichten über das Gestüt fehlen. 

Comitat Somogy. 

Name des Gestüts: rcLISZ. 

Besitzer: Vincenz von Kund. 

Topographisches: Das Gestüt liegt in der Nähe des Plattensees und kann 
man dasselbe durch die Eisenbahn Stuhlweissenburg — Kanizsa von den 
Stationen Keszthely oder Boglar aus erreichen. Das Land ist theils 
hügelig, theils sumpfig, eignet sich jedoch für den Betrieb der Pferde- 
zucht recht gut. 

Geschichtliches: Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Gestüt Faisz 
gegründet und zwar von den Vorfahren des gegenwärtigen Besitzers ; 
es wurde daselbst das edle ungarische Pferd gezüchtet, welches be- 
deutende Ausdauer bekundete. Es wirkten auf die Zuchtstuten hier die 
Hengste der zu jener Zeit berühmten Battyäny'schen Gestüte ein, auch 
wurden 1830 einige edle Stuten aus dem gräfl. Hunyady'schen Gestüte, 
sowie 1840 einige englische Halbblutstuten neu eingeführt. Die Nach- 
zucht dieser Stuten bildete einen Bestand von ca. 20 Mutterstuten. Später 
kam aus dem Baron Fechtig'schen Gestüt der Vollblut-Araber Abeye mit 
zur Verwendung sowie später auch noch die englischen Vollblut -Hengste 
Murphi und The Hero. 



250 Ungarn. 

Züchtung: In neuerer Zeit wurde ein Hengst der F/uio-^asse: Percival, der 
im k. k. Hofgestüt Lippiza gezogen worden ist, eingeführt und mehrere 
Jahre für 14 Stuten verwendet, wodurch jedoch meistens Schimmel in 
die Aufzucht kamen. 

Neuestes über obisres Gestüt ist bis zur Zeit nicht bekannt geworden. 



Distrikt jenseits der Donau. Comitat Somogy. 

Name des Gestüts: Läbod. 

Besitzer: Graf Paul Ss^chenyi, 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist von der Eisenbahnstation Gross- 
Kanizsa mittelst Geschirr auf guter Strasse in ca. 2 Stunden zu erreichen. 
Die Gegend ist eben, bewaldet, sandig; tiefgelegene Wiesen sind sumpfig. 
Läbod umfasst ein Areal von 4600 ha. Die Gestütsweiden befinden sich 
auf trockenen Wiesen bez. auf leichten Waldflecken und auf Aeckern. 
Der Gebäudekomplex genügt zur Unterbringung von ca. 50 Pferden. 

Geschichtliches: Der Vater des obigen Besitzers brachte durch Kauf die 
Gestüte Ivan und Tarnöcza, sowie um das Jahr 1820 anderweit noch 
das Gestüt Marzäli in Siebenbürgen mit einem Bestand von gegen 
60 Mutterstuten in seinen Besitz. Gegen Mitte der 1850er Jahre hatte 
sich der Bestand auf ca. 200 Pferde erhoben. Nach dem Tode des 
alten Grafen erfolgte die Theilung der bezeichneten Gestüte bezw. die 
des Bestandes unter 7 Söhne. Sämmtliche neue Besitzer züchteten in 
ähnlicher Weise, wie bisher, fort. Am 1. Oktober 1896 jedoch übernahm 
das k. k. Keichs-Kriegsministerium, behufs Errichtung eines Fohlenhofes, 
das ganze Gut Läbod von dem Grafen Szechenyi für 25 Jahre gegen 
eine Jahrespacht von 50 000 fl. in die eigene Verwaltung. 

Züchtung: Seiner Abstammung nach bestand bisher das Gestüt zu Läbod 
aus hochedlen Halbblutpferden. Es wurden 2 Deckhengste gehalten; 
für die stärkeren Stuten ein Vollbluthengst Mural nach Slam aus 
dem Hester (vordem Eigenthum des Grafen Emanuel Zichy) und ein 
Halbblut h engst Rattler aus dem k. k. Hofgestüt Kladrub für etwas 
schwächere Stuten, deren es allerdings nur wenige gab. 

Die Züchtung des Gestüts Marczäli bestand in Unterhaltung des 
edlen siebenbürger und englischen Pferdes, während in den übrigen 
Gestüten die Züchtung des edlen ungarischen Pferdes mit eng- 
lischem Blute vorherrschte. 



Ungarn. 251 

Name des Gestüts: Debreczln & Puszta Hortobägy. 

Besitzer: Stadtgemeinde Debreczin (Kgl. Freistadt). 

Topographisches: Debreczin liegt in einer Ebene mit gleichnamiger Eisen- 
bahnstation der Budapest — Kaschauer Bahn und befindet sich das Gestüt auf 
der 15 — 20 km von da entfernt liegenden Puszta Hortobägy. Auf ge- 
nannte Puszta sind die Pferde nur im Freien; das Klima ist mild; Brunnen 
und Weiden von guter Beschaffenheit. Areal 28000 ha. 1860 betrug 
der Bestand über 2000 Pferde, 7—10000 Rinder und 20 — 25000 Schafe 
als Eigenthum der Stadt; 23000 ha Weideland. Von beträchtlichen 
Wirthschaftshöfen aus wird Ackerbestellung vermittelt. Wegen Misswachses 
wurde 1863 der Bestand verringert. 

Geschichtliches: Die Stadt Debreczin besass bereits schon im vorigen Jahr- 
hundert ein Gestüt; dieses wurde 1821 veräussert und 1828 neu begründet. 
Es wurden zu diesem Behufe gräflich Philipp Beleznay'sche Zuchtpferde, 
spanischer Abstammung aus dem Puszta Ohäter Gestüt, ferner gräflich 
Gyulay'sche siebenbürgische, ausgesuchte Bukowinaer, dann zur Veredelung 
Franz von Pechy'sche englische, gräflich Almäsy'sche siebenbürgische und 
Mezöhegyeser Gestütshengste verwendet. Mit diesem Material und dadurch 
erzieltem eigenen Produkten wurde bis ca. 1866 gezüchtet und um diese 
Zeit wurden einige fremde Hengste angekauft. Ein geordneter Gestüts- 
betrieb besteht allerdings erst seit 1885; es wurden von da ab aus- 
schliesslich „iVö«/«.y"- Hengste verwendet. Der Nonius-Stamm geht auf 
den 1814 als französisches Beutepferd nach Mezöhegyes importirten Nor- 
männer Hengst „Nonius"'' zurück, dessen Mutter englischen Blutes war. 
Das städtische Gestüt enthält gegenwärtig 50 Mutterstuten, dasselbe liefert 
namentlich die Hengste für die Privatgestüte der Stadt Debreczin, deren 
Pferdebestand sich auf 5 — 6000 Stück beläuft. 

Züchtung: Das Zuchtziel des Hortobägyer Gestüts ist auf Produktion von 
Gemeinde-Hengsten gerichtet. Es sind kräftige Pferde, besonders mit 
guter Brust und sehr guter Schulterlage, aber mit Verhältnis smässig 



weniff Adel. 



D.Y. 



Brandzeichen: n ll städtischer Gestütsbrand. 



Distrikt jenseits der üonau Comitat Raab. 

Name des Gestüts: IkPeny. 

Besitzer: Graf von Lamberg. 

Topographisches: Diese Besitzung liegt auf der kleinen Schutt (Insel) und 
umfasst ein Areal von gegen 1400 ha, der Boden ist fruchtbar und der 
Pferde- und übrigen Viehzucht günstig, sie ist aber zeitweise Ueber- 
schwemmungen ausgesetzt. 

Geschichtliches: Die Gmndung betreffenden Gestüts ist um das Jahr 1790 
erfolgt. Während der ersten 30 — 40 Jahre wurden ungarische und 



252 Ungarn. 

spanische Stuten mit Erfolg zur Zucht verwendet, zur Weiterzucht wurden 
hiernach mecklenburgische Hengste sowie zu Anfang der 1850 er Jahre 
englische Halbbluthengste eingeführt. Während der 1880 er Jahre wurden 
dann aber englische Vollblut- und einige Jahre später sogar Norfolker- 
Hengste zur Zucht benutzt. 

Der Bestand beläuft sich stets auf 120 — 130 Pferde incl. der 
Fohlen und kommen* ausser dieser Zahl jährlich noch 30 — 40 Mutter- 
stuten hinzu, daneben aber auch noch Pferde für den Landwii'thschaftsbetrieb. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung starker Reit- und Wagenpferde. 



Brandzeichen: 



« 



Dasselbe wird auf der rechten Seite des 
Rückens angebracht, linkerseits am Rücken gleich- 
zeitig die Fohlennummer. 



Comitat Raab. 

Name des Gestüts: Duna Szent Päl. 

Besitzer: Johann von Sina zu Hodas und Kizdia. 

Topographisches: Duna Szent Pal liegt auf der kleinen Schüttinsel (Szigetköz). 
Die Insel ist eine Alluvialbildung der Donau und enthält sandigen Lehm 
und Sand. Die Weiden sind von mittlerem Bestand. Das Gestüt (Hengste 
und Mutterstuten) liegt am Ort, der Fohlenhof Szunyohäz eine kleine 
Stunde davon entfernt, an der nach der grossen Schüttinsel führenden 
Strasse. Die Gebäude in beiden Höfen sind solid und geeignet herge- 
stellt. Es sind Koppelweiden und bequeme Brunnen vorhanden. 

Geschichtliches: Bezeichnetes Gestüt wurde 1847 — 1848 von obigem Be- 
sitzer auf dessem Gut gegründet unter der Bestimmung, Pferde für eigenen 
Bedarf zu züchten und zwar Reit- und Wagenpferde. Die Mutterstuten 
werden gewöhnlich bei den Wirthschaftsfuhren mit verwendet. Die Farbe 
ist verschieden, jedoch Braun vorherrschend, nur seitdem Samhan und 
Schagya im Gestüt gewii'kt hatten, kamen Schimmel überwiegend vor. 
Vom Jahre 1867 an ist bezüglich der Thätigkeit des Gestüts nichts 
weiter vernommen worden. 

Züchtung: Das Zuchtmaterial besteht aus englischem und arabischem Blute 
und einigen Halbblutstuten. Bei Gründung des Gestüts wurden die An- 
käufe aus den berühmten ungarischen Gestüten zu Ozora und Urmeny 
besorgt, wozu noch im Jahre 1857 vier Stück 2jährige Stutenfohlen 
aus Bäbolna kamen. Die Produkte dieser Periode blieben sehr edel, um 
jedoch die kräftigere Fundamentirung nicht zu verlieren, wurden während 
der Jahre 1860 — 1865 ärarische Hengste arabischen Blutes gemiethet. 
Es deckten daselbst nach und nach: Siglavy, Schagya, Satnhan, Gidran 
und Flatcatcher^ letzterer war englisches Vollblut. 

Bestand: 22 englische und englisch -arabische Vollblutstuten bez. 
Zuchtstuten sowie 48 Fohlen verschiedener Jahrgänge. 



Ungarn. 253 

Name des Gestüts: IrGQ. 

Besitzer: Graf Viczay. 

Topographisches: Das hier bestehende Gestüt liegt in der Nähe von Felsö- 
Ireg, in der Nähe des Marktfleckens Ozara. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde gegen 1790 gegi-ündet und als sehr be- 
rühmt gleichmässig unterhalten. Von Anbeginn wurden gute ungarische und 
später orientalische und englische Stuten zur Zucht verwendet, bis letstere 
zur Anzahl von 120 — 125 angewachsen waren. Als Hengste wurden anfangs 
der orientalische Beschäler Marbeck benutzt, später aber englische des- 
gleichen verwendet. (Grosvenor, Griffin.) Nach dem Ableben des Besitzers 
(1860) wurde das Gestüt, welches sehr gut fundirt war, verkauft und aufgelöst. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Zala. 

Name des Gestüts: KapOmak. 

Besitzer: Gesellschaft Jesu des heiligsten Erlösers 

von Kapornak 

(Abbatia Sanctissimi Salvatoris de Kapornak). 

Topographisches: Dieses Gestüt wird auf der Herrschaft Nagy - Kapornak 
unterhalten; diese Herrschaft hat ein Areal von 1362 ha. Der Boden 
ist sehr hügelig; grösstentheils Wald. Die Leitung des Gestüts ist einem 
landwirthschaftlichen Administrator übergeben. 

Geschichtliches: Gegen Mitte der 1860er Jahre wurde das Bedürfniss rege, 
zunächst für den landwirthschaftlichen Betrieb, geeignete Wirthschafts- 
pferde zu züchten und so hat es sich eingerichtet. Das Gestüt unterhält 
ca 60 Pferde, von denen, je nach Erforderniss, jährlich 10 — 20 Stuten 
zur Zucht verwendet werden; zum Decken werden ein bis zwei Hengste, 
die edler Abkunft sind, gehalten. Hierbei wird festgehalten, dass Voll- 
blutbeschäler aus Kisber aus einer ungarischen Stute fallen. Die Stuten 
gehören leichten und schweren Schlages an; erstere englischen oder 
arabischen Blutes; letztere steierischen Schlages oder sie sind mit Pferden 
der Murin sei verwandt. Die Pferde zeichnen sich durch Zähigkeit und 
Ausdauer aus und haben sehr gesunde Hufe. 

Züchtung: Zweck: Aufzucht von Gebrauchspferden, beliebt als Reit- und 
Kutschpferde für Grossgrundbesitzer dortiger Gegend, sowie und haupt- 
sächlich zum Landwirthschaftsbetrieb. 



Brandzeichen: 



Xj: KU. 



254 Ungarn. 

Name des Gestüts: MeZÖhegye8(kgl.ungar. Staatsgestüt). 

Besitzer: Staats-Fiscus, 

Topographisches: Die Staats-Domäne Mezöhegyes liegt im Comitat Csanäd 
und befindet sich auf einer grossen Puszta, 2 Meilen nordwestlich von 
Batonya, an der Arad — Szegediner Eisenbahn und ist Station. Das Areal 
beträgt 17 325 ha und ist wegen der grossen Ausbreitung in die 4 Bezirke: 
Mezöhegyes, Fecskes, Kamaräs und Pereg getheilt. Das ganze Gestüt 
befindet sich in bester Kultur und besitzt fruchtbaren Boden sowie an- 
genehmes Klima, ausserdem wird grosser Oekonomiebetrieb unterhalten 
mit bedeutender Rinder-, Schweine- und Schafzucht etc. 

Geschichtliches: Kaiser Franz Joseph IL gründete 1785 das Gestüt. Der 
Zweck war Anfangs der, die kleine unansehnlich gewordene Pferde- 
Landrasse zu verbessern und theils ein ansehnliches Militärpferd, theils 
aber auch ein gutes Arbeitspferd zu erzeugen. Es wurden zu diesem 
Behufe Anfangs gegen 1000 Stuten mit der entsprechenden Zahl Hengste 
aufgestellt. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts belief sich die Zahl sämmt- 
licher Pferde auf ca. 3000 Stück mit ungefähr 50 eigenen Beschälern 
und ca. 40 Landbeschälern, ferner mit gegen 600 zahmen und ungefähr 
300 wilden Mutterstuten. 

Nach den Feldzügen (1809 und 1810) wurden dem Gestüt aus 
reduzirten Kavallerie -Regimentern Stuten zugewiesen, bei denen in grosser 
Zahl verheerende Krankheiten auftraten, so dass während der Jahre 
1809 — 1816 ^,%^qvl 20 000 Pferde der Rotzkrankheit verfielen und an 
dieser zu Grunde gingen. Trotz aller erdenklichen Vorkehrungen wurde 
ausser anderen Krankheiten der nachträglich immer wieder auftauchende 
Rotz erst im Jahre 1853 vollständig beseitigt. 

Von der Begründung (1785) an bis in die 1850 er Jahre wurden 
dem Gestüt Hengste und Stuten verschiedener Rassen zugeführt, als: 
englische, arabische, aus der Bukowina, aus der Moldau, aus Oesterreich, 
Bayern, Mecklenburg, Polen. Siebenbürgen, Ungarn etc. Daraus konnte 
selbstverständlich eine geordnete Zucht nicht hervorgehen, es waren zu 
viel Zuchtstuten und zu viel Rassen vorhanden. Daher wurde durch 
Abgabe von englischen Vollblutstuten nach Kisber, arabischen Stuten 
nach Bäbolna und Lippizanei-n nach dem 1874 neu begründeten Fogaras 
der Zuchtbetrieb vereinfacht. 

Infolge besondei'er Vererbungsfähigkeit einzelner Hengste wurde es 
möglich von 1877 an in Mezöhegyes mit 5 Stämmen zu züchten: 

1. Das Gidran-Stammgestüt. Die schönsten Pferde Mezö- 
hegyes sind die Gidrans, es sind sämmtlich Füchse. Der 
Stammvater, Gidran sen, war reiner Araber und 1817 ge- 
boren, dessen Vater war der Original -Araber Gydran und 
dessen Mutter eine Koptschaner Stute. 1895 waren als Be- 
schäler vorhanden: Bibor, Kengyel, Amaty^ Gidran XXXIII, 
Gidran XXXVI und Exact, ferner 117 Mutterstuten, mit 
den Jahrgängen 1895: 250 Stück. 



Ungarn. 255 

2. Grosses Nonius-Stammgestüt. Dieser Stamm unterscheidet 

sich von dem kleinen Nonius-Stamm nur durch die Grösse 
seiner Produkte. Der Gesammtbestand belief sich 1895 
auf 220 Stück, davon waren 100 Mutterstuten, ausserdem 
verschiedene Jahrgänge. 1895 waren folgende Hengste vor- 
handen: Routier, Uermeny, Nonius XVI, Nonius XXII und 
Nonius XXIX. 

3. Kleines Nonius-Stammgestüt. Von der Noniusrasse sind 

die kleineren die beliebteren. Der Gesammtbestand war 
1895: 224 Stück, aus Mutterstuten verschiedener Jahrgänge 
nebst Hengsten bestehend. Hengste waren 1895 vorhanden: 
Szdlänez, Vthar, Nonius XII, Nonius XXX und Nonius XXXI. 
Ueber die Entstehung der iVi?«/«^- Rasse ist Folgendes 
bekannt: Nonius sen. wurde 1815 von den Oesterreichern 
in Frankreich erbeutet. Dieser ist in der Normandie ge- 
boren und der Sohn des Beschälers Orion sowie einer 
Enkelin eines englischen Hengstes. Orion selbst ist ein 
Sohn des Marmentin von englischer ßasse. Als Nonius 
in das Depot zu Bec gegeben wurde, sandte man ihn mit 
anderen Füllen gleichen Alters in das Gestüt Zweibrücken; 
man wollte in Erfahrung bringen, welchen Einfluss der 
Wechsel der Gegend, das Klima und die Nahrung auf diese 
jungen Pferde ausüben würde. Die Vereinigung des Gestüts 
von Zweibrücken mit jenem von Rosiöres war ohne Erfolg ge- 
blieben, da alsbald die österreichischen Kürassiere von hier 
eine Anzahl Hengste in die Hände ihrer Regierung über- 
lieferten, worunter sich Nonius mit befand, letzterer kam 
nach Mezöhegyes. 

4. Das englische Halbblut-Stammgestüt. Der Bestand war 

1895 91 Mutterstuten ausser den Jahrgängen, mit letzteren 210 
Stück. Hengste waren vorbanden: Kiidö, Routier, Deutscher 
Michel I. North-Star IV, Furioso XII und Furioso XIX. 
Stammhengste sind die Vollblüter Furioso aus dem Gestüt 
des Grafen Georg Karolyi, 1836 nach Mezöhegyes gebracht, 
nebst dem in England gezogenen Rapphengst North-Star. 

5. Das Norfolker Stammgestüt. Gegenwärtiger Stand (1895) 

4 Mutterstuten und 7 verschiedenaltrige Fohlen. Folgende 
Hengste deckten um jene Zeit: Nonius XVI, Nonius XVIII 
und Nonius XXIX. Wegen Misserfolgen soll dieser Stamm 
Bedenken erregt haben. Wie neuerdings darüber verfügt 
worden, ist nicht bekannt. 

Züchtung: Der Zuchtzweck des Gestüts besteht darin, gute Landbeschäler 
zu züchten, die vierjährig an Staats -Hengstendepots abgegeben werden. 
Das Gestüt ist nicht im stände den Bedarf an Hengstmaterial zu decken, 
es werden daher jährlich noch gegen 200 Stück jüngere oder ältere 
Hengstfohlen in Ungarn angekauft und Mezöhegyes zugetheilt. Fehler- 
hafte Hengste werden castrirt, dergleichen Stuten ausrangirt. 

Mezöhegyes unterhält im Ganzen 2000 — 2500 Pferde sowie nebenbei 
ca. 4000 Rinder und gegen 6000 Schweine. 



256 



Ungfarn. 



Brandzeichen: Die in Mezöhegyes gezogenen Pferde führen den Namen des 
Vaters, daher erhalten die Fohlen einen Vaterbrand, 
welcher aus den Anfangsbuchstaben des Vaternamens 
in lateinischer Schrift besteht, z. B.: Bibor = B., 
Vihar = V.,. Nonius =■ N. auf der linken Seite 
des Rückens, darunter den Mutterbrand. Auf der 
rechten Rücken Seite wird die Nummer des Fohlens 
eingebrannt, auf der linken Hinterbacke der Kaiserbrand, welcher 
aus einer Krone mit einem darunter befindlichen M besteht. Sind die 
Thiere jedoch rein gezüchtet, so erhalten sie den Rassebrand, wie 
nachstehend. 






Rassenbrände. 




Rasse. 


Brandzeichen. R a S S e. 


Brandzeichen. 


Furioso 

Gidran 


^Hi aj Nonius 

J^^ 1 North -Star . . . 

1 













Name des Hengstes. 


Brandzeichen. 


iName des Hengstes. 


Brandzeichen. 


Bibor Gidran . 


^^ 


Mont Gibello . 


Of^ 


Deutscher Michel. . 


/? 


Nonius XII . . . 




Furioso XII . . . 


T:^Z 


Nonius XVI . . . 


J^e 1 





Ungarn. 


257 


Name des Hengstes. 


Brandzeichen. j 


Name des Hengstes. 


Brandzeichen. 


Furtoso XIX . . . 


r,s 


Nonius XXVIII: . 

1 


.X^/ 


Gidran XXXIII . . 




North -Star . . . 


\' 


Gidrafi XXXVI . 


1 


Ostreger I. . 


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Gidran Amati . 


3i 


Nonius 11 . 


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Gidran Exact . 


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Routier No?iius . 

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Kengyel Gidran . 


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Szalancz Nonius . 


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Miklos 


ac 


Vihar 


V 


Miklos Nonius . . 


MT 


Vihar Nonius 


ET 


Bräuer, 


Gestüte. 




17 



258 Ungarn. 

Name des Gestüts: LällQ. 

Besitzer: Graf Johann Zichys Erben. 

Topographisches: In reizender, fruchtbarer Gegend, IY2 Stunde von der 
historischen Königsstadt Stuhlweissenburg entfernt, liegt das herr- 
schaftliche Schloss Läng. Das Schloss, pi'achtvoll gebaut und erhalten, 
liegt in der Nähe des Gestüts. Von der Eisenbahnstation Stuhlweissenburg 
aus ist das Gestüt leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Die Geschichte des Gestüts datirt schon aus früheren Jahr- 
hunderten und zeichnete sich dasselbe stets durch die Zucht grosser, 
hübscher und edler Wagenpferde aus. Bei Lebzeiten des Vaters der 
nachherigen Besitzer wurden gi'äflich Illeshäzy'sche und fürstlich Ester- 
häzy'sche Halbblutbeschäler verwendet; später wurden aus dem zu jener 
Zeit aufgelösten gräflichen Diczay'schen Gestüt zu Ireg, die Beschäler 
Othello, Oronko, Omar, G7'ifftn und Mistry, sowie Gri?nalkm aus dem Ge- 
stüt Koptschan gemiethet, bez. erkauft. 

Im Jahre 1828 übernahm Graf Camillo Zichy das Gestüt käuflich; 
es wurden importirt die Vollbluthengste Mulatto und Doncaster, sowie 
dann weitere Vollbluthengste Carthago, Walldear, Frawil, Ufiion. Mit 
Mulatto und Doncaster wurde seit 1854 besonders Vollblutzucht in 
Läng betrieben, wozu aus dem Visza'schen Gestüt einige Vollblutstuten 
verwendet wurden. Seit 1852 führte Graf Alfred Zichy die Leitung des 
Gestüts. Die Leitung desselben soll dadurch eine vorzügliche gewesen 
sein. Der Bestand des Gestüts war bis Mitte der 1860er Jahre in 
Läng ca. 350 Halbblutpferde, davon ca. 80 Mutterstuten; Vollblutpferde: 
3 — 5 Hengste und 11 Stuten. 

Bei dem 1881 erfolgten Ableben des Grafen Camillo Zichy ging das 
Gestüt ein. Die Güter wurden unter die Söhne vertheilt, so dass Läng 
in das Eigenthum des heutigen Besitzers überging. Etwa die Hälfte der 
sämmtlichen Gestütspferde erhielt Graf Neänder Zichy, welcher dieselben 
nach Duna Abony im Stuhlweissenburger Comitat überführte und hier 
mit dem ursprünglichen Länger Material ein neues Gestüt anlegte. 

Züchtung: Zweck des Gestüts war, gute Reit- und Wagenpferde zu ziehen. 
Diese Pferde trugen alle den Charakter des edlen englischen Halbblutes 
und unter den in Verwendung gekommenen Hengsten befanden sich 
häufig solche englischen Vollblutes, so dass das Gestüt in fortschreitender 
Veredelung seiner Zucht begriffen war. 



Brandzeichen: 




Bestehend aus einem Z mit darüber be- 
findlichen Grafenkrone, wurde am linken 
Hinterschenkel aufgedrückt (s. Nagy-Läng). 



Ungarn. 259 

Name des Gestüts: Nagy-Läng. 

Besitzer: Graf Zichys Erbest. 

Topographisches: Ca. lO km von Stuhlweissenburg wurde ehedem auf einer 
reizenden, fruchtbaren Puszta, wo bereits ein gräfliches Schloss mit grossen 
Gärten sich befand, obiges Gestüt errichtet. Die Ahnen betr. Familie 
waren bereits eifrige Pfleger und Förderer der Pferdezucht. Zu dem bez. 
Gestüt konnte man s. Zt., infolge günstiger Eisenbahnverbindungen, von 
der Bahnstation Stuhlweissenburg aus gelangen. 

Geschichtliches: Nachgewiesenermassen wurde in Läng bereits seit 1758 
Pferdezucht in intensiver Weise betrieben; die Grossmutter obiger Erben 
ging mit ihren Berathern von dem Grundsatz aus, Pferde zur Zucht zu 
aequiriren, die guten, tüchtigen Wagenschlag erzeugten. Daraufhin wurden 
geeignete Pferde aus den Gestüten Elöszällas und Esterhäzy, die damals 
bereits bestanden, erkauft. Gegen das Jahre 1848 war die Zahl der 
Pferde in dem Gestüt auf 600 angewachsen. 

Der Stall für die Gebrauchspferde, sowie der Zukaufspferde ist für 
ca. 50 Pferde eingerichtet und sehr geräumig; dessen Decke wird von 
Marmorsäulen getragen; auch sind Krippen aus Marmor angebracht; der 
Fussboden ist aus festgestampftem Letten hergestellt. 

Die Pferde zeigen viel Adel, aber nicht so wie im Gestüt Ozora, 
dahingegen aber besser wie im Gestüt Adänd. Im Allgemeinen wurden 
in Läng etwas mehr als Halbblutthiere gezogen. 1848 bestand das 
Gestüt aus 8 Voll- und Halbbluthengsten: Claudius /, Claudius IL, Jupiter^ 
Mulatto^ Union, Walldear, Chäteau Margaux und Freiwill; 4 englischen 
Original- Vollblutstuten: Claudine, Swiss, Laura und Velboun; diese Stuten 
waren von hohem Adel mit schönen Körperformen und stark fundamentirt. 

Infolge Todesfall des Grafen Camillo Zichy ging 1881 das Gestüt 
ein. In die Güter theilten sich die Söhne; ein Theil, der des Grafen 
Neander Zichy, siedelte nach Duna Abony über; in Läng wurde das 
Gestüt neu begründet. 

Bis dahin trugen alle Pferde den Charakter des englischen Halbblutes 
mit überschreitender Veredelungf. 

Brandzeichen: 

Nebenstehendes Brandzeichen wurde am 
Rücken links eingebrannt. 




17* 



260 Ungarn. 

Name des Gestüts: LZ6CZG. 

Besitzer: Einmrich von Ssluha, 

Topographisches: Czecze liegt nördlich, von der Bahnstation Stuhlweissenburg 
ca. 50 km, von der DampfschifFstation Duna-Földvär einige 20 km ent- 
fernt. Von Stuhlweissenburg aus sollen guterhaltene Strassen das Fort- 
kommen nach dem Gestüt erleichtern. Das Klima ist mild und gesund; 
das Areal zur Weide flach und eben. Die Gebäude zur Unterbringung 
des Gestüts befinden sich in Czecze und Hard, wo auch die Weide vor- 
handen ist. Im Härder Wald entspi'ingt eine Quelle gleichen Namens, die 
das Gebiet der Herrschaft bewässert und in den Sär-Viz-Canal mündet. 
Die im Herbst entwöhnten Fohlen werden nach Czecze überführt, der 
ältere Nachswuchs verbleibt in Hard (1 Stunde von Czecze, gegen Duna- 
Földvär, entfernt). 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1780 gegründet. Das Zuchtmaterial be- 
stand s. Z. aus edlen siebenbürger Pferden, beiderlei Geschlechts; durch 
Mistry 1836 — 1844; durch Halbbluthengst Darde von 1844—1848; 
durch Vollbluthengst Glaucus von 1848 — 1853; ferner von 1853 — -1861 
der lichtbraune Hengst Unioti, dann von 1861 — 1864 der Bäbolnaer 
Vollbluthengst (Fuchs) Dahomati I V \m^ 1865 der Halbbluthengst 7vr«/«7/ 17. 
Es wurden indessen fortwährend die edelsten Hengste aus dem fürstlichen 
Esterhäzy'schen (Ozora - Gestüt), dem gräflich Zichy'schen (Läng -Gestüt) 
etc. etc. bis in die neueste Zeit mit benutzt. 

Züchtung: Unter diesen Verhältnissen wurde bisher dem Czecze'sche Gestüt 
ein edler Charakter zugetheilt, der auch fortbesteht. Mutterstuten mit 
englischer und arabischer Blutmischung werden durchschnittlich 30 — 40 
srehalten. 



Brandzeichen: 




Nebenstehendes Brandzeichen wurde auf 
der linken Hinterbacke angebracht. 



Oomitat Wieselburg. 

Name des Gestüts: FraUCndorf. 

Besitzer: Graf Batthyäny. 

Topographisches: Frauendorf ist ein grösseres Gut mit einem Areal von 
ca. 1000 ha und liegt ca. IY2 Stunden von der Eisenbahnstation Wie- 
selburg, der Wien — Raaber Eisenbahn entfernt. Von Wien aus ist 
Frauendorf in 3 Stunden zu erreichen. Von Pressburg liegt das Ge- 
stüt 2 Stunden entfernt. Frauendorf hat 4 Gestütshöfe: 



Ungarn. 261 

1. Hof: Mutterstutea, Hengste und zum Verkauf gestellte Pferde; 

2. Hof: 1-, 2- und 3jährige Nachzucht der engl. Vollblut-Rasse; 

3. Hof: 1-, 2- und 3jährige Fohlen Araber- u. Siebenbürger Rasse; 

4. Hof: Halbblutgestüt und die abzusetzenden Fohlen. 

Geschichtliches: Das Bestehen dieses Gestüts ist aus dem gräfl. Josef 
Batthyäny'schen Gestüts-Archiv zu Elesd (einem Marktflecken im Comitat 
Bihär) bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts nachzuweisen. Es wurden 
damals von den berühmtesten Gestüten in Siebenbürgen Zuchtpferde an- 
gekauft. 

Die Siebenbürger Rasse wurde hier konstant gezogen und stets 
veredelt durch Original -Hengste dieser Rasse bis zum Jahre 1853, wo 
dieses Gestüt, welches damals aus 300 Pferden bestand, auf 60 Mutter- 
stuten herabgemindert wurde. Um jene Zeit fasste der Besitzer den 
Entschluss, die englische Vollblut- und Halbblutzucht und die Araber- 
Rasse in seinem Gestüt einzuführen. Zu diesem Zwecke wurde im Laufe 
der nächsten Jahre die englischen Vollbluthengste: Ficoreur, gezogen von 
M. R. Milner in England, dann Young Voltaire, gezogen von Lord Exeter 
in England, die auf der Rennbahn rühmlichst bekannten: Dainoicr, 
Alexander und Rienzi aus dem Gestüt des Grafen Hahn -Basedow, die 
englischen Vollblutstuten Morning • Star, Tephana und Martmgale, ge- 
zogen von M. R. Osbaldeston in England, Mora, gezogen von Lord George 
Bentinck in England, Fernhill, gezogen vom k. k. Militär-Gestüt Kisber etc., 
dann die Mutterstuten Young Miss Artjiitage und Carolina, gezogen vom 
Fürsten Esterhazy. Ein Theil der erwähnten Vaterpferde wurde zur 
Kreuzung mit siebenbürger Stuten verwendet. 

Damals wurden auch folgende Araber - Pferde eingestellt: Fachabi 
Nr. 4, Asslan und Meops aus dem k. ung. Staatsgestüt Bäbolna, Längs 
Lady, Siglavy Nr. 2, Siglavy Nr. 3, Fersana und Mesrur aus dem Gestüt 
von Jurenak in Ungarn. 

Zur Errichtung des englischen Halbblut- Gestüts wurden in 
Mecklenburg-Schwerin fast um dieselbe Zeit damals gekauft: 

Hengst Courier von Young Frotector aus einer T^^^r^? - Stute, 
Alexandra von Frotector nach der Bomba Falma (aus dem 

Michael'schen Gestüt Ihienfeld), 
Grisette von Y. Royal und der Grisette, 
Fides von Boradel nach der Zia. 

Aus dem Gestüt des Fürsten Esterhazy wurden gekauft die Halb- 
blutstuten : 

■ V071 Gambia nach einer Champio?t-^iVi.iQ, 
„ King Charles nach einer Robert -'j^ixx.i^, 
,, Cotswold nach der Brünette -'^ivAe, 
„ Sir Fatton nach der Champiofi -Stute. 

Aus dem k k. Gestüte Kisber wurde gekauft: 

Oakball Nr. 1 nach Oakball aus der Fachabi Stute Nr. 7. 

Aus dem Gestüt Hunyady abstammend wurde gekauft: 

Galante und Csillag von Saut er la Coupe aus der Csillag Frod- 
wall, Sultania von Sauter la Coupe und der Sultane, Fri- 
vateer, John Bull etc. 



262 Ungarn. 

Name des Gestüts: GÖrCSÖll. 

Besitzer: Baron Nicolais Wesselenyi. 

Topographisches: Das Gestüt war 1860 zu dem östlichen Theile des sieben- 
bürgischen Kreises Szilägy - Somolyo gehörig, im siebenbürgischen Erz- 
gebirge, in der Nähe der königl. Freistadt Zilah. Letztere hat eine 
schöne Lage am Fusse des Bei-ges Meszes und ist nordöstlich ca. 60 km 
von Grosswardein gelegen. Im Dorfe Zsibö unweit Zilah befindet sich 
das Schloss genannten Besitzers. Der gegenwärtige Besitzer von Görcsön 
ist auch Besitzer von Obrazsa in Siebenbürgen, Comitat Weissenburg; 
das dort früher bestandene Gestüt ist nach hier genommen und dort 
aufgehoben worden. 

Geschichtliches: Die Hei-rschaft Görcsön gehörte früher der Graf Andrässy'- 
schen Familie und wurde Mitte der 1870er Jahre von Wesselenyi käuflich 
erworben. Um diese Zeit wurde gleichzeitig mit einem Landschloss ein 
Gestüt errichtet, wodurch das seit dem 18. Jahrhundert berühmt ge- 
wordene Halbblutgestüt zu Szibö sowie die Gestüte Hadad und Välaszut 
■durch familienverwandtschaftliche Verhältnisse in engeren Verkehr kamen. 
Um das Jahr 1740 erfolgte durch den Vater obigen Besitzers die Grün- 
dung obigen Gestüts mit der der übrigen Wesselenyi'schen Gestüte zu 
Hadad, Välaszut und Szibö (Zsibö). Ursprünglich wurde orientalisches 
Zuchtmaterial (20 arabische Stuten und der Hengst Gallant) eingeführt, 
später folgte spanisches und englisches Material. 

Züchtung: In Görcsön blieb der Pferdebestand zwischen 80 — 90 Stück, dieser 
enthielt edles englisches Halbblut. Von den zur Zucht verwendeten Voll- 
bluthengsten ist zunächst Count Zdenko {Buccatieer aus der Ci25/'(?r-Stute) 
zu nennen, ferner aber auch der andere Sanson von Zethland als Halb- 
bluthengst zu erwähnen. Gewöhnlich wurden über 20 aus der eigenen 
Zucht stammende Mutterstuten englischen Halbblutes zur Zucht ver- 
wendet. Zuchtziel: Erzeugung starker Reit- und Jagdpferde. Fohlen 
und Mutterstuten werden möglichst Tag und Nacht in geeigneter Weise 
im Freien gelassen. 

Brandzeichen: 




Distrikt diesseits der Theiss. Comitat Gomör. 

Name des Gestüts: HOSSZUret. 

Besitzer: Graf Andrdssy. 

Topographisches: Die Besitzung mit vormaligem Gestüt liegt in der Nähe 
von Rosenau, einer freundlichen Stadt am Sajo. 



Ungarn. 263 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde im Jahre 1822 von Freiherr von Brüdern 
angelegt und mit 20 Stuten aus dem G-estüt des Grafen Nikolaus Bethlen 
zuerst besetzt; diese Mutterthiere gehörten der siebenbürger Rasse an. 
Das Gestüt sollte jedoch, wie anderweit bestimmt wurde, der orientalischen 
Zucht dienen; es wurden daher die Siebenbürger, welche auch ein Theil 
des gemischten Blutes enthielten, veräussert, und aus dem Baron Fechtig- 
schen Gestüt Kirchschlag von 1823 ab, der Hengst Hamdan, nebst den 
Stuten Hadba und Bedue (arabische Rasse) neu eingestellt; hiermit wurde 
von jetzt ab orientalische, siebenbürger und englische Zucht getrieben. 
Anderweit wurden noch ein englischer Vollbluthengst, ferner 4 englische 
Halbblutstuten, dann eine mecklenburger Stute aus dem Ivenaker Gestüt 
und je eine Stute aus den Lippizaner- und dem Hunyady-Gestüt ein- 
gestellt; dann folgten noch 5 Stuten aus dem Jos. von Brudern'schen 
Gestüt nach Hosszuret. Alle diese Pferde zeichneten sich durch besondere 
Schönheit aus. Der Bestand verblieb durchschnittlich auf 30 Stuten. 

Während der 1830 er Jahre ging der Besitz des Gestüts an den 
Grafen Andrässy über; kurz darauf wurde dasselbe aufgelöst und 1870 
wieder neubegründet; kurze Zeit darnach aber wieder aufgehoben. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Eisenburg. 

Name des Gestüts: GeCSeny. 

Besitzer: Graf Franz Erdödy. 

Topographisches: Von der Eisenbahnstation Steinamanger, der Wien — 
Kanizsaer Eisenbahn, 3 Stunden entfernt ist Gecseny, eine Puszta von 
bedeutender Ausdehnung und das Gestüt darauf in gewölbten Ställen mit 
geeigneten Einrichtungen untergebracht. In der heissen Jahreszeit wird 
dasselbe nach Jänoshäza verlegt, wo es in den Marzal- Wiesen nahrhafte 
und üppige Weide findet. 

Geschichtliches: Als im Jahre 1849 das Graf Batthyany'sche Gestüt zu 
St. Groth aufgelöst wurde, brachte Graf Cajetan Erdödy, Vater obigen Be- 
sitzers, den grössten Theil desselben an sich, darunter die Hengste Victor 
und Hajhäsz. Später wurden vom Graf Paul Szechenyi in Marczali die 
Vollbluthengste Orpheus und Mizar angekauft, welche hier im Gestüte 
sehr gute Fohlen erzeugten. 

Hengste: Faugh-a-Ballagh, Vollblut, gezogen von Mr. Bate- 
man in England 1852; Trajan (Rappe) nach Orpheus aus 
der Lady Harry. 
Stuten: Zelma, My Pet, Matilde, Lady Harry mxdi Miss Gragh: 

Vollblut; ferner noch 12 edle Halbblutstuten. 
Fohlen: 3 jährig waren im Gestüt 42 Stück, jährlich kamen noch 
verschiedene Jahrgänge bis Anfang der 1860er Jahre hinzu; 
bis dahin blieben alle Nachrichten aus. 
Die Fohlen wurden bis dahin im 4. bezw. 5. Jahre erst aufgestellt 
und eingefahren oder geritten; diese eigneten sich zu jeder Verwendung 
durch ihre edle Form und kräftige Ausbildung. 



264 Ungarn. 

Name des Gestüts: HÖgyeSZ. 

Besitzer: G't'^^f Karl von Apponyi. 

Topographisches: Högyesz ist ein Marktflecken mit Schloss des Gestüts- 
besitzers. Das Areal dieser Herrschaft beläuft sich auf über 4000 ha; 
dasselbe ist hügelig und etwas moorig. Durch Eisenbahn leicht zu 
erreichen. 

Geschichtliches: Vor 1775 war das genannte Gestüt bereits gegründet und mit 
ungarischem Stammmaterial besetzt. Behufs Verbesserung des Gestüts, 
bezw. an Grösse die Thiere gedeihen zu lassen, wurden s. Z. Pferde aus 
dem gräflich lUeshäzy'schen Gestüt zu Särvär sowohl, als aus dem gräflich 
Batthyäny'schem solche Hengste überführt, welche die Zucht veredeln sollten. 
Von letzterem Gestüt kam Sille zur Verwendung; danach und bis zu 
gegenwärtiger Zeit wurde aus dem Gestüt Elöszällas zur Verwendung ge- 
bracht; durch Ankauf: Hamdani, Emir, Splitt und Elegant. In allerletzter 
Zeit wurde aber auch noch ein ungarischer Hengst des iV<?«/w.y-Stammes 
benutzt. Die Zahl der Mutterstuten betrug 20 — 24 Stück. 

Züchtung: Zucht ziel: Pferde zu erlangen zum Privatgebrauch. 
Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Torontal. 

Name des Gestüts: Hatzfelu (Zsomboly). 

Besitzer: Graf Andreas Csekonics, 

Topographisches: Hatzfeld ist Marktflecken mit Bahnstation der Eisenbahn- 
linie Pest — Temesvar. Das Gestüt liegt in der Nähe des Ortes. Areal 
40 — 50 ha; bestehend aus guten Wiesen und Weiden. Es wird sehr 
darauf gesehen, dass die Pferde möglichst viel Zeit in freier Luft und 
ungehinderter Bewegung zubringen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte Ende des vorigen Jahr- 
hunderts durch den Vater des gegenwärtigen Besitzers Graf Josef Cseko- 
nics. Bis 1830, von der Gründung an, wurde darin das edle ungarische 
Pferd gezüchtet; von da ab aber zur Kreuzung des alten Gestütsschlages 
mit englischen Stuten reinblütig weitergezüchtet. Ausserdem aber wurden 
von 1826 ab die alt -ungarischen Stuten mit einem ungarischen, einem 
arabischen und einem englischen Hengste gedeckt; dann von 1830 an 
englische Voll- und Halbblutstuten mit Vollbluthengsten gepaart. Der 
Bestand beläuft sich, nach direkt gehaltener Anfrage, auf 125 — 150 Pferde. 
Behufs Verstärkung der Knochen wird sehr darauf gesehen und dazu das 
englische Halbblut der bisherigen Furioso-'^2i%'&Q in Mezöhegyes benutzt. 

Züchtung: Zuchtzweck: Grosse Wagenpferde zu erzeugen, worauf die 
Zuchtrichtung hinausgeht; auch leichtere Kutschpferde, sowie vorzügliche 
Reitpferde. 



Ungarn. 265 

Name des Gestüts: HOSZtOVJtZa. 

Besitzer: Freiherr Alexander von Bethinann. 

Topographisches: Das Gestüt liegt in der Nähe von Homenau (im Gebirge), 
einem Marktflecken mit Schloss und schönen Gärten und kann von 
Kaschau, der ehemaligen Hauptstadt von Ober-Ungarn, nordöstlich von Buda- 
pest, an der Hernad und an der Theissbahn gelegen, leicht erreicht werden. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1858 in Hosztovitza gegründet und 
wegen guter Gebirgsweiden Halbblut-Pferdezucht daselbst errichtet. 
Bis dahin bestand betrefli'endes Gestüt in Krinec, wo die Vollblutzucht 
noch fortbetrieben wurde (s. Krinec in Böhmen, Bunzlauer Kreis). Zur 
vorgeschriebenen Zucht wurden von diesem Zeitpunkte ab die Hengste 
Nicholsen und Belisar sowie 17 Stuten original -englischer Abkunft ge- 
halten. Die Aufzucht wurde nach englischem Prinzipe gehandhabt. Die 
Produkte wurden 5 jährig für verschiedene Gebrauchszwecke beurtheilt 
und je nach Bedarf abgegeben. Ob dieses Gestüt zur Zeit in bisheriger 
Weise noch besteht oder fortbetrieben wird, konnte nicht festgestellt werden. 

Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Bekes. 

Name des Gestüts: Ketegyhäza. 

Besitzer: Graf Kolonian Almdsy. 

Topographisches: Die Herrschaft, worauf vorstehendes Gestüt betrieben wird, 
umfasst ein Areal von über 2700 ha, davon sind für das Gestüt über 
100 ha zu Weideflächen bestimmt, worauf die Gestütspferde von Ende 
März bis Mitte November Tag und Nacht verbleiben. 

Geschichtliches: Graf Ignaz Almasy gründete 1780 das Gestüt, welches in 
derselben Familie bis jetzt betrieben wird. Von der Gründung ab, bis 
Anfang vorigen Jahrhunderts wurden stets gegen 100 Stuten gehalten, 
die sehr werthvoll waren. Es wurden hiervon einige 30 benutzt und 
durch Hengste der Kladrub-Rasse Toscane/io-Qtamm. gedeckt. In neuerer 
Zeit werden zwischen 60 — 70 Stuten mit den übrigen, bis zu 100 Stück 
zählenden Pferde gehalten und von ersteren jährlich ca. 30 — 40 gedeckt; 
hierzu werden 1 — 2 Beschäler gehalten; Voll- und Halbbluthengste des 
Jankovicz'schen Gestüts (Lippizaner). Die hier gezüchtete Pferderasse 
gipfelt auf Verfeinerung des früheren alten siebenbürgischen Pferdes. 
Die meisten der hier gezüchteten Thiere werden in der Mehrzahl leicht- 
gängige Wagenpferde und dort als „Jucker" bezeichnet; auch werden 
Reitpferde davon herangebildet und kürzlich abgesetzte Fohlen abgegeben. 



Brandzeichen: 



«^ 



266 Ungarn. 

Name des Gestüts: KondOPOS. 

Besitzer: (^'^<^f Wladimir Mittrowsky. 

Topographisches: Die Herrschaft Szarvas-Kondoros umfasst ein Areal von 
über 3066 ha, welches zu einem grossen Theile vom Körös-Pluss berühi't 
wird. Kondoros liegt an der Pest-Arader Eisenbahn und ist von der 
Station Gyoma nach Zurücklegung von ca. 12 km Weges zu erreichen. 

Geschichtliches: Im Jahre 1847 traf seiner Zeit obiger Besitzer Vorkehrungen 
zur Gründung des bezeichneten Gestüts. Der politischen Bewegungen 
halber wurde jedoch Weiteres für dasselbe nicht unternommen. Die 
eigentliche Begründung erfolgte nun aber 1852. Das Zuchtmaterial be- 
stand aus Stuten verschiedener Abstammung unter Anwendung englischer 
Vollblutbeschäler. Das Gestüt zählte während der 1880 er Jahre gegen 
80 Pferde ausser den Hengsten (einem englischen Voll- und einem Halb- 
bluthengst der Normand - Rasse), dann noch aus einem original-russischen 
Orlow-Traber und 20 Stuten, die aus Polen, Russland, Mecklenburg etc. 
stammten. Unter den früher zur Zucht benutzten Beschälern waren die 
englischen Vollbluthengste: Napoleon, Orosmann und Vagabond von Buc- 
caneer sowie die Halbbluthengste Furioso, Nonius und C/iießain und der 
Orlow-Traber Basboinik. 

Züchtung: Zuchtzweck: Erzeugung brauchbarer Reit- und Wagenpferde, 
die dort gut geschult und vormals nach grossen Städten und in ver- 
schiedene Marställe gebracht wurden. Das Gestüt wurde wegen Wegzugs 
des Besitzers auf seine Besitzungen in Mähren 1887 aufgelöst. 

^^^^^^~ Nebenstehendes Zeichen wurde auf der 

linken Sattelseite (unterm Sattel) sammt Poh- 
lennummer und Geburtsjahr an der linken 
Ganasche ^^p angebracht (Bruchform). 



(TD 



Comitat Doboca. 

Name des Gestüts: KorleS. 

Besitzer: Graf Gabriel BetJilen. 

Topographisches: Die Herrschaft liegt bei Bistritz, einer kleinen Stadt, und 

war ehedem im Besitz des Gi'afen Aloys Bethlen. 
Geschichtliches: Nach den Mittheilungen des M. v. Erdelyi stammt das Ge- 
stüt Kerles aus dem gräflich Josef Banfy'schen Gestüt zu Bonczhida. 
Von diesen Pferden, insgesammt 80 — 100 an der Zahl, waren gegen 
Brandzeichen' ^^tL I 30 Stuten, leiztere spanischer Abkunft, 

wovon der Nachwuchs als Beschäler ab- 
gegeben bezw. zu Luxuspferden ver- 
wendet wurde. Das Gestüt wurde als 
solches von dem Besitzer aufgehoben. 




Ungarn. 267 

Name des Gestüts: KÖrÖS-Ladäny. 

Besitzer: Graf Hoyos-lVenckheim. 

Topographisches: Körös-Ladäny ist ein Dorf am schnellen Koros mit 
schönem herrschaftlichen Schloss. Die mit letzterem im Zusammenhang 
stehende Herrschaft ist über 1700 ha gross, mit grösstentheils humus- 
reichem Sandboden; grosse Weiden. 

Geschichtliches: Der Wahrscheinlichkeit nach ist das Gestüt 1809 gegründet 
und unter gewöhnlichen Verhältnissen, wie dort z. Z. üblich, fortgeführt 
worden. Seit dem Jahre 1857 hat man begonnen intensiver zu züchten 
und hat sich daher von dieser Zeit an bewogen gefunden ein Gestütsbuch 
zu führen. Von genannter Zeit ab hat man das gute Pferd, zum Theil 
ungarische Rasse, zum Theil aber auch das englische Halbblut-Mutter- 
stutenmaterial zu Grunde gelegt, um dadurch den Typus des Jagdpferdes 
zu erzielen Es waren hierzu 24 Mutterstuten bestimmt, die von Staats- 
hengsten gedeckt wurden und zwar in je 4jähriger Abwechselung mit 
Voll- und Halbbluthengsten. Der Grund hierzu lag darin, einer Ver- 
feinerung der Produkte vorzubeugen und diesen ein gefälliges Aeussere 
und im Allgemeinen einen kräftigeren Knochenbau als Reitpferd zu ver- 
leihen. Gegen 12 — 18 Fohlen jährlich. 

Züchtung: Zuchtzweck: Während oder gegen das 4. Jahr werden die Pferde 
angeritten und meist für Militärzwecke verkauft. 

Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Bekes. 

Name des Gestüts: KlgyÖS oder KlgyÖS. 

Besitzer: Graf Friedrich Wenckheim. 

Topographisches: Die bezeichnete Besitzung liegt in der Nähe der Stadt 
Gyula und ist ca. 7 km von der Eisenbahnstation Bekes - Csaba entfernt. 
Das Areal beträgt ca. 7700 ha. Das Gestüt befindet sich in einem 
grossen Meierhofe und ist von 4 Stallungen umgeben. 

Geschichtliches: Laut erhaltenen direkten Mittheilungen fällt die Begründung 
des Gestüts in das Jahr 1811 zurück, weitere Notizen hierüber kann 
man jedoch nicht geben, als vom Jahre 1842, wo der frühere Besitzer 
Graf Josef Anton Wenckheim den ersten Stutenstamm siebenbürgischen 
Blutes aus den Gestüten der Grafen Banflfy und Bethlen sowie einen 
Hengst (Bdtor) bezogen hatte. Um damalige Zeit wendete sich der Be- 
sitzer mehr der arabischen Rasse zu und kaufte deshalb aus dem Staats- 
gestüt Mezöhegyes den Vollblutaraber El Bedavy, womit bis gegen 
1850 gezüchtet wurde. Um diese Zeit trafen noch 4 reinblütige ara- 
bische Stuten ein, mit denen gleichfalls 2 reinblütige Araberhengste an- 
kamen. 1854 wurde englisches Vollblut dazu eingeführt (Rob. Peel) und 
1859 gleichfalls der englische Vollbluthengst Little Jack. Hierdurch trat 
Verfeinerung der Knochen ein, weshalb man von 1866 ab begann die 
Stuten mit Halbblut zu decken und zwar von 1887 bis gegen 1890 
durch gemiethete Staatsbeschäler. 



268 Ungarn. 

Züchtung: Zuchtzweck: Deckung des eigenen Bedarfs an Wagen- und 
Reitpferden für den Besitzer sowie an Zugpferden für die Oekonomie. 
Die übrigen Pferde werden zugeritten und hiernach meist als Luxuspferde 
verkauft. 

Der Bestand betrug über 200 Pferde: Gestütspferde incl. Fohlen 
gegen 130, Reit-, Wagen- und Zugpferde gegen 70 Stück. 

Brandzeichen: Ein besonderes Brandzeichen ist nicht im Gebrauch, dahin- 
gegen wird ein Einbrennen der Fohlennummer auf der linken Sattelseite, 
je für Hengste und Stuten der Reihenfolge nach für sich, bewirkt. 

Comitat Budapest. 

Name des Gestüts: KlS KcLPtäl (auch Kis Harta gen.). 

Besitzer: Baron Gecza Podmaniczky. 

Topographisches: Der Gestütsort, der wohl auch Kis Harta heisst, ist ein 
wohlhabendes Dorf. 

Geschichtliches: Die Gründungszeit ist nicht festzustellen, doch wahrschein- 
lich jüngeren Datums. Der Besitzer unterhält hier ein Vollblutgestüt. 
Dasselbe enthält 10 Vollblut-Mutterstuten nebst einen ebensolchen Hengst. 
Diese Zuchtpferde sollen nach Grassmanns Angaben ins allgemeine östex'- 
reichisch-ungarische Gestütsbuch eingetragen werden. Ausser dem eigenen 
Hengste soll noch ein solcher des königl. Staatsgestüts Kisber für einen 
Theil Stuten verwendet werden. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung von geeigneten Produkten für die Rennbahn. 

Comitat Szabolcs. 

Name des Gestüts: NylP-Bakta. 

Besitzer: Baron Gecza Podmaniczky. 

Topographisches: Nyir-Bakta liegt nordöstlich von Debreczin und einige 
20 km östlich von der Eisenbahnstation Nyiregyhäza. Areal 1700 ha. 

Geschichtliches: Um die Jahre 1844 — 1860 befand sich dieses Gestüt im 
Besitz der Gebrüder Grafen Degenfeld; hier wurde s. Z. mit einem Be- 
stand von einigen 70 Pferden Halbblutzucht mit gutem Erfolg betrieben. 
Hiernach wurde bekannt, dass obiger Besitzer desselben Gestüts Halb- 
blutzucht mit 24 Mutterstuten betreibt. Halbblutpferde und leichte 
Jucker. Zur Bedeckung der Zuchtstuten werden 2 Hengste benutzt, von 
denen Conversano, Lippizaner Abkunft und Faraway der Norfolker Rasse 
angehört. Mit diesem Material verfolgt das Gestüt als Zu cht ziel die 
Erzeugung eines brauchbaren Jagdpferdes sowie eines schnellen, ausdauern- 
den Juckers. 

Graf Emmrich Degenfeld-Schonburg gründete ehedem das Ge- 
stüt auf dem Gute obigen Besitzers, worin die Beschäler Gladiator und 
Kont mit Vortheil Verwendung fanden. 



Ungarn. 269 

Name des Gestüts: KlS-JenÖ. 

Besitzer: Erzherzog Joseph. 

Topographisches: Die Herrschaft Kis-Jenö liegt im ungarischen Tieflande. 
Der Ort Kis-Jenö ist Marktflecken und liegt am Fluss „Weisser Koros". 
Die ganze Herrschaft umfasst ein Areal von über 11000 ha. 

Geschichtliches: Auf genannter Herrschaft ist allem Vermuthen nach schon 
früher Pferdezucht betrieben worden, in regulärer Weise geschieht dies 
jedoch seit Mitte der 1870 er Jahre. 

Der Gesammtbestand beträgt über 300 Köpfe. 

Züchtung: Das Zuchtziel ist, nach 2 Eichtungen hin zu züchten: 1. für 
den Marstall und 2. für den Oekonomiebetrieb etc. 

Um die Abstammung zu ei'zielen, sind einige 20 Voll- und Halb- 
blutstuten, gegen 30 Stück arabische und Siebenbürger Rasse und gegen 
40 Stück schwere Murthalpferde {Nonius-K}ü\.Qmxa^\\) aufgestellt, wozu 
2 Hengste: Pluto (Lippizaner) und Ndnius (dem Stamm angehörend) 
sowie alljährlich noch 2 Beschäler des ungarischen Staatsgestüts (VoU- 
und Halbblutpferde) bestimmt sind. Durchschnittlich besteht der Zu- 
wachs jährlich aus 40 — 50 Fohlen. Nach vollendetem vierten Jahre 
werden die Fohlen den sogenannten Lehr Stallungen zugeführt und hieraus 
der Qualität nach untergebracht. 

Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Torontal. 

Name des Gestüts: KJS-BikätS. 

Besitzer: Ladislaiis von Kardtsonyi. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt vom Marktflecken Beodra ca. 
5 km entfernt und ist ungefähr, von der Eisenbahnstation Gross-Kikinda, 
an der ungarischen Staatsbahn, nach 10 km Weges, oder von der Dampf- 
schiffstation Türkisch-Becse, in derselben Zeit zu erreichen. 

Die Gestütsgebäude wurden Ende der 1830 er Jahre neu hergerichtet, 
in 3 abgesonderten Gebäuden: a) ein Stutenstall für 24 Stück; b) ein 
Fohlenstall mit 8 Abtheilungen für Fohlen, Hengste, Arbeitspferde etc. 

Geschichtliches: An dem bezeichneten Orte befindet sich das Gestüt bereits 
seit dem vorigen Jahrhundert, jedoch fehlen speziellere Angaben. 

1840 gründete vorstehender Besitzer dasselbe anderweit, nachdem 
er erforderliche, bezw. zweckmässige Bauten zur Beendigung gebracht hatte. 
Er führte in dasselbe eine Anzahl Voll- und Halbblutstuten ein, welche 
die besten Stuten der alten Siebenbürger Rasse repräsentiren sollten, 
wozu er den Halbbluthengst Onnaii (1840- — 1845) zum Decken benutzte. 
Ferner wurden 1846 Fancy-Boy; 1847 — 1852 Crazy-Boy, Vollblut nach 
Tom-Boy und Bessi; 1853 — 1854 Brillant, Halbblut; 1855 — 1857 Prince 
Djalma (Fuchs) Vollblut nach Privateer und Brognolli; 1858 Ismael 
(Schimmel) arabischer Abkunft; 1859 Snowstorm (dunkelbraun) Vollblut 



270 Ungarn. 

nach Lancasier und Rebecca; 1860 Black-Boy, Halbblut-Rappe nach Fal- 
conare und Romare; 1861 — 1865 Volois, Vollblut nach Dauphin aus Mary; 
ferner Sprudel, Vollblut nach Cardinal Puff und Miss Heller, Turchmen J., 
Lippizaner Zucht; Vezer, Vollblut nach d'Artag?ian und Mary. 

Bis 1840 waren 259 Fohlen aus dem Gestüt abgegeben worden. 
Bis vor 1863 war der Stand der Mutterstuten 24, der der Fohlen 70 — 80. 
1863 wurde das Gestüt auf 56 Pferde vermindert und zwar auf 7 Voll- 
blutpferde, 36 Halbblutstuten und 13 Halbbluthengste und Wallachen. 
Ueber den gegenwärtigen Stand des Gestüts ist, trotz öfteren Anfragens, 

nichts bekannt. ^^ 

Für Voll- und Halbblutpferde an der linken 

Schulter. 



Brandzeichen: 



1 



Für Halbblut an der linken Hinterbacke. 



Für Arbeitsthiere an der linken Ganasche. 



Distrikt diesseits der Theiss. Comitat Abanj. 

Name des Gestüts: KetTienCZe. 

Besitzer: Graf Alexander Forgdch, 

Topographisches: Das Gestüt liegt etwa 12 km von Kaschau entfernt, 
Kemencze selbst liegt an der Hernad und bildet den Knotenpunkt der 
Kaschau — Oderberger und der ungarischen Staatsbahn. Diese Herrschaft 
besitzt insgesammt über 5000 ha Areal, davon sind für das Gestüt incl. 
der Weiden gegen 14 ha bestimmt. 

Geschichtliches: Als Gestüt wurde Kemencze zu Anfang der 1860 er 
Jahre gegründet. Es kamen bis zu dieser Zeit als erster Stamm einige 
Vollblut- und mehrere massige Halbblutstuten zur Verwendung, deren 
. Nachzucht theils als Reit-, theils als leichte Wagenpferde Verwendung 
fanden. Im Jahre 1864 wurden, um sich mehr der Vollblutzucht zu- 
zuwenden, die Vollblutstuten: Aunt Sally von Rifleman aus einer Pyrrhus 
the yfr^Z-Stute, Miss Eleanor von Alarm aus der Gifievra und mehrere 
andere dergleichen eingeführt. Bis zum Jahre 1874 hatte sich hier eine 
vorzügliche Vollblutzucht entwickelt, wobei das Hengstmaterial: Topas, 
Little Harry, Rothschild, Coiswold, Daniel, O'Rourke etc. bei einigen 
20 Mutterstuten das Gestüt bis 1876 zur höchsten Blüthe gebracht hatte. 
Alljährlich wird ein Theil der Jährlinge zum Verkauf gestellt und ein 
Theil später für die Rennbahn vorbereitet. Nach 1885 wurde älteres 
Zuchtmaterial nach besonderer Sichtung abgegeben und bei Einstellung 
neuer Stuten, inländischer und 9 ausländischer, nur bestes Rennblut von 
Hermit, Blair Athol, Doncaster etc. berücksichtigt. 

Ende 1893 starb der Besitzer, das Gestüt wurde darnach verkleinert 
und nahm an Bedeutung ab. 



Ungarn. 271 

Name des Gestüts Nagy-SzalätlCZ. 

Besitzer: Grafen Stefan und Alexander Forgdch. 

Topographisches: Das Gestüt liegt 3 stunden von Kaschau entfernt, an der 
Eisenbahnlinie Kaschau — Oderberg, Station Nagy-Szaläncz. Dasselbe liegt 
gebirgig und an einem Abhang, das Klima, bei 1150 m hoher Lage, ist 
nicht rauh. Der Ort Nagy- Szalancz ist ein Marktflecken, das Gestüt ist 
mit dem Ort umwaldet und gegen Süden offen, mit schöner Fernsicht 
in die Ebene des Zempliner Comitats; in der Mitte des Ortes liegt ein 
herrschaftliches Schloss obigen Besitzers, au das ein schöner Park sich 
anschliesst. Die Herrschaft enthält ein Areal von ca. 6500 ha mit Land- 
und Forstwirthschaft. Die Ausläufe und Weideplätze liegen unmittelbar 
an den Stallungen und bestehen aus kleinen Waldwiesen, diese sind 
hügelig und ca. 20 ha gross. 

Die Stallungen selbst sind in dem Marktort Nagy- Szalancz , wo 
sich überhaupt das Gestüt befindet. Die Fohlen werden, nachdem sie 
abgesetzt, nach Also Kemencze (IY2 Meilen von Nagy-Szaläncz) überführt, 
woselbst diese bis zum nächsten Sommer verbleiben und dann zurück- 
geführt werden. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde im Jahre 1860 in kleinem Massstabe 
mit 3 — 4 Stuten angelegt, seit dieser Zeit aber theils durch Importiren, 
theils durch eigene Zucht beständig vergrössert. Im Anfange wurden 
nebst zu Rennzwecken auch Halbblut - Reit - und -Jagdpferde für den 
eigenen Gebrauch gezüchtet. Am Ende der 1860 er Jahre wurden je- 
doch die Halbblutstuten separirt und in das Halbblut-Gestüt Tisza-Czege 
gesendet und seit dieser Zeit nur Vollblut gezüchtet. 

Züchtung: Zuchtziel und Zuchtzweck: Ausschliesslich Produktion für 
Rennzwecke, die 1jährigen Fohlen werden theilweise verkauft und theil- 
weise an Ort und Stelle trainirt. 

Bestand: Ca. 3 Vollbluthengste, 22 Vollblutstuten (wovon durch- 
schnittlich 12 — 15 tragend sind) und ca. 20 — 22 Fohlen im Alter von 
Y2 — 4 Jahren. Hengste: Kettledriim, Pahnerston und Anearanthiis. 
Stuten: Ainara, Atirora, A?7ia?yllis, Ai-rogante, Brimhilde, Cymba, Con- 
sideration, Dryad, Fair-star etc. Im Gestüt befindet sich Trainir- Anstalt 
mit ca. 8 Stück im Training. 



Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Szabolcs. 

Name des Gestüts: Nad-Udvar. 

Besitzer: Freiherr von Balddcsi-Veghvezekenyi. 

Topographisches: Bezeichneter Gestütsort liegt in der Nähe von Debreczin, 
auf der Puszta Hortobägy im Meierhof Mihälyhalma, in dem das Gestüt 
aufgestellt ist. Der Weidegang w^ar im Ganzen befriedigend. 



272 Ungarn. 

Geschichtliches: Das Gestüt Nad-Udvar entstand aus dem Gestüt zu 
Barshalom, in dem die alte ungarische Graf Zerdabely-Rasse mit dem 
besten Vollblut gekreuzt, kein nutzbringendes Resultat ergab, indem die 
edelsten Produkte durch hartnäckige Krankheiten und andere Leiden um- 
standen. Dieser Umstand war die Ursache des Auflösens des Gestüts im 
Jahre 1845. 

Im Jahre 1852 machte der Besitzer einen weiteren Versuch, Pferde 
zu züchten; er führte neue, kräftige Mutterstuten der ungai'ischen Rasse ein 
und gründete damit ein neues Gestüt, welches sich aber schwer acclimatisirte. 
1863 wurden 27 der schönsten Pferde des Gestüts durch Milzbrand hinweg- 
gerafft. Von mehreren Vaterpferden hat sich hier der Hengst King-Tom 
auffallend gut vererbt. 

Züchtung: Zuchtzweck war, einen leichten Reitschlag zu erzielen. Ob 
dasselbe Gestüt zur Zeit noch besteht, ist nicht bekannt geworden. 

Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Szatuiclr. 

Name des Gestüts: Nagy-Kärolyl. 

Besitzer: Graf von Kärolyi, 

Topographisches: Der Gestütsort ist Marktflecken und liegt nordöstlich von 
Debreczin, in einer flachen, reizlosen Gegend; grosses gräflich Kärolyi'sches 
Schloss mit schönem Garten, Fasanerie und Thierpark. 

Geschichtliches: Die Geschichte des Gestüts datirt zurück auf die des Gestüts 
zu Derekegyhaza im Comitat Csongräd, und ist Nagy-Kärolyi als ein Theil 
desselben von 1826 ab anzusehen. Bei der erwähnten Theilung fielen 
dem damaligen Besitzer, Georg von Kärolyi, ca. 20 Mutterstuten zu, die 
nach hier übersiedelten; es begann dann gleichzeitig die Einführung des 
englischen Blutes, welches 1827 schon ein Zuchtmaterial von 8 VoUblut- 
und 4 tüchtigen Halbblutstuten aufzuweisen hatte. Dazu waren um jene 
Zeit die Hengste Talyho, Highflyer und Paspan aus England eingeführt. 
Die fortwährende Aufmerksamkeit welche der Veredelung und Auffrischung 
des Blutes zugewendet wurde, beweisen die nachstehenden, der nach und 
nach verwendeten Vaterpferde: Phantom, Cato, Casper (vormals Jöbson), 
Lionel Lincoln, Privateer, Grimalkin, Manchester^ Gidran (Original- Araber) 
Jonas, Red Rover, Trap-Ball, Boy Motnus, Gaudy, Ariel, Duncan, Coulon, 
Blücher, Waterloo und noch 21 weitere. Durch das General-Stutbuch 
war die Mehrzahl der Vaterpferde nachzuweisen, welches edle eingeerbte 
Blut dem Gestüte Nagy-Kärolyi zugeführt worden war. Durch konsequente, 
rationelle Erziehung der Pferde erreichte obiges Gestüt einen bedeutenden 
Ruf und kam in grosses Ansehen unter den ersten und vorzüglichsten 
Privatgestüten Ungarns, deren bedeutendstes dasselbe bis gegen das Jahr 
1867 noch war. 

Züchtung: Zuchtziel und Zweck waren, durch englisches Voll- und Halbblut 
einen vorzüglichen Wagenschlag zu erziehen, der als Carrossiers viel be- 
kannt und gesucht wurde. Ob genanntes Gestüt gegenwärtig noch besteht 
und in welcher Weise selbiges gegenwärtig betrieben wird, war von der 
Verwaltung desselben, die öfter darum angegangen wurde, nicht zu erfahren. 



Ungarn. 273 

Name des Gestüts: Nagy-Mlhäly. 

Besitzer: Graf Sztäray. 

Topographisches: Nagy-Mihäly (Gross-Michel) ist Marktflecken, 5V2 Meilen 
nordöstlich von Ujhely gelegen, mit Schloss des Grafen Sztäray und zählt gegen 
3000 Einvvohner. Comitat Zemplin. Zu dieser Besitzung gehört noch das 
Nebengut Nagy-Zalacska. Das Areal für Weidebetrieb beträgt über 100 ha, 
die Gegend ist eben und wird besonders auf tägliche Bewegung der Fohlen 
gesehen. Bis zum Gestüt ist eine Wegstrecke von 8 km zurückzulegen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte zu Anfang der 1870 er 
Jahre. Dasselbe entstand durch kleine Anfänge. Gegenwärtig wird hier 
ein umfängliches Gestüt betrieben, so dass sich die Kopfzahl öfter auf 
ungefähr 250 Pferde incl. der Fohlen beläuft. Als Hengste dienen ge- 
wöhnlich 2 Vollblüter: Krawarn, Tala?i, und 1 Halbblüter: Zanlos nach 
Barometer gezogen. Mutterstuten werden durchschnittlich gegen 50 auf- 
gestellt, von denen meistens 6 dem Vollblut und die übrigen dem englischen 
Halbblut sowie dem Schlage der Jagd- und Wagenpferde angehören. 
Bis zum 5. Jahre bleiben die Fohlen im Gestüt und während dieser 
Zeit findet bei denen, die nicht an ärarische Pohlenhöfe zu Militärzwecken 
abgegeben werden, die Aufzucht als Jagd- und Wagenpferde statt. 

Distrikt diesseits der Donau. Comitat Tolna. 

Name des Gestüts: Nagy-Dorog. 

Besitzer: Graf Szechenyi-Sändor. 

Topographisches: Das genannte Gestüt, welches auf einer Herrschaft mit 
einem Areal von über 3000 ha betrieben wird, ist von Talna aus am 
bequemsten zu erreichen. Der Boden ist grösstentheils sandig. Die 
Fohlen werden in Ausläufen, von den Ställen ausgehend, gehalten, sowie 
auch auf Weiden gebracht. 

Geschichtliches: Hinsichtlich der Gründung des Gestüts ist nichts bekannt, 
aus Grassmann ist jedoch zu ersehen, dass dasselbe insgesammt ca. 106 
Pferde umfasst und die Zahl der Mutterstuten sich auf 25 Köpfe heläuft. 
Betreffs der Abstammung gehören diese Pferde dem englischen Halbblut 
an, sind kräftig und von starkem Knochenbau, Jährlich werden ca. 
15 Fohlen erzeugt. 

Züchtung: Zuchtziel: Starke Reitpferde bezw. Carossiers. 

Brandzeichen: 

Wird auf der linken Seite 
des Widerrists angebracht. 



Bräuer, Gestüte. 18 




274 Ungarn. 

Name des Gestüts: 0-SzÖny. 

Besitzer: Frau G^cza von Adam. 

Topographisches: Ö-Szöny ist ein grösseres Gut (gegen 3000 ha Areal) in 
der Nähe der Freistadt und Festung Komarom am linken Ufer der Donau. 
Comitat Komorn. 

Geschichtliches: O-Szöny soll früher einem György'schen Gestüt gedient 
haben. Gegenwärtig betreibt obige Besitzerin ein solches. Pferde aus 
verschiedenen guten Gestüten (Zichy zu Lang etc.) sollen das gegen- 
wärtige Gestüt begründet haben. Die Zahl der Pferde soll sich auf 
ca. 70 belaufen, darunter 1 englischer Vollblut- und 1 desgleichen 
Halbblut-Beschäler sowie gegen 20 Mutterstuten, die dem Halbblut 
angehören. Die Nachzucht beträgt jährlich gegen 20 Stück. 

Züchtung: Ausnutzung: Verkauf der älteren Fohlen zum Reit- und Fahrdienst. 

Distrikt diesseits der Theiss. Comitat Abaüj. 

Name des Gestüts: Nagy-SzalänCZ. 

Besitzer: Graf Josef Forgäch. 

Topographisches: Die Herrschaft, mit gegen 6500 ha Areal, liegt ca. 
3 Stunden von Kaschau und ist die zweite Station der Kaschau — Oder- 
berger Staatseisenbahn (ungarische Nordostbahn), von dieser Station aus 
ist das Gestüt in kurzer Zeit zu erreichen. Die Lage des Gestütshofs 
ist 1150 m über dem Meere an einem Gebirgsabhange. Von da aus hat 
man eine schöne Fernsicht in die Ebene des Zempliner Comitats. In 
der Mitte des Ortes befindet sich das herrschaftliche Schloss mit schönem 
Park. Die Ausläufe und Weideplätze, auch Waldwiesen in der Nähe der 
Stallungen enthalten eine Fläche von 20 ha. 

Geschichtliches: Die Gründung betreffenden Gestüts erfolgte 1860 in kleinem 
Massstabe mit 3-4 Stuten und wurde seit dieser Zeit theils durch Ln- 
portation. theils durch eigene Zucht beständig vergrössert. Im Anfange 
wurden ausser zu Rennzwecken auch Halbblutpferde und zwar Reit- und 
•Jagdpferde für den eigenen Gebrauch gezüchtet. Ende der 1860er 
Jahre wurden die Halbblutstuten separirt in das Halbblut- Gestüt Tisza- 
Csege gesendet und seit dieser Zeit nur Vollblut gezüchtet. Die Ge- 
schichte dieses Gestüts fällt mit der des Kemenczer Gestüts zusammen. 
Graf Alfred Forgäch, der Bruder des Obigen, betrieb „Vollblutzucht " in 
Kemencze. Graf Josef dagegen hatte die bisherige Zucht etwas ver- 
ringert und zwar auf 2 Vollblut- und 4 Halbblut- sowie 12 in der 
Oekonomie beschäftigte Mutterstuten. 

Hengste waren während der 1880er Jahre vorhanden: Kettledrum, 
Falmerston und Auraranthus. Stuten: Amara, Aurora, Armadale, Arro- 
gante, Brutihilde, La Gallone, Cymbia, Fidget, Firefly, La Charantonne etc. 

Züchtung: Zuchtzweck: Ausschliesslich Erzeugung von Rennpferden. Die 
einjährigen Fohlen werden theilweise verkauft, theilweise hier trainirt, 
davon sind in der hier miterrichteten Trainiranstalt ca. 8 Stück im 
Training. Die Zahl der Pferde überhaupt war früher gegen 60 Stück, 
gegenwärtig jedoch weniger. 



Ungarn. 275 

Name des Gestüts: Kiräly-Telek (Puszta Kiräly-Teiek). 

Besitzer: Graf Dessewffy. 

Topographisches: Die ganze Besitzung hat ein Areal von ca. 3000 ha 

Areal inne (Coraitat Szabolcs). 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde von einem Vorfahren des gegenwärtigen 
Besitzers um die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Edeleny im Borsoder 
Comitat gegründet, welcher Ort ein Marktflecken ist, an der Bodva liegt 
und ein schönes Schloss nebst grossen Garten aufzuweisen hat. In 
Edeleny wurde damals die altungarische Rasse gezüchtet; dann kam das 
Gestüt nach Hugyaj und von hier aus wurde dassell)e im Jahre 1850 
nach Kiräly-Telek verlegt und seit dieser Zeit wird dasselbe heute noch 
betrieben. 

Bis zum Jahre 1888 besass das Gestüt über 100 Pferde, wovon 
immer gegen 20 und darüber Mutterstuten zur Verfügung standen. Durch 
zeitweise Einmischung edlen Blutes wurde dasselbe aufrecht erhalten, 
das arabische und spanische Blut zur Erzielung von leichtgängigen und 
ausdauernden Pferden benutzt. Gegenwärtig verfolgt man das Zuchtziel 
auf Produktion von guten, schnellgehenden Juckern; aber auch sucht 
man „Traber"-Pferde zu gewinnen, wozu man deshalb einen amerikanischen 
Traberhengst Cupid als Hauptbeschäler benutzt. Ausser diesem Hengste 
sind gewöhnlich noch 2 dergleichen im Gebrauch. 

Züchtung: Von den Fohlen wird ein Theil für die Rennbahn vorbereitet und 
der andere Theil zur Deckung des eigenen Bedarfs verwendet. 

Brandzeichen: 






Comitat Bacs. 

Name des Gestüts: nRSZtinSl. 

Besitzer: Baron Ludwig von Redl. 

Topographisches: Rasztina liegt von der Eisenbahnstation Nemes-Militics 
ca. 30 km und von Baja, Stadt nahe der Donau, mit schönem Schloss, 
, ca. 37 km entfernt. Areal über 1800 ha; schwarzer Sandboden mit 
Humus, Wiesen etc. 

Geschichtliches: Nach geschichtlichen Uebertragungen soll das hier unter- 
haltene Gestüt von dem ürgrossvater des gegenwärtigen Besitzers (Baron 
Franz von Redl) mit türkischen Zuchtpferden 1740 gegründet worden sein. 
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Hengste aus einem sieben- 
bürgischen Gestüt angekauft. Während der 1830 er Jahre wurde ein 
gräflich Viczay'scher Halbbluthengst benutzt und während der 1850 er 
Jahre Siglavy , ein Lippizaner Rothschimmel -Hengst, vom k. k. Hof- 

18* 



276 Ungarn. 

stall angekauft, dann traten aber ausnahmslos edle englische Halbblut- 
hengste in Benutzung, die vom Staate miethweise abgegeben wurden. 
Mitte 1890 war der gesammte Pferdebestand gegen 120 Köpfe; hiervon 
20 Mutterstuten, die 4jährig gedeckt werden. Ausserdem der gemiethete 
Vollbluthengst Remeny, in Kisber gezogen. 

Züchtung: Die hier gezogenen Pferde sind voi-zügliche leichte Wagenpferde 
und Jucker. Gegen 15 Fohlen werden jährlich geboren. 

Brandzeichen: , , , ,, , . , ^ t, ^ , j r u 

JN ebenstehendes Brandzeichen wurde truher 
auf der linken Ganasche; gegenwärtig auf 
der linken Sattelseite angebracht. 



^ 



Comitat Pest -Pilcs- Seit- Eis -Kun. 

Name des Gestüts: Näfly-KOPOS (Staatshengsten-Depöt). 

Besitzer: Königl. ungarisches Ackerbauministeriwn. 

Topographisches: Nagy-Körös ist Marktflecken, liegt ca. 10 Meilen südöstlich 
von Budapest, an der ungarischen Staatsbahn von Czegled nach Szegedin. 

Geschichtliches: Dieses Staatshengsten-Depöt wurde 1859 als k. k. II. Staats- 
hengsten-Depöt mit 6 Posten errichtet; davon wurden, infolge der Keichs- 
theilung mit Beginn des Jahres 1869, 2 dergleichen (Eperjes und Almosd) 
an das Depot Debreczin, sowie ein anderweiter Posten (Kis-Szent-Miklos) 
an Mezöhegyes abgetreten; wofür für Nagy-Körös (in Dorozsma) ein neuer 
Posten eingerichtet wurde. Bis vor ca. 10 Jahren (1889/1890) bestand 
das Depot aus nachstehenden Posten: 

Posten Nr. 1 in Nagy-Körös :^= 20 englische Vollblut, 56 englische 
Halbblut, 29 arabische Halbblut, 20 Normänner (Nonius) 
12 Anglo-Araber (Gidran), 3 Norfolkei", 13 Lippizaner; 
Posten Nr. 2 in Versecz (Comitat Temes) = 7 englische Vollblut, 
88 englische Halbblut, 1 Original-Araber-Vollblut, 27 ara- 
bische Halbblut, 29 Normänner (Nonius), 4 Norfolker, 

16 Anglo-Araber (Gidran), 17 Lippizaner; 

Posten Nr. 8 in Mezöhegyes (Comitat Csanad) = 12 englische 
Vollblut, 55 englische Halbblut, 19 arabische Halbblut, 
22 Normänner (Nonius), 30 Anglo-Araber (Gidran), 2 Nor- 
folker, 4 Lippizaner; 

Posten Nr. 4 in Baja (Comitat Bacs-Bodrog) = 15 englische 
Vollblut, 61 englische Halbblut, 11 arabische Halbblut, 
28 l&Qixm2kW\^Qx( Notiius) , 22 Anglo- Araber/^G^/^r^z«/ 6 Norfolker. 

Posten Nr. 5 in Dorozsma (Comitat Csongräd) = 18 englische 
Vollblut, 49 englische Halbblut, 31 arabische Halbblut, 

17 Normänner, 12 Anglo-Araber, 2 Norfolker. 

Im Jahre 1890 bestanden 268 Beschälstationen, wozu 659 Hengste 
benutzt wurden. Ausser diesen waren noch 89 Hengste an Gemeinden 
und an einzelne Pferdebesitzer vermiethet. 



Ungarn. 2'7'7 

Name des Gestüts: UZOrcl. 

Besitzer: Fürst Ester häzy. 

Topographisches: Ozora, Marktflecken mit Schloss, liegt am Sio-Fluss; Comitat 
Tolna; das Areal der Herrschaft ist gegen 3000 ha. Das Gelände ist hügelig. 
Das Gestütsgebäude bildet ein geschlossenes Gehöfte, in dem Beamten- 
wohnungen und Reitschule sich mit befinden. Hierzu gehört noch das 
Vorwerk Maisa zur Unterbringung von ca. 50 Mutterstuten; gute Weiden 
sind in Maisa vorhanden. Ozora ist eines der ältesten Gestüte Ungarns. 

Geschichtliches: Zu Anfang des 18. Jahrhunderts wurde hier die Pferdezucht 
in grossem Umfange betrieben, zu welcher Zeit die Pferde durch be- 
sondere Kraft und Ausdauer sich auszeichneten. Zu damaliger Zeit 
wurden Pferde orientalischer Abkunft gezüchtet, wozu, um leichtere Reit- 
pferde zu erzielen, dem Gestüt Ungarn, Siebenbürger, Spanier und Eng- 
länder zugeführt wurden. Um nun aber um jene Zeit den vielen hier 
gezüchteten Rassen entgegenzutreten, wurde von dem damaligen Leiter 
des Gestüts, ein Zucht ziel dahingehend bestimmt, einen grossen, 
schweren Wagenschlag zum Entstehen zu bringen. Es vnirden hierzu 
nur schwere Beschäler benutzt. 

Züchtung: Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wünschte der anderweite Besitzer 
jedoch ein feineres, edler geformtes Pferd zu züchten, um damit die Renn- 
bahn zu besetzen. Zu diesem Behufe trafen zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts aus Paris 3 arabische Hengste in Ozora ein Ali Bey (Fliegen- 
schimmel) leichtbeweglich mit viel Adel; Emir (Falbe) gutgeschlossene 
Lenden, wohlgefällige Formen; Tereffy (braun), feine Knochen, schmale 
Brust. Um diese Zeit soll das Gestüt die meisten Pferde aufzuweisen 
gehabt haben. In Ozora sollen nach Erdely über 100 Stuten, in Maisa 
50 dergleichen mit 3 Hengsten, als wildes Gestüt zur Zucht verwendet 
worden sein; ausser den Jahrgängen. Später wurde das Gestüt verkleinert 
und dadurch verbessert; es wurde hierbei Ausgeglichenheit beobachtet 
und mit englischem Blut bis 1867 fortgezüchtet. Hiernach wurde, um 
von jetzt ab speziell nur englisches Voll- und Halbblut einzuführen, 
der Mutterstutenstamm auf 35 bemessen und dazu 2 dergleichen Hengste 
bestimmt. 

Alle Thiere trugen den englischen Typus; der jährliche Nachwuchs 
belief sich auf ca. 20 Fohlen. Aus dem Nachwuchs wurden die besten 
Stuten für den Ersatz des Mutterstutenstammes gewählt; Hengstfohlen 
wurden gleichfalls für eventuellen Ersatz gewählt, das übrige Material 
als anerkannt gutes, für gute Preise verkauft. 



Brandzeichen: 








Ausser dem vorstehend beschrie- 
benen Gestüt besteht in Ozoia noch 
ein Unter-Depot des kgl. ungarischen 
Hauptdepöts zu Szekesfejervär (Stuhl- 
weissenburg) mit 224 Beschälern, nach 
dem Stande von 1887. Hiei'über sieho^ 
Szekesfejervär. 



278 Ungarn. 

Name des Gestüts: Puszta Gyarmath. 

Besitzer: ehcde7n: Graf Moritz Sändor; 
gegenwärtig: Fürst Mettemich. 

Topographisches: Genanntes Gestüt war von Beginn an in der Herrschaft 
Bajna etablirt. Nächste Eisenbahnstation Gran — Näna; Dampfschiffstation 
Gran. Comitat Gran. Auf Landweg von Pest-Ofen aus in 4 Stunden zu 
erreichen. Das Gestüt befand sich auf bergigem Terrain; kalkiger Lehm- 
boden mit Sand, Ein gi'osser eingefriedigter Thiergarten diente dem Gestüte 
als Weide. Von hier, gegen Gran, herrliches Schloss der Herrschaft Bajna 
mit grossem gutgehaltenen Park. In den Schlossgängen Sammlung hunderter 
von Hirschgeweihen, lebensgrosses Gemälde des ersten Schlossherrn auf 
dem Hengst Tatar im Treppenhaus etc. 

Geschichtliches: Der Vater des obigen Besitzers, Graf Vincenz Sändor von 
Szlavnicza kaufte, wie ein Gestütsbuch berichtet, 1804 von Nikolaus von 
Lukäts in Unter-Ungarn ein sogenanntes wildes Gestüt, aus 250 Pferden 
bestehend. Dasselbe wurde unter Zukauf verschiedener Normänner, 
mecklenburger und englischer Hengste bis 1826, dem Todesjahr des Gründers, 
verschieden gezüchtet. Von 1827 ab wurde systematisch gezüchtet, unter 
dem Grundsatz nur solche Individuen zur Paarung zuzulassen, 
welche sich durch ausgezeichnete Leistungen als vorzügliche 
Pferde bewährten; daher wurden Grösse, Schönheit, Farbe etc. nicht 
berücksichtigt. Die Proben des Grafen Sändor mit seinen Pferden, hinsicht- 
lich ihrer Leistungen, grenzte an das Unglaubliche. Seit dem Jahre 1826 
bis 1866 wurde laut Gestütsbuch mit 28 Hengsten aus den Gestüten 
Wesselenyi, Bäbolna, Hunyady arabische und englische Vollbluthengste 
gezüchtet, und wurden dazu Stuten aus Kärnthen, Steiermark und dem 
Pinzgau durch diese Vollbluthengste gedeckt. Es wurde zur Deckung 
der ersten Generation der steierischen Stuten der Yorkshirer Traber- 
Rasse -Hengst Havelock angekauft, und die nach diesem gezogenen Acker- 
arbeitspferde entsprachen vollkommen den Erwartungen. 

Die Leistungen der Halbblutpferde, welche sich besonders durch 
Schnelligkeit und Ausdauer auszeichneten, waren als Reit- und Jucker- 
pferde weit bekannt. 

Züchtung: Zuchtziel war: Produktion von Vollblut-, Halbblut- und Acker- 
pferden. Seit Beginn der 1880 er Jahre ist das Gestüt in den Besitz 
des Fürsten Metternich übergegangen. Oefteres Anfragen über den gegen- 
wärtigen Stand des Gestüts blieb erfolglos. 



Ungarn. 279 

Name des Gestüts: KapUVär. 

Besitzer: Gustav Freiherr von Berg, Pächter der Herrschaft. 

Topographisches: Kapuvär, ein Marktflecken mit Schloss und 600 Einwohnern, 
liegt an der kleinen Raab ca. 30 km südöstlich von Oedenburg. Comitat 
Oedenburg. Raab — Oedenburger Eisenbahnverbindung. 

Geschichtliches: Freiherr von Berg, Sohn des ehemaligen Königl. Sachs. 
Oberforstrathes von Berg zu Tharandt, wanderte nach Vollendung seiner 
Studien nach Ungarn aus und erpachtete vor einer langen Reihe von 
Jahren die fürstlich Esterhäzy'sche Majoratsherrschaft mit glänzendem 
Erfolg. Die Thierzucht und Thierhaltung bewegt sich auf der Herrschaft 
Kapuvär in echt ungarischem Geleise (D. L. P. 1899, Nr. 50, S. 581). 
Die Produktion des leichten Wagen- und Reitpferdes erfolgt durch 
ungarische Halbblutstuten mit Verwendung von englischen Voll- 
bluthengsten. Stuten und Fohlen bewegen sich möglichst lange im 
Freien, auf der Weide. 

Züchtung: Zuchtzweck: Vierjährig werden die Fohlen in Gebrauch ge- 
nommen; theil weise aber auch verkauft. Zur Feldarbeit werden meist 
Pferde kalten Blutes, norischer Rasse (Murinsulaner), benutzt, die 
theilweise als Fohlen gekauft, theilweise hier nach einem norischen 
Hengst gezogen werden. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Somogy. 

Name des Gestüts: PUSZta Bereny. 

Besitzer: Arnold von Wodianer. 

Topographisches: Die genannte Puszta liegt ca. 7 — 9 km von dem Orte 
Lengyelthöty, an der Landstrasse von Stuhlweissenburg nach Gross-Kanizs 
und ca. 7 km von der Eisenbahnstation Boglär entfernt. Diese Puszta 
ist schön, höchst fruchtbar. Fohlenweiden sind ca. 1 — 2 Stunden von 
dem Gestütsort entfernt, woi'auf ein Sommerstall vorhanden ist; in der 
Nähe des Plattensees. Die Mutterstuten werden zu leichten Ackerarbeiten 
verwendet. Die grösste Zahl der Pferde ist Mittelschlag, einige dem leichten 
Reit- und Wagenschlag angehöi-end, werden 4jährig meist verkauft. 

Geschichtliches: Der Schwiegervater des obigen Besitzers kaufte 1839 die 
Puszta Bereny sammt dem damals bereits bestandenen Gestüte, dessen 
Stuten zum grössten Theil der Märfly'schen Zucht angehörten und das 
Vaterpferd Namens Zsidö, welches aus dem Fechtig'schen Gestüt, damals 
in Lengyelthöty, Araber-Hengstgestüt, stammte. 1844 wurde nach einer 
Bereny er Stute und dem damaligen Fechtig'schen Araberhengst OBayan 
ein Schimmelhengst, mit Namen Jtmg-0 Bayan erzeugt, welcher hier gegen 
20 Jahre als Vaterpferd verwendet wurde; dieser erfi-eute sich einer 
sehr grossen Nachkommenschaft; er selbst zeigte hohen Adel, Gängigkeit 
und schönes Temperament, war aber etwas klein. 1846 wurden für das 
Gestüt mehrere edle Stuten und ein englischer Original -Vollbluthengst 
Bridegroom angekauft, um dadurch die mangelnde Grösse zu beseitigen. 



280 Ungarn, 

was auch erfolgte. 1856 wurden die genannten beiden Hengste wegen 
hohen Alters beseitigt und dafür später (1864) aus dem k. k. Hofgestüt 
Lippiza Original-Araber-Hengst (Vollblut) Rappe Masrtir aus der Original- 
Araber-Stute Delila in das Gestüt eingeführt, der sich auf den sehr 
homogenen englisch-arabischen Berenyer Mutterstuten in äusserst zufrieden- 
stellender Weise vererbte. 
Züchtung: Bis gegen 1870 befanden sich im Gestüt 12 Mutterstuten, von 
denen ein Theil dem ungarischen und englischen Halbblut angehörte, 
sowie eine Mutterstute Miss- Anna (Fuchs I aus der Hunyady'schen eng- 
lischen Vollblutzucht. Ob das Gestüt zur Zeit noch besteht oder auf- 
gelöst ist, fehlen die Notizen. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Somogy. 

Name des Gestüts: Oreylak. 

Besitzer: Besan Gyula Jankovich. 

Topographisches: Der Gestütsort liegt im Marczalyer Bezirk, von der Eisen- 
bahnstation Boglär ca. 2 Stunden entfernt. Fruchtbare Gegend mit 
üppigen, wiesenreichen Thälern, in der Nähe waldige Gegend mit schöner 
Aussicht auf die Plattensee-Berge. Oreylak ist ein kleines Dorf mit herr- 
schaftlichem Schloss in byzantinischem Styl, Infolge des Besitzes stand 
Oreylak mit dem Gestüt Thersovatz in Slavonien in Verbindung, welch 
letzteres ein Blemer Jankovich besitzt, der verwandt mit ersterem ist. 

Geschichtliches: Von dem früheren Besitzer, Josef Jankovich, wurde 1855 
zu dem hier befindlichen Gestüt der Grund gelegt und zwar nach und nach 
nur mit wenigen Stuten, so dass nach ca. 5 Jahren gegen 16 Stuten 
mittlerer Grösse, dem Reit-, und mittleren Wagenschlag angehörend, 
herangewachsen waren. Fast sämmtliche gehörten dem arabischen oder 
spanischen Blute an; sie waren mittlerer Grösse und hatten Ausdauer, 
worauf besonders Obacht genommen wurde. Das Decken der Stuten er- 
folgte durch Landesbeschäler renommirter Gestüte der Nachbarschaft: 
1862 durch den Landesbeschäler Gidran (Fuchs, arabische Rasse), Mezö- 
hegyeser Zucht, der als Prachthengst in Oreylak aufgestellt war; ferner 
in demselben Jahr und 1863 der in Lippiza viele Jahre verwendete 
Original -Araber, Vollblut- Schimmelhengst Saydan; 1864 der Landes- 
beschäler Gidran XV, 8. — Honigschimmel — (Mezöhegyeser Zucht 
von Vater XV, arabische Rasse, und von Mutter No. 773 Furiosa senior, 
derselben Zucht). 

Züchtung: Ende der 1860er Jahre war der Mutterstutenbestand ca, 20 bis 
22 Stück, Nach der D. L. Presse 1897, Nr. 68, S. 615, trat eine neue 
Aera für dasselbe Gestüt ein. Obiger Besitzer hatte 1869 22 Stück 
norische Stuten zur Zucht eingeführt, die aus ihrer dort in der Nähe 
des Heimathsbezirks der norischen Rasse, aus der südwestlichen Ecke 
Ungarns, stammen, der alten römischen Provinz Noricum, dem heutigen 
Nieder- und Oberösterreich, südlich der Donau. Die norische oder 
Pinzgauer Rasse, kaltblütige Rasse, spielt nämlich in Ungarn eine 
untergeordnete Rolle, 



Ungarn. 281 

Name des Gestüts: SalgÖtska. 

Besitzer: Gebrüder von Appel. 

Topographisches: Von der Station der Wien — Budapester Eisenbahn, Tornöcz, 
aus erreicht man nach Zurücklegung einer Wegstrecke von ca. 7 km 
SalgÖtska, in deren Nähe auch noch bedeutende Gestüte, als Urmeny, 
Mezö-Keszi, Also Jatto, liegen. 

Geschichtliches: Die Geschichte dieses Gestüts fällt mit der des Gestüts 
Urmeny bis dahin zusammen, als der Besitzer des letzteren, Jos. Hunyady, 
sich entschloss, ausschliesslich zur englischen Zucht überzugehen. Als 
die Zucht des orientalischen Blutes in Urmeny aufgegeben wurde, ging 
der beste Theil des dortigen Gestüts in das Eigenthum von SalgÖtska 
über; es wurde daselbst auf grösste Reinheit des Blutes gesehen und da- 
durch Vorzügliches geleistet. Die edelsten Formen wurden in den Pro- 
dukten des Gestüts zu SalgÖtska mit Kraft und Feuer verbunden und 
dadurch ein ausgezeichneter Typus dem Kenner vor die Augen geführt. 
Zur Erzeugung dieser werthvollen Produkte wurden nur die Nachkommen 
von den in der Geschichte des Hunyady'schen Gestüts zu Urmeny er- 
wähnten Pferden verwendet und diese ohne Ankauf fremder Pferde oder 
Auffrischung des Blutes seit vor ca. 1830 ab, bis über dreissig Jahre, 
vorzüglich erhalten. 

Diese Thatsache widersprach allerdings den Ansichten jener, die 
jede Inzucht verwerfen und fortwährende Auffrischung des Blutes als 
unerlässliche Bedingung betrachten und meinen, dass eine Halbblutzucht 
ohne wiederholtes Hinzutreten von Vollblut nicht bestehen könne, ohne 
zu degeneriren, — doch blieb sie darum nicht weniger Thatsache und 
führte auf empirischem Wege zu dem Beweise, dass man auf dem in 
SalgÖtska eingeschlagenen Wege in einem Gestüte bei Fachkenntniss eine 
gute, reine, von allen Erbfehlern freie Rasse und einen gleichen Schlag 
von Pferden, mit Beibehaltung des jeder praktischen Zucht eingenthüm- 
lichen Typus, erhalten könne, 

Züchtung: Der Bestand des bis gegen 1880 von den Besitzern in vollster 
Reinheit gezüchteten Gestüts war ein Hengst: Sade (Schimmel), von be- 
sonders eleganter Figur; ein desgleichen: Daru, edel und gedrungen; 
ein desgleichen: Y. Alcor III (Honigschimmel), Sohn des Sade, schöne 
Figur; diese waren sämmtlich eigene Zucht und sämmtlich Abkömmlinge 
des Ol iginal- Araberhengstes Tajar und dessen Sohnes Alcor. Ausserdem 
aber auch 18 Mutterstuten eigener Zucht und Abkömmlinge der Original- 
Araberstute Sade und dann mehrere edle Stuten, welche bereits 1830 bis 
1836 aus dem ehemaligen Josef Hunyady'schen Gestüte, orientalischer 
Rasse, angekauft waren. 

Weit über 30 Jahre wurde Inzucht betrieben mit Vermeidung aller- 
nächster Verwandtschaft, aber der gleichförmige Rassetypus verbleibt in 
gleicher Weise; auch blieb die Fruchtbarkeit die gleiche. — Der zuletzt 
alleinige Besitzer, Gustav v. Appel, unterhielt das Gestüt bis 1880, in 
dessen Zuchtmaterial der Charakter der arabischen Pferde innewohnte, 
und verkaufte um letztbezeichnete Zeit die sämmtlichen Pferde an die 
Gräfin Hunyady; dadurch wurde das Gestüt SalgÖtska aufgelöst. 



282 Ungarn. 

Name des Gestüts: Szekelyhld. 

Besitzer: Graf von Stubenberg. 

Topographisches: Genannter Ort ist ein Marktflecken mit ScUoss und Ruine; 
liegt ca. 30 km entfernt von Debreczin und Oross wardein; die Gegend ist 
sehr verlockend; daselbst wird edler Wein gebaut. Der Boden sehr frucht- 
bar; Weide üppig Vom Schloss aus, durch die Strasse getrennt, befindet 
sich der Gestütshof: grosser geschlossener Hof, in Mitte ein Brunnen mit 
gutem Wasser. 
Geschichtliches: Die Gründung dieses Gestüts erfolgte 1837, zu welcher 
mehrere Mutterstuten aus dem Militär -Gestüt zu Mezöhegyes erworben 
und von dem ärarischen Vollbluthengst Siglavy gedeckt wurden. 1840 
trat der englische Vollbluthengst Y. Election an des ersteren Stelle; zu 
gleicher Zeit wurden auch mehrere Stuten aus Gestüten Ungarns und Sieben- 
bürgens (Graf Bänfiy) erworben. 

Die eignen Hengste waren um jene Zeit: Privet, nach Privateer 
aus der Miss Furey; Ai'on nach Galopade aus der Miss Cracharni; 
Schaniyl nach Privet und der Halbblutstute Andromeda; Orpheus nach 
Privet aus der Somnambula^ dann Prophet nach Elis aus der Tarquinia. 

Fremde Hengste deckten im Gestüt : Co?iscript, Galopade, Robin, 
Coulon, Lightfooi^ Farbidden, Frttit, Cliticher, Osvinus und Zetland. 
Züchtung: Vollblutstuten: Gazelle, nach Private aus der Risa, Impetuous 
Bess nach The Hermit aus der Lady Mowbray. Risa und Private aus der 
Stegnia. Capsicum, gezogen 1858, nach Magnes aus der Colocynthis, 1865 
aus England eingeführt, hat obiger Besitzer 1865 in Auktion erstanden. 

Halbblutstuten: Stand der Mutterstuten wechselte zwischen 
20 und 30 Stück. 

Nachwuchs: Durchschnittlich 50 — 60 Fohlen; die Aufstellung 
erfolgte mit dem vollendeten 4. Jahre. 

Zuchtziel und Zweck: Elegante Reit- und Wagenpferde ; Militär- 
pferde; elegante feine Bewegung. Ende der 1860iger Jahre erhielt das 
Gestüt eine Umgestaltung; von da ab keine Nachricht. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Baranya. 

Name des Gestüts: SätOrJStye. 

Besitzer: Sr. k. m. k. Hoheit Erzherzog Alb recht. 

Topographisches: Der Ort, auf dem genanntes Gestüt sich befindet, ist ein 
Landgut und gehört zur Herrschaft Bellye, liegt ca. 8 km südwestlich 
von der Stadt Mohäcs an der Donau. Dasselbe ist von der Mohäcs — 
Fünfkirchener Eisenbahn zu erreichen, aber auch von der Strasse von 
Mohäcs nach Essegg aus. Das Gestüt steht unter der Direktion des 
erzherzoglichen Oberhofmeisteramtes der dortigen Güter-Direktion. 

Geschichtliches: Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die 
Herrschaft Bellye dem Prinzen Eugen von Savoyen, als Besieger der 
Türken, als Geschenk verliehen, worin sich in Sätoristye ein Gestüt be- 



Ungarn. 283 

fand, in dem nur noch einige Ställe vorhanden waren. In Satoristye 
wurden stets viele Pferde gezogen, die der Ackerbau absorbirte. Nach 
langer Zeit kam 1855 vom Besitzer der Befehl, das Gestüt nur als solches 
aufzustellen und wurden zu diesem Behufe 2 Vollbluthengste, Hampioti 
(Goldfuchs mit Stern) und Broadwath (dunkelbraun ohne Abzeichen) sowie 
einige Halbblutstuten vom Grafen Näko käuflich erworben, dessen Gestüt 
bis dahin in Szent-Miklös bestand, sich aber auflöste. 1853 kam der dunkel- 
braune Vollbluthengst Vension von Baron Warth; 1860 der Vollbluthengst 
Ben Tomy von Graf Henckel von Donnersmarck zu Naclö und der Fuchshengst 
Ha7npton^ nach Hampton zu Satoristye gezogen, hinzu. An Stuten be- 
fanden sich Anfang der 1860 er Jahr 40 Stück im Gestüt, welche zur 
Arbeit für die hohen Herrschaften verwendet wurden und 10 Stuten, die 
keine Arbeit verrichteten. Die ersteren waren meistens ungarischer 
Abkunft grösseren Schlages, wogegen die letzteren durchaus englischer 
Abstammung waren und vorher als Reitpferde im erzherzoglichen Stalle 
Verwendung fanden. Die Stuten wurden sämmtlich in Satoristye gedeckt 
und belassen. Die Fohlen wurden von Geburt an ein ganzes Jahr mit 
Hafer gefüttert; die auswärts in den Meierhöfen geboren waren, wurden 
nach 12 Wochen zur weiteren Pflege an das Gestüt abgegeben. 

Ausser den 40 Halbblut-Mutterstuten, welche bei den Meierhöfen 
als Arbeitspferde fungirten, waren die sogenannten Elite -Mutterstuten aus 
dem Marstall des Erzherzogs 9 Stück eingeführt, die zehnte Stute: Alice^ 
von Baron Gemmingen erkauft. 

Fohlen wurden jährlich 25 — 30 Stück seit dem Jahre 1861 geboren. 

Der Gestütshof, dessen Bau 1854 begonnen und 1857 beendet 
wurde, bildet ein Viereck und ist in grossem Style aufgeführt. Zwei 
sich gegenüberstehende Fronten enthalten Laufstallungen gleicher Grösse, 
in denen je 100 Fohlen reichlich Platz finden; die dritte Seite nimmt 
die Stallungen der Hengste und der Stuten englischer Rasse etc. ein; 
die vierte Fronte enthält die Wohnungen der Beamten, 

Ob das Gestüt in der Weise, wie es bis 1862 der Fall war, noch 
betrieben wird, war trotz direkter Anfrage nicht zu erfahren. 

Brandzeihen: 

Die Fohlen wurden 1 jährig seit 1861 mit 
nebenstehendem Brandzeichen an der linken 
Seite des Widerristes gezeichnet. 




Name des Gestüts: 



Comitat Pest. 

Vacs. 



Besitzer: Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha. 

Topographisches: Vacs liegt ca. 7 Meilen südöstlich von Budapest auf einer 
Puszta. Dieser Ort ist auch von Ketskemet in kürzerer Zeit und dann 
nach Zurücklegung einer Stunde Wegs von der Eisenbahnstation Alberti — 
Irsa zu erreichen. Die Puszta war hier baumlos, sandig, einer Wüste 



284 Ungarn. 

ähnlich. Durch intelligente Bewirthschaftung der Ahnen des Besitzers 
wurde die Besitzung mit Bäumen bepflanzt und ausserdem in 12 Meier- 
höfe eingetheilt und für die Pferdezucht Lipöt major und Leopoldshof 
eingerichtet; gegen 1000 ha Areal. 

Geschichtliches: Im Jahre 1835 wurde mit der Kultivirung auf der Puszta 
begonnen und in kurzer Zeit zur Ausführung gebracht. Behufs Beschaif- 
ung von Pferden wurden aus dortiger Gegend stammende 30 Stuten zur 
Zucht angekauft und daraus ein leichter, mittlerer, aber gängiger Schlag 
erzielt. Im Jahre 1838 wurde vom Besitzer das Gestüt eines Baron von 
Klukowsky zu Szpiczne (in Russisch-Polen), Gouvernement Podolien, ange- 
kauft, welches grösstentheils von dem Fürst Czartoryski'schen Gestüte ara- 
bischer und englischer Rasse abstammte. Damaliger Bestand: 11 Hengste, 
33 Mutterstuten, 36 Stück Nachzucht. Hierdurch wurden die erst ein- 
geführten 30 Pferde von der Zucht abgewendet bez. verdrängt. 

Züchtung: Unter den letzt gekauften Hengsten waren besonders ausgezeichnet: 

1. Rzewusky^ Original- Araber, von dem 2 Stuten, ^//«a; und Ebelka, vorzügliche 
Zuchtstuten, stammten (Zuchtstuten für orientalischen Schlag). (Kohlfuchs); 

2. Orzel, nach dem englischen Hengst Sultan von der Stute 21 aus dem 
Fürst Czartoryski'schen Gestüt. (Weichselbraun); 

3. Arus, englischer Abkunft aus demselben Gestüt; dieser soll die grössten 
Fohlen erzeugt haben. (Dunkelfuchs); 

4. Edium (Apfelschimmel, dunkel) aus dem Graf Orloff'schen Gestüt; eng- 
lischer Abkunft nach Edinn und Valiornia — sjhr edel und schön- 
Unter den Stuten waren hervorzuheben als vorzüglich : 

Puchahka No. 1, 3, 4, Baranowa 2, 

Sucha 1, 3, 4, Orlowa 2, 

Gizika 3, Birutta (nach Lubi) englisch. 

1840 wurden ferner in Mezöhegyes gekauft: 1 Hengst und 12 
Nonius -^iviiQxx 

1841 weiter dergleichen aus dem Fürst Esterhäzy'schen Gestüt: eng- 
lischer Halbbluthengst Darf I (goldbraun) und 1(J englische Halbblutstuten. 

1842 aus dem Graf Hunyady'schen Gestüt: Alcor Taja7- — Hengst — 
Silberschimmel (nach Tajar a. d. Pless, ein sehr berühmter Hengst) sowie 
dann noch 12 Stuten englischer Abkunft aus dem Gestüt des Baron Puteany. 

1844 erfolgte dann fernerweit der Ankauf Dart II (braun) aus der 
Vollblutstute Wettercook des Fürst Esterhäzy'schen Gestüts. 

Das Gestüt Vacs sollte hiernach den edlen Gestüten der Monarchie 
gleichgestellt werden; es wurden später deshalb weitere Ankäufe edler 
Pferde ausgeführt. 

Bis 1866 hatten 6 Vollbluthengste = 24 Vollblutstuten gedeckt 
und dadvirch eine Nachkommenschaft von 53 Fohlen erzielt. 

Die Pferde zeichneten sich durch sehr guten Charakter, gutes Tem- 
perament, gleiche, edle Bewegung, Schnelligkeit und unvergleichliche 
Ausdauer aus. 

1882 war das Gestüt im Besitz der Hengste: Sutherland I, Jason 
und Partizän, sowie ausser den Mutterstuten: Dynaszo IV, Gangessa III, 
Csillaga I und Bapinalka VI und gegen 100 Fohlen verschiedener Jahrgänge. 

Zuchtzweck: Grosse Wagenpferde sowie vorzügliche Reitpferde 
zu erzeugen. 



Ungarn. 285 

Name des Gestüts: PUSZta PerVat. 

Besitzer: k. k. Rittmeister a. D. von Inkey und 
k. k. Oberleutnant von Streeriiwitz. 

Topographisches: Diese Besitzung liegt ca. 10 km vom Staatsgestüt Kisber, 
und ist von da aus am leichtesten zu erreichen. Die Gesaramtfläche der 
Puszta ist ca. 130 — 140 ha. Die Gegend ist flach, der Boden sandig, 
aber fruchtbar. Oekonomiebetrieb. 

Geschichtliches: Die Puszta gehörte ehedem einem Herrn Anyos. 1889 wurde 
dieselbe von obigen Besitzern käuflich erworben und darauf ein Gestüt 
mit eingerichtet. Im Prinzip wurde hier ein Vollblutgestüt errichtet. 
Nach Grassmann waren hier 1890 zwei braune Hengste: Livingstone von 
Buccaneer a. d. Lay Sister von Orlando und Arabi von Przedswit a. d. 
Aschenbrödl von Lecturer. Die Zahl der Mutterstuten ist 24 Stück. 

Züchtung: Zuchtzweck zunächst für den Rennbetrieb. Es besteht hier eine 
Privattrainiranstalt. Das Gestüt geniesst Unterstützungen von Kisber aus. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Zala. 

Name des Gestüts: SzailtO (SzailtÖd). 

Besitzer: Die Benediktiner von der Tihany- Abtei, 
auf einer Halbinsel des Plattensees. 

Topographisches: Szanto, worin das Gestüt gleichen Namens sich befindet, 
ist ein Dorf mit ca. 2000 Einwohnern; Schlossruine; Pottaschesiedereien. 
Dieser Ort liegt in einer herrlichen Gebirgsgegend am Plattensee, dem 
Badeort Füred gegenüber. 

Geschichtliches: Vor 1795 wurde das kleine Gestüt von der Kloster- 
verwaltung in Szanto gegründet, mit der Bestimmung, daselbst Pferde 
für die sehr ausgedehnte Oekonomie des Klosters zu züchten. Behufs 
• Ausführung dieses Projektes wurden 4 Hengste mit ca. 20 Mutterstuten 
eingestellt. Die Hengste gehörten theils dem arabischen, theils dem 
englischen Halbblute an; die Stuten waren meistens ungarischer Abkunft, 

von mittlerer Grösse, mit Hirsch- 



Brandzeichen: 



% 



i^c 



halsen, breiter Brust, kurzer Croupe, 
guten Beinen und festen Hufen, so 
dass diese, wie überhaupt in der 
dortigen Gegend, das ganze Jahr hin- 
durch unbeschlagen gehen können. 
Die Fohlen sollen von mittelmässiger 
Beschaffenheit, jedoch ausgewachsene, 
gute Gebrauchspferde sein. 



286 Ungarn. 

Name des Gestüts: TBQläS. 

Besitzer: Graf G. Degeufeld. 

Topographisches: Teglas ist Marktflecken mit Park, Eichenwaldungen, und 
liegt zwischen Debreczin und Nyiregyhaza; hat Eisenbahnstation. Die 
Herrschaft hat ein Areal von 4000 ha. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1865 gegründet; zu diesem Behufe 
wurden 3 Stuten aus dem Gestüte Bakta sowie noch einige Reit- und 
Wagenpferde aufgestellt. Vaterh engst war Young-Oakball und Oahhall 
aus der Black Bessy (1861). Mutterstuten: Mayflower (VoUblat) 
geb. 1855 von Phänomenon aus der Amia Boleyna\ Finesse (Vollblut) 
geb. 1856 von Co7iynham aus der Finesse; Primrose (Vollblut) geb. 1858 
von Perkin Warbeck aus der Fatima. Nach der Gründung des Gestüts 
befanden sich noch 9 Halbblutstuten in demselben. 

Das Gestüt hat später eine neue Zuchtrichtung erfahren; es sind 
seit Anfang der 1890 er Jahre zum grössten Theil aus Mezöhegyes, 
Normänner-Stuten des Noniusstammes eingeführt worden. Um letztere 
Zeit bestand die Mutterheerde aus 24 — 26 Stuten, 2 Vollbluthengsten, 
Halbblutstuten, jährlich 10 — 12 Halbblutfohlen und 4 — 5 Vollblutfohlen. 

Züchtung: Zuchtzweck: Deckung des eigenen Bedarfs; Verkauf; Vorbereitung 
zur Rennbahn. 

Coraitat Pressburg (Pozsony). 

Name des Gestüts: TällOS. 

Besitzer: Graf Michdly Ester Jidzy. 

Topographisches: Tallös, in dem das Gestüt untergebracht, ist ein Dorf, 
welches von der Eisenbahnstation Galäntha ca. 5 km entfernt ist. Die 
Herrschaft hält ein Areal von über 1700 ha, längs diesem ein Flüsschen, 
das Schwarzwasser, fliesst. Die Gestütsgebäude befinden sich inmitten 
des Schlossparkes. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde von Vorgängern des Besitzers 1825 ge- 
gründet. Das Zuchtmaterial bestand von Beginn in englischem Voll- 
blut. Die besten Renner erzeugte zu jener Zeit der Vollbluthengst 
WhUJmaU. 

Graf Anton Esterhäzy legte genanntes Gestüt 1860 unter der 
neueren Zeit entsprechendem Genre anderweit an. Hierzu wurden ärarische 
edle Hengste benutzt, aber dann auch eigene Beschäler aufgestellt. Von 
1868 ist eine in Tallös gezogene Stute als ganz hervorragend zu er- 
wähnen: In View von Printe Minister aus der Elgiva, die sämmtliche 
Rennen gewann. Bestand am Beginn der 1890er Jahre: 2 Beschäler, 
9 — 10 Mutterstuten, ausser den Fohlen. Die Hengste waren: Bajtärs 
von Buccaneer aus der Voltella und Baka von Bajtärs aus dem British 
Queen. Die Vollblutstuten, besten Blutes; 1 Halbblutstute. 



Ungarn. 287 

Name des Gestüts: SZGkG8t6JGrV3r (Staatshengstendepöt). 
Besitzer: Königl. ungarisches AckerbaMministermm. 

Topographisches: Szekesfejervär (magyar.), deutsch: Stuhlweissenburg, am 

rechten Ufer der Donau, westlich vom Comitat Pest. 
Geschichtliches: In Szekesfejervär befindet sich das Kommando des ganzen 
Depots der 3 Depot-Posten: Babolna, Bajna und Ozora. Der Gesammt- 
bestand der Beschäler war Mitte der 1890er Jahre 849 Köpfe, dieser 
Bestand vertheilt sich dergestalt auf die einzelnen Posten, dass 
in Szekesfejervär 331 
„ Bäbolna 195 

„ Bajna 99 und 

„ Ozora 224 Hengste stehen. 

Vorher war der Bestand geringer. Aus der Vergrösserung des Depots 
ist zu ersehen, welche Fürsorge die Pferdezucht in Ungarn staatlicher- 
seits erfährt. 

Das Blut der Hengste ist englischer und arabischer Abkunft. Es 
sind vorhanden: 63 Hengste englischen Vollblutes, 
320 „ „ Halbblutes, 

30 „ arabischen Vollblutes und 
82 „ „ Halbblutes. 

Der Rest vertheilt sich auf verschiedene Rassen, wie Lippizanei", Normänner, 
Norfolker, Norer etc. 

Der Wirkungskreis des Depots erstreckt sich über 20 Comitate. 
Dieselben bilden den westlichen Theil des Landes, liegen zu beiden Seiten 
der Donau bis zum Ipoly-Fluss. Zu ihnen gehören nach Grassmann 
die beste und umfänglichste Pferdezucht treibenden Comitate: Somogy, 
Feher, Tolna, Zala, Komärom, Györ und Sapron. 

Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Mittel-Szolnok bez. Szilagy (Siebenbürgen). 

Name des Gestüts: ZSIDO. 

Besitzer: Baron Bela Wesselenyi. 

Topographisches: Zsibö, Dorf unweit des Szamos, mit Schloss des Grafen 
Wesselenyi. Von der Terrasse des Schlosses übersieht man die der Pferde- 
zucht gewidmeten grossartigen Etablissements, unter welchen die in einem 
scharfen Winkel an das Schloss stossende grossartige Stallung den ersten 
Platz einnimmt; zahlreiche, eingezäunte Weiden am Szamos-Flusse. Areal 
über 2700 ha. Zsibö gehörte 1860 zu dem östlichen Theile des sieben- 
bürgischen Kreises Szilagy-Somlyo im siebenbürgischen Erzgebirge. 

Geschichtliches: Das Gestüt soll nach bestimmten Nachweisen über 200 Jahre 
bestehen. Dasselbe züchtete ursprünglich orientalisches Blut, welches 
später jedoch durch verschiedene Hengste anderen Blutes gekreuzt wurde. 
Um 1740 aber organisirte der Urgrossvater obigen Besitzers den Gestüts - 
bestand neu mit 20 Stuten rein orientalischer Abstammung. Aus 
diesen wurde mit einem spanischen Hengste, Gallanf, ein neuer Stamm 



288 



Unararn. 



gegründet, dessen Nachkommen sich durch Grösse, Festigkeit, reine Knochen, 
Lebhaftigkeit und Geist auszeichneten. 1720 übernahm der Grossvater 
obigen Eigenthümers das Gestüt und acquirirte für dasselbe 1775 den 
spanischen Hengst Cicero, welcher vorzügliche, durch seinen Sohn Cäsar 
insbesondere ausgezeichnet fortgepflanzte Nachkommen zeugte. 1783 kam 
der englische Hengst Alexander in das Gestüt, welcher auf Grösse und 
Fundament der Pferde vorth eilhaft einwirkte. 1790 wurde vom Fürsten 
Kaunitz der spanische Hengst Andaluso erkauft und 1792, dann 1804 
zwei arabische Hengste erworben. Die Zsiböer Pferde standen als 
Reitpferde in hohem Ansehen und wurden theuer bezahlt. 

1816 übernahm Baron Miklös Wesselenyi das Gestüt Zsibö. Es 
war die Uebernahme von grossen Verlusten begleitet; es wurden 155 
Pferde von der Rotzkrankheit befallen, die dadurch verloren gingen, und 
blieben nur 40 Mutterstuten verschont; ebenso die Hengste Scipio und 
Cicero, Superbo und Andaluso, General und ein englischer Hengst und 
Al/nafisor, arabischer Abkunft. 1828 wurde die Zahl der Stuten auf 
28 herabgesetzt; der Fohlenstand betrug 70 — 80 Stück verschiedener 
Jahrgänge. Bis Ende der 1860er Jahre wurden im Gestüt rationell ge- 
zogen: Vollblut, englisches Halbblut, Siebenbürger und Szekler. 

Bestand Ende der 1860er Jahre: 

2 Vollbluthengste: Cato V. und Fastoral. 

3 Halbbluthengste: Codrus und Phaenomen aus der Cricquet, Victor und 
Ruby aus der Rachel, Tomp und Fastoral aus der Cricquet. 

4 Vollblutstuten: Izra und Fastoral aus der Hippodamia, Lucretia und 
Fhaenomen aus der Hippodamia, ausserdem Fecske und Fhaenomen aus 
der Ibla, Lori und Jerry aus der Hermione. 

23 Halbblut: Englisches, Sieben bürger und Szekler. 
1 Vollblutfohlen; 21 Halbblutfohlen. 

Der bisherige Bestand (ca. 200 Pferde) wurde mehr oder weniger 
als Militärpferd herangezogen. In diesem Sinne, jedoch in kleinerem 
Umfange, wurde das Gestüt bis 1866 weitergeführt. Um jene Zeit änderte 
obiger Besitzer die Zuchtrichtung, indem dieser auf Erzeugung von Renn- 
und Jagdpferden abzielte. Es wurden zu diesem Zwecke zu den vor- 
handenen Halbblutstuten der alten Zsiboer Zucht mehrere in England 
erkaufte Vollblutstuten eingestellt. Es bestand daher um die 1890 er 
Jahre in Zsibö die Mutterheerde aus 6 — 8 englischen Halbblut- und ca. 
10 englischen Vollblutstuten. Als Beschäler dieser Stuten haben nur 
englische Vollbluthengste gedient. 
Züchtung: Die Zahl der im Gestüt jährlich geborenen Fohlen erstreckte sich 

auf 8—10 Vollblut- und 



Brandzeichen: 



Y'K\KK\^!^ 




y.\AAAAAA/ 



ca. 5 Halbblutfohlen, die 
zu den edelsten zu rechnen 
sind. Die Vollblutthiere 
werden auf die Rennbahn 
und nach vollendeter Renn- 




Nebenstehendes j 

Brandzeichen [ 

wurde auf dem! 

linken Unter- ., . ., -r t i n 

, 1 1 carrifere m den Jagdstall 

schenke! zur ° 

Anwendung ge- 
bracht. 



des Besitzers gebracht; die 
besten davon dann zur 
Zucht verwendet. 



Ungarn. 289 

Name des Gestüts: Carolineilhof. 

Besitzer: Joh. Frohner-M^ien. 

Topographisches: Genanntes Gestüt hatte seine Lage unweit Budapest. 

Geschichtliches: Carolinenhof war ehemals ein sehr hervorragendes Voll- 
blutgestüt. Es befand sich hier ein Rennstall; Bestand war insgesammt 
47 Pferde, darunter befand sich der berühmte Beschäler Talpra Magyar, 
der Vater Tokios. Nach dem Tode des Besitzers (1894) wurde das Ge- 
stüt veräussert und damit in Auflösung gebracht. 

Distrikt diesseits der Donau. Comitat Bars. 

Name des Gestüts: ZSBiGZ. 

Besitzer: Graf Aftgitst Breunner-Enckevoirth jun. 

Topographisches: Zselez liegt in ebener Gegend, ca. 25 km von der Eisen- 
bahnstation Gran-Näna der Wien — Pester Linie entfernt. Die Gestüts- 
stallungen sind sehr bequem eingerichtet, wozu auch noch Räumlichkeiten 
in Nyir dienen. Da bei Dürre die Weiden für die Fohlen nicht so 
günstig sind, werden behufs besserer Entwickelung der jungen Pferde 
diese in der Regel nach dem Gestüt Neuaigen in Niederösterreich über- 
führt, da dort die Futterverhältnisse günstiger sind. 

Geschichtliches: Das Gestüt Zselez bestand schon im 17. Jahrhundert und 
erzeugte anerkannte und beliebt gewordene Produkte. Aus früherer Zeit 
stehen noch die Hengste Paris und Carthago, letzterer bei Graf Hunyady 
gezogen, beide Halbblut, in günstigem Andenken. 1840 kaufte Graf 
Breunner sen. einen aus England eingeführten Vollbluthengst Tom Queen 
(Bruder des JSpidaurus), welcher sehr gute Pferde zeugte, von denen 
Mary, Cocquetie, Rozsa etc. Stuten resp. ihre Nachkommen bis über 
1868 im Gestüt waren. 1848 brach durch Ansteckung die Rotzkrankheit 
aus, an welcher der Tom Queen und die Mehrzahl der Stuten erlagen. 
1858 übernahm obiger Besitzer mit dem Gestüte den vom Grafen Geza 
Festetics erkauften Halbbluthengst y^-^^^^r, nach welchem viele 1868 noch 
im Gebrauche gestandenen Fohlen gezogen wurden. Auf Jagger folgte 
Grisette und dann Hengst Honved (siehe Neuaigen - Grafenegg). Zselez 
verfolgt hinsichtlich der Pfei^dezucht die gleichen Tendenzen wie Neu- 
aigen. Die hier erzogenen Pferde zeichneten sich durch Ausdauer, 
Gängigkeit, hübsche, gleiche Formen und besondere Willigkeit aus; es 
waren bisher meist Braune und Füchse. — - Ueber gegenwärtiges Bestehen 
des Gestüts blieben auf Anfragen bis zur Zeit die Nachrichten aus. 

Brandzeichen: 




Bräuer, Gestüte. 19 



290 Ungarn. 

Name des Gestüts: Pcrbenyik. 

Besitzer: Graf Josef von MajlätJi. 

Topographisches: Die Herrschaft Perbenyik ist ziemlich umfänglich und liegt 
in guter Weingegend; zum Theil in den Karpathen, südlich von Ost- 
Galizien, zum Theil am Nordostrande der grossen ungainschen Tiefebene. 
Perbenyik ist Station der ungarischen Nordostbahn, der Linie Sanihely— 
Czap — M. Szigeth. Areal gegen 2000 ha. 

Geschichtliches: Das hier bestehende Gestüt wurde bald nach dem napoleo- 
nischen Kriege (1815) von obigem Besitzer, der damals Statthalter von 
Fiume war, mit 2 Hengsten und 12 Stuten gegründet, diese gehörten 
der reinsten Karster Rasse an. Diese Pferde waren ein Geschenk 
des Kaisers und zwar zum Lohn dafür, dass Graf Majläth durch recht- 
zeitig getroffenen Befehl das k. k. Hofgestüt Lippiza im Jahre 1809 nach 
Ungarn flüchtete und es auf diese Weise vor der Beschlagnahme durch 
die Franzosen bewahrte. 

Während der 1850er und 1860er Jahren veredelte der damalige 
Besitzer, Graf Anton, die bis dahin reinblütig betriebene Zucht des 
Karster Pferdes durch Einmischung orientalischen Blutes, durch einen 
arabischen Vollbluthengst, der aus dem Königl. württembergischen 
Gestüt bezogen war. 

Graf Georg Majlath, der Vater des heutigen Besitzers, stellte die 
ursprüngliche ßeinzucht der Lippizaner Rasse wieder her, indem er 1876 
1 Hengst und 6 Stuten aus Lippiza erkaufte, die den Stamm der 
in Perbenyik noch betriebenen Reinzucht der Lippizaner Rasse solcher 
Pferde abgaben. 1888 kamen hierzu noch 8 Stück 4Y2Jährige Stuten 
aus dem ungarischen Staatsgestüt Fogaras (auch reiner Lippizaner Rasse). 
Als Beschäler wurde 1876 — 1884 Neapolitano von Neapolitano aus der 
Troja (Silberschimmel) und seit 1883 Conservano von Conservano aus der 
Nora (Honigschimmel) benutzt. Der Bestand war 1890 gegen 90 Köpfe; 
die Zahl der Mutterstuten betrug 33, von denen 19 reine Lippizaner und 
14 solche englischen Blutes sind. Jährlich werden 12 — 16 Fohlen ge- 
boren. Ausnutzung: Verkauf von Hengsten, eingefahren als elegante 
Vierspänner. 

Züchtung: Zuchtziel: Erzeugung von Juckern ausdauerndster Art, die in 
5 Stämmen: Pluto, Conversano, Neapolitano, Favory und Maestoso der 
reinen Lippizaner Rasse, sowie in ungarischer Rasse gezogen worden. 

Das in Anwendung gekom- 
Brandzeichen: «^^XlTD^Pp mene Brandzeichen bestand in 

einer Grafenkrone mit darunter 
befindlichem M und war auf dem 
linken Schenkel angebracht. 

Gegenwärtig wird als Zeichen 
nur ein M benutzt und dasselbe 
an der linken Sattelseite 
aufgebrannt. 




JLJk 



Ungarn. 291 

Name des Gestüts: ElÖSZäläS. 

Besitzer: Cisterzieiiser Abtei. 

Topographisches: Genannte Herrschaft besitzt ein Areal von ca. 1200 ha, 
wovon je der dritte Theil Ackerfeld, Wiese und Weide ist. Die Mutter- 
stuten werden zur Bearbeitung der Felder etc. benutzt. Im Meierhof 
Elöszäläs sind die Hengste mit den ältesten Fohlen und in dem dazu ge- 
hörigen Gestütshof Menes major, eine Stunde von Elöszäläs, untergebracht; 
ebenso die Mutterstuten mit den 1-, 2- und 3jährigen Fohlen. Die Donau- 
Dampfsehiff-Station Dunaföldvär ist dem Gestüt am nächsten gelegen. 

Geschichtliches: Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Gestüt gegründet, 
mit der Bestimmung, die zum Gebrauche der Herrschaft erforderlichen 
schweren Zug-, leichte Wagen- und Reitpferde zu züchten und den üeber- 
schuss zu verkaufen. Der erste Stamm von Mutterstuten belief sich auf 
ungefähr 60 Stück und wurden diese von Babolnaer und Mezöhegyeser 
Hengsten belegt. Während der 1830 er Jahre suchte man mehr Vollblut 
(arabisches) zu züchten; es wurde der Vollblut- Araber Samhan erkauft 
und dann ähnlich weitergezüchtet. Später wurde der englische Vollblut- 
hengst Epidaurus, der arabische Vollbluthengst Fedchan und eine Mezöhe- 
gyeser Gidran-^iVit% mit zugelegt. 

Züchtung: Ungarische, englische und arabische Rasse. Die Verwendung der 
Hengste und Stuten geschieht vom 5. Jahre an und so lange, als sie 
gediegene Fohlen erzeugen und mütterlicherseits gut nähren. Furioso- 
Hengste der Mezöhegyes-Zucht, englisches Halbblut. Deutscher Michel, 
(Bnglische Mezöhegyes-Zucht. Nord-Star IL, englisches Halbblut, Mezöhe- 
gyes-Zucht. Gambia, englische Elöszäläs-Zucht; Pirad- und Elöszäläs-Zueht. 
Nord-Star jun., englische Elöszäläs-Zucht. Gegen 300 Pferde, verschiedener 
Jahrgänge, werden stets unterhalten. 

Brandzeichen: Auf der linken Ganasche der Anfangsbuchstabe vom 

Namen des Besitzers hinter dem Widerrist, links der Ge- 

^ ^ stütsbrand E; hinter dem Widerrist rechts: die Protokoll- 

^o Nummer. Früher wurde die Protokoll-Nummer links, hinter dem 

m Widerrist und der Gestütsbrand E auf den linken Hinterschenkel 

^^ gebrannt. 

Distrikt jenseits der Theiss. Comitat Szabolcs (Komärom). 

Name des Gestüts: SzCIlt- Mlchäly. 

Besitzer: Josef von Gkyczy, 

Topographisches: Szent-Michäly ist ein Dorf in der Nähe der Theiss; 
Einwohner meist Reformirte. Dieses Dorf liegt ca. 5 km von Nagy- 
Igmänd, Station der ungarischen Südbahn. Areal über 200 ha. Der 
Boden ist sandig, durchlässig und fruchtbar; beträchtliche, gute Weiden. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1869 meist mit Pferden aus dem Staats- 
gestüt Kisber gegründet von daselbst gezüchteten Stuten oder von Ab- 
kommen solcher. Gegenwärtig sind 12 Mutterstuten und 1 Irländer 

19* 



292 Ungarn. 

Traber als Beschäler vorhanden. Gesammtbestand gegen 30 Pferde. Die 
gegenwärtigen Mutterstuten sind englischen und irländischen Ursprungs, 
sowie auch ein Theil Norfolker Abstammung. Bei der Verwendung dieses 
Zuchtmaterials geht das Zuchtziel auf Erzeugung eines starkknochigen, 
aber gängigen Reitpferdes hinaus. Die Fohlen kommen auf Weiden und 
zur Winterszeit in thürlose Ställe, worin die Fütterung mit erfolgt. Seit 
dem Bestehen des Gestüts wird hier ein besonderes Gestütsbuch geführt. 

Comitat Eisenburg. 

Name des Gestüts: SärVäP. 

Besitzer: Königl. Hoheit Prinz Ludwig von Bayern. 

Topographisches: Särvär ist durch die Eisenbahn, über Eisenburg, leicht zu 
erreichen; es ist ein kleines Städtchen an der Raab mit altem ehrwürdigen 
Schloss, das einer kleinen Festung gleicht. Ungefähr alle 2 Jahre ver- 
weilt Se. Königl. Hoheit Prinz Ludwig mit Familie längere Zeit hier. 
In 20 Minuten erreicht man von Särvär aus nach Osten zu gehend den 
Gestütshof. Durchschreitet man den Hof, so erblickt man hinter mächtigen 
Eichen die idyllisch gelegene Villa des Gestütsleiters. Von der Terrasse 
dieses reizenden Heimes geniesst man einen romantischen Ausblick in den 
Vadkert. Der jetzige Gestütshof heisst Maria Theresia Telep im Vadkert. 
Grosse Stallungen mit den erforderlichen Einrichtungen sind in umfäng- 
lichstem Masse vorhanden; 1888 ist eine Trainierbahn eingerichtet. Für 
Unterbringung von Fohlen verschiedener Jahrgänge und der freigehenden 
älteren Halbblutstuten ist im Gutsbezirk Käld, 17 km von Särvär ent- 
fernt, ein Meierhof Namens Lajos major (zu deutsch Ludwigshof) im 
Distrikt Käld eingerichtet 

Geschichtliches: Die Herrschaft Särvär war im Jahre 1803 durch Kauf an 
Se. Kaiserl. Hoheit Erzherzog Ferdinand gekommen und ist von dieser 
Zeit ab die schon vor dem zu Särvär bestehende Pferdezucht in gestüts- 
mässigen Betrieb gesetzt worden. Es wurden der vorhandenen Heerde 
zunächst gute Stuten zugeführt und hierzu dergleichen angekauft: Mecklen- 
burger, englische Mezöhegyeser, ferner auch solche aus ungarischen Privat- 
gestüten und später noch dergleichen Trakehner. Wie es bis auf den 
heutigen Tag geblieben ist, so galt es damals schon, in Särvär als Zucht- 
prinzip nur solche Stuten zur Weiterzucht zu verwenden, welche im stände 
sind, im anstrengenden Dienste in der Oekonomie und als Wagenpferde 
ihre Leistungsfähigkeit dauernd zu beweisen, neben dieser Arbeit noch 
gesunde Fohlen zu bringen und diese kräftig zu ernähren. Den so ge- 
stellten Aufgaben vermochten von ca. 40 Stuten aber nur 2 dieser nach- 
zukommen und auf diese ging das Särvärer Gestüt fast ausnahmslos 
zurück. Es waren dies: Helena, eine 1828 aus England importirte Stute mit 
Vollblut (im Gestütsbuch mit Halbblut geführt); ferner Bojar, eine 1830 
im Gut Morsitz in Mähren geborene Stute. Diese beiden wurden die 
Stammmütter des jetzigen Gestüts, während von allen übrigen eingeführten 
Zuchtstuten nur noch eine im Jahre 1830 von Mezöhegyes und eine im 
Jahre 1826 von Matjushäza eingebrachte Stute 4 Nachkommen auf- 
zuweisen hatten. 



Ungarn. 293 

Seit 1826 bez. 1828 und 1830 ist sonach das Halbblutgestüt Särvär 
in Bezug auf Mutterstuten-Material als vollkommen selbständig zu be- 
zeichnen und ist nur durch eigene Nachzucht vermehrt worden. Bis zur 
Zeit 1897 sind ca. 60 Halbblut- Mutterstuten selbständig gezüchtet worden, 
die auf 2 Stammstuten allein zurückzuführen sind. Unter sämmtlichen 
Thieren, die in Särvär rationell gezüchtet, liegt eine naturgemässe Gleich- 
mässigkeit und ein einheitlicher Typus des Gesammtmaterials vor. 

Betreffs der Deckhengste wurden nur die besten für Särvär ver- 
wendet und zwar bis 1852 nur Hengste der Nonius (Normänner) Rasse. 
Von 1853—1863 wurden starke Araber-Halbbluthengste benutzt, welche 
von Mezöhegyes, Radautz und Bäbolna stammten. Unter diesen orienta- 
lischen Hengsten thaten sich besonders hervor: 

Messrour von Mezöhegyes (1853 — 1858); 
Achmär von Bäbolna (1858—1861). 

1864 kam ein englischer Halbbluthengst i?z;%/>^t?« von Mezöhegyes 
nach Särvär. Von jetzt ab kamen überhaupt mehr englische Hengste, 
Voll- und Halbblut, hier zur Verwendung und stehen die Sävärer Mutter- 
staten sehr hoch im Vollblut. 1883 wurden englische Vollblutstuten 
angekauft, deren 1885 und 1887 neue dergleichen Erwerbungen folgten. 

Helena und Bojar haben 33 bez. 30 direkte Nachkommen, die 
übrigen führen ihre Abstammung in weiblicher Linie auf die zur Zucht 
verwendeten fremden Stuten Dertsi und Durtsi zurück, wovon erstere 5, 
letztere noch 1 Nachkommen hat. 

Bestand sind in Summa 69 Stuten im Gestüt als Mutterstuten 
und ist die Mehrzahl (54) von Vollbluthengsten gezogen. 1896 wurden 
8 Vollblut- und 53 Halbblutstuten belegt. Im allgemeinen werden die 
Stuten mit 4 Jahren belegt. 

Züchtung: Zweck des Gestüts ist die Züchtung edelsten HalbbluteS; um 
damit für den Marstall des Besitzers die nöthigen Pferde zu liefern, um 
vorzügliche Hengste als ßeproduktoren für die Landespferdezucht zu ver- 
kaufen, den Stutenstamm durch Nachersatz mehren und verbessern zu 
können und um Oekonomiegespanne zu erhalten. 

Die im Gestüte Särvär ge- 
Brandzeichen: ^.^.r-i-N^ '^s^^W^^^^^^^.^ zogenen Pferde erbalten auf der 

^ ^ ^ ^ ^ -^ linken Sattelseite den Gestüts- 

yP" " " ^^ brand, ein S mit darüber be- 

'^ findlicher Krone, rechts an 

der gleichen Stelle den Anfangs- 
buchstaben des Namens des 
Vaters. Als solche finden sicli 
im jetzigen Stamme zumeist 
vorkommend: 



S M 



R für Remeny, Ch für Chislehurst, 

UN für Ürmeny Nonius, N für Nonius, 

L, für Legyott, L für Lama. 



294 Ungarn. 

Name des Gestüts: rcllTd. 

Besitzer: Graf Geza von Apponyi in Högyesz. 

Topographisches: Dieses Gestüt ist auf einer Herrschaft gen. Besitzers einge- 
richtet. Herrschaftliches Areal über 1000 ha. Von der Eisenbahnstation 
Simontornya ist das Gestüt nach einer halben Stunde Weges zu erreichen. 

Geschichtliches: 1860 wurde genanntes Gestüt vom früheren Besitzer, Graf 
Josef von Apponyi, gegründet und zu einer Reinzucht arabischen Bluts 
bestimmt. 1866 wurde zu diesem Zwecke der Beschäler Emir, ein sehr 
edler Hengst, benutzt. Hiernach aber fand eine Mischzucht statt, indem 
der englische Halbbluthengst Hamdany eingeführt wurde, dem auch noch 
andere dergleichen folgten. Seit dem Jahre 1876 werden aber nur 
Staatsbeschäler benutzt, es deckte später (1882 — 1887) Deutscher Michel 
und seit 1888 wurde Furioso beansprucht. Letzterer ist englischen Halb- 
bluts, während Deutscher Michel, von Italian oder Musician a. d. Flying 
Polka, ein englischer Vollbluthengst ist. 1890 war die Gesammtzahl der in 
Pälfa befindlichen Pferde gegen 120 Köpfe, davon 30 Stück Mutterstuten. 
Diese Stuten sind sämmtlich noch Nachkommen der hier früher bestan- 
denen arabischen Reinzucht und durch oben erwähnte Kreuzung ent- 
standen. Jährlich werden ca. 25 Fohlen erzielt. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Somogy. 

Name des Gestüts: TamÖCZa. 

Besitzer: Graf Franz Szechenyi. 

Topographisches: Die Herrschaft Tarnöcza liegt am südlichen Ende des 
Somogyer Comitats, an Slavonien grenzend, zum Theil am Draufluss an- 
liegend. Von der Haupt-Eisenbahnstation Bares an der Drau erreicht 
man das Gestüt nach halbstündiger Wegestour. Tarnöcza besitzt gegen- 
wärtig auch Eisenbahnstation: Eisenbahn nach Pakräcz — Lipik bezw. 
Agram — Zakany — Fünfkirchen. Herrschaft über 4000 ha Areal; sandiger 
Lehm- und Moorboden; grosse Weideflächen. 

Geschichtliches: Nach angestellten direkten Erkundigungen besteht das Ge- 
stüt seit 1680 und wurde dieses während der lange dazwischen liegen- 
den Zeit nur in derselben Familie vererbt. Vom Jahre 1850 ab hatte 
das Gestüt in Tarnöcza einen Bestand von ca. 200 Pferden, wovon 40 
dergleichen Mutterstuten, siebenbürgischen und ungarischen Schlages, die 
aber von dieser Zeit ab schon mit englischen Voll- und Halbblut-Hengsten 
gedeckt wurden. Bis vor 1860 deckte hier der Vollbluthengst Adonis von 
Taurus a. d. Spottless. Vom Vater wurde 1860 das Gestüt an 7 Söhne ver- 
theilt. Der vorstehende Besitzer als Sohn erhielt 3 Mutterstuten und 7 
Fohlen; diese Zahl wurde durch Ankäufe erhöht und so nun 6 — 8 Stuten 
zur Zucht in derselben Besitzung verwendet. Ausser Adonis deckten ferner 
noch Codrington und Master Grean, sowie die Halbbluthengste Polmodi und 
Furioso. 1892 erhielt das Gestüt 18 — 20 Mutterstuten, die sämmtlich dem 
Halbblut angehörten, sowie ca. 40 Pinzgauer Pferde für den Zugdienst. Die 
hier gezüchteten Pferde sind stark gebaut und ausdauernd; gute Wagenpferde 
abgebend. Der durchschnittliche jährliche Fohlenbestand 12 — 16 Stück. 



Ungarn. 295 

Name des Gestüts: TOtlS. 

Besitzer: G^<^f Moritz Ester hdzy. 

Topographisches: Totis ist eine Stadt von über 10 000 Einwohnern und 
liegt südöstlich von Komorn, inmitten mit gräflich Esterhäzy'schem Sommer- 
schloss und anliegendem, schönen englischen Garten, gegen 15 km von 
der Eisenbahnstation Neuszöny und 6 km von der Donauschifffahrtsstation 
Almas entfernt. Der Gestütsbof liegt in nächster Nähe des Schlosses. 
Die Gegend ist berühmt durch ihre warmen Quellen; der Boden sehr 
fruchtbar; in der Nähe des Totis-Sees sind sehr gute Weidewiesen. 

Geschichtliches: Der (1897) anderweit verstorbene Besitzer, Gi'af Nicolaus 
Esterhäzy von Galantha, übernahm im Jahre 1885 von seinem Vater 
die Fideikommiss- Herrschaften Totis und Tavaros. Das Zuchtmaterial 
wurde aus dem bis 1852 zu Mätyushäza (Comitat Veszprim) bestandenen 
Gestüt zusammengestellt. Letztgenanntes Gestüt (Mätyushäza) bestand 
seit dem 7. Jahrhundert und war wegen seines vorzüglichen Wagen- 
schlages (ungarische Stuten mit englischen Hengsten gekreuzt) im ganzen 
Lande bekannt. Der Grund zur Auflösung konnte nicht erfahren werden. 

Züchtung: Das Gestüt zu Totis verfolgt ausschliesslich den Zweck, nur Pferde 
für den eigenen Bedarf zu züchten. Hierzu wurden von jeher 10 bis 
15 Mutterstuten incl. 3 Vollblutstuten gehalten. Die Nähe von den Ge- 
stüten Kisber, Gyarmat, Läng etc. bot Gelegenheit zu vorzüglicher 
Kreuzung durch ausgewählte Hengsten, da der Ankauf eines Hengstes 
bis zum Jahre 1856 unterblieb. — Direkte Anfrage durch Einsendung 
von Fragebogen hatte keinen Erfolg; daher zur Zeit nicht möglich, über 
gegenwärtigen Stand des Gestüts zu sprechen. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Raab. 

Name des Gestüts: RäbapatOna. 

Besitzer: Györer Domkapitel. 

Topographisches: Räbapatona liegt unweit Enese und bildet die Hauptpuszta 
neben den anderen Puszten Köny, J. Kreny und Markota, die insgesammt 
zur Herrschaft des Györer Domkapitels gehören. Areal insgesammt 
8178 ha. Boden und Weiden sehr gut. 

Geschichtliches: Das seit vielen Jahren hier bestehende Gestüt enthält ausser 
den Arbeitspferden ca. 100 Köpfe, wovon gegen 30 Mutterstuten, wozu 
ein englischer Halbbluthengst gehalten wird. Die Pferde haben eine Grösse 
bis 170 cm und sind meist von dunkler Haarfarbe ohne Abzeichen. Die 
hier gezüchtete Rasse gehört dem Nonius- und Furioso-^id,ra.-mQ an und 
eignen sich diese besonders gut zu Wagenpferden, verrichten aber auch 
schwere Arbeit. Die Pferde zeigen viel Geschick und Ausdauer. — 
Weiteres ist nicht bekannt geworden. 

Brandzeichen: ^"^ "J J^ Das Brandzeichen besteht in einem 

G K (=:= Györ Kaptalan - Raaber Dom- 
kapitel). 



GK 



296 Ungarn. 

Name des Gestüts: Feiiek-KeSZtely (Festetics- Gestüt). 

Besitzer: Gi'<^f Tassilo Festetics. 

Topographisches: Kesztely, Marktflecken am westlichen Ufer des Platten- 
sees mit Schloss des Grafen Festetics; dazu gehört die Puszta Fenek mit 
dem Gestüt und Schweizei-ei und ist von Kesztely Y2 Stunde entfernt; 
Kesztely ist Eisenbahnstation. Das Gestüt Fenek besteht aus dem Gestüts- 
hof und den Gulya-Hof (Hornviehhof). Sämmtliche Gebäude sind solid, 
zierlich und zweckentsprechend eingerichtet und liegen nahe am Plattensee. 
Areal gegen 14000 ha; kalkhaltiger Boden (Thon). 7 — 800 Rinder, darunter 
eine Schweizerheerde von 80 Kühen. Früher bestand hier eine Büffelmeierei. 

Geschichtliches: Das Gestüt besteht seit Anfang des 19. Jahrhunderts; 
dasselbe hatte von Beginn der Zucht an (1815 bis gegen 1818) nur aus- 
gewählte ungarische und siebenbürger Mutterstuten und von 1817 an 
spanische und auch schon arabische Hengste (Samhan und Massand) 
eingeführt. Mit dem Besitzwechsel (1847) wurde mit englischem Vollblut 
gezüchtet und theilweise nur mit arabischem Blut gekreuzt. 

Von besonderem geschichtlichen Interesse ist, dass, als Baron Erich 
von Schönberg zu Herzogs walde in Sachsen nach mehrjährigem Aufent- 
halt in Asien und Afrika 1850 nach Sachsen zurückkehrte und bei dieser 
Gelegenheit 3 Original-Araber-Hengste mitbrachte, der Graf Festetics 
seinen Gestütsleiter, Namens Gargen, veranlasste, sich nach Herzogswalde 
zu begeben und einen solchen Hengst zu erwerben. Gargen kaufte 
einen solchen Hengst Namens Hadischi- Derwisch Beduin 1863 im Gestüt, 
dessen Stammbaum nebenstehend man ins Deutsche übersetzt 
hat. 1853 folgte ein weiterer arabischer Original-Hengst Merjan Komse, 
aus Brussa in Kleinasien, welchen Baron Schönber-g anderweit mit- 
gebracht. 1860 wurde dem Gestüt der englische Vollbluthengst 
Aleppo zugetheilt. 1862 ein IY2 jähriges Hengstfohlen aus Bäbolna 
Namens Achil Agya VII nach der Vollblutmutter Koreischan (Araber) 
gezogen, angekauft. 1865 abermals ein englischer Vollbluthengst 
Lord Chesterfield nach VoUigeur und Touchstone gezogen. Es wurde 
nun von Vollbluthengsten Englands immer mehr Gebrauch gemacht, indem 
das Gestüt den Wettrennen sich zuneigte; infolgedessen wurde das Gestüt 
in eins für Oekonomiezwecke und ein solches für die Rennbahn 
eingerichtet. Für letzteres Gestüt sind 1 bis 2 Vollbluthengste und 
ca. 20 Vollblutstuten, besten Blutes, eingestellt. In Kesztely besteht 
eine eigene Trainieranstalt. Die Gesammtzahl an Pferden beläuft sich 
für beide Gestüte auf 2 — 300 Pferde. Nach dem Stande von 1882 
befanden sich in vorstehendem Gestüt: 1 Araber: Kohely nach Hadischi- 
Derwisch Beduiji; 1 Araber: Achil Agya vom Königl. ungarischen Staats- 
gestüt Bäbolna; 1 englischer Vollbluthengst, gezogen von Graf Hahn nach 
Peldrohis a. d. Delphin (Mecklenburg); 1 Lippizaner, Siglavia; 45 Mutter- 
stuten, durchgehend hochedle Produkte. 

Züchtung: Zweck: Feine elegante Jucker und mitunter figurante Reitpferde, die 



Brandzeichen: Im Frühjahre, ehe die Fohlen auf die 

^""^ Weide kommen, erhielten diese an der 

^r ^ rechten Ganasche den nebenstehenden 

f^? Gestütsbi'and hinter der Jochleiste. 

mjf Dieses Brandzeichen wird jetzt nur 

(•^r^ gefühi't bei den Fohlen des Gestüts, die 

für Oekonomiezwecke bestimmt sind. 



sehr beliebt waren, in 
neuester Zeit Renn- 
und Jagdpferde, sowie 
der grössere Theil zur 
Beschaffung von Oe- 
konomiepferden. 



Ungarn. 297 

Abschrift. 



Gestüts -Zeugniss 



über einen Original-Araberhengst, der im Jahre 1850 vom Baron v. Schönberg 
auf Herzogswalde, welcher nach mehrjährigem Aufenthalt in Asien und Afrika 
nach Sachsen zurückkam, mit noch zwei dergleichen Original-Araberhengsten 
eingeführt wurde und welchen ersteren Graf Tassilo Festetics für sein in 
Fenek-Kesztely, Comitat Zala in Ungarn (am Plattensee), seit Anfang des 
19. Jahrhunderts bestehendes Gestüt erwarb. 



Hadischi - Derwisch Bediiin, 

Araber, dunkelbraun, 11 Jahre alt, 14^/4 Faust hoch, korrekt ge- 
baut, von viel Knochen, tiefem Leibe, hochedlen Konturen, von 
sehr flüchtigem Ausdrucke und mit auffallendem Wüstenblicke, war 
der Hengst, der den Fachmann fesselte und den er kaufte. 

Sein Stammbaum, aus dem Arabischen ins Deutsche über- 
setzt, lautet: 

„Im Namen Gottes des Allbarmherzigen, Dank sei dem Herrn, 
Herrn des Weltalls. Gebet und Friede dem höchsten Mohamed und 
seiner Familie und seinen Gläubigen. 

Nach Allem diesen, dies ist das Pferd von Farbe des Eisen- 
steins dunkler Rotlibraun von der Rasse aus Nedjit Kohelye Manekt, 
seine Mutter ist aus der Stute Fendi Baschi Mustaffa Agga Maneki^ 
sein Vater ist von den Pferden von Farbe des Rotheisen von Achmed 
Agga Manekt Kohelye, Sohn von Kohelye, und er hat gesaugt die 
reine Milch seiner Mutter und wird so gleichen denen, von denen 
er abstammt, den Pferden des leichten und flüchtigen Laufs. Er 
gleicht den Pferden der Rasse, von denen der Prophet sagt: Der 
Segen des Herrn sei mit ihnen, Friede sei mit seiner (Prophet) 
Familie, seinen Nachkommen und den Gläubigen." 

Unterschriften : 

Schech Muhamed Agga, 

Hussan Agga Veledi Simsur, 

Achmed Agga Veledi Simsur. 

Zeugen: 

Fendi Baschi, Mtistaffa Agga, 

Haiirith Agga Maneki. 



298 Ungarn. 



Name des Gestüts: 



Zaia-Szent-Gröth. 

Besitzer: Karl Harkanyi. 

Topographisches: Szent-Gröth ist ein Marktflecken mit Scbloss, nicht weit 
entfernt vom Plattensee. Dasselbe ist von Wien aus leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Ehedem unterhielt obiger Besitzer im Comitat Zemplin, in 
Kengyel, ein Gestüt, dessen Pferde den Charakter des englischen Halb- 
blutes trugen. Es wurde dieser aber genöthigt hier von weiterer Zucht, 
wegen öfter auftretender Erkrankung der Pferde an Milzbrand, abzusehen, 
dieses Gestüt aufzugeben und dasselbe nach Szent-Gröth, Zalaer Comitat, 
zu verlegen. Bis 1888 bestand die Zuchtheerde hier aus 14 Mutterstuten, 
und zwar aus: 1 englischen Vollblutstute, 
1 russischen, 
1 amerikanischen, 
11 englische Halbbluter; 
die zum grössten Theil aus Mezöhegyes und Kisber stammten und nach 
da vorhandenen Vollbluthengsten gefallen waren. 

Zum Decken wurden hier benutzt Orion von Ostreger a.. d. Fraistar, 
Atlas, später: Bejigali von Kisber a. d. Getroffefi. Nach diesen wurde 
Lörincz von Cambuscan a. d Sophia Lawrence als Vaterpferd eingestellt. 

Züchtung: Ausnützung bestand darin, leichte Kutsch- und mittelschwere 
Reitpferde zu züchten, lieber das Bestehen betr. Gestüts ist trotz öfteren 
Anfi'agens keine Auskunft eingegangen. 

Distrikt jenseits der Donau. Comitat Wieselburg. 

Name des Gestüts: HalbttlUrm. 

Besitzer: Erzherzog Albrecht von Oesterreich. 

Topographisches: Halbthurm, schönes Schloss, Eigenthum des Erzherzogs, 
zur Herrschaft Üngarisch-Altenburg gehörig. Halbthurm ist ausserdem 
ein Dorf mit über 1300 Einwohnern. Zum Schloss gehört grosse Fasanerie. 

Geschichtliches: Kaiser Carl VI. hatte bereits gegen Mitte des 18. Jahr- 
hunderts Anordnung zu Pferdezucht in Halbthurm getroffen; das um jene 
Zeit deshalb eingerichtete Gestüt enthielt im Anfang viele Beschäler aus 
Italien und Spanien; um jene Zeit begründete man die spanische 
Rasse im österreichischen Kaiserstaat. Das bisherige Gestüt hatte sich 
bis Ende der 1880er Jahre forterhalten; gegenwärtig gilt es mehr für 
einen Fohlenhof. Der Gesammtpferdebestand der gesammten erzherzog- 
lichen Herrschaft zählt gegen 400 Stück und werden die von diesen 
Pferden (Stuten) geborenen Fohlen in Halbthurm untergebracht und 
aufgezogen, später je nach den verschiedenen Schlägen auf die ver- 
schiedenen Wirthschaften vertheilt. Die für den Marstall bestimmten Pferde 
werden leichtere Stuten mit edlen Staatshengsten (Engländer, Araber) ge- 
deckt. Sämmtliche Pferde des Gestüts finden auf der Herrschaft und im 
Marstall Verwendung; ein Verkauf von Pferden findet hier nicht statt. 



299 



Grossfürstenthum Siebenbürgen . 



Comitat Gross-Kokelburg. 

Name des Gestüts: MlkeSZäSZa. 

Besitzer: Baron Adam Radäk. 

Topographisches: Die bezeichnete Herrschaft hat einen Arealumfang von 
über 800 ha und liegt diese an der Königl. ungarischen Ostbahn. Gleich- 
zeitig besteht aber hier nebenan noch ein Gestüt, welches der Frau Olga, 
geb. Gräfin Lazar gehört, in einem Gute von angekauften und zusammen- 
gelegten Bauernländereien. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde von der Tochter des verstorbenen Grafen 
Moritz Läzär, der das Gestüt Megyesfalva auflöste, 1865 gegründet; von 
da wui'den 12 Stuten mit übernommen, welche den Zuchtstamm bildeten 
und wurde dabei von dem Schwiegervater der Besitzerin stammende 
altsiebenbürger ßasseheerde vergrössert und über einige 20 Stück ver- 
mehrt, wozu aber auch noch 8 Arbeitsstuten herangezogen wurden. Voll- 
blutbeschäler waren s. Z. (1887) Wotan und Lehetetlen\ darnach trat an 
dessen Stelle der Halbbluthengst Cambuscan. 

Infolge der Entnahme des ersten Stutenstammes aus Megyesfalva, 
dem ehemaligen Radäk'schen Gestüt, sind die Mikeszäszaer Pferde aus 
der altsiebenbürgischen Rasse hervorgegangen. Diese sind äusserst hart, 
ausdauernd und sanftmüthig. Die Unterbringung des Gestüts geschieht 
theils in Mikeszäsza, theils aber auch auf der, dem Baron Radäk gleich- 
falls gehörigen Herrschaft Ozt im Albaneser Comitat, hier sind haupt- 
sächlich die Mutterstuten, dort die Vaterpferde; die Fohlen in Mikeszäsza. 
Jährlich werden von der Zucht 2 — 4 der besten Stuten eingestellt, sowie 
im Durchschnitt jährlich gegen 20 Stück Fohlen an den, in ßilak vom 
Staat unterhaltenen Fohlenbof, 2^2" ^'^'^ Sjährig, abgegeben. 

Brandzeichen: Aq*???^« *\lsüÄ^^k^ Nebenstehende Brand- 

zeichen werden gegenwärtig 
nicht mehr in Anwendung 
gebracht; wenn gewünscht, 
dann das zweite Zeichen 
mit R 





300 Siebenbürgen. 

Name des Gestüts: Gerend. 

Besitzer: Graf Vihnos Klebeisberg. 

Topographisches: Das Gestüt liegt am Maros; ca. 500 ha Areal mit Weiden 
am Aronyosflusse. 

Geschichtliches: Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts wurde hier von dem 
damaligen Besitzer Graf Kemeny ein Gestüt mit 20 Mutterstuten gehalten. 
Dasselbe ging später infolge eigenartiger Umstände ganz ein. 1880 kam 
Gerend durch Erbgang in den Besitz des Grafen Klebeisberg, der sein 
1878 gegründetes Gestüt hierher verlegte. Der nur 5 Stuten zählende 
Mutterstamm ist aus siebenbürgischen, mit etwas arabischem, sowie eng- 
lischem Halb-, besonders aber mit solchem Vollblut untermischten Pferden 
entstanden. 

Die Pferde Gerend's zeigen den Typus des stärkeren Jagdpferdes. 

Comitat Torda. 

Name des Gestüts: Abafaja. 

Besitzer: Baron Andreas Bornemisza. 

Topographisches: Abafaja ist ein Gut mit bedeutendem Areal bezw. viel 
Wiesen; dasselbe liegt unweit Szäsz-Kegen und ist das Gestüt selbst ganz 
ansehnlich. Die Weiden liegen am Fluss Maros. Die Gestütsgebäude 
sind praktisch hergestellt und die Stallungen zweckmässig eingerichtet. 
Von Torda aus ist das Gestüt leicht und bequem zu erreichen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte während der Jahre 
1800 — 1806 durch die Grafen Elek und Franz Teleki mit Pferden aus 
dem Gestüt N. v. Wesselenyi, sowie weiter als erste Zuchtpferde aus 
den Daniel'schen und den Mikos'schen Gestüten. Es waren 6 Hengste 
und 76 Mutterstuten orientalischer Abkunft in verschiedenen Farben, 
worin etwas spanisches Blut mit floss. Durch diese Mischung erhielten 
die Nachkommen jedoch zu feine Schenkel; es wurde daher besonders 
darauf geachtet, kräftigere Körperformen zu schaffen. Als Beschäler 
wurden in Abafaja fast immer orientalische oder englische Vollbluthengste 
benutzt; von ersteren zeichnete sich besonders Armidor aus. Durch stets 
umsichtige Züchtung hatte man bezüglich der Qualität das Gestüt vor- 
züglich ausgestattet. 

Züchtung: Zur Zucht werden 20 — 25 Stuten anglo - arabischer Abstammung 
und von gleichrassiger Abkunft Hengste benutzt. Die hier gezogenen 
Pferde sind gelehrig, aufmerksam und gängig. 

Brandzeichen: 




Siebenbürgen. 301 

Name des Gestüts Szepsi-Szent-Györgl 

(Kgl. ungarisches Staatshengsten-Depöt). 
Besitzer: Staats- Fiscus. 

Topographisches: Genannter Ort ist ein Marktflecken an der Aluta, 4 Meilen 
nordwestlich von Kronstadt. 

Geschichtliches: Zu diesem Depot gehören die beiden Unterdepöts zu Homoröd 
und Dees. Der Wirkungskreis des ganzen Depots erstreckt sich über das 
Grossfürstenthum Siebenbürgen Die Zahl der Beschäler beträgt 313 
Stück; davon sind gewöhnlich 12 — 14 englische Vollbluter, 8—10 arabische 
Vollbluter und 80 — 90 Lippizaner. 

Comitat Kokelburg. 

Name des Gestüts: SzÖkefalva. 

Besitzer: John Paget Esqu. 

Topographisches: Genannter Gestütsort ist von Klausenburg ca. 50 km entfernt 
und führt die Maros-Väsärhelyer Chaussee bis ly. Stunden von SzÖke- 
falva, wohin der Weg bei Radnöth abbiegt. Ob gegenwärtig Eisenbahn 
den Weg dahin verkürzt, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. 

Geschichtliches: In Szökefalva begann obiger Besitzer die Pferdezucht mit 
Vollblutstuten. Columbia nach Robin Hood aus der Biücker-Qtnte : Nininka 
nach Lapdog aus der Nina; dann aus der Burra Mula nach Samarcand, 
welche er selbst aus England nebst 12 erprobten Jagdstuten mitbrachte; 
endlich aus der Madame Lafarge nach Paulus. Diese Stuten wurden 
gedeckt durch To%s-Up nach Velocipede aus der Delphine, Ruby nach 
Reveller aus der Turquoise, welche beide Hengste durch eine Gesellschaft 
Pferdezüchter, auf deren Constituirung Mr. Paget gleichfalls nicht ohne 
Einfluss blieb, für Siebenbürgen angekauft wurden; dann The Duke of 
Wellington. Das früher in Szökefalva bestandene Gestüt eines Freiherrn 
von St. Keresky ist in anderen Besitz übergegangen und verlegt worden. 
Während der Jahre 1848/49 wurde, infolge revolutionärer Ereignisse, 
das Gestüt beraubt; es büsste dadurch 80 Stück theils Vollblut-, theils 
Halbblutpferde und dann noch 12 Mutterstuten des alten sieben- 
bürgischen Schlages ein. Eine der Jagdstuten, dann einige sieben- 
bürger Stuten, welche wieder in das Gestüt zurückgelangten, wurden durch 
Phaenomenofi, dann durch die Halbbluthengste Grt'W(5/^r und Toss-Up gedeckt, 
nach welchem im Gestüte der Hengst Cai'tor nach Cato in Zsibö gezogen, 
vervrendet wurde. 

Bestand ca. 30 Pferde, hauptsächlich Reit- und Jagdpferde. 

Brandzeichen: 




302 Siebenbürgen. 

Name des Gestüts: 

Bethlen Szent Miklös und M. Nagy-Ikland. 

Besitzer: Graf Josef und Graf Ladislaus von Bethlen. 

Topographisches: üas bezeichnete Gestüt ist während des Sommers in St. 
Miklös und während des Winters in Nagy - Ikland untergebracht. Die 
Abwechselung kommt daher, weil in ersterem Orte die Weide für 
die Fohlen eine günstigere ist, sowie, dass während des Winters die 
Besitzer sich das Gestüt in der Nähe ihres Wohnortes wünschen. St. Miklös 
ist ungefähr über 100 km von Klausenburg entfernt; es hat sehr gute 
Weiden. Nagy-Ikland dagegen liegt nur über 80 km von genannter 
Stadt. Es liegt am Rande der sogenannten Mezöseg — eine Spezialität 
des Landes Siebenbürgen — Hügelland mit vielen Abwechselungen; Mangel 
an fliessendem Wasser, in einer Thalmulde mit charakteristischen Eeizen. 

Geschichtliches: Das Gestüt ist bereits sehr alt; dasselbe stammt von dem 
Gross- bezw. Urgrossvater des gegenwärtigen Besitzers, Graf Ladislaus 
von Bethlen zu Radnöth, welcher anfangs vorigen Jahrhunderts die Pferde- 
züchtung nach dortiger Art auf die höchste Stufe brachte. Es wurden 
von diesem nur reine Siebenbürger gezüchtet und hatte dieser hierzu 
weit über 100 Mutterstuten in Benutzung. Es wurde in diesem Gestüt 
für stete Veredelung des Blutes gesorgt. Hierzu wurde von dem der- 
zeitigen Besitzer aus Zsibö der Vollbluthengst Alexander gekauft, dessen 
Produkte jedoch die der Stammzucht nicht erreichten. 

Nach dem Tode des Grafen Ladislaus wurde der grösste Theil des 
Gestüts vei'kauft; der Graf Josef von Bethlen behielt 16 Mutter- 
stuten für sich zurück. Zu diesem Stamme kamen 1817 bei der Ver- 
mählung des Grafen Josef mit Comtesse Esther von Thoroezkay aus dem 
einst berühmten, 1848 aber durch Plünderung gänzlich zerstöi'ten gräflich 
Paul Thoroczkay'schen Gestüte zu Gyeres Szent Kiräly 1 Hengst und 6 Stuten. 
Mit diesem Material wurde die Zucht ohne fremde Beimischung 
und bei strenger Reinhaltung des Siebenbürger Stammes bis 1842 fort- 
gesetzt. In demselben Jahre wurde auch der Vollbluthengst Malek, 
welcher sich sehr vortheilhaft vererbte, angekauft. Der folgende Leiter 
des Gestüts, Ladislaus von Bethlen, Sohn des Grafen Josef, kaufte vom 
Grafen Franz von Teleki zu Saromberke den Vollblut- Araberhengst Emir, 
dann aus dem Gestüte des Freiherrn Nicolaus von Wesselenyi zu Zsibö 
den Hengst Cicero, weicher von Cato a. d. Alborac stammte. Cicero ging 
1865 ein 

Züchtung: Die Pferde dieses Gestütes sind ausdauernd, zeichnen sich durch 
hübsche Formen und starke Knochen aus und besitzen sehr viel Feuer. 
Mit 16 — 17 Jahren sind diese Pferde , auch wenn sie gebraucht wurden, 
noch immer sehr schneidig und erhalten sich in der Regel fehlerfrei. 
Im Sommer gehen die Pferde auf die Weiden, übernachten dabei in halb- 
gedeckten Schuppen und überwintern dann in den Stallungen zu Nagy-Ikland. 

Brandzeichen: ^ZX ,^^^ ^^^ Stuten wurden rechts, die 

Hengste links mit nebenstehendem 
Brandzeichen auf der Hinterbacke ge- 
zeichnet. 




Siebenbürgen. 303 

Name des Gestüts: SarOtTlberke. 

Besitzer: G'f'f^f Franz Teleki. 

Topographisches: Das Gestüt liegt von Klausenburg ca. 100, von Hermann- 
stadt gegen 130 km entfernt, an der, das Gi-ossfürstenthum Siebenbürgen 
beinahe durchschneidenden Poststrasse, in der Nähe der Poststation Ernye, 
in demselben Marosthale, in dem auch das Gestüt Gernyeszeg (s dasselbe) 
liegt. Das Gestüt selbst befindet sich in eleganter Parkanlage, in der 
auch das herrschaftliche Schloss liegt. Dem Schloss gegenüber, und von 
demselben durch einen breit-en Hof, in dem eine offene Reitschule sich 
befindet, getrennt, stehen die Stallgebäude, in welchen über 200 Pferde 
reichliches Unterkommen finden; ausserdem befindet sich in Saromberke 
noch eine überdeckte Reitschule von vorzüglicher Konstruktion. Weiden 
liefern reichlich, gesundes Futter. Die Fohlen, für die zu ihrem Schutze 
gegen die Witterung nur aus Zweigen geflochtene Stallungen bestimmt 
sind, haben sich stets im Freien zu bewegen; nebenbei wird Hafer 
gefüttert; die Entwickelung der Thiere ist eine vorzügliche. Die Weiden 
reichten vom Gestüte bis zur Maros. 

Geschichtliches: Vom gegenwärtigen Besitzer wurde genanntes Gestüt von 
dessen Vater, einem passionirten Pferdeliebhaber (Siebenbürger Hofkanzler 
G. Samuel Teleki) 1811 übernommen. Der Bestand war damals 80 rein 
Siebenbürger Mutterstuten, nebst mehreren, theils im Gestüt erzeugten, 
theils mit den besten fremden siebenbürgischen Hengsten gekreuzten Be- 
schälern. Um von neuem einen sehr guten Reitschlag zu züchten, begann 
der Besitzer damit, von den 80 Stuten die Hälfte zu verkaufen und be- 
hielt von den edlen Hengsten zwei der besten: Andaluso und Spaniol. 
Beide Hengste waren Abkömmlinge von edlen Hengsten, deren Ahnen 
im Erbfolgekrieg nach Siebenbürgen kamen und in der Zeit mit der 
Original -Siebenbürger -Rasse, die so lange Jahre bewährten sogenannten 
Siebenbürger erzeugten. Der inmittelst wieder auf 40 Stuten an- 
gewachsene Bestand wurde dem Besitzer zu gross und es wurde das 
Gestüt zum zweiten Male gemustert und nur der reine Reitschlag 
von 24 Stuten behalten. 

Im Jahre 1825 kaufte der Besitzer 2 Hengste: Bikk Nr. 1 und 
Bikk Nr. 2, von Baron Brüdern in Gyöngyes (Heveser Comitat, Distrikt 
diesseits der Theiss), welche Abkömmlinge von dem alten Original -Araber- 
hengst Bikk waren, als auch eine von den in den Jahren 1828 — 1831 
jährlich nach Mezöhegyes zu den Original -Arabern Messrour und Siglavy 
geschickten Stuten, eine schöne und in diesen Jahren im Lande berühmte 
Rasse, arabischer Abkunft. Um bezeichnete Zeit war, nach Berichten 
Erdelyi's, das Graf Samuel von Teleki'sche Gestüt mit vorzüglich aus- 
gewählten Vaterpferden, orientalischer und auch spanischer Abkunft, ver- 
sehen, die den Reit- und leichten Wagenschlag repräsentirten. Im Jahre 
1834 kaufte der Besitzer des Gestüts bei der Veräusserung des Brudern- 
schen Gestüts in Gyöngyes zwei Original-Araberstuten, Samhan 
und Zarif, und den Hunyadyschen Vollblut-Araberhengst Sade. 
Eine hippologische Merkwürdigkeit ist, dass im Jahre 1834 
die im fünften Jahi'e in Gyöngyes erkaufte Araber - Vollblutstute 
Zarif 12 Jahre hindurch, ohne auszusetzen, 12 Fohlen, und zwar sämmt- 




304 Siebenbürgen. 

lieh Vollblut, im Gestüt geworfen hat. — Als das Gestüt in schönster 
Blüthe stand, hatte es das Unglück, dass durch Ansteckung in demselben 
die Rotzkrankheit ausbrach und in dem Jahre 1857 der gesammte Pferde- 
bestand bis auf 4 Halbblut- und 1 Vollblutstute vertilgt werden musste. 
Aus diesen .5 Stuten und 7 Mutterfohlen entstand das Gestüt wieder und 
es wurde aus dem Kaiserlich spanischen Stalle in Wien ein Lippizaner 
Hengst, Murillo, gekauft, der bis hoch in die 1860 er Jahre nebst einem 
Halbbluthengst Sade in Saromberke belegte. 
Züchtung: Als das Gestüt von Samuel Teleki auf Franz Teleki 1869 
überging, zählte dasselbe ca 130 Pferde; diese waren meist spanischer 
Abstammung und gehörten dem Reit- und leichten Wagenschlag an. In 
neuerer Zeit zählte das Gestüt 22 Mutterstuten. Alle Pferde sind jetzt 
englischen oder arabischen Halbblutes. 
Brandzeichen: Wie nebenstehende Brandzeichen zeigen, wurden die im Ge- 
stüte erzeugten Pferde unter dem Besitz 
des Samuel Teleki mit dem erst gezeich- 
neten und später mit dem andern ange- 
führten Brandzeichen bis gegen Ende der 
1850er Jahre an der linken Hinterbacke 
gezeichnet. 

Comitat Torda. 

Name des Gestüts: oBrpcltSlk. 

Besitzer: G^^f Karl Teleki. 

Topographisches: Gegenüber dem Schlosse Gernyeszeg liegt Särpatak am 
rechten Ufer der Maros, ziemlich inmitten der Strasse von Klausenburg- 
Hermannstadt. Das Schloss Särpatak liegt dem von Saromberke gegen- 
über; zu ersterem gehört noch eine Besitzung, Namens Banyabük. 
Geschichtliches: Das genannte Gestüt wurde während der 1770er Jahre 
gegründet und errang sich in seiner Umfänglichkeit und Qualität be- 
deutenden Ruf. Die Zahl der Pferde stieg auf gegen 140; diese waren 
früher spanischer, türkischer und englischer Abstammung, die dem leichten 
Reitschlag angehörten. Gegen 1823 — 1826 waren ungefähr zwischen 
40 — 50 Mutterstuten vorhanden, wozu Hengste spanischer Rasse Ver- 
wendung fanden und zwar Daru, Brillatit, Superbo etc. Die Nachzucht 
zeigte verschiedene Fehler in der Bauart: lange Fessel etc. In ähnlicher 
Weise wurde allerdings auch mit Vortheil gezüchtet bis in die 1880 er 
Jahre, zu welcher Zeit dem Gestüt 8 Pferde englischen Vollblutes und 
eine Anzahl ebensolcher Halbblutthiere bezw. Stuten zugebracht wurden. 
Zum Decken der Mutterstuten werden zur Zeit noch englische Vollblut- 
hengste verwendet, nach Umständen zuweilen aber auch englisches Halb- 
blut. Dasselbe Gestüt wurde nach letzterer Zuchtrichtung mit englischem 
Blut den dortigen Verhältnissen angemessen und bis zur Zeit fortbetrieben. 
p . • . ^^^^^^ ^^^ nebenstehende Brandzeichen wurde 

'^^^^ bis zum Ableben des Grafen Michael Teleki 
zu Anfang des 19. Jahrhunderts bis später 
den jährigen Fohlen auf die rechte Seite 
der Hinterbacke aufgebrannt. 




Siebenbürgen. 305 

Name des Gestüts: Nagy-ErtSG. 

Besitzer: Gr. or. Erzpriester Traian Mefcaren. 

Topographisches: Genannter Ort liegt an der kleinen Maros unweit von 
Szasz-Regen. 

Geschichtliches: Graf Michael Toldallagyi errichtete am bezeichneten Orte 
gegen die 1830 er Jahre ein Gestüt, welches gegen 24 Mutterstuten zählte 
und einen Bestand überhaupt von gegen 40 Pferden hatte. Diese ge- 
hörten verschiedenen Rassen an und bestand die Absicht, hauptsächlich 
Remonten für das Militär zu erzeugen. Der genannte Besitzer starb 
Ende der 1860 er Jahre und wurde damit eine Auflösung des Gestüts 
herbeigeführt. Es ging hiernach die Besitzung in die Hände von Juden 
über, bis es von diesen, nach Berichten , Grassmanns", auf oben bezeich- 
neten Besitzer überging, der beabsichtigte, daselbst Pferdezucht weiter 
zu betreiben. 

Comitat Torda. 

Name des Gestüts: MeZÖ-MeheS. 

Besitzer: Graf Akos Beldi. 

Topographisches: Die Besitzung hält ein Areal von gegen 700 ha an bergigen 
Hängen mit vielen Weiden. Das Gestüt ist von Torda aus (Thornburg), 
Marktflecken am Aranyos, über den eine hölzerne bedeckte Brücke führt, 
auch südöstlich von Klausenburg aus, nach Zurücklegung von einigen 
20 km Landwegs zu erreichen. 

Geschichtliches: Während der 1840 — 1850 er Jahre wurde genanntes Gestüt 
von dem Vater des gegenwärtigen Besitzers (Graf Franz Beldi) gegründet. 
Es wurden hierzu englische Halbblut- und siebenbürgische Stuten ver- 
wendet und dazu Staatshengste benutzt: Gidran, Nonius, Gladiateur, Obero?i, 
Zdlan etc. Es werden in der Hauptsache ca. 15 Mutterstuten gehalten, die 
der Abstammung nach dem englischen Halbblut- bezw. der siebenbürgischen 
Rasse angehören; insgesammt bilden das Gestüt ca. 50 Pferde. Es sind 
dies starke, gängige Thiere. 

Züchtung: Zuchtziel besteht in Erzeugung von Wagenpferden und grossen 
Reitpferden. Jährlich werden ca. 8 — 9 Fohlen geboren; die besten davon 
werden zur Zucht eingestellt, die übrigen freihändig verkauft. Die Jähr- 
lingsfohlen erzielen durchschnittlich den Preis von 600 Mark. 



Briiuor, Gestüte. 20 



306 Siebenbürgen. 

Name des Gestüts: Kokelburg. 

Besitzer: IVitiwe des Grafen Josef Bethlen. 

Topographisches: Dieses Gestüt liegt an der Kokel, einsm kleinen Flüsschen; 
dasselbe steht bezw. stand mit dem Landwirthschaftsbetrieb in Verbindung. 
Der Weidegang ist sehr gut. 

Geschichtliches: C4enanntes Gestüt wurde ungefähr mit Beginn des vorigen 
Jahrhunderts gegründet; anfangs wurde fehlerhaft gezüchtet, gegen 1811 bis 
1812 wurden schönste und edelste Mutterstuten und mehrere Hengste 
echt spanischer Abkunft in das Gestüt gebracht, wodurch dasselbe nach 
und nach in grosses Ansehen kam. Die Zahl der Pferde belief sich nach 
und nach auf 120 — 130 Stück. Die Nachkommen mehrerer Generationen 
lieferten den Beweis von der Zweckmässigkeit der eingeschlagenen Zucht- 
richtung. — Ob zur Zeit das Gestüt noch besteht, konnte nicht fest- 
gestellt werden. 

Brandzeichen: 



3 



Comitat Küküli (Kokelberg). 

Name des Gestüts: KerBSd. 

Besitzer: Gabriel Bethlen, 

früher: Paul Bethlen. 

Topographisches: Keresd liegt im Gebirge zwischen Birthelm und Schäss- 
burg, von 2 Bächen umflossen, die die Kokel aufnimmt; Areal 1393 ha. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde um das Jahr 1770 von dem Urgross- 
vater des gegenwärtigen Besitzers gegründet und mit arabischen und 
spanischen Abkömmlingen besetzt Das Gestüt kam damals in sehr guten 
Ruf wegen des darin gezogenen grossen Wagenpferdeschlages mit edlem 
Blut. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts war die Zahl des ge- 
sammten Pferde bestandes über 150 mit einer Stutenzahl von einigen 
vierzig. Später ging das Gestüt zurück, weil der ürstamm an arabischen 
und spanischen Stuten verlor und man sich andei-en Verhältnissen an- 
bequemte. 

In neuester Zeit ist die Zahl auf 40 zurückgegangen und befinden 
sich darunter nur wenige Zuchtstuten, da die Zahl der jährlich geborenen 
Fohlen sich nur auf 5 6 belief. Man sucht hier in den Zuchtpferden 
die alte siebenbürger Rasse möglichst zu erhalten, indem man reinblütige 
Beschäler zum Bedecken benutzt. 

Brandzeichen: 



\^ 



Siebenbürgen. 307 

Name des Gestüts: KenCÜ-Lona. 

Besitzer: Erben des Grafen Maximilian Teleki. 

Topographisches: Das Gestüt wird auf einem zur Herrschaft gehörigen Gute 
mit über 500 ha Areal im Szäthmarer Comitat liegend, betrieben. Kendi- 
Löna liegt einige 30 km von der Eisenbahnstation Bonszida und 5 km 
von Välaczüt entfernt. 

Geschichtliches: Die Gründung des genannten Gestüts erfolgte 1880. Es 
wurden aus hervorragenden, benachbarten Gestüten eine Anzahl englische 
Halbblutstuten angekauft und ausserdem noch einige Stuten der alten 
siebenbürgischen Rasse zur Zucht aufgestellt. Von Beschälern wurde um 
die Zeit der Gründung der englische Vollbluthengst Prince Paris, des 
Baron Bela Wesselenyi zu Zsibo, besonders erwähnt. 

Das Gestüt ist ca. 100 Köpfe stark; davon sind 25 — 30 Mutter- 
stuten für die Zucht bestimmt, zu deren Bedeckung meist Staatshengste 
genommen werden (z. Zt. Vollbluthengst Ostreger, der englische Halbblut- 
hengst Nonius XXIII). Die Pferde sind kräftige, breite, tiefgebaute 
Tbiere mit kurzer Halsung, etwas schwerem Kopf 'und kurzen, stämmigen 
Extremitäten. Jährlich werden durchschnittlich 20 — 25 Fohlen aufgezogen. 
Die Fohlen werden in Kendi-Löna untergebracht und gepflegt, die Mutter- 
stuten mit den jüngsten Fohlen in Hoszszfalva. 

Züchtung: Zuchtzweck und -Ziel: Erzielung eines starken, grossen, leicht- 
beweglichen, feurigen Pferdes für Reit- und Wagendienst, welches für die 
siebenbürgischen Verhältnisse sich eignet, hauptsächlich zur Abgabe guter 
Beschäler. Stuten werden, wenn sie zur Zucht geeignet erscheinen, dazu 
verwendet, ferner wird Wirtlischaftsbedarf gedeckt, der Rest wird verkauft. 

Brandzeichen: Besonderes Gestütsbrandzeichen wird nicht geführt, dahin- 
gegen aber nur die Jahreszahl, das Geburtsjahr des Fohlens, rechter- 
seits und die Ordnungszahl linkerseits aufgebrannt, welche anzeigt, 
das wievielte der im laufenden Jahre geborenen Fohlen es ist 

Comitate Torda und Mittel- Szolnok. 

Name des Gestüts: HcldcLU. 

Besitzer: Jos. von IVesselenyi. 

Topographisches: Das Gestüt der Herrschaft Hadad ist von Debreczin aus 
nach Zurücklegung eines längeren Landweges, der anmuthig durch uralte 
Eichenwaldungeu führt und auf der Puszta Apäcza liegt, von da aus in 
einer halben Stunde zu erreichen. 

Die Lage des Ortes ist eine ausnehmend schöne, sämmtliche Gebäude 
des Gestüts nebst den Stallungen sind schön in Stein ausgeführt. 

Geschichtliches: Sämmtliche von Wesselenyi'schen Gestüte hatten bis 1734 
bezüglich ihrer Entstehung und hinsichtlich des Betriebes eine gemein- 
same Geschichte Später traten infolge Familienverhältnisse verschiedene 
Aenderungen ein. Ein Beweis für die Thatsache, dass die Familie 
Wesselenyi die Pferdezucht seit .Jahrhunderten betrieb, liegt in der Ver- 

20* 



308 Siebenbürgen. 

fügung des Franz von Wesselenyi, welcher dem König Stephan Bathory 
als Oberhofmarschall nach Polen folgte und seine Besitzungen in Ungarn 
und Siebenbürgen seinen beiden Söhnen hinterliess. In einer diesfallsigen, 
1573 ausgefertigten Urkunde erwähnte der aus der Heimath Scheidende 
ausdrücklich seine Pferdeheerde und empfahl seiner Zeit dieselbe als im 
Kriege sehr tauglich und hob ferner hervor, wie sehr dieselbe ihm in 
zahlreichen Feldzügen gegen die Türken und Tartaren gedient, wie oft 
sie ihm das Leben gerettet und ihn zu Sieg und Ruhm getragen etc. 

Die ursprüngliche Abstammung der von Wesselenyi'schen Pferde ist nicht 
mehr zu ergründen; die Theilung der Gestüte erfolgte um jene Zeit (1734). 
Jos. von Wesselenyi errichtete sein Gestüt in Hadad. Zur Zucht wurden die 
besten Stuten des Gestütes gewählt (Siebenbürger), die von den besten Voll- 
bluthengsten Cato aus Szibo, Asslan, ebendaher, ferner von Phaenomenoji und 
Ruhy gedeckt wurden. 1856 wurde der Vollbluthengst He7-r Dimst getauft. 
Züchtung: Bestand des Gestüts waren um die damalige Zeit die Hengste: 
Roi (Rappe), Mylord (Fuchs) und Sarkctny (braun, arab. Abkunft), nebst 
45 Mutterstuten. Gesammtbestand 1793 gegen 250 Pferde mit über 150 
Stuten. Das Gestüt wurde hart erzogen, die Pferde blieben stets unter 
freiem Himmel, "um abzuhärten, wobei dadurch auch Nachtheile zu ver- 
zeichnen gewesen sein sollen. 1858 wurde im Gestüt der Vollbluthengst 
Y. Conyngham a. d. Rebecca nach Conynghajn eingestellt und 1859 aus 
dem Hofgestüt Kladrub der Hengst Y. Serivent angekauft. 

Infolge Erbschaft ging 1875 das Gestüt in den Besitz von Nikol. 
Wesselenyi in Görczön über, der dasselbe hier auflöste und es nach letz- 
terem Gestütsort übersiedelte 

Comitat Torda. Kreis Torda. 

Name des Gestüts: Gyeres-Szent-Klräly. 

Besitzer: Baron Andor Jozsika. 

Topographisches: Die Besitzung liegt am Aranyos-Fluss, über den eine be- 
deckte hölzerne Brücke führt, die man zu passiren hat, um zu obigem 
Gestüte zu gelangen, und ca. 30 — 40 km südöstlich von Klausenburg 
entfernt. Die Gegend soll zur Unterhaltung der Pferdezucht eine der 
schönsten und geeignetsten Siebenbüi'gens sein. 

Geschichtliches: Ueber dieses Gestüt ist nur so viel bekannt, dass selbiges 
vor dem gegenwärtigen Besitzer einem Baron Paul Thoroezkay über 50 
Jahre gehörte und von letzterem längere Zeit mit Erfolg betrieben wurde. 

Züchtung: Es wurde von Anfang an in obigem Gestüte das edle „ Sieben- 
bürgische " Pferd gezüchtet. Ueber Ahstammung ist, nach Erdelyi, orien- 
talisches, spanisches, theils auch holsteinisches Blut eingeführt. 

Brandzeichen: 



f 



Siebenbürgen. 309 

Name des Gestüts: DräQ. 

Besitzer: Baron Franz IVesselenyi. 

Topographisches: Die Gegend um Drag, welches im Thale liegt, ist gebirgig, 
die Weiden befinden sich auf den umgebenden Anhöhen, die von einem Bach 
bewässert werden. Um nach dem Gestüt zu gelangen, dürfte es am ge- 
rathensten sein, dasselbe von Klausenburg aus zu besuchen (einige 20 km 
Entfernung). Das Gestüt befindet sich im Sommer auf der Weide, im 
Winter in den Stallungen. 

Geschichtliches: Grosse Verdienste um die Pferdezucht hat sich hauptsäch- 
lich Nikolaus Wesselenyi in Zsibö in Siebenbürgen gegeben, wie solches 
die Grafen Stefan Szechenyi und Josef Hunyady um Ungarn es gethan. 
Nikolaus Wesselenyi starb 1850; es war derselbe ein grosser Reiter und 
Fahrer. Während der Jahre 1820 — 1830 bestand das damalige Stefan 
Wesselenyi'sche Gestüt zu Drag aus Abkömmlingen türkischen und spa- 
nischen Stammes, gezogen aus alten siebenbürger Mutterstuten. Nach 
1830 wurde die Veredelung durch Vollblut aus Zsibö erzielt. Im 



Brandzeichen 



n 



Jahre 1833 wurden für obiges Gestüt 
aus Zsibö mehrere Vollblutstuten über- 
nommen: Claudia, Eut erpe eic. Zweck: 
Renn- und Jagdpferde. Bestand jeweilig 
1 Vollbluthengst, 4 Vollblutstuten, 23 
Halbblutfohlen. 



Sachsenstuhl im sogenannten Weinland. Distrikt Schässburg. 

Name des Gestüts: GrOSS-Bunil. 

Besitzer: Graf Gregor Bethlen. 

Topographisches: Gross-Bunn liegt in der Nähe von Schässburg (Saxoburgum, 
magyar. : Szegesvar) an der grossen Kokel, ca. 60 km nordöstlich von 
Hermannstadt. 

Geschichtliches: Obiger Besitzer unterhielt hier ein Gestüt, welches dem 
Gestüt des Nikolaus von Wesselenyi in Zsibö entstammte und die sämmt- 
lichen Zuchtthiere Nachkommen dessen C(a;'5-örr- Rasse waren. Im Jahre 
1775 übernahm der Grossvater des Baron Miklös Wesselenyi zu Zsibö 
den spanischen Hengst Cicero mit ausgezeichneten Eigenschaften, die des 
letztern Sohn Cäsar insbesondere auf die Nachkommen fortpflanzte. Bis 
gegen 1812 sollen noch mehrere Abkömmlinge des letzteren Hengstes vor- 
handen gewesen sein. Später sind die Nachkommen zu klein geblieben 
und hatten sich fehlerhaft gezeigt. Es hätte dennoch, eine Verbesserung 

der Zucht stattfinden müssen. Der Be- 



Brandzeichen 




sitzer starb 1876 und wurde das Gestüt 
aufgelöst. Der Gesammtbestand soll auf 
über 100 Pferde sich belaufen haben, 
wovon ca. 30 Stuten und 2 — 4 Hengste 
in Abrechnung zu bringen sind. 



310 Siebenbürgen. 

Name des Gestüts: FogaraS (Kgl Ungar. Staatsgestüt). 

Besitzer: Sfaafs-Fisciis. 

Topographisches: Genanntes Gestüt befindet sich in einer Staats-Domäne und 
liegt dieselbe zwischen Hermannstadt und Kronstadt. In der Nähe von 
Fogaras befindet sich ein kleines Dörfchen mit Namen Szombatsalva, 
welches von Rumänen bewohnt und dasselbe als Sub Station dem Gestüt 
Fogaras zugetheilt ist. Das Areal des Gestüts beläuft sich auf ca. 3600 ha. 
Ausser dieser genannten Substation stehen darunter noch 3 Orte behufs 
Unterbringung der Gestütsprodukte. Für ca. 300 Pferde auf 400 ha 
genügende Weide. 

Geschichtliches: Infolge der Landestheilmig 1868 fiel Fogaras Ungarn zu; 
das vorgefundene Pferdematerial wurde nach Rasse genauer Prüfung 
unterworfen, es wurden fei'ner die Boden- und klimatischen Verhältnisse 
den Rassen und Schlägen angepasst und deshalb die bisher in Mezöhegyes 
gezüchteten Lippizaner nach Fogaras überführt; auch wurde Aveiteres 
Zuchtmaterial aus Lippiza bezogen. 1895 sollte das Gestüt aufgelöst 
werden, aber es blieb infolge gemachter Vorschläge erhalten. Nach den 
neueren Bestimmungen besteht die Aufgabe darin, ein gutes brauchbares 
Militärpferd zu züchten, welches hier bisher nicht erzeugt wurde, und 
andererseits die Landespferdezucht mit zu heben. 

Als Beschäler fand um jene Zeit Verwendung: Favory, a. d. Original- 
Lippizaner-Stute Neapolitano Valdamore, der bis 1882 deckte. Die aus 
Lippiza übei'nommenen Zuchtthiere: Neapolitano, Pluto und Conve?-sano 
sind die Gründer besonderer Stämme in Fogaras, deren noch Cotiversano, 
Neapolitano, Favory, Maestoso und Schagya zuzuzählen sind. Dieses Zucht- 
material der Lippizaner Rasse, aus den 4 alten, bewährten Familien zu- 
sammengesetzt, dienen vorzüglich für „siebenbürger Vollblutzucht" (s. unten 
Angaben: Nörners). 

Züchtung: Zuchtzweck: Jährlich werden gegen 30 vierjährige Hengste an 

die Staatshengstendepöts abgegeben. 



Brandzeichen : Nach Mittheilungen Dr. Nörner's erhalten bei der Abspänung 
die Fohlen links hinter dem Schulterblattknorpel an der Sattelseite den 
Vaterbrand und daneben die Nummer des Vaters. Unterhalb dieses 

Brandes kommt der Rassenbrand der Mutter. 
Auf der rechten Sattelseite wird die Nummer 
des Fohlens, d. h. das wievielste Fohlen es in 
dem betreffenden Jahrgang nach ein und dem- 
selben Vater ist, angebracht, darüber kommt der 
Gestütsbi-and : F mit Krone und Kreuz (Reichs- 
apfel mit schiefliegendem Kreuz). 






Siebenbürgen. 

Vaterbrände. 



311 



Name des Hengstes. 



Brandzeichen. 



Name des Hengstes, i Brandzeichen. 



Conversano 



Favory 



Jncitato 



Maestoso 



c 



Neapolitano 



Pluto 



Pluto Palermo 



Rassenbrände. 



N 



P 



Rasse. 



Conversano- . . .-| 



Favory 



''i 



Maestoso- . 



Brandzeichen. 



G) 
4 



Rasse. 



Neapolitano- . .^ 



Brandzeichen. 



X 



Pluto- 



7 S 



fc 



Schagya- 



O 



312 Siebenbürgen. 

Name des Gestüts: Czäky-GarbÖ. 

Besitzer: Ludwig Jösika von Branyicska. 

Topographisches: Genanntes Gestüt befindet sich in 2 Orten, nämlich in 
Czäky-GarbÖ und in Szamosfalva. Bis dato ist unbekannt geblieben, wie 
eine eventuelle Reise dorthin ausgeführt werden kann, weil neuere Nach- 
richten hierüber nicht eingingen. Fest steht jedoch, dass man die Eisen- 
bahn bis Grosswardein benützt und von da aus die Reise nach den be- 
zeichneten Gestüten antritt. Die Strassen sind in Siebenbürgen, wie ver- 
sichert wird, gut, die Gegend soll romantisch sein. In Garbo befanden 
sich stets die Hengste und Mutterstuten; letztere wurden später von 
Szamosfalva entfernt, weil die Weiden auf dem dortigen mit Salzbestand- 
theilen übersättigten Boden deren Fruchtbarkeit beeinträchtigten. Der 
junge Nachwuchs gedeiht in Szamosfalva gut und verbleibt dieser daher 
auch dort. 

Geschichtliches: Das vorstehend bezeichnete Gestüt ist aus einem der gräflich 
Vass'schen Gestüte Siebenbürgens, welches letztere den ältesten Zeiten an- 
gehörte, entstanden. Das Material hierzu wurde auf das peinlichste ge- 
wählt und nur gesucht, das Gestüt auf die höchste Blüthe zu bringen, 
daher war dasselbe quantitativ zurückgegangen, ist aber qualitativ durch 
die folgenden Besitzer verbessert worden. 

Züchtung: Das alte siebenbürgische Blut mit Lippizaner- und englischem 
Vollblut zu veredeln. 

Comitat Kokelburg. 

Name des Gestüts: BUZäS-BeSenyÖ. 

Besitzer: Paul von Thtiröczy. 

Topographisches: Von Klausenburg liegt das bezeichnete kleine Gestüt gegen 
60 km entfernt. Die Gegend ist etwas hügelig, mitunter auch etwas 
gebirgig, und sie bietet reichliche Weiden, wobei sich die Pferde gut 
entwickeln. 

Geschichtliches: In Buzäs-Besenyö bestand früher kein Gestüt, doch wurden, 
wie allenthalben in Siebenbürgen, aus einigen Stuten stets gute Pferde 
gezogen. Der gegenwärtige Besitzer übernahm von seinem Vater einige 
Stuten, sowie einige durch Ankauf. Das Stutenmaterial ist durchaus alt- 
siebenbürger Abstammung, welches überhaupt tüchtig ist. Der Typus 
der hier gezüchteten Pferde ist ein ausgesprochen orientalischer von 
dunkler Farbe. 

Züchtung: Der Bestand war bis 1860 1 Vollbluthengst: Siglavy (Rappe) 
aus dem Stamme Siglavy, 12 siebenbürger Rasse-Stuten, 18 siebenbürger 
Fohlen verschiedener Jahrgänge. 

Gegenwärtiges Bestehen des Gestüts ist bis zur Zeit nicht bekannt 
geworden, doch lässt sich solches annehmen. 



Si eb enbürgen . 313 

Name des Gestüts: Folyfalva. 

Besitzer: Reginald von Tolnay de Sellye. 

Topographisches: Folyfalva liegt in der Nähe von Akosfalva, meist im Nyara- 
thal mit einem Fluss. Der Boden ist humusreich, auch lehmiger Sand- 
boden und etwas sumpfig. Weiden in der Thalniederung. Areal gegen 
250 ha. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte 1878 und wurde das- 
selbe zusammengesetzt aus Stuten des Baron von Wesselenyi in Hadad, 
des Baron Banffy in Välaszüt, sowie zum Theil aus solchen des von 
Tolnay'schen Gestüts in Gälfalva. Als Beschäler wurden verwendet: 
Furioso V (Mezöhegyer Zucht), Zsibö von Zetland und Prince Paris von 
The Duke a. d. Abbes von Robert. Von 1884 an deckte der Vollblut- 
hengst Miklös von Buccaneer a d. Voltella von Voltigeno, von der (1884) 
30 Stuten im Gestüt standen. 

Züchtung: Die Zuchtrichtung geht darauf hinaus, ein starkes Jagdpferd, 
Halbblut mit leichten Gängen, zu erlangen. Sämmtliche Pferde des 
Gestüts tragen den Charakter von Jagdpferden und grösseren Juckern an 
sich. Bestand an Pferden gegen 100. Die Fohlen werden mit 5 Monaten 
abgesetzt. Die besten Stuten werden ins Gestüt eingestellt, zwei- und 
dreijährig werden Hengste und Stuten hinsichtlich der Tauglichkeit aus- 
probirt, später geritten und gefahren, und eventuell verkauft. 

Land der Sz ekler. Stuhl Marcs. 

Name des Gestüts: FJatfaiva bei Schässburg. 

Besitzer: G^^^f Stephan Mikö. 

Topographisches: Das Gestüt lag zwischen Udvarhely und Segesvär unweit 
Szekely-Keresztur und hatte sehr gute Weiden. 

Geschichtliches: Die Pferde dieses Gestüts waren meist orientalischer Abkunft 
und stammten theils aus dem Gestüte Zsibö, theils aus dem Gestüte 
Datos (Comitat Torda). Das Gestüt zählte stets 100 — 120 Pferde, wor- 
unter sich 30 — 35 Mutterstuten befanden. Nach dem Ableben obigen 
Besitzers während der Mitte der 1850er Jahre ging das Gestüt Fiatfalva 
vollständig ein. 

Brandzeichen: 




314 Siebenbürofen. 

Name des Gestüts: GemyeSZeg. 

Besitzer: Graf Donwkiis Teleki. 

Topographisches: Genanntes Gestüt lag in der Nähe des Marosflusses, das 
Schloss Gernyeszeg liegt inmitten des Ortes gleichen Namens und ist 
dasselbe in grossem, eleganten Styl erbaut. Reizend anmuthige Anlagen 
bieten von einzelnen höheren Punkten überraschende Fernsichten. Gernyeszeg 
ist von Klausenburg ca. 100 km, von Szäsz-Regen ca. 10 km und von 
Hermannstadt ca. über 100 km gelegen und ist auf der Strasse, die in 
die Bukowina führt, leicht zu erreichen. Ob gegenwärtig Eisenbahnver- 
bindung dahin besteht, wurde nicht bekannt. Das Marosthal wird hier 
enger, doch finden sich an beiden Ufern dieses Flusses noch ausreichende 
Flächen zur Weide. Auf diesen Abhängen weideten einst zahlreiche 
Gestüte bei reichlicher Nahrung, gesunder Luft und stärkender Bewegung. 
Am Schloss, das auf einer Anhöhe liegt, war eine sorgfältig gepflegte 
Maulbeerpflanzung angebracht. 

Geschichtliches: Die Pferdezucht wurde in Siebenbürgen seit ältesten Zeiten 
betrieben, und zwar fi'üher als ein Gegenstand der Liebhaberei und 
aristokratischen Selbstgefühls erachtet. Sie war aber auch durch Landes- 
verhältnisse ein Bedürfniss. Verkehrswege fehlten. Jeder war gezwungen 
für sein Fortkommen selbst zu sorgen. So sah man nicht selten Familien 
aus höheren Gesellschaftskreisen mit 4 — 6 Wagen und desgleichen 4 — 6 
Pferden bespannte Wagen die schlechten Wege des Landes durchziehen, 
um sich in die Winterquartiere nach den Städten zu begeben oder Besuche 
theils bei Bekannten, theils auf ihren eigenen Gütern zu machen. Dieser 
Karawane folgten gewöhnlich noch einige Reitpferde für Herrschaft und 
Diener, und dies Alles zusammen bildeten kein kleines Kontingent an 
Pferden. Gestüte mit 40 — 50 Mutterstuten waren daher keine Selten- 
heit und so zum Bedürfniss geworden, dass auch Wittwen es für ihi-e 
Pflicht hielten, die durch ihre Gatten gegründeten Gestüte aufrecht zu 
erhalten. Das Gestüt Gernyeszeg wurde im Jahre 1760 angelegt und 
durch angekaufte Pferde spanischer Abkunft aus den Daniel'schen und 
Mitessi'schen Gestüten gegründet. 

Im Jahre 1799 wurde für das Gestüt der Original - Spanierhengst 
Brillant vom Grafen Beldi erkauft. Ihm folgten 2 Söhne. Hiernach kam 
Spagfiiol, spanischer Abkunft, vom Grafen Josef Banffy. Anfangs vorigen 
Jahrhunderts (1801) wurden ältere Stuten durch jüngere aus Särpatak 
ersetzt. Zu jener Zeit bestanden um Gernyeszeg mehrere grosse Gestüte, 
nämlich 3 Teleki'sche, Gernyeszeg, Säpartak und Saromberke, und das 
Baron Jos. Bornemisza'sche zu Abafäja. Gegen 1830 betrug der Bestand 
des Gestüts ca. .50 — 60 Pferde, darunter 2 Beschäler: Cäsar (Wesselenyi'- 
sches Gestüt) und ca. 24 — 26 Mutterstuten, rein spanischer Rasse: 
feurig, schön, lebhaft. 

Züchtung: Mit 1835 begann die Führung des Gestüts-Stammregisters 
und wies damals folgenden Pferdebestand nach: 2 Beschälhengste, 16 
Mutterstuten, 14 Stück 5-, 3-, 2- und 1-jährige Wallachen und 8 Saughengst- 
fohlen; ferner 4 Stück 4-, 3- und 2-jährige Stutfohlen, dann 3 Saugstut- 
fohlen. Vom Jahre 1835 — 1862 waren für Mutterstuten thätig: 17 eng- 
lische Vollbluthengste, 8 englische Halbbluthengste, 2 Hengste der alten 




Siebenbürgen. 315 

siebenbürgischen Rasse, 3 Halbblut- Araberhengste, 2 Vollblut- Ai'aberhengste 
(Tajar, Siglavy) und 1 Hengst polniscber Abstammung (Fattju, Scheck). 
Die Nachweisungen, die durch gewissenhafte Führung eines Gestüts- 
registers bei dem Gestüt Gernyeszeg herbeigeführt wurden, ergaben Genauig- 
keit und Sorgfalt bezüglich der Auffrischung und Veredlung des Blutes, 
Branrizpirhpn- . ' um dadurch mit ängstlicher Schau der 



Inzucht zu begegnen. — Wegen Todes 
des letzten Besitzers (1882) entschloss 
sich, laut speziellen Nachrichten, die 
hinterbliebene Wittwe das Gestüt durch 
I Verkauf aufzulösen. 

Comitat Doboka. 

Name des Gestüts: bOrSä. 

Besitzer: Daniel Baron Bdnffy. 

Topographisches: Am Eingange von Välaszüt biegt der Weg nach Borsa 
links ab. Vielleicht besteht gegenwärtig ein Schienenweg von Klausen- 
burg aus. Borsa liegt an den Abhängen des Szamothales an einem 
Bach, der sich in den Szamofluss ergiesst. Das herrschaftliche Wohnhaus 
befindet sich im Orte und ist dasselbe mit schönen Gartenanlagen um- 
geben; die Gestütsstallungen und Weiden etc. befinden sich in der Nähe. 

Geschichtliches: Das Gestüt Borsa ist vor 1811 von Johann Bänfiy begründet 
worden; unter dem erfolgten Besitz desselben wurde aus dem Erbe durch 
Franz (Ferenx) BänfFy der Bestand auf 35 Mutterstuten erhöht und in 
einen zweckmässigeren Zustand gebi-acht, gegen Ende der 1820er Jahre 
war hier ein Gesammtbestand von 100 — 110 Pferden aufzuweisen. Zur 
damaligen Zeit wurden hier Pferde orientalischer und spanischer Abkunft 
gezüchtet, die zu Remonten verwendet wurden. Nachdem dieses Gestüt 
mit genanntem Bestand seit vielen Jahren eingegangen war, gründete 
obengenannter Besitzer 1840 ein solches von Neuem. Zuerst wurden 
zur Zucht gewählte siebenbürger Stuten verwendet, die von dem 
Halbbluthengst Danddr nach Caio gedeckt wurden; dann folgte der Danddr, 
Sohn, a. d. Faficy, dann trat Gambler, ein englisches Jagdpferd, ein. 
1864 deckte El Bedavy 6 aus dem Militär- Hengstendepötposten Dees; 
hiernach befand sich der 5jährige Halbbluthengst Gidran nach Phacnomenon 
im Gestüt. Der Stutenbestand betrug stets 20 — 22 Stück, der Hengst- 
bestand 2 Stück, Bestand der Fohlen verschiedener Jahrgänge 47 Stück 
= Gesammtzahl der Pferde gegen 70 Stück. 

Züchtung: Die Pferde in Borsa wurden hart erzogen; nur über zwei Winter kamen 
diese in Stallungen, sonst weiter nicht mehr. Als Wagenpferde erfreuten sie 
sich des besten Rufes und eigneten sich nach Grösse, Form und Ausdauer 
noch vollkommen hierzu. Diese Pferde zeigten einen konstanten Typus. Ob 
das Gestüt gegenwärtig noch besteht, ist trotz gestellter Anfragen nicht 
anzugeben. y -^ä^Mj^ Grafenkrone, 

Brandzeichen: /^s% F. B. ^^^^y darunter: 

= Franz Bänfiy. |^ 1 B und Halbmond 

■-= Daniel Bänfiy. 




B> 



316 Siebenbürgen. 

Name des Gestüts: BfithlGII bei Kiausenburg. 

Besitzer: Alexandey Graf Bethlen. 

Topographisches: Der Ort und das Schloss Bethlen liegen an der Strasse 
von Bistritz und Czernowitz und einige 60 km von Klausenburg. Der 
Eigenthümer, als eifriger Pierdezüchter rühmlichst bekannt, hat das Gestüt, 
welches seit uralten Zeiten bestand, von der Herrschaft Apa-Nagyfalu zum 
Theil mit nach Bethlen gezogen, um seine Liebhaberei stets überwachen 
zu können. Die Weiden sind gebirgig und eben und liefern ausreichend 
gutes Futter. 

Geschichtliches: Aeltere Werke über die Gestüte im österreichischen Kaiser- 
staate wiesen zu Anfang dieses Jahrhunderts in Siebenbürgen 15 gräflich 
Bethlen'sche Gestüte nach, und in den 1828 durch den Grafen Alexander 
von Bethlen anonym herausgegebenen „Ansichten von Siebenbürgen" werden 
noch 12 Bethlen'sche Gestüte, worunter jene der Grafen Carl und Franz 
von Bethlen als vorzüglich aufgeführt, ein Beweis sowohl für das Alter 
dieser Gestüte als die ununterbrochene Neigung für die Pferdezucht, 
welche die Mitglieder dieser ritterlichen Familien von jeher beseelte. 

Züchtung: Nach einer beiläufigen Berechnung war der Pferdebestand in diesen 
Gestüten ungefähr 1750 Stück und stammten dieselben grösstentheils von 
spanischer und orientalischer Rasse, welche je nach ihrer Abstammung 
als Wagen- und Reitpferde stets gesucht waren. 

Eines besonderen Rufes erfreute sich das gräflich Paul Bethlen'sche 
Gestüt, in welches 1778 der durch den Oberstallmeister Fürsten von 
Dietrichstein erkaufte original- spanische Hengst Brilla?it gebracht und 
durch den die ehemals berühmte durch Geist, regelmässigen Gang, Aus- 
dauer und Brauchbarkeit selbst in hohem Alter ausgezeichneten «Brillant- 
Rasse" gegründet wurde. Aus diesem Gestüt soll auch der Barberino- 
Stamm nach Radautz verpflanzt worden sein, und das Gestüt steht auch 
aus diesem Grunde in guter Erinnerung. 

Im Jahre 1848 wurde das alte gräflich Bethlen'sche Gestüt getheilt. 
Von dessen 40 damals beinahe schon halbwild gezogenen Stuten, welche 
wohl gefüttert, aber nie eingestellt worden waren, erhielt Graf Alexander 
10 Stück, von welchen er jedoch nur 3 zur Zucht behielt. Mit diesen 
und angekauften selbsterprobten Reitstuten gründete der Graf das Gestüt, 
indem er zur Zucht die Hengste Malek-Adel, Flamifigo, Boy-Monms, Ruhy, 
Carthago, Gray-Pyrrhus und Nyil, also durchaus Vollblut verwendete. 
Der Erfolg lohnte die Bemühungen des nicht allein um die Pferde, sondern 
auch um die Zucht aller Nutzthiere hochverdienten Züchters. Vollblut- 
zucht: Rennpferde. Bestand 1865 — 1870: 2 Vollbluthengste Bakaüir, 
Raber, 7 Vollblutstuten, 2 Vollblut-Stut-Fohlen, 9 siebenbürgische Halb 
bluter, 2 englische Halbbluter, 22 Halbblutfohlen (3 Jahrgänge). 

Brandzeichen: 




Siebenbürgen. 317 

Name des Gestüts: BereSZtelke. 

Besitzer: foliann Bm'on Bau ff y und Stefan Keine ny. 

Topographisches: Nach Beresztelke führt der kürzere Weg von Klausen- 
burg ab über die Mezöseg; jedoch ist dieses Gestüt erst nach Zurück- 
legung von einigen 40 km erreichbar — , vielleicht giebt es neuerdings 
dort Eisenbahnen. Dasselbe liegt in ebener Gegend mit ausreichender 
Weide und den erforderlichen Stallungen und sonstigen Gebäuden. 

Geschichtliches: Das vorstehend bezeichnete Gestüt stammt aus den ältesten 
Zeiten und soll dasselbe durch Zukaufe von Areal aus den Wesselenyi'- 
schen und den Daniel von Bänffy'schen Gestüten vergrössert bezw. auf- 
gefrischt worden sein. Nach dem vor langer Zeit erfolgten Tode des 
Grafen Lajos Teleki kauften Johann Baron Bänify und Stefan Kemeny 
dessen Gestüte und daher stammen die noch in Beresztelke befindlichen 
Abkömmlinge der Familie Bik, die in Siebenbürgen sich einst eines hohen 
Rufes erfreuten. In den Jahren 1848 und 1849 wurde das Gestüt zwei- 
mal geplündert. Einmal von den Walachen, welchen jedoch die meisten 
Pferde wieder abgenommen, die in das Gestüt zurückgebracht wurden, 
und das zweite Mal von den Russen, die alles, was sie fanden, mit sich 
fortnahmen, so dass ausser einigen untransportablen Fohlen und 6 Pferden, 
welche der Besitzer in Maros-Väsärhely bei sich hatte, nichts im Gestüte 
blieb. Mit diesen sehwachen Resten wurde die Zucht wieder begonnen 
und der Hengst Prifice, welcher aus England eingebracht wurde, als Vater- 
thier verwendet. Dieser hoch im Blute stehende Hengst deckte mehrere 
Jahre hindurch mit sehr gutem Erfolg im Gestüte, zeugte sehr kräftige 
Pferde und wurde später, um Inzucht fernzuhalten, verkauft. Später 
wurden 3 — 4 Jahre hindurch Landesbeschäler zum Decken verwendet, 
wodurch verschiedenartige Produkte entstanden. Ferner deckten Cyriis 
aus Geruyeszeg, Ossian ans Hadad, dann Gray-Pyrrhus, Castor und endlich 



Brandzeichen: 




Verschiedene im Gestüte s. Zt. im 
Gebrauch gewesene Brandzeichen. 



Bolero. Bolero, geb. 1852, nach Elis 
oder Pastoral a. d. Saliarella, 1858 an 
Graf G. Szapary verkauft. Ende der 
1850er Jahre enthielt das Gestüt 14 
echte siebenbürger Mutterstuten, ferner 
aus den Jahrgängen von 1862 bis mit 
1865 27 Fohlen = 42 Pferde incL des 
Hengstes. 



Comitat Doboka: Bontzhida. Comitat Torda: Koppand. 

riame des Gestüts: Bontzhlda und Koppänd. 

Besitzer: Graf Nikolaus Bänffy. 

Topographisches: Bontzhida liegt ca. 20 km von Klausenburg und wurde 
daselbst hauptsächlich das Gestüt als solches betrieben. Koppänd ist mehr 
als Filiale zu betrachten, daselbst befand sich seiner Zeit der Voll- 
bluthengst Gambia nebst 12 Mutterstuten. Das Schloss Bontzhida soll 
grossartiger Herrensitz, die Umgebung idyllisch und die Weideverhält- 
nisse sehr ffute sein. 



318 Siebenbürgen. 

Geschichtliches: In Siebenbürgen soll es zur Thatsache geworden sein, dass 
jeder kleine Gutsbesitzer seit Jahrhunderten die Pferdezucht in grösserem 
Maassstabe betrieb, und so hat auch der gegenwärtige Besitzer das Gestüt 
von seinem Vater, Grossvater, ürgrossvater etc. ererbt. Die Gestüts- 
bücher sollten über 150 Jahre hinausreichen, wurden aber in den Jahren 
1848/49 vernichtet und mit ihnen die Möglichkeit, dokumentarisch nach- 
zuweisen, dass die Ahnen des gegenwärtigen Besitzers die Pferdezucht 
stets mit besonderer Vorliebe und vorzüglichem Erfolge pflegten, und 
dadurch die Bänfiy'schen Gestüte in den besten Ruf brachten. Von diesen 
Gestüten bestehen gegenwärtig nur noch zwei, welche sich aus den älteren 
Zeiten ableiten, nämlich die beiden Gestüte Bontzhida und Välaszüt 
(s. Välaszüt). 

Züchtung: Wie fast jedes Gestüt Siebenbürgens, so hatte Bontzhida in früherer 
Zeit orientalisches Blut in seinen Pferden. Den letzten orientalischen 
Hengst kaufte der Grossvater des gegenwärtigen Besitzers, Baron Michael 
Banify, zwischen 1745 — 1750 in Marokko; dieser Hengst, dann noch ein 
zweiter, Tartsi, und ein dritter, Mcrges, sollen in den nun verbrannten 
Protokollen als vorzügliche Vaterthiere verzeichnet gewesen sein. 

Es ist interessant, hier mit verzeichnen zu können, dass von frühester 
Zeit an bis ca. 1832 behufs fortwährender Auffrischung des Blutes in 
den Gestütsfamilien Siebenbürgens die Gewohnheit bestand, die Hengste 
stets unentgeltlich decken zu lassen. Die Pfei'de- bezw. Gestütsbesitzer 
waren unter sich grösstentheils verwandt oder innig befreundet und Hessen 
daher die Stuten durch ihre Hengste gegenseitig belegen, wodurch der 
Typus der siebenbürger Pferde aufrecht erhalten und ihre Eigenschaften 
fortwährend vererbt wurden. Mit der Einführung der englischen Vater- 
pferde in Siebenbürgen während der Jahre 1823 — 1826 verschwand nach 
und nach diese Sitte und mit derselben zu einem sehr grossen Theile 
der Typus, welcher ihr seinen Bestand dankte. 

In dem Gestüte Bontzhida wuide dann vom Jahre 1828 ab mit 
der Kreuzung englischen Vollblutes begonnen, jedoch aber mit einem 
Theil des Gestüts stets der rein siebenbürgische Stamm zu erhalten 
getrachtet. Im Jahre 1851 deckte ferner ein Orlofi"scher Araber (Rapp- 
hengst), jedoch mit wenig Erfolg im Gestüt. Gleichzeitig wurde aber 
auch darin ein englischer Vollbluthengst, Frivatee?-, und später noch einige 
dergleichen gehalten. Durch die Kreuzung mit englischem und arabischem 
Blute verschwand bis in die siebziger Jahre der siebenbürgische Rasse- 
typus immer mehr und das Gestüt wurde kleiner; wie es mit demselben 
gegenwärtig steht, sind hierüber zur Zeit noch keine Nachrichten ein- 
gegangen. 

Brandzeichen: 



^<J (Jj AHkv cM tTAO 




Siebenbürgen. 319 

Name des Gestüts: Polyäll. 

Besitzer: Ignas Szentpali. 

Topographisches: Das bezeichnete Gestüt liegt ca. Y, Stunde von dem Markt- 
flecken Torda, welcher südöstlich und 4 Meilen von Klausenburg entfernt 
ist. Polyän liegt an der Strasse von Klausenburg nach Maros-Väsärhely 
in schöner, flacher Gegend. Weiden befinden sich längs des Flusses Aronyos, 
die leicht überschwemmt werden. Während des Sommers befinden sich 
die Fohlen in Polyan, im Winter aber in Hadrec. welcher Ort ca. 1.5 km 
an" der bezeichneten Strasse von jenem entfernt liegt. 

Geschichtliches: 1837 gründete der vorhergegangene Besitzer jNikolaus 
von Szilväsi vorstehend bezeichnetes Gestüt mit dem Halbbluthengst 
Friatn a. d. Jagdstute Crokk, aus England importirt. Hierdurch beab- 
sichtigte dieser Besitzer grosse, prächtige und edle Mutterstuten zu ziehen 
■ und dadurch die Zucht zu veredeln. Auch kamen noch die Hengste 
Constant und Expectation dazu, die sämmtlich werthvolle Nachzucht lieferten. 
Durch irgend welche umstände wurden die errungenen Erfolge zerstört; 
auch kam mit dazu, dass Mitte der 1840er Jahre dem Gestüte 82 Pferde 
geraubt wurden, von denen nur 5 Stück wieder zu erlangen waren. Oben- 
genannter Besitzer gründete daher das Gestüt aufs Neue. Der erste Stamm 
bestand aus siebenbürgischen Pferden, welche in der Folge mit Staats- 
beschälern englischen und arabischen Blutes gepaart wurden, von denen 
Visserod und Jussuf hervorzuheben sind. 

Züchtung: Alle hier gezogenen Pferde zeigen einen starken, festen Körperbau. 
Jährlich (1889) beträgt die Zahl der geborenen Fohlen ca. 10 — 12. 
Ausnutzung: Eigenen Bedarf decken, Verkauf der dreijährigen Pferde 
an die Assentkommission, weitere Pferde an Private. 

Comitat Doboka. 

Name des Gestüts: VälaSZUt 

Besitzer: Albert Baron Bdnffy. 

Topographisches: Das Gestüt liegt 2.5 km nördlich von der Landeshauptstadt 
Klausenburg in dem Szamosthale, nahe dem Flusse und der Herrschaft 
Välaszüt, an der Strasse von Klausenburg nach Bistritz. Das gute Ge- 
deihen der Zucht wird durch die Sorgfalt, die auf die Thiere seitens des 
Besitzers und durch gute Weideplätze gewährt werden, herbeigeführt. 

Geschichtliches: Ende des vorigen Jahrhunderts bestanden in dortiger Gegend 
13 Bänffy'sche Gestüte, und noch im Jahre 1828 waren 8 dergleichen 
unter den einzelnen Gliedern dieser Familie gehörigen Pferdeaufzuchts- 
anstalten verzeichnet. Aus dem vormaligen vielgerühmten Daniel Bänfiy- 
schen Gestüte, orientalischer Rasse, errichtet, wurde dieses Gestüt auch 
späterhin noch durch türkische Beschäler fortgepflanzt. Die seit dem 
Jahre 1818 bestehenden Gestütsbücher bieten einen gründlichen Einblick 
in die bisherige Thätigkeit des Gestüts und ist daraus zu ersehen, dass 
dort bis zum Jahre 1837 die Zucht der siebenbürger Pferde in voller 



320 



Siebenbüroren. 



Reinheit fortgesetzt wurde. In Välaszüt wurden stets brauchbare Pferde 
gezogen, welche im Auslande gesucht, den Ruf der siebenbürger Pferde 
begründeten. Unter ihren guten Eigenschaften waren besonders Feuer und 
Ausdauer hervorzuheben, und sind tüchtige, hübsche und unermüdliche 
Gebrauchspferde gewesen, kurz gefesselt, gut fundamentirt und zeigen den 
unabsprechbaren Typus der siebenbürger Pferde. Vorzüglicher Reit- 
pferdeschlag. 
Züchtung: Der Zweck des Gestüts bestand in der Zucht behufs der Deckung 
des eigenen Bedarfs und des Verkaufs, der Beliebtheit der hochstehenden 
Välaszüter Gestütspferde halber. Diese Pferde waren stets auf den 
Märkten sofort vergriffen, und es blieb nie ein Pferd über 3 Jahre alt 
im Gestüt zurück. Bestand während der Jahre 1860-1865: 1 Vollblut- 
hengst: Dami Castor und Castor a. d. Greek Slave, 3 Vollblutstuten: Lizzie 

naöh Natan a. d. Co/ieiress. Palma nach 



Brandzeichen: 




Tre Cure a. d. Heroine, Duchess nach 
Cotswald a. d. Duchess of Suiherland. 
Trotz öfteren Fragens über den gegen- 
wärtigen Stand des Gestüts konnten 
wir nichts erfahi'en. 



Comitat Koloszs. 



Name des Gestüts: 
Besitzer: 



Nagy-Czeg. 

Peter Tainasy. 



Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt südöstlich von Budapest in der 
Nähe von Klausenburg an der Kleinen Maros, südlich von Lemberg, westr 
lieh von Jassy und nordwestlich von Bukarest. Ungai'ische Nordostbahn. 

Geschichtliches: Es ist die Nachricht darüber verloren gegangen, ob das 
oben namhaft gemachte Gestüt des bezeichneten Besitzers dasselbe ist, 
Avelches zu Beginn des 19. Jahrhunderts Baron Paul Bänffy daselbst 
gründete und mit Erfolg betrieb. Von Bänffy's Begründung an wurde 
ein grosser Schlag Pferde in spanischer Rasse gezüchtet, der nur für den 
Wagen geeignet war und gesucht wurde. Diese Rasse wurde nur rein 
zu erhalten gesucht. Um die damalige Zeit wurden 4 spanische Hengste 
und einige 40 spanische (reinblütige) Mutterstuten gehalten, das Gestüt 
soll dann später über 100 Köpfe aufzuweisen gehabt haben. Wie das 
Gestüt in die Hände des gegenwärtigen Besitzers gekommen, konnte nicht 
festgestellt werden. 

Züchtung: Der gegenwärtige Besitzer soll mit gegen 20 Mutterstuten züchten, 
weiteres ist uns unbekannt. 



Brandzeichen: 



MS 



Siebenbürgen. 321 

Marne des Gestüts: SZCIlt AndräS. 

Besitzer: von Balogh. 

Topographisches: Grenaanter Gestütsort liegt von Klausenburg ca. 70 km 
entfernt, die Verbindung mit der Stadt ist durch gute Strasse hergestellt. 
Die Lage von St. Andräs ist romantisch und freundlich. Der Fluss 
Szamos durchschneidet ausgebreitete Weiden. Die Gestütsgebäude werden 
von Scheunen als Unterstände gebildet, nur der jeweilige Hengst wurde 
im Stall gehalten. 

Geschichtliches: Der Eigenthümer gründete kurz nach Anfang des Jahres 
1800 das Gestüt. Aus dem alten siebenbürger Materiale züchtete er starke 
strapazirfähige Pferde, d. h. er vermittelte und regelte einigermassen die 
Begegnung zwischen dem Hengste und den Stuten und Hess im übrigen 
die Natur walten, ohne sich weiter darum zu kümmern. So wuchsen hier 
die Pferde auf, so gediehen sie auch und gelangten zu einigem guten Rufe. 
Das ging so fort. Die Pferde vermehrten sich und fanden Abnehmer, 
und weiter reichte weder die Tendenz des Züchters noch die dem Züchter 
gestellte Aufgabe. Da änderten sich die Verhältnisse. Das nach und nach 
in das Land gebrachte englische Blut verdrängte 1848/49 das alte sieben- 
bürgische Zuchtmaterial. Nachdem keine alten siebenbürger Hengste mehr 
vorhanden waren, wurden Hengste aus der Umgegend auf die Gestüts- 
stuten gebracht. Diese Hengste waren aber theilweise edleres Blut und 
nicht allein unter dem Schutze der Natur aufgewachsen, sondern unter 
Pflege sorgsamer Züchter gezogen, ihre Produkte konnten daher den Usus 
der Nichtbevormundung und der freien Entwickelung des Individuums 
keineswegs so schadlos ertragen, wie ihre Vorgänger im Gestüte. Davon 
Hess sich der Besitzer, trotzdem die Zeiten sich geändert und die 
Züchtungsverhältnisse verbessert hatten, nicht beeinflussen. Um so be- 
trübender war aber der damalige Bestand der Gestütsprodukte. Sie 
lieferten den unwiderruflichen Beweis für die Thatsache, dass sich nur 
billiger Stoff billig erziehen lasse und es grausame Verschwendung sei, 
edleren Zuchtstoff in seinen Produkten durch Entbehrung an der Ent- 
wickelung zu hindern und durch Sorglosigkeit verkümmern zu lassen. 

Züchtung: Die Nachzucht aus Szent Andräs konnte daher den damaligen 
Anforderungen nicht mehr genügen, die Zucht ging zurück, weil die bis 
1866 dort erzeugten Pferde manche ihrer früheren guten Eigenschaften 
einbüssten, ohne die guten Keime, welche in sie gelegt wurden, zur Ent- 
faltung gebracht und hierin den Erfolg des Verlorenen gefunden zu haben. 
Ob Szent Andräs zur Zeit als Gestüt noch besteht, konnte bis jetzt nicht 
festgestellt werden; direkt gestellte Anfragen blieben unbeantwortet. 



Bräuer, Gestüte. 21 



322 



Siebenbürgen. 



Name des Gestüts: KerellÖ SzCnt Päl. 



Besitzer: 



Graf Haller. 



Topographisches: Szent Päl, Ort mit schönem Schloss, umgeben von schönen 
Gartenanlagen mit daran anstossenden Wirthschaftsgebäuden behufs Auf- 
nahme des Gestüts. Genannter Ort, dessen Bewohner zum grossen Theile 
Zigeuner, die kolonisirt sind, sollen sehr arbeitsam und ehrlich sein. Ob 
von Klausenburg eine Eisenbahnverbindung hergestellt ist, vv^ar nicht zu 
ermitteln. Szent Päl liegt einige 50 km von Klausenburg entfernt im 
Marosthal, unmittelbar am Fluss. 

Geschichtliches: Nach den Angaben des Rittmeisters Otto Mayr wurden die 
Gestüte des österreichischen Kaiserstaates seit langen Zeiten von der 
gräflich Haller'schen Familie hinsichtlich der fortwährenden siebenbürgischen 
Pferdezucht mit besonderer Vorliebe betrieben und infolge letzterer zahl- 
reiche dieser Familie gehörige Gestüte errichtet. Von 1800 — 1815 wurden 
mehrere (4 — 6) gräflich Haller'sche Gestüte und hiernach noch einige 
dergleichen errichtet. Ehedem bestanden in Szent Päl 2 Gestüte orientalischer 
und spanischer Rasse; die Produkte zeichneten sich durch starken Knochen- 
bau und Schönheit aus und waren feurige, zahme, gute Charge- und 
Remontepferde. Beide Gestüte gingen nach und nach ein. 

Züchtung: Der dann folgende Besitzer nahm das Gestüt später wieder auf; 
dieses ging aber während der Jahre 1848 — 1849 durch Beraubung von 
54 Pferden wieder ein. Dasselbe wurde aber von dem anderweiten Be- 
sitzer durch Ankauf gedeckter Stuten hiernach wie neubegründet, wozu 
später ein Hengst, altsiebenbürgischer Abstammung, Namens Bojtär aus 
Bontzhida, sowie ein solcher Namens Beni aus Zsibö und ein Araber-Voll- 
bluthengst (Ormuzd) in das Gestüt kamen. Die Gestütsprodukte waren 
sehr ausdauernde. Ob das Gestüt gegenwärtig noch besteht, konnte bisher 
nicht in Erfahrung gebracht werden. 

Brandzeichen: ^^ X^ J^ 



Name des Gestüts: 
Besitzer: 



Comitat Maros-Torda. 

Megyesfalva. 

Graf Ellgen Ldzar. 



Topographisches: Megyesfalva, ein Dorf, liegt ca. 5 km von der Strasse 
Klausenburg — Maros— Väsärhely und ca. 6 km von letztei'er Stadt; das 
Marosthal bietet gute Weiden. Areal der HeiTSchaft gegen 700 ha, 
Besitzer: Gründer Josef Läzar (Grossvater), Nachfolger Moritz Läzar (Vater) 
des gegenwärtigen Besitzers. Während der 1840 er Jahre wurde ein Fohlen- 
garten eingerichtet, in dem sich gegen 400 Fohlen aufhalten sollten. 



Siebenbürgen. 323 

Geschichtliches: Der Grossvater obigen Besitzers unterhielt hier bereits seit 
Anfang des 19. Jahrhunderts ein Gestüt. Bei einer Anzahl von gegen 
150 Pferden waren 40 — 50 Mutterstuten bestimmt, die aus dem Daniel- 
schen Gestüt stammten und den orientalischen Typus zeigten. Bis gegen 
das Jahr 1830 wurden die Hengste Toli (braun) aus dem Gestüt des 
Grafen Franz Bethlen, Kolli (Türke), Fe?iisch (Isabell) und Tanusch (Dunkel- 
fuchs) gehalten. Die hier gezüchteten Pferde, sowie die Hengste zeigten einen 
sehr regelmässigen Bau und waren die Thiere äusserst lebhaft (altsieben- 
bürger Rasse). Die Fohlen werden im Dezember auf den Weiden belassen. 

Züchtung: Der Bestand mit den Jahrgängen belief sich immer bis gegen 
80 Pferde. Zuchtziel: Renn- und Reitpferd bester Qualität. Dem frühern 
Besitzer des Gestüts mag der Uebergang zur reinen Vollblutzucht vorge- 
schwebt haben als Ideal, aber er wurde in seinen Bestrebungen durch den Tod 

überrascht. Der gegenwärtige Besitzer 



Brandzeichen 




führte den Vollbluthengst Boy Momus 
von Gray Momus ein, dieser wurde 
bis 1859 benutzt. Hiernach Cr^jv /^r- 
rhus\i\% 1861, i^xn^x Daniel ORourke 
aus England. 



Comitat Torda. 

Name des Gestüts: GÖrgSny. 

Besitzer: Familie der Barone Borneniisza. 

Topographisches: Görgeny ist ein Marktflecken an einem gleichnamigen 
Flüsschen gelegen in der Nähe von Szäsz. In der Umgebung befindet 
sich die Ruine des Schlosses Görgeny, welches 1708 zerstört wurde. Ehe 
das bezeichnete Gestüt in den Besitz der Familie Bornemisza kam und 
auch während desselben war durchschnittlich ein Bestand von nahezu 
200 Pferden mit ca. 60 Mutterstuten aufzuweisen. 

Geschichtliches: Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der gesammte 
Pferdebestand für Görgeny aus dem edlen Gestüt des Nicolaus v. Wesse- 
leny zu Zsibö geliefert, in dem bekanntlich um die damalige Zeit spa- 
nisches und orientalisches Blut in hervorragendem Grade bestand. Diese 
Blutverhältnisse wurden später durch das Halten von Hengsten dieser 
Rassen auch beibehalten. Die Nachkommen zeichneten sich durch hervor- 
ragende Güte der beiden damaligen Hengste Belo und Armidor aus, die 
auch sehr gelehrig sich gezeigt haben sollen. Durch Schenkung fiel die 
Herrschaft Görgeny an den ungarischen Staat und hörte dadurch das 
Gestüt daselbst bereits seit mehreren Jahren auf. 



Brandzeichen: oO^^^^ 




■21* 



324 Siebenbürgen. 

Name des Gestüts: Nagy AlmäS. 

Besitzer: Graf Samuel Vass und 

Graf Josef Csäky. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt am Flusse Almas. 

Geschichtliches: Ehedem bestand hier ein sehr bedeutendes Gestüt; die 
Zuchtpferde gehörten meist der Gi.far-Rasse aus dem Wesselenyi'schen 
Gestüt zu Zsibö an, wozu der Beschäler Brillant aus dem Bethlen'schen 
Gestüt zu Keresd Verwendung fand. Der Bestand des Gestüts hatte sich 
sehr vermehrt und war eine Mutterstutenheerde von 135 Stück heran- 
gebildet. Als Beschäler fanden während der 1820er Jahre in dem Gestüt 
Verwendung: Ketiyes, Mörghös, Fenghes, Gallant und Bucephalus. Die 
beiden letzten Hengste (Fuchs und Kohlrappe) waren Söhne des Kenyes, 
welcher 1797 im Wesselenyi'schen Gestüte zu Zsibö geboren und aus 
der dortigen CÜ^^r-Rasse stammte. 1880 ging das Gestüt ganz auf den 
Grafen Josef Csäky über und wurde von diesem in dem bisherigen Sinne 
und gleichem Umfange bis in die 1840 er Jahre fortgeführt. Hiernach 
fand zwar eine Verkleinerung des Bestandes statt, aber die Qualität der 
Zuchtthiere blieb die bisherige. 1848/49 fand infolge des ungarischen 
Freiheitskampfes die Auflösung des Gestüts statt. 

Brandzeichen: 




325 



Königreich Kroatien und Slavonien. 



Provinz Slavonien. Comitat Veröcze. 

Name des Gestüts: ThereSOVatZ. 

Besitzer: Eleiner Jankovich. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt in der Nähe der Stadt Veröcze bei 
der Kgl. Freistadt Essegg, Hauptstadt Slavoniens (starke Festung). Der 
Gestütsort vsrird durch die Eisenbahnlinie Gross - Kanizsa — Essegg bei 
Theresovatz berührt. Die Wege zum Gestüt sind mit sorgfältig gepflegten 
Alleen von altehrwürdigen, riesigen Pappel- und Kastanienbäumen ver- 
sehen. Auf einem Hügel gelegen befindet sich das Herrschaftshaus und 
eine hervorragende Kirche. Die Herrschaft hält über 8000 ha Areal. 
Das Muttergestüt Theresovatz enthält tragende Mutterstuten; die 1 — 3 jäh- 
rigen Fohlen werden in die Gehöfte Czernovitz und Pepelana und später 
auf die Sommerweide, auf die Gebirgshöhen der Waldherrschaft Vuchin 
gebracht. Die vierjährigen Pferde werden verkauft. 

Geschichtliches: Seit seiner ursprünglichen Errichtung, welche im 18. Jahr- 
hundert erfolgte, bestand das Gestüt nur aus der alten siebenbürger 
Rasse. In den vierziger Jahren vorigen Jahrhunderts wurde zur Auf- 
frischung des Blutes der bis dahin konstant erhaltenen Rasse die reine 
Lippizaner Rasse verwendet. 5 Stämme der reinen Lippizaner Rasse wurden 
konstant fort und rein erhalten und fortgezogen. Hiermit wurde im 
Gestüte die alte Theresovatzer Rasse, sowie in 5 Stämmen die Lippizaner 
Rasse rein bezw. konstant gezogen und erhalten und dadurch schliesslich 
noch eine Kreuzung der alten Theresovatzer Stuten mit rein Lippizaner 
Hengsten besonders erzielt. Dieses war der bisherige Zuchtzweck. 

Züchtung: Als Bestand waren 1881 zu verzeichnen: 5 Hengste rein lippi- 
zaner Rasse, 2 Hengste der alten Theresovatzer Rasse, 15 Mutterstuten 
der rein Lippizaner Rasse, 40 Mutterstuten der alten Theresovatzer Rasse, 
30—36 Fohlen 1— 3jährigen Jahrgangs. Die 5 Stämme der reinen Lippi- 
zaner Rasse waren in beiden Geschlechtern vertreten: Favory, Cotiversano, 
Maestoso^ Pluto, Neapolitano. 

Brandzeichen: , 

Die alte Theresovatzer Rasse erhält auf der recht- 
seitigen Ganasche die Buchstaben E. gebrannt. Die 
rein Lippizaner Rasse erhält auf dem rechten Hinter- 
schenkel den nebenstehend skizzirten Halbmond. 



( 



326 Kroatien und Slavonien. 

Name des Gestüts: CZclblincl. 

Besitzer: Ladislaiis v. Jankovich. 

Topographisches: Diese Besitzung liegt ca. 1 Stunde von dem Marktflecken 
Theresovatz entfernt; die stets gut gehaltene Strasse ist mit einer schönen 
Allee versehen. Neue Wirthschafts- und Gestütsgebäude. Ausgebreitete 
fruchtbare Aecker und Wiesen. Sommerweidegänge, Winter-Stallfütterung, 
Ausläufe hauptsächlich für die Fohlen. 

Geschichtliches: Der Besitzer von Czabuna war bisher als eifriger Förderer 
aller gemeinnützigen Institute bekannt. Das ihm seit 1845 zum Betrieb 
überlassene Gestüt erhöhte er wesentlich und vei'doppelte bald dessen 
Zuchtthiere. 

Züchtung: Anfangs gehörten 10 Mutterstuten der reinen Theresovatzer Zucht 
an und wurden diese stets durch Theresovatzer Gestüts-Hengste bis in 
die neuere Zeit gedeckt; man fürchtete aber der Inzucht zu nahe zu kommen 
und kreuzte daher mit den beiden Lippizaner Hengsten Morello und 
Favory-Perla. Es wird stets mit 20 — 30 Mutterstuten gezüchtet. Fohlen- 
jahrgänge der Stutenzahl sehr entsprechend. Die Pferde gehören dem 
Mittelschlage an und zum Reit- und Fahrdienst areeiffnet. 



Provinz Slavonien. Comitat Virovitic (Veröcze). 

Name des Gestüts: DjakOVO. 

Besitzer: Josef Georg von Strossmayer, Diöcesmi- Bischof, 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt einige 30 km von Essegg (Haupt- 
stadt Slavoniens) und einige 20 km von der türkischen Grenze entfernt. 
Während des Sommers gehen die dem Gestüte gehörenden Thiere auf die 
Weide, über Winter werden sie in Ställen gehalten. 

Geschichtliches: Die Errichtung des Gestüts erfolgte im Jahre 1852, zuerst 
waren hierzu 6 Pferde angekauft, wozu dann kurz darauf noch 10 der- 
gleichen Stuten aus Essegg und Copin folgten. Gleichzeitig wurden 
2 Hengste mit gekauft, wovon der eine aus dem freiherrlich von Prandau- 
schen Gestüt stammte und der andere arabischer Abkunft aus Bosnien 
bezogen war. lieber den weiteren Fortgang des Gestüts ist nichts bekannt. 

Züchtung: Mit diesem Stamm wurde die Zucht begonnen. Es erschwerten 
jedoch verschiedene Hindernisse, Krankheiten etc., die Zucht; es wurde 
anderes Material aus den k. k. Hofgestüten Kladrub und Lippiza herbei- 
geholt, sowie ein Original- Araber gekauft. Mit dem Jahre 1855 begann 
mit letzteren Hengsten die Zucht mit besserem Erfolg. Es wurden von 
der Gründung bis zum Jahre 1865 14 Hengste und 63 Stuten in Djakovo 
geboren, wovon der eigene Bedarf gedeckt und die übrigen Thiere ver- 
äussert wurden. Gestütsbücher sollten mit Genauigkeit geführt werden. 



.Kroatien und Slavonien. 327 

Name des Gestüts: VerÖCZC. 

Besitzer: Fürst zu Schawnburg-Lippe etc. 

Topographisches: Veröcze ist ein Marktflecken, liegt ca. 90 km nordwestlich 
von Essegg und von der Drau-Dampfschiffstation Barcs-Theresienfeld ca. 10 km 
entfernt; auch ist der genannte Ort Station der Eisenbahn durch das 
Drauthal. Die Gegend ist freundlich; das herrschaftliche Schloss liegt 
inmitten des Ortes mit angenehmen Anlagen. Das Gestüt selbst befindet 
sich in nächster Nähe vom Oekonomiehof Antonovac. Ausgedehnte Wiesen; 
hügeliges Terrain. 

Geschichtliches: Der vorhergehende Besitzer des Gestüts, Graf Anton Pejäcse- 
vich de Veröcze, brachte 1863 aus Weiderücksichten dasselbe nach Antonovac, 
welches 1873 von diesem dort gegründet worden ist. Das Zuchtmaterial 
bestand aus Kreuzung Siebenbürger, türkischer und englischer 
Rassepferde; die Nachzucht entwickelte vorzügliche Eigenschaften. Durch 
Erbschaft ging das Gestüt in den Besitz des obenbezeichneten Herrn über. 
Dieser suchte einen grösseren Wagenschlag zu erzielen und es wurden 
daher mehrere Halbbluthengste der mecklenburger Rasse requirirt; die 
gehegten Erwartungen entsprachen, indem Pferde mit gutem Fundament 
erzielt wurden, die grösser wurden und sich durch ruhigeres Tempera- 
ment und Frömmigkeit auszeichneten. 

Um nun dem Gestüte ausser Grösse, Muskulatur, Eleganz und Aus- 
dauer zu sichern, war man bemüht, ein Vaterpferd zu finden, welchem 
bezeichnete Eigenschaften eigen waren. Man fand 1863 in dem Gestüt 
des Ritter Anton von Myslowski zu Koropiec in Galizien, welcher eines 
der berühmtesten Vollblutgestüte Englands des Lord Bentink's käuf- 
lich erworben hatte, den Hengst Miiley Moloch (Rapphengst) von ganz 
arabischen Formen, stark gefesselt, mit viel Muskulatur, Temperament 
und vorzüglicher Bauart und in England erzogen. Hiernach erfolgte auch 
die Anschaffung zweier englischer Vollblutstuten: Camelia (Rothschimmel) 
1858 von Polish-Touchstone und der Special-Train von Velocipede^ und 
Spark (Fuchsstute) 1859 von Polish- Totichstone und Capriciosa von Hopeful 
und Emma. 

Züchtung: Bestand bis 1867 waren 1 Vollblut-, 1 Halbbluthengst, 31 Mutter- 
stuten, 32 Stutfohlen, 1 1 Hengstfohlen, 18Wallachen=3 in Summa 94 Pferde. 
Um jene Zeit befanden sich im Gestüt noch einige Stuten böhmischer 
und mecklenburgischer Abkunft, deren Nachkommen als Wirthschaftspferde 
benutzt werden. Ein Gestütsregister wurde mit grösster Genauigkeit ge- 
führt. Jährlich wurden durchschnittlich 14 — 16 Stück zum Verkauf auf- 
gestellt. Dieselben werden zu Reit- und Wagenpferden mit Ausdauer und 
Leistungsfähigkeit ausgezeichnet. — Infolge mehrmaligen Anfragens konnte 
nicht eruirt werden, ob obiges Gestüt gegenwärtig noch besteht und in 
welchem Besitz sich dasselbe zur Zeit befindet. 



328 Kroatien und Slavonien. 

Name des Gestüts: Rumä. 

Besitzer: Peter Graf Pejdcsevich von Veröcze. 

Topographisches: Ruma ist ca. 2 Stunden von der Dampfschiff-Landungs- 
station Carlovitz entfernt, welche Strecke auf vortrefflichen , sirmischen* 
Wegen mit grösster Bequemlichkeit zurückgelegt werden kann; auch ist 
von Carlovitz aus stets Fahrgelegenheit zu finden. Ruma hat eine herr- 
liche, romantische Lage, fruchtbaren Boden und vortreffliche Weiden, ist 
eben und hat einige Meilen im Umfang dichte Baumanlagen. Das Gestüt 
selbst ist in Peterhof, eine kleine Stunde von Ruma nach Mikrovitz zu, 
untergebracht. 

Geschichtliches: Nach Urkunden über die im österreichischen Staate be- 
standenen Gestüte hat obiges Gestüt vor alten Zeiten schon bestanden, 
zu jener Zeit wurde die dortige Nachzucht zu leichten Reit- und Wagen- 
pferden als vorzüglich geeignet geschildert. 

Züchtung: Obiger Besitzer übernahm hiernach das Gestüt; in demselben 
wurde, wie die Zeit vorher, die Veredelung durch englisches Blut fort- 
gesetzt und zu diesem Behufe anderweit englische Stuten angeschafft und 
dazu englische Voll- und Halbblut-Beschäler verwendet. Ursprünglich bei 
der Errichtung des Gestüts waren Siebenbürger und moldauer Stuten; 
dazu wurden Hengste edlerer Abkunft, besonders englischer Rasse aus dem 
Gestüte des Grafen Viczay zu Ueregk, verwendet. Inzwischen wurden 
jedoch auch die Mutterstuten zu auswärtigen Hengsten geschickt (z. B, 
Kisber etc.). Der Bestand war durchschnittlich: 3 Vollbluthengste, 9 Voll- 
blutstuten, 11 englische Halbbluter, ferner 4 — 6 Vollbluthengst-Fohlen, 
ca. 6 VoUblutstut-Fohlen, ca. 14 — 16 Halbblut-Fohlen. Gesammtbestand 
des Gestüts: 4—6 Hengste, 20—24 Mutterstuten, 18—20 Fohlen (eng- 
lisch gegen 50 Pferde, ungarisch gegen 50 Pferde). 



329 



Königreicli Italien. 



Provinzen der Aemilia. Legation Ferrara bezw. Bologna. 

Name des Gestüts: rGPrcirä (Beschäler-Depöt). 

Besitzer: Staats-Fisats. 

Topographisches: Ferrara liegt an einem Arm des Po (Po di Volano) in 
einer sumpfigen, ungesunden Gegend, nordwestlich und 6 Meilen von 
Bologna und südwestlich ca. 10 Meilen von Venedig. 

Geschichtliches: Die italienische Regierung errichtete hier im Jahre 1861 
auf 2 Gestütshöfen ein Beschäler-Depöt; dasselbe zählt ungefähr 60 Hengste 
und zwar der Rasse nach: Araber, englische Vollbluter, Yorkshires, Nor- 
folker und englische Halbbluter. 

Die Mehrzahl der Hengste sind Kreuzungsprodukte von Pferden der 
italienischen Landrasse und englischen, französischen, anglo-arabischen etc. 
Pferden. 

Die Hengste kommen jährlich auf etwa 35 Stationen = 58 7o Fohlen. 



Neapolitanisches Festland. Provinz Caserta. 

Name des Gestüts Santa Maria Cabua Vetere 

(Staatshengsten-Depöt). 
Besitzer : Staats -FiscMS. 

Geschichtliches: Bezeichnetes Staatshengsten-Depöt wurde mit dem zu Crema 
als erstes Landgestüt 1862 gegründet. Mit 20 hier befindlichen Hengsten 
wurde der Grund zur Erstehung des neugebildeten Hengsten-Depöts zu 
Calania auf Sicilien gelegt. 

Die Rassen der hier in Thätigkeit befindlichen Hengste sind : Orien- 
tahsches und englisches Vollblut, gemischtes Blut. Es ergiebt sich im all- 
gemeinen dadurch, dass in Süditalien das englische Blut dem orientalischen 
im ganzen vorarezogen wird. 



330 Italien. 

Name des Gestüts: PontG dl BrCIlta (Tiabergesttit). 

Besitzer: Coimnendatore Vincenzo Stefano Breda. 

Topographisches: Ponte di Brenta liegt östlich von Padua, in der Nähe des 
Kanales, ca. 10 — 15 km von der Provinzialstadt entfernt. Gleichzeitig 
hält derselbe Besitzer aber noch ein Gestüt /u Camazzole, zur Gemeinde 
Carmignano di Brenta gehörig, in der Provinz Padua. Beide Gestüte 
führen den gemeinsamen Namen „Brentagestüt" (italienisch Razza Breda). 
Padua und Verona hat Eisenbahnverbindung. 

Geschichtliches: Ausser diesem bedeutenden Trabergestüt hält derselbe Be- 
sitzer, wie bereits erwähnt, ein zweites Gestüt zu Camazzole ; diese Gestüte 
wurden um die Zeit 1880 gegründet. Nachdem man ehedem hier bereits 
Pferdezucht auch in grösserem Maasse mit italienischen Pferden der 
Fulaner etc. Rasse und auch aus England eingeführten Roadsters etc. 
betrieben, führte man um letztere Zeit hervorragende Traber aus Amerika 
ein, und zwar den Beschäler Ehvood Medium 1892, einer der vornehmst 
gezogenen Traber Amerikas, zur selben Zeit aber wurde auch eine Stute 
America von Tom Himter aus einer Stute Scott Hiatioga eingeführt. 

Züchtung: Das heutige Brentagestüt zählt nach „Koch's Handwörterbuch" 
über 100 Köpfe. 35 Mutterstuten aus Amerika, 1 aus Kisber, 1 aus 
Russland, 2 aus dem Franchettigestüt, die übrigen der eigenen Zucht 
entsprossen. 5 Beschäler: Elwood Mediu/n, Grandmont 21A:1 ^ Hambleton 
1221, Leopardi, Angeliis. Etwa 50 Fohlen verschiedener Jahrgänge. 
Zuchtzweck: Rennpferde, Traber (Rennstall). 



331 

Grossherzogthum Toskana. 



Provinz Grossetto. Distrikt Pisa. 

Name des Gestüts: San ROSSOPe. 

Besitzer: Sr. Maj. der König von Italien. 

Topographisches: Das Pi-ivat- Gestüt des Königs, SanEossore, liegt unweit Pisa 
und ist von letzterer Stadt aus leicht zu erreichen. Dasselbe hat den Zweck, 
die Königlichen Marställe mit dem erforderlichen Material zu versehen. 

Geschichtliches: Ueberlieferungen nach ist die Meierei San Rossore von 
Medici angelegt und grossherzogliche Domäne San Rossore benannt worden. 
Das Gestüt soll aus der Zeit der Kreuzzüge stammen. 1639 sollen hier 
bereits grosse Stütereien bestanden haben sowie auch eine Züchterei 
von Kameelen, die aus Tunis stammten und gegen 150 Stück zählten, 
betrieben worden sein. In der Gegend der Arno -Mündung sollen um 
jene Zeit schon die Kameele mit einer Heerde von 2000 Köpfen unter- 
halten und im Wald und auf den Wiesen frei belassen worden sein. 
Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde die Pferdezucht auch in halbwilder 
Form betrieben; mit anderem Vieh weideten die Pferde in den Mai'emmen 
des Arno beliebig und blieben im Freien. Die Hengste jedoch kamen in 
der Domäne in Ställe. 

Züchtung: Unter König Victor Emanuel erhielt das Gestüt bedeutende Ver- 
besserungen; es wurden einige Vollblutpferde darin gezogen. Gegen 1882 
war hier ein sehr guter Hengst: Leybourne (Rappe) von Musjid aus der 
Stute von Melbourne; ferner: Fitz Orphelin (Fuchs) von Orphelin aus der 
Bomie Aventure und der Araber Nedjid, als Vaterpferde. Gegenwärtig 
enthält das Gestüt meist nur englische und arabische Halbblutpferde, die 
zur Remontirung der Königl. Marställe kommen. 

Provinz Pisa. 

Name des Gestüts: PlSB (Staatshengsten-Depöt). 

Besitzer: Staats -FiscMS. 

Topographisches: Die Stadt Pisa liegt auf beiden Seiten des Arno, der sich 
von da etwa eine Meile entfernt ins Meer ergiesst; südsüdwestlich 3 Meilen 
von Lucca und nordnordöstlich 2Y2 Meilen von Livorno; mit diesen Städten, 
wie mit Florenz in Eisenbahnverbindung. Merkwürdigkeiten: der 1174 
erbaute schiefe Thurm mit ca. 200 cm Neigung: der Campo Santo etc. 

Geschichtliches: König Victor Emanuel begründete hier für das vormalige 
Grossherzogthum Toskana ein Staatshengsten-Depöt. Die Ein- 
richtungen hierzu sind sehr gut und darin gewöhnlich ca. 50 Beschäler 
eingestellt. Ein 1879 für das Depot aus England eingeführter Hengst 
Andrea von Blair Athol aus der Woodcraft von Voltigeur, sollte ganz 
vorzüglich sein. Für denselben wurde 100 Lire Deckgeld bezahlt. 



332 



Königreich Venetien und Mantua. 



Provinz Udine. Distrikt Palmanova. Landschaft Friaul. 

Name des Gestüts: PaIrtianOVa (Kgl. Remonte- Depot). 

Besitzer: Staats-FiscMS, 

Topographisches: Palmanova ist eine Stadt und starke Festung, an der Eisen- 
bahnlinie Venedig — Triest gelegen; diese liegt südsüdöstlich und 2^2 
Meilen von Udine. Behufs Unterbringung der Pferdebestände sind ausser 
Palmanova noch Gehöfte, die dem Depot gehören, in Santo Giorgio und 
Volpares vorhanden. Winterstallungen des Depots befinden sich inner- 
halb der Umwallungen mit Futtermagazineu. 

Geschichtliches: Das hier befindliche Remontedepöt wurde 1879 gegründet. 
Die höchste Zahl des Pferdebestandes beläuft sich fast immer auf 650 
Köpfe. Bedeutende Oekonomieverwaltung. 



Königreich Neapel und Sicilien. 

(Neapolitanisches Festland.) 



Provinz Salerno. (Principato citeriore.) 

Name des Gestüts: iBPSänO (Remonte -Depot). 

Besitzer: Siaafs-Fiscits. 

Topographisches: Persano liegt in der Nähe von der Kreisstadt Campagna. 
In Persano befindet sich ein Königl. Jagdschloss mit schöner Gemälde- 
gallerie, grossem Park und eine Königl. Meierei, die als vorzüglichste 
im Königreich Neapel erachtet worden ist. Einige Kilometer davon liegt 
die Küste des Meerbusens von Salerno, wo von hier aus in der Ebene 
die Eisenbahnstation Eboli sich befindet. Areal über 3000 ha, liegt auf 
einer Halbinsel. Ueber 2000 ha. Wiesen. (Sommer- und Winterwiesen.) 

Geschichtliches: im Jahre 1870 wurde das Remonte-Depöt gegi'ündet. Ehe- 
dem befand sich in Persano ein sehr beachtenswerthes Gestüt, welches 
wegen Einrichtung des Depots von hier verlegt wurde. Die im Depot 
aufgestellten Pferde erreichten für den Winter die Zahl von 1000 Stück; 
im Sommer die von 1800 Köpfen. 

Züchtung: Jährlich werden 3- und 4jährige Fohlen auf Märkten oder direckt 
von Züchtern angekauft und bis zum Alter von 4Y2 Jahren im Depot 
verpflegt und vorbereitet. 



333 



Frankreich. 



Provinz Ile de France. Departement Seine et Oise. 

Name des Gestüts: MeudOtl. 

Besitzer: Sfaafs-Fiscus. 

Topographisches: Meudon, Dorf, zwischen der Seine und dem Bois de Meudon 
befindlich, liegt in sehr schöner Gegend; ein hier vorhandenes Schloss 
wurde während der Eevolutionszeit für ein Institut benutzt; dasselbe 
brannte im Jahre 1795 völlig nieder, wurde darnach aber von Napoleon I. 
als prächtiger Bau hergestellt. Dieses Kaiserliche Schloss bezog als 
Wohnung die Kaiserin Marie Louise mit ihrem Sohn, dem König von Rom. 

Geschichtliches: Der damalige Kronprinz von Frankreich, der spätere König 
Karl X., liess 1821 hier am Fusse des Schlosses ein Areal von 21 ha 
für das Gestüt einrichten und die erforderlichen Gebäude für Stallungen 
herstellen; auch Wohnungen für die Beamten. Die Einrichtungen waren 
als sehr gute zu bezeichnen. Zuchthengste hielt man hier nur bis kurz 
nach der Gründung des Gestüts. 1828 bestand dasselbe aus 14 Vollblut- 
und 6 Halbblutstuten sowie über 20 Fohlen verschiedener Jahrgänge. 
Die Pferde zeichneten sich durch besondere Schönheit aus; sie waren 
stark, kräftig und zeigten leichten Gang. Um jene Zeit hielt man in 
Meudon keine Zuchthengste mehr; diese erfolgte von Paris aus. Von 
1823 — 1832 wurden in Meudon nachstehend verzeichnete Zuchtstuten 
bester Abkunft geboren: 

1. Vittoria von Milton et Geane 1823, 

2. Manille von Orville und Tredrille 1825, 

3. Jenny-Vertpre von Bobadü und Belladotina 1827, 

4. Stveeilips von Aemilius und Sorcerer-Mare 1828 in England, 

5. Noema von Rowlston und Vittoria 1830, 

6. Weeper von Woful und Theresa-Panea 1830, 

7. Volante von Rowlston und Geane 1832, 

8. Eva von Sultan und Eliza-Leeds 1832, 

9. Camarilla von Falcon und Wascy-Mare 1834, 

10. Anna von Godolphine und Barrosa 1826 in England. 

Die Mehrzahl dieser Stuten soll eine sehr gute Nachkommenschaft 
geliefert haben. 

Trainirställe befanden sich um jene Zeit in St, Cloud und Chantilly. 
1828 wurde wieder für Meudon der vorzügliche Hengst Rowlston als Be- 
schäler in England angekauft. Bis zum Jahre 1848 wurde dieses Gestüt 
weiter geführt; um diese Zeit aber fiel es der Revolution zum Opfer. 



334 Frankreich. 

Name des Gestüts: 

Staats-Stamm-Gestüt Le Pin 

nebst Staatshengsten-Depöt. 

Besitzer: Sfaats-Fisciis. 

Topographisches: Das Gestüt ist ca. 20 km von dem Städtchen Argentan 
entfernt, an der Strasse von Falaise nach Paris, in einer malerischen 
Gegend mit sehr fruchtbarem Boden, die Anstalt selbst ist grossartig ein- 
gerichtet. Le Pin ist ein Dorf; das Gestüt besteht aus grossen, um- 
fänglichen Gebäuden, wozu ausgedehnte fette Wiesen gehören. 

Geschichtliches: Unter König Ludwig XIV. wurde das Gestüt 1714 als 
Staats-Stamm-Gestüt angelegt und dasselbe sogleich in grossem Massstabe 
betrieben. Mit Beginn des 7jährigen Krieges wurde dasselbe wegen Ent- 
ziehung aller Dotationen an liegenden Gütern und Einkünften 1789 
reduzirt bezw. aufgehoben. 1806 wurde das Gestüt unter Napoleon L 
wieder neu errichtet, jedoch mit stetem Wechsel von Betriebs- bez. Zucht- 
System, wodurch die wohlthätigen Wirkungen nach einem grossen Mass- 
stabe, durch schlecht berechnete Kreuzungen behindert wnrden. Zu Anfang 
der 40 er Jahre vorigen Jahrhunderts stand das Gestüt in höchster 
Blüthe; dasselbe war um jene Zeit so reich an Vollblut, dass es zu den 
schönsten Hoffnungen berechtigte. 

Das Gestüt besass während der Jahre 1840 — 1849 ca. 60 Zucht- 
hengste, darunter 9 Vollblutthiere. Um diese Zeit wurden sämmtliche 
Hengste auf 18 Beschälstationen des Bezirks vertheilt. Vollblutstuten 
hatte die Anstalt zu jener Zeit gleichfalls 60 Stück zu verzeichnen; wovon 
viele aus England stammten. Unter dem im Gestüt geborenen Pferden 
gab es eine grosse Auswahl, welche sich durch Schönheit etc. aus- 
zeichneten. Die Zahl dieser würde bedeutender sein, wenn man früher 
nicht die edelsten Hengste mit geringen Halbblutstuten und ganz ge- 
Avöhnlichen Pferden verschleudert hätte. 

Neben dem Gestüt befindet sich auch zur Zeit noch dort ein Staats- 
hengsten-Depöt mit ca. 80 Hengsten, von denen einige dem englischen 
Vollblut angehören, ferner sind mehrere Norfolker und die übrigen ent- 
stammen den einheimischen Rassen. 

Nach Schwarznecker hat Kaiser Napoleon HL die hauptsächlichste 
Veranlassung zu dem jetzigen Stand der Pferdezucht in Frankreich gegeben. 

Als interessante Bemerkung ist hier mit zu verzeichnen, dass mit 
dem Gestüt auch für das Studium der Pferderassen eine hochwichtige 
Gestütsschule, l'ecole des haras du Pin, verbunden ist, die im Jahre 
1874 gegründet wurde. 



Frankreich. 335 

Name des Gestüts: Sciint LO (Staatshengsten-Depöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: St. Lö ist eine hocligelegene Stadt an der Vire, liegt 
westlich und 7 Meilen von Laon und ist der Mittelpunkt der Fabrikation 
grosser Zeuge; einige merkwürdige Gebäude sind: Kirche Notre Dame, 
von grosser Zierlichkeit und Leichtigkeit im Bau, und die heilige Kreuz- 
kirche, die man für das am besten erhaltene Monument sächsischer 
Bauart in Frankreich hält. Kaiserliches Gestüt; Pferdehandel. 

Geschichtliches: Das Staatshengsten-Depöt St. Lö bildet mit den zu Le Pin 

das erste Arrondissement der General-Gestütsinspektion, In beiden Depots 
sind bis zur Zeit 458 Beschäler untergebracht. 

Provinz Limousin. Departement Correze. Bezirk Erives. 

Name des Gestüts: 

Staats-Stamm-Gestüt Pompadour 

nebst Staatshengsten-Depöt. 

Besitze r : Staats -Fiscus. 

Topographisches: Pompadour ist Dorf mit Gestüt und schönem Schloss, 
welches Ludwig XV. seiner bekannten Maitresse schenkte, die ihr Marquisat 
darnach benannte; das Schloss selbst aber schon 1756 dem Hofbankier 
de la Borde überliess. Das Areal beträgt gegen 1200 ha. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde unter der Regierung Ludwig XV. 1745 
gegründet, wozu 1 englischer Halbbluthengst, 3 Spanier und der deutsche 
Hengst Admiral, sowie mehrere edle Stuten eingestellt waren. Auch 
kamen dazu noch über 20 Stück Hengstfohlen aus der Gegend von 
Pierre- Beffieres, woselbst die beste Limousiner-Rasse zu Hause ist. Behufs 
Veredelung der Rasse ging man hier zu verschiedenen Kreuzungen über, 
hierzu wurden noch 1764 einige 20 Berberpferde, sowie einige polnische 
Pferde von arabischer Abstammung eingeführt. Hiernach kamen auch 
die englischen Hengste: Blactoii, Partisan und Oroxes, sowie eine neue 
Lieferung vorzüglicher Berber. Endlich wählte man noch gegen 1771 
anderweit englisches Vollblut: Sulphur, Duc d' Ormond, Traveller^ Cardinal^ 
Buff und Cardinal von York. Auch wurden ausserdem noch 8 arabische 
und syrische Hengste dem Gestüt Pompadour zugetheilt. Die letzteren 
Hengste: Holon, Emir, Seraph, Derwisch, Dola, Gazel, Mulha, Chefladel etc. 
sollen vortreffliche Thiere gewesen sein. 

Ludwig XVI sendete 1792 eine Commission nach Syrien, um für 
den Marstall von Versailles 12 Hengste anzukaufen, welche später auch 
nach Pompadour kamen, wovon der Derwisch zur Veredelung der 
Limousin-Rasse wesentlich beigetragen hatte. Von letzterem stammten 
die berühmtesten Zuchthengste, welche später das Gestüt Pompadour sehr 



336 Frankreich. 

vortheilhaft verjüngten, 1806 sendete Napoleon I. mehrere Hengste der 
Berber- und Araber-Rasse aus seinen Marställen sowie eine gx-osse Aus- 
wahl von andalusischen und aragonischen Hengsten, hierdurch wurde 
jedoch, wie die Erfahrung lehrte, die Limousin-Rasse beeinträchtigt. Am 
besten bewährte sich die genannte Rasse durch Züchtung von Persern, 
Arabern, Berbern und englischem Vollblut, weil deren Formen von dem 
Urtypus in Limousin sich am wenigsten entfernten. Trotzalledem wurde 
1825 eine Umänderung des Gestüts angeordnet, um darin nur Zuchthengste 
aufzustellen. 1833 wurde Pompadour wieder zum Staatsgestüt erhoben 
und zwar mit dem Ziele, nur Reitpferde für Frankreich zu er- 
zeugen. Es wurde gesucht, durch Wiederherstellung und Veredelung den 
reinen Typus der Limousin-Rasse wieder zu erlangen. 

1874 wurde Pompadour als Staats-Stamm-Gestüt anderweit neu 
geschaffen und zwar mit gegen 60 Stuten, welche nur zur Zucht 
arabischer und anglo-arabischer Vollblutpferde bestimmt sind. 1888 hatte 
sich nach Grassmann der Bestand auf 12 englische, 33 arabische und 
15 anglo-arabische Vollblutstuten gestellt. Der Zuwachs betrug in dem- 
selben Jahi'e einige 30 Köpfe; der Gesammtbetrag: 104 (50 Hengstfohlen 
und 54 Stutfohlen). 

Zweck des Gestüts beruhte in Erzeugung guter Landbeschäler. 
Sich nicht eignendes Material, Hengst- und Stutfohlen, werden in Privat- 
hände abgegeben. Zur Zeit befindet sich im Stammgestüt Pompadour 
ausser diesem noch ein Staatshengsten-Depöt mit gegen 100 Be- 
schälern für die Departements Corrfeze, Creuse und Haute- Vienne; damit 
werden jährlich gegen 3000 Stuten gedeckt. 

Dem schönen Schlosse Pompadour südlich gegenüber bildete man 
auf einer schönen, geräumigen Wiese eine grosse Rennbahn mit courbes 
und contre-courbes, wodurch das Pferd alle seine Energie und Kraft ent- 
\vickeln kann und die Künste des Jockeys beinahe unmöglich werden. Die 
Wettrennen von Pompadour ziehen jährlich eine zahllose Menschenmenge 
aus allen umliegenden Departements an, dazu viele Liebhaber, selbst aus 
Poitou, und das Pferd von Limousin beginnt wieder sein altes Ansehen 
zu erlangen. 



Provinz Guyenne. Departement Lot-et-Garonne. 

Name des Gestüts: VÜleneUVe-SUr-Lot (Staatshengsten-Depöt). 

Besitzer: Staats -Fisass. 

Topographisches: Villeneuve-sur-Lot oder Villeneuve d'Agen ist eine Stadt 
am Lot, über den eine merkwürdige Brücke führt, deren Hauptbogen 
54 Fuss hoch und 108 Fuss breit ist. 

Geschichtliches: Das bezeichnete Depot gehört zum IV. Arrondissement der 
General-Inspektion und enthält nebst den hierzu gehörigen Depots Libourne, 
Pau und Tarbes einen Bestand von Beschälern, der die Zahl 400 bald 
erreicht. Der Wirkungskreis erstreckt sich über die Departements Lot, 
Lot-et-Garonne und Tarn-et-Garonne. 



Frankreich. 337 

Name des Gestüts: 

Rosieres aux Salines (staatsheDgsten Depot). 

Besitzer: Sfaafs-Fisciis. 

Topographisches: Rosiferes aux Salmes, Stadt an der Meurtlie, ist durch 
die Eisenbahn von Strassburg nach Paris, welche am Depötplatz vorüber- 
führt, zu erreichen. 

Geschichtliches: Ehedem war Rosieres aux Salines Zuchtgestüt. Die 1789er 
Revolutionswirren veränderten die Einrichtungen und zugebrachte Hengste, 
Ardenner und Araber, wurden verkauft. Hiernach wurde das Zuchtgestüt 
Zweibrücken in der Pfalz 1793 mit sämmtlichen Hengsten, Stuten und 
Fohlen nach Rosiferes verlegt. 1807 erfolgte die Neuorganisation der 
französischen Gestüte; daher kam es, dass das Zweibrückener Gestüt von 
da wieder zurückverlegt wurde. Rosieres wurde von jetzt an Beschäler- 
depöt. Kriegsverhältnisse verursachten 1814 abermals Verluste sämmtiicher 
Hengste; der Platz blieb von neuem verödet. Das Zweibrückener Gestüt 
wurde darnach zum 2. Male nach Rosiferes überführt. Die Zweibrückener 
Pferde zeigten sich um damalige Zeit nicht korrekt gebildet; es wurde 
verlangt, grössere und stärkere Pferde zu produziren, und um das zu 
erreichen, wurde orientalisches Blut eingeführt und zu diesem Behufe 
gleich orientalische Stuten von Rodez und Pau zur Zucht verwendet. 

Im Jahre 1826 befanden sich in Rosiferes gegen 30 Mutterstuten 
und gegen 50 Fohlen verschiedener Jahrgänge bis 4 Jahre. 

Ende der 1820er Jahre muss im allgemeinen das orientalische Blut 
in Lothringen den Vorzug um deswillen gehabt haben, als neben englischen 
Hengsten, arabische, berberische und persische gestanden haben, nach 
denen im Lande edle Reitpferde gezogen wurden. 

Als Stammgestüt wurde allerdings Rosiferes aufgehoben und ist 
dasselbe seit Mitte der 1880er Jahre ein bedeutenderes Staatshengsten- 
Depöt geworden. 

Provinz Guyenne. Departement Aveyron. 

Name des Gestüts: nOOeZ (Staatshengsten-Depöt). 

Besitzer: Staats -Fiscus, 

Topographisches: Rodez liegt ostsüdöstlich und 36 Meilen von Bordeaux 
und nordwestlich ca. 17 Meilen von Montpellier; Rodez besitzt eine sehens- 
werthe Kathedrale. Eisenbahnverbindung mit den bezeichneten Städten. 
Rodez war ehemals Hauptstadt der Landschaft Rouergue am Aveyron. 

Geschichtliches: Genanntes Staatshengsten-Depöt gründete Napoleon I. Die 

darin aufgestellten Beschäler gehören sämmtlich den schwereren Beschlägen 

• an und zählen zu dessen Wirkungskreis noch die Depots zu Aurillac 

und Perpignan, mit zusammen 220 Beschälern. Rodez war früher 

Zuchtgestüt. 

Briiuer. Gestüte. 22 



338 Frankreich. 

Name des Gestüts: Vlroflay. 

Besitzer: Graf Rietissec. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt an der Strasse Paris — Versailles, 
von Versailles ca. 1 Stunde entfernt. 

Geschichtliches: In Viroflay hat lange schon ein Gestüt bestanden, das sich 
eines guten Rufes erfreute. Infolge damaliger ^Unruhen wurde dasselbe 
1792 zerstört. Nur erst nach 1805 Hess der Besitzer, Comte de Rieussec, 
sich herbei, die Gestütsanlage wieder herzustellen (neue Ställe, Wohnungen 
etc. zu schaffen, Weiden zu verbessern, Quellen zu fassen und das Ganze 
zu umzäunen). Infolge dieser Vorgänge entschloss sich der Staat in Viroflay 
ein Zuchtgestüt zu errichten. Zu diesem Zwecke kamen 12 sehr gute 
Stuten (Limusiner, Normänner und Araber) dorthin, die den ersten Mutter- 
stutenstamm bildeten. Zur Bedeckung wurden ebensolche Hengste benutzt, 
meist Araber, wie z. B. Tamerlan, Sesostris, Mahomet, Chek, Euphrat etc., 
die besonders hervorgehoben werden. Von den übrigen Hengsten zeich- 
neten sich besonders noch aus: Namier, Viroflay und der im Gestüt des 
Grafen Plessen zu Ivenack gezogene Nero. 

1815 jedoch sah sich der Staat veranlasst, das Gestüt eingehen zu 
lassen und das sämmtliche Zuchtmaterial zurückzuziehen. Graf Rieussec 
gi'ündete hiernach ein Gestüt von neuem. Zu diesem Zwecke wurden 
5 Vollblut- und 5 Halbblutpferde in England gekauft. 1823 kamen aus 
England die Hengste Rainbow und Claude von Haphazard hinzu. Das 
Jahr später traten anderweit wieder englische Vollblutstuten in das Gestüt, 
die sich ganz besonders als stramm und kräftig zeigten. In ganz der- 
selben Weise ist das Gestüt fortgeführt worden, hauptsächlich für die 
Rennbahn. 



Provinz Poitou. Departement Vendee. 

Name des Gestüts: 

La Roche -SUr-Yon (Staatshengsten Depot). 
Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Napoleon -Vendee, ehedem La Roche - sur -Yon, 1814 Bour- 
bon -Vendee genannt, unter Napoleon I. und später unter Napoleon III. 
mit dem erstgenannten Namen (la Roche -sur -Yon) belegt; diese Stadt 
liegt am Yon westnordwestlich und 18 Meilen von Poitiers, 8 Meilen 
südlich von Nantes und 5 Meilen von der Küste des atlantischen Meeres. 

Geschichtliches: Napoleon I. verwendete grosse Summen zum Bau öffent- 
licher Gebäude in dieser Stadt. Das Staatshengsten -Depot wurde hier 
später eingerichtet; zu diesem Arrondissement (III) gehören noch die 
Depots Angers, Hennebout, Lamballe und Saintes. Genannte Depots zu- 
sammen zählen ca. 680 Hengste des schweren Schlages. 



Frankreich. 339 

Name des Gestüts: 

Boulonnais-Gestüt Poufflen-Ricametz. 

Besitzer: Mr. de Wazieres zu Poufflen-Ricametz, 

Topographisches: Boulogne surMer war ehemalige Hauptstadt von Boulonnais 
und feste Seestadt am Ausfluss der Liane in die Meerenge von Calais, 
4 Meilen südsüdwestlich von Calais, mit grossartigem Bahnhof. In der 
Umgegend oben genannter Stadt werden die Boulonnaispferde ganz be- 
sonders gezüchtet. Areal 350 ha. Endlose, natürliche und angesäte 
Weiden, die sämmtlich eingefriedigt sind. Poufflon-Ricametz ist mit der 
Eisenbahn von Boulogne sur Mer aus in IY2 Stunde zu erreichen. 

Geschichtliches: Mitte der 1870er Jahre wurde das Gestüt mit 2 Hengsten 
und 2 Stuten begründet. Der Besitzer hatte durch Beobachtung festgestellt, 
dass die Züchtung der Boulonnais-Rasse in ca. lOjähriger Zeit sich be- 
deutend gehoben und bewährt habe. Für die Züchtung der Rasse war 
auch der Besitzer vielfach prämiirt worden. Durchschnittlich wiegen die 
Deckhengste infolge ihres massigen Körperbaues gegen 17 Ctr., wobei 
diese die bedeutendsten Trabbewegungen ausführen können. Die Be- 
wegungen sind dabei hervorragend schön und weitgreifend. Die Farbe 
der echten Boulonnaispferde ist schneeweiss und das ist der Punkt, an 
den sich noch viele ausländische Züchter stossen, da man geneigt ist 
anzunehmen, dass mit der weissen Farbe eine schwache Körperkonstitution 
verbunden wäre. Bei den Boulonnaispferden ist dies aber nicht der Fall. 
Das gute Boulonnaispferd hat einen kurzen, gedrungenen und starken 
Körper, einen grossen, von gut aufgesetztem Hals getragenen Kopf; ausser- 
ordentlich breite Brust, vorzüglich angesetzte Schultern, breite, kurze 
Lenden, gute Nierenpartie und kräftige, starke Beine, dazu ein feines, 
weisses Haar. 

Bestand 1898: 16 hervorragende Hengste, 20 Mutterstuten und 
gegen 70 jüngere Pferde und Fohlen. 

Provinz Aunis und Saintonge. Departement Charente-Inferieure. 

Name des Gestüts: SäiniGS (Staatsheügsten-Depot). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Saintes, ehemalige Hauptstadt von Saintonge, am linken 
Ufer des Flusses Charente; südöstlich und 5 Meilen von ßochefort, mit 
den üeberresten eines schönen altrömischen Triumphbogens und anderen 
römischen Alterthümern, an einem Bergabhange liegend. 

Geschichtliches: Das hier aufgestellte Staatshengsten-Depöt gehört, wie die 
Depots Angers, Lamballe, Hemebout und La Roche- sur -Yon, zu dem 
Arrondissement HI der Generalinspektion. Das Depot Saintes wird in 
die Departements Charente-Inferieure, Charente und Vienne eingetheilt; 
die Zahl der Depötposten ist nicht bekannt gegeben. 

22* 



340 Frankreich. 

Name des Gestüts: Boulonnals-Gestüt Eterplgny. 

Besitzer: Baron cf Herlincourt in Eterpigny. 

Topographisches: Eterpigny ist ein alter Besitz des genannten Herrn; es 
liegt östlich und 15 km von der Eisenbahnstation Arras-Douai, in einem 
Thal mit schwerem Lehmboden; luftige, hohe Ställe, sehr gute Weiden, 

Geschichtliches: Das Boulonnaispferd wird hier zwischen Arras und Boulogne, 
zum grossen Theil auf etwas höher gelegenem Terrain als Eterpigny hat, 
gezüchtet. — Rassetypus beschrieben Seite 339: Boulonnais des Mr. 
de Waziferes zu Poutflen- Ricametz. 

Züchtung: Obiger Besitzer bez. Züchter hat ca. 20 Hengste der Boulonnais- 
Rasse für eigenen Bedarf; 2 Anglo- Normannen hält dieser für andere 
Züchter der Gegend. Dazu hält der Besitzer noch 20 Stuten derselben 
Rasse; diese Stuten haben alle Arbeiten der Wirthschaft zu leisten und 
werden so gedeckt, dass sie im April oder Mai fohlen. Diese Stuten 
arbeiten bis wenige Tage vor dem Abfohlen, werden in Boxe gebracht, 
fohlen hier ab und bleiben ca. 8 Tage darin; jährlich werden ca. 15 Fohlen 
gezogen. 

Der Besitzer obigen Gestüts hat sich einen grossen Ruf als Züchter 
erworben und deshalb auch die Erlaubniss erhalten, Hengste zum Decken 
ins Land schicken zu dürfen. 



B41 



Grossbritannisches Reich. 



Königreich England. 



Provinz Yorksbire. Kreis York. 

Name des Gestüts: Cottiligham (Harrison-Gestüt). 

Besitzer: Mr. J. Simons Harrison. 

Topographisches: In Cottingham, nahe bei Beverley, Stadt am Hüll, wird 
seit ca. 10 — 12 Jahren Pferdezucht betrieben; Areal 12 ha; theils Weiden. 
Cottingham liegt östlich von Lancashire, an der Ostküste Englands. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde vom obigen Besitzer Mitte der 
1880 er Jahre gegründet, in der Absicht, edelstes, englisches Vollblut zu 
erzielen. 1887 waren, nach Mittheilungen Grassmanns, 9 Stück Stuten 
edelsten Blutes im Gestüt vorhanden. Zur Bedeckung dieser wurden die 
bedeutendsten Beschäler des Landes benutzt. Das Gestüt hat von Anfang 
bis zur Zeit eine grosse Reihe ganz hervorragender Vollblutpferde zu 
verzeichnen, wie z. B. Lordland Chief, Goldfield, Gay Herniit, Merry etc. 

Kreis Middlessex. 

Name des Gestüts: HamptOtl COUrt (Vollblutgestüt). 

Besitzer: Königin Victoria von England, 

Topographisches: Das Areal des Gestüts beläuft sich auf über 30 ha. 
Hampton Court ist ein Dorf mit Schloss und grossem Park. Das Gestüts- 
areal ist nur für Weide eingerichtet; ebenso sind auch die Stallungen 
und Höfe auf das eingehendste hergestellt. 

Geschichtliches: Die inmittelst verstorbene Königin war seit dem Jahre 1849 
im Besitze des eleganten Gestüts; dasselbe hat einen ungefähren Bestand 
von 5 Vollblutbeschälern, gegen 50 Vollblutmutterstuten sowie einige 30 
einjährige Vollblutfohlen. Vollblutbeschäler waren vor nicht zu langer Zeit: 
Springfield, Winslow, Clauronald, Sword Dance, Break of Day; später 
Cambello, ein sehr bevorzugter Beschäler. 

Ausser dieser Vollblutzucht werden noch anderweit ca. 10 Mutter- 
stuten gehalten, die zur Hälfte mecklenburger und hannoverscher Rasse 
sind und wieder je zur Hälfte Rappen und Falben ausmachen, und wird 
von dieser Gesammtnachzucht der Königliche Marstall geeignet besetzt. 
Nach neuesten Mittheilungen soll obiges Gestüt seit einigen Jahren auf- 
gelöst sein. 



342 England. 

Name des Gestüts: Highfield HOUSG (Shiie-Gestüt). 

Besitzer: Mr. Joseph Martm. 

Topographisches: Highfield House liegt unweit Littleport-Ely, in Cambridge- 
shire, und beläuft sich das Areal des Besitzes auf ca. 1500 ha. Das Gestüt 
hat eine immense Ausbreitung; dasselbe enthält nach verschiedenen Rich- 
tungen hin verschiedene Bodenqualitäten und Höhenlagen. 

Geschichtliches: Das Gestüt hat sich sehr langsam entwickelt, doch als die 
Produkte in ihrer Güte bekannt wurden, kam es dann bald auf seine 
gegenwärtige Höhe und in unverkennbares Ansehen. Bis 1883 hatte es 
einen Bestand von überhaupt gegen 200 Köpfen, incl. 30 — 40 Fohlen 
verschiedener Jahrgänge, bei gegenwärtig einigen 50 Mutterstuten. Die 
Stuten sind reinblütige Shire- Zugpferde. 

Züchtung: Zuchtziel: Der Hauptzweck des Gestüts ist, reine Shire-Pferde 
zu züchten, behufs Erzielung edler Pferde zur Zucht. Auch werden 
Fohlen und Pferde verschiedenen Alters zu anderen Zwecken abgetreten. 
Als Hengste, die im Gestüt ehedem sich bewährt haben, sind hervorzuheben: 
Goliath 955, Hercules 1024, Feunian 2425, Hector 1015, Farmers 
Friend 798 und New Bridge-Wonder 2836, Hercules //. 2435 und 
Maulden Premier 4569, des Shire Horse Stud Book. 

Das Gestüt zählt einen Bestand von einem Hengst und ca. 48 Mutter- 
stuten, aus denen jährlich durchschnittlich 20 Fohlen gezogen werden. 
Ausnützung: Verkauf von Fohlen und Pferden, sobald Gelegenheit 
vorhanden ist. 

Provinz Dorsetshire. Kreis Dorset. • 

Name des Gestüts: IWGme MJnSter-GeStÜt (Vollblutgestüt). 

Besitzer: Lord Wolverson. 

Topographisches: Das Gestüt liegt bei Shaftesbury in sehr schöner, roman- 
tischer Lage. Areal 18 ha, beste Bodenbeschaffenheit, Weideplätze. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde zu Anfang des Jahres 1882 ge- 
gründet. Zur Zucht werden 24 Vollblutstuten und 2 Vollbluthengste 
benützt. Im Ganzen sind 50 Pferde dem Gestüt gehörig. Die Beschäler 
waren zu Anfang: Altyre von Blair Athol und Kendal von Bend Or. 
Die Stuten sind nach Hermit, Buccafieer, Doncaster, Cambuscan etc. ge- 
fallen; auch werden fremde Beschäler für die hier befindlichen Stuten 
benutzt, wie aus dem Gestüt des Herzogs von Westminster zu Eaton Hall, 
Ktsber, Bend Or, hervorgeht. 

Züchtung: Zuchtzweck: Jähi-lingsverkauf jedes Jahr in Newmarket. 



England. 343 

Name des Gestüts: HolWOOd HOUSe (Shire-Gestüt). 

Besitzer: Mr. John Nix. 

Topographisches: Die Gegend von Holwood House ist angenehm, etwas 
hügelig, bewaldet, der Boden schwarzes Marschland ausmachend. Die 
Besitzungen ergeben eine Arealzahl von über 4500 ha. Hiervon wird 
ein Theil benutzt zum Betrieb der Pferdezucht. 

Geschichtliches: Der Besitzer unterhält hier seit längerer Zeit schon ein 
Gestüt für Herstellung von Shire - Pf erden , welches mit dem Namen 
„Arbeitsgestüt" bezeichnet wird. Mutterstuten werden hier ca. 25 
gehalten und zwar nur solche zur Zucht verwendet, die in dem English 
Shire Horse Society Stud Book eingetragen sind. Ende der 1880 er 
Jahre deckte, nach Grassmanns Angabe, der Hengst Gordon, der gleich- 
falls im Gestütsbuch eingetragen war; ausserdem finden auch andere be- 
rühmte Hengste hier Verwendung. Die Fohlen werden sehr vorsichtig 
gepflegt und dabei frühzeitig gegen äussere Verhältnisse widerstands- 
fähicf Dfemacht. Von den vorhandenen Fohlen werden die besten Stuten 
zur Erhaltung des Gestüts für die spätere Zucht zurückbehalten und 
ins Stutbuch eingetragen; die jungen Hengstfohlen jedoch veräussert und 
hauptsächlich nach Norddeutschland ausgeführt. 

Züchtung: Zuchtziel geht auf Erzielung von Shire-Pferden für schwere 
Arbeit hinaus. 



Provinz SufFolk. Bezirk Cambridge. 

Name des Gestüts LanWadCS Stud Farm (Vollblutgestüt). 
Besitzer: Lord Calthorpe, % 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt unweit Kennet, Station G. E. Eisen- 
bahn, gegen 6 km von Newmarket in Suffolk; dasselbe hat ein Areal 
von ca. 36 ha, welches zu Gras liegt; diese Grasfläche ist in 2Y2 ha 
grosse Paddocks eingetheilt und mit dickbepflanztem Gehege umgeben. 

Geschichtliches: Vom Besitzer wurde vor ca. 20 Jahren ein Vollblutgestüt 
begründet, welches sich stets eines vorzüglichen Fortganges zu erfreuen 
hat. Das Gestüt enthält einen Beschäler und ca. 14 Mutterstuten, besten 
englischen Vollblutes. Ausser dem eigenen Beschäler werden noch die 
hervorragendsten Hengste Englands für die Bedeckung der Stuten benutzt. 
Die Zahl der jährlich geborenen Fohlen beläuft sich durchschnittlich auf 
8 — 10 Stück, die sämmtlich für den Training bestimmt, als Jährlinge das 
Gestüt verlassen. 

Als Hauptbeschäler stand vor mehreren Jahren Peirarch hiei-, der 
von Lord Clifton aus der Laura stammte. 



344 England. 

Name des Gestüts: KHOWIB (Shire- Gestüt). 

Besitzer: Mr. John Dashwood Lang. 

Topographisches: Knowle liegt ca. 5 km von Sidmouth entfernt; das Gestüt 
befindet sich auf einem Gute von 242 ha; der Boden ist massig fruchtbar. 

Geschichtliches: 1880 wurde hier das Gestüt gegründet; der Besitzer hatte 
hierbei die Absicht, Shireblut zu züchten. Der erste Stamm wurde 
angekauft. 1887 besass das Gestüt 38 Pferde, darunter 15 Stuten und 
Stutfohlen; als Hauptbeschäler war Nmighty Totti. Neben diesem wurden 
einige Stuten anderen bedeutenden Beschälern zugeführt. Die Stuten 
stammen aus den geachtetsten Zuchten und führen theils entfernteres 
Lincoln-(Niller's Lincoln-)Blut in sich. 

Züchtung: Zuchtzweck: Verkauf eines Theiles der Fohlen. Wegen guten 
Rufes der Zucht wurden dergleichen 1887 nach Australien und Amerika 
überführt. 

Grafschaft Yorkshire. 

Name des Gestüts: MaltOn (Vollblutgestüt). 

Besitzer: Mr. Miles fAnson. 

Topographisches: Das Gestüt liegt an der Hauptlinie der Nordost-Eisenbahn, 
zwischen York und Scarborough. Von hier ca. 2,5 km entfernt wird in 
Malton ein bedeutendes Vollblutgestüt unterhalten. Dieses Gestüt 
hält ein Areal von ca. 40 ha. 

Geschichtliches: Malton ist ein bedeutendes und bekanntes Vollblutgestüt. 
Von dem Vater des gegenwärtigen Besitzers (William J'Anson Esq.) wurde 
das Gestüt im Jahre 1863 unter dem Namen „Blink Bonny-Gestüt" ge- 
gründet, derselbe starb im Jahre 1881. Letzterer hatte bereits vor der 
Gründung desselben als tüchtiger Rennpferdezüchter sich bewiesen. Der 
gegenwärtige Besitzer, Mr. Miles J'Anson, vermehrte die Zahl der Stuten 
durch Ankauf einiger aus dem Blink Bonny-Blut hervorgegangenen Pferde. 
Früher zählte das Gestüt gegen 14 Mutterstuten, von denen auch mehrere 
nicht tragend wurden, wohingegen der folgende Gestütsbestand (3 Be- 
schäler) und zwar 1890: 

Beaticlerc von Rosicrucian aus der Benny Bell von Voltigeur, 
Breadknife von Craig Miliar aus der Slice von Brown Bread, 
Chislehurst von Beauclerc aus der Empress von King Tom 
und 32 — 36 Mutterstuten betrug. 

Züchtung: Zuchtzweck: Rennpferde für sich selbst oder zum Verkauf. 



England. 345 

Name des Gestüts: Mauldetl (Shire-Gestüt). 

Besitzer: Mr. George Street 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich auf einem Gute mit 284 ha 
Areal, welches von der Midiandstation Ampthill -in Bedfordshire ca. 5 km 
entfernt liegt. 

Geschichtliches: Die Gründung dieses kleinen, aber sehr vortheilhaften Gestüts 
erfolgte im Jahre 1857 mit 2 Stuten, von denen die eine Brown, be- 
rühmte Preisgewinnerin selbst, sowie der von ihr stammende Cardiff Lass 
erzeugte und Mutter von 5 Hengsten und einer Stute, von denen jedes 
Pferd wiederum Preisgewinner war. Das hier vom Besitzer unterhaltene 
Gestüt von Shire-Pferden zäblte im Ganzen gegen 30 Köpfe, von denen 
8 Mutterstuten sind. Eigene Hengste werden nicht gehalten; die Stuten 
werden zu den bedeutendsten fremden Hengsten geführt. Jährlich werden 
5 — 6 Fohlen geboren, die meist im jugendlichen Alter freihändig zu 
enormen Preisen überallhin verkauft werden. 

Züchtung: Alle Stuten werden zu landwirthschaftlichen Arbeiten bis vor der 
Abfohlung verwendet; diese erhalten je 14 Pfund Hafer und Heu, im 
Sommer Grünfutter. Die Fohlen erhalten meist Kleie und Hafer, etwas 
gequetscht und laufen während des Sommers auf die Weiden, woselbst 
sie auch des Nachts verbleiben. Die sämmtlichen Pferde befinden sich 
auf offenen Höfen und kommen des Nachts in die Stallungen. 

Grafschaft Lincolnshire. 

Name des Gestüts: MOUltOn EaUgate (Shire-Gestüt). 
Besitzer: Mr, A. H. Clark. 

Topographisches: Das Gestüt befindet sich in einem Gut, dessen Areal nahezu 
700 ha beträgt. Dasselbe ist zu erreichen von Spalding oder von der 
Eisenbahnstation Cowit nach Zurücklegung von ca. 16 km Landweges. 
Marschboden, gute Weidewiesen. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1876 gegründet und dafür Stutfohlen 
aus den gesündesten und hervorragendsten Stuten von Lincolnshire, soweit 
solche zu erlangen waren, eingeführt. Die Gesammtzahl der Mutterstuten 
beträgt durchschnittlich 30 — 40 Stück und gehören diese den besten 
Shire-Pferden an, in denen Blut der bedeutendsten Hengste, z. B. des 
Thumper (2136) fliesst; ferner war der aus einer ganz anderen Familie 
stammende Electric (3069) von William the Conqueror (2343) a. d. Easy 
von bedeutendem Einfluss auf das Gestüt bis gegen das Jahr 1886, wo 
dieser einging. Bis zum Jahre 1890 — 92 standen die sehr werthvollen 
Hengste Salisbury (5324) und Lincolnshire Boy (3188) im Gestüt. Jährlich 
werden im Gestüt gegen 20 Fohlen geboren. 

Züchtung: Zuchtzweck: Verkauf von Jährlingen und Rekrutirung von guten 
Zuchtstuten für das Gestüt. 



346 England. ■ 

Name des Gestüts: Marden DeeP Park (Vollblutgestüt). 
Besitzer: Mr. Huiiie Webster. 

Topographisches: Das Gestüt liegt in der Nähe von Chatham. Der Marden 
Deer Park befindet sich zwischen London und der See. Der Boden ist 
wellenförmig, hügelig mit guter Weide. 

Geschichtliches: Im Jahre 1878 erfolgte durch obigen Besitzer die Gründung 
eines umfänglichen Vollblutgestüts. Die Zucht wird durch Verkauf 
der Jährlinge ausgenützt, der letzterer Zeit zu Newmarket stattfindet. 
Es wurde durchschnittlich ein Fohlen für 260 — 306 Pfund Sterling ver- 
äussert. Die bedeutendsten im Gestüt gezogenen und verkauften Pferde 
sind z. B.: Prestonpans von Prince Charlie^ Marden von Hermit, Bread- 
knife von Craig Miliar etc. Bedeutende Mutterstuten waren: Princess 
Maud und La Princesse. Das Gestüt erhielt sich in ähnlicher Weise 
bis in die gegenwärtige Zeit als berühmtestes Gestüt von Rennpferden 
I. Klasse fort. 

Die Zahl der Jährlinge, welche Marden Deer Park erzeugte, belief 
sich jährlich im Durchschnitt auf 20 — 25 Stück für das Gestüt selbst 
bezw. zum Verkauf. 

Grafschaft Yorkshire. 

Name des Gestüts: Middle Park-GeStÜt (Vollblutgestüt). 
Besitzer: Mr. IVilliam Blenkiron. 

Topographisches: Das ehemals berühmte Middle Park-Gestüt lag nach 
Mittheilungen „Grassmanns" unweit Eltham in der Grafschaft Yorkshire. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde von Mr. William Blenkiron im 
Jahre 1856 gegründet und solches von diesem zum bedeutendsten und 
umfänglichsten Vollblutgestüt Englands emporgebracht. Die Stuten ge- 
hörten den alleredelsten und besten Familien der englischen Vollblut- 
pferde an, zumal der Besitzer bei Einstellung neuer Mutterstuten keine 
Kosten scheute. Die im Gestüt geborenen Fohlen wui'den als Jährlinge 
meistbietend versteigert, und Middle Park hat unter ihnen auch zwei 
Derby -Sieger erzeugt. 

Nach sechzehnjährigem Bestehen wurde dem Gestüt infolge Ablebens 
seines Begründers und Besitzers ein Ende gesetzt, indem es von den 
Söhnen des Mr. Blenkiron im Jahre 1872 durch öffentliche Versteigerung 
an den Tagen vom 22. bis 26. Juli vollständig aufgelöst wurde. Zu dieser 
Zeit war das Gestüt an Zahl das umfangreichste in England. Sein Ge- 
sammtbestand betrug ungefähr 300 Köpfe. 13 Beschäler sorgten für die 
Nachkommenschaft und an Mutterstuten waren 198 vorhanden. Unter 
letzteren befanden sich Pferde, wie Beauty, Isilia, Gratitude, Margery Daw, 
Seclusion, die Mutter des Hermit; Tunstall Maid, Bess Lyon, Inspiration etc.,_ 
alles hochedle Pferde. Von den Beschälern ist vor allem der Fuchsbläss 
Blair Athol zu erwähnen; ferner Saunterer, Gladiateur etc. 



England. 347 

Name des Gestüts: MentmOre (Vollblutgestüt). 

Besitzer: Lord Rosebery. 

Topographisches: Das Gestüt liegt gegen 5 km von Cheddington und gegen 
8 km von Leighton - Buzzard. Areal gegen 50 ha. Fruchtbarer Boden, 
. gute Futterverhältnisse. 

Geschichtliches: Ehedem gründete Baron Rothschild anfangs der 1850er 
Jahre obiges Gestüt; nach dessen Tode erwarb dasselbe Lord Rosebery. 
Von der Einrichtung desselben an war Vollblutzucht in Aussicht gestellt. 
Als Bestand sind alljährlich ca. 50 und darüber Pferde vorhanden und 
zwar gegen 3 Beschäler und über 30 Mutterstuten, sowie ca. 20 Fohlen. 
Beschäler: Foxhall von King Al/onso, 

Dutch Skater von Flying Dutchma7i, 
Corneliard von Cremoi'tie 
und deren Nachkommen. 

Die Mutter Stuten gehören dem edelsten Blute an; diese stammen 
meistens von Macaro?ii, King Tom, Blair Althol, Rosicrucian, Lord Lyon 
und The Drake. 1890 war der Bestand noch in ähnlicher Höhe, wie 
oben bemerkt. Zuchtzweck besteht in Verkauf der Fohlen als Jähr- 
linge, durchschnittlich je für 8 — 9000 Mark. 

Grafschaft Nottinghamshire. 

Name des Gestüts. The GrOVG (Shhe-Gestüt). 

Besitzer: Mr. Henry Smith. 

Topographisches: Zu The Grove in Nottinghamshire gehört noch eine Farm: 
Abb Kettleby, nahe bei Melton Mowbray in Leicestershire. Gesammtareal 
über 200 ha incl. Weiden. Von London aus ist das Gestüt, von Bingham, 
einer Station der grossen Nordeisenbahn, in 3 Stunden zu erreichen. 

Geschichtliches: Auf beiden Gütern wird Shire-Pferdezucht getrieben. Von 
Anfang bis gegen Ende der 1870er Jahre wurde auf erstbezeichnetem 
Gute die angegebene Zucht zuerst und nur in gei-ingem Grade betrieben. 
Später wurden die Produkte als vorzügliche gesucht und sah sich der 
Besitzer daher veranlasst, selbst auch noch auf dem zweitbezeichneten 
Gute dieselbe Zucht und in vermehrtem Grade zu betreiben. Während 
der 1890 er Jahre wurde auf beiden Plätzen die Sbire-Zucht unter grossen 
Opfern betrieben. Der Beschäler Cropwell Wonder (4983) hatte sich von 
1892 an ganz vorzüglich bewährt im Shire-Pferd I. Klasse. Ausser diesem 
Hengst enthielt das Gestüt damals 12 Zuchtstaten und Mutterfohlen sowie 
einige Jährlinge (Stutfohlen). Braune und Schimmel. 

Züchtung: Ausnutzung: Es werden gute Hengste für Zuchtzwecke auf- 
gezogen, wenig gute, 4 — 5 dergl. kastriert und als Zugpferde verkauft; 
Blutfohlen werden, falls solche nicht gut bezahlt abgegeben werden können, 
zur Zucht benutzt. 



348 England. 

Name des Gestüts: Mirfield 

(Shire- Gestüt, auch: Clevelander und Hackneys- Gestüt). 

Besitzer: James F. Crowther. 

Topographisches: Das Gestüt liegt ca. 96 km von Liverpool, an der London — 
I^orth- Western- und der Lancashire — Yorkshire Eisenbahn. Der Grund- 
besitz ist ein Gut und hält dasselbe über 80 ha Areal incl. 60 ha 
Weideflächen. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte mit Anfang der 1850er 
Jahre; bis zu Anfang der 1880er Jahre wurde dasselbe der Güte halber 
sehr bekannt. 1888 wurden vom Besitzer alle dem Kutsch- und Reit- 
schlage angehörenden Mutterstuten verkauft und nur 6 Shire- und 6 Cleve- 
lander Mutterstuten zui'ückbehalten. 

Gesammtbestand ca. 250 Pferde im Alter von 2 — 5 Jahren; der 
Verkauf erstreckte sich besonders auf Zuchtthiere, hauptsächlich Hengste 
der Shire-Rasse, der Clevelander und Hackneys. 1888 wurden aus 
Mirfield über 120 Hengste verkauft; namentlich nach Nordamerika. Nach 
dem Tode des Besitzers wurde das Gestüt aufgelöst. 



Kreis Huntingdonshire. Bezirk Huntingdonshire. 

Name des Gestüts: Somersham Park (Shire Gestüt). 
Besitzer: Mr. Frederick Street, 

Topographisches: Genanntes Gestüt befindet sich auf einem Gute in der Nähe 
von St. Ives in Huntingdonshire; St. Ives selbst ist ein grosses, hübsches 
Dorf, bezw. ein Marktflecken an der Ouse, deren Ufer in dieser Gegend 
hügelig und bewaldet sind. In St. Ives werden bedeutende Viehmärkte 
abgehalten. Die Kreisstadt Huntingdon an der Ouse sammt St. Ives 
liegen nördlich und 13 Meilen von London. 

Geschichtliches: Dasselbe Gestüt bestand bereits 1880; es wurden darin, 
damals wie heute noch, nur Shire-Pferde gezogen. Die gegenwärtig darin 
gezogenen Pferde geniessen einen ganz vorzüglichen Ruf. Es werden 
nur Stuten gehalten, die als Mutterthiere dienen; sie werden sämmtlich 
bis zum Abfohlen zu jeder Arbeit verwendet; von dieser Zeit ab gehen 
diese Stuten mit ihren Fohlen in die Ausläufe bezw. auf die Weide. 
Hengstfohlen werden meist als Wallache verkauft, aber auch Deckhengste 
nach aussen jung abgegeben. Für den gesammten Mutterstutenstamra 
wird nur ein Hengst gehalten. Der jährliche, jüngste Fohlenbestand 
beträgt gegen 20 Stück. 

Züchtung: Die Ausnutzung besteht darin, hauptsächlich Jährlinge za ver- 
kaufen; davon soll jedoch die grösste Zahl nach Amerika gehen, wodurch 
die höchsten Preise erzielt werden. 



England. 349 

Name des Gestüts: LeybOUme (VoUblatgestüt). 

Besitzer: Mr. Fhülipps. 

Topographisches: Leyboume ist Meierhof der Familie Sir Jos. Hawley; 
hier wurde von letzterer seit langer Zeit ein bewährtes und berühmt 
gewordenes Vollblutgestüt unterhalten. Dieser Grundbesitz liegt ca. 
2,0 km von West-Malling und gegen einige 50 km von London entfernt. 
Areal über 120 ha. 

Geschichtliches: Nach dem Tode des früheren Besitzers, Jos. Hawley, gingen 
die Gestütseinrichtungen von dem Erben Sir Henry Hawley an den 
früheren Gestütsleiter pachtweise über. Die Züchtung erfolgte unter den 
früheren Prinzipien. In den 1880er Jahren war der Bestand 2 Beschäler, 
40 Mutterstuten, 21 Fohlen, 1 Jahr alt. Die damaligen Hengste waren 
Galliard und Peter, Abstammung berühmter Eltern. 

Die Ausnutzung beruht in Jährlingsverkauf bezw. Versteigerung von 
ca. 25 Fohlen. 



350 



Dänemark. 



Provinz Dänische Inseln. Stift Seeland. Amt Frederiksborg. 

Name des Gestüts: Frederlksborg. 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Frederiksborg liegt mit Schloss auf einer Insel in einem 
Landsee, in romantischer Gegend, 4Y2 Meilen nordwestlich von Kopenhagen; 
Lieblingsaufenthalt mehrerer Könige. Areal für den Auslauf der Pferde 
ca. 13 ha. Von der Station Hilleröd ist Frederiksborg leicht zu erreichen. 

Geschichtliches: Das hier einst bestandene dänische Staatsgestüt wurde unter 
König Friedrich IL 1563 gegründet. Um jene Zeit wurden alle kleineren 
Staatsgestüte eingezogen und in das neubegründete gelegt. Hierzu ge- 
hörten die 3 Vorwerke: Ladegaard, Neye Ladegard und Jägerspriis als 
Fohlenhöfe. Für die Unterbringung von Zuchtstuten war Ladegaard, 
für die der Stutfohlen Neye Ladegard und für die der Hengstfohlen 
Jägerspriis bestimmt. Die Hengste standen in Frederiksborg. 

Für Ladegaard liess König Christian V. ca. 140 Stuten, die in Zucht 
standen, nach Farbe und Rasse eintheilen und diese in 7 Koppeln, Vangs 
genannt, bringen. Diese Pferde wurden je nach Bedürfniss mit arabischem 
und englischem Blut weitergezüchtet und dadurch die Produkte verbessert. 
In Ladegaard konnten gegen 400 Pferde leicht untergebracht werden. 
Für die Zuchtstuten jeder der 7 Koppeln waren besondere Hengste be- 
stimmt. 1871 wurde das Gestüt aufgelöst. 

Eine 1875 inmittelst constituirte „dänisch - schwedische Gestüts- 
Aktiengesellschaft" erpachtete die bisherigen Gestütsstallungen und 
Ländereien und gründete von neuem 1876 mit aus England bezogenem 
Gestütsmaterial ein Vollblutgestüt. Der Bestand war zu Anfang 
20 Zuchtstuten und 2 Hengste. Die Fohlen wurden bisher als Jährlinge 
durch öffentliche Auktionen verkauft. 



351 



Schweden und Norwegen. 

Königreich Schweden. 



Reg. -Bez. Göthareich. Landschaft Schonen (Skäne). 

Name des Gestüts: rlyinQG (Haupt- und Landgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus, 

Topographisches: Flyinge ist eine Domäne mit einem Areal von ca. 900 ha; 
diese liegt von Lund ca. 14 km entfernt. Die Gebäude sind steinern und 
zur Aufnahme des Zuchtgestüts als auch des mit demselben vereinten 
Landgestüts geeignet eingerichtet. Genanntes Gestüt ist dem schwe- 
dischen Oberlandstallmeisteramt unterstellt. Grössere Weiden vorhanden. 

Geschichtliches: Dieses Gestüt wurde 1658 von König Karl X. mit ca. 100 
erbeuteten deutschen und polnischen Pferden, denen dänische und spanische 
Stuten hinzugegeben worden waren, gegründet. Durch Kriege von Karl XII. 
wieder zu Grunde gerichtet. Hiernach wurde dasselbe von Adolph Friedrich 
1747 von neuem mittelst holsteinischen, dänischen bezw. spanischen Pferden 
wieder ins Leben gerufen. Die Züchtung in dem Hauptgestüt wurde 
während der letzten 60 — 70 Jahre nach verschiedenen Richtungen und 
je nach Bedarf betrieben, um dadurch erforderliches Zuchtmaterial zu 
erzielen, sowie die Bedürfnisse der Marställe zu decken. Zu Beginn der 
1870er Jahre war befohlen worden, das Hauptgestüt Flyinge als 
solches völlig aufzulösen. Diese Auflösung erfolgte daher 187.5 — 1876; 
von hier wurde edles Zuchtmaterial für das Gestüt Brodda erworben. 

Züchtung: Die Zuchtrichtung war: edle Reit- und Wagenpferde zu erzielen. 
Der Bestand war gegen 100 Stück, wovon die kleine Hälfte als Landes- 
beschäler abging und ca. 20 Mutterstuten mit den verschiedenen Jahr- 
gängen Fohlen obige Zahl ergänzte. Hengste und Stuten waren in letzter 
Zeit des Bestehens englische Voll- und Halbblutpferde und wurden aus 
deren Produkten Haupt- und Landesbeschäler rekrutirt und auch Mutter- 
stutenmaterial daraus entnommen. 

Brandzeichen: 




352 Schweden und Norwegen. 

Name des Gestüts: BrOdClcl (Privatgestüt). 

Besitzer: Kam?nerjimker von Haffiiev. 

Topographisches: Das Gestüt liegt ca. 5 — 6 km von der Station Sturup an 
der I3ahnlinie von Malmö nach Ystad. Areal ca. 1400 Morgen Nach 
Bossart ist die Gegend schön. Schonen ist die ebenste, fruchtbarste und 
bevölkertste Landschaft Schwedens. Waldungen fehlen; das Klima ist dem 
der deutschen Ostseeküste gleich. Schonen liegt Kopenhagen gegenüber. 

Geschichtliches: Von dem Besitzer wurde 1877 genanntes Gestüt in der 
Absicht gegründet, darin edle, typische, gängige Reit- und Wagenpferde 
zu züchten und zwar durch Verwendung von edlem ostpreussischen Blute 
mit orientalischem Vollblute. 

Nach über 20jährigem Betrieb des Gestüts ist es dem Besitzer ge- 
glückt, auf bezeichnete Weise einen bestimmten gleichmässigen Stamm 
von typischen Mutterstuten zu erlangen. Seit dem Bestehen des Gestüts 
wurde vor allem der orientalische Hengst Iney II, gegen 30 Jahre alt, 
zum Decken benutzt. Es sollte hierdurch die gewünschte Form regulirt 
werden und dabei Genügsamkeit und Ausdauer der Thiere bewahrt bleiben. 
Der Besitzer entnahm sein Stutenmaterial aus den Stutenstämmen Lithauens; 
aber auch Stuten aus dem um jene Zeit (1876 — 1877) aufgehobenen Kgl. 
schwedischen Gestüte Flyinge, als Hauptgestüt, und erwarb derselbe 
für Brodda die vorzügliche Mutterstute „Fepiia", von Saunterer aus einer 
Stute von The Nigger^ und die Gestütsstute „Lady", von Winkorn und 
der Lady Harriet gezogen. Aus demselben Gestüt erwarb sich der 
Besitzer Brodda's eine orientalische Vollblutstute, sowie anderweit noch 
eine arabische Vollblutstute „Tacze", die im arabischen Vollblutgestüt 
des Baron von Nitzschwitz in Königsfeld (Sachsen), Bourun a. d. Hebda, 
gezogen war. 

Züchtung: Bestand: 3 Hengste und 9 Mutterstuten; der Gesammtbestand 
incl. Jahrgänge beziffert sich durchschnittlich auf gegen 50 Köpfe. 1899 
wurden von 9 Stuten 8 Fohlen geboren. 

Reg. -Bez. Göthai'eich. Landschaft Insel Oeland. 

Name des Gestüts: OttGIlby (Staatsgesttit). 

Besitzer: Staats- Fisctts. 

Topographisches: Ottenby liegt auf der Südspitze der Insel Oeland. Der 
Gestütsort ist eine königl. Domäne mit einem Areal von über 1500 ha. 
Die Insel Oeland ist durch den Calmar-Sund von Smäland getrennt; ist 
nur theilweise fruchtbar; 21 Meilen lang, lYg Meile breit; stai'ker Vieh- 
zuchtbetrieb; Ackerbau. Während früherer Zeiten wurde hier aus ge- 
schichtlichem Interesse einer kleinen Pferderasse Erwähnung gethan, 
die fast ganz ausgestorben sein soll. Das Klima ist sehr wechselnd, doch 
iür Pferdezucht günstiof 



Schweden und Norwegen. 353 

Geschichtliches: Das hier befindliche Gestüt hat einen Bestand von ca. 200 
Köpfen: 12 Hengste, davon 4 Hauptbeschäler und 8 Landbeschäler; 
Mutterstuten 45 — 50 Stück; die übrige Zahl sind verschiedene Jahrgänge. 
Die Pferde gehören durchgängig dem englischen Halbblut an, Reit- 
und leichter Wagenschlag. 

Jährlich werden 3jährig die Fohlen theils für den Marstall vor- 
bereitet, theils, wenn der Bedarf gedeckt, durch abzuhaltende Auktionen 
veräussert. 

Das Sveareich. Landschaft Vestmanland. 

Name des Gestüts: StrÖmSholm 

(Staatsheiigsten-Depöt, Remonte-Depöt und Militär-Keitschule). 

Besitzer: S/aafs - Fisciis. 

Topographisches: Strömsholm liegt auf einer Insel; daselbst befindet sich 
ein königliches Schloss mit schöner Gartenanlage und Gestüts einrichtungen. 
Auf dieser Staatsdomäne befinden sich gegenwärtig bezeichnete Anstalten. 
Strömsholm ist von Westras aus in ca. 2 km zu erreichen. Areal über 
3000 ha. Das erwähnte Schloss liess die Königin Hedwig Eleonore 
1666 erbauen. 

Geschichtliches: Ueber ein in Strömsholm bestandenes Gestüt reichen die 
Nachlichten bis in das 17. Jahrhundert zurück; es wird daher wohl auch 
das erste Gestüt in Schweden gewesen sein. Hier war aus jener Zeit 
die Züchtung so vielseitig, dass man endlich beschloss, das Gestüt als 
Zuchtanstalt 1874 aufzulösen. 

Hiernach wurde hier ein Staatshengsten-Depöt mit gegen 80 
Beschälern eingerichtet, von denen später etwas weniger in Gebrauch 
kamen. Dem Blute nach wurde englisches Voll-, Halb- und Viertelblut 
eingestellt, dem noch hannoversches bezw. mecklenburgisches und preussi- 
sches Blut mit folgte, sowie noch Anglo-Normänner und Ardenner hinzu 
kamen. Die Thätigkeit der betreffenden Beschäler erstreckt sich über 
Nord- und Mittelschweden. 

Das Remonte-Depöt wurde hier 1885 eingerichtet; der Bestand 
des Depots erstreckt sich bis auf 70 Pferde. Unmittelbar von Züchtern 
werden durch die Remonte - Ankaufskommission die Fohlen dreijährig 



Brandzeichen: 




I 



alljährlich angekauft, dann werden 
diese hier 1 Jahr verpflegt und an 
die verschiedenen Regimenter abge- 
geben. Diese Pferde haben in der 
hier mitbefindlichen Militär -Reit- 
schule bereits ihre Ausbildung er- 
halten; auch wird hier für die Be- 
theilifften 'Reitunterricht ertheilt. 



Bräuer, Gestüte. 2.3 



354 



Russisches Reich. 



Königreich Polen. 



Gouvernement Suwalki. Kreis Wladyslawowo (Neustadt). 

Name des Gestüts: 

Giefgudyszki oder Nieder-Gielgudyszki. 

Besitzer: Baron Franz von Keitdell. 

Topographisches: Neben dem Hauptgut Gielgudyszki gehören noch 23 Vor- 
werke zur Herrschaft mit einem Areal von 11390 ha, von denen ca. 
4850 ha Wald sind. Die Herrschaft ist nicht völlig zusammenhängend. 
Die Bodenbeschaffenheit ist verschieden. Zu Anfang 1886 war der Be- 
stand der Pferde gegen 700 Stück. Die Hengste, die meisten Vollblut- 
stuten und die jüngeren Vollblutpferde stehen in Gielgudj^zski, die Halb- 
blutstuten zum grössten Theil in Dopkuniski. Die Stuten der Ackerpferde 
befinden sich auf dem Voiwerk Dombrowo in Gebrauch. 

Geschichtliches: Gielgudyszki wurde im Jahre 1797 durch Baron Theod. 
von Keudell vom Fürsten Czartoryski gekauft. Baron von Keudell war 
vordem Pächter der im Kreis Insterburg gelegenen Domäne Georgenburg. 
1801 übersiedelte dieser von dort nach Gielgudyszki, nachdem er schon 
1799 den grösseren Theil des Gestüts dahin gebracht hatte. Gewissen- 
hafte Gestütsregister beginnen in Gielgudyszki schon seit 1753 und werden 
seit dieser Zeit regelmässig fortgefühlt. Während der letzten 120 Jahre 
des Bestehens waren je 30—50 Mutterstuten pro Jahr in Gielgudyszki 
aufgestellt. Von berühmten Hengsten, welche in Gielgudyszki Verwendung 
fanden, ist ein in England gekaufter Vollbluthengst Masier Christopher 
von Langar 1838 — 1845; ferner John Bull von Liddmgton zu nennen; 
während in späteren Jahren Stiltan, Sahama, Duke of Edinburgh, Hedor 
eintraten. 

Züchtung: Die Zuchtrichtung geht auf die Erzielung eines edlen, grösseren 
und stärkeren Pferdes, mit leichter Bewegung, hinaus. Für die Vorwerke 

werden so viel Stuten gedeckt, dass 



Brandzeichen: 




jeder Jahrgang Fohlen ungefähr die 
Zahl von 40 Köpfen erreicht. In 
Dombrowo wird noch ein kleines 
Gestüt von Schecken unterhalten. 
Der Hauptabsatz der verkäuflichen 
Pferde erfolgt nach Deutschland. 
(Halbblutpferde.) 



Russisch-Polen. 



355 



Name des Gestüts: MOCZydIO (Vollblutgestüt). 

Bdsteer: Graf Ludwig von Krasinski. 

Topographisches: Das Gestüt liegt unweit Warschau. 

Geschichtliches: Im Jahre 1860 errichtete hier obiger Besitzer ein Vollblut- 
gestüt. Nachdem derselbe mit verschiedenem Gestütsmaterial operirte, 
kam dieser während des Anfangs der 1880er Jahre erst zum durch- 
schlagenden Erfolg mit seinen Produkten für die Rennbahn. Der Eenn- 
stall des Grafen enthielt 1887 gegen 25 Pferde. 

Züchtung: Als Hengste waren Higklander von Champagne aus der Fieet- 
fort von Sheet Attchor, 1881 — 1886; ebenso Ziitzen von Blue Gown aus 
der St. Agnes von West-Australian 1883 in das Gestüt gekommen. Eine 
der Stuten des Grafen Willamowitz war lUas von hicognito aus der Concetie 
von Sir Hercules, eines der ausgezeichnetsten Pferde, welche für die Renn- 
bahn hervorragende Pferde lieferte. In der Hauptsache sind die Fohlen 
nach Highlander oder Ziitzen gefallen. (Grassmann.) 



Provinz Kleinpolen. Gouvernement Sedletz (Siedice). Distrikt Konstantinow. 



Name des Gestüts: 
Besitzer: 



JcinOW (Staatsgestüt u. Beschälerdepöt). 
Staats-FiscMS. 



Topographisches: Janow, Stadt mit 5—6000 Einwohnern, liegt am Buch, 
einem Fluss, ca. 20 km von Biala, einer Station der Warschau — Terespoler 
Eisenbahn, entfernt. Areal gegen 17000 ha, sehr gute Wiesen und Weiden. 
Bis Mitte der 1880 er Jahre bestanden die Gestütsgebäude aus Holz und 
waren diese mit Stroh gedeckt; z. Z. sind jedoch neue Stallungen in 
steinernen Gebäuden, der Neuzeit entsprechend angelegt und ausgeführt. 

Geschichtliches: Kaiser Alexander I. gründete das Gestüt 1816 — 1817 da- 
durch, als er um jene Zeit aus den aufgehobenen Gestüten: Potchinky, 
Gabrilow. Khorochew und Scopine 55 Hengste und 100 Stuten entnehmen 
und hier einfühlten Hess. Gleichzeitig wurde aber auch ein Beschäler- 
depöt mit eingerichtet und erhalten, mit einem Bestand von ca. 100 
Hengsten, die bisher dem russischen Halbblut angehörten; seit den 
1880 er Jahre wurden auch englische Vollblutpferde mit eingereiht. Zur 
Zucht werden in Janow durchschnittlich 5 Hauptbescbäler und 60 Mutter- 
stuten verwendet, wovon letztere ungefähr 20 dem Vollblut und 40 dem 
anglo-arabischen Halbblut angehören. 

Züchtung: Zuchtziel besteht in Beschaffung von edleren Halbblutreit- 
pferden für Offizier- , Jagd- und 



Brandzeichen: 




w. 



Renndienst sowie Erzeugung von Land- 
beschälern und Mutterstuten besseren 
Blutes. Der Bestand beziffert sich 
über 350 Pferde, incl. Jahi-gänge. 



356 Russisch-Polen. 

Name des Gestüts: Semiki. 

Besitzer: Graf von Grabowski. 

Topographisches: Der Gestütsort liegt im Kreis Lublin auf einem grösseren 
Grundbesitz in der Nähe der Stadt Lul^artow, am Fluss Wieprz, der sich 
in die Weichsel ergiesst. Die Stadt Lubartow besitzt ein schönes Schloss. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde seit langer Zeit in grösserem 
Umfange betrieben; dasselbe kam aber während der 1850er Jahre der 
Qualität nach in noch grösseres Ansehen, weil man um jene Zeit den 
Serniki'er Pferden eine ausserordentliche Fruchtbarkeit zuzuschreiben ver- 
mochte. Dieser letztere Umstand trat ein, als aus dem Graf Hahn- 
schen Gestüt in Basedow 1858 ein Hengst, Namens Apropos, käuflich 
dem Gestüt Serniki zugegangen war. 1859 kam ein weiterer Beschäler, 
Percy von Blacicdrop, nach Serniki; dieser trug hauptsächlich zum Durch- 
schlag für die Serniki'er Zucht bei. Die hier erzeugten Fohlen wurden 
ehedem und auch heute noch sehr theuer bezahlt. Dasselbe Gestüt strebt 
heute noch allen Anforderungen gerecht zu werden und auch entsprechende 
Rennpferde zu züchten, wozu auch einige Mutterstuten durch besonders 
hervorragende Hengste in ungarischen (Kisber) und deutschen Gestüten 
gedeckt werden. 



357 



Kussische Ostseepro vinzen. 



Gouvernement Esthland. Kreis Harrien. 

Name des Gestüts: oltZ. 

Besitzer: Baron P. von Wrede. 

Topographisches: Sitz liegt ca. 10 km von Weggewa, einer Station der 
baltischen Eisenbahn. Die Besitzung ist eine Herrschaft mit einem Areal 
von weit über 6000 ha. Grosser Oekonomiebetrieb. 

Geschichtliches: Von obigem Besitzer wurde hier 1882 ein Gestüt gegründet, 
dem englisches Blut zunächst zu Grunde gelegt wurde. Wegen un- 
zureichender bezw. schlechter Weiden wurde 1887 das Gestüt auf die 
Insel Oesel, auf das Gut Masik bei Ahrensburg verlegt. Der Pferde- 
bestand war Anfang der 1890 er Jahre ca. 20 — 24 Stück, von denen 
11 — 12 Stück Mutterstuten waren; davon waren 2 Vollblut und ca. 
9 Halbblut. Der Beschäler war ein aus England eingeführter Vollblut- 
hengst Namens Meiierfiich von Kaiser aus der Merlette. Jährlich werden 
ca. 6 — 8 Fohlen geboren. 

Gouvernement Livland. Kreis Pernau. 

Name des Gestüts: TOPgel. 

Besitzer: Livländische Ritterschaft. 

Topographisches: Torgel liegt gegen 100 km von Pernau (Pernow) entfernt. 
Das Gestüt ist daher nur unter Schwierigkeiten auf Landwegen zu 
erreichen. Im Sommer ist zwischen Pernau und Riga eine regel- 
mässige Schiffsverbindung hergestellt, die kürzer nach dem Gestütsort 
kommen lässt. Für das Gestüt sind Staats-Domänen bestimmt, von denen 
nur die von Torgel dazu geeignet erscheint. Grasreiche Umgegend, 
massive Stallungen vorhanden. 

Geschichtliches: Behufs Hebung der Pferdezucht, zunächst für den Bauern- 
stand, wurde nach A. von Middendorff das Landgestüt der livländischen 
Ritterschaft zu Torgel, Dorpat 1872, im Jahre 1855 gegründet und ver- 
mittelst bedeutenden Kapitals das Gestüt in Betrieb gesetzt. Es wurden 
sogenannte Klepperstuten eingeführt und gebrauchsfähige Deckhengste 
hierzu beschafft. Zur weiteren Vermehrung des Zuchtstammes wurden 
dann noch 10 finnische Stuten und 3 arabische Hengste Omar, Hainil 
und Da/wmnn, edelsten Blutes aus dem Königl. Württembergischen Gestüt 



3o8 Russische Ostseeprovinzen. 

erworben. 1857 wurden zum Zwecke der bäuerlichen Zucht 9 Hengste, 
61 Mutterstuten, 11 einjährige Fohlen und 40 Absatzfohlen eingeführt. 
Diese Zahlen vermehrten sich von Jahr zu Jahr. Bis 1862 zog man in 
Torgel die Stämme der esthnischen Pferde ziemlich reinblütig und be- 
nutzte die Araberhengste nur zur Blutauffrischung. Hiernach aber fand 
von demselben Jahre ab eine neue Blutmischung statt; es wurden 
nämlich 2 Ardenner Hengste und 10 dergleichen Stuten dem Gestüt aus 
hochgelegenen Theilen Belgiens zugeführt. Um jene Zeit betrug der 
Bestand des Gestüts gegen 300 Köpfe. Diese Zahl wurde aber bald 
durch Vertheilung von Pferden an die Bauern etc. vermindert. 

Den Hengsten wui-den 60 Gestütsstuten und ca. 12 Ackerstuten zu- 
geführt und 1864 — 1868 bunt durcheinander gekreuzt. Es wurden um 
bezeichnete Zeit dem Araberhengst zugeführt: 5 Ardenner Stuten, 
5 Finnstuten, 5 Klepperstuten; den Klepper h engsten: 28 Klepper- 
stuten, 8 Finnstuten, 2 Araber-Klepperstuten, 5 Ardenner Stuten; dem 
Ardenner Hengst: 10 Klepperstuten, 5 Oeseler Stuten, in Summa 73 Stück. 

Züchtung: Der Zweck des Gestüts war, nach den getroffenen Bestimmungen 
die Pferdezucht dortiger Gegend zu heben und besonders dadurch das 
Bedürfniss des Bauernstandes zu decken. Es wurde von hier ab jedem 
Zuchtbezirk je 1 Beschäler leihweise bezw. schenkungsweise überwiesen. 
Unter den Beschälern, welche nach Beginn der 1870er Jahre bevorzugt 
waren, befanden sich Esthe-Wapsikas, sowie der edle Vollblutaraber Omar 
und der Ardenner Bourbon. Unter den Hengsten befanden sich 1892 noch 
2 Vollbluter, Derby und Irtlsh, letzterer mit unvermischtem arabischen 
Blut. Die übrigen Hengste sind Kreuzungsprodukte, wie sie im Gestüt 
gezogen werden. Die Zahl der Fohlen ist jährlich bis gegen 50 gestiegen. 
Die Leistungsfähigkeit und Güte der in Torgel gezogenen Pferde 
sind vorzüglich. Der Vater des für die zu Torgel betriebene livländische 
Pferdezucht benutzten bedeutenden Hengstes Wapsikas war Wiskal. 

Brandzeichen ' ^^^^L. Nebenstehendes Brandzeichen wird 

während des 1. Lebensjahres jedem Fohlen 
auf der linken Hinterbacke aufgebi'annt. 
Das Zeichen bildet ein L mit einem R 
verschlungen und bedeutet „Livländische 
Ritterschaft". 




559 



Europäisches Riissland — Gross-Russland. 



Gouvernement Moskau. 

Name des Gestüts: VorOHOVO (WorOHOWO). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Der Ort Voronovo ist ein Dorf im Gouvernement Moskau. 

Geschichtliches: Graf Rostoptschin gründete 1802 im bezeiclmeten Orte ein 
Zuclatgestüt, welches später in den Besitz eines Woytikow überging. Als 
die Franzosen 1812 nach Moskau kamen, wurde das Gestüt nach dem 
Dorfe Kozmodemiansk im Gouvernement Orel und 1815 nach dem Dorfe 
Annen sky im Gouvernement Woronesch verlegt. Vom Besitzer wurden keine 
Mittel gescheut, entsprechendes Züchtungsmaterial zu schaffen. Die ersten 
Hengste waren reinblütige Araber: Cadl, Dragout, Kaiinak, Richan, bei 
Mekka angekauft. Die Stuten aus England bezogen. Später wurden 
an Stelle der Araber persische, türkische und englische Hengste bezogen. 
Dem Besitzer gelang es daraus eine besondere Rasse zu bilden, die als 
Rostoptschin -Rasse bezeichnet wm'de. Diese Rasse sollte durch 
orientalisches Blut ein sehr wohlgeformtes Exterieur zum Ausdruck bringen. 
Das Gestüt wurde sehr berühmt durch seine vorzüglichen Reit- und 
Rennpferde, unter denen sich AnaMs, Khlopez und Telemach bei den 
Rennen zu Lebedjian besonders hervorthaten. 

1845 kaufte die Regierung das Gestüt an mit 8 Hengsten und 
76 Stuten, welche sämmtlich von den arabischen Hengsten Kaimak und 
A'<z^/ abstammten. Das Gestüt wurde mit dem Staatsgestüt Khrenowoye 
zusammengelegt. 

Gouvernement Moskau. Kreis Bronnizy. Distrikt Podolsk. 

Name des Gestüts: 

KamenetZ-Podolsk (Kalserl. Hengsten Depot). 
Besitzer: Staats -Fiscus, 

Topographisches: Das Hengsten-Depot liegt ca. 5 Meilen von Moskau ent- 
fernt; in der Nähe liegt die Kreisstadt Bronnizy, an der Moskwa. Die 
Industrie in Podolsk und in der Nähe davon ist Tuch, Talg und Seife 
sowie Töpferei und Baumwollspinnerei. Podolsk liegt an der Pachra. 

Geschichtliches: Seit ca. 25 Jahren ist Kamenetz-Podolsk Stationsort eines 
Hengsten-Depöts mit 60 Beschälern. 



360 Gross -Russland. 

Name des Gestüts: POtSChlllky (Staatshengsten-Depöt). 

Besitzer: Staats-Fiscus. 

Topographisches: Potschinky ist eine Stadt; das Gestüt liegt in der Nähe 
derselben. Die Gebäude sind in Stein ausgeführt, in sehr gutem Zustande 
mit gefälliger Architektur. In den Ställen und Höfen herrscht muster- 
hafte Ordnung und Reinlichkeit. Die Einrichtungen sind sehr geräumig. 
Unterberger fand 1851 bei seiner Anwesenheit 17 Hengste, 152 Stuten, 
insgesammt 606 Pferde vor. 

Geschichtliches: 1819 wurde Potschinky als ein Staats-Gestüt gegründet. 
Errichtet wurde das Gestüt bereits 1760 und zwar für die Garden zu 
Pferde. Es besass zuerst dänische, holsteinische, normannische und englische 
Pferde, zu denen später Orlower und andere Pferde, sowie einige englische 
Halbblutpferde hinzukamen. Bei solchem Material musste das Gestüt, 
seitdem ihm die Produktion von Acker- und schweren Zugpferden zur 
Aufgabe gestellt war, eine Umformung erfahren, die aber zuerst nur 
theilweise erfolgen konnte, da es den Staats-Gestüten an Thieren dieses 
Typus gänzlich fehlte. Die grosse Entfernung dieses Gestüts von den 
übrigen und die viel geeignetere Lage der Gestüte von Belovodsk führte 
1858 die Verlegung desselben mit 10 Hengsten und 109 Stuten in diese 
Gegend und damit wurde 1859 das bisherige, seit 1843 mit bestandene 
„Militär-Gestüt" völlig aufgelöst. 

Gegenwärtig besteht in Potschinky ein Staatshengsten-Depöt mit 
einem Hilfs-Depöt zu Kastroma mit 158 Beschälern. 

Gouvernement Woronesch. Kreis Woronesch. Distrikt Babrow. 

Name des Gestüts: KlirBnOWOyG (Kaiserl. russ. Kronengestüt). 
(Privatgestüt des Grafen Orlow-Tschesmensky bis 1845.) 

Besitzer: Staats-Fiscus, 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt in flacher Steppe mit gutem Boden; 
Areal ca. 10000 ha, davon ca. 1000 ha Weideflächen. Dasselbe liegt 
von der Kreisstadt Babrow ca. 19 km ab. Von der Eisenbahnstation 
Khrenowoye, der Linie Balachow — Charkow, 2 km entfernt. Grossartige 
Gestütsgebäude; die Stallungen mit ihren Höfen haben einen Flächenraum 
von 25 700 L] Faden. Das Hauptgebäude des Gestüts ist in der Mitte 
mit einer Kuppel versehen und 6 Gruppen, Pferdebändiger mit ihren 
Rassen sind vor dem Eingange plazirt. 

Geschichtliches: Das Gestüt des Grafen Orlow wurde ursprünglich in dem 
Dorfe Orlow bei Moskau errichtet und 1778 nach Khrenowoye verlegt. 
Die ersten Zuchtthiere hierzu erhielt der Graf Alexis Gregorowitsch von 
Orlow-Tschesmensky vom türkischen Sultan, anderntheils Hess er solche 
selbst noch ankaufen; es waren dies bis auf wenige Ausnahmen Araber. 



Gross -Russland. 361 

1774 und 1775 wurden 30 Hengste angekauft, von denen der Graf 18 
dergleichen an die Staatsgestüte abgab. 12 Hengste und 9 Stuten be- 
hielt er für sein Gestüt. Vor dem Eintreffen dieser Araber hatte der 
Graf in obigem Gestüte bereits schon den englischen Hengst Balaban, 
einige englische Stuten, einen holländischen Hengst, 7 holländische und 
eine dänische Stute eingestellt. Von den arabischen Hengsten waren die 
schönsten und kräftigsten Bouroy-Saltan und Smeianka. 

Bereits 1767 war dem Grafen Orlow gestattet worden, für sein in 
Ostrowo und Moskau gelegenes Gestüt in den Hofgestüten 20 Stuten 
sich auszusuchen. Dieser nahm 10 Stuten und 4 Füllen aus dem 
damaligen Hofgestüt Khrenowoye, welches um jene Zeit arabische, englische, 
dänische, lombardische und spanische Pferde enthielt. Die 1774 und 1775 
angeschafften arabischen Pferde waren theils erkauft, theils bildeten sie 
das Lösegeld der in der Schlacht bei Tschesme gefangenen höheren Offiziere. 
Die Orlow-Pferderasse wurde von dem genannten Züchter durch 
Kreuzung englischer Stuten und einem englischen Hengst, Balaban, sowie 
einen Hengst und mehreren Stuten der Holländer- Rasse und einer dänischen 
Stute vermittelt. Aus einer Kreuzung dieser Thiere in Verbindung mit 
arabischem Blut sind die Orlow-Pferde hervorgegangen. Diese Pferde 
unterschieden sich in Orlow-Reitpferde und in Orlow-Traber; beide 
Rassen wurden nebeneinander gezüchtet. 

Das Gestüt Tschesmensky zerfiel seiser Zeit ausserdem noch in das 
englische Vollblut und in das arabische oder asiatische Vollblut- 
gestüt. Die Stuten der Abtheilung des gemischten Reitschlages 
gehörten theils dem englischen Vollblut, theils der Orlow'schen oder 
Eostoptschin'schen Reitrasse, oder einer Mischung der Vollblut- und Orlow'- 
schen, oder der Rostoptschin'schen Rasse an. Sie zählte um jene Zeit 
3 Hengste und 57 Stuten. 

Die Orlow'sche Traber-Rasse, welche eine durchaus verdiente 
Berühmtheit geniesst, stammt von Bars I , einem Sohn Polkans 1. und 
Enkel des Arabers Smeianka. Die Mutter von Polkan war eine dänische, 
die des Vaters eine holländische Stute. Einige Söhne des -^öm waren 
von englischen Stuten, sonst findet man aber in der Stammtafel der 
Traberrasse, in den ersten Generationen: arabische, persische, holländische 
und selbst einige bucharische Stuten, während die Väter aus der Rasse 
selbst genommen wurden. Bars I. wurde 1784 geboren und starb 1808; 
er hatte 11 Söhne, von denen aber 4 keine Nachzucht hinterliessen. 
(v. Meyendorff, die Pferdezucht Eusslands.) 

Die Pferde des Gestüts Khrenowoye in seiner ersten Zusammen- 
setzung stammten sämmtlich von 3 Söhnen des Bars: Ljubeznoy, Dobroy 
und Lebed ab. Eine sorgfältige Prüfung der jetzt in demselben befind- 
lichen Pferde zeigt, dass alle Zuchtthiere die besonderen Eigenschaften 
ihrer speziellen Rasse vollkommen besitzen und eine glückliche Vereinigung 
alles dessen aufweisen, was früher und noch heute den Ruhm desselben 
begründeten, (v. Meyendorff, die Pferdezucht Russlands.) 

Die berühmte Orlow-Reitrasse besitzt würdige Nachkommen eines 
Polkan, Smeianka, Kaimak, Kadi und Richan. In der Abtheilung des 
gemischten Reitschlages findet man ausser den Orlow'schen und 
Rostoptschin'schen Rassen, englische Vollbluthengste, die sich auf der 
Rennbahn bewährt haben und schöne Formen zeigen. Die Abtheilung 



362 Gross -Russland. 

der Traber endlicli bietet herrliche Zuchtthiere, deren Kasse sich seit den 
Zeiten des Bars bis jetzt erhalten bezw. vervollkommnet hat und sozusagen 
eine reinblütige Rasse darstellt. (v. Meyendorff, die Pferdezucht 
Russlands.j 

Durch diese vorzüglichen Zuchten hat nun auch das Staatsgestüt 
Khrenovvoye, die demselben bis zur gegenwärtigen Zeit einverleibt sind, 
durch die freie Benutzung der besten Beschäler, den Privatzüchtern und 
Privatgestüten bedeutende Verbesserungen erfahren. Im Jahre 1845 
übernahm der Staat von der Gräfin A. A. Orlovi^-Tschesmensky, der Tochter 
des berühmten Pferdezüchters, das Gestüt käuflich, in Einverleibung zum 
gegenwärtigen Kronengestüt Khrenowoye. (1855.) 

Bei Uebernahme durch den Staat waren 2 verschiedene Schläge von 
Pferden noch vorhanden: 

1. Reitpferde der Orlow-Rasse mit 9 Hengsten und 112 Stuten; 

2. Traber der Orlow-Rasse mit 2 Hengsten und 194 Stuten; 
1846 wurden dem Gestüt behufs Gründung der Vollblutzucht ein 
neuer Zuwachs von 5 englischen bezw. arabischen Vollbluthengsten 
und 24 ebensolchen Mutterstuten aus dem Gouvernement Skopine zu- 
getheilt, sowie 8 Hengste und 76 Stuten anglo-arabischen Blutes, welche 
Graf Rostoptschin angekauft hatte. 1870 zählte das englische Vollblut- 
gestüt nur noch 4 Hengste und 40 Mutterstuten, sowie je 10 Hengste 
und gegen 100 Mutterstuten im Orlow-Reit- bezw. im Orlow-Trabergestüt. 
1890 hatte sich der Gesammtbestand des Gestüts Khrenowoye durch den 
Hinzutritt der erworbenen Gestüte Annensky und Skopine auf über 
2000 Pferde erhoben. 

Züchtung: Nach Grassmann's Mittheilungen beruht der Zweck des Gestüts 
in der Hebung der Landespferdezucht. Die Traber sollen den 
VVagenschlag verbessern; die Vollblutpferde ein möglichst gängiges und 
schrittiges Reitpferd vermitteln. Die Traber-Rasse stammt you Bars / , 
einem Sohn Polkan^s I. und Enkel eines Arabers. Die Mutter Polkans 
war Däne, die des Bars Holländer. Die Rasse wird reinblütig fort- 
srezüchtet. 

Das von der Gräfin Orlow benutzte 

BrandzeiChen: ^mm^'^\ Gestütsbrandzeichen war nebenstehendes 

T ^= Tschesmensky- Orlow. 



j6 



± 



^w 



Die im Gestüt Khrenowoye gezoge- 
nen Pferde werden am Halse, unter 
der Mähne mit nebenstehender russi- 
scher Krone gebrannt bez. bezeichnet; 
die Reitpferde an der linken Seite, 
der Traber- und Wagenschlag an 
der rechten Seite. 



Gross -Russland. 363 

Name des Gestüts: TSCllGSniGnka (auch Tschesmonsky gen.). 
Besitzer: Gross für st Nicolmts Nicolajewitsch. 

Topographisches: Tschesmenka ist ein Dorf und liegt in der Nähe der 
Kreisstadt Bobrow. In der Umgegend wird vorzügliche Pferdezucht be- 
trieben. Nicht weit entfernt davon liegt auch das Dorf Khränowoye, worin 
das sehr berühmte Gestüt sich befindet. 

Geschichtliches: Vorstehend benanntes Gestüt war ehedem russisches Staats- 
gestüt. Als Vollblutpepiniere wui-de es 1843 von der Gräfin Orlow 
gekauft und hat eine englische und eine arabische Vollblutzucht. Dieses 
Gestüt wurde später nach Khränowoye verlegt. 

1. Das englische Gestüt wurde 1842 eingerichtc-t und bestand aus 
4 englischen Vollblutstuten vom Kaiserl. Marstall, 9 solchen aus 
den Staatsgestüten und 6 in England angekauften. Der berühm- 
teste Hengst hierzu war Gemel Chasse. Gesammtbestand 3 Hengste 
und einige 50 Mutterstuten. 

2. Das arabische Gestüt wurde durch Originalthiere begründet und 
besteht auch aus 3 Hengsten und ca. 50 Stuten. 

Züchtung: Im Jahre 1873 wurde dasselbe Gestüt vom Vater des gegen- 
wärtigen Besitzers neu und in ganz umfänglicher Weise reorganisirt und 
zwar mit 16 Hengsten und über 100 Mutterstuten. Die hier gezogenen 
Pferde sind arabischer und asiatischer Rasse, sowie englischen Halb- 
bluts, neben denen aber auch die Zucht von Trabern und schweren 
Wagenpferden gepflegt wird. 



Gouvernement Woronesch. Kreis Woronesch. 

Name des Gestüts: Pody. 

Besitzer: Prinz Orlow. 

Topographisches: In einem Steppendorf des genannten Besitzers unterhält 
dieser ein berühmtes Gestüt. 

Geschichtliches: Bezeichnetes Gestüt nimmt eine der ersten Stellen unter 
den Privatgestüten Russlands ein. Dieses Gestüt soll nur mit Nach- 
kommen des Smetajika und des Sultan gegründet worden sein. Im Jahre 
1884 soll dasselbe mit 16 Hengsten und 90 Mutterstuten bestellt gewesen 
sein, die theils den sogenannten Orlow-Trabern, theils den Orlow- 
Reitpferden angehörten, und neben denen sich hier auch arabische 
Voll- und Halbblutpferde befanden. Alle hier gezogenen Pferde zeich- 
nen sich durch Schönheit und edle Körperformen aus, doch soll dem Reit- 
pferdschlage der ausgiebige Gang fehlen. 



364 Gross -Russland. 

Name des Gestüts: TältlbOW (Staatshengsten-Depöt). 

Besitzer: Staats-Fisctis. 

Topographisches: Tambow ist eine Stadt am Zna, einem Nebenfluss der 
zur Wolga gehörigen Oka, liegt nordöstlich und ca. 26 Meilen von Woronesch, 
südöstlich und 60 Meilen von Moskau; gegen 40 000 Einwohner. 

Geschichtliches: Seit vielen Jahren wird hier vom Staate ein Hengsten-Depöt 
unterhalten mit einem ungefähren Bestand von 60 — 70 Beschälern für 
die dortige Umgebung. Spezielles war hierüber weiter nicht zu erfahi'en. 

Gouvernement Smolensk. Kreis Smolensk. 

Name des Gestüts: SlTlOlGnSk (Staatsheiigsten-Depöt). 

Besitzer: Staats -Fisctis. 

Topographisches: Smolensk ist eine Stadt am Dnjepr und liegt westsüd- 
westlich und 50 Meilen von Moskau entfernt, durch Eisenbahn verbunden. 
Diese Stadt ist mit hohen, starken Mauern und anderen Festungswerken 
umgeben, besitzt eine Citadelle und zählt 42 000 Einwohner. 

Geschichtliches: Ueber das hier aufgestellte Hengsten-Depöt ist nichts weiter 
bekannt geworden, als dass ca. 60 — 70 Beschäler daselbst sich befinden 
sollen. 



365 



Klein -Russland. 



Gouvernement Charkow. Kreis Starobjelsk. 

Name des Gestüts: LimärBVO (Rass. Kronengestüt). 

Besitzer: Staats -FtscMS. 

Topographisches: Limarevo ist eines der vier unter dem Namen des Belovodski- 
schen Gestüts bekannten kaiserl. russischen Staatsgestüte (Kronengestüt). 
Areal 8470 ha Boden, schwarzer Lehmboden; gute Weiden, jedoch trocken. 
Das Hauptgebäude in Limarevo, erst in neuerer Zeit erbaut, bat eine 
sehr gefällige Fassade und bei der inneren Einrichtung sind die Haupt- 
erfordernisse berücksichtigt. Das Gestüt liegt ca. 30 km südwestlich von 
Strelez. Limarevo wird auch Limarew genannt. 

Geschichtliches: 1819 wurde das Gestüt gegründet und zu diesem Behufe 
Hengste und Stuten aus den Gestüten Derkulsk und Streletsk dorthin ab- 
gegeben; dadurch kamen verschiedene, z. ß. persische, türkische, arabische, 
dänische, engliche, mecklenburger und Orlow'sche Pferde zusammen. Es 
wurde dazu s. Z. bestimmt, dass daraus Kavalleriepferde mittleren Schlages 
gezüchtet werden sollten. Später erhielt Limarevo eine reine arabische 
und anglo- arabische Vollblutzucht. Mit Beginn des Gestüts hatte sich 
hier die Zahl auf gegen 600 erhöht; später ging die Zahl der vielrassigen 
Thiere bedeutend zurück, um der folgenden Voüblutzucht zu genügen, 
aber es hatte das Gestüt ein Depot von 160 jungen Pferden mit auf- 
zunehmen. Dieses Depot wurde deshalb errichtet, um nach Ausprobung 
der jungen Hengste selbige in die Hengsten-Depöts bezw. in die Beschäler- 
ställe vertheilen zu können. 1823 wurde der Gestütsbestand verringert. 
1833 wurde vom Kaiser Nicolaus I. eine Eeorganisation der Militärgestüte 
befohlen; sämmtliche Militärgestüte wurden 1843 aufgehoben und Limarevo 
in ein Staatsgestüt umgewandelt. Dasselbe hält im Ganzen einen Bestand 
von 600 Pferden; davon sind ca. 140 Mutterstuten vorhanden, von denen 
1868 rein arabische oder anglo-arabischen Vollbluts waren, wozu damals 
4 gleichrassige Beschäler mit vorhanden waren. Jetzt besitzt das Gestüt 
10 Hauptbeschäler. Die hier gezogenen Pferde sind englischen Halb- 
blutes und gehören dem mittleren Reitschlage an. Ausser diesem 
Hauptgestüte befindet sich in Limarevo von jeher noch ein Hengsten- 
Depöt von 60 Beschälern. 



Brandzeichen: 



s^ 



366 Klein -Russland. 

Name des Gestüts: otr6l6tSk (Kaiserl. KroneDgestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Genanntes Gestüt ist eines der vier Belovodski'schen Gestüte; 
dasselbe liegt ca. 19 km von der Eisenbahnstation Tschertkowo der Linie 
Woronesch — Rostow entfernt. Areal gegen 9000 ha. Die Lage ist sehr 
gut; grasreiche Weiden auf Lehmboden; das Wasser sehr salzhaltig; die 
Trockenheit des Bodens bei geeigneter Witterung macht sich leicht fühlbar. 

Geschichtliches: Das Gestüt wurde 1813 behufs Züchtung leichter Kavallerie- 
pferde gegründet. Zuerst wurden hierzu 3 Hengste und 74: Stuten ver- 
wendet, die aus anderen Gestüten dorthin bestimmt waren und auch 
durch Ankauf im Orient vermehrt wurden. Durch die Verwendung letz- 
teren Blutes wurde der asiatische Typus hergestellt. Während der Zeit 
von 1863 — 1883 wurden hier und da Hengste und Stuten abgegeben, 
wenn solche für den Zweck des Gestüts zu gross erschienen, und dafür 
Pferde aus den Orlow'schen und Rostoptschin'schen Reitrassen eingestellt. 
Dasselbe Gestüt hält ca. 20 Hengste und gegen 200 Mutterstuten und 
die verschiedenjährigen Fohlen. 1849 ereignete sich im Stallgebäude 
zu Streletsk eine Feuersbrunst, bei welcher 26 jährige Füllen und drei- 
jährige Pferde umkamen; das Gestüt hatte dadurch sehr gelitten. 

Züchtung: In Streletsk wird sehr darauf gesehen, dass nur kleine, d. h. 
niedrige Pferde gezogen werden. Die meisten Pferde des Gestüts zeigen 
den asiatischen Charakter: trockenen Kopf, hervorstehende, grosse 
lebhafte Augen, breite Stirn, häufig Reh- oder Hirschhals, lange, gerade 
Croupe mit hochangesetztem, oft dünnem Schweif, feine Haut mit seide- 
artigen Haaren und hervortretenden Adern, feine und trockene Muskeln mit 
gut markirten Sehnen versehen, schöne Beine, kleine, hohe und glänzende 
Hufe und lange, nicht durchtretende Fessel; sie zeigen ein stolzes 
Ansehen und Feuer in gelenkigen und kräftigen Bewegungen, Zucht- 
ziel: Arabische Voll- und Halbblut -Reitpferde, Gesammtbestand der 
letzten 1890er Jahre gegen 500 Pferde; 12 Hauptbeschäler, 160 bis 
170 Mutterstuten. 

Brandzeichen: 



'^ 



Gouvernement Kiew (Volhynienj. Kreis Berditschew. 

Name des Gestüts: SläWUta (Arab. Vollblutgestüt). 

Besitzer: Fürst Roman Sanguszko. 

Topographisches: Diese Herrschaft ist ein übergrosser Besitz; fruchtbarster 
Boden, Areal über 100 000 Morgen Areal. Administrativ ist die ganze 
Besitzung staatlich organisirt. Das Gestüt ist von Kiew aus zu erreichen. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt besteht seit sehr langer Zeit; es wurden 
darin stets Pferde von reinem arabischen Vollblute gezogen; die Zahl der 
Zuchtpferde beläuft sich durchschnittlieh auf 300 Stück, von denen ca. 



Klein -Russland. 



367 



100 Mutterstuten, 8—10 Beschäler und die übrige Zahl Fohlen ver- 
schiedener Jahrgänge ausmachen. Es werden prinzipiell nur die besten 
Stuten zur Zucht verwendet; ganz besonders wird bei der Wahl der 
Deckhengste vorgegangen. Für gewöhnlich sind hier 2 arabische Vollblut- 
hengst-Originale aufgestellt; dadurch gehen Pferde hervor von hoher 



Brandzeichen: 




Eleganz und Güte. Die Pferde 
werden hier von einem Stallmeister 
fachgemäss geritten oder eingefahren. 
Seit der frühesten Zeit bis zum heu- 
tigen Tage wird in Slawuta ein Ge- 
stütsbuch geführt. 



Gouvernement Charkow. Distrikt bezw. Kreis Starobjelsk (Starobelsk). 

Name des Gestüts: NOWO-AleXanClrOWSk(Kais.KroneDgestüt). 
Besitzer: Staats -Fisciis. 

Topographisches: Nowo-Alexandrowsk (Nowo - Alexander) ist eines der vier 
unter dem Namen des Belovodski'schen Gestüts bekannten kais. russischen 
Staats- (Kronen-) Gestüts. Nächste Eisenbahnstation ist Tscherkowo, 
liegt etwa 30 km nordwestlich von Derkulsk und 40 km westlich von 
Limarew. Areal über 18500 ha; in der Umgebung des Gestüts befinden 
sich reichlich gute Weiden. Massive Gestütsgebäude mit entsprechenden 
Einrichtungen. Militärische Verwaltung. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt wurde 1825 mit einem Anfangsbestand 
aus anderen Gestüten gegründet: Zuchtpferde der türkischen, englischen, 
dänischen, tscherkessischen, persischen und lombardischen Kasse angehörend; 
es wurde mit arabischen Hengsten hauptsächlich Pferde des Reitschlages 
zu erzielen versucht. Um jene Zeit befanden sich im Gestüt gegen 
16 Hengste, gegen 140 Mutterstuten und ca. 300 Fohlen verschiedener 
Jahrgänge. 1833 erhielt das Gestüt die Anweisung, nur englische Hengste 
einzuführen und die Aufgabe, Kürassierpferde zu züchten, die aus Halb- 
blut-Reitpferden zu bestehen hatten. Von der Verwaltung wurde 
daher bestimmt, um das gestellte Ziel zu erreichen, dem Gestüt aus- 
schliesslich sofort Vollblutbeschäler zuzutheilen. Dadurch entstand 
ein kräftiger, schwerer Pferdeschlag, der viel englisches Blut aufwies. 
Um Schwere hineinzubringen, wurden 1890 40 Arbeitsschlag-Stuten von 
Derkulsk, gelegentlich der Verlegung der Arbeitspferde hierher genommen. 
Es mag dies ein Grund sein, wenn heute (1899) noch eine gewisse 
Gleichmässigkeit fehlt und manche Rückschläge eintreten. 

Züchtung: Das Zuchtziel ist: einen gleichförmigen und edlen Pferdebeschlag, 

d. h. Karossiers und schwere Reit- 



Brandzeichen: 




Ä 



pferde herzustellen. Der Bestand 
war 1899: 7 Vollbluthengste, 154 
Mutterstuten nebst den Jahrgängen. 
Vorherrschend Füchse. 



368 Klein -Russland. 

Name des Gestüts: DOrkUlSK (Kaiserl. Kronengestüt). 

Besitzer: Staats -Fiscits. 

Topographisches: Derkulsk ist das älteste bez. das erste der vier Belovodski- 
schen Gestüte; dasselbe liegt ca. 58 km von der Station Tscherkowo 
der Woronescb — Rostower Eisenbahn. In der Umgebung der Kreisstadt 
Stai'ojelsk wird überhaupt Pferdezucht stark betrieben. Die Gebäude des 
Gestüts Derkulsk sollen schön und gut eingerichtet sein. Auf der Steppe 
herrscht Wassermangel, infolgedessen sind artesische Brunnen gebohrt. 
Zum Gestüt gehören ausser grossem Areal noch 150 ha Wald. Laut 
Bericht des landwirthschaftlichen Sachverständigen der D. L.-G. in Peters- 
burg sind lange Streifen von je 5 Reihen Bäume im Geviert angepflanzt, 
die im Winter Schnee ansammeln und nach einigen Jahren, infolge des 
dadurch entstehenden Graswuchses, die Anlage von Pferdekoppeln gestatten. 
Da infolge der Steppenwinde wenig Schnee gleichmässig liegen bleibt und 
die Niederschläge überhaupt sehr gering sind, hat sich dies einfache 
Mittel geeignet gezeigt, kleinere Pläne der „schwarzen Erde" erheblich 
widerstandsfähiger gegen die Dürre zu machen. 

Geschichtliches: Hinsichtlich der Gründung des Gestüts Derkulsk giebt es 
verschiedene Angaben, doch soll sie annähernd in die Zeit von 1751 
bis 1765 fallen; diesem Gestüte soll Peter der Grosse besondere 
Aufmerksamkeit geschenkt haben. Eine andere Angabe lautet aber dahin, 
dass Katharina II. die Gründerin genannten Gestüts gewesen sei. Ueber 
die Zusammensetzung des Gestüts Derkulsk reichen die Nachrichten nur 
bis 1819 zurück. Um diese Zeit wurden die Kronengestüte in Hof- 
und Militärgestüte eingetheilt, wobei Derkulsk den letzteren zugetheilt 
wurde. Genanntes Gestüt besass um jene Zeit 5 dänische, 6 persische, 
4 englische, 3 lombardische, 2 deutsche, 1 mecklenburgischen, 1 türkischen, 

1 venetianischen und 8 Orlov'sche, in Summa 31 Hengste und ausserdem 
noch einen kleinen, 107 cm hohen (Zwerg-) Hengst. Die Zahl der Stuten 
betrug damals 579, nämlich 216 dänische, 61 englische, 54 mecklenburger, 
54 deutsche, 48 türkische, 30 lombardische, 42 persische, 12 arabische, 

2 asiatische, 1 spanische, 3 venetianische, 1 ungarische, 1 neapolitanische, 

1 kurländische, 1 normannische, 9 Orlow'sche, 21 selbstgezogene iind 22 
unbekannter Abkunft. Ausserdem für den erwähnten kleinen Hengst 

2 kleine Stuten, je 104 und 105 cm hoch. Alle diese Pferde waren 
aus den Gestüten Gawrilow, Alexandrowsk, Khoroschef, Scopin, Potschinsky, 
Bronnitzky, Belovodsk und aus dem Marstall zu Pakhrino. Es wurden 
fast jährlich berühmte Hengste und Stuten zugekauft, so dass das Gestüt 
an Wichtigkeit gewann und zur Vollblutzucht mehr und mehr gedieh. 
Von 1853 ab erfolgte eine Reorganisation der Staatsgestüte Russlands, 
wobei ein jedes Gestüt hinsichtlich der Zuchtrichtung besondere Bestim- 
mungen erhielt. Für Derkulsk wurde die Produktion von Kürassierpferden, 
dem Gebrauch nach, festgesetzt. Durch den Typus der bisher hier ge- 
zogenen Pferde bedurfte es, um es für seine neue Bestimmung geeignet 
zu machen, weniger Umänderungen. Von dem bisherigen Hengst- und 
Stutenbestande wurden verschiedene dergleichen an andere Gestüte ab- 
gegeben und von da dergleichen für die neue Zuchtanoi'dnung passende 



Klein -Russland. 369 

Thiere eingestellt. Nach dieser neuen Einrichtung (1850—1865) besass 
Derkulsk durchschnittlich 20 Hengste und 225 Mutterstuten, welche 
letztere nach der Rasse der Beschäler, von denen sie abstammten, als 
englische, Orlow'sche, Rostoptschin'sche, dänische, mecklenburger, holstein- 
sche, gedeckt wurden. Dieselben waren Wagen- und Arbeitspferde. 

Bereits Ende der 1860er Jahre neigte man in Derkulsk und 
hierauf erfolgter Anordnung zufolge, zur englischen "Vollblutzucht 
bezw. zur Kreuzung mit Einführung von Vollblut veredelter 
Steppenpferde. Es entstand daher in Derkulsk 1886 ausser einer 
Vollblut-Abtheilung noch eine Steppen- Abtheilung, welche letztere 
aber Ende der 1890 er Jahre wieder eingegangen ist. Der Bestand 
der Vollblut- Abtheilung betrug 1899: 43 Mutterstuten und 7 Hengste. 
Von letzteren ist Le Nord von Tristan aus der La Noce in Frankreich 
angekauft, auf dem das Glück des Gestüts beruht, indem dieser vorzügliche 
Nachkommen erzeugt; die übrigen Hengste sind gleichfalls wichtig. 

Ueber die Erziehung der jungen Füllen nach Abnahm^e von der 
Mutter und der Jährlinge bis zum Training wird folgendes erwähnt: In 
den Sommerkoppeln auf der Steppe, aus diesen zur Nacht in den Stall, 
im Winter zweimalige Bewegung in einer cirkusartig erbauten Bahn. 
Die Rennbahn ist von einem Gang umgeben, der durch eine Wand dem 
freien Anblick entzogen ist. In der Rennbahn spielen und laufen die 
Füllen, Die Aufsicht sorgt dafür, dass sie nicht stehen bleiben und dass 
im übrigen die freie Bewegung den Stallmuth dämpft, ohne auszuarten. 
Im ersten Jahre werden die Füllen die erste Woche nach der Geburt 
täglich, dann wöchentlich, schliesslich monatlich gewogen. Die 
Jährlinge werden vom Monat August ab angeritten. Von den Jährlingen 
werden etwa 10 Stück behalten, der Rest mit Trainingsverpflichtung und 
Rückkaufsrecht (Verkaufspreis und 20% Zuschlag) abgegeben. Ausserdem 
muss Pferd und etwa vorhandenes Fohlen im Lande bleiben. Das Rüok- 
kaufsrecht erstreckt sich auf nicht ältere als fünfjährige Pferde. 

Die Steppenpferd -Abtheilung wurde s. Z. eingerichtet, um den 
Steppenbewohnern Erfolge der Verbesserung mit englischem Blut zeigen 
zu können und um selbst ein genaues ürtheil zu gewinnen. 1898 war 
der Bestand 7 Hengste und zwar 1 Halbblut und 6 Vollblut, sowie 
160 Mutterstuten. Letztere sind vorwiegend Kalmücken, weniger Kirgisen 
und zum Theil bereits Halbblut. Ende 1897 wurde der Verkauf des 
Bestandes dieser Abtheilung für das Frühjahr 1898 endgültig beschlossen, 
weil die hier erzielten Zuchtthiere nicht zur Verbesserung der grossen 
Steppenheerde geeignet sind und ferner in den ersten 12 Jahren nur 
etwa 70 — 80 Hengste an die Hengsthaltereien (Landgestüte noch ausser 
Bezeichnung) in den Steppen abgeliefert wurden, die aufgewandten Gelder 
vom Staat daher besser angewendet werden können. 



Brandzeichen: 



^^ 



Bräuer, Gestüte. 24 



370 



Süd -Russland. 



Gouvernement Das Land der Donischen Kosaken. Donez'scher Bezii-k. 

Name des Gestüts: PrOWälJB (Donsches Heeres-Gestüt). 

Besitzer: Staats-Fisciis. 

Topographisches: Genanntes Gestüt liegt in der grössten Höhenlage des 
Donez-Rückens und hat unter den der klein-russischen Steppe eigenen 
Ostwinden (Bura) im Sommer und Winter schwer zu leiden. Im Sommer 
entzieht diese Bura der Steppe Feuchtigkeit, wodurch das Wachsthum 
des Grases gestört wird. Der Sandstaub verursacht Augen-, Hals- und 
Lungeuleiden bei Pferden etc. Den Pferden wird meist Gerste gefüttert, 
weil billiger als Hafer. Das Grasmähen haben südrussische Bauern 
(Kolonisten) übernommen. Areal ca. 25000 ha Ländereien; trotzdem ist 
aber das Gestüt noch genöthigt, Grasschläge zu pachten. 

Geschichtliches: Die Gründung erfolgte 1844 in der Absicht, dem Don'schen 
Kosakenpferde verbesserndes Blut zu geben, sowie dadurch den Züchtern 
als Beispiel zu dienen. Die Zucht des Gestütes wird mit einem 
Mutterstutenstamm von .530 Stück betrieben, wodurch pro Hundert 
70 — 80 Fohlen fallen. Hierzu kommen jährlich gegen 200 Hengste aus 
dem Shsal-Kreise. Von diesen werden die 2jährigen Ankaufshengste 
IY2 Jahr im Gestüt behalten, die 3Y2Jäbrigen Lieferungshengste dagegen 
nach geschehener Schutzimpfung mit Mallem sofort weitergegeben. Die 
zu Zuchtzwecken brauchbaren werden in 3 Klassen geordnet und alsdann 
den geeigneten Kosakendörfern überwiesen. Die Vater pferde des Gestüts 
sind vornehmlich Abkömmlinge oder Nachkommen der 3 kaisei'lichen 
Zuchten: Nowo-Alexandrowsk, Limarevo und Streletzk. Die Stuten ent- 
spi'echen dem im Shsal-Kreis bestehenden Typus. Sie sind hier in 
3 Klassen eingetheilt. Eine Stammabtheilung von 10 Hengsten und 12 
Stuten, meist englisches Voll- oder Halbblut, die das Gestüt nicht ver- 
lassen, bildet die Grundlage für Blutauffrischung und Verbesserung. 



Gouvernement Das Land der Donischen Kosaken. 

Name des Gestüts: Sujewka. 

Besitzer: von Ilowaiski. 

Topographisches: Diese Besitzung liegt im westlichen Theile des donischen 
Kosakengebietes. Das daselbst betriebene Gestüt Sujewka ist ca. 8 km 
von Kharzyak, Station der Rostow — Charkower Eisenbahn entfei'nt. 
Kohlenlager, Kalkstein, mächtige Lager, Boden: schwarze Erde; 9000 ha 
Steppe werden abgeerntet. Weiden für die Fohlen, vorzügliche Stall- 
einrichtunffen. 



Süd-Russland. 371 

Geschichtliches: In Sujewka wird vom Besitzer ein bedeutendes Gestüt 
unterhalten; die Pferde sollen von sehr guter Beschajffenheit sein. Mitte 
der 1850 er Jahre soll dasselbe gegen 10000 Pferde enthalten haben, 
gegen Mitte der 1870er Jahre der Bestand jedoch bis zur Hälfte zurück- 
gegangen sein und Mitte der 1880 er Jahre soll ferner die Influenza 
bedeutende Opfer gefordert haben. Gegen Ende desselben Jahrzehntes 
hat man im Gestüt die Halbblutzucht aufgegeben und nur für 
Vollblutzucht einen Bestand erhalten. Der Besitzer, dem Eennsport sehr 
ergeben, benutzt zur Vollblutzucht 4 englische Vollblutbeschäler und 21 
Mutterstuten. Die Beschäler waren: Wadim von Va?idik; Emir von 
Estafette; Elberus von Estafette und Dear Boy von Deceit. (Erstklassige 
Thiere). Die Mutterstuten sind zum grossen Theil aus England bezogen 
und gleichfalls erstklassig. Der Bestand des Gestüts beziffert sich incl. 
der Fohlen auf ca. 70 Stück. Behufs Vorbereitung der Pferde zur Bahn 
ist eine eigene Trainiranstalt vorhanden. 



24* 



372 



Königreich oder Czarthiim Astrachan. 



Gouvernement Orenburg. Kreis Orenburg. 

Name des Gestüts: UrGHbUrQ (Zuchtgestüt u. Beschäler-Depöt). 
Besitzer: Staats -Fiscus. 

Topographisches: Orenburg liegt im Ural und am Uralfluss nordöstlich 

106 Meilen von Astrachan, südöstlich 320 Meilen von Petersburg und 

südöstlich 146 Meilen von Tobolsk. Orenburg ist der Hauptstapelplatz 
für den russischen Handel. 

Geschichtliches: In einer Entfernung von ungefähr 150 Werst von Oren- 
burg wurde 1835 unter dem Namen Baschkiren-Gestüt eine Zucht dortiger 
Landpferde eingerichtet. 6 Hengste aus dem Belov^odski'schen Gestüt 
sowie 74 Baschkiren- und 40 kirgisische Stuten bildeten den ersten Be- 
stand dieser neuen Einrichtung. Die Bedeckung dieser Stuten war eine 
wilde, indem sie frei ausgeführt wurde. 1850 wurde der Bestand auf 
8 Hengste und 120 Mutterstuten festgesetzt und dabei die Bestimmung 
getroffen, für die Landbeschälung Hengste hieraus zu liefern. Die Anstalt 
erhielt von diesem Zeitpunkte ab den Namen: Zuchtgestüt für Basch- 
kiren-Pferde. Es wurde zu gleicher Zeit mit dem Gestüt ein Beschäler- 
depöt von 40 Hengsten verbunden. 

Züchtung: 1864 wurde hiernach das Gestüt der General- Gestütsdirektion in 
Petersburg unterstellt; zu dieser Zeit zählte dasselbe 18 Beschäler und 
199 Mutterstuten. Die bisher gezüchteten Pferde gehörten den Rassen 
der donischen und kaukasischen Kosaken sowie den zu Khiwa, von den 
Truchmenen und in der Bucharei gezüchteten Rassen an. Hier sollte nun 
auf Verbesserung der inländischen Pferderasse hingezielt und die in den 
Ostprovinzen vorhandenen Depots mit Beschälern des Arbeitsschlages 
versehen werden. 



373 



Königreich Eumänien. 



Name des Gestüts: NUCGt (Staatsgestüt). 

Besitzer: Staats -FiscMs. 

Topographisches: Nucet liegt bei Tirgoviste oder Tirgowischt, Stadt an der 
Jalomitza, nordwestlich und ca. 10 Meilen von Bukarest, vormals Sitz 
der walachischen Fürsten. 

Geschichtliches: Nach Volkers, „das rumänische Pferd", illustrirte landwirth- 
schaftliche Zeitung 1894, hält seit Jahren die Regierung behufs Hebung 
der Pferdezucht hier ein Staatsgestüt; auch lässt dasselbe von hier aus 
Deckhengste im Lande vertheileu. Die rumänische Kavallerie wird auf 
ungarischen und russischen Pferden beritten gemacht, weil das rumänische 
Pferd als Remonte zu klein und zu leicht ist. In oben bezeichnetem 
Gestüt wird daher ein passenderes Militärpferd gezüchtet. Weiteres ist 
hierüber nicht zu erfahren. 



374 



Afrika. — Aegypten. 



Provinz Unter - Aegypten. Kreis Kairo. 

Name des Gestüts: ADDSISI6. 

Besitzer: ehemals: Abba Pascha, 

nach dessen Tod: Erben. 

Topographisches: Abbasie war ehedem ein grossartiges Gestüt von Araber- 
pferden, unweit Kairo gelegen, und wurde nach der Stadt benannt und 
errichtet mit einem kolossalen Schlossbau. 

Geschichtliches: Die Gründung des Gestüts erfolgte zu Anfang des 19. Jahr- 
hunderts. Während seiner Regierungszeit hatte obiger Besitzer seine 
Agenten in alle Gegenden der Wüste gesendet, um die besten Pferde 
anzukaufen. Es soll das Gestüt über 1000 der edelsten Pferde enthalten 
haben. Mit dem Tode Abba Paschas wurde 1860 ein grosser Theil des 
einzig dastehenden Gestüts von Beduinen geraubt. Ein anderer Theil 
wurde nach Hoffmann's Taschen-Lexikon der Pferdekunde 1884 durch die 
ägyptische Bank verauktionirt, so dass den Erben von der ganzen Pracht 
noch 360 Pferde verblieben, welche dieselben in kurzer Zeit in launigen 
Augenblicken verschenkten. Die ganze Anlage sei jetzt zerfallen. Aus 
diesem Gestüte gingen s. Zt. infolge energisch fortgesetzter ßeinzucht 
viel Araber als „Rennpferde" hervor, die durch grosse Ausdauer und 
Gewandtheit sich auscrezeichnet haben sollen. 



575 



Afrika. — Berberei. 



Provinz Oran. Kreis Oran. 

Name des Gestüts: Tläröt. 

Besitzer: Französischer Staats -Fiscns. 

Topographisches: Tiaret, ein Städtchen und Hauptplatz für Wollhandel, liegt 
am nördlichen Abhänge des Atlas-Gebirges, in der Provinz Oran und in 
der Gegend von Thaza, einer von Abd-el -Kader neuangelegten Stadt, auf 
dem Berge Natmata. Letztere Stadt wurde von den Franzosen erobert 
und in den Besitz genommen. Sebdu, Saida und Tiaret sind gegenwärtig 
französische Militärposten am Nordrande des Landes der Schott. Das 
Gestüt liegt 6 — 7 km vom Städtchen Tiaret entfernt, auf einem Hoch- 
plateau, einer daselbst befindlichen französischen Staatsbesitzung, mit 
demselben Namen bezeichnet, als Militärgestüt. Areal über 1000 ha. 
Viele Weiden und Wiesen. Anbau auf den Aeckern: Gerste und Hafer; 
300 ha in Betrieb. 

Geschichtliches: Bezeichnetes Gestüt wurde Mitte der 1870er Jahre gegründet. 
Für dasselbe sind Ställe vorhanden, die einen Wirthschaftshof bilden. 
Viel Abwechselung der Trockenheit mit Regenzeit. Das Gestüt steht 
unter militärischer Leitung, besitzt über 100 Pferde für den Wirthschafts- 
und den Zuchtbetrieb; für letzteren gegen 30 Mutterstuten und 3 — 4 
Beschäler: ßeinblütige Berber bezw. Vollblut-Araber und Vollblut- Anglo- 
Araber. Die Stuten sind sowohl Berber und Araber, als auch 
Anglo-Araber. Die Hengste werden geritten, die Stuten zu landwirth- 
schaftlichen Arbeiten etc. verwendet. Fohlen werden IY2 jährig bei 
leichtem Gewicht geübt, mit dem Alter von 2 Jahren gehen diese schon 
alle Gangarten. In Tiaret ist eine Trainirbahn, 2400 m lang, vorhanden; 
darin 6 monatlicher Dienst. 

Züchtung: Zweck des Gestüts ist: 1. Erhaltung der edlen Pferderassen des 
Landes, die bisher abnahm. 2. Beschaffung von Militär-Eemonten bezw. 
Offizier-Reitpferden. 



376 



Amerika. 

Die vereinigten Staaten von Nordamerika. 



Bundesdistrikt Columbia. Distrikt Kentucky. 

Name des Gestüts: Alexander-Farm in Kentucky. 

Besitzer: 

Topographisches: Kentucky's Hauptnahrungsquellen sind: Mais-, Tabak-, 
Weizen- und Hanfbau, Bergbau auf Steinkohlen und Eisen, Salzgewinnung 
und Maulthierzucht. Die Mitte des Landes ist überaus schön; der 
Garten von Kentucky genannt. 

Geschichtliches: Genanntes Gestüt ist eine bedeutende Pferdezucht-Farm; 
hier steht die berühmte Traberstute Maude S., welche mit der Urkunde 
2 : 8^4 lange das Weltrecord hielt. (Grassmann.) 

Das Gestüt verkaufte 1886: 3 junge Hengste für 320000 Mark, 
17 Stuten und Fohlen zu 125000 Mark; 1889: 48 verschiedene Pferde 
— nach Grassmann — zu 480000 Mark. Hieraus lässt sich entnehmen, 
dass die dortige Zucht eine sehr werthvolle ist. 

Bundesdistrikt Columbia. Distrikt Kentucky. 

Name des Gestüts: 

Ashland -Park Stock- Farm (Ashiand-Gestüt). 

Besitzer: Mr. Mc. Dowell. 

Topographisches: Bezeichnetes Gestüt liegt von der Stadt Lexington südöstlich 
und mehrere Meilen von der Stadt Frankfort am Kentucky-Flusse entfernt. 

Geschichtliches: In genanntem Gestüt deckte der 1863 geborene Traber- 
hengst Dictator gegen eine Deckgebühr von 500 Dollars; dieser Hengst 
wurde, 21 Jahre alt, für 2500 Dollars für das Gestüt angekauft. Obiger 
Besitzer hat an Mr. B. J. Treacy gegen 800 Acre, behufs Gründung eines 
ähnlichen Gestüts, von seinem Areal verpachtet. 1889 zählte dieses Ge- 
stüt über 200 Pferde, darunter 130 Stuten. 



377 



Register A. 



Namen-Verzeichniss der Gestüts- Inhaber. 

(Die Zifiern verweisen auf die Seitenzahlen.) 



Abba Pascha 374. 

Achilles 65. 

Ackerbauministerium, K. ung. 276. 287. 

Adam, Frau v. 274. 

Adolph Friedrich von Schweden 351. 

Aehrenthal, Frhr. v. 163. 

Albrecht, Erzherzog 282. 298. 

Alexander I., Kaiser von Russland 355. 

Almäsy, Graf 251. 265. 

Andrässj, Graf 262. 

Appel, Gebr. v. 281. 

Apponyi, Graf 144. 264. 294. 

Aribert, Prinz von Anhalt 1. 

Arnim, Rittmeister v. 7. 

Auersperg, Fürst 165. 

August, Kurfürst von Sachsen 23. 

August der Starke 21. 

Augustenburg, Herzog Christian von 86. 

Aweiden 60. 

Balogh, V. 321. 

Bai, Stanisl. Ritter v. 192. 

Baldacsi, Frhr. v. 271. 

Baltazzi, Ai-ist. v. 177. 

Banffy, Graf 266. 267. 282. 313. 315. 317. 

319. 320. 
Bardt, Anna 83. 
Baschkiren-Gestüt 373. 
Bassewitz, Graf v. 109. 111. 
Batthyany, Graf 249. 260. 263. 264. 
Baworowski, Graf Wenzel 186. 206. 

— , Graf Wlad. 208. 209. 
Bayern, König von 131. 
Beldi, Graf 305. 314. 
Belowodski 373. 
Beleznay, Graf 251. 
Benediktiner der Tihany-Abtei 285. 
Bentinck, Lord 261. 327. 
Berg, Gust. Frhr. v. 279. 
Berchtöld, Graf v. 174. 
Bethlen, Graf 228. 263. 266. 267. 302. 

306. 309. 316. 323. 324. 
Bethmann, Frhr. v. 149. 166. 265. 
Bielski, Graf Julius 192. 
-, Graf Slanisl. 200. 



Blenkiron 346. 
Blaskovits, v. 130. 
Bogusz, Ritter v. 218. 
Boch, Gommerzienrath 28. 
Bogucki, Ladisl. Ritter v. 189. 
Bohlen, v. 53. 

Bornemisza, Baron 300. 314. 323. 
Bölschwing, v. 72. 
Boxberg, v. 94. 
Braemer, A. 47. 
— , Heinr. 56. 
Brandes, Aug., Dr. 59. 69. 
Branicki, Graf 196. 226. 
Braun, v. 44. 
Branyicska, v. 312. 
Braunschweig, Herzog von 102. 
Breza, Graf 215. 
Breem, Max 112. 
Breda, "Vinc 330. 
Bruno 45. 

Breunner-Enckevoirth, Graf 145. 289. 
Brüdern, Frhr. v. 263. 303. 
Brunicki, Baron Severin 193. 
Bujack, Frau v. 38. 
Bülow V. Dennewitz 36. 
Burchard, H. 61. 
BurgsdorfF, v. 54. 58. 
Burmeister 115. 
Büxenstein, G. W. 1. 
Buquoy de Longueval, Graf 161. 

Calthorpe, Lord 343. 

Cavriani 243. 

Christian I., Kurfürst von Sachsen 94. 

Christian IV., Herzog der Pfalz 134. 

Christian V., König von Dänemark 350. 

Cienski, Lud. Ritter v. 204. 

Cikowsky, Ritter y. 190. 

Cisterzienser Abtei 291. 

Clark, A. H. 345. 

Coburg, Herzog von Sa.-Cob. 100. 283. 

Colloredo-Mansfeld, Fürst 171. 

Corvey, Fürst zu 17. 

Gramm, E., Frhr. v. 103. 

Crowther, James F. 848. 



378 



Namen -Verzeichniss der Gestüts - Inhaber. 



Csäky, Graf 324. 
Csekonics, Graf 264. 
Cumberland, Herzog von 89. 
Cywiriska, Frau Ign. 194. 
Czapodi, Paul v. 246. 
Czobör, Graf 243. 
Czartoryski, Fürst 284. 
Czindery 248. 

Dambski, Alex. Ritter v. 211. 

Daniel 300. 314. 

Debreczin, Stadtgemeinde 251. 

Degenfeld, Graf 268. 286. 

Delhaes, v. 79. 

Dembowski, Sigm. v. 199. 

Dennewitz, Bülow von 36. 

DessewfFy, Graf 275. 

Deutsch, Oberamtmann 34. 

Dewitz, V. 124. 

Diczay, Graf 258. 

Dierzer, Johann 149. 

Dietrichstein, Fürst v. 316. 

Dohna, Graf z^u 67. 

Dolänski, Stanisl. Eitter v. 217. 

— , Heinr. Ritter v. 224. 
Dönhoff, Graf Heinrich 33. 54. 
Donalies, Frau 32. 44. 
Donalitius 34. 
Döry, v. 128. 
Dowell, Mc. 376. 
Drechsel, Graf Max 128. 
Dubsky, Graf Guido 174. 
Dunin-Borkowski, Graf 197. 
Dziedusczycki, Graf 185. 193. 198. 210. 

214. 217. 225. 
Dzwönkowska, Frau v. 217. 

Eaton Hall 342. 

Erdödy, Graf Franz 263. 
— , , Cajet. 263. 

Ernest, Erzherzog 145. 

Ernst IL, Herzog von Sa-Coburg 100. 

Ernst Günther, Herzog zu Schleswig- 
Holstein-Augustenburg 16. 

Esterhäzy, Graf Anton 286. 

— , , Nicolaus 26. 295. 

— , , Michael 242. 286. 

— , , Moritz 295. 

— , „ Kasimir 242. 

-, Fürst 258. 260. 261. 277. 284. 

Eterpigny 340. 

Exeter, Lord 261. 

Fabrice, v. 142. 

Fahrenheit 51. 56. 65. 72. 

Falkenhausen, Frhr. v. 12. 

Fechtig, Baron v. 244. 245. 249. 263. 279. 

Fedorowicz, Thad., Ritter v. 209. 

Ferber, v. 116. 

Ferdinand d'Este, Erzherzog 201. 292. 

Festetics, Graf 248. 289, 296. 

Fohlenaufzucht-Verein f. d. Kgr. Sa. 95. 

Forgach, Graf Alex. 270. 



Forgach, Graf Stefan 271. 

— , , Josef 274. 

— , . Alfred 274. 

Franchetti 330. 

Franz, Kaiser von Oesterreich 243. 
Friedrich August, Kurfürst von Sachsen 

20. 93. 
Friedrich Carl, Prinz von Preussen 5. 
Friedrich Franz IL v. Mecklbg.-Schw. 108. 
Friedrich Wilhelm I. von Preussen 42. 
Friedrich Wilhelm IL von Preussen 78. 
Frohner, Joh. 289. 
Fürstenberg, Fürst zu 159. 

— , Landgraf Friedrich von 179. 
Fürsterzbischof v. Olmütz 179. 

Gargen 296. 
Gemmingen, Baron 283. 
Georg von Mecklenburg-Strelitz 121. 
Georg IL von Hannover 88. 91. 
Gerlach, Will. 57. 
— , Pächter 71. 
Gesellschaft Jesu zu Kapornak 253. 
Gestütsverwaltung, Preuss. 57. 
Ghyczy, Jos. v. 291. 
Gniewosz, Ant. Ritter v. 190. 
Goltz, V. d. 51. 
Gorayski, Ritter v. 222. 
Gorzecka, Frau v. 233. 
Gough, B. 22. 
Grabowski, Graf v. 356. 
Groeben, Graf v. d. 71. 
Guminski, Ign. Ritter v. 212. 
Gustav Adolf von Mecklbg.-Güstrow 108. 
Gustedt, Baron v. 50. 
Gutstedt, V. 76. 
Gutzeit-Gnie, C. 51. 
Györer Domkapitel 295. 
Gyulay, Graf 251. 

Haffner, v 352. 

Hadischi- Derwisch 297. 

Haller, Graf 322. 

Hahn, Graf v. 110 177. 261. 296. 356. 

Hardegg, Graf Dom. 147. 151. 

Hardegg-Harnoncour, Gräfin 144. 

Harkanyi, Karl 298. 

Hatzfeld-Trachenberg, Fürst 12. 

Harrison, J S. 341. 

Haugwitz, C. V. 120. 

Hawley, Jos. 349. 

Hecht, 32. 54. 

Heidenreich, Amtsrath 36. 

Heinrich, Graf von Lippe 105. 

Henckel v. Donnersmarck, Graf 17. 155. 

208. 226. 283. 
Henkel, v. 115. 
Hensche, Rob. 45. 
d'Herlincourt, Baron 340. 
Hillmann, Adolf 42, 65. 
Hinz, v. 62. 
Hochberg, Graf v. 13. 



Namen -Verzeichniss der Gestüts - Inhaber. 



379 



Hofärar, k. k. 157. 168. 
Hoffmann, v. 46. 

Hofgestüt, Hannoversches 89. 91. 
Homeyer, v. 10. 

Hohendorff, Erw., Ritter v. 195. 
Honriehs, Frhr. v. 173. 
Hoth, Otto 124. 
Hoya, Graf 91. 
Hoyos-Wenckheim, Graf 267. 
Hulimka, Alex v. 202. 
Hunyady, Graf 242. 244. 248. 261. 280. 
281. 284. 289. 303. 809. 

Jacobson, Jos. 111. 112. 

Jankovich, Besan Gyula 248. 265. 280. 

— , Elemer 325. 

— , Ladisl. 326. 
Janosz, Isidor, Ritter v. 233. 
J'Anson, Miles 344. 
Janson, v. 61. 64. 
Jantzon, Wilh. 52. 
Jastrz^bski, Ritter v. 223. 
Ibrahim Pascha 147. 
J^drzejowicz, Franz, Ritter v. 208. 

— , Marian, Ritter v. 213. 214. 

— , Stanisl., Ritter v. 214. 
Illeshazy, Graf 258. 264. 
Ilowaiski, v 370. 
Inkey, Anton v. 245. 246. 285. 
Johann Friedrich, Herzog von Wtbg. 138. 
Johann Albrecht von Mecklenburg 116. 
Johann Georg III., Kurfürst v. S. 21. 24. 97. 
Johnen, Wilh. 29. 

Josef II , Kaiser von Oesterr. 151. 237. 254. 
Josef, Erzherzog 269. 
Jozsika, Baron 308. 
Irsay de Irsa, Stephan 200. 
Jungschulz -Roebern, v. 67. 
Justinus 244. 

Kapri, Baron Andr. 234. 

Karätsonyi, Lad. v, 269. 

Karl VI., Kaiser 298. 

Karl, Erzherzog 157. 

Karl August, Herzog von Sachs.-Weim.98. 

Karl X. von Frankreich 333. 

Karl X. von Schweden 351. 

Käroly, Graf 242, 272. 

Käswurm, Joh. 30. 46. 59. 63. 

Katharina II. von Russland 368. 

Kaunitz, Fürst 4. 

Keibel, Oekonomierath 5. 

Kemeny, Graf 300 317. 

Keresky, Frhr. v. 301. 

Kessel- Zeutsch, Frhr. v. 16. 

Kettenburg, Frhr. v, d. 113. 

Keudell, v. 51. 56. 354. 

Keyserling, Graf v. 30 

Kicki, Graf 217. 

Kinsky, Graf Zdenko 162. 

— , , Octavian 159. 

— , Fürst 162. 



Kierwinski, Ritter v. 221. 

Kisielewski, Ritter v. 220. 

Klebelsberg, Graf 300. 

Klein, Baron Wilh. 181. 

Kleist, Graf 3. 

Klukowsky, Baron v. 284. 

König von Italien 331. 

Korff, Baron v. 72. 

Krafft, V. 54. 

Kramsta, Premierleutnant v. 18. 

Krasinski, Graf 3. 355. 

Krause, Arno 68. 

Kreth, Oberamtmann 34. 

Kreutzberger, Rittmeister 37. 

Kriegsministerium, K. Preuss. 73. 

— , k. k. österr. 250. 
Kruszewski, Heinr., Ritter v. 191. 
Krzystofowicz, Ritter v, 195. 
Kund, Jenö v. 248. 

— , Vinc. V. 249. 
Kunheim, v. 60. 
Kurz, Franz 180. 

liamberg, Graf v. 251. 

Lang, John Dashwood 344. 

Lang-Puchhof, v. 130. 

Lanckoronski, Graf 186, 191, 209. 

Langen, Baron v. 115. 

Larisch - Moenich, Graf Heinrich 180. 

Läzar, Graf 299. 322. 

Lehndorff, Graf 4. 22. 72. 183. 

Leitner 63. 

Lengnick 52. 

Leopold von Lothringen 243. 

Lewantowski 212. 

Lewicki, Graf 185. 188. 201. 206. 217. 

Levetzow, Ludw. v. 119. 

Liechtenstein, Fürst von 146. 163. 173. 

225. 243. 
Lippe- Detmold, Fürst von 105. 
Livländische Ritterschaft 357. 
Löbach, Oberamtmann 36. 
Lohausen, J., Frhr. v. 1.50. 
Longin von Lobos 210. 
London, Ernst Frhr. v. 178. 
Lubomirska, Fürstin 199. 
Lubomirski, Fürst Andreas 212. 217. 
Ludwig XIV. von Frankreich 334. 
Ludwig XV. u. XVI. von Frankreich 335. 
Lüdicke 121 

Ludwig Eugen, Herzog von Wttbg. 132. 
Ludwig, Herzog von Württemberg 138. 
Ludwig, Prinz von Bayern 292. 
Lüttwitz, Frhr. v. 15. 82. 
Lukäts, Nie. 278. 

Mac Dowell 376. 
Maecklenburg, H. 66. 
Majlath, Graf 290. 
Major, Amtsrath 62. 
Maltzahn, Frhr. v. 114. 
Märffy 279. 



380 



Namen -Verzeichniss der Gestüts - Inhaber. 



Markmann-Liclitabell 180. 

Marin, Gust. 226. 

Martin, Joseph 342. 

Maul 37. 

Maximilian L, König von Bayern 134. 

Maximilian IL, Kaiser 168. 

Mecklenburg, Grossherzog von 108. 

Meiningen, Herzog von Sa.-M. 99. 

Metearen, Trajan ,305. 

Metternich, Fürst 278. 

Michael, A. v. 122. 

— , Fr. v. 123. 261. 

-, Carl V. 125. 
Mikö, Graf 313. 
Mikos 300. 

Militär-Fiscus, K. Preuss. 81. 
Milner, M. A. 261. 
Mitessi 314. 
Mittrowsky, Graf 266. 
Modena, Herzog von 147. 
Moltke 121. 

Montrose, Herzogin von 130. 
Morawski, Wlad. Ritter v. 197. 
Morski, Graf 217. 
Morsztyn, Graf 216. 
" Mössinger 85. 
Müller, R. 60. 
Münster, Graf zu 93. 95. 
Myslowski, Ritter v. 183. 196. 206 327. 

Xäko, Graf 283. 

Nalepa, v. 216. 

Napoleon I. 134. 201. 334. 336. 

Napoleon III. 334. 

Nathusius, H v. 24. 

Negenborn 48. 50. 

Neumann, Alex. u. Louis v. 74. 

Neupauer, Anton, Ritter v. 165. 

Nicolaus Nicolai evritsch, Grossfürst 363. 

Nitzschwitz, He'inr. v. 95. 352. 

Nix, John 343. 

O'Hegerty, Graf Carl 148. 

Oppel 244. 

Oppenheim, Frhr. v. 26. 

Orloff, Graf 284. 318. 360. 363. 366. 369. 

— , Prinz 363. 
Osbaldeston, M. R. 261. 
Ostoia-Ostaszewski, Gas. Ritter v. 207. 
Otto, Erzherzog 149. 

Paget, John 301. 

Palify, Graf Paul 183. 

Pechy, Franz v. 251. 

Eejacsevich, Graf 327. 328. 

Peter der Grosse 368. 

Petersen 77. 

Philipps, Mr. 349. 

Plehwe, v. 47. 

Pless, Fürst v. 12. 215. 

Plessen, v. 113. 

Plessen-Ivenack, Graf v. 114. 338. 



Podlewski, Ed. Ritter v. 184. 
Podmaniczky, Baron 268. 
Poschinger, v. 131. 
Poniatovpski 205. 
Poninski, Fürst Kalixt 187. 
Potocki, Graf 197. 210. 
Prandau, Frhr. v 326. 
Pressentin, B. v. 63. 
Prizelius 107. 

Pückler-Muskau, Fürst 65. 136. 
Puteany, Baron 284. 
Puzena v. 182. 

Radäk, Baron 299. 

Radke 38. 

Ratibor, Herzog v. 17. 

Rauschning 46. 

Rautter v. 55. 63. 

Rawicz-Raciborski, Ed. Ritter v. 190. 

Redecker, Conr. v. 68. 

Redern, Graf W. 6. 

Redl, Baron v. 275. 

Reich, C. 78. 

Reiche, Ernst v. 82. 

Reinersdorff, v. 15. 

Renard, Graf 14. 18. 

Rieben, v. 125. 

Rieussec, Graf 338. 

Rohan-Guemenee. Prinz 160. 163. 164. 

Romaszkan, Jacob Frhr. v. 182. 

Romberg, v. 61. 

Rosebery, Lord .347. 

Rostoptschin 359. 361. 362. 366. 369. 

Rothschild, Baron 347. 

Rousselle, v. 40 

Rozwadowski, Graf 200. 

Rydel, Lad. Ritter v. 221. 

— , Roman Ritter v. 223. 
Rzewuski, Emir 186. 194. 196. 209. 244. 

Salacki, Felix v. 184. 

Saloschin, J. 1. 

Sauden, v. 56. 64. 

Sandor, Graf 273. 278. 

Sanguszko, Fürst 183. 194. 196. 201. 215. 

216. 217. 225. 366. 
Sapieha, Fürst Adam 198. 
— , , Ladisl. 208. 

Saucken, v. 58. 

Saucken -Tarputschen, v. 43. 65. 
Saurma- Jeltsch, Graf Carl 14. 
Scazighino, Felix Ritter v. 204. 
Schätzler, Frhn v. 129. 
Schaumburg -Lippe, Fürst zu 327. 
Schaunte, Christian 27. 
Schawaller 62. 63. 
Schirmer, F. 24. 
Schleicher, G. 121. 
Schlick, Graf 170. 

— , Oberamtmann 68. 
Schlieben, Graf 70. 
Schlielfen, Graf 119. 



Namen -Verzeicliniss der Gestüts -Inhaber. 



381 



Schmidtke, Oberamtmann 66. 

Scholz, G. 80. 

Schön, V. 71. 77. 

Schönberg, Baron v. 296 297. 

Schroeder, Dr. 110. 

Schultz -Lindicken 49. 

Schultz, V. 85. 

ScliAvanitz, G. 116. 

Schwarzenberg, Carl, Fürst v. 160. 216. 

-, Adolf Josef, Fürst v. 161. 
Schwerdtfeger, J. 87. 
Schwerin, Graf 122. 
Schwinck, Oberamtmann 48. 
Seckendorff, Frhr. v. 8.^ 124. 
Seilern, Graf Franz 178. 
Serwatowski, Theod. Ritter v. 187. 198. 
Siemenski, Graf 201. 202. 
Siemiginowski, Wlad. v. 205. 
Sieminski-Lewicki, Graf Wilh. 188. 
Siemonski, Lad. v. 225. 
Simpson-Georgenburg, v 45. 46. 
Simpson, v. 31. 40. 45. 
Sina, Joh., v. 252. 

— , Simon, V 147. 
Skibniewski, Ritter v. 219. 
Skrzyriski, Ritter v. 183. 216. 
Slonecki, Albin Ritter v. 203 

- , Joh. Dulk. Ritter v. 184. 
Smith, Henry 347. 
Somssich de Säard, Graf 247. 
Sozanski, Cölest. v. 207. 
Sperber 34. 85. 44. 49. 52. 
Spöring 88. 

Staatsgestüte: 

Anhalt 101. 

Bayern 126. 127. 128. 129. 132. 133. 

184. 135. 
Braunschweig 104. 
Dänemark 350. 
Elsass- Lothringen 143, 
Frankreich 388. 384 335. 336. 337. 

338. 839. 375. 
Hessen, Grossherzogthum 141. 
Italien 329. 331. 332. 
Lippe -Detmold 106. 
Mecklenburg -Schwerin 108. 116. 117. 
Oesterreich 151. 154. 155. 156. 167. 

170. 171. 172 227. 
Preussen 1. 2. 8. 7. 8. 10. 11. 12 19. 

20. 21. 22. 28. 25. 27. 81. 85. 36. 

38. 39. 42. 48. 69. 70. 71. 73. 74. 

75. 76. 77. 78. 79. 80. 81. 88. 85. 

86. 87. 88. 90. 91. 
Rumänien 373. 
Russland 855. 359. 360. 364. 365. 366. 

367. 368. 370. 372. 
Sachsen, Königreich 98. 94. 97. 
Sachsen -Coburg 100. 
Schweden -Norwegen 351. 352. 358. 
Ungarn 235. 287. 254. 276. 287. 801. 810. 
Württemberg 136. 137. 138. 189. 



Stabenow, Oberamtmann 66. 
Sternberg, Graf 164. 
Stojowski, Aug. Ritter v. 182. 
Stonecki,_ Ritter v. 203. 
Streeruwitz, v. 285. 
Street, Fred. 848. 
— , George 345. 
Streng, Chr. 133, 
Strossmayer, Bischof v. 826. 
Struberg 134. 
Strzalkowski, v. 186. 
Stubenberg, Graf v. 282. 
Stürz, V. 54. 
Stutterheim, v. 37. 
Swanwick 130. 
Szadnicki, Graf 206. 
Szäpäry, Graf 317. 
Szechenyi, Graf 247. 248. 250. 268. 273. 

294. 309. 
Szentpali, Ign. 819. 
Szilvasi, v. 319. 
Szluha, Emmer. v. 260. 
Sztaray, Graf 273. 

Tabaczynski, Ritter v. 219. 
Tamasy, Peter 320. 
Tarnowski, Graf Johann 211. 

— , Graf Zdistaw 213. 
Teleki, Graf 300. 302. 803. 304. 307. 314. 
Thiel, David 56. 
Thiele-Winckler, v. 120. 
Thoroezkay, Graf 302. 308. 
Thun, Graf 164. 166. 
Thurn u. Taxis, Prinz Egon 144. 164. 
Thuröczy, P. v. 312. 
Toldallagyi, Graf 805. 
Tolnay de Sellye, v. 313. 
Totenhöfer 55. 

Trabrenn-Gesellsch. Berlin-Westend 140. 
Treacy, B. J. 376. 
Treuenfels, Karl v. 111. 
Trzeciak, Dyon v. 210. 
Tschirschky-Renard, Graf v. 14. 18. 

Ujejski, Alex. v. 185. 

Vass, Graf 312, 324. 

Vegh, V. 247. 

Victor Emanuel von Italien 381. 

Victoria, Königin von England 341. 

Viczay, Graf 245. 253. 258. 275. 328. 

Voigt 58. 

Voss, Graf v. 119. 

Wagner, Friedr. 167. 
Waldstein, Reichsgraf v. 162. ^ 
— , -Wartenberg, Graf v. 287. 
Warkentin, v. 40. 
Warren-Lippit, v. 150. 
Warth, Baron 283. 
Wasilewski, Ritter v. 224. 
Wazieres, de 339. 



382 



Namen -Verzeichniss der Gestüts - Inhaber. 



Wedemeyer, Max v. 2. 
Webster, Hume 346. 
Weimar, Grossherzog von Sa.-W. 98. 
Weiss, Ltnt. a. D. 41. 
Welczeck, Frhr. v. 15. 
Wenckheim, Graf Friedr. 267. 
Werner 53. 56. 

Wesselenyi, Baron 262. 278. 287. 300. 302. 
307. 308. 309. 313. 314. 317. 323. 324. 
Westminster, Herzog von 342. 
Weymann 71. 
Wictor, Jos. Ritter v. 222. 
Wiede, Ernst 9. 

Wierzchlevski, Kasimir Ritter v. 193. 
Wien, Leonh. 109. 

Wilhelm L, König von Württemberg 136. 
Willamowitz-Möllendorif, Graf 6. 355. 
Wimpffen, Graf 147. 
Winkler, Adolf 148. 
Wlömer, Oberamtmann 35. 
Wodianer, A. v. 279. 
Wodzicki, Graf Ludw. 214. 



Wojciechowski, Ritter v. 220. 
Wolanski Nie. u. Erasm. Ritter v. 189. 205. 

— , Ladisl Ritter v. 206. 
Wolff, Stadtkämmerer 62. 
Wolverson, Lord 342. 
Wrede, Baron v. 357. 
Wrszowec-Rey, Graf M. 208. 
Wykowski, v. 225. 



iZadurowicz, Ritter v. 227. 
Zagörski, Eustach Ritter v. 184. 
Zaremba-Cielicki, Arth. Ritter v. 
Zarniko, Dr. Hans 30. 
Zerdahely, Graf 272. 
Zichy, Graf Alfred 258. 

— , ., Eman. 250. 

— , „ Johann 258. 260. 

— , „ Camino 258. 259. 274 

— , „ Neänder 258. 259. 
Zieliski, Graf 147. 
Ziemer, Wilh. 68. 
Zitzewitz, v. 74. 



190. 



383 



Register B. 



Verzeichniss der Gestütsorte. 

(Die Ziffern verweisen auf die Seitenzahlen; die fett gedruckten Zahlen deuten ausführliche 

Mittheilungen an.) 



Abafäja 300. 314. 
Abasie 96. 374. 
Acliselschwang 126. 
Adamowitz 17. 
Adand 246. 259. 
Adelsberg 157. 
Ahlden 92. 
Alexander-Farm 376. 
Alexandrowsk 368. 
Allstedt 98. 
Alsö-Jatto 242. 281. 
Altenstein 99. 
Alt-Golm 1. 
Alt-Haldensleben 24. 
Althof-Insterburg 59. 65.68. 
Altthiergarten 161. 
Amalienhof 54. 58. 
Angern 144. 149. 
Angerrapp 30. 56. 58. 65. 

68. 72. 
Anhalt'sches Landgest. 101. 
Annaberg 93. 
Annensky 359. 362. 
Ansbach 133. 
Arendsee 19. 
Ashland-Park Stock-Farm 

376. 
Augsburg 132. 
Augustenburg 86. 
Aurillac 337. 

Bäbolna 4. 96. 135. 154. 

210. 228. 237. 248. 252. 

254. 260. 261. 278. 287. 

291. 293. 296. 
Baböcsa 247. 
ßachörz 183. 
Bajna 287. 
Bakta 286. 
Baiice 219. 
Baranöw 217. 
Bärenklau 1. 
Barwald 225. 



Basedow 110. 112. 119. 177. 

261. 356. 
Bassow 123. 

Beberbeck 4. 7. 83. 98. 123. 
Bec 255. 
Belovodsk 360. 365. 866. 

367. 368. 
Benatek 162. 164. 
Benediktbeuren 128. 
Bere:ny 279. 
Beresztelke 317. 
Bergstetten 131. 
Besko 190. 

Bethlen Szent Miklos 302. 
Bethlen 316. 
Bielau 12. 
Bistritz 178. 

Bontzhida 317. 318. .322. 
Bleesern 21. 
Boulonnais 339. 340. 
Blücher 120. 
Boronka 248. 
Borsa 315. 
Borschütz 21. 
Brakupönen 77. 
Braunsberg 76. 
Braunschweig 104. 
Brenta 330. 
Broock 8. 124. 
Brodda 352. 
Bronnitzky 368. 
Brzczany 205. 210. 
Buchlau 174. 
Bucniöw 187. 198. 
Bücken 91. 
Burgberghof 180. 
Bützow 118. 
Buylien 45. 46. 
Buzas-Besenyö 312. 

Calania 329. 
Callenberg 100. 
Camazzole 330. 



Caroliuenhof 289. 
caslau 167. 
Celle 88. 113. 
Chlopy 191. 
Chlumetz 159. 165. 
cimelitz 160. 
Colcham 130. 
Chorobröw 191. 
Chorostköw 188. 201. 
Chorzelow 211. 
Chränowo 363. 
Coethen 101. 
Cottingham 341. 
Cosel 10. 
Corvey 17. 
Crema 329. 
Csicso 237. 

Csokonya-Kälmäncsa 248. 
Czabuna 326. 
Czaky-Garbö 312. 
Czarnokorice wielki 189.205 
Czecze 260. 
Czerepkontz 233. 
Czernietow mazowiecki 

184. 
Czerwonogrod 187. 
Czndec 222. 
Czortowice dolny 190. 

Dabrowa 220. 
Dalwitz 111. 113. 
Darmstadt 141. 
Datos 313. 
Debno 223. 
Debreczin 251. 
Dees 301. 315. 
Degesen 32. 
Denysöw 185. 
Derekegyhäza 242. 
Derkulsk 365. 367. 368. 
Dessau 101. 

Deutschleuten 176. 180. 
Deutsch -Weichsel 12. 



384 



Verzeichniss der Gestütsorte. 



Djakovo 326. 
Dillenbiirg 85. 
Dohlen 19. 21. 
Döhnhoffstädt 46. 
Dombowär 128. 
Dombrowo 354. 
Dömitz 116 
Doristhal 56. 65. 
Dornheim 141. 
Drag 309. 
Dubaniowice 193. 
Duna Abony 258. 259. 
Duna Szent Päl 252. 
Düppel 5. 
Dwarischken 47. 
DylQgöwka 213. 
Dziküw 213. 

Edeleny 275. 

Elesd 261. 

Elöszabis 259. 264. 291. 

Enyed 169. 243. 

Esterhäzy 259. 

Eterpigny 340. 

Fahrafeld 147. 
Faisz 249. 
Fechtig-Gestüt 245. 263. 

279. 
Feldsberg 174. 
Fenek-Kesztely 296. 
Ferdinandshof 8. 
Ferrara 329. 
Fiatfalva 313. 
Flyinge 351. 352. 
Fogaras 290. 310. 
Folyfalva 313. 
Foth 242. 
Frauenau 131. 
Frauendorf 260. 
Frederiksborg 350. 
Friedrichstein 33. 
Friedrich Wilhelm-Gestüt 

zu Neustadt a. D. 3. 5. 

7. 11. 20. 21. 84. 124. 

185. 138. 141. 211. 
Fürstenfeld 127. 

Oäbersdoi-f 18. 
Gadow 6. 
Gälfalva 313. 
Ganzkow 123. 125. 
Garbo 312. 
Gawrilow 368. 
Gecseny 263. 
Georgenburg 31. 40. 42. 

45 46. 109. 
Gerend 300. 
Gerskullen 35. 
Gernyeszeg 303. 314. 317. 
Gielgudyszki 30. 51. 354. 
Gliny wielky 221. 



Gmunden 149. 
Gnesen 80. 
Göding 243. 
Gödöllö 147. 
Göresön 262. 308. 
Göritten 34. 46. 
Gorki 221. 223. 
Görlsdorf 6. 132. 
Görgeny 323. 
Gotha 100. 
Grabentin 34. 
Grabownica 207. 
Graditz 4. 7. 9. 11. 20. 21. 

23. 25. 72. 75. 81. 97. 

112. 113. 131. 
Grafenegg 145. 
Gratzen 161. 
Grauden 34. 
Gr^böw 224. 
Gromnik 217. 219. 
Gropana 234. 
Gross-Luckow 178. 
Gross-Bunn 309. 
Gross-Gievitz 119. 
Gross-Markow 119. 
Gross-Strehlitz 15. 18. 
Gross-Waldeck 37. 
Grove, the 347. 
Grünhotf 36. 
Grünweitschen 35. 
Grumkowkaiten 36. 46. 
Gudwallen 39. 75. 
Güterstein 137. 1-39. 
Gumniska 215. 
Gustavshof 12]. 
Gwozdziec 182. 
Gyarmath 278. 295. 
Gyeres- Szent Kirely 308. 
Gyöngyes 303. 

Hadrec 319. 

Hadad 262. 307. 813. 317. 
Halbthurm 298. 
Hampton Court 341. 
Hard 260. 
Harzburg 102. 177. 
Hatynkowce 190. 
Hatzfeld 264. 
Heinrichswalde 33. 
Helle 116. 
Hennersdorf 181. 
Hensels 67. 
Hermanniestec 162. 
Herrenhausen 87. 88. 89. 

90. 92. 96. 98. 
Hessisches Landgestüt 141. 
Hevdetrug 38. 
Highfield House 342. 
Hnilice 198. 
Hochlindenberg 37. 
Hochwald 179. 
Högyesz 264. 



Hohenaul46. 174.176.211. 
Hohenfelde 109. 
Holics 243. 
Holwood House 343. 
Homoröd 301. 
Horodenka 182. 
Horozanka 195. 
Hortobägy 251. 
Hostazow 165. 
Hosszuret 262. 
Hoszszfalva 807. 
Hosztovitza 265. 
Hugyaj 275. 
Hunnesrück 87. 90. 
Hunyady 261. 263. 278. 

Jägerspriis 350. 
Janow 355. 
Janufka 178. 
Jarczowice 192. 193. 194. 

198. 204. 210. 214. 224. 
Jasczew 182. 183. 
Jasionka 214. 
Jaslo 219. 
Jezierzany 198. 
Jezupol 193. 194. 204. 205. 
Iharos-Bereny 245. 246. 
Ihlenfeld 119. 122. 123. 

125. 261. 
Ikreny 251. 
Ilawzanska 167. 
Insterburg 39. 69. 70. 
Ireg 245. 253. 258. 328. 
Jonasthal 42. 
Juckeln 59. 
Juditten 59. 
Julienfelde 58. 65. 
Julienhöhe 50. 
Jurenak 261. 
Jurgaitschen 74. 
Ivenack 5. 82. 114. 116. 

119. 121. 128. 338. 
Jurowce 184. 
Ivan 250. 

Iwerne Minster 342. 
Izydorowka 198. 

Kadolz 144. 
Kalinestie 226. 233. 
Kaikreuth 21. 94. 
Kamenetz-Podolsk 359. 
Kanoten 63. 
Kanzlerhof 128. 
Kapornak 253. 
Kapuvär 279. 
Kastroma 860. 
Kattenau (Privatgestüt) 62. 
,, (Remontedepot) 76. 
Katterun 46. 
Kemencze 270. 274 
Kempa 13. 



Verzeichniss der Gestütsorte. 



585 



Kendi-Löua 307. 
Kentucky 375. 
Kerellö Szent Pal 322. 
Keresd 306. 324. 
Kerles 266. 
Kerrin 62. 
Kessi 244. 245. 
Ketegyhäza 265. 
Khoroschef 368. 
Khrenowoye 359. 360. 363. 
Kieselkehmen 61. 
Kigyös 267. 
Kinderhof 61. 
Kiräly-Telek 275. 
Kirchschlag 245. 263. 
Kis Bikats 269. 
Kis Harta 268. 
Kis Jenö 269. 
Kis Kartal 268. 
Kisber 149. 176. 177. 204. 

235. 238. 253. 254. 261. 

268. 276. 291. 295. 298. 

328. 330. 356. 
Kladrub 160. 165. 168 170. 

171. 177. 179. 243 244. 

248. 250. 265. 308. 326. 
Klebanöwka 209. 
Kleefeld 115. 
Kleegestüt 108. 
Klein-Gnie 51. 
Klein-Luckow 5. 
Klein-Belitz 115. 
Klein-Hohenheim 136. 
Klenz 111. 
Kleszowen 52. 
Klingenhof 132. 138. 
Klockow 117. 
Knowle 344. 
Kochanowka 200. 
Kokelburg 306. 
Kollnitz 154. 
Kolodziejöwka 184. 
Kondoros 266. 
Königsfeld 95. 352. 
Koniuszki 203. [254. 258. 
Koptschan 169. 243 244. 
Koppjind 317. 
Kopidlno 170. 
Kornalowice 207. 
Koropiec 183. 189. 196. 

206. 211. 327. 
Korszylowka 186. 
Körös-Ladany 267. 
Kosienice 199. 
Koszylowik 205. 
Köthen 101. 
Krafthagen 54. 
Krechowice 184. 
Kreutz 19. 
Krey schau 21. 
Krinetz 166. 181. 265. 
Krusinn 52. 

Bräu er, Gestüte. 



Krzywe 186. 
Kunstadt 173. 
Kurowice 197. 
Kyselov 163. 

liaband 15 

Labes 7. 

Lablaken 50. 

Labod 250. 

Ladegaard 350. 

Laggarben 67. 

Lamgarben 68 

Läna 159. 

Landshut 129. 

Lang 258. 260. 274. 295. 

Lange 102 

Lanwades Stud Farm 343. 

La Roche-sur-Yon 338. 339. 

Laucin 164. 

Lauvenburg 27. 

Lengyeltöty 245. 279. 

Lenken 49. 

Lenschow 82. 

Leopoldshof 284. 

Le Pin 334. 

Leubus 11. 

Leybourne 349. 

Liesken (Zuchtgest.) 48. 50. 

, (Remontedepöt) 77. 
Lilienhof 140. 
Lindenau 2. 4. 19. 24. 
Limarevo 365. 370. 
Lindicken 49. 
Linz a. D. 148. 
Lipniki 200. 
Lipöt major 284. 
Lippe'sches Hofgestüt 105. 
Landgestüt 106. 
Lippiza 152. 157. 168. 181. 

184. 206. 222. 224. 228. 

'244. 254. 263. 265. 275. 

280. 290. 304. 310. 325. 

326. 
Lissa i. B. 163. 165. 
Lissitz 174. 
Lopshorn 105. 
Louisenhof 12. 215. 
Loyden 50. 
Lubasz 218. 
Lubosch 83. 

Magieröw 202. 

Mahas-Näza 242. 

Maidenten 43. 

Malton 344. 

Marbach 133. 137. 138. 139. 

357. 
Marczali 247. 249. 250. 263. 
Marden Beer Park 346. 
Mariahall 85. 
Marien-werder 78. 
Markartzhof 29. 



Markuszowa 224. 
Masik 357. 

Matgendorf 111. 113. 
Matjushaza 292. 295. 
Mattischkehmen 42. 
Matzdorf 125. 
Mauenwalde 53. 
Maulden 345. 
Medunischken 38. 
Megyesfalva 299. 322. 
Memsen 87. 90. 91. 92. 
Mentmore 347. 
Merseburg 21. 23. 
Mertensdorf 51. 
Mettlach 28. 
Meudon 333. 
Mezöhegyes 135. 147. 154. 

167. 228. 237. 248. 251. 

254. 264. 267. 276. 280. 

282 284. 286. 291. 293. 

298. 303. 310. 
Mezö-Keszi 281. 
Mezö-Mehes 305. 
Middle Park 346. 
Mielnica 197. 
Mierendorf 112. 
Mikeszasza 299. 
Mildenitz 122. 
Milluhnen 44. 
Miltzow 124. 
Mirfield 348. 
Miserau 13. 
Mittelsteine 15. 
Mizyniec 199. 
Moczydlo 3. 355. 
Moderöwka 222. 
Mondzielöwka 195. 
Moritzburg 93. 122. 
Morsitz 292. 
Moulton Eaugate 345. 
Muhlack 53. 
München 127. 
Murau 161. 
Mycow 202. 

5iad-Udvar 271. 
Nagy-Almäs 324. 
Nagy-Czeg 320. 
Nagy-Dorog 273. 
Nagy-Ertse 305. 
Nagy-Ikland 302. 
Nagy-Kärolyi 272. 
Nagy-Körös 276. 
Nagy-Lang 259. 
Nagy-Mihaly 273. 
Nagy-Szaläncz 271. 274. 
Napagedl 149. 177. 178. 
Negostina 234. 
Nemoschitz 162 167, 211. 
Nettienen 40. 
Neuaigen - Grafenegg 145. 
289. 

25 



386 



Verzeiclmiss der Gestütsorte. 



Neubleesern 20. 21. 
Neudau 155. 156. 
Neuensund 7. 
Neuhausi.Sollmg87.90.102. 
Neuhaus 24. 
Neuhof 8. 131. 
Neuhof-Ragnit 42. 73. 
Neuhof i. Mähren 146. 173. 
Neustadta. D. 2.3.5 7. 11. 

15 20 21. 84. 109. 121. 
Neustrelitz 121. 
Neutreptow 8. 
Neu-Ulrichstein 141. 
Nienover 92. 
Nimburg 161. 
Ninino 82. 
Niziny 223. 
Nordenthal 42. 65. 
Nordholz 88. 89. 
Nordkirchen 26. 181. 
Northeim 92. 
Nosöwka 211. 
Nowischken 47. 
Nowo - Alexandrowsk 367. 

370. 
Nucet 373. 
Nyir 145. 
Nyir-Bakta 268. 

Ober-Scheroutz 227. 

Ober-Stradam 15. 

Obräzsa 262. 

Oelber 103. 

Oelsnitz 95. 

Ohät 251 

Okno 204. 

Olesza 197. 

Oleszyce 203. 

Olschowa 14. 18. 

Opotschna 171. 

Orenburg 372. 

Oreylak 280. 

Ossiach 152. 154 155. 156. 

Ossovrce 194. 

Ö-Szöny 274. 

Ottenby 352. 

Ozora 2.52. 260. 277. 287. 

Pakhrino 368. 
Palfa 294. 
Palmanova 332. 
Panka 233. 
Patosfa 247. ' 
Paudritzsch 21. 97. 
Pauszowka 205. 
Pawlosiöw 201. 202. 
Perbenyik 290. 
Perkallen 78. 
Perpignan 337. 
Persano 332. 
Persenbeiig 149. 
Pervat 285. 



Perwalkischken 41. 
Piber 151. 211. 228. 
Pieragienen 46. 
Pilsen 170. 
Piotrkowice 79. 
Pirad 291. 
Pisa 331. 
Pisek 172. 
Plicken 45. 
Podleszany 215. 
Podolsk 359. 
Pody 363. 
Poggelow 110. 
Pogrimmen 45. 
Polyän 319. 
Pompadour 335. 
Ponte di Brenta 330. 
Popiollen 40. 
Potschinky 360. 368. 
Prag 170. 
Prebberede 109. 
Prestanegg 157. 
Preussisch-Mark 48. 
Preussisch-Stargard 48. 
Preverbeck 83. 
Primkenau 16. 
Prökuls 44. 
Prowalje 370. 
Przeclaw 208. 
Przewoziec 204. 
Przybzszövka 217. 
Pstragowa 224. 
Puchhof 130. 182. 
Pula 235. 
Puspei-n 46. 63. 

fCaake 16. 
Räbapatona 295. 
Rabensteinfeld 108. 
Radbruch 91. 92. 
Radautz 129. 152. 167. 199 

204. 214. 217. 219. 224. 

227. 233. 293. 316. 
Radnöth 302. 
Raggendorf 145. 
Ragnit 42. 
Ramelow 124. 
Ranzin 10. 
Rastenburg 37. 39. 51. 70. 

76. 
Rasztina 275- 
Rautenburg 30. 
Redefin 108. 109. 115. 117. 
Reez 113. 

Repin 160. 164. 165. 
Repitz 19. 21. 22. 23. 
Rif 171. 

Roche-sur-Yon 338. 339. 
Rodez 337. 
Rohrenfeld 96. 131. 
Romolkwitz 17 
Rosieres 135 255. 337. 



Rossitz 162. 
Rozbitek 82. 
Ruma 328. 
Rychcice 192. 
Rzepince 206. 

Sababurg 83. 

Saint Lo 335. 

Saintes 339. 

Salgötska 165. 281. 

Sanditten 70 

San Rossore 331. 

Santa Maria Cabua Vetere 

329. 
Saromberke 303. 314 
Sarpatak 304. 314. 
S&YViir 264. 292. 
Sätoristye 282. 
Schabernack 27. 
Schakenhof 76. 
Scharnhausen 96. 136. 
Schavernach 27. 
Schieissheim 126. 
Schlenderhan 26. 
Schlieffenberg 119. 
Schlodien 67. 
Schönbruch 72. 
Schönhausen 5. 122. 123. 
lönk 

145. 
Schönrade 2. 
Schrengen 68. 
Schromi)ehnen 66. 
Schwabing 129. 
Schwaiganger 127. 128. 
Schwandorf 133. 
Schwansfeld 71. 
Seefeld-Kadolz 144. 
Schuschitz 165. 166. 
Serniki 356. 
Settin 116. 
Siemianowitz 155. 
Siemichow 216. 219. 
Sitz 357. 

Skopine 362. 868. 
Slawuta 152. 201. 211. 366. 
Smolensk 364. 
Sommersham Park 348. 
Speck 120. 
Sperling 38. 
Stadl 211. 
Stannaitschen 71. 
Stawczany 193. 
Steinort 54. 72. 112. 
Strassburg i. E. 143. 
Streletsk 365 366. 370. 
Strömsholm 353. 
Strusöw 208. 209. 
Stuhlweissenburg siehe 

Szekesfehervär. 
Stuttgart 138. 
Stupiec 220. 



Verzeichniss der Gestütsorte. 



387 



Sufczyn 225. 
Sujewka 371. 
Sworeschau 161. 
Szamosfalva 312. 
Szanto 285. 
Szczucin 212. 
Szekelyhfd 282. 
Szekesfehervar 277. 287. 
Szent Andras 321. 
Szent-Groth 263. 298. 
Szent-Michäly 291. 
Szent-Miklös 283. 302. 
Szent Pal 322. 
Szepsi- Szent -Györgi 274. 

301. 
Szirgupönen 46. 74. 
Szniczne 284. 
Szökefalva 301. 

Tallös 286. 

Tambow 364. 

Tapiau 77. 

Tapio Szent-Marton 130. 

Taplacken 66. 

Tarnöcza 250. 294. 

Tarputschen 43. 58. 65. 68. 

Tauern 155. 

Tauröw 210. 

Taus 170. 

Teglas 286. 

Theresienstein 80. 

Thersovatz 280. 325. 326. 

Thurnisch 150. 

Tiaret 375. 

Tillysburg 148. 

Tisza-Czege 271. 274. 

Tollmingkehmen 30. 



Torgau 23. 
Torgel 357. 
Torskie 205. 
Totis 26. 149. 295. 
Trachenberg 12. 
Trakelmen 4. 5. 7. 9. 11. 

20. 30. 31. 33. 34. 35. 37. 

39. 41. 43. 44. 45. 46. 

47. 48. 49. 51. 52. 54 

55. 57. 60. 61. 63. 64. 

65. 67. 69. 71. 72. 75. 

76. 78. 81. 82. 112. 122. 

123. 134. 136. 226. 
Tschesmenka 363. 
Trausen 64. 
Traventhal 86. 122. 
Tulln 147. 
Tussainen 56. 64. 
Tuliglowy 192. 
Tworkau 14. 
Tyczyn Biala 214. 

Ueregk siehe Ireg. 
Urmeny 244. 252. 281. 
Uyska 173. 

Vacs 283. 

Valaszut 262. 313. 318. 

319. 
Veröcze 327. 
Vessra 19. 21. 23. 
Villeneuve-sur-Lot 336. 
Viroflay 338. 
Vorder-Bollhagen 115. 
Vornbach 129. 
Voronovo 359. 



"Waisenau 155. 
Waldsteinruhe 162. 
Walterskehmen 57. 
Wandlacken 55. 
Wangotten 56. 
Warendorf 25. 
Wartin 9. 
Weedern 74. 
Wehrse 12. 
Weil 96. 136. 162. 
Weissenbach b. Liezen 150. 
Wendelstein 20. 21. 22. 
Wensin 87. 
Wickrath 27. 
Wielka-wies 206. 
Willkamm 55. 
Wirsitz 81. 
Woleschnik 161. 
Woronowo 359. 
Wröblowice 219. 

Zala-Szent-Groth 298. 

Zalesie 212. 

Zasmuk 164. 

Zella 21. 97. 

Zinkendorf 249. 

Zirke 7. 79. 80. 81. 82. 

Zsibo 262. 287. 301. 302. 

807. 308. 309. 313. 322. 

323. 
Zschorna 94. 130. 177. 
Zselez 145. 289. 
Zsomboly 264. 
Zurawce 208. 
Zützen 3. 
Zveretic 162. 
Zweibrücken 134 255. 337. 



25* 



388 



Register C. 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere 

(Beschäler, Deckhengste, Mutterstuten etc.). 



(Die Ziffern verweisen auf die Seitenzahlen.) 



~i 



Abassa 179. 

Abbes 313. 

Abdala 49. 

Abdel Kader 223. 

Abdul Aziz 238. 239. 

Abellino 202. 

Abeye 249. 

Abiat 194. 197. 230. 

Abonnent 177. 

Aboukir 192. 

Abu Ar^ub 238. 240. 

Abuchail 194 197. 

Abuchel 185. 

Abugress 230. 232. 240. 

Abuleli 223. 

Abus 152. 

Achil Agya 296. 

Achilles 189. 

Achmar 293. 

Achmet 121. 201. 202. 297. 

Addis 28. 

Adel 196. 316. 

Adieu 236. 

Admiral 41. 143. 335. 

Adonis 61. 84. 294. 

Adrast 116. 

Adria 144. 

Adrienne 42. 45. 

Adulta 122. 

Aemilius 333. 

Aga 231. 232. 240. 297. 

Aghil-aga 193. 230. 

Agitator 133. 

Agnes 3. 211. 355. 

Alarich 67. 121. 

Alarm 270. 

Alaun 123. 

Albion 217. 

Alborac 302. 

Alces 224. 

Aleides 21. 

Alconburv 104. 

Alcor 281. 



Alcor Tajar 284. 

Alep 200. 

Aleppo 296 

Alexander 261. 288. 302. 

Alexandra 226. 

Alexine 15. 

Alexis 15. 

Alfons 200. 

Alfonso 347. 

Alfort 222. 

Alhabi 194. 

Alhade 114. 

Alhambra 88. 

Ali 218. 

Ali Bey 277. 

Alice 42. 283. 

Alicia 41. 

Alina 284. 

Alkan 185. 

Allahor 20. 

Allbrook 236. 

AUegro 49. 

Allinor 122. 

Almansor 288. 

Almond 117. 

AI Raschid 77. 

Altyre 342. 

Amara 271. 274. 

Amaryllis 271. 

Amati 230. 254. 257. 

Amber 85. 

Amboldo 7 

America 330. 

Amor 21. 

Amore 168. 

Amurath 4. 239. 

Anabis 359. 

Anaze 238. 240. 

Anchor 103. 160. 355. 

Andaluso 288. 303. 

Andred 73. 331. 

Andromeda 282. 

Anearanthus 271. 



Angelus 330. 

Anna 15. 280. 333. 

Anna Boleyna 286. 

Annie Day 181. 

Anonyraa 177. 

Anselm 88. 

Anselma 29. 

Antar 165. 

Antarka 216. 

Antigone 17. 

Antimony 53. 

Antonius 199. 224. 

Apollyon 103. 

Apropos 356. 

Arabi 285. 

Arcadian 177. 

Argo 185. 

Ariel 125. 272. 

Aristodemus 17. 

Aristokrat 219. 

Armadale 274. 

Armidor 300. 323. 

Armin 150. 

Arminius 121. 

Armitage 261. 

Aron 282. 

Arpäd 211. 

Arrogante 181. 271. 274. 

Artagnan 15. 270. 

Artesia 16. 

Arthur 184. 

Arus 284. 

Aschenbrödl 285. 

Askol 202 

Aspirant 95. 130. 132. 177. 

Asslan 232. 241. 261. 308. 

Asthley 20. 

Astonishment 103. 

Atheist 187. 

Atherton 28. 

Athol 130. 137. 270. 331. 

342. 346. 347. 
Atlas 83. 298. 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



389 



Attila 117. 

Atty 4. 20. 21. 89. 59. 72. 

119. 124. 
Aubry 154. 
Augustus 7. 91. 
Aunt Sally 270. 
Aura 73. 

Auraranthus 274. 
Aurora 271. 274. 
Austin 117. 
Avatar 197. 
Aventure 331. 
Azet 158. 192. 194. 230. 

Babel 82. 
Babelsberg 66. 
Baby 177. 202. 
Bachua 4S. 46. 59. 84. 
Bagdad 182. 186. 192. 197. 

210. 214. 222. 
Bagdady 68. 239. 
Bajan (siehe O'Bajan). 
Bajazid 190. 
Bailirapta 20. 
Bairactar 136. 
Bairacte 239. 
Bajtars 286. 
Baka 286. 
Balaban 361. 
Balaclava 1-32. 
Bandit 1. 
Bannerträger 75. 
Bapinalka 284. 
Bar 218. 
Baranowa 284. 

Barbara 160. 

Barbeblanc 91. 

Barberino 228. 

Barefoot 27. 

Barfüsslein 27. 

Barna 248. 

Barometer 273. 

Baroness 208. 

Barrosa 338. 

Bars 361. 362. 

Baruth 54. 

Basar-Lise 43. 

Basboinik 266. 

Bascha 189. 194. 200. 

Basedow 103. 

Basis 29. 

Baspra 68. 

Basra 59. 65. 

Basza (siehe Bascha). 

Bator 267. 

Bayard 21. 

Bayrut 189. 

Bazaine 84. 

Beandessert 180. 

Beauclerc 118. 344. 

Beauty 346. 

Bedavy (siehe El Bedavy), 



Bedue 263. 

Beduin 296. 

Beifort 59. 

Belisar 265. 

Bella Donna 122. 333. 

Belle Alliance 58. 

Bellewstown 189. 

Bellona 122. 

Belo 323. 

Beltair 169. 

Belus 82. 

Ben Azet 158. 192. 194. 

230. 
Ben Bagdad 214. 
Bendigo 26. 
Bend Or 204. 342. 
Bengali 298. 
Benhur 222. 
Beni 322. 
Ben Tomy 283. 
Berlick 195. 214. 
Bernhard, St. 18. 
Berry 108. 
Beryl 73. 
Bess 17. 282. 
Bess Lyon 346. 
Bessi 269. 
Betty 108. 
Bibor 254. 256. 
Bigot 81. 108. 
Bikk 803. 817. 

Bil Kasem 190. 

Birkhahn 84. 

Birthday 189. 

Birutta 284. 

Bischof 121. 

Bischrang 59. 

Black Amor 21. 

Black Bessy 286. 

Black Boy 270. 

Blackdrop 356. 

Blacklock 15. 45. 

Black Prince 13. 

Black Tartar 137. 

Blacton 335. 

Blair Athol 180. 137 270. 
881. 342. 346. 847. 

Blanc 91. 

Blankensee 215. 

Blink Bonny 844. 

Blinkhoolie 27. 

Blitz 185. 

Blond 192. 

Blondyna 216. 

Blücher 272. 801. 

Blue Boy 169. 

Blue Clown 26. 

Blue Gown 3. 41. 355. 

Blue Jacket 178. 

Blue Rock 13. 132. 

Bobadil 383. 

Bobadilla 14. 



Bodrigo 55. 
Boemo 168. 
Bojar 292 298. 
Bo'iard 78. 

Bois Rüssel 220. 286. 
Bojtar 822. 
Bole Peel 246. 
Bolero 317. 
Boleyna 286. 
Bolivar 121. 
Bomba Talma 261. 
Bompey 176. 
Bona 210. 
Bonjour 177. 
Bonne Aventure 331. 
Bonny Bell 344. 
Boradel 261, 
Boradit 124. 
Boreas 32. 
Bori Bagdad 210. 
Borowin 122. 

ßosak 230. 
Botschafter 4. 

Bourbon 358. 

Bouroy-Saltan 361. 

Bourun 352. 

Boy Momus 272. 316. 328. 

Brabant 29. 

Braggadocio 169. 

Brandung 132. 

Bratactar 4. 

Bravo 150. 

Breadknife 344. 846. 

Break of Day 841. 

Breteville 230. 

Bridegroom 279. 

Brillant 9. 218. 269. 804. 
314. 816. 324. 

British Queen 286. 

Broadwath 283. 

Brognolli 269. 

Brown 845. 

Brown Bread 344. 

Brown Tommy 182. 

Brunhilde 271. 274. 

Bryony 137. 

Bucanneer 3. 17. 95. 180. 
182. 141. 177. 181. 204. 
214. 285. 236. 262. 266. 
285. 286. 813. 342. 

Bucephalus 21. -324. 

Buchsbaum 64. 

Buff' 835. 

Burgunder 1-54. 

Bura Mula 301. 

Busak 152. 

Bustle 15. 

Butanka 216. 

Butard 84. 

Buzzard 72. 

Byron 151. 

Bzewuski 74. 



390 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



Cadi 359. 
Calchas 32. 
Caledonia 53. 
Caledonius 68. 
Calerera 223, 
California 216. 219. 
Caller 6. 
Gallone 274. 
Calveley 108. 
Camarilla 333. 
Cambell 117. 
Cambello 341. 
Cambuscan 128. 132. 181. 

184. 235. 298. 299. 342. 
Cambusier 128. 236. 
Cambustan 26. 
Camelia 327 
Campbell 177. 
Canadian 161.216. 219.220. 
Canaletti 192. 197. 
Canning 112. 
Canonball 230. 232. 
Cape Flyaway 181. 
Capitän Mode 32. 
Caprice 14. 
Capriciosa 327. 
Capsicum 282. 
Caravan 18. 
Cardiff Lass 345. 
Cardinal Puff 270. 335. 
Cardinal York 335. 
Careless 88. 
Carnival 26. 
Carolina 261. 
Caroline 132. 
Carolus 211. 
Carree 29. 
Carresse 58. 
Carthago 258. 289. 316. 
Cäsar 288. 309. 314. 324. 
Casper 272. 
Castor 185. 262. 301. 317. 

320. 
Cathedral 22. 
Cato 202. 272. 288. 301. 

302. 308. 315. 
Catton 58. 
Cavalier 192. 230. 
Cenerie 230. 
Cevallus 124. 
Chaldeau Princessa 162. 
Challenger 18. 
Chamant 16. 22. 26. 84. 86. 

104. 112. 123. 130. 
Champagne 226. 355. 
Champignon 148. 
Champion 196. 261. 
Chansowna 216. 
Charantonne 274. 
Chariat 72. 
Chasse 363. 
Chäteau Margaux 259. 



Chause 243. 

Cheap 12. 

Chefladel 335. 

Chek 338. 

Cherif 248. 

Chesterfield 296. 

Chief Baron Nicholson 166. 

Chief Justice 145. 

Chieftain 266. 

Childwick 130. 

Chislehurst 167. 293. 344. 

Christopher, Mr. 854. 

Chrysopras 163. 

Cicero 206. 230. 288. 302. 

309. 
Cipripor 72. 
Clairvaux 137. 
Clanronald 17. 341. 
Claude 338. 
Claudia 809. 
Claudine 259. 
Claudius 259. 
Clemens 8. 
Clifden 17. 
Clifton 343. 
Clincher 282. 
Clitus 68. 
Cockboat 82. 
Cocquette 289. 
Codrington 145. 294. 
Codrus 288. 
Coheiress 320. 
Cohesnan 245. 
Cohinor 9. 
Coil 81. 

Colocynthis 282. 
Colonel 195. 
Columbia 301. 
Comme il faut 29. 
Commencement 177. 
Comtesse 202. 
Comtesse Caroline 132. 
Comus 20. 
Concette 355. 
Condition 144. 
Confederate 88. 
Conqueror 160. 
Conrad 29. 
Conscript 246. 282. 
Conservativ 122. 
Consideration 271. 
Constant 819. 
Constantin 163. 
Constanz 26. 
Contessa 161. 
Conversano 158. 227. 230. 

232. 268. 290. 810. 811. 

325 
Conyngham 286. 308. 
Cophagos 119. 
Cordenio 246. 
Corneliard 847. 



Cornelius 208. 

Coronet 176. 185. 

Coronna 149. 

Corsar 217. 

Cortosa 168. 

Corrunna 112. 

Cosarara 117. 175. 

Coticula 108. 

Cotswold 261. 270. 320. 

Coty 140. 

Coulon 272. 282. 

Countess 206. 

Count Eugen 162. 

Count Zdengo 262. 

Coupe 261. 

Courier 261. 

Crachami 282. 

Craig Miliar 236. 344. 346. 

Crazy Boy 269. 

Cremorne 86. 347. 

Cricquet 288. 

Crokk 319. 

Cropwell "Wonder 347. 

Crown Jewel 144. 

Crown Prince 230. 

Csatär 212. 

Csillag 261. 284. 

Cuckoo 214. 

Cupid 275. 

Cure 168. 820. 

Cymba 271. 

Cymbia 274. 

Cyrus 7. 59. 67. 317. 

Cystinus 84. 

Da Capo 246. 
Dachmnai 196. 
Dafrosa 132. 
Dagobert 162. 
Dahaby 232. 241. 261. 
Dahlia 132. 
Dahmann 357. 
Dahoman 145. 149. 153. 

182. 183. 190. 191. 193. 

197. 199. 203. 204. 207. 

222. 227. 230. 232. 234. 

241. 260. 
Dainor 261. 
Dalham 110. 132. 
Damian 16. 
Dami Castor 320. 
Dandär 815. 
Dandin 22. 130. 
Danese 243. 
Daniel 221. 
Daniel O'Rourke 145. 176. 

212. 221. 270. 323. 
Daphne 66. 
Darde 260. 
Darkhight 28. 
Dark Lady 108. 189. 
Darling 168. 206. 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



391 



Darlington 121. 

Dart 284. 

Dartagnan 15. 270. 

Daru "281. 304. 

Dauphin 270. 

David 201. 218. 

Day 181. 

Dear Boy 371. 

Deborah 66. 

Deceit 371. 

Deficit 13. 

Deiphabe 58. 

Delemi 197. 

Dellila 280. 

Delpesent 230. 

Delphin 296. 301. 

Del Sur 140. 

Derby 358. 

Dertsi 298. 

Derwisch 180. 296. 335 

Deutscher Michel 255. 256. 

291. 294. 
Deveroux 123. 
Devil's Child 183. 
Devtion 130. 
Dexter 208. 222. 2.S0. 
Djalma 269. 
Dick Andrews 116. 
Dicky 21. 
Dictator 376. 
Diedenhofen 113. 
Digby Grand 177. 
Djilfe 241. 
Diodor 121. 
Dirt Cheap 12. 
D'Krille 13. 
Dobroy 361. 
Dola 335. 
Dolores 113. 
Dombrowska 216. 
Doming 65. 
Doncaster 211. 236. 258. 

270. 342. 
Donnershorn 207. 
Don Sebastian 165. 
D'Orsay 169. 
Double Zero 41. 
Douglas 103. 
Dowro 87. 
Doxy 16. 
Dragout 359 
Drake 347. 
Dropka 195. 
Dryad 271. 
Dschingiskan 32. 238. 
Dualist 194. 
Du Austin 117. 
Ducat 185. 
Duc d'Ormond 335. 
Duchess 320. 

Duchess of Sutherland 320. 
Duduk 65. 



Duke 313. 

Duke of Edinburgh 354. 

Duke of York 103. 

Duke of Wellington 301. 

Duncan 272. 

Dunst 808. 

Durtsi 293 

Durzi 196. 

Dutch Scater 347 

Dynaszo 284. 

Dyplom 208. 

Dzelabi 219. 

Dzelfa 200. 

Easy 345. 

Ebelka 284. 

Eclips 223. 

Edgar 119. 

Edinn 284. 

Edith 22. 

Edium 284. 

Effendi 188. 202. 

Eglan 43. 

Eglentine 130. 

Eilgut 177. 

El Bedavy 145. 174. 198. 

199. 219, 220. 224. 227. 

228. 230. 232. 241. 245. 

267. 315. 
Elberus 371. 
El Delemi 197. 231. 
Eldorado 67. 
Eleanor 270. 
Election 282. 
Electioneer 85. 117. 140. 
Electric 345. 
Elegant 264. 
Elgiva 286. 
El Hedad 240. 
Elias 29. 
Elimar 61. 65. 
Elis 282. 317. 
Eliza Leeds 333. 
El Kabra 238. 
El Kebir 190. 
Ellen Douglas 103. 
Elma 42. 
Elmirice 42. 
Elnit 9 

Elwood Medium 830. 
Emerald 180. 
Emigrant 85. 
Emilius 26. 31. 82. 108. 104. 
Emir 264. 277. 294 302. 

335. 371. 
Emma 57. 327. 
Emmet 28. 
Empress 344. 
Enydo 27. 
Ephesus 176. 
Epidaurus 289. 291. 
Erczel 248. 



Erga 233. 
Ernani 224. 
Escogido 72. 
Escogriffe 118. 
Esdraelon 281. 
Esfartero 18. 
Esinos 147. 
Estafette 371. 
Esthe-Wapsikas 358. 
Esther 178. 
Ethel 211 
Ethelbert 160. 
Ethon 59. 
Ethus 27. 
Eugen 162. 169. 
Euphrat 338 
Euterpe 43. 309. 
Eva 388. 
Eveline 43. 
Exact 254. 257. 
Expectation 819. 

Fadladeen 192. 204. 

Fair Bridget 204. 

Fair Edith 22. 

Fair Jane 57. 

Fair Star 271. 

Falcon 58. 838. 

Falconare 270. 

Falconide 53. 

Falkner 124. 

Fancy 144 315. 

Faney Boy 269. 

Fannor 59. 

Fantasca 178. 

Fantasie 144. 177. 

Fantast 31. 32. 

Faraway 268. 

Farewell 236. 

Farmer 217. 

Farmers Friend 342. 

Fatima 286. 

Fattju 815. 

Faugh-a-Ballagh 263. 

Favorit 246. 

Favorite 42. 

Favory 158. 206. 227.231. 

232. 248. 290. 310. 811. 

325. 326. 
Fayhm 184. 
Fecske 288. 
Fedchan 228. 291. 
Fedor Tandem 21. 
Feldmarschall 119. 
Felham 86. 
Fenghes 824. 
Fenisch 828. 
Fergus 207. 
Feridjan 228. 
Fern 212. 

Fernhill 212. 231. 260. 261. 
Fern Wilkes 178. 



392 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



Ferozepore 17. 

Ferriz Beff 240. 

Feuman 342. 

Fides 261. 

Fidget 274. 

Fiesco 16. 

Figaro 110. 112. 152. 261. 

Finesse 286. 

Fingal 201. 202. 

Firefly 274. 

Firmament 225. 

Flageolet 22. 104. 112. 

Flambeau 13. 

Flame 13. 

Flamingo 316. 

Flatcateher 252. 

Fleetfort 355. 

Flibustier 12. 16. 18. 130. 

Flintstone 218. 

Flock 112. 

Floranza 63. 

Florentino 168. 

Fly 161. 

Flyaway 181. 

Flyingbuck 24. 

Flying Dutchman 161. 

163. 347. 
Flying Polka 294. 
Flytrap 185. 
Forbidden 282. 
Forcinal 144. 
Fortschritt 109. 
Foxhall 347. 
Fraistar 298. 
France 167. 
France Alexander 85. 
Franctireur 227. 234. 
Frawil 258. 
Freewill 189. 197. 
Frejeville 84 
Freimaurer 18. 
Freiwill 259. 
Fritten 43. 
Fritz Orphelin 331. 
Frolicksome 148 
Fruit 282. 

Fulmen 95. 118. 130. 132. 
Furiosa 280. 
Furiosissima 165. 
Furioso 153. 165. 174. 197. 
227. 231. 232. 234. 249. 
255. 256. 257. 264. 266. 
291. 294. 295. 313. 
Fury 165. 

Cjrabardine 84, 103. 
Gabernie 177. 
Gabier 132. 
Galante 168. 261. 
Galeotto 177. 
Galgim 130. 
Gallant 262. 287. 324. 



Galliard 1. 349. 

Galopade 282. 

Galopin 130. 

Gambach 218. 219. 

Gambia 261. 291. 

Gambler 301. 315. 

Gangessa 284. 

Ganymed 8. 

Garfield 121. 

Garibaldi 166. 

Garrick 72 

Gastgeber 26. 

Gatien 95. 

Gaudy 201. 272. 

Gay Hermit 341. 

Gazel 335. 

Gazella 194. 282. 

Gazlan 158. 238. 240. 

Geane 333. 

Geheimniss 112. 

Gemel Chasse 363. 

General 2. 169. 243. 288. 

Generale 144. 154. 169. 174. 

General_ Garfield 121. 

Generalissimus 169. 
George Pacemaker 148. 
George Wilkes 117. 
Georgine 43. 
Getroffen 298. 
Gibello 256. 257. 
Gidran 152. 153. 195. 203. 
222. 224. 227. 228. 231. 
232. 233. 238. 241. 252. 
254. 256. 272. 276. 280. 
291. 305. 315 
Gil Blas 206. 
Giles 221. 
Ginevra 270 
Gizika 284. 
Gladiateur 305. 346. 
Gladiator 268. 
Glaucus 149. 165. 260. 
Glenarka 27. 
Glieder 108. 
Gloire de Dijon 130. 
Glorioso 168. 
Glückzu 215. 
Gnat 163. 
Godolphin 7. 10. 
Godolphine 333. 
Goldfield 341. 
Goldmann 17. 
Goldschaum 112. 
Goliath 342. 
Gomez 31. 42. 
Gondel 43. 
Gondolier 57. 123. 
Goodluck 144. 
Gordon 343. 
Gosbosia 216. 
Gosling 189. 
Gouverneur 103. 



Gragh 263. 
Granat 162. 
Grandmont o30. 
Gratioso 243. 
Gratitude 346. 
Gray Momus 323. 
Gray Pyrrhus 316. 317.323. 
Grean 294. 
Great Gun 231. 
Greek Slave 320. 
Griffin 253. 258. 
Grimalkin 165. 243. 258. 

272. 
Grisette 261. 289. 
Grizzly Boy 166. 175. 
Grosvenor 122. 123. 253. 
Guendolen 137. 
Guildroy 246. 
Guillerette 73. 
Gulliver 110. 
Gumbert 150. 
Gunnersbury 204. 236. 
(luy Mannering 122. 125. 
Gydran (siehe Gidran). 
Gyerköcz 204. 
Gyles 155. 

Hadban 240. 245. 263. 
Hadischi-Derwisch 296. 
Hadudi 158. 193.224. 231. 
Halfard-Todil 32. 
Hafiz 210. 230. 
Haidamacha 205. 
Hajhäsz 263. 
Hailan 222. 223. 
Hambleton 330. 
Hamdani 263. 264. 294. 
Hamdani blanc 196. 
Hamdanie Semri 239. 
Hamil 357. 
Hamilton 102 151. 
Hampden 176. 180. 
Hampton 130. 163. 283.' 
Hanchen 130. 
Haphazard 338. 
Happy 58. 
Hardy 185. 
Harlequin 163. 
Harry 263. 270. 
Hastings 177. 
Hatcher 28. 
Haudegen 206. 223. 224. 

230. 
Havelock 278. 
Hatard 88. 
Hebda .352. 

Hector 7. 57. 342. 354. 
Hedaby 112. 
Hedad 240. 
Helega 210. 
Helena 292. 293. 
Heller 270. 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



393 



Henrico 117. 

Hercules 8. 342. 355. 

Hermione 288. 

Hermit 130. 270. 282. 341. 

342. 346. 
Hero 248. 249. 
Herodot 5. 109. 114. 116. 

117. 119. 120. 121. 123. 
Herodotes 116. 
Heroine 320. 
Herold 112. 214. 221. 
Herosion 21. 
Herr Dunst 308. 
Hester 250. 
Hettmann 185. 
Heydebrand 18. 
Hiätioga 330. 
Hidalgo 21. 
Highflyer 272. 
Highlander 355. 
Hindostan 185. 
Hippodamia 288. 
Hochee Pocku 15. 
Hochmeister 41. 
Hofrath 59. 
Hogard 21. 
Holon 335. 
Homer 197. 
Honeysuckle 123. 
Honved 289. 
Hopeful 178. 327. 
Horatius 167. 
Huluk 219. 
Hunter 330. 
Huon 72. 
Hybernius 183. 
Hyeres 130. 
Hymenaeus 26. 103. 

Jack 267. 
Jaffa 201. 202. 
Jagger 289. 
Jametro 218. 
Janezar 225. 
Jane 57. 
Jason 284. 
Jastrzembiec 221. 
Jaszczurka 192. 
Ibla 288. 

Ibrahim 183. 219. 222. 
Ibrahim Pascha 16. 
Ida Hatcher 28. 
Mus Veranda 132. 
Jenny -Vertpre 333. 
Jerry 288. 
Jezupol 197. 204. 
Ilias 355. 
Ilmur 217. 
Imperator 116. 
Imperatore 243, 
Impetuous 282. 
Ina 132. 



Incitato 311. 

Incognito 166. 355. 

Indienne 132. 

Indulo 220. 

Ines 132. 

Iney 352. 

Infant 135. 161. 

Inga 132. 

Ingo 123. 

Ingraban 123. 

Inselberg 22. 

Inspiration 346. 

Invalide 178. 

In View 286. 

Jobson 272. 

John Bull 261. 354. 

Jonas 272. 

Iron Duke 66. 

Irtish 358. 

Isilia 346. 

Ismael 269. 

Ismail Pascha 17. 

Ismene 123. 

Isolani 135. 

Isonomy 26. 

Italian 294, 

Judica 144. 

Juli 112. 

Julian 49. 

Junak 214. 

Jung Antimony 53. 

Jung O'Bajan 279. 

Jung Vindex 57. 

Junio 140. 

Jupiter 121. 259. 

Jussuf 238. 239. 240. 319. 

Justice 185. 230. 

Izet 197. 

Izra 288. 

Kabra 238. 
Kabrera 225. 
Kadi 361. 
Kadvesem 177. 
Kahajlan 202. 
Kaimak 359. 361. 
Kaiser 189. 357. 
Kalandor 185. 236. 
Kansas-Wilkes 117. 
Kantarka 216. 
Kapirat 230. 
Kapital 225. 
Kapudan Pascha 20. 
Kasbek 222. 
Kegyes 248. 
Kendal 342. 
Kengyel 254. 257. 
Kenyes 324. 
Kerry 82. 

Kettledrum 271. 274. 
Khlopez 359. 
Kikki 17. 



Kilcreene 31. 
Kildare 177. 
Kincsem 95. 130. 235. 
King Alfons 200. 347. 

, Arthur 184. 

, Charles 261. 
Forgus 14. 

. Tom 3. 220. 272. 344. 
347. 
Kings Town 163. 
Kirkconnel 4. 95. 
Kisber 103. 104. 1.30. 177. 
185. 235. 236. 298. 342. 
Kitty 28. 
Kniaz 206 221. 
Knight of the Garter 3. 
Knigkcraft 130. 
Knowsley 117. 
Koheilan 210. 240. 
Koheiy 296. 297. 
Kokietka 210. 
Kolli 323. 
Komse 296. 
Konföderat 212. 
Koniki 187. 212. 
Konopczanka 216. 
Kont 268. 
Koral 212. 
Kordyan 212. 
Koreischan 230. 232. 240. 

296. 
Koylan 20. 21. 136. 
Koza 225. 
Krach 214. 
Krawarn 273. 
Krede 65. 
Krille 13. 
Krisia 128. 
Kubeschan 241 
Küdö 255. 
Kumpan 153. 
Künftig 6. 
Kupon 220. 

liabach 196. 
Labancz 224. 
Lachesis 163. 
Lacinia 47. 
Lad 124. 
Lady 352. 
Lady Barbara 160. 

, Grrace 103. 

, Hambletonian 66. 

, Harriet 352. 

, Harry 263. 

, Mowbray 282. 

, Witwett 160. 
Lafarge 301. 
Lahire 55. 112. 
Lama 293. 
Lambton 195. 
Lancaster 206. 270. 



394 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



Landsknecht 109. 

Langar 354. 

Lancrar-mare 45. 

La Noce 369. 

Längs Lady 261. 

Lapdog 301. 

Lara 6. 

Lauda 207. 

Lauffeuer 205. 

Launcelot 160. 

Launigte 56. 

Laura 45. 259. 348. 

Laure 3. 

Laurestinus 103. 

Lava 17. 

La\in 160. 

Lawrence 298. 

Lawyer 17. 

Lay Sister 184. 285. 

Lea 3. 

Lebed 361. 

Le Blond 192. 

Lebus 84. 

Lecturer 285. 

Legyott 293. 

Lehet 141. 

Lehetetlen 299. 

Lelum 194. 

Le Nord 369. 

Leo 49. 

Leopardi 830. 

Leopoldine 167. 

Leos 53. 

Leviathan 197. 

Leybourne 331. 

Lezinka 108. 

Liaison 17. 

Liddington 354. 

Liebesgabe 103. 

Lightfoot 282. 

Lincoln 272. 344. 

Lincolnshire Boy 345. 

Lionel 64. 272. 

Lise 43. 

Lister 184. 

Listless 3. 

Little Harry 270. 

Little Jack 267. 

Ljubeznov 361. 

Livingstone 177. 178. 285. 

Lizzie 320. 

Lohengrin 214. 217. 

Lord Byron 151. 

, Chesterfield 296. 

, Clifden 17. 

, Clifton 343. 

, Lyon 132. 847. 
Lordland Chief 341. 
Lori 288. 
Lörincz 298. 
Lottery 148. 
Luby 187. 284. 



Lump 85. 
Luna 55. 
Lutscht 117. 
Lycophron 214. 
Lydia 177. 
Lynwood 66. 
Lyon 182. 
Lysander 121. 

Maasholder 16. 

Mabruka 147. 

Macaroni 347. 

Mach Abus 152. 

Macheath 130. 

Machbub 280. 

Machladie 241. 

Machmet 201. 202. 

Mac Intosh 178. 

Mac Mahon 218. 

Madame Lafarge 301. 

Madim 20. 21. 

Maestoso 158. 169. 174. 
222. 228. 233 290. 310. 
311. 325. 

Magister 247. 

Magistrate 20. 

Magnes 282. 

Magnet 113. 

Magnus 49. 123. 

Mahleck (siehe Malek). 

Mahomud 136 238. 289. 

Mahomet 388. 

Maid of Hart 26. 

Malay 137. 

Malcolm 89. 

Malek 47. 196. 302. 316. 

Malvolio 14. 

Mambrino 113. 

Mambrinoking 66. 

Mameluck 136. 

Manchester 272. 

Mandat 113. 

Mandmet 143. 

Maneki 297. 

Manfred 195. 212. 

Manille 333. 

Mantika 177. 

Maple 170. 

Maptilla 170. 

Marbeck 253: 
j Marcus 118. 
t Marden 346. 
: Margery Daw 346. 
j Marguirite 130. 
i Marie Therese 144. 
I Marietta 122. 

Mariolan 182. 

Marketender 31. 32. 

Marlly 160. 

Marmentin 255. 

Marquise 248. 

Mars 53. 



Marsyas 3. 

Martingale 361. 

Marucha 210. 

Mary 270 289. 

Mascula 161. 

Masrur 280. 

Massand 296. 

Massinissa 73. 

Master Christopher 854. 

Master Grean 294. 

Master Kildare 177. 

Matchbox 177. 

Mathilde 57. 263. 

Maude 876. 

Mauldon Premier 342. 

Mayflower 286. 

Mazkour 197. 198. 

Mazoud 28. 

Medium 330. 

Medyst 186. 354. 

Mehemed Ali 289. 

Meistersinger 130. 182. 

Melbourne 180. 831. 

Meliloma 122. 

Meneghie 241. 

Meops 261. 

Mercury 230. 

Meredith 180. 

Merges 318. 

Merjan Komse 296. 

Merlette 857. 

Merry 341.^ 

Meryleps 176. 

Messrour 230. 232. 241. 

261. 298. 308. 
Meta 108. 
Metcalf 177. 
Meteor 224. 
Metha 42. 
Metternich 357. 
Michel 255. 256. 291. 294. 
Microphone 182. 
Midnight 3. 
Mignon 17. 
Miklos 257. 818. 
Milchstrasse 130. 
Milford 205 
Miliar 236. 344. 346. 
Milton 833. 
Miner 132. 
Minka 147. 
Mirza 103. 238. 239. 
Misfortune 177. 
Miss Anna 280. 

, Armitage 261. 

, Bucanneer 177. 

„ Crachami 282. 

, Eleanor 270. 

, France 167. 

, Fury 165. 282. 

, Gragh 263. 

„ Heller 270. 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



395 



Misto 243-. 
Mistry 258. 260. 
Mizar 263. 
Mlecha 194. 
Mocassin 130. 132. 
Mocskos 248. 
Moczan 64. 
Mode 32. 
Modus 154. 
Mohort 218. 
Mokraby 4. 
Moloch 183. 327. 
Momus 272. 316. 323. 
Monaki 244. 
Monarcho 168. 
Monseigneur 26. 
Montedoro 168. 
Mont Gibello 256. 
Mora 261. 
Morello 326. 
Mörghös 324. 
Morisco 15. 118. 
Morning-Star 261. 
Mortemer 132. 
Morwick Ball 114. 
Moses 120. 
Mowbray 282. 
Mula 301. 
Mulatte 258. 259. 
Muley 108. 183. 327. 
Mulha 335. 
Muncaster 26. 
Murat 250. 
Murillo 304. 
Murphi 249. 
Musjid 331. 
Musician 294. 
Mustang 144. 
Müvecz 174. 
Mylord 308. 
My Pet 263 
Myrtilla 170. 
Mzello 13. 

Xameless 151. 

Namenlose 151. 

Namier 338. 

Nancy 65. 

Napier 24. 

Napoleon 13. 266. 

Napoleone 169. 179. 

Narcisse 132. 

Narina 117. 

Narviges 67. 

Natan 320. 

Natanger 66. 

Naughty Tom 344. 

Nazyr 219. 

Neapolitano 158. 222. 230. 

232. 233. 290. 310. 311. 

325 
Nedjed 68. 331. 



Nedsdi 190. 191. 223. 

Nedschdj 147. 

Neid 59. 

Nelisonka 210. 

Nellie Blair 130. 

Nellie Moor 130. 

Nelly Parker 85. 

Nelson 146. 

Nerestan 121. 

Nero 338. 

Neschty 4. 

Nevtelen-Profitrole 132. 

New Bridge Wonder 342. 

New Light 43. 61. 

Nezib 190. 

Nicholsen 265. 

Nicholson 166. 

Nickel 103. 

Niclat 5. 122. 

Nigger 352. 

Nigl 223. 

Nigra 109. 

Nina 301. 

Nininka 301. 

Niobe 195. 

Noble 112. 

Noblem an 41. 

Noce 369. 

Noeraa 333. 

Noirand 174. 

Nonius 133. 135. 144. 152. 

153. 154. 167. 203 224. 

227. 230. 232. 251. 255. 

256. 257. 264. 266. 269. 

276. 284. 293. 295. 305. 

307. 
Nora 290. 
Nord 369. 
Nordlicht 88. 89. 
Nordstern 145. 198. 204. 
Norfolk 88. 185. 
Nord Star 255.256.257.291. 
Novelle 167. 
Novice Tali 163. 
Nutwood 140. 
Nyil 316. 

Oakball 145. 195. 222. 261. 

286. 
O'ßajan 4 218. 230. 238. 

241. 279. 
Oberon 121. 305. 
Odoardo 84. 
Old England 166. 
Olive 41. 
Olympia 53. 
Omar 258. 357. 358. 
Onnait 269. 
Opal 132. 
Optimus 31. 
Oracle 118. 
Orgon 230. 



Orient 189. 

Orion 255. 298. 

Orlanda 17. 

Orlande 195. 

Orlando 12. 184. 285. 

Orlow 361. 363. 

Orlowa 284. 

Ormuzd 322. 

Oronko 258. 

Orosmann 266. 

Oroszvar 208. 

Oroxes 335. 

Orphelin 26. 331. 

Orpheus 263. 282. 

O'ilourke (siehe Daniel l 

Orsay 169. 

Orvert 204. 

Orville 833. 

Orzel 284. 

Osian 317. 

Osman 185. 

Ostreger 26. 151. 181. 185. 

214. 257. 298. 307. 
Osvinus 282. 
Othello 8. 109. 258. 
Weh 163. 181. 
Ozema 108. 

Pacemaker 148. 

Padischah 239. 240. 

Paganini 112. 132. 

Pagat 186. 

Paget Mr. 301. 

Paladin 122. 

Palermo 311. 

Pallian 42. 43. 

Palma 320. 

Palmer 26. 144. 

Palmerston 271. 274. 

Palmistry 155. 

Pamella 122. 

Pan 59. 

Pana 186. 

Panicz 220. 

Panko 194. 

Paradox 104. 

Pardeutos 86. 

Paris 289. 307, 313. 

Parsee 137. 

Partisan 160. 284. 335. 

Pascha 189. 

Paspan 272. 

Passadoro 168. 243. 

Passamonte 168. 

Pastoral 288. 317. 

Pasztor 144. 

Patschen Wilkes - Jennie 

West 117. 
Paulus 301. 
Pearling 22. 
Peel 246. 267. 
Peepo' Day 117. 



396 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



Peldrohis 296. 

Peleg 148. 

Pelican 103. 

Pelignon 226. 

Pellegrino 26. 

Pepita 202. 352. 

Pepoli 168. 169. 243. 

Percival 250. 

Perey 356. 

Perfection 161. 

Perideus 109. 

Perkin Warbeck 286. 

Perkun 204 230. 

Perla 212. 326. 

Persana 261. 

Persiana 179. 

Persianer 4. 

Peru 215. 

Pet 263. 

Peter 22. 1.30. 349. 

Peterhof 215. 

Peto 59. 

Petrarch 343. 

Phaenomen 288. 

Phaenomenon 286. 301. 

308. 315. 
Phantom 272. 
Phosphorus 103. 
Picklock 130. 
Picoreur 261. 
Piekarka 186. 
Pilot 31. 
Pirat 16. 
Piston 103. 
Pique 41. 
Pless 284. 
Ploughboy 195. 
Pluto 158. 233. 250. 269. 

290. 310. 311. .325. 
Plutus 26. 
Pohunka 165. 
Polelum 194. 
Polish Touchstone 327. 
Politiker 31. 
Polka 216. 294. 
Polkan 239. 240. 361. 

362. 
Polmodi 294. 
Polydor 41. 
Pompadour 122. 
Pompejus 169. 
Pomposo 168. 
Ponto 67. 
Portland 124. 
Posthumus 160. 164. 
Potrimpo 22. 
Pourpadour 123. 
Prestonpans 346. 
Priam 319. 

Pride of England 174. 176. 
Prime Minister 286. 
Primrose 286. 



Prince 84. 317. 
, Camille 13. 

Charlie 346. 

Djalma 269. 

Liewellyn 116. 
, Paris 307. 313. 
, Red Bella 140. 

Red Caecilia 140. 

Red Inex 140. 

Red Lunado 140. 

Regent 223. 
Princess 346. 
Princessa 162. 
Princess Marlly 160. 
, Maud 346. 
, royal 117. 
Princip 112. 
Principal 112. 
Principe 168. 243. 
Private 282. 
Privateer 165. 269. 272. 

282 318. 
Privet 282. 
Prodwall 261. 
Profil 132. 
Profitrole 132. 
Programme 118. 
Prophet i82. 
Prouba 66. 
Protector 112. 261. 
Provinzial 59. 
Provost 164. 166. 
Przedswit 141. 185. 195. 
203. 204. 211. 227. 230. 
285. 
Puchalska 284. 
Puchmer 204. 
Puff 270. 

Pumpernickel 137. 
Puntana 117. 
Puritan 167. 197. 
Purveyor 59. 
Pyrrhus 270. 316. 317. 

Queen Coil 81. 
Quid pro quo 26. 
Quint-Essenz 242. 
Quinze 109. 

Raba 147. 
Rachel 288. 
Radban 239. 
Radler 248. 
Rainbow 338. 
Rajta-Rajta 177. 
Rapid 185. 
Rattler 250. 
Reactionaer 13. 
Rebecca 270. 308. 
Red Bella 140. 
- Caecilia 140. 



Red Inex 140. 

, Leaf 181. 

, Lunado 140. 

, Rose 108. 

. Rover 272. 

, Silvia 140. 
Reginald 206. 222. 
Regulator 13. 
Reindeer 196. 
Reiver 197. 214. 
Remeny 276. 293. 
Renata 177. 
Rendir 195. 
Ressource 200. 
Reveller 13. 14. 301. 
Revisor 124. 
Revolver 145. 206. 230. 
Rhadamooth 13. 
Rhodus 152. 156. 
Richan 359. 361. 
Rienzi 17. 261. 
Rifleman 270. 
Rinaldo 21. 72. 
Rioter 58. 
Risa 282. 
River 192. 
Roback 205. 
Robdan 185. 
Robert 261. 313. 
Robert Peel 267. 
Robin 8. 282 
Robin Hood 301. 
Roderich 55. 
Roi 308. 
Roland 29. 
Romaika 63. 
Romare 270. 
Ropczycka 216. 
Rosalie 64. 
Rosamund 122 
Rose Garden 130. 
Rosicrucian 41. 344. 347. 
Rosmarin 214. 
Rostoptschin 359. .361. 
Rothschild 270. 
Roundwaist 116. 
Rourke (siehe Daniel). 
Roussel 220. 236. 
Routier 255. 257. 
Rover 272. 
Rowlston 333. 
Royal 130. 261. 
Rozsa 289. 
Rubello 116. 
Rubicelle 140. 
Ruby 288. 301. 308. 316. 
Ruperra 236. 
Rush 14. 
Rustan 68. 
Ruvralla 65. 
Rzczowka 216 
Rzewusky 284. 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



397 



Sabal 21. 

Sacharin 132. 

Sacramoso 169. 179. 

Saczomoss 154. 

Sade 145. 281. 303. 304. 

Sadowa 122. 

Saffir 244. 

Safra 9. 

Saglavia 96. 

Sahama 55. 354. 

Sahara 147. 

Said-Köhelan 190. 

Saladin 67. 

Salisbury 345. 

Sally 270. 

Salow 17. 

Saltarello 317. 

Samarcand 301. 

Samhan 145. 185. 218. 227. 

230. 232. 233. 240. 241. 

252. 291. 296. 303. 
Sampson 88. 
Samson 158. 262. 
Sancho 20. 
Sanct (siehe St.). 
Sanspareil 138. 
Saphir 26. 
Saraband 26. 
Sarkäny 308. 
Sarne 96. 

Saunterer 103. 346. 352. 
Savernake 1. 27. 103. 113. 
Saydan 219. 280. 
Sayders 16. 
Saymour 88. 
Scamander 149. 
Scarf 103. 
Schagya 152. 153. 193. 204. 

210. 222. 228. 231. 232. 

288. 240. 241. 252. 310. 

311. 
Schamar 231. 232. 
Schamster Diener 180. 
Schamyl 216. 282. 
Scheck 208. 
Schegoleff 17. 
Scheitan 55. 
Scherz 6. 
Schlucker 88. 
Schmarmal 204. 
Schweninger 181. 
Scipio 288. 
Sclodo 183. 214 
Scott Hiatioo-a 330. 
Scottish Chief 103. 
Scrybbator 121 
Seahorse 16. 73. 112. 113. 
Sebastian 165. 
Sebras 88. 
Seclusion 346. 
Secundant 13. 
Selim 218. 



Selma 74. 
Semri 239. 
Seraph 335. 
Serivent 308. 
Servia 163. 
Sesostris 338. 
Seydan 158. 
Shadeland 180. 
Shakespeare 18. 
Shamrock 231. 
Sheet Anchor 103. 160.855. 
Sheraky 231. 
Sherifif 81. 
Sicily 108. 
Siglavia 269. 
Siglavy 147. ,149. 158. 161. 
189. 227. 230. 231. 232. 
233. 238. 240. 241. 245. 
248. 252. 261. 275. 282. 
303. 312. 315. 
Sille 264. 
Silverking 66. 
Simon 236. 
Sinbad 14. 
Sir David 201. 218. 

„ Hercules 355. 

„ Pallian 42. 43. 

, Tatton 261. 
Siwas 20. 
Slane 250. 
Slice 344. 

Smetanka 361. 363. 
Smoker 125. 
Snap 72. 
Snowstorm 269. 
Sobol 188. 
Solferino 220. 
Solide 43. 45. 
Soliman 201. 
Somnambula 282. 
Sophia Lawrence 298. 
Sorcerer-Mare 333. 
Sorcery 132. 
Sorella 144. 
Souvrano 168. 
Spagniol 303. 814. 
Spanish Fly 151. 
Spark 327. 
Special-Train 327. 
Spectrum 181. 
Speculum 181. 
Spinola 31. 
Splitt 264. 
Spohr 112. 
Spottless 294. 
Springfield 26. 341. 
Sprudel 270. 
St. Agnes 3. 355. 

„ Bernhard 18. 

„ Gatien 95. 

, Gyles 155. 

, Simon -236. 



St. Tropes 84. 

Stahl 13. 

Stambul 151. 

Stanczyk 214. 220. 

Standard 222. 

Starke 18. 

Starost 128. 

Stegnia, 282. 

Stella 130. 

Step 210. 214. 

Step Bagdad 182. 

Stiltan 354. 

Stockwell 16. 132. 181. 

Strelitz 121. 

Strong 218. 

Stronzian 26. 132. 177. 

Strutaway 168. 

Student 22. 

Stusohr 120. 

Sucha 284. 

Sugar Plum 204. 

Sulphur 335. 

Sulta.n 188. 243. 284. 333. 

863. 
Sultania 261. 
Sultan Mahmud 136. 
Sumsenbacher 141. 
Sun 118. 
Süperb 185. 
Süperbe 201. 202. 
Superbo 169. 222. 288. 304. 
Superior 49. 
Surprise 215. 
Susan 163. 

Sutherland 145. 284. 820. 
Swaran 21. 
Swarthmore 151. 
Sweepstakes 140. 
Sweetlipps 388. 
Sweet William 81. 
Swiss 259. 
Sword Dance 841. 
Sybilla 27. 
Sygnet 220. 
Szaik 225. 
Szalancs 255. 257. 
Szamar 200. 
Szamar-Spater 190. 
Szampion 225. 
Szaryf 185. 
Szatm 216. 
Szikra 248. 

Tadmor 231. 

Taeze 352. 

Tajar 146 185. 202. 244. 

248. 281. 284. 315. 
Talan 273. 
Talma 20. 261. 
Talpra (siehe Telpra). 
Talyho 272. 
Tamerlan 338. 



398 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



Tandem 21. 

Tantalos 121. 

Tanusch 323. 

Tardsi 318. 

Tarnopol 184. 

Tarquinia 282. 

Tartar 137. 

Tatar 278. 

Tatton 261. 

Taurus 160. 286. 294. 

Taylor 114. 

Teddington 145. 

Teheran 59. 

Telegraf 13. 218. 

Telegrafka 216. 

Telemach 359. 

Telpra Magyar 95. 130. 

177. 289. 
Tephana 261. 
Tereffi 244. 277. 
Ten-a e mare 108. 
Theodosius 58. 
Theora 85 
Theoretiker 86. 
Theresa 220. 
■Theresa-Panea 333. 
Theurisk 86. 
Thor 6. 

Thucydides 109. 
Thumper 345. 
Thunderklapp 47. 
Tiffle 238. 240. 
Tigranes 186. 
Tilby 132. 
Tirailleur 176. 
Tirza 74. 
Tma 66. 
Todil 32. 
Tokio 177. 289. 
Toli 163. 323. 
Tom 3. 160. 220. 272. 

344 
Tom Boy 269. 

, Hunter 330. 
Tommy 132. 283 
Tomp 288. 
Tom Queen 289. 
Topas 270. 
Toscanello 169. 265. 
Toss-Up 301. 

Touchstone 108. 296. 327. 
Tourist Boy 85. 
Trachenberg 12. 
Trajan 263. 
Trap-Ball 272. 
Traveller 385. 
Tre Cure 320. 
Tredrille 333. 
Trentan 130. 
Trepido 88. 
Trimmer 163. 
Tristan 26. 369. 



Triumi^h 144. 
Troja 290. 
Trojana 163. 
Trompeter 121. 
Tropes 84. 
Troubadour 231. 
Trouble 85. 
Tscheleby 228. 241. 
Tunstall Maid 346. 
Turchmen 186. 227. 231. 

232. 270. 
Turkmayn Atty 4. 20. 21. 

39. 59. 
Turkman-Bajazid 190. 
Turquoise 301. 

IJermenv 255. 298. 
Umley 118. 
Union 258. 259. 260. 
Unique 88. 125. 

Vagabond 266. 
Valdamore 233. 810 
Valois 270. 
Valtornia 284. 
Vandik 371. 
Varrenes 31. 
Vasco 65. 

Vasco de Gama 65. 
Vasistas 132. 
Vederemo 26. 181. 
Velboun 259. 
Velocipede 15. 801. 327. 
Venerato 57. 65. 
Venezuela 57. 
Vension 283. 
Veranda 182. 
Verneuil 236. 
Veronica 122. 
Veronique 132. 
Vezier 28. 
Vesalia 151. 
Vezer 270. 
Victor 263. 288. 
Victorious 178. 
Victory 58. 
Videtto 151. 
Vihar 255. 256. 257. 
Vindex 57, 
Violet 246. 
Virgilius 41. 
Virlist 16. 
Viroflay 388. 
Virtue 132. 
Visserod 319. 
Vital 58. 
Vittoria 883. 
Volante 333. 
Volapück 144. 
Voltaire 42. 45. 261. 
Voltella 286. 313. 



Voltigeno 313. 
Volitigeur 296. 381. 344. 
Volt-mar 208. 214. 
Volunteer 139. 148. 
Vorwärts 61. 
Vucina 205. 

\l^adim 371. 
Waise 178. 
Walldear 258. 259. 
Walula 140. 
Wanderer 180. 
Wapsikas 358. 
Warbeck 286. 
Wascy-Mare 838. 
Waterloo 272. 
Wawrzin 212. 
Waxy-Pope 116. 
Wheatherbit 212. 
Wheatherglass 22. 
Weczyr (siehe Wezyr). 
Weeper 333. 
Wegerka 216. 
Wellington 64. 122. 801. 
Weltmann 17. 22. 75. 118. 

180. 182. 
Wenlock 26 132. 
.Werther 118. 
West-Australian 87. 855. 
Wettercook 284. 
Wezyr 201. 202. 
Whalebone 55. 116. 197. 
Wheatsheaf 104. 
Wildfire 118. 
Wilkes 117. 121. 178. 
William's Favorite 42. 
William the Conqueror 

345. 
William M. Peepo' Day 

117. 
Winkorn 852. 
Winslow 841. 
Wiskal 358. 
Withwall 286. 
Witwert 160. 
Woful 333. 
Wolfhard 28. 66. 
Woodcraft 831. 
Woodland 167. 
Womersley 155. 
Wotan 299. 

Xi 13. 

York 22 885. 
Young Amber 85. 

Bigot 81. 103. 

Forcinal 144. 

„ Miss Armitage 261. 

„ Morisco 15. 

Oakball 286. 



Namen der in diesem Buche erwähnten Zuchtthiere. 



399 



Young O'Bajan 4. 

Protector 261. 
„ Starke 13. 
„ Voltaire 261. 
Whalebone 55. 



Zachara 194. 
Zälan 305. 
Zanlos 278. 



Zariff 9. 53. 55. 59. 65. 68. 

136. 239. 240. 303. 
Zariffa_53. 
Zarndzie 184. 
Zdenko 262. 
Zelma 263. 
Zephir 161. 

Zethland 262. 282. 313. 
Zia 261. 
Zivatar 236. 



Zlotolity 212. 
Znicz 223. 
Zone 47. 
Zoska 195. 
Zsidö 279. 313. 
Zsupan 177. 204. 
Zulema 210. 
Zützen 355. 
Zwienczyka 216. 



400 



Register D. 



Nachweis der Gestüte, 

welche 

a) besondere Farbe iischläge züchten, 

b) zu besonderen Gebrauchszwecken züchten. 

(Die Ziffern beziehen sich auf die Seitenzahlen.) 



a) Gelbe mit Aalstrich 87. 92. 

Isabellen 84. 87. 89. 92. 98. 
Kakerlaken 89. 
Perlfarbene 87. 

Rappen 52. 53. 98. 136. 169. 171. 179. 
243. 341. 

b) Arbeitspferde 2. 6. 7. 9. 10. 14. 16. 25. 
27. 37. 51. 60. 61. 67. 80. 81. 87. 96. 
101. 109. 113. 118. 125. 131. 139. 150. 
160. 162. 163. 170. 181. 184. 186. 187. 
190. 191. 192. 194. 197. 198. 199. 203. 
207. 209. 211. 212. 219. 220. 225. 249. 
253. 268. 269. 292. 296. 343. 344 347. 

_ 357. 360. 369. 372. 
Circuspferde 50. 115. 
.Tagdpferde 9. 16. 52. 93. 159. 165. 166. 

175. 176. 180. 181. 187. 242. 243. 262. 

267. 268. 271. 273. 288. 296. 300. 301. 

309. 313. 355. 
Kutsch- und Wagenjjferde 5 7. 9. 11. 

13. 14. 15. 20. 25. 27. 28. 32. 39. 43. 

44. 56 58. 59. 61. 70. 79 82. 84. 92. 

98. 101 111. 120. 123 125 129. 131. 

133. 146. 147. 148. 160. 163. 164. 165. 

166. 171. 174. 178. 180 187. 189. 191. 

197. 201. 202. 209. 216. 219. 221. 227. 

229. 233. 234. 238. 242. 247. 248. 252. 

253. 258. 259. 264. 265. 266. 272. 273. 

274. 276. 277 279. 282. 284. 292. 294. 

295. 298. 304. 305. 306. 307. 315. 316. 

320. 327. ,328. 351. 352. 353. 362. 363. 

367. 369. 
Luxuspferde 15. 44. 51. 52. 53. 56. 58. 78. 

109. 124. 161. 182. 184. 194. 197. 198. 

199. 204. 205. 208. 210. 211. 213. 220. 

221. 223. 224. 234. 249. 268. 362. 367. 
Marstal Ipferde 12. 18. 39. 53. 75. 84. 92. 

93. 98. 103. 106. 108. 131. 137 145. 

146. 158. 160. 162. 174. 269. 293. 298. 

330. 341. 
Reitpferde 3. 4. 5. 7. 9. 11. 13. 15. 16. 

20. 26. 28. 31. 32. 39. 41. 43. 44. 47. 

52. 53. 56. 58. 59. 61. 63. 70. 79. 82. 

84. 92. 96. 101. 111. 120. 123. 124. 125. 



Schimmel 9. 25. 89. 91. 96. 103. 134. 136. 

137. 169. 201. 210. 243. 244. 248. 250. 

252. 280. 339. 347. 
Weissgeborene 87. 89. 91. 92. 
Maulthierzucht 91. 97. 107. 119. 376. 



126. 127. 129. 
160. 163. 164. 

184. 185. 187. 
202. 203. 208. 
219. 221. 222. 
234. 238. 242. 
262. 264. 266. 
274. 277. 278. 
301. 303. 304. 
326. 327. 328. 
359. 361. 363. 

Remontepferde 5 
32. 33. 34. 35 
47 48. 49. 51 
61. 62. 63. 65 
76 77. 78. 79. 
120. 123. 124. 

185. 187. 189. 
197. 198. 199. 
208. 211. 214. 
223. 224. 310. 
373. 375. 

Rennpferde 1. 6. 

103. 104. 108. 

148. 149. 155. 

189. 195. 196. 

237. 268. 270. 

288. 289. 296. 

344 346. 347. 

374. 
Zuchtpferde 22. 

39. 41. 43. 47 

65. 75. 82. 93. 

116. 118. 121. 

150. 152. 154. 

174. 182. 194. 

255. 336. 340. 

375. 



131. 146. 147. 148. 158. 
166. 174. 178. 180. 183. 
189 190. 195. 196. 197. 
209. 213. 214. 216. 218. 
225. 226. 227. 229. 233. 
245. 248. 252. 253. 258. 
267. 268. 271. 272. 273. 
279. 282. 284. 292. 298. 
305. 307. 316. 320. 323. 
336. 351. 352. 353. 355. 
365. 366. 367. 375. 
. 7. 8. 13. 19. 28. 30. 31. 
. 37. 38. 40. 42. 44. 45. 
. 53. 54. 55. 57. 59. 60. 
. 66. 67. 68. 71. 73. 75. 
80. 82. 83. 85. 87. 113. 
126. 127. 139. 152. 184. 
190. 191. 192. 193. 194. 
203. 204. 205. 206. 207. 
215. 217. 220. 221. 222. 
315. 319. 322. 353. 368. 

14. 21. 26. 28. 31. 73. 

120. 129. 131. 144. 147. 

163. 166. 177. 180. 187. 

200. 204. 208. 211. 218. 

271. 274. 275. 278. 286. 

309. 323. 330. 336. 338. 

355. 356. 359. 361. 371. 

29. 30. 31. 32. 35. 36. 
. 49. 50. 52. 57. 58 59. 
107. 109. 111. 113. 115. 
128. 129. 132. 137. 139. 
155. 156. 162. 167. 173. 
198. 210. 223. 229. 251. 
342. 345. 348. 362. 368. 



Druck vou Joliauues Pässler, Dresdeu-N. 



Verlag von G. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung in Dresden. 

Pferbctoefen: 
Sammlung von Gestüts=Brandzeichen der Staats= und Privat= 

Gestüte Europas und des Orients. Zusammengestellt von Carl Bräuer, Kgl. 
Bezirksthiei-arzt in Annaberg i. S. Taschenformat. 70 Seiten litliogr. Tafeln, 
elegant ausgestattet (über 600 Brandzeichen enthaltend). 1877. Geh. Mk. 3, — . 

®tc ^^ferbe^ui^t ®a(^fen§ xtnb bereit ^eBung, sson (S. (§rnf 511 fflhiufter, 

Sanbftallmeifter in ^JJioviiUnug. 1879. Wt. —,30. 

®cr ropr5tIi(^e ^eUgeflilf^- ^tniatmui sur er[ten §ilfe 6et ).iIüölicf)enUn= 
fällen foiuie guv (ärfennuiui unb üorläufiflen 53e^anbUtng innerer unb äuüeveu ^vanU 
freiten ber ^ferbe nebft 53ejc£)rei6ung ber bobei fa(i)C(emäfe nn.^utnenbenben 3w"i'S'5-, 
llnterfucf)ung§= unb §eihnet^oben. 2Sou O. Sliri^ülö, Dte^etitor bei ber Dcititär» 
5t6tr)eilung ber 5?i3nigl. tfjievärjtlidjen §DcE)fd)uIe gu ®re§ben. Wit 44 Criginnl= 
5l0bilbungeu. 1896. 8°. ^reiö pbfcf) geb. Wt. 1,50. 

(Sin ''Jlott)' unb §ilf§bürf)Iein in be§ 5Sürte§ öollfter 33ebeutung! 
®iefe fleine Scbriit wirb fid) lüie luenige al§ überaus nü^lid] evroeifen unb foCte iu ber 
%tjat nid)t nur bei atteu Sanbunitljeu, Dffisieren unb ^ferbebefihern übevl^aupt, fonbern 
aud) in beu öäuben jebe§ §uffd]miebe§, Stalliuärterä unb Siutfdjerö ju ftnbeu fein. 



gfiferiiifl = .Nöiu-tniau it, 

®er ^-u^ be§ '^Pferbeö in 9xüdiid)t auf Söiiu, SScrritfitiuioni unb 
."V^ufbefdjlöfl. ©emeinfa^Iid) in SBort unb 33ilb bargefteEt. 9. Stuf^ 
läge. 1898. ©änslid) umgearbeitet üon 21. Smifltuitj, ^gl. Säc^f. 
ft'ommiffionSrntI), Se^rer be'3 t^eoretifdjen unb ^raltifcbeu ,^ufbefd)Iag§ 
unb SSorftanb ber 2el)rfd]nuebe au ber ÄgI. tr^ierärätUdjen §Dd]fd)u(e 
gu ®re§beu. Sltit 341 ,S^-)Dläld)nitten. ^rei§ l)übfd) gebunbeu 'iDif. 8,—. 

Sicfe 9. ^luflane f)nt joüiel SJcröffferuitöcii crfnfircu jinö ift auit) ()iiificf)tltd) 
Der SlbbilDuuflcu fo ftarf üermcDrt «JorDen, Diifj liwä S3iid) iimtmelir tljntfnrfUid) 
lüicöcriim auf öcr ^öln Der gcit fteljt. £()itc llcbcrtrciöiing Diuf cö luttcv nUett 
SBerfcit über OufbejrfUafl ntö Dnö roeitnusJ bcfte be,Kicl)»ct mcrDeii, DniJ ten (Scaen= 
ftnuD uad) allcit 3ild)tungcu Iiiu nuf önö @rüuDUaiftc bcDnnDclt. 

5hl § einigen U r t ij e i I e u ber 5}i r e f f e : 

gcitfdjr. f. ^tljiürmeötjiu u. ucrgl. fnlljologtc XV., 8. 394: „(Sin unbeflreitbar auf 

bisher uutrrctdjtn- ^öljc itet)enbe5 33ud), mufterdaft Kare ®arftelluug, bie gorm 

einzig bafteljenb, ein^ü^mlid)eS ßeugnif] raftlojer 9lrbeit unb jielbeniuBteu Strebend 

auf beni ©ebiete beä §ufbe)d](agä." 
ardjiu f. ®ljiErljCtlkuntie 1890, .^eft 1: „Saä m 28 S3ügen ftarfe 28erf fte^t forno^I 

^infid)tlid) ber S3e^anblung be§ ©toffe'?, ber ^Ii5al)I unb 5tu§füf)rung ber ^etdjnungeu, 

al§ ber bud)dänbleriid)en 5(u§ftattung uuültertroftcii ha." 
iippoloötfdjc ^evwt 1890, 9h-. 8: „(Sine Sterö« tur öeutfdjeu l)tiJi)ol09trdjeu gü^nitur 

unb unbebingt jenen SSerfeu p^nääbleu, bie ouf niele ^af^räe^nte ()inauö einen 

flärenben, lei'tenben (Sinflujs beibef)a(ten." 
Ponatsrdjrtft öeö Scrciitö hn ©Ijicritrjti? tu (Dellcrrcidj 1890, ^^r. 2: „®o§ gauje 

SSerf präfentirt fid) al§ bie bt\U ilnrlifUuufl biefe-S %ad]t^:i ilberfjaupt, bie faum in 

nädjfter ^ufunft über£)Dlt werben bürfie. 5(iK'ftattnng be§ 33ud)e§ I)i3d)ft elegant unb 

ber ^reiö Wd 8,— anffallenb gering " 




Verlag von G. SchÖnfeld's Verlagsbucbhandlunff in Dresden. 



Heber ^ufbefd^Iag ferner: 

®cr M;rmeifter im ^Xtfbcfc^Iag. ©in Seitfabeu für bte ^rajiS unb 
bie Prüfung bort 51. Suni^ltit^, ^. ©. ftommifftonSratl^, Se:^rev be§ tt}eore= 
tifcf)en unb :pra!Hfd}en C''"f&ei'i)Jcifl§ ""^ ^ßorftanb ber Set)rfcl)iniebe on ber ßönigl. 
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beutfd}en 9teid)e geltenben, bie l'luSübung be§ A*-)uf(iefd)tagge»Derlie§ betreffenben ge^^ 
fet(Iid)en 4>eftimmungen. 1899. 9)Jit 143 ^iDl§fd]nitten. ^■>ü bfd} gebunben. 
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9)finifterium§ be§ Innern bearbeitet. 1898. einäelpreiS Wd. —,25. Sn Partien 
bebcutenb bidiger. 

Ucber ^llfBefd)tag. eine 33ele^rung für «ßfcrtteöcfilüer. Sm 9hiftrage be§ 
Si'Ql. ©. 5}iinifteviumö be§ S^nei"" IjerouSgegeben üon ber 5li3nigl. ^Tcmmiffion 
f. b. Söeterinönuefen gu ®rc§ben. 1901. 5Dtit 12 ?(bbilbnngen. (£inäel|3rei?^ 
Tit. —,40. S" Partien bebeutenb billiger. 



S)ettffd)rtft unb 35orfd)Iage gur SScrbeffentitg beö C^ufbcfd^Iagcg unb ber 

i^ufpflege im Seutfd)cn 9ieid)c Hon .^^nbcrt tion ®d[)ü<ä. 1898. gr. 8o. gef;. 
$reis ä)if. —,40. Ji" ^^-Hivtien bebeutenb billiger. 



Verlag von G. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung in Dresden. 

3eitfcfirift für ba^ gefammte |)ufbej'^Iag§föej'en. 

Diebigirt unter SOtitlüirfung ^evborragenber ^ad)genoffen üon 2t. SuticjttJilj, 
^. §. ^omtniffloitsratQ, votm. ^ordanb ber cii'örr4inicbe an J»or H%t. föieraijtf. /»odjftfjufc ju Prcsbcn. 

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©rrdjetnt int 1883. 

^rDbe=9^mnmern ne6ft öoUft. Sn^nlt^öeräeicfimB ber legten ^f^^'S- "^if SSunfd) foftenfrei. 



PetennärtDiff enfd^af tltd^es : 

Bericht über das Veterinärwesen im Königreich Sachsen. 

Herausgegeben von der Königl. Commission für das Veterinärwesen. 

L— XIV. Jahrg. (1856-1869) ä Mk. 1,50. XV.— XLV. Jahrg. (1870-1900) 
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Handbuch der Veterinär = Polizei. Zum Gebrauche für Behörden, Ver- 
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1869. gr. 80. eleg. geheftet. Preis Mk. 7,—. 

Der Jahresbei'icht der gesammten Medicin, 1868, herausgegeben von 
Virchow und Hirsch, sagt Bd. 1 S. 491: „Das von Haubner verfasste Handbuch 
der Veterinärpolizei ist die bei weitem gründlichste und vollständigste Arbeit, die 
über Veterinärpolizei überhaupt je erschienen ist." 

S)tc ©efuttbi^cttg^fiegc ber IattbäJirt^f(^oftIt(^en ^ait^fawgeti^tere mit k= 

fonberer 58erücffic^tigung i^rer (£rnä:^vung nnb S'cutsleiftungen. SSon Dr. (Ö. 6. 
^aubnev, Si. ©. ®e^. 9Jieb. = 3aatf), ^^rof. an ber f. ©. Sr}ieraräneifdiule iinb 
2onbe§t^ierarät a. ®. Sieite nen öearöcitete Sluftiiße. 1881. gr. 8«. 43 SSogen. 
5ßrei§ ge^. Wd. 10—. eleg. geb. Wd. 12 —. 

Heber bie§ anerfannt befte 33ud') fetner 2lrt fagt %l). SlDßm in ber 
„Soc^enfc^rift für 3:f)ter:^eilfnnbe unb i8ief},^ucbt" n. 51. : ,,28enngleict) bte ^efunb'^eitS^ 
Pikant ber |)au'3fäugetf)iere Dor Slüem bem Sanbtuirtf) unb Sfjiergüditer obliegt, fo fann 
fid) bod) aud) ber Xljicrarjt ber Dbforge für bte ®efunbl)eit§ert)altu ng 
biefer Sfjiere nid)t entgiefien, rtenn anber§ er feinen S3eruf gan^ erfüllen 
unb er ouf bie 33e5eid)nung eine§ loif fenf d)af tlic^ gebilbeten $8eterinär§ 
Stnj|5rud) madjen'iuin, um fo mel)r, al§ bemfelben ja aud) gutu l^iüecfe ber 
Teilung bon Brautzeiten eine genaue BenutniB ber äuträglidjen, foroie 
ber fd)äbltd)en ©inroirf ung en, n)eld]en bie ^augt^iere unter ben ber = 
fd)iebenen 33erl)ältn{ffen auggefe^t finb, ßcraDe^n unentöe^rliri) ift. 



Verlag von 6. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung in Dresden. 
Ueber die Ursachen der Mauke oder Schlämpemauke des Rindes 

(Träberausschlag, Fussgrind, Fussräude, Fussmauke). Von Dr. Albert Johne, 
Trofessor an der Königl. thierärztlichen Hochschule zu Dresden. 1878. gr. B^. 
41/0 Bogen. Preis Mk. 1,60. 

Slßcrlci Übn ^afimm. SSon 5ßrof. Dr. So^nc. 1894. $vei§ SDze. — ,40. 

®ag ^. <^. ©efe^, 5)lc »ilDung tJoii 3u(^töcnoffcnf(t|Qftcn unb bie Eormirt 

Don 3"d)tt>UÜcii tictveffenb, üom 19. aifärj 1886. SSortrag, gehalten in bcr 
£)efoiioinifd)en ®efeIIfct)oft im Sfönigreid) ©ad)fcn, am 10. 3)c3ember 1886, nebft 
fecf}§ Einlagen: I. Ueber[id)t ber im 3"tit 1880 bov'^anbeiien ®enoffenf^aft§= wnb 
?ntgemeinbelntrren; II. 58eräeid)nife ber 1880/86 gebitbeten 93uI(en:^aItung§=®enDffen= 
fcfiaften; III. 2)a§ ©efet^ bom 19. TOni 1886; IV. 9?DrmaI--©tatut für 3ucf)tgenoiien= 
fd)nflen; V. gntlDUvf gu einem ^rotofofl für bie fonftituirenbe ^Serfammhtng ber 
3ud)tgenoffenfd)aften; VI. G-ntmuvf gu einem SSertvng ämifd)en einer guäftgenoffen^ 
jd)aft nub einem Snüen^Iter. SSon $rof. Ä. tJon ßnitö^Dorff, S?. 6. ®e^. 
Defonomterati;, ®eneralfeh-etär 2c. 1887. gr. 8». mt. 1,—. 

Die Königliche Thierarzneischule zu Dresden 

in dem ersten Jahrhundert ihres Bestehens. 

== Festschrift zur Säkular-Feler am 7. October 1880. =^=:^ 



Herausgegeben von der Direction der Königlichen Thierarzneischule. 

Verfasst von Dr. A. Q. T. Leisering, 

K. 8. Medicinalrath und Professor an der Thierarzneischule. 
1880. Lex. 8. 13 ^/^ Bogen mit 2 lithogr. Flänen. Preis Mk. 4— . 

Lehrbuch der Pharmakologie für Thierärzte. Auf Grundlage des 

Arzneibuches für das Deutsche Reich und der Pharniacopoea Austriaca, sowie 
mit Berücksichtigang der Pharmakognosie, pharmaceutischen Chemie und 
Toxikologie bearbeitet von Dr. Georg Müller, Professor an der thierärzt- 
lichen Hochschule zu Dresden. Mit 71 künstlerisch ausgeführten Original- 
Holzschnitten. 1894. gr.80. geh.Preis Mk. 12,— , eleg. gebunden Preis Mk. 14,— . 
Dieses von der Kritik auf das Günstigste aufgenommene Werk vereinigt 
— zum ersten Mal in der deutschen Litteratur — alle Disziplinen der Pharmako- 
logie in sich, nämlich die Materia medica, die Pharmakognosie, pharmaceutische 
Chemie und Toxikologie und ist daher in den betrelFenden Kreisen, sowohl im 
Deutschen Reiche, wie in Oesterreich-Ungarn, als ein thatsächliches Bedürfniss 
hoch willkommen geheissen worden. 

®et fraitfe »^mtb. Einleitung 5itr (Srlennung , 33e:^anbhtng unb öfilw^f! '^f"^ C^unbe^ 
haiiftjeiteu uiitcv Eingabe ber lielDQ£)i1ei'ten Heilmittel. 9iQd) ber (frfaljrung lie= 
arbeitet Don Oberförftcr i*. GiicnfcU. 1888. S». 5t>vei§ Wt. 1,—. 

®te 9rßltic:^r ber ^iinber^Jeft »on bcn ©renjen ®eulid)[anbf^ SSon ®e^. 9?cgievung§= 
rott) Dr. airuiiino. 1871. !I. 80. Ml —40. 

®tC .^imbcfragc üom etanb^nnfte ber ^>arteien unb ber ^oliäei in 
®eutfdifanb§ gviifeeren ©taoten. ©in 9iefonuiHn-fd)Ing. 'ßon @€i). 9iegie= 
rungSvat^ 5lrt()iir SB. Äöitios^cim. 1880. 8». Wd. 1,—.* 



Verlag von G. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung in Dresden. 

®ie SBirfung be§ ^iiBcvfitltnS uitb fein Söcrt:^ aU (SrfemtimgSmittel 

bei- Suberfulofe unferer §au§tf)iere. 58Dn ^rof. Dr. 91üöcr. 1901. 8". 
5Jif. —,60. 

Ueber die Structur und das Wachsthum der Hornscheiden der 

Wiederkäuer und der Krallen der Fleischfresser. Von Otto Siedamgrotzky, 
Prof. an der Königl. Thierarznei schule in Dresden. 1871. Mit 4 lithogr. 
Tafeln, gr. S». eleg. geh. Preis Mk. 2,50. 

für baS Slöniöveii^ Sai^jen. 

§um ©cbrauriic für^cnttflltungsbcnmte^aBcmftnöcüorlläniij'^^ljierärjtc uniignniiitttrtljc 

äujammengeftellt üon Dr. C f^ichamcitotiftf, 
^jcf). ^acbtcinnfrafe, ^rof. n. b. ^öniflt, WitäiiU. /socöfcftttfc ju prcsben unb il. #. c£anbcstOicrarjt. 

3. umncnröcltcte ^uflflöc. 1896. 2:afd)enformat; )3ra!tifd) gebunben ^rciö 9)U. 3— . 

S n ^ a 1 1 : 

I. ®efe^e unb SSerorbnuttgen, tüeldie bie 91inDcrt)eft betreffen. 
II. ©efefe :inb SSerorbnungen, nield)e bie übrißcn S3icf)fcii(f)CU betreffen. 

III. Ü5efe|e unb ^ßerorbnungen, toeldie bie ©iitfctinDloung für Xljierc betreffen. 

IV. ®efet^e unb $8erorbnungen, tueldie bie ^eSltlfeftion Der ©ifcnbnftmtiflfleu betreffen. 
V. ©efeie unb SSerorbnungen, meldje bie Si6tt)cf)r Don S3ict)fcud)rn Uom StuölttnDc betr. 

Stn[}anq: ©emeinfa^ttdje a3ele^ruug über bie (ad|tt)Cincfcud)C, ®(f)«)cinci)cit unb beu 

9lütl)lauf Der ®ct)tt)cinc. 



©auimluiiß ber ©efelje unb aSevorbmuiöeu, 

bie fid) auf bie 5Ui§übung ber 2^iert)eil!unbe begießen. 

I. Sie Drganifation ber SSeterinär^^oIiset. — II. S(u§übung ber 2;[}ier^ei(Iunbe. 2;i)ier= 

örgte. — III. Slräueitcaarentianbel unb Slpot^efentnefen. — IV. Stjierj^udit. — V. SranSport 

unb Haltung t}on Spieren. — VI. gleifc^befdiau. — VII. ?lbbederei. 

Sufammengefteat üon Dr. a^. ^ittfamgvof^hy,, 
^ce. Ittebicinarratft, frof . a. b. ^antflf. tOierärj«. Ssoäifäjute ju prcsbcu M«b |i. $. ^aitbcstfjüraväf. 

1893. 13 ^Bogen gr. 8». gebunben ^xc\§ SJlf. 6—. 

Sm ©egenfa|e ju ber obenfte^enb angeüinbtgten ©animtung ber S3eterinäri)Dli,^ei= 
©efe^e, bie ftd) ouSfc^üeftlid) mit ber @eud)engefe^gebuiig befd]äftigt, umfaßt biefe§ SSerf 
nüe gegenwärtig in i?raft befinbücf)en gefe|lid)en SBeftimmungen, bie nn engeren unb 
»eiteren ©inne' auf bie Stiiäiitmiig öcr X^ier^cilfiuiDe a3e5ug biben. 

SlKeS, tt)a§ im ®efe^= unb S?erorbnung§blatte in lofen Snftrultionen, 9J?anbaten, 
Siunbicbreiben, 58Drfd]riften unb SSerorbnungen ber Seprben im ^ebarf§faüe bi^fier müf)= 
fam äufammengefud]t »erben mufete, tüirb ^ier — t)Dn beruf enfter öani^ gufammen= 
geftellt unb mit einem fe^r forgfältig bearbeiteten al^l)abetifd)en ®ad)regifter öerfe^eu — 
in \ad-)üä) georbneter Dteit)eufDlge geboten. 



Verlag von G. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung in Dresden. 
Anleitung zur mikroskopischen und chemischen Diagnostik 

der Krankheiten der Hausthiere für Thierärzte und Landwirthe. Bearbeitet 
von Dr. O. Siedamgrotzky und Dr. V. Hofmeister, Professoren an der 
Königl. Thierarzneischule zu Dresden. Zweite verbesserte und vermehrte 
Auflage. Mit 56 Original -Holzschnitten. 1884. 8«. IX. und 228 S. eleg. 
geh. Preis Mk. 4,50. 

Inhalt: Einleitung. — I. Allgemeines über die Anwendung des Mikro- 
skopes. — II. Die häufigsten Verunreinigungen mikroskopischer Präparate. — 
III. Allgemeines zur chemischen Analyse. — IV. Blut. — V. Milch. — 
VI. Schleim. — VII. Harn. — VIH. Koth. — IX. Haut. — X. Eiter (Wund- 
secrete). — XL Neubildungen. — Anhang: Futter. — Wasser. — Fleisch. — Milch. 
Dieses vortreffliche Buch gehört im wahren Sinne des Wortes zum Hand- 
werkszeug des Tbierarztes und ist deshalb von eminent praktischem Werthe. Die 
neue Auflage hat wesentliche Umgestaltungen und Erweiterungen, namentlich hin- 
sichtlich der Mikroben- (Bacillen etc.) Lehre, erfahren und entspricht nunmehr nach 
jeder Richtung hin dem heutigen Standpunkte der Wissenschaft. 

®ie gefe^nd)Ctt ©runblagen für bie ^(eifd^Befc^au unb ftaattic^c ^ä)lati)U 

öie^t)eri"id)erutui im ilönigreid) 6ac^jeit. 3uin ©ebraudie für 58erit)altungöbeanite, 
(yemeinbeborftnnbe, Jicrävjte, Snnbiuirte unb Jie'fdjbefdjauev. SSon Dr. phil. 9}i. 
XcmlJcI, Stöbt. Düertierarjt u. ®ir. ber ftäbt. 5-Ieifd)befd)au in e^emnil,?. 1900. 
fL 80, in bießfamem Seinenbonb ^rei§ Wd. 2.—. 

Grundzüge der Naturgeschichte der Hausthiere. Von Dr. Martin 

Wilckens, Prof. an der k. k. Hochschule für Bodenkultur in Wien. 1880. 
gr. 80. 21 Bog. Preis gebunden Mk. 6, — . 

Dieses ausgezeichnete Buch ist vorzugsweise für Landwirthe geschrieben 
und thatsächlich berufen, eine Lücke in unserer Literatur auszufüllen, denn bis 
jetzt existirte kein Werk, welches die Naturgeschichte aller Hausthiere, d. h. 
ihre zoologischen und Rassen-Merkmale, ihre Abstammung, Verbreitung, Zähmung 
etc. in einem Bande behandelte. 

Post 1880, Nr. 313: „ . ■ . . Der Verf. beansprucht für das Ganze zu be- 
scheiden nur den Titel „Grundzüge" der Naturgeschichte. Besonders die Definitionen 
der verschiedenen Rassen der Hausthiere sind äusserst lehrreich und durch die 
klare Ausdrucksweise auch dem Laien verständlich, und in der That muss das 
Buch jedem Landmanne, in dessen Reich ja die Hausthiere vom Pferd an bis 
hinab zur fleissigen Biene eine so bedeutende Rolle spielen, viel Interessantes und 
Belehrendes bieten." 

Canbrt)irtl]fd^aft: 
33en(^te axtö beut ^^i)ftoIogif(^en gaöovatorium imb bcr 9Serfxt(3^§ttnftaIt 

bc§ Ianbnnrtf)fd)aftüd)eu 3n)'titut§ ber Uniüevfität ^^aU.?. §erauögegebeu öon ^rofeffor 
Dr. 3ut tü^n: 83i§ jetit er[d)ienen 15 ipefte. 
3Iu§iüC)rIid)e S"f)oIt^öer3eid)nii'fe mit Preisangabe auf S^erlangen foftenfrei. 

2tnleitmtg giir fachgemäßen ^anb^abimg ber ^inbüie^jXK^i sSon ^rofeffor 

Dr. @. ^ufd). 3. 5htfl. mit 3 ?tbbitb. 1891. ^m§ mt —,50. 

3ctts uttb «Streitfragen auf bem ©eBiete ber ^cnrtfieilung be§ 9f{inbe§, 

inäbefonbere über bie 3^afie=, 2(bftammung§= unb 5''-''i"inentierl}äIlniffe in iljien Se= 
jielungen ^u ben ^elftungen ber Spiere. 3Son ^mf. Dr. (S. '^n\ä) , £anbe§tt)ier= 
guc^tbireftor. 1900. ^rei§ 'm.. —.60. 



Verlag vou G. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung in Dresden. 




dninljrung öfsi^intmidjes 

wiffen|(fjaftH(^cu mib ^jroftifdjen @cft(fjt§)}unfte. 

(Sine non ber Scf)Iefi[cE)en ©efellfrfiaft für t)aterlänbtfcf)e Kultur 

gehrüute $)retBfdjtift 

non 

Dr. gultuö ^nljn, 

®e^. D6er=9ie(5icTiing?=Diat(j, erb. öffcnt(. ^Jivofeffrv unb Sircttor bc§ tQnbiuirtr)fcf)aft[irfieit 
:3nftitut§ ber nniüerfitiit §alle, frü.ercui prn!tifc()en SanblDtrttie. 

'gHoito: „Sa§ Süige bc5 §ertit mäftet feilt SBie^." 

11. fcl^r bcvmel)vtc «nb ticröcffcttc Sluflrtflc. 

Wlit 64 in ben Xej;! eingebrncften £>Dläfd)nttten öon ^xo\. §. SBürfner. 
1897. gr. 8«. 432 ©eiten. Sn gefc^macföDlIent (äinbonbe «ßrciS SDlf. 7— . 

2)a§ t>orftef)enb angefünbigte 33ud) ää{)It gu ben berü^niteften 3Ser!en ber lanbiu. 
Sitteratur: e§ bebarf feiner (Smpfe^hing meliv, benn bie ^Jcottiwenbigfeit einer 11. Stuftagc 
fpricf)t berebter al§ bie uiortreic[)fte 9lnpreifung. 3)er S^erfaffer wax auf ba§ ®ett)iffen= 
f)Qftefte bemüfit, and} für biefe 11. 5tuflage bie iärgebniffe ber neueren unb neueften Unter; 
furfntngen über tl)ierifcl)e (Srnäbrung ,^u üeritiertiien unb burd) bte 93erüdfid)tigung ber' 
mannigfadien llmgeftaltungen, bie bie g-ütterungSIefire Umbrenb ber legten ^abre erfabrcn 
bat,, ift ha§, 33ud) nunmebr in Sabi'beit uneber auf bie .'pööc bct 3cit gebvad)t iDorber. 
9iu§ biefem ©runbe werben firf) felbft bie SSefi^er ältefer 9(uf!agen — »Denn anberg fie 
mit ber 2Siffenfd)aft ©d)ritt 'i)alkn röoHen — "ber ?tnfd)affung audj ber neuen Stu§gabe 
nid)t entf)alten Üjnnen. 

gwetf unb 3TufgaBe ber Sattbirirt^fi^aftSsSSiffenfc^aft an ber Unit)erfttät. 

Deffentlicfje Stntrtttg^SSorlefung, gebalten in ber Stula ber Unitierfttät Sei^^gig am 
30. Slpril 1890 öon Dr. SBit()clm tird)ucr, orb. «ßrofeffor unb "Sireftor be§ 
lanbroirtbftf). SnftitutS ber llnioerfttät Seipsig. 1890. gr.8« eleg. ge^. ^rei§ 3)?f. —,60. 

S)te gtüetf madige (grttd^nmg be§ 50?il(^t)te^e§ üom tüirt^fi^, (^tanb^imfte. 

9Son ®e^. |)ofratb ^ßrof. Dr. SSil^cUn Siritincr. 1901. ^rei§ Wt. —,60. 

3eits xmb Streitfragen an§ bem ©eBtete ber ®üngerle^re, «Bon 

Dr. 2öilf)clm Äirdjncr, orb. ^rofeffor unb ©ireftor be§ lanbm. 3tt[titut§ ber 
Uniüorfhät Seipäig. 1894. ^5rei§ Wt -,50. 

Ueüer bett relatiöeu ®üttgett)ert^ ber ^f)o§p^at^ mit befonberer 3tücffid]t= 

nabme auf S^omaSfdilade, linDd)enmebI, ^eruguano unb i^JobroIit^enmebl. Sine öon 

ber Siebig=Stiftung bei ber Ifgl. 53ot)erifcben Slfabemie ber 2giffenfd)aften in ^Kind)en 

gefrönte $rei§fd)rift üon ißrof. Dr. (S. mavd, Dirigent be§ Ianbtinrt^fcbaftlic^= 

pbt)1toIogifd)en SaboratoriumS unb Ianbiuirtbfd)aftIid)=bDtanifd)en G?arten§ an ber^gt. 

Unitjerfttät ^u S?önig§berg. 1889. (Sin ftarfer 33anb in SeiiEon 8». m\t 2 Iitt}o= 

gra^^irten Slbbilbungen unb 23 farbigen Slurüentafeln. ^rei§ eleg. ge^. Wd. 12,~. 

$rof. Dr. (£. SB o Unb in 93?üud)en fagt über ha^^ 33ud) in einer fe^r au§fübv= 

Iid)en S8efpred)ung: „Sie D^efultate, bie ber 58erfaffer burd) feine mit ftaunen^siuertfiem 

g-Iei^e unb großer llmfidit ausgeführten ej:afteu 3Serfud)e erf)ielt, finb für bie ^raji§ 

öon fo einfdineibenber 3Sid]tigteit, ha^ e§ geboten erfdjeint, bie Slufnicrffamfeit 

ber |3ra!tifd)en 2anbniirt(]e auf bie in 9febe ftebeube Sd)rift unb if)re S3ebeutung für bie 

S^üngerle^re an biefer Stelle biuäulenfen." 



I. S3anb. 3. ?ruf(oge. 

|»ü^ncr, %xütt)ül)nev, ^crU)uf)ncr, 
Pfauen, gnfnncn jc. 

1896. 2)Jit 102 $oI,^[dniitten. 



Verlag von G. Schönfeld's Verlagsbuchhandlung in Dresden. 

Süiiftrirteg ^axMuä) ber ^eberöie^guci^t 58ün Dr. «l. 6. @d. ©nlönmiiö. 

©QUälici) unifleftaltet unb umfleartieitet Hon Dtto öirün^albt. 

IL SBanb. 2. ^ruflage. 

f tc Stauben iinii öas PnjTergf flügcl : 
Xnuöcn, ©ntcii, (Sänfc, Sdironne. 

1897. SOJit 133 .'poläfdiiutten. 
¥n-ei§ gel). 2KE. 12,-, eleg.'gbb. Wd. 14,—. | ^rei§ ge^. 2Jtf. 12,-, eleg. gbb. Wt. 14,—. 
i^" Scbcr «ani> tft ein,^cln frttif(tc^. "^Q 

®ie[e§ 2BerE l^at t>on je^er ben er[ten ^Ia|( in ber beutfd)en ©efüigelütteratur ein= 
genommen; bie je|3t öovüegenbe 9tenbearbeitnng mirb mefentUd) ba,^n beitragen, i^m biefe 
benorängte ©tefle bauernb ju fiebern. 3lu§f üfirlidjen ^rofpeft mit ,^n()IreidKn 
^Iluftrationiäproben üerfenben mir auf SSertangen überallbin gratis. 

®ic ^nbwftneüc ®cftügclgu(^t im ©ro^* unb ^IctitBctricB. 3? du 

Otto @riint)nlDt ©ine S^arfteHung i^ter Sntiüiifetung bi§ jur ©egenmart unb 
ein |3raftifd)er {^ütjrer unb 9fatt)geber für ergiebige ©ierprobuftion, 33rut, ^infjud)!, 
SOtnftung nnb ^Bermertbung alter ?(rten unfere§ 9htl^geflügel§. SDcit 31 ?(bbtlbungen. 
gugleid) üierte, gänälid) umgearbeitete unb er^eblid) erweiterte 5hiflage ber „fünft- 
Iid)en ® ef (ügel^ud)!" Don Dtto ©rün^albt. 1896. 12 Seiten 8". gJreiö 
ijübid) gebunben 5Dtf. 2,50. 
Sn^aIt§ = 2Ser5eid)ni^. SSortuort. — ^ie Sitteratur über fünftlid)e ®ef(ügel5Ud)t — 
(frfter 3lbfd)nitt. ©ntttiidelung§gcfd)id)te ber fünftlidjen 33rüterei. — (I"in= 
leitung — S)ie fünftticbe ^rut in iSgypten unb ©bina. — ®ie tünftlid^e 33rut in 
©uropa unb 5(merifo. A. Suftbrüter mit Safferbeiäung. B. Safferbiüter. Tie 
e(e!trifd)e SBörmereguIirung. C. Suftbrüter ebne SBafferbeijung. — S'^'^i^er 
3lbfd)nitt. 5ht§fübrung ber !ünftlid)en ^örnt unb Sluf,^ucbt. — "Sie 3tu§ioabi ber 
S3ruteier. — Sluefübrung ber fünftlid)en 33iut. — Sie fünftlicbe Sinfjudit. — 
©Uten, ^erlbübner, Srutbübner, g-afanen. — Sri tter Slbfd)nitt. ®ie inbuftrielle 
©eflügelsud)t. — ©eflügeläud)t auf ©iergeminnung. — SJiäftung be§ ©eflügelö. — 
©diiacbten, 9{u)5fen, 5)reffiren unb S*ierpaden. — '^k ßudit auf 3-Ieifd)er5eugung. — 
®ie $8ernicrtbung ber ßrjeugniffe. — SSeranfd)lagung ber ©inridjtungöfoften. — 
Diücfblide unb 3latf)fcbläge. — 9Jacbtrag. 

^ic |5?ifC^U)äffcr im ilÖnigrcic^C ^ai^fcn. Sarfteünng ber gefammten fäc^fifdjen 
3-ifc£)ereitierl)äItniffe. 9(uf ©runb eigener (Srmiltelungen beiauSgegebeu Dom Säd)f. 
g-ijd)evei=3>erein. iöcaibeitet üon Dr. iBruiiO <BtCQÜ<S]. Wü einer großen 5-ifc^tr)affer= 
farte in 33untbrud, einer ©Ibftiomfarte in 17 a3(att, 3 ^rofiltafeln be§ SlbfiromeS, einer 
grapf)ifd)en Sarfteüung ber ©tromgefd^minbigfeit, fomie 23 in ben Sejl gebrndten 'äb= 
bilbungen tion (Vfnggerätben. 1895. gr.8o, eleg.auSgeftattet, fartonivt. ^rei§ SKf. 15, — . 

Gin SSerf, mie e§ big jeM fein anbercS üanb unb feine anbere Sitteratur aufäumeifeu 
^at; e§ ift bie f^rud)t 10jä!}iiger angeftiengter ?(rbeit unb bemunbern§mertben g-leifjC'o. 

?lu§fübrlid)er ^rofpett mit 3n^"lt§angabe ftebt auf 3Bunfd) gratis jn '3)ienften. 

Fischerei =Wirthschaftslehre der natürlichen Binnengewässer. 
Von Eduard August Schroeder. 1889. gr. 8». geh. Mli. 4,—. 

Zum ersten Male in der Litteratur wird dieser Gegenstand vom national- 
ökonomischen Standpunkte und im Gegensatze zur künstlichen Fischzucht be- 
handelt und mit Recht dürfen wir das genannte Buch als eine wichtige 
Erscheinung auf dem betr. Gebiete bezeichnen. — In überzeugender Weise 
zeigt der Verfasser, wie wenig bisher seitens der berufenen Kreise für die 
Fischereiwii'thschaft, welche ebenso wie die Land- und Forstwirthschaft einen 
Theil der Volkswirthschaft und eine Bedingung der Volkswohlfahrt bildet, 
gethan worden ist und welchen Gefahren wir entgegengehen, wenn in dieser 
Hinsicht nicht Wandel geschaiftm wird.