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Full text of "Die Klassen und Ordnungen des Thier-Reichs, wissenschaftlich dargestellt in Wort und Bild"

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Verfasser und Verleger behalten sich das Eecht der Uebersetzung in 

fremde Sprachen vor. 



Die 



Klassen und Ordnungen 



des 



THIER-REICHS, 



wissenschaftlich dargestellt 



in Wort und Bild. 



Von 



Dr. 11. G. Bronn, 

Prof. der Zoologie u. angewandten Naturgeschichte an der Grossherz. Universitt Heidelberg, 

auswrt. Mitgl. d. kn. Akademien d. Wissensch. zu Berlin u. Mnchen, 

der geolog. Gesellsch. zu London u. s. w. 



Natura in minimis mazima. 

Erster Band. 
AMORPHOZOE N. 

D)~C\\ wff EtSoatapltteu Eafct'n wuCb um&xmuvl Mo6&ic&uitteu>. 

Leipzig und Heidelberg. 

C. F. Winter'sche Verlagshandlung. 

1859. 



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Die 



Klassen und Ordnungen 



der 



FORMLOSEN THIERE 



(AMORPHOZOA) 



wissenschaftlich tiargestellt 



in Wort und Bild. 



Von 




Dr. H. G. Bronn 



5 

Prof. der Zoologie u. angewandten Naturgeschichte an der Grossherz. Universitt Heidelberg, 

auswrt. Mitgl. d. kn. Akademien d. Wlssensch. zu Berlin u. Mnchen, 

der geolog. Gesellsch. zu London u. s. w. 



Natura in minimis maxima. 



DVJ\X swot'f lYtoti'tapInttm GafelVv uii nicbtctcu dCotzAcfoiuttvit. 



Leipzig und Heidelberg. 

C. F. Winter'sche Verlagshandlung. 

1859. 



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Verfasser und Verleger behalten sich das Recht der Uebersetzung in 

fremde Sprachen vor. 



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Allgemeine Einleitung 

zu den 

Klassen und Ordnungen des Thier- Reichs. 

Organismen sind solche individuelle Natur-Krper von bestimmter 
Form, welche mit Lebens -Kraft oder Yitalitt versehen sind, die sich 
durch vegetative und durch generative Verrichtungen oder Funktionen 
ussert. In lebenslnglichem Stoffwechsel begriffen, nhren sie sich und 
wachsen durch innre Aufnahme und Aneignung von Nahrungs-Stoffen zur 
Gestaltung des Einzelnwesens und zur Erhaltung der Art, indem jenes 
nach gemessener Zeit wieder stirbt. Zu ihren Verrichtungen sind sie aus 
Lebens - Werkzeugen oder Organen zusammengesetzt, die selbst wieder 
aus zelligen Form -Elementen und aus beweglichen Sften bestehen, als 
deren beider Urstoffe hauptschlich und wesentlich Sauerstoff, Wasser- 
stoff, Kohlenstoff und Stickstoff in ternrer oder quaternrer Mischung 
erscheinen, denen sich aber auch noch einige andre einfache Verbindun- 
gen in untergeordneter Menge oder in eigenthmlichen Theilen beigesellen. 
Alle Organismen -Individuen lassen sich zu einer gewissen Anzahl von 
Arten vereinigen. Eine Art begreift jedesmal alle diejenigen Einzelwesen 
in sich, welche erweislich von einerlei Altern abstammen oder doch die- 
sen eben so hnlich, als sie unter sich sind. Die Organismen zerfallen 
in Pflanzen und Thiere. 

Thiere haben vor den Pflanzen noch die Sensibilitt, das Vermgen 
der Empfindung und Bewegung voraus und sind zu dem Ende noch mit 
einer Anzahl entsprechender Organe versehen, welche den Pflanzen abgehen. 
Die Mischung ihrer meisten oder aller wirklich organischen Krper-Theile ist 
quaternr, aus Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und verhltnissmssig we- 
niger Kohlenstoff als bei den Pflanzen. Nicht nur ihre Sfte, das Flssige, 
sondern auch die von diesen durchdringbaren Zellen -Wandungen, als das 
Starre, sind beweglich. Sie haben fast alle einen Mund und mit wenigen 
Ausnahmen einen geschlossenen Nahrungs-Kanal, in welchen die organi- 
schen (d. h. schon aus ternren und quaternren Verbindungen bestehenden) 
Roh -Stoffe gefhrt werden mssen, aus denen sie ihre Nahrungs - Fls- 
sigkeit schpfen, whrend die Pflanzen unorganische Nahrungs-Flssigkeit 
von aussen einsaugen. Ihr Wachsthum findet durch Zellen-Bildung in und 
zwischen den alten Zellen und im Innern der Organe statt, nicht an deren 
Umfang (zentrales" im Gegensatze des peripherischen" Wachsthums). 

Fr Empfindung und Wahrnehmung sind gewhnlich die Sinnes -Werk- 
Bronn, Klassen des Thier -Kelchs, i. * 



jj Allgemeine Einleitung. 

zeuge vorhanden; die Bewegung ist meistens bis zur Fhigkeit des Orts- 
wechsels gesteigert. 

Wie all -verbreitet aber auch diese Unterschiede von den Pflanzen 
sein mgen, so ist doch kaum einer unter ihnen (wenn nicht die, freilich 
oft noch kaum praktisch nachweisbare , Funktion der Sensibilitt und die 
Ernhrung aus nur organischen Stoffen?), der allen Thieren ganz ohne 
Ausnahme gemein und fr sich allein als unbedingtes Unterscheidungs- 
Merkmal zu betrachten wre, indem sie an der untersten Grenze des 
Thier-Reichs nur allmhlich zum Vorschein kommen , so dass beide Reiche 
wie aus einer gemeinsamen Wurzel entspringen und die thatschliche 
Feststellung ihrer Grenze schwierig wird. 

Die Thier-Lehre, die Wissenschaft von den Thieren, die Natur- 
Geschichte der Thiere, die Thier- Geschichte oder die Zoologie hat die 
Aufgabe, alle Thiere nach allen ihren Theilen, eignen Thtigkeiten und 
usseren Beziehungen zu erforschen, zu beschreiben und zu ordnen, 
Letztes in der Weise, dass nicht nur die Arten je nach dem Maasse 
ihrer gegenseitigen bereinstimmung in Sippen, Familien, Ordnungen, 
Klassen etc. nher zusammengerckt, sondern diese auch nach den Gra- 
den ihrer hheren Vollkommenheit bereinander gestellt werden. Sie zer- 
fllt demnach in viele einzelne Zweige, unter welchen wir 1) im Ein- 
zelnen: a) die Zerlegung aller Form-Theile des Krpers oder Zootomie, 
b) die chemische Untersuchung oder Zoochemie, c) die Lehre von den 
Verrichtungen der Organe oder die Zoo -Physiologie, dann 2) die Ver- 
folgung des Formen-Wechsels und krperlichen wie geistigen Lebens-Laufes 
vom ersten Keime des Individuums an durch alle seine Alters -Stufen 
hindurch bis zum Tode, und 3) endlich bezglich der Arten und Arten- 
Gruppen a) deren vollstndige Beschreibung oder Zoographie, b) die syste- 
matische Anordnung oder Taxonomie, c) die geographisch-topographische 
Verbreitung, d) die geologische Entwicklung und endlich e) deren Stellung 
im Haushalte der Natur als die wichtigsten hervorheben. berhaupt aber 
fhrt die Naturgeschichte alle ihre Untersuchungen schliesslich auf die 
Arten zurck und geht berall wieder von den Arten aus, abweichend von 
der Zoochemie, Zootomie, Physiologie, Morphologie u. s. w., wo diese Zweige 
der Naturgeschichte in selbststndigerer Weise auftreten. Da sich aber 
die Thier-Arten verschiedener Gruppen des Systemes in allen diesen Be- 
ziehungen sehr ungleich zu verhalten pflegen, so mssen wir, selbst in dieser 
doch mehr Allgemeinen Zoologie, den angedeuteten Untersuchungs-Gang 
in den wichtigsten derselben, wenigstens in den einzelnen Klassen und 
Ordnungen wiederholen, um uns eben von den Arten nicht allzuweit zu 
entfernen und die Theil- Beziehungen zur Individualitt des jedesmaligen 
Ganzen nicht aus dem Auge zu verlieren. 

Der naturgemsseste Gang dabei ist der von unten aufsteigende, 
welcher das Thier-Reich so wie das Thier-Individuum in seiner fortschrei- 
tenden Entwickelung betrachtet. Er ist es um so mehr, als im Allgemei- 
nen auch die Existenz der unvollkommneren Thiere derjenigen der voll- 



Allgemeine Einleitung. XII 

kommneren nicht nur zeitlich vorhergegangen ist, sondern dieselbe auch 
noch fortwhrend bedingt, obwohl es andrerseits oft bequemer und 
mit der geschichtlichen Entwickelungs -Weise der Wissenschaft berein- 
stimmender sein wrde, von den bekannteren und tglich beobachtbaren 
Erscheinungen der hheren Thier-Klassen zu den minder bekannten der 
kleinen und mikroskopischen Thier- Formen hinabzusteigen. Jener Gang 
ist es aber auch, der uus veranlasst, statt der analytischen eine mehr 
synthetische Behandlungs-Weise unsrer Wissenschaft zu whlen und aus 
allen besondren Beobachtungen erst allmhlich die allgemeineren Gesetze 
der Erscheinungen zu entwickeln*). Gleichwohl werden wir genthigt 
sein, noch einige Ausnahmen zu machen, und zwar a) einen bersicht- 
lichen Rahmen des Thier -Systems, b) eine kurze Andeutung der haupt- 
schlichsten Entwicklungs-Perioden der Zoologie und ihrer einzelnen Theile, 
und c) ein Verzeichniss der wichtigsten allgemeineren Litteratur fr alle 
Zweige der Zoologie vorauszusenden, aufweiche wir spter uns am fte- 
sten beziehen oder unsre Leser verweisen mssen. Wir werden uns nm- 
lich alsdann darauf berall krzer beziehen knnen. Sollte es nthig er- 
scheinen, so wrden sich am Ende des Werkes die allgemeinen Gesetze 
der Erscheinungen als Philosophie der Zoologie zusammenfassen lassen **). 
Geschichte.***) Wir haben schon erwhnt, dass die Kenntniss der 
Thiere von den grsseren und hheren Formen zu den kleineren und un- 
vollkommneren vorangeschritten ist. Vater der Zoologie und Vergleichen- 
den Anatomie ist Aristoteles (384 322 v. Chr.), ein ursprnglicher und 
selbststndiger Forscher , welchem sein Schler und Freund Alexander der 
Grosse von Macedonien alle nthigen Hlfsmittel zur Verfgung stellte. Was 
bis zu den ersten Jahren nach Christi Geburt in diesem Gebiete geleistet 
worden, suchte Plinius d. . (23 79 n. Chr.) mit einigen eigenen 
Beobachtungen in seiner Natur-Geschichte zusammenzustellen, die sich 
jedoch mehr mit den usseren Erscheinungen beschftigt. Die Zeit des 
Mittelalters war allen wissenschaftlichen Forschungen ungnstig bis zur 
Grndung der ersten Universitten (1200 n. Chr.), wo insbesondre die 
medizinischen Studien einen neuen Anstoss gaben, bis zur Erfindung 
der Buchdrucker- und Holzschneide -Kunst (1436 1490) und bis zur Ent- 
deckung des Kap's, Ostindiens und Amerika's (1486 1492) und zur Re- 
formation (1500 1546), wodurch alle Forschung freier, die Verbreitungs- 
Mittel fr die gewonnenen Resultate vervielfltigt und beschleunigt, die Ver- 
mehrung versinnlichender Abbildungen ermglicht und das Feld fr neue 



*) In unsrer Allgemeinen Zoologie" (Stuttg. 1850, 8.), wo sie selbst den Haupt-Zweck bil- 
deten, konnten sie bei einer absteigenden und analytischen Richtung sogleich vorangestellt werden. 
**) Fr jetzt verweisen wir auf unsre Morphologische Studien." Leipzig 1858. 8. 
***) Einen vollstndigeren und ausfhrlicheren Entwurf dieser Geschichte findet man in 
derselben Allgemeinen Zoologie, S. 6 46. Man missdeute es nicht, wenn in gegenwrtiger 
Skizze nicht alle verdienten Namen aufgezhlt sind. Es handelt sich nur um die allgemeinen 
Leistungen und Schriften in jedem Zweige der Wissenschaft. Im brigen wrde jede Abgren- 
zung willkhrlich sein; von einzelnen Leistungen spter! 

** 



jy Allgemeine Einleitung. 

Entdeckungen viel weiter ausgedehnt wurde. Da erschienen des Zricher 
Arztes Conr. Gesner in Gehalt und Ausstattung herrlichen Druck -Werke 
ber die Naturgeschichte der Wirbelthier- Klassen (1550), sowie spter die 
von Aldrovandi, da entdeckte Vesalius den kleinen, Harvey 
(1651) den grossen Blut-Kreislauf der hheren Thiere, ermittelten s e 1 1 i , 
Pecquet u. A. die Bewegungen des Chylus, setzte Galilei (1612) das 
Mikroskop zusammen, welches indessen erst Swammerdam und Mal- 
pighi (1669) und Leeuwenhoeck(1685) verbesserten und zu feineren zoo- 
logischen und anatomischen Untersuchungen grssrer und kleinerer Thiere 
benutzten. Da begann mit C. Linne (1737 1778) eine neue Zeitrechnung 
der Naturgeschichte, nicht sowohl in Folge seiner tief-eindringenden Forsch- 
ungen oder der neuen von ihm erzielten Resultate, sondern mehr seines 
anregenden Eifers, seines ordnenden Wirkens und der von ihm in die Natur- 
geschichte berhaupt eingefhrten Form -Verbesserungen, wodurch sie ein 
Gemeingut zu werden sich eignete. Er war es, der eine fest bestimmte 
Tennin ologie, eine binre Benennungs- Weise aller Arten, eine scharfe 
Diagnose, eine gute Beschreibung und eine regelmssig gegliederte Klassi- 
fikation durch Abstufung in Klassen, Ordnungen und Sippen (Genera) in 
die Wissenschaft einfhrte, alle bis dahin entdeckten Arten selbst kennen 
zu lernen und in sein System einzutragen sich bemhte und viele begei- 
sterte Schler zum Sammeln nach allen Welttheilen aussandte. Sein 
Systema animaliam ist seit 1735 allmhlich in 13 immer reicheren Auflagen 
erschienen. Im Jahre 1767 (ed. XII.) zhlte es kaum ber 5600 Arten. 
Die letzte oder XIII. viel reichere Autlage hat nach Linne's Tode J. Fr. 
Gmelin 1788 1793, nicht mit dem besten Erfolge , besorgt. Damit war 
die Reihe der alle Klassen, Sippen und Arten umfassenden systematischen 
Werke geschlossen. Kein einzelner Zoologe konnte fortan noch das ganze 
System umfassende Species animalium" 1 - herauszugeben wagen ; kein Verein 
hat sie mehr versucht. NurLamarck hat noch ein hnliches, doch auf 
die Wirbel-losen Thiere" beschrnktes, aber auch hier keineswegs voll- 
stndiges und namentlich in Bezug auf die sechsfssigen Insekten sehr 
gekrztes Original -Werk (1801, 18151822) geliefert. Lang wrde die 
Liste sein, wollten wir alle Naturforscher aufzhlen, welche nach Linne 
die verschiedenen Zweige der Zoologie bearbeitet, erweitert oder besser 
gestaltet, insbesondere aber auf seine Vorarbeiten gesttzt und in seine 
Fusstapfen eintretend bald diesen und bald jenen Theil des Systemes mit 
neuen Arten zu bereichern oder durch genauere Untersuchungen zu ver- 
vollkommnen im Stande gewesen sind, und worauf wir berdiess bei den 
einzelnen Thier-Klassen zurckkommen mssen. 

Inzwischen hatte neben der usserlich beschreibenden und nach 
usserlichen Merkmalen klassifizirenden Zoologie die sogen. Vergleichende 
oder Thier-Anatomie seit Malpighi die bedeutendsten Fortschritte gemacht, 
und Blumenbach (1805) den Stand dieser Wissenschaft in einem Lehr- 
buche dargestellt, nachdem Vic d'Azyr 1774 ff. und Gg. Cuvier seit 
1795 bemht gewesen, auch den anatomischen Merkmalen Geltung bei 



Allgemeine Einleitung. y 

der Klassifikation der Thiere zu verschaffen oder diese mitunter aus- 
schliesslich darauf zu grnden. Aber die bedeutendste Folge dieser Fort- 
schritte verkrperte sich nach manchen Vorarbeiten in Gg. Cuvier's 1819 
und in zweiter Auflage 1829 erschienenem Thier-System", gegrndet auf die 
gesammte ussre sowohl als innre Organisation der Thiere, worin Latreille 
die Bearbeitung der Insekten bernommen hatte, ein bis in die Sippen 
und Unter-Sippen herab vollkommen durchgefhrtes und berall durch Zu- 
theilung wenigstens einzelner typischer Arten reprsentirtes System, das 
sich durch die vollstndige Benutzung aller Merkmale, durch die Abw- 
gung des Werthes der einzelnen Charaktere gegeneinander, durch die Voran- 
stellung der gewichtigsten, wie durch die Einfhrung eines wesentlichen 
neuen zwischen Reich" und Klasse" stehenden Klassifikations - Glie- 
des, der Unterreiche", Kreise oder Grund-Typen" des Thier-Reiches aus- 
zeichnet. Diese Grund-Typen, deren Cuvier 4 angenommen, unterschei- 
den sich von den andern mehr willkhrlichen Kategorien der systemati- 
schen Gliederung dadurch, dass sie nicht auf einer zuflligen grsseren 
oder kleineren Summe verschiedener Merkmale beruhen, auf welche man 
oft erst nur Sippen gegrndet, diese aber spter zu Familien, Ordnungen und 
selbst Klassen erhoben hat (welche mithin als vernderliche Hlfs-Begriffe er- 
scheinen), sondern dass sie in den architektonischen Grundplanen der Thier- 
Krper von einander verschieden und in der Natur selbst vorhanden sind. 
Whrend nun hauptschlich in Folge der Durchforschung ferner Welt- 
gegenden die Anzahl der bekannten Thier-Arten allmhlich auf 100 1 20,000 
anstieg und damit eine Menge ganz neuer Formen sich der Beobachtung dar- 
bot, deren Aufsuchung und Beschreibung viele Zoologen beschftigte, verfolg- 
ten zahlreiche Schler und Nachfolger den von Cuvier eingeschlagenen Weg 
der Erforschung des inneren Baues derselben und seiner Anwendung auf die 
Klassifikation immer weiter; so Audouin, Duvernoy, Laurillard, 
Valenciennes in Frankreich, Meckel, Rudolph i, Tiedemann, 
Johannes Mller, Rud. Wagner in Deutschland, Richard Owen 
in England, delle Chiaje in Italien u. v. A. Inzwischen erffnete sich 
den anatomischen Forschungen seit den dreissiger Jahren ein neues Feld, 
in Folge durchgefhrter Anwendung des Mikroskopes in Verbindung mit 
chemischen Reagentien, wodurch ganze Thier- Klassen der genaueren Un- 
tersuchung erst zugnglich geworden sind. Es sind theils noch die vorigen 
und theils ihre Schler, denen wir diese Erweiterung des Forschungs-Gebietes 
mit den herrlichsten Resultaten verdanken, in Frankreich Duges, Quatre- 
fages, Blanchard, Haime, in Deutschland Ehrenberg, v. Siebold, 
Troschel, Leuckart, Klliker und zahlreiche Andre, mit deren Namen 
wir bei den einzelnen Thier -Klassen allmhlich werden vertrauter werden. 
Obgleich der grosse Aufschwung der Chemie mit den siebenziger und 
achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begonnen, so hat die organische 
und insbesondre die Zoo- Chemie doch erst seit etwa den letzten 30 Jahren 
fr die genauere Kenntniss der Zusammensetzung des Thier -Krpers in 
allen Abstufungen des Systemes wesentlich ausgiebiger zu werden be- 



yj Allgemeine Einleitung. 

gnnen. Sie ist seither mit der Zootomie gleichen Schrittes gegangen, und 
beide haben sich oft wechselseitig untersttzt. 

Was endlich die grossentheils erst aus der Menschen -Physiologie her- 
vorgegangene vergleichende Ph 3^ siologie betrifft, in deren Gebiet seit 
den schon oben berichteten Entdeckungen die Unterscheidung der Willens- 
und der Bewegungs-Nerven durch Ch. Bell u. A. (1822 23) vielleicht die 
wichtigste gewesen, so war auch ihre weitre Fortbildung hauptschlich durch 
die vergleichende Anatomie und Chemie bedingt. Nach und neben v. Baer's, 
Magen die 's, J. Mll er 's u. v. A. verdienstlichen, meist nur auf den 
Menschen bezglichen Arbeiten hat besonders Burdach (1828 1840) 
die physiologische Wissenschaft in deren ganzem Umfange auf ihrem zeit- 
lichen Stande darzustellen gesucht, haben Liebig, Mulder, Dumas u. A. 
(1845 ff.) die wichtigsten physiologischen Prozesse vom chemischen Ge- 
sichts -Punkte aus beleuchtet und hat zum Theil in dessen Folge die 
Physiologie immer mehr den experimentellen Weg eingeschlagen, welcher 
die wesentlichsten Fortschritte verspricht. Insbesondre hat sich seit den 
vierziger Jahren durch die Untersuchungen ber die elektrische und endos- 
motische Thtigkeit der elementaren Form-Theile der thierischen Gewebe 
eine immer grssre Anzahl von den zur Ernhrung dienenden und andern 
Prozessen als eine Reihe rein chemischer und physikalischer Vorgnge 
herausgestellt, die man frher in Ermangelung ihrer nheren Kenntniss nur 
von der Lehenskraft ableiten zu knnen geglaubt hat, deren Existenz 
dagegen in der voraus - berechneten Hervorbringung und Gestaltung eben 
jener Form-Theile am rechten Orte und mit der rechten Thtigkeit fr 
ihre zuknftige Bestimmung sowie in der ganzen harmonischen Zusammen- 
setzung und der Entwickelung des Organismus bloss aus lterlichen Kei- 
men berzeugend hervortritt. 

Untersuchungen ber einheitliche Grund-Formen der Thiere sind 
von uns selbst wie von V. Carus und neuerlich von G. Jger gepflogen 
worden. 

Mit der fortschreitenden Entdeckung immer neuer Tkier-Formen, mit 
der immer sorgfltigeren Beschreibung und chemischen wie anatomischen 
Zerlegung derselben, mit der besseren Kenntniss von ihren Lebens-usse- 
rungen mussten auch die Grundstze der Klassifikation, die Taxonomie, 
eine selbststndigere wissenschaftliche Gestaltung gewinnen. Nachdem der 
ltre Jussieu gelehrt, die Merkmale fr die Nebeneinander- und die Unter- 
Ordnung in der Gliederung des Systemes nicht nur zu zhlen, sondern 
auch zu wgen, nachdem Cuvier nicht allein die Ergebnisse der Zoo- 
tomie in die Systematik eingefhrt, sondern auch vier Haupt -Typen als 
Erste Grundlagen des Systemes nachgewiesen, deren untersten oder den 
der Pflanz en-Thiere wir jedoch glauben in zwei, in Strahlen- und Form- 
lose Thiere zerlegen zu mssen, sind allerdings noch andre Systeme auf 
neuen theils reellen und theils formellen Grundlagen versucht worden. 
So wollte Oken (1802 1850) bald alle Kategorie'n des Systemes wie 
Klassen, Ordnungen, Sippen u. s. w. in gleicher Zahl errichtet wissen, 



Allgemeine Einleitung. yjj 

bald jedes Organen - System in einem entsprechenden Thier-Kreise, jedes 
Organ in einer entsprechenden Thier -Klasse vertreten sehen und wusste 
eine Zeit lang manche Anhnger fr diese oder jene Ansicht zu begeistern. 
So wollten Ehrenberg und mehre andre Systematiker nur physiologische 
statt anatomische Merkmale an die Spitze der Haupt- Abtheilungen des 
Systemes gestellt wissen, wobei insbesondre die aus der Entwickelungs- 
Geschichte der Thiere entnommenen die hchste Beachtung in Anspruch nah- 
men (v. Baer, van Beneden, Klliker, Vogt etc.). Im natrlichen 
Systeme sind jedoch alle Arten von Merkmalen gleich-berechtigt und nach 
ihrem Gewichte zu ordnen. So will endlich Agassi z die verschiedenen 
Kategorie'n des Systemes auf eben so verschiedene und voraus bestimmte 
Kategorie'n von Merkmalen gegrndet wissen: die Kreise auf den Bau- 
Plan , die Klassen auf die zu seiner Ausfhrung gebrauchten Mittel und 
Wege, die Ordnungen auf die Komplikations - Stufe der Ausfhrung, die 
Familien auf die Form etc. Wir haben (1858) in einer eigenen Schrift 
diese Merkmale einer eingehenden Prfung unterworfen und ausser den 
architektonischen fr die Unterreiche oder Kreise zwar solche der pro- 
gressiven Entwickelung , auf welcher in allen Kreisen die stufenweise 
Vervollkommnung der Organisation beruhet, und solche der Anpassung 
an ussre Existenz -Bedingungen unterschieden, die sich in allen Unter- 
reichen wiederholen und mit den vorigen durchkreutzen, mssen aber die 
nur in manchen Fllen zusagende A gas siz 'sehe Forderung (wie alle 
bloss theoretisch gemachte Systematik) ihrer oft Natur - widrigen Folgen 
wegen verwerfen*). 

Die Thier- Geographie, die wissenschaftliche Erkenntniss von 
den Gesetzen der Verbreitung des Thier -Reiches als eines Ganzen ber 
die Erd- Oberflche, welcher allmhlich zahlreiche Faunen zur Grundlage 
dienen knnen, hat in ihrer Allgemeinheit erst in Agassiz und Schmarda 
Bearbeiter gefunden; Andre sind fr einzelne Kreise und Klassen aufge- 
treten; unsre Kenntnisse in dieser Beziehung sind aber noch viel zu 
lckenhaft, um eine zugleich grndliche und bersichtliche Bearbeitung- 
aller Unterreiche in Bezug auf die ganze Erd -Oberflche zu gestatten, 
deren klimatische, topographische und pflanzengeographische Verhlt- 
nisse dabei alle sehr mit in Betracht zu ziehen sind, zu deren Kenntniss 
vor 56 Dezennien zuerst v. Humboldt den Weg gebahnt; aber unter- 
meerische Forschungen haben erst seit den letzten 10 Jahren begonnen 
sich an die ber dem Meeres-Spiegel ergnzend anzuschliessen. 

Die Erforschung der geologischen Verbreitung und Entwickelung des 
ganzen Thier -Reiches oder die eigentliche Thier-Geschichte hat 
im vorigen Jahrhundert mit der Einsammlung und Abbildung der fossilen 
Reste seitens der Kuriositten -Liebhaber ihren Anfang gefunden. Erste 
grndliche Bestimmer und Beschreibe!' fossiler Konchylien nach Linne's 



*) Bloss geschichtliche berblicke der Systeme findet man bei S p i x , Agassiz (Contri- 
butions) und in unsrer Allgemeinen Zoologie. 



VIII Allgemeine Einleitung. 

Methode waren Brand er (1766) und spter J. Sowerby (1812 ff.) in 
England, Blumenbach (1803) und besonders Goldfuss (1826) in 
Deutschland, de Lamarck in Frankreich (1802 ff.), Brocchi in Italien 
(1814), wo auch Volta sich zuerst in den Fischen versuchte (1796); doch 
lehrte G. Cuvier zuerst die fossilen Knochen im Allgemeinen richtiger be- 
stimmen und verwerthen (1812 ff.), worin ihn spter Agassiz in Bezug 
auf die Fische ergnzte (1844). Die Beziehungen der einzelnen Arten zu 
den aufeinander-folgenden Gebirgs - Bildungen suchten zuerst v. Sehlot- 
heim in Deutschland (1813, 1820) und William Smith in England 
(1816) nachzuweisen und festzustellen. Zur Frderung dieser letzten 
Studien war unsre Lethaea geognostica (1833 1854) mitzuwirken be- 
stimmt. Etwa vom Jahre 1820 an drngten sich die Forschungen nach 
den fossilen Resten, die Bearbeitung derselben bald nach einzelnen rt- 
lichkeiten und Lndern und bald nach Klassen und Ordnungen oder Fa- 
milien aller Orten und besonders in Europa und Nord-Amerika so sehr, dass 
jetzt schon ber 30,000 fossile Arten bekannt und beschrieben sind, ob- 
wohl aus den brigen Welttheilen nur erst Weniges zu unsrer Kcnntniss 
gelangt ist. Diese materielle Ausbeute haben wir selbst, Pictet, Geinitz, 
d'Orbigny, Quenstedt von Zeit zu Zeit systematisch zu ordnen und 
so mit Agassiz, Burmeister und Harting zu Ermittelung des Gesetz- 
lichen in der Aufeinanderfolge der Thiere zu benutzen gesucht, was jedoch 
nur unter Mitbercksichtigung des gleichzeitigen Entwickelungs - Ganges 
der Erd-Oberflche und der Pflanzen-Welt gelingen kann. 

Was endlich die Kenntniss von den Wechselbeziehungen der ver- 
schiedenen Thier-Klassen unter sich, zum Pflanzen-Reiche und zum Haus- 
halte der Natur im Ganzen betrifft, wohin wir auch deren fr den 
Menschen ntzliche und schdliche Leistungen zu rechnen haben, so liegt 
darber zwar eine Menge von Thatsachen vor; aber eine Unterordnung 
und Einth eilung derselben unter allgemeine wissenschaftliche Gesichtspunkte, 
z. B. Physiostatik , d. h. eine Nachweisung des wechselseitigen Gleich- 
gewichts- und Abhngigkeits - Verhltnisses , und dann berhaupt eine 
wissenschaftliche Bearbeitung des Gegenstandes in seinem ganzen Umfange 
mangelt uns noch vllig. 



Um eine vorlufige bersicht der Stellung, der Verwandtschaften 
und Verschiedenheiten der einzelnen Thierkreise, die uns hier beschftigen, 
zu geben, theilen wir neben- stehende Tabelle, Seite ix mit. 

Ein Verzeichniss derjenigen allgemeinen Litteratur, welche bei ein- 
zelnen Thier- Kreisen entweder keinen Raum finden kann oder bei jedem 
derselben wiederholt werden msste, folgt S. x nach. 

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IX 



Tabellarische bersicht 

der 

fnf Unterreiche oder Kreise des Thier- Reichs. 



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Organen - Systeme und Organe. 



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XU Allgemeine Litteratur. 

60) The Zoological Magazine, London 1833 

61) Philosophical Transactions of the Koyal Society of London, 4. (jhrlich I Band in 2 bis 
3 Theilen, 1857 = vol. CXLV1I.) 

62) Transactions of the Royal Society of Edinburgh, Edinb. 4. 17881843, XV voll 

63) Transactions of the Zoological Society of London, 4. 1833 1857, IV voll, in 26 parts. 

64) Transactions of the Microscopical Society of London. 8. 1844 52. III voll. 

65) Lankester a. Busk : Quarterly Journal of Microscopical Science, incl. the Transactions etc. 
London, 80. 185257, voll. L V. 

i) Amerikanische: 

66) B. Silliman (etc.) : the American Journal of Science and Arts. New Haven, 8. (jhrlich 
2 Bnde) 182045, vol. L XLIX.; new series: 184657, L XXIV. 

67) Transactions of the American Philosophical Society at Philadelphia, 4. New Series, 1818 
bis 1844; voll. L IX 

68) Proceedings of the Academy of Natural Science of Philadelphia, Philad. 8., 2. series, 
184957. voll. I. IX. 

69) Journal of the Academy of Natural Science of Philadelphia, Philad. 4. 2. series, 1848 
bis 1857, voll. L III. 

F. Allgemein systematische Werke (chronologisch) : 

70) U. Aldrovandi : Opera omnia, XIII voll, in fol. Bonon. 15991646; edit. Francof. 1637 44. 

71) C. a Linne: Systema naturae, edit. 1. Lugd. Batav. 1735, 14 pp. in Fol.; edit. 13. 
cura J. A. Gmelin: Lipsiae, 8. Zoologia, voll. VII, 17SS 1793. 

72) G. L. de Buffon (Daubenton et Lacepede) : Histoire naturelle generale et particuliere, 
XLIV voll. 4. Paris 17491804; Histoire naturelle etc., XCvoll. in 12. Paris 1752 bis 
1805. Diese und spter die Oeuvres completes" in zahllosen, in Format und Bnde -Zahl 
wechselnden, zum Theil auch verbesserten Ausgaben, die sich aber gleich den ersten alle 
nicht ber die Wirbelthiere hinaus erstrecken; ausgenommen die bei Roret in Paris er- 
scheinende mit ihren (Nouvelles) Suites Buffon in 8., Paris 1834 57," wovon jedoch 
erst wenige Theile ber einzelne Thier- Klassen vollendet sind. 

73) J. Fr. Blumenbach : Handbuch der Naturgeschichte. Gtting., 8. 12 Auflagen, 1779 1830. 

74) G. Shaw. General Zoology, continued by Stephens, XXII parts, London 1800 1819, 8. 
(Mollusken und Pflanzen - Thiere fehlen.) 

75) de Lamarck : Systeme des animaux sans vertebres, Paris 1801, 8.; Histoire naturelle 
des animaux sans vertebres, Paris, 8. VII voll. 1815 22. 2. edit. augmentee par 
G. P. Deshayes et Milne - Edwards , XI voll. 1835 45 [ergnzt sich mit Buffon]. 

76) G. Cuvier : Tableau elementaire de l'histoire naturelle des animaux, Paris 1798. 8". Le 
regne animal distribue d'apres son Organisation, IV voll. 1817. Paris, 8.; 2. edit. V voll. 
1829; edit. accompagnee de (presque 1000) planchcs gravees, publiee par ses eleves, 2451ivr. 

77) G. Cuvier: das Thier-Reich etc., bers, u. erweitert v. Voigt. VI. Leipzig 1831 43. 8. 

78) Guerin-Meneville : Iconographie du regne animal de G. Cuvier. VII voll, (in 8. ou 4".) 
450 pH. Paris 1829 44. 

79) Oken Lehrbuch der Zoologie, II, 1816, Jena, 8.; Allgemeine Naturgeschichte : Thier- 
Reich, IV Theile in 8 Bnden, Stuttg. 1833 38, So. 

80) J. van der Hoeven : Handboek der Dierkunde, 2.Uitgaiv, II Bde. 8o. Amsterd. 1850 1855 
mit Atlas (der 1. Band auch deutsch als Naturgeschichte der Wirbel-Thiere, Leipz. 1850, 8o.) 

Hierher noch zahlreiche Lehrbcher, welche wegen einer verbesserten Eintheilung einzelner 
Ordnungen, Familien u. dergl. an ihrem Orte nher zu bezeichnen sein werden. 

G. Sammelschriften, Wrterbcher u. gemischte Bilderwerke (chronologisch) : 

81) Encyclopedie methodique ou par ordre des matieres, par une societe de gens de lettres ; 
Histoire naturelle, X voll, en 20 parties et XVII voll, de 1850 i>ll. Paris, 40. 1782 1832. 

82) Dictionnaire des sciences naturelles, chez Levrault, LX voll. 80. avec Atlas, Paris 1816-30. 

83) P.S.Pallas: Miscellaneazoolog.,Leidae, 1778. 4o.; Spicilegia zoologica, Berolini 1767-80. 4o. 
M) de Leeuwenhoeck : Opera omnia, s. Arcana naturae microscopiis detecta (168586), edit. 

noviss. emend. VII tomi in IV part. cum tab. 105, Lugd. Batav. 1722. 

85) A. Sebae : locupletissimi rerum naturalium thcsauri descriptio et iconibus expressio. IV voll, 
in fol. Amstelodami 17341765. 

86) J. F. Blumenbach: Abbildungen naturhistor. Gegenstnde. Gtting. So.Centuria 1. 1796-1810. 

87) G. E. Rumpf: Amboinsche Rariteit-Kammer, Amsterdam 1705, in fol. = Thesaurus ima- 
ginum etc. Haag 1739, in Fol. 

88) W. E. Leach Zoological Miscellany, being Descriptions of new or interesting animals. 
III voll, with 120 col. pH. London 1817. 80. 

Gurin-Meneville (s. no. 78.). 

89) H. Burmeister: Zoologischer Hand-Atlas, 43 Tfln. in Fol. u. 49 Bog. Text. Berlin 183543. 

90) L. Agassiz: Contribtitions to the Natural History of the United States of America. Boston. 
40. I., 1857 ff. [soll X voll, geben.] 



Allgemeine Litteratur. XIII 

H. Weltumreisungen (zunchst nach den Nationen, dann nach der Zeit geordnet): 

91) F. J. T. Meyen : Beitrge zur Zoologie, gesammelt auf einer Reise um die Welt (Nov. 
Act. phys. med. Acad. Leopold. 1835, XVI., XVII. et Suppl.). 

92) Fr. Peron: Voyage de decouvertes aux terres australes sur les Corvettes le Geographe, 
le Naturaliste etc. pendant les annees 18001804; II voll, in 4o. et 2 Atl. in fol. Paris 
180710; 2e edit. revue etc. par L. de Freycinet, IV voll. So., Atlas in 4o. Paris 182425. 

93) de Freycinet: Voyage autour du monde sur les Corvettes l'Uranie et la Physicienne 
en 181720, V11I voll, in 4o. av. 348 pH. in fol. Paris 182446. Zoologie par Quoy 
et Gaimard, II voll., 96 pll. 1824. 

94) Duperrey: Voyage autour du monde sur la Coquille en 1822 25, Paris 1828 ss. 
Zoologie par Garnot, Lesson et Guerin, II voll. 4. avec 157 pll. in folio, 1829. 

95) Dumont d'Urville : Voyage de la Corvette Astrolabe en 1826 29, XII voll, de texte 
in 8o., I vol. in 40. et VI voll, in folio, Atlas. Paris 1830 ss. Zoologie par Quoy et 
Gaimard, IV voll, avec II voll, de pll., et Entomologie par Boisduval, I vol. 

96) Laplace. Voyage autonr du monde de la Corvette la Favorite pendant les annees 
1S30 1832 ; IV voll. So. Paris 183335; la Zoologie par Eydoux, Laurent, Gervais 
et Guerin-Meneville, I vol. av. 70 pll. 1836 38. 

97) Dumont d'Urville : Voyage au pole sud et dans l'Oceanie sur les Corvettes 1 'Astrolabe 
et la Zelee en 1837-40, XXXIV voll, de texte in 8o., Atlas de 520 pll. in fol. et 64 cart. 
Paris 1841 ss. Zoologie par Hombron et Jacquinot, VI voll. av. 150 pll. 

98) Vaillant : Voyage autour du monde, pendant les annees 1836 37 sur la Corvette la 
Bonite, XIV voll. 80. av. 360 pll. in fol. Paris 1839 44; Zoologie par Eydoux, Sou- 
leyet et Laurent, IV voll. 1841, avec 100 pll. etc. 

99) Dupetit - Thouars : Voyage autour du monde sur la Venus, en 1836 39. X voll, de 
texte in 80. av. 150 pll. in fol. Paris 184144. Zoologie par Is. Geoffroy St. Hilaire 
et Valenciennes, Vg vol. av. 50 pH. 

100) J. Richardson, N. A. Vigors, G. T. Lay, E. T. Bennet, R. Owen, J. E. Gray: Zoology 
to the Voyage to the Pacific and Behring's Straits, performed under the command of Capt. 
F.W. Beechey in the years 1825 28. VI parts etc. with 50 plates. London. 4. 1839. 

101) Voyage of H. M. S. Beagle under the command of Capt. Fitzroy during the years 
1832 1836. London, 40. 1838 ss. Zoology by R. Owen, Waterhouse, Jenyns, Darwin etc. 

102) Zoology to the Voyage of H. M. S. Sulphur under etc. Capt. Edw. Belcher ; XII parts, 4o. 
by J. E. Gray, Gould, J. Richardson, R. B. Hinds, Bell etc. London 18431846. 

103) O. v. Kotzebue: Reise um die Welt in den Jahren 1823 26, II Bde. 80. mit einem 
Anhang von J. Fr. Eschscholtz : bersicht der Zoologischen Ausbeute. Weimar 1830. 

I. Zoptomie (chronologisch) : 

104) X. Bichat: Anatomie generale, IV voll. Paris 1801 ; bers, v. Pfaff, Leipzig 1803. 8. 

105) G. de Cuvier: Lec,ons d'anatomie comparee. Paris. So. 1. edit., V voll. 1800 ss.; 2. edit, 
V1I1 voll. 1836-1846," avec pll.; bers. 1837 ff. 

106) Blumenbach: HandbHch der vergleichenden Anatomie. Gtting. 1805. 3. Aufl. 1824.* 

107) E. Home: Lectures on comparative anatomy. VI voll. 4. London 1814 28. 

108) J. Fr. Meckel: System der vergleichenden Anatomie. VI Bde. So. Halle 1821 33. 

109) Carus: Lehrbuch der vergleichenden Zootomie. Leipzig 1834. IL 80. mit 20 Tafeln 40. 

110) R. Wagner: Icones zootomicae. Hand -Atlas fr vergleichende Anatomie. 35 Tafeln in 
/s Fol. Leipzig 1841. 

111) T. R. Jones: a general outline of the animal Kingdom and manual of comparative anatomy. 
London 1841. 80. 

112) Stannius und v. Siebold : Lehrbuch der vergleich. Anatomie. Berl., 80. 1846 ff. 2. Aufl. 1S54. 

113) C. Bergmann und R. Leuckart: Anatomisch -physiologische bersicht des Thier-Reichs, 
zum Unterricht und Selbststudium, mit 438 Holzschnitten. Stuttgart 1852. 80. 

114) W. B. Carpenter: Principles of comparative anatomy, 4. edit. London 1854. 

115) T. Rymer Jones: The general structure of the animal Kingdom. 2. edit. London 1855. 

116) Leydig: Lehrbuch der Histologie des Menschen und der Thiere. Frankfurt 1857. 80. 

1 17) Milne-Edwards : Lec,ons sur la physiologie et l'anatomie comparee de l'homme et des animaux. 
Paris 80., 1857, 1858 .., voll. I IV .... 

118) J. V. Carus: Tabulae zootomicae. Lipsiae, in fol. I. die Wirbelthiere, mit 23 Taf. 1857. 

119) E. Blanchard: 1' Organisation du regne animal. Paris, in fol. XXI livr. (jusqu' 1858.) 

120) Meckel's Archiv fr Anatomie und Physiologie. Leipzig. 80. (1826 32. VI Bde.) 

121) J. Mller's Archiv fr Anatomie, Physiologie u. Medizin. Berlin, 80. (seit 1834 jhrl. 1 Bd.) 

122) v. Siebold u. A. Klliker: Zeitschrift f. wissenschaftl. Zoologie. Leipz. 80. (seit 1848 jhrl. 1 Bd.) 

123) R. B. Todd: Cyclopaedia of Anatomy and Physiology. London. L voll. (1858 komplet.) 

K. Zoochemie : 

124) J. Liebig: Organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie. 2. Aufl. 
Braunschweig 1842. 80. 

125) Thier-Chemie. 2. Aufl. Braunschweig 1843. & u. a. 

126) G. J. Mulder: Allgemeine physiolog. Chemie, bers, v. Moleschott. Heidelberg 1844 ff. 80. 



XIV Allgemeine Litteratuf. 

127) J. E. Schlossberger : Lehrbuch der organischen Chemie. 4. Aufl. Leipzig 4857. SO. 

128) G. G. Lehmann: Lehrbuch der physiologischen Chemie. 2. Aufl. 

129) 0. Funke: Atlas zu dessen physiologischer Chemie, 18 Tafeln. Leipzig 1858. 40. 

L. Thier- Physik: 

130) A. Haies: Haemastatics. London 1733. 80. 

131) A. W. Volkmann: Die Hmodynamik, nach Versuchen. Leipzig 1850. 8o. 

132) W. und E. Weber: Mechanik der menschlichen Geh -Werkzeuge. Gtting. 1836. 8o., mit 
17 Tfln. in 4. u. fol. 

133) F. Girou-Teulon: Principes de mecanique animale, ou Etudes de la locomotion chez l'homme 
et les animaux vertebres. Paris 1852. 8o. 

M Allgemeine Thier -Physiologie: 

134) C. Fr. Heusinger: Grundzge der vergleichenden Physiologie. Leipzig 1831. 8o. 

135) Burdach: Die Physiologie als Erfahrungs-Wissenschaft. VI Bde. Leipzig 1832 40. 8. 

136) Joh.Mller: Handb. der Physiologie des Menschen. IIBde. So. (seit 1833 viele Aufl.). Koblenz. 

137) R. Wagner: Lehrbuch der speziellen Physiologie. 2. Aufl. Leipzig 1844. 8o. Dessen 
Icones physiologicae , fasc. III, tab. 30. Lipsiae 1839. 4o. 

138) Ludwig: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. II Bde. in 5 Abtheilungen. 8o. Hei- 
delberg und Leipzig 1842 56. (unvollendet.) 

139) D. de Blainville : Cours de physiologie comparee, publie par Hollard. III voll. 8o. Paris 1835. 
Milne-Edwards (s. no. 117). 

140) L. Agassiz und A. A. Gould: Comparative Physiology (als 1. Theil ihrer Zoology). Boston 
1851. 8o. (bersetzt von H. G. Bronn.) Stuttgart 1855. 80. 

141) F.Magendie: Journal de physiologie experimentale et patholog. Paris 1821-33. XIII voll. 8. 
Meckel's und Mller's Zeitschriften etc., s. no. 120, 121. 

142) C. F. Heusinger: Zeitschrift fr organische Physik. Eisenach. So. 1827 28. IV Bde. 

143) Tiedemann und Treviranus : Zeitschrift fr Physiologie. Darmstadt. 4o. V Bde. 1826 35. 

144) (R. Wagner) Handwrterbuch der Physiologie. Braunschweig 1842. So. 

145) K. B. Reichert: Studien des Physiologischen Instituts in Breslau, mitTafeln. 4. Leipz. 1858. 

N. Psychologie (chronologisch): 

146) Autenrieth : Ansichten ber Natur- und Seelen-Leben. Stuttgart 1836. 

147) St. Bushnan: The philosophy of instinct and reason. Edinburgh 1837. 8. 
14S) E. Jesse : Gleanings in natural history. 3. series. London 1837. 8. 

149) W. Swainson : The habits and instincts of animals. London 1S40. 

150) P. S. Scheltema : Over het lnstiuct by Menschen en Dieren. Arnheim 1840. 8. 

151) P. Seheitlin: Versuch einer vollstndigen Thier-Seelen-Kunde. 2 Bde. 8o. Stuttgart 1840. 

152) Fr. Cuvier: Resume analytique de ses observations sur 1' instin et et rintelligence des ani- 
maux, par P. Flourens. Paris 1841. 12. 2. edit. 1845. 

153) L. K. Schmarda: Andeutungen ber das Seelen-Leben der Thiere. Wien 1846. So. 

154) J. Couch: Illustrations of Instinct, deduced from the habits of British animals. Lond. 1847. 

O. Entwickelungs-Geschichte und Lebenslauf. 

155) v. Baer : ber Entwickelungs-Geschichte der Thiere. II. 8. Knigsberg 1835. 

156) J. J. Steenstrup : ber den Generations-Wechsel, bs. von Lorenzen. Kopenhagen 1842. So. 

157) R.Wagner: Prodromus historiae generationis hominis atque animalium, 2 tab. Lips. 1836. 

158) L. Agassiz: Twelve lectures on comparative embryology. Boston 1849. 8. 

P. Morphologie (chronologisch) : 

159) Is. Geoffroy St. Hilaire: Principes de philosophie zoologique. Paris 1830. 8. Histoire 
generale et particuliere des anomalies de l'organisat. chez les animaux. III voll. 8o. Paris 1832-36. 

160) A. Duges . Memoire sur la conformite organique de l'echelle animale. Paris 1832. 8. 

161) Milne-Edwards : lntroduction generale la Zoologie. I. 12. Paris 1851. 

162) J. V. Carus: System der thierischen Morphologie. Leipzig 1853. 8. 

163) G. Jger: ber Symmetrie und Regularitt als Eintheilungs-Prinzipien der Thier-Reiche. 
Wien 1857. 8. (Sitzungs-Berichte der Wiener Akademie. XXIV. 338 ff.) 

164) H. G. Bronn: Morphologische Studien ber die Gestaltungs - Gesetze der Natur - Krper 
berhaupt und der organischen insbesondre. Leipzig 1858. S. 

Q. System-Lehre oder Taxonomie (chronologisch): 

165) L. Oken. Grundriss der Natur-Philosophie, der Theorie der Sinne und darauf gegrndete 
Klassifikation der Thiere. Frankfurt 1802. 8. Lehrbuch der Natur-Philosophie. (3 Auf- 
lagen, 1809, 1831 u.) Zrich 1843. 8. 

1 66) J. L. Ch. Gravenhorst : Vergleichende bersicht des Linne'schen u. e. a. zoologischen 
Systeme. Gttingen 1807. 8. 

167) J. Spix: Beurtheilung aller Systeme in der Zoologie seit Aristoteles. Nrnberg 1811. 8. 



Allgemeine Litteratur. XV 

168) L. Agassiz: Grundstze der Klassifikation, zuerst in Silliman's Journal 1S51, XI. 122 127, 
dann weit ausfhrlicher als Essay on Classification" in seinen Contributions to the Natural 
History of the United Staates, vol. I, part 1, 232. gr. 4c 1858. (no. 90.) 

H. G. Bronn vgl. no. 2 u. 164. 

R. Thier-Geographie und -Topographie: 

169) W. Swainson : a Treatise of the Geography and Classification of animals. London 1835. 80. 

170) L. Agassiz > Jameson's Edinb. Journ. 1854, LVII. 347 363, u. in seinen (u. Gould's) 
Principlcs of Zoology. I. Boston 1851. p. 186213. 

171) L. K. Schmarda : Die geographische Verbreitung der Thiere. 11 Bde. Wien 1853. 8. 

172) A. S. Oersted : De regionibus inariuis, elementa topographiae historico-uaturalis freti Oresund. 
Havniae 1844. 8. 

173) Die entsprechenden Bltter in Berghaus' und in Johnstone's Physikalischen Atlassen. 

S. Faunen und Reisen in einzelnen Lndern, geographisch geordnet von 

Norden nach Sden. (Die meisten unsrer zahlreichen Faunen-Werke kommen ber 
eine einzelne Klasse oder etwa einen Kreis des Thier- Reichs nicht hinaus): 

174) 0. Fabricius : Prodromus Faunae Groenlandicae. Kopenh. 1780. 8o. 

175) Bichardson . Fauna boreali-Americana, 40. IV voll. 40. London 1829 37. 

176) W. E. Parry : Journal of a voyage for the discovery of a northwest-passage from the 
Atlantic to the Pacific in the years 1819 20; with an Appendix, and a Supplement to 
the Appendix cont. the Zoology by Edw. Sabine a J. E. Gray. London 1824. 4o. 

177) W. E. Parry: Appendix to C. Parry's Journal of a second voyage etc. in 1821 23 (Zoology 
by Bichardson). London 1S25. 4. 

178) P. S. Pallas: Zoographia Rosso-Asiatica. III voll. 4o. Petropoli (1811) 1831. lcones, 
fascic. VI. Lipsiae 1834 42. 

179) G. Gaimard : Voyages de la commission scieutifique dli Nord, en Scandinavie, en Lapponie, 
au Spitzberg et aux Fere, pendant les annees 1838 40 sur la corvette la Recherche, 
conimandee par Mr. Fabure. XX voll. 80. et 7 Atlas in Fol. Paris 1842 45. Zoologie. 
111 voll, avec 140 pH. par J. Sundevall, H. Kroyer et Chr. Boeck. 

180) Sars, Koren et Danielsen . Fauna litoralis Norwegiae. II voll, in Fol. Bergen 1846 1856. 

181) J. Sturm: Deutschlands Fauna, in Abbildungen nach der Natur. Nrnberg, 8. 1790 ff. 
(viele Bnde, aber unvollendet.) 

182) Donovan: Natural History of Great Britain. XXXIX voll, with 1500 pll. Lond., 8. 17941826. 

183) O. Fr. Mller: Zoologiae Danicae prodromus. Hafniae 1776. 8. Zoologia Danica s. 
Animalium Daniae et Norwegiae rariorum ac minus notorum icones. Hafniae 1779 80; 
denuo edita: IV voll, cum 170 tab. Hafniae et Lipsiae 1788 1806, in fol. 

184) Audouin et Milne-Edwards : Recherches pour servir l'Histoire naturelle du litoral de 
la France. 11 voll. 8. 18 pH. Paris 183234. 

185) A. Risso Histoire naturelle des principales productions de l'Europe meridionale et prin- 
cipalement des environs de Nice et des Alpes maritimes. V voll. 8. Paris 1826 27. 

186) Olivi: Zoologia Adriatica. Bassano 1792. 4. c. fig. 

187) O. G. Costa: Fauna del regno di Napoli. 4. Nap. 1829 ss. (wird noch fortgesetzt). 

188) Bory de St. Vincent: Expedition scientifique en Moree. 111 voll. 4. avec Atlas in Fol. 
Paris 1S32 35. La Zoologie (vol. 111. 2,3) av. 54 pll. par Deshayes et Guerin-Meneville. 

189) Barker-Webb et S. Berthelot: Histoire naturelle des iles Canaries. 111 voll. 4. et Atlas 
in fol. Paris 1835 49. Les Mollusques, Echinodermes , Foraminiferes et Polypiers par 
A. d'Orbigny. avec 14 pll. 1834. 

190) Bamon de la Sagra; Histoire physique, politique et naturelle de l'ile de Cuba. Paris. 
8. Atlas in fol. 1840 ss. Zoologie par Bamon, A. d'Orbigny, Cocteau et Bibron. 

19t) M. Wagner: Reisen in der Regentschaft Algier, 183638. 111 Bde. 8. Leipzig 1841. 
111. Band: Zoologie, von neun verschiedenen Autoren bearbeitet, mit 17 Tafeln. 

192) Exploration scientifique de l'Algerie pendant les annees 1840 42, publiee par ordre du 
gouvernement. Paris, 8. 1840 ss. Zoologie par Deshayes. 

193) W. P. Rppell: Atlas zur Reise im nrdlichen Afrika, I. Zoologie. Frankf. in fol. 5 Ab- 
theilungen mit 20 Tafeln. 1826-31. 

191) A.Smith: lllustrations of the Zoology of Southern Africa. Lond., 40. 1839ss., in parts of lOpll. 

195) V. Jacquemont: Voyage dans l'lnde pendant les annees 1828 32. Paris, 4. IV voll, de 
texte et II voll, de planch. 184144. > Isis 1840, 467472. 

196) Ph. Fr. de Siehold : Fauna Japonica etc., conjunctis studiis C. J. Teniminck, H.Schlegel, 
W. de Haan etc. in fol. Lugd. Batav. 1846 ss. 

197) Verhandelingen over de natuurlijke Geschiedenis der Nederlandsche overzeesche besittingen, 
door de leden der natuurkundige commissie in Oost-lndie etc., med Atlas in folio, Leyden 
1840 ff. Zoologie door H. Schlegel, Sal. Mller, G. Sandifort, Bleeker, W. de Haan etc. 

198) A. v. Humboldt und Bonpland: Reise nach den Tropen -Lndern des neuen Continents, 
Stuttgart 1807 15. IL Abtheilg. : Beobachtungen aus der Zoologie und Vergleichenden 
Anatomie, 3 Lief, in 40. 1807 1809. 



XVI Allgemeine Litteratur. 

199) A. d'Orbigny: Voyage dans l'Amerique meridionale, dans le cours des anuees 1826 32, 
VII voll, avec 450 pll. in 4. Paris 1834 44. Vol. IV. VI. cornpr. la Zoologie par 
d'Orbigny, Milne- Edwards, Lucas, Blanchard, Brlle, 1837 43. 

200) Journal of te expeditions of discovery in Northwest and Western Australia dur'ng the 
Years 183739 (the Zoology by Gould, Gray. White). II voll. Lond. 1841. 

201) J. Richardson, J. E. Gray, Bell, Goodsir, A. White and E. Doubleday: The Zoology 
of the Voyage of H. M. SS. Erebus a. Terror under the Conimand. of Capt. J. Cl. Ross 
during the y. 183943. XV parts 4o. London 184446. 

T. Geologische Entwicklung der Thiere : 

202) De Lamarck: Philosophie zoologique, II, 8., Paris 1809; 2. edit. 1830. 

203) v. Schlotheim: Die Petrefakten - Kunde, Gotha 1820, 8o. mit 2 Nachtrgen. 1823. 

204) G. Cuvier: Discours sur les revolutions de la surface du globe, Paris 1825, 8o.; 2. ed. 1830. 

205) H. G. Bronn : Lethaea geognostica, oder Abbildung und Beschreibung der fr die Gebirgs- 
Formationen bezeichnendsten Versteinerungen. II Bde. 8o. mit 47 Tafeln 4o. Stuttg. 1834 
bis 1837. 3. Aufl., mit F. Roemer bearbeitet, VI. 8., 124 Tafeln 4. Stuttg. 1851-56. 

200) H. G. Bronn: Geschichte der Natur. IV. 8. Stuttg. 184149. Darin der: Index pa- 
laeontologicus, A Enumerator, B Nomenciator, II voll. 1848 49 (mit vollstnd. Litteratur.) 

207) Herrn. Burmeister: Geschichte der Schpfung, Leipzig 1843. 6. Aufl. 1856. 80. 

208) Pictet: Traite elementaire de Palontologie, IV. 80. Geneve 1844 46, 2. edit. 185657. 

209) H. B. Geinitz : Grundriss der Versteinerungs-Kunde, mit 28 Tafeln. Dresd. u. Leipz. 1846. 

210) A. d'Orbigny: Prodrome de paleontographie stratigraphique, III voll. 120. Paris 1849 52. 

211) Quenstedt: Die Petrefakten - Kunde , mit 62 Tafeln, 8. Tbingen 1852. 

212) H. G. Bronn: Untersuchungen ber die Entwickelungs - Gesetze der organischen Welt 
whrend der Bildungs-Zeit unserer Erdoberflche ; eine gekrnte Preisschrift. Stuttg. 1 858. 8. 

213) P. Harting: De voorwereldlijke Scheppingen ; met figuren. Tiel 1847. So, 

214) J. Morris: a Catalogue of British fossils, 2. edit. London 1854. So. 

215) The palaeontographical Society instituted 1847, Lond. 1847 ss. 4o. (viele Hefte, jhrl. 1 Bd.) 

216) W. Dunker et H. v. Meyer : Palaeontographica, Beitrge zur Naturgeschichte der Vorwelt. 
Cassel, 40. 185158. VI Bnde. 

217) v. Leonhard u. Bronn: Jahrbuch (seit 1833: Neues Jahrbuch) der Mineralogie, Geognosie, 
Geologie u. Petrefakten-Kunde, jhrl. I Band, Stuttgart, 8. 

218) Bulletin de la Societe geologique de France. Paris, 80. (jhrl. 1 Bd.) voll. I. XIV., 1830 
bis 1843; 2. serie, L XV., 184457. 

219) Memoires de la Societe geologique de France. Paris, 4. voll. I. V., 183442; 2. ser. 
I. VI,. 184457. 

220) The Quarterly Journal of the Geological Society of London. Lond. 8o. 1845 57, voll. I.-XII1. 

221) Transactions of the Geological Society, London, 40. 1. series, L V., 1811 21; 2. series, 
1. VIII., 182246. 

222) Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft zu Berlin. 1. IX. So. 184857. 

223) Jahrbuch der k. k. Geologischen Eeichs-Anstalt in Wien. Wien, So. 1850 57. Bd. I-V1I1. 

224) Abhandlungen der geologischen Eeichs-Anstalt in Wien. Wien, 4. 185257. III Bde. 

(Hier htten wir im Grunde fast alle Rubriken A S der Litteratur zu wiederholen.) 

U. Bedeutung im Haushalte der Natur: 

225) Ch. W. J. Gatterer: Vom Nutzen und Schaden der Thiere. II Bde. So. Leipzig 1781. 

226) J. F.Brandt u. .1. T. C. Ratzeburg: Medizinische Zoologie, II Bde. 4o. Berlin 1827-33. 

227) J. K. Zenker: Naturgeschichte schdlicher Thiere [Europa's]. Leipzig 1836, So. 



Im Laufe des Textes krzen wir die Verweisungen auf unsre 
eignen Tafeln" und Figuren" dadurch ab, dass wir ohne Beisatz dieser 
zwei Wrter jene mit grsseren, diese mit kleineren Arabischen Ziffern 
(meistens in Parenthese) zitiren. 



OOO^OO- 



Erster Kreis. 

Form -lose Thiere: Amorphozoa. 



*x~ 



Die Form -losen Thiere oder solehe Thiere, deren Form sich auf 
keinen gemeinsamen geometrischen Grund-Ausdruck zurckfhren lsst, 
bildeten bei Linne, welchem ausser einigen Schwmmen erst eine der 
jetzigen Klassen derselben (die Infusorien) bekannt gewesen, einen kleinen 
Theil seiner vierten Thier -Klasse, der Wrmer nmlich, und wuchsen in 
spteren Systemen unter verschiedenen Namen allmhlich zu grsserer 
Bedeutung heran. Auch nachdem Cuvier den Begriff der Grund- Typen, 
Unterreiche oder Kreise in's Thier-System eingefhrt, wurden die Schwmme 
als ein Anhang der Polypen in die vierte und die Infusorien mit den 
Rderthieren zusammen als die fnfte und letzte Klasse in das vierte Unter- 
reich seines Systemes aufgenommen, das er mit dem Namen der Thier- 
Pflanzen (Zoophi/ta) oder Strahlen -Thiere" bezeichnete, indem nmlich 
die Polycystinen noch gar nicht und von den Ehizopoden nur erst einige 
in die hchste Mollusken -Klasse verirrte Schaalen bekannt waren, zwei 
Klassen , deren Kenntniss so wie die genauere Erforschung der Infusorien 
und Schwmme erst den letzten drei Dezennien anheimfallen, in welchen 
die mikroskopischen Studien einen so grossen Aufschwung genommen haben. 

Nachdem sich aus diesen ergeben, dass die Amorphozoen hinter den 
Strahlen - Thieren noch eben so sehr in ihrer Organisation zurckstehen, 
als sie im Grundplane ihres Baues (in ihrer Grundform) mit ihnen unver- 
einbar sind, finden wir die Verwendung der schon bezeichneten vier 
Klassen zu einem selbststndigen fnften Unterreiche nothwendig, welches 
bestimmt ist, das erste Glied in der fnfzhligen Stufen -Reihe zu bilden, 
nachdem Cuvier bereits bemerkte, dass jene zwei von ihm gebrauchten Be- 
nennungen seines vierten Kreises nicht fr alle Bestandtheile desselben an- 
gemessen seien*). In solchen Klassifikationen, welche vorzugsweise auf 
dem Nerven-Systeme beruhen, hat man diese Thiere als Aneura, v. Siebold 
hat sie als Protozoa, Perty als Arche.zoa den brigen Hauptabtheilungen 



*) Will man jedoch der Krze halber die beiden untersten Kreise mit einem gemeinsamen 
Namen zusammenfassen, so drfte die Bezeichnung Pflanzen- Thiere = Thy tozoa" die 
geeigneteste sein, da beide in der That, die einen im organischen Gehalte den kryptogamischen, die 
andern in der Form den Blthen- Pflanzen nahestehen, der Name Zoophyta" aber falsch ist. 
Bronn, Klassen des Thier- Reichs. I. J 



2 Amorphozoa. 

des Thier- Reichs gegenbergestellt. Was aber die erste dieser Benennungen 
betrifft, so kennt man auch bei den Polypen unter den Strahlen -Thieren 
noch keine Nerven, und so wrden mithin auch sie noch unter dem Namen 
Aneura mit inbegriffen sein. 

Die Amorphozoen sind (meist mikroskopische) Wasser - Thierchen 
ohne feste Grundform, aus Protein-artiger Substanz, hauptschlich Sarkode 
bestehend. Ihre Lebens -Verrichtungen werden nicht durch ihnen gemein- 
same Spezial- Organe, sondern durch die gesammte Krper -Masse oder die 
Haut, oder durch grssere Mengen gleichartig modifizirter Zellen (Wimper- 
Zellen, ? Eier-Zellen) aus der Krper -Masse vermittelt. Nerven kommen 
nicht, von Muskeln nur eine Andeutung, von generativen Verrichtungen bis 
jetzt nur wenige Spuren vor. Wenigstens sind fr diese letzten keine be- 
sonderen bleibenden Organe vorhanden, wenn auch Eier und Spermatoidien 
als Geschlechts-Produkte in der Krper-Masse gebildet werden. 

Wir unterscheiden die Form- losen Thiere vorlufig auf folgende kurze 
Weise, die vollkommenere Charakteristik der unterschiedenen Abtheilungen 
uns bis nach deren Beschreibung vorbehaltend, indem es kaum mglich ist, 
in wenigen Worten scharfe Grenzen zwischen ihnen zu ziehen. 

Mittel zu willkhrlichem Ortswechsel fehlen. TUalftii. 

Krper festgewachsen, gesttzt auf ein stiges Fibroin- Gerste mit Kiesel-\ T f Schwmme, 

oder Kalk-Nadeln und von Wasser in Lcken durchstrmt . . . ./ '( Spongiae. 

Krper lose flottirend im Wasser, gesttzt und theilweise umhllt von ge-j auA tv.- x. 

gittertem Kiesel - Gerste , mit beweglichen (?Saug-1 Fden an be-> n (Gitter -Thierchen, 

stimmten Stellen ) l ' "'yystina. 

Mittel zu willkhrlichem Ortswechsel vorhanden. 

Bewegung kriechend mittelst bestndig vernderlichen Scheinfsschen, die] 

auch zur Einverleibung der Nahrung dienen ; (nackt oder) umschlossen ( .., (Wurzelfsser, 
von zusammenhngend - vielkammerigen Kalk - Sensalen (keine! '\ Rhizopodu 

Wimpern) ) 

Bewegung schwimmend mittelst Wimpei -Haaren, die auch zu Herbeifhrung) 



der Nahrung u. Wasser-Wechsel dienen (selten sitzend oder unbewim-f .. (Aufguss -Thierchen, 
pert); mit Verdauungs-Hhle, Keim-Kern und kontraktiler Blase. Nackt./ ' ( Infusoria. 

(Ohne Gerste, Schaale undScheiufsse.) Eine Metamorphose bei allen?) 



-oooocx>- 



Eiste Klasse. 
Seh witinme: Spongiae. 

I. l'llldflili; 



"o* 



Namen. Die Schwmme, von Linne in seine Sippe Spongia zusiri- 
inerigefasst, sind spter zum Rang- einer Familie, Ordnung- oder Klasse 
unter den Benennungen Spngide, Spongidde von Gray und Fleming, 
Spongiaria von Milne -Edwards, Plypria foraminifera (zrn Thefl) von 
Lamarck, Ceratophyta sjwngiosa von Schweigger, Zoophyta polifera 
von Gran t und Amorphozoa von RlninviUe erhoben worden. Wir halten 
fr das zweckmssigste , ihnen als Klasse den kurzen einfachen und be- 
kannten Namen Spongiae, Schwmme, zu belassen, zumal die Bota- 
niker fr ihre Schwmme immer allgemeiner den Namen Pilze anwenden. 
Der alte Sippen -Name Spongia selbst aber drfte als solcher verschwin- 
den, sobald einmal alle Arten genau untersucht und in wohl umgrenzte 
Sippen eingetheilt sein werden. 



&-/:-* vi** 




Spongia. 

Geschichte. Nachdem Linne diese Wesen bereits unter die Thiere 
gerechnet, verwiesen doch spter Blumenbach, Sprengel und noch in 
den letzten Jahren Oken, Hogg, Burmeister u. A. dieselben in das 
Pflanzen -Reich, obwohl die neuesten Entdeckungen ihnen ihre Stellung 
an der untersten Grenze des Thier- Reiches sichern. Lamarck hat 
1816 ihre Arten (130) gesammelt, beschrieben und nach ihrer usseren 
Beschaffenheit klassifizirt , worauf Schweigger 1820 einige Verbesse- 
rungen in letzter Hinsicht versuchte und Blainville 1819, Lamouroux 
1824 die Arten -Zahl auf 200 brachten. Grant erkannte 1826 zuerst 
die Fortpflanzung- Organe der See -Schwmme und wies mit Fleming, 
de Blainville 1830 und Mi Ine- Edwards 1835 die Notwendigkeit 
einer auf die Art und Anordnung der inneren Theile gesttzten Klassi- 
ttkations- Weise nach, ohne jedoch die Mittel zu deren einigennaassen 

1* 



4. Schwmme. 

vollstndigen Durchfhrung zu linden, bezglich welcher auch Nardo 
1834 1845 nicht ber einen Versuch hinauskam. Johnston hat 1842 
eine vollstndige Arbeit ber die Britischen Schwmme geliefert; Bower- 
bank seit 1841 mehre neue Genera aufgestellt. Den anatomischen Bau 
und das physiologische Verhalten dieser Organismen haben Dutrochet, 
Dujardin 18341840, Laurent 18401844, Meyen 1839, Bower- 
bank, Hancock 1849, vor Allen aber Carter in Ostindien (1848 bis 
1857) und Lieberkhn in Deutschland 1856 1857 durch sehr sorg- 
fltige mhsame und beharrliche Forschungen an Ssswasser- Schwmmen 
aufzuhellen gestrebt ; aus ihren Arbeiten werden wir das Meiste zu entleihen 
haben. Mit den fossilen Formen haben sich insbesondere Lamouroux, 
D e f r a n c e , M a n t e 1 1 , G o 1 d f u s s , in sehr unglcklicher Weise A. d ' r - 
bigny, mit den fossilen Kiesel -Nadeln Ehrenberg u. A. vielfach be- 
schftigt. Demungeachtet mangelt es noch gnzlich an einer natrlichen 
Klassifikation der Schwmme, die, auf eine durchgefhrte sehr sorgfltige 
mikroskopische Untersuchung der Arten in frischem oder vollstndig aufbe- 
wahrtem Zustande gesttzt, wir nur von Bowerbank erwarten drfen, 
der bereits einige Hundert Spezies in dieser Absicht untersucht und die 
baldige Verffentlichung einer umfassenden Arbeit angekndigt hat. 



Litteratur. ber die Schwmme ist noch keine selbsstndige Litteratur vorhanden. Die 
Quellen - Schriften ber dieselben sind solche allgemeineren Inhaltes, systematische und Bilder- 
Werke, welche einen grsseren Theil der Zoologie umfassen, Faunen und naturhistorische Zeit- 
schriften. Die wichtigsten sind : 

a) Bcher (chronologisch geordnet). 

Pallas, Elenchus zoophytorum , sistens generum adumbrationes etc. Haagae 1766. 8. 

F. Cavolini, Memoria per servire alla storia de'Polipi marini. Napoli 1785, p. 206 272. 
Solander and Ellis, the natural history of many curious and uncommon zoophytes etc., w. 

63 pH. London. 1786. 4. 

Esper, die Pflanzen - Thiere , in Abbildungen nach der Natur. Nrnberg. 4. 111 Theile, 
1788 18:51); Supplem. II Thle. 1794 1806. (435 Tafeln.) 

Strange u. Vio im Appendix zu Olivi, Zoologia Adriatica (Bassano 1792, 4.) p. i xxxi, 
pl. s '.). 

G. Montagu (1812) i. Werner. Memoirs, 4. 1818: II, 71119, pl. 316. 

de Lamarck, Histoire naturelle des Aniinaux sans vertebres. Paris, 8, II. vol. 346 (1816); 
nouv. edit. (par Milne- Edwards) IL, 111, 520 619. 

Lamouroux, Histoire des Polypiers flexibles, Paris 1816, 8. av. figg. (p. 6 etc.) Ex- 
position methodique des genres des Polypiers, avec les planches d' Ellis et Solander, 
Paris 1824, 4. Art. Eponge" i. Encyclop. method., Zoophytes. Tome IL, 326369, 
Paris 1824. 

A. Fr. Schweigger, (Beobachtungen auf naturhistorischen Reisen (Berlin 1819, 8.) 
S.28 40. Handbuch der Naturgeschichte d. Skelett-losen Thiere. ^Leipzig 1820. (S. 421 -423.) 

D. de Blainville i. Dictionnaire des sciencos natur. : Art. Eponge (1819, XV., 93 bis 
133) et Zoophytes amorphozoaires (1830, XL., 491508, pH. 6364); Manuel d'Actino 
logie, p. 528 etc. 

Audouin et Milne -Edwards, Recherches sur l'Histoire naturelle du litoral de la France, 
II voll., 18 pll. Paris 8. 1832 34. 

Nardo, Klassifikation der Schwmme Olsis 1834: 314, 716; i. Annali della quinta 
riunione degli scienziati, in Lucca 1843, p. 436 >> Isis 1845, 635 637. > Annal. a. Magaz. 
nat.-hist. 1849, IV, 239 242.) 

F. Dujardin, Histoire naturelle des zoophytes infusoires, Paris 1841, 8. avec 22 pll. 

G. Johnston, a History of British Sponges and Lithophytes, w. 25 pll. Edinb. 1842. 8. 
Laurent i. Voyage autour du monde sur la corvette la Bonite ; Zoophytologie. Paris 1844. 
Ehrenberg in seiner Mikrogeologie" u. a. bei den Infusorien zu zitirenden Werken. 
Perty, zur Keiintiiiss der kleinsten Lebens -Formen in der Sehweite, m. Tafeln, 4. Bern 1852. 



Einleitung. 5 

b) Anatomisch -physiologische Aufstze in Zeitschriften ber See - Schwmme ; 

(alphabetisch geordnet). 

Audouin und Milne - Edwards i. Annal. scienc. nat. 182S, XV. (Tcthya). 

Bowerbank i. Annais a. Magaz. of nat.-hist. 1841, VII. , 129132, pl. 3; 1845, XV. r 
297, pl. 17 (Dunstervillia); XVI., 400410, pl. 13, 14 (Verongia, Auliskia, Stemmatumenia, 
Cartilospongia) ; 1S57, [2] XX., 298-301; i. Transact. microscop. Soc. I. 32; 1852, III. 
(Auszge: > l'Instit. 1841, IX., 137; 1843, XI., 111; 1857, 63); i. Proceed. Brit. Assoc. 
1850. > Athenaeum no. 1505. (> Sillim. Amer. Joum. 1856, XXII., 439440). 

Duvernoy i. Eevue zoologique 1840, 343; > l'Institut 1S40, VIII., 374, 1841, IX 
131 (Cliona ete.) 

Ph. H. Gosse (Brit. Species) Natural, rambles, 1853, p. 254, pl. 15 ; Tenby 26, 53,319. 

Grant, Outlines of Comparat. Anatomy (passim) ; i. James. Edinb. philos. Journ 
1826, XIV., 114 ff.; i. New phil. Journ. 1826, 1, 78, 347, II., 122 ff., 1832, XIII., 94, 
343,381; XIV., 84, 270,339. (> Annal. scienc. nat. [1] 1827, X., 162 (Cliona); XI., 150 210 
pl. 21; 1828, XIII., 5262; XV., 17). 

Hancock i. Annal. Magaz. nat.-hist. 1849, [2] III., 321348, pl. 12 15 (Cliona, 
Thoosa); IV., 355. 

Hogg i. Linn. Transact. 1840, XV11L, 363. (> Isis 1843, 444447); i. Annal. Magaz 
nat.-hist. 1841, VIII., 37. 

Huxley i. Annal. Magaz. nat.-hist. 1851, VII., 370 373, pl. 14 (Tethya). 

J. Morris i. Annal. Magaz. nat.-hist. 1851 [2] VIII., 87 (fossile Clionae). 

Nardo i. Atti della prima riunione degli scienziati Italiani in Pisa, 1839, p. 161, Pisa 
1840; i. Annali delle scienze del regno Lomb.-Veneto IX., 221. ^>Revue zoologique 1840, 27; 
i. Atti della sesta riunione etc. in Milano 1841, p. 372, 428. ^> ltevue zoologique 1846. 
> Annali delle scienze etc. 1845, II. ^> Annal. Magaz. nat.-hist. 1849, 239 242 (Vioa= Cliona). 

Owen i. Annal. Magaz. nat.-hist. 1841, VIII, 222 (Euplectella). 

c) Anatomisch -physiologische Aufstze ber Spongilla. 

Carter i. Annal. Magaz. nat.-hist. 1848, [2] 1,303-311; 1849, IV., 81 100, pll. 3 5; 
1854, XIV., 334, pl. II; 1856, XVII., 101 127, XV1I1., 115132, 221 ff, pl. 6, fig. 37-44; 
1857, XX., 21 41, pl. 1. 

F. Dujardin i. Annal. scienc. nat. 1834 (Botan.) IL, 328; 1838, X., 513 (> l'Instit. 
1838, VI., 157; 1S40, VIII., 374). 

Dutrochet i. Annal. scienc. nat. 1828, XV., 205 217. 

Hogg (s. o.) 

Laurent i. l'Instit. 1840, 22, 32, 231; 1841, 242. 

Lieberkhn i. Mller's Arch. Anat. 1856, 1 19, 399414, Tf. 15, 496 515, 
Tf. 18, 1857, 376; i. Sieb. u. Kllik. Zeitschr. fr Zoologie 1856, VIII., 307, 1857, 
IX. 376403, Tf. 15. (> Annal. Magaz. nat.-hist. 1850, XVII., 403-413; >Biblioth. univers. 
1857, XXXV., 72). 

Meyen i. Mll. Arch. 1839, 83 87. > Microscop. Journ. I, 42. 

d) Charakteristik und Abbildung der fossilen Sippen und Angabc ihrer Arten- Zahlen. 
Bronn, Lethaea geognostica, 3. Auflage. III Bnde mit Atlas. Stuttgart 1850 1856. 



II. Organische Zusammensetzung. 

Gesammt -Bildung. Alle Schwmme sind auf einer Unterlage im Wasser 
aufgewachsen. Die Anheftungs- Flche, gross oder klein, ist der einzige 
Theil des Krpers, nach welchem derselbe orientirt werden knnte, wenn 
noch andere ussere Theile oder Organe des Krpers von gleich-bleibender 
Bedeutung vorhanden wren. Dieser ist Form -los (amorph), indem er 
weder im Einzelnen jemals streng regelmssig oder symmetrisch gestaltet, 
ist, noch weniger sich die vorkommenden Gestalten im Ganzen durch 
einen gemeinsamen Ausdruck oder eine Formel bezeichnen lassen. Die 
Gestalten sind unregelmssige Kugeln, Knollen, flache berrindungen, 
derbe und hohle Kegel, Walzen, Kreisel, Becher, Bltter, zuweilen Filter- 



Schwmme. 

frmig; oder sie theilen sich Strauch - artig in drehrunde Aste oder flache 
Lappen von ungeordneter, dichotomer, anastoinosirender , Fcher- oder 
Netz -artiger Bildung. 

Die Schwmme bestehen aus einem starren oder elastischen, berall 
durchbrochenen und von Lcken durchzogenen Gerste und einem halt- 
losen Gallert -artigen berzuge seiner inneren und usseren Oberflchen, 
welche selbst von grsseren und kleineren Offnungen durchbohrt sind. 
Jenes wird allein von knorpeligen, Kork -artigen oder hornigen Fibroin- 
Fden oder von ihnen und von kieseligen oder kalkigen Nadeln zugleich, 
der berzug von kontraktilem Zellgewebe gebildet. Die Struktur ist fr 
den ganzen Krper berall die nmliche, wenn sich nicht nchst der 
usseren Oberflche 1 2 etwas abweichende Schichten darbieten. 

Die Oberflche ist bald eben, bald mit regelmssigen oder unregel- 
mssigen Vertiefungen versehen, bald in Zitzen, Wrzchen, Dornen u. dgl. 
hervortretend. 

Die Grsse kann bis ber 1' erreichen. 

Die Farbe ist gelblich, rthlich, brunlich, braun, schwarz, und nur 
bei Ssswasser- Bewohnern grn. 

Histologische Elemente. Die hornigen Fasern sind in jeder 
Schwamm -Art von ziemlich gleich -bleibender Beschaffenheit, fein, doch 
noch mit blossem Auge kenntlich, von fast einerlei Dicke, derb oder 
hohl, drehrund oder von unregelmssigem Queerschnitte , vereinzelt oder 
Bschel -frmig und, gleich den Bscheln selbst, einfach oder anastomo- 
sirend, parallel oder in gewissen Flchen oder in allen Richtungen sich 
mit andern durchkreutzend; die Fasern und Faser-Bndel jedoch zuweilen 
durch eine gewisse Regelmssigkeit des Verlaufes , durch Kreis -, Strahlen- 
oder Netz -frmige Anordnung, durch eine grosse Zierlichkeit und Gleich- 
artigkeit der Maschen des von ihnen gebildeten Netzes ausgezeichnet. 
Die hohle Faser zeigt entweder eine einfache Hhle lngs ihrer Achse, 
oder es gehen blinde Kanlchen strahlenfrmig von dieser hohlen Achse 
aus (Taf. 2, Fig. 3). 

Die Nadeln (Spiculae) ursprnglich in Kern -haltigen Schwamm -Zellen 
gebildet (1, 8), liegen theils in den Fasern eingeschlossen, theils in und 
zwischen den Faser -Bndeln in der Sarkode, sind bald von kieseliger 
und bald von kalkiger Beschaffenheit, oft hohl, gewhnlich grssere und 
kleinere beisammen, fehlen zuweilen aber auch ganz. Die grsseren, meist 
noch fr das blosse Auge sichtbaren und dem Innern des Krpers ange- 
hrend, sind schlank (2, ld, 2e, 4e). Die Oberflche ist glatt oder hckerig, 
die Achse hohl. fters ist auch nur eine kugelige Anschwellung vorhan- 
den, welche glatt oder durch viele auseinander- strebende krzere Spitzen 
Stern -frmig erscheinen kann (2, 4e). Die Nadeln liegen bald einzeln 
nach allen Richtungen durch- und ber -einander, bald zu Bndeln und 
Stbchen neben- und hinter- einander geordnet (1, ldd; 2, 4b), welche 
dann selbst unregelmssig im Krper vertheilt, schief gegen einander 
geneigt oder reihenweise zu Kreisen und Strahlen in demselben gruppirt 



Organische Zusammensetzung. 7 

sein knnen und durch eine Struktur -lose Haut zusammengehalten werden. 
Andere Nadeln von hnlicher Bildung, aber viel kleiner und dem blossen 
Auge mehr und mehr entgehend, sind, wie schon erwhnt, oft auf die 
oberflchlichen Schichten der Schwamm -Krper beschrnkt. 

Dieselbe Form von Nadeln kann eben sowohl aus Kiesel -Erde (1, 8; 
2, ld, 4ef) als aus Kalk-Erde (2, 2e) gebildet sein, also in ganz verschie- 
denen Sippen vorkommen, wogegen oft mehrerlei Formen sich in einer 
Art vereinigt finden. Bowerbank unterscheidet nach ihrer Bestimmung 
sechserlei Arten davon. 1) Skelett -Nadeln, den Haupttheil des inneren 
Gerstes der Kiesel- Schwmme zusammensetzend, sehr verlngert, einfach, 
zylindrisch, Stecknadel -frmig oder Spindel -artig und in der Mitte zur 
Kugel angeschwollen (1, 8; 2, ld, 2e, 4e), zuweilen etwas dornig, zu 
Bndeln vereinigt oder auf und in den Hrn -Fasern zerstreut. 2) Binde- 
Nadeln kommen nur in Sippen mit dicker Kinde (Geodia etc.) vor, welche 
sie zu sttzen und mit der brigen Masse zu verbinden bestimmt sind, 
indem sie aus einem langen meist zylindrischen Stiele und einem in drei 
strahlenstndige Zacken auslaufenden Ende bestehen, wovon jener in der 
Hornskelett -Masse, dieses an der inneren Seite der Kruste befestigt ist ; sie 
sind vorzugsweise charakteristisch. 3) Wehr -Nadeln, nur bei manchen 
Arten vorkommend, theils mit V2 oder 2 3 ihrer Lnge ber die ussere 
Oberflche vorragend, theils auf den Hrn -Fasern aufsitzend und in die 
Kanle hinein-ragend. 4) Haut -Nadeln sollen theils die feinen Gewebe 
sttzen und spannen und sind dann einfach und einfrmig (1, ld, 12); theils 
sollen sie mithelfen die Sarkode in den Zwischenrumen des Skelettes und 
der Gewebe festzuhalten, und diese sind gewhnlich klein und zusammen- 
gesetzt. 5) Sarkode -Nadeln sollen wohl den inneren Sarkode -berzgen, 
worin sie liegen, mehr Konsistenz geben; sie sind klein oder sehr klein, 
ziemlich Stern -frmig, von 1 2erlei Form beisammen (2, 4f). 6) Gemmul- 
Nadeln liegen theils einzeln in strahliger und in tangentialer Richtung in 
der usseren Hlle der Keim - Hufchen , theils Bndel -weise auseinander- 
strahlend im Innern derselben (1, 13). 

Das gemeinsame kontraktile Zellgewebe, d. h. Gewebe von 
Zellen aus Sarkode" Dujardin's*) oder ungeformter kontraktiler Sub- 
stanz" Ecker's bestehend, ist gewhnlich von Gallert -Konsistenz, bald in 
grsserer und bald nur in sehr sprlicher Menge vorhanden und usserst 
vergnglich, so dass man es bis jetzt fast nur an Ssswasser- Schwmmen 
(Ephydatia Lmck. , Spongilla Lmx.) anatomisch genauer untersuchen 
konnte, die man im Zimmer erzog. Es besteht aus beweglichen Zellen 
und (nach Carter) etwas Intercellular- Substanz. Die Zellen (1, 20 21) 
sind bis 0,02 Millim. gross, haben einen Kern und Kern -Fleck (Nucleus 
und Nucleolus) von je 0,01 Mm. und 0,003 Mm. Durchmesser und sind 
mit grnen oder farblosen Krnchen erfllt, wodurch der Kern oft verdeckt 
wird. Sie besitzen ferner die Eigenschaft oder die Fhigkeit eines be- 



*) In Annal. d. scienc. nat. 1835. [2]. IV, 364 370. 



w Schwmme. 

stndigen aber sehr langsamen Formen -Wechsels, indem sie in der Weise, 
wie es von Amoeba unter den ebenfalls aus Sarkode bestehenden Wurzel- 
fssern bekannt ist, Lappen- und Finger-artige Fortstze (Pseudopodien, 
1 19, 21, 7) bestndig hervortreten lassen und wieder zurckziehen, um 
sie durch neue zu ersetzen und sich einander zu nhern und zu entfernen 
oder in ihrer Lage etwas zu verschieben, fremde Krper zu umschliessen 
und zuweilen sich ganz von einander zu trennen. Die Sarkode scheint 
ferner die Eigenschaft zu besitzen, sehr rasch tdtend auf kleine Thierchen 
und zersetzend und aneignend auf alle organischen Stoffe einzuwirken, die 
whrend ihres lebensthtigen Zustandes mit ihr in Berhrung kommen. 

Haut. Die usserste Schicht oder Haut liegt gewhnlich dicht an 
der brigen Schwamm -Masse an; nur bei Spongilla bildet sie einen wenig 
damit zusammenhngenden, durch eine Hhlung von ihr getrennten Mantel. 
Immer ist sie von zahlreichen feinen Poren und von grsseren runden 
ovalen oder viereckigen, einfachen oder unregelmssig Stern -frmigen 
ffnungen durchbohrt, zuweilen (bei fossilen Schwmmen insbesondere) 
von der Basis an mehr und weniger weit aufwrts eine waagrecht - ge- 
runzelte Inkrustation bildend; im brigen aber stellt sie bald ein ziemlich 
regelmssiges Netzwerk aus hornigen Fasern mit rechteckigen oder sechs- 
seitigen Maschen dar, bald eine von sehr kleinen Nadeln dicht erfllte 
Hlle, bald einen aus losen Kiesel- Schppchen gebildeten berzug u. s. w. 

Die Bohrschwmme ( Vioa = Cliona, 2, 1) nmlich besitzen ausser den 
inneren Kiesel -Nadeln eine ganze Hlle aus losen Kiesel -Theilchen von 
1 i,oo "Grsse bis zu Viiooo" herunter. Die grsseren sind Schuppen -frmig, 
sechseckig, aussen mit rautenfrmigen Erhhungen (2, le); die kleinen 
haben selbst die Form dieser Erhhungen. Alle sind dicht aneinander- 
gedrngt und einzelne zuweilen mit einander verwachsen. Bei andern 
(Thoosa, 2, lf) ist eine Menge doppelt Maulbeer -frmiger Kiesel -Kon- 
krezionen auf einer eigenthmlichen usserst feinrhrigen Haut der Ober- 
flche befestigt. Sie bestehen aus einer kurzen derben Achse, an deren 
beiden Enden je eine Gruppe von 7 9 unregelmssig wrfeliger Kiesel- 
Krperchen befestigt ist. 

Ernhrungs- Organe. Das Schwamm-Gerste mit seinem Sarkode-ber- 
zug hat in seinem Innern weite oder enge Lcken und Kanle (2, 2b cd), 
die durch Wnde von einander getrennt, von Balken, Brcken und Fasern 
durchzogen , aber immer in der Weise geordnet sind, dass sie zusammen- 
hngende Kanal -Systeme im Innern mit bestimmten Eingangs- und davon 
verschiedenen Ausmndungs-Stellen an irgend einem Theile der Oberflche 
(1, 1; 2, 4a -d,) bilden, der sich zuweilen in der hohlen Achse des Schwaru- 
nies befindet. Jene sind enger und viel zahlreicher und kleiner als diese, 
welche sich auf eine einzige Ausmndung beschrnken knnen (1, lg). Die 
Zufhrungs -Kanlchen verzweigen sich vielfltig und bilden im Innern ein 
Kanal-Netz. In den Ausmndungs-Offnungen treffen viele Kanle zusammen, 
welche durch die Vereinigung mehrer Zweige und feiner Aste aus dem 
Innern entstehen. Um die Ein- und Aus-gnge dieser Kanle pflegt das 



Organische Zusammensetzung. 9 

Zellgewebe noch von zahlreichen kleinen Nadeln gesttzt zu sein, um sie 
offen zu erhalten. Die Schliessung wird durch ein langsames Teig- artiges 
Zusammenfliessen des oberflchlichsten Theiles des umgebenden Zellgewebes 
bis zur Unkenntlichkeit der ffnung bewirkt, welche indessen spter durch 
eine entgegengesetzte Bewegung wieder zum Vorschein kommt. 

So kann mithin das die Schwmme umsplende Wasser in ihr Inneres 
eintreten, sich in allen Richtungen darin vertheilen und rohe Nahrung in 
den Kanlen verbreiten, deren Sarkode -berzug die letzte sich aneignet. 
Um aber auch eine bestndige Erneuerung des Wassers zu bewirken, das 
berflssige wieder abzuleiten und vielleicht den innigen Kontakt zwischen 
Nhrstoff und Sarkode zu bewirken, sind noch andere Einrichtungen not- 
wendig (vergl. zum Folgenden die besondere Erklrung der Tafeln). 

In der That kommen auch in den Wnden der Kanle noch andere 
Sarkode -Zellen vor, Kern-haltige Wimper- Zellen nmlich, welche in je 
einen langen geschlngelten Wimper -Faden ausgehen. Einzelne sitzen 
nach Lieberkhn lngs der Kanle (1, 4 b), whrend andere (in Spongilla 
wie in Spongid) in grsserer Anzahl , allein oder mit Wimper -losen Zellen 
zusammengesellt, Kugei-frmige Schluche so auskleiden oder bilden, 
dass die Wimpern aller gegen die Mitte des leeren Kugel-Raumes gerichtet 
sind (1, 2 5). Der runde verengte Eingang zu jedem Schlauche ragt etwas 
in den Kanal hinein. Nach Lieberkhn, nach welchem diese Schluche keine 
andere Wand als die aus Wimper -Zellen gebildete haben, steht diesem 
Eingang eine Ausgangs-ffnung gegenber, durch welche die Wasser-Strme 
in ihrer Fortbewegung nach den Ausfhrungs- Kanlen nicht gehemmt 
werden; nach Carter aber sitzen die Wimper -Zellen an der eigenthm- 
lichen Haut oder Wand dieser Schluche an, welche hinten geschlossen 
sind (1, 2, 5), so dass sie mit den hinter ihnen gelegenen usserst feinen 
Zweigen der Ausfhrungs -Kanle nicht unmittelbar zusammenhngen. 

Die eben so raschen als ununterbrochenen Schwingungen der zahllosen 
Wimper-Haare lngs der Kanle und in den Wimper-Schluchen vermgen 
nun eine sehr schnelle und fast gewaltsame Strmung des Wassers zu den 
engen Einfhrungs- Offnungen der Oberflche herein, durch den ganzen 
Krper hindurch und zu den weiteren Abfhrungs- ffnungen wieder hinaus 
zu bewirken. Um aber durch die an der hinteren Wand nach Carter ge- 
schlossenen Wimper -Schluche (1, 5) hindurchzugehen, mssten die diese 
Wand bildenden Wimper -Zellen ebenfalls in einer bestndigen Bewegung 
sein, um das Wasser mit seinem Inhalte nach Amben-Art auf ihrer inneren 
Seite zwischen und in sich aufzunehmen und auf der usseren wieder aus- 
zustossen, so dass sie whrend dieses Durchganges innig und lange genug 
mit den im Wasser schwimmenden organischen Krperchen in Berhrung 
blieben, um ihnen das Assimilirbarc zu entziehen und nur das Unbrauch- 
bare wieder abzugeben. Diese Wimper-Schluche wren dann als eben 
so viele Magen der Schwmme zu betrachten. Nach Lieberkhn wrde 
schon gengen, dass die im Wasser enthaltenen organischen Krperchen da 
und dort in Lcken und Poren des Zellgewebes hngen blieben. Aber ein 



~[() Schwmme. 

wirklicher Kreislauf eigener Sfte existirt in Ermangelung; von Gelassen 
nicht in den Schwmmen. Die Sfte knnen nur von Zelle zu Zelle endos- 
motisch durchschwitzen und so sich ausgleichen. 

Auch Athmungs- Organe mangeln gnzlich. 

Empfindungs- und Bewegungs-Organe. Von eigenen Muskeln und Nerven, 
Bcwegungs- und Sinnes -Werkzeugen ist keine Spur vorhanden, wie denn 
auch der Orts-Wechsel (ausser im Keim-Zustande) den Schwmmen gnzlich 
mangelt. Was von Empfindungs- und innerer Bewegungs - Fhigkeit vor- 
handen ist, hat gleich der Assimilations- Fhigkeit alles im Sarkode -Gewehe 
und nicht in besonderen Organen seinen Sitz. Versuche mit elektrischen 
und anderen Reitz- Mitteln sind gnzlich ohne Erfolg geblieben. Dennoch 
lassen sich Wahrnehmung^- Vermgen und Willkhrlichkeit mancher Be- 
wegungen den Schwmmen keineswegs abstreiten (vgl. Lebons-Thtigkeit). 

Fortpflanzungs- Organe. Nirgends sieht man eigenthmliche selbst- 
stndige Geschlechts -Organe; doch entstehen Zellen-frmige Fortpflanzungs- 
Krper aller Orten im ganzen Zellgewebe selbst. Saamenfden (Sperma- 
toidien, Zoospermen, Androsporen) zu entdecken ist nur Lieberkhn' bei 
Spongilla (1, 23 24) und Huxley'n bei Tethya gelungen. Erste entstehen 
und bewegen sich lebhaft in unbeweglichen kugeligen Kapseln (von "nMm. 
Durchmesser, 1, 23), welche dann einzeln oder zu 2, 6 10 zusammen- 
gruppirt gefunden werden, aus einer starken Struktur -losen Membran ge- 
bildet und von Schwamm - Zellen dicht umlagert sind und endlich durch 
Aufplatzen sich entleeren, wornach die Saamenfden gerne in kleinen 
Gruppen zusammenhngend frei herumsehwrmen. Diese Saamenfden, 
welche in 1 , 24 in den verschiedenen Entwickelungs - Stadien dargestellt 
sind, in welchen sie oft durcheinander vorkommen, haben kleinere Kpfchen 
und dickere Schwnzchen als die ihnen sonst hnlichen oben beschriebe- 
nen Wimper- Zellen. (Was Carter anfangs als Saamenfden eil beschrieben, 
sollen nach Lieberkhn Infusorien und zwar Trachelius trichophorus sein.) 

Ebenfalls hutig im Zellgewebe der See- und Ssswasser- Schwmme 
eingebettet liegen Insel -frmige Keimkrner- Gruppen, die Keimkrner- 
Konglomerate oder Eier (1, 11) und unbewimperten Embryonen Lieber- 
kiihn's, die Ovula Grant's, die Eier oder Keim - frmigen Reproduktoren 
Laurent's. Sie finden sich oft am hufigsten und mitunter in ungeheurer 
Menge im Grund -Theile des Schwammes vor. Sie sind Kugel - frmig, 
i jb i U Mm. gross, bei Spongilla dem blossen Auge als weisse Pnktchen 
sichtbar und zusammengesetzt aus gleichmssig vertheilten oder in Huf- 
chen gruppirten Keimkrnern (1, 22), welche in ihrem Inneren ein fein- 
krniges Kgelchen oder ein Zellen -artiges Gebilde mit schwach Licht- 
brechendem Krperchen wie einen Nchdlm enthalten, aus andern, 
welche einen Sarkode-artigen Fortsatz aus ihrem Innern hervorschieben, 
und aus kleineren und grsseren Schwamm -Zellen entweder mit einem 
NucUus oder mit einem Konglomerate von vielen feinen Krnchen und 
sich Amben -artig beAvegender Sarkode, endlich aus kleineren und 
grsseren glatten oder knorrigen Kiesel -Nadeln. 



Organische Zusammensetzung. 11 

Bei Spongia (Sp. Ivmbata) bestehen die unbewimperten Embryonen" 
nur aus Schwamm - Zellen und Eiweiss - artigem Stoff mit Fett- hnlichen 
Krnchen, ohne Elementar -Blschen und Keimkrnchen , verdienen also 
den Namen Keimkrner- Konglomerate nicht. 

Oft in den oberen, doch vorzugsweise in den ltesten Theilen der 
Schwmme (Spongilla und Spongia) imd vielfltig mit den vorigen zusam- 
men, liegen ebenfalls in grosser Anzahl die Keimchen oder Gemmul 
Lieberkhn s, die Sphrul Gvant's und Johnston's, die tSporidien und 
Sporangien Meyen's, die Ei -frmigen Krper Laurent's (zum Theil) und 
Carter's (1, 14). Weiss oder braun, die grssten Schwamm -Zellen bald 
an Grsse bertreffend, Kugel- oder Ei-frmig, aus einer hrtlichen Schaale 
und aus einem Gehalte von zusammengeballten Zellen gebildet, stecken 
sie oft in zahllosen kleinen Lcken und Poren des Zellgewebes. Die 
Schaale ist hornig und von einer kieseligen Kruste umhllt, welche bei 
mehren Spongilla- Arten mit einer in regelmssig sechsseitige Felder ge- 
theilten Oberflche versehen ist (1,16), in deren Mitte sichScheiben-frmige 
Kiesel -Krperchen von Amphidiscus - Form erheben (1, 17, 18), so dass 
sie mit ihrem einen Scheiben -frmigen ganz-randigen oder gezhnten Ende 
auf je einem jener Felder stehen und sich mit dem andern gleich be- 
schaffenen Ende etwas ber die ussere Oberflche einer amorphen Kiesel- 
Masse erheben, welche die Zwischenrume zwischen ihren Achsen ausfllt 
(1, 14 a). Nach Lieberkhn sind die einzelnen Amphidisken von Zellen 
umschlossen (1, 18). In andern Fllen ist keine solche regelmssige Ein- 
theilung der Gemmul -Schaale vorhanden, und die Kruste enthlt in ihrer 
Dicke nur gewhnliche kleine glatte oder hckerige und mit ihren Spitzen 
oft etwas vorragende Kiesel -Nadeln in verschiedener Menge, Richtung 
und Vertheilung, wodurch die Oberflche zuweilen stachelig wird. An 
allen Schaalen aber ist ein (mitunter auch 2 4 zhliger) ins Innere 
fhrender Trichter - frmiger Nabel (Hilnm, Porus, 1, 14 d) vorhanden. 
Der Inhalt besteht in grossen rundlichen Zellen (1, 14c, 15) oder kugeligen 
Massen (Ballen Meyen's), welche mit Nucleus und Nucleolus versehen, von 
vielen Blschen und noch mehr Krnchen oder Keimchen erfllt sind, die 
sich Amben-artig verndern knnen und weiterer Entwickelung fhig sind. 

Die meisten Beobachter kannten die Saamenfdchen nicht und glaub- 
ten daher auch nirgends wirkliche Eier zu sehen. Auch jetzt noch hat 
man die Saamenfdchen weder mit den zuerst erwhnten Keimkrner- 
Konglomeraten noch mit den Gemmul in Verbindung treten sehen, obwohl 
man weiss, dass -beide sich zu neuen Schwamm -Individuen entwickeln 
knnen*). Indessen hlt Lieberkhn die ersten fr die Befruchtungs-fhigen 



*) Da die Schwrm - Sporen grosse 'hnlichkeit in ihrem Verhalten mit den bewimperten 
Embryonen anderer niedriger Thiere zeigen , so ist es wahrscheiiilich , dass die Keimkrner- 
Konglomerate , woraus sie hervorgehen, die Befruehtungs - fhigen Theile oder Eier seien. 

Meyen glaubte, dass die Embryonen aus dem Nabel der Gemmul ausschlpfen; Carter, 
der nie umherschwrmende Embryonen gesehen, lsst die Keimkrnor- Konglomerate daraus 
hervorgehen. 



12 Schwmme. 



Eier, aus welchen die Embryonen entstehen, die letzten fr blosse Cysten, 
die das Thier, welches sich darin fr einige Zeit zur Ruhe begeben, spter 
durch den Nabel wieder verlasse. 



III. Chemische Zusammensetzung. 

Man besitzt verschiedene Elementar -Analysen von Schwmmen, welche 
aber ein sehr ungleiches Resultat ergeben mssen, je nachdem in dem 
untersuchten Schwmme kieselige oder kalkige Schwamm -Nadeln vorhan- 
den sind oder solche ganz fehlen. So fand R. D. Thompson in zwei 
Arten mit Kiesel -Nadeln, nmlich in 

Halichondria panicea, Spongilla uviatilis 

organische Materie 28,60 26,00 

kohlensaure Kalkerde . . . 48,79 ..... 13,00 

Kieselerde 19,04 50,66 

phosphorsaure Kalkerde ... 2,38 10,10 

Chlor -Natrium] iV , f . 1.19 

.. , J- unwesentlich { Ci a . 

Alaunerde . . .] \ . Spur ..... Spur 

TTXT 99,86 

avo die Natur der organischen Materie unbekannt und das Vorkommen der 
kohlen- und phosphor-sauren Kalkerde unerklrt bleibt. Eine Zerlegung von 
Euspongia officinalis, die keine Nadeln enthlt, wies als Bestandteile haupt- 
schlich Fibroin- Fasern mit wenig Jod, Schwefel und Phosphor nach. 

Man darf in den Schwmmen, wenn man sie nach ihren organischen 
Bestandthcilen betrachtet, wenigstens viererlei von einander unabhngige 
chemische Verbindungen zu finden erwarten: 1) die des Hrn - Gerstes 
unter Abrechnung der etwa in seinem Innern noch eingeschlossenen Nadeln ; 
2) die der kieseligen oder 3) kalkigen Bestandteile der Nadeln; 4) die des 
Gallert-artigen Sarkode-berzugs, welcher physiologisch genommen zweifels- 
ohne der Hauptbestandteil ist. Die Sarkode ist noch nicht genauer 
chemisch zerlegt worden, gilt aber gewhnlich als eine Protein -Verbin- 
dung. Das elastische Horn-Gerste besteht aus Fibroin, einer Verbindung 
N 2 C 12 H 10 0"> = 150 Mischungsgewichten, 
18,6 48,0 6,Q 26,6 = 100 (99,8) Prozenten. 

Das Fibroin ist einestheils dem Fibrin unter den Protein -Verbin- 
dungen, anderntheils den Leim-gebenden Materien und in seinem Stickstoff- 
Gehalte insbesondere dem Knochen-Leim zunchst verwandt, unterscheidet 
sich von diesem aber durch seine Unlslichkeit in kochendem Wasser u. s. w. 
und findet sich ausserdem noch in Spinnen- und Seide -Fden vor. Der 
Jod- Gehalt der Schwmme ist nach den Untersuchungen von Sommer 
und von Hornemann theils fest mit der Horn-Faser verbunden, theils 
durch Wasser ausziehbar und daher nach dem vorausgegangenen Reinigungs- 
Grade der Schwmme vernderlich. Die Schwamm -Substanz in Kali -Lauge 
aufgelst u. s. w. kann bis 1,90 Jod abgeben. 



aus \ 



Lebens - Thtigkeit und Entwickelungs - Geschichte. 13 

IV. Lebens -Thtigkeit und Entwickelungs -Geschichte. 

Entwickelung der Gemmul. Eine zusammenhngendere Darstellung 
der Entwicklung- und des Lebens knnen wir, wenn auch mit einigen 
Lcken, nur von den Ssswasser-Schwmmen geben. Nach allem Anschein 
jedoch stimmen die See -Schwmme in allem Wesentlichen damit berein. 
Wenn die Gemmul (1, 14, 15) sich im Parenchym einer Spongille aus 
Schwammzellen -Haufen erst zu entwickeln beginnen, was im Herbste 
geschieht, sind sie von dichterem Zellgewebe umgeben als spter und 
haben eine dnnere Schaale; ihr Kugel -krniger Sarkode -Inhalt (1, 15) 
ist strker Licht-brechend, fester zusammen-klebend, mit dicht eingestreuten 
Fett-artigen Krnchen. Zuweilen geht sogar die gesammte ber das Kiesel- 
Gerste verbreitete Schwammzellen -Masse in solche Gemmul ber. Bei 
weiterer Entwickelung nehmen sie die oben (S. 11) beschriebene Be- 
schaffenheit an. In dieser verharren sie den Winter ber. Mit dem ersten 
Frhling (im Mrz) und besonders unter Einfluss der Sonnen -Wrme ver- 
ndern sich die Gemmul; viele ihrer Zellen enthalten doppelte Kerne 
und Kern -Krperchen, sie sind jetzt weniger zerfliesslich als vorher und 
zeigen eine Amben -artige Beweglichkeit; die kleinen Krnchen nehmen 
auf Kosten der Blschen zu; aus dem Porus ergiessen sich endlich 
zusammenhngende Schwamm -Zellen welche sich, wenn sie ihre Un- 
terlage erreichen, mit der Schaale daran festheften. Das Ausfliessen 
dauert etwa vier Tage. Whrend dessen wird der ussere Band der 
ausgeflossenen Masse durchsichtiger, indem sich die grsseren Blschen 
hier ganz verlieren und zerfallen, so dass die kleinen Krnchen gewhn- 
licher Schwanim-Zellen mehr berhand-nehmen, wodurch allmhlich wieder 
ein Schwamm -Stck entsteht, das dem in der Gemmul aufgegangenen 
ganz hnlich ist, daher dieses auch, wenn die Gemmul noch auf dem 
Nadel- Gerste liegt, solches berzieht und die Stelle des vorigen ein- 
nimmt und meist mit andern benachbarten in gleicher Vernderung be- 
griffenen zusammenfliesst. Am 6. Tage nach dem Austritte beginnt die 
Entstehung neuer Nadeln. Am S.Tage bildet der junge Schwamm, wenn 
er vom Gerste getrennt einzeln auf flacher Unterlage sitzt, eine Scheiben- 
frmige etwas gewlbte Masse von 3 Mm. Breite (1, 1), welche in der Mitte 
die entleerte Schaale enthlt und gegen den Rand hin farbloser und durch- 
sichtiger wird. Nach (5 Wochen unterscheidet man bereits daran die nur 
die Sippe der Spongillen charakterisirende, den inneren Krper lose um- 
gebende (1, 16) Haut mit ihren eigenthmlichen sich in lange Fortstze theilen- 
den Zellen (1, 6 d, 7) und ihren feinen Einlass- Poren (1, lf und 6 a c), 
die zwischen Krper und Haut gelegene Hhle und die kurz Bohren- oder 
Kegel -frmig vorragende Ausfhrungs -Mndung (1, lg) derselben, alle 
bereits in voller Thtigkeit. Die Haut ist von kleinen Nadeln erfllt und 
von grsseren Nadel-Bndeln des Parenchyms gesttzt (1, ldd) und las st 
vermge ihrer Durchsichtigkeit die Anfnge der Kanle erkennen (lee), 
welche aus der unter der Haut befindlichen Hhle ins Parenchym fhren. 



14 Schwmme. 

Entwickelung der Keimkrner -Konglomerate zu Schwrm- Sporen. Diese 
kugeligen Konglomerate (1, 11 [s. S. 10]) kommen in allen Tlieilen der 
Spongillen oh in der Nhe der vorigen und auf sehr verschiedenen Ent- 
wickelungs - .Stufen durcheinander vor. In leicht zerstrbarer Umhllung 
zeigen sie sich mit Keim -Krnern erfllt. Man unterscheidet grssere und 
kleinere, jene schon dem blossen Auge erkennbar, diese nur ein Drittel 
so gross, aber noch immer vor der doppelten Grsse der grssten Schwamm- 
Zellen, oft einen Nucleus und Nucleolus zeigend und oft Amben - artig in 
langsamer Bewegung begriffen. Im Winter sieht man statt der Keim- 
Krnchen stark Licht -brechende Krperchen von noch grsserer Feinheit 
darin. Zu Anfang des Sommers (im Mai) nehmen sie eine ovale Gestalt 
an und zeigen eine helle und eine dunkle Hlfte. Knstlich abgelst 
lassen sie Zellen und Kiesel -Nadeln im Innern erkennen und bewegen 
sich durch ein Wimper -Epithelium ihrer Oberflche leicht im Wasser 
herum. Spter (im Juni bis Oktober) trennen sie sich von selbst von 
dem Mutter -Thiere ab und schwimmen als Seh wrm-Sporen (1, 13) 
lebhaft umher. 

Die Schwrm -Sporen, zuerst von Grant und Laurent beobachtet, sind 
i ji Mm. dick und 2 k Mm. lang, regelmssig oval, in dem beim Schwim- 
men nach vorn gerichteten Ende eine Wasser-helle halb-kugelige, im hin- 
teren eine blendend weisse Masse enthaltend. Von aussen nach innen 
besteht der Krper a) aus einem Epithelium, das ringsum von einer ein- 
fachen Lage kugeliger Zellen von etwa \jzm Mm. Durchmesser gebildet 
ist, deren jede ein Wimper -Haar trgt; b) aus einer Kortikal -Substanz, 
welche bedeutend dicker, gallertig, Struktur -los ist und nur einige Fett- 
artige Krnchen eingestreut enthlt; c) aus der fast kugeligen Medullar- 
Masse, die bis '/2 Mm. dick das Innere ausfllt, im vorderen grsseren 
Wasser-hellen Theile slzig ist und feine Krnchen eingestreut enthlt, 
whrend der hintre weisse aus grsseren und kleineren Fett - hnlichen 
Krnchen besteht, die mit Sarkode -Substanz zusammen Kgelchen von 
verschiedener Grsse bilden, gewhnlich aber mehr und weniger durch 
ein stark Licht -brechendes Krperchen verdrngt werden, welches das 
erwhnte weisse Ansehen des Hintertheils der Schwrm -Spore veranlasst. 
Beide Theile enthalten ausserdem auch immer sehr feine Kiesel -Nadeln 
(wie die im Schwamm selbst gestaltet). In dieser Medullr -Masse nun 
nehmen die ohnediess zahlreichen Keim -Krner oft so sehr berhand, 
da ss sie mit den Kiesel -Nadeln und Eiweiss- artiger Substanz allein diese 
Masse bilden. Die Schwrm -Sporen der See -Schwmme sind nach Graut 
nur an ihrem Vordertheile bewimpert. 

Die Schwrm- Sporen, von den nach aussen gehenden Wasser -Strm- 
chen aus dem Schwmme entfhrt oder auch an andern Stellen hervor- 
brechend, bewegen sich in verschiedenen Kichtungen umher, bleiben eine 
Zeit lang an der Oberflche des Wassers, gehen dann in die Tiefe 
lngs dem Boden (des zur Beobachtung dienenden Gefsses) fort, kommen 
wieder in die Hhe, drehen sich zuweilen im Kreise, halten sich bei 



Lebens -Thtigkeit und Entwiekelungs- Geschichte. 15 

wechselseitiger Begegnung einige Minuten lang beisammen auf und entfernen 
sich dann wieder von einander. Zuweilen bleiben sie eine Weile unbewegt 
und fangen dann von selbst oder, wenn sie angestossen worden, aufs 
Neue sich zu bewegen an, breiten sich zuweilen eine Zeit lang an der 
Oberflche des Wassers aus und setzen sich endlich mittelst der Kortikal- 
Substanz gewhnlich an ltere leere Schwamm - Gerste oder an fremde 
Krper, als Steine, Phryganen - Rhren, Holz und andere Pflanzen -Stcke, 
an lebenden Zweigen und selbst auf den Krusten lebender Krabben fest, 
wo 1 2 Arten sehr regelmssig vorkommen. Die Schwmmchen sind jetzt 
schon schwer von den aus Gemmul entstandenen zu unterscheiden und 
entwickeln sich weiter, wie diese. Carter ist geneigt, die Fortpflanzung der 
Schwmme durch Gemmul als eine geschlechtliche zu betrachten, deren 
Zellen durch Krnchen von Spermatoidien- Natur befruchtet Avorden wren, 
wie er es auch bei den einkammerigen Rhizopoden und noch mehr bei den 
Infusorien darzustellen bemht ist (vgl. dagegen Lieberkhn, S. 1112). 

Zwei bis acht Tage nach ihrem Freiwerden ist es , wo die Schwrm- 
Sporen zu Boden sinken und sich hier befestigen, indem sie ihr Epitheliom 
abwerfen (was zuweilen auch schon im Mutter-Thiere geschieht), nach dessen 
Verlust der Keimkrner -Gehalt unter der Struktur-losen Kortikal -Substanz 
deutlich sichtbar wird. Diese letzte erscheint nach einigen (1 2) Tagen 
dnner; von der inneren Masse weniger als zuvor unterscheidbar fliesst 
sie langsam hin und her, schiebt Fortstze hinaus und zieht sie wieder 
ein, nimmt einzelne Keim -Krnchen in diese auf und drngt sie wieder 
ins Innere zurck, indem zuweilen auch eine Kiesel -Nadel mit ihrer Spitze 
weiter an die Oberflche hervortritt. Oft schon vom Freiwerden der Sporen 
an, oft auch erst jetzt beginnen die Keim -Krnchen in immer feinere 
Stckchen zu zerfallen. Nach etwa 8 Tagen zeigen sich die Nadeln 
zahlreicher und in vernderten Lagen, die meisten in der Mitte der Sporen 
zu Bndeln vereint, manche bereits aufgerichtet und mit ihren Spitzen 
den Schwamm -Krper berragend. Die Keimkmer - Theilchen sondern 
sich in Hufchen von der Grsse gewhnlicher Zellen; viele dieser Huf- 
chen lassen in ihrer Mitte einen Glas -hellen Nuckus und Nucleolns, zu- 
weilen auch kugelige Nadel -Rudimente von der Grsse dieser letzten 
wahrnehmen, und manche dem Rande nahe gelegene wechselen selbst 
ihre Stelle. Aus den zerfallenen Keim - Krnchen entstehen kontraktile 
Zellen. Nach ti Wochen hat die junge Spongille bis zur 1 l ,/i fachen Breite 
und G fachen Hhe zugenommen (1, 12); die Nadeln (an Zahl von 10 bis 
auf 70 gestiegen) liegen in zahlreichen Bndeln wie im ausgebildeten Zu- 
stande geordnet, die Bndel von einer Struktur-losen Membran, welche 
die Gallert -Masse berdauern kann, umschlossen und mit einander ver- 
bunden. Die Einsaugungs - Poren und der Ausfhrungs -Fortsatz sind 
schon frher kenntlich. Gegen den Herbst ist der junge Schwamm nur 
noch in der Grsse vom alten verschieden. 

Whrend der Entwickelung des jungen Schwammes lsst sich auch 
die Entstellung der Spicul beobachten. Man hat sie insbesondere an 



1(5 Schwmme. 

den Spindel -frmigen Kiesel -Nadeln der Spongillen verfolgt, welche in 
der Mitte eine kugelige Anschwellung haben. Sie entstehen in Kern-haltigen 
Schwamm -Zellen, worin die Nadel dann weiter theils durch Ausdehmuig 
und theils durch Auflagerung neuer Kiesel -Schichtchen von aussen her 
fortwchst (1, 8). 

Auch aus zufllig oder durch freiwillige Theilung abgelsten Zellen- 
Gruppen und einzelnen Zellen der Schwmme knnen sich neue Individuen 
bilden (Vermehrungs - Weise durch Selbsttheilung, Scissiparite Laurent'.?). 
Nachdem sie sich eine Zeit lang am Boden umher-bewegt , befestigen sie 
sich langsam mit ihrer Oberflche, nhren und entwickeln sich weiter. 
Zuweilen lst sich eine ganze Zellen -Gemeinde auf; jede Zelle verlsst 
ihren Sitz und kriecht mittelst ihrer Pseudopodien umher, gewhnliche 
Schwamm- Zellen sowohl als Wimper -Schluche, welche letzten jedoch die 
Form eines Actinophorus -rtigeit? Infusoriums annehmen. Aber auch die 
bewimpelten und unbewimperten Zellen eines solchen Wimper -Schlauches 
knnen ihre Verbindung lsen und sich einzeln oder noch in kleinen 
Gruppen zusammenhngend umher -bewegen, welche letzten dann den 
Uvellen unter den Infusorien hnlich sind (1 , 10). Die einwimperigen 
Zellen (welche Carter frher fr Saamenfdchen gehalten) sieht man 
dann oft einzeln (1, 9) oder gruppenweise (1, 10) irgendwo am Roden mit- 
telst je eines an einer Seite hervor-tretenden Fortsatzes sich befestigen, 
whrend an dem entgegengesetzten Ende die Wimper sich schlngelt, zu 
deren beiden Seiten sich die Nahrung -zufhrenden Wasser -Strmchen 
gegen die Zelle bewegen, welche die einzelnen Nahrungs - Krnchen mit 
ihrer Oberflche einschlingt oder mittelst eines ausgestreckten Fortsatzes 
hereinzieht, sie umfliesst und verzehrt. (Das Zusammenwirken vieler 
solcher lngs einem Schwamm -Kanle vertheilter Wimper -Zellen ist daher 
zweifelsohne auch sehr geeignet, eine fortwhrende Strmung in demselben 
zu bewirken, aber deren Vereinigung in einem blinden Schlauche noch 
nicht gengend, um ein unausgesetztes Einstrmen des Wassers in diesen 
zu erklren.) 

Leben der reifen Schwmme. Die Reitz- Empfnglichkeit der See- 
Schwmme, obwohl spter oft gelugnet, hat schon Cavolini gekannt; 
sie werden dadurch veranlasst ihre Offnungen zusammenzuziehen und zu 
erweitern, zu schliessen und zu ffnen. Durch die geffneten engeren 
Poren der Oberflche dringt das sie umgebende Wasser bestndig ein 
und durch die weiteren Offnungen mit zunehmender Schnelligkeit wieder 
heraus, vorwrts getrieben durch die im Inneren vorhandenen Wimper- 
Apparate, welche oben beschrieben worden sind. (Man beobachtet Diess 
am besten, wenn man unschdliche sehr fein gepulverte und unauflsliche 
organische Farbstoffe wie Karmin ins Wasser streut, die Bewegung der 
der Oberflche des Schwammes zunchst kommenden Krnchen derselben 
verfolgt und, wenn eine grssere Menge derselben eingedrungen ist, das 
umgebende Wasser durch ungefrbtes ersetzt.) Mit diesem Wasser ge- 
langen denn auch die rohen Nahrungs -Stoffe des Thieres zu allen Theilen 



Lebens -Thtigkeit und Entwickelungs- Geschichte. 17 

seines Inneren und werden durch die Sarkode zerlegt, sei es nun dass 
die kugeligen Wimper -Schluche dabei noch eine besondere Rolle spielen 
oder nicht. Die Aufnahme fremder Stoffe ins Innere des Krpers findet 
ohne Auswahl statt (whrend der Wimper- Mund der Infusorien das Un- 
brauchbare zurckstsst) , wenn sie nur fein genug sind, um durch die 
ffnungen einzugehen, welche ihre Form etwas ndern knnen, um sie 
aufzunehmen. Wenige Minuten gengen oft schon, um ein Schwmmehen 
oder ein Schwamm-Stckchen, wie man es unter das Mikroskop bringt, mit 
farbigen Krnchen durch eine einzige ffnung zu fllen, und erst nach 
12 Stunden sind alle diese Krperchen wieder entfernt. Verfolgt man den 
Weg, welchen diese letzten machen, so sieht man sie nach Lieberkhn 
theils rasch und geradezu fortstrmen und wieder ausgeworfen werden, 
whrend andre zwischen das Zellgewebe gerathen und darin stecken 
bleiben und verzehrt werden. Die Zellen bewegen sich fortwhrend 
langsam, nehmen ovale vieleckige und scheibenartige Formen an, ent- 
fernen sich von einander, so dass kleine Lcken oder weite Spalten und 
Lappen entstehen, nhern sich wieder, ohne eine Spur der Trennung zu 
hinterlassen, oder strecken einander ihre Fortstze entgegen, welche bald 
kurz und stumpf, bald spitz und viel lnger sein knnen, als sie selbst. 
Sie umfliessen und umhllen auf diese Weise dann auch jeden zu ihnen 
gelangenden fremden Krper und entziehen ihm seine assimilirbaren Be- 
standteile. Erfassen sie lebende Infusorien, so kann man in diesen das 
Spiel ihrer kontraktilen Blase noch etwa eine halbe Stunde lang beob- 
achten; dann hrt es auf; das Thierchen zerfllt allmhlich und ver- 
schwindet (gerade so, wie wenn man Aenophrys ein Infusorium fressen 
sieht). Nach Carter jedoch wre die Verarbeitung der Nahrung aus- 
schliesslich den Wimper -Schluchen vorbehalten und wrden daher auch 
die Karmin -Krnchen sich nur in ihnen anhufen, indem der Durchgang 
eines Krnchens durch die dasselbe umfliessenden Zellen eines solchen 
Schlauches bis in die Ausfhrungs -Kanle wohl eine Viertelstunde erfor- 
derte. Das setzte denn eine Art Filtrir - Thtigkeit aller Schlauch -Zellen 
in gleichbleibender Richtung voraus. 

An manchen Tagen nimmt der Schwamm (immer noch die Spongille) 
keine Farbstoffe auf. Es geschieht Diess unter Andern auch insbesondere 
alsdann, wenn derselbe mit Karmin - Krnchen auf einmal zu sehr ber- 
fttert worden ist. Wie Carter erzhlt, hren dann die Strmungen auf, 
die Eingangs -Poren und die Ausfhrungs - ffnungen schliessen sich und 
werden unsichtbar. Das Thier ruhet einige Stunden lang ; dann werden 
allmhlich die ffnungen wieder sichtbar, die Strme bewegen sich aufs 
Neue und fhren den Karmin -Unrath mit sich nach aussen. 

Auch an See -Schwmmen ( Hymeniaciduni) bemerkt man nach Bo- 
werbank, dass ihre Strmungen nachlassen, wenn sie zu lange im nm- 
lichen Wasser unterhalten werden, so dass man endlich' von allen ihren 
Mndungen nichts mehr sieht. Fhrt man ihnen aber wieder frisches 
See-Wasser zu, so ffnen sich dieselben rasch und stossen Wasser-Strme 

Bronn, Klassen des Thier -Reichs. I. O 



jy Schwmme. 

mit ziemlicher Heftigkeit aus. Nach einiger Zeit lassen sie, nach dem 
Willen des Thieres allmhlich oder pltzlich, einzeln oder gruppenweise 
oder alle wieder nach, bis sie neues Wasser erhalten. Dabei ndert sich die 
Form der Mndungen manchfaltig ab, indem sich ihr hutiger (? Sarkode-) 
Rand bald in eine kurze Rhre verlngert und bald sich flach ber die 
Mndung spannt, so dass nur eine mittle ffnung brig bleibt, 

Nur selten sieht man den ganzen Krper sich langsam zusammen- 
ziehen oder seine Form ndern, auch sogar sich in % 3 ganz geschiedene 
Theile sondern, wie es scheint insbesondre dann, wenn es an Nahrung 
gebricht oder das Wasser nicht gengend erneuert wird. Es ist Diess 
eine Wirkung des vorhin beschriebenen Formen -Wechsels und der Tren- 
nung der einzelnen Spongille- Zellen zu einem gemeinsamen Zwecke; die 
ganze Schwamm -Masse gerth in eine langsam fliessende Bewegung wie 
ghrender Brod-Teig, ndert die Lage ihrer Nadeln, dehnt ihre Grundflche 
zu einem weiteren Umfang aus, kann sich aber auch wieder zusammen- 
ziehen; ja ganz getrennte Massen knnen sich wieder vereinigen. 

Von Interesse ist diese Verschmelzungs - Fhigkeit junger Individuen, 
wo sie sich auch am genauesten beobachten lsst. Haben sich mehre 
neben einander festgesetzt und kommen sie bei weiterer Ausdehnung mit 
einander in Berhrung, so schwindet ihre Grenz-Haut, die Nadeln kreutzen 
sich, die inneren Kanle treten mit einander in Verbindung, die Zahl und 
Lage der oberflchlichen Poren- und Ausmndungs- ffnungen passt sich 
der Form und dem Bedrfnisse des so gebildeten Schwamnies an. Man 
kann ihn jetzt nur noch gewaltsam zerreissen. 

Auch an ausgewachsenen See-Schwmmen beobachtete Bowerbank, 
dass, wenn man sie in mehre Stcke zerschneidet und diese Stcke dann 
in der anfnglichen Weise an einander legt, sie nach wenigen Stunden 
wieder vollkommen mit einander vereinigt sind. Eben so sah er ganz 
verschiedene Individuen, wenn sie nahe an einander gedrngt wurden, in 
einigen Stunden vllig mit einander verschmelzen. (Bringt man aber Stcke 
oder Individuen verschiedener Schwmme-Arten auf gleiche Weise an ein- 
ander, so hat Diess keinen Erfolg.) 

Eine ihnen eigenthmliche Art von Lebens-Thtigkeit zeigen die boh- 
renden Schwmme (Vioa, Thoosa, 2, 1), indem sie mit einer punktfrmigen 
ffnung (2, 1 b, eine ganze Entwicklungs-Reihe) beginnend sich in Kalk- 
steine, Weichthier-Schaalen, Nulliporen und Korallen -Stcke einbohren 
und dann in geringer Tiefe unter der Oberflche und mit ihr parallel 
allmhlich erweiterte Kanle aushhlen, die sie genau mit ihrem Krper 
ausfllen. Immer sind diese Kanle verstelt, die Aste im Allgemeinen 
fiederstndig, oft anastomosirend, allmhlich an Breiten -Ausdehnung zu- 
nehmend und dann gewhnlich durch verengte Stellen fast regelmssig 
in Glieder getheilt. Feine Poren -ffnungen, welche berall von diesen 
Asten aus zur Oberflche des durchbohrten Krpers gefhrt werden, stellen 
allenthalben die Verbindung des Thieres mit dem frischen AVasser her. 
Hancock glaubt nicht, dass sie diese Aushhlungen, welche bisher nur 



Lebens -Thtigkeit und Entwickelimgs - Geschiente. \ty 

in Krpern aus kohlensaurem Kalke bestehend gefunden worden sind, 
durch ausgeschiedene Suern bewirken, indem frische Schwamm-Exemplare 
nicht nur nicht darauf reagiren, sondern selbst mit Suern brausen. Er 
betrachtet sie als eine Folge der Reibung der rauhen, losen Kieselhlle 
dieser Thiere (vgl. S. 8) an den Kalk- Wnden, zumal diese Wnde berall 
fein punktirt seien. Die Kontraktilitt der Sarkode-Zellen und vielleicht 
die Flimmer- Bewegungen sollen dabei behlflich sein. Indessen knnen 
gerade durch Reibung nicht wohl punktfrmige Vertiefungen hervorgebracht 
werden und scheint der angedeuteten Bewegungs-Weise des Reib-Apparats 
die nthige Druck-Kraft und Schnelligkeit zu fehlen. 

In psychischer Hinsicht ist nicht zu verkennen, dass in mehren 
dieser Bewegungen sich ein Zusammenwirken aller einzelnen Theile des 
Schwammes zu einem gemeinsamen und zwar einem mehr und weniger 
bewussten Zwecke ausspricht. 

Jhrliche Vernderungen. Die grsste vegetative und geschlechtliche 
Thtigkeit findet im Sommer statt, indem von Mrz an die Fortpflanzungs- 
Krper sich mehr und mehr entwickeln, im Juni bis August am reichlich- 
sten und ausgebildetsten im Innern des Schwammes vorkommen, wie auch 
um diese Zeit sich die Kapselchen, in welchen sich die Saamen-Fdchen 
bilden, zur Reife gelangen und aufplatzen. Sie liegen einzeln oder in 
Gruppen vereinigt und zu verschiedenen Entwickelimgs - Stufen gelangt 
im Zellgewebe beisammen. Whrend einige nur erst eine feinkrnige 
Masse enthalten, zeigen die anderen bereits kugelige, Ei- und Weck-frmige 
Krperchen, welche theils langsam bewegliche stumpfe Fortstze hervor- 
schieben und bald zerfallen, theils mehrfach eingeschnrt sind und schon 
an jedem Segmente einen Faden (Schwanz) erkennen lassen, wogegen 
von den einzelnen kleineren Kgelchen jedes schon seinen Faden besitzt. 
Noch andre sind ganz von lebhaft bewegten Saamen-Fdchen erfllt. 

Im Herbste und Winter scheinen die Schwmme wenigstens unsrer 
Ssswasser eine Reduktion zu erleiden; ihr Zellgewebe zeigt weniger Be- 
weglichkeit in seinem Innern, es zieht sich oft von den auseinanderfal- 
lenden oder noch zusammenhaltenden Nadel -Bndeln mehr und mehr zu- 
rck, theils in Folge einer stellenweisen oder gnzlichen Atrophie und theils 
um sich in feinere Zcllchen und Krnchen zu zertheilen und sich endlich 
in Keimkrner-Konglomerate umzubilden, welche den Winter ber ruhen, 
bei ihrer Entwicklung im nchsten Sommer aber den durch ihre Bildung 
kahl gewordenen Theil des Nadel-Gerstes oft wieder berziehen und den 
alten Schwamm weiter vergrssern und ausdehnen. 

Manche Schwmme selbst des Meeres scheinen nur eine einjhrige 
Lebens -Dauer zu besitzen, da sie sich ziemlich regelmssig nur an ein- 
jhrige Algen zu befestigen pflegen. Andre leben unzweifelhaft viel lnger, 
sei es Folge einer Art periodischer Regeneration von der eben angedeuteten 
Art oder weil sie schon an und fr sich von mehr ausdauernder Natur sind. 

Des Falles, dass unter ungnstigen Existenz -Bedingungen wohl zu 
jeder Zeit alle Zellen eines jungen Schwammes (und vielleicht auch 



20 Schwmme. 

die von lteren) ihre Gemeinschaft auflsen und sich einzeln fortlebend 
zerstreuen knnen, ist schon oben gedacht worden. 

Individualitt bei den Schwmmen. Carter betrachtet einen Schwamm 
gleich dem Polypen-Stocke nur als eine Kolonie, die aus so vielen Einzel- 
wesen zusammengesetzt wre, als Wimper-Schluche oder Magen in sei- 
nem Innern enthalten sind, wobei die Wimper -Zellen dieser Schluche 
den bewimperten Gallen -Organen im Magen andrer niedrer Thiere ver- 
glichen werden. Auch Perty sieht ihn als einen Rhizopoden- Stock an, 
der sich sein Nadel-Gerste gemeinsam (?) erzeuge, und worin jede Zelle 
einen Rhizopoden darstelle; die bewimperten Krperchen erscheinen ihm 
als etwas blos Ansitzendes, Fremdartiges und Zuflliges. Aber man 
msste, wie Lieb er khn bemerkt, nach seinen genaueren Beobachtungen 
dann ferner annehmen, dass (wie die Individuen im Ameisen-Haufen) ver- 
schiedene der anfangs gleichartigen Zellen verschiedene Verrichtungen 
bernehmen, indem die einen sich nur mit der Ernhrung beschftigen, 
andre Nadeln erzeugen, einige zu Bewegungs-Organen werden, noch andre 
sich in Saamenfden- Kapseln und viele endlich in Schwrm -Sporen ver- 
wandeln, woraus neue Rhizopoden wie die Cercarien aus Ammen ent- 
stehen; die Gemmul-Bildung wre als eine Art gemeinsamer Incystirung 
einer ganzen Gruppe zu betrachten. Indessen neigt sich Lieberkhn 
selbst der Duj ardin 'sehen Ansicht zu, welche den Schwmmen ein ge- 
meinsames Leben zuschreibt. Dann wre jede Schwrm -Spore und der 
daraus entstehende Schwamm ein Individuum, das sich durch seine vor- 
geschobenen Pseudopodien langsam bewegte, indem die kontraktilen Zellen 
der Sarkode die Muskeln vertrten; Wimpern kleideten innere Kanle 
aus, welche mglicher Weise Abtheilungen eines ununterbrochenen Darm- 
rohres wren. Die Fortpflanzung geschhe durch Eier und Saamen-Fden. 

Der Begriff der Individualitt darf hier keinenfalls so strenge wie bei 
hheren Thieren genommen werden. Dieselbe erscheint berall und ins- 
besondre wenn wir auf die Pflanzen und zumal die niedern Pflanzen zu- 
rckblicken, um so geringer, je grsser die der zusammensetzenden Zellen 
ist. Dort vermag jede Zelle sich allein zu ernhren und fortzupflanzen, 
und vielleicht nur von ihrer Lage an der Pflanze selbst hngt es ab, ob 
sie auch zur geschlechtlichen Fortpflanzungs-Weise befhigt wird. Hier 
ernhrt und vermehrt sich, empfindet und bewegt sich jede einzelne Zelle 
unabhngig von den andern; jeder Fetzen eines vorhandenen Schwammes 
kann sich selbststndig erhalten und vervielfltigen; und wenn verschie- 
dene Zellen noch verschiedene Funktionen haben, so scheinen diese gleich- 
wohl alle aus einer gleichen Anlage entstanden und nur durch verschiedene 
Einflsse der Lage u. s. w. verschieden ausgebildet worden zu sein. Selbst 
das regelrecht aus einem befruchteten Ei (wenn anders diese Befruchtung 
sich besttigt) als Schwrm -Spore hervorgegangene wirkliche Individuum 
kann in mehre zerfallen oder mit anderen solchen Individuen und bereits 
vorhandenen ganzen Kolonie'n zusammenfliessen, ohne dass etwas noch 
spter diesen zusammengesetzten Ursprung verriethe. Immerhin aber wrde 



Klassifikation. 21 

die Individualisirung bei den Ssswasser-Schwmmen oder Spongillen um 
eine Stufe hher als bei allen anderen Schwmmen dadurch steigen, dass 
jeder Schwamm in der Regel nur eine gemeinsame am Ende verschliess- 
bare Ausfiihrungs - Rhre besitzt, die ausnahmsweise freilich auch hier 
wechselweise durch eine andere ersetzt und verdoppelt werden kann. 

Leuckart endlich bemerkt, dass die Organisation der Spongien sich 
zunchst an die der Polypen-Stcke anschliesse, und rckt sie demgemss 
im Systeme zu diesen hinauf. Sie erscheinen ihm wie Kolonie'n von un- 
vollstndig getrennten Polypen ohne Tentakeln, Magensack und Scheide- 
wnde im Innern der Leibeshhle. Die zahlreichen Wasser-Kanle erinnern 
an hnliche, nur viel feinere Kommunikationen zwischen dem Innern und 
der Oberflche bei gewissen Polypen (Actinia z. B.). 



V. Klassifikation. 

Man hat seit Grant angefangen, die Lamarck'sche und Schweig- 
ger'sche Familien-E int hei hing der Spongien, die auf ihre ussere Form 
gegrndet war, zu verlassen, immer mehr Gewicht auf die chemische Zu- 
sammensetzung ihres inneren Gerstes zur Charakterisirung ihrer Haupt- 
Abtheilungen zu legen, und die brigen Merkmale mehr nur zur Bildung 
der Unterabtheilungen und insbesondre der Sippen zu benutzen, zumal es 
bei den zahllosen Modifikationen der brigen Bildungen schwer werden 
wrde, mit ihrer Hlfe scharfe Grenzen zu ziehen. Inzwischen ist selbst 
die chemische Natur bei einer vergleichungsweise nur geringen Arten-Zahl 
bekannt, so dass wir von den bis jetzt beschriebenen etwa 300 lebenden 
Schwamm - Arten noch kaum 130 in die ihnen entsprechenden Haupt- 
Abtheilungen einzuordnen vermchten; und noch grsser wird jene Un- 
sicherheit bei den fossilen, meist in Kalk- oder in Kiesel-Masse versteinerten 
500 Schwamm- Arten, fr welche man eine grosse Anzahl (50 60) von 
Sippen aufgestellt hat, ohne ihre ehemalige Mineral-Natur ermitteln zu 
knnen; man vermag sie hchstens nach ihrer usseren hnlichkeit mit 
bereits genauer bekannten lebenden Formen der einen oder der anderen 
Hauptabtheilung zu nhern und ihnen so eine muthmassliche Stelle anzu- 
weisen, obwohl nichts in der ussern Form selbst der lebenden Schwmme 
mit Sicherheit verrth, ob sie kalkige, kieselige oder gar keine Nadeln 
enthalten und hnliche Gestalten in verschiedenen Haupt -Abtheilungen 
vorkommen. Manche der fossilen Arten, welche jetzt eigene Genera bil- 
den, wrden zweifelsohne in die fr die lebenden Formen aufgestellten 
Sippen eingetheilt, manche ihrer Genera aufgehoben werden mssen, wenn 
es mglich wre, ihre einstige chemische Natur und die Einzelnheiten 
ihres mikroskopischen Baues so wie bei den lebenden noch ausznmitteln. 
Die in den meisten Fllen vorliegende Unmglichkeit dieses Ziel zu er- 
reichen wird zweifelsohne die Folge haben, dass die fossilen Arten hier 
mehr als in anderen Thier-Klassen von den lebenden in eigenthmlichen 
Geschlechtern getrennt erhalten werden mssen. 



22 Schwmme. 

Wir fassen die wesentlichen Charaktere dieser Thier-Klasse in 
folgender Weise zusammen: 

Die Schwmme sind formlose Wasser -Thiere aus lose vereinigten 
kontraktilen Zellen, innerlich untersttzt und getragen von einem aufge- 
wachsenen netzartig verwebten Fibroiufaser- Gerste und gewhnlich auch 
noch von Kiesel- oder Kalk-Nadeln. Sie haben keine besonderen Organe, 
sondern die ganze Zellen-Masse (Sarkode) besitzt Assimilations-, Bewegungs-, 
Einpfindungs- und Fortpflanzung- Vermgen ; doch lassen zahlreiche enge 
Einmndungs- Poren der Oberflche das umgebende Wasser mit seinen 
feinsten Nahrstoff-Krperchen nach dem Innern zu, welches von verzweig- 
ten wandlosen Kanlen durchzogen ist, die durch eine geringere Anzahl 
grsserer ffnungen wieder nach aussen mnden. Besondere Zellen-Gruppen 
wandeln sich in Wimper - Schluche um, um die Zirkulation in den Kanlen 
zu frdern; andere werden zu Saamen-Fden, Eiern (?) und Keimen. 

rbnuttfleti, Sippen. (Eaf., Stfl. 

Krper gallertig, ohne Fasern und Nadel -Gerste (zweifelhaft) J Halisarca Duj. 

Krper ein Gerste enthaltend* 

. Gerste aus hornigen oder knorpeligen Fasern allein ohne Nadeln in dessen! Cera ospongiae. n. 

innerem (zuweilen einige Kiesel-Nadeln in einzelnen zusammen-/ Hrn - Schwmme. 

gedrckten Hrn - Fasern , oder lose in der Gallerte) ' 

dasselbe zerreiblieh und Sand -Krnchen regelmssig einsehliessend .... Dysidea Johnst. 

dasselbe fest oder zhe, ohne fremde Krper im Innern. 

. Faser knorpelig, derb, viele Haferkoni- frmige Lcken enthaltend, vonl . Ghondrospongia n. 

welchen viele feine Kanlchen ausstrahlen ) . ( Cartilospongia Bb.) 

. Faser hornig und von gleichbleibender innerer Beschaffenheit. 

. . mit dichter oder oben geschlossener Achse. 

. . . Fasern zusammengedrckt; Kanle erfllt von einer faserig -hutigen 

Substanz fast ohne Sarkode Steminatumenia Bb. 

. . . Fasern zylinderisch; Schwamm -Kanle mit reichlicher Sarkode. 

.... Schwamm aus einfachen Fasern gebildet; Achse voll. 

Netzwerk etwas unregelmssig , nach allen Richtungen.; Achilleum) . Euspongia n. 

Schw, (theils) i . (Spngia [Lk.J Bb.) 

Netzwerk regelmssig, aus senk- und waage- rechten Fasern, mit 

meist viereckigen Maschen Hymenacidum Bb. 

.... Schwamm -Fasern zu Bscheln verwachsen, senk- und waage-recht ; 

eine Achsen -Hhle von Spiral -Fasern umgeben und von einer 

Netz -artigen Kappe bedeckt Euplectella Ow. 

. . mit hohler oben offener Achse. 

. . . Hhle einfach, zylindrisch (Fistulwia Bb. frher) Verongia Bb. 

. . . Hhle: blinde Kanlchen nach der Faser -Wand ausstrahlend .... Auliscia Bb. 2, 3. 

Gerste aus Hrn- oder Knorpel -Fasern und Nadeln gebildet. 
,. , , ,. ,. (Silicispo'ngiae Nardo 

Nadeln beselig \ Kiesel -Schwmme. 

. Schwamm ganz in Kalk eingebohrt; mit Kiesel -Hlle. 

. . Hlle aus seitigen u. Rauten-frm. Plttchen ; Nadeln Stecknadel-frmig| ' y^^riem ) * a "' 

. . Hlle mit Maulbeer-frmig. Krperchen ; oberflchl. Nadeln Stern-frmig . Thoosa Hancock 2, 1 f. 

. Schwamm ganz frei wachsend. 

. . ussre Haut locker anliegend, pors, durch eine Hhle vom brigen i . Spongilla Lk. 1, 1-24. 

Krper getrennt; eine Rhren-frmige Ausfhrungs-lTnung ; (in< . (EphiiJatia Ix.) 
Ssswassern lebend) | . (adiaga Spr.) 

. . ussre Haut dicht anliegend, keine Hhle umgebend; mehrfache Aus- 
fhrungs-ffuungen. 

. . . Schwamm-Massc netzartig, locker, elastisch, homogen j . Halichondria Flem. 

(noch mehr abzutheilen: Alcyoiiaii Lk. theils; Haliclona Grant) 1 . (Ilalispongia Blv.) 

ungetheilt oder stig ; die Enden einfach gebildet ( . (Haliita Grant.) 

wenig gctheilt; die terminalen Mndungen der hohlen Zweige von 

durchbohrten polygouen Krnchen umgeben; Spiculae zahllos, 

dreizackig, kieselig? Alcyoncella O.G. 

. . . Schwamm-Masse dicht, fleischig, voll Nadel-Bndeln, massig, mit derber 
Kinde. 

.... Mitte hohl; Fleisch darum mit Nadel-Bndeln und gewundenen Ka- 
nlen; Rinde aus Kiesel-Kgekhen Geodia Link. 

.... Mitte derb; Nadel-Bndel zur Peripherie ausstrahlend Tethya Lmk. 2, 4. 

Na.loh, Ic-Ukip- f c l c i sp o ng i ae Blv. 

IN adeln kalkig "(Kalk-Schwmme. 

. Oberflche in 4 Geckige Feldchen getheilt , ohne sichtliche ffnungen"; 
eine Zentral-Hohle; darum radiale Kanle; Spicul zahllos, spin- 
delfrmig oder zweizackig Dunstervillia Bb. 2, 2. 

. Oberflche ohne getfelte Eintheitung , zellig, pors. Im brigen der t . Grantia Flem. 

Schwamm violfrmig, derb, elastisch; Kalk-Nadeln in gallertiger { . (Liurului Grant) 
Basis. (Bedarf fernerer Uuterabtheilung nach Art des Gewebes etc. { . (Leticnia Grant) 



Bumliche Verbreitung. 23 

VI. Rumliche Verbreitung. 

Im Allgemeinen. Die Schwmme sind zu unansehnliche Krper, als 
dass sie bis jetzt htten die Lust der Sammler erregen knnen. Man 
kennt ihre Arten und deren Verbreitung ber der Erd- Oberflche daher 
weniger vollstndig , als bei anderen Thier- Klassen, und kann so lange 
als ihre Arten nicht vollstndig in ein natrliches System vertheilt sind, 
auch keine allgemeinen Folgerungen von grossem naturgeschichtlichem 
Werthe daraus ziehen. 

Topographie. Wie schon erwhnt, sind alle Schwmme Wasser -Be- 
wohner und alle mit Ausnahme der Spongillen bewohnen das Meer. Die 
8 10 bekannten Spongilla- Arten kommen im sssen Wasser der Flsse 
und Smpfe vor und zwar, wie Carter meldet, ziemlich hufig sogar in 
solchen Stellen der Smpfe, welche in der heissen Jahres -Zeit 6 8 Mo- 
nate lang vllig vertrocknen und sie der grellsten Sonnen -Hitze preis- 
geben. Zweifelsohne gehen sie in dieser Zeit mehr und weniger in ihrer 
Entwickelung zurck, schwinden theilweise an ihrer Oberflche, behalten 
aber durch ihre hygroskopische Natur in ihrem Innern immer Feuchtigkeit 
genug, um nicht ganz abzusterben. Vielleicht wirkt dieses Zurckgehen 
sogar gnstig auf das Zerfallen der Sarkode-Zellen zu Keim- Krperehen 
und zu reichlicherer Entwickelung von Knospen (Gemmul), welche dann 
auf den Schwamm -Gersten da, wo die vorigen verkommen sind, sich 
entwickeln und durch Verwachsung unter einander die Wiederherstellung 
und weitere Ausbildung des lterlichen Schwamni-Stockes bewirken. 

Die See-Schwinme halten sich im Ganzen lieber und in grsserer 
Anzahl an der felsigen Kste, in steinigen Buchten und endlich etwa auf 
Untiefen als auf dem Grunde des hohen Meeres auf. Schlamm- und feiner 
Sand-Grund wrden ihnen keinen gengenden Halt geben. Sie beginnen 
in schon ziemlich betrchtlicher Anzahl an der obersten Grenze des Fluth- 
Standes, wo sie einen grossen oder den grssten Theil des Tages hin- 
durch ausser dem Wasser kommen, jedoch in Hhlen, Fels -Spalten und 
unter Steinen, wo sie der Einwirkung der Sonne nicht unmittelbar ausgesetzt 
sind; gern wohnen sie zwischen Korallen ; oft sitzen sie sehr oberflchlich 
an Tangen fest, zwischen welchen geborgen sie sich mit der Fluth heben 
und senken. Manche kleinere Arten setzen sich ziemlich regelmssig auf 
lebenden Krusten- und Schaal-Tliieren an und bewegen sich und wandern 
so mit denselben herum. Die Bohr-Schwmme bohren sich in Kalksteinen, 
Konchylien, Korallen und Bryozoen ein. 

Bis zu welcher Tiefe die Schwmme in das Meer hinabsteigen, lsst 
sich nicht unmittelbar nachweisen, da unsere Apparate zum Auffischen 
grsserer festsitzender Krper aus den betrchtlicheren Tiefen nicht zu- 
reichen. Doch wurden einzelne Schwamm -Nadeln (in Gesellschaft von 
Diatomeen, Polycystinen , Polythalamien mit noch lebensfhigen Leibern) 
bei fast allen bis jetzt unternommenen Sondirungen bis zu 16,000 ' mit 
heraufgebracht, wohin sie aus den Stationen der Thiere selbst bei ihrer 



24 



Schwmme. 



Kleinheit allerdings mehr und weniger weit von Wogen und Strmungen 
entfhrt worden sein knnten. 

Man hat bemerkt, dass die nher an der Oberflche lebenden und den 
Bewegungen des Wassers, des Sandes, der Steine u. s. w. mehr ausge- 
setzten Arten dichter von Gewebe sind, als jene aus grossen Tiefen, oder 
dass sie wenigstens die geschtztesten Stationen aufsuchen. 

Geographie. Als die Haupt -Heimath der Schwmme hat man die 
Tropen-Zone und insbesondre die Sdsee bezeichnet, obwohl es sich noch 
fragen knnte, ob die in der That grosse Anzahl von Arten, welche uns von 
daher zugekommen sind, nicht doch im Verhltniss stehe theils zur grs- 
seren Ausdehnung der tropischen Meere berhaupt und theils zu ihrer 
topographischen Beschaffenheit, ihren zahlreichen Untiefen, Korallen-Riffen, 
Lagunen u. s. w. Indessen ist es Thatsache, dass, wenn man auch an 
den Britischen Gestaden in Folge der fleissigsten Forschungen 54 Arten 
aufzutreiben vermochte, man an Norwegens Kste noch kaum 4 5 Arten 
und aus den Meeren innerhalb der Polar- Kreise noch gar keine kennt. 
Die Arten von dichterer Textur, welche Lamarck unter Alcyonium zu- 
sammengeordnet, kommen zahlreicher in den khleren (Europischen), 
seine lockerern Spongien hauptschlich in den wrmeren Meeren vor. 

Die von Lamarck und deBlainville beschriebenen (ausschliesslich einiger 
fremdartigen und einschliesslich einiger unsicheren) Spezies vertheilen sich 
folgendermaassen in die verschiedenen Weltmeere und Zonen*). 





E2" 


F 3 


F* 


M - -*, 3 


S3 


U 


unbekannt 


Summe 


Sponpia . . 


31 


3 





18 


20 


46 


32 


150 


Alcyonium . 


10 


2 


1 


5 


2 


7 


6 


33 


Spongilla . . 


3 




















3 


Tethya . . . 


4 








1 








1 


6 


Geodia . . . 











1 











1 



! 48 



39 



193 



Von den 135 Arten, deren Heimath entweder gewiss oder nach Ver- 
muthungen angegeben werden konnte, wrden also (bei einigen Amerika- 
nischen ist die Zone nicht nher bezeichnet) etwa 95 der tropischen, 58 
der nrdlichen und sdlichen gemssigten Zone angehren, in welchen 
dann freilich die am genauesten durchforschten Europischen Meere fast 
Alles allein geliefert haben. 

Ordnen wir indessen die Spongia- und Alcyonium -Arten nach der 
Beschaffenheit ihrer Spicul, soweit uns diese bekannt sind, in ihre 
Sippen ein, bergehen die anderen und fgen die erst nach Lamarck auf- 
gestellten Sippen mit ihren Arten dem Systeme bei, so gelangen wir 



*) Da ausser Europa alle Welttheile mit A anfangende Namen besitzen, so werden wir sie 
in denjenigen unserer Tabellen, wo es auf Raum-Ersparniss ankommt, mit dem zweiten ihrer 
Buchstaben bezeichnen, so dass E = Europa, E = Afrika, M = Amerika, S = Asien, 
U = Australien (Neuholland, Sdsee) bedeutet. Die jenen Namen oder jenen Buchstaben in 
Expouenten - Form beigesetzten Ziffern 1 5 bedeuten dann ferner immer eine der 5 Zonen in 
der Weise, dass mit der Nordpolar-Zone (1) angefangen wird; M 1 ist also das kalte, M* das 
gemssigte Nord-Amerika, M 3 das tropische und M 4 das gemssigte Sd-Amerika, u. s. w. 



Geologische Entwickelung. 



25 



zu folgender bersicht der geographischen Verbreitung, wobei aber die 
Mehrzahl der vorhin mit aufgezhlten Spongia- und Alcyonium-Arten noch 
ausser Berechnung bleiben muss, wofr manche dort nicht verzeichneten 
Arten hinzukommen. 



E2 


F 3 


M2 


M3 


S3 


U3 


unbekannt 


1 




















1 

2 





2 







6 


2 


2 


2 





? 
1 








2 


1 








1 
















1 



















1 











13 





1 


1 


4 
1 


8 
1 





4 











4 




. 


40 


1 





1 


1 


2 
1 


8 


1 
4 








1 
1 





1 


1 


8 





















Summe | Zusammen 



I. Dubiae: Halisarca . . . 

II. Ceraospongiae .... 

Dysidea .... 
Chondrospongia . 
Stemmatumenia . 
Euspongia . . . 
Hymeniacidum . 
Euplectella . . 
Verongia . . . 
Auliscia .... 

III. Bilicispongiae .... 

Vioa 

Thoosa .... 
Spongilla . . . 
Halichondria , . 
Alcyoncella . . 
Geodia .... 
Tethya .... 

IV. Calcispongiae . . . . 

Dunstervillia . . 
Grantia .... 



1 
11 

2 

1 
1 
7 
1 
1 
1 
1 

27 
2 
8 

53 
1 
2 
6 



26 



99 



Summe | 77 | 3 



3 | 9 11 19 

122 



13 



135 | 



135 

127 
36 



Dazu dann die noch nicht in ihre neueren Sippen eingeteilten Arten bei! Spongia 

Lamarck und Blainville ) Alcyonium 

ergiebt bis jetzt beschriebene Schwamm-Artcn 298. 

Von den 122 bestimmten Arten aus bekannter Heimath kommen dem- 
nach 30 auf die gemssigte Zone, 77 auf Europa allein, ein Zahlen- Ver- 
hltnis, welches, vom Stande unserer augenblicklichen sehr unvollkomme- 
nen Kenntniss von der chemischen Natur der Schwmme abhngig, sehr 
wenig geeignet ist, uns einen richtigen Begriff von der geographischen 
Verbreitung der Sippen dieser Wesen zu geben. 

Dabei scheinen die einzelnen Arten eine nicht unbedeutende Verbrei- 
tung zu besitzen, da man eine verhltnissmssig ziemlich grosse Anzahl 
der Arten der Britischen und Norwegischen Meere auch aus dem Mittel- 
meere kennt, das doch nur wenige Konchylien-Arten mit ersten gemein hat. 



VII. Geologische Entwickeluug. 

Die Unmglichkeit, die fossilen Schwmme auf die chemische Klassi- 
fikations-Weise der lebenden nach Gehalt oder Gestalt mit einiger Sicher- 
heit zurckzufhren oder sie nach irgend welchem anderen Merkmale von 
einigem Werthe in Ordnungen oder Familien einzutheilen, macht alle Ver- 
suche erfolglos, irgend ein Entwickelungs - Gesetz fr diese Thier-Klasse 
zu entdecken. Zwar hat man viele ltere fossile Arten in die von La- 
marck und Schweigger fr lebende Formen aufgestellten Sippen, Spon- 
gia, Achilleum, Tragos, Manon, Scyphia u. s. w. eingeordnet; aber 
nachdem eben diese Sippen nicht einmal fr die lebenden Schwmme 
haltbar befunden worden, hat diese Einordnung keinen weiteren wissen- 
schaftlichen Werth, als dass sie das Wiederauffinden der schon beschrie- 



26 



Schwmme. 



benen Arten berhaupt mglich macht. Eine vergleichende chemische 
Analyse der in Kalk versteinerten Schwmme und der sie einschliessenden 
Gebirgsarten drfte manche Aufschlsse geben , da nicht anzunehmen, 
dass die Kiesel -Masse der Kiesel -Schwmme durch den Versteinerungs- 
Prozess verloren gegangen ist. Ausser den oben genannten hat man 
allmhlich noch etwa 27 ganz fossile Genera gebildet, welche d'Orbigny 
theils durch weitres Zerspalten und theils durch vllige Verdrngung 
durch andre auf meistens eben so ungengende Merkmale gegrndete bis 
auf 60 (die verdrngten mitgerechnet) gebracht hat. 

Wir wollen versuchen, wenigstens eine Zahlen -bersicht der fossilen 
Schwmme in den verschiedenen geologischen Perioden zu geben. 



S c h p f u n g s - P e r i o tl 



I 

Palolithe 



II 

Trias 



Reeeptaclites Dfr. . 
hchadites Murch. 

Tetragoi/is Eichw. 
? Keticulites Eichw. . 
! Blumenbachium Kn. 
! Astraeospongia Roem. 
Acanthospongia McC. 
Mastopora Eichw. 
Palaeospongia d'O. . 
Spongiarium Murch. . 
Hothroconus King 
VertkiUites Dfr. . . 
! Siphonia Parks. . . 
Haiirrhof Lmx. . 
Jerea Lmx. . . 
Polypothecia Eenn. 
? Aulocopium . . 
! Cnemtdium Gf. . . 
Spongia Lm. . . . 
Spongolithis Ehrb. 
! Scyphia Schwg. . . 
Rhtzocorallium Zenk. 
Achilkum Schwg. 
(!)Manon Schwg. . . 
Tragos Schwg. . . 
(!) Myrmeeium Gf. .- . 

Conis Lnsd 

Eudea Lmx. . . . 
! Mammillipora Br. 

Lymnorea Lmx. . 
Alcyonium Lmk. . . 
! Hippalimas Lmx . . 
! Chenendopora Lmx. . 
Tlironia Michn. . . 
Plocoscyphia Rss. 
! Ventriculites Mant. . 
Ocellaria Rnul. . 
Choaniles Mant. . 
Cephalites Sm. 
Brachiolites Sm. 
(!) Guettardia Michn. . 
! Coeloptychium Gf. 
Pleurostoma Rocm. . 
Spongilla Lk. . . . 
Vioa Nardo .... 
! Tethya Lmk. . . . 
Geodia Schwg. . . 



Fossile Sippen 37. 
Fossile Arten 5U2. 



14 
ai 



'j 

1 

10 

1 

14 
5 

8 
1 



III 

Jura 



12 

2 

48 

4 
;i 
9 
1 
1 
1 

1 

1 



IV V 

Kreide ICnolithe 



e n 

VI 

jetzige 



50 



10 

31 

1 

63 

13 

17 

11 



12 

12 

10 

2 

16 

2 
2 



8 
49 



12 

85 



23 

268 



3 

50 

4 



10 
69 



10 

CO 



Die bis jetzt bekannte Zahl der fossilen Arten ist demnach 500, die 
sich mit ihren Sippen so vertheilen, dass etwa 14 dieser letzten mit 30 Ar- 
ten auf die erste oder palolithische Periode, 8 Sippen mit 50 Arten auf 
die zweite, 12 mit 85 Arten auf die dritte oder jurassische, 23 Sippen 
mit 270 Arten auf die Kreide -Periode kommen, wo die Schwmme ihre 



Bedeutung im Haushalte der Natur. 27 

hchste Entwickelung zeigen, indem aus der ganzen fnften oder Mollassen- 
Periode kaum 10 Sippen mit 70 Arten bekannt sind, wenn man nicht die 
nur hier zahlreich und in manchfaltigen Gestalten vorkommenden losen 
Kiesel-Nadeln, welchen Ehrenberg 5 6 besondre Sippen-Namen gegeben, 
obwohl sie nur Bestandteile schon anderweitig aufgestellter Genera bilden, 
noch besonders aufzhlen will. Er hat indessen von diesen Nadeln allein 
(Spongolithis) gegen 50 Formen unterschieden, die man wohl nicht fr eben 
so viele Schwamm-Arten gelten lassen darf, da in den meisten Schwmmen 
mehre Nadel-Formen vorkommen. Vielleicht kann man finden, dass unter 
den frheren Schwmmen die einfachen und die mehr und weniger regel- 
mssigen (Kugel-, Kegel-, Walzen-, Kreisel-, Napf-, Trichter-, Hutschwamm- 
und hnlichen) Formen, welche in voranstehender Tabelle mit einem ! 
vor ihren Namen bezeichnet worden sind, den freilich nicht scharf abzu- 
grenzenden unregelmssigen kriechenden und stigen Gestalten gegenber 
hufiger als heutzutage gewesen sind, indem jene gegen ein Drittheil der 
Sippen im Ganzen bilden, worunter gerade die Arten-reichsten mitbegriffen 
sind, whrend in der heutigen Schpfung nur die wenigen einfachen rh- 
renfrmigen (Scyphia-artigen) Spongien etwa mit Tethya und einer oder 
zwei neu aufgestellten Arten -armen Sippen einige Regelmssigkeit der 
Gestalt wahrnehmen lassen. Vielleicht lsst sich als Unterschied noch 
beifgen, dass es frher Arten gegeben hat, die von ihrer Basis an mehr 
und weniger weit aufwrts runzelig inkrustirt (Mammillipora etc.), auch 
fters mit regelmssig oder unregelmssig vertheilten oberflchlichen Ver- 
tiefungen dieser Kruste (manche Seyplae, etc.) versehen gewesen sind, 
welche wohl nie von Eintritts -Boren und selten oder nie von Ausfhrungs- 
Kanlen durchbohrt gewesen ist. Auch die Sternfrmigen Offnungen bei 
Myriuecium u. e. Verwandten scheinen manchen fossilen Schwmmen eigen- 
thmlich zu sein, weshalb man diese fr Polypen-Gebilde halten wollte. 
Eine merkwrdige und gegen 30 40 Arten zhlende Sippe ist endlich 
Siphonia, welche sich durch verdichtete Wandungen einiger senkrechten 
wie radialen Kanle auszeichnete und von den ltesten bis zu den Kreide- 
Bildungen reichte *). 



VIII. Bedeutung im Haushalte der Natur. 

Die Bedeutung der Schwmme fr den Haushalt der Natur im Ganzen 
genommen oder fr einzelne andre Verzweigungen des Organisme.u-Systemes 
ist nicht erheblich. Die Spongillen-Nadeln finden sich als charakteristische 
Bestandtheile aller aus Ssswassern abgesetzten Alluvial- und Diluvial- 
Bden und Tertir-Bildungen vor, und manche Jura- und Kreide-Schichten 



*) Im brigen findet mau die bis jetzt aufgestellten Sippen fossiler Schwmme charakterisirt 
und abgebildet und ihre Arten nach deren Vertheilung in den Gesteins-Perioden aufgezhlt in 
unserer Lethaea geognostica, 3. Aufl., Stuttgart 1S51 1856. 



23 Schwmme. 

sind zum grossen Theile aus Seeschwmmen zusammengesetzt, welche fast 
berall die Sammelpunkte des Feuersteins und der Feuerstein-Nieren und 
-Knollen in der Kreide und der Hornstein - Nieren in den obern Jura- 
Schichten geworden sind. Die lebenden Schwmme selbst knnen wohl 
nur von den kleinsten Infusorien welche als Nahrung sich aneignen, und 
es mgen da, wo sie in Verfall begriffen sind, manche andre kleine Thiere 
sich einfinden, um von ihren berresten zu zehren. Die von ihnen ge- 
bildeten Lcken und Hhlen mgen kleinen Krustern und dgl. gelegentlich 
Schutz und Zuflucht gewhren. Manche Konchylien werden zufllig von 
ihnen umwachsen. Nur einige Cirripeden (Acasta) nehmen regelmssig 
ihren Sitz so in deren Gewebe, dass sie nur mit ihrer Mndung daraus 
hervorragen. In den Ssswasser- Schwmmen hat ein grnes von West- 
wood Branchiotoma Sponglllae genanntes Insekt seinen ausschliesslichen 
Aufenthalt, welches indessen nur eine Larve vielleicht von einer Phryganen- 
oder andern Neuropteren-Art zu sein scheint. 

Eine bedeutendere Wichtigkeit haben die massiveren weich-elastischen 
Hrn -Schwmme ohne Nadeln, die chten Euspongia- Arten insbesondre, 
fr die huslichen und gelegentlich heilkundigen Zwecke des Menschen. 
Als Wasch- oder Bade -Schwmme sind sie fast in jedem Hause Bedrf- 
niss, daher Millionen -weise in Verbrauch. Ihre Auffischung vom See- 
Grunde, ihre Reinigung und z. Tb. Bleichung, wie ihr Vertrieb beschf- 
tigen zahlreiche Menschen. In der alten Welt ist besonders die Spongia 
officinalis Lift, des Rothen und Mittel-Meeres, in Amerika Sp. nsitatissvma in 
Anwendung. Ein ergiebiger Einsammlungs-Ort fr erste ist unter andern 
beim stlichen Ende von Greta, wo man jeden Sommer viele Gruppen 
kleiner Schiffe mit deren Auffischung beschftigt sieht; aber die Gewin- 
nung findet im ganzen Mittelmeere statt, obwohl die Schwmme aus den 
stlichen Theilen dieses Meeres, fr welche Smyrna der Haupt-Handels- 
platz ist, doppelt so hoch als die Algierischen u. a. geschtzt werden. 
In der Arznei -Kunde dienen nur die gersteten Abflle als Kropf- Mittel, 
wahrscheinlich eines schwachen und nicht immer sicheren (?Brom- und) 
Jod-Gehaltes wegen. 



Zaocite Klasse. 
Gitter-Thierchen: Polycystina. 

I. Eiuleitung. 

Namen. Die Namen Gitter-Thierchen und Zellen -Thierchen, Viel- 
zellige = Polycystina (Ehrenberg 1838), haben diese Wesen von dein Gitter- 
frmigen Bau einer starren und oft hohlen Schaale oder Zelle, in oder 
auf welcher der Haupt- oder Zentral-Theil ihres Krpers zu ruhen pflegt, 
obwohl dieselbe in einigen Fllen nur sehr rudimentr ist und in einer 
oder zwei Sippen noch ganz fehlt, vielleicht blos weil solche nur erst ein 
jugendlicheres Lebens-Alter vorstellen? Doch ist die Benennung Vielzellige 
oder Zellen -Thierchen nicht geeignet, da jene Schaale, wenn auch mit- 
unter von schwammiger Textur, nicht viele Zellen und Zellen-Bewohner 
zu enthalten, sondern nur viele Lcken zwischen dem Gitterwerk zu be- 
sitzen pflegt. 

Geschichte. Nachdem man lngere Zeit nur die mikroskopischen 
Schaalen weniger Formen gekannt und bald unter die Infusorien mitge- 
rechnet, bald den Bryozoen beigesellt hatte, gelang es Ehrenberg' vor 
etwa einem Dezennium, einen grossen Formen -Reichthum derselben in 
frischem und fossilem Zustande mit chemisch und morphologisch so ber- 
einstimmendem Grund -Typus nachzuweisen, dass ihre Aufstellung zuerst 
als eine eigne Gruppe der Polygastern (1838), dann allmhlich deren Ei- 
genstellung als besondre Klasse (1847) nthig erschien und von demselben 
Forscher auch eine auf den Bau der Schaale und die Annahme eines oft 
gruppenweisen Zusammenhangs vieler Einzelnwesen gegrndete Klassi- 
fikation nach Sippen und Familien mitgetheilt wurde, obwohl ber die 
Organisation ihrer Weichtheile kaum mehr ermittelt worden war, als dass 
auch diese weder dem Typus der Infusorien und Rhizopoden, noch dem 
der Bryozoen entsprechen. Nur einige grssre, ganz oder fast ganz 
Schaalen-lose Arten, deren Stellung im Systeme und Beziehungen zu den 
brigen noch unsicher geblieben, hatten etwas eingehendere Untersuchun- 
gen von Meyen (ber Palmellarien 1834) und spter von Huxley (1851) 
veranlasst, als Johannes Mller 1855 u. ff. dieselben an den nrd- 
lichen und sdlichen Ksten Europa's aufzusuchen, lebend zu beobachten 
und zu beschreiben begann. Aber nicht nur erstrecken sich auch diese 
Forschungen erst auf eine sehr geringe Anzahl von bereits aufgestellten 



30 Gitter -Thierchen. 

oder neuen Sippen, sondern es hat auch das indifferente Verhalten und 
die geringe Lebenszhigkeit dieser Wesen sowie die Schwierigkeit ihrer 
Untersuchung im Inneren opaker Sehaalen ein grossentheils nur sehr 
negatives Resultat geliefert. Abbildungen der Sehaalen -Bewohner aber 
sind seitdem noch gar nicht verffentlicht worden. Wichtigen Mitthei- 
lungen von Ehren berg in Betreff der vielen meist fossilen Arten, welche 
er bisher aufgestellt, und von Job. Mller zum Zweck der bildlichen 
Erluterung der von ihm an lebenden Thieren, gemachten Beobachtungen 
drfen wir wohl in Blde entgegensehen. 

Litteratur. 

Baird: i. Loudon's Magaz. nat. hist. 1830, III., 312, Fig. 81 a. 

Meyen: (Thiere ohne Magen) i. N. Acta Aead. Garol. Leopold, nat. cur. 1834 [2] XVI., 
Supplem. 1., 159104, T. 28. 

Ehrenberg: i. Monats -Berichte der K. Akademie in Berlin, 1846, 382 ff., 1847, 54 ff., 
1850, 470, 1853, 782, 1854, 54, 191, 230, 305, 1855, 173, 1856, 197, 471, 1857, 142 
et passim ; in seiner Mikrogeologie, Berlin 1S54, in Fol., Taf. 19 36 z. Th. 

Tb.. H. Huxley: (Thalassicolla) i. Ann. Magaz. nat. hist. 1851 [2] VIII., 433442, pl. 16. 

Joh. Mller (u. Claparede) : i. Monats - Berichte der K. Akademie zu Berlin. 1855, 
229253, 671-676, 1856, 474503. 



II. Organisehe Bildung. 

Gesammt - Bau. Mikroskopische Krper, theils von sphrischer und 
gestreckt-rundlicher Form, gewhnlicher gesttzt und theilweise umschlossen 
von einem kieseligen Gitterwerk, das um eine vertikale Achse mit gleichen 
oder meistens ungleichen Polen symmetrisch oder zweiseitig geordnet die 
Form von Blumenkrbchen, Kfigen , Fischreusen , Haspeln, Schnallen, 
Kreutzen, Reifen, Scheiben u. a. m. nachahmt, meistens auch 3 8, doch 
am hufigsten 4 radiale Stbe, Zacken, Lappen u. s. w. aus- oder ab- 
wrts aussendet, zwischen denen sich andre kleine strahlenfrmige Fort- 
stze aus der weichen Oberflche erheben, unter welcher ein- bis drei- 
erlei Schichten von organischer Bildung auf und in dem Gerste um 
den Mittelpunkt oder die Achse liegen. Eine feste gemeinsame Grund- 
Form ist, trotz der allgemeinen Neigung zu einem strahligen von einem 
Mittelpunkte nach allen Seiten gleichmssig ausgehenden Baue, um so we- 
niger fr diese Gestalten zu finden, da noch nicht einmal erkannt ist und 
in physiologischem Sinne wohl gar nicht nachzuweisen steht, was Unten 
und Oben, oder was Vorn und Hinten seie. Kugel-, Ellipsoid-, Ooid-, 
Hemisphenoid- und vielleicht Sagittal-Form gehen in der manchfaltigsten 
Weise in einander ber. 

Die Grsse der einfachen Thiere betrgt 7 bis gegen '/ 2 Linie und 
steht zwischen der der kieselschaaligen Diatomaceen und der Rhizopoden 
inne; die zusammengesetzten sind Erbsen-gross bis x j-i Zoll lang. 

Als organische Elemente lassen sich verschiedenfarbige Substanzen, 
Zellen von zwei- bis dreierlei Art, ? l-Blschen, Haut und usserst feine 
Strahlen-artige Fortstze anfhren, zu welchen sich dann meistens noch 



Organische Bildung. 31 

ein Kiesel - Gerste und fter Krystalle als Bestandtheile des Krpers 
von Einzelnthieren gesellen, welcbe zuweilen in grssrer Anzahl mit- 
einander in amorphe Gallert- Masse eingebettet und durch sie zusammen- 
gehalten sind. 

Am besten lassen sich freie Einzelnwesen ohne oder mit nur unvoll- 
stndigem Kiesel-Gerste untersuchen. Solche enthlt die Sippe Tkalasso- 
colla Midi. (77t. nucleata Huxl. 16,11, ? Physacmatiwn Meyen). Es ist eine 
3 4"' grosse Gallert -Kugel, die in ihrer Mitte eine farblose dicke Haut- 
Kapsel einschliesst, welche zu usserst dicht gedrngte (?1-) Kgelchen 
und Krner und innerhalb derselben eine dnne Zentral -Zelle voll kleiner 
blasser Kgelchen enthlt. Aussen ist die Kapsel (in der Gallert-Masse) 
umlagert zuerst von einer Schicht Pigment-Krner, durch welche ihre Ober- 
flche ein schwarz-braunes Ansehen erhlt; dann von gelben Zellen V200 
bis 1 /ir,o /y/ gross, in deren gelbem Inhalte ein paar grssre und kleinre 
Krnchen bemerklich werden ; und endlich zwischen und ber den Zellen 
noch von grossen durchsichtigen Blasen, deren ussersten zuweilen so gross 
wie die Kapsel selbst werden, und welche alle oft eine zweite hnliche 
Zelle mit einer orangegelben Kugel in sich enthalten, zuweilen auch leer 
sind. Ausserdem erstrecken sich von der Kapsel aus zwischen diese drei 
Auflagerungen hindurch nach allen Seiten ausstrahlende Bndel zarter 
platter und zuweilen anastomosirender fein granulirter Fden bis gegen 
die Oberflche der Gallert- Hlle oder frei ber sie hinaus. Kiesel -Theile 
sind hier nicht vorhanden. 

An diese schliessen sich nun auf der einen Seite Formen ohne oder 
mit unvollkommnem Kiesel -Gitter an (Sphaerozoum Mey. , Thalassicolla 
punctata Huxl.), die nur ausnahmsweise einzeln, gewhnlich zu Kolonie'n 
vereinigt vorkommen. Sie erscheinen dann gewhnlich als usserst weiche 
durchsichtige Frb- und Struktur-lose Gallert -Massen von kugeliger bis ellip- 
tischer Form und bis von V" Lnge, ohne Haut, ohne Kontraktilitt, mit 
einer grossen oder mehren kleinen Hhlen (Yacuolen) im Innern. In die 
Gallerte nchst ihrer Oberflche sind viele (und mitunter bis gegen 300) 
kugelige oder ovale Zellen (Nest-Zellen Mllers) von l /^ Y 200 '" einge- 
bettet, welche der Masse ein getpfeltes Ansehen geben und aus einer 
dnnen festen Haut und einem klaren (? 1-) Kern von '/noo v [sm" J 
Durchmesser bestehen, der von einer Masse kleiner Krnchen umgeben 
ist, welche zuweilen zellenfrmig erscheinen. Stets liegen auch kleine 
hellgelbe Zellen von tyiao"; in der Masse vor, Avelche sich entweder um 
die vorigen ansammeln, oder berall zerstreut liegen. Von den Nest-Zellen 
strahlen Bschel zarter fein-granulirter stiger und zuweilen unter sich 
anastomosirender Fden in allen Richtungen aus, die sich wohl mit denen 
der Nachbar-Zellen kreutzen, aber nicht verbinden. Wenn die gelben Zel- 
len zerstreut liegen, sind einzelne von ihnen mehr in die Lnge gezogen 
und ihr gelber Inhalt in 2 (3- 4) Kugeln getrennt und jede Kugel wieder 
von einer besondern Zellen-Membran umschlossen. In manchen Arten sind 
die Nest- Zellen auch noch umlagert von Kiesel -Spicul, welche je nach 



32 Gitter - Thierchen. 

der Thier-Art selbst von verschiedener Form sind. Job. Mller be- 
merkt brigens, dass der Gallert -berzug bei dieser Sippe [also wohl 
auch bei voriger?] wie bei der nachher zu beschreibenden ActinonMra 
sich nicht bei ganz frischen, sondern nur bei absterbenden Individuen 
finde und sich durch Ausschwitzung oder Zersetzung der Strahlen-Fden 
bilde, ohne jedoch darber Aufschluss zu geben, wodurch die Kolonie'n 
zusammengehalten werden, so lange derselbe noch fehlt, da er (wie Huxley) 
ausdrcklich bemerkt, dass die Strahlen-Fden verschiedener Nester nicht 
unter sich verschmelzen. 

Auf der andern Seite reihet sich die grosse Masse der gewhnlichen 
Poly cystin en von individueller Selbststndigkeit an, jedes Individuum 
an der Stelle der losen Kiesel -Nadeln mit einem zusammenhngenden 
Kiesel-Gerste versehen, welches entweder die Form strahlenstndig von 
einem Mittelpunkte auseinanderlaufender Balken, oder eines gegittert durch- 
lcherten mehr und weniger usserlichen Panzers oder Gefsses besitzt. 
Von ihnen weiss man nur, dass ihre Weichtheile in einer hutigen Kapsel 
enthalten sind, welche bald den Zentral - Theil des (oft strahlig aus ihr 
hervorstehenden) Gerstes mit einschliesst, bald aber auch, wo ein solcher 
Zentral-Theil fehlt oder die Gitter-Schaale eine ganz usserliche Hlle ist 
oder aus einem Kerne und einer usseren Wandung besteht, noch dicht 
unter der usseren Gitter-Wand liegt. Diese Kapsel nun enthlt in ihrem 
Inneren eine weiche, oft braune, zuweilen rothe und sonst lebhaft gefrbte 
Substanz, ist fast immer noch innerhalb, selten ausserhalb der Gitter- 
Schaale wieder von einer Schicht der mehr-erwhnten gelben Zellen ber- 
lagert und sendet durch diese hindurch eine mehr und weniger grosse 
Anzahl weicher, jedoch gerader einfacher oder stiger Fortstze mit oft 
unkennbar feinem Ende strahlenartig nach allen Richtungen aus. Diese 
Fortstze sieht man nur bei Acanthometra sich von der farbigen Masse 
im Inneren der Kapsel an zur ussren Haut begeben und diese durch- 
dringen ; bei allen anderen Sippen lassen sie sich nur von der Oberflche 
der letzten an erkennen. Alle haben, wie es scheint, feste und bleibende 
Zahl und Stellung sowohl da wo die engen ffnungen in der das Thier 
umschliessenden Gitter-Schaale (oder Zellen- artigen Vertiefungen in der 
Oberflche des von ihm eingeschlossenen Gitter -Kernes?) solche einzeln 
zu bedingen scheinen, als dort wo die Unvollkommenheit der usseren 
Gitter-Wand oder weite ffnungen in derselben ihrer Zahl und Stellung 
keine Schranken setzen. Eben so auch bei Acanthometra, wo sie sowohl 
aus den freien Enden der vorragenden hohlen Kiesel -Speichen, als aus 
dem obren Rande der Scheiden hervortreten, welche die Haut der Kapsel 
bildet, indem sie sich an diesen Speichen oder ber deren Enden mehr 
und weniger weit in die Hhe zieht. Auf diesen Scheiden pflegen diese 
Tentakeln-frmigen Strahlen-Fden Krnze zu bilden. 

Es kommt aber auch ein Fall vor, wo Kolonie'n-weise zusammen- 
hngende Thierchen dieser Klasse mit ausgebildeten Gitter-Schaalen ver- 
sehen sind, nmlich bei Collosphaera J. Mller (C. Iluxleyi Mll. = Tha- 



Organische Eildung. 33 

lassocolla punctata Huxl. partim, Tf. 16, Fig. 6). Auch hier sind, wie bei 
Sphaerozoum , grssre Nest- Zellen von blauer Farbe in eine gemeinsame 
Masse eingebettet, deren Inhalt in einem hellen l-artigen Kern und einer 
Menge ihn umlagernder blauer kleiner runder oder lnglicher Krperchen 
nebst einigen Krystllchen besteht. Jede dieser Zellen ist aussen zunchst 
von einer feinkrnigen schmierigen Masse mit einigen grsseren Krnern 
und dann von gelben Zellen umhllt, und dieses Nest endlich jedesmal 
umschlossen von einer zerbrechlichen gefensterten Hohlkugel (von Y20 bis 
V12'" Durchmesser) an der Stelle der bei Sphaerozoum vorkommenden 
losen Kiesel-Nadeln. Einzelne gelbe Zellen kommen auch ausserhalb der 
Nester vor. 

Der unorganischen Form-Elemente sind zweierlei: Kiesel-Gebilde, welche 
fast berall den Haupttheil des Krpers sttzen und schtzen, und Kry- 
stllchen, welche zuweilen in der Zentral -Zelle vorhanden sind, und von 
welchen nachher (S. 35) die Rede sein wird. Davon erheischen die 
ersten eine ausfhrliche Beschreibung, da es viele Genera giebt, welche 
lediglich auf der Verschiedenheit dieser Theile beruhen und dem Thiere 
nach noch gar nicht bekannt sind. 

Die Kiesel-Gebilde sind entweder lose ganz von einander getrennte 
Theile, d. i. blosse Spicul, oder zusammenhngende Gerste. Jene beschrn- 
ken sich auf die Sippe Sphaerozoum und sind drehrundlich oder kantig, 
gerade oder gebogen, an beiden Enden spitz oder stumpf, einfach oder 
am Schafte mit Seiten-sten oder an den Enden mit 2, 3 4 schief divergi- 
renden Spitzen versehen, Alles je nach Verschiedenheit der Arten: 4, iE F. 

Das zusammenhngende Gerste besteht entweder aus leicht aus- 
einander - fallenden Bestandteilen, oder bildet nur eine fest verwachsene 
Masse. Jenes ist nur der Fall bei der Sippe Actinometra, die auch 
noch in sofern von den brigen abweicht, als alle Theile vom Mittelpunkt 
des Thieres aus entspringen, ohne in dessen Peripherie sich weiter auf- 
einander zu sttzen. Das Gerste besteht nmlich aus geraden kantigen 
Kiesel-Stbchen, welche vom Mittelpunkte aus strahlenfrmig auseinander- 
laufen, dort aber nicht fest verwachsen, sondern durch keilfrmige Zu- 
schrfung ihrer Anfnge in einander gestemmt sind und leicht zerfallen. 
Ihre Zahl ist 12 30. Bei 22 Strahlen lsst sich das Gesetz ihrer Stel- 
lung am besten ermitteln. Denkt man sich zwei Pol -Radien senkrecht 
aufwrts und abwrts gekehrt, so liegen vier andre rechtwinkelig unter 
sich und zu den ersten in wagrechter Ebene, vor- und rck-wrts, rechts 
und links. Denkt man sich nun zwischen Pol und quator rechts wie 
links noch zwei andre Ebenen, in gleichen Abstnden von einander (also 
der eine 30 und der andre 60 vom Pole entfernt) gegen die wagrechte 
Ebene einfallend und ihre Mitte schneidend, und nun auch in jeder dieser 
4 Ebenen 4 Radien rechtwinkelig zu einander und mit denen der nchsten 
Ebene alternirend, so hat man das Stellungs- Gesetz fr die volle Zahl 
dieser Radien (5x4 -(-2), von welchen aber wie in anderen Arten auch 
ein Theil in symmetrischer Weise unentwickelt bleiben kann. Am ftesten 

Bronn, Klassen des Thier-Reichs. I. ** 



34 Gitter -Thierehen. 

scheinen die 2 Pol-Radien zu fehlen. Diese Stbe sind gewhnlich hohl, 
stielrund oder meistens vierkantig oder vierflgelig, an den Kanten zu- 
weilen zackig, am Ende oder auch zuweilen fast ihrer ganzen Lnge nach 
fein gespalten, an der Oberflche des weichen Krpers, aus welchem sie in 
allen Richtungen hervorragen, zuweilen in ste getheilt, die sich ber 
dem Krper wie zu dessen Schutz ausbreiten, aber ohne sich gegenseitig 
zu erreichen und mit einander zu verwachsen. 

Auch Plgiaahtha besitzt solche strahlenstndige Stbe, die aber 
nicht hohl sind und nicht bis in den Mittelpunkt hinab reichen, um sich 
dort auf einander zu sttzen, sondern auswendig an einer Seite des Kr- 
pers sich begegnen und verwachsen, so dass das Skelett bloss eine Art 
Gelnder bildet, an welches sich der Krper anlehnt, aber mit der eigen- 
thiimlichen Modifikation, dass zarte Verlngerungen, analog den Strahlen- 
Fden, vom Krper ausgehend die Stbe und deren ste begleiten und 
tlieils an deren Enden frei auslaufen, theils zwischen denselben Faden- 
artige Brcken bilden, aus welchen wieder Faden-formige Sehem-Fsschen 
(Strahlen-Fden) hervorgehen u. s. w. 

Das Kiesel-Gerste der gewhnlichen Polycystinen (3, 4, 3, 4) ist entweder 
ein ganz usserliches und mithin hohles von Reif-, Kugel-, Ei-, Birn-, Schlauch- 
oder hnlicher Form, dessen Theile sich mithin ziemlich regelmssig (wie 
an einem Ei) rund um eine Hauptachse mit 2 ungleichen Polen ordnen. 
Diese Schaale nun zeigt gewhnlich 1 2 queere nach innen vorsprin- 
gende Einschnrungen und ist berall gitterartig durchbrochen, die Gitter- 
Arbeit zuweilen an beiden Enden verschieden, eines oder jedes der Enden 
mit einer grsseren ffnung versehen, von welchen die minder grosse (soge- 
nannte vordere) oft wieder durch anderes Gitterwerk berbaut, seltener nur 
von Zacken umstellt ist. An der Seiten-Flche der Schaale oder am Rande 
der grossen ffnung, welcher zuweilen etwas zusammengezogen oder Glocken- 
artig erweitert ist, stehen oft ungegitterte Rippen, Zacken, Strahlen, 
Stbe, Flgel u. dgl. hervor, deren Zahl verschieden sein kann, jedoch 
oft auf die Grundzahl Vier zurckfkrbar ist. Zuweilen ist ein schwacher 
iinssrer Eindruck der Lnge nach bemerklich, als ob zwei nebeneinander- 
liegende solcher Schaalen seitlich mit einander verschmolzen wren. 

Jn anderen Fllen scheint das Kiesel -Gerste ein ganz inneres zu 
sein und ist dann Schwamm-artig aus zahlreichen kleinen (aber wohl un- 
vollstndigen) nach aussen offnen Zellchcn zusammengesetzt, welche in 
konzentrischen Kreisen, zuweilen auch spiral um einen Mittelpunkt geordnet 
sind (3, 10-12). Die Gestalt des Ganzen erscheint flach, Scheiben- und Linsen- 
frmig (ohne zentrale Hhle?), im Umfange bald ganz -randig und bald 
wie ein Stern oder Kreutz in viele kleine oder wenige grosse Frangen, 
Griffel, Zacken und Lappen getheilt, welche alle entweder derb oder 
ebenfalls von zelligem Bau sein knnen. Zuweilen sind die ussersten 
Spitzen ihrer Strahlen durch ein von der einen zur andern ziehendes 
zelliges Band mit einander verkettet (3, !>) 



Chemische Zusammensetzung. 35 

In noch anderen Fllen endlich sind ein innrer und ein ussrer Ge- 
rst-Theil mit einander verbunden. Der ussre ist Kugel-, Linsen- bis 
Scheiben-frmig, ganzrandig oder im Umfange strahlig getheilt und ge- 
lappt, mit derben oder zelligen Strahlen. Im Mittelpunkte dieser Scheibe 
zeichnet sich ein ebenfalls zellig-gegitterter Kern aus, der mithin gewhn- 
lich nur in einer Ebene von dem vorigen (wie der Globus vom Horizonte) 
umgeben ist und unmittelbar in denselben fortsetzt, selten auf allen 
Seiten von diesem umhllt wird. (So bei THctyosoma Mll., wo gleichwohl 
die hutige Wand der weichen Kapsel des Thieres mit ihren Fortstzen 
zwischen Kern und Schaale hinzieht.) Beide pflegen in der Art und An- 
ordnung des Zellen- und Gitter- AVerks verschieden zu sein. 

Auf diese Verschiedenheiten des Gerstes werden sich auch die Haupt- 
Abtheilungen der Klassifikation sttzen mssen, da man noch zu wenige 
dieser Thiere ihren weichen Krper -Theilen nach kennt und in diesen 
meistens nur unerhebliche Abnderungen der Organisation gefunden hat*). 



III. Chemische Zusammensetzung. 

Bei der Kleinheit dieser Wesen und ihrer Zusammensetzung aus ver- 
schiedenen organischen Elementar- Theilen ist es noch nicht mglich ge- 
wesen und wird es auch kaum sobald gelingen, sich eine genaue Einsicht 
in die Natur ihrer organischen Mischung zu verschaffen. 

Doch weiss man durch Mller von den 1 /i-2o '/lo'" grossen gelben 
Zellen, welche bei allen Polycystinen vorzukommen scheinen, dass ihre 
Membran frblos ist, ihr krniger gelber Inhalt von Jod gebrunt, durch 
Schwefel- oder Salz -Sure nur unter Mitwirkung von Jod tief- braun und 
mulftrchseheinend, durch kaustisches Kali wieder farblos und durchsichtig 
wird, durch Sure abermals eine braune und undurchsichtige Beschaffen- 
heit annimmt. Der Inhalt der grossen oder Nest -Zellen dagegen wird 
durch beide Beugenden nicht weiter verndert, als dass er gelb wird. 

Die Spicul und die Gitter -Huschen sind allgemein fr Kiesel er- 
kannt worden. 

Die farblosen Krystllchen , welche in den blauen Zellen von Collo- 
sphaera vorkommen, sind rhombische Prismen des zwei-und-zwei-gliedrigen 
Systemcs, vierseitig zugespitzt, daher nicht mit Quarz, Avohl aber mit 
schwefelsaurem Baryt oder Strontian vertrglich (deren Vorkommen frei- 
lich im Meer-Wasser nicht bekannt), womit auch ihre Schwerauflslichkeit 
und sonstiges chemisches Verhalten, so weit es geprft werden konnte, 
wenigstens nicht in Widerspruch ist. 



*) Eine selbststndige Beschreibung der Gerste nach den einzelnen Sippen hat Ehrenberg 
noch nicht gegeben, und seine Abbildungen (in der Mikrogeologie) sind ohne solche nicht 
berall verstndlich. - . 

3* 



3(3 Gitter -Thierchen. 

IV, V. Lebens-Thiigkeit und Fntwickliings-Geschichte. 

Bewegung. Diese Thierchen schweben, wie es scheint, willenlos v oin 
Wasser des Meeres getragen. 

Nur bei sehr frischen und lebenskrftigen Exemplaren der bis jetzt 
lebend untersuchten Formen gelang es dreierlei Bewegungs- Arten wahr- 
zunehmen. 1) Als Molekular -Bewegung ein Aufundab-, ein Hinundher- 
strmen usserst feiner Krnchen aussen an der Oberflche der ausge- 
streckten Strahlen - Fden (genau so wie es bei den Rhizopoden bereits 
von vielen Beobachtern bemerkt worden), ohne irgend eine bestimmte 
Regel oder herrschende Richtung. Diese Strmungen theilen sich, wo die 
Strahlen sich verzweigen, gehen auf andre ber, wo solche anastomosiren, 
und kehren um, wo sie andern strkeren Strmen begegnen. Sie sind, 
wenn auch langsam, doch wirksam genug, um andre nchst den Fden 
im Wasser schwebende Krperchen in gleicher Richtung mit sich in Be- 
wegung zu setzen. Zuweilen zeigen sich Anschwellungen der Fden, welche 
an und in diesen sich vorwrts bewegen , obwohl letzte ruhen (4, 5 B). 

2) Als Organe -Bewegung darf man wohl die der weichen aber ge- 
whnlich ruhig und unvernderlich ins Freie hinausragenden Fden selber 
bezeichnen, welche zuweilen so langsam hin-und-her-sehwanken, dass man 
Diess erst nach einiger Zeit daraus erkennt, dass sie ihre Richtung gegen 
oder ihre Entfernung von anderen ihnen benachbarten Fden verndert 
haben. Nie jedoch hat man diese stets flottirenden Thierchen irgend-wo 
sich befestigen oder etwas ergreifen sehen. 

3) Endlich vermgen sie in ganz ruhigem Wasser einigermaassen einen 
Ortswechsel zu bewirken durch ein Wanken und Drehen des Krpers nach 
verschiedenen Seiten, wobei die Strahlen zAveifelsohne mitwirken. 

Von Reitz -Empfnglichkeit hat man nichts bemerkt. 

Wie die Ernhrung geschehe, ist eben so unbekannt. Da indessen 
die Molekular-Bewegung an den Strahlen-Fden dieselbe ist, wie an den 
Schein -Fsschen in der nachfolgenden Klasse der Rhizopoden, so ist es 
wahrscheinlich, dass die ganze organische Oberflche jener Thierchen 
stofflich dieselbe zersetzende und assimilircnde Eigenschaft besitze, wie 
bei diesen. 

ber Entwickelung und Wachsthum liegen nur zwei Beobachtungen 
vor: 1) Der Inhalt der gelben Zellen theilt sich in 2, selten 3 4 Kugeln, 
welche noch im Innern derselben Zelle je eine eigne Haut bekommen, so 
dass Zellen-Vermehrung durch Theilung stattfindet, die jedoch noch nicht 
etwa zur Bildung neuer Nest -Zellen fhrt. 2) Die Einzelwesen von Chi- 
lospharra besitzen noch keine Gitter- Sehaale, so lange sie erst l /3 ihres 
reifen Durchmessers (Veo V 50 '" statt 7* /y haben, in welchem Falle 
dann auch die Krystllchen noch viel kleiner als spterhin sind. Auch 
hat man Sphroznen ohne Spicul gefunden, ohne indessen bestimmen zu 
knnen, ob diese Individuen noch jung oder von besonderen Arten sind. 
In der Tliat ist es wahrscheinlich, dass sieh wenigstens die umschliessenden 



Klassifikation. 37 

Gitter-Schaalen erst entwickeln, wenn die Individuen schon fast ausge- 
wachsen sind, wenn man nicht annehmen darf, dass solche in dem Maasse, 
als die in ihnen enthaltenen Thicre grsser werden, fortdauernd von innen 
Kiesel -Materie wieder auflsen, um sie von aussen abzulagern und die 
Maschen des Gitterwerks dabei zu erweitern. 

Hinsichtlich ihrer Fortpflanzung: glaubt J. Mller einmal im August 
in einer canthmetva (bei unzureichender Vergrsserung) ein innres Ge- 
wimmel wie von sehr kleinen Infusorien bemerkt zu haben, von denen 
sich auch einige ablsten und umhertrieben. Bis eine strkre Vergrs- 
serung eingerichtet wurde, war die Bewegung schon im Erlschen. Es 
fanden sich dann, ausser den gewhnlichen gefrbten Theilen des Thier- 
chens, nur viele runde durchsichtige Blschen von V-ioo'" Durchmesser 
vor, die mit einigen sehr kleinen dunkleren Krnchen hin und wieder 
wie bestubt waren und an welchen einige beraus zarte Fden, denen 
von Acanthometra hnlich, von verschiedenen Stellen des Krpers aus- 
gingen. War Dieses nun junge Nachkommenschaft, so wre dieselbe den 
Alten hnlich, aber mit lebhafterer Bewegung begabt? 

Sterben. Mit Meer- Wasser in ein Gefss versetzt scheinen die Gitter- 
Thierchen bald abzustehen. Die bisher starren und gerade hervorragenden 
Strahlen-Fden fangen an, Gallerte an der Oberflche auszusondern und 
das Thier mehr und weniger darin einzuhllen, whrend sie selbst welken, 
sich etwas biegen und zusammenziehen, auch mitunter, wie es scheint, 
einzelne Zweige ganz eingehen lassen. 



VI. Klassifikation. 

Die Zahl der bis jetzt aufgestellten Sippen, wenngleich grsstentheils 
erst auf der Beschaffenheit der Kiesel-Theile beruhend, betrgt gegen 00 ; 
nur bei einem Dutzend ist auch das Thier selbst beobachtet worden und 
die dreifache Anzahl davon oder etwas ber die Hlfte der ganzen Zahl 
ist bis jetzt lebend bekannt. Der Arten sind ber 500, wovon 100 lebende. 
Wenn man aber bercksichtigt, dass diese fast alle nur von einigen we- 
nigen Punkten des Mittelmeeres und des nord- atlantischen Ozeans ab- 
stammen, so wird man ermessen, welch' eine reiche Arndte hier noch fr 
den Forscher brig bleibt, zumal die fossilen Arten an manchen rtlich- 
keiten in merkwrdiger Weise zusammengehuft sind. 

Die Polycystinen sind mikroskopische, pelagische, amorphe, gewhn- 
lich einfache Thierchen, welche alle (?) ohne freiwilligen Ortswechsel frei 
vom Meere getragen und berhaupt mit nur wenig eigner Beweglichkeit, 
auf ein gegittertes und oft strahliges Kiesel-Gerste gesttzt und theilweise 
davon umgeben, aus einer zentralen von mehren farbigen Stoffen erfllten 
Nest -Zelle, davon ausgehenden Strahlen -Fden und zwischen diese ein- 
gelagerten gelben Zellen bestehen. Die Strahlen-Fden, quivalente der 
beweglicheren Schein-Fsse der Rhizopoden, entspringen auf der ganzen 



38 Gitter- Thierchen. 

weichen Oberflche aus bestimmten bleibenden Punkten in verschiedener 
Anordnung, stehen gerade aus, schwanken sehr unmerklich, versteln sich, 
anastomosiren zuweilen unter sich, zeigen ein bestndiges Aufundab- 
strmen feiner Krnchen an ihrer Oberflche und wirken zweifelsohne 
zur Ernhrung, aber nicht (wie es scheint) zur Bewegung und zum Er- 
greifen mit. 

Die Grundlagen der Klassifikation knnen nur fr die wenigen 
meistens ziemlich nackten Sippen, welche Job. Mller untersucht, aus den 
Weichtheilen und mssen fr alle andern aus dem Kiesel - Gerste ent- 
nommen werden. Fr diese hat Ehrenberg eine Eintheilung gegeben, 
welche wir mit einigen jetzt nthig gewordenen Abnderungen und mit 
Einschaltung der neuerlich aufgestellten Sippen hier aufnehmen, wobei 
freilich in Bezug auf diese letzten immer einige Unsicherheit bleibt, indem 
wir sie bis jetzt nur aus kurzen Beschreibungen ohne bildliche Darstel- 
lungen kennen. 

bersicht der Familien. 

Individuen zahlreich zu ('/ 4 '/-i") grossen rundlichen Massen vereinigt I. Aggregata. 

Individuen einzeln fr sicli bestehend II. Solitaria. 

. Kiesel -Theile fehlen ganz Thalssocollac. 

. Kiesel -Theile vorhanden. 

. . Diese fest zu wenigstens theilwcise gegittertem Gefsse (Schaale) oder Gerste verbunden. 

. '. . Schaale hohl , innen leer. 

.... bestehend aus nur 1 oder wenigen peripherischen Bogen oder Reifen Lithocircina n. 

.... bestehend aus einer bis zur Form einer Glocke oder Kugel geschlossenen Hhle. 

Mndung doppult; vordere oft bergittert , hintere (grssere) offen Eucyrtidina Eb. 

Mndung einfach , fters bergittert. 

Binnenraum durch 1 2 queere Einschnrungen etwas abgesetzt Lithochytrina Eb. 

Binneni'aum ohne alle queere Verengungen. 

Oberflche ohne Anzeigen einer inneren Trennung in die Lnge Halicalyplrina Eb. 

........ Oberflche mit 2 schwachen Lngs -Depressionen , als ob 2 Individuen halb 

miteinander verschmolzen seien , in Form einer Nuss , gegittert .... Spyri'dina Eb. 

..... Mndung fehlt ganz au der kugeligen Gitter - Schaale Cenosphaerina. 

.-... Schaale innen zellig, voll; aussen oft strahlig. 

.... Strahlen fehlend oder einfach und nur in einen Kreis geordnet. 

mittle Scheibe ohne Kern , schwammig , aus Zellen in konzentrischen Kreisen 

oder Spiralen Calodictya Eb. 

mittler Theil der Schaale mit eingehlltem Kerne. 

Schaale fast kugelig, Kern strahlig Haliommatina Eb. 

Schaale mit gekernter Scheibe und zelligem Kande Lithocyclidina Eb. 

.... Strahlen stig, nicht hohl, unregelmssig radial nach verschiedenen Seiten [Ebenen??] 

ausgehend Cladococcina //. 

. . Diese aus Stben oder Stacheln mit innerem Kanle gebildet, welche in einem Mittel- 
punkte ineinandergestemmt , nach allen Richtungen und in mehren Kreisen 
auseinanderstrahlen und nach dem Tode des Thierea einzeln auseinanderfallen Acanthometrina n. 

bersicht der Sippen. 

Aggregata. Die Individuen bestehen aus Nestzellen" mit Strahlen- Fden dnf., 5i<J. 

und gelben Zellen dazwischen. 

Jede Nestzclle noch von losen Kiesel-Nadeln umlagert (S. 33) Sphacrozoum Myn. 4, 1. 

Jede Nestzelle von einer Gitter -Kugel umschlossen Coilosphaera J. Mll. 4, 3,4. 

Thalassocollae. Individuen vereinzelt ohne alle Kiesel-Thcile. (?PhysaematiumMyn.)Thalassocolla (Hxl.) 4, 2. 

Lithocircina. 

Gerste aus derben Strahlen , die innen nicht bis zu einem Mittelpunkte zu- 
sammenreichen, sondern aussen durch SeitenstC sich verbinden 
und zu einer Art Gelnder verwachsen den Krper umgeben . Plagiacantha J.M. 

Gerste aus 1 oder mehren schmalen Keifen oder Bogen-Stcken, die in ver- 
schiedenen Ebenen um den Krper mit einander verwachsen; 
ohne Strahlen Lithocircus J.M. 

Eucyrtidina. 

Schaale einfach , ohne Einschnrung; Hinterende lappig oder gefranst . . Carpocanium Eb. 

Schaale queer eingeschnrt, wie gegliedert. 

. Einschnrung nur eine. 

. . Hintrc ffnung weit. 

. . . Rippen vom vorderen Kpfchen kommend laufen in End-Dornon aus . Dictyophimus Eb. 

. . . Rippen in Dornen auslaufend fehlen. 

.... Kpfchen usserlich nicht unterschieden . Cryptoprora Eb. 

.... Kpfchen aussen etwas abgeschnrt. 

Hinterende ohne Stachel -Kranz. Lophophaena Eb. 

Hinterende mit einem Stacheln- oder Leisten -Kranze Anthocyrtis Eb. 3, 1. 

. . Hinterffnung verengt, oft mit Griffei-frmigen Alihngen Lychnocanium Eb. S, 2. 



Klassifikation. 39 

. Einschnrungen 2 oder mehre hintereinander. af., -Sig. 

. . Krper an beiden Enden zusammengezogen. 
. . . Anhnge weder mitten noch hinten. 

.... Stirn -Stachel fehlend oder einfach Encyrtidium Eb. 

: . . . Stirn - Stachel drnelig ........ Thyrsocyrtis id. 

. . . Anhnge vorhanden; 

.... mittle fehlen ; hintre Stachei-frmig Podocyrtis id. 3, 8. 

.... mittle vorhanden ; hintre fehlen 

vom 2. Gliede an Pterocaninm id. 

vom 3. Gliede an Khopalocanium id. 8, 5. 

. . Krper am Hinterendc nicht verengt. 
. . . Anhnge keine. 

.... Rand der Hinterffnung ganz Cycladophora id. 

.... Rand der Hinterffnung geschlitzt . Calocycla.s id. 

. . . Anhnge vorhanden, 

.... vom Ilinterrande ausgehend, zellig Dictyopodium id. 

.... vom 2. Gliede an Flgel -artig ausgezogen Pterocodon id. 8, 8. 

Lithochytrina. 

Einschnrungen (Glieder) mehre. 

. End- Glied gelappt oder mit Stacheln gekrnt : . Lithochytris id. 

. End -Glied ganz, ungetheilt. 

. . Schaale durch Anhnge in der Mitte geflgelt Lithornithium id. 

. . Schaale ohne Anhnge in der Mitte. 

. . . Mndung gegittert Lithocorythium id. 3, 4. 

. . . Mndung einfach "... Lithocanipe id. 

Einschnrung: eine. 

. Schaale am ? Kpfchen gelappt Lithobotrys id. 

. Sehaale an keinem von beiden Enden gelappt. 

. . Seiten durch Dornen geflgelt Lithomelissa id. 

. . Seiten ohne Anhnge Lithopera id. 

Halicalyptrina (Mndung hinten). 
Mndung weit, frei, 

. pltzlich erweitert, Glcken-frmig Halicalyptra id. 3. 7. 

. allmhlich erweitert, Kegel-frng Gornutella id. 3, 10. 

Mndung zusammengezogen oder gegittert (Form kugelig) ...... Haliphormis id. 

Spyridina. 
Anhnge fehlen. 

. gegitterte Mndung mittelstndig Dictyospuis id. 

. gegitterte Mndung seitlich Pleurospiris id. 

Anhnge vorhanden. 
. in Form von Dornen, 

. . einfach Ccratospiris id. 

, . stig Cladospiris id. 

. in Form eines Leisten -Kranzes die Mndung umgebend . Petalospiris id. 8, 6. 

Cenosphaerina (ob Theile von Collosphaera 1) Cenosphaera id. 

Calodictya. 

Scheibe nicht in Strahlen ausgehend (wie bei Flustra). 

. Einfassung um die Scheibe fehlt Plustrella id. 3, 13. 

. Einfassung um die Scheibe vorhanden Perichhimydimn id. 

Scheibe Stern-artig von Strahlen oder Lappen umgeben. 
. Strahlen frei, uuverkettet, 

. .einfach Griffel -frmig Stylodictya id. 

. . schwammig, 

... am Ende angeschwollen und breiter Khopalastrum id. 

.... (? Strahlen abgebrochen) Spongodiscus id. 

. . . am Grunde durch eine zellige Haut verbunden Hististrom id. 

. Strahlen -Enden durch ein schmales zelliges Band verkettet Stephanastrum id. S, 9. 

Haliommatina. Schaale mit eingehlltem Kerne einfach, kugelig, oder Linsen- 
frmig; Eand oft in zierliche Strahlen getheilt. 

Strahlen: 2 Stachei-frmige, von der Mitte aus in entgegengesetzter Richtung 
gehend. 

. ussere Zellchen der Schaale nur oberflchlich Stylosphaera id. 

. ussere Zellchen mehre Schichten bildend, schwammig Spongosphacra id. 

Strahlen mehre vom Mitttelpunkt ausgehend (vorstehend oder nicht}. 

. Schaale ungerandet oder strahlig Haliomma id. 3, 11. 

. Schaale mit ungetheiltem Rande ringsum . . . Chilomma id. 

Lithocyclidina: Scheibe der Schaale mit eingehlltem Kern und zclligcm 

Rand (vergl. jedoch Dictyosoma). 
Rand ungetheilt, nicht mit Strahlen. 
. . ussere Schaale den Kern von allen Seiten umgebend, ohne Strahlen . . Diclyosoma id. 

. . ussere Schaale ein zelliger Rand Lithocyclia id. 

Rand Stern-artig getheilt; er selbst 

. ungelappt, aber einfache Stachelstrahlcn tragend Slylocyclia id. 

. gelappt; Lappen zellig, breit, stumpf, und 

am Grunde frei; zuweilen noch mit derbem Stachel am Ende .... Astromma id. 3, 12. 

'. '. am Grunde durch eine zellige Haut verbunden Hymeniastrum id. 

Cladococcina: entfernen sich von den andern P. durch den Mangel einer 

usseren Schaale, besitzen aber ein gegittert-sphrisches Kern- 
Gehuse, von welchem einige lange, dnne, stige, nicht hohle 

Stacheln unregelmssig radial in (7 oder mehr) verschiedene 

Richtungen [Ebenen??] ausgehen. Dieser Kern umgeben von 

kugeligem Krper in hutiger Kapsel, die von Strahlenfden und 

gelben Zellen dazwischen umhllt ist; auch die aus dem Krper 

vorstehenden ste der Stacheln gehen in Strahlenfden aus. 

. die Stacheln ausserhalb dem Thier-Kiirpcr unverbunden Cladococcus J. M. 

. die Stacheln aussen durch einzelne Kiesel -Arkaden verbunden .... Acanthodermia J.M.. 



40 Gitter -Thierchen. 

Aoanthometrina. Stacheln 12 30 In verschiedenen sich auf einer Mittel- Caf., -Sig. 

linie (Achse) durchkreutzenden Kreis -Ebenen gelegen. Kiesel- 
Haut nicht mit so zahlreichen Strahlenfden wie sonst; jedoch 
um jeden Strahl sich in Form einer Scheide etwas erhebend oder, 
wenn derselbe nicht ber die Oberflche vortritt, sich in Warzen- 
Form ber ihm schliessend , und in beiden Fllen einen Kranz 
von Strahlenfden tragend. Die vorragenden, von einem Kanle 
durchzogenen runden, vierkantigen, geflgelten oder gezackten 
Stacheln haben an Seiten und Enden oft Schlitze, aus welchen 
Strahlen -Fden hervortreten (vergl. S. 34). . 

. Stacheln ohne Fortstze I 

. Stacheln noch in Fortstze getheilt, welche, ohne miteinander zu verwach-', Acanthometra J. M. 
sen, eine unvollkommene Gitter-Schaale (jedoch noch unter derl 
Haut!) bilden (gepanzerte) 

Noch nicht nher charakterisirte Sippe? Chlamydophora Eb. 



VII. Geographisch-topographische Verbreitung. 

Wohn-Element. Alle Gitter-Thierchen sind Wasser- und zwar Meeres- 
Bewohner. Die zusammengesetzten und die Kiesel-freien Formen werden, 
in Menge von der Oberflche des Meeres getragen, in allen Welt-Gegenden 
gefunden, und auch viele der brigen sind im Mittelmeere oft so aufgefischt, 
dagegen, wie es scheint, nie in frischem Zustande mit dem Schlepp- 
Netze von dessen Boden aufgekratzt worden. Dann wre Diess eine 
Klasse von ausschliesslich pelagischen Thieren. 

Eine Geographie derselben kann bis jetzt noch nicht geliefert werden, 
da man ausser im Mittelmeere, in einigen Nordsee-Hfen, lngs der Linie 
des Europisch-Amerikanischen Telegraphen-Drahtes im nord-atlantischen 
Ozean mit den Bermuda-Inseln (in 33 N.), und in einigen Sand-Prbchen 
vom Grunde der Sdsee und des Sdpolar-Meeres (3 Arten) noch nicht 
nach ihnen geforscht oder sie wenigstens noch nicht beobachtet hat; 
daher man auch erst eine viel geringere Arten -Zahl in lebendem als in 
fossilem Zustande kennt. Die geographische Verbreitung ihrer Familien 
und Sippen, so weit sie aus den bisherigen Verffentlichungen bekannt, 
lsst sich in folgender Tabelle (S. 42) rasch und in Bezug auf die noch 
lebend bekannten Arten auch vollstndig berblicken. 

Unter den Arten sind einige von sehr weiter Verbreitung. So ver- 
sichert Huxley seine Thalassicollen (unter deren 2 Arten freilich wohl 4 
zusammenbegriffen, aber 2 nur selten sind) in allen von ihm durchseegeltcn 
tropischen wie aussertropischen Meeren an der Oberflche flottirend ge- 
funden zu haben, und J. Mller hat die verbreitetste der darunter begriffenen 
Arten, das Sphaerozoum punetatum, auch im Mittelmeere hufig angetroffen. 
Vielleicht ist auch Sph. fuscum Meyen der Chinesischen Meere nicht davon 
verschieden. Auch Quoy und Gaymard haben sie bei Freycinet's Welt- 
umseegelung beobachtet. Unter den fossilen Arten wird Eucyrtidixim linea- 
tum im Polycystinen - Gesteine der Nikobaren, in den Mergeln und Polir- 
schiefern von Zante, Oran und Caltanisetta auf Sizilien und in plastischem 
Thone von Zante zitirt, an welchen drei letzten Ortlichkeiten auch Haliomma 
Medusa vorkommt. 

Hinsichtlich ihrer Topographie wrde sich, wenn in der That alle im 
Wasser schweben, natrlich nicht viel mehr ermitteln lassen ; zwar glaubte 



Geologische Verbreitung. 41 

man die Menge der im feinsten Sande des See-Grundes angesammelten 
Panzer mit der Tiefe bis sogar zu 16,000' hinab zunehmen zu sehen, 
was aber eben eine nothwendige Folge ihrer Vertheilung in allen Wasser- 
Schichten des Ozeans whrend ihres lebenden Zustandes sein wrde ; denn 
je hher und zahlreicher diese Wasser-Schichten bereinanderliegen, desto 
grsser muss die Menge der Kiesel -Krperchen sein, die beim Tode der 
Thierchen auf den Grund sinken. Ob die vom tiefen See-Grunde herauf- 
geholten Polycystinen-Schaalen noch frische Thierchen eingeschlossen ent- 
hielten, hat nie an Ort und Stelle ermittelt werden knnen. 

Doch drfte zu untersuchen sein, ob nicht etwa, wie einige Erschei- 
nungen vermuthen lassen, eine grssre Menge im Meer-Wasser aufgelster 
Kiesel-Erde in Gegenden untermeerischer Vulkan-Ausbrche die Entwicke- 
lung dieser Kiesel-Schaaler vorzugsweise begnstige. 



VIII. Ideologische Verbreitung. 

Man hat noch keine Spur dieser Wesen in Gebirgs-Schichten entdeckt, 
welche unter das mittle Tertir- oder das Neogen- Gebirge hinab reichen, 
und selbst dieses Alter ist bei den Nikobaren nicht vollkommen gesichert, 
von deren 100 fossilen Arten zudem erst 4 ihren Namen nach bezeichnet 
worden sind. Unsre Kenntnisse in dieser Beziehung sind daher noch zu 
beschrnkt, als dass wir erhebliche und sichre wissenschaftliche Ergebnisse 
erwarten drften. Indessen ist es nicht wahrscheinlich, dass diese so un- 
vollkommenen Wesen nicht schon frher existirt haben sollten, und unsre 
Unkenntniss beruht wohl nur auf der Schwierigkeit ihrer Entdeckung in 
altern Gesteinen, wenngleich allerdings die Auffindung zahlreicher Diato- 
maceen-Panzer von noch mindrer Grsse in der Kreide gelungen ist. Von 
den in der Tabelle S. 42 als tertir bezeichneten 426 Arten sind einige 
von grosser Verbreitung und manche (Ehrenberg nennt deren 10) als auch 
noch in unseren Meeren vorkommend erkannt, unter welchen z. B. Sty- 
losphaera kispida fossil auf den Nikobarischen Inseln Ostindiens und lebend 
im Atlantischen Ozean vorzukommen scheint. Ihrer grossen Verbreitung im 
Fossil -Zustande halber haben wir Eucyrtidium lineatum schon S. 40 ge- 
nannt. Aber der weiten Entfernung und des jetzt so verschiedenen Klimas 
ungeachtet, haben diese Polycystinen-haltigen Gesteine von Caltanisetta 
auf Sizilien*) unter 18 Arten 14 aus 10 verschiedenen Geschlechtern, die 
in nachstehender Tabelle mit f bezeichnet sind, und die brigen Poly- 
cystinen-fhrenden Niederschlge Sd-Europas (und Nord-Amerikas) unter 
21 (frher berechneten) noch 10 Arten mit dem Polycystinen - Gesteine 



*) Ehrenberg rechnete diese auch in sptrer Zeit noch zur Kreide; doch mit Unrecht, 
obwohl einige wenige (3) auch ausserdem der Kreide und dem Neogen-Gebirge gemeinsame 
Diatomaceen-Arten darin vorkommen. 



42 



Gitter -Thierchen. 



Sphaerozonm , 
Collosphaera 



Thalassocolla 



Plagiacantba 

Lithocireus 



Carpocanium . 
DrctyopHmus 
Cryptoprora . 
Lophophaena f 

Anthocyrtis . 
Ly.chnocaniuin 
Eucyrtidium f 
Thyrsocyrtis . 
Podocyrtis . . 
Pterocanium . 
Rhopalocaniuni 
Cycladophora t 
Calocyclas . . 
Dictyopodium 
Pteroeodon 



Lithoehytris . 
Lithornithium 
L'ithocorythium 
Lithocampe 

Lithobotrysf 
Lithomelissa . 
Lithopera . . 



Halicalyptra 
Cornutolla t 
Haliphormis 
Dictynspiris f 
Pleurospiris. 
Ceratospirisf 
Cladospiris 
Petalospiris 



Cenosphaera 



Plnstrella t 

Perichlamydium 

Stylodictya 

Rhopalastrum 

Spongodiscus . 

Ilistiastrum 

Stephanastrum 



Stylosphaera . 

Spongosphacra 
Haliomma f . 
(Jhilomma . . 



Dictyosoma . 

Lithocyclia 
Stylocyclia 
Astromma t . 
Hymenastrum 



Cladococcus . 

Aeanthodesmia 

Acanthomctra 



Chlamydophora (Chile) 



Summe der Sippen 56; der vcrzeichn. Arten 
dann von den Nikobaren noch imbenannt. . . 



13 



> 



s 

I 

er 



1 

2 

2 

3 

2 

11 

10 

13 

70 

10 

27 

8 

1 

5 

2 

2 

3 

4 
5 
5 
11 
12 
5 
7 

6 
1-1 

5 
10 

1 
]:. 

2 
10 



13 
4 

10 
3 

4 
2 

1 



2 
54 

1 



4 
1 

1 
1 

16 

1 



426 
00 



Verbreitung 



geologische 
(neogene) 



M 



ffl 



3 



7t 
50 



a 



77 



geographische 



g 



516 



12 



46 



2 

2 

1 

10 

9 

13 

56 

10 

25 

8 

1 

5 

2 

2 

3 

4 
3 
4 
3 

7 
4 
6 



3 
9 
1 

14 
2 

10 



2 

7 
1 

2 
1 

6 

1 

22 

1 



283 



4 - 
90 



426 



1* 





2 







1 




1 




1 




1 


2 


7 


1 


1 



1 

13 
2 
1 



1 
1 

16 



41 

102 






1.1* 



7.2* 



Bemerkung: Europa begreift auch 3 Arten von Oran in Algerien, das Mittelmecr 2* (eine mit * be- 
zeichnet) aus der Nordsee; in und unter Sdsee" sind die 2* Arten aus dem Sudpolar -Eis. 



Stellung im Haushalte der Natur. 43 

von Barbados unter den Antillen (13 N. Br. und 43 W. L.) geniein. 
Ebenso sind die zahlreichen Arten im Gesteine der Nikobaren (8 N. Br. 
und 110 W. L.) hufig dieselben wie auf Barbados. 



IX. Stellung im Haushalte der Natur. 

Die mikroskopischen Polycystinen sind, obwohl erst aus den jngsten 
Formationen bekannt, von einer grossen geologischen Wichtigkeit, indem 
sie fortwhrend zur Bildung von kieseligen Niederschlgen in allen Ge- 
genden des Ozeans mitwirken und an Ortlichkeiten, die ihrer Entwickelung 
gnstig gewesen, zur Bildung von mchtigen Gebirgs -Massen beigetragen 
und sogar fast ausschliesslich solche zusammengesetzt haben. 

Die Grund -Proben hauptschlich aus dem Agischcn Meere bis zu 
1200' Tiefe und aus dem nord- atlantischen Ozean in der Nhe der Linie 
des Telegraphen-Drahts bis zu 16,000' haben ergeben, dass der See-Grund 
aus einem weisslich- grauen und gelblichen sehr feinen Schlamm oder 
Sande besteht, worin, bei grssern Tiefen namentlich, die organischen 
Reste den vorherrschenden Bestandteil ausmachen ber die andren aus 
gerolltem Quarz -Sand, Kalkspath- und einigen Glimmer-, Augit- und mit- 
unter Bimsstein- Theilchen. Jene bestehen in kenntlichen Rhizopoden- 
Schaalcn,Polycystinen, Spongia-Nadeln, Diatomaceen-Panzernu. a. Konferven, 
auch Kiesel-Zellen von Grsern [?] nebst mancherlei Trmmern derselben. 
Die Polycy stinen scheinen sich erst von 400 ''Tiefe an zu zeigen und 
werden dann nebst den Diatomaceen immer zahlreicher an Formen, so 
Avie die Tiefe zunimmt, so dass sie die der Rhizopoden endlich bisweilen 
bertreffen, wenn gleich diese auch dann noch gewhnlich die vorherrschende 
Masse bilden. Endlich jedoch scheinen auch sie (nach der bei den Rhizo- 
poden mitzuteilenden Tabelle) abzunehmen und noch spter die Diato- 
maceen zuzunehmen, was jedoch vorerst noch eine Folge der geringen 
Anzahl von Proben sein kann, die aus den grssten jener Tiefen vorliegen. 

Die tertiren Gesteine, an deren Bildung sich nun die Polycystinen 
hauptschlich in Gesellschaft von Kiesel -Schaalen der Diatomaceen be- 
teiligen, sind meistens Tripel, Polir- Schiefer und Mergel. So jene von 
Oran, Agina, Zante, von Caltanisetta auf Sizilien, von den Bermuda- 
Inseln im Atlantischen Ozean und in Virginien. Der Kiesel-Gehalt von 
beiderlei Wesen hat zweifelsohne auch zur Bildung der Feuerstein- und 
Halbopal-Nieren in einigen dieser Gesteine mitgewirkt. Oft sind diese 
Gitter-Schaalen sehr schn erhalten, oft auch nur in Trmmern vorhanden, 
aus denen sich aber nicht selten noch die Geschlechter erkennen lassen. 
In andren Gesteinen machen die Polycystinen einen mehr vorherrschenden 
Bestandteil aus. So in dem mchtigen an vulkanischem Tuff und Bims- 
stein-Staub sehr reichen Mergel oder Tuff von Barbados (s. o.) , welcher 
unter Wasser abgelagert jetzt bis zu 1148' Hhe ber das Meer gehoben 
ist; er hat 232 Polycystinen- Arten gegen nur 18 Diatomaceen mit 7 Rhi- 



44 Gitter -Thierchen. 

zopoden geliefert. Ebenso besteht ein ganzer Hgel auf Camorta unter 
den Nikobaren aus einem Meerschaum-hnlichen leichten weissen Thone 
(Tripel), der ein ziemlich reines Konglomerat der prchtigen Polycystinen 
(100 Arten) und ihrer Fragmente mit vielen Spongolithen ist. 



Wir erhalten, fr die Benutzung zu spt, so eben A. Schneider 's 
Beschreibung und Abbildung zweier neuen Arten von Meer-Qualstern, nmlich 
von Physaematiiim (Ph. Mlleri) und von Thalassocolla (TA. coerulea), beide 
von Messina. (Mller' s Archiv f. Physiol., 1858 S. 3841, Taf. 3b.) 



XX>iOOo- 



Dritte Klasse. 
Wurzelfsser: Rhizopoda. 

Tafeln V VIII. 




a Amoeba porrecta Schz. 



b Amoeba oiov. sp. Schz. 



I. Einleitung. 

Namen. Man hat diese Thierchen, so weit sie wie Nautilus und Am- 
moniten eine vielkammerige Schaale besitzen, seit Breyn (1732) und 
Soldani mit diesen unter dem Namen Pob/thalaviia zusammengefasst, 
bis A. d'Orbigny (1826) hervorhob, dass die Kammer -Scheidewnde 
der einen von einer geschlossenen und mit den Kammern nicht in Ver- 
bindung stehenden Rhre durchsetzt, die der andern aber von einer oder 
mehren einfachen ffnungen so durchbohrt werden, dass hiedurch die 
aufeinander-folgenden Kammern selbst mit einander in unmittelbare Ver- 
bindung treten; diesem Unterschiede entsprechend nannte er die ersten 
derselben (Polythalamia) Sipho?iifera, die letzten Foramirfera, welchen 
Namen Philippi durch Tremtophra ersetzte. Da aber doch nicht alle 
Thiere dieser Klasse eine Schaale haben und nicht alle beschaalten auch 
Kammern besitzen, so fhrte Duj ardin (1835) mit Bezugnahme auf die 
von ihm entdeckten eigenthmlichen Bewegungs - Mittel den fr alle an- 
gemessenen Namen Wurzelfsser oder Rhkopoda ein. 



40 Wurzelfsser. 

Geschichte. Die erste Aufmerksamkeit erregten die kleinen zierlichen 
Schaaleu dieser Wesen in der ersten Hlfte des vorigen Jahrhunderts 
hauptschlich in Italien durch die Menge, in welcher sie in frisch ans 
geworfenem See-Sande wie in den tertiren Sand-Ablagerungen vorkommen. 
Beccari (1731), Bianchi (1739) und Soldani (1780 1798) widmeten 
ihrer Beschreibung und Abbildung selbststndige Abhandlungen und Schrif- 
ten, der letzte sogar ein grosses Folio-Werk mit 228 Kupfertafeln, das er 
aber bald darauf selbst wieder vernichtete, als er sah, dass diese Frucht 
seines mehr als 20jhrigen Fleisses nur etwa ein halbes Dutzend Abnehmer 
gefunden hatte. Fichtel und Moll haben (1803) diese Schaaleu in 
frischem und fossilem Zustande aus verschiedenen Welt-Gegenden gesam- 
melt und sorgfltiger beschrieben und abgebildet, worauf Denis Mont- 
fort (1808) fast jede Art und Variett derselben zu einer eignen Sippe 
zu erheben bemht war. Erst Lamarck fhrte 1812 1822 eine ange- 
messenere Klassifikations-Weise fr die bisher noch immer sprlich bekannt 
gewordenen wesentlichen Formen -Verschiedenheiten ein, welche sodann 
von Aleide d'Orbigny 1826 durch ein reichliches aus allen AVeit- 
Gegenden zusammengebrachtes, frisches wie fossiles Material bis zu einem 
Grade verbessert und vervollstndigt und durch Verbreitung von Originalien, 
Bildern und Modellen zur Anschauung gebracht wurde, dass sie spter 
mir allmhlich und mehr in Einzelnheiten ergnzt und durchgefhrt zu 
werden brauchte; die meisten der noch heutzutage bestehenden Sippen 
sind von ihm aufgestellt worden. Dennoch beschrnkten sich alle bis- 
herigen Untersuchungen nur auf die kalkige Sehaale, deren meist spiraler 
und stets vielkammeriger Bau eine Zusammenstellung mit Nautilus- und 
Ammonitcn-Schaalen in der Klasse der Cephalopoden zu rechtfertigen 
schien, obwohl man den Mangel des bei diesen letzten alle Kammern 
durchsetzenden Siphons schon lange wahrgenommen hatte. Von einer 
kurzen Andeutung Blainville's (1825) abgesehen, war es erst Duj ardin, 
der sich 1835 das Verdienst erwarb, die in den Schaalen wohnenden 
Thiere selbst zu beobachten, ihre gnzliche Verschiedenheit von den Ce- 
phalopoden und ihre tiefe Stellung im Systeme nachzuweisen. Spter 
haben Ehrenberg, der sie mit den Bryozoen zusammengestellt, Gervais, 
Perty u. v. A. noch manche Beobachtungen ber die Thiere gemacht 
und Ehrenberg, Williamson, Carpenter und Carter sehr werth- 
volle Untersuchungen ber den Bau der Schaale verffentlicht , welche 
letzten auch ber die Beschaffenheit der Thiere noch mehr Licht zu ver- 
breiten geeignet sind, aber im Ganzen nur beweisen, dass wir erst am 
Anfange der Untersuchungen angelangt sind, welche die innre Struktur 
aller Rhizopoden-Schaalen noch erheischt, bevor wir mit deren Hlfe eine 
Klassifikation durchzufhren vermgen, obwohl wir die Kammer -Bildungen 
ziemlich kennen. Die an den Ksten Grossbritanniens lebenden Arten 
sind 1808 von Montague, die an den Gestaden Sdamerika^, Cuba's 
und der Kanarischen Inseln gesammelten Schaalen 1839 1844 von 
d'Orbigny, die Arten des Rothen und des Norddeutschen Meeres von 



Einleitung. 47 

Ehrenberg* beschrieben worden. Die fossilen Schanlen haben zahlreiche 
Bearbeiter gefunden theils in Bezug- auf ihre innre Struktur und theils 
nach den Formationen, worin sie vorkommen. Weit entfernt, alle in die- 
ser Beziehung- verdienten Schriftsteller mit Namen auffhren zu knnen, 
nennen wir unter den ersten noch Deshay es, Rtimayer, Leymerie, 
Reuss, unter den letzten Fortis, Deine, Defrance, d'Orbigny, 
Ehrenberg-, Reuss, A. Roemer, d'Archiac und Haime, Czjzek, 
Carter, Cornuel, Neugeboren und Egger, deren Einige besondre 
Werke darber geliefert haben. Auch mit der geographischen Verbreitung 
und dem Einflsse der Schaalen- Reste auf die Gesteins -Bildung hat sich 
Ehrenberg vorzugsweise beschftigt. Durch die neuesten vielfachsten 
und sorgfltigsten Untersuchungen ber die Organisation und Physiologie 
der Thiere selbst hat sich Max Schultz e verdient gemacht in einein 
herrlichen Kupfer - Werke , worin ebenmssig auch die Geschichte und 
Klassifikation derselben vorbehaltlich sptrer umfassenderer Arbeiten be- 
rcksichtigt worden. Unsre Organen- und Lebens -Beschreibung- dieser 
Thiere, ein Theil unsrer Klassifikation und unsrer bildlichen Darstellungen 
sind vorzugsweise daraus entnommen. 

Nachdem Agassi z noch vor einigen Jahren diese Thiere ans untre 
Ende der Mollusken zu stellen geneigt war und in ihrer Kammern-Abthei- 
lung eine Analogie der auf ganz andern Formen -Gesetzen beruhenden 
Dotter-Theilung, in ihnen selbst daher den embryonischen Typus der Ma- 
lakozoen in Beharrung erblickte, ist man jetzt ber deren Klassifikation 
bei den Amorphozoen wohl allgemein einverstanden. 

So deutlich brigens die meisten Spongiae, jRhizopoda und Tnfvsoria 
sich von einander unterscheiden, so ist nicht zu lugnen, dass in allen 
diesen Klassen Amba-artige Erscheinungen, wenn auch nur als Entwick- 
lungs- Stufen andrer Formen vorkommen, welche die Begrenzung dieser 
Klassen, so wie selbst jene gegen das Pflanzen-Reich noch sehr erschweren. 

ber die kleine Gruppe von Gregarma (Fig. a, b) sind die Ansichten 
noch so wenig zum Abschluss gekommen, dass die Angehrigen dersel- 
ben bald als einzellige und bald als zum Theil mehr zu- a b 
sammengesetzte Thiere, als Larven und Ammen oder als 
ausgebildete blos durch Copulation sich vermehrende Zu- 
stnde, bald als Rhizopoden, Infusorien und Wrmer dar- 
gestellt werden. Da sie weder Mund noch Magen, aber 
auch weder Scheinfsse noch Wimpern besitzen und para- a regaHna. 
sitisch im Darme von Insekten leben, so stimmen sie in b Gr * scoiapendrae. 
der That mit keiner dieser Klassen berein. Da wir noch nicht vermgen, 
ihnen eine feste Stelle anzuweisen *) , so seie derselben hier einstweilen 




*) Vgl. brigens v. Frantzius Dissertation und in Wiegm. Archiv XIV, 18S; v. Sie- 
bold das. 1850, II, 453;. Stein in Mller's Archiv 1848, 182; Lcydig das. 1851, 221; 
Klliker in der Zeitschrift fr Wissensch. Zoologie 1, 1; Henle u. Bruch das. 11, 110; 
Leidy in Transart Amer. philos. Soc. Philad. 1852, X, 231; u. a. m. 



43 Wurzelfsser. 

nur erwhnt. Nach Stein, der sie als ausgebildete Thiere, nicht als 
Larven u. s. w. betrachtet, incystiren sie sich paarweise in gemeinschaft- 
licher von ihnen selbst excernirter Kapsel, zerfliesseu zu einem Ballen, 
dessen Inhalt grossentheils in spindelfrmige Sporen (sogenannte Navicellen) 
bergeht, whrend der Rest jenes Inhaltes sich auflst, um zur Sprengung 
der Kapsel und zum Austreiben der zahlreichen Sporen zu dienen. Aus 
den Sporen entstehen neue Thierchen, welche den alten vllig hnlich sind. 

Litteratur. 

Breyn: Dissert. physica de polythalamiis, nova testaccorum classe. Gedani 1732. 

J. Plancus: de Conchis minus notis, Venetiis 1739; edit. 2. Romae 1760. 

Soldani Saggio orittografico ossia osservazioni sopra le terre nautilitiche e ammonitiche 
della Toseana, 4, Siena 1780; Testaceographiae ac zoographiae parvae et microscopicae 11 tomi, 
in partibus 4. Senis 1789 1798 in fol. 

0. Fr. Mller : Animalcula infusoria, fluviatilia et marina etc. c. tab. aen. Hafniae et Lips. 
1786. 40. (Proteus.) 

Batsch sechs Kupfer-Tafeln mit Konchylien des See -Sandes. Jena 1791. 

Fortis: Memoires pour servir l'histoire naturelle de l'Italie IL Paris 1802(11, 1 129). 

Deluc (Lenticulaire) : i. Journal de Physique 1802, XLVI1I, 319, L1V, 173. 

Fichtel et Moll: Testacea microscopica aliaque minuta, Wien 1803. 4o. 

Denis de Montfort: Conchyliologie systematique. 11 voll. Paris 1808. 8. 

de Lamarck, Histoire naturelle des animaux sans vertebres. Paris, 8. VII. vol. 1822, 
p. 595 ss. 2. edit. par Deshayes et Milne - Edwards , 1845, XI, 218 ss. 

Defrance et de Blainville : i. Dictionnaire des sciences naturelles, LX voll. 80. Paris, 
1814 1830. 

de Haan: Monographiae Ammoniteorum et Goniatiteorum specimen. Lugd.Bat. 1825. 8o. 

d'Orbigny (tabl. systemat.): i. Annal. des sciences naturelles 1826. (1) VII, 96, 245. 

Deshayes (Alveolina) : i. Annal. des sciences nat. 1828 (l) XIV, 225 -236; i. Ency- 
elopedie methodique 4o. Vers. 1830 II, 1832 III. pll. 465471. 

Dujardin (Rhizopodes) : i. Annal. sc. nat. 1835 (2) III, 108, 312, 369; IV, 343 364; 

V, 193 205; i. d'Orbigny: Dictionn. univers. d'hist. nat. (passini); - und in seiner: Histoire 
naturelle des lnfusoires, Paris, 1841. 

Ehrenberg: in den Monats - Berichten der Berlin. Akademie. Berlin. 8o. 1837 1857. 
(Liste der Kreide-Polythalamien) 1854, 320 ff. ; die Bildung der Kreide-Felsen aus mikrosko- 
pischen Organismen. Berlin 1839. 4o.; (ber noch jetzt zahlreich lebende Thier- Arten der 
Kreide - Bildung und den Organismus der Polytbalamien u. a. m.) in Abhandl. d. k. Akad. der 
Wissensch. 1839, 81 ff; 1855, 185, 176, Tf. 17; Mikrogeologie , Leipzig, 1854 in Fol. 
(passim) Taf. 16 39. 

d'Orbigny (Foraminiferes) : i. Voyage dans l'Amerique meridionale, Paris, 1839, 85 pp., 
9 pll.; i. Ramon de la Sagra: Histoire de l'ile de Cuba, Paris 1839; i. Webb et 
Berthelot: Hist. nat. des iles Canaries, vol. II, Zoologie, 1844, 123 [vgl. Wie gm. Arch. 1840, 

VI, 398402] ; (Foraminif. de la craie de Paris) i. Memoires de la societe geol. de France 
1840, IV, 1, et 55. pl. 1 4. Foraminiferes fossiles du bassin tertiaire de Vienne. 
Paris, 1846, 4o. 

Ralfs (Spirulina und Coleochaeta) : i. Annal. scienc. nat. 1845 [3] XVI, 30S 311, pl. 
P. Gervais (Fortpflanz, d. Miliolen) : i. Compt. rendus de l'Acad. 1847, 469; i. l'Instit. 

1847, 316. 

Czjzek (Wiener Foraminif.): i. Haiding. Naturwiss. Abhandl. 184S, I, 137. 
Diesing (Forminifcra monostegia) ; i. Sitzungs - Bericht d. Wien. Akad. 1S4S, V, 19. 
Rtimayer ber das Schweitzerische Nummuliten- Terrain, i. Biblioth. univers. de Geneve, 

1848, VII, 177, und Bern, 1850, 80. 

Reuss: neue Foraminiferen des sterreich. Tertir-Beckens, Wien, 1849, 4. ; (dgl. i. Berlin. 
Septarien-Thon) i. Zeitschr. d. Deutsch, geolog. Gesellsch. Berlin, 1851, III, 49. (dgl. i. Tertir- 
Schichten Ober -Schlesiens) daselbst 149. (i. Mainzer Tertir -Becken) i. N. Jahrb. f. Mineral. 
1853, 670. 

Williamson (Polystomella etc.): i. Transact. of thc Microsc. Soc. 1849, II, 159; 1851, III, 
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Carpenter (Schaalcn-Bau von Nummulina, Orbitulites , Orbitoides) : i. Quart. Journ. geol. 
Soc. Lond. 1850, VI, 21 ss. ; i. Philos. Transact. 1856, CXLVI, 181236, pl. 49; 
(Orbiculina, Alveolina, Cycloelypeus, Heterostegina) ebendas. CXLVI, 547 569, pl, 28 31. 

Cohn (Fortpflanzung): i. Sieb. u. Kolli k. Zeitschr. f. wissensch. Zoologie, 1852, IV, 252. 

Perty: zur Kenutniss der kleinsten Lebens - Formen in der Schweitz. Bern, 1852. 4. 
S. 1 82 1 89. 



Organische Zusammensetzung. . ^9 

Carter (Operculina) : i. Annal. Magaz. nat. List. Lonil. 1852, So. (2.) X, 101- ITC, pl. 4 ; 
(Schaalen-Bau der Foraminiferen von Seind), das. 1S53, XL; (Alveolina) das. 1S54, (2.) 
XIV, 99101, pl. 3; (Orbitulites) daselbst 1855, XVI, 207209;' (Eier - fhrende 

Amben) daselbst 1856, XVII, 101 ff.; XVIII, 115 ff, 221 ff; 1857, XX, 37 40, pl. 1, f. 12. 

d'Archiac et Jul. Haime : Description des auimaux fossiles du groupe nummulitique 
Paris, 1853. 4o. 

A. Schneider (Knospen von Diffiugia) : i. Mll.: Arch. 1854, 331. 

G. Jeffreys (lebende Foraminif. Grossbritt.) : i. Ann. Magaz. nat. -hist. 1855, XVI, 209 212. 

L. Auerbach (Einzelligkeit der Amben): i. Zeitschr. f. wissenscnaftl. Zool. 1856 VII 
305 430, Taf. 1922. 

Neugeboren: die Stichostegier von Ober - Lapugy, Wien 1857. 4. 

Egger (tertire Foraminiferen v. Ortenburg) : i. N. Jahrb. f. Mineral. 1857,200312. 11 Taf.; 
auch besonders abgedruckt. 

Parker und Jones (lebende Foraminiferen Norwegens): i. Annal. Magaz. nat. bist. 1857 
[21, XIX, 273 304, pl. 10, 11. 

Macdonald (dgl. von den Figi- Inseln), daselbst XX, 193190, Taf. 5. 

M. S. Schultze: ber den Organismus der Polythalamien (Foraminiferen). Leipzig, 1854, 
in Fol. (7 Tafeln); i. Mll. Archiv 1856, 105 174, Taf. 0. 

ber Noctiluca (Hlabberia Ok.^ insbesondere. 
J. F. Brandt: i. Bullet. Acad. Petersb. 1837, II, 353355. 
J. Pring: i. Lond. Edinb. philos. Journ. 1849, XXXV, 401422. 
Brightwell: i. Ann. Magaz. nat.-hist. 1850, VI, 304. 
Quatrefages : i. Ann. scienc. nat. 1850, XIV, 220 236. 
Dareste: daselbst 1855, (4), III, 203 212. 
Huxley: i. Microscop. Journ. 1854, III, 49 54. 
W. Webb: daselbst 1855, III, 103100. 

W. Busch: Beob. b. Wirbel-lose See-Thiere 1851, S. 101 100, Taf. 15, Fig. 14 23. 
Ph. H. Gosse: Natu'ralist's Kambles (1S53), p. 250, pl. 10, Fig. 11; Tenby p. 48. 

Diese Schriften mgen ungefhr die wichtigsten Fortschritte der Wissenschaft in Bezug 
auf die Rhizopoden bezeichnen und die bedeutendsten Quellen fr das Studium derselben ber- 
haupt und fr unseren Zweck insbesondere sein. Viele Aufstze und Mittheilungen sind in 
grsseren Sammelschriften enthalten, welche theils in dem zuletzt genannten Werke von Schultze 
vollstndig aufgezhlt , theils , was die fossilen Reste betrifft , in dem Neuen Jahrbuche fr 
Mineralogie seit 1830 nachgewiesen und mittelst der dazu gehrigen Repertorien leicht auf- 
zufinden, theils endlich in Geinitz's Versteinerungs - Kunde , Dresd. u. Leipzig, 1840; in 
Quenstedt's Petrefakten - Kunde und in unserer Lethaea geognostica, wie in der Geschichte 
der Natur von Zeit zu Zeit bersichtlich zusammengestellt sind. 



II. Organische Zusammensetzung. 

Gesammt-Bau. Der Krper dieser Wasser-Thiere ist in seinem Innern 
und, so weit er nicht umhllt ist 7 auch im usseren von unbestimm- 
ter Form (S. 45; 8, 1) und unausgesetzt Formen-wechselnd im Indivi- 
duum, whrend die gewhnlich vorhandene starre ein- bis viel-kammerige 
Schaale innerhalb der Klasse eine grssre Manchfaltigkeit von nicht 
aufeinander zurckftihrbaren Grund-Formen darstellt, als sonst im ganzen 
Thier- und Pflanzen -Reiche zusammenzufinden mglich ist. usserlich 
gesehen sind es Kugeln, Eier, Spindeln, Keulen, Stbchen, Spateln, Schei- 
ben, Linsen, Schrauben tu dgl.; aber in Rcksicht auf ihre innre Zu- 
sammensetzung, die Wachsthums-Weise , die Zahl und Lage ihrer Achsen 
und die Pole dieser Achsen scheinen alle von der Ei -Form auszugehen, 
woraus sich dann noch Sphenoid, gleichseitiges und ungleichseitiges Hemi- 
sphenoid, Spindel, Knuel, Reifbndel u. a. m. entwickeln (6). Nicht 
einmal eine gleiche Haltung, eine Homologie der Stellung lsst sich fr 
diese Formen bei aller Zierlichkeit derselben festsetzen. Nur Das haben 
die, mit wenigen Ausnahmen, viel-kammerigen und kalkigen Schaalen mit 

Bronn, Klassen des Thier- Reichs. I. A 



50 Wurzelfsser. 

einander gemein, dass sich immer eine Kammer nach der andern bildet, 
dass jede an dem einen Ende mit ihrer Vorgngerin in innerem Zusam- 
menhange steht und an ihrem anderen Ende, wo Bschel-artige Fden 
des Thieres durch eine oder mehre ffnungen hervortreten, wieder einer 
in der Regel hnlichen Kammer zur Sttze dienen kann (8). 

Die Grsse dieser Thierchen wechselt fast von den kleinsten beobacht- 
baren Dimensionen an (z. B. 0,05 '") bis zu einem Durchmesser von 
1 2'", 3'", sehr selten 0,5 1 2,2", bei dann gewhnlich nur geringer 
Dicke. 

Selten sind diese Schaalen mit einer Seite festgewachsen, was brigens 
mit keiner weiteren Eigenthmlichkeit von Thier und Schaale in Ver- 
bindung steht, als dass diese letzte hiedurch nothwendig ungleichseitig 
und unten weniger regelmssig ausgebildet erscheint. 

Das Thier besteht aus halbflssiger Sarkode (S. 57) und (ausser 
Amoeba, S. 45; 8, 1) aus einer Schaale von organischer hutiger oder 
knorpeliger Beschaffenheit, welche fast immer durch eine Einlagerung 
von erdigen Theilen starr wird. Zwischen beiden und von beiden ab- 
lsbar befindet sich noch eine genau anliegende Struktur-lose Haut von 
usserster Feinheit und chemischer Unzerstrbarkeit, welche sich mitunter 
selbst im Fossil -Zustande bewhrt. Alle drei sind gewhnlich glashell, 
durchscheinend, farblos, das Thier ausgenommen, wenn dasselbe eine 
farbige Nahrung aufgenommen hat ; nur in manchen Fllen ist die Schaale 
opak, weisslich oder auch braun, welche letzte Frbung indessen meistens 
von der innen anklebenden Haut herrhrt und nur in der letzten Kammer 
nie sichtbar wird. 

Histologie. Der Sarkode-Krper (S. 45 ; 5 ; 8, 1) besteht aus einer zh- 
flssigen usserst feinkrnigen Grund -Masse, worin um so weniger eine 
rtliche Verschiedenartigkeit stattfindet, als alle seine inneren wie usseren 
Theilchen in bestndig langsam fliessender Durcheinanderbewegung begrif- 
fen sind. In dieser Grund-Masse liegen (0,001 0,002 "') grosse und kleine 
Fett-Trpfchen mit halb so grossen Farbstoff-Blschen, deren Menge und 
Farbe von der frisch aufgenommenen Nahrung abhngt, und endlich 
einige zerstreute ganz blasse Blschen von nur 0,002 0,003 '" Durch- 
messer und homogener oder fein-krniger Beschaffenheit, zuweilen auch 
mit einigen grsseren Krnchen erfllt. Doch pflegen sich die Einmengungen 
von der Oberflche und den Fortstzen derselben zurckzuziehen, bis 
diese dicker anschwellen. Nur an den nackten (Amoeba) oder dnn- 
wandigen einzelligen Formen ist es bis jetzt gelungen, noch weitere Theile 
zu unterscheiden: bald 1 2 und in Gromia (Figur auf S. 51) selbst 
8 18 blasse, zhe und mit vielen usserst feinen Blschen (nucleoli) 
erfllte Kgelchen von 0,008 0,010"' Grsse, die man bei andern Amorpho- 
zoen mit dem Namen Kerne belegt hat"; bald 1 2 chte mit nur einem 
Nucleolus versehene Nuclei wie bei Diffiugia , Amoeba (8, 1 B c) ; oft auch 
vergngliche kugelige Leerrume (Vakuolen) oder kontraktile Blasen" in 
einfacher oder grsserer Anzahl, wie bei den Infusorien (daher man die 



Organische Zusammensetzung. 51 

mit dergleichen versehenen Formen auch zuweilen mit den Infusorien 
selbst vereinigt), deren Wimperzellen jedoch gnzlich fehlen. 

Die Schaale besteht aus einer durchsichtigen, hutig-biegsamen orga- 
nischen Grundlage., welche bei den starr-schaaligen Sippen Kalk -Erde 
(sehr selten Kiesel-Erde) aufnimmt, von der sie durch Sure wieder befreit 
und so zur Anschauung gebracht werden kann. Sie zeigt dann alle Form- 
und Relief- Verhltnisse der starren Schaale, alle dieselbe durchziehenden 
Lcken und Poren, ohne jedoch eine Zusammensetzung aus Zellen erkennen 
zu lassen, welche durch jene Erd-Bestandtheile ausgefllt gewesen wren. 

Organe. Nirgends ist im Krper der Wurzelfsser etwas zu entdecken, 
das an ein Organ erinnerte, wenn nicht etwa die vorhin erwhnten 
Kerne bei der Fortpflanzung mitwirken (doch sind es auch dann keine 
bleibenden Werkzeuge). Die Natur der Sarkode , ihre innre und ussre 
Beweglichkeit, ihre Reitzbarkeit, ihre Kontraktilitt und Fhigkeit alle 
Gestalten nach Bedarf anzunehmen, ihre chemische Einwirkung auf 
nhrende Materien, die mit ihr in Berhrung kommen, macht fr diese 
Wesen noch alle Organe entbehrlich, indem sie in jedem ihrer Atome die 
Verrichtungen aller zugleich in allen Theilen des Krpers besorgt. Sie 
nimmt Nahrung ein, zersetzt sie, drngt das Unverdauliche wieder hinaus, 
trgt das Assimilirbare zirkulirend mit sich in alle Gegenden des Leibes, 
selbst bis in die entlegensten Kammern, und bringt abwechselnd alle ihre 
Theile, mithin alle Theile des Krpers, auch an die Oberflche zur Ein- 
athmung des Luft-Gehaltes im Wasser; von aussen aufgenommene Eindrcke 
veranlassen den lebenden Sarkode -Krper sich auszudehnen oder zurck- 
zuziehen und den Ort in zweckgemsser Weise zu wechseln, wie jedes 
abgerissene Stck desselben schon etwa zur Fortpflanzung gengt. 

Schaale. Der Krper der Wurzelfsser kann ganz nackt (Athalarrd 
S.45; 8, 1), oder er kann in eine einkammerige und gewhnlich hutige 
Schaale von unregelmssiger Linsen-Gestalt, wie hei 
Aredia ; r von Kugel- bis zur Retorten-Form mit end- 
stndiger Mndung eingeschlossen sein, wie Das bei 
Gromla und allen anderen Arten der Monothalamia 
des Ssswassers der Fall ist, unter welchen nur 
Vifugia eine krnige Kiesel-Masse mit in diese Haut 
ausscheidet und damit oft noch fremde Kiesel-Krper- 
chen an deren Oberflche fest-kittet. In allen anderen 
Fllen, bei allen Meeres-Bewohnern ist die Schaale 
kalkig (in 23 Fllen kieselig), vielkammerig (10- 
bis 12mal 1, sonst aber 10100 und mehr Kammern 
zhlend) und oft durch und durch pors (5 u. a.). 
Alle Kammern sind mit einer, endstndigen, entweder 
kleinen einlachen (6, 3-12, 14) oder zusammengesetzten 
(5, 1; 6, 13; 8, 2) ffnung oder Mndung versehen, 
durch welche das Thier einen Theil seines Krpers SSSSSS&S^ 
in. Form von Pseudopodien oder Wechseltssen her- u. 2 durchscheinend. Kernen. 




Aredia. 




4 



* 



52 Wurzelfiisser. 

vorschieben kann, um sich von der Stelle zu bewegen, Nahrung auf- 
zunehmen und nach einiger Zeit eine neue meistens hnliche Kammer 
anzubauen. Die erste Kammer oder Keim -Zelle (Nucleus) ist mehr und 
weniger kugelig und gross (6, 3, 7; 7, 1 B D, 3 b; 8, 4x, 6x); die 
folgenden sind kleiner, meistens langsam wieder an Grsse zunehmend 
und gewhnlich von einer gleichartigen bei jeder Spezies eigenthmlichen 
Form. Bei manchen Sippen sind sie durch innre Vorsprnge und Queer- 
oder Lngs-Wnde unvollkommen oder vollkommen in Zellen (8, 8 c) 
unterabgetheilt, welche eben so wie die Kammern unter sich ineinander- 
mnden. Die End-ffnungen oder an der End-Wand stehenden Mndungen 
der Kannnern bestehen entweder in einem einfachen nur wenig Raum 
einnehmenden Loche von runder, ovaler, Halbmond-, Kreutz-, Spalt- u. a. 
Form (6), oder in einer grsseren Anzahl in Reihen geordneter oder 
zerstreut stehender feiner Poren (5, 1 ; 6,2; 13 b; 16 c). Jede solche End- 
Wand wird daher in der Regel spter zur Scheidewand zwischen zwei 
aufeinanderfolgenden Kammern und die Mndung zur Verbindungs-( )ffnung 
zwischen denselben. Auch wo man diese nicht sieht, kann man daher 
aus jener auf ihre Beschaffenheit schliessen, wie die Lage der Scheide- 
wnde im Innern durch mehr und weniger auffllige Einschnrungen und 
vertiefte Linien der Oberflche sich zu verrathen pflegt. Im brigen ist 
die Oberflche glatt oder warzig, hckerig, grubig, oft mit Strahlen, 
Leistchen, Kmmen u. dgl. verziert, in welchen zuweilen besondre Poren- 
Gruppen ausmnden. 

Hinsichtlich der Aneinanderreihung der Kammern und der Zusammen- 
setzung und Wachsthums- Richtung der ganzen Schaalen- Rhre der viel- 
kammerigen Rhizopoden (Polythalamia) ergeben sich folgende Verschieden- 
heiten. Eine Kammer setzt sich an die andre ohne bestimmte Ordnung 
(Anomostegia; 6, 17), oder nach einer sicheren Regel an, entweder in 
einfacher gerader und wenig gebogener (SHchostegia d'O. ; 6, 14,15), oder 
in spiral um eine Achse gewundener Linie (Ilelicostegia ; 6, 6- 12 u. a.). 
Alle Windungen der Spirale knnen wie die einer Uhrfeder in einer Ebene 
liegen (6, 10 12) und so einen an beiden Polar-Seiten der Achse gleich- 
gestalteten Krper bilden, indem sie entweder eine flach zusammengedrckte 
regelmssige Scheibe, oder eine bikonvexe Linse ( Nautiloidea), oder eine 
Spindel (Rhapkidostegia; 8, 2) darstellen, um deren krzere oder lngere 
(eingebildete) Achse sich die gekammerte Rhre aufwickelt; oder die 
Umgnge winden sich wie die einer Schraube lngs der Achse auf und 
bilden Schnecken-, Kegel- und Thurm-frmige Gehuse, wo die 2 den 
Polen der Achse entsprechenden Seiten keine hnlichkeit der Form mehr 
besitzen (Helicostegia Turbinoidea; 6, 5, 7). Nach der Grsse und Lage 
der Kammern in diesen Umgngen entstehen nun weitere Verschieden- 
heiten. Entweder sind dieselben auch usserlich durch mehr und weniger 
starke Einschnrungen von einander getrennt, oder dicht an einander 
gedrngt. Entweder liegt jeder spter gebildete Umgang eines Gewindes 
nur einfach auf dem Rcken des nchst vorhergehenden, so dass man 



Organische Zusammensetzung. 53 

das vollstndige Gewinde von beiden Seiten her sehen kann ; oder der 
nachfolgende umsohliesst seinen Vorgnger theilweise, oder endlich Dies 
geschieht so vollstndig, dass jeder ber die vorigen hinweg bis zu den 
Polen der Achse des Gewindes reicht und mithin immer nur der letzte 
Umgang sichtbar bleibt; man nennt die Kammern dann reitende, da sie 
auf dem Rcken des vorigen Umgangs sitzend denselben mit 2 herab- 
hngenden Schenkeln umfassen (6, 11; 8, 4, f.). Dieses Umfassen kann 
sich jedoch auch bloss auf eine Seite beschrnken; das Gewinde verbirgt 
sich hier, whrend es auf der anderen Seite mehr und weniger vollstndig 
sichtbar bleibt (6, 8), zuweilen sogar bei sonst ganz gleichseitiger Scheiben- 
Form des Gehuses. Gewhnlich enthlt jede Windung eine grssere 
Anzahl und zuweilen bis 20 und mehr Kammern (6). In manchen Sippen 
sind deren aber regelmssig nur 2 3; dann kommen die ersten, die 
zweiten, die dritten Kammern aller Umgnge in je einer gemeinsamen 
Reihe auf zwei (6, 5 ; 8, 3) oder auf drei (6, 4) Seiten der Achse des 
Schrauben-Gewindes zu liegen, und diese Reihen treten oft deutlicher als 
die Spiral-Reihen hervor, weil die Kammern nicht gedrngt und daher 
auch aussen deutlich von einander unterschieden zu sein pflegen. Da 
aber auch die spirale Verkettung dabei fortdauert, so muss die erste 
Kammer der zweiten Reihe etwas hher als die der ersten liegen u. Si w., 
daher denn alle Kammern der 2 3 Reihen wechselstndig zu einander 
sind (Wechsel-kammerige Enallostegia d'Orbigny's). 

Whrend sich diese Formen-Reihe einfach auseinander entwickelt, 
folgt eine andre einem etwas abweichenden Entwicklungs - Plane; man 
knnte sie darnach Knuel-fcherige nennen. Auch hier bildet die Kammer- 
Rhre Windungen, und nehmen die Kammern immer genau die halbe 
Lnge einer Windung ein; diese Windungen setzen aber weder eine 
Uhrfeder-, noch eine Schrauben-Spirale zusammen, sondern wickeln sich 
wie der Faden eines Zwirn-Knuels auf, indem alle (statt queer um die 
Achse) von verschiedenen Seiten her ber die zwei Pole einer (einge- 
bildeten) Achse laufen, so dass die End-Mndung der meridianalen Kam- 
mern abwechselnd auf den einen und auf den andern Pol zu liegen 
kommt (6, 2, 3; 8, 7). Dabei lagern sich jedoch diese Halbumgnge 
nickt von allen mglichen, sondern bestimmt nur von 2, 3, 4, 5 6 Seiten 
her schichtweise ber einander (worauf sich d'Orbigny's Name Agathi- 
stegia bezieht). 

An einem ganz oder nahezu regelmssig scheibenfrmigen Gehuse 
der Heiko stegia kann eine zweite Kammer die erste an einer Seite wenig 
berhren, oder sie in \'?, x, s -i ihres Umkreises Bogen-frmig einschliessen, 
die dritte, vierte, zehnte, zwanzigste knnen sich noch weiter ausdehnen 
und frher oder spter alle vorangehenden auf 2 /3, 3 /4, 4 /s> oder endlich 
auf ihrem ganzen Umkreise umfassen, worauf alle folgenden Kammern in 
Form vollstndiger Reife sich um die frheren legen werden ((, 15; 7, 2 
und deren Erklrung). Man hat Dies das cyclische Wachsthum genannt. 
Die anfangs lndliche Keim-Zelle rckt dann immer weiter nach innen, 



54 Wurzelftisser. 

und aus dem excentrischen wird endlich ein subcentraler Nucleus. Die ersten 
noch nicht ringfrmig geschlossenen Kammern konnten dabei eben sowohl 
in einer geraden Richtung aneinandergereihet sein (6, 15), als einer Spiralen 
Linie folgen; es kann also auf diese Weise ein anfangs geradliniges 
Wachsthum eben sowohl als ein spirales in das cyclische bergehen ; doch 
ist nur der letzte Fall in seiner Vollendung (7, 2) nachgewiesen, viel- 
leicht nur, weil in einigen anderen Fllen dieser bergang allzu rasch 
erfolgt. Im ersten Falle wrde die End-Wand der cyclischen Kammern 
von Anfang her in der Peripherie der Schaale liegen (wie Das bei Pavo- 
nina [6, 13] schon angedeutet, bei Cyclolina d'O. (6, 16) vielleicht durch- 
gefhrt ist); im zweiten muss die anfangs in radialer Richtung sich 
ber die ersten Umgnge hoch erhebende, aber immer schon etwas 
nach hinten bergeneigte End-Wand der Kammern (vgl. Opemdina) all- 
mhlich ganz in eine Tangenten-Lage bergehen , um sich nach 2 ent- 
gegengesetzten Seiten hin ber den Rcken des letzten Umganges aus- 
zudehnen, bis sie diesen endlich vllig umschliesst und selbst die ganze 
Peripherie der Schaale bildet (Cyclosteyia d'Orbigny's); 7, 1,2,3. 

Unvollkommene Lngs- oder Queer-Wnde im Innern der Kammern 
kommen zwar bei ganz verschieden gebildeten Rhizopoden-Gehusen vor 
(8,4); solche aber, welche in regelmssiger Weise die Kammern vollstndig 
in Zellen unterabtheilen , vielleicht nur bei Fabularia unter den Agathiste- 
giern 6, 2, bei Borelis unter den Rhaphidostegiern 8, 2 und hauptschlich 
bei den eben erwhnten Cyclostegiern. Es sind die Entomostegia d'Or- 
bigny's oder Poly Somalia Ehrenberg's. Die Hhe der Kammer hat bei 
den Cyclostegiern anfangs keine Unterabtheilung und stellt mithin nur 
eine Zelle fr sich dar; je hher dieselbe aber bei weiterem Fortwachsen 
wird, desto mehr waagrechte Zwischenwnde treten in der Kammer auf, 
so dass in dieser allmhlich 2, 3, 5, 7, 10 100 und mehr Unterabthei- 
lungen oder Zellen ber einander zu liegen kommen. Da aber die End- 
Wand und somit die End-Kammer durch immer strkere Rckwrtsneigung 
endlich aus der radialen in die tangentiale Lage bergeht und hiedurch 
eben noch viel schneller zuwachsen muss, so nehmen diese radialen Zellen- 
Reihen allmhlich einen immer grsseren Theil des Umfangs und endlich 
die ganze Peripherie ein: 7, 2. 

Sobald die Kammern sich in mehre getrennte Zellen theilen (aber 
auch zuweilen ausserdem), entstehen statt einer einfachen Mndung in der 
letzten Kammer- Wand deren wenigstens so viele, als Zellen in der Kam- 
mer sind, weil diese unter sich nicht unmittelbar zusammen zu hngen 
pflegen (6, 2; 8 und deren Erklrung); sie erscheinen aber dann kleiner, 
gewhnlich auch zahlreicher, als die Zellen wirklich sind, in Form von 
grossen Poren, anfangs auf der radialen End-Wand der Kammer, endlich 
in Folge ihrer cyclischen Bildung auf dem kreisfrmigen Umfange des 
scheibenfrmigen Gehuses. In manchen Fllen aber kommuniziren auch 
die in einem solchen Kreise neben einander gelegenen Zellen unter sich 
durch 1 2 besondre Kanlchen. Die Zellen zweier einander umschlies- 



Organische Zusammensetzung. 55 

sender Zellen-Kreise pflegen abwechselnd zu einander zu stehen, obwohl 
nur in unregelmssiger Weise, weil sich immer neue einschalten in dem 
Maasse, als die spteren Kreise grsser werden als die frheren, aber 
die Zellen alle doch von gleicher Grsse sind. Es kommen nun folgende 
Verbindungs-Weisen der Zellen vor. 1) Feine ffnungen oder Rhrchen 
(eine Sarkode-Schnur enthaltend) gehen in spiraler oder cyclischer Rich- 
tung von Kammer zu Kammer oder von Zelle zu Zelle, indem sie nur 
die Zwischenwand durchsetzen, welche 2 Nachbarn trennt. 2) Feine ein- 
zelne oder paarige Kanlchen gehen von jeder Zelle eines Kreises zu den 
zwei ihr benachbartesten im nchst-folgenden ; oder sie gehen von der 
cyclischen Schnur zwischen 2 Zellen eines Kreises aus durch die radi- 
ale Scheidewand, worin diese liegt, zu den nchsten Zellen des Nachbar- 
Kreises (7, 1). Ausserdem aber und ausser den Poren-Rhrchen, woraus 
in vielen Sippen die ganze porse Sehaale von der innern Hhle bis zur 
ussern Oberflche zusammengesetzt ist (5, 2), gehen von den radialen 
oder cyclischen oder beiderlei Scheidewnden aus oft auch noch etwas 
grssere Rhrchen ebenfalls zur Oberflche am Umkreise der Schaale, 
wo sich ein neuer Zellen-Kreis bildet. So steht in gewissen Sippen jede 
Zelle durch 6 10 Rhrchen mit vieren ihrer Nachbarn unten und oben, 
vorn und hinten, und oft durch noch andre in den Scheidewnden ver- 
laufende mit der Oberflche im Zusammenhange (s. die Erklrung von 
Taf. 7). 

Es ist bis daher angenommen worden, dass in der Breite eines Um- 
ganges berall nur eine Zelle liege; aber auch Diess ist fr keine der er- 
whnten 3 Entomostegier-Gruppen gengend. Bei Fabularia liegen Rhrchen- 
frmige Zellen in jedem Halbumgange ber und neben einander (6, 2). Bei 
der Spindel-frmigen Borelis, wo 8 12 Kammer-Lngen auf einen Umgang 
kommen, zieht in jeder Kammer eine meridianale Sarkode-Schnur von 
Pol zu Pol und steht mit vielen nebeneinander-liegender Zellen (8, 2) in 
Verbindung, ber welchen noch andere kleinre in der Dicke der Schaale 
selbst vorkommen. Auch bei den meisten Cyclostegiern liegen mehre Zellen- 
Schichten" neben einander in jeder Kammer (7, 1 3). Die grsste Manch- 
faltigkeit in dieser Beziehung herrscht bei Ovbitulites, wo in der Jugend 
bei noch spiralem Wachsthum nur eine Zellen-Schicht vorhanden ist und 
auch zuweilen nach Eintritt des cyclischen sich noch erhlt (Form wie 
bei Sorites Ehrb. , der aber keine cyclischen Kanle hat); frher oder 
spter legen sich deren zwei von gleicher Beschaffenheit neben einander, 
wobei dann nicht nur die Zellen eines Kreises und successiver Kreise, 
sondern auch in hnlicher Weise die der 2 Schichten mit einander kom- 
muniziren (Form von Amphisorus Ehrb.); ja es knnen zwischen diesen 
beiden allmhlich noch mehr (1, 3 5) solcher Schichten, gewhnlich mit 
etwas kleineren Zellen auftreten (= Marginipora QG.), theils in Folge von 
Alters-Verschiedenheit und theils von individueller Abnderung. 

Im brigen sieht man auch die Bildungs-Weise der Helicostegier in 
die der Stichostegier oder Enallostegier u. s. w. an einem und demselben 



5 Wurzelfsser. 

Individuum in Folge des Alters bergehen und sogar gerad-achsige Enallo- 
stegier mit einer Spiral-Windung des wechselreihigen Gehuses beginnen 
(8, 3). 

Eine porse Beschaffenheit der Polythalamien-Schaale und ein Aus- 
mnden von Stolonen-Kanlchen, welche von den innersten Umgngen her 
durch die radialen Scheidewnde zur seitlichen Oberflche gelangen, mag 
noch nicht berall erkannt sein, wo Solches existirt; aber Beides scheint 
um so mehr eine Notwendigkeit zu werden, je mehr einestheils die 
Mndung der End-Wand sich selbst in Poren auflst und anderntheils die 
inneren Umgnge vollstndiger von den usseren eingeschlossen werden. 
Der in den ersten Windungen der Schaale enthaltene Theil des Thieres 
unterhlt auf diese Weise einen Verkehr mit der Aussenwelt entweder 
direkt durch die Kanlchen der Kammer-Scheidewnde, welche brigens 
auch mit allen Kammern der usseren Umgnge zu kommuniziren pflegen, 
oder indirekt durch die 0,0003 0,001 '" weiten Poren der Schaale, welche 
von Windung zu Windung durchgehen; und beide Wege sind viel krzer 
als der, welcher lngs der ganzen Kammer-Reihe des Gewindes durch die 
Mndungen smmtlicher Zwischenwnde der Kammern bis endlich durch 
den der End-Wand fhrt. 

Ausserdem gibt es endlich noch feine stige Gefss-Verzweigungen, 
welche lngs der Seh aalen- Wnde in deren Dicke verlaufen und zur Bil- 
dung und Ernhrung der Schaale mitzuwirken bestimmt scheinen, aber 
nur erst in etwa einem Dutzend Sippen verschiedener Gruppen wahr- 
genommen werden konnten (7, 3; 8, 5 c f, 6 d e f , 7 d d). 

Man hat also an Kammer- und Zellen-Verbindungen im Ganzen zu 
unterscheiden: 1) Die spirale (oder cyclische) Verbindung benachbarter 
Zellen eines Umganges durch die einfache Hauptmndung in der End- 
Wand jeder Kammer, welche jedoch oft bei einfachen Kammern sowohl, 
als wo diese in Zellen unterabgetheilt sind, durch mehrfache oder viele 
Poren-Mndungen in derselben Wand ersetzt ist; sie wird unrichtig oft 
Siphon genannt , stellt aber keine zusammenhngende Rhre dar. 2) Die 
feinen und gleichartigen Rhrchen, welche die ganze Dicke der seitlichen 
Schaalen- Wnde durchsetzen, und die innen eingeschlossenen Kammern 
durch die usseren hindurch berall (bei sitzenden Kammern) oder an 
der Stelle der Scheidewnde allein (bei reitenden Kammern) mit der Ober- 
flche in Verbindung bringen. 3) Die 1 3 zhligen Verbindungs-Rhrc-hen, 
durch welche Kammern oder Zellen eines Umgangs und Kreises oder 
einer Schicht mit denen des benachbarten oder erst des alternirenden 
Kreises (in diesem Falle durch die radialen Kammer- Wnde hindurch) und 
der benachbarten Schichten in Verbindung treten. 4) stige kapillre 
Schaalen-Gefsse", welche in der Dicke der radialen und Spiralen oder 
cyclischen Kammer- Wnde selbst verlaufen und in diesen oft ganze Netze 
bilden. Alle diese manchfaltigen Verbindung -Weisen findet man als 
Hohlrume neben einander dargestellt nach Carpenter in einem Stck 
Schaale von Cycloypeus (7, 3abc). Ausserdem pflegt man sie am 



Chemische Zusammensetzung. Lebens-Thtigkeit und Entwickelungs-Geschichte. 57 

deutlichsten ausgedrckt zu rinden in Form von kieseligen Stein-Kernen 
der fossilen Polythalamien gewisser Lagersttten, von welchen eine Reihe 
in 8, 2 7 abgebildet ist. 



III. Chemische Zusammensetzung. 

Die Sarkode des Rhizopoden- Krpers gilt fr einen Protein -artigen 
Stoff. 

Die hutige Schaale der Gromien und Verwandten ist so wie die 
organische Grundlage der kalkigen Schaalen Chitin-artig, widersteht jedoch 
der Auflsung in konzentrirter Salpeter-, in Salz- und Chrom -Sure (in 
welchen Chitin zerfliessen wrde), aber nicht der in Schwefel-Sure. Das 
in ihr sich ablagernde Kalk-Salz ist kohlensaure mit etwas phosphorsaurer 
verbundene Kalkerde, deren Menge in keinem festen Verhltnisse zur 
organischen Grundlage zu stehen scheint. 

Bei Difflugia, Polymorphina silicea und Nonionina silicea tritt Kiesel- 
erde an die Stelle der kohlensauren Kalkerde, welche in allen brigen 
zahlreichen Arten dieser zwei letzten Sippen die Schaale, wie gewhn- 
lich, bildet. 

In mehrern Fllen, und so namentlich bei Difugia, kittet die ent- 
stehende Schaale fremde Krper, Sandkrnchen, Naviculae u. dgl. an ihrer 
Oberflche fest und heftet sich selbst, wenn diese gross sind, unbeweg- 
lich daran. 

Die zwischen Thier und Schaale lose gelegene Haut scheint mehr 
mit der organischen Grundlage der letzten bereinzustimmen, da ihr eine 
ausserordentliche Dauerhaftigkeit eigen ist. 



IV, V. Lebens -Thtigkeit und Entwickelungs-Geschichte. 

Geburt. Gervais und Schultze haben ein Lebendiggebren wenigstens 
bei den Milioliden beobachtet. Man sah aus Triloculina in kurzer Zeit 
je 40 100 kleine runde scharf begrenzte Krperchen hervorkommen und 
sich in kleiner Entfernung um das Mutter -Thier festsetzen. Bei etwa 
3O0facher Vergrsserung unterschied man an ihnen eine kalkige Kugel- 
frmige Anfangs -Zelle einfach wie bei Gromia und Vifugia (Gervais) 
oder noch mit einer Halbkrcis-frmig sie umgebenden Rhre, im Ganzen 
von 0,027'" Durchmesser (Schultze). Bald streckten sie auch ihre Pseudo- 
podien aus der Mndung hervor, doch in geringerer Anzahl als die alten. 
Ihr in ganz durchsichtiger Schaale eingeschlossener Krper bestand aus 
der gewhnlichen feinkrnigen Grundmasse, nur mit einigen grssern Pro- 
tein-Moleklen und Fett -Krnchen. Mglicher Weise knnte aber in 
manchen Sippen diesem beschaalten noch ein nackter Amben -artiger 
Zustand bei der Geburt vorausgehen. 



5g Wurzelfsser. 

Wachsthum. Weiter hat man die Entwicklung der Rbizopoden un- 
mittelbar zu verfolgen noch wenig Gelegenheit gehabt. Was die Verglei- 
chung der Schaalen einer Art auf verchiedenen Alters -Stufen miteinander 
in dieser Beziehung schliessen lsst, ist grsstenteils bereits angedeutet 
worden. Das Wesentliche ist, dass, whrend die nackten Rhizopoden 
nur einfach an Grsse zuzunehmen scheinen, bei den mit einzelliger hu- 
tiger Schaale versehenen {Gromia, Lagynis) auch diese letzte einer fort- 
whrenden gleichen Ausdehnung fhig ist, wie das Thier an Grsse zu- 
nimmt. Auch die in starrer Kalk- Schaale ganz eingeschlossenen Formen 
setzen die Kalk -Masse doch nur langsam und allmhlich in deren orga- 
nische Grundlage ab, whrend sich diese noch ausdehnt, und eine Er- 
weiterung der Kammern kann sogar noch stattfinden, nachdem die Schaale 
bereits ganz fest geworden ist, wie man insbesondere an Omdina und 
Orbulina erkennt, welche eine harte einkammerige Kalk -Schaale auf allen 
Stufen ihres Wachsthums zeigen , was nur durch eine bestndige Resorption 
derselben an der innern und ein neues Anlagern an der ussern Seite 
denkbar ist. Die Arten mit sich umschliessenden Kammern und Umgn- 
gen des Gewindes aber knnen den nthigen Raum fr ihren zuwachsen- 
den Krper nur dadurch gewinnen, dass sie von Zeit zu Zeit noch eine 
neue und gewhnlich etwas grssere Kammer an die bereits vorhandenen 
und im Zusammenhange mit denselben anbauen. Diese erscheint dann 
zuerst als ein Wulst um die Mndung oder die Mndungen der bisherigen 
End-Wand der Schaale und dehnt sich von hier weiter aus. Von der 
Vollendung einer Kammer bis zu der der andern scheinen Wochen und 
mithin bis zur Ausbildung einer ganzen Schaale Monate und vielleicht 
Jahre zu vergehen, da manche derselben aus einigen Dutzend und selbst 
Hundert Kammern bestehen. Whrend nun so die Schaale Absatz-weise 
wchst und der im Innern enthaltene Krper mit jeder neuen Kammer 
um einen dieser Kammer entsprechenden Lappen zunimmt, wird an letz- 
ten keinesweges ein neuer Theil hinzugefgt, sondern die halb-flssigen 
Bestandteile des bereits vorhandenen Krpers quellen oder fliessen durch 
die ein- oder mehr-fache ffnung der vorletzten Kammer -Wand in die 
neue Kammer ber. Die zwischen Krper und Schaale gelegene farbige 
Haut muss sich der Schaale gleich verhalten , weil da, wo diese pors ist, 
ihre Poren auf die der Haut passen mssen; auch ist diese Haut in der 
letzten neu -gebildeten Kammer gewhnlich noch gar nicht zu entdecken, 
obwohl der Krper bereits dahin bergequollen ist. 

Individualitt. Aus dieser Wachsthums - Art des weichen Thieres er- 
giebt sich, dass hier, trotz den Vorgngen in der starren Schaale, nicht 
etwa von einer Bildung neuer Sprossen aus dem alten Krper die Rede 
sein knne; dass eine Rhizopoden -Schaale mithin nicht eine ganze Thier- 
Kolonie, sondern wirklich nur ein Individuum enthalte, woran alle Lap- 
pen und andre Theile gleich alt und gleich neu sind. Sie verhalten sich 
umgekehrt wie die Wellen des Meeres, deren Form sich ber seine 
Oberflche fortwlzt, whrend die Masse des Wassers zurckbleibt; 



Lebens -Thtigkeit und Entwickelungs - Geschichte. 59 

hier dagegen entstehen neue den neuen Kammern entsprechende Sarkode- 
Lappen, deren Inhalt ihnen mit den altern gemeinsam ist. Und nicht 
anders verhlt es sich bei denjenigen Rhizopoden- Formen, deren Kam- 
mern sich in Zellen unterabtheilen , welche doch alle durch Kanlchen 
zusammenhngen, durch welche die Masse des Krpers sich bewegen 
oder ihre homogene Mischung doch ungehindert von Atom zu Atom aus- 
gleichen kann. Nur bei einigen Polystomella- Arten (P.strigillata z.B.) 
erscheinen nach Schultze's Untersuchungen nach chemischer Auflsung 
der Schaale die weichen Ausfllungen der verschiedenen Kammern gnz- 
lich ohne Zusammenhang mit einander , als ob sie smmtlich von einander 
abgeschlossene, unabhngig von einander nur durch die Poren sich nh- 
rende Individuen wren, wozu noch kommt, dass auch die vom zackigen 
End- Rande herrhrende Reihe etwas grssrer Offnungen zu beiden Seiten 
jeder Kammer hchstens nur an einigen (2 3) der zuletzt entstandnen 
Kammern offen bleiben. Indessen kann fr diese Flle natrlich eine ab- 
weichende Erklrung um so weniger geltend gemacht werden, als der 
belebte Inhalt der Kammern innerlich eingeschlossener Umgnge mit der 
Aussenwelt in keiner andern unmittelbaren Verbindung steht, als durch 
die Kanlchen, Avelche von jenen durch die Scheidewnde darber lie- 
gender Umgnge zur usseren Oberflche gelangen; daher seine Ernh- 
rung von den Mittheilungen abzuhngen scheint, welche der Inhalt der 
usseren Kammern ihm durch die zahlreichen Poren zusendet, die sowohl 
in der die verschiedenen Umgnge trennenden Schaale als in den die 
aufeinander folgenden Kammern sondernden Scheidewnde vorhanden sind, 
wenngleich durch sie hindurchgehende bleibende Brcken der Krper- 
Masse nicht aufgefunden werden konnten. Denn diese Brcken knnen 
sich im Leben des Thieres gleich den vernderlichen Pseudopodien doch 
herstellen, so oft und viel es nthig ist*). 

Bewegung und Empfindung. Einige Wurzelfsser sind mit der Unter- 
seite ihrer Schaale festgewachsen, so dass deren Form dadurch entstellt 
wird. Andre sind mit einem dicken und oft ziemlich langen Sarkode- 
Stiel versehen, der vielleicht durch Zusammenfliessen vieler Scheinfsse 
entstanden ist, so dass sich diese Thierchen nur sehr langsam von ihrer 
Unterlage losmachen und, wenn berhaupt, den Ort wechseln knnen 
(Rosalia, Planorbulina etc.); ja Macdonald hat in der Sdsee dieses Ver- 
mgen nie beobachten knnen. Noch andre endlich und wohl die meisten 
haben die Fhigkeit der Lokomotion mit Hilfe hervortretender Sarkode- 



*) Auerbach vertheidigt auch neuerlich wieder die Ansicht , dass wenigstens die Amben 
(u. a. nackte Rhizopodenr) einzellige Thierchen seien, aus Sarkode und einer Struktur -losen 
vollkommen elastischen Membran mit Nueleus und Nucleolus (Arcella mit mehrfachem Nucleus) 
bestehend. Grnde dafr sind die Anwesenheit dieser Kerne , die oft sichtbaren doppelten 
Pontouren und die Schwierigkeit , manche Erscheinungen ohne solche Annahme zu erklren. 
Dagegn erheben sich andre Schwierigkeiten fr die Erklrung der Erscheinungen gerade in 
Folge dieser Annahme, und lsst sich einwenden, dass die (sareoide) Ursubstanz berhaupt noch 
nicht geformt sei. 



O Wurzelfsser. 

Fden. Die Bewegung des Rhizopoden- Krpers ist eine mehrfache, 
doch immer auf seiner Halbfissigkeit und der Verschiebbarkeit aller sei- 
ner Theile aneinander beruhend. Zunchst knnen diese in seinem 
Innern ihre Stellen gegenseitig austauschen. Die nackten Amben u. s. w. 
vermgen einen grsseren oder geringeren Theil ihrer flssigen Krper- 
Masse an jeder beliebigen Stelle oder an vielen Stellen zugleich ber de- 
ren bisherige Oberflche in Form von Fingern, Lappen und Platten-f rmigen 
Fortstzen (als sogenannte Pseudopodien) langsam hinauszutreiben 
(S. 45; 5,2, und 8, Iae) und so jeden Augenblick wechselnd die 
manchfaltigsten Formen anzunehmen, weshalb ihnen 0. Fr. Mller den 
Namen Proteus gegeben hatte. Sie knnen endlich diese Fortstze einzeln 
oder bschelweise vereinigt alle bis zum Zehnfachen ihres eignen Durch- 
messers verlngern, indem sie solche bis zur feinsten Faden- oder Haar- 
Form verdnnen, so dass sie oft erst bei 400maliger Vergrsserung deut- 
lich sichtbar werden. Diese Fden sind theils unter sich parallel, theils 
in schiefer Richtung bereinander gekreutzt, alle ganz geradlinig, einfach 
oder stig, die Aste gewhnlich unter spitzem und nur bei wenigen Arten 
zuweilen unter rechtem oder stumpfem Winkel abgehend. Da wo zwei 
Sarkode -Fden eines Individuums zusammentreffen, verfliessen sie mitein- 
ander, obwohl sie sich wieder zu trennen vermgen; in Folge solcher 
Trennungen spannen sich jedoch oft feine Fden oder breite Platten von 
Sarkode in den Zwischenrumen zwischen denselben aus. (vgl. 5, 2.) 
Von der geradlinigen Richtung scheinen sie gewhnlich nur dann abzu- 
weichen, wenn sie zuerst auswrts irgend einen neuen Sttzpunkt an sich 
selbst wechselseitig oder an fremden Krpern gefunden haben ; doch sieht 
man sie zuweilen auch sich spiral einrollen und wieder ausstrecken. 
Dieser Vorgang lsst nach Schultze nicht erkennen, dass eine Haut oder 
ein Epithelium irgendwo vorhanden ist, obwohl der zusammengezogene 
Amben -Krper nach Auerbach mitunter doppelte Contouren zeigt, die 
auf solche hinzudeuten scheinen (8, 1 ab). Zerdrckt man aber die Schaale 
einer Miliole vorsichtig, so fliessen alle Ausfllungen der verschiedenen 
Kammern in eine gemeinsame Masse zusammen. Die vollstndige Ausbrei- 
tung der Fden kann Stunden erfordern, die Zurckziehung rasch erfolgen. 
Ausser dieser langsam fliessenden Masse -Bewegung ist aber noch 
eine andre viel schnellere Strmung in den Fden wahrnehmbar, in 
deren Folge die feinen in die Sarkode eingebetteten Krnchen vom Kr- 
per aus rasch an einer Seite dieser Fden hinauf und an der Spitze um- 
wendend an der andern ebenso wieder bis in den Krper hinabstrmen, 
wenn ihnen nicht unterwegs eine Strmung aus einem andern Faden be- 
gegnet, der sie aufhlt, ablenkt oder wieder zurck-treibt. Die Krnchen 
gehen mithin ganz ungehindert aus einem Faden ber in den andern, der 
zufllig damit zusammentrifft. Sind die Fden dnner als diese Krper- 
chen, so sieht man sie dennoch in gleicher Art, aber ganz ber deren 
Oberflche vorragend, sich daran fortbewegen. Die Ausstreckung jener 
Scheinfsse (deren bei nackten Arten zuweilen auch nur ein etwas str- 



Lebens -Thtigkeit ufid Entwickelungs- Geschichte. Q\ 

kerer zu sehen ist) hat einen doppelten Zweck, nmlich entweder den 
der Mandukation oder des Ortswechsels. Langen dieselben mit 
ihren Enden auf festem Grunde an , so kleben sie sich dort fest ,- dehnen 
sich aus ; es fliesst immer mehr Masse durch sie nach , und Diess solange, 
bis das ganze Thier sich langsam fliessend oder, wie Perty angibt, 
ziehend oder wlzend an die neue Stelle versetzt hat. Gromien von 
V2 2 Mm. Grsse rcken auf diese Weise in l /-i Stunde nur 1 Mm., 
Miliolen 3 4 Mm., Polymorphinen ber Nacht (denn da zeigten sie sich 
am regsten) 2 3" weit vorwrts. Amben kriechen zuweilen scheiben- 
frmig auf einer Unterlage ausgebreitet vorwrts. Wenigstens die nack- 
ten Sss wasser -Rhizopoden knnen auch schwimmen oder schweben, in 
sofern sie durch Ausdehnung Leerrume im Innern des Krpers hervor- 
bringen und ihn so leichter machen als das Wasser. Je nachdem sie 
Diess berall, oder an der einen oder der andern Seite thun, knnen sie 
dem aufschwebenden Krper einige Richtung und Wendung geben: die 
Form- Vernderung dient zum Ortswechsel. Trifft das Thier aber mit 
seinen Pseudopodien auf einen organischen zu seiner Nahrung geeigneten 
ruhenden Krper, so unterscheidet es Diess ganz wohl, legt solche von 
2 Seiten her an dessen Oberflche an, krmmt sie um dieselben herum, 
umgibt ihn damit immer weiter und dichter, bis derselbe endlich von dem 
ihn heranziehenden oder nachmessenden Thiere umschlossen und vllig 
ins Innere aufgenommen ist. Treffen die Pseudopodien auf ein be- 
wegtes Infusorien- artiges Thierchen ( Paramaecium , Colpoda oder Rota- 
torien u. dergl.), so gengt bei ersten oft schon ihre Berhrung (wie 
die der Nesselorgane der Quallen u. s. w.), um dasselbe bewegungslos 
zu machen. An einem einzelnen Fdchen hngend wird es dann von den 
Rhizopoden mit Sicherheit herangezogen. Ist das Thierchen aber grsser, 
so wird es ebenfalls auf die vorhin beschriebene Weise umflossen und 
ins Innre aufgenommen, oder, wenn die Offnungen der Schaale dafr zu 
fein, doch bis an die Schaale herangezogen. Fr das bezwingende Man- 
dukations- Vermgen bezeichnend ist eine Beobachtung Schultze's, der 
eine Gromia ein Haar so in seiner Mitte erfassen und durch die enge 
Schaalen-Mndung hinein-ziehen sah, dass diese zusammengebogene Mitte 
durch die Achse des Krpers hindurchgehend endlich innen an die hintere 
Wand der Schaale anstiess , whrend die 2 freien Enden des Haares noch 
zur ffnung hervorragten. Carter sah auch eine Ambe sich zusammen- 
ziehen , so oft ein Rder-Thierchen (Diglena) sie zwickte. 

Ernhrung. Die Sarkode hat als solche und ohne in besondre Or- 
gane geformt zu sein, das Vermgen viele organische Materien zu zer- 
setzen und in sich aufzunehmen. Durch dieses Vermgen ist das Thier 
im Stande, dem Kiesel -Panzer der Diatomeen wie dem Cellulose-Schlauch 
der Oszillatorien ihren auflslicheren Gehalt an Fett, Protein -Substanz 
und oft auch Farbestoff zu entziehen, welchen es dann durch die bestn- 
dig fliessenden Bewegungen der Sarkode in allen Theilen des Krpers 
als Nhrstoff verbreitet. Zuletzt stsst es die entleerten nicht assimilir- 



2 Wurzelfiisser. 

baren Kiesel-, Zellulose- u. a. Reste, die man oft in grosser Menge zu- 
gleich und bereits in verschiedenem Grade entleert im Innern des Rkizo- 
poden- Krpers liegen siebt, als Exkremente wieder aus, indem es von 
denselben abfliesst. Bei den Polythalamien findet man indessen solche 
berreste selten tiefer als bis in die zweit- oder dritt- letzte Kammer 
eingefhrt, was auch bei der Beweglichkeit der ganzen Krper Masse zur 
Ernhrung hinreicht. (Auch bei Noctiluca hat Baddely ber 50 Arten 
Diatomaceen in den beweglichen Vacuolen eingebettet gefunden und be- 
stimmt). Die ganze Oberflche des Thieres und alle Theile seines Innern, 
welche diese Oberflche miteinander abwechselnd bilden, verrichten mithin 
alle Funktionen der Mandukation, der Assimilation und Absorption, der 
Respiration (durch den Einfluss des Luft-haltigen Wassers auf die Ober- 
flche), der Zirkulation und Sekretion, indem diese Krper-Theile bestn- 
dig nach der Nahrung und nach dem Athmungs- Medium zirkuliren, statt 
solche in sich zirkuliren zu machen. Alles an ihnen vertritt Hand, Fuss, 
Taster, Mund, Darm, After und Gefss zugleich. Es ist noch keine Spur 
von Differenzirung der Organe und Funktionen vorhanden. Indessen sah 
Auerbach in Amba 1 2 vergngliche wandlose Vakuolen pulsiren, wie 
sie bei den Infusorien vorkommen und zur Befrderung der Zirkulation 
beitragen. 

Einfluss der Jahres - Zeit. Bei niedriger Winter-Temperatur ziehen sich 
die Thierchen in wrmere Tiefen des Wassers zurck oder heften sich 
unbeweglich irgendwo fest; Zimmer- Wurme erweckt auch im Winter wie- 
der einige Beweglichkeit in ihnen. In heissen Klimaten sind sie daher 
wohl vom AVeehsel der Jahres-Zeit in dieser Hinsicht nur wenig abhngig; 
doch mag er auf ihr Fortpflanzungs - Geschft noch immer von Ein- 
fluss sein. 

Bei Anioeba (A. Ulimbosa) hat Auerbach eine Encystirung im Winter 
beobachtet (8, 1 A- e). Die Thiere zogen ihre Scheinfsse ein, Hessen 
ihre Vakuolen eingehen , schwitzten dann durch ihre Oberflche eine 
schleimige Materie aus, welche allmhlich zu einer kugeligen weniger 
durchsichtigen Kapsel erhrtete, innerhalb welcher jedoch der frhere 
Kern und Nahrungs-Reste noch zu erkennen waren. Aber im Mrz zeigten 
sich allmhlich alle Cysten leer; statt der nun gnzlich verschwundenen 
frheren Amben -Form war eine andre zum Vorschein gekommen, heller, 
ohne Kern und mit nur sparsamen Vakuolen, ausserdem in ihren Innern 
1 4 grssere kugelige bis elliptische Krper enthaltend, jenen sehr hn- 
lich, woraus sich in den Acineten die Schwrm -Sprsslinge entwickeln. 
Der weitre Vorgang konnte in seinem Zusammenhange nicht mehr verfolgt 
werden, die Thierchen starben alle an einer Verfettungs - Krankheit. Auch 
die Noctiluken des Mittelmeers (wenn sie anders zu den Rhizopoden ge- 
hren) sah J. Mller im Herbste alle in einer Glas -hellen sphrischen 
Kapsel encystirt und leuchtend umherschwimmeu , ohne den Vorgang wei- 
ter verfolgen zu knnen. 



Lebens -Tktigkeit und Entwickelungs - Geschichte. (33 

Fortpflanzung. Die Unvollstndigkeit unsrer Kenntnisse ber die 
Fortpflanzungs - Weise der Wurzelfiisser nthigt uns das wenige Bekannte 
mit grosser Vorsieht zu berichten. Es unterliegt keinem Zweifel, dass 
ein abgeschnrtes Stck einer Ambe oder andrer nackter Wurzelfsser 
eine selbststndige Existenz fortzusetzen im Stande sei, mithin eine Ver- 
mehrung durch zufllige oder willkhrliche Theilung stattfinden knne, 
welche letzte seit Roesel fters an Amoeba gesehen, von Peltier aber 
auch an dnnschaaligen Arcellen beobachtet worden ist. 

Colin ist geneigt eine Vermehrung der Arcel/a und Difugia durch 
Conjugation anzunehmen , da er solche (so wie Carter diese und die Am- 
ben und Euglyphen) nicht selten paarweise bei der Schaalen -Mndung 
aneinanderhngen sah, wobei auch eine Verschiedenheit des Inhalts be- 
merkbar wurde und sogar je eine der Difflugia- Schaalen sich fast ganz 
entleerte, whrend die andre einen Kugei-frmig zusammengezogenen 
Krper erkennen Hess; wogegen Schneider sicher zu sein glaubt, dass 
das Zusammenhngen des Fusses von zwei Arcellen, wovon die eine klei- 
ner und mit einer durchsichtigeren Schaale versehen, oder das von 
2, 3 5 Difflugien Folge einer Knospen- Bildung des Fusses sei; der 
ungleiche Zustand der zusammenhngenden Individuen wrde sich dann 
auch erklren. Auch sah Schneider das Thier im Innern der Difflugia- 
Schaale sich in 2 4 ruhende Sporen" theilen und dann die Schaale 
zerfallen. 

Gervais betrachtete Trilocullna sich paarweise zusammenbegebend und 
vereinigend, und da ihm die zwei Einzelwesen eines jeden Paares in Form 
und Weite der Schaale u. dgl. fast immer etwas verschieden erschienen, 
so vermuthete er sich begattende Mnnchen und Weibchen in ihnen, ob- 
wohl er keine Geschlechts - Werkzeuge zu entdecken vermochte. Bald 
nachher gab jedes Weibchen gegen 100 lebende Junge von sich. Eine 
von Schnitze beobachtete Trilocuhna war mehre Wochen lang, von einer 
Schicht braunen mittelst ihrer Pseudopodien festgehaltenen Schlammes um- 
geben, ruhig an einer Stelle gesessen und inzwischen nach allem An- 
scheine nicht mit anderen Individuen in Berhrung gekommen, als sie 
gegen 40 lebendiger Jungen von sich gab. 

Bei Lagynis Balthica sah Schnitze, ohne vorhergegangne Conjuga- 
tion den Krper sich im Hintergrunde der Schaale allmhlich zusammen- 
ziehen zu einem hellen (nicht genauer untersuchbaren) Fleck in der Mitte 
und ohne kenntliche Pseudopodien. Aber eine weitre Vernderung wurde 
nicht wahrgenommen. Doch ist wahrscheinlich, dass die oben erwhn- 
ten hellen Kerne der Stisswasser-Rhizopoden (wie bei den Infusorien) durch 
Theilung zur Vermehrung mitwirken. 

Eine noch andre mit einer Metamorphose verbundene Fortpflanzungs- 
Weise wird vielleicht durch folgende Beobachtung angedeutet. Schultze 
erhielt im Mrz von Triest einen Schlamm mit Rotaliden-Schaalen, welche 
theils bewohnt, theils leer, theils mit Kegungs-losen (und wohl schon ab- 
gestorbenen?) schwarzen Kugeln erfllt waren, deren jede ein Aggregat 



64 Wurzelfsser. 

dunkler und von zher Masse zusammengehaltener Molekle ohne um- 
gebende Haut darstellte. Sie lagen bald in allen Kammern, bald nur in 
den letzten allein, alle nicht grsser, als dass sie durch die ffnung einer 
Kammer-Wand hindurch gehen konnten, daher die in den inneren Kam- 
mern kleiner als die in den usseren. Da wo die Thiere noch lebend 
vorhanden, sah man in ihrem Leibe hnliche schwarze Molekle, aber 
noch nicht in Kugeln zusammengeballt*). Eben solche Kugeln fanden 
sich in den ussern Kammern einer Kiesel- schaaligen Nonionina, jede 
Kugel aus etwas molekularer organischer Substanz und einer glnzenden 
Hlle von Kiesel -Theilchen bestehend; das Mutter -Thier war fast ganz 
aufgezehrt. Diese Beobachtungen scheinen durch eine andre ergnzt zu 
werden, welche Carter in Ostindien an einer Amoeba machte, worin er 
kugelige Krper (die er Ovula" nennt) aus einer glashellen Kapsel und 
einem Licht-brechenden Eiweiss-artigen Inhalte sich entwickeln sah, wel- 
cher endlich in einen Schleim voll feiner Krnchen berging, die sich 
zu bewegen anfingen. Whrend dieses Vorganges, der von April an 
gegen 9 Monate whrte und nicht bis zu Ende beobachtet werden konnte, 
wurde der Amba-Leib immer mehr von seinem sonstigen Inhalte ent- 
leert, bis er endlich nur noch einen zusammengefallenen Eier- Sack" mit 
70 80 Eiern von beschriebener Art darstellte. In Folge fortgesetzter 
Beobachtungen an Amben und einkammerigen Ssswasser-Rhizopoden 
nimmt Carter sogar eine vollstndige geschlechtliche Vermehrung 
nach vorgngiger paarweiser Vereinigung der Individuen an, indem die 
Nuclei" sich in feine Kernchen von Spermatoidien- Natur und oft mit 
einem Faden-Sehwanze auflsten, umherschwrmten und sich einzeln mit 
jenen Ei'chen verbnden, welche dann in dem Grade, als die Verschmel- 
zung beider erfolgte, zu amorphen krneligen Zellen mit einer Vesicula 
und oft mit einer schwingenden Wimper, zu einem Monaden-artigen Wesen 
sich umgestalten. (Vgl. die Infusorien.) 

Diese Beobachtungen ber die Vermehrung der Rhizopoden sind noch 
unvollkommen, und die Vermehrungs- Weisen selbst hier deshalb oft nur 
augedeutet. Ausfhrlicher finden sie sich bei den Infusorien beschrieben, 
mit welchen brigens die Amben am nchsten verwandt sind. 

Noctiluca (4, 5). Gosse hatte bei N. miliaris 3 4 Blschen mit einem 
Nucleus" an den innern Wurzelfden, die er als Gefsse betrachtet, an- 
hngend und auch unter sich und mit dem Munde durch solche Fden in 
Verbindung gefunden, die sich dann zu kugeligen Krpern mit einem un- 
regelmssigen dunkleren Kern in der Mitte entwickelten und darauf langsam 
nach aussen glitten. Daran reihet sich W. Busch's Beobachtung ber 



*) Diese erinnern an hnlich zusammengesetzte , zur Fortpflanzung dienende Kugeln bei 
Infusorien und Uregarinen, wo sie in Folge eines Zerfallens grsserer Elemente des Krpers 
nach, vorgngiger Conjugatin entstehen ; aber sie weichen doch von den anderen ab durch den 
Mangel einer usseren Haut und grssern Widerstand gegen chemische Einwirkungen; ihre et- 
waigen ferneren Vernderungen konnten nicht beobachtet werden 



Klassifikation. 65 

die Metamorphose der Noctilaca an, durch welche deren richtige Stellung 
unter den Rhizopoden noch zweifelhafter wird, als sie bereits gewesen, 
die wir deshalb eben nachtrglich einzuschalten uns begngen, da auch 
Busch's Mittheilungen die Mittel noch nicht bieten, dieser Sippe ander- 
wrts einen zuverlssigeren Platz anzuweisen. Er beobachtete nmlich 
in der Bucht von Malaga eine neue Art, N. punctata (vgl. 4, 5 c-j), in wel- 
cher die gewhnliche Nieren -Form des gallertigen Krpers so wie die 
von dem im Nabel-artigen Einsprang befindlichen Munde [a] an nach aussen 
fortsetzende Geisel d und nach innen ausstrahlenden stigen Wurzelfden 
zu bemerken waren, aber auch noch ein gerade nach innen tretender 
spitzer Stab b erkannt wurde, zuweilen mit einigen rundlichen oder ovalen 
braunen Krperchen , die in andren schon Schlauch-artig leeren Individuen 
derselben Thier-Art sich als weiter fortgeschrittene Keime ergaben, mit 
einem stumpfen Fortsatze nach unten. Solche kamen dann auch wieder 
ganz frei vor, und man sah sie Stufen-weise grsser und grsser werden, 
neben dem Fortsatz der Geisel hervorwachsen, ihn selbst sich zu dem 
spitzen Stab ausbilden , welcher aber nun frei nach aussen statt in den 
Krper hineingerichtet war, und endlich einige Lappen e e an dem Krper 
zum Vorschein kommen, von welchen Busch vermuthet, dass sie sich 
um den sich zurckbiegenden Stab herumschlagen und denselben so ins 
Innere einschliessen wrden (Hb, Jb), denn weiter reichten seine un- 
mittelbaren Beobachtungen nicht. 

Lebens-Dauer. Aus dem oben (S. 64) Mitgetheilten geht hervor, dass 
die natrliche Lebens-Dauer der Rhizopoden wenigstens ein oder einige 
Jahre erreichen muss. Es ist aber auch schon angefhrt, dass die che- 
mischen Elemente derselben zersetzenden Krften beharrlichen Widerstand 
zu leisten vermgen, was diese Thiere zu einer Ausdauer unter Verhlt- 
nissen befhigt, wo viele andre zu Grunde gehen. Dahin gehrt, dass 
sie, Wochen und selbst mehre Monate lang in Gelassen mit nicht erneuer- 
tem oder mit ganz faulem Wasser aufbewahrt und anscheinend lngst abge- 
storben, sich bald wieder erholen, wenn man das Wasser erneuert. Auch 
in sssem Wasser knnen die Meeres -Rhizopoden oft lange Zeit leben, 
obwohl sie darin in der Regel die gewohnte Nahrung nicht finden werden. 
Nur gegen Austrocknung scheinen sie empfindlicher zu sein. 

Zuweilen sieht man diese Thierchen absterben, indem ihr lslicherer 
Inhalt (Kern, einige Krnchen) sich mehr und mehr verliert, wobei sie aus- 
gespannt bleiben oder zusammenfallen. 



VI. Klassifikation, 

Allgemeiner Charakter. Wurzelfsser sind mikroskopische aus Sar- 
kode bestehende, viel-frmige und Form-wechselnde, fest-gewachsene oder 
meistens kriechende Wasser -Thierchen, welche ohne alle Differenzirung 

Bronn, Klassen des Thier- Reichs. I. K 



(36 Wurzelfsser. 

ihrer Masse, ohne Organe, selbst ohne Wimper-Zellen sich nhren, be- 
wegen, empfinden und ungeschlechtlich fortpflanzen, indem jedes ein- 
zelne Masse -Theilchen derselben zu allen diesen Verrichtungen befhigt 
ist. Sie bewegen sich und ergreifen ihre Nahrungs-Stoffe mittelst berall 
beliebig gebildeter und eben so vergnglicher Lappen- oder Faden-frmiger 
Scheinfsschen" und entziehen ihnen die Nahrungs- Flssigkeit in Folge 
blosser Berhrung. Fast alle sind in eine aus zusammenhngenden 
Kammern manchfaltig gebildete Kalk-Schaale eingeschlossen, woraus 
die Scheinfsschen durch die terminale Mndung der End-Kammera oder 
durch zahlreiche Poren der ganzen Aussenwand oder durch beide hervor- 
und wieder zurck-treten. Auch findet ein unausgesetztes Auf- und Ab- 
strmen kleiner Krnchen in der Masse oder an der Oberflche dieser 
Scheinfsschen in wechselnden Richtungen statt. 

Unterabtheilung. Weder die innre Organisation noch die vernder- 
lichen Wechselfsse der Rhizopoden, welche aus der Schaale hervortreten, 
bieten irgend ein Mittel zur Bildung von Sippen, Familien und Ordnungen 
dar. Merkmale fr diesen Zweck knnen daher nur von der Schaale 
entnommen werden, in deren Gesammt - Form , Wachsthums -Weise und 
Zellen-Eintheilung sich eine weit grssre Manchfaltigkeit und Bestndigkeit 
von Charakteren des Thieres abspiegelt, als man aus deren unmittelbarer 
Betrachtung htte erwarten drfen. Nicht minder wichtig wrden sich 
vielleicht die feineren Textur -Verhltnisse der Schaale selbst ausweisen, 
wenn sie erst bei einer grsseren Anzahl von Sippen studirt wren, was 
bei manchen derselben nur unter sehr gnstigen Verhltnissen mglich ist. 
Aber auch von jenen ersten Merkmalen ergibt sich bei nherer Prfung 
alsbald, dass es bis jetzt wenigstens unmglich erscheint, dominirende 
Charaktere zu finden, mit deren Hlfe sich eine fortlaufende und ansteigende 
Aneinanderordnung der Glieder dieser Klasse oder auch nur eine natr- 
liche Gruppirung ihrer Sippen durchfhren Hesse. Alle Modifikationen 
eines Charakters pflegen allen der brigen Charaktere der Reihe nach 
verbunden zu sein. 

Indessen wird man von den nackten und wohl auch noch den ein- 
kammerigen Sippen annehmen drfen, dass sie sich zu den brigen wie 
embryonische Formen zu den reifern verhalten, weil alle in ihrem Beginne 
nackt oder einkammerig Kugel- oder Ei-frmig sind, so dass aus ihnen 
alle Familien hervorgehen knnen, wenn man nmlich voraussetzen 
drfte, dass nackte und besehaalte Wurzelfsser sonst auf gleicher Orga- 
nis ations- Stufe stehen, was hinsichtlich der Amben kaum richtig sein 
wird, da sie sich durch dickre Scheinfsse, Anwesenheit von Kern und 
kontraktiler Blase und Anzeichen von Encystirung den Infusorien mehr 
zu nhern scheinen. 

Die einfache grssre End- Mndung der Schaale scheint eine mehr 
konzentrirte Bildung des Thieres anzudeuten, als eine siebartig durch- 
lcherte End-Wand der Kammern, die sich brigens mit den manchfaltig- 
steu Formen kombinirt findet. 



Klassifikation. (57 

Welchen klassifikatorischen Werth eine porse oder nicht porse Be- 
schaffenheit der Schaale habe, lsst sich noch nicht sagen, zumal die 
Feinheit der Poren in solchem Grade variirt, dass wir noch nicht sieher 
sind, berall von ihrem Vorhandensein oder Mangel genau unterrichtet 
zu sein. Diess gilt insbesondre von den fossilen Arten. . Der wenn auch 
sehr seltene Fall, dass porse und nicht porse Schaalen in einer Sippe 
beisammen vorkommen, msste vor berschtzung des Werthes dieses 
Merkmales warnen. Wir werden nur annehmen drfen, dass eine porse 
Beschaffenheit der Schaale in Verbindung mit die Scheidewnde der innern 
Umgnge durchsetzenden Rhrchen da fast zur Notwendigkeit werde, 
wo jeder ussre Umgang die frheren ganz umschliesst, um spter wieder 
von einem andern eingeschlossen zu werden, und dass sie in diesem Falle 
bei einer Schaale um so weniger zu fehlen scheint, wenn auch deren End- 
Wand von porser Beschaffenheit ist, statt von einer weiteren Mndung 
durchbohrt zu sein. Die Bedeutung der eben so feinen als komplizirten 
Gefss- artigen Verstelungen, die man jetzt schon bei einem Dutzend 
Sippen der verschiedensten Familien lngs der Schaalen -Wnde selbst 
verfolgt hat, ist noch zu unbekannt. 

Zahlen. Die Zahl der bis jetzt bekannten lebenden Wurzelfsser 
betrgt schon wenigstens 1100 Arten in 100 Sippen, wovon indessen erst 
gegen 800 beschrieben sind. Die fossilen mitgerechnet, hebt sich die Zahl 
ber 130 Sippen mit 2400 beschriebene Arten, von welchen ziemlich 
viele lebend und fossil zugleich vorkommen. Dagegen ist die mhsame 
Erforschung dieser mikroskopischen Wesen noch kaum als begonnen zu 
betrachten und kann eine gewiss zehnmal so grosse Zahl als wirklich 
bestehend angenommen werden, da das nrdliche Ende des Adriatischen 
Meeres, welches am sorgfltigsten in dieser Hinsicht erforscht ist, allein 
fast 73 der beschriebenen Arten-Zahl geliefert hat. 

Folgende dichotome Clavis mag wenigstens die mglich -krzeste 
bersicht der bis jetzt angenommenen Sippen, Familien und Ordnungen 
gewhren, welche bei einer systematischen Aufstellung etwas anders an- 
einander gereihet werden mssten. Ob Noctiluca und Pamjiliagus zu dieser 
Klasse gehren, ist noch zweifelhaft. 

Eintheilung in Ordnungen und Familien. 

Krper nackt (Athalamia. 

1 (Anmcbidae. 

Krper von einer Sehaale umgeben. 

. Schaale einkammerig lh <Monol ha! ami a Seht. 

^Monostcgia du. 
. . Windungen an der Schaale nicht vorhanden. 
. . . End -Mndung vorhanden an der hutigen oder erdigen Schaale; fast 

stets ohne Poren ... Lagynidae. 

, . . End -Mndung fehlt*); Schaale kugelig, kalkig und pors ... Orbulinidae. 

. . Windungen: mehre eine Scheiben-frinige Kalk -Schaale bildend ... ... Cornuspiridae. 

. Schaale vielkammerig (ausser Uniloculina), kalkig oder selten kieselig . . m. {poramtaifera d'O* Eb ' 

. . Kammern in regelmssiger Ordnung aneinandergereihet. 

. . . Reihen Knuel-artig ber die Pole gewickelt; Kammern jede = '/a meri- 

dianaler Umgang; nicht pors ~. . . ' . Acjatlilostegia d'O. 

*) Nach Schnitze; d'Orbigny und Ehrenberg geben sie jedoch an, erster in den Foraminif. d 
Vienne, pl. 1, fig. 1. 

5* 



68 



Wurzelfsser. 



. . Kammern und Mndung einfach 

Kammern in Lngs -Kanle unterabgctheilt , die in eine vielporige 
End- Mndung ausgehen - 

. Reihen nicht Knuel-artig um die Pole gewunden. 
. Kammern (alle oder theilweise) "Wechsel-reihig, nicht unterabgetheilt . 

. . . Gehuse (wenigstens Anfangs) Scheiben-frmig 

', . Gehuse in der Richtung der Achse verlngert, gerade und 

.... beiderseits der Achse gleich; paarige Theile vorhanden; 2zeilig . 

. . . . beiderseits der Achse ungleich, ohne paarige Theile ; 2 3zeilig . . 

. . Kammern einreihig. 

. . . die Reihe spiral um die Achse gewunden. 

.... spirales Wachsthum bis zu Ende (oder zuweilen in gerader Reihe 
fortsetzend) 

Kammern leer, nicht in Zellen unterabgctheilt. 

Gehuse Schrauben-spiralig (Kegel- bis Thurm-frmig), das Ge- 
winde nur von einer Seite sichtbar; Mndung einfach; oft 
aufgewachsen 

Kammern ziemlich umfassend; Gehuse Trauben-frmig; Poren 

grob oder keine 

Kammern nicht umfassend ; Gehuse Kugel-f'rmig oder flach, 

glasig, pors 

Gehuse Scheiben-spiralig, (fast) gleichseitig; Gewinde beider- 
seits sichtbar oder verdeckt 

Mndung endstndig, einfach (Sehaale meist glasig, pors), 

oben am Rckenkiel der End-Wand stehend ; Kammern um- 
fassend 

unten an der End-Wand; Kammern nicht immer umfassend 

Mndung durch zahlreiche Poren der End-Wand vertreten, 

getrennt oder zusammenfliessend. 

Schaale einfach oder gar nicht pors; braun 

Schaale fein pors und auf jeder Kammer -Seite noch mit 

einer Reihe Spalt- frmiger ffnungen 

Kammern des Spindei-frmigen bis kugeligen gleichpoligen Ge-I 

huses zellig; Poren der End-Wand zahlreich ) 

. . . . spirales Wachsthum der Kreis-runden, zusammengedrckten Schaale 
in zyklisches bergehend ; Peripherie der Schaale (ganz oder 
theilweise) mit vielen ffnungen 

Kammern in zahlreiche, einfache, runde oder quadratische Zellen 

getheilt (oder durch solche ersetzt?) 

..... Kammern alle ? Reif- frmig, ohne Unterabtheilung . . . . 

... die Reihe gerade oder fast gerade, ohne usserlich kennbare Spirale; 
Schaale gleichseitig . . 

.... Mndungen zahlreich; Kammern flach 

. . . . Mndung einfach; Kammern drehrund od. etwas zusammengedrckt 

Kammern ohne Regelmssigkeit oder bleibende Ordnung aneinander ge-1 
reihet oder zusammengehuft; aufgewachsen j 



Miliolidae. 
Fabulariidae. 



Enallostegia d'O. 
. . Cassidulinidae. 

. . Textilariidae. 
. . Polymorphinidae. 



Helicoxtegia d'O. 

. . a) Tnrbinoidea. 

. . Uvellinidae. 

. . Rosalinidae. 

. . b) Nautiloidea. 



Cristellariidae. 
Nonioninidae. 



. . Peneroplidae. 

. . Polystomellidae. 
Rhaphidostegia. 
. . Borelidae. 



Cyclostegia d'O. 

. . Soritidae. 
. . (?Cyclolina). 

S/ichostegia d'O. 
. . Conulinidae. 
. . Orthocerinidae. 
Anomostegia. 
. . Acervulinidae. 



Eintheilung der Familien in Sippen. 



1) Amoebidae , (Eb.) Schz. f-. S k 
Mund bleibend (die Stellung in dieser Klasse unsicher). 

. mit nach innen gerichteten fadenfrmig- stigen Scheinfssen; aussen mit 

einem schwingenden Faden ? Noctiluca. 

. mit nach aussen gekehrten Scheinfssen um den Mund ?Pamphagus Bail. 4, >. 

Mund nicht vorhanden. 

. Pseudopodien steif, fast regelmssig Strahlen-stndig Actinosphaera Pet. 

.. ,. , /Amoeba Eb. \ ,c ,,,> a i 

. Pseudopodien ganz vernderlich \? Corcyia Duj. f*- '* ' a ' 

2) Lagynidae , Schz. (nur Fissurina pors). 
Schaale biegsam , hutig oder hornig. 

festsitzend, unregelmssig Linsen-frmig ; Mndung subzentral 

frei beweglich. 
Form Schild-artig, rundlich, strahlig gerippt ; Mndung subzentral . . . 

. . . nicht genug charakterisirt ist 

Form bauchig, Kugel- bis Retorten-frmig. 

. Mndung ganz endstndig. 

. . Schaale Retorten-frmig- Mndung auf dem gebognen Halse .... 

. . Schaale Ei-frmig; Mndung sitzend, weit. 

. . . Mndung einfach ; Oberflche glatt 

. . . Mndung gezhnt ; Oberflche mit regelmssigen Skulpturen . . . 

. Mndung schief gegen die Seite herabgeneigt 

Schaale starr, erdig, frei, aufgeblasen; Mndung subzentral, 
kieselig krnig, mit fremden Krperchen inkrustirt; Mndung rund . . . 
kalkig ; Mndung endstndig. 

. mit einwrts-gehenden Rhrchen (? Endosolenia Eb.) 

. ohne Rhrchen im Innern. 

. . Schaale ohne Poren, meist in eine dnne Rhren-frm. Mndung ausgezogen 
(Lagenula Mf., Amphorina d'O., Oolina d'O., Ovulina Eb., Miliola) 
. . . Schaale pors, gegen die queer- lineare Mndung hin sich zusammen- 
drckend 

Ungewisa: Cyphidium Eb.; Lccquereuxia , Cyphoderia, Pseudodifflugia und 



Squamulina Schz. 

Arcella Eb. (S. 51) 
Discodella Weisse. 



Lagynis Schz. 

Gromia Duj. (S. 51) 
Euglypha Duj. 
Trinema Duj. 

Difflugia Eb. *) 

Cenchridium Eb. 



Lagena Wlk. 

Fissurina Rss. 
Spbenoderia Schlumb. 



*) Difflugia Und Spirllllna betrachten Ehrenberg u. A. als polygastrische Infusorien, und in der 
That haben sie die kontraktile Blase und oft den Kern derselben. 



Klassifikation. (59 

3) Orbulinidae, Schz (Miliola Eb., ?Monocystis Eb.) Orbulina d'O.*) (Ertf., 5ig. 

4) Cornuspiridae, Schz. Planorben-frmig. 

Schaale kalkig, dicht (Orbis sp. Phil.) CornuspiraSchz.prs.**) 6, 1. 

Schaale glasig, pors (Opereulina sp. Rss.) Spirillina Eb. *) 

5) Miliohdae (In der Schaale von Triloculina hat Ehrenberg grosse Gefss- 

Stmme gefunden, welche dieselbe der Lnge nach durchziehen.) 

Kammer einzig (ausnahmsweise eine ganze Windung bildend) Uniloculina d'O. **) 

Kammern viele, je '/ 2 Windung einnehmend, und von der Achse aus 

nach 2 Radien sich diametral gegenberliegend. 

. Kammern umfassend, daher nur 2 sichtbar Biloculina d'O. 

. Kammern nicht umfassend, daher alle sichtbar Spiriloculina d'O. 8, 7. 

nach drei Radien vertheilt,. 

. . in der Jugend wie in reifem Alter. 

. . . Mund rund, oval od. Halbmond-fhnig (in Quinqueloculina bergehend) Triloculina d'O. 6, 3, 7. 

. . . Mund Kreutz-frmig (wenig werth) Cruciloculma d'O. 

. . in der Jugend allein, spter in eine gerade Kammer-Reihe ausgehend . Articulina d'O.**) 

nach vier Radien vertheilt; 4 Kammern sichtbar Sphaeroklina d'O. 

nach fnf Radien vertheilt. 

. fnf Kammern nur im Alter sichtbar Quinqueloculina d'O. 

. fnf Kammern jederzeit sichtbar Adelosina d'O.**) 

nach sechs Radien vertheilt Sexloculina Cz. 

C) Fabulariidae (ussre Form und Lage der Kammern wie bei Biloculina ; 

grsser) Fabularia Dfr. 6, 2. 

7) Cassidulinidae, fast ganz gleichseitig, einmndig. 

Spirale jederzeit vollkommen zusammengedrckt Cassidulina d'O. 6, 6. 

Spirale schon frhzeitig gerade auslaufend, flachgedrckt Ehreubcrgina Ras. 

8) Textilariidae. 

Kammern frei, alle von aussen sichtbar. 
. wechselstndig in jedem Alter. 

. . Schaale vom Rcken der 2 Kammer-Reihen her ganz flach gedrckt, gleich- 
schenkelig dreieckig, mit vielen Poren -Mndungen in einfacher 

Queer-Reihe Cuneolina d'O. 

. . Schaale von der Naht der 2 Kammer-Reihen aus etwas zusammengedrckt; 
Mndung einfach. 

. . End -Wand mit Mndung parallel zur Schaalen-Achse stehend. 

. . . Mndung queer unten an dem Grunde, 

.... frei Textilaria d'O. 6, 5. 

.... halb bedeckt durch einen Deckel Clidostomum Eb. 

. . . Mndung lngs ihrer Mitte Bolivina d'O. 

. . End -Wand rechtwinkelig zur Schaalen-Achse liegend. 

. . . Mndung 1 Spalt parall. d.Zusammcndrckg.d. Schaale (Grammostom.Eb.) Vulvulina d'O. 

. . . Mndung rund, 

.... auf dem Ende der lnglichen Kammern sitzend Proroporus Eb. 

.... auf rhrigem Vorsprung der kugeligen Kammer Sagraina d'O. 

wcchselstndig in der Jugend; die sptem in 1 geraden Reihe. 

. Mndung mittelstndig Bigenerina d'O. 

. Mndung seitenstndig , Gemmulina d'O. 

wechselstndig in spterem Alter, anfangs in einfacher Spiralreihe ; Mndung (Spiroplecta Eb. 1844. 8, 3. 

einwrts gerichtet (Heterohelix. Eb. 1839) (Gaudryina d'O. 1846. 

Kammern umschliessend, nur 2 letzte sichtbar ; Mndung queer Chilostomella Rss. 

9) Folymorphinidae. 

Wechselstellung zweier Kammer- Reihen mit ungleichen Seiten. 

Mndung Ruthen-frm., v. spitzen Ende seitl. herablauf. (?GrammobotrysEb.) Virgulina d'O. 

Mndung rund, endstndig (Aulostomella Alth) Polymorphiiia d'O. 

Wechselstellung dreier Kammer -Reihen, wenigstens in der Jugend. 

Kammern immer dreireihig ; Gehuse kugelig. 

. davon jederzeit 3 Kammern sichtbar. 

. . Mndung ein Queerspalt Allomorphina Rss. 

. . Mndung rund, endstndig Globulina d'O. 

. davon jederzeit 5 sichtbar; Mndung rund, endstndig Guttulina d'O. 6, 4. 

Kammern in der Jugend 3 Reihen, spter 1 einfache Reihe bildend . . . Dimorphina d'O. 

10) Uvellinidae, Schz. 

Schaale bis zu Ende spiral. 
Mndung keine [?] ; Schaale [pors?] Kugei-frmig; Gewinde umhllt . . Strophoconus Eb. 
Mndung einzhlig, mssig-gross. 
. dieselbe rund. 

. . auf dem Ende der Kammer sitzend Pirulina d'O. 

. . auf dem verlngerten Ende der Kammer Uvigerina d'O. 



*) O rbulina d'O. (Miliola Eb.) enthlt nach den neuesten Beobachtungen von Pourtales oft eine Globigerina 
auf verschiedenen Entwickelungs - Stufen begriffen und mitunter fast ausgewachsen mit 10 15 Kammern in 
ihrer Schaale , wo oft auch noch fr andre Raum ist. Sic ist in jener innen durch viele schlanke Spicul 
befestigt. Findet hier ein Generations-Wechsel statt? Pourtales konnte die Entstehung von Orbulina selbst 
nie beobachten, noch ganz kleine Individuen finden; doch ist ein kleineres zuweilen in einem grsseren ein- 
geschlossen , erfllt dessen Hhle , bildet so eine doppelte Schaale und sprengt endlich dio ussre Schicht, 
deren Trmmer dann an ihm hngen bleiben. 

**) Nach W. K. Parker's neuesten Untersuchungen (Transact. Microscop. Soc. Lond. 1858, VI, 5358, 
pl. 5) wren Uniloculina und Adelosina nur Anfangs -Kammern von Milioliden, und Articulina nur 
eine zufllige Abweichung von Vertebralina, welche ebenfalls mit den Milioliden zu vereinigen sein 
wrde; endlich msste die Zahl der Milioliden -Arten ausserordentlich verringert werden, da sie grossen- 
theils auf Zuflligkeiten beruheten. Mit Schultze betrachtet er Cornuspira als eine reife Form, whrend 
Ehrenberg darin nur die Brut grssrer Polythalamien erblickt. 



70 



Wurzelfsser. 



. dieselbe Ruthcn-frmig in der Richtung der Gehus-Achse. ([af., $\$ 

. . Kammern einfach Bulimina d'O. 

. . Kammern in die Queere eingeschnrt Robertina d'O. 

. dieselbe Queerspalt- frmig, zur Achse gewendet. 

. . . Gehuse 3seitig pyramidal, Mndung ungesumt Verneuilina d'O. 

. . . Gehuse flach, aus kugeligen Kammern ( Mndung sitzend . . Globigerina d'O. 6, 9. 

( Mundung etwas vorspringend Rhynchospira Eb. 
Mndung durch mchrzhlige kleinre ffnungen ersetzt; diese 

. an der vorletzten Kammer in 1 Bogen-Reihe anliegend Candeina d'O. 

. am End-Theile der 3 letzten Kammern zerstreut . . . (?Iupina d'O.) Chrysalidina d'O. 

. an den Seiten der letzten Kammer in Queerreihen (bei Polystoinclla V) Faujasina d'O. 

Sehaale: Anfang spiral, Ende gerade ausgehend Clavulina d'O. 

Anhang: Kammern in regelmssiger zusammenhngender Spirale, gross, 
jede durch 2 Queerlinien wie in Zellen getheilt. Mndung nicht 

sichtbar Entrochus Eb. 

11) Rosalinidae (die Ehrenberg'schen Sippen meist unvollstndig bekannt.) 

Mndung in eine am Ende abgerundete Rhre seitlich vorspringend . . . Siphonina Rss. 

Mndung in der Naht zwischen derEnd-Wand und dem vorhergehend. Umgang, 

. durch eine Deckel-frmigc Lippe berwlbt Valvulina d'O. 

. durch keine Lippe bedeckt. 

. . von Spalt-Form; und vom Kiel der Umgnge aus bcurtheilt : 

. . . liegend auf der der Gewind-Seite entgegengesetzten (V Unter-) Seite. 

.... Nabel flach und klein (Turbinulina d'O) Rosalina d'O. 

.... Nabel offner, mehr vom Gewinde zeigend Planulina (d'O.) Eb. 

.... Nabel mit einer Schwiele erfllt Omphalophacus Eb. 

. . '. liegend auf der das Gewinde strker zeigenden Schaaleu-Seite. 

.... Gewinde an einer Seite allein sichtbar Truncatulina d'O. 

.... Gewinde von 2 Seiten her umfassend Anomalina d'O. 6, 8. 

. . von Halbmond- oder halbrunder Form, 

. . . an der flachen kein Gewinde zeigenden Seite der Scheibe, welche .Stern- 
frmige Poren -Linien hat Asterigerina d'O. 

... an der Gewinde -Seite der Schaalen -Scheibe Planorbulina d'O. 

. . . an der End-Mitte, nchst dem Kiele des vorigen Umgangs. 

.... Umfang der Schaalen -Scheibe ganzrandig (Uiscorbina , Trochulina, 

Gyroidina d'O , Dorbignaea Dsh.) Rotalia d'O. 

.... Umfang der Schaale zackig Calcarina d'O. 

... an einer (welcher?) Seite; Umfang der Schaale zackig Pleurotrema Eb. 

Anhang von nicht hinreichend bekannten Rosaliniden- Sippen. 

Scheibe ungleichseitig; Mndung seitenstndig, ausgerandet, an der flacheren 

Seite liegend (Planulina nahestehend in Form und Gewinde) . Colpopleura Eb. 

Scheibe ungleichseifig; die gewlbtere Seite allein spiral und pors. 

. Stundung nicht sichtbar, unter der ebeneren nicht porsen Seile verborgen, 

an Gyroidina und Truncatulina anschliessend Porospina Eb. 

. Mndung sichtbar an d. ebenen, verborgen auf d. convexeren Seite d. Sehaale Aspidospira Eb. 

Scheibe ungleichseitig, nur auf einer Seite spiral, am Rande zackig durch 
Bschel aus dem Innern kommender Poren-Kanlchen , wie bei 
Siderolithus; die Mndung unbekannt (V keine) Siderospira Eb. 

Scheibe ungleichseitig [ist die Spirale aussen sichtbar'?], aufgewachsen?, grob 
pors, die ersten 1 '/,, Umgnge ganz wie bei Rotalia mit einer Kam- 
mer-Reihe und einer mitten am Grunde der End-Wand stehenden 
Mndung; die spteren Kammern bekommen 2 Mndungen, eine 
vordre und eine hintre, verlngern sich alsdann bedeutend, 
schnren sich in der Mitte ein, so dass sie sich in 2 Zellen schei- 
den, deren jede erst eine Mndung in entgegengesetzter Richtung 
besitzt , dann aber wieder 2 ffnungen bekommt. Alle diese 
sptem Zellen liegen unregelmssig aneinander gehuft . . . Spirobotrys Eb. 

Kammern nicht reitend, sondern wechselstndig [V?j, ein vollstndiges Gewinde 
bedeckend, welches auf beiden Seiten sichtbar, auf einer Seite 
halb bedeckt ist; dieMndungrund, einfach, an der linken Seite 
jeder Kammer. Form von Rotalia (1843) Allotheca Eb. 

Gewinde von einer Seite frei, flach; Mndung nackt, sehr gross, anderVorder- 

wand jeder Zelle. Steht Planulina in der Form am nchsten (1843) Megathyra Eb. 

Gewinde von beiden Seiten vollstndig sichtbar, einerseits flach, anderseits 
etwas anschwellend; Mndung einfach, rund, mitten am Grunde 
der Endflche. Mit Planorbulina und Rotalia verwandt (1843) Phanerostomum Eb. 

Gewinde von einer Seite bedeckt und angeschwollen, an der andern frei und 
eben ; Rand einfach ; Mndung in einer Falte mitten am Grunde 
der Endflche. Form von Gyroidina (1843) Ptygostomum Eb. 

12) Cristellariidae. 
Gewinde bis zu Ende spiral. 

. Mndung dreieckig oder lnglich Robulina d'O. 6 10 

Mndung rund. 

. . Kammern alle schief (Saraccnaria, Planularia Dfr.) Cristellaria (Lk.) d'O. 

. . Kammern ebenso, nur die sptem Winkei-frmig Flabellina d'O. 

Gewinde erst spiral, dann gerade, in eine runde Mndung ausgehend: z. Th. Marginulina d'O. 

13) Nonioninidae. Oft Kanlchen in den radialen Scheidewnden zwischen 

den Zollen; selbst Gefss-Netze lngs dem Sipho wie der Dorsal- 

VVand der Schaale. 
Mndung in der Mitte der End-Wand gelegen, rund oder oval. 

. Gewinde ganz umschlicssend , rasch zunehmend . Orbignyina Hag. 

. Gewinde halb umschliessend ; Umgnge aus wenigen Kammern Hauerina d'O. 

Mndung am Bauch-Rande der End -Wand gelegen , ein Queerspalt. 

. Schaale Spindel-frm. ; Kammern innen durch Lngsleisten unvollst, getheilt Fusulina Fisch. 

. Schaale kugelig oder zusammengedrckt. 

. . Mndung immer deutlich. 

. . . Rand einfach, flach-gedrckt ' Nonionina d'O. 8, 6 

. . . Rand einfach, scharf Lenticulina Eb 



Klassifikation. 



71 



Mndung oft verhllt (durch eine Verzweigung der End -Zellen';'). 
. Windungen alle umfassend. 

. . ohne Anhnge 

. .mit Zacken aus rhrigen Poren -Bscheln 

. Windungen: die sptem aussen sichtbar, nur die anfnglichen umfassend 
. Windungen alle aussen sichtbar von 2 Seiten ; Schaale pors und Gefss- 
reich; Kammern zurckgekrmmt (Mndung und somit die Stel- 
lung in der Familie unsicher) 

14) Peneroplidae. 

Schaale ganz spiral gewunden bis zu Ende. 

. Poren der End-Wand getrennt und in Lngs-Linien geordnet 

. Poren der End-Wand zusammenfliessend in Dendriten -Form 

Schaale anfangs Spiral, dann gerade-aus wachsend. 

. Poren der End-Wand zum vertikalen Spalt zusammenfliessend 

. Poren der End-Wand zahlreich , spter in 1 rundliche vereinigt. 

.... Kammern innen ohne Binnenwnde 

.... Kammern innen mit unvollkommneu Binnenwndcn (Coscinospira Eb.) 

15) Polystomellidae, Schz. Ehrenberg behauptetgegen Schultze u. Williamson 

die Anwesenheit eines durch alle Kammern laufenden Siphons, 
oft einer Nabclscliwiele, von Rhrchen durchsetzt, die aus einer 
Kammer zur andern gehen, andrer Rhrchen, welche durch die 
Kammer-Scheidewnde ausstrahlen, und endlich eines die ganze 
Schaale durchziehenden Gefss-Netzes. (Vorticialis; Polysto- 
matium et Gcoponus Eb.) 

16) Borelidae. Schaale Kugel- bis Spindel-frmig , rascher in die Lnge als I 

in die Dicke wachsend; Kammern so breit als die Spindel lang,J 
so lang, dass 8-10 auf einen Umgang kommen, und sehr nieder,! 
in mehre aufeinanderliep ende Schichten zahlreich nebeneinander! 
gelegener Zellen untcrabgethcilt, welche durch StoIonen-Kanl-> 
chen mittelbar mit einander verbunden sind ; End-Wand radiall 
aufgerichtet , nieder, lang, mit mehren bereinanderliegenden! 
Poren - Reihen ; Oberflche mit meridianalen Naht -Furchen und! 
Spiralen Lngsstreifen , Carpenter ) 

17) Soritidae. 

Schaale Linsen-frmig, bikonvex oder plan-konvex, meist scharf-randig. 

. Wachsthum ganz spiral, die 2 Schenkel der reitenden Kammern gehen radial 
vom Pole zur Peripherie , senden dort einen dritten Schenkel 
rckwrts, nur '/arViUmgang weit ber dem Rcken der voran- 
gehenden. Eine Mndung mitten in der End-Wand nach vorn 
und mehre andre radial gegen den aulliegenden Rckenschenkel 
der nchstfolgenden Kammern gerichtet. Die Kammern innen 
unterbrochen von mehren Sulchen, wahrscheinlich Rhren-Bn- 
deln, die von den innern Kammern zu den Seitenflchen gehen, 
welche durch gebogene stige Radial-Liuien ausgezeichnet sind. 

. . die 2 radialen Schenkel der Kammern unter sich gleich und ohne Verbin- 
dung mit denen der nchsten Kammer 

. . diese 2 Schenkel etwas ungleich , nur die der einen Seite durch mehre 
ffnungen unter sich verbunden 

. Wachsthum anfangs spiral, die zelligen Kammern immer weiter vor- und 
rck-wrts um die Peripherie der Schaale herumgreifend, bis die 
sptem die frhem in >/ 4 , '/.> 3 / 4 und zuweilen in der ganzen 
Peripherie umfassen (worauf immer neue Zellen-Kreise entstellen), 
whrend wohl die Seitenwnde der Kammern, aber nicht diese 
selbst bis zu den mehr und weniger excentrischen Polen fort- 
setzen, doch ohne Zellchen in der Dicke der Schaalen-Wand zu 
bilden, die aber von Poren durchstochen sind; Zellen-Schichten 
von 1 bis zu 5 zunehmend. Die Zellen eines Kreises durch ein 
Rhrchen in der Zwischen-Wand, u. aus diesem mit einer wechsel- 
stnd. Zelle im nchsten Kreise verbunden (ohne O. rotella d'O.) 

. Wachsthum hchstens whrend 1 3 Windungen spiral, dann zyklisch; Pule 
subzentral; Linsen-frmig, oft verbogen. Zellen-Schicht einfach. 
Zellen zweier Nachbar-Kreise wechselstndig zu einander; daher 
die Oberflche oft konzentrisch und mit Bogen-frmigen Radial- 
Linien gezeichnet. 

. . Schaale beiderseits der mittein Kammern-Schicht aus bereinander liegen- 
den Lamellen, zwischen welchen sich Lcken befinden, die in 
Form und Zahl mit den Kammern nicht in Beziehung stehen. 
Sehaalen in der Mittelebene spaltbar. Die Kammein eines Kreises 
sind in zyklischer Richtung durch mehre ffnungen mit einander 
in Verbindung. Keine ffnungen auf der Peripherie - Flche ? 
Verbindung der innern Zellen mit der Oberflche durch Poren 
und Poren -Bschel. stige Schaalen - Gefsso 

... die 2 Schaalen-Wnde dick, 2 Schichten verschiedenartiger Lcken ent- 
haltend; Kammern rektangulr, radial verlngert (Typ.: Orb.I'r.itti) 

. . . die 2 Schaalen-Wnde dnn ; die Lcken zwischen ihren Lamellen gleich- 
artig, aber weniger deutlich; Kammern rundlich (Typus: Nnm- 
mulites Mantelli = Orbitoidcs d'Orbigny's aus dem sogen. Num- 
muliten-Kalk in Alabama) 

. . Schaalen-Wand dnne, ohne Lcken ; keine zyklische Verbindung zwischen 
Zellen eines Kreises ; dagegen sendet jede derselb. 2 Kanlchen zu 
den 2 Wechsel -Zellen des nchsten Kreises; Poren -Kegel gehen 
von den Zwischenrumen zwischen je 3 Zellen zur Oberflche 



Nummulina (Lk ) 

Sid'erolithua Mf. 
Assilina d'O. 



Operculina d'O. 



Peneroplis Mf. 
Dendritina d'O. 

Vortcbralina d'O. *) 



ms. ii. 

\, 5. 



6, 12. 



Spirulina Lk. 

Liluola Lk. 



Polystomella (Lk.) 


5, 1.2 


Faujasina d'O. 




Borelis Mf. 


8, 2. 


(Alveolites, 




Alveolina d'O. ; 




Melonites, 




Melonia Lk. ; 




Discolithes Fort 




Oryzaria Dfr.) 





Amphistegina d'O. 8, 4. 

Heterostegiria d'O. 



Orbiculina Lk. 



7, 2. 



Orbitoidcs d'O. 
(Hymenocyclus Br.) 

(Cyclosiphon Eb.) 

Cycloclypeus Carp. . 7, 3. 



*) Vergl S. 69 Anrnerk. ** 



72 Wurzelfsscr. 

Schaale Schciben-frmig, von beiden Seiten gleich, eben oder konkav ; Schaalen- tLat-, -Sifl. 

Wnde einfach, aus Reif-frmig umeinandergeschlossencn Zellen- 
Kreisen zusammengesetzt ; Zellen nie reitend. 

. Zyklische Verbindungen zwischen Zellen eines Kreises fehlen ; dagegen 
stehen sie mittelst radialer Kanlchen durch die Zwischenwnde 
zwischen den Zellen des nchsten Kreises mit denen des dritten 
in Verbindung. Keine Schaalen- Gefsse. 

. . Kammern in einfacher Schicht Sorites Eb. 

. . Kammern in 2 Schichten nebeneinander Amphisorus Eb. 

. Zyklische Verbindung vorhanden. Von ihr gehen Rhrchen in die Peripherie- 
Flche aus, 1 5 reihig. Keine Schaalen -Gefsse. 

. . Der je 2 Zellen verbindende Kanal sendet durch die Zellen -Wand ein 
Kanlchen radial auswrts nach der Wechsel-Zelle des nchsten 
Kreises, worin die Anzahl der Zellen-Schichten von Zeit zu Zeit 
znnimmt von anfnglich einer auf 2, 4, 5, 7 9 Orbitulites Lk. 7, 1. 

. . Der die Zellen eines Kreises verbindende Kanal ist gleich weit mit diesen, 
so dass jede neue Kammer Reif-frmig um die Schaale geht [wohl 

nicht wesentlich von Orbitulites verschieden] Cyclolina d'O. 

Die Scheiben -frmig runde Schaale der Sippe Cyclolina d'O. 6, 16. 

soll aus Kammern gebildet sein, welche, ohne sich in Zellen 
unterabzutheilen, Reif-frm. eine sieh um die andre lagern u. im 
ganzen Umfange durch eine mehrfache Poren-Reihe ausmnden. 
Bei solcher Beschaffenheit msste sie eine zweite Familie der 
Cyclostegier bilden. Was aber Carter u.Carpenter unter diesem 
Namen auffhren und zum Theil besehreiben, hat viel-zellige Reif- 
Kammern und ist nichts andres als Orbitulites. 

18) Conulinidae. 

Schaale Keulen-frmig verdickt, abgestutzt; Poren auf der Endflche zerstreut Conulina d'O. 

Schaale von2 Seiten flachgedrckt; aus Bogen-frm. Kammern; Poren einreihig Pavonina d'O. 6, 13. 

19) Orthocerimdae. 
Mndung randlich oder seitlich. 

. Schaale anfangs spiral, dann gerade ; Mndung an der Basis der End-Kammer, 

wechselstndig an abwechselnden Kammern *) Spiropleurites Eb. 

Schaale ganz gerade. 

Form der Mndung rund. 

. auf einem End-Vorsprung d. anfangs gebognen Schaale (z. Th. Citharina) Marginulina d'O. 

. sitzend; Schaale zusammengedrckt; Kammern schief Vaginulina d'O. 

Form der Mndung ein schiefer Lngs -Spalt Rimulinad'O. 

Mndung mittelstndig. 

ihre Form ein Queer- Spalt Lingulina d'O. 

ihre Form unregelmssig ; Schaale Rben-frmig, wenig gebogen .... Daucina Brnm. 
ihre Form rund. 
Schaale zusammengedrckt. 

ganz Fcher -frmig Frondicularia d'O. 6, 15. 

spter drehrund Amphimorphina Hgb. 

Schaale drehrund. 

Achse gebogen _ Dentalina d'O. 

Achse gerade. 

.'Kammern nicht umfassend, 

. . nicht abgeschnrt; Mndung sitzend Orthocerina d'O. 

. . abgeschnrt: Mndung auf einem Vorsprung . . (Mucronina d'O.) Nodosaria d'O. C, 14. 

. Kammern umfassend, nicht abgeschnrt; Mndung auf 1 Vorsprung . Glandulina d'O. 

20) Acervulinidae. 

Kammern voll (einspringender Schaalen - Theile V) ; zuweilen frei? .... Placopsilina d'O. 

Kammern leer : 

. durch vereinigte Rhrchen zu unregelmssiger Reihe verbunden .... Webbina d'O. 

. unmittelbar aneinandergehufte Kugeln j . Acervulina Schz. 6, 17. 



*) Der Mund ist nmlich an den aufeinander -folgenden Kammern Wechsel-weise einmal oben und unten 
(oder hinten und vorn) an der Zelle. 



Die Charakteristik der Sippen Endothrya Sorby, Globulus, Heterostomum , Losostomum, 
Mesopora, riatyoccus, rleurites, Prorospira, Synspira, Tetrataxis Eb. ist uns zur Zeit nicht 
zugnglich, weshalb wir uns begngen, sie nur zu nennen. 



In dieser Reihe folgen die Sippen und Familien mit vielporiger (statt 
einfacher) Mndung der Schaale grsstentheils aufeinander; es sind nm- 
lich die Familien 3, 6, 14, 15, 16, 17 und 18, whrend die Sippe Opereulina 
am Ende der 13. in dieser Hinsicht noch unsicher ist und Strophoconus am 
Anfange der 10. so wie die alten Nummulinen in der 13. bei brigens 
einmndigem Typus gar keine Mndung mehr erkennen lassen. 



Topographisch- geographische Verbreitung. 73 

VII. Topographisch -geographische Verbreitung. 

Topographie. Die Rhizopoden sind Wasser- und zwar, mit Ausnahme 
der nackten und einkammerigen Sippen Pamphagus, Actinosphaera , Eu- 
glypha, Trinema und eines Theiles von Gromia und Amoeba, smmtlich 
Meeres -Bewohner. Jene ersten lieben mehr die Sumpf- als die Fluss- 
Wsser. Von den dem Ssswasser angehrigen Amba-, Arcella-, Difflugia- 
u. a. Arten weiss man jedoch, dass sie auch nicht selten in feuchten 
Pflanzen -Erden und Rasen sogar bis zu Alpen -Hhen von 12,000' vor- 
kommen und, sobald sich hinreichende Feuchtigkeit einstellt, zeitweise 
volle Lebensthtigkeit entwickeln. Der Aufenthalt der meerischen Formen 
ist hauptschlich an Algen (Fukoideen, Laminarien, Diatomaceen) und 
Korallinen, Spongien, Sertularien u. s. w., welche nur in massigen Tiefen 
(von Ebbe -Stand an bis zu 100200') zu wachsen pflegen; obwohl 
sie sich nicht von diesen allein, sondern auch von Infusorien und andern 
kleinen Thierchen nhren. Da die Tiefe, die ruhige oder bewegte, felsige, 
sandige oder schlammige Beschaffenheit der Kste von grsstem Einflsse 
auf die Verbreitung jener Pflanzen ist, so wirkt sie mittelbar auch be- 
stimmend ein auf das Vorkommen der Rhizopoden nach Zahl und Art. 
Ruhige, nicht sehr tiefe Grnde des Meeres mit Stein- und Kies-Boden 
von Korallinen oder Algen berwachsen sind dem Gedeihen dieser Wesen 
vorzugsweise gnstig, nicht die beweglichen Sand- oder Schlamm-Grnde. 
So geschieht es, dass, wenn man die in einer Gegend einheimischen Arten 
aufsucht, man an wenig von einander entfernten Stellen hier kaum welche 
und dort sehr viele, hier aus diesen und dort aus jenen Familien antrifft, 
whrend dann wieder sehr weit von einander entlegene Ortlichkeiten eine 
grosse hnlichkeit ihrer Rhizopoden-Fauna mit selbst identischen Spezies 
zeigen knnen. Aus dem gleichen topographischen Grunde kann die steil 
und tief abfallende offene West -Kste Sd-Amerika's meist nur wenige 
Wurzelfsser liefern, whrend das Adriatische Meer so reich daran ist. 
Da nun ferner diese mikroskopischen Thierchen ausser einigen Europischen 
Ksten-Punkten nur an wenigen Orten etwas vollstndiger aufgesucht und 
bestimmt worden sind, so haben wir noch kaum eine Ahnung von den 
Gesetzen ihrer geographischen Verbreitung. 

Dazu kmmt, dass berall an der Oberflche des Ozeans frei schwim- 
mende oder losgerissene Bschel von Diatomaceen und Schaum-Massen und 
andern kleinen Algen, weit von der Sttte ihrer Geburt angetroffen werden, 
welche gewhnlich reich mit Rhizopoden besetzt sind, die eben so all- 
mhlich in die Tiefe des Meeres versinken, als jene verwesen oder sie 
selbst sterben. Daher das Senkloth berall aus 100 500 1000 und 
selbst 12,000' Tiefe mehr und weniger zahlreiche, doch im Ganzen an 
Manchfaltigkeit abnehmende (in 16,00020,000' Tiefe bei den Curi- 
lischen Inseln wie im Atlantischen ? Ozean aber kaum mehr aufzufindende) 
Rhizopoden-Schaalen mit sich heraufbringt, in welchen grossentheils ent- 
weder noch lebende Thierchen (bis zu (3000') oder wenigstens bei 



74 Wurzel fsscr. 

spterer Untersuchung der Schlamm- und Sand-Proben noch jene so 
schwer zerstrbare inr"e Haut gefunden wird, aus welcher man, vielleicht 
mitunter zu voreilig (da sie selbst in fossilen Schaalen zuweilen erhalten 
geblieben ist), auf eine lebende Existenz einer reichen Rhizopoden-Be- 
vlkerung in jenen Tiefen geschlossen hat. Dort ist die eigentliche Algen- 
Vegetation lngst erloschen und andre mikroskopische Thierchen mssten 
die rtliche Nahrung dieser Wesen abgeben, vorausgesetzt, dass es dann 
auch fr diese wieder an Futter nicht gebreche? Jedoch pflegt ausser 
Diatomaceen -Panzern, Schwamm -Nadeln und Polycystinen - Schaalen noch 
ein Konferven-Filz , der gleich diesen andern Resten wohl mit ihnen an- 
geschwemmt sein knnte, ein gewhnlicher Begleiter der Rhizopoden- 
Schaalen daselbst zu sein. Ehrenberg's mikroskopische Untersuchungen 
von Sand- und Schlamm-Proben, welche in den verschiedensten Meeren 
durch die Sonde mit herauf gebracht worden sind, ergeben, wenn man 
von den weniger als 100' tiefen Stellen ganz absieht, folgende aus den 
angedeuteten Gesichts -Punkten zu betrachtende Vertheilung der Wurzel- 
fiisser- Schaalen und sie begleitenden Organismen-Arten nach der Tiefe 

bis bis bis bis bis 

von 100 bis 500' 1000' 5000' 10,000' 16,000' 20,000' 

Phytolitharien (kieselig) ... 23 22 30 11 26 6 

Diatomaceen (kieselig) ... 48 17 59 36 50 23 

Polythalamien (kalkig) ... 69 46 44 47 35 

Polycystinen (kieselig) .... 1 3 6 53 36 13 

Andre mikroskopische Organismen 

(kalkig) 1 8 7 9 9 

Zusammen 151 96 146 TlT ~15 42 ~ 

In einer neuesten Arbeit *) gibt Ehrenberg folgende bersicht von der 
Vertheilung Arten-weis aufgezhlter Organismen in den Tiefen hauptschlich 
des stlichen Theiles des Mittelmeeres. Die Tiefe ist in Englischen Fssen 
angegeben; die in erster Rubrik gezhlten Arten wurden schon 1854 aus 
nicht genauer bestimmter Tiefe gefrdert. 

Aus Tiefen von ? 1500' 3000' 0600' 6900' 9720' Zusammen 

Diatomaceen 46 3 3 16 13 7 67 

Polythalamien 61 23 16 14 15 13 101 

Polycystinen 6 9 2 24 15 6 36 

Andre mikrosk. Organismen 33 3 8 3 5 3 14 

Im Ganzen 146 38 29 57 48 29 218 
Dabei jedoch ist zu bemerken, dass diese in grsseren Tiefen ge- 
fundenen Arten fast alle denselben nicht eigenthmlich, sondern in grosser 
Verbreitung auch an den Ksten bekannt sind. Dagegen hat Macdonald 
bei den Fidschi -Inseln die Stichostegier nur bis in 2600', in grsseren 
Tiefen bis zu 6000' nur andre Familien, und zwar viele von den einen 
wie von den andern Arten noch lebend an Algen ansitzend gefunden. 



*) Monatliche Berichte der Freussischen Akademie der Wissenschaften. 1857, 538 570. 



Topographisch geographische Verbreitung. 75 

Geographie. Um bei dem Unzureichenden vorhandner Untersuchungen 
ber die geographische Verbreitung der Wurzelfsser wenigstens eine 
bersicht vom Stande unserer Kenntnisse und von einigen Thatsachen 
7A\ geben, sind in der nachfolgenden Tabelle die ungefhren Zahlen der 
bis jetzt bekannten Arten berhaupt zusammengestellt, wozu jedoch zu 
bemerken ist, dass 1) diese Zusammenstellung nicht auf gnzliche Voll- 
stndigkeit Anspruch macht; dass 2) die Synonymie der Arten noch man- 
cher Berichtigung bedarf; 3) dass nur solche Gegenden in besonderen 
Rubriken 81(5 aufgefhrt sind, deren Rhizopoden -Fauna etwas voll- 
stndiger bekannt ist, whrend andere Welt -Gegenden, wie insbesondre 
Nord- Amerika, Afrika, Nord-Asien, Neuholland, gar nicht darin vertreten 
sind; dass 4) nicht selten die nmliche Art in verschiedenen dieser Orts- 
Rubriken zugleich vorkommt; daher 5) die Summen derselben mit den 
Gesammt- Summen lebender Arten in jeder Sippe nicht bereinstimmen, 
sondern grsser oder kleiner sein knnen. 

Daraus drften nur folgende Erscheinungen festzustellen sein. Die 
Wurzelfsser finden sich in allen Breiten, jedoch in einer, wie auch in 
andern Klassen gewhnlich, nach den Polen hin abnehmenden Menge und 
Manchialtigkeit. Die meisten und darunter alle etwas Arten-reicheren 
Sippen sind durch die ganze Breite der heissen und der gemssigten Zone 
an gnstigen rtlichkeiten vertreten, so dass Beispiels-weise wohl neun 
Zehntel der 55 im Mittelmeer aufgezhlten Sippen mit ihren 273 Arten 
an der von Soldani nach ihren Sehaalen so sorgfltig erforschten Ksten- 
Strecke des Adriatischen Meeres von Ancona bis Rimini aufgefunden worden 
sind, so wie dass die kleine und schon khle Insel-Gruppe der Mal- 
winen bei nur flchtiger Forschung 15 Sippen mit 38 Arten geliefert hat. 
Die kleinen an Arten armen Sippen gehren vorzugsweise der Tropen- 
Zone beider Ozeane an. Die der -Cyklostegier scheinen den Indischen 
Ozean hauptschlich zur Heimath zu haben. 

Das Zahlen -Verhltniss der lebenden Arten in verschiedenen Zonen 
ergibt sich A) nach d'Orbigny und B) nach der hier unten folgenden, in 
dieser Beziehung jedoch noch unvollstndigen Tabelle in nachstehender 
Weise. 

Kalte Zone. Gemssigte Zone. Heisse Zone. Zusammen. 

A) 75 350 575 1000 

B) beilufig 34 416 370 820 

Die Arten haben, gleich jenen andrer niedrig organisirter Klassen, 
zum Theile eine sehr weite Verbreitung in verschiedenen Zonen, so dass 
einige Bewohner des Nordkaps und viele der Nordsee sich im Mittelln- 
dischen Meere und mitunter selbst an den Kanarischen Inseln wiederfinden. 
Beispiele des Vorkommens im Mittelmeer und im Indischen Ozean, in 
Westindien und im Stillen Meere, zu Drontheim, im Rothen Meere und in 
Westindien oder Australien u. dgl. mehr sind gar nicht selten, auch wenn 
man den Art-Begriff nicht so weit, wie Parker und Jones, ausdehnt. So 
sind namentlich mehre Europische Athalamien und Monothalamien des 



76 



Wurzelfsser. 



Ssswassers von Carter in Ostindien wieder erkannt worden. So wird 
die Globig erina bulloides von d'Orbigny selbst im Mittelmeere, an den Ka- 
narischen Inseln, in Ostindien und, als der einzige Fall bei 82 beobach- 
teten Arten, an beiden Ksten Sd-Amerikas angefhrt. Dass diese letzten, 
obwohl sie am Cap Hrn an einander grenzen, doch sonst auch von 
anderen Thier- Klassen fast nichts gemein haben, rhrt von dem weiten 
Vorsprung her, welchen Sd- Amerika ins Eismeer hinein bildet, und von 
der Strmung, welche von dort entgegenkommend, lngs beider Ksten 
heraufgeht und den Organismen-Arten der gemssigten Zone die Umgehung 
des genannten Caps unmglich macht. Die universellste Verbreitung wrde 
die von den normalen Ehizopoden abweichende und den Polycystinen am 
nchsten stehende Noctiluca miliaris haben, wenn Alles, was man in der 
Ostsee, im Britischen Kanal, im Mittelmeer, im Atlantischen Ozean, im 
Golf von Guinea, in Westindien, an der Peruanischen Kste, am Cap, im 
Rothen Meere ihr zugeschrieben hat, wirklich nur einer Art angehrte. 





Fossile Arten 


Lebende Arten. 


Ordnungen und Sippen. 


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Athalamia. 

Pamphagus ? (Nord-Amerika) . . 

Kono thalamia. 
Squamulina 

Lagynis 

Lagenal 


7 

15 

7 
1 
6 


1 





2 
1 

1 


3 

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20 
25 

17 
2 

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2 

22 

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1 
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2 

1 

17 

24 

50 

1 

1 

1 

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2 

5 

38 


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1 
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1 
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1 

5 

5 

13 

1 

20 

2 

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15 


1 

1 
1 
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1 


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5 

1 
1 

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1 

17 

16 


10 

5 

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1 

5 

1 

1 

1 
2 

14 
4 


1 


Oolina ) 

Fissurina 

Orbulina 

Cornuspira 




Folythalamia. 

Agathidostegia. 
Uniloculina 


1 
26 
25 
32 

19 
5 

61 
4 

2 

2 

1 

3 


6 


Triloculina 


1 
3 


Sphaeroidina 


1 

2 






Enallostegia. 







86 | 5 


30 | 50 


2 



*) Malwinen Patagonien. 



Topographisch -geographische Verbreitung. 



i ( 

















Fossile Arten. 


Lebende Arten. 


1 


1 


2 


3 


4 


5 


6 


7 


8 | 9 


10 


11 


12 


13 


14 


15 


16 


Ordnungen und Sippen. 


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Grammostomum ,) ' 


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4 


2 














1 








1 







3 











2 


1 
























53 








1 


14 


38 


13 


1 


3 


4 





4 








2 







4 











'2 


2 


































25 











3 


22 


21 








3 





1 


1 













18 


1 








5 


12 


8 








4 





2 


1 





1 







4 










1 


3 


3 


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1 


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2 












Helicostegia. 


































Strophoconus 


32 











16 


16 


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Pirulina. . . 














4 











3 


1 


















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Uvigerina . . 














7 











2 


5 


10 


1 





2 





1 








3 





Buliiuina . . 














30 











15 


15 


20 


1 





12 


1 





1 


3 








Robertina . . 
































1 





1 























Veriieuilina . 














4 











3 


1 
































Globigerina 














24 











7 


17 


20 


1 


1 


4 


4 


3 


1 


1 


2 





Rhynchospira . 














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Candeina . . 
































1 














1 














Chrysalidiua . 














1 











1 



































Faujasina . . 














1 











1 



































Clavulina . . 














9 








3 





6 


5 








2 





2 











2 


Entrochus . . 














1 
































1 














Siphonina . . 














1 














1 
































Valvulina . . 














12 











4 


8 


10 


1 








2 


1 








1 


1 


Rosalina . . 














30 











5 


25 


25 


1 





7 


2 


14 


4 


5 








Planulina . . 














125 











55 


70 


20 








3 














9 


7 


Omphalophacus 














1 














1 


9 


























1 


Truneatulina . 














15 








1 


3 


11 


14 


1 


1 


4 


2 


2 


2 


2 


2 


1 


Anomalina. . 














9 











2 


7 


3 


1 





3 

















. 


Asterigcrina . 














2 














2 


5 














2 


1 


3 








Planorbulina . 














5 











2 


3 


4 








2 


1 


1 





1 


1 





Rotalia . . . 














130 


3 





3 


60 


64 


50 





1 


13 


6 


17 


2.2* 


1 


6 


2 


Calcarina . . 














1 





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1 


8 














2 








3 


2 


Pleurotrema . 
































1 


. 























1 


Colpopleura . 














1 














1 


1 
















1 




Porospira . . 














3 











1 


2 


1 
















1 





Aspidospira 














1 














1 


1 
















1 





Siderospira 
































1 





























Spirobotrys 














1 





. 








1 
































Allotheca . . 
































1 














1 








. 





Megathyra . . 
































2 














2 














Phanerostomum 














13 











1 


12 


1 





. . 








1 














Ptygostomum . 














3 

32 






2 


2 
5 


1 
25 


1 

18 






13 


1 


1 


1 











- 




Flabelliiia 


7 











7 











. 

























93 


2 





25 


24 


42 


18 


1 





11 


2 


2 








1 





Marginulina (s. u.). 




































1 











1 
























Hauerina 


1 








. 





1 





. 


- 

























2 


2 








































4 


26 


26 


5 


1 


11 


2 


5 


2 


1 


2 


1 


Lenticulina Eb 


2 











2 





5 








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2 





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2 





1 
















1 







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3 


1 


2 
















2 








14 
6 






2 


5 


9 
4 


3 
12 


1 




1 




1 
3 


2 




1 

2 









1 


Dendritiua ........ 


4 














4 


2 








1 





1 











































1 


9 


Spirulina . . 















25 


2 








14 


9 


1 
















1 






78 



Wurzelfsser. 



Ordnungen und Sippen. 



Fossile Arten. 



Lebende Arten. 



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Lituola . . . \ 
Coscinospira ) 
Polystpmella . 



Borelis 



Rhaphidostegia. 



Cprlostegia. 
Ampbistegina. 
Heterostegina . 
Orbiculina. . 
Orbioides . . 
Cycloclypeus . 
Soxites . . . 
Ampbisorus 
Orbitulitea . . 
Cyclolina . . 

Htkhostegia. 

Conuliua 

Pavonina 

Spiropleurites . . . 
Marginulina .... 

Vaginulina 

Rimulina 

Lingnlina 

Daucina 

Frondicularja .... 
Amphiraorphina . . . 

Dentalina 

Orthocrina. . . . . 

No'dosaria 

Glandiilina .... 



2 
25 

18 



4 
3 

20 



24 



28 



1? 
1 
1 

12 

8 
1 
4 



10 
2 

25 
3 



Anomostcgia. 
Plaeopsilina .... 

WebtMna 

Acervulina 

Anhang. 

Endothrya 

Tetrataxis 

Globulus 

Heterostomum \ 
?Uvigerina . . ) ' 
Loxostomum .... 

Mesopora 

Platyoecus 

Pleurites 

Prorospira 

Synspira 



11 
38 



12 
1 

58 
1 

73 
1 

97 
8 



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8 

1 

4 

10 

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1 

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1 
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1 
62 

7 



Sippen 



134 



108 



15 



Arten ber 2400 1742 36 



19 
79 



1 

579 



15 
2 



87 
104S 



101 

826 



22 
39 



55 

273 



21 
42 



48 

169 



16 

34 



41 
117 



23 
46 



VIII. 



Geologische Verbreitung. 



Im Allgemeinen. Es lsst sich erwarten, dass eine so niedrig- stehende 
Klasse von Meeres-Thieren, wie die der Wurzelfsser, schon ein Glied der 
frhesten Schpfung- gewesen sei, wenn auch die mikroskopische Kleinheit 
der Schaalen und die vielfltigen allmhlichen Vernderungen, welche die 
ltesten Gesteine erfahren mussten, wenig Hoffnung sie dort aufzufinden 
gewhrten. Gleichwohl hat man Reste dieser Klasse, selten freilich in 
vollstndigen und genau bestimmbaren Schaalen und gewhnlich bloss durch 



Geologische Verbreitung. 79 

die von diesen hinterlassenen kieseligen Ausfllungen oder Kerne ihrer 
Kammern angedeutet, schon in den silurischen und devonischen Gesteinen, 
in der Kohlen- und permischen Formation gefunden. Wenn sie in der 
Trias noch nicht entdeckt worden, so liegt die Ursache zweifelsohne in 
dem Mangel von Gesteinen, welche diese Schaalen erkennbar zu bewahren 
vermochten. Dagegen kennt man sie in mehren Gliedern der Oolitke, in 
grosser Menge in der Kreide, am reichlichsten in sandigen und thonigen, 
noch keiner Mineral- Vernderung unterlegenen Tertir-Bildungen, wo nicht 
selten die Menge ihrer Individuen eben so berraschend, als die Zahl 
ihrer Arten betrchtlich ist. Im Ganzen aber bleibt bis zur Kreide herauf 
ihre Erscheinung noch zu selten, als dass man ber das Gesetzliche in 
ihrer Aufeinanderfolge ausreichende Rechenschaft zu geben vermchte. 
Auch die in andern Thier-Klassen gewhnlich so auffallenden Gegenstze 
zwischen den lebenden und fossilen Familien-Formen fehlen und wrden 
sich auch dann nicht darbieten, wenn man die eimniidige und poren- 
mndige Beschaffenheit der Schaale (vgl. S. 66) mehr und vorherrschend 
zur Klassifikation benutzt htte. 

Von den bis jetzt aufgefundenen Thatsachen gibt die Tabelle S. 6 ff. 
Kenntniss. 

Sippen. Unter den 124 besehaalten Sippen sind nur 12 16, welche 
noch nicht fossil, und 36, welche fossil und nicht auch lebend bekannt 
wren, was fast nur zufllig zu sein scheint, da die einen wie die andern 
gewhnlich nur 1 2 und nie ber 4 7 Arten enthalten. Dieses eigne 
Verhltniss hat wohl hauptschlich darin seinen Grund, dass in lteren 
Formationen noch zu wenige Rhizopoden bekannt geworden sind, so dass 
nur 2 3 der Arten-rmsten jetzt ausgestorbenen Geschlechter (Fasulina, 
Tetrataxis, Endothrya) der ersten oder palolithischen Periode ganz an- 
gehren, die brigen sich erst von der Kreide- oder Mollassen-Periode an 
zeigen und sich halb auf die eine und halb auf die andre dieser 2 Pe- 
rioden vertheilen, wie sich in der Tabelle leicht berblicken lsst. Die 
ausgestorbenen so wie die ltesten der noch lebenden Sippen sind durch 
keinen gemeinsamen Charakter nher verbunden. Da die grosse Mehr- 
zahl der untergegangenen Formen aus den zwei jngsten Gebirgs-Perioden 
stammt, so bieten die an fossilen Arten reichsten Sippen fast immer auch 
die meisten lebenden dar und umgekehrt, obwohl mit betrchtlichem 
Schwanken; nur Articulina, Sjrindina, Borelis, Orbitulites, Frondicularia und 
Dentalina fallen durch ihren frheren Arten-Reichthum dem sptem gegen- 
ber einigermaassen auf, whrend keine eben so erheblichen Beispiele des 
Gegentheils vorkommen. Die aufflligste geologische Erscheinung besteht 
darin, dass die so Arten-reiche Sippe Nummidina nicht nur ganz ausge- 
storben, sondern auch ganz auf die Tertir-Zeit und zwar, mit wohl nur 
sehr wenigen Ausnahmen, ganz auf die frheste oder eoene Tertir-Zeit 
beschrnkt ist, fr welche nicht nur die Menge ihrer Arten, sondern auch 
die ihrer Individuen eines der besten Merkmale abgibt. 



80 Wurzelfsser. 

Arten. Wie die Anzahl der fossilen Sippen, so ist auch die der 
fossilen Arten schon grsser, als die Zahl der bis jetzt lebend gefundenen, 
und in steter Zunahme durch alle geologischen Perioden begriffen. 

Manche Arten besitzen, ihrer grossen geographischen Verbreitung ent- 
sprechend, auch eine sehr lange geologische Dauer, so dass Parker und 
Jones eine oder die andre unsrer lebenden, freilich mehr indifferent 
gestalteten Arten (Nodosari laevigata d'O.) sogar schon von der Trias an 
durch alle Perioden verfolgen zu knnen glauben; beide aber so wie 
Ehrenberg und sogar d'Orbigny erkennen wohl 8 10 noch lebende Species 
schon in der Kreide an, wo Ehrenberg auch die lebend so weit verbreitete 
(S. 76) Globig erina bulloides zitirt. Ungefhr 0,14 von den im Tertir- 
Gebirge vorhandenen Arten kommen auch noch lebend vor. 



IX. Allgemeine Bedeutung. 

Von grsster Wichtigkeit ist das Stein- bildende Vermgen dieser 
mikroskopischen Organismen, durch welche sich Linne's Ausspruch: Natura 
in minwnis maaima wieder bewhrt. Ihre Vermehrung ist nmlich an 
manchen Ksten so betrchtlich, dass der See-Sand zu 1 /^ V* im< * mem ' 
daraus besteht; wie zuerst Bianchi (1739) und spter Soldani in Italien 
beobachtet haben. Erster zhlte bei schwacher Vergrsserung 6000 In- 
dividuen in einer Unze des Sandes der Kste von Rimini am Adriatischen 
Meere, und Max Schultze fand, dass Sand vom Molo di Gaeta, nachdem 
er alle ber V 1 '" grosse Krnchen davon geschieden, noch halb aus 
Rhizopoden-Schaalen und halb aus anderen organischen und unorganischen 
Trmmern bestand. Ein Zentigramm so gesiebten Sandes enthielt 500, 
ein Gramm also 50,000 und eine Unze (zu 30 Grammen) 1,500,000 jener 
Schlchen; whrend d'Orbigny deren Menge im Sande von Cuba, welcher 
ungefhr eben so reich zu sein scheint, auf 3,840,000 berechnet, was 
etwas ber die Mglichkeit zu sein scheint. Aber wie an diesen Ksten 
so muss auch der Sand selbst in den grssten Tiefen in Mitten des Ozeans 
meistens und zwar insbesondre da zusammengesetzt sein, wo Strmungen 
herrschen (vgl. S. 73), so dass diese Thierchen entweder unmittelbar, oder 
unter Mitwirkung dieser Strmungen unausgesetzt an der Auffllung des 
Grundes durch kohlensaure und etwas phosphorsaure Kalkerde gerade 
da mitwirken, wo alle Anschttungen vom Lande her aufhren mssen. 
Daher dann in den heraufgebrachten Proben (nur aus feinen Theilchen 
bestehend, die sich an das mit Talg berzogene Senkloth anhngen) oft 
ein hnliches Menge-Verhltniss erscheint, wo nicht etwa Polycystinen und 
kieselige Diatomaceen zu sehr berwiegen. Ebenfalls sehr betrchtlich 
ist die Menge dieser Schlchen im subapenninischen Sande und Mergel 
von Siena und Coroncina in Italien; manche Kreide- und insbesondre 
manche Grnsand -Gesteine sind, selbst bis in die silurischen Gebirge 
hinab, grossentheils aus ihren Schaalen oder den kieseligen Ausfllungen 



Allgemeine Bedeutung. 81 

der Kammern derselben zusammengesetzt, wenn auch spter mitunter noch 
mancherlei nderungen an ihnen erfolgt sind. Insbesondre zhlt Ehren- 
berg ber 300 ganz kleine mikroskopische Arten auf, welche sich nur an 
der Bildung der Schreib - Kreide betheiligen. Am betrchtlichsten jedoch 
pflegt ihre Menge bei deutlicher Erhaltung in den eocnen Tertir-Gesteinen 
zu sein, wobei man im Pariser-Becken einen Milioliten-Kalk, in West-Frank- 
reich einen Alveolinen-(Borelis-)Kalk, und endlich in einer langen und 
breiten lngs beiden Seiten des Mittelmeeres bis in den Himalaya fort- 
ziehenden Zone den Numinuliten - Kalk nach Rhizopoden- Geschlechtern 
unterschieden hat, deren Schaalen-Reste sie grossentheils oder, den letzten 
insbesondre, mitunter ganz allein in einer Mchtigkeit von vielen Hundert 
Fssen zusammensetzen; minder ausschliesslich nehmen die Nummuliten 
an der Zusammensetzung andrer ber 1000' mchtiger Gebirgs- Bildungen 
einen erheblichen Antheil. 

Die Rhizopoden mgen wohl manchen andern kleinen Wasser-Thier- 
chen, aber in Masse auch mitunter grssren aufwrts bis zu den Schlamm- 
fVessenden Fischen u. dgl. zur Nahrung dienen. 

Die uns noch unbekannte Sippe Umula Cl. et Lachm. lebt als Parasit 
auf Infusorien, namentlich auf Epistylis. 

Myriaden punktfrmiger Noctiluken, welche jedoch in mancher Be- 
ziehung von den brigen Rhizopoden abweichen, haben sich als die Haupt- 
Ursache einer zuweilen wahrgenommenen Blut-artigen Frbung des Meeres 
bei Tag und einer lebhaften Phosphorescenz bei Nacht an der Nord-Kste 
Frankreichs und weiterhin im Atlantischen Ozean, im Golfe von Guinea, im 
Rothen Meere und an der Peruanischen Kste ergeben, in der Manche 
whrend des Sommers und bis spt im Herbst. Von den Bewegungen 
des Wassers durcheinander gerttelt kommen sie immer wieder an die 
Oberflche herauf, wo sie eine dnne Gallert-artige Schicht bilden. Druck, 
Stoss und Elektrizitt vermehren das Leuchten. 

Es kann nicht in Verwunderung setzen, wenn nicht ganz selten eine 
ziemliche Anzahl dieser kleinen Wesen oder ihrer Keime durch Strme 
emporgehoben und von Luft-Strmungen umher gefhrt werden. Difflugien, 
Arcellen und selbst Amben machen einen Bestandtheil insbesondre des 
von Ehrenberg oft untersuchten sogenannten Passat-Staubes aus und ver- 
mgen wohl mitunter wieder ins Wasser gelangend sich neu zu beleben 
(was Colin jedoch lugnet), ohne dass man darum genthigt wre, an 
ein regelmssiges Leben der kleinen Organismen in der Atmosphre zu 
glauben. 



>00000- 



Bronn, Klassen des Thier-Reicha. I. 



Vierte Klasse. 
Aufguss-Thierchen: Infusoria (s. str.J. 



Tafeln IX XII. 




Epistylis nutans. 

I. Einleitung. 

Geschichte. Obwohl schon seit den ltesten Zeiten manche Natur- 
Erscheinungen, bei welchen Infusorien mitwirken (wie auffallende Frbungen 
des Wassers, der sogenannte Blut-Regen u. dgl. m.), die Aufmerksamkeit 
erregten , so Hess sich doch der Grund dieser Erscheinungen und die Natur 
dieser Wesen nicht eher als nach Erfindung des Mikroskops ermitteln. Es 
war wohl Leeuwe nhoek, der vor bald 200 Jahren die neue Erfindung zu 
diesem Zwecke anwendend von der Existenz solcher Organismen die erste 
Nachricht gab. Gewhnlich beobachtete man sie in Flssigkeiten, die durch 
Aufguss von Wasser auf organische Stoffe und beginnende Fulniss dersel- 
ben gebildet waren. Daher der Name Aufgussthierchen, Infusio ns- 
Thierchen, welchen Ledermller seit 1763, und die Benennung Animal- 
cula infusoria , welche Wrisberg seit 1765 solchen Thierchen gaben. Aber 
obwohl die Liebhaberei an ihrer Betrachtung zunahm, obwohl auch Trem- 
bley, de Geer, Needham, Spallanzani, Saussure u. A. manche 
werthvolle Beobachtung anstellten, so war doch Otto Fried r. Mller der 
erste, welcher seit 1769 ihr Studium planmssig verfolgte und in Schriften, 
welche zum Theile erst nach seinem Tode bekannt wurden, sie systematisch 



Einleitung. 33 

beschrieb, nach Linne'schem Vorbilde klassifizirte und abbildete. Gze, 
v. Gleichen, Schrank, Schweigger, v. Baer hielten denselben Weg 
verfolgend manche Nachlese von neuen Arten und physiologischen Beobach- 
tungen, bis Bory de St. Vincent in Frankreich whrend der Jahre 1822 
bis 1831 das vorhandene Material ordnete und durch neue Beobachtungen 
bereicherte. Von dieserZeit an hat sich Ehrenberg (1830 1857) mit einem 
fast beispiellosen Eifer und einer unverwstlichen Ausdauer dieses ganzen 
Gegenstandes bemchtigt und denselben mit allen Mitteln und in allen Be- 
ziehungen verfolgt. Er hat ein wissenschaftliches System gegrndet, die 
Sippen und Arten durch Diagnosen und Abbildungen festgestellt, eine Menge 
neuer entdeckt, jedoch sich in der anatomischen und physiologischen Deu- 
tung des Gesehenen oft zu weit fhren lassen, wie Das zuerst von Du- 
j ardin (1836 ff.), Focke, Meyen, v. Siebold nachgewiesen und 
seitdem wohl auch allseitig anerkannt (mitunter auch bertrieben dar- 
gestellt) worden ist. Wie Ehrenberg die Gesammtheit hauptschlich 
der Deutschen Infusorien zum Gegenstand seiner Beobachtungen und 
systematischen Darstellung machte, so geschah es von Duj ardin 1841 
in Bezug auf die Franzsischen, von Wer neck auf die Salzburgischen 
(1841) und von Perty (1852) auf die Schweitzischen , whrend Riess 
und Schmarda (18201846) die Wienischen, Eichwald und Weisse 
(18441854) die Russischen Arten beobachteten und verzeichneten. Am 
erspriesslichsten fr die Fortschritte der Wissenschaft sind jedoch die 
Detail-Studien gewesen, welche vergleichende Anatomen und Physiologen 
meist erst seit dem Jahre 1848 bis jetzt in der Entwickelungs-Geschichte 
einzelner Arten und Sippen machten, und durch welche sie uns zuerst 
eine bersicht von dem ganzen Kreislaufe ihres Lebens verschafften, mit- 
unter sehr ungleich erscheinende Formen als verschiedene Stnde des 
Lebens auf einerlei Arten zurckfhrten und viel Fremdartiges aus die- 
ser Thier-Klasse, ja sogar aus dem Thier-Reiche selbst ausschieden. 
Ohne die Verdienste mancher Anderen in dieser Hinsicht zu verkennen, 
glauben wir die Namen Hai nie in Frankreich, Carter, Busk, Wil- 
liamson in England, Busch, Gegenbauer, Lachmann, Lieber- 
kuhn, Schneider und insbesondere Stein und Cohn in Deutschland 
besonders hervorheben zu mssen (vgl. die Litteratur) ; doch ist die neuere 
Bewegung auf diesem Gebiete hauptschlich eine Deutsche, hervorgerufen 
durch die Schler von Joh. Mller, v. Siebold, Klliker u. s. w. 
Noch im Augenblicke, wo wir Diess niederschreiben, erkannte die Fran- 
zsische Akademie den hohen Werth zweier Arbeiten ber die Infusorien, 
die eine vonLieberkhn und die andre von Claparede undLachmann, 
durch Ertheilung des grossen physikalischen Preises fr dieselben an; 
doch haben wir nur noch einen kurzen Auszug aus der letzten fr gegen- 
wrtige Darstellung benutzen knnen. Die Unsicherheit darber, wie weit 
manche Organisations- Verhltnisse und Lebens -Erscheinungen in den 
Gruppen dieser Klasse ausgedehnt sind, die Unzuverlssigkeit der Deutung 
von manchen derselben nthigt uns dabei mehr als gewhnlich ins Einzelne 



g4 Aufgusa-Thierchen. 

einzugehen, da wir uns gerade in einem Augenblicke befinden, welcher 
ber manche Frage eine entscheidende Lsung verspricht. 

Ehrenberg selbst hatte die Infusorien bereits in zwei Klassen scharf 
geschieden, in Rderthierchen (Rotatoria) und Magenthierchen (Polygastrica), 
die er jedoch neben einander erhielt, indem er ihnen beiden eine ziemlich 
gleiche Vollkommenheit der Organisation zuschrieb und eine Stelle am 
untren Ende des Thier-Systemes anwies. Nachdem sich jedoch die An- 
nahme einer solchen Vollkommenheit fr die zweite dieser Klassen als 
irrig, ihre Stellung aber eben hiedurch als richtig ergeben, wurden die 
Ansprche der Rotatorien auf eine Stufe an der unteren Grenze der Kerb- 
thiere als begrndet erkannt, und dort werden wir auf sie wieder zurck- 
kommen. Andrerseits umfassten die sogenannten Magenthierchen noch 
einige meistens hart-schaalige Gruppen von Organismen, welche hier theils 
schon fr die einkammerigen Rhizopoden in Anspruch genommen worden 
sind, theils aber auch sich schliesslich gar nicht als Thiere ausweisen 
knnen, obwohl ihnen 

1) Aufnahme und Ausscheidung fester Stoffe durch bleibende ffnungen, 

2) Kontraktilitt der Krper -Wandungen, 

3) Ortswechsel, und zwar mittelst eigner Bewegungs-Organe, 

4) oft auch Augenflecke fr Sinnes -Werkzeuge 
als thierische Kriterien zugeschrieben worden waren. 

Was das erste dieser Merkmale betrifft, so ist die erwhnte Ernhrungs- 
Weise an denjenigen Organismen-Gruppen, auf die wir uns hier beziehen 
wollen, freilich nicht berall und nicht oft beobachtet, aber doch auch 
nicht gnzlich wegzulugnen und daher noch weitrer Aufklrung vielleicht 
in der Art wie bei den Wurzelfssem gewrtig (S. 51). Die Kontraktilitt 
hat sich auch als Eigenschaft der Zellen mancher unzweifelhaften Gruppen 
niedriger Wasser -Pflanzen ergeben. Der langsame und unentschiedene 
Ortswechsel bei Diatomaceen lsst sich aus einem endosmotisch-exosmo- 
tischen Ernhrungs-Prozess , aus einem Moleklar-Umtausch zwischen den 
in einer Panzer -Haut eingeschlossenen Bestandteilen der (Pflanzen-) 
Individuen und der umgebenden Flssigkeit, worin sie schweben, in sofern 
erklren, als dieser Umtausch nicht auf der ganzen Oberflche gleich- 
massig, sondern nur durch wenige ffnungen an gewissen Stellen des 
Krpers geschehen kann. Eigne Bewegungs-Organe, angebliche Schein- 
fsse, hatte aber Ehrenberg trotz seiner fast tglichen Beobachtungen 
von Hunderten hieher gehriger Arten nach seinen eignen Angaben nur 
etwa zwei Mal wahrzunehmen geglaubt, und ein sogar anscheinend be- 
wusster Ortswechsel mittelst schwingender Wimpern und Borsten hat sich 
auch bei Fortpflanzungs-Zellen vieler Algen ergeben. Was endlich den 
einen oder die zwei lebhaft gefrbten, meist rothen Punkte oben auf dem 
vordren Ende des Krpers betrifft, die man als Augen gedeutet, so ist 
trotz allen Anscheines doch weder ihre Funktion erwiesen noch auch nur 
begreiflich, so lange als kein Nerven-System in diesen Wesen nachweisbar 
ist. Ja man kennt hnliche farbige Punkte selbst in den Gonidien ge- 



Einleitung. 85 

wisser Faden-Algen (Ulothrix z. B.). Zu diesen mehr negativen Einwnden 
gegen die Aufnahme jener Formen - Gruppen unter die Thiere und ins- 
besondre die Infusorien gesellten sich aber noch Grnde von positiverer 
Natur: eine Entwickelung und ein Verlauf des Lebens, welcher in allen 
Einzelnheiten mit denen gewisser unzweifelhafter Algen bereinstimmt, ein 
gleicher chemischer Gehalt (Chlorophyll, Strkmehl, Cellulose) und zuweilen 
ein unmittelbarer bergang in anerkannte Algen-Formen (Ktzing U.A.). 

Die Gruppen oder Familien von Infusorien, welche somit jetzt schon 
allgemein dem Pflanzen -Reiche und zwar meistens den Diatomacea- ar- 
tigen Algen berwiesen werden, sind die kieselhutigen oder kieselpan- 
zerigen Bacilliariea und Desmidiacea, die Closterina und in Folge von 
Ktzing's, Flotow's, Focke's und neuerlich Cohn's Beobachtungen 
auch die Vibrionina und Volvocina Ehrenberg's, obgleich Cl aparede 
und Lach mann diese letzten wegen des Vorkommens kontraktiler Bls- 
chen noch festgehalten wissen wollen. Einige Naturforscher sind zwar 
geneigt, die ganze Hlfte der Formen unsrer Klasse, an welcher ein Mund 
nicht nachweisbar ist, noch an das Pflanzen-Reich abzutreten, wogegen 
aber spricht, dass direkten Beobachtungen zu Folge manche Mund-lose 
Infusorien offenbar in den Kreis der Formen gehren, welchen die chten 
Aufgussthierchen individuell zu durchlaufen haben, um zu ihrer charak- 
teristischen vollen Entwickelung zu gelangen oder in welchen sie wenig- 
stens bergehen, ohne dass man den Abschluss der Metamorphose noch 
zu verfolgen vermocht htte. So begrndet nun auch vielleicht die An- 
nahme sein mag, dass noch ein fernerer Theil der Mund-losen Infusorien 
(wie die Peridinea z. B.) wirkliche Pflanzen seien, so unmglich ist es 
doch zur Zeit noch, diese alle richtig zu bezeichnen und die Grenze zwi- 
schen ihnen und den chten Infusorien, zugleich die Grenze zwischen 
Pflanzen- und Thier-Reich, auf verlssige Weise zu ziehen. Wir nehmen 
aber hier um so weniger Anstand, auch diese letzten zweifelhaften Wesen 
mit in den Kreis unsrer Betrachtung aufzunehmen, als es nicht ohne In- 
teresse und nur auf diese Weise mglich ist, die innige Verkettung beider 
Natur-Reiche in ihren unvollkommensten Formen, die Schwierigkeiten ihrer 
Trennung und den gegenwrtigen Stand der Wissenschaft in dieser Hin- 
sicht kennen zu lernen. Diese obschwebende Unsicherheit zu bezeichnen, 
nicht sie zu verschweigen, ist daher unsre Aufgabe! Und wenn jetzt ein 
Widerspruch darin zu liegen scheint, dass beide organischen Reiche erst 
in der vierten und nicht den drei ersten Thier-Klassen am nchsten zusam- 
mengrenzen sollen, so wird dieses Missverhltniss schwinden, wenn man 
z. B. im Stande sein wird, die Mund-losen Infusorien als individuelle 
Durchgangs-Formen zwischen den Algen und den reifen Mund-Infusorien, 
deren Organisations-Hhe betrchtlich ber derjenigen der drei vorigen 
Thier-Klassen steht, richtig zu vertheilen. 

Endlich ist noch anzufhren, dass Agassiz u. A. die Klasse der 
Infusorien ganz aufgehoben wissen wollen, indem sie alle Mund-losen In- 
fusorien zu den Pflanzen verweisen, einen Theil der Mund-Infusorien als 



8 Aufguss - Thierchen. 

Entwickelungs-Formen hherer Thiere ansehen und den brigen Rest, durch 
die Vorticellina vertreten, fr Bryozoen erklren. Indessen ist es noch 
nicht gelungen, die Behauptung jenes berhmten Forschers zu besttigen, 
dass die Paramecien . nur Planaria-Larven seien, und eine Versetzung der 
Vorticellinen unter die Bryozoen wrde noch eine betrchtliche Herab- 
setzung des Charakters dieser letzten erheischen. 

Namen. Unsre Klasse der Infusorien beschrnkt sich daher fast 
nur auf die Hlfte der Lebens-Formen, welche man anfnglich unter diesem 
Namen zusammenbegriffen hat, indem die oben genannten vier Familien 
dem Pflanzen-Reiche zugetheilt und eine andre allerdings verwandte Gruppe 
der nackten und einkammerigen Rhizopoda abgesondert worden sind, wh- 
rend eine dritte weit zahlreichere, die der Rotatoria oder Rder thiere 
nmlich, eine Stelle erst zwischen den "Wrmern und Krustern finden wird; 
denn die eine Zeit lang behauptete gleich hohe Ausbildung aller dieser 
ehemaligen Infusorien hat sich nicht besttigt. In diesem beschrnkteren 
Umfange genommen wrden unsre Infusorien weniger den Ehrenberg'schen 
Infusions-Thierchen als seinen Polygastrica oder Mag en-Thierchen ent- 
sprechen, indem von diesen nur die zwei ersten, von jenen dagegen drei 
Gruppen auszuscheiden wren. Da aber nun erwiesen ist, dass die vielen 
Magen, von welchen die Magenthierchen ihren Namen haben, gar nicht 
bestehen, so bleibt uns nur der alte Name Infusorien zu Bezeichnung dieser 
Klasse brig, wenn wir nicht einen ganz neuen erfinden wollen. 

Litteratur der Infusorien -Kunde in dem bezeichneten engern Sinne. 

a) Selbststndige Werke (chronologisch). 

H. A. Wrisberg: observationes de animalculis infusoriis, Gtting. 1765, 8. c. tab. 

J. C. Eichhorn: Wasser -Thiere , die mit dem blossen Auge nicht gesehen werden knnen 
und um Danzig leben, 8Eupf., Danzig 1775. 4o. Neue Aufl. Berlin 1781; Zustze, Danzig 1783, 

L. Spallanzani (allgemein) in seinen: Opuscoli di fisica animale. Modena 1776. 

W.F. v.Gleichen: ber die Saamen- u. Infusions-Thierchen. Mit 32 Tfln. Nrnb. 1778. 4. 

0. Fr. Mller : Animalcula infusoria fluviatilia et marina, quae detexit, systematice descripsit et 
ad vivum delineari curavit, op. posth. cura 0. Fabricii, Havn. et Lipsiae 1786, 4. 

Bory de St. Vincent: Essai d'une Classification des animaux microscopiques , Paris 1826, 
80. [Auszge aus dem Dictionnaire classique d'hist. nat. ?]. 

C. G. Ehrenberg : organische Systeme u. geographische Verhltnisse der Infusions -Thierchen, 
Berlin 1832, mit 8 Taf. ; Entwickelung und Lebensdauer der Infusions-Thierchen etc., mit 
2 Taf. 1832; zur Erkenntniss der Organisation in der Richtung des kleinsten Raumes, mit 
4 Taf., Berlin 1832; die Organisation in der Richtung des kleinsten Raumes, Berlin 1834; 
Dritter Beitrag u. s.w. mit 11 Tafeln. Berlin 1835; Zustze dazu, mit 1 Taf., Berlin 1836. 
[Alle diese Abhandlungen sind theilweise ingr. 40., theils in kl. Fol. aus den Abhandlungen der 
Berliner Akademie, 1830 1836, abgedruckt, dann aber zu einem grsseren Ganzen verarbeitet 
in:] die Infusions-Thierchen als vollkommene Organismen, gr. Fol. mit 64 Kupfer-Taf. Leipzig 
1838; Mikrogeologie, Leipzig 1854, in gr. Fol. mit 40 Tafeln [abgesehen von denjenigen 
Schriften, welche nur von Diatomaceen handeln]. 

And. Pritchard: the natural history of animalcula, containing descriptions of all the 
known species of Infusoria, illustrated with 300 magnified figures, Lond. 1834; 2. edit. 1838. 

A. de Zigno : sopra aleuni corpi organici che si osservano nelle infusioni, Padova 1842, 8. 

Mayer: die Metamorphose der Monaden, Bonn 1840, 4o. 

Synoptische bersicht der Infusorien, nach Ehrenberg, Weimar 1841, in Fol. m. viel. Abbild. 

Riess: Beitrge zur Fauna der Infusorien um Wien. 44 S. 4o. Wien 1840 > Isis 1842, 557. 

F. Dujardin: Histoire naturelle des Infusoires, 1vol. 8. avec 22 pH. Paris 1841 (Suites 
BufFon, chez Roret). 

Pritchard : History of Infusoria, arranged to Ehrenberg's Infusions-Thierchen , with engra- 
vings, London 1841. 8. 



Einleitung. 37 

Kutorga : Naturgeschichte der Infusions -Thiere, vorzglich nach Ehrenberg bearbeitet, 
mit 7 Tafeln. Karlsruhe 1841, 8. - 

Gravenhorst: Naturgeschichte d. Infusions-Thierchen, nach E hrenb erg. Breslau 1841, 8. 

Ktzing: ber d. Verwandlung d. Infusorien in niedre Algen-Formen. Nordhausen. 4. 1844. 

Schmarda: kleine Beitrge zur Naturgeschichte der Infusorien, Wien 1846. 

Filippi. Metamorphosi degli animali inferiori. Milano 1847. 

v. Siebold: Lehrbuch der vergleichenden Anatomie. I. (1848) 7 25. 

Frantzius : Analecta ad Ophrydii versatilis historiam naturalem. Vratislaw 1 849. 

Perty: zur Kenntniss der kleinsten Lebens-Formen in d. Schweitz, mit 17 Taf. Bern 1852, 4o. 

P. Laurent: Etudes physiologiq. sur les animalcules des infusions vegetales. Nancy 1854. 4. 

Fr. Stein: die Infusions -Thiere, auf ihre Entwickelungs -Geschichte untersucht. Leipzig 
1S54. 4. mit 6 Kupfer - Tafeln. 

Lachmann : de Infusoriorum inprimis Vorticellinorum struetura. Diss. inaug., 50 pp. c. 2 tab. 
Berolini 1855. 

J. d'Udekem: Recherehes sur le developpement des Infusoires ( Vorticella) = Extrait des Me- 
moires de l'Acad. R. de Bruxelles 1856, XXX., 15 pp. 1 pl., Bruxell. 1857, 40. 

b) Mittheilungen in Journalen (alphabetisch, hauptschlich seit 1849). 

L. Auerbach (Encystirung von Oxytricha) : i. Zeitschr. f. wissensch. Zoolog. 1854, V, 430, Taf. 

Balbiani: i. Compt. rend. de l'Acad. 1858, XLVI, 628632. 

W. Busch (Anatomie v. Trichodina) : i. Mll. Archiv 1S55, 357, Tf. 

G. Busk u. Williamson (Volvox): i. Transact. microscop. soc. 1853, I, 31 56. 

H. J. Carter (Ssswasser-Infusorien v. Bombay): i. Annal. Magaz. nat. bist. 1856, XVIII, 
115, 221 etc. pll.; (Actinophrys) das. 1857, XIX, 259. 

Cienkowski (ber Cysten-Bildung) : i. Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1854, VI, 301, Tfin. ; 
(Acineten- Lehre): i. Bullet. Acad. Petersb. 1855, XIII, 297, pl. 

Claparede (Actinophrys Eichhorni, A. sol): i. Mll. Arch. 1854, 398, Tf. ; und i. Annal. 
scienc. nat. 1855, XV, 211. 

Claparede u. Lachmann (Fortpflanz. d. Infus.): i. Ann. scienc. nat. 1857, [4] VIII, 221 244. 

F. Cohn (Blut - Frbung , Trinkwasser): i. Schles. Arbeit. 1850, 39; 1853, 91 ; (Ent- 
wickelungs -Geschichte): i. Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1851, III, 257, Tf. 7; (Volvoeinen) 
das. 1852, IV, 77, Taf. 6; (Encystirung v. Amphileptus) das. 1854, V, 434, Tf.; (Cutieula 
der Infus.) das. V, 420, Tf.; (Volvocinen) i. N. Act. Acad. Leopold. - Carol. 1857, XXVI, i, 
Nachtrag p. 132, 2 Tfln.; u. i. : Schles. Arbeit. 1856, 39, Tf.; (Monaden) das. 1S56, 37. 

Czermack (Vorticellen) : i. Zeitschr. f. wissensch. Zool. 1853, IV, 438, Tfl. 

Dareste (Frbung d. Meeres): i. Edinb. n. philos. Journ. 1857, V, 20. 

Dujardin (Volvox): i. Annal. sc. nat. 1838, X, 13; (Monaden) das. X, 17; (Organi- 
sation der Infusorien) das. X, 230 > l'Instit. 1840, 278. 

Ecker (Entwickelungs - Geschichte) : i. Zeitschr. f. Zool. 1852, III, 416, Tf. 

Eckhard: i. Wiegm. Arch. 1846, I, 209, Tf. 

Ehrenberg (Allgemeines): i. Abhandl. d. Preuss. Akad. [insbes.] 1830, S. 189, m. 8 Tfin.; 
1831, S. 154, m.4Tfln.; 1832, 145336, m. 11 Tfln.; 1835, 151 181, m. 3 Tfln. (Neue 
Arten): i. Monatl. Ber. d. Preuss. Akad. 1840, 198; 1848, 233; 1849, 47; 1853, 183; (auf 
Gletschern) das. 1849, 287; 1853, 315; (Monas prodigiosa) das. 1849, 101. 

Eichwald (Russische Arten) : i. Bullet, d. Naturalist, de Moscou 1844, XVII, n, 480,653; 
1847, XX, ii, 285; 1849, XXLI, i, 400; 1852, XXV, i, 388 ff. 

Gegenbauer (Trachelius) : i. Mll. Arch. 1857, 309. 

Gruby u. Delafond (Infusorien im Magen): i. Annal. sc. nat. 1844, XIII, 154. 

Guanzati (Amphileptus) : i. Zeitschr. f. Zool. 1854, VI, 432. 

Haime (Metamorphose v. Aspidiscus) : i. Annal. scienc. nat. 1S53, XIX, 109. 

Huxley (Dysteria): i. Microscop. Journ. 1857, V, 78. 

Rymer Jones: i. Annais Mag. of nat. hist. 1838, 121; > Mll. Arch. 1839, 80. 

Lachmann (Infus., zumal Vorticellen): i. Mll. Arch. 1856, 340, Taf. 13, 14. 

Lieberkhn (Actinophrys, Acineta): i. Zeitschr. f. Zoolog. 1856, VIII, 307; i. Mll. Arch. 
1856, 505; (Ophryglena, Bursaria, raramecium, Phialina) das. 1856, 20. 

Meyen: i. Mll. Arch. 1839, 75. 

Jon. Mller (Anat. Phys.) das. 1856, 389. 

Pouchet (Anat, Physiol.): i. Annal. sc. nat. 1848, III, 233. 

Samuelson (Entwickelung) : i. l'Instit. 1857, 61. 

Schneider (Beitrge): i. Mll. Arch. 1854, 191, Tf. 

Fr. v. P. Schrank: i. Denkschr. d. Bayer. Akad. 18091813, II IV ; Separat-Abdrcke, 
Mnchen 18111813. 

Shuttleworth (rother Schnee): i. Biblioth. univ. d. Geneve, 1840, XXV, 383. 

Sibbald (Volvox): i. Annal. Magaz. nat. hist. 1852, IX, 351. 

Fr. Stein (Acineten): i. Wiegm. Arch.1849, i, 92148, 2 Tfln.; (Allgem.): i. Zeitschr. 
f. Zool. 1852, IU, 475; i. l'Instit. 1857, 79. 



gg Aufguss - Thierchen. 

G. E. Wagener (Dicyema): i. Mll. Arch. 1857, 354, Tf. 

Weisse (Euglena): i. Bullet. Acad. Petersb. 1854, XII, 169; (Verzeichniss Petersburger 
Arten) das. 1844, III, 1928; 1845, IV, 138, 333; 1846, V, 39; 1848, 106, 253; 1849, 310; 
1850, IX, 70, 297; 1851, 76; (Chlorogonium) : i. Wiegm. Arch. 1848, XIV, i, 65, T*.; 
(Arten zu Aix): i. Bullet. Petersb. 1854, XII, 378. 

Werneck (Arten in Salzburg): i. Berlin. Monatsber. 1841, 379. 



II. Organischer Bau. 



6* 



1) Allgemeine Krper -Verhltnisse. Die Aufguss - Thierchen haben 
beim ersten Anblick im Allgemeinen die indifferenten Formen von Kugeln 
und Eiern, Hirse- und Gersten -Krnern, Bohnen und Linsen, Schluchen, 
Pantoffeln u. s. w., die einzeln aufgewachsenen solche von Kreiseln, Urnen, 
Krgen; die Kolonien-weise zusammenhngenden bilden Kugeln, Bumchen, 
Strucher. Regelmssig strahlige und spirale Formen fehlen ganz, obwohl 
der Mund -Spalt und die Reihen der Wimperhaare zuweilen spiralig ver- 
laufen oder der Stiel sich Schrauben -artig zusammenziehen kann. Eine 
gemeinsame Grund -Form lsst sich fr diese so manchfaltigen Gestalten 
nicht angeben, und die Schwierigkeiten mehren sich noch, sobald man 
auf eine nhere Orientirung einzugehen versucht, bald durch den Mangel 
eines allen gemeinsamen gleich-werthigen (homologen) Ausgangs -Punktes, 
da an vielen noch nicht einmal ein Mund nachweisbar ist, bald durch 
die grosse Kontraktilitt , welche einem und demselben Individuum einen 
manchfaltigen, ja mitunter unbegrenzten Formen-Wechsel gestattet, bald 
endlich durch das Vermgen und die bung vieler Arten unter passender 
Vernderung der Krper -Form abwechselnd mit dem einen oder dem an- 
dern Ende voran zu schwimmen (Diastrophie), dabei diese oder jene 
Seite nach oben zu wenden, ja eine zwei- bis drei -fache Art der 
Voranbewegung gleichzeitig mit einander zu verbinden. Die von ihrer 
Unterlage los-getrennten Vorticellen schwimmen mit dem bisherigen Ober- 
oder dem Mund-Theile voran, wenn sie noch nicht Zeit gehabt haben, 
an der Unterseite einen fr diesen Zweck eigens bestimmten Wimper- 
Kranz auszubilden; ausserdem ist dieser letzte Theil der vordre. Die 
Flagellaten schwimmen zwar regelmssig mit demjenigen Ende des Krpers 
vorwrts, wo die Wimper -Borsten sitzen; aber da ihnen eine kennbare 
Mund -ffnung meistens fehlt, so mangeln auch die Mittel zur Paralleli- 
sirung ihrer Stellung mit den brigen Familien. Endlich scheinen alle 
Arten ihre Formen durch Metamorphosen wesentlich umzugestalten. Von 
dieser Vielartigkeit und Vernderlichkeit der Formen und Richtungen ab- 
gesehen, ergibt sich aber noch ferner, dass nur wenige derselben voll- 
kommen symmetrisch sind oder zwei vollkommen gleiche und parallele 
Seiten besitzen, indem bald die Richtung des Mundes, bald die Stellung 
gewisser Borsten und am ftesten der allgemeine Umriss des Krpers 
von solcher Regelmssigkeit abweichet. So werden also auch die In- 



Organischer Bau. 89 

fusorien mit Recht noch unter die Amorphozoen zu zhlen sein wegen 
der Form -Vernderlichkeit ihrer Individuen, der Asymmetrie ihrer Arten 
und der Polymorphie der Klasse im Ganzen. 

Die Grsse dieser Thierchen wechselt von den kleinsten noch unter 
dem Mikroskope beobachtbaren Maassen an (so dass man sicher die aller- 
kleinsten noch gar nicht kennt) bis zu den fr das blosse Auge schwer 
unterscheidbaren. Man kennt Einzelnwesen von 7*000 bis Y100, Y10 und 
1 Linie Grsse, worunter diese zwei letzten Maasse aber schon selten 
sind; Strauch -artige Kolonie'n knnen x /h 1 Linie Hhe und mehr 
erreichen, so dass sie dem unbewaffneten Auge sich leicht verrathen; 
solche mit Gallert-artigem Kolonien-Stock ( Ophrydium) mgen bis Wallnuss- 
und Faust -Grsse erlangen, obwohl die darauf sitzenden Einzelnwesen 
sehr klein sind. Ein Wasser-Tropfen von 1 Kubik-Linie Grsse knnte da- 
her ber 10,000 Millionen der kleinsten jener Einzelnwesen enthalten und 
ist in der That zuweilen so dicht damit erfllt, dass man keine Zwischen- 
rume mehr unterscheidet. 

Die Farben wechseln manchfaltig vom durchsichtig Hellen ins Weiss- 
liche, Grne, Braune, Rothe u. s. w. 

2) Histologie. Der Schlau ch-frmige Krper im Ganzen ist insoferne 
sehr einfach, als er bei jedem Einzelnwesen ungetheilt, ausser den Haaren 
der Oberflche ohne eigenthmliche Anhnge ist und nur zuweilen von 
einem Stiele getragen oder von einer besonderen Scheide umschlossen 
wird. Die Krper-Masse scheint in der Regel nur aus 2 3 histologischen 
Elementen zu bestehen, aus dem Parenchym und der Oberhaut, meist mit 
Wimperhaaren ; die innere Hhle ist stets erfllt von Chymus. Von Muskeln 
sind nur Spuren vorhanden, Gelasse zwar erweisbar, aber ihre Wnde 
kaum je unterscheidbar. Von diesen und von einigen andern seltener vor- 
kommenden Gewebe -Bildungen wird gelegentlich spter die Rede sein. 

Das Parenchym, von Cohn auch Rinden- oder Cortical-Schicht und 
von Carter Diaphane" genannt, das die ganze festere Krper-Masse und 
zumal die Leibes -Wnde bildende Element, ist eine Struktur- lose durch- 
sichtige und oft Krystall- helle sehr zusammenziehbare steife Gallerte, 
welche, an sich stets zur Abrundung ihrer Form geneigt, doch am leben- 
den Thiere auch zarte Fortstze zu bilden vermag und wenigstens eine 
auffallende bereinstimmung mit Sarkode in ihren kontraktilen, nesseln- 
den, zersetzenden, empfindenden Eigenschaften u. s. w. zu erkennen gibt, 
Zuweilen enthlt dasselbe Pigment- und andre Krnchen eingemengt, die 
ihm aber nicht wesentlich angehren. Von einer inneren Haut- artigen Aus- 
kleidung der Leibes -Wnde hat man bis jetzt fast keine Spur gefunden. 
Im Parenchym eingeschlossen sindNucleus, Vesicula und Pigment -Fleck, 
wovon unten. Nach Oskar Schmidt und Lieberkuhn soll auch eine Menge 
Stab - frmiger Krperchen darin eingebettet liegen, welche nach Allman 
zarte Fden hervortreiben knnten mit nesselnder Wirkung. 

An diese Krper-Wandungen lagert sich von innen eine hnliche aber 
minder dichte, flssigere, beweglichere, aber auch an fremdartigen Ein- 



Q0 Aufguss-Thierchen. 

mengungen reichere und daher kaum fr sich darstellbare Materie an, die 
man wohl als den Speisebrei (Chymus) bezeichnet hat, obwohl deren Grund- 
masse schon vor Aufnahme von Speise vorhanden ist (vgl. 10, 8). Von ihrem 
ersten Entstehen an ist sie mit kleinsten farblosen Moleklen von 73000 bis 
V1000 Linie Durchmesser beladen, zwischen welchen etwas spter eine ge- 
ringere Anzahl wenig grsserer farbloser oder gelblicher kugelig, elliptisch 
oder unregelmssig gestalteter, meist dunkel -randiger und Fett -artiger 
Krnchen sich einfindet. Nach der Nahrungs-Aufnahme kommen gewhn- 
lich auch kleine bunt-farbige Chlorophyll-Kgelchen meistens neben grssren 
Ballen von Nahrungs-Theilchen, Stcken von Algen -Fden und leben- 
dig verschluckten Thierchen darin vor, zwischen welchen mitunter einige 
kugelige (doch mit Wasser erfllte?) Leerrume oder Vacuolen liegen. 
Etwas grssre kugelige Blschen und Krperchen, welche, anfangs den 
oben erwhnten Moleklen hnlich, diese bald berwachsen und ein in 
jeder Art eigenthmliches Ansehen gewinnen sollten, hat man Ova oder 
Blastien und, wenn sie noch kleinre Zellchen in ihrem Inneren erkennen 
Hessen, spherical eells" genannt, berall eine mit der Fortpflanzung in 
Beziehung stehende Bedeutung unterstellend. 

Die ussre Begrenzung des Krpers wird fast berall von einem kaum 
wahrnehmbaren Oberhutchen (Cuticula, Pellicula) gebildet, das jedoch 
durch endosmotische Mittel zuweilen abgelst werden kann (bei Parame- 
cium, Loxodcs u. a.). In seinem Inneren Struktur-los, zeigt es auf seiner 
Oberflche bald eine regelmssige feine Lngsstreifung, bald eine spirale 
von zwei Seiten her sich kreutzende Gitterstreifung, in welchem Falle 
zwischen je 2 Paaren vertiefter Streifen immer eine Rauten - frmige Er- 
hhung bleibt, welche ein Wimper -Haar trgt. Diese Streifung scheint 
eine (passive ?) Kontraktilitt der Haut sehr zu begnstigen. In andern 
Fllen hat man die Anwesenheit einer Cuticula noch nicht unmittelbar zu 
erkennen vermocht, obwohl die Erscheinungen des Platzens beim Zer- 
drcken, die regelmssige Insertion der Wimper -Haare darauf, die rasche 
Entwickelung neuer Haare bei Beschdigung der Oberflche, so wie die 
unten berichteten Beobachtungen ber die Exkretionen bei Spirostomum 
und Chaetospira darauf hindeuten. Bei den gepanzerten" Infusorien 
dagegen wird dieses Hutchen dicker und steifer, bei Coleps (10, 1) durch 
Erhrtung ausgeschwitzter Krnchen wie getfelt, bei den Thecomonadinen 
sogar hart und sprde durch Ablagerung von Kieselerde darin. 

3) Empfindungs - Organe. Von einem Nerven- System ha* sich noch 
keine Spur gezeigt, daher auch besondre Sinnes -Werkzeuge nicht zu er- 
warten sind. Doch kommt bei vielen Infusorien -Sippen ein kleiner ein- 
facher oder doppelter lebhaft gefrbter, rother oder selten schwarzer Fleck 
(Pigment-Fleck, Stigma; 9, 4, 5, 11, 14 16, 24, 25, 27) auf dem vor- 
deren Theile des Krpers vor, welcher in Form, Lage und Farbe den 
Punkt -Augen der nchst- folgenden Thier- Kreise zu entsprechen scheint. 
In frher Jugend ist er zuweilen blasser; unter dem Mikroskop lst er 
sich in feine Frb -Krnchen auf, wie sie auch wohl in der Nhe des 



Organischer Bau. 91 

Flecks oder in anderen Theilen des Parenchyms eingestreut vorkommen. 
Eine Licht -brechende Linse liegt nicht davor, obwohl man eine solche 
ohne Pigment dicht am Munde von Bursaria ava gefunden hat. 

Bei Paramecivm, Uroc/lena, Trachelius und Bursaria hat Stein neulich 
Stbchen -frmige Organe um den Mund beobachtet, die er fr Tast- 
Werkzeuge hlt (vergl. S. 89). 

4) Bewegungs-Organe : sind bei allen Infusorien hauptschlich die Haar- 
artigen Anhnge der Oberhaut, obwohl sie auch noch zu andern Zwecken 
dienen. Sie sind von verschiedener Art. Die eigentlichen Wimper- oder 
die F 1 i m m e r - H a a r e (cilia, 10 bei 1 \), welche der Haut-Streifung parallel 
in gerade oder spirale Reihen geordnet die Oberflche gleichmssig und 
meistens berall bedecken und sich in einer bestndig schwingenden 
wirbelnden Bewegung befinden, die bei ihrer Raschheit und der dichten 
Stellung der Haare ein undeutliches Flimmern der Oberflche des Krpers 
verursacht. Auf den Erhhungen zwischen den vertieften Linien stehend 
und deren Fortsetzungen bildend sind sie von allen Haaren die feinsten, 
kurz und von gleichmssiger Strke, selten mit etwas lngeren nach gewisser 
Regel durchmengt (Stentor, 10,4 b). Bei Paramecium Aurelia (10, 15) sind 
im Mittel etwa 50 Lngsreihen mit gegen 70 solcher Wimpern vorhanden, 
was gegen 3500 Bewegungs-Organe ausmacht. In andern Sippen ist die 
Zahl grsser oder kleiner; nur zuweilen sind sie auf queere Zonen des 
Krpers beschrnkt. Mit ihnen zusammen finden sich zuweilen Wimper- 
Borsten (10, 2,4,5) vor, lnger, krftiger, nur eine oder einige Reihen 
bildend, von mehr willkhrlicher Thtigkeit, bald in der Nhe des Mundes 
und bald an den Seiten, und hier mitunter wie in krftigen Ruderschlgen 
sich bewegend (10, 10). Folgende ebenfalls damit zusammen vorkommende 
Haare wirbeln nicht. Borsten (setae, 10, 7, 9, 10, 16 bei VV) schlechthin 
heissen hnliche bewegliche steife Haare, welche nicht zum Schwimmen, 
sondern zum Sttzen, Gehen und Klettern dienen und in geringer Anzahl unten 
oder hinten am Krper stehen. Griffel (styli) sind dick und gerade ohne 
verdickte Basis, am Hinterende des Krpers und diesen sttzend. Haken 
(uncini) endlich sind dick und kurz, Haken-artig gebogen, mittelst Zwiebel- 
artiger Basis angelenkt (10, 7), wirkliche Fsse vertretend, gewhnlich 
in zwei Reihen lngs der Bauch-Seite geordnet. Selten spalten sich einige 
dieser Theile in Fasern oder theilen sich in ste (Euplotes pafelfa). 
Endlich sind noch die strudelnden, durch die Form ihrer Bewegung einen 
Trichter nachahmenden Geis sein (agella, 9, 1-15, 18-23) zu unterscheiden, 
deren 12, zuweilen 3 5 und selten mehr beisammen aus einem Punkte 
an demjenigen Ende des Krpers, welches beim Ortswechsel vorangeht, ent- 
springen, sich bestndig im Wirbel drehen (9, 1) und hiedurch den schwim- 
menden Krper von der Stelle rcken. Wenn ihrer zwei beisammen, sind 
sie oft ungleich" in Stellung und Verrichtung, indem die eine vorwrts 
gestreckt bestndig strudelt, whrend die andre rckwrts nachgeschleift 
wird und dem Thier nach Art eines seitlichen Steuers zur Sttze und 
Richtung zu dienen scheint (9, 10, 22). Man unterscheidet daher die In- 



92 Aufguss - Thierchen. 

fusorien in Ciliata und Flagellata, indem sich cilia und agella nur sel- 
ten bei einerlei Art beisammen finden. Selten endlich kommen Bschel 
langer gebogener Schnell-Haare (10, 12, 13 1"'!"') vor. Die Wimper- 
Haare und -Borsten, automatisch oder willkiihrlich bewegt, dienen also zum 
Schwimmen und zur Erneuerung des umgebenden Wassers, die Wimper- 
Borsten am Munde zur Erregung einer Wasserstrmung nach und in den- 
selben und somit zur Zufhrung der Nahrung; die brigen Haare zu einer 
Art gehenden Ortswechsels (10, 7, 9, 16 b; 11, 7 p). 

Die Bewegung der gewhnlichen Flimmer- Haare, welche sich auch 
an den Schwrm -Sporen der Algen findet, wird nicht durch Muskeln be- 
wirkt; sie ist eine unfreiwillige oder automatische und kann selbst an 
abgerissenen Haut-Fetzchen noch Stunden lang, bis zu beginnender Zer- 
setzung, fortdauern. Ihre nhere Betrachtung ist daher sogleich hier 
schon angemessen (9, 28). Alle Haare, die mit einander in einer Reihe 
stehen, pflegen auch in der Richtung dieser Reihe, etwa wie ein kurzer 
Perpendikel, sich rasch hin und her zu schwingen, aber so, dass jedes 
folgende seine Bewegung um einen Takt spter beginnt, vollendet und 
wieder anfngt als das vorhergehende. Hat nun das erste aufrechte 
Hrchen sich fast im Viertelsbogen um seine Basis gedreht und sich 
beinahe wagrecht niedergelegt, wenn das 8. seine Bewegung beginnt, und 
brauchte es dann eben so lange Zeit, um sich wieder senkrecht aufzu- 
richten, so kann es seine zweite Schwingung gleichzeitig mit der ersten 
des 15., seine dritte gleichzeitig mit der zweiten des 15. und der ersten 
des 29. beginnen u. s. w. Alle vierzehnten Hrchen in der Reihe wrden 
also gleichzeitig immer eine gleiche Richtung mit einander haben und 
abwechselnde Reihen von je 7 Hrchen hinter einander wrden, um je 
einen Takt verschieden, in gleichzeitiger Vorwrts- oder Rckwrts- 
Schwingung begriffen sein (9, 28). Zwar ist es nicht erwiesen, dass die 
Aufrichtung genau so lange Zeit als die Niederlegung braucht und mithin 
die Anzahl der vorwrts schwingenden Haare genau so gross als die der 
zurckschwingenden seie. Auch wrde eine solche Gleichvertheilung der 
Bewegung in Zeit und Raum sich in der Wirkung ausgleichen mssen, 
d. h. wohl ein Wogen, aber kein Vorwrts - Strmen des Wassers oder 
kein Fortrudern des Krpers bewirken knnen, wenn nicht etwa Breite 
und Dicke der Haare verschieden sind und eine solche Drehung derselben 
stattfindet, dass sie beim Hingang mit der breiten und bei der Rckkehr 
mit der schmalen Seite auf das Wasser wirken. 

Indessen sind die Infusorien nicht zu allen Zeiten Bewegungs-fhig 
und manche unter ihnen (Vorticellinen etc.) sitzen fast lebenslnglich auf 
einer Unterlage fest, entweder unmittelbar oder mittelst eines ihr Hinterende 
sttzenden drehrunden oder etwas zusammengedrckten Stieles (11,12). 
Dieser ist einfach oder stig, und entweder derb und steif, innen lngs- 
streifig, von Strecke zu Strecke undeutlich gegliedert und aussen von der 
cuticula berzogen; oder er ist hohl und von eigentmlicher Struktur 
(12, 1 B c D). Die Hhle liegt nmlich nicht in der Mitte des Stieles, son- 



Organischer Bau. 93 

dem zieht schwach spiral um dessen Achsenlinie nahe an seiner Oberflche 
herauf und ist von einem Strange erfllt, der, unten wahrscheinlich daran 
befestigt, die Weite der Hhle nicht ganz ausfllt und sich bei seinem 
bergnge aus dem Stiele in das untre Kreisei-frmige Ende des Vorti- 
cellinen-Krpers Gabelfrmig oder vielleicht in Gestalt eines hohlen Trichters 
ausbreitet und an die Krper-Wnde anzusetzen scheint. Obwohl in An- 
sehen und Mischung mit dem gewhnlichen Parenchyni bereinstimmend, 
scheint dieser Strang doch die Verrichtung eines Muskels zu haben und 
dem Willen des Thieres zu gehorchen. Der spirale Verlauf des Kanales 
im Stiele ist es, der eine Schrauben-artige Zusammenziehung desselben 
bedingt, wenn der in demselben enthaltene Muskel -Strang sich verkrzt 
(12, lc), und die grssre Weite des Kanales ist nothwendig, damit der 
sich verkrzende Strang in angemessenem Verhltnisse sich verdicken 
knne; brigens erhlt der Schrauben-artig zusammengezogene Stiel auch 
noch ein dicht geringeltes Ansehen in Folge der eigenen Verkrzung 
(Fig. S. 82 und 12, 2). 

Bestimmter tritt die Muskel-Natur nach Lieberkhn in einigen Lngs- 
faser-Streifen hervor, welche den Stiel der Stentoren vom Rande der an 
seinem Ende befindlichen Saug -Scheibe an (wo ihrer mehre mit einander 
verbunden sind) bis zum Wimper-Kranze durchziehen. Sie verlaufen unter 
den ungekrnelten Zwischenstreifen zwischen den Lngs-Reihen der Wimper- 
Haare. Diese Fasern charakterisiren sich als Muskel -Fasern namentlich 
dadurch, dass sie abwechselnd in Wellenlinien verlaufen und pltzlich wie- 
der ganz gerade werden, so oft ein Wechsel in der Ausdehnung oder Zu- 
sammenziehung des Stentors sich wiederholt. 

Auch die Acineten-artigen Infusorien, jetzt schon in grosser Manchfaltig- 
keit bekannt, sitzen meistens mit oder ohne Stiel auf einer Unterlage fest, 
die aber fr Podophrya z. B. nur in schwimmenden Schleim-Kgelchen be- 
steht, whrend dagegen Actinophrys (10, 14) frei und ungestielt ist. Alle 
aber unterscheiden sich von den brigen Infusorien dadurch, dass sie gar 
keine Wimpern besitzen, die ihnen zum Ortswechsel oder zum Herbeiwir- 
beln ihrer Nahrung dienen knnten, daher man sie zum Theil fr ruhende 
Puppen-Zustnde andrer Infusorien zu halten geneigt ist (10, 6 1 , 14; 11,6; 
12, 1f n; 2jko), so dass man sogar einzelne Acineten- Sippen als die 
Puppen-Stnde bestimmter andrer Infusorien-Sippen bezeichnete (S. 95). 

5. Ernhrungs- Organe. Einen Mund kennt man bei fast allen aus- 
gebildeten Ciliaten (10 12), einen After bei den meisten (10, bei i, i), 
und wahrscheinlich fehlen beide bei keiner Art. Ungewisser sind sie bei 
den Flagellaten. Beide ffnungen stehen mit der inneren Leibes-Hhle 
in Verbindung, welche vom Chymus erfllt ist, an der aber nur in einem 
Falle eine besondre Haut -Auskleidung bemerkbar geworden ist (10, 8), 
so dass bei der weichen Beschaffenheit und grossen Kontraktilitt des 
Parenchyms Theile des ersten leicht in das letzte eindringen und Theile 
des letzten sich oft verschieben mgen, daher eine feste Grenze zwischen 
beiden schwer auszumitteln bleibt. Der Mund kann bei frei -beweglichen 



94 Aufguss-Thierchen. 

Infusorien an einem Ende oder an einer Seite des Thierchens liegen; 
jenes ist dann das Vorderende, diese die Unterseite ; bei solchen Infusorien, 
welche mit einem Ende festgewachsen sind, liegt er immer am entgegen- 
gesetzten oberen Ende. Mund und After mnden entweder in einem 
gemeinsamen Vorhof zusammen (Einmndige, Anopisthia Eb. : 10,2,3), 
oder sind von einander getrennt und entfernt, der Mund am Vorderende 
und der After hinten (Gegen mndige, Enantiotreta: 10, 6 2 , 8) oder 
unten, oder der Mund liegt unten und der After hinten (10, 9: beide zu- 
sammen sind die Wechselmndigen, Allotreta Eb.), oder ebenfalls 
unten (Bauchmndige, Catotreta Eb. : 10, 7,15). Selten liegt der Mund 
unten und der After auf der Klick -Seite (10, 4, 5). Die Einmndigen 
(die Familie der Vorticellinen : 10, 2, 3; 11, 8 a) und Stentor haben oben 
ein abgestutztes Ende, die sogenannte Stirn, auf dessen Rande ein spiraler 
Spalt in etwas mehr als 1, 2 3 dichten Umgngen herumluft, dessen 
ussres Ende sich etwas abwrts senkt und dann durch eine massige 
ffnung einwrts in die gerumige Vorkammer fortsetzt, welche an einer 
Seite die After -Mndung aufnimmt, whrend sie im Hintergrunde durch 
den Mund in den Rhren- oder Triehter-frmigen Schlund bergeht, von 
dessen Ende dann noch ein etwas weitres Spindei-frmiges und unten offnes 
Stck Speiserhre schief in den Leib hinabhngt : 10, 3 (vgl. auch 10, 15 a). 
Lngs der ganzen Spiralrinne zieht sich auf ihrem usseren Rande eine Dop- 
pel-Reihe von Wimpern hin, beide Reihen zwar fast auf einer Linie stehend, 
aber die eine aus lngeren und aufrechteren, die andre aus krzeren und 
mehr auswrts geneigten Haaren zusammengesetzt : 1 0, 2 b. Schwchre Wim- 
perhaare finden sich auch in der Vorkammer und im Schlnde. In dieser Vor- 
kammer zwischen Mund-ffnung und After-Mndung steht eine nicht wim- 
pernde starke Borste, welche mit dem Ende gewhnlich noch aus dem Ein- 
gang zur Vorkammer hervorragt: 10, 2, 3, tt. Die Flimmer-Bewegung der 
Wimper-Spirale ist geeignet, einen wirbelnden Wasserstrom mit seinem Nah- 
rungs-Gehalte in Vorkammer, Schlund und Speiserhre hinabzufhren; jene 
Borste soll grssre Krperchen zurckschleudern, welche in die Mundflfnung 
nicht eingehen knnen, vielleicht auch die periodische Gegenstrmung aus 
dem After von der fortwhrenden Einstrmung in den Mund ablenken (Lach- 
mann). brigens knnen die Wimpern-tragenden Rnder der Spiralrinne 
mehr und weniger vorgezogen oder dieser ganze Wirbel-Apparat vllig nach 
Innen eingestlpt werden : 1 2, 2 b a. Bei allen andern Ciliaten ist der Mund 
vom After getrennt. Auch dann fhrt gewhnlich noch bald eine spirale 
Wimper-Reihe auf dem Stirn-Ende (Stentor; 10, 4) oder lngs der Seite (Spi- 
rostomum, Bursaria spp., Chaotospira: 10, 5, ? Spirotricha), bald eine schief- 
gebogene oder gerade Lngsreihe strkrer Wimpern ( Oxytrichina, Euplotea: 
10, 7, 15, 16) zum Munde und in den Leib fortsetzenden Schlnde, und selbst 
da, wo der Mund ganz vorn liegt, sieht man sie mitunter noch eine kleine 
Gruppe bilden; aber nie ist mehr (ausser 10, 15a a?) ein als Anfang der 
Speiserhre zu deutender Theil hinter dem Schlund vorhanden, und selbst 
dieser ist nicht mehr berall zu erkennen. Da aber, wo er vorhanden, pflegt 



Organischer Bau. 95 

er durch eine innere Wimper -Bekleidung offen gehalten zu werden. Bei 
Ophryoglena ist im Innern der Taschen - frmigen Mundhhle statt der 
Wimpern eine schwingende Membran zu linden. Bei Glaucoma und 
Cinetochilum, wo der Mund unten am Bauche liegt, ist er noch durch eine 
wie ein Augenlid zuckende Lngslippe bedeckt (11, 2 a). Wimperlos und 
zusammengefallen ist der Schlund jedoch bei der Familie der Chilodonten 
und bei Chlamydodon, seie er nun brigens glatt oder lngsfaltig. Glatt 
ist er nmlich bei Liosiphon , whrend er bei allen andern Sippen dieser 
Familie das Ansehen hat, als seie er aus 6 30 in Form einer Fisch-Reuse 
neben einander gelegten Lngsstbchen zusammengesetzt (Ehrenberg) oder 
von einer in eben so viele Lngsfalten gelegten Haut gebildet (Stein), 
welche mit ihrem vorderen Ende in Form paralleler Zhnchen Lippen- 
oder selbst Rssel-artig aus dem Krper hervortreten knnen, ohne jedoch 
wie ein Gebiss gegen einander zu wirken (10, 9). Hier fehlen auch die 
zufhrenden Wimper-Borsten vor dem Munde des Thierchens, und dieses 
muss daher seine Beute unmittelbar verfolgen und mit dem Munde erfassen, 
welcher bei diesen gefrssigen Wesen offenbar selbststndiger entwickelt 
ist, wie denn auch in der ihnen hierin so nahe stehenden Sippe Harmo- 
dirus (Trachelius ovum) der einzige Fall eines mit einer deutlicheren Haut 
ausgekleideten gerade zum After verlaufenden und seitenstigen Darmes 
vorliegt (10, 8). v. Siebold hat daher dieser Abtheilung der Infusorien 
den Namen Stomatoda, Mund - Infusorien gegeben. Nur in wenigen 
Sippen der Ciliaten hat man noch gar keine Mund-ffnung gefunden, sei 
es nun dass man sie bloss bersehen hat, oder dass solche, wie bei den 
im Inneren anderer Wasserthiere parasitisch lebenden Opalinen, nicht nthig 
ist. Auch bei den Flagellaten (9) ist noch kein Mund unmittelbar be- 
obachtet worden, obwohl man bei den noch theilweise bewimperten Peridi- 
mW- Arten einen seitlichen Ausschnitt des Krpers findet, von welchem 
ein lichter Streifen schief einwrts zieht, der eine Mundhhle anzudeuten 
scheint, und man bei Monadinen, Cryptomonadinen und einer Bodo- oder 
Astasia-Art einige Male verschluckte Bacillarien und grosse Vibrionen und 
bei Euglena lange Algen -Stcke im Inneren gesehen hat. Doch knnten 
diese auch wie bei den Rhizopoden ohne eigentlichen Mund eingenommen 
worden sein und scheint eine Beobachtung Lieberkhn's auf die Mg- 
lichkeit einer bloss saugenden Ernhrung mittelst eines willkhrlieh vor- 
gestreckten Rssels hinzudeuten, wie er etwa bei Rhizopoden und bei den 
mundlosen Actinophryen und Acineten vorkommt. Bei den Actinophryen 
nmlich nimmt man an der Oberflche des Krpers einige rundliche Aus- 
stlpungen wahr (10, 14 Ay), die, sobald ein Nhrstoff darauf zu liegen 
kommt, ihn an sich festkleben und sich mit ihm ins Innere zurckziehen, 
whrend der sie umgebende Rand des Krpers sich ber ihnen schliesst. 
Spitze ber die Oberflche zerstreute Fden mgen mitwirken , die Beute 
an jene Ausstlpungen zu bringen. Die eigentlichen Acineten sind mit 
Faden-frmigen und am Ende gewhnlich Kopf-artig verdickten Fden besetzt 
(10,6; 11, 6'; 12, 1,2). Kommt nun ein andres Thierchen mit diesen Fden in 



Q Aufguss-Thierchen. 

Berhrung, so klebt es an deren Kpfchen fest, das sich wie eine Scheibe 
an dessen Oberflche ausbreitet, auch wohl, wenn diese weich ist, eine 
Strecke weit in sie einsenkt und die Beute aussaugt. Man sieht dann die 
flssige Nahrung durch die hohle Achse der Saug -Fden in das Innere 
der Acinete berstrmen (10, 6 1 " 2 ). Bei Dendrocometes (11, 8hj) schei- 
nen 2 5 solcher Faden-Bschel zu eben so vielen bleibenden dreizackigen 
Armen umgestaltet zu sein; doch fehlen sie zuweilen auch ganz. Eines 
Afters bedrfen nur die feste Nahrung verschlingenden, nicht die saugenden 
Infusorien. Er drfte daher keinem derjenigen fehlen, die einen wirklichen 
Mund haben, und liegt fast immer entweder unten oder hinten. Nur bei 
Steator und der verwandten Chaetospira (10, 4, 5), vielleicht auch Sticho- 
tricha, liegt er in der Nhe des (vordem oder obern) Stirn -Endes, dem 
Munde gegenber, was bei Chaetospira mit durch die Einschliessung des 
hintren Krpers in eine Scheide bedingt sein mag. Auch unter den Fla- 
gellaten hat man bei Monadinen eine Exkretion nahe am Hinterende des 
Krpers wahrgenommen. Ehrenberg's Angabe einer bleibenden After- 
ffnung findet neuerlich durch Lachmann Untersttzung und theilweise 
Besttigung, nachdem andre Beobachter angenommen, dass (ausser etwa 
bei den Vorticellinen) fr jede Excretion, immer ungefhr in derselben 
Gegend des Krpers, eine neue ffnung entstehe, die sich dann sogleich 
spurlos wieder zuheile. Besonders deutlich widerlegt sich diese Ansicht 
bei der eben erwhnten Chaetospira, wo der After auf dem stabfrmigen 
Vorderende des Krpers liegt und die Koth-Ballen (vgl. die Fig.), welche 
zu ihm gelangen sollen, dicker als dieser Stab sind, so dass sie ihn lngs 
ihrem Wege auf allen Seiten aufschwellen machen, ohne frher als an der 
bestimmten Stelle herauszutreten. Eben so bei Spirostomum , wo die 
Koth-Ballen, um zum After am Hinterende des Krpers zu gelangen, sich 
zwischen dessen Oberflche und der Vesicula hindurch zwngen mssen 
und nach beiden Seiten hin eine Anschwellung verursachen, ohne jedoch 
in die Vesicula einzudringen oder frher als an der bestimmten Stelle 
nach aussen gelangen zu knnen. 

Das kontraktile Blschen (vesicula, die kontraktile Vakuole 
Stein's, die Saamen -Tasche Ehrenberg's: 1012 berall bei vv), ein 
im Parenchym nahe der Oberflche gelegenes Scheiben -artig rundes 
und durch seine durchsichtige Helle und Puls -artige Bewegung auf- 
fallendes Blschen, das vorn, mitten oder hinten im Krper, aber bei 
jeder Species immer an derselben Stelle vorkommt, obwohl es bei Arten 
mit undurchsichtigerer Haut, oder wenn der ganze Leib von Futter erfllt, 
schwer wahrzunehmen ist. Man kennt die Vesicula jetzt bei wohl allen 
Ciliaten (10 12) und unter den Flagellaten, wo sie schwerer zu ent- 
decken, bei Euglena, Dinobryon, Chilomonas , Cryptomonas , so dass sie 
wahrscheinlich auch in dieser Abtheilung nirgends fehlt*); zuweilen sind 

*) Aber auch bei Chlamydomonas u. a. Volvocinen kommt sie vor, so dass sie nicht als 
Unterscheidungs-Merkmal zwischen Thier- und Pflanzen-Infusorien" gebraucht werden kann, 
wenn man nicht die zuletzt genannten Wesen auch noch als Thiere ansehen will. 



Organischer Bau. 97 

zwei (10, 15b CD), selten mehr (? Actinophrys, Chilodon, bei Harmodirus 
[10, 8] sogar 40 60) solcher Blschen zugleich, zwei vielleicht immer bei 
beginnender Selbsttheilung vorhanden (10, 9). Dass es nicht, wie ange- 
nommen worden, ein wandloser Leerraum (Vakuole) im Parenchym oder 
gar im Chymus sei, geht theils aus der bestimmten Lage und Zahl, 
theils aus den so eben berhrten Wahrnehmungen ber die Ausfhrung 
der Exkrement -Ballen bei Spirostomum, theils aus seiner ganz oberflch- 
ichen Lage bei Paramecium (10, 15 D bei vv) und Actinophrys (10, 14) u. a., 
wo derselbe im Zustande grsster Ausdehnung platzen msste, theils endlich 
aus den nachfolgenden unmittelbaren Beobachtungen hervor. Das Bls- 
chen ist nmlich in einem bestndigen wechselweisen Erscheinen und Ver- 
schwinden begriffen; es wchst langsam an und fllt dann rasch zusam- 
men , indem es sich dabei mit klarer Flssigkeit fllt und wieder entleert. 
Das Erscheinen des Blschens findet immer wieder genau an derselben 
Stelle statt, wo es verschwunden ist. Obwohl es aber in der Regel nur 
in der angegebenen einfachen Form bekannt ist, so hat man doch schon 
in mehren Sippen davon auslaufende Gefss-artige Verstelungen wahrge- 
nommen, welche, schon ihrerseits schwer zu beobachten, vermuthen lassen, 
dass sie auch in anderen Sippen nicht fehlen, wo eine Vesicula vorkommt. 
Aber sie sind in verschieden gestalteten Infusorien selbst von sehr un- 
gleicher Beschaffenheit. Schon von Spalanzani beobachtet und am ge- 
nauesten bekannt sind sie bei Paramecium Aurelia (10, 15), wo berdiess 
zwei Blschen zugleich regelmssig vorhanden sind. Von jedem derselben 
laufen 5 7 Gefsse Strahlen-artig nach allen Seiten aus, jedes Gefss 
gegliedert, indem es aus 2 5 aneinander-gereihten Birn- frmigen Erwei- 
terungen besteht, welche mit dem dicken Ende gegen das Blschen ge- 
wendet sind und mit dem dnnen bis zur nchsten Erweiterung dieser 
Art fortsetzen. berdiess sind diese Gefsse stig, so dass ihre Anzahl 
zunimmt, wie sie sich von der Vesicula entfernen, und zuletzt auf 28 32 
steigen kann. Haben sie den Band des Krpers erreicht, so biegen sie 
nach innen um; ihre Endigungs - Weise kennt man jedoch nicht. Die mit 
dem einen Blschen zusammenhngenden Gefsse laufen ber oder unter 
denen des andern weg, ohne sich mit ihnen zu verbinden. Alle sind 
jedoch, wie die Vesicula selbst, nur im Zustande der Anschwellung oder 
Fllung kenntlich , und diese Anschwellung wechselt mit der der Vesicula 
ab; entleert sind sie nur selten noch in Form usserst feiner Fdchen 
von gleichmssiger Dicke aufzufinden. Auch bei Parameciwm bursaria 
hat das Blschen mit seinen Anhngen eine solche Rosetten-artige Bildung, 
kommt aber erst in Folge des Druckes (zwischen zwei Deck -Glschen) 
zum Vorschein. Bei Ophryoglena avicans, Bursaria flava und B. cordiformis^ 
bei Glaucoma , Phialina , Spirostomum , Actinophrys ist dieses Gefss-System 
ebenfalls bekannt, und die erstgenannte Art verhlt sich dem Paramecium 
sehr hnlich; sie hat oft 2 Blschen mit bis je 30 Gefssen. Bei der 
Vorticellinen -Sippe Carchesium (10, 3v) sendet die an der Stirn -Scheibe 
gelegene Vesicula einen kurzen Zweig schief ber das Vestibulum; bei 

Bronn, Klassen des Thier - Reichs. I. 7 



J ) S Aufguss - TliierchcTK 

Dmdrosoma radialis zieht sieh ein stiger Gefss-Stamni mit mehrfltigeu 
kontraktilen Erweiterungen durch alle Verzweigungen des Krpers. Bei 
den kreiseifrmigen Stentoren, wo die Vesieula ebenfalls dicht an der 
wimpernden Stirn-Scheibe etwas links von der Speise-Rhre liegt (10, 4av), 
sendet sie ein Ring-Gefss w'w' dicht unter der Wimper-Spirale um den 
Krper herum, whrend ein andres mehrer Erweiterungen fhiges (b, w"w") 
an jeder Seite des lang und spitz zulaufenden Hintertheiles des Krpers 
hinzieht. Bei Flagellaten hat man von diesen Verstelungen noch nichts 
entdeckt. Es ist somit kaum zu zweifeln, dass hier eine Art Gefss- 
System vorhanden ist, nachdem man den Haupt-Bestandtheil desselben 
der Reihe nach fr ein Herz (Wiegmann, v. Siebold), ein mnnliches 
Organ, ein Wasser-Gefss, ein Exkretions-Werkzeug gehalten und sogar, 
durch das Vorspringen eines der Strahlen-Gefsse im Profile des Thieres 
(Paramecium: 10, 15 D, vv) getuscht, eine warzenfrmige Mndung des- 
selben nach aussen entdeckt zu haben glaubte. 

Eigenthmliche Sekretions-Organe sind nicht vorhanden; doch 
vermgen bald gewisse Stellen, bald die ganze Oberflche des Krpers 
eine Flssigkeit abzusondern, welche entweder in dieser Beschaffenheit 
oder nach vorgngiger Erhrtung seine Haut zu verstrken oder sie noch 
mit einer abgesondert bleibenden Hlle oder Cyste zu umgeben bestimmt 
ist, die man sehr hufig bei diesen Thieren findet. (Vgl. 11, 4e, 8f; 
12, Icde, 2c, D.) 

6. Fortpflanzungs-Organe von geschlechtlichem Charakter sind zwar nicht 
bekannt, da die Verjngung durch freiwillige Selbsttheilung und Bildung 
ussrer Knospen ohne Vermittelung eigenthmlicher Organe zu geschehen 
pflegt. Jedoch kommt in allen Infusorien noch ein besonderes Organ 
von zweifelhafter Natur vor, welches bei noch einer andren vielleicht 
geschlechtlichen Fortpflanzungs-Weise mitzuwirken bestimmt ist. Es ist 
diess der von Ehrenberg sogenannte Hode, Testis, nachher Nu eleu s oder 
Kern geheissen (10, 11, 12 bei nn), welcher Ausdruck jedoch nicht 
gleich-bedeutend mit Zellen-Kern genommen werden darf, obwohl man ihn 
anfangs in diesem Sinne angewendet und selbst einen Nucleolus dazu ge- 
funden hat. Man unterscheidet diesen Kern daher jetzt auch wohl als 
Nuclens germinativus oder Keim-Kern (Stein), oder als Embryogene (Cla- 
parede). Dieses Organ fehlt wohl keinem Infusorium, ist feinkrnig, durch 
seine opake Beschaffenheit der hellen Vesieula gegenber auffallend, ge- 
whnlich gelblich, hohl aber dick-wandig, von Scheiben-, Ei-, Spindel-, 
Walzen-, Hufeisen-, Darm- und Ketten-Form, zuweilen verstelt, immer 
von einer Haut lose umgeben. Oft liegt ein viel kleineres, strker licht- 
brechendes Krperchen dabei, von einer Seite oder einem Ende her in 
das erste eingedrckt, zuweilen auch lose daneben, das also auch kein 
wirklicher Nucleolus sein kann, wofr man es gehalten hat; in anderen 
Fllen fehlt dieses letzte ganz (Chilodon etc.). Der Nucleus ist immer 
einzhlig, liegt gewhnlich nach der Mitte des Krpers zu, sitzt im Pa- 
renehyme fest, ragt aber insbesondre bei lngrer Form oft mit einem 



Chemische Bestandtheile. 99 

Tbeile frei in den Chymus-Rauni hinein und kann durch Bewegungen des 
Krpers etwas aus seiner Richtung gebracht werden, in welche er dann 
wieder zurckkehrt. Bildet sich ein junger Knspling am Krper des 
alten Infusoriums aus, so geht immer ein abgelster Theil vom Nucleus 
des letzten in den ersten ber. Bei einigen Oxytrichinen (Oxytricha, 
Stylonychis) ist ein doppelter Nucleus vorhanden. 

Sollte nun der Nucleus eine geschlechtliche Bedeutung haben, so 
wrde es nach dem Mitgetheilten scheinen, als msse er ein weibliches 
Organ sein. Inzwischen sahen J. Mller, Lieberkhn, Claparede und 
Lachmann bei Chilodon cucullulus und bei Paramecium im Nucleus oder 
seltener im Nucleolus sehr feine gewhnlich starre und gerade, selten 
wellig gebogene Stbchen oder Fdchen, dort in verschiedenen Richtun- 
gen durcheinander, hier parallel nebeneinander liegen, zuweilen auch 
schon aus demselben in die Chymus-Masse hervorgetreten, welche als 
Spermatoidien gedeutet werden konnten, aber nie eine Spur von Bewe- 
gung erkennen Hessen. Nur Balbiani, welcher den Nucleus fr den Ei- 
hlter und den Nucleolus fr ein Hoden-artiges Organ erklrt, sah ganz 
neuerlich die daraus hervorkommenden Fdchen sich unter Umstnden 
und in einer Weise bewegen, die, wenn sie sich besttigte, an seiner 
richtigen Deutung dieser Organe kaum einen Zweifel lassen wrden. Wir 
werden jedoch erst spter darauf zurckkommen. 



III. Chemische Bestandteile. 

Der Krper. Der Stoff, welcher die Wnde des Infusorien-Schlauches, 
mit Ausnahme der andern in denselben eingebetteten Theile, und den 
inneren Theil des Vorticellinen - Stieles bildet, entspricht in seinem che- 
mischen Verhalten den Protein -Verbindungen berhaupt und der Sarkode 
(S. 57, 89) insbesondere. Selbst die Haut des Krpers und Stieles verhlt 
sich nicht wie die (Stickstoff- freie) Cellulose der Pflanzen, da sie durch 
Schwefelsure nicht in (damit isomeres) Strkmehl verwandelt und des- 
halb dann nicht durch Jod geblut werden kann*). In hinreichend 
konzentrirter Schwefelsure lst sich dieser Stoff allmhlich auf, doch 
nicht in Salpeter- oder Salz-Sure noch in Kali. Diese letzte Unaufls- 
lichkeit hat er mit dem Chitin gemein , einer Stickstoff-armen Verbindung, 
die sich in den Hllen vieler niedrer Thiere bis zu den Insekten herauf 
wiederfindet; aber seine Unauflslichkeit in den 2 zuvor genannten Suren 
unterscheidet ihn davon. Der Nucleus soll zwar chemisch und optisch 
mit Strkmehl bereinstimmen, ohne jedoch wie dieses durch Jod geblut 
zu werden. Sich hnlich verhaltende Krperchen sind auch im Innern 



*) Diese Eigenschaft findet sich dagegen bei den Volvocinen Ehrenberg's, die wir dem 
Pflanzen- Reiche berlassen haben. 

7* 



1 00 Aufgusa - Thierchcn. 

der Euglenen gefunden worden. Gottlieb hat den sie bildenden Stoff 
Paramylon genannt. 

Doch viele lose Krnchen in der weichen Leibes- Substanz verhalten 
sich fters (in Chilomonas, Polytoma, Chloroc/onium etc.) ganz wie Strk - 
mehl, indem sie durch Jod schn blau werden und sich in konzentrirter 
Schwefelsure langsam lsen. Vielleicht noch unverndertes Futter? 

Pigmente. Viele durch lebhaft bunte und elegante Frbung auffal- 
lende Mund -Infusorien (Nassula, Chilodon, Prorodon, Chlamydodon u. S.w.) 
enthalten in der weichen inneren Krper -Masse eine eigenthmliche von 
Ngeli Pikrochrom genannte Farbestoff- Reihe, welche durch chemische 
wie durch Lebens -Prozesse sehr leicht aus Grn in Spangrn, Indigblau, 
Violett, Purpurroth und Braungelb bergeht. Dieser Stoff rhrt aus den 
Oscillatorien und Nostochinen her, welche jenen Thierchen zur Nahrung 
dienen und von ihnen in grsseren Stcken aufgenommen und verschluckt 
werden. In der lebenden Pflanze scheint er, mit dem Protoplasma in 
Verbindung, ungelst vorhanden zu sein, sich aber in Folge von Ful- 
niss, Verdauung u. s. w. zunchst mit blauer Farbe aufzulsen. Von den 
Infusorien wird jedoch das Pikrochrom, das sich in Form kleiner Trpf- 
chen im Hinterleibe ansammelt, mit andern Fces grsstentheils wieder 
ausgeworfen und verliert seine Farbe im Augenblicke, wo es ins Wasser 
bertritt. 

Ferner wird eines Orange- bis Karmin-rothen Farbstoffs bei gewissen 
lebhaft roth-gefrbten Euglenen und Astasien gedacht, welcher aus Algen 
und Flechten stammend sich Ol-hnlich gegen ther und Alkohol verhlt 
und sich unter gewissen Verhltnissen von der Peripherie nach dem Zen- 
trum hin in Chlorophyll umwandeln kann u. a. Auch die grnen K- 
gelchen in Euglena, Loxodes, Stentor etc. verhalten sich chemisch wie 
Chlorophyll -Krner, da sie durch konzentrirte Schwefelsure spangrn, 
dann blaugrn und endlich unter Auflsung blau werden (Colin). 

Es ist daher schon voraus zu erwarten, dass die meisten Infusorien- 
Arten vor der Aufnahme von Nahrung farblos erscheinen, welche nach 
derselben lebhaft gefrbt sind, und dass ihre Frbung oft in mehren 
der oben angegebenen Nuancen spiele. In der That kommen nach Focke 
alle grn angegebenen Arten auch farblos, und viele roth und blau an- 
gegebene oft roth und weiss vor. 

Die Ophrydinen sitzen auf einer von je einer Kolonie gemeinsam ab- 
gesonderten Struktur-losen Gallert-Kugel fest (11, 4 ab), welche bei der 
Analyse keinen Stickstoff liefert. 



1Y. Lebens - Verrichtungen. 



p* 



1. Bewegung. Die Bewegungen der Aufguss-Thierchen bertreffen an 
Lebhaftigkeit und Vielartigkeit bei Weitem die der brigen Amorphozoen. 
Die meisten sind durch eine grosse Kontraktilitt ausgezeichnet, welche 



Lebens - Verrichtungen. \ Q J 

jedoch nicht allen in so hohem Grade zukommt und auch bei einer mehr 
Panzer-artigen Erstarrung der ussern Hlle notwendiger Weise usser- 
lieh zurcktritt. Die meisten knnen daher in hherm Grade und mehr 
oder weniger rasch ihre Gestalt ndern, ovale oft sich bis zur Spindel - 
und Faden -Form ausdehnen und bis zur Kugel -Form zusammenziehen, 
sich in verschiedenen Richtungen krmmen und schwenken, den halbfls- 
sigen Inhalt ihres Innern schnell von einer Stelle des Krpers zur andern 
treiben, und ihre Wimper -Haare alle oder theilweise willkhrlich in 
Schwingung versetzen oder ruhen lassen. Die erwhnten Zusammenzie- 
hungen werden bei den Vorticellinen auf eine sehr pltzliche Weise durch 
ein heftiges Zusammenschnellen mittelst des oben (S. 92) beschriebenen 
Stieles bewirkt. Auch vermgen dieselben sowohl den vorn gelegenen 
Mund- und Wimper-Apparat als das hintre dem Stiel aufsitzende Ende 
des Urnen-frmigen Krpers ganz in sich hineinzuziehen und zu verber- 
gen, indem der Krper sich verkrzt und verdickt und in Ring-frmige 
Runzeln legt, wobei zweifelsohne die Muskel-Fden behlflich sind, welche 
man innen vom Stiel -Ende nach den Seiten -Wnden des Hinterkrpers 
auseinander laufen und sich befestigen sieht (S. 93). 

Ein Ortswechsel findet wenigstens in bedingter Weise bei fast 
allen Infusorien statt. Bei Weitem in den meisten Fllen ist er vollkom- 
men: alle Arten schwimmen frei, auch die aufgewachsenen wenigstens 
in ihrem Jugend-Zustande. Dieses Voranschwimmen wird auf mehrfache 
Weise bewirkt: entweder durch die wie es scheint an und fr sich dem 
Willen nicht unterliegende Bewegung der dichten kurzen Flimmerhaare, 
oder die Schwingung einiger krftigeren mehr im Umkreise des Krpers 
oder an einem Theile desselben stehenden Schwung- oder Ruder-Borsten 
der Ciliaten, oder durch eine strudelnde Bewegung von je 1, 23 langen 
nur am vordem Ende des Krpers wirkenden Strudel-Borsten oder Geiseln 
der Flagellaten (S. 91). Die Richtung des Thieres ist dann von Krmmun- 
gen des Krpers in sich oder in Beziehung zu jenen Haaren abhngig. 
Dabei ist sie meistens zusammengesetzter Art, indem nur die einer krf- 
tigeren Bewegung fhigen Species einfach gerade -aus schwimmen, die 
andern aber sich bald zugleich seitlich um ihre Lngs-Achse drehen und 
somit wie eine Schraube vorwrts dringen, bald wie eine Kegel- Kugel 
vorwrts um sich selbst rollen, obwohl der Lngs-Durchmesser zuweilen 
der grsste ist, so dass sie sich fortwhrend berschlagen mssen; 
bald endlich verbinden sich diese zweierlei Bewegungs -Arten etwas ab- 
gendert mit der ersten. Die Schnelligkeit der mit Ruder- Borsten sich 
vorantreibenden Arten ist eine vielfach grssere , als die der meisten blos 
flimmernden: Verminderung gleichnamiger Organe ist wie gewhnlich 
mit Steigerung der Funktion verbunden. Die Wimperborsten- und 
Griffel-tragenden Formen endlich (10, 7, 10, 16) vermgen mit deren Hlfe 
auch fast wie gehend und kletternd auf festen Unterlagen hinzugleiten, 
oder sich anzusetzen (10, 9a, 16b). Andre, welche ihre Haare unmit- 
telbar vor dem Eintreten einer Metamorphose abwerfen, knnen dann 



102 Aufguss - Tbicrchen. 

noch fast nach Art der Amben und Sehwamm-Zellen (S. 16) kriechen. 
Stehen bei den Mundlosen zwei oder mehr ungleiche Geiseln" am vor- 
dem Ende oder nach dem Seitenrande hin beisammen (10, 10, 22), so 
dienen das oder die vorwrts gerichteten durch ihr Strudeln das Thier 
von der Stelle zu bewegen, die ruhenden nachschleppenden aber dazu, 
ihm eine Sttze und nach Art eines Steuers das Mittel zu bieten, auf die 
Richtung des Ortswechsels einzuwirken. Die fest-sitzenden Formen (Vor- 
ticellinen hauptschlich) sitzen fast immer entweder auf einem einfachen 
oder stigen Stiele, oder in einer zylindrischen bis Ei-frmigen oben offen- 
bleibenden Scheide. Diese (10, 5, 11, 5, 7) sind entweder am Boden 
der Scheide festgewachsen und knnen sich dann an diesem zusammen- 
ziehen und bis in deren Mndung ausdehnen , oder sie sind nur innerhalb 
des Mndungs - Randes und vielleicht gar nicht befestigt , und dann ziehen 
sie sich zeitweise ganz vom Boden zurck oder verlassen schwimmend 
die festgewachsene Scheide (Spirochona). Andre Vorticellinen sitzen auf 
einem derben oder hohlen Stiele. Auf dem ersten (12, 2 ab) knnen sie 
nur mehr oder weniger hin und her schwanken; mit Hlfe des letzten 
(12, 1b CD) merkwrdige Bewegungen ausfhren, indem sie denselben 
nmlich erst langsam gerade ausstrecken und dann pltzlich zusammen- 
schnellen, so dass er eine kurze enge geschlossene Hohl -Schraube nach 
Art der pflanzlichen Spiral-Gefsse darstellt. Sie bewirken Diess durch 
eine rasche zuckende Verkrzung und Verdickung (Zusammenziehung) des 
den weiten Spiral-Kanal des Stieles von unten bis in das ihm aufsitzende 
Hinterende des Krpers durchziehenden und sich in diesem verbreitenden 
und befestigenden Muskel - Streifens (10, 2 m). Diese fortwhrend sich 
wiederholenden Zusammenschnellungen sind zweifelsohne geeignet einen 
strkeren Wechsel des ruhenden Wassers mit seinem Nahrungs- Gehalte 
in der Umgebung dieser Thierchen zu bewirken, welche den Ort in der 
Regel nicht wechseln, obwohl sie gleich den brigen Vorticellinen auf 
allen Entwicklungs-Stufen das Vermgen besitzen, sich von ihren Stielen 
abzulsen, umherzuschwimmen, sich anderweitig niederzulassen und n- 
thigenfalls einen neuen Stiel zwischen sich und der Anheft - Stelle zu bil- 
den. Jene Ablsung erfolgt entweder ganz unvorbereitet, und dann 
schwimmt das Thierchen, vom Mundwimper -Organe gefhrt mit dem 
Mund - Theile des Krpers voran; oder es bildet sich zuerst einen das 
Hinterende des Krpers unfern dem Stiele umgebenden eignen Wimper- 
Kranz aus, und dann schwimmt es mit dem Hinterende voran. 

2. Empfindung. Obwohl ein Nerven-System und (etwa von den nicht 
immer vorhandenen Pigment -Flecken abgesehen) Sinnes - Organe nicht 
nachweisbar sind, so zeigen sich die Infusions - Thierchen doch fr Ein- 
drcke des Lichts, der Temperatur, der Riech-Stoffe wie fr mechanischen 
Druck empfnglich. Sie suchen in der Regel (einige Euglena-Arten sehr 
auffllig) das Licht. (Von den hier ausgeschiedenen Volvocinen wird be- 
hauptet, dass sie es fliehen.) Sie erwachen zu einer lebhafteren Thtig- 
keit unter dem Einfluss der Wrme, Avelche das Sonnen -Licht, auf ein 



Lebens - Verrichtungen. 103 

sie enthaltendes Wasser-Gefss fallend, in diesem entwickelt. Selbst unter 
dem Eise, wie im geheizten Zimmer, scheint das Licht oft mehr als die 
Wrme auf sie wirken. Sie sind im Stande ihnen erreichbare zur Nah- 
rung geeignete Stoffe aufzusuchen, wobei sie offenbar das Gesicht weni- 
ger als der Geruch oder Geschmack leitet. Diese Aufsuchung entfernter 
Nhrstoffe, ihre haufenweise Versammlung da, wo sie solche entdecken, 
deutet auf die ersten Spuren eines ber blosse Reitzbarkeit hinausgehen- 
den Bewusstseins hin. 

Eine ganz ausserordentliche Reitz-Empfnglichkeit zeigt sich zuweilen, 
wenn ein Infusorium mit einem andern grsseren, dessen Wirbeln jedoch 
nicht stark genug ist um jenes in seine Gewalt zu bekommen, zusammen- 
trifft. Es nhert sich ihm ohne Kenntniss oder Ahnung einer Gefahr, 
fhrt aber bei der ersten Berhrung mit den Wimpern desselben blitz- 
schnell zurck, zieht sich zusammen und sinkt regungslos nieder; es ist 
die Wirkung der Sarkode, wie wir sie bei den Rhizopoden gesehen haben. 
Festsitzende Infusorien knnen einer drohenden Gefahr nicht wie 
andre durch die Flucht, sondern nur durch Zusammenziehung entgehen 
(12, 2 iia) und bemessen den Grad dieser Zusammenziehung nach der 
Grsse und Dauer der Gefahr. So zieht Opercularia unter den Vorti- 
cellinen z. B. anfangs nur das Wirbel-Organ etwas zurck, um es bald 
wieder zu entfalten ; dann verkrzt und verdickt sie bei weiter drohender 
Gefahr den schmleren Basal-Theil ihres Krpers, so dass er Ring-frmige 
Runzeln bildet; endlich zieht sie sich so stark zurck, dass dieser an- 
fangs spitze Theil sich rund um das obre Ende des Stieles herabstlpt 
und solches einschliesst, whrend das Wimper -Organ sich tief in die 
Mundhhle herabzieht, deren obrer vordrer Rand sich dann ber das- 
selbe herlegt. 

Bloss kurze schwingende Erschtterungen des Wassers scheinen fr 
die Infusorien kaum wahrnehmbar zu sein , da sie sich dabei nicht beun- 
ruhigen oder zusammenziehen, wenn nicht eben die festsitzenden eine 
Ausnahme machen, welchen die Erschtterung noch durch ihre feste Un- 
terlage mitgetheilt wird. 

3. Ernhrung. Mag das Thierchen festsitzen oder zu Auffindung 
seiner Nahrung den Ort wechseln, so scheint es doch in der Regel 
keine andren Nahr-Stoffe in sich aufnehmen zu knnen, als solche, welche 
mit der Wasser - Strmung in Folge der AVimper- Bewegungen um und in 
seinem Munde in diesen hineingefhrt werden, wobei sich aber ein wei- 
teres Gefhl und, wie es scheint, Urtheil mit willkhrlicher Bewegung 
kundgibt, indem unbrauchbare oder grossre Krperchen durch die Borsten 
im Vorhof des Vorticellinen - Mundes abgestossen werden? Da wo man 
die Aufnahme der Nhrstoffe unmittelbar beobachten konnte, bestanden 
solche in kleinen Theilchen von Konferven verschiedener Art, in Splitter- 
chen, Zellchen, Pigment -Krperchen, auch in ganzen kieseligen u. a. 
Diatomaceen, Vibrionen und kleineren Infusorien selbst. Die spiralen 
oder geraden Wimper-Reihen , welche vor dem Munde der meisten Ciliaren 



^04 Aufguss - Thierchen. 

stehen und sich oft bis in den Schlund hinein fortsetzen (S. 94), leiten 
Wasser-Strmchen samnit ihrem Gehalte an organischen noch lebenden 
oder schon todten Krperchen dahin. Sind Schlund und Anfang* der 
Speiserhre wohl ausgebildet wie bei den Vorticellinen , so sammeln sich 
dieselben in dieser letzten zu spindelfrmigen Ballen an, werden dann 
von Zeit zu Zeit mit etwas Wasser in die Verdauungs-Hhle gestossen, 
in welcher der Chymus in bestndiger sehr langsam um die Mitte krei- 
sender Bewegung ist. Die Speise-Ballen treten mit einer grsseren Schnel- 
ligkeit auf der einen Seite in diesen Kreislauf ein, nehmen langsamer 
oder schneller eine Kugel-Form an (10, 2, 15a der Pfeil), ermssigen binnen 
etwa einem halben Umlaufe ihre Schnelligkeit allmhlich auf die der sie 
umgebenden Masse und wiederholen denselben mehrmals so, dass sie 
immer ungefhr in der nmlichen Kreisbahn bleiben , obwohl Bewegungen 
des Thieres, der Eintritt neuer Nahrungs- Ballen u. dgl. solche jedesmal 
etwas abndern werden. Colin beobachtete , dass ein Umlauf bei Loxodes 
11 l j 2 Minuten whre. Ein Antheil dieser Speise -Ballen, Pigment -Krn- 
chen , Fett-Trpfchen u. dgl. gehen indess allmhlich in den Chymus ber. 
Der Rest sammelt sich, mitunter seine Ballen -Form verlierend, in der 
Nhe des Afters (der aber bei Chaetospira, Spirostomum u. a. ziemlich 
weit ausser Weges zu sein scheint) an und wird von Zeit zu Zeit durch 
diesen ausgestossen (10, 15 D bei i). Bei den Vorticellen muss er dabei 
durch die Vorkammer, an dem einfhrenden Wasser-Strome vorbei, nach 
aussen gehen (10, 3). Bei den Paramecien u. a. Sippen, deren Schlund 
noch bewimpert, aber ohne den Spindei-frmigen Anfang einer Speise- 
rhre ist, treten die Speise -Ballen schon mit Kugel -Form in die Ver- 
dauungs -Hhle ein (10, 15 a). Coleps (10, 1), dessen Mund ohne be- 
sonderen Wimper-Apparat ganz am Vorder-Ende liegt, schwimmt gegen 
die im Wasser aufgefundenen Nahrungs - Theilchen an und schiebt sie so 
gleichsam in den Mund hinein. Auch einige andre Sippen, deren Schlund 
weder aussen mit einem Wimperborsten-Streifen in Verbindung steht, noch 
einen inneren Wimper -berzug zu erkennen gestattet (Enchelys , Trache- 
Hus, Trachelocerca), scheinen gar keine Speise-Ballen zu bilden. Die mit 
einem Fischreusen -hnlichen oder lngsfaltigen unbewimperten Schlnde 
versehenen Chilodonten (10,9) mit Einschluss von Clamydodon, Liosiphon 
und Harmodirus (Trachelius ovum) schlingen grssre Thierchen und Kon- 
ferven-Fden ein, welche, oft betrchtlich lnger als sie selbst, dann bald 
das Thier bis zur Entstellung in die Lnge ziehen, bald sich 1 2 mal 
auf sich selbst zurckbiegend solches mehr in einer Ebene ausdehnen. 
Die Mittel, wodurch es so lange Fden in sich hineinstopft, sind noch 
nicht klar. Amphileptus (A. meleagris Eb.?) endlich sahen Claparede und 
Lachmann an einem Epistylis- oder Carchesium-BMwcken hinanklettern, es 
betasten und, als er eines der am Zweige sitzenden Thierchen fand, seinen 
Mund (der sonst nie zu erkennen ist) weit ffnen, von oben ber dasselbe 
stlpen, es ganz in sein Inneres einschliessen , sich mit einer Cyste um- 
geben, darin in halben und ganzen Drehungen rechts und links schwanken 



Lebens- Verrichtungen. 105 

und endlich die Vorticelline von ihrem Stiele losreisseii, um nun unter fortwh- 
renden vollstndigen und regelmssigen Rotationen seine Beute zu verdauen, 
deren Pulsationen immer langsamer wurden und endlich aufhrten; das 
Thierchen war gestorben und verwandelte sich in eine opake Masse im 
Innern des Amphileptus, welcher mithin als Beispiel eines wirklich fres- 
senden Infusoriums aufgefhrt werden kann. Wie die des Ortswechsels? 
des Mundes und meistens der Wimpern entbehrenden Actinophryen, Aci- 
neten und (chten) Opalinen sich ernhren, ist schon oben angedeutet 
worden. Die ersten vermgen gewisse Blasen - frmige Stellen ihrer 
Krper-Oberflche mit den darauf klebenden Nahrungs -Krperchen in ihr 
Inneres einzustlpen (10, 14 Ay); die zweiten die auf die Enden der 
ausgestreckten Fden gerathende Beute mit Hlfe dieser Fden, die sich 
nun im Innern hhlen und am Ende Scheiben-frmig gestalten, auszusau- 
gen; die dritten, welche als Parasiten in anderen Wasser- Thieren 
leben, nhren sich endosmotisch, mithin gleich den vorigen nur durch 
Aufnahme flssiger Nhrstoffe. Die Flagellaten , an welchen Mund und 
After ebenfalls noch nicht nachgewiesen sind, obwohl in mehren Fllen 
angedeutet scheinen (S. 95), knnten sich jedenfalls auf eine dieser drei 
letzten Weisen ernhren. 

Eine Art Kreislauf der Sfte wird bei allen Infusorien durch, das 
oder die oben beschriebenen kontraktilen Blschen vermittelt. Indem sich 
das Blschen langsam mit wasserklarer Flssigkeit fllt und pltzlich zu- 
sammenfallend wieder im Parenchym verschwindet, vermag es einen 
Wechsel der Sfte in diesem letzten zu vermitteln, wie er sich in ausgebil- 
deterer Weise bei den Tracheen -Insekten wiederholt. In hherem Grade 
wird diese Wirkung eintreten, wo von den Blschen aus Gefss - artige 
Kanlchen sich durch den Krper verbreiten und versteln. An ihrem 
von dem Blschen entferntesten Ende fangen sie an sich zu fllen, nach- 
dem dieses sich entleert hat und zusammengefallen ist; die Fllung schrei- 
tet langsam gegen das Blschen vorwrts, indem mit der Lnge auch 
die Straffheit der gefllten Theile zunimmt; sie erreicht endlich das Bls- 
chen und, indem sich dieses (bei Paramecium Aurelia pltzlich) anfllt, 
fallen die Gefsse zusammen, so dass selbst jene, welche whrend ihrer 
Fllung kugelige, Birn-frmige u. a. Erweiterungen gezeigt, jetzt nur noch 
in Faden-Form oder gar nicht mehr zu entdecken sind. (Die Darstellung 
auf Taf. 10, Fig. 14 BC gibt der Deutlichkeit willen die Zustnde in 
Blschen und Gefssen als gleichzeitig, wie sie in Wirklichkeit nur 
abwechselnd erscheinen.) In welchem Zusammenhange dieses Gefss- 
System mit der Verdauungs-Hhle stehe, wo es entspringe und wohin es 
sich entleere, ist nicht ermittelt. Dass es jedoch nicht in blossen Lcken 
des Parenchyms bestehe, sondern seine eignen Wandungen habe, geht 
aus seiner ganzen pulsirenden Bewegungs-Weise hervor. Einen geschloss- 
nen Kreislauf bildet es aber wohl nicht. Auch Wimper-Haare sind in 
seinem Innern nicht vorhanden. Wo viele Blschen beisammen sind, wie 



\QQ Aufguss- Thierchen. 

bei Harmodirus, da ist immer nur eine geringe Anzahl derselben in gleich- 
zeitiger Thtigkeit sichtbar. 

brigens versichert Stein, erst neulich an der kontraktilen Vesicula 
von Bursaria leucas eine ffnung beobachtet zu haben, welche das Was- 
ser, das vom Thiere fortwhrend eingenommen wird, wieder hinausschaffe. 

Der Respirations-Prozess, die Einwirkung der im Wasser ent- 
haltenen Sauerstoff-Luft auf die Sfte-Masse der Infusorien, kann bei der 
Kleinheit ihres Krpers, der Zartheit ihrer Haut, dem steten Wechsel der 
sie umgebenden Flssigkeit und der bestndigen Einstrmung derselben mit 
den Nahrungs-Mitteln in den Krper gengend stattfinden, ohne dass be- 
sondre Organe dazu erforderlich wren. (Diesem Respirations- Medium 
gegenber befindet sich der ganze Krper in demselben Verhltnisse, wie 
bei den Fischen das besondre Athmungs-Organ , die Kiemen.) 

Sekretionen als gelegentliche Folgen der Assimilation sind nicht 
bekannt; wohl aber kommen solche vor, welche man als Exkretionen zu 
bezeichnen pflegt, obwohl sie bestimmte zum Thiere gehrige Bildungen 
unmittelbar bezwecken. So scheiden einige Sippen eine Gallert-artige 
oder schleimige Masse aus, auf der sie sich befestigen (Ophri/dium, 11,4) 
oder in die sie sich hllen (Chaetospira). In anderen Fllen erhrtet die 
ausgeschiedene Masse, welche entweder in kleinen Krnchen ausschwitzt 
und einen getfelten berzug auf der Haut selber bildet (Coleps, 10, 1), 
oder, nachdem das Thierchen sich in Kugel -Form zusammengezogen 
und zur Ruhe begeben, eine selbststndige weiche oder meistens sprde 
rundliche Hlle um dasselbe, eine Cyste, zu bilden bestimmt ist. Eine 
solche Cyste (dergleichen wir schon bei Amoeba gefunden) vermag sich 
das Thier auf jeder Stufe seines Lebens, bei jeder Grsse, in jedem Le- 
bens-Akte, selbst whrend der freiwilligen Theilung, wo dann Zwillings- 
Cysten entstehen, oder whrend jeder andern Vermehrungs- Weise zu bil- 
den, und thut es, wie es scheint, gewhnlich sobald ussre Verhltnisse 
zuflliger oder in der Jahreszeit bedingter Art (Trockne, Klte) seine 
Lebensthtigkeit erschweren oder zu hemmen drohen. Frei bewegliche 
Infusorien knnen sich auch dann noch rotirend bewegen und nach be- 
seitigter Gefahr sich unverndert wieder befreien, oder sie thun Diess erst, 
nachdem sie sich metamorphosirt oder vermehrt haben. Amphileptiis 
scheint sich, wie wir (S. 104) gesehen, gewhnlich zu incystiren, whrend 
er seine Beute verdauend auf Vorticellinen -Bumchen sitzt! Zuweilen 
sieht man Cothurra imberbis ihre Scheide, die aus gleicher Substanz wie 
die Cuticula, nur etwas strker gebildet ist, verlassen und sich ander- 
wrts festsetzen, wo sie alsbald beginnt sich eine neue zu bauen (11, 5). 
Das alte Thierchen steht fast zylindrisch auf Kreisei-frmiger Basis, welche 
oben durch eine Ring-Furche von dem Zylinder abgegrenzt wird, unten 
in einen kurzen Stiel fortsetzt. Da wo der Kreisei-frmige Theil in den 
Stiel bergeht, durchsetzt er den Boden der Scheide, welche dasselbe in 
Gestalt einer ausgeblasenen und oben offenen Ei-Schaale umgibt. Ist es 



Lebens - Verrichtungen. 1Q7 

nun nach seiner Auswanderung und Wiederfestsetzung in der Notwen- 
digkeit eine neue Hlse zu bilden, so zieht es sich so zusammen, dass 
der zylindrische Theil in dem Kreisei-frmigen wie eine kurze Eichel in 
ihrem Npfchen steckt. Dieses Npfchen sondert nun auf seiner ganzen 
Oberflche den Stoff fr die neue Hlse aus, welche bald erhrtet und 
mit ihrem obren Rande einwrts gewendet an die Ring-Furche ber dem 
Npfchen anschliesst. Dann streckt sich das Thierchen immer mehr in 
die Hhe und die Scheide wchst in gleichem Verhltniss aufwrts, in- 
dem ihr obrer Rand immer einwrts gekrmmt bleibt und rund um das 
Thierchen herum gegen die Ring-Furche herabsteigt, von welcher es allein 
seinen Zuwachs erhlt. Hat die Scheide endlich die erforderliche Hhe, 
welche der des gestreckten Thierchens gleichkommt, erreicht, so lst sich 
ihr Zusammenhang mit der Ring-Furche, ihr Rand wird frei und durch 
die Bewegungen des Thierchens etwas auswrts gedrngt. 

4. Fortpflanzung. Die Fortpflanzungs-Weise ist vielfltiger, und diese 
Vielfltigkeit allgemeiner bei einerlei Art von Infusorien zu finden, als in 
irgend einer andern Thier- Klasse; denn sie ist oft eine 2 4 fache bei 
einer und der nmlichen Species, doch bis jetzt noch nicht als geschlecht- 
liche Erscheinung mit Bestimmtheit nachweisbar. 

a) Die ussre Knospen-Bildung (Gemmiparite) kommt in 
den 2 oder 3 Hauptabtheilungen der Klasse in mehren Familien und 
zumal bei den Vorticellinen vor; doch gengt es hier, einige Flle nher 
anzugeben. Die Knospen erscheinen als kleine rundliche Hcker an der 
Oberflche des lterlichen Einzelwesens, aus dessen Verdauungs- Hhle 
bald ein feiner Kanal in dieselbe eintritt. Die Knospe vergrssert sich 
dann, nimmt usserlich die Form des Mutter -Thieres an, entwickelt in 
ihrem Innern Vesicula und Nucleus unabhngig von den lterlichen, schnrt 
sich ab und vermag bald selbst wieder auf diese Art sich zu vervielfltigen. 
Der Aussensprssling hngt bald nur durch sein spitzes Unterende, bald 
durch eine grssre Seitenflche mit dem Mutter-Thiere zusammen. Unter 
den Mundlosen vervielfltigt sich auf diese Weise die spitz kegelfrmige, 
nackte und am stumpfen Vorderende 3 5 Geissein tragende Uvella (Pha- 
celomonas) bodo; sie bedeckt sich in der Mitte des Krpers mit Hcker- 
frmigen Knospen, welche dann allmhlich so gross wie das Mutter-Tkier 
werden, ihre Geissein bekommen, zusammen eine Maulbeer-Form darstellen 
und zuletzt auseinanderfallen und einzeln umherschwimmen, aber schon 
whrend dessen anfangen, selbst neue Knospen zu bilden. Ferner Dino- 
bryon, eine von einer hohl kreiseifrmigen Scheide umgebene Monade, 
woran die Basis eines jeden neuen Kreisels auf dem Rande des lterlichen 
Kreisels sitzen bleibt, so dass aus dem Ganzen ein Sertularien- frmiger 
Infusorien-Stock entsteht (9, 27). 

Unter den Mund-Monaden ist die Knospen-Bildung bei den Vorticellinen 
sehr allgemein (11, 7A,kk; 8 AB, kk'; 12, 1b, kk')- Am untersten Theile 
des mehr und weniger Kreisei-frmigen Krpers, womit derselbe auf sei- 



108 Aufguss- Thierchen. 

nein Stiele oder fremder Unterlage aufsitzt, entstehen 1, 2 3 Knspchen, 
gewhnlich etwas nach einander, doch mit einander sich entwickelnd. 
Wenn sie die Form und alle Bestandtheile wie das Mutter-Thier, oft lange 
zuvor als sie die Hlfte von dessen Grsse erlangt haben, besitzen, lsen 
sich die Knsplinge mit ihrem spitzen Unterende von demselben ab und 
schwimmen, mit dem Munde vorwrts und durch dessen Wimpern bewegt, 
in die Weite, um sich an einer andern Stelle niederzulassen und, selbst 
noch kaum zur Hlfte ausgewachsen, neue Knospen zu bilden. Gewhn- 
lich jedoch hat sich vor ihrer Ablsung auch noch ein Kranz von Wimper- 
Haaren etwas ber ihrer spitzen Basis gebildet, und dann schwimmen sie 
mit dieser voran. In der zur gleichen Familie gehrigen Sippe Spiro- 
chona mit steif-wandigem Krper entsteht der Knspling hher oben in der 
Nhe des Mund -Randes und vielleicht zugleich durch eine Art Theilung, 
da die eine dem Mutter-Krper zugewendete Nebenseite sich vor der Ab- 
trennung theilweise nur durch eine dnne Haut schliesst, worauf das junge 
Thier sich ablst, davon schwimmt, sich anderweitig festsetzt und erst 
hier das Wimper -Organ des Mundes ausbildet, wobei ber der hutigen 
Stelle ein Spalt offen bleibt (11, 8kk'). 

Auch bei Denrosoma radians Eb., einem ?Podophrya-hnlichen Thiere, 
rindet Vermehrung durch Aussensprsslinge statt, die aber mit dem Mutter- 
Thiere noch enger zusammenhngen, indem hier der (einzig bekannte) 
Fall vorkommt, wo auch ein Theil des mtterlichen Nucleus in den Sprss- 
ling bergeht. Es ist Diess schon mehr eine Art Selbsttheilung. 

b) Durch Selbsttheilung (Fissiparite) scheinen sich beinahe 
alle Infusorien (die vorhin erwhnte Spirochona u. e. a. ausgenommen) 
vervielfltigen zu knnen. Auch hiedurch erfolgen nur Mutter-hnliche 
Individuen, die jedoch, da die Theilung durch die Mitte des Krpers geht, 
immer auch eine Hlfte oder einen kleineren Theil des Nucleus in sich auf- 
nehmen, zuweilen auch eine Vesicula halbiren. Jedenfalls ist die zweite 
Vesicula immer schon gebildet, ehe die ussre Theilung beginnt. Ist aber 
in einer Sippe der Nucleus zweifach vorhanden, da geht jeder, sich zwei- 
theilend, in einen andern Hlbling ber. Das Thierchen, welches sich 
zur Selbsttheilung anschickt, wird ruhiger, trger, frisst nicht und entleert 
sich auf diese Weise allmhlich. Die Theilung des Krpers geschieht 
von entgegengesetzten Seiten oder nur von einer Seite her gegen die 
Mitte zu, je nach Verschiedenheit der Sippen und Arten entweder in 
longitudinaler oder in diagonaler oder in queerer Richtung, fter aber 
auch in Lngs- und Queer-Richtung zugleich, einfach oder mehrfach, und 
im letzten Falle ganz gleichzeitig oder rasch nach einander, so dass bereits 
eine neue Theilung beginnt, ehe die alte vollendet ist; und alle diese 
neuen Individuen knnen denselben oder einen etwas einfacheren Prozess 
schon wiederholen, wenn sie erst die halbe Normal-Grsse ihrer Art erreicht 
haben, so dass die Vervielfltigung eine ganz ausserordentliche werden 
knnte, wenn nicht da und dort eine Hemmung derselben eintrte. Es 
erklrt sich daraus die sehr auffallende Grsse- Verschiedenheit der zu 



Lebens -Verrichtungen. 109 

einer Art zusammengehrigen Einzelnwesen, so wie die etwa ungleiche 
Lage des Nucleus in denselben. 

Nur bei wenigen Infusorien sind die 2 Seiten rechts und links einander 
vollkommen gleich, daher auch die aus der Theilung entstehenden Hlb- 
liuge fast immer mehr und weniger ungleich sein mssen. Bei Acineta, 
Mystacina und Umula ist der eine ganz bewimpert und der andre nackt; 
in andern Fllen trgt der eine mehr gemeinsame Organe als der andre 
davon und hat deren weniger nach-zubilden (vergl. Lagenophrys, 11, 7). 

Die Lngs -Theilung geht gewhnlich durch den Mund, wenn dieser 
in einem Lngs-Spalte liegt, der auf zwei Seiten mit einer Reihe Wimper- 
Borsten besetzt ist, und da wo zwei Reihen Fuss -Borsten am Bauche 
liegen, mitten zwischen diesen hin. Ausserdem wird der Mund meistens 
zur Seite der Theilungs- Linie liegen bleiben und mithin nur einem der 
Theilganzen zu gut kommen; das andre muss sich schon whrend der 
Trennung einen neuen Mund zu bilden beginnen und gewhnlich auch 
nachher noch eine kleine Form-Vernderung durchlaufen, whrend welcher 
es auch keine Nahrung zu sich nehmen, aber sich schon mehr und weniger 
von der Stelle bewegen kann. Hier einige Beispiele. Bei den Mundlosen 
{Chilomonas,Cryptomonas,Chlorogonium, Polytoma [9,2 16; 10, 9 b] u.s.w.) 
ist die Lngs -Theilung sehr allgemein, mehr und weniger oft mit Queer- 
Theilung(9, 1) verbunden. Bei Chilomonas(9, 8) und Cryptomonas ist sie meist 
einlach. Bei Cklorogonium (9, 15) tritt eine wiederholte schiefe Zweitheilung 
des innern Krper-Gehaltes ein, wodurch 4, 8 32 Individuen entstehen, 
welche dann (als Uvella s. Phacelomonas bodo) rasch nach einander durch 
eine ffnung aus der gemeinsamen Haut entweichen, die, obwohl nicht 
als Panzer bezeichnet, doch von der Theilung nicht mit betroffen worden 
ist. Bei Polytoma (9, 3) treten mehrfache Lngs- und Queer-Theilungen 
ein, welche in verschiedenen Individuen an Zahl und Richtung verschieden 
sind, indem bald 2 4 parallel neben einander liegende Theil-Sprsslinge 
entstehen, gewhnlich aber die weitre Scheidung der 2 ersten neben 
einander befindlichen Theilganzen in Ebenen erfolgt, welche nicht in 
einander fortsetzen oder parallel, sondern rechtwinkelig zu einander 
liegen. Unter den Stomatoden kommt bei den Vorticellinen ge- 
whnlich nur die diagonale (bei Spirochona gar keine) Selbsttheilung 
vor, die man hier gewhnlich als Lngstheilung bezeichnet. Das Thier 
fastet, zieht sich etwas zusammen, und die Theilung beginnt vom freien 
Ende und vom Stiele aus gegen die Mitte hin durch den Nucleus, aber 
so, dass der Mund mit dem Wimper - Organe nur dem einen Theile ver- 
bleibt. Der beide Individuen tragende Stiel verlngert sich unmittelbar 
unter deren Basen in 2 Aste, und an jedem von beiden Individuen kann 
sich Diess in kurzer Zeit wiederholen ; so entsteht eine Gabel und allmhlich 
ein Strauch aus dem einfachen Stiele (12, 2, a b). Aber meistens bildet 
sich an einem dieser Individuen, etwas ber seiner Basis, sogleich ein 
Wimpern -Kranz, worauf es sich von dem gemeinsamen Stiele oder dem 
Strauche ablst, mit dem Kranz Ende voran davon schwimmt, sich ander- 



\\Q Aufguss - Thierchen. 

wrta festsetzt, seinen Wimpern-Kranz verliert und so (als Scyphidia Duj.) 
eine neue Kolonie zu bilden beginnt. Lst es sieb frher von dem Mutter- 
Stocke ab, als sein Wimper-Kranz fertig ist, so schwimmt es (wie schon 
erwhnt) mit dem bewimperten Mund-Ende voran, um ebenfalls als Stamm- 
Vater einer neuen Kolonie sich irgend wo zu befestigen. Bei Stentor trgt 
der hintre Hlbling nur einen Theil des Nucleus davon und niuss sich 
alle brigen Organe neu bilden, whrend der vordre nur wenig zu seiner 
Wiederherstellung bedarf. 

Chilodon theilt sich durch den Nucleus auf dieselbe Weise in die 
Lnge (diagonal)-, so dass der Mund nur dem einen Sprssling verbleibt; 
dann tritt aber oft noch eine Queer- Theilung hinzu (10, 9, b c). Stylo- 
nychia mytilus schnrt sich qneer in einen Vorder- und Hinter -Theil ab, 
wovon jener ganz wie Kerona haustrvm O.Mll., dieser wie Trichoda erosa 
aussieht. Bei der in eine Scheide eingeschlossenen Sippe Lagenophrys 
(11, 7) ist die diagonale Theilung innerhalb der Scheide augenfllig 
schiefer; der hintre Theil -Sprssling' muss sich ohne Mund entwickeln, 
whrend es dem vordren daran nicht gebricht; aber ausserdem kann auch 
noch eine mehrfache Queertheilung in dem anfangs gemeinsamen Hinter- 
ende eintreten, dessen Theilganzen sich Nucleus und Vesicula ganz neu 
bilden mssen und dann nach einander die Scheide verlassen. Loxodes 
vermehrt sich durch Lngstheilung mit Queertheilung verbunden, aber 
auch noch (und zwar ohne vorgngige Encystirung) durch Entwicklung 
innerer Kern-Sprsslinge, wie sie sonst gewhnlich nur aus Cysten hervor- 
gehend im Nachfolgenden beschrieben werden sollen, und welche dann 
unmittelbar oder nachdem sie sich 2 4 fach getheilt haben, aus dem 
Mutter -Thiere hervorbrechen, ohne Mund und mit etwas abweichender 
Form (Stein: 11, 1 E F G, 2 c D e). Colpoda dagegen theilt sich auf ge- 
whnliche Weise, doch mir innerhalb einer Cyste und immer wieder nach 
einiger Khe in 2, 48 dem Mutter-Thiere ausser in der Grsse hnliche 
Individuen, welche sich in der Cyste lebhaft bewegen und endlich aus 
derselben hervorbrechen; nur wenn die Theilung bis zu 8 geht, bleiben 
die Theile unbeweglich, oder jeder derselben bekommt wieder eine eigne 
Cyste, wornach alle gemeinsam platzen (11, Ijkl). Im Ganzen scheinen 
die Theilungen bei den Mund-Infusorien einfacher als bei den Mundlosen 
zu sein. 

Merkwrdig ist die immer einfache, aber vollkommne Selbsttheilung 
bei den Acineta- und Podophrya- artigen Infusorien in so fern als diese 
keine Bewegungs - Organe haben, um sich nach der Theilung auch von 
einander zu entfernen. Cienkowsky sah einen solchen Fall bei Acineta 
mystacina und bei Podophrya fixa, wo dann der eine Hlbling die Saug. 
Fden einzog, sich mit Wimpern bedeckte, nach der Abtrennung mit deren 
Hlfe davon schwamm und dann erst die Acineten - Charaktere wieder 
annahm. 

c) Vermehrung durch Embryonen" oder innre Knospung" (Clap. u. 
Laclnn.), durch Kern- oder sogenannte Scnwrm-Sprsslinge (man 



Lebens -Verrichtungen. 11] 

knnte sie Keimlinge" im Gegensatz der ussern Knsplinge" nennen) 
kommt wahrscheinlich bei allen Stomatoden und Acineten vor. Sie ist 
unter den Stomatoden insbesondre beobachtet bei Vorticellinen, Colpodeen, 
Bursariinen, Oxytrichinen, Tracheliinen und Opalinen. Obwohl, wie oben 
(S. 106) bemerkt worden, weder jede Cysten-Bildung zu dieser Vermehrungs- 
Weise fhrt, noch diese letzte eine Encystirung voraussetzt (vgl. S. 110 
bei Loxodes etc.), so ist die Incystirung doch bei den Stomatoden eine 
gewhnliche mittelbare oder unmittelbare Einleitung zu dieser Fortprlanzungs- 
Weise. Das ganze in der Cyste zusammengezogene oder zusammengerollte, 
anfnglich oft noch rotirende, aber bald Mund-, Wimper- und Bewegungs- 
los werdende Thierchen mit Ausnahme des Nucleus zerfllt (nach Art des 
Eichens im Dotterfurchungs- Prozesse der hheren geschlechtlichen Thiere) 
in kugelige Zellen und dann in eine feinkrnige Masse, Alles in einer 
gemeinsamen Mutter -Blase eingeschlossen (12, 2 e). An dem Nucleus 
entwickelt sich dann ein kleines rundes Kgelchen, das spter sich ver- 
grssert, in seinem Innern ein Blschen und einen eignen Nucleus bildet 
(oder, nach Stein's Darstellung, einen queeren Auswuchs des lterlichen 
Nucleus umlagert und abschnrt), sich zu einem selbststndigen Wesen 
entwickelt, das sich eine Zeit lang im lterlichen Leibe rotirend bewegt, 
diesen allmhlich beinahe ausfllt, ihn endlich langsam durchbricht, ein 
Wimper-Kleid entfaltet und etwas spter rasch davon schwimmt, whrend 
die gebildete ffnung der Cyste sich schnell und spurlos wieder schliesst 
(11, 6 c, 7 f, 8 k; 12, 2 l). Zu gleicher Zeit oder bald nachher beginnt 
auch oft schon die Entwickelung eines zweiten Individuums auf gleiche 
Weise, und so die eines dritten, bis der Inhalt der Cyste erschpft ist 
(wogegen Claparede und Lachmann Zweifel erheben), welche inzwischen 
nur hchstens auf endosmotisehe Weise sich nhren kann. Selten ent- 
stehen ganz gleichzeitig 23 solcher Individuen, welche dann verhltniss- 
mssig kleiner sind. Diese Abkmmlinge sind Ei-formig, Scheiben-frmig 
u. s. w., ganz oder nur an einem Ende Kappen-artig oder in der Mitte 
Grtel-weise, aber doch in mehren Reihen bewimpert, und gewhnlich von 
dem Mutter - Thiere sehr abweichende Gestalten. Sie verschwinden ge- 
whnlich so rasch (unter dem Gesichts-Felde des Mikroskops), dass man 
ihre weitre Entwickelung, ihre eigne Vermehrung oder Umwandlung in 
den mtterlichen Typus noch nicht unmittelbar zu verfolgen im Stande 
gewesen ist. Um ein Beispiel anzufhren, so sah man den Chodon 
cucullulus sich wiederholt in eine weich bleibende Cyste einschliesseu, 
lebhaft darin rotiren, wieder ausbrechen und sich aufs Neue encystiren, 
endlich zur Ruhe kommen, und dann unter Mitwirkung des Nucleus ein 
Infusorium ohne Mund -Trichter in seinem Innern entstehen, das, ganz 
wie Cyclldium glaucoma beschaffen, sich nach seiner Befreiung mit ausge- 
spreitzten Fuss-Borsten umher bewegte, was sich bis zur Erschpfung des 
Mutter-Thieres wiederholte, wenn nicht dieses selbst nach 1 2 Geburten 
schon die Cyste verliess. Der Cyclidium- frmige Sprssling theilt sich 
dann, mitunter mehrmals, und geht vielleicht durch Abwerfen seiner Fuss- 



\ \ 2 Aufguss - Thierchen. 

Borsten und Ausbildung seines Mund-Trichters in Chilodon ber ? ? Ganz 
hnlich verhlt sich Loxodes (11, 1d l) nach Stein. Dieselbe Verjngungs- 
Art durch einen Schwrm - Keimling nach vorgngiger Eneystirung ist bei 
allen Vorticellinen sehr gemein (Stein a. a. 0.), auch ohne Eneystirung 
unter Andern durch Claparede und Lachmann bei Parameciurn, bei Stentor 
und sowohl bei Epistylis (hier durch eine bleibende Uterin -Mndung an 
der Seite des Krpers) wie bei mehren Acinetinen (Acineta, Podophrya 
und Ophryodendron n. g.), die nach Stein nur Entwickelungs-Stnde der 
vorigen sein sollen, beobachtet worden. In einem Falle hatte ein solcher 
Keimling von Podophrya quadripartita (statt sich, wie Stein annimmt, in 
Epistylis zu verwandeln) schon 5 Stunden nach seinem Austritte sein an- 
fngliches Wimper-Kleid abgeworfen, seine Sauger gebildet und sich mit- 
telst eines schon etwas entwickelten Stieles auf einem Epistylis -Zweige 
festgesetzt; in einem zweiten hatte ein Keimling derselben Art schon 
im Mutter-Leibe seine Sauger und seinen Stiel so stark ausgebildet, dass 
derselbe sich zweifach auf sich selbst zurckfalten musste, um dort Raum 
zu finden. Durch ein unbekanntes Hinderniss in seiner rechtzeitigen Ge- 
burt aufgehalten, hatte sich dieser Keimling im Mutter-Thiere weiter ent- 
wickelt, und in solcher Weise kann also eine Form ohne Zwischenbildung 
unmittelbar aus der andern hervorgehen : Podophrye aus Podophrye. 

In anderen Fllen schwillt bei nicht encystirter Epistylis das ab- 
geschnrte Stck des Nucleus zu einer grsseren Masse an, die sich all- 
mhlich in eine grssre Anzahl Kugel- bis Ei-frmiger Krperchen sondert, 
deren jedes sein eignes Blschen und seinen eignen Wimpern-Grtel be- 
kmmt, im Mutter-Thiere rotirt und eines nach dem andern durch erwhnte 
Uterin -Mndung entweicht, wahrscheinlich um sich nach einigem Umher- 
schwrmen festzusetzen und in eine Epistylis umzugestalten (Gl. u. Lehm.). 

d) In wiefern die bei mehren Wimper - Infusorien beobachtete Ent- 
wickelung einer zahlreichen Mo na den- artigen Brut im Innern der 
Gyste von den so eben bezeichneten Vorgngen wesentlich verschieden seie, 
ob dieselbe von einem Zerfallen des Nucleus in zahlreiche Stcke zugleich, 
oder ob sie von einer fortschreitenden Selbsttheilung des Schwrm-Keim- 
lings herzuleiten seie, steht noch in Zweifel. Stein sah nmlich die un- 
gestielte Cyste der Vorticella microstoma (12, 1 R w) wie gewhnlich, 
wenn sie nicht in eine Acinete [?] berzugehen hat, alsbald eine Mutter- 
Blase mit fein -krnigem Inhalte in ihrem Innern ausbilden, Vesicula und 
Nucleus verschwinden, einen Fortsatz der Mutter -Blase die Gysten-Wand 
durchbohren und Hals-artig ausserhalb hervorragen, dann den ganzen 
Inhalt an Frucht- Wasser mit zahlreicher Brut darin sich durch jenen Hals 
nach aussen ergiessen und die Monaden nach einiger Zeit in allen Rich- 
tungen davon schwimmen. In andern Cysten dieser Art bildeten sich in 
der Mutter-Blase erst 4 5 Tochter-Blasen, welche dann Mutter-Blase und 
Cysten-Wand durchbohrend einen gleichen Inhalt auf dieselbe Weise ent- 
leerten. Eine hnliche Erscheinung lieferte die gestielte Cyste einer Vorticella 
nebulifera. Auch ist anzufhren eine [*?] Vaginicolen-Acinete (A. mystacina), 



Lebens- Verrichtungen. 113 

deren Mutterblasen -Inhalt sich in 6 Zellen -artige Krper umgewandelt 
hat (Stein). Nassula viridis sah Cienkowsky in Form einer Cyste 
mit gezhnter Lippe, Kern und Blschen einige Tage lang ruhen, dann 
den Inhalt in viel kleine Kugelzellen (Sporen) zerfallen, die Zahn- 
lippe verschwinden, einige Schlauch-artige Ausstlpungen der Zellen die 
Cyste durchbohren, so dass sie ein Stern-frmiges Aussehen erhielt, den 
Inhalt ganz krnelig werden, endlich durch Platzen eines Schlauches 
Krner -Masse sich nach Aussen ergiessen, direkt ber dem Scheitel des 
Schlauches eine Zeit lang verweilen, worauf die Krnchen (wie Schwrm- 
Sporen) lebhaft zu zucken begannen und endlich in Form kleiner Monaden 
auseinander stoben. Wurden dieselben Cysten aber ein paar Tage lang 
getrocknet und dann mit Wasser befeuchtet, so schlpfte nach 24 Stunden 
ein ganz entwickeltes Individuum von Nassula aus. [War in diesem Falle 
vor dem Trocknen schon das Zerfallen des Mutter -Thier es in Kgelchen 
vor sich gegangen, oder war es hier wie in andern Fllen dieses selbst, 
das ausschlpfte?] Die frher berichteten Erscheinungen bei Chloro- 
gonium euchlorum (S. 109) wren vielleicht ebenfalls hier anzufhren, da 
die Jungen nicht durch eine ussre Selbsttheilung, sondern unter der Haut 
entstehen; doch sind sie den Alten hnlich. 

Flle von Incystirung theils mit unbekanntem Erfolge, theils zum 
Wiederausschlpfen des incystirten Thieres ganz oder nach vollbrachter 
Selbsttheilung ( l ), oder zur Bildung von Acineten mit Schwrm-Sprss- 
lingen ( 2 ), was erneueter Prfung bedarf, theils zur Monaden-Bildung ( 3 ) 
fhrend, kennt man jetzt 
unter den Flagellaten bei 

Volvocinen ( Volvox , Eudorina), 

Monaden (Polytoma), 

Astasien (Chlorogonium ** 2 ' 3 , Euglena \> 2 - 3 ) 
und unter den Ciliaten bei 

Cyclidinen (Pantotrichum), 

Enchelyinen (Trichoda, Trachelocerca, Leucophrys, Holophrya), 

Chilodontinen (Prorodon 2 , Chilodon 1>2 , Nassida 2 '' 3 ), 

Trachelinen (Trachelius, Loxodes 1 ' 2 , Bursaria), 

Colpodinen (Glaucoma, Colpoda l > 3 , Paramecium, Amphileptus), 

Oxytrichinen ( Oxytricha 2 , Urostyla 2 , Stylonychia l 2 ), 

Euplotinen (Euplotes), 

Stentorinen (Stentor 2 ), 

Vorticellinen (Ojyhrydium, Vorticella 2 , Zoothamnium 2 , Carchesium, Epi- 
stylis 2 , Opercidaria 2 , Spirochona 2 , Vaginicola 2 ), 
so dass sie nur etwa bei den Colepinen noch unbekannt geblieben wre. 

e) Auch eine Vermehrung durch Eier-Zellen (Kugel-Zellen Carter's, 
Blastien Perty's, Ovula Anderer) ist sehr allgemein, unter Andern von 
Focke, Haime, Perty, Cohn angenommen worden und Carter hat denselben 
sogar wie bei den Spongien Spermatoid-Zellen entgegengestellt, doch nicht 
bestimmter nachgewiesen. Man sah bei ?. Euglena, ? Astada, Dileptus, 

Bronn, Klassen des Thier -Reichs. I. g 



1 1 4 Aufguss -Thierchen. 

Parameciwn, Euplotes u. a. viele (je 4 30) kleine Form-wechselnde In- 
fusorien hervorkommen unter Bedingungen, welche keiner der vorigen 
Verjngung - Weisen entsprechend schienen. Indessen wrde nher zu 
prfen sein, ob sie nicht durch eine Theilung des Nucleus in viele Kgel- 
chen, aus einer wiederholten Selbsttheilung des Schwrai-Sprsslings (vgl. c), 
oder auf die unter (d) angefhrte Weise aus der krnigen Masse der Mutter- 
blase entstanden sind und sich dort einreihen lassen, da alle diese Ver- 
mehrungs-Weisen erst neulich unterschieden worden sind. 

Die angefhrten Beispiele jener manchialtigen Verjngungs - Arten 
wrden sich noch vervielfltigen lassen ; doch mag es daran gengen. 
Im brigen hat man die vielartigsten Verbindungen aller dieser Vernieh- 
rungs- Weisen bei einerlei Art wahrgenommen, unter welchen die Wahl 
auf Seiten des Thieres, wie es scheint, gewhnlich von ussren Existenz- 
Bedingungen, Feuchtigkeit und Trockenheit, Jahres-Zeit, Temperatur u. s. w. 
abhngig ist. 

f) Mehre selbst unter den neuesten Beobachtern sprechen auch von 
Conjugation oder Zygose (bei Acineta, Podophrya, Actinophrys, Vorti- 
cella, Carchesium, Epistylis) , eine Angabe, welche nach Andrer Meinung 
auf der Beobachtung von Thierchen beruht, die sich whrend der Zwei- 
theilung incystirten (12, 2 d k) oder erst bei der Incystirung von aussen 
her zusammentreffend an einander klebten, ohne mit einander zu ver- 
schmelzen. Wenn dazu bemerkt wird, dass die von dem einen Thierchen 
aufgenommene Nahrung (ein der wirklichen Conjugation fremder Akt) in 
die Verdauungs-Hhle des andern berging und dort zirkulirte, so ist doch 
eine Bildung neuer Keime in Folge dieser Verbindung nie beobachtet 
worden. Nur bei Podophrya pyrum hat man Junge zwischen den in 
Conjugation neben einander liegenden (2, 4, 6, 7 V) Individuen gesehen, 
die aber auch auf andre Art entstanden sein konnten. In keinem Falle 
war dabei eine geschlechtliche Thtigkeit nachgewiesen worden; die in 
Conjugation betroffenen Individuen waren oft von sehr ungleicher Ent- 
wickelung, und von allen oben genannten Sippen sind noch anderweitige 
Fortpflanzungs-Arten aus dem Nucleus bekannt. 

g) So eben versichert jedoch Balbiani, die geschlechtliche Fortpflanzung 
der Infusorien bei 6-7 Arten verschiedener Sippen wirklich beobachtet zu 
haben und beschreibt sie bei Loxodes (Paramecium) bursaria in einer Art, 
welche die vorangehende Darstellung der Fortpflanzungs-Weisen sehr zu 
vereinfachen gestattet haben wrde, wenn es gerathen wre, das in wenigen 
Fllen Gesehene so rasch zu generalisiren, und nicht einige Bedenken 
noch zu schlichten wren. Der Nucleus ist nach ihm ein unentwickelter 
Eihlter; der an dessen einem Ende eingebettete Nucleolus ein Hoden- 
Kudiment. Nach mehren durch Selbsttheilung entwickelten Generationen 
schicken sich die Thiere zu gegenseitiger Befruchtung an, sammeln sich 
an gewissen Stellen massenweise, legen sich nach vorgngiger Einleitung 
paarweise an einander, Mund an Mund und Hinterende an Hinterende 
wie zur Conjugation, und bleiben 5 o Tage lang in dieser Verbindung, 



Lebens -Verrichtungen. 115 

whrend welcher Nucleus und Nucleolus an Grsse zunehmen (indem 
erster krzer, breiter und runder wird), sich der Lnge nach in 2 4 und 
mehr Stcke theilen und die Stcke sich mit einem sehr zarten Hutchen 
umgeben und zu Kapseln gestalten. Durch die zwei an einander liegen- 
den Mund-ffnungen gehen dann die mnnlichen Kapseln des einen In- 
dividuums in das andre (alle oder nur eine Balbiani konnte diesen 
Prozess nicht ganz verfolgen) ber, wachsen dort noch betrchtlich weiter 
und befruchten zweifelsohne zuletzt jede ein gegenth eiliges Ovarium. Denn 
wenn man um diese Zeit eine solche mnnliche Kapsel isolirt, so erscheint 
sie gestreift durch innerlich reihenweise geordnete Kgelchen, und wenn 
man sie zerdrckt, so bricht eine zahllose Menge spindelfrmiger Sperma- 
toidien daraus hervor, die in ihrer charakteristischen Weise auf- und ab- 
wrts wanken und sich allmhlich in der umgebenden Flssigkeit zer- 
streuen. Erst 5 6 Tage nach erfolgter Befruchtung fangen die ersten 
Keime sich zu entwickeln an [aus . . ?), und noch spter brechen sie aus 
dem Mutterleibe hervor in Gestalt von Acineten mit geknpften Tentakeln, 
hngen und nhren sich mit Hlfe dieser Sauger noch eine kurze Zeit an 
der Mutter, verlassen diese endlich, verlieren ihre Sauger, entwickeln ihr 
Wimper-Kleid, bekommen einen lngs-spaltigen Mund und nehmen hiermit 
ganz die lterliche Form an. Wir gestehen indessen, dass uns der 
Austausch der schon in je einem Ovarium gebetteten Saamen- Kapseln 
zwischen beiden an einander liegenden Individuen sehr problematisch vor- 
komme. (Hinsichtlich der Acineten stnde Balbiani wieder auf Stein's 
Seite gegen Claparede und Lachmann, indem sie auch nach ihm blosse 
Entwickelungs-Stnde wren.) 

Vermehrungs-Schnelligkeit. Diese manchfaltigen Vermehrungs- Weisen 
mit einander vereinigt mssten, in Verbindung mit der Krze der Zeit, 
nach welcher ein junges Thierchen selbst wieder Vermehrungs-fhig wird, 
zu ganz ungeheueren Zahlen-Ergebnissen fhren, wenn nicht die Erschpfung 
des sich vermehrenden Individuums denselben eine Grenze setzte. Man 
muss daher die wirklich beobachtete Vermehrung von der bloss auf einige 
Flle hin berechneten wohl unterscheiden. So bedarf die Theilung einer 
Vorticelline nur *j\ 1 Stunde, was, da jedes Theilganze anfangs sich 
eben so bald wieder theilen kann, binnen 10 Stunden schon 1000 und 
binnen 20 Stunden 1,000,000 Individuen gbe; in Wirklichkeit erfolgen 
aber zwischen den einzelnen Theilungen immer grssre Zwischenrume und 
endlich ein vlliger Stillstand, so dass bloss die Entstehung von nur 8 In- 
dividuen binnen 3, von nur 64 Individuen binnen 6 und von 200 binnen 
24 Stunden beobachtet worden ist. In anderen Fllen ist die Theilung 
langsamer, aber andauernder. So braucht Paramecium Aurelia wenigstens 
2, oft aber auch viel mehr Stunden zu einer Lngstheilung und kann 
sich in 24 Stunden verachtfachen, was dann in einer Woche 2 Millionen 
gbe. Stylonychia gibt in 24 Stunden durch Queertheilung drei Theil- 
ganze, welche nach 24 stndiger Reife binnen 24 Stunden wieder 
12 liefern , so dass auch hier binnen 20 Tagen eine mgliche Verviel- 

8* 



\\Q Aufguss-Thierehen. 

fltigung bis zu einer Million angenommen werden darf. Hiebei ist aber 
nicht in Anschlag gebracht, dass manche dieser Wesen (die Vorticellinen) 
auch noch ussre Knsplinge bilden. 



V. Lebens -Lauf. 



Generations-Wechsel. Man kennt wahrscheinlich noch von keiner 
Infusorien-Art den vollstndigen Kreislauf ihres Lebens, vermag wenigstens 
noch nicht ein fr diese Thier- Klasse im Ganzen giltiges Bild desselben 
zu entwerfen, noch zu sagen, inwiefern diese und jene der nachgewiesenen 
manchfaltigen Verjngungs- und Verwandlungs-Weisen zufllig, oder von 
usseren Ursachen abhngig, oder im Kreislufe des Formen -Wechsels 
wesentlich, allgemein oder nur auf gewisse Sippen oder Familien be- 
schrnkt sind. 

Wahrscheinlich ist es jedoch, dass wenigstens bei den Vorticellinen 
und wohl auch andern Gruppen, dem Generations -Wechsel derjenigen 
Thier-Kreise analog, welche bereits geschlechtliche Fortpflanzung besitzen, 
die bei den Infusorien all-verbreitete Vermehrung durch Keimlinge ab- 
wechsele mit solcher durch Aussensprsslinge und Selbsttheilung, und dass 
vielleicht mehre Sprsslings - Generationen auf letztem Wege auf einander 
folgen, ehe die Abkommenschaft wieder zur Verjngung durch Keimlinge 
zurckkehrt, da man unter den Vorticellinen viele Kolonie'n trifft, welche 
in unvollkommner Selbsttheilung sich versteln und durch vollstndige 
Ablsung ihrer wimpernden Thierchen von den Stielen sich vervielfltigen, 
aber nur wenige, die Kern-Keimlinge hervorbringen. Welchen Verwand- 
lungen dann die Individuen jeder dieser successiven Generationen unter- 
liegen und wie sie auf einander folgen, bleibt ferner zu prfen. 

Die von Stein ausgegangene Annahme, dass die Acineten -Bildung 
ein wesentliches oder zuflliges Glied in dem Metamorphosen -Kreise der 
Infusorien bilde, ist von zu vielen Gewhrsmnnern und in zu verschie- 
denen Infusorien -Gruppen durch Beobachtungen, wie sie versichern, be- 
sttigt worden, als dass wir sie in Folge der Nachweisungen von Cla- 
parede und Lachmann schon unbedingt zu verwerfen uns berechtigt fhlten, 
wenn schon die von ihnen gemachten Wahrnehmungen an Amphileptus 
einen Beweis geben knnen, wie manchfaltige Tuschungen mglich 
sind (S. 104). Immer kann wenigstens noch ein Theil der Acineten 
solche Durchgangs-Formen enthalten. 

Dazu kmmt, dass Balbiani's Mittheilungen (S. 114) ber eine wirk- 
lich geschlechtliehe Fortpflanzung der Infusorien, wenn sie auch selbst 
noch im Einzelnen problematisch erscheinen, ein ganz neues Licht auf 
diese Vorgnge werfen. 

Wir sehen uns daher genthigt, die komplizirten Bilder, welche man 
sich bisher von diesen Vorgngen entworfen hat, noch in unsre Darstel- 



Lebens -Lauf. WJ 

lung mit aufzunehmen, sollten sie fr die Zukunft auch nur einen ge- 
schichtlichen Werth behaupten knnen? 

Die Kern-Sprsslinge, stets durch Wimper - Thtigkeit frei be- 
weglich und fast immer abweichend von der Form des lterlichen Indi- 
viduums, wrden nach der bisherigen Ansicht die vollkommenste Ausbildungs- 
Stufe jeder Art liefern, die brigen zur nmlichen Species gehrenden 
Formen nur Entwickelungs- und Vorbereitungs-Stufen sein. 

Indessen ist man noch weit davon entfernt, diese Formen alle zu 
kennen; selbst die Keimlinge sind erst von wenigen Sippen beobachtet 
worden und von mehrerlei Art einzelne und gesellige. Es steht zu erwarten, 
dass mit der Erweiterung der Beobachtungen in diesem Felde eine grssre 
oder kleinere Anzahl insbesondre Mund-loser Infusorien -Formen, welche 
bisher als selbststndige Arten und selbst Geschlechter im Systeme auf- 
gefhrt worden sind, sich als solche Durchgangs-Formen erweisen werden, 
wie Das bereits mit einigen der Fall ist. So sollen unter den Mund-losen 
gewisse Uvella- und Glenomoriicm - Arten in Chlorogonium, Trachelomonas- 
Arten (durch Abstossen des Panzers) in Microglena, Euglena- Arten in 
Enchelys, Epipyxis in Dinobryon, Cyclidium-Arten in Loxodes und Chilodon, 
oder wenigstens in Formen bergehen, welche den genannten sehr hn- 
lich sind. Dagegen wrde Stein's, Cohn's, Cienkowsky's, Udekem's u. A. 
Behauptung, dass die Acineten-artigen Infusorien nur Entwickelungs- oder 
Ubergangs-Formen zu andern Typen seien, nach Claparede und Lachmann 
auf Beobachtungs-Fehlern beruhen, obwohl man die meisten Genera der 
ersten bereits denjenigen Sippen der andern zugetheilt hat, die aus 
ihnen hervorgehen sollen, wie Das auch auf unsern Tafeln*) angenommen 
ist. So sollen 

Vorticellinen berhaupt zu Acineten (Stein), 

SActinophrys sol\ 
Poophrya fixa\ (Stein), 
(Vgl. 12, 1 F K) ) 
Podophrya Eb. zu Orcula Weisse (vgl. 12, 1 Q), 
Spirogona St. zu Dendrocometes (Stein) (vgl. 11, 8 h i), 
Stylonychia pustulata zu Discodella W. (Lachm.), 
? zu Trichodiscus Eb., 
? zu Dendrosorna Eb. werden. 
Nachdem Stein die Encystirung vieler Stomatoden und die Ent- 
wicklung von Schwrm-Sprsslingen aus Acineten-Arten (die er als Fort- 
setzungen der Cysten betrachtete) beobachtet und beschrieben hat, ohne 
den direkten bergang berall verfolgen und ohne das endliche Schicksal 
der Schwrm -Sprsslinge je beobachten zu knnen, glaubt er, die Ver- 
wandlungen von Loxodes bursaria in grssrem Zusammenhange ermittelt 
zu haben. Der in einer Loxodes-Aeinete [? Cyste] eingeschlossene Schwrm- 
Sprssling theilt sich in 2 Hlften, schlpft halb aus derselben hervor, 



*) Bei Bekanntwerden der letztgenannten Arbeit lagen dieselben schon fertig da. 



} \$ Aufguss-Thierchen. 

bildet Saugfden (?) auf seiner Oberflche, tritt vollends heraus und nimmt 
die Acineten-Form der Podophrya fixa an. Diese bildet spter neue Sprss- 
linge in ihrem Innern und theilt sich in 2 Hlften ab, wovon die obere 
ihre Saugfden einzieht und sich mit Wimper-Haaren bedeckt, whrend 
der untere Hlbling den Acineten- Typus behlt. Jene lst sich ab und 
bewegt sich frei umher; dieser kann unter Umstnden sich in eine usser- 
lich [? lngs- oder queer-] gerippte Cyste verwandeln *). Colin sah schon 
frher in einer gerumigen Zentral-Hhle des Mutterthieres (Loxodes) zwei 
Kugeln sich zu Acineten-hnlichen ungemein zarten Krpern mit geknpften 
Saugfden verwandeln, welche dann durch eine vergngliche (?) ffnung 
nach aussen gedrngt unbeweglich blieben. Hiemit ist nun S. 114 zu ver- 
gleichen, was Balbiani viel spter ber die Entwicklung derselben Thier- 
Art berichtet hat, und was ber die gewhnliche Fortpflanzungs -Weise 
derselben bekannt ist. 

Eine der lngsten Entwickelungs-Reihen glaubte Udekem, 
die Beobachtungen von Stein ergnzend, an Epistylis plicatilis unmittelbar 
beobachtet zu haben, obwohl auch sie noch keinen geschlossenen Kreislauf 
bildet, dessen letzte Formen wieder auf die ersten zurckfhrbar wren 
(12, 2). a) Es ist eine Baum-frmige Vorticelle mit dichotomem Stiele, 
worauf die Becher-frmigen Infusorien -Krperchen sitzen, welche aussen 
von kontraktiler Haut umschlossen sind und innen aus halb-flssiger Sar- 
kode voll kleiner Kernchen mit einem Bogen-frmigen Nucleus und einem 
kontraktilen Blschen bestehen. Die Infusorien - Krperchen vermehren 
sich fort und fort durch Aussenknsplinge wie durch Lngstheilung-, ver- 
lngern die Stielchen, worauf sie sitzen, und bilden so allmhlich das 
Bumchen. Ein Theil der neu entstehenden Becher verdickt jedoch die 
Spitze , womit sie am Stiele sitzen , umgibt die Verdickung mit einem 
Wimper-Kranz, lst sich ab und schwimmt, mit letztem voran, rasch da- 
von, um anderwrts sich festzusetzen, den Wimper -Kranz abzuwerfen, 
einen Stiel zu bilden und sofort eine neue Baum-frmige Kolonie zu 
grnden, b) Ein Theil der ohne Wimpern -Kranz zurckbleibenden, wie 
der sich anderwrts niederlassenden ungestielten Theil-Sprsslinge encystirt 
sich in der schon oben beschriebenen Weise, was in allen Altern und 
Grssen geschehen und oft durch ussre Ursachen veranlasst werden 
kann, mittelst einer kugeligen unbewehrten Cyste, zuweilen sogar, wh- 
rend sie mitten in einer Lngstheilung begriffen sind, wo dann die Cyste 
eine Zwillings- (Conjugaten-) Form annimmt, ohne dass eine Conjugation 
stattfnde, c) Das Thierchen in der Cyste lst sich ganz in eine homogene 
Sarkode -Flssigkeit voll Kernchen und mit einem Nucleus in der Mitte 
auf; die Kernchen vereinigen sich in Kugeln, die sich wieder zertheilen 
(analog der Dotter-Furchung-, wovon spter) ; an der Oberflche unter der 



*) Manches in dieser Beschreibung ist unklar. Wir haben noch keine andre Quelle dafr, 
als den Bericht ber den vom Verfasser 1856 bei der Wiener Naturforscher -Versammlung ge- 
haltenen Vortrag im l'Institut 1847, pag. 7980. 



Lebens -Lauf. 119 

Cysten-Wand entsteht eine Haut (ein Mutter-Schlauch), die sich dann mit 
Flimmer- Haaren bedeckt; der ganze Krper des alten hat sich in ein 
neues Wesen von Opalina -Form verwandelt, welches die Cyste ausfllt 
und darin (wie ein Schnecken -Embryo) rotirt, dieselbe endlich sprengt 
und nach Entfaltung seines Wimper -Kleides davon schwimmt, d) Auch 
dieses Thierchen befestigt sich wieder auf irgend eine Unterlage, entweder 
sitzend und zu einer platten Form, oder auf einem kurzen und bald in die 
Lnge wachsenden Stielchen sich Birn-frmig gestaltend, verliert seine 
Wimpern und treibt (ohne Mund und andre ussre Organe) an seiner 
Peripherie allmhlich, das sitzende und platte je 4 8, das gestielte ge- 
whnlich 4 Hcker hervor, auf welchen allen ein Bschel langer kon- 
traktiler in feine Knpfchen endigender Saug-Fden (sogen. Tentakeln) 
zu stehen kommt. Es sind Diess mithin sitzende und gestielte Acineten, 
im Innern mit homogener krneliger Flssigkeit und einem Kerne in beiden 
von der Form wie bei Epistylis plicUlis erfllt. (Zuweilen kommen auch 
zwei Acineten an einander zu sitzen, doch ohne innre Verschmelzung mit 
einander, ohne Conjugation.) e) In beiderlei Acineten gestaltet sich der 
Nucleus zu einem Scheiben-formigen , gewimperten Schwrm- oder Keim- 
Sprssling um, welcher ebenfalls in der Acinete rotirt, endlich deren Wand 
durchbricht und behende umher schwimmt, whrend die Acinete jene 
ffnung spurlos wieder verschliesst, gewhnlich um im Innern einen 
neuen solchen Sprssling zu bilden und Diess oft bis zur Erschpfung 
ihres Inhaltes fortzusetzen, f) Alle diese Scheiben-frmigcn und im Um- 
kreise mit 3 4 Wimper-Reihen versehenen Kern-Sprsslinge setzen sich 
dann auf irgend einer Unterlage fest, bilden rasch einen Stiel, verlieren 
ihre Wimpern, gehen ebenfalls in eine gestielte Birn-frmige Acinete mit 
4 Faden-Hckern ber und beginnen auch ihrerseits in ihrem Innern ge- 
wimperte Kern-Sprsslinge zu bilden. Indessen ist der weitre Verlauf 
nicht beobachtet worden ; es ist nicht bekannt, weder ob solche wiederholte 
Acineten -Bildung durch Acineten - Sprsslinge nothwendig ist, noch wie 
diese endlich sich wieder an die ursprngliche Epistylis-Form anschliessen. 
Dazu sind nun die Berichte von Claparede und Lachmann S. 114 zu ver- 
gleichen. 

* Auch Samuelson hat eine lange Entwickelungs - Reihe beobachtet, 
wornach sich Glaucoma scintillans aus Monaden-artigen Wesen entwickeln, 
sich incystiren und eine Cerona-Art ausgeben soll. Wir kennen indessen 
nichts Nheres ber diese Beobachtung. 

Die mgliche Lebens-Dauer dieser Organismen kann uns erst mit 
Vollendung ihrer Formen -Reihe bekannt werden, und ihre Bestimmung 
wird davon abhngig sein, ob man die aus Aussenknospen, aus dem 
Mutter -Schlauche, aus dem Nucleus hervorgehenden Wesen als neue In- 
dividuen oder nur als neue Formen der alten betrachten will. Indessen 
hat man einzelne Infusorien in entwickeltem Zustande ohne wesentliche 
Vernderung schon Monate-lang, und Vorticellinen in ihrer Selbsttheilung 
thtig schon Wochen -lang beobachtet unter Verhltnissen, die fr ihr 



1 nrt Anfguss-Thierchen. 

Gedeihen wohl weniger gnstig gewesen, als ihre natrlichen Wohnorte 
im Freien, wenn auch eine einzelne solche Theilung oft kaum 1 2 
Stunden erfordert. Ein ganzer Kreislauf kann daher vielleicht einen an- 
sehnlichen Theil des Sommers ausfllen ; und da die Beobachtungen lehren, 
dass viele Infusorien in Folge ungnstig vernderter ussrer Existenz- 
Bedingungen (Trockenheit, Frost, Ghrung, andres Wasser) sich oft 
massenweise rasch encystiren (z. B. Oxytricha pellionella whrend des 
Winters), wie es scheint, um im ruhenden Zustande weniger dadurch zu 
leiden, und dass sie bei niedriger Temperatur und mangelndem Wasser 
Monate und selbst ein Jahr lang unverndert in diesem Cysten-Zustande 
verweilen und sogar nach lngerer vlliger Austrocknung im Freien oder 
zwischen Schlamm und Sand bei Eintritt von Wrme und Feuchtigkeit 
sich zu entwickeln im Stande sind, so wre wohl mglich, dass mancher 
Kreislauf mehr als ein Jahr erheischte, wenn er gleich unter andern Bedin- 
gungen oder bei andern Arten sich mehrmals in dieser Frist vollenden kann. 

Obwohl auch fr die Infusorien so wie fr viele andre Thiere der 
Winter eine Zeit verhltnissmssiger Ruhe ist, so incystiren sich oder 
sterben doch nicht alle Infusorien whrend desselben. Man kann sogar 
viele im Wasser der Flsse und See'n unmittelbar unter deren Eis-Decke 
in lebhafter Bewegung finden. 

Im brigen zeigt die ganze bisher gegebene Darstellung, welche auf 
den zahlreichen neuesten Beobachtungen beruht, dass wir erst am Anfang 
des Studiums der Lebens-Geschichte dieser Thiere angelangt sind. 






VI. Klassifikation. 

Charakter. Die Infusorien knnen nun auf folgende Weise charak- 
terisirt werden. Mikroskopische auf das Wasser beschrnkte Thierchen 
von meist unsymmetrischer und sehr vernderlicher Form und im Ganzen 
genommen amorph. Ihre Grundlage ist eine sehr kontraktile Protein- 
hnliche Gallerte (Sarkode?) von einem zarten Hutchen umschlossen, 
stets mit einem Nucleus und immer oder meistens auch mit einer kon- 
traktilen Blase und mit einer Verdauungs-Hhle, und oft mit einem Mund 
und After, doch unter Ausschluss aller andern inneren Organe versehen; 
ohne Vermgen Scheinfsse (Pseudopodien) zu bilden; selten auf einer 
Unterlage festgewachsen (ausser den Vorticellinen und Acinetinen), durch 
Flimmer - Haare verschiedener Art gewhnlich den Ortswechsel und immer 
die Erneuung des umgebenden Elementes und die Zufuhr von Nahrung 
vermittelnd, endlich eine Reihe von Metamorphosen durchlaufend und zu 
allen geschlechtslosen Fortpflanzungs-Weisen fhig, wobei jedoch eine eigen- 
thmliche, durch die Theilung des Nucleus veranlasste Art den gewhnlicheren 
Vermehrungs- Weisen gegenber eine geschlechtliche Verjngung vertritt oder 
vielleicht wirklich darstellt und so in der Regel mit ihnen zusammenwirkend 
eine eigenthmliche Analogie von Generations-Wechsel vermittelt. Die ge- 
schlechtliche Verjngung bedarf noch wiederholter Beobachtung. 



Klassifikation. 121 

Eintheilung. Die Infusorien zerfallen jedoch zunchst in zwei sehr 
scharf von einander unterschiedene Ordnungen, in Flagellaten mit einzelnen 
Schwing-Borsten ohne feinre Flimmer-Haare, und in Ciliaten, welche wohl 
diese letzten, aber nicht die ersten besitzen; jene sind Mund-los, diese 
besitzen eine Mund-ffnung, wenige Sippen ausgenommen, wo sie entweder 
noch nicht erkannt ist oder man unreife Entwickelungs-Formen als selbst- 
stndige Sippen aufgestellt hat, dergleichen bei den Flagellaten und Ci- 
liaten noch vorkommen; einige Genera der ersten drften solche Ent- 
wickelungs- Zustnde der zweiten bilden. Vielleicht wird ^nan spter 
veranlasst sein, diese 2 Haupt-Abtheilungen der Infusorien ganz zu trennen 
und von einander zu entfernen. Hinsichtlich der Unter-Abtheilung muss 
sehr vieles der Zeit einer genaueren Kenntniss dieser Thiere und ihrer 
Entwickelungs-Geschichte vorbehalten bleiben. Die Zahl der Arten beluft 
sich auf nahezu 600 im Ganzen, vertheilt in fast 140 Sippen. Die Fla- 
gellaten bilden die kleinre Hlfte. 

Im Ganzen lsst sich die Klasse der Infusorien sehr gut in eine 
aufsteigende Reihe ordnen. Den Anfang bilden die Mund-losen und 
auch sonst auf niedrigerer Stufe stehenden Flagellaten, einige ganz Gallert- 
artig, andre mit derber ausgebildeter Haut und mehr differenzirter Form. 
Auf sie folgen die Mund-losen und dann die mit einem Munde versehenen 
Ciliaten : anfangs weich und nur mit weichen Flimmer-Haaren zum Schwim- 
men, dann allmhlich (Oxytrichinen) mit 2 3 verschiedenen Arten von 
Bewegungs- Haaren versehen, die auch ein Gehen und Klettern mglich 
machen und, da sie zu diesem Zwecke eine bleibende Stelle einnehmen 
mssen, den ersten Gegensatz zwischen Oben und Unten des Krpers 
bedingen, welcher bald durch eine derbere Panzer-artige Haut (Loricaten) 
noch mehr befestigt wird, obwohl hier sich nochmals einige Mund-lose 
Sippen (vielleicht Entwickelungs-Stnde) einmengen. Den Schluss machen 
die Spastica (Stentorinen und Vorticellinen) , ebenfalls mit zweierlei Be- 
wegungs-Haaren versehen, durch Festsetzung ein differenzirtes Oben und 
Unten entwickelnd, zu manchfaltigrer Krper -Bewegung befhigt und in 
Form und Verhalten den bergang zu den Polypen unter den Aktinozoen 
anbahnend. 

Nur die auch sonst zweifelhaften Acineten fgen sich nicht in diese 
Stufenfolge. Wie manche Flagellaten den bergang von den Algen zu 
den unvollkommneren Infusorien in einer Weise vermitteln, dass die Grenze 
zwischen beiden noch nicht mit voller Sicherheit gezogen werden kann, 
so bilden die Acinetinen den bergang von den Sippen Amoeba, Difflugia 
u. a. Rhizopoden, mit welchen sie den Mangel an Wimpern, wenigstens 
im reifen Stande, und deren Saugfden, wenn auch in modifizirter Form 
von Wurzelfssen, gemein haben, zu den hheren Infusorien, so dass Eh- 
renberg u. A. diese Sippen noch mit den Infusorien vereinigen. Wir werden 
sie daher mehr Anhangs-weise aufnehmen mssen, da wir sie weder als 
Anfang oder Ende der ganzen Reihe bezeichnen, noch ohne Unterbrechung 
derselben einschalten knnen. 



122 



Aufguss - Thierchen. 



Was die Klassifikation in ihrer nachfolgenden weiteren Ausfhrung 
betrifft, so beruhet sie auf den Arbeiten, welche Ehrenberg, und auf den 
Ergnzungen und Berichtigungen, welche Dujardin, Perty, Stein, Lach- 
mann u. A. nach ihm geliefert haben. Die Familien sind mit sehr geringen 
Verbesserungen und 'Abnderungen die. von Ehrenberg aufgestellten; die 
Abnderungen waren durch die Notwendigkeit bedingt, der Lage des 
Mundes ein grssres, der des Afters ein minder grosses Gewicht bei der 
Klassifikation beizulegen, weil dieser in mehren Sippen noch ganz unbe- 
kannt, bei* den meisten aber berhaupt schwer zu beobachten und selbst 
bei verwandten Arten etwas abweichend oder unsicher ist. Aus diesem 
Grunde sind zwischen den Tracheliinen und Colpodinen 3 4 Sippen aus- 
getauscht worden. Die Stentorinen mussten jedenfalls von den Vorticellinen 
getrennt und diese an's Ende der Reihe versetzt werden, weil sie sich 
den Polypen am meisten nhern. Inzwischen war es um so weniger 
immer mglich, den von lteren neuerlich abgetrennten Sippen alle ihnen 
zukommenden Arten mit zu berweisen, als deren Autoren selbst nicht 
gewagt haben, sie smmtlich zu bezeichnen. 

Tabellarische bersicht der Familien. 



Schwingbbrsten (lange Geiseln) vorhanden 10, immer welche am Vorderende ; 
Mund keiner. Pigmentflecken selten 2, meist 1 oder . . 

. Wimper-Haare (gewhnliche) fehlen (ausser bei Trichomonas). 

. . Thiere ohne abstehende Scheide einzeln , meist frei beweglich (sich tlieils 
periodisch festsetzend) oder nur mittelst ihrer Geiseln und 
whrend der Thcilung (in Familie 1) zusammenhngend. 

. . . Oberflche klebrig, anregelmssig uneben ; Krper homogen , dehnbar, 
proteisch Form-wechselnd; selten mit Nebenanhngen (an einigen 
kleinsten zweifelhaften Formen ist noch keine Geisel bekannt) . 

. . . Oberflche fest, aus einem derberen Haut-ranzer. 

.... Krper -Form nicht vernderlich. 

Panzer nicht kiesclig und von der brigen Krper - Masse rundum 

nicht unterschieden 

Panzer weich, spter kicselig?, sprde, vorn offen fr die Geiseln 

(Selbsttheilung im Innern der Schaale) 

.... Krper -Form sehr vernderlich; Panzer dnn-hutig glatt oder 
regelmssig gestreift 

. . Thiere in einer weiten Becher-frmigen oben offnen Scheide ; die jngeren 
Becher, sich auf den Rand der lteren setzend, bilden allmhlich 
ein festsitzendes Bumchen 

. Wimper -Haare ausser der endstndigen Schwingborste vorhanden in 1 2 
den harten Panzer Reif-artig umgebenden Furchen 

Sehwingborsteu fehlen. Flinimerhaare stetig ; ein Mund fast immer, nur mit 
Ausnahme weniger Sippen (Farn. 8) vorhanden. Pigment- 
Fleck nur in 1 Sippe 

. Krper -Bewegungen nur regelmssig. Ortswechsel frei, schwimmend, zu-J 
weilen auch gehend ; oder parasitisch. After vom Munde getrennt, > 
unten hinter demselben oder unbekannt ! 

. . Flimmerhaare ohne andre Bewegungshaare (zuweilen Schnellborstcn). 

. . . Mund fehlend oder unbekannt; Haare zerstreut, schwach 

. . . Mund vorhanden 

.... auf dem Vorderende des Krpers, ungezhnt. 

Panzer -hutige 

Panzer-lose 

.... auf oder hinter dem Vorderende, innen lngsfaltig, vorn kerbrandig . 

.... auf Vorderrand und Unterseite spaltartig fortsetzend, ungekerbt . . 

.... auf die Bauch - Seite beschrnkt, ungekerbt 

. . Flimmer- und andre Bewegungs-Haarc beisammen ; Mund unten od. fehlend. 

. . . Panzer -lose 

. . . Panzer- hutige 

. Krper-Bewegungen theils regelmssig und theils zusammenschuellend (bei 
allen). Thiere festgewachsen oder angesogen ; Mund und After 
vorn , hinter einer Spiral-Reihe von Wimper-Borsten gelegen *) 



(Flagellata s. A Stoma. 
Geisel-Infusorien, Mundlose. 



II. 



1) Monadina Eb. 

2) Cryptomonadina Eb. 

3) Thecomonadina Prt. 

4) Astasiaea Eb. 

5) Dinobryina Eb. 

6) Pendinaea Eb. 

fCiliata s. Stomaloda. 
(Wimper- od. Mund-lnfusor. 

A) Moni m a Prt. 
8) Cyclidiua. 



7) Colepina Eb. 

!)) Enchelyina Eb. 

10) Chilodontina. 

11) Tracheliina Eb. 

12) Colpodina Eb. 

13) Oxytrichina Eb. 

14) Euplotina. 



B) Spastica Prt. 



*) Eine spirale Wimper-Reihe, zum Munde leitend , findet sich ausser den 2 Familien der Stentorinen und 
Vorticellinen nur noch bei Spirostomum und einem Theile von Bursaria Eb. , ist daher ein gutes praktisches 
Unterscheidungs-Mal , wenn man sich dieser 2 Ausnahmen erinnert. 



Klassifikation. 123 

. . Mund und After getrennt, auf dem Vordeicnde, jener unten, dieser dorsal; 
Krper - Flche mit feinen Wimper- Haaren in Lngsleihen 
bedeckt 15) Stentorina. 

. . Mund und After in einer Vorkammer vereint unter dem Vorderende ; 

Krper-Oberflche kahl 16) Vortkellina. 

Anhang. 

Schwingborsten, Flimmer-Haare, Ortswechsel und Mund fehlen gnzlich. 
Dagegen erheben sich aus der Oberflche des Krpers wenig 
bewegliche, oft geknpfte und dann als Saugrhren verwendbare, 
zuweilen aber nur spitze Fden oder selten stige Arme . . . HI. Acinetae. 



Tabellarische bersicht der Sippen. 

1) Monadina Eb. (vgl. S. 122). Alle haben einen bewegten und einen pflanz- (Enf., .Sifl. 

lieh ruhenden Zustand, den Schwrm -Sporen der Wasser- 
Pilze hnlich. (Pigment-Flecke haben nur die 6 bezeichneten 
Sippen.) 

Thicrchen einzeln lebend Solitaria. 

. Pigment-Flecken 1. 

. . die Geisel fehlend oder nicht beobachtet; Pigment-Flecken keine. 

. . . Krper kugelig, winzig, ohne alle Organe Acariaeum Perty. 

. . . Krper Halbmond-frmig mit wenigen Blschen im Innern Menoidium Prt. 

. . . Krper Blatt-frmig, wie ein Bohrer um die Lngsachse gewunden . . Spiromonas Prt. 

. . die Geisel einzhlig, schwingend. 

. . . Haare ausserdem nicht vorhanden. 

. . . . Geisel am Vorderende. 

Krper zylindrisch, queertheilig ; Geisel undeutlich Chromatium Prt. 

Krper Ei- oder Spindel-frmig. 

Vorderendc einfach, 

oben mit einem Pigment-Fleck Microglena Eb. 9, 4. 

oben ohne Pigment-Fleck. 

Bewegung rollend Doxococcus Eb. 9, 7. 

Bewegung gleitend (schwimmend). 

Geisel in ganzer Lnge schwingend Monas (Eb.) 9, 1. 

. . . Geisel am Grunde steif, mit dem dnnen Ende schwingend . Cyclidium Duj. (oh E,b.) 

Vorderende durch schiefen Ausschnitt Lippen-frmig; Geisel doppelt? Chilomonas Eb. 9, 8. 

Krper hinten durch einen Einschnitt spitz 2 lappig Trepomonas Dj. 

. . . . Geisel aus einer seitlichen Ausrandung des Krpers Pleuromonas Dj. 

. . . Haare noch ausser der vordren Geisel vorhanden, 

. . . . nicht schwingende im Umkreis des Krpers Mallomonas Prt. 

. . . . schwingende an einer Seite desselben Trichomonas Den. 

. . die Geiseln: zwei (Bodo sjip. Eb.): 

,...,. j i i ,c i i7u > fCercnmonas Dj. 

. . . vorn 1, hinten 1 schwingende oder keine (Schwanz Eb.) )(Bodo s;>/< Eb 1 

. . . vorn 1 und seitwrts 1, beide schwingend Ajnphiihonas Dj. 9, 9. 

. . . vorn 2 ungleiche, 1 schwingende und 1 schleifende Heteroiiiitiis Dj. 9, 10. 

. . die Geiseln: vier bis fnf, vorn, schwingend: 

. . . 4; Krper einfach, hinten gespitzt, kein Pigment-Heck (Bodo sp. Eb.) Tetramitus Prt. 

. . . 45; Krper mitten mit strahligen Warzen; mit Pigment-Fleck . . . Chloraster Eb. 

. . die Geiseln sechs, vorn 4 gleiche, hinten 2 dickere (Bodo spp. Eb.) . . Hexamitus Duj. 9, 18. 

. . die Geiseln 8 10 vorn Phacclomonas Eb. 

. Pigment-Flecken 2 vorn ; Krper Birn-frmig , hinten mit beweglich einge- 

lenktem Schwnze (? Wrmer-Larve) ?Melanoglena Echw. 

Thierchen Familien-weise beisammen lebend F a in i 1 i a r i a. 

. durch Zweitheilung kugelige Haufen bildend, welche rotirend freiwillig bei- 
sammen bleiben. 

. Einzelnthierchen ohne Pigment-Fleck Uvella Eb. 9, 2. 

. Einzelnthierchen mit 1 Pigment-Fleck (junges Chlorogonium?) .... Glenomurum Eb. 9, 5. 

durch Vieltheilung Trauben-frniig lngre Zeit zusammenhngend. 

. Einzelnthierchen mit 1 Pigment-Fleck Spondyloinorum Eb. 

. Einzelnthierchen ohne Pigment-Fleck Polytoma Eb. 9, 3. 

durch Lngstheilung bis in den erstarrenden festwachsend en Stiel Eaum- 

frmig Anthophysa Bory. 

2) Cryptomonadina (Eb. in. m.) vgl. S. 122. 
Pigment-Flecke vorhanden : 1 ; Krper breit, flach. 

Geiseln unbekannt) 

Geisel eine > Krper hinten abgerundet Cryptoglena Eb. 

Geiseln vorn zwei ) 

Geiseln eine; Krper Blatt-frmig, mit Schwanz-frmiger Spitze .... Phacus Duj. 9, 11. 

Pigment-Flecke fehlen. 

Geiseln : eine, vorn. 

. Krper drehrundlich, kurz, Kugel- oder Ei-frmig, ohne Queertheilung .\ CrvDtomonrfs Eh 

. . Lngstheilung unbekannt \ 

. . Lngstheilung vorhanden; vier Theilganze zusammenhngend .... (Tctrabaena Dj.) 

. Krper lang, mit Queertheilung Ophidoinonas Eb. 

. Krper flach oder Blatt-frmig, 

. . vorn schmler mit Geisel auf schiefem Kerbzahn. Gestreift Crumenula Dj. 

. . vorn stumpfer, mit Geisel neben einer Dornspitze Prorocentron Eb. 9, 12. 

Geiseln zwei, auf abgerundetem Vordenande; 

. diese gleich (Cryptonionas Eb.) 

,, .. ,- i i t^- /- l'Diselmis Di. 

. . Korper Kugel- oder Ei-formig { c/r r)iplot ^ icha Eb . 

. . Krper Linsen-frmig (Geiseln 2 4?) Phacotus Prt. 



9, 6. 



14. 



124 Aufguss - Thierchen. 

. . diese ungleich, eine nachschleppend. Saf-, -Sifl 

. . . Krper prismatisch oder Kahn-frmig Ploeotia Dj. 

. . . Krper Ei- oder Melonen-frmig Anisonema Dj. 

. Geiseln mehre; Krper vorn spitz (vgl. Phacotus) Oxyrrhis Dj. 

3) Thecomonadina Dj., Perty (z. Th. ; vgl. S. 122 und Peridinaea). 
Panzer unbewehrt oder nur rauh. 

. Stigma keines; Geisel 1 vorn. 

. . Panzer kugelig oder elpsoidisch , punktirt (Trachelomonas Eb.) . . . Trypomonas Prt. 9, 23. 

. . Panzer vorn Flaschenhals-artig etwas verschmlert Lagenella Eb. prs. 

. Stigma 1; Krper rauh, oval; Geiseln 1-2 {(Chonas^rt.) } 9 ' 24 " 

Panzer stachelspitzig, lnglich rund; Stigma 0; Geisel unbekannt .... Chaetotyphla Eb. 

4) Astasiaea Eb. (vgl. S. 122). Die Euglenen incystiren sich und bilden in 

der Cyste junge Brut durch fortgesetzte Theilung. Schwrm- 
Sporen wie bei Protococcus. 
Thier frei beweglich , schwimmend oder kriechend. 
Geisel : eine, vorn, 
. mit dicker Basis aus einer Zuspitzung des Birn-frmigen Krpers; Stigma 

keines Peranema Dj. 9, 20. 

mit schlanker Basis aus stumpfem oder ausgeschnittenem Krper-Ende. 

Stigma keines Astasia Eb. 9, 13. 

Stigma : eines. 

. Thier hinten zugespitzt (geschwnzt), schwimmend (Luglena Eb. W, 

r vo (Lenocinclis Prt. 

. Thier walzig, hinten stumpf, kriechend Amblyophis Eb. 

Stigma doppelt; Krper formwechselnd; nach Verlust der Geisel kriechend Distigma Eb. 9, 17 

Geiseln zwei, vorn; 
dieselben gleich. 

. Stigma keines; Geisel aus einer Ausrandung des Krpers Zygoselmis Dj. 9, 31 

. Stigma 1. 

. . Krper formwechselnd proteisch Eutreptia Prt 

. . Krper formstet *) , Spindei-frmig zugespitzt 

dieselben ungleich, eine nachschleppend ; Stigma keines. 

. Form Birn-artig ; grn 

. Form vernderlich ; ohne Chlorophyll im Innern 

Geiseln viele (vielmehr ein Amba-artiger, in dnne Fortstze auslaufender 

Krper) ; Stigma 1 

Thier mit dem Faden-frmigen Hinterende fest, oft viele in Folge der Selbst- 
theilung zusammenhngend; Geiseln unbekannt ; Stigma 1-0 ; kriechend 

5) Dinobryina (vgl. S. 122). 

Pigment-Fleck vorhanden ; frei beweglich ; durch Knospung Strauch-artig . Dinobryon Eb. 9, 27. 

Pigment-Flecke keine; angeheftet [die Jugend der vorigen?] Epipyxis Eb. 

6) Peridinaea Eb. (vgl. S. 122). 

Panzer unregelmssig in 1 2 grosse Hrner fortsetzend ; Stigma keines . . Ceratium Sehr. 9, 26. 

Panzer regelmssig, rund oder kugelig, unbewehrt. 

. Stigma fehlt Peridinium Eb. 

. Stigma vorhanden Glenodinium Eb. 9, 25. 

Unsicher ?Dinophysis Eb. 

7) Colepina Eb. (vgl. S. 122). Krper gepanzert, Ei-frmig , wie getfelt! 

oder gegrtelt , hinten mit 3 5 Spitzchen. Mund vorn , end-> Coleps Eb. 10, 1. 

stndig; After unten ; Flimmer-Haare in Lngs- u. Queer-Reihen) 

8) Cyclidina (Eb., in erweitertem Sinne). Vgl. S. 122. Mit Wimper-Haaren 

allein. Krper im Allgemeinen mehr und weniger flach, Kreis- 
bis Ei-rund, elliptisch, lnglich, selten Halbmond-frmig ; Mund 
unbekannt; die Flimmer -Haare zerstreut; die Rand -Wimpern 
oft Strahlen-stndig. Der Mund wird sich wohl noch berall finden 
(wie ihn Stein krzlich bei Cyclidium dicht am Vorderende 
entdeckt zu haben scheint) , wofern sich nicht diese Sippen als 
blosse Jugend-Zustnde andrer Familien ausweisen **). 
Rechte und linke Krper-Seite gleich. 
Vorder- und Hinter-Ende desselben ganz oder fast gleich, ohne Anhnge. 
Bewimperung an allen Seiten gleich. 

. Krper flach, lnglich rund ; Wimpern-Kranz rundum {Enchel""^ 1 '' ***^ 

. Krper angeschwollen, berall mit Wimpern bedeckt Pantotrichum Eb. 1 *n ., 

. Krper lnglich rund oder Sfrmig, mit langen Wimpern bedeckt; klein Megatricha Prt. j ' 

Bewimperung vorn und hinten ungleich. 

. Wimpern nur am Vorderende Aeomia Duj. 

. Wimpern vorn grsser als hinten; Krper subcylindrisch Baeonidium Prt. 

. Wimpern kurz ; hinten ein lngrer Bschel Opisthiotricha Prt. 

Vorder- und Hinter-Ende ungleich durch Anhnge. 

Hinterende mit langem nicht schwingendem Faden Uronema Dj. 

Vorderrand stumpf mit Zapfen-frmigem Vorsprung ; hinten spitz . . . Acropisthium Prt. 



Chlorogonium Eb. 


9, 


15 


Heteronema Dj. 
Dinema Prt. 


9, 


22 


Polyselmis Dj. 


9, 


19 


Colacium Eb. 


9, 


16 



*) Deshalb nach Schneider nicht in diese Familie gehrig. 

*) Die wirklich Mund-lose Sippe Opalina PV. (z= Leucophrys Duj., nicht Ehrb.) , welche parasitisch in 
andern Wasser-Thieren lebt , besteht nach Stein's Nachweisungen aus Entwickelungs-Zustnden , theils von 
andern Infusorien (O. planariarum von Trichodina mitra), theils vielleicht von Binnen-Wrmern (Distomum?). 
***) Nach Stein's neueren Beobachtungen wird Cyclidium Eb. = Enchelys Duj. (nicht Eb.) eingehen mssen, 
da C. glaueoma der Schwrm-Sprssling von Chilodon cucullulus ist ; C. margaritaceum mit einem Munde ist 
Cinctochilum Perty geworden; die brigen Arten sind von Anfang her unsicher. Dujardin's Enchelys und 
vielleicht Uronema gehren ebenfalls zu Chilodon. Cohn nimmt Cyclidium als Schwrm-Sprssling frLoxodes 
in Anspruch. 



Klassifikation. 125 

Rechte und linke Krper-Seite ungleich. &of-> -Sig. 

. Flimmer-Haare ber den ganzen Krper. 

. . Rand-Wimpern gleichmssig einerseits vor-, anderseits riick-wrts gekehrt Acineria Dj. 

. . Rand-Wimpern einerseits einen Bschel bildend, 

. . . welcher weit vorn steht, gerade und zurckgekehrt ist Siagontherium Prt. 

. . . welcher aus gebognen Borsten besteht (cfr. Pleuronema) Alyscum Dj. 10, 12. 

. Flimmer-Haare nur in 1 Lngsfalte der konkaven Seite Gastrochaeta Dj. 

9) Enchelyina. Vgl. S. 122. Mit Wimper - Haaren allein. Lnglich rund, 

vorn zuweilen Hals-artig verlngert. Lebens- Weise frei oder pa- 
rasitisch in andern Thieren. Mund auf dem Vorderrande des 
Krpers, ohne gezhnelte Lippen-artige Einfassung vorn. 

Kontraktile lngs-streifige Krperhaut nicht unterscheidbar; Flimmer -Haare 
zerstreut stehend. 

. Thler doppelt, aus 2 seitlich verwachsenen Spindei-frmigen Krpern . . ?Disoma Eb. 

. Thier einfach. 

. . Mund auf queer abgeschnittenem Vorderrande, einfach Enchelys Eb. 10, 62. 

. . Mund auf schiefem Vorderrande (gelippt) 

... des Ei- oder Beutel-frmieen Krpers Trichoda Eb. 

i'Pn fl i o lpfi rcfi Er) 
(juv. Phialina Eb.) 
Kontraktile Haut mit reihenstndigen Wimpern 
. Krper vorn verschmlert, hinten abgerundet. 
. . Mund gelippt, schief, . 

. . . auf dem Hals-artig verlngerten Vorderende Lacrymana Eb. 

. . . auf dem massig verschmlerten Vorderende , sehr schief Leucophrys Eb. prs. 

. . Mund einfach, 

. . . auf dem etwas verlngerten zusammengedrckten Vorderende, ein Queer- 

spalt (Prt.) Spathidium Dj. 

. . . auf dem abgerundeten lnger gewimperten Vorderende [wie ?].... Colobidium Prt. 

. . . auf dein spitzen lngsfaltigen Vorderende [wie ?] Ptyxidium Prt. 

. . . auf dem kurzen abgestutzten Vorderende rundlich Holophrya Eb. 

. Krper drehrund lnglich, nach vorn etwas verdickt Apionidium Prt. 

10) Chilodontina (Decteria Prt.). Vgl. S. 122. Wimper-Haare allein. Krper 

Ei-frmig; Haut zusammenziehbar, gestreift, mit reihenstndigen 
Flimmer-Haaren; Mund Rlircn-frmig, die Rhre in viele Lngs- 
falten gelegt, deren Enden an dem Lippensaum-artig vorstehenden 
und gekerbten Vorderende der Rhre in Form kleiner Zhnchen 
vorspringen. 

Mund am vordren schmalen Ende des Krpers. 

. Krper krzer, Ei-frmig ; Zhne derber Prorodon Eb. 

. Krper lnger, gebogen , keulig ; Zhne sehr zart Habrodon Prt. 

Mund unten, hinter dem gerundeten Vorderende des Krpers, 

. drehrundlich , symmetrisch; Rcken Stirn-artig vorragend; Zhne zahlreich Nassula Eb. 

. platt, ungleichseitig; Oberlippe vorstehend. 

* , . b,. .,,,,, m (Chilodon Eb. 10,9. 

. . Haut langs-streifig ; Zahne zahlreich (10 30) HLoxodes Duj.) 

. . Haut am Umfang strahlig gestreift; Zhne wenige (47) . . . .... . Cyclogramma Prt. 

Hier scheint sich, obwohl mit ungezhntem Munde , anzuschliessen als ber- 

gangs-Form ?Liosiphon Eb. 

Vgl. noch Chlamydodon. 

11) Tracheliina (Eb. m. m.). Vgl. S. 122. Wimper-Haare allein; Krper Ei-, 

Beutel- bis Spindei-frmig, fters unregelmssig, mehr und 
weniger flach gedrckt. Mund von dem Vorderrande anfangend 
und auf der Bauch - Seite des Krpers fortziehend. After ge- 
whnlich hinten *). 

Haut undeutlich lngsstreifig ; Haare dnn und ungeordnet. 

. Mund unter einem zylindrischen Rssel (Lngsstreifung kenntlich). 

. . Rssel ein Finger-artiger Anhang des kugeligen Krpers Harmodirus Prt. 10, 8. 

. . Rssel ein unmittelbarer Fortsatz des gestreckten Krpers Trachelius Eb. prs. 

. Mund unter einem Beil-artigen Vorsprung (Oberlippe) IfPelecida Di) 

Haut gestreift; Wimpern in Reihen geordnet. 

. Haar-Reihen oder Mund spiralig herablaufend ; Mund schnurrborstig. 

. . Krper verlngert, an beiden Enden flach ; Mundspalt gerade ..... Condylostoma (Bory). 

. . Krper oval ; Mundspalt Spiral Spirostomum Eb. 

. Haar-Reihen gerade, lngslaufend. 

. . Krper dick, an beiden Enden stumpf. 

. . . Mndung vorn weit , bis zu halber Krper-Lnge Bursaria Eb. prs. 

. . . Mundspalt von fast ganzer Krper-Lnge Lembadium Prt. 

. . Krper zusammengedrckt, 2 spitzig rhomboidal; Mund ein Lngsspalt 
unter der Vorderspitze. 

. . . Spalt von % Va Krper-Lnge , stark bewimpert Blepharisma Prt. 

. . . Spalt krzer unter der lngeren Vorderspitze (After unten) Loxophyllum Dj. 

12) Colpodina (Eb. m. m.). Vgl. S. 122. Wimper -Haare allein. Mund an 
der Unterseite des Krpers, weniger oder mehr vom vordersten 
Endo entfernt, meist kurz , zuweilen in einem Spalt. After ge- 
whnlich unten*). 

Haut ohne Streifung; Wimpern nicht reihenstndig; Krper Spindei-frmig, 

vorn lang zulaufend Dileptus Dj. 

Haut kontraktil, mit reihenstndigen Flimmer-Haaren. 

. Flimmer-Haare nur gewhnlicher Art. 

. . Mund kurz mit besondren Anhngen : 



) Nmlich, so weit er bekannt, nur mit Ausnahme der angegebenen Flle 



126 Aufguss - Thierchen. 

. . . mit Augenlid-artig nickender Lngs-Lippe, oval. taf., 5ifl. 

.... Mund in der Vorderhlfte des wlbigen Krpers (After hinten) . . . Glaucoma Eb. 11, 2. 

.... Mund in der Ilinterhlfte des niedergedrckten Krpers Cinetochilum Prt. 

. . . mit vorspringender Unterlippe, Stirn-frmig (vgl. Plagiotoma) .... Colpoda Eb. 11, 1. 

. . Mund ohne besondre Anhnge. 

. . . Krper dick, ovoid abgerundet, oft kugelig zusammenziehbar. 

.... Pigment-Fleck vorhanden, After ber dem Schwnzchen! .... Ophryoglena Eb. 

.... Pigment-Fleck fehlt; After hinten (Frontoma Eb. 

(Panophrys Dj. 

. . . Krper zusammengedrckt, sich nicht kugelnd ; Mund in einem sehiefen 
Spalt oder Einschnitt. 

.... Mund im Grunde eines schiefen Queerspalts mitten; lange Rand- 
Wimpern davor (parasit.) Plagiotoma Dj. 

cfr. Otostoma Cart. 

.... Mund in einem schiefen Lngs-Spalt; Krper sehr platt Paramecium Eb. 10, 15. 

. . . Krper geschwollen und an einem oder zwei Enden lang zugespitzt. 

.... Leib Spindei-frmig, vor dem Munde Hals-artig verlngert .... Amphileptus (Eb.) 

.... Leib Keulen-frmig, vorn stumpf, hinten spitz zulaufend Uroleptus Eb. 

. Flimmer-Haare und aus einer Lugs-Falte (mit dem Munde) lange gebogene 

Borsten (vgl. Alyscum) Pleuronema Dj. 10, 13. 

13) Oxytrichina (Eb. m. m.) Vgl. S. 122. Spindel-, Flaschen-, Walzen-, 

Lanzett-frmig mit Flimmer -Haaren und mit den Ortswechsel 
(das Gehen) vermittelnden lngern und steifern Haar-Formen 
au der Unterseite des Krpers. After unten. 

Mit Wimper-Haaren und Borsten, ohne Griffel und Haken. 

. Stirn mit homartigen Borsten Ceratidium Eb. 

. Stirn ohne dergl. Walzen- bis Spindei-frmig. 

. . Hinterende mit Krper-langem Faden Mitophora Prt 

. . Hinterende ohne Faden. 

. . . Unten 2 Lngs-Reihen von Borsten Oxytricha Eb. 10, 10. 

. . . Unten lngs dem Mundspalt eine Reihe queerer Borsten. (After unbe- 
kannt. Cfr. Chaetospira) Stichotricha Prt. 

Mit Wimper-Haaren und Haken, ohne Griffel ' IpAlasto^Prt ) 10 > 1G - 

Mit Wimper-Haaren und Griffeln, ohne Haken Urostyla Eb. 

Mit Wimper-Haaren , Griffeln und Haken Stylonychia Eb. 

14) Euplotina Eb. (m. in.) vgl. S. 122. Krper gepanzert, mit Wimper- und 

mit Griffel- und Haken-Borsten , jene zum Schwimmen mehr 
allerwrts , diese zum Gehen an der bleibend flacheren Unter- 
seite (und hinten) angesetzt. After unten. 

Mund fehlend oder unbekannt. 

. Panzer mit beweglichem Schwanz-Anhang; Wimper-Borsten an den nackten 
Stellen. 

. . derselbe zusammengedrckt, vorn und neben offen fr die Wimpern . . Ervilia Dj. 

. . derselbe Sehild-frmig ovfcl, schief gefurcht Trochilia Dj. 

. Panzer ohne Schwanz-Anhang, flach gedrckt, 

. . rhomboidisch ; Wimper-Borsten vorn und hinten hinausstehend .... Diophrys Dj. 

. . nierenfrmig-oval, unten konkav mit Wimpern und Griffeln Coccudina Bory. 

Mund vorhanden, unten. 

. Krper mit Wimpern ohne Griffel. 

. . Mund ungezhnt. 

. . . Vorderkrper Kopf-artig abgesetzt Discocephalus Eb. 

. . . Vorderkrper nicht abgesetzt Himantophorus Eb. 

. . Mund gezlmelt (zu Chilodontae?) Chlamydodon Eb. 

. Krper mit Wimpern, Krallen und Griffeln. 

. . Pauzerschild den Krper vorn berragend, ungleichseitig Aspidisca Eb. 

. . Panzerschild den Krper vorn and hinten berragend Euplotes Eb. 10, 7. 

15) Stentorina (S. 123). Von Kreisel-, Keulen- bis Walzen-Form, am Hinterende 

verdnnt und damit (entweder festgewachsen V oder) sich will- 

khrlich ansaugend und wechselweise schwimmend. Ausserdem 

zusammenschnellende Bewegungen des Krpers (ob bei allen 

Sippen ?). Mund und After befinden sich an dem mit einer 

Spiralreihe von Wimper -Borsten versehenen Vorderende, der 

Mund unten, der After am Rcken hinter oder ber der Spirale. 

Die ganze Oberflche des Krpers bewimpert. 
Thier frei , unbeweglich; Vorderende abgestutzt; die Stirnflche von einer 

Wimper-Spirale umgeben, hinter welcher der After ber dem 

Munde steht Stentor Ok. 10, 4. 

Thier zylindrisch in einer (? schwimmenden) Urnen-frmigen Scheide fest- 
sitzend, mit dem Stab -frmig verlngerten Vorderende des 

Krpers hervorragend , an welchem eine (im Aufrollen spirale) 

Wimperreihe zu dem darunter gelegenen Mund leitet ; After am 

Rcken des Stabes vor dem Mund (ob schnellend?) Chaetospira Lehm.*) 10, 5. 

IC) Vorticellina Eb. (m. m.) Vgl. S. 123. Kreisel- bis Walzen-frmig; das ein- 
ziehbare vordre (dickere, obre) Ende abgestutzt, mit einer krf- 
tigen Wimpern-Spirale um das Stirn-Ende versehen, welche zu 
einer darunter gelegenen Vorkammer leitet, in welcher Mund 
und After neben einander liegen. Der Krper ist allein oder 
nebst seinem Stiele zusammenschnellender Bewegungen fhig. 
Oberflche (ausser der vordem Wimper-Spirale und einem nur 
whrend des Wanderns der Sprsslinge erscheinenden hintern 
Wimpern-Kranz) ohne Wimper-Kleid. 



*) Lachmann stellt noch eine zweite und dieser hnliche Stentoren-Sippe auf, ohne sie jedoch zu benennen. 
Eine andre von Perty C ;i enomorpha genannte Sippe scheint ein ganz fremdartiges Wesen in sich zu begreifen. 



Klassifikation. 



127 



Krper mittelst Wimper-Spirale oder -Krauz schwimmend (und sich wechsel- 
weise ansetzend), 

hinten mit einem Wimper-Kranze; im Sitzen Scheiben-frmig; ungestielt . 

hinten ohne Wimper-Kranz, Kreisei-frmig, mit anhngendem Stiele . . . 
Krper mit dem Hinterende mittelbar oder unmittelbar festgewachsen 

auf einer von einer Kolonie ausgesonderten Gallert-Kugel . 

auf fremder Unterlage 

. Thierchen von einem hutigen Gehuse umgeben; einzeln. 

. . Gehuse (Scheide) ungestielt; 

. . . das Tliier darin gestielt [und bewimpert!] 

. . . das Thier darin ohne Stiel, 

.... im Grunde festsitzend ; Hlse mit der Basis angewachsen . . . . 

.... im Halse befestigt; Hlse mit der Seite angewachsen 

. . Gehuse auf einem Stiele 

. Thierchen frei, ohne Scheide ; 

. . dieselben mit breiter Basis aufsitzend 

. . dieselben auf spitzer (kurz gestielter) Basis; Wimper-Spirale blttrig . 

. . dieselben deutlich gestielt ; Stiele oft stig. 

. . . Stiel wenig biegsam, derb, nicht zusammenziehbar. 

.... Peristom scharfrandig 

.... Peristom aussen verdeckt 



Trichodina Eb. *) 
? Urocentron Eb. **) 

Ophrydium Eb. 



?Tintinnus Eb. ***) 

Vaginicola Eb. 
Lagenophrys St. 
Cothurnia Eb. 



Scyphidia Lehm, f) 
Spirochona St. 



Cnf., Sig. 
11, 3. 

11, 4. 



11, G. 
11, 7. 
11, 5. 



11, 8. 



Stiel hohl, in Schrauben-Form zusammenziehbar, erst einfach, 

. allmhlich stig werdend, 

. und grssre Thierchen zwischen den kleinern tragend . . . 



Opercularia (Eb.) St. 
Epistylis (Eb.) St. 12, 2. 

Vorticella Eb. jj^' J- 

Carchesium Eb. 10, 3. 

Zoothamnium Eb. 



Anhang. 

Acinetina Eb. (vgl. S. 123.). Rundliche Krper ohne Mund , Wimpern und 

Ortswechsel, mit spitzen oder geknpften, zuweilen bndelweise 

verwachsenen (Saug- V) Fden bedeckt; frei oder gestielt. Diese 

Familie besteht theils aus blossen V Entwickelungs-Formen der 

vorigen (Cysten , Acineten) und theils aus noch nicht genau 

geprften Sippen. Sie muss spter entweder aufgelst oder, 

was davon brig bleibt, als Bindeglied zwischen Polycystinen 

und Ciliaten anderwrtig eingeschaltet werden. 
Krper ungestielt. 
Fden vorhanden, spitz, 

. vom kugeligen Krper allseitig ausstrahlend. Retraktile Blasen .... 
. vom Scheiben-frniigen Krper in der Richtung seiner Ebene strahlend . 
Fden fehlend. 

. Krper-Oberflche Stem-frmig (Discodella Wss. -j-ff)) 

. Krper-Umfang in 02 5 dreitheilige Arme ausgehend DendrocometesSt.fttt) H,8G. 

Krper gestielt. 
Stiel einfach; Fden (erst fehlend, dann) geknpft, meist in 2 5 Bscheln. 

. Stiel festsitzend (einen Birn-frmigen Krper tragend) Acineta Eb ) 10, 6. 

. Stiel am Krper hngend, oder nur an Schleim ansitzend. 

. . Krper kugelig, platt Podophrya Eb. ) 12,(1,2). 

. . Krper kugelig oder oval, grtelartig, gereift Orcula Wss. ) 12, IQ. 

Stiel unten dick, stig, vielkpfig; Kpfe wie Actinophrys ?Dendrosoma Eb. 



?Aetinophrys Eb. ft) 10,14. 
fTrichodiscus Eb. 



VII. Rumliche Verbreitung. 

1) Topographische Bemerkungen. Wohn- Element der Infusions- 
Thierchen ist das Wasser. In ruhendem Zustande, in Cysten-Form , die 
sie bei beginnendem Wasser-Mangel gern annehmen, knnen sie jedoch 



*) Der von Lamarck dieser Sippe gegebene Name Urceolaria ist schon in der Botanik verbraucht. 
Einige kugelige Tiichodina-Arten, aussen behaart und ohne hintern Wimper-Kranz (Tr. glandinetla, Tr. vorax, 
Tr. tentaculata = Halteria Duj.) , welche Lachmann ganz aus den Vorticellinen ausscheidet, wren nach 
Stein nur Schwrm- oder Aussen-Sprsslinge von Vorticellinen; Tr. plandinelfa insbesondre von Epistylis [?]. 
**) Urocentron gehrt nach Lachmann nicht zu den Vorticellinen. Indessen sind bis jetzt weder die 
Grnde dagegen, noch ist die Familie bekannt, wohin diese Sippe versetzt werden soll. 

***) Tintinnus weicht nach Lachmann durch eine wie bei den Stentoren behaarte Oberflche und einen 
eigenthmlichen Verdauungs -Apparat von den Vorticellinen ab, obwohl die Thierchen wie diese zusammen- 
schnellen und nach Ehrenberg eine Vorkammer fr Mund und After haben. Lachmann hat aber die Be- 
schaffenheit des Verdauungs-Apparates noch nicht nher bezeichnet, daher die Sippe vorerst noch hier stehen 
bleiben muss. 

t) Scyphidia Duj. begreift wohl nur junge, eben sich irgendwo neu ansetzende Vorticellinen in sich, 
und an diesen lsst sich auch fast immer sogleich schon der werdende Stiel erkennen. Lachmann verwirft 
diese Arten , benutzt aber denselben Namen fr 2 neue Species , welche mit breiter Basis auf dem nackten 
Theile des Krpers von Wasser-Schnecken sitzen. 

tt) Solche Formen entstehen aus Vorticellinen, insbesondre Epistylis, nach Stein und Udekem. 
ttt) Die Cyste von Stylonychia pustulata nach Lachmann. 
fftf) Die Acineten-Form von Spirochona nach Stein. 

) Die Acineten sollen aus verschiedenen Vorticellinen-Sippen: Epistylis, Vaginicola, Opercularia, Vorti- 
cella, Cothurnia entstehen. 

) Nach Stein und Udekem eine Umwnndehing der Epistylis (hypothetisch). 
) Orcula sah Cienkowsky aus Podophrys entstehen. 



1 28 Aufguss - Thierchen. 

in vllig ausgetrocknetem, ja steinhart gewordnem Schlamme, auf dem 
Schnee, in Rasen (Heu) und Moos, an Zweigen hoher Bume klebend, 
oder in der Luft umhergetrieben Wochen und Monate lang ohne ihre 
Lebens -Kraft einzubssen, und auf einem Stck Fliess-Papier aus dem 
Wasser geschpft Jahre lang aufbewahrt werden. Strme und Winde, 
ja der leiseste Luft-Zug, wirken daher fortdauernd zur raschen Verbreitung 
einer Menge von Wesen, die selbst keine Verbreitungs Mittel besitzen 
(Bodo, Cyclidiuni, Bursaria, Colpoda [im Heu], Trachelius, Oxytricha, Sty- 
lonychia etc.); ein Tropfen Feuchtigkeit reicht sofort hin, sie zur Fort- 
setzung ihrer Entwickelung und zur raschen Vermehrung an jeder neuen 
Wohnsttte zu befhigen, und es ist daher nicht zu verwundern, wenn 
selbst in destillirtem oder abgekochtem Wasser, falls es nicht in rasch 
und hermetisch verschlossenen Gefssen aufbewahrt wird, sich bald ein 
neues Infusorien -Leben entwickelt. Wo aber die angedeutete Vorsicht 
angewendet worden, da hat man noch keine Infusorien wieder aufkommen 
sehen. Am leichtesten und frhesten finden sich jedoch die Flagellaten 
und unter ihnen die Monadinen ein, welche selbst neuere Beobachter 
als Produkte einer Generatio aequivoca oder originaria bezeichnen 
mchten. 

Art des Wassers. brigens aber finden sich Infusorien in ge- 
salzenem und ungesalzenem, in Regen-, Quell- und Sumpf- Wasser, in 
warmen und Mineral-Quellen, auch im faulenden Wasser und in Infusionen 
aller Art (daher ihr Name), selbst von scharfen Substanzen, von vege- 
tabilischen Giften (Brechnuss etc.) und von Stoffen vor, welche in der 
Natur als solche nicht vorkommen, und eine jede dieser Flssigkeiten 
entwickelt auch unter sonst gleichen Verhltnissen eine eigens zusammen- 
gesetzte Infusorien -Welt, wenn auch manche Arten fast allen Wassern 
gemeinsam sind. Man hat in Pfeffer -Infusionen Arten gefunden, die bis 
jetzt noch nicht anderweitig beobachtet worden sind ; und andrerseits 
finden sich die Stentoren unter andern nur in frischem Wasser und nie 
in Infusionen vor. Das Salz-Wasser des Meeres scheint im Ganzen nicht 
so reich zu sein, als das ssse, und das Quell- und Fluss -Wasser ist 
weniger als das Sumpf- und Pftzen- Wasser, das der Regen-Fsser u. s. w. 
belebt, obwohl in kleinen abgeschlossenen Behltern aller Art fters zahl- 
lose Individuen von nur einer oder wenigen Arten enthalten sind, und 
selbst solches Salz -Wasser, welches (bei Cette) zum Zwecke der Salz- 
Bereitung schon mehr und weniger gradirt ist, kann durch Monas (Di- 
selmis) Dunali in weiter Ausdehnung ganz roth gefrbt werden. Zustze 
von manchen Salzen, wie von phosphorsaurem und kohlensaurem Natron und 
zumal von phosphorsaurem, salpetersaurem und kleesaurem Ammoniak zu 
den Infusionen organischer Materien gebracht, begnstigen die Entwicke- 
lung der Thierchen vorzugsweise, indem sie ihnen wahrscheinlich die 
Aufnahme von Stickstoff erleichtern. Wenn man Infusionen knstlich be- 
reitet, so sieht man, bei gengendem Lichte zugleich mit grnen Faden- 
Algen, die Aufguss -Thierchen in folgender Ordnung erscheinen: zuerst 



Kumliclie Verbreitung. 129 

Monaden (zusammen mit Vibrionen und Amben); dann Enchelys, Tri- 
ehoda und Colpoda] zuletzt Tracheus , Loxodes, Euplota, Paramecmm, 
Cerona, Glaucoma und endlich Vorticella, welche zu ihrer Strauch-artigen 
Entwicklung etwas lngere Zeit braucht. Whrend neue Formen erscheinen, 
pflegen die frheren zu verschwinden. In gemeinem Brunnen-Wasser sind 
am hufigsten: Monas, Uvella, Cyclidium , Glaucoma, Trachelius larrieUa, 
Tr. strictus und Tr. trichophorus , Oxytricha pdliondla, Euplotes Charon, 
Amphileptus fasciola, Pleuronema chrysalis. Obwohl viele selbst der ent- 
wickeltesten Formen im Wasser unter der Eis-Decke der Flsse und Seen 
und einige Arten zuweilen (herange wehet?) selbst auf dem Schnee der 
Alpen getroffen werden, so fand Perty in dem von den Gletschern ab- 
fliessenden Wasser neben 24 Arten kieselschaaliger Diatomaceen doch 
keine chten Infusorien; und so auch nicht in Thermal- Wassern von 25 11. 
(was wohl zufllig war, indem das Wasser der Meeres -Salinen unfern 
Cette wie berhaupt das Sumpf- Wasser tropischer Gegenden diese Tem- 
peratur ja erreichen). Selbst fern von allem Lichte in einem 336 ' tiefen 
Schachte Sibiriens und in einem 1100 ' tiefen zu Freiberg fand Ehrenberg: 
in erstem Colpoda cucullus, Loxodes cuculhdus und L. cucullio, in letztem 
Monas termo mit einer Diatomee. Ebenso entdeckte Teilkampf im Wasser 
der Mammont-Hhle in Kentucky, 9 (?) Engl. Meilen vom Eingange ent- 
fernt, noch 2 Monas-Arten , 1 Bodo, 1 Chilomonas und 1 Chilodon. Monas 
sidphurina Joly ist in einer Schwefel-Quelle gefunden worden. 

Unsre Tabelle S. 131 zeigt, dass von 590 Infusorien -Arten 506 aus 
den Ssswassern, und nur 140 (= 7:2) aus dem Meere bekannt sind, 
mithin 56 Arten (0,1) in beiden Medien zugleich vorkommen, womit die 
Anzahl der ihnen gemeinsamen Arten sicher noch nicht erschpft ist. 
Aber weit ber die Hlfte dieser Arten ist von Eichwald an der Russischen 
Kste im hintersten Theile der Ost-See gefunden worden, wo der Salz- 
Gehalt des Meeres nur noch sehr unbedeutend ist, Andre dieser Arten 
stammen aus dem vordem Theile der Ost- und aus der Nord -See, und 
nur wenige von der Franziisischen Kste; fast alle gehren solchen Sippen 
an, deren meisten Species Ssswasser-Bewohner sind; nur die Arten-armen 
Sippen V Melanoglena, Prorocentron, Ploeotia, Oxyrrhis, Heteronema, und 
unter den Ciliaten : Urotiema, ?.Disoma, Ervilia, Trochilia (beide mundlos), 
Diophrys, IHscocephalus, Chlamydodon und das etwas Arten-reichere Vorti- 
cellinen-Geschlecht Tintinnus gehren ganz dem Meere an: einige unter 
ihnen von noch sehr zweifelhafter Natur. Im Ganzen genommen knnen 
die Familie der Peridinien und zumal die der Euplotinen als vorzugsweise 
meerisch bezeichnet werden, da die letzte zahlreicher an See- als an 
Ssswasser- Bewohnern ist. Die Zahl der meerischen Arten ist brigens 
verhltnissmssig grsser bei den Ciliaten (= 0,30) als bei den Fla- 
gellaten (= 0,16). 

Whrend manche festgewachsene Vorticcllen regelmssig nur an Wasser- 
linsen getroffen werden, kommen andre nur an gewissen Wasser -Kfern 
(an Agabus etc.), Kruster-Arten (an Astacus, Gammarus, Aseus, Cyclops) 

Bronn, Klassen des Thier- Reichs. I. Q 



130 Aufguss-Thierehen. 

und zwar wieder nur an bestimmten Tkeilen derselben, an ihren Beinen, 
ihren Kiemen u. s. w. vor; dahin gehren zumal manche EpistyUs-, Co- 
tharnia- und Opncularia- , und die Lagenophrys-, Spirochona- und Opalina- 
Arten. Selbst die ganz frei bewegliehen whlen sich andre kleine Wasser- 
Thiere zu ihrem Aufenthalts-Orte. So hat man schon in frher Zeit gewissen 
Arten von Oxytricha (0. pellionelld), Cerona (C. poh/porum) und Tricho- 
dina (Tr. pediculus) den Namen Polypen-Luse gegeben, weil sie vorzugs- 
weise oder fast nur auf Ssswasser-Polypen auf- und ab-laufend gefunden 
werden. Einige Hexamitus-, Trichomonas-, Bodo-, wie die Condylostoma-, 
Plagiotoma- und Opalina -Arten leben im Darm-Kothe von Ringelwrmern, 
Planarien, Wasserschnecken und Frschen. Ein Paramechim kommt mit- 
unter bei Darm-kranken Menschen hufig vor. 

Wie verschiedenartig aber in verschiedenen Wasser-Becken oder selbst 
schon innerhalb kleiner Distanzen im nmlichen Wasser -Becken die In- 
fusorien-Bevlkerung sein kann, geht aus Michaelis' Beobachtung hervor, 
der von 100 Arten, welche 0. Fr. Mller in der Ost-See gefunden, nur 
3 Arten im geschlossenen Kieler Hafen zu entdecken vermochte. 

In grossen Hhen (Perty beobachtete die Infusorien bis zu 9000' Hhe) 
bleiben manche Arten kleiner oder bilden ihren Panzer nnvollkomniner 
aus. Euploten und Vorticellinen sind in jenen Hhen am schwchsten 
vertreten. 

2) Die geographische Verbreitung*) betreffend, so lsst sich darber 
noch kein Urtheil fllen, da von den 590- (300 Infusorien -Arten Hin- 
gegen 60 (zum Theil Europische) ausserhalb Europa: in den angren- 
zenden Theilen West-Asiens (S 2 ) und am Rothen Meere in Arabien und 
gypten (F 2 - 3 ), in Ost-Indien (S :i ) und Nord -Amerika (M 2 ) verzeichnet 
worden sind. Die Vertheilrmg der Arten -Zahl innerhalb Europas ist in 
nach-stehender Tabelle hauptschlich aus den Werken von Dujardin fr 
Frankreich, von Perty fr die Schweitz, von Ehrenberg fr Deutschland 
(besonders den Norden und Nord-Osten) , von Eichwald fr Pussland **) 
(Gegend von Petersburg und an der Ost-See) und von Ehrenberg fr Sd- 
Sibirien zusammengestellt worden. Charakteristische Zge der geogra- 
phischen Verbreitung ergeben sich daraus noch kaum, wenn man berck- 
sichtigt, dass die Schweitz viele (die meerischen) Arten und Sippen aus 
topographischen Grnden entbehrt und als Hochland Frankreich am meisten 
entgegensteht. Die Verbreitung der Familien scheint in allen diesen Ln- 
dern eine ziemlich gleichmssige zu sein, und die angegebenen Zahlen 



*) Im Kopfe unserer Thier- geographischen Tabellen bedeutet E = Europa, und da die 
Namen der brigen Welttheile alle mit A anfangen, so werden sie nach dem zweiten Buchstaben 
ihres Namens unterschieden, mithin F = Afrika, S = Asien, U = Australien, M = Amerika. 
Einigen Zahlen in den Eubriken selbst ist ein f, s, u, m mit gleicher Bedeutung beigefgt. 
Die Exponenten 1 , 2 , 3 , 4 , 5 hinter den die Welttheile bezeichnenden Buchstaben gelten fr 
die 5 Zonen von Nord nach Sd. 

**) Auch Weisse zhlt 400 Arten Infusorien, Ehizopoden und Eotatorien in der Petersburger 
(regend auf, fawt mir solche Arten, die Ehrenberg schon beschrieben hat. 



Eumliche Verbreitung. 



131 



hngen wohl in der Hauptsache nur vom Stande unsrer bisherigen Kennt- 
nisse derselben ab. Nach den Verhltnissen andrer Thier-Klassen berechnet, 
htten wir die allmhliche Unterscheidung von mindestens 10,000 Infusorien- 
Arten im Ganzen zu erwarten, bevor wir ein einigermaassen gengendes 
Bild ihrer Vertheilung gewinnen knnen. 

Beschrnken wir uns auf das Wenige, was wir bis jetzt ausserhalb 
Europa kennen, so sind unter 4(3 aus dem sdwestlichen Sibirien ( s der 
letzten Rubrike) wohl einige Europa fremde oder neue Arten*), aber keine 
neue Sippe, und die einzige Infusorien-Sippe, welche in Europa noch nicht 
angezeigt worden, ist ein Tropen -Bewohner und zweifelhaft hinsichtlich 
seiner Synonymik, indem nmlich Carter's Otostoma in Ostindien von Du- 
jardin's Plagiotoma kaum wesentlich verschieden zu sein scheint. Auch 
bemerkt Carter selbst, dass die Infusorien -Welt der Ostindischen S- 
wasser denselben Charakter wie in Europo trage und zum Theil aus den 
nmlichen Arten bestehe. Diess Letzte ist namentlich mit den Bewohnern 
faulender Wasser der Fall. 



Ganze Zahl. 



73 

c: 





Nach den Lndern. 






55 


n 


SO 


ET 




CD 









Gfc 










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1) Monadina. 

Acariaeum 

Menoidium 

Spiromonas 

Chromatium . . . 
Microglena . . . . , 

Doxococeus 

Monas 

Cyclidium (prs.) Duj. 

Chilomonas 

Trepomonas . . . . 
Pleuromonas . . . . 
Mallomonas .... 
Trichomonas ... 
Ccrcomonas Modo) 
Aniphimonas . . . . 
Heteromitus . . . . 
Tetramitns . . . . , 
Chloraster .... 
Hexamitus . . . 
Phacelomonas ... 
?Melanoglena . . . , 

Uvella 

Glenomorum . . . . 
Spondylomorum . . . 
Polytoma . . . . . 
Anthophysa . . . . , 

2) Cryptomonadina. 
Cryptoglena . . . . 
Cryptomonas . . . . 
Ophidomonas . . . . 

Phacus 

Crumenula 

Prorocentron . . . . 

Disclmis 

Phacotus- 



1 


1 






1 


1 


1 


1 








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1 

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11 


15 


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1 



1 

3 
20 



3 s 
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3 s 



*) Ehrenberg weiset die geographische Vertheilung dieser Arten in den Abhandlungen der 
Berliner Akademie sehr umstndlich nach. 

9* 



132 



Aufouss -Thierchen. 



Ganze Zahl. 



so 

3 



Nach den Lndern. 



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2 


3 


CD 


1 




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1 
























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*1 



Ploeotia 

Anisonema 

Oxyrrhis 

3) Thecoxnonadina. 

Trypomonas 

Lagenella (prs.) 

Chonemonas 

Chaetoglena 

Chaetotyphla 

4) Astasiaea. 

Peranema , 

Astasia 

Euglena 

Amblyophis 

Distigma 

Zygoselmis 

Eutreptia 

Chlorogonium 

Heteronema 

Dinema 

Polyselmis 

Colacium 

5) Dinobryina. 

Dinobryon 

Epipyxis 

6) Peridiniaea. 

Ceratium . . 

Peridinium 

Glenodiniuin . . , 

Dinopbysis . 

Flageata {JjgJ 

7) Golepina. 

Coleps 

8) Cyclidina. 

Pantotricbuin 

Megatricha 

Acomia 

Baeonidium 

Opisthiotricha 

Uronema 

Acropisthium 

Acineria 

Siagontheriam 

Alyscum 

Gastrochaeta 

9) Enchelyina. 

? Disoma 

Enchelys 

Trichoda 

Trachelocerca 

Lacrymaria 

Leucophrys 

Spathiditim 

Colobidium 

Ptyxidium 

Holophrya 

Apionidium 

10) Chilodontina. 

Prorodon 

Habrodon 

Nassula 

Chilodon \ 

Cyclogramma 

?Lioaiphon Eb 

11) Tracheliina. 
Harmodirus 



4 
12 
18 
1 
4 
2 
1 
1 
1 
2 
1 
2 



10 

11 

5 

2 

G~ 
260 



3 
2 
8 
1 
1 
1 
1 
2 
1 
1 
1 



4 
10 
18 

1 

4 
2 
1 

1 

2 
1 

2 



8 
7 
4 
2 

55~ 
235 



2 

5 
2 

~W 
40 



30 
88 



3 

4 

11 



35 
101 



1 I 



2 



17 

1 
3 
1 



38 
131 



27 
81 



Kumliche Verbreitung. 



133 



Ganze Zahl. 




Nach den Lndern. 


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09* 
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3 


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Trachelius 

Loxodes 

Condylostoma 

Spirostomum 

Bursaria 

Lenibadium 

Blepharisma 

Loxophyllum 

12) Colpodina. 

Dileptus 

Glaucoma 

Cinetochilum 

Colpoda 

Ophryoglena , . 

Frontonia ) 

Panophrysj 

Plagiotoma 

Parameciuin 

Amphileptus 

Uroleptus 

Pleuronema 

13) Oxytrichina. 

Ceratidium 

Mitophora 

Oxytricha 

Stichotrieha 

Corona 

Urostyla 

Stylonychia 

14) Euplotina. 

Ervilia 

Trochilia 

Diophrys 

Coccudina 

Discocephalus 

Himantophorus 

Chlamydodon 

Aspidisca 

Euplotes ' 

15) Stentorina. 

Stentor 

Chaetospira 

16) Vorticellina. 

Trichodina 

? Urocentron 

Ophrydium 

'Tintinnus 

Vaginicola 

Lagenophrys 

Oothurnia , 

Scyphidia 

Spirochona 

Opercularla 

Epistylis 

Vorticclla 

infusoria {^P- 

Anhang. 

Actinophrya 

Trichodiscns 

Discodella 

Dcndrocometcs . 

Acineta 

Podophrya 

Orcula 

Dendrosoma 



15 
7 
1 
3 

12 
2 
2 
2 



3 

2 
1 
4 
5 

18 

3 
10 
6 
4 
2 



1 
1 

15 
1 

2 
1 
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1 
1 
1 
7 
1 
1 
1 
4 
20 



2 

2 

6 

14 

25 

~79~ 
330 



12 
6 
1 
2 

12 
2 
2 
2 



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1 
1 
4 
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1 
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1 
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1 
1 
1 
4 
3 
5 
2 

1 

6 
11 
23 

72~ 
271 



139 

590 



1 
1 
1 
10 
3 

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i 



127 
506 



6 
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1 
1 
3 
1 
1 
1 
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12 



5 
10 

40 

100 



60 

140 



13 



1 

8 
_10_ 
44~ 
130 



1 
1 
1 

2 
4 

10 
2 
5 
4 
3 
1 



1 

10 
1 

2 
1 
5 



57 
153 



6 

4 

2 

12 

1 



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1 
3 
3 

13 

1 
5 
6 
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1 



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1 

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2 
2 
6 
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17 



2 

7 

13 



60 
209 



47 
125 



74 

218 



92 
254 



96 
340 



5 
1 
1 
1 

10 

1 
1 

1 



74 

206 



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30 



29 
56 



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134 Aufguss-Thierchen. 

Zu den am weitesten oder allgemeinsten verbreiteten Arten gehren 
Monas termo, M. prodigiosa, M. gliscens, Uvella uva, U. glaucoma, Bodo 
grandis , B. saltans , B. socialis , Chilomonas paramecium , Polytoma uvella, 
Phacus triqueter (E 2, M 2 ), Cyeiidiwn glaucoma (Europa, und von Dongola 
im 19 bis Bogoslawsk im 60" Bi\), Colpoda eucullus (eben so), Tricho- 
dina pedicidus, Trichoda pyrum, Trac/ielius lamella (wie Cyclidium), Chilodon 
cucullulus, Paramecium Aurelia (Europa bis Ost-Indien), P. chrysalis (wie 
Cyclidium) , Plmronema chrysalis, PL crassa (E 2, S^.F 2 ' 3 ), Coccudina cimcx 
(E 2 'S 2 'F-), Coleps hirtus (E 2 ,M 2 ), Aspidisca Lynceus, Vorticella nebulifera 
s. convallaria (E 2, S. 2, F 3 ) u. a. m. 

Am sdlichen wrmeren Fusse der Alpen sah Perty manche Arten 
grsser als am nrdlichen Fusse werden. 



VIII. Zeitliche Verbreitung. 

So zahlreich auch die fossilen Reste sind, welche uns die frher mit 
den Infusorien unter dem gemeinsamen Namen Polygastrica verbunden 
gewesenen Kiesel-Diatomeen hinterlassen haben, so wenig sind die mikro- 
skopischen und Gallert -artigen eigentlichen Infusorien dazu geeignet ge- 
wesen, ihren geologischen Entwickelungs - Gang durch fossile berreste 
fr eine sptre Zeit aufzuzeichnen, obwohl sie sicher zu den frhesten 
Bewohnern der Gewsser unsrer Erde gehrt haben, zumal die Existenz 
andrer Wesen von ihnen abhngig gewesen ist. Nur unter den Panzer- 
Monaden und Peridinien scheinen einige mehr und weniger Erhaltungs- 
fhige zu sein, und in der That versichert Ehrenberg ein halbes Dutzend 
Arten von Peridinium, Chaetotyphla, Chaetoglena und Trachelomonas in 
durchsichtigeren Kiesel -Ausscheidungen der Steinkohlen -Formation, des 
Coral rag, der Kreide und in einigen Tuff- Gesteinen entdeckt zu haben, 
worunter sogar das jetzige Peridinium monas in der Steinkohlen-Formation. 



I\. Verhalten zum brigen Haushalt der Natur. 

Die Infusorien nhren sich theils von organischen Moleklen, die im 
Wasser zerstreut sind, theils von kleinen Algen und von andern noch 
kleinern Infusorien, welche durch ihre Wimper-Apparate ihnen zu Munde 
gefhrt werden. Daher die Infusorien auch berall mit den Konferven 
zusammen vorkommen, um mit ihnen gemeinsam wirkend die erste anima- 
lische Materie zur Nahrung hherer Thier-Organismen zu bereiten als ein 
ebenso unsichtbarer wie grossartiger im Wasser jeder Art allgegenwrtiger 
Assimilations-Apparat. Die Muschel-Thiere insbesondre, welche mit einem 
analogen Apparate wie die Infusorien selbst, durch ihre Lippen -Anhnge 
nmlich, Strmungen des Wassers gegen ihren Mund veranlassen, scheinen 
sich vorzugsweise von Diatomeen, Vibrionen und Monadinen zu nhren. 



Verhalten zum brigen Haushalt der Natur. 135 

Manche Infusorien machen sich durch die, in Folge ihrer ungeheuren 
Vervielfltigung mitunter sehr rasche und intense Frbung des Wassers 
in Gefssen wie in ganzen Pftzen, Teichen und See'n auf berraschende 
Weise bemerklich, zuweilen unter Mitwirkung von Konferven, die gleichen 
Farbstoff wie sie enthalten und ihn zuerst bereiten. Ganz abgesehen von 
einer bloss oberflchlichen Grnfrbung stehender Gewsser durch Kon- 
ferven -berzge, dem sogenannten Blhen des Wassers"', und von der 
Mitwirkung grner Yolvocinen auch in den tieferen Schichten, kann durch 
Monas bicolor , Tetramitus boclo , Cryptomonas glauca , Cryptoglena conica, 
Euglena viridis, E. spirogyra, Eutreptia viridis, Chlorogonium euchlorum, 
Glenomoriurn tingens , Parameciuni bursaria und Ophrydiitm versatile eine 
grne Frbung ganzer Wasser -Massen vorkommen; eine dunkel-braune 
bis schwarze durch Stentor niger und Ophryoglena atra (Dinte-Kegen") ; 
ein Milch-artiges Aussehen erlangen sie manchmal durch Polytoma uvell'a. 
Gelb wird das Wasser zuweilen durch Monas -Arten, Astasia avicns, 
A. ochracea; roth wird dasselbe durch Monas vinosa, M. eritbescens , M. 
Okeni, M. rosea, Euglena sanguinea, Astasia haematodes u. a. 

Der Alpen -Schnee erscheint zuweilen roth (ausser durch Protocoecus 
'pluvialis, Pr. (Hysginwn) nivalis, Pr. nebidosus, Gyges sangidneus , Pando- 
rina hyalina) durch Monas scintillans, Astasia nivalis, Bursaria arborum. 
Das pltzliche Erscheinen rother Flecken selbst an trocknen Orten (sogar 
bis in geschlossenen Schrnken u. s. w.) , welches man einem Blut-Kegen" 
zugeschrieben und oft aberglubisch gedeutet hat, wird hauptschlich durch 
Monas prodigiosa verursacht. Das Auftreten solcher Blut-Flecken an Speisen 
und geweihten Hostien hat schon mehrmals den Fanatismus gegen die 
Juden erregt, welche Hundert-weise darber das Leben verloren*). Der 
oft schnelle Wechsel in der Frbung der Gewsser erklrt sich durch 
den Einfluss, welchen Licht und Wrme zu verschiedenen Tages -Zeiten 
auf die Infusorien ausben knnen, indem sie solche veranlassen, auf den 
Grund niederzugehen oder sich von demselben zu erheben. 

Auch ist das phosphorische Leuchten des See-Wassers zu erwhnen, 
zu welchem einige Flagellaten - Infusorien mit beitragen. Nach Ausschei- 
dung der Diatomeen u. a. wirken noch Ceratium- Alien , wie C. acuminatum, 
C. tripos, C. Michaelis, C. fuscum und C. furca, im Eis-Meere C. dicergens 
und Peridinium (? Ceratimn) areticum dabei mit. 

Es scheint nicht, dass diejenigen Infusorien, welche parasitisch im 
Darmkanale hherer Thiere leben, sie sehr belstigen. Doch fand Malmsten 
bei zwei mit Darm-Geschwren behafteten Menschen eine Menge Infusorien 
(ein Paramecium mit 2 Blschen) in den Gedrmen vor, wohl mehr in 
Folge denn als Ursache der Krankheit? 



*) Vgl. Ehrenberg in den monatlichen Berichten der Berliner Akademie 1S49, 101 106. 



Rckblicke auf die vier Klassen. 

Die vorangehenden Betrachtungen haben die Benennung Form -lose 
Thiere" gerechtfertigt, welche wir diesem Kreise gegeben. Form-los sind 
diese Wesen, insofern ihre Gestalten berhaupt sich selten auf eine ein- 
fache regelmssige geometrische Form zurckfhren lassen, wie Diess bei 
den brigen Kreisen mglich ist ; Form-los , weil selbst in den wenigen 
Fllen, wo es gelingt, diese Form nicht eine gleiche gemeinsame ist; 
meist Form-los, weil nur bei wenigen ein bleibendes Organ zur Orientirung 
vorhanden; Form-los endlich, weil sogar ein und das nmliche Individuum 
(von den harten Schaalen-Hllen abgesehen) oft Proteus-artig seine Krper- 
Gestalt durch Kontraktilitt so vielfltig wechseln kann, dass es kaum 
sie zu bezeichnen mglich ist. Die Benennung ist freilich, wie auch der 
Name Aneura u. a., nur eine negative, wie alle Charaktere dieser Thiere 
negativ sind und Negativitt eben ihr Charakter ist. 

Indessen ist auch die Formlosigkeit bei den verschiedenen Klassen 
im Allgemeinen von verschiedener Art : bei den Kolonie'n-artig zusammen- 
gesetzten Schwmmen hauptschlich auf unvollkommner oder zweifelhafter 
Individualitt, doch mit einem Anheftungs-I'unkt beruhend, bei den Rhizo- 
poden durch den bestndigen Form-Wechsel ihrer halb-flssigen eigenen 
Krper -Masse und die unendliche Vielgestaltigkeit ihrer harten Hllen 
bedingt; bei den Infusorien in dem eben so manchfaltigen als, bei mehren 
Familien wenigstens, usserst kontraktilen Krper ausgesprochen. 

Von den erdigen inneren Gersten und usseren Sckaalen ganz ab- 
gesehen, haben diese Thiere eigentlich noch keine Organe, sondern die 
verschiedenen Lebens -Verrichtungen stehen bald alle gleichmssig allen 
Theilen des Krpers zu (wie bei den Khizopoden) oder sind grsseren 
Mengen unter sich gleichartiger und gleichartig zusammenwirkender Ele- 
mentar -Theile (als Zellen und Haaren) statt einzelneu, aus ungleich- 
artigen Zellen zusammengesetzten Organen zugetheilt, wie die Strmung 
des Wassers im Innern der Schwmme, der Ortswechsel durch Fliinmer- 
Il;iare, die Fortpflanzung durch Zellen. Nur die Infusorien beginnen sich 
auf eine hhere .Stufe zu erheben durch ihre Verdauungs- Hhle, ihren 
Mund, ihre kontraktile Blase und den Nucleus von noch zweifelhafter 
Natur. 

Wie einfach jedoch diese Lebens -Werkzeuge noch sein mgen, so 
gengen sie doch zu beweisen, dass es sich hier nicht mehr um einzellige 
Organismen" um nur aus einer Kern-Zelle bestehende Thiere handle, und 
dass ihr Nucleus jedenfalls ein andrer als der Nucleus einer einfachen 
Kern-Zelle seie. Bei den Polycystinen sind ohnediess immer viele Zellen 



Rckblicke auf die vier Klassen. 137 

zu beobachten ; bei den Bhizopoden ist ohnediess keine Zellen-Individualitt 
erkennbar; bei den Schwmmen endlich wre die Theorie der ein- 
zelligen T liiere, die man eine Zeit lang bald auf einen grsseren und 
bald auf einen kleineren Theil der Amorphozoen anwenden wollte, nur in 
der Art statthaft, dass man eben jede Zelle, woraus ein Schwamm-Stock 
besteht, als ein Thier-Individuum betrachtete, wogegen aber einzuwenden, 
dass wenigstens bei vielen See-Schwmmen eine solche Individualitt der 
sie zusammensetzenden Zellen nicht mehr zu erkennen ist. 

Ein nheres Studium der Lebens-Verrichtungcn und insbesondre der 
Ernhrung und Bewegung dieser Thiere scheint zu ergeben, dass sie noch 
sehr nahe mit den physikalischen Eigenschaften ihrer Materie, mit deren 
Chemismus, Endosmose, Kontraktilitt, mit der Bewegungs-Art fester Atome 
im Wasser zusammenhngen. 

Vielleicht knnte aus dem Umstnde, dass die Schwmme zweierlei 
geschlechtlich differenzirte Zellen bereits erkennen Hessen , wovon in den 
drei anderen Klassen noch keine Spur erkannt worden*), eine hhere 
Stellung derselben ber diesen letzten in Anspruch genommen werden. 
Allein wie sie einestheils offenbar den Wasser-Algen und -Pilzen nher 
stehen, so sind sie diesen unvollkommensten Pflanzen noch insofern analog, 
als auch diese letzten schon solche Zellen zeigen und ihrerseits dennoch 
die Flechten ber sich haben, in welchen man noch keine Sexual -Zellen 
wahrgenommen hat. Es scheint somit die im Eingange (S. 2) gegebene 
Stufen-Folge der vier Amorphozoen-Klassen gerechtfertigt zu sein. 

Whrend die Amorphozoen die viererlei Lebens-Verrichtungen zeigen, 
deren Vereinigung alle Thiere charakterisirt, bringen sie es doch im 
Ganzen noch nicht zu eigenthmlichen Organen dafr. Eine Verdauungs- 
Hhle mit nachweisbarem Mund haben nur die vollkommneren Infusorien, 
bisexuale Zellen nur die Schwmme, Spuren von Muskeln einige Vorti- 
cellinen unter den ersten, whrend die Pigment -Flecken, welche anderen 
Infusorien mit den nchst-verwandten Algen gemein sind, zwar lebhaft an 
die Punkt -Augen einiger etwas hher stehender Thiere erinnern, aber 
gleichwohl noch mit keinem Nerven -System in Verbindung sind. 

Obwohl wir den Amorphozoen eine regelmssige Grund-Form abge- 
sprochen, so lsst sich doch ein gewisses Streben darnach nicht verkennen 
und zwar in der Weise, dass jede der vier Klassen in gleicher Aufeinander- 
Folge die Grund -Form je eines der vier untern Kreise des Thier-Eeiches 
vorbereitet. Ebenso besteht eine gewisse Analogie zwischen der vor- 
herrschenden Bewegungs- Weise dieser vier Klassen und den vier Haupt- 
Abtheilungen des nchsten Thi er -Kreises, der Aktinozoen nmlich. Doch 
ist auf diese Beziehungen kein andres Gewicht zu legen, als insofern 
sich im Allgemeinen ein gleicher Entwickelungs-Gang darin wiederholt 
findet. 



*) Die neuesten Beobachtungen von Balbiani, S. 114, ausgenommen. 



138 



Rckblicke auf die vier Klassen. 



Evertebraten- 
Kroise 



Form 



Amorphozoen- 

Klassen 



Bewegung 



Aktinozoen- 
Klassen 



IV. Entomozoa 
(brauchiata) 



III. Malacozoa 

II. Actinozoa 
I. Amorphozoa 



hemisphenoid 



f 4. Infus 

\(Oxytrich. 



Infusoria 

Euplot, 



{meist ungleichseitiges oft! 
spirales Gehuse ) 



strahlig 
amorph 



3. Rhizopoda 



Mund voran, bei Bewegung) 

auf fester Unterlage der > 4. Holothuriae 
Bauch unten ) 

'auf fester Unterlage ein'l 

nmes Schleppen mitl ov . j 
H Fsschen, ohne KEchinodermata 
r r orn und Unten J 



{auf fester 
langsam 
tausend 
stetes Vi 



di 4.1 (sehr passivl: vom Wasser) , . 

2. Polycystrna| getr ; ngen ' J2. Acalephae 

1. Spongiae festsitzend 1. Polypi. 



Trotz der strahligen Stellung gewisser Zacken des inneren Gerstes 
haben die Polycystinen jedoch keinen Anspruch auf eine Stellung unter 
den Aktinozoen, weil ihre Organisation viel niedriger, jene Stellung nicht 
von einer funktionellen Hauptachse ausgehend , wesentliche Organe 
daran nicht betheiligt sind und dieselbe berhaupt ohne allen funktionellen 
Werth ist. Selbst mit den vier unteren Malakozoen- Klassen lassen sich 
die Amorphozoen hinsichtlich ihrer Bewegungs - Art noch vergleichen, so 
dass Bryozoen, (schwimmende) Tunikaten, Schaalen-Acephalen und Gastro- 
poden an der Stelle der Polypen, Akalephcn, Echinodermen und Holo- 
thurien genannt werden knnten, wie sich freilich erst spter deutlicher 
ergeben wird. 



Register. 



Von den mit einem f bezeichneten Sippen sind im Atlas Abbildungen enthalten. 



Acanthodesmia 

Acanthometra . 

Acanthometrin 

Aeanthospongia 

Acariaeum 

Acervnlina f 

Acervulinidae 

Achilleum 

Acineria . 

Acineta f 

Acinetae 

Acomia 

Acropisthiiun 

Actinophrys + 

Actinosphaera 

Adelosina 

Agathidost 

Alastor 

Alcyonella 

Alcyonium 

Allomorphina 

Allotheca . 

Alveolina . 

Alveolites 

Alyscum f 

Amblyophis 

Amoeba f 

Amoebidae 

Amorphozoa 

Amphileptus 

Amphimonas f 

Amphimorphina 

Amphisorus . 

Amphistegina f 

Aneura . 

Anisonema 

Anomalina f 



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. 69 
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. 125 
. 124 
. 68 
. 67 
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. 72 
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. 70 



Seite 

Anomostegia . . . 68 

Anthocyrtis f . . . . 38 

Anthophysa 123 

Apionidium 125 

Arcella 68 

Archezoa 1 

Articulina 69 

Aspidisca 126 

Aspidospira 70 

Assilina 71 

Astasia f 124 

Astasiaea .... 122 

Asterigerina 70 

Astraeospongia .... 26 

Astromma f 39 

Athalamia .... 67 

Aufguss-Thierchen . . 82 

Auliscia f 22 

Aulocopium 26 

B a c i 1 1 i a r i e a . . . . 85 

Badiaga f 22 

Baeonidium 124 

Bigenerina 69 

Biloculina 69 

Blepharisma 125 

Blumenbachium . . .26 

Bolivina 69 

Borelid ae . . . . 68 

Borelis f . . . . . . 71 

Bothroconus 26 

Brachiolites 26 

Branchiotoma .... 28 

Bulimina 70 

Bursaria 125 

Caenomorpha . . . .124 
Calcarina 70 



Calcispongiae 
Calocyclas . . 
Calodictya . 
Candeina . 
Carchesium f . 
Carpocanium . . 
Cartilospongia . 
Cassidulina f . 
Cassidulinida( 
Cenchridium 
Cenosphaera . . 
Ueno sphaerins 
Cephalites . . 
Ceraospongiae 
Ceratidium . . 
Ceratium f . . 
(Jeratophyta spongi 
Ceratospiris . 
Cercomonas + . 
Cerona f . . . 
Chaetoglena f . 
Chaetospira f . 
Chaetotyphla 
Chenendopora . 
Chilodon f . . 
Ghilodontina 
Chilomma . . 
Chilomonas f . 
Chilostomella 
Chlamydodon 
Chlamydophora . 
Chloraster . . 
Chlorogonium f 
Choanites . . . 
Chondrospongia . 
Chonemonas . 
Chromatium . . 



Seite 
. 22 
. 39 

38, 39 
. 70 
. 127 
. 38 
. 22 
. 69 
. 68 
. 68 
. 39 

38, 39 
. 26 
. 22 
. 126 
. 124 
. 3 
. 39 
. 123 
. 126 
. 124 
. 126 
. 124 
. 26 
. 125 



122 
39 

123 
69 

126 
40 

123 

124 
26 
22 

124 

123 



140 



Register. 



Chrysalidina . 
Ciliata . . 
Cinetocliilum 
Cladococcin 
Cladococcus . 
Cladospiris . 
Clavulina . . 
Clidostomum 
Cliona Flem. t 
Closterina 
Cnemidium . 
Coccudina 
Coeloptychium 
Colacium f . 
Colepina . 
Cnleps f . . 
Collosphaera t 
Colobidium . 
Colpoda f 
Colpodina 
Colpopleura . 
Cnndylostoma 
Conis . . 
Conulina . 
Conulinidae 
(Jorcyia t- 
Cornuspira f 
Cornuspirid 
Cornutclla f 
Cothurnia f . 
(Jristcllaria . 
Criste llariida 
Cruciloculina 
Orumenula . 
Cryptoglena . 
Cryptomonadina 
Cryptomonas 
Crypteprofa . 
Cuneolina 
Cycladophora 
C y c 1 i d i n a . 
Cyclidium 
Cyclclypeus t 
Cyclogramma 
Cy doli na t 
Cyclosiphon . 
C y c 1 o s t e g i a 
Cyphidium . 
Cyphoderia . 

Daucina . 
Dendritina t 
Dendroconiets f 



Seite 

70 

122 

126 

38, 39 

39 

39 

70 

69 

22 

S5 

26 

126 

26 

124 

122 

124 

38 

125 

126 

122 

70 

125 

26 

72 

68 

68 

69 

67 

39 

127 

70 

68 

69 

123 

123 

122 

123 

38 

69 

39 

122 

123 

71 

125 

, 72 

71 

68 

68 

6S 

72 

71 

127 



6 





Seite 


Dendrosoraa . . . 


. 127 


Dentalina . . . 


. 72 


Desmidiacea . 


. 85 


Diatom acea . 


. 85 


Dictyophimus . 


. 38 


Dictyopodium . . 


. 39 


Dictyosoma . 


. 39 


Dictyospiris . . 


. 39 


Difftugia .... 


. 6S 


Dileptus .... 


. 125 


Dimorphina . 


. 69 


Dinema .... 


. 124 


Dinobry ina f 


. 122 


Dinobryon t 


. 124 


Diophrys .... 


. 126 


Diplotricha . 


. 123 


Discocephalus . 


. 126 


Discodella . . . . 


. 127 


Discolithes . . . 


. . 71 


Diselmis .... 


. 123 


Disoma .... 


. 125 


Distigma f . . . 


. 124 


Doxococcus f 


. 123 


Dunstervillia t 


. 22 


Dysidea .... 


. 22 


Ehrenbergina 


. 69 


En a Hoste gia . 


. 68 


Enchely ina . . 


. 122 


Enchelys f . . . 


. 125 


Endothrya . 


. 72 


Entrochus . . . 


. 70 


Ephydatia f . . . 


. 22 


Epipyxis .... 


. 124 


Epistylis f . . . 


. 127 


Exyilia .... 


. 126 


E u c y r t i d i n a 


. 38 


Eucyrtidium 


. 39 


Eudea 


. 26 


Euglena f . . . . 


. 124 


Euglypha. . . . 


. . 68 


Euplectella . . . 


. 22 


Euplotes f . . . 


. 126 


E up 1 o t in a . . 


. 122 


Euspongia . . 


. 22 


Eutreptia. . . . 


. 124 


Fabularia t 


. 69 


Fabulariidae . 


. 68 


Faujasina . . . 


70, 71 


Fissurina .... 


. . 68 


Fistularia Bowb. . 


. . 22 


Flabellina . . . 


. . 70 



Flagellata . . 
Flustrella t 
Foramini f era 
Formlose Thiere 
Frondicularia f 

Gastrocliaeta 

Gitter- Thierchen 
Glaiidulina . 

Glenodinium 
Glenomorum f . 
Globigerina f . 

Grantia . . 

Habrodon 
Halicalyptrin 


a 


Seite 
. 122 
. 39 
. 67 
. 1 
. 72 
126 
. 70 

. 123 

69 

. 69 

22, 26 

. 29 

. 72 

, 126 

. 124 

. 123 

. 70 

69 

. 72 

. 22 

. 47 

. 68 

. 26 

. . 69 

125 

. . 38 
. 22 


Haiin mmatina 

Halisarca . 
Halispongia . . 

Harmodirus f . 




22 

. 39 

58, 39 

. . 39 

26 

. 22 

. 22 

127 

. 125 

70 


Helicostegia 
Heterostegina . 

Heteronema f . 
Heterostomum . 
Hexamitus f 

Holteria . / . 
Hrnst h w m m 


s 


. 68 
. 71 
. 123 
. 124 
. 72 
. 123 
. 126 
. 26 
39 
125 
. 127 
. 22 



Register. 



141 





Seite 


Hymenacidum . . 


. . 22 


Hymeniastrum . . 


. . 39 


Hymenocyclus . . 


. . 71 



Jerea 26 

Infusoria 82 

Ischadites 26 

Kalk-Schwmme . 22 

Kiesel-Schwmme. 22 



Lacrymaria . . . 


. 125 




. . 68 




. 124 


Lagenophrys f . . 


. 127 


Lagy nidae . . 


. 67 




. 68 




. 125 




. 124 




. . 70 


Lesquereuxia 


. 68 




. 22 




. 22 


Leucophrys Dvj. , 


. 124 


Leueophrys Ehrb. . 


. 125 




. 72 




. 125 




. 71 




. 39 


Litbocbytrina. 


38, 39 




. 39 


Litbocircina . 


. 38 




. 38 


Lithocorytbium -f . 


. 39 


Lithocyclidina . 


38, 39 




. 39 




. 39 




. 39 




. 39 


Lithornithium . . 


. 39 


Lopliopliaena 


. 38 




. 125 


Loxophyllum 


. 125 




. 72 


Lychnocanium f . 


. 38 


Lymnorea Lmx. 


. 26 


Mallomonas . . . 


. 123 


Mamnllipora . . 


. 26 




. 26 




. 72 




. 26 


Megatbyra . . . 


. 70 



Seite 

Megatricba 124 

Melanoglena 123 

Melonia 71 

Melonites 71 

Menoidium 123 

Mesopora 72 

Microglena f . . . .123 

Miliolidae . . . . 68 

Mitopliora 126 

Monadina 122 

Monas f 123 

Monima 122 

Monostegia. . . . 67 

Monothalamia, . . 67 

Mynnecium 26 

Nassula 125 

Nautiloidea . . . 68 

Noetiluca 68 

Nodosaria f 72 

Nonionina f 70 

Nonioninidae ... 68 

Nummulina f .... 7 1 

Ocellaria 26 

Umphalopliacus .... 70 

Opalina 124 

Opercularia 127 

Operculina 71 

Ophidomonas . . . .123 
Oplirydium f . . . .127 

Ophryoglena 126 

Opisthiotricha . . . .124 

Orbiculina f 71 

Orbignyina 70 

Orbitoides 71 

Orbitulites f .... 72 

Orbulina 69 

Orbulinidae. . . . 67 

Orcula f ...... 127 

Ortbocerina 72 

Orthocerinidae . . 68 

Oryzaria 71 

Oxyrrhis .124 

Oxytricba f 126 

Oxytricbina ... 122 

Palaeospongia .... 26 

Pampbagus f .... 68 

Panophrys 126 

Pantotricbum f ... 124 
Paramecium f . . . .126 

Pavonina f 72 





Seite 




. 125 


Peneroplidae . . 


. 68 




. 71 


Peranema f . 


. 124 


Pericblamydium 


. 39 


Peridinaea . . 


. 122 


Peridinium f . 


. 124 


Petalospiris f . 


. 39 


Pflanzen -Thiere . 


. 1 


Pbacelomonas . . . 


. 123 




. 123 




. 123 


Pbanerostomum 


. 70 






Pbysaematium f . 


. 38 




. 1 




. . 69 




. 72 




. 38 








. 70 




. 70 




. 72 




. . 72 


Pleuromonas . . 


. . 123 


Pleuronema f 


. . 126 




. 39 




. ... 26 




. 70 




. . 26 




. 124 


Podocyrtis t . . 


. . 39 


Podopbrya f 


. 127 




. 29 




. 83 


Polymorphina . . 


. 69 


P o 1 y m o r p b i n i d a ( 


; . 68 


Polyparia foraminifet 


a . 3 




. 26 


Polystomella f . . . 


. 71 


Polystomellidae 


. 68 


Polyselmis f . . 


. 124 


l'olythalamia 


. 45 




. 123 




. 70 


Prorocentron f . . 


. 123 




. 125 




. 69 




. 72 




. 1 




. 68 




. 39 


Ptei-ocodon f . . . 


. 39 



142 



Ptygostonmm 
Ptyxidium 



Quinqueloculina 



Reeeptaculites 

Reticulites . 

Khaphidost 

Rhizocorallium 

Rhizopoda 

Rhopalastrum 

Rhopalocanium 

Rhynchospira 

Rimulina . 

Robertina 

Robulina f . 

Rosalina . . 

Rosalinidae 

Rotalia . . 



Sagraina . . 
Schwmme . 
Scyphia . . 
Scyphidia . . 
Sexloculina . 
Siagontherium 
Siderolithus . 
Siderospira . 
Silicispong 
Siphonia . . 
Siphoni/era . 
Siphonina 
Sorites . . 
Soritidae . 
Spathidium . 
Sphaeroidina 
Sphaerozoum f 
Sphenoderia . 
Spirillina . 
Spiriloculina f 
Spirobotrys . 
Spirochona f 
Spiromonas . 
Spiroplecta f 
Spiropleurites 
Spirostonium 



a e 





Register. 




Seite 




Seite 


70 


Spirulina .... 


. . 71 


125 


Spondylomorum 


. . 123 




Spongia f . . .' 


. 22, 26 


69 


Spongiadae . 


. . 3 




Spongiae .... 


. . 3 


26 


Spongiaria . 


. . 3 


26 


Spongiarium . 


. . 26 


68 


Spongidae 


. . 3 


26 


Spongilla f . . . 


22, 26 


45 


Spongodiscus . . 


. . 39 


39 


Spongolithis . . 


. . 26 


39 


Spongosphaera . . 


. . 39 


70 


Spyridina . . 


. 38, 39 


72 


Squamulina . 


. . 68 


70 


Stemmatunienia . . 


. . 22 


70 


Stentor f . . . 


. . 126 


70 


Stentorina . . 


. . 123 


68 


Stcphanastrmn f . 


. . 39 


70 


Stichostegia . 


. . 68 




Stichotricha . . . 


. .126 


69 


Stomatoda . 


. . 122 


3 


Strophoconus . . 


. . 69 


26 


Stylocyclia . . . 


. . 39 


127 


Stylodictya . . . 


. 39 


69 


Stylonychia . 


. 126 


12 


Stylosphaera . . . 


. 39 


71 


Synspira .... 


. 72 


70 






22 


Tethya t 


22, 26 


26 


Tetrabaena . . . 


. 123 


45 


Tetragonis . . . 


. 26 


70 


Tetramitus . . . , 


. 123 


72 


Tetrataxis . . . 


. 72 


68 


Textilaria f . . . . 


. 69 


125 


Textilariidae . 


. 68 


69 


Thalassocolla t 


. 38 


38 


Thalassocollae . 


. 38 


68 


Thecomonadina . 


. 122 


69 


Thoosa f 


. 22 


69 


Thyrsocyrtis . . . . 


. 39 


70 


Tintinnus 


. 127 


127 


Tracheliina. . . 


. 122 


123 


Traehelocerca . . . 


. 125 


69 


Trachelomonas . . . 


. 124 


72 


Tragos 


. 26 


125 


Trematophora . . . 


. 45 



Seite 

Trepomonas 123 

Trichoda 125 

Trichodina f .... 127 

Triehodiscus 127 

Trichomonas 123 

Triloculina f .... 69 

Trinema 68 

Trochilia 126 

Truneatulina 70 

Trypemonas f .124 
Turbinoidea . . . 68 
Turonia 26 

Uniloculina 69 

Uroeentron 127 

Uroleptus 126 

Uroneraa 124 

Urostyla 126 

Uvella t 123 

U vellinidae . . . . (is 

Uvigerina 69 

Vaginicola f .... 127 

Vaginulina 72 

Yalvulina 70 

Yentriculites 26 

Verneuilina 70 

Yerongia 22 

Vertebralina 71 

Verticillites 26 

V i b r i o n i n a . . . . 85 

Vielzellige Thierchen . . 29 

Vioa f 22, 26 

Yirgulina 69 

Volvocina . . . . 85 

Yorticella f 127 

Vorticellina . . . 123 

Vulmlina 69 

Webbina 72 

Warzelfsser .... 45 

Zeilen- Thierchen ... 29 
Zoophyta 1 

Zoophyta proli/era . . 3 
Zoothamnium . . . .127 
Zygoselmis f .124 



Verbesserungen. Seite 3, Zeile 8 von oben statt polifera lies proli/era. 

O00000 



Gedruckt bei E. Polz in Leipzig-. 



Erklrung von Tafel I. 



EiLtwickelunys- Geschichte von Spongilla. 

Fig. 1 10 Spongilla alba und Fig. 14 17 Sp. Meyeni: sind von Carter, die brigen 
nach Europischen Arten von Lieberkhn entliehen. 



Fig. 

1. Entwickelung der Spongille aus # einem Keimchen (Gemmula, Fig. 14), eine etwas ideal zu- 

sammengesetzte Figur: a das Keimchen; bb die ussre Haut mit feinen Kiesel -Nadeln be- 
laden; cc Schwamm -Parenchym hauptschlich aus kugeligen Sckchen von ungefhr Vsoo" 
Durchmesser und grossen Kiesel -Nadeln bestehend; dd Bndel glatter Nadeln, welche die 
Haut (b) sttzen; ee ffnungen der Zufhrungs-Kanle ins Parenchym; ff dunkle Punkte, 
Zufhrungs- Poren in der Haut; g Khren - frmige Ausfhrungs - ffnung. 

2. Innrer Plan eines Wimper - Schlauchs , 4 /56o" gross mit */hoo" weiter Mndung vorn. Die 

ansitzenden Schwamm - Zellen sind dunkel (etwas zu zahlreich), die Interzellular - Substanz 
ist hell angegeben. 

3. Der Wimper -Schlauch von aussen und der Seite seines Eingangs gesehen; strahlig liniirt, 

wenn es an Nahrung gebricht. 

4. Zwei Wimper-Zellen aus dem Schlauche : a eine ungewimperte (V2000" V^ooo") und b eine 

gewimperte (Vsooo" Vooo"); a' b' dieselben in passivem kugeligem Zustande. 

5. Idealer Durchschnitt eines Wimper -Schlauchs: a durchsichtige Rinden - Schicht (etwas hypo- 

thetisch); b Wimper- Zellen im Innern; c Eingang ins Innre (der im isolirten Zustande 
des Schlauches immer geschlossen ist, obwohl die Zellen noch fortwimpern). 

6- Ein Stck der ussern Haut mit ihren Zufhrungs-Poren : a in ganz offenem, b in halb ge- 

schlossenem, c in ganz geschlossenem Zustande; d charakteristische Schwamm -Zelle dieser 
Haut ; e Stck einer dornigen Kiesel Nadel. 

7- Gruppe natrlich aneinanderliegender Schwamm -Zellen der Haut (6d), mehr vergrssert. 

8. Glatte Spindei-frmige Kiesel -Nadeln von ihrer ersten Entstehung an bis zur vollen Ent- 
wickelung: ac noch in den Kern -Zellen eingeschlossen; a * 1400", b '/40o" gross; d eine 
freiliegende Nadel , deren Schaft durch die Mitte der kugeligen Anschwellung fortsetzt ; 
e eine Spindel - frmige Nadel ohne Kugel. 

9. Eine Wimper -Zelle, V^ooo" gross, die nach Auflsung der Schwamm -Gemeinde unabhngig 

umhergewandert ist und sich endlich mittelst eines vorgeschobenen Sarkode-Fortsatzes e fest- 
gesetzt hat; a zufhrende Strme, b eingeschlossene Nahrungs - Krperehen, c Kern, d kon- 
traktile Blasen. 
10- Eine Gruppe solcher festsitzenden Wimper-Zellen von Uvella-Form, im Ganzen V700" gross. 

11. Ein Ei (Keimkrner-Konglomerat) mit Keim-Krnern und einem Keim-Blschen a. S. 14. 

12. Noch eine junge Spongille mit einem ausfhrenden Rhren - Fortsatz (\). 

13- Eine Schwrm -Spore (bewimperter Embryo). S. 14. 

14- Keimchen oder Gemmula, idealer Durchschnitt: a die Spicula- (Amphidiscus-) Kruste, 

b Leder-artige Kapsel, worauf die Amphidisken sitzen; c innre Zellen; d Nabel. S. 13. 

15- Eine dieser inneren Zellen mit Keimkrnern. 

16. Ein Stck der Leder -artigen Haut (14 3) mit durchsichtigen Mittelpunkten ihrer sechs- 

seitigen Felder. 

17. Amphidiscus - artige Spicula: a von der Seite, und b von der strahlig gezhnten Scheibe 

aus gesehen. 
18- Ein hnlicher Amphidiscus in seiner Zelle liegend. 

19. Eine Schwamm-Zelle mit Nucleus und Nucleolus und Amben-artigen Fortstzen (*|). 

20. Eine noch junge Schwamm-Zelle mit einer Kiesel -Nadel im Innern (*y). 

21. Eine reife Schwamm-Zelle mit Blschen erfllt, aus einer jungen Gemmula ( 4 f). 

22. abc Keim -Krner von verschiedener Grsse (*y). 
23- Eine Saamen - Kapsel. 

24. Saamen -Fden auf verschiedenen Entwickelungs - Stufen. 



Erklrung von Tafel II. 



Schwmme : Vioa, Thoosa. Dunstervillia, Auliscia, Tethya. 

(Fig. 1: nach Hancock; Fig. 2, 3: nach Bowerbank; Fig. 4: nach Cuvier Regne 

animal, Zoophytes, pl. 95.) 



Fig. 

1. Vioa. a V. (Cliona) Fryeri Haue, in der durchscheinenden Schaale einer Placuna placenta liegend, 

mit den Punkt-frmigen Ausmndungen an der Oberflche (^) ; b, c der Schwamm heraus- 
genommen und auf verschiedenen Wachsthums-Stufen dargestellt, von seinem ersten Punkt- 
frmigen Zustande an bis zur ausgebildeten Grsse ; d Nadeln desselben Schwammes, Vii" 
lang, e V. (Cliona) celata: Schuppige Kiesel - Konkretion an ihrer Oberflche, ber ( 4 ). 
f Thoosa cactoides H. : doppelt Maulbeer - frmige Kiesel - Konkrezionen der Oberflche 
(quivalente der Amphidisken?), sehr vergrssert. 

2. Dunstervillia (elegans) Bowb. : a in natrlicher Grsse, an einer Koralline sitzend ; b dieselbe 

20 fach vergrssert; c Ausmndungen grosser kantiger Kanle zwischen dem Nadeln -Filz in 
dem zentralen Hohlrume des Schwammes (*y); d ein Queerschnitt rechtwinkelig zur 
Oberflche und parallel mit diesen Kanlen (' ); e eine Spindei-frmige und eine am 
Ende dreizackige Kalk-Spicula ( 1 {). 

3. Auliscia Bowb.: Stck einer Hornfaser im mittein Lngs-Schnitt bei 3 y facherVergrsserung, 

die vom Zentral - Kanal der Faser Strahlen - frmig ausgehenden blinden Kanlchen zeigend. 

4. Tethya (lyncurium) Lmk. : a ein vollstndiges Exemplar (-J-); b ein Stck im Vertikal- 

Schnitte, vergrssert, die Bndel -weise Stellung der Spicul u. s. w. zeigend; c ein Stck 
der Oberflche mit den Einathmungs -Poren, vergrssert; d ein solches Stck mit den 
Ausfhrungs-flhungen, vergrssert ; e eine innre Kiesel-Nadel, und / Stern-frmige Kiesel- 
Krperchen der Oberflche , beide noch strker vergrssert. 



Amorphozoa. 



Taf II. 




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Erklrung von Tafel III. 



Polycystinen: Vertreter der Familien 

(nach Ehrenberg's Mikrogeologie, Berlin 1854). 



Fig. 

1. Anthocyrtis mespilus Eb., fossil v. Barbados. 

2. Ly chnoc an i u m lucer na Eb., ebenso. 

3. Podocyrtis Schoniburgi Eb., ebenso. 

4. Li tbocor y tbi u m oxylopbus Eb., ebenso. 

5. Rbopalo caninm ornatum Eb., ebenso. 

6. Petalospiris diaboliscus Eb., ebenso. 

7. Haliealyptra finibriata Eb., ebenso. 
8- Pterocodon campana Eb., ebenso. 

9. Stephanastrum rhorubus Eb., ebenso. 

10. Cornutella clathrata Eb., aus Tertir -Mergel von Caltanisetta. 

11. Haliomnia Humboldti Eb., fossil von den Nikobaren. 

12- Astrom ma Aristotelis Eb., fossil von Barbados. 

13- Flustrella limbata Eb., fossil von Caltanisetta. 



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iuorpnozoa 



Tai! III. 



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Erklrung von Tafel IV. 



Polycystinen (Sphaerozoum, Collosphaera , Thalassocoa) 

und Noctiluca. 

(Der Inhalt ist entnommen von Huxley, Quatreiages und Busch.) 



Fig. 

1. Sphaerozoum (Meyen) J. Mll. (A,B Sph. inerme ? J. M.; C F Sph. punctatum J. M. ; 

Thalassocolla punctata Huxl.), aus der Sdsee ? 

A, B: zwei Kolonie'n bei lngs-gezogner Form, massig vergrssert (|). 

C: dgl. bei runder Form, strker vergrssert (-). 

I) : ein kleiner Theil davon bei viel strkrer Vergrsserung, fnf Leerrume (Vakuolen) und vier 
Nest -Zellen zeigend, welche mit einem hellen l -artigen Kern in der Mitte ver- 
sehen und von Kiesel - Nadeln umlagert sind. 

E: eine Nest -Zelle noch weit strker vergrssert mit deutlichen Kiesel- Nadeln und die 
Strahlen - Fden und gelben Zellen zeigend, welche sie umlagern. 

F: zwei Kiesel - Nadeln dieser Art. 

2. Thalassocolla nucleata Huxl. aus der Sdsee ? 
A : ein Individuum , massig vergrssert (). 

B: ein kleines Segment daraus bei weit strkrer Vergrsserung, die Nest -Zellen, die stigen 
Strahlen - Fden , die gelben Zellen zunchst um erste und viele Vakuolen in weitrer 
Umgebung derselben zeigend. 

V : die zentrale Kapsel (Zelle) von derber Haut umgeben und von Krner-Masse erfllt ( \ 5 ). 

3. Collosphaera tubulosa J. Mll, aus der Sdsee? Kugei-frmiges Kiesel - Gitter mit 

wenigen etwas Rhren - artig fortsetzenden Fenstern, je eine Nest -Zelle der Kolonie um- 
gebend, welche im Innern durchscheint, bei etwas strkrer Vergrsserung. 
4- Collosphaera Huxley i J. Mll, aus der Sdsee? Ein solches mit vielen nicht Rhren- 
frmigen Fenstern , die Nest - Zelle und die gelben Zellen im Innern durchscheinend ; 
strker vergrssert. 
5. Noctiluca miliaris Lmk. (Mammaria Ehrb.) aus der Nordsee, undfC J) N. punctata 
Busch aus dem Mittelmeere. 
A: Von der Mndung der Nieren-frmigen Zelle ( 2 ) geht ein Geisel-frmiges (allen Poly- 
cystinen und Rhizopoden fremdes) Organ nach aussen und gehen die anastomosirenden 
Strahlen - Fden (Wurzel - Fsse , zum Theil Vakuolen einschliessend) nach innen aus 
und befestigen sich an den entgegenstehenden Wnden der Zelle, wo sie kaum noch 
Viooo Mm. dick sind. 
B: ein kleiner Theil, eine Sarkode -Platte am Vereinigungs - Punkt mehrer Scheinfsse ge- 
legen, an welchen so wie an der unten ausgespannten Brcke feine Krnchen sich 
hin und her bewegen. In der Mitte ist eine grosse runde Vakuole voll grner 
Krperchen, welche anscheinend die Nahrung des Thieres in diesem vergnglichen 
Magen-Raume bilden; darber links eine ovale leere Vakuole, rechts eine Spaltung 
am Grunde eines Scheinlsses. 
C: ausgebildete N. punctata; im Innern mit dem braunen Krper a und davon ausstrahlenden 
Wurzel-Fden, dem Stab-frmigen Krper b u. Keim-Krper c, aussen mit der Geisel d. 
I): ein Keim -Krper (c) aus dem Innern, sehr vergrssert. 

E, F, G, H, I: weitre Entwickelung desselben im Freien, mit dem Stab (b) nach aussen 
gekehrt, der Geisel d und Lappen - artigen Vorsprngen ee. Vgl. S. G4. 



Amorphozoa. 





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Taf. IV. 



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Erklrung von Tafel V. 



Polystomella strigillata (F.M.j d'Orb. 

(ein Theil von M. Schultze's (Organismus der Polythalamien) Taf. IV.) 



Die Yergrsserung der Schaale ist( 7 y-); jedoch die in Fig. 2. daraus hervortretenden Wurzel- 
fsschen mit den daran auf- und ab-laufenden Krner-Strmchen, welche den fachen Durchmesser 
der Schaale erreichen und erst bei 300 maliger Vergrsserung deutlich werden, in grsserem 
Maassstabe , aber sehr verkrzt dargestellt und hier nur zur Hlfte wiedergegeben. 

Die ganz involute Schaale ist in Fig. 1. leer, von der porsen End-Wand der letzten 
Kammer aus gesehen, ohne Angabe sonstiger Einzelnheiten dargestellt. Unter den Poren der 
End-Wand sind unten immer einige grssre unregelmssige. 

Fig. 2. die Schaale von der Seite, noch mit dem Thiere, lsst ihre innre Eiutheilung in 
radiale Kammern, die auf jeder Kammer stehende Reihe Spalt - frmiger ffnungen (die wenig- 
stens an dem letzten Umgange die Schaale ganz durchsetzen), die ber die ganze Oberflche 
zerstreuten warzigen Foren der Schaale, die berall aus ihnen hervortretenden kapillaren Wurzel- 
fsschen (verkrzt), die an ihnen auf- und ab-strmenden Krnchen, das rtliche Zusammenfliessen 
einzelner Fsschen oder ganzer Bndel derselben zu breiten Scheiben oder Platten wahrnehmen. 



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Erklrung von Tafel VI. 



Reprsentanten der verschiedenen RMzopoden - Familien 

nach d'Orbigny und (Fig. 1 und 16) nach Schultze, 



Fig. 

1. Cornuspira planorbis Schz. Lebende Art aus Mozambique. 
2- Fabularia discolithes Dfr. a in natrlicher Grsse ; b c d vergrssert, von vorn, von der 

Seite und im Durchschnitt parallel mit letzter. Fossil im Pariser Eocn - Gebirge. 
3. Triloculina gibbad'Orb. vergrssert; ac von zwei Seiten, b von der End-Mndung aus 

dargestellt. In Fig. a b sind 3, in c nur 2 letzte Kammern sichtbar. Miocn. 
4- Guttulina communis d'Orb. vergrssert; ac von zwei Seiten, b von der terminalen 

End - Mndung aus. Miocn. 

5. TextulariaMariae d'Orb. vergrssert; ac von zwei Zeiten, b von der seitlichen End- 

Mndung aus. Miocn. 

6. Cassidulina crassa d'O. vergrssert; a von oben in der Richtung der Achse, b von 

der Seite, die Achse waagrecht. 

7. Triloculina: 2 junge Individuen, das erste aus der Kern-Zelle und einer ersten Kammer 
bestehend, mit dem Thiere. 

8. Anomalina variolata d'O. vergrssert; ac von der involuten und der offnen Scheiben- 

Flche; b im Profil, die erste Seite nach oben gewendet; b und c die an die letzte Windung 
angepresste End -ffnung zeigend. 
9- Globigerina bulloides d'O. vergr. ; ab c von unten, neben und oben. Miocn bis lebend. 

10. Robulina Ariminensis d'O. vergrssert; ab bei queer-liegender und stehender Achse 

gesehen, von der End- und von der Seiten - Flche aus. Miocn bis lebend. 

11. Nummulina radiata d'O. vergrssert; ab ebenso. Miocn. 

12- Dendritina elegans d'O. vergrssert; ab ebenso. Miocn. 

13- Pavonina flabelloides d'O. vergrssert; a von der Seite, b von der End -Flche aus 

gesehen. Bei Madagascar lebend. 

14- Nodosaria bacillum Dfr. ab ( T ) Varietten ; cde vergr. Anfangs- und End-Kammern. 

15- Frondicularia an nularis d'O. vergrssert; a von der breiten Seite, b von der Mndung, 

c von der schmalen Seite gesehen. 
l(j. Cyclolina cretacea d'O., etwa auf ( T ) vergrssert; a von der grossen Seiten - Flche, 

b von der Umfangs - Flche aus gesehen; c ein Stck der letzten mehr vergrssert. Im 

Kreide - Gebirge. 
17. Acervulina inhaerens Schz. ( 7 T 2 ) an einer Koralline sitzend. Im Meere bei Ancona 

lebend. 



Aiuorphozoa. 



Taf.Vl. 




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Erklrung von Tafel VII. 

Struktur von Kammer -zeitigen Foraminiferen : 
Orbitulites, Orbiculina und Conoclypeus. 

Die Figuren sind entnommen von Carpenter in Philosophical Transactions 1856, CXLV1, 

pl. 4, 5, 28, 29, 30. 



1 Orbitulites. 

A: Individuum mit einfacher konzentrischer Kammern-Schicht, an mehren Stellen aufgebrochen; 
zeigt die natrliche Oberflche mit den Zellen entsprechenden Anschwellungen und den 
natrlichen Kreis-Rand mit einfacher Poren-Reihe ; dann den mittein Durchschnitt parallel 
der Kreis-Flche, a die Keim-Zelle, bb die nchste halbspirale Zelle, cc die konzentrischen 
Zellen Kreise darum , durch zircularen Verlauf der ffnungen in den radialen Zwischen- 
wnden verbunden ; ferner die radialen Verbindungen von dem Zwischenraum zwischen 
2 Zellen eines Kreises zu einer Zelle des nchst-usseren Kreises gehend und die letzten 
d an der Oberflche ausmndend , wo sie bei weiterem Fortwachsen sich kreisfrmig ver- 
einigend einen neuen Kreis von Zellen bilden wrden ; ee die Zellen in ihrer vertikalen 
Ausdehnung, wie sie in radialer Richtung aufeinander folgen; ff die Zwischenwand 
zwischen 2 Zellen-Kreisen, von den radialen Poren durchsetzt ( T ). 

B: radialer Durchschnitt von Fig. 1a von der Keim-Zelle aus durch smmtliche Zellen-Kreise 
mit den radialen und den kreisfrmigen Poren -Verbindungen der Zellen ( 3 T ). 

C: hnlicher Durchschnitt durch ein andres Individuum, wo sich der Anfang zu 2 Zellen- 
Schichten aufeinander zeigt ( 3 T )- 

I) : dergleichen durch den zentralen Theil eines Individuums, wo erst 1, dann 3 und zuletzt 
4 Zellen-Schichten vorhanden sind ( 5 T ). 

E: Durchschnitt in der Mittel-Ebene einer Schaale mit ihrem Sarkode-Inhalt, um den spiralen 
Anfang der ersten Zellen-Ringe aus B 8 radialen Poren der Keim-Zelle zu zeigen Cf ). 

2. Orbiculina adunca (Ficht, u. Moll sp.). 

A: Ein noch junges Individuum (y) mit wenigen nur an einer Seite Spiral angesetzten 
Kammern, von aussen gesehen. 

B: Ein altes dergl. ( T 6 ), wo die letzten Kammern zyklisch um die anfnglich spiralen herum- 
greifen, von aussen gesehen mit kennbarer Zellen-Eintheilung. 

C: Ein altes (W), woran sich aber der geschlossene Rcken -Rand der Umgnge oben links 
nicht zurck-, sondern nur der Bauch -Rand derselben vorwrts um die frheren herum 
ausgedehnt hat, daher dieses Individuum trotz seines Alters noch in spiralem Wachsthum 
begriffen ist. Das Innre, im Durchschnitt parallel der Oberflche. 

D: Kreis-Rand (y), woran erst eine Reihe Zellen -Mndungen (einer Kammer- Schicht ent- 
sprechend) vorhanden ist. 

E: dergl. mit 3 4 Reihen, eben so vielen innern" Kammer- Schichten entsprechend, von 
welchen die Zellen der obersten dahinter sichtbar sind. 

3, Cyeloclypeus Carp. p 

A : Die ussre Oberflche eines halben Individuums ( T ). 

B : Ein senkrechter Durchschnitt in der Richtung der Achse, um die einfache Kammer-Schicht 
in der Mitte und die sie an beiden Seiten berlagernden Wand-Schichten zu zeigen, mit 
den durch die Kreiswnde wagrecht gehenden Poren - ffnungen. Rechts ist ein Stck 
wagrechten Durchschnitts durch diese Kammer-Schicht gegeben, um ihre zyklische Bil- 
dung und Zellen-Abtheilung zu zeigen. 

C: Eine einzelne Zelle eingeschlossen zwischen 2 seitlichen und 2 zyklischen Wnden, die 
sie vom vorhergehenden und nchst- folgenden Zellen - Kreise trennen, a Zelle; bb' an- 
grenzende Zellen desselben Kreises, von voriger durch je eine Wand aus 2 Lamellen ge- 
trennt ; cc ' zwei angrenzende Zellen des vorangehenden und dd ' zwei des folgenden Kreises, 
wovon sie durch die Kreiswnde ee', ee' getrennt werden, whrend sie jedoch durch die 
Kanlchen ff damit im Zusammenhang bleiben. Zwischen beiden Lamellen der Wnde 
zwischen a und bb' verlaufen die Wand - Gefsse , welche an jede der 2 sie seitlich 
angrenzenden Zellen 2 kurze schiefe Zweige abzugeben scheinen, je 2 andre schiefe 
Zweige durch die Kreiswnde hindurch in die Zwischenwnde der 2 Kammern cc ' und dd ' 
der beiden anstossenden Kreise senden und noch andre bei gg senkrecht aufwrts zu 
andern Gelassen derselben Zwischenwand schicken. Endlich haben auch die Kreiswnde 
noch ihre Gefsse hh , hh ' . 

D : Ideale Figur eines kleinen Stckes Zellen-Schicht mit der oben darauf liegenden Lamellen- 
Schicht, von vorn und von rechts geffnet, aa Obre Wand aus zahlreichen aufeinander 
geschichteten Lamellen ; bb ein Theil der Dicke der nntern Wand, beide Wnde in ihrer 
ganzen Dicke pors (oder rhrig) ; cc umgekehrt Kegel - frmige , nicht porse Theile in 
diesen Wnden, deren Grundflchen kleinen Wrzchen dd auf der Oberflche entsprechen 
und deren Spitzen auf solchen Stellen der Zellen-Schicht stehen , wo Wnde dreier Zellen 
zusammentreffen; sie sind oft von Waud-Gefssen durchzogen, die von jenen aufwrts 
zur Oberflche gehen ; ecee (das obere e msste 3 '" weiter links stehen) ebenfalls nicht 
rhrige Platten , welche als Fortsetzungen der Kammer - Wnde durch die Lamellen- 
Schicht gehen ; ff ffnungen in der Kreis - Wand , wodurch Zellen verschiedener Kreise 
mit einander in Verbindung stehen ; gg dergleichen vom Innern der Zellen aus gesehen ; 
hh je 2 bis 3 in einer Zwischenwand zwischen Zellen eines Kreises bereinander liegende 
Gefsse; i eine Wand, woran das System der Interseptal-Kanlchen vollstndig entwickelt 
ist; hh Haupt -Gefsse, welche lngs der Zellen -Wnde in der Decke der Zellen nach 
den Spitzen der oben erwhnten Kegel dd ziehen. 



Amorpliozoa 



Taf. MI. 




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Erklrung von Tafel VIII. 

Fig. 1: Encystirungs-Prozess von Amoeba bilimbosa Auerb. 

Fig. 2 7 : Steinkerne aus fossilen tertiren Pol ythalamie it-Schaale n. 

Die Abbildungen sind gegeben nach Auerbach in der Zeitschrift fr wissenschaftliche Zoologie^ 
1850, VII, Taf. 10, nach d'Orbigny; und nach Ehrenberg in den Abhandlungen der Preus- 

sischen Akademie, 1855, Taf. 3 5. 



1. Amoebabilimbosa Arb. , '/so */s5 "' gross, mit welliger doppelter Kontur; die ein- 

geschlossene Sarkode mit mehren Vakuolen und Algen-Trmmern im Innern der Krnchen- 
Masse, in B und C auch mit sichtbarem Nucleus und Nucleolus (n); A die Scheinfsse 
ausstreckend, B zur Encystirung zusammengezogen, C encystirt mit deutlicher dunkler Cyste ; 
D E junge Thierchen , die sich wahrscheinlich aus encystirten Individuen gebildet haben, 
mit 2 3 eigenthmlichen granulirten Krperchen im Innern. Europa. 

2. Borelis=AlveolinaHaueri d'Orb. mit den End-Mndungen und einem Einblick ins 

Innere (das Zellen- und Kanal -System ist hier nicht vollstndig zu sehen). Aus Wiener 
Miocn - Schichten. 

3. Spiroplecta: Kammer-Ausfllungen erst in spiraler einfacher, dann in gerader doppelter 

wechselstndiger Keihe, wie hei Textilaria. Aus Eoen-Kalk Alabama's. 

4. Amphistegina Javanica Eb. , die Mndungs - Hlfte ('j ). Die einzelnen Kammer- 

Ausfllungen der letzten Windung sind reitend auf der vorletzten, die sie ganz umschliessen; 
ein langer dorsaler Lappen jeder Kammer luft hinten spitz aus (aa) ; die 2 bis zum Nabel 
herabhngenden Schenkel (a' a'J sind mehrfach durchbrochen; die dorsalen Lappen zweier 
aufeinander folgenden Kammern durch mehrfache ffnungen (b, b) mit einander verbunden; 
c ein Siphon, welcher alle Kammer-Endwnde spiral durchsetzt ; bei e sitzt die letzte Windung 
auf der vorletzten auf; d grosse Poren-Kerne der Schaale; x die Keim-Zelle. Ein den 
Sipho begleitender Gefss- Stamm konnte nicht deutlich mit angegeben werden. Aus Java 

5. Nummulina striata C 1 " ), zwei Kammern - Kerne aa, reitend auf der vorangehenden 

Windung gg ; die Schaale der zwischen ihnen gelegenen Scheidewnde von einer ventralen 
Mndung (bb) durchsetzt, welche von einem feinen Gefss-Stamme (ce) begleitet wird, der 
in jeder Seheidewand einen verzweigten Ast abwrts (dd) und aufwrts (ee) sendet, diesen 
zu einem Gefss -Netze (ff), welches den ganzen Dorsal -Theil der Schaalen - Wand durch- 
zieht. Tertir , von Alet. 

t). Nonionina? Bavarica Eb. ( x %}); zeigt die spirale lleihe der Kammer-Kerne des letzten 
Umgangs (aa) , auf dem vorigen reitend und ihn ganz einschliessend ; b die subventrale 
Mndung der letzten Kammer -Wand, auch in allen vorangehenden kenntlich; dd radiale 
stige Gefsse in den Scheidewnden der Kammern , welche in ein Gefss-Netz ff in der 
Rcken - Wand der Schaale ausgehen ; ee sind sehr starke gebogene gabelige Gefsse in 
deren Seiten-Wnden; .r die Primordial- oder Keim - Kammer. Tertir, von Traunstein in 
Bayern. 

7, Spirilo culina-Ke rn : aus Javanischem Kalke, ein aus 10 Halbspiral-Kammern gebildeter 
Kern , woran bei c ein grosses Gefss sichtbar wird , whrend zahlreiche Poren dd durch 
die weggebeitzte Schaale die aufeinander liegenden Kammern mit einander verbinden. 



Amorphozoa. 



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Erklrung von Tafel IX. 

Typen der Infusoria Flagellata. 

Die Figuren sind von Ehrenberg, Dujardin , Perty und Weisse entlehnt. 
(Der sehr ungleiche Vergrsserungs-Maassstab ist bei jeder Figur angegeben.) 



1. Monas guttula Eb. 

A: bei 300facher Vergrsserung. 
B: in Queertheilung, dsgl. 
C : bei 2000 f. Vergrsserung, das Wirbeln 
der Geissei zeigend. 

2. Uvella glaucoraa Eb. 

A: mit und obne Geissein ( 3 y). 

B : bei 800 f. Vergrsserung. 

C: Beeren-artige Gesellschaft ( 3 ). 

3. Polytoma uvella Eb. mit 2 Geissein. 
A,B: Einzelnthiere bei 300 f. u. 800 f. Vergr. 
C,I) : in Vieltheilung begriffen, bei 300- 

und 450 maliger Vergrsserung. 

4. Microglena monadin a Eb. 
A : 300 mal vergrssert. 

B : 480 fach vergrssert. 

5. Glenomorum fingen s Eb. 

A,B : Einzelnthiere bei 300 fach, und 480 f. 

Vergrsserung. 
C: Gruppe: 300 fach vergr. 

(j. Cercomonas truncata Duj. 
A,B : Zweierlei Wechselformen, vergrssert. 

7- Doxococcus globulus Eb. 

Bei 300 m. Vergrsserung. 

8- C h i 1 o m o n a s p a r a m e c i u m Eb. 

A,B : Einzelnthiere mit und ohne Geissein 

(380 fach). 
C: Ein Thier in Zweitheilung (250 m. vergr.) 

9. Amphimonas caudata Duj. (800mal 
vergrssert). 
A,B: Ein Thier mit 2 Geisseifden in zwei 
Ansichten. 

10. Heteromitus ovatus Duj. (?Bodo 

grandis Eb.) : 500 fach vergrssert. 
A,B : Kleinres und grsseres Thier. 

11. Phacus pleuronectes (Nitzsch sp.) 

Duj., 300 fach vergr. 
A : grosses , B : kleines Individuum. 
C: von der schmalen Seite gesehen. 

12- Prorocentron micans Eb. ( l /36'"gr.) 
A,B : in 2 Ansichten. 

13 Astasia haematodes Eb. ( 4 f). 

Zwei Individuen in verschiedner Streckung 
(die Geissein nicht angegeben). 



Fig. 

14. Euglena sanguinea Eb. ( 3 &). 
A,B.C : drei Individuen in verschiedner Lage 

und Zusammenziehung. 

15. Chlorogonium euchlorum Eb. ( 3 f ). 
A-E: Fnf Exemplare, innerhalb deren Haut- 
Panzer sich die fortschreitende Theilung 
in verschiedenen Kichtungen bis zur 
Trauben-Form und zum Ausschwrmen 
der Jungen zeigt. 

16- Colaeium stentorinum Eb. 

Zwei Einzelnthierchen ( s ), und 
andre in Folge unvollendeter Selbsttheilung 
zusammenhngend in Bschel-Formen. 

17. Distigma viride Eb. (*<>) 

verschiedne Zusanimenziehungs-Formen. 

18- Hexamitus nodulosus Duj. ( ,; *). 
Vielleicht die unvollendete Lngstheilung einer 

andern Sippe? 

19- Polyselmis viridis Duj. (*) 
(hat gewhnlich 4 5 Geissel-Fden). 

20. Peranema globulosa Duj. ( S T ). 

21- Zygoselmis nebulosa Duj. ( (i f) 
in 3 verschiednen Zusammenziehungen. 

22- Heteronema marina Duj. ( 5 f). 

23- Trypomonas volvocina Prt. 
(Trachelomonas v. Eb.) 
oben: zwei lebende Individuen, 
unten : ein grsseres todt. 

24- Chonemonas Schranki Prt. 
(Chaetoglena sp. Eb.) 

25- Glenodinium tabulatum Eb. 
A : von Stirn- und Hinter-Seite. 
B: kleineres Exemplar, wirbelnd. 

26- Ceratium tripos Nitzsch ( 3 ). 

(Peridinium tripos Eb.) 
A : von der rechten Seite. 
B: vom Kcken gesehen. 

27. Diuobryon Sertularia Eb. 
A : Einzelnthier in seiner Scheide 
B: Infusorien-Stock'aus bereinander spros- 
senden Scheiden ( 3 ). 

28- Darstellung der Wimpern-Bewegung (Duj.) 
wie sie S. 92 beschrieben ist. 



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Amorpihozoa 



Taf IX 




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Erklrung von Tafel X. 



Infusoria Ciliata. 
(Hauptschlich Ernhrungs- und Bewegungs- Organe.) 

Vergrsserung 300:1, wo es nicht besonders angegeben ist. 

Die Zeichnungen nach Ehrenberg, Dujardin, Carter, Stein und I.achmann. 

(Die kleinen Buchstaben a y haben berall die-elbe Bedeutung, wie folgt.) 



a Mund; a' Eingang zu dessen Vorkammer; 
a" sophagus. 

b Wimper- Apparat vor demselben. 
c Cyste. 

/ spitze und f geknpfte Tentakeln ; 
f" dieselben in saugender Thtigkeit. 
h Hlse um das lnfusorium. 
i After. 

I Wimperhaare; V Borsten, Griffel und Haken 
zum Gehen (Klettern); V" Schnellborsten. 
m Muskel -Fden. 
n Nucleus germinativus. 



n' dgl. von eigenthmlicher Beschaffenheit. 

q eine den Nucleus umgebende Mark-Substanz. 

r, r' Speise- und Koth- Ballen. 

s Stiel. 

t Borste in der Vorkammer vor dem Munde ; 

V kleinre dgl. 

v Vesicula oder kontraktiles Blschen. 

w' die mit ihr verbundenen Gefsse und 

w" deren Erweiterungen. 

X Bleibende Vakuolen oder Leerrume (v ??) ; 

x' dergl. sehr vergrssert mit Speise - Inhalt. 

y (dgl. ?) herausgestlpte Blase. 



Fig. 
1. Coleps hirtus Nitzsch (Duj.) A: Ein Einzelnthierchen. B: dgl. in Zweitheilung. 
2- V or ti cella campanula Eb. (Lehm.) : einKrper von der Seite. Von der zweiten Wimper- 
Reihe der doppelten Mund-Spirale sind nur wenige Hrchen im ussersten Profile rechts und 
links angegeben. Bei a' blickt man durch den Mund in den sophagus. 

3. Carchesium polypinum Eb. (Lehm.): ein etwas schematisch dargestellter Krper von 

der Stirnflche aus ; die Wimper - Spirale nur durch eine punktirte Linie angedeutet ; der 
Vorhof liegt zwischen den Linien V ', u, u', i; der Mund beim Grunde der 2 Borsten t 
und f. Vom Blschen v geht ein Gefss queer ber die Vorkammer. 

4. Stentor polymorphus (Lehm.) A zeigt die Mund - Spirale , den Mund bis zum so- 

phagus ; die kontraktile Blase v in Verbindung mit einem Ringgefss mit 2 Erweiterungen 
iv'w', und ein an den Seiten auf- und ab -steigendes Gefss w" (B, w") mit mehren dgl. 
Der After i liegt auf der Rckseite weit vom Munde getrennt und scheint hier nur durch. 
Ln B, einem mehr vergrsserten Theil des Stieles, erblickt man bei l auch die zweierlei 
Wimper - Haare der Stentoren. 

5. Chaetospira Mlleri Lehm, in ihrer Scheide; von den Haaren, welche den vorragen- 

den Krper bedecken, sind nur einzelne angegeben. B ist ein rotirendes Individuum, daher 
mit aufgerollter Wimper - Spirale. 

(J'.Acineta ferrum equinum Eb. (Lehm.) mit zweien ihrer Saugfden eine fest-klebende 

(j 2 , Enchelys fareimen aussaugend, welche selbst ein kleines lnfusorium verschluckt hat. 

7. Euplotes Charon Eb. (Lehm.) vom Bauche, mit mehren Borsten- und Wimper-Arten. 

8- Harmodirus ovum Perty (100:1; Trachelius ovum Eb.) mit seinem Darm-Apparat und 
beweglichem Rssel (Oberlippe). Nach Gegenbauer wre bei a nur ein Einlass fr Wasser 
in die Leibeshhle, whrend sich der Mund bei x am Anfang des Darm - hnlichen Organs 
befnde, welches demnach mit seinen Queersten berall von Wasser umgeben ist und allein 
Nahrungs - Stoffe enthlt. 



B : kleinres Thierchen, in Lngstheilung begr. 
I) : der Fischreusen - artig aus Lngsstbchen 



f). Chilodon cucullulus Eb. 
A: von Bauch- und Neben-Seite, kletternd. 
C : eins dgl. in Queertheilung. 

nach Eb., oder aus einer faltigen Trichter-Haut nach Stein gebildete Schlund. 
10- Oxytricha ambigua Duj. (SSO : 1 Duj.) von oben und schief von unten gesehen. 
11. Pantotrichum enchelys Eb. 

A : ein grosses Individuum mit ausgebreiteten Wimpern. 

B : ein andres in Lngstheilung; Wimpern anliegend. C: dgl. in Dreitheilung ? 

12- Alyscum saltans Duj. (400:1 Duj.). A, B: in zweierlei Stellung. 

13- Pleuronema chrysalis Prt., Paramecium ehr. Eb. , (500: l Duj.) 

14- Actinophrys oculata Stein. 

A: Einzelnthier mit ausgestreckten Fden; der Nucleus von einer Mark-Substanz q umgeben; 
bei x' eine grssere Futter-haltige [?] Vakuole ; bei y eine Blindsack -artige Ausstlpung. 

B: drei (in Conjugation ?r) mit einander verschmolzene Individuen, zwischen den 2 obern noch 
mit einigen Lcken. Sie sind mit Essigsure behandelt, daher die Haar-hnlichen Fden 
zusammengeschrumpft. Auch hier ein [?] Leerraum x' mit Futter-Stoffen. 

15. Paramecium Aurelia Eb. (Carter.) 

A: Speise - Ballen am Ende des Schlundes gebildet, zirkuliren im Krper. 

B: Ideale Darstellung der 2 Vesiculae und ihrer Gefss -Rosetten, welche mit den ersten 

nie gleichzeitig in so vollstndiger Anschwellung gesehen werden knnen. 
C: dgl., nachdem das Thier unter dem Deckglas gequetscht worden. Die gegliederten Gefss- 

Strahlen sind, bis auf die erste Birn-frmige Erweiterung, Faden-artig zusammengefallen. 
D: dgl. in Ansicht von der Bauch-Seite; die Rosetten theilweise sichtbar; bei v bildet die erste 

Birn-frmige Erweiterung einen Vorsprung auf der Oberflche im Profil gesehen ; diesen 

hat man fr den Ausfhrungsgang der (secernirenden) Vesiculae gehalten. 
E: ein Individuum in Queertheilung. 

16. Cerona mytilus Eb. (150:1) von Bauch und Vorderseite, Nahrungskrper enthaltend. 



Amorphozoa. 



Tai'. \ 




/' Volk /cf. 



iJ riirkt-rei t? M . (_rrit%l>iuii'j; (<*/ , ; s;un. 



Erklrung von Tafel XL 



Metamorphose der Stomatoden , hauptschlich Vorticellinen , 

nach Stein, 

und daher unter der Voraussetzung, dass alle Acineten blosse Verwandlungs-Stadien der Vorticel- 
linen u. s. w. seien. (Auch sind die Mundwimper - Apparate in Fig. 4, 5, 7 als geschlossene 
Kreise dargestellt, whrend sie nach Lachmann Spiralen sind.) Fig. \A C nach Ehrenberg. 

Die Vergrerung ist berall 300 fach, linear (ausser in Fig. \A C und 8 C). 



Die Bedeutung der kleineren Buchstaben ist berall dieselbe, nmlich : 



n Nucleus; n' derselbe in einer Haut. 

o Kernsprssling. 

p hintrer Winipernkranz. 



a Mund; a' Mund mit Lippe. 

b vordrer Mund- oder Wimper - Kranz. 

c Cyste. 

d Mutter-Blase und deren Ausstlpung. r Speise- oder Exkrement -Ballen. 

/ Saugfden oder Tentakeln ; /' ungeknpfte. ! s Stiel. 

g die aus solchen entstandenen Arme. v Vesicula. 

h Hlse. z Ring -frmige Membran des hintern Haft- 

k Aussenknspling. Organs. 






Fig. 

1. Colpoda cucullus Eb. 

A : grosses Individuum, von der Seite. j G : rlgl. in Dreitheilung begriffen 

B : kleines mit Unterlippe (verklebten Haaren). 

C : dgl. mit Weingeist behandelt. 

I) : kugelig zusammengezogen und kreisend. 

E: dgl. kleiner, zur Theilung sich anschickend. ' K: eine Cyste mit 8 Theilsprsslingen. 

F: dgl. in Zweitheilung begriffen. L: dieselben ebenfalls cystirt. 

2- Glaucoma scintillans Eb. 



H : dgl. in Viertheilung und encystirt, die 

Nuclei durch Alkohol sichtbar gemacht. 
J : dgl. mit vier bewegten Theilsprsslingen. 



D: dgl., 2 Individuen durch Queertheilung. 
E : dieselben diagonal verschoben. 



A : ltres Thier , vom Bauch. 
B : kleinres , encystirt, enthaart. 
C : dgl. : Queertheilung beginnend. 

3. Trichodina pediculus Eb. 

A: von der Seite. | B: hintrcs Haftorgan; Mund nach oben. 

C: mit dem hinteren Haftorgan auf fremder Oberflche hingleitend; der Mund vorn. 

4. Ophrydium versatile Eb. 

A : eine daraus bestehende und damit bedeckte Gallert-Kugel in natrlicher Grsse. 

B : Scheiben-frmiger Durchschnitt der Hlfte einer solchen Kolonie (j). 

C: ein Einzeluthierehen daraus, mit Vesicula und Koth-Ballen. 

I) : ein andres daraus, sehr gestreckt; voll Chlorophyll-Krner und mit merkwrdigem Nueleus. 

E: ruhender Zustand eines solchen. 

F; Aciueten - Form , aus vorigem entwickelt, mit Finger- frmigen Tentakeln. 

5. Cothurnia Astaci Stein. 

A : ausgestrecktes reifes Thier in seiner Hlse. 

B: zusammengezogen, in Bildung der Hlse begriffen. 

C: ausgestreckt und noch damit beschftigt. 

6. Vaginicola crystallina Eb. (T> eine unbestimmte Art): in der Hlse. 
A : Acinete derselben (A. mystaciua Eb.) mit zugebogener Hlse. 

B: dgl. mit 2 Gallert - Taschen , mit einem unreifen und einem reifen aus der Hlse dahin 

ausgetretenen Kernsprssling darin. 
C: der letzte herausgenommen und etwas grsser (400). 
D : Acinete ohne Fden, mit 2 Blinddmichen; Inhalt in (j Zellen- artige Krper umgebildet 

7- Lagenophrys ampulla Stein, in der Hlse. 

A : von der Rckseite gesehen mit 2 Aussensprsslingen. 

B: ein Individuum in Lngstheilung begriffen, ein Hlbling noch unreif. 

C: dgl. nach vollendeter Theilung mit eingezogenen vordem Wimper-Krnzen; der hintere 

-Theil mit seitlichem Wimpern-Kranz. 
I) : dgl.; der vordre Theil mit abgeschnrtem Feristom ; an beiden der seitliche Wimpern- 
Kranz entwickelt. 
E: die Hlse, nachdem ein Hlbling oder Theil-Sprssling sie verlassen. 
F: der ausgetretene freie Theilsprssling noch ohne Hlse, von der Seite gesehn. 

8- Spirochona gemmipara Stein. 

A: ein grosses Individuum mit sehr entwickelter Tuba- frmiger Mundwimper- Spirale (die 
Wimpern nicht gezeichnet) und einem ansitzenden Aussensprssling. 

B : ein kleinres mit einem unreifen und einem reifen dgl. (? Theilsprssling). 

C: ein solcher Aussensprssling schon frei herumschwimmend (400 fach vergr.) mit noch 
wenig entwickelter Mund-Spirale , aber stark bewimpertem Lngs-Spalt. 

I) : dgl. schon festsitzend. 

E: dgl. mit mehr entwickelter Mund-Spirale. 

F: ruhender Zustand in einer Gallert-Kinde (Cyste). 

G: derselbe in der Umbildung zur armigen Acinete (Dendrocometcs) begriffen; der Nucleus 
in Zweitheilung, wovon ein Theil zum Kern-Sprssling wird. 

H: ein andres Individuum, weiter vorangeschritten. 

J: ein zwei-armiger Dendrocometes von der Seite. 

K: ein ausgetretener Kern-Sprssling in 2 Ansichten , mit Wimper-tragenden Band-Furchen. 



Amorphozoa 



Taf JL. 




r. Votk fa. 



DruxTtrrei r>. H? T Creicx,baJt^^r: GwlrrvJt*- 



Erklrung von Taf. XII. 

Metamorphose der VortieelUnen. 

(Bemerkungen wie zu Tafel XI. Vergrsserung 3 ). 



Die Bedeutung der kleinen Buchstaben ist berall dieselbe, nemlich : 



a Mund, meistens mit Wimper -Organ. 
c Cyste. 

d Mutter-Blase in derselben. 
e Tochter-Blase in voriger. 
/ Betraktile Fden, am Ende geknpft. 
h Frucht- Wasser einer Mutter-Blase, mit zahl- 
reicher Brut. 
k Aussenknspling. 



n Nucleus; n' derselbe in Vieltheilung begriffen. 
o Nucleus bereits in einen Kern - Sprssling 

umgewandelt in einer Blase oder Hhle 

des Mutter-Krpers. 

p Wimpern-Kranz. 

* Stiel. 

v Vesicula oder kontraktiles Blschen. 



Fig. 
1. Vorticella microstoma nach Stein. (Das Wirbel-Organ ist hier berall als geschlossener 
Kreis dargestellt, whrend es nach TJdekem eine Spirale, ist.) 
A: Sehr junge Vorticelle, bereits einen in Ablsung begriffenen Aussensprssling mit hintrem 

Wimpern-Kranz tragend. 
B : dgl. lter, mit 1 reifen und 1 unreifen Aussenknspling. Mund, Wimper-Organ, Peristom, 

Nucleus , Vesicula , ausgestreckter Stiel mit dem seitlichen Spiral-Canale darin. 
C : Junge Vorticelle mit eingezognem Wirbel-Organ auf Spiral zusammengezogenem Stiele en- 

cystirt, in der Cyste noch zuckend. 
I) : Eine ltre auf ausgestreckten Stiele encystirt , in dessen Kanal die Achsen - Schnur in 
mehre Stcke zerfallen ist. 



*L 1 ' . ' I worin die Vorticelle sich bereits in eine Mutter-Blase verwan- 

* TT ,. U ^ * 7. ie V | delt hat, mit Nucleus und Vesicula, 

F: Ungestielte Actinophrys, J 

G : Ungestielte Actinophrys mit bsehelstndigen Fden und ausgebildetemWimper-Sprssling (i). 

H: Eine gestielte aber freie Acinete (Podophrya), mit dem Stiel nur auf einem Hufeben 
schwimmender Krnchen sitzend ; ihr Wimper-Kernsprssling ausgebildet. 

J: Dieselbe, mit bschelstndigen Fden, der Sprssling im Entweichen begriffen. 

K : Dieselbe , den Riss am Scheitel wieder schliessend. 

L : Ein sehr grosser, schon ausgetretener Kern-Sprssling. 

M: Zwei aneinander-klebende Actinophryen (in Conjugation?). 

N : Eine Podophrya und Actinophrys aneinanderklebend. 

0: Eine Podophrya, aus deren Cysten-Hlle der Fden-tragende Krper zufllig herausgedrngt ist. 

P: Ein herausgenommener Nucleus mit zahlreichen Nucleoli. 

Q: Eine Form (Orcula Weisse), welche Stein fr eine pathologisch vernderte Zwischenstufe 
zwischen D und II hielt, Cienkowsky jedoch aus H entstehen sah. 

M W: Cysten, welche zahlreiche lebende Brut erzeugen. 

II : Eine Cyste mit Mutter-Blase, deren Nucleus in viele Scheiben-fnnige Theilchen zerfllt. 

S: Eine Cyste, deren Inhalt eine Brombeer-frmig getheilte Mutter-Blase ist. 

T: Eine Cyste von vier Kegel-frmigen Fortstzen der Mutter-Blase durchbohrt. 

TT: Eine Cyste , welche durch Hals-artige Mndung ihr Frucht- Wasser nebst darin schwim- 
mender Brut so eben nach aussen geleert hat. 

V : Eine Cyste mit Mutter-Blase und 5 Tochter-Blasen darin. 

W: dgl. mit 4 Tochter-Blasen, wovon I noch unverndert ist, eine die Cyste durchbohrt, 
2 sich schon durch diese (wie Uh) entleert haben. 

2. Epistylis; A. Epist. nutans; B. P. Epist. plicatilis, nach d'Udekem. 
A: Ein Epistylis-tragendes Bumchen, in Wirklichkeit i jz'" gross. 
B: Zwei Epistylen auf einem gegabelten Zweige sitzend, die eine entfaltet mit offnem ge- 

wimperten Munde , die andre zusammengezogen und geschlossen. 
C: Ein Individuum in seiner Cyste ; der Zwischenraum zwischen beiden mit durchgeschwitzter 

Sarkode erfllt. 
D: Zwei Individuen in einer Cyste. 

E: Das Thier in der Cyste sich zur Opalina-Form verwandelnd. 
F: Die Opalina-Form aus der zerbrochnen Cyste gelst, gewimpert. 
G: Eine solche auf einem kurzen Stiele getragen und gewimpert / in Umbildung zur 
-ff: Eine solche ohne Stiel breit aufgewachsen |Acineta-Form begriffen. 

7: Ausgebildete Acineta-Form , mit langem Stiele aufsitzend. 
K: Zwei aneinander-liegende Acineten, angeblich ,,in Conjugation" begriffen. 
L: Ein ausgetretener Wimper-Knspling , aus dem Nucleus entstanden, in 2 Ansichten. 
M: Dgl. schon auf einem Stiele getragen. 

N,0: Dgl. nach Verlust der Wimpern, mit geknpften Fden. 
P: Dgl., sitzende Form mit Wimpern , aus H entstanden. 



Amoi'phozoa. 



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Verfasser und Verleger behalten sieh das Hecht der Uebersetzung in 

fremde Sprachen vor. 



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