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Full text of "Die Grabschrift des Aberkios"

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a Ui^jt4X 



H^arbarli College Hibraru 



CONSTANTIUS FUND 

Eiliiblished by Professor E. A. Sophoclbs of Mar 

Uni»*TSity for " Ihe purchssc of Gretk und Lat[ 

books. (Ihc ancleot classic«) or of Arabic 

booki, or of books illmtnitias or «. 

plalnlng luch Greek, Latin, or 

Arabic books," Will. 



Received X W-. ..OkJ^:v;r\.AJL--^ rS^.^^^ 



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^ 



DIE GRABSCHRIFT 



DES 



A B E R K I OS 



ERKLÄRT 



VON 



ALBRECHT DIETERICH 




LEIPZIG 



DRUCK UND VERLAG Ctl VON B. G. TEUBNER 



1896 




Q.Cl^J'^--(' 



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Ccn^v.AXouvZfc:<A^ l^cA^ 



ALLE RECHTE, 
EINSCHLIESSLICH DES ÜBERSETZUNGSRECKTS , VORBEHALTEN. 



M^y — 



JOHANNES BAUER 



DEM TREUEN GENOSSEN ZWEIER ROMFAHRTEN 



ZUR ERINNERUNG AN HERRLICHE REISETAGE 



12. IX. 1896 



Vor^vort. 



Nicht eigentlich als Buch will dies bescheidene 
Heftchen angesehen werden. Schon vor anderthalb Jahren 
habe ich meine Auffassung der Grabschrift des Aberkios 
der Hauptsache nach vor einem Kreise von Fachgenossen 
in Rom mit deren voller Zustimmung vorgetragen und 
habe meine Meinung, als ich ein anderes damals noch 
stehen gebliebenes Rätsel gelöst glaubte, auch hier vor 
kurzem einem Kreise von philologisch-historischen und 
theologischen Kollegen vorgelegt. Aus jenen Vorträgen 
ist dies Heftchen entstanden, und ich glaubte angesichts 
der fortwährend neuen verfehlten Deutungsversuche meine 
Erklärung nicht länger zurückhalten zu dürfen. Ich 
hoiFe, dafs man bei dem Gange meiner Interpretation 
ausführliche Widerlegungen der anderen Deutungen nicht 
vermissen wird. Vorangestellt habe ich nun noch aufser 
den notwendigen orientierenden Notizen über Fund und 
Überlieferung der Grabschrift eine genaue Ausgabe des 
Textes, die abschliefsend genannt werden darf. Der 
Apparat stellt in nuce eine Geschichte der Erklärung 
der Inschrift dar, und diese Geschichte hat an sich ihr 
eigenartiges grofses Interesse. Ich glaubte so meinen 
Lesern eine ab schliefsende Ausgabe der Grabschrift und 
ihre rechte Erklärung handlich machen zu können und 
fand darin die Berechtigung dieses Aberkiosbüchleins. 



— VI — 

Zu danken habe ich für thätige Teilnahme und 
Anregung Eugen Petersen und Christian Hülsen in Rom, 
Ernst Maafs für freundliche Hilfe bei der Korrektur. 
Für vielerlei Rat und Unterstützung bin ich meinen 
Freunden Adolf Jülicher und Wilhelm Schulze aufs neue 
verpflichtet. 

Marburg i. H., 15. Juli 1896. 

Albrecht Dieterich. 



Inhalt. 

Seite 

Vorbemerkungen über Fund und Überlieferung i 

Text der Grabschrift des Alexandros 6 

Text der Grabschrift des Aberkios mit kritischem Apparat . 6 
Hergestellter Text der Grabschrift des Aberkios mit Über- 
setzung 12 

I. Die Zeit der Grabschrift des Aberkios i6 

II. Die Romfahrt des Aberkios 20 

III. Das Kultbekenntnis des Aberkios 38 

Die religionsgeschichtlichen Probleme der Grabschrift .... 51 



Von dem Leben, von den Reisen und von dem 
Tode eines Bischofs. Aberkios von Hierapolis erzählt 
eine Legende, die wir nur in der Verarbeitung des 
Simeon Metaphrastes besitzen.^ Sie war längst, wenn 
auch nicht vielen, bekannt. Dort war auch die Inschrift 
eines Grabdenkmals des angeblichen Bischofs eingefügt, 
das ein Dämon habe von Rom nach der phrygischen 
Stadt tragen müssen. Erst als merkwürdig glückliche 
Funde lehrten, dafs die Verse in der That von einem 
wirklichen heute noch zum Teil vorhandenen Steine al> 
geschrieben seien, konnte man die Grabschrift und die 
ganze Legende von festem Punkte aus richtig zu beurteilen 
sich anheischig machen. Die wenigen Verse bekamen 
dadurch eine nicht geahnte, noch heute kaum ganz er- 
kannte Bedeutung. 

Ramsay fand zuerst 1881 den Grabstein eines Alex- 
andros, Sohnes des Antonios, der dieselben Anfangs- 
und Schlufsformeln, die auch jene Verse umschlossen, 
allein enthielt und dazu eine Zeitbestimmung: der Stein 
ward dem Alexandros 216 n. Chr. gesetzt.^ Er stand 
bei Hieropolis, einer anderen viel weiter im Innern Phry- 
giens gelegenen Stadt. Zwei Jahre nachher fand Ramsay 
zwei Bruchstücke der Aberkiosgrabschrift selbst, nahe bei 
demselben Hieropolis, in der Nähe der heifsen Quellen 



1 Acta Sanctorum , Oktober IX p. 493 ff. 

2 S. Journal of Hellenic studies III (1882) 339. S. besonders 
Text und Facsimile bei de Rossi Inscriptiones Christ, urhis Romae 
II I p. XVIII. 

Dietericfa, Grabschrift des Aberkios. I 



— 2 — 

in einem Gange, der zu dem Männerbade eines Thermen- 
baues führte.^ Das gröfsere der beiden Bruchstücke 
schenkte der Sultan dem Papste, und nun sandte Ramsay 
das kleinere, das er mit in seine Heimat genommen 
hatte, ebenfalls nach Rom. Beide Stücke stehen vereint 
im Museum des Lateran. Nun beurkundet eine moderne 
Inschrift, die im März 1895 aufgestellt wurde, die 
Schenkung des Nachfolgers des Propheten an den Stell- 
vertreter Christi; die Bedeutung des Geschenks ist in 
die Worte gefafst^ 

FRAGMENTVM • TITVLI • SEPVLCRALIS 

EX . ASIA . ADVECTVM 

IN . QVO . ABERCIVS • HIEROPOL • EPISC • SAEC • II 

VNIVERSAE . ECCLESIAE • CONSENSVM 

IN . VNAM . FIDEM • TESTATUR 

Die Grabschrift ist aus sich selbst zu erklären und 
zu beurteilen. Ich brauche nicht auszuführen, dafs sie 
ursprünglich nicht dem Bischof von Hierapolis gegolten 
haben kann, dafs dessen Romfahrt zur Heilung der 
Kaisertochter in der Legende nicht die sein kann, von 
der die Inschrift erzählt. Wir sehen es jetzt klar, wie 
die Grabschrift, die der Legendenverfasser abgeschrieben 
zu haben selbst versichert, der Mittelpunkt war, um den 
sich die Geschichte gestaltete in der vielleicht schon an 
Ort und Stelle langsam entstandenen Deutung und Aus- 
dichtung einer schon legendenreichen späteren christ- 
lichen Zeit. ^ Deutlich lassen sich die Elemente der 

1 S. Journal of Ilellenic studies IV (1883) 424. Die weiteren 
Behandlungen der Inschriftreste rühre ich unten S. 6 ff. an, wo der 
Text der ganzen Grabschrift gegeben wird. 

2 S. Orazio Marucchi Nuove osservaziont sulla iscrizione di 
Abercio im Nuovo hullettino di archeologia cristiana I (1895) p. 20. 

3 Es ist sehr bedeutsam, dafs es viel später einen christlichen 
Bischof von Hieropolis desselben Namens wirklich gegeben hat 
(Mitte des 5. Jahrh.); das wird die Veranlassung gewesen sein, 






heiligen Aberkiosnovelle erkennen. Das erste, das be- 
wegende Element, ist die Inschrift, die darum auch ge- 
wissermafsen zum Zielpunkt der Erzählung wird: der 
ausgetriebene Dämon mufs den Grabaltar ^ nach Phrygien 
tragen; dann einige Lokaltraditionen wie z. B. die, dafs 
Aberkios den Bau der Thermen für seine Vaterstadt in 
Rom erwirkt habe; ein ähnliches Verdienst hat der Aberkios, 
der im Thermenbau begraben lag, gewifs sich erworben. 
Das dritte Element ist das Vorbild anderer Legenden, 
und zwar entweder der des Diakons Kyriakos, eines 
Märtyrers unter Diokletian 2, oder einer ganz gleichartigen, 
nach der auch ebendiese gemacht sein könnte. Es ist 
hinlänglich bewiesen, wie eine ganze Anzahl der speziellsten 
Züge in beiden Erzählungen übereinstimmt in einer Weise, 
die jede andere Annahme als die der Übertragung aus 
der einen in die andere ausschliefst, und dafs eine 
Reihe dieser Züge in der Kyriakosgeschichte sinnvoll 
und organisch, in der Aberkiosgeschichte sinnlos und 
ungeschickt sich ausnimmt.^ Es mag auch dies für 



dafs man die alte Inschrift wieder beachtete, in neuem Sinne ver- 
stand und dafs allerlei Sage und Tradition vermischt mit der Ge- 
schichte des wirklichen Bischofs daran emporwuchs. Die Vita wird 
bald nach dieser Zeit geschrieben sein, sicher nach Julian, wahr- 
scheinlich beträchtlich später. — Die Identifikation des Aberkios 
der Inschrift mit einem Avercius Marcellus kann ich auf sich be- 
ruhen lassen, da sie durch nichts nur entfernt zu beweisen ist. Es 
gab offenbar viele 'Aß^pKioi, 'Aou^pKioi, 'AouipKioi. 

1 Der ßiJU|a6c auf dem Grabe ist doch ebenso gut etwas Alt- 
christliches als Heidnisches. Es ist verkehrt, in der Altarform, die 
der Metaphrast besonders erklären müsse, eine Spur heidnischen Ur- 
sprunges zu sehen. Dafs der christliche Altar so vielfach ursprünglich 
das Heiligen- oder Märtyrergrab war und so oft in katholischen 
Kirchen noch ist, weil eben ein solches Grab einen Altar für die 
Totenopfer hatte, habe ich von meinem Freunde Bauer gelernt. 
Auch in der altchristlichen Zeit gehört Grab und Altar zusammen. 

2 Acta Sanctorum , Januar II p. 7 ff. 

3 Den Beweis hat kurz und schlagend geführt LMHart- 



I* 



— 4 — 

die Zukunft wertvoll seini dafs sich hier in einer, wichtigen 
Wundemovelle die einzelnen Faktoren der Entstehungs- 
geschichte der Heiligenlegende, so klar zum ersten Mal, 
erkennen lassen. 

Hier geht uns nur noch die Grabschrift an. Ich 
lege zunächst den Text der Alexandrosgrabschrift und 
der Aberkiosgrabschrift vor, so wie ich ihn nach vieler 
vereinten Bemühungen feststellen kann. Die immer wieder- 
holten Kollationen des Steines selbst können als abge- 
schlossen gelten, und es ist nun möglich das Material 
für die Textrecension abschliefsend vorzulegen. 

Das, was in der Inschrift erhalten ist, zeigt die ver- 
hältnismäfsige Zuverlässigkeit der Abschrift des Legenden- 
schreibers. Diese Abschrift mufs da unangetastet als Text 
hingenommen werden, wo nicht durch die Inschrift oder 
durch sichere Indicien in der Abschrift selbst deren 
Unrichtigkeit sich beweisen läfst. An einigen Stellen 
ist ihre Fehlerhaftigkeit durch den Stein erwiesen, und 
es wird auch an anderen Stellen da, wo der Beweis 
eines Fehlers unmöglich ist, die Möglichkeit eines 
falschen Textes zugegeben werden müssen, zumal ^er 
Erzähler selbst sagt, dafs er nur ungefähr die Inschrift 
wiedergebe.^ Anfang und Schlufs erhalten durch die 



mann Abercius und Cyriacus in den Serta Harteliana, Wien 1896, 
p. 142 ff. Die Abhängigkeit der Aberkioslegende zu erweisen sind 
die dort angeführten Momente vollkommen genügend. Auf die 
besonderen Punkte, die Zahn Forschungen zur Geschichte des 
neutestamentlichen Kanons V 87 if, besprochen hat, gehe ich jetz^ 
nicht ein. Dort ist z. B. fein festgestellt, dafs in der Vita für di^ 
Zeit Mark Aureis als Statthalter von Asien zwei Männer genannt 
sind, die im i. Jahrh. vor Christus dort in der Verwaltung der 
Provinz aufeinanderfolgten; wiederum andere geschichtliche Dinge 
sind dem Verfasser ganz gut bekannt. Er schöpfte aus sehr vagen 
Kenntnissen und zufallig au^eraiften Namen oder Notizen aus der 
Geschichte Asiens und hat eine unverächtliche Lokaltradition. 
I C. 41: Tct iidv 5i?| Tob iiTiTpdMMCiTOC dibd ttuuc dirl \^H€UJC 



— 5 - 

Alexandrosinschrift in der Hauptsache nur ihre Be- 
stätigung. Wo der Aberkiostext abweicht, haben wir 
kein Recht ohne einen anderen Grund den Alexandros- 
text einzusetzen, auch wenn gerade da die Möglichkeit 
^iner Verlesung des Abschreibers der Aberkiosinschrift 
zuzugeben ist. 



elxev, ÖTi |uV] ö xP^^voc öqpciXe kqI öXCtov rr\c dKpißeiac Kai 
y)|uapTii|Li^viüc ?x€iv Tf|v xpCKpi^v Trap€CK€Oac€v. 



Grabschrift des Alexandros, Sohnes des Antonios» 

^JkXckttic TTÖLXeJujc 6 TroXeiLiric tJoöt' ^TroiTi[ca 

2ujv ijv* fx^ q)avep[0ücj ciiinaToc £vOa Oeciv. 

oövo|Li' "AX^Havbpoc 'Avt[u)Jviou juaeirrfic TroijLievoc dTVoO. 

ou juevToi TU|Lißtu TIC djLiijj ^Tepöv Tiva Grjcei. 
5 ei b' CUV, 'PiDjLiaiuiv lajueiiu 0r|C€i bicxeiXia LxJp^cS 
Ktti LxJpncTr) Traipibi 'lepoTiöXei [xJ^iXia LxJp^cä. 

^Tpacpii It€i t' juTivi g' Zövtoc. 
eipiivri TTOpaTOuciv xai jLiv[i;icjKO)Lidvoic irepi f]LMj*JLiv. 

Ramsay Bulletin de corresp. heiUn. VI (1882) 5l8f, Ebenda 
VII (1883) 327 f. Journal of Hellenic studies HI (1882) 339ff. 
Facsimile bei de Rossi Inscriptiones Christ, urbis Romae II i 
p. XVIII. Wilpert Prinzipienfragen der christlichen Archäologie 
Tafel II 2. Reproduktion einer Photographie nach dem Stein, die 
Baltazzi-Bey besorgt hat, bei Duchesne in den M^langes d*arch^O' 
logie et d'histoire XV {1895) pl. I, Frühere Angaben der Lesung 
und der Lücken sind nach dieser sehr klaren Phototypie berichtigt. 

Grabschrift des Aberkios. 

CKXeKTTic TTÖXeujc 6 7ToXeiTr]c toöt' dTroiiica 
2ajv IV ' fx^ Kttipiu cuifittTOC dvGctbe G^civ. 

Ramsay Revue arcMologique 1883 p. 194 f. Journal of 
Hellenic studies IV (1883) 424. The Academy 1884 p. 174. The 



Majuskeln = Grabschrift des Aberkios im Lateran = Z(ateran- 
inschrift), Minuskeln »= Text der Vita des Metaphrasten «= F, Grab- 
schrift des Alexandros := -<4(lexandrosinschrift). Der Text von Fist an 
L angeschlossen. Wo L vorhanden ist, fällt die Kopie von L durch V 
für den Text weg. Die Ergänzungen in -<4 s. oben im Texte von A, 

2 Kaipiü V <pav€p[ujc] A <pav€ptüc ThZahn GFicker ^v- 
6db€ V ^vGa A ^v8a alle Herausgg. Dafs erst die Überlieferung 



— 7 — 

oövojLi' 'AßepKioc 6 uüv jLia0r]Tf|C TroijLievoc dTVoO, 
8c ßocKei TrpoßctTiDv dy^Xac öpeciv Trebioic re 



Expositor 1889 p. 156 fF. 253 ff. 392 ff. de Rossi Inscriptiones 
Christ, urhis Romae II i p. Xllff. IBLightfoot The Expositor 
1885 p. II. The apostolic fathers^ I 492 ff. II I, 478ff. Wilpert 
Prinzipien/ragen der christlichen Archäologie 50 ff., Taf. II I. 
ThZahn Forschungen zur Geschichte des neutestamentlichen 
Kanons V 68 ff. Preger Inscriptiones graec, metr, ex scriptor, 
collectae nr. 34. Ficker Sitzungsberichte der Berl, Akad, der 
Wissensch, 1894 p. 87 ff. Blofse Abdrücke führe ich nicht an. 

Nach diesen älteren Editionen und Angaben sind für Fest- 
stellung des inschriftlichen Befunds benutzt: ChrHülsens Ab- 
schrift nach CRobert Hermes XXIX (1894) 422, Harnacks Text 
nach Mitteilungen von Dr. Holl in v. Gebhardts und Harnacks 
Texten und Untersuchungen XII, Heft 4^, S. 3 ff., VSchultze 
nach Mitteilungen von de Waal Theolog. Litter aturblatt 1894 
Nr. 30 S. 353, de Waal Rom, Quartalschrift 1894 S. 3 29 ff. mit 
der photographischen Reproduktion eines Calco Taf. VI, die sehr 
wertvolle Phototypie des Steines selbst bei Marucchi Nuuvo 
hullettino di arch, cristiana I Taf. III — VI und VII, Duchesne 
Melanges d^archdologie et d'histoire XV (1895) 155 ff., Wilpert 
Fr actio panis S. 124, 126, Tafel XVII nach einer 'überarbeiteten' 
Photographie. Aufserdem habe ich selbst die Inschrift in Rom 
mehrmals untersucht. 

Die Varianten in den Hss. der Vita zu werten ist bis jetzt 
unmöglich, deshalb gebe ich die Hss. im einzelnen nicht an. Was 
bis jetzt an Angaben darüber vorhanden, s. beiBoissonade-4«^^^/, 
graec. V 462 ff.. Acta Sanctorum Oktob. IX 493 ff. (die gleiche 
Recensioii gebraucht bei Migne CXV 121 1); Angaben für den 
Text der Grabschrift in der Vita bei Pitra Spicileg, Solesm. III 532 ff., 



von V die gewöhnlichere Form eingesetzt habe, ist auch mir wahr- 
scheinlich. 3 TOÖvojna einige Hss. von V 6 ^v V (alle Hss.) €i|Lil 
Lightfoot öbv ö Pitra Ramsay und fast alle folgenden. Wir haben 
nicht das Recht das Metrum herzustellen: Namen und Titel sind 
nicht damit in Einklang gebracht. oövo|li' 'A. Cbv ö juaSriTi^c ist 
unmöglich (Oüv ö |iia0iiTf|C zu verbinden verstöfst gröblich gegen 
alle griechische Sprache) ö |aa0iiTr|C statt ö Cuv |Lia6TiTr|c (der 
welcher ein Jünger ist) ist auch nach A unwahrscheinlich 4 oöpeci 
einige Hss. von V oöpeciv öc ßöcK€i irpoßdTiuv d^Aac ireöioic re 
Ramsay 



— 8 — 

5 öqpGaXjLiouc 8c äx^x jucTaXouc iravTri Ka0opu)VTac. 
oijTOC Ydp |Li* dbibaHe TpafiiuaTa TTiCTOt. 

7 EIZPQM-N 8c fTieiLiviiev 

EMENBALIAfiav dOpficai 

8 KAIBAIlAIZ'^ay IbeTv xpv^cöc 

TOAONXPYlOTT^blXoV 
9 AAOrSAEIAONi-K€l XajLATrpdv 

Z<t)PArEIAANExoVTa 
lo KAIZYPIHZnE/ov eiba 

KAIAZTEAHAvTa NlcTßlV 
XI EY<DPATHNAIAI ac Tldv 

THAEZXONZYNC jiTlTUpOUC 

Analecta II i64ff., de Rossia. a. O. II i p. Xllff., ThZahn a. a. O. 
V 68 fF. Einen syrischen Text der Vita publiziert Conybeare 
Classical review 1895 p. 295 ff. Er ist sehr stark entstellt und darf 
kaum zur Herstellung des griechischen Textes verwendet werden, 
s. Duchesne a. a. O. 158. 



5 irdvTa einige Hss. von V KaBapcOovrac eine Hs.; xaöo- 
pöwvTac zwei Hss., xaGopuivTac die übrigen Hss. von V iravS* 
öpötüvxac Ramsay. Dem Verf. juief (^^ouc irdvTa Ka6op6ujVTac zu- 
zutrauen (ThZahn) ist nach seinen anderen Versen unmöglich. 
6 |i' und ^€ in den Hss. von V [rd JiwfjcJ Ypd|üi|biaTa Pitra [61- 
bdcKUüvJ Ramsay [Xöyouc xalj Halloix ThZahn [6€00 tAJ Becker 
Darstellung Christi unter dem Bilde des Fisches S. 36 [iLiuVicacJ 
AHilgenfeld Berl, PhiloL Wochenschrift 1896 Nr. 14 S. 430 f., 
5. unten S. 34 Anm. 2 7 ßaciXii giebt Ramsay an gelesen zu haben, 
ßac{X€iav und ßaciXeiav V, Die Angabe des Kopisten kann nichts 
entscheiden, s. unten S. 22 Anm. 2 9 cqjpayetöa V 10 Zup{r]C 
TT^ftov (ir^öuiv einige Hss.) x^P<^c clbov einige Hss. von V x^pcic 
hatten die Herausgeber getilgt, L bestätigt das. Nidßiv tilgen als 
Glossem Brinkmann (s. unten S. 36 Anm. 2) Robert xal Zupir^c 
ir^6ov clccTöov xal dcrea irdvxa Eöqppdxnv xtX. Robert 1 1 6iaßäc V 
irdvxac einige Hss. von F, eine iravTi, die andern irdvxn; hier 
ist alles Schwanken, das auch v. 5 und v. 12 ganz ähnlich in V 
eintritt, durch L beseitigt; ci)vo|ir]YOpouc V cuvoirdbouc Ramsay, 
cuvo^iXouc oder ajvo|Liif)p€ic oder cuvofir|6€ic Lightfoot, cuvo|üi/]p€ic 
Hilgenfcld, cuvobeirnv Zahn, cuvobirac Robert 



— 9 — 
^lz.TI^ TrdvTri be Tzpof\fe 

13 KAinAPEGHKE TpocpflV 
nANTHIXOYNArö m\fT\C 

X4 nAM^rE0H<A0apöV ÖV 

EAPAIATOnAPOrvoc dTVfl 



12 TTaOXov ^cujGev • iricTic irdvTri bä tipofyf^ V hi iravrl 
ein Teil der Hss. iji6\kr\v Ramsay b^\iiy k'K6\vi\v Zahn ^iroxov 
KirchhofF Robert ^11' öxOt»v OHirschfeld ^tt* öxouc Preger 
^TröuTTiv Hilgenfeld TTaOXov Ix^v dTTopeOönv iricTic (hi) iravTl 
Trpof^T€ ELingens Zeitschrift für katholische Theologie XX 
{1896) 312 Anm. 2. ttCctic alle Herausgeber, bis Ficker, Har- 
nack u. a. auf Grund der Inschrift zweifelten. Hilgenfelds *lcic ist 
nach dem Stein gänzlich unmöglich. Schon de Rossi gab nach 
Ramsay an, dafs das erste I in TTIZTIZ zu fehlen scheine 
(a. a. O. p. XVII adn. i). Dafs TTITII TIITII TIIHI TIIEII 
stehen könne, giebt Hamack nach Information aus Rom an. 
Hülsens Abschrift giebt IIZTIi.. Ich glaube auf dem Stein deut- 
lich die Reste einer schrägen Haste erkannt zu haben ^IZTIZ. 
Auch die Phototypie bei Marucchi läfst sie erkennen. Der Bruch 
des Steines geht links in der senkrechten Parallele zu 11 NIZTIZ« 
Eine vertikale Querhasta zwischen den beiden parallelen Linien 
vor Z — auf dem Stein pflegt es beim H eine ganz kleine Linie in 
der Mitte zwischen den zwei Hasten zu sein — kann jedenfalls nach 
dem jetzigen Zustand des Steines vorhanden gewesen sein. Es 
mufs also gestanden haben NHZTIZ (zu der Ligatur vgl. v. 7a, 
IIa, I2a, 14a) oder NIZTIZ (im letzteren Falle würde es nur das 
gleiche Wort mit i für r\ sein können). Seitdem giebt Wilpert 
Fr actio panis II4 folgendes an: ^der Stein bewahrt von dem ersten 
Schaft des TT allerdings nur schwache Spuren, aber wenn auch 
gar keine vorhanden wären , so würde man aus der Stellung, 
welche der zweite hat, auf ein TT schlief sen, denn sie entspricht 
genau dem zweiten Schaft des T\ in der unmittelbar vorhergehenden 
Zeile, während der Schaft des von H(amack) vorgeschlagenen T 
weiter links eingraviert istJ* Das kann höchstens gegen TIZTIZ 
etwas besagen. Zuletzt erklärt Duchesne a. a. O. 176 alle anderen 
Kombinationen aufser ZTIZ für unmöglich, vorher aber gingen 
zwei vertikale Hasten ^restes possibles de T\^, wie er selbst sagt. 
13 irdvTT) fehlt in V, nur in einer Hs. nicht IxÖöv dirö Y^c oder 
dTTÖ Tf)c "fflc einige Hss. von V 



lO 



15 KAITOYTOI^rE bu)K€ <pi 

AOi'^rr^eiv biet ttovtöc 

16 oivpv XP^CTÖV e'xouca 
Kcpaciua biboöca )ui€t' apiou. 

17 TttÖTtt TTapeCTlbc eiTTOV 

*AßepKioc &be TPCt^^ivai 

18 ^ßbOjLlTlKOCTÖV 2tOC KOI 

beiirepov fJTOV dXTiGÜJC. 
19 TttöT* 6 vouüv eö^aiTo vnkp 
'AßepKiou Tiac ö cuvipböc. 



20 OU jLl^VTOl TUjLlßl|J TIC djUUJ ?T€pOV ^TTOtVlü 0r|Cei€. 

€1 b' ouv, TiwjLiaiuJv TttjLieiijj Grjcei bicxeiXia xp^cä 
Ktti XPICTrj TTttTpibi 'lepoTTÖXei xciXict XP^cä. 



15 ^cöieiv V ^cÖeiv alle Herausgg. seit Kamsay; sicher 
ist nicht, dafs Z ^cOeiv hatte, ^cBieiv und ^cOciv werden damals 
schon ganz gleich gesprochen und wie das gebräuchliche ^cBiciv 
geschrieben sein 18 äfijjv einige Hss. von V 19 eöHai, 

€ÖHaTO und €ÖSaiTO (eöHairo ist dasselbe) die Hss. von V eÖHaio 
(iTT^p |U0U Pitra Ta09' öpöcjv eöHaiB' öirdp aÖTOö Ramsay 
cöSaiTO imip \xo\) Lightfoot cCHai i)nip 'AßepKiou Zahn eöHaiTO 
(jTT^p 'AßepKiou de Rossi, der Name hat wie gewöhnlich das 
Metrum gesprengt 20 ^Tepöv Tiva 6f|C€i A und alle Herausgg.; 
der alte Formelvers ist durch nachlässige Einfügung gesprengt, wie 
es oft geschieht (s. unten S. 17), und wir dürfen ihn nicht herstellen 
wollen. TOiLipov ^Tcpov Tic in * ^jnoO oder TU|Lißov Tic ^^loö ^Tcpov 
oder dir* ^^oO schwanken die Hss. von F, dann aber indvw alle 
Hss. von V 22 'kpaiTÖXci F. 



Die Grabschrift gliedert sich von- selbst in drei 
Teile. Die eigentliche Grabschrift mufs auf der breiteren 
vertieften Vorderseite des viereckigen Steines unterhalb 
des Kranzes, an dem man diese eben als die Frontseite 
erkennt, gestanden haben: das sind die ersten sechs 
Verse. Auf der rechten schmalen Seite, auf der jeder 
Hexameter in zwei Zeilen gebrochen werden mufste, hat 
dann der Teil von Zeile 7 bis Zeile 19 gestanden, denn 
so weit mufste der Stein, der vom unter dem Kranze die 
sechs Verse fafste, noch reichen. Dann stand die Straf- 
und Drohformel, wie es das Übliche war, auf der 
Rückseite.^ 

Dafs das längere Mittelstück — auf der rechten 
Schmalseite des Cippus — zwischen vorher feststehende 
Sätze eingeschoben ist, zeigt deutlich die Wiederaufnahme 
des Relativums elc 'Piüjlitiv Öc lireiLiipev aus der Be- 
schreibung des heiligen Hirten, die nachdrücklich ab- 
geschlossen war durch den Satz: 



I Diese Angaben über die Verteilung der Inschrift auf dem 
Stein gebe ich nach CRoberts Bemerkungen im Hermes XXIX 
(1894) 424 ff., die ich für durchaus schlagend halte. Was Wilpert 
Fr actio panis i23fF. berechnet, beruht auf den Annahmen, dafs 
der Kranz die Rückseite des Grabmals bezeichne und dafs er 
genau in der Mitte des vertieften Feldes gestanden habe. Beides 
ist mindestens ganz unsicher, dagegen sehr unwahrscheinlich, dafs 
die Verse bis cuviyböc nicht auf derselben Seite wie die Reise- 
beschreibung gestanden hätten und mehr als die Schlufsdrohungs- 
formel auf einer besonderen Seite (und zwar, wie üblich, auf der 
Rückseite) gestanden hätte. Für die Erklärung ist übrigens diese 
Frage gleichgültig. 



— 12 — 

ouToc Tttp |Li' dbibaSe . . YpöMMCtTa ttictoi.^ 

Ich gebe nun. den ergänzten und hergestellten Text 
mit einer Übersetzung, die da, wo sie meine Erklärung 

dKXcKTfic TTÖXeujc 6 TToXeiTTic toöt' diroiTica 
2ujv IV ' ?x^ Kaipijj ciijuttToe ?v9a 0€civ. 

OUVO)Ll' 'Aß^pKlOC 6 UÜV )Lia9TlTf^C TTOljLieVOC (XTVOO, 

8c ßocKci TTpoßdTUJV öi^iXac öpeciv Trebioic xe, 
ö(pGaX|Liouc 8c Ix^i |Li€Y(iXouc iraviri Ka0opu)VTac. 
OUTOC YOip |i' ebibaSe . . . Tpd|Li|aaTa Tricid. 

€ic TiJüjLiriv 8c ^Tiefiipev eiiiev ßaciXfiav d0pf]cai 
Kai ßaciXiccav Ibeiv xp^cöctoXov xP^coTTcbiXov 

Xfiov b' elbov dxeT XajuTrpdv cqppaxibav ^x^vra. 

Ktti ZupiTic Tiebov €iba Kai acxca TtdvTa, NicTßiv 
€uqppdTr|V biaßdc. TidviT] b' fcxov cuvobiiac 

TTaöXov ?x^v erroxov. Nficxic irdviri be TTporiT^ 
Kai Tiap^OriKe Tpoqpf]V Tidviri ixOöv dirö iirYfr{C 

7rav)Li€T^0Ti Kaöapöv, 8v dbpdEaio Tiapöevoc d^vf) 
Kai TOÖTov direbuiKe qpiXoic fc8eiv bid Traviöc 
oivov xPncTÖv fxo^ca K^pacjiia biboöca )li€t* fipiou. 

I So hat es Robert a. a. O. S. 426 zuerst scharf ausge- 
sprochen. Dafs das Mittelstück darum ein späterer Nachtrag sein 
müsse, ist nicht nötig zu folgern. Aberkios hätte dann die Verse 
der Vorder- und Rückseite einhauen lassen, als er den Tod noch 
nicht so nahe glaubte, um xatpCü sein Grab fertig zu haben. Als 
72jähriger Greis hätte er die Inschrift der rechten Schmalseite 
— immerhin um ein Beträchtliches später — zufügen lassen. Mir 
scheint es, als sei sie eine gleich beabsichtigte Ausführung zu den 
Sätzen der Vorderseite und als habe die Angabe, dafs er dabei- 



— 13 — 

vorausnimmt, erst im weiteren ihre Rechtfertigung finden 
wird. Manche Stelle wird sie besser als viele erklärende 
Worte klar verstehen helfen.^ 

Einer auserwählten Stadt Bürger habe ich dies errichtet, 
da ich noch lebe, auf dafs ich hätte seiner Zeit für 

meinen Leib hier eine Stätte. 
Aberkios bin ich mit Namen, der welcher Jünger ist 

eines reinen Hirten, 
der da weidet der Schafe Herden auf Bergen und Fluren, 
der Augen hat gewaltig, die überall herniederschauen; 
denn er hat mich gelehrt . . . untrügliche Zeichen. 

Der nach Rom mich sandte, einen König zu schauen 
und eine Königin zu sehen mit goldnem Gewand und 

goldnen Sandalen; 
einen Stein aber sah ich dort mit einem leuchtenden 

Gepräge. 
Und Syriens Flur sah ich und seine Städte alle ; ich überschritt 
den Euphrat und sah Nisibis. Überall aber gewann ich 

Kultgenossen ; 
Paulos war mein (Begleiter?). Nestis leitete mich überall 
und schaffte mir Nahrung überall, einen Fisch vom 

Quellwasser 
gar grofs und rein, den gefangen hatte eine reine Jungfrau, 
und den gewährte sie den Genossen immer zu essen 
und spendete Wein in guter Mischung mit Brot. 



gestanden und die Eingrabung beaufsichtigt habe, von Anfang 
für die ganze Inschrift gelten sollen. Das Gezwungene der An- 
knüpfung V. 7 ist durch die oben gegebene Auffassung hinreichend 
erklärt, — Für die singulare Wendung elirov 'A. ODÖ€ Tpa^^^ai 
(v. 17) giebt mir EMaass eine gute Parallele aus Arat v. 269 
AOpnv b4. |uiv €lTT€ X^Y€ceai (Hermes). 

I Diese Art von Versen auch in der Übersetzung entsprechend 
wiedergeben zu wollen, wäre kaum möglich und der Deutlichkeit 
schwerlich nützlich gewesen. 



— 14 — 
TttOia TrapecTibc eirrov 'AßepKioc u)be ypaqpfivai. 

^ßbO|Lir|KOCTÖV ?TOC Kttl beUT6pOV fJTOV dXT10U)C. 

TauT* 6 voiliv euHaiTO uirfep 'AßepKiou ttcIc ö cuvtuböc. 
ou iLievTOi TUjußiu TIC djLiiD ?Tepov iiravuj 9r|cei€' 
€1 b' oöv, *Pu))Liaiu)v Ta|Li€itu Or|C€i bicxiXia XP^ca 
Kai XP^CTf) iraTpibi 'kpoTiöXei x\\\a xp^ca. 



— 15 — 

Dies habe ich Aberkios unter meiner eignen Aufsicht so 

zu schreiben geheifsen. 
Das zweiundsiebzigste Jahr hab' ich wirklich vollbracht. 
Wer dies versteht, bitte für Aberkios, ein jeder Genosse. 

Aber keiner soll in mein Grab noch einen andern oben 

darauf beisetzen. 
Wenn er es thut, soll er dem römischen Fiscus spenden 

zweitausend Goldstücke 
und der guten Vaterstadt Hieropolis tausend Goldstücke. 



I. 

Die Grabschrift des Alexandros, des Sohnes des 
Antonios , enthält . eine Zeitangabe. Sie ist eingegraben 
im Jahre 216 n. Chr. Nur Anfangs- und Schlufsformel 
hat sie gemeinsam mit der Grabschrift des Aberkios. 
Es fragt sich, wo die Formeln ursprünglicher stehen, wo 
sie übernonmien sind.^ Die Formel der Vorderseite 
des Aberkiosgrabes ist erweitert gegenüber der des 
Alexandrosgrabes. Der einfachen Angabe der Kult- 
zugehörigkeit oder eines Kultamtes |aa0TiTf|C 7T01jli€V0C 
ciYVOÖ ist hier eine Doxologie des göttlichen Hirten hinzu- 
gefügt und der doch ein wenig nach individueller Er- 
fahrung klingende Satz: Er hat mich gelehrt . . . un- 
trügliche Zeichen. Die Drohung gegen den, der noch 

« 

einen in dem Grab beisetze, ist gleich, die Zeitangabe 
fehlt bei Aberkios, und der allgemeine ganz formelhafte 
Schlufswunsch bei Alexandros 

eiprivri TiapdYOuciv Kai )ivr)CKOjn^voic Tiepi f]jLiOjv 

ist offenbar darum ebenfalls fortgelassen, weil er in be- 
sonderer individueller Form schon an die Reisebeschrei- 
bung angeschlossen war (v. 19)^, da wo auch die An- 



1 Bisher ist es immer einfach als selbstverständlich ange- 
nommen worden, dafs die Alexandrosinschrift die spätere sei. 
Darauf, dafs diese Annahme keineswegs so sicher stehe, machte 
mich zuerst in Rom Chr. Hülsen aufmerksam. 

2 Und auch in diesem Vers 19 ist durch Einsetzung des 
Namens *A߀pK{ou das Metrum gesprengt. 



— 17 — 

gäbe des Lebensjahres in einen neuen Vers zu formen 
war. Der Wunsch ist nicht mehr an jeden, sondern 
gewifs absichtlich nach den besonderen, nur für Gleich- 
gesinnte berechneten Angaben über Reisen im Auftrag 
des Gottes und über kultisches Leben an die 'Ver- 
stehenden', an jeden Kultgenossen gerichtet. Ich will 
kein Gewicht darauf legen, dafs im Anfang (v. 2) offen- 
bar das q)av€pujc des Alexandros die gewöhnliche all- 
gemeine, das Kaiptu des Aberkios die für den besonderen 
Fall modifizierte Wendung repräsentiert — weil sich ja 
immerhin der Kopist verlesen haben könnte — , aber dafs 
ebender Kopist im drittletzten Verse sein ?Tepov inavix) 
9r|C€i€, einen so eigentlichen und sonst mehrfach ge- 
brauchten Ausdruck, blofs verlesen haben sollte, ist unmög- 
lich; die im eigentlichen Sinn mafslose Verballhomung 
des Alexandrosverses und seines ?T€p6v Tiva 0r|C€i, wenn 
auch nur durch den Steinmetzen, liegt klar zu Tage. 
Ebenso ist in dem '^ Verse' ouvojLi' 'AßepKioc 6 lUV jnaOrj- 
Tf]C TTOi^evoc dYVOÖ den Namen und die Kultbezeich- 
nung in einen Vers, wie er sie doch sonst leidlich 
metrisch zu machen imstande war, zu bringen dem Ver- 
fasser nicht gelungen, so wenig wie dem Verfasser der 
Alexandrosgrabschrift. Hier sind beide gescheitert: das 
andere Mal aber tritt der häufige^ Fall ein, dafs die 
eine veränderte Formel den einst richtigen Vers ge- 
sprengt hat. 

Aber auch ohne das: dafs Anfangs- und Schlufs- 
formel bei Aberkios nach denen des Alexandros ge- 
macht sind, dafs sie eine Erweiterung und Umgestaltung 
für den speziellen Fall darstellen, ist deutlich. Und 
dazu ist noch die ganze Reiseerzählung eingeschoben, 
die am Schlufs fast noch weniger als am Anfang einen ' 



I Beispiele genug bei Kaibel Epigrammata Index p. 703 
s. uersus inconditi. 

Dietericfa, Grabschrift de3 Aberkios. 2 



— i8 — 

rechten Anschlufs an den traditionell herumgelegten 
Rahmen finden will. ^ 

Die Aberkiosinschrift ist also nach 216 n. Chr. 
eingehauen. 

Ohne Zweifel kann der Kreis, in dem diese Grab- 
schriftformeln verbreitet waren, nicht grofs gewes«n 
und lange Zeit werden sie schwerlich in Gebrauch ge- 
blieben sein. Nur für die Genossen eines Glaubens oder 
Kults konnten sie gelten, die |ua0riTai iroiMevoc dtTVOÖ, 
und obendrein nur für die, welche Bürger der Stadt 
Hieropolis waren. Und wie viele von diesen Bürgern 
werden auf ihr Grab haben schreiben können oder 
schreiben dürfen, dafs, wer noch einen in das Grab bei- 
setze, dem römischen Fiskus und der Vaterstadt so 
riesige Geldsummen zur Strafe zahlen solle ?^ Diese 
schon in ihrer Konzeption so speziellen Formeln können 
nur einmal eine kürzere Zeit lang von wenigen gebraucht 
worden sein; es ist nicht ausgeschlossen, dafs sie nur 
diese beiden Male übernommen und das zweite Mal von 



1 Ich will nicht unerwähnt lassen, dafs Robert a. a. O. 
S. 427 f., der im übrigen die Alexandrosgrabschrift für eine Kopie 
der Aberkiosinschrift hält, den Aberkios die Verse der Vorder- 
und Rückseite des Steins früher als die der Reisebeschreibung 
eingraben läfst und folgert, dafs er damals, als er die ersteren 
veranlafste, ^^anz wohl erst jo Jahre alt gewesen sein* könne 
^und Alexandros kann die Inschrift in demselben Jahre kopiert 
haben. Die Eintragung der Reisebeschreibung würde dann 2j8 
geschehen sein. Und zwischen diesen beiden Extremen liegt noch 
eine Fülle von Möglichkeiten, Jedenfalls werden die Theologen^ 
denen die endgültige Lösung der Streitfrage billig überlassen 
bleibt"* — welche Billigkeit ich nicht einsehe — , 'm Zukunft da- 
mit zu rechnen haben, dafs die Lebenszeit des Aberkios der Haupt' 
Sache nach ebensowoM in die erste Hälfte des dritten Jahrh, fallen 
kann, wie in die zweite des zweiten^, 

2 Beispiele für die gleichen Bestimmungen auf Inschriften bei 
Zahn a. a. O. S. 84. 



— 19 — 

Aberkios gleich so stark umgemodelt^ und erweitert 
wurden. Zudem weist ja das epigraphische Urteil die 
Steine in die gleiche Zeit. Der Steinmetz des Alexandros- 
steins hat rohere und liederlichere Arbeit geliefert als 
der Steinmetz, den Aberkios beaufsichtigte. Eine andere 
Verschiedenheit des äufsern Charakters der Inschriften 
ist nicht festzustellen.^ 

Jedenfalls ist die Aberkiosgrabschrift bald nach 
216 n. Chr. verfafst worden. 



1 Dafs in der Alexandrosinschrift die Formel nicht zum ersten 
Mal angewandt wurde, scheint daraus hervorzugehen, dafs auch da 
der Name nicht in den Vers pafst. Man darf vermuten, dafs das 
Distichon, das die eisten beiden Verse bilden, das älteste war; 
dann ward ein Vers mit Namen und Formel hinzugefügt, der in 
der Alexandrosinschrift auch schon durch den anderen Namen 
gesprengt vorliegt. 

2 S. Zahn a. a. O. 67. 



2* 



II. 

Wer die Inschrift, als sie aufgestellt war, in Hiero- 
polis las, wird gewufst haben, welchem Kulte Aberkios 
angehörte, wenn er sich Jünger des heiligen Hirten 
nannte. Uns macht eine direkte Überlieferung es nicht 
möglich, das ohne weiteres zu erkennen. Man mag 
sagen, dafs sich wohl der Satz von dem Hirten, der 
seine Schafe weide auf Bergen und Fluren, schwerer 
der folgende von seinen gewaltigen Augen, die überall 
herniederschauen, ohne Zwang als christliche Lobpreisung 
auf Christus den guten Hirten deuten lassen, von dem 
nachweislich wenigstens niemals Christen so gesprochen 
haben, dafs dagegen alles aufs beste stimme zu dem 
Glauben, den Gläubige damaliger Zeit von dem phrygi- 
schen Attis hatten, von dem reinen Jüngling, dem Herrn 
des heiligen Widders, dem Kürten der leuchtenden Sterne, 
dem tausendäugigen, dem höchsten Sonnengott, dem 
Vater des AUs.^ Aber die Entscheidung über die Götter 



I Gerhard Ficker hat das in dem genannten Aufsatze darge- 
legt. Ich will es ausdrücklich zu sagen nicht unterlassen, obwohl 
es sich von selbst versteht, dafs ich diesem für die Erklärung der 
Inschrift epochemachenden Aufsatze den gi'öfsten Dank schulde; 
dafs ich ihm wie alle, die sich in der letzten Zeit mit der Inschrift 
beschäftigt haben, die Anregung verdanke, brauche ich nicht erst 
zu sagen. — Für das oben Gesagte kann ich auf Ficker s Belege 
verweisen und will nur an einige hauptsächliche hier erinnern. 
Attis ist der ßouKÖXoc buöu/cus, aliröXoc pastor (auch Tertull. ad 
nat, I 10 Cyhela pastorem siupirat) vielfach genannt. Er führt 
auf den Denkmälern das pedunty das Attribut, Voj ihn als Hirten 
bezeichnet'* (Roschers Lex, I 726), und die Syrinx. Er führt den 



— 21 — 



des Aberkios kann aus dieser Stelle schwerlich gefällt 
werden. 



typischen Namen cupiKTir|C. Der Einwand Victor Schnitzes im 
Theologischen Literaturblatt 1894 Nr. 19 S. 217, dafs die Vor- 
stellung von Attis als Hirten überhaupt nicht die durchschlagende 
und dafs irotjLiifiv nur einmal als Bezeichnung des Attis nachge- 
wiesen sei und zwar in einem Sinne, der dem der Inschrift ganz 
fern liege (Troi|ii?)V \6UKuiv äCTpiwv), kann nichts bedeuten der Fülle 
der Zeugnisse gegenüber. itoi)li/)v ist doch nur eine parallele 
Bezeichnung neben den andern, ßouKÖXoc, aiiröXoc u. a. , das- 
selbe wie pastor. In Roschers Lexikon der griech» «. röm» Mythol, 
I 718, dem Schnitze die erste Hälfte seines Einwandes entnimmt, 
ist ja nur das ^Eigentümliche* konstatiert, ^dafs gerade in den aus- 
führlicheren Erzählungen seiner Geschichte die Bezeichnung des- 
selben als Hirten fehlte die sich in vereinzelten Nachrichten viel- 
fach ßndet*, und es folgt eine ganze Reihe von Belegen. Gehen etwa 
die in der That sehr vielen vereinzelten Nachi'ichten nicht sicher 
auf Attis, weil jene Bezeichnungen in Berichten über die Attis sage 
fehlen?. Er ist äyvöc wie Adonis (z. B. auch in dem Orakelspruch 
bei Sokrates hist, eccles, III 23). Besonders wichtig ist der Preis 
des Attis, den Hippolytos den Phrygern zuschreibt refut, omn. 
haeres, V 9 p. 166, i ff. Duncker-Schneidew. iraxi^ip tüjv öXwv ist 
er, |Liupi6)Li)LiaT0C, Troi|ii?|v \€UKijDv öcxpuüv. Er ist (lipicxoc xal cuvicic 
TÖ TTÖv, er selbst ist der Helios iravöimic, Helios, von dem es im 
orphischen Hymnus 8 heifst (v. i) irav&EpK^c ^x^^ aliüviov 
ö|Li|üia, (v. II) KocjLioKpdTop, cupiKxd, (v. 14) iractpadc, köcjuigu 
xö irepiöpo^ov ömia, (v. 18) ömna 5iKaiociivr)c, tMif\c qpuic. Vgl. 
Athen. XV p. 693 f. ("HXiov) xöv xä öXa cuv^xovxa Kai 6ia- 
Kpaxoövxa 9€Öv xal ircpnroXeOovxa xöv köcjuov u. viel dgl. Über 
die Wörter d^vöc und äyioc s. jetzt die sorgfaltigen Untersuchungen 
von Georg Wobbermin in seinem mir soeben durch die Güte des 
Verfassers zukommenden Buche Religionsgeschichtliche Studien zur 
Frage der Beeinflussung des Urchristentums durch das antike 
Mysterienweseny Berlin 1896, S. 60 f. Ä^vöc findet sich besonders 
häufig für Demeter und Köre, im Kult von Eleusis, bei der de- 
lischen Aphrodite, die nahe verwandt ist den grofsen weiblichen 
Gottheiten des Orients. Eine Behandlungsweise des Worts aber, 
die es zum spezifisch orphischen stempelt, will mir zu äufserlich 
und verfehlt erscheinen. Hätten wir viele andere als orphische 
Hymnen, würden wir ein altes religiöses Wort auch in diesen anderen 
häufig finden. Wo man dasselbe so oft ausdrücken will, wird das 



— 22 — 

Sie hängt davon ab, wie die ersten drei Zeilen des 
Reiseberichts interpretiert werden.^ Dafs der Satz: *der 
(der Hirte) nach Rom mich sandte, einen König zu 
schauen und eine Königin zu sehen mit goldenem Ge- 
wand und mit goldenen Sandalen'^ nicht von einem 

griechische Wort, das es ausdrückt, ebenso oft gebraucht. Dafs 
in Mysteriendingen so oft äf*oc gebraucht wird, ist nur natürlich; 
wir gebrauchen ja solche Epitheta typisch auch nur bei besonders 
geheimnisvollen religiösen Dingen. Ein in der Sprache zu allen 
Zeiten vorhandenes Wort ist doch anders anzusehen und zu be- 
handeln als eine liturgische Formel. 

1 Alle Deutungen mit Angabe der Urheber zu registrieren» 
kann nicht meine Aufgabe sein. Ich überblicke nur kurz die bis- 
her vorgebrachten Erklärungen. 

2 Oder soll, wenn ßaciXe(av gelesen werden könnte, Rom ge- 
meint sein: der mich nach Rom sandte, Rom zu sehen? ßactXciav 
aber als Adjektivum zu *Pi/)|Lir]V zu nehmen geht nicht: dann hat 
döpf^cai kein Objekt mehr. Ich verweise für ßactXf\av auf die 
Bemerkungen zum Text. Es mufs betont werden, dafs, selbst wenn 
wirklich BAZIA immer nur auf dem Stein zu lesen war, das ßaciXetav 
des Kopisten der Vita schlechterdings nichts entscheidet. Zudem 
hätten den 'Mifserfolg' aller Versuche, mit ßaciXciav und ßaciXciav 
zurechtzukommen, einftirallemal schon die treffenden Bemerkungen 
bei Zahn a. a. O. S. 76 klar machen sollen. Es wird einfach ein 
'König' neben der ßaciXicca verlangt. Und Ramsay giebt deutlich, 
auch in dem nach seiner Zeichnung gefertigten Facsimile bei de Rossi 
p. XVIII, noch ein H an, gerade auf einem weit als Ecke mit 
dieser neuen Zeile herausragenden Stück des Steins 



EMENBAEIA 
KAIBAZIAIZ 



Die so stark herausragende Ecke ist jetzt nicht mehr vorhanden. Ist 
es wirklich zu sehen, 'dafs der Bruch derselbe alte Bruch ist wie 
bei den übrigen Zeilen der Inschrift'? (Wilpert Fr actio panis lll). 
Ist es wahrscheinlich, dafs gerade da ein ^fatales Versehen^ Ramsays 
vorliege? Und wenn — der Kopist für die Vita und die Über- 
lieferung der Vitahss. kann nicht zwischen E I und H entscheiden. — 



— 23 — 

Bischof und der königlichen Christengemeinde Roms 
verstanden werden kann, mufs jegliche Interpretation zu- 
geben. Die Gemeinde soll goldnes Gewand und goldne 
Sandalen haben? Wer kann in ßaciXicca eine Bedeutung 
wie die einer Gemeinde oder Kirche überhaupt nur erkennen, 
wer angesichts dieser Epitheta daran auch nur denken 
wollen? Mit der Annahme der Lesung ßaciXeia ist die 
Deutung vorgetragen, die Kaiserin und die Prinzessin in 
Rom, die Gemahlin und die Tochter Mark Aureis, seien 
gemeint; der Kaiser sei zur Zeit der Romreise des 
Aberkios, die etwa 163 n. Chr. falle, nach verbürgter 
Nachricht abwesend gewesen.^ Wer in aller Welt, der 
in Hieropolis die Worte las, soll das haben verstehen 
können? Wo heifst ßaciXicca etwas anderes als Königin, 
wo heifst es neben ßaciXeia ^junge Königin', 'Prinzessin'? 
Wie können ßaciXeia und ßaciXicca als 'Königin' und 
'Prinzessin' zusammentreten? Warum wird der Prinzessin 
prächtige Kleidung so stark hervorgehoben? Oder aber: 
ward Aberkios gesandt 'Kaiser' und 'Kaiserin' zu sehen? 
Auch da fragt man erstaunt, was gerade der Kaiserin 
goldenes Gewand und goldene Sandalen zu bedeuten 
haben. Und warum dann so feierlich mystisch? Kaiser und 
Kaiserin in Rom sind doch klar zu bezeichnen und brauchen 
nicht mit dunkeln, so sakral-mystisch klingenden Wen- 
düngen umschrieben zu werden. Und die folgende Zeile: 
die einzige Deutung, die nicht in irgend welchen Kult- 
dingen die Erklärung suchte, wäre 'das römische Volk 

Die Form ist als Kontamination des echt vulgären ßaciX^av (vgl. hier 
v. 9 cq)payibav) und des altepischen ßaciXfia ganz unbedenklich, 
wie mir W Schulze bestätigt. 

I Es ist die neueste Deutung, von der ich durch die Güte 
des Verfassers sofort Kenntnis bekam: Philologische Bemerkungen 
zur Aberkiosinschrift von Dr. Thomas M. Wehofer O. Praed. in 
der Rom. Quartalschrift 1896 S. 61 — 84. Es mufs aufs höchste 
anerkannt werden, mit wie sorgsamer Sachlichkeit und Unpartei- 
lichkeit die Untersuchung geführt wird. 



— 24 — 

mit glänzendem Ring' zu verstehen. Und auch das ist 
in der That vorgeschlagen worden.^ Abgesehen davon, 
dafs kein irgend paralleler Ausdruck dieser Art vorge- 
bracht werden kann, das soll der Hieropolitaner auf 
seinen Stein gehauen haben, dafs ihn sein Gott, wer es 
auch sei, nach Rom gesandt habe, die schön angezogene 
Prinzessin oder Kaiserin und die kostbaren Ringe an 
den Händen der Römer zu sehen? Oder aber ein Volk 
mit dem glänzenden * Siegel', eine Kultgemeinde mit 
irgend einem mystischen Symbolum, das cqppaYic genannt 
werden konnte? die christliche Gemeinde mit der 'Taufe'? 
Dann konnte XaiLiTüpd unter keiner Bedingung dabei- 
stehen.^ Und das sollte man verstehen, wenn eben 
von Kaiser und Kaiserin oder ähnlichem geredet war? 
Bedeutet Xäoc aber Stein, ist denn in der christlichen 
Archäologie bisher irgend ein Stein mit einer XajiiTTpä 
cqppaYic nachgewiesen?^ Eine Bedeutung eines Steins, 
die nicht ins sakrale Gebiet schlüge und neben Kaiser 
und Kaiserin möglich wäre, giebt es schlechterdings 
nicht. Ob es aber in irgend einem heidnischen Kult 
einen Stein mit einer XajLiTrpa cqppaTic giebt, dessen Be- 
zeichnung aus diesen Worten verstanden werden konnte, 
wird zu untersuchen bleiben.* 



1 Von Wehofer in der genannten Abhandlung. Die Re- 
daktion hat das schon S. 22 f. ^|n der Anmerkung mit einigen 
sehr treffenden Bemerkungen abgelehnt. 

2 Das hat Hamack schlagend eingewandt a. a. O. S. 9. 

3 Damach fragt auch Wehofer für diesen Fall mit Recht 
a. a. O. S. 23. 

4 Es mufs gleich hier festgestellt werden, dafs Xaov ganz 
ebensowohl 'Stein' wie 'Volk' bedeuten kann. Das hat O. Hirsch- 
feld gezeigt in den Sitzungsberichten der Berl. Akademie der fViss. 
1894, S. 213. Er weist auf Sophokles Oed. Col. v. 197 hin, wo 
Xdou in dieser Bedeutung steht, und auf Hyginybd. nr. 153: ob eam 
rem laos dictus; laos enim graece lapis dicitur. Dieselbe Geschichte 
von Deukalion und der Menschenschöpfung (weiteres ist bei MMayer 
Giganten und Titanen 89 angeführt) wird bei Apollodor I 7, 2 erzählt 



— 25 — 

In der ganzen Inschrift — bis auf den Schlufs 
natürlich — ist von nichts anderm als von sakralen 
Dingen die Rede. Die feierlich mystischen Sätze von 
einem ßaciX€UC und einer ßaciXicca können schlechter- 
dings von etwas anderem nicht verstanden werden, zumal 
da schwerlich xp^cöcToXoc XP^coTrebiXoc in diesem Zu- 
sammenhange von etwas anderm als von einem Götter- 
bilde denkbar wäre. Ich glaube mich nicht zu täuschen, 
wenn ich seit der ersten Lektüre der Verse überzeugt 
bin, dafs gerade durch diese Epitheta der Leser sofort 
zum richtigen Verständnis gewiesen wird oder doch 
damals wurde. 

Die Ausdrucksweise 'einen König und eine Königin 
mit goldenem Gewände und goldenen Sandalen' mufs 
zu einer bestimmten Zeit, war es mystische Redeweise eines 
Kults, so mufs sie bestimmten Leuten in einer bestimmten 
Zeit verständlich gewesen sein. Das verlangt die Inter- 



und schliefst: ö0€v xal Xaol jueTacpopiKUJC d)vojudc0r|cav änö toO 
Xäac 6 X(0oc. Ich schreibe zuversichtlich für Xäac Xöoc: der Zusatz 
6 XiOoc hatte ja nur Sinn zur Unterscheidung von dem andern Xaöc. 
Das Zeugnis bei Hygin zeigt, dafs mindestens in der späten Zeit 
Xöoc wirklich griechisch einfach 'Stein' hiefs. Und ich glaube nicht, 
dafs Sophokles eine metaplastische Form zu bilden ^stch gestattet 
hat, woraus dann später auf einen Nominativ XdiOC geschlossen ist*. 
Dafs in alter Zeit ein Xöoc 'Stein' im Dorischen vorhanden war, 
beweist die Inschrift von Gortyn Rhein. Mus. XL. Supplementbd. 
Taf. X V. 36: ÖTTÖ TO Xdo. Dazu Bücheier S. 10: ^ Stein im Gen. 
nicht Xöoc, sondern Xdo — wie hei Sophokles OC. igö nach Herodian 
(in den Schollen) und mehreren Hss., wodurch die legendarische 
Gleichung von Steinen und Leuten bis auf den Accent vollkommen 
wird*. Es wird vielfach, vielleicht in der Volkssprache, vorhanden 
gewesen und in später Zeit, wie so manche Wörter, wieder in die 
Litteratur emporgedrungen sein. Vielleicht wird es sich noch öfter 
nachweisen lassen. — Was aber die Deutung dieses Steins, die Hirsch- 
feld im Sinne hat, betrifft, so möchte ich gleich hier bemerken : wenn 
es der Stein sein soll, der die grofse Mutter selbst darstellte — wie 
soll ebendieselbe zugleich, und sie mufste dann doch auch vorher 
gemeint sein, xp^CÖCToXoc xP^COTT^ÖiXoc genannt werden können? 



- 26 — 

pretation, die diesen Namen verdienen soll. Dann müssen 
jene Bezeichnungen die Kultbezeichnungen bestimmter 
Gottheiten sein, die eben diese Gottheiten so deutlich 
angaben, dafs mindestens deren eingeweihte Verehrer 
es verstanden. 

Suchen wir in den Überlieferungen, so ist im all- 
gemeinen gleich zu sagen, dafs ßaciXeOc und ßaciXicca 
im Altertum zu allen Zeiten nur das höchste Herrscher- 
paar des Himmels bezeichnen kann, den ^Himmelskönig' 
und die 'Himmelskönigin'. ßaciXeuc kommt so als 
typischer Kultname vor allem dem Helios, auch dem 
Zeuc zu, z. B. auch der phrygische Zeus war 'Zeus 
König'. ßaciXeiJC kommt aber auch allein vor, wie etwa 
an der Mündung des Kaystros in Kleinasien ein Heilig- 
tum des BaciXeuc bestanden hat. Viel deutlicher noch 
ist der Kultname 'Königin' ausgeprägt; eine Fülle von 
Belegen steht zu Gebote von der "Hpa BaciXeta oder 
luno Regina^ Venus Regina bis zu der BaciXeia, die in 
Pergamon der Kultname der Göttermutter ist, oder der 
Regina caeli, deren Name in dem Preis der christlichen 
Himmelskönigin fortlebt, 'deren Krönung darzustellen die 
Kunst der Maler gewetteifert hat'.^ Man beobachtet 
leicht, wie in den letzten Jahrhunderten der antiken Welt 
die religionsgeschichtliche Entwickelung dahin geht, dafs 
in grofse allumfassende Gottheiten die anderen aufgehen, 
in grofse Licht- und Himmelsgottheiten, und immer 
mehr bildet sich eine männliche und eine weibliche 
Form der grofsen Weltgottheit heraus: der grofse Sonnen- 



I Usener Götternamen 229. Dort kann man S. 226 ff. eine 
Fülle von Belegen für dieses himmllsclie Herrscherpaar in Glauben 
und Kult finden. Über die selbständige Bedeutung der Kultbe- 
zeichnung des 'Königs' und vor allem der 'Königin' wird man 
sich dort aufs allerbeste belehren lassen. Einiges nur aus später 
Zeit mögen meine Belege Abraxas loi ff. vgl. S. 81 f. — sonst 
gar ärmlich gegen Useners Reichtum — hinzufügen können. 



- ^-J -^ 

gott, der Himmelskönig, und die grofse Mondgöttin, die 
Himmelskönigin. Dann sind alle die Zeus und Sarapis, 
Attis und Mithras, Osiris und Dionysos Sonnengötter, 
ja sie sind alle der eine grofse Sonnengott. Helios ver- 
einigt sie alle in sich, und so will es Julian, wenn er 
über das ^Königtum des Helios' redet. Und wiederum 
sind Hera und Köre, Artemis und Hekate, Persephone 
und Selene eins in einer grofsen Himmelskönigin, und 
so meint es Apuleius, wenn er zu beten beginnt Regina 
caeli sive tu Ceres . . seu tu caelestis Venus . . seu Phoebi 
soror etc.^ Und wie dem hellenistischen Christen sein 
neuer Gott als ein Sonnengott verständlich wurde, den 
er feierte am Tage der Sonne, so zeigt in Darstellungen 
der christlichen Himmelskönigin bis heute die Mond- 
sichel deren Weltherrschaft an, so wie sie jene Zeit be- 
zeichnet hatte. 

Und das ist die Zeit, in der Aberkios sich das Grab 
vorbereitete. Aber die vage und weite Verbreitung der 
Vorstellung von Himmelskönig und Himmelskönigin giebt 
uns nicht, was wir suchen. Wir müfsten einen speziellen 
Kult finden, aus dem die Worte der Inschrift unzweideutig, 
nicht in unbestimmter Allgemeinheit, zu verstehen wären. ^ 

Nach Rom weist der Text selbst. In Rom mufs 
ein König und eine Königin mit goldenem Gewände 
und mit goldenen Sandalen einmal in bestimmtem Dienst 
vereint gewesen sein. 



1 S. Abraxas 103. Vgl. dort über den oben nur angedeuteten 
Prozefs S. 55 ff. und 100 ff.; bezonders bezeichnend ist das Hymnen- 
stück S. 81 unten. 

2 Dafs niemals neben ßaciXicca, wenn es die grofse Mutter wäre, 
ßaciXcuc von Zeus verstanden werden könnte, wie es Ficker wollte, 
ist betont worden. Robert a. a. O. 428 hat diese Kultverbindung 
der Meter mit Zeus mit vollem Recht als die Hauptschwierigkeit 
bezeichnet, ^die Fickers Auffassung für jeden in antiken Kulten 
Bewanderten bietet^. Solchen Sinn dieser Worte der Inschrift hätte 
nie ein Mensch im Altertum verstehen können. 



- 28 - 

Das ist in Rom nur einmal auf kurze Zeit der Fall 
gewesen. Wir kennen die Geschichte dieses Kults. 

Den schönen, jugendlichen Priester des syrischen 
Sonnengottes von Emesa, Avitus, den Sohn der lulia 
Soaemias, hatten die Legionen auf den Thron der Cae- 
saren gehoben. Er führte seinen Gott mit sich nach 
Rom und blieb sein Priester. Der Gott hiefs Elagabal 
und sein kaiserlicher Priester ward ebenso genannt.^ 
Weil man den Gott als Sonnengott kannte, verdrehte 
man den Namen zu Heliogabal, aber man pflegte ihn 
ebensogut Helios oder Sol, Zeus oder luppiter zu 
nennen.^ Auf dem Palatin ward ihm ein Tempel ein- 
gerichtet und dahin möglichst der anderen Götter Bilder 
oder Insignien gebracht, dafs sie dem grofsen Himmels- 
könig alle unterthan wären, dem Gott aller Götter.^ 



1 Über den Namen des Gottes s. FLenormant Revue de 
Vhistoire des religions III (i88r) 3 IG ff., über den Gott und 
seinen Kult JHMordtmann Zeitschr, der deutschen morgenl, 
Gesellsch. XXXI 91 if. Ausgezeichnet ist die Darstellung R6villes 
La religion ä Rotne sous les Siv^res 236 ff. 

2 Ael. Lamprid. Heliogab. c. I fuit autem Heliogahali 
uel louis uel Solis sacerdos, c. 17 Heliogabali dei, quem So lern 
alii, alii louem dicunt, Herodian V 3 UpiüVTO hk aOTol 6€iji 
'HXiip* TOÖTOv TCtp oi iirixii^pioi c^ßouci. xfl <J)oiviKiJJv qpiuvfl 
'€\oiOT<ißciXov KaXoOvT€C. lul. Capitolin. Opil. Macrin, c. 9: nam 
HeHogahalum Foenices uocant Solem, 

3 Ael. Lamprid. c. 3 sed übt primunt ingressus est urhem^ 
omissis quae in prouincia gerebantur Heliogahalum in Palatino 
fnonte iuxta aedes imperatorias consecrauit eique templutn fecit 
studens et Matris typum et Vestae ignem et Palladium et ancilia 
et omnia Romanis ueneranda in illud transferre templum, et id 
agenSt ne quis Romae deus nisi Heliogabalus coleretur. dicehat 
praeterea ludaeorum et Samaritanorum religiones et Christianam 
devotionem illuc transferendam ^ ut omnium culturarum. secretum 
Heliogabali sacerdotium teneret. Vgl. Herodian V 5 : irpoc^TaS^ 
T€ irdvxac touc *Pu)|bia(u)v äpxovxac Kai €i tiv€C ör]|uioc(ac ittx- 
T€XoOa TTpö Tuiv &XXu)v 9€ujv, oÖc h^ KaXoöciv UpoupToövTCC, 
övo|LidZ€iv TÖv vdov Scöv 'GXaTäßoXov. Im offiziellen Titel des 



— 29 — 

Er war der König — ihm legte sein Priester an, wie 
Herodian berichtet, öca rfic ßaciXeiac cufißoXa.^ 

Und nun fafste Heliogabal die Idee, die, so wahn- 
witzig sie scheint, dpch in den Formen urältester Mythen 
sich bewegt, seinen Gott zu vermählen mit einer grofsen 
Göttin, einen lepöc faiLioc des gröfsten Gottes und der 
gröfsten Göttin in Rom zu feiern. Er liefs kommen, 
heifst es^, das Bild der Urania von Karthago, der be- 
rühmten grofsen Himmelsgöttin, das dort verehrt wurde. 
Aißuec jLiev oflv aÖTfjv Oupaviav KaXoöci' Ooivikcc be 
'AcTpodpxriv* ßvojLidZouci ZeXrjvriv eivai GeXovxec. dpjuio- 
2^€iv Toivuv XeTiuv ö 'AvtuüvTvoc fdjuiov 'HXiou Kai CeXrivric 
TÖ T€ ctTaXjLia jLxeTeTT^iLiipaTO kqi irdvia töv dK€T0€V xpvjcöv. 
Auch ihre Bildsäule stellte er auf dem Palatin auf.^ 
Dort mögen wohl, wenn noch berichtet wird, der 
luppitertempel sei damals zum Tempel des neuen Gottes 
gemacht, die benachbarten Tempel des luppiter Victor 
und der Magna Mater, der nun sicher festgestellt ist^, 
dem Dienste des vereinten Götterpaares auf dem Palatin 
bestimmt gewesen sein; denn die Magna Mater setzte 
er gleich seiner grofsen Göttin und diente ihr.** 



Kaisers geht sacerdos amplissimus dei inuicti Solis Elagahali dem 
pontifex maximus voran, v. Domaszewski Die Religion des römi- 
schen Heeres 6l. 

1 Herodian V 6. 

2 Herodian V 6. 

3 Auch gerade Selene ist dcxpdpxil im orphischen Hymnus 
IX 10: diCTpdpxil TavOireuXc , und in den orphischen Argonautica 
513 dcTpoxiTiuv. Man erinnert sich, dafs Attis iroiiLifiv tu)v 
dcTpuuv ist. 

4 Dio Cassius LXXIX c. 12: ti?)V OöpavCav Tf)v tujv Kapxr]- 
bovCiuv ^TTeX^Haxo xal ^KeiÖ^v xe aÖT]?|v )Li€T€Tr^)LH|jaTo xal ^c tö 
iraXdxiov Ka0iöpv)C€v ?öva t€ aöxfl Trapd irdvTUJV tujv OtrriKÖiwv 
ujcircp Kai ^irl tujv ^auToO TUvaiKiwv fjGpoice. 

5 Durch Chr. Hülsen, s. Mitteilungen des rÖm, Instit. X 

(1895) 3 ff. 

6 Ael. Lamprid. c. 7 Matris etiam deum sacra accepit . . . 



— 30 — 

Die grofse Göttin, die er von Karthago kommen 
liefs, hiefs bald Urania, bald luno, bald Hera, Inno 
Caelestis, Dea oder Virgo Caelestis, Caelestis Augusta 
oder Venus; sie führte aber auch einfach den Namen 

Ihre prachtvolle Bildsäule kam nach Rom. Sie 
mochte wohl xP^cöcToXoc XP^coTi^öiXoc gewesen sein.^ 
Und wir wissen sogar, dafs es ein Hauptcharakteristikum 
der himmlischen Königin, der Mond- und Lichtgöttin 
war, xp^^cocdvbaXoc zu sein im Gegensatz zu der Göttin 
des Reiches der Tiefe, der Totenherrscherin, die xoiXko- 
cävbaXoc war.^ So erat hat dies Beiwort seinen be- 



genitalia sibi deuinxit et omnia fecü quae Galli facere solent, 
Aurel. Vict. epit, 23 absctssis genitcUibus Matri se fnagnae sacrauit, 
Lamprid. c. 28 iunxit sibi et leones Matrem magnam se appellans, 

1 Philastr. de haeres. 15: alia haeresis queie Reg in am 
(adorabat), quam et Fortunam caeli nuncupant, quatn et Cae- 
le Stern uocant in Africa. Vgl. Apuleius Metamorph,\l 4; magni 
louis germana et coniuga siue tu Sami, quae querulo partu vagitu- 
que et alimonia tua gloriaiur ^ tenes uetusta delubra^ siue celsae 
CarthaginiSj quae te uirginem uectura leonis caelo commeantem 
percolitt beatas sedes frequentaSy sive prope ripas Inachif qui te 
iam nuptam Tonantis et Reginam dearum memorat, inclitis Argi- 
uorum, praesides moenibus etc. 

2 Gewisse Gottheiten haben ganz besonders mit XP^^o zu- 
sammengesetzte Epitheta, namentlich die Lichtgottheiten: Eos 
XpucoTT^ÖiXoc, xpucöepovoc, Selene xpwcd|Lnru£, xP^cdpiüiaTOC, XP^c- 
iqviGC, xP^co^6€ipa, xP^coK^pujc, xP^C09<i^c* ^^'^ ^^t XP^^O- 
ird&iXoc an mehreren Stellen und xpucö6povoc Vgl. auch Anakreon 
Fr. 76 €0^6€ipa xpuc<^^£^Xoc KoOpa. S. die Angaben bei Bruch- 
mann Epitheta deorum, 

3 S. meine Erörterung und die Belege de hymnis orphicis 
p. 43 f. Porphyrios bei Euseb. praep, euang, III ii, 32: '€KdTii 
hi i\ ciki\yx\ irdXiv Tf^c ircpl oin^v jueTacximaxiccuJC Kai Kaxd 
ToOc cximaTic^iGuc buvd^€Ulc. h\b Tp{jLiopq>oc 1^ bOvajuic, Tf^c |bi^v 
vou|LiTiv(ac q)^pouca ti?|v X€ux€(|Liova koI xpucocdvöaXov Kai 
Tdc Xa)üiTTd6ac i^fUjui^vac, ö &i KdXaöoc 8v ixti toic |Li€T€uipoic 
<p^p€i Tflc tCüv KapiTWv KaxcpTaciac oöc dvarp^tpci Kaxd Tf|v toO 
q)UJT6c TTopaiiEnciv, Tflc ö* aö Travc€X/ivou i^ xo^»<ocdv6aXoc cu|li- 



— 31 — 

zeichnenden Sinn. Und weiter: wir wissen, dafs die 
Statue der Göttin von Karthago ein besonders kostbares 
Gewand anhatte. Es wird erzählt, dafs in Afrika später 
einmal — die Statue war nach Heliogabals Tode nach 
Karthago zurückgebracht — die Soldaten eniea gewissen 
Celsus zum Kaiser ausriefen: imperatorem appellauerunf 
peplo Deae Caelesiis ornatum,^ Also ein ausnehmend 
prächtiges königliches Gewand mufs es gewesen sein, 
das an ihr etwas ganz Besonderes Nvar — man konnte 
es ja auch abnehmen — und ohne Zweifel im Kult eine 
eigenartige Rolle gespielt hat. Das war in der That 
eine Regina xp^cöcToXoc XP^coirebiAoc. 

Hier ist ein Götterdienst, wie wir ihn suchen: und 
diese Götter sind unmifsverständlich genannt und be- 
zeichnet in der Angabe des Aberkios. Aber könnte es 
auffallen, dafs so knapp blofs von einem König geredet 
wird, während die Königin so genau näher bezeichnet 
wird? Wir haben noch weiter zu berichten. 

Heliogabal feierte ein grofses Fest seines Gottes all- 
jährlich, er feierte einmal ein besonders grofses Fest, eben 
jenen iepöc Yctjuoc, und ein Hauptakt des Festes war 
die- Prozession durch die Stadt mit seinem Gott zu 
Wagen. Und was war dieser Gott? Ein Stein. Er 
stand auf dem Wagen, die Zügel waren um ihn herum 
geschlungen, niemand stand auf dem Wagen, der Gott 
sollte selbst lenken^: eine Münze zeigt uns noch eben 
diesen Prozessionswagen, die Rosse davor, den Stein 
darauf, rings um ihn vier Sonnenschirme.^ Und wir 

ßoXov. Die Verse bei Marcellus Empir. de medicam, p. 139, 5 
Helmr., die ich ebendort hergestellt und erklärt habe, beginnen so : 
elööv c€ Tpi|bi€pf^* xP^C€ov t6 cdvöaXov 
Kai TOpTapoOxou x^^keov tö cdvöaXov ktX. 

1 Trebell. Poll. tyranni triginta c. 29. 

2 So beschrieben bei Herodian V 6. 

3 S; bei Cohen DescripHon kistorique des monnaies frapp^es 
SOZIS V empir e romain^ 2. Ausg. IV, S. 349. 



— 32 — 

wissen genauer, wie der Stein aussah: aYttXjLxa |Liev oöv 
«jCTiep Trap' "€\Xticiv f\ 'Puüjuaioic oiibev ^cttikc x^^po- 
TTOiriTov 0€oö qp^pov eköva* XiGoc be Tic den jlx€tictoc 
KttTiüOev TTcpicpepfic XriYUüv elc ölmryza' Kwvoeibfec auxifi 
cxfiina fieXaivd t€ f) xpo^«- biOTreifi xe aiiTÖv elvai 
C€fivoXoToOciv dHoxac xe xivdc ßpaxeiac Kai xijttouc 
beiKVuouciv eiKÖva xe *HXiou dv^pTctcxov eivai GdXouciv 
oöxuj ßXdTTOVxec. ^ Ich brauche kaum noch zu sagen, dafs 
dies der Xäoc ist, den Aberkios noch besonders nennt, 
und dafs die dHoxcti und die xüttgi genau das aussagen, 
was die Inschrift mit cq)paYic wiedergiebt. ^ Und wir können 
auf einer anderen Münze noch die genaue Illustration 
dazu heranziehen: allerlei offenbar glänzende edelstein- 
artige Erhöhungen, ein glänzendes Gepräge schmückt 
den konischen Stein. ^ 



1 Herodian V 3. 

2 Über cq)paYic und seine Bedeutungen für Mysteriensprache 
— die aber hier abzulehnen sind — kann man jetzt die gute Zu- 
sammenstellung einsehen bei Georg Wobbermin Religionsgeschicht- 
liehe Studien zur Frage der Beeinflussung des Urchristentums 
durch das antike Mysterienwesen ^ S. 144 ff. Man wird daraus 
ersehen, dafs XajitTrpd cqppaT^c von dem Siegel des Mysteriums 
nicht gesagt sein kann. Falsch behandelt Wobbermin die beiden 
Stellen der orphischen Hymnen XXXIV 26 oiivexa iravxöc 
^X€ic KÖC|Liou cq)pTi^r^i>a tuttOötiv (von ApoUon) und LXIV 2 
oöpdviov vö|uov dcxpob^TTiv, ccppntlba öiKairiv ttövtov t' elvd- 
Xiov xal f flc q)Oc€U)C tö ß^ßaiov dxXiv^c dcxaciacTov dcl xiipoOv- 
Ta vö|Liotciv. Das hat mit den Stellen in den koptisch-gnostischen 
Werken nicht das mindeste zu thun ^als ierminus der Mysterien- 
Sprache* y den er auf die Gottheit überträgt — es ist doch einfach 
das Siegel des Herrschers oder des Richters, das der welt- 
regierenden Gottheit zugeschrieben wird. Dahin gehört auch die 
cq)paTlc Gcoö, die in einem Zauberspruch des Berliner Papyrus 
genannt wird, s. meine Ausgabe des einen Leidener Papyrus im 
16. Supplementbd. zu Fleckeisens Jh, 1888, S. 776. 

3 S. die Münze bei Cohen a. a. O. IV p. 503; auch in 
Roschers Lexikon der griech* u, röm, Mythol. 1 1230. Danach ist 
die Abbildung auf dem Titelblatt wiederholt. C(pp(Xfic bezeichnet 



— 33 — 

Und dieser Stein ist eben gerade der Gott selbst, 
der König. Darum wird der vorher in so dunkler Kürze 
erwähnt: ich sah einen König — . Die dritte Zeile er- 
klärt es. Man versteht jetzt die Worte, wenn man weifs, 
was eine Zeit lang die Welt wufste: 

der mich nach Rom sandte, einen König zu schauen 
und eine Königin zu sehen mit goldenem Gewand und 

goldenen Sandalen; 
einen Stein aber sah ich dort mit strahlendem Gepräge. 

Heliogabal feierte ein grofses Fest zu Ehren des Hoch- 
zeitsfestes seiner grofsen Götter. Nicht blofs ganz Rom 
und Italien liefs er mitfeiern; wie seinem Gott einst schon 
in Syrien alle Statthalter und Barbarenkönige Geschenke 
schickten, so befahl der Kaiser jetzt aus allen Provinzen 
.des ganzen Reiches Hochzeitsgeschenke zu senden.^ 

So ist auch Aberkios gesandt worden gen Rom zum 
grofsen lepöc YdjLioc des ßaciXeOc und der ßaciXicca, 
er ist gesandt von seinem Gott, dem Attis, von seiner 
Kultgenossenschaft. Er ist ja Bürger der auserwählten 
Stadt des Gottes, der eK\€KTf] ttöXic NepOTToXic.^ Wie 

auch die Tupfen eines Kleides, die Flecken eines Tierfelles, das 
ganze Gepräge: hier genau dasselbe wie tOttoi. 

1 Herodian V 6: ko|liic0^ T6 tö ÄyciXiLia cuviJjKice bi\ Tip 
deCb KcXeOcac irdvrac toOc kotA *Pi)ü|uirjv xal 'IraXiav dvöpiÜTrouc 
^opTd2€iv iravTobaTratc xe cOcppoci^vaic xal €Öu)xictic xP^cGai ör]- 
\iocicf. T€ xal \bicf. lue bi] TajuoOvTWv öedrv. Dazu V 3 : 0pr)CX€u - 
€Tai bi oö luövov Ttpöc TU)v ^TrixujpCiJJv, äXKä xal irdvTCC oi 
T€iTviu)VT€c caTpdfrai t€ xal ßaciXelc ßdpßapoi <piXoT{|uu)C ir^iuTrouci 
Til) 6€t^ ^xdcTOU ?TOUC TToXuTcXfl dva0if|juctTa. DioCassiusLXXIX 12. 
Dafs wir nicht mehr in schriftliche Zeugnisse haben, kommt von 
der damnatio memoriae des Kaisers. Nur ein Legionenstein 
scheint den Gott zu nennen aus Brizetium CIL III 4300: £>eo 
Soli Alagdbal Ammudati mü(ites) leg-(ioms) I ad(iutricis) bis p(iae) 
f(idelis) const(antis) . . . 

2 Ähnliche AVendungen wie diese am xVnfang der Inschrift s. 
bei Hamack a. a. O. S. 7. 

Dieterich, Grabscbrift des Aberkios. 3 



— 34 — 

verwandt der grofse Sonnengott Attis zumal in dieser 
Zeit der Göttermischung, der Mischung zu einem grofsen 
Sonnengott, dem Sol Elagabal war, brauche ich gar 
nicht erst auszuführen. Hatte sich doch Heliogabal selbst 
zum Gallus gemacht und diente der grofsen Mutter.^ 
Ganz der gleiche kann es ja nicht nach der Auffassung 
des Verfassers der Inschrift sein: der eine Gott schickt 
ihn, den anderen zu schauen. Aber es ist die Herrlichkeit 
seines eigenen Kultes, die sich in dem des Verwandten, 
des orientalischen Sonnengottes, in Rom offenbart: Ge- 
sandte ziehen hin, die grofse Erhöhung ihres Gottes 
aus dem Osten in der Reichshauptstadt mitzuerleben. 
Und das ist ein Hauptereignis des Lebens, die Ehrentage 
des Gottes in Rom mitgemacht zu haben. Jetzt verstehen 
wir, wie diese Worte ^ so auf den Grabstein kommen. 



1 Wie die syrische Hauptgöttin für identisch mit der phr}- 
gischen gehalten wurde, so stand auch der grofse Stemenhirte Attis, 
der aus Syrien stammte, nahe genug dem Sonnengotte von Emesa. 

2 Das fehlende Wort zu den YPt^MMOTa mCTd zu ergänzen 
halte ich — auch nachdem man den Kult kennt — für unmöglich. 
Td t{X)f]C, XÖYOUC Kai, alles das ist ganz haltlos. Versuchen läfst sich 
vieles, sicher begründen, soviel ich sehe, nichts. Ich enthalte mich 
deshalb der Versuche. Dafs YpdjLXjaaTa auch in heidnischen Kulten 
die heiligen Lehren bedeutet, ist bekannt. Eurip. Hippol. v. 953 ^* 
'Opqp^a t' övokt' ^x^v ßdKX€U€ ttoXXOüv YpttjaiLidrcüv TifuiOJv ko- 
TTVoOc. Alkidamas Odysseus 24 erwähnt die Grabschrift des Orpheus, 
der dv6p(JÜtT0ic Ypd|Li^aTa Kai coqpirjv erfunden habe. (EMaafs 
weist mir die Stelle nach.) Attis ist es ja, der die Kultlehren der 
grofsen Mutter verbreitet. Ich will aber nicht anzuführen unterlassen, 
welche Bedeutung Ypd|Li|LiaTa besonders in den Zauberbüchem hat; 
das zeigen ohne weiteres die Indices zu Wesselys Ausgaben von 
Zauberpapyri in den Denkschriften der Wiener Akad. d. W, 1888 
und 1893. Die 'Zeichen' des grofsen Gottesnamens, die alles 
wirken und die Welt beherrschen können, werden nur dem Adepten 
überliefert und streng geheim gehalten. Solche Zauberformeln 
spielen in den Kulten der Zeit eine grofse Rolle, wie hier nicht 
weiter ausgeführt zu werden braucht. wiCTd pafst so recht für 
diese YpdMjiiaTa. 



^--^ 



— 35 — 

Denn ein anderer als Attis kann ja nun der heilige 
Hirt nicht mehr sein: Attis, der Hirt und der Sonnen- 
gott. Es ist hier nicht mehr nötig, die Art und die 
Verbreitung des Kultes dieses Attis über die ganze Welt 
gerade damals zu schildern. In Kleinasien und Griechen- 
land, in Italien und im Westen bis zum Rhein wird er 
verehrt, und die Denkmäler, die sich in aller Welt ge- 
funden haben, stellen ihn als Hirten dar und als Sonnen- 
gott, mit dem Pedum in der Hand oder dem Strahlen- 
kranze ums Haupt oder miit beidem zugleich.^ Wer 
die grofse Attisstatue im Lateran^ kennt mit ihren fünf 
Strahlen am Kopfe, die etwa in Hadrianischer Zeit 
in Ostia dem Gotte gemacht wurde, vergifst nicht das 
Bild des überall in der Welt verehrten Sonnenattis. 
Besonders häufig ist das Bild des Attis des Hirten 
auf Gräbern angebracht^: die Toten wurden so als 
seine Jünger bezeichnet. Aberkios sagt dasselbe mit 
Worten. 

Auch Syrien hat der Jünger des Attis besucht: ich 
brauche es nicht mehr zu erklären. Dort war ja der 
Tempel des so hoch gestiegenen Gottes zu Emesa, dort 
war Attis zu Hause — vielleicht war daher sein Kult 
überhaupt gekommen — , dort waren seine heiligsten Stätten. 
Dort war die dea Syria, dort war das rechte heilige 
Land dieses ganzen Götterkreises. 'Durch zwei Jahr- 
hunderte guter Verwaltung zu einem hohen Grade mate- 



1 Über Denkmäler und Zeugnisse s. die Bemerkungen 
oben S. 20 Anm. i. 

2 Monumenti delV IstiU IX 8", 2. Heibig Führer I Nr. 695. 
Die Strahlen, die in den Kopf eingelassen sind, wurden ergänzt, 
sind aber durch die Bohrlöcher im Marmoi" sicher. Ebenso ver- 
hält es sich mit einem Kopf des Altis, auch im Lateran, Monu- 
menti delV Ist, VIII 60, 4. Heibig I Nr. 691. 

3 Verweise auf die weitere Litteratur bei Röscher Lexikon 
der griech, u, röm, MythoL I 727. 

3* 



- 36 - 

rieller Kultur gelangt, war das von der Natur so reich 
ausgestattete Syrien der Sammelplatz für die Repräsen- 
tanten aller religiösen Überlieferungen des Orients und 
für die Apostel aller Sekten geworden.'^ Wenn sie zu 
syrischen Götterfesten auch von jenseits des Euphrat 
kamen, mag man auch dort sich hohe Kultstätten denken, 
die der Pilger besucht hat. Auch Attis selbst sollte ja 
einst über den Euphrat gezogen sein. Aber Nisibis, das 
TTpößoXov orbis romani ungefähr zwei Jahrhunderte lang 
von Septimius Severus bis zu Julian, orientis firmissi- 
nium claustrum^ mag nur die äufserste Grenze seiner 
Fahrten nach Osten, die zugleich die des römischen 
Reiches war, bezeichnen sollen.^ Nisibis war zur Zeit 
Heliogabals gerade erst ganz kürzlich durch Septimius 
Severus zur Septimia Colonia Nisibis geworden und gerade 
damals ein Ruhmestitel römischer Weltherrschaft. 

Auf die Zeit Heliogabals weist alles hin: zu seinem 
grofsen Götterfest ward Aberkios aus Phrygien gesandt. 
Oben ergab sich der Schlufs aus dem Verhältnis zur 
Alexandrosinschrift, dafs die Grabschrift des Aberkios 
bald nach 216 n. Chr. abgefafst sei. Heliogabal regierte 



1 So Rdville a. a. O. übers, von Krüger S. 240 in einer 
Schilderung eben der Zustände zur Zeit Heliogabals. 

2 Damit erledigt sich der Anstofs Pregers Inscr, graec, 
vietr, ex Script, conlectae^ zu nr. 34: offendit Nisibis instar 
omnium trans Euphraten urbium memorata. Dagegen der An- 
stofs, der mehrfach genommen ist, dafs das as3nidetische Nidßiv 
hinter äcxea irdvxa kaum erträglich sei, ist in der That berechtigt. 
Schon Brinkmann in der 10. These zu der Bonner Dissertation 
quaestionum de dialogis Piatoni f also addictis specimen 1888 und 
dann Robert Hermes a. a. O. 423 haben Nidßiv für Glossem er- 
klärt. Dennoch glaube ich, dafs man dem unbeholfenen Verse« 
macher dies unbeholfene Nachsetzen eines zweiten Objektes zu 
clbov zutrauen mufs. Wie hätte denn der Kopist der Inschrift, 
der sonst, wenn die Zeile erhalten war, so gut las, hier auf 
Nidßiv kommen sollen, wenn nicht einmal etwas Ähnliches da- 
stand? Oder 'wie etwa erst die Abschreiber der Vita? 



— 31 — 

von 218 bis 222 n. Chr.^ und feierte in diesen Jahren 
in Rom die grofse Hochzeit des Himmelskönigs und der 
Himmelskönigin. 



I Herr des Reiches war Heliogabal Juni 218. 219 aber 
kam er erst nach Rom, nachdem er in Nikomedien überwintert 
hatte. März 222 ward er ermordet. Innerhalb dieser drei Jahre 
mufs in Rom das grofse Fest gefeiert worden sein. 



III. 

Aufser seinen Pilgerfahrten, der Reise nach Rom, 
dem Hauptereignis seines Lebens, und den Reisen durch 
Syrien und bis gen Nisibis, giebt Aberkios noch seine 
Kultregel an, nach der er gelebt. Zuvor aber will er 
noch der Nachwelt sagen, dafs er überall auf seinen 
Fahrten gehabt habe — was? Begleiter? Ist das so 
merkwürdig, dafs es in eine Grabschrift gesetzt wird, 
wenn ein Mann auf Reisen immer Begleitung gehabt 
hat?^ Nein, dafs der Jünger des Gottes überall Kult- 
genossen hatte und nicht blofs hatte, sondern erwarb 
(€CX€v), mufs gesagt worden sein, und so ergiebt sich 
unter den möglichen Ergänzungen des cuvo ganz von 
selbst diejenige, die diesen Sinn hat: cuvobitac, die 
Genossen des cuvoboc, die Conventualen. ^ Dafs das 



1 So sagt jetzt auch Duchesne a. a. O. 176: Aber eins disait 
que partout ü avait trcmvi des confrkres^ des correligionnaires, 
S*il avait dit que partout il avait trouvi des compagnons de 
voyage, il aurait exprimi une vSritS de la Palisse.^ 

2 S. Stellen bei Du Gange; es sind geradezu ol ^v cuvobicji 
2uiVT€C. Verbunden wird KXr)piKÖc f\ jiAOvaxöc f\ KaXoO|Li€voc cuvo6(- 
Tr|C. Gebräuchlich ist cOvoöoc besonders zur Bezeichnung von 
griechischen Künstlergenossen schaffen; so gab es 'die heilige 
Synodos in Rom' CIG 6786, vgl. Lüders Die dionysischen Künstler 95. 
Auf einer Grabschrifl aus Rom aus dem 2. Jahrhundert erzählt 
ein Mitglied einer solchen cuvoboc von seinem Leben in einer 
Weise, die hier überhaupt verglichen zu werden verdient (Kaibel 
Epigrammata nr. 613): 



— 39 — 

Schlufswort des Verses nicht zu dem TTaOXov des folgenden 
bezogen werden kann, ist dadurch sicher, dafs in eben 
dem folgenden Vers eine Möglichkeit anders als ?x^V 
zu lesen nicht vorhanden ist^ und dafs aus €7T0, selbst 
wenn es anders als zu ?7T0X0V ergänzt werden könnte, 
ein Wort zu gewinnen, das von f x^v abhängig den Sinn 
eines selbständigen Zusatzes zu TrdvTTi b' ?cxov cuvobi- 
TTiv (dann auch cuvöjLiiXov möglich) TTaOXov ergäbe (Ix^v 
CTTO . .), ebenfalls schlechterdings ausgeschlossen ist. Also 
ist TTaOXov von ^x^jjv abhängig und Icxov hat ein anderes 
Objekt. Über die schwierigste Zeile der Inschrift, die 
mit TTaOXov beginnt, wird alsbald weiter zu reden sein. 
Es wird nun angegeben, wie Aberkios kultgemäfs 
sich nährte oder genährt wurde. Lassen wir zunächst 
das Subjekt, das eben jener Vers vor TrdvTTi enthält, 
unbestimmt, so ist alles andere dem nächsten Wortsinne 
nach klar: x (ein Femininum) leitete mich überall und gab 
mir Nahrung überall, einen Fisch aus Quellwasser, einen 
grofsen, einen reinen, den gefangen hatte eine reine 
Jungfrau, und den setzte sie den Genossen immer zur 
Speise vor und Wein in gutem Gemisch spendend mit 
Brot.^ Er ist gut geleitet gewesen, nie hat er darben 



M. lejuirptüvioc NciKOKpdTiic. 

"Hjuriv iroT^ |uouciköc dvrip, 
iroiriTi?)C Kai Ki9apiCTi?|c, 
^dXlCTa bk Kai cuvob€iTr]C. 

iroXXd ßuGotci KainiOv, öbr]iTopi€C ö' drov^jcac, 
^VTTOpoc €Ö|Liöp(pujv Y€vö|LiT]v, <p(\oi, ^€T^ir€iTa f^vaiKOüv. 
irveO^ia Xaßibv ödvoc oöpavöGev xeX^cac xpövov dvxaTT^bujKa , 
xal )Li€Td TÖv edvaxov MoOca( iiiou tö cu)|Lia KpaxoOciv. 

1 Statt x ist u möglich; aber ich glaube behaupten zu 
können, dafs mit diesem u keine mögliche Lesung zu gestalten 
ist. Ich glaube alle Möglichkeiten durchprobiert zu haben. 

2 Die Partizipien sind so zu verstehen, dafs unbeholfen genug 
nach oivov in den Partizipialsatz oTvov öiboOca |li€t' dprou zur 
weiteren Erklärung von oivov eingeschoben wird XP^CTÖV ^x^vca 



— 40 — 

müssen, immer hat er Speise und Trank gehabt und 
immer die Speise nach der Kultregel: einen kultisch 
reinen Fisch, den eine reine Jungfrau aus fliefsendem 
Wasser fangen und zubereiten mufste, und Wein — ge- 
mischt mit Wasser — und Brot. Alles ist aufs beste 
verständlich. Ich brauche jetzt nicht mehr zu fragen, 
ob denn wirklich die reine Jungfrau als Maria verstanden 
und so jemals von ihr von einem Christen geredet werden 
könne, dafs sie den Fisch gefangen und zur Nahrung 
den qpiXoi gewährt und Wein und Brot gespendet habe. 
7Tap0€VOC d^vri aber von der Grofsen Mutter verstehen zu 
sollen, war eine arge Zumutung. Nein, nichts ist verständ- 
licher, als dafs der kultisch reine Fisch von einer reinen 
Jungfrau gefangen sein mufs. Heilige Fische gab es 
vielfach in der antiken sakralen Welt, in Ägypten, in 
Syrien, in Griechenland und Kleinasien. Vielfach finden 
sich Vorschriften, die heiligen Fische, die etwa der 
Atargatis oder Derketo in Syrien genährt werden, nicht 
zu verletzen.^ Das Komplement dazu ist mehrfach, dafs 

K^pacjLta. Nicht aber stehen die beiden Partizipien unverbunden 
in gleicher Linie nebeneinander: guten Wein habend, Gemisch 
gebend mit Brot. K^pacjua ist hier gewifs Wein und Wasser. 

I Dittenberger Sylloge II 364 Inschrift aus Smyma ['IJxöOc 
Upouc |uf] äöiK€i[vJ |Liri6^ ck€öoc tOüv tt^c 6€o0 (ohne Zweifel 
Atargatis oder Derketo, s. Dittenbergers Anmerkungen) Xu|iAa{v€cGai 
ktX. ; ein IxÖ^OTpöqpiov wird dort noch erwähnt. Vgl. etwa Diodor 
V 3i 6 (*Ap^6oucav) b' oö jiövov xard toOc dpxaiouc xP<^vouc 
?X€iv |U€TdXouc Kai ttoAXoCic IxöÖc, dXXA Kai KaxA tV|v ViinCT^pav 
i^XiK{av 6ia|ui^veiv cufüißaivci toOtouc UpoOc övrac Kai dOiKTOUc 
dvepiiiTroic* kü djv iroXXdKic tivuiv Kaxd xäc TroX€jiiKdc ircpicrdccic 
(paYÖvTUüv, irapaööEujc ^irccViiLirivE tö ödov xal juiefdXaic cu|jKpopaic 
irepidßaXc xouc ToX)Lir]cavTac irpocev^TKacÖai. IGIS 1047 oötöc 
iCTiv ö . . . qpa^Obv xd Kp^a xuiv lx6öu)v und viel dergleichen. 
Über Fischopfer u. dgl. einiges bei Stengel Hermes XXII 94 fr. 
S. auch Aelian de nat, an, IX 65 xf^c hk xpi^Xr^c oOk &v yeO- 
caivxo ol aöxol luiOcxai (seil, oi ^uoO^cvoi xoiv ecotv) ouö^ ^f|v 
1^ xfjc "Hpac xf^c ^v "ApTCi Upeia • Kai xdc T€ alxiac övu) ttou 



— 41 — 

sie zu fangen den heiligen Personen, den Priestern allein 
gestattet ist. So durften eben bei den Syrern die Priester 
allein die der Göttin geopferten Fische verzehren. Ja, 
so war es auch mit heiligen Fischen der Göttinnen von 
Eleusis: XeTOVxai hk o\ 'PeiTOi Köpric tepoi Kai Ar)|LiTiTpoc 
elvai Ktti Touc ixOOc ii auTÄv toTc lepeOciv ectiv 
aipeiv jLiovoic.^ So durften auch in dem Kult des 
Aberkios nur die Kultdiener des Gottes, denen die in all 
diesen Diensten so gewöhnliche Askese, ein bestimmter 
ßiou TpÖTTOC, vorgeschrieben war, den heiligen Fisch essen; 
gefangen mufste er sein von einer reinen Jungfrau. ^ Nur 
eine Analogie noch aus griechischem Kult: in dem Dienst 
der Demeter und Kora — der ja auch sonst damals 
in der ganzen Welt verbreitet und mit anderen Kulten 
verschmolzen war — , in dem Dienste zu Andania gab 
es heilige Jungfrauen, die auch da für das Herbeischaffen 
und Auswählen und Zubereiten der Opfertiere zu sorgen 

eiTTibv oT6a. Ein heiliger See mit heiligen Fischen in Lydien, 
s. Varro de r. r, III 17 — pisces, quos proinde ut sacri sint ac 
sanctiores quam Uli in Lydia^ quos sacrificanti tihiy 
Varro, ad tibicinem gregatim uenisse dicebas ad extrenmim 
litus atque aram, quod eos capere auderet nemo — sie 
hos piscis nemo cocus in ins uocare audet. Vgl. Preller- Robert 
Grieche MythoL^ 488. Auf ein Aratscholion zu v. 386 macht 
mich EMaafs aufmerksam: ö0€v Kai elc Ti|Lii?|v xfjc 0€oO 01 ZOpioi 
IxBOuJV dir^xovTai. Wie sehr der Fisch zu den grofsen orientali- 
schen weiblichen Gottheiten gehörte, wie er auf Münzen (auch 
Heliogabals) ihnen beigegeben wurde, kann die sehr reiche Zusammen- 
stellung bei Pitra Spicüeg, Solesm. III 502 ff. zeigen. Über 
heilige Fische bei den Ägyptern die reichste Zusammenstellung 
bei Wiedemann Herodots zweites Buch 175 ff. Bei luvenal XV 7 
hie piscem fluminis . . . vener antur auch von den Ägyptern. 
Bei ihnen ist er auch besonders häufig im Dienst weiblicher Gott- 
heiten. 

1 Pausan. I 38, i. 

2 Solche spielten auch im Kult der Grofsen Mutter eine 
Rolle. Ich erinnere an die Claudia Syntyche in Rom, die das 
Schiff der Göttin heranzieht. 



— 42 — 

hatten. Sie hiefsen sogar 0oivapjui6cTpiai als die, welche 
das heilige Kultmahl herbeizuschaffen und zu bereiten 
hatten.^ Ich übergehe für jetzt eine Fülle von Ana- 
logien; die Urkunde selbst redet ja klar genug. Nur 
eins verdient Erwähnung, dafs bis heute im Orient in 
dem Ritus der griechischen Kirche Mas Opferbrot überall 
nur von reinen Jungfrauen, von den Priestern oder den 
Ehefrauen derselben bereitet werden'^ darf. 

Aber wer ist denn die, welche den Pilger geleitet 
und ihn der heiligen Nahrung nie hat entbehren lassen? 
Die Prädikate, die ganzen Sätze weisen darauf, dafs es 
eine Gottheit sein mufs. Dafs in diesem Zusammenhang, 
wie ich ihn erkläre, eine ttictic, selbst wenn der Befund 
des Steins so zu lesen gestattet, nicht möglich ist, bedarf 
keines Wortes mehr. Wer vom Kult der Cybele aus 
erklären wollte, hatte ein ganz richtiges Gefühl, wenn er 
daran dachte, Mafs hier irgend ein Name der von 
Aberkios verehrten Cybele gestanden hätte'. Warum 
das aber dann doch Mie änigmatische Sprache der 



1 Sauppe Mysterieninschrift aus Andania (Abhandlungen 
der kgl, Gesellsch, der Wiss. zu Göttingen VIII) v. 29 fF.: clxev 
ä 6oivap|LiöcTpta 6 €lc AdjuaTpoc xai oi 6Tro8oivap)Li6cTpiai ai 
^|Liß6ßaKutat, gTtcv b> Up€a Tdc AdfüiaTpoc tAc ^qp ' iiriroöpöfiqj . . . 
V. 31 ö ö^ YwvalKovö^oc KXapoOxu) rdc t€ icpdc xal irapO^- 
vouc xal ^Tri|Li^€iav . . . vgl. v. 66 fF. Die Priesterin, die den 
Demeterkult nach Thasos bringt, die heilige Kiste auf dem 
Schofs, ist nach Polygnots Bild in Delphi auch eine irapB^voc, 
Pausan. X 28, 3. 

2 So bei C. Cracau Die Liturgie des heil, Chrysostomus mit 
Übers, und Commentar , Gütersloh 1890, S. 22, Anm. 3. Cracaus 
Mitteilung durch Vermittelung von J Bauer verdanke ich mehrfache 
Belege, z. B. Benedict XIV Comment, theoL-historic, de sanct, sacri- 

ficio Missae 1748» Sect. I p. 63 : ex ea autem farina ad eum modunt 
oblata panis consecrandus conficitur^ sacrisque uirginibus de- 
uotisque matronis in Oriente id muneris demandatur. 
Vgl. Calvör Rituale 1705 I p. 598, Daniel CoJ, Hturg. IV p. 384: 
excoquunt panes uel uirgines etc. 



— 43 — 

Inschrift' verbieten soll, verstehe ich nicht. ^ Sie fordert 
ganz unänigmatisch den Namen einer Göttin. 

Wenn der Befund des Steins, wie ich ihn oben an- 
gegeben, richtig ist, wird jede andere Lesung der Buch- 
stabenreste als VTiCTic absolut ausgeschlossen. Davon bin 
ich ausgegangen, ohne zu wissen, was vtictic sein könnte, 
und diese notwendige Ergänzung der Reste zwingt uns 
mit Folgerichtigkeit weiter, Nf\CTic mufs der Name einer 
Göttin sein. 

Da, wo Hippolytos die Lehre des kleinasiatischen 
Gnostikers Markion auseinandersetzt, führt er dessen 
Prinzipien- und Elementenlehre auf Empedokles zurück 
und läfst ihn an dessen Lehre von Zeus, Hera, A'idoneus 
und Nestis anknüpfen^: 

Teccapa tojv ttoivtujv pilibiiaTa TipujTOV ciKOue* 
Zeiic dpTric, "Hpri xe cpepecßioc, f\b* 'Aibujveuc, 

NflCTlC 9* f\ öaKpUOlC T€TT€1 KpOUVUJjLia ßpÖT€iov.^ 

Zeuc dcTi TÖ TrOp, "Hpr] bk qpep^cßioc f] fTl n qpepouca 
Touc TTpöc TÖv ßiov KapTTOuc, 'Aibuuveuc bi. 6 drip, öti 
TTOtvia b\' auTOÖ ßX^trovrec juövov auiöv od KaGopiöfiev, 
NfiCTic bi, TÖ libtjup* juövov t«P toOto öxim^t xpo- 
9fic aiTiov Yivöjievov ttSci toic xpecpojievoic, 

1 Ficker a. a. O. S. iio. 

2 Hippolytos ref, omn, haer, p. 3840*., besonders 88 fF. 

3 Auf die Schwierigkeiten des Textes namentlich des letzten 
Verses brauche ich nicht einzugehen. Den oben gegebenen scheinen 
mir die Überlieferungen zu fordern. Ich verweise für weiteres auf 
Philologus VIII 155 ff. (Schneidewin) und 730 ff. (ten Brink). Was 
wir hier brauchen, steht ja im Texte sicher. Die Erklärung des 
letzten Verses würde ich in der Gedankenreihe suchen, die ich 
Abraxas iZ^,^ freilich, wie ich jetzt weifs, nur recht mangelhaft, 
verfolgt habe. Aus den Thränen der Gottheit entstehen die Menschen ; 
mit ö)Lißpoc und ödXacca werden diese Thränen gelegentlich gleich- 
gesetzt. Ich kann das hier nicht weiter ausführen. Bemerken 
aber will ich doch die nicht ganz entfernte Ähnlichkeit eines 
Citates bei lulian, als er von Dingen des Mutterkults redet: ^iriKpäc 
iS\y\Q rrepißXTiiLia ßpöreiov' I 231 Hertl. 



— 44 — 

auTÖ Ka0' auTÖ ipecpeiv ou buvdjtievov xa rpecpöiLieva. 
€i T^P fipecpe, cpriciv, oiik oiv Troie Xijuiu KaTeXr|(p9Ti 
xd Iwa öbaroc dv xqj Kocjutu TrXeovdZiovxoc dei. 

Das ist die Göttin, fi TrapeÖTiKe xpo(pr|V, die Göttin 
des Wassers, die den Fisch spendet. 

So gewifs die Lehre des Empedokles nicht von 
ungefähr zur Erklärung derjenigen des Markion heran- 
gezogen ist, sondern dieser wirklich an jene angeknüpft 
hat, so gewifs haben diese Lehren, in welcher Traditions- 
linie auch immer, ihren Weg nach Kleinasien, auch nach 
Syrien gefunden. Ich will nur darauf hinweisen, wie 
mancherlei Lehren des Empedokles sich fortwuchernd in 
griechischem Kult und Glauben, in späten synkretistischen 
Diensten nachweisen liefsen^, wie seine Lehren eingingen 
in die alle Welt überziehenden dionysischen und — 
wenn man das mifshandelte Wort überhaupt noch recht 
verstehen will — orphischen Kultgemeinden. Ich brauche 
mich hier nicht mit denen auseinanderzusetzen, die jedem 
Kenner dieser die hellenistisch-römische Welt beherrschen- 
den Kulte vorwerfen, dafs er sie überschätze, weil sie 
selbst vielleicht eben aus dem neuesten Buche zuerst 
davon gehört haben: wem fast täglich mehr Denkmäler 
und Zeugnisse die Riesenmacht dieser Kulte vor Augen 
stellen, wer etwa im Süden, im Orient die Fülle der Reste 
dieser religiösen Bewegungen zu sammeln suchte, weifs, 
dafs er jene Kulte noch sehr beträchtlich unterschätzt 
hatte. Umfassende Darlegung gehört nicht an diesen 
Ort; aber ich spreche dem, der von jenen Kulten, ihren 
alten Ingredienzien und ihrer Verbreitung nur aus einigen 
zufalligen Citaten in modernen Büchern Kenntnis hat, das 
Recht ab, ohne bestimmtere Angaben meine Auffassung von 
diesen religionsgeschichtlichen Bewegungen abzulehnen. 
Für den Sachkundigen wird die Entwicklungsgeschichte 



I S. meine Nekyia io8, 119, 131 u. sonst. 



— 45 — 

einer Göttin von Empedokles zu den kleinasiatischen 
Mischkulten der Kaiserzeit nichts Unwahrscheinliches 
haben. Aber ich brauche ja diese Entwicklung nicht 
und will nicht durch allgemeine Worte konkrete Angaben, 
für die hier kein Platz ist, ersetzen. Asiatische Gnostiker 
haben die Gottheit gekannt; sie ist jedenfalls vor ihnen 
in den heidnischen Kulten vorhanden gewesen. Nestis 
ist — das hören wir noch in mehrfacher später antiker 
Überlieferung^ — eine sicilische Meeres- und Fisch- 
gottheit gewesen; daher wird sie Empedokles in seine 
orphisch-asketische Lehre, die auch den Fleischgenufs 
verbot, aufgenommen haben. ^ Dafs sie sich in Asien 
der Atargatis oder Derketo und ähnlichen Gestalten, die 
ja eben auch die befruchtende Kraft des Meeres, das 
Wasser darstellen, in der Mischung später Zeit nähern 
mufste, ist natürlich. Und mehr noch: vfiCTic ist ein 
Fisch, und so liegt im Namen selbst auch die Fisch- 
vorstellung, ursprünglich^ oder hineingetragen.* NfiCTiC 
ist der Name eines Fisches, der immer fastet, in dessen 



1 Photios Lex, p. 299, ii. Eustathios zur Ilias p. 1180, 14. 

2 Über die Lehre von der Nf^CTiC bei ihm Laert. Diog. VIII 12. 
Die Erklärungen, die ihr später zu teil werden, bergen allerlei 
Mifsdeutungen und Verwechselungen, s. Diels Doxographi 89. 

3 Was die NfjCTic ursprünglich bedeutet haben mag, will ich 
nicht untersuchen. Jedenfalls hört man später darin die 'Fasterin'. 

4 Ich will daran erinnern, dafs die kleinasiatischen ver- 
wandten Gottheiten auch ganz oder z. T. Fischgestalt haben 
sollten, so Derketo oder die Göttin der Askaloniten nach Diodor 
II 4, 10 TÖ |Li^v Trpöcunrov ^x^i T^vaiKÖc, tö 5' ÖXXo cii)|Lia ttöv 
iXOOoc. Viele Zeugnisse bei Pitra Spicüeg, Solesm, III 504 ff. 
Die syrische Stadt Hierapolis, wo diese Kulte blühten, nannte 
man auch Hieropolis: die Städte in Syrien und Phrygien mögen 
mancherlei Kultbeziehungen mit einander gehabt haben. Die 
Göttin der syrischen Stadt wurde von früh an auch 'Acppcöirr] 
Oöpavir] genannt (Herodot I 150): so hiefs auch die grofse Göttin 
von Karthago, die ja ursprüngUch zweifelsohne aus jenen Gegenden 
des Orients von Phöniziern mitgebracht war. 



- 46 - 

Magen man angeblich keine Speise, vor allen Dingen 
nicht die Reste anderer verzehrter Fische findet, und so 
ist auch vfiCTic (wie K^CTpic ebenfalls als Fischbezeichnung 
und auch beides zusammen) namentlich in der griechi- 
schen Komödie zur sprichwörtlichen Bezeichnung eines 
fastenden Menschen geworden. ^ 

Es trifft alles zusammen: von Nestis, der Gottheit 
des Wassers, ging die Lehre, dafs sie die Gottheit sei, 
die allen Nahrung gebe — sie nährt den Aberkios. Sie 
ist eine Fischgottheit — sie spendet immer ihren heiligen 
Fisch. In ihrem Namen selbst liegt das Fasten — ihr 
folgt der pilgernde Asket mit seiner fleischmeidenden 
geheiligten Lebensweise. Wir können nur ahnen, wie 
zwischen Zeus als TTÖp und Hera als y^I^ und Nestis als 
libujp jener ursprünglich empedokleischen Lehre und dem 
Sonnengott und der Himmelskönigin oder der Magna 
Mater, der grofsen Erdgöttin, und eben der Nestis Fäden 
hin- und hergegangen sein mögen. Die Geschichte der 
Göttin Nestis zu schreiben, fehlen fast alle Mittel. Hier 
aber steht sie sicher in dem merkwürdigen Kult des 
|Lia6r|Tf|C TTOijLi^voc ayvou. Freilich können wir auch nicht 



1 Athenaios VII p. 307 c 1^ b^ X€TO|li^vti irapoijiia 'Kccxpcuc 
vr^cTeOei' iiti xiliv öiKaioirpaTOiivTiDv dKoOcrai. ^irfiöi?) oö cap- 
KoqpaTCi ö KCCrpeiic. Dann folgt eine grofse Reihe Stellen, 
z. B. p. 307 e: €ö<ppiuv Alcxpqt- Miöac bä KCcrpcOc iczu vf)CTic 
TTCpiiraTCt. 'ApiCToqpdvric fripurdbij* äp' ?v6ov dvöpijöv Kecxp^uiv 
diTOiK(a; iJüc ii^v fdp €lci vi^cxibec tiyvuück€T€. (Es ist nach 
dem, was wir sonst von dem Stücke wissen, gar nicht unwahr- 
scheinlich, dafs es sich hier auch um Kultdinge handelt.) p. 307 f : 

TOUTIUV TTOTd X€XO^VTUJV ktll Tip KCXtÜ TOUTip 6\\H\) TIÖV KUVl- 

Kuiv TIC ^CTT^piGC ^XGÜJv ^cpT] ' övSpEC q)(Xo!, |iii^ kqI i*||uieic vlicTciav 

äYO|Ll€V, 0€C|LiO(pOp{u)V TfjV jUdcllV ÖTl Ö(kT]V K€CTpdU)V VT^CTCOo^CV 

ktX. p. 308a: Kttl 6 OöXmavöc iq>Y] öti oöb^v fedXcap keiei 
^mpuxov Kttl dv€XKUc9€lc bi oö öcXcdJcTai oÖT€ capKl oöt' 
dXXip Tivi ^miiOxip, tbc 'ApiCTOT^Xr^c IcTopct ktX. 

2 q)€p^cßtoc in den Versen ist doch nun einmal nur von der 
*Erde' zu verstehen. 



— 47 ~ 

beurteilen, inwieweit in NnCTic die gewöhnliche Bedeutung 
des Wortes vfiCTic vorwiegen und man die *Fasterin', 
das Fasten in mehr abstraktem Sinne darin verstehen 
mochte. Und gewifs, die Göttin des sakralen Fastens 
in solcher Personifikation ging ihm voran und bestimmte 
seine Nahrung als Fisch und Wein und Brot. Es gab 
einen Spruch, ein Symbolum eleusinischer Mysterien 
evr|CT€uca* eiriov töv KUKCUJVa^; ein ähnlicher Spruch 

dx TU|Ll7TdV0U ßeßpUJKtt* dK KUjLlßdXoU 7T€7TU)Ka' T^TOva 

ILiucTTic "Axieujc wird ausdrücklich von den Attismysterien 
bezeugt.^ Der Attisjünger Aberkios bezeichnet seinen 
Kult mit dem Symbolum 'Nflctic hat mich geführt; ich 
habe Fische gegessen, ich habe Mischtrank und Brot ge- 
gessen'. Es wird ein ebensolches in den Versen er- 
weitertes Erkennungssymbolum des Kultes sein: das Kult- 
bekenntnis des Aberkios. 

Wohl mag iravineTeGTi andeuten, dafs die Fischspeise 
noch eine besondere Bedeutung haben soll — etwa weil 



1 Clemens Alex, protrept, 2i; vgl. Amob. V 26: ipsa 
denique symbola quae rogati sacrorum in acceptionibus respondetis 
'leiunaui atque ehihi cyceonein etc,^ 

2 Firmicus Mat. de err,prof, rel, 18, i p. 102, 14: in quodam 
templo ut in interioribus partibus honw introiturus possit admitti 
dicit: de tympano manducaui, de cymhalo hihi et religionis secreta 
perdidiciy quod graeco sermone dicitur (folgen die griechischen 
Worte). Etwas anders bei Clemens Alex. a. a. O. 15: da werden 
die Formeln aj)LißoXa Tf^c jiui^ceuJC genannt. Ich habe über 
diese Erkennungsformeln der Genossen, die auch ins Grab ^mit- 
gegeben wurden, gehandelt de hymnis orphicis p. 35 sq. Sie sagen 
alle, wie es auch Aberkios thut, nicht irgend einen Glauben aus, 
sondern erklären die Teilnahme an kultischer Handlung, an kul- 
tischem Essen und Trinken, die Gemeinschaft mit dem Gotte und 
den Kultgenossen. Es ist kein Glaubensbekenntnis — ein solches 
kennt man nicht — , sondern ein Kultbekenntnis. — Wir würden 
viel deutlichere Beweise in der Erklärung von Texten führen können, 
wenn unser Material nicht so gar lückenhaft wäre. Wir kennen 
hier immer nur zufällige Reste einer ganzen untergegangenen Welt. 



- 48 - 

der Fisch eben die Gottheit selber versinnbildlicht — , ob- 
wohl das Wort im Griechischen fast immer eine ganz eigent- 
liche, körperliche Bedeutung hat: eine wirkliche Mahlzeit ist 
jedenfalls gemeint; das zeigt der ganze Satz deutlich genug. 
Es ist bemerkenswert, dafs die Kopie der Inschrift, 
die wir beim Metaphrasten lesen, eigentlich Fehler nur 
gemacht hat in der einen Zeile, durch die heute der 
Bruch geht, der die zwei Hälften teilt. Ramsay hat die 
Zerstörung vorgefunden, und es ist wahrscheinlich, dafs 
schon der Kopist es so fand^; dann wäre erklärt, dafs 
er hier allein mindestens drei Lesefehler begeht. TTaöXov 
^cujöev schreibt er, ttictic liest sein christlich ergänzendes 
Auge. Es mufs wenigstens ausgesprochen werden, dafs 
TrdvTri b€ 7Tpof]T€ bei diesem Sachverhalt nicht für ganz 
sicher gelten kann, wenn auch Worte dieses Sinnes ohne 
Zweifel dastanden und TrpofiTe wenigstens alle denkbare 
Wahrscheinlichkeit für sich hat. ^ So wie für uns die 
Instanzen liegen, können die vorhergehenden Worte nur 
so konstituiert werden: TTaöXov ^x^^ ^ttoxov. Dafs dir* 
öxou oder dir' ÖXUJV ausgeschlossen ist, sieht jeder, der 



1 Er sagt ja selbst (c. 4I s. oben S. 4 Anm. i), dafs die 
Zeit der Inschrift an Zuverlässigkeit genommen und sie fehlerhaft 
gemacht habe. Er fügt deshalb hinzu, dafs er nur ungefähr den 
Wortlaut wiedergebe. Das mufs sich aber besonders auf diese 
Zeile beziehen, wo er geraten und ergänzt hat. Ob absichtlich die 
Zeile zerstört ist, wie es Ramsay schien, mufs dahingestellt blei- 
ben. Es ist immerhin ein sehr merkwürdiges Zusammentreffen, 
dafs gerade diese Zeile, in die allein in der ganzen Inschrift man 
zwei bestimmt christliche Worte hineindeutete und hineinlas, unlesbar 
gemacht, und dafs aufserdem der Metaphrast gerade das Wort vor 
Ypd|LiMaTa iriCTd ausliefs, das höchst wahrscheinlich etwas Unmifs- 
verständliches über den Kult des Aberkios angab. 

2 Die Überlieferung der einen Hs. der Vita bt irdvTT] oder 
iravTl TTpof^YC, der andern Travrl bä oder TrdvTTi bä irpor^ye weist 
eigentlich direkt darauf hin, dafs iravTl = irdvTri hier eingeschoben 
ist aus dem vorhergehenden Verse, vielleicht sogar erst in der weiteren 
Überlieferung der Vita. S. unten S. 50 Anm. 



- 49 — 

sich TrdvTii b' ecxov cuvobiiac — das ich oben als 
notwendig dargethan und erklärt habe — fortgesetzt 
denkt durch die Angabe * Paulus auf dem Wagen habend \ 
'indem ich Paulus bei mir auf dem Wagen hatte'. Wenn 
die Worte nicht heifsen können, dafs ein Paulus sein 
Begleiter war — und das ist aus den vorhandenen 
Worten und Buchstaben nicht so zu gewinnen, dafs es 
verstanden werden könnte — , so wird in diesen knappen 
Worten etwas gesagt sein sollen, was der ganzen Inschrift 
zum Unterschied von dem Alexandrosstein merkwürdiger- 
weise fehlt: eine Art Zeitangabe. Dafs von dem Apostel 
Paulus in keiner Weise die Rede sein kann, ist von 
anderen längst hinreichend ausgeführt und bedarf keines 
Wortes. ^ Man schlage ein Namenlexikon wie Pape- 
Benseler auf, um zu sehen, wie zahlreich die TTaöXoi 
auch damals in der römisch -griechischen Welt waren. 
Nur ein Christ viel späterer Zeit konnte gleich an den 
Apostel denken und ihm dann noch die ttictic an die 
Seite setzen. 

Sollte, wie die spätere Vita ihren Aberkios datiert 
durch die Statthalterschaft eines Publius in Kleinphrygien 
— Iirapxoi und eTrixpoTroi werden mehrfach da mit 
Namen genannt^ — , hier ein Paulus genannt sein? Die 
Provinzen schickten zu dem Fest in Rom ihre Ge- 
sandten: hat ein solcher Namens Paulus, als er reiste, 
ihn beschützt?^ Oder aber wäre es ein Paulus, der in 
der Kultorganisation eine grofse Rolle spielte und dem 

1 Dafs auch ein so vortreflflicher Philologe wie C. Weyman 
{Hist, Jahrbuch der Görresgesellschaft XVI 1895, 423) für möglich 
halten kann, 'Paulos auf dem Wagen habend' könne heifsen 'ein 
Exemplar der Briefe des Paulos mit sich führend', gehört für mich 
zu den Rätseln des Menschenlebens. 

2 Zahn a. a. O. 88 Anm. 3. 

3 ^iroxov in dem Sinne, in dem es KirchhofF und Robert 
einsetzen, konnte man ja gelten lassen. Aber die Gedankenver- 
bindung hat nichts Überzeugendes. 

Dietericb, Grabschrift des Aberkios. 4 



— 50 — 

es zu danken war, wenn Aberkios überall cuvobixai ge- 
wann?^ Auch in dem Falle könnte für diese Gläubigen 
eine Datierung darin liegen. Ich betone ausdrücklich, 
dafs ich hier eine sichere Lösung zu geben nicht im- 
stande bin. Aber diese kleine Enclave der Unsicherheit 
ist fest umschlossen von sicherem eroberten Gebiet. 



I ^ITOXOC müfste dann in diesem Kulte etwas Ähnliches be- 
deuten, wie etwa ^iricKOiroc in christlichen Gemeinschaften. Aber 
das giebt es nicht. Es ist ja freilich nicht unmöglich, dafs der 
Verskünstler das in solchen Bedeutungen nicht nachweisbare Wort 
für Sirapxoc oder ^irfTpoiroc eingesetzt hätte. — Aber ich verkenne 
keinen Augenblick die Unsicherheit solcher Vermutungen. Es 
kann ja hier gerade das irdvxrj bä TTpof\f€ der Vita angezweifelt 
werden , und da das Wort auf ZTIZ der Inschrift auf jeden Fall 
ein Nominativ ist und zum Vorhergehenden nicht gehören kann, 
wäre ein Nf^CTic bk irpofJYC möglich, zumal die Raumverhältnisse 
des Steins dazu stimmen und in der vorhergehenden Zeile noch 
mehr als eine Silbe fehlen kann. Dann wird die Unsicherheit der 
Ergänzung immer gröfser. Ich mufs aber ausdrücklich zu bedenken 
bitten, dafs die Erklärung des Übrigen durch diese Lücke der 
Deutung nicht tangiert werden kann. Auch Duchesne, der ja ganz 
anders erklärt, sagt: on a le choix entre le silence et des hypo- 
th^ses fragiles. Je choisis le Premier, 



Das Grab des Aberkios von Hieropolis kann uns 
nun erst zu einem festen Markstein auf den wirren 
Wegen religionsgeschichtlicher Entwicklung jener Zeiten 
werden. Die Kulte und die Religionen sinken hin in 
jener Zeit und steigen auf, sie mischen sich in unent- 
wirrbarem Durcheinander. Schwer ist es, klaren Auges 
in das dunkle Gewoge der Gestalten hineinzuschauen und 
das Ringen der fallenden und auferstehenden Götter zu 
deuten, ohne die Zukunft derer, die den Sieg behielten, 
mit hineinzudeuten. Es kann gar nicht genug betont 
werden — was die Geschichte der Erklärung dieser In- 
schrift auch dem blödesten Auge sonnenklar werden 
läfst — , wie es dieselben, mag man sagen äufseren, 
Formen sind, mit denen heidnische und christliche Kulte 
ihren Glauben und ihre Symbole bilden und schaffen. 
In einer Inschrift von 22 Hexametern, die voll von An- 
gaben über Gottesdienst und Kultsymbole ist, war es 
möglich immer wieder über ihren christlichen oder heid- 
nischen Sinn im Zweifel zu sein. Die Zustände des Syn- 
kretismus der Zeit gilt es zu kennen, will man einzelne 
Zeugnisse recht beurteilen. Dann aber ist nichts wert- 
voller als unverrückbare Urkunden über den Gang dieses 
Prozesses zu gewinnen; es ist ein selten glücklicher Fall, 
wenn die Überlieferungen ausreichen mit sicherer Exegese 
einen Text zu deuten wie diesen aus dem ersten Viertel 
des dritten Jahrhunderts. 

Zu den merkwürdigsten religionsgeschichtlichen Er- 
scheinungen in der Geschichte jenes religiösen Gährungs- 

4* 



— 52 - 

Prozesses gehört die Weltherrschaft des orientalischen 
Sonnengottes und der Himmelsgöttin in Rom. Auch 
alle Sinnenbegier und alle Schamlosigkeit seines zügel- 
losen Priesters war Dienst des Gottes in den Formen, 
die der Orient gelehrt. Aber dieser Kaiser hiefs die 
Welt nicht sich, sondern seinen Gott anbeten: er wollte 
nur sein Priester sein. Es ist, als wäre eine höhnende 
Fratze der Karikatur aus der Tiefe des religiösen Wahn- 
sinns der Zeit aufgestiegen, eine Fratze, die reineren 
Gottheiten, die auch aus dem Orient kamen, noch einmal 
weltbeherrschend ins Antlitz grinste, ehe sie die Herrschaft 
antraten. Hier sucht die Formlosigkeit des Synkretismus 
eine Form zu gewinnen und sich zu einem Universalkult 
zu gestalten, der von Rom zum ersten Mal die ganze 
Welt beherrschen will. Der Priester des Gottes be- 
herrscht die Welt, und der fast atemlose Eifer des 
kaiserlichen Jünglings, der wie Fieberphantasie eines 
Wahnsinnigen erscheint, drängt mit fanatischem Bewufst- 
sein nach der Weltherrschaft seines Gottes, drängt einem 
Gedanken nach, der in reineren und höheren Formen 
nicht wieder zur Ruhe kam. Die Inschrift aus Phrygien 
giebt uns ein Einzelbild der weiten Wirkung des ersten 
und kurzen Triumphs eines römischen, aber eines heid- 
nischen Katholizismus. 

Der Gott des Aberkios, seine Reise zu der grofsen 
Göttererhöhung in Rom, das Symbolum seines Kults sind 
unzweideutig klar. Und die Zeilen dieses Steins von 
Hieropolis stellen weiter eine Reihe grofser Probleme, 
stellen sie anders, als sie ehemals gestellt werden konnten, 
und werden früher oder später sie lösen helfen. Das 
Verhältnis des entstehenden christlichen Kults zu andern 
Kulten ist die grofse Frage, die in bestimmten Punkten 
der Stein an uns stellt. Woher die Gestalt des 'guten 
Hirten' in den Katakomben und auf den Sarkophagen 
kommt — der Hermes Kpioq)6poc erklärt nur den künst- 



— 53 — 

lerischen Typus, und die Stellen der heiligen Schriften 
erklären seine Entstehung nicht — , das ist ein Rätsel, 
Hier ist eine ausgebildete Vorstellung von einem Sonnen- 
gotte als reinem, göttlichem Hirten in phrygischem Kult. 
Woher das christliche Symbol des Fisches gekommen 
ist — denn es ist ebenso klar, dafs es eine kultisch 
symbolische Bedeutung hat als dafs seine Deutung auf 
Christus etwas Sekundäres sein mufs — , bleibt bisher im 
Dunkel. Hier ist ein Kult, in dem der Fisch heilige 
Kultspeise ist. Und wie die Christen heilige Mahlzeiten 
von Fisch und von Brot und Wein wie auch immer 
zuerst in sakraler Gemeinschaft hielten, so ist hier in 
dem asiatischen Kult die heilige Mahlzeit der cuvobitai, 
der qpiXoi des Attis, Fisch und Wein und Brot. Es ist 
von vornherein nichts darüber zu sagen, wieviel diese 
Ähnlichkeiten zu schliefsen gestatten werden, und es ist 
durchaus nicht ausgemacht, dafs um diese Zeit im 
Anfang des dritten Jahrhunderts die Bräuche des asiati- 
schen Kults in jedem Punkt das Frühere sein müDsten. 
Das alles ist weiterhin erst zu untersuchen. Christliche 
und heidnische Kulte mischten sich und wirkten hin und 
her aufeinander. Man mag sich erinnern an das Ge- 
misch christlichen und heidnischen Glaubens, das in dem 
Bericht über das Religionsgespräch am Hofe der Sassa- 
niden zu finden ist. ^ Möglich, dafs solche Urkunden 
wie eben die genannte noch mehr Bezüge auch auf 
unserm Stein zu andern Gedankenkreisen aufdecken, 
wie man einen solchen in der nryfT] hat finden wollen.^ 
Eine Überlieferung wies uns unsicher nur in gnostische 
Gebiete. Auch damit mischten sich heidnische Kulte, 
und wie christliche gab es vorchristliche Gnostiker. Man 

1 Es ist auf diese Urkunde schon mehrfach aufmerksam ge- 
macht, von Harnack besonders zu unserer Inschrift, a. a. O. 17 ff. 

2 Harnack a. a. O. 19 f. Was er von dem Stein auf dem 
Diadem der Hera sagt, ist durch meine Erklärung erledigt. 



- 54 — 

hat schon darauf hingewiesen, dafs Montanus phrygischer 
Cybelediener war: den Montanismus beherrscht das gleiche 
asketische und ekstatische Element wie jene Kulte. Ich 
erinnere damit an alte Probleme, die uns immer wieder 
beschäftigen werden. Wir ringen heute um das grofse 
Problem der Genesis des Christentums, und wir werden 
uns mit nichten begnügen, voreilig in vage Formeln (und 
wenn es 'Thesen' wären) zu bringen, was in seiner un- 
endlichen Fülle geschichtlicher Entwicklung nur der 
vorurteilsfreien Untersuchung und der schärfsten Inter- 
pretation sich erschliefst. Jene Probleme, die der Stein 
des Aberkios direkt stellt, habe nicht ich erst auszu- 
sprechen brauchen. Es ist mehr und mancherlei anderes 
von anderen längst bemerkt. Aber erst wenn die Exe- 
gese ihre Schuldigkeit gethan, können die gröfseren 
Fragen richtig gestellt werden.^ Dieser bescheidenen 
Vorarbeit wollte ich dienen. Und wenn ich weifs, dafs 
es heute unter uns auch in der Erklärung solcher 
religionsgeschichtlichen Urkunden, die der Parteien Vor- 
eingenommenheit hin- und herzerrt, eine echte Wissen- 
schaft giebt, die, wie de Lagarde sagt^, von keiner 
Macht im Himmel und auf Erden Vorschriften, Gesetze, 
Zielpunkte annimmt, der es gleichgültig ist, was bei ihren 
Untersuchungen herauskommt, so möge vor dieser Wissen- 
schaft und nur vor dieser bestehen können, was in ihrem 
Sinne gethan ist. 

1 Ich habe absichtlich hier zunächst jedes Eingehen auf ver- 
wandte Denkmäler und Quellen, wo es die Interpretation nicht 
erforderte, vermieden. 

2 Deutsche Schriften^ Gesamtausgabe letzter Hand 37. 



Register. 



Aberkios der Bischof 2. 
Aberkiosvita i ff. 
Alexandrosinscbrift , Datierung 

l6. 
dcTpodpxn 29. 
Attis 20, i; 35; 47- 

ßaciXem 26. 
ßaciXcOc 26. 
ßiJDILiöc 3. 

•fpdiniLiaTa 34, 2. 

Elagabal 28 fF. 
Ittoxoc 48 f.; 50, I. 

Fische , heilige 40 f. 
Formeln, metrische in Inschriften 
gesprengt 17. 

Heliogabal 28 fF. 
Hochzeit des Königs und der 
Königin 29 fF. 

Kyriakosvita 3. 



Xäoc 24, 4. 

Nestis 43 fF. 
Nisibis 36. 

irapOdvoc äfvr\ 40; 42. 

Paulos 39 j 48. 

Peplos der Göttin von Karthago 

31- 
TTOiiuriv 21, I. 

Ramsay I. 

Regina caeli 26 ; 29 fF. 

Simeon Metaphrastes i. 
ccppoTic 24; 32, 2. 
Stein des Heliogabal 31 f. 
Symbola der Kulte 47. 
cuvoötxric 38. 

Urania 29. 

XpucocdvbaXoc 30. 
XpucöcToXoc 30. 



«.-» 



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