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Full text of "Die jahresbilanz der A.G. unter besonderer berücksichtigung ihres wesens [microform], sowie der bewertung der betriebsgegenstände .."

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NEGATIVE 

NO. 94-82234- 1 2 



COPYRIGHT STATEMENT 



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infringement. 

The Columbia University Libraries reserve the right to refuse to accept a 
copying order if, in its judgement, fulfillment of the order would involve 
violatlon of the Copyright law. 



Author: 



Hotz, Jean 



Title: 



Die Jahresbilanz der A.G 
unter besonderer... 

Place: 

Linz a.D. 

Date: 

1918 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATiON DIVISION 

BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



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ORIGINAL MATERIAL AS FILMED - EXISTING BIBLIOGRAPHIC RECORD 




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Hotz, Jean. 

••* Die Jahresbilanz der A. C. unter besonderer 
berüoksichtigung ihres wesons, sowie der bewer- 
tung der betriebg^o/^onstände ... von Jean Hotz . . . 
Linz ai D., Zentraldruokorei gesellsohaft n, b, h 
1918. 

78 p. RZ on. 

Thesis, Zürich, 1917. 

"Separat-abdruck aus der »Zeitschrift für buch- 
haltuns", XXVII. ^^ Jahrgang." 





RESTRICTIONS ON OSE: 



TECHNICAL MICROFORM DATA 



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DATE FILMED: 



REDUCTION RATIO: Q^ 



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School of Business 



ÜOlF. Exchange Sfp 1 W£ 
Separat-Abdruck aus der „Zeitschrift für Buchhaltung". 

XX VII. Jahrgang. 

Druck und Verlag der Zentraldruckerei, Linz a. D. 



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Die Johresliilonz der A. S. 

unter besonileRr BerocksicMliuns Ihres Oesens, 
sooie der Beoertuni der BetnelBseseiutliide. 



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Inauguraldissertation der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität 
Zürich zur Erlangung der Würde eines Doktor der Volkswirtschaft 

vorgelegt von 
Jean Hotz aus Nänikon-Uster 

genehmigt auf Antrag von Herren Prof. 

Dr. G. Bachmann und Dr. H. Sieveking 

am 24. Februar 1917. 




Linz a. D., 1918. 

Druck der Zentraldruckerei. (ieaeUschaft m. b. H., Landstraße 21. 



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Vorwort. 






ii«.o,,^^'n ^*^^?!^'''®°f ^^^i*'^^.® Fat»l*ät gestattet hierdurch die Drucklegung vor- 
neCen zu ' woller°' ^"^ "^^^ '*^"° ausgesprochenen Anschauungen Stillung 

Zürich, den 24. Februar 1917. 

Der Dekan der staatswissenschaftlichen Fakultät; 

Dr. O. Juzi. 



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Der Zweck der vorliegenden Untersuchung ist ein zweifacher. Einmal 
soll sie zu der gegenwärtig viel diskutierten Frage des Verhältnisses der 
Privatwirtschaftslehre zur Nationalökonomie einen an einem praktischen 
Problem durchgeführten kleinen Beitrag liefern. Andererseits wird in 
letzter Zeit vor allem in der Schweiz die Revision des Aktienrechtes 
ziemlich eingehend diskutiert. Auch in dieser Hinsicht glauben wir mit 
dieser Abhandlung etwelche Anregungen bieten zu können. Wenn unter 
obigen Gesichtspunkten der Arbeit eine gewisse Aktualität somit nicht 
abgesprochen werden kann, so wird sie zweifellos da dem Geiste der 
Zeit weniger entgegenkommen, wo sie die Stellung des Staates zur 
Bilanzierungsfrage erörtert.' Es ist unbestreitbar, daß in den letzten 
Dezennien der Ruf nach staatlicher Regulierung des Wirtschaftslebens 
immer stärker geworden ist und die gegenwärtigen Ereignisse scheinen 
diese Tendenzen in bedeutendem Maße zu verstärken. Im Gegensatz 
dazu stehen wir in Bilanzfragen dem manchesterlichen Liberalismus doch 
nicht allzu fern. Eingehende Bilanzvorschriften sind vor allem am Anfang 
der Entwicklung des Bilanzwesens, sowie der modernen Gesellschafts- 
formen, insbesondere der Aktiengesellschaft und Genossenschaft, notwendig. 
Auch die Einsicht scheint immer allgemeiner zu werden, daß gewisse 
unerfreuliche Ereignisse der letzten Jahre ihre Ursache größtenteils nicht 
in mangelhaften Bewertungs Vorschriften haben, als vielmehr in einem 
unwirksamen Revisions- und Kontroll wesen. 

Es ist mir schließlich noch eine angenehme Pflicht, meinen hoch- 
verehrten Lehrern an der Universität Zürich, den Herren Professoren 
G. Bach mann und H. Sieveking, sowie den beiden Vertretern der 
Privatwirtschaftslehre an der Universität Genf, den Herren Professoren 
H. Toendury und E. FoUiet, für ihre liebenswürdige Unterstützung, 
die sie mir bei der Ausarbeitung dieser Studie angedeihen ließen, herzUch 
zu danken. 



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I. Theoretischer Teil. 

Das Wesen der Bilanz. 

§ 1. Historische Bemerkungen. 

Wie in der theoretischen Nationalökonomie, so sind auch in der 
allgemeinen, wissenschaftlichen Privatwirtschaftslehre die Begrifife Ver- 
mögen und Kapital von grundlegender Bedeutung. Es sei hier der Ver- 
such gemacht dieselben etwas genauer zu untersuchen, im besondern 
hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Jahresbilanz der Aktiengesellschaft. 
Bei fast sämtlichen Untersuchungen auf dem Gebiete des Bilanzwesens 
wird nicht mit der nötigen Schärfe zwischen Wesen (essence) und Zweck 
(but) der Bilanz unterschieden, was vor allem die theoretischen Formu- 
lierungen nachteilig beeinflußt.') Für unsere Untersuchung gibt uns die 
geschichtliche Entwicklung der Buchführung im allgemeinen und der 
Jahresbilanz im speziellen, sehr wertvolle Anhaltspunkte. 

Die Führung von Handelsbüchern ist alte kaufmännische Sitte. 
Schon die römischen Argentarii und Nummularii führten solche. Im 
Mittelalter wurde der Gebrauch derselben allgemein ; ihre Bedeutung fand 
eine scharfe Anerkennung durch die ihnen zugebilligte Beweiskraft, welche 
bereits zur Zeit der Postglossatoren allgemein anerkannt wurde.') Ein 
Vergleich jener Bücher mit den heutzutage geführten ist jedoch nicht 
gut möglich, sie hatten noch zu wenig miteinander gemein, auch sind 
Inventur und Bilanz noch gänzlich unbekannt. Man hat gemeint, die 
Ausbildung der Buchhaltung sei erst möglich geworden durch die An- 
nahme der arabischen Ziffern. Diesen Standpunkt vertritt vor allem 
Simon in seinem bereits zitierten Standardwerk über die Bilanzen (a. a. 
O., Seite 29/30). Dem tritt nun Sieveking entgegen, der auf Grund 
seiner historischen Untersuchungen zu folgendem Resultat gelangt:») 
„Die Einführung der arabischen Ziffern bedeutet nur eine ähnliche Er- 
leichterung wie z. B. die Einführung des Dezimalsystems. Auch mit den 
romischen Ziffern konnten die Italiener zur doppelten Buchführung über- 
gehen. Fre ilich kam es darauf an, diese schwedälligen Zahlzeichen zu 

») Das Wesen wird schon bei Kovero (die Bewertung der Vermögensgegen- 
stände m den Jahresbilanzen der privaten Unternehmungen) von den Funktionen 
(i^weck) der Bilanz getrennt, jedoch kommt bei dieser Trennung das Wesen zu kurz. 
Ziemlich emgehend dagegen behandeln das Wesen der Bilanz Schär (Buchhaltung 
und Bilanz) und Sganzini (Zur Grundlegung der realistischen Theorie der doppelten 
«uchbaltung), dann aber auch Nick lisch (Allgem. kautm. Betriebslehre al« Privat- 
wirtschaftslehre des Handels und der Industrie). Vergl. unsere Ausführungen in § 7, 

) Zitiert nach öimon: „Die Bilanzen der Aktiengesellschaften und der Kom- 
manditgesellschaften auf Aktien." 3. Auflage. Berlin, 1899. 8. 28. 

) H e i n r i c h 8 i e ve k i n g : Aus venetianischen Handlungsbüchern. Ein Bei- 
trag zur Geschichte des Großhandels im 15. Jahrhundert in Schmollers Jahrbuch für 
Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirtschaft im Deutschen Reich, 25. Jahrgang. 
Leipzig, 1901, Seite 314/5. ^ ^* 



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handhaben Man erlangte die Möglichkeit leichter Addition auch großer 
Sumn^en dadurch daß Einer, Zehner, Hunderter u. s. w. genau unter- 
einander geschneben und deutlich voneinander getrennt wurden ') So 
wurde ein Rechnen mit Millionen möglich, wie es die Schuldenverwaltung 
der großen Kommunen erforderte. Diese Methode scheint schon im 
Altertum bekannt gewesen zu sein. Auch das Hauptverdienst des Pisaner 
Rechenkünstlers LionardoFibonacci, dem zu Anfang des 13. Jahrhunderts 
die dankbare Vaterstadt eine jährliche Rente von 20 Ih und eine Marmor- 
inschnft bewilligte, scheint darin bestanden zu haben, daß er seinen Lands- 
leuten beibrachte, Lire, soldi und denari säuberlich untereinander zu 
schreiben und zu addieren." 

Fibonacci hat auch das Abendland mit den arabischen Ziffern be- 
kannt gemacht Aber die Form für die einzelnen Zahlzeichen war noch 
keine feststehende, so daß hier betrügerische Aenderungen leichter möe- 
hch waren als bei den römischen Ziffern. Darum verbot 1299 das Statut 
der Florentiner Wechslerzunft ihre Anwendung und noch das Freibur^er 
Stadtrecht von 1520 will kaufmännischen Schuldbüchern nur dann Be- 
weiskraft zuerkennen, wenn die Summen „nit mit zyffevn, sondern 
langenzal oder mit ganzen Worten" angegeben sind. 

Von den venetianischen Handlungsbüchern ist das Badoers, der in 
Konstantinopel schrieb, in arabischen Ziffern gehalten. Im allgemeinen 
hielten noch im 16. Jahrhundert die Italiener in ihren Rechnungen an 
den romischen Ziffern fest. Sie verwandten die arabischen nur im Text 
wahrend die Deutschen es umgekehrt machten, weil, wie der Nürnberger 
Wolfgang Schweiker 1549 meinte, man mit den „neuen" Ziffern „pelder 
summieren" könne als mit den „keiseriichen". 

Die ersten Spuren der Bilanzen trifft man bei der Doppik, bei jener 
vervollkommneteren Buchführungsart. Diese scheint zuerst, und zwar 
um die Mitte des U.Jahrhunderts in der Staatsbuchhaltung von Genua 
und in der Buchführung der genueser Banken, wie der Casa di S. Giorgio 
in Anwendung gekommen zu sein.^») Auch sollen sowohl der vStaat als 
die Banken schon im 14. Jahrhundert alljährlich Bilanzen aufgestellt 
haben Allem Anschein nach hatten diese jedoch nur den Charakter von 
Probebilanzen.«) AehnHches ist zu schließen aus den Ausführungen wohl 

• ui- ') H^^^JL^ch Sieveking: Genueser Finanzwesen mit besonderer Berück- 
sichtigung der Casa Di S. Giorgio. I. Genueser Finanzwesen vom 12 b s 14 J^r- 
hundert. Freiburg i. B., Leipzig und Tübingen, 1898, Seite 208 

2) Sie Peking: Genueser Finanzwesen, insbesondere Seite 119/20 Ferner: 
Derselbe : Aus genueser Rechnungs- und Steuerbüchern. Ein Beitrag zur mittelalter- 
bchen Handels- und Vermögensstatistik in den Sitzungsberichten der kais Ak^dem[e 
S^Ä/^^^^^^^^^^^ "^^'^ P^'losophisch-historische Ilasse. U2,ZJ:1 t^^^^l 

A .^) Kovero: Die Bewertung der Vermögensgegenstände in den Jahresbilanzen 
der pnvaten Unternehmungen mit besonderer lerülklichtigung dernicht reaUaierten 
Verluste und Gewinne. Berlin, 1912. Seite 8. Ferner: SievekinT- aS^^^^ 
diesen Errungenschaften wurde zunächst nicht all zu häufig Gebrauch gemacht Der 
Geschäftsmann der nur sich selbst Rechenschaft schuldete^ war auch i^ Venedig im 

zu iehet" Wi "sind l^i^T^f '^'^r'^ ^^^^^"'.S^^ '^'^ ^'^ ^'"^^^^'^ sefne ßflanz 
1440 49 * ffihr o V' ^°"^"««^t' »° dem zweiten Hauptbuch, das Andrea Barbarigo 
•i?r 1^- . %^^'°c? °^''® ^'^^"^ ^^ fi°<^en, das Conto Utile e dani Fol 210 ist 
nicht saldiert. Sem Sohn Nicolo Barbarigo berechnet in dem 1456-82 gefüh^rtln 
Hauptbuch wenigstens jährlich den Gewinn, aber eine Bilanz finden wir auch hLr erst 
1482 am Schlüsse des Buches. Und diese Sitte, erst mit derSchluLTnes Buches 
die Bilanz zu ziehen, erhielt sich bis ins 17. Jahrhundert. Der St^Hnd dfe Banken 



des ältesten Schriftstellers über die Doppik: Benedetto Cotrugli Raugeo 
in seinem Buch: „Della Mercatura et del Mercante perfetto". Cotrugli 
spricht zwar von einer Bilanz (Hauptbilanz). Diese ^sollte am Anfang 
jeden Jahres aus dem Hauptbuch gezogen werden. Weil jedoch, nach 
den Erklärungen Cotruglis zu schließen, die Gewinne und Verluste erst 
nach der Ziehung der Bilanz auf das Kapitalkonto zu übertragen waren, 
scheint hiermit nur eine Probebilanz beabsichtigt worden zu sein. Eine 
Inventur kennt Cotrugli nicht.') ' 

Im allgemeinen scheint die doppelte Buchhaltung zu der Zeit 
Cotruglis") in der Praxis, außer bei den Banken, noch in ziemlich unvervoll- 
komm neter Form vorgekommen zu sein. So wurde, wie aus den Büchern 
der venetianischen Firma Barbarigo hervorgeht, der Gewinn nicht immer 
nach regelmäßigen Perioden berechnet, und Bilanzen') kamen nur in den 
seltensten Fällen, meistens nur wenn die Bücher vollgeschrieben waren, 
zur Aufstellung. 

Mit einem gedruckten Werke trat allerdings als erster der Vene- 
tianer und Mönch Luca Pacioli an die Oeffentlichkeit. Im Jahre 1494 
erschien als erste literarische Bearbeitung der doppelten Buchführung sein 
Werk: „Tractatus de computis et scripturis" in der „Summa de Arith- 
metica, Geometria, Proportioni et Proportionalitä".*) 

wurden in Genua schon im 14. Jahrhundert zu jährlicher Aufstellung der Bilanz dadurch 
veranlaßt, daß sie jedes Jahr ein neues Buch anfangen mußten." (Aus venetianischen 
Handlungsbüchern Seite 318/9.) Dazu Simons (a. a. O. Seite 41 ff) Ausfahrungen 
über die Handelskompagnien des 17. Jahrhunderts. 

») Benedetto Cotrugli Raugeo: Ein Beitrag zur Geschichte der Buch- 
haltung vonKarlPeterKheilin Prag, in der österreichischen Zeitschrift för das 
kauftn. Unterrichtawesen, II. Jahrgang, Wien 1906, Seite 59/63, „benedetto Cotrugli 
schrieb sein Buch im Jahre 1458, also um 36 Jahre früher, als der im Jahre 1494 im 
Druck erschienene Buchhaltungstraktat des Luca Pacioli. Nichtsdestoweniger ge- 
bührt das Verdienst, der erste Lehrmeister der doppelten Buchhaltung gewesen 
zu sein, weiterhin dem unsterblichen FräLuca diSanSepolcro, weil sein Traktat 
de Computis et Scri pturis durch die Drucklegung im Jahre 1494 an den Tag 
gebracht und dadurch um 79 Jahre früher als die Abhandlung des Benedetto C o t r u g 1 i 
gemeinnützHch geworden ist." (Khei), a.a.O. Seite 59.) Sieveking: Aus venetianischen 
Handlungsbüchern, Seite 321, 323/4. Kovero, a. a. 0. Seite 8/9. 

2)Sie^e]j.jjjg. Aus venetianischen Handiungsbüchern, Seite 318/9. Femer 
beite 323: „Der Gedanke, durch die Buchführung eine üebersicht über das gesamte 
Vermögen und seine Veränderungen zu erlangen, schwebte Praktikern und Schrift- 
stellern im 15. Jahrhundert wohl vor. Allein, wurde das Ziel schon dadurch erreicht, 
daß man das Gewinn- und Verlustkonto durch das Kapitalkonto saldierte? Prüfen wir 
die Bilanzen der Barbarigo, so sehen wir, daß hier nichts als Roh bilanzen vorliegen. 

In dem Konto, saldo de debitori e creditori Andrea Barbarigos von 1434 er- 
scheinen Waren und Wechsel, wie das bei einer Rohbilanz üblich ist, während diese 
Konten definitiv durch das Gewinn- und Verlustkonto geschlossen werden müßten Das 
Konto saldo wird belastet durch die Ausgaben der Haushaltung, wie das auch bei 
einer Probebilanz geschieht, während sonst das Kapitalkonto bestimmt ist, das Haua- 
haltungsunkostenkont^ zu saldieren. Nicolo Barbarigo überträgt sogar Gewinn- und 
Verlust nicht auf das Kapital-, sondern auf das Saldokonto. Hier steht im Haben 
neben dem Kapital der Brüder Nicolo und Aluixe Barbarigo von 1186 L 4 s 11 rf 26 », 
das sich zumeist aus Staatsschulden und Immobilien zusammensetzt, der Handelsgewinn 
der Jahre 1458-82 von 1538 L IS s lü d." Vergl. auch Kovero (a. a. O. Seite 9). 

3) Daß es sich wohl fast durchwegs nur um Probe-(Roh-)bilanzen gehandelt hat, 
Seitre'^^ 1 d ^ ^S^° ^^^^'■^^^'^^^^ '^®**^°*- Vergl. hiezu auch unsere Anmerkungen 3, 

Torino*i8^8° P*"®^*^*®"® ® "°*®' ®*^'*° P" ^^^^ ^^1 ^^^^' Vincenzo Gitti, 







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Als Bücher nennt er uns Memorial, fournal und Hauptbuch (qua- 
derno dobbio). Auch Eingangsinventar, Kapitalkonto und Gewinn- und 
Verlustkonto sind* ihm bekannt. Dagegen berichtet er uns nichts von 
spatern regelmäßigen Inventaraufnahmen. Die Schlußbilanz wird nach 
seiner Angabe nur an vereinzelten Orten jährlich gezogen.') Begrifflich 
erforderlich erschien sie nur zu dem rechnerischen Zweck des Ab- 
schlusses der Bücher, sobald diese voll waren. Dann wurden Geschäfts- 
spesen, Pnvatausgaben, Gewinne u. dgl. auf Gewinn- und Verlustkonto 
übertragen, die buchmäßig vorhandenen Warenbestände zu den buch- 
mäßig ermittelten Erwerbspreisen eingesetzt, alle Konten — Gewinn- und 
Verlustkonto durch Kapital — saldiert. Sämtliche Saldi waren dann in 
der Bilanz, welche auf einem besondern Blatte*) aufgestellt wurde, zu 
verzeichnen und von hier aus auf die neuen Bücher zu übertragen.*) 

Die Bilanz Paciolis stellte somit eine Art Vermögensbilanz 
dar. Ihre damalige Form hat sich bis heute in der doppelten Buchführung 
erhalten. Allerdings haben im Laufe der Entwicklung bedeutsame materielle 
Aenderungen stattgefunden. Obschon sie sich nur auf Buchbeträge 
gründete, ihr Zweck also nur ein buchhalterischer war, so unter- 
schied sie sich doch bedeutend von der Saldobilanz einer Probebilanz 
wegen des Umstandes, daß alle Geschäftsspesen und Privatausgaben auf 
Gewinn und Verlust, und von da auf das Kapitalkonto übertragen wurden. 
Die buchmäßige Ermittlung des Gewinnes resp. Veriustes auf Waren war 
dadurch ohne Zugrundelegung einer neuen selbständigen Inventarisierung 
möglich, daß m den Büchern über die Warenbestände neben der Geld- 
rechnung auch eine Mengenverrechnung stattfand, indem auch Angaben 
über Stückzahl, Maße, Gewichte, Marke, Nummern etc. gemacht wurden. 
Wenn sich nun auch schon zu seiner Zeit die regelmäßige, jähriiche Auf- 
stellung von Schlußbilanzen vor allem bei den Großkaufleuten eingebürgert 
hatte, so ist doch mit Nachdruck zu betonen, daß eine selbständige 
außerhalb der Buchhaltung stehende Schlußin ventur nicht 
vorgenommen wurde.*) 

») Pacioli, Seite 113, capitolo XXXII. 
*) Paeioli, Seite 128. capitolo XXXVI. 
') Vergl. auch Simon, a. a. 0., Seite 31. 

T. T *) Sieveking: Aus venetianiachen Handlungsbüchern, Seite 323/24: „Den 
Italienern macht der Abschluß ihrer Bücher ^oße Mühe. Cotrugli fordert ein Sabbath- 
i- o 1, ^ siebente Jahr müsse der Kaufmann von seinen Geschäften feiern. Diese 
Muße sollte er aber zum Abschließen seiner Bücher verwenden, a). Die Depositenbanken 
der Oasa dl fe. Giorgio wurden alljährlich zwei Monate hindurch geschlossen, während 
man die Bucher revidierte und abschloß. Aber eine Mühe, die notwendig der Auf- 
Stellung einer Schluübilanz vorangehen muß, scheinen die Italiener nicht gewürdigt zu 
haben: die Aufnahme des Schlußinventars. Auch Paeioli erwähnt nichts davon und 
gibt nur eine Darstellung der Probebilanz, b). Diese gewährt offenbar nur eine formale 
Kontrolle. Um eine ganz zuverlässige Uebersicht über Stand und Gang des Geschäftes 
zu gewinnen, ist es nötig, durch die Schlußinventur den Wert der Bestände zu schätzen, 
diesen Wert mit dem Buchwert zu vergleichen und eine eventuelle Differenz als Ge- 
winn oder Verlust vorzutraL^en. Davon glaubten die Italiener absehen zu können. Erst 
^^.!?^^ und nach ihm die Ordonnance de commerce verlangten im 17. Jahrhundert regel- 
mäßig wiederkehrende effektive Inventarisierung." 

a) Ausführlich bei Kh eil, a. a. 0., Seite 61/2. 

b) Kovero, a. a. O. S. 10, Fußnote 3. „Die Behauptungen Sievekings Cvergl 
„Aus venetianischen Handlungsbüchern", Seite 324) sowie Strieders (vergl. Jacob 
btneder. Die Inventur der Firma Fugger aus dem Jahre 1527", „Zeitschrift für die 
gesamte Staatswissenschaft", Ergänzungsheft XVII, Tübingen, 1905, S. 3), daß Paeioli 
nur Probebilanzen gekannt hätte, müsse daher als nicht ganz korrekt bezeichnet 



Erst im 16. Jahrhundert ist dann das Schlußinventar im Zusammen- 
hang mit der doppelten Buchhaltung in Gebrauch gekommen.') So ist das 
Schlußinventar der Firma Fugger vom Jahre 1527, welches wegen des 
Todfalles Jakob Fuggers errichtet wurde, auf eine tatsächliche Auf- 
nahme und Abschätzung des Vermögens gegründet. Auch sind zum Bei- 
spiel die Bilanzen der Firma Antoni Haug d. Ae. u. a. während der 
Jahre 1533—1562 auf Grund effektiver, mit ziemlicher Regelmäßigkeit 
jedes zweite Jahr vorgenommener Inventarisation aufgestellt.') Anders 
verhält es sich allerdings mit der zeitgenössischen Literatur. So stehen 
Dominico Manzoni, dessen „Quaderno doppio col suo giornale, nova- 
mente composito et diligentissime ordinato, secondo il costume di Ve- 
netia" im Jahre 1640 in Venedig erschien, und Faschier Goessen, dessen 
„Buchhalten fein kurz zusammengefaßt und begriffen, nach art und weise 
der Italiener mit allerhand verständlichen guten Exemplen" im Jahre 1694 
in Hamburg gedruckt wurde, noch auf dem Standpunkt von Paeioli. In 
dem Buche Manzonis ist die Ermittlung der Schlußbestände nur auf Grund 
der Skontri dargestellt. Henricus Grammateus, der älteste deutsche Buch- 
führungsschriftsteller, kennt in seiner Arbeit „Neu künstlich Rechen- 
büchlein uff alle Kaufmannschaft" überhaupt keine Bilanz; das Schluß- 
inventar wird weder von loann Gottlib noch von Angelo Pietra erwähnt. 
Von spätem Schriftstellern des 17. Jahrhunderts gründen Nicolas Beusser, 
dessen „Neu vollkommenes Buchhalten" im Jahre 1669 in Frankfurt er- 
schien, sowie De la Porte, welcher in seinem im Jahre 1687 in Amsterdam 
gedruckten Buche „Le Guide des N^gocians et Teneurs de Livres** eine 

werden. In den Saldobilanzen der Probebilanzen entsprechen die Saldi der „gemischten« 
Konti, welche gleichzeitig Bestandkonti (und Gewinn- und Verlustkonti) sind, den Be- 
ständen nicht, und z. B. die besonders wichtigen Beträge der Gewinne an Waren können 
nicht bestimmt werden; dieses wird erst durch Berechnung der Bestände aus Skontri 
möglich. Daß die Warenkonti als „gemischte" Konti geführt wurden, geht aus den 
Schriften späterer Autoren hervor (vergl. z. B. Stevin und de La Porte)." Aehnlieh 
Simon, a. a. O., Seite 30/2. 

*) Hiezu sei noch aus den Untersuchungen von Sieveking angeführt: „Ich 
möchte die doppelte Buchführung als genuesische Erfindung bezeichnen. Aach nahm 
Paeioli seine Beispiele aus Venedig. In Florenz aber wurde diese Buchführung selbst 
1458 noch nicht vollkommen eingeführt (Genueser Finanzwesen I S. 119). Auch für 
den Kaufmann bedeutete die Annahme der doppelten Buchführung nicht ohne weiteres 
eine bessere Uebersicht über den Stand der Geschäfte ... Die Schwierigkeiten ergaben 
sich daraus, daß die in einer Hausgemeinschaft lebenden Brüder die Aufstellung einer 
Vermögensbilanz bisher nocb nicht für der Mühe wert gehalten hatten. Es scheint 
beim Tode des Vaters keine Schätzung des Vermögens stattgefunden zu haben, die zu 
Beginn jeder Buchführung notwendige Inventaraufnahme mangelte. Am Anfang des 
Buches steht ein Konto der aus einem früheren Buche übernommenen Kreditoren und 
Debitoren, aber nach einer vollständigen Bilanz des Vermögens suchen wir vergebens. 
Gerade die Konten des reinen Vermögens sind unvollkommen gespeist und saldiert 

Wieder scheinen die in unvollkommener Buchführung gehaltenen Rechnungen 
der Florentiner Handelsgesellschaften über das Wesentliche, den Stand und 
die Zusammensetzung des Vermögens, genauere Auskunft zu geben. In der Tat zeigen 
uns die periodischen Abrechnungen der Alberti und Peruzzi klar den jeweiligen Stand 
des Geschäftes. Durch die Vergleichung der verschiedenen Abrechnungen können wir 
die eingetretenen Veränderungen feststellen. — Die Ueberlegenheit der Florentiner Rech- 
nungen beruhte auf der regelmäßigen Aufnahme der Inventur. Allein, die doppelte 
Buchführung bot doch die Möglichkeit übersichtlicherer Rechnung dar, als sie die 
Florentiner kannten. Es kam nur darauf an, die gewonnenen Prinzipien konsequent 
durchzuführen." (Aus venetianischen Handlungsbüchern, Seite 317/8.) 

^) Strieder: „Die Inventur der Firma Fugger aus dem Jahre 1527 ^ S. 3 fauch 
Note 5), 5, 13, IG zitiert nach Kovero (a. a. 0. S. 11/12.) 



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10 

Darstellung der italienischen Buchhaltung gibt, der Bücherabschluß noch 
immer auf Skontri. Dagegen anerkennt Georg Niclaus Schurtz in seinem 
im Jahre 1695 m Nürnberg im Druck erschienenen „General Instruction 
des Buchhaltens" schon die effektive Inventar isation als Grund- 
läge der Schlußbilanz, obgleich er die Inventur wegen der damit ver- 
bundenen Mühe nicht in jedem Jahre für notwendig erachtet. Besondere 
Inventarbucher oder Inventare hat Schurtz noch nicht ; die Bestände werden 
den bkontri entnommen, aber diese durch Inventur kontrolliert. Die Schluß- 
bilanz wird „Schlußbilanz nach der Inventur" genannt.') 

Im Jahre 1673 wurde dann in Frankreich die ».Ordonnance de com- 
merce erlassen, die jedes zweite Jahr eine Inventuraufnahme vorschrieb 
Auch Jaques Savary'), der geistige Urheber obigen Gesetzes, verlangt in 
seinem berühmten Werk: „Le parfait n^gcciant ou instruction gönirale 
pour ce qui regarde le commerce de toute sorte des marchandises", daß 
uns die Bilanz ein Bild des Vermögensstandes gewähre, und zwar hat sie 
sich auf eine effektive Inventur zu stützen. 

Die Kodifikationen des Handelsrechts haben dann in der Folge fast 
ausnahmslos Inventur und Bilanz gesetzlich vorgeschrieben. Während nun 
der Code de commerce vom 10. September 1807 und seine Gruppe iähr- 
hche Inventarisation in einem besondern Buch vorschrieb, auf jegliche 
nähere Bezeichnung der Bewertungsgrundsätze aber verzichtete, ging der 
deutsche Gesetzgeber und seine Gruppe in seinen Bestimmungen bedeutend 
weiter So lautete Art. 31. des deutschen Handelsgesetzbuches von 1862 
wie folgt: Bei der Aufnahme des Inventars und der Bilanz sind sämt- 
liche Vermogensstiicke und Forderungen nach dem Werte anzusetzen, 
welcher ihnen zur Zeit der Aufnahme beizulegen ist. Zweifelhafte Forde- 
rungen sind nach ihrem wahrscheinlichen Werte anzusetzen, uneinbring- 
ncne abzuschreiben. ^ 

Fast wörtlich wurden diese Bestimmungen auch in das neue deutsche 
Handelsgesetzbuch vom 10. Mai 1897 § 40 übergenommen: Die Bilanz 
ist in Kelchswahrung aufzustellen. 

Bei der Aufstellung des Inventars und der Bilanz sind sämtliche 
Vermogensgegenstände und Schulden nach dem Werte anzusetzen, der 
Ihnen in dem Zeitpunkte beizulegen ist, für welchen die Aufstellung stattfindet. 

Zweifelhafte Forderungen sind nach ihrem wahrscheinlichen Werte 
anzusetzen, uneinbnngliche Forderungen abzuschreiben. 

Aehnlich lautet der Einleitungssatz des Art. 656 des Schweiz Obli- 
gationenrechts : Die Bilanz ist so klar und übersichtlich aufzustellen daß 
die Aktionare emen möglichst sichern Einblick in die wirkliche Ver- 
mögenslage') der Gesellschaft erhalten. 

A . ^/^^"^„eisten juristischen Autoren und auch Kovero vertreten die 
Ansicht daß mit diesen Bestimmungen der Gesetzgeber eben den wahren 
den wirklic hen, den gegenwärtigen Wert im Auge hatte. Wir werden 

TT K ul^ ,^"J"^??°^®" ^"« Kovero, a. a. 0. S. 11—13, der einen ausführlichen 
UebeTbhck über die geschichtliche Entwicklung der Bilanz gibt! Ferner P^^nn dorf 
Geschichte der Buchhaltung in Deutschland, Leipzig, 1913, Seite 186 ^^°°^^'^*- 
2) ueber die Entstehung des parfait n^gociant, sowie die Stellung zur franz 
Handelsgesetzgebung, vom Jahre 1673 vergl. Eduard W eher* Ui^uLJtlnV^^^^^ 
der Handelsbetriebslehre, Ergänzungsheft 49 derZe tschi^ft fL d^e /^^^^^^^^ 
Wissenschaft, Tübingen 1914, Seite 14/5. gesamte ötaats- 

^) Vom Autor gesperrt. 



11 

uns später eingehender mit den § 40 und 261 des deutschen Handels- 
gesetzbuches, sowie Art. 656 des Schweiz. O. R. zu befassen haben. 

Wir wollen nun an Hand einer schematischen Bilanzaufstellung 
versuchen, auf das Wesen der kaufmännischen Bilanz etwas näher ein- 
zutreten. 

§ 2. Beispiel einer Bilanz. 

Bilanz am 31. Dezember 19 . .*) 

Aktiva: 

Immobilienkonto Mk. 34,077.041-60 

Dienstmaterialkonten (Werkzeuge und Geräte und 

Bureau-Einrichtung) ^ 495 333-32 

Magazinkonten ^ 9,628.517-25 

Debitorenkonto ^ 16,489.037-38 

Avalkonto Mk. 3,773.547-— 

Wertpapierkonto ^ 614.661-06 

Wechselkonto ^ 267.649-14 

Kassenkonto 302.62830 

Mk. 61,874.858.05 

Passiva: 

Aktienkapitalkonto Mk. 35,000.000-— 

Reservefonds 7,877.235-04 

Dispositionsfonds ^ 706.862*57 

Stiftungsfonds ^ 50.979-06 

Avalkonto Mk. 3,773.547-— 

Kreditoren ^ 11,820.031-62 

Gewinn- und Verlustkonto. „ 6,419.749-76 

Mk. 61,874.85805 

§ 3. Der Kapitalbegriff, 
a) Betrachten wir zuerst die Passiven, die Kapitalseite der Bilanz. 
Wir werden so vorgehen, daß wir uns zunächst etwas nach dem Kapital- 
begriff m der nationalökonomischen Literatur umsehen, um dann 
nachher zu untersuchen, als was wir uns das Kapital in der Bilanz vor- 
zustellen haben. 

Ursprünglich verstand man darunter das Hauptsächliche, die Haupt- 
summe, den Kapitalbetrag einer Geldschuld, von der die Zinsen einen 
bestimmten Prozentsatz ausmachen. Auch noch im Mittelalter bezeichnete 
man mit „capitale" ganz allgemein das durch Anleihen gewinnbringend 
angelegte Geldvermögen, d. h. die dargeliehene Geldsumme. Erst 
das Verbot des Zinsennehmens durch die katholische Kirche brachte dann 
eine Wandlung in den Anschauungen. Es wurde nämlich von den Gegnern 
des Zinsverbots mit Recht darauf hingewiesen, daß sich das Geldvermögen 
auch in anderer Weise nutzbringend verwenden lasse, als durch das Mittel 
des Darlehens oder der sonstigen Kreditgewährung. So kam der Kauf 
v on Grunds tücken oder von Waren in Betracht. Dadurch ergab sich auch 

- i, u?J^^^}^ Nicklisch: Allgemeine kaoftnännische Betriebslehre als Pri?atwirt- 
sciiaftslehre des Handels (und der Industrie) Bd. L, Leipzig. 1912, Seite 53, handelt es 
SICH um die Bilanz eines Bergwerks, die hier nur im Auszuge gegeben ist. 



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12 



13 






auf diesem Wege für den Besitzer ein Nutzen. Der Gedanke lag somit 
nahe, den Begriff des Kapitals nicht bloß auf die geliehene Geldsumme 
zu beschränken, sondern denselben auf geliehene Güter überhaupt 
auszudehnen, da ja das Geld nur als Stellvertreter der betref- 
fenden Güter in Betracht kommt. Diese Konsequenz wurde jedoch nicht 
gezogen, vorwiegend wohl aus dem Grunde, weil das seit dem Ende des 
Mittelalters sich entwickelnde Merkantilsystem dem Gelde eine ganz ex- 
7eptionelle Stellung im Haushalt der Völker einräumte und den Ausdruck 
„Kapital" ausschließlich für verliehene Geldsummen gebrauchte. — Erst 
die Physiokraten traten der bis dahin herrschenden Anschauung entgegen, 
daß unter dem Worte „Kapital" nur eine gegen Zins ausgeliehene Geld- 
summe zu verstehen sei.') 

Der bekannteste Theoretiker auf diesem Gebiete der Volkswirtschafts- 
lehre, Böhm-Bawerk gibt uns in seinem Artikel „Kapital" im Hand- 
wörterbuch der Staatswissenschaften, III. Auflage, S. 778, folgende zwei 
Definitionen: Unter Kapital versteht man: 1. einen Vorrat von Produkten, 
welche ihrem Eigner als Mittel privatwirtschaftlichen Erwerbs oder zur 
Bildung von Einkommen dienen (Vorrat produzierter Erwerbsmittel, Er- 
werbskapital, Privatkapital, capital simplement lucratif). 
2. Einen Vorrat von Produkten, welche als Mittel einer ferneren Pro- 
duktion dienen (Vorrat von produzierten Produktionsmitteln, oder Zwischen- 
produkten, Produktiv-Kapital, sozial- oder volkswirtschaft- 
liches Kapital.^) 

Somit ergibt sich als gemeinsames Merkmal beider Begriffe, daß sie 
nicht nur Geldsummen, sondern Vorräte von Gütern von was immer für 
einer Art umfassen, doch muß es sich um Produkte handeln. Ausgeschlossen 
bleiben infolgedessen einmal die zwar als Güter, aber nicht als Produkte 
geltenden persönlichen Arbeitsleistungen, auf der andern Seite der natür- 
liche Grund und Boden. Ferner müssen diese Produkte in irgendeiner 
Art zur Gütergewinnung bestimmt sein, im Gegensatz zu Zwecken des 
unmittelbaren Lebensgenusses. Hierdurch scheidet sich der Begriff des 
Kapitals von dem des Genußvermögens, (stock for immediate consumption.) 

Als Unterscheidungsmerkmale der beiden Kapitalbegriffe haben wir 
vor allem die Art der Gütergewinnung, auf die sie Bezug nehmen. Weiter 
gefaßt ist der Begriff des Privat- oder Erwerbskapitals. Hier genügt die 
Widmung zu irgend einer Art des Gütererwerbs, der nicht gerade durch 
Produktion, sondern z. B. auch durch Tausch, Verleihen oder Vermieten 
statthaben kann. Das Produktiv- oder Sozialkapital, als Kapitalbegriff im 
engern Sinn, setzt eine Gütererzeugung oder Produktion voraus. 

In seiner Dogmengeschichte des Kapitals unterscheidet Böhm-Bawerk 
drei Hauptperioden. 

In der ersten Periode erfährt der Kapitalbegriff vor allem durch die 
Physiokraten in der Weise eine sehr bedeutende Erweiterung, als er nun- 
mehr nicht nur auf die Geldkapitalien, sondern auf Gütervorräte überhaupt 

') Vergl. Fr. Kleinwächter in Schönbergs Handbuch der politischen Oeko- 
nomie, S. 188. 

^) Kritisch hiezu: Liefmann: Ertrag und Einkommen auf der Grundlage einer 
rein subjektiven Wertlehre, Jena. 1907, Seite 15/6. Ferner Diehl Karl: Zur Kritik der 
Kapitalzinstheorie von Böhm-Bawerk, in den Jahrbüchern für Nationalökonomie und 
Statistik, 105. Bd. Jena, 1915, Seite 581/3. 



Anwendung findet. Es ist vor allem das Verdienst Turgots dies scharf 
formuliert zu haben.*) 

Die zweite Epoche steht unter dem Einfluß von Adam Smith. 
Er prägt sehr klar und scharfsinnig die Bezeichnung des Produktiv- 
kapitals. Auch ihm entgeht allerdings die Tatsache nicht, daß zwar 
innerhalb einer wirtschaftenden Gesellschaft einzelne Individuen auch durch 
Tausch, Verleihen oder Vermieten u. dgl. einen Erwerb ziehen, daß da- 
gegen die wirtschaftende Gesellschaft im ganzen sich nicht anders be- 
reichern könne als durch Produktion neuer Güter: für sie können daher 
als Kapital nur die zur Produktion dienenden Gütervorräte gelten. Auch 
hier beherrscht er seine Zeit so vollkommen, daß sein volkswirtschaft- 
licher Kapitalbegriff, der eine für die Analyse der Erscheinungen der volks- 
wirtschaftlichen Produktion wichtigen Gütergruppe glücklich hervorhob, 
binnen kurzem den altern und weitern privatwirtschaftlichen Kapital- 
begriff vollkommen überflügelte. Von nun an nimmt man in wissenschaft- 
lichen Erörterungen auf ihn allein Bezug und definiert nach ihm das 
Kapital als den Inbegriff produzierter Produktionsmittel. ^) Ganz nebenbei 
wird dann noch bemerkt, daß für einzelne Individuen auch solche Güter, 
die nicht der Produktion dienen, wie z. B. vermietete Wohnhäuser oder 
Möbel als Kapital aufgefaßt werden können. 

Die dritte Periode bringt uns dann wieder eine Differenzierung der 
in der zweiten Periode vermischten zwei Begriffe. Man sah wieder, daß 
nämlich die Rentenquelle von Produktionswerkzeug Kapital 
sich nicht bloß durch den Hinzutritt privater Eigentumsrechte, sondern auch 
dadurch unterscheidet, daß sie einen andern, und zwar weitern Kreis von 
realen Gütern umschließt; kurz, daß man es auch abgesehen von der Be- 
trachtung der rechtlichen Verhältnisse, deren Gegenstand die Kapitalgüter 
sind, in der Rentenquelle') und im Produktionsfaktor*) Kapital mit zwei von- 
einander verschiedenen Realbegriffen zu tun hat, die nur infolge eines 
eigentümlichen Ganges der terminologischen Entwicklung denselben Namen 
tragen. 

Es ginge weit über den Rahmen dieser Arbeit hinaus, wollten wir 
nur die hauptsächlichsten Kapitaldefinitionen dieser Periode hier kurz 
vorführen. 

Liefmann,*) als Verfasser der zuletzt erschienenen Publikationen 
über unseren Gegenstand, faßt den Stand der Meinungen über den Kapital* 

') Es ist zu bemerken, daß vor den Physiokraten schon der Reformater Calvin 
den Standpunkt vertreten bat, dafi das Zinsverbot deshalb nicht am Platze sei, da num 
es ja leicht umgehen könne mit der Fruktifizierung seines Geldkapitals auf andere Weise: 
Kauf von Grundstücken etc. 

Auch bei Smith findet sich schon die Auffaa^uitg des Erwerbskapitak. 
(Wealth of nation^ 11. Buch, Kap. l.) Vergl. auch Lezis in Elsters Wörterbuch d«r 
Volkswirtschaft Bd. li, Seite 14. Ferner Liefmann: Kapital und Kapitalismus, in der 
Zeitschrift lür die gesamte Staatswissenschaft. Herausgegeben von Prof. Dr. t\. Bücher, 
72. Jahrg. 1916/17, 3. Helt, Seite 335/6. Komorzynski, Dr. Johann von; Die national- 
ökonomische Lehre vom Kredit. Innsbruck, 19<)3, Seite 145/152. 

') Die vier Hnuptzweige des Einkommens sind bekannt ich: Grundrente, 
Arbeitslohn, Zins und Unternehmergewinn entsprechend den BentenqueUea : 
Grund und Boden, Arbeit und Erwerbs kapital. 

*) Die volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren sind: Natur, Arbeit und Pro- 
dukt i v kapital. 

^) Liefmann. Robert: Kapital und Kapitalismus, in der Zeitschrift für die 

fesamte StaatswissenscbMft, herausgegeben von Prof. Dr. K. Bücher, 72. Jahrg. 1916/7, 
. Heft. Seite 342J/3. Siehe ferner daselbst Seite 334, 347, 350. 



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14 

begriff wie folgt zusammen: „So wird heute allgemein Kapital im 
volkswirtschaftlichen Sinn als produziertes Produktions- 
mittel und im privatwirtschaftlichen Sinne als Erwerbs- 
mittel unterschieden. Ob Erwerbsmittel dabei Erzielung von Pro- 
dukten oder von Geldmengen bedeutet, das geht bei den meisten 
Autoren durcheinander, die ganz schlauen lassen diese Frage wohlweislich 
offen. Je deutlicher das letztere betont wird, um so mehr nähert sich 
der Autor für den privatwirtschaftlichen Kapitalbegriff der zweiten, geld- 
lichen Auffassung, bis dann in deren Vollendung das Kapital selbst über- 
haupt nur noch als Geldausdruck aufgefaßt wird." 

Diese Doppelspurigkeit des Kapitalbegriffes ist in den letzten Jahren 
energisch bekämpft worden.') In seinen neuesten Untersuchungen gibt 
uns Liefmann') nun folgende Begriffsbestimmung: „Kapital ist die 
zur Feststellung eines Geldertrages dienende Geldrechnungs- 
form dauerbarer Kostengüter und das Geld selbst als solches." 
Diese Definition kommt auch der unsrigen, privatwirtschaftlichen (bilanz- 
mäßigen) von allen übrigen am nächsten. 

b) Weniger Schwierigkeiten bietet uns der privat wirtschaftliche 
(bilanzmäßige) Kapitalbegriff, indem wir uns mit Vorteil an den Sprach- 
gebrauch halten können. Darnach möchten wir das Erwerbskapital 
(capital lucratlf) definieren als die Summe der in einem Unter- 
nehmen arbeitenden, investierten Vermögenswerte, und zwar 
in Geldform ausgedrückt. 

In der Bilanz entspricht das privatwirtschaftliche Kapital den 
Passiven.') 

Kapital = Passiven. 

Für das Gesamtkapital, das in einer Unternehmung werbend tätig 
ist, ergibt sich dann folgende sehr bedeutsame Zweiteilung*): 

eigenes Kapital (eigene Mittel) 
fremdes „ (fremde „ ) 

Das Kapital läßt sich ferner zerlegen nach dem Gesichtspunkt der 
Dauer, wählend welcher es dem Unternehmen zur Verfügung gestellt 

') Liefmann: Ertrag und Einkommen auf der Grundlage einer rein subjek- 
tiven Wertlehre, a. a. >. S. 15/6. 

D i eh I : Zur Kritik der Kapitalzinstheorie von Böhm-Bawerk, in den Jahrbüchern 
für Nationalökonomie und Statistik, a. a. O. S. 581/3. 

^) Liefmann, Robert: Grundsätze der Volkswirtschaftslehre, Stuttgart und 
Berlin, 1917, Seite 567. Ferner Derselbe: Kapital und Kapitalismus. a.a.O. Seite 3i8. 

^) Nicht ganz richtig ist es somit, wenn Lexis (a. a. O. Seite 15) schreibt: 
Was ist nun als das wirk-ame Kapital des Unternehmers anzusehen? Ohne Zweifel 
die Gesamtsumme der Aktiva, nicht bloß das eigene Kapital des Unternehmers. Vergl. 
unsere Ausführungen über das Verhältnis von Vermögen und Kapital in der Bilanz. 
Seite 16 ff. 

*) In diesem Zusammenhan? kommen wir kurz auf K'arl Marx zu sprechen. 
Bekanntlich sieht Marx den Kapitalzins als einen Weutegewinn an, den der Kapitalist 
auf Kosten des Lohnarbeiters an sich zieht. Dieses Moment der Ausbeutung erscheint 
ihm nun so wichtig, daß er es als konstituierendes Merkmal in den isegriff des Kapitals 
hineinträgt: er faßt als Kapital nur diejenigen Produktionsmittel auf, welche in der 
Hand von Kapitalisten „als Exploitation«- und Beherrschungsmittel des Arbeiters dienen." 
Dieselben Dinge im Besitz des Arbeiters sind dagegen kein Kapital. (Marx, das 
Kapital I, 1. Auflage. 747. Zitiert nach böhm-Bawerk: Positive Theorie des Kapitals, 
2. Auflage. Innsbruck 1902, S. 33 und 60.) Wenn wir auch die Besitzverhältnisse 
für das privatwirtschaftliche Kapital als relevant anerkennen, so finden wir es doch zu 
weit gegangen das Kapital mit „Ausbeutungsmittel- zu identifizieren. 



16 

wurde. Da kommt in erster Linie das eigene Kapital in Betracht mit 
einer unbeschränkten Laufzeit. Die Bestandteile des Fremdkapitals weisen 
in dieser Hinsicht bedeutende Gradunterschiede auf. Ebenfalls auf unbe- 
stimmte Zeit bleiben die Beträge in der Form von Kommanditeinlagen 
lim Geschäft. Hierauf folgen die langfristigen Schuldverpflichtungen: 
[Obligationen und Hypothekarschulden und zuletzt haben wir noch die 
verschiedenen kurzfristigen Verbindlichkeiten : Eigenwechsel, Tratten und 
[Akzepte, Depositen, Sparkasseneinlagen, Giro, Scheck, Korrespondenten, 
Kreditoren, verfallene Coupons. Eine etwas weniger geläufige Einteilung 
der fremden Mittel wäre noch diejenige in Anlageschulden (eigenes 
Kapital, Kommanditen, Hypothekenbelastungen, langfristige Obligationen) 
|und Betriebsschulden (alle übrigen Verbindlichkeiten). 

In der Form eines Table aus ergibt sich folgendes Bild: 

c) Der Grundbegriff Kapital in volks- und privatwirtschaft- 
licher Hinsicht. 



|a) volks'wirtschaftlicher Kapital- 

begriff.*) 
Die Gesamtheit der vorhandenen 

produzierten Produktionsmittel. 
Sachgüter, Summe dieser Güter 

in Naturalform. 
Produktivkapital, capital pro- 

ductif. 



|l. Ei gen kapital 

Dauer unbeschränkt. 



b) privatwirtschaftlicher Kapi- 
talbegriff. 

Kapital-Passiven, die Summe der 
in einem Unternehmen arbei- 
tenden, investierten Vermögens- 
werte. 

Vermögenswerte, in Geld form. 

Er wer bskapital, capital lue ratif 

II. Fremdkapital 

Hinsichtlich des Betrages genau 
feststellbar. 



mit verschiedener Dauer: 
a) mit unbeschränkter Dauer: Kommanditen. 



ß) 



beschränkter 



1. langfristig: 
Dauer: \ Obligationen, 

Hypotheken. 

2. kurzfristig: 
Eigenwechsel, 
Tratten und 
Akzepte, 
Depositen, 
Sparkassen, 

/ Giro, Scheck, 
Korrespondenten, 
Kreditoren, 
Verfallene Coupons. 



') Wir stell enhier den nach Liefmann immer noch vorherrschen- 
den volkswirtschaftlichen Kapitalbegriff, ohne uns mit demselben 
|zu identifizieren, unserm privatwirtschaftlichen (bilanzmäßigen) 
Kapitalbegriff gegenüber. ^ ' 



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16 

§ 4. Der Vermögensbegriff. 

a) Wir kommen nun zu den Aktiven, der Vermögensseite der 
Bilanz. Der Vermögensbegriff nimmt in der volkswirtschaftlichen Literatur 
bei weitem nicht die Stellung ein, wie die Erörterungen über das Kapital. 
Einzelne Schriftsteller gehen sogar soweit, daß sie ihn vor allem privat- 
wirtschaftlich aufgefaßt wissen wollen. ') Volksvermögen, Nationalvermögen, 
Fortune, Richesse d*un pays, Wealth, das sind die Bezeichnungen, die 
wir bei den nationalökonomischen Schriftstellern antreffen. Es ist das Ver- 
dienst von Prof. Wey ermann*) in Bern, in diese Verschiedenartigkeit 
der Begriffe Klarheit gebracht zu haben. Wir brauchen lür unsere Unter- 
suchung auf diese verschiedenen volkswirtschaftlichen Definitionen nicht 
näher einzutreten. Wir haben die Beziehung: 

Vermögen == Aktiven. 

Bilanzmäßig betrachtet stellt sich das privatwirtschaftliche 
Vermögen dar, als die Gesamtheit der konkreten Werte, die 
das Kapital einer U nternehmung ausmachen und zwar eben- 
falls in Geld ausgedrückt. 

b) Wir haben also: 

Kapital = Passiven 
Vermögen = Aktiven 

Ferner wissen wir, daß Aktiven = Passiven sind und haben somit 
in einer privatwirtschaftlichen Unternehmung zwei Ausdrücke, nämHch 
Kapital und Vermögen mit gleichgroßen Geldbeträgen. Es soll nun noch 
in kurzen Zügen versucht werden, die Unterschiede, die trotz obiger Aus- 
führung zwischen Kapital und Vermögen in der Bilanz bestehen, klar- 
zulegen. 

Einen ersten Unterschied veranschaulicht Professor John B. Clark:') 
„In einem bestimmten Augenblicke befinden sich in dem Vermögen einer 
Person bestimmte Güter. Schon im nächsten Augenblicke aber kann sich 
die Zusammensetzung geändert haben. Einige von ihnen können ver- 
schwunden und ihre Plätze von andern eingenommen sein. Am Ende 
eines Jahres werden sehr viele, am Ende von 5 Jahren weitaus die meisten 
verschwunden sein, aber die ganze Zeit hindurch werden wir Güter dieser 
Art in unserm Besitze gehabt haben, nur nicht gerade jene, die wir zu 
Anfang hatten. Während der 5 Jahre und während vieler solcher Perioden 
werden wir stets eine Masse von Erwerbsvermögen besessen haben, dessen 
konkrete Zusammensetzung in stetem Wechsel ist. Die Identität der In- 
dividuen in der Masse wird nicht aufrecht bleiben. Es geht ein steter 
Prozeß der Abstoßung und des Wiederersatzes der einzelnen Elemente 
jener Gesamtheit, welche durch andauernde Zeit den Besitz des Kapita- 
listen bildet, vor sich. Das Bleibende in dieser Masse von wechselnder 

Vergl. Conrad: Grundriß zum Studium der politischen Oekonomie. 1. Teil, 
7. Auflage. Jena, 1910, tieite 20. Ferner Lexis, im Handwörterbuch der Staatswissen- 
schatten, 3. Auflage. Artikel: Verteilung, Seite 831. 

*) Die statistischen Versuche einer Erfassung des Volksvermögena, in der Zeit- 
schrift iür Schweiz. Statistik. 1915, Seite 54 ff. Derselbe: Sozialökonomische Begriffs- 
entwicklung des Vermögens und Voiksvermögens, in den Jahrbüchern für National- 
ökonomie und Statistik, Bd. 107, Jena 1916. Seite 194. 

^) Wir folgen im wesentlichen Nicklisch: Allgemeine kaufmännische Betriebslehre 
als Priyatwirtschaftslehre des Handels (und der Industrie), Band 1, Leipzig 1912, Seite 59 ff. 
Die Clarkechen Ausführungen hat er nur wenig abgeändert. 



Zusammensetzung ist etwas, das nach irgend einer Benennung verlangt. 
Wir bezeichnen es mit Kapital." 

Damit haben wir den ersten Unterschied zwischen den Begriffen des 
Kapitals und Vermögens: Vermögen ist die konkrete Zusammensetzung 
der Erwerbsmittel ; Kapital ist das Bleibende in dieser Vermögensmasse, 
die Summe des Wertes, der den Gütern innewohnt, welcher Art sie im 
konkreten Falle auch sein mögen.') 

Ein zweiter Unterschied ergibt sich daraus, daß das Vermögen 
nach Güterarten zerlegt wird, weil es eben die Erwerbsmittel in ihrer 
konkreten Zusammenstellung darstellt. Anders das Kapital, das ja eine 
abstrakte, gleichbleibende Summe darstellt, bei der es, wie wir gesehen 
haben, nicht auf die Güterarten, sondern auf die Eigentumsverhältnisse 
ankommt. 

Drittens ist schließlich darauf aufmerksam zu machen, daß uns 
die Passiven das Kapital in seiner Höhe ausweisen, das Vermögen in den 
Aktiven sich uns aber zugleich als die wirtschaftliche Kraft des Unter- 
nehmens darstellt. So hat zum Beispiel ein Unternehmen mit einem großen 
Kassenbestand und Bankguthaben, verhältnismäßig wenig Debitoren und 
Waren seine Mittel nicht intensiv ausgenützt, ein anderes aber mit wenig 
disponiblen Mitteln, großem Warenvorrat, Debitorenbestand und Anlage- 
vermögen seine wirtschaftliche Kraft stark angespannt. 



c) Die Grundbegriffe Vermögen 



1. Aktiven = Vermögen. 

2. Die Gesamtheit der konkreten 
Werte, die das Kapital einer Un- 
ternehmung ausmachen, auch in 
Geldform. 

3. Die konkreten Werte des Ka- 
pitals. 

4. Zerlegung nach a) Rentabilität. 

b) Liquidität. 

5. Wirtschaftliche Kraft des Unter- 
nehmens. 



1. 

2. 



3 
4. 



5. 



und Kapital in def Bilanz. 

Passiven = Kapital. 
Die Summe der in einem Unter- 
nehmen arbeitenden, investierten 
Vermögenswerte. 
Abstrakte Gesamtsumme des 
Kapitals. 

Zerlegung nach a) Eigentumsver- 
hältnissen. 
b) Dauer der Ver- 
fügbarkeit. 
Größe des Kapitals. 



d) Wir müssen jetzt noch auf die Zerlegung der Aktiven, des Ver- 
mögens nach dem Gesichtspunkt der Rentabilität und Liquidität zu sprechen 

Vergl. zu diesem Punkt Philippovich in seinem Grandriü der politischen 
Oekonomie, 1. Band 10. Auflage, Seite 188: „Erwerbskapital ist daher noch nicht durch 
das Vorhandensein von bestimmten Sachgütern gegeben, wie dies beim Produktivkapital 
der Fall ist. Es ist nicht die konkrete Form der Vermögensobjekte, die wir in ihm be- 
trachten, sondern die durch sie repräsentierte wirtschaftliche Vcrlügungsgewalt im Ver- 
kehr, die durch das Privateigentum und die Verkehrsfreiheit gesichert ist. Diese Ver- 
tiigungsgewalt, ausgedrückt in Geldeinheiten, kann eine gleichbleibende Größe sein, 
während die konkreten Objekte, aut weiche sie sich stützt, ihrer Art, iürer Form, ihrer 
technischen Brauchbarkeit nach wechseln." 

Ferner vo n VV ieser im Grundriß der Sozialökonomik, 1. Abtlg., Tübingen 1914, 
öeite 174. Wahrend die einzelnen Kapitalgüter durch ihre Verwendung aufgebraucht 
werden, ist das Kapital im ganzen unverbrauchlich. In fortwährendem Wechsel seiner 
einzelnen Bestandteile läßt es sich immer wieder erneuern. 

Fuchs, Prof. Dr. C. J.: Volkswirtschaftslehre, in der Sammlung Göschen. Berlin 
und Leipzig 1913, Seite 67: Kapital in abstraktem Sinn oder „Kapital" schlechthin ist 
also immer ein Wertbetrag von bestimmter Größe ohne Rücksicht auf die Güter, 
in welchen er verkörpert ist. 

Ferner die bei Komorzynski (a. a. O., Seite 164/5) aufgeftthrten Schriftsteller. 

Dr. Jean Hot«: „Die JahresbllÄM der A. G.« a 



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18 

kommen. Am geläufigsten ist die Einteilung nach dem Grade der Liqui- 
dität. Darnach ergäbe sich ungefähr folgendes Bild: 

I. Betriebsmittel (umlaufendes Kapital). 

1. Kassa, verfallene Coupons. 

2. Giro-, Scheck- und Korrespondenten-Debitoren (Bankguthaben). 

3. Wechsel. 

4. Lombard- und Reportvorschüsse. (Debitoren.) 
6. Kontokorrent-Debitoren. 

6. Effekten. 

7. Hypotheken (Schuldbriefe). 

8. Waren: Rohstoffe, Materialien, Vorräte, in Arbeit befindliche 
und fertige Fabrikate. 

II. Betriebsanlagen (stehendes Kapital). 

L Mobilien: Werkzeuge, Gerätschaften, Modelle, Zeichnungen, 
Mobiliar. 

2. Immobilien: Grundstücke, Fabrikgebäude, Wohnhäuser, maschi- 
nelle Anlagen, Maschinen. 

3. (Immaterielle Anlagen): Patente, Konzessionen, Fabrikations- 
geheimnisse, Kundschaft, Organisationskosten. 

III. Ergänzungsposten: 

1. Korrekturposten: Konto für ausstehende Aktieneinzahlungen- 
Konto für zurückgekaufte Aktien, Obligationen oder Schuld, 
briefe, Obligationen Disagiokonto. 

2. Transitorische Posten (Antizipationen): Diskonto-(Zins-)Konto 
auf Brief- und Buchschulden. 

3. Durchlaufende Posten : Bürgschafts- und Garantieregreßrechte, 
Kautionen, Regreßrechte aus Wechselobligo (Giri). 
eventuell : 

IV. Reinverlust (Verlustvortrag). 

Prof. Ed. Folliet') gibt uns eine ziemlich weitgehende Analyse der 
Betriebsanlagen, indem er ausführt: 

Dans toute entreprise, on trouve des valeurs qui ne circulent pas, 
qui ne disparaissent pas par l'exploitation normale de la maison, ou qui 
ne disparaissent que pas un usage prolong6. 

Ce sont les valeurs immobilis^es qui sont, elles-mpmes, subdivis^es en. 

Valeurs immobiHs^es corporelles, 

Valeurs immobilis^es incorporelles. 

Les premidres comprennent tous les capitaux fixes qui servent ä l'ex- 
ploitation de Tentreprise et qui produisent sans circuler, tels que les 
me übles, les machin es, les im me übles, etc. 

Les valeurs immobilis^es corporelies ont toutes une valeur intrin- 
s^que, c'est ce qui les distingue des valeurs immobilis^es incorporelles. 

Quelques-unes de ces dernidres sont cependant öventuellement 
r^alisables, par exemple: 

') Les Sciences ^conomiques et sociales ä l'universit^ de Genöve, Gen^ve 1916, 
Seite 88/9. 

Ferner: Ed. Folliet: Le bilan dans les soci^t^s anonymes au point de vue juri- 
dique et comptable, Paris 1913, Seite 40 ff. 



Valeurs 
immobilis^es. 



19 

Les brevets, la clientde, les concessions; d^autres comme les frais 
d'organisation, de fondation, sont purement fictives, ce sont des pertes 
reportöes ä nouveau, leur röalisation est donc absolument impossible. 

Nous appellerons les premidres: valeurs immobilis6es incorporelles 
murales, et les derni^res: valeurs immobilis^es incorporelles fictives. 

Voici, sous forme de tableau, cette subdivision des valeurs immo- 
Ibilis^es. 

corporelies (Immeubles, Mat^riel, Mobilier). 

morales (Brevets, Clientdle, Con- 

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incorporelles/ . . ' 

fictives (Frais d'organisation. Frais 
de fondation). 

Prof. Nicklisch') unterscheidet vier Hauptgruppen des Vermögens in 
der Bilanz: 

1. Anlage- oder Gebrauchsgüter. 

Grundstücke und Gebäude, die dem eisjenen Betriebe dienen, Ma- 
schinen, Werkzeuge und Geräte. Palente und Beteiligungen sind besondere 
Arten von Anlagegütern. So auch der Wert der Firma, wo er in den 
Büchern auftritt. 

2. Umsatzgüter: 

a) Umsatzträger: Ware, Wechsel, Effekten etc. 

b) Regulierungsgüter: Diese charakterisieren sich dadurch, 
daß sie sich zwischen den Wirtschaften in einer Richtung be- 
wegen, die der Umsatzträger entgegengesetzt ist. Die Grenze 
zwischen beiden ist nicht leicht zu ziehen, da diese ebenfalls 
zu ReguHerungszwecken benützt werden und sich in großem 
Umfange ein Ausgleich gegenseitiger Forderungen ergibt, die aus 
dem Verkehr von Umsatzträgern entstanden sind. Die Barsumme 
und die Guthaben auf den Giro-, Scheck- und Inkassokonten 
bilden zweifellos Regulierungsmittel. 

3. Gewährleistungsgüter: Kautionen, Garantiegüter für die Abwick- 

lung des Zoll-Eisenbahnverkehrs etc. 

4. Reservegüter: Es handelt sich um solche Güter, die zurzeit im Be- 

triebe nicht gebraucht werden, vielmehr für günstige Einkaufs- 
gelegenheiten, oder für die Gewährung größerer Kredite, die zur 
Förderung des Absatzes sich als notwendig erweisen, oder für 
eine Erweiterung des Betriebes zur Verfügung stehen. Sie haben 
meist die Form von Regulierungsgütern (Bankguthaben) oder Um- 
satzträgern (Effekten), können aber auch in der Form von Grund- 
stücken auftreten, so daß sie nur auf Umwegen flüssig gemacht 
werden können. 
Noch konsequenter stellt Toendury') das wirtschaftliche Moment der 

Rentabilität in den Vordergrund seiner Gliederung des Vermögens; 

nach ihm ergibt sich folgende Aufstellung: 

1. Nicht rentable Werte. Zur Regulierung der Zahlungen bestimmt: 

a) solche, die ausschließlich dazu bestimmt sind, Regulie- 

r ungsgüter sowie die Reservegüter: Bai'bestand, Scheck 

*) Nicklisch: Allgemeine kaufmännische Betriebslehre, Seite 87/9. 
^) Aus dem haadelswissenschaftlichen Seminar der Universität Genf. Leiter: 
Herr Prof. Dr. H. Toendury. 



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und Girorechnungen, Bankkonto, enthaltend auch diejenigen 
Mittel, die nötig werden können. Gelegen hei tseinkäufe auszu- 
führen, die Kreditgewährung auszudehnen etc. 

b) Gewährleistungsgüter (Börse, Zollbehörden etc.) 

II. Rentable Werte, die direkt mit dem Betrieb zusammenhängen, 

a) solche, die direkt Gegenstand des Betriebes sind. (Waren, Roh- 
stoffe, Hilfsstoffe, sowie alle übrigen Güter, die für den Tausch- 
verkehr in Frage kommen : Wechsel, Wertpapiere, Debitoren etc.) 
Je nach der Umschlagsdauer in kurz-, mittel- und langfristige 
eingeteilt. (Direkt rentable Werte.) 

b) solche, die der Betrieb nur als Mittel (Hilfsmittel) benötigt. 
(Anlagen, Werkzeuge, Maschinen etc.) (Indirekt rentable 
Werte.) Sie werden weiter eingeteilt in: 

1. Sachwerte (Güter) i " ^!^ ^!^!^ f^^^^ abnützen, 

l p die sich langsam abnützen. 

2. Immaterielle Werte/ ^ moralische, rechtliche: Patente etc. 

l p hktive: Organisationskosten eta 
Wir wollen uns für unsere Untersuchung dieser letzten Einteilung 
von Toendury bedienen, indem sie dem Wesen der kaufmännischen Unter- 
nehmung am besten gerecht wird.') 

§ 6. Stehendes und umlaufendes Vermögen. 
(Betriebs- und Veräußerungsgegenstände.) 

a) Begriffsbestimmung. In der Literatur treffen wir fast aus- 
nahmslos die Benennung stehendes und umlaufendes Kapital, nach dem 
Vorausgegangenen werden wir für unsere Untersuchung von Vermögen 
sprechen, da es sich um die konkreten Werte der Aktiven, also um die 
Bestandteile des Vermögens handelt. 

Wir beginnen unsere Erörterungen am besten mit der Frage nach 
den Zwecken der einzelnen Vermögensbestandteile eines geschäftlichen 
Unternehmens. Sie dienen bekanntlich dem Gebrauch im Betriebe oder 
der Veräußerung, weil jede Erwerbsunternehmung in der Regel die Tätig- 
keit des Händlers mit der des Konsumenten verbindet, indem sie bezüg- 
lich gewisser Vermögensbestandteile die Weiterveräußerung, bezüglich 
anderer den eigenen Gebrauch beabsichtigt. Dieser Unterscheidungsgrund 
ist für die Frage der Bilanzbewertung zuerst von Scheffier („Ueber 
Bilanzen", „Vierteljahresschrift für Volkswirtschaft, Politik und Kultur- 
geschichte", 62. Band, Beriin 1879, Seite 22—25) in den Vordergrund 
gerückt worden. Er teilt die Vermögensgegenstände ein in „solche, bei 
deren Wertbestimmung dauernd nur der Eigentümer interessiert ist, und 
solche, bei denen dauernd oder vorübergehend andere mitinteressiert sind." 
Zu den ersteren gehören: „Der ganze arbeitende Apparat, die sogenannte 
Anlage, bestehend aus dem Immobiliar und dem eisernen Inventar von 
Geräten, Hilfsmaschinen u. s. w., überhaupt alles, was nur als Mittel zur 
Vollführung des Zweckes der Unternehmung da ist und demnach, solange 
dieser Zwec k besteht, auch da sein muß', und zu den letzteren rechnet 

') Dagegen haben wir dieselbe in unserer schematischen Bilanzaufsteilung (§ 5) 
in der Weise abgeändert, daß wir bei den indirekt rentablen Werten noch eine dritte 
Kategorie, nämlich solche Werte, die sich nicht abnützen, ausgeschieden haben. Es ist 
dies dann für die Bewertungslehre von Vorteil. VergL unsere Ausführungen § U B lU ^. 






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er „im wesentlichen diejenigen Objekte, welche von dem Gesamtbesitze 
unter Umständen abgetrennt und veräußert werden können oder sollen".') 
„Nahe verwandt mit den Darlegungen Schelflers sind die Simons. 
Da seine Ausführungen aber viel klarer gehalten sind als die Schefflers, 
da er überhaupt als erster Jurist auf den Unterschied zwischen Gegen- 
ständen, welche dem Gebrauche und solchen, welche der Veräußerung 
dienen und deren Bedeutung für die Bilanzbewertung hinwies, da ferner 
mit dem außerordentlichen Aufschwung der deutschen Volkswirtschalt die 
Zahl der kaufmännischen Unternehmungen (darunter besonders die Zahl 
der Aktiengesellschaften) rapid anwuchs und infolgedessen das Bilanz- 
wesen, besonders infolge des Auftauchens aller möglichen Streitfragen, 
eine weit größere Beachtung als früher beanspruchte, so ist es begreiflich, 
daß sein Buch, das in meisterhafter Weise alle einschlägigen rechtHchen 
wie volks- und privatwirtschaftlichen Fragen behandelt, eine außerordent- 
liche Verbreitung gefunden hat."') Simon hat dann für die beiden großen 
Klassen der Vermögensbestandteile, nämlich derjenigen, die für den eigenen 
Gebrauch, sowie derjenigen, die zur Weiterveräußerung bestimmt sind, 
verschiedene Bezeichnungen eingeführt, indem er die zum eigenen Ge- 
brauch bestimmten als „Betriebsgegenstände" und die zum Verkauf, d. h. 
zum Gebrauch und Verbrauch durch andere bestimmten als ,, Veräußerungs- 
gegenstände bezeichnet.^) Zu dieser ersten Kategorie, d. h. der Betriebs- 
gegenstände bemerkt Fäs (a. a. O., Seite 26/7) folgendes: Sie umfaßt die- 
jenigen Güter einer Unternehmung, die am Ziele der normalen Güter- 
bewegung, beim Konsumenten, angelangt sind. Sie dienen dem Unter- 
nehmer als Mittel zur Erzeugung neuer Güter; er verwertet sie zum 
Zwecke der Produktion. Im HinbHck auf diese Funktion der Konsumgüter 
einer Unternehmung im Dienste der Produktion sagt man, sie seien zur 
reproduktiven Konsumtion bestimmt. Die Aufgabe der reproduktiven Kon- 
sumtion ist es, mit einer möglichst geringen Wertvernichtung, respektive 
Kostenaufwand, möghchst wertvolle neue Brauchbarkeiten (Nutzeffekte, 
Erfolge, Erträgnisse, Einkommen) zu erzielen. Für die auf bestimmte (jähr- 
liche) Rechnungsperioden abstellende Buchführung und Bilanzen wird 
folgende Unterscheidung innerhalb der zur reproduktiven Konsumtion er- 
worbenen Güter von hervorragender Bedeutung. 

Fäs (a. a. O., Seite 27/8) charakterisiert nun das sog. stehende 
Kapital (Vermögen) wie folgt: „Unter den zur reproduktiven Konsumtion 
erworbenen Gütern finden sich solche Vermögensbestandteile, deren Ver- 
wertung und Entwertung (sofern letztere überhaupt stattfindet) geraume 
Zeit dauert, und die mehrere Produktionsakte und Rechnungsperioden zu 
überdauern imstande sind, ohne ihre ursprüngliche Gestalt dabei zu ver- 
lieren. Der Verlust (Konsum) ihres Wertes verteilt sich 
auf eine Vielheit von Produkten und Rechnungs- 
perioden und belastet deshalb das einzelne Produkt 
und die einzelne Betriebsperiode nur mit einem Teil 
ihres Wertes. Solche Vermögensbestandteile sind stehendes Kapital 
der Unternehmung. Die wichtigsten Beispiele dafür sind die Immobilien, 
Mobilien und die immateriellen Rechte und Güter einer Unternehmung, 

') Siehe Fäs Emil: Die Berücksichtigung der Wertverminderiingen des stehenden 
Kapitals in den Jahresbilanzen der Erwerbswirtscbaften. Zürcher Dissertation, Seite 26. 
^ft.^ ^) Siegfried Buff; in der Festschrift lür Lujo Brentano, München und Leipzig 
1916, Seite 76. 

») Fäs: a. a. 0., Seite 26. 



83 

immer vorausgesetzt, daß sie (zum Konsumentenanschaffungspreise) mit 
der Absicht der eigenen Verwendung erworben wurden. 

Von den übrigen zur reproduktiven Konsumtion angeschafften Gutem 
unterscheidet sich das stehende Kapital dadurch, daß jene schon in einem 
oder verhältnismäßig wenigen Produktionsakten, immer aber innerhalb 
einer einzigen Rechnungsperiode vollständig umgewandelt w^erden, meistens 
ihre selbständige Gestalt und stets ihren selbständigen Wert verlieren. 
Sie fallen der einzelnen Rechnungsperiode mit ihrem 
vollen Wert zur Last. Beispiele dafür sind Kohle, Oel, Licht und 
alle jene zahlreichen Gegenstände kurzer Gebrauchsdauer, die jede Unter- 
nehmung benötigt. Sie bilden zusammen mit den zur Veräußerung er- 
worbenen Vermögensgegenständen (Rohstoffe, Hilfsstoffe, in Fabrikation 
stehende Waren und fertige Waren) und dem Gelde das umlaufende 
Kapital einer Unternehmung." 

Fäs (a. a. O., Seite 28 ff) hat den Begriff des stehenden Kapitals 
in einem historischen UeberbHck bei den verschiedensten Nationalöko- 
nomen untersucht. Wir verweisen für alles Detail auf seine Untersuchung. 
Unseres Erachtens macht er sehr richtig darauf aufmerksam, daß die be- 
treffenden Autoren bald mehr die Güter, die gänzlich dem einen Jahr zur 
Last fallen, in welchem sie in ihrer Totalität konsumiert werden, bald 
mehr das Moment der Veräußerung betonen. So schwebt eben Quesnay') 
das erstere vor, wenn er ausführt: „Les avances annuelles consistent dans 
les d^penses qui se fönt annuellement pour le travail de la culture, ces 
avances doivent 6tre distinguöes des avances primitives, qui forment le 
fonds de l'ötabhssement de la culture ..." Anders dagegen Adam S m i th*), 
er legt den Nachdruck auf das Moment der Veräußerung (changing 
masters") resp. NichtVeräußerung der Güter. „There are two different 
ways in which a capital may be employed so as to yield a revenue er 
profit to its employer. 

First, it may be employed in raising, manufacturing, or purchasing 
goods, and selling them again with a profit The capital employed in this 
manner yields no revenue or profit to its employer, while it either re- 
mains in bis possession, or continues in the same shape. The goods of 
the merchant yield him no revenue or profit tili he sells them for money, 
and the money yields him as little tili it is again exchanged for goods. 
His capital is continually going from him in one shape, and returning 
to him in another, and it is only by means of such circulation, or suc- 
cessive exchanges, that it can yield him any profit. Such capitals, there- 
fore, may very properly be called circulating capitals. 

Secondly, it may be employed in the improvement of land, in the 
purchase of useful machines and instruments of trade, or in such like 
things as yield a revenue or profit without changing masters, or circu- 
lating any lurther. Such capitals, therefore, may very properly be called 
fixed capitals. 

Sehr gut veranschaulicht er das Gesagte mit folgenden Ausführungen 
(a. a. O., Seite 244/5): „That part of the capital of the farmer which 
is employed in the instruments of agriculture is a fixed, that which is 

•) Franjois Qaesnay, „Tableau ^conomique", abgedruckt in „ausgewählte 
Lesestücke zum Studium der politischen Oekonomie", herausgegeben von Karl Diehl 
und Paul Mombert, iil. Band, Karlsruhe i. ü. 1911, Seite 24/5. 

') An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nationa by Adaa 
Smith, Volume i, Everyman's Library, edited by Ernest Bhys, London, Seite 243; 4. 



24 

employed in the wages and maintenance of his laboring servants, is a 
circulating capital. He makes a profit of the one by keeping it in his own 
possession, and of the other by parting with it. The price or value of 
his labouring cattle is a fixed capital in the same manner as that of the 
instruments of husbandry. Their maintenance is a circulating capilal in 
tlfb same manner as that of the labouring servants. The farmer makes 
his profit by keeping the labouring cattle, and by parting with their mainten- 
ance. Both the price and the maintenance of the cattle which are brought 
in and fattened, not for labour, but for sale, are a circulating capital. 
The farmer makes his profit by parting with them. A fleck ot sheep or 
a herd ot cattle that, in a breeding country, is bought in, neither for labour, nor 
for sale, but in order to make a profit by their wool, by their milk, and by 
their increase, is a fixed capital. The profit is made by keeping them. 
Their maintenance is a circulating capital. The profit is made by par- 
ting with it; and it comes back with both its own profit and the profit 
upon the whole price of the cattle, in the price of the wool, the milk, 
and the increase. The whole value of the seed, too, is properly a fixed 
capital. Though it goes backwards and forwards between the ground and 
the granary, it never changes masters, and therefore does not properly 
circulate. The former makes his profit, not by its sale, but by its 
increase." 

Eine wesentliche Klärung des Begriffes des stehenden Kapitals nach 
einer Seite hin haben die Untersuchungen von Karl Marx gebracht, 
indem er hervorhebt, daß es auf den „verschiedenen Umschlag-' des im 
Produktionsprozeß fungierenden „Kapital wertes" ankommt. Nicht der Ver- 
lust der selbständigen Gestalt, sondern der Verlust des selbständigen Wertes 
ist entscheidend.') 

S c h m o 1 1 e r^) führt aus: Die durch A. Smith begründete Einteilung 
des Kapitals in umlaufendes und stehendes geht vom Kapital im 
Sinne der der Produktion dienenden Gütervorräte aus. Zum ersteren rechnet 
man die beweglichen Vorräte, Lebensmittel, Rohstoffe, Zwischenprodukte, 
das Geld in den Geschäftskassen, zum letzteren die Werkzeuge, Maschinen, 
Gebäude, Grundstücke, Meliorationen. Es ist in erster Linie ein technischer 
Unterschied, aber dann auch ein geschältlicher. Das umlaufende Kapital, 
Betriebskapital, erlaubt technisch nur eine einmalige Verwendung; es gibt 
bei richtiger Produktion seinen ganzen Wert in das Produkt, das stehende 
nur seine Nutzung, denn dieses erlaubt eine Verwendung für Monate und 
Jahre. Das Betriebskapital ist technisch zwar teilweise nur zu bestimmten 
Zwecken verwendbar, die Wolle zu Wollgeweben; ein großer Teil aber, 
Geld, Lebensmittel und anderes, kann zu allem Möglichen dienen, und 
fast stets kann das Betriebskapital leicht veräußert und so sein Wert 
anderen Zwecken zugewendet werden. Vom stehenden Kapital kann ein 
Teil, wie Häuser, Dampfmaschinen zwar auch technisch zu verschiedenen 
Zwecken dienen, aber nie in dem Umfang wie das umlaufende Kapital; 
das meiste stehende Kapital ist für immer einem bestimmten technischen 
Zwecke angepaßt, wie ein Spinnstuhl, ein Waggon, die Maschinerie eines 
Bergwerks; es ist auch viel schwerer verkäuflich. 

') Zitiert nach Fäs (a. a. O., Seite 31 und 33.) 

In seinem Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre, 6. Aufla<re, 
Leipzig 19ü4, il. Band, Seite 180/1. 



85 

Bei Adolf Wagner') lesen wir: Das stehende Kapital dient bei 
einer Reihe von Güterproduktionen. Nur der Betrag der Abnutzung 
(Amortisation) geht in die Kosten des neuen Produktes über. Es wird 
daher auch erst allmählig aus dem Erlöse aller der Produkte ersetzt, 
zu deren Herstellung es diente und erst dann wieder ganz disponibel. 

Auch Böhm-Bawerk*) unterscheidet stehendes (festes, Anlage-) 
und umlaufendes (flüssiges, Betriebs-) Kapital. Das umlaufende umfaßt 
jene Kapitalgüter, welche nur eine einmalige Verwendung zu Produktions- 
(Erwerbs-)Zwecken zulassen und daher in demjenigen Produktions-(Er- 
werbs-)Akte, in welchem sie überhaupt zur Verwendung gelangen, mit 
ihrem ganzen Werte aufgezehrt oder hingegeben werden und demnach auch 
das Kostenkonto dieses Aktes mit ihrem ganzen Werte belasten. Das 
stehende Kapital dagegen ist einer wiederholten, über mehrere Produk- 
tionsperioden (Erwerbsakte) andauernden Verwendung fähig, verliert wäh- 
rend jeder derselben nur einen Teil seines Wertes und belastet daher auch 
das Kostenkonto, abgesehen von den Zinsen, jedesmal nur mit einer Quote 
(Abnutzungs- oder Amortisationsquote) seines Wertes. 

Man pflegt als Charaktereigentümlichkeit des stehenden Kapitals zu 
bezeichnen, daß es seine Bestimmung schwerer wechseln könne als das 
umlaufende. Das ist nicht buchstäblich, wohl aber dem Sinne nach richtig. 
Es können nämhch zwar auch diejenigen Güter, welche das umlaufende 
Kapital bilden, in der Regel ihre Bestimmung nicht mehr wechseln ; z. B. 
die einmal vorhandene Wolle wdrd notwendig zur Tucherzeugung, der ein- 
mal vorhandene Indigo zum blau iärben, der vorhandene Flachs zur Lein- 
wanderzeugung benutzt werden müssen. Aber weil sich die genannten 
Stoffe in einer einzigen Produktionsperiode rasch verzehren, hat man 
verhältnismäßig oft und bald die Wahl, ob man den aus der produktiven 
Verwendung erzielten Eriös neueriich in dieselbe Produktionsart investieren, 
also damit abermals Wolle, Indigo oder Flachs nachschaffen oder aber 
ihm eine andere Bestimmung geben will. Diese Wahlfreiheit hat man 
natürlich bei stehenden Kapitalien, die sich erst in einer längeren Reihe 
von Produktionsperioden allmählich abnutzen und bezahlt machen wie bei 
Maschinen, Fabrikanlagen u. dgl. viel seltener und nach viel längeren 
Zwischenräumen, innerhalb deren viel leichter solche Veränderungen der 
Technik, der Bedürfnisse, Konjunkturen u. dgl. eintreten können, welche 
emen — nicht realisierbaren - Bestimmungswechsel wünschenswert machen 
würden. 

Marsh all (Principles of Economics, Bd. I, 5. Aufl., London 1907, 
Seite 75) schließt sich der Auffassung von Mill an : We may follow Mill 
in distinguishing circulating capital „which fulfils the whole of its 
Office m the production in which it is engaofed, by a single use, ,,from 
fixed capital" which exists in a durable shape and the return to which 
IS spread over a period of corresponding duration-".*) 

Lehr- und Handbuch der politischen Oekonomie. Erste Hauptabteilunff: Grund- 
legung der politischen Oekonomie, 3. Auflage, 1. Teil, Leipzig 1892, Seite 315. 

TT -A o Handwörterbuch der Staatswissenschaften, 3. Auflage, Jena 1910, Artikel 
„Kapital", Seite 780/1. 

^) Adam Smith's distinction between fixed and circulating capital tumed on 
the question wheter the goods „yield a profit without changing masters« or not. Ri- 
cardo made it turu on whether they are „of slow consumption or require to be fre- 
quently reproduced« ; but he truly remarks that this is „a division not essential, and 
in which the hne of demarcation cannot be accurately drawn". Vergl. hiezu auch die 
Bemerkungen von Fäs, a. a. 0., Seite 30/31. 



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26 

Auch Philipp ovich') sei in diesem Zusammenhang noch zitiert. 
„Zu dem stehenden Kapital gehören die unbeweo;lichen und die 
dauerhaften, nur einer allmählichen Abnützung unterliegenden Sachgüter, 
also Gebäude, Maschinen, Verkehrsmittel u. dgl. Vom Standpunkt des Er- 
werbskapitals treten noch hinzu der Boden und solche Berechtigungen, 
die der Unternehmung einen besonderen Nutzen gewähren und verkehrs- 
fähig sind, wie Patente, Konzessionen u. dgl. Das umlaufende Kapital 
dagegen besteht aus Gütern, bezw. Verkehrsobjekten, die in einer oder 
wenigen Perioden der Produktion oder Erwerbstätigkeit verbraucht oder 
umgesetzt werden, wie Rohstoffe und Hilfsstoffe in der industriellen Pro- 
duktion. Saatgut und Düngmittel in der Landwirtschaft, Gehälter und 
Löhne der Angestellten u. s. w. Eine besondere Form des umlaufenden 
Kapitals sind die zum Verkauf bereiten Waren und Verkehrsobjekte über- 
haupt, wie sie bei den Warenhändlern, Banken sichtbar werden. Auch 
das Geld, bezw. die fälligen Geldforderungen, gehören zum umlaufenden 
Kapital. Das stehende Kapital wird auch Anlagekapital, das um- 
laufende Kapital Betriebskapital genannt. 

Die Bedeutung dieser Unterscheidung liegt darin, daß das stehende 
Kapital durch längere Zeit gebunden ist, d. h. in jeder Wirtschaftsperiode 
wird nur ein Teil jener Sondergüter oder Vermögenswerte, aus denen das 
stehende Kapital besteht, verbraucht, und es geht daher auch nur dieser 
Teil des Vermögenswertes in das Produkt über, während der Wert des 
umlaufenden Kapitals völlig in das Produkt übergeht." 

Versuchen wir nun eine eigene Begriffsbestimmung zu geben. Es 
handelt sich beim stehenden Vermögen um die indirekt rentablen Werte, 
die der Betrieb als Mittel (Hilfsmittel) benötigt. Dazugehören: Immobilien: 
Grundstücke, Gebäulichkeiten (Fabrikgebäude und Wohnhäuser), Maschinen, 
maschinelle Anlagen, Mobilien : Werkzeuge, Gerätschaften, Modelle, Zeich- 
nungen, MobiHar; immaterielle Anlagen: Patente, Konzessionen, Fabrik- 
geheimnisse, Kundschaft, Organisationskosten etc. Ein weiteres Merkmal 
ist das, daß sie nur noch im Hinblick auf den Betrieb der Unternehmung 
bewertet werden können, für sie kommt eben der Gebrauchswert, der sog. 
Betriebswert in Frage. Sofern sie sich abnützen, d. h. verbraucht werden, 
verteilt man diese Abnützung meistens auf eine Vielheit von Produkten 
und Rechnungsperioden. Ein Verbrauch, resp. Abnützung ist aber nicht 
bei allen Betriebsgegenständen zu konstatieren, nicht z. B. bei Grund- 
stücken, Anlagewertpapieren etc., somit ist dieser Umstand kein Kriterium 
des stehenden Vermögens. 

Wir möchten das stehende Vermögen definieren, als jene 
indirekt rentablen Werte, die der Betrieb als Mittel (Hilfsmittel) 
benötigt, deshalb auch Betriebs- oder Gebrauchsgegenstände 
genannt werden und deren Bewertung somit als Gebrauchs- 
und nicht als Veräußerungsgegenstände zu erfolgen hat. 

Unter umlaufendem Vermögen verstehen wir alle übrigen 
Vermögenswerte: alle nicht rentablen Werte (Regulierungs- 
und Reservegüter, Gewährleistungsgüter), sowie alle direkt 
rentablen Werte, die direkt Gegenstand des Betriebes sind 
(Waren, Wechsel, Wertpapiere, Debitoren, Rohstoffe) und deren Bewer- 
tung entweder unter dem Gesichtspunkt der Veräußerungs- 
oder Betriebsgegenstände zu erfolgen hat. Es handelt sich somit 

') a. a. O., Seite 196. 



27 

* 
um die eigentlichen Veräußerungsgegenstände wie Waren, Wechsel, Wert- 
papiere, Bargeld etc., ferner aber auch um solche die selber nicht, hin- 
gegen in einer andern Form (Waren) zur Veräußerung bestimmt sind 
wie Kohle, Gel, Saat'), Rohstoffe, Hilfsstoffe, in Arbeit befindliche Fabri- 
kate. Ich möchte diese letzteren Gegenstände Quasi-Veräußerungs- 
gegenstände nennen. Da sie schon im ersten Produktionsakt unter- 
gehen, also ihren ganzen Wert dem neuen Produkt abgeben, belasten sie 
nur eine einzige Rechnungsperiode und zwar mit ihrem vollen Wert. Ein 
Teil dieser Quasi-Veräußerungsgegenstände folgt nun nicht den Bewer- 
tungsregeln für die Veräußerungs- sondern für die Betriebsgegenstände, 
indem für einzelne unter ihnen (Hilfsstoffe, Halbfabrikate) beim Fehlen eines 
Markt- und Börsen- oder sonstigen Verkaufspreises eine Orientierung an 
demselben unmöglich ist. Als besonderes Unterscheidungsmerkmal wird 
vor allem der Umstand von Bedeutung, daß das stehende Vermögen seine 
Bestimmung schwerer wechseln kann, als das umlaufende. (Böhm-Bawerk, 
a. a. 0., Seite 780). 

b) Bedeutung des stehenden Vermögens: Schon Adam 
Smith (a. a. O., Seite 244), ist die Bedeutung des stehenden Kapitals, vor 
allem seine verschiedene Größe bei den verschiedenen Wirtschaftseinheiten 
bekannt gewesen. An die enorme Steigerung gerade in unserm Zeitalter 
in den verschiedensten Industriezweigen hat er doch wohl nicht gedacht. 
Gerade diese ungeahnte Zunahme des stehenden Vermögens kann als ein 
Charakteristikum der heutigen Wirtschaft bezeichnet werden. Einer Unter- 
suchung von Prof. M. Weyermann*) über das Verhältnis des stehenden 
zum umlaufenden Vermögen entnehmen wir folgende Zahlen: 

in 84 Betrieben der Metallindustrie betrug das stehende Vermögen 62% 

des Gesamtkapitals, 
»20 „ „ keramischen Industrie betrug das stehende Vermögen 

52Vo des Gesamtkapitals, 
»59 »} » Maschinenindustrie betrug das stehende Vermögen 

427o <les Gesamtkapitals, 
»17 f „ elektrischen Industrie betrug das stehende Vermögen 

57°/o des Gesamtkapitals, 

') Adam Smith faßt unseres Erachtens den Begriff der Veräußerungsgegen- 
stände zu eng, wenn er die Aussaat, Oel, Kohle u. s. w. zum stehenden Vermögen 
rechnet. Sie werden zwar nicht als solche direkt sondern nur als Bestandteile von 
Waren in den Verkehr gebracht; wir nennen sie Quasi-Veräußerungsgegenstände; zum 
Unterschied des stehenden Vermögens handelt es sich um Güter, die auf einmal, also 
m einem einzigen Produktionsakt, und zwar mit ihrem vollen Wert im neuen Produkt 
aufgehen, während bei den betriebsgegenständen die durch die Produktion verursachte 
Abnutzung oder sonstige Entwertung die Produkte nur indirekt verteuert. Ebenso Fäs, 
a. a. 0., Seite 29. Vergl. auch Conrad (Grundriß der politischen Oekonomie. 1. Teil: 
JSationalökonomie, 4. Auflage, Jena 1902, S3ite 38.) Die Eigentümlichkeit des umlau- 
fenden Kapitals liegt darin, daß es nur einmal in dem Produktionsprozeß zur Anwen- 
dung gelangt, in seiner bisherigen Gestalt dabei umgewandelt wird und daß der Wert 
voll und ganz in den des neuen Produktes übergeht. Das ist der Fall, wenn das Ge- 
treide ausgesät oder verfüttert wird. Es wird als solches vernichtet und geht in dem 
landwirtschaftlichen Prozesse dem Werte nach in Stroh und Körner der neuen Ernte, 
oder in l^leisch und Milch der gefütterten Tiere über; wie ebenso in der Mühle das 
Getreide in Mehl, das Mehl in der Bäckerei in Brot verwandelt wird, das als umlau- 
fendes Kapital nur einmal in dem Produktionsprozesse zu dienen vermag. Das ist 
ebenso der jr all bei der Kohle, die zur Erzeugung des Dampfes dient, bei der Wolle, 
die zu Garn versponnen wird, während das Garn wiederum zu Zeug verwebt wird. 

2)M. Weyermann: Die ökonomische Eigenart der modernen gewerblichen 
Technik, im Grundriß der Sozialökonomik, VI. Abteilung, Seite 145. 



I 



f 



28 

in 46 Betrieben der Textilindustrie betrug das stehende Vermögen 587„ 

des Gesamtkapitals. 

Eine weitere sehr instruktive Studie in obiger Hinsicht stammt 
aus der Feder von V. Nef, St. Gallen'): Der Anlagekapitalbedarf der 
schweizerischen Stickerei-Industrie. Ein Schätzungsversuch. Wir ent- 
nehmen derselben folgende Zahlen: 

Das in der Stickerei investierte Maschinenkapital steigerte sich 
in den 10 Jahren 1900 bis 1910 von 47*1 Millionen auf 90-5 Millionen, 
d. h. um mehr als 927«. Die prozentische Verteilung des Anlagekapitals 
in Maschinen auf die einzelnen Industriezweige war in den beiden Ver- 
gleichsjahren die folgende: 

Industriezweig : 1900 1 910 

Schifflistickerei 31-7 60*2 

Handmaschinenstickerei 67-3 39-4 

Kettenstichstickerei ........ l-O 0*4 

Lorrainestickerei O'O 

Total . . 100-0 100-0 

Nach seinen Berechnungen wären ferner in Fabrikation s- 
gebäulichkeiten im Jahre 1900 68 Millionen Fr. und im Jahre 1910 
105-6 Millionen Fr. investiert gewesen (ohne Berechnung der Amorti- 
sationen und V^ertzuwachse). Die Zunahme dfcs investierten Kapitals 
betrug also in diesem Jahrzehnt 55-17o. Die prozentische Verteilung auf 
die Industriezweige ist folgende: 

1900 1910 

Schifflistickerei 29-8 52-6 

Handstickerei 689 468 

Kettenstichstickerei 1-3 o-6 

100-0 1000 

Die Verschiebung des Anlagekapitals zu Gunsten der Schifflistickerei 
treffen wir auch hier wieder, wenn auch nicht so ausgeprägt wie beim 
Maschinenkapital. 

Ferner schätzte er das Gesamtan lagekapital auf 233-6 Mil- 
lionen im Jahre 1910, 134-1 Millionen im Jahre 19t0. Es hat sich somit 
um 74-27o vermehrt. Am stärksten ist die Vermehrung bei der Schiffli- 
stickerei. Dort hat das Maschinenkapital um 264-4'7„ zugenommen, das 
Gebäudekapital um 173-1"„. In diesem Zusammenhang wollen wir nicht 
unterlassen auf die sehr interessanten Untersuchungen von Nicklisch*) 
hmzuweisen. Auch seine äußerst anschauliche Darstellungsweise des Ver- 
hältnisses der verschiedenen Vermögensgüter untereinander sei besonders 
hervorgehoben. 

Diese Tatsache, die gewaltige Steigerung der Anlagen im modernen 
Wirtschaftsbetneb, hat nun vor allem zwei weittragende Wirkungen : 

1. Dadurch, daß der Unternehmer einen bedeutenden Teil seiner 
Mittel fortan in den indirekt rentablen Betriebsgegenständen anlegen muß, 
wird auch die Art und Weise seiner Kalkulation eine andere. Jetzt heißt 
es nicht nu r vorübergehend Gewinne erzielen, denn die Anlagen dauern 

') Zeitschrift für schweizerische Statistik, Jahrgang 1915, Seite 182 ff. 
^) Allg. kaufm. Betriebslehre: Der Aufbau des Vermögens, Seite 85 ff. 



Ä9 

sehr oft Jahre, Jahrzehnte. Viel wichtiger ist jetzt ein stabiler, sicherer 
Geschäftsbetrieb. Aus dem „merchant adventurer", an welchen sich auch 
gewisse Anklänge in dem wild darauf los gründenden Spekulanten der 
Periode nach dem Frankfurter Frieden finden, wird im Laufe der Zeit 
ein mehr sachlich abwägender, reeller Kaufmann. 

2. Die Produktion steigert sich in eine solche großen Stils, und 
zwar aus folgenden Ueberiegungen : „Man hat nämhch die Unterschei- 
dung in proportionale und gleichbleibende (eiserne) Kosten 
im Betriebe zu berücksichtigen." Die Selbstkosten der industriellen Pro- 
duktion setzen sich somit aus zwei Teilen zusammen; der eine Teil 
wächst proportional mit der Produktions- bezw. Absatzmenge; auf die 
Einheit bezogen, sind die Kosten also gleich groß, ob die Produktions- 
und Absatzmenge größer oder kleiner ist. Hierher gehören z. B. die 
Rohstoffe und produktiven Löhne etc. 

Der andere Teil der Selbstkosten ist keineswegs von der Produk- 
tions- und Absatzmenge abhängig; diese Kosten müssen unter allen Um- 
ständen bestritten werden, ob die Produktions- und Absatzmenge größer 
oder kleiner ist. Wir bezeichnen sie als eiserne Kosten ; hierher gehören 
z. B. Abschreibungen, Zinsen und Unterhaltung von Immobilien und 
Maschinen u. s. w.') 

Es ist nun ohne weiteres klar, daß der Zweck der Unternehmung, 
einen höchst möglichen wirtschaitlichen Ertrag zu liefern, durch das 
Hinzutreten der Kategorie der indirekt rentablen Anlagen nicht geändert 
wird. Im Gegenteil, gerade durch sie soll ja die Leistungsfähigkeit des 
Betriebes erhc>ht werden. Je besser nun vor allem die Anlagen ausgenutzt 
werden können durch größern Umsatz, auf eine desto größere Anzahl 
von Produkten verteilen sich die eisernen, gleichbleibenden Kosten, die 
Selbstkosten fallen, was zur Folge hat, daß sich bei gleichbleibenden Ver- 
kaufspreisen steigende Gewinne ergeben. 

Es ergibt sich hieraus die Regel: Bei der Möglichkeit, die 
eisernen Kosten auf eine größere Anzahl von Produkten 
verteilen zu können, fällt der Selbstkostenpreis, bei 
gleichbleibenden Verkaufspreisen steigt daher der Ge- 
winn. 

Hieraus läßt sich wieder folgender Betriebsgrundsatz ableiten*): 
Kann man durch Preisherabsetzung die Absatzmenge bis 
zur Grenze der Leistungsfähigkeit der Anlage vergrößern, 
so vergrößert sich der Gewinn trotz erheblicher Preis- 
ermäßigung, falls diese kleiner ist als die Verbilligung 
der Produktionskosten. 

• 

Wir sehen also, die Tendenz der Produktionssteigerung ist offen- 
sichtlich; sie hängt in aller erster Linie mit dem Wesen, mit der wirt- 
schafthchen Eigenart des Anlagekapitals zusammen. 

Daß auch für die Volkswirtschaft und nicht nur für den privaten 
Unternehmer, infolge billigerer Preise, Vorteile entstehen können, ergibt 
sich in frappanter Weise an folgenden zwei Beispielen:'') 

>) Verg). die Ausführungen von Schär: Buchhaltung und Bilanz. 2. Auflage. 
Berlin, 19U. Abschnitt G. Kalkulatorische Buchhaltung, Seite 255 ff. 
*) Schär, a. a. 0. Seite 261. 
') Entnommen aus Toendury, a. a. 0. Seite 60. 



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t : 



30 

Produktionskosten einer Schreibmaschinenfabrik: 
Bei ioo Schreibmaschinen kost. Fr. 250'— d. Stck; nach Erhöhung der 

Betriebsanlagen : 
"150 „ „ „ 200-— „ „ später bei noch 

größerer Produktion : 
^000 „ „ „ 185-— „ „ schheßlich: 

2000 . „ .. 175 — 



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w » :•• 175* — „ „ 

Aehnlich verhielt es sich in einer Bohrmaschinenfabrik: 

1200 Stück ä Frs. 1*84 

3450 „ „ „ 1-76 

8560 „ „ „ 1-51 

12400 ... 1-40 



Wir sehen wie die Probleme der Kapitalgröße, der Selbstkosten- 
berechnung, der Absatzgebiete, der Produktionssteigerung, der Konzen- 
trationsbestrebungen etc. in engstem Zusammenhang mit der Frage der 
Anlagegüter in der wirtschaftlichen Unternehmung stehen. 

§ 7. Das Wesen der Bilanz. 

a) Im Allgemeinen. Wie wir an anderer Stelle bereits gesehen 
haben, stellen die Passiven in der Bilanz das Kapital dar, und zwar als 
abstrakte Geldsumme. Nehmen wir zuerst an es handle sich um ein 
mit Waren handelndes Unternehmen. Was wird mit dem Kapital, das 
dem betreffenden Händler zur Verfügung steht, geschehen? Es wird 
eben größtenteils zum Ankauf von Waren verwendet werden, ein Teil 
bleibt vielleicht in der Kasse als Barbestand, ein anderer bei der Bank 
bis er ebenfalls im Geschäft Verwendung findet. Die erste Stufe ist also 
die, daß das Kapital in die verschiedenen Vermögenswerte umgewandelt 
wird. Schärfer formuliert, stellen diese Vermögenswerte vorläufig gar 
nichts anderes als die Aufwendungen für dieselben dar. Nehmen wir 
ferner an, am Ende des Jahres, dem Zeitpunkt für die Bilanzaufstellung, 
seien sämtliche Waren verkauft, der Eriös befinde sich in der Kasse und 
im Bankkonto. Für die Bilanzauistellung ergibt sich keine Schwierigkeit. 
Die Summe der konkreten Vermögensgegenstände (in unserm Falle, Kassa 
und Bank) ist ganz genau, exakt feststellbar und ist als abstrakte Geld- 
summe gleich dem Kapital. Den Erfolg können wir feststellen nach der 
alt bekannten Formel: Endkapital • Anfangskapital = Erfolg (Rein- 
gewinn oder Reinverlust), oder in Gleichungsform: 



Anfangskapital 4- Reingewinn = Endkapital oder 
Anfangskapital — Reinverlust = Endkapital. 

Sehr zutreffend faßt diese verschiedenen Stadien Sganzini') zu- 
sammen. „Der Grundvorgang erscheint danach als geschlossene Kreis- 
bewegung des Unternehmungskapitals. Durch eine solche wird der Pro- 
duktionsprozeß tatsächhch vollzogen. Das Kapital (in Geldform) wird 
verausgabt, um die unmittelbaren Produktionsmittel anzuschaffen, in Stand 
und in Tätigkeit zu erhalten (Aufwendungsprozeß, wodurch das Geld- 
kapital in die stehenden und mobilen Produktionsmittel umgewandelt 

«7- ^^ ,"^'^5 Grundlegung der realistischen Theorie der doppelten Buchhaltung." 
Wissenschaftüche Beilage zum neunten Jahresbericht der Städtischen Han-ielsakademie 
St. GaUen. St. Gallen, 1908, Seite 22. Vergl. auch Schär, a. a. 0. Seite 10 ff. 



31 

wird, bestehend aus Geldausgabe und Eingang konkreter Gegenstände, 
bezw. produktiven Leistungen). Der innere Umformungsprozeß vollzieht 
sich dann, bis schließlich die fertige Leistung abgegeben wird und dafür, 
wiederum in Geldform, als Gegenleistung das Kapital erscheint, um, 
immer wieder von neuem, denselben Kreislauf zu beschreiben." Wir 
wollen dieses erste Stadium charakterisieren als die Umwand- 
lung der Passiven in die Aktiven auf Grund des Anschaffungs- 
preises. Wie wir in unserer historischen Einleitung festgelegt haben, 
stellte im Anfang der Entwicklung der Buchhaltung, die Bilanz lange 
Zeit nur ein rein formaler Abschluß dar. 

Wir kommen zurück auf unser 1. Beispiel mit der Abänderung, daß 
wir diesmal Fabrikant sind und die konkreten Vermögensgegenstände als 
inImmobiHen, Maschinen, Waren, Halbfabrikaten, Rohstoffen, Bank und 
I Kassa bestehend betrachten. Die Aktiven stellen wieder die Aufwen- 
dungen dar, doch ist jetzt der Umwandlungsprozeß am Ende der Rech- 
nungsperiode noch nicht so weit gediehen, daß dieselben auch bereits 
schon wieder in die Form des Geldkapitals zurückverwandelt worden 
wären. Hier beginnt eben die Schwierigkeit. W ährenddem früher die 
Buchhaltung an diesen Nominalwerten der vorhandenen Waren, in Arbeit 
befindlichen Fabrikaten etc. einfach festgehalten hat, verfährt eben unsere 
entwickeltere Buchführungs- und Bilanzpraxis anders. Bei den fertigen 
Waren irägt sich der Fabrikant, ob er diese Aufwendungen nun auch 
mit gutem Gewissen mit der vollen Summe als Vermögenswert stehen 
lassen dürfe. Das Urteil hierüber bildet er sich auf Grund von 
Schätzungen an Hand von Markt- und Börsenpreisen oder sonstigen 
Kenntnissen der Verkaufsmöglichkeiten. Bei den Halbfabrikaten und 
Rohstoffen etc. als direkt rentablen, genauer gesagt als Quasi -Ver- 
äußerungsgegenständen macht er die gleichen Ueberlegungen. 
Doch kompHziert sich hier die Schätzung noch mehr, indem für einzelne 
unter ihnen (Hilfsstoffe und Halbfabrikate etc.) beim Fehlen eines Markt- 
!und Börsen- oder sonstigen Verkaufspreises eine Orientierung an den- 
selben unmöglich ist. Er wird ähnlich verfahren, wie im Falle von Be- 
triebsgegenständen, die wir jetzt betrachten wollen. Es handelt sich um 
die indirekt rentablen Vermögenswerte. Eine große Anzahl derselben 
(Fabrikgebäude, Maschinen, Werkzeuge etc.) büßt ihren Wert nur nach 
und nach ein, so daß ihr Charakter als Aufwendung nicht mehr so deut- 
lich zu Tage tritt. Und doch ist unleugbar, daß sie eines Tages ver- 
schwinden werden, auch sie müssen sich wieder in Geldkapital zurück- 
verwandeln. Weil nun diese Aufwendungen tatsächlich einer Vielheit 
von Rechnungsperioden zur Last fallen, indem sie nicht mit ihrem ganzen 
Betrag als Veriust angerechnet werden können, anderseits aber für den 
noch nicht als Veriust zu taxierenden Betrag Vermögen darstellen, werden 
auch hier wieder Schätzungen notwendig. Es ist festzustellen, was ge- 
hört in der in Frage stehenden Rechnungsperiode in die Gewinn- und 
Veriustrechnung und was kann als Vermögen in die Bilanz aulgenommen 
werden.') Nach Sganzini (a. a. O. Seite 40) kann dies auf zwei Arten 
geschehen, „indem am Schluß der Rechnungsperiode: a) von der Gesamt- 
summe^ Aufwendungen diejenige, welche dem laufenden Jahre zur Last 

») Die beiden Beträge stehen in Wechselwirkung, d. h. sie ergänzen sich, bilden 
eben zusammen die Aufwendung. Ist z. ß. der Verlust groß, so verbleibt weaiir Ver- 
mögen und umgekehrt ^ 




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32 . . 

fällt, abgezogen wird, die übrige Summe auf das neue Jahr übertragen 
wird und diesem wiederum als Aufwendung belastet u. s. w., oder b) der 
verbleibende, tatsächlich nicht aufgewendete Teil direkt an Ort und Stelle 
durch Kontrolle bestimmt und auf Grund desselben der Anteil des laufenden 
Jahres als Differenz berechnet wird.') Diesen Zweck zu erfüllen, ist die 
jährliche Inventuraufnahme bestimmt, welche nichts anderes ist als eine 
statische Kontrolle, d. h. eine Prüfung und Aufzeichnung des Unter- 
nehmungskapitals in einem gegebenen Augenblick und nach seinen kon- 
kreten Bestandteilen. Sie gibt eine bestimmte Lage im ununterbrochenen 
Kreislauf des Kapitals in erstarrter Form wieder .... Das neue und eigen- 
artige der Inventuraufnahme liegt in der Aufzeichnung und Wertbestim- 
mung der konkreten Produktionsmittel, umlaufenden und festen, d. h. der 
verbleibenden Aufwendungen. Ueber den allmählichen Verbrauch ist 
höchstens eine technische Kontrolle und auch diese nicht in allen Fällen 
mögHch. Die Rechnung ist genötigt, die erste Anschaffung schon als 
Aufwendung anzusehen. Der einer Rechnungsperiode zu belastende Anteil 
muß daher auf einem Umweg^e bestimmt werden, durch Feststellung des 
am Schlüsse verbleibenden Wertes. Die Trennung in Rechnungsperioden 
ist eine rein künstliche. Die Wertbestimmung kann daher auch nur künst- 
lich, durch willkürlichen Akt stattfinden In der Notwendigkeit der 

Heranziehung solcher Werte, die auf bloßer Schätzung beruhen, liegt der 
schwache Punkt des Rechnungssystems, der nicht zu beseitigen ist, weil 
er in dem Umstand der künstHchen Abgrenzung einer Rechnungsperiode 
wurzelt." Kritisch ist zu bemerken, daß Sganzini und vor allem auch die 
meisten Bilanz- und Abschreibungstheoretiker das stehende Kapital, die 
indirekt rentablen Betriebsgegenstände nicht sorgfältig genug analysiert 
haben. So wird man bei Anlagewertschriften und Grundstücken die Be- 
wertung nach andern Gesichtspunkten vornehmen als bei den Sachwerten, 
die sich abnützen; das Gleiche wäre von den immateriellen Werten zu 
sagen. Dieses zweite Stadium möchten wir charakterisieren als die Ueber- 
führung des Kapitals (Passiven) in die einzelnen Vermögens- 
werte (Aktiven) und Bewerlung derselben in starker Anlehnung 
an den Anschaffungspreis. 

b) Definition der Bilanz. Auf Grund unserer Untersuchungen 
über das Wiesen der Bilanz möchten wir nun folgende Begriffsbestim- 
mung geben'): 

Wir verstehen unter der Bilanz eine kontoförmige Auf- 
stellung in der Weise, daß die rechte Seite, die Passiven, das Kapital 

^) In der Praxis sind auch in der Tat beide Methoden in Anwendung; darüber 
später. — 

2) Aehnlich Schär in der Schweizerischen handeis wissenschaftlichen Zeitschrift. 
September 1916, Basel, Seite 205: „Die Bilanz ist die doppelte Rechnung über das 
an einem bestimmten Zeitpunkt — den ßilanztag — vorhandene Geschäftsvermögen 
einer Öonderwirtschaft ; die eine Seite der Rechnung enthält die nach wirtschnftliclien 
Funktionen geordneten und nach gesetzlichen Vorschriften und kaufmännischen Normen 
bewerteten Vermögensbestandteile, die Sach- und Rechtsgüter oder Aktiven : die Gegen- 
seite der Rechnung stellt dasselbe Vermögen nach seinen rechtlichen Quellen dar, 
indem es zerlegt wird in das vom Unternehmer selbst herstammende Eigenkapital, das 
Reinvermögen, und in das auf dem Wege des Kredits aus andeien Wirtschaften stam- 
mende Fremdkapital, die Schulden oder Passiven im engern Sinne." — Die meisten 
andern Buchhaltungs- und Bilanzschriftsteller weichen deshalb wesentlich von meiner 
Begriffsbestimmung ab, weil sie sich nicht genügend an das Wesen der Bilanz halten, 
sondern auf andere Merkmale wie Zweck der Bilanz, Recht etc. mehr Gewicht legen. 



33 



der Unternehmung als abstrakt© Geldsumme, nach Eiffenlmiif. 
anspruchen und Dauer der Yerfügbarkeit gesondert darstellt, 
während die linke Seite, die Aktiven, dasTermögen in seinen 
einzelnen konkreten Bestandteilen, und zwar unter dem Ge- 
sichtspunkt der Rentabilität und Xiquidität geordnet und 
auf Grund einer Inventur, die sich auf eine nach kauf- 
raannischen Grundsätzen vorgenommenen Bewertung 
stützt, aufweist. ^ 



IL Praktischer Teil. 

Der Zweck der Bilanz. 

§ 8. Der Zweck der Bilanz im allgemeinen. 

a) Darstellung der Vermögenslage und Erfolgsermitt- 
lung als Zweck der Bilanz. Das Wesen der Bilanz kann durch 
den Zweck, zu welchem man die Bilanz aufstellt, bedeutende Modifi- 
kationen erfahren. Welches ist nun der Zweck der Bilanz ? Die besetz- 
liehen Bestimmungen geben uns etwelche Anhaltspunkte. Art 666. 
Absatz 1, des Schweiz. Obligationenrechtes lautet: Die Bilanz ist so klar 
und übersichtlich aufzustellen, daß die Aktionäre einen möglichst sichern 
Einblick in die wirkliche Vermögenslage der Gesellschaft erhalten. Ganz 
allgemein, also nicht nur für die Aktiengesellschaft wie in der Schweiz 
bestimmen § 39 und 40 des deutschen Handelsgesetzbuches: * 

§ 39, Abs 1. Jeder Kaufmann hat bei dem Beginn seines Handels- 
gewerbes seine Grundstücke, seine Forderungen und Schulden, den Betrag 
semes baren Geldes und seine sonstigen Vermögensgegenstände genau 
zu verzeichnen dabei den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände 

d^Ä'"^ """^K'^Kf"« ^^' Verhältnis des Vermögens und d^ Schulden 
darstellenden Abschluß zu machen. 

i'*^!.-^^^;,^- ^^^ ^^^ Aufstellung des Inventars und der Bilanz 
sind sämtliche Vermögensgegenstände und Schulden nach dem Werte 
anzusetzen, der ihnen in dem Zeitpunkte beizulegen ist, für welchen die 
Aufstellung stattfindet. 

AK f "^ die Aktiengesellschaften verlangt der Gesetzgeber femer in § 261. 
Abs. 6, daß der aus der Vergleichung sämtlicher Aktiva und sämtiiche^ 
Passiva sich ergebende Gewinn oder Verlust am Schlüsse der Büanz be- 
sonders angegeben werden muß. 

^^n^.^^fu''^^!'^^ ^'''^'''* F^ej/ann einzelne Buchhaltungs- und Bilanz- 
Schnftsteller.') Es werden folgende Funktionen der Biltnz aufgezählt: 

I.Sie soll uns über die Vermögenslage Auskunft geben. Daran 
hat in erster Linie die Unternehmung selber ein großes Interesse. Hiezu 
gesellen sich die Aktionäre, Gläubiger etc. Bedeutungsvoll wird sie als 
n:i';^:i'v\i:^^^^^ des Venustes der Hälfte des Grundkapitals 

2. Die zweite Hauptfunktion besteht in der E r f o 1 g s e r m i 1 1 1 u n ^ 
Intere^sse ^'^^^^ ^'^ Unternehmung und Aktionäre etc. ein vital» 

^1 O °R ^A?; *fi^?* ?K ^f ^ ^} t' ^"*^*^ ^*«' *• *• Ö- Seite 3 ff. 
^) U. K. Art. 657, Abs. 1 und 2 and Art. 704. 

Dr. Jean Hott : „Die JahresbilaM der A. G.** 

9 



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34 

3. Sie ist in gewissem Sinne eine periodische Korrektur der 
Buchhaltung. 

4. Sie bildet die Grundlage für die Leistungen der Unter- 
nehmung an den Fiskus. 

6. Als statistische Grundlage für die Wirtschaftswissen- 
schaften interessiert sie den Privatwirtschaftler wie den National- 
ökonomen. 

6. Dient sie nicht nur der Erfolgsermittlung, sondern auch als 
Grundlage iür die Gewinnverteilung. Neben der Dividendenfest- 
setzung wird sie auch für die Bestimmung der Tantieme von Bedeutung. 

Es ist nun ohne weiteres verständlich, daß die Bilanz nicht in 
gleichem Maße sämtlichen oben aufgezählten Postulaten gerecht werden 
kann. Diese Behauptung sei kurz erläutert, a) Nach obigen Funktionen 
der Jahresbilanz soll sie auch Aktionären und Drittpersonen einen mög- 
lichst sichern Einblick in die wirkliche Vermögenslage der Gesellschaft 
gestatten. Leider all zu oft finden die Gesellschaften, daß dies nicht in 
ihrem Interesse liege aus Konkurrenzrücksichten, wegen dem Aktienkurs, 
wegen dem Kredit des Unternehmens etc. Wir haben hier gewissermaßen 
dafür eine Erklärung, daß die Bilanzen häufig unübersichtlich sind. Gerade 
das Anhäufen von stillen Reserven hat eben nicht selten den Zweck, die 
wahre Situation zu verbergen, b) Die Bilanz dient als statistische Grund- 
lage der Wissenschaft. Unter diesem Gesichtspunkt wäre es sehr zu 
wünschen, daß die einzelnen Bilanzposten in den verschiedenen Betrieben 
eine möglichst gleichartige Behandlung erfahren würden, ein Postulat, 
das vorläufig noch Wunsch bleiben muß. — R ehm') schreibt im Vorwort 
zu seinen „Bilanzen": „Aus einem dreifachen Grunde tritt das Recht 
ordnend an die Bilanz der kaufmännischen Unternehmung heran, nicht 
wegen der Bedeutung, welche der Rechnungsabschluß für den Unter- 
nehmer selbst besitzt, sondern 1. wegen seiner Bedeutung für die Gläu- 
biger und Gesellschafter desselben und solche, die das eine oder andere 
werden wollen ; 2. wegen seiner Bedeutung für die Beurteilung der Steuer- 
kraft des Kaufmanns; 3. wegen des Einflusses der Unternehmung und 
damit auch ihrer Bilanz auf die gesamte Volkswirtschaft (Versicherungs- 
unternehmungen, Hypotheken-] und Notenbanken)." Je nachdem nun die 
betreffenden Schriftsteller den einen oder andern Zweck mehr betonen, 
werden eben ihre Vorschläge auch verschieden ausfallen müssen. Damit 
haben wir wohl den wunden Punkt der Bilanzpolitik wie überhaupt jeder 
Politik hervorgehoben. Aehnlich drückt sich Folliet*) aus: „II est 
d*autres objets ou groupes d'objets pour l'övaluation desquels une r^gle 
peut 6tre admise, mais les propositions sont presque aussi nombreuses 
que les auteurs. Ceci provient de ce que chacun s*attache plus sp6ciale- 
ment ä un cas particulier, ä teile ou teile partie du bilan lorsqu'il for- 
mule sa proposition, au Heu de tenir compte de la nature si diff^rente 
des Moments qui composent Tactif.** Wir werden uns im Nachfolgenden 
in der Hauptsache auf den privatwirtschaftlichen Standpunkt 
stellen, gemäß dem Charakter unserer Untersuchung. Das wird uns nicht 
hindern, wenn immer sich die Gelegenheit bietet, auch die übrigen 

^) Die Bilanzen der Aktiengesellschaften etc. 1. Aufl., München, 1903, Seite III. 
») Le bilan dans les Sociötäs Anonymes etc. a. a. 0., Seite 28/9. 



Momente, die verschiedenen aufgezählten Funktionen, gebührend zu be- 
rücksichtigen. Ein Umstand wird sich aber gleichsam wie ein roter 
Faden durch sämtliche Untersuchungen bemerkbar machen: die starke 
Betonung und Anlehnung an das Wesen, den Charakter der Bilanz. Für 
uns gewinnen somit die ersten beiden Funktionen der 
Bilanz: Darstellung der Vermögenslage, sowie die Grund- 
läge für die Erfolgsermitttung besondere Bedeutung. 

b) Vermögens- oder Gewinnermittlungs-Bilanz? Es hat 
sich hier in der Literatur eine Kontroverse ergeben, in der Weise, daß 
man die Bilanz als Vermögensbilanz einerseits und als Gewinnermittlungs- 
Bilanz') andererseits im Sinne eines Gegensatzes einander gegenüberstellte ») 
Uns scheint die Problemstellung bei dieser ganzen Frage ungeschickt 
gewählt. Wie wir im ersten Teil unserer Untersuchung gesehen haben, 
hegt im Wesen der Bilanz kein solcher Gegensatz. Nach unserer 
Gleichung: Anfangsvermögen -f- Reingewinn = Endvermögen 
ergibt sich, daß, wenn wir das Vermögen kennen, wir auch den Rein- 
gewinn bestimmen können und umgekehrt. Nur kommt jetzt hier die 
bchwiengkeit der Bewertung des Vermögens. Wie wir schon früher aus- 
geluhrt haben, kann dasselbe nicht genau festgestellt werden, wir müssen 
uns mit Schätzungen behelfen. In scharfsinniger Weise charakterisiert 
bganzini (a.a.O. Seite 41) dieses Dilemma: „An die Stelle der Wirk- 
lichkeit treten dann Gesichtspunkte praktischer Zweckmäßigkeit, die als 
Richtschnur bei der Wertschätzung (Wertansetzung) in jedem konkreten 
Falle dienen. Der Willkür ist hier ein ziemlich weiter Spielraum ffe- 
boten. ) Es hangt häufig von den durch den Einzelfall auferiegten Rück- 
sichten ab, welcher Aufwendungsbetrag der Rechnungsperiode zu belasten 
ist. Besonders bei den modernen gesellschaftlichen Unternehmungen ist 
die brtragsberechnung eine ziemlich willkürliche und hängt häufig vom 
Dividendensatze ab, den man an die Aktionäre auszuschütten für gut 
hndet. Die Festsetzung der Amortisationsquoten für Anlagen ist erheb- 
heb verschieden, je nach dem Einzelfalle. Man kann es für gut finden 
m einzelnen Jahren größere Abschreibungen vorzunehmen, um den Vor- 
teil bedeutender stiller Reserven zu genießen, und um spätere Jahrgänge 
möglichst zu entlasten. Die Amortisationsquotenbestimmung, die Ein- 
schätzung der bleibenden Warenvorräte haben von der rechnerischen 
bei te vor allem den Zweck, d.^njenigen Teil der |ahresaufwendungen zu 
bestimmen welcher der nächsten Periode zur Last gelegt werden muß 

Antif If .J^'T' '"^''"^^ ^l" ^^"^ veriaufenen Jahre zu belastenden 
Anteil W ir können nunmehr einen Schritt weiter gehen und sagen, 

GewinnÄu'gt^^^^^^ ''^'^ unterscheidet ferner: Vermögensverteilong«. J 

Leipzig! ms!^^'' ^'* ^' "^*^ Bilanzwerte, was sie sind und was sie nicht sind,« 
Fischer, Dr. R : üeber die Grundlagen der Bilanzwerte." Leiozie- mm 

3* 






II ' 



36 

daß sich auch für die Praxis nicht nur kein Gegensatz 
zwischen Vermögens- und Erfolgsermittlungs-Bilanz kon- 
struieren läßt, sondern, daß die Bilanz eben nur dann 
genau aufgestellt worden ist, wenn durch sie das Ver- 
mögen und der Erfolg in gleichem Maße genau ausge» 
wiesen wird.') Man wird uns einwenden, daß aber doch die Praxis 
dahin tendiere, vor allem den Erfolg in der abgelaufenen Rechnungs- 
periode zu bestimmen, daß sogar gewisse Vermögensgegenstände gar 
nicht jedes mal neu bewertet werden, sondern einfach um die früher be- 
stimmte Amortisationsquote gekürzt, ins Inventar aufgenommen werden. 
Wie wir später noch genauer sehen werden, ist dies richtig. Doch stellt 
diese Art der Bewertung (besser gesagt Nichtbewertung) eben nur ein 
allerdings sehr brauchbares und viel angewandtes Aushilfsmittel dar, das 
sicherlich, wäre es möglich auf eine andere Art jedesmal den Wert der 
betreffenden Vermögensgegenstände genau zu bestimmen, durch jenen 
Bewertungsmodus ersetzt würde. Auch der Einwand, die Bilanz weise 
überhaupt nicht das richtige Vermögen auf, ist nicht stichhaltig. Wir 
können hier wiederholen, daß es eben noch ein Vermögen außerhalb der 
Bilanz gibt, das sich mit dem bilanzmäßigen nicht zu decken braucht. 
Wenn z. B. der Gesetzgeber jegliche bilanzmäßige Berücksichtigung von 
Werterhöhungen bei Betriebsgegenständen verbietet, so hat er es nicht 
getan, um die Unternehmung daran zu hindern, ihr Vermögen richtig 
auszuweisen, sondern der Willkür bei der Bestimmung des sogenannten. 
Gebrauchs- oder Betriebswertes gewisse Schranken aufzuerlegen. Anderer- 
seits gestattet das Gesetz in Deutschland (§ 261, Abs. 3) ausdrücklich, 
daß Anlagen und sonstige Betriebsgegenstände ohne Rücksicht auf einen 
geringeren Wert zu dem Anschaffungs- oder Herstellungspreis unter Be- 
rücksichtigung der Abschreibungen angesetzt werden dürfen. Nach unserer 
Auffassung will das besagen, daß damit eine zu einem andern als dem 
Veräußerungswert, nämlich zum Betriebswert, vorgenommene Bewertung^ 
zugelassen wird. Richtiger ausgedrückt sollte man sagen, 
daß in der Praxis bald ein besonders großes Interesse an 

') Schär, a. a. 0. Seite 76: Wegen dieses Unterschiedes in den gesetzlichem 
Vorschriften über die Bewertung der betreffenden Vermögensbestandteile leiten viele 
Schriftsteiler, Juristen und Fachmänner, einen Wesensunterschied ab zwischen den 
Bilanzen der Aktiengesellschatten (nach § 261) und den Bilanzen der übrigen Unter- 
nehmungsformen, Einzelkaufmann, offene Handelsgesellschaft, Kommanditgesellschaft^ 
G. m. b. H., Genossenschaft, Gewerkschaft u. s. w. Sie bezeichnen die letzteren nach 
§ 40 aufgestellten Bilanzen als Vermögensfeststellungsbilanz, die ersteren 
als Gewinnermittlungs- oder Gewinnverteilungsbilanz. Sie übersehen 
offenbar, daß auch die Bilanz nach § 261 eine Vermögensfeststellunirsbilanz, die nach 
§ 40 auch eine Gewinnermittlungsbilanz, bei den Handelsgesellschaften, Genossen- 
Schäften, G.m.b.H. sogar auch eine Gewinnyerteilungsbilanz ist. Jede Hilanz ist auf 
die Bewertung der Vermögensbestandteile durch die Inventur auf- 
gebaut; jede Gewinn- und Verlustrechnung ist eine Ableitung und Zusammenfassung 
der Unterschiede zwischen dem ÖoUbestand laut den Konten und dem Istbestand laut 
der Inventur. Dadurch, daß bei der Bilanz der Aktiengesellschatt einzelne Sach- 
güter, wie Waren und Wertpapiere, höchstens zum Anscliaffungs- oder Herstellungs- 
wert angesetzt werden dürfen, wird das Wesen der Bilanz nicht in dem Maße verändert, 
daß sich eine Bezeichnung: rechtfertigen würde, die «las WeH»>n der Bilanz verdeckt 
oder geradezu verneint. Gegen diese Unterscheidung, die nur Verwirrung hervorrufen 
kann, spricht auch die Tatsache, daß die strengeren Bewertungsgrundsätze, weiche das 
Gesetz den Aktiengesellschaften vorschreibt, fast durchijängig auch bei den übrigen 
Gesellschaften, namentlich bei Genossenschaften und G. m. b. H., freiwillig ange- 
wendet werden. 



31 

einem kleinern, bald an einem größern als dem tatsächlich 
erzielten Reingewinn besteht. Stille Reserven schaffen, heißt eben 
nicht nur sich gegen allfällige Verluste schützen, es heißt zugleich auch 
den Reingewinn zu klein ausweisen. Andererseits handelt es sich beim 
Ueberbewerten nicht nur um einen zu großen Optimismus bei der Be- 
wertung, der Reingewinn ist zu hoch. Aehnlich äußert sich zu diesem 
Punkt Dr. Gustav Müller:') ^Im Geschäftsleben ist bei der Bilanzierung 
zwar regelmäßig das Interesse an der Erfolgsermittlung ^) stärker als an 
der Feststellung des Vermögens-Status. Zuweilen jedoch, z. B. bei Aus- 
einandersetzungen mit Gesellschaften, überwiegt das Interesse an der 
Höhe des Vermögens-Saldos. Praktisch bedeutsam ist solcher Unterschied 
der Interessen insofern nicht, als in dem Maße, wie der Reinerfolg wächst, 
sich auch das Geschäftsvermögen mehrt oder sich die Geschäftsschuld 
mindert und umgekehrt. Darin jedoch liegt große praktische Bedeutung, 
daß Unterbewertungen im Interesse beabsichtigter Erfolgs- Verkleinerung 
oder Ueberbewertungen aus dem entgegengesetzten Grunde die objektive 
Feststellung der Vermögenslage vereiteln." 

Wenn wir kurz resümieren, so müssen wir ausdrücklich betonen, 
daß die einseitigen Bezeichnungen Vermögens- wie Gewinnermittlungs- 
Bilanz auf die Jahresbilanz der Aktiengesellschaft angewendet, weder 
theoretisch noch praktisch gerechtfertigt sind. Dieselbe ist eben beides.*) 
Es wäre daher besser, einfach von Bilanz (im Sinne von gewöhnlicher 
Jahresbilanz) zu sprechen, will man nicht Gefahr laufen, durch eine 
ungenaue, leicht mißverständliche Formulierung auf eine schiefe Ebene 
hinüber zu gleiten. 

Bewertungslehre. 

§ 9. Der Gesetzgeber in Deutschland und der Schweiz zur 
Frage der Bewertung, a) Die allg. Bewertungsvorschriften des 
§ 40 H. G. B. Auch für unsere Untersuchung ist es zweckmäßig, von 
§ 40 des Handelsgesetzbuches auszugehen, der für alle der Bilanzpflicht 
unterworfenen Unternehmungen eine Bewertungsnorm aufstellt Mit der 
Interpretation dieses äußerst wichtigen, grundlegenden Paragraphen haben 
sich nicht nur Juristen, sondern auch Privatwirtschaftler beschäftigt. Um 
Klarheit in die sich widersprechenden Ansichten zu bringen, haben sich 
vor allem 2 Schriftsteller sehr verdienstlich gemacht. Es sind dies Passow 
und Schmalenbach. Beide haben sich die Mühe genommen, die Ent. 

nDie kaufmännische Erfolgsrechnung. (Gewmn- und Verluat-Eechnumr.)« 
Berlin, 1915. Seite 24. ^ ' 

^) Schmalenbach: „Zeitschrift für Handelswissenschaft und Handelspraxis« 
a. a. 0. Seite 351: Man kann sagen: Eine kaufmännische Bilanz stellt eine Ver- 
mögensübersicht dar insoweit, als man einer solchen zur Ermittlung des Betriebs- 
gewinnes bedarf. GewiÜ gibt es im kaufmännischen Leben Büanzen, die echte und 
rechte Vermögensbilanzen sind oder sein sollen. Bei Liquidationen, Auseinander- 
setzungen, kurz überall, wo es eben auf das Vermögen und nicht auf den Gewinn 
ankommt, wird man sie finden. Aber die gewöhnliche Jahresbilanz soll offenbar 
nicht so sehr das absolute, als das relative Vermögen, nicht die Wohlhabenheit, als 
vielmehr das Geschäftsergebnis erkennen lassexj. 

^ a) Vergleiche auch die Ausführungen von Bachmann, G. Prof. Dr.: 
„Kommentar zur Aktiengesellschaft (Anonyme Gesellschaft) und Genossenschaft." 
Zürich, 1915. Seite 191. 

b) Sicherlich etwas einseitig sind auch die Bemerkungen von Berliner: „Bnch- 
haltungs- und Bilanzen-Lehre." IL, 3. Auflage. Hannover und Leipzig, 1911, Seite 74/6. 
*ir betont zu stark den Vermögenscharakter der Bilanz. 



38 



m 






«;i' 



stehungsgeschichte der fraglichen gesetzlichen Bestimmungen genau zu: 
studieren. Eine einheitliche Interpretation hat sich nicht ergeben. 

Passow') faßt seine Untersuchungen kurz folgendermaßen zu- 
sammen: „Diese Vorschrift des §40 H. G. B. hat nun sehr verschieden- 
artige Interpretationen erfahren. Zuerst nahm man in der Literatur und' 
auch in der Rechtsprechung des höchsten Gerichtshofes*) allgemein an, 
daß das Gesetz die Aufführung der Aktiven zu ihrem Veräußer ungs werte- 
vorschreibe. Als man jedoch dann merkte, daß dieser Grundsatz z. B. 
von den Eisenbahn-Aktien-Gesellschaften bei der Bewertung ihrer Bahn- 
anlagen u. s. w. nicht angewandt werde und vernünftigerweise auch nicht 
angewandt werden könne, ging man zu anderen Auslegungen über, wo- 
bei man dann erklärte, das Gesetz schreibe nicht unter allen Umständen 
den Veräußerungswert, sondern den Gebrauchswert oder den Geschäfts- 
wert oder den Zeitwert und dergleichen mehr vor. Daneben behielt aber 
auch die Auffassung, daß der Veräußerungswert vorgeschrieben ist, ihre 
Anhänger.') Um angesichts dieser bestehenden Meinungsverschiedenheiten 
größere Klarheit über die Bedeutung der gesetzlichen Bewertungsvorschrift 
zu gewinnen, habe ich (Passow), und zwar zum ersten Male in der ge- 
samten Bilanzliteratur, eingehend u. a. die Entstehungsgeschichte der 
fraglichen Bestimmung von der Ordonnance de Commerce und dem all- 
gemeinen Landrecht an durch alle gesetzgeberischen Stadien hindurch 
vei'folgt und auf Grund dieser Materialien in einer wohl allen Zweifel: 
ausschließenden Weise festgestellt, daß, in direktem Gegensatz zu anderen 
Auffassungen, die Verfasser der Bestimmung damit ausdrücklich den Ver- 
äußerungswert vorschreiben wollten. Das ist, wie ich damals schrieb, ein 
Prinzip, mit dem die Praxis nicht durchkommen kann und an das sie 
sich jedenfalls tatsächlich nicht bindet. Trotzdem kann die Aufgabe der 
juristischen Interpretation nur darin bestehen, den Sinn darzulegen, den 
der Gesetzgeber mit der fraglichen Vorschrift verbunden hat Kommt man 



») Vergl. Richard Passow: Ueber die Bewertung der Betriebsanlagen in den 
Bilanzen, im ßankarchiv 13. Jahrg. 1913/14 Seite 151. Ferner sein Buch: Die Bilan- 
zen der privaten Unternehmungen, Leipzig 1910, Seite 96 ff. 

*) Es bandelt sich um die berühmt gewordene, oit kritisierte Entscheidung 
des Reichsoberhandelsgerichts vom 3. Dezember 1873: „Unter dem als 
maßgebend für die Bilanz zu ermittelnden gegenwärtigen Werte ist aber überall der 
allgemeine Verkehrswert im Gegensatze zu einem nur auf willkürliches 
subjektives Ermessen oder auf bloße Spekulation zurückzuführenden Wertanschlage 
zu verstehen, da die Bilanz der objektiven Wahrheit, der wirklichen Vermögens- 
lage entsprechen soll, woraus folst, daß Vermögensbestandteile (Aktiva oder Passiva), 
die einen Markt- oder Börsenpreis (Kurs) haben, der Regel nach zu dem sich hieraus 
ergebenden Werte in die Bilanz einzustellen sind, während für andere Vermögens- 
bestandteile deren gegenwärtiger obj ek ti ve r Wert auf sonstige Weise zu er- 
mitteln ist. . . . Aus dieser .... Instruktion ist vielmehr nur das Prinzip zu ent- 
nehmen, daß die Bilanz überhaupt .... der objektiven Wahrheit möglichst nahe 
kommen soll. ... 

Der Bilanz liegt hiernach in der Tat die Idee einer fingierten augen- 
blicklichen Realisierung sämtlicher Aktiva und Passiva zugrunde, wobei 
jedoch davon ausgegangen werden muß, daß in Wirklichkeit nicht die Liquidation, 
sondern vielmehr der Fortbestand des Geschäfts beabsichtigt wird, und daß da- 
her bei der Ermittlung und Feststellung der einzelnen Werte derjenige Einfluß un= 

berücksichtigt zu lassen ist, welchen eine Liquidation auf dieselben ausüben würde." 
(R. O. H. G., Bd. XII, S. 18 ff. Zimmermann, a. a. O. S. 204/5; Simon a. a. 0. S. 290.) 

•'') Vergl. die Ausführungen und Literaturangaben bei Z i m m e r m a n n D r. H. : 
Die Jahresbilanz der Aktiengesellschaft nach deutschem und schweizerischem Recht. 
Zürich 1912. Seite 210 ff. 



ZU dem Resultat, daß das Gesetz etwas Unpraktisches und Unzweck- 
mäßiges fordert, so mag man auf die Abänderung des Gesetzes hinwirken, 
an dem Gesetzeswort selbst soll man aber nicht herumdeuteln. 

Da diese Untersuchungen über die Entstehungsgeschichte der all* 
gemeinen gesetzlichen Bewertungsvorschrift nicht in einem rein juristi- 
schen Werke veröffentlicht waren, so haben die Juristen zunächst sich 
nicht damit beschäftigt. Erfreulicherweise hat aber jetzt Rudolf Fischer 
in einer neuen Schrilt') zu meinen Darlegungen Stellung genommen, und 
er ist unter eingehender Verwertung des von mir beigebrachten Beweis- 
materials dabei zu dem gleichen Resultat gekommen. Hoffentlich wird 
die juristische Literatur nun allgemein von jenen Darlegungen Kenntnis 
nehmen und damit der Streit über den Sinn der allgemeinen gesetzlichen 
Bewertungsvorschriit ein" Ende nehmen." 

Dieser Wunsch Passows ist nun nicht in Erfüllung gegangen. 
Schmalenbach kommt anscheinend ganz unabhängig von Passow, zu 
einer andern Interpretation der gesetzlichen Bestimmungen.') „So liegt 
bei Betrachtung des Für und Gegen die Absicht des Gesetzgebers bei 
aller Dürftigkeit der Protokolle ziemlich einfach zutage. 

Der Kaulmann soll Inventuren und Bilanzen machen, soll zu diesem 
Zwecke Bewertungen vornehmen. Er soll diese Aufgaben aber nicht etwa 
nur zum Schein und in wertloser Weise machen. Er soll bei diesen 
Arbeiten eine g:ewisse Freiheit haben, aber nicht eine subjektive, sondern 
nur objektive Freiheit*), diejenige Freiheit, die durch die Umstände, durch 
die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse geboten ist. 

Es ist demzufolge unter „Wert" im Sinne der §§ 29 und 30 nicht 
ein bestimmter Wert zu verstehen, sondern Wert ist hier derjenige Wert, 
den man anzuwenden hat, um zu einer fachgerechten Bilanz zu gelangen. 
Je nach Unternehmungsart, Bilanzobjekt und überwiegenden Bilanzzwecken 
ist dieser Wert verschieden. Er fügt dann Seite 28/9 noch hinzu: Die 
durch das neue Handelsgesetzbuch geschaffene Ordnung des Bilanzrechts 
bestätigt im allgemeinen das geltende Recht, es verbessert nur teilweise 
den Wortlaut und gibt einige kleine Zusätze. An den Hauptfragen wird 
nichts geändert, insbesondere nicht an Zweck und Wert der Bilanz." 

Wir stehen im großen und ganzen auf dem Standpunkt von Schmalen- 
bach. Der Gesetzgeber wollte ganz allgemein das vorschreiben, was als 
Sitte bei den soliden, reellen Kaufleuten angesprochen werden kann, näm- 

') Buchführung und Bilanzaufstellung nach Handelsrecht, Leipzig 1913, S. 4Z ff. 

2) Schmalenbach E. : Ueber das allgemeine Bilanzrecht, in seiner Zeit- 
schrift für handelswissenschaftliche Forschung, 11. Jahrgang, Oktober 1916, Seite 1 ff. 

^) Ausführlicher dazu Seite 16/7. Jeder Kaufmann hat das Recht, bei der Auf- 
stellung der Bilanz seinen eigenen, privaten Zwecken zu folgen. Von mehreren möglichen 
Bilanzen kann er diejenige wählen, die den Zwecken seines Geschäfts am besten entspricht. 
Aber disse Freiheit bedeutet nicht, daß ein Kaufmann, nur um das Gesetz zu erfüllen, 
angebliche und nicht wirkliche Zwecke geltend machen kann, wenn der Gesetzgeber 
sich darauf verläßt, daß das Selbstinterease bei der Auswahl der Bilanzzwecke genügend 
wirksam sei zur Erfüllung auch öffentlicher Interessen, so ist die Bedingung, daÖ 
JsderSäänn seinen Interessen in Wirklichkeit nächgelie. 

Der Kaufmann ist infolgedessen nicht subjektiv frei; er kann nicht willkürlich 
bestimmen, dieses und jenes seien seine Bilanzzwecke. Vielmehr wächst in jedem Be- 
triebe der Bilanzzweck aus den Umständen, wie sie in diesem Betriebe beschaffen sind, 
heraus. Und so bestimmt sich der Zweck unabhängig von dem Wollen des Kaufmanns, 
d. h, also objektiv, wenngleich nach subjektiven Umständen. 






40 

lieh die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung. Dies ändert 
sich auch nicht bei den Bewertungsvorschriften die uns § 261 für die 
Aktiengellschaften gibt und die wir nunmehr kritisch betrachten und in 
unserem Sinne interpretieren wollen.') 

b) Die Bewertungsvorschriften für die Aktiengesellschaften 

des § 261 H. G. B. 

Wie wir gesehen haben, so verlangt der Gesetzgeber im allgemeinen 
Bilanzrecht keine Bilanzierung auf Grund des Veräußerungs-, des soge- 
nannten objektiven Wertes, sondern stellt ab auf die üsanzen und Gepflogen- 
heiten des ordentlichen Kaufmanns. Wie steht es nun aber mit den 
Bilanzen der Aktiengesellschaften, verträgt sich obige Auffassung mit 
§ 261, insbesondere mit Absatz 3: „Anlagen und sonstige Gegenstände, 
die nicht zur Weiterveräußerung, vielmehr dauernd zum Geschäftsbetrieb 
der Gesellschaft bestimmt sind, dürfen ohne Rücksicht auf einen gerin- 
geren Wert zu dem Anschaffungs- oder Herstellungspreis angesetzt werden, 
sofern ein der Abnutzung gleichkommender Betrag in Abzug gebracht 
oder ein ihr entsprechender Erneuerungsfonds in Ansatz gebracht wird." 

Es wurde vielfach der Standpunkt vertreten, der obige Absatz 3 
sei zu Gunsten der A. G. als Ausnahme von der Regel des § 40 zu 
betrachten.'^) Schon die Abfassung des Artikels selber, der Text, läßt eine 
solche Annahme nicht zu. Er beginnt folgendermaßen: „Für die Auf- 
stellung der Bilanz kommen die Vorschriften des § 40 mit folgenden 
Maßgaben zur Anwendung. " Wenn der Gesetzgeber die Bestimmungen 
von § 261 als Ausnahme hätte aulgefaßt wissen wollen, hätte er dies 
ausdrücklich sagen können, vielleicht durch Ersetzung des Wortes Maß- 
gaben durch Ausnahmen. 

Wir möchten den § 261, insbesondere Absatz 3, wie folgt inter- 
pretieren: Mit dem § 40, indem der Gesetzgeber eine Bewertung in der 
Weise verlangt, daß sämtliche Vermögensgegenstände und Schulden nach 
dem Werte anzusetzen sind, der ihnen in dem Zeitpunkte beizulegen ist, 
für welchen die Aufstellung stattfindet, sollte einfach eine ganz allgemeine 
Bewertungsnorm aufgestellt werden. Wenn er dann für die Aktiengesell- 
schaft in Art. 261 detailliertere Vorschriften für die Bewertung aufnahm, 
so geschah dies doch wohl nicht um Ausnahmen zu Gunsten der A. G. 
zu stipulieren, als eher um die allgemeine Fassung des § 40 zu präzi- 
sieren, genauer zu umschreiben. Daß auch die Furcht, es könnte die zu 
große Freiheit von § 40 so mißbraucht werden, daß starke Ueberbewer- 
tungen zu häufig dazu führen könnten, daß nicht nur nicht realisierte 
Gewinne, sondern sogar Grundkapital als Dividende unter die Aktionäre 
ausgeschüttet werden, ist nicht zu leugnen. Dies konnte aber unmöglich 

Vergl. auch S i m o n (a. a. O. S. 299/300), ferner S c h e f f 1 e r (a. a. O. S. 1 ff.) 
2) Zimmermann, a. a. 0. S. 212. Ferner schreibt er Seite 217: Mit Rücksicht 
auf die früher geschilderten Mängel einer Bewertung der Vermögensbestandteile auf 
Grundlage des Veräußerungswertes wurden in verschiedene, moderne Gesetzgebuno-en 
Bestimmungen aufgenommen, welche einerseits zum Zweck haben, das freie Ermessen 
und die Willkür des Bilanzierenden einzuschränken und die Verteilung nicht reali- 
sierten Gewinnes zu verhindern, anderseits die Härten, welche insbesondere die Bewer- 
tung der Betriebsgegenstände nach dem Veräußeruugspreis für die am Reingewinne 
eines Unternehmens Partizipierenden hat, zu mildern. Es handelt sich hierbei in ge- 
¥ns8em Umfange um die Kodifizierung der Bewertungaregeln, die von den Einzelkauf- 
leuten, wie von den Gesellschaften schon seit Jahrhunderten beobachtet wurden, also 
nicht um ganz neugeschaffenes Recht. 



41 

dadurch verhütet werden, daß den Aktiengesellschaften für die Bewertung 
ihrer Vermögensgegenstände eine größere Bewegungsfreiheit gewährt 
wurde. Das Gegenteil ist dann auch der Fall gewesen, wenn z. B. das 
Ueberschreiten des Markt-, Börsen-, Herstellungs- oder Anschaffungspreises 
direkt verboten wird (Absatz 1 und 2), oder die Kosten der Errichtung 
und Verwaltung als Aktiven ausgeschlossen werden. (Abs. 4) Seh mal en- 
bach (a. a. 0. S. 22/3) nimmt hiezu ebenfalls Stellung: „Man hat in der 
neueren ßilanzliteratur die Behauptung gelesen, die Aktienbilanz sei in- 
folge ihrer besonderen Natur und der ihr angepaßten Rechtsbestimmung 
eine „Erfolgermittlungsbilanz" oder „Gewinn Verteilungsbilanz'' und die 
übrigen Bilanzen seien „Vermögensbilanzen". 

Zweifellos ging die besondere Regelung der Aktienbilanz von der 
Meinung aus, daß der den Aktionären zukommende Gewinn mit Vorsicht 
und Maßhalten zu verteilen sei. Aber die Sorge des Gesetzgebers erstreckte 
sich nicht auf richtige Berechnung des zu Verteilenden, sondern auf vor- 
sichtige Darstellung des Zurückbleibenden. Die Aktienbilanz sollte nicht 
mit falschen oder zu hoch angesetzten Aktiven und, entsprechend, nicht 
mit zu hohen Kapitalkonten prunken. Es sollte ein gewisser Verlaß auf 
die Bilanzposten sein. Insoweit eine solche Büanz sich von der allge- 
meinen unterscheidet, handelt es sich um eine Verstärkung ihres stati- 
schen und nicht ihres dynamischen Charakters. Sie ist also nicht mehr, 
sondern weniger Erfolgsermittlungsbilanz als die allgemeine Bilanz. 

Ebenso unrichtig ist es, die allgemeine Bilanz eine „Vermögens- 
bilanz** zu nennen. Gewiß soll sie die Lage des Vermögens zeigen ; aber 
eine solche Uebersicht kann ebensowohl dazu dienen, die absolute als 
die relative Größe (Vermögensänderung, Bewegung) ersichtlich zu machen. 
Der Begriff „Vermögensbilanz, wenn er gebraucht wird im Gegensatz 
zu „Erfolgsbilanz", ist in stärkerem Maße für die Aktienbilanz richtig 
als für die allgemeine Bilanz."') Was für Prinzipien, Grundsätze und 
Gesichtspunkte bei der Bewertung im Sinne eines ordentlichen Geschäfts- 
mannes in Anwendung kommen, werden wir in den nächsten Paragraphen 
genauer ausführen. 

c) Die Bewertungsvorschriften für die Schweiz nach O. R.656. 

Ein allgemeines Bilanzrecht, das sich auf einen speziellen Gesetzes- 
paragraphen stützen könnte, wie das in Deutschland mit § 40 H. G. B. 
^er Fall ist, kennen wir nicht. Für sämtliche Rechtsverhältnisse in Bezug 
auf Buchhaltung, Bilanzaufstellung, Bewertungsfrage etc. bei andern 
Unternehmungen als den Aktiengesellschaften, sind wir genötigt zu Art. 
877 des O. R. Zuflucht zu nehmen, welcher von einer ordnungs- 
gemäßen Buchführung spricht. Die Bezeichnung ordnungsgemäß erstreckt 
sich zweifellos auch auf die Bilanzierung.*) Um so größer ist die Bedeu- 
tung von Art. 656 O. R., welcher die Grundsätze der Bilanzaufstellung 
für die Aktiengesellschaften regelt. Dazu führt ßachmann (a. a. O. 
Seite 190) Folgendes aus: „Die Bedeutung des Artikels ist mit den Jahren, 
mit denen sich das Interesse an der Bilanzpraxis gesteigert hat, immer 
mehr hervorgetreten. Obschon rechtlich diese Bilanznormen nur für die 
Aktiengesellschaften gelten, finden sie doch faktisch auch auf die Bilan- 

*) Vergl. unsere Ausfuhrungen in § 8 b. 
=} Ebenso Zimmermann, a. a. 0. S. 217. 



IT'. 






t» 



42 

ziening anderer Gesellschaften, ja auch auf die Einzelunternehmung An- 
wendung und das um so mehr, als dem Obligationenrechte überhaupt 
Bilanzbestimmungen für die nicht aktienrechtliche Unternehmung ganz 
fehlen, Art. 877." Ein bestimmter Wert, beispielsweise der Veräußerungs- 
wert, ist bei uns somit wie in Deutschland nicht vorgeschrieben, auch 
nicht für die A. G. ') & > 

§ 10. Zusammenfassende Darstellung der Bewertungsbestim- 
mungen des Aktienrechts. 

a) Tableau über die Bewertungsvorschriften des Aktienrechts. 
Schweiz. O. R. Art. 656. 

I. Kurshabende Papiere-Durch- 
schnittskurs d. letzten Monats. 
Waren-Kostenpreis o. Markt- 
preis. 



Deutschland H. G. B. §261. 



I. Wert- 
papiere 

Ware 



II. Andere Vermögens -Gegen- 
stände = ? 



mit 

Börsen- 
oder 

Markt- 
preis 



Börsen- oder 
Marktpreis des 

Bilanztermins 
even. Anschaf- 
fungs- od. Her- 



stellungspreis. 

IL Andere Vermögens-Gegenstände = 

Anschaffungs- o. Herstellungspreis. 

III. Anlage-Gegenstände = An- III. Anlage - Gegenst ände = Anschaf- 

schaffungskosteny.Abschrei- fungs- oder Herstellungspreis •/. Ab- 

*5ungen. Schreibungen. 

b) Die Bewertung der „andern Vermögensgegenstände". 
In der Schweiz fehlt eine gesetzliche Bestimmung, wie sie z. B. im 
deutschen Handelsgesetzbuch für die „andern Vermögensgegenstände" 
aufgenommen wurde. Es erhebt sich nun die Frage, wie sollen diese 
Werte, die also nicht bei einer der vom Gesetz genannten Kategorien 
untergebracht werden können, bewertet werden ? Die Frage ist bestritten, 
die einen sind für den Veräußerungswert, die andern plädieren, und zwar 
unseres Erachtens mit Recht für den sogenannten Betriebs -Geschäfts- 
Gebrauchswert. Beide stützen sich für ihre Interpretation auf die berühmt 
gewordene Entscheidung des Bundesgerichtes vom 22. Juni 1901 i. S. 
Schweizer kontra Hypothekarbank, Zürich, E. B. G. Bd. 27 ^ Seite 240/1: 
„Als anfechtbar möchten diese Beschlüsse z. B. dann erscheinen, wenn 
nachgewiesen oder zum Beweise verstellt wäre, daß Schuldbriefe erheb- 
hchen Nominalwertes aber zweifelhafter Güte, wie sie in Zeiten hypo- 
thekarischer Krisen so häufig um ganz minime Beträge zu kaufen sind, 
von der beklagten Aktiengesellschaft zu minimalen Preisen angekauft, 
dagegen zu dem vollen Nominalwerte in die Aktiven der Bilanz eingestellt 
worden seien. In diesem Falle würde es sich allerdings nicht mehr um 
in den Grenzen vernünftigen Ermessens sich bewegende Taxation eines 
Vermögensobjektes, sondern um die Einstellung eines, zum mindesten 
großen Teils fiktiven Wertes in die Bilanz handeln. Allein ein deratiger 
Tatbestand ist vom Kläger weder nachgewiesen, noch behauptet worden, 
er hat sich vielmehr auf die Behauptung beschränkt, daß Schuldbriefe mit 
Einschlägen gekauft, dagegen zu vollem Nominalwerte in die Bilanz ein- 
gestellt wor den seien, während nach dem Gesetze, gleich wie bei Waren 

.nnn l) ^^^^^J.^^ Meinung C u r t i, Schweizerisches Handelsrecht, 2. Aufl. Zürich, 
lyijy, Seite 209. 



Vorräten, höchstens der Anschaffungswert eingesetzt werden dürfe. Dieser 
Satz folgt aber durchaus nicht aus dem dem Obligationenrecht zu Grunde 
liegenden Prinzip, daß die Bilanzaufstellung die Darstellung der wirk- 
lichen Vermögenslage der Gesellschaft zu geben habe. Richtig ist aller- 
dings, daß das neue d e u t s c h e Handelsgesetzbuch (gleich wie schon die 
Aktiennovelle von 1884) in § 26 Ziff. 1 vorschreibt, daß wie Wertpapiere 
und Waren, die einen Börsen- oder Marktpreis haben, so auch andere 
Vermögensgegenstände höchstens zu dem Anschaffungs- oder Herstellungs- 
preis anzusetzen seien, so daß also nach deutschem Rechte der Stand- 
punkt des Klägers allerdings begründet wäre; es mögen auch vielleicht, 
speziell in betreff der Bilanz der Aktiengesellschaft legislative Gründe für 
denselben sprechen. Allein dem geltenden schweizerischen Rechte ist die 
Regel, daß der Anschaffungspreis der höchste zulässige Bilanzwert sei, 
als eine allgemeine fremd, und es ist ja auch klar, daß nicht behauptet 
werden kann, der wirkliche Wert eines Vermögensgegenstandes, speziell 
einer Schuldbriefforderung könne den Beti'ag des Anschaffungspreises nicht 
übersteigen. Im Gegenteil geht natüriich gerade beim Ankaufe von Schuld- 
briefen zur Weiterveräußerung der Käufer des Schuldbriefes gewiß davon 
aus, daß der von ihm bezahlte Ankaufspreis den Wert, welchen der Schuld- 
brief in seinem Geschäfte darstelle, nicht erreiche. Wenn der Kläger be- 
hauptet hat, das Gesetz verfange für die Bilanz der Aktiengesellschaft die 
Einsetzung des niedrigsten Wertes, also davon ausgeht, es dürfe in die 
Bilanz der Aktiengesellschaft nicht der volle Wert eingesetzt wrrden, 
so ist dies nicht richtig; soweit das Gesetz nicht Sonderbestimmungen für 
einzelne Bilanzposten aufstellt, darf in die Bilanz der Aktiengesellschaft 
der volle Wert der Vermögensgegenstände eingesetzt werden. Daß im 
übrigen die für den Schuldbrief bestand in die Bilanz eingesetzten Wert- 
ansätze sich nicht in den Grenzen einer nach vernünftigem Ermessen 
unter Würdigung aller Umstände angenommenen Schätzung des Wertes 
dieser Briefe bewegen, hat der Kläger weder bestimmt behauptet, noch 
weniger zum Beweise verstellt und es erscheint dies überhaupt nach dea 
Akten als ausgeschlossen." 

Ferner dieselbe Entscheidung des Bundesgerichtes Seite 239/40: „Es 
ist also der Rechtsgrundsatz festzuhalten, daß in der Bilanz der wirkliche 
und nicht ein fiktiver Wert der Vermögensobjekte einzustellen ist, und daß, 
wenn dieser Rechtsgrundsatz von den Gesellschaftsorganen, speziell der 
Generalversammlung verietzt wird, den einzelnen Aktionären ein An- 
fechtungsrecht gegen die betreffenden Beschlüsse zusteht. Soweit das Gesetz 
nicht besondere Bewertungsgrundsätze für einzelne Vermögensobjekte auf- 
stellt, ist daran festzuhalten, daß als maßgebender Wert derjenige Wert 
erscheint, den das betreffende Aktivum als Bestandteil des Gesellschafts- 
geschäftes hat." 

Zimmermann (a. a. Seite 219/20) legt besonderes Gewicht auf den 
Passus der Entscheidung, wo erklärt wird, daß in der Bilanz der A. G. 
der volle Wert der Vermögensgegenstände eingesetzt werden dürfe. 
Er bemerkt hiezu wörtlich: „Das Bundesgericht findet, es sei der „wirk- 
liche", der „volle" Wert in Ansatz zu bringen. Dai unter ist wohl der 
Veraußerungswert des Tages, für welchen die Bilanz aufgestellt wird, zu 
verstehen." Zu dieser Stellungnahme müssen wir zwei Einwendungen 



3 



machen.') 1. Das Bundesgericht sagt nicht, es müsse der volle Wert 
des Vermögensgegenstandes eingesetzt werden, sondern es dürfe dies 
geschehen. 2. Selbst wenn der Gesetzgeber den vollen Wert verlangen 
würde, so hieße das unseres Erachtens noch lange nicht die Bewertung 
zum Veräulierungspreis vornehmen. Wir möchten der Meinung 
entschieden entgegentreten, es handle sich nur dann um 
<len richtigen, vollen, wirklichen, wahren, objektiven 
Wert, wenn der Bewertung der Veräußerungswert zu 
Grunde liege. Denken wir an das klassische Beispiel der Maschine, 
die nur verhältnismäßig kurze Zeit im Gebrauch gestanden hat. Wäre 
'hier zum Veräußerungspreis zu bewerten, so hieße das nicht viel anderes 
als die Maschine zum Werte des Altmetalls in die Bilanz einsetzen, was 
sicherlich nicht gerechtfertigt wäre und auch von keinem Gesetzgeber ver- 
langt werden kann. Für die ßetriebsgegenstände kommt eben, wie wir 
später noch einläßlicher ausführen werden, der Betriebswert in Frage. 
Auch eine solche Bewertung kann einen richtigen, wirklichen Wert er- 
geben, wenn sie mit der Sorgfalt des ordentlichen Kaufmannes vorge- 
iiommen wird. Auch bei der Zuhilfenahme des Veräußerungswertes kommt 
man nie zu einem absoluten, objektiven Wert, denn sollte zur Veräußerung 
geschritten werden müssen, so kann sich bei großem Angebot der Preis 
«ben wesentlich verändern. Ferner ist zu sagen, daß man für verschiedene 
Betriebsgegenstände (Grundstücke, Gebäude, Maschinen etc.) bei der Fest- 
stellung eines Veräußerungswertes auf fast unüberwindliche Schwierig- 
keiten stoßen würde. Uns erscheint daher die Interpretation von Frey 
& Bachmann die richtige zu sein, die sich auf jene Stelle der Entscheidung 
stützt, die von demjenigen Werte spricht, „den das betreffende 
Aktivum als Bestandteil des Gesellschaftsgeschäftes hat" 

Frey') schreibt: „Namentlich aber werden sich die Verwaltungsräte 
-vor Augen halten müssen und dürfen, daß, wie bei andern Aktiven, so 
auch bei den Wertpapieren — sofern nicht ein nach positiver Gesetzes- 
vorschrift zugrunde zu legender äußerlicher Anhaltspunkt für die Bilan- 
zierung in Gestalt einer Durchschnittsnotiz des letzten Monats vor dem 
Bilanztage vorhanden ist — der richtige Bilanzwert derjenige ist, den sie 
für die Gesellschaft, für das Geschäft haben, nicht der gemeine 
Wert, w'iQ er sich bei einer augenblicklichen Zwangsversilberung voraus- 
sichtlich stellen würde." 

„Nach Bach mann') versteht das Gericht unter diesem Wert, den 
das betreffende Aktivum als Bestandteil des Gesellschaftsgeschäfts hat, 
nicht einen Verkehrswert, sondern einen sogenannten Betriebs- oder Ge- 
samtwert . . . Das Urteil des Bundesgerichtes basiert aui der Simonschen 
Theorie nicht eines reinen Affektionswertes, sondern eines subjektiven 
Wertes, der sich auf das innere Moment gründet und darauf abstellt, was 
der betreffende Gegenstand bestimmten Gesellschaften an Wert bedeutet." 

*) Wir wenden uns bloß gegen die Interpretation der bundesgerichtlichen Ent- 
scheidung durch Zimmermann, er steht selber hinsichtlich der Art und Weise, wie be- 
wertet werden soll, auf einem andern Standpunkt. (S. 22Ü/1). 

2) Frey Dr Julius: Zur Frage der Aufstellung der Bilanzen auf Ende 1914 in 
der Neuen Zürcher Zeitung Nr. 1581 vom 26. November 1914. 

^) Bach mann G. Prof., Dr., in seinem Kommentar a. a. 0., Seite 196. 
Derselbe, ebenfalls in der Neuen Zürcher Zeitung Nr. 1589 vom 29. No- 
vember 1914. 



Wie sich dieser subjektive Wert, besser Betriebswert genannt, bestimmen 
läßt, werden wir in den folgenden Paragraphen ausfuhren. 

Auch die deutsche Bestimmung von § 261 Abs. 2 ist nicht ganx 
klar. Es ist nicht ohne weiteres ersichtlich ob auch hier im Falle der 
Anschaffungs- oder Herstellungspreis höher als ein eventueller Markt- 
oder Börsenpreis ist, dieser letztere maßgebend sein soll. Zimmermann'> 
(a. a. O. Seite 283) ist der Meinung, daß Vermögensgegenstände die unter 
Abs. 2. von § 261 fallen, sofern der Veräußerungspreis niedriger sei al& 
der Anschaffungs- oder Herstellungspreis, dieselben nur zu dem ersteren 
erscheinen dürfen. Der soeben zitierte Paragraph des deutschen Rechts 
erwähne diese Einschränkung nicht ausdrücklich, sie müsse aber dennoch 
in den Intentionen des Gesetzgebers liegen, denn die Bestimmung könne 
nur als Maximalbewertungsvorschrift gedacht sein. Nach unten wolle sie 
die Bewertung nicht regeln, daiür gelten die allgemeinen Grundsätze. 
Wir schließen uns seinen Ausführungen an, immerhin bleibt die Formu- 
lierung wie sie jetzt besteht revisionsbedürftig. 

§ II. Was versteht man unter dem Selbstkostenpreis? 
Es handelt sich hier um eine Streitfrage, die vor allem theoretisch 
ein gewisses Interesse beansprucht, währenddem sie für die Praxis nicht 
von der Wichtigkeit ist, die ihr gewisse Autoren beimessen wollen. *> 
Die Selbstkosten setzen sich aus folgenden Elementen zusammen: 1. Die 
Aufwendungen für dip Rohstoffe und Materialien, 2. die produktiven 
Löhne, 3. die Kosten der Hilfsbetriebe, 4. die Abschreibungen und 5. die 
allgemeinen Unkosten. Auch eventuelle Verkaufsspesen hinzuzuschlagen,, 
wird man deshalb ablehnen, weil dies der Auffassung der Praxis wider- 

Vergl. ferner R e h m (a. a. 0. 2. Aufl. Seite 365/7), Staub's Kommentar 
zum Handelsgesetzbuch, 8. Aufl., 1. Band, Berlin 1906, Seite 895/9. Simon (a. a. O. 
Seite 334 ff. § 87). ^ 

^) Ca Imes, Dr. Albert; Der Fabrikbetrieb. 4. Aufl. Leipzig 1916, 8. 169: 
nDa die Streitfrage noch heute ungelöst ist, umgehen die meisten Industriellen die 
Entscheidung dieses zweifelhalten Punktes, indem sie die Vorräte an Fertig-, Zwischen- 
und Halbfabrikaten so niedrig ansetzen, daß ihr Bilanzwert sicher das bei striktester 
Auslegung des Gesetzes zulässige Wertmaß nicht übersteigt. Dies geschieht dadurch,, 
daß sie für die Bewertung nur die Materialkosten rechnen, wo diese, wie in Fleiach- 
und Wurstfiabriken, die Hauptkosten ausmachen, oder die Material- und die Lohn- 
kosten unter Außerachtlassung jeglicher ünkostenzuschläge benutzen. Gerade in diese 
Bilanzpositionen werden ja bekanntlich mit Vorliebe stille Reserven unter- 
gebracht." 

Aehnlich Schmalenbach: Die Generalunkosten als Produktionskosten in der 
Bilanz der Aktiengesellschaft, in seiner Zeitschrift für handelswissenschaftliche For- 
schung, 2. Jahrgang 1907/8, Seite 161: , Nicht für alle Aktiengesellschaften ist diese 
Frage von praktischer Bedeutung. Es gibt viele Aktiengesellschaften, welche ihre 
Warenvorräte mit Wissen und Willen niedriger bewerten als das Gesetz verlangt, sei 
es, weil sie ohnehin bestrebt sind, stille Reserven zu bilden, sei es, weil sie auf dies© 
Weise den schwierigen Fragen der Zuschlagbarkeit gewisser Unkosten entgehen wollen. 
Daneben aber gibt es sehr viele Betriebe, welche die Warenvorräte so hoch bewerten, 
wie sie es nach dem Gesetz dürfen. 

Es ist nicht gesagt, daß solche Gesellschaften zu denen gehören müssen, die 
grundsätzlicd die Bilanz so „gut" machen, wie es irgend möglich ist Auch sehr vor- 
sichtige Gesellschaften, deren An läge werte voll stiller Eleserven stecken, können speziell 
bei der Bewertung der Warenvorräte ihre Politik des Gewinn Versteckens grund- 
^tzlich ^aufgeben, denn tatsächlich spricht bei den Warenvorräten vieles gegen solche 

Zu diesem letzten Punkt Schmalenbachs vergl. auch Zimmermann (a. a. 
0. Seite 230). » u i, .».. 



ii 
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46 

sprechen würde.') Wenn nun auch im allgemeinen darüber kein Zweifel 
bestehen kann, was als Selbstkosten eines Fabrikates aufzufassen ist, so 
hat sich andererseits als sehr bestritten erwiesen, was speziell für 'die 
Bilanzierung, und für uns für die Bilanz der A. G. als zulässiger Selbst- 
kostenpreis betrachtet werden müsse. Die Kontroverse, an der sich Simon, 
Esser, Rehm, Fischer, Schmalenbach, Zimmermann und Calmes etc. be- 
teihgt haben, erstreckt sich vor allem auf folgende Punkte: 1. Gehören 
die Kosten der Hilfsbetriebe zu den direkten Produktionskosten der Fa- 
brikate oder zu den allgemeinen Unkosten? 2. Sind die allgemeinen Un- 
kosten, die sog. Generalunkosten als Bestandteil der Selbstkosten für die 
Bilanzierung zulässig? 3. Wie verhält es sich mit den Abschreibungen 
bei der Bewertung der noch im Inventar vorhandenen Warenbestände? 

Der Gesetzgeber hat weder in der Schweiz noch in Deutschland 
im Gesetz zu dieser Streitfrage Stellung genommen, wir müssen somit 
aul die Usanzen und Gebräuche des ordentlichen Kaufmanns abstellen 
Nur die Denkschrift des Jahres 1896 zum Entwurf des neuen Handels- 
gesetzbuches Seite 345 enthält folgenden Passus: „Was die bestrittene 
l^rage betnfft, ob bei der Berechnung des Herstellungspreises von Waren 
auch ein entsprechender Teil der Generalunkosten des Unternehmens in 
Ansatz gebracht werden kann, so erscheint es nicht angängig, eine solche 
Berechnungsweise durch ausdrückliche Vorschrift ohne jede Einschrän- 
kung zu gestatten, weil alsdann, der Vorschrift der Nr 4 (des ^ 26) 
entgegen, die sämtlichen Kosten der Verwaltung aut einem Umwege doch 
als Aktivum in die Bilanz eingesetzt werden könnten. Es muß dem ver- 
standigen Ermessen in jedem einzelnen Falle überiassen bleiben, inwie- 
weit ohne Verietzung der erwähnten Vorschrift gewisse allgemeine Kosten 
als Bestandteil der Herstellungskosten berücksichtigt werden können." 

Zur Beantwortung des ersten Punktes gehört eine Definition der 
allgememen Unkosten. Calmes') kann im allgemeinen zugestimmt 
werden wenn er dieselben folgendermaßen formuliert: „Als Unkosten 
oder allgemeine Kosten (auch Generalkosten, Spesen, Regiekosten genannt) 
sind im Warengeschäft im Gegensatz zu den direkten Material- und 
Lohnaufwendungen diejenigen Kosten eines Unternehmens zu verstehen 

deren unmittelbare ZuteilungaufdieumgesetzteWare, respektive 
auf die hergestellten Erzeugnisse oder auf die Betriebsabtei- 
lungen nicht möglich ist, weil diese Aufwendungen durch das 
Unternehmen als Ganzes verursacht werden." Es gibt nun neben 
den Matena l- und Lohnaufwendungen noch andere Kosten wie diejenigen 

nKo. A^ ^'^-^y V*" '• ^' 5* 9'ß^'^^ ^^^' formuliert dies noch etwas genauer : „Wenn 
d^n Hfi.W ^^ h'^'.T'' ^^".^^^ die Bewertung der Warenbestände die Selbstkosten 
^!^fän^f ^ darstellen, so ist dabei an Summen gedacht, die auch den Anteil der 
Bestände an den Verwaltangskosten enthalten. Ausgeschlossen sind aber die V e r- 
waltungskosten die als im Interesse des V er kau fs aufge wan dt 
gelten müssen, und die eigentlichen Verkaufskosten 
9 A«fl V^ • Y ?o?q" ° " 5»,d B o 1 J e r : Leitfaden des kaufmännischen Rechnens 1. Teil. 
2. Aufl. Zürich 1913, S. 6 , geben uns für den Warenhandel folgendes öchema- Ein 
kauftpreis (lt. Faktura des Lieferanten netto) + Einkaufsspesen = SelbstkoTten 4- 
^TaTftp'feil ^^**^^«^k-"^«P'ei3 + Verkaufsspesen = Bratto- 
Seite 2^3^ * ^ "* ® * ' ^^- ^ ^ ^ ^ •• * • ^«'* Fabrikbetrieb 4. Auflage, Leipzig 1916. 
Seite 50.^^'^'''^ «« H e w 8 k i A 1 be r t : Der Fabrikbetrieb. 2. Aufl. Berlin 1907, 



41 

für die Krait etc., die direkt meßbar sind und auch auf die einzelnen 
Produkte geschlagen werden können. Man kann sie mit Calmes (a. a. O. 
Seite 203) als Kosten der Hilfsbetriebe bezeichnen, wobei aber zu 
betonen ist, daß nicht alle Kosten der Hilfsbetriebe so behandelt werden 
können, indem für einzelne unter ihnen die sofortige Verteilung auf die 
einzelne Ware praktisch unmöglich ist. Diese letztern rechnen wir dann 
zu den allgemeinen Unkosten. 

Damit kommen wir zum 2. Punkt: Sind die allgemeinen Unkosten, 
die sog. Generalunkosten als Bestandteil der Selbstkosten für die Bilan- 
zierung zulässig? Wie schon angedeutet, scheiden für uns diejenigen 
Verwaltungskosten aus, die als im Interesse des Verkaufs aufgewendet 
gelten müssen, sowie die eigentlichen Verkaufskosten. ') Von den Schrift- 
stellern, die gegen die Zuschlagbarkeit der allg. Unkosten für ßilanzzwecke 
der A. G. sind, wird als Hauptarguraent aufgeführt, es würde damit 
Ziff. 4 von § 261 resp. Ziff. 1 des Art. 656 O. R. illusorisch gemacht 
Auf diesem Boden steht im großen und ganzen auch die bereits zitierte 
Denkschrift. Einmal ist hier einzuwenden, daß dem nur dann so wäre, 
wenn ein großer Warenvorrat vorhanden wäre. Ist dies der Fall, dann 
können dafür 2 Hauptgründe angeführt werden, a) Die Waren werden 
extra zurückbehalten, weil mit einem Steigen des Preises unbedingt ge- 
rechnet wird. Hier ist unseres Erachtens die Gesellschaft berechtigt, dea 
Selbstkostenpreis bei der Bewertung sowieso zu überschreiten. Unsere 
Streitfrage wird also nicht praktisch, b) Die Waren können nicht ver- 
kauft werden, weil der Absatz stockt, dann liegt aber die Frage eher 
folgendermaßen: Können diese lagernden Fabrikate mit dem Selbstkosten- 
preis überhaupt in die Bilanz eingesetzt werden, ohne gegen die Grund- 
satze des ordentlichen Kaufmanns zu verstoßen? Es kommt unseres 
Erachtens hier weniger darauf an, ob die Unkosten zugeschlagen werden 
dürfen oder nicht. '') o -o 

Auch die Gründe, die den Gesetzgeber veranlaßt haben, jene Be- 
stimmung aufzunehmen, sind vielfach unrichtig gedeutet worden Der 
Gesetzgeber wollte damit nicht die allg. Unkosten als Bestandteil der 
bilanzmäßigen Selbstkosten verbieten, sondern verhindern, daß dieselben 
als Anlagewerte unter die Aktiven aufgenommen wurden. In der Schweiz 
ist dies für die Organisationskosten für die Dauer von höchstens 5 [ahren 
ausdrücklich gestattet. (0. R. 656, Ziff 1.) Auf diesem Standpunkt steht 
vor allem Schmalenbach (a. a. 0. Seite 165): „Wenn unter „Kosten 
der Organisation und Verwaltung« im Sinne von H. G. B. § 261 Ziffer 4 
die Ausgaben zu verstehen sind, für die man das wirtschaftliche Akti- 
vum Zustand des Organisiertseins- erhält, dann können nicht zugleich 
die „Kosten der Organisation und Verwaltung'* im Sinne von Produk- 
tionskosten gemeint sein. Die ersteren sind Anlagekosten, die letzteren 
Unkosten Eine Ausgabe kann das eine oder das andere, niemals das 
^'"!, "i^ o f ^^ andere sem. Ist es richtig, was kaum bestritten werden 
wird daß der Gesetzgeber die Kosten der Organisation und Verwaltung 
als Anlagekosten treffen will, dann hat er eben diesen Begriff und 
nicht zugleich noch einen ganz anderen Begriff im Auge. 

Für meine Auffassung spricht nicht nur die Entstehungsgeschichte 
sondern auc h der Wortlaut. § 261 behandelt erst die Veräußerungsgegen- 

») Wir folgen dabei N i c k 1 i s c h (t. a. O. Seite 106). 
) Vergl. dazu C a 1 m e s (a. a. O. Seite 173 oben). 



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stände, dann die Anlagegegenstände und schließlich die Kapitalkonten 
Die Bestimmung über die Kosten der Organisation findet sich in Ziffer 4 
also unter den Anlagen .... 

Einige Kommentatoren tun so, als ob durch die sogenannten General- 
nnkostenzuschläge eine Hintertür geöffnet sei, durch die die verbotenen 
Aktiva des § 261, Ziffer 4, nun doch wieder Aktiva werden. Das ist un- 
richtig. Entweder ist eine Ausgabe geleistet für den Zustand des Organi- 
siertseins, dann darf sie nicht als Aktivum behandelt werden, mag der 
Zustand des Organisiertseins so viel wert sein wie er wolle. Oder aber 
sie ist geleistet als Produktionsunkosten, dann ist sie keine Ausgabe im 
Sinne des § 261, Ziffer 4. Man kann nun selbstverständlich nicht deshalb, 
weil die Kosten für das Organisiertsein nicht bilanzfähig sind, sie einfach 
umtaufen in Produktionskosten." 

Von den Abschreibungen ist nun drittens zu sagen, daß sie zu den 
allgemeinen Unkosten gehören. Allerdings müssen wir einige Einschrän- 
kungen machen. Derjenige Teil derselben, der über das erforderliche, den 
Umständen angemessene Maß hinausgeht, bildet eine stille Reserve und 
daher keinen Bestandteil der General Unkosten. Ebenso gehören diejenigen 
Abschreibungen nicht dazu, die sich auf Gebäulichkeiten beziehen, die dem 
Verkaufe dienen, ferner nicht diejenigen, die dadurch notwendig wurden,, 
weil z. B. durch außerordentliche Fälle (Ueberschwemmung, Erdbeben,. 
Maschinenbruch etc.) Anlagen außer Betrieb gesetzt wurden, oder doch 
erheblich an Wert einbüßten.') 

NVir sind daher mit Schmalenbach, Esser, Zimmermann und Fischer etc. 
der Meinung, daß ein angemessener Teil der allgemeinen Unkosten bei 
der Bewertung auch für die Aktiengesellschaft als Teil der Selbstkosten 
angesehen werden kann.*) Unseres Erachten s kommt es aber 
mehr darauf an, ob überhaupt zu den Selbstkosten bewertet 
werden darf, als auf die Streitfrage, ob die allgemeinen 
Unkosten aktivisch als indirekte Produktionskosten be- 
handelt werden dürfen. 

§ 12. Die Bewertung der Veräußerungsgegenstände. 

a) Im Allgemeinen. 

Wenn wir Scheffler („Ueber Bilanzen" in der Vierteljahrs- 
schrift für Volkswirtschaft, Politik und Kulturgeschichte Band 62, Berlin 
1879) dafür zu großem Dank verpflichtet sind, daß er in richtiger Er- 
kenntnis des Wesens der Bilanzwerte, jene fundamentale Einteilung in 
solche, bei deren Wertbestimmung dauernd nur der Eigentümer inter- 
essiert ist, und solche, bei denen dauernd oder vorübergehend andere 
mitinteressiert sind, vorgenommen hat, so können wir ihm andererseits 
einen Vorwurf hinsichtlich der Bewertung der zuletzt genannten Gegen- 
stände nicht ersparen. Er stellt nämlich den Satz auf: Für die Bewer- 
tung bezüglich der ersten ist der Anschaffangs- oder Herstellungspreis 
„der Kostenpreis", bezüglich der letzteren dagegen der Verkaufspreis 

Vergl. hiezu Srhmalenbach (a. a. 0. Seite 171/2), ferner Caimes (a. a. 0. 
Seite 172/3.) 

Anderer Meinung Bachmann (a. a. 0. S. 194), Simon (a. a. O. S. 344 ff.), 
Rehm (a. a. 0. S. 709 ff.) Mit Einschränkungen auch Caimes (a. a. 0. Ö. I6H ff.) 
und Folliet (a. a. 0. S. 90.) Für weitere Literaturao gaben vergl. Zimmermann 
(a. a. O. S. 231, Anmerkung 9.) 



49 

maßgebend. ^) Dieser Auffassung trat dann aber sehr energiscli und 
mit viel Geschick Dr. R. Fischer«) entgegen. Wir können seinen 
Standpunkt kurz folgendermaßen zusammenfassen: [Jißt man sich 
aber bei der Bewertung der Veräußerungsgegenstände von der 
Vorsicht leiten, so ergeben sich die Bestimmungen in i< 261, 
Ziff. 1 und 2, H. G. B., von selbst; denn andere Werte, als der 
Veräußerungs- und der Selbstkostenwert, lassen sich denkbarerweise nicht 
heranziehen, und das Gebot der Vorsicht kann dann nur dahin «^ehen, 
von den beiden Werten stets den zu wählen, der unter den jeweilit^en 
Verhältnissen der niedrigere ist, also bei Waren und Fabrikaten fast durch 
gehend den Anschaffungspreis. Ein Ueberschreiten des Selbstkosten- 
preises sollte niclit vorkommen, für ihn würde das eine prinzipwidrige 
Handlung bedeuten. Er muß zwar zugeben, daß, wenn auch vielfach, 
vorzüglich bei Gebrauchsgegenständen, sowie bei Halb- und (ianzfabrikaten] 
das strikte Einhalten des Selbstkostenpreises zu beobachten wäre, so doch 
keineswegs bei den zur Zeit der Inventur aufzunehmenden Vorräten an 
Rohmaterialien und auch nicht bei Waren in reinen ' Verkaufsgeschäften; 
hier könnte ein konstanter Brauch der Kaufleute, sich in den ( irenzcu 
der Selbstkosten zu bewegen, nicht behauptet werden, da sie l>ei steigenden 
Konjunkturen Rohmaterialien und Waren unter einer, wenn auch nicht 
erheblichen Steigerung des Selbstkostenpreises anzunehmen pflegten. 
Fischer ((Grundlagen, Seite 20) gibt uns dafür folgende Erklärung: „Ein- 
mal rechtfertigen die gestiegenen Warenpreise nach der Ansicht der Kauf- 
leute nicht etwa unmittelbar, auf Grund einer selbständigen Bewertung, 
sondern erst mittelbar, nämlich unter dem Ciesichtspunkte eines gegen 
die Regel verschobenen Selbstkostenwertes, das Einsetzen der Waren zu 
einem höheren, als dem Anschaffungspreise in die Bilanz. Zweitens: der 
Selbstkostenbegriff wird in der Praxis immer noch so respektiert, daß der 
Charakter der Bilanz als Selbstkostenberechnung aufrecht erhalten bleibt. 
Am Ende drittens: eine solche Bilanzierungsweise, die von der Praxis als 
ein nioht zu flagranter X'erstoß gegen das Prinzip der Selbstkostenberech- 
nung noch angesehen wird, ist und bleibt nichts destoweniger eben ein 
X'erstoß gegen das Prinzip.' Diesen Standpunkt von Fischer können wir 
nicht in vollem Umfange mit ihm teilen. Richtig ist, daß dem Selbst- 
kostenpreis eine große Bedeutung bei der Bewertung zukommt. Es ist 
dies historisch begründet und entspricht ebenfalls dem Wesen der Bilanz. 
Dagegen führt eine zu strikte Handhal)img dieses Prinzips zu ungerecht- 
tertigten wirtschaftlichen Härten, auch widerspricht es einer andern kauf- 
männischen Gepflogenheit, die dahin tendiert. (Gewinne wie Verluste der- 
jenigen Rechnungsperiode gutzuschreiben res[). anzulasten, in der sie wirt- 
schaftlich begründet wurden. Man wird uns einwenden, wie steht es aber 
dann mit dem Standpunkt des Gesetzgebers, der die Verteilung von noch 
nicht realisierten Gewinnen bekämpft.^ Wir wollen hier die Frage nicht 
naher untersuchen, ob der Gesetzg(?ber nur die Verteilung nicht realisierter 
^lewinne bei Betriebs- oder ebenfalls bei Veräußerungsgegenständen aus- 
srliließen wollte. Für die Schweiz hat das Obligationen recht wenigstens 
j'ei Wertpapieren die Berücksichtigung noch nicht realisierter Gewinne in 
''''deutendem Alaße sanktioniert, indem kurshabende Papiere zu dem Kurs- 

M Vergl. Siegfried Buff (a. a. O., Seite 76). 

a r^^ ^^ R. Fischer: Die Bilanzwerte, was sie sind, und was sie nicht sind, 

lA' 7o' ^®'^® ^^^ ^- I^crselbe: Ueber die Grundlagen der Bilantwerte. a.a.O., 
ocite 18 n. 

Hr. .T. Hotz: ,Die Jahresbilanz dor A. G." 



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werte angesetzt werden dürfen, welchen dieselben durchschnittlich in dem 
letzten Monate vor dem Bilanztage gehabt haben. Die Bestimmung wurde 
.schon öfters als zu weitgehend kritisiert, und als bessere Lösung vorge- 
schlagen für die Wertpapiere, wie im deutschen Handelsgesetzbuch, als 
Höchstgrenze den Anschaffungspreis, resp. den niedrigeren Tageskurs zu 
übernehmen. Diesen Vorschlag möchten wir bekämpfen, und zwar aus 
f«»lgenden (iründen: Es hat sich gezeigt, daß die Vorschrift des An- 
schaffungspreises als Höchstgrenze zu streng ist. Gewisse Unternehmungen 
kcmnen geradezu gezwungen werden, gegen ihren Willen und sogar gegen 
ihr Interesse, Wertpapiere veräußern zu müssen, um den eingetretenen 
Kursgewinn zu lukrieren. Viel imerfreulicher ist aber, wenn man dazu 
schreitet unlautere Manipulationen, sogenannte Schiebungen vorzu- 
nehmen, um die aktienrechtlichen Beweitungsbestimmungen zu umgehen.*) 
Auch in Deutschland hat es schon Stimmen gegeben, die auf die Nach- 
teile dieser gesetzlichen Bestimmung in § 261, Abs. 1, hingewiesen haben. 
Es wurde sogar die Vermutung ausgedrückt, die weitere Fassung der 
Bewertungsvorschriften im Schweiz. Obligationen recht für die Wertpapiere 
sei mit ein (irund für das Auswandern gewisser finanzieller Trustgesell- 
s( haften nach der Schweiz. Wir glauben hier an dieser Stelle für sämt- 
liche gesetzgeberischen Eingriffe in das wirt.schaftliche Leben sagen zu 
können. dalS, wenn es sich um wirtschaftlich notwendige Vorgänge han- 
delte, eine Einschränkung oder ein Verbot meistens unwirksam geblieben 
ist. Die Praxis behilft sich in verschiedener Weise, bald wandert sie mit 
ihren Geschäften ab, sofern dies nicht möglich ist sucht sie das Gesetz 
zu umgehen, indem sie Schiebungen, sogenannte Scheingeschäfte vor- 
nimmt, oder die geschäfdiche Transaktion in andere Formen kleidet. Für 
diesen letzteren Fall sei beispielsweise an die New- Yorker Börse erinnert. 
Um die Spekulation einzudämmen, hat man seinerzeit das Termingeschäft 
verboten und trotzdem gibt es wohl keine Bör.se, an der die Spekulation 
mehr blüht als gerade an der New- Yorker. Statt, daß wie früher nur 
von Termin zu Termin die Engagements liquidiert oder prolongiert wurden, 
geschieht dies jetzt täglich. Dies wird ermöglicht durch die Institution 
des täglichen Geldes (Call Money). Aehnlich' verhält es sich in Berlin 
für diejenigen Papiere, für die ein Verbot des Zeitge.schäftes besteht.«) 
Als Beispiel für die sogenannten Schiebungen wären Scheingeschäfte 

*) Vergl. hiezu Zimmermann, a. a. O., Seite 221/2. Ferner Stampf li 
Arthur: Schweizerische Investment-Trusts, Basel 1909, Seite 21/2, Heft 2, der 
Mitteilungen aus dem handeltwissenschaftlichen Seminar der Universität Zürich 
herausgegeben von Prof. Dr. G. Bachmann. Prof. Dr. V. Für 1 an: Die Bewertung 
der öffentlichen Anlehenstitres in den Bilanzen der Aktiengesellscbalten, im Bank- 
archiv, 9. Jahrgang, 1909/10, Seite 370, Fußnote 2: „Die Bewertung der Effekten 
nach dem AnscbaflFungspreise würde zu dem Zustande führen, daß dieselbe Effekten- 
art unter Umständen zu gleicher Zeit je nach dem Zeitpunkt der Erwerbung ver- 
schieden bewertet würde. Zudem würde sie, wenn der Anschaffungspreis tief unter 
dem Pariwerte steht, in Perioden dauernder Kurssteigerung ebenso zu € Verlusten» 
führen, wie in Zeiten dauernden Kursrückganges die jetzige Bewertungsmethode 
Bei dem jetzigen Stand der Gesetzgebung kann, wenn der Anschaf- 
fungswert tief unter dem Kurswert steht, durch gleichzeitigen Kauf 
und Verkauf der Effekten die Einstellung zum vollen Kurswert in 
die Bilanz erfolgen." 

Vergl. m. Schrift: Beiträge zur Lehre von Börse und Geldmarkt. Zürich 
1915, Seite 47 und 72/3, Heft 28, der Mitteilungen aus dem handelswisscnschaftlichen 
Seminar der Universität Zürich, herausgegeben von Professor Dr. G. Bachraann. 



zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften zu nennen, wo ja meistens 
.IfT Bilanztermin ein verschiedener ist. 

Wenn wir nun versuchen, eine allgemeine Formulierung für die hv- 
ucrtung der Veräußei ungsgegenstände zu finden, so kommen wir zu fol- 
gendem Resultat: In erster Linie kommt der Selbstkostenpreis 
in Betracht. Es entspricht dies der historischen Entwick- 
lung, sowie dem Wesen der Bilanz. Da es sich um Vermögens- 
:,^egenstände handelt, die alle einmal vernußert werden sollen, muß schon 
vor der Veräußerung auf diesen Verkaufspreis Rücksicht genommen 
werden. Man könnte von einer Diskontierung des künftigen Erlöses sprechen. 
Allerdings müßte dann unter Diskont jener Abzug verstanden werden, der 
sich zusammensetzt aus dem /ins für die / witsch enz ei t. ferner aber 
auch eine gewisse Kisikoprämie für den Fall eines Sinkens des Ver- 
kaufspreises init einschließt. Die Praxis verfährt aber gewöhnlich nicht so. 
\'on Ausnahmen abgesehen benützt der Kaufmann den Verkaufspreis ein- 
lach als Maßstab dafür, ob er mit gutem (Gewissen zum Selbstkostenpreis 
bilanzieren dürfe, oder ob er darunter gehen solle. Als zweites Ele- 
ment kommt also für die Bewertung der Veräußerungs- 
gegenstände neben dem Selbstkostenpreis der Markt- 
börsen oder sonstige Verkaufspreis als O rient ierungs- 
mittel i n B e t r a c h t. Nui ausnahmsweise, bei einer dauernden Erhöhung 
«Icr Verkaufspreise kann, nicht muß, der Selbstkostenpreis überschritten 
werden. 

b) Im Speziellen. 
Die Bewertung der Debitoren (Forderungen, stößt auf die größten 
Schwierigkeiten. Sie müssen zu ihrem Barwert eingesetzt werden.*] Dann 
aber muß auch ihre Sicherheit bei der Bew ertung berücksichtigt werden. 
Was uneinbringlich ist, also als verloren zu betrachten ist, muß abgeschrieben 
werden oder durch Einsetzen eines Korrekturpostens unter die Passiven, 
gewöhnlich Delkrederekonto«) genannt, ein Ausgleich geschaffen werden. 
Wie viel nun als uneinbnngbar zu verbuchen ist. läßt sich nur erfahrung*;- 
gcmäß feststellen. 

Bei den in Fabrikation sich befindenden und fertigen Waren müssen 
wir unterscheiden, ob es sich um solche handelt, die bereits bestellt sind, 
fiir die somit ein Verkaufspreis abgemacht worden ist, und solche, die auf 
r.ager hergestellt werden. Für die Bewertung der ensteren ergibt sich keine 
allzugroße Schwierigkeit, sie können zum' bekannten Verkaufspreis, d. h. 
die in Fabrikation stehenden, zum entsprechenden Anteil desselben bilanziert 
Werdens), sofern nicht die Vorsicht gebietet, im Hinblick auf eventuelle 
\ eHuste beim Abnehmer, einen niedrigeren Ansatz zu wählen. 

•) Vergl. Nicklisch, a. a. O. Seite 108/9. 

•) Oft findet man auch die Bezeichnung Delkrederefonds. Diese Bezeichnung 
ist dann ganz unrichtig, wenn es sich um einen Deckungsfonds für Minderwerte auf 
der Aktivseite handelt. Oft enthält er aber auch teilweise eine Reserve, und ist 
aann für diesen Betrag die Bezeichnung als Fonds unanfechtbar. 

») Vergl. die Ausführungen von Zimmermann (a. a. C, Seite 241 2), Bach- 
mann (a. a. C, Seite 194), Calmes (a. a. O., Seite 428/9.): „Deshalb darf dieser Ge- 
winn in die Bewertung verkaufter Fertigfabrikate wohl einbezogen werden . . Größere 
:x:]iwierigkeiten bietet die richtige Bewertung bestellter Halbfabrikate . . Richtiger 
erscheint mir daher die Bewertung zu den gesamten bisherigen Selbstkosten (inklu- 
Ih^. uv^a^""} ^"«ögl'ch eines Anteils am kalkulierten Gewinn, der zwischen dem 
aDzuschhcßenden Geschäftsjahre und dem Jahre der Fertigstellung, z. B. im Verhältnis 
2u den m beiden Jahren auf die betreffende Fabrikation verwendeten Löhne, oder 
sonst nach einem anderen geeigneten Maßstab, verteUt werden könnte 

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52 

Für die auf Lager fabrizierten Fabrikate kommt das, was wir als 
allgemeine Regel festgestellt haben zur Anwendung. Eine Höherbewertung 
als zum Selbstkostenpreis wird kaum in Frage kommen, es sei denn, der 
Fall liege so, daß die Firma zum bereits bedeutend höhern Verkaufspreis 
noch nicht verkaufen will, indem ein Sinken fast ausgeschlossen, das 
weitere Steigen aber sehr wahrscheinlich ist. Aber auch in diesem Fall 
wird man nie bis zum Verkaufspreise gehen, sondern immer eine gewisse 
Marge für eventuelle Preisrückgänge reservieren. 

Niclit sehr einfach liegen die Verhältnisse bei den sogenannten 
Q u a s i - V e r ä u ß e r u n g s ge g e n s t ä n d e n, die selber nicht, hingegen in 
einer andern Form (Waren) veräußert werden. (Saat, Kohle, Oel, Rohstoflfe, 
Hilfsstoffe, in Arbeit befindliche Fabrikate, wie auch solche Fabrikate, die 
der Betrit^b selber produziert, aber auch wieder selber verbraucht, also 
nicht zur Veräußerung gelangen.)') Auch bei diesen Quasi- Veräußerungs- 
gegenständen wird man zunächst vom Selbstko.stenpreis auszugehen haben. 
Besteht ein Markt-, Börsen- oder sonstiger Verkaufspreis, so wird man 
sich desselben (ebenfalls zur Orientierung bedienen. Ist ein solcher nicht 
vorhanden, wie z. B, meistens für in Arbeit l)efindliche Waren, so ist der 
Wert maßgebend, den der betreffende Vermögensgegenstand als Bestand- 
teil des betreffenden Cieschäftes hat. Dieser Wert ist ein subjektiver und 
unrd Geschäfts-Betriebs- oder Gebrauchswert genannt. Besonders befaßt 
sich Simon (a. a. O., Seite 362) mit der Bew^ertung der Halbfabrikate, 
die nicht marktijänijige Ware sind. Der Verkaufswert kommt für diese 
Vermögenswerte deshalb nicht in Betracht, weil eine Veräußerung vor- 
läufig nicht beabsichtigt ist. Nach ihm kommt für die Bewertung ein so- 
genannter besonderer V e r k a u f s w^ e r t in Frage: nämlich der 
Verkaufs wert der fertigen Ware abzüglich der auf die 
Fertigstellung noch zu verwendenden Kosten. Dieser beson- 
dere Verkaufswert ist nun offenbar zu hoch gegriffen.^) Es ist nicht an- 
t£ängig, den ganzen Reingewinn bereits voll zu berücksichtigen. Er ist 
erstens noch nicht ganz verdient, fällt also nicht mit seinem ganzen Be- 
trage der abgelaufenen Wirtschaftsperiode zu ; zw^eitens sollte für den Fall 
des Sinkens des Verkaufspreises doch eine gewisse Marge zwischen Her- 

Im übrigen gehört diese Frage zu denjenigen, die nicht prinzipiell entschieden 
werden können. Die Art der Bewertung bestellter Halbfabrikate wird immer von 
den Umständen und besonders von dem Grad der Fertigstellung der zu bewertenden 
Halbfabrikate abhängen. Ist die Fabrikation noch nicht sehr fortgeschritten, so wird 
diese Bewertung am besten zu den bisherigen Selbstkosten ohne die Einbeziehung 
von Unkostenzuschlägen und eines Gewinnanteiles stattfinden. Eine solche Bewer- 
tung wäre aber für Halbfabrikate, die beinahe fertig sind, unrichtig, weil dann der 
ganze Gewinn, dazu noch um den Betrag der nicht verrechneten bisherigen Unkosten 
erhöht, ausschließlich dem Jahre der Fertigstellung zugute käme." 

1) Reisch und Kreibig: Bilanz und Steuer, I.Band, Wien 1900, Seite 357, 
stehen wie Adam Smith auf dem Standpunkt, daß es sich bei erzeugten und weiter 
zu verarbeitenden Halbfabrikaten um Betriebs- und nicht um Veräußerungsgegen- 
stände handle. Sie nennen diese Halbfabrikate komplementäre Güter. Dieser Auf- 
fassung tritt Calmes Dr. A. (Der Fabrikbetrieb, 4. Aufl. a. a O., Seite 165) zutreffend 
entgegen: .,Auch die Zwischenprodukte und die Halbfabrikate sind meines Erachtens 
als Veräußerungsgegenstände anzusehen, da es sich hiebei um die Veräußerungs- 
absicht handelt, und diese in der Regel bei diesen Erzeugnissen vorhanden ist. In 
dieser Hinsicht besteht zwischen den Fertigfabnkaien einerseits und den Halbfabri- 
katen und Zwischenprodukten anderseits bloß der Unterschied, daß erstcre in ihrem 
augenblicklichen Zustand, letztere aber erst nach einer ße- oder Verarbeitung zur 
Veräußerung gelangen sollen." 

') Vergl. Calmes (Der Fabrikbetrieb, 4. Aufl., Seite 167). 



r»3 

Stellungskosten und Verkaufs|)reis offen gelassen werden. Calmes {der 
Fabrikbetrieb, 4. Aufl.. a. a. O., Seite 167 ) schlägt folgende Lösung vor : „Für 
die Bewertung der Halbfabrikate kann al.^o weder ilir Realisierungswert, 
noch ihr um die Kosten der Fertigstellung verminderter Verkaufswert als 
Fertigfabrikat in Frage kommen, und es bleibt denn nichts anderes übrig, 
als die Bewertung dem subjektiven Ermessen des Fabrikanten unter Wah- 
rung der üblichen kaufmännischen \^>rsicht zu überlassen. Dem ent- 
sprechend wird man in der F*raxis die nicht marktgän- 
gigen Halbfabrikate unter keinen Umständen höher be- 
werten, als zu ihrem Selbstkostenwert. Eine dahingehende 
kaufmännisciie Gepflogenheit kann als bestehend angenommen werden. 
h'ast alle Autoren sind hiezu übereinstimmender Ansicht, und auch Reisch 
und Kl eibig gelangen, wie oben erwähnt, obschon auf Grund einer ganz 
anderen Deduktion, zu demselben Bewertungsgrundsatz. Für die Aktien- 
gesellschaften und Kommandit-Aktiengcsellschaften ist überdies dieser 
Grundsatz gemäß H. (i. B. i? 260, Ziffer 1, Zwang.svorschrift." Wir sind 
mit Calmes nicht ganz einverstanden. Diese Halbfabrikate haben, wie wir 
schon oben angetcmt haben, einen Betriebswert. 

Im allgemeinen wird der Selbstkostenpreis i) mit dem Betriebsweri 
als übereinstimmend angenommen werden können. Es braucht dies aller 
nicht notwendig der Fall zu sein. So .sind folgende Fälle denkbar: Die 
Rohstoffe und I lilfsprodukte sind gestiegen und es werden voraussichtlich 
auch bedeutend höhere Preise für das fertige Fabrikat erzielt werden, dann 
darf der Selbstkostenpreis auch überschritten werden. Umgekehrt können 
die Roh- und Hilfs.stoffe gefallen sein, was unter Um.^tänden auf den Kauf- 
preis drücken kann ; in diesem Falle sollte dann vor allem ein niedrigerer 
Wert als der Selbstkostenpreis der Bilanzierung zu (irunde gelegt werden, 
wenn zwischen ihm und dem Verkaufspreis keine genügende Marge mehr 
besteht. ! esp. er ihn sogar übersteigt. Ein dritter Fall wäre der, daß zwar 
die Roh- und Hilfsstoffe* in ihrem Preise unverändert geblieben sind, die 
VerkaufspriMse sich hingegen nach oben oder unten bedeutend verändert 
haben, was zur Folge hätte, daß der Selbstkostenpreis in obigem Sinne 
eine iXbänderung erfahren kann. Wie wir später noch deudichcr sehen 
werden, kann eben hier bei den Gegenständen, tur die der Betriebswert 
in Anwendung kommt, einzig und allein auf das solide, reelle Vorgehen 
des gewissenhatten Kaufmimns abgestellt werden.*! 

•) Was wir darunter verstehen siehe in unscrn Ausfährangen des § 12. Vergf 
ferner Calmes, a. a. O., Seite 426. „Immerhin ist der Meinung eotgegenzutrcten, es 
müßten die Haibfabrikato unbedingt zu den Selbstkosten bewertet werden. Die 
Gefahr und die Unzulässigkeit eines solchen Verfahrens liegt auf der Hand, wenn 
man den Fall annimmt, daß die Konjunktur zurückgeht und die Preise fallen, o4er 
daß infolge von Betriebsfehlern und Betriebiunf&llen die Selbstkosten unverliältnis- 
mißig hoch sind. Dann ist eben unter den Selbstkosten zu bewerten, die SellMt- 
kosten sind bloß die zulässige Höchstgrenze der Bewertung." Ferner derselbe 
(Der Fabrikbetrieb, 4. Aufl.) Seite 167. 

') Diesem Gedankengang gibt auch Bachmann („Neue Züricher Zeitung" 
vom 29. November 1914) Ausdruck, wenn er ausführt: ^Den Industriellen fehlt gerade 
das, was verlangt werden will : ein sicherer Maßstab zur Wertung. Wir haben wohl 
für Rohstoffe unter Umständen Kursnotierungen, aber diese Rohstoffe, die wir zur 
Fabrikation ankaufen, anvertrauen wir nicht mehr dem Markte, sondern nehmen sie 
zu den übrigen Hunderttausenden von Werten von Materialien, die wir bereits in 
unserer Fabrikation haben. Dafür gibt uns auch kein Gesetzgeber bestimmte Weg- 
leitungen. Und doch hat man sich gerade in diesen Kreisen immer zu helfen gewußt: 
man weiß hier sehr wohl, wie man vorzugehen hat, wenn man solid bilanzieren will.'' 



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54 

Wenn wir nun zur Frago der Bewertung der Wertpapiere über- 
gehen, so müssen wir zugeben, daß unsere allgemeine Formulierung der 
Bewertungsregeln für die Veräußei ungsgegenstä'nde in der Schweiz weniger 
den Ciepflogenheiten des praktischen Lebens, wie auch nicht der Bestim- 
mung des Obligationenrechtes entspricht. Nach unten hin haben wir aller- 
dings eine ähnliche Regulierung. Sofern der An.schaflfungspreis höher i.st 
als der Durchschnittskurs des letzton Monats vor der Bilanzaufstellung, 
muß der letztere gewählt werden. Nach oben aber, in l ■ ebereinstimmung 
mit dem (besetz, wird nicht auf den Anschaffungspreis als Höchstgrenze, 
sondern auf obigen Durch seh nittskurs abgestellt. Die gesetzlicl:e Bestim- 
mung des Durchschnitt.skurses. wie sie das Schweizerische ( )l>ligationen- 
recht in Art. 656, Absatz 3, aufweist, ist in gewissen Fällen anfechtbar. 
Der Gesetzgeber, in richtiger Erkenntnis der Tatsache, daß beim Abstellen 
auf den Tageskurs mittels unreeller Manipulationen, der.selbr ungerecht- 
fertigterweise in die Höhe getrieben werden könnte, hat diesen Dinch- 
schnittskurs akzeptiert. Es ist aber möglich, daß ein Wertpapier fast den 
ganzen Monat vor der Bilanzaufstellung hindurch ungefähr zum gleichen 
Kurs notiert wurde, dagegen gegen das Ende wegen ungünstigen Nach- 
richten über die betreffend«^ (iesellschaft plötzlich sehr tief im Werte fallen 
kann. In diesem Falle muß eine Bilanzierung, die immerhin den gesetz- 
lichen Vorschriften gerecht wird, als zu hoch taxiert werden, indem dieser 
Durchschnittskurs unter Umständen bedeutend höher sein kann, als der 
wirkliche Veräußerungspreis des betreffenden Wertpapieres. Folliet 
(a. a. O., Seite 71), indem er auf obige Möglichkeiten Bezug nimmt, schlägt 
folgende Lösung vor: „En resume, le cours moyen peut etre superieur au 
prix de revient et aussi a la valeur actuelle reelle. C'est pourquoi nous 
rstimons les titres cotes en bourse doivent etre portes au cours moyen 
du mois qui precedt* Tinventaire, si cc cours ne depasse pas celui du jour 
de rinventaire et le prix de revient. Ils doivent etre portes au prix de 
revient si celui-ci est inferieur au cours moyen et au cours du jour, et 
enfin, ä la valeur actuelle, si celle-ci est inferieure au cours moyen et au 
prix de revient. 

11 y a en re.sumr trois prix qui peuvent .servir de ba.se a IVvaluation 
<les titres. le cours moyen, le cours du jour et le prix de re- 
vient, et c'est le plus bas (|ui doit servir de taux pour le 
calcul.'' 

.Auch diesem \^3rschlag können wir nicht zustimmen, und zwar aus 
folgenden Ueberlegungen : Ein Einsetzen überhaupt zum vollen Verkaufs- 
preis, Tage.skurs, halten wir für zu weit gegangen. Es .sollte immer zu 
< inem An.satz bilanziert werden, der gegenüber dem Tageskurs für un- 
vorhergesehene Ereignisse noch eine Marge übrig läßt. Wie groß die- 
selbe sein .<oll, läßt .sich nicht auf eine allgemeine Formel bringen Aul 
der andern Seite vertreten wir den Standpunkt, daß ein üeberschreiten 
nicht des \\^rkaufspreise.s, wohl aber des Anschaffungspreises gestattet 
sein soll. Es ist dies vor allem für die großen Effekten- und Handels- 
banken eine wirt.schaftliche Notwendigkeit. Die Wertpapiere dienen nämlich 
diesen Instituten zwei voneinander verschiedenen Zwecken: .sie sind ein- 
mal Ware, sollen also mit (Gewinn veräußert werden, ferner werden sie 
als liquide Aktiven betrachtet, kommen also unter diesem Gesichts- 
punkt nur unter gewissen Um.ständen zur Veräußerung. Ihr Charakter 
wäre folgendermaßen zu um.schreiben. Die Wertpapiere sollen veräußert 



OD 



werden, um einen Kursgewinn zu liefern, ist es aber auf der andern 
Seite möglich, wenigstens einen Teil dieses Kursgewinnes «ihne Veräuße- 
rung zu lukrieren, sind diese Institute sehr froh, dieselben Wertpapit re 
unter Umständen als liquide Vermögenswerte behalten zu können. 

Auch für die Wertpapiere sollte nach unserer Auffassung vom An- 
schaffungspreis ausgegangen werden. Dieser darf dann an Hand der Kurs- 
notierungen korrigiert werden. Ist der Kurswert») niedriger als der An- 
schaffungspreis, so soll dieser letztere erniedrigt werden und zwar so, daß 
zwischen diesem neuen Ansätze und dem in Betracht kommenden Kurs- 
wert noch eine den Umständen angemessene Marge übrig bleibt, i.st der 
Kurswert gestiegen, .so liegt die Sache umgekehrt. Der neue Bilanzwert 
darf den Änschaffimgspreis übersteigen, immerhin soll auch hier mit dem 
Wertansatz nie bis zum Kurswert gegangen werden, es würde dies einer 
soliden Bilanzierungsweise widei sprechen.*) Gleich sollen auch solche Wert- 
papiere behandelt werden* welche zwar keinen Börsenkurs hal»en, dagegen 
im freien Verkehr, wie ihn vor allem die Banken pflegen und dafür auch 
Kursnotizen herausgeben, gehandelt werden. ») Dagegen schreibt I'rey 
(a. a. O.): ,,Man wird vor allem aus feststellen müssen, daß von einem 
für die Bilanzierung maßgebenden „Kurswerte" nicht gesprochen werden 
kann, wenn etwa, wie es tatsächlich vorkommt, auf der Bahnhofstrafk- 
oder im Cafc^ Terrasse zwischen Börsenagenten vereinzeltt^ Kaufgeschäfte 
über eine Anzahl Aktien oder Obligationen dieser oder jener Gattung ab- 
ge.schlo.ssen werden : .solche Tran.saktionen entbehren der für ein regel- 
rechtes Börsengeschäft unumgänglich nötigen öffentlichen KontroUe uiul 
jener Zuverlässigkeit, wie sie nur aus der Wirkung von öffentlichem An- 
gebot und Nachfrage entspringen kann. Solche reinen Zufallskurse sind 
daher für die Bewertung der betreffenden Wertpapiere in den Bilanz«'n 
der Aktiengesellschaften auszuschalten." 

Alle übrigen Veräußerungsgegenstände richten sich nach 
den für diese Kategorie von Werten maßgebenden allgemeinen Bewertungs- 
regeln. Es ist vom Anschaffungs- resp. Selbstkostenpreis auszugehen. 
Dieser kann eventuell an Hand eines Markt-, Börsen- oder sonstigen Vti - 
kaufsprei.ses korrigiert werden; ist ein solcher nicht vorhanden, so ist der 
Wert maßgebenfl. den das Aktivum als Be.standteil des lietreffenden Ge- 
schäftes hat. 

;$ 13. Reformvorschläge hinsichtlich der gesetzlichen Be- 
wertungsvorschriften für die Veräußer ungsgegen ständr. 

Als Grundlage für die Bewertung der Veräußerungsgegenstände dient 
in erster Linie der Selb.sdv0.stenpreis. Zweitens kommt dann der Markt-, 
Bör-sen- oder .sonstige X^^rkaufspreis als Orientierungsmittel in Betracht. 

») Unter Kurswert in unterm Sinne verstehen wir einen vernunttigeii Dmdi- 
schnittskurs an Hand der Notierungen des letzten Monats vor der Bilansaulstellinic. 
Er soll den ungeflUiren Wert des in Frage stehenden Wertpapiers zum Autdraä 
bringen, also gewisse Zufälligkeiten nach unten und nach oben unberückticiltifft 
lasten. Das wäre in jenem Beispiel nicht der Fall, wo ein Papier gegea End« & 
Monats eine starke Baiste erleidet und sich dennoch für daatelbe ein vertdütnii- 
mäßig hoher Durchschnitttkurs ergibt In diesem Falle müßte dann ein bedenteod 
niedrigerer Kurs angenommen werden. Wie tief gegangen werden mufi, ergibt aicii 
aut den Umständen des einzelnen Falles. 

*) Ebenso Bachmann (a. a. O., Seite 193) „Eine soüde Biliaiierang wird 
mcht an diese oberste Grenze des Wertantatzes gdien." 

•) Vergl. Bachmann (a. a. O., Seite 193). 



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56 

Nur ausnahmsweise, bei einer dauernden Erhöhung des Verkaufspreises 
kann der Selbstkostenpreis überschritten werden. Bis zum Verkaufspreis 
wnd man aus Gründen der Vorsicht mit dem Wertansatz nicht gehen 
Anderseits wird es die Geschäftsgebarung des ordentHchen Kaufmannes 
verlangen bei Sinken des Verkaufspreises oder bei zu hohen Selbstkosten 
mit dem Wertansatz unter die letztern zu gehen. 

1 . Fertige Waren, oder solche, die sich noch in Fabrikation befinden 
können, sofern es sich um bestellte Waren handelt, zum abgemachten Ver- 
kaufspreis, resp. zum entsprechenden Anteil desselben, bilanziert werden 
Vieliach wird es angezeigt sein, nicht so weit zu gehen, indem man dem 
Kisiko beim Debitor Rechnung trägt. 

cc ^i.^}^ ''^' Q»^'^i-Ve^äußerungsgegenstände (Saat, Kohle, Oel, Roh- 
stoffe, Hilfsstoffe, in Arbeit befindliche Fabrikate, wie auch solche Fabrikate 
die der Betneb selber produziert, aber auch selber wieder verbraucht also 
nicht zur Veräußerung gelangen), haben ßetriebswert. Für sie kommt' der- 
jenige Wert in Betracht, den sie für das betreffende Geschäft haben. 

3. Für die Bewertung der kurshabenden Papiere gelten die oben an- 
gegebenen allgemeinen Grundsätze. Nur soll ein vernünftiger Kurswert 
eine Art Durchschnittskurs des letzten Monats vor der Bilanzierung als 
Orientierungsmittel herbeigezogen werden. Unter einem vernünftigen Kurs- 
wert verstehen wir einen solchen, der dem wirklichen Kurswert des Papiers 
möglichst entspricht. Wir wollen damit vor allem gegen den Durchschnitts- 
kurs von (). K., Art. 656, Absatz 3, Stellung nehmen, der bei bedeutenden 
Kursveränderungen im Laufe des Monats vor dir Bilanzaufstellunji ein 
ganz unbrauchbares Produkt darstellen kann. 

>? 14. Die Bewertung der Betriebsgegenstände. 

A. Im allgemeinen. 

Die Behandlung der Bewertung der Betriebs- oder Gebrauchsgegen- 
stände nimmt in der Literatur einen viel größeren Raum ein, als diejenige 
der \ eräußerungsgegen.stände. Dieser Umstand findet vor allem in zwei 
Momenti'n seine Begründung. Einmal ist es viel schwieriger, bei dieser 
Kategorie von Vermögenswerten allgemein gültige Richtlinien zu gewinnen 
indem der Veräußerungspreis, das sehr wertvolle und bequeme Orientierungs- 
mittel für die Bewertung der Veräußerungsgegenstände, hier nicht benützt 
werden kann. Es hat sehr lange gedauert, bis sich diese Erkenntnis vor 
allem in der bilanzrechtlichen und bilanztechnischen Literatur Bahn ge- 
brochen hatte. Das größte Verdienst gebührt hiebei neben Scheffler vor 
allem Dr. Hermann Veit Simon, der mit der Publikation seines viel 
zitierten Standardwerkes über die Bilanzen der Aktiengesell- 
schaften und der Kommanditgesellschaften auf Aktien im 
Jahre 1886 der eigentliche Begründer und bedeutendste Lehrmeister der 
Kilanzwi SS cn Schaft wurde. Ein zweitei (irund, der die ausführlichere 
Behandlung dieser Fragen wohl rechtfertigt, liegt in dem Umstand, daß 
die Anlagegegenstände in den Bilanzen der Aktiengesellschaften an Be- 
deutung stetig und in immer größerem Maße zunehmen.') 

Es ist eine fast entmutigende Tatsache, daß trotz des Umstandes der 
stallen Berücksichtigung gerade der Probleme bei der Bewertung der ße- 
tneb.sgegenstände, die Ansichten wenigstens äußerlich, auf den ersten Blick. 

') Vergl. unsere Ausführungen in § 6 b. 



57 

noch stark auseinandergehen. M ül 1er») charakterisiert den gegenwärtigen 
Stand der Bewertungsfrage mit folgenden Worten : „Dem im Bilanzwesen prak- 
tusch eiiahrenen Leser wird nicht entgangen sein, daß in jeder der vorstehend 
zitierten Aeußerungen der Fach.schriftsteller in mehr oder minder großem 
Umfang Ansichten enthalten sind, die den bei der bilanziellen Bewertung 
in der geschäftlichen Pra.xis lebendig werdenden Grundsätzen und Erwii^ 
gungen entsprechen. 

Schon aus der Tatsache der voneinander al)weichenden Meinungen 
deren jede sich auf begründete Ursachen stützt, darf man folgern, daß 
eine erschöpfende Beantwortung der die Bewertungslehre beben sehenden 
Grundfrage durch das Aufstellen eines allgemein gültigen Hauptgrund- 
satzes nicht möglich ist. Implizite folgt dies mehr oder weniger auch aus 
den weiteren Darlegungen, mit denen die Autoren ihren prinzipiellen Stand 
punkt in der Bewertungsfrage begleiten." Mit diesen Aeußerungen sind 
wir nicht einverstanden. Wenn wir uns trotz gewisser Bedenken entschlossen 
haben, ebenfalls einen Beitrag zu dieser vielumstrittenen Frage zu liefern, 
so liegt der (irund darin, daß wir den Versuch machen wollen, die ver 
schiedenen Auffassungen einander etwas näher m bringen. Wenn Kovero 
bemüht war, als Anhänger des objektiven Wertes, ein allgemein gültiges 
Hewertungsprinzip aufzustellen, so gilt es für uns. für die Anschauungen 
der X^ertreter des subjektiven Wertes eine gewisse Systematik zu finden. 
Unser Standpunkt ist in Kürze zusammengefaßt der folgende; Wir sind 
Anhänger der Zweiteilung der Vermögen.sgegenstände in X'eräußerungs- 
und Betriebswerte, l'ür die erste Kategorie "kommt dem Anschaffungs-, 
r(»sp. Herstellungspiiis im Zusammenhang mit dem Veräußerungswert eine 
aus.schlaggel)ende Rollo zu. Nur für die sog. Quasi- Veräußerungsgegenstände 
vorschiebt sich die Sache etwas, indem dort der Betriebswert mit hinein- 
spielt, weil ja eine Veräußerung vorläufig nicht beabsichtigt ist. Immerhin 
kommen sie, wenn auch in einer andern Form, schließlich doch zum Ver- 
kauf Der zukünftige X'erkaufspreis spielt somit, wenn auch nicht direkt, 
.-sondern dc»ch indirekt mit hinein. 

Anders liegen die X'eihältnisse nun bei den Betriebs- oder Ge- 
Inauchsgegonständon. Hier haben wir als in Betracht kommende 
Werte (Ion Anschaffungs-, resp. Herstellungspreis und den sog. (ie- 
brauchs- oder Betriebswert. Der erst ere wird am letztern und nicht 
an einem eventuellen Verkaufs- ( Veräußerungs-) wert korrigiert. Und zwar 
können wir gleich hier bemerken, daß der Anschaffungs-, resp. Herstel- 
lungspreis in der Praxis, in Uebereinstimmung mit den gesetzlichen Be- 
stimmungen in der .Schweiz wie in Deut.schland. nie lil^erschritten wird,«; 
Es kommt also nur eine Korrektur nach unten in Frage. Daß der An- 
schaffungs- und Herstellungspreis nicht üljor.schritten werden darf, ist ganz 
gerechtfertigt. \\<» sollte sonst die (irenze gezogen werden.- Und aufder 
andern Seite entspricht dieses Vorgehen auch vollkommen der w irtschaft- 
lichen Sachlage. Ohne zur Wräußerung zu schreiten, k^rnnte ein .Mehr- 
wert in den wichtigsten ballen auch gar nicht praktisch verwendbar ge- 
macht werden, und eine Realisierung ist gerade nicht beabsichtigt. Anders 
<lagegen verhält es sich bei der Abnahme des Betriebswertes. Dieser Um- 
stand wird (lein vorsichtigen Kaufmann nicht entgehen. Wir werden auf 
diese Frage später noch näher einzutreten haben. Zusammenfassend können 

Die kaufmännische Erfolg^rcchnung, a. a. O., Seite 177. 



4, 
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1- 



wir für die Betriebsgegenstände sagen: Für sie kommt als 
Orientierungsmittel durchwegs nicht der Vera ußer ungs-. 
sondernder sog. Betriebswert in Frage. Unseres Erachten s dreht 
sich der Streit um die Bew^itungsfrage bei den maßgebenden Bilanz- 
schriftstellern, die den speziellen Charakter der Betriebsgegenstände an- 
erkennen, nicht um die Frage, ob der Veräußerungs- oder der 
B e t r i e b s w e r t zur A n w e n d u n g k o m m e n soll, sondern um die 
Art und Weise, wie man diesen Betriebswert festzustellen 
hat, damit er von dem praktischen Kaufmann verwertet 
werden kann. 

B. Kritik der verschiedenen Be vvertungsprinzip ien für «lie 

B e t r i eb s g e g o n s t ä n d e. 

1. Uebersiclu über die verschiedenen BevvcMt u ngspri nz i pien. 
Wir können zwei Hauptgruppen von Auffassungen unterscheiden: 

a) Man verlangt, daß die Bewertung eine objektive sei, auf 
« »bjektiver Grundlage fuße. Ihre Anhänger schlagen demnach als He- 
wertungsgrundlage den Veräußerungswert als einen objektiven, wirklichen, 
wahren, gemeinen, reellen Wert vor. Eine andere Richtung lehnt diesen 
V^eräußerungswert ab und schlägt ihrerseits als einzig richtige Bewertungs- 
grundlage den gegenwärtigen, objekiven, volkswirtschaftlichen Anschaf- 
fungswert vor. 

ß) Noch mannigfaltiger sind die Anschauungen bei den \ ertretern 
eines mehr oder weniger subjektiven Betriebs-, Gebrauchs- oder (ieschäfts- 
wertes. Da haben wir einmal die ältesten Schriftsteller als Anhänger iles 
individuellen Gebrauchs- oder Betriebswertes. Eine weitere (iruppe will 
nicht so weit gehen und schlägt den individuellen Geschäftswert vor. 
Nicht der individuelle Geschäftsinhaber, sondern das individuelle Geschäft, 
in den Händen jedes verständigen Besitzers, soll maßgebend sein. Noch 
andere dokumentieren ihren subjektiven Standpunkt, indem sie direkt auf 
die subjektive Wertlehre der österreichischen Schule der Nationalökonomie 
Bezug nehmen. Die letzte (iruppe lehnt jede Anlehnung an einen sub- 
jektiven Gebrauchs-, Betriebs- oder Geschäftswert ab, betont dagegen eine 
auf kanfmännisrh-))raktische Ideen gegründete Bewertungsmethode. 

11 Seh rmati sehe Uelxrsichi über die verschiedenen 

15 e w e r t u n g s p r i n z i p i e n. 

b) Subjektiver Wert. 



1 



al Objektiver Wert') 

Veräußerungs wert, als «ib- 
jektiver, wirklicher, wahrer, ge- 
meiner, reeller Wert. (Knappe, 
Ring, Endemann.j 
2. (iegenwärtiger, objektiver, volks- 
wirtschaftlicher A n sc h a f f u n g s- 
wert. (Kovero, Fäs.) 



1. Individueller Gebrauchs- 
oder Betriebs w e r t. f Scheffler, 
Simon, Berliner.) 

2. Individueller Geschäfts- 
wert (nicht der individuelle Ge- 
schäftsinhaber, sondern das indi- 
viduelle Geschäft in den Händen 
jedes verständigenBesitzers ist maß- 
gebend). (Staub, Rehm, Lehmann.) 

«) Objektiv im Sinne der betreffenden Autoren, nicht nach der nationalöko- 
noDiischen Wert lehre. 



b) Subjektiver Wert. 

3. Subjektiver Gebrauchswert 
(wie die österreichische Schule 
der Nationalökonomie). (Reisch 
und Kreibig, Nicklisch.) 

4. Ablehnung der Lehren des subjek- 
tiven Gebrauchs-, Betriebs- oder 
Geschäftswertes, Betonung einer 
auf kaufmänn.-praktischen 
Ideen gegründeten Bewer- 
tungsmethode. (Fischer,Schma- 
lenbach, Passow, Zimmermann, i 

Hl. Kritik der verschiedenen Bewertungsprinzipien. 
a) Objektiver Wert. 1. Als Anhänger einer Bewertung auf 
( irund des Veräußerungswertes sind vor allem zu nennen Knappe») und 
Ring«). Nach Endemann ist der effektive, zur Zeit der Aufnahme des 
Inventars wirklich vorhandene Wert maßgebend. Hiemit wird im allge- 
meinen der sofortige Veräußerungswert gemeint; betreffs der W^aren be- 
umt er doch, daß diese nicht nach einem zu erhoffenden Verkaufspreise, 
sondern nach dem Anschaffungspreise bewertet werden sollten, wobei 
.Vbzüge für die Wert Verminderung durch die Lagerung u. s. w vorzu- 
nehmen seien.3) In der ersten Zeit nach Erlaß des Handelsgesetz! >uches 
wurde in der juristischen Literatur ganz allgemein*) die Ansicht veitrcten, 
daß die Vermögensgegenstände mit dem Betrage in die Bilanz eingesetzt 
werden müßten, zu dem sie veräußerbar seien. Maßgebend sei ihr Reali- 
sierungs-, Liquidations-, Verkaufs-, Verkehrs-, gemeiner, objektiver Wert, 
ihr objektiver Tauschwert. Diese Auffassung wui^de auch von dem höchsten 
( xerichtshof, dem Reichsoberhandelsgericht (Entscheidung vom 3. Dezember 
1873) vertreten.*) Abgesehen davon, daß ein .solches Bewertungsprinzip 
m der Praxis auf harten Widerstand stoßen wurde, weil es zu ganz imge- 
rechtfertigten wirtschaftlichen Härten führen müßte, wird sein Zweck auch 
nur in unbefriedigendem Maße erreicht. Die Befürworter des Veräußerungs- 
wertes wollen eben eine objektive Bewertung erzielen.*) Dies ist aber 
mit den besten Willen nicht bei allen Vermögensgegenständen tnöglich. 
Bei verschiedenen Betriebsgegenständen, wie Grundstücken, Gebäuden etc., 
ist eine nur annähernd genaue Feststellung des V^erkaufswertes unmöglich' 
Mit einer Bewertung zum Verkaufspreis, die ein objektives Resultat, wirk- 
liche Werte liefern sollte, kann gerade das Gegenteil erreicht werden, 
üebertreibungen, ja sogar fiktiven Wertansätzen würde damit Für und 
Tor geöffnet. Auch widerspricht es absolut dem Charakter der Betriebs- 

^ n'\*^1^LP®o9"^= ^»« Bilanzen der Aktiengesellschaften ©tc. Hannover 
und Berlin 1903, Seite 90/2. 

")RingViktor: Das Reichsgesetz betreffend die Kommanditgesellschaften 
auf Aktien und die Aktiengesellschaften vom 18. Juli 1884, 2. Aufltge Berlin 1893 
Seite 604. ^ ' 

») Handbuch des deutschen Handels-. See- und WechselrechU 1 Band 
Seite 244/5, xitiert nach Kovero (a. a. O., Seite 73). 
*) Simon (a. a. O., Seite 290). 

*)PassowR.: Die Bilanzen der privaten Unternehmungen. Leipsig 1910, 

beite 85. 

•) Vergl. auch die Ausführungen über den objektiven Wert von Buff (a a.O 
i^eite 81/2). 



1 



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60 

i^ej^enstände als Aufwendungen, wenn man mit dem Wertansatz über den 
Anschaffungspreis geht, 

Aehnliches muß 2. von dem gegenwärtigen, objektiven, volkswirt- 
schaftlichen Anschaffungswet t als Bewertungsgiundlage gesagt werden. Sein 
erster Befürworter war Dr. Ilmari Kovero mit seinen sehr interessanten 
Untersuchungen über „die Bewertung der Vermögensgegenstände in den 
Jahresbilanzen der privaten Unternehmungen etc." (a. a. O.) Koveros Be- 
wertungslehre wurde dann von Fäs^ akzeptiert. Beide Abhandlungen be- 
weisen wie man eben, je nachdem man den Zweck der Bilanz verschieden 
auffaßt, zu ganz verschiedenen Resultaten kommen kann. Beide Autoren 
legen ein besonderes Gewicht auf die Vergleichbarkeil der Wertansätze 
hl der Bilanz. Wir können ihnen den Vorwurf nicht ersparen, daß sie sich 
zu weit vom Wesen und auch von dem, was die Bilanz in Wirklichkeit 
ist, entfernt haben. Passow*) hat zu den Ausführungen Koveros Stellung 
genommen. Seiner meistens sehr zutreffenden Kritik entnehmen wir fol- 
gendes; Eine Vergleichung des X'ermögens verschiedener Unternehmungen 
zu ermöglichen, kann schon deshalb nicht der Zweck der Bilanzen sein, 
weil in Wirklichkeit weitaus die meisten Bilanzen gar nicht veröffentlicht, 
sondern ängstlich als Cieheimnis gehütet werden. Zu was für ganz un- 
l)rauchbaren Resultaten ferner eine Bewertung zum gegenwärtigen objek- 
tiven Anschaffungswert führen kann, veranschaulicht er an dem Beispiel 
einer großen Ueberlandszentrale. Je nach den Schwankungen des Kupfer- 
j)reises würde sich der „gegenwärtige Anschaffungswert" dieser Leitungen 
von Jahr zu Jahr außerordentlich verändern, und damit würden Büanzen. 
die diese Aenderungen alljährlich berücksichtigten, ein vollständig anderes 
Ergebnis /eigen, als das der geschäftlichen Auffassung vom Wesen des 
( ieschäftsertrages entspricht. =') 

Aber auch dann, wenn man Kovero prinzipiell zustimmen würde, 
ergäben sich wieder ähnliche Schwierigkeiten bei der Feststellung des 
gegenwärtigen objektiven Ansclvaffungswertes, wie wir dies gesehen haben 
1)eim Veräußerungswert. Kovero äußert sich hiezu auf Seite 121/2 seines 
Buches wie folgt: „Was die Durchführung dieses Prinzipes betrifft, ist zu- 
näch.^^t zu beachten, daß für alle Vermögensgegenstände, welche einen 
Marktpreis oder Börsenpreis haben, wie Waren, Effekten u. s. w., die 
Bilanzwerte auf Grund dieser zu bestimmen sind. Für die Detaillisten 
kommen hiebei die für dieselben auf dem Markte geltenden Anschaffungs- 
preise, für die ( irossisten die für diese geltenden in Betracht u. s. w., be- 
treffs der Pnxiuzenten sind die Marktpreise für die Anschaffung der Roh- 
und Hilfsstoffe zu berücksichtigen. Betreffs solcher Vermögensgegenstände, 

Die Berücksichtigung der Wertminderungen des stehenden Kapitals etc. 
(a. a. O.). 

') Passow R. : Ueber die Bewertung der Betriebsanligen in den Bilanzen, im 
Bankarchiv, 13. Jahrgang 1913/4, Seite 150 ff. 

^) Es muß allerdings gegen Passow bemerkt werden, dalS Kovero die un- 
gunstige Beeinflussung des Geschäftsertrages dadurch zu umgehen sucht, daß er in 
origineller Weise die nicht realisierten Gewinne und Verluste von den realisierten 
in dpr Bilanz getrennt aufführt. (Kovero, Seite 204 ff.) Es ist dies sicherlich eine 
gewisse Entkräftung des Arguments von Passow. Anderseits wäre es doch eine 
ziemlich große Zumutung an die Kaufmannschaft, wollte man diese Ausscheidung 
von ihr verlangen, wenn man doch d^nn wieder zugeben muß, daß das gewünschte 
Resultat nicht zu erreichen ist, weil die Feststellung des objektiven Antchaffungs- 
wertes sehr oft nur mit „wenig objektiven*' Schätzungen möglich wird. Vergl. 
auch die Kritik der Koveroschen Abhandlung bei B uff (a. a. O., Seite 88, Fui&note 4). 



61 

welche keinen eigentlichen Marktpreis haben, wie die Immobilien, ist der 
gegenwärtige gemeine auf Grund der zuletzt im allgemeinen bezahlten 
Preise zu ermittelnde Anschaffungswert für die Bewertung maßgebend. In 
solchen Fällen wiederum, in denen ein neuer gegenwärtiger Anschaffung.s- 
preis überhaupt nicht ermittelt werden kann, muß der ursprüngliche Preis 
als auch gegenwärtig geltend angesehen werden/* 

b) Subjektiver Wert. 1. Die Hauptvertreter eines sog. indivi- 
duellen Gebrauchs- oder Betriebswertes sind Scheffler und Simon. 
Wir kennen Scheffler') bereits aus unseren Ausführungen in i> 6 über 
stehendes und umlaufendes Vermcigen (Betiiebs- und Veräußerungsgt^gen- 
stände). Er ist bekanntlich der Begründer jener für die Bewertungsfragi 
fundamentalen Einteilung der Vermögenswerte in zwei Hauptkategorien, die 
dann von Simon die zutreffenden Bezeichnungen Veräußerungs- und Be- 
triebsgegenstände erhalten haben. Er ist der erste der von der Auffassung, 
daß für alle Aktivpo.sten der Bilanz der Veräußerungswert maßgebend sei, 
bewußt und entschieden abgewichen ist. „In einer bisweilen etwas unklaren 
und unglücklichen Ausdrucksweise führt er vor allem folgendes aus, das 
für uns sehr wichtig ist : Art. 31 gebe keine genaue Definition des Wertes. 
Das sei eine legislatorische Weisheit, denn für einen und denselben (gegen- 
ständ ergebe sich ein verschiedener Wert, je nach dem Gesichtspunkt, 
unter dem man den Gegenstand betrachte. Der Zweck des Gegenstandes 
sei das wesentlich Bestimmende bei der Wertermittlung. Für die Bilanz 
komme als Wert eines (Gegenstandes in Betracht „sein Gebrauchs- 
wert in der Hand des Gebrauchers unter den gegebenen 
Umständen", also der Gebrauchswert, welchen der Gegenstand „für 
den Besitzer hat''.-) Scheffler charakterisiert die beiden großen Klassen 
der Vermögensgegenstände so, daß bei der ersten an der Wertbestimmung 
dauernd nur der Eigentümer interessi<Mt ist, bei der zweiten dagegen dauernd 
oder vorübergehend andere mitinteressieit sind. Zu der ersteren Klasse 
gehöie „der ganze arbeitende Apparat, die sog. Anlage, bestehend aus dem 
Immobiliar und dem eisernen Inventar von Geräten, Hilfsmaschinen u. s. w., 
überhaupt alles das, was nur als Mittel zur Vollführung des Zweckes der 
Unternehmung da ist und demnach, solange der letztere Zweck besteht, 
auch dauernd da sein muß**. Zur zweiten Klasse rechnet er „im wesent- 
lichen diejenigen Objekte, welche von dem (iesamtbesitz unter Umständen 
abgetrennt und veräußert werden kiWmen otler sollen**. Für die Bewer- 
tung sei bezüglich der ersteren der Anschaffimgs- oder Herstellungspreis, 
bezüglich der letzteren dagegen der \'eräußerungs- oder Verkaufspreis 
maßgebend. Wenn die ersteren abgenutzt seien, solle der entsprechende 
Betrag vermindert werden, aber andere Wertveränderungen») (durch Kon- 
junkturen u. s. w.) seien nicht zu l)erück'sichtigen.*) 

') Vergl. seinen Aulsati: „Ueber Bilanzen' , m der Vier teljahresschrift für Volks- 
wirtschaft, Politik und Kulturgeschichte, 62. Band, Berlin 1879, Seite 22—25. 

*) Zitiert nach Passowia. a. O.. Seite 86/7), dessen Verdienst es ist, als erster 
weitere Kreise auf die Ausführungen Schefflers hingewiesen zu haben. 

») Die betreffende Steile besagt: Trete an diesen Gegenständen eine AbnuUung 
ein, so mindere die Abnutzung den Wert (und zwar um den Kostenpreis, welcher 
aufgewendet werden muß, um den Abgang zu decken oder den ursprünglichen 
Apparat wieder herzustellend Andere Wertveränderungen kämen nicht in Betracht. 
„Nur durch diesen Verlust an objektivem Bestände, nicht durch Konjunkturen, Preis- 
veränderungen, Rentabiliiätsschuankungen und beliebige andere Zeit Verhältnisse kann 
sich der Wert des Immobiliars und des arbeitenden Apparates in der Bilanz ändern.' 
(Passow, a. a. O., Seite 88.) 

*) Vergl. Passow (a. a. O.. Seite 87/8). Kovero a. a. O., Seite 73'4.) Buff 
(a. a. O., Seite 75/6). Fäs (a. a. O., Seite 26). Hiezu kritisch Buff (a. a. O., Seite 76. 



f 



62 

In einem ähnlichen Gedankengang wie Scheffler, bewegt sicli S i m on. 
Wir sind, wenigstens im Prinzip, Anhänger seines individuellen Gebrauchs-, 
resp. Betriebswertes. Wir werden nunmehr unsere Ausfuhrungen so gliedern, 
daß wir zunächst in kurzen Zügen eine Darstellung der Simonschen Be 
wertungslehre für die Betriebsgegenstände zu geben versuchen, um dann 
zusammenfassend unsere Kritik folgen zu lassen. 

7.) Hauptpunkte der Simonschen Bewertungslehre für die 

Betriebsgegenstände. 

„Ist es unrichtig, den allgemeinen Verkehrswert als Prinzip oder auch 
nur als Regel der Bilanzansätze anzusehen, so ist es auf der anderen Seite 
notwendig, einen gemeinsamen Gesichtspunkt zu finden, aus welchem die- 
selben erklärt werden können. Denn durch die Bilanz soll der augen- 
blickliche Wert des Vermögens gefunden werden, und es müssen daher 
einheitliche Grundsätze über den Wertansatz vorhanden sein; 

sonst würde dieBilanz in Einzelposten zerfallen, für welche 
der Vergleichungsmaßstab fehlt." 

Jenes einheitliche Prinzip läßt sich nur aus der Natur der Bilanz er- 
klären. Sie soll die Darstellung des Vermögens einer bestimmten Persön- 
lichkeit bilden. Losgelöst von dieser F*ersönlichkeit nehmen die einzelnen 
Vermögensobjekte einen anderen Charakter an ; manche sind überhaupt 
nicht übertragbar, noch mehr aber verändern ihren Wert in zweiter Hand. 
Was für den einen nur als Obrauchsgegenstand in Betracht kommt, ist 
für den andern nur als Veräußerungsgegenstand von Bedeutung. Was der 
eine mit Rücksicht auf seine Beziehungen oder seine Stellung in der Ge- 
schäftswelt zu hohem Preise zu veräußern in der Lage ist, kann der andere 
nur zu erheblich niedrigerem verkaufen. Dieselbe Sache kann für ver- 
schiedene Personen verschiedenen Gebrauchswert haben, je nach den 
Mitteln, welche sie auf die Sache zu verwenden in der Lage sind, und je 
nach den Zwecken, welche sie verfolgen. 

Nun ist es aber für den Kaufmann, für den Aktienverein, welcher 
sich ein Bild von seiner Vermögenslage machen will, völlig gleichgültig, 
welchen Wert nne Sache, die er besitzt, in der Hand eines anderen hat, 
oder welchen Gebraucliswert eine Sache hat, welche er zur Veräußerung 
erworben hat. Verändert der Kaufmann die Bestimmung des Gegen- 
standes, so ändert sich für diesen hiedurch die Wertgrundlage; muß er 
z. B. aus irgend welchen Gründen ein industrielles Unternehmen, das er 
fabrikmäßig betrieben hat, veräußern, so kommt von dem Zeitpunkt an, 
in welchem er den Entschluß hiezu gefaßt hat, nicht mehr der Gebrauchs-, 
sondern nur noch der Realisationswert in Betracht. 

Hienach können wir den Wert, welcher für die Bilanz maßgebend 
sein muß, als den individuellen Wert bezeichnen. Es ist dies 
der besondere Gebrauchs- oder Verkehrswert. Ob Gebrauchs- 
oder Verkehrswert maßgeblich, ist Tatfiage und hängt von dt r Bestimmung 
des Gegenstandes ab. 

Der indi\ iduelle Wert ist keineswegs ein willkürl icher; 
im Gegenteil: er erheischt die sorgfältigste Prüfung. Denn es ist in jedem 

Fußnote 1): Unter Kostenpreis versteht er im wesentlichen den Kaufpreis. Hier 
will jedoch Scheffler (Seite 25 ff.) bei der Bewertung später nur Wertminderungen 
durch Abnutzung, Verlust am Bestände oder an der Substanz berücksichtigt wissen 
nicht aber den Einfluß von Konjunkturen, Preisveränderungen u. s. w., eine Auf- 
fassung, die wir natürlich nicht teilen können. 



f»H 

einzelnen Kall zu untersuchen, welche Gesichtspunkte mit Rücksicht auf 
das Bilanzsubjekt für entscheidend zu erachten sind, und erst hienach 
dar! der für das Bilanzobjekt anzusetzende Wert berechnet werden.^) 

Ferner führt Simon (a. a. O., Seite 408) aus: „Wir haben im 
vorstehenden gesehen, daß die Betriebsgegenstände tatsächlich und ge- 
setzlich zu einem Betrage angesetzt werden, welcher sich aus dem Unter- 
schied zwischen Erwerbspreis und der verhältnismäfMgen .Minderung des 
Betriebswerts ergibt." 

Ist dies nun in der Tat der besondere Betriebswert r 

Die Frage muß für die Bilanz bejahend l)eantwortet werden. 

Mit dem Augenblicke, in welchem der Kaufmann einen dauernd zum 
Betrieb bestimmten Gegenstand erwirbt, kommt für ihn nur noch in Be- 
tracht, daß er ihn haben und benutzen kann, und zwar in demjenigen 
Zustande, weichet für ihn im Erwerbszeitpunkt maßgebend war. Sow^eit 
m diesem Zustand aus tatsächlichen oder rechtlichen (Gründen eine Ver- 
schlechterung eintritt, verringert sich allerdings der Betrieliswert für den 
Besitzer. Es müssen die erforderlichen Anstalten getroffen werden, um 
den Verlust l)ei teilweiser oder gänzlicher Abnutzung auszugleichen. ' Atis 
den in § 105 dargelegten (iründen kann der Betriebswert sinken. Der 
individuelle Wert des Betriebsgegenstands ist daher der 
Krwerbspreis abzüglich der Minderung des Bet riebswerts. 

(51 Kritik der Simonschen, sowie der übrigen Bewertungs- 
lehren für die Betriebsgegenstände. 
Simon ist von verschiedenen Seiten stark angegriffen worden, so 
vor allem von Fischer, Passow, Zimmermann und Kovero. Die Einwen 
düngen, die von diesen Autoren gemacht werden, sind unseres Erachtens 
aber nicht immer zutreffend. Die letzten drei Autoren werfen Simon vor, 
daß er gar nicht angebe, wie sein individueller Gebrauchswert überhaupt 
festzustellen sei. (ianz unvermittelt gebrauche er bei der Besprechung des 
Wertansatzes der einzelnen Bilanzposten den Ausdruck „Betriebswert", 
ohne denselben zu definieren und ohne darauf hinzuweisen, daß „Betriebs- 
wert" ein Synonym sei für Gebrauchswert.-^) In der Tat wendet Simon 
diese Bezeichnung zum ersten Male auf Seite 399 in der Randbemerkung 
an. Mit Butt sind wir der Ansicht, daß die Ausführungen Simons nicht 
den geringsten Zweifel daiüber aua-ommen lassen, daf.s er diese beiden 
Ausdrücke im gleichen Sinne angewendet wissen will. Das ergibt sich 
vor allem aus dem Umstand, daß es sich Seite 399, wo er diesen Betriebs- 
wert einführt, um die Bewertung der sogenannten Betriebsgegenstände 
handelt. Ob er die Namensänderung bewußt, d. h. absichtlich vorgenommen 
hat, ist nicht feststellbar. Wenn wir uns aber dariiber klar werden, daß 
es sich bei dem individuellen Gebrauchswert der Betriebsanlagen um einen 
Wert handelt, der auf Grund praktischer, kaufmännischer Erwägungen 
ermittelt werden .soll, so erscheint uns die Bezeichnung „Betriebswert • 
eher eine Veri^esserung der Terminologie. Ks ist unleugbar, daß es sich 
um einen ( Gebrauchswert handelt, doch sind dem tVeien Schätzen, der zu 
individuellen Festsetzung dieses Gebrauchswertes mit Rücksicht auf prak 
tische Erwägungen, auf die Brauchbarkeit nämlich für Bilanzzwecke «e- 

Simon (a. a O., Seite 303/5). 

') Zimmermann (a a. O.. Seite 266/7), Kovero (t. a. O., Seite 76/7). 
Passow (a. a. O., Seite 91). ' 



1 



6+ 



wisse Schranken »gezogen. Wir vertreten die Auffassung, daß der 
nationalökonomische und der privatwirtschaftliche (bilanz- 
mäßige) Gebrauchswert allerdings nicht artverschiedene, wohl 
aber fipadverschiedene Begriffe darstellen, indem beim 
ersteren die (Frenzen weiter gezogen sind, der letztere dagegen, 
mitRücksicht eben auf seine Verwendung für dieBilanz, merk- 
liche Einschränkungen erfährt. Simon gibt uns ganz zutreffende 
Ausführungen darüber, was den Betriebswert bestimme. So behandelt er 
eingehend folgende sehr wichtige Punkte: Höhe des Wertansatzes, Ver- 
äußerungswert nicht Mindestbetrag, die Abnutzung, die Substanzverringe- 
rung, die ßrauchl>arkeitsverminderung, Reparaturen, Verbesserungen etc. 
Sehr beachttMiswert ist, was er in § 105, Seite ,399, schreibt. Es handelt 
sich um jenen Abschnitt, den er in der Randbemerkung folgendermaßen 
charakterisiert: Notwendigkeit der Ab.schreibung we^en jeder Minderung 
des Betriebswerts, Abnutzung nur eine Art dieser Minderung. Dort heißt 
^'^,. y^: 18,^) a. Ziff. 3, 239 b. des Aktiengesetzes (vergl. jetzt i<§ 261, 
Zift. 3, 320 X. H, Ci. B.) gingen davon aus, daß Anlagen etc., welche 
dauernd für den Betrieb bestimmt sind, nach der bisherigen Praxis 
schlechthin zu dem Erwerbspreise eingesetzt wurden, wenn nur ein der 
körperlichen Abnutzung entsprechender Betrag in Abzug gebracht 
wurde. Diese Voraussetzung war aber nicht völlig zutreffend. Mit der 
lierrschenden deutschen Theorie, welche den „objektiven Wert" für maß- 
gebend erachtete, stand die Praxis der Aktienvereine insofern in Wider- 
spruch, als diese ihre Betriebsgegenstände nicht nach dem jeweiligen Ver- 
äußerungswert ansetzten. Dagegen kann sich der individuelle Wert 
der Sache für die Gesellschaft außer durch Abnutzung auch 
noch aus mannigfachen anderen Gründen ändern, welche bei 
der Bilanzaufstellung berücksichtigt werden müssen und stets 
berücksichtigt wurden.') 

Auf diese Tatsache wurde nicht immer in ausreichendem Maße hin- 
gewiesen. Es ist unstreitig das Verdienst Simons, auch hier mit der nötigen 
Klarheit und Sachkenntnis an die Behandlung des Problems der Bewertung 
der Betriebsgegenstände herangegangen zu sein. 

Es handelt sich also um zwei Hauptkategorien von Ursachen für 
die Abnahme des Betriebswertes: 

1** die materielle Abnutzung, 

2^ was wir als immaterielle Abnutzung bezeichnen wollen. 

Für die zweite Art dt:r Abnutzung gibt uns Simons) folgendes 
Beispiel: Es kommt sehr häufig vor, daß der Staat oder die Gemeinde 
einer i)rivaten (iesellschaft die Konzession erteilt, gewisse Unternehmungen 
zu bauen und zu betreiben (Transportunternehmungen: Tram, Eisen- 
bahn etc.). Nicht selten wird an die Konzession die Bedingung geknüpft, 
daß nach Ablauf z. B. der Konzessionsdauer die betreffendellnternehmung 
zu einer zum voraus abgemachten Summe oder gar gratis an den Staat, 
resp. die Gemeinde heimfallen soll. Man muß hier im ersten Falle die 
Betriebsgegenstände bis auf die abgemachte Summe, im letzteren dagegen 
vollständig amortisieren. 

Ein anderer Fall für diese zweite immaterielle Abnutzung liegt dann 
vor, wenn ein ßeiriebsgegenstand eine Entwertung erföhrt, die ihre 

'» Dies vor allem gegen Scheffler (a. a. O., Seite 25) 
^ a. a. O., Seite 401/2. 



65 

Ursachen ebenfalls nicht in einer materiellen Abnutzung im Betrieb hat. 
Hiezu folgende Beispiele: Eine Gebäulichkeit, die der Herstellung eines 
speziellen Produktes diente, kann zu diesem Zwecke nicht mehr verendet 
werden, weil die Fabrikation des betreffenden Artikels aus irgend einem 
Grunde eingestellt wurde. Dieses Gebäude werde nun als Schuppen ver- 
wendet Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Betriebswert desselben nicht 
mehr der gleiche ist er kann gesunken, ausnahmsweise auch gestiegen 
sein. Aufjeden Fall hat die eventuelle Entwertung mit einer körperiichen 
Abnutzung nichts zu tun. Ein noch lehrreicheres Beispiel liegt dann vor 
wenn auf emem Gebiete neue leistungsfähigere Maschinen erfunden werden! 
Theoretisch mußte diesem Umstand in Form einer Abschreibung keine 
kechnung getragen werden, wenn bloß der Veräußerungswert gesunken 
ist.;) Es ist ja möglich, daß die betreffenden alten Maschinen im Betriebe 
weiter verbleiben, daß eine eventuelle kleinere Leistungsfähigkeit bei den 
Maschinen durch andere Umstände (billigere Arbeitskräfte, bessere Ge- 
schäftsorganisation etc.) kompensiert werden kann. Nur wenn dies nicht 
möglich sein sollte, die Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens abnehmen 
wurde mußte wegen diesem Umstände, der Abnahme des Betriebswertes, 
die Abschreibungsquote vergrößert werden. 

Mit den Ausführungen Simons, hinsichdich der Erklärung seines 
Betriebs wertes sind wir durchaus einverstanden. Er unterstreicht 
zutreffend, daß es nicht auf die Verminderung des Ver- 
außerungswertes, sondern in erster Linie auf die Abnahme 
d e s B e t r 1 e b s w e r t e s a n k o m m e. Das schließt natüriich die Zulässi?- 
keit, auch bei bloßem Sinken des Verkaufswertes von Betriebsanlagen 
Abschreibungen vorzunehmen, nicht aus.») Nicht folgen können wir ihm 
dagegen, wenn er in § 106, Seite 407, ausführt: „Die gesetzlichen Vor- 
Schriften über den Wertansatz der Betriebsgegenstände gehen davon aus, 
daß schlechthin der Erwerbspreis unter Berücksichtigung der Abnutzung 
bezw. der Minderung des Betriebswertes eingestellt werden kann. Ob der 
Veräußerungswert auch nur in irgend einem Zeitpunkt mit diesem Ansatz 
übereinstimmte ist gleichgültig. Daher kommt es auch nicht darauf an 
ob der Erwerbspreis ein angemessener war, und es ist demgemäß uner- 
heblich ob die Angemessenheit auf Irrtum eines der Vertragsschließenden 
oder selbst auf Arglist der Gegenpartei beruht. 

Dagegen erscheint es nicht als zulässig, den vereinbarten Preis noch 
dann unverändert als Erwerbspreis anzusehen, wenn die übervorteilte Ge- 
sellschaft von dem Gegenkontrahenten oder einer dritten Person eine Ent- 
schädigung zum Ausgleich des entstandent^n Schadens erhält. So ist es 
vorgekomm en, daß der Verkäufer einer Fabrik der zum Betrieb derselben 

...rt .'>V^'.ß'-^or allem Simons Ausführungen Seite 409: Ob der Veräußerungs- 
wert sich geändert hat, ist dagegen unerheblich. v:*u"g:> 

HU ,..*!? ""i^ ^^T^-^" ^^'? 78/80) macht unseres Erachtens nicht mit Unrecht auf 
die verschiedene Lebensdauer der einzelnen Unternehmungsformen aufmerksam- 
„Dazu kommt ferner, daß die Frage, ob ein Vermögensgegenstand als GdTraudS: 
form V^^f ß«"^"g«g^gen«tf d in Betracht kommen s^l je nfch der Unterne^uS^- 
form. der die emzelnen Vermogensgegenstände angehören, unter Umständen eine 
verschiedene Beantwortung finden kann. BekanntHch hat eine ASgeseirschSft 
eme viel ängere Lebensdauer als eine Personalgesellschaft, z. B. e n Inze unt^ 

M^"^6"Toät7.nT^^^ "'^-K^- ^ ^^^S^"' wie durch'^SheTt. 

S f f,?? h7 t 1^^^? Geschaftsai^osung. bezw. Geschäftsverkauf, spielen jeden- 
falls für den Einzelkaufmann, die offene Handelsgesellschaft und Kommanditiesell- 
Schaft eme größere Rolle als für die Aktiengesellschaft etc." «^onimanaitgeseli 

Dr. J. Hotz: „Die Jahresbilanz der A. G." e 



I 



66 

begründeten industriellen Gesellschaft zur Abwendung einer auf Schaden- 
ersatz wegen falscher Angaben im Kaufvertrage gerichteten Klage einen 
namhaften Betrag des Kaufpreises zurückvergütete. In einem anderen 
Fall gab der Einbringer einer Fabrik mit Rücksicht auf die übermäßige 
Höhe des Einbringungspreises der Gesellschaft einen Teil der erhaltenen 
Aktien zum Zwecke der Kraftloserklärung zurück. 

In derartigen Fällen mindert sich der Erwerbspreis um die zurück- 
vergüteten Beträge, bezw. Aktien, und es muß demgemäß in den Bilanzen 
eine entsprechende Herabsetzung des Wertes erfolgen." 

Hiezu möchten wir folgende kritische Bemerkungen machen: Nach 
unserer Ansicht geht Simon bei obigen Erörterungen über den Erwerbs- 
preis zu weit. Er gibt dies auch indirekt zu, indem er dann eine Zurück- 
führung des unangemessenen Erwerbspreises auf einen angemessenen ver- 
langt, wenn die übervorteilte Gesellschaft von dem Gegenkontrahenten 
oder einer dritten Person eine Entschädigung zum Ausgleich des ent- 
standenen Schadens erhält. Ob aber eine solche Entschädigung erfolgt 
oder nicht, ändert sicherlich an dem Wesen der Sache nichts, in beiden 
Fällen ist der zu Buch stehende Betrag ein unangemessener, teilweise 
sogar ein fiktiver, der auf jeden Fall korrigiert werden muß. Wir sind 
der Meinung, daß an diesem sozusagen einzigen objektiven Element für 
die Bestimmung des Betriebswerts unbedingt festgehalten werden muß. 
Es bleibt für das subjektive Ermessen der Gesellschaft, bei der Anerken- 
nung des Betriebswertes als maßgebenden Wert, noch genügend Spielraum. 
Daß an einem vernünftigen, den Umständen entsprechenden, angemessenen 
Erwerbspreis festgehalten werde, dafür sprechen auch äußerst wichtige, 
praktische Erwägungen. Die Frage wird besonders bedeutungsvoll bei 
den sogenannten Sacheinlagen, in unserem Falle vor allem bei den Aktien- 
gesellschaften. Die Richtigkeit unseres Postulates begründet auch Folliet, 
w^enn er (a. a. O., Seite 32/3 und 39) ausführt: „Une societe anonyme, 
qu'elle soit commerciale, industrielle ou financiere, ne peut pas prosperer, 
ni meme vivre, si eile ne dispose pas effectivement du capital qu'elle 
enonce et qu'elle doit remunerer, La realite du capital est indispensable 
dans rinteret des actionnaires, comme dans celui des tiers. Cependant 
Texageration des apports n*est pas aussi rare qu^on pourrait le croire: 
Les fondateurs de societes anonymes n*ont souvent en vue que leur 
interet personnel. Pourvu qu'ils puissent se faire attribuer sur le capital 
d'origine un nombre d'actions important et ecouler rapidement ces actions 
au pair ou meme avec prime, ils ne se preoccupent guere de Pavenir de 
la societe. 

Pour terminer cette question si importante, nous ajouterons que les 
apports ne doivent pas subsister dans le bilan au prix d'aquisition, ils 
doivent naturellement etre evalues a leur taux reel, sans qu'il y ait Heu 
de s'occuper de leur valeur d'estimation originaire. Du jour öu il est 
etabli qu'une estimation est fausse, il n'y a pas Heu de la maintenir; ce 
n'est pas parce que la Societe a ete trompee qu*elle doit ä son tour 
tromper les tiers sur la valeur de leur gage. D'autre part, Part. 656 du 
C. O. stipule que les immeubles, bätiments et machines doivent etre 
evalues, au maximum, au prix d'acquisition et deduction faite de Pamor- 
tissement que comportent les circonstances. Or quel est le but d'un 
amortissement .^ Ramener un objet ä sa valeur reelle. Par consequent, 



67 

il semble bien que Pamortissement que comportent les circon- 
stances doit toe au moins egal ä la majoration."») 

Wir stehen also, im Gegensatz zu der Ansicht von Simon, auf dem 
Standpunkt, daß der Erwerbspreis ein angemessener sein müsse. Gestattet 
man em Abweichen von diesem Prinzip, so bedeutet das für die Aktien- 
gesellschaft die Möglichkeit, unter den Aktiven fiktive Werte anzuführen 
was zur Folge hat, daß ihr Kapital, eigenes und eventuell auch fremdes' 
m den Aktiven keine genügende Deckung mehr besitzt. Aehnliches muß 
vom Herstellungspreis selbst fabrizierter Anlagen verlangt werden. Arbeitet 
die Gesellschaft mit zu hohen Selbstkosten, dann wird bei einer Bewertun<T 
der betreffenden Vermögenswerte unter diesenWert gegangen werden müssen 
Ebenso unzulässig ist es, die Aufträge für das eigene Unternehmen mit 
den Kosten mißlungener Ausführung fremder Aufträge zu belasten um 
diese den Augen der Kontrolle zu entziehen, wie das in der Praxis ge- 
legentlich vorkommen soll.«) In beiden Fällen würde es sich um einen 
Verstoß gegen die Sitten und Gebräuche des ordentlichen Kaufmanns 
handeln. 

Zusammenfassend können wir unsern Standpunkt in der Frage der 
Bewertung der Betriebsgegenstände kurz folgendermaßen wiedergeben- 
Der historischen Entwicklung, sowie dem Wesen der Bilanz 
entsprechend ist bei der Bewertung vom Anschaffungs- resp 
Herstellungs- (Selbstkosten-) preis auszugehen. Dieser soll ein 
angemessener, den Umständen entsprechender sein. Der maß- 
gebende Betriebswert wird gefunden, indem der Entwertung 
des Betriebsgegenstandes durch angemessene Abschreibungen 
vom Anschaffungs- resp. Herstellungspreis Rechnung getragen 
wird. Ursache der Entwertung kann eine materielle oder im- 
materielle Abnutzung sein. 

Damit können wir kurz auf den Gedankengang der 4. Gruppe ein- 
treten, der sich vor allem um die Frage der Abschreibungen dreht. 
iMscher, d er Hauptvertreter dieser Gruppe von Bilanzschriftstellem, be- 

I- . *) Ob Folliet allerdings unter „valeur reelle" einen in unserm Sinne formu- 
lierten ßetriebswert versteht, ist zum mindesten fraglich. Er betont etwas zu stark 
die Bedeutung des Veräußerungswertes auch bei der Bewertungsfrage der Betriebs- 
gegenstande. (Seite 31, 55, 57,8.) ^ 

!L^'i^V'^^]^ ^*- ^ ^' ^®*^^ ^^)- Simon (a. a, O.. Seite 409) führt noch 
aus: „Will der Kaufmann am Ende des Jahres seinen Gewinn und Verlust feststellen 
so muß er daher die Betriebsgegenstände zum Kostenpreise unter Berücksichtigung 
der Wertminderung in die Bilanz setzen. Jede andere Berechnung, insbesondere 
etwa die Ertragskap italisierung, würde eine willkürliche sein, und ist daher eine 
solche andere Berechnung, wie gegenüber der neueren Rechtsprechung des Reichs- 
gerichts nochmals nachdrücklich hervorgehoben werden mag, niemals von Aktien- 
vereinen gemacht und niemals von den Verwaltungsbehörden ver- 
langt worden. Sie würde Gewinne und Verluste annehmen, welche tatsächlich 
nicht enstanden sind und deren Entstehung, so lange der Gegenstand seinem dauernden 
Zwecke erhalten bleibt und daher nicht veräußert wird, regelmäßig ausgeschlossen 
erscheint. Stellt sich heraus, daß die Gesellschaft auf wirtschafilich nicht haltbarer 
Grundlage, msbesondere bezüglich der Rentabilität, begründet ist und wird infolge- 
dessen eine Reorganisation derselben nötig, so tritt, wie wir bereits Seite 366 ge- 
sehen haben, bisweilen seitens der Gesellschaft eine Herabsetzung der Werte der 
Betriebsgegenstände ein. Derartige außerordentliche Fälle bestätigen nur die hier 
vertretenen Grundsätze. Denn eine solche Herabsetzung enthält das Anerkenntnis, 
daß die betroffenen Betriebsgegenstände für die Gesellschaft nicht denjenigen Be- 
iriebswert haben, welcher bei deren Erwerb vorausgesetzt wurde Ob der Ver- 
außerungswert sich geändert hat, ist dagegen unerheblich.'* 

5* 



!• 



i 



68 

streitet vor allem die Möglichkeit, den Gebrauchswert einer Sache im 
wirtschaftlichen Sinne in der Buchführung ziffernmäßig in Geld ausdrücken 
zu können. Er schreibt w^örtlich*): „Eine ganz andere Frage aber ist 
die, ob man das, was man wirtschaftlich den Gebrauchswert nennt, auch 
in geldeswerte Ziffern einkleiden und so buchführungsmäßig zum Aus- 
drucke bringen kann. Sowohl Reisch-Kreibig als auch Simon vertreten, 
und zwar der letztere mit sehr großem Nachdruck, die Ansicht, daß der 
von ihnen bezeichnete Wert einer Gebrauchssache ganz derselbe wäre, 
wie der in den Büchern und der Bilanz geführte. — Im nachstehenden 
werden Gebrauchs- und Nutzungsfähigkeit, sowie Brauch- und Nutzbarkeit 
miteinander in gleichem, und zwar in dem Sinne gebraucht, daß darunter 
alle wirtschaftlichen Vorteile verstanden werden, die eine Sache durch 
Gebrauch ihrem Besitzer gewährt und der diesen Begriffen entsprechende 
Wert wird mit Gebrauchs- oder Nutzungswert bezeichnet. Dies voraus- 
geschickt wird zu verneinen sein, daß es jemals möglich ist, in der Buch- 
führung unmittelbar den Nutzungswert ziffernmäßig in Geld darzustellen; 
(das wäre nur beim Vermieten und Verpachten, also durch Vermittlung? 
eines hinzutretenden Rechtsverhältnisses denkbar), und auf diesen Umstand 
kommt es doch allein in der Buchführung an. 

Die vorstehenden Ausführungen beweisen deutlich, daß der buch- 
mäßige Wert eines Benutzungsgegenstandes nicht mehr und nicht weniger 
ist, als der jeweilig in einer bestimmten, dem Gebrauche dienenden Sache 
angelegte Teil des Geschäftskapitales. Ausschließlich nämlich im An- 
schaffungspreis besteht der ursprüngliche Wert der Sache sowie ausschließ- 
lich in dem quotalen Reste dieses Preises besteht der spätere Wert, in 
der Weise, daß der Restbetrag unter Zugrundelegung der wahrscheinlichen 
Gesamtdauer der Sache als Gebrauchssache bestimmt wird. Hingegen 
kommt darin nicht und kann auch nicht zum Ausdruck kommen der 
Nutzen, den die Sache in Wirklichkeit für den Geschäftsbetrieb hat." 

Ungefähr auf demselben Standpunkt steht Schmalenbach«): 
„Fischer weist darin nachdrücklich darauf hin, daß der Buchwert der 
Gebrauchssachen nicht unter die nationalökonomischen Wertkategorien 
fällt, vielmehr den um die Amortisationsquoten verringerten Anschaffungs- 
wert darstellt; diese Tatsache wird sowohl in der handelsrechtlichen als 
auch handelstechnischen Literatur durchwegs übersehen . . . Der Verfasser 
weist mit Recht darauf hin, daß die Abschreibung keine Abschätzung der 
Abnutzung ist und sein soll, sondern eine Amortisationsquote, die ledig- 
lich die Gesamtnutzungsdauer in Betracht zieht. Genauer wäre zu sagen 
gewesen, daß auch die Gesamtnutzungsdauer nur sekundär in Betracht 
kommt, primär dagegen die Entschließung des Kaufmanns über die An- 
zahl der Jahre, denen die Kosten einer Gebrauchssache zur Last fallen 
sollen. Die Gebrauchsdauer stellt lediglich ein Maximum dar. 

Daß übrigens tatsächlich die Rücksicht auf faktische Abnutzung 
(und faktische Wertv^erminderung aus anderen Gründen) bei dtn Ab- 
schreibungen des Kaufmanns, sagen wir einmal tertiär nebenhergeht, ist 

*) Fischer, die Bilanzwerte, a. a. O., Seite 48 und 51, ferner seine Grund- 
lagen der Bilanzwerte, a. a. O., Seite 50 ff. 

«) Schmalenbach, in seiner Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung, 
U. Jahrgang 1907/08, Seite 79/80. Ferner ebenda I. Jahrgang 1910 11, Seite 379 ff, 
VII. Jahrgang 1912/13, Seite 142. 



69 

dem Verfasser gewiß nicht entgangen; seine natürliche Position in dieser 
Diskussion mag es ihn vergessen gemacht haben.'*') 

Das große Verdienst von Fischer und Schmalenbach ist es, darauf 
li ingewiesen zu haben, daß der zu Buch stehende Betrag der Betriebs- 
gegenstnnde nicht mit dem Gebrauchswert im volkswirtschaftlichen Sinne 
identisch sei. Die Beispiele, die sie ihrer langjährigen Praxis entnehmen 
können, sind zur Beweisführung ebenfalls sehr geeignet. Daß Simon hie 
und da seinen individuellen Betriebswert zu weit faßt, ihm etwas zu sehr 
der Gebrauchswert der Nationalökonomie vorschwebt, kann nicht geleugnet 
werden. Es ist dies vor allem der Fall, wo er seine von uns kritisierten 
Ausfuhrungen über den Erwerbspreis macht. Dagegen scheint es 
uns doch zu weit gegangen zu sein, jeglichen Gebrauchs- 
resp. Betriebswert ablehnen zu wollen. Es handelt sich 
eben um den privatwirtschaftlich-bilanzmäßigen Gebrauchs- 
wert als B e t r i e b s w e r t. Wie wir schon gesehen haben, sind bei 
Ihm die Grenzen enger gezogen als beim volkswirtschaftlichen Gebrauchs- 
wert. Wie der individuelle Gebrauchswert bestimmt wird, dafür haben 
wir die allgemeine Fassung bereits formuliert. In der Praxis kommt es 
allerdings im großen und ganzen darauf heraus, daß die Anschaffungs- 
kosten auf die einzelnen Jahre der mutmaßlichen Gebrauchsdauer verteilt 
werden. Fischer und mit ihm Zimmermann nennen diese Methode zu- 
treffend das „Prinzip des zeitlichen Kostenausgleiches««). Ob 
es aber immer angängig ist, eine Entwertung nicht sofort größtenteils 
abzubuchen, sondern auf den Rest der Gebrauchsjahre zu verteilen kann 
vor allem für die immaterielle Entwertung kaum ausnahmslos bejaht 
werden. 3) Dann gibt es Betriebswerte, die nicht notwendigerweise eine 
Entwertung erfahren müssen, z. B. Grundstücke, Anlagewertpapiere Die 
Formulierung der Betriebsgegenstände einfach als Aufwendungen die 
dann den einzelnen Jahren der Gebrauchsdauer als mehr oder weniger 
gleichmäßigen Betrag anzulasten sind, ist theoretisch nicht ganz haltbar 
indem sie sich zu einseitig auf diejenigen Vermögenswerte bezieht, die 
sich abnutzen. Wir glauben, daß bei den meisten Bilanztheoretikern in 
ihren Formulierungen nicht immer in genügendem Maße auf die Ver- 
schiedenartigkeit der einzelnen Komponenten der Betriebsanlagen Rück- 
sicht genommen worden ist. Gerade in dieser Beziehung ist die von uns 
im theoretischen Teil vorgenommene Einteilung der sogenannten indirekt 
rentablen Werte (Betriebsgegenstände) in: 1. Sachwerte (Güter), a) die 
sich rasch abnützen, ß) die sich langsam abnützen; 2. Werte, die sich 
nicht abnützen; 3. immaterielle Werte, ol) moralische, rechtliche und 
ß) fiktive, von Bedeutung. 

V Siehe Zimmermann, a.a.O., Seite 266/9; Kovero, a.a.O., Seite 71 (f.; 
Buff,""!' a' O S^te^85/7 ^^^^^'^® im Bankarchiv, 13. Jahrgang 1913/14. Seite 151; 

Seite 210^'^^*^^^' ^'^ Bilanzwerte, a. a. O., Seite 91; Zimmermann, a. a. O., 

.*) Bereits die Simonsche Formulierung seines individuellen Betriebswertes 
laut eine gewisse Verteilung auf die einzelnen Jahre der Gebrauchsdauer zu, indem 
er von der verhältnismäßigen Minderung des Betriebswertes spricht. Auch 
uir haben ein solches Vorgehen im Auge; denn wir verlangen nicht, daß eine even- 
tuelie Entwertung sofort über Gewinn- und Verlust-Konto abgebucht werden müsse 
Wir haben uns folgendermaßen ausgedrückt: Der maßgebende Betriebswert wird 
gefunden, indem der Entwertung des Betriebsgegenstandes durch angemessene Ab- 
Schreibungen vom Anschaffungs- resp. Hersteilungspreis Rechnung getragen wird 



i 



~1 



70 

Schmalenbach (in seiner Zeitschrift, Seite 79, II. Jahrgang) macht 
gegen Fischer noch folgende Einwendung: „Eine Ungenauigkeit in der 
Darstellung ist auch darin zu erblicken, daß eine Grenze zwischen Ge- 
brauchs- und Veräußerungssache für die kaufmännische Bilanzierungs- 
technik angenommen wird, die tatsächlich nicht besteht; die Tatsachen 
sind vielmehr folgende: Der Kaufmann unterscheidet 1. eine Sachen- 
bewertung durch Inventarisierung und Abschätzung und 2. eine Ab- 
schreibungsbewertung durch Einsetzen des Anschaffungswertes vermindert 
um Amortisationsquoten (und Vermehrung um Zugänge). Die Hand- 
handhabung ist nun aber nicht so, daß die Methode 1. lediglich für Ver- 
äußerungssachen, die Methode 2. ausschließlich für Gebrauchssachen an- 
gewendet wird. Es gibt Fabriken, welche die Werkzeuge durch einfache 
Zugangsverbuchung und jährliche Abschreibung (ohne Inventur) behandeln, 
während andere für gleichartige Werkzeuge, Bestandsaufnahme und Ab- 
schätzung vorziehen. Es gibt beispielsweise Walzwerke, welche die Walzen 
inventarisieren, und es gibt Walzwerke, die sie mit Abschreibungen be- 
handeln. Anderseits kommt es nicht selten vor, daß lange lagernde 
Waren, Hilfsmaterialien und dergleichen, durch die Technik der Ab- 
schreibungi) erfaßt werden. ^^ 

Wir möchten Schmalenbach zustimmen, daß in der Tat die Schei- 
dung der Vermögenswerte in Veräußerungs- und Betriebsgegenstände für 
die Bilanzierungstechnik nicht besteht und notwendigerweise auch nicht 
bestehen muß. Es kommt bei der Bewertung nicht auf die Technik an, 
der man sich bedient, um zu einem brauchbaren Resultat zu gelangen. 
Immerhin ist zu sagen, sollte in einem gegebenen Falle die gewählte 
Methode zu einem unrichtigen, d. h. ungenügend genauen Ergebnis führen, 
dann wäre der Kaufmann gezwungen, ein anderes Verfahren anzuwenden. 
Für die Bewertungsfrage dagegen wird die oben genannte Unterscheidung 
von sehr großer Bedeutung. Wir haben zwar gesehen, daß sie nicht 
immer absolut zutrifft, wie z. B. dann nicht, wenn für einzelne Ver- 
äußerungsgegenstände (oft bei den Quasi- Veräußerungsgegenständen) ein 
Verkaufspreis als Orientierungsmittel für die Bewertung schwer ermittelt 
werden kann. Dann kommt eben der Betriebswert in Frage. Immerhin 
bleibt der fundamentale Unterschied bestehen, daß bei den Veräußerungs- 
gegenständen, auch wenn ein Verkaufspreis nicht festgestellt werden kann, 
die Absicht der Veräußerung bei Ermittlung dieses Betriebswertes eine 
Rolle spielt. 

Im Gegensatz zu Scheffler, Simon und Berliner«), die auf dem Stand- 
punkt eines individuellen Gebrauchs- oder Betriebswertes stehen, haben 
wir noch kurz jene 2. Kategorie von Autoren zu nennen, die mit der 
Subjektivität in der Bewertung nicht so weit gehen wollen. Es sind dies 
vor allem Staub, 3) Rehm*) und Lehmann, die als maßgebend einen 

*) Ueber die Abschreibungsfrage, auf die in dieser Abhandlung nicht 
näher eingegangen werden kann, vergleiche Schmalenbach: Die Abschreibung, 
in seiner Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung, III. Jahrgang 1908/09, 
Seite 81 ff., derselbe ebenda II. Jahrgang 1907/08, Seite 79/80, V.Jahrgang 1910/11, 
Seite 378 ff. Berliner: Buchhaltungs- und Bilanzlehre, 3. Auflage, Seite 75 6, 101 ff. 
Fäs, (a.a.O.). Schiff Emil: Die Wertminderungen an Betriebsanlagen, Berlin 1909. 

2) A. a. O., Seite 88: Simon, die Bilanzen der Aktiengesellschaften, 2. Auflage, 
^ 78, spricht deshalb treffend von einem individuellen Wert. Ferner derselbe, 
Seite 92. Einen objektiven Wert gibt es nicht. 

') Staub: Kommentar zum Handelsgesetzbuch, Berlin 1912, 9. Auflage» 
Seite 235. 

♦) Rehm, 2. Auflage, a. a. O., Seite 359. 



71 

sogenannten Geschäfts wert für die Bewertung der Betriebsgegenstände 
vorschlagen. Dieser läßt sich charakterisieren als einen solchen Wert, wie 
Ihn die betrefifenden Betriebsanlagen nicht für jeden beliebigen Geschäfts- 
inhaber, sondern für jeden verständigen, bedächtigen, vorsichtigen (ordent- 
lichen) Besitzer des Geschäftes repräsentieren.«) Wir schließen uns der 

Ä^f^^ ^^r^^^. (^V^- ,^' Seite 93) an, der meint, der Ausdruck 
Geschäftswert sei ein absolut wertloser, weil sich gar keine bestimmte 
Vorstellung damit verbmde. In der Tat ist die Absicht, mit dieser Ab- 
änderung der Simonschen Formulierung, dem subjektiven Ermessen des 
Bewertenden Schranken zu ziehen, nicht zu erreichen. Lehmann«) fögt 
denn auch hinzu, daß dieses im Grund genommen auf ungefähr dasselbe 
herauskomme, was Simon mit dem „individuellen Wert« verstehe nur 
ziehe Simon an einzelnen Stellen Folgerungen, welche nicht haltbar ^eien. 

H.n r^5 ^^^ ^- ^["PP\^,^n ß"anzschriftstellem, die sich ausdrücklich auf 
den Gebrauchswert der Nationalökonomie stützen: Reisch & Kreibig^) 
und Nicki 1 seh*) haben wir in diesem Zusammenhang nicht mehr ein- 
zugehen ; die nötige Kritik ist schon bei der Besprechung der Scheffler- 
Simonschen Lehre geübt worden. ^"ciucr 

Damit haben wir die Besprechung und Kritik der Bewertungsfrage 
^fL Betriebsgegenständen beendigt. Es ginge über den Rahmln 
dieser vorwiegend theoretischen Untersuchung hinaus, noch weiter auf die 
Bewertung der einzelnen Bestandteile des Betriebsvermögens einzutreten. 
i\ur zwei derselben sollen noch kurz etwas näher erörtert werden, weil 
D^Trlal H ^"^f^^^ Abhandlung nicht genügend berücksichtigt wurden: 
Die l^rage der Anlagewertpapiere, sowie die immateriellen Werte. 

C. Die Anlagewertpapiere. 

H,vc m ' ^'^^ Unternehmungen, die Wertpapiere mit der Absicht kaufen, 
dieselben als dauernde Anlagen zu behalten. Es handelt sich also um 
Betriebsgegenstände und keineswegs um Veräußerungsgegenstände. Dieser 
Umstand ist für die Art der Bewertung von grundlegender Bedeutung. 
Es erhebt sich die Frage, können solche Betriebseffekten nach dem Wort- 
laut des geltenden Rechts auch als solche bilanziert werden > Für die 
^chweiz ist es dann zweifellos abzulehnen, wenn es sich um kurs- 
habende Papiere handelt. „Kurshabende Papiere sind nicht nur jene 
welche einen Börsenkurs haben, sondern auch die, welche im freien Ver- 
kehr, wie Ihn vor allem die Banken pflegen und dafür auch Kursnotizen 
herausgeben, gehandelt werden. ... Die Vorschrift (O. R. 656, Ziff 3) 
gih für alle l^rshabenden Wertpapiere schlechthin, auch für solche, 'die 
zu billigerem Kurse hereingenommen (Gegensatz zu Ziff 2) ja sogar viel- 
eicht geschenkt wurden wie für solche, die als sogenannte dauernde An- 
läge behalten werden Sie gilt anderseits nur für kurshabende Papiere, 
also z. B.jiicht für Schuldbriefe, Entscheidung des Bundesgerichts vom 

») Vergleiche auch Kovero, a. a. O., Seite 77/9; Buff a a. O Seite «2/q. 
Passow, a. a. O., Seite 92/3. ^ * ' ' ^®*^® **^'^' 

«) Vergleiche Kovero, a. a. O., Seite 79. 

») Reisch & Kreibig. Bilanz und Steuer, 3. Auflage,«Wien 1914 S^te 339 
«.;of '^ '^/^Hj.^^'^^' *• *• ^' Seite 98. Nicklisch geht bei seinen Untersuchungen 
^rr.t3..h fH-T '^'- T'i'!^''' ^^^^'"^ ^' ""^' d^ß seine AusführungerXe^^^^ 
rrs^S'^chrt^^ffe^^^^^^^ ^^^^ ^^ ^--^^"- a/crdmÄ^e 



- 



^2 

22. Juni 1901 i. S. Schweitzer g. Hypothekarbank Zürich."») Für das 
Deutsche Reich gehen die Auffassungen auseinander, die einen bejahen 
die Zulässigkeit der Bewertung nach § 261, Abs. 3, die andern bestreiten 
sie.2) Daß gewisse Kategorien von Unternehmungen ein sehr großes 
Interesse an der Möghchkeit der Bewertung gewisser Wertpapiere als 
Betriebsgegenstände haben, ist nicht zu leugnen. Es wären da zu nennen: 
Banken, finanzielle Trustgesellschaften, ferner auch Sparkassen und Ver- 
sicherungsgesellschaften. Aber auch der Staat als Kreditnehmer kann 
daran ein Interesse haben, indem unter Umständen seine Schuldverschrei- 
bungen als Anlagepapiere weniger gekauft werden.») Rein ökonomisch 
betrachtet, kann man wirklich nicht einsehen, weshalb beispielsweise 
Schuldbriefe und nicht kurshabende Papiere als Betriebsgegenstände be- 
handelt werden dürfen, während die kurshabenden Effekten davon aus- 
geschlossen sein sollen. Wir stehen vollkommen auf dem Standpunkt 
von R ei seh (a. a. O., Seite 306): „Allerdings hat § 261 die Unter- 
scheidung von Veräußerungs- und von Betriebsgegenständen rezipiert, 
aber er hat die Unterscheidung nicht als obersten Einteilungsgrund 
anerkannt, sondern ein anderes Moment an die Spitze gestellt, nämlich 
den Umstand, ob das Vermögensstück einen »Börsen- oder Marktpreis« 
besitzt oder nicht. Von dem hier betonten Standpunkt der Subjektivität 
des Werturteiles kann diese Systematik nicht gebilligt werden: Das Be- 
dürfnis nach einer richtigen Ertragsnachweisung*) und die Richtigkeit 
dieser Ertragsnachweisung ist offenbar ganz unabhängig von dem Um- 
Stande, ob sich der Preis des Vermögensstückes schwer oder leicht be- 
stimmen läßt, entscheidend ist vielmehr nur, ob die Absicht besteht, 
das Vermögensstück als Veräußerungs- oder als Betriebsgegenstand zu 
verwenden, weil von letzterem Umstände die Bedeutung der Tausch- 
wertveränderung für die Ertragnach Weisung abhängt.« Eine gewisse 
Schwierigkeit liegt nun darin, die fraglichen Effekten als Anlagepapiere 
erkenntlich zu machen. Eine Lösung wäre die, daß der Gesetzgeber ver- 
langen würde, daß dieselben in der Bilanz besonders aufgeführt werden 
müssen und als solche ausdrücklich zu bezeichnen sind. In letzter Linie 
bleibt dies natürlich eine Vertrauensfrage in die maßgebenden Organe 
der Gesellschaft. Daß diese Kategorie von Wertpapieren ihren Charakter 
ändern kann, ist ohne weiteres klar. Durch gewisse Umstände gez^siingen, 
kann eine Unternehmung in die Lage kommen, die früher als Betriebs- 
effekten aufgeführten Papiere, nunmehr als Veräußerungsgegenstände zu 
bilanzieren, was für die Bewertung von großer Bedeutung ist. Die als 
dauernde Anlage bestimmten Effekten haben einen Betriebswert für die 
Gesellschaft, auf diesen kommt es in erster Linie bei der Bewertung an, 
sekundär allerdings kann auch ein eventueller Markt-, Börsen- oder Ver- 
äußerungspreis Bedeutung erlangen. Nach N i c k 1 i s c h (a. a. O., Seite 101) 
;,ist bei dauernden Beteiligungen der Nutzen zusammengesetzt. Er ergibt 
sich zum Teil unmittelbar, zum Teil mittelbar. Der unmittelbare besteht 

r»- T u^ Fachmann a.a.O., Seite 193. Vergleiche auch Zimmermann, Dr H.: 
Die Jahresbilanz der Aktiengesellschaft nach deutschem und schweizerischem Recht. 
Zürich. Diss. Seite 243/4. 

») Reisch i. Bankarchiv 9, a. a. O., Seite 305 und 369, ferner Zimmer- 
mann, a. a. O., Seite 219 und 243, insbesondere seine Zitate. 

») Reisch, a. a. O., Seite 305. 
ab elellt^^^ Formulierung der Bilanz nur als ErtragsermitÜungsbilanz haben wir 



73 

in dem Gewinn, der auf den Anteil an den Geschäften anderer Unt^r 
nehmungen entfallt, der mittelbare in den Vorteilen, 2Te durch ßt 
teihgung sichergestellten Geschäftsbeziehungen für den eigenen Betrat 
für den eigenen Umsatz haben. Auch Schaden entspringraus Sen 
Beziehungen^ Ist eine Unternehmung mit anderen »verhiratet. so ist 
sie in Ihren Entschließungen nicht mehr ganz frei, vielmehr genö i^ auch 
einzukaufen oder zu verkaufen, wo es für sie mit Nachteil glschieht' oder 

fn leTSTt ""w ''''h" ^^"--^--^ ^- -e selbst ficht genügend 
in der Hand hat. Wenn der gesamte reine Wert des Nutzens in einem 
Betrage zusammengefaßt und dieser zu dem üblichen Zinsfuße kapitaS 
Zl'l hm'' ^'' *^^»^^re^^^"^'* festgestellt^!) Für andere Fap^Tvor 
allem Obligationen und Staatsschuldverschreibungen fällt natürlich' das 
erste Moment, der unmittelbare Gewinn an Geschäften anderer Unter 
nehmungen weg. Hier ist die Feststellung des Betriebswertes dn^ 

SnTen't: Sf " h'''^^^"^ '"^'^^^.'^"'^ ^^^'"^ larersidrnicht 
gewinnen. Es gelten die von uns aufgesteUten allgemeinen Grundsätze 

für die Bewertung der Betriebsgegenstände. Doch flhlen hier sozusagen 
jeghche äußeren Anhaltspunkte für die Ermittlung des BilaTzwertesfes 
maßgebenden Betriebswertes. Eine Behandlung^ als AufwendTng^ und 
iZL h ""?. ^^^,^"%^wendeten Kosten auf die Gebrauchfdauer 
kommt hier nicht in Frage. Erstens braucht nicht unbedingt eine Ent- 
wertung vorzukommen; zweitens kann meistens eine Gebrauchfdauer nicht 
bestimmt werden Die Anlagewertpapiere sind ein Beis^ wo dn Ver- 
teilen von Betriebswerteinbußen auf spätere Jahre unter Umständen mh 
den Grundsätzen des ordentlichen Kaufmanns unvereinbar wäre Es ka^n 

tZr '"r ^'n " ^"^ ^"" ^^*"' ^^"" ^^ ^i^h um Aktien oder Obl" 
gationen industridler Gesellschaften handdt, die Entwicklung derselben 
aber die gehegten Erwartungen Lügen straft. Unter diesen ^UmstSden 

Wertung als Betriebsgegenstand kdne Berechtigung. Hier handelt es tich 
n weitgehendem Maße um dne Vertrauensfrage in das richtige Uchäft 
liehe Ermessen und die Rechthchkdt der Verwaltung und KontrolS^^^ 
Eine e was liberalere Behandlung kann man Staatspapieren ode sSlen 
mundelsichern Papieren angeddhen lassen; vor allem wenn die Entwertung 
keine dauernde ist oder aber dne Rückzahlung zum Nennwert zu Sen 

Ander'seiSTäßt ^T/T"" /""l ^"■^'. ^'^^^'^ ^^^ ^ -^rt" 
Anderseits läßt sich doch vielleicht nicht ganz von der Hand weisen 

tfiJT""\^^"u^T''' '"^ ^''^' ^^^ ^^^^« Gesellschaft dren -^' 
natürlich nicht objektiv, sondern nur subjektiv ~ höhern Wert oder 

anTrn ^"f^'' ,f "^S^" ^^^^^^^' haben können, als im Besitz eine 
andern. Ei ne Versicherungsgesellschaft hat beispidsweise ihre Verträge 

ico^mor^vn^If^"^'*^' Kapitalisierung weisen ebenfalls hin: 
Kreditf Xrt Vach^^e;:rmrn'"a\"'o" in'c "^^^t^^iomische Lehre vom 
Ökonomie und StatLi^SeitTm ' ^''"'^'*' Jahrbüchern für National- 

AnmerkunrJ''^^'''' '' '' ^'' ^"^" '' ^' ^^^'^™*"«' -• ^' O., Seite 193/4. 
Nach unserer Auffassung kann dieses Moment fii- a;^ di 

Vergl. auch Simon (a. a. O., Seite 409). 

«) Siehe auch B ach mann, a. a. O.. Seite 191. 

*) In der ,Neuen Zürcher Zeitung« vom 26. November 1914 



^mvii"^ 



T* > 



74 

unter Zugrundelegung einer vierprozentigen Verzinsung ihrer Fonds ab- 
geschlossen und ihre Prämienreserven in der Tat in vierprozentigen erst- 
klassigen Staatspapieren, die sie zu pari gekauft hat, angelegt. Sie denkt 
auch nicht daran, diese Papiere zu verkaufen. Was verschlägt es denn 
nun, wenn diese Papiere, deren Zinseingänge ja unverändert bleiben, vor- 
übergehend auf 90 Prozent im Kurse zurückgehen ? Die Gesellschaft hat 
die gleichen Einnahmen wie früher und der schließliche Rückzahlungswert 
ihrer Anlagepapiere ist bei der Solidität ^es Schuldners auch der gleiche 
geblieben. Hier hat es in der Tat wenig Sinn, einen Verlust auszurechnen, 
der bei dem Umstände, daß das einbezahlte Aktienkapital von Ver- 
sicherungsgesellschaften in der Regel gegenüber dem Effektenbesitz klein 
ist, sehr leicht zur Dividendenlosigkeit der Aktien führen und dadurch 
dem Kredit der Gesellschaft erheblich schaden kann." — In gleicher 
Weise darf auch hier, wie bei den übrigen Anlagen, der Anschaffungs- 
preis nicht überschritten werden. 

D. Die immateriellen Werte. 

Aehnlich wie bei den soeben behandelten Anlagewertpapieren liegen 
die Verhältnisse bei den immateriellen Werten. Auch hier fehlen sehr 
oft positive Anhaltspunkte für die Bewertung. In Anlehnung an die 
Systematik von Folliet^) haben wir eine Zweiteilung derselben in 
a) moralische, rechtliche und b) fiktive vorgenommen. Zu den 
moralischen, rechtlichen gehören: Kundschaft, Patente, Lizenzen, Geheim- 
verfahren, Verlags- und Urheberrechte, Konzessionen etc. Die be- 
deutendsten unter den fiktiven sind die Organisations- und Gründungs- 
kosten, Obligationendisagio etc. Für diejenigen Werte, für die eine Ge- 
brauchsdauer (z. B. Konzessionsdauer, Laufzeit der unter pari ausgegebenen 
Obligationen, gesetzliche Schutzfrist) in Betracht kommt, kann man unter 
Umständen die aufgewendeten Kosten auf die verschiedenen Jahre der- 
selben verteilen. Gegen ein solches Verfahren kann bei Konzessionen 
und Obligationendisagio nicht viel eingewendet werden. Aber auch hier 
ist die Regel nicht absolut. So könnte unter Umständen eine VerteUung 
der Kosten eines Patentes oder einer Lizenz selbst auf die Jahre der ge- 
setzlichen Schutzfrist nicht ungefährlich werden, denn dafür kann der 
Gesetzgeber keine Garantie übernehmen, daß nicht eines Tages ein ge- 
schütztes Patent durch eine bessere, originellere Erfindung überholt werde. 
Mit Rücksicht auf den unsichern Charakter dieser Vermögenswerte wird 
also eine möglichst rasche Abschreibung derselben geboten sein. Auch 
hier muß auf das verständige Ermessen, die solide Geschäftsgebarung der 
bewertenden Organe der Aktiengesellschaften abgestellt werden. Im- 
materielle Werte, die von einer Gesellschaft nur zum Zwecke des Wieder- 
verkaufes erworben wurden, besitzen die Eigenschaft von Veräußerungs- 
gegenständen. «) Sie richten sich nach den für dieselben maßgebenden 
Bewertungsgrundsätzen. Die von Folliet vorgeschlagene Einteüung der 
immateriellen Werte in oben genannte zwei Hauptkategorien ist vor allem 
für die Frage der Abschreibungen von Bedeutung. Die moralisch, recht- 
lichen sind eventuell realisierbar, die anderen dagegen in keinem Falle. 

*) In seinem Buch: La Bilan etc., a. a. O., Seite 40, sowie in seiner Antritts- 
vorlesung: Les Amortissements, a. a. O., Seite 88/9. 

') Zimmermann (a. a. O., Seite 283). Mit seiner Interpretation der gesetz- 
lichen Bewertungsvorschriften für die Schweiz sind wir auch hier, wie wir schon 
früher ausführlicher gezeigt haben, nicht einverstanden. 



75 

Der Gesetzgeber hat in O. R., Art. 656, Abs. 1, eine aktivische Behand- 
lung der sogenannten Organisationskosteni) während 5 Jahren ausdrücklich 
zugelassen, immerhin mit der Einschränkung, daß in jedem Jahre S 
destens der entsprechende Bruchteil als Ausgabe zu verrechnenTt 
Aehnhches kann von dem Obligationendisagio gesagt werden- auch her 
muß dasselbe durch jährliche Abschreibungen hl zum VeSar(Rück 
Zahlungstermin der Obligationen) amortisiert werden. (O. R., KS. 

Ffine\s? Fn "^' '^"^ ""'"'"' ^''"^^'^"^ ^^^ Ausführungen 

mora les et firt^v.^ TT"' 'f "^"^ ^^^^^^^erise les valeurs immobilisles 
morales et fictives, c'est que leur estimation est arbitraire 

, II en resulte que Pamortissement de ces valeurs ne peut etre con- 

sider^ comme obligatoire en Pabsence de benefice, k moins^ue des dTs- 
positions legales ou statutaires ne Pimposent. 

Par contre, on peut poser le principe qu'il est de bonne ad 
m.„.strat,on d'amortir les valeurs evemuelleme„;' realfsables et qu'l est 
preferable d'amortir rapidement les valeurs fictives " 

Es wäre nach unserer Ansicht durchaus verfehlt, woUte hier der 

Hrh^I'^V Lu" '*^'''^" ^'•^'"^" '" '^'^ "^"'^'''^ komplizierten wirtschaft- 
iTil!" Verhältnisse eingreifen. Wir zweifeln, ob es möglich wäre, in 
dieser Frage überhaupt brauchbare Vorschriften aufstellen zu könken 
Fol he t schlägt (m seinem Buche über: Le bilan etc., a.a.O., Seite 49)' 

Sfur mo°nr'i. "'' l "^ r--^^ '''' P°"^ ''-^ '^ bilan aucuni 
fi^fnn T ''^'"^^ Pendant le cours d'une societe, sauf en cas de 

veUe branch^S"" "^^ '"'"'' ^"^ °P'"*'°"^ P^^ '^ '^^^^**°" ^'une nou- 
velle branche d affaires, ou encore en cas de rachat, par une societe 
d une entreprise döjä en activitö. ' societe, 

2« Une valeur morale ne pourra pas 6tre portöe dans le bilan pour 

dMucZnM^^^TT ^ ""^"^ P°"' '^*J"^"^ ''"^ '^g""'t rannte prec^dente, 
deduction faite de Pamortissement. 

.... ^^ ß^^ allgemein gehaltenen Vorschläge zu besseren Resultaten 
fuhren wurden als die bisherige Freiheit, bleibe dahingestellt. ''^'""^*^" 
,„.h ^.'"'''^'*/"='? möchten wir noch einmal ausdrücklich bemerken, daß 

rkvhi ""^ ■, ^ "'« "^'^'" Betriebsgegenständen, der Erwerbspreis») 
die Höchstgrenze darstellt«) Darüber hinaus darf nicht gegangen werden.») 

E. Die Werterhöhung bei Betriebsgegenständen. 

roiiiei ^a. a u., i>eite 41), Zimmermann (a. a. O., Seite 80) 

S«ite o«/o ^'f^;^^'^' 7^™*"^' ^^- ^- 9" ^^'^^ *<^<^)- Vergl. auch was er ausführt 
Utlratur Zimmermann (a. a. O., Seite 281 ff.), sowie bei ihm wekefe 

») Vergl. unsere Ausführungen: § 14, ß. III.. b, 3. 

Fra^e kommt^Ä n.^rh ^^^^"''^a'^^"^^"'-^»^ J^ ^^" Anschaffungspreis nicht in 
Trage kommt, durfte nach unserer Ansicht ein angemessener schätzunesweise festl 
gestellter Anschaffungspreis der Bewertung zugrunde gele^ wtrder W^^^^ 
es dann darauf an. ob es sich um Veräußerungs- oder^SCe^^^^^^ 
sie wurden s.ch dann nach den von uns für diese Vermö7enSS^^^ 
Bewertungsgrundsatzen richten. Ausführlicheres bei Zimmermann (aa O sSte23% 
Siehe auch Bachmann (a. a. O.. Seite 193. Ziffer ^t"™^'™*"" va-*-"'^«»^«239). 

betrac'hlf LeiT/Z'n^^^^^^ die wir im folgenden Abschnitt E. die aber richtig 

Detrachtet, keine Ausnahmen von der Regel darstellen, machen werden. 



. 



76 

ein Ueberschreiten des Anschaffungs-, resp. Herstellungspreises, komme 
nicht in Frage. Es entspreche dies dem Charakter dieser Vermögenswerte, 
als Aufwendungen, als nicht veräußerbare Werte und stehe auch im Ein- 
klang mit dem Gesetz, sowie den Gepflogenheiten der kaufmännischen 
Praxis.») Die Frage der Instandhaltungs-, Reparatur-, Ersatz- und Erweite- 
rungskosten der Betriebsanlagen scheint nun obigem Prinzip zuwiderzu- 
laufen. Es wurde nämlich darauf hingewiesen, daß es doch unzweifelhaft 
sei, daß z. B. eine Maschine an Wert tatsächlich zunehmen könne. Dies 
werde dann zutreffen, wenn eine Gesellschaft über die nötigen Instand- 
haltungs- und Reparaturkosten hinaus Aufwendungen mache. Auch ein 
Patent könne im Werte dadurch steigen, daß die Unternehmung sagen wir 
noch ein Zusatzpatent erwerbe. In beiden Fällen habe der Betriebswert 
der betreffenden Anlagen zugenommen. Es steht der Berücksichtigung der 
Werterhöhung in solchen Fällen auch in der Tat nichts entgegen. Immer- 
hin müssen zwei Bedingungen erfüllt werden : Die zu berücksichtigende 
Wertzunahme darf die dafür aufgewendeten Kosten nicht übersteigen. Eine 
solche kann nur dann berücksichtigt werden, wenn derselben eine Leistung 
seitens der betreffenden Gesellschaft in der gleichen Höhe gegenübersteht. 
Zweitens muß durch die Aufwendungen eine im Vergleich zum Normal- 
zustande des Gegenstandes erhebliche Verbesserung eingetreten sein. Es 
muß sich also um eine tatsächhche Wert er höh ung handeln. In diesem 
Falle haben wir es dann mit einer Art neuen Aufwendung (Anschaffung) 
zu tun. Die Ausnahme von der Regel w^ar somit nur eine scheinbare. 
Aehnlich verhält es sich mit den Kosten für Erweiterungen und Ergän- 
zungen schon bestehender Anlagen. Auch sie dürfen unter die Aktiven 
aufgenommen werden, denn es handelt sich um die Anschaffung, bezw. 
Herstellung von neuen Vermögensgegenständen.*) 

§ 15. Zur Frage der Reform der Bewertungsvorschriften 

für die Betriebsgegenstände. 

Die Bewertungsvorschriften haben, wie wir gesehen haben, die ver- 
schiedensten Interpretationen erfahren. Während die einen auf dem Stand- 
punkt stehen, daß die Formulierung des Gesetzgebers mit den Gepflogen- 
heiten der Praxis bei nicht allzu wörtlicher Interpretation vereinbart sei«), 
verlangen andere eine Abänderung derselben. So vertritt vor allem Pas- 
sow die Ansicht, die Bewertungsvorschriften seien in der Weise abzu- 

V Vergl. auch Komorzynski: Die nationalökonomische Lehre vom Kredit. 
Innsbruck 1903. Seite 194/200. 

') Pur weitere Details verweisen wir auf Zimmermann (a. a. O., Seite 263/6\ 
insbesondere betreffend die Ersatzanschaffungen. Ferner Fäs (a.a.O., Seite 117 ff). 
Folliet: Lo bilan etc. a.a.O., Seite 56 und 61. Zutreffend weist er auch auf Art. 5 
des Bundesgesclzes über das Rechnungswesen der Eisenbahnen vom 27. März 1896 hin. 

') Scheffler (a. a. O. Seite 20), Simon (a. a. O., Seite 299/30), Zimmer- 
mann (a. a. O., Seite 210 ff), Fischer: Buchführung und Bilanzvorstellung nach 
Handelsrecrit, Leipzig 1913, Seite 50. Er vertritt den Standpunkt, »ur Beseitigung 
der durch die Bewertungsvorschriften des § 40 H. G. B. angerichteten „Verwirrung" 
bedürfe es keineswegs eines Aktes der Gesetzgebung. „Bereits die Gesetzesauslegung 
bietet genügend Handhabe: Gewohnheitsrecht derogiert dem Gesetzesrecht. Darüber, 
<iaß es sich bei der verkehrsüblichen Bilanzierung um ein Gewohnheitsrecht handelt, 
um eine Uebung, die so, wie sie ist, sein muß und nicht anders sein kann, braucht 
nichts mehr angeführt zu werden. Der Grundsatz der selbständigen Bewer- 
tung in § 40 ist daher durh die ordnungsmäßige Prüfung der Selbst- 
kosten aus Anlaß der jährlichen Erfolgsberechnung zu ersetzen." 
<Ruff, a. a. O., Seite 89/90.] 



( 



77 

ändern, daß sie mit der Praxis mehr im Einklang stehen.») „Zunächst aber 
muß die Frage aufgeworfen werden, ob allgemeine Bewertungsvorschriften 
überhaupt notwendig sind. Meines Erachtens liegt kein dringendes Be- 
dürfnis vor, für alle Bilanzen allgemeine Bewertungsvorschriften zu er- 
lassen. Es könnten also die Absätze 2 und 3 des § 40 H. G. B. gestrichen 
und etwa durch folgende Vorschrift ersetzt werden: Bei der Aufstellung 
des Inventars und der Bilanz sind die Vermögensgegenstände und Schulden 
nach den Grundsätzen ordentlicher Geschäftsführung zu bewerten, wie das 
ähnlich schon auf der Nürnberger Konferenz vorgeschlagen ist (Seite 211) ** 
Er ist sich allerdings wohl bewußt, daß eine solche Fassung dem privaten 
Ermessen einen sehr weiten Spielraum läßt. Wolle man sich deshalb für 
alle Bilanzen oder für die Bilanzen bestimmter Arten von Unternehmungen 
nicht mit einer so allgemeinen Bewertungsvorschrift begnügen, so müsse 
man jedenfalls bei derartigen Vorschriften immer auf den Gesichtspunkt 
Q o^i ^vT^™^^^^""^ Rücksicht nehmen. Es wäre dann z. B. die jetzt im 
^ 261, Ziffer 3, enthaltene Sondervorschrift zu einer allgemeinen Bewer- 
tungsvorschrift zu erheben, es wäre genauer zu bestimmen, was als An- 
schaffungs- oder Herstellungspreis anzusehen ist und dergleichen mehr. Zu 
diesen Vorschlägen macht Buff (a. a. O., Seite 90, Anmerkung 2) folgende 
kritische Bemerkungen : „Hierauf ist zu erwidern, daß es bei der Viel- 
gestaltigkeit der geschäftlichen Gepflogenheiten des Einzelkaufmannes, der 
ottenen Handelsgesellschaft und Kommanditgesellschaft, für die ja die all- 
gemeinen Bewertungsvorschriften des § 40 H. G. B. in erster Linie in 
Betracht kommen, gar nicht möglich wäre, sei es für alle Bilanzen, sei es 
tur die Bilanzen bestimmter Arten von Unternehmungen, detaillierte Be- 
wertungsvorschriften aufzustellen, die der Verkehrsauffassung voll- 
kommen Rechnung tragen.« Auch Folliet (a. a. O., Seite 56) ist mit 
den. für die A. G. in der Schweiz geltenden Bewertungsvorschriften des 
Art. 656, Abs. 2 O. R., nicht einverstanden. „Le C. O., art 656, No. 2, pr^voit 
que les machines doivent etre evaluees tout au plus au prix d'acquisition, 
et d^duction faite de Pamortissement que comportent les circonstances' 
Nous pensons qull ne faudrait pas interpreter cette disposition trop ä la 
lettre ; en effet si normalement, une machine ne peut pas augmenter de 
valeur entre les mains de la societe, il est pourtant des cas öu eile pour- 
rait, ä notre avis, etre portee au bilan pour une somme depassant le prix 
d'acquisition; par exemple, lorsque la societe lui aurait fait subir des 
modifications importantes, ayant pour effet un accroissement reel de sa 
valeur. D'autre part, si la societe a fait une mauvaise affaire, il serait 
prefdrable de ne pas inscrire ces machines ou cet outillage au prix d*ac- 
quisition. A notre avis, le legislateur aurait mieux fait exiger Pinscription 
de ces objets ä leur valeur actuelle ä moins que celle-ci ne füt sup^rieure 
au prix d'acquisition." 

Seinen kritischen Bemerkungen können wir vollkommen zustimmen, 
nicht dagegen seinem Abänderungsvorschlag, und zwar deswegen nicht] 
weil er uns nicht genügend aufklärt, was er unter „valeur actuelle" ver- 
steht. Aus unsern bisherigen Ausführungen ergibt sich, daß wir die vor- 
geschlagenen Gesetzesänderungen ablehnen müssen. Entweder stützen sie 
sich auf eine unrichtige Interpretation der bestehenden Vorschriften, oder 
dann auf ein unseres Erachtens unrichtiges Bewertungsprinzip. § 40 des 
deutschen H . G. B. regelt in zutreffender Weise ganz allgemein die Bilanz- 

a. a.O , Seite 111 und 211 , ferner derselbe im Bankarchiv, a.a.O., Seite 150 ff. 



78 



aufstellungi); § 261 nimmt auf ihn Bezug, § 40 gilt also auch für die 
Aktiengesellschaft subsidiär. Was nun speziell die Regelung für die Aktien- 
gesellschaft anbelangt, so möchten wir den ausdrücklichen Einbezug der 
Anlagewertpapiere in § 261, Abs. 3, und Art. 656 O. R., Abs. 2, vor- 
schlagen. 

^) Wir stimmen Buff (a.a.O., Seite 92) zu, der schreibt: Wir können daher 
den gesetzlichen Bewertungsvorschriften des § 40 H. G. B. mit Scheffler die Aner- 
kennung zollen, daß in ihrer Allgemeinheit, welche sich vor der Proklamierung eines 
Grundsatzes fernhält, eine legislatorische Weisheit zu erblicken sei, eine Anerken- 
nung, die keineswegs allen den Kaufmannstand betreffenden Gesetzen ausgesprochen 
werden kann. 



Inhaltsverzekhnis. 

[,. Vorwort **^ 

****** •..., J 

I. Theoretischer Teil. 

Das Wesen der Bilanz ^ 

§ 1. Historische Bemerkungen *.*.'.'.*.'. e 

I 2. Beispiel einer Bilanz -? 

§ 3. Der Kapitalbegriff '.*.*.!*.]! jj 

a) Der volkswirtschaftliche Kapitalbegriff (Produkt! vkapit'al.'capitai produktiv) 11 
c^\ P",^*^^^!'*^^^^^^^^^*^^ (bilanzmäßige) Kapitalbegriff (Erwerbskapital, 

c) Der Grundbegriff Kapital in volks- und privatwirtschaftlicher" Hinsicht 

(m tabellarischer Form) .r 

§ 4. Der Vermögensbegriff ] J^ 

a) Der privatwirtschaftliche (bilanzmäßige) Vermögensbegriif '. [ [ ' ' ' u 
d^ K^^^-^^f zwischen privatwirtschaftlichem (bilanzmäßigem) Vermögen 

c) Die Grundbegriffe Vermögen und Kapital in "der Bil'an'z (iii tabell'ar.* Forin) 17 

d) Zeriegung des Vermögens in der Bilanz 17 

§ 5. Schematische Bilanzaufstellung gO 

§ 6. Stehendes undumlaufendesVermögen(Betriebs-u.VeräulJerungsgegenstände) 21 

a) ßegrmsbestimmung » » » / 

b) Bedeutung des stehenden Vermögens ..'..*.".' 07 

§ 7. Das Wesen der Bilanz tt. 

a) Im allgemeinen '[ X« 

b) Definition der Bilanz ''-........ 32 

II. Praktischer Teil. 

Der Zweck der Bilanz 03 

§ 8. Der Zweck der Bilanz im allgemeinen '.".*.**.*.''* 33 

a) Darstellung der Vermögenslage und Erfolgsermittlung als Zweck der Bilanz 33 
, b; Vermögens- oder Gewinnermittlungsbilanz? 35 

Bewertungslehre *....* 37 

§ 9. Der Gesetzgeber in Deutschland und der Schweiz zur Frage der BeweituDß 37 

a) Die allgememen Bewertungsvorschriften des § 40 H. G. B. . . 37 

b) Die Bewertungsvorschriften für die Aktiengesellschaften des § 261 H G B* 40 

c) Die Bewertungsvorschriften für die Schweiz nach O. R. 656 . . " 41 
§ 10. Zusammenfassende Darstellung der Bewertungsvorschriften des Aktienrechts 42 

a) Tableau über die Bewertungsvorschriften des Aktienrechts ...... 42 

b) Die Bewertung der „andern Vermögensgegenstände" .' .* ' 42 

§ 11. Was versteht man unter dem Selbstkostenpreis? 45 

% 12. Die Bewertung der Veräußerungsgegenstände ! i . ] * . 48 

a) Im allgemeinen ' * ' 4« 

b) Im speziellen ....*...*. 51 

% 13. Reformvorschläge hinsichtlich der gesetzlichen Bewertuiigs Vorschriften für 

. 1^ fl^ Veräußerungsgegenstände. 55 

$ 14. Die Bewertung der Betriebsgegenstände 55 

A. Im allgemeinen . sa 

B. Kritik der verschiedenenBewertungsprinzipien für die Betriebsgegenstände 58 
1. Uebersicht über die verschiedenen Bewertungsprinzipien 58 

II. Schematische Uebersicht über die verschiedenen Bewertungsprinzipien 58 
III. Kritik der verschiedenen Bewertungsprinzipien .... 59 

a) Objektiver Wert . S9 

b) Subjektiver Wert ■'...,..[[. 61 

a) Hauptpunkte der Simonschen Bewertungslehre für die Betriebs- 
gegenstände ^2 

ß) Kritik der Simonschen, sowie der übrigen Bewertungslehren für 
die Betriebsgegenstände ^3 

C. Die Anlagewertpapiere yj 

D. Die immateriellen Werte ...,,'..,..,.,, ] ] . [ ' 74 

E. Die Werterhöhung bei Betriebsgegenständen . . . . 75 

^ 15. ZurFrage der Reform der Bewertungsvorschriften für die Betriebsgegenstände 76 





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