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Full text of "Die krankhaften Geschwülste; dreissig Vorlesungen, gehalten während des ..."

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Die 



KRANKHAFTEN GESCHWÜLSTE. 



Drelssig Vorlesangen, 

gehftlteo 
wihreid da fiBtennciltK iÜSi — ISt3 ii itr UaiTcniUl ii Btitii 

BTTDOLF VIHUUOW, 

«id. BS. Frot—mar d*r pMlulagliehaii Aiutoaic, dir tUgauMliiui Pithologl* ud Thuipia, Dfi» 
4«a intriftlogtuih*« iBitlBUH, dirlgliandBoi Ants w du CtairiU und UltgUcd« d« v1»n- 
•afaiflUehn DipoUtlgn fBr du tlidUlniJiiaiga. 




IIL B»4L I. Hftlfto. 

Bogen 1—31. mit 1 Knpfertafel. 



^jjoife fl 



Berlin, 1867. 



Verlag tod Aagnst Uirschwild. 

UiMT d<a Undu H«. ta. 



' Vcr Iwr Terhuer Mtorfilrt ■■« u ler SrkUnig, iui die 2. U 
dea Ul. UUtt (ScUna to Wofca lebM Trilitb4lgea l^bter) m 
\m Ltife Jleiei Jakrei enchetaei wM. 

We Ttttapktidlug. 



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krankhaften Geschwülste. 



Drelssig Vorlesoagen, 

gefall ten 
wilrttd ia WiitertCKilera IM!— 1St3 u iu Uiiiertilll » IcHii 



Radoir yüaAov, 




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•rhmmehn Dtputitlgn IDr du HiilicIliiiMNieii. 


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Mltcr UmL tnl» Kklftc 


Stramen, Myome, Nenrome, Angiome. 


HiHii « rildkiflR. 






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de midecin« || 












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Zweiundzwanzigste Vorlesung. 



StrancB. 



StTDDi im UlertD und im neninn Sinne. Beiiebung lui Sebllddrüss. TniiDUDg der Sutimt von 

1} Da Xropt, Strsu tHyraoldu, Broncboctta, QnUni (QgXn), Bollum i. Bnelni. Tbfro- 
pbrula. GniBdlonn dei Kropf«. Slmniii Irmplmllu t. CDlloldei (HonlgktopO : BsicliifleD- 
lielt dar CoIlDldjnbilui, ilbumlnüi« Nitnr, Pmlsid, kaoitllcb« Encugung d«r Gslltrl- 
kfiipar. TaikDUnian dai OiUarta obna KmpfbUdqng, Strncmr dai Bcbilddinaa. BiLduDg 
dar Gallerla: EundilioD, Colloldmatusoipboie der Zellen, hriUna UmblldDiig, Concretiou. 

PriMDkzüpf j EbtwickeluD^ dar Diriiea, ibwaielLiuigan daraailiaii, Procaaio« pjnmiiLiUj, acoai. 
aoriKlie Lippen: Nebankt-Cpfa, Str. accflBftoriia. Guig dar b^parplutlteheii Büdnog, 
QlakbDbelga and knotlga (lappig«) Form dar QuebwoliL Vorwiegen du alniainan BeiUnd- 
Itaall* dar Dtüae: Sit. fallleulirlimallli, aIngskapiaICa Vulatft (Str. eritl« puaneby- 

loldai, WMkikivpf. Sil. galatinoii {l^mpballca, EoUoldaa), QtJlararDpr: blujga und 
ndUra Pam. Str. cTtlliM, Balgkropfi EuUIabung dar Cfitan, Inhalt dericlban, Conluai», 
aacmidira Ahtaadrrong, Blaginkrtpfa. Btr. flatuoai *. Tautoaa, Lnltkrop/i Trubaocela, 
IdrjBgocaLa YaiitrlenZarla, Str. proUfara: Varwacliaelang» 6lr> hydalldoaa; Kchino- 
uuiu. — Anagingi: RiaolntioD, Hailmillal. Varkilkong nod Vecknöchaning : Str.sataa 

■ia KttTar Bod IrilUtlTer BUdongavoigug. Blrama Indammalaila und Thjraoldllli: 

Krspfea: Dinckaneliainnngin , TrigliaailaiiDaii; der inbalirnnle nnd labniaiUlare Ktopl; 
AapbjriiB. FarfenÜT«' Balgkrapf. GebargiDg In btearUga Fomen! Blram* carclao- 
matoii et laroDinatoia. — Aatlolagle; PridlipMlÜDD (Oeachlacbt, Altar, ■natomlacbe 
Eatwiekelug dar BabUddreie, Brbllclikelt). Dar congaalula Kropf. EBdemlaaliei nnd 
B^ndlachaa Vorkomnien. Bailebung in andereii KiaakbelMu (Bkrofeln, Tuberkeln und 
PUMh; BachlUa; ImacmlHaDa ; Cralinlaant). StmB» axaplithalDiu (GlatiBogenkickeiia, 
Buwiow'aalie oder Qnvaa'aeli« Krankball}. — Dia nparatlTa BabiDdlung. 

)) Hjpatptaala md OaliertblldBng an dar HjpnpbjiLa carabrl. 

») StniH nfruamalla. 

*) BnrsBI »lU, MCialB ■!«. Cjaleaalacaa. 



„Gooi^le 



3 Z\reiQDdzvanzigHte Vorlesung. 

Wir haben von den in der zuletzt besprochenen Abtheilung 
erwähnten Geschwülsten noch die Strumen zu besprechen. Wie 
ich schon das letzte Hai (Bd. II. S. 560) hervorhob, so ißt der 
Name der Struma, der fraher sich aof alle möglichen DrSsen- 
Änschwellnngen, namentlich des Halses, bezog, und selbst für die 
letztere Gegend mindestens alles das bedeutete, was man wohl in 
Deutschland hier und da unter dem Namen des Satt- oder Bläh- 
balses zusammeogefasst hat, in der neuesten Zeit mehr und mehr auf 
die Bpeciellen Geschwülste der Schilddrüse beschränkt worden*). 
Ja man hat den Namen der Struma für jede Art von Anschwel- 
lung, die an der Schilddrüse oder in ihrer nllchsten Umgehung 
stattfand, in Anwendung gebracht, und alle möglichen Geschwülste 
ganz bekannter Art mit diesem Namen belegt, wenn sie eben nur 
an der Schilddrüse vorkamen. Man sprach von einer Struma 
carcinomatosa oder sarcomatosa, als ob Struma schlechthin An- 
Schwellung der Schilddrüse bedeute. Diese Art der Bezeichnung, 
welche in der Sarcocele eine gewisse Parallele findet, ist ganz 
unpassend. Für die Anschwellung eines Organs überhaupt einen 
besonderen Namen aufzustellen, haben wir keinen Grund. Soll 
der Name Struma eine concrete Bedeutung haben, so kann er 
sie nur haben, wenn wir ihn zunächst auf jene Geschwulst be- 
schränken, welche man in den einzelnen Sprachen im engeren 
Sinne als Kropf, Gozzo, Goitre**) etc. bezeichnet, und ihn sodann 
nur auf solche Geschwülste anderer Organe ansdehnui, welche 
eine analoge Entwickelung haben. 

Für den Kropf findet sich hier und da im griechischen 
Alterthum***) der Name Bronchocele, von dem Paulus von 
Aeginaf) angieht, dass er auf zwei verschiedene Arten von 
Geschwülsten angewendet werde, von denen die eine steatodes, 
die andere eurysmatodes sei. Die lateinischen Schriftsteller halfen 



*) Id Italien hktte aicb gerade umgekehrt der Oebniach geltend gem&cht, 
weiche GeschwOlate der Hoden Strumen za nennen. (Giebrl in Testor's 
Heuern Chiron. Bd. I. S. 273.) 

*') Der sowohl im CriuiiOsischen , als Engliscliea gebrSuchlicbe Aub- 
drnclc Oo!tre stammt von Guttar her. AltfraniÖHiHcb heisst er GoaStre oder 
Ooetre. 

"*) GalenuB. Pinit. med.: Bronchoeele tomor est gutturi adnasceos. 
cf. De compos. medic. per genera Lib. VI. cap. 14. 
•• " ■ ■ Tin. Lib. VI. 



t) Paul. Aegin. Lib. VI. cap. 88. 



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OBQUfttologi« dei Kropfes. 3 

Bich meiBt mit dem Atudnick des Gattur tamidom s. tnr- 
gidam*), nnd wenigsteiiB in der Bp&teren Lätinit&t **) be- 
deutet gattaroeuB geradezu krfipfig. Stramosas hat dagegen BtetA 
eiae andere Bedeutang ***). Celeas gebraucht nur das Wort 
Brooehocele io dem Sinne von Kropf f)) jedoch ohne strenge 
Begrenzung. Ziemlich unerwartet tritt dann bei den Salemita- 
nernf-)-) der Name Botium oder BociuB auf, dessen Erklärung 
sebr zweirelbaft ist Riolanfff) unterscheidet die Bronchocele 
(Heraia gnttaris) als eine steatomatOse Geschwulet Behr bestimmt 
Ton den Sbumae s. Scropholae. SpUer dagegen verwiscben sich 
die Grenzen nnd Freind'f) nennt die Bronchocele geradezu 
eine Art von Struma. Jedenfalls sind in Savoyen die Ausdrflcke 
Stnimositas nnd StrQmosus schon im 16. Jahrhundert für Kropf- 
zustände in allgemeinerem Gebrauche gewesea'f), und sicherlich 
ist bei Fabricins Hildanas***t) das Wort Struma in diesem 
Sinne zu nehmen. So kam es dann, dass schliesBÜch Kortum 
die Struma einzig und allein auf die Schilddrflsengeschwnlst be* 
schränkte. Indess enbitanden auch hier noch wieder Streitig- 
keiten, indem Einzelne als den eigentlichen Sitz des Kropfes 
das Zellgewebe ausBerhalb der Schilddrüse ansahen, bis end- 
lich Hau8leutner*ff) ihn in der DrOse selbst feststellte. Nur 
Albers *'ii) hat den Versuch gemacht, innerhalb der Drfise zwei 
Tenchiedene Grundformen zu unterscheiden, von denen die eine 



•) Javenal. Satjr. Xni. let). VitriiT. Till. 3. 20. Plinins. Biet. 
Dktar. Lib. XL 68. Gnttar homiui tantaui et soibna intnmeBcit, aqoftniiii 
qaie poUntur plemmqae Titio. 

**) Tirchow. Geaammette Abhandl. S. 984. 
***) Hind- MerilliUB. Obs. VI, 33. Nemp. 1T30. I. p. 219. 
t) Celans. Med. Lib. VI!, cap. 18. 
ff) de Reozi. Collect, salernit. T. II. p. 463, 599, 602. Botium qnidem 
est apostemi qnod fit in gattare sive tomor qni alio nomine dicitur gattu- 
rositu. Nach de Renii fQbrt der Kropf im ItalienigcheD ausser dem ge- 
wGhDlichen Namen Ooiio auch noch den von Boizolo und im bentigen saler- 
nitanischen Patoia Voua oder Voziola. 

ttt) Joann. Riolani. Opera omnia. Paria. 1610. p. 633. 
*t) Morgagni. De sedtbns et caaaia morhor. Epiat. L. art. 80. 
"t) Foderä (Eaaai aar le goitre et le cr^tinage. Turin. l79St. p. 63,71) 
citirt einige Stellen aus Guill. Paradin [Chroniqne de SaToie. Lyon. 1561. 
p. 9D, 21), wo Btmoioaltei et groaaes gorges, femme strumeuse ä gros gouaier 
gebnuicbt ist. 

***t} Gnil. Fabricina Hildaans. Observ. et curat, cbirni^. Cent. 111. 
Oppenb. 1614. p. 157, 160. Oba. 34 et 35. 

*ff) HansleutDer. Honi's Archir. 1810. Bd. X. S. 7. 
**tt) Albers. Erlftnternngen su dem Atlas der pathol. Anatoaie. Bonn. 
1839. Abth. II. S. 802. 



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4 Zweiaadiwamigsto VorlMong. 

TOD der bindegewebigen Kapsel, die andere von der Drüsen- 
subataoz selbst ausgeben sollte. Jedoch anch dieBe Trennang ist 
aaznlässig. Das Bindegewebe der Drüse ist nicht selten zugleich 
mit der Drfiaensabstaoz verändert, nnd iosofera kann man mit 
Alibert*), der den Kropf Thyrophraxie nennt, eine einfache 
und eine zusammengesetzte Form von einander trennen, allein 
es ist unrichtig, wenn bei der letzteren ans dem Bindegewebe 
selbst allerlei Cysten u. dgl. hervorgehen sollen. 

In Besiehimg anf den eigentlichen Kropf hat man Ifaigere 
Zeit hindureh an der Meinung festgehalten, dass er eine gewisse 
Reihe von besonderen Species (Struma lymphatica, cystica, 
OBsea u. B. w.) nmbsse, die sich unabhängig von einander aue- 
bilden konnten. Das ist ebenfalls ein Irrthum.' Alle diese so- 
genannten Species sind nichts anderes als verschiedene Entwicke- 
Inngsweisen einer im Wesentlichen identischen Bildung, -sie ent- 
sprechen also zum grossen Tbeil verschiedenen Formen der Aus- 
gänge, der Metamorphosen, und sie können sich daher unter ein- 
ander in derselben grösseren Geschwulst combiniren, wodurch 
manchmal eine sehr grosse and aufHlUige Uannichfoltigkeit in 
der ZuBammensetzung entsteht 

Was nun die eigentliche Gmndfom angeht, so hat dar- 
über noch in der neueren Zeit mancher Streit bestanden. Von 
Hanchen ist die Meinung festgehalten worden, dass die von 
Walther**) mit dem Namen der Struma lymphatica be- 
zeichnete Art die regelmässige Grundform bilde. Dieselbe hat den 
Namen lymphatica erhalten, weil man annahm, dass sie durch 
die Absetzung von plastischer Lymphe in die Schilddrüse ent- 
stehe, dass sie also eine wesentlich essndative Schwellung dar- 
stelle. Späterhin hat man allerdings diese Vorstellung aufgegeben, 
insofern die Substanz, welche man vorfand, häufig eine ganz 
ungewöhnliche Festigkeit besitzt, und man hat daher die ganze 
Entwickelnng als eine von den exsudativen Formen verschiedene 
gpecifiscbe Bildung hingestellt. Ich will nun zunächst bemerken, 
dass die Substanz, um die es sich hier handelt, sich gewöhnlich 
als eine gallertartige Masse darstellt, welche bald in ganz kleinen, 



*) Ali bert. Nosologie n&turelle. Ptris. 18S6. p. 464. 
**) Pb. Fr. <. W«1ther. Nene Heilut dea Kiopfeg. Saltbaeta. 1B17. 
S. 12. 



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Scbilddrtsea-Colloid. 5 

mit blosEdta Auge eben noch sichtbaren Kfirnern, bald in grossen, 
kirschkorn- bis haselnuBBgrosBeii Klumpen vorkommt, und in 
Beziehung sowohl auf Consistenz, als auch auf Aussehen und 
Färbung eine nicht geringe Aehnlichkeit mit halb geronnenem 
Tischlerleim, Colla, darbietet. Man bat daher die Laeonec'sche 
Bezeichnung des Golloids*) auch auf sie angewendet, und die 
GeschwulHt als ScfailddrflBen-CoIIoid, Struma colloides 
benannt. 

Dieses sogenannte GoUoid ist eine durchscheinende, gelbliche 
oder blassgrane, manchmal sogar fast Tollkommeo farblose, etwas 
z&he und klebrige, gallertige Substanz, die sich zwischen den 
Fingern in der Regel ziemlich leicbt zerdrfickea lässt, und die 
binüg zuerst ia Form von ganz kleinen, hellen Kftmern auftritt 
Sie ist mikroskopisch entweder ganz amorph und homogen, oder 
amorph und leicht kßrnig, jedoch schliesst sie zuweilen sellige oder 
kernige Gebilde ein. Es ist aber unrecht, wenn man sie einfach 
den leimartigeo Stoffen ann&hert oder wenn man ihr eine ganz be- 
sondere Stellung einräumen will; vielmehr lassen sieh die Gallert* 
massen, die hier vorkommen, in zwei ganz bestimmte Modifica- 
tionen zerlegen **). Zuweilen findet man solche, welche sich in 
viel Wasser aafl&een und welche in dieser Ldsung sieb vollständig 
wie eine alkidische Albnminldsnng verhalten. Dies sind die von 
Kohlransch"*) als Proteide bezeichneten Körper. Andere 
dagegen sind in Wasser nicht vfillig auflOslich, sondern wider- 
stehen mehr oder weniger sowohl der Wirkung des kalten wie 
des warmen Wassers, lOsen sich auch beim Kochen nicht auf, 
trfiben sich vielmehr in höherer Temperatur, werden durch Alkohol 
ganz fest, Ifisen sich beim Kochen selbst in Ef^sigs&ure und 
schwacher Salzsäure nicht vollständig, werden jedoch durch letz- 
lere violett Sowohl diese unlöslichen, als die löslichen Körper 
entsprechen gewissen Albuminatformen,- wie wir sie künstlich dar- 
stellen können, wenn vrir in eine Flüssigkeit, welche Natron- 
albnminat, d. h. Eiweiss, welches durch kaustisches oder kohlen- 
saures Natron gelöst ist, grosse Salzmengen einbringen. Auf 



*) JdI. Vogel. Icon«B bist. path. I.ips. 1843. p. 119. 
Iludb. der pith. Anat. Wien. 1846. Bd. 1. S. S04. Scbr: 
eoed' eo kwuidaardige geiwellcn. Amst. 1861. Bl. 270. 
•*) Vircbov. Archiv. 1854. Bd. VI. 8.680. 
•") KohlrftOBch. BflUer'B Archi». 1863. 8. 146. 



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Q ZweiupdmnsigBte Vorlesung. 

letztere Weise kann man Gallertkßrper önengen, welche voli- 
Bt&adig übereinstimmen mit den Uaesen, die hier natürlich vor- 
komroeo. Der Gehalt der kflastiicbeo Misebung an Natron und 
Salzen (Chloroatriam, scbwefelsaarer Magnesia, schwefelaaorem 
Kali n. s. w.)t die Dauer der Einwirkang derselben auf das 
EiweisB, die Temperatur entscheiden darüber, ob iCsIicbe oder 
nnlDsliche Hodificationen entstehen. Ich habe die schönsten un- 
löslichen CoUoidkßrner erzengt, indem ich- Pferde -Serum mit 
trockenem Kochsalz mischte, nach einiger Zeit filtrirte nnd dann 
concentrirte Natronlange in die Flüssigkeit tropfen liess*). 

In gleicher Weise findet sich im natürlichen Vorkommen in 
der Schilddrüse eine lösliclie nnd eine unlösliche Form von 
Gallerte. £rw&gt man, dass in der Drüse eine Flüssigkeit vor- 
handen ist, die reich an Eiweiss, Natron nnd Kochsalz ist, so 
kann man nicht daran zweifeln, dass die erwähnten arteficiellen 
Yerhältnisse dunit ToUständrg übereinstimmen, und dass aus dem 
Gemisch von Eiweiss, Natron nnd Kochsalz die gallertigen Albu- 
minatkOrper der Schilddrüse entstehen**). Es handelt sich also 
weder um ein blosses Exsndat, noch nm eine ganz besondere 
Substanz, sondern um einen eigenthümlicfaen Zustand des Albu- 
mins, der am zweokmässifC&ten nach dem Aussehen, welches die 
Kömer darbieten, als ein Gallertzust&nd bezeichnet wird. Nennen 
wir daher diese Veränderung der Drüse, welche Hasse***) als 
die honigartige Degeneration nnterschied, einfach Struma 
gelatinosa, Gallertkropf. 

Nnn ist es aber ein Irrthnm, wenn man annimmt, dass dieses 
der regelm&ssige Anfangszustand wäre nnd dass jeder Kropf von 
einer solchen Gallertbildung ausgehen müsse. Im Gegentheil ist 
die Gallertbildung kein nothwendiger ZnbehOr der Struma; Galleit- 
körper können sogar in sehr grosser Ausdehnung yorkommen, 
ohne dass eine Struma im engeren Sinne des Worts vorbandui 
ist Selbst bei kleinen Schilddrüsen, die nichts weniger als ge- 
schwollen sind, findet man namentlich bei Erwachsenen sehr 
h&ufig kleinere oder grössere Quantitäten von dieser Gallertmasse. 
Werden die Quantitäten reichlicher, dann entsteht allerdings eine 

•) Virchow a.a.O. S. 678. 
") Ebendas. S. 677, 680. 
***) Httsa«. Anatomieche Bescbrcibnng der Clrcnlations- n. Respintions- 
Orgue. Leipc. 1811. S. 623. 



jvGoo'^lc 



Bm der SchilddrOse. 7 

leicbte, gleichmässige Vergrt^Baerung der Dröse, die man aber kaum 
unter dem Namen eines Tumor» führen kann; es entsteht etwas, 
was auf dem Durchschaitt am meisten Aehnlichkeit mit einer fein- 
kftrnigen, melicerisartigen Masse bat, eine gelblicbe, durcbscbei- 
nende Substanz, die zuweilen wirklieb eine honigartige BeschafTen- 
heit darbietet 

Eine Bolche Gallert-Infiltration kommt überdies nicht blos an 
der Schilddrüse des Menschen vor, sondern findet sich auch häufig 
bei Tbiereo, ohne dass man von Struma sprechen kann*). Jedes- 
mal liegen dabei diese Gallertmassen in den präexistirenden 
Follikeln der Drflse; sie sind nicht frei, sondern eingeschlossen 
im Innern der Follikel, und je mehr üich von dieser Gallert- 
masse aufb&uft, um so grösser werden die Follikel, um so mehr 
dehnen sie sich aus und um so mehr entsteht eine gleichm&ssige 
Schwellung. 

Das gewöhnliche Structnrverhältniss der Drflse ist bekannt- 
lieh so, daes inmitten eines bindegewebigen GerSates, welches in 
gewiss^) Richtungen grJJssere Abtheilungen, Septa bildet, sich 
lAppchen und in diesen wieder kleinere Abtheiinngen oder KCmer 
linden, welche auch wieder durch Bindegewebszflge abgegrenzt 
werden, and welche ihrerseits aus einer gewissen Zahl von kleinen 
Stckchfan bestehen, den sogenannten Follikeln, zwischen denen 
eine geringe, vom blossen Auge nur schwer erkennbare Masse von 
weichem interstitiellem Bindegewebe sich fortsetzt Wir haben 
also dreierlei Septa: grossere, welche ganze Läppchen scheiden, 
kleinere, welche die KOrner umgeben, und kleinste, welche die 
Follikel trennen. Durch alle Septa verlaufen GefUsse, grössere 
und kleinere, die sich verästeln, und die auch noch um die 
Follikel herum ein ziemlich dichtes Capillarnetz bilden. Die 
Follikel, welche die letzten Abschnitte bilden, werden gewöhnlich 
als runde Blasen beschrieben und abgebildet, indess finde ich, 
daas die scheinbaren Blasen vielfach unter einander zusammen- 
hingen und veristelte, blasige Auswüchse oder Fortsätze besitzen, 
welche jedoch selten in einer Ebene liegen und daher je nach 
der Richtung des Schnittes bald als isolirte, bald als verbundene, 



•) Ecker. Icones phjsiol. Leipi, 1851. Taf. VI. Fig. I. A. Leydig. 
Beitrige inr mikroskopisdiea Anatomie und Etitwickclungsgescliichte der 
Rorheo u. Haie. Lcipi. 1852. S. 7<j. Lehrbuch der ilistolugie dea McDSchco 
n. der Tbtere. Fnukf. 1857. S. 376. Fig. 199. 



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g ZweJDDdiiruizigate Vorleanng. 

runde, ovale oder längliche Gebilde von sehr verschiedener GrAsse 
erecheinen. Die einzelnen Körner oder Läppchen sind daher mehr 
als Systeme veräetelter und blasig ausgeBtülpter Follikel, nicht 
als hloBse Aggregate getrennter Blasen anEnsehea. Jeder Follikel 
besitzt eine structurlose Uembrao, ausserhalb welcher die eigent- 
liche bindegewebige Masse und die Gefässe liegen, und in deren 
Innern eine gewisse grössere oder kleinere Zahl von kemhaltigen 
Rundzellen enthalten ist. Hfinfig sieht man auch freie Kerne; 
indess sind diese wohl aus zelligen Theilen Frei geworden. Früher 
glaubte man, diese Zellen bildeten ein Epithel der Follikel; allein 
wenn man normale Follikel nimmt, so sieht man sie ganz und 
gar mit Zellen gefüllt; es ist keine epitheliale Bekleidung, sondern 
eine Ansf&llnngsmasse; die Zellen liegen durch die ganze Dicke 
des Follikels hindurch, und stimmen in Bau und GrOsse am 
meisten mit den Zellen der Lymphdrüsen überein. 

Nicht selten vergröBsern sich die Follikel in der Art, dass 
zunächst die Masse der in ihnen enthaltenen Zellen zunimmt nod 
dann im Innern der einzelnen blasigen Aasstfllpnngen mit kleb- 
riger Flüssigkeit gefüllt« Hohlen entstehen. Wahrscheinlich bilden 
sich diese durch die sofort zu erwähnende Bildung hyaliner Eiweiss- 
tropfeo. Werden die Höhlen grösser, so zeigen sich nicht selten 
Erystalle von oxalsaurem Kalk*), tbeils als einfache Octaeder, tbeils 
als gerade, vierseitige Säulen mit octaedrischer Endabstumpfung. 
Innerhalb der Flüssigkeit beginnt später die Gallertbildung in 
Form homogener Kugeln, die zuweilen sehr regelmässig zu je 
einer in einer Blase enthalten sind**). Unter diesen Verhältnissen 
bildet sich allerdings eine Art von epithelialem Belag, indem im 
Mittelpunkt der Blasen sich eben die Flüssigkeit ausscheidet, 
nnd die Gallerte entsteht in Form entweder von einer einzigen 
Masse, die den ganzen inneren Raum füllt, oder von mehreren 
kleineren Kugeln, die getrennt von einander liegen. Die Zellen 
werden dadurch mehr und mehr an die Peripherie gedrängt nnd 
bilden zuletzt eine einfache Lage an der FoUikelwand. 

Was nun die Abscheidnng dieser GallertkOrper anlangt, so 
haben einzelne neuere Untersncher***) an der alten AnffasHung 

*) Daake. Zeitschr. f. rat Med. 1666. Dritte Reihe. Bd. XXIII. S. 3. 
T»f I. ß. Fig. 2. 

") KohlrauHch i. a. 0. S. 146. Taf. IV. Fig. 2. 

**■) Wedl. GrandiOf;e der patli. Histologie. Wieo. 1%4 S. 286. Bruch. 
ZeitMhr, f. rat. Med. 1849. Bd. VIII. S. 106. Taf. VI. Fig. VI. 



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Die Oall«te in der Schilddrüse. g 

von der exBudatiTen Natnr derselben festgehalten. Dagegen hat 
eine ganze Reihe von Beobachtern*) die Meinung gehabt, es 
seien das selbst metamorphosirte Zellen; es gebe eine besondere 
ColIoidmetamorphoBe**) der Zellen, wodurch einzelne Zellen 
ia solche GallertkOrner verwandelt würden. Das ist, wie ich 
gUabe, ein Irrthnm, der dadurch bedingt ist, daes man in der 
Flissigkeit, die sich ans solchen Follikeln herauspressen läset, 
oft lellige Theile sieht, welche innen eine ganz belle, durch- 
scheinende, klare Beschaffenheit angenommen haben (Vacnolen). 
W^rend die gewJJhnlichen Zellen, die hier vorkommen, einen 
leicht kSmigen Inhalt haben, so sieht man andere, welche voll- 
st&ndig klar erscheinen, auch solche, wo mehrere helle Stellen 
dlrin sind, die sich Ton der anderen trüben Masse absetzen. 
Allein diese klare Substanz unterscheidet sich wesentlich von 
der derberen Gallertmasse, insofern sie eine blosse Flüssigkeit ist 
nnd in Wasser sich sehr leicht löst. Es ist dieselbe Substanz, die 
mui in den meisten frischen Zellen sehen kann, welche an vielen 
anderen Orten in Form von Tropfen aus den Zellen Mstritt***), 
Dnd die aoch in der Schilddrüse häufig in Form von freien, 
klaren, hyalinen Tropfen eich in dem Saft der Follikel befindet; 
eme Snbstanz, sehr ähnlich dem, was man an vielen anderen 
Orten Protoplasma genannt hat. Um diese hyalinen Tröpfchen 
nod die hyalinen Zellen zu sehen, muss man natürlich ohne 
Wasserzusatz untersuchen, am besten in dem natürlichen Saft der 
Schilddrüse. Ueberall haben diese Theile ein blassrOthliches Licht, 
wodnrch Kohlrausch -f-) verführt wnrde, die Zellen für embryo- 
nale Blutkörperchen zn halten. 

Nnn halte ich es allerdings für wahrscheinlich, dass diese 
Snbstaoz, welche sich nach allen chemischen Eigenschaften als 



*) PreTiehs. Ueb«r Gallert- oder ColloidgeHchirQlste. GJIttingen. 1847- 
S. 23. Taf. I. Fig. 6. Ecker. Zoitschr- f. rationelle Medicin. 1847. Bd. VI. 
S. IM. Tat II. Fig. 17-30. Kokitansk;. Zur Anatomie des Kropfes. 
Vi». 1849. S. &. Fig. 3. Lehrbuch der path. Anatomie. 1855. Bd. I. S. 114. 
Fig. 57, A. Purster. Handb. der epec. path. Anatomie. Leipz. 1863. S 837. 
Atlas der mikroek. path. Anatomie. 1S54. Taf. VI. Fig. I.-ll. Eulenberg. 
ArchiT des Vereins f&r gemeinsch. Arbeiten. 1860. Bd. IV. S. 337. Taf. )]. 
Fig. 14. 

") Schrant. Orer de goed- en kwaadusrdige geivellen. Amst. 1851. 
BI.270. Taf. 11. Fig. 1-6. Tijdschrift der Nederl. Maatsch. tot bovordering 
der geneeskonst. 1853. Jaarg. III. Afd. JI. B1. 2^7. Fig. I. III. 

•") RClIiker u. Henle. Zeitachr. f. rat. Med. 1814. S. 190. Virchow. 
ArchiT. 1847. Bd. 1. S. 164. Bd. lU. S. 237. 

t) Kohlranscb. HflUer'B Archiv. 1853. S. 144. 



)vGoo<^lc 



10 ZveiundzwaQiigflte Vorleanag. 

ein EiweiflskSrper daretelU, die Grnndlage ffir die späteren Gallert- 
kfirner bildet, nehmlich dann, wenn sie mit viel Natron nnd S«lz 
in BerühniDg kommt, und dass sieb dann die Abscheidung der 
GallertkOrner macht; aber nicht bo, daes einzelne Zellen sich in 
Gallertkörner verwandeln, sondern dass die Umwandlung in der 
freien Flüssigkeit, in dem ansgetretenen oder durch Untergang 
der Zellffl) freigewordenen Inhalt erfolgt Ich wDrde also aller- 
dings annehmen, dass es sich hier um einen an die Zellen ge- 
knüpften Vorgang handelt, dass die Zellen in sieb eine eiweiss- 
artige, gleichsam protoplasmaartige Masse erzeugen, die nachher 
tlieils durch Zerfliessen der Zellen frei wird, theils aas ihnen aas- 
tritt, alsdann unter der Berührung mit Alkalien und Salzen ans 
der Flüssigkeit ausgeschieden wird und die Gallertkfirner bildet. 
Letstere wären also vielmehr als Concretionen zu betrachten. 

Wenn nun dieser Gallertznstand an sieh sehr hllafig ist und 
keineswegs die Stmma bedingt, so ist doch nicht zu bezweifeln, 
dass eine grosse Menge von ErOpfen existirt, in welchen der- 
selbe die am meisten hervortretende Veränderung darstellt. Um 
eine Struma zu haben , ist es notbwendig , dass die Masse 
der vorhandenen FoUicalarbildnogen sich vermehrt, dass nicht 
blos eine Vei^rObsemng der Follikel, sondern eine Vermeh- 
rung ihrer blasigen Anhänge stattfindet, was man eine 
Hypertrophie genannt hat: Stmma hypertrophica. Ueber 
die dabei stattfindenden Vorgänge sind die Beobachter sehr ver- 
schiedener Meinung. Frerichs*), der überhaupt die Präexiatenz 
von Follikeln leugnete, Hess in dem Stroma der Drüse Kerne 
und Zellen entstehen, welcbe sich theils zu Golloidcysten, theils 
zu Mutterzellen mit zahlreichen, in ihnen enthaltenen Tocbter- 
zellen entwickeln sollten. Auch Heschl**) leitet die Kropf- 
bildung aus dem Bindegewebe der Drüsen her, indem an den 
Zellen desselben eine VergrOsserung und endogene Proliferation 
stattfinde. Fdrster***) hält diesen Gang wcnigtitens für sehr 
wahrscheinlich, obwohl nicht für den allein vorkommenden. Wäre 
diese AufTassnng richtig, so handelte es sich, wie leicht ersichtlich, 
um eine entschiedene Heteroplasie, bei welcher das Bindegewebe 

•) Frerichs a. a. 0. S.20, 23, 25. 

**) llcschl. Wochenblatt der Zeitacbr. der k. k. Gcae1l8<:hart der Aerite 
la WicD. IBöH. No. 28. S. 43». 

***) Förster, llandb. der epec. p&th. AdjU. Leipi. 1863. S. 837. 



gii^osb/GoOt^lC 



Rotwiclcelang der Seh ilddrüeen- Follikel. 11 

die Matrix der neuen Theile emn wflrde. Damit hängt die An- 
nahme einzelner Beobachter*) eng zusammen, daes eine solche 
Entwickelang von Follikeln auch auseerhalb der Grenzen der 
alten Drfise, in dem benachbarten Bindegewebe des Halses statt- 
finden kOnne. Auf diese anaJ[>hängige, gleichsam acceasorische 
Entwickelung von Drflaenbestandtbeilen hat man die Erklfirung 
begrftndet, dass zuweilen stnimSse Knoten ganz getrennt von der 
Drfise vorkommen. Ich habe mich bis jetzt nicht fiberzeagt, daas 
diese Deutung richtig ist. Im Gegentbeil giebt es gewisse Ver- 
hältnisse, welche es sehr wahrscheinlich machen, dass dabei ein 
IiTthnm stattgefunden hat 

Die Entwickelung der Glandula thyreoidea ist aji sich 
hiufig eine etwas unregelmfissige. Nach den Untersuchungen 
TOD Remak**) entsteht sie im Embryo als eine einfache sack- 
fSrmige ÄQSstälpung des DrOeenblattes, welche sich von der 
Schlnndhöhle abschnürt, und sich alsbald in zwei Blasen spaltet. 
Diese bestehen aus einer bindegewebigen Hülle und enthalten lange 
cylindrische Epithelialzellen, welche später wuchern und in der 
Art neue Blasen bilden, dass in dem Epithellager gewisse Zellen- 
haufen eich radial gegen einander ordnen. Erst sp&ter schnfiren 
diese Haufen oder Blasen sich von einander ab. Bei Sängethier- 
Embryonen fand Remak auch runde Blasen mit soliden zipfel- 
fllrmigen VorsprüngeD der Wand. Zuletzt vereinigen sich die 
beiden Drfisenmassen zu einer einzigen. Allein in diesem Gange 
kommen öfters grosse Störungen vor. Zaweilen fehlt die eine 
H&lfte oder Seite ganz***); zuweilen reicht die eine höher oder 
tiefer, als die andere. Manchmal liegt die ganze Drdse sehr 
hoch oder sehr tief. Zuweilen fehlt das Mittelstflck und es be- 
stehen zwei getrennte Drüsenkßrper. Insbesondere aber kommen 
nach gewissen Richtungen sehr frühzeitig einzelne Verlänge- 
niQgen, gleichsam Auswüchse oder Anhänge der Drüse vor, 
welche inconstant sind, unter diesen ist namentlicli eine relativ 
bäofig. Das ist der schon von Morgagni und L'Alouettef) 



*) Rokitanskj. Zur Aofttomie des Kropfes. S. 4. Paget. Lecturea 
Ol Borgica] patfaol. Lond. 1858. T. IL p. 9, 266. 

**} Remak. DotereacbuDgen aber die Entwickelaog der Wirbelthiere. 
BerUn. 1850. S. 39, 132. 

"■) Prtparat No. 273 toid Jahre 185B. 
t) Uorgagni. Epist. aoat. IX. no. 38. Advera. anat 1. art. 26. 
Lalooette. H^m. de l'acad. rojale de Bciencea. PariB. 1760. T. I. p. 167. 



, Goot^lc 



\2 Zweiandzwamigat« Vorleanng. 

beschriebeae ProceesuB pyramidalis oder das Gornu medium 
glandalae thyreoideae. Während nebmlich sonst auf jeder Seite 
ein Lappen, ein sogenanntes Hörn sich findet, und ein Mittel- 
stück dazwischen, so kommt es häufig vor, dass von diesem 
Mittelstiick aus gerade nach oben, also mitten vor dem Larynx, 
ein langer Fortsatz sich erstreckt, der unter UmstSnden un- 
mittelbar bis an das Zungenbein (Os byoides) geht. In der Mehr- 
zahl der Fälle, wo er sich findet, liegt er nicht genau in der 
Mittellinie, sondern etwas nach rechts oder noch li&uHgor etwas 
nach links davon; auch reicht er oft nur bis zum oberen Rande 
des Schildknorpels*). Dieser Processus pyramidalis ist oft sehr 
unvollständig; man findet z. B. das obere Stfick desselben nicht 



Fig. 206. Stnima exophthalmica Twicosa. Beide Hörner eind stark 
entwickelt, durrhechnittlich 7 — 8 Cent hoch; der Isthmus sehr Icriftig, 
.") Cent hoch, und nach oben in einen Proc. pjramidalis von 2,8 Cent. Höbe 
übergehend, der sich etwas geBchlSngelt bis zum Rande dea Scliildknorpcls 
fortfletzt. Die ganie Strntna ist 7,5 Cent, breit. An ihrer OberflScha sieht 
man zahlreiche, bis zu 2— 3 MiHim. breite Venen; die Arterien sind, wie die 
Garotiden und die Aorta etva« dicliwandig. Im Innern bestand der Kropf 
aoa einer sehr derben, groaslappigen Hjperpjsaie mit fettig degeDeriranden 
Zellen, ohne alle Gallerte; die Venen waren anch innen stark erweitert, 
Pr&parat No. 18a vom Jahre 1863. \ der natQrl. Oröase. 

•) Ilaller. Elementa pbysioj. Laus. 1761. T. 111. p. 395. Thilow. 
Beschreibung anat.-pathol. Gegenstände. Gotha. 1804. Bd. 1. S. 181. Tab. IV. 
Fig. V.-VI. W. Grober. Med. Jahrb. des Oaterr. Staats. 1845. Bd. 61. 
S. 147. Fräpantte No. 937 und 46 vom Jahre 186S. 



gii^osb/GoOt^lC 



NebeokrOpfe. jq 

vorhanden oder sehr rndimentär, während das untere Stück stärker 
entwickelt ist. Aber es kommt anch vor, dass das obere StGek 
vollkommen entwickelt ist, während die Verbindong desselben 
mit dem Hittelstück der Dreise fehlt oder nur durch einen dünnen 
Faden Termittelt ist. Nun kommt es in der That zuweilen vor 
dass in diesem Processus pyramidalis einselue Abschnitte für sich 
ihre Erkrankung machen und dass eine partielle Struma entsteht, 
welche scheinbar mit der Drüse gar keinen Zusammenhang hat 
Strnma accessoria*), Nebenkropf. Es kann also sein, 
dass zwischen dem Znogenbein und der Cartilago thyreoJdes 
eine isolirte Struma liegt, eine kleinere, umgrenzte Geschwulst, 
die mit der übrigen Struma gar nichts zu schaffen zu haben scheint 
nnd die doch ihrer Entwickeluug nach ans jenem Tbeil hervor- 
geht. Ja, es kann vorkommen, dass nur aus dem oberen Theil 
des Fortsatzes eine Struma sich bildet, während die übrige Drüse 
normal bleibt"). Gerade diese Form kann leicht zu Verwechse- 
lungen mit blossen Hygromen fähren oder die Vorstellung einer 
rein accessorischen, heteroplastischen Kropfbildung erwecken, wie 
sie Albers •*•) unter dem Namen der Struma gangliosa 
beschreibt 

Auch an anderen Punkten finden sich zuweilen abgeschnürte 
Lappen, isolirte, getrennte Theile der Drüse, die sich für sich 
weiter entwickeln und so der Ausgangspunkt einer strumösen 
Bildung werden können.. Unter ihnen erwähne ich namentlich 
den hinteren Umfang der Seitenhdmer, wo ich ausserordent- 
lich häufig kleine, oft nur erbsengrosse, rundliche Knoten finde, 
die durch loses Bindegewebe mit der Drüse zusammenhängen 
und eher wie kleine Lymphdrüsen, als wie Theile der Sebild- 
drÜB« aussehen. Werden sie strumös , so entstehen jene höcke- 
rigen Formen, welche den Oesophagus so schwer bedrücken f). 
Dass aber an Stellen, wo früher gar keine Drüsen-Anlage vor- 
handen war, also auf eine absolut unabhängige Weise neue Schild- 
drüsensubstanz entstehen sollte, davon habe ich mich niemals 
fiberzengen können. 



2 Alber». Atlas der pathol ADatomie. Abtb. U, Taf XXV. Fie VlII 
XVI. Fig. !.-n. Taf. XXIX. Fig. I. ^ 

**) Albers. AtUa. Taf. XXX. Pig. V. ErliuterDDgen 8.858. E. GnriL 
Deber die CjBteDRCBchwQlste des HaleeB. Berli». 1865. S. 57. 
•") Albers. ErtSnteriiDeen m dem Atlas u. 8. w. S. 302. S61 
t) Albers. Atlas. Taf. XXV. Fig. IX. 



)vGoo<^lc 



14 ZvoiQDdzwuiiigBt« Torlesni^. 

Hehrere Beobachter haben die eigeDtliohe Stroma hyper- 
trophica in eine nahe Beziehung aar Cystenbüdong gebracht 
Ecker *) erklärte znerst gewisse EropfTonaeD auf die Weise, dass 
durch BluterguBS ein cyatischer Kaum entBtehe und in dem Ex- 
sudat, welches den Raum ftlUe, neue DrfiseDblischen sich bildeten. 
Bernb. Beck **) folgte ihm in dieser Deutung, nachdem es ihm 
gelungen war, in oystischen Säcken der SchilddrfiBe „fStales 
DrfiseDgewebe" zu finden; er nannte diese Fonn den einge- 
sackten Drüsengewebekropf, Struma cystica paren- 
chymatosa, und rechnete sie zu den Drüsengewebsgeschwületen 
(Adenomen). Beide Deutungen sind unzweifelhaft irrtfaflmlich. 
Was Ecker als neue Elemente, beschreibt, sind nichts als prä- 
existirende, zum Theil Tei^derte Zellen, die in amorphe Exsudat- 
oder Gallertklumpen eiageschlossen sind. S e ck dagegen hat an 
si^ richtig gesehen, nur nicht genetisch beobachtet. 

Rokitansky***) schlag einen anderen Weg ein. Er liess 
die Drnsenb&lge sich zu Cysten erweitem und von der Wand 
der letzteren zottige Auswfichse und Kolben herTorwachsen, in 
welchen sieb die neuen DrQsenbläschen entwickelten. Meiner 
Meinung nach ist auch dies ein UissTerständniss ; es handelt 
sich hier um keine Auswüchse, sondern um Reste des frOhwen 
Gewebes, welche in einer Cyste stehen geblieben sind. Erst 
Billrotb-f-) gelang es, in elnran Falle von Balgkropf Bildungen 
zu erkennen, welche mit der Darstellung Bemak's fiber das 
Verhalten der embryonalen Drüsenblasen übereinstimmten : Kugeln 
und Cylinder ans Zellen, welche durch Wucherung Forts&tze 
bildeten und in diesen Hohlräume entwickelten. Ihre Entstehung 
konnte er nicht beobachten ; Ja er meint sogar, dass die Bildung 
eigentlich keine Hypertrophie sei, sondern mehr Analogie mit 
Cystosarkomen habe. 

Diese Schwierigkeiten würden wahrscheinlich geringer ge- 
wesen sein, wenn die üntersQcher nicht zu sehr von der Vor- 
steUuDg befangen gewesen wären, dass die Blasen der Drüse 



') Ecker. Zeitshr. f. r»t. Med. BA VI. S. «a Taf. l. Fig. 8. 
■*) B. Beck. ArchiT f. phyaiol. Heük. 1819. Jahrg. VIll. S. 136. Kli- 
niBche Beitrige zur Hietologie u. Therapie 4er PBeDdopIumeD. Preib. 1B5T. 
S. 35, 

***) RokitaDskv. Zar Aoatoiiiie dea Kropfea. S. 6. Fig. 3. 
t) Billroth. MDIler's Archiv. 1866. S. 146. Taf. V. .^. 



)vGoo<^lc 



S^ma hyperplaatick. 15 

Überall getrennte Gebilde seien. In der Thal stellt der Vorgang 
der Hypertrophie oder richtiger der Hyperplasie nichts anderes dar, 
tis eine Fortsetzung der natüriichea Wachsthumeverh&ltniese. Die 
Zellen der Follikel vermehren eich durch Theilung, und zwar 
gew&hnlich an einselnen Stellen der Follikel, So entstehen solide 
Zapfen, welche sich nach aussen schieben, in das weiche Inter- 
stitialgewebe eindringen, wieder neue Zapfen bilden und eich 
mehr und mehr veristeln. Das Interstitialgewebe kann seinerseits 
in Reizong gerathen, sich vermehren und einzelne Theile der 
Zapfen abschnüren. Jedenfalls btd>e ich nie gesehen, dass es 
seinerseits neue Anlagen von Drüsensnbstanz aus sich hervor- 
bringt. Auf mikroskopiechen Durchschnitten bekommt man frei- 
lich leicht Bilder, welche kleine Zellenhanfeu inmitten des Inter- 
stitialgewebes seigen, aber dies sind eben Durchschnitte von 
Zellenzapfen, nnd je dieker man die Schnitte macht, um so be- 
stimmter sieht man sie Im Znsammuihange mit anderen Follikeln. 
Später h&blen sich die Z^^fen ans, es scheidet sich Flüssigkeit 
ans nnd sie bekommen eine blasige BesehafFenheit. Das ist die 
eigentliche Struma hyperplastica follicularis (parenchy- 
matosa, glandulosa). 

Dieser Vorgang, welcher die Grundlage der eigentlichen 
Kropfbildui^; ist, kann nun entweder gleichmässig durch die 
ganse vorhandene Drüsenmasse erfolgen, oder er kann sich auf 
einzelne TheOe derselben beschränken. Die ganz gleichm&ssige 
Entwickelnng ist verhäUnissnüiseig die seltenste; am gewjihnlicb- 
sten sieht man, dass einzelne Lappen der Drüse der Sitz solcher 
Entwickelungen werden, die sich dann nach und nach als be- 
sondere Eropfknoten aus der übrigen Drüse aussondern. Es 
kann dann immerhin sein, dass in einer späteren Zeit auch die 
übrigen Bestandtheile der Drüse in die Erkrankung eintreten; 
aber ist einmal eine der Zeit nad) verschiedene Entwickelnng 
vor sich gegangen, dann bleibt doch der hfickerige, lappige 
Charakter der Geschwnlsthildnng pr&valirend. Praktisch folgl 
daraus, dass die Form der Geschwulst kein Kriterium für die 
Natur derselben darbietet. Geschieht die Entwickelnng durch die 
ganze Drüse gleidinüissig, so wird die Oberfl&cbe verhültnjss- 
mlBsig glatt erscheinen, es wird sich nur die Drüse nach allen 
Richtungen mehr hervorwßlben; geschieht sie ungleichmässig, so 
wird eine lappige, knotige, bOckerige Beschaffenheit entstehen, 



., Goot^lc 



16 ZffeiandimnzigBte Vorleaang. ■' 

and diese Höcker kOnneo in der alleraufTaUendsten Art herror- 
treten, ohne dass der Charakter des Processes dadurch irgendwie 
geändert wird. Die Grßsse der Knoten kann ansserordentlich 
verschieden sein, je nach der Zahl der befallenen Läppchen, nach 
der Grösse der Wucherung und nach der secundären Vergrösse- 
mng der einzelnen Auswüchse und Blasen. Manche Knoten sind 
kaum erbsengrose, andere erreichen den Umfang einer Hannefaust. 
Liegen sie oberflächlich, eo schieben sie eich durch ihr Wachs- 
thum mehr und mehr aus der Masse der übrigen Drfise heraas 
und kommen zuweilen ganz neben sie zu liegen. Haben sie 
einen mehr centralen Sitz, so drängen sie die Nachbariftppcben 
aus einander, comprimiren dieselben, eo dass dieselben manchmal 
coneentrische Zonen um die Knoten bilden, nnd bedingen schlieee- 
lich deren Atrophie. 

In diesen Knoten findet sieh dasselbe Stmcturverbältniss, wie 
in der alten Drüse. Daraus folgt, dass auch alle einzelnen 
Bestandtbeile, welche in der Drüse enthalten sind, in vermehrter 
Menge vorhanden sein können, nehmlicb die Follikel, das Binde- 
gewebe, die Gefässe; darnach kann man von vornherein drei 
Varietäten unterscheiden: die mehr folliculäre, die mehr fi- 
brOee und die mehr vasculäre Form. 

Die erstere, der weiche Drüsenkropf, Struma folli- 
-cularis moUis, zeigt sich so dicht ans Follikeln zosammen- 
gesetzt, dasB das Gewebe in frischeren Fällen eine sehr weiche, 
lose, zerdrüekbare, fast fluctuirende Beschaffenheit besitet. Sie 
erstreckt sich niemals gleichmäseig über die ganze Drüse, sondern 
befUlt immer nur einzelne Theile oder Lappen. Selbst in den 
einzelnen Hümem bildet sie fast immer Kusammeugesetzte, kno- 
tige oder, höckerige Geschwülste*), Selten verharrt sie längere 
Zeit in dem weichen Primärznstande, so dass man sie in alten 
Krüpfen niclit findet, oder dass sie höchstens neben idten Knoten 
den jüngeren Nachwuchs anzeigt. Mikroskopisch findet man grosse, 
saft- und zellenreiche Follikel mit sehr schwachem Interstitial- 
gewebe, jedoch meist grossen Geßssen. 

Nicht selten sieht man schon kleine Knoten dieser Art, die 
kaum erbsengrosB sind, durch eine festere Bindegewebsschicbt 
von der Nachbarschaft abgegrentt, gleichsam eingekapselt. 



■) Prlp&nit Mo. 810 Tom Jabre 1858. 

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Abgekapselte KropfknotAn. 17 

luBerhalb dieser weissea nnd derbea Kapsel liegt ein gelblich- 
granes, eebr veicbes nnd fenchtes Gewebe, das sich leicht aus- 
drücken oder aosschälea l&sst. Es ist dies der GrundtyptiB der 
merst von Stromeyer*) nnterechiedenen Form, die er als ein- 
gesackten DrüseDgewebekropf beseicbnet nnd in der B. Beck 
embryonales Drfiseagewebe nachgewiesen hat Aach die Bescbrei- 
bnogen Ton Job. Müller **) und Billroth gehören wahrscheia- 
licfa dieser Form an. In der That lassen eich hier sehr leicht die 
Drüsenzellen im Znsammenhaage isoliren; sie erscheinen dann als 
randliehe, eiförmige, längliche***), ansgebachtete oder verilstelte' 
^kcben, nicht selten geffiUt mit einem zäheren Inhalt, am den 
hemm die Zellen wie ein regelmissiges Epithel stehen. In diesem 
Falle habe ich auch die einzelnen Zellen häufig als kleine, knrze 
nnd schmale Gylinder, mit einem ganz feinen Fortsatz oder Stiel 
naeh anssen versehen, angetroffen. Sie gehen oft eine Fettmeta- 
morphose ein nnd zerftdlen. Besonders oft kommt aber gerade 
hier eine reichliche Krystallbildang von Kalkoxalat im Innern 
der Sftckchen vor: grosse Oktaeder, lange Säulen und drusige 
Conglomerate von Säulen sah ich manchmal fast in jedem ein- 
lelnen Säckcben. Kocht man solche Schilddrüsen mit Alkohol 
ans, so »hält man groBBe Mengen Ton Myelin f). 

Wahrscheinlich hat der umstand, dass die hyperplastischea 
Knoten von derbwem Interstitialgewebe nmgAben und nabge* 
kapselt" sind, den Irrthum hervorgerufen, dass es sich hier um 
eine Struma cystica handele, innerhalb deren von der Gystenwand 
aoB die Wucherung stat^efunden habe. So wenigstens verstehe ich 
die Angaben, welche zoeret Jobannes Müller, später B. Beck 
nnd Rokitansky über intracystiBcbe Bildungen gemacht haben. 
Meiner Meinung nach liegen hier zwei ganz verschiedene Ent- 
wickelnngsreihen vor: die capsulär^ Biadegewebsbildnog, aus- 
gehend von dem alten Interstitialgewebe, und die follikoläre 
Hyperplasie, aasgehend von dem alten Farencbym. Eine wirk- 
liche Cyste ist gar nicht vorhanden, obwohl sie sjAter aas dem 
Knoten entstehen kann. 



*) L. Stromever. Archiv für pbjBioI. Heilkunde 1860. J&hrg. IX. 
a. tt&. Huidbnch der Chinirgie. PreJb. L Br. 1866. Bd. II. 2. S. 394. 
**) Joh. HOUer. Detxr den feineren Bmi der GeBcbwfilate. 183S. S.6Ö. 
■**) Rokitanakv. Lehrboch der pAthol. Analonie. Wien. 1861. Bd. III. 
& 106. Fig. 11. HeBchl &.a.O. S. 441. 
f) Virchov. Arehiv. Bd. VI. S.666. 

Tirchow, GiKlnflaU. DL 4 



)vGoo<^lc 



18 Ztreiundzwanzigste Yorlesiing. 

Bei der zweiten Form, dem Faser kröpf, Struma fibrosa, 
zeigt sieb das Zwiecbeogewebe sehoa idtierhalb der griJsseren Septa 
sehr derb ; die Zab! der Follikel ist geringer, die Follikel selbst 
sind weniger entwickelt, dagegen wird selbst das Zwischengewebe 
der Follikel allmählich immer stärker. Bei den älteren Schrift- 
stellern*) geht diese Form mit anter der Beteicbnang der Strnma 
scirrhosa, welche erst später, namentlich durch Walther den 
specifischen BegrifT des Krebses erhielt. Manches davon ist auch als 
krankhafte Knorpelbildung geschildert worden. Erst Älbers") 
hat den fibrOeen oder Faserkropf als eine eigene Species aufge- 
stellt, und denselben auch wohl wegen eines von Marquart 
darin nachgewiesenen Chondringehalts als Enchondrom bezeichnet. 
Der letztere Ausdruck ist jedenfalls ungenau; obwohl eiiizelne 
andere Schriftsteller (Beck, Porta, Redfern) gleichfalls Enchon- 
drome der Schilddrüse erwähnt haben, so ist doch ihr Vorkommen 
an diesem Orte überhaupt noch nicht ganz sicher, und jedenfalls 
ist das, was Albers beschreibt, keine wahre Knorpelbildung. 
Sollte sich das Yorkonmien von Chondrin bestätigen, so würde 
diese Form gewiss eher dem Osteoidchondrom, als dem Enchon- 
drom anzureihen sein. Aber sie würde auch dann noch nicht ein 
wahres Osteoidchondrom sein, da die Geschwulst nicht von vorn- 
herein in dieser Richtung angelegt wird, sondern sich zunächst 
wie eine Struma verhält. Nennen wir sie daher auch einfach 
Faserkropf^ Struma fibrosa. 

Ich bin also nicht der Meinung von Albers, dass dies eine 
ursprünglich verschiedene Form sei; vielmehr stimme ich mit 
Rokitansky ***) darin überein, dass es sich hier um die secun- 
däre Veränderung eines schon bestehenden Kropfes handelt, welche 
anfeine Entzündung oder wenigstens auf einen entzflndnagsartigen 
Vorgang bezogen werden muss. Immer sind es alte und chro- 
nische Fälle, in denen sich dieser Zustand findet. Nur muss 
man nicht ann^men, dass die stramJJse Hyperplasie jedesmal 
abgeschlossen ist, wenn die fibrOse Veränderung beginnt; im 
Gegentheil, es ist nicht selten, dass im Cm^ge die Hyperplasie 



•) Gllibert bei Conrad!. Handb. der path. ADAt Hano. 1196. S. 4(8. 
VoiKtel. HaDdb. der path. Anat. Halle. 1804. Bd. I. -S. b3ö. 

**) Albere. Erl&uterDiigstareln d. b. w. S. 309, 313, 323, 4il6. ErUiniDK 
der TafelD S. 22. 

***) RokitKUiky. Zor Anatomie des Knt^^a. S. 7. 



gii^ib/GoOt^lc 



Pagerkropf. 19 

der Follikel for^ht, w&hrend in der Mitte der Knoten die fibrOse 
Terdiehtnng sich bildet Nar tat der Stelle der ]eteterea hört 
nicht blos die FoIlikel^Wncherang auf, sODdern ee tritt AOgta 
eiae Dachträg^liche Atrophie, zuletzt ein vollständiger Schwand der 
FolUkel ein, so dass nichts ils das fibrOse Gewebe zurückbleibt. 

Es entspricht somit dieser Vorgang demjenigen, was wir an 
uderen Theilen als Induration (bei den älteren Schriftstellern 
ScirrhoBitas ) bezeichnen, und es kann in gleicher Weise, wie 
anderswo, der indurirende Theil sich verkleinern. Nur ist dietf 
nicbt io so hohem Haasse der Fall, dass man den Vorgang jedes- 
mal als eine Heilung bezeichnen kOnnte. Immerhin konunt er 
den Heilnngsprocessen an anderen Organen nahe. 

Rokitansky lässt ihn mit einer faaerstofSgen Exsudation 
beginnen. In der That ist die Zellenwacherang im Interstitial- 
gewebe gewöhnlich sehr beschi^nkt und die Zunahme des letzteren 
beruht vorwiegend auf einer Vermehrung der IntereeUularsubstanz, 
die zuweilen Otn durchscheinendem, wie fibrinöses Aussehen dar- 
bietet. IndesB ist dies keine Exsudation, sondern eine vermehrte 
Abscheidung von IntereeUularsubstanz, mit der eine gewisse 
Wuchernng der Zellen verbnnden zu sein pflegt. So entstehen 
inerst ia kleinerer Ausdehnung harte Stellen, meist derbe Knoten, 
Ton denen nach verschiedenen Richtungen Faserz&ge ausgehen. 
In dem Haasse, als die Follikel innerhalb der befallenen Stellen 
IQ Grunde gehen, wird der Knoten dichter und nach einiger Zeit 
erreicht er durch fortschreitende Sklerose der IntereeUularsub- 
stanz ein fiberauB festes, geradezu knorpelartiges Anssehen: er 
erscheint für das blosse Auge weiss, zuweilen mehr bläulich, zn- 
weilen mehr gelblich weiss, ist durchscheinend und scheinbar 
homogen, last ganz gefässlos. Manchmal bleiben diese Knoten 
klein, kommen zerstreut in der BrSse vor und verstreichen in 
ihrem Um&nge ganz allmählich in das drüsige Nachhargewebe. 
In dem eigentlichen Faeerkropf erreichen sie jedoch eine beträcht- 
lichere Grosse, und in der Regel stellen sie dann ein Verhältniss 
dar, welches Albers treu geschildert hat 

Diese Form pflegt ausgezeichnet knotig oder grosslappig zu 
Boia. Selten wird die ganze Drüse davon eingenommen, sondern 
ee sind partielle Strumen, die nur an einem Horij oder an ein- 
lelnen Stellen beider HOmer sich entwickeln. Sehr oft ist gerade 
die vorher besprochene Form des abgekapselten Drfisenkropfes 



b/Goot^lc 



20 Zneiandiwuiigale VorlMUDg. 

(S. 17) d«r Assgaagspiinkt dieser lodaratioa. Alsdann erecbeint 
jeder Kuoteo wie eine Balggeechwulst mit einem feBtereo Kern*), 
indem ringsumher scfaTvieliges Bindegewebe l&aft, von welchem 
aas nach innen weisse Faserzfige ausgehen, die in einem cen- 
tralen oder excentriscben Kern von sklerotischer Beschaffenheit 
znsammentreffen. Auf einem DnrchFchnitt sieht ein solcher Knoten 
wie der Querschnitt einer Orange ans"). Radifire Faeenflge 
taufen in grosser Regelm&asigkeit von dem Kern aas, zanichst 
Sehr dicht, weiter nach aussen immer weiter von einander ge- 
trennt dnrcfa zwischengelagerte Follikel. Solche Knoten finden 
sich in allen GrOsBenvQrh&ltnisEen: zuweilen sind sie nur hasel- 
nnsBgross, uideremal erreichen sie den Umfang eines Apfels and 
darftber. 

Die mikroskopische Untersuchung ergiebt ui den sklero- 
tischen Stellen ein sehr dichtes Gewebe, welches die grösste 
Aehnlichkeit mit dem Bau der sogenannten Semilunarknorpel am 
Kniegelenk ***) hat. Man sieht eine fast homogene, kaum faserige 
Intercellalarsubstanz, in der netzförmige Zeichnungen in gr&sseren 
und kleineren Maschenzfigen eingesetzt sind; mit Essigsäure kÜLrt 
sich das Ganze und es bleiben sehr kleine, feine, längliche Kerne 
zurflck. In den Balken ist die IntercellularBubstanz steiffaserig 
und die Kerne liegen mehr in der Richtung der Faserzflge't'). 
Eigentlichen Enorpelbau habe ich niemaln gesehen. 

Die Follikel fehlen in der sklerotischen Masse ganz oder 
sind nur in spärliehen Rudimenten, gewöhnlich als kleine Fett- 
kj^rnchenhäafchen, noch erkennbar. Nach aussen, zwischen den 
Ansstrablungen des Fasergerüstes werden sie immer deutUcber, 
bilden aber zuweilen ganz lange, schmale, geradlinig fortlaufende, 
fast kanalfOrmige Zfige, so dasa ihre Anordnung in hohem Maasse 
an den Bau der Rindensnbstanz der Nebennieren erinnert. Gallert- 
abscheidungen und Krystallbildungen fehlen 'hier in der Regel, 
doch können sie vorkommen, wie denn gelegentlich auch cyslische 
Räume in den peripherischen Lagen des Knotens eingestreut sind. 
Auch stärkere Ge^sontwickelnng mit hämorrhagischen Einspren- 
gungen kann in diesen weichen oder cyetischen Stellen vorkommen 



•) Alb«rB. Allu. T«f.XXVI. Fig. VI. 
") PripMst No. 810 Tom Jahre lääO. 
***) Virchow. Cellularpatbologie. 3. Änfl. S. 84. Flg. 41. 
t) Rokitanakjr. Auatomie d«B Kropf«. Fig. 8— 9. 



jGgo^^Ic 



GeHsBkropf. 21 , 

uDd d«m DnrcfaBcbnitt des KnoteoB ein äberans buntes und auf- 
niliges Aasaebea verleiben. 

Nicht selten linden sich auch mehrere Indarationsknoten in 
einem und demselben Abschnitte vor (Fig. 212. A. a, b). Diese 
kOnn«! dnrch fibr&ae Züge aoter einander in Verbindung stehen 
Dfld ein sonderbares System von knotigen Strängen durch die 
Geschwulst hindurch darstellen, zwischen denen das mehr folli' 
kulire oder cystische Farenebym in maonichfacher BeschaÜeuheit 
lagert'). — 

Was endlich die vascnläre Form anlangt, eo erreiclit diese 
uweilen eine sehr erfaeblicbe Bedeutung und unter Umst&nden 
eine solche Eotwickeloog, daas der ganze Habitus der Struma 
dadurcb modificirt wird. Es erkl&rt sich dieses Yerh&ltaiss durch 
den ganz nngewObnliohen Geßssretchthum, welchen die Schild- 
drOse sohon im natfirlichen Zustande besitzt Die grosse Zahl 
tnd Weite der Arterien und Venen, welche dieses Organ ver- 
sehen, hat ja schon lange die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. 
Mayer berechnet, dass die Schilddrüse faut so viel Blut als der 
Vo^enurm erbalte, und SOmmering schützt die Grösse der 
Gebiniarterien verhältnissm&ssig achtmal geringer, als die der 
SchilddrOBeDarterien **). Manche haben daher angeDommen, dass 
die Schilddrüse gewissermaasseo ein Hülfsreservoir für das zum 
Gehtra strümende Blut darstelle. £e ist ausserdem zu erwähnen, 
dass sowohl die Arterien, als namentlicb die Venen an der Ober- 
Siebe des Organs grosse AiLastomosen besitzen, und dass die 
fifossen St&rame an der Oberfläche sich sehr schnell in kleine 
Awte auflösen, welche in das Innere dringen und die Follikel 
BBspinneo. Es setzt dieses eine nogemeine Beschleunigung des 
Blntstromes in der Drüse und die Möglichkeit ausserordentlich 
üchoeller An- und Abschwellungen des Organs voraus, wie sie 
durch die Erfahrung vielfach bestätigt wird. Denn nicht nur bei 
Gemütbabewegungen, sondern auch bei allgemeinen Veränderungen 
im Körper, wie sie namentlich das weibliche Geschlechtsleben mit 
»ich brii^it, kommen sehr schnelle Vargrösseruagen der Schild- 
drüse vor. Ich erinnere an die uralte Sitte, durch einen um den 



*'< Pripaut No.SlO Tom Jsbre 1868. 

") Ueidenraich. Der Kropf. Ansbach. 1845. S. 19. 



)vGoo<^lc 



23 ZweinndzwMicigBte VorlesDiig. 

Haie gelegten Faden bei Neaverm&hlten die Deflorstion nachEo- 
weiseo *), sowie an die meostrualen Scbwellnngen, 

Sollte SchwelluDgea können das Bestehen ^ner Strama 
Bimnliren, ohne dooh Struma zn sein. Denn zan&chat beruhen sie 
eben auf der stärkeren F&lliing und Erweiterung der Gefltese, 
und wenn damit auch eine stärkere Darchfenchtong des Gewebes 
mit Parenchymsafc verttunden sein, mag, so ist diese doch von 
untergeordneter Bedeutung. Selbst gewisse andauernde VergrßBse- 
rungen beruhen auf Erweiterung der Geisse, namentlich der 
Venen, welche nicht selten tiefe Furchen und Rinnen an der Ober- 
fläche erzeugen, während das eigentliche Drfisenparencbym keine 
nennenswerthe VergrOsserung erfährt In die Kategorie dieser 
bloB vasculären Schwellungen gehört offenbar manches von. 
dem, was die Schriftsteller theils unter dem Namen der Strnma 
inflammatoria, tfacils unter dem der Struma vascnlosa 
beschrieben haben, P. Fran k •*) nennt dies Thyrcophyma fugax 
s. spurium B. sanguineum. 

Ich will keineswegs in Abrede stellen, dass diese Art von 
Schwellungen eine wirkliche Prädisposition zum Kropf bedingen 
mftge. Schon die grosse Vorliebe des weiblichen Geschlechts zn 
Strumösen Erkrankungen spricht daflir. Aber man sollte doch 
nicht eher von Struma sprechen, als bis nicht in der Schilddrüse 
wirklich plastische Vorgänge eingetreten sind, welche auf Wuche- 
rung der Follikel-Zellen beruhen. Die Gef&sserweitemng bildet 
dann eben nur eine weitere Ausstattung des Kropfes, den man 
diunach am besten als Struma angiectodes bezeichnet, und 
von dem man wieder zwei Unterabtheilnngen unterscheiden kann, 
je nachdem die Hyperplasie so beträchtlich ist, dass die GefäsB- 
erweiterung keine hervorragende Bedeutung erhält, oder umge- 
kehrt die Hyperplasie für die Betrachtung verhältniasmässig in 
den Hintergrund tritt, so dass die Gefässerweiterung die ganz 
besondere Berücksichtigung verdient Dieser letztere Fall stellt 
den Gefässkropf im strengeren Sinne des Wortes dar. 

Die älteren Beobachter besprachen nar das Verhalten der 
Gelasse bei dem gewöhnlichen Kropf. Foder^***) sdiildert 

*) Catnilus. Gpigr. I. 9S; Non illatn genitrii orienti loce reTJapna 
hestemo poterit collam circomdare filo. 

*') Jo. Fet. Frttnk. De cur. bom. morbig edt. Vieno. 1630. Lib. VI. 
P. II. p. 70. 

•*•) Foder4 I. c. p. 18. 



)vGoo<^lc 



Gefftsekropf. 2S 

loiiptäcUidi die Erweiterang und Varicosit&t der Venen, gedenkt 
jedoch auch der Erweiterung der Arterien. Gantieri*) fnhrt 
deHaen als Gewähremann für die Varicosität der Venen und Ber- 
trandi als Bolchen für aneurysmatiBche Arterien an. Portal**) 
und Burns***) beeprechen die Erweiterung sowohl der VenMi 
ala der Arterien. Erst- Benj. Bellf) und namentlich Phil. 
?. Walther ff) lenkten die Anfmerkeamkeit der Aerzte auf den 
eigeotlii^en Ge&sskr9pf, dem letzterer den Namen der Struma 
aoeuryBmatica beilegte, ohne dass er jedoch nur die Arterien 
als betbeiligt aneah. Im Gegentbeil erklärte er aaedraeklich, dase 
dabei auch die Venen und Capillargefäese erweitert und neben 
den Aneurysmen Varicen und Telangiektasien „gleichzeitig und 
in gleichem Grade" vorhanden' seien ; die Veränderung der Arterien 
sei jedoch tod grosserer Wichtigkeit. Walther selbst hat keine 
anatomische Untersuchung dieser Kropfform angestellt; er beEOg 
sich nur aof klinische Thatsachen: grt^ssere Wärme, subjectives 
und objeetivM Klopfen in der Geschwulst, sichtbare Pulsation. 
Erst Beobachtungen von v. Zang, Chelins und Alberslft) 
gaben eine bestimmte anatomische Grondlage, jedoch leugnete 
der letztere die Erweiterung der Capillaren. Was Hasse *■)■) 
unter dem Namen der Struma vasculosa beschreibt, passt nicht 
ganz auf das, was Wslther meint; offenbar umfosst seine Dar- 
Btellnng, indem sie hauptsächlich die Venen in den Tordergrund 
schiebt, manche leichten Fonneo. Noch mehr gilt dies -von 
Ecker **t), der die Struma vascnlosa geradezu der Struma glan- 
dnlosa gegenüberatellt; jedoch hat er das Verdienst, zuerst die 
Ektasien der kleineren Gelasse genau nachgewiesen zu haben. 

Heiner £rf^rnng***t) nach kann man zwei Bauptformen 
des Geßksflkropfes vnterecheiden, je nachdem mehr die Venen oder 



*} Oantiari. Tyrolensium, CarjnthiorDm Stvnorumqae strum. Vindob. 
1794. p. 12. 

••} A. Portal. ConrB d'»nat. midie. Paris. 1803. T. III. p. 160. Note. 
***) A. Bnrns. Bemerk uogen Ober die chirorg. Anatomie des Kopfes n. 
Halse«. Deutach voo DohlhofF. Halle. 1821. S. 185. 

f) Richter. Cbirurg. Bibliothek. IT90. Bd. X. S. 1S9. 
ff) Phil. T. Walther. Nene Hcilart des Kropfes. S. 10. 
ftt) Höring. Rnsfä Magaiin f die geeammte Heilk. Bd. VII. S. 31b. 
Chelins. Ileiaelberger klinische AnDalen. Bd. I. S. 208. Albers. Ertftnte- 
TDDgeii u. B. «. S. 33S. 

*t) Hasse a.a.O. S. 523. 

»t) £cker. Zeitscbr. f. rat Ued. Bd. VI. S. 132. 
"•tj Virchow. Archir. 1851. Bd. III. S. 488. 



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34 ZveiundtwADtigste Torlesung. 

mehr die Arterien entwickelt gind. Schon Heidenreich*) bat 
diesen Unterechied mit Recht betont. Am wichtigBten iet natür- 
lich die TOD WaUher beschriebene Form der Stinma anen- 
ryamatica, derea Existenz ich gegen den Zweifel anderer 
Schriftsteller aafreeht erbalten muss. Allerdings handelt es sieh 
dabei weniger um sackige oder ampulläre Aneorysmen, als viel- 
mehr nm gleichm&ssige Erweiterung der Arterien and Kwar hanpt- 
s&cblich ihrer ausserhalb der Drfise gelegenen Abschnitte, deren 
Anastomosen zugleich in aafE&lliger Weise erweitert sind. Die er- 
weiterten Arterien haben dabei einen stark geschl&ngelten Verlauf 
and da, wo sie in das Parenchym eindringen, oft einen geradezu 
korkzieher&bnlichen Gang. Ihre Wandungen sind keineswegs ver- 
dSnnt, sondern zuweilen geradezu verdickt, zuweilen wenigstens 
TOD genQgender Stärke. Es entspricht daher dieser Zustand dem 
des Aneurysma cirsoides (TOricosum), zum Theil sogar dem des 
Aneurysma anastomoseon. Die kleinen Arterien tmd die Capil- 
laren nehmen an dieser Veränderung nur in beschränktem Maasse 
Antheil, dagegen sind die Venen zum Theil colossal erweitert und 
zwar ebenfalls hauptsächlich ausserhalb der DrOse. Albers**) 
hat dieses Verhältniss in einer Abbildung sehr klar dargelegt. 
Ich selbst habe zwei derartige Fälle aus der Würzburger Samm- 
lung beschrieben***), namentlich eines, an welchem zuerst von 
Cajetan Textor die linke, später von U. Jäger die rechte 
Art. thyreoidea snperior unterbunden war. Jedesmal bestand 
daneben deutlicher DrQsenkropf, stellenweis mit Gallerteinspren- 
gung. Schon Albers f) hat darauf hingewiesen, dass es sieh 
in diesen Fällen nm sehr alte, oft schon seit frfiher Jugend be- 
standene ErOpfe handelt; ja eine Beobachtung von HeJden- 
reiehff), wo die Carotis facialis eines kröpfigen Cretins aus 
der Art thyreoidea superior entsprang, spricht geradezu fär ein 
congenitales Debel. Dagegen ist es entschieden unrichtig, wenn 
Albers meint, dass jedesmal ein Faserkropf die Basis f&r die 
spätere Gefässerweiterang abgebe; auch die Induration ist erst 
secundär. 



*) Hefdeureich l «. S. 87. 

") Alber». Atl«. Taf.XXVlI. Fig. 1., II.. V. Vgl. Taf. X: 
"•) Virchow. Archiv. Bd. 111. S. 439. 
t) Albere. ErläatemngeD. S. Üb. Vgl. A. LDbeck. 
Di». iaMg. Hai. 1847. p. 2S. 

tt) Ueidenreich. Der Kropf. S. 156. 



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Struma TMJcoea. 25 

GaoE andere verb&lt es si^ mit der Struma varicosa, 
welehe wenigstens cum grossen Theil der Stroms vascolosa 
Ecker's entspricht. Sie hat an sich eine ungleich geringere 
pathologische Bedeatnng, aber sie ist sehr viel h&otiger nnd com- 
pliurt namentlich die gewöhnliche Form der Struma follicularis; 
ja nan kann sagen, daes die weicheren DrAsenkrOpfe fast immer 
mit VaricositSt der kleineren Venen im Innern der Knoten ver- 
bandea sind. Die £rweitemng setzt sich jedoch nicht selten auf 
die äusseren Theile fort, so dass auch die Venen im Umfange 
ia DrOse enorm veigrfissert, geschlängelt nnd gelegentlich mit 
Kitlidien Ausbuchtungen versehen sind. Im lanem der Drflse 
haben die GeflUse allerlei blasige, sackige und rosenkranzfltrmige 
Erweiterungen, wie sie Ecker als Aneurysmen beBchrieben hat; 
iadesB fand ich niemals an solchen Erweiterungen eine Querfiuer- 
haat, BOBdem stets eine einfach l&ngsstreifige Wand*), fiesonders 
interBSsuit ist diese Form, wenn sie nur partiell, in Verbindung 
Bit eiuelnen Kropfknoten, vorkommt, w&hrend die flbrige DrOse 
aormal oder doch nur leicht angiectatisch ist. Da, wo die Ver- 
iodemng allgemein ist, dartte gleichfalls vielfach auf congenita! 
Zutftnde sarfieksugeben sein; wenigstens fand ich bei Stmma 
«ingenita nicht nur h&afig, sondern in ganz aofßüligem Maasse 
dine Taricosit&ten **). D&ss- anch die Arterien eine gewisse Ver- 
fregBemogEn erfahren pflegen, versteht sich fast von selbst 

Im ADsohlnsse an den GefUsskropf habe ich noch eine be- 
Bondere Varietät zu erw&hnen, welche erst in letzterer Z^t 
beJcannt geworden ist, netunllch die amyloide Form. Man 
darf diue nnr nicht, wie es frDher gescbeben ist, unter dem 
Namen des CoUoids mit der gallertigen zusammenwerfen. Wie 
m uidnwi Organen, so sind es auch in der Schilddr&se die 
kleineren Gefltsse, von welchen die Erkrankung ausgeht. Die 
nten Beobaditangen dieser Art hat Friedreich ***) mitgetheilt; 
in ivei F&Uen fend er die Entartung der kleinen Arterien und 
CtpilUrea neben frischem Gallertkropf. Noch mehr ausgebildet 
*ar die Verftnderung in einem Fall von Beckmannf). Hier 
wigten sich mehrere eingekapselte Kropfknoten, deren Scboitt* 

'^ Virchow. Archi*. Bd. III. 8.436. 

") Kbeodaaelbat S. 4S9. Geammmelte Abfakodl. S. 983—981. 
"*) N. Friedreich. Mein AtehiT. 1861. Bd. XI. S. 889, 891. 
t) 0. Beckmann. Kbenduelbst. 1»S. Bd. XJII. S. 96. 



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26 ZveiandiwsuigBt« VorlMnng. 

fläche gans homogeii, blas» granroth and so entechieden wache- 
artig aussah, dass Beckmann den Namen des Wachskropfes, 
Str. amyloides TorBcblag. Aach Laycock*) sah eine wacha- 
artige Degeneratioa und ewar bei einem leukümiBcfaen finrscheii. 
In der That Terdient diese Form eine 
besondere Stellung unter den Kropf- 
formen, wenngleich sie unzweifelhaft nnr 
eine secundäre Ver&ndemng p'r&exiati- 
render Eropfkuoten darstellt. Ich habe 
ganz dieselben wachsartigen Knoten ge- 
sehen, wie Beckmann. Wie die rein 
folliculären Knoten, erschienen sie von 
einer besonderen Bindegewebshfllle ein- 
gekapselt (Fig. 207, c), und atellenweis 
fanden Bicb noch Follikel, ja sogar kleine 
Cysten. Aber mikroskopisch zeigte sich 
an den meisten ' Stellen nichts, als ein Geflecht von Geissen, 
deren dicke Wandungen durch ihren hellen Glanz hOchst anf- 
fUllig hervortraten und durch Jod eine prächtige weinrothe Färbung 
annahmen. Zwischen ihnen lag nur wenig, schwach faseriges 
Gewebe, in dem kleine Fetthäufchen eingesprengt waren. Es 
war ein Zustand amyloider Induration, in hSchstem Maasse 
ähnlich dem, was ich früher von gewissen Lymphdrtisen-Hyper- 
plasien beschrieben habe (Bd. 11. S. 620, 731). Anderemal**) be- 
stand ein grosser Theil der Knoten noch aas Follikeln, welche mit 
Zellen oder mit GallertkOrnern gefBlit waren, während die GefäsBe 
daswischen schon deutliche Amyloid-Reaction gaben ; an anderen 
Stellen fand sich eine interstitielle Induration und Sklerose mit 
Schwund der Follikel und fortschreitender Amyloid-Ümwandlnng. 
Insbesondere wurden die Gelfisse so dickwandig, dass ieh nicht 
bcEweifle, auch Ecker habe bei einem Theil der SohUdenug, 



Fij. S07. Stram» lobnlarie Taacolosa rnnyloides. DvrchBchoitt dea 
einen Hörne einer ScbilddrUse. Bei a nktOrlichee DrOsengeitebe mit nor- 
malen L&ppen, bei b iDoehmende YergrCBsening, bei c ein kirscbenfETossci' 
Kropfknoten mit eintelnen kleinen Cysten. Bei der mikroskopischen Uoter- 
encbane sab mso faat nur ein Geflecht dickwandiger Qensse, welche siih 
dareh Jod sUrk weinroth ßrbten. Prftparat No. 59 A Tom Jahre ISBl' 
MalDri. OrfiBse. 

*) Lajcock. Ediob. med. Jonm. 1868. JdIj. p. 5. 
") Prtparat No. 1212/. Von einer coutitntioDeU-mihilitisctien Person 
mit Ulceration des Latrnz, des Schidel« n. i. w. 



jvGoo'^lc 



GalletUiropf. 27 

welche er von der Struma vaacolosa entwirft, fthnlidie Objecte 
Tor sich gehabt. — 

Vcofolgen wir onn di« epfttere Geschichte der Strnma fayper- 
plastica, bo zeigt eich von Anfang an die Differenz, dass in 
manchen FUlen die Neigung eu Ablagemngen von GallertkOrnera 
überwiegend ist, w&farend sie in anderen in den Hintergrund 
bitt oder fiberhanpt gar nicht erfolgt In dem letzteren Falle 
kma entweder eine fettige Metamorphose mit Resorption, oder 
die erwähnte Induration, oder endlich die noch zu besprechende 
Cjstenbildang eintreten, fietrai^ten wir hier zunächst die erster« 
Form, wo die Gallertmaseen reichlich sind, die eigentliche 
Strnma gelatinosa (Ijmphatica oder colloides), den 
Gallertkropf. Von diesem hat Tourtual*) die erste ge- 
nauere Untersuchung geliefert. Seine Angaben sind nur in Ver- 
gessenheit gerathen, weil er die Gallertmasse nacb einer unvoll- 
kommenen chemischen Untersachnng von Greve ffir Hornstoff 
hielt nnd darauf hin allerlei nnznl&ssige Vergleiehimgen anstellte. 

Es ist dies diejenige Form, welche die grossen nnd gleich- 
massigen Anschwellungen der Schilddrüse liefert, wobei entweder 
die Oberfläche ganz glatt nnd eben erEcheint, oder doch nur die 
echon vorher vorhandenen Unebenheiten und HOcker stärker 
hervortreten. Insbesondere die HOmer und der Isthmus ver- 
gTJJsseni sich mit einander so bedeutend, dass der grossere Theil 
des Halsstfickes der Trachea und des I^arynx davon nmbflllt 
vird"). Allerdings ist die Gallertumbildong besonderer Knoten 
durchaoB nicht ausgeschlossen, und ich bebe besonders hervor, 
dass auch die lobulären nnd gleichsam eingekapselten Knoten der 
mehr folliknlären Form (S. 17) in hohem Uaaase mit Gallert- 
kömem gefAllt werden können. Aber keine andere KropfTorm 
bringt so gleichmässige Gesammtansch wellungen hervor; keine 
Bimulirt so sehr, wie diese, die sogenannte Hypertrophie***). Nur 
bei Nengehomen und Kindern pflegt sie nicht vorzukommen. 

Von aussen fahlt sich die Geschwulst sehr derb, zuweilen 
etwas teigig an. Sie entspricht daher der steatomatOsen Form 
des Panlüfl von Aegina, welcher Name lange von den Autoren 



*) Tourtnal. HDIler's ArchiT. 1840. S. 840. 

*'} H. Baillie. EngraTinn to illaatrate the morbid anatoiOT. Loud. 
799. Fmc. II. PI. I. Fig. i. Albera. Atlu. T»f. XXXII. Fig. l.-ll. 
•") Prtpante No. 927, SaSo, 809 Tom Jalire 1860. 



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28 ZweiDDdiwaniigsta VorlMang. 

beibehalten worden ist. Albera*) hat Bie Bonderbarerweiafl unter 
dem Namen der Struma carcioomatoBa nach einem WQrzburger 
Prtparat beschrieben. Meist entsteht sie langsam, fast oamerkbar 
Dod gaoE schmerzlos. Indess ist ein mehr acntes Anschwellen 
nicht ausgeschloBBen. Schon Walther**) erklirt ihre Entstehung 
mit Recht aus einer Erweiterung der Zellen (Follikel) der Drfise 
und ans einer „Verdickung" des anfangs weichen nnd fiAsaigen 
Inhalts. Ob diese Inspissation, dieses Gelatiniren durch den 
Zutritt besonderer, möglicherweise acut geschehender Secretionen, 
namentlich in Folge fluxionärer Hyperämien, erfolgen kann, ist 
noch zu untersuchen; ich halte es ffir sehr wahrscheinlich. 

. Ftf. M8. 



Fig. 208. Strama gelatiooaa. DarchschDJtt des einen vergrOseerten 
llorne. NatQrl. GrOaae. Nftcb einem Tiipuit der WQribnTger SMumlung 
von Hrn. Stang geieicbnet. 

*) Albera. Erl&uUrungen S. 376. 
") Wilther ».».0. S. 13. 



)vGoo<^lc 



GsllertkiDpt 29 

Haebt man äarch einen ausgebildeten Kropf dieser Art einen 
Durchschnitt, so sieht man eine grosse Masse von kleineren nnd 
grosseren Räsmeo*), eämmtlich mit der gelblichen, klebrigen 
Gallerte geffillt, die man leicbt mit der Messerspitze herausheben 
kann. Es l&sst sieb also auch hier nnterscbeiden zwischen Stellen, 
in denen eine stärkere EotwickeluDg stattgefunden hat, und sol- 
chen, wo dies weniger der Fall gewesen ist. Im Grossen wieder- 
holt sich aber der Bau der normalen Drüse: man sieht grossere 
Abtheilungen (Lappen), innerhalb dieser einzelne stärkere Ab- 
schnitte (Läppchen) nnd in den stärkeren wieder einzelne Gallert- 
kOmer (Follikel), so dass eine recht zierliche Mannichfaltigkeit 
entsteht (Fig. 208). Auch die Formen der Lappen, L&ppcben 
nnd Follikel sind sehr verschieden. Bei langsamerem Anwachsen 
haben sie mehr rundliche Formen; bei schnellerem können sehr 
abweichende Gestalten auftreten. Natürlich wenn die Masse der 
Gallerte innerhalb der Follikel zanimmt, die einzelnen Follikel 
sieb in Folge davon mehr und mehr ausweiten, yergrOssern, so 
entsteht dadurch eine g^enseitige Compression, und wenn das 
Wachsthum einigermaassen schnell erfolgt, so geschieht es, dass 
die peripheriEcben Tbeile sieb immer mehr und mehr in der Art 
verschieben, dass aus den runden Formen allmählich länglich« 
werden, dass die einzelnen Follikel eine linsenfSrmige, konische 
oder Spindel«] rmige Gestalt annehmen. Ganze Abschnitt« der 
Geschwulst können auf diese Weise mit der Zeit einen radiären 
Ban bekommen, der an Formen von Gallertkrebs oder fascieu- 
lirtem Sarkom erinnert"). Unsere Sammlung besitzt ein be- 
sonders elegantes Präparat (Fig. 209), wo man in der einen 
Hälfte (bei c) die radiäre Anordnung sieht, während die andere 
(bei a) eine ganz dichte, gteichmässige follicnläre Entwickelung 
zeigt 

Je reichlicher die Ablagerung der Gallertmasse wird, um so 
mehr leidet endlich das Zwiscbengewebe. Durch den Druck der 
in den Follikeln enthaltenen Masse wird es natürlich aus^nander 
gnogen, die Geisse werden comprimirt und verschwinden all- 
mählich, das Bindegewebe wird immer spärlicher, and endlich 



•) Bftillie. EngnTing« PI. I. 6g. II. Albers. Adu. Taf. XXXU. 
lU.- '" 



**) Prlpuat Mo. »88. 



ftGoot^lc 



ZireiuDdiwaniigete Vorleanng. 

Pl(. MH. 



kaon es vorkommen, dasB an manchen Stellen dasBelbe voltstäadig 
Terscbwindet, daes also eine Confluenz benachbarter E&ume erfolgt. 
Es können d^n tuerst aus einzelnen benachbarten, späterhin 
ans immer mehreren Follikeln gemeinschaftliche HOblen ent- 
stehen. Auf diese Weise bildet sich, wie ich gezeigt habe *), ein 
Uebergang von der Struma gelatinosa zur Struma cystica, 
dem Balgkropf**). Denn die RAume, die man nun findet, 



Fig. 309. Durchschnitt eines sehr betrachtlichen RDoteni von einem 
uphvktischen Kropf. .M»n sieht bei a eine fast gleichmäBsig ansiebeade, 
weiche Uwse, die ganz ans jungem hyperplastiecheD Gewebe mit (beftondera 
rechte) btigionender Gallerteiolagerutig besteht. Nach rechts geht dieses 
Gewebe in ein grobmaschiges Qber, dessen Maschen bei c gross, lang- 
gestreckt nod radial gerichtet sind, während siebei b mehr randlich er- 
Bcbeiora. Bei d cjstiscbe und fibröse Dmbildung. Zwischen a und c, in 
der Richtung anf b, grosse Gefässzflge. PrSparat No. 98 vom Jahre 1861. 
\ der natQrl. GrCsse. Van einer hocbgestellten Dame ans einer süddeutschen 
Kropfgegend. 

*) Virehow. Verhandlungen der geburtsfafllfl. GeBellachaft an Berlin. 
1848- Bd. III. S. 197, 313. 

*■) Engel. Specielle pathol. Anatomie. Wien. 1B66. S. 779. 



)vGoo<^lc 



Gyittmktoff. 51 

entgprw^en nicht mehr eiaulaen FoUikelD, Boadern Gruppen von 
Follikeln, nnd je veiter sich dae fortsetzt, um so grfiBBer werden 
die Cysten. Ein ganzer Knoten k&nn nach und nach in eine 
eiDsige grosse Cyste übergehen, indem selbst die Septa der L&ppen 
alropbiren. Man findet dann nicht mehr jene kleinen, Btecknsdel- 
kaopf- oder hanfkorngrossen GallertkOrner des gewAhnlichea 
Gallertkropfes, sondern grosae Gallertklumpen bis zu Haselnusa- 
pOBse and dar&ber. Diese enthalten nicht selten zellige Tbeile, 
FettkOrner, Kalkeinsprengangen , die letzten Reste der früheren 
Giarichtang. 

Früher oder später erweicht die Gallertmasse von den Rftn- 
dern her, zerdiesst und bildet eine zähe, schlüpfrige, eiweiss- 
reiche Flüssigkeit, die alle Eigenthümlichkeiten einer concen- 
trirten NatronalbvminatiOsang hat*). In diese Flüssigkeit ge- 
schehen namentlich bei varicOsen Formen theils spontan, theils 
bei traumatischen Einwirkungen Hämorrhagien, und es entstehen 
dadurch alle m&gtichen Nuancirungen in der Flüasigkeit, indem 
das ergossene Blut sich verändert. Es kann gerinnen und feste 
Thromben bilden, die sich später entfärben und entweder er- 
weichen zu einer eiterartigen Hasse, oder sich zu einer gelblichen 
oder bräunlichen schmierigen Substanz umwandeln. Gewöhnlich 
itier ist die Blutung nicht so reichlich, daes wirklich erhebliohe 
Tlkrombeu entstehen, eondern das Blut mischt sich nur mit der 
Flüssigkeit, ■ worauf nach einiger Zeit das BIntrotb eich lOst und 
die Flfissigkeit ßirht. Dann nimmt die letztere eine gelbliche, 
bräunliche, manchmal kaffeebraune, manchmal sehw&'zliche Be- 
BcbaSenheit an, das Bämatin zersetzt Bich nnd geht zum Tbeil 
in Gallenfarbstoff (Cholepyrrhin) über**). 

Vihrend diese Umwandlungen erfolgen, gehen die noch vor- 
hindenen Zellen eine Fettmetamorpbose ein, T^gröseern sich, 
Terwiadeln sich in Efimchenkugeln nnd zerfallen; das Fett wird 
frei und es scheidet sich mehr und mehr krystallinisches Chole- 
ste&rin ab. Bei hämorrhagischen Zuständen imbibiren sich die 
Zellen And EOrnchenkugeln mit verändertem Hfimatin und nehmen 
dadurch ein eigenthflmlicb rOthlicheB oder gelbliches Aussehen 

*) Eine ZDBammeitBtel lang d«r chemische d Anklysen beiB. Onrlt, Ueber 
«Im CjAtengescbwQlsta des B&lses. Berlin. 1855. S. 62. 

**) SehloBsberger. WQrt«tiib«rg. med. CoiT«sp.-BlMt 1861. Bd. XXI. 
Xa30. Hoppe-SeyUr. Heia Archi?. 186S Bd. XXVU. S. 3»8. 



gii^osb/GoOt^lC 



32 ZweiandiwaosigaU Torlesnog. 

an*). Unter umständen kommt ea vor, dass diese fettigen nod 
namentlich CholestearinmasBeo bo reichlich werden, daas kleinere 
CyBten fast ganz mit einem Cholestearinbrei gefüllt erBcheinen **) 
ond dasB man sie wohl nnter dem Namen von Atherom***) be- 
schrieben hat. Die ersten genaaeren Angaben Aber diese Ver- 
hältnisse hat Valentin t) gemacht, freilich ohne die Entwieke- 
lang ED erkennen; oor hat er durch die Beseichnung der Ghole- 
itearintafeln als Homblättcbeo -f-f) manche Verwirrung herbej- 
geffihrt. Erst H. NaBsefff) fand, dasa die Erystalle ans Gbole- 
Stearin bestehen. — Haben Blutungen Btattgefunden, bo verändern 
sich die Blutkörperchen in eigenthämlicher Weise: sie entfärben 
und verkleinern sidi, während sich kleine Körnchen in Urnen 
entwickeln; schliesslich zerfallen sie und lasBeo nur diese KOra- 
ehen Eorflck'-t-). Ecker**t) nahm fraher irrthfimlich an, dwa 
aus der Conglomeration dieser KOmchen wieder EftrnchenieUea 
entstehen konnten. 

So bildet sich ans einer frQher ganz festen Geschwnlst die 
Struma cystiea. Allein die Entwickelung zur Stnima oyBtica 
kann anch erfolgen, ohne dass Gallertbildung überhaupt jemals 
stattgefunden hat aus einer Struma mere follicularis. Das ge- 
schiebt in der Weise, dass die Follikel sich ansdeboen, blos unter 
Anbänfimg einer eiweissreiehen Flfiseigkeit, in welcher die Zellen 
alle Metamorphosen, namentlich in der gröBsten Ausdehnung die 
Fettmetamorphose durchmachen und so zu Grunde ^ehen. Die 
Umwandlung dieser Form in die eystische geschieht gleichfalls eo, 
daes die einzelnen Follikel gröBser werden, die ZwischenwaD- 
dongen atrophiren, die Follikel confluiren und so endlich inmitten 
hyperplastiBcher Knoten grossere Höhlen sich ausbilden. Daa 
Bestehen ectatiBcfaer Gefässe und der Eintritt von Blutungen mag 
diese Umbildong erheblieh begünstigen, doch hi^e ich nie einen 
Fall gesehen, wo in der von Beck und Ecker angenommenen 



•) Vircho». ArehiT. Bd. I. 8.886. 
") PrSwEt No. 200 Tom Jahre 1858. 
•*^ de Haen. BatioDis med. P. VII. VieDn. 17S2. p. ISl. 
f) VsleDtin. RepertoriDin fBr Auatonie n. PhrBioloKifl. 1887. I 
S. 966. Taf. L Fig. 18. 

ft) Loetbi. MDlItir'a Archiv. 1840. S. 447. 
ttt) N^BBe. BbaadaselbBt S. S67. 
*t} Virchow. Arekir. Bd. I. S.9S4. 
**t) Ecker. Zsittchr. f. nt H«d. Bd. Vf. 8. 90, U9. 



b/Goot^lc 



B»lgkropf. 33 

Weise (S. 14) bloe durch Extrayasation und Veränderaug des 
estravasirtea Blutes Cysten ia der Schilddrüse entstanden wären. 

Ist die Entwickeinng der Struma überhaupt eine lappige, 
eine knotige gewesen, so dass an -verschiedenen Theilen der 
Drüse strumOse Massen steh gebildet liaben, so kfinnen neben 
einander auch eine ganze Reihe von verschiedenen Zuständen 
existiren*), an einer Stelle die frische FoUikular-Hyperplasie, an 
einer anderen Stelle gallertartige, an einer dritten cystische, an 



Fie, 310. Struma gelBtiaas» eyetics, ans demHittelBtQck derScbilddrDse 
entwickelt. DnrcfaacbQitt des KDotena in einer der Vorderfläche des KSrpera 
{Mnlleleo Gbeae. H» sieht alle UebergKnge von einer mSssigen Qallertiofil- 
tntioD bis IQ immer grSsserer Cyatenbilduiig. Letztere überall mit bfimorrha- 
giseher Pigmentirnog. PrSparat No. 46 Tom Jahre 1S68. Natdrl. OrCue. 

*).de Haeu 1. c. p. 131. Prlparate unserer Sammlung Mo. 986fr und 11 
vom Jahre 1866. 



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34 ZveiDDdzwMifgste TorlesoBg. 

einer vierten Stelle h&morrhagiscbe, an einer fQnften indarative 
Zustände; das ist ausserordentlich variabel. Jedenfalls pfiegt die 
C7Sti8che Metamorphose zan&chst eine multiple za sein (Struma 
mnltilocularis), indem an Terscbiedenen Stellen der Drüse 
oder auch einzelner grosserer Krc^fknoten kleinere nnd grilssere 
Höhlen sich bilden, die entweder ganz zerstreut liegen oder nur 
dnrch schmale Scbeidew&nde von einander getrennt sind (Fig. 210). 
Die einzelnen Höhlen sind zuweilen ganz glattwandig (d), bald 
zeigen sie allerlei Ausbuchtungen und Vertiefungen, die durch her- 
vorstehende Leisten oder Balken, die Reste der froheren Scheide- 
wände, abgegrenzt sind, bald communicireo sie mit Nachbarhfthlen 
dnrch engere oder weitere Oeffnangen. Je länger der Fall dauert, 
um so weiter schreitet gewöhnlich diese Umbildung fort, und bei 
einzelnen Eropfknoten kann zuletzt die ganze Masse in eine ein- 
zige Cyste umgewandelt werden (Str. nnilocutaris). 

Sind aber einmal die Hohlen da, so beschränkt sich ihre 
weitere Vei^rösserang nicht anf das successive Zusammenflieesen 
von immer mehr Cysten, auch nicht auf die fortschreitende Um- 
bildung hyperplastischer Theile in Cysten. Vielmehr vei^össem 
sie sieb in erheblicher, zuweilen hOchst acuter Weise durch die 
Absonderungsprodukte , welche von ihren Wandungen erfolgen. 
Diese sind entweder Mos serOse, oder hämorrhagische*). Wie 
gross die Bedeutung dieser Absonderungen ist, erhellt am besten 
aus der schnellen Wiederansammlung des Inhalts nach geschehener 
Punktion**), die zuweilen schon in wenigen Stunden geschiebt 
Es begreift sich daher, dass gerade der Balgkropf, und zwar der 
mit noch bestehender Hyperplasie, Induration, Geßssektasie ver> 
knüpfte, die grössten Geschwülste liefert. Manche dieser Formen 
sind von erschreckender Grösse, und ich erinnere nur an die 
Riesenkröpfe, welche sich nach anssen hin entwickeln nnd 
im Laufe der Zeit tiefer und tiefer herabsinken***). Man hat 
solche beschrieben, die über die gan2e Brust, ja bis zu den 
Unterextremitäten faerabbingen f). 



*) FrSpant No. 11 vom Hbn I8S6. 
") E. Gnrlt ».».0. 8.88. 
.— -.--—. Tract. de glmnd. tbjieoide». 

f) Uittermayar. De stramis m scrophalia BDDaeeDBinni. Diaa. inaiiK. 
Brford. 1728. TmfTl.— a Gantieri I. c. p. 101. Note. Heidenreich 



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-Lftryngocele TeDtrJcaUrU. S6 

Noeh bis in nnser Jahrhundert hioeia hat man vielfach an- 
genommea, wozu der Name der Broochocele &. Hemia gattnris 
so leicht verföhrte, daBS dieEe Kröpfe durch Lnftaurbl&hung von 
der Trachea ans gebildet wfirden. Daher der Name der Struma 
flatnoea s. veotosa*). Noch bis auf Haller suchte man 
ÄDsfuhrungsgänge der ScbilddrSee und glaubte diese in gewissen 
Drüsentfichern der LuftrOhre zu finden; ja Foder^**) beschreibt 
Versuche, bei denen seiner Meinung nach Luft von der Trachea 
ans in die Schilddrüse eingetrieben wurde. Auf ähnliche Weise 
meinte man das plotzliebe Entstehen von Schilddrüsen-Anschwel- 
longen bei dem Heben schwerer Lasten, durch d^ Pressen während 
der Geburt erklären zu können. Die Lehre von dem Cyetenkropf 
bat eigentlich erst durch Beck ( den Vater) Consistenz ge- 
wonnen"*). Nichtsdestoweniger hat man daneben noch Hernien 
der Luftwege als eigentliche Broochocele geführt. Nun giebt es 
ja derartige Aussackungen. Ausser der früher (Bd. i. S. 265) 
beschriebenen Trachektasis (Tracheocele), welche allerdings leicht 
mit Eropfcysten verwechselt werden kann, welche jedoch nicht 
Laft, sondern Schleim zu enthalten pöegt, ünde ichf) eine bis 
jettt, wie es scheint, übersehene Erweiterung der Morgagni'schen 
Taschen, welche als Laryngocele ventricularis bezeichnet 
irerdeo mag. Es zeigen sieb dabei lange, dünab&utige Säckchen, 
welche von dem oberen Theile der Taschen mit einer ziemlich 
engen Uüadnng acsgehen und sich zuweilen bis an den oberen 
Rud des Schildknorpels, ja sogar bis an das Zungenbein er- 
strecken, wo sie mit einem kolbigen Ende aufboren. Meist sind 
sie nnr einseitig, einmal sah ich sie doppelseitig. Sie sind glatt- 
waadig, haben innen Flimmerepithel und sind mit Luft gefüllt. 
Eine Verwechselung mit Struma ist ganz unmQglich, da sie fast 
ganz nach innen von dem Schitdknorpel liegen. Einmal fand ich 
oberhalb eines Sackes am Zungenbein dicht unter dem Schleimbaut- 
äberznge der äusseren Fläche der Epiglottis neben dem Frenolnm 
eine etwa erbsengrosse Cyste, weldie gleichfalls Flimmerepitbel 
enthielt, also wohl eine Abschn&rung darstellte ff). 



*) Hoi den reich «. ». 0. S. 60. 
••)Foder6 1. c p. 80. 
•*•) K. J. Beck, Üeber den Kropf. Freib. i. Br. 1833. 

-f) Fri{»rat No. 169 vom Jahre 1862 und No. 232 Tom Jahre 1868. 
ff) Pitparat No. 64 Tom Jahre 1866. 



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36 Zweinndiiraniigste VartMnng. 

Bestehen die Cysten l&ngere Zeit, so consolidirt eich allmäh- 
lich derjenige Theil der Septa, welcher sie eunächst begrenzt. 
Denn irgendwo werden sie immer an Septa stoasen; da sie aus 
der Auflösung von grösseren Gruppen von Follikeln hervorgehen, 
so folgt, dass sie endlich an starke Septa kommen müssen. 
Dieses Gewebe verdichtet sich gewöhnlich späterhin mehr nach 
Art eDts&ndticher Processe, und es wiederholt eich der frfiher 
beschriebene Indurationsvorgang der äbrOsen Formen. Hat die 
Cystenbildnng in einem Faserkropf stattgefunden (ß. 20), so wird 



Fig. 211. Struma cj^stics indurata dea lioken Bornes. Der Kropf- 
kooteD ist durch eineo senkrechten (sagittalen) Schnitt Ton vorn nach hinten 
gespalten; man sieht die äussere (rechte) Hälfte lurDckgelegt vor sich. Der 
dickere Theil der Wand entspricht demnach dem hinteren, der dQnnere dem 
vorderen Umfange der Cjste. Letztere igt innen mit gelbbranaem hlmorrha- 
gischen Pigment belegt, lum Theil mit Fibrinniederschlftgeu besetzt; ancb 
sieht nun allerlei erhabene Leisten an der Wand, als RDclistlnde der früheren 
Scheidewinde. Von der verdickten hinteren Wand, in welcher zahlreiche 
Oe^adarchschnitte «ichtbar werden und in welcher atrophische Follikel ein- 
geschlossen sind, erhebt sich ein rundlich höckeriger, etwa walloose grosser, 
fester Vorsprung, der innen wieder Gj'Btea entbSit, neben welchen nach 
oben nnd vorn harte Verkalkungen sitzen. Die Qbrjge DrQse eher atrophisch, 
mit einzelnen, gaui klt-inen, gallertigen Kropfknätchen. Starke seitliche Com- 
prewion dtr Trachea, ["rüparat Nu. ^3b. Katürl. (.irüsse. 



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RMolatioB 4«r Rrflpfe. S7 

natärlicb die Induration schon von Tornherein vorhanden sein. 
Diese manchmal sehr kleinen*) Balgkröpfe haben zuweilen eine 
fiberans dicke, förmlich echwielige Wand, welche ans sahireichen, 
ober einander geschichteten Bl&ttern dichten Bindegewebes be- 
steht, in dem nur die Lumina grosserer Gefäsee nnd bei mikro- 
skopischer üntersnchnng sablreiche comprimirte Follikel, hervor- 
treten. Diese Säcke haben zuweilen grosse Äebnlichkeit mit den 
alten Uydrocelen (Bd. I. S. 160), und wie diese, sind eie gans 
ungeeignet, durch einfache Panktion oder Incision zu heilen. 

Rokitansky**) hat, seiner allgemeinen Anschauung ent- 
sprechend, nach dem Vorgange Job. Hflller's grossen Werth 
darauf gelegt, dass von der Wand der Cysten allerlei Answ&cbse, 
Proliferationen ausgeben sollten , in (denen sich wieder nenee 
Drnsengewebe entwickelt. Ich habe mich niemals von der W^r- 
heit dieser Beobachtung überzeugen können. Nicht einmal solide 
Auswüchse der Wand von Bedeutung habe ich mit Sicherheit 
oachzaweisen vermocht. Was ich sah,' waren fast immer stehen- 
gebliebene Theile des alten, nicht cystisch veriUiderten Gewebes. 
Unter Umständen können diese Theile sehr umfangreich sein ; ja 
sie können wieder Cysten enthalten (Fig. 211), so dass der 
Anschein entsteht, als ob in einer Mnttercyste Toehtercysten 
gewachsen wären. Aber in diesen Fällen hat nur die Bildung 
der grossen Cyste um die kleineren herum stattgehabt. 

Diese Art des Balgkropfes kann eine gewisse Äebnlichkeit 
mit eigentlich parasitischen Bildungen haben, wie sie in der 
sogeDannten Str. hydatidosa vorkommen. Es kommt nehmlich 
EQweilen der EchinococcuB in der Schilddrüse vor, wo er be- 
trächtliche, bis zur Grösse eines Hühnereies oder einer Orange 
anwachsende Geschwülste bildet. Gurlt***) bat 7 solcher Fälle 
aus der Literatur gesammelt. Die Diagnose entscheidet sich leicht 
dadurch, dass in der Cyste (dem Organsack) noch eine zweite 
Blase (die Thierblase) oder mehrere derselben stecken. — 

Wir haben schliesslich noch die Veränderungen zu unter- 
guvhen, welche als Aussöge des Kropfes zu betrachten sind. 
Hier kommt zunächst in Betracht die Resolution, die voll- 



-) Prkpkrat Nq. 200 toid Jahra 1858. 

") Rokitansky. ADatomic dee Kropfes. S.U. Vgl. Suhnh. Pathologie 
>. Tbenpie der PieudoplasmeD. Wien. 1854. S. 233. 
"*) B. GnrlL Die CyBtengencbwfllBte des Halsea. S.378. 



jvGoo'^lc 



3g ZweiBDdEviniigBt« Voilesnng. 

st&ndigste Art der Heilung, welche entweder freiwillig, znmal 
naeh Ortswechsel eintreten , oder künstlich darch Bebandlang 
herbeigefQbrt werden kann. Obwohl es an direkten Unter- 
SDchnngen solcher zurnckgebildeten ErOpfe fehlt, so erscheint es 
doch kaum zweifelhaft, dass es sich dabei um allmähliche Äaf- 
iSsuDg der festen Theile (Zellen, Gallerte, Blutgerinnsel) aad 
darauf folgende Resorption der flüssigen Theile bandelt. Von den 
Zellen wird im Allgemeinen angenommen werden kSonen, dass 
sie durch Fettmetamorpbose zerfallen, wie wir sie oft genug in 
Kröpfen beobachten können. Möglicherweise wird dabei zugleich 
eine Induration des Interstitialgewebes stattfinden. Eine solche 
Heilung wird gewiss am leichtesten an einem einfach follicul&reo, 
hyperplastischen Kröpfe, also an einer jungen Bildung geschehen; 
schwerer an gallertigen und cystiscben Formen, fall» sie nicht 
beschränkt und partiell sind. Ganz aasgeBcbloBsen ist die Heilung 
durch Reeolation an grossen und oamentlicb dickwandigen Balg- 
krftpfen. 

Das Bauptheilmittel war seit alten Zeiten der gebrannte 
Schwamm (Spongia marina), der zugleich das wesentliche Ingre- 
diens aller Eropfpulver und Kropfpöaster darstellte. Die Recepte 
der Salemitaner*) können als Beispiel dienen, wenngleich allerlei 
Sprüche und Incantationen als Zugabe empfohlen worden. Ob 
in späterbr Zeit diese Sprüche noch im Gebrauch geblieben sind, 
ist zweifelhaft, denn die Strumen, welche die englischen und frao- 
zösischen Könige heilten, waren keine Kröpfe, sondern Skrofeln 
(Bd. II. S. 605). Die Empfehlu^ngen der Spongia usta dagegen 
bestondeD fort**), bis Coindet das von Courtois 1813 ent- 
deckte und von Fife in dem Meerschwamme nachgewiesene Jod 
gegen den Kropf in Anwendung brachte***), welches seitdem 
innerlich ond änsEerlich in allen möglichen Formen und Zobe- 



*) deRenii. Collectio ealera. T. II. p. 1G3, 699. Die mjatigefae Zugab« 
schildert Rogerias tehr cbarakteriatisch <ibid. p.465): Sed Dt videintar fieri 
plnra, talem faciat medicug iDcaotationem tel conjorationem, videlicet: Garo, 
caro, caro, recede, quia fiiine Dei te maledicit. In notnine Patria et Filii 
et Spiritus Saocti. Receda ab iato famolo Dei. Et Bat circulum ad Gollum 
d« candela benedicta de feato Sanctae Maiiae, caatando Pater noater, tribna 
TJcibDB, in honorem aanctae Trioitatis. 

") Proaaer bei Richter a. a. 0. S. 170. Haualentoer a. a.0. S.35. 
i. P. Frank I.e. p. lOÖ. 

***) L. Formey. Bemerkungen über den Kropf nod Nachricht Ober eio 
dagegen nen entdecktes wirkaamee Hittel. Dritte Anfl. Berlin. 1832. 



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Stramm osae»- S9 

reitungen gebrancbt worden ist, nod welches seineD anegezeich- 
Deten Ruf wofal verdient. Dass es mit Vorsicht ansnwenden ist, 
folgt aus den schon früher mitgetheilten Bemerknngen (Bd. I. 
S. 114) über gefahrdrohende Zufälle, welche zuweilen nach seinem 
Gebrauche eintreten; die äussere Anwendung von Jodsalbe, wobei 
vielleicht die mechaniBche Wirkung des Einreibens nicht ganz 
ohne BedeutoDg ist*), sollte bei geringeren Erfipfen dem inneren 
Gebrauche stets vorgezogen werden. — 

Wenn eine Kropfgescbwalst lange Zeit besteht, so geschieht 
endlich eine Art von Verkalkung oder VerknScherung, die soge- 
nannte Strnma ossea**). Dieser Ausgang ist wesentlich an das 
Zwischengewebe gebunden, wobei es freilieh nicht selten vor- 
kommt, dasB auch die Blntgef^se, namentlich die kleineren, in 
ihren Wandungen in einer relativ frühen Zeit eine Yerkalkang 
erfahren***). Struma ossea ist nicht nothwendigerweise mit Struma 
irfstica vereinigt, sondern gerade die fibrdsen Formen k!>nnen früh- 
zeitig die Basis für die Kalkablagerung abgeben, ohne dass es zu 
einer eigenüicben Gystenbildung kommt. Es giebt also Kropf- 
Cysten mit ganz oder theilweise knöcherner Schale, and Kropf- 
knoten mit allerlei Balken nnd Knollen von knöcherner Beschaf- 
fenheit. In beiden Fällen kann das Kalkskelet durch Maceration 
freigemacht werdent)- Bei der Struma übrosa osaea (Fig. 2l2,£t) 
bleiben gewöhnlieh grosse Abschnitte des Kropfes frei von der Ver- 
kalkung. Selbst ditgenigen Knoten, welche davon heimgesncht 
werden, verfallen nur zum Theil der Verkalkung. Dieselbe geht 
regelmässig aus von den sklerotischen und fibrOsen Knoten nnd 
Strängen, in denen die Ablagerung des Kalkes zuerst in feinen 
Eftmern, später ganz dicht und homogen erfolgt. Die Knochen 
können daher ganz compact erscheinen; sie können aber aach 
mehr porfis und brüchig sein. Aber an gewissen Stellen liegt 
die Kalkmasse so dicht, dass man sie nicht mehr schneiden, 
sondern nur noch sägen kann. 



*) All»n Buma (Bemerkaagen Dber die cbirurE- Anatomie des Kopfw 
nnd Uftlaee. Deutsch Ton Dohlhoff. Balle. 1B31. S. 189} legte auf regal- 
■isuges Frottiien der DrQge das grOsste Gewicht. 

**) HalUr. Opuscnla pathologica. Laos. 1768. p. 24. 
"•) Ecker ». ». 0. S. 144. Taf. IL Fig. 9-13. 

t) A. E. Iphofen. Der CietiDismus. Dresden. 1817. Tb. i. S. LI. Taf. I. 
fiirketL Gnj'i Uosp. Rep. 1861. Ser. UI- Vol. VU. p.83&. 



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Zweiundiw&Dzigste Vorl«BUDg. 
Flg. ais. 



Man kann darttber im Zweifel sein, ob es sich hier mehr 
am blosse Verkalkung oder um eigentliche VerknOcberang handelt. 

Fig. 312. Darcfaichnitt des linkea Hornes «iner Btramfiaen Schilddrfiec 
von einem Ttile, wo gletcfaieitig doppelseitige Luryngocele ventricaluis 
bettud. Die unie Drflse knotig, sehr Tergrösaert, daa rechte Hörn bis in 
die Hebe des ZaGgeabeiDs hennf gestiegen, das linke lum Theil Bubatemkl. 
Uebermll Abgekipselte Knoten mit fibrCser Induration nnd zum Theil Ver- 
kklkang. Ein solcher, frisch sehr gefössreicher Knoten bei A: innerhalb 
desselben sieht man theils etrehlige In dn ratio nsstellen (a), theils gleich- 
missige Verdichtung {b), hie nnd da granrothe, vasculSre Stellen (c), etelleo- 
weis sogar fleckige Blutungen (_d). Der untere, eubsternale Knoten (S) faat 
ganz abgeschnQrt und verkalkt: die Kalkbalken n gani compakt, hvftlin, 
bernsteingelb', dag sklerotische Gewebe b Ton knorpellhnlicher Dichtigkeit 
nnd durchscheinend blSn lieh weis Bern Aaesehen. Pr&parat No. 332 vom 
Jahre 1668. NatOrl. GrOsse, 



)vGoo<^lc 



Stmnft DMMt. 41 

TklentiD") hat sich zneret fflr die ersten AnfTasBung ansge- 
tprochen. Er unterechied eine „organiairte Kalkablagerang" und 
eine mehr bröckelige ConGrementbildnng, welche ans einer zuerst 
^rigea, dann hornigen Hasse herrorgehe. Ihm haben sich die 
meisten der nachfolgenden Untersncher**) angeechloseen. In der 
That enthalten diese Massen, so knochenahnlich sie auch erscheinen, 
doch weder Gef&ese nnd GeffisskanSJe, noch entwickelte Knochen- 
kOq)erdiän. Sie stellen mikroskopisch eine sehr dichte, gleicb- 
mässige, hyaline Verkalkung mit undeutlichen rundlichen and 
lackigen Figuren von sehr unregelmässiger Gestalt nnd geringem 
ZoBUBmenbange dar. Trotzdem stehen sie den anvollkommenen 
Knochen anderer fibr&ser Theile, wie der Pleura, der inneren 
Artorienhant, der alten Hydrocelea (Bd. I. S. 161) nahe. Das 
äbrOse Gewebe, welches schon vorher sklerosirt war, nimmt die 
Kalksalse auf, welche zuweilen einen üeberschass von kohlen- 
sauren***), anderemal von pbosphorsanren-j-) Salzen enthalten. 
Darnach variirt Aussehen und Festigkeit der Massen. Im An- 
böge namentlich sehen sie weisslich, kreidig aus nnd haben eine 
mehr brOckelige Consiatenz; sp&ter werden sie mehr und mehr 
dirchscheinend und nehmen dabei h&afig ein intensiv gelhes, 
aweilen sogar bräunliches Aussehen «>, während ihre Festigkeit 
» gross wird, dass sie nur mit Schwierigkeit gesägt werden 
kennen. Dies zeigt sich ebenso bei den grosseren Knoten des 
Faterkropfes, als in der Wand des Balgkropfes. Letztere kann 
ganz glatt sein, so dass die Knochenkapsel nach innen noch von 
einer sklerotischen Bindegewebeschicht ausgekleidet ist; sie kann 
aber auch allerlei warzige und höckerige Vorspränge zeigen, 
welche ihrerseits verkalken. 

Eine besondere Erw&hnung verdient endlich noch die Ver- 
kalkung der Struma amyloides (S. 25). Hier beginnt die Ablage- 
rung der Kalksalze an den verdickten Geßtosen, und zuweilenff) 
bleibt sie so lange auf dieselben beschränkt und wird so voll- 
ständig, dass man die Vet^stelaogen derselben schon vom blossen 
Ange als einen weissen Filz oder als weisse Büschel feiner Fäden 

*) VklentiD. RepertoriDin fQr Anatomie u. PhvsioloKie. Berlin. 1836. 
Bö. 1. S. 323. > 

"} Wedl. PAthol. Hiitologte. S.287. Frerichs a. a. 0. S. 32. 
■") Bilt» bei Ipbofen. Der Cretinismua. I. S. 17. 

*) Prericha a. a. 0. S. 35. 
tt) Priparat Mo. 1212y'. 



)vGoo<^lc 



42 Zweiniidiinuuigtte Vorieanog. 

erkenneD kann. Einige Abbildnngen von Ecker*) passen genan 
auf diesea ZuBtand. Später sehreitet die Verkalkung von den 
Ge£&ssen aof das übrige Gewebe fort. — 

Uit ÄaBDahme der amyloiden kfinnen alle Formen des Kropfes, 
wie beim UenBchen, ancb bei Thieren vorkommen. Besonders 
häofig ist er beim Hände**), wo er sehr betr&ohtliohe Anschwel- 
langen iqit Gallertablagemng, Gystenbildung, Versteineiung n. dgl. 
hervorbringt. Nftchstdem findet er eich beim Pferd***} tiad Maol- 
eself), bei Schaafen und Ziegenff), beim Rindvieh f ff). 

üeberblickt man die Pathogenie des Kropfes, wie ich sie 
bisher gegeben habe, so kann kaam ein Zweifel dai^ber bleiben, 
dara auch diese Geschwulstbildnug wesentlich auf einem activen 
and formativen Prozess bembt, welcher sich mit Hyperämie. 
Geßsserweiteniag and Ezsudation verbinden kann und sehr hiniig 
damit verbindet, welcher jedoch weder einfach eine byper&mische 
Schwellung darstellt, noch wesentlich durch Exsudation bedingt 
wird. Ist aber das Wesen des Vorganges eine active and pro- 
gressive Formation, so wird man auch nicht umbin kt^nnen, ihn 
anf irgend eine Art von Reizung Euräckeufahren und ihn in die 
Reibe der irritativen zu stellen. Daxans folgt keineswegs, 
dass die Reizung jedesmal den Charakter einer entsündlichen 
tragen müsse, indess liegt es mindestens nahe, zu vermnthen, 
dass er unter Umständen einen solchen Charakter annehmen 
klVnne. Seitdem Walther'f) eine besondere Form des Kropfes 
ala Struma inflammatoria aufstellte, ist diese Frage sehr 
häufig untersucht worden. In der neneren Zeit hat man ea meist 
vorgezogen, die Tfayreoiditis von der eigentlichen Strnma ab- 

*) Ecker. Zeitachr. f. rat. Med. VI. S. HL Tai. IL Fig. 9 a a. b. 
**) Giutieri l.c.p.U5. B. Smith B^rtou. Abhaod]. Dber den Kropf. 
Dentecb vonLiebscb. UOtt 1802. S. 33. fi. F. Qurlt. Lehrbuch der path. 
Atut der UanaB&ugethiere. Berlia. 1831. Bd. I. S. 2Tö. ROach. Unter- 
sachnogen Ober den Kropf in Wartemberg. Erl. 1844. S. 212. Roll. Lehr- 
buch der fath. D. Ther. der notzbarea Hauethiere. Wien. 1856. S. 495. 
Rllliet. Hern, aar riodiame conatitutioDoel. Paria. 1860. p. 53, 109. 
A. Rej. Gu. hebdom. 1863. Dec. p. 8SS. F. Fmerj. Ebeadu. 1863. 
Jmt. p. 40. 

**■) Barton a.ft.O. S. 33. Heidenreich a. a. 0. S. 194. R311&.a.O. 
S.49&. Delafond. Recneil de m^d. T^t^. 1869. p. 639. Rilliet 1. c. p.llO. 
A. Rer Lcp.821. Baillarger. Gai. hebd. 1863. Sept. p. 617. 
t) Baillarger I. c. p. 617. 1863. Jadt. p. 25. Bmer; 1. c. 
ff) Barton a. a. 0. S. 81. Gorlt. Nachträge in s. Lebrbacb. Berlia. 
1849. S. 116. 
-Hi-) BartoB a.a.O. S. 33. Gnrlt. Lehrbuch, l. S. 276. 
•t) PhiL T. Walther a. a. 0. S. 16. 



gii^osb/GoOt^lC 



Struma iDO^mmstoris. 43 

EDtrennen. In der That ist das, was Wslther beschrieben hat, 
nichts anderes, als eine eiofscbe acute Entzündung; sie kann nach 
tnomatiBchen nnd rhenniatischen Einwirkungen auf die Drüse, 
in Folge TOD Hetaetasen n. a. w. entstehen und sie verdient 
gewiss nicht den Namen einer Strnma. Fälle von wirklicher 
Eiterung and Äbseessbildung an der bis dahin gesnnden Drüee 
sind freilich selten, aber doch oft genng geseheD. Nach meinen 
Eriähmngeo handelt es sich dabei baaptsächlich um eine inter- 
stitielle Erkrankung, nnd schon dadurch unterscheidet sich diese 
einfache Entzündang von der Eropfbildung. 

Allein verschieden von dieser einfachen und primären Ent- 
ifiDdnng ist die seenndäre Entzündung der Kröpfe. Wir 
iiiben sobon früher (S. 18) gesehen, dass der sogenannte Faser- 
kropf aus einer solchen secnndären Entzündung hervorgeht; er 
stellt die eatzfindliche Induration des laterstitialgewebes in einem 
schon bestehenden Kropf du*. An dieselbe schliesst sich nomit- 
telbar die Verdickung und Sklerose um die Kropfknoten (S. 17) 
nid um die Kropfcysten (S. 36). Alles dieses sind Formen der 
ehroniBcben Interstitialentzfindnng. 

In gleicher Weise giebt es aber anch eine Struma inflam- 
natoria acuta*), d. h. eine acute Entzündung in einem schon 
liestebebenden Kropf. Nicht selten geht diese in Eiterung über, 
(8 bilden sich eiterige Infiltrationen oder dissecirende Eitening 
oder Abscesse, die zuweilen spontan aufbrechen. Dabei schwillt 
der Kropf sehr schnell an und kann durch seine Grflssenzunabme 
sehr geßUirlich werden. Die Veranlassung zu solchen Entsfln- 
doogen sind mwachmal Verwundongen , Qnetschnngen, Erkäl- 
tongen; anderemal bleibt die Veranlassung unbekannt. Soviel 
«9 scheint, kann jede Art von Kropf diese Veränderung erfahren, 
sowohl der einfach follikuläre, aia der gallertige und cystische. 
Bei letsterem ist diese Möglichkeit am längsten bekannt, iaBofwa 
manche Behandlungsweisen, namentlich die Incision, das Darch- 
liehea eines Haarseiles sogar mit der Absicht, eine Eiterung 
hervorzumfen , vorgenommen worden sind. Dasselbe, was hier 
künstlich eingeleitet wird, enteteht anderemal freiwillig**). 

*) J. P. Frank 1. c. p. 80. Hasee a. a. 0. S. 531. Heideareich 

La.0. S. 78,83. Ealenberf; a. a. 0. S. 856. Lebert a.a.O. S. 13, 88, 

12,68. Rokitansky. Lehrbuch der path. Anat. Wien. 1861. Bd. III. S. 111. 

**) Pilparat No. 66a vom Jahre 1865. Baillie. EagraiiDEB Fase. II, 

FLLfif. S. G. Fleiechmanii. LeichenöfFDnngen. Eil. 1816. S. 188. 



^Goot^lc 



44 ZvflJDiidiwiJuigntfl VotImbuk. 

Allein nicht jede acute Enti&ndiing eines Kropfes geht notb- 
wendig in Eiterung über. Abgesehen davon, dass sie sieh xer- 
theilen kann, tritt nicht selten eine Schwellung ein, welche zam 
grossen Tbeil exsudativer Natur ist. Aach dies ist in Cysten 
am deutlichsten Eu erkennen. Nicht nur ffillen sie Bteh nach 
einer Entleerung ihres Inhaltes sehr schnell wieder, sondern sie 
vergrOssem sich auch unter entzündlichen Erscheinungen sehr 
schnell, ohne dass ein äusserer Eingriff stattgehabt hat. Dabei 
kSnnen Bngleich hämorrhagische Ergüsfe von grosser Hur- 
tigkeit stattfinden*). 

Aehnliches geschieht auch an dem gewahnlioheo Follikulär- 
kröpf, gleichviel ob er in der einfach hyperplastischen oder in 
der gallertigen Form besteht Ein Beispiel der ersteren Form 
batLebert**) mitgetheilt; eines der zweiten habe ich beob- 
achtet***). Bei diesen ganz acuten Anschwellungen kann offenbar 
an eine vermehrte Zelleobildung nicht gedacht werden; es handelt 
sich hauptsächlich um eine stärkere Dorchfeuchtung und AbsetBuog 
von Flüssigkeiten in die Follikel. Insofern steht diese Form dem- 
jenigen sehr nahe, was man in der neueren Zeit lüs acuten 



•) Pr^wnt No. 11 vom Jabre 1S66. 
*•) Lebert a.a.O. S. 40. 
"*) Ein aojihrlger kräftiger Unteroffiiier, Atr io Glatz eineo Kropf be- 
kommen hatte, erUltatfl sich aaf dem Haracbe, bekam Hnstea and Brust- 
beklemmung, welche von Tag in Tag Bchaell luuabm uad ecboo Dach 
eiDigeo TageD ao stark wurde, dasB er kaum noch Luft hole» konnte. Am 
15. Jannar 1846 wnrde er in die Charite anfgeooroinen: HOchit mDheante, 
pfeifende RespiratioD bei gröaster Anstrengung der Hals-, Brnst- und Bancb- 
mnskeln, Kopf hinten tlbergebengt, fast gar keine Ausdehonng de« Thorax, 
PdU 110, starke und gleichmlasige AnschwellaDg der SchilddrDse. Eine 
groBSB Venaesection und 13 BIntegel, sowie ein Brechmittel wurden erfoiglos 
angewendet. Am nSchsten Tage noch grossere Djspnoe, Busserste Angst, 
Gesicht blauroth, allgemeiuer Sehweiss. Die Tracheotomie hatte gleicbfalla 
keioen Erfolg; bei heftigster Abdominal -Respiration blieb der Thorax gans 
flach, man hOrte nnr in den oberen Theilen der Lange Pfeifen, aber nirgends 
Veeicnlirathmeo ; heftiges Hersklopfeo. Tod an demselben Tage. Die 
Autopsie leigte eine beträchtliche, lu beiden Seiten gleich stark ent- 
wickelte Strnma, das MittelstQck nnr mlssig geschwollen. Auf dem Durch- 
schnitt Bberall groesmaacbige Follikel mit durth seh einen der, gelblicher 
Gallertmaese , hie und da grössere und kleinere HChlen, tod denen jedoch 
keine Ober kirsch kern gross war, mit einer dunklen, ins BrfLunliche ziehenden, 
faden lieh enden, fast g^Iertigen FlQssi^eiL Die Lnngen beiderseits normal, 
hie nnd da etwas hyper&misch, die Pleura mit Ekchjmosen. Die Venen 
sämmtlich mit dunklem, klumpigem Blut gefallt Die Arachnoides trQb und 
CdematOs: an der Basis und den Seitentheilen sehr zahlreiche, jedoch wenig 
umflngliche Ekchjmosen. Die Trachea sehr Terengert, ihre sehr verdichte 
nnd geröthete, mit leichtem Schleimbelag versehene Schleimhaut unter dem 
Kropf hfickerig und in starke Lingsfalten gelegt 



)vGoo<^lc 



Nmclithflile nod Oebbren des Kropfes. 45 

epidemiBcben Kropff) beechrieben hat. Es ist dies eine, 
Daroendich bei Soldaten in gewissen Garnisonen, z. B. Silberberg, 
wiederholt beobachtete Erkranknng, deren ätiologische Verhält- 
nisse noch keineswegs sicher ergrfindet sind, die aber vielleicht 
nicht immer snm Kropf im engeren Sinne des Wortes gerechnet 
Verden darf. Denn sie geht fast immer in Resolution fiber und 
sie entsteht bei Leuten, die vorher keine Spur von Kropf gehabt 
haben. Nach einer Beobachtung von Gollin**) scheint sie jedoch 
auch zur Bildung von Gallertknoten fahren zu k9nnen. — 

Das ist im Wesentlichen die anatomische Geschichte dieser 
Znst&nde, und man begreift leicht, das» alle diejenigen Formen, 
welche mehr fibr&s sind oder fr^zeitig mehr kalkig werden 
oder welche mehr den gallerttgen Charakter haben, sieh als 
weniger scbftdlicbe, ja oft als sehr gleichgQltige Ereignisse dar- 
stellen. In Gegenden, wo Kropf sonst anbekannt ist, werden 
aatOrlich die Entstellungen, welche East immer mit dem Entstehen 
von Kropfkooten verbunden sind, Abel empfiinden und getragen 
werden. In Kropfgegenden hinwiederum gilt bei dem Volk der 
Kropf nicht blos als natürlich***), sondern hie und da auch als 
eine Schönheit, und selbst Aerzte, die in solchen Gegenden 
practisiren, erklären, dass er höchstens durch seine mechanischen 
Wirkungen nacbtheilig oder geßhrlicli werde f). Die Gefahren, 
weiche durch den Druck des Kropfes auf die Nachbartheile hervor* 
gebracht werden, sind seit langer Zeit bekannt tt)= Circulations- 
stSrungen, bedingt durch den Druck auf die Yenae jagulares und 
die Carotideo, InnervationsstftrungeD , abhängig von dem Druck 
auf den Vagus, Sympathicus und Flexas brachialis, Deglutitions- 
stömngen, bewirkt durch den Druck anf die Speiseröhre, endlich 
Respiration sstOmngeD, als natflrüche Folgen des Druckes auf die 
Trachea. Es liegt auf der Hand, dass damit die Gesammtheit 

*) Vgl. die ZatuameastellDiig tou Lebert x. a. 0. S. 60, lowie Niret, 
Docomeuts snr les äpid^mies qui oat regD^ dane rurondiBsement de Olermont- 
Ferrand de 1849 a 1864. Paris. 1866. p. 61. 

") Collia. Recaeil de mämoires oe mäd. cbir. et phano. mQit 1861. 
Ko. 19. 

***) Herillias I.e.: strniiioflDs morbosns est, gntturoau« sanns, ei natura 
Ulis Sit 

t) HausleutDsr a. a. 0. S. b. 

tt) Vgl. die Literatur bei Hedenus. Tractatns de gtasdola thjreoidea 
taa Sana quam morbosa, inprimis de struma eJDaqae canais atqae medela. 
Ups. 1832. p. 16— 78, 160. HoigagDi. De sedibns et canBii morb. Bpist L. 
■rt. 37. Albers. EriaDternngeD S. 307. 



)vGoo<^lc 



46 Zweioadcwauigste Vorlesung. 

der möglichen EinäfiSBe nicht erscbSpft ist. Äbgesebaa davon, 
das8 aus dem Kropf allerlei schädliche Substaneen (ich erinnere 
nnr an den Oxalsäuren Ealk) in das Blut gebracht werden können, 
kann auch eine beschleunigte und durch Erweiterung der Arterien 
vermehrte Circulation in dem Kropf eine Ableitung von den 
fibrigen Aesten der GarotiB und damit eine collaterale AnSmie 
im Gehirn bedingen. 

Jedenfalls bringt der Druck auf die Luftrdhre*) am 
häufigsten den Arzt umnittelbar in die Lage, hülfreich einschreitui 
zu mGssen. Der Grand dieses Druckes ist nur znm Theil ab- 
hängig von der Grösse der Geschwulst; viel mehr wird er be- 
stimmt durch den Sitz oder die Lage derselben, welche durch 
allerlei ümst&nde sehr verschieden sein kann. Insbesondere ist 
der Zustand der bedeckenden Muskeln von grosser Bedeutung. 
£inmal habe ich dieselben in voller fettiger Metamorphose und 
natärlich in Folge davon sehr schlaff gesehen. Häufig sind sie 
kräftig und leisten dem Druck des Kropfes starken Widerstand, 
BO dass er mehr gegen die inneren Theile gedrängt wird. Die 
gewöhnlichste Compression ist die laterale; sie tritt ein, wenn 
eines der HOrner oder beide sich so sehr vergrOssern, dass die 
Trachea von der Seite her zusammengedrängt wird. Doppel- 
seitige Compression tritt nameotlich ein bei dem coi^enitalen 
nnd gelatinösen Kropf, welche bis weit nach hinten und oben 
zugleich die Trachea und den Oesophagus oder Pharynx umfassen. 
Aber auch grosse lobuläre Stmmen, mögen sie nun cystiach, 
oder iadurirt und verkalkt sein, bedingen die laterale Compres- 
sion, wenn sie von den hinteren, oberen oder unteren Theilen 
der Höroer ausgehen. Die Trachea wird dadurch zn der Form 
einer Säbelscheide oder eines Prismas zusammengedrückt. Ist 
der Kropf einseitig, so wird die Trachea disloeirt**), gebogen 
und sehr häufig zugluch verengert. 

Es kann aber auch sein, dass die Compression von vom her 
erfolgt***). Das ist namentlich bei dem gefQrchteten subster- 

*) Flijani. ColleiioDe d'osaerv. e rifles«. di chinirgim. Rom. 180S. 
T.IILp.278. Heideareich &. «. 0. S. 144. Bonnet Oaz. m^d. 1861. 
No. 48—51. H. Demme. WBrib. med. Zeitachr. Bd. II. S. SSO. Bd. IIL' 
S. 2U. Eulenbere a. a. 0. S. SSI. Lebert a. ^ 0. S. 118, 190, 198. 
KfiBig. Archiv der Heilkonde. 186S. S. 246. 

**) AdelmkDD. JabtbDcber der philoBopbisch-medic. Gesellschaft in 
WdnibniK. 1828. Bd. I. 2. 8. 108. 
*"} Adelnaao. Eb«adu. S. 107. Gnillot. Arch. g^n. 1860. Not. p. 617. 



jvGoo'^lc 



Struma aobBterDslia. 

nalen*) Kropf der Fall, wo am häufigsten eine so starke Yer- 
gröBSerang des MittelBtücks erfolgt, dass sich die Geschwulst 
unter das Stemnm schiebt. Hier, wo die Trachea kaam aus- 
weichen kann, wird sie durch die wacheende M^se gegen die 
Wirbels&nle gedrängt und abgeplattet. Es ist diese Form om so 
ge%hrlieber, als sie zuweilen vorkommt, ohne dass nach anesen 
eine irgendwie bedeutendere oder bemerkbare Anschwellong vor- 
banden ist, so dasa die Respirationsbeschwerden, welche dadurch 
bedingt werden, in Beziehung auf ihre Ursache sich in hohem 
Haaese der Betrachtung entziehen kOnnen. Schon Foderä'*) 
kannte diesen Gottre en ded&ns, und wusste, dass er zuweilen 
gar keine sichtbare Geschwulst erkennen lässi Wie gross die 
intrathoracische Geschwulst dabei werden kann, ist nicht genau 
festgestellt, da mehrere ältere Beobachtungen***) unsicher sind, 
nicht 80 sehr in Beziehung auf den Zusammenhang mit der Schild- 
drüse, als vielmehr in Beziehung auf die Natur des üebels. 
Gewöhnlich tritt der Kropf in der Mittellinie bis in den oberen 
Tbeil des Mediastinum aaticum ein; indess kann dies doch auch 
mehr seitlich geschehen. Dann 1i^ die Geschwulst hinter dem 
Schlüsselbein t) und der ersten Rippe. Manchmal ist es auch 
eines der Hftmer, welches sich nach unten hin verlängert. So 
fast sieh in einem unserer Piüparateft) das zu einem apfelgrossen 
Knoten angeschwollene rechte Hom hinter die Carotis geschoben 
und ist so in den Supraclavicularranm getreten. Ädelmannfff) 
sah das linke Hörn vor den Gef&ssen und Nerven und hinter 
dem Schlüsselbein und der ersten Rippe in die Brusthi>ble ver- 
längert, wo es die linke Lunge bedeutend zurückdrängte und bis 
zum Bogen der Aorta reichte. Mir wurde eine über faustgrosse, 
mnltilocnläre Gystengeschwulst gebracht, die man in dem Pleura- 
sack eines Invaliden ge&aden nnd nicht erkannt hatte; die mikro- 
skopische Untersuchung der Gystenwand ergab, dass darin com- 
primirte Scbilddrüsen-Follikel in Menge eingeschlossen waren'f ). 
Nicht nothwendig haben jedoch die snbsternalen KrOpfe, welche 



?Giehr]. Nene med. chir. Zeitung. 1814. Ko. 50. CrnTeilhier. 
d'anat. p&tb. c^u^r. T. IL p. 249. 
") Fodei-Ö I.e. p.27. 
•») HfinchmeTer n. Hagans bei Heidenreich a. m. 0. S. 140. 
f) Crnveilhier I.e. p. 249. Note, 
tt) Prlparat No. 1119. 
ttf) AdelDsan a. a. 0. & 106. 
*f) Priparat No. 68 tob Juhn 166fi. 



)v Google 



48 ZweiandimuuiKate TofImiidk. 

TOD einem der Horner der SchUddrOse ausgehen, eine laterale 
Lage. Icfa sah einmal*) einen Knoten von fast S Zoll Höhe, 
der zata grossea Theil mOrtelartig verkalkt war, vom linken 
Hom aus sich median bis zom Bogen der Aorta erstrecken. 

Eioigermaassen ähnlich dem Bubsternalea Kropf verhUt es 
sich mit einer anderen Form, welche namentlich bei Kindern 
vorkommt und welche eine der wichtigsten Arten der Struma 
congenita darstellt. Das ist die submaxillare Form**), wo 
die EntwickeluDg der SchilddrSse so hoch nach oben erfolgt, 
daes ihre Homer hinter den Winkel des Unterkiefers, ja selbst 
bis an den Processus mastoides reichen, aber zuweilen sieh so 
verbergen, dass man sie kaum von aussen her bemerkt. Auch 
geschiebt es manchmal, dass Kropfknoten aus der Spitze der HOmer 
hervorgehen; dann liegen sie so hoch neben dem Larynx und 
dem Zungenbein, dass man versucht ist, sie auf irgend eine 
jmdere der zahlreichen Drüsen dieser Gegend za beziehen. 

Die GompresBion und die dadurch bedingte Tracheostenose 
ist natürlich je nach dem Wachsthum des Kropfes eine sehr ver- 
schiedene. Manchmal erfolgt sie sehr langsam, und die Leute zeigen 
nur die eigenthAmlicb gedämpfte und rauhe „Kropfstimme" ***) ; m 
sind kurzatbmig, empfinden einen eigenthamlichen Kitsel im Halse 
und bringen häufig ein heiseres Hüsteln hervor; anderemal ge* 
schoben ganz acate AnscbwellungeD, welche die grSsete SufTo- 
cations-Gefabr mit sich bringen, eine Gefahr, die um so grösser 
ist, wenn wegen einer latenten Lage die Natur des Uebels nicht 
erkannt wird. Ein besonderer Umstand ist dabei herrorauheben. 
Während t&t gewöhnlich die Erstickungszunile sich allmäblicb 
steigern und nur durch gleichzeitige katarrhalische Absonderung 
von Zeit zu Zeit bedrohliche HustenanAlle eintreten, so kommt 
es zuweilen vor, dass die Asphyxie in plfitilichen Paroxysmen 
auftritt, welche wahrscheinlich abhängig sind von BohneUen flnxio- 
n&ren Schwellungen und Biotungen in das Innere der erkrankten 
DrOse. Ein wahrhaft ersch&ttenidee Beispiel dieser Art ert&hlt 
Hannschkef) von einer Schwängern, die ihn rufen Hess, weil 
sie fiberzengt war, dass der nächste Anfall sie tOdten werde; 



*) Virchow. GeBimmelte AbhftDdl. S. 686. 
'•) Virchow. Ebeodu. 8. 978, 981. 

***) 3. F. Frank 1. c. p. 67: vocem Mpenm, iDamoeDam, specific« mdo- 
nm, coaxantem qoui, reddit 

t) HanusrbKe. CbirurgiBch-openti*» Erfi^rasgea. Leips. 1864. S. 79. 



)vGoo<^lc 



Struma perforaaa- 49 

er traf sie in voUer BeBCbäftignng, ihre letstea VerfBfpingen ta 
treir«D, scheinbar ganz wohl, und er war hCchat erstaunt, ihre 
iQBt&ndige Bitte zu hfiren, dass er doch nach ihrem Tode ihr 
Kind retten mßcbte. Plötzlich erfolgte der aephyktische Anfall; 
alle Hälfe war vergebens, und der Arzt hatte nnr den Trost, das 
Kind durch den Kaiserschnitt wirklich zu retten. Bei der Autopsie 
der Mutter fand sich ein sahsternaler aoearysmatischer Kropf. — 
Ausser den Compressions-Gefahren gtebt es noch ein besoo- 
deres gefahrdrohendes Ereigniss, welches bei GystenkrApfen vor- 
kommt. Sind nehmlich die Cysten nicbt von einer sehr dicken 
Wand nmgeben, so kann durch die zunehmende Anh&ufung von 
hhalUmassen an gewissen Stellen eine Verdflnnnng der Wand 
und ein endlicher Aufbruch erfolgen. Dieser wird namentlich 
dadurch begünstigt, dass entzündliche Prozesse in der Cysten- 
«and Platz greifen, am hänfigsten Eitemng*). Manche der 
bieiter gehörigen Fälle sind als blosse Abscesse der Schilddrüse 
beschrieben und mit Unrecht vom Kropf getrennt worden. Der 
Aufbrach erfolgt manchmiU nach aussen**), h&nfiger jedoch nach 
innen: Strnnla perforans. Zunächst ist die Trachea, nächst- 
dem der Pharynx und Oesophagus ausgesetzt. Die Perforation 
wird wesentlich dadurch erleichtert, dass schon vorher dnrch 
iw Dmck der Kropfgeschwnlst oder anderer Theile eine Osur 
der omliegenden Gewebe geschieht. Crnveilhier ***) sah einen 
kreigfCrmigen Snbstanzverlnst in der hinteren Schlnndwand, her- 
beigefDhrt durch den Druck des hinteren Randes des durch 
eine Kropfgeschwulst rückwärts gedrängten Schildknorpels. Die 
Trachealknorpel erleiden an den Hauptdruckstelleo nach und nach 
eine fettige Metamorphose und Erweichnng-f-). An diesen Stellen 
dringt sich ein Theil der Cyste nach innen vor und bildet einen 
flnktnireaden Hagel, der endlich einreisst und den Ergnse des 
Cysteninhaltes in die LuftrOhre zulässiff). Mehrmals habe ich 

•) Plflorj. Ou. möd. 1866. No. 9. p. 138. SanKalli. Storiacüihed 
Mit. dei tninori. PaTia. 1860. Vol- II. p. 90. Ewart. Deecriptive catalogne 
ot the pathol. preparatioDB in the Hnseum of tbe med. College at Calcntta. 
Und. 1866. p. 39. No. 164. 

**) E. Gnrit Deber die Cyste ngegchwfllete des Ualaes. S. 75. Enlen- 
berg t. a. 0. S. 340. Wilks. Lect on path. anat. p. 193. 
•••1 CrnTBÜhier. Ätlaa d'anat. path. Livr. XXXV. PI. IV. p. 3. 
f) Damme. WQrib. Zeit. II. S. 401. Lebert a.a.O. S. 202, 21ö. 
ft) Baillie. EngraTJoga Faec. II. PI. I. fig. 8. Gooch bei Albers. 
EtliatornDgen S. 363. fiiachmann. Schmidts Jabrb. 18i7.Bd.I.V. S. 140. 
Sangalli L c. p. 90. Vgl. die Angaben tob Hasse a. a. 0. 8. 521. 

VlTshav, GNckwlUt*. UL 4 



gii^osb/GoOt^lC 



50 ' Zweiaadswuisfgat« Vorisaang. 

anch eine Eiterung zwiBcben Trachea and Kropf gesehen, welche, 
mn&chst Ton dem loBen Bindegewebe ansBerhalb beider ausging, 
aber offenbar durch den anliegenden Kropf zunächst bedingt war. 
Auch diese Paratbyreoiditjs kann die Trachea perforireo*). 
In solchen Fällen tritt der Tod aaphyktisch ein. Dasselbe kann 
jedoch anch bei einem Durebbruch in den Pharynx geschehen, 
indem die austretende Flüssigkeit sofort in den Larynx herfiber- 
fliesst**). In einem Falle von Heidenreicfa ***} soll Erstickung 
durch den Druck einer Extravasatmasse erfolgt sein, welche aus 
einer geborstenen Cyste in das umliegende Bindegewebe erfolgte. 
Die Bedrohung der Nachbartheile durch üebergreifen des 
Sebilddrflsenleidens und Perforation ist natürlich viel grosser 
bei jenen malignen Geschwulstfonuen, die man namentlich seit 
Waltber f) unter dem Namen der Struma scirrhosa s. car- 
cinomatosa geführt bat. Wie schon erwähnt (S. 3), so ge- 
bort der gewöhnliche Krebs der Schilddrüse, mag er primär oder 
secnndär (durch Infektion von der 'Nachbarschaft aus oder durch 
Metastase) entstanden sein, nicht zum Kropf. Trotzdem muss 
man die alte Bezeichnnng beibehalten für solche Fälle, wo ein ge- 
wöhnlicher Kropf degenerirt, wo also in einer bestehenden 
Struma ein Krebs oder Sarkom sich entwickelt. Mir trat diese 
Frage zum ersten Male scharf entgegen bei der Untersucbnog 
des umfangreichen Kropfes eines 53 jährigen Gretinsff), welcher 
neben einigen alten Kalkknoten von gewöhnlicher Beschaffenheit 
eine faustgroBSe, kugelige, mit äusserst weiten Venen überzogene 
Geschwulst enthielt, die innen ein derberes, mehr balkiges Ge- 
webe, aussen eine weiche, markige Masse aus grosskemigen 
Zellen darstellte. Dem Hanne war 8 Jahre früher der Hoden 
wegen einer Geschwulst exstirpirt, und es fanden sich ausser den 
Massen in der Schilddrüse ähnliche Ges(^wOlste in dem Brnslbein 
und den Lnngen; es konnte also nicht zweifelhaft sein, dass es 
sich hier um metastatiache Bildungen handelte. Zwei andere Fälle, 
die ich gleichfalls in Würzburg seeirte, hat FOrster später ans 
den Protokollen mitgetheilL In dem einen, bei einer 65jäbrigen 

*) Prftpant No. 152 vom Jahre ltl62. 
") Piget Lectures. T. 11. p. 88. 
•") IlBidenreich a. ». 0. S. 130. 

-)) Ph. T. Walther. Nene Hellait des Kropfes. S. 16. 
tt) Vtrchow. WDnb. VerhaDdl. IBöT. Bd. Vll. S. 207. Vgl PQrBter. 
WQrab. med. Zeitschr. 18H0. Bd. I. S. 83. 



jvGoo'^lc 



ämiDk ordnomatooft. 51 

Schnaterswittwe*), lag eine grosse, meiner Heinnng nach die 
prim&re uod von mir als Sarkom betrachtete Geschwulst hinter 
dem Pharynx, in dessen hintere Wand sie eingriff; swei be- 
tT&chtliche Knoten hatten sich in der vergrl^Bserten und übrigens 
gallertig infiltrirteo SchilddrSse entwickelt; andere Metastasen 
fanden steh im Pancreas und den Nieren. In dem anderen 
Falle **) dagegen schien der Krebs zuerst in der Schilddrüse, die 
öberdies vergr&ssert und gallertig war, entstanden tu sein und 
sich erst von da auf das Mediastinum, die Venen nnd Lnngeo 
fortgesetzt zu haben. Seitdem habe ich namentlich einen Fall***) 
beobachtet, wo es mir nicht zweifelhaft geblieben ist, dass ein 
alter Kropf krebsig geworden ist. Es ist eine fast kindskopfgrosae 
Geschwulst des rechten Homs, welche auf dem Durchschnitt ein 
Gemisch der verschiedensten Abschnitte, namentlich alte fibrSse, 
Bklerotische und verkalkende Kropfkooten nnd diffuse hyper- 
plastische nnd gelatin&se Stellen neben unzweifelhaften, sehr 
lellenreichen Carcinom- Knoten zeigt; an manchen Stellen gr^ 
der Krebs in die fibrOsen TheUe geradezu ein. 

Die Literatur über diese Dinge ist wenig zaverl&ssig. So 
halte ich den von Burnsf) als Carcinom beschriebenen Fall 
fär einen gewöhnlichen Cystenkropf. Ebenso zweifelhaft sind 
die Angaben von Meckelff) und einigen Neueren. Hetten- 
heimerftt) beschreibt einen alten tibrOsen Kropf, dei neb^ 
Krebs des Oesophagns bestand ; da auch er geneigt ist, denselben 
we^en dieser Combination als krebsig anzusehen, so bemerke 
ich, dass F&Ue von Kropf neben krebsigen Affektionen'f) Öfters 
gefanden werden, ohne dass der Kropf deshalb in seiner Natur 
vertndert wird. Aber anch zuverlässige Beobachter**!) sprechen 
sieh bestiinait ffir das Vorkommen krebsiger D^eneration pr&- 
existirender Strumen aus. In der That wird man dies nicht 

*) FOrater (&. s. 0. S. 86} betieht den Fall Dorichtig »f einen Bier- 
brauer. 

*•) POrater a.a.O. S. 34. 
"•) Pripwat No. 151 Tom Jahre 1862. 
f) Allan Barm. Bemerkungen Ober die ehirarg. Anatomie de» Kopfes 
B Halses. DenUcb toh DohlhoS. S. 194. 

tt> Job. Fr. Heckel Handbnch der patbol. Anatomie. Bd. U. 2. S. 833. 
Vgl Albere. AÜss. 11. Taf, XXX. Fig. IV. Erläuterungen' S. 886. 
tH') Hettenheimer. Wttnb. med. Zeitscbr. 1862. Bd. III. S. 814, SIT. 
•f) Virchow. Gesammelte Abhandl. S. 691, 693. 
■*t) Stromever. Handboch der Cbiinrgie. IL 3. S. 886. Lsbert 
«. a. 0. S. 266. 



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53 ZweinndBWftDzigato VariMiing. 

beEweifelD kJlanea, wean ia einem Falle') bei etnem 49jlhrigen 
Mftone, der seit 20 Jabren eine apfelgresse Struma hatte, eich 
plOtslich in der Geechwalst ein Carcinom eatwickelt, in einem 
anderen**) bei einer 40jfthrigen Frau, die tob Kind anf eine 
Anschwellung der Schilddrase gehabt hatte, die mit Cysten dnrch- 
eetzte Drfise nach einem Bnietkiebs carcinomatOs wnrde, oder 
wenn sich in der Drüse neben dem Krebs alte Kalkknoten, 
Cysten o. dgl. finden***). Da die Entwickelung des Krebses, wie 
die der Indoratioa und der Eiterung, interstitiell geschieht, so 
steht ikn sich einer solcben Degeneration nichts entgegen; ja, man 
wird vielleicht trotz der Seltenheit dieser Degeneration eine ge- 
wisse Fr&disposition der fitrnmOsen Drüse anerkennen müssen, da 
der Krebs der Schilddrüse an sich su den seltensten Affektionen 
gehört. Jedenfalls bietet die Tuberkulöse kein ähnliches Ver- 
h&ltnias dar. — 

In Beziehung anf die ätiologischen VerbftUnisse des Kropfes 
habe ich zunächst daran zu erinaern, dass diese Frage dadurch 
vielfach erschwert worden ist, dass man jede Art von Schwellung 
«nd Vergrftsserung der Schilddr&se Struma genannt hat, Hag 
nnn anoh in solchen Schwellungen, wie sie namentlich durch 
Hyperämie (Gefässerweiterung) und stärkere Durchfenchtnng des 
Gewebes erzeig werden, nicht selten eine Prädisposition za 
wirklichem Kropf liegen, so wird man doch die bloa prädis- 
ponirenden Ursachen sehr bestimmt Ton den determinireDden 
scheiden müssen. 

Die besondere Neigung des weiblichen Geschlechts zur 
KropfbilduBg ist fast von allen den Schriftstellern hervorgehoben 
worden, welche in Kropfgegenden lebtenf). Laycockf-f*) giebt 
an, unter 551 Fällen von Kropf nur 26 = 4,7 pCt. bei Männern 
gei^lt Eo haben; ja, Mitchell habe in Nichsdale, dem ^Bauptsitze 



*) Lebert. Ebendu. S. 295. 

**) Path. Cabtlogne of the Maseam of Ouy's Hoap. London. 1857. 
No. 1711". 
*•*) P«rst«r a. a. 0. S. 27, 39. Demm«. Wflnb. med. Zeit U. S. 40S. 
t) Poder« 1. e. p. 23, 69. Gaatieri 1. c. p. 146. Th. Prosser. An 
MuonntaDd m^thod of the eure of the broDcbocele or Derby neck. Lond. 
1770. (bei Richter. OhirDreiache Bibliothek. GOttiogeD d. GothA. 1711. 
S. 16ä). Bausleutnei a. k.O. S.6. B. Smith Barton. Abhandlnag fiber 
den Kropf, so «ie er eich in TerBchiedenen Th eilen von Nordamerika biofig 
Bildet Uebere. tod Liebocta. Gott 1802. S. 39. 

ff) Laycoek. Edinb. med. Jonm. 1863. Jnlj. p. 8. 



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PiUiapositton mm Rnqtf. 53 

deB Kropfes in Schottland, 80 — 90 pCt. Weiber unter den Kr6pfigeii 
KefniHleD. Freilieb trifft dies nicbt überall in gleicher Weise zn: 
die sardinisehe CommisBioa*) zählte gegen 4323 kröpfige M&nner 
DDT 5236 Weiber. Indess kann nach den sorg^ügen Unter- 
sncbnDgen tod Tourdes**) in Strasbarg die grOBsere Prädispo- 
BitioD dee veiblicben Geschlechts nicht zweifelhaft sein. Vor- 
Uwrgehende AnschwelluDgen bei der Menstrnation (Mond' oder 
Hooatekrftpfe) nod wiUirend der Schwangerschaft sind volks- 
bekannt, aber sie sind zunächst keine Strumen. Nichtsdesto- 
weniger können daraus schnell Strömen erwachaeo, wie die An- 
gaben von Foderö"*) nnd die neueren Falle von GuiIlot+) 
beweisen ; zweimal sah der letztere die w&hrend der Scbwaoger- 
Echaft schnell zunehmende Anschwellai^ den Tod durch Asphyxie 
herbetföbren. Soviel ich seine Beschreibung verstehe, huidelte es 
sich dabei um GaUertkropf. — Auch die Hysterie ist fraherff) 
tls Ursache des Kropfes angeschuldigt worden. 

Das jugendliche Alter bildet ein weiteres pr&disponi- 
rendes Moment Nach Foderefft) zeigt sich der Kropf nuist 
iwiseben 7 bis 10 Jabren; Prosaer'f) behauptete geradezu, dass 
er immer zwischen dem 8teo bis 12ten Jahre beginne, und 
Hansleutner **f) war der Meinung, dasa er nach dem 40Bten 
Jiüire selten oder nie entstehe. Es stimmt dies mit den be- 
kannten Entwiokelangsverh&ltnissen der Schilddrüse, welche beim 
Neugebomen im Verhfiltniss zum ganzen Körper ungewöhnlich 
gross ist und später verhältniesniftssig abnimmt Denn na^ 
Haschke*"t) ist das Gewicbt derselben beim Neugebornen 
im Verh&ltnisB zum Körper =1:400 — 243, beim 3 Wochen 
alten Kinde =1:1166, beim Erwachsenen =1:1800. Dazu 
kommt, dass, wie schon firSher (S. 11) erwähnt, die Schifd- 
drnse oft sehr unregelmässig gebildet wird, nicht nur 

*) Rj^tport de la commissioa creee par S. M. le roi de Sardaigne ponr 
etndier le crätiaiBme. Turin. 1648. p. 130. 

**) Tonrdes. Dn goStre ä Strasboarg et dane le d^partement du Bm- 
Rhin. Strasb. 1854. p. 60. 
•") Foder^ 1. o. p. 23. 
t) N. Onillot. Arch. giaii. 1860. Not. p. 513. 
H) Alibert Nosologie oatur. p. 471. 
t+t) Fodere 1, c. p. 28. 
*t} Richter a. a. 0. S. 168,' Vgl. HaffeL Meoe UnteranchuDgeQ DW 
deo KretinismuB. Eriangen. 1844. S. 132. Toordee 1. c p. 68. 
**f) HanglentDer a. a. 0. S. 6. 
***t) HoBcbke. Bingev«d«le)ir«. .S. 299. 



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54 Zwetaidiwantigste Torleaong. 

in Beriehnng auf ihre GeDtoee, sondero andi in Beziebnog auf 
ihre Snbstaoz. Die ünregelm&ssigkeit der Geftase kann kanm an 
einem Orgaoe grosser sein. Thilow*) sah B&miDtliobe Arterien 
der Schüddrfige aas einem gemeinBamen Stamme hervorgehen, 
welcher zwischen dem TrnncuB anonymnB nnd der Carotis sinistra 
ans dem Bogen der Aorta entsprang. Heidenreich**) hat 
mehrere F&Ue zusammengestellt, wo die Carotis externa fehlte nnd 
diejenigen Geisse, welche sie sonst abzugeben pBegt, aas der 
Art thyreoidea snperior entsprangen. Aaf diese Yerh&ltniese 
mache ich ansdrOcklicb aufinerksam, einerseits weil ihre Kennt- 
niss ftr etwaige Operationen an der Schilddrflse von grosser 
Wichtigkeit ist, andererseits weil ich Beidenreich darin bei- 
atimme, dasa eine st&rkere Vascolarisation der DrSse ein pridis- 
ponirendes Moment fftr Kropfbildnng ist. Dies ist am eo mehr 
der Fall, wenn, wie so hftnfig, eine abnorme Bildnng der Drflse 
selbst damit verbunden ist, namentlich jene Nebenläppchen und 
Forta&tze am hinteren nnd oberen Umfange, von denen die Eropf- 
bildnng so oft ihren Anfong nimmt (S. 13). 

Es hegreift sich ans diesen Eigenthflmlicbkeiten, daas die 
Stmma nicht selten zn den congenitalen***) üebeln gehört 
Hetzt) fait das als eine grosse Barit&t behandelt; indess giebt 
es zahlreiche Beobachtungen darfiber, zomal aus Gegenden, wo 
Kropf fiberhanpt häufig ist Man muss jedoch darauf Rflckaicht 
nehmen, dass eine Henge solcher Fälle, wo die Strumen latent 
sind, nicht eher festgestellt wird, als bis man eine genaue anato- 
mische üntersnchnng macht. Ad der Stelle, wo man die Drflse 

*) 6. H. Tbilow. BoMhreibnng kaatomiach-patboioKiscbBT Gegtnsttnde. 
Gotha. 1804. I. S. 114. 

*■) H«idenr«ich ik a. 0. S. 160, 16S. 

***) Fodtti 1. c. p. 37. Hanslentner i. a. 0. S. 7. HedenuB !. & 
p. 104. Pmlletta. EsercitatioDes patbol. Hediolani. 1830. T. I. p. 166. 
Albers. AtlBB. Taf. XXT. Fig. TIII.-IX. ErlänternnKeD S. 815. Heiden- 
r«icb a.a.O. S. 164. Basae a.a.O. S. 622, Virchow. ArcbiT. Bd III. 
S.489. Geeammelte Abhandl. S. 978, 981. Keiller. Bdlnb. med. and Barg. 
Jonrn. 1856. Ciaebook p. 81. SimpBon. ObBtetric memoirs. Ediab 1856. 
ToL II. p. 894. Fig. 4tt. Niepce. Traitd Au gottre et do cr^tiniBme Paria. 
1861. T. I. p. 59. Maurer. Jonmal fUr Kiuderkrankbeiten *on BefareDd d. 
Hildebrandt. 1864. Jabrg. XIL S. 861. Eulenberg a.a.O. S. 33S. Rapport 
delaCommiBBioii Sarde P..43. Toardes I. e. p. 23. F.Weber. Beitrige 
Rnr path. Anatomie der Neugebornen. Kiel. 1852. Lief. II. S. 84. Crightos. 
Ediob. med. Joarn. 1866. Aug. p. 149. F. Emerj. Oai. hebd. 1863. Jan*. 
p. 40. Spiegelberg. Wdrib. med. Zeitschr. 1864. Bd. V. S. 160. Stro- 
mever. Bandb. der Chirorgie. 1866. Bd. 11. 2. S. S91. 
t) Bett. Zeitacbr. f. rat. Hed. Bd. IX. S. S88. 



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StrQnu congenita. 55 

SewObnlich Bucht, da findet man sie bei Neageboroeo allerdii^ 
hkofig nicht. Sie liegt vielmehr oft verhaitBissmlUBig hoch, zn> 
weilen dicht unter dem Zungenbein, und ihre Hörner reichen, 
wenn sie sich vergrOBBern und seitlich in die H&he schieben, 
hinter dem Fharynx bis über den Atlas and den Kiefenffinkel 
hinauf. Es entstehen dadurch bedeutende ReBpirationB-HiDdei- 
DJsae; ja in einem Falle sah ich dadurch ein net^ebornes Kind 
erstickt Äehnliche Fälle beobachteten Stoltt ood Bach*), sowie 
Betz"). Enlenberg erwähnt einen Fall, wo die Strnma con- 
lenita, obwohl nur einseitig, hfibnereigross war,; ja, Biraad ***) 
fond bei einem 5^ Monat alten Fötus einen mit grossen Venen 
fiberdeckten Kropf von 16 Grammes Gewicht (statt 2 Grammes 
nvnnid). Wie schon erwähnt (S. 25), handelt es sich hier in 
der Regel um sehr geflssreicbe DrflsenkrOpfe ohne Gallerte und 
CygtenbilduDg, die natürlich sp&ter beides hervorbringen und sich 
mehr nnd mehr sichtbar entwickeln können. Bei diesen latenten 
Fillen fahrt nur die Störung der Respiration, das Asthma tby- 
reoidenm auf die verborgene DrfiBen - AuBchwellung hin. — 
Auch bei neugebomen iJiinmem und Ziegen ist Kropf gesehen 
worden t). 

Freilich sind manche der Angaben Qber congenitale Strumen 
aiebt genao genug, um vollständig beweiskräftig zu sein, zumal 
nachdem Bednar und Heckerff) darauf aufmerksam gemacht 
haben, dass bei Kindern, die in der GesichtBlage geboren werden, 
Mbr bedeutende, byper&miscbe Schwellungen der SchilddrKBe vor- 
kommen, welche in einigen Wochen sich wieder znrückbilden. 
Es ist mir allerdings bedenklidi, ob auch alle, von Bednar 
bei der Section gesehenen Vergröfisemngen der Schilddrüse Neu- 
gebomer in dieselbe Kategorie gehören, da er einzelne Hörner 
bis EU ]^ Zoll lang, ^ Zoll breit und ^ Zoll dick fand. Um 
so mehr bemerkenewerth sind daher die Fälle von Kropf beim 
anreifen Fötns, welche überdies grössere Geschwfilste bilden, 
als die gewöhnlichen congenitalen Formen, auch sieb weiter 

*) Toardes l.c p.88. 
••) Bets a. ». 0. S. 230. T*f. VI. Fig. 3-4. 
'**) B^rmad. Union mii. 1861. T. IX. p. 333, 353. 
t) E. F. Ourlt Nachträge S. 116. Barton a. a.0. S. 33. 
tt) k. Bednar. Die Krankheiteo der Neugebomen n. Sftagliage. Wien. 
liaa. Bd. III. S. 77. C. Hecker. Klinik der Geburtakonde. Leipz. 1861 
Bd. L S. 68. 



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56 Zweinndtwansigste Torlesaag. 

metamorphoairen. Äuseer dem Bcbon en^oteo F&Ue tod Bimad 
ist hier nameatlich eine Beobachtung von Friedreich*) aneu- 
führen, der bei einem Tmonatlicben FötuB einen groBsen Cysten- 
kropf fand, vor allen aber der Fall von Uondini**), wo 
bei einem 8 Monat alten FOtns ein ongehenrer Kropf vorkam, 
der über die Brnat bis an das Ende des Stemom und über den 
Winkel des Unterkiefers fast bis zum Auge reichte, und nun Tbeil 
einen cystischen, zum Theil einen schwammigen, telai^ektatischen 
Bau hatte, unter den nach der Geburt an anBgetrageoen Kindern 
beobachteten Fällen kommen diesem nnr zwei nahe. Den einen 
beobachtete Hubbaner'") bei einem Neugebomeo, wo das 
linke Hom der SchilddrQae in eine mit Cysten dnrchBetzte 
Gesdivulflt verwandelt war, deren GrOBse 1^ mal die des Kopfes 
des Kindes betrug und die vom Kinn bis zum Ohre nod über 
die obere Hälfte des Halses reichte. Die Geschwulst bildete hier 
ein Geburtehinderniss. Den anderen Fall sah Adelm ann f) bei 
Dieffenbach: das Eind wurde 10 Honat alt; bei der SeetiOD 
&nd man nur serOse Cysten und „Knorpelmaasen", bo dasB ea 
zweifelhaft sein kann, ob es eicb nm einfache Struma handelte. 
Endlich erwähnt Bednar ff) eine wallnnssgrosse Struma gelati- 
nosa ans dem rechten Hörn der SchilddrOse, welche nach der 
Geburt sich nicht weiter verändert hatte und ohne ^le Beschwerden 
getragen war. 

An die Geechichte der angebornen KrSpfe knfipft sich unmit> 
telbar die Frage we{;en der hereditären ftt) KrOpfe, welche 
deshalb etwas schwer zn erledigen ist, weil die territorialen Ver- 
hältnisse an sieh in einer ganzen Bevölkerung eine grosse Dis- 
position hervorbringen, von der man nachher niclit mit Sicherheit 
sagen kann, ob sie sich von den Eltern auf die Kinder fort- 
pflanzt, oder ob die Kinder schon im Matterleibe denselben krank- 
machenden Potenzen unterliegen, denen die Eltern ausgesetzt 

') N. Priedreich. Mein Handb. 6er Spec. Path. n. Ther. Erlangen. 
1868. Bd. V. 1. S. 62*. 

**) Fr. HondiDi. Notj corotnentarii Acad. scient instit. BoDonieoBiB. 
1629. T. in. p. 343. (bei v. Ammon, Die angeborneD Chirurg. Kraakb. 
des Menschen. Berlin. 1842. S. 137. Taf. XXXIII. Fig. 7—11). 

•") Hnbbauer. WBrtemb. ZeitBchr. för Chirnrgie ii Gebnrtalt. 1861. 1. 
t) T. AmmoD a. a. 0. S. 5S, 57. Taf. XIII. Fig. 1. Albers. Atlas. U. 
Taf. XXXIX. Fig. 1. 

tt) Bednar a.a.O. S. 80. 
tH-) Tonrdes l.c p. 66. 



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Heredittre nod end«miBche Krdpfe. 57 

mren. In iDuich«n FUlen scheiot das Letztere der Fall za 
sein, denn wenn die Eltera in andere Gegenden forttielien, wo 
diese VertiftltniBse nichit beBtehen, so hat man gesehen, dass diese 
DiapositioD ohne Weiteres Terschwindet und dass die nadifolgenden 
Kinder ohne Kropf geboren werden, während die früheren daran 
laboriren*). Von besonderem Interesse würden daher F&lle von 
Erblichkeit bei sporadischem Kropf eein. Meinra Wissens existiren 
solche Beobachtungen nnr sebr ap&rlich. Friedreich**) erwähnt 
eine Familie, wo die GroBseltern, der Vater und 5 Kinder atru- 
mOse Änschwellangen .des rechten Hornes der Schilddrüse trugen, 
ohne dasB sie endemischen Einflfissen ausgesetet gewesen waren. 
Noch bestimmter lauten die Angaben bei Thieren. Wenn die 
Ers&hlnng von Haubner ***^, dass in einer Scbaafheerde in drei 
aufeinander folgenden Jahren L&mmer mit Kropf geboren wurden, 
Bodi Zweifi^ l&8St, 80 Boheiat doch die Mittheilung von Rayer f), 
dasB ein Bongst, der einen bedeutenden Kropf beaass, das Uebel 
anf ^e von ihm herstammenden Füllen übertrug, jedes Bedenken 
tu widerlegen. Eine Angabe von Geddia, dass ein Schaaf ' mit 
sehr dickem Halse für den Fleischer gem&atet wnrde, weil es 
immer seine Lämmer durch diese Krankheit yerloren hatte, findet 
sich schon bei Barton ff). 

Forschen wir gegenüber dieeen pr&diaponirenden Momenten 
nach den eigentlich bestimmenden, bo stosaen wir xunSchat anf 
den endemiachen Kropf und seine Beziehnng zn den terri- 
torialen Verhältnissen. Das Vorkommen des Kropfes in be- 
stimmten Gegenden ist allbekannt. Man hat dasselbe freilieh 
m^r auf sociale Verbältnisse an beziehen gesucht, z. B. vielfach 
tat die Störungen, welche die Cironlation durch das Tn^en grocser 
Ueten anf dem Kopf erleidet. Allein wenn man sich etwas mehr 
ameieht, so kann man sich leicht fiberzeugen, dass Kropf in der 
grOssten territorialen Terbreitnng in Gegenden vorkommt, wo 
die Lente nicht gewohnt sind. Überwiegend anf dem Kopf zu 
tragen, nnd nmgekehrt, dass er fehlt, wo sie tragenf ff). In der 

*) ViogtriDier. Dn KOttre end^mique duis le döp»rtein«Dt de la Seine 
ioftrienre et de l'HioIogie ae cette malftdie. Rouen. 1851. p. 48. 
") N. Priedreieb a. k. 0. S. 633. ' 

***) Gorlt NuhtTige S. U6. 
+) Labert a. a. 0. S X8fi. 
tt) B. Smith BartoD a.a.O. 8. 38. 
ttt) Oantieri I. c p. 118. J. P. Frank 1. e. p. dfi. 



giirosb/GoC^IC 



58 ZwetoBdamBsigate Vorlaitiig. 

Pfelz ist es gewöhnlich, dass die Lent« Alles anf dem Kopfe 
tragen, und doch haben eie keine Strumen; in Franken, wo die 
Strumen sehr 'verbreitet sind, ist die gewöhnliche Art des Tragene 
anf dem ROcken. Schon das sehr frühzeitige Entstehen von 
Kröpfen apricht dafür, dass andere Bedingungen an&usnchen sind, 
and wenn wir erwSgen, dass gewisse Gegenden, wie die Alpen 
seit Juvena) nnd Titrnv Sitze des Kropfes sind, so wird 
man kaum anstehen können, zuzogestehen, dass die arBädtliohen 
Bedingungen ans den YerhältDisseo des Bodens bervorgehen 
mflssen. Dazu kommt die schon lange bekannte, neuerlich durch 
Baillarger*) von Neuem bestitigte and erweiterte Erfahmng, 
dass in Kropfgegenden auch die Hansthtere, namentiicb Hunde, 
Pferde und Maulesel, derselben Krankheit ausgesetzt sind. Mit 
Recht macht dieser Beobachter darauf aufmerksam, dass damit der 
Weg f&r eine experimentelle Untersuchung angezeigt ist Diesen 
Weg hat bis jetzt nur Maumen^**) betreten, der bei einem Hunde 
durch Zumiachang von Fluoroatrium zur Nahrung binnen einigen 
Monaten einen Kropf erzeugt zu haben glaubte. Jedenfalls kann 
Aber die territoriale Ableitnag des endemisehen Kropfes kein 
Zweifel bestehen. 

Ich will die vielen Einzelheiten, welche in dieser Beziehung 
verfolgt sind, nicht speciell auseinandersetzen. Die sorgftltige 
Zusammenstellung, welche A. Hirsch***) aber die Geographie 
des Kropfes geliefert hat, zeigt, dass in allen Welttheilen Kropf- 
gegenden vorkommen, dass es aber Dberans schwer ist, dasjenige 
festzustellen, wa« allen diesen Gegenden gemeinsam ist nnd wo- . 
durch sie sieb von anderen nnteracheiden. Ungleich mehr leieten 
die Special-Darstellungen bestimmter Länder, wie sie namentlich 
für Frankreich durch besondere Kropf-Karten f) übersichtlich ge* 
macht sind. Aber auch diese Zusammen^snngen ganzer Länder 
lassen grosse Lücken, die nur durch die genaue Erforschung 
kleinerer geologischer Gebiete ausgefüllt werden können. Eine 
solche habe ich, fireilich znn&cbat uisgehend von dem Cretinismus, 

■) BailUrger. Ou. bebd. 186S. Sept. p. 617. 

•■) MaamAD^ Conpt reod. 16&4. T. XXXIX. p. 538. 
"*) A. Hirsch. Handb. der hiBtor..geograpbiBcheDPBtbaloKie. Erlangen. 
1860. Bd. I. S. 397. 

t) C. Pb. Palck. Zeitachr. fDr rat Med. 1816. Bd. V. S. 3«7. l^f. 2. 
Tgl. Bd. VI. S. 196. Boodin. Trait^ de g^rapkie et d« stetiatique m^di- 
cales et des miJadie« eodtoiqaei. Paris. 1861. T. I. p. 82. 



)vGoo<^lc 



TrinbvHser als Unftcbe dM Kropfes. 59 

fllr DnteriraakeD ausgefahrt *). Darnach halte ich allerdings 
die BeBchaffeDheit des TrinkwasserB ffir das Wesentliche, und 
meine, dass für dieses aller WabrBcheinliehkeit nach die geolo- 
^ache Beschaffenfaeit des Bodens, aus welchem dasselbe hervor- 
geht, TOD entscheidender Bedeutung ist 

Schon seit alter Zeit (Plinins) ist die Anfimerksamkeit anf 
die Abhängigkeit des Kropfes vom Trinkwasser gerichtet gewesen, 
und fast in allen Kropfgegenden hat das Volk gewisse Kropf- 
brnnoea**) bezeichnet. Auch haben sich an manchen Orten, 
aachdem anderes Trinkwasser beschafft war, die Verh&ltniBse der 
BevOlkening wesentlich gebessert. Trotzdem ist es bis jetzt nicht 
möglich gewesen, ii^end eine bestimmte Eigenschaft dieser Wässer 
als die kropferzeagende sicher dannthun. Manche haben dieselbe 
in dem Mangel gewisser Substanseu gesucht, so Iphofen in 
dem Mangel an Kohlensäure, Pr^vost in dem Mangel an Jod; 
Demortain ***) hat neuerlichst in den lontbardischea W&ssem 
das Fehlen von Cfalorverbindungen hervorgehoben , was mit den 
Äi^aben von Edlenbergf) stimmt, der in den Bronnen des 
Cobleozer Kreises sehr viel Kalksalze, aber sehr wenig Chloride 
fand. Aber es ist sfJiwer zu glauben, dass ein aetiver, ja ein 
irritativer Prozess (S. 42) nur durch einen Hangel und nicht viel- 
mehr durch eine positive Substanz oder Mischung bedingt sei, 
Dod die Neigung, in einer solchen den eigentlichen Kropfreiz zu 
finden, wird gewiss nicht eher überwunden werden, ehe nicht die 
krankmachende Potenz ganz bestimmt nachgewiesen ist. Am 
meisten hat sich die Aufmerksamkeit auf den Gehalt des Wassers 
an Kalk und Mt^esia gelenkt, allein die letztere ist in manchen 
Kropfgegenden in sehr geringer Menge im Trinkwasser oder sie 
fehlt gänzlich ff), und umgekehrt, ist sie in Gegenden, wo Kropf 
ÜBhh, sehr reichlich fff). Es bleibt also buptsftchlich kohlen- 



*) Virehow Wtlnb. Verbaiidl. 1866. Bd. Tll. S. 210. 0€Banme)tc 
Abhudl. S. 9S9, 959. 

*■) Iphofen k. >. 0. I. S. öl. HedoDiiB 1. c p. 119. Vjrcbow. 
WBnb. Verbandl. Bd. III. S. 268. Vgl. Birton a. &. 0. 8. 4S, 47. Köstl. 
Der eademiitcbe CretiniaiDUB. Wien. 18fi6. S. 69. Mor^tin. De l'^tiDlogie 
du goitre end^miqne. Paris. 1854. p. 29. KOberle. Essai snr le cr^tinisma. 
Strub. IBäS. p. 88. 

***) Demortain. Gas. mid. de Paria 1859. p. 688. 
t) EnleDberg a. a. 0. S. 341. Anm. 
tt) DemortaiD 1. c. p. 688. Moralin I. c. p. 40. 
ttf) Blondemn (Sitiang der Acad. des sciencM tum 31. April 1860] 
Kind in den BmuMDwaasM' von Kodu, Depl de l'ATeyron, wo wader KiapI 



qo?_::b,GoOti^\C 



gO ZweiantbwMuigst« Voriusiis. 

saurer nnd achwefelsanrer Kalk Übrig. Aber anob dieeer ist 
keineaweges fiberall in erheblicher Menge Torhauden*), und 
so erkl&rt es sich, dass manche Beobachter sich gans toq dem 
, Trinkwasser abgewendet und die Beschaßenheit der Lnft in 
den Vordergrund geschoben haben. Foderi legte du Haupt- 
gewicht auf die Feuchtigkeit der Atmosphäre, Cfaatin hat neuer- 
lich ihren Jodgehalt betont. Leider haben auch dieae Annahmen 
sich nicht fiberall bestätigt, and 'wir können vor der Hand nnr 
die geologische Beschaffenheit des Bodens als verdächtig be- 
zeichnen. In Unterfranken habe ich nachgewiesen, daas es hanpt- 
s&ehlicb Mosohelk^k, Keoperdolomit nnd Gyps sind, also Kalk- 
und Uagnesia-Gestein, auf welchem die KropfterritoriMi sich ane- 
breiten. F&r Oerbyshire, diejenige Gegend Englands, welche 
lange wegen ihrer Krßpfe (Derby-neck) bekannt ist, bestätigt 
Grighton **) den Magnesia -Gehalt der Trinkwässer. Indess 
scheint es, dass nicht unmittelbar der Kalk und die Magnesia 
selbst die Schädlichkeit daretellen, sondern dass sie irgend eine 
Nebenwirkung haben , und wenn man alle Umstände Zrusammen- 
nimmt, so wird es in einem hohen Maasse wahrscheinlich, dass es 
ädi dabei um irgend etwas handelt, das in dem Wasser und mög- 
licherweise in den Wasserdämpfen , welche sich der Lnft bei- 
mischen, enthalten ist, um eine Snbstanz, die wie ein Miasma 
in den Körper aufglommen wird***). 

In- Kropfterritoriea erkranken nicht blos Menschen nnd Thiere, 
welche dort geboren sind, nnd auf welche also möglicherweise der 
Kropfireiz schon im Hutterleibe eingewirkt hat,, sondern anoh 
Zuzügler. Dieser erworbene Kropf ist ein äberans zuverässiges 
Merkmal der endemischen Ursache. Kehren solche Leute früh 
genug aus den Kropfterritorien zurück, so bilden sich die ErOpfe 
freiwillig wieder surflckt)- So wird erzähltft), dws die preussi- 



noob OratiDiBmaB iat, fünbnat mehr MsgpeBia, «Ib in dem Wuier des Igere- 
Tbales, welches Graage koalj^airt hatte. Vgl. Ouilbert. Etndes sor les 
eftns potables et en particnlier anr les eauK du Nyonnaia Tbme de Paris. 
ISbl. p. 58. 

■} Stromeyer. Hkndb. der Gbirargie. Bd. 11. 3. 8. 891. Horätia 
1. c. p. 44. 

*') Grighton. Edinb. med. Jonrn. 1866. Aqe- P- 160. 
■") Yirchow. WOnb. Verfamadl. (1861.) Bd. II. S. 369. Oesammelte 
Abhudl. S. 934. Horätin. De l'^ologie da goltre enddmiqne. Puii. 1854. 
Lebert a.a.O. S. 188. 

t) Formey a.a.O. S. 9. 

tt) Richter. Ohira^iKba Bibliothek. 1784:. Bd. VII. S,24. 



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Spontäiscber Kropf. 61 

sehen Soldates, welche im 7 jährigen Kriege in Steyennark ge- 
tuigen lagen, nach ihrer AnBlOsang mit Erflpfen in ihr Vaterland 
baimkebrten, welche sie bald von fireien Stöeken verloren. Peter 
Frank*) s^ den Kropf eioeB Mannes, der mehrere Jahre hin- 
durch in der N&he der A4pen verechiedene Mittel vergeblich 
gebraocht hatte, in Paris ohne alle Mittel in 3 Monaten voll- 
ständig heilen. Gnyon**) berichtet ähnliche Thateachen, nament- 
Ueh erwähnt er, dass kr&pfige Auswanderer aus Wallis in Algier 
ihre ErOpfe verloren oder doch erheblich kleiner werden sahen. 
£r betont daher den Ortswechsel als Heilmittel des Kropfes. 
Alex, von Hnmboldt and Roulin***) haben aus America 
Uinliche Erfahrungen mitgetbeilt. Stromeyerf) erzählt, dasa 
der Haler Rottmann in München fflr die Walhalla mit einem 
Kropfs abgebildet wnrde, aber noch rechtzeitig aus Griechenland 
ohne Kropf zurückkehrte. 

Wenn schon die bestimmende Ursache des endemischen 
Kropfes sich onserer genauen Kenntniss entzieht, so befinden 
vir ans in einer noch grasseren ÜnBicherlieit gegenüber dem 
sporadischen Kröpfe, der Bovofal bei Menschen, als hei Haus- 
Üiieren vorkommt Zuweilen werden traumatische Einwirkungen 
ugesebuldigt, jedoch ist dies ziemlieh zweifelhaft. Erkältungen 
mOgen namentlich bei Frauen, die mit entblOsstem Halse gehen, 
einen Einänse haben. Hyperämien der Schilddrüse in Folge von 
Cirenlationsetfirangen sind viel angeschuldigt. Inde&s bin ich sehr 
geneigt, gerade bei dem sporadischen Kropf auf besondere Prä- 
dispositionen, namentlich auf nrsprfinglicbc Bildnngaanomalien 
nrückzngehen. Kicht nur finden sich hänfig genug abweichend« 
Anordnungen der GeAsse und der einzelnen Drüsentheile, sondern 
auch andere Anomalien der Nacbbarorgane. Ich erwähne besonders 
die Thymusdrüse. Schon bei einigen cretinistiechen Neugebomen 
Cmd ich n«ben angebomem Kropf eine grosse Thymus ff). 
Bednar ftt) erwähnt unter 8 RUlen von angebomor Ver- 



*) J. P. PTftok 1. 0. p. 97. Tel. Herpin. 0>z. hsbdom. 1660. Hars. 
9- IM. 

**) Qnjtm. Ou. hebdoro. 1862. Mai. p. 546. 

***) &. T. Hnmboldt Jonmal de obTsiologie par Hagendie. 1834. T. IV. 
p. 109. Ronlin. Bbendu. 1826. T. T. p. 266. 
f) Stromejer a.a.O. S. 396. 
tt) Tirctao«. GeH&nimelte Abhudl. S. 976, 984. 
tn) Bednar a.a.O. S. 79. 



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g2 Zireiandiwaniigita Torleenng. 

gr&saeroDg äer ScbilddrÜBe, die er freilitA f&r eise blas byper- 
&mtBche hält, 7 mal eine gleicbzeitige Vergr&BBening der Thymns. 
Bei der Dorchmnsterung der Literatur stosBe icb wiederholt anf 
eine persistente Thymus bei krOpfigen Kindern und ErwacbBenen*), 
und auch meine eigene Erfahrung bietet Beispiele df^ür. — 

Ebenso schwierig, wie die Äetiologie, ist die Frage nach der 
Beziehung der Strumen su anderweitigen ErankbeitsprozeeBen. 
Wenige Localkrankbeiten sind eo vielfach in Beziebang auf ihre 
Gombiaationen und Esclueionea geprüft worden. Am 
l&ngstea steht die Beziehung zur Scrofulose da, mit der die 
Sb'uma frfiber so aUgemein identificirt wordea ist. Ofienbar 
erkl&rt eich dieB zum Tbeil aus der Zweideutigkeit des Namens 
Struma. DaAr spricht namenüicb der Umstand, dass hei deo 
Salernitanerp , welche den Kropf unter dem Kamen Bbtium tob 
den Stmmae s. scrofulae genau sonderten, di^ Trennung gaoi 
Bcbaif ist, obwohl man von der Schilddrüse wahrscheinlich gar 
niehts wusste. Aber auch später, als man namentlich durch 
Wharton die Glandula thyreoidea genauer kennen lernte, hielt 
man doch noch lange die Struma scrofuloea als eine be- 
sondere Form dea Kropfes fest. Foderi und Gaatieri**) 
lehnten sich bestimmt g^en diese Ansicht auf; sie xeigten die 
diaguoBtiscben unterschiede von Kropf und SorofeU und erklfirten, 
dass nur selten beide Krankheiten in demselben Individuum neben 
einander vorkommen. In gewisser Weise gilt diese Ezclosion 
auch ffir territoriale Verhältnisse. In Gegenden, wo Scrofulose 
in grOBser Verbreitung Bich findet, wie in grossen StAdten, ge- 
hören Strumen zu den grdssten Raritäten. Hier in Berlin ist 
kein Mangel an Scrofulose, aber KrOpfe kommen sehr selten vor. 
Zuletzt hat man sich daher darauf beschränkt, swisohen Kropf 
und Lungenschwindsucht***) oder zwischen Strumose und 
Tnberculosei') einen ätiologischen Gegensatz aubustallen, in 
der Art, dass man die Entwiokelnng der Strumen ah eine Art 



*) Bnlenbsrg ». a. 0. S. 332. Lebert a. s. 0- S. 198, 30B. 
**) Foderd 1. c. p. 31, 33. Oftntieii 1. c. p. 100, 104. HaDHleDtner 
a,. %, 0. S. 14. 

***) Skiiter. Outerr. med. Jahrb. Bd. XXIX. S.&T. Flechner. Gbeodu. 
Bd. XXXII. S 1. C. T. Fradeaeck. Zeitacbr. der k. k. GeielUchkft dei 
Aerate cu Wien. 1844. Bd. I. W. Bamburger. Vorachlag inr Bailnng der 
LongeoscbiriDdeiicht. Dread. u. Leips. 1843. 

t) RokitftOBkj. Zeitschrift wiener Aente. 1846. No. 7. 



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TnhUtniM von Taberkokne nad Pbthis« tu Kropf. 63 

Ableitung für die EntwiokeloDg der LuDgentuberculose, und um- 
gekehrt die Duterdrücknng einer Stmma als Motiv und Steigerang 
fQr die LaDgentuberculose betrachtet hat. Das ist in der ange- 
nommenen Äasdehoang jeden&lls nicht richtig, wie zahlreiche 
EintelfSlle beweisen *) ; man findet zuweilen beides in der gröBster. 
Ausbildnng in demselben Individanm neben einander. Man mnss 
nur nach Krop^egenden gehen, um zn studiren, wie sich die 
Sache macht. Da kommt Stmmose neben Phthiais, Tuberenlose 
nnd Scrofulose in demselben Individuum vor, wie es sich ge- 
legentlich tmtit in Orten zeigt, wo Kropf nur sporadisch sich 
entwickelt Eigenthflmlich bleibt es jedoch, dass die Schilddrüse 
tn tuberenlOBen Erkrankungen beinahe gar keine Neigung zeigt 
(Bd. II. S. 679), so dass man allerdings dem Organ eine Art 
von Exolasion gegenSber der Tnberculose suschreiben kann"). 
Aber wenn man annehmen wollte, dass von dem Organ aus 
gewisse S&fte in den EOrper übergingen, die den Körper vor der 
Tuberenlose schützten, so wftre das übertrieben. Auf den Um- 
stand, dass bei Unterdrückung von Strumen, namentlich bei Jod- 
gebranch, sehr schwere Zustände eintreten kfinnen, habe ich schon 
aufmerksam gemacht, und auch darauf, datis es zweifelhaft ist, 
ob das Jod für sich diese Znf&lle hervorbringt, oder ob die aus 
den Kröpfen resorbirte Substanz es ist, welche das hectiscbe 
Fieber und die übrigen Zufftlle, die man als Jodismus bezeichnet 
hat, hervorruft (Bd. I. S. 114). Diese Zn&Ue haben Jedenfalls 
weder mit Lnngenschwindsncht, noch mit Tuberkulose etwas 
tu thun. 

Gewöhnt man sich daran, wie wir gethan haben, die Lungen- 
Bchvrindsucht nicht einfach ^s eine tuberenlose ansuseben nnd 
namentlich einen grossen Theil der Fälle vielmehr der Skrofulöse 
zuzurechnen (Bd. IL S. 600, 623), so wird die Fragestellung eine 
etwas andere. Die Skrofulöse bringt vielfach nur hyperplaaüeohe 
Gebilde hervor, und wenn diese auch eine grosse Neigung zu 
kftsiger Metamorphose zeigen, so ist dies doch nicht immer der 



*] U. StolL Rat med. F. I. Tienn. 1777. p. 203. Beck. Joura. Hr 
Chirarpe n. AnceDbeilk. Bd. 21. Heft 1. Bruch. Zeitschi. fDr rat. Med. 
Bd. 8. 8. 106. Eulenber« ». &. 0. S. 334. 

**) In den letiten Zeiten sind bei no« tweimkl sehr ansgedebate Miliu- 
inberkDlosen der Schilddrüse, jedoch ohne VergrCsBernng des Organs, ee- 
foDdeo worden, beiduaml neben allgememer Itiliartnbetinloae, einmal oei 
eiaen 8 Monate alten Kinde. 



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g4 ZweiandzmuigBte Voriesniig. 

FalL Hao konnte etdi sehr vobl vor9tell«i, dasB die Schilddrase 
aas skrotiilOBer Ursache hyperplastiecb wflrde, dssa sie aber statt 
der käsigen die gallertige Metamorphose einginge. Manche Erfah- 
rungen würden eich von einem BOlcfaen Standpunkte ans, den ich 
schon früher entwickelt habe*), bequem erkl&ren lassen. So 
erzählt Gassan**) von einer Familie, in welcher Phthise nnd 
Kropf erblieh nnd in einer gewissen Weise altornirend vorkamen; 
die kröpfigen Hitglieder , blieben von der Phthise entweder ver- 
sehont, oder worden doch weniger schwer davon heimgesucht. 
War diese Phthise eine skrot^Ose, so kannte man sich denken, 
dasB bei einigen Personen die Lunge, bei anderen die SchilddrOse 
von der Scroüilose heimgesucht wflrde. Aber gieherlicb wäre 
diese Skrofulöse dann nicht als Tuberculose aufcafasaen. 

Indess lässt sich nicht in Abrede stellen, dass auch eine 
solche AnffassuDg überaus wenige thatsächliche Unterlagen hat, 
und dass es vor der Hand ungleich sicherer ist, Stmmo^e und 
Skrofolose zn trennen, als sie zu vereinigen. Dasselbe gilt auch 
von der Rachitis, mit der namentlich Schriftsteller ans dem 
Anfange dieses Jahrhunderts die Sbumose zusammengebracht 
haben. Hier hat einerseits die Frage von der rachitischen Natur 
des Gretinismas hineingespielt, andererseits die populäre Tradition 
ihren Einflnss geflbt***), welche die HSnfigkeit der Buckeligen 
und ihr anschCnes Aassehen zur Vergleichung herangezogen 
bat. Weiss man, dass die meisten Buckel mit Rachitis nichts 
tu tbun haben nnd dass der Cretinismns damit nur lose znsam- 
menhftngt, so wird man die Rachitis auch wohl fflr die Kröpfe 
entbehren können. 

Wesentlich anders verhält es sich mit einigen territorialen 
(endemischen) Krankheiten. Ich erwähne zuerst die Wechsel- 
fieber. Am bestimmtesten hat Beoj. Smith Barton f) diese 
Beziebnng für Nordamerica hervorgehoben und den Kropf ans 



*) Vircbow. Waribarger VerhaDdlnugeii. Bd. I. S. 83, B6. 
'•) CaBsan. Arch. ginli. 1827. T, XIII. p. 76. 
•") Jutenal. Satyr. 10, 309: 

Nee praeteitatnm npait Nero loripedem, nee 
Strnmosam, atque utero panter gfbboqoe tnmentem. 
In HfltteDh«im, Ballenheim nnd Iphofen (UnterfniikeD) heJBBt es: 
HDttne', Bullne' and Ipbof, 
Hat'e kein Buckel, lo h»t'e 'n Kropf, 
t) BartoD a.a.O. S. 86. 



gii^osb/GoOt^lC 



Kropf und Cratiabniiu. 66 

denselben Uraach«» abgeleitet, welche iDtermittirende and andere 
Fieber erzengeo. So allgemein darf man diesen Satz gewiss nieht 
biostellea, denn ra giebt genug Fiebergegenden, wo Kropf nicht 
endemisch ist. IndesB läset sich eine Analogie des endemischen 
Kropfes mit dem Fieberkacheh der Milz (Bd. II. S. 614) nicht 
ableiinen , und auch eine gewisse Oscillation in der jährlichen 
Erzeugung von Cretinen deutet auf gewisse epidemische Einflüsse 
dea Bodens und der darüber befindlichen Luft (Malaria) bin. 
Das habe ich immer anerkannt*), aber die Frage ist noch immer 
Dnentscbieden. Das blosse Zusammentrefi'en gleichzeitiger Ende- 
micilät von Kropf und Intermittens, wie es z. B. Oslander**) 
und andere Beobachter för manche Gegenden Schwabens auf- 
geführt haben, genügt nicht; mit demselben Recht würde man 
Elephantiasis (Ärabum) und Lepra (Arabum) aus derselben ende- 
mischen Ursache ableiten können (Bd. I. S. 297). Tourdes '**), 
der eine Reihe ron vergleichenden Wägungen der Scbilddrüae 
und der Milz veranetaltet hat, ist zu keinen oonstanten Resultaten 
gekommen. Der anatomische Weg wird in dieser Beziehung wohl 
immer ei^bnisslos bleiben; nur die Erfahrung des pndttiscfaea 
Arztes kann hier entscheiden. — 

Die allerwichtigste Beziehung der Strumose ist die zum 
CretioismuB. Man versteht unter diesem Namen bekanntlich 
einen an gewisse Oertlichkeiten gebundenen Complez von StiJ- 
rangen, welche gewöhnlich schon sehr frühzeitig in dem Körper 
angelegt werden und welche neben mangelhafter Entwickelung 
dea Gehirns und neben idiotischen Zuständen, welche die Folge 
davon sind, zugleich eine mehr oder weniger ausgeprägte Ab- 
weidinng in die Entwickelung des ganzen Kdrpers, eine Aeade- 
mng der ganzen Organisation zu bringen pflegen. Thatuache 
ist, dass der eigentUche endemische Gretinismus regelmässig 
auf Eropfterritorien vorkommt, und daas wir bis jetzt keine 
Region auf der Erde kennen, wo Gretinismus in einer wirk- 
lich endemischen Verbreitung existirte, und wo nicht zugleich 
Kropf in grosser Ausdehnung vorhuidea wäre. Nur von einem 
Departement in den Pyrenäen, der Ebene von Tarbes, behauptet 



•) Vjrchow. OMammelte Abband). S. 933, 958. 
**) B&rtoD a. a. S. 184 (Änmerknog des Ueberaetiera). 
•") Toarde» Lc. p.e7. 

Vlrohsi 



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gg ZweinDdiiriDifgBte VorieauDg. 

Baillarger*), dass daselbBt früher Cretineo vorhaadeo geweeen 
»eten und jetzt keine KrOpfe vork&men. Dieser Fall ist leider 
sehr schlecht begründet, üeberall sonst findet sich beides m- 
sammen. Genauer gesprochen: an allen Orten, wo Cretinismns 
herrscht, herrscht auch Kropf, aber freilieb nicht überall, wo Kropf, 
auch Cretinismus. 

Dieser letztere Umstand hat bei Uanchen grosse Bedenken 
hervorgerufen, und zwar nm so mehr, als die GrOsse der Kröpfe 
in keinem bestimmten Verhältniss zu der cretiniscben Störung 
steht, und als ausgemachte Cretinen zuweilen sehr kleine KrOpfe, 
hier und da sogar keinen (äuseerlicb nachweisbaren) Kropf haben, 
während andere Individuen mit ausgemachtem Kropf sich der 
besten geistigen Fähigkeiten erfreuen. Nach dem Berichte der 
sardinischen Commission**), welche diese Argumente s&mmtlich 
aufzählt, kämeo in dem früheren Königreich Sardinien auf 2011 
nichtkröpiige Cretins 3912 kröpüge; es wäre also ein starkes 
Drittheil frei von Kropf. Diesen Angaben gegenüber mnss man 
sich zunächst erinnern, dass gerade der latente Kropf (S. 47) 
bei Cretinen sehr häufig ist, und dass selbst eine sorgfältige ärzt- 
liche Untersuchung, wie sie bei jenen Zählungen nicht statt- 
gefunden hat, manchmal ausser Stande ist, den Kropf mit Sicher- 
heit am Lebenden festzustellen***). Andererseits ist der Eta- 
wand, dass selbst grosse Kröpfe keine psychische Störung herbei- 
ßhren, ohne alle Bedeutung, wenn man die Aetiologie des Creti- 
nismas untersucht. Meiner Meinung nach kommt es hier auf 
die Entwickelungszeiten an. Es ist fär mich kein Zweifel, 
dass der Cretinismus schon während des Intruiterinlebens an- 
gelegt wird, ja es mag sein, dass die Störung schon in den 
frühesten Monaten der Schwangerschaft stattfindet. Wenn eine 
Familie, die bis dahin gesunde Kinder hatte, in eine Cretinen- 
Gegend zieht, und von da an in der Familie Cretinen geboren 
werden, ohne dass die Eltern und die früheren Kinder cretinisch 
- werden, so folgere ich, dass die Einfifisse, welche nur die Kinder, 
die nachgeboren werden, zu Cretinen machen, schon in der 
frühesten Zeit der Embryonal-Entwickelung einwirken mfissenf). 

•) Hordtin I.e. p. 8fi. 

**) Rapport d« la commisBioD Sarde p. 43, 131. 
•*•) Virchow. Geaammelte Abband). S. 93ts. 
t) Virchow. WBnb. Veihandl. Bd. IL S. 267. Ges. Abb. S. 931. 



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Oeschicfate äes Gretioismag. 67 

Wenn aber die Eltern und die früher gebornen Kinder in der 
oeaen Gegend nur kr6pfig werden, w&farend die nacbgebomen 
Kinder sich als Cretinen erweisen, so ist es gewiss wahrscbein- 
lich, dass dieselben EinflüBBe den CretiaismuB machen, welche 
«ich die Strumose erzeugen. Sind das aber miasmatische Sub- 
stansen, welche mit FlüSBigkeiten in den Körper gebracht werden, 
60 wird man diese auch hier als die wahrscheinlichste Ursache 
annehmen müssen. 

Die Geschichte des Cretinismus ist TerhältniesmäeB^ neu. 
In keinem alten S(^riftsteller ist bis jetzt eine Stelle aufgefunden 
worden, welche mit Sicherheit auf Cretinismus bezogen werden 
kann*). Die älteste bekannte Urkunde ist ein Testament aus dem 
15. Jahrhundert, worin über die Vormundechaft eines „Innocent*' 
»erfBgt wird**). Dieser euphemistische Ausdruck, welcher gelegent- 
lich durch B6at oder Bon chr^tien ersetzt wird, hat sich noch bis in 
onsere Zeit erhalten; er hä^gt mit der trostreichen Vorstellnng 
Eugammen, dass ein solches Kind ein Segen des Himmels sei, da 
es die Sflnden der Familie in sich aufnehme. Erst im 16. Jahr- 
hundert kommen bestimmtere Angaben von Aerzten ***) and 
anderen Schriftstellern, namentlich ans dem Wallis, atts dem 
Veltlin, ans Salzburg und aas Steiermark; die Personen werden 
darin als Ginche oder Ganchen aufgeführt. Der Name des Gretins 
erscheint erst bei den Autoren des 18. Jahrhunderts. Acker- 
mann f) glaubt denselben von dem romaniscben cretira (creatura) 
ableiten za dürfen, allein meine Nachforschungen tt) haben dies 
sehr unwahrscheinlich gemacht. Vielmehr scheint dieser Name, 
den Troxler dnrch Weisslinge oder Bleichlinge Übersetzt, nur 
im Gegensätze za Marrons-f-f-f-) gew&hlt za sein; so nennt man 
in Ober-Italien eine geringere Stufe des Cebels oder eine hShere 



*)Virchow. Gea&minelte AbbandL S. 892, 934. Damerow. Zar 
Cratiaeti- d. Idiotenfrftge. Berlin. ItöS. S. 34. (Allg. Zeitschr. f. Ps^cbiatrie. 
Sd. XV.) A. Hirsch. Bandb. der bietor.-geogr. Patbologie. Bd. I. S. 395. 
**) Kapport de la eomm. Sarde p. 4. 
***) ParacelHDs. Opera. Sti^b. 1616. II. p. 174. Fei. PUter. Observ. 
in bomiaJB affectibns plerisque. Basti. 1614. p. 35. Forest. Obserr. et 
ennt. med. Lngd. Bit 1590. Lib. X. p. 242. Paul Zsccbias. Qaaeet 
med. legal Lib. III. Tit. JII. Quftest I. art. 28. Vgl. auch A. Vesal. De 
hDDuni corporis fabrica. Baeit. 1555. p. S5. 

t) J. F. Ackermaoo. Ueber die KretineD, eine besoadere Henscheiiart 
in den Alpen. Öotba. 1790. S. 28. 

tt) Virehow. Geaammelt« Abhandl S. 967. Anin. 
ttt) Fodar« Lc. p.78. 



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gg ZweinndzwADtiget« Vorleanng. 

Altersklaaee dieser Kranken, wobei eich die Lente durch eine 
mehr braune HantfÜrbung auszeichnen *). 

Manche haben aus diesem späten Auftreten sicherer Nach- 
richten, im Zusammenhalt mit anderen Umständen, tschliessen la 
müssen geglaubt, dass der GretinismuB sich nicht an den Boden 
oder die Oertlichkeit, sondern an die besondere Bevölkerung 
knüpfe nnd dass er daher aueh an seinen jetzigen Hanptsitzen 
verhältDiüsmässig neu sei. Diese Vermuthung hat sich nirgend be- 
stätigt. Die verschiedensten VOlkerstämme sind dem Cretiniemns 
anegesetzt, und dieselbe Bevölkerung leidet an gewissen Orten 
an der Krankheit, welche an anderen, ganz benachbarten frei 
davon ist Ja', auch die Familien von Einwanderern**) unter- 
liegen der Krankheit, freilich, wie schon erwähnt, so, dass erst 
ihre an dem neuen Orte gebornen Kinder davon befallen vrerden. 

Man mag sich immerhin vorstellen, dass der Gretinismus in 
einer BevQlkernng, die ein mehr nomadenhaftes, unstätes Leben 
führt, nicht aoftritt, dass er sich erst in einer sesshaften Bevfilke- 
rang, welche den endemischen Ursachen anhaltend ausgesetzt ist, 
entwickelt nnd dass die FAdisposition sich im Laufe, der Gene- 
rationen verstärkt. Aber man darf auch diese Erklärung nicht 
zu hoch tmschlagen. Wenn es richtig ist, dass frisch einge- 
wanderte Familien bald dem endemischen Kinflnsse unterliegen, 
so wird man nicht auf Jahrhunderte lange Einwirkung zurück- 
gehen dürfen, wo es sieh um ganze Bevölkerungen handelt. Die 
bessere Beobachtung der neueren Zeit erklärt mehr, als alles 
Andere, zumal wenn man sich erinnert, wie sorgßUtig die Familien 
ihre cretiniscben Angehörigen überall den Blicken der Welt zu 
entziehen bestrebt sind Noch Ackermann***), der doch be- 
sonders auf Cretinen suchte, vermisste sie in Steyermark nnd 
Eärnthen, obschon bereits Vesal wusste, dass auf den dortigen 
Kirchhöfen ungewöhnlich missgestaltete Schädel vorkommen, ob- 
schon Gautieri wenige Jahre nach Ackermann den Creti- 
nismus dieser Gegenden als etwas Gewöhnliches hdiandelte und 
obschon endlich die neuesten Nachforschungen der Osterreichischen 

•) Virchow. Archiv. Bd. XIII. S. 354. 

**) RAach. UotertucbangeD Sber den CretinismiiB iii Wfirtembere. 
ErUngeo. 1Ö44. S. 309, 21t. 

♦") AckernaDD ».».0. S. 28. 



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Wescu des Creliaisnius. 69 

Regierung*) ergeben haben, dans in Kärnthen 1 Cretin auf je 110, 
in Steyermark auf 1 16 Einwohner kommt. 

fiei der Unsicherheit der hJütorischeD ThatBacheo müBgen wir 
uns gerade bei der UnterBuchnng der Äetiölogie auf die Erfah- 
rnngen der neneD Zeit beschränkeD. Diese lehrt in so angen- 
ftliiger Weise die Verbindung des Kropfes mit dem Cretinismue, 
das» fast jeder Scliriftsteller, welclier den letzteren behandelte, 
tngleich eine Abhandlung über den Kropf geliefert hat. Im, 
Herzogtbum Salzbui^ wird 1 Cretin auf 139 Einwohner gez&hlt, 
and in der Stadt Salzburg beträgt die Häufigkeit des Kropfes bei 
fjeogebornen 1 — 2 pGt, sie steigt im schulpflichtigen Älter auf 6~-9 
und erreicht im Alter von 60—60 Jahren 48—50 pCt.**). Gegen- 
über solchen Thatsachen ist es gewiss schwer, zwei Krankheiten, 
welche beide endemisch sind und von denen die eine (der Creti- 
nismus) fast immer mit der anderen vereinigt in demselben Indi- 
Tiduimi zusammenvorkommt, auf zwei verschiedene Ursachen zu 
besieben. 

Die Terscbiedensten Beobachter sind unabhängig von einander 
zo dem Gedanken geföbrt worden, dass hier eine Monstro- 
sität***) vorliege, dass der Cretinismus gewiseermaassen eine 
teratologische Bedeutung habe. Wenngleich unter Umständen der 
ganze KOrper an der Missbildung Theil nimmt, so war es doch 
natfirlich, dass die Aufmerksamkeit sich vorwiegend auf das 
Gehirn und sein Haus, den Schädel hinwendete. Die ausserordent- 
liche Häufigkeit von Taubheit und Taubstummheit in Cretioen- 
gegenden und Gretinenfamilien war von allen Beobachtern ange- 
merkt worden. Nachdem verschiedene Versuche gemacht waren, 
dea eigentlichen Sitz der Störung zu fixiren, kam ich durch die 
Dntersucbnng der Gretinen-Physiognomief), welche in recht aus- 
geprägten FäUen in weit aus einander gelegenen Ländern eine 
äberraschende Aehnlicbkeit darbietet, auf die Schädelbasis. Es 



*) Skoda. Sitinngsbericbte der m»thein.-Qatnririe«. Claue der k. k, 
Akademie. Bd. XUV. 1861. (Separat^draclc S. 8). 

**) WalltnaaD. Zeitschr. der k. k. OeHellacb. derAente iu Wien. 1663. 
S. 120, 128. 

•") Foderi ). c p. 80. Fonrcanlt. Gai. med. 1862. No.9. Vircbow. 

Onammelte Abhaodt. S. 966, 970. Morel Trait^ deg däg^D^aceDces pbj- 

liqnea, iDtetloctneltea et uoraleB de l'espice humaine. Pari». 1807. p. 667. 

t) Virchow. Würib. VerbacdL 1857. Bd. VII. S. 199. Taf. IL Cesaai' 

melte Abhandl. S. 9Ti 



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70 ZweinDdiwaDziget« Vorlunng. 

zeigte sieh hier eine Verkfirzung, welche zaweilea, selbst schon 
beim Neageboraen*), durch Synostose der drei Schädelwirbel 
(Os occipitale, sphenoidee posterius et anterius) bedingt war. 
Beobachtungen von Schröder und Uis") haben diese Ver- 
kürzung bestätigt, wenngleich der letztere keine Synostose, fand. 
Das geringere Längenwachslhum der Scbädelwirbel, dessen Folge 
die Verkfirzung des Sch&delgnmdes ist, rnnss aber hauptsäehlieh 
auf eine Störung des Wachsthams der InterTertebralknorpel, 
namentlich der Synchondrosis sphenooccipitalis ond interspbeno- 
idea, bezogen werden, mit welcher eine mangelhafte Entwicke- 
Inng des Gehirns entweder seeundir oder gleichzeitig zusammen- 
ftllt Synostosen anderer Sch&delknocben, namentlich des Daches, 
können die letztere noch mehr begünstigen. 

Diese eigenthSmliche Honstrosit&t hat noch an Interesse 
gewonnen, seitdem Heinr. Maller*") die synostotische Yer- 
kärzung des Schädelgmndes auch bei einem monströsen Ealbe 
nachgewiesen und die Frage von dem Vorkommen des Greti- 
nismus bei Thieren dabei erörtert hatl). Schon Rainard-f-f) 
hatte nachgewiesen, dass gewisse HnnderaijeD, welche durch dicken 
Kopf, kurzen Hals, wenig entwickelten KOrper und Glieder ans- 
geieichnet sind, mit Kropf geboren werden und in hfichstem 
Grade dumm bleiben. Von Rosiferes (Dept. Meurtbe), wo es 
viele Cretinen geben soll, behauptet derThierarst Rougieaxfff), 
dass Hnnde und Pferde sowohl an Kropf, als an CretiniBmns 
leiden. Diese üntersnchungea sind noch nicht spruchreif; immer- 
hin bleibt die Thatsache stehen, dass auch bei Thieren ähnliche 
Störungen im Knochensystem , znmal am Schädel vorkommen. 
Synostosen weisen aber bestimmt auf irritativen, meist sogar auf 
entzündlichen Ursprung bin, und man wird daher nicht umhin 
können, bei congenitalen Spuren dieser Art auf fOtale Reizungen 
surückzugehea't). Insofern stehen sich der congenitale Kropf und 



*) Vircbow. Dntersaehangen Ober die EDtwickelnog det Scb&del- 
giUDdes. S. 83. Taf. IV. 

**) 0. SchrCder. Hein ÄTchiT. Bd. XX. 8.358. Hia. Ebeodae. Bd. XXII. 
S. 104. Tftf. U. Vgl. Förster. Die Misebildangen dea HenBchen. Taf. XVII. 
Fig. 6. 

"•) H. Möller. WBnb. med Zeitschrift 1860. Bd. I. S. 221. Taf. VI. 
f) H. Hflller. Ebenda«. S. 267. 
tt) Raioard. Recaeil de m^d. vet^r. 1836. n. 8. 
iü) HoreL ADDales aii. paych. 1854. (bei KSberle 1. c. p. 13). 
't) Vircbow. Oeaammelte Abhandl. S. 996. 



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Aetiologie des OretiniBmoB. 71 

die coDgenitale Synostose gleich, nnd man wird dieses Zosammen- 
treffeD nicht za anfRÜlig finden, wenn man bedenkt, wie nahe an 
den ScbSdelgnind die Schilddrüse reicht Aach sah Weber*) 
congenitalui Kropf mit congenitaler Hydrocephalie vereinigt. 

Es mnas natfirlieh dahin gestellt bleiben, ob der ÄDgriffs- 
pnnkt ffir die krankmachende Ursadie die Sch&delkaochen mit 
ihren Zwischenkoochen oder das Gehirn selbst sind, oder ob noch 
ein Drittes existirt, welches auf beide wirkt Nur das scheint 
mir sicher zu sein, daes die erregende Ursache schon im Matter- 
leibe und zwar wahrscfaeiDÜch* sehr früh auf das Kind einwirkt. 
Die StOmng mag sich dann nach der Geburt mehr und mehr aus- 
bilden, aber der Hauptsache nach ist sie schon vorbanden. Keine 
Thataache ist mir bekannt, welche für die Behauptung Morel's**) 
sprii^e, daes in gewissen Gegenden selbst Erwachsene deir Krank- 
heit unterli^en; meiner Änsiclit nach beruht der Cretiniemus 
immer auf eongenitalen Störungen. Der schOne Traum Guggen- 
bfthl's von einer Heilung des Cretinismna in Kindern von reiferem 
Alter, der durch eine solche Auffassung von vornherein anf eine 
irrthfimliche Yoraussetziing zurückgeführt wird, hat vor der herben 
Wirklichkeit nicht Stand gebalten, und man weiss jetzt, daas nur 
StOrongen geringereQ Grades, wie die sogenannten Halbcretinen 
nod CretinOsen sie darbieten, einer Milderung und Besserung fthig 
sind. Das Hanptmittel gegen den Cretioismus ist die Prophy- 
laxe, welche auf Besserung der territorialen Ver- 
hältnisse gerichtet ist; für wirkliche Crettoen braucht man 
nsr Pflege-, keine Heilanstalten. 

Wissensdiaftlich muss ich noch hente an den SStixva fest- 
halten, die ich vor Jahren aufstellte***), dass überall, wo der 
in terrttoriale Bedingungen gebandene Cretinismiifi vorkommt, 
lach Kropf vorkommt, dass der Creünismos fiberall im Gentnim 
von Kropfterritorien gefunden wird, dass d^egen nach der Peri- 
pherie bin der Cretinismns abnimmt, w&hrend der Kropf noch, 
angeechw&oht fortbesteht. Der erstere scheint daher an eine 
Btirkere Energie der schädlichen Substanz gebunden zu sein. 



*) P. Weber. fieitrXiee lur path. knaX. der Neoeaborneii. Kiel. 1869, 
Üef. 11. 8. 84. 

") Morel I. c. p. 667. 

"*) Virchow. WBrib. Verhandl 1852. Bd. 11. S. 266. GeBunnwlte 
Abkudl. S. 981, 938. Vgl. ROach t. «. 0. S. 9». 



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72 Zweinndx einzigste Vorlesnng. 

Ich bemerke aber, dass diese sarkere Energie der Noxe Dicht 
immerfort in den Cretinen-Territorien vOThanden zn sein braucht 
Vielmehr habe ich schon Mher nachmweisen gesncht*), dass 
eine gewisse Os^'ülation stattfinde, indem in gewissen Jahren mehr 
Cretinen geboren wSrden. Es stimmt dies mit älteren und neueren 
Erfahrungen über Ab- und Zunahme des Kropfes und des Greti- 
nismns je nach der Verbesserung oder Verschlechterung der 
localen Lebensbedingungen, und auch hier stoesen wir wieder 
auf gewisse Beziehungen zum Wechfielfieber**). Sollte sich dies 
bestfttigen, so wütde man kaum umhin kQnnen, das Grundwasser 
in Beziehung auf seinen Stand und seine Beschaffenheit einer 
genaueren Untersuchung zu unterwerfen, um vielleicht Ton dieser 
Seite her die prophylaktischen Maassregeln in noch bestimmterer 
Weise bemessen zu kOnnen. Denn wenn auch das Intermittens- 
Miasma an sich nicht identisch mit dem Kropf- und Cretinismna- 
Miasma sein kann, wenn also auch nur auf besonderen Territorien 
feuchte (sumpfige) Zus&nde des Bodens beide Miasmen (und zwar 
nicht gleichzeitig) hervorbringen, so darf doch die Mftglicbkeit 
des praktischen Eingreifens, welche gerade hier in so bestimmter 
Weise geboten ist, aas blos theoretischen Skmpeln nicht zurilek- 
gewiesen wwden. 

Wie bei dem Aussatz (Bd. 11. S. 603), so hat man auch bei ' 
dem Cretinismufl die Erblichkeit in den Vordergnmd ge- 
schoben. Seit Federt sind zahlreiche Beispiele dj^r beige- 
bracht worden. Als Typus daffir mag die von Morel'**) ab- 
gebildete Familie gelten, wo die Mutter einen erworbenen, der 
Vater einen angebomen Kropf bat; letzterer stammte aus einer 
Familie ?on Halbcretinen und war selbst cretinOs. Bei den 
6 Kindern zeigte sich in zunehmendem Maasse bis zum höchsten 
G^zcretinismus der degenerative Einflnsa des Vaters. Aber man 
darf diesen Einfiuss nicht flberschatzen. Idi habe selbst das 
ganz gesnnde Kind einer Gretine gesehenf) nnd wenn ich aneh 
zugestehe, dass solche Fälle nicht allzn h&ufig sind, so muss ich 



*) Virchow. 0«Miiimelte Atihmndl. S. 9&8. 

••) ToDrdes 1. c. p.M. Mttller. Siebenter fiericbt über die Heil- ond 
Pfleee-AnsUlt fUr achwachsinnige Kinder in Wtoterbach. Stattg. 1865. S. 16. 
Uorel I.e. p. 674. 

•••) Morel 1. c. Atlw PI. IV.-V. 
i) Virchow. OeaaniDelt» Abhandl. S. 948. 



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Stnima eiopbthftlmEes. 73 

doch nm bo mehr behanpten, dass der erbliche CretiniBmaa 
nar in Kropfgegenden Torkommt, dass aber meines WiB> 
sflDS kein Fall sicher conetatirt ist, wo cretinische Eltern ausser- 
haU) eines Gretinen-Tenitoriams cretinische Kinder erzeugt b&tteo. 
Die territorialen Einflüsse erscbetneo daher mächtiger, als die 
Ira^itilren. — 

Ein fiberans merkwürdiges Gombinationsverhtitniss ist endlicti 
dts des Kropfes mit Herzreiznng nnd Glotzaugen. Soweit 
bis jetzt bekannt ist, hat zuerst Flajani*) das Zusammentreffen 
Ton Kropf mit anhaltenden Herzpalpitationen berichtet. Er erwähnt 
drei derartige Fälle, eftnimtlich bei Männern, von denen zwei im 
ifiogeren Alter waren. Es gelang ihm bei allen dreien, haupt- 
sächlich dnrch äussere Behandlung des Kropfes, eine Heilung 
herbeizufSbren. Von dem Zustande der Augen erwähnt er nichts, 
dag^en bemerkte er an dem Kropf äusserlicb sichtbare Erweite- 
rung und Varicosität der Tonen. Percy**) scheint zuerst das 
dritte Symptom, die Herrortreibnng der Angeii beobachtet za 
haben. Nächstdem finde ich die Beschreibung zweier, dnrcb 
Aotopsie genauer ergründeter Fälle von Atlelmann *"*), wo 
beidemal beträchtliche KrOpfe mit Herzhypertrophie zusammen 
Torkamen; bei Lebzeiten bestand starkes Pochen in der Herz- 
gegend,' grosse Dyspnoe, Schmerzen im Dnterleihe, nnd in dem 
einen Falle wird erwähnt, dass „der stiere Blick der ohnehin 
inoBsen Augen einen sonderbaren Anblick gewährte." Indess 
Uieben diese Thatsachen ziemlich unbekannt , bis F an 1 i f), 
T. Basedowft) und GraTeRfff) neue Erfahrungen mittheilten. 
Obwohl die ersten Mittheilnngen von Graves schon aus dem 
Jahre 1835 zn datiren scbeinen'-f-), so hat doch v. Basedow 
das Verdienst, die Geschichte des Leidens am Tollständigsten 



*) Gii>B«ppe Plkjkoi. ColleifonB d'osgerTkiioni e rifieisioni di chi- 
rnrp». Ron». 1803. T. IIl. p. '270. 

**} Caleb Hilliard Percj. Collections frotn the uopabUshed medieal 
■ritisgs. Lond. 1835. p. 111 (cltirt bei Stolces, Die KranlcheiteD des 
flancDS n. der Aorta. U«bers. tod Lindwnnn, WQrxb. 1855. S 233). 

***) ÄdelmanD. Jibrbflcher der phiioBophJBch-mediciDiBcben Oe«elIsch. 
in VrDrebnr^. 1838. Bd. 1. 3. S. 104, lOa 

t) Panli. Heidelberger medie. Aonalen. IBST. S. 318. 
tt) T. BaBsdow. CMper'9 Wocbenschrift. 1840. Ho. 18. S. 198. 
ttt) Rob. Jamee Gravea. Klinische BaobacbtDDgeii. Deatecb tod 
Breuler. Leipz. 1843. 8. 409. 
*t)8tokea a.a.a S.331. 



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74 Zweiundtwaniigil« Vorlcenng. 

gegeben und tu seiner KenotoiBB am meisten beigetragen zu 
haben. Von ihm gtammen die BezeichouDgen dee Exophth^moe, 
des Glotzauges für das am meisten hervorstechende Symptom, 
und der Cachexia exophthalmiea, Glotzangenkachexie, 
welche epftter so allgemein geirordeD sind, and es ist daher nach 
dem Vorschlage von G. Hirsch*) vielfach Sitte geworden, doL 
ganzen Symptomencomplex aU Morbns B&aedowii zn be- 
nennen. Troussean**) hat es hinwieder fQr gerecht gebalten, 
das Leiden als Graves' Krankheit zu bezeichnen. leb halte 
dies nicht f^r richtig, da Graves sowohl das Herzklopfen, als 
die Stmma wesentlich als Symptome der Hysterie ansah und 
den Zustand der Ai^en nnr beil&uüg erwähnte; überdies ist er 
nicht einmal der erste, welcher den Symptomencomplex beob- 
achtete. Andere neuere Schriftsteller haben bald dies, b^d jenes 
der drei Hauptsymptome vorangestellt nnd darnach die Bezeich- 
nung gew&hlt. Sehr verbreitet ist in der letzten Zeit der 
Name Struma exophthalmica, Gottre exophthalmiqae ; nur 
Lebert***) kehrte das Herzleiden hervor und schlug den Namen 
der Tachyeardia strumosa vor. 

Der Zustand der Schilddrüse ist schon bei Lebzeiten sehr 
verschiedenartig. In der Regel ist ihre Anscbwellong nicht so 
bedeutend, wie bei gewQbnlichen KrOpfen, doch finden sich auch 
beträchtliche Yergrl^sserungen. Das am meisten hervorstechende 
Symptom daran ist eine stftrkere Entwiokelung der Geisse, welche 
nicht selten ein diastolisches Klopfen und Rauschen wahrnehmen 
lassen, so dass num geradezu von Struma aneurysmaticaf) oder 
Bronchocele vaseulosaff) gesprochen hat. Plötzliches Auftreten 
der Anschwellung nnd schneller Nacblass h&ngen damit zusammen. 
Die&gebnisse der anatomischen Untersuchungen fff) sind nidit 
übereinstimmend. 



•) G. Hirsch. KÜnigcba FragmeDte. XOaigab. 1868. Heft i. S. 334. 
") Tronsaeftn. Ou. hebd. 1862. No. 30. p. 473. 
***) L«bert. Die Krankheiten der ScbilddrDBe. S. BOT. 
t) Henoch. Cuper'a WochesscbrifL 1846. No. 40. S. 699. Ronbeig 
und HeDoch. KliniBclie WahrDehuiungeD d. BeobacbtuageD. Berlin. 1651. 
S. 191. fiullar. Ued. chir. Tnas&ct. 1861. Vol. XUV. p. 37. 

tt) Laycock. Edinb. med. Journ. 1868. Jalj. p. 1. J. WarburtoD 
Begbie. Bbeadas. SepL p. 211. 

tft-) H. Harsh. Dablin Joara. of med. acience. 1S42. Vol. XX. p. 411. 
T. Basedow. Caaper'a Woctienachrift 1848. No. 48. S. 776. Beniinger 
(in BraDDScbweig). fibend. 1861. No. 4. S. 63. MftBmanB. Dautaeke Klinik. 



g,:,7.::b,G00'^lc 



Struma exopbtbalmic». 75 

In dam einiigea, tod mir nntersnobteD Falle (Kg. 206.), demselben, Aber 
welchen die EU. Traube and t. Recklinghauaeu berichtet haben, war 
die DrIUe m&ssig Tei^rCssert, zeigte jedoch einfacbe Hyperplasie ohne alle 
Gallert-, Knoten- oder Cysten bilduogi die Läppchen der Dröse traten sehr 
d«ntUcb herror, das Interstitialgewebe war reichlich, nnd anr die Venen 
nren allgemeio erweitert. Ganz ihsllcb verhielt es sich in dem Falle von 
Reith, sowie in dem von Troussean, den Feter beschrieben hat; nar 
vird in dem letiteren die Erweitemng der Venen nicht erir&bnt. Smith 
hnd eine bedeutende Vergrflssernng, besonders des rechten Horns, und sehr 
erweiterte und auffallend gewundene Arterien Marlfbam bezeichnet die 
Drflse ab gross ond fest; zugleich fond sich (bei einer 2ljj9hr]gen Fran) 
du« grosse, persistente Thymus drfl sei In dem Falle von Hirsch war die 
SchilddrBse gross, hart nnd äasseriicfa mit erweiterten GefSssen bedeckt. 
HtDiinger beschreibt die Drüse als Ober das Doppelte nnd zwar gleich- 
ndsaig hypertrophisch, ohne irgend welche Fremdbildnngen. Aehnlich Ter- 
liielt es sich in der Beobachtung von James Begbie. In dem Falle von 
Schleich, den Laqneur berichtet, fand Runge einen grossen Gallert- 
kröpf. Naumann schildert die DrQse als sehr gross, von gleicbmlssig 
rSthlidiem Gewebe and mit hämorrhagischen Stellen, die Arterien sehr ent- 
rickelt-, v. Basedow fand die enorm vergrCsserte Drüse von Hydatiden 
nd Varicosititen durchzogen, nnd Marsh sah sie nnregelmSssig gelappt, 
die darin enthaltenen Cysten voll klarer FlBssigkeit nnd die Jngularvenen 
kolossal erweitert Aebniich war der Fall von Banks. PriSl endlich traf 
einen 1 Pfd. schweren Kropf, der fast in die Brusthöhle hinabreichte, dessen 
rechtes Hom die Luftröhre omschloss nnd knorpelhart degenerirt war. 

Es erhellt aus dieser ZaBammeoatellnDg, dass es nieht eine 
bestimmte Variet&t von Kropf oder eine bestimmte GrOsse des- 
selben oder ein bestimmtes Stadium ist, welches die Erschei- 
noDgen bedingt. Ja, in manchen F&llen ist die TeräoderuDg des 
Gewebes so gering, dass man, wie schon Graves that, fragen 
kun, ob fiberbanpt eine Struma und nicht blos eine Sehwellang 
(IntnmeBcentia) da war. Daraus widerlegt sich die Ansicht der- 
jeoigen, welche den Exophthalmos durch den Dmck der Geschwulst 



leas. No. a. S. 369. Smith bei Stokes a. a. 0. S. 389. Bänke. Dublin 
Bosp. Gas. 1S56. (citirt von W. Hoore, Dublin Qusrt.'Journ. 1866. Nov. 
p. 347). James Begbie. Edinb. med. and sarg. Journal. 1SÖ5. Casebook 
p. 33. P. PraSl scd. Archiv f. Ophthalmologie. 1857. Bd. III. 2. S. 199. 
Vsrkham. Tnutsact of the Path. Soc. Lond. 1S58. Vol. IX. p. 163. Hirsch 
a.a.O. S. 234. L. Laqneur. De morbo Basedowii nonnulla, adjecta stn- 
gnUri observalione. Dies, inaug. Berol. IKSO. p. 19. Traube u. t. Reck- 
liD^hansen. Den tsehe Klinik. 1863. No 29. S. 286. Troussean et Feter. 
Ga(.hebdom. 1864. No. 12. p. IBl. Archlb. Reith. Med. Times and Oai. 
1866. Nov. p.63l. 



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IQ ZweiundiwftDiigate Vorlesans. 

auf die H^sgefösee erklären wollten*), sofort- Vielmehr zeigt 
sich, daBB zuerst eine blosBe Schwellung der DrüBe vorhanden 
ist, welche sich zn wahrem Kropf aushildet, und dass der Kropf 
seine gewöhnlichen Stadien durchläuft, indem er von sehr massiger, 
meist gleichförmiger Hyperplasie zur G&Uert- und Gystenbildung 
oder zur BilduDg fibrOser Induration in Enotenform fortschreitet. 
Da aber dieselbe Reihe von Verfindemngen bei gewöhnlichem 
Kropf hantig genug vorkommt, ohne dass die übrigen Symptome 
eintreten, so erscheint es von vornherein wahrscheinlich, dass die 
VeräoderuDg der Schilddrüse als ein secundäreg Phänomen zu 
betrachten ist. Dass die andauernde Erweiterung der Gef&BBe 
und namentlich der Venen dabei eine bestimmende Rolle spielt, 
ist schon nach dem klinischen Verlaufe zu vermuthen. Auf den 
Zustand der Arterien scheint weniger ansukommen; wenigstens 
fanden sieb in allen Fällen , wo dieselben bemerkbar verändert 
waren, auch im Qbrigen Geftssaystem erbebliche Erkrankungen. 

Am Herzen ist anatomiBch fast in ^len Fällen eine Ver- 
gr^sseniDg, meist mit Dilatation, gefunden worden, auch wo 
die Klappen gesund waren; am stärksten war dieselbe am linken 
Ventrikel. Die Aorta und die grosseren Gefässe waren in mehreren 
Fällen atheromatOs, jedoch keineswegs immer. Kliniacfa scheint 
die Hypertrophie des Herzens erst einem späteren Stadium aik- 
zngehOren; beschleunigte Bewegung (100 Schläge und darüber in 
der Minute) ist die gewOhnlichete Erscheinung. 

Was die Augen betrifft, so ist die frühere Anficht, dass es 
sich dabei um Hydrophthalmos bandele, allseitig aufgegeben j nur 
Naumann fand eine geringe Vergrösserung der Angäpfel. Die 
wesentliche Veränderung liegt in dem Fettgewebe der Orbita, 
welches zuweilen hypertrophisch wird, meist aber wohl nur durch 
hyperämische, während des Lebens in der ersten Zeit durch Druck 
zn überwindende und nach dem Tode leicht verschwindende 
Schwellung sich ansdehnt**). Nur Reith***) bnd ausser stark 
gefüllten Veiien eine geringe Menge halbgeronnenen Blutes aber 



•) Piorry. Gai. hebd. 18G2. No. 30. p. 477 A. Cros. EbendsB. Ko. 35. 
p. 548. Nnnneley. Med. chir. Transwt 1865. Vol. XLVIII. p. 32. 

") Dechfttnbre (Gai. hebd. 18ti2. p. 482) citirt eine iDteressante Parallel- 
bcobacblDng von DeccB (Thüie inaag. snr raa^Tryame cireoTde. 1857), vo ein 
^tranaitoriBcher Giophthaloos bei einer Frao vorkani, die ao «ectiBelndeD 
'arteriellen Flpiioneo an TerscbiedeueD KOrpertheilen litt. 
•") A. Reith I.e. p. 622. 



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Automiseber Befand bei Stroma eiophthalmica. 77 

dem Augapfel ei^iossen. Eomml; dazu «ine Fettmetamorphose der 
Angenmuekeln , wie sie t. RecklinghaoseD fand, eo begreift 
es sich, dass eine so starke HerYortreibuDg der Bulbi eiutritt, 
dass die Augenlider überhaupt nicht mehr geschlossen werden 
können*) und dass an dem entblössten Tbeil der Augäpfel Ent-: 
Zündungen anftreten, welche zu vollständiger Zerstörung der Horn- 
haut und Phthisis bulbi f&hren"). In der Regel ist das Hervor- 
treten der Augäpfel doppelseitig und gleicbmässig, doch kommt 
es auch vor, dass es zunächst oder wenigstens stärker auf einer 
Saite eintritt •••). 

Es mnss vor der Band dahin gestellt bleiben, ob die von 
mehreren Beobachtern gefundene VergrOssemng der Milz ein 
wesentlicher oder nur ein zufUliger Befiind war; jedenfalls ist 
sie nicht von vornherein zu gering zu veranschlagen, da Ver- 
dauungsstfirungen , namentlich Erbrechen, Neigung zu Durch&ll, 
Öfters beobachtet sind. Immerhin bleibt zunächst die Symptomen- 
Tiias: Leiden des Herzens, der Schilddrüse and des Orbitalpolstere 
als das regelmässige, wenngleich nicht als das constante stehen, 
DDd es &^t sich, wie diese Verbindung zu deuten ist. Dass das 
Leiden der Schilddrüse nicht als der Mittelpunkt des Cktmplezes 
iD betrachten ist, habe ich scbon faervorgehobea; einzelne Beob* 
achter geben sogar ao, dass die Struma ganz fehlen kOnoef). 
Noch weniger kimn man die Affektion des Orbitalfettgewebes als 
Prineipalleiden ansehen, zumal da gerade die Vorwötbnng der 
Augen zuweilen fehltff) oder sich nachweisbar erst später ent- 
wickelt. Aach vom Herzen kann man nicht sagen, dass die 
Hypertrophie desselben als Ausgangspunkt gelten kOnne. Denn 
einerseits ist nicht immer Hypertrophie vorhanden, andererseits 
besteht bei Kranken anderer Art oft genug beträchtliche Hyper- 
trophie Abs Herzens ohne Glotzangen und ohne Kropf. Die 
anatomischen Veränderungen aüer dieser Theite können aUo 
nicht die entscheidenden sein. 



*) Gravee a. sl. 0. S. 411. Stokes a. a. 0. S. 231. 
") ». Basado*. Casper'a Wochenacbr. IMO. No. 14. S 221. ». Or&fe. 
ArehiT f. Ophthalmologie. 18&T. Bd. lU. 3. S. 2S2. Teiaaier. Qai. mid. de 
Ljon. 1863. No. 1—2. 

***) V. Basedow a.a.O. 1S48. No. 49. S. 772. tlenoch u. Romberg. 
Klio. W^rnebmaDgen. S. 183. Reitb I.e. p.&21. PraSl a. v 0. S.20Ö,207. 
t) Praei a.a.O. 8. SOS. 
tt) neoocb D. Rowberg. Klin, Wahmehmong«!!. S. 179, 180. 



jvGoo'^lc 



78 Zweinndswuiigflte VortMing. 

U&n kommt somit anf die Frag« der fimotioDellen Störnogen. 
Hier rnOcbte ich vor Allem daran erinnera, dasB es noch einen 
Fall giebt, wo eine eigenthümliche Terbindang von Torbogen 
an der Schilddrüse mit Vorgängen am Herzen conBtatirt ist; das 
ist der schon früher (Bd. I. S. 114) erwähnte sogenannte Jodismus 
oder die Kropfkachexie. Hier sehen wir mit dem Schwinden des 
Kropfos in Folge von sehr kleinen Joddoben eine höchst aof- 
ftUige fiescbleuniguQg des Polees, nicht selten qn&lende Palpita- 
tiooen eintreten. Nur der ExophthalmoB fehlt; dafür tritt ein 
anderes Symptom in den Vordergrund, das hei der Struma ex- 
ophthalmica seltener gefunden wird*), die schnelle und starke, 
mit Bulimie verbundene Abmagerung. Immerbin verdient der 
genannte Punkt eine weitere BerGckeichtigung, am so mehr als 
in einem Falle von Oliffe**) der m&ssige Gebranch von Jod 
bei Struma exophthalmica die schwersten ZußiUe herbeiführte. 
Tronseeau***), der selbst ähnliche Beobachtungen gemacht 
hatte, trug daher in der Diskossion über den Jodismus in der 
französischen Akademie der Hedisin kein Bedenken, die von 
Rilliet unter dem Namen des Jodismus beschriebenen Fälle 
der Struma esophthalmica BOzurechnen. Rilliet f) bat sich da- 
gegen auf das Bestimmteste verwahrt und vielmehr umgekehrt 
Fälle, die unter dem Namen der Struma exophthalmica berichtet 
worden sind, fOr den Jodismus in Anspruch genommen. Dieser 
Streit wird erst durch grt^sEere Beohachtongareihen seine Erledi- 
gung finden. Weder Struma, noch Jod machen an sich die 
Erscheinungen der Cachexia exophthalmica oder der Gacfaexia 
iodica; in beiden Fällen muss noch etwas Besonderes vorfauiden 
sein. In dieser BesiehuDg kfinnte man anf eine ursprüngliche 
Prädisposition zarflckgeheo, und ich darf wobl erwähnen, dass 
Bednar tt) wiederholt bei Nengebomen mit Schilddrüsen- Ver- 
grOsBemng zugleich Hypertrophie des Herzens gefunden hat 
Jedoch würde auch diese Thatsache, selbst wenn sie, was sehr 
nnwabrscheiDlich ist, eine allgemeine Bedeutung hätte, die For- 
BcbuDg nach einer weiteren Ursache nicht ausschliesson. 



*) Tronesean. üntoD m^d. 1860. Tom. VIU. p. 487, 466. 
**} TroDiBeau. EbeodM. p. US. 
***) TroDiBesa. Gas. hebdom. 1860. AvriL p. 219, 267. 

t) KIltieL Mämoir« asr l'iodisme Eonatitatiomiel. Puu. 1860. p. 83. 
ft) Bednar a.a.O. S. 19. 



)vGoo<^lc 



SjmptomeBcoiiiplex der Stninta exophtbalmira. 79 

Im Sinne der Hainoralpathologie iBt es, jedoBmal auf eine 
Blntver&Dderung zarückzuBehlieaeea, wenn mehrere Organe zu- 
iimmen erkranken, ohne dasE sich eine einfache Abhängigkeit 
der Erkrankung des einen von derjentgea des anderen nach- 
weisen iSflBt. V. Basedow*) ging in diesem Sinne sofort auf 
eine Dyskrasie loa, die er auf verborgene Skrofel bezog. Später 
bezeichnete er diese Djrskrasie als eine der chlorotiBchea sehr 
ihnliche"). Diese ÄufTassung ist später von vielen anderen Beob- 
achtern ***) angenommen worden; die Anämie worde die theore- 
tigcbe Groodlage des Symptomen • Complexea und Mackenzie 
ging so weit, den Zustand der Augen geradezu als £xophtha]mia 
anaemica zu bezeichnen. Für diese AuEfassung sprach nicht 
blos das häutige Vorkommen von Pnlsationen, Patpilationen und 
GeränBßhen im Geiässsystem bei Ghlorotischen , nicht blos der 
Cmstand, dass die Uehrzahl der Fälle von Glotzaugen-Kropf bei 
Frauen beobachtet ist, und dass mehrmals f) die Schwangerschaft 
und das Wochenbett auf die Beseitigung des Uebels einen auf- 
&llend günstigen Einfluss ausgeübt habenff), sondern auch ganz 
besonders die Erfahrung, welche man in Beziehung auf den gün- 
stigen Einfluss einer roborirendea Bebandlaog gemacht hatte. 

Es ist aber unzweifelhaft, dass die Anämie, wenn man sie 
auch zugesteht, nicht direkt eine solche Wirkung hervorbringen 
kann. Zum mindesten mnss man annehmen, dass durch das 
kranke Blut eine schftdliche Einwirkung auf Nerven stattfinde. 
Geht man aber auf die Nerven zurück , so entsteht wieder die 
Frage, ob es gerade der Anämie bedürfe, um einen solchen 
Zuatand im Nervensystem zn erzeugen.. Andere Beobachterfff) 



*} r. Basedo» a. a. 0. lUO. S. 326. 

**) r. Basedow. EbeadaB. 1848. S. 773. 

*^) L. QrOB. Gu. m^d. 18&1. p. 332. Henieux. UnioD mid. 1857. 
No. 117. p. 477. BeaD. Oai. hebdom. 1862. No. 34. p. &39. Fiacber. 
Areb. ginSr. 1859. Dec. p. 671. Begbie. Edinb. med. Journ. 1863. Sept. 
p. 80L Praei &.a.O. S.310. 

t)Trouaseau. Dnioo m^dicale. 1860. T. VlII. p. 437. Charcot Gu. 
■cd 1866. Sept. p. 684. Gu. bebdom. 1663. Sept. p. 664. Gorlien. Gai. 
deg bftp. 186Sl p. 136. ^ 

ft) T- Basedow (Gasper's Wocbeuscbr. 1848. S. 714) eiwibat von eiDem 
■sne dia souderlMTe Tbstsube, dsss die HilcbdrOseD sehr anscbwolieo 
nad die lioke but, bjperioisch und scbmenhaft wotde und ColoBtroni 



ttt) Hsadfield Jodcb. H ed. Times ud Gu. 1860. De*. > 541. 
f'Utcber. British med. Joaru. 1868. Hay. (Uyperaeurio.) 



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gO ZweiuBdiiTMuigBte Vorieenng. 

waren damit zu&iedeii, einen SchwAcherastaad des NervensyeteiDs 
anzunehmen. Graves und Brfick*) betrachteten ihn ali) einen 
hysterischen. Stokes**) besctiAnkt sich darauf daa Wesen der 
Krankheit in einer FanctionästOrnng des Herzens, auf welche eine 
organische Veränderung folgen könne, za beseiehneo: In der 
neueren Zeit ist man weiter gegangen, indem man sich zn d«i 
HennerTfin nnd namentlich zum Sympathicna wendete***), allen- 
falls auch noch das Rückenmark mit zur H&lfe nahmf). Koben, 
der zuerst diese Vermuthaag aussprach, liesB den Sympathicus 
durch die Struma comprimirt nnd irritirt werden; nachher hat 
man mit Kecht auch die' Struma auf die Neurose znrdckgefahrt. 
Zar Unterstützong f&r dieae Autfossong hat man nicht unwichtige 
pathologisch -anatomische Thatsachen beigebracht. Feter ft) 
fand das Ganglion cervicale inhmtim vergrössert and Btftrker ge- 
rfithet, sein Interstitialgewebe vermehrt, die Nervenfasern ver- 
mindert. Etwas Aehnliches berichtet Uoore ttt) ''^^ einer 
durch Cruiee ' und H'Bonnel veranstalteten UnterBuchung. 
Reith schildert das mittlere and untere Cervical- Ganglion 
beider Seiten, besonders links, vergrOssert, hart und fest, und 
mikroskopisch mit körniger Materie erf&llt, wie eine Lymph- 
drüse im ersten Stadium der Tuberkulose. Auch der Strang des 
Sympatbicus selbst, sowie die zur Art. tbyreoidea inf. nnd verte- 
bralis gehenden Aeste waren vergrfissert. Er hält diese Ver- 
finderung für tuberkulös. Gerade umgekehrt fand v. Beckling- 
hansen sowohl den Strang, als die Ganglien des Sympathicus 
klein, wie atrophisch, jedoch ohne histologische Veränderungen. 
Alles dieses genügt unzweifelhaft nicht, um das Wesen dietier 
interessajiten AfTektion darzulegen, zumal da die Erscheinungen 
der Struma exophtbalmics, wenn man sie auf die bekannten 
physiologischen Experimente CI. Bernard's bezieht, nur zum 
Theil der L&hmong, zum Theil gerade der Reizung des Sympa- 



*) Oraves ». &. 0. S. 4ia A. Th. Brttck. Cupei'a Wocheiuohrift 
1840. No. S8. (BnplithalmiiB hvstericuB). 1818. No. 18. S. 976. 
*•) Stokes «.».0. 8.244. 

***] Köbeo, De exophth^mo ac gtraniA cum cordis affectione. Diu. 
iuug. BeroL 1866. t. Gräfe a. a. 0. S. SSa TrouiBflan. Dniou möd. 
1860. T. VIIl. p. 487. Aran. Gai. hebdom. IS60. No. 49. p. 198. Reitb 
L c p. ÖdS. 

t) LaycDcL fidinb. med. Journ. 1868. Febi. p. 681. Jaly p. 1. 
tt) Peter L e. p. 182. 
ttt) Hoorc. DDblin QaarU-Jouro. 1866. Nov. p. 848. 



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Veriulteo der Nerven bei Slriinitt exopbthalmiu. gl 

thiens eatsprechen, zum Theil gar nicht paeseo, da irgend welche 
cODBtanten Erscheinungen an der Pupille nicht bemerkt worden 
sind. Nur in einzelnen Fällen*) wurde eine Erweiterung der 
Papillen beobachtet. Stromeyer *•) vergleicht die strumOse 
Eiopbthalntie mit dem vorübergehenden einseitigen Hervortreten 
des Bulbns, welches er bei habituellem Krämpfe des Kopfnickere 
beobachtete, wenn bei aufrechter Stellung oder Gemüthsbewegung 
dieser Krampf eintrat; er sucht den Grund des Glotzens in Krampf 
der schiefen Angenmuskelo und des Augenlidhebers. Demme***) 
will auch bei gewöhnlichem Kropf häufiger einseitige Pupitlen- 
veiinderung, namentlich Mydriasis, und gesteigerte Hebung des 
oberen Lides beobachtet haben; als anatomischen Befund giebt 
er dabei (ausser seröser Schwellung und interstitieller Binde- 
gewebsbildung im N. recurrens) stärkere RSthung und serös? 
Schwellung des Sympathicus an. Diese Angaben genügen jedoch 
ebenso wenig, als die älteren fiesctirelbungen von allerlei Ver- 
änderangen am Vagus bei Kropfzuständen. Allerdings lenkt sich 
der Gang der Dntersnchung, wie bei der Frage von dem Zu- 
sammenhange zwischen Nebennierenk rankheit, Bronzehaut und 
loderen Zußllen (Bd. IL S. 701), mehr und mehr den Nerven zu, 
jedoch ist bis jetzt hinreichendes Material f&r das Urtheil noch 
oieht vorhanden f). Auch wird man dasselbe nicht allein von 
der anatomischen TTotersuchuog erwarten dürfen, da es sich nicht 
so sehr um die durch die Section aufzuklärenden Endzustände, 
sondere vielmehr um die Anfangsstörung handelt. 

Immerhin wird man schon jetzt keinen Anstand nehmen 
kDnnen, den nervösen Zusammenhang des Symptomen- Gomples es 



*) Henoch nni Rbmberg. KIId. WahroehmoDgen. S. 182. Keith 
i-c p. fi21. 

") Stromeyer. Handb. der Chirurgie. II. S. S. 389. 
***) H. Demme. WOrzb. med. Zeitechr. Bd. III. 8.397,269,373. 

t) Gmii .Tor Ranem starb anf meiner Abtheilaug ein Hann, der lauge 
u heftigem üerzklopfea mit grosser Dyepnoe gelitten hatte. Seine Augen 
tuttea, ohne gerade eiophthälraiBch zu Bein, eiueo aiigewCfanlii^heD Glanz 
ind machten den Eindruck der Grösse. Wenige Monate vorher war ihm 
*^en beginnenden Glaukoms von Hrn. v. Gräfe eine Itidektomie ge- 
Bitht norden. Schliesslich litt er an Hydrops bei sehr verminderter Aü- 
KheiduQg eines albnmioOsen und harnsäarereichen Harns, an hartnäckiger, 
nie heftigen Schmerzen verbundener, blotiger Diarrhoe, au Schlaflosigkeit, 
Uitie 0. dgL Bei der Section fand ii.h ein hypertrophisches Herz mit sehr 
uagedebnter Hyocarditis, eine Schllddrase, welche der in Fig. SOG. abge- 
bildeten überaus ähnlich war, und sehr betrSchtliche VcrgWIascrung und 
inCeratilielle Verdickung des llals-Syiupatbicue, DameDÜich dfr oberateo und 
Mleritei Ganglien. 

Vlickt. 



gii^osb/GoOt^lC 



82 Zireiniidiwuiiigst« Vorlesnag. 

als d«u einzig wabrächeiDlichen anzaerkeaaeo. Mit Rec^t bat 
man auf die allgemeiae Nervosität vieler derartigen Kranken, auf 
die Schlaflosigkeit, auf die öfters beobachtete Pulsatio epigastrica, 
anf das Hitzegef^bl *), schliesslich noch auf eine macnlöse Eruption 
am Kopfe nach leichter mechanischer Reizung**) hingewiesen. 
Allein welcher Theil der Nerven der ursprüngliche Sitz der 
StOrnng und welcher Störung ist, das muss erst genauer fest- 
gestellt werden, und auch dann wird man noch wieder fragen 
müssen, aus welcher Ursache (ob vom Blute aus?) die Stö- 
rung sich entwickelt hat. Auf alle Fälle ist es ein Fortschritt, 
diesen Symptomen - Gomplex zu kennen, und die Spötteleien 
Fiorry'fi***) können uns nicht abhalten, seine Entität anzu- 
erkennen. In der Geschichte des Kropfes bildet er eine ebenso 
merkwürdige, als wichtige Episode. Denn obwohl diese Art von 
Kropf um ihrer selbst willen keine Bedeutung zu haben scheint, 
so gehört sie doch zu einer schweren, nicht selten, tödtlichen, 
wenngleich unter Umständen sehr wohl heilbaren Krankheit. 

Aetiologisch lässt sich im Ganzen wenig darüber sagen. Nach 
den bisher vorliegenden Beobachtungen sind es keineswegs Eropf- 
gegenden, wo diese Form häufiger vorkommt; vielmehr bildet 
die Struma exophthalmica gerade eine der wichtigsten Arten des 
sporadischen Kropfes. In ganz überwiegender Weise wird 
dabei das weibliche Geschlechtf) betroffen, und zwar schon in 
sehr jungen Jahren, namentlich in der Zeit der Pubertät oder im 
Wochenbett. Trotzdem lassen sich Uterinstörungen keineswegs 
immer als veranlassende Momente nachweisen; ausser vorauf- 
gegangeaen schweren Erkrankungen, wie Typhus, und Erkältung, 
zumal des Halses, wird am häufigsten die Chlorose angeschuldigt 
Da nun letztere Krankheit nach meiner Auffassung ff) schon sehr 

*} T. Biaedow. Casper'a Wochenschrirt. 1840. Ko. 13. S. 203. Ho. 14. 
S. 220. Teiaaier. Qai. m^d. de Ljoa. 1862. No. 29. 1B63. No. 1—2. 
Trousaeau. Gaz. med. 1664. I4o. 12. p. 180. Warbarton Begbie. Edinb. 
med. Jonrn. 1S63. Sept. p. 216. 

") TrouBaeaa. Gai. mdd. 1864. No. 12. p. 180. 
"•) Piorrj. Gaz. hebd. 1862. p. 477. 
f) Es ist nicbt ohne Tntereeae, dass Rorie (Bdinb. med. and surg. 
Journ. 1663. Febr. p. 696) bei G eis tesk rankes hSuSgcr prorainente Aug&pfel 
und znar gaui vorwiegend bei Frauen (35 pCt.) fand Auch nagleicbe 
Papillen 'waren nicht selten. Von den Cretinen sagt Foderä (I.e. p. 77}: 
Aui QDB les jenx aont enfonc^a dans la t£(e, aax aotres IIa sont tr^ en 
debora. Ed g^o^nl tenr legird est fixe et igiui, et Jl a toajours no ur 
d'^tonoemeüt. 

tt) Vircfaorf. Cellalarpatbologie. 3. Aufl. S. 211. 



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Nator des Kropfes. gg 

(rflb angelegt wird, ja eine eigentliche Entwickelnngskrankheit 
ist, BO wflrde man auf eine urepiüagliche Pr&digposition geführt 
Romherg nnd Jfingken*) beobachteten das Debel bei zwei 
SchweEtern. Bei Mflonern ist noch weit weniger von den Ur- 
sachen bekannt. Erschöpfende Arbeiten, grosse und anhaiteade 
moralisehe Depression, angreifende Krankheiten waren zuweilen 
vorhergegangen. Nach der Zusammenetelliing von v. Gräfe") 
tritt die Krankheit bei Männern durchgchoittlich später, aber zu- 
gleich schwerer auf. Bemerkenswerth ist, dass nicht selten der 
Eintritt der Krankheit ganz plötzlich, z. B. nach einem Schreck, 
neh schwerer Arbeit beobachtet iet 

Der Tod erfolgt unter Zunahme der Erscheinungen, zuweilen 
sehr schnell unter grossen Beängstigungen und Gebimzuf^llen, 
meist allmählich unter Verfall der Ernäbrung und der Kräfte, die 
durch copiSse, manchmal ruhrartige Durchfälle und durch Lungen- 
blennorrhOen beschleunigt wird. Anderemal dagegen, zumal bei 
frischeren Fällen, tritt vollständige Heilung ein, wobei freilich 
der Kropf nicht immer ganz zurück gebildet wird. Zuweilen haben 
sich Eisenmittel, manchmal Digitalis, selten Jod als nßtzlicb 
erwiesen; die besten Erfolge sind durch KaltwaBserbehandlung, 
Seebäder, kräftige Diät erzielt worden. — 

Das Ürtheil fiber Natur nnd Bedeutung des Kropfes in dem 
eiDielnen Falle wird nach dem Hitgetheilten sehr verschieden 
ausfallen. Unter allen Yerhältnisseo wird man daran festhalten 
tcQnnen, dass, welches auch immer die Ursache sein mag, der 
Kropf an sich ein Ortliches Uebel ist, welches die Grenzen 
der Schilddrüse nicht überschreitet, welches weder nachbarlich, 
Qoeh metastatifich contsgiOs auf heterologe Gewebe wirkt. Es 
kann also keinen Anstand haben, in solchen Fällen, wo die 
medicamentßse Behandlung nichts erzielt oder erzielen kann, wo 
aber durch den Kropf gefahrdrohende Zufl&lle hervorgerufen werden, 
wie namentlich bei anenrysmatischen und cystiiichen KrOpfen, zur 
Operation zu schreiten. Die chirurgische Behandlung ist uralt, 
wie die Angaben von Gelsus zeigen, und ihre Einf&hrung ist 
am so weniger anfi&llig, als es auch in neuerer Zeit an Fällen 
Ton KropHieilnng nach ganz zufälliger Verletzung nicht fehlt. 
Die verechiedenen Metboden der operativen Behandlung, von der 

*) Kenoch. Casper'« Woche oschrift 181». No. 40. S. 627. 
**) T. Grftfe ^ a. 0. S. 393. 



gii^osb/GoOt^lc 



g4 Zweiundinuigit« Vorleanng. 

blossen üaterbiadiing der Arterien an, wie sie Walther b^ dem 
ftneuryBinatiBchen Kropf mit GlQck übte, bis zur vCUigeo Exstir- 
pation der Drfiee, wie sie zuerst tod FabrJcius ab Aqua- 
peodeQte au^ef&hrt zu sein scheint, hat Gnrlt*) mit grosser 
Sorgfalt casuiatiach behandelt. Ich darf mich darauf beschrftnkeo, 
hier zu erw&bnen, dass nach partieller Exstirpation eine Repultu- 
lation ans dem Best des Drusengewebes stattfinden kann, ohne 
dasB man deshalb die Erz&hlung des Tnlpiua**) von dem 
nKropfsamen", die offenbar mehr auf Skrofeln zielt, ku genau 
nehmen darf; ein eigentlichets Recidiv von der Narbe ans kommt 
nicht vor. Im Allgemeinen hat man sich in neuerer Zeit mehr 
auf die eiofacherea Operationen beschränkt: die Punktion und 
die Incision. Eratere hat aamentlich an Bedeutung gewonnen, 
seitdem durch Velpean die Jod-Injection in Uebung gekommen 
ist, welche sehr gute Resultate ergeben hat. Indesa ist dieselbe 
nicht anwendbar in Fällen, wo die Gystenwand dick, sklerotisch 
oder gar verkalkt ist; hier kann nur die Incision, am besten in 
Verbindung mit Excision eines Theils der Cystenwand***) helfen. 
£s ist namentlich das Verdienst von K. Beck und Stromeyer, 
diese Operation sicher festgestellt zu haben. £jne noch grossere 
Sicherheit gewährt die von Middeldorpf f) geftbte Galvano- 
caustik, wobei durch die Ligatura candens entweder die Cyste 
nur geöffnet, oder ein Theil der Struma abgetragen wird. — 

Die Struma thyreoidea findet nur eine geringe Analogie in der 
Erkrankung gewisser anderer Organe, die in Beziehung auf den 
anatomischen Bau eine gewisse Debereinstimmnng mit der Schild- 
drüse darbieten. Dahin geboren namentlich zwei in ihrer physio- 
logischen Function zweifelhafte Organe, die Hypophysia cerebri 
und die Nebennieren, welche sich Jedoch durch die EigenthfLm- 
licbkeit von der Glandula thyreoidea unterscheiden, dass neben 
dem folliculfiren Antheil, den sie allerdings gleichfalls besitzen, 
ein gewisser Antheil vorbanden ist, der entweder sehr reich an 
Nerven oder geradezu nervfts ist. 

*) £. Ourlt a a.0. S. m. 

**) N. TulpiDB- Observ. med. Amstel. 1652. p. 92. Lib. I- cap. 46. 
***} K. J. Mor. ü«s«. lieber den Kropf und eeioe BebaadluDg. luMg. 
DiBB. WQrib. 1864. S. 47. Plenry. Gm. mid. m68. p. 147. 

t) Schfttzke. De Btrnma ujstica eJDsque upentiooibua. Disb. ioaug. 
Yntisl 1864. p. 23. 



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Olkndala pitaitari«. g5 

Die sogenannte Schleiindrflse, Glandala pituitaria, 
oder der Birnanhang, Hypophysie cerebri, besteht aus 
eineiD vorderen grOBseren Theil, der in seinem Bau die gröBste 
Äehnliehkeit mit der Schilddrüse hat, und ans einem hinteren 
kleineren Lappen, in welchen eine grosse Menge von nervßsen 
Theilen eintritt*). Schon die früheren Anatomen hielten diese 
beiden Theile mit Recht anseinander. Santorint**) nannte 
deo vorderen Tbeil, ans welchem er einen milchigen Saft ans- 
drSckea lehrte, die Glandnla pituitaria potior, und bezeichnete 
den hinteren, den er als aomittelbare Fortsetznag des Infnndi- 
bnlnm erkannte, als blossen Anhang (appendicnla). In der That 
haben beide Theile keinen inneren ZuBammenhang, und es w&re 
vielleicht hesser, sie mit besonderen Namen m belegen. Der 
hintere Theil ist nichts anderes, als das kolhige Ende des Trichters, 
oder, wie ich ihn genannt habe, des Filnm terminale anterins; er 
besteht wesentlich ans Nenroglia mit einzelnen nervSsen Ele- 
menten und steht der Zirbel parallel. Wir haben hier mit ihm 
nichts zu thun. Der vordere Theil dagegen hat eine vollsandige 
Stniktnrikhnlichkeit mit der SchilddrUse , nod wenn man seine 
wahrhaft drösige Beschaffenheit nicht in Abrede stellen kann, so 
«ire es gewiss zweckmässig, auch den alten Namen der Schleim- 
drfiee zu conserviren. Freilich ist dieser Name von der falschen 
Vorstellnng hergenommen, dass der in der Nase hervortretende 
Sehleim (Katarrh) aus dem Sch&del komme und durch den Tflrken- 
Battel abflieese***), indess kann uns das nicht bindern, einen ein* 
nud recipirten Namen zu erhalten. 

Diese eigentliche Schleimdrüse steht wahrscheinlich auch 
genetisch der Schilddrüse sehr nahe. Schon Rathkef) hatte 
»gegeben, daas sie durch eine Aosstülpung und Abschnfirung 
dee Schlnndgewfilbes entstehe; später nahm er diese AuffasBung, 
mehr aus theoretischen Gründen, zurück, jedoch haben Luschka 
und KOlUkerft) gezeigt, dass dieselbe ganz berechtigt ist 

*) Virchow. Untersach DD Ken Qber die Entwickelung dee Schidel- 
Eninae«. Berlio. ltS67. S. 98. H. Luschka. Der Himanhang q. die Steiss- 
dTflse de« UeuBCfaen. Berlin. 1860. S. 13. 

**) Jo. Dom. Santorini. ObserT. anat.' Veoet. 17S4. p. 70. cap. III. 
^.XXin. cf. Morgagni. Adrer». anat. seitta. Lugd. Bat. 1728. p. ai. 
"') Haller. Eiern, physiol. T. IV. p. 60. 
t) Rathke. .MDIIerV Archiv. I83B. S. 489. 
tt) Lnsehka a. a. 0. 8.34. KOlIiker. Ent wickeln ogageecbichto des 
VeucheB n. der bSheren Thiere. Leipi. 1861. S. 243. 



gii^osb/GoOt^lC 



gg ZweinDiliwaDzigBte Vorteenng. 

Wie die SohilddrQse, so wächst auch die SchleimdrSse in den 
letzten Zeiten des Fötallebeos am xiärkäten und tritt später ver- 
hältnigsmäSBig eurttck. Zahlreiche Gef^tise gehen zu ihr und ihre 
innere Zuaammenselzung besteht, wie die der Schilddrüse, aus 
zellenhaltigea Follikeln und gefässhaltigem Interstitialgewebe. 
Sogar das stimmt äberein, dags zuweilen zerstreute Follikel, 
gleichsam accessoriache Drüsentheile, am vorderen Umfange des 
Trichters abgetrennt liegen *). Die Gestalt der Follikel finde ich, 
wie bei der Schilddrüse, sehr angleich. Häufig erscheinen sie 
nuid und blasig, allein auch hier lassen s'mh auf Schnitten, die 
in anderer Richtung geßihrt t-ind, längliche, gewundene nnd ver- 
ästelte Follikel erkennen. Die Zellen, welche sie enthalten, sind 
in der Regel grösser, als die Schilddrüsen-Zellen, und sie stehen 
den Epithelial - Zellen näher. Sehr gewöhnlich geht ein grosser 
Theil von ihnen, wie es in ähnlicher Art an der Rinde der 
Nebennieren geschieht, in Feitmetamorphose über. Daher stammt 
das weiaslicbe, bald mehr fleckige, bald mehr gleichmfiasige Ans- 
aehen und der von Saatorini bemerkte „milchige Saft.** 

Die einfache Vergr^sserung der Hypophysis, welche schon 
von früheren Beobachtern**) gesehen war, betrifft stets den 
vorderen Lappen, die eigentliche Schleimdrüse. Sie- besteht aus 
einer Hyperplasie der Follikel, welche grSsaer und Eellenreicher 
werden und sich mehr verästeln. Die Drüse wölbt sich in Folge 
ihrer YergrSsserung stärker aus der Sella turcica hervor, drängt 
den Theil der Dura mater, welcher sich über die Sella spannt, 
hervor und sieht zugleich rOtber als gewöhnlich ans. Indess 
erreicht die Grössenzunahme kein bedeutendes Uaass. Grossere 
Geschwülste, welche wohl unter dem Namen der Hypertrophie 
beschrieben sind***), können ohne Weiteres als Krebs angesehen 
wvdeo. Der relativ geringe Umfang det einfach hyperplastischen 
Anschwellung erklärt sich wobi daraus, daes in der Regel die in 
vermehrter Anzahl angehäuften Zellen eine Fettmetamorphose ein- 



•) Virchow a. a. 0. S. 93. Luscbka a. a. 0. S. 17. Taf 1. Fig. 3. 
*') GrediDg in Advera. oiedico- practica. Lips. 1771. Vol. II. p. 515. 
Vol. 111. p. a-iö. Malacarne, citirt von Job. Fr. Meckel, üaadb. derpath. 
Anat. Bd. J. S. '274. Baillie. Anatomie des krankbaften Baue«. Anhang. 
Deutsch von Hobabaum. Berlin. 1»20. S. 177. Jos. SVeoEel. Beobaeh- 
tDDgen über den IlirflanbaDK fallsüchtiger Personea, herauag. von Karl 
WcDxel. Maini. ISIO. ».99,112. 

***) Mobr. Casper'B WoiAeDschiift. 1840. No. 95. S. 566. 



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Struma pitiiitaria. 87 

gehen, wobei der milchige Inhalt der Follikel sieb vermehrt*) 
nnd später resorbirt wird. Eine besondere Beziehung dieser 
Syperplasie, welche mit der Stnima byperplastica ganz und gar 
fibereiostimmt , zu bestimmten KrankheiteD ist bis jetzt nicht 
trmittelt. Nifipce**) will bei Crelinen eine häufige Vergrösse- 
rnng des Hirnaohanges constatirt haben, indeBs fand ich bei einem 
nengebornen Cretia vielmehr ein fast follständiges Fehlen des 
forderen Lappens***) nnd bei einem alten Gretin wenigstens eine 
geringe GrOssef). Aach konnte ich eine gr&Bsere Weite der SeUa 
an Gretinensch&delo nicht constatiren. 

Eine weitere Ausbildung dieser Struma pituitaria wird 
wahrscheinlich durch die frflhe Fettmetamorphose der Zellen ver- 
hindert. Allerdings kommt im Kleinen ein Zustand tot, welcher 
u das erinnert, was wir TOn der Schilddrüse kennen, nehmlich 
ein Colloid, eine Galle rtanhäufung, die sich gewSbnlich 
tvrischen dem vorderen und hinteren Lappen zeigt. Da siebt 
man eine kleine Gallertblase oder ein Gallertkoro nicht selten, 
la der Regel ist es nicht grOsser als ein Hanfkorn; manchmal 
erreicht es die GrSsse einer Erbse. Chemisch ist es ganz analog 
den Gallertmassen, die wir in der Schilddrüse Gndentt)- Die 
ilteren Beobachter schilderten diese Gallerte meist als Schleim, 
der in einer besonderen Hfthte angeh&uft seifff), und brachten 
sie in Verbindung mit dem Katarrh. Später hat dieser Zustand 
eine Zeit lang die allgemeinere Aufmerksamkeit auf sich gezogen, 
weil die Gebrüder Wenzel *t) in dieser „Lymphe" die Ursache 
der Epilepsie zu finden glaubten. Man bat sich nachher Qber- 
leogt, dass das nicht der Fall ist**i-). Eine besondere Bedeutung 
des Znstandes kennt man nicht. Ob nun unter Umständen der 

*j DieMr Zustand ist nicht mit der freilich sehr seltenen Taberkulose 
der üjpopbjsiB zn verwecbBein, wovon Wagner (Archiv der üeÜkonde. 1863. 
S. 381) einen Fall bescbreibt. 
")Niepce l. c p. 48. 

*") Virchow. Uesammelte Abbandl. S. 91S, 98ft. 
i) Virchow. WQrab. Verhandl. Bd. VII. S. 207. 
H) Virchow. EDtwickeloDg des Scbadelgrandes. S. 93. 
ttt} Wepfer. Obserr. ex cadaTerlbos apoplecticoram. AucL biet 16. 
p. 38B. Sinne inventos eet plenaa muco, qni in Belfttioam aabflaTara pellu- 
niaa concreverst. — Bonet. Sepulchret. Lib. 1. aect. XVI. Addit. ob». 13. 
Hanor Doctnoaus, pellucidug tarnen, atylo vigd ioslar adbaerene. — Uor- 
gaCDi. De eedibas et causie morb. Epiat. IV. art IS et 36. 
•t; Joi. Wenzel a. a. 0. S. 112. Tab. V. 

'*t) W. G. Kelcb. Be^trlge znr pathol. Anatomie. Berlin. 1SI3. g. 103. 
Schrant. ßoed- en kwatdurdige geiwelleo. Bl. 284. 



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gg Zweiandsw&DEigBte Torteanof. 

vordere Lappen der Hypophyfie sich zn einer Strama geUtinoea 
entwickeln kSnne, dao ist bis jetzt nicht ausgemacht. Die älteren 
Beobachter liessen die Gallerte sich zwischen die beiden Lappen 
absetzen und noch Luschka*) verlegt ihren Sitz in das lose 
Bindegewebe zwischen denselben. Nnr Morgagni"") schloss 
aus dem geringen Rückstande normalen Drüsengewebes, das» ein 
gewisser Theil desselben in Schleim übergegangen sei. Auch meine 
Meinung geht dahin, dass die Follikel am hinteren Umfaoge der 
Schleimdrüse der Sitz der Veränderung sind. Es entspricht dieser 
AuiTassung, dass zuweilen, wie schon Malacarne***) sah, das 
Infnndibulum mit „kleinen Hydatiden" be^ietzt ist. Kngel t) 
fand daran zwei hirsekorngrosse Knorpelbälge; in einem anderen 
Falle war dag -untere Ende des Trichters in eine rundliche, erbsen- 
grosse, darchscheioende, mit serßser Flüssigkeit gefüllte Blase ver- 
wandelt Die Möglichkeit liegt also nahe, dass unter Umständen 
eine nmfangreichere Cystenbildung you hier ausgehen kOnne. Dies 
ist freilich nicht sicher dargethan, doch sprechen einzelne Erfah- 
rungen dafür. Am entschiedensten gilt dies von der Beobachtung 
EngeTstt), wo inmitten einer grossen, festen und blutreichen 
Hypophysis gegen den Trichter hin ein erbsengrosBor, mit graner 
gallertartiger Flüssigkeit gefülltei' Knochenbalg gefunden wnrde. 
Dahin gehört ferner ein merkwürdiger Fall von Zenkerftt)) wo 
die Hypophysis in eine grosse mehrkammerige Cystengesohwulst 
umgewandelt war, welche durch den dritten Ventrikel bis in die 
Seitenventrikel in die Hohe gestiegen war und der Beaebreibong 
nach den grossen Cysten der Schilddrüse überaus ähnlieh Bah. 
Ihren Inhalt bildete eine dunkel rOthlichbraune Flüssigkeit, welche 
veränderte und unveränderte Blutkörperchen, FettkOrnchenkngeln 
und Cholestearintafeln fährte. Manche andere Fälle aus der Lite- 
ratur*!) konnten hier herangezogen werden, doch ist von den 
meisten zweifelhaft, ob sie nicht dem hämorrhagischen Krebs an- 

•) Lnschkm ».».0. S.W. 
**) Morgagni I.e. Epiat. IV. art. 19. 
***) HaUcarne bei Meclcel a.a.O. S. 374. 
t) Jos. Engel. Heber den Hirnanhang n. den Trichter. Inaog. Diu. 
Wien. 1839. S. 29. Tat. II. Fig. VI. 
tt) Engel a-a.0. S. 20. 
ttt) Zenker. Mein Archiv. 1857. Bd. Xll. S. 4&4. 
*f} Abercrombie. Krankheiten des Gehirne u. RnckenmarkeB. Deutsch 
von de Blois. 1821. S. 831. Bayer. Arch. geo^r. 1823. T. III. p. 360. 
Rokitansky. Uhrb. der patb. Anat Bd. 11. S. 476. 



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Die Rinde der Nebennieren. g9 

gehören, TOD anderen, ob sie überhaupt von der Hypophysie ans- 
Hiegangen sind. Ich erinnere dabei an die blasigen Ekchondrosen 
des Clivns (Bd I. S. 444) und au di« Kystome der vorderen Hirn- 
f^end (Bd. II. S. 49), Watlmann*) beschreibt eine Colloid- 
c^te des dritten Ventrikels, unter welcher die Sella ansgetieft 
and die Hypophysis abgeflacht war. S5inmerring**) Tand Bogar 
16 Ediioococcen iu einer Blase der Glandula pituitaria. Hier ist 
demnach grosse Vorsicht in der Interpretation zn empfehlen. — 

Was die Nebennieren anlangt, so ist das Verh&ltniss der 
eintelnen Abschnitte derselben insofern von dem an der Schleim- 
diflse verschieden, als die Äussere Rindenmasse ans foIliculSren 
Auhänfhugea besteht, während im Innern die nicht follicnl&re 
Hirkmasse liegt, welche nach der Ansieht vieler Beobachter 
nervOs ist, welche ich jedoch mehr der Nenroglia ann&hera zu 
mässen glanbte (Bd. 11. S. 150). Hier Iiaben wir es nur mit der 
RiDd^nsabstanz xb thun, deren Aehnlichkeit mit der Schilddrüse 
nod dem vorderen Lappen der Hypophysis nicht zweifelhaft sein 
kun, und, die man daher gleichfalls als ein drüsiges Gebilde 
ansprechen darf. Wie ich schon früher (Bd. II. S. 277, 60Ö) 
erw&hnte, lässt sich an der Greose von Rinden- und Marksubstanx 
noch eine dritte Schicht, die Intermediärsubstanz unterscheiden, 
weldie sich meist schon ffir das blosse Auge durch ihre dunklere, 
gelb* oder grünbranne Farbe von den übrigen absetzt, welche 
jedoch ihrem Bau nach sich mehr der Riodenschicht anschliesst. 
Einzelne üntersucher sind noch weiter gegangen, and namentlich 
Jnl. Arnold ***) hat die Rinde der Nebennieren nach der An- 
ordnung dar Follikel und der Geftase in drei Zonen zerlegt, welche 
«T in der Richtung von aussen nach innen als Zona glomerulosa, 
fueicalata und reticularis bezeichnet. Für unsere Zwecke kommt 
anf die sehr schwache peripherische I^ge, die Zone glomerulosa 
uiclitB an; es genfl|;t, die eigentliche Rindenschicht und die inter- 
medilre Pigmentadiicht zu trennen. 

Diese Trennung ist am leichtesten beim Erwachsenen, wo 
die eigentliche Rindenschicht als eine schwefelgelbe, radiär an- 
geordnete L^e erscheint, indem die Zellen der Follikel, wie an 

*) WtllmaDD. MeiD Archiv. 1858. Bd. XIV. S. 366. 
") SffBmetring in M. BaJIIie. Ai»tomie dea kraokh. fianee. Anb&Rg. 
S. m. Note 378. 
***) Jnl. Arnold. Hein Archiv. Bd. XXXV. S. 66. 



byGoot^lc 



90 ZweJDDiiiwaniigste VorleBQiig. 

der ScbleimdrüBe, eine so auBgedehnte PettmetamorphoGe ein- 
geben, daBB dieser Ort als eines der besten phygiologiscfaeD Bei- 
spiele rQr die FettmetamorpboBe fiberhaupt betracbtet werdeo 
kann. Manche haben dieselbe freilieb als krankhaft angesehen; 
BJe findet »ich aber gerade bei Leuten, die im besten Wohlsein 
bis zu ihrem Tode gelebt haben, und sie fehlt in Fällen hoher 
Atrophie, wo die Rinde schmal und von mehr graurOthlicher 
Farbe ist. Ebenso fehlt die Fettatetamorpbose beim gesunden 
Nengebornen, wo die Rinde ungewßhnlich dick, saftreich und 
rOthlichgraii va sein pflegt. 

Anch die braune Schicht, welche durch Pigmentirung der 
FoUikelzellen entsteht, tritt gewöhnlich erst beim Erwachsenen 
hervor, und sie zeigt sich hier sowohl in Beziehung auf die 
Intensität der Farbe, als in Beziehung auf ihre Mächtigkeit sehr 
verschieden. Sind ihre GefäsBe stark mit Blut gefOllt, so hat 
die ganze Lage ein mehr brannrotbes Assseben. Dabei Ist es 
aber vor Allem wicbtig zu wiBSen, dass nicht an allen Stellen 
der Nebenaieren Marksnbatanz vorhanden ist, und dass man 
daher leicht in die Lage kommen kann, die Intennediftrscfaicbt 
selbst als Harksubstanz anzuBehen. Gegen die Enden hin, wo 
die Nebennieren sehr dQnn und platt werden, fehlt die letztere 
regelmässig; ja zuweilen findet sich Qbertiaupt nur ein kleiner 
Kern davon um die Centralvene. 

Zu diesen so wechselnden Verhältnissen kommt noch ein 
anderes, das wir in gleicher Weise bei der Schild- und Schletm- 
drfiBe kennen gelernt haben. Es ist dies ein wahrscheinlich con- 
genitaler Zustand, indem sich neben derDrftse kleine Nebenneben- 
nieren , Glandulae bisuccenturiatae finden , welche kleine runde 
Knoten darstellen, an denen man eine Rindenschicht und zuweilen 
eine centrale Masse, wie an den Nebennieren selbst, unterscheiden 
kann*). Aber diese Nebenknötcben geben, soweit man bis jetzt 
weiss, KU keiner ausgemachten Geechwvlsthildnng VeranlaBBQng; 
sie bleiben von geringer Grosse, werden höchstens erbsengross, 
and ich erwähne sie nur, weil sie allerdings bei Gelegenbnt der 
Discnssionen Ober den Morbus Addivonii als besondere Krank- 
heitsprodncte anfgeffihrt sind**). 

*) Ecker. Der feinere Bau der Nebennieren. BHonschw. 1846. S. 19. 
**) BnckDill and Quain. T»nsact of the Path. Soc. Lood. Toi. IX. 
p. 412, 419. Uardj. Union m^d. 1808. No. 90. 



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Struma BnprkrenaliB. 91 

An den folltknlAren oder eigentlich drSsigen Abechnitten der 
Nebennieren kommt nun ein Zustand von Hyperplasie vor, der 
den einfachen VergrOseerungen der Schild- und Schleimdrüse ver- 
gleichbar ist nnd den man als Struma Boprarenalis be- 
zeichnen bann. Er ist natürlich von den Gliomen, die von der 
Marksnbstanz ausgehen (Bd. H. S. 150) wohl su nnterBCheiden. 
Jedesmal besteht er in einer Proliferation der Zellen der Follikel, 
«odiirch die letzteren seibat sich vergrOseem und der betreffende 
Tbeil anschwillt. Diese Anschwellung kann eine dilTase, gleich- 
m&ssig tlber iaß Organ verbreitete sein; sie kann sich auf ein- 
lelne Abschnitte besehr&nken und unter der Form kleinerer oder 
grosserer Knoten erscheinen. Diese Knot«n kOnnen dieselbe 
Bchwefel- oder citronengelbe Färb« haben, wie die gewöhnliche 
Rinde; sie kOnnen intensiv brann oder olivengrtn sein, wie die 
PigmentEone*); sie kOnnen endlich ein mehr rftthlichgranes Aub- 
gehen darbieten. 

F&lte von gleicbm&sBtger Yergrftssernng sind schon früher od 
beobachtet worden**), tndess sind doch unter den Bieheren Fällen 
keine, welche eine eigentliche Geschwnistbildnng darstellen. Wohl 
ist dies der Fall bei den strumOsen Knoten. Ich habe zwei- 
mal***) «allnnsBgroBBe , rundliche GescbwQlste gesehen, welche 
US einer siemlioh derben, gelben Masse bestanden, in der man 
mikroskopisch überall längliche, ästige und gewundene Follikel 
mit fettig zerfallendem Zelleninhalt wahrnehmen konnte. Bier 
mi da nahm auch das Interstitiaigewebe an Dicke zn und an 
einzelnen Stellen Eah man schon mit blossem Ange derbe, fast 
knorpelartige Theile, welche Bioh anch mikroskopisch ganz so 
verhielten, wie die sklerotiBcheo Stellen indurirter Kropfknoten. 
Diese Knoten Bchieben sich beträchtlich über die Oberfläche 
hervor, und man muse sich wohl hüten, sie mit Tuberkel zn 
verwechseln, die sich von ihnen dnrch ihr trockenes, dichtes, 
gleichmftesiges Anssehen schon im Groben nnterscheiden (Bd. II. 



*) Priparat No. 290 vom Jahre 1860. Von einen TnberkuICsen. 
'*) Voigtel. Haodb. der patb. Anat. Bd. ]. S. 558. J- Fr. Meckel. 
lUndb. der path. Anat Bd. I. S. 646 Croveilhier Traitri d'anst patb. 
iinir. T. III. p. 87. 

*") Präparate No. 59.,- vom Jahre 18S5 (Fall von amjloider OescbwalBt 
der Ljmphdrflsei] ) und No. 1 tooi Jabre 1866 (von eiser QeisteskraDkeD, 
die lange an Q alle neteinen gelitten hatte). 



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92 ZweJDndiwauigBte VortMong. 

S. 6S9). Gelegentlich sind die byperplaBtischen Knoten als Fett- 
geschwülete beieicbnet*). 

In wieweit diese suprarenalen Strumen sonst noch Metamor- 
phosen erfahren kOnnen, wie sie den SchilddrüBen-KrOpfen eigen' 
thümlich sind, ist erst anscnmachen. Möglich erweise gehören 
dahin einzelne Verkalkungen (Bd. IL S. 690). Gallertablagemng 
habe ich nie gesehen; wohl aber kommen Cystenbildnngen, 
wonngleich meist nnr kleine, vor. Einen solchen Fall sah ich 
bei einem 24j&hrigen Schnhmachergesellen, der seit 7 Jahren an 
Diabetes insipidus gelitten hatte und am 21. December 1845 in 
der Charit^ starb. Die Nebennieren waren liemlich gross, die 
Marksabstonz fest and dick, die Rinde sehr fettreich; an der 
rechten sassen zwei kleine mndliche, an einer Seite leicht stiel- 
fOrmig ansgezogeoe, sehr dickwandige Cysten. Bei einem Kranken 
von Barlow**) mit Bronsehaat war die linke Nebenniere sehr 
atrophisch und an Stelle des normalen Gewebes lagen mehrere 
Cysten, danrnter eine haselnnssgrosse, gefiUlt mit trüber, farbloser 
Flüssigkeit; die rechte Nebenniere, welche gleichfalls stark ge- 
schrumpft war, enthielt mehrere runde Indnrationen bis nur Grösse 
einer kleinen Erbse und von fester, opaker, libroider Bescbaffen- 
heit Ghristie***) fand bei einem Fhthisiker mit Bronzehavt die 
Nebennieren vergrössert und mit einer Reihe top Cysten besetzt, 
die eine dünne seröse Flüssigkeit mit kleinen, schimmernden 
Flfickcben enthielten; von der Rindeneubstanx war wenig Übrig. — 
Auch bei Pferden sind ähnliche VerSndemngen gesehen worden f). 
Einmal fand man einen tibrösen Balg von 2 Zoll Durchmesser, der 
in seiner Acherigen Bohle eine gallertartige Hasse, einem Blnt- 
kachen ähnlich, enthielt; ein anderes Mal sehloss der fast 1^ Zoll 
dicke Balg eine gelbliche Substanz ein, in welcher sich eine frei- 
liegende Knochenmasse befand. — Mfiglicherweise gehören diese 
F&lle in andere Kategorien; ich muss mich für jetzt darauf ber 
scbr&aken, die Anfmerkaamkeit auf sie zu lenken. Ri,sdon 
Bennett ff) beschreibt eine Cyste von der Grösse einer kleinen 
Orange au der Stelle der gSnzlich untergegangenen linken Neben- 



*) ?%tit. CaUI. of the Mneeam of Goy's Hosp. No. 2083«. 
**} GuIL Med. Times mad Gu. 1866. Jan. p. 60. 
'") Cbristie. Med. Times and G». 1856. Oct. p. 317. 

t) E. F. Qurlt. Path. Aoat. der ÜAnsaftiigethiere. Th. I. S. 205. 
tt) Risdon BeDoet. Tnnaact. of tbe Path. Soe. Lond. Vol. XV. p. 224. 



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GKilertojBten der Niere. gg 

niere eines an ehroAischer Bronobo-PIenropaeamonfe gestorbeDen 
Manofls ohne Bronsebaat. Obwohl er weder einen Echinococcus, 
noch Uebeireete davon ^d, hfilt er doch den Sack wegen seiner 
lunellOsen Struktur für eine Hydatide. Seine Beschreibung ist 
nicht überzeugend, und es w&re daher wohl mOglfcb, dasB auch 
dieser Fall in die Reihe der cystiacben Strumen zu rechnen ist. — 

An die hier besprochenen Organe hat in der neueren Zeit 
Lasch ka zwei andere angereiht, welche nach seiner Meinung auch 
la &bnlichen Krankheitssnetänden Veranlassang geben kannten. 
Das erste war die von ihm sogenannte Steissärfise, Glan- 
dula coccygea*), ein kleines Gebilde, welches unmittelbar vor 
der Spitze des Steissbeines in den Weichtheilen des Becken- 
gnindes verborgen liegt; das andere das von ihm als Carotis- 
drfise bezeichnete Gai^lion caroticum**), ein noch kleinerer, 
mischen Carotis externa und interna gelegener Kßrper. Von jener 
leitete er gewisse Sacral-Hygrom e*"), von dieser Hygro- 
mata colli +) her. Die Untersuchungen von Jnl. Arnold +t) 
liabui jedoch die drüsige Natur beider KOrper hOcbst zweifelhaft 
gemacht, und für das Hygroma colli direkt die ZusammuibaDRs- 
losigkeit desselben mit dem Carotiskaoten dargethaa-f-ff). So 
sehr ich selbst früher geneigt war, för manche Sacral-Hygrome 
die Deutung von Luschka als richtig anzusehen, so mnss ich 
doch für jetBt davon abstehen, dieselben hier zu behandeln. 

Dagegen darf ich nicht nnerw&hnt lassen, dass gewisse 
ErkrankoDgen imderer drüsiger Organe den Strumen sehr nahe 
stehen. Ich will nicht davon sprechen, dass in den Kanten der 
Prostata GallertkOrper der verschiedensten Art, bald amyloide, 
bald einfach albuminCkse abgeschieden werden, welche in Bezie- 
bang auf ihre Bildung wi^irscbeinlich den Gallertkörpero der 
Schilddrüse unmittelbar an die Seite gestellt werden müssen. 
Aber wohl mnss ich an die Nieren erinnern, deren cystische 
Verhiltnüee ich zum Theil schon irüher (Bd. I. S. 270 — 273) 

*) Luacbk». Meio Arcbiv. 1860. Bd. XVIU. S. 101. Tkf. VI.-Vll. 
Der HiriMiibuig u die SteüedrQse des Menschea. S. 63. 

") Lnschk». Reichert's u. da Bois' Archiv. 1862. S. 40Ö. Tftf. X. B. 
"*] LoBchlca. Hiroinhiog u- SteisedrOse. S. 88. 
t) Luschka. Reichert's u. da Bois' Archiv. 1862. S. 414. 
++) JnL Arnold. Heia Archiv. 1865. Bd. XXXIl. S. M3. T>f. X. 
Bd.XXX]I1. &. 190. Taf. IV. 

ttt) JoL Arnold. Mein Archiv. Bd. XXXIU. S. 209. T»f. V. vergl. 
Ad. XXXU. S. 322. 



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94 ZweiandswmDzigflte Vodesnng. 

erörtert habe. Abgesehen von den eigeatlichen Hani- und Retea- 
tionscyeten, eatstehea last alle Cysten der Nieren durch allm&h- 
liche Vu-äDdeniag von HamkaDlUcheii. Zunächst schnüren sieb 
diese von einander ab, ähnlich wie sich die primitive Schild- 
drfise von dem Schlünde abschnürt; sie zerfallen in eine Reihe 
getrennter Säckchen, in deren jedem sich innerhalb des Epittiela 
ein Gallertkörper bildet. John Simon*), der dieee Verhält- 
nisse zuerst genauer untersuchte und die Aebnlichkeit der kleinen 
Cysten mit Bläschen der Schilddrüse ausdrücklich hervorbob, liräa 
die mit Zellen gefüllten Kanälchen der Niere bersten und ihren 
epitiielialen Inhalt in die „Uatrix" austreten, wo er die Keime 
2U den Cysten bildete. Seine Deutung war deshalb unrichty;, 
weil er auf Ruptur bezog, was unsweifelhaft der Abachnfirung 
angehört. Das Epithel ist aber bei der Bildung der Gallert- 
kOrper offenbar betheiligt, jedoch nicht in der Weise, wie Simon 
wollte, dasB die einzelnen Zellen aus sich eine Cyste hervor- 
bringen, in welchem Falle die Gallerte Zelleninhalt wäre, oder, 
wie er sagte, dass die kleinsten Cysten einfache, kernhaltige 
Zellen seien. Vielmehr erzeugen die Epitbelialzellen der Harn- 
kanälchen, mDgeo die letzteren abgeschnürt sein oder nicht, 
hyaline Eiweissmassen, die tbeils aus ihnen austreten, theils in 
ihnen bleiben, und die nach und nach gallertig werden. Die 
GallertkOrper sind also Concretionen, die entweder Ton vorn- 
herein ausserhalb von Zelten entstanden sind, oder die dnrcb 
die Verschmelzung zn Gründe geguigener und metamorphosirter 
Zellen sich büden"). 

Der Vorgang in der Niere hat also nur das Besondere, dass 
derselbe in einem Organe beginnt, dessen Kanäle ursprünglich 
oontinuirlich und offen sind und sich erst später krankhafter 
Weise in „Follikel" theilen. Im TJebrigen stimmt er gans Oberein 
mit dem in der SchilddrfiBe: Wucherung des Epithels, Bildung von 
GallertkOrpern, Erweichung und Verflüssigung derselben"*), Gon- 

*) John SimoD. Zeitgchr. fDr rat Med. Bd. VI. S. 244, 248. Tif. 111. 
*•) Hit Vergnflpien sehe ich, dasi aach A. Key, der frDher alle diese 
Gallertmaasen aus ZellenTerschmelzung ableitete, gegenwärtig den loa mii 
betoDteit HodoB der extraceltnl&ren Coocretion anerkennt. In einem leider 
ohne Titel mir lugegangeuen Sep&ratabdrack seiner schwedisch geschriebenen 
Abhandlung finde ich die betreffende Stelle auf S. 34. Taf. 11. Fig. ^7-62. 
•••) Eine chemiecbe AoalTae des Cysteninhatte tou Folwarciny (WBrab- 
med. ZeitBcbr. Bd. I. 8. IM) ergab aneser Albumin und etwas lietalbnmta 
Bernateiuilaie. 



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Nierenc7st«ii. 95 

fln«iiz der Cyitea. Da ich diese Punkte Bcfaon frflber (Bd. I. 
S. 372) abgehandelt habe, so gehe ich hier nicht veiter aaf die 
Bpftteren Hetantorphoseo ein. 

Gerade bei den Nieren bat sich aber wiederholt dieselbe 
Frage aufgeworfen, welche wir bei der Sdiilddrüse besprochen 
haben: giebt es eine heteroVoge Bildung der Cysten? 
Diese Frage ist aneb neuerlich wiederholt bejaht worden, indem 
man das interstitielle Bindegewebe als Ausgang und Matrix der 
Cysten bezeichnete*). Obwohl ich zugestehe, daBs an der Niere 
Tiel läufiger Objecto vorkommen, welche für einen solchen Bil- 
dongsgang gprecben, eo habe ich mich doch nicbt von der Rich- 
tigkeit dieser Deutung überzeugen können; im Gegentheil lehrt 
gerade die Vei^teichung mit den indurativen Formen des Kropfes, 
dass die scheinbar selbständigen Neubildungen, welche sich bei 
iaterstitieller Nephritis finden, in nichts von den abgeschnärten 
Follikeltheilen der Schilddrfise verschieden sind. 

Ich leugne daher die Heterologie der Strumen Oberhaupt 
Wo etwas Heterologes vorkommt, das den Strumen gleicht, da 
ist es als Garcinom aufsvfassen; dieses erzeugt allerdings zuweilen 
Bildungen, welche in der That wie heterologe Strumen auBsehen. 



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Dreiundzwanzigste Vorlesung. 



ElnlaltaBg. Dia drgt OtiubwiilitianBeD mit ipHliteti ■iiiniill(cb*a Odriban: Htbui, IfaiinBa, 
ABglnat. — Dil MfOB (Halkal- «der PUlHkgeaiAnln) ; . 
1) Hronm •trlocellalars (KbabdomromB). CongtiiiUlai Vorkommani Du HsTi-llron; 
kMIIgt Ponii! kiraniaia Art. Aniloce GaaakvUit« udenr llDakalo. Die HikToglotala 
(Brpirtrgplili ■ pralipma Ilatiaa): BDaMBlaebBr Bm, tniaralldaUa Entwlekalw^, Ba^akong 
%a Gloaiitla, •rWDCbaae Dud eoiiganilala Foim, Varlanf osd BabudlBiig. - ZwfilaUuifta Natni 
dir Ujonia wUlkGrlletiar Hnikaln: Vanraiihlaling Tod Tlalkarnlgdl BlattBiallan bU ]<wg«o 
llDlkalfuerB. Du kataropliatlaa^a KyQm (klToaucoii). 
i) UjomR laailcalUUra [Lalomraiiii;. ZiuammeueUoflg aoa^gtattar Muiknlatsr, Blöd*- 
gawabn aid Oanaaan. Welaba nnil tiarla Forni! niinilBTaiii, Sbromalkiillra äaMliWOlft. 
Fifibsn BaialshDiiBgan ala eklrrb, Staalom, Cbandrold, PDom, FMichtabarkal, Coff • abrani, 
Tumar übroaBi. Daimold, Flbcold. B(u lud BatwlckeLung : UaakaJaatni, Qanuaa (H. talan- 
glaclailaa a. cavanoimiij, EracÜLlcil. WacliiUiDm, Parriitaai. RäckMldiWE: HaUoBg [Kaaelii- 
Hoa nad TarUalnaniig). FIbiGaa ladanUan (VnkuiTpalaa^ i VartaUmf (OiMoaaikon, fibn- 
cilcha flatchwulal). Enaliihang (cjatolile Umwuillaii«). Sakroia lod Brand. VarhaliM iw 
Nichlwricliali: InDuDnakolin (inMchtliona, lnUntlilalla} und ainamnakollia (pertpbalMl»} 

Dlffut HTpacplaala daa HiohbariawBbaa. HalUplldllL Oanllchet nnd tioiBologaa Waaaa dar 
Hjome. NuhlliiUfBa Wirknngan : Fraga dar HtUralaglt und Daganaiitlsii i üsbaigug !■ 
Harkom nnd Kraba; lljouikom und MtoevcIuod, HromitSta Uialigaachirtlita. - Aadotogle: 
kSbataaLabanHllai, loealaBslauiig, loeal(PridlapD>itloD. — eili: a) HauL Hyama dar Bnat 
und daa ScretDina. b) Big ai tloDakanal. Oaupbagat. Hagan: liln- mid aitnmukiiUra 
Uyomt; po1;pfia* and olcarSan innare, pal}pAaa and ejitlicba Isaaara; HTnaai^iain. Dam. 
c)Pii)ila(a. HjipartrapUa uad BUrrli. UBakBlfiaer Bau dar PmOiIai bjrparpUatlaebaa 
Hjiiin. Dar aog. hlBUra odai mltClare Lappao: U-jam daaaalban. Folgan and UrtaBhaa. 

Irophla daa Ulcrua; aUgamalna und parllella H^paTtiUaia ; VarkoDunaB dar latUaras b«l Pro- 
lapsoa; Varlingarnng dsiMadarbaliaa; rSaaalfErmlgaPolTpan. Üleraa: OaaoUahUlaba«. Ma 
dral Forman: Paljpan, Intnptilatala untL labparitoniala Oaieliirülala. HslOpUeMUi ür«ailiaiii 
BUdflBg. Utaprflntllaha CantJnallU mit dar ClanuDbalaiu Bod daraa GaOMaB; ipUara lodo- 
raüan and DlacoDtlBulIU. Snbiertaa Mjana; Baa, aiU, CompUeaUan mit PatliMtillU, dia- 
eanünalrltebar Zaitud.iecundlra BIGntngaa daa Ulana, dar Hamblaaa. SBbmneEaa IL odar 
Flalaetapaljpaa: 81U, SUa), Foim. Vtrhallaa daa Ularaa, Zahl, Bn, cfalUcha Form, InTar- 
tla> und Balnog daa Ulanii, Blutung, Entiandang und AblGanng dar Oaachimlit, Daganara- 
Uaa. iBtiaparlatal-Myonia: CnnllnDltlt, Varbiltan dar Ulaniimnd [BypcrpUak, AtropMa; 
GrSaaa, Baa, 0a*tall and SlaUiug daa Uterna: Intiallguuant6aa, ratrautariua. ratrotagbul* DBd 
polrpanaitlga Fanaau. fipontana Bspulilaui FattBataaarphuaiKäekbUddBgDnd Varklaliiazviig; 
IndDi«tloB; Varkalknng (ütaraiitalaa) aad daran Folgan. Waieba Fonaan: Myioaiyteia, MaHa- 
Uaa EnaldiBug, rala mnakniSaa Fätm; VarbUlalai aai Scbwasgaiiakaft. M. talaaglaetodaa: 
ETactlt<iJlt,lBlandllal-Kiniaa(8clilalBibaiital}. CjiIix:baa>L[IbnMyillicheOaackwnJat): aarCna 
BBd Umorrliaglacbai Myoiacfeam. Ulearalloa and Znfa 1: Inoataatom. Üabtrgug 1b Kiaba aad 
SarkaBL Ootartiga Katar dti UtaniaDyoma i opariUvt Anfgaba (Ugamr, Eiclalaa, KnnelaaUaa, 
SutlrpaUaB daa UUma). ^ CollBa sttrl: poljplaa Fan. Taglaa, Llgaaaaala aad 
TnbaB. Elaratock; Bklirhi und SlaalaB«! BlU nad Bau. MyoBbron. TartaUlalia aa 
etaronUebar OvpliiHltii. CjralDlbraia. Fibroaukom und Cjalaaatkaa. SyB^Uma. ABaglag«. — 
Vorkonmaa dar Myenia daa walMlcbaB Baxnatapparataa bal TUaraa. 



, Goot^lc 



Myome. 97 

i^acbdeIn wir die im die BindegewebBsubstanzen and die an die 
lympbatiBcben Gebilde sieb anscblieBeeodeD Geechwülste erledigt 
haben, kOoneo wir nunmebr zu einer neuen Gruppe Qbergeben, 
EU derjenigen nebmlicb, in welcher bOber entwickelte Gewebe, 
wie sie dem specifisch animalischen Leben angehören, gefanden 
nerdeo. Hier bandelt es sich namentlicb am dreierlei Formen 
TOD Geschwülsten: diejenigen, welebe wesentlich mascul&Be Theile, 
diejenigen, welche wesentlich nervOse Theile, und diejenigen, 
velche weeentlich Gefasse, namentlicb BlntgefSese entbalteo. 

Zneret wollen wir uns mit denjenigen beschSftigen, in welchen 
muscnlOse Elemente b^d in überwiegender, bald in etwas ge- 
ringerer Masse enthalten sind, und die man im Grossen als 
mascttlfise oder Fleiscbgeechwülste, Myome*) znsam- 
menfaesen kann. Die in ihnen vorkommenden Fleiscbelemente 
sind entweder die gewCbnlichen , quergestreiften Muskelfasern 
(PrimitiTbündel) in Terscbiedeneo Stadien ihrer Entwickelung, 
oder die glatten Faserzellen der sogenannten organischen oder un- 
willkürlichen Muskeln. Zenker**) hat darnach ßr Geschwülste 
mit quergestreiften Muskelfasern den Namen des Rhabdo- 
myoms, ffir solche mit glatten den des Leiomyoms vorge- 
schlagen , — Bezeiebonngen , die ich nicht für zweckmässig 
halte, weil sie dem hergebrachten Princip der Nomenclatur 
widersprechen. Ich eiehe es vor, die ünterabtbeilongen durch 
adJectiTische Zns&tze zu bezeichnen und das Myoma strio- 
eellnlare dem Myoma laevicellulare gegenüberzastellen. 
Unter diesen Geschwülsten sind es diejenigen, welche glatte 
Mnscatatur enthalten, die wir in sehr zahlreichen und oft sehr 
grossen Exemplaren antreffen, während rothe oder qnergestreifte 
Musculatur, welche ja sonst in dem KSrper eine so überwiegende 
Solle spielt, in Geschwülsten zu den grOssten Seltenheiten gehört, 
ja Myome aus quergestreiften Fasern nar unter ganz besonderen 
Verbiltnisseo Torkommen. 



*) Vircfaow. Arcbi*. 1654 Bd. VI. S. 553. Wiener med. Wocbenschr. 
im. No. 7. S. 100. 

**) F. A. Zenker. Ueber die VerlndeniDgeD der willkQrlichen Hoskeln 
im Tj'phQa abdominalia, nebet einem Excnni Aber die pathologiscfae Nen- 
bildnng quergestreiften HuBkelgewebes. Leipz. 1864. S. 84. 



)vGoo<^lc 



9g Dreinndiwantifate VorlesDDg. 

Die streif zellige Maskel^eechwulst findet sich zu- 
Dftdist, und zwar ia der ftusaerstea Seltenheit, congenital, indem 
schon wELbrend des Fot^Iebens auf hyperplastischem Wege eine 
abermKasige Entwickeluog von Muskelzelleo stattfindet, welche 
endlich eine wirkliche Geschwulst bilden. Dieser Zustand kommt 
in einzelnen Fällen an der ülasculatur des Herzens vor, wo 
die coDgenitalen Myome bald nach aussen, bald nach innen, bald 
endlich nach beiden Seiten hin starke Prominenzen bilden nnd 
das Herz auf das Aeusserste deformiren. unsere Sammlung besitzt 
die drei einzigen sicheren, bis jetzt bekannten FftUe*) dieser 
Verändernng. Jedesmal handelte es sich dabei nm Neugebome^ 
welche entweder todt geboren worden ^der bald nach der Gebart 
starben; in dem einen Falle waren gleichzeitig harte Gliome des 
Hirns vorhanden (Bd. U. S. 148), in dem anderen war ein Zu- 
sammenhang mit Syphilis von vornherein vermuthet**) und die 
genauere Untersuchung Hess darüber kaum einen Zweifel, zumal 
da in den hyperplastisch en Stellen des Herzens selbst miliare 
Gummiknfitchen vorkamen. In diesem Falle war nur eine einzige 
Stelle der Herzwand geschwollen, in den anderen beiden dagegen 
waren die Geschwülste multipel, kamen an den verschiedensten 
Theilen der linken und rechten Seite, selbst am Septum und den 
PapillarmuBkeln vor, erreichten die GrOsse von Kirschen und 
darüber, waren ziemlich derb, von ähnlicher Farbe, wie das 
übrige Herzfleiscb, scheinbar ganz unabhängige Bildungen, jedoch 
bei genauerer Untersuchung in cootinuirlicheni Zusammenhange 
mit den Fleischbündelo des Herzens. In dem einen dieser F&lle 
war der Bau der Huskelgeschwulst deutlich cavernös, indem 
die Muskelzellen maschenitirmig angeordnet waren und zwischen 
ihnen mndliche R&ume blieben, welche mit einer dässigea Masse 
gefüllt zu sein schienen. 

Ad diese Beobachtung schliesst sich der einzige, mir bekannte 
Fall, wo ein ähnlicher Znstand am Herzen eines Erwachsenen 
gefunden zu sein scheint Er ist dies der Fall von Skrzeczka***), 

*) Prtpante No- 36 vom Jahre IStil, Ho. 66 vom Jahre 1864 und No. »3u 
vom Jahre 1865. v. Recklinfchaasen. Verhaodl. der Berliner gebortahfUfl. 
Oesellscb. lt$68. Heft XV. S. ^3. Monatt-ncbr. f. Gi^burtBkoiide. Itiü2. Bd. XX. 
8. 1. Vircho«. Archiv. 1864. Bd. XXX S. 46B. Taf. XVI. Fig. 4 — ö. 
1866. Bd. XXXV. S. 212. 

**} Kaatiow. Hein Archiv. Bd. XXXV. S.311. 
*") Skriectka. Hein Archiv. Bd. XI. S. 181. 



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Hakro^lMsie. 9g 

V« fast der gwie linke Ventrikel nebst dem Septnm in eine 
por9Be, feinem BadeEchwamm llhnliche Hasse verwandelt war, wo 
jedoch in den Balken keine Mnakelfasern bemerkt worden. Do- 
gmen bestand gleichzeitig totale Synechie der PericardialblUter 
Bit Verkalkung. Das Herz stammte von einem 21|&brigea Bauer- 
bnrschen, der nach einem Laufe zu Boden geworfen und plStz- 
lieh unter Röcheln gestorben ww. — MfiglicheTweise gebOrt bier- 
hef auch eine Beobachtung von Billard*) bei einem Kinde, 
welches 3 Tage, nach der Geburt plCtzlich gestorben war; diegelbe 
wird als Skirrh aufgeführt: es fanden sich drei GescbwUlste am 
Herzen, welche aus einem Fasergefiecbt bestanden. 

Ob es sonst an rothen Muskeln etwas Analoges giebt, ver- 
mag ich aus eigener Erfohrnng nicht zn entscheiden. Wenn man 
Gelegenheit hat, etwas an ihnen zu fQhlen, was man geneigt sein 
möchte, in diese Kategorie zn rechnen, so ergiebt sich in der 
Regel, dass es etwas anderes ist. Ich erinnere hier an etwas, 
das leicht zu Verwechselungen Veranlassung geben kann, nehmlicfa 
SD partielle oder totale Rupturen, wonach die Musketbiache sich 
iniflckzieben und in Form von Tumoren nach aussen hervortreten 
können. Zum Tbeil habe ich dieser Form schon bei den Häma- 
tomen der Muskeln gedacht (Bd. I. S. 143); neuerlich habe ich 
am Biceps eines 8j&hrigen Mädchens wiederum eine solche 
Geschwulst gesehen, welche schon eistirpirt werden sollte. Als 
uf meinen Rath ein zuwartendes Verfahren mit zweckmässigem 
Verbände einge8obltm;en wurde, verschwand die tanbeneigrosse 
Anschwellung im Laufe einiger Monate spurlos und die Function 
deB Arms vrarde vOUig wieder hergestellt. 

Am meisten Aebniichkeit mit den Herz -Myomen bietet die 
BOgenanote Makroglossie**), Hypertrophie der Zunge, 
meh wohl Prolapflus linguae dar. . Diese Geschwulst zeigt 
rieh in der Regel am vorderen Abschnitt der Zunge***), häufig 



*) Billard. Tr»t^ des maladiea des enfans aonTeaD-nte et i I« ma- 
m«IU. Paris. 1»28. p. 647. Atlas. PI. VIII. Gg. 2. 

**) H. F. TftD DocTereii. Diss. med. iaaug. de macrogloBsa seu ÜDgaae 
eiKtTmitate. Diu. ioaug. Lngd. Bat. läS4. L. de Leav. De macroglossa 
leg liD|nae pcoUpsu. Dias, iaaug. Berol. 1846. 

*"} Der Ton Lambl (Adb dem Franz-Joseph Kinder- Spital in Prag. 1860. 
S. 164. Taf. U.) bescbriebene Fall tod der Zongeawnriel iat nach meioer 
MeinnDg ala fibrdaer Krebi in betrachten. 



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100 DreioDdawMuigBte Vorleanng. 

als ein congeoitales üebel, seltener als ein acqoirirtes, aber auch 
ja den F&llen, wo es coagenital ist, doch als ein progressiv weiter- 
gehendes, so daes, wenn anch durch Jahre hindurch die VergrOsse- 
rung nur eine m&Bsige ist, sie doch endlich in Form eines grossen 
Tumors aus dem Munde herauswächst und nicht nur die äossersten 
Beschwerden, sondern auch die äusserstea Veranstaltungen herbei- 
führen kann. Denn die Grosse der Geschwulst kann so beträcht- 
lich werden, dasfl die ganze Bildung der Kieferknochen dadurch 
alterirt wird, die Stellung der Älveolarfortsätze und Vorderz&hne 
schr&g nach vorn herausgeht und der Unterkiefer selbst sich be- 
trächtlich verlängert*). Eine Reihe von Beobachtern hat diese 
Form als einfache Hypertrophie bezeichnet; die Üntersuchangen 
sind jedoch fast immer sehr unvollständig gewesen. Zweifellos 
ist, daes Mjusculatur m diesen Geschwülsten regelmässig vor- 
handen ist, aber ob sie excessiv vorhanden ist, das' ist sehr 
schwer auszumachen; jedenfalls ist sie weder das einzige, noch 
das wesentliche Element. Ich selbst habe freilich nur Gelegenheit 
gehabt, zwei Fälle geoaner zu untersuchen **), aber seitdem haben 
sich alle späteren Beobachter"*) der Beschreibung angeschlossen, 
die ich gegeben habe. In meinen beiden Fällen war das Uebel 
congenital und es handelte sich dabei um eine Art partieller 
Elephantiasis, wobei die Lymphgefässe wesentlich mitbetheiligt 
schienen-, so dass die Verändemng an die cystische Form der 
eongenitalen Elephantiasisgescbwfilste (Bd. I. S. 317) sich an- 
BchlosB. Es bestand eine beträchtliche Zunahme des intersti- 
tiellen Bindegewebes, welches kleine Höhlen einscbloss, die 
lymphatische Zellen enthielten; daneben hatten auch die sub- 
maxillaren Lymphdrüsen eine Art von cystischer Veränderung 
erf;^ren. Bei congenitaler Elephantiasis ist es nicht ungewöhn- 
lich, dass ausser dem Bindegewebe auch andere Gewebe sich 
vergrOssem; insbesondere giebt es Fälle von partieller Elephui- 
tiasis, wo sowohl Nerven, als Muskeln sich stark entwickeln 

*) BesBsIbAcli. BeschreibDDg Aor pithol. Pripuate cd WQnbnrg. 
S, 9S«. Vircbow. Archi». Bd. VU. 8. 133. 

") Virchow. EbendM. S. 121. Taf. 11. Fig. 1-3. 

"■} R. Volkmknn. Zeitschr. ffir ntion. Uedicin. Nene Folge. Bd. VIII. 
S. 338. Taf VIII. ObBervationeB anat. et chimrg. quatuor. Lips. ]8öT. p. 13. 
W. BuBcb. CbirDTgiBfbe BeobachtUDgen. Berlin. 18M. S. 8a BilJTotb. 
B«itrtge lor pathoT. HiBtolögie. Berlin. IBK. 8.230. Humpfarj. «ed. 
cbir. TraDBact Vol. XXXVI. p. 113. S^dillot Oai. m^d. do Paria. 1854. 
p. 113. 



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(Bd. I. S. 317). Etwas Aehnliches kSonte auch an der ZuQge 
vorkommen, nur ist es hier sehr Bcliwer, die Quantität des vor- 
baDdenen Muskelgewebes festzustellen. Die einzelnen Muskel- 
fasern (Pnmitivbündel) sind nicht vergrOssert; junge Entwicke- 
langKsustande derselben, welche für eine hyperplastische Neu- 
bilduDg sprechen würden, hat nur Weber*) angegeben, und es 
ist jedenfalls wünschenswerth, seine Angaben auf Grund der jetzt 
geoaner bekannten Thatsachen der Muskelentwickelung von Neuem 
bestätigt zu sehen. Busch **) fand einzelne Stellen, welche fiber- 
Kiegend Muskelmasse enthielten, während freilich die anderen 
überwiegend Bindegewebe führten. 

Man kann daher nicht anstehen, die Makroglossie zq einem 
Haaptantheile auf einen inlerstitiellen Prozess zurückzuführen, 
welcher entweder nur Bindegewebe, oder Bindegewebe mit lym- 
phatischen Höhlungen erzeugt. Dieser Frozess ist, er mag übrigens 
so chronisch verlaufen, wie irgend möglich, offenbar ein irritativer, 
ja er steht der eigentlichen Glossitis interstitialis gans nahe. In 



Fig. 213. Hacroglossia congenita caveniosa. Bin von Gajetan t. 
Textor abgeschnittenes StGck der Zange eines 2j!lhTigeD HKdchens in natür- 
licher Grösse. Die rechte ZongeobSlfte dnrch einen senkrechten Schnitt ge- 
spalten, ao dass der innere caTernfise Bau der Geschwulst zn sehen ist. 
itecht£ davon bei schiracher Lonpen-VergrCsäernDg eine Ansicht der Hohl- 
raumbildung aus dem mittleren Theile der GeBchwntst. Vgl. Hein Archiv. 
Bd. VII. S. 127- Taf. 11. Fig. 1—2. 

■) C. 0. Weber. Hein Archiv. Bd. VD. S. 115. Taf. I. Fig. 4. 

") W. Bnsch a. a. 0. S. 38. 



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102 DreioDdiwMnigst« Vorleaung. 

eiaem, von Langenbeck*) bei einem TmoDatlicbea Kindeope- 
rirten Falle tod Makrogloasie traten regelmässig alle 4 Wochen 
acnte Schwellungen der Zunge, zuweilen mit Soffocationsgefabr 
ein. Die Anatomie der eigentlichen Gloseitis ist bis jetzt wenig 
etudirt, und man kann daber nur sagen, dass die Makrogloseie 
TOD den Prodakten der cbroniscben Entzündung deB Interstitial- 
gewebeB anderer Theile, z. B. des Herzens, nicht anerbeblich da- 
durch abweicht, dass trotz der wncbernden Zunahme des Inter- 
stitialgewebes die Mnskelaubstanz nicht schwindet, sondern sieb 
vortrefflich erhält. Dieser Umstand n&hert allerdings die Makro- 
glossie den fibromuskulären Geschwulstbildungen und Hyper- 
plasien gewisser Organe mit glatter Muskulatur, wie des Uterus, 
' während sie dieselbe von der EntzQnduag im strengeren Sinne 
des Wortes entfernt 

Allerdings bat man wobl manche Fälle von einfacher hyper- 
ämischer Schwellung und Entzündung mit der Makroglossie zu- 
sammengeworfen. Schon die Angaben Galen's **) beneben sich, 
wie es scheint, auf derartige, mehr vorübergehende Anscbwel- 
lungen. Erst seit dem Mittelalter***) werden die Angaben ge- 
nauer, und es ist allmäblicb die Yerscbiedenheit der zwei Haupt- 
gruppen, der congenitalen und der erworbenen Formen, mehr 
hervorgetreten. Letztere sind freilich noch bis in die neuere Zeit 
hinein mit syphilitischen GummigeBcbwülgten (Bd. II. S. 440) und 
Glossitis mercurialis zusammengeworfen worden f), und wenn 
Gross tt) angiebt, dass in der Hypertrophie der Zunge das 
Gewebe in eine dichte, halbknorpelige Substanz mit kaum einer 
Spur der ursprünglichen Struktur verwandelt werde, so hat er 
wohl auch mehr die chronisch gtossitische Form vor sich gehabt. 
Denn, soweit unsere Erfahrungen reichen, muss gerade das als 
das Charakteristische der Makroglossie festgehalten werden, dass 
trotz aller Interstitialprozesse das Muskelgewebe persistirt. 

*} B. Weisser. De linguae structnra pathologica. Dtsa. inaug. Berol 
1858. p. 13. Billroth. Seiiräge zur pathoL Histologie. S. -.i-20. 

'*) GalsDus. Hetbod. medeadi. Lib. XIV. cap. 8. De differ. norb. lib. 
cap. 9. Dm CiUt, welches de Leu« aus CetsQs anführt, ist giDtlicb 
miBSTerstanden. 

***) Vgl. die Literatur bei tko Doeveren l. c. p. 14. 
t) DahiD geboren die FSIle von fieaedictoB, Scnltetus, Trinca- 
vella, Riverins bei van Doeveren. VgL einen Fall *oa A. Cooper im 
Gatalogne of the path. prep. in the Musenm of Goy's Hoea. No. 1670. 
tf) Sam. D. Gross. Elements of patbol. anat. Pbilad. 1846. p. 617. 



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Aogobonie Nftkroglossie. ]03 

Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dase die erworbene Makro- 
gloüsie häafig aas tranmatischen Einwirkungen hervorgeht. Daf&r 
spricht der Umstand, dass ihre Eatstehnng fifters auf Krämpfe 
mrückgefohrt wird*), wobei wenigstene die grosse Wahrschein- 
lichkeit besteht, dass die Zange zwischen die Zähne gerathcn und 
hier geqnetscht ist. In einem von Niechwiedo wicz**) be- 
schriebenen Falle wird der Anfang des Uebels von 'einem Blas 
bei Gelegenheit eines Falles hergeleitet. Anderemal werden Ent* 
Zündungen des Mundes, der Lippen und Mandeln, heftige fieber- 
hafte Anfälle, Scharlach ***) als Ausgangspunkt angegeben. Auf 
alle Fälle bestanden Reizungssastfinde, and, was gewiss nicht 
uDwichtig ist, die Mehrzahl derselben begann schon im jugend- 
lichen oder geradezu im Eindesalter. Bei manchen bleibt es 
tweifelhaft, ob eine congenitale Anlage vorhanden war, die sich 
erst später ausbildete. 

Die wirklich angeborne Makroglossie bleibt daher von her- 
vorragender Bedeutung. Peukerf) scheint dieselbe zuerst be- 
Echrieben zn haben; seitdem hat sich die Zahl der bekannten 
Fälle mehr und mehr gehäuft. Ein geringerer Grad von Ver- 
läageroDg der Zunge, nicht selten verbunden mit Verlängerung des 
Uoterkiefers, findet ^icb öfters bei anencepbalen Missgeburtentt)- 
Daran schlieest sich die bekannte, häufig mit Vorfall vereinigte 
VergrSsserung der Zunge der Cretinenftf)) welche nach und nach 
die Lippen vorw&lbt, die Zäbne nnd Alveolarforts&tze schanfel- 
förmig nach aussen diängt; schon beim neDgebomen Cretin fand 
ich die dicke Zunge 6 Millim. über den Kieferrand vorragen 't). 
Mag daher auch die alte Meinung, dass eine grosse und dicke 



't he BUoc bei van Uoeveren p. 21. LaBNus u. ArnemaDn b«i 
<le Leon- p 8. Weber a. a. 0. S. Ufi. 
•'1 de Leuw I. c p. 0. 
•■■/ Bowatei J. Vernöo. St Bartholomews Uosp. Rep. 1865. Vol. I. 

p. K2. 

t) Caep. PenceruB. Commeut. de praecip. divinat. geoer. Wittemb. 
I.W. p. 330 (bei van Doeveren p. 15). 

ff) Uorgagni. De sedibua et caoiia morb. Eptst. XLVUl. art bO. 
>aD Doeveren I. c p. 21. 

t+t) Ipbofen. Der CretiaiRmuB. Bresd. 1817. Bd. 11. S. 181. Rapport 
de la commiasioD Sarde pour Studier Is cretioisnie. p. 21 Otto Tbi«me. 
[>er Cretinisrnnt). Inaug. Oiss. Weimar. 1843. Taf. I., UI. F. C. Stahl 
Nen? Beiträge znr PhyBioKnomik u. pathol. Anatomie der Idiotia endenica. 
BrUnEen. 1848. Taf. l.-II. 

■t) Virchow. Geaamraelte Abbandl. S. 977. Fig. 36. 



)vGoo<^lc 



104 OreiuadzwaDzigBte Voriesnng. 

Zange auf geringe Geistw^igkeiteo achliesBen Iobbc, eine gewisse 
Begründung haben*), so hat sie doch keine allgemeine Gfiltig- 
k^t. Manchmal entächeidet vielmehr eine gewisse Ranmbeengnng 
des Mnades, welche die Zunge nach aussen treibt, und sie so 
allerlei neuen Schädlichkeiten und Cirkulationsstßrungen aussetzt 
Dahin gehOrt die ZuDgeDvergr&ssemng bei Wolfsrachen**), sowie 
vielleicht ein Fall von HarriB***), wo die Makroglossie mit 
ungewöhnlicher Kürze der Aeste 'des Unterkiefers und Ausein- 
anderstehen der Schneidezähne verbunden war. 

Die genuine Makroglost^ie ist von allen diesen Zuständen ver- 
schieden. Sie hat weder mit mangelhafter Geliirnbildung, noch 
mit wahrnehmbaren primären Störungen des Mnndskelets etwas 
zu thun; sie findet sich vielmehr als einzige Abweichung der 
Bildung. Zuweilen liegt die Zunge schon beim Nengebornen vor 
den Kiefern; meist ist sie nur auflällig dick oder lang, sonst 
aber an dem gewöhnlichen Platze. Das hauptsächliche Wachs- 
thum erfolgt nach der Geburtf), häufig stossweise, zuweilen unter 
entzündlichen und fieberhaften Zufällen. Hanehmal bleibt die Ober- 
fläche der Geschwulst ziemlich gleichmäsaig ; anderemal ist sie 
durch Knoten von verschiedener GrOsse emporgehoben, welche 
wohl zu unterscheiden sind von der ebenfalls nicht seltenen 
Papillarhjperplasie , die nur der Oberfläche angehört. Auch ist 
zuweilen eine Seite der Zunge mehr ergriifen, als die andere. 
Die Missstaltnng der Kiefer, die Verlängerung der Lippen und 
die ErweiteruDg des Mundes halten gleichen Schritt mit der zu- 
nehmenden VergrOsserung, die trotzdem in einzelnen Fällen bis 
in ein hohes Alter getragen wird. So starb das Frauenzimmer in 
Leyden, über welche wir aus verschiedenen Lebenszeiten Berichte 
von van Revenhorst, Trioen, van Swieten, Ganbins, 
£. Sandifort und van Doevereu ff) besitzen, fast 80 Jahre 
alt; sie hatte die Zungeugeschwulst lange in einer silbernen 
Capsel getri^en. 



*) Hftniier. Beiträge mr PSdiatrik. Berlin. 1863. Bd. I. S. 42. 
**) V. Ammon. AogsborDe cbirorg. KraukheiteD. T^f. IV Fig. 11. Rieb. 
0. Butcher. Besavs and reporta on operative aod conserrative surgery. 
Dublin. 1S65 p. 644. 
***) GroBH I.e. p. 516. 

t) Haanscbke. Chir.-operative Brfabrangen. Leipi. 1864. S. 36. 
tt) »»n Doeteren I.e. p. 2, 5. 



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Nkkroglossie. iO& 

MeiBt pflegt die Zunge, w&brend der Speichel reiehlicb ans 
dem Honde abfliesst, hyperätniach zu werden, sich mit Borken, 
Kissen and Erotiionen zu bedecken-, ihre Schleimhaut verdickt 
sich, die Papillen vergrösBern sich bedeutend, die ganze Ober- 
fläche nimmt ein höckeriges Aussehen an. Geschehen schnelle 
Anschwellungen, so kann unmittelbare Lebensgefahr eintreten, 
welcbe nar dnrch eine Operation abgewendet wird; häufig gehen 
aber die Verrichtungen trotz enormer Grösse des Organs vor sich, 
ja selbst das Kauen mit den Backzähnen bleibt ausführbar. 

In späteren Lebensjahren ist einigemal ein Stehenbleiben, 
ja sogar eine geringe Verkleinerung der Geschwulst beobachtet 
worden. £ine Tollständige Resolution bei wahrer Makroglossie ist 
nirgend nachgewiesen. Mit Recht ist man daher zu der theilweisen 
AblragQDg oder zur AusBchneidung eines keilf&rmigen Stückes der 
Zonge (mit oder ohne vorgängige Ligatur) geschritten. So sehr 
man dieselbe früher wegen der zu erwartenden Blntnng ffirchtete, 
so günstig hat sieh die Meinung der Chirnrgen f&r sie gestaltet, 
seitdem H. M. Hoffmann*) zuerst die Amputation der Zunge 
wagte. Begreiflicherweise ist sie um so nützlicher, je früher sie 
aatemommen wird, da die seenndären Veränderungen der Mnnd- 
tbeile, welche spfiter eintreten, sich nicht mehr corrigiren lassen. 
Aach bei Kindern ist die Amputation neuerlich oft genug ans- 
geführt worden. Recidive aus dem ZungenreBte sind mehrmals 
gesehen worden**), doch hat eine zweite Operation gewöhnlich 
dauernden Stillstand gebracht. Da der hintere Tbeil der Zunge, 
soviel man weiss, stets frei von der Krankheit bleibt, so ist die 
Heilung jedesmal zu erwarten, wo die Operation bis an diesen 
freien Tbeil vorgedrungen ist. — 

la der neueren Zeit siml einige Fälle von Geschwülsten der 
peripberiBchen Muskeln gleichtalts unter dem Namen von Myomen 
beeehrieben worden; mir ist es mindestens zweifelhaft, ob sie in 
Wirklichkeit dahin za zählen sind. Der von Billroth***) mit- 
getheilte Fall von „Myoma cysticom" ist von ibm selbstf) später 



*) E. SkndirDrt. Obs. aoftt. path. Ugd. Bat 1781. Lib. IV. p. 103 
.'BKh den Act. IJter. et scient Suociae. 1732. Vol. III. p. 1). 

") Wagner. Verhandl. der Berliner geburtabDin. Gesellschaft. lt)62. 
HeftV]. S. 180. Busch ».jt.0. S. 38. Weber a. a. 0. S. 116. 

™) ßillrotb. Hein Archir. 185ti. Bd. IX. S. 172. Taf. I. Vig. 1-8. 
t) Bitlroth. Beitrftge cor path. HistoL S. 67. 



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lOQ PreiandzwansigftU Vorlesung. 

als zweifelhaft anerkannt worden; meiner Heinong nach handelt 
es sich dabei nm ein Myxosarcoma gigantocellnlare (Myeloid) des 
Oberanns, dessen Aosgangtipankt nnsicber ist. Dieser Fall hat 
manche Aehnlichkeit mit einem von Lambl*) veröffentltcbten 
Falle von „Carcinoma tibiae" bei einem 3jährigen Kinde, nnr 
dass hier die Riesenzellen iiuerfi;e3treift gewesen sein sollen. Am 
bestimmtesten jedoch hat Buhl**) eine erworbene Gesehwnlat- 
bildung, die er einmal im M. pectoralis, einmal in einem Röeken- 
mnskel beobachtete, als wahres und zwar recidivirendes Hyom 
hingestellt, und die Entstehung junger Muekelelemente dnrch eine 
Absonderung aas wuchernden normalen Primitivbändeln erklärt. 
Aach hier ist ein sicherer Nachweis jnnger Muskelelemente nicht 
geliefert, und ich mache besonders darauf aufmerksam, daes in 
derartigen Fällen hauptsächlich zwei Fehlerquellen vorliegen: die 
Deutung atrophischer MuskelbQndel als junger nnd neugebildeter, 
und die Vereinigung zweier genetisch ganz diflereuter Dinge in 
eine einzige Kntwickelangsreibe, namentlich das Aufstellen von 
Uebergängen zwischen vielkernigen Riegenzellen und (atrophisehen 
oder normalen) MuskelprimitivbündelD mit wuchernden Kernen. 
Schon früher (Bd. 11. S. 198—199) habe ich erwähnt, dass an 
den Riesenzellen der Sarkome eine Quer- und Längsstreifung zu- 
weilen hervortritt. Vielleicht wird sich daraus in Zukunft eine 
gewisse Beziehung derselben zu Muskeln ergeben; filr jetzt mus-s 
ich sagen, dass mir kein sicherer Fall einer streifzelligen FleiBch- 
geschwnJBt in peripherischen, willkürlichen Muskeln, mit anderen 
Worten, kein Fall eines hyperplastiscben Myoms bekannt ist 

Anders verhält es sich mit gewissen heteroplastieohen 
Bildungen, wo inmitten anderer Geschwfllste, sei qs gemischt mit 
anderen Geweben, sei es in besonderen Abtheilungen oder Lappen 
der Massengesehwulst, nengebildete, vollkommen heterologe, quer- 
gestreifte Muskelfasern in grosserer Menge vorkommen. Ich habe 
diese Form früher mit dem Namen des Myosarcoma***) belegt 
Da es sich hier nm sehr zasammengesetzte Formen bandelt, bo 
behalte ich es mir vor, später bei dem Kapitel der Teratome darauf 
zurfickzakommen. — 

*) Lambl. Aae dem Franz- Joseph-Kinder- Spital. S. 193. Taf. 12. 
") Bubi. ZeitBchr. för Bioloeie. Bd I, S 268. 
••') Vircbow. Wflrib. Verh»ndl. Bd. I. S. 191. 



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Okttiellige Hjome. 107 

Wir wenden uns jetzt zu den Geßchwülsten, in welchen 
glatte Mas-culator in grösserer Masse sich befindet; das ist 
die Kategorie, die wir hier als die der gewöhnlichen Myome 
ins Ange sa fassen haben. Fast an allen Stellen, wo glatte 
Mnscnlatnr sich findet, ist stets zugleich sehr dichtes Bindegewebe 
(loterstitialgewebe) vorbanden, und die Geschwülste, welche aus 
der Musculatar hervorgehen, nehmen daher jedesmal eine grossere 
Menge von Bindegewebe in sich anf. Freilich giebt es Fälle, wo 
dieses Bindegewebe lockerer, weicher wird, und wo dadurch die 
gante Geschwalet von dem Habitus des Muttertheils abweicht; 
aber wesentlich bleibt doch, ätas die Musculatnr und das Binde- 
gewebe, und mit letzterem aacb die Gef&sse, in einer gewissen 
Gleichmässigkeit annehmen. Nicht selten ist das Bindegewebe 
iD einer sehr reichlichen and sehr festen, wirklieb fibrösen Weise 
lorbanden. Mau kann dann immerhin diese Geschwülste al» h arte 
Myome, Fibromyome oder Fibromusculargeschwülste 
Don den weichen Myomen trennen; eine scharfe Trennung 
besteht aber zwisi^en den harten und weichen nicht. Bis jetzt 
kennt man diese Geschwülste überall nur als hyperplastische Bil- 
doDgen, die aus pi^sistirendem fibromuscnl&ren Gewebe- durch 
eine zunehmende VergrOssening des Gewebes hervorgehen, nnd 
sg ist noch keine bedeutende derartige Geschwulst an Orten ge- 
sehen worden, wo kein solches Gewebe pr&existirte. In früherer 
Zeit hat man die harten Formen unter dem Namen der Skirrben 
nnd Steatome mitbegriffen. Daran Bchliesst sich der Versuch, 
sie wegen ihrer grossen Dichtigkeit mit den faserknorpeligen 
Theilen naammenzuBtellen, indem man sie als fibrocartilagi- 
nOse, ehondroide*) oder sabcartilaginöse**) Geschwftlste 
bezeichnete. Mtlne gab ihnen den Namen der Pilome (Filz- 
geschwfilste), weil die Verflechtnng und Verliltung der einzelnen 
Faeenfige, welche sich in ihnen finden, eine ausserordentlich 
dichte ist. Manche Formen sind lange unter dem Namen von 
Fleiaehgescbwfllsten, Sarkomen gegangen (Bd. IL S. 172); in 
England gebraochte man seit W. Hunter und Baillie***) die 
Bezeiehonng des fleischigen Tuberkels (fleshy tnbercle). 

*) C. F. HeoaiQger. System der Histologie. Eisenach. 182S. S. 91. 
**) Rob. Hooper. Tbe morbid aoaUtmy ot the buman ateras and ita 
appendaees. LoDd. 1832. p. 10. 
***) II. Sailli«. Anatomie d^ kraDkh. BaueB. Dentscb toq SfimmeiiDg. 



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10g Dreinndswunigst« TorleMing. 

Allein meisteDthetls hat man sie seit Bayle*) an die fibrtseD 
Geschwülste angeschlossen, ja sie sogar als Typus derselben hin- 
gestellt: Tnmores fibrosi, Corps fibreux. Malier wählte 
die Bezeichnung des Desmoids oder der Bebnigen Faser- 
gesebwulst"). Dazu ist endlich noch der von Rokitansky"*) 
eingeführte Name der Fibroide gekommen, der im Weseat- 
lieben auf derselben Yorauiisetzung bemht. unter diesen Namen 
gehen sie in den meisteo Handbüchern. 

Sie unterscheiden sich aber von den Fibromen dadurch, dass 
das Muskelgewebe in ihnen ein wesentiicher Antheil ist, und 
wenn namentlich die harten Formen, die Fibromyome nicht blos 
äusserlich, sondern auch bei der mikroskopischen und chemischen 
Uatersnchnng den einfachen Fibromen äusserst ähnlich sind, so 
müBsen beide Kategorien doch' streng von einander getrennt 
werden (Bd. I. S 292). Das Kriterium beruht aof der Isolimng 
der mnskulOsen Faserzellen f), welche ans dem frischen Objecte 
allerdings etwas schwierig ist, welche jedoch nach vorheriger 
Maceration in 20procentiger Salpetersänre ziemlich leicht gelingt 
In dem zusammenhängenden Gewebe, wie man es auf mikrosko- 
pischen Schnitten sieht, erkennt man die Grenzen der einzelnen 
Zellen selten; höchstens auf Querschnitten nimmt mui sie als 
rundliche oder linsenförmige KOrper wahr, welche in dieser Lage 
leicht für Rundzellen ang^ehen werden können ff). Auf Längs- 
schnitten erscheint das Gewebe im Zusammenhange meist streifig 
oder faserigftt^, so jedoch, dass fast immer die Faserzüge sich 
vielfach kreuzen, gleichsam Maschen und Netze bilden, deren 
scheinbare Mascfaenräume wieder von anderen Faserzl^en erfüllt 
werden. Fügt man Essigsäure hinzu, so treten alsbald die 
grosseren, länglichen, fast etabfßrmigen Kerne in grösserer Zahl 
hervor, meist in Reiben und Zügen geordnet, entspreebend den 
zu kleineren oder grosseren BOndeln geordneten ainekalOsen 



*) Q. L. Bayle. Joam. de mM. ohir. phun. An. 21. T. V. p. 62. 
Crnveilhier. Ebmü anr Tacftt patb. PnriB. 1816. T. I. p. 883. 

••) Joh. Hüller. Deber den feineren B»n der GcschwOlste. S. 60. 
•*•) Rokit»Dsky. Uandb. der pathol. Anfttoroie. 1842. Bd. lU. S. 5S8. 
1846. Bd. 1. S. 251, 256. 

f) Bidder bei Walter. Ueber fibröse Körper der Gebäirantter. Dorp«t. 
1842. S. 40. Wedl. Patbol. Histologie. S. 494. Fig. Sd. 

tt) Wedl. fibendaB, S. 4'J5. Fig. 100. Bristowe. Und. P»tli. Traasact. 
VoL IV. p. 218. fig. 5-6. 
ttt) Paget. LectDrea od sarg. path. Vol. IT. p. 136. Fig. 11. J. 



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der glatUelligen Hjome. 109 

FueraelleD. Denn seifen sind die Fasvzellen in dem Interatitial- 
gewebe ganz vereinzelt; meist liegen sie in Bändeln zu vielen 
Debeo and hinter einander. Hie nnd da kann freilich das Inter- 
stitialgewebe die Ueberhand bekommen; dann sieht man naeb 
Einwirkung der Essigsäure grossere helle Stellen mit spärlicheren, 
kleineren ond namentlich kürzeren Kernen. Immerhin enthält 
jedes Hyom so viel Interstitialgewebe, dass man beim anhal- 
tenden Kochen Leim in reichlicher Alenge daraus gewinnen kann, 
ond dasB insofern Möller*) im Recht war, wenn er die sehnige 
Fasergeachwulst ganz allgemein zu den leimgebenden Geschwülsten 



Was die Entwickelang der einzelnen Elemente anbetrifft, so 
liat man längere Zeit nach dem Vorgange von Jul. Vogel**) 
angenommen, dasB aas einem Exsudate als Cytoblaetem neue 
Kern- and Zellenanlagen entständen, welche allmählich zn Faser- 
ullen auswächseo. Diese Dentang stimmte überein mit dei^nigen, 
welche namentlich seit Kölliker's üntersnchnngen***) für die- 
jenige Localität als feststehend galt, die man als die typische 
BildongsBtätte neuer organischer Muskelfiuern betrachtete, nehm- 
lich für den schwangeren Uterus. In der That ist es sehr ge- 
wöhnlich, sowohl in der Waad des letzteren, als in jungen 
Myomen zahlreiche Randzellen von verschiedener Grösse und 
«Uerlei Cebergänge von ihnen zu Spindel- und Faserzellen zu 
finden. Indess wurde die Auffassung, dass eine wirkliche Neu- 
bildung von Huskelfasem im schwangeren Uterus stattfinde, von 
Viner Ellisf) bestimmt uigegriffen; nach ihm finde nur eine 
Vergrftseemng der Huskelfasem und eine Zwischenlagernng von 
telligem Uaterial, aber keine Neubildung von Muskulatur statt 
leb veranlasste daher vor mehreren Jahren Hrn. Range ft), diese 
Frage an pathologischen Objecten zn prüfen. Es ergab sich dabei, 
dass eine erhebliche VergrUsserung der HuBkelEaeem in der Regel 
■ucht atattfond, dass dagegen unmerkliche Uebergänge von Rund- 

*) Job. Hfiller m. l 0. S. 4. 

**) Jnl. Vogel. Pithol. Anatomie des menscbl. ROrperB. Leipz. 1846. 
8. 156. 

***) Köllik«f. Zeitschr. f. wisB. ZooloRie. 1849. Bd. 1. S. 72. Tif. VI. 
Fi«. 24. 

t) Viner Ellia. ProceediogB of the Roval Soc. 1866. Vol. Vllt. No.22. 
p- 212. Hein Archi*. Bd. 21. S. 296. 

ff') C. F. F. RoDf e. De ranBcnloniii) vegetfttiTonim hjpertropbia patho- 
logica. Diss. ioaDg. Berol. 1867. p. 17. 



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]10 DrainiidiwBiiiigBte VoriesnBg. 

Eflllea m PaBerzellea vorkameD, die von orguiisf^n Muskelfosera 
nicht zu aaterEcheiden waren. Fraglich blieb nur, ob die Rond- 
zelleD aus dem Bindegewebe oder möglicherweise auB TheilaDgeo 
der Muskelzellen hervorgingen. FOrster*) hat sich sp&ter ent- 
schieden für die Tbeilung der HuBkelzelleo ausgesprochen, aber 
tugleich die Möglichkeit cngeetandeD. dass auch eine Nenbildnng 
ans dem Bindegewebe Btattfindea möge. 

Ich bin Doch jetzt aaeeer Stande , diese Frage bestimmt zn 
erledigen. Dass überhaupt eine heteroplastische Neabildnng von 
glatter Muskulatur stattfinden könne, beweist die Bildung neuer 
Arteriea, welche eine muskulöse Media besitzen, in Adhäsionen**). 
Andererseits spricht der umstand, dasa die Bildung glattzelliger 
Myome stets an pi^existirenden Maskelbänten, ja sogar stets in 
der Richtung prfiesistirender Mnskelbflndel stattfindet, Ar eine 
wesentlich hyperplastieche Entwickelnog, welche am natürlichsten 
auf die alten Mnskelzellen surGckgeffihrt wird. Indes« habe auch 
ich niemals einfache Theiluagen der glatten Muskelzellen beob- 
achtet, und obwohl ich in manchen Myomen bestimmt sehr grosse, 
also hypertrophische Moskelfasem gesehen habe, $o ist dies doch 
keiaeswegs immer der Fall. Vielmehr finden steh nicht selten 
starke Bftndel, welche ganz aus feinen Muskelzellen znsammeD- 
gesetzt sind und welche den Gedanken einer Proliferation aoth- 
wendig herbeiführen. Weitere ünterauchnngen mässen diesen 
Pnnkt genauer feststellen. 

Jedes glattzelHge Myom setzt sich aus einer grösseren Zahl 
von Muskelbündeln zusammen, welche die Bandet der ursprBng- 
lichen Muskelhant in der Regel an Dicke übertreffen und durch 
gefässhaltiges Bindegewebe zusammengehalten werden. Bleibt 
dieses Bindegewebe weich und lose, so bewahren auch die 
Muskelbündel eine mehr regelmässige, oft parallele Lage; in den 
harten, libromasknUren Geschwülsten dagegen, wo das Interstitial- 
gewebe in der That eine gaiiz knorpelige Diobtigkeit umimmt, 
vertlndert sieh die Richtung der Faserzfige, sie verschieben sich 
gegen das Muttergewebe, verschlingen sich vielfach, machen eioeo 
gewundenen Verlauf und lassen sich sp&ter kaum noch auf längere 
Strecken anfwickeln. In dieser Zeit nimmt ihr Durchschnitt ein 



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StinctüT der glattteDigen Hyome. 111 

Anss^en an, welches die bOchete Aehnlichkeit mit dem Dnreh- 
Bchnitt von Sehoen nod Faserknorpeln darbietet: m&n siebt dicht 
neben einander Quer- nnd Längsschnitte von Faserzügen, und 
selbst die lAngesohnitte bilden keine parallelen, sondern vielfa^ 
Terschlongene nnd gekreuzte Linien. 

Da das glattzeHjge Muskelgewebe an sieh forbloe ist und 
bi}ch8tenB (Inrcb die in ihm vertheilten BlutgeßLese ein schwach 
rOthliches Anssehen gewinnt, so ist auch die Farbe der Myome 
bald mehr weisslich, bald mehr rOthlichweiss oder rOthlicbgrao. 
Ist viel Dod' dichtes Interstitialgewebe vorhanden, so wird die 
Farbe zuweilen blendend nnd auf dem Durchschnitt glänzend 
weiss. Indess zeigt bei Fibromyomen der Darchschnitt meist 
ein wechselndes Ansseheo, indem die Qnerschnitte der FaserzQge, 
welche das Liebt mehr darchlaeseD, farblos und durchscheinend, 
mebr grau oder graurOthtich, die Längsschnitte mehr weiss, zu- 
weilen geradezu atlasglänzend erscheinen. 

Zugleich ist die Schnittfläche in der Regel nicht ganz eben, 
sondera leicht bflgelig. Einzelne Theile, von dem Druck der 
Kachbartheile befreit, wOlben sich &ber die Scbnittebene hervor 
imd bilden kleine Buckel, welche die Anfertigung mikroskopi- 
scher Schnitte sehr erschwereo. Manche Fibromyome erscheinen 
dadurch vollkommen granulirt oder lappig, was A^ilich znm Theil 
aueb dadurch bedingt wird, dass zuweilen eine gewisse Zahl 
kleinerer Myome neben einander hervorwachsen und sich zu 
einem gemeinsamen Gollektivknoten zusammenfSgen. Manchmal 
lassen sich in grossen Myomen diese arsprfinglicben Wuchsthnms- 
kerue in grosser Zahl deutlich unterscheiden. 

GeSsse treten regelmässig in die Knoten ein, jedoch ge- 
wöhnlich in nur geringer Menge. Clarke*) leugnete ihr Vor- 
konmien Oberhaupt. SehrOder van der Kolk**) dagegen 
glaubte gefunden zu haben, dass die Tumores fibrosi, wie die 
Krebse (Bd. l. S. 107), nar capilläre Arterien enthielten, die 
wieder tu Arterien zurflekgingen. In der That habe ich selbst 
an Beinen Präparaten gesehen, dass, während die veul>se Injektion 

*} Ch. Haosfield Clarke. Obserr. od tbose diseaBea of femkles wbich 
V« auended by diachugp. Lond. Ibl4. P. I. p. 244. 

*) Sehrfider *«d der Kolk. ObserT. aoat. patb. et practici srgu- 
■eati. Amstel. 1826. p 46. Westboff. UikioBkopiscbe oDdenoekiDeeo 
ntr de «DUaidiDg lan aderea en lennweD in kanker. Diu. iaaog. Tnj. 
ad Kh«. leeO. p. 17. 



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112 DrelandzwanzigBte Torleanng. 

des benacbbartoD üternagewebes sehr vollst&ndig war, die Hyome 
Dar epftrliche srterielle lajektion zeigten. Worin der Grund für 
dieses Verhalten liegt, ist nicht anteronebt; jedenfalls kann man 
eich an natürlich gefüllten Gef&sseo und bei mikroskopischer Unter- 
suchung überzeugen, dass auch Venen*) in den Myomen ent- 
halten Bind. Ja zuweilen nimmt die Zahl und Ausdehnung dieser 
Venen so zu, dass man eine gewisse Form geradezu als Hyoma 
teUngieetodes s. cavernoBum **) bezeichaen kann. Hier 
werden die GetässlOcher ganz gross; bis erbsengrosse Erweite- 
roDgen geben, und zwar banptsSchlich aus den Venen hervor, 
w&hreud das eigentliche Parenchym bis auf ganz feine Balken 
zusammenschmilzt. Von solchen F&llen ist wohl die einseitige 
Meinung Cruveilhier's***) hergenommen, dass die fibr&seo 
Körper keine Arterien, sondern nur Venen eothielteo. — Unter 
gewissen Verhältnissen kann eine solche stärkere GeßUsentwicke- 
kng schliesslich zu inneren Blutungen und b&morrht^scheii Ein- 
sprengungen fuhren, welche das innere Aussehen der Geschwuht 
g&QzIich ändern. 

Solche Geschwülste besitzen, wie ich früher, namentlich bei 
einem speciellen Falle f), besprochen habe, eine Art von Erecti- 
lität, eine Fähigkeit acuten Ab- und Anschwellens, so dass sie sich 
bald ganz hart und kugelig, bald schlaff und beweglich anfühlen. 
Allerdings hängt die Anschwellung zum erheblichen Theile von 
dem Einströmen von mehr Blut ab, es ist ein congestives, flnxio- 
nluefi Schwellen, aber die Flusioa ist nicht blos von der Erweite- 
Tung der znfllhrenden Arterien, sondern auch von einer Relaxation 
der eigentlichen Muskulatur der Geschwulst abhängig. Zieht sich 
diese Muskulatur zusammen, so wird das Myom hart, klein and 
blase werden; erschla&t sie, so wird es weicher, gr&sser und 
rßther werden. Ich beziehe also auf wirklich active Eigen- 
schaften des Gewebes, was Andere, wie wir bei den ütems- 
myomen noch genauer besprechen werden, auf blosse Saftschwel- 
lungen zurückführten. Was wäre schwerer begreiflich, als dass 
ein Gewebe, welches physiologisch so energische Coatraetionea 



*) BUndin. Dict do m^d. et de chir. pntt. I^ris. 1888. T. Till. p.?a 
**) Virchow. Archiv. Bd. VI. S. 5&8. Wiener Med. WochenschT. 1856. 
101. 
•") Crureilhier. Tniti d'anftt K^D^r. T. III, p. 657. 

t) ViTcho«. Gesammelte Abbaadl. S-df^O, 36C. 



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Wachsthnn und Rflckbildang der Hjome. 113 

berrorzabriDgeo Termag, hier, wo es in kräftigster Weise ent- 
wickelt ist, plfitzlieh impotent sein sollte \ Von den myomatösen 
AaBchwellangeii der Prostata iat es meiner Meinung nach ganz 
uamftglich anzunehmen, daas ihre Muskulatur in ewiger Trägfaeit 
verharrea sollte; gewiss trageo sie unter Umstftnden zur Ver- 
st&rkung der Ürethrastenosen sehr erheblich bei. 

Der einmal gebildete Myomknoten wächst nicbt-blos, wie 
so viele andere GeschwOlste, dnrcb neue Apposition von homo- 
logen, ansserbalb seiner Grenze gebildeten Theileo, sondera auch 
dnrch innere Vermehrung der ihn Eusammensetzenden Elemente. 
Dieses innere Wachsthum geschieht im Ganzen langsam und all- 
miblicb, und es gehen Jahre, ja Jahrzehnte darQber hin, ehe der 
Knoten das Maximum seiner Grösse erreicht. Manche Üteros- 
mjome gehören zu den grössten Geschwülsten, die der mensch- 
liche Körper erzeugt: mannskopfgrosse sind nicht ganz selten; 
jü man hat sie bis zu 60 Pfd. schwer angetroflen *). Diese ganz 
grossen sind freilich iu der Regel zusammengesetzt aus mehreren 
oder vielen Nachbarknoten ; jedoch erreichen auch einfache Myome 
eine sehr beträchtliche Grosse. 

Es erklärt sich dies daraus, dass das Myom zu den perma- 
oenten Neubildungen (Bd. I. S. 98) gehört. Allerdings besteht 
nicht jede neugebildete Faser des Myoms bis zum Tode des Indi- 
vidwimB oder bis za ihrer gewaltsamen Entfernung ans dem 
Körper, aber die Geschwulst als Ganzes kann in der That so 
lange bestehen: Uternsmyome von 30, 40 Jahren Dauer sind gerade 
keine Ausnahmen. In solchen Fällen bat offenbar auch ein ge- 
ifisser Thetl der Muskelfasern eine gleiche Daner. Auch die 
Beschwerden, welche durch eine Geschwulst der Art z. B. an 
der Prostata hervorgebracht werden, sind anhaltend. Nat&rlich 
>Bt aber diese Persistenz keine absolute; im Gegentheil giebt ee 
muieherlei Fälle, in denen allerlei Dmwandlangen im Innern der 
Ksoten vor sich gehen, bei denen auch der Bestand an Mosko- 
bttnr angegriffen wird. 

Hier ist in erster Linie die Rückbildung der Mnskn- 
l>tnr zu erwähnen, welche znweilen in sehr deutlicher Weise, 
vielleicht sogar immer, durch Fettmetamorphose zu Stande kommt. 
Ist die Gesehwnlst nicht zu gross und nicht zu hart, so kann sie 

*} Voigtal. Uua>. d«r patb. .4iwt Bd. 111. 3. 488. 



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1X4 DrMandiw»aiigst« Vorleung. 

zum groüsen Theil, mO^icherweise sogar gaoE zxtr ReaorptioD ge- 
Ungen und es mag eine spontane Heilung eintreten. Diese ist 
jedenfaliB sehr selten, und man kann nicht sagen, dass sie jem&la 
gavz sicher als vollständige Resolution coastatirt ist. Betr&cht- 
licfae Verkleinerungen der Uyome dagegen sind unschwer zu 
verfolgen und man kann sie als eine Art von Senescenz mit den Ver- 
- kleineruogen (Atrophie) muskulöser Organe im höheren LebeuH- 
alter vergleichen. 

.Diese Verkleinerungen sind oft verbunden mit fibröser 
IndnratioD. Schon Bayle*) unterschied an den fibrösen Kör- 
pern des Uterus drei Stadien : ein fleischiges (charnue), ein faser- 
knorpeliges und ein knöchernes. Das faserknorpeiige oder, wie 
man wohl besser sagt, das indurative ist in ähnlicher Weise, wie 
hei den Strumen (S. 18), auf eine zunehmende Vermehrung und 
VerdiebtuDg des In'terstitialgewebes snrückzuführen , und wie an 
der SchüddrSse anter diesem Vorgange nach und nach die Follikel 
schwinden, so tritt hier allmählich eine Verminderung der Mus- 
knlatnr ein. Gewisse Theile der Geschwulst, ja gaoee Knoten 
können sich so in beinahe rein fibröse Massen venfaodeln, die, 
wenn man auf ihre £ntwickelung keine Rücksicht nimmt, als 
wirkliche Fibrome aufgefasst werden können. Mann kann diese 
Massen der Homogeneität ihrer Intercellularsubstans wegen mit 
Knorpel vergleiofaen, wie fiidder**) getfaan hat, jedoch fehlt 
jede nlUiere nebereiostimmnng mit Knorpel. 

Auf die Induration folgt später nicht selten die Verkal- 
kung. Früher nannte man- dies bald Verknöeherung, bald 
Steinhildung, bald Osteosteatom*"), und noch in unserer 
Zeit sprach man von Osteosarkom f). In der englischen Lite- 
ratur ist durch Robert Lee ff) die Bezeichnung der fibro- 
ealcären Geschwulst (tibro-calcareous tamour) gebräncblich 
geworden. Die Verkalkung folgt im Allgemeinen der Richtung 
der Faserbflndel, indem sich zunächst mikroskopische Körner von 
Kalksalsen absetzen, welche grösser und zahlreicher werden, 
endlich confluiren nnd Übliche ^er rundliche Coneremente 



, - -- Ueber SbrCse Körper der Gebirmntter. Uorrat. 

1843. S. 89. 

•") Voigtel ». a.0. S «7,482. 

t) ScfarOder van dar Kolk 1. c p. 81. 
tf) Hob. Lee. Med. cbir. Trai>»et. Ib85. Vol. XIX. p. 94. 



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Verkalkang Dud ErweicbDDg der Myome. Hg 

bildeo. Schliesslich vereinigen sieh auch diese zu grosseren 
Uusen, welche bei der Maeeration gewundene, ver&stelte nnd 
korslleaartig verbundene Kalkstücke von rundlicher oder hOcke- 
liger Oberfläche frei werden lassen. Innerhalb der frischen Ge- 
sehwulst bilden diese Verkalkungen zerstreute, harte Stellen, 
welche sich, je nachdem sie dem- lAngs- oder Querschnitt ent- 
sprechen, als Balken oder KCrner (Klumpen) darstellen und dem 
DnrchBchoitt ein unebenes, hftckeriges Auaseheo geben, Ihre Zahl 
und Ausdehnung wichst mit dem Alter der Gesehwulst; sie ver- 
scfamelzen mehr nnd mehr mit einander, und man findet ganze 
Abschnitte der Geschwulst, welche sich dann nur noch sägen 
lisst, in zusammenhängende, überaus harte, elfenbeinern aoa- 
seheade Stücke verwandelt Schleift man solche Stücke zu mikro- 
skopischen Flättchen, so sieht man in der Regel keine deutliche 
KDochenstmktur*); eine ganz homogene Masse ist hie und da 
von schwärzlichen Figuren oder Spalten unterbrochen, welche 
keine regelmässige Gestalt besitzen**). Nnr in seltenen Fällen 
kämmt unzweifelhafte Knochenetruktur vor'**). Wahrscheinlich 
entscheidet darüber der voraufgehende Zustand des verkalkend«) 
Gewebes. Nach den ünlersuchnngan von Bostockf) überwiegt 
inter den Eiüksaleen der phosphorsaure Kalk bedenteod über 
den kohlensauren und schwefelsauren. 

Ungleich seltener ist io den Myomen eine andere Form der 
n^essiveo Umbildung, nehmlich die Erweichung. Zuweilen 
uh ich sie inmitten fester Knoten beginnen, indem einzelne 
Stellen sich in ein weiches, gelblichweisses, wie flockiges Gewebe 
umwandelten ; bald traten hie nnd da Lücken mit klarer FlQasig- 
keit auf, in deren Umgebung das Gewebe angemein zart nnd zu 
liogeren fodigen und häutigen Strängen ausziehbar war. Die Ver- 
indernng schien mir von dem Bindegewebe auszugehen, waches 
Uellenweis noch Bündel von Fasern, an anderen Stellen dagegen 
sine ondentlich streiflge, mehr amorphe, hie und da punktirt- 
köniige Masse zeigte, die mikroskopisch wenig elastische Fasern, 

*) Olngs. Atlu der psth. Anmt. Lief. IV. S. 5. A. POrster. AtUa 
der mikrosk. p»th. Amt Leipi. 1869. Taf. XXXVL Fig. 4. 

**) DuBseaD, Verhand. der Eerste Klasse vao het K. Nederl. Inetitat 
18M, 3> Reeke. 8* Decl fil. 1&2. Fig. 40-41. Wedl. GmndEage der path. 
Histologie. S. 491, 609. Fig. 138 c. 
***) Wedl. BbendaB. Fig. ]88a~i. Bidder bei Walter a. a. 0. S. 40. 

f) BoBtock. Ued. chir. TiMssct. 188S. Vol. XIX. p.83. 



gii^osb/GoOt^lp 



116 DreinndtwsDEigate Vortesnog. 

hie and da Kerne, sehr häufig aber eigenthümlicbe, rundliche 
und etwas kOrnige, (aat an Gutglieniellen erinnernde, roeenkranz- 
förmig an Fäden aufgereihte AnBcbwellangeu zeigte. Erweiterte, 
zum Tbeil varikSse Blutgefässe waren zahlreich vorbanden. Die 
MoBkelfaseni waren an manchen Orten noch deotlich erhalten, 
jedoch gleichfdls kOrnig, pnnktirt, wie Lineeafasern bei Catarakt; 
an anderen Orten sah man sie nebst ihren Kernen zo einem gnma- 
tQsen Detritus zerfallen. 

Auf diese Weise entstehen allmählich in festen Knoten weiche 
Stellen und aus diesen eine flflssige Masse; es bildet sich eine 
Art von cystoider Umwandlang. In diese Hohlen und Lücken, 
welche Crnveilhier ') mit einem der Mineralogie entlehnten 
Ausdruck G6odes benennt und auf einen higheren Grad von Oedem 
bezieht, kann später eine hämorrhagische Masse abgesetzt werden, 
welche in Verbindung mit der Erweiebnngs-Fiassigkeit eigenthfim- 
liche farbige Substanzen liefert. 

Neben diesen regelmässigeren Metamorphosen können allerlei 
seltenere, nur unter besonderen Verhältnissen eintretende Um- 
wandlungen eintreten, welche bis jetzt fast nur von den üterus- 
myomen bekannt sind und daher besser bei ihnen abgehandelt 
werden. Ich erwähne namentlich die nekrotischen und bran- 
digen Zustände. 

Von besonderem Einflüsse auf das Verhalten der Myome i^t 
ihre Beziehung zn der Nachbarschaft. Da sie zunächst in Hnskel- 
hftnten entstehen, so liegen sie auch anfangs in der Continuität 
dieser Häute. Wachsen die Myome, so entstehen sehr variable 
Verhältnisse. Nur diejenigen, welche ans der Mitte der Muskel- 
hant entstehen, bleiben auch später innerhalb derselben liegen, 
indem sie die mehr peripherischen Li^en der Haut nach aussen 
hinausdrängen. Dies sind die Formen, welche man unter dem 
etwas unzweckmässigen Namen der interstitiellen beuicbnet 
hat; besser nennt man sie wohl autochthone, intraparietale 
oder intramuskuläre. Sie sind verfaältnissmässig die selteneten. 
Alle Myome, welche aus mehr peripherischen Schichten der Muskel- 
hant entstehen, schieben sich nach kurzer Zeit über die Peripherie 
heraus, wozu nicht blos ihr eigenes Wachsthum, sondern wahr- 
Bcbeinlich noch mehr die Contractionen der Haat Teranlassang 

■} CTUTeilhier. Traitä d'iuiftt. pftth. gea^r. T, III. p. 659. Yel.Roki- 
tauBk;. Handb. der patb. Anat. Wien. 1846. Bd. i. S. »>& 



., Goot^lc 



Extnanknl&re UDd pol^pdse Hjone. 117 

geben. Schon sehr kleiae peripherische Myome pflegeo 
extrsmuskulär zd liegen, indem sie nur durch einen feinen 
Stiel noch mit der Muekelbaut znsammenh&ngen, der epüter gleich- 
falls atrophirt, bo daee sie dcuiD echeinbar ganz snabb&ngig, wie 
heteroplastische Neubildungen, neben der Moskelhant sich belinden. 

Die frfiheren Beobachter pflegten ans dieeem Vwhalten den 
Schlnes eu ziehen, daBB die tibrOaen Körper wirklich unabhängig, 
neben den alten Geweben, entwickelt seien. Noch Cmveilhier*) 
betont ganz beHonders den Mangel an Verbindung nnd das eigene 
Leben dioBcr Geschwülste, welche nach seiner Ansicht nur gel^ent- 
liob Adhäsionen mit der Nachbarschaft eingehen, nnd Paget**) 
Dnteracheidet ausdrücklich die hbrOsen Polypen als Auswüchse 
der UteruBsubstanz von den fibrOsen Gwchwülsten als disconti- 
nairlichen, aus ähnlichem Gewebe gebildeten Gew&chseD in oder 
an, jedoch nicht ans der SubBtanz des Utems. Ich mnss diese 
Meinung ganz bestimmt bestreiten. Wo man die Entwickelung des 
Myoms verfolgt, da zeigt es stets zuerst einen continnirlichen 
Zusammenhang; erst mit der fortschreitenden Dislocation tritt 
jenes trügerische Verfa&ltnisB von Selbständigkeit und Disconti- 
nnilit ein, welches die Beobachter irre geführt hat. 

Von diesen dislocirten extramuekulären Myomen kann man 
zwei Klassen unterscheiden. Da die meisten Myome an den 
Moskelhänten von Schleimhaat-Kantlen entstehen, so U^en die 
extr&muskalären entweder nach innen, oder nach aussen von der 
Muekelhaut, mit anderen Worten, entweder submucOs, oder 
snbBerfis. Meiner Meinung nach sind die meisten Fibroide, die 
mim Ton den verschiedensten Orten tbeils ans der Submucosa, 
theils ans der Snbserosa beschrieben hat, solche verschobene 
Myome. Je mehr aie heranwachsen, lim so mehr dr&ngea sie ent- 
weder die Schleimhaut oder die Serosa von der Mnskelhaut ab; 
sie erscheinen als anfangs flache, sp&ter rundliche und zuletzt 
gestielte Hervorragungen; kurz, sie verwandeln sieb endlich in 
myomatöse (fibroide, fibrOse, fleischige) Polypen. 

Aber anch die antochthonen, intraiduskulären Myome erfahren 
bei weiterem Wachstbum eine gewisse Verschiebung. In dem 
MaasBo, als gewisse Abschnitte der Muskelhaut zu einem Tumor 
beranwachswi, nehmen sie gegen ihre alten Nacbbartheile ein« 



•) GroTcilhier I.e. T. Ul. p. 6M. 
"j Paget 1. 6. p. 130. b$. 11 J-ß. 



jvGoo'^lc 



11g DieiaadivaDzigate VoriMnng. 

Teriindertfl Stelinng ein; nnr diejenigen Fasenfige, welche selbst 
ia ihrem Verlnufe angeschwollen sind und in den Tumor über- 
gehen, bleiben in regelmässigem ZosunmenhaDge, wibrend alle 
anderen in eine immer losere Verbindung treten. So erklärt es 
sich, dses der meist kugelige Tnmor sich leicht anescUÜen iftest 
aus dem Gewebe, ja dass er manchmal fast gans lose in dem- 
eelben m liegen scheint Unzweifelhaft hat dies Beine grosse 
Bedeutung &t das weitere Verhalten der Geschwßlste. Alle die- 
jenigen Myome, welche in diesem losen Verhältoies zum Nacbbar- 
gewebe stehen, erhalten auch nur wenige Geßisse, und sie werden 
daher schon in Bezug auf Ernährung, noch mehr in Bezug auf 
Wachsthum ungänStiger gestellt sein. Sie sind häufig stationär 
oder geradezu geneigt tu regressiven Metamorphosen. Die sehr 
stark wachsenden Myome dagegen haben gewöhnlich innigere und 
ausgedehntere Verbindungen, insbesondere der Gefässe. 

Nicht selten befindet sich die ganze Mnskelhaut, w-elehe das 
Myom liefert, in einem gereisten Zustande und wird hyperplastiscfa. 
Am Uterus, an der Prostata ist dies nicht uogewObolich. Allein 
eine DOthwendige Bedingung fßr die Myombildnng ist die diffnse 
Hyperplasie durchaus nicht. Vielmehr sieht man zuweilen sogar 
die Mnskelhant atrophisch, trotzdem dass ein grosses Myom an 
einer Stelle daraus bervorwäcbst. Es ist genau derselbe Fall, 
wie er bei den Lipomen vorkommt (Bd. I. S. 371). — Auch die 
Induration , der fibromuskuläre Zustand kann über die ganze 
Muskelhaut ausgebreitet sein, so dass das Myom in der Tbat nnr 
^8 ein besonders entwickelter Theil unter gleichen' erscheint. 
Es weüt dies deutlich darauf hin, wie sehr die Myombitdoog 
als ein irritatif er, zuweilen als ein nahezu wi^zfindltcher Vor- 
gang aufgefasst werdea darf. 

Auch darin stehen, die Myome den Lipomen parallel und 
zeigen ihren irritativen Ursprung, dass nicht selten von derselben 
Mnskelhant mehrere, ja sogar viele gleichzeitig oder nach ein- 
ander entstehen. Diese Multiplicit&t der Myome, welche 
nirgends so auffällig hervortritt, als am Dteros, ist aber ganz 
ond gar an das Mnttergewebe gebunden; sie hat dnrcbans gar 
nichts mit Malignität und Heteroplasie zd schaffen, sie ist auch 
keinesw^ als Ausdruck eines dyakrasischen Allgemeinleidens, 
sondern ganz wesentlich als .ßrtliche Erscheinung aufzufassen. 
Jedes einzelne Myom ist das Produkt <)rtlicber Reizung; die 



)vGoo<^lc 



GuUrtigkeit der Myome. 119 

Maltiplicität der Myome an demselben Organ bedeutet nichts als 
die AuedebauDg der Reiiung. 

Die Myome kdnnen einen Qberaus nachtheiligen EinfloBs auf 
Gesundheit und Wohlbefinden der PerEOoon aaBüben, welche sie 
tragen, ohne dasg sie deshalb eine wirklich bösartige Natur be- 
kämen. Ihr nacbtlieiliger Ejnflnss iet rein aecidentell, 'bald durch 
die Grosse, bald durch den Sitz, bald durch ii^end einen anderen 
Umstand bedingt. Ein myomatßser Utemepolyp kann so starke 
Dtertnblatnngen unterhalteo, daes das Leben der Kranken in 
Gefahr kommt, aber dae Blut kommt nicht aus dem Myom, 
aondem ans der Schleimhaut, welche es bedeckt. Freilieh ist 
das Myom wieder der Grand, dass die Schleimhaut in einen 
solchen byperämiscben , Ja geradezu telangiektatiechen - Zustand 
gerfith; es versetzt seinerseits die Schleimhaut in Reizung, und 
diese Reizung kann sehr verschiedene Formen anoebmeD. 

Ans der rein Örtlichen Natur der Myome folgt im Allgemeinen 
die Nfitzlichkeit , miadesteos die ünschädliobkeit des openttiveD 
Vorgehens (Ligatur, Excieioo, Eerasement u. b. w.). Ein myoma- 
tfiaer Polyp, der einmal eotferat ist, kommt nicht wieder. Msg- 
lieherweise wächst in der Nähe gleichzeitig oder nach einiger Zeit 
Mb anderer, aber dieser wäre wahrscheinlich auch ohne die Ope- 
ration gewachsen. Ein eigentliches Recidiviren und Metaetasiren 
kommt bei Myomen nicht vor. Wie ich schon früher (Bd. L 
S. 362) erwähnte, eio hat Paget unter dem Namen von malignen 
übrSsen Geschwülsten eine gewisse seltene Form beschrieben, 
welche die Fähigkeit der Generalisation besitzt, and ich habe 
anf ein Präparat unserer Sammlung hingewiesen, welches scheinbar 
ftr ein Dterusfibroid eine derartige Verbreitung darstellt. Ein 
grosser Theil dieser Fibrome gehört dem Sarkom und namentlich 
dem Spindelzellensarkom an, dessen Elemente zuweilen den orga* 
niRchen Haskelfosem aberaus ähnlich sind (Bd. IL S. 109). 

Znweilen bildet das Myom aber wahre Mischgeeehwülste. 
Ich erwähne namentlich seine Combination mit Sarkom, Krebs und 
Cysten. Die letzteren sind im Ganzen leicht zu erkennen, in- 
sofern nur die Diagnose von cystisch erweichten Myomen in 
Betracht kommt. Unter dem Namen von fibrocystiBChen Ge- 
schwülsten ist hie und da beides zusammengeworfen worden. 
Wahre Cysten sind glsttwandige Hohlen mit besonderer Membran; 
die cystoide Erweichung der Myome giebt Höhlungen mit uaregel- 



gii^osb/GoOt^lC 



120 DreioadiwuuigBte Torlesnng. 

m&BBiger, mehr oder weniger zottig-fetziger Wand ohne besondere 
Cysteahant. Namentlich der EierBtock bietet Gelegenheit, beide 
Fonnen zu treDoeo. Wahre Cysten entstehen nnabh&ngig neben 
dem Myom ans einei* besonderen Matrix. 

Anders verhält es sich mit der Gombination des Hyoms mit 
Sarkom find Krebs. Fflr die älteren Beobachter hatte diese 
Frage gar nichts Besonderes. Da sie die tfyome Skirrhen nanoten, 
so war damit eine gewisse Verwandtschaft mit den Gareinomen 
nahe gelegt, denn anch f3r diejenigen, welche Skiriii im Sinne 
Too IndaratioD gebraachten, hatte diese Induration stets etwas 
Verdächtiges. Carl Wenzel*) hat an dieser Vorstcllnng in der 
neueren Zeit am bestimmtesten festgehalten j fSr ihn war das 
„Geschwar in indurirten Theilen" gleichbedeutend mit Carcinom, 
nnd dieses ging regelmässig ans der Induration hervor. Aber 
auch noch Valentin**) erklärte vom Standpunkte der histolo- 
gischen Untersuchung aus die Uebereinstimmung der fibrOsen 
Geschwülste dcB Uterus mit dem ächten Skirrh. Bayle***) da* 
gegen hatte die unterschiede der fibrOsen Ej}rper vom Skirrh 
sehr bestimmt auseinander gesetzt, and obwohl er später f) unter 
dem Namen der weissen Induration sowohl die fibrOBe, als die 
tnberkol&Be und krebsige Degeneration zusammenfasste , so blieb 
er doch fem davon, die eine in die andere übergehen zn lassen. 
Dupvytrenft) war es, der die Neigung zur carcinomatOBen 
EotartuDg behauptete, jedoch nicht f&r alle fibrOsen Gesehwölste, 
sondern nnr fär diejenigen, in welchen der eigentlich fibrOse 
Antheil gegenüber dem Zellgewebe zurücktrat, nnd selbst hier 
hauptsächlich für die Polypen. Seine Heinang ist in den uns 
hinterlasBenen Aufzeichnungen seiner Schüler so wenig correct 
aosgedrflckt, dasB man vielmehr schliesBen kann, er habe die 
krebsige Entartung der eigentlichen fibrfisen Geschwülste fBr 
etwas Behr ungewöhnliches gehalten, denn er giebt ausdrücklich 
die Unterschiede dieser Polypen von Skirrh und Krebs anfff). 



*) Carl Wenzel Ueber die Krankheiten des Cterne. Hkint. 1816. 
S. 89, 130. 

**) Valentin. Repertorinm fDr Anktomie n. Physiologie. 1887. Bd. II. 
S. 375. 

*") Bayle. Jonni. de mM. Vol. V. p. 67. 

t) Bayle. Bbendu. Vol. IX. p. 388. 
tt) DnpnjtTen. KlinlRcb-chinirgiKbe Vorträge. Deutsch ron Bech d. 
LeoDbardi. Leipi. 1834. Bd. 11. 1. S. 187. 
ttt} Dupuytren. Bbendaa. S. 318. 



)vGoo<^lc 



Hyosukome nud Ujourcinome. 121 

Die meiBten späteren Autoren haben sich sehr bestimmt gegen 
die mögliche Degeneration der Fibroide anegeBproehen *) , ja 
Cruveilhier**) behauptet sogar die absolute Incompatibilitat 
Ton Krebs and fibrOser Geschwulst. 

Heine Meinung ist eine abweichende. £a ist mir gar nicht 
tweifelb&ft, dass ein bestehendes Myom degeneriren kann, indem 
sich aus seinem Interstitialgewebe heterologe Bestandtbeile ent- 
wickeln. Am h&atigsten sieht man carcinomatöse und kankroide 
Degeneration an Myomen des CteruB. Aber auch sarkomatOse 
Cmbildung habe ich mehrmals gesehen, namentlich in der Form 
TOD Spindel- und Rundzellensarkom mit tibrOser oder schleimiger 
latercellttlarsnbstanz. Ich werde alsbald beim M^en darauf zurück- 
kommen und ich bemerke nur, dass Rokitansky***) ftftereCom- 
binationen von Fibroid mit Sarkom am Dterus anfährt. Natflrlich 
ist es oft sehr schwer, von einer solchen Hischgeschwulst, wenn 
m eine gewisse Grösse erreicht hat, za entscheiden, ob der eine 
oder der andere Antbeil früher da war oder ob der eine aus 
dem anderen oder nur neben dem anderen hervoi^wacheen ist. 
Dies gilt namentlich ffir die Krebse des Digestionskanals, welche 
»eh überaus hftnfig mit Hyperplasie der Maskelhant complieireo, 
wo aber später auch diese hyperplastischen Schichten wieder 
krebsig werden kttnnen. Man sieht so Formen entstehen, die 
man ganz wohl nach Analogie der Osteocarcinome als Myo- 
carcinome bezeichnen kann. 

Das interessanteste Beispiel dieser Art, welches mir vor-' 
fekommen ist, war eine harte, skirrhOse Geschwulst der Harn- 
blue, welche an der hinteren Wand derselben in der Gegend 
der Spitze des Trigonnm sass und eine etwas rauhe, sandig 
iDiufüblende , flacbrnndliche Hervorragung gegen die Höhle der 
Blase bildete. Sie schnitt sich ausserordentlich derb nnd zeigte 
dann eine weisse, ganz fibröse Beschaffenheit, welche nach der 
Tiefe hin in ein diehtea Geflecht von Faserzfigen überging, die 
am Theil senkrecht in die Geschwulst aufstiegen und dieselbe 
in eine Reihe kleinerer Segmente zerlegten. Dem Anschein nach 



*)Rob. Lee. Med. chir. Truiwct Vol. XIX. p. lU. Th. Safford Lee. 
Von du QeachwfliBten der OeMnontter u. der Obrigen weibL Geschlecbte- 
tMle. Beriin. 1847. S. 14. Wolter a. a. 0. S. «1. 

**) CruTeilhier I.e. p. GGI. 

"*; Rokitansky. Lebrb. der pmth. Anat 1861. Bd. 111. 8.486. 



)vGoo<^lc 



DreiandiwantJgaM VoriMnof. 

Wg. tu. 



lag der grOsste Theil der Gesobwnlst in der Submacosa, doch 
hing der tiefere Abschoitt continuirlich mit der Mnskelhaot zu- 
stunmen, welche Kom Theil darin aufgegangen war. Die mikrosko- 
pische Untersnchnng zeigte in den tieferen Theilen der Geechwnlat 
in der That zahlreiche fiündel dicht gedr&ngter organiscber Muskel- 
fasern, welche sich vielfach durchsetzten und Tersohlangen, so dass 
eine grosse Aebnlichkoit mit genninem Hyom herauskam. Allein 
nach innen zu verdichtete sieb sehr bald dag interstitielle Binde- 
gewebe zu einer sklerotischen, nach EHBigsSure-Zusatz ganz knor- 
pelig hyalinen Masse, welche ein sehr regelmässiges Netz bildete. 
In den Haschenr&nmen traten epitheliale Kemzellen in mbaiger 
Anh&nfung, jedoch nirgends in reichlicher Zahl anf, so doss der 
in der Submacosa gelegene Theil ganz und gar die Struktur den 
Skirrhns an sich trug. G.^en die freie Oberflftche fiinden sich 
zahlreiche GelSsse, die in der Nähe der Schleimhaut «i harten 
Kalkbalken incrustirt waren, w&hreod gleichzeitig auch in dem 
lott^-warzigen Gewebe der Schleimhaut eine ausgedehnte kömige 
Verkalkung bestand. 

An anderen Orten z. B. am Eierstock sind solche Miscb- 
geschwülste ungleich h&afiger, und wenn auch hier die Wabr- 
Hcheinlichkeit besteht, dass der myomatOse und der krebnige 
Antheil derselben b&nfig in einer gewissen unabhftngigen Weise 
neben einander auftreten, so habe ich doch am Uterus myomatCm 



Fig. 214. MfocarciDom der HuDblue. M&ii BJebt einen seakreehtm 
DnrcbBcbnitt der im (iiniea etwR« verdickten Blase, Ton deren hinteren 
Wftod die Geechwulst «Ich erhebt. Dienelbe reicht bin hart nn den BUees- 
biilB, 11 die HunrOhre, p eine kleine Höhle in der ProBfaita. Nstflrl. Grflaae. 
Hacb eiDen Wflriborger Priparat vom Jahre 18M. 



b, Google 



Aetiologie der Myome. ]23 

Polypen von beträchtlicher Grösse geeeben, welche zum Tbeil 
krebitig intittrirt waren, wenn gleichzeitig Krebe im KOrper t>e- 
stand. Indess gestehe ich gern zd, daes diese F&lte sehr selten 
sind und dass voo einer etgentlicheii Neigung der Myome zti 
krebsiger Entartung nicht die Rede sein kann. Ich leugne nur die 
lacompatibilitSt beider Gegcbwalstbildnagen, insofern dem Myom 
mindestens die Fähigkeit 2ugei<prochen werden um»», krebsig zu 
werden. Aber es ist ein weiter Schritt von der Ffthigkeit mr 
Neifjung, und in Beziehung auf letztere stimme ich mit alten guten 
Beobachtern überein, das» sie nicht besteht. Das Myom ist eine 
relatir nnechnldige, ihrem Wesen nach in keiner Weise bSsartige 
Neubildung. — 

Was die Ursachen der Uyome betrifft, so sind dieselben 
Terhältnissrnftesig klar zu erkennen. Einerseits bandelt es sieh, 
«ie schon ans dem Hitgetheilten hervorgeht, nm Örtliche Rei- 
luDgen, welche von aussen her die betrefiende Mnskelhaot 
erreichen. In dieser Beziehung stehen die Myome den Osteomen 
un nächsten. In der Kegel beginnen die Störungen von der 
iKhleimbant, welche den Kanal auskleidet, namentlieh in der Form 
des chronischen Katants. Chronischer Magenkatarrh, Blasen- 
katarrb, Ütenifikatarrh sind die gewöhnlichen Anfänge der Myome 
des Magens, der Prostata und des Uterus. Vielleicht kann man 
sogar sagen, dass Öftere Recidive, immer nene analoge Reizongen 
besonders geeignet sind, die Geschwulstbildnng anzuregen. — So- 
dann sind die Myome eine ausschliesüHche Eigenthflmlichkeit des 
höheren Alters. Keine einzige Form ist congenital oder auob 
aar im jugendlichen Alter beobachtet. Erst mit dar Geschlechts- 
reife beginnt die Periode dieser Neubildungen, die in der zweiten 
HSlfte des Lebens ihre eigentliche Btäthenzeit erreichen. Zum 
'Hieil erklärt sich dies aas dem Umstände, dass gerade gewisse 
Organe des Gescblechtälebens die Gewobnheitssitze des Myoms 
nod; zam Tbeil daraoe, dass die besondere Reizbarkeit 
dieser Organe, ohne deren Annahme wir freilich nicht ans- 
konmen, am seltensten eine aritprüngtiche, sondern in der R^el 
eiae erworbene ist. Voraufgegangene Reitangen, welche einen 
gewissen Grad von Erüchlaifnng oder gar Atrophie zurückgelassen 
haben, können vor allen genannt werden. Immerhin mag das 
Vorkommen von analogen Geschwülften in mehreren aaf einander 
folgenden Generationen zugestanden werden, allein e» ist mit sehr 



)vGoo<^lc 



124 Drein adiwftDiignt« Voriwnng. 

viel geringerer Sicherheit auf Erblichkeit m besiebeQ, als bei den 
meisten anderen Geschwfilsten. Viel Öfter ist mangelhafter 
Gebrauch des Theils aaznschnldigen. Die Arterien leiden, so- 
viel wir wissen, nie an Myom. Ebenso verh&lt es sich mit der 
Harnblase; nur die Prostata und der Blasenhals sind davon heim- 
gesucht. Am Magen ist die Portio cardiaca, welche sich häufiger 
im relaxirten Zustande befindet, Locus minoris resiBtentiae. Alte 
Jungfern leiden verbältnissmäseig häufig an Uterusmyomen. 

Gehen wir nun zur Betrachtung der einzelnen Orte über, an 
denen sich das Myom findet, so prävalirt unter ihnen der weib- 
liche Sesualapparat, namentlich der Dterus mit seinen Anhängen. 
Myome sind so ausserordentlich häufig an diesem Organ, dass 
alle anderen Fälle dagegen in den Hintergrund treten, und zwar 
um so mehr, als nirgends weiter so grosse Formen bis jetzt 
bekannt sind. Dabei will ich allerdings bemerken, dass viele 
sogenannte fibrAse Geschwülste bis jetzt nicht genau genug auf 
einen etwaigen Antheil an Muskelfasern untersucht worden eiod, 
und dass nach meiner Erfahrung es wohl m&glich ist, dass die 
Zahl der fibromusculSren Geschwülste an anderen Organen hoher 
zu veranschlagen ist, als man bis jetzt auszusagen berechtigt ist. 
Man kennt bis jetzt von der weiblichen Brust keine sichereo 
Fälle dieser Art, obwohl Muskulatur darin vorkommt und obwohl 
die sogenannten tibrOsen Körper der Brust (Gruveilhier) oft 
' genug Gegenstand der Discussion gewesen sind. Ob jedoch neben 
einfachen Fibromen (Bd. I. S. 32S) und Adenomen auch Uyome 
der Brust vorkommen, ist erst ausiama^^en. Die sogenannten 
Tumores fibrosi oder Fibroide im Euter der Kuh und der Hündin*) 
scheinen allerdings den Fibromyomen ähnlich zu sein. Dagegen 
finden sich unzweifelhaft Myome nicht selten an der Mascuiaris 
des Digesüonskaoale, am Oesophagus, Magen and Dünndarm. 
Ich finde sie ferner an der äusseren Haut, wo bekanntlich 
sehr massige, aber doch in den Arrectores pilomm recht zahl- 
reiche organische Muskelbündel existiren. Sie finden sich end- 
lich namentlich an der Prostata in gröSQerer Zahl. Nicht be- 
kannt sind sie hie jetzt von der Muskulatur der Gefässe, obwohl 
glatte HoskelEasern daran, namentlich an Arterien, in ziemlich 



1. 19. R6II, Lehrbuch der P»th. n Thenpie der 



)v Google 



Ifjome der faiMeren H»at und des DigefttionsIcMiala. 125 

sUrker Ansdebnnng vorhanden sind. Macbea wir zun&cbst dieee 
kleinereo Localit&tea ab. — 

An der äusseren Hant konunen bei mancberlei Arten Ton 
Geschwulstbildong Hyperplasien der MaskelbQndel vor, z. B. bei 
tieMtzenden Warzen, Vermcae molles, tiefgreifenden Naevus- 
formen*); selbst in solchen Anscbwellnngen, wie bei dem Aiusatz 
(Bd. n. S. 516), findet man oft eine bedeutende VergrOsaerung 
der Haut-Muskulatar. Allein hier bildet dieselbe nur eine reichere 
Ausstattung einer ihrem Wesen nach ganz anderen Bildung. Wenn 
sie dagegen in Form Ton wirklieben GeschwQlsten TOrkommt, 
f^escbiebt dies in der Regel an solchen Stellen, wo auch normal 
die oiganiscbe Haut-Haskulatur reichlicher ist. Den ersten Fall 
der Art beobachtete ich **) bei einem 32jährigen Manne, bei dem 
sich seit 13 Jahren eine Reihe höchst schmerzhafter Knoten in 
der Nähe der Brustwarze entwickelt hatten, welche bis kirschen- 
gross waren. Förster***) bat ähnliche vom Scrotum be- 
achrieben; eine davon war gestielt und hatte 1^" Durchmesser. 
Diese Myome sind veTbältnissmässig weich, bestehen jedoch- 
gleicbfi^le aus einem Geflecht von Mnskelbündeln mit binde- 
gewebiger Interstitialsubstanz. In meinem Falle ^nd sich zu- 
gleich eine so reichliebe Entwickelung von Gef&asen, dass man 
im Zweifel sein konnte, ob man ihn in die Reihe der Geflss- 
geschwfilBte' (erectilen Geschwülste) hineinrechnen sollte (Hyoma 
Lelftugiektodes). 

Sehr viel h&uiiger finden sich Myome am Digestionstract. 
Hier entstehen sie in der Weise, dass aus der Muscnlaris heraus 
ein Knoten sich ausbildet, der am häufigsten nach innen eine 
Protaberanz bildet, die Schleimhaut hervordrängt und unter Um- 
ständen einen ziemlich starken Höcker maeht. Der Knoten 
drängt sich später leicht aas der Muskulatur heraus, mit der er 
Dar an einer kleinen Stelle zusammenhängt, so dass man beim 
Einsebneiden diesen Zusammenhang nicht immer wahrnimmt und 
den nrsprfiQglicben Sitz und Ausgangspunkt der Geschwulst ver- 
kennt. Ja, dieses Herausschieben kann so weit stattfinden, dass 
die Geschwulst sieb geradezu als polypöse Bildung darstellt. 



•) Virchow. irchW. Bd. VI. S. 6Ö2. 
**] Vircbow. Bbendas. S. 568. 

*") A. FArster. Wi«iiaT Med. Wocheaacbr. 1658. Ka. 9, S. ISO. Handb. 
der ipec patb. Auat 1668. Bd. II. S. 1042. 



)vGoo<^lc 



126 DreiandiwuiitßBte Vorleanni;. 

Togel*) hat ztierst solche GeacbwSlste vom Magen nod Dirm- 
kanal erwähnt and eine vom Magen genauer beschrieben. Sie 
finden sich nach metner Erfiüining hanpts&chlieh am Oeeophagne, 
am Magen und am oberen Tbeile des Dfinndarms. 

Ein vortreffliches Prilparat vom unteren finde des Oeso- 
phagus habe ich in iinserer Sammlimg aufgestellt **); es ist eine 
harte, fast kugelige Geschwulst von ö Linien DnrohmeBser, ans 
dicht verfilzten ZQgen fibromaskulären Gewebes gebildet, welche 
wesentlich in der Sobmacoea liegt, jedoch deutlich aus der Hnskel- 
haut hervorgewachsen ist, mit der sie nach aussen noch zosam- 
meoh&ngt. Sie befindet Hieb nahe aber der Cardia und bildet 
mehr nach aupsen, als nach innen eine Hervorwfilbnng. Wahr- 
scheinlich gehören in dieselbe Kategorie manche Angaben fiber 
Steatome***), BindegewebsgeschwQlstef) und Polypen der Speise- 
rahreft), jedoch fehlt ch an genanen Untersuchungen. Nur 
. POrnterftt) spricht von Hyom in Verbindang mit Fibroid. 

Ungleich h&ufiger sind die Hyome des Magens. Ich spreche 
.hier nicht von den mehr diffusen Hyperplasien, welche die Muskel- 
han^ des Magens so hSiufig bei den verschiedensten Krebsformen 
erfthrt, auch nicht von den mehr beschränkten Hyperplasien am 
Pylorus, welche sowohl bei Krebs, als bei chronischer Gaatrilia 
gesehen werden, Hondem nur von den eigentlichen myomatflseo 
Geflchvflisten, die nach Art der Corps fibreux an ganz umschrie- 
benen Stellen der Curvaturen oder der Magenwände wachsen. 
Eine recht gute Beschreibiing eines derartigen, in Gr&sae und 
Gestalt einer Mandel ähnlichen Myoms bat Vogel *t) geliefert; 
es sass in der N&he der Gardia an der kleinen Onrvator. Ein 
paar andere Fälle erwähnt Fflrster**t); auch spricht er von 
einem 1^ Zoll langen und 10 Linien breiten Polypen des Magens» 
der innen einen Kern ans fibroider Neubildung gehabt, jedoch 

*) Jal. Vogel. Path. Amt. S. 166. rconeg higt. p&th. p. 30. 
■*) Pripmt Ho. 87 10JO jAhre 1866. 0. F. F. RuDge L c p. 16. 
***) Albera. BrllPternngen xo dem Atlas derpath.Anat. Abth. II. S. 256. 
t) Rolcitangkj. Lehrb. der. path. Anat. Wien. 1861. Bd. III. S. 181. 
tt) VoigtnJ. Handb. d«r path. Anat. Bd. II. S. iSl. HiddeUorpC 
De poljpin oesophagi. Vratial. 1857. p. 8. 
tft) A. FCrster. Handb. der path. Anat. 1863. Bd. II. S. 63. 
*f) Jnl. Vogel. Icones biet, patb: p. SO. Tab. VII. Sg. 2-6. 
**t) Purster. Wiener Med. Wocbensehr. 18G8. Mo. 9. S. ISl. Handb. 
der path. Anat I66S. Bd. IL S. 79. 



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Myoine des Hsgeu. \27 

sebeint es, dua derselbe tau Bindegewebe eotbielt. Ebenso wenig 
»t es anBzamacben, ob die toq Rhodius und CamerariuB*) 
aageflUirten Steatome des Magens, die von Morgagni**) ge- 
Bahene runde, harte, weisse, wie eingekapselte Geschwulst an 
der CardJa, die von SOmmerring***) an der grossen Curvatur 
aabe am Fundus angetroffene solide Geschwulst von der Grösse 
einer Haselnuss, endlich die von Rokitansky und Lendetf) 
enrübnten fibr'>sen Geschwälste aus der Submucosa des Magens 
bierher gehOren. Ich hatte es allerdings fär wahrscheinlich, da 
alle „GbrUsen" Geschw9lste der Submucosa, die ich sah, Myome 
wen, und da auch Rokitansky die Nähe der Gardia und die 
kleine Curvatnr als Präditectionssitze bezeichnet. 

Mach meinen Erfahrungen bilden die Magen-Myome viel 
grossere Geschwälste, als gewöhnlich beschrieben wird, und sie 
kommen zugleich unter so auffallenden Formen vor, daas ich za 
dem Schlüsse gen&thigt bin, sie seien bis jetzt fast immer mit 
Krebs, Fibrom oder Cysten verwechselt worden. Denn ihr Aufl- 
sehen ist so inannicbfaltig , dass sie gelegentlich ganz verscfaie- 
denen Gescbw&lsten gleichen. Dazu kommt, dass, obwohl sie 
uraprSnglich in der Muskelhaut entstehen, sie bei weiterem Wacbs- 
ibom aasnahmslos aus derselben hervortreten und nur durch eine 
geringe Verbindung mit ihr im Zusammenhange bleiben. Sie 
kommen daher nach einiger Zeit entweder nach innen, oder nach 
lassen von der Muscnlarie zu liegen. Darnach kann man zwei 
Hauptformen : innere und äussere extramusknläre Myome von 
einander trennen. 

Das innere Myom des Magens liegt, so lange es klein 
ist, in der Submucosa, wo es eine etwas verschiebbare, lose 
Geschwulst darstellt, die kugelig oder flachrundlich, kirschen-, 
bohnen- oder mandeli&rmig eracbeintft). Bei längerem Wacha- 
thnm schiebt es die Schleimhaut vor sich her und erscheint als 
ein hsürter, anfangs breit, später schmaler anfsitzender Polyp der 
Sehleim bautseite. Hierher gebort wahrscheinlich der merkwflrdige 

*) Lieataud. Histor. ust m«d. Gotb. et Amt. 11SC Vol. I. p. 40. 
Lib. L oba. 103-104. 

**) Horgagni. Ue sediboe «t caubi« morb. Bpist. XXXVII. art80. 
*•■) SOmmerinf in Baillie. Anatomie d«i knokh. B»uea. S. 8S, 
t) Rokitanslcv. Lehrbnch der patli. Anat. 1861. Bd. 111. 3. 111. 
Landet Ballet, da la toc. aaat 18&3. T.XXVU. p. 138. 
ff) Bnage 1. c p. 16 Pr^wrat No lOM. 



gii^osb/GoOt^lC 



128 DieiundiinuiiJgBt« Vorleanng. 

F&ll eines fleischigen Hagenpolypen, den Monro*) beacfareibt. 
Die grösste Bildung dieser Art, die ich gesehen habe, war von 
sehr sonderbarer Beschafieuheit und bot zugleich interessuite 
ätiologische Anhaltspunkte (Fig. 215.)- Bei einem Manne, der an 
multipler Tuberculose der Lungen, des Gehirns, der Nieren und 



Fig. aifi. FnuKfiaet Ujom des Ua|eoa, nahe aDt«r der Ctrdia. Du- 
aolb« iat in querer Richtung darchBchDitten , ao das« man die duin ent- 
hälteoe UOhle und die am dieselbe heramgelegeae Mjom-Huse, aber welche 
die Sebleimhuit hingeht, eebea luDn. lo die Oeffnung der BAble iat eine 
Sonde gelebt. Prfti>arat No. B6 *oni Jahre 1866. NatflrI. Qi«mq. 

*) AI. ilonro jao. Tha morbid anatomy of the bomao gnllet, elonacb 
and intestines. Bdiob. ISli. p. 190. PL VL 



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Myome deB Hagens. 129 

Leber, sowie an multiplem Tumor albus der Geleuke zu Grande 
gegangen war, sass dicht unter der Gardia neben der kleinen 
CarTatur eine ovale, etwas hügelige Geschwulst von 6 Cent. Länge, 
bat 3 Cent. Höhe und in der Mitte von 4 Cent. Breite. Sie war 
TOD der Schleimhaut überkleidet , zeigte aber in der Hitte eine 
quere Furche, in welcher eine rundliche OeffouDg befindlich war; 
dareh diese gelangte man in eine dattelfSrmige Höhle von 2,6 Gent. 
Lioge, 1 Cent. Höhe und 1,8 Cent. Breite, in welcher ein Gewärz' 
Delkeu- Köpfchen lag. Die Wand der Höhle war ziemlich glatt 
und nicht von Schleimhaut, sondern von dichtem Bindegewebe 
ausgekleidet Auf einem Durchschnitt der Geschwulst sah man 
dktlich, dass die Höhle in der Snbmncosa lag und dass ihr 
Boden noch durch eine fibröse Schicht von der Musculoris ge- 
trennt war. Letztere war an dieser Stelle im höchsten Maasse 
rerdickt; sie umgab die Hj>hle zu drei Yiertheilen in einer Dicke 
TOD 0,8 — 2,0 Cent, als eine etwas lappige, weisse, sehr derbe, 
faserig aassehende Masse, welche mikroskopisch fast ganz aas 
glatten Maskelfagem bestand. Schon vom blossen Auge konnte 
man FaserzQge von der Muskelhaut in diese Schicht verfolgen. 
Die Basis der Geschwulst war enger, so dass das Ganze einem 
Pilz (Fungus) mit umgeklappten Rändern glich. Die fibrige Mf^en- 
schleimhaut war m&ssig verdickt, runzelig-hfigelig; die Muskel- 
haat sonst normtü. 

- Dass die Höhle ulceröser Natur und wahrscheinlich aus einem 
geborstenen Äbscess hervorgegangen war, lässt sich wohl nicht 
bezweifeln. Ich halte es für wahrscheinlich, dass sie zuerst ent- 
standen und dass die Hyperplasie der Muscularis um sie herum 
nachträglich gebildet ist, hervorgerufen durch den Reiz des 
Abscesses und möglicherweise der in denselben gelangten fremden 
Körper. Jedenfalls scheint es mir unzulässig, die Höhle als eine 
secnndäre Ulceration innerhalb des Myoms aufzufassen. Denn 
eine Neigung zu ulceration ist sonst gar nicht bekannt. Ein Fall 
ton Walter*), der bei einer GOjährigen Frau zwischen der 
Membrana muscularis und nervea des Magens einen ovalen, 
weissen Stein von 1'" Länge und 4'" Dicke, \ Skrupel schwer, 
bnd, spricht f&r das Gegentheil. 

*) J. 0. Wolter. UoBenm anatom. Berol. 1605. p. 421. No. 3156 (814). 

TiFebiw, 0«eh*ilita. lU. 9 



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180 Dreiun^nwanzieste Vorlesung. 

Die finsseren Myome des Magens drängen sich nmge- 
kehrt in das subseröse Gewebe und treten allmählich, von der 
Serosa umkleidet, über die äossere Oberfläche des Magens hervor. 
Einmal fand ich ein stark kirschen-, ein andermal ein nussgrossee 
Myom in der Basis des Omentum, wo tjs wie eine vergrösserte 
Lymphdrüse erschien*). Zuweilen treten diese Geschwülste an 
die freie Oberfläche in Form polypöser Anhänge. Zweimal sah 
ich BO sehr umfangreiche Knoten, welche auf den ersten Blkk 
einer ganz anderen Kategorie, nehmlich den Hämatomen, anzu- 
gehören schienen. Die genauere Untersochnng lehrte, dass e;- 
Miecbgeschwülste, nelimlich Myosarkome waren. In dem einen 



Falle liegt ungefähr in der Mitte der grossen Gnrvatur, etwas 
gegen die hintore Wand eine halbkugelig gegen die Bauchhöhle 
hervortretende Geschwulst von 5,5 Cent, Durchmesser, welche 
den Magen stark lierabgei^ogon hatte; Nach aussen bildete sie 
eine pralle, leicht fluktuirende Blase, welche geöffnet eine blutige 
Flüssigkeit enthielt und deren ziemlich dünne Wand von der 
inneren Fläche tlieils durch ältere und entfSrble Gennosel-Nieder- 
schlage, tbeils durch leichte Unebenheiten des Gewebes selbst ein 

Fig. 21ß. Polypöses cyatUches Myosarcom der äuagereo MageuflScUe. 
Senkrechter DiirchBchnitt durch die Gcschwulat und die Mageowand. Ad 
letzterer UDterscheidet man die Muskelliaut m, die Schleimhaut w' und die 
hell {;ehaltene Suhmucosa und Serosa Bei u die triehterfOrniige, usurirte 
Stelle der inneren Ma^enflächc; darunter das Verstreichen der Huitkelhant in 
die Gesuhwulatmasse. Nach unten die halbmondförmige BOhluoK. Priparat 81 
vom Jahre 18G0. NalOrl. GrGsse. 

') Präparat No. T2b vom Jahre ISbT uud No. 248 Tom Jahre 1663. 



H^oautome des Magens. 131 

etwas fileiges Aussehen darbot Diese HOhle hatte oiae im 
Grossen halbmondßtrmige Gestalt, und in sie ragte von der 
Magenwand her eine unregelmässig bSgelige, an der Oberfläche 
massig weiche Hasse, welche auf einem senkrecbtea Durchschnitt 
2—3 Cent dick, sehr dicht, groblappig und faserig erschien und 
welche gegen die Schleimhantfläche des Magens eine flachnmd- 
liche Herforwölbung eraengte. In der Mitte dieser Hervorwöl- 
bang (u) befand sich eine seichte, trichterförmige Grube, an 
welcher die sonst fiberall unversehrte Schleimhaut (m') fehlte: 
also eine schwache Usor. ' Der feste Abschnitt der Geschwulst 
bestand in seinem inneren Theil aus fast reiner Muskulatur, die 
in dichten, aus verliSltniasmäsBig schmalen Faserzellen zusammen- 
gesetzten Bßndeln angeordnet war; nach aussen, in der Kichtuag 
gegen die Höhle hin, wurde die Masse etwas loser, gef^sreicher 
nod es begann aus dem Interetitialgewebe eine zuerst rundzeitige 
Wucherung, die in der Nähe der Höhle so sehr zunahm, dass fast 
gar keine Mui!kelzellen mehr zu sehen waren, während die Inter- 
stitialzellen sich vergrösserten und theils als runde, theils als 
SpindelzeUen mit grossen Kernen sich darstellten. Die m&ssig 
dicke Muskelhaut des Magens (m) ging von der einen Seite her 
(iu der Zeichnung rechts) mit dem grösseren Theile ihrer Dicke 
in die äusseren Theile der Geschwolst über; von der anderen 
dagegen konnte man sie bis gegen die Mitte hin noch verfolgen, 
hier jedoch löste sie sich direkt in die Gesdiwnlstmasse auf. Der 
Übrige Theil des Magens zeigte nichts Auffälliges. 

In dem zweiten Falle*) sitzt die Geschwulst fast genau an' 
derHelben Stelle, so jedoch, dass ihr vorderer Theil noch zum 
Theil von der Basis des Omentum fiberkleidet ist. Sie hat mehr 
die Gestalt einer Yollkugel, misst im Durchmesser 6 Cent., ist 
Mtssen ziemlich glatt, hie und da schwach buckelig, von weissem, 
an vielen Stellen braungeflecktem Aussehen. Sie sitzt an einem 
kurzen, platten Stiel von kaum 1 Cent Breite und 3 — 4 Millim. 
Dicke, in welchen die Muskelhaut des Magens conlinuirltch über- 
geht Die Schleimhaut ist an der betrefTenden Stelle stark trichter- 
ßrmig eingezogen, jedoch ohne Gontinuitätsstörung und auch sonst 
■Dverändert. Auf einem Durchschnitt zeigt sich das Innere der 
Geschwulst fiberall fest, •von etwas unregelmässigem Aussehen, 



*) Pripant No. 161 vom Jahre 18Ö8. 

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132 Dreiandiwaniigite VorleBung. 

jedoch im Grossen in zwei etwas Terschiedenartig beschaffene 
Hälften geschieden. Die eine davon hat fast dnrchweg ein bämor- 
rhagisches Anseehen: naan sieht geronnenes, eingedicktes und zum 
Theil «ntfärbtes Blnt, von derberen Gewebastr&ngen von grosser 
Festigkeit durchzogen, hie nnd da von gelblich fettigem Anschein. 
Die andere Hälfte hat ein schwammiges Gefüge, fast wie ältere 
Eropfknoten : stärkere, weisse Balken, an vielen Stellen mit gelb* 
braunem Pigment dnrcbsetst, durchziehen die Masse und om- 
schliessen ein etwas loseres Gewebe von bald weieelicher, bald 
rothlicher oder bräunlicher Farbe. Die mikroskopische Unter- 
suchung zeigte Überall viel körniges Pigment; das eigentliche 
Gewebe bestand fast überall aus grossen Spindelzellen mit starken 
Kernen und schwach faseriger Intercellularsubstanz , hie und da 
auch grosseren Rundzellen. Deutliche Muskelbalken waren nur 
gegen die Basis und den Umfang hin nachzuweisen. 

Wenn daher in diesem Falle anch der aarkomatOse Charakter 
der Geschwulst (vgl. Bd. n. S. 352) in viel höherem Maasse her- 
vortrat, so scheint mir doch im Hinblick auf den zuerst beschrie- 
benen Fall die BesiehuDg tn Myom festzuhalten zu sein. In der 
älteren Literatur finde ich nur eine einzige, jedoch bis zum Ver- 
wechseln ähnliche Beobachtung von Morgagni*), der bei einer 
70jährigen Frau eine noch grOssere Geschwulst der Art schildert. 
In neuerer Zeit beschreibt Sangalli**) von der äusseren Ober- 
fläche des Magens einer 48jährigeu Frau in der Nähe des Pylorus 
eine birnf&rmige, gestielte Geschwulst von derGrOsse eines kleinen 



*) Hor^kgDi. De sedibaa et cansiB morb. Epist, XIX, ut. Ö8. Veotre 
kdkperto nibil obaervatione diftuius occurrit, qDam tuber BubrotaDdum, pondo 
mininiDDi libne, qnod posteriori veotricnli faciei adaezuiii erat >d bujna 
qaaai medinm. Erat illud ezteriaa miaoribua assärgeDtibos hemisphaericia 
albia tuberibna inaeqaale, intus autem albo, siibfnsco et t^aoguiüeo qnoque 
ob Tssa colore variegatum: et darum cum eaaet obique adeo, ut pro acirrho 
habere iion dubitares; intus alicnbi duritie oasea praeditum erat Diasecti 
bifariam sectiones digitos trausversoa 3 aecuodum uDam diametrum, ^ aecuo- 
dum alteram aeqnabant. Nullam cum Tentriculi cavo babuit commanica- 
tionem: iaque apertug inventaa est rugoaue et omnino qualia in aania solet, 
ea etiam parte qua tuberi respoudebat, ad spatium Tidelicet 3 circiter digi' 
tornm. Quin etiam tunicae quae iatimam ad illud apatium operiebaut, aanae 
ennt uec tuberi a na eiae, quod per eztinam dnmtaxat ventriculo alligabatur. 
Haec per tnberia faciem tidebatur produci, et sanguifera vaaa perferre, quoram 
naam, «euoBum nanm, a tnbere profectum per inferiorem ventricnli auper- 
ficiem repebat, crassitudine ferne calami BCrii>torü. 

**) SaDgalli. Storia clinica ed anatomica dei tnmori. Pavia. 1860. 
Vol. il. p. 194. 



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Hyome des Darms. 133 

Hühnereies und leicht hSckeriger Oberfläche, von dem Ferito- 
Däeum überzogen, ziemlich hart und beim Zuföhlen krepitirend. 
[br Gewebe w&r weieslich, mit gelblichen Punkten, wenig feucht, 
wenig ge^sreich, dem der fibrOsen KOrper des Uterus ähDlicb. 
Der Stiel hing mit der MuBkelhaut des Magens zusammen. Mikro- 
skopisch bestand sie grossentheils aus fibrösem Gewebe, doch 
fanden sich darunter organische Moskelfasern und an den gelb- 
liehen Punkten Kalkkömer. 

Was eodlicb die Myome des Darms anbetriiTt, so Bind die- 
ijelben verhältnissmässig selten und nacb den bis jetzt vorlie- 
genden sicheren Beobachtungen von geringer Ausdehnung. Roki- 
tansky*) erwähnt allerdings fibröse Geschwülste im submncösen 
Gewebe von „namhafter Grösse", sowie solche, welche „der 
Fleischhant und dem Peritonaeum angehören", nach der Bauch- 
bßhle hervorhängen und Ausbuchtungen der DarmhOhle veran- 
lassen, allein es ist nicht ausgemacht, ob dies Fibromyome waren. 
Ich selbst babe nur kleinere Geschwülste der Art und zwar nur am 
Dünndarm gesehen, gleichwie Förster**) einen solchen Fall von 
änsserem Myom des Ileum beschrieben hat. In einem Präparate 
unserer Sammlung (Fig. 217.) findet sich eine etwa kirscbkeni- 
grOBse, leicht abgeplattete, aber sonst sehr scharf begrenzte, glatte 
Geechwulst in der Submucosa der pjg. ju. 

Pars transversa duodeni. Sie hängt 
mit der Muskelhaut zusammen, fühlt 
sich sehr hart an, ist wegen aus- 
gedehnter Verkalkung schwer zn 
schneiden, besteht ans einem dichten 
Filz von Faserzügen und zeigt mikro- 
skopisch an einzelnen Stellen noch deutliches Muskelgewebe, flber- 
ffiegeud jedoch indurirtes Bindegewebe, in welchem eine zum Tbeil 
kleinkörnige, zum Theil balkige Verkalkung stattgefunden hat. — 

Was die Prostata angebt, so gehört hierher eine gewisse 
Reihe von Geschwülsten, die man in neuerer Zeit gewöhnlich 
mit unter dem Namen der Hypertrophie der Prostata auf- 



Fig. 217. Verkalkte» submucdses Fibromyom des Duodeourns. Senk- 
recbter Darcbscbnitt doTch die Scbleimhant ond die Geschwalst. Präparat 

No. 1211. Natflrl. GrCBse. 



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134 DreinndEwuiiigfite TorlMong. 

Mhrt. Diese sogeoanote Hypertrophie mnss in zwei Kategorien 
'geschieden werden: eine, welche in die Reihe der Myome gebcrt, 
und eine andere, welche in die Reihe der drüsigen Geschwülate 
za B:telleD ist. Bei den Myomen handelt ee sich um eine hyper- 
plastische Entwickelnng, welche ausgeht Ton den ziemlieh reich- 
lichen Zfigen von glatter Mngkulatur, die «ich •von der Wand der 
filaae auf die Prostata fortsetzen, dieselbe umgeben und zwischen 
ihre Lappen eindringen. Wenn dieselben sich in bedeutender 
Weise TergrttBsern , so kdnnen Geschwülste entstehen, die sich 
von den glandulären durch ihre Härte und durch das verfilzte 
„eteatomatJJse" Auseeheo der Schnittfläche unterscheiden. 

Noch bis in unser Jahrhundert bezeichnete man sie ziemlich 
allgemein als skirrhös*). Erst als der Name Skirrh mehr 
und mehr die specifische Bedeutung des Krebses bekam, machte 
Baillie *") darauf auünerkBam, dass die harte Prostata-Geschwulst 
keinen wahren Scirrhus darstelle. So entstand die Bezeichnung 
der Hypertrophie, welche um so mehr zutreffend erschien, als 
schon seit Langem durch ihre ungewöhnliche Derbheit die Prostata 
im Gegensatze zu anderen Drüsen die Aufmerksamkeit der Beob- 
achter anf sieh gezogen hatte***). Obwohl jedoch schon die 
älteren Anatomen bemerkt hatten, dass von der Fleischhaut der 
Blase Faserzüge auf die Prostata Übergehen, so haben doch erst 
Handfield Jones und KjMlikerf) dargethan, dass nicht blos 
die äussere Hülle, sondern auch das sogenannte Stroma der Drüse 
fast ganz aus glatten Muskelfasern besteht, und wenn auch die 
Angabe des Letzteren, dass das eigentliche Drüsengewebe kaum 
^ oder ^ der Gesammtmasse des DrüsenkOrpers ausmache, etwas 
zu hoch gegriflen ist, so steht doch das fest, dass ein überwiegend 
grosser Antheil der Substanz aus glatter Muskulatur gebildet wird, 
die in 'festes bindegewebiges Interstitialgewebe eingesetzt ist. 



*) H. Baillifl. Anstomifl des knolchaften Banee. Deotach von Sfftn- 
merriDg. BerlJD. 1794. S. 194. EngraTingB. Lond. 1801. Puc. VIII. n. 166. 
SOmmerriiig. Abhandlong über die schoell o. langeam tSdtlichen KtadIe- 
beiteo der Harablaae n. llamröbre bei HiDnera im hoben Alter. Frankf. s. H. 
1809. S. 105. 

") Bailli«. Allbang. Debers. von Hohnbanm. Berlin. 1820. S. 136. Anro. 
***) Hall«r. EleiD. phjsiol. Bern. 1T6Ö. T. VJI. p. 460: nä<ine reperio 
qDidqnam praeter densam cetlnloBam, tenacem et stipatam, qnaai Bcirrhoeain 
carnem. 

f) Handfield Jonea. Med. Gai. 1847. 20 Aug. KOlliker. Zeitachr. 
f. wisB. Zoologie. 1849. Bd. I. S. 61. Vgl. Leydig. Ebeadas. Bd. Ü. S. 46. 



jvGoo'^lc 



Bjpertrophie der ProstaU. 135 

Ellis iind Tbompaon*) gehen ofTenbar an weit, weOD sie des- 
halb das ganze Gebilde alN ein muskulOseB und nicht als ein 
drüsigeij ansehen wollen; erst das Drüsengewebe giebt dem Organ 
seine fiedeatung, und man wird nicht aufh&ren dürfen, die Prostata 
als Drüse zn betrachten. Für die pathologische Anschauung ist es 
aber von grQsster Wichtigkeit, sich ihres Reicbthums an Muskel- 
elementen bewusst zu bleiben. 

Schon Handfield Jones hatte betont, dass bei der t^oge- 
oannten Hypertrophie der fibrj^se (musknldse) Antfaeil der Drüse 
mehr hetheiligt sei, ale der eigentlich drüsige. C rn v e i Ibi e r **) und 
namentlich Thompson bestätigen diese Angabe; ja Messer***) 
giebt an, dass unter 35 vergrösserten Prostata« 34 mal die iibrOse 
Degeneration die Hauptsache ansnlachte. Mir seheint diese Anf- 
fassDog nicht gans gerechtfertigt. Erwägt man, dass an sich das 
Stroma in der Prostata ungewöhnlich reichlich ist, so wird es nicht 
«if&Uen, dass selbst bei einer ganz gleichmässigen Vergrösserung, 
bei der die drüsigen und muskulären Bestandtheile sich mit und 
neben einander vermehren, der Eindruck einer überwiegenden 
Znoahme der Muskulatur hervorgebracht wird, während doch 
dasselbe Motiv, welches uns hestimntt, die Prostata trotz ihres 
reichlichen Stroma's als Drüse zu betrachten, uns bestimmen mass, 
auch diese VergrOsserung zunächst vom Standpunkte der Drüsen- 
Zanahme anzusehen. Dazu kommt, dass meiner Meinung nach 
in der Regel der Frozess an den drüsigen Antheilen beginnt 
und sich erst nach und nach mit einer Zunahme des Stroma's 
verbindet. 

Thojnpsonf) unterscheidet daher mit Recht zwei Formen 
der Vergrüssening, die einfach hbrfise (muskuläre) und die tibrdse 
mit Drüsenelementen. Ich ziehe es vor, die letztere als drüsige 
Hyperplasie zu bezeichnen und werde später darauf zurück* 
kommen, während ich hier nur von deijenigen Form spreche, 
welche entweder ganz rein ans flbromaskulären Bestandtheilen 



•) Bllis Hed. chir. Transact 1856. Vol. XXXIX. p. 832. Hehry 
Thompson The «nlarged prosUte, ite patbology «nd traatmeot. Lond. 
1858. p. 13. 

"i Oro»eilhier. Trail^ d'anat. path. gener. Paris. 1856. T. III. p. 49. 
Vgl. Citba in Meinem Handb. der Spec. fatb. o. Therapie. 2. Aufl. ErlaDgen. 
l«l>*. Bd. VI. 2. S. 128 
"*} J.Cockbnrn Messer. Med. chir. Tmosact. 1860. Vol. XLIII. p. 150. 

t) H. Thompson 1. c. p. 30. 



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J56 Dreinndtwantigatfl TorlesnnK. 

znsammeogesetzt ist oder doch nnr eine so geringe Bcimischaog 
von DrflsenÜieilea enthält, dasB ihr Gebalt daran geringer ist, 
als der der normalen Drilse. Diese kann man als hyperpla- 
stisches Myom der Prostata unterscheiden. 

Mir ist kein einziger Fall vorgekommen, wo die ganze PrOHtata 
gleichmässig in myomatöse Entartung übergegangen wäre. Ohne 
Ausnahme sab ich diese in Form von Knoten oder Lappen, welche 
sieb entweder schon äusserlich über die OberflScbe des Drfisen- 
kOrpers hinausgeschoben hatten, oder welche erst nach einem 
Dnrcbsebnitt im Innern desselben sichtbar wurden. Im letzteren 
Falle kann allerdings der Anschein einer gleicfamässigen Ver- 
grössemng (Hypertrophie) bei dem äusseren Anblick oder der 
äusseren Untersuchung bestehen; die genauere Untersuchung wird 
aber jedesmal die ungletchmässige Entwickelung zeigen. Manch- 
mal sind diese Knoten einfach, in der Regel findet man eine 
grössere Anzahl. In beiden Ffitlen besteht natürlich neben den 
Myomen ein gewisser, oft ziemlich beträchtlicher Antheil des 
DräflenkOrpers, sei es nnverändert, sei es, was häufiger ist, 
in einfach drüsiger oder in gemischter, drfisig- fibromuskulärer 
Schwellung. Jedesmal sind die myomatOsen Tbeile durch ihre 
grosse Härte und Dichtigkeit, durch ihre glatte, aus sich kreu- 
zenden Faserzügen deutlich zusammengesetzte Schnittfläche, durch 
ihre gleichmässige, mehr durchscheinende, weisslicbe oder weiss- 
lichgraue Färbung auBgezeicbnet. 

Der Frädilectionssitz der Prostata - Myome ist am hinteren, 
oberen Tbeile dar Drüse, an der Stelle, wo seit Ever. Home*) 
der sogenannte hintere oder mittlere Lappen der Prostata an- 
genommen ist. Ein solcher Lappen existirt normal nicht, indess 
ist es auch nicht richtig, die auf denselben eurückgeffihrteo Ge- 
schwülste einfach auf die stärkere Muskulatur der Harnblase in 
dieser Gegend zu beziehen. Allerdings bilden die vom Trigoonm 
herabriehenden Mnskelbfindel der Blasenwand gegen die Spitze 
desselben am Blaseahals eine stärkere Anhäufung, welche, nament* 
lieh bei älteren Leuten, als ein flacher Wulst hervortritt nnd die 
sogenannte Valvala vesico-urethralis s. Uvula (Lunette) darstellt. 
Nicht selten erhebt sie sich durch eine partielle Hyperplasie der 
Muskulatur zu einer s^rkeren queren Hervorragung, welche die 

*) Et. Home. Pbil. TnnsKt. 1806. 



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Myome der Prostet», 137 

EotleeniRg der Blase hindern nnd sogar dem Katheter Hindernisse 
bereit«a kann: Barriere vesicale. Allein diese Hyperplasie ist 
wohl zo unterscheiden von der sogenannten Hypertrophie des 
mittleren Prostata- Lappeoa, welche tiefer liegt, freilich zuweilen 
nit ihr verbunden, allein oft genug auch ohne sie. Mit Recht 
hat schon Velpeau auf die Analogie dieser Geschwulst mit den 
Fibroiden des Uterus aufmerksam gemacht; freilich ist diese nicht 
auf die ftlschlich angenommene Analogie des Uterus und der 
Prostata zu beziehen*), sondern nur auf die Natur der krank- 
haften Bildung. Der Sitz hat nur sofern eine gewisse Ueberein- 
stimmung, als der sogenannte Uterus masculinns (die Vesicnla 
prostatica) in Betracht kommt, allein ich habe uiemals eine un- 
mittelbare Verbindung der Wand dieses Gebildes mit den Myomen 
inflinden kennen. 

Das lappige Myom wächst aus der Mitte des oberen Umfangee 
des hinteren Prostatalappens hervor, indem es die hintere Blasen- 
irand in der Gegend des Blasenhalees, also oberhalb des Orifidnm 
internnm urethrae vor sich her drängt. Zuerst bildet es eine flach- 
nindliche Hervorragung, nach und nach erhebt sich diese immer 
mehr, bis sie am Ende eine kugelige oder kugelförmige Geschwulst 
darstellt, welche sich in die Harnblase hineindrängt und den 
Blasenhals auf das Aeusserste verengt. Zuweilen erheben sich 
von ihr mehrere Knoten**) neben einander. Natürlich stellt sie 
ein klappenfSrmiges Hinderniss fGr die Entleerung des Harns dar, 
welches sich um so fester gegen die Mündung der Blase andrängt, 
je stärker der Druck des Harns und der Blasenmusknlatur auf 
dasselbe einwirkt. Anfangs drängt der eingefQhrte Katheter es 
leicht zurück; später fängt sich der Katheter oft in der Vertiefung 
an ihrem Grunde und nicht selten entstehen dabei falsche Wege, 
welche tief in das Gewebe der Prostata eindringen oder auch 
wohl endlich durch die Basis der Geschwulst hindurch in die 
Blase hinein verlängert werden, so dass gewisaermaaEsen ein 
neuer Hamweg eröffnet wird. Da der Harn durch einen solchen 
Weg seinen Abfluss in hinreichender Menge linden kann, so ist 
man zuweilen zu einem gewaltsamen Verfahren (Catb^terisme 
force) flbergegangen, um das absichtlich herzustellen, was ur- 
sprünglich nur zuAllig hervorgebracht war. 



*) Tbompson 1. c. PI. U. 5%. 1- 
**) ThompBon l c. p. 40, 62. 



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13g DreiQndiwuisigBte VoriMDUg. 

In der Regel bat das prominente Myom eine breite Basis; 
zuweilen sitzt es, fast polypös, anf einer schmäleren BaeiB auf^ 
über welcher sich eine harte Anschwellnng erhebt. In einem 
Falle*) fand ich hier eine wallnussgroese Engel von grosser 
Festigkeit, welche auf dem Durchschnitt in wundervoller Weise 
das Ftlzwerk der sich verschtingenden Balkenzüge erkennen Itess; 
drfisige Bestandtheile waren gar nicht darin. Meist sind die 
Knoten jedoch nicht so reinj wenn sie auch ihrem grftseten Theile 
uach tibromuskulär sind, so findet man doch einzelne Abschnitte, 
welche noch Drüseobestaadtheile enthalten und aus denen sich 
leicht eine gewisse Menge von Epithel als ein trüber weisslichec 
Saft ausdrücken lässt. Diese bilden mehr breit aufsitzende, wenn- 
gleich zuweilen aueh polypöse HerTorraguageu **). 

Von den anderen Theilen der Prostata sind die seitlichen 
Lappen der nächsthänfige Sitz von Myomen. Diese siad meist 
mehrfach und liegea in der Substanz der Lappen eingebettet, so 
(lass das Organ im Ganzen dadurch vergr&ssert wird und je nach 
dem Sitz der Geschwülste bald mehr nach hinten gegea das 
Kectam, bald mehr nach innen gegen die Pars proetatica uretbrae 
hervorgew&lbt wird. — Am seltensten ist der Sitz der Geschwnlgt 
vorn, wo sebr oft die Prostata nicht einmal einen gescfaloG- 
^eoen Ring bildet Indess kommen doch auch hier Myome vor; 
Thompson***) beschreibt einen Fall der Art, wo die Geschwulst 
liühnereigross war. 

Yon der Hypertrophie der Prostata im Allgemeinen ist ee 
allgemein anerkannt, dass sie wesentlich eine Krankheit des 
höheren Mannesalters, ja gewipsermaassen des Greisenalters istf). 
In noch höherem Grade gilt dies von der myomatOsen Form- 
Pauli ff) hat mit Recht hervorgehoben, dass in den Filleo, wo 
bei jüngeren Männern YergrOagerungen der Prostata vorkommen, 
sie wesentlich dem drüsigen Antheil angehören. Man kann daraus 
mit einigem Recht schliessen, dass die tibromuskulSre Hyperplasie 
später hinzutritt. Wahrscheinlich geschieht dies in einem ge- 



*) Pr&parst No. S4U Tom Jahre 1859. 
**) Prftparftte No. 160, 294 vom Jahre 1867. 

'**) H. ThoinpeoQ. Traseact. of tbe pAtb. Soc. Und. Vol. IX. p. 29ä. 
t) DnraDd-Fardel. Tratte dJn. et prat. dee roaladies des Tieillarde. 
Paria. 18H. p. 193. 

tt) Pauli. Hein Archiv. Bd. XXVII. S. 34. 



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Myome der ProBtata tiiid des weiblichen SezDalkpparats. 139 

wisseD Verhältni88 mit der allgemeiaen Hyperplasie der Blaseo- 
Musknlatur, welche bei allen solchen HinderoiBsen, wie sie die 
VergrftssonuigeD der Prostata erzeugen, in starker Weise zn 
Stande kommt. lodess darf man diesen Umstand doch nicht zu 
hoch veranschlagen, da bei Striktnren der Harorfihre Styombil- 
dnngen in der Prostata keineswegB häufig sind. Die chronischen 
Katarrhe der Pars' proatatica arethrae und der Prostata selbst, 
insbedondere nach Tripper*), sind häufigere Erregungsnrsachen 
der YergrßBseniDg, zumal wenn sie sieb-, wie so oft geschieht, 
mit der Bildung von Concretionen und Steinen verbinden. Jedoch 
ist es nicht richtig, daes diese ConcrementbilduDgeo an sich einen 
wesentlichen Tbeil von den Anschwellungen der Prostata aus- 
machen, wie H. Meckel**) annahm. Gerade bei der stärksten 
Steinbildung fand ich die Drüse Öfters eher verkleinert, indem sich 
eine einfache interstitielle Bindegewebe^Induration mit Verminde- 
ning der Moskelfasem und Drüsenschläuche entwickelt hatte. — 
Ffir die Ansicht von einer erblichen Disposition zu dieser Krank- 
heit existirt meines Wissens nur eine einzige Beobachtung von 
Larbaud'"). — 

Endlich bleibt ans die überans zahlreiche Gruppe der Myome 
des weiblichen Sexualapparats übrig, wohin die gr&BSten 
Geschwülste der Art gehfiren, die im Leibe einer Frau vorkommen 
Uanen und die wir überhaupt am Körper haben. Gerade dieser 
letztere Umstand hat es wohl mit sich gebracht, dass man so 
lange Bedenken getragen hat, diese Geschwülste als hyper- 
plastiscbe Bildungen zn betrachten, obwohl die Hyome des Uterus 
Htr allgemeinen Hyperplasie des Uterus sich ebenso verhalten, 
wie die Lipome zur Polysarcie. Denn die sogenannten Fibroide 
des Uterus sind partielle Hyperplasien, und das, was man 
gewfihnlidh Hypertrophie des Uterus nennt, ist die universelle, 
das ganze Organ betreffende Hyperplasie. In Beziehung auf die 
innere Zusammensetzung stimmen die Hyome mit der sogenannten 
Hypertrophie des Uterus, deren Existenz ich trotz des entschie- 
denen Widerspruches von Yelpeanf) aufrecht erhalten mnss, 



*) SDmmerring. Abbandl. Sber die tödtl. Krankb. u. g. «-. S. 109. 

**) E. G. A. Hignus De intameecentJa prostatae. Dies, io&ug. Hmlis. 
47. p. 13. H. Hecke]. Uikrogeologie. BerlJo. IS&ä. S. 169. 
"*^ Sttmmerriiig a.a.O. 

i) Velpeau. Haladiee de t'utrirDB. Paria. 1861. p. 84, 90. 



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140 Drrinndzmiiiigstfl Vorl«snng. 

TollicommeD fiberein. Wenn mao bypertrophiBche Gebärmutter 
betrachtet, so sieht man, dass Hie in. ihrer Wand eine fthnliche, 
bald weichere, bald härtere*) Beschaffenheit darbieten, und dass 
alle die Verschiedenheiten daran stattfinden können, welche wir 
von den Myomen kennen. Die weichen Myome finden ihre 
Analogie in der physiologischen VergrOssernng des Organs, 
wie sie während der Schwangerschaft zn Stande kommt und nach 
dem Wochenbett sich noch eine Zeitlang erhält. Hier fiberwiegen 
die Muskelfasern und Gefässe, während das Bindegewebe verhält- 
nissmäesig spärlich und lose ist. Die harten Myome dagegen 
entsprechen den mehr chronischen und indnrativen Formen der 
krankhaften Hyperplasie, wie sie sich allerdings nicht selten 
ans der puerperalen VergrOsserang heraas entwickelt**), jedoch 
auch nicht ganz selten schon bei jungfräulichen Individuen and 
zwar besonders in Verbindung mit einer analogen Vergrdssemng 
der Eierstocke***) vorkommt. Hier ist das Interstitialgewebe 
reichlich and zuweilen von ganz sehniger Beschaffenheit, die 
Gef&sse sparsamer und enger, die Muskelfasern weniger reichlich 
und durch das Bindegewehe auf das Festeste zusammengehalten. 
Der Durchschnitt der Ctemswand zeigt dabei dasselbe filzige 
Geflecht von Faserzfigen mit wechselnden Längs- und Quer- 
schnitten, welches für die Fibromyome so cbarakteristiscb ist. 

Ausser diesen allgemeinen Hyperplasien des ganzen Organs 
giebt es aber auch sehr charakteristische Partial-Hyperpla- 
sien, am häufigsten am Mntterhals. Diese sind nirgends anf- 
älliger, als bei alten Vorfällen der Gebärmutter f). Schon 
Rnyschff) bat auf diesen .Umstand aufmerksam gemacht und 
die Irreductibilit&t mancher Vorßlle darauf zurfickgeAbrt. Frei- 
lich kann eine noch ansgedehntere Vei^rOssemng der Gebärmutter 
zugegen seinfff); ja ich habe einen Fall beschrieben'f), wo 

*) Hooper. Morbid aaat. at the bamu oterus. p. 5. 
**) Jaroes Y. Simpson. Obatetric memoirB aod coDtributioos. Edinb. 
1865. Vot I. p. 68. Vgl. Priparate onserer Sammlong No. 1067 nud 346 
Tom Jahre 196». 

•") Prftparate No. 266 vom Jahre 1867, 1816 vom Jahre 1861, 210c vom 
Jahre 1864 und 85 vom Jahre 1866. 

t) Priparate onserer Sammlnng No. 465, 464, 976, 168 vom Jahre 1858 
und 221 vom Jahre 1861. Baillie. EngravingB. Fuo. IX. PI. V. fig. 1. 
tt) Rayscb. Observ. anal, cbirurg. Gent. Amstelod. 1691. p. 16. 
ttt) Morgagni. De sedibna et canBiB morb. Epiat. XLV. art. 11. 
't) VirchoTT. Yerhandl. der Berliner gebortth. Oeaellacb. 1841. Bd. 11. 
S. 206. Oesamnielte Abhandl. S. 812. PrSparat der gebnrteh. GoaellBcb. No.3. 



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Partielle Hyperplasie des Hutterbalsea. 141 

trotz eines sehr bedeutenden Vorfalle der FunduB uteri keine 
Senkung unter seine Normalätellung erfahren hatte, indem der 
ÜteniB 6V' (gegen 3^" normal) und der Hals desselben 3" (gegen 
IV normal) maass. Die Bedeutung dieser VergrÖsserungea für 
die Behandlung und Beurtheilung des Prolapsus hat in den Dia- 
ciusio^en der neueren Zeit immer mehr Aoerkennnng gefunden*), 
und sie ist für die Geschwuletlehre schon insofern von nicht 
geringem Werthe, als die Möglichkeit einer VerwechRelang mit 
Polypen**) nnd anderen Geschwülsten siemlich nahe liegt. Die 
Formen, welche ein solcher Vorfall annehmen kann, sind überaus 
mannicbfaltig. Zuweilen ist er schmal und gleicht so sehr einem 
Penis, dasB in Slterer Zeit sogar Zweifel über ias Geschlecht des 
Individuums dadurch hervorgerufen sind***). Anderemal ist er 
ganz dick und kolbig, hühnereigross nnd darüber, erodirt und 
nlcerirt, so dass er einen überaus bedenklichen Anblick gewährt. 
Meist ist die Scheide gleichzeitig invertirt; zuweilen ragt die 
verlängerte Portio vaginalis für sich aus den Genitalien hervor. 
Keinesw^B ist jedoch diese VergrOssernng, wie Huguier meinte, 
ein regelmässiges Ereiguiss bei Prolapsus; vielmehr giebt es einen 
ProUpsns mit vollständiger Senkung der Gebärmutter. Mao muss 
d^er, wie ich schon längst hervorgehoben hatte f), zwei Formen 
des Uterusvorfalls aoterscheiden : einen einfachen, wobei der Uterus 
ün Ganzen seinen Stand verändert, und einen mit Hypertrophie 
complieirten, wobei sein Grund an seiner Stelle bleiben kann oder 
mir massig sinkt Im letzteren Falle hat Carl Mayerft) die 
Amputation des vergrOseerten Halses mit Glück geübt, und ich 
habe mich an frisdien Präparaten, die ich seiner Güte verdankte. 



*) James Simpson. Obstetric memoire. Vot. 1. p. T2. CrDveilhier. 
Traite d'aoat. p&tb. g^n^. T. III. p. 81. Atlaa. Livr. XVI. PI. 5. Carl 
Usjer. V«rhandl. der Berliner gebuttshüia Gesellschaft. 1848. Bd. III. 
S. 139. Kliaisctie MittheilaDgeo aus dem Gebiete der Gynäkologie. Berlio. 
1861. S 33. Taf. IV. August Mayer. Monatsschr. fOr Gebnrtaknnde u. 
Fnneokrankheiten, 1858. Bd. XII. S. 9, 17. Eugaier. Union medicale. 
18ä9. T. I. p. 610. Sur les allongementa bypeitropbiqaes du col de l'iiteruB. 
Paris. 1860. 0. T. Franqae. Der Vorfall der Gebärmutter in anatomiscber 
ind Uinischer Beziebung. Wfinb. 1660. S. 6. Taf. 1. J. Marion Sims. 
Lond. Obatetncal Transact. Vol. VII. n. 238. fig. 2 u. 7. Aran. Le<;ons cli- 
niqaes sar les maladiee de l'ut^rns. Paria. 1868. p. 1027. 

") Lequid. Dias, sur leg polypes nt^rina. Paris. An XII. p. 16, 
•") Saiiard bei Hngnier I.e. p.^1. 

t) Virchow a.a.O. 8.209. 

ft)C.Harer. HeinArchiv. 1866. Bd. X. S. 1S3. Uouataacbr. f. Oebortsk. 
im. Bd. XI. S. 164. Klinische Hittbeilungen. S. 81. 



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142 DrcraodzwaniigBte YorlMDng. 

dftTOn überzengt, dass gewohnlich eine weiche, muskel- nnd 
gef&ssreiche Hyperplaeie vorbanden wfu:. Andere Gynäkologen 
haben sp&ter dasselbe Verfahren angewendet*), nnd ich bemerke 
nur, dasB der meist sehr grosse Reichtham dieser hyperplastischen 
Geschwulst an arteriellen Gemsen stets eine besondere FSreorge 
in Bezug auf die Blutstillung nOthig macht. 

Für die Geschwulstlehre sind diese Erfahrungen, abgeeehen 
von ihrer diagnostischen Bedeutung, deshalb besonders werthToll, 
weil sich nicht selten gerade in solchen TorgefalleoeQ nnd hyper- 
plastischen Geb&rmutteni Geschwfilste bilden. Ich werde darauf 
noch zurSckkommeni hier erwähne ich, dass von den Lippen der 
prolabirten Vagioalportion lappige") und sitzen artige*") Aus- 
wüchse aasgehen kOnnen. 

Unter den partiellen Vergrüsserungen, bei welchen nicht 
blos die Schleimhaut, sondern aach die tiefen Lagen der Utems' 
wand betheiligt sind, ist eine besonders zu besprechen, in welcher 
die Uuskntatur nicht das überwiegende und wesentliche Element 
bildet. Das ist die foUiculäre VergrAsserung der einen 
oder anderen, gewöhnlieh der vorderen, zuweilen 
beider Lippen der Portio vaginalisf). Besonders eigen- 
thämlich ist die umschriebene Hyperplasie der vorderen Lippe, 
welche sich als ein Polyp darstellt, der manchmal weit in die 
Scheide herunterhängt, ja sogar frei zu Tage tritt, der aber 
trotzdem aas dem tiefen Gewebe der Lippe hervorgeht. Nicht 
selten nimmt diese Yergrßsse'ning die sehr sonderbare Form an, 
welche Bicord anter dem recht charakteristischen Namen des 
Gol tapiroide beschrieben hat; der vergr&sserte Theil tritt so 
ans der Lippe hervor, dass sein an der inneren Seite etwas ein- 
gebogenes Ende an den Rüssel eines Schweines oder eines Tapirs 

*) Hogaier 1. c. p. 460, 510, 519. Bertet Uuion mid! 1869. T. I. 
p. 686. V. Sc»nzoDi. Ueber die Abtragung der VagiDslportion ab Hitle) 
zur Heilung deg Gebaimutter Vorfalls. WQnburg. ISbO. (Beitrige Bd IV.) 
0. Simon. UoDataachr. f. Gebnrtgk. u. Franenkrankb. 1659. Bd. XIII. S. 421. 
C. Braun. Wiener Med. Wocbenscbr. 1859. No. 30. S. 483. B. Martin. 
Monateechr. f. Geburtak. u. Frauenkrankh. 1862. Bd. XX. S. 211. Rosinski. 
De prolapau uteri hypertrophia portioois vagiDaÜB eSecto. Dias, inaug. 
Berol. 18f>4. p. 27. 

") Virchow. Archiv. Bd. VII. S. 168. 
*") Siakits. Wiener Med. Wocbenscbr. 186Ö. No. 33. S. 518. 

t) Malgaigne. Traite d'anat. chirure Brui. 1838. p. 386. Kennedy. 
Dublin Joam. of med. ecience. 1838. Vol. XIV. p. 321. Fioriep's Neue Hotiseo. 
18S9. Bd. IX. S. 236. Simpaon I. c. p. 73. Lebert Traite d'anat. path. 
T. I. p. 370. n. XL. fig. 16—16. 



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Follikalarpolyp der Torderen Lippe. 143 

erinnert. Betrachtet man den Durchschnitt einer noldien rfissel- 
fßrmigen Geüchwulst, so hängt sie continuirlich mit der Waud 
dee Collum uteri zusammen; eine Grenze zwischen beiden giebt 
es nicht. Dagegen rückt während der Kntwickclung gleichsam 
die Stelle des Orificium uteri externum herab: man ündet die 
innere (dem Orificium zugewendete) Fig. sis. 

Fläche des Rüssels immer von einer 
Beschaffenheit, welche mit derjenigen 
der Schleimhaut der Gervix uteri eine 
gewisse Uebereinstimmung darbietet. 
Gewöhnlich ist diese Fläche auch 
mit den besonderen Charakteren der 
Sriileim hautfläche des Gervicalkanals 
versehen (Fig. 218.): sie zeigt An- 
deutangen von Golumnae ragarum , 
namentlich Vertiefungen, Krypten und 

Säcke*), welche ziemlich weite Mündungen haben, sich taschen- 
fünnig erweitern und der inneren Fläche das Ausseiicn einer 
hyperplasti^chen Tonsille geben (Bd. II. S. 612. Fig. 189). Zu- 
weilen erstreckt sicii diese Bes(;lialTenheit über einen noch grös- 
seren Theil des Auswuchses"). Führt man eine Sonde in die 
Taschen ein, so findet man tiefe, buchtige, nicht selten unter 
einander communicirende S&cke, einzelne mit schleimigem und 
epithelialem Inhalt gefüllt. Macht man Durchschnitte, so zeigen 
sich ausserdem manche geBchlossene , cystenartige ***) Säcke 



Fig. 218. ToDBilleDfOrmiger Folyp der vorderen Muttenn und slippe von 
einer ISjäbrigen Fku, welche auBseraeni eine Atresie der Abdominal enden 
beider tubeo in Folge adh£aiver Perimetritis, ein kleines M^om um den 
iBihmitg der linken Tube, cbronisclie proliferirendu Endometritis und fibrtise 
Oophoritis zeigte. Die Portio vaginalis sehr dick, die vordere und hintere 
Lippe rundlich geBchwollen, indurirt, voller Ovuln Nabothi, das Orif. ext. 
leicht trichterförmig erweitert, an der vorderen Lippe der etwa kirschen- 
fjowe AnawDcbs. der mit eioero mSssig breiten Stiel auff^itzt und °:egen 
du Ende etwas kolbig wird. Üie hintere Fläche dessellicn zeigt die Mün- 
dungeD grosser, bis zoi Basis reichender Tuchen, welche mit glasigem, 
leicht weisslichem Schleim geeilt waren. Grosse, arterielle Ge^ae und 
ZB°e von fibromuskulfirem Gewebe treten von der Substanz der vorderen 
Lippe io die Basis ein. Prftparat No. 47 vom Jahre 1662. Natürl. Grdsse. 
Die Person b»tte ausserdem chronische Endocarditis mitralis et aortica, 
Thrombose des linken Heriohrs, Erweiterung des rechten Herzens, Arterio- 
sklerose, embolische Hiliinfarkte und Erweichungsheerde im Corp. striaturo, 
chronische iotera title 11 e Nephritis nnd Amyloid an Milz und Nieren. 

*} Crnveilbier. Atlas d'anat. path. Livr. XXXLX. PI. 3. Hg. 2 et 2'. 
") Virchow. Archiv. Bd. VI]. S. 1G5. Taf. U. Fig. 5-6. 
"•) £. Wagner. Archiv fllr ph^siol. Heilkunde. IHM. ü. 611, 61«. 



gii^osb/GoOt^lC 



144 DreiundtwuiiigBt« Vorlesung. 

(Naboths-Eier). Die mikroskopische üntersachang dieser etgen- 
tbümlichen Polypen, für welche Oldbam*) früher den Namen 
der kaaalisirten vorgeschlagen bat, ergiebt einen Ueberzug sowohl 
der freien Fläche, als der Taschen mit PSasterepithel , ähnlich 
dem vaginalen; die Substanz besteht zum gröseeren Tbeile aus 
dichtem Bindegewebe, welches an der Oberfläche in zahlreiche 
Papillen übergebt, und welches innen in wechselnder Menge 
Huskelfaeera enthält. 

Man wird daher nicht umhin kOnnen, als Äusgangsort dieser 
Geschwülste denjenigen Tbeil der Lippen anzusehen, welcher 
unmittelbar an das Orificium e&ternnm stOsst und dessen An- 
schwellungen so oft mit partieller Inversion der Cervical-Schleim- 
hant (Ectropium) verbunden sind. Die verh&ltnissm&esige Grösse 
der Drüsentaschen und Naboths-Eier legt zugleich den Gedanken 
nahe, dass die VergrSsserung dieser Gebilde ein nicht unerheb- 
liches Moment für die Ausbildung der Hyperplasie abgiebt. 
V. Scanzoni**) bat gegen diese von mir aufgestellte Ansicbt 
angeführt, dass in manchen Fällen von Hypertrophie der Vaginal- 
portion die Wucherung der Follikel fehle; in einem Falle, wo 
die vordere Lippe nahe an 4 Zoll lang gewesen, habe das resecirte 
untere, etwa 2 Zoll lange Stück keine Zunahme der Schleimbälge 
an Zahl und Grösse gezeigt. Dieser Einwand trifft jedoch die 
Sache nicht. In der That giebt es zwei verschiedene Arten der 
Hyperplasie der Lippen, bei deren einer die Veränderung an 
den Drüsen in den Hintergrund tritt, indem eine mehr gleich- 
massige VergrOsserung aller Gewebe der Lippe erfolgt. Soweit 
meine «igenen Beobachtungen reichen, unterscheidet sich diese 
einfache, aber gleichmässige Hyperplasie der lippen von der 
tonsillenfflrmigen dadurch, dass sie breiter aufeitzt und schon 
äusserlich mehr eine einfache Fortsetzung der Lippe bildet, 
während die tonsiUenfOrmige meist eine schmalere Basis, zu- 
weilen -geradezu einen engen Stiel besitzt und das volle fiild eines 
Polypen darbietet. In dem ersten Falle der Art***), den ich 
zu untersuchen Gelegenheit hatte, war die gestielte, 6—7 Zoll 
lange und daumendicke Geschwulst bis vor die Genitalien hervor- 



•) Oldham. Quy'B Hosp. Bep. VoL II. 

") F. W. Ton ScftDZODi Die chronische Hetritis. Wien. 1868. S. 46. 
***} Seh«ller n. Virchow. Verhandl. der Berliner gebnrtah. OesellBch. 



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Klongation der VagiDAlportioii. 145 

getreten and bot das Aussehen einer TergrDsserten GlitoriB dar. 
Diese gestielten, eigentlich polypösen Hyperplasien besitzen zu- 
gleich meist ein dickeres, kolbiges Ende, während die einfachen 
h&nfig ganz spitzig auslanfen. 

Aber ich bin sehr zweifelhaft, ob diese beiden Arten der 
polypösen Hyperplasie von einander getrennt werden dürfen. 
Ea scheint mir vielmehr, daee unmerkliche Uebergllnge ewischen 
ihnen bestehen. Mir ist wenigstens noch kein echter Polyp der 
Portio vaginalis vorgekommen, der nicht an seiner inneren Fläche 
etwas Follikuläres gehabt hätte. Unsere Sammlung besitzt ein 
sehr schöDes Präparat*), wo ein Answnchs von 5 Cent. Länge 
TOD der vorderen Lippe abgetragen wnrde. Die Schnittfläche hat 
2 Cent. Durchmesser, ist sehr fest und zeigt grosse Geßisslumina. 
In einer Entfernung von 2 Gent, von der Schnittfläche spitzt sich 
der Answnchs zn und schwillt dann von Neaem in ein dänneres, 
an seinem stärksten Theil 1,5 Cent, breites, mehr abgeplattetes 
Stack an, welches mehrere Seitenanswächse besitzt. Alle diese 
Theile sind mit derbem Pflaster-Epithel aberzogen, und scheinen 
ziemlich glatt, aber bei genauerer Betrachtung findet sich an der 
inneren Seite eine Reibe kleinerer Abschnitte, welche mit zahl- 
reichen Gruben und Täschchen versehen sind und theila der Ton- 
sillen-, theils der Schleimhautfläche des Utemshalses gleichen. 

Diese Form bildet den üebergaog zn der gewCbnliidien Ver- 
längerung (Elongatio) oder der allgemeinen Hyper- 
plasie der Vaginalportion**), welche so oft unter dem 
Bilde des Prolapsus auftritt.' Der zu Tage kommende Theil ist 
hier relativ achmal, wie er bei dem gewöhnlichen Prolapsus nicht 
vorkommt: Simpson***) vergleicht ihn passend mit einem 
HandscbuhSnger oder einer Kuh-Zitze. 

Diese bleibenden und zum Theil geradezu geschwulstartigen 
Hyperplasien scheinen aus Schwellungszuständen hervorzugehen, 
welche nrspränglich noch bedeutender Verkleinerung und Rfick- 
bildnng &hig sind. ' Schon die blosse Ruhe in der Rfickenlage 



*) Piipuat No. ICO vom Jahr« 1860. Geschenk des Dr. Hofmeier. 
**)G. BraDn. Wiener Ued. Wochenschr. 1859. No. 80. S. 182. Gree 
balü. Lond. ObBtetrical TniieacL Vol. V. p. 199. 

**•) XftT. Bichftt Anatomie pathol. Faiie. 1826. p. 249. Simps< 
L c. Vol L p. 72. 

10 



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146 Dreinadtmuicigste Vorleting. 

w&brend kflrzerer Zeit bedingt eine starke Abnahme des üm- 
fanges*). Es erklärt sich dies durch den, aach für die Operation 
bemerkeDBwertben umstand, dass selbst durch eioBD dannereii 
Stiel IQ der Regel stSrkere Arterien eintreten, welche in der Ge- 
schwnlst zahlreiche, enm Theil spiralförmige Windangen machen 
und einer bedeutenden Schwellung zugänglich sind. Daher tritt 
auch häufig mit einer Schwangerschaft, wie schon Kennedy be- 
merkte , eine bedeutende V ergrössening der Hyperplasie ein. 
Wenn auch sugestanden werden kann, dass die Entbindung ein 
wichtiges ätiologisches Moment**) abgiebt, so ist es doch fraglich, 
ob gerade Einrisse des Mutterhalses ***) bei der Gebart für die 
polypenartige Entwickekng der Hyperplasie bestimmend sind. 
Mir scheint dies nicht ganz richtig zu sein, obwohl icb den 
grossen und auch für die Hyperplasie des prolabirten Utems so be- 
deutenden Einfluss des Puerperiums, einschliesslich des Abortuaf), 
vollkommen anerkenne. Der von Wagner ff) berichtete Fall, 
wo sich während der Geburt selbst eine wallnussgrosse, sehr 
blutreiche Geschwulst spontan getrennt hatte, die schon gegen 
das Ende der Schwangerschaft bemerkt worden war, beweist in 
Beziehung auf Aetiologie nichts. SzukitBfff) beschreibt ja 
einen Fall, wo bei einer Puerpera eine nnssgrosse, dnnkelrothe 
Geschwulst vor den Genitalien lag, die sich als eine polypen- 
förmige Verlängerung der vorderen Lippe (Si" lang) aoswiM-, 
dieselbe war 3 Wochen vor der Geburt zuerst hervorgetreten. 
Binnen 6 Wochen bildete sich die ganse Anschwellung bei ex- 
spektativem Verhalten freiwillig zurück. Bei solchen Erfabrnngen 
darf man dem Puerperium um so weniger eine eDtscheidende 
Bedeutung beilegen, als Vergrösserungen der Vaginalportion aocb 
bei Jungfrauen vorkommen *f). 

Betrachten wir nunmehr diejenigen Geschwülste des weib- 
lichen S^ual- Apparates , in welchen die Muskulatur einen gans 
erhebliehen Antheil und der Masse nach wenigstens im Anfang 

*) Herpiu. Gu. mid. de Pkris. 18fi6. No. 3. p. 18. 
") 0. Scholz. Kliaiache Stadien Qber die Wii^nng der StfthlbSder in 
der GTiiäkolo{;Je. Berlin. 1862. S. 68. 

*") KiwiBch. Klinische Vorträge fiber spec. Pftth. n. Ther. der Krankh. 
des weibl. Geschlechts. Pra^. 1851. Abth. I. S. IST. 

i) A. Latiel. De aten h^pertrophia. Diss. inmug. Gryph. 1668. p. 23. 
tt) E. Wagner a. a. 0. S. 5W. 

ttt) Siukite. Wiener Ued. Wochenschr. 1866. No. 83. S. 017. 
*4) Klob. Pathol. Anat. der welbl. Seinalorgane. Wien. 1864. 8.188. 



)vGoo<^lc 



Myome des UtoniB. X47 

die am meisteo charakteristiBche Substanz derselben darstellt. 
Ihr gewöhnlichster Sitz ist der Theil des Uterus, der an Musku- 
latur am reichstea ist, oehmlich das eigentliche Corpus uteri, 
während das CoUam, welches weniger Uuskulatur besitzt, auch 
sehr, viel seltener davon eingenommen wird; nächstdem folgen 
die anderen Theile des Apparates, welche Muskulatur haben. 
Letztere findet sich ausserdem noch an der Vagina; sie findet 
sich in einzelnen Zfigen in den Ligamenten des Uterus, sowohl 
im Ligamentum latum, als in den Alae voBpertiliODum*). Sie 
findet sich, wenn auch in geringerer Verbreitung, im Ovarium **), 
hier meistens die Gefösse äusserlich begleitend. Von allen diesen 
Theilen kann unter Umständen die Bildung solcher Gesehwülste 
aasgehen, und es giebt daher am häufigsten Myome dos eigent- 
lichen Uterus, seltener des Collum, sehr selten der Vagina, 
h&nfiger der Ligamente und noch häufiger des Ovariums. Alle 
diese anderen Formen sind jedoch von geringerer Bedeutung, 
weil sie meistens auch nicht entfernt die umfangreiche Entwicke- 
luig erreichen, welche die Geschwfilste des eigentlichen Uterus 
erfahren. Halten wir uns daher zunächst an diese. 

Die Lehre von den Utemsmyomen hat sich trotz der Häufig- 
keit dieser GeschwUste und, obwohl fast alle möglichen Formeo 
dersdben seit langer Zeit bekannt sind, überaus langsam und 
eigentlich erst in unserem Jahrhundert zu einer zusammen- 
hängenden Auffassung gestaltet. Wahrscheinlich bezieht sich auf 
Geschwülste dieser Art die alte Bezeichnung des Scleroma***), 
welche jedoch nie allgemeine Anerkennung gefunden hat; im 
Gegentbeil sind daneben alle möglichen anderen Bezeichnungen, 
namentlich die des Scirrhns, des Sarcoma und Osteosarcoma, des 
äteatoma und des Tuberkels gebraucht wordenf), jedoch so wenig 
bewnsst, dass dieselben Autoren zuweilen verschiedene Namen für 
vuwhiedene Fälle derselben Geschwulstart in Anwendung zogen. 
Je nach dem Grade der Härte und Festigkeit erhob man die ein- 



*)Tirehow. GellDUrpmthologie. 8. Anfl. S. 112. 

**) Aeb;. Reicherfs nnd du Bois' Arcbi*. 1861. S. 635. Taf. XIV. £. 
Gcobe. Heia Archif. 1868. Bd.^XVI. S. 378. 

***) Qftlenai. DeGn. med. Scleroma oteri est tnmor subdams in aliqu 

uteri inrte eiortnB, qni plernmqae ei dintarniB inStunmationibus nucitoT. 

t) H. P. KrQll. Dias, med, inanf. de natora et cansis tnmorom Gbro- 

sornm ■teri. Oroening. 1836. p. 2. Walter. Deber fibrCge KffTpei' der 

GeUrmntter. Dorpat 1843. S. 15. 

10* 



)vGoo<^lc 



148 DreiDpdmniigflte Vorleannf. 

zelnen Stadien derselben Gescbwalstart zu ganz Terachiedeneo 
Species und Genera. Dazu kam, diies auch die poTypQsen Formen 
von den nicht polypösen abgezweigt wurden, was freilich praktisch 
richtig erscheinen mochte, jedoch trisBenschaftlich zu groBsen 
Irrthümera fShrte. Ueberdies stellte sich selbst ßir die poly- 
pösea Formen der Sprachgebrauch sehr langsam fest. Man sprach 
von Molen, Fungen, Excreseenzen*), und erst seit Ruysch"*) 
wurde der Name der Polypen, der bis dahin eigentlich nur f%r 
die Nasenpolypen gebräachlich gewesen war, auch auf die ana- 
logen Auswüchse des Uterus angewandt. Allein man behandelte 
nunmehr die Polypen für sich, indem man sie nach ihrem Bau 
in verschiedene Unters btfa eil uagen brachte und darnach in harte 
und weiche, schwammige, blätterige und rOhrige, fleischige oder 
sarkomatOse, schleimige, sehnige n. s. f. eintheilte. Baillie***) 
hob zuerst hervor, dass eine gewisse Art von Polypen des Uterus 
mit den „harten Knoten" vollständig fibereinstimme, jedoch erst 
Baylef) sprach ganz bestimmt aus, dass die tibrösen Körper 
in der Form von Polypen vorkommen. Der Name der Polypen 
hat seitdem, freilieb mit mancherlei Unterbrechnngen, allmählich 
aufgeholt, eine generische Bezeichnung zu sein; er drückt nur 
noch die äussere Erscheinungsform, nicht mehr das Wesen des 
Uebels aus. Da aber Bayle zi^eich die verschiedenen Stadien 
der fibrösen Körper in einen genetischen Zusammenhang brachte, 
so ist ihm das Verdienst zuznschreiben, zuerst die Einheit des 
krankhaften Vorganges klargelegt zu haben. 

Wie an anderen Muskelhäuten, so unterscheidet man seit 
Bayle auch am Uterus dreierlei Formen je nach .dem Sitz der 
Geschwülste. Zuerst solche, welche gegen die Höhle des Uterus 
hervorwachsen, und welche die sogenannten fibrösen, oder, wie 
man genauer sagen sollte, myomatöseo Polypen des Uterus 
bilden. Zweitens diejenigen, wo die Geschwulst gegen das Perito- 
näum bervorwächst und ähnliche polypöse Entwickelangen 
gegen die Bauchhöhle hin bildet. Drittens diejenigen, welche 



*) CftTol. Goil. Mayer. De polypis uteri. Diaa iokug. Berol. 18S1. 
p. 8— U. 

") Rnvflch. Obfler». anat. 6. 

*") Baillie. Aofttomie deg knukbaften B>a«s. Berlin. 17M. 8.217. 
t) Bayle. Joarn. Ae mid. chir. pharm. Ad XI. T. V. p. 66. Dict des 



mMicalei. Paris. 1813. T. VI 



pbar 

ii. p. 



„Gooi^le 



Formen der Utero Bra)'ome. 149 

in der Wand selbst eiDgeechlossen bleiben, und die man gewöhn- 
lich unter dem nicht sehr zweckmässig gewählten, aber doch reci- 
pirteo Namen der interstitielleo beseichnet hat. Interstitiell 
soll hier nicht beissen, daes dau interstitielle Gewebe der Aus- 
gang ist, sondern dass sie zwischen der Schleimhaut und der 
Serosa mitten drinnen liegen, in der eigentlichen VTaad sich 
befinden, Simpson*) nennt sie intraroural. Sie entsprechen 
den von mir (S, 116) als intraparietale, intramuscul&re 
oder autochthone bezeichneten Formen, während die Polypen 
der inneren und äusseren Oberfläche, die submncösen und 
snbserSsen, zusammen die extramusculären Formen dar* 
stellen. 

Es kommt jedoch nicht selten vor, dass die drei Formen 
aeben einander bestehen **), oder dass wenigstens zwei von ihnen 
an demselben Uterus zugleich vorhanden sind (Fig. 319); allein 

Pig. 3\3. 



Fig. 219. Ä US einand ergeklappter Durcbscbuitt eines mvomaUIson Uterus. 
Hau sielit bei >t ein polypöses Myom, welches Id die stftrk dilatirte HOhle des 
Uteras bineiobSn^t und welcbes vod der biuteren Wand ausgeht; nacb rocbts 
bin die Ausatistelle. In der stark hjperplas tischen und mit grossen üet^sseu 
durchzogenen Wand L des UternB, nach oben und ?orn, sitzt ein grosses 
iniraparietales (interstitielles) Myom c-, an welchem man die filzig-knotige 
Znummensetzans deutlich erkennen kann. Pr3|>aral No. 35 vom Jahre 1859. 
ausser den erirähnten giebt es norb mehrere, in der Zeichnung nicht nicht- 
üare Uyooie an dem Uterus, einige subserüs gelegen. Der grosse Tumor 
migst 19 Gent, in der grösstcn Höbe, U in der grössteu Breite. 

*> Simpson. Obstetric memoirs. Vol. 1. p. 117. 

"j Titelkupfer Fig. 2 u. 5. 



)vGoo<^lc 



J50 Dreiund£W»Diigste Vor)«8BDg. 

je mehr anflgesprochen der intraparietale Charakter ist, am so 
mehr findet mao gewöhnlich eine einfache Bildung, eine SolitSr- 
geechwnlst, während bei den anderen Formen sehr b&nfig multiple 
Eraptionen vorkommen und in manchen F&Uen eine grosse Zahl 
solcher Geschwülste an allen Theilen des Utems hervorw&cbst*). 
Zuweilen sind 6, 13, 20 Myome gleichzeitig an einem Uteras vor- 
handen; Eiwisch and CruTeilbier**) zäblt»i deren bta 40. 
Diese Maltiplicit&t ist analog der Maltiplicit&t der Fibrome (Bd. I. 
S. 351) und Lipome (Bd. I. S. 389); es ist immer dasselbe Mutter- 
gewebe, welches sie bervorbringt, and die MnltipUcit&t bedeatet 
nur, dass der pathologische Reiz, welcher die Geschwulstbildang 
indacirt, verschiedene Tbeile des Organs betrifit. 

Was die Bedingungen angebt, so weiss man darüber wenig. 
In der Mehrzahl der Fälle entwickeln sieb die Geschwülste in 
der zweiten Hälfte des Lebens; sie finden sich niem^ Yor der 
Pubertät und selten bei jungfräulichen Individuen in der früheren 
Zeit des Lebens***), aber allerdings ausserordentlich häufig f) bei 



•) Titelknpfer Fig. 4. 

**) Riwiich a. a. 0. S. 419. Oruveilbier. Trait^ d'aDat. path. eioer. 
T. ni. p. 666. 

■*■) Bajie (Dict des bc. m^d. T. VII. p. 72—78) giebt an, dass ec keioe 
fibrOeen Kflrper bei Frauen gegeben babe, die jDnger als 80 Jabre waren; 
die Uehnahl waren mehr als 60 Jahre alt Unter 100 Frauen tod mehr als 
35 Jabren rechnet er wenigstens 20, bei denen diese GeschwOlste TorlconimeD. 
Joh. Fr. Meckel (Bandb. der pathol. Anat. II. 3. S. 251) fand sie nie nnter 
dem 60BteD Lebensjahre. Rokitansky (Lehrb. der pathol. Anat. Wien. 
1865. Bd. HI. S. im) sagt, daas sie kaum Tor dem SOsten Jahre vorkommen, 
dass sie auch noch ober dem SOeten Jahre gelten sind, nnd dass sie erst 
mit dem 40 Jahre häufiger werden. Die procentiscbe Sch&tznng Barle's 
hSlt er eher für zn niedrig. Crnveilhier (Traitö d'anat path. gänör. T. III. 
p. 665) faud einmal bei einem 36jährigen HSdcben eine VergrOssemng dee 
Uterus durch eine solche Qeecbwu ist, die bis zum Nabel reichte. MnrAran 
(Lecons ctin. sur loa maladies de Tutdrus p. B6S) weicht von der allgemeinea 
Ansicht ab, indem nach seiner Meinung die Fibroide im Durchschnitt scboD 
frQb, vielleicht schon vor dem SO. — 30. Jahre entstehen. Er bemft sieb 
jedoch nnr auf krankhafte Erscneinnngen, welche die Anamnese lieferte; die 
pathologisch -anatomische Beobachtung widerlegt diese Auffassung. 

+) Schon Bayle (Jooru. de miA. T. V. p. 68) betonte den Oberwie- 
geoden ' Einfiase de« COJibats anf die Entwickelang der GbrOsen Körper. 
Dnpnytren (a. a. 0. S. 198) hat diesen Satz auf Grnad statistischer Zu- 
Bsmmenstellnngen scheinbar mit Kecbt bestritten, indem' er nachwies, dass 
unter 58 Ffilleu 54 verheirathete oder wenigstens nicht mehr jungfrluliche 
Personen befindlich waren, dass ferner unter 61 Franen nnr 9 waren, welche 
nie geboren hatten. Unzweifelhaft folgt ans dieser ZnsammenBtellting, was 
Bayle leugnet, dass mehr Fälle von Myom bei Personen vorkommen, wekbe 
den Beischlaf geObt nnd Kinder gehsbt haben, aber um statistisch in be- 
weisen, dass alte Jungfern mehr zu Myom dieponiren, als Personen, die 
geboren haben, mDsste eine Zusammenstellung gegeben werden, welche das 



g,:,7.= b,G00'^lc 



OrMteheD d«r DteriiBiiiyoine. 151 

jasgfrfiiüicben ladiTidneii in den Bp&teren Jahren. Wenn man 
daher in eioem gewiaeeo Sinne sagen kann, dasB die Gravidität 
wie eine Ableitung fßr solche Zust&nde erscheint, so darf man 
doch nicht annehmen, doBs jede Gravidität einen günstigen Ein- 
flnSB hat. Dapnytren*) zählt unter 51 myomatQsen Frauen 
39 verhetrathete, von denen die meisten mehr als 3, viele mehr 
als 5, und mehrere 7, 8 oder 10 Kinder gehabt hatten. Auch 
ist es vielfach constatirt, dass die Schwangerschaft das Wachs- 
thnm vorhandener Myome in hohem Maasse beschleunigt**). 
Venu man nun auch nicht einfach behaupten darf, dass dieselben 
Üraai^en, welche eine bestehende Geschwulst zu stärkerem Wachs- 
tham anregen, ihre erste Bildung bedingen, so wird man doch 
Dicht umhin kftnnen, eine gewisse Analogie der Reize^ zuzugestehen. 
Für die Uyome hat dieser Gesichtspunkt um so grossere Bedeu- 
(oog, als bei grossen intraparietalen Knoten der ganse übrige 
ütenukOrper sehr häufig eine Zunahme erfährt, welche in ihrer 
Erscheinang und Entwickelung mit der VergrOsserung des schwan- 
geren ütems ganz und gar übereinstimmt. In selchen Fällen all- 
gemeiner Hyperplasie des Uterus stellen eich die Myom-Knoten 
snr als noch weiter an^ebildete Partial- Hyperplasien dar; der- 
selbe Vorgang, welcher das Geeammtgewebe des Organs triEFt, 
steigert sich an einzelnen Stelleo desselben zu ganz besonderer 
Hfthe. 

Der irritative Charakter der Hyombildung, der ganz unzwei- 
felhaft vorhanden ist, kann jedoch unm&glich auf einen physiolo- 
gischen ReizzDstand, wie ihn die Schwangerschaft setzt, znrllck- 



VerblhniM flinereeite der bei »Iten JaoEfera Torkoramenden Myommie za 
der fttMolnteo Zafal der Alteo JanKfarn, andereraeits der bei Fnuea, die 
siebt geboren haben, vorkommeDden m der abaolatea Zahl der Fraueo, 
welche geboren haben, fegtstellt. Erst die Vergleichnng dieser beiden Ver- 
hÜUiaBMblen vtlrde eine genOgeode Onrndlage fQr ein sicheres Urtheil ge- 
statten. Aber vir ajad fern davon, eine aolcbe Genauigkeit der Geschwuüt- 
Ktatiatik erreicht in haben, nnd ich kann daher nnr nach dem allgemeinen 
Kadmck meiner Erfahrnngen erklkren, daaa ich die Leichen weniger alter 
Jnngfem nntersncht habe, bei denen sich nicht Üjotae gefunden hStten, 
wibrend bei vielen Fraaen, die geboren hatten, auch im Greiaenalter der 
Ctern« frei geblieben war. Auch Job. Fr. Meckel (Haadb. der path. Anat 
II. 2. S. 252} spricht sich fQr die PrSdisposition der alten Jungfern aus; 
Craveilhier (Trait^ d'anat. path. g^n^r. T. III. p. 66&} ist wenigstens ge- 
neigt, die Unfruchtbarkeit als Disache grCsierer lUnflgkeit aniaerkeaoeD. 
•) Dupnjtren a. a. 0. S. 198. 

") Rokitansky. Handb. der path. Anat. Wien. 1Ö42. Sd. U. S. 648. 
Kiwiscb a.a.O. S. 428. 



gii^osb/GoOt^lC 



152 DreinndiwuHigste VoriesoDg. 

geftlbrt werden. Vielmehr werden wir zur Erkl&rnng des Vor- 
gangee immer ein krankhaftes Moment heransiehen müssen, and 
dieses kann entweder auf eine ungewßbnliche HObe des Ortlichen 
Reizes, oder auf einen Schw&chezustand der betroffenen Stelle 
(Bd. I. S. 64) bezogen werden. In die erstere Kategorie ge- 
hören die Fälle, wo bei einer partiellen Reiznng der Schteim- 
baat ein Theil des anstoseenden Utemsparenchyms mitergriffen 
wird, wie man so oft nnter und neben HoUnsken der Schleim- 
haut Myome entstehen sieht (Bd. I. S. 241. Fig. 38). In die 
zweite, wafarscbeinlich viel grossere Kategorie z&ble ich die F&lle, 
wo die GeschwnlstbilduDg in einem Uterus stattfindet, dessen 
Wand irgend eine Mangelhaftigkeit der Einrichtung besitzt Diese 
Mangelhaftigkeit mag eine ursprüngliche sein, wie sie durch cbloro- 
tische Zustände schon vor der Pubertät*) angelegt wird. Sie mag 
durch Abortus oder Puerperium erworben seio, indem der UteruB 
an einzelnen Theilen sich nicht yollständig und regelmässig znrück- 
bildet. Sie mag durch Mangel an Gebrauch (S. 124) hervoi^e- 
bracht sein, indem jede MenstmatioD einen gewissen Wachstbam- 
reiz setzt") und die krankhafte Meostniation, welche so oft bei 
sterilen oder nicht zur ConceptioD gelangenden Frauen besteht, 
diesen Reiz in noch höherem Maasse mit sich bringt. Sie mag 
durch die Betheilignng des Uterus an krankhaften Vorgängen 
der Nachbiuorgane erzeugt werden, was durch die häufige Coin- 
cidenz von Myomen des ütems mit Geschwülsten der Eierstocke, 
besonders Kystomen, mit Krebs des Collum u. a. f. angezeigt 
wird. Sie mag endlich axiB Lagerei^nderungeD des Oi^ane her- 
vorgehen, wofür insbesondere die so häufige Bildung von Myomen 
in prolabirten Gebfirmüttem"*) spricht. 

Wenn es auch unmöglich ist, in jedem einzelnen Falle ein 
bestimmtes Moment dieser Art festzustellen und namentlich für 
jeden einzelnea Knoten nachzuweisen, wodurch seine Entatehang 
bedingt ist, so wird man doch daran festhalten müssen, dass 
jedesmal irritative Zustände als Grund angenommen werden 
müssen, unsere Unsicherheit erklärt sich hinreichend daraus, 
dass die klinische Untersuchnng fast ausnahmslos ungeeignet ist. 



•) Virchow. C6lloUrp»thologie. 3- Aufl. S. 211. 

") Virchow. Verhandl. der Berliner gebortshOlfl. GeMllBch. Bd. III. 
S. 173. Gesammelte Abhuidl. S. 719. 
"'} Prlpante No. 166 o. 866 vom Jkhre I8&8, No. 44 vom Jabre 1861. 



)vGoo<^lc 



Entwickelung der UteniBaiyome. 153 

die Zeit der ereten Bildung der Myome festzastellen ; erst, wenn 
die GeBchwaiate eine gewisse Grfisee erreicht haben, werden sie 
der ErkeoDtniBB des Arztes an der lebenden Pratt zngäoglich, 
und nnr die pathologische Anatomie ist in der Lage, die kleinsten 
Anfänge der Knoten wirklich aufsafinden. 

Aber selbst die pathologisch •anatomische UntersuchuDg hat 
lange Zeit keine brechbaren Anhaltspunkte gewahrt, weil man 
sich in sehr an die grosseren Geschwälste hielt und die kleinen 
Anßage unberücksichtigt Hess. So erklärt es sich, dass selbst 
Bayle und seine Nachfolger ganz besonderen Werth darauflegten, 
dwB eine wirkliche Gontinuit&t zwischen den Myomen und der 
Dtemssubstanz nicht bestehe, daes vielmehr die fibrösen KOrper 
rar eingeschachtelt (enchatoanes) in der Uternssubstanz seien*). 
Immer wieder wurde der Gedanke der Entwickelung des Myoms 
aoB der Cternesnbstänz heraus zurückgewiesen. Eine wesentliche 
Aendemng der Auffassung wurde erst dnrdi die histologischen 
UatersucbnngeD herbeigeführt 

Vogel**) war der erste, der durch mikroskopische Unter- 
saehong den Nachweis führte, dass die Zosammenaetznng der 
Ctemsfibroide dieselbe sei, wie die der Uteritswand, dass ins- 
beBondere Msskelfasem in grosser Menge darb enthalten seien. 
Seine Untersuchungen sind nachher durch zahlreiche Beob- 
achter***) bestätigt worden, aber sie hatten zunächst keine 
wesentliche Aenderung der Auffassung zum Gefolge, weil man 
die jungen Muskelzellen ans einem neben den alten Elementen 
ibgelagerten Cytoblaatem entstehen liees und auf die Continuit&t 
der Theile kein Gewicht legte. Simpson f) trug kein Bedenken, 
die Fibroide für locale Hypertrophien zu erklären, aber meines 
Wissens bat Tor mirff) kein Beobachter den Versuch gemacht, 

*) Bar le. Joain. äe mii. T. V. p. 66 Dict. d«g sc. m4d. T. VII. p. 72. 
CraTeilhier. Traite d'Mat patb. g^ndr. T. III. p. 654, 669. 

") JoL Vogel. Icones histol, patb. Llpa. 1843. Taf. (V. fig, 5, 6 ß, 7-Ö. 
T»b. XXm. fig. 10-11. 

***) ScbrSder raa der Kolk.. AnteekeD lagen van het verband- vaD 
li«t ProT. Utrecht. Geaootschap. I84T. Janrj. Bristoire. Transact. of tbe 
Path. Soe. Und. 1868. Vol. IV. p. 218. fig. 5— 7. Handfieid Jones. Brit 
aod foreign med. chir. Review. 1854. Oct. p. 330. IfeBchl. Compendium der 
allg. n. spec. pathol. Anatomie. Wien, 1855. S. 459. Lebert. Traite d'aaat. 
inth. Paria. IS-iT. T. 1. p 151, 175. PI. XXIV. fig. 1-6. R. Maier. Berichte 
in aatnrf. Gea. in Freiburg i. Dr. 1857. No. 21. Taf. VI. Fig. 2—3. 
t) Simpson. Obstetric memoire. Edinb. 1855. Vol. 1. p. 115. 
tt) Virchow. Wieoer med. Wocheuscbr. 1866. No. 7. 



)vGoo<^lc 



J54 DreinndzwmDEigBte Vorleeaig. 

all« Varietäten des Fibroids aaf beatimmte Zosande des Uterae- 
parenchyms zarflckznfflhren. üeberdies ist die Haaptfr^e,- die 
des organischen ZnaammenhangeB der GeBcbwnlBttheile mit den 
Faserzügen des Organs selbst, welcbe aach ohne mikroskopische 
Untersnchang sehr wohl zn ISsen ist, anfEallend vemachl&ssigt 
worden. 

Bei Intraparietat-Geschwülsten iBt dieser ZosammeDhang oft 
.überaus deutlich. Selbst ganz grosse Knoten hängen zoweilen 
in ausgedehnter Weise mit der CtemssubBtsnz zusammen. Unsere 
Sammlung besitzt ein Präpanit*), wo ein mannskopfgrosses Myom 
der hinteren Wand mit seiner einen Seite ganz and gar in einer 
so innigen Yerbiadung mit der Wand des Organs steht, daes eine 
eigentliche Grenze gar nicht xu bezeichnen ist Je weicher nnd 
muskelreicber die Geschwulst ist, um so deutlicher ist dieses 
Verhältniss der Connexit&t; je h&rter und fibrOser sie wird, um 
so mehr schwindet der Zusammeohaog. Estramuskul&re U;ome 
erscheinen daher meist als blosse Nebenknoten der Uuskelwand, 
wenngleich in j&ngeren Stadien auch bei ihnen die Verbindung 
leicht erkenntlich ist und erst mit ihrer zunehmenden Dielocation 
die ursprünglichen Faserzüge durch Atrophie schwinden. 

Die Wand des'Utems besteht in ihrem mittleren Theile ans 
zahlreichen Zügen von glattzelliger Muskulatur, welche sich viel- 
fach verfilzen und durchflechten, und deren ZwischeniAume von 
interstitiellem, gefässhaltigem Bindegewebe eingenommen werden. 
Innerhalb der einzelnen Züge oder Balken findet sich ebenfalls 
noch eine spärliche Bindesubstanz mit wenig Gefässen. Kommt 
es nun zur Entwickelung einer Geschwulst, so sieht man einzelne 
solcher Züge nicht mehr gleichmässig fortgehen, sondern an ge- 
wissen Stellen anschwellen. Wenn man ein solches Bündel isolirt, 
so zeigt es in seinem Verlaof eine Anschwellung, wie ein Nerv 
bei einem Nenrom. Mit der zuoehmenden Zahl der Muskelhsern 
wQlbt sich allm&hlich die Stelle als knotige Anschwellung hervor^ 
die jedoch noch immer mit dem fibrigen Gewebe zusammenhängt 
und sich nacb zwei Seiten hin in das Wandgewebe verfolgen läsgt. 
Je stärker das Wacbsthnm wird, um so mehr verschiebt sich die 
Geschwulst in dem Gewebe ; dabei geschieht es leicht, dass, wenn 
die Geschwulst der einen oder anderen Oberfläche des Organs 

*) Pr&pant Mo. 310 fom Jahie 1663. 



)vGoo<^lc 



ContinuiUt der Myome mit der Dternfleubstani. ]55 

näher liegt, sie in Form eines Knoteos gegen die Schleimhant 
oder das FBritODSnm bervortritt und sieb endlich als Polyp her- 
TorstQlpt. Auch dieser hat anfangs noch seine Yerbindangen mit 
der Hnskelwaad ; selbst wenn er schon gestielt hervorhängt, geht 
die Schleimhaut oder die Serosa über den musknlOsen Stiel 
hinweg, durch welchen er aus der Muskelwand seine GefUsse 
empfängt. Später ers^ wenn die Geschwulst sich immer weiter 
heraasstülpt , kann es sein, dass endlich die Muskulatur in dem 
Stiel atrophirt und dass dann die Geschwulst als eine wirklich 
ToUstSndig isolirte neben der Muskelwand des Uterus liegt and 
mit ihr nur dnrch eine Schicht von lockerem Bindegewebe im 
Zusammenhang steht. Auch in dieser Beziehung haben die 
Myome die grösste Aehnlichkeit mit den submucJlsen und sub- 
BerOsen Lipomen (Bd. L S. 382). — Die intraparietalen Formen 
ethilten begreiflicherweise ihre Verbindung leichter. Jedoch 
kommt es auch hier, zuweilen schon bei sehr kleinen Knoten, 
Tor, dass sie sich mehr und mehr isoliren, indem die Verbin- 
dongsbalken atropbiren. Meist hängt dies mit der zunehmenden 
Induration der Myome zusammen. Je härter und fester sie sind, 
un 60 toser liegen 'sie in der Wand; zuweilen sind sie von so 
lockerem Bindegewebe eingehüllt, dass man sie mit der grSssten 
Leichtigkeit auslesen (enucleiren) kann. 

Ganz ähnlich, wie mit den MuBkelfaaern, verhält es sich auch 
mit den Gefässen. Ursprünglich besitzen die Uterusmyome Arte- 
rien, Venen und Gapillaren, ja nach Dupuytren *) auch Lymph- 
gefässe in reichlicher Anzahl. Bleiben die Verbindungen mit der 
Nachbarschaft erhalten, so bleiben es auch die Gefässe, nnd man 
findet daher in weicheren Intraparietal-Myomen dieselben in zu- 
weilen sehr kräftiger Entwickelung. Je mehr die Verbindungen 
mit der Nachbarschaft sich jedoch lOsen, am so spärliilier werden 
aoch die Ge&sse, bis sie sich zuletzt auf ein Minimum reduciren**). 
Auch hier sind es wieder die Fibromyome, in wel':he selbst bei 
sorgfältiger Injektion kaum eine Spur von Injektionsmasse ein- 
dringt. So erklären sich die grossen Verschiedenheiten in den 
Ergebnissen der verschiedenen üntersucber, auf welche ich früher 



■) DiipiiTtT«D a. ».0. S. 190. 
— " -' ' 'i mii. T.V. , 

Ib. d«r p>tb. Aokt. IL 2. S. 248. 



•*) B.Tle. Jouro^ de mid. t. V. p.«5. Dict dexBC. m^d. T. VH, p.71. 
Joh-Fr. Heckel. ~ - ^ — 



gii^osb/GoOt^lC 



156 Dninndswutiigst« Vorleaang. 

(S. 111) hingewiesen habe, und welche schoo lange bei' der Frage 
von der Vaskularisation der Polypen*) in gleicherweise bervor- 
getreten sind. Leyret, Pallas u. A. wollten in den TJterus- 
polypen Arterien beobachtet haben, während Andere sie gänzlich 
leugneten. Für das operative Verfahren ist diese Frage begreif- 
lich von nicht geringer Bedeutung, da ein continuirlidies Myom 
in seinem Stiel starke GefSsse haben kann, die bei der Operation 
eine grosse Blutung liefern, während ein dtBcontinuirlicbes fast 
ohne alte Blutung entfernt werden kann. 

Was die Nerven betrifft, so ist darüber wenig Genaues 
bekannt. Schon Astrac**) hat angegeben, im Parenchym von 
Polypen Nerven gefunden zu haben. Dupuytren*") schlosB 
auf die Anwesenheit organischer Nerven ans der Schmerzhaitig- 
keit, welche sich in entzündeten Polypen entwickelt. Bidderf) 
fand jedoch gerade in einem grossen Fibroid einmal eine doppelt 
contourirte Nervenfaser von 0,015 Mm, Dicke. 

Im Allgemeinen kimn man also festhalten, daee die Myome 
ursprünglich jedesmal Answüchse nnd Anschwellungen der Mnskel- 
faserzüge des Uterus darstellen, wobei Gefässe und Bindegewebe 
mitbetheiligt sind. Je nach der GrOsse der Betheilignng dieser 
einzelnen Tbeile wird die Gesammtgeschwnlst bald mehr musknlOs, 
bald mehr fibrOs, bald mehr vasculär sein; insbesondere werden 
schon von Anfang an gewisse Formen weicher, andere härter 
erscheinen. Später ändert sich die Sache, indem auch die 
weicheren Formen induriren künnen: ein Vorgang, der, wie 
bei den Strumen (S. 18), als eine Art von chronischer Entzün- 
dung zu betrachten ist, gewissermaassen eine Metritie myomatosa. 
Unter dieser Indnration schwinden die Muskelfasern, die Gef&sse 
verüden, und es entsteht ein zuweilen fast rein fibrüser nnd fast 
gänsltch geftssloser Enoten von äusserster Härte und ganz koorpel- 
artigem Ansehen. 

Es liegt daher auf der Hand, wie wichtig es ist, die pri- 
mären und seenndären Zui^tände der Myome von einander zu 
scheiden. Nur auf diese Weise ist es möglich, die Widersprüche 



') Vgl. die Literatur bei C. MaTer, De polypis uteri p. 15. 

*) AstTUC. Abhandlung von dco FraueDiimmerkraQltbeitea, deutsch 

„:,7.::b,G00'^lc 



n Otto. Dresden. 1776. Bd. III. S. 240. 
'■•) Dnpuytten a. ■- 0. S. 190. 
t) Walter, üeber fibrSa« KSipi 



SabserCae Uternsnjome. 157 

der Beobaehter xn lOseD und ein nach allen Seiten richtiges 
genetisches Bild zu gewianen. Dieses fiild wird jedoch erst 
dann ganz vollet&adig, wenn man zugleich die EigeBthflmlieh- 
keiten der Myome je nach den drei TerBchiedeneo Sitzen ins 
Aage best Bevor wir zu dieser Besprechung flbergebeD, mache 
ich nur darauf aufmerkeam, dass im Allgemeinen die folgenden 
Bemerkangen sich vorwiegend auf die Myome des eigentlichen 
Utenisklkrpers beziehen, da die Cervikal-Myome ziemlich selten 
nnd, entsprechend der schwächeren Muskulatur und der mehr 
fibrOsen Bescbafienbeit der Gervikalwand. Nach einer Zusammen- 
Btetlung von Thom as Lee *) gehörten von 74 Fällen von Uterus- 
fibroid nur 4 dem Collum an, w&hrend 22 in der hinteren oder 
Torderes Wand, 18 änsserlich, 6 innerlich am Fnndns sassen und 
19 die Hohle aasgedehnt hatten. 

Wir besprechen zuerst die subser&sen Formen, die man 
auch als äussere oder peritonäale Polypen bezeichnen kann. 
Sie beginnen in den peripherischen Schichten der Huskelwand als 
kleine Knötchen, bedingen anfangs eine seichte Anschwellung der 
Oberfläche, und erat bei weiterem Wachsthnm treten sie scheinbar 
ia das subserOse Gewebe, indem sie nunmehr eine rundlicbe Uervor- 
raguog der Oberfläche erzeugen**). Allmählich werden sie ganz 
UB der Muskelwand bervorgedräugt, und indem sie die Serosa vor 
sich her schieben, bilden sie einen Stiel***). Dieser letztere besteht 
ED äwserst ans der Serosa selbst, innen in der ersten Periode ans 
einer Fortsetzung der Mnskelwand. Ist diese Fortsetzung breiter, 
80 kann die Verbindung mit der Matrix längere Zeit fortbestehen 
nnd das Wacbuthum der GeBchwuIst pflegt dann längere Zeit fort- 
logehent)- Sie erreicht die GrOsse einer Wallnnss, einer Faost, 
eines Kindskopfes ff) und noch darüber. In anderen Fällen 
d^egen atrophirt in dem Stiel das Muskelgewebe, die GeHlSBe 
werden immer spärlicher, und es bleibt znletzt nur noch ein 
loses, snbserfiBes Bindegewebe. Eine solche Verödung kann in 
sehr veiBChiedenen Zeitepochen eintreten. Zuweilen geschieht sie 
schon sehr frühzeitig z. B. an erbsengrosseo Knötchen -j-ff); 



•) Th. Sufford Lee. GeBchvbUte der GebirmotteT. S.S. 
") Titelknpfer Kg. 2 a', Fig. 5. 
'") TiUlknpfer Fig. 2a. 
t) TiteUnpfer Fig. 6. 
ft) Dnpnytren «. ». 0. S. 214. 
ttf) Titelknpfer Fig. 2a. 



)vGoo<^lc 



158 DreioadiwuitigBte VarleBSng. 

anderemal erfolgt sie erst sehr ap&t z. B. ao f&nstgroesen Ge- 
schwülsten. Es h&Dgt dies wahrBcheinlicb von der mehr oder 
weniger oberöächlicheu Li^ der MuBkelaobichten ab, ans denen 
die nrBprüngliche Bildnng der Geschwulst erfolgt. Denn zuweilen 
entstehen die später aabserfisen Myome ans einer tieferen Mnskel- 
läge, and es kann vorkommea, dass selbst tn einer Zeit, wo sie 
schon beträchtlich über die Oberfläche hervorragen, sie noch von 
einer mit der Wand contiauirlich zusatamenbäogenden, nicht zar 
Geschwulst selbst gehörigen Schicht von Muskelgewebe über- 
zogen sind. 

Der Mehrsabi nach sitzen die äusseren Polypen am Fundus 
uteri, doch können sie auch tiefer herab bis in die Nähe des 
Collum*) vorkommen. Im letzteren Falle sind sie häufiger an 
der hinteren Wand. Gelegentlich kommen jedoch auch an den 
Seitentheilen des Uterus äussere Myome vor, die sich allmählich 
ausstülpen. Diese gelangen jedoch nicht auf die freie Fläche des 
Uterus, da die Seitentbeile von den breiten Matterbändem aber- 
zogen werden. Sie schieben sich daher in diese Ligamente hinein, 
und man findet sie neben dem Uterus mitten in den Ligameoten**), 
gleichsam als wären sie darin entstanden. Diese intraligamen- 
tSsen Uternsmyome sind jedoch von den primären Myomen 
der Ligamente wohl zn unterscheiden. 

Sehr selten sind die äusseren Myome des Uterus solitär***^ 
meist finden sieh mehrere oder geradezu vielef); mindestens be- 
steben fast immer gleichzeitig intraparietale oder innere Myome't~f-). 
Sie können daher als besonders gQnstige Beispiele fär die Uolti- 
plicität dieser Geschwulstform dienen. 

Der Mehrzahl nach gehören sie zu den harten Formen. Diese 
haben wiederum eine grosse Neigung zur Verkalkung, was wahr- 
scheinlich mit der Verödung der Geiässe und dem Aufhören der 
Ernährung zusammenhängt. Mehrere Autoren fft) berichten aach 



*} Titelknpfer Fig. 2a', Fig. 4. Vgl Hooper 1. e. PL IV. fig. 1. 
**] Titelkapfer Fig. 1. VgL RokitsDaky, Lehrb. der path. Anatomie. 
Wien. 1S61. Bd. UI. 3. 480. Klob a. a. 0. S. 168. 
•") Titelkupfer Fig. 6. 
t) Titelkapfer Fig. 4. 

ff) Titelkapfer Fig. 2, &. Vgl. Hooper 1. c. PL VL Ginge. Atlas der 
path. Anatomie. Lief. VIII. Taf. IV. Fig. 1. 

-Ht) Rokitanak;. Handb. der patb. Anat Wien. 1B43. Bd. III. S. 643. 
Simpson, Obstetric memoirs. VoL L p. llT. HoneL Hanna) d'aoat pstb. 
Paria. 1867. p. 699. 



)vGoo<^lc 



Botittitdoig der anbaerSaeQ Uternsmyome. 159 

TOD einer eadliehea Äblösniig des Stielea, so dass die Geechwfilste 
frei in die Banehhtthle fielen, wie wir es von den Lipomen wissen 
(Bd. I. S. 384). leb selbst habe einen solchen Fall niemals ge- 
sehen nad vergebens habe ich bei irgend einem Scbriftateller 
einen sicheren Beweis t&r das Vorkommen ganz freier Myome 
in der BanchhShle gesucht, so dass es mir fraglich ist, ob hier 
nicht eine Verwechselang mit freien Lipomen Torgekommen ist 

Grössere Geschwölste der Art geben oft Veranlassung zu- 
uDangenehmen ZofUllen, welche durch die Rollnng, Zermng und 
Reibnng, sowie dnrch den Drnck anf die Nachbartbeile ersengt 
werden. Nicht ganz selten entstehen dadurch entzündliche Zn- 
f&lle, welche znn&cbst das Bauchfell treffen nnd Verwaehenngen 
mit dem Netz, dem Dick- und Dünndarm u. s. w. bedingen. 
Dadurch entstehen neue Ern&bmngswege, indem sich dnrch die 
Synechien hindurch Anastomosen mit den Gef&sseo des Netzes 
und Darmes eröffnen. Sind die Hyome in dieser Zeit noch nicht 
Tttkalkt, was freilich Öfters der Fall ist, so beginnt nach der 
Verwachsung leicht ein neues Wachsthnm, das recht erheblich 
werden kann. Ja, es entstehen an den VerwaclisnngsBtellen zu- 
weilen heftigere EntzfindungszufÜlle, die zu Erweichungen und Ver- 
eiterungen führen. Vogel*) taaä bei einer 44jährigen Hagd 
eine von dem Grunde des Uterus ausgehende, zwei Mannsfäuste 
groBse Gescbwolst, die mit dem Netz verwachsen und an der 
Oberfliche von nnregelrnftssigen, mit Blut .und eiteifthnlichen 
Hassen erfüllten Hühlnngen durchsetzt war; ein Theil des Inhalts 
war dnrch Aufbrach in die Baachhühle ergossen und hatte die 
tCdtliche Peritoaitia erzeugt Rokitansky**) berichtet einen 
Fall, wo ein hühaereigrosser, gestielter Tumor in einen Eitersack 
umgebildet war, der an das Rectum angeheftet war und dasselbe 
nut drei Oeffnungeo durchbohrt hatte. 

Zuweilen kommt es auch vor, daes ein in AdhSsionen ein- 
gehüllter Tomor in seinen Verbindungen mit dem Uterus so weit 
redueirt wird, dass er scheinbar frei in den Adb&sionen liegt**'). 
Dies geschieht namentlich in der Betrouterinal-Gegend. Roki- 
tassky-f-) nimmt an, dass in solchen F&Uen der Tumor zaerat 

*)JaL VogaL Icoaes bist. path. p. 14. 
**) Rokitansky. Uhrb. der path. Anat 1861. Bd. UI. S. 483. 



**^ PApanU Mo. 166 Tom Jahre 1863. 
t) Rokitaasky i " -■ — 



r a. a. 0. S. 480. 



jvGoo'^lc 



IgO Dreinndzwanzigat« VorlesoDg. 

TOD dem üteniB getrennt, frei gewordeo aad Bodann durch 
Adhäsionen befegtigt Bei. Die FrSparate, welche ich sah, machen 
es mir nicht wahracheinlich, dass dies die gewöhnliche Reihenfolge 
der Ereignisse ist; ich konnte immer noch einen Stiel com Uteras 
verfolgen, so dass ich die Peritonitis, welche die Adhäsion erzeugt, 
in eine frflhere Periode versetze, unsere Sammlung besitst durch 
die Gfite des Hrn. Dr. Hofmeier *) ein fast gänzlich verkalktes 
Myom von 10 Gent. Hohe und 7—8 Cent. Dicke, welches hinter 
dem Uterus einer 60jährigen Junglrau gelegen hatte und durch 
Fäden und Bänder sowohl mit dem Uterus, als mit den Därmen 
vielfach verwachsen war. Die Person hatte 4 Jahre vor ihrem 
Tode die ersten Zeichen einer Peritonitis gehabt. Der Uterus 
kann in solchen Fällen in eine so reichliche Masse von oeugebil- 
detem Bindegewebe eingewickelt werden, dass die natfirlichen 
Aushohlungen des kleinen Beckens fast ganz verschwinden. 

Anderemal wachsen die subserösen Myome mehr und mehr 
an, während der Stiel sich verlängert; die Geschwulst erhebt sich 
dann aus dem kleinen Becken, indem sie den Uterus nach sich 
zieht. Letzterer wird dadurch überaus verlängert, gleichsam aus- 
gezogen; insbesondere bekommt das Collum eine Form, welche eine 
grosse Aehnlichkeit mit derjenigen der Urethra hat : enge und lange 
Hohle, relativ dünne Wand. Die Portio vaginalis verstreicht, ja 
die Vagina nimmt nach oben bin eine einfach trichterfOnoige 
Gestalt an. Die Geschwulst steigt in die Fossa iliaca**) oder 
mitten in die eigentliche BanchhOble, ja sie kann bis in das 
EpigaBtrium***) oder die Regio hypochondriacaf) emporateigen. 
In solchen Fällen entstehen groBse diagnostische Schwierigkeiten. 
Am häutigsten verwechselt man die Uteringeschwnlst mit Ovarial* 
tumoren, deren Verhältniss zum Uterus ein ganz ähnlichefl sein 
kann. Craveilhier ft^ erzählt einen Fall, wo eine solche Ge- 
schwulst bei I^ehzeiten fiir die Leber genommen wurde: eine 
10 Pfd. schwere Masse hing durch einen sohreibfederdicken langen 
Stiel mit dem rechten oberen Winkel des Uterus zusammen und 



I. XI. 1 



r. Hon&tBBchr. fOr Gebartsk. d. FnoenlEraDUieiteii. 1868. 
. S. 429. Frapint No. 2 (troclten) and No. 32 Tom Jahre 1858. 
**) Hartio. Uim. de med. et de cbir. pratiqaeB. Paris. 1836. p. 271. 
"*) Uadge. TruMct. of the Lond. ObBtetrical Society. Vol. IV. p. 1S9. 

t) Oaubric Bullet de U soc «oat. 1841. p. 3S6. 
ff) CruTeilhier. TiaiM d'aoat. path. giaii. T.m. p. 667. 



)vGoo<^lc 



Yerlutltan des Uterus bei anbser&sen Myomen. 161 

batte die Leber bis znr dritten Rippe in die Hohe gedrängt, so 
itaa die Kranke an Asphyxie zn Gmnde ging Allerdings beotand 
gleichceitig noch ein interstitielles Myom der hinteren ütems- 
wand Ton 21 Pfd. Gewicht, welches einen grossen Theil der 
Banchh&ble fSUte. — Unsere Sammlung besitzt durch die Güte des 
Hm. Dr. Samelson ein vortreffliches Präparat*), welches als 
Litbopaedion diagnosticirt war. Ans der Leiche einer alten Frau 
wurde, nach 2öjährigem Bestände des üebels, eine Geschwulst 
TOD plattrandlicher Form, 21 Cent, lang, 13 breit und 10 dick, 
entFemt, welche durch einen Stiel tod 2 Cent. LSnge and ebenso 
liel Breite bei 1 Cent. Dicke an dem hinteren Theil des Fundus 
uteri befestigt ist. Der übrige Uterus sitzt voll kleinerer Myom- 
knoten, so dass er eine 3 Mannsfänste starke höckerige Masse 
bildet, in welcher die Hühle kaum zu verfolgen ist. Die grosse 
gestielte Geschwulst ist aussen theils glatt, theils feinhöckerig, 
hat eine obere convese und eine untere mehr concave Fläche, 
ist flberaus hart und etwa zur Hälfte in eine dichte, elfenbeinerne, 
gelbliche, aber nicht continuirliche Verkalkung öbergegangen, 
welche in der Peripherie ziemlich allgemein, innen aaf die eine 
H&Ifte beschr&nkt ist 

Diese grossen, gestielten Myome werden durch die oft sehr 
plKtEÜchen Verschiebungen und Zerrungen, welche sie hervor- 
briogen, für die Kranken äusserst lästig. Die mechanische Ans- 
aehang, welche der Uterus durch sie erleidet, kann die sonder- 
barsten Veränderungen herbeifthreo. Unter diesen ist besonders 
erw&hnenswerth die spontane Trennung des, Üteruakör- 
pera vom Collum. Schon Rokitansky**) hat dieselbe er- 
w&hnt; Times***) berichtet genauer über einen Fall, wo das 
■ntere Ende der Uterinbühle von dem oberen der Cervikalhdhle 
2 Zoll entfernt war, jedoch in der Verbindungsmasse noch eine 
dritte Höhle erhalten war. Auch unsere Sammlung enthält ein 
Pitparat dieser Artf). Dasselbe stammt von einer alten unver- 
heiratheten, 62jährigen Doktorwärterin in der Charitö, welche 
die Geschwulst seit mindestens 20 Jahren getragen hatte. Hier 



•) Pt4p«r«t No. 519 (vom J«hre 1854). 

**) Rbkitxnekv. Hudb. der p&tb. Anat. Wien. 1842. Bd. 111. S. 547. 
•") Henrj G. Times. Traoswt. of the Land. Obatotik»! Society. 1861. 
Vol. 1[. p. 34. 

t) PiSparat No. 1243 ('om Jahre 1853). 

Vliik««, Oaduriilit*. III. IX 



gii^osb/GoOt^lC 



162 Dreiandiwanfgete Vorlenmg. 

findet sich ein TertiältniBsm&ssig weiches, von sehr groseui Ge- 
msen darchzogenes, glattes Hyom von eifSnntger Gestalt, welcheB 
anf dem Darcbschnitt eine fast gletchm&saige, nur an einer Seite 
durch kleinere Knoten nnterbroclien«, faserig aussehende Muskel- 
masRe zeigt. Es ist 20 Gent, lang, 13 breit, 9 hoch und durch 
einen muskulösen Stiel von 4,5 Cent L&nge, 3 Gent. Breite und 
5 Millim. Dicke gerade an dem Fandus befestigt. Der sehr ver- 
längerte UteruB ist mit der Geschwulst einmal um seine Axe 
gedreht und in der Gegend des Orif. internnm bis anf eineo 
dännen Strang atrophirt. Die Vagina, an deren Eingang die 
hintere Wand eine Gmppe von intraparietalen Gysteo entb&lt, 
ist 10 Cent lang; das GoUum, welches ziemlich dicke Wandungen 
nnd in der HOhle einen kleinen weichen Polypen besitzt, misst 
3 Cent. lAnge und endigt blindsackßrmig. Der eigentliche Utems- 
kfirper ist sehr vergrOssert; er hat eine L&nge von 7,5 Cent, und 
zeigt die sonderbare Combination einer sackigen Hydrometra mit 
Tuberknlo&e; seine sehr dilatirten, 3 — 4 Millim. dicken Wandangen 
sind innen ganz, in kftsige Tuberkelmasse verwandelt, und nacb 
oben, « der Stiel des Myoms sich ansetzt, findet sich ausserdem 
eine lange trichterl&rmige Ausziehung. Gleichzeitig besteht eine 
sehr angleiche L&nge der Ligamenta ovariorum, von denen das 
linke 6 Gent., das rechte nur 6 Millim. lang ist. Von aUgemeinem 
Interesse aber ist, dass ausser der Utenistuberknlose auch eine 
kftsige Taberkulose der Tuben und eine chronische taberkulOse 
Peritonitis bestand, w&hrend die Lungen trotz jahrelangen Bron- 
chialkatarrhs durchaus frei von Tuberkel gefunden wurden. Der 
Tod war durch Pneumonie erfolgt. 

Mit dem Uterus pflegt in solchen Fällen anch die Harn- 
blase, welche bekanntlich mit ihrer hinteren Wand der ganseD 
LAnge des GoUnm uteri ansitzt, emporgehoben zu werden. Die 
Folge davon sind Harnbescbwerden der verschiedensten Art, welche 
Mters die ersten und erheblichsten Leiden darstellen, von denen 
die Kranken heimgesucht werden*). Die Füllung der Blase mit 
Harn ist hier nur anvollst&ndig mSglich; daher kOnnen die 
Kranken das Wasser nicht lange halten, sondern werden oft von 
Harndrang heimgesucht. Andererseits ist eine vollständige Ent- 
leerung der Blase unm&gltcb; die dadurch bedingte Retention 



•) Cb. UauBfield Oarke 1. c Vol. 1. p. 3 



jv-Goot^lc 



Sabmuefise Qterusmjome. lg$ 

eneogt Blasenkatarrbe, welche eine sehr 1>etr&chtliGhe Hohe er- 
reichen kftnaeit. In einem solchea Fall*), wo ein gänseeigros^es, 
fast gani verkalktes Hyom auf dem Fundus des sehr verlängerten 
(bis zu 10,5 Cent.) UteniH sass und dieser überdies durch peri- 
metritische Ädb&sionen an den Dickdarm nnd die Nachbartheile 
befestigt war, zeigte sich die Blasenscfaleimhaut sehr, verdickt, 
gewulatet, hyperämisch und in grosser Ausdehnung mit erdigen 
NiederEchlägen hedeckt und erfüllt. — Weniger stark, jedoch 
ebenf&lh ziemlich gewöhnlich leidet auch der Mastdarm. los- 
besondere besteht gleichzeitig Neigung zur Beteotion der Fäcal- 
massen (Constipation), welche wohl zum Theil durch den Druck 
der Geschwülste anf den Mastdarm bedingt ist, «eiche sich 
jedoch auch bei kleineren Myomen findet, wenn diese eine Ver- 
lingening des Dteras hervorbringen. — Die übrigen Organe des 
Becken«, nameDtlieh die Nerven und Gef^sse, leiden, wie bei 
anderen Formen des Myoms, überwiegend durch den mecha- 
nischen Druck. Dieser ist natürlich am stirksten, wenn grossere 
Geschwülste tief nach hinten und unten sitzen. — 

Wenden wir uns nunmehr zur Betrachtang der J'nneren 
oder snbmncOsen Uterusmyome, so ist zunächst zu er- ' 
«ihuen, dass dieselben gleictifalls aus verachiedeoer Tiefe her- 
vorgehen. Zuweilen sind es in der That die dicht an der Schleim- 
haat gelegenen Maskelschiehten, welche sie erzeugen; häufiger 
dagegen wachsen sie ans etwas tieferen Lagen, so dass zwischen 
Kyom nnd Schleimhaut noch eine mehr oder weniger dicke 
Mogkelscbicht erhalten bleibt. Jedesmal entsteht zuerst ein 
l'leiner, rooder Knoten, welcher eine seichte Erhebui^ der 
Schleimhaut bedingt; allmählich drängt er sich, während er 
grosser wird, mehr hervor, bildet nach einiger Zeit einen Eoopf, 
der breit anfsitzt; endlich wird daraus der eigentliche myoma- 
t<)Be Polyp des Uterus. 

Es ist dies di^oige Form der Uteruspolypen, welche durch 
ihre tirüsse und die Gefahren, welche sie mit sich bringt, seit 
luger Zeit die AnfmerkeamJieit der Aerzte besonders auf sich 

*) Pripant No. 215 Tom Jftbre 1859. In diesem Falle findet sieh an 
tintT der AdhbioneD iirUchen der binteren OterDsvand nod dem Dickdarm 
(in kleines polvpAaes Üpom, wahrscheiDlich eine durch die Zerrung dislocirte 
Appendix epiploi». 



)vGoo<^lc 



154 DreioDdiwaniigBte Voileaung. 

gesogen hat. Richter aod Levret*) haben das Verdienst, oicbt 
blos die Häufigkeit der Uteruspolypen aberhaupt nacbgewiesen, 
eondern aocb die ersten GruDdlagen su einer genaueren KenntniES 
und Sebeidung der einzelnen Arten, sowie zu einer mehr ratio- 
nellen Behandlung gelegt zu haben. Die TJaterscheidang in Polypi 
carnOBi, tendinoBi, mucosi u. s. w. ist seitdem sehr allgemein ge- 
worden, nnd es I&sst sich nicht verkennen, daes der Name der 
Flciscbpolypen bei den meisten Autoren für die uns hier 
beschäftigende Form zatrilTt, die man später gewöhnlich fibrSse 
Polypen genannt bat nnd deren Identität mit den „Fibroiden" 
der Substanz des Uterus nicht mehr zweifslhaft ist. Nichtsdesto- 
weniger darf man nicht glauben, dass dieser Sprachgebrauch auch 
nach Bayle ein gani sicherer gewesen ist; vielmehr sind manche 
einfach fibrovasculäre und fibroglanduläre Auswüchse der Schleim- 
haut, die eine etwas derbere Beschaffenheit besassen, noch bis in 
die neuesten Zeiten mit den eigentlichen Fleischpolypen ver- 
wechselt worden. Ich erinnere in dieser Beziehung an die An- 
gaben von dem Vorkommen von Fleiscbpolypen des Uterus vor 
der PnbertSt, ja sogar bei jungen Kindern. 

Eine solche Verwechselung ist um so leichter m&glich , als 
der Fleischpolyp, von welchen Schiebten der Wand er auch seinen 
üreprung genommen haben mag, doch jedesmal von Schleimhaut 
überkleidet ist, und als diese Schleimhaut sich in sehr verschie- 
denen Zuständen von Veränderung ( Hyperämie , , Hämorrbagie, 
Hyperplasie, cystoider Umbildung der Drüsen, Atrophie, ülce- 
ration) beßnden kann. Das äussere Aussehen der Geschwulst 
wird dadurch sehr mannichfach bestimmt, gleichwie auch ein 
nicht geringer Theil der Beschwerden and Gefabren, welche der 
Polyp mit sich bringt, auf diese Zustände der Schleimhaut zu 
beziehen ist. 

Der gewöhnliche Sitz der Fleischpolypen ist der eigentliche 
UleruskOrper und* zwar besonders häufig der Fundus, zuweilen 
die hintere oder vordere Wand, seltener die Seitentbeile, Sehr 
selten sitzen sie im Oriticium internum oder in dem Collum uteri. 
Schon aus diesem Verbältnii's erhellt die grossere Schwierigkeit 



*) Rieh ter. ADfangsgrOiide der WundartueikuDet. Bd. I. S. 401. 
vr«t. ObBcrratioDB sur )a rote radirale de pluaieurs polypes de la 
(lii-e. Paris, 1771. 



)vGoo<^lc 



Gestielte Fleisclipoljpen des Uterus. HJ5 

Jes Operativen Eingreifens und die schwerere Bedeutung der 
Zufalle, welche die Anwesenheit der Polypen nach Eich zieht. 

Je nach der Art der Anheftung kaon man zwei Varietäten 
dieser Polypen unterscheiden: eine gestielte und eine nicht 
gestielte. Zu der letzteren gehören alle jugendlichen Zustände, 
ancb die der später gestielten Polypen. Denn da diese sich erst 
nach und nach aus der Wand hervorschieben, so sind sie, so 
lange sie klein sind, immer ungestielt. Allein manche Myome 
werden, trotzdem dass sie sich in die Uterushdhle vorschieben, 
niemals gestielt, so gross sie auch werden mOgen*)' Diese bilden 
einen unmerklichen Uebergang zu den intraparietalen Formen, 
uad es ist oft genug sehr willkürlich, ob man in einem bestimmten 
FUle das Myom ein polypöses oder ein intraparietales nennen 
will. Für die wissenschafiliche Betrachtung empfiehlt es sich. 
Jedenfalls, die grossen ungestielten Polypen in Yerbindung mit 
den intraparietalen Formen zu betraehten. 

Die gestielten Fleischpolypen unterscheiden sich wiederum 
dadurch, dass ihr Stiel bald dick und fleischig, bald dünn und 
mehr sehnig oder bindegewebig ist. Wie bei den subserösen 
Myomen, so ist auch bei den submucfisen zuerst immer eine volle 
Verbindung de^ Folypenkörpera mit der Substanz der Muskelwand 
vorhanden und die Gefässe der letzteren treten in das Innere des 
Polypen ein. Tritt das Myom sehr stark hervor, so alrophirt 
die fleischige Verbindung mehr und mehr, und damit hört auch 
der grössere Tbeil der Gefässo auf, fortsu'jestehcn, so dass über- 
wiegend nur die Schleimbautgerä^so sich um den Knoten herum 
erhalten. Indess gilt dies doch nur für kleinere Polypen ; grössere 
bewahren in der Regel die vasculäre, meist auch einen Tbeil der 
fleiächigen Verbindung. Ja nicht selten geht auch bei ihnen 
anter der Schleimbaut noch eine fleiscliige Schicht um das Myom 
hemm"). 

Da nun die Hehrzahl der eigenllichon Fleischpolypen grüssere 
Geschwülste bildet, so kann man als Regel annehmen, dass sie 
einen breiten Stiel besitzen*") und dass dieser nicht nur grosso 



') Titelkupter Fig. 2, b. Fig f>, o, 

") Palletta. Exerc. patholog Uediol. lä^O. p. 13. Rob. Lee. Med. 
■liir. Transact. Vol. XIX. p. 116. 

"*) J. Ressel. De pol^poTum uteri eistirpatione mctbodo gsilvano- 
canstici iostituta. Diss. iQaug. Vratisl. 185T. Fig. 2 et 3. 



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Ißg DreiuQdiwaniigste Vorlesung. 

Gef&see, sondern auch MuBkelgewebe enthält. In nneetcr Samm- 
lung tinden sich mehrere von Hrn. Carl Mayer exätirpirte 
Polypen*), bei denen die Schnittfläche des Stiels 3 — 5 Cent. 
DurchmeBser hat. Freilich sind dies ziemlich grosse Geschwülste, 
die 7, 8 und 9 Gent, in der Länge und 5, 6 und 8 Gent, in der 
Dicke messen. Nicht immer steht die Dicke des Stiels im Ver- 
häitniss zu der Grösse der Geschwulst: in einem von Mayer*") 
operirten Falle, wo die Geschwulst 4 Pfd. 4 Loth wog und 11 Zoll 
lang war, beinahe 5 Zoll im Durchmesser und 15 Zoll im Umfang 
hatte, zeigte die ScbnittflILche nur die Grösse eines Tbalers. Meist 
ist aber der Stiel verhMtnissmSssig kurz, so dass die Geschwulst 
nahe an der Uteruswand ansitzt. 

Anfangs ist die eigentliche Geschwulst regelmSssig rund***); 
.später, in dem Maasse als sie wSchst und die Höhle des Uterus 
ffillt, wird ihre Gestalt etwas mehr länglich, ei- oder birnenförmig. 
Allmählich steigt sie mit ihrem freien Ende liefer und tiefer herab, 
sie drängt durch das Orificium internnm in den Cervikalkanal, 
erweitert denselben, erreicht endlich das Orificium externum und 
wird von der Scheide aus fühl- nnd sichtbarf). Das Orificium 
extemum wird zuweilen auf das Aeusserste erweitert. Bei einem 
sehr massigen bimPUrmigen Polypen von 8 Cent. Länge, der vom 
Fundus uteri aus in die Scheide herabgewachsen ist, messe ich 
den Umfang. lies Orificium internum zu 4, den des Oriticium ex- 
temum SU 8 Gent. Umfangff). Ganz ungewühnlich ist es, dass der . 
Polyp die Pilzform annimmt und sich, wie ein Fungns, an seinen 
Rändern umschlägt fft)- 

Obwohl die Ausdehnung des Uterus während dieser Vorgänge 
zunächst als eine mechanische aufzufassen ist, so findet man .doch 
bei grösseren Polypen kaum jemals eine Verdünnung der Wan- 
dungen, Selbst wenn ganz grosse polypöse Myome eine Erweite- 
rung bedingen, wobei der Utems wie bei einer Schwangerschaft 
erscheint, so ist doch die Wand regelmässig verdickt. Sie hat 

•) Prap«r»te No. 1306, 11 vom J»hre 1857, 86 vom Jkbta 1863. 
•') Carl Mayer. Med. Zeitung des Vereine f. Heilk. in PrcuBscn. 1^31. 
No. lU. S. 59. 

•*•) M. Baillie. Engravinga. Lond. 1802. Faec. IX. Fl. 111. fig. 2. 
+) Baillie. Engravings. Faac. IX. PI. IV. fig. 1. Simpson. Öbiitetric 
m«moirs. Vol. I. p. 124. fig. 4. 
t+) Präparat No. 680. 
ttt) Ginge. Atlas der patbol. Anat. Lief. Vlll. Taf. Y. Fig.l. Simpson 
I. c. p. 155. fig. 12. 



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FleiBchgmIjpen des Uienis. 167 

nweilen eine Dicke voq 2 — 3 Gent, und ihr Ansseben sowohl, 
als ihre ZusammeDgetzang gleicht in hohem Maasee der des 
schwangeren üterns. Man siebt die Fleischbalken stark ent- 
wickelt, die Geßtsse, besonders die Venen weit und die Arterien 
Bterkwandig; selten ist die Wand des TIteras hart, meist hat sie 
die weichere, wirklich fleischige Beschaffenheit des schwangeren 
Uterus. Dies sind also grosse Unterschiede von den Buhser9sen 
Myomen. 

Sehr selten sind die myomatOsen Polypen mnltipel, wenn- 
gleich neben ihnen oft genug iotraparietale und subseröse Myome 
TDiiommen *). Sind die intraparietalen gross, so wird die Gestalt 
der Polypen dnrch den Druck ver&ndert; sie kJinnen ganz ^- 
geplattet werden"). In der Regel sind jedoch die Fleisch- 
poiypen solit&r, sowohl als Polypen, als auch als Myome; zum 
miDdesten pflegen bei grossen Polypen die sonst noch vorkom- 
mendeD Myome klein und unerheblich zu sein. Daraus erklärt 
sich der angewOholich grosse, günstige Erfolg der operativen 
Entfemong. 

Die Fleischpolypen gehören flberwiegend zu den weichen 
Myomen. Rokitansky***) f&brt sie daher unter dem Namen 
TOD Sarkomen als dem Fibroid verwandte und Qfters mit dem- 
selben combinrirte , aber doch wesentlich von demselben ver- 
schiedene Geschwülste auf. Eine wesentliche Verschiedenheit 
tann ich nicht anerkennen. Wenn ich sie als weiche Myome 
bezeichne, so meine ich damit selbstverständlich nicht, dass ihre 
CoDsistenz eine zerdrückbare ist; im Gegentheil haben sie ge- 
vfihnlich eine ziemlich derbe Beschaffenheit. Aber sje zeigen 
keine eigentliche Induration, sie gehören also nioht zu den Fihro- 
myomen. Kleinere, halb inlraparietale Geschwülste haben öfters 
eine h&rtere BeschafTenheitf), erreichen jedoch selten die ganz 
harte, scheinbar knorpelige Consistenz anderer Myome. Grosse 
Fleisebpoiypeo haben fast immer eine verschiebbare, mehr lose 
Zosammensetznng. deren einzelne Theile freilich recht derb sein 
können. Niemals sah ich bei einem eigentlichen Polypen Ver- 



■) Tilelkopfer Fig. 2 u. 5. Vgl. Ulrich. Yerbandl.der Ges. f.GcburlBb. 
1860. Xll. S. 127. 

") Titelkopfer Fig. 5, h. 

•*•) RokitftDBlc;. Lcbtb. der patb. Aoat. Wien. IStil. Bd. III. S. 464. 
t) PfipKat No. IST vom Jabre 1858. 



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Kit) Dreiundiwuiiigste Yorlesuns- 

kalkung, und ich möchte daher um so mehr daran zweifeln« dass 
die sogenannten Uterusateine verkalkte Polypen sind, al» meinee 
Wissens auch kein Autor gestielte verkalkte Myome in der Uterus- 
höhle selbst gesehen hat Hope*) bildet ein grö&<eres verkalktes 
Myom dicht unter der verdickten und hyperämisclieo Uterin- 
gchleimhaut ab, allein auch dieses erscheint als flache, keineswegs 
polypöse Hervorwölbung. Nur der ältere Walter**) erwähnt 
einen Polypen von plattrundliclier Gestalt, 2" 9'" lang und 1" 9'" 
dick, der von der hinteren Fläche des Collum uteri abgebunden 
war und innerlich eine harte, knöcherne Substanz zeigte. Ich 
behalte mir vor, auf die Uterussteine bei den intraparietalen 
Myomen zurückzukommen. 

In der Regel bestehen die Polypen aus einem weieslicheo 
oder röthiichen Gewebe, welches tbeils Balken, theils Lamellen 
bildet, die zum grossen Theil aus Muskelfasern zusammengeBOtzt 
sind. Die äusseren Tbeile pflegen häufiger lamellfis geschiebtet, 
die inneren balkig zu sein. In den dichteren nnd festeren 
Formen ***) sind diese Balken innig un einander gelegt und 
selbst unter einander verflochten, obwohl keineswegs zu einem 
so dichten Filz, wie der subseröse gewöhnlich ist. In den wei- 
cheren sind die Balken sowohl, als die Lamellen mehr parallel 
der Länge der Geschwulst nach angeordnet, so dass der Längs- 
durchschnitt ein ziemlich regelmässig faseriges Aussehen dar- 
bietet; dabei sind die Balken öfters ganz lose an einander gelegt, 
so dass man sie auf einem Durchschnitt leicht von einander ziehen 
kannf). Es zeigen sich dann Spalten und Lücken von sehr un- 
regclmässiger Gestalt, durch welche hindurch feinere Fädon, Bälk- 
eben oder Blätter sich von einer Seite zur anderen spannen. So 
entsteht ein scheinbar cavernöser Bau, der an manche Gef^s- oder 
Lymphge&ch Wülste erinnert. Diese Form, welche Baillicff) 
als schwammigen Polypen (spongy polypus) bezeichnete, eignet 
sich ganz besonders dazu, die Entstehung der Geschwulst aus 
spindelfilrmigen Anschwellungen der einzelnen UusketbalkeD so 

*) J. ]Iope. Principles and illustralioDB of morbid anatomy. Lond. 
1834. Fig. 211. 

") J. Gottl. Waller. Maseuin anatom. Berol 1805. p. 106. No. 748. 
***) Präparat tlo. 36 vom Jahre 1863 fiaillie. RneraviDKa. Puc. IX 
PI. IV, fie- 2. 

t) Präparat Mo. 1806 (vom Jahre 1854), 
tt) Baillie. Eagravings. LoDd. 1802. Fase. IX. PI. IV. fig. 3. 



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Cj-stisthe Fleiuchpolypen des Uterns. 169 

verfolgen. Nameotlich nach aussen hin ändot eich diesem losere 
Gewebe häufiger, nicht blos im Umfange der eigentlichen Ge- 
üchnulEt*), KOndeTD auch in ihren peripherischen Theilen. Ja 
es kann hier ein förmlich cyatischer Bau vorkommen**). So finde 
ick in einem 7 — 8 Cent dicken und 9 Cent, langen Polypen*"), 
den Hr. Mayer bei einer 30)ährigen Jungfrau abgeschnitten hat, 
und dessen Schnittfl&che 4 — 5 Cent, im Durehmesser zeigt, innen 
sehr derbe und breite Faserzüge mit einigen grösseren Gefäs^en, 
die bis zu 5 Millim. im Durchmesser haben. Am Umfange ist 
die verdickte Schleimhaut mit der Substanz der Geschwulst innig 
verwachsen. Dicht unter der Oberfläche liegt eine zusammen- 
hingende Reibe sinuOser Buchten und Höhlungen von sehr ver- 
schiedener Grösse nnd Gestalt. An manchen Stellen ist das 
Gewebe ganz slrickförmig, indem zahlreiche kleine Höhlen von 
schmalen Balken umgrenzt werden ; an anderen werden die Höhlen 
gross, l&nglicb, und ihre Wand erscbeiat theils ganz glatt, theils 
nah und uneben. Die grösste dieser Höhlen, die äbrigeos voll- 
itißdig leer scheinen, misat 3 Cent. Länge und 2 Cent. Breite. 
Wahrscheinlich handelt es sich hier theils um Erweich ungszusf finde, 
theits um wirkliche Spaltbildangen im Interstitialgewebe, welche 
vielleicht mit Lymphgefässen zusammenhängen f). 

Ein eigentlich lappiger oder zusammengesetzter Bau, wie er 
bei den subeerÖBen nnd intraparietalen Myomen so häufig ist, 
kommt bei den wahren Polypen der Innenfläche selten vor, 
wird jedoch zuweilen in ausgezeichneter Weise beobachtet ff)- 
Ueiat sind die FleiEchpolypeo einfache Geschwülste, welche frei- 
Heh anfangs durch Apposition neuer Schichten von ausseo, apäter 
aber offenbar nur durch innere Wucherung wachsen. Sie können 
daher als Muster einheitlicher Geschwulatfonn dienen. Nur ihre 
äussere Umhüllung aus Schleimhaut und einem Tlieile der Muskel- 
H:b{cht pflegt als ein besonderer, leicht trennbarer Bestandtheil 
angef^ en sein; doch ist auch dies nicht immer der Fall. 



•) Hope 1. c ßg. 216. 

'" " 'ren a. ». 0. _ _ , 

48Ö. Grailj' Hewitt. TraDBact.ofthePath.Sou.LoDd. 



") DopD vtreo a. ». 0. S. lag. RokitaDsky. Lebrb. der path. ADat. 
'-. Bd. 111.8.4" '^---- ...... -- ,.,„,... . . 



Vol. XI. p. 173. 
***) Prftpant No. 11 vom Jahre 1857. 
t) Vgl. einen ihnlicheo Fall roD Rob. Lee, Med. cbir. TrnnBact 1861. 
Vol. XLIV. p. 112. PI. IJl ßg. 1-3. 

+t) Carl Uir»ch. Ueber Histnloxie a. FoTtnen der Utero apolvpen. InaDg. 
O'Ki. Gietsea. 1855. S. 43. 



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170 DreiandEwuuigate Vorieennc. 

So laage der Polyp noch in der Hfihle des Uterus, ober- 
halb des äusseren Muttermandes liegt, steht der Uterus ia der 
Regel boch, und die Verwechselung mit Gravidität liegt hier 
n&her. Sobald dagegen der Polyp in die Scheide herabtritt, 
kann der Fandus uteri tiefer herabsteigen; ja es Icommt ia ein- 
zelaen FSlleu vor, dass der Uterus sieb amstülpt*). Diese mit 
Polyp complicirte InversiOD darf nicht verwechselt werden mit 
der einfaehealDversion**), welche, zumal wenn sie chronisch ist, 
leicht für einen Polypen gehalten werden kann, sich aber dnrcb 
die Empfindlichkeit des ausgestfilpten Theils***) und durch das 
Verhalten der UterushJlhle, welches durch die Sonde zu ermitteln 
ist, von den Polypen unterscheidet. Die Combination beider 
Zustände ist freilich verhältoissm&ssig selten, aber sie kann so 
beträchtlich werden, dass der invertirte Uterus äusaerlich tat 
Scheide hervortritt. 

In welcher Lage aber auch der Polyp sich befinden mag, 
immer ist seine Oberfläche Sitz einer gewissen Reitung, und ein 
erheblicher Theil der Zufälle, welche durch seine Anwesenheit 
hervorgebracht werden, ist unmittelbar abb&ngig von dem Zn- 
stande der ihn bedeckenden Schleimhaatf), sowie von dem Ver- 
halten der abrigen Uterin- und Vaginalschleimhaut. Regelmässig 
befindet sich diese im Zustande des chronischen Katarrhs; Leu- 
korrhoe 4st daher die gew&bnliche, Hydrorrhoe die seltnere Be- 
gleiterin der Fleiscbpolypen. Fast immer gesellt sich dazn bald 
' eine Neigung zu Hämorrbagien. Die.'^e ist abhängig theils von der 
irritativen Hyperämie der Schleimhaut, theils von den Stauungen, 
welche uunentlich bei grosseren Polypen das freie, dem Aas- 
gange zugewendete Ende durch den Druck des Uterus zu erfahren 
hat Dieser wirkt am stärksten, wenn das freie Ende des Polypen 

*) Sandflo. Obserr. de proUpsQ uteri ioversi ab cicregcentia runeo- 

fuDgosB. Regiom. 17S2. R.Lee. Ued. chir. Transact. Vol. SIX. p 12'!. 

(Fälle Ton W. Honter, DenmaD, A. Shaw). Bicbat Anat. pathol. 

p.249. Honel. ManDal d'anat. path. Paria ISöT. p. 598, 820 (Gosaelio, 

Oaz. dea böp. 1861). Rokitansky. Lehrb. der path. Anat. 1861. Bd.Ill. 

S. 486. Vgl. die «eitere Literatur bei E. GdtU. Verhsodl. der GeselUch. 

für Gcbnrtfih. io Berlin. 1861. Heft XIH, S. 44. AnsBerdem Langenbeck. 

Ebendas. S. b. Abarbanell. Ebenda«. S. 155 Walne. Med. Gai. 1845. 

Jnly. p. 482. Tb. Safford Lee a. ». 0. S. 829. AabwelL Lebrbuch der 

Kranlth. des weib! Geschl. S. 201. Path. Oatal. Guy's Hoep. Mos. No. 2261". 

•') Carol. Mayer. De polypie uteri, p. 28. 

•") Dupuytren a. a. 0. S. 216. C. Mayer I. c. p. 27. Verhandl der 

Ocs. f. Oebnrtsb. 1860. Heft SIL S. 133. Vgl. dagegen tiinipBoa L c. p.8T. 

t) Tb. Safford Lee a.a.O. S. 52. 



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SpStere VerindaraDfeD iet Fleisch pol jp«n des Uterus. 171 

die Orificien passirt hat uod in ihnen eingeschnürt wird. Dieses 
Eode bekommt dann ein dnnkelrothes, zuweilen schwarzrothes 
Aussehen; die Schleimhaut, mancfamal sogar das Innere des 
Polypen füllt sich mit ausgetretenem Blut; zuweilen bilden sich 
Thrombosen der Venen innerhalb des Polypen. Jedesmal erfolgen 
dibei kussere Hämorrhagien , die sich zur Zeit der Honstruation 
ateigern, die aber auch ausserhalb derselben in stäricster Weise 
nod mit hftchster Gefahr für die Kranke eintreten könoen. Dieses 
Blut stammt also nicht aus dem Polypen, sondern ans der ibn 
bekleidenden Sebleimbant. 

Bei längerer Daner entzündet sich die Oberfläche stärker. Es 
eatütefaen eiterige Absonderungen, ober&lchlicbe Geschwüre, m- 
«eilen brandige ZerstOrangen. Diese kennen durch äussere Ein- 
wirkungen herTOrgerufen oder verstärkt sein. So hahe ich mehr- 
mals lange falsche Wege in derartigen Polypen in Folge gewalt- 
samer Sondimng gesehen. Auch dringt bei weicheren Formen der 
Finger des Untereachers leicht ein*). Ein sinofiser Bau (S. 169) 
des Polypen begünstigt eine derartige mechanische Verlelzung. 
Jedenfalls kann später auch die Substanz des Polypen an der 
Katiüadnng Antheil nehmen**), wobei selbstverständlich hanpt- 
dchliefa das interstitielle Gewebe Sitz der Erkrankung ist Olfen- 
bar bezieht sich auf diese Zustände ein grosser Thetl von dem, 
w»g Dupuytren***) als krebsige Entartung der Polypen be- 
»ehrieben hat; die übelriechenden Absonderungen, die Fungosi- 
läteu, Eiterdepota u. s. w., von denen er spricht, treRisn gerade 
für diesen Fall zu. 

Durch derartige ulcerOse oder brandige Vo^änge kann der 
Polyp nicht unerheblich verkleinert, ja gänzlich zerstört werden t). 
Anderemal kommt es vor, dass die Entzündung in seinem Umfange 
so weit fortschreitet, dass er endlich aus seinem Zusammenhange 
frei wird und sich von selbst auslOstff). Eine solche spontane 

•) F. W. Scanioni. Beiträge lur Geburteltunde u. Gjnäliologie. 1856. 
W. IL S. 99. T»f. 111. a. 

") Bajle. Dict. desao. mdd. T.VlI.p.84, ChUri (Braun u. Spltb). 
KUnikderGeburtsfa.u. G^n&k. Erl. 1865. S. 410. SaDgalH I.e. 11. p.2I0. 

•••) Dupuj-tren ■. a. 0. S. 187. 
t] JohQ Clarke. Transact. of a eoc. for the improT. of med. and 
cbir. kDowledge. Load. 1812. Vol. III. p. 303. H.ZiemBBen. Hein Archiv. 
Bd, XVII. S. 340. F.Elkington. Lond. Obst. Tranaact. Vol. I. p. 118-122. 

tt] Dnpuftren a. a. 0. S. 172. Saff Lee a.a.O. S.47. Fr. Heinauer. 
He lutiinie aoxitio in aanandis ufert poljpis. Diss. icang. Vratisl 18G3. 
^15. Graily Hewitt. Lond. Path. Tranaact Vol.Xl. p. 173. 



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173 Dreioodzwanitgste Vorlesan^ 

Alislosung ist voa den Fleischpolypeo schon Heit langer Zeit 
bescUriebea*), allein nicht alles, was anter dieser Bezeichnung 
besehrieben ist, dürfte sich auf Polypen beziehen. Ich habe Grand 
zn vennuthen, dass nicht wenige der angefahrten FXlte vielmehr 
auf intraparietale Myome, welche nahe an der inneren Oberfläche 
lagen, zu deuten sind. Wo wirkliche Polypen sich lösen und 
geboren werden, da geschieht es meist unter deutlichen Con- 
tractionen des Uterus, zuweilen bald nach der Geburt**) eiues 
Kindes, zuweilen ohne vorhergegangenes Puerperium einlach durch 
die TliSttgkeit der hyperplastischen Uteruswände oder in Folge 
heftigen Erbrechens***). Wehenartige GoDtractionen des Uterus 
sind bei Polypen auch sonst keine Seltenheit, insbraondere ge- 
Bcbieht die Eröffnung des Muttermundes und die Protrusion des 
(festBitzenden) Polypen gegen die Scheide fifters momentan, unter 
starken Empfindungen der Frauf). 

Eine freiwillige Rückbildung ist an Pleischpolypen in keiner 
nennenswerthen Ausdehnung beobachtet worden. Obgleich Fälle 
vorkommen, in denen das Gewebe des Polypen einer fettigen Bück- 
bildungft) unterliegt, so führt diese doch mehr zur Erweichung, 
als zur Resolution und Resorption, Nach meinen Beobachtungen 
ist es nicht blos das Muskel*, sondern auch das Bindegewebe, 
welches derartige Fettmetamorphosen eingebt; manchmal findet 
man ganze Abschnitte der Geschwulst voll von Körncheokugeln. 

Anderweitige Degenerationen sind freilich selten, doch mnss 
ich aamdntlieh betonen, dass in seltenen Fällen auch Fleisch- 
polypen an krebsigen Erkrankungen der Nachbarschaft Antheil 
nehmen ftt)' Es ist mir kein Fall bekannt, wo eine primäre kreb- 
sige Erkrankung an einem Fleischpolypen eingetreten w&re't), 

*) Levret M^m. de l'acAd. de chir. Vol. III. p. 51ä. Bichat Anat. 
palhol. p. S49. KiwiBch a.a.O. S 445. Sydney Jonea. Transacf. Path. 
Hoc. Vol. Vlll. p. 264. Baraea. Und. Obstctr. Transact Vol. VI. p. 101. 
8aDgalli. Stoha dei tamorj. II. p. 205. 

**] Cruveilhier. Traite d'anat. path. giaer. T. III. p. 696. Bnrnca. 
Lond. Obstetr. Transact. Vol. VII. p. HS. 

*") Gh. Manafield Clarke I. c. Vol. I. p. 232. R. Lee. Med. chir. 
Transact. Vol. XIX. p, 125. 

t) Woldet Andr. Nissen. Dibb. ioaug. de polypis uteri et lüginne, 
noToque ad eomm ligatoram inatramento. Gotting. 1789. p. 14. 
+t) Graily HewitL Lond, Path. Transact. Vol. XL p. 17S. 
t++) Virchow. Gaz. m4A. de Paris, 1855. p. 212, 
•t) Die Beobachtung von Gläaer (Mein Archiv Bd. XXV. S.422), in ncl- 
chKi' Körstor eine derartige Degeneration annahm, ist nicht deutlich genug, 
nm ah bewciaeod angesehen werden zu können (vgL Bd. II. S. 350 Addü.)- 



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iDtnparietale Myome des Uteros. X73 

■od es ist diflB aocli um so weniger wahrscbeialich, als gerade 
derjenige Theil des Uterns, welcher am meieteD za krebsiger 
Erkranknog dieponirt, nebnalich das CoDum, am seltensten Hyome 
erzeugt, w&hrend umgekehrt der mehr muskulöse Körper des 
Uterus, der Lieblingesitz der Myome, sehr geringe Neigung zu 
krebsiger Degeneration zeigt. Aber die besten Beobachter*) haben 
doch zugestanden, dass gelegentlich eine solche Degeneration vor- 
kommt, wenn namentlich ein prim&r am Gollnm gewachsener 
Krebs anf den Körper des ITtcme fortschreitet. 

Dass die Fleischpolypen durch ihre Grösse auf die Nachbar- 
theite dnrch Druck sehr nachtheilig werden können, dass sie 
namentlich die Funktionen der Harnblase und des Mastdarms, 
der Nerven - und Gefässe sehr beeintrfichtigen , dass sie ferner 
durch die ÄbsondemngeD und Blutungen, welche sie herbeiführen, 
selbst das Leben der Kranken in Gefahr bringen können, ist 
bekannt genug, und ich will mich bei einer weiteren Aosein- 
aodersetzuog darüber nicht aufhalten. Das Angefahrte wird ge- 
nügen, am dem ürtheil des beobachtenden Arztes AnbaUspunkte 
der Beurtheilnng zu bieten. — 

Die intraparietalen- Myome stellen dasjenige dar, was 
man die fibrösen Körper oder Fibroide im engeren Sinne des 
Wortes genannt hat. Man bat dabei jedoch nicht blos an jene 
kleineren Formen zu denken, welche in der Wand des Uterus 
so eingeschlossen sind, dass dieselbe im Ganzen aufgetrieben 
erscheint, ohne dafs jedoch die Geschwulst selbst eher sichtbar 
wird, als bis man die Wand anschneidet**), sondern es gehören 
dahin auch sehr grosse Gescbwfilste , welche bald nach der 
inneren, bald nach der ftusseren Seite bin hervorragen nnd sich 
nur dadurch von den polypösen Formen unterscheiden , dass sie 
niemals ganz aus der Wand hervortreten, also keinen wirklich 
extramuskulSren Sitz erlangen. Sie sied daher nicht blos all- 
seitig von Muskelsnbstanz nmgeben nnd eingeschlossen, sondern 
sie erscheinen von vornherein als eigentliches ZubehOr der Wand. 
Freilich ist es auch bei ihnen nicht ganz leicht, sich eine Ceber- 
zengang von der Continuitit der Faserzfige der Geschwulst mit 
denen der TJteruswand zu verEchaffen; sie liegen oft vielmehr so 

*) KiwJscb m. a. 0. S. 446, 46S. Simpeon. Obstetric niemoirs. Vot. I. 
p. 114. 

••) Titelkopfer Fif. 8. 



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174 DreiDndimnzigste VoTlMang. 

lose, das8 die meistea Beobachter auch sie als hheee Eialage- 
ningen oder Eioschachtelungen der Wand angesehen haben; 
nichtsdestoweniger gilt auch fQr sie jene urBprüngliohe Conti- 
nnitst*) sowohl der Faserefige und Muekelbalken, als anch der 
Geisse, welche wir bei den anderen Formen besprochen haben. 
Ja, es erh&lt sich diese Continuität ungleich länger. 

Daraus erklärt es steh wohl haopts&chlich , dass gerade die 
si^enannten interstitiellen Formen die beträchtlichste GrOsse er- 
reichen, und dass sie häufig den Ütems so erweitem, dass der 
Eindruck einer Tollkomnaenen Sehwangereobaft entsteht, ja, dass 
fast die ganze , BancbhQhle von ihnen eingenommen wird. Diese 
Aehnliohkeit mit den Zuständen der Schwangerschaft äussert 
sich anatomisch auch dadurch, dass nicht nur derjenige Theil 
der Wand, welcher die Geschwulst unmittelbar umgiebt, son- 
dern auch die ganze Gbrige Wand sich gewöhnlich in einem 
ähnlichen Zustande befindet wie bei der Schwangerschaft; sie 
besitzt Hehr weite Gefässe und eine sehr lose und reichliche 
Muskulatur, welche ihrer Entwickelang nach mit den gewöhn- 
lichen Verhältnissen des Pnerperiums übereinstimmt**). Indess 
ist dies keineswegs immer der Fall. Manchmal ist der Uteras 
in hohem Grade atrophisch***), so dass insbesondere seine Mus- 
kulatur fast ganz geschwunden und nur das Bindegewebe und 
die Get&sse mit schwachen Besten fettig entarteter Muskelfasern 
übrig geblieben sind. Freilich ist dann in der Regel auch die 
GrOsse der Myome eine geringere; ja nicht selten findet man 
sie unter solchen Verhältnissen ihrerseits verkleinert, indurirt 
oder verkalkt. Es fehlen jedoch die Beispiele nicht, wo auch 
bei sehr grossen Myomen der Uterus stark atrophisch gefunden 
wurdet). Dieser Fall erinnert wiederum an die Geschichte 
der Lipome (Bd. I. S. 371); er dürfte sidi auch ebenso er- 
klären, dass nehmlich die Atrophie des Uterus erst secnndär 
eingetreten ist, das Myom aber nachher selbständig fortbe- 
standen bat. 



•) Virchow. Wiener med. Wocbeoachr. 1856. No. 13. 8. 183. 
**} CbtI Wenzel. Die Krankb. des Uterus. Mainz. 1816. Taf. XI. A, B. 
Hooper. Morbid anatomy of the hnmaD uteruB. Pl.\.A,H. Rob. Lee. 
Med. cbir. Tranavt. Vol. XIX. p. ISS. PI. U. Lebeit Traite d'anat. patb. 
AtUa. PI. GLVU. fig. 3. 

***) Priparate No. 248 vom Jabre 1864, No. U d. 46 vom Jahre 1866. 
t) Walter. Ueber dbrCee KOrper. S. 10. Abbildung. 



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B>D der iotn^taiieUlen Uternsmyome. 175 

ObwobI Datfirlicb anch die intraparietalen Myome als gans 
kleine Kootea Wginnen, so findet man sie docb durcbBchnittlich 
TOD viel betr&chtlicherer GrOsse, als die ektramDskuI&ren, nament- 
lieh alR die snbmucOeeD. Sehr hänfig erreichen sie die GrOsse 
unes HanoskopfeB und darüber. Walter*) beachreibt eines von 
71 PM. Schwere, 16^ Zoll Breite und 7 Zoll Dicke ; ja es werden 
solehe bis la 82 und 100 Pfd. schwer aufgefäbrt. Diese gans 
^DBsen sind eotweder solit&r, oder wenigstens eiTeicheD die 
anderen, sei es gleicbfalla intraparietalen, sei es snbmncßaeD oder 
subGerdBen, anr eine geringere Grtksse. Eh erklArt sich dies ans 
dem Druck der Masse, welche das Waebsthum der jAngeren 
Knoten hiodert. NamenÜicb die submucOsen werden geradezu 
platt gedrückt**). Bei kleineren latraparietalgeschwfilsten ist da- 
gegen meist eine gewisse Mnltiplio'tät***) vorhanden, so jedoch, 
lUsa aoch in diesem Falle bald nur mehrere intraparietale, bald 
innere oder äussere extramnskuläre Myome zugegen sind. 

Selbst grosse Intraparietal - Myome sind nicht selten sehr 
gleichmässig, wie ans einem Stück, so dass ein regelmfissiges 
Anwachsen ans einer grosseren Wandachicht angenommen werden 
miiss. Diesen einfachen Formen stehen die znsammeage- 
setsten gegenüber, wo gewöhnlich schon die ftnasere Oberfläche 
nicht glatt, sondern bOckerig oder lappig erscheint, und wo die 
Schnittfläche einen Änfban ans einer oft sehr beträchtlichen Zahl 
nrgprüDglich gesonderter Heerde oder Knoten eeigtf).. Hier sieht 
man zuweilen betr&cbtlicbe und wohl erhaltene Züge von Muskel- 
nasse zwischen den einzelnen Abtheilungeu der Gesamnatmasse 
bindurcbzieben und dieselben von einander abgrenzen, bis endlich 
>D einer gewiBeeo Stelle auch diese Züge wieder in grfissere oder 
kleinere Knoten oder Lappen übergehen (Fig. 322). An manchen 
Orten lockert sich auch der Znsammenhang zwischen den ein~ 
zelnea Theilen: bald so, dass die hindorchziebenden Züge mit 
der Oberfl&che der Knoten nnr ganz lose zosammenbängen, bald 
so, dass auch innerhalb der Züge die einzelnen Lagen der 
Uosknlatur blfttterförmig an einander liegen und durch ein sehr 



•) Walter. Ebeadag. S. 10. 
") Titelknpfer Fig. 5, 4. 

*•*} Leberk Tnitä d'anat. intb. Atlas. T II. PI. CLVIL fig. 1-3. 
t) Hooper I.e. PI. V. 



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176 Dreiundzwittii^te TorleaHng. 

sartes and dehnbares Interstitialgewebe nnr eben zngammeDge- 
halten werden. 

Der Haupteitz der Intr&parietal-Myome iBt die hintere Wand 
des Uterus, welche auch schon normal eine etwas grössere StSrke 
hat. Manchmal entwickeln sie sich fast durch die ganze Höhe 
dieser Wand, eelbst dos Collum mit eingeschlossen; sehr hSafig 
sitzen sie mehr nach oben, dem Fandas n&her, doch kann auch 
jeder andere Punkt des üteruskflrpers sie hervorbringen. Nächst- 
dem Ist der Fnndus selbst sn erw&hnen; in letzter Stelle erst 
kommt die vordere Wand *). - • 

Selbst die sehr grossen GeschwOlste sind überwi^end mnd, 
manche geradezu kugelig. Nur bei zusammengesetzten Fonnea 
eracheint die Geschwulst lappig, zuweilen wie aus zwei oder 
mehreren Halbkngeln zusammengesetzt, seltener knollig. Die 
mehr diffusen Formen der hinteren Wand haben eine l&nflieh 
runde, zuweilen eiRirmige Gestalt, ja in einzelnen Fällen werden 
sie fiist cylindrisch, walzenf&rmig. Auch die Hyome des Fundas 
erheben sich manchmal als grosse Ovale über den DtemB- 
kflrper""). 

Man mnss sich aber daran erinnern, dasa eine scharfe 
Grenze zwischen intraparietalea und extraparietalen Myomen , 
nicht existirt, dass vielmehr die einen in die anderen Ober' 
gehen. Nicht immer liegen die intraparietalen mitten in der 
Wand, obwohl solche Fälle unzweifelhaft oft vorkommen; sehr 
viel hfinfiger entstehen sie excentrisch und bei weiterem Wachsthum 
schieben sie sich b^d mehr nacb innen, bald mehr nach aussen 
vor. Im ersteren Falle geschieht es, dass sie, gleich den eigent- 
lichen Polypen, nach und nach die Uterushöble fallen und aus- 
dehnen; im zweiten dagegen drängt sich die äussere Oberfläche 
mehr und mehr hervor und die Gesohwulststelle erscheint als eine 
kugelige oder eiförmige Wölbung gegen die Bauchhöhle***). 

Die Confignration der Uterushohle, die Lage und Stellung 
des Uterus Oberhaupt, die Grösse und Gestalt desselben bieten Je 
nach der Lage und Grosse der Geschwulst die grösaten Mannich- 
faltigkeiten dar. Sehr selten bewahrt die Uterushöhle ihre gerade 

*} Rud. Haier. Berichte der uaturf. Oea. iq Preibnrg i. Br. 1857. 
No. 21. S. 8M. Taf. VI. Fi«. 2. 

♦■) Glupe. Atlas der palh. Anat. Lief. IV. Taf. IV. Fig. U. 
•*•) Ed. Sandifort. Obuerv. path. »nat. Tab. Vll. fig. l. 



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VerlDderoBg der Form d«B Dterni dareh Hyome. 177 

RMitDiig; meiat wird sie verschoben «ad verzogen, so dafia eine 
eingsßhrte Sonde die grOsBteD SohwierJgkeitea der Fortbewegung 
findet Die Kichtnog, in weicher eie eingebracht werden kann, 
giebt daber wichtige di^nostiBche Anfaaltapnnkte für die Benrtbei- 
laog dw Sitzes der Geacbwnlst, der dnioh die änssere Bettwtni^ 
oft gar niobt ermittelt werden kann. Am h&ufigeten wird die 
ütemsbOhle gebogen , entweder anf der Fl&ohe, oder nach einer 
Seite bin. Anf Dttfchsohüitten stellt sie eich daher oft halbmond- 
ßnnig*) aar; ja sie kann halbkreisförmig erscheinen, indem ein 
gegen sie vorragendea Myom die entg^enstehende Wand zurück- 
Bcbiebt und die HOhle in gitVeeerer. Enitreckung um das Myom 
hemm verfolgt werden muss. Zuweilen macht die Höhle auch 
tnehrfoche Krümmungen in verschiedenen Richtungen 2. B. so, 
diBs sie Eoerat einfach nach hinten oder vom gelegen ist und 
duin erst seitlich, seltot horizontal verl&uft**). Kehrfache Myome 
machen die Hfihle ganz unregelm&asig***). Natürlich ist damit - 
in der Mehnahl der F&lle eine sehr betr&chtliche Yerläogemogf), 
aieht selten auch eine VerbreiteniDg der Hfihle verbanden; jedes- 
mal ist die letztere aber erheblich verengert -durch das dichte Auf- 
einauderliegea der Wandungen, wenn nicht Absondefungs- oder 
Wncherangsprodukte sie ausdehnen. In manchen FUlen ergiebt 
neh daraus selbst für die anatomische Untersuchung die äoeserste 
Schwierigkeit, die HOhle in ihrem Verlaufe sn verfolgen; ja, man 
kann scheinbar eine Atresie gewisser Theile der Höhle antreffen, 
hinter welcher sich eine ebenso scheinbar abgesobloesene £rweite- 
nmg zeigt. loh war mehrmals in der Lage, erst bei wiederholter 
Untersachnag die Contürait&t der HOhleortheile zu finden, wo selbst 
eine genauere Aufmerksamkeit dieselbe znn&chst nicht hatte ent- 
deck» lanen. 



*) Hooper. Morbid inatomy of the human ntenis. PI. IV. fig. 3. 
PL VIL fig. I. OrDTSilhier. AtUs d'anat pathol. Lin. XIV. PI. 1, 2. 
Hein Titelkopfer Fig. 2~S. 

**) Prtpüat Ho. ISO vom Jabre 1865. Uultiple Fibramyome des Uteraa 
bä kaukroidM» GeeehwQr dw lüctnns und der VagioBj die IIDble dee 
Dtens macht ia ihrer Mitte eine plOtiliche Aenderung ihres Vertanfea unter 
einem rechten Winkel 

•**> Rooper ]. c. Fl. V. Hein Titelkupfer Fig. 5. 

t) Carl Weoiel. Ueber die Krankheiten des UteroB. Taf. VIL— VIII. 
Labert. Trait« d'anat path. Atlas. T. II. PL CLVII. flg. 2-3. Simpson. 
Obetetric memoin. Vol. I. p. 76. 

TIriksw. 0*Hta«IUiU. IIL IJ) 



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178 DreJDiidswftDiigBte VotImdo^. 

Die aoffUligete VerSoderang, welche ich gesehen habe, findet 
sich in eioem Pt^parat unserer Sammlang*), wo ein groBSee, 
weiches, telangtektatischeB Myom der hinteren Wand mit Prolapsne 
Terbanden ist. Nach anssen ror dem ScheideneiDgang tritt eine 
grosse rnndliehe Masse hervor, hanptB&chlieh gebildet durch eine 
starke Cystocele und eine geringe Enterocele vaginalis; etwas 
nach hinten bemerkt man daran das ziemlich weite Orificinm 
externum uteri. Eine hier eingefQhrte Sonde ergiebt die enorme 
L&nge des dünnwandigen Cervikalkanala, welcher ganz das Aoh- 
aehen einer erweiterten Urethra hat, von 15 Cent. Darauf folgt der 
am Orif. internum nach vorn geknickte , 8,5 Cent, in der I knge 
messende Uterus- Die Geschwulst, welche 22 Cent, hoch nnd 
oben 16, onten-lO — 11 Cent, dick ist, den Fandus nicht über- 
r^, dagegen nach unten bis gegen das Perinaenm reicht, ist 
rings durch perimetritiBche B&nder festgehalten; sie h&ngt jedoch 
direkt nur mit dem oberhalb des Orif. internum gelegenen Theil 
der Utemswand zusammen. — Diesem Fall zanächst kommt ein 
anderer**), wo ein grosses, vielfach verkalktes Fibromyom in der 
vorderen Wand des Uterus sitzt. Hier misst die Vagina 9, das 
Collum 5, das sehr anseinandergezerrte Orif. iatemom fast 3, der 
Uterus 5,5 Cent., wfthrend die 16 Cent hohe und 9—12 Cent, 
dicke Gesehwalst, welche in ihrer ganzen Ansdehnnng mit dem 
Uterus zusammenhängt, nach oben ziemlich genau mit dem 
Fundus, nach unten in der Hohe der Portio vaginalis ab- 
schneidet. Da sie mehr nach links bin ihren Sitz hat, so ist 
der Utems selbst nach rechts geschoben nnd etwas nm seine 
Axe gedreht, so dass sich zu der Elongation noch eine Art von 
Torsion hjnzngesellt. 

Meist ist die vergrfisserte Höhle mit einer etwas verdickten, 
aber glatten Schleimhaut Qberkleidet. Diese pflegt bei Lebxeiten 
sl&rker abznsondern (Fluor uterinus) und zu Blutungen, nament- 
lich zu stärkerer Menstnialblatnng geneigt zu sein. Manchmal 
gehen die Drüsen dabei cystoide UmwandluDgen ein ; zuweilen 
fand ich gerade hier die grOssten Mollusken***) mit Gysten- 
einschluss (Bd. I. S. 241, Fig. 38). In seltneren Fällen bilden 



*) Priporat No. f>TS. 
") Prtpirat No. 576. 

***} Pripkrate No. 61 vom Jahre 1857, No. 133 Tom Jahre 18G.'>, No. 45 
Tom Jahr« 1866. 



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VerladeniDgeD der Laj;« «od Gestalt des Utenia durch Hjrom. 179 

sieh einbch polypöse Ansvüchse der Schleimbant*), abgesehen 
TOD den rtwa gleiehMitigen polypösen Myomen. 

Allein es wird nicht allein die Uternsbtihle verändert, sondern 
die Lage nad Stellung des Uterus im Ganun er&üirt die grOssten 
Abweichangen**). Am h&ntigsten sind Knickangen, welche 
gewöhnlich in der Gegend des Orir. intemum erfolgen, so dass 
bei Myomen der hinteren Uternswand Ante-, bei denen der 
Torderen Wand Retroflexionen erfolgen***), welche die Einbrin- 
gnng der Sonde geradezu unmöglich machen nnd durch Bmck auf 
die Nachbarorgane, durch Einkeilung in das kleine Becken u. s. w. 
die gr&BBten Beschwerden erzeugen. Myome der Seitenwände 
bedingen natfirlich seitliche VerechieboDgen und Verbiegungen. 
Grosse diffuse Myome verdr&ngeu den Uterus im Gänsen nach 
Torn oder hinten, so dass die Erscheinungen der Ante- oder 
Eetroversion eintreten. Dabei kann der Uterus so tief faeninter- 
^rängt werden, dass er einen Frolapsns bildet ; er kann anderer- 
seits, zumal bei grossen latrapariet^-Myomen des Fundus, sich 
der Art Aber das kleine Becken erheben nnd in die Bauchhahle 
beronftreten, dass die Portio vaginalis beim Touchiren durch die 
Vagina kaum erreicht wird nnd dass die ftuBserste Elongatioi 
erfolgtt). 

Die Gestalt des Uterus wird dadurch oft so sehr veriUidert, 
dass man selbst bei der Antopeie in Verlegenheit ger&th, zn ent- 
scheiden, was vorn und hinten, was rechts nnd links ist. In 
fielen Fällen hilft hier nur die Feststellung der Insertionsstellen 
der Tuben und der Ligamente. Diese sitzen häufig nicht am 
oberen, sondern am unteren Umfange der Geschwulst ff), die 
eine Tube hoch, die andere tief, ja zuweilen sieht es aus, als 
befänden sich beide auf derselben Seite. Am besten leitet die 
InsertioQ der Ligamenta rotnnda und die Lage der Eierstocke 
binter den laben. Allein alle diese Theile erfahren zugleich sehr 
gewöhnlich die beträchtlichsten Veränderungen. Insbesondere ver- 
Ungern sich die Toben nnd Ligamente manchmal um das Zwei- 



*) ^r^Mnt Mo. 249 Tom J^re 1864. 

T>b. [ __. 

***) Pripante No. 673, No. 223 Tom Jnhre 18^7, No. 270 Tom Jahre 1803. 
t) Booper L c. PI. VI. 
tt) 11t«lkipf«r Flg. 6, d. 

M* 



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IgO DreinndtmuiKigBte Toritrang. 

und Dreifache, flelbet um nocli mebr; die Ligamenta rotnids 
werden breiter ood stätker, indem eine wirkliebe Hyperplaeie 
eintritt*); die Tuben werden manchmttl ungleich bydropiech") 
und bilden am Umfange der Geschwulst, mit der sie vlelleidit 
verwachsen sind, cystische S&cke, oder letttere hftngen auch wohl 
frei neben der Geschwulst. 

Ganz besonders complicirt stellen sich jene FlUle dar, in 
welchen die intraparietale Geschwalst sich intraligamentfts 
hervorwölbt***) und dadurch die gante Süssere Eyscheinnng des 
Uterus umgestaltet wird. In einem solchen Fallef) fand ich ein 
kolossales, weiches und viellappiges, telangiektatrsches Myom von 
30 Gent. Hohe und beiläufig 20 Cent. Dicke, welches von der 
linken Hälfte der hinteren Wand absg^angen vrar, ganz in du 
linke Ligamentum latnm eingedrongen ; von da hatte es sich 
hinter der Vagina und in engem Zusammenhange mit derselben 
bis gegen den Damm binabgeschoben, indem es im oberen Theile 
der Scheide eine flachrundliche Hervorragnng bildete. Der Fundus, 
der von der Geschwulst betr&chtlich überragt wurde, stand gani 
schief, indem die linke Seite mit erhöben war, und die linke 
Tube lag weit nach oben bin ganz versteckt zwischen den Knollen 
der Geschwulst. In einem anderen Falleft)] ^o gleichfalls der 
linke Theil der hinteren Wand Ausgangspunkt war, hatte sich 
ein weit fiber Hannskopf grosses, 24 Cent, hohes und bis 18 Cent, 
dickes Fibromyom zwischen den Bl&ttem des Lig. latum bis un- 
mittelbar an den Eierstock geschoben und diesen weit von dem 
Uterus abgedr&ngt; gleichzeitig war der Utems verlängert und 
aoteflektirt Die von Walterf+f) beschriebene 71 Pfund schwere 
Geschwulst (S. 175), die sich bei einem Mädchen, das einmal 
geboren hatte, wahrscheinlich schon mit 20 Jahren entvrickelt 
hatte, war von der linken hinteren Seite des Uterus ausgegangen 
und hatte sich weit in das linke Ligament geschoben, indem der 
Uterus stark verlängert war. 

GescbwKIste dieser Art erzengen durch die Beeintt&chtigung 
des Beckenranmes und durch den Dmck, den sie auf die Uretereo, 

*) Titelkupfer Fig. 1. 

") Prtparat No. W8 Tom J«hre 1857. TiUlknpfer Fig. B, d. 
*") Titelkupfer Fig. 3. C. Hecker. Klinik der Oebartek. Bd. II. S. 129. 
t) PrSpiMt No. 209 vom' Jahre 18G3. 
tt) PrSDAnt No. 270 vom Jahre 1863. ' 
ttt) Wolter, lieber fibrtee KOrper der Oebinnntter. S. 10. AbbtldnaE- 



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RetroQUiine nad retioTAginmle Ujome. 18X 

die .Gafftsae und Nerven, den Mwtdana aasfiben, nngleich grOeaere 
Beschwerden, als die- vielleicht gr&sBeien Myome, welche sich mit 
dem Uteras gegen die BaachhOhleheranfscbieben. Ihnen sanächst 
stehen die retroateiiaen*), bald mehr, bald weniger über die 
Utem^flAehe erhobenen und daher den subserögen Formen sich 
aaschliessendea Myome, welche gleichfalls gewöhnlich im kleinen 
Becken bleibMi und sich in der Auahöhlang des Kreuzbeins fest 
eiokeileo. In einem solchen Falle**) sitzt eia 12 Cent, hohes, 
7—8 Ceat. dickes, weiches Myom, welches äusserlich ein Gefühl 
von scheinbarer Flnktaation darbot, an der hiatereo Wand des 
Ctenu, mit der es von der Gegend des Orificium intemnm anf- 
wärts in Terbindung steht. Der Uterus, welcher noch mehrere 
kleine Myome entbült, ist dadurch anteflektirt; zogleich erstreckt 
eich aber die Geschwulst abwärts in die Excavatio rectputerina 
80 tief herab, daas das hintere Scheidengew&lbe dadurch stark 
bervorgedrSiigt wird. Ringsum liegen zahlreiche perimetritische 
AdhSsioaea, so daes jede Spur eines freien Raomes hinter dem 
Uterus verschwunden ist; auch die Mündungen der Tubea sind 
verwachse^ und ihre HShluqgen hydropisch ausgedehnt. 

Diesp F&lle zeigen schon, dass manche solche retrouterinen 
G^chwülste Bchlieaslioh aocb retrovaginal werden (S. 178) 
nad mit primären Myomen der Vagina verwecbselt werden kdnnen. 
Die DteringesohwulBt schiebt sich zuweileo Bubperitonial herab, 
so dass sie in organischer Verbindung mit der Scheide bleibt***). 
Unsere Sammlung b^tzt ein solches Pr^iaratt)r ia welchem die 
18 Cent hohe, 12— 14 Gent, dicke, übtigens ifeiche and lappige 
Geschwulst sieh so tief hinter die Vagina herabgedräogt hat, dass 
die fi&lfte ihrer Bfihe auf .die letztere fällt; trotzdem findet sich 
eine wirklidte GontinuiUit der inneren Substanz nur oberhalb des 
Orififflum intenuim. 

Ganz andere diagnostische Schwierigkeiten machen die schon 
erwUintea (S. 165) Intraparietal-Myome, welche sich mehr nach 
ionen gegen die Uterinhühle entwickeln und schliesslich eine 
gewisse Aehnliehkeit mit Polypen erlangen. Bei einer massigen 
Grösse bilden sie gegen die UterinhChle halbkugelige Hervor- 



•) C. Wenzel a. a. 0. Taf. Vll.-Vlü. 
••) PiSparat No. 223 Tom Jahre 1867. 
•"JcWeniel a. a. 0. Taf. X.-XI. 
i) Fiipant No. 571 



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Ig2 DreiaodivKiitigat« VorleaaDg. 

ragungeo, welche die Gestalt der Hftble Teitodern*). Solche, 
die von dem Fandas aaegeheo, kOnnen die HChle so eindrfli^eii, 
daas die gegen die Tuben binlanfenden Abechnitte als besondere 
Kao&le erscheinen nnd der Anbliek eines Kweihftmigen Uterus ent- 
steht**). Sitzen sie in der liinteren oder vorderen ***) Wand, so 
fRllea sie schnell die ütemsbfthle, scbieben sich, wie die Polypen, 
durch das Orif. internnm, erweitem die GervikalhOhle nnd dringen 
gegen das Orif. extemnmf). In einem solchen Palleff), wo 
das weiche, etwa 4 Pfd. schwere Myom 18 Cent, hoch und 
14—16 Cent, diok ist, findet sich der Hals aebst der Portio vagi- 
nalis Terstrichen, wie bei einer herannahenden Gebart; der finesere 
Muttermund ist kreisrund geOfliiet nnd von ganz dttnnen' flachen 
Lippen umgeben Kleinere Theile der Geschwulst, welche in 
jauchigem Zerfoll waren, hingen ans dem Muttermunde hervor, 
durch welchen man einen Finger einbringen nnd das Myom bis 
anf 1 Zoll EntfernuDg bequem umg^en konnte. Die Uterng- 
hoble ist sehr erweitert, aber aberall von der Gesdiwulst auf 
das Dichteste erfQllt; ein coiitiouirlicher Zusammenbang mit der 
Muskethaut besteht jedoch nur an der vorderen Wand des Uteros- 
kArpers. Hier wäre eine Verwechselung mit Graviditftt nat&r- 
lich besonders leicht; das Verhalten der Vaginalportion und des 
Muttermundes hat die grSaste AehnHchkeit mit dem kurx vor der 
Geburt-j-ft). — In einem uidereo Falle*|) ist der Ütems durch 
die 22 Cent, hohe und 31 Cent dicke, von der hinteren Wand 
ausgehende, gleichfalls weiche Geschwulst bis ur GrCsse eines 
Tollschwangeren Organs dusgedehnt; die Geschwulst hängt mit 
einer zottigen, naregelmässig zerfetzten Fläche in die sehr er- 
weiterte Scheide herab. Collam und Portio vaginalis sind so 
erweitert und verdünnt, dass man kaum ihre Grenxe gegen die 
Scheide erkennen kann. Alle diese Theile sind mit flachen 
Ulcerationen besetzt. 

. Viele solcher Fälle sind in der Literatur einfach als fibröse 
oder Fletachpotypen beschrieben worden. Aber gerade aus prakti- 



•} Rob. Lee. Med. chir. Tnnuct. VoL XLIV. p. 112. PI. IV. 
**) Priparat »o. 167 tom Jahre 1868, No. Uü vom Jabre 1664. 
•") Jnsti. Hein ArehiT. Bd. XXXII. S. 143. 
t) Rob. Lee. Med. chir, Traasact. Vol. XIX. p. I22. PI. 11. ScansooL 
Beitrage. U. S. IGT, 

tt) Präparat No. 1011 (toiu Jahre 1659). 
tH) Gluge. Atlu der path. Anat. Lief. V. Taf. IV. Fig. I. 
*t) Präparat No. 46 vom Jahre 1866. Gtacheok des Dr. Louis Hayer- 



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Spontane Expnluon iitrapui«UI«r H^ome. Xgg 

■eilen GrAaden ist es wichtig, sie von deneelbeD ed treonea. Sie 
haben ^m k«ine Neigung, einen Stiel zu bilden; im Gegeottieil, 
Hfl sitzen ganz breit auf, in vollem and weitem ZneammdohaDge 
oit der Haskelwand, von der sie reiobücheB firnftbruDga- nnd 
Bildnngsmaterial beziehen, ao dass sie colossal wachsen. Dabei 
bann es freilich geschehen, dass an ihrer Ober6&cho allerlei 
polypftse Auswüchse*) TOrkommeu, sei es, dass diese ihrerseits 
myomatOs sind, oder dass sie nnr Mollnskea und Polypen der 
Schleimhaut darstellen. In operativer Beüehang sind sie ungleich 
wichtiger nnd gefährlicher, insbesondere kommen nach ihrer Ab- 
iragnng heftigere Blutungen, nach dem Versuch der Unterbia- 
dong, ja selbst der Enucleation leicht maligne Entzfindnngen mit 
jauchiger Venentbrombose oder difüeer LymphgeßlssentzOnduDg 
Tor, die in höchstem Maasse gef&hrlich werden. Ja, dieselben 
Entzfindnngen entstehen zuweilen spontan, complieiren siob mit 
Peritonitis**) nnd machen einen Verlauf, wie PnerperalentzQn- 
doDgen. 

Gerade diese Formen sind es, auf welche sich manche Beob- 
aehtongen spontaner Expulsion beciehen (S. 172). Manchmal 
ist es die im Umfange des Myoms fortkriechende Veijauchang oder 
Vereitwnng, welche nach Art der disaecirenden Entefindongen die 
Verbindungen mit dem Organ lOst***), und sei es die freiwillige, 
durch üteraacontraction gesdiehende Geburt der Geschwnlst, oder 
ihre kfinstliche Extraction mOglicb macht Anderemal dagegen 
uurirt die Geschwulst, vielleicht unterstnUt durch wehenartige 
Zasammensiehungen des Oi^aos, langsam die bedeckenden Muskel- 
BDd Sddeimhauts^icbten und tritt zu Tage, ohne dass eine eigent- 
liche Eiterung oder Jauebung zu Stande kommt. Ganz grosse 
Hyome können anf diese Weise entfernt werden, woranf der 
Uterus sieh allmählich znrückbildet 

Es erübrigt jetzt noch, die innere Gesohicbte der intra- 
parietalen Myome genauer zu besprechen. Hier ist zunächet zn 
erwähnen, dass ia diesen Geschwülsten zuweilen das Muskel- 
gewebe in grosser Ausdehnung fettige.n Ver&nderuDgen 
unterliegt and sich suTüekbildet, ähnlich wie im schwangeren 



•) Ginge. Atlu der path. Anat Lief. VIII. Tftf. IV. Fig. 3-3. Cru- 
eilhiet. Tnite d'aoat. patfa. giair. T. IH. p. 653. Note. 

•■) Priparat No. lOIl. 

**•) RokitaDBlcy. Ilandbach der path. Anat. Wien. 1U2. Bd. II. S.541. 
ia*eilbi«T I.e. p. 681. 



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184 Dnlnodtwusigata Votiamog. 

DteruB nach dem Puerperimn*). Dann treten an einzelnen Stelleo 
Atrophien ein und cb kann za einer gewissen Verkleinernog 
der Gesoh-wnlst kommen. Dieser Fail ist therapentisch der am 
meisten interessante und neuerlich am meisten diBcatirte, in- 
d«m es sich fragt, ob eine solche Geschwulst g&nclich 
EnrSekgebildet werden kann? Es ist das in der letiten 
Zeit mehrfach behauptet worden; die Heilnng soll namentUch 
durch die prolongirte Einwirkiing gewisser Mineralwässer, z. B. 
der Kreuznacher, der Krankenheiler, bu Stande kommen**). Ana- 
tomisch bat man diese FfiUe jedoch nicht genan coostatiil Ich 
mnss sagen, dass ich- es f&r sehr nnwahrscheinlich halte, dase 
ein Tollständiges Verschwinden stattfindet; dass aber eine eiiieb- 
liche Verkleinening erfolgen kann, das ist um so weniger in 
Abrede zu stellen, als fettige Degeneration der Unskolatar that- 
säehlich vorkommt und eine RSckbildung der Gef&sse sehr wohl 
laO^ich ist Von dem Bindegewebe wird wohl immer ein erheb- 
licher Antheil zurückbleiben; dass es ganz und gar verschwindet, 
halte ich fllr unwahrscheinlich, und so lange es nicht dir«ct dar- 
gethan ist, mnss ich es bezweifeln. Immerhin ist sehr viel ge- 
wonneuj wenn durch ßät ganze Geaehwnlst hindurch dieMuskn- 
tatnr einer fettigen Metamorphose unterliegt nnd das e^entliehe 
Motiv des Waehsthums entfernt wird, denn das liegt in der 
MNskolatar und nicht im Bindegewehe. 

Schon John Clarke***) hat einen Fall beschrieben, wo 
betrftcfatlicfae Geschwülste, w^che bei Lebzeiten genau durch die 
BaHchdeck«n gefehlt werden konnten, sich so verkleinert hatten, 
dass zwei Jahre sp&ter, nach dem Tode der Frao, nnr noch gant 
unbedeutende Reste gefunden wurden. Die eine dieser Geschwülste 
war mannsfaustgrofiB gewesen, die andere noch einmal so gross; 
nach dem Tode zeigten sich nur zwei erbsengrosse, harte Knoten. 
Aehnlidie Beobachtungen sind auch von anderen Gynikologen 
und Aerzt«nt) gemacht worden, namentlich nach dem Gebrauche 



•) Vircho«. Wiener med, WocheoBchr. 185G. S. 101. 
") 0. Prieger. Mooatachr. f. Üeburttk. n. Fnaenknabh. 186S. H«ft 8: 
iTtelR. VerhaDdl.derGeeellBch.f.Geburtsb.iDBerliD. 1S52. lieft VI. S. 1. 
*") John CUrke. Traoa»:!. of a Soc. for the improTemeot of med. 
i chir. kDowledge. IB12. Voi. III. p. 303. 

f) Simpson. Obstetric memoirB. Vol. I. p. 115. Ashwell ft. ». 0. 
341. Edv- Rig-bv- On tbe (^onstitutioDa] treatment of female diM»8«s. 
Dd. 1Ö57. p. 189. Uruveilbier. Tnitd d'snat. patb. ^inii. T. lU. p. 673. 



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Induntion der InlnpHieUI-lljoine. Ig5 

Ton Jod aad Brom, aber im AUgemeiDen kiuiD man wohl nur 
gagOD, daas die weitere Aaebildung der Gesdiwalfit dadurch 
^hesunt*) oder eine Verkleinerung hervorgebracht wird, aber 
nicht, dase sie g&nüich zur Resolution 'kommt. Selbst Kreuznaober 
nDd aadere Badeärzte**) haben dies anerkannt. Unzweifelhaft 
verbindet lich dieae Verkleiaernng, wie schon der Fall von 
Clarke lehrt, mit Induration, und diese wieder ist abbäagig 
TCD einer Vermehniiig und Verdichtung des interstitiellen Binde' 
gewebes, also von einer entzfindlichea Affection. Die sehr harten 
latrapuietal-Myome , welche eine ganz sehnige (desmoide) oder 
Hg. iao. 



Fig. 920. Die Dunhacbiiittafläche «iiies groBseo, getrockaeten , rer- 
kalkl«n inbromjoms , an welcher man die vielfach eewiiDdeoen and ler- 
ichtDngeDen ZQge der verkalkteD fialken sieht. Die Il&lfte der GeschwiilBt, 
»eiche ibgebildet ist, wiegt trocken 185,5 Onnms. Pr&pant No."lOo Tom 
Jahre 1663. NatOrL GrCsse. 

*) Th. Safford Lee a. a. 0. S. 85. 

**) Prieger. Er&hrongMi Ober die Heilkrifte der Jod- n. Bromhaltigen 
Eiiubeth-Qnelle in Krenznach. Haini. 1845 S. GS. G. EDgelBaan. 
Krentnach, aeiae Heüqnellen nnd de^en AmrendDiig. Kren». 1857. 8.88 
B?DierkoQgeD Aber das Bad Krenioacb. (Ans der Bai neo logischen Zeitnng) 
S. 31. Paspel. Die jod- und bronibBttige Koctasalzwasaer-Queile toq 
Kfiaigadorff-Jaatnemh. Breelan. 1866. S. 57. G.Scholz. Klinische Stndien 
nber die Vitknng der StablbUer in der Oynikologie. BerliD. 1863. 8. 5S. 



)vG00<^lc 



ISO DreinndiWkBiigBte Voriteang. 

knorpeUUmliobe Beschaffenheit zeigen, sind. stets solche, welche 
Eur Ruhe gekommen sind; ich finde dabei die sehr charakte- 
ristische Tbatsache, dass mit den tfyomen in vielen Fällen m- 
gleich die Maskelwand des Uterns eine allgemeine Atrophie and 
Verdünnung erfahrt. Eine solche Atrophie des Uterus, welche auch 
klinisch von grosser Bedeutung ist, kommt jedoch bsnptsäcfalich 
dem höheren Lebensalter zu, und man darf wohl annehmen, dass 
sie sich zQweilen anf die Uyome fortsetzt. 

Auf die Induration folgt sehr häufig die Verkalkung, 
welche auch bei den intraparietaleu Myomen in grosser Ans- 
dehnong vorkommt. Sie tritt mitten in der Geschwulst gewöhn- 
lich in einer Reihe von einzelnen Zügen auf, welche sieh vielfach 
verschlingen, zwischen sich aber noch Fasermasse haben; später 
bilden sieb stellenweise mehr zusammenhängende, knochen&bnliche 
Massen von solcher Dichtigkeit, dass man sie nur mit Mühe durch- 
sägen kann und dass sie nach dem Schleifen so dicht wie Elfen- 
bein oder Marmor erscheinen*). Zaweilen wird der grösste Theil 



Fig. 221. Skelet der anderen, micerirlen Uilfte der in Fig. S30 ib- 
gebildeten Geschwulst. Die Wciclitheile sind follstHndig eotfernt. D*» 
Vorliegende entspricht der änsserea OberBSche der Geschwulet. Priptnt 
No. 10b vom Jahre l»t>3. NatDrl. GrOsse. 

*> Rob. Lee. Med. chir. TroDsact Vol. XIX. p. 96. Ilooper. Morbid 
Mit. of the hnmao uteias. PI. VII. fig. 2. W&lter. Ueber fibrSae K6rper 
der GebinDntter. S. 10. Leben. Pbysiol. path. T. 11. p. 1S1. 



jvGoo'^lc 



üteruMtatDe. IST 

^068 Myoms in einer solchen Wuse verändert, und es entstehen 
pfnndschwere EInmpen, in denen nur noch ganz wenig Sabstanz 
enthalten ist, die nicht mit verkalkt ist Löst man solche Knoten 
na md lässt man sie trocknen, so gewinnt man rundliche Körper 
von grobhöckeriger Oberfläche, fiberans hart und schwer, wie ans 
Felsgestein gebildet. Macerirt man sie jedoch, so entsteht eine 
lose Hasse, vergleichbar einem Korallen- oder Madreporenstock, 
deneen einzelne Theile leicht aua einander brechen oder fallen 
and ffir sich eine sehr dichte, gelblich graue Substanz darstellen. 
Wie sohön fräher (S. 116) erwähnt, haben dieEo Massen gewöhn- 
lich keine eigentlich knJlcherne BeschafTeoheit; es sind amorphe 
Versteinerungen (Petrifikationen). 

Die Vorstellnng der Alten von den sogenannten üterus- 
flteinen (Galculi uterini) bezieht sich, wie schon Baillie*) 
wenigstens für die „Knochen" richtig hervorhob, oäeuhar auf solche 
Gea^wülste. Allerdings dachte man sich früher, dass die Steine 
in der Hfihle des Uteras lose lägen und dort gebildet würden. 
£ine solche Vorstellung war an sich sehr natürlich, wenn man die 
«mzebien Fille in Erwägung zieht**). Schon Hippocrates***) 
erzählt einen sehr charakteristisehen Fall von einer 60jährigen 
thesBalischen Magd, die in ihrer Jugend bei jedem Beischlaf starke 
Stibmerzea empfänden hatte, jedoch nie schwanger geworden war, 
dass sie eines Tages, nachdem sie viel Lauch (Zwiebeln? xf<i<ra) 
gegessen hatte, von den hefteten wehenartigen Schmerzen be- 
(ftllen wnrde und beim Anstehen etwas Ranhes im Muttermunde 
fiihlte. Ein anderes Frauenzimmer habe der schon Ohnmächtigen 
einen rauhen Stein, ähnlich dem Wirtel auf der Spindel, her- 
vorgezogen. Andere unter den Alten berichten ähnliche Fälle, 
welche scheinbar sämmtlich fOr eine freie Entstehung der Utems- 
steine sprechen. Erst seit dem Beginn der anatomischen Dnter- 
aucbungenf) überzeugte man sich allmählich, dass derartige Steine 
in der Uternssubstanz vorkommen. Allein Viele unterschieden 
nun, wie auch noch Baillie thut. Steine und Knochen (Osteo- 



*) Baillie. Auat. dea krankh. BkueB. S. 219. 

"} Lieutaud. Übt uiat. med. Ooth. et Amat 1796. Vol. I p. 420. 
"•) Hippocratea. Epidem. Üb. V. Ed. KOho. Vol. 111. p. &&9. 
f) J.Scbenk kGrafenberg. Obaerv. med. rar. Prancof. 16ii5. p. 649. 
[■ib. IV. Lapides in utero nati. 



gii^osb/GoOt^lC 



IgS Drain adsini)xigate Vorleanng. 

iteitome, OBteoaarkome) im Uteras. Ueckel*) vu wohl der 
erate, welcher beideB vereinigte nnd die Ansicht aufstellte, dasa 
die Steine arsprfinglich mit dem Uterus znsanuQeahingen und 
erst Ep&ter frei würden. Rob. Lee**) hat dann, iadeou er die 
ganze Gruppe unter dem Namen ,der fibrocalclren Gesdiwfilate 
evsammenfasate , in genaaerer Dantellnng den Zafwnmenhuig 
fes^estellt. - 

Es mag noD wohl seio, dasa einzelne der in der Litwator ver- 
zetehoeten Beobachtungen imdera zu deuten sind. Wenn Brugna- 
telli***) in der Mitte eines ans Kalkpbosphat bestehendea Ctenu- 
steines die Tibia eines Hühncheos fand, so kann man allerdingB mit 
Lee den Zweifel aufwerfen, ob hier nicht eine Verwechselai:^ mit 
einem Harnstein vorlag, indesB kann ein solcher Kaoohen leichter 
in die Tagina, als in die Barnblase gelangen, und die Inkrnata- 
tionen von Peasarien, welche lange in der Seheide verweilen, 
lehren uns, dass hier eine Ablagerung von Erden in gnwser H«ige 
vorkommen kann. Im Ganzes wird man aber wohl nicht fehl 
gehen , wenn man annimmt , dass die ütemssteine verkalkte 
Myome nnd. Schon früher (S. 167) habe ich erw&hnt, dass mir 
kein ganz Bicherer Fall bekannt ist, wo eigentliche Fleiscbpolypen 
verkalkt seien. Hooperf) liefert allerdings die Abbildung eines 
scheinbar gestidten, bei Lebzeiten abgegangenen UtMmsstaines, 
aber der Uterus, zu dem er gehörte, ist nicht untersncfat worden. 

Dagegen ist es dorchaus nicht ungewöhnlich, intraparietsle 
Myome in mehr oder weniger groBser Ausdefannag veikalkt zn 
finden, welche,- znmal in einem atrophischen Uterus, der inneren 
Oberfi&^e sehr nahe liegen oder gegen die UtemshAhle promi- 
nireaff). Findet in ihrem UiQfange eine fortschreitende Usor des 
Gewebes statt, bildet sich namentlich eine diasecirende Eiterung, 
so werden sie leicht frei werden kfinnen. Solche Entzflndnngen 
sind schon frfih beobachtet worden. SaliuBttt) orz&blt von einer 
oUen Nonne, dasB sie Monate lang von anhaltenden Schmerzen 
im Uterus geplagt gewesen sei and dann freiwillig einen onebenui 

*) Job. Fr. Hecke!.' Htndb. der path. Anat. Uipi. 181S. Bd. U. 2. 
S. 348. 

") Rob. Lee. Med. chtr. Tnnnct. 18S5. Vol. XIX. p. 96. 
•") R Lee 1. c. p. 97. 
t) Hooper. Morbid anktomT of tbe baniAD yteras. PI. VI), fie.4. 
tt) Hooper I.e. PI. VIL fig. 1. 
tftXSftlios ad cap. 113 pnct. Altomari dtiri «on Schenk L c p.619. 



3,:,ro::b,GoO'^lc 



Sjuntane AnslOBang dw UtflrDBBteine. Ig9 

Stein TOn der GrSsHe nnd Gestalt eines Enteneiee geboren habe, 
worauf die Schmerzea aufhörten; indesB habe ein fauliger Ans- 
flQHs ans dem Ütems fortbestanden, bo dass sie Bcblieaslich an 
ErBOhOpfhng zn Grnnde gegangen sei. Kob. Lee*) beobachtete 
einen ähnlichen Fall bei einer 62jährigea verheiratheten, aber 
kindeiiogen Fran, welche lange an Beschwerden im ünterleibe 
mit eiteriger nnd blutiger AbBondernng gelitten hatte. Zuerst 
ffiogen ihr kleinere nnregelrnft^ige Stücke, epSter eine kalkige 
Goncretion mit tempor&rer Erleichterung ab; bald nachher starb 
sie an Peritonitis, nnd es fand eich eine „maligne Ulceration" 
des ütems, die sich bis za einer grossen fibrocalcAren Geschwulst 
erstreckte, welche in der liinteren Wand des ütems eaes nnd die 
Höhlung des Kreuzbeins l&tite. Simpson**) entfernte bei einer 
G9jUirigen Frau, die mehrere Kinder geboren und Jahre lang an 
leichten Blntangen gelitten hatte, und die sp&ter heftige wehen- 
artige Schmerzanmie hatte, aus dorn Muttermund eine haselnuss- 
groBSe, anregelmässige, kalkige Masse. Es trat sofort Ruhe ein. 
Allein einige Zeit später kehrten die Anfälle noch heftiger wieder, 
und als nun der Mattermund künstlich erweitert wurde, fand sich 
eine noc)t grSsBere, jedoch adhftrente fibrocalcftre Masse im Uterus, 
welche stückweise gewidtsam entfernt wnrde. Die Stficke possten 
tnsammen nnd stellten eine orangengrosse Geschwulst dar. Jetzt 
trat dauernde Bessemng ein, obwohl noch mehrere librocalcÄre 
Knoten im ütems gefehlt werden konnten. — Möglicherweise kann 
auch auf diese Auslösungen das Puerperium einen entscheidenden 
Einfinss auBftben. Schenk***) berichtet aus dem Chronicon Aoto- 
nini circa annnm 1070 Ton einer Person, die drei Wochen am 
Kreisen war nnd die endlich, nachdem sie ein feierliches Gelübde 
gethan, drei Steine gebar, einen gSnseei-, einen hfihnerei- nnd 
einen nnEsgross, worauf schliesslich das Kind folgte. 

Diese Art der A-eiwiltigen AnslOsung, welche auf üsnr und 
ZerstOrong der bedeckenden Gebilde beraht, wird besonders er- 
Antert durch die Art, wie ausnahmsweise eine solche üsar und 
ZerstSruDg sich nach aus^n richtet. Loirf) sah eine manns- 



*) R Lee. Med. chir. TraoBact Vol. XIX. p. 100. 
**) SimpioD. Obatetric memoirB. Yol- 1. p. 135. 
"*) Schenk I.e. p. 619. 
t) Loir. Möm. de U aoc. de chir. 1851. T. II, (citirt bei Aran, 
de l'atina p. 8S6). 



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190 Dranodimnisigsts Vorleansg. 

fauatgroese Gesch'walst, welcJie nidit btoe die vordere Fl&ehe des 
UteroH, BOndern auch die Bancbwasd io der Gegend der Linea 
alba durchbohrt hatte, so dass sie als eine sehnftrsliche und 
fangöse Masse durch die gangrftaSse Ilant berrortrat. 

Doch ist dies nicht die einzige Art der AmdSsong. In der 
Abtheilong von Velpeau*) wurde ein Fall beobachtet, wo bei 
einer ßOjftfangen Frau scheinbar zwei Orifiden des Utems vor- 
handen waren; vor dem eigentlichen Muttermand lag eine Oeff- 
nung, vrelcbe zu einer mit kalkigen Massen gefällten Höhle Jtihrte. 
Bei der Autopsie fand man eine fibrOse Gesdiwulst, welche eine 
mit Kalkmassen erfüllte Höhle enthielt, die gegen die Scheide 
aufgebrochen war. Hier scheint also eine innere Eitemi^;' voran- 
gegangen zu sein. 

unter solchen Verhältnissen erregen die verkalkten Myome 
sehr verschiedenartige und Ungwierige, zuweilen sehr schwere 
ZnlUlle. Die früheren Schriftsteller**) haben denselben grossere 
Aufmerksamkeit zugewendet, als es Seitens der neueren ge- 
schehen ist. Anhaltende eiterige, jauchige oder blnüge Absonde- 
rungen mit Schmerzhaftjgkeit im Unterleibe, im Kreuz, in den 
Schenkeln, ausgedehnte Neuralgien, Harn- und Eothbeschwerden, 
Uebelkeit und Erbrechen, Ascites oder Peritonitis, hektiBcfaes 
Fieber mit Marasmus sind vielfach beobachtet worden, und der 
Tod ist dadurch öfters herbeigeführt worden, selbst wenn durch 
spontane oder k&nstlicbe finU'ernung der Steine ein vorfiber- 
gehender Nachlass erlangt worden war. 

Meist sind es kleinere, häsel- oder wallnuss-, seltener hObnerei- 
oder foustgroEse Intraparietal-Hyome, welche in dieser Art ver- 
kalken. Die. grossen Geschwülste innerhalb der Wand bleibea 
meist weich und frei von Verkalkung. Freilich ist dies nicht immer 
der Fall: Bartholin***) will im Ctenis einer alten Fran einen 
4 Pfund schweren, mit vielen Rauhigkeiten besetzten, bräunKcfaen 
Stein gefunden haben. Allein dann pflegen die Geschwülste, &hn- 
lieh wie die peritonealen Myome, nur lose Verbindungen mit der 
Dterussubstanz zu haben. Das nächst grosse Fr&paratf) dieser 
Art, welches unsere Sammlung besitzt, misst in der Breite 16 Cent., 



•) Lebert. Traitö d'nnat. p&th. T. I. p. 166. 
••) A. Portal. Conra d'anat m^dicale. P»na. 1803. T. V. p. 583. 
'" ' ■ t»Bd 1. 0.1). 4SI. Obs. 1460. 



t^ Pripuat No. lOf Tom Jahre 1859. 



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Veikftlkende latrapaiiet&l'Uyome. 191 

JB der HShe stellenweia 11 nod is der Dicke 6,5 C^t. Eb ist 
tm sehr höokerige, zum Thail groblappige, ganz harte Geschwulst 
des Fandns uteri einer alten Frau, welche sich zum grossen Theil 
fiber dos NiTeati des Uterua erhebt, eine sehr dichte, faserig- 
fikige ZaBanunensetKung besitit und an zahlreichen Stellen grosse, 
gelbe, durcbscheioende Verkalkungen, an der Oberfläche dagegen 
fluhrundlicbe, dünnwandige Cysten zeigt. Ringsumher perime- 
triÜBche AdhftrenEea; die Vagina eefar verlingert, das Orif. inter- 
Dom obliterirt, Hydrometra. Der üteroskOrper atrophisch, und 
nach oben hin die Wand so ditnn und mit der Geschwulst so 
lose verbunden, äaaa man glauben konnte, das Myom -liege frei 
Id der Bauchhöhle nnd sei nur Susserlich an den Uterus ange- 
wachsen. Allein der Fundus uteri fehlt gänzlich; das Myom 
selbst bildet die obere Wand der stark dilattrten UtenishShle. 
Ofenbar erklärt sich hier die Verkalkung ans dem Umstände, 
dasa die Atrophie des fast membranOs gewordenen Uterus der 
Geschwulst fast alle Zufuhr geraubt hat. — Das grösste Präparat*) 
Boserer Sammlung, welches zugleich in sehr grosser Ausdehnung 
verkalkt ist, habe ich schon fr&her (S. 178) erwähnt; es ist ein 
retronterines Myom, welches das kleine Becken ganz ffillte. 

Meist beginnt die Verkalkung in den mittleren oder inneren 
Theilen der Geschwulst **), nor in sehr grossen Myomen sitzen 
die kalkigen Theile mehr in den äosseren Partien. Sehr selten 
kommt eine peripherische Verkalkung in Form einer 
Sebalenbildnng vor***). In dem einzigen Falle dieser Art, 
den Dusere Sammlnng beeitztf), ist die Geschwulst 4 Gent, hoch 
ond 3 Cent, dick, die Schale 0,5 MUlim. stark, fast continairlicb, 
das Innere des Knotens welk, blaseröthlicb nnd mit schwacher 
KalkeinsprenguDg. Der Utems, welcher einer alten Jungfrau an- 
gehörte, ist etwas atrophiech ; seine Böhle stark dilatirt and mit 
eystisehuk Mollusken besetzt; gleichzeitig fibröse Oophoritis. In . 



•) Prlparat No. 676. 

**) EiD Kehr ionderbares PrSparat von innerer Verkallcong bei änsserer 
coDMoträdier Schiehtaag dor Theile bildet Lebert (T»itä d'uiat pkth. 
Atlai. PL CLVII. fix. 7) ms dem Hnsöe Dapnytren ab. 

***) Loire bei DnpQvtreD a.a.O. 8.188. Job. Fr. Heckel. Ilandb. 
dei p»th. Aoat Bd. II. S. S. 944. Cbowne citirt tqh Lee. Med. chir. 
TransMt. VoL XIX. p. 113, Daaaeau a. a. 0. Bl. 152. 

t) Fri^iant No. 46 vom Jabre 1866. OeBchenk des Dr. Richard Rage. 



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192 Drfliondiwftinigst« Torlwnng. 

einem Falle von des Gaax de Fanbert*) soll BOgar an der 
fast 9 Pfd. schweren Geschvalst einer 63jftfangeji Jnngfran Riad« 
und Diploe zu anterpcheiden gewesen Bein. 

Ganz verechieden von diesen harten' (fibrOsen), iodarirenden 
und Terkalkeaden Formen sind die weichen Myome der Cterns- 
wand, bei denen sieh jedoch gleiehfalls veraehiedane Arten anter- 
Bcheiden lassen. In muichen F&llen beruht die Weichheit der 
Geschwülste wesentlich auf dem Verhalten des Interstitialgewebeg. 
CrnTeilbier**) hat dasselbe ale Oedem beecbrieben nnd damit 
eine gewisse Form der Erweichnng in Verbindung gebracht So 
richtig seine Bemerkungen in vieler Besiehung sind, so mnss doch 
meiner Meinung nach zweierlei unterschieden werden. Zun&chst 
findet sich in manchen Myomen ein sehr reichliches and dehnbares 
Interatitialgewebe***), welches bald blos zwischen den einzelnen 
Knoten einer zusammengesetzten Geschwulst (Fig. 222), bald 
zwischen den einzelnen Faserzügen eines Knotens gelegen ist, 
und welches durch seinen reichen Gehalt an Flüssigkeit aller- 
dings den ßdematOsen Zust&nden am n&disten steht Indess 
handelt es sich nicht blos um Infiltration mit Flüssigkeit, denn 
wenn man das weiche Gewebe mikroskopisch nntersooht, so 
findet man darin bald mehr, bald weniger kernhaltige Rand* 
Zellen von der GrQsse und Gestalt der SohleimkSrperehen oder 
grosser LymphkOrperchen. Es bestehen also FroHferations -Vor- 
gänge. Auch enthält die Flüssigkeit bftotig Hucin, so dass genau 
genommen ein Mysomyoma (Myonu mucosom) Torli^^ Die 
Rundzellen gehen später die Fettmetamorpbose ein, rerwandeln 
sich in Kftmchenzellen nnd es beginnt damit ein Zerfall, der zur 
Erweicbong führen kann. 

Davon zu trennen ist eine Art von ödematAser Erwei- 
chung, welche ohne alle nachweisbare Proliferation geschieht 
• Ich habe früher (S. 115) davon gesprochen. Dabei atropbiren 
die Muskelfasern, während sie in dem Myzomyom oft sehr reich- 
lich vorhanden sind; das Bind^ewebe geht langsame Metunor- 
phosen ein, welche die Faserzfige in lose, überaus dehnbare, 
krause nnd verworrene Zaddermassen Überführen. Diese Massen 



*) T>n der Honde. Recneil p^riod. T. XI. p- ^7 (ütirt bei loh. Fr. 
Heckel t. &. 0. S. 260 nsd Rrnl), De mtan et mu*. ton. Bbr. p. 17). 
•*) CroTellhier. Tnitö d'snat. pkth. gAnir. T. IH. p. 660. 
■■*) Oillegpifl. Edinb. Di«d.Joani. 1866. July. p.3fi. 



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Veieha Hjoine des Dton». ]t93 

lOsen sich allmfthlicb anf, nnd es bilden sich einielne kleinere 
Lücken, die mit klarer, gelblicher, lymphatischer Flftsaigkeit 
gefllllt, aber nicht tod glatten Wandnogea begrenzt sind. 

SoTOhl die erste, als die zweite dieser Formen kann das 
Gefthl einer deutlichen Floktaation darbieten nnd den Eindruck 
uner mit FlOssigkeit gefElllten Hohle oder Cyste hervorbringen. 
Sie nnterscbeiden sich von einer solchen zanächst dadurch, dass 
bei einer Pnnktion keine oder hOchstetts einzeln« Tropfen von 
FlAssigkut sich entleeren. Nor bei der Erweichung kann der 
Zerfall so weit fortschreiten, dass grossere Mengen von Flflssig- 
keit sich anh&nfen. Ich werde darauf alsbald bei den soge- 
nannten fibrocystischen Geschwfilsten zurückkommen. 

Eine dritte Art der weichen Intraparietal - Hyome sind die 
beinahe rein mnskalOBen Formen, das, was schon die filteren 
Beobachter als Fleischgeschwnlst oder Sarkom im engeren Sinne 
des Wortes unterschieden. Hier ist oft sehr wenig Interstitial- 
gewebe fiberhaupt vorhanden, und das vorhandene ist weich und 
leicht zerreisslich. Dagegen bildet die Muskulatur dicke, leicht 
bewegliche, streifige Züge, Balken oder Blätter, welche sich weit 
weniger verschlingen, ah es bei den harten Formen der Fall ist '. 
Aach hat der Durchschnitt der Geschwulst nicht das weisse, 
sehnige Aussehen des Fibromyoms, sondern vielmehr ein rOth- 
hches, »weiten geradezu fleischiges, fthnlich dem des schwangeren 
oder puerperalen Uterus. Gerade diese Form scheint auch am 
meisten von der Schwangerschaft beeinfiosst zu werden, so dass 
die VergrOsserung der Geschwulst mit der fortschreitenden Schwan- 
Kciscbaft und mit der physiologischen Hyperplasie 'der Ütemswand 
parallel geht 

Das Verh&ttnisB der ütemsmyome zur Schwangerschaft ist 
klufig Gegenstand der Untersuchung gewesen'). Dass umfang- 
reiche Myome oder solche, welche durch ihren Sitz bedeutende 
Lage- und Gestaltveranderungen des Uterus, Verengeruagen oder 
TersehliesBungen der Geschlechtswege hervorbringen, die Con- 
ception hindern, liegt auf der Hand nnd ist oft genug thats&ch- 
lich festgestellt. Dass aber die Anwesenheit von Myomen an sich 



*) Wolter. Ueber fibrOce Rflrper der GebSnnatter. S. 60. R. Lee. 
Ucd. chir.TnuMet. Vol. HZ. p. 107. Aetavell a. ». 0. 8. 18C. C. Hecker 
1.1 0. S. 134. 



gii^osb/GoOt^lC 



194 Drnnidnmisigit« VoiImb^. 

die BflfraehtaBg nicht aosBchlieeit, wenn die eben gemuintui Yer- 
h&Uaiüae nicht Btattfindea, igt ebenso klar und bewieseD. Tritt 
aber eine Schwangerscbafit ein, ohne dasB die vorhandeaen Myome 
sich Tergraesetn, bo kann mSglicherweiBe nicht bloe diese Schwan- 
gerechaft ta ihrem regelm&fiBigen Ende verlanfen, sondern anch 
der UteruB eich wieder lurGckbilden auf den Znstand, in dem er 
vor der Schwangersdtaft sich befand. 

Nun ist es aber eine leider oft genag beobachtete Th&taacbe, 
dasB bei Personen, die vor der Schwangerschaft Aber keine be- 
sonderen ZnlUle tu klagen hatten, bei der Gebart dorcb die 
Anwesenheit grosser Myome schwere Hindernisse eintreten*), 
oder dasB, wenn auch die Gebart ohne solche Hindemisse vor 
sieh gegangen ist, nach derselben der Utems sich nicht regel- 
uAsBig zneammenzieben kann, weil ein in Beinen Wandnngeo 
Torbandenes grösBeree Hyom dies hindert Die Gefahr schwerer 
Blntnngen, tfarombotiscber nnd entsfindlicber ProzecBe tritt damit 
heran. Soll man nnn hier annehmen, dASS diese Geschwalste sich 
erBt w&brend der Schwangerschaft gebildet haben? Ich denke 
nicht. Diese Fälle erklären sich vielmehr meiner Heinnog nach 
aus dem etarken WacbBthum von Myomen, die vor der Schwan- 
gerschaft wohl vorhanden, aber noch klein waren, nnd die wiUireDd 
der Schwangerschaft sehr schnell gross geworden sind. Dies sind 
stets weiche nnd mnskelreiohe Myobie nnd sie sind zugleich die- 
jenigen, welche verh&ltIliB^^lftsBig schon in frflheren Lebensaltem 
sich bemerkbar machen. 

Diese Form vergesellscboftet sich weiterhin biniig mit einer 
sehr starken Gefftssentwickeleng, die zuweilen eine solche Aus- 
dehnung erreicht, dass an einzelnen Stellen ein Charakter der 
Geschwulst eintritt, dass man sie kaum von erectilen oder caver- 
nSsen GeschwAlsteo zu unterscheiden vermag. Die ganze Ent- 
wickelung steht hier parallel jener VergrOsserang der Utemswand, 
wie sie im Laufe der Schwangerschaft and zwar namentlich au 
der Flacentarstelle stattfindet, wo bis in die Hnskelwand hineiu 
sieh ein wirklich oavemfiser Bau Mtwiokelt. 



*) Ghanasier. Bullet, de l'Ecole de m^d. de Paris. 1813. p. 300. 
H. Barichall. De uteri Gbroideo Tolmido. Dibb. ioang. fierol. 1868. p.Sti- 
KUproth. Monatsscbrift tii GebnrtakuDde d. Fnueokreokbeiteii. 1856. 
Bd. XI. S. 86. Priestley. Obstetr. Traosact. Vol. 1. p. 2tT. Greeuttalg. 
St Bartholonew'i Hosp. Rep. Vol. 1. p. ?a. 



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Telangtektatiache Hyome des Uterus. 195 

Eb ist dies die Bohon frfiher von mir erwähnte (S. 112) Form 
de« Myoma telangiectodes s. eaTernosum, welche gerade 
in groBBeD Iiitraparietal-GeBchw&lBten in ihrer grOseten Vollendung 



Fig. 3S2. Hjoina telaDgiectodeB uteri com positum in tr«^iriet»le. Prl- 
pumt N«. 199 Tom Jahre 186fi. NaHrl.Gröue. Ein Theil des DnrchBcbDittw 
der OeachwolBt, welche «eit über M^nnskopfgrOcse bat und tod der hinteren 
Wand dee Uterus aoBgeht. Um die eiDielnen tpOetteren Knoten oder Lappen, 
Hl denen sidi die Geschwulst insamnieD setzt, liest sehr loses, orossmaecnigeB 
Biadege«ebe, das tieim Auseinandemehen den Eindruck von Spalten macht. 
!>*■ hjrperplutiache und mit grossen GeOssen durchzogene Uternsgewebe 
SBbt eoBtiaafrlicb in die Qeschwnlstlafpen Ober. Uiten ein Lappea, der 

U' 

D,qmzecbvG00<^lc 



196 Drainodiwwuigste VoriBinig. 

Torkommt. lo dem ersten Falle dieser Art, den ich beschriebeQ 
habe*), betraf dieser Zustand nur einen Theil eines sehr grosseD 
M^oms, war aber hier so ausgebildet, dass eiDselne Stellen wie 
ein feinstes Sieb erschienen; von da konnte man Schritt ffir 
Schritt die^ntwickelnng der Gefässe bis su dem Grade hin ver- 
folgen, dass ihre Querschnitte Höhlen von Hanfkorn- bis Erbsen- 
grOsse itffneteo, zwischen welchen ganz schmale Maskelbalken 
lagen. Mehrere spätere Fälle, die ich nntersuchte**), verhielten 
sich ähnlich; die cavern&se Bildung war partiell. Nur in einem 
Falle erstreckte sie sich fast durch die ganse Ausdehonng einer 
mehr als mannskopfgrossen Geschwulst (Fig. 322). Es war dies 
eine aus mehreren Heerdea zusammengesetzte und daher auf dem 
Durchschnitt viellappig erscheinende, stellenweis ziemlich dichte, 
jedoch im Ganzen sehr muskelreiche Bildung, in welcher einzebe 
grössere Knoten ganz, andere zum grösseren, andere endlich nur 
snm kleineren Theil den cavernösen Bau zeigten. An manchea 
Orten sah man auf dem Durchschnitt nichts als ein fein porftses 
Gewebe, ähnlich dem der Corpora cavemosa peoie; an anderen 
erreichten die Gefässlnmina viel grössere Durchmesser, und mao 
konnte den Verlauf der meist gewundenen und rosenkranzförmig 
erweiterten Geisse, meist venöser, bequem vom blossen Auge 
verfolgen. 

Die meisten Schriftsteller erwähnen diese Form gar nicht. 
Sie sprechen nur von grossen venösen Eklasiea, die sich im 
Umfange der GeEchwülste und in dem hyperplastischen Gewebe 
des Uterus entwickeln. Indese gedenkt Cruveilhier"') ge- 
wisBer fibröser E&rper des Uterus, welche eine so starke Ytscu- 
larisation besitzen, dass man sie als Tnmeurs fibreuses sanguines 
und selbst als erectile GeschwfllBte bezeichnen könne. Erullf) 
hat gleichfalls eine Geschwulst beschrieben, welche innen weicher 
war und so grosse Gefässe enthielt, dass man eine Scbreibfeder 
hineinstecken konnte; er fahrt sie als Fungus haematodes aaf 



nur »D einer Stelle Gef&ssektuien entbilt, darfiber udere, velche fui 
gaoi in uTernaBea Gewebe verwandelt siod. Gkdi oben sieht mui dentlicb 
rMeakraiiifSmiig erweitert« Geflaae. 

•) Yirofaow. Archiv. 1864. Bd. VI. 8. 668. 

") Virchovr. Gesammelte Abbandlungen S. S62. Priparat Üo.bK 
{vf;l. obeo S.178). 

*■*) Graveilhisr. Tnitä d'aaat. path. ^iair. T. 111. p. 666. 
t) Kf all. De uatoTa et eaueis tamonim fibroeatnm atch. p. S& fifr H- 



jvGoo'^lc 



Erectilitilt der Uterus- Myome. 197 

Rob. L«e*) Bpricht beil&ofiff von einer üteringeBchwolst aus 
erectilem Gewebe, und Klob**) Bah bei mnltiplen Fibroiden im 
Centnim einzelner Kaolleo bis kirschengroese caTernöse Ektasien. 

In dieser Kategorie iet es namentlich, wo die sehr sonder- 
bare und anflüfilleDde ErBcheinang eintritt, welche die Autmerk- 
sunkeit der Gynäkologen vielfach beschäftigt hat, daas nehmlich 
di« Gescbwnlst in verscbiedeneD, und zwar manchmal in sehr 
konen Zeitrftamen, Schwankungen in der Grosse nnd Oonsi- 
itenz seigt: Zustände, wo die Geschwulst auf Stunden, Tage 
aod Wochen sehr gross wird nnd sich beträchtlich ausdehnt, um 
naehher wieder in kursen Zeiträumen znrficksugehen, kleiner lu 
werden, wobei sie eich zugleich wesentlich anders anf9hlt, nicht 
eine so harte, pralle Masse darstellt. Ei wisch***) erzählt, er 
habe zur Zeit der Menstruation oder vor dem Eintritt einer 
HSmorrhagie nicht selten eine so bedeutende Zunahme des Voln- 
meuB der Gebärmutter beobachtet, dass sich der Umfang derselben 
ianerhalb weniger Stunden fast um die Hälfte vergrOsserte nnd 
bald darnach wieder abnahm. leb habe einen solchen Fall kli- 
■iieh and anatomisch genauer beschrieben f). 

[Teber die Entstehung dieser An- und Abschwellnngen hat 
Kiwisch die Ansicht aufgestellt, dass gewisse „zellige Zwischen- 
räume " in der Geschwulst sich mit exsadirender Flfissigkeit 
fällten , wodm*ch die Geschwulst sjch vei^rSssere ; umgekehrt 
mftgsten natürlich, wenn die Füllung abnimmt, die Räume leer 
werden und die Geschwulst collabiren. Nun ist es richtig, dass 
Räume in diesen Geschwfilsten nicht selten zu beobachten sind, 
und zwar zweierlei, sowohl leere, als gefüllte Räume. Die ge- 
fälltes kJ>nnen sich wie wirkliche Cysten darstellen und haben 
manebnial eine nicht unerhebliche Grösse. Die anderen dagegen 
stellen sich gewöhnlich blos wie kleine Spalten dar, welche ent- 
weder die ganze Geschwulst, oder einzelne Lappen derselben 
umgrenzen nnd welche, wenn man die Geschwulsttheile ausein- 
anderzieht, klaffen. Namenüicb um diese Spalten würde es sich 
bei der Frage von den wechselnden Schwellungen handeln. Denn 
man kann sieb vorstellen, dass sie einmal voll, andermal leer 

*) R. Lee. Ued. chir. TraDsict Vol. XIX. p. 130. 
**) Klob. Wocheabl. der Zeitschr. d«r Gesellsch. WieoeTÄente. 1863. 
So. 33. S. 29-3. 

"•) Kiwiich ».».0. S. 428. 
t)Viichow. Gesammelte Abhaudl. S. 858. 



gii^osb/GoOt^lC 



198 DniandsvMiigBtfl VotImob^ 

aeten, und dus darnach die GrasBe der Geschwulst wechsele. 
Vergleicht man aber die vollen aod die leeren B&nme mit ein- 
ander, HO ergiebt sich, das9 sie wesentlich verschieden sind. 
GefDllte Räume sind selten, and sie sind entweder Erweichaogs- 
rSume (S. 193) oder wahre Cysten; von beiden kennen wir aber 
wohl aonehtnen, daes ihr Inhalt einem sehr schnellen Wechsd 
nicht zugänglich ist. Die leeren Spalten dagegen entstehen im 
Allgemeinen in ähnlicher Weiie, wie die pathologiechen Sehleim- 
beutel (Bd. I. S. 198): durch die Verschiebung der einzelneu 
Knoten gegen einander oder der ganzen Geschwulst gegen ihrs 
Umgebung entsteht eine partielle Atrophie des interstitiellen Binde- 
gewebes, eine AaflOKung, und dadurch ein Baum. Mit Recht stellt 
daim Cruveilhier*) diese Zust&nde mit denen der multiloca- 
Iftren Schleimsäcke der unterbaut zusammen. Cass ein solcber 
Ranm mitunter durch FIllsHigkeit gefQlIt werden kann, will ich 
nicht bestreiten ; aber wenn das geschieht, dann, glanbe ich, bleibt 
er es auch verhältnissmässig lange. 

Meiner Meinung nach haben daher die acuten An- und Ab- 
schwellnngen der Myome mit den interstitiellen Höhlen nichts tu 
tbnn, sondern sie erklären sich aus zwei ganz anderen Umständen. 
Zunächst durch die variable Fällung der Gefäsae. An 
diesen wird ähnlich wie bei der Schwellung des Penis oder der 
Corpora cavernosa clitoridis eine Anschwellung eintretrai mSssen, 
wenn das Blut stärker andringt Dies wird natürlich um so mehr 
der Fall sein, je mehr und je grossere GefSsEe die Geschwulst 
enthält, also gerade bei den telaugiektatischen Myomen. Sodann 
durch die Contraction des Gewebes. Zn einer Zusammen- 
ziebnng gehört ein wesentlicher Antheil von Muskulatur, und da 
wir diese in den Myomen haben und sie überdies in eiaem 
lockeren Gewebe liegt, wo sie vollkommen iunctionsfähig ist, so 
steht der Annahme nichts entgegen, daes sie nnter Umständen 
Contractionen erleidet, wie bei der Wehenthätigkeit die Moskel- 
wand des Uterus. Ich wKrde also die fragliche GrOssenverschie- 
denheit auf diese zwei Momente beziehen: ContracUon oder 
Relaxation der Muskulatur, stärkere oder geringere FflUnng der 
Geftflse**). 



*) OruTeilhier I. c. T. 111. p. 670. 

••) Virchow. Wiener med. Wochenschr. 1856. No. 7. S. 101. GeBimmelta 
Abhsndt. S. 866. 



)vGoo<^lc 



OfBttsche Hjome des Utero«. 199 

In der Regel beeteht, wo eolche Verh&ltnisee bemerklich 
werden, auch sonet grosse Neigung za nervösen Congestionen, 
in fluxioniren Zuständen, zu eogenannten WnllnngsznstfindeD, in 
denen das Bint bald hierhin, b^d dorthin etrömt, namentlich 
bald Gongefitionen znm Kopfe, bald Äuftreibangen des ünterleibeB 
iD Stande kommen. — 

Wir haben onn noch die besondere nnd zugleich seltene 
Modalit&t der Myome zu betrachten, wo ein gewisser Thei] der 
Geschwulst in CysteDbildnng aufgeht*), wo also aus dem Myom 
eine Cyste der Utemswand entsteht: Myoma cysticum. Diese 
Form, welche von englischen SchriftsteUem Öfters als fibro- 
cjstisohe Geschwulst bezeichnet wird, ist am h&uiigstea mit 
Ofarial-GeBchwfllsten verwechselt worden, und in einer ganzen 
Reibe von F&llen hat man, selbst nachdem man diese Geschwfilste 
ponktiTt und ihren Inhalt entleert hatte, geglaubt, man habe es 
mit Ovarial-Gesebwfilslen cn tbun. In der'That kommen Ftile 
lor, wo Flfissigkeit qnartweise in den S&cken enthalten ist, die 
Etieh in der Dtemswand finden. Diese S&oke cbarakterisiren sich 
dadordi, dase Theile der Uteruswand Aber sie hinweglanfen. Innen 
findet sich zuweilen eine ganz grosse, anderemal viele kleine 
Bohlen, aber diese haben keine besondere Membran, eondern sie 
werden umgrenzt durch Balkenzfige des vergrflsserten Muskel- 
gewebes, welche öfters ein loses Strickwerk bilden. Die Wand 
sieht dann ans, wie schon Dupuytren bemerkte, wie die der 
Herzhöhlen; sie ist mit Trabekeln besetzt, welche manchmal ganz 
ftei dnrch die HOhle hindurchziehen. Im letzteren Falle kftnnen die 



*) G. PleischmauD. LeichenOffnungeD. Erlangen. 1816. S. 180. 
Dapajtren a. a. 0. S. 188, 235. R Lee. Med. chir. Traneact. Vol. XIX. 
p. 9t>. Kiwisch a. a. 0. S. 435. Th. Safford Lee a. a. 0. S. 16. 
Paget I. c p. 136. Gruieilhier I. c. p. ii60, 690. Scbuh. Pathologie 
u. Therapie der P^eodoplaameD. Wieo. 1U54. S. SS3. Chiari (Braun u. 
Spith). KüDik der GeburtahSife u. O^nakologie. BrlaDgeo. 18ö^. S. 404. 
Will Adams. Transact. of the Patb. Soc. Lond. Vol. L p. 136. Spencer 
Wells ibid. Vol. XIV p. 204. Diseases of the OTaries. Lond. 1866. p. 3&4. 
Kann and Baker Brown. Traoaact Patb. Soc. Vol. XIV. p. 198. PI. IX. 
Albwell a. a. 0. S. 348. C. Hayer, Verbandl. der Berliner OebQrtsbQlfl. 
Gesellsehaft. 18Ö1. IV. S. »7. Groethn^Ben. Ebendas. 1864. Heft XVI. 
S. 3. (Abbild.) C.Becker. Klinik der Geburtskunde. Leipi. 1864. Bd. U. 
S.liS. Tanner. Transact. of tbe Obstetrical Soc. Lond. VoL III. p. 14. Fl I, 
West Lect. on diseasea of women. Lond. 1868. p. 268. Storer. Saccew- 
fal removal of thc nterns. Boston. 1866. p. 13. Die ältere Literafar bei 
Valter, Ueber fibrCse KCrper. 8. S4. 



)vGoo<^lc 



300 Drein ndzwkiuigat« VorlMang. 

spiDdelfönnigen AnBohwellDagea der Uoskelsfige fiberauB bequem 
beobachtet werden. 

Schon auB diesem Umstände kann man achlieseen, due «8 
«ch hier nicht nm Cysteabildaag im Btrengen Sinne des Wortes, 
Bondern vielmehr um cystoide Metamorphosen einer vorher soliden 
GeBchwalst handelt. Was man findet, sind mehr Cavemen (HSblen), 
als Cysten (B&lge). Die Cavernen aber entstehen xonächet durch 
Lockerung und ErvüchaDg des Gevebee, von der ich wenigstens 
nicht sagen kann, dass sie notbwendig an Hyperämien oder 
CongestioDen des Uyomgewebes gebunden w&re. H&ufig und 
namentlich in kleineren Geschw&lsten ist die Erweicbangs-FlftB- 
sigkeit fast immer farblos oder schwach gelblich, w&sserig oder 
fadeoziehend, am meisten der-Synovia l^nlich. Spkter dagegen 
nnd namentlich in grossen Intraparietal-GeechwülBten findet sich 
allerdings znweilen sehr starke Erweitemog und FflUung der 
GeOsse, es geschehen wirkliche Extravasate von Blat, nnd die 
FltlBBigkeit zeigt eine rotbe, rothbranne, gelbbraune oder sehwart- 
braune Fftrbnng, je nachdem das ausgetretene Blut frischer oder 
Uter, im Verh&ltnisB zu der übrigen Flüssigkeit reichlicher oder 
sptrlicber iat. Denn die Blutkörperchen bilden sich zurück, 
das H&matio lOst sich and bildet allerlei DerivatkArper, auch 
Hftmatoidin. 

Auf die Entstehung dJessr Zusüinde scheint die Schwanger- 
Bcbaft und Geburt einen sehr. starken Einfluss auszuüben. Ein 
Paar besonders charakteristische F&Ue hat Heck er beechriebeu. 
Ich erw&hne nur den ersten. Eine 33jährige, seit 14 Jahren 
verheirathete Frau, die aber niemals früher concipirt, dagegen 
stets regelmässig, aber unter heftigen krampfhaften Schmerzen 
meastrttirt hatte, war auch im Anfange ihrer GravidiUlt von 
grossen Schmerzen geplagt worden. Sp&ter verlief die Schwan- 
gerschaft normal und die Geburt wurde ohne grosse Schwierigkeit 
wegen mangelhafter WebentbStigkeit durch die Zange beendigt. 
Der Utems zog sieb anfangs gut tusammeo, erweiterte sicii jedoch 
unter einer starken Blutung wieder, es traten Erscheinungen einer 
massigen Peritonitis und heftigen Fiebers ein und der Tod erfolgte 
am 6. Tage nach der Geburt Man fand geringe peritonitiscbe 
Exsudate; der Uterus wog tl40 Gnnms. und enthielt mehrere 
Fibroide, darunter eines an der hinteren Fläche von 12 Cent. 
Länge und 9 Cent Breite, welches eine Hohle von & CenL lAnge 



)vGoo<^lc 



Ufosirkome des Uterus. 201 

aad 3,5 Gent. Breite, gef&llt mit rothbrauner, massig consiBtenter, 
UB BaogniDoleatein Gewebsdetritas bestehender Flüssigkeit, ent- 
kielt. Der Brweichangsheerd war rings von normaler Fibroid- 
sabstsDz nmgeben, die sieh auch in Form von Fetzen und Balken 
in das Innere des Erweichungsfaeerdes fortaetste. 

DieseB hämatocystische Myom, von dem wir schon bei 
der Betraebtang der myomatJ>sen Polypen gewisse Andeutungen 
lu besprechen hatten (S. 168), bat die griSsate Aehnlichkeit mit 
dem früher beschriebenen äusseren Myom des Magens (S. 130). 
Auch am Uterus sind es ganz überwiegend die mehr der äusseren 
Partie der Mnskelwand angehOrigea, wenngleich intraparietalen 
Myome, welche sich über die Oberfläche des Organs erheben, 
und an ihnen wiederum betrifft die cystoide Metamorphose nicht 
selten gerade den peripherischen Theil. Wenn daher ein solches 
Myom von dem üternskOrper ausgeht und sieh gegen die Bancb- 
böhle hervorwOlbt, so macht es leicht den Eindruck, als sitze 
eine Cyste dem Uterus äusserlich auf, uad es erklärt sich darans, 
dass die Hehrzahl der bekannten Fälle für Ovariatcysten gehalten 
Bod puiktirt, einzelne auch excidirt sind. Leider ist der Erfolg, 
selbst bei der Punktion, faat immer ein angünstiger gewesen, 
baQptB&chlich deshalb, weil die dicken Wände des cystischen 
Sackes ein Zusammenlallen der Hfihle hindern, dagegen den Ein- 
tritt von Loft nnd dadurch jauchige Processe begünstigen. 

Auch darin finde ich eine Üebereinstimmnng mit den Myomen 
des Magens, dass eine Metaplasie zu Sarkom vorkommt, nnd 
die Geschwnlflt in ein Myosarcoma, eine wahre Mischgeschwnlst 
äbeigehL Diese Degeneration erfolgt, soweit ich gesehen habe, 
in der Art, daas an gewissen Stellen die IntercellularBubiitaiiz, 
gewöhnlich znnäehat in der früher (S. 192) erwähnten Form des 
Hyxomyoma, zu wuebeni beginnt. Ihre Zellen vermehren sich 
dnreh Tbeilnng, es entstehen mehr nnd mehr Rundzellen, anfangs 
U«aere, später grössere mit beträchtlichen Kernen, wie grosse 
SchleimkSrperchen, während die Intercellnlarsubstanz loser nnd 
lockerer wird. Während die Interstitien sich verbreitern, schwindet 
die Musknlatar an vielen Stellen gänzlich; an anderen erhält sie 
sich, wird auch wohl noch reichlicher. So bereitet sich ein trabe- 
knlärer Bau vor. Inzwischen wachsen die Zellen, viele von ihnen 
werden eckig, bekommen leichte Fortsätze und Ausläufer, and 
ihre Kerne erreichen die Grösse von Epithelialkernen. Meist 



gii^osb/GoOt^lC 



303 DreiiiBdiwMiitgate Vorienng. 

bleiben sie aber reihen- oder gntppenweiBe angeordnet Hit dieBW 
Zunahme des zelligeo Elements wird die IntercellnlarsnbBtant rer- 
sehrt, Bo swar, daes stellenweiee kaum noch eine Spnr davon 
ftbrig bleibt. Diese Abschnitte werden weich, brflohig nnd be- 
kommen ein mehr weisBliches oder gelblioheB Anasehen. Ziem- 
lich starke Gef&ase dnrchciehen jedoch auch die weichen Ab- 
sehnitte und geben daa Material cn h&morrtiagisohen Infittrationen 
ab. Auf diese Weise bildet sich ein Theil der scheinbar oystischen 
R&aine Neben ihnen finden sieh aber auch nicht selten grOssu'e 
nnd kleinere, mehr glattwandige, rundliche oder platte, linsen- 
(Srmige Rfinme, welche eine wirklich cystiache Bedentnog sn 
haben icheinen. 

Diese Art des Hyosarkoms ist von der streilzelligen Varietkt, 
die ich snerst unter diesem Namen beschrieben habe (S. 106), 
dadurch verschieden, dass es aus einem glattielligen Myom her- 
vorgeht nnd, wo es musknlOse Elemente enth&lt, auch nur glatte 
HnskeUellen fahrt. Dagegen gehOrt hierher Manches von dem, 
was Rokitansky*) als Cystosarcoma uterinnm, auch wohl 
als Cystosarcoma adenoides beschreibt, and was nach seiner Dar- 
stellung hanptsftehlicb an Polypen, jedoch auch an snbserflsen 
Geschwfilsten vorkommt. Man muBs jedoch die blos hyperpla- 
stische Entwickelnng der ütricnlardrQsen der Schleimhaut, welche 
gant für sich besteht, von der heteroplastiscben Entwicketung des 
Interstitialgewebes der Muskelwand trennen, noch weniger gewisse 
drfisenartige Kankroide heraneiehen. Eine heteroplastische Drftsen- 
bitdnng ist nach meiner Aoffassung mit dem Begriffe des Sarkoms 
nnvertrlglich ; heteroplastiscbe Adeno^-Formen gehören entweder 
dem Krebs, oder dem Kystom zu. Wie weit derartige Bildungen 
in dem Myom entstehen und besondere MischgesehwOiste erseagen 
kOnnen, wage ich für den Uterus nicht eu entscheiden. Die rela- 
tive Seltenheit der cystischen Myome hat mir kein ansreichendes 
Material eines xicheren Urtheils geboten, und auch in der Literatur 
finde i*^ keine geo^enden Anhaltspunkte. 

Auch bei den cystischen Myomen ist es Qberwiegend die 
hintere Wand, in welcher die Bildung derselben vor sich geht, 
doch sind auch mehrere sehr grosse f^le von der vorderen 



*) Rokitknek}-. Lehrbuch der psib. Aoat. 1661. Bd. III. S. 486, 487, 
488. Fig. 48—49. 



)vGoo<^lc 



Cystomjome dM Dteiua. 203 

Wand*) bekannt Znweileo schieben sie eich retroTagioal begrab**); 
anderemal treten sie in die breiten Mntterb&nder. Gerade von die- 
sen lettteren iatraligamentiSBea Formen iet ee am echwieiigBten, 
ua der Literatnr genau fefitsnetelleD, ob Bie urgprilnglich Myome 
waren oder nicht. Ich citire nur den Fall von Tanner, wo 
bei einer 34j&hrigeD Terheiratbeten Frau, die zweimal abortirt, 
jedoch nie geboren haben wollte, eine 9 Zoll breite Cyete aoi 
Fundus uteri saBs, welche 1-^ Pinien Fl&seigkeit enthielt; neben 
ihr fand sich eine kleinere Cyste mit 2 Drachmen Inhalt. Diese 
Cysten hatten das linke breite Mutterband auseinandergeschoben 
lud in die Hübe g^r&ngt. In der Wand des Uterus lag, schein- 
bar ohne Zusammenhang mit den Cysten, ein gegen die Hohle 
desselben vorspringendes Myom von der Grosse einer halben 
Orange. 

Auch mir sind wiederholt F&Ue vorgekommen, wo im Um- 
kag» grosserer Myome allerlei kleinere Cysten sassen, die im snb- 
peritonAalen Gewebe entstanden zu sein schienen. Diese Cysten 
waren dBnn- und ziemlich glattwandig, enthielten klare Flüssig- 
keit, erreichten eine Grosse bit> zu der einer kleinen Wallnusa, 
und schienen mir nichts anderes als eine Form des blasigen 
Oedems tu sein. Besonders zahlreich waren sie an dem fr&ber 
erw&hnten verkalkten Myom des atrophischen Fundus (S. 191). 
Vielleicht gefa6rt hierher ein Fall von Emmert***), der bei 
einem Kaiserschnitt einen ganz dflnnen, mit einer bedeutenden 
Menge strohgelber Flüssigkeit gefüllten Sack fand, der mit dem 
onteren Theile der rechten Seitenhälfte des Uterus zusammenhing, 
ohne dass sonst etwas Krankhaftes an dieser Stelle vorhanden 
gewesen so sein scheint; nur etwas hoher hinauf xeigte sich über 
einer Strictsr des Uterus ein zweiter kleinerer Sack. — An diese 
FUle schliessen sich die für eine vergleichende Diagnostik nicht 
tu übersehenden Echinococcen des Beckens t) an, welche sich 
ganz tief in den Reotonterin-Ranm schieben und eine grosse 
Aehnlichkeit mit Uterin- und Ovarial-Cysten haben kOnnen. 



*) Hecker ». >. 0. S. 129. Schah a. a. 0. S. 323. 
**) G. Ukjer 'Berlioer gebnrtsh. Verband). IV- S. 97. 
***) U. Emnert. Beitrlge snr Pathologie nod Therapie mit beeoDderer 
B«r6ebichtigDnB der Chirurgie. Bern. 184ti. II. S. 219. 

+) Charcot. Hte. de la Soc. de BioK 1B52. Vol. IV. p. 181. Lsndet. 
Ga>. bM. de Paria. 1866. p.421. Aahwell a. a. 0. S. BIL 



)vGoo<^lc 



204 DreinndiwansifBte VorlwoBg. 

Haoehe der eystischen Myome werden ausserordentlich gross. 
lo dem Falle von Kiwiech reichte die Geschwulst, die von dem 
mittleren Theile der hinteren GebäTmutterwand ausging, bis auf 
den Boden des Beckens, welches sie gane erf&llte, nnd bis »iin 
Schwertfortsats; sie wog gegen 40 Pfand. In einem Falle von 
Schuh enthielt ein derartiger Sack 30 Maass einer braunen Fltls- 
sigkeit und war 16 Zoll hoch, 19 Zoll breit. Spencer Wells 
exstirpirte eine gestielte Geschwulst von der rechten Seite des 
Fundus uteri, deren solider Theil 16 Pfund 9 Unzen w<^ und 
deren Cyste ZG Finten fiQssiger und 4 Pfund klumpiger Masse 
von zersetztem Fibrin enthielt. Diese Formen geboren so den 
grSssten Abdominal-GeschwOlsten, welche Oberhaupt vorkommen, 
und wenn ein so erfahrener Cbinrg, wie Schuh, ausdrücklich 
angiebt, dass der erw&hnte Fall die grösste Ausdehnung des 
Unterleibes darbot, die er je gesehen, so kann ich von einem 
anderen, den ich zu beobachten Gelegenheit hatte*), das Gleiche 
sagen. Eine verheirathete Frau ans den Mittelständen wandte 
sieh an mich wegen einer Geschwulst des Unterleibes, welche 
sieb - langsam ausgebildet hatte , damals aber sobon die ganse 
. Bauchhöhle fQllte und die Bauchdecken prall ausdehnte. Die arme 
Kranke litt entsetzlich durch den Druck der Geschwulst, sie war 
fast gane an das Bett gefesselt, machte aber im Uebrigen den 
Eindruck einer gesunden Frau. Die Geschwulst war indoluit, 
unbeweglich, hart, nnd nur bei der Vaginal-Untersuchung stiess 
ich hinten auf scheinbar flnktuirende Stellen. Ich rieth znr Punk- 
tion dieser Stelle, die jedoch nicht ausgeführt wurde. Mehrere 
Monate später starb die Frau. Es fand sich eine grosse, foft 
ftberall adh&rente Geschwulst von dnrchscbnittlich 30 Cent. Durch- 
messer, welche nur mit MQhe aus dem Leibe entfernt werden 
konnte; sie hatte alle Baucheingeweide verdringt nnd gegen die 
Brust heraufgeschoben. Frische peritonitische Psendomembraoen 
bedeckten die noch freie Fl&che der Bauchorgane. Das Verbftltniss 
der Geschwulst zu den einzelnen Theilen des Sexnalapparates 
war so schwierig zu erkennen, dass ich, in Betracht des innerea 
Baues der Geschwulst, längere Zeit der Meinung war, es sei ein 
theils solider, theib cystischer Ovarial- Tumor, und dass ich erst 
bei wiederholter Untersuchung die Cootinuitftt derselben mit dem 



•) Priparat No. 73 vom Jahre ItWl. 



)vGoO<^lc 



O^atiMhe HfOMrkome des Oteros. 205 

ütenis feststellflo konnte. Die Stelle der Gootinait&t lag an dai 
linken Seite des Uterns, dessen FandaB gans nach rechte hinftber- 
gedr&ngt, AbrigeDB nicht erheblich yerftodert war. Die Hdhle 
desselben zeigte sich etwas erweitert, hatte jedoch ihre dreieckige 
Gestalt nicht ge&ndert. Von dem linken oberen Winkel ging ein 
wenig Terl2ngertefl Lig. ovarii ab, an dessen EJide sich der etwas 
platt gedruckte nnd leicht indnrirte Eierstock dieser Seite fand. 
Oienbar hatte sich die Geschwulst von der Äosgangsstelie ans 
intratigamentfts entwickelt, sich unter dem Ovarium und seinem 
Ligament fortgeschoben nnd mit der Zeit das ganze Lig. latnm 
bis zn seinen äusseren Ansätzen hin gefüllt. Ihr Ansatz war ganz 
breit, erstreckte sich l&ngs der ganzen Seite des Corpus et coUam 
ateri nnd bestand ans einer stark hyperplastischen nnd telan- 
giektatischen Partie der Muscnlaris: die Venen bildeten weite, 
klaffende Sinus. Eine scharfe Grenze der Geschwulst gegen dieses 
iijperplastJBche Gewebe liess sich nicht wahrnehmen. Nach unten 
hin wurde das Gefüge ziemlich schnell dichter, and erlangte bald 
ein Tollatftndig faserkoorpeliges Aussehen, indem ein dichtes, 
weisses, filzig Terflochteaes Faserwerk auftrat. Nach oben da- 
gegen begann schon dicht am Ut«ras am oberen Umfange der 
GeaehwnUt eine 8 Cent breite nnd 5 Cent, hohe, weiche Masse, 
welche ein grossmaschigee HAhleowerk darzustellen eeUen. Indeee 
war dieser Anschein nur tänscbend, indem keine wahre Hohle vor- 
handen war, sondern das Gewebe, welches von grossen Gelassen 
darcbzogen war, nur eine solche Weichheit angenommen hatte, 
dasB es stellenweise fast flüssig war nnd sieb leicht auseinander- 
löste. Die mikroskopische üotergachuDg erwies die Masse als 
ein von hSmorrhagiechen Bestandtheilen vielfach durchsetztes 
Hyxosarkom mit. zahlreichen, wenig umfangreichen, runden oder 
leicht spindelfitrmigen Zellen, welche an vielen Stellen die Fett- 
metamorphose erlitten hatten. Etwas tiefer, etwa in der Hbbe 
des Orif. internnm und gleichfalls nahe am üteras, lag eine 
andere, etwa 3—5 Cent, im DorchmesBer haltende Stelle von 
grob-areol&rer Beschaffenheit ; ziemlich glattwandige, im Centrum 
grössere, nach aussen kleinere Bohlen von unregelm&ssiger Gestalt 
nnd wediselnder GrOsse bis zu dem umfange von Kirschen, mit 
einer visciden Flfissigkeit gefflllt, waren durch muskulöse Balken 
und Sebeidew&nde, zum Theil von grosser Feinheit, zum Theil 
derber and breiter, geschieden. Die Obeifl&che aller dieser Hfifaleu 



)vGoo<^lc 



300 Dreiandiwaiuieiit« Vorlenng. 

war TOD einer weichen, fast Bchleimhaotäfanliehea Lage fiberKOgen, 
welehe denselben Habitns des Hyxos&rcoma, wie die obere, ao 
sicii trag. Nach ansBen eohloss Bich an diese Theüe in znsam- 
menh&Dgeuder Masse und über Uannekopf grosser Äatdehnong 
fiberans hartes, theils sehniges, theüa faserknorpelig aassehendes, 
ganz weisses Gewebe, dessen Sohoittfiftche bald glatt, bald hfigelig- 
knotig war; an zahlreichen Stellen sah man gelbliehe, darcb Fett- 
metamorphose bedingte F&rbangen, an wenigen Verkalkung, zer- 
streut anch Grappen von Cysten. Gegen die Peripherie ordnete 
sieh die Fasennasse mehr radiär und nahm fleckweise an Festig- 
keit ab, hie und da trat wieder ein scheinbar cystischer Ban ein, 
indem amgreaete Stellen in eine weichere Hasse nmgewandelt 
waren. Aber fiberall bestand diese ans schleimigem Spindelxellen* 
Sarkom. Nach unten hin, wo die Geschwulst sieh bis gegen die 
Scheide herab erstreckte, kam eine gane grobftystoide Partie von 
grfisstem Umfange; hier war die Aefanlichkeit mit OvuialoyBtoid 
überaus anfallend. Einzelne der S&cke hatten bis zu 10 Cent 
Durchmesser, manche maassen 5 — 8 Cent., andere waren ganz klein 
and gedrftngt, wie im Eierstock. Alle üebeigSnge von einzelnen 
zu conflnirendeD lagen vor, und an der Wand der grösseren sah 
man wieder flache und mndlicbe, kleinere und grossere Anschwel- 
longeo, welche durch und durch cystische Einriehtnng besassen. 
Die Septa der kleineren Cysten waren ganz fein, die Winde der 
grossen derb, von bläulich weissem, etwas durchscheinendem 
Aussehen; sie zeigten mikroskopisch überall eine dichte Zusam- 
mensetzung aus kurzen Spiodelzellen mit wenig lotereellularenb- 
stans. Daneben grosse ainaOse Yenen bis za Obisekielstftrke, 
hie nnd da mit Thromben gefüllt Rings um die ganze Hasse 
muskolSse ZOge des Uterus; nnr nm die grossen, znletzt er- 
wähnten ^Uske eine derbe, scheinbar rein flbrfise Membran, 
welche jedoch aussen etellenweise mit grossen , flsohmndlichen 
Knoten, Wocberungen der Sarkommasse, besetzt war. 

Die oystiscben Uyome enthalten gewSbnlicb viele kleinere and 
grossere Höhlen; sie sind, wie die Ovarial-Cysten, multiloealär. 
Später confloiren die einzelnen Hohlen mehr and mehr, indein 
die Scheidewände sich verdflonen und sich endlich anfifisen; ee 
bleiben dann noch einzelne Balken oder Fetzen als letzte Ueber- 
reste des Gewebes bestehen. In den Hohlen findet sich bei 
rapidem Zerfall ausser der einfccb synovialen oder htmorrii»- 



jvGoo'^lc 



tülceifttion 4ot Kjourkome dei UteruB. 207 

gneheo FlfisBigkeit noch eine bald kleinere, bald KTfissere Hssse 
von Klampen weicher, xerreiblioher Art, zum Theil xeTfiUendes 
BlatgeriiuiBel, snm Theil Fetzen des Gewebes. 

In der grossea Uebrcahl der FUle leiden die Kranken am 
meisten durch die GrftBse nnd Schwere der Geschwulst, welche 
die mannichf&ltigsten Drackerecheinungen hervorbringt Wächst 
dieselbe schnell unter interatitiellen Blutungen, so werden die 
Kranken »nbuisoh und marantisch, üeberans eelten erfolgt, 
wenigstens soweit bis jetzt Beobachtungen vorliegen, ein nlce- 
röaer Aufbruch. Idi habe dies nur einmal nnd zwar bei 
einem MjoBarkom gesehen. Es war diee*) eine sehr grosse, 
n Cent hohe und 10 Cent, dicke, fast gAnslich erweichte Intra- 
parietal-GeschwalBt, welche ganz in der hinteren Wand des UteraB 
eingeschlosaen war, so dase der letztere das Aussehen eines 
schwuigereD Organs darbot und sieh bis in die hypochondrische 
Gegend erhob. Die Geschwulst AbMiagte den Fundus beträcht- 
lich, hing aber mit der ganzen hinteren Wand des Corpus und 
Collum uteri innig zueammen; ein muskulöses Lager nmbfillte 
ringsum die grosse Cyste. Dieselbe ffUlte demnach den ganzen 
Ketrouterinranm, und da sie überdies nach allen Seiten, nament- 
lich auch nach hinten mit dem sehr gekrfimmten Rectum und 
der Flexnra sigmoides auf das- Dichteste verwachsen war, so war 
sie vollkommen feat gestellt Ihre Oberfliche war im Ganzen 
eben; nur an einer Stelle fand sich ein flacbrundl icher, etwa 
«aUnnsBgroflser Knoten an der Oberfliche. Die mit fetzigen 
Svkomlagen ausgekleidete Hohle des ütems war nach vorn ge- 
dr&ngt und sehr erweitert. Der sarkomatOse Zustand hOrte am 
Orif. internnm plötzlich auf. Die Cervikalböhle war normal, nur 
nach unten sehr verlängert und verschmälert, so dass ihre Ver- 
bhidang mit der Vagina selbst an dem herausgeschnittenen Prä- 
parat äberaoB sehwer zu verfolgen war. Unmittelbar hinter dem 
Orif. extemum hing in die Vagina ein dickes, zerfetztes Geschwulst- 
ende hinein, gluchsam ein zweites Orificiam bildend; durch das 
letitere gelangte man in die colossale, fast die ganze Geschwulst 
einadimeDde Höhle, welche grosse Klumpen erweichten Gewebes 
md hlmorrbagiscbe Thromben enthielt nnd deren Wandungen 
na (nnem derben, fibromuskulären Gewebe gebildet waren, um 

*} Pf^^ant Ho. ISl vom Jahn 1865. 



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20S ßroiniidiwans^te Toriesong. 

welches henini noch Uternfiwand lag. Dieee, gleicheam eine K^ieel 
daratelleode Scbicht hatte eine Dicke von 4 — 5 Gent Nachdem 
die weicheren InbaltsmaaBen entleert waren, blieb eine mit allerlei 
Fetsen nad Lappen besetzte Wand fthrig, welche noch grossen- 
theiU mit Sarkommasse bekleidet war. Auf DarchBchnitten der- 
selben fanden eich zahlreiche platte nnd rundliche Hohlr&ame, 
meist nicht viel Aber Erbsen- oder LinsengrOsse, tbeils in der 
SarkommasBe eingeschloBsen, theils zwischen mnskalösen Belken 
and Bl&ttero liegend. Die Sarkommasse hatte überall den Habitns 
des Myxosarkoms (Bd. U. S. 350); es war eine fiberaus zelleo- 
reiche Masse, deren Elemente zum Theü ziemlich betrftchtliohe 
GrOsseDTerhältnisae erreichten. Zwischen der Geschwulst nnd 
der 8arkomat<tsen Uterioschleimhaut bestand kein aacbweisbarer 
Zusammenhang. Auch der erwfihnte subperitoniale Knoten, der 
fast gans sarkomatOs war, erschien als eine ganz selbständige 
Bildung neben der Hauptgeschwutst. 

Diese Beobachtung zeigt, dass in Beziehung auf die Aoseere 
Erscheinung keine so scharfe Grenze besteht Ewischen den so- 
genannten fibrocystischen Geschwülsten nnd den früher (S. 181) 
erwähnten Intraparietat-Myomen , welche sich polypenartig nach 
innen vordrängen und schliesslich der regressiven Metamorphose, 
der Verecbwämng und Yeijauohnpg nnterli^en. Die Haaptver- 
Bcbiedenheit liegt darin, dass bei den cyatischen Uyomen die 
Erweichung in grSsstem Maassstabe erfolgt ist, bevor der Aufbruch 
eintritt, w&hrend in der Regel die gewfibDlicbe Erweichung an 
den am meisten exponirten, peripherischen Tbeilen geschiebt und 
die erweichende Masse dann alsbald abbröckelt oder zeräiesat. 

Selbst die anatomiBche Erkennung dieser Geschwülste hat 
die äassersten Schvrierigkeiten und es gebOrt eine sehr metho- 
dische üntersnchoDg des einzelnen Falles dazu, um zu einer 
richtigen Diagnose zu kommen. Dir Häufigkeit perimetritischer, 
namentlich adhäsiver Prozesse, die Complikation mit Gesohwülsten 
der Naebbartheile, besonders des Eierstocks, die nicht seltene 
Dislokation dieser Nachbartbeile auf ungewöhnliche Plätze ver- 
wirren das ürtheil des Beobachters in hohem Maasse. Ich führe 
als Beispiel folgenden Fall an: In der Leiche einer verbeiratbeteD 
Frau*) fond sich die gante Masse der inneren Sexnaloi^ane mit 



•) Prlpu^t No. 136 vom Jahre 1866. 



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PritateriDOB Eieretocks-Sarkom. ^0^ 

den Nnchbartheilea adhärent: vordere Bauchnand, Blase, Maet- 
darm, Coecum, Dfinndarm und Netz varen in grosser Ansdefanung 
damit Terwachsen So entstand eine ihrem eigentliehen Sitze nach 
hOehgt nadentliclie Massengeschwnist , welche das kleine Becken 
fällte and bis ttber den unteren Rippenrand in die Hohe reichte. 
Der obere Theil dieser Geschwulst schien aus abgekapselten 
eiterigen Massen (von Peritonitis cbron.) zu bestehen; es waren 
imr^elmSsBige, {grosse HShIen mit anebenen Wandungen, geffillt 
mit stinkender Jauche. Dicht daronter und zwar vom, etwas 
Dach rechts lag zwischen Dterus und Barnblase, jedoch mit 
beiden im Zusammenhange, eine länglich-OTale, fast nierenfOrmige 
Gei^chwalst von 13 Cent. Breite, 6,5 Cent. Hohe und 7 Cent. 
Dicke, welche auf dem Durchschnitt eine solide, aber mehr 
neicbe Gewebsmasse von sehr regelmfiseig radiärem Bau zeigte. 
An einigen Stellen fanden sich darin härtere, fast knorpelartige 
Streifen, gegen welche die Fasermassen convergirten. Von Cystwi 
keine Spur; ringsumher eine ziemlich derbe Haut, welche nur an 
der Verwachsungsstelte mit dem Uterus etwas undeutlich wurde. 
Die mikroskopische Untersuchung zeigte ein sehr regelmässiges 
Spiodetzellensarkom mit beginnender Fettmetamorphose. Ein 
üebergang der Geschwulst in den Uterus oder ein Hervorgehen 
derselben ans dem Utems war nicht m conetatiren; vielmehr konnte 
man na der Verwachsungsstelle eine bestimmte Grenze zwischen 
Geschwulst- und Uterusgewebe bestimmen. Ich trage daher um 
so weniger Bedenken, die Geschwulst. als ein Sarkom (Bd. II. 
S. 369) des vor den Utems dislocirteu Eierstocks zu betrachten, 
als sonst ein Eierstock rechts nicht gefunden wurde und als der 
l'lerae da, wo seine vordere Fläche nicht durch Verwachsungen 
bedeckt war, ein kleines, etwa ktrschkemgrosses, subperiton&ales 
Fibromyom trag, das von der grossen Geschwulst ganz ver- 
schieden war. Der Utems selbst war 8,5 Cent, lang, wovon 
5,5 Cent auf den EOrper kamen; er zeigte in seiner Struktur 
nichts Besonderes. Dagegen lag hinter ihm und zwar mehr nach 
links eine Aber Faust grosse, zwischen Uterus nnd Rectum ein- 
geschobene, und sowohl mit ihnen, als mit dem Dünndarm und 
dem Netz verwachsene, vielkammerige Cysten-Geschwulst, welche 
ncfa bis gegen die Vagina herab erstreckte nnd welche eine trfibe 
rothe Flüssigkeit enthielt Die darin enthaltenen Cyisten zeigten 

14 



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310 Drein adivKougsta Vorle§iiBg. 

alle üebergftoge von den feia»teo, kaum Bichtbaren BUscfaen bis 
za stark apfelgroaeen Säcken; letztere hatten derbe, fibrüee, mit 
weichen rOthlichen BrOckeln überKogeoe, znm Tbeil glatte, tarn 
Theil hfickerige &nd knotige W&nde. Diese Stellen teigten auf 
Darchschnitten wieder eine fein-cystoide ZuBammenBetzm^. Noch 
mehr als dies sprach fSr den oTariaJen Ursprung auch dieser 
Geschwulst, dasB sich von dem Ligam. ovaril tins ein wirklicher 
Znaammenhang eines noch erhaltenen Stfickes des Eierstocks mit 
der Cystenmasse verfolgen liess. Andererseits zeigte sich jedoch 
aneh am unteren Dmfonge der GescbwolQt ein sehr inniger Zn- 
sammeohang mit dem Uterus: insbesondere lief von der Portio 
vaginalis her ein derber Zug von Muskelsubstanz anssen um eine 
grossere HOhle herum, welche den Eindntck einer Uteriocyste 
nucfale. fiine volle Entscheidung ist hier kaam mCglich. — 

Wir sind damit an die letzte der noch zu erwibnendes 
inneren Veränderungen der Myome gekommen, an die eigentliche 
üleeration, deren wir bei den Polypen schon gedacht haben 
(S. 171). Diese Ulc^ation erfolgt am seltensten auf dem W^ 
der Eiterung, obwohl allerdings in einzelnen F&llen Abscesse. eite- 
rige Infiltration und PeriphlebitiB in Myomen beobachtet werden*). 
Znweilen geschieht die Eiterung, wie es scheint, in cystiscbeD 
Myomen**), wo sie eine ungeheure Menge von FlQssigkeit er- 
taugen kann. Im Ganzen besitzt jedoch die Myomsubstanz troti 
ihres Gehaltes an Bindegewebe eine ebenso geringe Neigung zur 
Eiterung, wie die normale Uteruswand; selbst directe Verletzungen, 
DnrchboliruDg mit Sonden, Anschneiden der GeechwÜlBte geben 
selten eine wirkliche, »freie" Eiterung. 

Der Vorgang ist gemeinigli«^ ein gemischter, ^eben schwacher 
Eiterung tritt in grosser Ausdehnung ein fettiger Zerfall ein, der 
jedoch unter der Mitwirkung boliger Prozesse eigenthSmliche 
Producte setzt Insbesondere kommt in der stinkenden Masse 
leicht eine Bildung nadelfArmiger Fettkrystalle vor, wie ich sie 
bei Gangrftn anderer Orte vielfach beobachtet habe***). In einem 
Falle, wo diese Krystalle in besonders grosser Menge vorhandeo 



*) Kiwiach a.a.O. S. 426. CraTeilliier. Tniit4 d'uat. patb. gener. 
T. Ul. p. 660, 686. 

•*) Bflcker a.a.O. S. 138. Qroethuyieo a. a. a S.6. Nnao «ad 
Baker Brown l c p. 200. 

***) Virchow. Archiv. Bd. I. S. 3S4. OeuiDmelte Abhandl. S. 491, 
Note. S. 788. 



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Oleention und Degenentioti der OteniB-Myoine. 211 

wven, scbloes Bosch*), der den sehr zweifelhaften Namen 
deB Inoetetrios für das Fett v&hlte, däsB eine ganz besondere 
Gesehvolstform vorl&ge; er wollte sie Inosteatom Dennen. 
Seine Beschreibung ergiebt, dass es sich am ein zerrendes 
Hyotn des ütemskOrpers bandelte, von dem bei der &Ojährigen 
Kranken, die sclion seit 8 J^ren an starkem Flnor albus litt, 
frflher unter wehenartigen Sehmerzen ein fanstgrosses Stück 
»pontan entleert war. — Meist überwiegen jedoch die fauligen 
VoTg&nge, nnd es besteht gewöhnlich länger« Zeit hindurch eine 
sehr fibelhecbende Abaonderong, welche unter ümst&nden die 
ToUe ZerstOmng der Geschwulst herbeiführt und endlich die 
Heilang bringt**), welche jedoch häufig unter entzündlichen und 
fieberhaften Zufällen, zuweilen unter Perforation gegen die Bauch- 
hühle tüdtet***). Besonders intereesant ist ein Fall von Chiari. 
Die 52jährige Person, welche 9 Kinder geboren hatte, bemerkte 
seit 3 Jahren eine Geschwulst; es folgten Blntungen mit Aus- 
atoBSnng grosserer Klumpen nnd sehr fihelriecbendem Ausflugs, 
fleber nnd Avftreibung des Leibee. Nach dem Tode fand man den 
DteruB so ausgedehnt, wie in den ersten Tagen des Puerperiums; 
seine Innenfläche in braunrotheo Brei gangränös zerrend; aa 
mehreren Stellen buchtige Vertiefungen, wo die Utemswand bis 
nahe an das Peritonäum fehlte; in einzelne^ Venen Eiter. 

Dass gerade diese Form den Eindruck einer büsartigen Bil- 
dnng machen und als Krebs anfgefasst werden kann, habe ich 
Bchon früher (S. 171) angedeutet. Indess beruht die Lehre von 
dem tJebergange der fibrOsen Geschwülste in Krebs noch auf 
sioer anderen Verwechselung. Wenzel 'f) insbttondeiB, wel- 
cher das Carcinom regelmässig aus der Induration (Scirrbositas, 
Seirrhna) herrorgeben liess, warf die Myome nnd Garcinome des 
Uterus einfach zusammen und machte daraus Stadien derselben 
Krankheit. Davon kann gegenwärtig überhaupt nicht mehr die 
Rede sein; es fragt sich nur, ob ausnahmsweise ein Myom carci- 
nonutOB «erden kann. Allein in der gesammten neueren Literatur 

■) W. BDBch. Ufiller'i Archiv. 1851. S. 368. T»f XV. 
■*) Chiari a.ft.0. S. 403. BakerBrown. ObBtetrickl TransBct. Vol. 1. 
p. 830. 

*■*) Chisria.*. 0.3.403. Brazton Hieks. Lond. Obetetrical Tnnsact. 
Vol. Vil. p. 110. CfBTeilhier I.e. p.687. Hecker a. a. 0. S. 184. 
i) Oarl Veai»! a. a. 0. 8. 118. 

14' 



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212 DreinndiTdQzigBte VorI«siiiig. 

finde ich nur eine einzige Angabe, die von Elob*), wo ein 
Myom direkt in Krebs' nbergegangen eein soll, ohne dase im 
Qbrigen Kdrper irgend ein Krebs zu tinden gewesen wire. Seiner, 
leider nicht weiter aasgefährten Mittfaeilnng nach hatte sieb io 
einem liindskopfgroesen Fibroid der hinteren Wand ganz ent- 
schieden Mednllarkrebs entwickelt. Sonst findet man entweder 
nur gleichzeitig Krebs und Hyom unabh&ngig neben einander, 
was nicht selten ist, oder es dringt in ein schon bestehendes 
Myom von der Nachbarschaft ans Krebs ein. Im letzteren Falle 
ist jedocii die Gombination von keiner praktischen Wichtigkeit. 
Die Degeneration in Sarkom habe ich schon erOrtert. Wie 
h&ufig sie ist, kann ich nicht entscheiden, doch ist wahrscheinlich 
ein grosser Tbeit der sogenannten fibrocystischen Formen auf m 
zu beziehen. Mir ist kein Fall vorgekommen, wo in Folge davon 
weitere Erkrankungen, namentlich Metastasen eingetreten wären. 
Was die früher (Bd. I. S. 362, Bd. III. S. 119) erwähnte meta!>ta- 
sirende Geschwulst betrifft, so gehSrt sie wohl kaum ursprünghcb 
dem ütertts an **). Immerhin wird bei der allgemeinen Fähigkeit 
des Sarkoms zur Generalisation die M&glichkeit weiterer Infektion 
nicht abzuweisen sein. 



*) Klob. Path. Auat der weiblicheD SeinalorgaDe. S. 163. 
"*) Es ist dies eioe ron Heior. Meckel der SAtntnlnng eiDxerieibtf 
GescbwulHt von 20 Pfd. Schvere, dia bei einer 43jShrigen Dieastmftgd fe- 
fuodeQ wurde. Der Angabe n&ch aoUte sie biunen 2 Jabren sehr stark 
gewachsen, Tom Uterus ausgegangen und auf Peritoniam und Pleura Db«r- 
gegangen sein. Ueckel hatte sie als Fibroid bestimmt Meiner Heinunji 
nach ist es ein Fibrosarkom de^ Omentum majus, weiches secundär mit dem 
' Uterns verwachsen isL Es ist eine zusammenhingende , ans groeaen nod 
kleinen Lappen zusammengesetzte und daher an der Oberfläche stark höcke- 
rige Hasse von 31 Cent. Höhe bei •22-2Ö Cent Dicke. Die einzelnen Lan)en 
und Knoten haben ftusserlich eine glatte Fl&che und rnftssig derbe Con- 
aigtens. Auf einem Durchschnitt zeigt sich der innere und hintere Theil 
Dnglei::h derber; Snasefst dichte und weisse, sehnige Züge durchkreaieo 
sich in grossen Bogen, vielfach unterbrochen durch grosse venGse Geflsse 
und kleinere und grössere HohlrSume. Nach aussen umschreiben die Fsser- 
lOge grossere Abschnitte, den Lappen der Peripherie entsprechend, die ans 
weicheren radiSren Fasennaasen bestehen. Die mikroskopische Untmucbang 
zeigt Überall sehr lange und dicke Spindelzellen, sncb in den sehnigen ZQgen; 
nur ist hier mehr fibrilläre Zwiscbensubstanz, als in den weicheren Stellen, 
wo die Zellen ganz dicht an einander liegen. In einem grossen Theil des 
Umfanges finden sich nnverftuderte Theile des Netzes. An einer kleinen 
Stelle ist die Gescbwulgt durch einen kleinßngerdicken, aber kaum 2 Gent, 
langen Stiel tn die hintere Fltche des Utems und zwar des Collum, dicht 
unter der Gegend des Orif. internnm befestigt; gerade an der losertJoDs- 
stelle sieht man in der Geschwulst keine alten und harten, sondern weiche 
und frisrhpre Bestand theile. Auch der Uterus selbst ist wenig verludert, 



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CbirurgiBChe BehaDdlung der UuruB-Uyome. 213 

Die blos zenttörenden EiDwirkungen auf die NachbarBcliaft 
geschehen, wie ea scheint, einfacii durch Druck und Reibung. 
Freilieb kSnnen sie ein sehr hobes Maaeij erreichen. Lisfranc*) 
hat Uterus-Polypen gesehen, welche bis in die Blase eingedrungen 
waren; eine am Uterus TestBitEeDde Geschwulet war zum Arter 
lierausgetreten. Thomson**) bat AebnlicheB von der Blase be- 
schrieben. Nicht gelten bilden sich AbBces»e im Umfange der 
Gesebwfllate, namentlich nro den Uterus, im Becken, in den 
FoBBae iliacae, aber Bie haben Keine tipecifische Bedeutung. 

Nach Allem ist vielmehr daran lestzuhalten, daes das Myom 
eine an sich gutartige, durchaus locale Bildung ist, welche keine 
andere Gehbr ftir den Körper bringt, als diejenige, welche durch 
ihre ertlichen Wirkungen und Veränderungen bedingt wird. Diese 
sind aber, wie wir gesehen haben, gross genug, um das Eingreifen 
des Arzte» in hohem Maasse wünschenswerth, ja zuweilen nöthig 
zu machen, und da von therapeutischer Anwendung innerer Mittel 
im Ganzen kein entecheidender Erfolg zu erwarten ist, so bleibt 
wesentlich nur die ehirurgische Hülfe. 

Diese ist fiir die polypösen Formen, wie wir sahen, in gün- 
^gster Weise mOglich und daher bei den Tcrbetjserten Methoden 
der neueren Zeit auch mehr und mehr gebr&uclilich geworden. 
Freilich hat man frfiher die möglichen Recidive gef&rchtet. Allein 
die»e können nur dann vorkommen, wenn mehrere Myome neben 
einander bestehen und nach der Entfernung des einen ein anderes 
IQ wachsen beginnt. Dieser Fall ist erfahrungsgemäss äusserst 
selten. Man hat die Gefahr früher flberschfitzt, weil man krebsige 
oder sarkomatOae Formen als „Polypen" mit den Myomen zu- 
sammenwarf, oder weil man intraparietale Formen , die:* gegen 
die üterushöhle vordringen (S. 181), mit den extraparietalen 
Polypen verwechselte. In letzterem Falle schieben sieh einzelne 
Theile grosserer Intraparietal- Geschwülste durch das Orificium 
ettemam in die Scheide ond werden dem operativen Eingreifen 



nur etwM Hager and Bchmsler ah normal. Die Vagina ist sehr stark ver- 
längert, die OTarieo normal, die linke Tuba enthalt an ihrem Abdominalcnde 
Hne dicke, der GeBchwulstmasBc ganz ähnlicbe Wurherung der Wand. Du 
Reclam ist in grösserer Erstreckong dem hintereo Umfange der Oeechwnlnt 
idhirent 

*) Tb. Smfford Lee a. a. 0. S. 67. 

**) T. ThomaoD. The Lancet 1S39. Marcfa (citirl bei Rokitansky 
a. a. 0. S. 4Si). , 



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214 Drein BdiwftniigBte VorlesnoB. 

zuf^glich, ^r bei weiterem Waehstbum der GetchwaUt werden 
sie durch aeae Hassen ersetzt, welche von oben her^dr&Qgen*). 

Die BeacrgoisB ge^rlicher Blutungen in Folge der Operation 
hat in fr&herer Zeit, namenUich seit Levret, ganz aberwiegeod 
die Ligatur sor Beseitigung der Polypen in Anwendung bringen 
lassen. Allein die Gefahr der Ligatur ist keine geringe. Der 
dureb die Strangulation seines Habe» ertOdtete Polyp ftngt bald 
an zu faulen und es entstehen in Folge davon Qfters faulige und 
brandige Entzündungen des Uterus und der Scheide, Peritonitis, 
eeptiBcbe Infektion, und, wenn grössere Venen in den Polypen 
eintreten, ThromboBea mit folgender Phlebitis and Embolie**). 
Elias V. Siebold und Dupuytren***) gingen daher auf die 
schon im Alterthum geübte Excision zurück, welche um so 
mehr Anklang fand, als in ihrer Zeit die Ansicht von der ent- 
weder ganz ge^slosen, oder doch wenigstens sehr gef&ssannen 
Beacbaffenbeit der fibrCseo Kfirper (S. 111) ^ele Vertbeidiger 
fiuid. In der letzten Zeit hat Rob. Leet) dem gegenüber 
wieder die Ligatur in den Vordergrund gebracht, freilich mit 
der UodiScation, dasa der Polyp jedesmal schon vor dem Beginn 
seines jauchigen Zerfalls, sei es aoch mittehtt der Exciaion, aus 
dem Körper entfernt werde. In der That hat er, seitdem er diese 
Vorsicht anwendet, unter 65 durch die Ligatur behandelten FSllen 
keinen tOdtlicheo gehabt. Wenn daher auch bei einem zweck- 
m&ßsigen Abbindungs -Verfahren die Vorwürfe nicht ganz Plati 
greifen, welche früher so vielfach erhoben sind, so bleibt dodi 
die Excisioo nach dem ürtheüe der erfahrensten Gyn&kologen 
nicht blos die sobnellste, sondern auch die sicherste Methode der 
EntfermiDg von Üterin-Potypen, and es ist allgemeio zugestanden, 
dass die Besorgniss grosser Blutungen bei derselbeu durch die 
Praxis nicht bestätigt wird. Es erklärt sich dies aus dem üin- 
atande, dass der Stiel der Polypen in der Regel nur grossere 
and mnsketreicfae Arterien enthält, welche sich nach der Dnrch- 



*) John Cl»rke 1. c. p. 299. Ü»rl Weoiel &. &. 0. S. 88. 
**) Carl Weniel a. a. 0. S. 82 SimpBoo. Obatetric raemoira. Vol. L 
p.l60. Kiwiach a. a.O. Bd. I. S. 460. Gbiari a.a.O. S. 411. SeaDioni- 
Beitrft^e zur Gebnrtskunde u. Gynäkologie, ßd. II. S. 122. Ferrier. De» 
foagosites uteriaes, des kjstea de !a muqaeDge delamatrice et dei poljpes 
fibreux de Tut^ras. These de Paris. 1854. p. 5g. 

•■•) C. M»jar. De polypis uteri, p. 46. Dnpuytren ».».0.8.887. 
t) R. Lee. Med. chir. TransKt. Vol. XLIV. p. 78. Vol. XUUI. p. 187- 

D,qmzecbvG00<^lc 



I 



Operative BehwidlaDg der ütenu-H;ome. 215 

sehneidang schnell nnd kräftig zasammenEiebeD. Dies ist nameot- 
lieb bei der Anwendung des EcraaenrH, noch mehr bei der Gal- 
Tunkaiutik *) der Fall. Yoi^äogige Erweiterang des Mutter- 
mundes durch mechanjucbe Mittel ist h&afig nothwendig, zumal 
wenn die Polypen hoch befestigt und noch nicht aus dem Mutter- 
mnnde her?orgetreten sind. 

Seit Levret und der Mad. BoivJn hat man vielfach von 
Adh&^onen gesprochen, welche die Polypen, sei es im ÜtemB, 
Bei es in der Scheide, eingingen. Ich habe etwas der Art in 
grösserer Ausdehnung nie gesehen, nnd m6ehte glauben, daas 
mu hier Intraparietal - Geschwfliste , welche zum Theil Aber die 
Oberflftcbe der Wand hervorgetreten sind, im Uebrigen aber noch 
lose mit der Wand in Verbindung stehen (S. 182), mit eigent- 
lichen Polypen TerweehBelt hat**). Jedenfalls gestehen auch die 
Anh&nger der ersteren Ansieht zu, dass die sogenannten AdhV 
Bionen sehr leicht mit dem Finger zu trennen Bind***). 

FOr die extri^iaiietalen sabeerOBen Formen, sowie fBr di* 
eigentlich intraparietalen hat erst die kftbner gewordene Chirurgie 
der neuesten Zeit es versucht, operative Hülfe » bringen. Nooh 
Charles Glarket) vniBSte nur den einen positiven Rath zu 
geben, der freilich in manchen F&lten, selbst bei gleichzeitiger 
Schwangerschaft tt)i sehr gute Resultate giebt, dass man bei 
Bolchen Geschwfilsten, welche in das Becken eii^ekeilt sind, ver- 
sudien soll, sie durch einen in das Rectum eingef&hrten Finger 
ia die Bancbhfible hinanfzuschieben. Freilich ist dies oft unmOg- 
lieb und manchmal nntslos. 

Was die Intraparietal -Myome betrifft, so hat man vielfach, 
usgehwid von der relativ losen Lage der Geschwfilste in dem 
Ctwttsparencbym, die Enncleation derselben, namentlich aach- 
dem man durch oberflächliche Einschnitte bis anf den Geschwalst- 
kdrper vorgedrungen war, ge&btftf)- Allein diese Operation ist 
im Allgemeinen nnr bei kleineren*!) Knoten nnd bei solchen, 

*) Hiddeldorpf. Die GahanokaaBtik. Breslau. 1864. S. 237. 
**) SeaDioQi. Beiträge. Bd. II. S. IDT. 
"•) Th. S afford Lee a. a. 0. S. 67. 
t) Ch. HanBfield Glarke 1. c, p 20^. 

tt} C. Harer. VerbaDdl. der Berlioer gebortsh. Oeeeliscb. 1846. Bd. I. 
S, lOö. 

Ht) Dupuytren a. a. 0. S. 286. G. Simon. HouatMchr. f. Geburtlk. 
D. Franenkrankh. 1862. Bd. XX. S. 467. 

*t) Btne recht groMe Geschwalat, die mit GlQok euoleirt wurde, be- 



jvGoo'^lc 



216 DreiuDdtwftDzigste Vorlesung. 

welche mehr der inneren Schicht der Ütemewand aagebttpen, uis- 
Ittbrbttr, nnd sie setst oft schwere Verletzangen mit gef£brlicbeT 
Btotang and secnadärer Veijauchnng. Man hat daher versucht, 
die ÄiiBlOsnng durch langsamere Prozesee einzuleiten, wozu der 
natarliebe Hergang der YeijanchuBg mit Zerstbmng oder spon- 
taner Expnlaion der Ge»chwulat den Anhalt gab. In dem Ver- 
laufe des Wochenbettes, wo gröBsero Intraparietal- Myome sich 
langsam auslesen, diese Langsamkeit aber die operative Narhhillfe 
des Arztes, wenngleich vielleicht nur die Enuuleation *) oöthig 
macht, findet sieb gewissermaaesen- der Uebergang zu den gewalt- 
sameren Methoden. Atlee**) sucht durch Einschnitte die be- 
deckenden Schichten zu durchdringen und das Myom blosszulogen, 
nm dann, namentlich nach Erweiterung des Muttermundes durch 
Seeale, die Auslosung der Geschwulst gewaltsam ^oder allmählich 
im natürlichen Wege der dissecirenden Verjauchung herbeizn- 
fQhren. Baker Brown***) hat das Verfahren bei einer gros- 
seren Zahl von F&llen ausgebildet und nachgewiesen, dass schOD 
die Incision und Erweiterung des Cervix die gef&hrlichen Bin- 
langen mindert oder beendet, und dass bei tiefen Einschnitten 
in die Geschwulst, sei es mit partieller Abtragung oder auch ohne 
dieselbe, ein Zerfall der Geschwulst und damit eine dauernde 
Heilung erzielt werden kann. 

Allein es liegt auf der Hand, dass dieses Verfahren nicht 
anwendbar ist bei intraparietalcn Gescbwälsteh , welche den 
ftosseren Lagen der Muskelwand angeboren oder welche sich 
weit gegen das Peritonäum entwickelt haben. Der erste Ver- 
sach, ein subserOses Fibroid durch die Operation zu entfernen, 
scheint nach einer Notiz von Dupuytren f) im Höpital Beaujon 
ZQ Paria gemacht zn sein; er fiel nnglQcklich aus und schreckte 
lange von der Nachfolge ab. Erst die glficklicheren Erfolge der 
Ovariotomie fahrten auf die Frage von der Möglichkeit einer 
Heilung der Fibroide durch Laparotomie znrflck, und zwar um 
BO mehr, als wiederholt diagnostische IrrthQmer vorfielen und 

achreibt J. Hall Dftvi 

Dahin gebOrt wabrecheiDlicb auch der Fall von Riedel ( 

Verhandl. 1B66. Heft XVII. S. Sl). 

•) W. 0. PrieBtley. Lond. Obst Transact. Vol. I. p. 223. 
**) Atlee. American Joura. of med. Bciencea. Iä45. April. IHÖti. Oct. 
"*) Baker Brown. Obst. Tnuisact. 1860. Vol. I. p.33l. 1863. Vol. 111. 
p. 67. 1865. Vol. VI. p. 21. 

f) DBpDjtren a. a. 0. 8. 228. 



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Mjoräe des Collnm uteri. < 217 

die OperateDre, welche die BauobhObte eröffnet hatten, um ein« 
EierBtockä-Gesebwnlst zu entfernen, statt dessen eine Uterin- 
Ge^cbwulat fanden. Clay*) führte unter solchen Umständen die 
EistirpatioQ des g;anzea üterua zuerst mit uDglückliebem (1844), 
sp&ter mit glficklicbem Erfolge aus (1863). Letzteres ist nach 
der Angabe von Storer**) schon 18Ö3 durch zwei ameriba- 
niscbe Äerzte, Bnrnbam und Kimball geschehen; daran haben 
äiub seitdem noch vier spätere F&lle von Koeberle ***^, Bnrn- 
ham und Storer aageacblosBen. Letzterer bat 24 Fälle von 
abdominaler Exstirpatioa des Uterus zusammengestellt, von denen 
IS nnglöckticb ausfielen f). Es tässt sich daher nicht länger in 
Abrede stellen, dass die Exstirpation des Uterus vom Bauche her 
unter die Zidtl der möglichen und in verzweifelten Fällen anvrend- 
baren Opumtionen gehört; indess wird man sich immer an er- 
ionem haben, daes die Gefahr des tOdtUchen Ausganges eine so 
grosse ist, dass diese Operation nur in Ausnabme^en gerecht- 
Tertigt erscheinen kann. — 

Betracbten wir dod noch kurz die U;fome der übrigen Ab- 
schnitte des weiblichen Sexualapparates. Hier bieten sieb uns 
zBücbst diejenigen des Collum aterift) ^^^- ^i^ sind ver~ 
hilmissmässig selten und geben sehr selten zur Bildung innerer 
Polypen des Cervikalkanals Yeranlassung. Kommt es zur Polypeo- 
büdnag, so pflegen diese durch eine Verlängerung der einen oder 
anderen Lippe direct in die Vagina berabzntreten, wo sie dann 
wohl von deo einfachen Hyperplasien der Lippen (S. 146) und 
Jen tonsillenartigen Polypen (S. 142) zu unterscheiden sind. Mach 
uod nach senkt sich der Polyp herab, indem er den Uterus mit 
sich siebt, und in einem Falle von Barnes ftf) wurde die gante 
Ge»cbwalst aasBerbalb der Scheide prolabirt gefunden, so dass 
man zuerst an eine Inversio uteri dachte. Aach Cbiari'f) be- 

*} Chirles GUy. Lood. Obatetrical Tranuct Vol. V. p. ti6. PL I. 
") H. R. Storer. Successful removal of the oternB and both ovaries. 
Boatan. 1866. p 7 (Americaa Jonrual of the med. Bciences. 1866. Jan.). 

"•) E. Roeberle. Gaz. hebdoro. 1863. p. 742. Operations d'ovario- 
tomi«. Fu-iB. 186Ö. (Med. Timee -iiid G». Iäti5. Febr. p. 207.) 

t> VgL Spencer Wells. Diseases of the ovanes. Vol. ). p. 350. 
Baker Brown. Obstetr. Traosact Vol. VI. p. 249. PI. IX. GillespJe. 
Ediob. nod. Jarnii. 1866. Joty. p. 30. 

tt) Th. S»fford Lee m. s. 0. S. 21, 70. 

ttt) Rob. Bkraes. Lond. Obstetrical Transact. 1862. Vol. 111. p. 311. 
HolischaiU. 

*f) Cfaiari a.a.O. S.401. 



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218 Dreiutdiwuuigate Voii«i«iE- 

sehrieb einen Fall, wo bei einer SSjUrigen Jangfnui ein fiuiit* 
grosseB kngeliges Fibroid o&oh aussen vorgehllen wvc; es aus 
durch einen fingerdicken Stiel, die verläDf^erte Tordwe Lippe, an 
dem ütema fest In der Regel bleibt der Ütems in Bits and es 
bildet sich nnr eioe zanehmende Aoschwellnng, bäafig eine V«r- 
läogemng des Gollnm. Zuweilen bleibt das Myom aoch hier mnd, 
ohne dass jedoch die äussere Form des Collum dies erkennen 
Iftsst, die mehr gleichmtesig and scbeiobar länglich auftreibt'). 
Hier wird der Cervikalkanal fast vOUig TerschloBsen **). Andere- 
mal ist das Myom selbst mehr l&nglich oder eif&rmig. So liegt 
in einem unserer Präparate***) ein hfthnereigroBseB, ttnglich- 
ovalea Fibromyom in der vorderen Wand des Collum, weldie 
es fast gans erfSlU, so dass sie sogar noch etwas über das Orif. 
iDternum fainaufreiebt. Die Portio vaginalis ist normal, der 
Gervikalkanal sehr verlängert, von der Geschwnlet durch eine 
Hnskellage getrennt Nach links findet sich eine grosse, giatt- 
wandige Cyste, welche den grOssereu Theil der hinteren Wand 
de» Uterus verdeckt und damit adbirent ist; sie scheint dem 
linken Ovarium anzugehören, von dem sonst keine Spur bemerkt 
wird. Nach unten hängt sie durch eine kleintingerdicke Oeffnong 
mit der Höhle des Rectum eusammen. — Im Collum kommen 
aber auch grosse und dann weichere Uyome vor, welche umfang- 
reiche Vergrfissemngen des Theils von »cheinbar gleiohmäsaig- 
walzeofftrmiger Gestalt hervorbringen f). Sie verllngero den Ger- 
vikalkanal beträ^tlicb, schieben dadurch den Kftrper des ütenu, 
oameDtlich den Fundos stark in die Hohe, können aber auch 
EOgleieh beträchtlich gegen die Scheide herabsteigen, wo sie 
dann leicht mit Polypen des UteruskSrpers oder mit retrovagi- 
nalen Hyomeo desselben (S. ISl) verwechselt werden, unsere 
Sammlang besitet ein weiches Myom der hinteren Cerrikalwaad 
(Fig. 223), welches in seiner grOssten Höhe 18, in der Dicke 
12 Gent, misst. Der gans unveränderte Kfirper des UternB ist 
dadurch weit in die Hohe gedrängt und zugleich stark aat«- 

■) Gast C. P. Mnrray. Uad. Obatetrical Tr&DBftct 1863. Toi. VI. 
p. 184. PI. VII. 

•-) J.Pr. Hecke) a..t, 0. U. 2. S.Stö. Tb. Stffoid Lea t.k. 0.9.16. 
*") PrSparat No. 122 vom Jftbre 1862. 
t}q. Weaiel. Die KrankheiUn dea Uterus Taf. VIl— VIII. Oabriel 
FUrth. IcoDognphia iagentis tamoris Gbroei \n utero femiote pkrtaritotii. 
Diu iDADg. Bonn. 18U. p. 20. Tab. I.— II. 



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0«r*jc«l- Myome dea Uraras. 

Fi|. m. 



flektirt; die HOhle dee Collnm ist 9 Cent, lang und nach nnten 
bin weit trichterfliniiig gefiffoet. Zogleich sind aber die Wan- 
dungen des Collnm nach nnten so verdünnt and die Lippen so 
sehr nnter der grossen Anadehanng verstrichen, dass die Grenze 
der CervikatBcblelmhaat (Fig. 223, a) gegen die VaginaUchleim- 
baut nur bei sehr gesaaer Betracbtnog zn erkennen ist. Die 
Geaebwnlst schiebt sich mit ihrer vorderen Flftche gegen die 
CervikalhOhle vor und dringt nach Art eines Polypen dnrch den 
ioBseren Mnttermnnd in die gleiehhlls sehr stark erweiterte and 
vielfach geschwfirige Scheide. Noch in der Scheide miset die 
vorgeschobene Partie der Geschwulst 12 Cent, im Darchmeaser. 

Die meisten Cervikal-Myome liegen ziemlich lose in der Wand 
■od lassen sich daher nach Spaltung der bedeckenden Schichten 
leicht enncleiren. Insbesondere gilt dies von den harten Formen, 
die freilich an sich meist als Btation&r geworden angesehen werden 
konnea. Bei den tiefsitzeDden ist die Operation schwierig und 
bedenklich*). Immerhin ist aber die Neigung zn fortschreitendem 
Wachsthum hier nicht gross; der geringere Gehalt des Collum 

Fig 223. AuBeinudergeklappter Durchschnitt ein» groesen polypen- 
RirmigCD lDtrapvi«taI-Myoma de« Collam nteri. PrSparRt N«. 678. Stark 

*) Dapuytren &. a. 0. S. 229. 



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220 DreiaiidswMizigBte VcfflMnog. 

an Mnsknlatur giebt wenigstens theilweisc eine Erklärung dafür. 
Trotzdem findet sich Verkalkung*) an ihnen selten. Thom&s 
Lee**) berichtet einen Fall von librOüem Polypen mit Cysten- 
bildung am Collnm uteri. 

Noch seltener sind die Vaginal-Myome, Toranegesetzt dasB 
man die retro vaginalen Üterus-Myome (S. 181) damit nicht sa- 
sammenwirft. Schon Dnpuytren ***) erwähnt wiederholt fibrSee 
Geschwülste sowohl zwischen Mastdarm and Scheide, als aocb 
swischen Harnblase and Scheide. Kiwischf) hat ihnen zuerst 
' eine grössere Aufmerksamkeit geschenkt. Leider Iftsst sieb ans 
der Literatur selten mit Sicherheit erkennen, ob ein wahres Myom 
oder Fibromyom vorlag oder nur ein Fibrom. Es gilt dies so- 
wohl i^r gewisse grossere Vaginal-Polypenff), als auch iür intra- 
parietale Geschwülste ff t). Ich erinnere mich keines Falles vod 
myomatOsem Polypen der Scheide, und in der Literatur findet sieb 
nur ein einziger genauer antersuchter Fall, der von Scanzoni'f), 
wo ein hQhnereigrosser, düongestielter, auR Bindegewebe und 
MDSkelfftsern bestehender Polyp sich in der Scheide befunden 
haben soll. Die eigentlichen Myome sind gewöhnlich intrapa* 
rietal, und wenn sie sich ans ihrem Mutterboden herausBcbiebeo, 
so geschieht es ziemlich regelmässig nach aussen hin. So finde 
ich ein haselnussgrosses Fibromyom mit ganz dichter, verfileter 
Schnittfläche links vom Fundus dicht neben der roideren Mutter- 
mundslippe, diese etwas vordrängend **f); möglicherweise kannte 
es freilich aus dem Collum hervorgegangen und abgeschnürt sein. 
Dasselbe Präparat zeigt zugleich Fibromyome des Uterus und des 
Eierstocks. — Meist sind die Vaginal-Myome ziemlich grosse, 
relativ weiche GeschwOlste, die sehr beträchtliche GrSsse erreichen 



*) Bayle. Dict. det sc. mH. T VI[. p. 82. 
'•) Tb. Safford Lee a. ». 0. S. 49. 
"*) Dupuytren ». a. 0. S 210—211. 

+) Kiwisch a. a. 0. Bd. II. S. 558. 
tt) Palletta. Eiercit, pathol. Medio). 1826. Vol. 11. p. 85. Gremler. 
Hed. Zeitnag des prenss. Veretos fflr Ileilk. 184S. No. S3. Eine knöchcnie 
Bicresceni der Scheide vou 3 Drachmen Schwere io der M&be der Scbam- 
lippen wird ia einem Falle ron Terkalkter Uterus Geachnnlst von Faubert 
(ttei Meckel a.a.O. II. 2. S.2bö) beschrieben, 

ttt) Hecker. Verliaiidl. der Berliner geburteh, GeBellHch. I&ÖT. HeftIX. 
S. ö2. CätalogDB of Quy'b Hosp. Museum No. 2281». 

'D ScaDzoni. Kraukh. der weib). Seiualorgaoe. S. 471. 
»t) Präparat No. 182 vom Jahre 1864. 



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Uyome d«r Vagin& nad der LigftmeDte. 221 

kAnnen. Ein von ülricb exBtirpirteB Myom*) ist tiber l^uBtgrosB. 
Lebert**) bildet aus dem Züricher Museum ein Präparat ab, 
wo die Geschwulst die Y^oa in grosser ADsdehnung verengert. 
Cnrling*") beechreibt eioeB, welches im vorderen Tbeile der 
Scheide sass nnd sich bis zum üteruB erstreckte. Demarquay f) 
enocleirte eines bei einer 40jährigen Frau, das in Verbindnng mit 
der hinteren Wand der Urethra stand. In nneerer Sammlung 
b«Sadet sich ein fast zwei Fäuste grosses, länglich ovales, retro- 
vaginal gelegenes ff), welches die Gebart gehindert hatte; die 
gewaltsamen Versuche, das Kind zu.Tage zu fördern, hatten eine 
Euptnr der Va^na und einen Bruch des ahsteigendea Astes vom 
Schambein zn Stande gebracht, nnd die Person war 4 Wochen 
nachher an Nekrose und Vereiterung der Theile gestorben. 

Bei den Myomen der Ligamente des Uterns ist wohl 
der grOaste Theil der angeführten Fälle auf dislocirte, intraliga- 
mentOs gewordene, jedoch ursprünglich sabserSse oder intraparie- 
tale Myome (S. 158, 180) zu bezieben. Indess kommen doch Fälle 
vor, wo die Geschwülste so weit vom Dterus entfernt sind, daas 
man sie in keine Besiehnng zn ihm bringen kann. In einem Falle 
fiutd iehfff) ein bohnengrosses Fibromyom von sehr charakte- 
ristischem Ban in der Ala vespertitionie dicht über dem Liga- 
mentam ovarii, weit vom Uterus und weit vom Eierstock entfernt. 
Es war zugleich indurative Endometritis nnd Oophoritis zugegen. 
Freilich kann dieser Sitz leicht eine andere Vorstellung erwecken. 
Grobe nnd Klebs*f) haben Fälle mitgetheilt, wo auf einer 
Seite ein doppeltes, auf der anderen ein einfaches Ovarium vor- 
handen war, — Fälle, wo wahrscheinlich ein ursprünglich ein- 
faches Ovarium durch pathologische Ereignisse der Fütalzeit in 
zwei Theile getrennt worden ist. Da nun auch Myome des Eier- 
stocks vorkommeD, so liesBC sieb leicht denken, dass gelegent- 
lich ein abgetrennter Theil eines Eierstocks myomatOs erkranken 



") Prilp«rat No. 41 Tom Jahre 1865. 
**) Lebert Tuite d'aoat path. A.tlaB. PI. CLV. fig. 3. 
"*) Curling. Tranaact Path. Soc. London. Vol. I. p. 301. 

■f) Parmentier. Ballet, de la eoc. anat IKOO. p. 24&. 
tt) Präparat No 1257 (vom Jahre 1856). 
tH-) Präparat No. M6a vom Jahre 18M. 
*t) Grobe. Amtlicher Bericht der Natarf-VereatnmL iD Stettin. 1864. 
S.172. Klebe. Verhuidl. der Berliner gebort^. GeaelUcb. l86Mleft XVII. 
S. !». 



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322 foaiimdswus^ite Vorltung. 

kQnne. IndeSB lassen sich nicht alle F&Ue so erklftren, da es 

anch an Stellan, die von den Eierstöcken und dem Ligamentaai 
ovarii hinreichend entfernt sind, zoweilen, wenngleich meist klei- 
nere Geachwülate giebt*). Walter**) beschreibt sogar einen 
ovalen weisslicbgelben Stein aas dem rechten Ligamentum rotnn- 
dnm einer 36jährigen Fran, der 1" 9'" lang, 1" 2'" dick nnd 
5 Drachmen 2\ Skrupel schwer war, and den man nicbt wohl 
Ar einen Venenstein halten kann, wie dies freilich fSr die Hehr- 
xabl der sonstigen, aas den Utemsligamenten angefahrten kleineren 
Steine angenommen werden kaon. 

An der Hoekelwand der Tnben***) sind Myome aberuis 
selten und hat immer so klein, da^s sie kanm eine besondere 
Erw^nnog verdienen. Nur Meckelf) erwfthnt wnen drei- 
eckigen, l&nglichen, 2" langen, an der Gmndfliche IV' breiten, 
nogcAhr 1" dicken fibrOsen Efirper, der innen eine knirechende, 
k&mige, ceTreibliche Masse enthielt. 

Dagegen kommt an den Eierstöcken eine verwandte 
Geschwnlstart in nicht nnbeträchtlicher GrOsse vor. Bei den 
ftlteren Schriftstellern ff) geht sie gewöhnlich anter dem Namen 
des Skirrhs oder des Steatoms, wobei freilich nachtt%lich kanm 
zn nnterscheiden ist, was etwa ala librOaes Carcinora oder Sarkom 
antnsehen ist. iL'!.?bst Bailliefff), der eine nnzweifelfa^ hierher 
gehörige Abbildnng liefert, hat doch weder die 'Analogie mit dm 
fibrOseo Geschwälsten des Utems, noch die Trennung von eigent- 
lichem (krebsigem) Skirrh versncht. Erst Dnpnytrenf) nnd 
Heckel **t) haben die fibrOse Geschwnlat des Eierstocks in eine 
bestimmte Beziehung zu der des Dtems gebracht. Seitdem haben 
die^eueren Schriftsteller ***t) immer mehr F&lle von Fibroid oder 



•) Riwiach ». a. 0. Bd. 11. S. 332. 

") J. 0. Walter. Hnseum iDatom. Berol. 1806. p. 422. Ho. 2160 (824). 
"•) ABkwell ».«.0. S.128. Saff. Le« «.».0. S. 278. 

f) Jota. Fr. Heckel a. a. II. 2. S. 256. 
tt) Voigtel. Handb. der pathol. Anat. Bd. III. S. 587. A. Portal. 
Coors d'anat m^d. T. V. p. H7. G. PleiectamuDD. UichenfiffDoneeii. 
ErlaDgen. 1816. S. 182-192. 

tff) Baillie. Anatomie des kraokh. Bafiea. S. 927. EngraviDKg Faea IX. 
PL TU. 6ß. S. 

*t) PinBoa. Ballet, de l'^cole de mii. de Paria. 1806. No. IH. p. 99. 
Honel. HiODel d'anat patb. p. 82S. No. 4S6. 

*^) Job. Fr. Heckel. Handb. der patbol. Anat. Leipi. 1818. Bd. IL S. 
S. 36S. 

**^) Kiwigcb a. a. 0. Bd. IL S. 188. RokitaaskT. Lcfarb. der paüiol. 
Aiut. 1861. Bd.IlL S.4S3. FOrater. Handb. der pathoL Aiat. 1868. Bd. B. 



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FEbroid d«B Bisntoeb. 823 

fibrOnr GMehwnlst an^efUhrt, dieselbe aber bet durchgehend als 
oiae blosse Btodegeweba- Neubildung betrachtet Nur bei San- 
galli*) finde ich die ZuEammenBetznog aus ^rganiechen Unskel- 
fiseiD erw&hnt; er nennt die betreffende Geschwulst Sarkom. Eine 
Conimisgion der pathologischen Gesellschaft in London erkl&rte 
lieh noch. 1857 gegen die ovariale Natar einer von Nnnn**) 
vorgelegten, äuBserlich verkalkten, 6- 7 Pfd. schweren Geschwulst 
der rechten Fosea iliaca, weil sie Mnskelfosem enthielt und den 
Habitns einer Uterin-Geschwulat darbot Erst im Jahre darasf, 
als wieder ein Ähnlicher Fall vorlag, erkannte man ao, dass es 
sieb um eine Eierstocke^Geschwolst handle, welche den Uterus- 
Fibroiden sehr Ähnlich sei, obwohl man in diesem Falle keine 
MoBkel&sem, sondera nur eine „eigenthümliche Form von fibroidem 
Gewebe*' mit xahlreiehen Kernen fand***). 

In der That sind die fibrOsen Geschwülste des Eierstocks 
Hiebt einboh denen des Uterus und der anderen Muskelhlute 
parallel en setzen. So überaus Ähnlich sie ihnen in ihrer gri^beren 
Eracheinnng, in dem Ansseheo der Schnittfl&che , in Consiatens 
nnd in späteren Metamorphosen sind, so unterscheiden sie sieb 
doch in ihrer histologischen Zusammensetzung ganz erheblich, 
iadem sie deutliche, aasgebildete Mnskelfasom bAofig gar nicht, 
nweilen nnr in sehr geringer Sfeoge enthalt«.' ./.' Es ist dabei 
freilieh nicht tv fibersehen, datis wir ganz kleine, wenig ent- 
wickelte oder atrophische Huskelzellen von Bindegewebskftrper- 
ehen schwer unterscheiden kennen, and dass mfiglicherweise 
gerade solche Zustände hier öfters vorliegen. Nichtsdestoweniger 
ist es ThatsBche, dass ein reines Myom von keinem Beobachter 
gesehen ist, als von Sangalli, der eine kleinhühnereigrosse, 
weiche und gefSstreiche Eierstocks-Gescbwulst grossentheiis ans 
MaskeUasem, switchen denen mndliche Zellen vorkamen, zusam- 
neogeeetzt fand. 

Im Ganzen stdien diese Geschwülste dem Fibrom näher. Bei 
der Darstellnng des letzteren habe ich schon anf gewisse Zustünde 
des Eierstoeka hingewiesen (Bd. I. S. 332), welche mehr der 

3.S86. Klob >.m.<). S. Ua Safford Lee ». ^ 0. S.269. CrDveilli Jer. 
Tom d'uisL path. fiait. T. HL p. 702. Wilke. Tranaact P»th. Soc Und. 
Vo . UL PL S99. 

*) Smncklli. Storia dej tnmorU IL p. SSO. T»t. IL fig. XXU, 
**) Ndhil TraoMCt Path. Soc Vol. VUI. p. 310. 
***) Briatowe and Hatchiaaoa. Sibandaa. VoLUL p.S02. 



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224 DreiandEwantigBte VorleeiiDg. 

chroDiBcbea Oophoritis angebOran. Wenn ich die GeacbwtUte, 
TOD deoen ich hier handle, damals nicht erwähnt babe, so geschah 
CH, weil sie sich den Fihromyomen des üterna in ihrer ganzen 
Geschichte anschliessen, nnd weil erst durch weitere genetische 
Untersnchnngen festznsteUen ist, ob sie nicht im Änfonge ihrer 
Bildung h&nSger moBkulÖee Elemente enthalten, als in späterer 
Zeit der Fall ist. FKr jetzt würden sie ihrer ZusaniniensetEaDg 
nach theils als Hyofibrome, ^eils als reine Fibrome, tiieile, 
wie wir noch sehen werden, als Fibrosarkome sn claseifi- 
oirwi sein. 

In stärker entwickelten Fätien bildet die fibrfise Ovarial- 
Geschwulst harte, rundliche, glatte oder höckerige Knoten, welche 
freilich Öfters scharf abgegrenet sind, jedoch fost niem^s loae in 
dem Eierstocksgewebe liegen, sondern continuirlich in dasselbe 
Ohergehen. Zuweilen int der Eierstock gänzlich in die Gescbwulst- 
bitdung aufgegangen und man erkennt den ovarialen Charakter 
der letzteren nur daraus, dass sie genau an der Stelle des Eier- 
stocks am Ende des Ligamentum latum*) liegt Dadurch unter- 
scheidet sie sieb von den grossen intraligamentCsen Myomen des 
Uterus, von denen leb schon erwähnte (S. 180), dass sie zuweilen 
bis XU der Basis des Eierstocks reichen und diesen so weit von 
dem üteruB abdingen, dass sie bis an die Stelle des Eierstocks 
vorrücken. Anderem^**) ist die Geschwutstbildnng nur partiell 
und es bleibt ein mehr oder weniger grosser Theil des Eierstocks 
noch in seiner Struktur kenntlich. Letzteres ist nach meiner 
Erfahrung das häufigere. 

In diesem Falle finde ich fiberwiegend oft den äusseren, 
vom Uterus abgewendeten Theil, das freie Ende des Eierstocks, 
ergrilTen (Fig. 224.), wie denn überhaupt die peripherischen 
Theile der Erkrankung mehr ausgesetzt scheinen, als die cen- 
tralen und basilaren. Bei den höckerigen Formen (Fig. 225.) ent- 
stehen von mehreren Funkten der Peripherie, znweiloi scheinbar 
aas der Kapsel (Atbuginea) des Organs, die ersten Wnchernngen. 
Wachsen diese stark an, so drängen sie sich nach aussen, schieben 
sich über das Organ hervor nnd entfalten sich, ähnlich den snb- 
serösen Uterus -Myomen, ind^m sie zuletzt fast gestielt werden. 



*) Bftillie. EDK»TiDeB. Fase. IX. PI. Vll. Sr. 3. 
•■) C. Heck er. Klinik der Geburt skande. Bd. U. S. ISl. 



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FibrCae OeBohwBlBt« des Bierstocks. 



In einem Falle*) fand ich am Sasseren Ende des recbten Ova- 
rinms eine plattrund)ictie, nach aussen 8ach>eonvexe, gegen den 
Eierstock scliwach concave, fast einer Placenta in der Gestalt 
ähnliche Geschwulst von ganz dichter, filzig-verflochtener Znsam- 



Fig. 334. Fibrose Geechwubt des rechten EieretoclcB einer liten Fna. 
ton dem freien finde desselben fttueehend. Senkrechter Durchschnitt, l du 
Ligam. oTirii; o der noch intacte Theil des etwts hügeligen, mit verdickter 
Albngjnea und mehreren Corpon fibrosm TeraehMen Bientocki; i di« Ge- 
Khwulst telbat, neiohe bfi Cent in der Lin^e nnd grOseten HShe, 4 Cent 
in der Dicke misst Die Oberfllche derselben ist gknz glfttt, die Schoittfl&che 
leigt innen du Geflecht der FuenQge, in Umfuge mehr conceulnache 
Schichten. Die mikroskopiectae Dnteraucbung ergab keine deutlichen Muskel- 
fuem, sondera nur dichtes Bindegewebe mit sehr schmalen Spindel- nnd 
Netiieilen, die hie nnd dK dnrch Fettmetsmorphose tn Oninde gingen. Am 
besten erhalten waren die Zellen in dem Theile der Oeechirnlst, welcher 
namittelbar an den noch unversehrten Theil des Eieratocks grenite. Prkparat 
No. Ml Toffl Jahre 186S. Der Dterns war normal, nur der Cei*ix etWH 
terdickt. Das linke ÜTariam seigt gleichfalls Corpora fibrosa and eine ver- 
dickte Kapsel; lua letzterer geht am freien Ende eine kaum linseogroese 
Gbrfise Geschwulst hervor, die jedoch schon voller Kfirnchenzellen ist 

*) Präparat No. 221 vom Jahre 1861. Das linke Ovarium war gross und 
hSrkerig, seine Snssereo Theile indarirt und sehnig. Der Dterue nicht xer- 
grOssert, jedoch mit 4 Nasseren, bis Kirschen grossen Fibromyomen des Kttrpsrs 
und mit einem dicken emetischen Polypen des Collum besetzt Der ftassere 
Theil der Geschwulst enthielt eine Gruppe dicht gedringter, meist abge- 
platteter, missig glatt wandiger, kleiner Cysten mit schmalen Seh ei de winden. 
Dh Gewebe der Qeschwalst enthielt ZQg; von schmalen Faeersellen, die 
strophischen Moskelzellen glichen, jedocb m wenig deutlich waren, nm 
sicher bestimmt werden in können. Sie waren am aahlreichsten gegen den 
cj'slischen Theil hin, wihrend der harte Theil ein dichtes Bindegewebe mit 
viel PetlkSmchen kugeln fahrte. Das Prfiparat wurde lußllig bei einer *■ 
elngeUcmmtem Bruch gestorbenen, vcrheiratheten Frau gefunden. 

Vlickaw, Oatcliwaiil*. tll. J5 



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220 DieinadiwaDiigate VorlMnns- 

meoBetning and von 6—6,5 Ceot. Flficbendorcfamesser bei 2,2 Cent. 
Dicke, welche an dem übrigene fast A Cent langen und harten 
Eierstock mit einer schmaleren Basis haftete. 

Der innere Ban dieser Geecbwülste stimmt im Groben TOlIig 
mit dem der harten Uterin-Myome öberein. Das dichte Gerecht 
der Fasertüge ist so anfnUig, dass es schon den älteren Beob- 
achtern auffiel; sie beschreiben mehrfach die „F&cher", welche 
dadurch tn der Geschwulst entstehen. Quer- und Lfingsschnitte 
wechseln mit «inander nnd zeigen dasselbe Durcheinander von 
durchscheinenden, grauen oder gelblichen mit undurchsichtigen 
und weissen Stellen. An der Basis sieht man zuweilen (Fig. 225.) 
die weissen Züge unmittelbar in die Fasereflge des noch unver- 
änderten Theils des Eierstocks fortgehen; gegen die Peripherie 
werden die Durchkreuzungen häufiger und nur im änssersten 
Umfange zeigen die Züge bei grosseren Geschwülsten eine mehr 
concentrische Anordnung (Fig. 224.). Die Grenze gegen die Albu- 
ginea verschwindet meist. vollständig. GelSsse sind sehr spärlich 
zu bemerken, doch kommen auch hier Fälle vor, wo ektatiscbe 
Venen von ausserordentlich starker Entwickeltmg mitten in der 
Geschwnlst liegen'). 

Der nicht an der Geschwulstbildung betheiligte Abschnitt des 
Eierstocks zeigt sehr hSufig die Veränderungen der chronischen 
Oophoritis in allen ihren Formen**). Meist ist nicht nur das 
Btroma indurirt, sendern noch mehr die Albuginea verdickt und 
sklerotisch, und die Follikel in Corpora fibrosa (Fig. 224., o) ver- 
wandelt. Es beweist dies wohl am besten den irritativen Charakter 
des ganzen Herganges, der auch durch die gleichieittgen VeAnde- 
nmgen des Utenu angezeigt wird. Anderemal findet man Cysten 
von verschiedener GrCsse nnd Beschaffenheit, und zwar nicht blos 
cystoide ErwMchnngen nnd Schmelzungen des Gewebes, sondern 
wirkliche, mit besonderer, gtatter Wand ausgekleidete Hfihlen***). 
Wahrsobeinltch find dies hydropische Follikel (Bd. I. S. 258), 
welche sich neben der fibrOsen Wucherung erhalten haben, wäh- 
rend freilich für gewöhnlich alle Follikularbildungen spurlos zu 
Grunde gehen. Die Cysten wechseln von der GrQsse von Hanf- 

■) Cruveilhier I.e. p, 706 

") Virchow. Wiener Med. tfocbengchrift. 18M. No. 18. S. 182. 
•**} Heekel a. &. 0. II. 2. S 254. Cru*eilhier ). r. p. 707— 709L 
Purster a.a.O. Wilki L c p.SOa 



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CjrstoGbrome dee RierstockB. 



kCrDern bis zu d«r tod Wallnüssen und darüber; sie liegen einzeln 
oder zu mehreren i^eben einander; im letzteren Falle kÜDnen sie 
später zusammenfliessen, indem ihre Scheidewände etnscbmelzen. 
Ihr Inhalt iet bald eine klare Flüssigkeit, bald ein trüber, gelb- 
licher oder grauer Brei, bald eine blutige, geronnene oder d&ssige 
Masse. 

Dies Bind also Miscbgeschwulste, in denen jedes der consti- 
tairenden Elemente seine besondere Eotwickelung macht*). Sie 



Pig- 2S&. LftppigM Cyatofibrom det liakcD Bientoclu einer ongemeio 
fetten, 38iShrigen, Terheiratheteo Person; senkrechter Längsdurchscbnitt. 
Die YerlDderQQg betrifft dea ganzen Bieratock; nur die Gegend des Hilus 
iiiid eis Tbeil des Strom» sind noch eriislten. Von Ax gehen die Faserzllge 
coDtioairlicfa in die peripberiach gelegenen Geschwulsttheile über, irelcbe 
mehrere, nnabbSogig von einander entstandeoe Knoten bilden und ans einem 
Glug-teboigeo, flbersas dicbten Gewebe bestehen. Dentliche MDskelfasern 
lind darin nicht m erkennen ; ja selbet die Bindegewebeelemente eind iDaaerat 
iptriich aad fein, fast ganz in elastiecbe Fasern verwandelt. Das Gewebe 
ijeicbt mikrotkopiscb dem der Oartilagines semilunares genn. An mehreren 
Stellen, namentlich in dem nterinen Ende finden sich glattwandige, aber 
DU regelmässig gestaltete Cysten, jedoch nicht in den indurirten Theilen. Die 
pnie Geschwulst misst 7 Cent, in der Linge, 8—3 in der Hebe, bis 9 in 
der Dicke. Präparat No. 183 vom Jahre 1863. Gleichieitig bestand indu- 
Titiie Hyperplasie des Dterus mit Mvorobildung im Fundus, Acne der Portio 
tapaalii nna Gystenbildnng im Collum; am Fundus raginae ein haselnnes- 
groese« Fibromyom (S. 220). Perimetritiacho Adhäsionen. Der rechte Eier- 
stock etwas TergrSaeert, mit schwieliger Kapsel nnd wenig entwickelten 
Corpora fibrosa. 

*} In einem ton Baker Brown iTransact. Path. Sof. Vol. XU. p. IM) 
durch Oiariotomie geheilten Falle scheint an dem einen Eierstock eiue ein- 
fafhe .GbrOee' Geechwulst von HübnereigrCsse bestanden zu haben, wahrend 
so dem anderen eine Reihe tqd Cjsten ingegen war. Da keine Autopsie 
stattfand, so ist es sweifelbafi, ob die erstere Geschwulst nicht ein gestieltes 
RbroBjom de« Utom war. 

16' 



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gSg Draiandiiruiiigste VorluanK. 

sind Btreog zu Bcheiden von einer anderen Form, welche man 
oft genug damit verwechselt hat, nehmlich von den Fibro- 
kystomen, einer Form, die sich dem sogenannten Hydrops 
ovarii multilocularis anechlieast und auf die wir später zurück' 
kommen werden. 

Soweit meine Erinnerung reicht, ist die fibröse Geschwulst 
des Eierstocks meist einseitig. Indess haben andere Beobachter*) 
doppelseitige AfTektiooen gesehen, und zwar solche von sehr 
bedeutendem Umfange. Der Zwreifel von Rokitansky, oh dies 
nicht Faserkrebse gewesen seien, ist freilich durch keine directe 
Untersuchung der Geweb&4lemeDte gehoben. Dasselbe gilt in Be- 
ziehung auf die GrOsse dieser GeschwBlste. Wenn CruTeilhiet 
einen tihrttseu KOrper des Eierstocks von 46 Pfd., Simpson**) 
sogar einen von 56 Pfd. gesehen hat, so kann ich freilich auch 
nur sagen, dass alle Geschwülste von solcher Grösse, die mir am 
Eierstock vorkamen, entweder Fib^oky^tome, oder harte Carci- 
nome, oder Mischgeschwülste von Myom und Carcinom waren; 
indess genügt dies nicht, um meine Beobachtungen ale die maass- 
gebendon hinzustellen. Immerhin ist es richtig, dass die Mehrzahl 
der beglaubigten Fälle von fibrOser Geschwulst kleinere, hühnerei- 
bis kindskopfgroBse Tumoren darstellten. 

Es kommt jedocb am Eierstock eine Form vor, welche ver- 
hältnissmässig grosse Tumoren bildet und genau parallel einer 
der früher am Uterus besprochenen ist, nehmlich eine in Sarkom 
fibergehende. Da dieselbe auch darin mit den uteriuen Myo- 
sarkomen übereinstimmt, dass sie cystoid wird, so stellt sich uns 
eine Bildung dar, auf welche h&ufig der alte Naine des Cysto- 
sarkomg mit vollem Rechte anwendbar ist. Indess ist dieser 
Name von Anderen auf das gewöhnliche Cystoid. des Eierstocks 
(den Hydrops mnltilocnlariB) angewendet worden, der in eine 
ganz andere Kategorie gehört (Bd. II. S. 369), und es ist daher 
eine doppelte Vorsicht nöthig, da in dev Literatur wahrscheiDliek 
mancher Fall von dem hier in Frage stehenden wahren Cysto- 
sarkom als gewöhnliches Cystoid aufgeführt ist. 



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CjiBtoBukom des Eieretoeks. 229 

Zorn genaUBTen Ventüadaiss beschreibe ich kurz einen derutigen Fall*). 
Bei einer bSjihrigeD Frati, deren Autopsie mein ABeiaieot, Hr. Dr. Cohn- 
beim, im hiesigen jüdiBch(>D KraDkenhaaBe machte, fand sich eine groBBB, 
liDgelige G«BchwulBt im Unterleibe, welche eiaeraeitB in betrftcbtlicher Ans- 
deiinnog mit dem Umentnin *erwacheeii war nnd daher leicht fUr eine 
Oncntal-Gescfexrulst angeseheii werden kooote, andererseitB jedoch an der 
Stelle d«B im Uebrigen fehlenden rechten OiariumB lag und dem sehr ver- 
dickten und verlSngerten Ligamentum ovarii sich unmittelbar anschloBB. Sie 
mMBB etwa 1& Cent, in jedem DarchmesBer und bestand ans einer soliden 
Dod einer cjatiscben Abtheilung. Die erstere entsprach der In sertionsB teile 
des Ligam. ovarii. Sie enthielt im Allgemeinen ein sehr festes, stcllenweis 
^t ^erknorpeligee, geAsBarmea Gewebe, in dem man schon vom blossen 
Ange eich kreniende Faserz (Ige. unterschied. In der Gegend des Stiels hatte 
dauetbe ein mehr dDrcbscheiDend «eisBes AnBsebeii; nach innen ging dies 
jedoch in ein undurchsichtiges, gelblich weisses, grobfleckiges Qber, welches 
^ii'b über den grCssten Tbeil des soliden AbBchnittes der Gescbwulst erstreckte 
und welches, wie sogleich bemerkt werden kann, einer ausgedehnten Pett- 
metamorphose entsprach. Nut in der NKhe des Stiels bnd sich gut erbal- 
teaes Gawebe von dem Uabitos des FibrosarkomB: inhlreicbe, relativ grosse 
Keraiellen, vielfach BpindelfOrmig and dann musbelihnttch, vielfach jedoch 
aoch rundlich und sternförmig und daher wohl im AUgeneinen mehr binde- 
gewebig. Nur im umfange der Geschwulst erstreckte sich vom Stiele aus 
eise schon für das blosse Auge bemerkbare, ans mehreren parallelen Lagen 
toBanimengcsetite , dicke Kapselschicfat, in welcher die Aehnlichkeit mit 
fibromutkolSren Theilen sowohl grabanatoinisch, als histologisch sehr stark 
wurde. Zwischen der Kapsel und dem fettig -veränderten inneren Gewebe 
lag slellenweis eine geringe Schicht eines mehr durchscheinenden Gewebes, 
welches fast nur aus schwachstreiGger Grundsubstanz mit spSrlicben runden 
P«tlknrnchenzellen bestand. Der cjstische Abschnitt nahm die äussere, dem 
freien Ende des Bierslocks entsprechende HAIfte der Geschwulst ein. Hier 
fand sieb lunicfaat, dicht unter der OberflScbe, eine grosse HOhle, deren 
Durchschnitt halbmondf Cnnig auf den soliden Antbeil der Geschwulst auf- 
pesetit war und einen Radius von 6 Cent, bei einem Sektor von XI Cent 
hatte. Die lussere Kapsel war hier auf eine Haut von 1—2 Hillim. Dicke 
redncirt, welche nach innen tbeils glatt, tfaeils mit fetzigen Anhangen beeelzt 
erschien; andererseits war die Grenze des soliden Abschnittes ebenfalls fetzig, 
durch allerlei VorsprQnge nnd Vertiefnugen nnregelmisaig, und es zeigte sieb, 
dass aas dem fettig-verftnderten Gewebe herana sich snccessive eine Reihe 
von cjstJschen GiDschmeUungen und Ildhlenbildungen gestaltete, welche 
durch fortschreitende Conflueuz zu der grossen HOble sich erweitert hatten. 
Die Höhle selbst war mit Flüssigkeit gefüllt gewesen. — Von besonderem 
IntereiM ist ee, den Uterus dieser Person zu sehen. Derselbe ist betrScht- 
lich vergrOssert, 8 Cent, lang, und sowohl aussen, als innen gegen die 



*) Prlparat No. iS vom Jahre 1 



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230 DraiHodtiruizigale VorluvBg. 

Höhle hin giaziich miaastaltet durch zahlreiche, bis wallnuugrosse Fibro- 
myome, velche sämmtli^ iotraparietal aiod, jedoch bald nach ioneii, bald 
nach anssen Vorspränge bilden, ü^n gr^sgercs eitit in der Wand gerade 
am Abgange der rechten Tuba. Im Gegeneatz zu der Orarial'Geschivulat 
sind in ifanea die HuskeMndol ungemein deutlich. Aussen ist der Uteru 
mit starken perimetri tischen Fäden besetzt; insbesondere ist die linke Toba 
ganz ip solche eiogcirickelt und unter mehrfachen, sehr kurzen WindDoem 
dar hiotnen Flache des Uterns angclötbel. Der liako Eierstock ist in diesea 
Adhisioneo verborgen, fibrigeos nur etwas hSrter, als normal. 

Die verhältaieemässig lose BefestiguDg dieser Geschwülste an 
den Ligamenta ovarionim nad lata gestattet eine grosse Beweg- 
lidikeit derselben, so dass sie Dicht blos durch den üntersncher 
in der Bauchhöhle hin and her bewegt werden können, sondern 
auch von selbst bei den verschiedenen Stellungen des Körpers 
sehr verschiedene LiSgen annehmen. Zuweilen sinken sie in das 
Becken her^, fallen bis in den Douglas'schen Kaum, und ver- 
halten sieh, wie die retronterinen Myome (S. 159, 181); andere- 
mal erheben sie sich in die Fossae iliacae nnd in die Bauchhöhle, 
und zerren den Uterus in die Hohe, wie die subserösen, poly- 
pösen Myome des Utems (S. 160). An lebenden Frauen sind 
sie von beiden oft gar nicht zu unterscheiden, und selbst an 
Leichen bietet ihre Diagnose eines der schwierigsten aostomiBchen' 
Probleme dar. Wie die zuletzt erwähnten Uterus-Myome rufen 
sie öfters entzündliche Zufalle hervor. Erreichen diese nur einen 
geringeren Grad, so entstehen allerlei Adhäsionen mit der Bauch- 
' wand, dem Nets, den Därmen; werden sie heiliger, so entstehen 
Eiterungen im Umfange dieser Theile. Im letzteren Falte kann 
das Gewehe der Geschwulst selbst an der Eitemng Theil nehmen 
und der Prozess zuletzt mit ßstulögen ErOfTnungen nach den ver- 
schiedensten Richtungen endigen. Safford Lee*) sah eine Frau 
an fistulösen Abscessen der Bauchwand sterben, bei welcher ein 
grosser Becken-Abscess um ein halbfauetgrosses Fibroid des Eier- 
stocks bestand; letzteres war weich, breiig ond enthielt bst 
zwischen allen sehnigen Bändern Eiter. Rokitansky**) fand 
bei einer 3äjälirigen Puerpera ausser einem Leber-Abscess und 
eiteriger Peritonitia in dem von Pseudomembranen durchzogenen 



•) Th. Saffonl (,ec a.a.O. S. 2ÖI. 
") Rokitansky a. a. 0, S. (123. 



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Njone bei Thieren. 231 

DooglaB^Bch«!! Raum einen g&nseeigroesen, plattrandlidifln Bier- 
stockB-Tumor, der ringBam von der Verjanchmig angefrewen war 
und eine scheinbar Terjaneiite Cyste enthielt; derBeli>e hatte hn 
SdieidengewMbe ein fingerweites Loch erzengt und einen darch 
die Incisnra iechiadica bis &um Trochanter minor reichenden 
AbscesB bedingt. Anch Kiwisch erwähnt die tbeilweise Ver- 
jaochnng eines OTarinm-FibroidB mit tijdtlichem Ausgange. 

Ob anch der zuweilen beobachtete Ascites einen irritativen 
Drspmng hat, ist nicht ausgemacht. Kitgonr*) hat «inen Fall 
angeführt, wo 43 mal die Punktion des Unterleibes gemaofat 
wurde. 

Kleinere Geschwfilste dagegen können viele Jahre lang be- 
stehen, ohne andere Erscheinungen als die eioes mSflsigen Dmckes 
oder einer geringen Zerrung hervorxubringen. Der harte Bau iei-^ 
selben macht es nicht unwahrscheinlich, dass auch an ihnen 
ähnliche regressive Metamorphosen vorkommen, wie an Utems- 
Myomen. Jedoch sind Verkalkungen'*) sehr selten in neuerer 
Zeit beobachtet; von den älteren Beobachtungen'*') ist es zwei- 
felhaft, ob sie hierher geboren. Sandrast) hat ohne weitere 
Beschreibung eine kleinwallnussgrosse Concretion ans dem Eier- 
stock einer 72jährigen Frau erwähnt, die aus Magnesi^ihospbat 
bestanden haben soll. 

BemerkeoBwerth ist, doss die Eierstocks-Fibrome verhältnisa- 
m&seig oft bei Frauen in den jfingereo, zum Theil schon in den 
swanziger Jahren beobachtet sind, und es scheint, dass auch 
auf ihr Wacfastham die Gravidität einen »ehr starken EiaflusB 
ausübt. — 

Schliesslich ist noch anzufahren, daes auch bei Thieren an 
den weihlichen Geschlechtstheilen, namentlich am Uterus und an 
den Eierstöcken mancherlei feete Geschwülste beobachtet werden, 
weldie gewöhnlich als Fibroide oder Sarkome bezeichnet sind. 
Eioe genauere Untersuchung derselben ist mir nicht bekannt, doch 



*) SitffoTd L«e t.. ». 0. S. 263. 

") Hecke] &. a. 0. Bd. II. 2. S. S54. Rokitansky a. « 0. S. 424. 
Sw«t« ud Spencer WellB. TraoBict. Path. 8oc. Vol. X. p. 199. Tangel. 
Klinwcfae Hittbei). von der medii'. Abtheilung des Allgem. Krankenhaa8eB in 
HaotbnrE. 1863-1863. S. 91. 
"•) Voigtel a. «.0. S. 539. 

t) Sandras. Bnllet. de la boc. anat. 1867. p. 207. 



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232 Dreiandswusigate VorlMniig. 

Npredien die Angaben fQr eine grosse Uebereinstimmung mit den 
bei Menschen vorkommenden Formen. Von der GebärmnUet 
erwfibnt Gnrlt sowohl FleisebgeschwBlste «zwisohen den Häuten 
denielbenf besonders zwischen Muskel- und Scbleimbant", vod 
der State, der Sau and der Hündin*), sondern nach grosse 
Polypen bei der Kuh und State**). Mehrere andere Angaben hat 
F&rster***) zusammengestellt. Leiseriagf) hnd eine AnnU 
grosserer and kleinerer Fibroide im submucöseo Gewebe der 
Scheide einer Hflndin; das grOsste, an der oberen Scheidoiwand, 
wAr wallttossgross, 3 waren haeelnuss- und 16 — 18 etwa erbsen- 
gross. Auch berichtet er über TJtems- Fibroide bei Kübenft); 
danintw ist namentlich ein Fall Ton Interesse, wo sich unter 
heftigem Fressen die Geb&rmatter umstülpte und schliesslich eineo 
Einriss bekam; es fand »ivk ein zwei starke HannsAuste giosBes 
Fibroid an der oberen Wand des Gebärmutterkörpers, das beim 
Einschneiden eine Menge klarer, serfiser Flüssigkeit entleerte. 
Aocb vom Eierstock, sowohl von der Knb, als Stute werden 
gleiche Fleisebgescbwßlste (bis zu 57 Pfd. schwer) erwibotf+t)- 
Die feineren StrukturTerb&ttnisee mfissen darch wettere Unter- 
sachnogen erst genauer feetgestellt werdra. 

*) E. P. Gnrlt. Nachträge zum Lebrb. der pith. Aoat. der Hmi- 
Slopethiere. S. 102. 

**) Garlt. Lebrb. der palh Aoat. der llauB'Säugeth. S. 241. Nachtrag 
8. 102. R011. Lchrb. der Path. d. Ther. der Dotibaren tlansthiere. Wien. 
1B66. S. 620. 

•*•) Förster. Handb. der path. Anat: 18i;3. Bd. II. S. 429. 
t} Berieht Ober das Veterinär wegen im KOnigr. Sachsen fQr das Jatir 
1859. Dresden. S. 26. 

t+) Baricht fflr leeo. S. 27. 
ttt) Osrlt. Lehrbu«^. Bd.1.8.336. Nachtrag 8.96. Förster a a. 0. 



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Vierundzwanzigste Vorlesimg. 

7. Man 18G3. 



TubdcDli dfllorot* (Neurasutiii): neorKlgliFbe und ipigmodiacht Zufällt VerublcdfDi: An» 

HntavT« ud itm FulDl'iehaa Ktrpwohn. 8)4 nd Diwcktn. 

fihriUirt (fiiKlcDlfirt] und ctUnKri linedulliiF, giagllSjt), reine und luieimmengeattitt oder 
(tmixftU fBbrtM, ^Ula, mncuie). tclugiHUtlHl», laiirUiiIllBe (myellnXrlii) odtr «riiM 
nad lurkl»» (»«jtUniielH) odsr gnnr; 3) hateropluliiche: terMolde Formen. 

■chahUDn nad rafeaeilnn Hwren. AapaUUgBa ■ Naunm* Uguur. TnnmitlBcli« Ngn- 
iinae: CDtartctiltd Ton pirlttlltr !<euriMi interstltlilli EntifijidUcliB .NeuroniF; ElF|ihanliii>ii 
Md PirbjdennitDrele: pleilformee Nturom. Syphilis nnd I^pri, Viilhp]e Nenromo: ren- 
itcoiBla nd taaradMiii FonHii; BtdahDDg in l<UDtlt und Cretinfenni; allgamelnt ßTP*'- 

i.ilHtwii im OellrD: Encepbalocele (pmrUelte EirnrephitlF) ohne und mit KnorhcnsTbiilf. 
Hallahähnor. CantaniUI* Sacrel- und CoctfgtaMieirliiratot. 
<iiag)iöae Umbildui; lon Naiien (NanroplaeitJ ^ Vorkonmea von Qisglienicllen in Ticiiroincn. 
Vindelbu« oder jupFtnDiBfrlre Ginglicn. MatthFmleii. — S|K>ntane Ncumm*. Fiidlepoaltlon. 
abtfaloM BBd Pblbiaa, 



r»fcbiciilil. Verlnde runden deriilben: Fnfiündnng. ladqratlon nnd VerkalknnR, ftlllite Drge- 
Btniioa, BTatalda BrwaIctoDB, Ulcantlon. - Moliirl« ««otdb«: Srtllclie und illgemelna 
MnlüFlicItlt. Nattir difaer Formen. 
.Marone der böhcm Stnneinerv« n: Arti>Ilrn>, OpMmi; Znnga, Hljthmnn'ihSbl*, 
^■rlaae: TanoMadenbalt d«fa(lb« auh den HUe dir ßeachaalat Taute und {»nifJU (ccn- 
Iritrb». «»«nO-leche oder laterala, peripharlgtb*). (fertnusr F.lnHusa dtr Gröeje tat di» 
f>}BpteBa. Prackvlrkangea: Hfntome dri Wirbflkannls nnd der SrUlelhöhlF. 



„Gooi^le 



234 ViernndtwaDitgate Vorleaani;. 

Wir haben jetzt diejenigen Geechwülste in besprechen, welche 
zu einem wesentlichen Antheil nervQeer ZusammeDBetznng sind nnd 
daher im engBten Sinne des Wortes den Namen der Nenrome 
oder nervösen GeBchwfilste verdienen. Es ist aus früheren 
Vorlesungen (Bd. I. S. 424, Bd. 11. S. 151) erinnerlich, dxse 
dieser Name in sehr viel grösserer Ausdehnung in Anwendung 
gebracht zu werden pflegt, als in dem TerfailtniBeniiSsig engen 
Gebiet, auf welches wir ihn hier beschränken. Als derselbe 
zuerst im Anfang dieses Jahrhunderts durch Odier*) eingeführt 
wnrde, Eollte damit eine Geschwulst bezeichnet werden, welche aas 
der Substanz eines Nerven hervorgeht. Odier selbst beschrieb 
sie als erae Art von Aneurysma des Nerven, dessen Fasern durch 
eine in seinem Innern entwickelte, weisstiche, stellenweis gelb- 
liche und von zahlreichen Gefässen durchsetzte Materie in der 
Gestalt eines Regenschirms oder einer Melone auseinaaderge- 
drängt seien. Es kann wohl kein Zweifel sein, dass dies in 
meinem Sinne ein Myxom war. Sehr bald überzeugte man 
sich, d&ss in ähnlicher äusserer Form verschiedene Arten von 
Geschwülsten vorkommen kOnnen. Schon vor Odier hatte man 
daran gedacht, den Ausgangspunkt der Nerven^Geschwaiste in den 
einzelnen, den Nerven zusammensetzenden Theilen zn erforschen, 
nnd Alexander**) spricht davon, dass wenngleich jede solche 
Geschwulst aus einer krankhaften oder abnormen organischen 
Struktur bestehe, dieser Fehler doch entweder in dem Neurilem, 
oder in dem Nervenmark, in den Arterien, Venen oder Lymph- 
gefftssen der Scheide oder der einzelnen Stränge, oder in der 
Nervensubstanz selbst liegen kOnne. Oppert***) unterschied 
daher bestimmt drei Arten, die allerdings etwas willkArlich ge- 
gritlen waren: abnorme Ganglien, Anschwellungen der Nerven 
selbst nnd AnschwelluDgen ihrer Scheiden. Aronssohnf) blieb 
bei zwei Arten stehen: je nachdem nehmlich die Geschwulst 
wesentlich aus dem eigentlichen nervttsen Mark, wi« er Mgte, 

*) Odier. Uaouel de v^declne pratique. GeDeve. 1803. p. 278 
**) F. S. AlexADder. De tumoribas oerTornm. Di»». in»ug. Lngd. Bai. 

1800. (Neue SmiDmIups anserleeeoer Abfaaodl. für prikt. Aerite. 1816. Bd. 1. 

St. 1. S. 78). 
*") Oppert. De vitiis nerTorun orguiciB. Diu. insng. Berol. 1816. p. 12. 
t) J. L. AroDBBohn. ObaervatioiiB Bur lei tumaors developpew dsas 

lea oerfB. Strub. 1832. 



)vGoo<^lc 



Nerveri-Gecuh willst«. 235 

hervoi^egangen, oder mehr aus dem interstitJelien Gewebe ge- 
bildet w&re. In Epäterer Zeit ist man Dooh viel weniger wäble- 
risch gewesen, und es kann wohl nicht braweifelt werden, daes 
. eine mindeBtena ebeoso grosse Beihe eehr difEarenter CeüchwQlste 
in einer eintigen Gmppe selbst von den sorgftltigeren Autoron, 
die wir Aber diesen Gegenstand besitzen, zusammcngefasst ist, wie 
es früher unter d« Bezeichnung von Nervenknoten (Tubercula 
nerTOnim, anch wohl Ganglia, vgl. Bd. I. S. 194) geschehen war. 
Ich will hier nicht daron iprechen, dass zuweilen ganz bete* 
rologe Entwickelungon der allerextrematen Art, z. B. krebsige 
oder kaukreide Formen in Nerven in der Art vorkommen, dass 
der Nerv dadurch zo einer Geschwulst aufgetrieben wird, die mit 
dem Eindruck einer gewissen Selbständigkeit und in der Form 
eines wahren Neuroms besteht. Einerseits ist ja gerade in der 
neueren Zeit die Aofmerksamkeit vielfach auf jene Form hinge- 
lenkt worden, welche secnndär bei krebsigen Gesßhw&lsten an 
den Nerven entsteht, indem der Krebs sieh innerhalb des Nerven 
fortpflanxt, weit über die Zone der unmittelbaren Erkrankung in 
demselben fortkriecht und bald gleichm&seige, bald knotige Anf- 
treibungen desselben erzeugt. Es ist ein grosses Verdienst von 
Schrftder van der Kolk (Bd. 1. S. 47) gewesen, auf diese 
Propagation als eine der Hauptqnellon der Becidive hinzuweisen, 
indem die Nervenenden, welche nach der Operation übrig bleiben, 
der Ausgangspunkt neuer GeBcbwulstbildung werden. Anderer- 
seits giebt es aber auch, wie wir ap&ter sehen werden, ganz 
selbstündig« Krebse der Nervwi, welche in der äusseren Form 
mit dem eigentlichen Nourom die grOsste Aehnlichkeit darbieten. 
Diese Nervenkrebse t»nd jedoch nicht zu verwechseln mit 
den Gescbwnlstbildungen , welche man von einem ganz anderen 
Gesichtspunkte aus von Bums, Wardrop und Haunotr bis auf 
Ehrenberg als medulläre oder nach Laonnec als encephaloido 
bezeichnet hat (Bd. H. S. 123, 152). Wenn einzelne Beobachter 
auch daran festhielten, dass diese letzteren aus Nerven hervorgingen 
und auB einer nervOsen Substanz beständen, so ist diese Ueinung 
doch nie allgemein angenommen worden, und noch weniger hat 
man sie auf jene meist festeren Geschwülste in der Continuität 
der Nerven angewendet, welche im engeren Sinne Neuromo 
hiessen und eher den skirrhQsen, als den medullären Geschwülsten 



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236 VieruRdivuiiigst« VoriMuoi. 

zogerechnet wurden. Ruh bäum*) gebraoeht für Neuron geradazu 
den .Namen des NeuroscJrrboida. 

Aber auch wenn wir die malignen Erkrankungen abreotaaen, 
80 bleibt, doch immer nooh ein wesentlicher Bestaadtheil von 
ralscbeo Neuromen (Bd. I. S. 424) übrig. Ich habe bei 
Gelegenheit der Myxome die TerbältniSBmisgig groBse H&ufigkeit 
angeführt, in welcher dieselben in Nerven Torkoannen; ganz 
sicher ist eine erhebliche Anzahl der Fille, welehe von den besten 
Beobachtern in die Nauromgrappe gerechnet wurden, myxomatOser 
Natur**). Auch bei Gelegenheit des Glioms (Bd. II. S. 151) -haben 
wir gesehen, däss Geschwülste dieser Art in gewissen Nwven ror- 
kommen kOnneo. Alle diese Bildungen haben das GSemeinschaft- 
Hehe, dase sie ihren Ansguig vom Perineurium oder vom Nenrilem 
nehmen. Als wahres Neurom***) sollte aber vielmehr die- 
jenige Art von Geschwulst beieichnet werden, welche der Haupt- 
masse nach aus einer nerv&seu Substanz besteht, oder in deren 
Zuaammensetzaog diese wenigstens als wesendicber Bestandtbeil 
eingeht. Wir werden also auch nicht durch die blosse Anwesen- 
heit von Nerven in einer Geschwulst berechtigt sein, das Ding 
eiu Nesrom zu nennen. 

Vielfach bat man geglaubt, aus dem Umstand, daes eine 
Geschwulst ihrer physiologischen Erscheinung nach den Eindruck 
machte, als sei sie wesentlich nervös, folgern zu mfissen, dass 
sie auch ein Nearom sei, zumal wenn man irgMid einen kleinen 
Nerven in sie hinein verfolgen konnte. Namentlich giebt es eine 
Gruppe von Geschwülsten, Ober deren Bedeutung eekr viel ge- 
istritten worden ist; man hat sie seit William Wood unter 
dem Namen der Tubercula dolorosa (paiofol tobercle) be- 
zeiohnett)- Es sind dies Geschwülste, die gewöhnlich snbcatan 

*) R'nhbftuia. Gaoper's WocheoKbr. 1840. No.40. S. 61S. 

**) Auch der bo oft citirte Fsll von ChcBelden (The anntom}' o( the 
buman body. Load. 1741- p. 266. Fl. XXTllI. fig. 7) betrifft otTenbar eio 
Uviom. 
"'") Virchow. Archiv. 1858. Bd. XlII. S. 266. 

t) Will.Wood, EdiDb. med. anasurg.Joorn. 1812. Voivm.p.283, 429. 
Bdbb. med. chir. Trsosact. tH29. Vol. 111. p. 817, 610. Fl. V. Vgl. die weitere 
Literatur bei J. Pr. Meckel, llaadb. der patb, Aoat. Bd. II. 2. S. 2t>l. 
Otto. Lebrb. der patb. Anat. 1830 Bd. I. S. 470. Anm 7. Dapnjtren. 
Lei;oDS oralea de clin. chinirg. Brai. 1886. T. I. p. 363. üeacot Deber 
die örtlichen Krankbeiten der NeiTen, bearbeitet vtiu Radios- Leipa. 18S9. 
S. 106. J. P. Tb. van der Litb.- Dias, ioang. de Tttiie nertorum organicia. 



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TnlMieolft dolorosa. 237 

liegen, die Haut wenig*) oder gar oiclit emporheben, beweglieh 
sind, in decJtegel keine beträchtliche Grfiase erreictien, (Portal 
nennt sie daher dnrillons,) aber theils spontan, theile bei Druck 
and mechaniBchen Verletzungen der Ausgangspunkt sehr heftiger, 
meist nenra^scher , luweilen spasmodisoher**) ZnfäUe werden. 
Sie erregen also einen geringeren Grad des Uebels, welchem 
andere Autoren***) in der Form der Epilepsie bei Nervenknoten 
beobachtet haben. Schon Camperf) hat die kleinen Knoten 
sehr genau beechrieben; auch führt er zwei Fälle besonders an, 
wo er bei Fraaen am Ellenbogen (Ramus musculo-cutaneoa) und 
Knie sie mit GlAek esstirpirte. Dies ist in der neueren Zeit viel- 
Eich wiederholt worden, so dass über den Ausgang der Symptome 
von den Geflchwütsten kein Zweifel besteht. Ein Bedenken dar- 
über kann um so weniger Platz greifen, als in der grossen Mebr- 
laht der Beobachtungen nur ein eintiger Knoten vorhanden war 
and die Schmerzen ganz bestimmt von diesem, selbst oder von 
seiner o&ebsten Umgebung ihren Ausgang nahmen. Nur in einem 
Falleft) wird eine ausgesprochene Mnltiplicität der Knoten an* 



Anistel. 1838. p. 102. Craigie. Elements of gen. and path. auatomy. 1S4B. 
p. 391. P«fet. Leotnree on aurg. patb. VoL II. p. 120. 

*) Rob. W. Smith. A treatbe oa the patbolog;, diagnoais and trsat- 
ment of neuroma. Dublin. 1849. PI. IT. Gg. I. 

••) DnpoTtren I.e. p. 269. 

•") Tb. Short. Med. eaa»¥» and obaer». Edinb. 1738. Vol. IV. p. 41C 
bei Craigie I. c. p. 392. (Im N. IIb. poet., durch EicisioD geheilt). 
Cappel. De epilepaiA e tumore Dervo vigo inhaerente orta. HelmBt 
1781 (bei Voigtel, Path. Aaat. Bd. I. S. 669). Mojon e Covercelli. 
Uemori« della Soc. med. di emalazione. Genova T. 1. p. 89 bei Wood, 
Edinb. med. cbir. Tranaact. Vol. III. p 368 ( haaalauBseroBae ateioige Con- 
cretioo am Ischiadicaa). Phil. Cramptou and Rynd bei Rob. W Smith 
1. c. p. 23 (fttecknadelknopfgroBs an eioem Äat dea Uediauua, glücklich ouerirt). 
de U»eD bei Lieotand. Uist. anal med. Ooth. et Amet 1196. Vol. II. 
p. 351. Obs. 787 (Knoteii io der Mitte des N. phrenicns). Portal. Coura 
d'aoat. m^d. Patia. 1803. T. IV. p. 217 (Kuoten in der Gegend des Gelenks 
iwiscbeo der 1. nnd 2. Phalanx aa der Voluüiche, durch dessen Wegnahnre 
die Epilepsie geheilt wurde). 

t) Pet. Camper. Demonatrat, anat path. Lib. 1. Amstel. 1760. p. 11. 
Non nro in neriis cntaneis tnbercola parra ae dnra obaervantnr, qnae rera 
gaagli« sunt, piei magDitadiaem licet non excedant; dies tarnen noctesque 
acatiasimis lancinantibas doloribua aegroa torquent; eiternia remediia non 
cednot; acelpello igltnr ea attingere oportet. — In viiia plua aemel ea Tidl: 
albicsDt inlDs, cartilagineae dnriliae sant, renitentia, et intra nerTorum 
tunieaa aedein babeat. Vgl. D. «an üeaicber, Veraacb eiocr Abhandlung 
Gber die Natur und Heilung der TcrachiedeiieD Arten Ton GeschnHlsteD. 
Ana d. Holl. Leipi. 1787. S. 66. 

tt) Vallendcr. De tumoiibBS fibrosie cirentnafriptia io teta cellnlosa 
aabcutSDea. Diaa. iinug. Berol. 1858. p. 29. 



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238 VierQndimniigBt« VorlesaDg. 

gegeben, aber derselbe anterBchied Bi(^ ron den gewöhnlichen 
SDch dadurch, daes nur einzelne grossere Knoten und diese 
auch nnr beim Drack schmerzhaft waren. Man könnte daraas 
schlie^sen, daes es BJch hier um eine andere Art von Bildnog«« 
handelte, aber es ist auch sonet constatirt*), dtss mancliB Bolcfae 
Knoten längere Zeit Bcbmerzlos bleiben, dann aber plötzlich 
fiberaiis Bchmenhaft werden, daas andere, ganz fthnliehe jedoch 
niemals empfindlich sind. - Wenn diese Beobachtungen schon 
darauf hinweisen, daae die Beziehungen zu den Nerven wechselnde 
sein mfisBeo, so geht dies noch mehr ans dem paroxyemaleD Aaf- 
treten der Schmerzen hervor. Diese Paroxyemen haben eine eefar 
verschiedene Daner, manchmal nur von Minuten, manchmal von 
Stunden; sie erstrecken sich über die Naehbartheile , mweilen 
&ber den ganzen KOrper, entweder langsam anwachsend, oder 
etOBsweise, mit der Heftigkeit elektrischer Schlftge. Auch wihrend 
der Intermission pflegt die Geschwulst aelbBt empfiodlldi gegen 
Druck zn sein. In manchen F&IIen schwillt der Knoten während 
des FaroxysmuB, die bedeckende Baut rOthet sieh und nimmt 
eine teigige BeschalTenheit an. Bei Frauen, bei denen sie ver- 
hältnissmäsaig am häufigsten beobachtet sind, fallen die Schwel- 
InngB- und SchmerzzufftUe zuweilen mit menstrualen Zeitta**) 
zusammen, and in einem besonders merkw&rdigen Falle von 
Bisset •*•) brachte jede Schwangerschaft eine exh-eme Steige- 
rung der Leiden. Wood hat aber besonders darauf aufmerksam 
gemacht und zahlreiche spAtere Fälle bestätigen es, dass Witte* 
rungswechsel einen ganz auffälligen Eiofluss auf die Tubercola 
dolorosa aasQben. Druck, namentlich stärkerer, wird manchmal 
verhäUnisstn&ssig gut ertragen, während lei^e Berfihmngen, na- 
mentlich Streifungen, die schwersten Schmerzanfälle anBlOseii. 

Manche haben geglaubt, diese Tnbercnla dolorosa ganz ein- 
fach in die Reihe der Neurone bineinrechnen zu mOssen, and 
Craigief) giebt ihnen in diesem Sinne den Namen des Neuro- 
mation (kleinen Nearoms); Meckel und Dupuytren haben sie 
in die Reihe der fibrösen Geschwalste gestellt, wohin sie freilich 



•) Paget I.e. p. 127. 

**) Rftver. Tiüti thferiqne et prat. des mal. de la peau. Pari*. 1026- 
T. I. p. 6&8. 

**■) Bisset. Hemoirs of tbe medicai aociety. Londoo. 1192. Vol. Ili. 
p. 56. Vgl John Pearaon. Med. facis aad obaer*. Vol. VI. p. W. 
t) Graigie I.e. p. 891. 



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aw)h dio Neurome btaehtoD*). Die bloBse Sobmerzbaftigkeit an 
ueh beweist gar nichts ia Beriebimg auf die Natur der Geschwulst. 
Ich babe solche schmershaften Bobentanen und cutanen Geschwülste 
ontersitebt, in welche Neiveo nDiweifelhaft eintraten, welche aber 
sonst ihrer gancen Bildung nach nichts mit Nervensubstaoz zu 
Ann hatten. Gerade in einem Falle, den ich noch das letete 
Hai erwftbnte (S. 125X in einem Uantmyom, worin überwiegend 
telaagiektatiBche Mnskelmaese Torhanden war, fanden sich auch 
Nerven, aber nur im VerhältDiss wie sie auch in anderen Geweben 
Torkommen, keineswegs so, dass sio als ein überwiegender 
Bestandtheil der Geschwulst sich darstellten. Auch Schuh**) 
beobachtete gerade bei kleinen cavemOsea Geschwülsten solche 
Symptome und ist der Meinung, dass der bei Weitem grOsate 
Tbeil der mit dem Namen Tuberculum dolorosam bezeiehneten 
Geschwülste Blutechw&mme seien, t. Bärensprung***) t&nd in 
der Peripherie eines Tobercnlum dolorosum eigeathümlicbe Knäuel 
von GensBBoblingen. In einem Falle von Langenbeck f), wo 
die Bchmenhafte Geschwulst am Unterschenkel eines Hannes ge- 
sessen hatte, isolirte Billroth Eahlreiche MuskeUellen, jedoch 
keine Nerven. Wenn man geneigt sein könnte, in diesen Fällen 
den ParoxjBmuB mit wirklichen COBtraotions- oder Dilatations- 
EMtinden der HuakuUtBr der Geechwülste in Zusammenhang 
za tmagen, ao steht dagegen die grosse Mehrzahl der übrigen 
Beobacbtungea, in welchen nur eine bald dichtere, bald weich«« 
Bindegewehsmasse, auch wohl ein fiiaerknorpeliges Gewebeff) 
gefnaden wurde. Ja, nicht einmal das Verh&ltniss zu den Nerven 
ist gani anfgekl&rL Selbst sehr sorgfÜltige Unteraacher konnten 
weder einen Zosammenhang mit Nerven , noeh ein Vorkommen 
von Nerven im Innern der Geschwülste nachweisen fff). Freilieb 
ist dieser negative Befund nicht ontseheidead, da es sich in Be- 
tieboDg auf die Verbindvag mit Nerven um ftusserst feine Fftdchen 
haadelt, und die Nerven im Innern, wie wir noch sehen werden. 



e ÖeBCbwalBt eine DrDae. 
**) Sebnh. Pith. n. Ther. der PBeudoplaemen. 1854. S. 260. 
***} F. de BlreDsprung. ObserfktioQea microicopir«e de penitiore 
tinorm «onnnllornm ttinctor». Disi. ioftug. lUlis. 1844. p. 32. fig. Vu. 
t) C. Koek. Deutsche Klinik. 1866. Na. 1. 

tt) Ifillei'. l^DciplM of snrgerj p. 630 (bei Pftget L c. p. 128). 
ttt) Rxyer 1. c. p. 666. DDpnjtren I.e. p. 265, Paget L o. p. 186. 
Scbah a. a. 0, S. 25». Lebert. H^. de la aoc de chirnrg. T. III. p. 881. 



jGgo^^Ic 



240 ViernndiwHix^te Vorleenng. 

von bindegewebigeo Theilen schwer za aat«ncheüi«n sind. Inda» 
werden doch auofa da, wo die NerTen deHtlich sind, loweilen nai 
sehr wenige gefnndeo. Vallender *) giebt an, dsss du* ron ihn 
uotersnchte Knoten aus dichtem Bindegewebe mit Spind^- und 
Netzzellen bestand, dem zahlreiche Gefisae beigemengt waren ; 
markhaltige Nervenfasern ohne Ver&Btelung fanden sich in kleinen 
Bfiodeln bis za 10 and 20 zusammengalagert, jedoeh so Bp&rlich, 
dass anf mikroskopischen Schnitten darch die ganze Dicke der 
Gescbwalst meist nnr 1, höchstens 3 — 3 Bfindel angetroffen wardcd. 
Hier l&sst sich wenigstens nicht sagen, dass die Geechwolat weseot- 
licb nervöser Art gewesen sei. 

Oefters erscheint der Nassere Theil der kleinen Gesebwfilste 
mehrhch geschichtet; ja, in einem Falle Ton Marx **), der töner 
Dame eine erbsengrosEe Gescbwalst aas der Uaterbaat der inneren 
Kniegegend exstirpirt hatte, fanden sich anch im Innern ooncen- 
trische Schichten, wie an einer Intervebralscbeibe. Axmann***) 
bat in einem ähnlichen Fälle, wo er einen gleichfalls erbBengroBseo 
Knoten bei einer Frau von der äusseren Seite des Ellbogengelenkt 
entfernt hatte, die Ansicht aufgestellt, dass die Gesohwolet ein 
krankhaft vergrOssertes Pacini'sches KDrperchen gewesen 
sei. Seiner Beschreibung nach bestand dieselbe aus 5 in wn- 
ander geschachtelten und theilweis unter einander verwaohaenen 
Lamellen; in dieselben senkte sich eine NervenrOhre, welohe jedoch 
in der zweiten H&lfte des Körperehens verschwand; ao der S«te 
derselben verliefen zwei Blntgeftsse, welche mit den feinsten Ver- 
zweigungen gleichfalls in die Gesdiwulst eintraten. — So inter- 
essant diese BeobacUtnng ist, Bo beweist sie doch nicbts ffir den 
Ausgang der Bildung von einem Pacini'schen Eörpereben. Concen- 
trische Schichtungen, aus dem Neurilem hervorgingen, finden 
sich Öfters auch an kleineren Nerven. Immerhin verdient der 
Gesichtspunkt genauer geprüft zu werden, da schon Shekleton 
(f 1824) vor der Entdeckung Pacini's ein Primat vom Hedians 
in dem Museum des Royal College of Surgeons in Dublin aufge- 
stellt hat, an welchem die einzelnen KOrperchen znm Thetl zweimal 



*} Vallender I.e. p. 30. 
*•) Dapnjtreö I.e. p. 274. 
***} C. AimaDD. Beitrtge znr mikroskopi Beben AnM«mie u. Phj' Biologie 
dee (ianglien-NervpDBVMtcniH d«« Menecben und dtr WirbelthieTe. Bwiio. 
1B63. S. 63. 



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HearomatiH doloroas. 241 

SO gross waren, als sie seitdem in ihrer normalen Grösse bekannt 
geworden sind*). 

Wenn ich daher auch mitFock**) einverstanden bin, dass 
die Tubercola dolorosa nicht als eine besondere Geschwuletspecies 
nod dass nicht alte unter diesem Namen beschriebenen Geschwülste 
einfach als Neurome zu betrachten sind, so wird man doch zu- 
gestehen mfissen, dass gerade die h&rteren Formen, welche lose 
in der Unterhaat vorkommen, in der Regel nur erbsen- bis 
bobnengroGS werden, eine geringe Neigung zur VergrOssening 
nnd eine noch geringere zur Ulceration zeigen, in einem näheren 
Verhältnisse za den gewöhnlichen Neuromen stehen. Ich habe 
freilich nnr ein einziges Mal, bei einem Tubercnlum dolorosnm 
an der Kndchelgegend , den bestimmten Beweis fuhren ktinnen, 
dass nicht nnr ein Nerv ein- nnd austrat, sondern dass anch 
der etwa bohnengrosse Knoten fast ganz aus marklosen Nerven- 
fasern bestand. Ein solches Gewebe wird aber noch gegen- 
wärtig von den meisten fieobacbtern kurzweg als tibroid, fibro- 
plastisch oder fibronncleär bezeichnet, nnd es ist wohl gestattet 
EQ vermuthen, dass bei genauerer Untersuchung in Zukunft eine 
ni^leieb grossere Zahl wirklicher Neuromatia dolorosa nach- 
gewiesen werden wird, als bis jetzt geschehen ist. 

Die allgemeine Erfahrung lehrt allerdings, dass gerade sehr 
viele Neurome nicht schmerzhaft sind, dass die meisten oft ganz 
unbemerkt sich entwickeln, langsam heranwachsen, und erst wenn 
sie eine beträchtlichere GrOsse erreicht haben und durch ihre Lage 
äusseren Insultationen ausgesetzt sind, schmerzhaft werden; ja 
manche werden es nicht einmal dann. Ihr Verhalten richtet sich 
offenbar zunächst nach der Natur der Nerven, an welchen sie ent- 
stehen, und in dieser Beziehung versteht es sich wohl von selbst, 
dass gerade die kleinen sensiblen Hautäste, deren Neurome begreif- 
licherweise anch keine sehr beträchtliche Grösse erreichen, durch 
Schmerzhaftigkeit sich vor den grossen Stämmen auszeichnen, die 
an sich ärmer an sensiblen Fasern nnd weniger den äusseren 
thermischen und mechanischen Einflüssen ausgesetzt sind, deren 
Fasern aber ausserdem eine sehr grosse Dehnbarkeit besitzen. 
ErUining8geniS£B steht fest, dass kleine Geschwülste, welche 



*) Rob. W. Smith I.e. p. 30. FL XV. fig. 18. 



bvGoo<^le 



243 VienindEw»DiigBte VorlesaDg. 

an Nerven sitzen and deren ZuBammeDhang mit Nerren bei der 
Operation dentlich dargethan wird*), eben solche neuralgiechen 
Zoi&lle hervorbringen, wie diejenigen t'ubercnla doloroea, welche 
scheinbar nicht an Nerven sitzen. 

Die wahren Nenromatia sind daher im Grossen und Gänsen 
zn betrachteo, wie die Nenrome selbst, von denen wir leider ja 
auch gestehen müssen, dass eine vollkommene Sichtung der id 
der Literatur vorfiadlichen Einzelbeohacbtungeo unmöglich ist 
und bei denen wir daher, der ünvollkommenheit des Haterials 
entsprechend, eine gewisse collektive Behandlung nicht ganz ver- 
meiden kOnnen. Ich will daher hier nur noch kurz bemerken, 
dasB die Tubercula dolorosa überwiegend an den Ober- und ünter- 
ExtremitSten , besonders an den kleinsten Hautästen und in der 
N&he der Gelenke vorkommen; sehr selten siad sie am Gesicht**); 
am Rumpf sind sie einigemal im Umfange der Hilchdröse***) und 
am Scrotumf) gesehen worden. Ausser Dupaytrenff), der 
diese Geschwülste skirrhös werden lässt, spricht nnr Warrenttt) 
von Ulc«ration nnd Malignität, jedoch nur im Sinne einer die Con- 
stitution schwächenden und die Lymphdrüsen mitbetheiligenden 
AfTection. Die Exstirpation ist meist leicht und von glücklichen 
Erfolgen begleitet; nur nach Kauterifiation ist eine Repallnlation 
beobachtet'f), jedoch hat auch dann eine erneute Operation 
definitive Heilung gebracht. Der besonderen Prädisposition des 
weiblichen Geschlechts habe ich schon gedacht**f). In Beziehung 



*) 0. G. Neu mann in Siebold's Sammlung seltener n. aaserlesener 
' chirorgiscber Beobachtungen n. Erfahniueen. Sudulst. 1805. Bd. I. 8. M. 
de la Roche et Petit Rmdel. Encjclop^die möthodiqae cbirorg. Parit. 
1792. T. II. p. 442 (ebendaselbst S. 73). G. F. Heineke. De mastodjnia 
narvosa. Disfi. ioang. Berol. 1821. p. 84. Cabaret. Arch. g^D^r. 1839. 
S^r. III. T. V. citirt bei Valleii, Abband). Ober die Nenmlgieo. Ans d. 
Frani. T. Grüner. Braonscbw. 1853. S. 463. Ruhbanm. Cuper'a Wocbes- 
Bchrift. 1840. No. 40. S. 618. 

•*} Dnpnytreo I.e. p. 265. Havkins. Lond. med. Gai. 18S8. Ne« 
Serie«. Voll. p. 926 (Fall von Brodle). 

•••) Dnpnytren l.c.p.266. Nicod. Nonveau Jonm.de m^ IBiaNo». 
Velpean. 'Vniti des maladiei du sein. Paris. 1854. p. 269. 

t) Dupuytren 1. c. p. 268. Harjolin bei Descot a. a. 0. S. 114. 
tt) Dupuytren 1. c. p. 257. 
ttt) Warren. Snrgical observations on tnmonrs. Boston. 1&4S. p. 60. 
•t) Bisset I. c. J. B. t. Siebold a. a. 0. S. 80. 

**fj Nach der Zusammeostellunf; von Wood (Edinb. med. chir. Transact 
Vol. III. p. S56) waren unter 35 Fftllen 28 Frauen nnd 5 UBnner (2atl 
fehlte eine Angabe Ober das Geschlecht); 22iiial lag die Geschwnist an den 
Unter-, llmal an den Ober-Extremititen i 8mal var mehr als ein Knoten 
vorhanden. 



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Hyperplutiache Nenrome. 243 

aaf das Alter habe ich hinznzufQgen , dasa, obwohl in vielen 
Fällen die Schmerzen erst im höheren Alter auftreten, die Ent- 
stehung der Knoten doch oft weit zar&ckverfolgt werden kann, 
und dass im Allgemeinen schon das jngendliche Alter, vor der 
Pubertät, eine nicht geringe Zahl von Erkrankaagen dieser Art 
an&nweiBea hat. Congenitale oder hereditäre Formen sind jedoch 
nicht bekannt; nor in dem Falle von Vallender, wo zugleich 
eine so aa^llige Mnitiplicit&t bestand, wurde berichtet, dass ein 
Bmder deu 16j&hrigen Burschen eine ähnliche Geschwulst an der 
Stirn trage. 

Wie die Entwickelung dieser Geschwülste gew&hnlich langsam 
geschieht und selten fiber ein sehr massiges Volumen hinausgeht, 
so bew&brt sich ihr Charakter als wahrer DaoeTgeschwfllste 
anch durch ihr späteres Verhalten. Man hat Fälle, wo sie, 
ohne ihre GrSsse erheblich zn verändern, 10, 20 Jahre und 
noch länger bestanden haben. Besondere Metamorphosen oder 
Ausgänge sind daher eigentlich gar nicht bekannt, insbesondere 
ist kein Fall von unzweifelhafter spontaner Rückbildang au^e- 
leichnet. Die chirurgische Hülfe, am besten die Ezcision, ist 
das anmittelbar gebotene Mittel, welches schndl ond sicher zum 
Ziele (fthrt. — 

Kehren wir, nach Erledigung dieses Punktes, wieder zum 
wahren Nenrom zurück, so werden wir diesen Namen allerdings 
nmächst in dem von mir angegebenen Sinne für eine nervOse 
Geschwulst hyperplastischer Natur anwenden, d.h. für 
eine Geschwulst, die aus einem Nerven hervorgeht und selbst aus 
Nerredfasem zusammengesetzt ist. Dies' ist die gew&hnliche Form, 
wie sie an allen möglichen Punkten des Nervenapparats gesehen 
worden ist, für wel(^e aber die überwiegende Frädisposition an 
den Spinalnerven, eine sehr viel geringere an den im engeren 
Sinne sympathischea und die geringste an den cerebralen 
Nerven sich findet Ich trage aber kein Bedenken, den Namen des 
Neuroms sofort auch zu fibertragen auf nervüse Geschwülste 
der Centralorgane selbst (Bd. II. S. 125), weiche aas einer 
byperplastischen Entwickelnng homologer Substanz entstehen, 
gleichviel ob diese Substanz ans Nervenb«em, oder ans Nerven- 
zellen (Ganglienzellen) zusammengesetzt ist, ob sie dem Gehirn, - 
dem Rückenmark oder den Ganglien angehSrt. Darnach wären 
also fibrilläre (fosciculäre) und cellul&re (gangUOse) Nenrome 



g,:,7.:: 0,000(^10 



244 VienmdiwaDzigste Vorlegang. 

nndiwar von beiden peripherUehe nod centrale") Formen 
zn unterscheiden. Was die peripherischen betrifit, so ist hier wieder 
zn trennen zwischen den Neuromen der Stämme und denen der 
Nerven-Eoden. Letztere, die ich als terminale Nenrome be- 
zeichnen will, sind erst in der neneren Zeit bekannt geworden, 
namentlich durch Houel und Paesavant**). Sie stehen bald 
den Tubercula dolorosa, den Nearomatien nahe, indem sie kuge- 
lige oder spindelförmige Geschwülste bilden, bald verlieren sie 
den eigentlichen GeschwnlRtcbarakter güDKlich, indem sie mit den 
umgebenden Theilen zusammen eine mehr gleichmässige An- 
schwellung bilden, da sie ihrerseits zu klein sind, um für sich 
selbst hervorzutreten. Im letzteren Falle ist die Änscbwelliing 
ftfters eine gleichförmige, cylindrische, so dass üe kleinsten Haut- 
nerven zu feinen Strängen oder Bälkchen entarten. 

In jedem Falle ist das Nearom eine zusammengesetzte, orga- 
noide (Bd. T. S. 122) Geschwulst Es besteht nicht blos ans 
Nervenfasern oder Nervenzellen, sondern es enthält stets eine 
gewisse Menge von Interstitialgewebe. Dieses kann sehr ver- 
schiedener Art sein, je nachdem es sich mehr dem Perinenrium 
oder mehr der Neuroglia (Bd. II, S. 126) anschliesst, also härter 
oder weicher ist. Jedenfalls gehört es stets der Bindesubstani- 
Gruppe an und regelmässig enthält es eine gewisse Menge von 
Gefässen. Die Beschaffenheit und Erscheinung des Nenroms wird 
begreiflicherweise eine sehr verschiedene sein je nach seinem 
Gehalt an den genannten Bestandtheilen. Gegenüber den mehr 
reinen Neuromen, in welchen in der That die nervOsen 
Bestandtheile das üebergewicht haben, giebt es zusammen- 
gesetzte oder gemischte: fibrOse, gtiOse, selbst macdse 
Nenrome (Pibro-, Glio-, Myxoneurome), in welchen das 
Interstitialgewebe in reichlicherer Menge vorhanden ist Diese 
sind natürlich den falschen Neuromen, namentlich den Fibromen, 
Gliomen und Myxomen der Nerven, überaus ähnlich und in 
manchen Fällen vielleicht nicht mit Sicherheit davon zu trennen. 



*) Der Ausdruck der centraleD Nenrome wird biet in eiDem aDderen 
Sinne als gevflbniich gebraucht, wo er eine in der Mitte einea Nerven 
gelegene Gee<:hwul8t bedeatet, gleicbwie auch der AuBdrucli des periphe- 
rieclien (oder lateralen) Nenronis zar BezeirhniiDg einer am Dmfange einea 
NerTcn gelegenen Geschwulst angewendet ist. 

**) Honel. U^m. de la Boc. de cbir. T. III. p. 264. Pas8a*ant. Hein 
Archiv. Bd. VJIJ. S. 48. Fig. a-d. 



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Mj'eltDbche and ainyeliDiBi:hc Ncarome. 245 

Das Kriterium besteht in der Quantität der oerTösen Bestand- 
theile. Hat dieselbe sich mit der GeschwulstbilduDg vermehrt, 
hat also gleichzeitig eine wirkliche Hyperplasie stattgefunden, so 
ist es ein Nenrom; ist die Zahl der nervOsen Theile dieselbe 
geblieben oder hat sie sich gar vermindert, so ist es kein Neurom, 
BOndera ein einfaches Fibrom, Myxom u. s. f. der Nerven. Dieses 
Kriteriam ist theoretisch ganz scharf. Nur in einer Beziehang ist es 
nogenSgend. Auch bei wahren Nenromen kann später eine secun- 
däre Atrophie der nervOsen Elemente, namentlich in Folge von 
Induration des Interstitialgewebes, eintreten, dadurch die Zahl der 
Nervenfasern abnehmen und der Anschein eines einfachen Fibroms 
entstehen. Wie weit diese Metamorphose reicht, ist im Augenblick 
nicht bestimmt anzugeben, da die Frage von keinem der anderen 
Beobachter ins Ange gefasst ist. — In manchen Fällen nimmt 
auch der vasculäre Antheil des Interstitialgewebes eine stärkere 
Entwickelung, so dass man eine besondere Form als Neuroma 
telangiectodes onterscheiden muss. 

In Beziehung anf die Natur der nervOsen Bestandtheile zeigen 
die verschiedenen Neurome sehr wichtige Unterschiede. Zunächst 
haben wir die fibrill&ren oder fascicnlären Formen. Diese kOnnen 
ans den gewöhnliehen, doppelt contoorirten, mark- oder myelin- 
haltigen Fasern bestehen, welche fQr das blosse Auge weiss oder 
grauweiss erscheinen. Ich werde diese Form der Kürze wegen als 
Neuroma fibrillare myelinienm (markhältigea oder weisses 
Nenrom) bezeichnen. Günsburg, Wedl und Ffihrer*) haben 
du Verdienst, ihre Existenz zuerst nachgewiesen zu haben. Davon 
verschieden ist die zuerst von mir**) aufgefundene Varietät, in 
welcher die sogenannten grauen oder marklosen (organischen) 
Nervenfasern vorkommen und welche daher ein mehr durchschei- 
nend graues, gelbliches oder weissliches Aussehen hat. Ich nenne 
sie Neuroma fibrillare amyelinicum (markloees oder graues 
Neurom). Sie ist ungleich schwerer zu erkennen und bis in die 
letzte Zeit allgemein mit den einfach fibrOsen oder sarkomatOsen 
Geschwülsten znsammengeworfen worden. 



*} ODoabarg. Fat bolof^ sehe Oevebelebre. Leipz. 1848. Bd. n. S. 159. 
WfldL Zeitschr. der Gea. Wiener Aente 1855. M. XI, S. 13. FOhrer. 
AtcbiT f. pbvBiol. HeilkoDde. 1856. S. 248. 

") Virohow. ArchiT. 1858. Bd, XIII. S. 268. 



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246 VienindivanzigBte Vorlesang. 

Anders verbfitt es sieb mit den oellnlären oder gangliOaeD 
Formeo, welche zugleich eine weiche, gliOee ZwischeiiBubstaat 
besitzen und sich daher der ganzen Erscheinung nach mehr dem 
Hirn- oder Rückenmark anschlieseen. Sie kOnnen ddier anch, 
falls man den Namen vorsichtig anwendet, als medulläre Nea- 
rome bezeichnet werden. Sie haben meist eine weichere Con- 
sistenz, schliessen sich bald der grauen, bald der weissen Hirn- 
und RückenmarkBsnbstanz näher an, besitzen daher auch bald 
eine mehr graue, bald eine mehr weisse, hie nnd da rOtbliche 
Farbe nnd ein mehr gleichmässiges Auesehen der Schnittfläche. 
Da sie hauptsächlich an den Centralorganen selbst vorkommen 
und aas denselben herv erwachsen, so erBcheinen sie von vorn- 
herein mehr wie blosse Hypertrophien. 

Wenn man aber das ganze Gebiet der wesentlich aas nervöser 
Substanz bestehenden Bildungen fibersieht, so muss man den 
Begriff des Neuroms noch in einer anderen Richtung ausdehnen, 
insofern nehmlich nicht, wie das in der ursprfingtichen Anffassang 
von Odier ausgesprochen war, nothwendigerweise ein nervOser 
Theil der Ausgangspunkt der Entwickelung zu sein braucht, son- 
dero möglicherweise die Entwickelung unabhängig von Nerven, 
also auf heteroplaBtischem Wege, an einer ganz anderen 
Localität vor sich gehen, demnach die Entstehung nach Art der 
mehr selbständig sich entwickelnden, der im engeren Sinne hete- 
rotogen Geschwfilste sich ereignen kann*). Freilich verhält ea 
sieb mit diesen im engsten Sinne heterologen Neuromen ganz 
ähnlich wie mit den letztlich besprochenen heterologen Myomen 
(S. 106); es sind sehr seltene Bildungen, welche bis jetzt nur an 
einzelnen Localitäten gesehen worden sind und gewChnlicb in 
Verbindung mit anderen heterolog entwickelten Geweben vor- 
kommen, welche also nicht rem die ganze Gesehwultmasse zn- 
sammenzueetzen pflegen, sondern mit anderen Geweben zu einer 
systemartigen Combination vereinigt sich zeigen. Ich werde bei 
den teratoiden Geschwfllsten kurz darauf zürQckkommen, und will 
hier nur im Allgemeinen bemerken, dass die Localitäten, wo die- 
selben bis jetzt Oberwiegend gesehen worden sind, die eigentlichen 
Sexnaldrflsen, der Eierstock und der Hoden sind, und zwar der 



*} Vircbow. Archiv. Bd. XIII. S. 366. 



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Regeneration der NerTen. 247 

Eierstock hänfiger ate der Hoden, — Organe, welche f&r die 
Mannichfaltigkeit der ProUferationsTorgüDge das gäostigste Terrain 
darbieten. 

Wenn man diese im engsten Sinne heterologen Neurome 
Eul&sBt, BD mus8 man sich zugleich daran erinnern, daes auch 
diejenigen Neurome, welche sich wie blosse Hypertrophien dar- 
Btelleo, doch keineBwegs so rein hypertrophisch sind, wie aie 
anf den ersten Blick erscheinen. Mag auch an einem präexi&ti- 
reoden Nerven die Eotwickelung nener Nervensnbstanz stattfinden, 
so geschieht sie doch nicht so, dass etwa der vorhandene Nerv 
sieb einfach theilte oder dnrch Auswüchse vermehrte, sondern 
die Neubildong erfolgt immer auf einem gewissermaassen hetero- 
logen Wege, anf einem Umwege, per secnndam intentionem*), 
anf fthnticbe Weise, wie sie erfolgt bei Neubildong der Nerren- 
sabstanz nach der Durcbschneidung, also bei der Regeneration 
des Nerven**). Wenn man ans einem Nerven grossere Stflcke 
ausschneidet , so kdnnen sich bekanntlich neue Yerbindnngen 
twischen den getrennten Stücken herstellen, indem durch die 
Narbe hindurch sich wirkliche Nervenfasern entwickeln Diese 
entstehen ebenfalls auf einem Umwege , indem zuerst nichts 
anderes vorhanden ist, als ein junges, dem Bindegewebe ver- 
wandtes Granulationsgewebe; erst ans den Elementen dieses 
Gewebes gestalten sich durch spätere Entwicklung die Ner- 
venfasern. So geschieht es auch bei einer grossen Zahl der 
eigentlichen Nenrome, und es ist gewiss sehr charakteristisch, 
dass zwischen den regenerativen Vorgangen nnd der eigent- 
licbeo Neurooibildnng gewisHermaitösen ein Uebergang besteht, 
so dass man keine ganz scharfe Grenze zwischen beiden ziehen 
kann. 

Zunächst ist es nehmlich schon durch die Versuche von 



*) Gellal&rpathologie. 3. Aufl. S. CS. 

**) Crnikibank. Med. facta and observ. Vol. VII. no. 14. Reil'» Archiv. 
Bd. II. S. 57. FoDtana. Abhandlung Qber das Viperngift. Berlin, im. 
S. 360. Uicbaelis. Richter'» cbirurg. Bibliothek. lTä5. Bd. VIII. S. 132. 
Haighton. Pbilos. Transact. 1795. p. 190. Reil'B Archir. Bd. II. S. 71. 
J. C. H. Uejer. Reil'g Archiv. Bd. II. S. 44». C. 0. SteinrDck. De ner- 
Tomm regen erat ione. Digs. inaug. Beroj, 1H3S. Lent. De DerTornm diS' 
SMtonim commutationibus et TegeneratioDO. Dias.inaug. Berol. 18&f>. Hjelt 
Om DsrTemas regeneration och dermed Bammanhängaode fltr&DdriDgaT *f 
nerTrfireD. Hebingfore. 18&9. Hein Archiv. 1860. Bd. XIX. S. 363. 



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248 VEernadEiTUuigBt« Vorleanng. 

Arnemann*) bekannt, dass vernarbende Nerven, welche darcb- 
Bcbnitten waren, namentlich wenn es grOseere Nerven sind, ge- 
wöhnlich an dem Ende anscbwellen und knopfartige Anschwel- 
lungen bekommen. Arnemann nannte diese Knoten Scirrhi. 
Nach seiner Meinung entstehen sie dadurch, dass nach der 
Durchschneidung eine gewisse Menge von Mark aus dem Nerven- 
ende austritt und allmählich verhärtet, und dass auch das Mark in 
der Scheide, besonders des oberen Nervenendes auf eine gewisse 
Strecke sich verhärtet. So bilde sich gewöhnlich eine knorpeJ- 
artige Anschwellung, wie eine kleine Zwiebel oder ein Citronen- 
kem, auch wohl wie eine kleine Erbse, zuweilen auch mehrere 
Absätze und kleine Hügel, jedesmal aber vorn eine kleine Spitse, 
die sich in» Zellgewebe verliere. An den unteren Nervenenden 
war der Scirrhus stets kleiner, als am oberen. Weitere Beob- 
achter**) haben diese Befunde bestätigt, nur ist man bald von 
der Ansicht zurückgekommen, dass das ausgetretene Nervenmark 
die Ursache der Anschwellungen sei. Diese Ansicht beruht auf 
einer Verwechselung des bleibenden, mit der Vernarbnng zusun- 
menhängenden Knotens mit dem frischen, unmittelbar nach der 
Trennung des Nerven entstehenden BGgels von austretendem 
Mark***). In Beziehung auf die bleibenden Narbenknoten (Calli) 
bildete sich vielmehr die Meinung, dass sie enteündliebe An- 
schwellungen darstellten, welche ans Übrinösem Exsudat hervor- 
gingenf). Nur Burdach ff) sah in dem oberen Knoten ausser 
einer grosseren Verwirrung der Fasern Nervenschlingen. In der 
That hängen diese Knoten mit der Narbe, welche die getrennten 
Nerventheile wieder vereinigt, unmittelbar zusammen nnd sie haben 
eine ähnliche Zasammensetznng. Anfänglich scheinen sie allerdings 



*) J.ArDem»DD. VersDche Ober die Regeneration »n lebenden Tbieren. 
GOtÜDf. um. Bd. I. S. 184. Ueber die Reprodnction der Nerven. OOtting. 
1786. S. 48. 

**) 0. Hahn. Commentatio de rege d e ratio nepftrti uro mollinin JQ tntnere. 
Gotting. 1787, p. 67. Tab. 111. Crnikshank. Keir» Archiv. Bd. II. S. 60. 
Haighton. Ebenda«. Taf. II. Fig. 3— 3. J. G. H. Mever. Ebendaa. S 45& 
Taf. VI. Fig. 3, 4, 7-9. HichaeÜB a a. 0. S. 126. Larrej. R^vue mrid. 
1824. T. I. p. 406. Tiedemana. Zeitechr. f. Pbjsiol. von Tiedemann o. 
Tieviranne. 1832. Bd. IV. S. 70, 74. Taf. V. Fig. 1. SteinrOck L c p. 68. 
Tat«. I. Hjelt Hein Arcbiv. Bd. XIX. S. 361 

■**) Haller. Eiern, pbvsiol. Uns. 1762. T. IV. p. 193. 
t) Steinrflck I.e. p. 70. 

tt) Bardach. Baitrag zur mikroBkop. Anatomie der Nerven. KOnigab. 
1837. S. 41. Taf. I. Fig. 10—16. 



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Narben- und Ampntatioas-Neurome. 249 

wesentlich aus einer Wucherung des Interstitialgewebes der Nerven 
zu bestehen; später kQnnen sich darin gleichfalls Nervenfasern 
finden. — Beim Menschen geschehen ähnliche Veränderungen, 
wenn 2ufU)lig Nerven getrennt ^aren; nur sind die Beobachtungen 
seltener. A. B^clard*) untersuchte eine alte, ungetähr 1 Linie 
breite Narbe unterhalb der Wurzel des Daumens: es fand sich, 
dass der Eückenzweig des Radialis getrennt und seine Enden 
um mehrere Linien von einander entfernt waren; das obere Ende 
lief in eine olivengrosse Anschwellung aus, das untere war kaum 
angeschwollen und der Nerv selbst atrophisch. Dies ist das 
Narben-Neurom (növrome cicatriciel). 

Wenn Nerven , insbesondere grössere, ^'b- ***■ 

durchschnitten werden, ohne dase die Mflg- ' 
lichkeit vorhanden ist, dass durch die Ver- 
aarbung das alte Verhältnies sich wieder 
herstellt, z. fi. bei einer Amputation, 
wo das peripherische Stück vollständig mit 
dem abgesetzten Gliede entfernt wird, so 
tritt an dem Ende derselben -ein ganz ähn- 
licher Vorgang ••) ein, der gleichsam der 
Anfang eines regenerativen Prozesses ist, 
der, nach der alten Art zu sprechen, die 
Tendenz znr Regeneration ausdrückt, der 
aber nun, da die volle Regeneration selbst 
nicht mßglicb ist, zu nichts weiter als 
IQ einer Anschwellung führt, die sich in 
Form einer Geschwulst darstellt. Diese 



Fig. 336. AmpntatioDS'Nearoiue des Oberarms tod eiuein iOjShrigen 
Schneider, 9Jabre nachdem der Oberarm im oberen Drittfaeil abgesetzt war. 
Die Nervenstimme sind verdickt und zum Theil wellig gewunden; jeder 
Ton ihaen linft am Ende in einen Knoten nus, welcher durchHchnittlii-h 
10, 15— 3Ö Uillim im Dnrchmeaser hält. Einzelne Nerven inserirea sieb 
gerade, einer mit einer starken, über das Neuroro herQbergebogenen Win- 
dung »n die Knoten. Präparat Ho. 140 vom Jahre 1857. % der natürl. GrCsse, 
(»ein Archiv. Bd Xlll. S. 258. Taf. V. Fig. 6). 
•) Deacot a. a. S. 18. 

") Prochaaka. De structara nervornm. Vindob. 1779. p. &5, lOG. Tab.ll. 
fig. 3. Arnemann a.a 0. S. 204. SCmmerring. Bau des men^chlirben 
Körpers. Frankf. a. H. 1600. Bd. V. 1. S. 134. F. G. van Hoorn. Diss. de 
üi, qnae in partibus membri, praesertim osseis, ampntatione vulueratis, no- 
tandasnnt. Lngd. Bat. m03. p. 35. Hcssclbach. BescbreibuDg dnr path. 
Priparate zn Würzbarg. Üiesseo. 1824. S. 3ti2. No.389. W. Wood. Edinb. 
med. cbtr. Traosact Vol. III. p. 881. PI. V. Gg. 3. Probst De mntatio- 



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250 VieruDdzwaniipte Vorlesang. 

GescbwiÜBt*) hängt mit der allgemeinen Narbe der Weichtfaefle 
znsaoiineo, zuweilen so innig, dass es Mflhe macht, sie mit dem 
MeBser auB derselben berauszuprftpariren. Liegen indess mehrere 
Nervenstämme, welche zugleich durchechnitten Bind, dicht neben 
einander, wie es besonders bei der Amputation im oberen Dritt- 
tbeit des OberarmeB oder bei der Exarüculation des letiterea 
der. Fall ist, bo kommt es nicht selten vor, dasB benachbarte 
StSmme mit einander verschmelzen, indem sie in einen einzigen 
Knoten fibergeben**). Auch habe ich gesehen, dass hier, wie 
bei der Regeneration eines einzigen durchsohnittenen Nerven, am 
Kode jedes der beiden Nerven ein Knoten war, der durch einen 
rundlichen oder platten Strang zusammenhing***). Ja, es können 
an derselben Amputationsstelle, namentlich am Oberarm, neben 
einander diese verschiedenen F&lle vorkommen: einzelne Nerven 
laufen in besondere Knoten aus, andere in gemeinschaßlicbe, 
andere haben besondere Knoten, die aber durch Verbindungs- 
stücke zusammenhängen. t 

Die einzelnen Knoten besitzen eine sehr verschiedene GrOsse; 
dieselbe hängt, wenigstens bia zu einem gewissen Grade, von der 
.Grösse der Nerven ab, an welchen sie sieh entwickeln. Die 
grössten Amputatlons-Neurome sitzen auch an den grOssten Nerven 
des Körpers, namentlich am Ischiadicus und den Stämmen der 
Bracbialnerven. Indess ist dies nicht couBtant. Die Nerven des 
Vorderarmes haben bei manchen Amputirten stärkere Knoten, 
als die des Oberarmes bei anderen, obwohl die Nerven dort im 
gesunden Zustande ungleich kleiner sind, als hier. Aach kann 
man bis jetzt nicht sagen, dass der Grad der äusseren Reizung 
entscheidend ist An Stumpfen des Oberschenkels, welche doch 
durch das AufetQtzen auf kfinstliehe Glieder sehr anhaltender 
Reizung ausgesetzt sind, finden sich Nenrome nicht h&nfiger und 



nibas, praecipae nervordni et vasornm, qD»e in trnnco dissecto fiaut. Diu. 
inaug. Hai. 1832. Tab I.— 11 Ornveilhier. Atlaa d'aoaL.path. LiTr.VL 
PI. 6. Livr XXXV. PI IL fig. 1. Tratte d'anat. path. g^n^r. T. III. p. 756. 
Froriep. Chirurgische Kupfertafeln, Taf. CXill., CCLVIH. HandfieU 
Jones and SieveiiiDg. A manual of patb. anat. Lond. 1S&4. p..S83. fig. ^*. 
A. Ffirater. Wflrzb. med. Zeitachr. 1»61. Bd. II. S. 104. Tal tl. 

*) Präparate Mo. 1210, No. 140 vom Jahre 1^67, No. S4p vom Jabre 1869, 
No. 236 vom Jahre 1860, No. 138 a. 141 a vom Jahre ISfil. 

"•) Larrey L c. p. 409. Cruveilhier. AtUa. Li»r. VI. PI. ß. fig. 2-4 
Rob. W. SmUh I.e. PI. XIII. Be. 2,8,8. Wedl a.a.O. S. 16. 
«•) Vircbow. Archiv. Bd. Mll. S. 860. 



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AnpoUtioDa-Nenroine. 351 

im VerhUtniss nicht grOsser, als an Stümpfen des Oberarmes, 
welche dicht nater dem Gelenk endigen, also zam Gebraach gar 
nicht verwendet werden. Eber kann man vielleicht aonebmen, 
dass die Reizung bei der Heilung, namentlich eine prolongirte, 
mit Kitei'ang verbnndene Vernarbüng der AmputationBwunde von 
EinfluBS iBt; indess mnss dies doch noch genauer festgestellt 
werden, da nach den bis jetzt vorliegenden Tbateachen es viel- 
mehr scheint, dasB die Bildung der Knoten nicht schon in den 
ersten Wochen nach der Operation, sondern erst sehr langsam 
nn Lanfe der n&cbstfolgenden Monate and vielleicht Jahre ge- 
schieht. Es kommt dazu, dase zuweilen die Neurombildung nicht 
am Ende des' Nerven, sondern einige Linien oder selbst ZoU 
höher in seiner Continnit&t*} erfolgt. 

In letzterer Betiehnng muss man freilich unterscheidea, was 
dnrch die Retraction der Nerven nach der Amputation bedingt 
wird. Ich mochte diese Retraction freilich nicht, wie Smith, auf 
die Elasticitllt der Nerven beziehen; diese hat schon fialler**) 
widerlegt. Vielmehr meine ich, dass sie die passive Folge der 
Retraction der zerschnittenen Muskeln nnd Arterien ist. Jeden- 
falls kann der Nerv dadurch von der durch Üeberlagerung mit 
Nacbbartheiien anderweitig geschützten Amputationsstelle erheb- 
lich entfernt werden, und wenn sich alsdann nach dieser Fläche 
hin ein Narbenstrang vom Nerven her entwickelt, so kann es 
den Eindruck machen, als sei das Nenrom vor dem Ende ge- 
bildet. — Dieser Retraction ist, beiläufig gesagt, die eigeDtbümlich 
wellige, zuweilen fast spiralige Form der Nervenstränge oberhalb 
der Knoten (Fig. 226.) zum grossen TheÜ zuzuschreiben, welche 
freilich anch durch eine Verlängerung der Nervenfasern bedingt 
•ein kann. 

Die GrOsse der Ampntations-Nenrome ist zuweilen so be- 
trächtlich, dass man sie in etwas schlaffen Amputations-Stümpfen 
schon bei lebzeiteii sehr bequem f&blen kann. Sie erreichen die 
GrOsse von Flintenkngeln oder gewöhnlichen Pflaumen. Ihre Form 
ist manchmal kugelrund, manchmal mehr plattrund, zuweilen 
kolbig oder eifOnnig. Zuweilen sind sie überaus empündlich, 



•1 Cruvedhier. Lirr. XXXV. PL n. fig. 1. Probst 1. . 
Tab. U. fig. S. 

-) Hall«r. Blem. physiol. T.IV. p.l98. 



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252 VierDodiwaniigate Vorleanng. 

ja geradezu der Ausgangspunkt nenndgiseher Zufälle*), und ee 
ist nicht ganz unwahrscheinlich, d&ss sie, wie schon SOmmer- 
ring äDnahm, der Grund der bei Witternngswecbsel eintretenden 
Schmerzhaftigkeit solcher Theile, des sogenannten Kalenders sind. 
Aoderetnal di^egen 'sind sie ganz indolent. Eine Beobachtung 
TOD Smith scheint darauf hinzudeuten, dass der Grund dieser 
Verschiedenheit in der Beschaffenheit der Geschwülste selbst liegt; 
wenigstens fand er bei einem Manne, dem der Oberarm amputirt 
war und der einen extrem schmerzhaften Knoten am N. cuta- 
nens int bekommen hatte, diesen Knoten aussen und innen 
überaus geßLssreich**), während zwei andere Knoten an den 
Enden des N. medianus und radialis, die schmerzlos gewesen 
waren, ganz weiss und geffisslos erschienen. 

Schon van Hoorn schloss aus der Empfindlichkeit auf den 
Gehalt an Nervenfasern, und Prochaeka trug kein Bedenken, 
den Knoten als Fnngositas substantiae medullaris foniculorum 
nerveorum zu bezeichnen und ihn ans den Nervensträngea „h&r- 
Torwachsen" zu lassen. Indess wurde die Anwesenheit wirklicher 
Nervenfasern darin erst sehr sp&t mikroskopisch nachgewiesen, 
und noch Valentin und Lebert***) waren der Meinung, dara 
nur die dnrch die Entwickeinng von fibrOsem Gewebe auseinander- 
gedingten ursprünglichen Nervenlibrillen in der Masse wieder 
aufzufinden seien. Erst Günsburg und Wedlf) zeigten, daes 
die Nervenfasern über die Grenzen des alten Nerven hinaus nach- 
zuweisen sind und sich in verschiedenen Richtungen krenzen. In 
der Tbat besteht die ganze Masse der Knoten aus einem dichten 
Geflecht von Nervenfasern mit verhältnissmässig wenig Binde- 
gewebe, und zwar findet man neben markhaltigen (doppeltconton- 
rirten) Nervenfasern an vielen Orten, schon in den St&mmen selbst, 
marklose (blasse) Fasemff). Am deutlichsten ist die Zusam- 
mensetzung natürlich da, wo markhaltige Fasern liegen. Ueberall 
stSsst man hier auf kleinere Faserbündel (Faacikel), welche sich 
auf die mannichfaltigste Weise verflechten und durchsetzen, so 



•) W.Wooa l.c p.883. Rob.Smith I.e. p.24. Larrej ].c.p.407. 
") Vgl. oben (S. S39] die Angaben von Scbuh Qod t. BKrenaprnDg. 
"•) Valenlin. Lehrt, der Physiolosie. -2. Anfl. Bd. 1. S. 722. Lebert. 
Traitd d'anat. path. T, I. p. 160. PI. XXll. fig. 4— ß. 

t) OODBburg a.a.O. S. 159. Wedl a. a. 0. S. 18. 
tt) ViTchow a.a.O. S. 260. 



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ZoBamnieiisetzDiig der AmpntatioiiB-NeDroiiie. 



dasB ein jeder Schnitt durch die Geschwulst eine Menge von 
Qner-, LSngs- und Schiefschoitten von Bündeln neben einander 
mr Anschauung bringt. 

Diesem Umstände ist es zu danken, dasB für das blosse Äuge 
der Durchschnitt eines Amputations - Neuroms die grOsste Aehn- 
lichkeit mit dem eines Uterus-Myoms oder eines blossen Fibroms 
hat Immer findet sich jedoch der höchst außäUige Unterschied, 
dass die Continnität zwischen Nerv and Neurom ganz 
deutlich ist. Niemals findet sich jene lose Einlagerung oder 
nEinschachtelung", welche wir bei den Uterus-Myomen besonders 
besprochen haben (S. 117, 153); jeder Durchschnitt des Neuroms 
teigt schon für das blosse Auge die unzweifelhafte Fortsetzung 
der Faserzöge aus dem Nervenstamm in den Nervenknoten*). 
Zuweilen bilden die äusseren Lagen des Knotens concentriscbe, 
gleichsam schalige Lagen , so dass Gänsburg**) von einer 
pathologischen Umgestaltung des Nervenendes zum Bau eines 
Pacini'sdieD Körperchens (S. 240) sprach. 

An die Amputations-Neurome schliessen sich ziemlich eng 
die nach Ligatur von Nerven entstehenden Neurome an. Schon 
Portal ••♦) erzahlt einen solchen Fall von Lamorier, wo ein 
Ast des Ischiadicus nach einer Amputation des Oberschenkels mit 
in die Ligatnr der Gefässe gefaüst war und der Kranke länger 



Fig. SS7. Halbachematiache ZeichDung eines mikroBkopiechen Schnittes 
lu einen mjeliniBcheD AmpotatioDB-Nearom, did du Geflecht der Nerven- 
bscikel tn teigeo. 

•) CruTsUhier. Livr. VI. PI. V. Smith. PI. XHI. fig. 3, 10. 

") Gnnsbnrg ».i. 0, S. 169. 
*") Portal. Coan d'aoit. nii. T.IV. p.389. Not 1. 

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254 Vierandiwanci^at« Voiiesniii. 

als S Jahre hindarch die schrecklichsten Schmerzen auscalialteo 
gehabt hatte, die er stets auf den amputirten Fuss verlegte. 
B6clard*) berichtet von eiaem Manne, dem gleichfalls nach 
einer Amputation der lechiadicua unterbunden wurde; die Wunde 
heilte per primam intentionem, aber der Kranke starb (es wird 
nicht angegeben, wie lange nachher?) an Tetanus: der Nerv ent- 
hielt in einer betrSchtlicheu Verdickung den Knoten der noch 
nicht ausgefallenen Ligatur. Aber auch ohne gleichseitige Ampu- 
tation bat die Ligatur dieselbe Wirkung. Molinelli**) hatte 
Gelegenheit, 30 Jahre nach einer durch Yalsalva ausgeführten 
Ligatur der Brachialis (wegen eines nach Aderlass entstandenen 
Aneurysma spurium), welcher sofort Lähmung und Empfindungs- 
losigkeit gefolgt waren, den Arm des betroffenen Wundarztes zn 
untersuchen: er fand eine kugelige Anschwellung der Nerven an 
der Ligaturstelle, Uinlicb einem Ganglion und gebildet durch eine 
Zwischenlagerung zwischen die Nervenfasern, welche die meiste 
Aehnlichkeit mit der Substantia spongiosa penis hatte. 

Nach solchen Erfahrungen ist es leicht begreiflich, dass schon 
die älteren Beobachter, welche die Geschichte der Neurome ver- 
folgt haben, auf ihren Ursprung aus voraufgegangenen VerletEungen 
vielfach hinwiesen, und dass derjenige Autor, welcher die be- 
rühmteste Monographie über Neurome geliefert hat, Robert 
Smith, ein irischer Chirurg, geradezu eine Art von trauma- 
tischen Neuromen unterschieden hat***). Ausser den schon 
erwähnten Veranlassungen (vollständiger .Durchscbneidung mit 
Trennung der Enden, Amputation, Ligatur) giebt es eine grosse 
Reihe anderer Traumatismen, namentlich die partielle Durchschnei- 
äung und Verwundung, das Eindringen und Liegenbleiben fremder 
KOrper, die. blosse Quetschung und Stauchung, welche Nenrom- 
bildung hervorrufen. Allerdings ist auch hier nicht Alles, nas 
unter dem Namen von Neuromen besehrieben worden ist, als 
identisch zu betrachten. Ein Theil der Fälle gehört eben nur 
der partiellen Neuritis interstitialis, wo die Geschwulst 
die Nervenfasern gar nicht oder nur secnndär betheÜigL Ich 
rechne d^n jene Fälle, wo die Anschwellung nach der Besei- 



•) Descot a.a.O. S. 51 



iBCot a.a.O. S. 51. 

)]iDelli. De aneamaate e laeaa brachii in mitteodo aaogaiae 

»iBiertatio (citirt bei Deicot a.ft.0. S. 69). 



arteria. DiaBertatio (citirt bei 
*•*) Smith 1.C p.SO. 



)vGoo<^lc 



Traamatische Meurome. 255 

dgnng des Reizes eich zertheilt. So erzählt Smith*), dass eine 
GeschwnlBt des üloftris, welche sich fibrigeoE ganz wie ein Nenrom 
dai^estellt hatte, Terschwand, nacbdem etwa 3 Monate nach dem 
ereteo Auftreten der Symptome eine verrostet« Stecknadel in der 
Nähe der Geschwulst zu Tage getreten war. Ein anderer Theil 
geh&rt in eine andere Kategorie Yon Nerven-GeBchwületen (falsche 
Neorome). So bezieht sich eine übrigens sehr interessante Beoh- 
ichtuag von Gibbs **), wo nach einem Schlage auf den Arm eine 
hühnereigrosse Geschwulst am Oberarm entstanden war, offenbar 
auf ein Myxom des N. muscnlospiralis. Genau genommen, be- 
sitzen wir nur zwei Beobachtungen, die als entscheidend angesehen 
werden kOnnen, die erste hat Weismann***) an sich selbst 
gemacht. Er hatte sich durch Glas eine Verletzung nahe an der 
Volarseite des Daumens zugezogen, welche einen Ast des Medianus 
getroffen hatte; die Wunde heilte nicht und es musMte ein Theil 
des Nerven ausgeschnitten werden. Im Laufe von 1^ Jahren 
bildete sich in der schmerzhaften Narbe eine kleine Geschwulst, 
welche sehr empfindlich war und endlich exstirpirt wurde. Sie 
bestand wesentlich aus markhaltigen Primitivrfihren. — Die zweite 
Beobachtiing ist von Dehler f). Sie betrifil eine 56jSbrige Frau, 
die im Alter von 16 Jahren von einer Bteilen Anhohe so herab- 
fiel, dass ihr Kopf tief in das lockere Erdreich eindrang und von 
einem Manne nicht ohne Gewalt hervorgezogen werden musste. 
Seit jener Zeit entwickelte sich langsam am Halse eine Geschwulst, 
welche endlich 3" lang and 2" breit wurde. Mach dem Tode fand 
sich, dass sie am 2ten Qervikalnerven sass und zwischen Atlas 
und Epistropheus in den Wirbelkanal eindrang. Die mikrosko- 
pische Untersuchung von Förster lehrte, dass es ein wahres 
Nenrom war. 

Nach diesen Analogien wird man mit Wahrscheinlichkeit 
einige andere Beobachtungen auf traumatische Neurome beziehen 
dürfen. Ich rechne dabin eine schmerzhafte Geschwulst, welche 
Dupaytrenff) 7 Jahre nach einem Stich in die Gegend des 



•} Smith I.e. p.Sl. 

■■) Oibb«. Edinb. med. ud mr%. Jodtd. 18S9. VoL XXXII. p.260. 
***) A. WeisrnKon. Zeitatbr. f. raL Med. 1869. 3. Reihe. Bd. TU. S. 210. 
Taf. V. 

) Deb let a. FUrster. Würib. med. Zeitechr. 1861. Bd. I. S. 98, 108. 



■T 



■H) Dapaytreo I e. p. 267. 



)vGoo<^lc 



256 VieraDdzwaniigBte Torlesnng. 

Nerven entfernte; einen Fall Yon Grainger*), wo nach einer 
Verwundung des Daumene durch einen Dom nach länger als flioem 
Jahre eine kleine Geaehwulet fiber dem Handgelenk, bald nachher 
eine zweite und dritte, sowie noch einige kleinere am Vorderarm 
entstanden; einen Fall von Adams**), wo nach einer YemoD- 
duDg des Medianus am Handgelenk eich eine überaus eehmerzbafte 
Geschwulst ausbildete, die mit Erfolg ausgeschnitten wurde. Dahin 
gehören wahrscheinlich auch die Fälle von Den mark**'), wo 
eine Kugel im Nerven stecken geblieben, von Reich f), wo ein 
Fall auf einen spitzen Stein die Veranlassung zu einem Nwrom 
- am Cutaneus internus war, von Dupuytrenft)» Dujardia und 
Mondiöre ttt)' "^o nach heftigen Griffen an den Arm bei Frauen 
Neurome entstanden waren. Einen Fall von Wutzer werde ich 
sp&ter genauer anfahren. Freilich lässt sich keiner dieser Fälle 
sicher beweisen, indess macht Smith mit Recht darauf aufmerk- 
sam, daes die traumatischen Neurome continuirliche Anschwel- 
lungen der Nerven darstellen, wqraus hervorgeht, das» sie mit 
den gewöhnlichen Dissections- und AmputatioDS - Neuromen in 
ihrem Verhalten übereinstimmen. 

Am nächsten stehen dieser Form diejenigen Fälle, wo die 
Neurombildung in der Nähe anderer chroniseh-entxüad' 
lieber Veränderungen vorkommt. In dieser Beziehung habeo 
wir einen mikroskopisch genau untersuchten Fall von Führer'f), 
wo der Arm wegen Garies im Handgelenk amputirt wurde und 
sich am Medianus etwa eine Hand breit über dem Gelenk eiae 
3 Cent lange und etwa kleinfingerdicke Geschwulst fond, die einen 
überwiegenden Gehalt an markhaltigen Nervenbündeln besass. 

Ich Bchliease daran eine weitere Kategorie, welche sich in- 
gleicb an eine andere wuchernde Neubildung anlehnt, die ich 

*) Edv. Grftinger. Med. zoi sarg, remarks. Lond. 1816 (bei Wood 
1. c. p. 413). 

") AdaniB. Dublin Qoart Journ. Vol. V. (beiSmith 1. c. p. 20. PI. XIV. 
fig. 11), vgl. auch Hawlcins, Lond. med. Oaz. 1838. Mew Series. Vol. L 
p. 92R. 

•••) Denmark. Med. chir, TraoBact. Vol. IV. p. 48. 
t) F. S. ÄleiaDder. De tomoribuB nervoram. Diss, inaag. I>Dgd. Bat 
1800. (Nene Sammlung auserlesener Abtaao diu ng«n zum Gebrauche prakti- 
scher Aente. 1816. Bd. I. St. 1. S. 69). 

ii) Valleii. Abband), über die Neuralgien. Aub d. Franz. von Om Der. 
Bfannschw. 1853. S. 2m. 

ttt) Ant. Dujardin. PropoBitions de mödecine. Th^e de Paris. 16S3. 
p. 10. Hondi^re. Arch. gen^r. 1837. Nov. p. 297. 
•t) FOhrer a. a. 0. S. 248, 2öl. Taf. I. 



gii^osb/GoOt^lC 



NaDroine bei BlepbutiuiB. 257 

frflher sdion erw&bnt habe, nehmlicfa ao die el«phantiastiBcben 
Prozesse, namentlicb an die congeDitale Elephantiasis 
(Bd. I. S. 317). Es Bcheiat, dasa hier schon in der froheren 
Entwickelung der Nerven eine reichere Erzengang neuer Fasern 
in Stande kommt. Die Tbatsachen sind allerdings niebt so con- 
clnsiv, dass man mit ToUer Sicherheit sagen könnte, wie weit 
das zurflckieicht; aber es giebt doch Ffille, wo der Frozeas wabr- 
Bcheinlicb schon intraaterin begonnen nnd sich als congenitales 
Cebel for^epflanzt hat. Der interessanteste dieser FUle ist wohl 
der Ton Depanl nnd Verneuil*) beschriebene, wo bei einem 
I9jIibrigeD Manne im Nacken eine aDSchmerzbafte, progret<BiT 
zunehmende, zuletzt faustgrosse Geschwulst in Form einer mit 
dicken Haaren besetzten, stark höckerigen Falte bestand, die innen 
zn zwei Drittheilen ans knotigen, bis Gänsefeder starken Nerven- 
strängen mit ganglioformen Anschwellungen bestand. Die Ter- 
grOsserten Nerven liessen sieb einerseits bis in die Papillen der 
Haut, andererseits bis in den Stiel der Geschwulst verfolgen. 
Der Fall gehört in die Kategorie der von Val. Mott") unter 
dem Namen der Pacbydermatocele beschriebenen. Sehr wahr- 
scheinlich ist hierher auch eine Beobachtung von Lotzbeck***) 
zn rechnen, wo bei einem 12j&hrigen M&dcben eine seit der Geburt 
bestandene uiid bis nr GrOsse einer Orange angewachsene Ge- 
sehwolat der Krenzgegend exstirpirt wurde, die durch die ge- 
spaltenen Domrorts&tze der Kreuzbein- und des letzten Lenden- 
wirbels bis auf die Dura mater spinalis reichte; sie bestand aus 
eigentbümlichen, varikösen und anastomoBirenden StAngen, welche 
als fibrös gedeutet sind, deren Aehnlichkeit mit Nerven jedoch 
beil&ufig erwähnt wird. Neuerlich hat BiUrotb-f) bei einem 
6jährigen Knaben kleine harte Stränge und Knötchen im oberen 
Aagenlid und der Schläfe beschrieben, die zum Theil schmerzlos, 
zum Theil enorm schmerzhaft waren; dieselben enthielten allerlei 
knollige, verästelte Conglomerate, in deren Centmm sich ein 
feiner, meist in fettiger Degeneration begriffener Nerv, uneben 



*) D«paal et Vernenil. BnUet de Im boc. anat. 1S5T. p. 25. Follia. 
TrwU üem. in pmth. eit. Paria. 1863. T. 11. 1. p. 219. fie. 40— *1. 

**) Valentin Hott. Med. chir. Transact. 1854. Vol. A IX. p. 155. 
***) C Lotibeclc. Die angeboraen GeschirfilBte der hinteren Kreaibeio- 
reK»l Iiaae. Abb. HDochen. 1868. S. 18. Fig. 8-6. 

t) BiUroth. ArchiT fBr klin. Chirorgie. 1868. Bd. IV. S. 647. Fig. 8-4. 



)vGoo<^lc 



258 ' TivnindEvantigate Vorleaanf. 

TOD concentrischen Biodegewebelagen befond. Er betrachtet ancb 
diesen Fall als, zur Fibroidreibe gehörig, jedoch kann wohl nicht 
bezweifelt werden, dass er eine nahe Beziehung zum Neurom, 
wenngleich immerhin zum Fibrcnenrom hat. Vernenil*) be- 
zeichnet diese Kategorie von Bildungen mit dem Namen des 
Nenroma cylindricum plexiforme, weil die feinen Nerven- 
fSden zn dicken Gylindern anschwellen und zugleich Geflechte 
(Plexus) bilden. Ausser dem oben erw&hnten Falle erwähnt er 
noch einen zweiten, mit Guersant beobachteten vom Nacken. 
Aber auch bei erworbener Elephantiasis kommen Zu- 
stande der Nerven vor (Bd. I. S. 313), welche parallel geheo 
mit der VergrOsserung anderer Theile, wie wir sie schon fräher 
besprochen haben, namentlich der LymphgefSsse, der Knochen, 
der Mnskeln. Ans der Literatur ISsst sich freilich nieht genau 
feststellen, was bei diesen Anschwellungen wirklich nervOs war, 
und was nicht. Der äusseren Form nach schliessen sich freilich 
manche Fälle sehr genau den Neuromen an. So beschreibt 
Gheliua**) von einem 26jährigen Manne eine Elephantiasis 
cmris, die sich seit 1| Jahren nach einer Verrenkung des 
Fasses gebildet hatte; der N. tibialis war sehr beträchtlich, zum 
Theil rosenkranKfOrmig verdickt, der Stamm bis zu 1^ Zoll. 
Freilieh traf ein grosser Theil dieser Verdickung auf die Scheide, 
die stellenweis bis zn ^ Zoll stark war, aber die Knotenbildiing 
gehörte dem Innern an. Nach der Angabe fehlte jedoch die Hark- 
masse, und da zugleich viel Flüssigkeit darin vorhanden war, so 
ist es wohl möglich, dass eine entzündliche oder myxomatOse 
Form vorlag. Anders liegt es in einem, freilich etwas dunkeln 
Falle von Barkow"*). Bei einem Hirten in den dreissiger 
(Fahren mit geringen Geistesfähigkeiten hatte sich nach dem Stosse 
eines Ochsen gegen die Wade eine schmerzlose, immer mehr an- 
wachsende Geschwulst gebildet, die im Laufe von 4 Jahren ftber 
3 Fuss im umfang hatte; der abgesetzte Unterschenkel wog etwa 
40 Pfd. Die innere üntersucbuDg ergab auBser allerlei Verände- 
rungen, welche Barkow offenbar irrig fQr ein Aneurysma spnrinm 
diffusum ausgieht, welche vielmehr den Eindruck einer h&mor- 



•) Vernenil. An-h. g^n^r. 1861. Ser. V, T. XVIII. p. SSO. 
*•) Chelius. Heidelberger klin. AonaleD. Bd. II. S. 3S4. Taf. I.-II. 
***) Barlfow. Nova acta phys. med. Acad. Caes. Leop. Carol. oatarae 
-'" p. 618. Taf. XXXII. 



cnrios. Bonn. 1S29. T. XIV. p. E 



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Plexiforme Nenroma. 25g 

rhagisch- erweichten Gescbwulat niKOheD, eine erhebliche, znm 
Theil knotige, Btellenweis roBeakranzf&rmige Anschwellnng des 
N. tibialis, deasen Nenritem erbeblich verdickt war. Gleichseitig 
hnden sich aber anch ao beiden Nervi vagi mehrere Knoten, 
deren grOsater 5^ Linien in der Breite maaae; bet B&nuntliche 
Aeste, namentlich der RecorrenB und die Plexna pulmonales et 
oesophagei waren verdickt und mit Knötchen besetst. Diese 
lagen nur in der NervensnbHt&ne, w&hrend daa Nenrilem normal 
war*). — Endlich schlieese ich hier einen Fall von Verneuil ••) 
an, der in die vorher erwähnte Klasse des plexirormen Nearoms 
gehfirt, aber bestimmt zu den erworbenen Uebeln gez&hlt werden 
masB. Bei einem 41jährigen Hanse hatte sich seit 4 Jahren 
unter entzündlichen Erscheinungen, die eine Zeitlang als Herpes 
praepntialis chronicus gedeutet wurden, eine im höchsten Grade 
empfindliche und schliesslich zu heftigen neuralgischen Beschwerden 
mit Spermatorrhoe und AllgemeioBtOrungen führende ÄnsehweU 
long des Praepntiam gebildet, welche zum grossen Theil aus Ver- 
dickungen der Terminaltheile der Hantnerven bestand. Neben 
grossen und dicken Venen fand sich tun Saome des Pracpntinms 
eine Art von ringförmigem Nervenplexns, von dem ans die ver- 
dickten Nerven nach allen Richtungen, namentlich bis in die 
Hantoberfläche ausliefen. Manche derselben waren um :^, ^ und 
noch mehr verdickt. Die Verdickung sass hauptsächlich in der 
Seheide der Primitivfasern^ welche zum Theil wohl erbalten, zum 
Theil jedoch anch atrophisch waren. Das Zwischengenebe hatte 
an der Verdickung Theil genommw. — Ob die Beobachtung von 
Bnhl***), der in TrachomkOrnero der Coiüanctiva bnlbi Streifen 
doppelt contonrirter Nervenfasern sah, hierher gehOrt, lasse ich 
dahingestellt 

Neben den bis jetzt erwähnten Formen bat man nun aller- 
dings vielhch auf das Vorkommen von Knoten in den Nerven 
hingewiesen, die man auch Neurome nennen kann, bei solchen 
Individnen, welche gewissen constitationellen Erkrankungen unter- 
liegen; indess hier handelt es sich in der Regel um Verwechse- 
lungen. Wenn man die Syphilis als eine solche Afiection be- 
teichoet hat, so ist es kein Zweifel, dass es syphilitische 



•) Barkow I. o. p. 684. Taf. XXXII. fig. 1—3. 
••) VerueuiL Areh. giair. Sir. V. T. iviIL p. 5i0 
*•) BahL Bayr. Intl. Intelligeiiibl. 1658. Jnli. 



gii^osb/GoOt^lC 



3gQ VierandiwMiigate VorleBung. 

Nearome") giebt, d. h. Enoteo in oder an don Nerven, welche 
in Folge der eoQstitationellen Lnee eotatehen; Aaa sind aber 
Gammi-Gefichwfilste (Bd. II. S. 461). Ebenso entstehen bei der 
Lepra in den Nerven Knoten, das sind aber keine Neorome, 
soodern Lepraknoten (Bd. 11. S. 531). Sie verbalten sich Ähnlich, 
wie die Erebsknoten der Nerven. Sie Nencome en nennen, hat 
keinen rechten Sinn, denn Neurom soll nicht bedenten eine Ge- 
Bchwnlst am Nerven, sondern eine Geschwulst, welche ans Nerren- 
masse sasammengesetzt ist. Das ist ja der etymologische Gebranch, 
den wir für die ganze Onkologie in Anwendung bringen. 

Nnn giebt es aber eine Besonderheit, welche die Beobachter 
anf die Ccnstitutionalität dieser Geschwülste hingewieeen hat, du 
Bind die multiplen Neurome"). In dieser BeEiehnog kann 
man mit Lebe rt***) eine doppelte (eine Ortliche und eine allge- 
meine), genauer eine dreifache Multiplicit&t nnterscbeiden. Nebm- 
lich es kann sein, daas an demselben Nerven ui mehreren Stellen 
Knoten entstehen, so daas er eine rosenkranzf&rmige Gestalt an- 
nimmt; oder es kann sein, dass in dem Gebiet eines Nerven, der 
sieb ver&stelt, an allen Aesten Knoten entstehen; oder endlich 
es kann sein, dasa bei demselben Individnom an einer ganzen 
Reihe von Nerven der verschiedensten Localititen sich Nenrome 
bilden, wie wir eine Reihe von Beobachtungen haben, wo gleich- 
zeitig fast an allen Spinalnuren von oben bis unten und an vielen 
sympathischen Nerven Neurome vorgekommen sind. Wir werden 
anf diese YSila noch zurQckkommen; hier fragt es sich, da ein 
grosser Theil dieser Beobachtungen in ältere Zeiten zurückreicht, 
nur darum, ob das alles wahre Neurome waren, oder ob nicht 
ein Theil der Fälle in andere Kategorien gerechnet werden mnss. 
Ich kann das nachträglich nicht fiberall entscheiden; aus eigener 
Erfahrung kann ich nur sagen, dass aus den beiden erste'n Kate- 
gorien, nebmlich derjenigen der rosenkraoBfOrmigen Neurome und 
detjenigen, wo an vielen Aesten eines Nerven analoge Knoten 
anlireton, ein Theil der Fälle bestimmt in diese Klasse gerechnet 
werden mnss. 



*) AroDiBobn 1. c p.6, 27. 

**) Honteggia. Utituiioni chirorEicbe. 1813. Vol. IL p. 195 (citirt bei 
Wood, £diDb. med. chir. Transact. Vol. III. p. 846). Vgl. die weitere Lite- 
ratur bei G. FaBaaTkDt, Hein ArchW. 1866. Bd. VIII. S. 4a 

•**) Lebert Hdm. de la soc. de cbir. T. III. p. S83. Tnüt^ d'MwL path. 
iiaix. T. I. p. 160. 



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Hnltip]« Nenrome. 261 

Was die allgemeine Multiplicit&t betrifft, so g;iebt es einzel&e 
BeobachtuQgeo davon, welche darauf hinweisen, das» die Nenrome 
auB aniprQnglichen, wahrecheinlicli coagenitalen, znweilen so- 
gar hereditären Störungen hervorgehen. Gerade die ersten 
Beobachtungen, die wir darQber besitzen, die von Schiffner*), 
belogen sich auf zwei Brüder, die beide idiotisch waren. Man 
hat sie späterhin Öfters als Grettnen gef&brt nnd Schiffner selbst 
gebraucht diesen Änsdmck bei dem zweiten (jüngeren) Bruder; 
das ist vielleicht nicht ganz richtig, da sie ans einer Gegend 
stammten, Oesterreichisch Schlesien nehmlich, wo Gretinismus nicht 
sicher bekannt ist. Aber idiotisch waren sie, und zwar litten sie 
nicht an erworbener, sondern an nrsprflaglicher Idiotie. Auch 
hatte der ältere der Brüder einen grossen Kropf, so dass eine 
gewisse Verwandtschaft mit Gretinismus nicht zu verkennen ist**). 

Äehnliche Beobachtungen giebt es noch einige andere, und 
zwar gerade ans Cretinengegenilen. Dahin gehört der charakte- 
ristische Fall von Bischoff***) ans dem Neckarthale, wo be- 
kanntlich Gretinismus in grosser Verbreitung vorkommt. 0er 
betrefTende Kranke, aas Oberentersbach , von einem tauben und 
hinkenden Vater gezeugt, war von klein an schwachsinnig und 



•) Schiffner. Med. Jahrb. des Qsterr. Stuta. 1618. Bd. IV, St IV. 
S. 77. Fig. I.— II. — 1821. Bd. VI. St. IV. S. 44. 

**) Nach der, freilich nnr aof der Aaeaage einea gesunden Bruders be- 
rnbenden Angabe waren die Eltern gesund, eine Schwester früh gestorben, 
ond Ton den beiden idiotiechen BrDdem der älteste bis mm 7. Jahre kleia 
nnd blOde, dann wiederholt von Convulsionen heimgesucht und seitdem von 
gans cretinistiscbem Wesen. Ausser dem Kropf werden auch hervorragende 
AngeD erwlhnt (rgl S. 73) Bei der Antopeie fand sich der Vagus im 
Schidel Dorma], jedoch gleich nach seinem Austritt mit einem 1" langen 
nnd 1 — 6'" dicken Knoten besetzt, ebenso alle abgehenden Aeste dieser 
Gegend mit 3 — i'" dicken Ganglien versehen. In der Höbe des 5.-6. Hals- 
wirtwlB ein noch grosserer Knoten am Vagne, ebenso in der Bmst 4—5 bis 
bae ei nn sagrosse Ganglien, kleinere an dem Herz-, Lungen- und SpeiserChren- 
geflecht. Gleiche Anschwetlnngen an den Axillar- und Brachialnerren bis 
in dea Wirbelkaoal hinein; am Cntaneus ext. ein dattelgroseer Knoten. Anch 
der Accessorius nod Ischiadicus waren damit besetzt, dagegen der Sjpmpa- 
thicns nnd Splancbicus frei. Der Kann war 34 Jahre alt geworden. — Der 
jSagere Bmder starb 83 Jahre alt. Bei ihm war die Erkrankung noch weiter 
verbreitet. Denn ausser den meisten Spinalnerren (Achsel, Arm, RDcken, 
Bein) und dem Vagus fanden sich Knoten am 3. Aste des Quintns, am 
Facialis, Abdnceas und Glossopharyngens, namentlich am Sympathicns: am 
Ualstbeit des letstereo eass rechts ein baselnoss-, links ein Mhnerei gross er 
Knoten. Auch bestanden mehrere Entartungen des Rückenmarks. 

***) A. Kooblancb. De neuromate et gangliis accessoriis Teria adjecto 
cqasvia generis casn novo atque insigni. Dies, inang. Francof. ad Hoeii. 
1843. p. 87. Tab. IV. 



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263 VierandivuuigBte Vorlesoiig. 

zur Einsamkeit geneigt, nngehorsam, faul nnd jähzornig, zeitweise 
von WnthanßÜIen heimgesucht; er wurde daher später in ein 
Irrenhaus gebracht, wo er, 38 Jahre alt, starb. Die Section seigte 
zahlreiehe Neorome an den Wurzeln der Himnerven, (die gr&ssten 
an Facialis und Acusticus jederseite,) an der Cauda equina, den 
Gervikal- and Brachialaerven, wobei sowohl die betrofFenen Nerven 
im Ganzen, als auch der Gerrikaitheil des Röckenmarks st&rker 
als normal waren. Der Sympathicus war fast in allen seinen 
Tbeilen vergröBsert, namentlich hatte das Ganglion coeliacum 
jederseitB eine beträchtliche Grösse, ja das rechte wai in eine 
runde Geschwulst von 1" Durchmesser verwandelt und enthielt 
eine mit rftthlichem Brei geßlite Hühle. — Wir kOnnen daran 
einen Würzburger, von Hesaelbach*) beschriebenen Fall aa- 
reihen. Ein S9jlLbriger Haan aus Frickenbansen wurde mit 
zahlreichen, nnschmerzbaften, verschiebbaren Hautgeschwülsten, 
welche fiber den ganzen Körper verbreitet waren und von der 
Grösse einer Haselnuss bis zu der einer Weiberbrust von 6~8" 
im Durchmesser wechselten, in das Juliusspital aufgenommen. 
Er hatte diesen Zustand mit auf die Welt gebracht, als ErbstQek 
von seinem Vater, der an demselben Debel ebenso gelitten hatte. 
Bis vor 10 Jahren war er gesund gewesen; von da an litt er 
an heftigem Gliederreissen, später an Kopfschmerzen, die mehr 
und mehr zunahmen, und Anlalle von Würgen nnd Erbrechen, all- 
mählich die heftigsten Paroxyamen mit Frost und Hitze, Bewusst- 
losigkeit, Zähneknirechen, Doppelsehen brachten; seine Kräfte 
erschöpften sich nach und nach, während die Schmerten im 
Kopf nachliessen, dagegen am so heftiger in anderen Tbeilen des 
Körpers auftraten. Er starb endlich unter Zeichen der Schwäche. 
Bei der Section fanden sich zahlreiche „Speckgescbwülste" im 
Unterhautgewebe, um welche sich die mit grösseren und kleineren 
Knoten besetzten Hautnerven legten; alle Nervenstränge waren 
von ihrem Austritte aus dem Wirbelkanal an um das 3 — 4faehe 
geschwollen und mit ganglienartigen Speckgeschwületen besetzt 
Namentlich galt dira von dem Plexus brachialis und sacralis und 
dem 1—14" breiten N. ißchiadicus. Auch mehrere der Ganglia 
thoracica des Sympathicus waren stark haselnnesgross. Am Riicken- 

*) Hesselbach. Beschr. der path. Präparate, welche in d«r K. aaato- 
nÜMben AdbIaU id WBnbarg aufbewahrt «erdeo. GiesBes. 1621. S. 284, 363. 
Wntzer. Hecber's Wisa. AnDaten der gee. Heilk. 1836. B4. XXXIII. 8. 401 



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IlereditSrG multiple Nearoioe. 263 

mark lagen mehrere erbsengrosse eiförmige Speckgeschwütate lose 
an. Das Cnis eerebelli ad pontem war so aufgetrieben, dass es 
das Kleinhirn zur Seite gedrängt hatte; hinter dem linken Trige- 
miooB fand sich ein erbsengrostier Wulst 

Wenn in diesen Fällen ein congenitales , sum Theil here- 
ditäres Verhfiltniss nicht in Abrede zu Etellen ist, so ist in 
dem letzten eine Beziebnog zu Cretioisnius höchstens aus den 
territorialen Yerhällnissen zu eritchliessen. In dieser Beziehung 
will ich gleich noch den von SchOnlein*) in Würzburg beob- 
achteten Fall von multiplen Nenromen bei einem 20jährigen 
Mädchen ernähaen, bei welchem gleichfalla am den Cervikaltheil 
des Rückenmarkes an den Nervenwurzeln beträchtliche Neurome 
gehnden wurden and zugleich das Ganglion supremum des Sym- 
pathicna zu einer Geschwulst von 3" Länge und 2" Breite an- 
geschwollea war, welche mit verdickten und knotigen Nerven 
in Verbindung stand ; auch der Vagus war von ähnlichen Knoten 
umgeben, deren Zusammenhang mit Nerven jedoch nicht nach- 
gewiesen wurde. Diese Person war bis wenige Wochen vor ihrer 
Aofiiahme in das Joliusspital gesund gewesen, hatte dann, an- 
geblich nach einer Erkältung, Schmerzen in dem Arm, Ameisen- 
kriecben und Taubsein. in den Gliedern, Paralyse und Contractioo 
der Finger, schnelle Abmagerung, Anßlle von grosser Oppression 
nod PalpitatioR, schliesslich Diarrhoe bekommen, und war an 
Erschöpfung gestorben. In wieweit hier ein territorialer Einflnss 
stattgehabt hatte, ist nicht eräichüich ; die Erscheinungen gleichen 
in mancher Beziehung denen der Struma exophtbalmioa, bei der 
wir auf die Verhältnisse des Sympatbicus aofmerksam gemacht 
babeo (S. 80). 

Als besonders lehrreich erwähne ich endlich noch ein von 
Hitchcook") beobachtetes Beispiel hereditärer Nenroma- 
tose, welche bei zwei Geschwistern und deren Mntter vorkam. 
Letztere, von gesunden Eltern stammend, befand sich wob) bis 
za ihrem 30. Lebensjahre; von da ab erschienen eubcotane 
Geschwülste in immer zunehmender Zahl und Grösse, ohne dass 
bis zum 81. Lebensjahre sonstige Gesund heitsetörungen vorkamen. 
Die Geschwülste, deren Zahl Hunderte betrug, hatten die Grüsse 

*) HAHler. De aenromale. Dies, ioang. Tarici. 1835. 
**) A. Hitchcook AinerickD Jdutd. of med. bc. 1862. April. (Cuutatt'B 
JabrMbericht fflr 1862. Bd.IU. S.14). 



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264 Vierandivkozigste Vorleamig. 

von NadelkOpfea bis zu groBsen WallaQssen, waren tbeile hart, 
theils weich, o^al, kngelig, öach, einzelne leicht gestieU. Bei der 
Tochter begann eine ähnliche Geschwaletbildnng im 10. Lebeni- 
jahre; in ihrem 21. Jahre wurde eine hähnereigrosae Geschwulst 
am Schlüsselbein und etwa gegen ihr 50. Lebensjahr eine kleinere 
an der Lippe exstirpirt, ohne wiederzukehren. Ihr Bruder bekam 
in seinem 29. Jahre eine kleine Geschwnlst am Ulnaris, gerade 
&ber dem inneren Condylns hnmeri, welche 20 Jahre hindurch 
sehr langsam wachs und nur bei starkem Druck schmerzte. Vom 
44. Jahre an wuchs sie schneller and wurde schmerzhaft ; 2 Jahre 
später, wo sie 6^" lang und 34" dick geworden war, und 2 Pfd. 
wog, wurde sie ezstirpirt. Zu dieser Zeit wurden auch noch 
andere Geschwülste anter der Haut beobachtet. Nach 8 Monaten 
erfolgte ein Recidiv: die neue Geschwulst war sehr schmerzhiA 
und wachs eo schnell, dass nach etwa einem Jahr der Arm an 
den dicksten Theilen der Geschwulst einen umfang von 20 Zoll 
hatte. Gleichzeitig fand sich aber den Rumpf verbreitet, jedoch 
hauptsächlich am Rücken eine Eruption von kleinen, gestielten, 
welken, zurftckdrückbaren Geschwaisten, deren grOaste den Um- 
fang einer £rbse erreichte. Auch am Vorderkopf wurden deren 
beobachtet. Es wurde nun die Esarticulation des Oberarmes 
gemacht, allein die Wunde heilte nicht, sondern wurde hart, rauh 
und blutend, und der Kranke starb 7 Monate nach der Operation 
an ErschSpfang. Ueber die Deutung der Geschwulst, die aneb 
das letzte Mal vom Olnsris ausging, waren die Ansichten der 
Untersacber getheilt; die meisten hielten sie ffir fibroplastisch, 
andere fGr encephaloid, indess bestand sie hauptsächlich aus ver- 
längerten Kernen, welche einen oder mehrere Nucleoli enthielten. 
Man wird sie demnach wohl als ein amyelinisches Nenrom an- 
sprechen dürfen. 

Immerhin ist das dentlich, dass die Idiotie keine notfawendige 
Bedingung der multiplen Nearomatose ist, wie dies ja aueb ans 
anderen Beobachtungen dieser Kategorie hervorgeht. Nichtsdesto- 
weniger ist es wohl zu erwähnen, dass manche Tbatsachen auf 
einen gewissen Zustunmenhang*) mit idiotischen Zuständen hin- 
weisen (vgl. S. 268). In dieser Beziehung mache ich namentlich 



*) Agch Stromeyer (LIandb. der Chirorgie. Freibarg i. Br. 18U. Bd. I. 
S. 414) beschreibt eia Nenrom des Armes von einem 19jfthrigeD Idioten. 

D.qmzecbvGoO'^lc 



AUgemeine HTpertrophie der Nerven. 265 

uf die allgemeioe Hypertophie der Narven anfmerk- 
Bam, welche in den F&llen von Biechoff und Hesselbach 
80 aoff&Uend hervortritt, daae die Nenrombildong nur als eine 
partielle Steigerung eines allgemeinea ZastandeB der Nerven 
erscbeint. Schon Pinel*) hatte bei 9 Blödsinnigen die oberen 
Ganglien des Sympathicus zum Theil nm das Dreifache ver- 
grSssert gefiiaden. Freilich ist das normale Verhalten gerade 
dieser Theile ein aneserordentlich schvrankendes, nnd es vrird 
noch zahlreicher and muBichtiger ünterfinchungeQ bedürfen, um 
nach dieser Seite hin die physiologiBchen GreoEen der Indivi- 
doalit&t festzaBtellen. Auch ohne eigentliche geistige StOmng 
Bind die Nerven bei manchen Individuen angevahnlich stark. 
Sftmmerring**) l&sst ganz aUgemein die Nerven von jüngeren 
FenoneD und von Fraaenzimmem stärker und dicker sein. Lau- 
monier ***) hat den Fall eines ISj&hrigea Henscheo beschrieben, 
dessea Nerven dnrchgebeDd doppelt bo stark vraren, als die eines 
gewQhnlichen Mannes gleichen Alters. Günsburgf) beschreibt 
eine Yerdicknng der iBchiadici bei einem Phthisiker, Jn denen 
anseer einer Zunahme des interstitiellen Gewebes eine VerdickuDg 
der Primitivfasora bis zu 0,015 — 0,02 Millim. vorkam, die haupt- 
säeblicb dnrcb eine VergrOsaerung der Asencylinder bedingt war. 
Hoxontt) «odlich iand bei einer weiblichen Leiche, über die 
leider nichts Genaueres ermittelt «erden konnte, durchschnittlich 
die Nerven vm. das Dreifache vergrOssert. Diese Zunahme betraf 
auch die einzelnen Bündel eines jeden Nervenstammes und beruhte 
nicht auf einer Zunahme des Nenrilems, sondern auf einer Ver- 
grOeserang der Pnmitivf&Bemttt)? von denen keine kleiner als 
0,001'", viele 0,090—0,095'", einzelne 0,080'" im Durcbmesser 
L (gegen 0,002—0,015"' normal). 



*) Pinel. NoDTeu Jonro. de m^d. 1619. Aofit. Vgl CAjTe. Bsaai aar 
l'idiotie. These de Paris. 1824. bei Rob. W. Smitb I.e. p. 20- 

**] Bkillie. Aoatomie des kranlch Banes. Aas d. Eogl. tod Sömmer- 
ring. S. 264. Anm. 664. 

**^ LanmoDier. Giornale fiaico-med. 1794. Febbr. p. 173. Reil'a Archiv. 
1796. Bd. L Heft 3. S. 64. 

-^) OflDsborg. Fatbologische Gevebelehte. 1848. Bd. II. S. 155. 

tt) W. Mojon. Gay's Hosp. Rep. 1862. Ser. III. VoL VIII. p. 260. PI. VI. 

ftt) Dieser Zustand ist demnach streag zu scheiden von der Sklerose der 

NerreD^ero, «ie »ie Cornil (Mäm. de ta soc de biologie. 1864. S^r III. 

T. V. p. 113) an den Nerven der Eitremititen bei CoDtractnr in Folge von 

centraler PÜaljse nachgewiesen hat. 



)vGoo<^lc 



266 VLerundiiTKDiigBt« Vorlesnng. 

Eb hasdelt sich hier nm ein Gebiet, deBSen speeielle Erfor- 
Bcliung erst zn machen ist. Jedenfalls liegt es auf der Hand, 
dass der darchgehende Charakter vieler FSlle von multipler Nenro- 
matose der einer EntwickelungBkrankheit ist, gleichviel oh 
dieselbe, wie auch in einem frfiher erwähnten Falle (S. 243), 
hereditär ist oder nicht, ob sie der intrauterineo Zeit angehört, 
demnach congenital ist, oder ob sie erst, wie in dem merkvrilr- 
digeu Falle von Hitchcook, im extrauterinen Leben snr Aus- 
bildung und ErBcheinung gelangt. Besonders bemerkenswertb 
bleibt es, daes in dem Falle von Bisehoff das Rückenmark 
(S. 262), in dem von Hesselbach auch das Gras cerebelli 
(S. 263) an der VergrOsserung Aatheil genommen hatten. 

Diese Kategorie findet eine gewisse Analogie in den cen- 
tralen Nenromen, welche vielleicht immer congenitaler Natur 
sind und nicht selten mit anderweitigen Krankheitsprozessen «i> 
sammeofallen, von denen ein Theil wenigstens entschieden irrita- 
tiver Natur ist. Die meisten Beobachtungen dieser Art beziehen 
sich auf die Oberfl&che der Himventrikel, an welcher, namentlich 
öfters bei congenitaler Hydrocephalie, in einer gewissen 
Abgrenzung von der fibrigen Masse eineeine Knoten von Nerven- 
Substanz vorRpringen, die man wohl von den frSher (Bd. n. S. 134) 
erwähnten, gli&sen Ependymknoten unterscheiden muss. Man trifft 
sie gerade an solchen Stellen, wo normal die Oberfläche dee Ven- 
trikels ganz glatt fortläuft, ausserhalb der Grenzen der Corpora 
striata oder Thalami. Meine Auümerksamkeit auf diese Zustände 
wurde zuerst*) erregt durch einen Fall, in welchem an Stellen, 
wo sonst nur weisse Substanz liegt, kleine Geschwfilttte von 
grauer Substanz hervortraten. Es war dies bei einem 27jihri- 
gen Idioten, der aus einer bekannten Cretioen- Gegend Dnter- 
frankens stammte, seit seinem 2. Lebensjahre epileptisch und 
tipäter paralytisch geworden war, und bei dem sich ausserdem 
ein starker Hydroeephalus ventricularis vorfand. Die Erhebungen 
waren halbkugelig, halbhanfkorn- bis halbkirschkerngross, glatt, 
weich, grau oder grauröthlicfa, ziemlich zahlreich, theils vereinzelt, 
theils in Gruppen; sie sassen theils nach aussen und oben am 
Corpus striatum, theils am Boden des Vorderhoms. Sie bestanden 

Id. 11. S. 167. Gesumnelte ib- 



jvGoo'^lc 



Oeotrale mednUäre Neurone. 267 

am eiaem der grauen Substans der Hirnrinde ähnUeheo Gewebe: 
feine, tarte, gegen die Oberfläcbe radiär gestellte, selten breitere 
and m&rkhsltige Fasern, nmechlossea von einer feinkörnigen, zahl- 
reiche grosse Kerne enthaltenden Zwischeneabstanz. Wo mehrere 
KnAteben snsammenstiesseD , wurden tiie durch weisse Substanz 
gfl^nnt. Nach aussen waren sie von Ependym überzogen, nach 
innen grenzten sie unmittelbar an weisse Substanz. Ich mosste 
sie also als pathologische Nenbildnngea von grauer Substanz 
betnu^ten. 

Vor mir waren nur einzelne analoge Beobachtnngen aufge- 
leichnet. Lob stein*) hatte gleichfalls bei einer idiotischen' 
Frau an dem kleinen Ammonshorn im Seitenventrikel eine kleine 
weiche Excrescenz gesehen, welche „aus Corticalsubstanz gebildet" 
zu sein schien ; neben ihr sass eine Reihe kleiner, Stecknadelkopf- 
grosser BlAschen in der BirnBubstanz, die eine klare Flüssigkeit 
enthielten. Rokitansky **) erwähnt, dass er zweimal bei 
Kindern mit angebornem, in der Zunahme begriffenrm Hydro- 
cephaloB rundliche, platt aufsitzende Buckel von Hanfkorn- bis 
ErbBengrOsee gesehen habe; er war der Ansicht, dass die Hirn- 
Substanz gegen die Obeifl&die an Stellen, wo das Ependym dünner 
sei, vordringe. Nach einer späteren Angabe, wo Rokitansky***) 
sieh mit meiner Ansicht einTeri<tandeQ erklärte, ist zu pi-tiliesseD, 
dasa es sich gleichfalls um graue Substanz handelte, ich selbst 
habe seit jener Zeit eine ganze Reihe neuer Fälle beobachtctf), 
welche sich meist auf die hinteren Abschnitte der Seitenvcntrikel 
bezogen, und wobei die graue Substanz sich zum Theil an die 
Canda corporis striati anschloss. Dieser Theil bietet an sich, 
wie ich finde, eine grosse Menge individueller SchwankuDgen in 
Beziehung auf I^ngenansdehnung, Dicke und Umfang dar, nnd 
man kann in manchen Fällen in Zweifel sein, ob es sich nicht 
um eine edn&che Missbildnng desselben handelt. Dies ist oarannt- 
licb dann der Fall, wenn sich in dieser Gegend eiu mehr zusam- 
menhingender Walst tod grauer Substanz findet. Allein anderemal 
erscheint die Bildung in Form ganz abgegrenzter Knoten, welche 



*) J. P. LobBtein. Rapports snr les traT^ni eiöcnt^s k l'amphith^tre 
d'anat. de Strubonrg. 1805. p. 7t. 

•■) Rokitknak j. Bandb. der ptth. Anat. Wien. ]844. Bd. II. S. 749. 
•*■) RoVitanskj. Lebrb. der patb. Aoat. 1855. Bd. I. S. 190. 
t) Vircbow. Gesammelte Abhandl. S. 99S. Aum. I. 



)vGoo<^lc 



268 VienindtwaDiigBte Vorteinnc. 

im Innern einen Streif weiaser HaBee enthalten, so dass die Aehn- 
lichkeit mit einem Gyras der Rinde sehr gross wird*) 

Id der That giebt es weitere Abweichungen, welobe gu 
keine andere Dentang sulassen. Znerst hat Tflngel**) bei 
einer 31j&brigen N&herin, welche in der leisten Zeit ihres Lebena 
Zeichen von Gehimstfining dargeboten hatte, in beiden Seiten- 
ventrikeln nnd swar an der gewöhnlichen Stelle, am bisseren 
Umfange nnd in der hinteren' Hälfte derselben, mehrere halb- 
kugelige Bnckel von grauer Substanz gefunden , welche sich ü 
die Marksubstanz hinein erstreckten, wo sie mndliche, durch 
Veisse Substanz getrennte Geschwfllste bildet«]. Zugleich war 
Duplicität des Uterus und der Vagina vorhanden. Sodann hat 
Meschede***) bei einem 19jShrigen epileptischen Idioten um- 
fangretche inselfSrmige Einsprengungen grauer Substant von 1—10 
Hillim. Durchmesser an der oberen, äasaeren nnd hinteren Wand 
beider HinterhOnier beobachtet, die yereinzelt bis sn den Seh- 
hügoln reichten. Sie enthielten rundliche, ovale oder bimfltrmige, 
selten dreieckige Zellen mit ziemlich grossen, feinkörnigen Eemen, 
eingeschlossen in eine gleicbiallB feinkörnige Zwisehensubataoz, 
in welche Alters Züge von Nervenfasern eintraten. Aber nirgends 
erhoben sie sich beträchtlich fiber das Niveau der Ventrikelwand, 
vielmehr lagen sie fast ganz in weisser SnbstfuiK eingebettet 
Meschede z&blte jederseits gegen SO solcher Inseln. Ansserdom 
war die Corticalsabstanz der beiden Hinterlappeo des Grosshirns 
beträchtlich, stellenweis bis zu 11 — 13 Millim. verdickt, lief da- 
gegen nicht, wie sonst, gleichförmig fort, sondern war durch 
weisse Substanz in 2 — 3 partülele Lagen getramt, von denen die 
inneren überdies durch eintretende weisse SnbstaDx in eine Reihe 
einzelner Lappen oder Inseln zertheilt wurden. — Ich selbst habe 
neuerlich Aehnlicbes beobachtet, namentlich einen höchst aas- 
gezeichoeten Fall, wo bei einem 36j&hrigen Geisteskranken f) 
zahlreicbe Haufen von Corticalsnbstanz um das rechte Hinterbom 
angehäuft waren und theilweise gegen dasselbe hervorragten, m- 



*) Etwas AebDÜcbefl sah 0. Beckmann (WBnb. VerbaDdl. Bd. Tl. 
S. 146, 160) in dem hjdrocephalischen Seiten ven tri kel eiaes doppelhCpfigeD 
Kalbes. 

**) TOnge). Mein Archiv. 18Ö9. Bd. ZVI. S. 166. 
*■■) Meschede. Allg. Zeitschr. (. Psychiatrie. Bd. XXL S. 4S4. Taf. IV. 
f} Virchow. Tageblatt der 40. Versamml. dentscfaer Matnrf.' u. Aente 
in HaDOOTer. 1865. No. S. S. 88. 



)vGoo<^lc 



Nenrome »ds gnaer oder weiBser HiroBubstaDX. 369 

^ieh aber auch durch die gaoce Dick« des Hiaterlappens in der 
weissen Substanz, theils einseln, theUe zuBammenhängend grosse 
Maseen von grauer Substanz in Gestalt wirklicher Gyri zerBtrent 
lagen, die mit der Oberfläche in keinem Zusammenhange standen. 

Ich bemerke dabei ausdrücklich, dass hier keine Verwechse- 
Inng mit jenen scheinbar isolirten Massen grauer Substanz vor- 
liegt, wie sie aaf Durchschnitten durch das Grosshirn oft genog 
gesehen werden, wenn ein Schnitt zufällig nur die tiefete Um- 
grenzung eines Suleos quer getrofi'en hat. Die Äehnlichkeit des 
auf letztere Art entstandenen Bildes mit dem, welches wirklich 
heterologe Rindensubstanz inmitten der weissen Markmaese liefert, 
ist allerdings täuschend, und ich mache zur Vermeidung von 
Inthümern besonders auf die MSglichkeit einer solchen Ver- 
wechselung aufmerksam. 

Verachieden von diesen offenbar congenitalen, jedoch viel- 
leicht einer progressiven VergrOsserung zugänglichen Bildungen, 
welche f3r die Lehre von den Geisteskrankheiten einen nicht 
geringen Werth haben, sind gewisse Äbschnflmngen (Granular- 
Degeoerationen), wie sie bei chronischem Hjidrocephalus mit 
Verdickung und Schrumpfung des Ependyms namentlich an der 
Cauda corporis striati*) und am Thalamus opticus**) vorkommen. 
Lambl hat diese Fälle mit Unrecht zur Widerlegung der von mir 
aufgestellten Ansicht Aber die Natur der heterologen Neurome aus 
grauer Hirnsubstanz benutzt, mit denen sie nichts gemein haben. 
Indess ist auch in Fällen dieser Art jedesmal erst auszumachen, 
ob sie sich nicht zum Theil als Nenrome von weisser Hirn- 
substanz ausweisen. £. Wagner ***) fand bei einer 38jährigen 
Fran am hinteren Ende des Bodens vom vierten Ventrikel eine 
kugelige, 6'" im Durchmesser haltende, glatte Geschwulst, welche 
mit der unterliegenden Hirnsubstanz continuirlich zusammenhing 
und ihr ganz ähnlich war. Sie bestand grossentheils ans feinen, 
theils markhaltigen , theils marklosen Nervenfasern, einer fein 
gnmulirten Substanz und grossen, ovalen oder ronden, zum Theil 
mit zwei breiten Fortsätzen versebeoen Zellen mit sehr grossem 

■) Virchov. 0B»amme1te AbhudL S. 9 
paniale del cer*el1o. HiUno. 1H68. p. 10. 
Na SO. 

**) Lambl. Aus dem Frani-Josef-KiDderspiuL Prag. 1860. i 
Tat 6. Fie. 4, A, B. 

•**) E. Wagnor. Archiv der aeUkonde. 1861. S. &T2. 



gii^osb/GoOt^lC 



270 VierDodmDiigBte Tortesng. 

Kem nnd einem Häufchen brauner Substanz im Innern; Wagner 
spricht diraelben ak Ganglienzellen an. Klob*) beobachtete bei 
einem 64j&hrigen Manne eine mndliche, blase «eissrfitbliehe, 
bohnengrosse GeBchwulst, welche dnrch einen weiRsen, 1^'" 
dicken, 4V" breiten Stiel mit dem vorderen Umfange des Ghiasma 
D. opt. zusammenhing und ganz ans feinen NervenrOlirchen be- 
stand. Ich habe an derselben Stelle einen Auewnchs von weisser 
Substanz beobachtet**), der jedoch am Ende nicht in einen 
Knoten, sondern in eine Spitze analief. SOmmerring***) scheint 
etwas Äehnliches gesehen zu haben. 

Ungleich zweifelhafter Terh&lt es sich mit den ziemlich zahl- 
reichen Angaben fiber partielle Hypertrophien einzelner Hirntheüe, 
wie sie namentlich am h&ufigsten an den Crnra eerebri et cere- 
belli, den Thalami nnd Corpora striata anfgeftihrt werden. In 
neuerer Zeit hat namentlich Sangallif) ein Paar derartige 
Fälle, einen von den Thalami optici, einen von einer Windung 
des Mittellappens vom Grosshim als echte Hypertrophie be- 
schrieben. Wenn ich auch in keiner Weise bestreiten will, dass 
wirklieb nervOae Partialhyperplasien vorkommen mOgen, so sind 
doch meiner Ansicht nach die bisherigen UntersncbnDgBmethoden 
aocb nicht sicher genug, nm zu einem definitiven Urtheil zu be- ' 
reehtigen. Bei den Gliomen (Bd. II. S. 123, 137) habe ich oaeh- 
gewiesen, wie ähnlich Geschwßlste, die wesentlich aus einer Byper- 
plasie der InterstitialsubBtanz hervorgehen, der weissen Hirnmasse 
sein können. 

Am meisten spricht für eine wenigstens teratologiscfae Partial- 
hyperplasie eine gewisse Zahl derjenigen congenitalen GeschwSlste 
am Kopf, welche, wenn man sie eröffnet, compacte Himmasse ent- 
halten, die sich in Form einer Hernie nach aossen hervorstfilpt, 
die sogenannte partielle Esencephalie oder der wahre 
Hirnbraeh, Hernia eerebri Vera, Encepfaalocele ft)- 



*) Klob. Zeitschr der aesellsch. Wiener Aente. I86S. No. 53. 8. 815. 
UCglicher weise gebCrt ia dieselbe Kategorie eine BeobachtuDg von Houro 
(Praelect. med. in Theatro coli. med. LondiD. 1776. p. 27). 
••) Präparat No. V23 »om Jabre 18&7. 

■**) SSminerriDg in B&illie. Anat. des knnkh. Baues. S. 264 Anm. 

+) SanEalli 1. c. p. 6. Fig. I.-IV. 

ff) Der Name der tlernia eerebri Ut uniicbtiger Weise aocb auf FtUe 

von blossem Prolapsos (Proridenlis, Protrosio) cenbri aDgewendat wordep, 

wie sie theils nach SchädelverletiuDgea nnd TrepsnatioDM , theila oacb 

spontaneD ZerstCiungeQ der ScUdelkDochen durch Cariei, Datüriicb nui 



jvGoo'^lc 



Encephalocele. 271 

Haoohe von d«D bo benannteo Formen sind allerdings zaaäcliet 
bedingt darch die Wassersucht einer Hirohl^hle, wie wir das 
sefaoD frfiher geseheo haben (Bd. I. S. 186); aber es giebt auch 
Formen der Encephalocete , welche ohne alle Hydrencepbalie 
beateheo mid wo in dem sich hervorwOlbenden Tumor nichts 
weiter als eine gewisse Masse von Hirnsubstanz enthalten ist. 
Als der Name der Eneephalocele zuerst durch Le Dran*) ein- 
gefKhrt wnrde, war dieser Unterschied noch nicht erkannt, und 
man hat ihn auch später vielfach vernachlässigt. Selbst die 
ünteracheidung der Eneephalocele simplex s. vera von der Ence- 
philocele eomposita b. Hydroencepfaalocele, welche von Cor- 
vinns**) stammt, hat nicht vor Irrthümern geschüttt, da die 
Lage des Waaeers eine sehr verschiedene sein und genetisch eine 
ebenso verschiedene Bedeutung kabea kann. Erst die Unterschei- 
dung der Bydromeningocele (Bd. 1. S. 176) hat die Möglichkeit 
einer gewissen Klärung herbeigerührt, ohne doch einen Äbschlues 
der Streitigkeiten über die Entwickelung zu bringen. Dies ist 
der Grand, warum selbst in der neuesten Zelt die besten Autoren 
bald den Ausdruck der Eneephalocele***), bald den der Hydro- 
encephalocelef) als allgemeine Beieii^nnng der ganzen Gruppe 
hemiftser Zustände des Schädels festgehalten haben. 

Die einfache oder reine Eneephalocele besteht in einer Vor- 
sehiebung von Gehimtheilen durch eine anomale Oefihung des 
Sdiädels, welche, selbst wenn sie in der Median- (Sagittal-) Linie 
liegt, doch fQr gewöhnlich weder einer Naht, noch einer Fonta- 
nelle entspricht, welche also meist ein Loch in dem Schädet- 
knochen, einen wirklichen Defekt bezeichnet. Durch dieses Loch 
treten natfirlicb auch die Hirnhäute, Dura und Pia mater, als 
Deeken des prolabirenden Himtheils mit hervor; namentlich stellt 
die erstere gewöhnlich den firucbsack dar, in welchem das von 
Pia mater überxogeoe HirnstQck enthalten ist. 

[gt dagegen der Fall compHcirt, so findet sieb entweder 
gleiebzeitig mit dem Hirnvorfall ein Ventrikular-Hydrops (Hydro- 

dau, wenn Kuch die Du» matei duTchbiocbeD ist, vorkommen. Maoehe 
CtainiFgen hiboD dis vortretende BirnpAitie ancb PoDgns cerebii (vgl. Bd. I. 
S. 191) eeDannt 

*) Le Dran. OI»ert. de chirargie. Paria. ITäl. T. I. oba. 1. 

**) Corvinns. Diss. deherniacerebri. 1749. in Haller, Digpatchirnrg. 
eel«ct T. II. p. 836. 

*") Brnna. Hudb. der prakt. Chirurgie. TDbiogen. 1864. Abth.I. S. 695. 

t) A. FOrBter. Die UiasbilduDgen des Ueuchea. Jeus. X861. S.8L 



)vGoo<^lc 



27S Vi«inindiv»iigito Toi(«BiiDg. 

cephaJus iatetDos), oder eB befindet sich Waeser aaaflerhalb des 
vorgefallenen HirnstöckB innerhalb des Sackes der Dura mater 
(Hydroc. esterous). Jeder dieser beiden Fälle bietet aber wieder 
zwei UnterabÜieilangen. In dran ersten Falle (bei Hydroo. Jd- 
ternne) kann entweder die erweiterte HOhle eines Seiten ventrikets 
bis in dae TorgefaUene Himstftck reichen, oder es kann das letstere 
ganz Bolid sein, so dass man erst in einer gewiesen Tiefe inner- 
halb des Sch&delraumeB anf die hydropiBchen Ventrikel stQsst. Bei 
gewissen Himbrüchen der Occipitalgegend kommt Beides neben 
einander vor, in der Art, dass durch ein Loch in der Sqnama 
oceipitalis der eine Hinterlappen des GrosshirnB mit erweitertem 
snd verlängertem Hinterhom des Seitenventrikels, der andere da- 
gegen als solide Masae mit weiter zorßckliegendem Tentriknlar- 
Bydrope hervortritt. — In dem zweiten der vorher erw&hnten 
Fälle C bei Hydroc. eztemus) kann das Wasser frei in der Hohle 
des Dnra-Sackes, als Bmchwasser liegen; es kann aber auch 
innerhalb der H&ate selbst, namentlich in der Snbstanz der Pia, 
als Hydrops meningeuB (Heningocele) enthalten sein. 

Je nachdem man den einen oder anderen Fall vor sich hat, 
wird die Auffassung Aber die Entstehung des Znetandes eine 
wesentlich andere. ladess haben sich seit Meckel*) and 
Otto") die meisten Autoren daffir ansgesprocben , dasa der 
HydrocephalnB das primäre und beBtimmende Uebel aei, und 
wenn manche auch daneben der Hypertrophie als eines mög- 
lichen Falles gedachten, bo hat doch fast jeder die Yerantwortang 
ffir eine solche Annahme abgelehnt. Namentlich seit Adams ***) 
ist vielfitch angenommen worden, dass in der ersten Zeit dw 
Bildung jedesmal nur Wasser in dem Sacke sei und dass erst 
B[Ater Gehimsubstani eintrete. Springt) glaubt sogar sich 
dberseugt zu haben, dasB jedesmal eine Meningocele der Aus* 
gangspunkt sei und dass erst durch das Loch, welches eine solche 
in den Schädelknochen erzeuge, das Gehirn durch die Reepira- 
tionsbewegnngen vorgedrängt werde. 



*) Job. Pr. Hflckel. Handb. der path. Anatomie. L«pi. ISIS. Bd. I. 
S. 802. H.Tb. Nienaver. De beniia cerebri coDeeDiU. Diu. inaag. Hai. 
1833. p. 18. 

*•) Otto. Lehrb. der path. Anat. BerlJD. 1S30. Bd. I. S. 409. 
*") Rob. AdamB. Dnbliii Jonrn. 1838. Not. Ortfe d. Waltber's Jodtb. 
der Ghiriirgte. Bd. XIX. 8. 638. 

t) H. A. Spring. Honographie de la heniie da cerrean et de anelaaes 
HafoiB Toislnea. Brax. MM. p. 88. 



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Eocephtlocele congenito. 273 

leb kaon dieaer Auflassung nicht beitreten. Abgesehen da- 
von, dass sieb Encephalocele schon eebr frühzeitig im Embryonal- 
leben findet*) und dass alle Uebergänge von derselben bis zur 
vollständigen Exencephalie vor der Geburt vorkommen, also vor 
der Zeit, wo überhaupt Respirationsbewegungen Btatttindenj so 
fehlt zuweilen jede Spur von Bydrocephalus externus a. menin- 
geuB, and die vorgetretene Uirnpartie ist durchaus aolid, ohne 
irgend eine Spur einer bis in den Bruch reichenden Ausstülpung 
der Hirnhöfalen**). Laurence***) giebt nach einer Zusammen- 
stellung zahlreicher Fälle an, daes unter 44 das Gehirn 5mal 
gesund war. Findet sich gleichzeitig Hydrocephalus internus 
ventricularis mit Erweiterung der Hohlen, so folgt daraus keines- 
Wegs, dass dieser Hydrocephalus die Ursache der Encephalocele 
sei, so wenig als die Gombination von heterologer Bildung grauer 
Sabstanz mit Hydrocephalus (S'. 266) beweist, dass der letztere 
die erstere hervorgerufen habe. Selbst in solchen Fällen, wo 
ein feiner Kanal von den Ventrikeln her in die vorgetretene 
Himpartie reicht, ist diese nicht selten von ganz ungehfiriger 
GrJjBse, so Aasa die Hyperplasie ungleich beb-äcbtlicher, als der 
Hydrops ist. 

Es gilt dies namentlich von den sehr merkwürdigen Ence- 
phatocelen, welche in der Gegend der Nasenwurzel, der Augen- 
winkel und der unteren Stimgegendf) hervortreten, und welche 
schon mehrfach zn unglücklichen Operationsversuchen Yeranlas- 
snng gegeben haben. Wahrscheinlich ist hierher auch der viel 
citirte Fall von Billard++) zu zählen, wo die Himgeachwulst durch 
die Squama temporalis hervortrat, sowie der von Serres +t+)) wo 

*) *. AmmoD. Die aogeborneD cbirurg. KT&nkbeitea des MeDscbeu. 
S. 21. Tsf. ill. Fig. 11-13. Vgl. eine Beobachtang fiber einen KaUenffttaa 
bei Dentachberg, DisB. inkng. de tniooribna Donnullifl congenitia. Vratial. 
1822. p. n. 

**) Lallement BdII. de la boc. de m^d. de Paris. T. IH. p. 361 (bei 
Hecke], Deateches Archiv für die Pbysiol. 1822. Bd. Vll. S. HO). FCrster. 
Die UieabilduDKen dett Menschen. T&f. XV. Fig. 17—18. PrSpuat UDserei 
SunmliiDg No. 51 vom Jahre 1Ö6B. 

•") John Z Laurence. Med. chir. Transact 1856. Vol. XXXIX. p. 322. 
t) FCrater a.a.O. Fig. 1—8. Clar. Zeitschr. der Ges. Wiener Aerite. 
1851. 8ept S. 712. Fig. 1-3. Brnns a. a. 0. S. 709-714, 

-H) Billard. Atlas d'anat. path. pour servir a l'bietDire des malad, des 
enbats. Paris. 1828. PI. Vll. v. Ammon a. a. 0. Taf. III. Fic. 9-10. 

-ftt) IsidoreGeoffroy St Hilaire. liiat. gunor. et part. aes anomalies 
d« l'o^aniutioD. Paria. 1832. T. I. p. 360. 

Tlichsv, Gewhv&UU. HL Jg 



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S74 VieniD^iwmnEigste Vorlesung. 

das Gehirn durch die Osea ethmoidee et Bphenoides in die Nuen- 
hdhle und. bis zum Pbaryni TOrgedningen war. Abgesehen von 
diesen hochteratologischen Fällen kaun das Leben bei Encepha- 
locele nicht nur fortbestehen, sondern die Individuen kOnnen 
damit eine übrigens regelmässige Entwickelung machen. Die 
Geschwulst kann später stationär bleiben ; sie kann aber auch 
später dnrch irritative Prozesse in ein Termehrtes Wacbsthnm 
geratheo, and gerade solche Fälle sind es gewesen, wo die Ver- 
suchung zum Operiren an die Chirurgen herangetreten ist. Da 
die bedeckende Haut und die etwa sonst noch Torhandecen 
Weichtheile Öfters ganz normal aussehen, das Loch im Scbidel 
aber nicht immer deutlich gefühlt werden kann, so ist die Diagnose 
schwierig. 

In einer grossen Zahl von Encephalocelen, welche in sehr 
früher Zeit des FOtallebens entstehen und eine beträchtlichere 
Gr&sse ^ireichen, liegt der vorgetretene Gehirntheil ganz bloss: 
Encephalocele nuda. Diese Kinder Bterben gew&bnlich kurz 
nach der Geburt. In anderen Fällen ist der Vorfall von Haut 
und anderen Weichtheilen flbertogen: Encephalocele obtecta. 
Am seltensten findet sich unter den Weichtheilen eine periosteale 
Lage, welche später ossificiren kann. Blumenbach und Otto*) 
haben einen solchen Zustand bei verüchiedenen Spielarten yon 
V&geln, namentlich bei dem sogenannten Hollenhuhn (Gollus 
cristatus, Goq happ^) beschrieben, bei welchem das Stirnbein 
eine beträchtliche, zuweilen jedoch nur nnvollBt&ndig geschlossene, 
halbkugelige, schalige Erhebung oder Knocbenblaee (Bulla ossea) 
bildet, in welche ein Theil der GroBsbirnhemiephäre eintritt 
Hagenbach**) hat durch direkte embryologische Beobachtnngen 
gefunden, dass diese Missbildung schon sehr früh angelegt wird, 
ohne weder mit Hydrocephalus externus, noch internus etwas zu 
thun zu haben; ja er hat in einem Falle sogar Exencephalie mit 
EntblOssung des Gehirns gesehen. Zugleich hat er uachgewteseD, 
dass das Gehirn des Hollenhubns durchschnittlich um 6 Gran 
(42 gegen 36 bei gewöhnlichen Bühnern) schwerer ist. Spring***) 



*} Blnmetibach. De anomalia et vitiosis quibasdun üibbs formativi 
aberratioDibas. Gottiog. lt)13. p. 19. Tab 1. Hg. 'J— 3. Otto. Patb. Anat 
I. S. 162, Aom. 11. S. 411, Anm. 2. 

••) lligenbach. MOilerU Archi*. 1839. S. 811. Taf, IVI.—XVll. 
•") Spring l,c.p.ei. 



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Congenitale Saent- und Gyccjgul-GegchwBbte. 275 

hat demnach gewiss Recht, wenn er diesen Znstand mit dem 
der EncepbaJocele zasammenstellt. W i 1 1 i gk nnd namentlich 
Lambl*) haben eine ganze Reihe von Fällen vom Menschen 
gesammelt, wo derartige „ exencephalieche Protnberanten" am 
Sch&del saBsen, die in Fonn groaeer Tumoren mit ganz oder 
tbeilweise kafichemer Schale sich über die Oberfläche erhoben. 
Die Geschichte der HoUeofaühner ist aber ffir uns deshalb be- 
sonders lehrreich, «eil die Abweichung bei ihnen nicht nur con- 
genital, sondern anch erblich ist. — 

Was das Sflekenmark betrifft, eo erinnere ich daran, dass 
nnter den mannichfaltigeo Formen congenitaler Sacral- und 
Coccygeal-Geschwiklste eine vorkommt, welche mit hyper- 
plastischen Entwickelnngen des Rückenmarks zusammenhängt, 
leb habe schon bei den Gliomen (Bd. IL S. 150) darüber ge- 
handelt, nnd ich trage hier nur nach, dass gewisse Abschnitte 
dieser Geschwülste geradezu den Eindruck einer luxnriirenden 
EntwickeluDg grauer Rindensubstanz **) machen. Allerdings ist 
es nicht ganz leicht, den Nachweis zu führen, dass darin wirk- 
liche nerrOse Bestandtbeile enthalten sind. In der Regel bemerkt 
man mikroskopisch nur grossere, ovale Eerne oder Eemzellen 
in einer weichen, feinkörnigen Grundsubstanz. Selbst da, wo die 
Masse eine mehr weissliche Farbe zeigt, sieht man selten deut- 
liche Nervenfasern. Aber man muss sich erinnern, dass beim 
Nengebomen anch in der Hirnsubstanz selbst, zumal wenn man 
nicht ganz frische Präparate vor sich hat, die Nervenfasern keines- 
wegs deutlich sind, nnd ich habe mich durch direkt« Vergleichung 
fiberzeagt, dass zwischen der Masse der Sacral-Geschwülste und 
derjenigen des Gehirns derselben Individuen kein Unterschied ist, 
als dass die Zahl und Grösse der Kerne und Zellen in der ersteren 
etwas beträchtlicher ist. Was die Form der Zellen anbetrifll, po 
findet man auch in den Sacral-Geschwülsten bestimmte, z. B. drei- 
eckige Formen mit Änslänfern, welche den Ganglienzellen der 



•) Willi gk. Prager Tierteljmhruchrift. 1866, Bd LI. S. SO. Lambl. 
Hein Archiv. 1856. Bd. X. S. 346. Taf. V. Ans dem Frani-Joseph-Kinder- 
apiUU 9. L Tat I.— 10. 

■*) Virctaow. VerhaDdl. der Berlioer gebnrtab. G«ae1Iacli. 1858. Heft X. 
S. 69. Vgl. Rajer et Ball. Compt reod. et m^moiies de la soc de biologte. 
1861. Sir. HL T. V. p. 117. PI. h—U. 



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276 VierandiwftnzIgHte VorloBim^ 

Hirnrinde überaus ähnlich sind*). — Äasserdem er^hoe ich, dass 
Braune"*) auf der vorderen Fläche einer cystischen Ooecygoal- 
Geschwulßt, die nicht mit dem Wirbelkanal in Verbindung staiil, 
ein ästiges, V' langes und 1'" breites Ganglion fand, welches durch 
Nervenfasern mit dem Ganglion coccygeum zuBammenbing, selbst 
zahlreiche Aasläufer besass und Nerven weit hinab zur Geschwulst 
sendete. Der Knoten selbst enthielt nur einzelne Nervenelemente, 
dag^en viel gelocktes Bindegewebe. Des Falles von Lotibeck, 
wo eine congenitale Sacr^-Gescbwulst fast ganz aus einem plexi- 
formen Neurom bestanden zu haben scheint, habe ich schon früher 
CS. 257) gedacht 

So viel geht aus dieser, ganzen Betrachtung hervor, dasB 
schon frühzeitig Störungen der Entwickelnng in dem Nerven- 
apparat eintreten kennen, welche mit einer stärkeren AusbilduDg 
von Nervenmasse einhergeben, und welche, wie wir beim Gehim 
sehen, eich nicht auf die Bildung von weisser Substanz beschränken, 
sondern auch graue (ganglidse) Masse hervorbringen. 



*) In dem Augenblick, wo ich dies fSr den Draclc vorbereite, erhalte 
icb von Hro. Dr. Edel in Stolp ein neues Präparat too congeniUler Steise- 
geschwnlst, welchee die nervöse Natnr der- betreffenden Tbeile in anege- 
zeichneter Weise erkeDoen läset. Bei einem oengebornen Mädchen, dessm 
Becken innen ganz normal ist, wSlbt sich aassen und zwar weaentlich auf 
der recbten Hinterbacke ein Qber zwei Hannsfänste grosser Tumor berroT. 
Die Untersuchung zeigt, das« derselbe mit dem Filam terminale nnd dem 
Wirbelkanal in Verbindung steht und eiue sehr zusammengesetzte BeschaSen- 
beit besitzt. Neben grossen, mit Flüssigkeit gefüllten, Kiemlich dickwandigen, 
hie und da mit telangiektatischen Papillen tiesetiten Säcken, die jedoch in 
keiuer offenen Communikation mit dem Wirbelkanal stehen, finden sich festere 
Klumpen aus sehnigem Bindegewebe, Fett nnd Rnorpela, dicht am Kreai- 
bein. In dieser Gegend kommen auch multiloculäre Gysten-GeschvDlate vot, 
in denen Flimmerepitbel enthalten ist. Besonders interessant ist aber ein 
I&ngsovaler, von festen BindegewebszQgen umgrenzter Knoten von 6 Cent. 
lAnge nnd 3 Cent. Dickp, der angeschnitten eine Monge von (wahrscheinlich 
monatlich zerdrückter) Marksubstanz ausfliessen liess; nach der Entleerung 
derselben blieb im ganzen Umfange des Knotens eine zusammenhängende, 
3 — i Milllm. dicke Rindenschicht stehen, welche ganz das Aussehen und 
die Znsammensetzung von Hirnsnbstanz darbot und eich nur dadurch unter- 
schied, dasB sie nach aussen unmittelbar in die umhüllende Bindegewebs- 
läge überging. Letztere war Übrigens noch von einer festeren Schicht um- 
geben, die überaus reich an eJaetiscben Elementen war. Ein zweiter, noch 
grösserer, aber schon bei der Geburt entleerter Sack schien gleichfalls Uirn- 
Bobstanz enthalten zu haben. Beide waren jedoch in keiner directen Con- 
tinnitftt mit dem Filom terminale. Das RackeDmark selbst verhielt sieb 
nicht abweichend. 

**) W. Brann«. Die Doppelbildnagea und angeboroen OeschwDbte der 
KreuzbeiDgegend. S. 142. 



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Qkagliflse Neurome. 277 

Vielfoch ist die Frage in der Geschichte der Nourome auf- 
getaucht, wie -weit auch peripherische Nemome alä ganglidse 
BilduDgen zu betrachten seien. Es kann nicht bezweifelt werden, 
dass von dem, was man in älterer Zeit mit dem Namen Ganglion 
kurzweg bezeichnet hat, manches zu den Neuromen gehört. Noch 
jetzt hat sich in der normalen Anatomie der Name Ganglion für 
gewisse mit Zellen versehene Anschwellungen der Nerveb erhalten. 
Früherhin, als man die Elemente der normalen Theile noch nicht 
genauer kannte, war es sehr gebiilacblicfa, dass man alle Neurome, 
welche spindelßrmige oder rundliche Anschwellungen an Nerven- 
fäden bildeten, als gangli&se Umbildungen der Nerven betrachtete. 
Camper nannte in diesem Sinne'die Tabercnla dolorosa Ganglien 
(S. 237), und Serres*), der zwei Beobachtungen fiber kleine, 
rundliche, multiple (in dem einen Falle bis 500) Enfitchen an den 
Nerrea gemacht bat, bezeichnete sie als ganglioform und gab 
dem ganzen Vorgange den Namen der Nenroplasie (n^vroplastie). 
Allein ea giebt, so -viel ich weiss, nur zwei Beobachtungen, in 
denen eine genauere Analyse gemacht worden ist, und in denen 
Zellen gesehen worden sind, die eine Aehnlichkeit mit Ganglien- 
zellen darboten. Es ist dies zunächst der Fall von Gfinsburg **), 
wo der dritte und vierte Saeralnerv auf der linken Seite in einer 
wusfllieben, bimf&rmigen Anschwellung von 2,5 Cent. L&nge, 
I Cent. Breite und ^ Cmt. Dicke endigten, wihrend sie auf der 
rechten Seite eine kleinere Anschwellung bildeten, aus der sie 
wieder hervortraten. Die Geschwülste bestanden aus einem 
Geflecht von Nervenfasern mit Interetitialgewebe, in welchem 
zahlreiche, durchsichtige, platte Zellen von 0,1 — 0,15 Millim. 
Durchmesser lagen. (In einem zweiten Falle, bei einer taubenei- 
grossen Anschwellung des Ganglion Gassen, die Günsburg***) 
selbst als Krebs betrachtet, glaubt er trotzdem eine Vermehrung 
der Ganglienzellen um das Zehnfache constatirt su haben). 
Biscbofff) bat sodann in dem (3. 261) erwfthnten Falle von 
multiplen congenitaleo Neuromen grosBentheils nor Änordnungeni 
der bindegewebigen Theile gesehen, wie sie in den Scheiden der 



•) Serres. Compt rend. de l'acad. des scienees. 1843. T. XVI. p. «43. 
••) Ginsbnrg. Pathologiache Gewebelehre. Leipt. 1846. Bd. I. S. 43. 
Tab. I. Fig. 18. 

•**) Gflnebnrg a.. i. 0. Bd. II. S. 136. 
i) KaobUnch L c. p. 80. 



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278 Vierandnraniiigate VorlesniiK. 

Ganglienzellen sich finden, gewisseraiaassen leere Scheiden; nar 
in den kleinen Enfitchen der Canda eqnina gelang es, in diesen 
Scheiden sehr zarte nnd dDrcbsicbtige, gant blasse Gebilde eq 
entdecken , welche mit Ganglienkngeln Gbereinstimmteu. Daa 
sind so nneichere Beecbreibungen, dass man kein entscheidendee 
Gewicht daraof legen kann. Sie datiren aus einer Zeit, wo 
noch keine. Grundlage för die Beartbeilnng gangli&ser Elemente 
gewonnen war. Auch fehlt ans bis jetzt die Sicherheit dei 
ürtheils, welches sonst durch experimentelle Erfahrungen her- 
gestellt wird. In Beziehung auf die Regeneration exstirpjrt«' 
Ganglien stehen die positiven Ergebnisse der Versnche Valen- 
tin's nnd Walter'a") gegen die negativen Schrader's"), 
und obwohl ich geneigt bin, den positiven den Torzag m 
geben, so ist doch eine weitere Bargachaft fär die gaagüßse 
Natur der aufgefandenen Zellen nOthig. Nach einer Zeichnnng 
S an g al 1 i ' 8 ***) scheint in Neuromen der Extremitäten die 
Bildung vielkemiger Zellen nach Art der RieEenzellen (Bd. IL 
S. 210) vorzukommen. Ich halte ea daher noch nicht f^r 
ausgemacht, ob an einem ansgebitdeten Nerven eine wirkliche 
Ganglien-Neubildung oder an einem normalen Ganglion durch 
eine byperplasti&che VergrOsserung die Bildung einer Geschwulst 
vorkommt. Gerade von den grfifiEteo ganglioformen Nerven- 
Geschwülsten, denen der Halsganglieo des Sympathicus haben wir 
keine ausreichenden, mikroskopischen Untersuchungen. Lebertf) 
hat allerdings in dem Falle von Schfinletn (S. 263) eine Ge- 
schwolat der Art mikroskopisch untersucht, aliein erst nachdem 
dieselbe 4 Jahre in Spiritus aufbewahrt war; er fond weder 
Nerrenjasem, noch Ganglienzellen. Indess besteht tiieoretis^ 
kein Bedenken in Beziehung asf die Mßglicbkeit des Vorkommens 
gangli6ser Neurome der Nervenfosern; namentlich liegt es um 
so mehr nahe, die Existenz congenitaler Fonnen dieser Art u- 
zugesteheo, da die kleineren Ganglien an sich nach Grösse und 
Zahl sehr variabel sind. Das Torkommen wandelbarer oder 
&berz&hliger Ganglien ist namentlich ao den Wurzeln der 

•) Valentin. Zeitschrift f. nlionelle Hedicin 1844. Bd. 11. S. 242. 
Q. Valter. De regenentioDe guglioram. Dias, inaug. Bonn. 1868. p. 13. 
**) h. A. Schrader. Bzperimentft circm reg«nerationem in gangliis 
nerreia. Gotting. 1860. 

*■*} Smngalli. Stori« dei tnmori. T». II. flg. XV. fi. 
t) LeberL PhyaioL pathol. Paris. 184&. T. IL p. 181. 



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OaD(;Ii08e Neuiome. 279 

letzten Cerebral- and ersten Spinalnerven*), vor allen am N. acces- 
Borios**) beobachtet worden, und man masB sich wohl hüten, diese 
Erscheinung ala eine pathologische zu betrachten. Nur bei der 
Erwftgung der Pr&disposition zu Neurombildungon konnte sie viel- 
leicht in Betracht kommen. 

In Besiehung auf diese meist kleinen und rundlichen wahren 
Guiglien hebe ich noch hervor, dass eie fiberwiegend aus echten 
GanglioDSellen bestehen. Dadurch unterscheiden sie sich von 
gewissen anderen, ihnen sonst sehr ähnlichen Anschwellungen, 
welche sowohl an den Wurzeln der Spinalnerven, als an der 
Oberöäche des Rückenmarks selbst öfters gefanden werden, und 
welche nichts anderes, als cadaveröso Erzeugnisse sind, die ans 
vorquellendem Nervenmark bestehen. Meiner Meinung nach be- 
ruht anf einer Verwechselung dieser gleichsam hemiOsea***) 
Zustände mit wirklichen pathologischen Yeränderungen die von 
Rob. Froriep eine Zeitlaug festgehaltene Ansicht, dasa bei 
Chorea und ähnlichen Spinalkrankheiten knotige Verinderangen 
der Nervenwurzeln vorkommen. Ich wurde auf die DifTerens 
»erst aufmerksam, als ich (1845) bei der Autopsie eines an 
Tetanus gestorbenen Kindes sowohl am Accessorius, als an den 
vorderen Wurzeln des Brusttheils vom Rfickenmark kleine Knoten 
fand, von denen sich bei der mikroskopischen Unterencbaog der 
erstere als Ganglion, die anderen sämmtlich als Markaoatretungen 
aoswieaen. 

Endlich ist noch daran zu erinnern, dass es sich bei der 
Frage über die gangliOse Natur einer fJerven-Anschwellung nicht 
blos darum handelt, Zellen zwischen den Nervenfasern nacbxn- 
weisen, sondern wirkliche Ganglienzellen. Das interstitielle Gewebe 
kann onter den mannichfaltigeten Umständen der Sitz einer sehr 
reichlichen Zellen-Entwickelnog werden und allerlei, kleinere oder 
grdseere Zellen erzeugen, wie die Geschichte der interstitiellen 
Neuritis, der Nervenkrebse n. s. w. ergiebt. Ja selbst ein be- 
Btehendes Neurom mag der Sitz einer wahrhaft enteflndliehen 
Reisang werden; wenigstens haben mehrere Beobachter von der 
Entvcickelung von Eiter im Innern von Neuromen gesprochen t)- — 

•) Hjrtl. Med. Jahrb. des Osterr. Stutt. Bd. XIX. S.U7. 
••) FleiBchmftiiD. Ilafeland'« Jonroal. 1840. Bd. I. S. 113. 
*•*) TirmaD. Ball, de 1% boc. anat. 1862. p. 256. 
f) AroDasohii L c. p. 10. Benjamin. Ueio Archiv. Bd. XI. S. 88. 



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3g0 VieraadsWkuigBte Vorlesang. 

Wenn nach dem Mitgetheilten nicht bezweifelt werden kann, 
dass eine grosse Zabl von Nearomen tranmatiBcher, eine andere 
coDgenitaler Natur ist, «o bleibt docb eine sehr beträchtliche 
Hasse von F&Uen übrig, in denen jeder ätiologiBche Anhalt fehlt, 
wo wir uns also nach der gebräuchlichen AnsdruckeweiEe mit 
der Bezeichnung spontaner') Formen behelfen. Es kann je- 
doch nicht bezweifelt werden, dass auch ihnen ein irritativer 
Ursprung beigelegt werden muss, da sie genau nach demselben 
Typns progressiver Hyperplasie gebildet werden, welcher die trau- 
matischen und congenitalen Nenrome charakterisirt. Der umstand, 
dass gerade WitteruDgawechsel einen anfl&lligen Einfluse auf das 
physiologische Verhalten vieler solcher Knoten ausüben, könnte 
daför sprechen, dags thermische oder, wie wir oft sagen, rheuma- 
tische Einwirknnigen auch bei der Bildung selbst entscheidend sind. 
Nichtsdestoweniger igt darüber etwas Gewisses nicht bekannt, und 
wir werden uns daher zunächst damit begnügen müssen, eine 
gewisse Prädisposition (Schwäcbe Bd. I. S. 64) zuEolassen. 
Zu ihrer Begründung kann ich nur auf die mir sehr auffällige 
Tfaatsscbe hinweisen, dass verhältnissmässtg häufig bei Skrofulösen 
und Pbthieikern Neurome vorkommen. WJlks**) hat freilich 
umgekehrt geschlossen, dass eine gewisse Art von Lungen-Phthise 
durch Neurome an den Halsnerven hervorgerufen werde, was 
ich mit Rücksicht auf manche ältere Beobachtungen über nearo- 
matOse Erkrankung des Vagus nicht in Abrede stellen will, aber 
man triflt Phthise auch in Falten, wo gerade am Vagus nnd den 
Halsnerven keine Neurome sitzen, wo dagegen an anderen Nerven 
sei es soliUlre, sei es multiple Geschwülste vorkommen. Nur warne 
ich davor, diese Tubercnla nervomm gelbst als Nerven-Tuberkulose 
anfxnfassen, von der bis jetzt kein sicheres Beispiel vorliegt. Nur 
der Anschein einer solchen kann dadurch entstehen, dass käsige 
Drüsen, vrie es am Halse und in der Brust nicht gant selten 
geschieht, mit Nerven (Vagus, Phrenieus) verwachsen. 

Für die chirurgische Betrachtung sind aber gerade die spon- 
tanen Nenrome von der grSssten Bedeutung, da sie die betttcbt- 
lichsten Geschwülste liefern. Ich sehe daher in den folgenden 



*) Prftparat No. 94 Tom J&hre 1864. *AmyeliniBches Neurom dee Pero- 
naeni, too Hrn. Wilma eiatirpirt 

••> Wilk». TranaacU P»tb. Soc VoL X. p. 2. 



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Straktar der spoutaneD Nenrome. 281 

Bemerkangen von den medDllären (centralen) Formen ab, weil sie, 
etwa mit Änanahme der (heteroplastischen) Hoden- und Sacral- 
Gegf^wülste, fast niemals zu einem directen operativen Einschreiten 
Veranlassung geben; höchstens kann das gelegentlich bei einer 
Hemia cerebri Torkommen, wo jedoch das EinBchreiten, abgesehen 
Ton einigen Fällen der Hydreocephalocele, niemals mit Gluck 
versucht worden ist. 

Die Fille, welche der ohirurgiseben Untersuchung und Be- 
handlung Bug&ngUch sind, gehören fast sämmtlich zu den harten 
Nenromen, nnd daher sind die meisten von ihnen früher geradezu 
als Skirrhen, Steatome, auch wohl Neurosteatome*) be- 
wichnet worden. Im Allgemeinen folgen sie dem bekannten Typus 
der Ampntations-Nenrome. Durchschneidet man sie, so sehen sie 
ans wie Fibrome oder nocb mehr wie Fibromyome. Die Schnitt- 
fl&cbe erscheint weiss oder gelblich, blutleer, manchmal lappig, 
jedenfalls aber dicht filzig, nicht selten faserknorpelig. Zuweilen 
haben die Ansseren Schiebten eine mehr concentrische Lagerung; 
der gr&sste Tbeil der inneren Masse pflegt gewundene Züge und 
linien, gleichsam Maschen mit glatten oder leicht hagelig hervor- 
tretenden Einlagerungen zu zeigen. Die Nervenfasern liegen nefam- 
lich in Fascikeln, nnd diese verflechten sich in den ^i^ ^t». 
verschiedensten Richtungen, so dass man in jeder 
Richtung, welche naaa dem Schnitt giebt, Längs- 
schnitte, Querschnitte und Schrägschnitte der Bändel 
gewinnt, ähnlich wie bei den Uterusmyomen (S. Itl); 
anch das Bild der mikroskopischen Untersuchang 
gleicht ganz demjenigen dieser GeBchwOlste. Für 
die genauere Untersuchang empfiehlt sich das zuerst 
von Reil l&r die Unterscheidung der Nerven von 
biadegewebigen Theilen angegebene HSlfsmittel, die 
Maeeration in verdünnter Salpetersänre. Während man bei den 
Myomen dadurch die glatten Muskelfasern isolirt, löst man hier 
die Nervenfasern ans ihrem bindegewebigen Stroma. Sind die 
Nerven&sern markhaltig, bo hat ihre Erkennung keine Schwierig- 
keit, nnd es ist nicht einmal die Maeeration in Salpetersäure 

Fig. 228. Darcbschaitt eines Raotena von Nearoma amjelinicum fibril- 
lire, Ton eioem Aste des UedisDOs an der Volaraeite des Vorderarmea. 
Pripant No. IMa vom Jabra 18&7. NatOrl. GrCsae. 

■) Wntier. Hecker's Äanalea. 1836. Bd. XXIIL S. 398. 



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382 Viernädzwuiiigst« Vorleaug, 

BStbiff, da jeder feinere Schnitt, den man mit Natron oä«r Essig- 
säare aufhellt, die markhaltigen Fasern leicht wafaraehmeo Usst. 
Sehr schwierig wird dagegen die Untereachang bei den amye- 
linischen Nenromen, wo entweder ein grosser Theil oder 
sämmtliche Fasern marklos sind. Diese Fälle sind bis in dia 
letzten Jahre hinein immer zu den fibrtisen, oder auch wohl 
zu den fibronncIeSren Geschwülsten gerechnet worden, «ül 
man' bei der Untersuchung, namentlich nach Beh&ndtnog mit 
Essigsäure, meist nichts anderes wahrnimmt, als eine grosse 
Hasse von länglichen Kernen, welche inmitten einer fasten, fibril- 
lären oder streifigen Grundsubstanz liegen. Zerzupft man die 
Masse, so werden viele dieser Kerne frei, und «s scheint, als 
habe man nichts, als freie Kerne vor sich. Behandelt man di« 
Präparate aber sorgftltiger, so überzeugt man sich, dase die Kern« 
in Fasern enthalten sind^ dass diese Fasern zn vielen parallel an 
einander liegen, und ganz eigen thflmliche Bfindel bilden, welche 
sich durch den Reichtbum und die Regelmässigkeit der länglich- 
ovalen, schmalen Kerne vor allen Bindegewebsbflndeln anszeicbnea. 
Die Constanz, mit welcher diese Bildung sieb in den festen Nen- 
romen wiederholt, war mir schon zu einer Zeit auffällig, als ich 
den nervösen Charakter der Fasern noch nicht ahnte*). Erst 
durch die genauere Erforschang der rayelinisehen Nenrome kam 
ich auf die Vermathung, dass es sich auch hier um blasse, mark- 
lose Nervenfosem handle**). Die genetische Verfolgung hat diese 
Vermntbung bestätigt Denn auch die myelinischen Neurome 
haben ein erstes, markloses Stadium, in welchem, wie 
übrigens schon Wed!***) beobachtet hat, nur blasse Fasern in 
der noch weichen, gelatinösen Masse vorhuiden sind. Die amye- 
liniscben Neurome unterscheiden sich also nur dadurch von den 
myelinischen, dass sie niemals über das erste Stadinm hinaus- 
kommen, wenngleich ihr Interstitialgewebe sich vermehrt nnd 
consolidirt. 

Der wesentliche Unterschied der Neurome von den Fibromen 
nnd den sogenannten Fibronncleär- Geschwülsten beruht darin, 
dass bei den ersteren die Kerne nicht in blossen Zellen, sondern 



•) Virchow. Archir. 1857. Bd. XII. S. 116. 
**) Virchow. Ebendu. 1858. Bd. XIU. S. 863. 
•") Wedl «.».0. S. 16. 



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B>a der amyriiaiBchfln Menrone. 283 

ii Fasern liegen, welche doppelte Coatouren haben und sich auf 
lange Eratreckungen verfolgen laesen. Der Querschnitt dieser 
Faaera ist rond oder wenigstens rundlich; niemals findet man, 
vie in den Fibromen, sternfdrmige oder netzförmige Durcb- 
scbaitte, es sei denn in dem Zwiscbengewebe (Perineurium und 
Nenrilem) der neugebildeten Fascikel. Ein guter mikroBkopischer 



Schnitt Keigt schon bei massiger YergrOsserung das Bild dieser 
sieh durch Rechtenden Fascikel, welche ganz überwiegend aus 
feinen Nervendem zusammengesetzt sind. 

Die Frage über den Zusammenhang dieser unzweifelhaft neu- 
i^bildeten Fasern nnd Faserbündet ist sowohl für die myelini- 
schen, als fSr die amyelinischen Formen noch ungelöst. An sich 
liegt der Gedanke nahe, ob nicht die neuen Fasern durch Ansläufer 
der alten, welche sich theilen, entstehen, nnd die ersten Beob- 
achtungen, die ich selbst fiber das Verhalten der neugebildeten 
Nerven in Adhäsionen*) machte, schienen fQr eine solche Anf- 



Pig. 2^. UikroskopJBcher Scbnitt ans eiaem markloaen Nearom des 
Vorderarms (Pi^. 228), Zahlietche Quer-, Scbief- nnd Längsschnitte der 
NenenbOndel. Schwache VergrOssernng. 

*) Vircbow. VVanb. VarhwdL 1850. Bd. I. S- iU. 



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284 VieinDdziraDEigBte Vorleeni^. 

fEissang zn spreßben. In der That kommen dichotomische Hei- 
lungen*) der PrimitiTfaBern in myelinischen Nearomen in atia 
aasgezeichneter Weise vor. lodess ist dies doch keineswegs so 
h&afig, dass man etwa die Theilnng ale R^el ansehen kannte; 
aoderemal finden eich so wenig VerileteliingeD der Primitiv- 
fasem'*), dass sie auf das Geeammtverhalten der Geschwolst gar 
keinen Ein6nss ausüben kGnnen. IJeberdiee wQrde ihr hänfigerea 
Vorkommen nicht beweisen, dass die Theiluog (VerfisteloDg) der 
Primitirfasern auf einer Zerspaltung oder Zerlegung derselben der 
Länge nach beruht; vielmehr kdnnte es sich nnr um ein Hervor- 
knospen der neuen Fasern tod dea alten her handeln. Jedoch 
auch dies scheint nicht stattzufinden. Vielmehr ist die Matrix 
nach Allem, was wir bisher wissen, das wuchernde Bindegewebe, 
zunächst das Perineurium ; in diesem entstehen Spindelzellen, 
welche der Länge nach in Verbindung mit einander treten nad 
sich direkt in Nervenfasern umgestalten . Förster ***) will 
sogar schon in einzelnen Spindelzellen die Markabsetzung beob- 
achtet haben. 

Wenn die jungen Nervenfasern zunächst fGr sich bestehen 
und neben den alten entstanden sind, so lehren doch die Erfah- 
rungen bei der Regeneration, dass sie nach kürzerer oder längerer 
Zeit mit den alten in Znsammenhang treten. Nach meinen Beob- 
achtungen an Amputations-Neuromen erstreckt sich aber die Nen- 
bildung von Nervenfasern weit über das Schnittende der Nerven 
hinauf in ihre Stämme, wo man junge Elemente neben den alten 
findetf); Weismann sah ans neugebildeten Seitenbfindehi die 
Nerven in das Hauptbündel nach zwei Richtungen eintreten, so 
dass der eine Theil der Fasern nach oben, der andere nach 
unten verliefff). Er schliesBt daraus, dass manche der neu- 
gebildeten Fasern das Centrum überhaupt gar nicht erreichen. 
Liesse es sich feststellen, dass ein Theil der neuen Nervenfasern 
ohne Znsammenhang mit den alten bleibt und eich in diesem 
Zustande zu erhalten vermag, während ein anderer in regel- 
mässigen Zasammenbaiig tritt, so würde^dsraus fär die pbyaio- 



•) Bßhrer».a.O. S.2Ö0. Fig. 4. .Virchow. Archiv. M. XHl. S. 860. 
*•) WeieraaiiD a.a.O. S. 214. 
♦") Förater a. a. 0. S. 105. T«f. II. Fig. 1,2. 13. 

t) Virchow. Archiv, Bd. XIII. S. 260. 
tt) WeismmDD a. a. 0. S. 215. Taf. VL Fig. 6. 



jvGoo'^lc 



Teriatelnng der Fascikel in Nenroin. 2Sb 

logiBche ErklArang der so verBchiedenartigen Symptome, welclie 
m&D bei scheinbar gleichartigen Neuromen trifft, ein starkee Licht 
gewonnen werden kfionen. 

Viel bedeutender, als die Theilung (Verästelung) der Frimitiv- 
&BerD, ist flJr den Aufbaa des Neuroms die Theilung (Verästelung) 
der Nervenfascikel. üeberalt zeigt sieb, dase von einem be- 
Btehenden Fascikel aus durch fortscbreitende Theilung immer mehr 
Aeste sieh aoebtlden and dass ein gleichsam buscbigeB Ausein- 
andergehen eintritt. Die auseinandergebenden Aeste verecblingeji 
Bich mehr und mehr unter einander, so dass endlich ein ganz 
oneatwirrbarer Knäuel sieb bildet. Wenn man die Erfahrung zu 
Hülfe nimmt, wie man «ie bei den traumatischen, lumal den 
AmpntatioDB-Nearomen macht, so scheint es allerdings, dass die 
neuen Zi^e ineinander wachsen können, dass also Schlingen 
entstehen. Denn nach einer Amputation, wo zwei benachbarte 
Nerven durchschnitten sind, kann, wie wir gesehen haben (S. 250), 
nicht blo8 jeder dieser beiden einen Knoten bilden, sondern es 
kSnneu auch diese Knoten später durch einen Verbindungsstrang 
in einem einzigen Gebilde verwachsen. Der Durchschnitt eines 
soleben anastomotischeD Knotens macht vollständig den Eindruck, 
wie wenn die Fasermasse von beiden Seiten her ineinander 
gewachsen wäre und ein wirkliches Schlingenverbältniss herge- 
stellt bitte*). Ob das wirklich, und namentlich auch bei Neu- 
Tomeo in der Continuit&t der Fall ist, das weiss ich nicht; es 
ist sehr schwer, darüber ein bestimmtes ürtheil zu gewinnen. 
Die Schwier^keit, eine einzelne Faser durch alle ihre versebie- 
denen Windungen hindurch zu verfolgen, ht so gross, dass ich 
bis jetzt dn vollkommenes Bild davon nicht habe gewinnen 
künnen. 

Die Haupttbateache ist also die, dass die Verflechtung der 
Nervenbündel eine scheinbar fibrüse Filzmasse herstellt, die in 
der ftosseren £rscb«nung in Nichts von dem Aussehen eines ein- 
fachen Fibroms zu trennen ist. Es ist daher sehr wahrsdieinlich, 
dass viele Geschwülste, die man nur äusserlicb am Lebenden 
nntersacht, oder die man exstirpirt und dann ein^h betrachtet 
und in die Reihe der fibrOsen gerechnet hat, den Neuromen zu- 
zuzählen sind. Selbst bei der Untersuchung an der Leiche gelingt 



•) Crnveilbicr. Atlaa. Liir. VI. P1.6. fig.4. 



)vGoo<^lc 



gg6 Vi«raDd>waD>igate TorlMnng. 

es niclit iiDmer, den Zasammenhang mit NerTen&sern anfenfinden: 
ich habe selbst eubcutane Knoten von erheblicher Gröese*), die 
ich für amyeliniBche Nenrome halten moeste, pr&parirt, obne 
irgend eine Andentnng eines Zasammenhanges mit einem Nerven 
EQ entdecken. Trotsdem zweifle ich nicht an einem solchen Zu- 
sammenhange. In dieae Kategorie gehören mOglicherweiBc manche 
sogenannte maligne, recnrrirende Fibroide (Bd. I. S. 863). 

Diese Heinnng stützt sich hsuptsficblich auf eine b&ebst merk- 
würdige Beobachtung, welche ich vor einigen Jidiren pnblieirt 
habe**), und bei der ich selbst aoffinglich in Zweifel war, um 
was es eich eigentlich bandelte. Eines Tages worden mir von 
Hm. Dr. Schmidt in Bernbnrg zahlreiche, theils rnnde, theils 
hockerige Geschwülste von durchschnittlich Kirschen- bis Pflaumen- 
grfisse zur üntersucbung übersendet und mir dabei mitgetheilt, dasB 
sie von einem Schneider stammten, der damals 61 Jahre alt war 
und der zneret vor 34 Jahren an der Volarseite des Torderarmes 
dicht am Handgelenk eine linsengrosse Gescbwolst bemerkt hatte, 
vrelche, nachdem sie 20 Jahre lang bestanden, erst die GrOsse 
einer kleinen Kirsche erreicht, dann aber sebnellN* xa wachsen 
angefangen hatte und endlich bis zur GrJSsse eines Apfels herui- 
gewachsen war. Damals war die Geschwulst von Blasius ez- 
stirpirt worden; die Wnnde war recht gnt geheilt Prof. Mai 
Schnitze, der die ezstirpirte Geschwulst nntersacbte, hatte sie 
f&r eine fibroplastische erklärt Aber schon nach drei Viertel 
Jahren bildete sich eine neue Geschwulft, die in kurzer Zeit 
wieder die Grfisse eines Apfels erreichte, ond fiber der sich die 
Narbe excoriirte nnd blutete. Sie wurde daher 3 Jahre nach der 
ersten Operation wiederum exsttrpirt. Diesmal bildeten sich als- 
bald mehrere neue Knoten nnd zwar hSher am Arm heranf, die 
ebenfalls weggenommen wurden. So folgten sich die Recidive, 
und znr Zeit, wo mir die Knoten übersendet wurden, handelt« 
es sich nm das fünfte Recidiv. Es fanden sich ein Paar Dstiend 
dei^leichen Geschwülste ^ die einzeln mit Leichtigkeit enncleirt 
wurden. Der operirende Arzt war namentlich darüber erstaunt, 
dasB bei einer Geschwulst von einer scheinbar so grossen HalignitSt 



*) Prlparat No. 49 Tom Jahre 1866. 

") Virobow. ArohiT. 1857. Bd. XII. S. 114. BUsins. Äichi» fBi 
UiDiBclie Chirurgie. 186S. fid. U. 8. 196. 



gii^osb/GoOt^lC 



RecumTendes Neuron). 2S7 

gar keine Erscheinungen allgemeiner StOningen sich fanden, dass 
die Äxillardrflsea niemals mitbetheiligt gewesen waren, und dass 
anch das übrige Befinden des Kranken darunter nicht erheblicli 
gelitten hatte. Als ich die Knoten untersuchte, zeigte sich die 
Einricbtang der fibronncleären Geschwülste, aber eine so regel- 
mässige Einrichtung derselben, wie ich sie nur an Neoromen 
gesehen hatte (Fig. 228 a. 229). Als ich nun genauer nachsah,- 

Flg. S30 



Fig 230. Meurom» »myeliaicnni multiples recurreoB alcerosam Aoti- 
bnchii. Die meiBten Knoten liegeii Onter der Haal; bei a ist einer mit der 
UiDt Totwachgen und letitere gebchnOrig, bo dase man im Umfange der' 
fDDgJSsen ller*orngung den Hautrand (bei l) Bicb absetien Biehi Bei c 
eine narbige Stelle ron. einer früheren Eibtirpation. Vgl. Fig. SS6 u. 829. 



)vGoo<^lc 



28S VierandiWBDzigBta Vorleaung. 

80 fand sich, dass beim HerausBchälen ganz lange, aber feine 
NervenBtftmme mitheranBgerifsen waren. leb sprach mich dahin 
aus, dass es Neurome seien. — Die Vernarbnog geschab wiedemm 
regelmäSBig; allein schon nach einem Jahre bekam ich durch die 
Güte deB Herrn Blasius in Halle den amputirten Arm des 
Mannes zugesendet. Es hatte sich nehmlich inzwischen wieder 
weiter hinauf am Vorderarm eine ganze Menge neuer Knoten 
entwickelt, die in kurzer Zeit die Grosse einer kleinen Fanst 
. und darüber erreicht hatten und die endlich mit der Haut ver- 
waehBen waren; einige von ihnen hatten angefangen, oberflftchlicii 
zn nlceriren. Herr Blaeius schickte mir den Arm mit der 
Bemerkung, es schiene doch, dass ich im Irrthum gewesen sei 
und dass es sich um eine maligne Bildung handele. Die Unter- 
suchung ergab aber, daBB in der That wiederum nichts weiter 
vorhanden war, als Neurome. Die oberflächlichen Geschwülste 
gingen regelmäsBig von den kleinen iNervenästen des Vorder- 
armes, namentlich von den der Haut nahe gelegenen ans; die 
tieferen hingen mit grossen Stimmen 2nBammeD, in der Art, dass 
diese zum Theil sich fächerartig ansbreiteten und dann zn der etwas 
zurDckgebogenen Geschwulst sich entfalteten, zum Theil ganz plötz- 
lich in knotige Massen äbergingen. Alle waren aus wuchernder, 
aber markloser Nervenmasse zusammengesetzt. Dunkelrandige 
(markhaltige) Fasern fand ich nirgends, wohl aber zeigte sich 
inmitten der grösseren Knoten stellenweise fettige Degenera- 
tion. — Die Ampntationewunde heilte im Laufe von 4 Wochen, 
ohne dass ein Recidiv folgte. Der Mann starb jedoch 5 Monate 
später an einer durch Erkältung entstandenen Pneumonie; die 
Section wurde nicht gestattet. 

Es ergiebt sich ans dieser Beobachtung, dass der Anschein 
der Beterologie und der eigentlichen Malignität in dreifacher 
Weise erzeugt wird. Zunächst durch die schnellen Reeidive in 
der Nachbarschaft; sodann durch die Örtliche Multiplicit&t, welche 
scheinbar von den verschiedensten Schichten und Geweben aus- 
geht; endlich durch die Fähigkeit des Neuroms, sich fiber die 
Oberfläche der Haut hervorzuwOlben, mit derselben zu verwachsen 
und endlich an der Haut eine Ulceration zu erzeugen. Die 
Geschwüre sehen sarkomat&Ben oder fungCeen Geschwüren sehr 
ähnlich, und wenn man die Geschwulst heraussohSJt, ohne eben 
an die Nervenfasern, welche man mit herausschält, bu denken, so 



jvGoO'^lc 



Locmle und gutartige h%Ua der Nearome. 2g9 

kuin mao aUerdinge die YorstelluDg bekommen, es h&adele Bieh 
am Sarkom (fibroplMtiüche GeechwulBt) oder nm etiras noch 
Schlimmeres. Ais Beispiel mOge ein -von Grobe*) berichteter 
Fall dienen, der als Sarkom „mit dem Cbarakter der Faserkern- 
Gescfawalst" aafgeföhrt wird und der dem von mir erwähnten in 
mandier BeztehiiDg ftholich war: die Hand der Kranken war 
.wegen einer mit den Aestea des Mediamia zusammenhängenden 
Geeehwulst der Vola, welebe sich zwischen den Metacarpalknocben 
bis xnm Handrficnen vorgedrängt hatte, exartioulirt. 

Aller Wahrscheinlichkeit nach ist daher die Zahl der Ge- 
schwülste, welche in das Neurom-Gebtet gerechnet werden müssen, 
in manchen Richtungen sehr viel grSsser, als man gegenwärtig 
uiDimmt, während man anf der anderen Seite eine Zahl von 
Geschwülsten, welche von den Schriftstellern in dieses Gebiet 
gerechnet werden, daraus streichen sollte. Denn es kann nar zur 
Verwirmiig dienen, wenn man auch jetzt noch, wo man die innere 
Verschiedenheit der bisher sogenannten Neurome kennen gelernt 
hat, wo man weiss, dass es eich dabei nm mehrere Genera, und 
oieht blos am Varietäten handelt, Bedenken tragen wollte, den 
strengen histologiflchen Begriff in Anwendung zu bringen. Jeder- 
mann wird es verstehen, wenn man von einem Garcinom oder 
Kankroid des Is«biadiens spricht, aber es führt nothwendig zn 
einem MissverstAndniss, ein solches Garcinom Nenrom la nennen. 

Das wahre Menrom ist nach unserer bisherigen Erfabrang 
eine wesentlich locale and gutartige GMchwolst. Die an 
sich bOehst seltenen Fälle heterotoper Entwickelung fallen so 
sehr in das teratologische Gebiet, dass sie für die Hauptfrage 
ausser Betracht bleiben kCnnen. Alle übrigen gehJtren in die 
Kstegorie der partiellen HyperpUsien, wenngleich die Entwicke- 
Inng anf einem Dmwege erfolgt and die neuen Elemente ans 
einer bindegewebigen Matrix durch Granulation erzeugt werden. 

Der Verlauf der einzelnen Geschwulst entspricht im Ganzen 
in aoBgezeichneter Weise dem Verhalten eines normalen KOrper- 
tlieils. Wenige andere Pseudoplasmen tragen so sehr die Charaktere 
einer bleibenden Neubildung an sich. Bei einem meist lang- 
samen Anwachsen pflegt doch in der Mehrzahl der Fälle nur eine 



*) VEdil-Bkrdeleben. Lebrbueh der Cbirargie n. Operktioaalehr«. 
4. Anas. Bwlin. lS6ft. Bd. 1. S. (37. 



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290 ViernndswuiriiBte Vorlesomi;. 

mftsBige, oft sogar eine aehr geringe GrOsse erreicht zn werdea 
Oft. gehen Decenaien hin, ohne dass eine merkliebe VeräadeniBg 
des Omfanges eintritt. Die ganz groBsea NerTen-GeBchwOlBte be- 
stehen, wie es scheint, niemals ans bloBser Nerven-Hyperplasie. 
Aus diesen umständen erkl&rt es sich, dass der £iodmck eines 
accidentellen Ganglions so hSnfig bei den Beobachtern herror- 
gebracht ist. 

Innere Veränderungen in den couBtitairenden Elemmten der 
Geschwulst sind selten und fast nur bei grjjsseren nnd schneller 
wacbs^den Formen bekannt. Unter ihnen erw&hne ich zuo&chat 
die mm Theil schon angedeuteten entzündlichen Voi^ftnge. 
Dieselben können uitweder znr Eiterung, oder sur Induration 
fähren. Beide sind jedoch bis jetzt wenig studirt, und es musB 
namentlich dabin gestellt bleiben, ob etwa, fiiinlieh wie bei den 
StmmeD und Myomen, durch sekundäre Induration des Interatilial- 
gewebes eine Atrophie der nervOsen Antbeile eintreten kann. 
Das Vorkommen von Verkalkungen wird in seltenen F&llen*) 
erwähnt, pflegt jedoch nur partiell zu sein. 

Auch andere regreBsive ProzesBe werden wenig beobaditet 
Die fettige Degeneration habe ich schon gelegentlich er- 
wähnt (S. 288). Möglicherweise kOnnte dadurch eine Rückbildung 
ond Verkleinernng der Neurome herbeigeführt wei>den. Allein da- 
von- giebt es kaum ein Bicheres Beispiel (S. 254 — 255). Vielmehr 
ffihrt die Degeneration häufiger zur Erweichung, die, wenn 
sie im Innern der GeBchwülste vorkommt, oystoide Umbil- 
dungen nach Eich zieht. Dass auch in wahren Keuromen Hohl- 
läiime mit Flüssigkeit vorkommen, beweisen die Beobachtungen 
von Weismann und von Dehler (Förster). Wahrscheinlich 
gehört dahin auch ein von van der Byl und Snow Beck**) 
beschriebener Fall vom M. übiaÜB posticus. Im Allgemeinen kann 
jedoch wohl angenommen werden, dass die cystiBchen Neurome 
gewöhnlieb zu den Myxomen gehören (Bd. I. S. 42ö). 

Neigung znr üleeration ist den Neuromen gar nicht eigen. 
Wo «ne Terscbwärung eintritt, da geht sie von oberflächlidien 



■) Ollivier. Deber daa RDckenmarlc a-seiue Krankheiten. AnBd.Frant. 
Leipz. 1821. S. 212. Taf. 2. SaDgalli. Storia dei tumori. Vot. IL p. 188. 
T. Bmitb. TraoBBct. Pitt. Soc Vot. Xli. p. 2. 

**) yxn derBrl and Snow Beck. Traasact. Path. Soc. Load. Vol VL 
p. 49. PI. m.— IV. 



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Oertliche HultiplidtU der NuDrome. £91 

. Knoten ans, die dicht an oder nnter der Haut liegen tind die Haut 
selbst hervortreiben. Das Gescbwflr iet dann auch zanächet ein 
einfadieii Hau^eschwür (S. 287—288, Fig. 230.), und erst später 
greift es auf das Nenrom Aber. Es kann dadurch der Änscheia 
der Malignitlit entstehen, jedoch liegt es auf der Hand, doss dieser 
Geschwürszustand accidpotell und an sich unwesentlich ist. 

Eigentlicb infektiöse Eigenschaften erlangt das Neurom nie. . 
Es begrenzt sich auf das Gebiet des nervösea Organs, an welchem 
es entsteht, and wenn dieses Gebiet unter pathologischen Ter- 
h&Itnissen sich gewiäsermaaBseD erweitert, Ähnlich wie bei der 
Regeneration, so hat es doch fast immer sehr enge Grenzen. ^ 
Selbständige Neuromknoten entstehen weder neben den Nerven, 
noch in Lymphdrüsen, noch in entfernten Organen, und die ein- 
zige Erecheionng, welche den Eindruck einer Infektion oder 
Contagion machen kOnnte, ist nur die schon erwähnte Multi- 
plicit&t (S. 260) der Neurome. 

Bei der localen Multiplicität haben wir zuerst den Fall, 
dasB ein bestimmter Nerv in seinem Verlaufe eine Reihe von 
Kooten bekommt*). Dies ist im Ganzen der seltenere Fall, 
und er erklärt sich wohl nach Analogie anderer Reizznst&nde, 
welche sich in einem bestimmten Gewebe fortpflanzen und tob 
Stelle zu Stelle ErnptionBpunkte bilden. — Davon verschieden ist 
die Hultiplicität in den Aesten eines kleineren oder grösseren 
Nervenstammea, wo zahlreiche Knoten neben, Qber and hinter 
einander entstehen kOnoen. In diese Kategorie gehOrt einerseits 
das plexiforme Nenrom der kleinsten Aeste, andererseits das 
vi«Ikaotige Neurom einer gewissen Region. Von letzterer Form 
habe ich schon ein ausgezeichnetes Beispiel am Vorderarm erwähnt 
(S. 286); Robert") hat ein anderes am N. musculo-eotaneas, 
Jacquart***) eines am Medianus beschrieben. Stromeyerf) 
ezarticulirte den Arm eines Idjährigeo Idioten, der ausser einem 
cotossalen Neurom des Medianus an den Hautnerven der Volar- 
seite des Vorderarmes und der Handfläche unzählige kleine An- 
schwellungen von der GrOsse eines Stecknadelkopfes bis zn der 

*) Ricberand a. Oloqaet bei Descot a.B. 0. S. HS. 
•*) Robert Bntl. de U aoc. de cbir. 18&1. AoQt. 
***) JftcquatL Compt. reod. de U aoc. de biologie. 1857. S^r. IL 
T. IIL p. 286. 

t) Stromejer. Handb. der Chirurgie. Freib. i. Br. 1844. Bd.LS.4U. 

19* 



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292 TiernndEWStttigate Vorlesung. 

einer Linse hatte. Earthel t. Siebold erw&hnt zwei Bcbmeiv 
b&fte Geschwülste an der EnOchelgegeod einer Fran (S. 243); 
Demeaux*) Bah eine ganze Reihe von Knoten an den Aesten 
dea N. tibtalis antiens; van der Byl (S. 290) mehrere am N. 
tibialis posticus. Ein ausgezeichnetes Beispiel vom N. perinaens bat 
Paasavant**) geschildert. Am Hodensack essÜTpirte Harjolin 
mehrere linsenfSnnige schmerzhafte Rßrper (S. 242). Aasser der 
Beobachtung Gfinsbnrg's von den Sacralnerven (S. 277) ist 
namentlich die CrnTeilhier's***) vom Sympathicus am Halse 
zu erwähnen. Die auch wohl bei dieser Kategorie angef&brte 
Beobachtung von Lobstein f) fiber das Torkommen normaler 
Anschwellungen am N. splanchnicus scheint in die Kategorie 
der wandelbaren oder superDumerären Ganglien (S. 278) zu ge- 
hören. — Bei diesen Formen wird man wohl entweder anf eine 
Fortleitung der Reizung in der Continuit&t der Nerven, oder auf 
eine auf gebreitete Einwirkung derselben krankmachenden Ursachen 
anf eine gewisse grossere Fl&che zurflckgeheo mfissen. 

Die allgemeine Multiplicität ist nur scheinbar davon 
verschieden. Auch sie hat nichts Infektiöses oder Hetastatisches 
an sich. Denn die Knoten, so zahlreich sie auch sein mögen, 
bedingen sich nicht gegenseitig, sondern sind eben nur neben 
einander an vielen Orten und Nervengebieten vorhanden. Man 
kann die allgemeine Neigung als Nenroplasie (S. 277) oder nearo- 
matOse Diathese bezeichnen, aber man hat kein Recht, ihr eine 
bestimmte dyskrasische oder contogiOse Grundlage zu geben. 
Manche Fälle sind, wie wir sahen, congenital oder sogar here- 
ditär (S. 262—263); andere dagegen, wie namentlirh Smith ff) 
dargethan hat, gehören einer späteren Lebenszeit an, ohne dasB 
es jedoch bis jetzt möglieb gewesen wäre, irgend eine bestimmte 
Ursache ffir sie zu entdecken. 

Die Fälle von allgemeiner Neuromatose sind ziemlich Belten. 
Han zählt ihrer in der Literatur nahe an SOftf)- Sie sind nnter 



**) PasBkvaot Hein Archiv. 1865. Bd. VllL S. 41. Taf. ] 

***) Crnveilbier. Atlaa d'anat. path. Litt. I. Fl. S. 

t) LobBtein. De nervi eympathetici hamatii fabrica. p. 30. 

tt) Rob. W. Smith L c. p. 13. 

ft+) AuBBer den schon erwähnten 

[e8Belbach(WutEer), Barkow, ] 

(Haeler), Serres (2), Tielleicht auch Valleoder, sind es foleeode: 

Itob. W. Smith L c.p. 18-19. PI. 1-lS. (3). Morel -Larall je. BnU.deU 



jvGoo'^lc 



Altgemeine MaltiplicitSt der Nenrome. 293 

sich sebr verscbiedeD, indem in mancbeo Fällen ausser den Spinal- 
nerven auch die sympatbigchen, in wenigen die cerebralen litten, 
in einielnen die Nervenwurzela innerhalb der Schädel- und Wirbel- 
hOhle mitbetheiligt waren, in einigen endlich die Erkrankung sich 
bis auf die kleinsten Hautnerven ausdehnte. Im Allgemeinen warea 
es Jedoch ganz überwiegend die peripheriacben Nerven der Körper- 
oberfläche, welche befallen waren, während die Kingeweidenervea 
ungleich weniger betheiligt zu sein pflegten. In zwei F^en von 
Smith *) fand sieb eine so grosse Zahl subcutaner Nenrome Gber 
den ganzen Körper verbreitet, dass die Oberfläche desselben ganz 
knotig erschien und man den Verlauf gewisser Nervenstränge 
schon ohne Fräparation oder Verletznog der Haut deutlich ver- 
folgen konnte. lu dem Falle von Kupferberg**) bildeten die 
Nerven -Geschwülste so grosse Unebenheiten, dass einzelne Tfaeile 
der Extremitäten ein fast elephantiastisches Aussehen darboten. 
Die Grosse der einzelnen Knoten schwankte demgemäss ausser- 
ordentlich: von ganz kleinen, fast kernigen Anschwellungen bis 
za faustgrossen Massen. Die Zahl wurde in mehreren auf 500 
bis 800, ja auf Tausende geschätzt. 

Manche dieser Fälle haben ein grosses Aufsehen erregt und 
sind vielfach untersucht und beschrieben worden. Leider lässt 
sich trotzdem noch immer nicht genau angeben, ob es wahre 
Nenrome sind oder ob sie mehr den Fibromen zugererhnet werden 
müssen. Die Beobachter standen pSmmtlich unter der Herrschaft 
des Vorurtheils von der fibrösen Natur der Nenrome überhaupt. 
Nor Sangalli***) glaubte in einem Falle, wo der N. obtura- 
torios und cmralis mit zahlreichen Nenromen besetzt waren, mark- 
lose Nervenfasern zu finden. Ich selbst habe nie Gelegenheit 



80C. de chir. 1849. T. 1. p. 3S6. Oirald^s ibid. p. 2S6. Mfther et Pftyen. 
Compt. leod. de IVad. des ec. Ib4ö. p. 1171. S. k. W. Stein. De nearo- 
mate qnodam oerii iechiadii-i disputatio. Ilarnia«. 1646. p. 21. lig. IIL 
Sangalli. Storia dei tunori. Vol. IL p. Iti3. HoueL H^. de 1» soc. de 
cbinirg. 1863. T. 111. p. 2ri0. Itupferberg. Eip Beitrag zur path. Aantomie 
der GeschwDUte im Verlaufe der Nerven. loaug. Abband). Mainz. 1854. 
O. HensiDger. Mein ÄrthiT. Bd. XXVII. S. 20B. Taf. VI. Klob. Zeitschr. 
der Ges. Wiener Aerzte. 1858. No. 3. S. 47. Temoin. Bull, de la soc. anat. 
1857. p. 403. Caialis bei Follin. Traite elem. de path. eit T. II. 1. 
n. 218. Wilka. Transact. Patb. Soc. Und. 1859. Vol. S. p. 1. T. Smith 
jbid. 1861. Vol. XII p. 1. 

•> Rob. W. Smitb 1. c. PI. 1, 7 and 8. 
••) Knpferberg a. a. 0. Tat 1—2. 
•") Sangalli 1. c. p. 183. 



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294 TierandiwaniigsU Vorleenng. 

gehabt, einen frischen Fall allgemeiner Nenromatose zu unter- 
suchen, indess scheint mir aus den mikroskopischen Beschrei- 
bungen herrorzugeben, dass es sieh in der That um Fibronenrome 
handelte. Fast alle Beobachter fanden markhaltige Nervenfaeorn 
in mehr oder weniger grosser Menge, selten im Znstande fettiger 
Veränderung, meist wohl erhalten, und daneben ein faseriges 
Gewebe, das sie für Bindegewebe ansprachen, das aber vielleicht 
doch markloses Nervengewehe war. 

Besonders reichlich sind die Beschreibungen Aber einen, in 
dem Service von NÄlaton 1851 beobachteten Fall*). Derselbe 
betraf einen 26jährigen Mann, der seit 5 Monaten Geschwülste in 
der Leiste, an den Bauchwandungen, dem Halse, der Achsel und 
dem Arm trag. Die Inguinal- Geschwulst hinderte die Bewegung 
des Schenkels, die am Halse und der Achsel waren etwas schmeri' 
haft, die anderen zeigten sich nur beim Druck ein wenig empfind- 
lich. Bei Witterungswechsel empfand der Kranke vage Schmerzen; 
erst gegen das Lebensende iixirten sieh die Schmerzen an den 
Knien und den Vorderarmen. Es stellte sich eine leichte Con- 
tractur an einem der Vorderarme ein; die Beine wurden in der 
Beugung gebalten. Schliesslich kamen Abmagerung, Diarrhoe, 
Respirationsbeschwerden, Lähmung der Extremitäten, leichter 
Opisthotonus, und so starke Steigerung der Schmerzen, dass der 
Schlaf fehlte. Bei der Autopsie fand man alle Eingeweide normal; 
die Nervencentren zeigten nichts Abnormes, nur an den Nerven 
der Cauda equina und den Warzeln einiger Hirnnerven sassen 
Neurome. Namentlich waren beide Oculomotorii'mit zahlreichen 
Knoten besetzt, das Ganglion ophthalmicum vergrSssert und die 
Ciliarnerven hOckerig. Die Aeste des Trigeminns nnd Faciiüis 
ausserhalb des Schädels, ebenso beide Vagi mit ihren Aesten und 
den Pulmonal-, Herz- und Speiseröhren- Geflechten, der Fhrenicus, 
die IntercoBtalnerven , beide Armgeflechte, die Sacralnerven, der 
Ischiadieus und Cruralis bis in ihre kleineren Aeste waren voller 
Meurome. Der Sympathicus war stellenweis etwas verdickt, seigte 
jedoch nur am Flexas mesentericus einzelne kleine Knoten. Nament- 



*) Honel I. c. p. 261. Hinnel d'u^t. path. Piris. 1667. p. 607, 827 
(No. 74-83). Lebert. H^m. de \a. boc. de chir. T. III. p. 290. Trmit^ 
d'anat. path, T. I. p. 173. PI. XXn. fie. 2—3. PI. XXIII. fig. 1—9. Crn- 
veilbier. Traitö dWt. patb. g^ner. T. III. p. 767. Follin L c p. 317. 
flf . 89. 

D.qmzecbvGoO'^lc 



Neoromo d«a AcusticuB. 295 

lieb KD den Armen setzte sich eine gleichBam TarikOse Yerdicknng 
bJB io die kleinsten Hantäste fort. Die mikroskopische ünter- 
nehang zeigte besondere an der Oberfläche der Geschwülste zahl- 
reiche Nervenfasern, daneben eine Menge feiner, Bich darchflecb- 
tender Fasern, welche Lebert als Nenrilemfasern bezeichnete, 
und eine amorphe, feinkfirnige Zwischenmasse. 

Diese TJntersnchang, obwohl sie, wie fast alle anderen ähn- 
lichen, ein scheinbar negatives Resultat ergab, beweist doch nichts 
gegen die nenromatOse Natnr des üebels. Mag aach immerhin 
das loterstitialgewebe erheblich mitbetheiligt gewesen sein, so ist 
doch nicht dargethan, dass es allein an der Nenbildaag betheiligt 
war. Die relative Integrität der Nervenfasern bei so grossen Yer- 
ändemngen spricht eher dafSr, dass auch sie eine active Betbei- 
lignng an der Geschwulst hatten. Allein ein bestimmtes UrtheQ 
fiber die multiplen Nenrome wird sich erst gewinnen lassen, 
wenn nach den früher entwickelten Gesichtspunkten neue Unter- 
BQcbnngen fiber ihre Entwickeluag and ihren Bau aufgenommen 
werden. 

Dasselbe gilt (Br mehrere andere Funkte in der Nearom- 
lehre, oamentlich f&r die Frage von den Neuromen der höheren 
Sinoesnerven. Der unzweifelhaft häjifigste Sitz von knotigen 
Gesehwflisten ist unter diesen Nerven der Äcnsticus (Bd. II. 
S. 161). Freilich ist es nicht immer genau zu entscheiden, ob 
die Geschwulst gerade vom Acusticns und nicht vom Facialis 
ausgebt, indess scheint das Erstere doch die Kegel zu sein. 
Wenigstens ist in jedem Falle, wo eine bestimmte Trennung der 
Nerven von der Geschwulst möglich war, der Facialis der trennbare 
Nerv gewesen. In der Literatur giebt es eine ganze Reihe solcher 
Beispiele*), allein die bisherigen Untersuchungen über die Natur 
dieser Geschwülste sind wenig entscheidend. Manchmal sind sie 
ziemlich hart und scheinbar ÜbrOs oder gar knorpelartig; andere- 
mal dagegen weicher und geradezu gallertig; zuweilen finden sich 
cystische und hämorrhagische Stellen. Auch meine eigenen TJnter- 



■) Bd. Sandifort Obserr. KOftt. path. Lagd. Bat. 1777. p. 116. 
Tab. VITI. fig. 6—7. F. de BSrensprang. Obs. cai>:roacop. de peoitiore 
tnmornin nonnDlIonim atraetnra. Diss. inaiif;. Hai. 1844. p. 16. fif. I. — Y. 
Tojnbee. Transact. Path. Soc. London. Vui. lY. p. 259. PI. IX. fig. 1. 
Wacbsmiith. Deber progreesiTS Bulb&r-Paralyec u. die Diplegia facialis. 
Porp. lB6i. 8. 34. S»agalli. Storia dei tnmori. Vol. II. p. 18L 



gii^osb/GoOt^lC 



296 VierandzwaDsigete Vorleanns. 

SBChnngen*) ergaben kein gane eicfaeree Remltat, indesa land 
ich doch eine faseical&re, feinfaserig« Anordonng, welche in 
manchen Beziehungen an die Nenromstrnktnr erinnerte. In einem 
neueren Falle, auf den ich sogleich znrückkommen werde, konnte 
ieb nicht zweifeln, das» es sich am ein wahres Nenrom handelte. 

Diese GeschwfilHte sitzen bald näher am Gehirn, bald näher 
am Knochen nnd bedingen dadurch gewisse Verscfaiedenh^teo der 
FolgezQRt&nde. Taubheit ist in der Regel vorhanden; seltener 
Facialis-Läbmung. I>a die Knoten gewShnlicb eine beträchtlichere 
GrOsse, z. B. die einer Haselnuss, einer Pflaume erreichen, so 
fiben sie stets einen erheblichen Druck auf die Nachbartbeile aus. 
Sitzen sie näher am Gehirn, so bedingen sie gnibige Eindrücke 
am Kleinhirn oder am Pons; liegen sie näher am Knochen, so 
dringen sie leicht in den Meatus auditorins internus ein. Letztere 
sind wohl zu unterscheiden Yon den Psammomen der Dura mater, 
welche au derselben Stelle vorkommen (Bd. IL S. 116, Fig. 127). 
Bestehen sie lange, so erweitert sich der innere GehOrgang, ja es 
kOnnen tiefe LOeber im Os petrosum entstehen. 

Der nachfolgende Fall möge als Beispiel dienen; 

Ein 36]&briger ArbeitamaDD wurde am 23. No*. 1869 wegen eines grosaen 
DrflsensbecMses der Leiatengegeod , den man fDr rhenm&tiach hielt, in die 
Ohuitä safgönommen. Der Abscess heilte, nachdem er eröffaet nod entl««rt 
worden war, dagegen stellten sich seit Anfang Februar aDdanernde Kopf- 
Bcbmerien ein, die durch wiederholte Anwendung von SrhrSpfkOpfen und 
spUer eines Aderlasses gemildert worden. Am 16. April 1860 «urde er ent- 
lassen. Allein um 26. Angnst 1861 kehrte er mit einer Sapraorbital- und 
Oceipital-Nenrslgie inrOck. Er gab an, dieselbe schon vor SJiAren flb«T 
ein halbes Jahr hindarch gehabt, jedoeh ohne ärztliche Bebandlnng Terlorea 
in haben. Seit dem FrQhliDg sei sie in rOck gekehrt and er habe nan tiglirh 
8—1 AoAUe Ton 6 Hinnten bis | Stunde langer Dauer: ein heftiger bohrender 
und reissonder Schmerz ziehe auf beiden Seiten durch den behaarten Kopf- 
theii zum Nacken, zugleich habe er starkes Flimmern vor beiden Augen, 
sehe undeutlich; das rechte Änge Ihrinte, das Gebiet beider Snpraorbit«]es 
nud namentlich beim Druck die Auatrittsstellen derselben waren emp6ndHcb, 
das Qebiet der Occlpital nerven dagegen anlsthetiach, — Verschiedene Hittel, 
namentlich Chinin in grossen Dosen nnd Horphinm örtlich worden ohne 
Erfolg angewendet Inzwischen bildete sich die GesichtaatAmng mehr aus 
nnd man diagnosticirte Choroiditis chronica mit Netzhan tablflsnng. Im 
December liess man ihn ein Decoct Sarsap. comp, und den JDDod'scben 
Stiefel gebrauchen. Darauf scheinbare Besserung, Nachlaas der Scbmeraeu, 



*) VIrobo«. ArcliiT. 1868. Bd. XJII. 8 264. 



)vGoo<^lc 



NenTome d«s Acnsticaa. 297 

ftbor bald AnftUe tob Syakope, morgen dl iches Erbrechen, Schwindel, Stammelii 
nod HisiUtion der Stimme, GeistesschwJtctae, beim Stehen aamentliub Ein- 
treten Ton Bewnsetloeigkeit, aber eonat veder Zuckungen, noch LähmuDgen. 
Im Jannu bildet iich ein bedentender Ergnas in das linke Kniegelenk mit 
SchmerEbaftigkeit; nach and nach nimmt die Atfection den Charakter des 
Tomor albaa an. Im Laufe der folgenden Monate Abnahme der Kräfte, 
nen« heftige Kopfach merzen , vollBtSndige Blindheit, Schwäche dea Qebfirs 
linkereeits, jedoch keine SUJrnng der Motilität oder Sensibilität an anderen 
Theilen. Scblieaalich Secessua inscü, Decnbitns, Infiltration der linken 
LangeDspitie. Tod am 18. Jaoi 1862. — Bei der Autopsie fanden sich 
anaaer einer tuberknlOsen Oonitip, Lungen- und Danntuberknlose tahl- 
reicbe CTSticetken an der Dura nnd Pia mater, insbesondere einer in 
der SflUa torcicn, der die H^popfaysis comprimirt hatte, nnd ein anderer 
im Thalunna. Ausgedehnte Pachy meuiDgitis baemorrhagica; leichter Hydro- 
cephaluB ventric. Links unter dem Kleinhirn eine kl einhflhnerei grosse, platt- 
orale Geachwalst*) am Acusticns, welche das Kleinhirn, den Bona nnd den 
TrigemioDB stark zurückgedrängt nnd abgeplattet hatte und welche durch 
ein« OeSnuDg in der Dun gegen das Felaenbein herrortrat Letiteres war in 
der Gegend de« Heatos audit. ext stark atrophJrt; im Eingang mm Meatna 
fiuid aich eine Aushöhlung von V' im Durchmesser, wo der Knochen gaoi 
bloSBgelegt nnd feingrubig, nach oben rerdQnnt nnd stellenweis perforirt 
war**). Aaf einem Durchschnitt hatte die Geschwulst eine massige, etwas 
angleiche Consistenz; namentlich war sie sowohl am umfange, als an einigen 
Stellen im Innen härter, während andere Stellen ein leicht durcbscheineDdes 
Aussehen, hie und da sogar eine gallertige Beschaffenheit darboten. Geftsse 
traten aahlreich herror; an mehreren Stellen aah man ältere hämorrhagiscbe 
^rbungen. Das Gewebe erschien da, wo es am reiosten herTortrat, geradem 
hiroartig, am meisten der weisseo Substanz vergleichbar, nur mehr faserig. 
Die mikroskopische UoterBncbung ergab, dass die llanpttheile ans feinen, 
blaaaen Fasern insammengeeetzt waren, welche bDadelfOrmig tnsammenlagen, 
aicb im GrosMo wenig krenzteo, und an manchen Stellen kaum eine Inter- 
cellnlaisnbstani wahrnehmen licasen. An anderen Stellen dagegen traten 
iD erheblicher Zahl grossere Kernzellcn, an mehreren ziemlich grosse Spindel- 
sellen hervor, so dass der Habitus mehr und mehr dem eines Sarcoma fusi- 
cellnlare (Bd. IL S. 195) sich näherte. — An dem linken Auge fand sich 
anaserdeBi eine grabige Vertiefung an der Macula lutea und nm dieselbe 
eine stark bräanllche Färbung; von da in der Papilla optici lief ein weiaa- 
1 ich er Streif. 

Dieser Fall scheint mir nnzweifelbaft als ein wahres Nenrom 
mit stellenweiseni Uebergang zu Sarkom aofgefasst werden zu 
mSsseo. Ich mOchte glauben, dass im Grossen dieser Bau f&r 
die Acnsticns-SarkomQ typisch ist. 



•) Prlpuat Ho. 135 a vom Jahre 1S63. 
••} Pr^mt No. 1356 toü Jahr« 1863. 



)vGoo<^lc 



298 Vieraodswuiiigite Vorlesnng. 

Am Opticus (fgl. S. 270) iet mir bis jetzt kein Fall vorge- 
kommen, welcher aach cur die Vermnthang einer wahren Nenrom- 
bildnng erregt h&tte. DasB das Myxom hier in Form des falsdien 
Neuroms vorkommt, habe ich schon erwähnt (Bd. I. S. 435). Aocb 
die anderen Beschreibungen in der Literatur*) sprechen wenig 
daffir, dass die selbständigen Opticus- GeschwQlste hierher gehörten. 
Ich kann mich daher der Angabe von Rokitansky**), dass das 
Nenrom »mit Aosschlaas des Olfactorios, Opticus und Aeusticus" 
an allen Ferren vorkomme, in Beziehung auf die beiden ersteren 
Nerven anschliessen , während ich ihm in Beziehung auf den 
letzteren ' entgegentreten mnss. Schon Knoblauch***) hat in 
dem von Biachoff untersuchten Falle von multiplen Neuromen 
eine sehr deutliche Abbildung der doppelseitigen und eehr umfang- 
reichen Acusticns-Neurome gegeben. — Von den übrigen Sinnee- 
apparaten mag es genügen, ant ein Paar Fälle hiasnweisen. 
Smith t) fand, gleichfalls in einem Falle von multiplen Neu- 
romen, an der unteren Fläche der Zunge nahe an 20 Geschwülste 
von der Grösse eines Hanfkoms bis einer Wallnnss, sämmtlich 
an den kleinen Aesten des Hypoglossna, keine an dem Stamme. 
Manche glichen den Pacini'schen Körpern der Finger. Wein- 
bold ff) berichtet von einer Geschwnlst der Highmore*B-HOhle, 
welche mit Nervenfäden in Verbindung stand. — 

Die Symptomatologie der wahren Nenrome ist im Augenblick 
noch nicht mit voller Sicherheit zu machen, da bis jetat an viel 
Fälle von hlschen Neuromen beigemischt sind. Während aber 
diese letzteren von nicht nervJJsen Theilen der Nerven auBgehen und 
durch ihren Druck auf die Nervenfasern nicht blos fllr die Funktion, 
sondern auch für die Existenz derselben sehr gefUirlich werden 
können, so ist dies an sich bei den wahren Nenromen wesentlich 
anders. Die Zahl der nerv&sen Tbeile vermehrt sich und ein 
Motiv der Unterbrechung der Leitung oder der Thätigkeit liegt 



*) Voigtel. Path. Anftt Bd. I. S. 619. S^dillot Jonni. de mM. 1814. 
Ao&t p. 380. J. Wardrop. Esssvs od the morbid uutomj of the Iiddbmi 
eje. Land. 1818. Vol. II. p. 273. PI. XV. fig. 1. Seh Od. Path. Anat dee 
meDschl. Angw. Hamb. 1828. S. 200. HeymaDn. Dt oraroBiate Bwvi 
optici. Dies, inaog. Berol. 1842. 

**) Rokitansky. Lehrb. der patb. Anat. 1866. Bd. H. S. 601. 

"*) Knoblanch I.e. p. 28. Tab. IV. fig. l, By. 
+) Rob. W. Smith 1. c. p. 15. PI. VI, fig. 4. 

tt) Weiahold. Ideen Aber die Uetamorphoaey der Highnon'abSUe. 
Leipt. 1810. S. 18& 



jvGoo'^lc 



Sjmptomatoldgie der Neurom«. 299 

an aich oieht vor. Im Gegenth«!! sollte man eher eine vermehrte 
lli&tiglEeit erwarten. Davon ist nan freilich in Beziehung anf 
motorische, trophische und psychische Fanktionen bis jetzt nichts 
bekannt, dagegen ist dies allerdings der Fall in Beziehung aaf 
Benfritive Fanktionen. Schon die Geschichte der Tubercula dolo- 
roea, der Kalender bei traamatischen Neuromen, die Wittemngs- 
einflBsBe bei allen möglichen Nenromen, die neuralgischen and 
epileptischen ZnfUUe, die wir erwähnt haben, deuten darauf hin, 
nnd wenn im Allgemeinen auch angenommen werden kann, dass 
es banptB&ohlich die terminalen und weit gegen die Peripherie 
gelegenen Nenrome sind, welche diese Symptome hervornifen, so 
gilt es doch nicht ansschliesslich von ihnen. Erst eine genauere 
Analyse der einzelnen Nerrentheüe in Beziebnng anf ihre Betbei- 
lignog an der Geschwnlstbildung wird die jetzt noch bestehenden 
Differenzen kl&reo und den wahren Gmnd der grossen Irritabilität 
mancher Menrome klar legen. Leider ist die Gelegenheit zu 
solchen Untersuchnngen wenig benutzt. Ich erinnere nnr an einen 
Fall TOn Long*), wo bei einem IS^rigen Mädchen zwischen der 
4. nnd 5. Rippe eine harte, bewegliche, erbsengrosse Geschwulst 
sasB, von der paroxysmale Schmerzen von enormer Heftigkeit 
ausgingen. Die Kranke starb in einem solchen Anfalle; eine 
Todeflarsache wurde bei der Section nicht gefunden. 

Vom Standpunkte der älteren Neuromlehre hat man einen 
grossen Werth daranf gelegt, den Sitz der Geschwulst im Ver- 
hältniss zn den Nervenfasern und ihre davon abhängige Gestalt 
genau zu bestimmen. Niemand ist darin so weit gegangen, als 
Cmveilhier ••), der 5 verschiedene Arten von Neuromen unter- 
scheidet: kugelige, cylindrische oder invaginirende, complexe, 
roeenfcranEfftrmige und gangliforme. Wenn man sich aber auch 
beschrftnkt und mit Lebert***) nur interfibrillbe oder inter- 
stitielle nnd peripherische trennt und jene wieder in centrale, 
laterale nnd diagonale (d. h. solche, wo der Nerv schräg von der 
Seite her eintritt und ebenso aastritt) scheidet, so trifit dies doch 
Ar die eigentlichen Nenrome nur sehr bedingt zu. Das wahre 
Nearom ist in Beziehung anf die Nerven, von denen es ausgeht, 



*) Long. Med. Timefl and Gu. 1856. Jan. 
••) Croveilhier. TnüM d'anat. patb. genö'. T. UI. 
•**) Leberb Mte. de 1a soe. de obir. T. III. p. S77. 



gii^osb/GoOt^lC 



300 ViarnndiwkBzigste TorlMong. 

stets continairlich und ineofeni niemalB interetitiell oder periphe- 
risub. Aber nicbt jedesmal gebt das Neurom toq B&mmtlidieD 
FoHcrn, welche eiaeo bestimmten Nerven znsammeosetzen, ans; 
vielmehr kommt es nicht seltea vor, daas nur ein Tb«l der 
Fasern in die Nenrombildung eintritt, während ein uiderer davon 
verachoDt bleibt und neben dem Nearom vorBbei^efat Man kann 
daher totale nnd partielle Nenrome von einander noter- 
scheiden. 

Die partiellen Nenrome kCanen ihrerseits einen sehr ver- 
schiedenen Sitz im VerhältniSB zu den nnbetheiUgt bleibendra 
Nervenfaeern einnehmen. Sie kOnnen central liegen, so dass die 
unveränderten Nervenfasern um sie hemm laufen; sie kSnnen 
peripherisch liegen, so dass der Nerv auf einer Seite st^einbar 
intact neben ihnen vorüberlänft; sie können endlich lateral oder 
besser excentrisch liegen, so dass nur ein Theü ihrer Ober- 
fläche von fortlaufenden Nervenfasern Sberdeckt wird, während 
ein anderer frei bleibt. Diese VerhaltniBBe werden besonders deut- 
lich, wenn man das Neurilom abpräparirt nnd das Neorom mit 
seinen zu- nnd abtretenden Fasern freilegt; es kann dann gans 
au-'serhalb des eigentlicben Znges der Nervenfo^em erscheinen*). 

Bei einem solchen Verhalten kann oatfirlich die Wirkung des 
Neuroms auf die neben ihm fortgehenden unbetbeiligten Nerven- 
fasern dieselbe sein, wie die eines zwischen oder ausser den- 
selben entwickelten fälschen Neuroms (Myxoms, Lipoms, Fibroms, 
Krebf). Diese Nervenfasera werden gedrückt nnd gespannt, und 
wenn sie sich nicht entsprechend verlängern, was allerdings oft 
geschieht, so werden sie in ihrer Funktion und Emähmog beein- 
trächtigt, und möglicherweise tritt Lähmung, GefDbUosigkeit, ja 
vollständige Atrophie ein. Auf diese Weise erklärt es sich, dass 
dieselbe Geschwulstform unter scheinbar sehr gleichart^en Ver- 
hältnissen doch ganz verschiedene Wirkungen hervorbringt 

Die Grösse der Geschwulst entscheidet am wenigeten über 
die Natur der eintretenden Zufälle. Es giebt in der Literatur 
Aufzeichnungen über sehr grosse Neurome, die im Verhältniss 
sehr geringe Erscheinungen machten. Dubois**) operirte eine 
Geschwulst der Alt, welche von der Handwurzel bis zum Ellen- 

*} BkitooShillitoe. Traosact. Patb. Soe. Lood, Vol. XI. p. 1. Lin. 1. 
ran der BjL Ebeadu. VoL VI. p. 49. PI. Jll. 

**) Spangenberg. Hofii'i Archiv. 1601. Bd. V. S.ail, 



)vGoo<^lc 



Schmenhaftigkeit der Hearonie. 301 

bo^DgeleDk reiehte nnd die GrOsse einer kleinen Melone hatte, 
vom Medisnns. Stromeyer*) exarticnlirte den Arm wegen einer 
Geschwnlst desBelben Nerven, welche Ton der Mitte des Yorder- 
armes bis aa die Insertion des Deltoides reichte and in der Mitte 
die Dioke einer Faust hatte. Smith**) beschreibt eine Gescbwnlst 
des Ischiadicus bei einem Hanne mit mnltiplen Nenromen , die 
11 Zoll hoch und 10 Zoll dick war. In allen diesen Fällen, von 
denen freilich kein einziger in Beziehung auf seine Natur genau 
festgestellt ist, waren die Erscheinungen sehr genngfflgiger Art; 
ausser ferhftUnissmftssig geringer Schmerzhaftigkeit war die Ge- 
s^wulst eben nur durch ihren Umfang hinderlich. 

Bei einer ungleich geringeren Geschwulst des Medianus 
beobachtete Carl t. Grfife***) die heftigste Schmerzhaftigkeit 
Watxerf) beschreibt einen in jeder Beziehung sehr lehrreichen 
Fall TOn traumatischem Neurom des ülnaris. Ein Knabe fiel in 
seinem 10. Lebensjahre von einer Mauer und stiess den Ellen- 
bogen heftig g^en einen Stein; erst mit grosser Mühe konnte 
die entstandene Verrenkung beseitigt werden. Bald nachher fiel 
er TOn einem Wagen auf denselben Ellenbogen und behielt lange 
Zeit einen Sneseret heftigen Schmerz, Drei Monate nachher be- 
merkte mui eine haselnaesgrosse Geschwulst, in der beim Druck 
ein stechender Schmerz entstand, welcher sich blitzschn'ell bis 
zam 4. nnd 5. Finger fortpflanzte; auch trat bei WitterungsverKnde- 
rangeo ein Geßibl von Ameinenkriechen ein. Vom 14. Jahre an 
wuchs die Geschwulst langsam und im 19. war sie hühnereigross. 
Beim Druck war immer noch der schiessende Schmerz vorbanden, 
dem ein Geffihl von Eingescblafensein folgte; bei jeder Witte- 
mngB&nderung, zamal bei fenchter Atmosphäre, empfand der Mann 
ein stechendes Zucken im Vorderarm, welches ihn zu unaufhör- 
lichem Reiben nflthigte; bei trocknem Wetter schwand dasselbe. 
Den fünften Finger konnte er nie vollständig strecken; auch fehlte 
ihm nnd dem vierten ftftere die Fähigkeit zu willkürlicher Be- 
wegung. — Jacqnartft) berichtet von einem Manne mit zwei 



•) Stromever ». ». 0. 8. 4U 
■*] Rob. W. Smith I. c. p. 14. PI. II. 
***) C. P. Heinekfl. De mutodynia neum». DUe. inang. Berol. 18S1. 
p. 34. Tab. 

t) Wntser a.ft.0.S.3M. Tb. Banmeister. De tomoribas oeTTornm, 
»djecto eom« cuu doto. Diu. ioaiig. Bona. 1888. Tab. 
ff) Jacquart L c p.386. 



)vGoo<^lc 



302 Vierandiwaongst« Torlwusg. 

Nenromen des UedianoB, ia deren Folge UnskeUtrophie ent- 
Btaadep sei. 

Eine besondere firwäbaong verdienen noch die Nenrome des 
Wirbelkanale. Schon in den bieherigen MittheiloageD ist 
wiederholt solcher F&tle gedacht. Ihre Bedeatiing ist natärlich 
sehr verschieden, je nachdem sie an den Nerven der Canda eqnina 
oder an den Wurzeln der hfiber gelegenen SpinBloerveo vor- 
kommen. Letztere*) bedingen bei einer gevrissen Grosse noth- 
wendigerwüee bedeutende, namenUich paralytische Zti&Ue nnd 
schliesslich Atrophie des R&ckenmarks. Sie können sieh aber andi 
frühzeitig mit den Nerven durch die Intervertebrall&cher hinaus- 
schieben und mehr oder vt^eniger grosse Geschvtülste aosserbalb 
der vVirbelsäule hervorbringen**). Sind sie multipel (S. 262—263), 
so werden die Erseheinungen um so stärker hervortreten. An 
der Cauda equina dagegen kOnnen Neurome, selbst wenn sie 
multipel***) nnd, vrenig oder gar keine Zufille nach sic^ ziehen. 
Genauere Untersuchungen über ihre innere ZusamnieuBetxung giebt 
es wenige, doch scheint ans der von Benjamin f) hervonugefaen, 
dass wahre Neurome vorkommen. 

Liegt das Neorom so, dass es anf andere, nnverschiebbare 
Tbeüe drückt, so erzengt es wi diesen die Atrophie. Von dem 
Nenrom des Acusticus und der Encephalocele habe ich schon 
gesprochen (S. 271, 296). Crnveilhierff) erz&hlt, daas ein 
Kranker starb, nachdem man zum dritten Male den frochtloeen 
Versuch gemacht hatte, ihm einen Nasenpolypen anszureissen. fiel 
der Antopsie zeigte sich ein Neurom des 2. Astee vom Trigunino«, 
welches seinen Sitz in der Fossa zygomatiea hatte und sich in 
ö Lappen theilte, von denen der eine durch das Forameo spbeno- 
palatinam, das bis zu Eleiofingerdicke erweitert war, in die Nasen- 
höhle gedrungen war. Smith fff) berichtet einen fthnlichen Fall 
von einer älteren Frau, die lange an der heftigsten Gesichts- 
Nenralgie gelitten hatte- Es fand sich ein waUnusegroBses Nenrom 
an der Stelle deB Ganglion Gasseri, welehea eine VerlingwiiDg 



•> *ftii der Litb I. c. p. 114. flg. l.-UI. 
") OlÜTier a. a. 0. S. 212. Dehler a.».0. 

"•) RnobUuch 1. c p. 29. Tab. IV. Kapferberg ». a. 0. S. 16. 
LebCTt. Traitä d'uiftt. path. T. 1. PL XXII. fig. 8. 
t) Benjamia. Hein Archiv. Bd. XI. 8. 88. 
tt) CruTeühier I. c T. lU. p.GS3. Arch. g^nir. T.XXUl. p.UL 
ttt) Rob. W. Smitb L c p. 20. PL XUL fif. IS. 



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OpentioD d«r NeurtHM. 803 

dsr^ das mn mehr als das Doppelte erweiterte Foramea ovale 
Bcbickte; das Oa petrosnm und die obere Wand des Canalis caro- 
tienB waren in grosser ÄofidehiiaDg absorbirt. 

Sehr mamuehfaltige Zuf&lle kOnneo ee daher sein, welche 
das EinBobreiten des Antee fordern. Da eine spootuie Resolution 
ebensowenig vorkommt, als sonst durch irgend ein Mittel eine 
Heiluig beobachtet ist, so bleibt nur die diirnrgische Hälfe. Von 
der frflher wohl geObten Ganterisation ist man neuerlich allgemein 
surfickgekommen ; hCclistenB kOnnte die Galvanokaustik *) heran- 
gezogen werden. Bei grossen GeschwQlsten und beträchtlicher 
Schmenhaftigkeit hat man sich frdher h&ufiger, gegenwärtig seltner 
Ear Amputation oder Esarticulation der Glieder entschlossen. 
Durch Hunter undHome**) wurde die Aufmerksamkeit tuerst 
speciell auf die verbältnissmäBsig lose Lage dieser Geschwülate 
im Verh&ltDiBB zur Nachbarschaft und auf ihre Beziehungen zu 
Nerven gelenkt Man sah ein, dass die Ezstirpation der Geschwulst 
mit Dnrcbsdineidnng des Nerven (zuerst an seinem oberen TfaeJle) 
die einfachste und nattrliehste Art der Operation sei, und man 
lernte die UDglichkeit, Stdcke von 3, 4 und 5 Zoll aus bedea- 
tenden Mervenst&mmen zu entfernen, ohne dass daraus nächste 
grosse Gef^ren oder dauerhafte Unbrauchbarkeit der Tbeile her- 
voi^gen***). Wenn auch in solchen F&llen die Regeneration 
des Nerven nicht jedesmal und nicht immer vollsOndig erfolgt, 
so hat doch die Erfahrung dargethan, dass im Laufe der Zeit 
eine zuweilen nnglaublicbe Restitution der Funktionen stattfindet. 
Hedennsf) operirte im Sommer 1814 eine gänseeigrosse Ge- 
schwulst des Medianns : im November waren von den 4 Fii^;em, 
denen dieser Nerv Aeste giebt, nur noch 2 ohne Empfindnng und 
Bewegung; im December kehrte Beides in die tauben Pinger 
tnrüek. 

Freilieb kann die Regeneration wieder ein Neorom bringen : 
es kann ein Recidiv eintretenff), es kann aus dem Ende des 



•) Hiddeldorpf. Die OilTuobtaatik. 8. 107. 
**) B*. Hom«. nsDMwt of a boc. for tbe imfvoiBment of med. and 
chir. knowledge. 1800. VoL IL p. 154. 
••*) Alexander &. a. 0. S. K7. 
f) Neae Sammlaag anserleBener AbhaodlDDgen lam Gebranche prakti- 
•ehu Aerato. Leipi. ISlfi. Bd. J. St. 1. S. 94 Anm. 

1j2 PaK«t L & Vol IL p. 134. J. S^ne. The Lancet 1866. Jone:. 



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304 ViarandiTansigBte Vorleenng. 

dnrehschnitteoeD Nerven eine eigeDtliehe BepnHalation erfolgen. 
Ja, wie wir gesehen haben (S. 286), es kann sogar eine multiple 
EmptioD in immer weiterer AoBdehnnng nicht blos an dem durch- 
schnitteaen Nerven, eondern an zahlreichen Äesten and Zweigen 
desselben geschehen. Dies sind sehr nng&Dstige TTmetäade, aber 
glflcklicfaerweise anch sehr seltene, unter welchen Verhältnissen 
sie eintreten, ist noch nabelcaant. MßglicherweiBe handelt es 
sich dabei nm eine blosBe Piildisposition (Schw&che) der Theile; 
vielleicht besteht schon vorher ein schwacher Grad der Reizang 
fiber einen grösseren Bezirk, so dass die Operation mehr als ein 
Motiv der Steigerung schon bestehender, und nicht so sehr als 
ein Motiv der Erregung neoer Vorgänge anzusehen ist In der 
Regel ist die operative Heilung sicher und dauerhaft. 

Einzelne Chirurgen haben auch die blos partielle Exstirpa- 
tion oder Enucleation des Neuroms mit Schonung des Nerven 
versucht, und zwar mit Erfolg. Unzweifelhaft ist dieselbe mftglieh 
und anslührbar bei den früher besprochenen partiellen Neuromeo 
(S. SOO), auf deren Bestehen daher wohl geachtet werden sollte. 
Denn es ist IQr das Individnom ein gewiss grosser GewiDn, 
wenigstens einen Theil der natflrlicben Leitong sofort erhalten tu 
haben. Bei einem lateralen Myxom des Peronaeus (Bd. I. S. 425) 
habe ich einmal ein Stfick des Nerven von 2 Zoll Lftnge von der 
Geschwulst abpräparirt und eine schnelle Heilung ohne ii^end 
welche Zuftlle erzielt. 

Nur in solchen Fällen, wo die Nenrombildung mit anderen 
Wnchemngsprozessen zusammenf&llt, wie bei den plexiformen and 
rosenkranzfSnnigen Neuromen, die mit Elephantiasis und Xba- 
lichen Prozessen complicirt sind, mnss natürlich die Exstirpation 
oder sonstige Entfernung den ganzen kranken Theil nmhssen. 
Auch hier ist die Operation fast immer eine sichere und verh&lt- 
nissmisBig gefahrlose. — 

Schliesslich erwähne ich, dass auch bei Thieren*) Nenrome 
beobachtet werden, namentlich beim Pferd und der Kuh. Genaaere 
histologische Untersuchungen liegen fast gar nicht vor, jedocb 
scheinen die Geschwülste wie beim Menschen sich zu verhalten, 



*) Rigot. Recaeil de m^d. v^ter. 1829. Nov. p. 62*. Gonbasd. 
Ebeodaa. 1848. p. 2lb. 1850. p. 625. Laffitte. CliDii|ne rdt^. Sfr. IL 
T. II. p. 576 (Canstatt'B Jahresber. für 1862. Bd. VI. 8. 62). 



)vGoo<^lc 



Nearom« bei Tliierea. 30S 

iDBbesondere kommen Bie BOwohl Bolitär, als multipel vor. In 
letEterer Beziehung erwSbne ich eineD Fall von Oolin*), wo bei 
der Sectiou einer für gesund gehalteaen Kuh eine uncrhßrte Zahl 
TOD Nearomen, hauptsächlich an den sympathischen und Einge- 
weide-Nerven, jedoch auch an den Zangen-, Hals- und Vorderhss- 
Norven gefnnden wurde. Ihre GrOsee wechselte von der eines 
HireekoruB bis tu. der einer FaoBt; daa grdBSte sass am Sonnen- 
geflecht, umgab die vordere Gekri>sartene nnd hatte ein Gewicht 
von 5 Pfd. An den grosBen Neuromen konnte man eine fibrSae 
HSlle nnd im Innern HCblen mit einer dem Nervenmark &bnlicben 
Hasse unteracheiden. 



•) GoliD. lUcneil de m6d. v6tiT. Sir. IV. T.VII!. p. 947 (CueUtt'B 
Jahrasber. fOr 1861. Bd. VL S. 20). 



)vGoo<^lc 



Pünfundzwanzigste Vorlesung. 



10. H9rE 1863. 



UatenoUtd •«□ Gtlfatgeiiibwllaleii (Tamoni vucnloal, ADKlomto) and Blutggacliwatttin fTnmaRt 

XritlrlDDg. UnUnchl^d lan BinfBchan G«n«(riiBiUiriiDg«i (ÄDgiaetulen). 
VlrtnlUn: Du uramSu Anglalu, die Telmngiectuie udu du etndctit Auginm, du numS» 
Anflora. Dit bliihan Aagiome (laUngliiaUlliclie Tulaaun udaiu Qaiehwaiiu). 

anotlla Qalchviilal, Fungui vaicuUrii [Ga/maaachwiimm}. Biiu: Hahbiome, Kuditnvait 
(GtrAlt), Bpitlial, BlndtgawalH. aluUicbt Fuen, MnakatiallaD, Vui TugniiB, Hanta ; Buia 
d» alBui Gawabaa. Coopmilbla nnd nlsht »mpieulttJa Foiman. BclmtUbtrkail (EractiUtli): 
Vaiglaieb mit pbyilola^gcbam Scbwallgawabe. Splaaolda, placaaUaitigt, ipoufiiöia, uTanöat 
Oticbaralat. Pulainnde and nicht polalrande Fanaan. Kuur und MacliulamDi dar Schnl- 
liug. Eraetll luil eaT(ra5i clcbl Idanüacb. Dia FT>«a vod dat UnabtiEiiilKlult der BinHüiu 
TOD dam OaKiiaratem: Seichaffanball dea Inhilu dar Binme, PhlaboIiUienj HSgllclikiil itr 
InJactioD- Artarlallfl nnd venfiaa Formcu UnJKraBita oÖBT ibgakapaalts , nod varitilclKDP 
(dlflnaa) Anglnina: Nalur du Kipial. GrBua und Geilill, progtaiiliar (Huaandai) Cbiiattai. 
Blidlau dar Bnlviirkaluiig: Nenbllduiig vod Blutgafititn. Eatstahung dar HablHuma. Eni- 
ataksBg ua lUlerni congaoltila Anglomsi achoallena sdar UDgaunaiai WuhatliDD- Spila 
Ksttlalnag: trumailaL'bi VannUaaoDgau. Aausiare Anflsme: i) gburtlchlLcba, 

AngloDa): lurlcnUra, IibUla, naio-franlila, palpebnia, bncrila^ SUrn uod bahurtar TbiU dei 
Kop/u. Hill und Nacken, Bumpf, EitTemitiltn. b) tiafe. S u b e u t ■ d a : llpoEenc nnd ptJa- 

■cnilnnam), gUndnIire, aaaira (KuactaaD-Ananryin»). Verlauf dar inuaran AniloH: 
BmiloDaB, nicantlDDtD, Flmlouan und Blulongen (sHnauuala); vallarai Wacbalhoa. BtUaii 
«Ml VarbirbDug, Cfatanbildung (Blul- nnd Kaninx&rka); Dagenantlon la Krabi. UultJpUdliL 
ProgDue. BibAndlong. Inaara Angioma; Labar, Kleran, Hill, Utanu, Darm, ZdulalMk 
(Epnlla Tucnloiu), Zmiga, Uondbaida (Kuula), GiBman, HigbmoraabStala, Auge, Bnutorgui. 

laluglectndaa. arbwaUbukalt. CaDgeDitalltit. DIffaaa, IIäcbaDut]ga Aubraltung. Nh'o 

Poim: lapplgar Bin, Dirke dar OaliiMe, drüienirllgaa Anasrhan. HjpiTpUila der CipIllBai. 
Vaibiillaii dar Artarlan und Vancn. Daa vanSaa oder TarlcEaa Aoglsm. Vail»[. 
»pi. Diu e Hellung, Ulcorilion und Vtmubnus Uaberging iD Hukom nnd Krabe. Dia tanUra 

iholdalknolta (Tuberculam bum., UirlarmJ, iugaara, losara und gamladiloi Bin tat Kiacbai- 
nuDg; Aetlologle, Bimorrholdalknnklialt, BeUelBhimarrhoidaB, Icula oder allgeiaclH KiBr 
dea ZuiUDdat, Blutungen, Kutiünduiigan, HtranguUtlon, Tkronboae, Platuli ul. Bthudluf' 
BlnsTTbiddai dar Blua, du HuirSlira, da> Ulaiui u. a. w. CarabTile AngloBa: Vv- 
Ultrüaa in EpUapila. GaUn, Räckanmuk, UlrBhiuK, Floiui obonildaa. 
D Dia talABglaotmtlichan OaistawnUtlarman (fmlieha ABfloma}: Stnuna, HjraM, 
itjunt, PolJVM (Nu«, Kl 



)vGoo<^lc 



Beieichnang und DeflnitioD der OeßLssgescbwülBte. 307 



b} ViFiK ncemoauj (clnoldea). Vuicocel« muculiDU et («minlni. Vorkommeu un 
Kapf«, In den UmkelD. Virii uiulomoticue. Elephintliiel] utuig)cclD<le>. V<;rliLDf. 
Thnnsbciae. Behinillung, 

Irnpliitlaeha Anglgm (Lirai|ibarig1tiinii|. Die racemöia Korm (Clraua, MrieurFami]: 
üepbulUBli Ixmpborcluijica. Ljmphitliiilie Taluglectiial«. Die caveruöie Ponii: Utkra- 
loiai*. lUkrocbtlt* u. i. v. Hievua l^mpbatkui. Naublldung von LjmphEafäaaeu. 



U nsere. DarstelluDg gelangt jetzt aa die Gefäasgeschwülste, 
Tnmorea vasculosi, ÄDgiome*), ein Gebiet von etwaF nn- 
stcbereo Grenzen, da aber dessen Eintbeilung sowohl, als über 
die Zahl von Veränderungen, welche man darunter recbnen coli, 
die Meinnogen sehr weit auneinander gehen. Wir scbliesseD za- 
n&cbBt alle Fälle aus, wo die Geschwulst nicht sowohl aus GeiUesen 
mit darin eothaltenem Blut, als vielmehr aus extravaairtem Blnt 
besteht, diejenigen also, für welche wir den Namen des Häma- 
toms angenommen haben (Bd. I. S. 128), einen Namen, den 
freilich noch Hooper **) für die Geßssgeschwulst in Anwendung 
bringt. Dabei ist von Tornherein zn bemerken, dass gerade um- 
gekehrt maoche Äogiome, auch noch in neuerer Zeit, für blosse 
Extravasate (Apoplexien) gehalten worden sind, dass also grosse 
Vorsicht in der Benutzung der Literatur anzuwenden ist. Von 
den frfihereo ScbriftsteUeni haben selbst solche, welche dem 
Gegenstände eine besondere Aufmerksamkeit schenkten, in der 
syetematischen Trennung wenig Glück gehabt. So unterscheidet 
Alibert in der Gruppe der Get^sk rankheiten (Aogiosen) zwei 
Kategorien von hierher gehörigen Bildungen als ganz verschiedene 
Genera; den Hftmatoncus (Blutgeschwulst, h^matoncie), welcher 
oDgeEähr der cavernOsen Varietät gleichzusetzen ist*"), und das 
Ecchymoma, welches zum Theil dem Gefössmal, znm Theil 



*) Ich liehe den Aogdruck Angioma dem von J. Hughes Benoett 

(Clinieal lectnres od the principlea md practice of mediciue. Edinb. 18Ö8. 

p. 156) und TOD Pullin (Traite ^l^m. de pathol. externe. P&ria. 1861. T. I. 

p. SM) gebrADchten des ADgionoma, der etymologisch falsch gebildet ist, Tor. 

**) Hooper. Tb« morbid anatom}' of the hnman biain. Lond. 182Ö. p. i3. 

***) Alibert Nosologie ofttnieUe (IglT). Paria. 1838. p. 834. 



gii^osb/GoOt^lC 



sog FDDfQDdEwaniigBt« Vorlesnng. 

der wahren H&morrhagie entspricht*). Noch nngicherer ist die 
Sache dadarch geworden, dass man allerlei hämorrhagische Ad- 
Schwellungen oder wirkliche Geschwülste mit innerer BlntauB- 
tretung, die möglicherweise irgend welche erweiterte Geßaae er- 
kennen lassen, hinzufügte. Bre&chet**) hat solche Tnmeors 
sangnines d'un caract^re ^nivoque sehr sorgf&ltig abgehandelt, 
ohne Klarheit in die Sache zu bringen. Die Bezeichnnng der 
Blotgeschwalst, des Bämatoma oder Hämatoncus, des Tumor san- 
gaineus an sich ist, auf Gefässgeschwülste angewendet, nur dain 
angethan, von vornherein Dndeuttichkeit zu schaffen. 

Im Allgemeinen kann man oagen, dass zu den Geschwfllsten 
im engeren Sinne des Wortes, wenigstens zu den Gewächsen, 
von denen wir hier handeln, nur diejenigen Formen gerechnet 
werden dürfen, welche wesentlich ans nengebildeten Ge- 
fässen oder aus Gefässen mit neugebildeten Ele- 
menten in der Wand bestehen. Wir schliesuen daher auch 
diejenigen Fäll« aus, wo partielle Ausdehnungen oder Erweite- 
rungen einzelner Geffisse einen geschwulstartigen Charakter an- 
nehmen, also namentlich die einfachen Aneurysmen und Varicen, 
die freilich in früherer Zeit ein Hanpt-Capitel der Gesohwnlat- 
lehre ausmachten***). Allein die Grenze ist auch hier keines- 
weges so scharf, als man wohl voraussetzen mOcbte. In der 
That schliesst sich die £ntwickelung der auf Neubildung von 
Geissen beruhenden Geschwülste oder, wie Uassef) sagte, der 
Gefässwucherungen insofern ziemlich innig an die blossen 
Erweiterungen von Gefäesen, die Angiectasien an, als einer- 
seits auch in jenen Geschwülsten Erweiterungen der GeAsse zn 
bestehen pflegen und alü andererseits bei den meisten bleibenden 
Erweiterungen der Geisse auch eine Zunahme der Wandelemente 
eintritt Auf diese Weise nähern sich die zwei Gebiete so, dass 
es endlich gewisse Zustände giebt, wo es in der That kaum sn 



nod» bom. morbia. Manh. 1792. Lib. III. p. 97) sebr bestimmt Gcchymoma 
noi Naevna. 

**} Breschet Rupert, g^o^r. d'aoat. et de physiol. patholt^ et de 
cliniqae chirorgicale. Parie. 1826. T. U. 1. p.U2. 

***) David Tan Gesacher. Versuch einer Abhandl. Qber die Hatnr n. 
BeilnQg der verecb. Arten tod Geacbwfllstea. Ans dem HolL Leipa. 17&T. 
S. 168. 

f) K.E. Hasse. Anat. Bescbreibnog der Rrankheit«D der GircBlationa- 
H. Respirationsorgane. Leipa. 1811. S. 136. 



jvGoo'^lc 



Eiiithsfhitig d«r Angiome. 309 

sagen ist, ob man das Ding, in die Kategorie der eigentlichen 
GesohwnlstbildoDg rechnen boU oder nicht, ja wo eine Grenze 
fiberhaapt nidit mehr zn ziehen ist. 

Am klarsten ist die Sache natürlich da, wo es sich um die 
kleineren Einricbtnogen des GeABsapparatee handelt, also wo 
wesentlieh nnd faanptsächlich die Geschwulst an der Stelle 
der Capillaraaebreitung sich befindet, daher in den Fonnen, 
die Gerdy *) als Tomen rs vaso-capillairea bezeichnete. 
Ich will damit nicht sagen, dass eine solche Geschwulst immer 
aas einer Veränderung der Capillaraaebreitung unmittelbar hervor- 
gegangen ist; aber sie findet sich an der Stelle dereelbeo, sie 
substitairt sich derselben. Gapillaren sind an der Stelle nicht 
mehr vorhanden, sondern an ihrer Statt finden wir eine gewisse 
Entwickelung tod Gef&Bsrkumen oder wenigstens von Blut füh- 
renden R&umen. Das sind die im engeren Sinne sogenannten 
caTernOsen Formen. — Daran schUeest sich eine zweite Tarietilt 
M,. die Telangiectasie oder das einfache Angiom, wo 
Gapillaren unzweifelhaft noch existiren, aber meist in einer sehr 
erweiterten Gestalt and zugleich mit sehr bedeutenden Ver&nde- 
mngen ihrer Wandungen, h&ofig mit bedeutender Zunahme der- 
selben. Dabei sind bald die Arterien, bald die Venen mehr be- 
theiligt; das GapiUarsystem ist freilich wesentlich afticirt, aber mit 
ihm znsammen leiden Arterien oder Venen, bald so, dass die 
Arterien, bald so, dass die Venen mehr im Vordergrund stehen. 
Alle diese Zustinde wird man unbedenklich in die Reihe der 
Geftssgeschw&lste rechnen, sobald sie mit einer wesentlichen Zu- 
nahme des Dmfanges der Theile verbunden sind. 

Tritt dagegen vor der Entwickelung der Arterien oder der 
Veoen die Ansbildnng des Captllarapparates zurück und erscheint 
aas die Afiection wesentlich als eine solche, die sich auf die 
grösseren Stbnme bezieht, dann wird es mehr und mehr unsicher, 
sie als Geschvralst aufzufassen. Man pflegt gewöhnlich die Grenze 
Bo zu ziehen, dass man die mehr auf einzelne St&mme oder auf 
eiazelne Stellen einzelner GeßUse beschränkten Erweiterungen 
auBscheidet nnd nur diejenigen Fälle den Geschwülsten zurechnet, 
wo ganze Gefäeagebiete afficjrt werden. Wenn altio eine bestimmte 
Vene oder Arterie, sei es in ihrem ganzen Verlauf, sei es an 



*) Oerdy. Union niA. 1862. Joill. No.88. 



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310 Fflnfiindiiniizigste VorietUK. 

einzelnen Stellen, erweitert ist, so nennt man das knn einen 
Vai-ix (Pblebectasia) oder ein Aneurysma (Arteriecta- 
sis); sobald sich die Erweiterung aber fortsetzt auf das gaou 
Gebiet des betreffenden Geftsses, dann giebt man dem Dinge 
einen Specialnamen, denn es nähert sich dadurch den eigentlieh 
geschwulstartigen Bildungen. Ich rechne dahin hauptsSchlich die 
racemflsen Angiome. 

Begreiflicherweise sind das lauter conventionelte ünterscliei- 
dungen, welche um so weniger überall ausreichen, i^s anzweifel- 
haft sehr oft Uebergänge von einer Angiomforni zur anderen vor- 
kommen. Wenn wir versuchen, die Neubildung in den Wandnngeo 
als Kriterium , als Unterscheidungsmerkmal hinzustellen , so hat 
das doch mehr es post seiue Bedentung, als dass es ein, die 
Ciassification von vomherein bestimmender Ansgangspnokt w&re. 
Es ist das um so weniger der Fall, als eine Bildung neuer Geiiase 
and eine Vermehrung der WandbestandUieile bestehender G^tose 
bei den verschiedenartigsten anderen Geschwfllsten vorkommt 
Wir haben schon in einer grossen Zahl der bisher abgehandelten 
Geschwülste derartige telangiektatische Variet&ten aufge- 
führt. In der Literatur und Praxis sind daraus zahlreiche Ver- 
wechselungen hervorgegangen, wesshalb ich sp&ter noch darauf 
zurückkommen werde. Bier bemerke ich, dass der Name des 
Angioms nnr auf solche Geschwülste passt, welche ganz oder 
wesentlich aus einer Umbildung von Gef&ssen oder Gef&sselementen 
bestehen, dass dagegen alle diejenigen Geschwülste, in denen 
neben ihren weBeotlicben Bestandtheilen die Gef&sse in einer 
hervorragenden Weise sich entwickeln, eben nnr als telangiekta- 
tische, wenn man will, angiomatOse Varietäten der betreffenden 
Geschwnlstart aufzuführen sind. Für manche Fälle mag es beqnem 
sein^ diese als falsche Angiome von den wahren zu trennen. 
Unter den wahren Angiomen erscheint als die am meisten 
charakteristische und von dem gewöhnlichen Gefässhabitua sich 
am meisten entfernende, gewießermaassen am meisten heterologe 
Form diejenige, welche ich zuerst erwlüinte, nehmtich die caver- 
nüse (Angioma cavernosum), — eine Form, welche im 
Laufe der Zeiten sehr verschiedenartige Namen getn^ien bat, nnd 
welche noch bis in die neuesten Tage hinein zu sehr mannich- 
faltigen und überaus wideretreitenden Deutungen Veranlassung 
gegeben hat Die älteste bestimmte Angabe, welche ich darüber 



)vGoo<^lc 



' fiode, ist die tod Pleack*), der eine Art von Hattennal als 
Nftevus cKTeraoBas beschreibt. John Seil**) dagegen Ahrto 
den NtuDen deB Anenrysma per anastomosin (Aoearysm by 
anastomosis) ein, wobei er jedoch über das Gebiet dieser VarietiU 
hinaas einen Theil der racemftsen Angiome mit umfaaete. Seit 
dem Anbage unserea Jahrhanderts hat man einen grosaen Theil 
dieser Znst&ade mit dem viel discatirten Namen des Fangus 
haematodes belegt, einem Namen, der sehr bald vielfach misa- 
i^tanden worden ist (Bd. IL S. 124, 174, 190). Wfthrend Hey, 
Wardrop und die englischen Aatorea fiberwiegend darunter eine 
bOsartigd, krebsige, sarkomatOse oder sonstwie heterologe Ge- 
Bchwulst verstanden, kam namentlich durch die franzdaischen 
Chirurgen auch die Geffissgeschwulst unter dieselbe Beseichnaag, 
and die Ausdrficke des Fungns haematodes und des Fungns 
medullaris liefen vielfach durch einander. Maunoir*") ver- 
Buofate ea, beides aus einander eu lösen, indem er den Fungns 
haematodes blos auf die Ge^ageschwulst znrflckfBbrte; da aber 
dieser Name von seinen engliEchen Erfindern in einem ganz 
anderen Sinne, nehmlich gerade ffir die Geschwulst, welche 
Hannoir als Fangns medullaria beieichnet wissen wollte, in 
die Terminologie eingefBhrt war, so scheiterte sein Verauch gftnfr- 
lieh. Nicht wenig trug dazu der Umstand bei, dass Dupuytrenf) 
gerade nmgekehrt die eigentliche Gefässgeschwulst als Tumear 
erectile bezeichnete und den Namen des Fungus haematodes 
aof solche Geschwülste anwendete, in denen das erectile Gewebe 
„in Verbindung mit krebsartiger Materie« war. Schuh ff) hat 

*) Job. Jac. Pleock. Doctrina de morbia cntaneis. Vtenn. 1776. p.36. 
Est excresceatia cutanea rubri vel lividi coloris, quae ex tela celluloea in 
»obBtaDtiam caTernoBam mutata constat, et BaogoiDom yel buccddi gelati- 
nosum in cavernuliB bdU coatineL 

") JohnBell. Thepriociples of Burgery. Looa. 1826. Vol. ]II. p. 326, 383. 
(Die ante Ansgabe dieses Werket iat von 1796). 

"*) Hannoir. Memoire aur leB fongUB m^dullaire et brimatode. Parip 
et üeo. 1820 p. 4, 72. — reservant 1e terrae de fongoB b^matode pour dea 
tnaenn Traiment sanguineg et TMcalairee, c'SBt-ä-dire enti^rement com- 
pos^ea d'on lacis inextricable de Taieseaui eanguins, reoDia par un tisBa 
c«Ilu1aire lache, formaat na ensemblö d'un aapect spongienx. Nach einer 
Notia bei GravetUier (Esaa! sor l'anat. patli. Paria. 1B16. T. II. p. 144. 
Not«) stammt die Unterscbeidung schon von Fine, dem Ghirnrgien en chef 
des HAp. g^o^r. de Geneve. 

t) Dnpajtren. Klin. chir. Vortrige. Ans dera Frani. Leipi. 1884. 
Bd. 11. 2. S. 20. 

ft) Schuh. Ueber die ErlcenutnUs der PBendoplaBinen. Wien. IB&l. 
S. 120. 



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312 Ftliiftiii<bmiiii|;ita VorlMong, 

die Saehe noch mehr ia Verwirning gebracht, indem er erst den 
Ansdrnck des Gef&sBBchwsmmes, Fongus vascnlaris eis- 
ftibrte, diesen aber Bp&ter*) gteich&ills wieder gegen den des 
BlutfichwammeB, Fungiis haematodefi, aufgab, und nur durch die 
BezeiclinuDg des „lappigen" diese Art des Fongos haamatodea 
von dem „markschwammigea" getrennt wisBen wollte. Während 
er früher die Telangiektasie als den Anfang, die cavernOse Ge- 
schwulst als die BIQthe des Gefässschwammes ansah, bannte er 
später den Blatscttwamm in zwei Arten, die lappige nad die 
cavemOse, welche sowohl anter sich, als von der Telangiektasie 
unterBchieden werden sollten. ÜDglficklieherweise nannte er abw 
gerade das, was bis dahin als die typische Form der Telangi- 
ektasie angeBehen war, den lappigen Blutschwamm. Erst gau 
Deoerlich **) überzeugte er sich , dass dasjenige, was er Telangi- 
ektasie genannt hatte, eioe caveraOse Bildung sei, imd er begann 
nunmehr, dieselbe anter dem Namen der „mdit amschriebenen 
cavernOsen BlatgeschwalBt" va fOhren. 

In der That ist die Bezeichnung -des FnngDs vaBOiilaris eb«kSO 
schlecht, als die des Fangas baematodes. Denn es erhellt ans 
der Literatar, daes zu allen Zeiten Fangus ut sich mebr die 
pilzförmige HerTorwacherung (Bd. I. S. 9, Bd. II. S. 173), als 
das ßchwammige, Masohige des Baues bedeutet hat, welches 
letztere hier eigentlich gemeint war. Fungns bat nehmlich m 
' dem hier untergelegten Sinne mebr den Begriff einer Spoagia, 
eines Tumor spongiosus, eines Blntscbwammes, wie man 
im Deutschen gesagt hat***). Han verglich, and das ist eine 
sehr brauchbare Vei^Ieichnng, das Aasseben seines Innern mit 
dem eines Badeschwammes, der voll von Blutwasser oder mit 
Blut selbst getränkt ist 

Macht man nehmlich, während die Geschwulst sich noch in 
Verbindung mit dem lebeoden KSrper befindet, einen Einschnitt 
in dieselbe, so quillt das Blut in grosser Henge aus allen Theilea 
dertselbeD hervor , meist in continuirlichem Strome , zuweilen 
spritzend und pulsirend. Schneidet man die Geschwulst heraus, 
so i^Ut sie zusammeo, das Blut entleert sich mehr oder weniger 

*) Sebab. Patbol. a. Tberwie der Pseiidoplum«ii. Wien. 1854. S. IH. 
") Schnh. Wiener raedic. WocbenBchrift. 1861. Ko. 48. 
"*) Phil. T. Wslther. Journ. fDr Chimrgie n. s. w. von Orife n. Wmltfaar. 
Wii. Bd. V. S. 23a. 



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B*n der CKTernflseo Angiome. 313 

TollBandig, nad das znrackbleibende Gewebe eracbeint wie ein 
wsisslicheB Strickwerk, welches eich unter Wasser leicht entfaltet 
nad eine grosse Uenge tod Oeffnangen zeigt, durch welche man 
in sablreiche, aoter einander in Verbindung stehende Hohlräume 
gtdangt. Spritzt man in diese Hohlräume Flfisßigkeit, so dringt 
dieselbe mit Leichtigkeit von Hohlraum zu Hohlraum, und geht 
von da ohne Schwierigkeit in Venen fiher, die häufig erweitert, 
geschlängelt und sackig ausgebuchtet sind. Die Hohlräume haben 
in verschiedenen Geschwülsten und an verschiedenen Theilen der- 
selben Gefiohwulst sehr verschiedene Weiten. Manchmal und stel- 
lenweis sind sie ganz fein, fast punktförmig; meist haben sie 
einen Durchmesser von ^ — ^ — P,, zuweilen von 1 — 3 Linien, so 
dass sie einen Stecknadelknopf oder ein Hirsekorn aufnehmen 
kftnnOD; zuweilen sind sie noch grosser. Ihre Gestalt wechselt 
gdeieh&lls, selten ist sie vollkommen rnnd, häufig zeigt sie sich 
Unlieb und etwas eckig oder bnchtig*). 



In Leichen findet man diese Hohlräume häufig noch ganz 
gefällt mit Blut, sei es mit flüssigem, sei es, was bei grosseren 
fast immer der Fall ist, mit geronnenem. Legt man solche 



Fig. 331. Aogioma caTerDoaam diffusam der Unterhaut nnd Haskelii 
TOD der Halftgegeod eines Ervachaonen. Die Gegcbvnlgt hatte in den grVSsaten 
Durch measern eine Länge von j bei einer Hohe von 2—3 Cent. Sie greift 
an einseloen Stellen in die Haut selbst c Ober, liegt jedoch haoptgächiich 
im Bubcatanen Feit and !□ deo anetosseDden Muskeln in. Weiterhin fanden 
sich noch ganz nnabhSogige Kooteo inmitten dt>r Huelceln. Die Mascben- 
rinme sind sehr weit, von mehr uuregelmSssiger Gestalt; an einigen Stellen ;>p 
sieht man bis erbsengrosse, zum grossen Theil knorpelartig beschaffene Venen- 
steine (Phlebolithen). Das Balkenwerk ist verh&ltnissmSssig dünn; an man- 
chen Orten bildet es derbere Knotenponkte, von denen feinere StrSnge nach 
TerBcbiedenen Richtungen ausgehen. Präparat No- 15 vom Jahre 1B63. Etwas 
nnter natDrI. GrOnse. 

■) Paget Leot. on sorg, patbol. Vol. II. p. 238. fig. 87. Hegchl. Gom- 
pendiam der pathol. Anat. Wien. 1866. S. 162 Pit.2b. Esmarnh. Hein 
Arcbiv. Bd. VI. S. IS. Taf. I. "Fig. 3. 



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314 FHofnadiwaDzIgste Vorlssnng. 

GeecbwSlste sofort in Spiritas, so kann man sie sehr bequem hbt«n 
und ein dentlicbea Bild der Zusammensetzung auf Schaittflichen 
gewinnen. Man überzeugt eich so, dasB es sich um wirkliehe 
Blnti^ume handelt. 

Ist dagegen das Blut ausgeflossen, so bleibt allein das Gewebe 
des Strick- oder Maschenwerkea flbrig, welches diese Bfinme um- 
grenzt; es ist dies gewissermaassen das Gewebe der Geschwulst 
selbst In den sehr weitmaschigen Geschwülsten bildet ea blosse 
Balken von rundlichen) oder plattem Querschnitt, welche manch- 
mal als feinste Fädeben von ^'^ — ^Y Linie Dicke ansgespaoot 
sind, anderemal bis zu \ Linie und darüber Dicke haben; in den 
engmaschigen Formen sind es keine Balken, sondern platte 
Scheidewände, welche von kleineren oder grosseren Oefinangen 
durchbrochen sind and dadurch stellenweis in siebfßrmige Platten 
verwandelt werden. Die Knotenpunkte, wo mehrere solche Balken 
oder Scheidewände zusammenetossen, pflegen eine grössere Dicke 
zu besitzen. Zuweilen finden sich auch noch andere Steilen von 
dichterer und festerer BescbafTenheit, gewissermasssen KemstelleD, 
gegen welche die Balken radiär zusammenlaufen, indem die Hohl- 
räume immer enger nnd feiner werden. Die Oberfläche der Balken 
ist vollkommen glatt. 

Was nun die Natur dieses Balkengewebes betrifft, so hat 
mui sich häufig auf die Angaben Job. iHüller's*) berufen, dass 
darin geschwänzte Eürper vorkämen. Aber es ist nach der 
Abbildung, welche wir ron ihm besitzen, höchst zweifelhaft, ob 
das, was er gesehen hat, wirklich BindegewebskOrperchen waien; 
seine Zeichnung passt genau auf das Aussehen der platten, meist 
spindelförmigen Epithelialzellen mit grossem Kern nnd Eem- 
k&rpercben, welche die innere Oberfläche der Hohlräume bekleiden 
und sich sehr leicht, zumal bei leicht fauligen Zuständen des Prä- 
parats, ablösen. Man findet daher zuweilen das Bpithel nicht mehr 
in situ**), aber ich muss nach wiederholter, besonders anf diesen 
Gegenstand gerichteter Untersuchung der Ansicht Lahlreicher Beob- 
achter***) beipflichten, dase normal ein zartes Plattenepithel die 



■)Job.HQUer. Ueb«i den feioerau Bau der QeMbwDIite. S.7.T»r.lll- 
Fig. 17. 

**} W.BaBcb. Chirurg. Beobichtungfln. Berlin. 1864. 3.217. 
"•) RokittDBlfy. Hudb. der piith. An>t Wien. 1846. Bd. I. S. 878. 
John Simon. General pmtholo^. Lond. 18C0. p. 120. Eemarch. Heia 



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Hietologie der caTernOson AnKiome. 315 

Hohlräame aaskleidet. An etwas dickeren Schnitten kann man 
66, znmal nach schwacher £sBigs&ure-Behandlung, in zusammen- 
h&ngender Lage Qber die Oberfläche der Balken ansgebreitet sehen. 
Es bildet eine einfache Schicht. 

Unter diesem Epithel besteht die Gnindmasse der Balken 
ans einem dichten, bald wirklich welligen, bald nur streifigen 
oder steifßiserigen Bindegewebe, dessen zellige Elemente selten 
reichlich und noch weniger bequem zu isoliren sind. Meist sieht 
nuto nur nach Einwirkung von Essigsäure ihre Kerne im Gewebe. 
Zaweilen ist das Bindegewebe ganz rein, ohne alle sonstige Bei- 
mengung. Anderemal finden sich elastische Fasern*), selbst 
so reichlieh und so verfilzt, dass sie dem Gewebe den Habitus 
des Endocardiums geben**); im letzteren Falle bilden sie eine 
besondere Sohicht unter der Oberfläche des Bindegewebes. Von 
hfichstem Interesse ist das, freilich nicht constaote Vorkommen 
einer ferneren Bildung, nehmlich von glatten Muskelfasern***), 
welche sich durch Salpetersäure leicht isoliren lassen. Sie bilden 
innertialb des Bindegewebes um die Hohlrftume concentriscbe, eio- 
ütche oder mehrfoche Lagen, gewöhnlich in den feineren Balken 
sahlreicher, als in den gröberen. In manchen Geschwülsten 
scheinen sie ganz zu fehlen, in anderen sind sie Tereinzelt, in 
fielen bilden sie einen Hanptbestandtheil des Gewebes. Dazu 
kommen in den gröberen Balken noch Gefässe, Vasa vasorum, 
meist Gapillaren t) , von denen Wedlff) fand, dass sie zum 
Theil in die Hohlräume münden. Frerichsfff) konnte sie in 
der Leber von der Art, hepatiea aus injiciren, gleich den Vasa 
Tasornm der Vena hepatiea. Gegen den Umfang der Geschwülste 
findet man auch grossere Arterien mit starker Ringfaserhaut'f). 



ArchW. Bi VI, S. 43. Taf, II. Fig. 4a, b. Virchow. Ebendae. S. 532. 
R. Hai«r. Ebendas. Bd. VIII. S. 131. Beschl a. a. 0. S. 162. Fig. Sör. 
HaDBeen. Zeitacbr. fOr rat. Hedicin. 1863. Reihe 3. Bd. XX. S. 16.^ 
•) W. Bosch a. a. 0. S. 217. Eemarch a. a. 0. S. 44. 
••) Virchow a. a. 0. S. 535. Hegcbl a. a. S. 161. 
•*•) Virchow. ArehiT. Bd. III. S. 446. Bd. VI. S. 534. Eamarch a. a. 0. 
S. 44. Taf. II. Fig. 4 rf—/. R.-Maier a. a. 0. S. 130. Gnbler. Bull, de 1» 
soc. aii*t 1860. p. SS9. Hanaaen a. a. 0. S. 165. 

t) Esmarch a. a. 0. S. 45. Heschl a. a. 0. S. 162. 
ff) Wedl. Beitr&^e zur Pathologie der Blutgefässe. Abth. lU. S. 28. 
(Sep.-Abdr, ans den Sitiongaber. der Wiener Akademie. Bd. LIII.) 

f+f) Frarichs. Klinik der Leberkrank hellen. Brannschw. 1861. Bd. 11. 
S.213. Taf. VI. Fig. 3, 5-6. 

•f) Virchow. ArchJT. Bd. VI. S. 535. 



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316 FflnfdDtlswMuigate VorlMung. 

Nerven Bind von Esmarch bis in die änesere H&Ile, tob 
Schuh*) in das Innere verfolgt worden. 

Dieses Bind die eigentlichen Bestandtbeile der Geacliwiilst 
AnsBerdem findet man in ihnen gelegentlich kleinere oder grOsBere 
Reste des nrBprünglichen Gewebes, in vreldiem die Neabildnog tn 
Stuide gekommen ist. So zeigen sich in der Lobw Reste der 
Galleog&nge und der Leberzellen**), im Fettgewebe Fettläpp- 
eben***) oder Fettzellen, in den Muskeln veränderte nnd nnver- 
änderte Primitivbflndel. An einzelnen Stellen, oameotlich in dM 
Nieren, erreichen die Balken eine grossere Stärke, so dasB die 
Geschwulst ein solideres Aassehen gewinnt. In diesem Falle 
können allerlei Randzellen, FettkOrnchenzellen , selbst Pigment- 
kOrner darin eingeschtossen sein. 

Je nach der Masse dieser Gewebe fühlen sich die cavemOsen 
Gesehwülste sehr verschieden an. Die meisten sind weich, naeb- 
giebig nnd lassen sich dnrch Druck vollständig entleeren ; andere 
dagegen bieten eine grossere Resistenz nnd behalten auch nach 
dem Aosdrfioken des Blntes ein gewisses grosseres Volumen. 
Man kann darnach mit Brnnsf) compreesible nnd nicbt 
compressible nnterscheiden, ind^e hat diese Unterscheidong 
keine groSBe praktische Bedeatnng. 

Vergleichnngen dieser Bildung mit gewissen physiologiscbai 
Geweben des Körpers bieten sich leicht dar. Es giebt im EOiper 
manche Einrichtongen , welche eine ähnliche spongiOae Beschaf- 
fenheit darbieten ff ). Dahin gehOrt die natfirliche Einrichtung 
der SchwellkOrper an den Genitalien (Corpora cavemosa penie 
und clitoridis), sowie das Schwellgewebe, welches sich hier 
und da an anderen Looalitäten findet, z.B. dasjenige, welches 
am hinteren Theile der Nasenhöhle in der Schleimhant der 
Mnscheln gelagert nnd welches durch Kohlrausch fff) etwas 



*) Schah. Pathol. n. Therapie <l«r Psendoplumen. Wien. 1864. S. 113. 
'•) Virchow. Archiv. Bd.\I.S.636. Frerichs ».a.O. S.212. Taf. VI. 
Fig. Sa. 

•*■} CrDTBilhier. Trait4 a'aaat. patb. gän^. T. 111. p, 884— 886. San- 
galli. Storia dei tumori. Vol. II. p S6t. 

t) Brans. Hsndb. der prsktischea Cbinirgie. labiDgen. 1869. Abth.U. 
Bd. I. S. 166. 

tt) Schon John Bell B»gt: The tumonr is a coogenes of actiTe veueU, 
and the cellnlar lubstance throngb which theae vegeels ftre espanded, re- 
semblea tbe cellolar psrt of the penis, the gills of a tnrkey cock, or Üu 
BDbstaaceR of tfae placenta, epleen or vomb. 
ftt) KohlraoBcb. HOllw^n Arefaiv. 1863. 8.149. Taf. V. Fig. 1—8. 



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Brectile Gevel». 317 

bekuiDter geworden ist. Dapoytrea rechnete auch das Gewebe 
der Lippen dahin. Ferner habeo wir Eiarichtangen, welche an 
dieses schwammige Yorbältniss erinnern, in der EntwickelunK, 
welche die Gefässe der UteriDschleimhaat an der PliuientarBtelle 
machen, und aus welcher allmählich das cuvernöse System der 
eigenüichen Placenta, der Placentareinus hervorgeht*). Ferner 
giebt es gewisse, namentlich venöse Einrichtungen, die keines- 
wege nnserer gewöhnlichen Vorstellung von Gef&ssen als regel- 
mässig begrenxter und fortlaufender Kanüle entsprechen, wie z. B. 
die Sinus cavemosi zu den Seiten der Sella tnrcica, die ein sehr 
ooregelmSssiges Labyrinth von Hohlränmen bilden, welche innen 
wieder viele Balken und Leisten haben und in welche die 
GarotiB and andere Theite mit aufgenommen sind. Man kann 
aber nicht sagen, dass diese verschiedenen TheUe, Corpora caver- 
nosa, Placentar-Gewebe , Sinus cavemosi, Lippen nnd Schwell- 
kSrper der Nasenmuscheln, alle nach demselben Typus gebaut 
vr&ren und dass es gerechtfertigt erschiene, sie alle im Sinne 
von Dupnytren auf ein einziges Gewebe, das erectile, zurück- 
inffthren. Im Gegentheil, an jedem dieser Punkte hat die Ein- 
ricbtoDg gewisse Besonderheiten, welche eich znnlchfit darin zn 
erkeimen geben, dass die Räume ausserordentlich verschieden sind. 
Wihrend in den Corpora cavemoaa bekamitlich die Mascbenränme 
eine mehr gleicbm&ssige Weite und eine mehr rundliche Form 
haben, also dem Ganzen das Aussehen einer mehr gleichartigen 
Bildung geben, so besteht an dem Placentarban eine sehr grosse 
Unregelmässigkeit der Räume, die bald sehr weit sind, wie am 
Bandsinns, bald durch die Einlageni^ der Gborionzotten sehr 
verengert erscheinen. Ganz verschieden vrieder verh&lt eich das 
Schwellgewebe an der Nase, wo die Menge der Geßkssräame 
gegenüber den festeren Zwischenmassen sehr in den Hintergrund 
tritt nnd das Ganze mehr als ein gefSssreiches Gewebe erscheint, 
nicht dass die Bluträume so sehr Sberwiegen, wie das bei den 
anderen Tbeilen der Fall ist. 

An diese verschiedenen Formen kann man dann in gevrisser 
Weise in der Veif leichnng noch die Milz anschliessen, die bekannt- 
lich auch ein so sehr entwickeltes Venen- nnd Capillaraystem hat, 



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318 PODfuDdmniigBte VoileBimg. 

daes an fielen Stellen die Räume, welche yod Gefässen elogenom- 
men werden, einen ganz überwiegenden Antheil der Sabstam 
auBmacben und dass die Venen in ihre Wand andere Tbeile mit 
au&iebiDen, oamentlich die Arterien, ja dass hier und da Tbeile 
des eigentlichen Milzparencbyma sich in die Wand eioscbieben. 
So erklärt ea Bicb, dase schon Bell die Mik als VergleichnngB* 
Object wählte, dase Heusinger*) die GefäaegeschwlilBte geradezu 
Splenoide nannte und dass Andral**) kein Bedenken trug, 
sie als „accidentelle MilzeD" za bezeichnen. Andere nannten 
sie placeotaartig ***) ; andere blieben bei dem Namen der spon- 
giösenf) Bteben; die meisten wählten den Namen der erectüen, 
der zuerst von Dupuytren und Richerand fftr die Schwell- 
gewebe aufgestellt und von dem ersteren auf die Gefässgeschwtlete 
angewendet wordeo warff). Der Name der cavern^aeo (oder 
zelligen) GeechwulBt ist in Deatsehland durch Meckel-f-ff) ge- 
bräuchlich geworden. 

Allerdings bietet ein Tbeil dieser Bildnngen in hohem Haaese 
ähnliche Eigenschaften dar, wie wir sie von den Schwellgewoben 
kennen, nehmlich daBS sie unter gewissen Verhältnissen unter 
Aufnahme von mehr Blut hart, prall und gross werden und sich 
fiber die Fläche erheben, io der sie liegen. Freilich ist die 
Scbwellbarkeit oder, wenn mau will, die Erectilität bei 
diesen GeschwOlsteo nicht so auffallend, wie etwa bei den Cor- 
pora cavemosa der Genitalien; viele änden sich nicht so ober- 
flächlich, dass ihre Scbwellungszustände mit groben Niveauverände- 
rungen verbunden wären. Viele von ihnen liegen entweder sub- 
cutan oder grenzen wenigstens nur mit einem Tbeil ihrer Masse 
an die Oberfläche, so dass man keineswegs durch die Geetiüt- 
veränderuug, sondern nur durch die relativ grosBe Resistenz im 
Gegensatz zu dem sonst Bchlaffen und weichen Gefühl die Schwel- 



*) C. F. HeDainger. System der ÜUtologie. Biaeuach. 1822. Bd.I. 
8. 90. 

") G. Andral. Precis d'anat. pathot. ParU. 1829. T. IL 1. p. 401. 
•*•) Scarpa bei Mau noir 1. c. p, 133, 
t) Bover. Traitö dea matad. Chirurg, et des op^tious qui leor cob- 
«enoent PariB. 1814- T. U. p.26l. 

tf-) Cruoeilbier, Essai snr l'anat. path. Paris. 1816. T. II. p. 131. 
R. B. Sabatier. De la tnid. oper. Paris. m24. T. III. p. 244. DupovtreD. 
KliD. chir. Vorles. Bd. II. 2. S. 1. 
tft) Job. Fr. MeckeL Handb. der path. Anat Leipi. 1818. Bd. IL 3. 



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Bieetile nd pulMtil« Angiome. 3X9 

langBsnstftnäe erkeiui«ii kana. Anderemal dagegen, zumal bei 
eatanea oder bis nahe an die Oberfl&che reichenden, namentlich 
augedehnteren Geschwülsten ist die Schwellung so auffallend, dass 
ue geradesa der Ereetion gleichgestellt werden kann. Diw gilt 
besonders von den stärkeren Angiomen an der Nasenwurzel, der 
Schl&fen- und Ohrgegead. 

Unzweifelhaft ist die Schwellung in allenFällen abhängig von 
einem stärkeren Blutgehalt der GeBchwnkt, wie schon aus der 
dunkleren Färbung und höheren Temperatur während des Erections- 
Zoatandes hervorgeht. Unsicher kann nur die Frage i^ein, ob die 
Schwellang durch vermehrten Zufluss oder durch Hindernisse im 
Ab&nSBe entsteht In dieser Beziehung ist zu bemerken, dass ein 
Theil der Ängiome während der Schwellung, ja manche sogar schon 
TOrhw eine deutliche, mit dem Arterienpuls isoehronische Pul- 
satioD und ein syätolisches Geräusch wahrnehmen laseen, welche 
als Zeichen vermehrten Zuflusses und stärkerer Erweiterung der 
wfBhrenden Arterien nicht verkannt werden kOnnen. Wenn je- 
dodi nicht alle Bchwellnngsfähigen Angiome diese Pulsation dar- 
bietui*) und man vollstän'dig berechtigt ist, pulsirende nnd 
nicht pulsirende Angiome zu trennen, so folgt daraus doch 
nicht, dass sie zwei ganz verschiedene Varietäten darstellen. 
Denn erfabrungsgemäss ist der Zustand desselben Angioms in 
v«racbiedenen Stadien seiner Entwickelung ein verschiedener. 
Sehr viele später palsirende Angiome beginnen als einfache, nicht 
pslairende Uäler**), und wiederum kommt es vor"*), dass ein 
früher polsirendes Angiom später diese Eigenschaft verliert Man 
wird daraus nur schlieBsen dürfen, dass der Zusammenbang mit 
Arterien in derselben Geschwulst zu verschiedenen Zeiten ein 
verachiedener ist, dass ein früher enger Zugang des arteriellen 
Blates EU der Geschwulst sich erweitem oder ein früher weiter 
I. B. durch Gerinnsel verengert oder gar geschlossen werden 
kann. Jedenfialts steht thatsächlich fest, dass Pulsation nnd 
£r«etilit&t nicht nothwendig an einander geknüpft sind. 

Dagegen lehrt die Beobachtung, dass die active Schwellung, 
ihalich wie die physiologische Ereetion, eine Folge vorauf- 



*} John Bell 1. e. p. 336. Bat pnis&tioii is not an essential and b- 
lepantble chuMter of Boch tnmours. 
**) John Bell I.e. p. 408. 
•••) LiBtOB. Med. chir. Tranamct. 18*3. Vol.XXVI. p. 12a 



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320 PflnfDiidzwuisigBte VariMnog. 

gegangener Erregang ist. Maochmal genSgen ftnasere Be- 
Führangea, um sie herTorzarnfen ; noch b&ofiger etnd es geistige, 
nameatlich moralische Eiregnngen, leidenBcbaftliche Affekte, welche 
ganz schnelle VergrSsBerungeD mit Hftrte und Erhebung der Stelle 
nach sich ziehen. Bei Frauen hat häufig die Henetruation eine 
st&rkere Anschwellung im Gefolge*). Mit der Erection verbinden 
sich manchmal unangenehme, stechende oder brennende Sensa- 
tionen. Ein nervOser Einfluas ist hier nicht zu Terkennen , und 
man vird im Grossen dieselbe Deutung wie bei der physiolo- 
gischen Erection zulassen müesen, dass der Reizung eine Erechlaf- 
fung (Relaxation) folgt, welche an das Vorbandensein musku- 
Iftser Elemente geknüpft ist. Ein Theil dieser Muskeln ist 
in den Wandungen der Eufabrenden Arterien za suchen, ^n 
uiderer gehOrt, wie echon etwfihnt (S. 315), der Geschwulst 
selbst an. Ziehen sich die Mnskelzellen zußammeo, so verkleinert 
sich die Creschwulst, indem sie zugleich weniger Slut empfängt 
und weniger aufnimmt; umgekehrt schwillt sie an und nimmt 
mehr auf, je mehr die Mnskelzellen erschlaffen. Ist im letzteren 
Falle der Zugang ron den Arterien weit offen, so wird die 
Schwellung mit Fulsation verbanden seto. 

Frfiber lag den Beobachtern d^r Gedanke, dass die Sehwel- 
Inng als solche unmittelbar abhängig sei von maskalOsen Ein- 
richtungen, sehr wenig nahe, und die VorstelloDgen Aber das 
Zustandekommen der Erection und der Schwellung im Ganzen 
waren überaus unsicher und schwankend, weil man viel mehr 
die erregenden Ursachen, welche das Phänomen etwa hervor- 
riefen, stadirte, als den Mechanismus des Phiuomens selbst Die 
Ansichten verwirrten sich überdies dadurch, dass jede Art von 
Gefftssgeschwatst, mag sie nun cavernOs sein oder 
nicht, sohneller An- und AbBcbwellnng fähig ist nnd 
insofern erectil genannt werden kann. Einfache Telan- 
giektasien und variktkse Geschwülste können durch sehr vei^ 
mehrten Zuflnss oder durch Hemmungen im Abflnss gleiehfidlB 
grossen Schwankungen des ümfanges ausgesetzt sein. Nennt 
man die Zunahme des Umfanges sofort eine Erection, so de^en 
sich die Begriffe erectil und cavernös keineswegs, vielmehr o 



*) Jotan Bell I.e. p. 884, 890, 40t, 414. LauDaj etHoKuiei 
p. 389. EBmarch. Hein ÄTchiv. Bd. VL S. 



de U soc amt. 1860. p. i 



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VMhUtmu der »TernSBen OMchwalst lu den Geßissen. 321 

die Bezeiehniing der erectUen GeechwülBte Bämmtliche Angiome. 
UngefSbr jn diesem Siane hat Lebert*) die Sache anfgefaest. 
Daraus sind natürlich neue MissvergtändDiSBe hervorgegangen, und 
namentlich Robin **) hat geradezu geleugnet, dass es irgend eine 
Art von Neubildung gebe, welche dem normalen erectilen Gewebe 
in veigleichen sei. Dieser Irrthum wäre wahrscheinlich leicht zu 
vermeiden gewesen, wenn die Bezeichnung der erectilen Ge- 
schwulst nicht gemissbraucht worden wäre, und wenn Robin 
eine genugende Zahl cavemOser Geschwülste gesehen hätte. 

Aber auch diejenigen, welche auf dem Boden der Thatsachen 
das Studium wirklich cavernöser Geschwülste betrieben, gerietfaea 
aof gewisse Abwege. Dahin rechne ich namentlich die noch bis 
in die neuere Zeit mehrfoch festgehaltene Yorstellung, dass solche 
Bildungen an sich nichts mit den Gefässen zu thun hatten, dass 
sie als etwas Unabhängiges neben den Gefässen sich entwickele 
und neben den Geissen existiren mQchten. Es ist eine solche 
AnfTassung am allerschroffsten von einem unserer besten Beob- 
aehter, von Rokitansky***), festgehalten worden, der noch 
bis aof den heutigen Tag, in ausdrücklichem Widerspruche gegen 
meine Aaßassung f), von der Voraussetzung ausgebt, dass die 
cavernOse Geschwulst urspranglich eine vom Gefösssystem ge- 
trennte Entwickelung darstelle , und dass die Cavernen oder 
Alveolen, welche das Blut enthalten, besondere Räume seien, 
die mit den Gelassen erst später in Verbindung treten, und in 
welchen das Blut, welches sie enthalten, als antochthones Froduct 
sich gebildet habeft)- Rokitansky meint daher, dass die 
caveraöse Geschwulst in einem hoben Maasse vergleichbar sei 
den sogenannten alveolären Bildungen, von denen er das Carcinom 
als Paradigma betrachtet; die cavernOse Geschwulst sei gleich- 
sam ein Carcinom, wo statt der Krebszellen Blutkörperchen in 
den Räumen enthalten wären. Er setzt als die Grundlage der 



■) Labert Ph;Hiol. pntb. T. IL p. 97. TraiU d'uat. path. T. I p. 206. 
**) RobiQ. Qu. m^d. de Paria. 1854. p. 328. 

•**) Rokitansky. Haodb. der path. Anat. Wien. 1846. Bd. l. S. 277. 
t) TiTchOT. Archiv. 1851. Bd. IIL S. 446. 1854. Bd. VL S 525. 
tf) Rokitaaek;. Ueber die Bntwickelang der KrebsgerDste mit Hin- 
blick aDf das ^feaeD und die Eotwickelung nnderer Maschenwerke. S, 14. 
(Sitsnon berichte der raath.-naturwisB. ClsRae der R. Akad. der Wies. Bd. Vill. 
1853. Hirz). Lehrbuch der path. Anat. Wien. 1855. Bd. L S. 208. Scbnb. 
PsendopUsmen. Wien. 1854. S. 174. 

TlKka«, ' 



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332 FSnfnndzwMiiJgate Vorlesnsg. 

ganzen Entwickelung ein maeebigoe, ans festen BalkdDxfigen l>e- 
Btehendes Gewebe (Maschenwerk), und in den Rannten desselben, 
wo beim Kreb» sieb grosse Zellen finden, da, sagt er, liegen und 
enttttehen die Blutkßrpercben. Jeder Maschenranm erscheint ihm 
ursprünglich als eine Blutblase, welche ihr Blnt nicht empfong^i 
bat aus dem gemeinscbaftlichen grossen circnlirenden Strom, 
sondern in welcher es entstanden ist, wie die Erebesellen an 
diesen Orten entstanden sein würden. Es gab eine Zeit, wo 
Rokitansky*) so weit ging anzunehmen, dass dieser Blut- 
scbwamm eine Art Krebs sei, indem er einerseits die Mnltipliciat 
dieser Bildungen, die zuweilen in demselben Individuum statt- 
findet, andererseits das Coincidiren, ja die Combination mit Krebs 
urgirte. Wir werden nachher darauf zurückkommen; es sind 
allerdings znm Theil richtige Thatsachen, von denen er ausging, 
aber trotzdem wird Niemand leugnen, dass eine Zusammenstellung 
mit Krebs nnmCglicb ist, und Rokitansky **) seibat gesteht in 
der neueren Zeit zu, dass diese Bildung eine gutartige sei, also 
eine solche, die man nicht unter dan Carcinom setzen kann. 
Allein genetisch ist es immerhin eine sehr erbebliche Frage, ob 
hier eine anabbängige Erzeugung von Blutränmen neben dem 
Gefässj^parat stattfindet. Denn wenn das der Fall wäre, so 
würden wir überhaupt diese Form nicht eine GefSssgeschwnlst 
nennen kOnnen , sondern es würde eine selbständige Bl at* 
geschwnlst sein; es würde dann das Blut das eigentliche 
Product der Entwickelung sein, nicht das Geftss, und neben 
GefÜBsgescbwülsten, neben Angiomen würden wir eine besondere 
Art von Blutgescbwülsten unterscheiden müssen, wir würden, wie 
Peter Frank seiner Zeit gethan bat, den Namen des Haematoms 
füT diese Art wählen müssen. 

Es lässt sich nicht leugnen , und es ist durch directe 
Untersuchung, namentlich durch Injection, sehr leicht tu zeigen, 
dass, wenn eine Geschwnlst dieser Art eine gewisse GrOsse er- 
reicht, sie mit dem Geßssapparat unmittelbar zusammenbftngt 
Man kann durch Injection ihre Verbindung herstellen und ins- 
besondere sehr bäufig mit grösseren Venen Zusammenhänge 
finden. AlUin nach der Auffassung von Rokitansky wOrde 



*) RokitaDskr. Qeber die EotwickelDiig der KrebagerOste. S. 16. 
*■) RokitaiiBk;. Lehrb. der path. Anat. 1856. Bd.L S.20&. 

D.qmzecbvGoO'^lc 



TerhaUaiea der cavernCHeD OeechwnlBt tn den GefSssen. 323 

diwe Verbindong ergt eine secnndäre sein; eie würde so zo 
Stande kommen, daea in dem Maasse, als sich die Areolen der 
Geschwulst mehr und mehr entwickeln , an gewisseD Stellen 
die Wand irgend einer Vene, welche in BerQhning mit der 
GeBchwnlst tritt, asnrirt, endlich perforirt würde, und so die 
B&ame der Geschwolst mit dem Lumen des Gelasses io eine 
directe Anastomose gelangten. Auch Busch*) hat sich einer 
kholichen Auffassung angeschlosipen , jedoch von einem anderen 
Gesichtspunkte aus. Er findet nebmlich Beziehungen zwischen 
gewissen congenitaleo Hygromen und Bämatocysten, von denen er 
annimmt, dass an ihnen zuerst eiae, sei es cavernCse, sei es einfach 
eyatische Eatwickelnng nehen den Gefässen zu Stande komme, 
di« erst später durch Usur der GeftUiswandungen mit den Gelassen 
in Verbindong trete und sich durch Hämorrhagie fülle. Dies ist 
ffir gewisse Fälle richtig, aber keineswegs für die Angiome, bei 
denen cavemßse Räume, die urBprünglich kein Blut enthalten, 
als ein regelmäesiges Entwickelangastadium nicht existiren. Bei 
ihnen fragt es sich also wesentlich darum: giebt es einen Zeit- 
raam, wo man Blntblasen unabhängig neben dem Geftss findet, 
wo man nicht im Stande ist, von dem 'Gefässapparat direct in 
diese Blasen hineinzukommen F oder, das würde eine andu'e 
Möglichkeit der Auffassung sein, kann man die Entwickeluog 
des Blutes in diesen Theilen direct constatiren? Dieses leugne 
ich beides**). 

Erstlich nebmlich, was das Blut angeht, so sind die Blut- 
k&rperchen regelmässig beschafTen wie die Blutkörperchen in dem 
übrigen Blute auch; wir finden keine Blutkörperchen, die wir als 
jonge, in der Eotwickelung begritTene bezeichnen konnten; wir 
finden nicht etwa, wie in der ersten Zeit des Fötallebens, kern- 
haltige***) rothe Blutkörperchen, sondern es sind die gewöhn- 
lichen, kernlosen Formen, die wir nach den heut zu Tage gültigen 
VorsteUimgen als solche betrachten müssen, welche schon auf der 
Bttse begriffen und von ihren nativen Bildungsstellen entfernt 
sind. Auch finden wir in diesen Säcken nicht blos rotfae Blut- 
körperchen, sondern oft grosse Quantitäten von farblosen, welche 



*) Onil. Bascli. De aeiu inter h^gromat» cjstica congenita, tnroores 
caTerDOBOS et e;«tidcs sah gui Holen tat« intercedente. Bonn. Itött. p. ö. 
") Virchow. Arcbir. 1864. Bd. VI. S. 637. 
••■) Vircho«. Oellulupatbologie. 3.Anfl. S. 183. Pig.r>». 



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324 FflafnodiwAnügste VoriHung. 

soast aas LymphdrüBen hervorgehen, nnd weder im Blute frei ent- 
Btehen, noch unabhängig sieh entwickeln. Es zeigt sich femer, 
daes in diesen Säcken nicht etwa, wie wir das sonst bei Bti^ni- 
rendem Blut in karzer Zeit, meistens schon im Laufe weniger 
Tage oder Wochen sehen, grobe Veränderangen des Inhalts statt- 
finden, etwa in der Art, dass die Blutkörperchen sich zersetxen, 
sich umbildsD, Pigment erzeugen, sondern es ist eine ganz freie, 
flässige Blutmasse darin. Gerade bei den kleinsten and j&ngstMi 
Angiomen, die jedoch oft schon Monate, ja Jahre hindurch be- 
standen haben, wenn sie tur Untersuchung kommen, ist dies ans- 
nahmsloB der Fall; nur, wenn sie aus Leichen genommen sind, 
kommen darin Gerinnsel vor, aber diese sind gans Irisch, offenbar 
erst nach dem Tode entstanden. In den Fällen, wo das Blot 
älter coagulirt ist, ist es so, wie in Gefässen mit offener Girea- 
lation, coagulirt; es finden sich nehmlich, zumal wenn die Ge- 
schwulst eine bedeutende GrOsse erreicht, concentrisch grachicbtete, 
suweilen längliche, meist rundliche, äusserlich glatte KOrper, häufig 
mit verkalktem Gentrum*), entsprechend den sogenannten Vetien- 
steinen, Phlebolithen, wie sie auch sonst in Venen vorkom- 
men. Meist sind sie kfein, hirsekorngross, vollkommen rund; m- 
weilen erreichen sie jedoch die GrOsse und das Anssehen von 
Erbsen oder Kirschkernen (Fig. 231 pp). — Das ist eine Reibe 
von Argumenten, welche uns darauf hinweisen, dass die Blui- 
ränme (Alveolen, Cavernen, Zellen) der Angiome sich in der 
That ebenso verhalten, wie andere Gefässräume, durch welche 
Blut circulirt. 

Andererseits ist es mir niemals möglich gewesen, unter keinen 
Verhältnissen, von der Existenz einer besonderen, neben dem 
Gefäs&system entstehenden, also von Anfang an isolirten Blnt- 
mafise mich zu überzeugen. Luschka**) hat freilich eine Him- 
gescbwnlst beschrieben, welche nach seiner Darstellung einen 
alveolären Bau nnd eine cavemOse Natur hatte, und in welcher 
das Blut in besonderen, mit dem Ge^sapparat nicht i 



*) Lisfraac. Oai. miA. iÜBb. p. 167. K. E. Bmase. kaat. Beschrei- 
bang der Krankheiten der Circalations- u. ReepirationaorKane. Leipt. 1B41. 
S. 129. Anm. 1 (Augenlid). Laforgue. R6tu8 mSd. chinirg. 1819. T, VI. 
p.l67. CruTeilhier. Atlas d'aaat. path. LUr. XXIII. PI. II. —III. Bsmarch 
a. a. 0. S. 45. Taf. I. Fig. 8. Schuh. Pathol. u. Ther. der PBeDdopUamen. 
Wieo. 1854. S. 172. Sangalli. Storia dei tomori. Vol. U. p. 261. 
**) Luschka. Hein Archiv. Bd. VI. S. 158. Taf. V. 



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iDJectioaafSbifkeit der cftvernOaen Aagiome. 325 

faingeDden, gestielten Blasen oder Hoblkolben, welehe von den 
Balken des Maechenwerkes aasgingen, enthalten gewesen sein soll. 
Allein ich halte diesen Fall weder für ein caTernOses Ängiom, noch 
die Blntblasen Ar ureprQnglich isolirte Bildungen; lüler Wahr- 
Bcheinlichkeit nach lag ein alveol&res Myxom der telangiektati- 
Bchen Varietftt (Bd. I. 3. 403) vor, and die blatfQhrenden Hohl- 
kolbeo waren Aasstölpangen der in den Balken enthaltenen, je^ 
doch wegen ihrer Blatleere nicht erkennbaren Geßsse. Ein ganz 
Ihaliches Verhältniss findet sich bei telangiektatischen Krebsen, 
wo es von der Wiener Schale ganz im Sinne Laschka*B ge- 
deatet ist leb werde dort genauer darauf zurückkommen, musa 
mich aber schon liier gegen eine solche Deutung aussprechen. 
Auch bei den Krebsen überzeugt man sieh bei einer genaueren 
Nachforschung, dass die scheinbar isolirten Blutblasen mit Gef&ssen 
vollkommen commnniciren. An den Angiomen lässt sich die Com- 
mnnicatioa von der ersten Zeit ihres Vorkommens an durch kflnst- 
liehe Injection darthan*). Wenn es in dem einen oder anderen 
Fall nicht gelingt, von grosseren Geßssen aus Injectionsmaese in 
die Geschwulst hineinzubringen, wie es A. B^rard**) erging 
und wie auch Rokitansky imgiebt, so kann das darin liegen, 
dasB gelegentlich in einer solchen Geschwulst (nach dem Tode 
oder nach der Exstirpation) das Blut coagulirt ist, so dass die 
Injectionsmaese nicht eindringen kann; es mag aber auch sein, 
dass man nicht gerade in die rechten Gefäsee hineinkommt, denn 
asch bei diesen Geschwülsten ist es nicht ganz selten, dass sie 
keineswegs von den grosseren Getösen aus, welche unmittelbar 
in ihrer Nähe liegen, zu injiciren sind, sondern dass sie, wie wir 
das im itUgemeinen Theile (Bd. I. S. lOä) gesehen haben, Zoflüsse 
durch kleinere Geisse von anderen Seiten her haben. Aber 
injectionst&hig sind sie, nad, was ich besonders urgire, nicht 
etwa blo8 von einer Seite des Gefässsystems aus, wie Öfters von 
den Tenen behauptet ist; sie hängen regelmSssig auch mit Arterien 
zusammen, so dass das Circulations-VerhSltniss im Grossen das- 
selbe ist, wie es physiologisch bei den Corpora cavernosa besteht, 
wo die vwiOeen Verbindungen ja anch die freisten und offensten 
sind, w&hrend die arteriellen die kleinsten and feinsten sind. 

•) Virchow. Archiv. Bd. VI. S. 639. 

**) Boachat. Handbuch der KinderkrankheiteD. Nach dem Fnnt. von 
BtKboff. Vflrsh. 186i. S. 951. 



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826 FOnfnodiwanngBl« Vorleanog. 

Selbst bei derjeoigeD Form der eaTerDtsen Geschwälato, 
welche am ullerinnigsten mit deo Venea znsammenhftogt, und 
TOD der man angenommen hat, dasB sie aamittelbar io der 
VeneDwand sieb entwickele, selbst von dieser kann man aicb 
auf das Bestimmteste überzeugen, dass sie mit Arterien insam- 
meuhängt. Es kommt nehmlich, verbältaiBsmäasig am h&uägstea 
an den Extremitäten, zamal an den oberen vor, dass im Ver- 
laufe der subcutanen Venen eine Reihe von Gef&ssgeBchwfibten 
auftritt, die sich schon von aussen als bl&uliche, rundliche oder 
ovale Hervorragungen zu erkennen geben and die unmittelbar 
mit den Venen in Zusammenhang zu stehen scheinen. Eines der 
ansgezeicboetsten Beispiele dieser Ari, bei dem die allgemeinere 
Aufoierksamkeit gerade auf dieses Verhältniss gerichtet and wel- 
ches viellach als Beleg dafür angeführt worden ist, hat Esmarch*) 
beschrieben. Ich selbst habe einen ähnlichen Fall bei einem meiner 
Kranken **) längere Zeit hindurch beobachtet Neben den Venen 
zeigen sich die Geschwülste, theils ihnen unmittelbar anbäogend und 
vielfach, so dass im Laufe desselben Geflsses immer neue Knoten 
erscheinen, theils so, ald ob sie neben dem Gefftss lAgen, ohne 
etwa« damit zu thua zu haben. Hie und da ffihren von dem 
Lumen der Vene aus Oeffnungen in das cavernfise, siebf&rmige 
oder schwammige Gewebe der GeBchwnlst; die Venenwand er- 
scheint an dieser Stelle durchbrochen und communicirt nach ansäen 
so mit der Geschwulst, das» die Continuität ihrer Wand unter- 
brochen wird. Andral***), welcher diesen Fall an der V. jagnlaris 



*) EsoiArch. UeJD ArchiT. Bd. VI. S. S4. Taf. I.-U. 
**) Es war dies ein 4UjäbrigPr, aebr berabgekomniener KanfniftiiD, der 
wiederholt in den Jabren 1»58 und 1859 weeeo BrnstbeBchwerden und äosaer- 
lichcr Uebel auf meine Abtheilung in der Charit^ eingeliefert wurde. Der- 
selbe trug liuks am Vorderarm nnd an der Hand, namentlich am 4. Finger, 
eine Reibe baael- bis vallnueBgrosser, unachmerzbafter und leicht betreg- 
licber Geschwilbte, welche atelkoweiae ein blänlich dnrchKhiDinierDdea Ads- 
acben zeigten, unter dem Fiugerdruct aicb etwas verkleinerten, bei Com- 
presaion der Venen am Oberarm and bei Senkung des Armes atark an- 
schwollen, nach äuaaerer Reizung härter und grOseer worden, jedoch nicht 
pulairten. Da einig;e dieser Geschwülste, über deren Entatebong der etwas 
indolente Kranke nichts Gennueres anzugeben wusate, ihn bei der Bewe- 
gung der Hand behinderten, so eiatirpirte ich eine derselben am Vorder- 
arm am 30. Oct , eine in der Vola manus am 18 Not. und eine «of den 
Handrücken zwischen dem 4. und ö. Metacarpalknochen am 18. Dec 18Ö9. 
Die Heilung ging jedesmal in kurzer Zeit glücklich Ton Statten. Die Unter- 
suchung der exstirpirten Geschwülste ergab einen ausgeseicbnet ca*er- 
aöaea Bau. 

*") AndraL Vrim d'anaL patb. Paris. 1829. T. II. 1. p. 401. 



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VerhSltniw der cavernSsen Angiome tn Arterien und Venen. 327 

beobachtete, nahm deshalb an, daaB dag Blnt durch Ldcher der 
Venenwand in das umgebende Zellgewebe austrete, und dass darin 
der wahre Charakter der erectilen Geachwülste begründet sei. Dies 
i«t ein Irrtbnm, obwohl ein leicbt Yerzeihlicher. Läge irgendwie die 
Vennnthuog nahe, dass es nnabhJLngig entwickelte Blutsäcke neben 
dem alten GefÄBslumen gebe, so wäre es unzweifelhaft in diesem 
Falle. Kxstirpirt man solche Geschwülste bei Lebzeiten, wo man 
doch in der Regel nicht zn viel mit hinwegnimmt, so bemerkt man 
mögUeherweise nichts, was darauf hinweist, dass arterielle Gefässe 
mit beiheiligt wären, nnd die Injection gelingt dann wohl von 
Seiten der Vene her, ja es sieht aus, als liefe das Blut durch 
gewisse OeShangen wieder in die Vene zurück. Gerade in einem 
solchen Falle, den ich schon vorher erwähnte, habe ich mich 
aber durch die Exstirpation am Lebenden überzeugt, dass, wenn 
man während der Operation reobt vorsichtig beobachtet, man an 
gewissen Punkten kleine Arterien spritzen siebt, welche unmit- 
telbar in die Geschwulst hineingehen; fixirt man diese Punkte und 
natersucfat man sie nachher, so kann man sich deutlieh überzengen, 
wie TOD da ans arterielles Blut in das Schwammgewebe hinein- 
kommt. Diese Arterien sind aber so überaus fein, dass sie nach 
der £xBtirpatiOD und der Entleerung des Blutes nur mit griJsster 
Hübe aufgefunden werden kennen, während die Verbindung mit 
den Venen eine weitgeflfinete ist. Die Circulation in der Ge- 
Bchwnlst ist also in der Art geordnet, dass von der äusseren 
Peripherie her kleine Arterien das Blnt in grossere venSse Siebe 
ei^essen^ ans welchen es in den venfisen Hauptstamm zurück- 
kehrt 

Nach meiner Ueberzengung besteht durch die ganze Reihe 
der cavernßsen Aogiome dasselbe Verh&ltniss: Arterien f&hren 
das Blut zu, bringen es in die Räume des Schwammes 
hinein nnd von da aus geht es in Venen zurück. Aber 
im Einzelnen besteht dabei ein nicht unerheblicher Unterschied. 
In einer gewiesen Reibe von Fällen sind die Arterien verhält- 
nissmässig klein und gehen fast unmittelbar in grosse Räume 
über, welche also gleichsam an der Stelle des Gapillarapparates 
liegen*). Das ist genau dasselbe Verbältaiss, welches wir bei 
der Placenta haben, wo bekanntlich die kleinen korkziefaer- 



•) Phil. T. W»Uher m ». 0. S. 233. 



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828 FÜDfQDdiwuisigBte VorleBnng. 

fSrmigen Arterien fast uniuittelbar in die groBsen sinnSsen Car- 
verneo der Placeata einmünden. Anderemal dagogen sind di« 
Arterien erweitert; und UsBeo eich aogir eine grfissere Streck« 
aosBerhalb der Geechwulst verfolgen, wo sie als grosse , gewun- 
dene, ektatiscbe Gefäaee dem Ange sehr auffällig bervortroteD. 
Die Venen pflegen in beiden F&llen erweitert zn sein, nnd daher 
kann man mit Burne*) sagen, „es bat den Anschein, als g&be 
es zwei Arten des anastomosirenden Aneurysma'», die eine, bei 
der die Arterien vorzüglich aificirt sind, nnd die andere, bei der 
die Venen banptsäcblicb leiden." Ob in'''die8em tbatB&chlichen 
Unterschiede eine principielle Differenz liegt, das wage ich nicht 
mit Sicherheit za behaupten, da die Zahl der F&lle, die ich ge- 
sehen habe, keineswegs eine so grosse ist, am mich duQber 
vollkommen ins Klare zn setzen. Es ist nicht zn bezweifeln, 
dafis der Unterschied in der Grösse der zu- und abführendra 
Ge^se zum Theil zuBammeohängt mit der EntwickelnngshShe 
der Geschwütste. Manches Angiom, das in einer früheren Zeit 
seines Bestehens rein capill&r oder ven&s zu sein schien, nimmt 
später einen ausgesprochen arteriellen Charakter an. Bei recht 
grossen Formen findet man daher gewöhnlich die Arterien eine 
Strecke weit rfickwärts dilatirt, w&hrend sie bei den kleineren 
meist so fein sind, dass man sie ohne Injection oder daa voiber 
erwähnte Hülfsmittel, dass man sie während des Aneschneidens 
der Geschwulst spritzen sieht, nicht leicht erkennen wird. Gene- 
tisch leiden manchmal die Venen früher und stärker, als die 
Arterien, während anderemal gerade die Arterien früh nnd stark 
betheiligt sind. Man kann daher immerhin die cavemOsen Aogiome 
noch wieder in verschiedene Unterarten eiotbeilen, indem man die 
einfache ca v er nöse Geschwulst, dann die arterielle caver- 
nOse Geschwulst, endlich die venöse cavernOse Geschwulst 
von einander trennt, je nachdem nehmlich nachweisbar die Ge- 
schwulst blos an der Stelle des Capillarapparates liegt, oder dabd 
in grösserem Umfange Arterien oder Venen implicirt sind. 

Am strengsten sind diese Unterschiede von den neneren 
französischen Chirurgen betont worden. Vidal **) will nicht blos 



*) Allan Barns. Bemerkungen über die chirurgische Anatomie 4w 
Kopfei u. Halses. Ans dem Engl Ton Dohlboff. Halle. 1831. S. 291. 
**) Vidal. Traitö de path. ext Puis. 1M& T. H. p. 128. 



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ODtereintheiliiDg der cavemfisen Angiome. 329 

arterielle, venOse und gemiBCbte Formen der erectilen Gescbwalet 
treDOea, Boadera auch noch diejenigen, welche aus der Erkran- 
knng der Capillaren selbst hervorgehen, von denen scheiden, bei 
welchen die ErweiteroDg arterieller und venöser Gef&Bse der 
Erkrankung der Capillarea voranfgeht. Follin*) nnterecheidet 
capillftre, arterielle, vendse und gemischte Formen. Im Gegensatze 
dazu hat man gerade in Frankreich fi-Qher die Betbeili^nng der 
Teoen als Hauptsache angesehen. Sowohl Petit als Boyer**) 
gebranehten tn ihrer BeseiehnuDg den Namen der Tumeur oder 
Loope variqueuee; Cruveilhier***) entwickelte wiederholt, das8 ' 
die Geschwulst wesentlich venQser Natur sei. Indess darf man 
deshalb nicht glauben, dass diese Autoren die Betbeiligang der 
Arterien an ihrer Bildung in Abrede stellen, wie dies später von 
Rokitansky geschehen ist. Namentlich Gmveilhier kommt zu 
seiner Formolimng hauptsächlich deswegen, weil er das GapiUar- 
system fiberhanpt als einen venOsen Apparat aufTasst, und seine 
Meinung geht vielmehr dahin, dass der Hauptsitz der erectilen 
Geschwulst in den Capillaren ist. Ebensowenig wollte John 
Bell, als er die Bezeichnung des Aneurysma per anastomosin 
aufstellte, damit sagen, dass es sich um eine rein arterielle Bil- 
dung handle. Genauer drückt er seine Meinung in der Formel: 
„Äneurisro from the dilatation of anastomosing vessels" ausf), 
und er definirt diese Geschwulst als eine Zusammenffigung kleiner 
und th&tiger Arterien, abaorbirender Venen und intermediärer 
Zellen (RSnme). Seine Beschreibung ist noch jetzt vollkommen 
mustergültig tt), und es ist ein vollkommenes Missverständniss, 



•) FolliD 1. c p. 207. 

**) J. L. Petit. OeuvreB pOBthnmee. Paris. 1774. T. I. p. SSO. Bojer ' 
L c p. S66. 

•**) CruTeilhier. Atlaa d'aoat. path. Li» r. XXX. PI. 6. Tratte d'anat. 
patfa. ginir. T. I]l. p. 879. 

t) John Bell L c p. 3S6. 
tf) Bell 1. c. p. 328. Anenriam by anastomosia ia an entire cbange of 
Btructnre; it is a dilatation of veios, in wbicb they are forced and enlarged 
bj tbe diaeased action of theii correapondiog arteries. These happen in 
consequeiice of original mal-conformatioD , a vjoleot action of the artcriee, 
and a rnntoal enlargement of arteries and »eins, wbile the intermediate sub- 
stance of the part is slowly diatended into large intermediate cells, whicb 
are dilated at laet into formidable reserTotrs of blood. — The blood is 
ponred into the calla of such a tamonr bj innnmerable arteiiee: from theae 
tbe blood ie continnallj flowing into veina, «hieb receiTe it with such patent 
<ff)6cea etc. Tbe veina form a conspicuons part of such a tomoor, bat the 
iat«niediat« cells are as sensible a part of tbe stmetnr«. Und an einer 



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330 FttnfnndiwwiiigBte VorlesnnK. 

wenn man geglaubt hat, er babe eioe Arterienkrankheit be- 
schreiben wollen. Erst seine Nachfolger sind in diesen Irrthun 
Terfallen, indem sie das Ranken-Aoenrysma (Varix arteri^is) mit 
dem anastomotischen Aneurysma zusammenwarfen. F&r das caTer- 
nöse Angiom ist mir das letztere eDtscheidend ; es ist eine Bil- 
dung, welche wesentlich an die Stelle des Capillar- 
apparates tritt. 

Leider erschwert die üngenauigkeit der Terminologie die Be- 
nutzung der Literatur lur die Darstellung des cav emösea Angioms 
in hohem Grade. Sehr viele Schriftsteller haben alle VarietSteo 
des Angioms bald unter dem Namen der erectilen Geschwulst, 
bald unter dem der Naevi oder irgend einer Art von varicOBea 
oder aneuryematiaohen Geschwülsten zusammengeworfen. Eine 
Entschuldigung dafür bietet der schon erwähnte Umstand, das» 
zahlreiche üebergänge von einer Form zur anderen vorkommeo. 
Allein manche Angiome werden doch niemals cavernSs, und wenn 
man zu einem wahren Verst&ndniss kommen will, so darf man 
eine strengere Unterscbeidaog der verschiedenen Variet&ten nicht 
verabsäumen. 

Das wahre cavernOse Angiom erscheiat in zwei Hauptformen, 
die allerdings wohl nur gewissen Stadien der Entwickelung ent- 
sprechen, die aber doch eine Trennung erfordern, weil manche 
Fälle das zweite Stadium überhaupt nicht erreichen, und weil er- 
hebliche Verschiedenheiten des Verlaufes daraus resultiren. Diese 
beiden Formen sind die umgrenzte oder abgekapselte 
(Angioma cavemosom circumscriptum s. incapsulatiim) und die 
verstrichene (A. cavemoBum difTneum). Bei der erstereo ist die 
Geschwulst nach aussen abgegrenzt gegen das Nachhargewebe durch 
eine besondere DmbüUungshaut oder Kapsel, welche aus sehr 
derbem, neugebildeten Bindegewebe besteht (Fig. 232.). Diese 
Kapsel hängt nach aussen mit dem natürlichen Bindegewebe odu 
Interstitialgewebe des Theils oder Organs, in welchem sich das An- 
giom befindet, loser oder fester zusammen ; nach innen gehen davon 
jene Balken (Trabeculae) und Scheidewände (Septa) ab, welche die 



, slowlji it« filÜDg ü by distiiict tfarotw; 
il is filled b; its evaall and Dumerous arteries, and ita Bwslljng is (like 
tbe erection ot the penis) produced by tbs pDlaktiona of the uteries, 
atroke aftei stroke, poaring ont their blood ioto the cells. 



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Abgekapselte cavenifise Äagiome. 331 

blatffibrendeD Räume des Inaern amgrensen "'- '^'- 

oder dnrehziehen. Durch diese Kapselbaut 
treten sowohl die Arterien, als die Venen, 
welche den Zaaammenhang der Blnträume 
mit den Nachbargeneseu vermitteln, hin- 
durch; wenn man ihre äussere Oberfläche 
freilegt, so sieht man sie daher von feineren 
oder gröBseren Oeffnnngen durchbrochen. Je 
nachdem die Kapsel jünger oder älter ist, hat auch das Binde- 
gewebe eine verschiedene Dicke nod Zusammensetzung. In jünge- 
ren Lagen findet man zahlreiche KernzelleD, die bald klein und 
rund, bald spindel- und netzförmig sind; in älteren sind die 
Zellen seltener, die ZwischeDBubstaDz derber, von mehr oder 
weniger zahlreichen elastischen Elementen durchzogen. 

Die nicht cavernösen Angiome haben niemals eine 
solche Kapsel und diese bildet daher, wenn sie vorhanden ist, 
ein werthvoUes diagnostisches Kennzeichen. Aber man darf nicht 
veigessen, dass die dißiisen cavernOsen Angiome einer derartigen 
Kapsel gleichfalls entbehren. Hier greifen die BlutrSnme, indem 
sie durch immer grössere Zwischenräume von einander getrennt 
werden, zerstreut in das umgebende Gewebe über, und es ist 
schwer zu sagen, wo die Grenze der Geschwulst liegt. Erweiterte 
Geßsse schliessen sich äusserlich an die Blntr&une an, und ziehen 
manchmal noch eine erhebliche Strecke weit in mannichfachen 
SchUagelnngen fort. 

Da nicht bezweifelt werden kann, dass die Kapsel ein irri- 
tatives Produkt, die Folge einer chronischen Reizang oder, wenn 
man will, Entzündung des Nachbargewebes ist, da dieselbe ferher 
an jungen Geschwülsten regelmässig fehlt und erst bei einer ge- 
wissen Hühe der Ausbildung zu Stande kommt, so wird man 
dieselbe unbedenklich als eine secundäre Bildung auffassen 
müssen, welche die Geschwulstbildung in einer bestimmten Weise 
begrenzt. Ich will damit keineswegs sagen, daas sie eine unab- 
äuderlicbe Grenze darstellt; im Gegentheil werden wir alsbald, 
sebui, dass sie, so lange sie jnng ist, als Matrix für das weitere 



Fig. 383. ADgioina caTernosam iiicapsul»tum orbitae. DarechBchnitt 
mitten darch die im Grossen kugelige (leBchwulst. Selir gleich mlesige 
UascbenrSnroe mit trenigen weiteren Stellen. Natürl. Grtlsse. 



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332 FDnfandtwuiiigite Torinni^. 

Wachsthnm dienen kaon. Aber es liegt kein Grund vor, eütM 
gleichen Vorbehalt zu" machen, wo sie alt nad verdichtet, arm 
an organischen Elementen nnd consolidirt ist Hier bildet sie 
meiner Meinung nach eine definitive ÄbgreaKung, weldw 
als Abschluss des Wacbsthnma angesehen werden kann and welche 
daher das Stationärwerden des Gebildes anzeigt. Für das opera- 
tive Vorgehen bietet sie den nnschätebaren Vortheil dar, dua 
die Gescbwnlst ohne grosse Betbeiligung des Nachbargewebea 
aosgel&st, zuweilen geradezn enncleirt werden ktum. 

Mit der Kapselbildnng steht die GrOsse and Gestalt der 
Angiome in einem gewissen Verh&ltnisse. Die eingekapselten 
Angiome sind meiner Erfabrnng nach meist klein, hasel- bis 
wallnnssgross, selten grosser; sie haben eine mehr rundliche oder 
eiförmige, wenngleich Öfters etwas anregelmSssige Gestalt, ud 
ihre Erscheinang ist in hohem Maasse die eines selb&t&adigen 
Gewächses. Die diffasen Angiome dagegen kftnnen flberans gro» 
werden ; fafihnerei- bis faustgrosse Gesell wfilste kommea vor. Aber, 
was sie weit mehr charakterisirt, das ist ihre fläch enartige Ans- 
breitnng, wodm-cb öfters der eigentliche Geschwolstohankter 
gans in den Hintergrund tritt. Sie sind demnach eigentlich pro- 
gressive, ja man kann in einem gewissen Sinne sagen, fressende 
Geschwülste, nnd Demarqnay *) bat nicht Unrecht, wenn er sie 
geradezn als Tumenrs ^etiles envahissantes bezeichnet. Nament- 
lich an der Haut nnd den zunächst anstossenden Gewebelagra 
verbreiten sie sich über handgrosse, ja ßber noch grDseere Fl&chea, 
welche mehr wie vei^derte*Stel]en des natürlichen Theils, als 
wie anabhängige Bildungen sich darstetlen. Nichtsdestoweniger 
Bind die abgekapselten Formen ebenso bestimmt veränderte Theile 
des Gewebes, wie die diffusen Formen auf einer Nenbildung 
beruhen. 

Es konnte scheinen, als bestehe ein Widerspruch zwischen 
dieser letzteren Au&tellnng und der Erklärung, welche ich früher 
in meinem Streite mit Rokitansky gegeben habe, dasB oebm- 
lioh die cavemOse Geschwulst aus einer fortschreitenden Erweite- 
rung bestehender Geflsse, aus einer cavernOseD Ektasie 
hervoi^ehe**). Dies ist jedoch keineswegs der Fall. Vielmehr 



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Entwiekfllnug des cafemben ÄngiomB. 333 

habe ich anoh damals keinea Zweifel darfiber gehabt, dass die 
Geschwulst eine Neubildung Bei*). Ich meinte eben avi, daaa 
die Blatr&ume nicht als solche oengebildet würden, sondern viel- 
mehr ans einer progressiven Geßss-Ektasie hervorgingen; die 
Geftase, welche einer solchen Ektasie unterliegen, seien demnach 
lor der Ektasie vorhanden, mögen sie nun alte, normale , oder 
nengebildete, pathologiBche sein. Die Entstebungsgeacbichte der 
Geschwnlst wfirde also zwei Stadien sn berücksichtigen haben: 
ein Stadium der Gef&BBbtldnog und ein Stadium der 
Erweiterung der Gefässe nad ihrer Umbildung zu 
Hohlrftnmen. Daraus ging hervor, worauf es mir vornehm- 
lich ankam, dass das Blut schon vor der Entwi<fkeluDg der Hohl- 
rftnme vorhanden war, und zwar in GefäBsen, welche in offener 
Anastomose mit den übrigen Gef&ssen des KOrpers Btanden. Auch 
war damit ansgedrflckt, dasB der Blutdruck selbst ein nicht zu 
nntersch&taendes Moment in der Bildung der Erweiterungen and 
der Hohlrftnme war, welche ohne den Zusammenhang mit dem 
Lumen gewöhnlicher Gefässe nicht zu Stande kommen würden. 

Der genaue Nachweis der EntstehungsgcBchichte des caver- 
nOsen Angioms bietet freilich groBse Schwierigkeiten. Ganc ab- 
gesehen von der Seltenheit dieser Gesch wulstform. Bind bei der 
üntersachuog alle jene Umstände hinderlich, welche die Frage 
von der Neubildung der Blutgefässe überhaupt zu einer der strei- 
tigsten in der pathologischen, ja selbst in der physiologischen 
Histogenie gemacht haben. Ich will hier auf ihre Einzelheiten 
nicht eingehen, sondern mich darauf beschränken, zu sagen, dase 
ich seit Langem die Heinui^ vertrete, dass bei der patholo- 
giBchen Neubildung nicht, wie es seit John Huoter allgemein 
angenonunen wurde, Blut und Geftss neu erzeugt werden, son- 
dern dass eben nur das Gef^ss neu entsteht und das Blut aach- 
trliglich iu dasselbe eindringt. Was aber die Entstehung der 
Gefitese anbetrifft, so halte ich noch jetzt an der Meinung fest**), 
dass in pathologischen Fällen die Gef&SBe überwiegend nicht ans 
einfiteheo Zellen entstehen, sondern ans Zellenzapfen (Cylindern), 
weldie aas der Woehemi^ einzelner Zellen hervorgehen. Gerade 



•) Vircho«. Archiv. Bd. VL S. 526, »36. 
*■) Vircbow. Amtl. Bericht der VerBamml. deutscher Nfttorf. i 
an KÖugflb. in J»bio 1860. S. 137. 



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334 FfinfaDdiwaasigats VorieiMg. 

in cavernOeen Geschwfllsten habe ich nie etwas gesehen, was ^ 
einen anderen Modae der Gef&ssbildnng hätte sprechen können. 
Auch ist derselbe um so mehr wabrBchemlich geworden, seitdem 
durch Auerbach nnd Ebertb die kleinen Gefässe als Inter- 
cellularröhren erkannt worden sind. 

Allerdings ist auch bei den Angiomen die Frage angeworfen 
worden, ob nicht die neuen Gefäsee ans einzelnen anaatomo- 
airenden Zellen hervorgehen, weiche sich mit Blutkörperchen 
füllen*). Ich will diese überaus schwierige Frage nicht geradem 
verneinend beantworten, aber ich niues sagen, dass ich nichts ed 
ihrer Bejahung beitragen kann. Wenn man erwägt, wie st^wierig 
es ist, sehr feine und zarte Gapillaren, sobald sie leer nnd la- 
sammengefallen sind, innerhalb des Gewebes zu nnterBcheideo 
von einfachen, anastomosirenden Zellen, so wird man grosse 
Bedenken tragen, einer Auffassung beizutreten, welche an aas- 
geschnittenen nnd nicht injicirten GeBchwölaten gewonnen worden 
ist. Andererseits, wenn man die Gefässe aus mehreren, neben 
einander liegenden Zellen entstehen lässt, ist es gleichgültig, ob 
man diese Zellen durch Wucherung aus der GeßteBwand oder 
durch Wucherung ans dem Nachbargewebe hervorgeben UssL 
Weber") betont dag Erstere; ich mfichte als Kegel das 
Letztere annehmen. Bei der Annahme von Wucherungen der 
GefäsBwaod muss man nicht übersehen, dass von der Adventitii 
zottige Auswüchse ausgehen können, die überhaupt nicht hohl 
werden***), dass aber auch sackige Ausbnchtnngea der Geffisse, 
wenn sie leer sind, leicht als solide Anh&nge erschein«) t> 
Wie ausserordentlich gross hier die Gefahr der Irrthümer ist, 
vermag nur der zu beurtheilen, der in Fällen unzweifelhafter 
Ektasie alle Erscheinungsformen in ihrer allmählichen Verwand- 
lung direkt unter dem Mikroskop beobachtet hat 

Ich halte daher an den von mir früher gefundenen That- 
sachenft) fest. Die cavemSse Gesobwiilst vergrOssert sich, indem 



") C. 0. Weber i. a. 0. S. 91. Taf. I. Fig. 5—10. 
•••) Lnachlt«. Mein Archi». Bd. XVI. S. 73. Taf. VL Fig. 1 
+) Paget. Lect. ou Burg. path. Vol. II. p. 272. fig. 88. 
tt) Virchow. Archiv. Bd. VI. S. 536. 



jvGoo'^lc 



Die AogiombildDiig sIb acuter Vorgmog. 335 

in ihrem Umfange eine fortschreitende Reizung eintritt, welche 
das Nachbargflwebe zur Granulation veranlasst, and indem das 
Krannlirende Gewebe (die Matrix) neue Gefässe erzeugt. In diese 
dringt das Blut von den alten Gelesen her ein, und dehnt sie 
mehr und mehr auB, indem es zunächst starke Schlängelungen 
nod Wiadangen mit »eitlichen Ausbuchtungen erzeugt. Inzwischen 
schwindet das Zwischengewebe durch Atrophie, die Windungen 
und Ausbuchtungen berühren einander, verschmelzeD änsserlich 
und die so gemeinschaftlich gewordene Wand wird endlich durch- 
broehea, usorirt. Eine Bildung von eigentlidien Capillargeßssen 
findet dabei nur in geringem Maasse statt; die neuen Geisse 
uigen schon früh mehrfach geschichtete Wandungen, so dass 
sie je nach umständen bald mehr arteriell, bald mehr venOs 
erscheineD. 

Aas dieser Darstellung geht hervor, daes, wenngleich das 
nchtbare Ergebnis der Angiombildung eine fortschreitende Ektasie 
(Dilatation) von Gelassen ist, ich diese Ektasie doch nicht als eine 
einfach passive Ausdehnung der Gefäss Wandungen betrachte. Wäre 
sie eine solche, so mfisste regelmäasig eine Verdünnung der Wan- 
dungen TOrhanden sein. Man kann sich aber leicht überzeugen, 
dass eine längere Zeit hindurch jedes Angiom vielmehr Gefäese 
und Gefässräume enthält, welche stärkere Wandungen haben, 
trotzdem dass ihr Lumen weiter ist. Dies gilt nicht blos für 
die kleineren Gewisse und die eigentlichen Gefässräume, welche 
an die Stelle der Capillaren treten, ohne doch Capillaren zu sein, 
sondern in noch höherem Grade für die Arterien und Venen, 
welche im Umfange der Geschwulst oft auf weite Erstrecknngen 
hin eine wahrhafte Hyperplasie mit Ektasie (Hypertrophie 
mit Dilatation) zeigen. An sich ist es dabei gleichgültig, ob die 
Gefisse neugebildete oder alte sind; an beiden kommt derselbe 
Vorgang der Hyperplasie mit Ektasie zu Stande. Wesentlich ist 
nur, dass die Gefässe stets vor den Gefässränmen (Alveolen) vor- 
handen sind, dasB also die letzteren stets aus präesistirenden 
Gef&ssen hervorgehen. Dabei nenne ich selbstverständlich in 
Beziehung auf die secuniUre cavernOse Bildung auch die neu- 
gebildeten GefSsse präexistirende. 

Diese die Ektasie begleitende Hyperplasie, welche in einer 
progressiven Vermehrung und Anbildung von Wandelementen be- 
steht, ist ein durchaus activer Vorgang. Das Angiom ist 



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336 FflnftmdEniuigBt« Vorlenii«. 

daher im ToUen Sinne des Wortes eine Proliferations-GeschwnlBt, 
ein activee Gewftchs, und ihre Katetehnng führt zurück anf einen 
Irritationg-Znstand. Sie steht insofern meiner Meinung nach 
dem wahren Aneurysma parallel, welches ebeofallB nicht als ein- 
fache (paBsif e) Ektasie, Bondem als Hyperplasie mit Ektasie aof- 
znfasBen ist. Ich kann an diesem Orte diese Betrachtung nicht 
weiter f&hren; ich mache aber darauf aufmerksam, dass nnzweifel- 
haft Aas wahre Aneurysma sehr h&nfig aus irritativen Veranlas- 
sungen hervorgeht. Man erinnere sich nur an die traDmatiB<te 
Aneurymen (ich meine natürlich die wahren). Ganz besonder« 
charakteristisch ist aber das Aneurysma verminosum bei 
Pferden und Eseln, bei welchem schon Hodgson*) den Zustand 
der Wandungen genauer geschildert hat. 

Zur Bildung einer jeden GefUss-Kktasie gehört der Seiten- 
druck auf die innere Oberflftche der Wand. Aber selbst in dem 
Falle, dass eine Steigerung des Seitendruckes den Widerstand der 
Wand überwindet, dass also die Ektasie eine passive ist, findem 
sich die Yerbältnisfe der Wand bei längerem Bestände des ekta- 
tischen Zustandes. Dies zeigt am besten die Entwickelung der 
Collateralgeßisse nach Obstnictionen oder Ligataren. Mach emer 
gewissen Dauer der Erweiterung finden sich die Wandungen nicht 
selten stärker, als sie vorher waren: es bat also eine Nenbildnng 
von Wandelementen stattgefunden; aus dem passiven Zu- 
stande ist ein activer geworden. Dies ist der Vorgang, 
der bei der Anenrysmeabildnng und namentlich bei der soge- 
nannten Arterialisation der Venen in dem Aneurysma tranma- 
ticum arteriO'Venosum so auffällig hervortritt. Bei einer früheren 
Gelegenheit**) habe ich diese Verhältnisse weitläufiger erOrtert, 
und namentlich darauf hingewiesen, wie viel das Intermittirende 
des Seitendruckes, namentlich das pulsirende EinstrQmen von Blnt 
als Reis für die Gef^swandungen wirkt und wie es die Hyperplasie 
derselben hervorruft. Ganz ähnlich ist es anch bei den Angiomen, 
and es ist gewiss ein Moment von grosser Bedeutung, daas bei 



*) HodgBon. Von den Krankbeiteo der Arterieo n. Venen. Deben. 
von Kobervceb. Hudqov. Igl7. S. 5U1. Vgl Garlt Lebrb. der patb. An*!, 
der BaiiBs9Dgfltbiere. Seriin. 1831. Tb. I. S. 300. Crisp. Strnctare, diseu« 
and iDJDriea of the blood-ressela. Lond. 1847. p. 34S. 

**) Vircbow. Geaiimmelte Abhacdl. S. 605—508. WOrzb. VerbuidL 
Bd. Vll. a 88. 



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Congeoitale AnligeD der ADgiome. S37 

dem cavenifiBeD Angiom der Capillarapparat gSnEÜeh verseliwiDdet 
nnd der üebergang von d«n Arterien direkt in grossere Rlmne 
erfolgt, welche als Anfänge des YenengeBeclitt! betrachtet werden 
können. Die^e direkte Anastomose oder Inoscnlation, 
aufweiche Bell ganz gerechten Werth legte, stellt wahrscheinlich 
jedesmal den Anfang des swetten Stadiums, der eigentlich caver- 
nOsen Metamorphose dar, and der alsbald zu erörternde Fall des 
traamatischen Ursprungs der cavernSsen Angiome d&rfte dem 
Anearysma traumaticum arterio-Tenosnm ungleich näher stehen, als 
man gewöhnlich annimmt. Jedenfalls öbertr&gt sich der arterielle 
Druck alebald auf Veneawnrzeln, und er vird nm so stärker 
wirken, als die Gef&sse, auf welche er sich Übertrügt, oft schon 
vorher in Wucherung, fdso in einem Zustande geringerer Wider- 
atandefthigkeit sich befinden. 

AnamnestiBch l&sst sieh die Entstehungsgeschiehte der caver- 
nösen Angiome meist über längere Zeiträume zurück verfolgen. 
Sehr häufig trifft man dabei auf nrsprflnglich congenitale 
Anlagen. An der äusseren Haut bestehen oft schon bei der 
Gebnrt kleine rothe Flecke (Naevi, Taches, Mftler, Holes), die 
späterhin sieb vergrössern, zunehmen und endlich in solche 
Geschwülste übergeben. Diese Flecke sind jedoch noch 
nicht cavernSs, sondern mehr telangiektatisch (Angio* 
mata simplicia). Daher nnterscbied Scarpa*} das Aneurysma 
per anastomoftin von dem Tumor sanguinens venosns varicosna 
oder Naevns dadurch, doss letzterer stets congenital, ersteree stets 
adventitiell sei. In der That sind mir nur ein Paar Fälle bekannt, 
in denen mit voller Sicherheit die cavemOse Bildung als ange' 
boren bezeichnet werden kann. Bednar**) fand eine angeboroe 
Geschwulst, welche aas einem fächerigen, nndentlicb gefaeerten 
nod gekörnten, Blat enth^tenden Gewebe bestand, entene^troBfl 
nad wenig über die Hantoberfl&che erhaben war, an der äuBsereo 
Seite des rechten Oberschenkels. Pohl***) unterband eine an- 
gebome cavemOse Geschwulst, welche ihm bei einem 24 Stunden 
vorher gebomen Knaben am oberen nnd hinteren Umfange des 



*) Scarpa. Hemoria bqII' uenrifma detto per anastomoai. Uilsoo. 
1830. p. 4 (Estr. dagli Aon. aair. di med. 1630. Haggio). 

**} A.Bedaftr. Die K»Dkheiteii der MengeboToen n. Singlinge. Wien. 
1863. Theil IV. S. 303. 

•••) 0. Pohl. OMiiUtt'B Jahreebericht fflr 1860. Bd. IV. ß. 810. 

▼ Irsh*«, ( 



„Goot^lc 



338 PCafaDdursnEiggte Vorlesui^. 

linken SeitenwandbeioB gezeigt wurde. Dieselbe war nicht Toa 
Haaren bedeckt, an der Oberfläche leicht excoriirt, rund and glatt, 
in der Mitte leicht vertieft, compresBibel nnd schwach polsirend; 
sie sass mit einer breiten Baeis von dem Durchmesser eines Zwei- 
tiialerstficks auf und war nngeHihr ^i" hoch. Die nach der Stirn, 
den beiden inneren Ängenwinkeln und der linken Schläfen- und 
Hinterhauptsgegend verlanfenden Yenea waren federkieldick und 
geschl&ngelt ; die A. temporalis und occipitalis stark pnlsirend 
and von der Weite der Radialis eines Erwachsenen. Hartmann 
nnd Gftmerer*) melden einen Fall, wo ein nm 14 Tage zu frCli 
gebornes M&dchen hinter dem rechten Ohr eine Geschvnlst lon 
16 Cent. Breite, 10,5 Cent. Hohe und 2—3 Cent Dicke trug, die 
schon am 3. Lebenslage zu bluten anfing und am 8. den Tod 
herbeiführte. Dieselbe war ausgezeichnet caTernOs, wie Bade- 
schwamm, und stand mit sehr stark erweiterten und anomal ver- 
laufenden Venen, sowie mit massig erweiterten Arterien in Ver- 
bindung. Hflglicherweise waren auch andere in der Literatur 
Terzeichnete Fälle congenital, jedoch ist es weniger sicher. So 
beschreibt Wardrop**) den Fall einee 8 Wochen alten Kindes, 
du ein grosses Aogiom an der Wange und dem Ohr der linken 
Seite trog. Jedenfalls ist es die Regel, dass zur Zeit der Geburt 
nur kleinere und grossere Flecke vorhanden sind, aus denen erst 
durch weiteres Waohsthnm und fortschreitende Entwickelang der 
cavemöse Bau sich gestaltet. 

Diese Entwiekelnog kann jedoch sehr schnell vor sieh gehen. 
So beschreibt Maunoir***) die Operation eines 10 Monate alten 
Kindes wegen einer Geschwulst unter dem Unterkiefer linkerseits, 
welche 3" lang, 2" breit und 1" hoch war und aus einem spon- 
giOsen Gewebe bestand; bei der Geburt hatte man nur eine klein- 
linsengrosse Stelle bemerkt Brunsf) berichtet über eine grosse 
cavemOfie Geschwulst, welche die ganze rechte Wange eines halb- 
jfthrigen Kindes einnahm ; dieselbe war hervorgegangen ans einem 
Feuermal, welches ganz im Niveau der Haut gelegen nnd nur ans 

*) W. Hsrtm&nn. WUrtemberg. med. ConetpondeoibUtt 1864. No. 39. 
8. 809. W. Camerer. Zur Cunistik der OenasgeBchwQlste. Inmng. Disa. 
TQbingen. 1866. (Hit Abbild.) 

") Wardrop. Med. chir. TranB»ct. 1818. Vol. IX. p. 200. PI. VI. fig. 1. 
••*) Haunoir I.e. p. 108. 

t) V. T. BrnuB. Eudbnch der pntkt. Chirurgie. TUb. 18Ö9. Abth.n, 
Bd. L 8. 177. T»f. n. Fig. 18-16. 



gii^osb/GoOt^lC 



W&cliBtfaiiiii der congeniUten Angiome. 339 

einem feioen rothen Geßlssnetze bestanden hatte. Schon 4 Wochen 
naeh der Geburt begann sie über die Haut sieh zu erheben und eine 
dunklere Farbe anzanehmen. In einem von Büchner*) geschil- 
derten Falle brachte ein neugebornes Mädchen einen kreuzer- 
grossen, hellrothen Fleck über der Nasenwurzel mit zur Welt, 
der nicht über die Haut hervorragte. Sehr bald nahm er an 
Umfang zu, erhob sich Aber die Haut und wurde blutroth. Nach 
6 Monaten maass die Geschwulst 2" 9'" in der I^änge, 1" S'" in 
der Breite nnd seine Erhebung über die Hautfläche betrug ^ — 4". 
Bouchut**) behandelte ein 2^ Monate altes Mädchen wegen 
einer platten, 5 Cent. langen und 3 Cent, breiten Geschwulst, 
deren Mittelpunkt Über dem Hanubrium steroi lag; ihr oberer 
Th«l war bimbeerroth und nur mit einer sehr zarten Haut be- 
deckt, während die untere Hälfte nur aus dicken varicßsen Venen 
SD bestehen schien. Dieselbe war entstanden aus einem bei der 
Geburt 1 Cent, im Durchmesser haltenden, Sachen röthlichen Fleck 
an der Yorderseite des Halses, der erst seit 14 Tagen zu wachsen 
angefangen hatte. — Aehnliche Fälle Hessen sich leicht in grösserer 
Zahl beibringen; die angeführten mögen genügen zu zeigen, dass, 
wenn auch die cavernOse Geschwulst als solche bei der Geburt 
noch nicht yorhanden zu sein pflegt, doch die Anlage dazu 
congenital sein kann. 

In wieweit diese congenitalen Anlagen zugleich hereditäre 
sein mögen, ist noch wenig -genan untersucht. Mir selbst sind 
erbliche Debertragungen nur bei ganz geringen Flecken bekannt. 
Bouchut'**) berichtet einen Fall, wo der Vater einen kleinen 
stationären Naevns auf der Schulter hatte und das Kind mit einem 
linsengrossen rosenrotben Flecke an der Schläfe geboren wurde. 
Im Laufe von 11 Monaten trat derselbe hervor, vergrOsserte sich 
in der Fläche, nnd bildete eine haselnnssgrosse, weiche, com- 
pressiblo, schw&relichrotbe Geschwulst, die fast schwarz wurde, 
wenn das Kind schrie. Handelt es sieh hier nicht blos um einen 
Zobll, so wäre der Fall insofern sehr wichtig, als er zeigte, dass 
ein einfaches Angiom (Telangiektasie) die erbliche Anlage zu 
einem cavemOseD Angiom bedingen kann. 



*) BOchner. Rbeiniach'Wetttpb. JuhrbQchcr für Medicin u. Chirurgie. 
lUmm. 1824. Bd. YllL StDck ». S. 123. 
•■> BoacliQt m. a. 0. S. 960. 
—) BonchDt a.a.O. S. 95& 



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S40 FünfDiidzittatlgBte ToriMimg. 

Nicht immer bildet sich die congenitale Anlage so schnell 
za einer volleadetea Geschwnlst ans, wie in den vorher ange- 
fahrten Beispielen. Zuweilen bleibt der Fleck sehr lange stationir, 
and Bein Wachstbnm beginnt erst nach Jahren, e. B. xnr Zeit der 
Pnbertät oder noch sp&ter. Brnns*) operirte einen 44jihrigeD 
Mann an einer hühnereigrossen Geschwnlst der Wange, welche 
hervorgegangen war ans einer bohnengrossen, von unveränderter 
Haut bedeckten AnBchwellnng , die mit Eur Welt gebracht sein 
sollte. Zwanzig Jahre lang war sie stationär geblieben, dana 
hatte sie angeiaogen gant langsam zn wachsen, und erst seit 
2 Jahren hatte sie sich schnell vergrOssert, Bei Frauen erfolgt 
Eur Zeit der Menstruation und der Schwangerschaft nicht blo8, 
wie schon erwähnt (S. 330), eine Snxionäre Schwellang, sondeni 
auch ioweilen ein stärkeres Wachsthom. Ansserdem scheinen 
VerletEungen «od Quetschungen besonders geeignet, das Waehs- 
tfaam zn beschleunigen. Bei Dnpaytren**) findet sich der Fall 
eines 4ii jährigen Mannes, der eine erectile Geschwalat an der 
rechten Seite des Kopfes und Halses trug, welche an ihrem oberen 
Theite 2\ — 3" hervorragte; dieselbe hatte sich nach Aussage des 
Kranken in seinem ersten Lebensjahre langsam und schmerzloe 
entwickelt, war jedoch seit 4 Jahren in Folge wiederholter Ver- 
letzungen (Schläge, chirurgische Inci^ion, Fall eines Stfickm £rde 
auf den Kopf) so beträchtlich angewachsen. Bei einem 9 Monate 
alten Kinde, welches ausserdem an der Hinterbacke und dem 
Schenkel ähnliche Geschwülste hatte, fand Dupuytren ***) eine 
hasetnussgroBse, mnde, blänliche Geschwulst der Oberlippe, welche 
sieb Anfangs als ein sehr kleiner schwärzlicher Fleck geseigt, 
dann die Gestalt einer stecknadelknopfgrossen Blase angenommen 
hatte, und seit 3 Monaten schnell gewachsen war, nachdem mit 
einem Male nach heftigem Schreien des Kindes die Geschwabt 
so gross wie eine kleine Maulbeere geworden war. 

Der üebergang von einfachen Ektasien zn dem vollendeten 
oavemAsen Angiom geschieht znweilen nur an gewissen Ab- 
schnitten einer grosseren Veränderung. Bardelebenf) berichtet 



*) y. T. BranB %. a. 0. II. 1. S. 178. Taf. II. Fig. 13. 
**) DnpDTtreQ a.a.O. S. U. CrnTeilhier Essai anr l'aul palk. 
1816. T. II. p. lU. 

"*) Dupuytren a. a. 0. S. 18. 
t) Tioal-BardelebflD. Lehrbnch der ChimrKie n. OperatioailchR. 
BoiUn. 1868. Bd. I. S. 396. Ann. 1. 



ADgtom» prominetis. 341 

von einem Mtume, den er seit mehr als 12 Jahren beobachtete. 
Derselbe hatte eine beträchtliche Varicoeit&t des linken Beines, 
eine Yaricoeele und eine Hemia ingninalis derselben Seite mit 
sar Welt gebracht; die erstere soll von Anfang an mnd um das 
Bein, TOn den Zehen bis sum GeeSas nnd bis in die Nähe der 
Scbenkelbenge gereicht haben. Der obere AbBchnitt wnrde bei 
fortschreitendem Wachsthom des KOrpers eher kleiner, der untere 
an den Zehen entwickelte sich allmählich zu dentlichen caver- 
Dfisen Geschwülsten. 

Den besonderen Einflnss der Schwangerschaft zeigt sehr 
gat ein Fall von FoUin*). Er behandelte eine Dame, welche eine 
venOse Telangiektasie über eine ganze Gesicbtehälfte und wahre 
erectile Geschwülste in der Dicke der Lippen and des Zahnfleisches 
hatte. Während einer Schwangerschaft entwickelte sich das Gefäsa- 
werk so, dass das ganze Zahnfleisch der kranken Seite aufschwoll 
and fast vollständig die Zähne bedeckte. Zugleich verlängerte sich 
das erectile Gewebe der Oberlippe in eine Spitze, welche die 
Nahrungsaufnahme hinderte, und die Exstirpation nOthig machte. 

Der Debergang von einem einfachen Naevus (Augioma Sim- 
plex) zu einer cavernösen Geachwalst macht sich an der Oberfläche 
des Körpers zuerst dadurch bemerklieb, dass der vorher platte, 
kaam über die Fläche hervortretende Fleck sich allmählich erhebt: 
Naevus prominens. Zugleich wird die Farbe lebhafter, und 
nicht selten erkennt man schon vom blossen Auge einzelne rothe 
Pnnkte, eotsprechend den oberflächlich gelagerten Blutsäckeben. 
Das Hautgewebe schwindet mehr und mehr, „die Haut verd&nnt 
sieb**, und die Oberfläche nimmt eine etwas unebene, hügelige, 
zaweilen lappige BeschaiTeaheit an, so dass das Ganze grosse 
Aefanlicbkeit mit einer Erdbeere, Brombeere oder Maulbeere erhält: 
Naevus mornm, ficus. Ueist ist die Geetammtheit der Ao- 
scbwellnog plattrundlich mit sanft ansteigenden Rändern ; zuweilen 
fiberragen die Ränder die Basis, ja in einzelnen Fällen schiebt 
sich das Ganze hervor, bildet einen Stiel nnd stellt einen wirk- 
lichen Polypen dar: Angioma polyposnm. 

Anderemal entwickeln sich cavernOse Angiome an Stellen, 
wo vorher nichts von einer Veränderung bekannt war, und wo 
die Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Geschwulst ganz und gar 



•) FoIHd. Tniti eI^«iiL de pftth. ext Puis. 1861. T. I. p. aiS. 



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$43 FaafDDdswuitigsie Vodesniig. 

erat ia einer späteren Z^it des Lebens ihre Entwickelung gemacht 
hat. Bell*) berichtet in allen Einzelheiten die Geschichte eines 
25j&hrigeQ Hannes, bei dem sieb zaeret 7 Jahre zoTor ein erbstu- 
grosser Fleck an der Stirn gezeigt hatte, der seitdem zu einer 
eigrosseo, pnlsirenden Geschwulst angewachsen war. Nach der 
EsBtirpation tani sich, dass dieselbe eine vollkommen zellige 
(d. h. cavernSse) Masse bildete, ähnlich einem Stfick in Blut 
getränkten SchwammeB. Chelius") fand eine niiulbeerartige 
Geschwulst an der Oberlippe eines 50jährigen Mannes, der zuerst 
zwischen 30 — 40 Jahren einen dunkelrothen Fieck bemerkt hatte. 
Paget***) erzählt, daas in einem Falle die erste Spur im Alter tob 
35 Jahren und in einem anderen im Alter von nahezu 50 Jahren 
sich zeigte. Sehuhf) beobachtete bei einem 40 jährigen Uaime 
an der Stirn einen nach Gestalt und Grösse einer Maulbeere un- 
lieben, hellrothen, wärmer anznfählenden, leise pulsirenden, etwas 
compressiblen, unschmerzhaften Knoten, der sich im Terlaofe von 
4 — 5 Monaten entwickelt hatte. Um ihn hemm lagen anf 3 Zoll 
Ejitfernung eine Menge hellrother, sehr kleiner, platter, erst seit 
2 Mooatea entstandener Flecke. Die Art. temporaJis war auf das 
Vierfache ausgedehnt nnd gewunden. 

üeber die Veranlassung ist manchmal gar nichts zn ermitteln. 
In einzelnen Fällen jedoch wird mit grosser Bestimmthett eine 
mechanische Einwirkung (Schlag, Stoss, Verwundung) als 
Ursache angegeben, and wir haben um so weniger Gmnd, dies 
zu bezweifeln, als Aneurysmen und Varicen ganz unzweifelhaft 
aus gleicher Ursache entstehen. Schon Bell ff) hat anf dieses 
Verhältniss aufmerksam gemacht. Dupuytren fff) erwähnt die 
Geschichte eines 40jährigen Mannes, der 9 Monate znvor einen 
Huffchlag von einem Pferde gegen den Unterkiefer erhalten hatte, 
und bei dem sich seitdem line pulsirende Geschwulst in der 
Unterlippe entwickelte. Mehrere Fälle bei Warren 'f) mögen 
zweifelhaft sein, da möglicherweise andere, mehr aoeurysmatische 
Formen bestanden haben. Ganz sicher durch die Uatersncbong 

•) John Bell I.e. p. 39t. Vgl. deo Fall p. 400. 
**) CheliuB. Heidelberger Iclin. Annalen. 1826. Bd. IV. S. 60a 
*") Paget. Lect. on Burg. path. II. p. 283. 
f} Schah. Path. □. Therapie der pBeudoplaameD. Wien. 1854. S. 155. 
tt) John Bell I.e. p 3S7, 412. 
t+t) Dnpnytreo a. a. 0. S. 10. 
t) Wftrren. Snrg. obaerv. on ttunoim p. 407, 109. 



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AeaBHere and inaere CATenUiae Angioma. 843 

TOD Paget*) ist dagegen ein Fall yoo Lawrence, wo ein 
Säjkhriger Mann aa der änaaeren Seite des OberacbenkelB eine 
6 — 8 ZoU im Dorchmessu' haltende Geachwulst trag; dieselbe 
war an einer früher gesnaden Stelle der Hant aas einer Narbe 
entBtandeo, welche sich nach einer oberflächlichen SebuBSwnnde 
durch eine Mnsketenkagel gebildet hatte. Erst 6 Monate nach 
der sehr leicht erfolgten Heitiuig war die erste Spur des Gewächses 
bemerkt worden; die exstirpirte Geschwulst war zum kleineren 
Theile fibrocellnlär, zum grosseren caTemas. 

In die Beihe dieser spät eutstandeaeo (tardiven) Formen 
gehört wahrscheinlich aach ein grosser Theil der in inneren 
Organen vorkommenden cavemOsen Ängiome. Man trifft solche 
namentlich in der Leber, D&cbstdem in den Nieren and der Milz. 
Ihre Häufigkeit nimmt mit dem Älter zu, so dass, wenn man die 
Leichen alter Leute untersucht, man sie in einer viel grosseren 
B&ofigkeit findet, als wenn man eine gleiche Zahl von Leichen 
ans den mittleren Lebensjahren nimmt Bei Nengebomen ist 
diese Form meines Wissens noch niemals beschrieben worden, 
so dasB, da doch die Leichen Neageborner in grosser Zahl unter- 
sacht werden, man mit grosser Wahrscheinlichkeit den Schluss ab- 
leiten kann, dass die Geschwulst erst eine spätere Bildung ist. — 

Betrachten wir nun die cavernftsen Angiome in ihrem Ver- 
halten nach den einielnen Regionen des EOrpers, so kann mui 
sie znnächst eintheilen in äussere und innere, je nachdem sie 
mehr an der Peripherie des Eßrpers oder im Innern desselben, 
namentlich in seinen Eingeweiden vorkommen. Meistentheils sind 
nur die ersteren Gegenstand der Betrachtung nnd Gast allein sie 
sind Gegenstand der ärztlichen Behandlung gewesen, so dass lange 
Zeit hindurch die Geschichte des cavemöBen Angioms Sberhaupt 
nur von dem mehr chirurgischen Standpunkte aus gesdiriebea 
worden ist. Erst in der neueren Zeit hat man mit Recht aoch 
die inneren Angiome zur Vergleichnng herangezogen. 

Aach die äusseren oder peripherischen Formen mBssen 
noch wieder eükgetheilt werden. Wardrop nnd Mannoir**) 
unterschieden sie zaerst bestimmt in cntane (cnticnläre) nnd 



*) Pftget I.e. p.278. 

*■} Vardrop. lf«d. chir. TmnsMt. 1818. Vol. IX. 
1. c p. 76. 



)vGoo<^lc 



344 POofundsmiuigit« VwlMang. 

sabontaae, — eiae Eintfaeiltuig, welche voa Vieles bis anf den 
heutigen Tag beibehatteo wordea ist. Sie genügt jedoch nicht, 
da noch tiefere Schiebten ergriffen eein kSnuen, als das Unter- 
hautgewebe, und man mues daher von den subcutanen Fonnen 
mindeBtenü noch zwei, die muekulärea und die glaodulftren 
abtrennen. Dazu kommen sehlieselich noch die osBären. Eine 
derartige Trennung bezieht Bich zanächst auf den Ausgangspunkt, 
der bald hoher, bald tiefer liegt, nicht so sehr auf die bloise 
Thatsacbe des Ergriffenseins. Denn das Angiom greift, wie schon 
aus dem Mitgetiieilten bervorgeht, nicht selten yoo seinem ur- 
Bprfinglichen Sitze auf die Nachbarschaft über, und zwar nicht 
blos in der Fläche auf homologe Gewebe, sondern auch in der 
Tiefe auf heterotoge Schichten. Ein urBpränglicb cutanee Angiom 
wird sp&ter meistentheils zugleich subcutan, und umgekehrt Aber 
es können auch möglicherweise von vornherein mehrere verschie- 
denartige Gewebe bei der Bildung betheiligt sein, z. B. Fett- und 
Muskelgewebe. In vielen Fällen läest sich der Ansgangsponkt 
sp&ter gar nicht mehr ermitteln, und wir können nur festetellen, 
dasB die Geschwulst durch mehrere Schichten hindnrebgreift, 
z. B. von der Hantoberd&cbe bis auf die Knochen oder bis in 
die Muskeb). Eine strenge Trennung ist also unzulässig, dagegen 
hat die EenntnisB der sehr verschiedenen Tiefenausbreitung för 
die operative Behandlung eine sehr groese Bedeutung. Memer 
Meinung nach sollte man daher die äusseren Angiome zunächst 
in oberflächliche und tiefe trennen; die ersteren, die man 
immerhin cutane nennen mag, wenn auch das subcutane Gewebe, 
ja zuweilen noch tiefere Theile mitergriffeo werden, sollten anam- 
nestisch wenigstens stets anf eine primäre Hauterkrankung zurnck- 
zuföbren sein, während die tiefen ursprünglich ausserhalb der 
Hant angelegt wären. 

Die oberflächliche, namenüich die cutane Form kann 
gelegentlich an allen möglichen Theilen der Körperoberfläche vor- 
kommen. Ihr LieblingBsitz ist der Kopf mit den anstoBsenden 
Theilen des Halses und Nackens. Die Mehrzahl aller bekannten 
Fälle*) von cavemösen Angiomen der äusseren Theile gehörra 



*) Gris p (A treitiae on tbe stnicture, diseuea aa iujariea of the blood- 
TäiaelB. Lond. 1857. p 277) , der freilich alle Arten von ADgiomta nnao- 
menhaat, giebt eine statietiacfae ZpummenatelluDg, wonach nnter 46 nUep 
85, alao 77 pCt. ftm Kopf und Hala Basaen. 



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I^ssnrate Angiome. 345 

dieser Region an. Innerhalb derselben lassen sich wiederum 
gewisee kleinere Abtbeilungen nnterBcheiden. Zunächst die Ohr- 
gegend, sodann die Lippen, die Nasenwurzel, die Augenlider, 
die Wangen und zuletzt die Bedeckungen des Schädels. Wie 
mir scheint, erklärt sich die Frädilection für die erstgenannten 
Orte ans embryologiscben Granden. Zum Theil kann man, wie 
V. AmmOD*) gethan hat, auf die an sich starke Vascularisation 
derselben hinweisen. Allein ich halte ein anderes Verbältniss f&r 
ungleich wichtiger. Wenn man nehmlich die Beschaffenheit des 
Kopfes in früheren FOtalzeiten in Beziehung auf die Frequenz- 
Bcala der Angiome in Betracht zieht, »o erscheinen alle jene Funkte 
besonders ausgesetzt, wo früher Spalten bestehen, welche sich 
m einer späteren Zeit des Intrauterinlebens schliessen. Es kommen 
hier namentlich in Betracht die Kiemenspalten, zumal die 
obere, sowie die Mnnd-Nasenapalte und die davon ab- 
gehende Thränenspalte, welche zur Angenspalte fahrt. Die 
obere Eiemenspalte reicht bekanntlich ursprünglich bis in das Ohr 
hinein, dessen äussere und mittlere Abschnitte sich um sie und 
ans ihr bilden; die Mund -Nasenspalte reicht einerseits bis zur 
Stirn, andererseits bis tief in die Wangeng^end. Uancherlei 
grdbere Missbildungen schliessen sich an diese Embryonal-Ver- 
hältnisse an; nichts- liegt daher näher, als auch manche feinere, 
mehr histologische Veränderungen, sogenannte Anlagen (Prädis- 
positionen) anf denselben Grund zurückzufahren, znmal da wir 
wissen, dass die Entwickelnng der Geßsse sich vielfach an die 
Geschichte jener Spalten anschliesst Sehr leichte irritative Za- 
Btinde mOgen genügen, um an den Rändern und im Umfange 
dieser Spalten, welche an sich sehr reich mit Gelassen versehea 
sind, eine stärkere Ausbildung derselben hervorzurufen, die sich 
mSglicfaerweise als Naevus zu erkennen giebt, die aber auch wohl 
ganz latent bleibt und erst später manifest wird. So grobe Ein- 
wirknogen, wie sie Lee**) in einem Falle beobachtete, wo um 
eioe Adhärenz des Vorderkopfes mit den Eihäuten eines 7 monat- 
lichen F&tns sich ein aus erweiterten Arterien und Venen be- 
stehender Naevns gebildet hatte, kommen selten vor. Jedoch 



*) F. A. T. AmmoD. Die HUgeborDeo chirurgischen Kraukheiteo des 
UenecbeD. S. 135. Taf. XXIU. Fig. 20. 

•*) Rob. Lee. Bled. chii'. TraoiAOt. 1839. VoLZXU. p. 300. 



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846 Ffinrondiwaiii^te VoriMnng. 

erioDere ich an eine (Bchon früher S. 340 erwähnte) sehr merk- 
würdige, zugleich durch ihre Genaoigkeit ansgezeiebnete Beob- 
achtung von Dupuytren*), wo eine ausgedehnte caTeroOBs 
Geschwulst mit starker Erweiterung der Venen, welche die ganze 
rechte Seite des Kopfes einnahm, durch eine Oefihung im SchSdd 
in der Gegend der Para mastoidea mit einer aerOsen Cyste zu- 
sammenhing, welche die Stelle des rechten Kleinhirnlapp^ks ein- 
nahm, nnd deren HOhle durch verticale und horizontale Scheide- 
winde ein zelligee Aussehen erhielt Da dieser Kranke znr Zut 
seines Todes 43 Jahre alt war und die Geschwulst schon seit 
seinen ersten Xiebensjahren sich zu entwickeln angefangen hatte, 
so liegt es gewiss nahe, auch die Cyste auf ein wirklich conge- 
nitales Terh&ltnisB zurückzuführen. Freilich hatte der Mann in 
den letzten Jahren wiederholt mechanische Insulte erfahren nnd 
es fand sich eine geheilte Fraktur des Jochbeins mit Diastase 
des Proc. zygom. ossis frontalis, so dass auch ein traumatisch« 
Ursprung der Cyste möglich wäre. Dupuytren selbst war ge- 
neigt, die Cyste als eine hydatidOse (entozoische) zu betrachten. 
Wir werden indees später sehen, dass eine Verbindung von Hydro- 
celen des Schädels mit telangiektatischen ZusOaden auch sonst 
vorkommt. 

Das Gebiet der fissnralen Angiome -ist ein sehr ausge- 
dehntes. Denn nicht blos umfaest es, wie schon gesagt, eine 
grosse Oberfläche, sondern es erstreckt sich auch betr&chtli<A in 
die Tiefe. Die benachbarteD Schleimhäute nehmen nicht selteD 
Theil an der Erkrankung, z. B. der üeberzug des Zahnfleisches 
und der Zunge bei den Angiomen der Lippen, die Scbleimhaat 
des Auges bei denen der Lider. Aber auch das anterliegends 
Fett- nnd Bindegewebe, selbst die Muskeln können eigrifi'eD 
werden, und ich bemerke ausdrücklich, dass nach meiner Anf- 
fassnag auch manche tiefe Angiome des Halses, welche die Ober- 
fläche gar nicht erreichen, zu den fissnralen zu zählen sind. Es 
geschieht daher ans rein praktischen Gründen, wenn ich mich 
hier auf die oberflächlichen Formen beschränke. 

Unter ihnen stehen obenan die aurieulären Angiome. ^ 
finden sich hauptsächlich am äusseren Ohre selbst, namentlicb 
dem Ohrläppchen, dem Tragus und der Ohrmuschel, am Ei'efei^ 



*) CrnTeilhier. Essai snr ranat path. i816. T.U. p.iaL 



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Aoricullre Aagicme. S47 

wiakel, hinter dem Ohre, in der Schläfengegend, im Gebiet der 
Art. temporalis, auricularis und occipitalia. Znweilen uinfasseD sie 
dieses ganze Gebiet anf einmal oder aberziehen es weatgetens nach 
and nach. Dupaytren*) erzielte eine nnvotlständige Heilung 
eines solchen ÄDgiome durch die Unterbindung der Carotis bei 
einem 20jährigen Manne, der von Geburt an zwei kleine Flecke 
an der Muschel des rechten Obres gehabt hatte; die Stelle schien 
von An&ng an etv&a breiter und dicker zu sein. Ein leichtes 
Jucken, welches ihn veranlasste sieb zu kratzen, zuweilen bis es 
blut«te, war bis zum 12. Jahre die einzige Beschwerde gewesen; 
von da ab jedoch war das Ohr grosser und blau geworden. In 
3 Jahren hatte es das Doppelte seiner gewöhnlichen Grösse 
erreicht; die Flecke waren gewachsen und hatten angefoogen zu 
pabiren. 8 Monate darauf war durch eine leichte mechanische Ein- 
wirkung die erste starke Blutung erfolgt. Bald darauf erneuerte 
sich dieselbe, das Ohr wurde immer grSsser. Die Unterbindung 
der Art temporalis, auricularis auterior, occipitalis wurde ohne 
bedeutenden Erfolg rorgeuommen, vielmehr erreichte das Ohr die 
Dicke eines Fingers und die Ektasie dehnte sich über die ganze 
behaarte Haut der Schläfengegend und des Hinterkopfes aus. — 
Diesem Beispiele Hessen sich leiclit manche ähnliche hinzufügen; 
es genügt zu erwähnen, dass t^ehr häutig das Ohr als Mittelpunkt 
des Leidens erscheint, da.ss es dagegen anderemul ganz frei bleibt, 
während der Hauptsitz am Kieferwinkel ist**). Am anfälligsten 
und seltensten ist der Fall, dass iu dem auricularen Gebiet eine 
gewisse Zahl von Angiomen neben einander besteht. So heilte 
Mossey***) einen 19jährigen Mensclien durch die Unterbindung 
der Carotis, bei weluhem eine Geschwulst in der Höhlang der 
Obnnaschel sass, die sich über das Niveau des Antitragns erhob; 
eine zweite muskatnussgros^e bedeckte den Tragus und griff nach 
aussen über; nach unten bestand eine beträchtliche Erhebung der 



•) Dupaytren a. ». 0. 8.3. Broese. Rnst's HagaziD. 1880. Bd. VII. 
S. 161. 

•-) BroDB a. ». 0. Abth. I. S. 135. Abth. II. Bd. I. S. 167 ff. Mid- 
deldorpf. Die OalvanokaDBtik. Breslau. 1854. S. 111. Wilde. Praktiacbe 
BemerkoQgen über Obrenheilkuude. Aus d. Eogl. von Haselberg. GCtt. 1856. 
S. 193. Berend. Deutsche Kiiaik. IHU. S. 48;t. A. Wagner. Kfloigab. 
Med. Jahrb. 1869. Bd. II. S. llö. 

***) Hussej. American Joarn. of tbe med. scicDce. 1853. (Oat. m^d. de 
Paris. 1861. p. 581.) 



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348 FQDfbndiwmniigete VorlMDug. 

Haut in der FoBBa ecaphoides; eodlich sasB eine runde GeschwolBt 
voD der GrOsse einer Weintraube, zum Tbeil vom Ohrläppchen 
bedeckt, zwischen Proc. mastoidee und Eieferwinkel. Alle diese 
Geschwülste waren elastisch, compressibel, pulsatil and schienea 
zu communiciren ; eine von ihnen hatte einen Honat ror der Ope- 
ration eine beunruhigende Blutung geliefert. 

Eine zweite Gruppe bilden die labialen Angiome, welche 
QberauB häufig vorkominen. Crureilhier *) macht darauf aaf- 
merksam, dass schon Marc. Anrel. SevertnuB diese Form 
unter dem Namen des Atrum crnentum labü tabercolnm be- 
schreibt; denselben Namen hat auch Hanget**) beibehalten. 
Grftfe***) hat gerade von einem auBgeseichneten Falle dieser 
Art seine Beschreibung der Telangiectasie hergenommen. Eine 
eingehende Darstellung hat neuerlich Brunsf) geliefert Die 
Oberlippe ist häufiger der Sitz, als die Unterlippe. Zuweilen ent- 
wickeln sie sich mehr gegen die Schleimhautfläche hin. So be- 
schreibt Äcrelff) einen Fall von einem 7 — 8 jährigen Mädchen, 
bei dem die äussere Haut weiss und oatfirlich, die innere Fläche 
bläulich nnd erhaben war; wenn es den Mund OSnete, so fiel die 
Lippe aber das Kinn herab: Das Kind war mit einer verunstalteten 
Lippe geboren. Vidalfff) sah bei einem 5jährigen Kinde eine 
stark erectile Geschwulst der Oberlippe, deren Existenz seit der 
Geburt bemerkt war, und die sich allmählich in das linke Nasen- 
loch fortgesetzt hatte. Auch die mehr nach aussen gelegenen 
Formen sind meist iugeboren and wachsen ßfters sehr schnell *t). 
Anderemal geht ihre YergrOssemng lEmgsamer vor sich. In dem 
Falle von Gräfe war der Fleck bei der Gebart von der Grösse 
emer kleinen Linse gewesen; mit 14 Jahren nahm die Geschwulst 
die ganze Oberlippe, den linken Mundwinkel and einen beträcht- 



*) CrDTcilhier. Essai. IL p. 133. 

") Maneet. Bibl. chirorg. T. IV. Lib. XVII. c»p. 80. p. 94. 
***) C. F. Graefe. De notioue et curs aDgiectaseos labioram ratione 
habit* comiDDiiiB Taeorain morboBae extenBioDis specimeD DUa. inaDg. Lipa. 
ISOT. p. 37. Angiectaiie, ein Beitrag inr ratioDellen Cur n. ErkenntDite AfT 
Oe^H-AnedehnaDgeQ. Leipz. löOt). S. 63. Taf. I. u. II. Fig. 2. 
t) Brn BS a. a. 0. Abth. II. Bd. I. S. 460, 830. 
ff) Acrel. Chirurgische Vorfälle, Obers, toq Harraj. GOtt. 1777. 1- 
a.öS (bei Gräfe S. 7ä). 
fff) Vidal. Trailä de path. ext. Paria. 1846. T. III. p. 701. 
*+} MauDoir 1. c. p. 101. NDsabaum. Bajr. Intl. InteUigensblttt 
1861. No. 47. S. 680. 



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LkbUle and nuofrontkle Aogiome. 349 

liehen Theil der Unterlippe ein, hing über die letztere bis snm 
Kinn herab und verecbloss so den Mund. Brnns fand bei einem 
25j&hrigen Manne, der mit einem erbsengroBsen Male an der Ober- 
lippe zur Welt gekommen war, eine manoBfaustgrosse Geschwulst. 
Manchmal wird die Geschwulst im Laufe der Zeit gestielt, poly- 
pfis. B^rard und Denonvilliers *) sahen bei einer Frau eine 
Geschwulst von der GrOsse eines Putenei^s an einem Stiel von 
1 Cent Dicke und 2 Cent. Breite au der Oberlippe befestigt. Fast 
alle diese Formen sind ausgezeichnet erectil. Gräfe ist geneigt, 
die sogenannte Leopoldinische Lippe auf eine derartige Verände- 
rung zu betiehen: der Kaiser Leopold batte nehmlicb von Geburt 
eine nngewilhnlich grosse, niederhangende Lippe, die, so oft er 
in Zorn gerieth, auf das Kinn herabfiel. 

Als eine dritte Gruppe fasse ich die naso-frontalen An- 
giome aof. Die am meisten typische Form derselben hat ihren 
Sitz an der Nasenwurzel und dem unteren Theil der Glabella'*), 
von wo sie sich sowohl nach oben Aber die Stirn, als auch nach 
unten Qber die Nase und seitlich auf die Augenlider und Wangen 
erstrecken kann. Sie zeigt öfters starke Pulsation und ist daher 
ancb besonders erectil. BeauchSne*") exstirpirte eine längliche 
Geschwulst, welche sich jedesmal erigirte, wenn die betreifende 
Kranke in Zorn gerieth, so dass sie einem männlichen Gliede glich. 
Ob alle rein nasalen Formen, welche ausserhalb des genannten 
Bezirkes, z. B. an der Spitze oder den Flfigeln der Nase vor- 
komroeo, in dieselbe Kategorie gehören, lasse ich dahingestellt. 
Jedenfalls dürfen diejenigen, welche -am Rande der Nasenlöcher 
liegen und selbst in die Nase hineinreichen f), nicht auszuschliessen 
sein. Uan mnss hier natOrlich diejenigen, welche nachweislich erst 
in später Zeit entstehen, wohl trennen. So beschreibt Gräfe ff) 
ein Gewächs von der GrOsse eines Borsdorfer Apfels, welches ans 
einer Menge kleiner Gef&ssansdehnungen und grosserer BlutbObien 
bestand, und das sich an der Nasenspitze eines 70jährigen Mannes 
im Laufe weniger Jahre entwickelt hatte. Allein dies sind Aus- 



*) Brnni m. a. 0. S. 461. 
•*) JohD Bell 1. c p. 33S. PI. XV. Brnnt a. a. 0. Abth. I. S. Ul. 
Taf. 11. Fi|. n-18. 

***) Allbert. Nosologie aatnr. p. 336. 
t) BoDcbnt a. &. 0. S. 960. 
-H) OrSfe. AogiekUsie. S. 76. 



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SSO FBafnndiwiDiigst« TorlesnDg. 

nabmeo; die Mehrzahl der Dasalen Angiome geht nachweislich aas 
congeuitalen Flecken hervor. Noch kärzlich habe ich ein solches*) 
untersucht, das Hr. Wilms an der Nasofrontal- Gegend eines 
223&hrigen HSdchens exstirpirt hatte; es hatte sich aus einem 
Naevua entwickelt, war etwa mandelgross, nicht pulsirend, und 
bestand aus einem ausgezeichnet cavernOsen, weitmaschigen Ge> 
webe, welches die Haut und in noch grösserer Äusdehnang die 
Unterbaut einnahm; in seiner Umgebung lagen sehr stark er- 
weiterte Venen. Warren**) bildet einen Fall ab, wo die linke 
Seite der Nase und fast die Hälfte der Wange von der Ver- 
änderung eingenommeo waren. Bei der Geburt hatte sich ein 
grosser rother Fleck gezeigt, der sich schon während der Kinder- 
jahre über die Oberlippe ausdehnte und so anwuchs, dass die- 
selbe weit über die Unterlippe vortrat. Auch das Zahnfleisch 
wurde ergriffen. Drückte man die Geschwulst aus, so filUte sie 
sich stosaweise mit dem Pulse. Nach partieller Exslirpation fud 
sich ein zähes, schwammiges Gewebe, bei gleichzeitiger Vergrösse- 
rung der Sehleimhautdrüsen. 

Die vierte Gruppe bilden die schon von Aetius***) er- 
wähnten palpebralen Angiomef). Sie sind sehr häufig und 
finden sich besonders an dem oberen Lide, welches freilich auch 
leicht von den Angiomen der Stirn und Nasenwurzel erreicht wird, 
gleichwie das untere Lid nicht selten von der Wange aas mit- 
ei^riffen wird ff). Auch die Augenwinkel sind Öfters der Änsgangs- 
punkt des Uebelsfft). Die nach anssen wachsenden Palpebral- 
Angiome bilden manchmal- ausgezeichnete Maulbeergescbwülste 
(Horum palpebrarum), deren Schwellbarkcit hßchst anflällig 
ist. Andere wachsen nach innen, treiben die Schleimhaut vor, 



*} Priipuat No. 73 vom Jahre 1866. 
") W»rreii. Snrg. obs. on tomoura. p. 421 PI. XI IL 
***) Aetiaa. Tetrabibl. ]I. Serm. III. cap, 84: Yarices in ^alpebris ne 
eures: sunt eoim maligai. Neque etiam aguataa eminentiae in palpebris 
tnmidu, dolentea et aubrabras, et ad digitorom compreBsionen) ia ee ipsu 
ae coDtrabentea. aant enim etiam bae maligaae ac incurabiles. 

t) C. P. Orfife. A.DgieHaaia. S. 7ti. SchSn. Pathol. Anatomie des 
meoBcbL Auges. Ilamb. 18ä5. S. 60. üimlj. Die Krankheiten d. Kits- 
bildnngen des menachl. Augea, Berlin. 1843. Th. I. S. 2S0. Haekcnzie. 
A practica) treatiae on tfae diaeaaes of the eye. Loiid. 1854. p. I&8. C. P. 
Walter. De telangiectaaia. Dias, inaug. Berol. 1851. p. 28. Uannschke. 
Cbirnri;.-operat. Brfuhrungen. Leipx. Iä64. S. IB. 

tt) John Bell l u. p. 331. PI. XIV. Nnsabanm a. a. 0. S. 680. 
ttt) Stalpait van der Wiel. ObaerT.nr. OentU. P.L Otw.86. p.aBl. 



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Aflgiome der Wuigeu und der Sch&deldecken. 351 

Bod drangen das Lid von dem Augapfel zurück*). Zuweilen 
breiten sie sich in grosBer Aasdelinung auf die Stirn, Wange nnd 
Schl&fe ans. Panli**) fand bei einem 1 5 jälirigen Menschen eine 
eompresBible, weich elastische, scheinbar Saktnirende nnd pulai- 
rende Geachwnlst, welche bei jedem Wittemngswechsel schmerz- 
haft wnrde nnd bei leichter Exeoriation stark blntete. Sie hatte 
sich aas einer Telangiektasie des oberen Lides entwickelt, die 
bei der Gebort linsengross war. Im 9. Lebensmonate hatte sie 
schon die GrOsse eines Enteneies erreicht; im 3. Jahre bedeckte 
sie das Ange und hatte sich auf das Gesicht ausgebreitet; im 
9. reichte sie Aber die eine Hälfte des Schädels and des Gesichts; 
im 11. war sie so gross und hängend geworden, dass der Kranke 
sie in einem Sacke tragen musste. Der Nasenknorpel war nach 
der anderen Seite hinfibergedrängt und die Veränderung begann 
eich in die Mundhöhle auszubreiten. 

Als ftlnfte Gruppe erwähne ich die eigentlich buccalen, 
welche gelegentlich an allen möglichen Theilea der Wangen vor- 
kommen. Sie sind Terhftltnissmässig häufig***), aber selten rein; 
meist sind die tieferen Gewebsschichteu mit ergriffen. 

Isolirte Angiome am Schädel, namentlich am behaar- 
ten Theil des Kopfes f) sind etwas seltener, kommen jedoch 
an den verschiedensten Tbeilen vor. Prädilectionssitze der con- 
genitalen sind die Tubera parietaliaff), sowie die Gegenden der 
Sntnren und Fontanellen. Diese Form ist jedoch wohl zu trennen 
von gewissen, mit den Hiinhänten zusammenhängenden telangi- 
ektatischen Anschwellungen, auf die wir später zn sprechen 
kommen. Der Fat! von Macfarlanefff), wo ein achtmonat- 
liches Kind auf der Stimfontanelle ein Angiom von der GrSsse einer 
halben Orange trug, ist zweifelhaft; in den Fällen von Lee'f), 



*) Allan BuroB. BemeAnng«D fiber die cliinii^sche Anatomie des 
Kwfes 0. HalBOB. Aus d. Engl, ron Dohlhoff. Halle. 182t. S. 283. Taf. VIU. 
Kg. 1. 

••) Panli. Annal. d'ocnliet Vol. I. Snppl. p. 26. 
••*] Brnna a. s. 0. Abth. II. 1. S. 165. NnBBbaDm a. a. 0. S. 680. 
Sangalli 1. c p. 369, 



t) Hodeson. Tod den Krankheiten der Arterien n. Venen. Ana dem 
igl. Ton Koberwein, HannoT. 181T. S, 86. Bc"-"-' - - " '- — 
Ifaier. Hein AruhiT. Bd. VIU. S. 129. Pobt 



Engl. Ton Koberwein, HannoT. 18IT. S. 86. Bonchut a. a. 0. 
R. Ifaier. Hein AruhiT. Bd. VIU. S. 129. Pobt a.a.O. 

tf) NnaBbanm. Barr. inü. lutelligeniblatt. 1861. No. 47. S. 679. 
ttt) Macfarlaoe. Gar. m^d. de Paris. 1837. p. 286. 
*t> Tarral. Arcbives gdner. de m^ 18S4. S^r. IL T. Tl. p. 200. 



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352 FUDfundsmiizigst« ToriesoDg. 

CostilheB*) und v. Ammon **), von denen der eratera Aber 
der Kranznaht (dane feepace fronto- parietal), der andere fiber der 
Pfeilnaht, der dritte über der SeitenfoDtanelle sass, kann ange- 
nommen werden, daes sie nur die Süsseren Theile betrafen, da 
sie glücklich ausgingen. Änch tardive Formen kommen hier vor. 
Walther ***) hat bei einer bejahrten Frau eine mannsfanstgrosse 
Geschwulst telangiektatiscber Art von der behaarten Ropfhant ei- 
stirpirt, die einen 4" langen und fingerdicken Stiel hatte, durch 
welchen eine Arterie von der Weite eines Federkiels verlief. Die- 
jenigen frontalen Angiome, welche gerade über den Tuben 
frootalia oder der Stirnnaht beginnen, gebiJren ebenfalls m dieser 
Gruppe. Sie dehnen sich zuweilen über grosse Abschnitte des 
behaarten Kopfes ausf)- 

Es ist jedoch bemerkenswerth, dass manche cavernOsen An- 
giome, welche über den Schädelknochen sitzen, durch Verbin- 
duDgszweige mit den Getässen der Knochen, ja selbst mit dem 
inneren Gefässapparat des Schädels zusammenhängen, und dass 
daher ihre Operation mit mancherlei Gefahren verbunden ist 
Möglicherweise ist auch dies Verh&ltniss durch intrauterine Stö- 
rungen zu erklären. Wir werden bei den einfachen Angiomen 
auf ähnliche Fälle zurückkommen, und ausserdem noch Formen 
der Meningocele und Encephalocele zu erwähnen haben, die ibneD 
nahe stehen. Hier erwähne ich zunächst die sehr interessante 
Beobachtung von Michaud ft)= Fin 28 jähriger Hans hatte eine 
congenitale erectile Gesehwulst des oberen Augenlides, die weder 
schwirrte, noch pulsirte, sich jedoch bei aufrechter Haltung ver- 
kleinerte, beim Senken des Kopfes und bei Compression der 
V. jugularis vergrösserte. 0er Kranke empfand darin heftige 
iotermittirende Schmerzen; das Augenlid war herabgefallen, so 
daes das Auge davon guiz bedeckt wurde. Auf dem Kopfe fand 
eich eine zweite, ähnliche Geschwulst. Micbaud wandte das 
GIfihetsen an, es entstand Erysipel und der Kranke starb an 
Meningitis. Bei der Autopsie zeigte es sich, dass beide Ge- 
schwülste aus cavemQsem Gewebe bestanden , dasa aber die 

*) CostilheB. R^voe m^d. 1851. p. 1124. 
••) T. Ammon a. ». 0. Taf. XXXII. Fig. 6- 

**•) Phil. T. Wfttther. Grilfe u. Walther, Jonrn&l rUr Chir. n. Angeo- 
beilk. 1823. Bd. V. S. 240. 

t) Bertherand. CnioD tnii. 1860. T. VlII. p. 253. 
ft) Hiohaud. Union mM. 1869. T. L p. 2&4. 



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OftTenifiee Angiome der Scbftdelgegend nnd des HalseB. 353 

Ejioohea an diesen Stellen von einer Menge kleiner Lficher 
durchbohrt waren, durch welche (3ef&BBe hindurchtraten, die mit 
dam Sinus longitudinalis aoperior communicirten. t. Ammon*) 
exBtirpirte einen grossen Naevus prominens an der Stirn eines 
18j&hrigen Mädchens, wobei eine kaum zu stillende Blutung auf- 
trat; die Geschwulst bestand aus einer dicken, gelben Fettmasse, 
auf welcher sieb eine Menge von arteriellen und venOsen Gewissen 
verbreitete, die ans der Knochenhaut und der Oberfiäche des 
Seb&dels selbst entsprangen. Daran schliesst sich eine ältere 
Beobachtung von Arv^d Faxe**): Eine Frau, die im 5. Monate 
ihrer Schwangerschaft mit dem Bauche auf einen abgehauenen 
Baumstamm gefallen war und einige Zeit hindurch schmerzhafte 
Empfindungen im Unterleibe hatte, gebar rechtzeitig eine Tochter 
mit einem Male an der Stirn; dies wuchs allmählich so, dass es 
im 4.- Lebensjahre von der Eroncnnaht aber das rechte Auge bis 
cur Wange und Nase reichte and 4" breit war; vor dem Auge 
bildete es eine kuglige, BchmerElose, elastische, an mehreren 
Orten pulsirende Geschwulst von Z\" Stärke. Das Stirnbein schien 
bis aof den Arcus superciliaris ganz aufgelöst zu sein; drfickte 
man den Tumor gegen den Kopf, so empfand das Kind Brausen 
vor den Ohren und Neigong zum Schlaf. 

Was den Hals und Nacken angeht, so fällt der grossere 
Theil der daran vorkommenden Fälle in die Richtung der Kiemen- 
spalten. Es gilt dies'namentlieb von den am häufigsten vorkom- 
menden Bubmazillaren***) und retroauricularen Formen. 
Ein anatomisch genau untersuchtes Beispiel der letzteren Art 
liefert Wardropf): es war eine grosse conftenitale Geschwulst 
aber dem oocipitalen Ende der Muse, trapezius und stemomaBtoi- 
dens, welche einen der inneren Herzwand ähnlichen Bau hatte 
und mit grossen Tenen in Verbindung stand. Am Nacken und 
den unteren Theilen des Halses sind die cavemOsen Bildungen 
seltener. 



■} T. Ammon. Die aogeboiuea chirarg. Erankheiteo. S. 136. Taf XXXII. 
Fig. 6, 16 u. n. 

**) AbhandL der K. Schwedischen Akad. der Vibb. ans der Natnrlebre. 
Aas dem Scbwed. von Eiatner. 1776. Bd. 10. 11. S. 174 (Gräfe, AngiekUsie 
S. 79). 

*—) Warren. Snrg. oba. on tomonn. p. 428. PI. XIV. 
f) Vardrop. Hed. chir. Transact. 181g. Vol. IX. p. 203. R VI. Gg. 2— 3. 



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354 Tflohndiwanipte VorleBang. 

Am Bampf findea sich die eigeotlich cntanen Formen nicht 
bllafig; dio meisten, hier vorkommenden GeschwölBte greifen tiefer. 
Ewart *) erwähnt einen fibrovascul&ren Hsotpolypen, der in der 
Gegend der Spina iliam sup. anter. bei einer SOjitbrigen Frau 
sass und der aus einem sehr feinen Netzwerk von Bindegewebe 
nnd kleinen Gefäseen bestand. Die häufigsten Stellen aind nm 
die Sesualorgane. Am Scrotum beschreiben Holmes ond 
Prescott Hewett**) coogenitale GeschwQIste, ersterer «ne 
venOse, wobei Blnt durch die Urethra abging, letzterer eine arte- 
rielle, wobei die Arterien so gross, wie eine Badialis, waren. 
Bonllay***) schildert eine von Robert exstirpirte Geschwulst, 
die sich im Älter von 8 Jahren suerst bemerklieb gemacht hatte, 
nnd die bis zum 20. Jahre gewaebsen war; sie war eifBrmig, höcke- 
rig, bl&nlich, ohne Pulsation und bestand ans ereotilem Gewebe. 
Am Penis nnd an den Schamlippen hat Hr. Wilms nach mftnd- 
licher Mittheilong Öfters kleinere Angiome beseitigt. Waltherf) 
fahrt sogar die Schamlippen als PrädilectionsBtelle auf, an welcher 
sie gestielte, lang herabhängende Geschwülste bildeten. Vidalff) 
operirte wiederholt Gefl&ssgescbwßlste am Penis: einmal war es 
eine gestielte Geschwulst am Praeputiam, ein anderes Hai eass 
eine arterielle erectile Bildung auf dem Rücken des Penis. Mit 
den Corpora caTemosa hingen sie nicht zusammen. In der Mähe 
der weiblichen Brust bildet Alibertfff) unter dem Namen der 
Hömaloncie firambois^e einen ausgezeichnet 'congenitalen Fall von 
einem 13 Monate alten Mädchen ab; die halbkugelige, etwas un- 
ebene Geschwulst sass über dem M. pectoralis, da wo seine Faseni 
sich zur Sehne Tereinigen. 

Die Extremitäten eind bänliger befallen, zumal die obOTeo. 
Nur ist die Literatur nicht fiberall geeignti:, die cutaoeD Fälle 



*) Ewart Deacr. catal. of tlie path. prep. in the Cklcatta llaaeon. 
LoDd. 186Ö. p. 65. ho. S43. 

**) T. Holmefi. Tranuct. of the Fatb. Soc. Lond. Vol. SV. p. 96. 
PI. irf. 

*■*) BonlUj. Ballet, de la boc. aoat 186S. p. 194. 
tIPhil. ».Walther. System der CbirtirKie. Berlin. 1838. Bd. L S. MS. 
Vgl. Hannachke. ChiTOTg.-operatiTe EifabruDgea. Leipz. 1864. S. 190: 
Vidal. Traiti de path. eit. Paris. 1846. T. II. p. 129. Leyer. Gny'sBoep. 
Rep. Vol. VII. p. 186. Tbom. Safford Lee. Von den OeschwUsteD der 
GeWmotter. S. 298. Lebert. Traitä d'anat. path. VoL U. p. 431. 
tt) Vidal. Trait^ de path. ext Paris. 186&. T. V. p. S69. 
ttt) Alibert NomI. natur. p. 8B7. PL 0. 



gii^osb/GoOt^lC 



CxTeinOBe Angiome der Bxtr«mftSt«ii. 355 

auBOseheiden. Payrer*) eatferate eine wallnussgrosse GeßlBB- 
geachwalet am oberen und äusseren Umfange des Artnes bei einem 
Eingebornen von Jessore, die seit 3 Jahren gewachsen war und 
sehr stark geblutet hatte; sie bestand aus einem reichen Netzwerk 
von Gefitesen, getragen von sehr zartem Bindegewebe. Vom Ober- 
arm, dicht unter der Schulter giebt Alibert**) unter dem Namen 
der H6matoncie fongolde ein Torzfigliches Beispiel von einem 
62jShrigen Keseelscbmied; die Geschwulst reichte bis in die 
Muskeln, war also wohl primftr keine cntane. Der erste Fall 
bei Uannoir ***) betrifft ein congenitales Angiom am Ellenbogen 
bei einem 15jährigen H&dchen, welches nreprSoglich erbsengross 
war und sich so vergrOssert hatte, dasB es mindestens 5" lang 
war, die grossere H&lfte des Armes umfasste und 6 — 8'" hoch 
über das Niveau der Haut hervortrat. Ja, in einem Falle von 
Lamorierf) umfasste die congenitale „Blutgeschwnlst" den 
ganeen Arm von der Schulter bis zu den Fingern und reichte 
bis tief in die Muekeln. Das ganze Glied war schwarzblau, hatte 
nicht die Hälfte seines natürlichen Ümfangea, war ohne Pulsa" 
tioD, weich, wie eine mit Luft angeföllte Eälbermilz aoznfühlen, 
schmerzlos. Wurde der Arm in die Hohe gehoben, so verdünnte 
er sich beträchtlich und es bildete sich eine ansehnliche Geschwulst 
auf der Schulter und dem grossen Brustmnskel. Beim Einstechen 
einer Nadel sprang das Blut 1 — 2 Minuten lang 2 Fnss weit 
hervor. Nach dem Tode fand man die Armmuskeln in Filamente 
verwandelt, die mit sehr geräumigen, durch weite Poren commn- 
nicirenden Blasen vermischt waren und mit der Substanz des 
Mntterkachens die gr&sste Aehnlichkeit hatten. Die Knochen 
waren nur halb so stark, als gewöhnlich, uneben und rauh. Der 
Mann war 70 Jahre alt geworden. — Ebenso werden von den 
üaterextremitäten zum Theil sehr ausgedehnte Angiome beschrie- 
ben ff). Namentlich die Gegend des Kniegelenks scheint Öfters 
betfaeiligt zu sein. Einen sehr lehrreichen Fall der Art giebt 
John Bellftt): eine 25jährige Frau hatte vor 12 Jahren zuerst 

•) Bw»ri L c p. 66. No. 342. 

•*] &iibert 1. c p. 886. FL B. Tg], den Fall bei Haunoir 1. c. p. 99. 
**•) Uannoir 1. c. p. 94. ygl. den Fall bei John Bell 1. c. p 400. 
t) Lamorier. Hdm. de la boc. de Montpellier. T. I. p. 246 (J. Fr. 
■ ecke). Hsndb. der path. Anat. Leipz. 1816. Bd. 1. 1. S. 246). 
■H) DupoTtren a. a. 0. S. 11. 
ttf) JohnB«!! I.e. P.4U. 



., Goot^lc 



356 FftofoDditransigste Torleanng. 

an der bUBeren Seite des Eniea einen äacben, parpnrrothen, 
gl&tten und Bchmerzloaen Fleck bemerkt; allmählich wuchs er, 
warde livid, nach mechanischen Einwirkungen und Arbeiten 
empfindlicli, er klopfte dann, „als wäre er ein Herz oder ala 
w&re etwas Lebendiges darin", und die Frau wurde dadurch an 
ihrer Arbeit gehindert. Bei der Menstruation nahm Geschwulst 
und Pulsation betr&chtlich zu und es trat starke Blutung ein. 
Im 3. Jahre war der Tumor hQhnereigrOBS und wurde exstirpirt 
Aber schon nach 6 Wochen repuUulirte er und im Laufe von 
7 Jahren bildete sich ein polypöses Gewächs, fthnlich einem Hers* 
ohr, welches in hohem Maasse scbwellbar war. Im 9. Jahre 
steigerte sich das Wacbsthum und die Pulsation, im 10. kamen 
neue Blutungen und die Geschwulst erreichte im Stadium der 
Erection die GrOsae eines Hannskopfes. Sie wurde dann mit 
Erfolg abgetragen. — Eine Abbildang von einem blutenden Naevas 
prominens an der inoereD Schenkelfl&che eines Kindes giebt 
T. Ammon*). — 

Wenden wir uns nunmehr zu den subcutanen Formen, so 
kann man allerdings sagen, dass die meisten de^enigen Orte, 
welche wir bei den cutaneo Formen behandelt haben, auch eine 
gewisse Pr&dispo!>ition für die subcutanen besitzen. Beide sind 
ja oft genug mit einander vereinigt. Indess besteht doi^ andi 
eine gewisse Differenz, und diese ist wahrscheinlich eine gene- 
tische. Es lassen sich nehmlich innerhalb des Gebietes der sub- 
cutanen Angiome zwei Hauptgruppen trennen; ich will sie der 
EQrxe wegen als lipogene und phlebogene beeeichnen. Die 
«n^ren li^en einßicb in dem Ünterhaut-Fettgewebe, dem Paoni- 
cnlns adiposus, der in kleinerem oder grosserem Umfange durch 
sie ersetzt wird. Sie erreichen eine verhältaissniässig hetr&cbt- 
liehe GrSsse, greifen sehr häufig in die Cutis fiber und stellen 
vielleicht die gewShulichste Form der cavernOseD Angiome der 
äusseren Theile dar. Meist sind sie diffus, ohne besondere Be- 
grenxuDgshaut; grCssere, besonders venSse Gef&sse ziehen sieb 
von ihrem Umfange aus oft weithin in die Umgegend fort Indess 
kommen auch sehr deutlich abgekapselte vor. Die phlebogenen 
Angiome dagegen, welche Esmarcb **) zuerst nnterschiedea bat, 



jvGoO'^lc 



Orbitale Angiome. 357 

sied flberwiegend oft stark abgekapselt nnd daher streng om- 
achrieben; sie hängen grOsBeren YeneDBt&mmen innig an nod 
folgen ihrem Yerlanfe, nicht selten in grosser Zahl. Ihr gewöhn- 
liches Vorkommen ist an den ExtremitSteo, zumal an Yorderarm 
and Hand, während die lipogenen besonderB hftnSg am Eopf nnd 
Rumpf, n&chstdem am Oberarm und Oberschenkel auftreten, nnd 
anch hier hauptsächlich an solchen Orten, wo das ünterhautfett 
normal eine besonders reichliche Entwickelung macht. 

Am Eopf sind es daher zwei Regionen, welche besonders in 
Betracht kommen: die Wangen nnd die Augenhöhlen. Was 
die ersteren betrifft, so onterBcbeiden sich die daselbst vorkom- 
menden tiefen Angiome von den cntanen dadurch, dass die Hant 
ursprfinglich nnver&ndert Qber die Geschwulst fortl&nft nnd erst 
später so verdünnt wird, dass die Geschwulst b^nlich durch- 
scheint. Brnns*) hat eine Reihe solcher Fälle zusammengestellt. 
Viele lassen sich gleichfolls auf congenitale Anlagen zurfickfBhren, 
doch geschieht die weitere Ausbildung zuweilen sehr spät. Oaf&r 
breiten sie sich sowohl in der Fläche, als anch in der Tiefe sehr 
weit aus, ond es kommt vor, dass sie durch die ganze Dicke der 
Wange bis zar Schleimbaut reichen. Hanche sitzen mitten in der 
Wange, viele nähern sich den Mundwinkeln oder der Nase, andere 
liegen im Umfange der Parotis**). — 

Ein ungleich grosseres Interesse haben die orbitalen An- 
giome. Seitdem zuerst dnrchTravers und Dalrymple***) die 
Aufmerksamkeit auf sie gelenkt wurde, insbesondere wegen ihrer 
glOcklichen Behandlung durch die Unterbindung der Carotis, ist 
eJDO ziemlich grosse Zahl von Beobachtungen zusammengekommen. 
Aber zugleich ist der Zweifel mehr und mehr rege geworden, ob 
es sich dabei uro wahre cavemOFe GeechvrQlete und nicht viel- 
mehr am gewöhnliche Aneurysmen handle Bei den meisten 
Beobachtungen ist eine Entscheidung unmöglich, weil nur kli- 
nische Untersuchungen vorliegen und diese bei dem tiefen, hänfig 
retrobulbären Sitze kein bestimmtes Urtheil znlasson. Nadidem 



•1 Brnos ». ». 0. II. 1. S. 174, 178-179, 183. T»f. U. Fig. 12. (Flllo 

TOD iniu selbst, von BribosiA n. Hignet, Leooir, Lisfritac, Adams). 

Vgl. B. BecL. Klin. Beitrage lor Histol. n. Tlienpie der PseudopUsmeD. S.83. 

") Birkett. Gnj's HoBp. Rep. 1851. Vol VII. p. 294. PI. I. 

•••) Trarers. Med. cbir. TranBacL 1813. Vol. 0. p. 1. DalrTmple. 

BbsDdu. 1816. Toi. VI. p. 111. 



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368 PflofniicIiwMKigBte Vorlmnng. 

namoDÜich Guthrie*) in eiaem Falle ein doppelseitiges wahres 
Aneurysma gefunden hatte, ist von Eioigen die ganze Reihe der 
Beobachtungen auf Aneurysmen hezogen worden. Da die meisten 
Fälle nach schweren Gontusioueo eintraten, so nahm man die 
Affektion entweder als traumatisches**), oder als diffuses***), 
oder als wahres Aneurysmaf). Nunneley und Hulke ff) 
gingen noch weiter, und zeigten, dass ganz ähnliche Zufälle 
(ExopbthalmoB, Pulsation, Gei^nsche n. s. w.) bei AoeurysmeD 
innerhalb der Schädelhflfale , bei krebsigen Geschwülstea und 
Thrombose des Sin. oavernosus TOrkommenfff). Ich bezweifle 
dies nicht, zumal da ich bei einem meiner Kranken einen Fall 
von Exophthalmos ohne Operation habe zurückgehen sehen, bei 
dem aller Wahrsclieinlichkeit nach eine Tfarombose des Sin. caver- 
nosus den Grund der Gef&.si'stauung bildete. Allein ich meine, 
daes man deshalb nicht die Existenz des orbitalen Angioms Sher- 
haupt leugnen darf. 

Lebert*f) beschreibt eine von Dieffenbach unter dem 
oberen Augenlide eines 24jährigen Mannes exstirpirte, congenitale 
Geschwulst, welche aus einem spongiOsen, areolären Gewebe be- 
stand; freilich giebt er an, dass die Balken derselben aus Gefässeo 
bestanden und dass diese nicht mit den Maschenränmen commn- 
nicirten, indess bat er keine Injektion versucht. Jedenfalls kom- 
men in der Tiefe der Orbita cavernOse Angiome vor. Einen Fall 
der Art hat v. Gräfe **t) ausführlieh beschrieben; ich habe das 
Präparat gesehen und untersucht, und kann seine Angabe nur 
bestätigen. Es war ein mit starker Kapsel versehener Tumor, 
der hinter dem Augapfel so lose in dem Orbitalfett gelegen hatte, 
dass er „unblutig ausgeschält" .werden konnte. Nichtsdestovreniger 
bestand er aus einem feinschwammigen Gewebe mit sehr zartem 



*) Qntbiie. Lect od operftt. BurgerT of tbe eje. Lood. 1838. p, 168. 
**)BnBk. Med. chir. Traaaact. 1839. Vol. XXll. p. 121. Curling. 
EboDdu. 1861. Vol. XXXVll. p. 221. 

***) Demarqnay. Tumenrs de l'orbite. p. 296. 
t) T. G. Horton. Amer. Joaro. of tbe med. ecienc. 1B66. April, p. 318. 
tt) NanneleT. Med. chir. Transact. 181)9. Vol. XUI. p. 168. 1866. 
Vol. XLVIU. p. 14. Trangftct. Path. Soc Und. 1860. Vot. XI. p. 8. Liga. 8. 
llnlke. Ophthalmie Hoep. Rep. 1869. April, p. 10. 

ttt) Spencer Wateon. Od abecess and tgmoure of the orbit. Lond. 
186t>' p- 21 (From the Med. Mirror). 

*t) Lebert. Abhandl. aus dem Gebiete der prakt. Chirurgie. Berlin. 
1848. S. 88. 
■•t) A. T. Orife. ArchiT für Ophthalmologie. 1860. Bd. VIL 3. 8. 11. 



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Orbitkle Angiome. 359 

Maflehenwerk (S. 331. Fig. 232.)- Er wurde bei einem 55jahrigen 
Maone entfernt, der über eetne Entstehnng nichts anzugeben 
wnSBte. — Dureh diese Mittbeilnng werden zogleieh die Bedenken 
beseitigt, welche gegen eine ähnliche Beobacbtang von Paris 
erhoben sind, weil die Geschwulst so scharf nmBchrieben war, 
dass nur eine einzige Arterie zu uaterbindeo war*). Dagegen 
scheinen die zwei von Dnpuytren**) esstirpirten Geschw&lste 
krebsiger Natnr gewesen zn sein. 

Sonderbarerweise hat noch ein anderer üniBtand die Beob- 
achter irre geführt. Von dem MiBsverständniss ausgehend, dasB 
das Aneurysma per anastomosio eine wesentlich arterielle Bildung 
sein m&Bse, haben sie gewisse venöse oder varik&se Geschwülste 
der Orbita zugelassen, die doch in dieselbe Kategorie gehören***). 
Job. Ad- Sehmidtf) sah bei einem Neugebornen einen kleinen, 
maulbeerfOrmigen Tumor, der bei ruhigem Verhalten über dem 
unteren Orbitalrande sichtbar war; bei regerer Girkulation, beim 
Schreien u. s. f. trat das Auge heraus, die Augenlider wurden bläu- 
lich, und am äusseren Augenwinkel schob sich ein 4 Zoll grosser 
Varix hervor. Aefanlich war wahrscheinlich ein von A b er - 
nethyft) gesehener Fall, der unter einer leichten Behandlang 
heilte. Ebendahin gehören die Fälle von Ledran, Velpeau, 
Vigoerie und Dieulafoy tf-)-). Dagegen echliesst eii^ der 
gewöhnlichen Keihe traumatischer Formen die Beobachtung von . 
de Ricci •+) an, wo bei einer 22jahrigen Person, die 16 Jahre 
zuvor durch einen schweren Fall einen heftigen Stoss gegen den 
Kopf erbalten und allmählich eine Protrusion des Auges erlitten 
hatte, ein runder, lappiger, purpnrrother Tumor aus der Orbita 
exstirpirt wurde, der „unzweifelhaft venös" war. In kurzer Zeit 
erfolgte ein Recidiv, und Bowman exstirpirte nun das Auge 
nebst dem neuen Tumor, der aus einer Masse von Windungen 
sackig erweiterter und von sehnigen Strängen, gleich den Cbordae 



■) Demarqnaj I.e. p. 399. 

**) DDpnjtreD. Jonrn. bebdom. 1B30. T. VI. p. 76. Rognetta. EUtss 
miA. 1B32. T. IV. p. 400. 

•") Dematqa«y I.e. p. 851, 356. 
t) Job. Ad. Sehmidt Himlj d. Schmidt Ophthalmol. Bibl. Bd. III. 1. 
S. 174. 

ff) Abemethy. Surg. Obserr. on injories of tbe heftd. LoDd. 1810. 
p. 2äS (bei Mackensie I. c. p. Itil, 336). 
+++) Oemarquav 1. c. p. "" 

-• ■ "■ ■ 6r- " 



't) de Ricci. Unklin Quart. Joarn. 1865. Not. p.i 



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860 POnfaiidiinuisigate Ti^Moi^. 

tendineae des HerseoB, darchzogener Venen bestand. Schab*) 
endlich erwähnt 3 F&lle geuaner, einen von einem 6 Wocben 
alten Kinde, zwei, wie es acbeint, von Erwachsenen, bei denoi 
die ExRtirpation ohne grosse Blutung vor sich ging; seiner Be- 
schreibung nach waren jedoch die Ge&cbwfllste mehr telangiekta- 
tiscber Art, also weniger entwickelt. 

Man mag demnach immerhin Engestehen , daes unter dem 
Bilde des aoearysmatischen Orbital-Tumors verschiedene Affek- 
tionen Eui>ammengetragen sind, wie denn selbst gewisse Fälle 
von Struma exophtbalmica (S. 76) dazn gez&hlt sind**); aber die 
Thatsache llUst sich nicht leugnen, dass nicht blos das eigent- 
liche Aneurysma***) und zwar sowohl ao der Ophthalmica, als 
an der Centralis retinae, sondern "aach das caTemOae Angiom in 
der Orbita vorkommen. Der ausserordentlich günstige Erfolg der 
operativen Behandlung gestattet freilich für die nur klinisch beob- 
achteten Fälle kein durchgreifendes ürtheil fiber die ^nfigk«t 
der einzelnen Fennen. Nach der Statistik von Morton f) aber 
34 Fälle von derartigen Orbital-Geschwülsten wurde 30mal die 
Unterbindung der Carotis und zwar 22mal mit Glück gemacht; 
2raal wurde durch Injektion und 2mal durch CompreoBion Heilung 
erzielt. Erwägt man, dass bei den peripherischen cavemOsen 
Geschwülsten die Unterbindung der Arterien verbältnissmäesig 
-ungünstige Ergebnisse geliefert hat, so wird man allerdings ge- 
neigt, zuzugestehen, dass ein grosser Theit.der betreffenden Orbital- 
Tumoren anderen Kategorien zugehftrt haben mt^. — 

Von den cervikalen Angiomen der Unterbaut gehOrt ein 
gewisser Tbeil wahrscheinlich mit in die früher (S. 345) erwähnte 
Kategorie der fissaralen Formen. Hacilwainff) sah bei einem 
b Monate alten Kinde eine Geschwulst, die sieb vom Ohr bis auf 
i Zoll vom Schlüsselbein erstreckte. Paget fff) bildet eine 
grosse und ausgezeichnet cavem&ae Bildung ab, die unter dem 

*) Scbnb. PBendopIumen S. 1^6. Wiener med. Wochenechr. 1861. 
No. 1. 

") Foacher. Oaz. des b&p. 1858. Dec. (bei DemarqnxT 1- c. p. 3M). 
Nunnclej. Med. chir. Tnnsact Vol. XLTIIJ. p. 30, 33. 

■**) Himlv a. «. 0. S. 376. Hackemie 1. c. p. 831. DemkraoaT 
L c. p. 391. 

t) Horton 1. c. p. 836. Tgl. Msbod, LoDd. Ophthalm. Hosp. Rap. 1861. 
Jnlj. p. 384. 

ff) Hacilwain. Med. chir. Tranaact 1838. Vol. XVm. p. 1. 
-f-H) Paget Lect. od surg. patb. Vol U. p. 368. fig. S7. 



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CaTernOee Angiome dei Kampfes. 361 

Daterkiefer exstirpirt wnrde. NneBbanm*) erw&hnt eine tanben- 
eigrOBBe Gesehvalet, die Bich bei einem lljährigen Mädchen seit 
mehreren Jabren binter und über dem ScblüsBelbein gebildet batte; 
sie wurde bei starken Anstrengungen, wie Lanfeo nnd Springen, 
tiemlicb hart, verschwand aber in der Rabe zum grSsseren Theil. 

Am Cmfonge dee Rumpfes latisen Bicb gleichfalls einzelne 
Loealitftten herrorbeben. Znn&chst die axillaren. Bei einer 
38jifarigen Frau beschreibt Busch **) eine tanheneigrosBe, nicht 
pulsirende, aber stark eaveraüse Gescbwalet der Achselbohle, die 
seit 16 Jahren bestanden haben sollte. Ormerod***) entfernte 
TOD derselben Stelle bei einer 60jährigea Frau ein gestieltes fanst- 
grosses, pulsirendes Gewächs, das viele Jahre bestanden nnd in 
letzter Zeit stärker zugenommen hatte. Näcbstdem die scapu- 
laren, welche sich Öfters bis in eine beträchtliche Tiefe erstrecken. 
BickerBtethf) exstirpirte bei einem 18 Monate alten Mädchen 
eine feieinAumtgrosse, plattrundlicbe Geschwulst, die nicht pulsirte, 
vom Rficken an der oberen Schultergegend ; wenige Tage nach der 
Geburt hatte man hier einen kleinen rothen Fleck bemerkt. 
Beck ff) beschreibt die Operation einer varikOsen Geschwulst, 
welche eich längs der Criata scapnlae bis zum M- deltoides er- 
streckte und bis tief in den Muskel griff, dessen äussere Bilfte 
cavemOs entartet war, Weber ftt) ^d bei einem 8 Tage 
alten Mädchen an der Schulter einen kleinen rothen Fleck über 
einer bohnengrossen, weichen Gef^cbwulst der Unterbaut; nach 
6 Wochen war der Fleck zehngroscheostackgross nnd bald nach- 
her hatte die subcutane Geschwulst die GrOsse eines Borsdorfer 
Apfels erreicht; sie war in der Mitte voUkommen cavemOs. — 
Von der eigentlich pectoraleo Form erwähne ich einen Fall 
von Wardrop't), wo ein 2jähriges Kind eine pnlsirende Ge- 
schwulst, 80 gross wie seine zwei Fäuste, vorn und etwas links 
an der Brust trug. Andere Fälle finden sich bei Busch und 
Paget **t); einen von der Gegend der unteren Rippen berichtet 

*) NQBBbanm ». &.O. S. 681. 
**) Buich. Ghimrpaclie BeobachtongeD. S. äl3. 
•") Paget 1. c. p. 276, 

fj Bickeratetn. Bdinb. monttil; Jonrn. 1S53. Jane, 
ff) B.Beck. Kliniache Beiträge zur HJBtologie n. Therapie der Peeudo- 
nUeiueD. Freib. 18D7. 8. 33. 
ftt) C. 0. Weber. Hein Archiv. Bd. XXIX. S. 88. 
•f) Tarral. Arcb giait. 183i. Sit. U. T. VI. p. 199. 
••t) Busch. Otairurg. Beob. 8. 317. Paget L c p. 871. 



gii^osb/GoOt^lC 



803 FBnAiBdsvEiuigBte Torlagnag. 

Holmes Goote*). — Ein ausgezeichnetes abdomiokles An- 
giom wird von Birkett**) aofgefSfart. Er exstirpirte eine S Pfd. 
schwere Masse von der rechten Seite des Baaches eines 26j&hri- 
gen Mannes, die aus einam coagenitalen Naevns entstanden war; 
Bie war lappig und glich im Bau ganz den Corpora caveraosa. 
Im letzten Jahre hatte sich eine so starke blutige Äuaschwitznng 
darauf eingestellt, dass der Mann stark anbnieeh geworden war. 
Lumbare Angiome beobachteten Vernenil***) und Watsonf); 
letzterer fond bei einem 55jährigen Manne eine platte Geschwulst, 
die sich über einen Quadratfhes der Lendengegend, des kflckoDB 
und des Ges&sses erstreckte, und von einem dunkel parpur- 
farbenen Fleck von etwa 2 Qnadratzoll bedeckt war. — Glntiale 
Angiome sind selten, aber znweilen sehr tiefgreifend. Ich er- 
wähne nur den Fall von Weber ff) bei einem einjährigen 
Mädchen, welches ursprünglich eine haselnnssgrosse subcatane 
Telangiektasie gehabt hatte; die Geschwulst war bie zur GrOsse 
eines Hühnereies angewachsen and warzelte keiU&rmig im M. gln- 
taeus maxirous, hatte aber auch die Haut in erheblichem umfange 
ergriffen. 

Ad den Extremitäten treffen wir sowohl die einfachen 
Lipogenen, als die phlebogenen Angiome im ünterhautgewebe. 
Ans der Literatur ist es nicht fiberall mfiglicb, eine genauere 
Scheidung der Fälle aufzustellen. Im Allgemeinen kann man an- 
nehmen, dass die phlebogenen meist multipel sind, obwohl 
dieser Unterschied diagnostisch nicht fiberall entscheidet, da auch 
lipogene Formen in mehrfacher Form vorkommen können. 

Die phlebogenen Angiome finden sich haaptsichlich längs 
des Verlaufes der subcutanen Venen; ihr Lieblingssitz ist der 
Vorderarm und die Hand, doch können sie eich auch &ber die 
ganze Extremität ausbreiten. Ihre Zahl ist oft sehr beträchtlich: 
10, 12 und darüber; Esmarchtzählte gegen 40, Schub hunderte. 
Sie liegen fiberwiegend im ünterhautgewebe und dehnen die be- 
deckende Haut aus, welche sich nach und nach verdfinnt, bliUlUdi 



■) Holmes Goote. Und. med. Gu. 1863. Vol. X p. 412. 
**) Patbol. Gatalogoe of the Uuseam of Gdj'b Hosp. London. 1861. 
No. 1666»">. 

***) CTOTeilhier Trait^ d'&nat patb. ginii. T. III. p. 893. note. 
t) Laboulb^ne. Sur le nievoa en genial. These de Paris. 1S64. p.SS. 
ft) C. O.Weber. Chirurg. Erfabrnngen und Beobacbtoiigea. 8.883. 



jvGoo'^lc 



Phlebogene Angiome der Bxtremit&teo. 363 

durchscheinend wird and endlich berstet. Jedoch kommea , wie 
namentlich die Beobachtaogen von Cruveilhier lehren, zosleicb 
anch ganz onabh^gige AngiomkDOten in der Haut, ja selbst in den 
Unskeln vor. Ihre Zahl pflegt gegen die Peripherie, namentlicb 
gegen die Hand and die Finger zuzunehmen. D^^en erreichen 
sie gewöhnlich nur eine mSesige GrOsse, z. B. die einer Hasel- 
oder WallnnsB. Pnltiation pflegt an ihnen nicht vorzukommen, 
obwohl Bie, wie erwähnt (S. 327), mit Arterien zusammenhängen. 

Ich äLhle hierher namentlich die F&\\& von Cruveilhier, 
Pitha, Eemarch, Schnh, Haussen und Wedl'J, sowie den 
Ton mir (S. 326Anm.) beobachteten. Nur GruTcilhier, Schuh 
nsd Haussen hatten Gelegenheit, die Znst&nde an der Leicbe 
EU nntersncben; trotzdem sind die Beobachtungen von Esmarch 
die weitaus vorzüglichsten. Er hat insbesondere die Beziehungen 
zu den Venen am genanesten dargelegt, und sowohl die theilweiae 
Uenr der Venenwände an der Berührungsstelle mit den Angiomen, 
als den direkten üebergang ganzer Venen in die Geachwulst- 
bildang festgestellt. Aber er täuschte sich darin, dass er die 
ganze fiildnug für eine venßse nahm; sowohl die klinische Beob- 
achtung von mir (S. 327) , als auch die gelungenen Injektionen 
von Hanseen and Wedl lassen keinen Zweifel darüber, dass 
dag Blut durch feine Arterien in die Hohlräume geführt wird. 
Die ziemlich derbe Kapsel, welche die Gescbwolst zu umgeben 
pflegt, wird an gewissen Stellen von aussen her von feinen 
Arterien durchbohrt 

Leider wissen vrir über die Entwickelaog dieser interessanten 
Form bis jetzt niehts Genaueres. Möglicherweise geht sie von den 
Vasa vasonim, namentlich von den Gelassen der Scbeiden aas, 
an denm ioh, und zwar an sehr verschiedenen Orten, partielle 
venfiae Ektasien mehrfach gesehen habe. Fast alle Individaen, bei 
denen phlebogene Angiome beobachtet wurden, waren Erwachsene, 
znin liieil in hohem Alter. Nur die Kranke von Esmarch, 
welche znr Zeit der Operation 29 Jahre alt war, hatte die erste 



*) CruTeilbier. Atlas d'aaat. path. Livr. XXUI. PI. 8— 4. Lirr. XXX. 
PI. 5. Tntit^ d'auat path. Känrir. T. Ul. p. 880. Pitha. Präger Viertel iahres- 
schr. 1847. Bd. I. S. 131. Esmarch. Hein Arcbiv. Bd. VI. S. 34. Taf. 1.— II. 
Schqh. Wieoer med. Wocheoschr. 1861. No. 4tJ. S. 163. ü. BanaseD. 
ZeilMhr. f rstion. Med. 1868. 8. Reibe. Bd. XX. S. 15Ö. Taf. VII. Wedl 
a. a. 0. S. 88. 



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8A4 fttnAiDdimni^t« Twlanag. 

GeschwnlBt sohoa Mhzeitig, nehmlieh in ihi«m 6. Lebeai^n 
bemerkt; bei allen anderen scheinen sie sich epftt eotwii^cjt u 
haben. Bei dem Erankeo von Hanssen war aller Wahrschao- 
tichkeit nach eine heftige traumatische Ursache, welche xngleicli 
die Bildung eines grossen Enchoadroms an der Scapnla herronief, 
die Veranlassung. Jeden^s vermehren sich diese Geschvftlste 
und wachsen beträchtlich in sp&terer Zeit. 

Wahrscheinlich Igehöreo in diese selbige Kategorie einige 
Beobachtungen von digitalen Angiomen. Kreysig*) kannte 
eine 73jährige Fran, welche seit vielen Jahren eine ohne be- 
kannte Ursache entstandene Geschwulst von ^ Zoll Dnrchmeaser 
an der Spitze des linken Zeigefingers trug; alle 4 Wochen trat 
diese Stelle allm&hlich in die Höhe, wurde sehr roth und sehwitite 
tropfenweis 2 Tage lang Blut, wie Schweiss, hervor. Lawrence**) 
operirte bei einer 21jfthrigen Frau eine wahrscheinlicb congenitale, 
pnlsirende Geschwulst des Ringfingers, bei welcher die Art digi- 
talis so stark war, wie die Art radialis oder ulnaris eines Er- 
wachsenen. Langenbeck***) entfernte eine taubeneigrosse ca- 
vernOse Geschwulst von der Gegend des PhalangO'Hetacarp&l- 
gelenkes des Hittelfingers eines ältlichen Herrn, die vor 30 Jahren 
ohne besondere Veranlassung entstanden war; sie pulsirte nicht 
Gavassef) beschreibt eine congenitale venOse erectile Geschvrulsl 
aus der Unterbaut des Fingers eines lljfthrigen Knaben, weldie 
eine blutende Uiceration gebildet hatte. Russell ff) sah wall- 
nnssgrosee pnlsirende Geschwfllste tun Ende des 4. und 5. Fingere 
einer 41j&hrigen Fran, bei welcher zugleich die A. radialis und 
ulnaris, sowie die V. basilica erweitert und sum Theil gewunden 
waren. 

Weniger genan sind unsere Kenntnisse Aber die Angiome 
der Unterextremität. Sehr ähnlich denen der oberen erseheiot 
ein Fall von Dupny trenfff) bei einem 8 Monate alten Kinde, dai 
mit swei Feuerndem zur Welt gekommen war: das eine sass uf 



*) HodgiOD. Von den Rnnktieiten der Arterien n. Venen. Aas des 
Bngl. mit AnmerkniiKen von Krejeig d. Koberwein. Hun. 1817. S. 79. 
Adid. 18. 

**) Latrreace. Med. chk. TransAct 1818. Vol. IX. p. 316. 
***) Bemarch. Hein Archiv. Bd. VI. S. 48. 
t) Cftvasee. Bullet de la bog. anat 1860. p. 166. 
tf) BoBsel). Und. med. Gas. 1836. VoL XVUI. p. 178. 
tft) DapDjtren a. a. 0. S. 11. 



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CsTernOH Angiotne der Gntareitmnitil 335 

der R&ekenseite der 3 ersten MittelfnssknoebeD and ging zwiicheo 
den beiden ersten Zehen zur Fasesohle, wo es eine 1 Zoll groeee 
PUUsbe einnahm; das andere befand Bich an der ÄBSBenBeite der 
Mitte des Schenkels. Die erstere Stelle hatte eich sehr ver- 
grOBsert, war pnlsirend geworden nnd hatte angefangen, ober- 
flächlich n Terachw&ren; die andere war um das Doppelte ge- 
wadiBOn. Bryant*) hat einen bOchst interessanten Fall von 
einem 4^brigeD Knaben beschrieben, der an moltiplen congeni- 
talen Angionaen der Unterhant des ganzen Beines (Ober- and 
Unterschenkel, Fussrficken) litt; die Venen waren sehr erweitert 
and an der Hflfte fand sich ein'langer, warziger Naerna, welcher 
h&ufig blntete. Schah**) berichtet von einer „Tenösen Telangi- 
ektasie", welche bei einem jangeo Manne vom Fussrficken bis 
Aber das Knie nnd in der Tiefe bis eu den Knochen reichte; man 
fohlte unendlich viele Blnts&cke mit kleinen Venensteinen durch. 
Aueh ein Fall von Bell ***) därfte hierher geh&ren. Eine eigent- 
lich anatomisehe Untersn^nng konnte in keinem dieser FUle an- 
gestellt werden, and es bleibt daher xweifelhaft, ob es sieb am 
phlebogene Formen handelte f ). Dies war wohl jedenfalls nicht 
aniunehmen in einer Beobachtung von Faul ff), wo bei einem 
3 Monate alten Kinde eine waUnnssgrosse „aoenrysmatiBehe" Ge- 
Bchwnlst anf dem Metatarso-Phalangealgelenk der dritten Zehe 
anfsasB. Ich selbst habe bei einem Erwachsenen ein grosses tief- 
greifendes Angiom des Oberschenkele gesehen, welcheB von Hm. 
Horitt Meyer glflcklich durch Elektropunktnr geheilt wurde. 
Ob der von Nussbanm fff) an der Ferse eines 52j&hrigen 
Hannes geheilte, wallanssgrosse Blntschwamm ein wahres Angiom 
war, lasse ich dahingestellt. Dagegen dürften dieF&lle von Bnsch 
(Knie) nnd Weber (Oberschenkel) hierher gehOren*f). — 



■) Th. Brjmnt I^Miaut. of the Path. Soc Lond. 1868. Vol. IX. p. 186. 
PI. VU. 

*^ Scfaoh. Paeodoplumes. 8.177. 
***) John Bell I.e. p.418. 
t) GKnton (l^MUMt of the P»tb. Soc Lond. 18«2. Vol. Xm. p. 2S7. 
LlgB. 18—19) besckTeibt noter dem Nmmen tod ADomaleo GeBchwOIsten 
■ultiple blmonbaiiiBcke Knoten der H&nt und Hnekeln des DnterBchenkels, 
«eiche Angiomen lehr ihnlich anhen, allein nach der BcBcbreibnog «aren 
es keine caTernfieen Bildungen. 

ft) Paol. Die conserratire Chtnirgie der Glieder. Bresl. 18&4. 8.402. 
ftt) Nnaibanm a. a. 0. S. 680. 
*t)W. Bnech. Chirnrg. Erfahrungen. S. 218. CO. Weber. Chirurg. 
KrfabmiigeD n. B«ob«elttnitgeti. 8. 398. 



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366 FVnfandKWMisigite VoilwDiig.' 

Scboa ftas dem bisher Hitgetbeilten erhellt, dwe nicht mlten 
die Mnekeln an dem Leiden der Ünteihant directen Äntheil 
nehmen , und daee ganze AbBchnitte derselben in eaTornOses 
Gewebe verwandelt werden k&nnen. Gans rein musknl&re 
Angiome sind sehr selten; mir selbst iat nnr ein solcher fall 
TOigekommen. Es war eine kleinwallnnssgrosse Geschwulst ans 
den Muskeln des Danmenballens, welche Hr. Dr. Kleefeld in 
GOrlitx exatirpirt hatte*). Sie enthält verh&ltnisemfteeig grosse 
Hohlräume, welche theils dicht an einander li^en, tbeils durch 
deutlich erkennbare Mnskelstreifen von einander getrennt sind; 
nach anssen stehen sie mit erweiterten Gefässen sichtlieh im 
Zusammenbange. Die Scheidewände sind aus derbem Binde- 
gewebe mit viel elastischem Gewebe gebildet. Listen**) ex- 
stirpirte eine hühoereigrosse, nicht pulsirende Geschwulst am der 
Kniekehle eines lOJährigen Burschen; sie lag tief im Moskel- 
gewebe und war aosgezeichnet caTemOs: die Balken enthielten 
Gefässe, jedoch keine elastischen Fasern, and waren mit Flatten- 
epitbel bekleidet. Die Geschwulst war im Alter von 2^ Jahren 
bemerkt worden und hatte frfiher polsirt Robin ***) fand mittMi 
im M. Yastns internns eine kirBchengrosse, schwarxrotjie Geechwnlst 
von spongiSsem Bau, welche flössiges Blnt enthi^t. Die rund- 
lichen, commnnicirendeo Hohlräume hatten einen Darchmesser 
von 0,1 — 0,3 Hillim. ; das Gewebe dw Balken besass ein fibnödes 
Aussehen und wigte viel Spindelsellen. Grosse Venen atanden 
in Verbindung mit den B&umeD. Holmes Cootef) besohrübt 
die Operation einer im M. deltoides Aber dem Schnltergelenk lie- 
genden, halbwallnnsBgrossen Geschwulst congenitaler Art, welche 
das t&UBchende GefBhl eines snhentanen Lipoms hervorgebracht 
halte. Detf^arquaytt) entfernte eine haselnnssgrosae, runde, 
abgekapselte, innerlich rein cavemOse Geschwulst aas dem H. sn- 
pinator longus einer 28jährigen Frau ; sie hatte sich zuerst 9 Jahre 
zuvor während der ersten Schwangerschaft gezeigt, war seitdem 
nicht gewachsen, jedoch durch grosse Scbmerzhaftigkeit nnbeqnem 
geworden. Die Schmerzen erstreckten sich fiber den Vordenum 



*) Pnpuat No. 106 Tom Jahre 1861. 
••) Liston. Med. chir. Traneact 1B43. Vol. XXVI. p. 120. 
•") Robin. Gai. möd, de Pwis. 1864. p. 848. 

t) Holmes Ooote 1. c 
tt) Demarqnay. Union m^d. 1861. T.XD. p,667. 



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HiiBfcnlfa« ÄDgiome. g67 

bis m den Fingern und BchliesBlicb bis zur AcheelhOhle. Dabei 
hnd fBr gewöbnlicb Flexion des Annes etatt. Demarqnay 
ßbrt auBBerdem Fälle von Haisonneuve (tiefe MackenmnBkelD), 
DenonTiUierB (U. rectos femoris) nnd Bäraud (unterer und 
innerer Tbeil des OberscbenkelB) an. Er selbst sah eine diffuse 
Entartnng der H. fiexores superficialis et profundus in erectilea 
Gewebe am Vorderarm. Lebert') erwihnt eine erectile Ge- 
Bcbwnlst ans dem H. triceps bracbii, jedoch geht aus seiner 
Beacbreibottg nteht deutlicb hervor, ob es ein reines Angiom 
gewesen ist. Billroth**) gedenkt diffuser venOser cavernOser 
GeBchwülgte ans dem H. latiasimas dorsi nnd deltoides. 

Sehr viel häufiger sind die Fälle, wo die GeBchwulst sich 
^eichzeitig auf das Fettgewebe, ja selbst auf die Haut ausdehnt, 
sei es, daas sie eine einzige grossere Masse bildet, sei es, dass 
die verschiedenen Heerde eine gewisse Unabhängigkeit haben. In 
letzterer Beziebnng iat wobl der merkwürdigste Fall der von 
Crnveilhier***), wo bei einer 65jäbngen hemiplegischen Frau 
eine grosse Menge erectUer Geschwülste an dem gelähmten Arm 
gefonden worden. Diese lagen in der Haut, der unterbaut und 
den Muskeln, ja sie drangen sogar in die Sehnen, das Periost, 
die SynoTiaUiftate und selbst in die Nerven. In den Muskeln 
hatten sie tiieils einen peripherischen, theils einen centralen Sitz. 
Der BicepB war fast ganz in erectilea Gewebe verwandeU, der 
Brachialis int. grossentbeilB, der Coraco-brachialis theilweise. Die 
Mnekeln des Vorderarms an der vorderen Seite waren ganz in 
ein grosees varicflses Netz aufgegangen. Aehnliche Verhältnisse, 
jedoch in geringerer Ausdehnung, zeigen sich nicht ganz selten 
in temporalen t), bncoalenff), labialen fff) und s'"ipularen An- 
giomen. Von letzteren besitzt unsere Sammlung ..wei grossere 
PrSparate't): das eine ist eine congenitale Geschwulst von ganz 
auBgeieichnet oavemttseiD Bau, welche bei einem 12jähr^n 
Mftdoben exstirpirt ist, nachdem sie die Grösse eines Hühnereies 



•) Lebert Tmit* d'anat path. T. I. p. 210, 213. PI. XXVU. fig. 10-17. 
•*) Billroth. Mein AichiT. Bd.VUI. S.264. 
■**) GtuTeilhier. Atlu i'Kaat. pkth. Lhr. XXX. Fl. & 

t) A. Bnrne a.a.O. 8. SM. 
ff) Sangalli. Storia anat. dei tumori. VoLII. p. 259. 
fti) Lebert AbhiDdlDDEen aae dem Gebiete der pTsktucheu Ghiin^ie. 
Berlin. 1H8. S. 86. 

•t) Priparat No. 1278 und No. 16 vom Jahre 1862. 



gii^osb/GoOt^lC 



368 FBnfnadsvaiuigBte Torkinog. 

erreicht hatte; das andere (S. 313. Fig. 231.) ist eine von der 
Baut bJB in die Mnakeln greifende, mehr weitmaacbige Geschwulst 
mit grossen Phlebolithen. 

In eine nahe Beziehung zu den mnakal&ren Angiomen iet 
von manchen Autoren das sogenannte Aneurysma per ero- 
sionem von Pott*) gesetzt worden. Nach seiner Darstellmig 
kommt diese Geschwulst tiaupts&chlieh in den tiefen Tbeilui der 
Wade, unter dem M. gastrocneminB und eolens vor, wächst all- 
mählich an, ist incompresBibel und hart, erweicht später in ihrer 
Hitte und pflegt mit grosser Scbmerzhaft^keit verbanden n B«a. 
Schneidet man sie auf, so findet man die Tibia and Fibnla iuBBe^ 
lieh cariSs, die A. tibialis post. vergrftssert und geborsten, die 
Geschwulst selbst ans geronnenem und zum Theil zerfallenrai 
und erweichtem Blut gebildet. — Die späteren Schriftsteller haben 
manche fibnliche Formen beschrieben, ohne Aber das Wesen der 
Geschwulst ins Beine eu kommen. Nach und nach hat sich die 
Meinung festgestellt, dass es sich entweder um ein Aneurysma 
spurium, oder um ein einfaches Hämatom (Bd. I. S. 143) handle. 
Offenbar ist die Sache ebenso wenig mit Sicherheit fMtnstellen, 
wie die Frage nach der Natur der sehr verwandten Geschwuhrt- 
form, welche der ältere Honro**) mit dem Namen des ano- 
malen Tumors belegt hat, und bei welcher gleichfolls häufig 
Hohlen mit blutigem Inhalt vorkommen sollen. Es scheint kanm 
sweifelhafl, dass sarkomatßse und carciDomatfise Formen hier 
mit eingeschlossen sind. — 

üeberans selten sind glanduläre Angiome. Mir sind nur 
gans wenige Fälle bekannt, welche sicher xu sein sebeiaai. 
Gascoyen***) berichtet &ber ein Angiom der Parotis bei einem 
44jährigen Manne, der ausserdem zahlreiche kleinere und grössere 
Geschwülste an verschiedenen Theilen des Körpers leigte. Die 
Parotis-Geschwulst war congenital und stets sehr gross gewesen, 
so dass sie schon früh beträchtliche Beschwerden machte; n- 
letzt war sie schnell gewachsen und hatte Dyspnoe und Scbling- 



•) PerciTAl Pott. Chiriirg. «orkB. Val. IIL p. 338. 
**) Alex. UoDFo JQD. The morbid uktoinj of the bninui goUet, bIo- 
mach »od intestinu. Edinb. 1811- p. 160. 

***) Gmacoyen. Tnosact. of the Pkth. Soc LoDd. 1860. Vol. ZI. p. 867. 
HfiglicherKeise gehCren hierher Mich ein Pa*r FUle von Pitha, Ouststt'i 
Jahresbericbt für 1869. Bd. IT. S. 813. 



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Glaadnlire and owSre Angione. §69 

beschwerden eizaiigti der Toä erfolgte saffocatoriBch. Die Antopsie 
ergab zahlreiche Naevi an der Serosa der Därme, einen in der 
Submncoga und einen in der Leber; die Parotis-Geecbwulst zeigte 
colosEial erweiterte und gewundene Geisse, welche in grosse Säcke 
übergingen und schlieBslich ein cav'ernOses Gewebe mit Phlebo- 
tiüien bildeten. — Noch außSUiger ist die Beobachtung von 
Image*) von der weiblichen Brnet. Ein 21jiihrigeB Mädchen 
hatte vor 2 Jahren einen rothen Fleck oberhalb der Brustwarze 
bemerkt, der nach einiger Zeit schmerzhaft wurde. Nach und 
nach sehwoU die Bnist sehr beträchtlich an. Nach der Ampu- 
tation fand man die YeneD sehr gross, namentlich die V. mam- 
maria sackig erweitert, in den Säcken klappenartige Bildungen, 
die engeren Theile verdickt. Diese Venen gingen in Hohlräume 
(cells) über, welche die ganze Brust durchsetzten. Schon früher 
hatte Conrad Langenbeck**) zwei ähnliche Fälle bei Mädchen 
von 18 und 20 Jahren beschrieben ; die vergrfisserte Drüse war, 
wie eine Strnma vascalosa, von vieleo ausgedehnten Arterien und 
Venen dnrehzogen. — 

Ee erübrigen von den äogseren Angiomen noch die viel- 
besprochenen ossären Formen. Bell***) selbst, indem er sich 
auf eine Beobachtung von Balfoar in den Edinburgh medical 
Essays bezog, hatte vermnthungsweise das Vorkommen des Aneu- 
rysma per anastomosin in den Knochen ausgesprochen. Auch 
Gräfef) theilte eine Beobachtung von Reinhold mit, welche 
er ab Telangiektasie der Knochen auffasste. Ein Mädchen, wel- 
ches von seinen Eltern durch Schläge auf den Rücken misshandelt 
war, starb an einer langwierigen Krankheit; bei der Leiehen- 
öffnnng fand man den unteren Theil des Schulterblattes ganz 
pnlpOs, den oberen hingegen in ein Conglomerat zahlloser Gefässe 
verwandelt. Für diese Meinung sprachen ferner Beobachtungen 
von Peareon, Breschet und Scarpaff). Seitdem hat sich 



■} Image «od Qake. Hed. chir. TruiBut 1M1. Vol. XXX. p. 109. 
PI. II. 

**) C. LkDgenbeck. Nosologie n. Tberapie der chirorg. Krankheiten. 
Bd. V. 3. 83. 

•") John Bell I. c. p. 842. 
t) C. F. Gräfe. De notione et cura ugiectueos labioram. Upe. 
1807. p. 20. 

tf) FeArson. Hed. commiinic. Lond 1790. Vol. XI. p. 96. Q. Breschet. 
ReperL ^inir. d'anftt et de phya. p»tb. et de clin. chir. Puis. 1836. T. IL 1. 
p. 142. Scarpk. Sali' mnenrisma detto per anutomoei. Hikno. 1880. p. IS. 

ViTCbBW, OaHh<vlllU. m. 1)4 



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370 PQnfandiwuxignt« Vorlamng. 

die Zabl der Fälle schnell vermehrt. Allein w kann niebt be- 
zweifelt werden, dass eine Menge von Irrtbümern mit nnter- 
gelanfen ist nod dass eine grosse Zabl der aafgefäbrten Fälle in 
andere Kategorien gebCrt. Ans dieser Erfabmng erkort es sieb, 
dass nacbher einzelne schärfere Kritiker die caTemSsen Geschwfilste 
der Knocbeo ganz leugneten und jedesmal andere, krebsige oder 
sarkomatßse Formen annahmen. Dupny tren*) selbst, ans deesen 
Klinik Breschet seine hauptsächlichen Beobachtungen sammelte, 
hat dieselben Fälle, welche letzterer als Beispiele f&r die erectile 
Geschwulst der Knochen anffährte, später unter dem Kapitel des 
Fnogna haematodes behandelt, von dem er sagt, derselbe sei eine 
Verbindung des erectileii Gewebes mit krebsartiger Materie, und 
in der That spricht die ganze Besehreibnng daftir, dass es sich 
nm myelogene Sarkome der Knochen (Tibia, Fusswarzel) handelte. 
Die Präparate von Scarpa hat neuerlich Sangalli**) anter- 
sncht, ohne daran die Natur der Bildung ergrfinden zu kOanen; 
die Beschreibung des berilhmten Chirurgen selbst lässt mir jedoch 
keinen Zweifel darüber, dass der eine seiner Fälle einen multiplen 
Knocheokrebs betraf; der andere dürfte sich auf ein myelogenes 
Sarkom beziehen. Dass es myelogene Sarkome der Knochen 
mit ausgezeichneter Pntsation giebt, ist sicher (Bd. 11. S. 328). 
Eugene Nilaton***) hat lehrreiche Beispiele daftr gesammelt, 
ans denen er den Schluss zog, dass jede sogenannte Blutgeechwnlgt 
der Knochen eine Tumeur i my^loplaxes sei. Andererseits hat 
Crnveilhier, der früher erectilo Geschwülste der Knochen an- 
nahmf), gezeigt, dass gewiss« Formen des Krebses in der klini- 
schen Erscheinung der erectilen Geschwulst anftreten können, 
und er stellte daher später den Satz snf, dsBS alle oder fast alle 
pulsirendon Blutgeschwülste der Knochen Krebse seien ff). Wenn 
demnach kein Zweifel darüber besteben kann, dass es pulsirende 
Krebse f f f ) und pulsirende Sarkome *f ) der Knochen giebt, welche 



*) Dupaytren ». a. 0. S. 30, 28 [Fall 3, 4 d. (6) 6]. Vgl BreBcket 
p. 161 (Oba. 6—8). 

**) Sangitlli I.e. p. 26S. 

***) E.NälatoD. D'one DoUTfllle espece de tamenn bjoignea des oa on 
tomeun k mj^lopUiea. Paria. 1860. p. SOS. PI. III. fix. 1. 
f) Craveilhier. Atlaa d'anat. path. Livr. XXXlll. PL 3. 
tt) CroTeilhier. Traitö d'aoat. path. g^n^r. T. 111. p. 898. 
ttt) Hewett. British med. Jonra. 1857. No. 84. S. Wilka. Lect. on 
patb. anatomy. Lond. 1859. p. 41. 

*t) Demarqnay. Uoion m^d. 1852. Not. p. 136. Martio, HoDiL des 
bftp. 1867. No. 34. 



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PeripheriBclie Angiome der Knochen. 371 

nur darin mit den Angiomen fibereinstimmen, dass Bio gleicbfallB 
telangiektatiBche Bostandtheile enthalten, so bleibt nur die Frage 
ftbrig, ob daß reine Angiom fiberhaupt am Knochen gar nicht 
vorkommt F 

Stanley erklärt sich mit Entschiedenheit i&r die Positive. 
W&hrend er eine Reihe von Beispielen beibringt*), vrelche die 
pnlBirende Natar mancher Krebse und Gallertgeschwfllste der 
Knochen darthnn, fBhrt er andererseits auch einen Fall von 
vrahrer erectiler Geschvrnlst anf **). Es war dies eine gegen den 
Hnnd hervortretende Gescbvnilst im Unterkiefer eines Knaben, 
vrelcbe ans der spongiOsen Substanz hervorging, weich, dnnkel- 
rotb und von der Beschaffenheit des Hilzgewebes war. Ein 
Darchschnitt zeigte das Innere siebfOrmig von den Oeffnungen 
erweiterter Blutgefftsse. Wenn dies auch beweist, dass die Ge- 
schwulst telangiektatisch war, so fehlt doch der Nachweis, dass 
sie ein Angiom war. Grnveilhier ***) seinerseits giebt die 
Eiistenz periostealer Angiome zu, während er die myelogenen 
leagnei Indess Iftsst er die periostealen nicht blos tiefe Ero- 
sionen der Knochen erzengen, sondern er beschreibt auch einen 
TOD Verneail aufgefundenen Fall, wo s&mmtliche Beckenknochen, 
einschliesslich des Kreuzbeins und der letzten Lendenwirbel an 
ihrer äusseren und inneren Fläche mit erectilen Geschwülsten 
besetzt waren, von denen einzelne ein knöchernes Balkenwerk 
besassen. Er hftlt dieses fBr nengebildet. 

In der That ist nach meinen Erfahrungen das Vorkommen 
peripherischer Angiome an den Knochen ganz unzweifelhaft. Für 
eine solche Möglichkeit spricht schon der Umstand, dass bei sub- 
cutanen Angiomen die Gef&sse der Geschwulst nicht selten mit 
den GefUssen des untorli^enden Knochens zusammenhängen. Bei 
den ftont^üen Angiomen haben wir solchd FUle besprochen (S. 352), 
indess kommen sie anch an anderen Orten vor. So exstirpirte 
V. Ammonf) bei einem einen Monat alten Kinde eine wenig 
palsirende, schmutzigblan anssehende, stark erhabene und höcke- 
rige Geschwulst der Brust, welche schnell wnchs; es entstand 



) Bdw. Stanley. A treatise on diBsases of tbe bonea. Lond. 1849. 



••)'StaiiIej J.c. p.l84. H.XIII. fig. 1- 
•••) Crateilhiar l c p. 894. 



f) r. AmmoD. Die aDgeboraeD chirnr Krankb. S. 186. Taf. XXXII. 
Fig. 7 a. 14. Tgl. Cabaret, Rriine m4i. chir. 1856. Jaill. 



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378 FOofnndiwuiugato Vorlwusg. 

dabei eine so heftige venOBe Bktnng, daae das LebMi de« Kindes 
mehrere Tage gefährdet schien. An der betreffenden Stelle war 
die Haut runzlig und verdünnt, und das darunter liegende Fett 
rath gefärbt; sehr erweiterte Venen entsprangen ans dem Sternnm 
nnd seinem Periost. Aber auch unabbftngig von Babcutanen Ver- 
änderungen und unter dem Periost finden sich Angiome in den 
peripherischen KnocbenBchichten. Ich habe ihrer zu wiederholten 
Malen sowohl an der inneren, als an der äusseren Ober6äche der 
Squama occipitalis gesehen. Jedesmal war die Oberfläche des 
EnochenB gmbig vertieft und die Gruben mit sacktg erweiterten 
und zum Theil anastomosirenden Gefässen gefällt; einigemal be- 
standen zahlreiche, communicirende Höhlen mit durchsetzendes 
Trabekeln. In ähnlicher Weise, wie es Cruveilhier beschreibt, 
kamen dabei manchmal Knocbennenbildungen vor, so dass der 
Habitus des Osteoms über den des Angioms flberwog (£d. 11. 
S. 89). Toynbee*) hat solche Bütlangen von der äusseren Pl&cbe 
beider Scheitelbeine eines Phthisikers beschrieben; Thomson**} 
sah sie unter einem grossen congenitalen Naevns bei einem Nea- 
gebomen gleichfalls am Scheitelbein. Dieser Art ist auch der eine 
Fall von Sangaüi ***). Dagegen scheinen zwei andere desselben 
Autorsf) vom Orbitalrande des Stirnbeins und von der äassereo 
Fläche des Scheitelbeins ein^her Art gewesen su sein. Das am 
meisten ausgebildete Beispiel, welches mir voi|;ekommen ist, fand 
ich tt) bei einer 72jährigen P&ündnerin, die zugleich eine caver- 
nftse Geschwulst der Leber hatte. Es war eine, unter dem kanm 
veränderten Pericrauium gelegene Bildung von 2" Länge und V' 
Breite am hinteren Umfange des rechten Scheitelbeins, welche 
den Knochen ganz ersetzte, so dass nur die innere Tafel noch 
Qbrig geblieben war. Die Maschenräume der Geschwulst, welche 
mit flüssigem Blute geiHllt waren, hatten eine beträchtliche Weite 
nnd commnnicirten mit Gefässen der DiploS von ^ — 3^'" Durch* 
messer; die Balken des Haschenwerks standen meist senkrecht 
auf dem Knochen. 



*) TojDbee. Lood. med. Qu. 1817. 

**) Tbomson. Atlu of delineatioDS of cataneoas eruptiona. Lond. 1839. 
PI. XXV. Proriep'B cbirarg. KnpferUfelD. T»f. 306. Fig. 2-3. 
*") Saogalli I.e. p.a64. T«v. IV. ßg. VII. 

f) saogaiii I. c. p. aes. 

tt) Virchow. ArcbiT. Bd. VI. S. 646. 



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Hjelogeue AsKiome der Rnoebeo. 873 

Myelogene Angiome der EnooheD habe ich niemals in dem 
eigentlich caTemOBen Stadium gesehen. Einfache Telangtektasien 
des Markgewebee sind in der DiploS der Schädelknochen nicht 
selten*). Indees scheint doch zuweilen auch im Innern von 
Knochen die Bildung erectilen Gewebes vorznkommen. So ex- 
stirpirte Travers **) bei einem lOjihrigen Knaben die Clavicnla, 
welche ganz in eine ovale, elastische Geschwulst verwandelt war, 
indem unter dem Periost eine Reibe von BOhlungen lag, die 
mit dimkeln, festen Gerinnseln gefüllt waren. Die Erankbeit 
schien seit einem Jahre in Folge eines Schlages entstanden zn 
sein. Rigand***) beschrieb eine Blutgeschwnlst des Stemal- 
eodes vom ScM&sselbein bei einem 25jährigen U&dcben, wo unter 
der Entwickelung eines maschigen Gewebes mit blutiger FfiUung der 
Hohlräume die Knochensubstans gans geschwunden war. Leider 
fehlt jedoch auch in diesem Falle, wie in denen von Yerneail 
(Kahnbein) und Riebet (Kopf des Oberarmes), welche Lebertf) 
anffihrt, die mikroskopische üntersnchüng. Rokitansky ff) er- 
wähnt eines Falles, wo ciemlich ansehnliche, aus der DiploS 
der Scheitelbeine entwickelte caTemOse G^chwülste die äussere 
Knochentafel durchbrachen. Aefanlicb, nur tiefer greifend, ist der 
Fall von Ehrmann fff), wo bei einer 60jäbrigen Frau in der 
DiploS des Scheitelbeins eine rothe, schwammige, sehr gefftss- 
reiche Masse, ganz wie cavernOses Gewebe aussehend, 1^, welche 
die innere Tafel mehrfach perforirt hatte. Reiche *f) operirte 
eine 3^ Zoll lai^e und 2 Zoll breite, pulsirende Geschwulst des 
Brustbeins bei einem 18 jährigen Schriftsetzer, der erst 4 •f&br 
vorher dnrofa länger dauernde Schmerzen zuerst auf eine kleine 



*) Bin bemerkenswerthes Beispiel tod m^elageaer Telangiektasie einiger 
Wirbelkffrper wurde in den letzten Tagen (Januar 1867) bei dds an der Leidie 
einer alten Fran beobachtet, irelche eine caveinOse Oeachn-ulst der Leber hatte. 
An iwei veit Ton einander entfernten WirbelkOrpern fanden sich bis haaet- 
onaagrosBe Stellen, an welchen das Knochengewebe bis anf einige, ungemein 
dicke nnd eklerotieche Balken ganz geBchwanden war; die Lflcke war ersetzt 
durch ein, wenig fettreiches Markgewebe mit so Bt»rk erweitertea nnd sackig 
ftoagebnchteten GetKaaen, daas man sie vom blossen Aage sehen konnte. 
"1 Travers. Med. chir. Tranaact Vol. XXI. p. 186. 
•**) Rigand. Gas. mM. de Strasb. 1860. No. 4. 

t) Lebert. Trait^ d'antt. putb. T. I. p. 207. T. 11. p. 636. 
tt) Rokitansky. Lehrb. der path. Aast Wien. 1866. Bd. ü. 8.180. 
Tgl. Schnh, Psendoplaameo. Wien. 1864. S 170. 

ftf) Ehrmann. Hnsde de la PaenItJ de mM. de Struboarg. 1847. 1. 
no. m. fig. 

*t) Kelche. Dentscbe KUnik. 16M.No. 99. 



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374 FBafnndimoziiwte TorieaiiDg. 

AoBchweilung an der Stelle aufmerkeam gemacht war. Die beoach- 
barteii Venen waren erweitert, die Haut darüber iaat bläulich. Man 
£aad unter dem Periost und der faat geschwandenen äusseren 
Knochenlamelle eine mit Blu^erinneel gefällte H&ble, umgeben 
Ton rauhem, ausgehöhltem Knochengewebe, aus welchem das Blut 
hervorsiekerte. 

Erwägt man die TJasicherheit der meisten dieser Angaben, 
90 kann man nicht umhin, za sagen, dasB das cavernOse Aogiom 
wohl an den Knochen vorkommen kann, dass es jedoch sehr 
selten eine wirkliche Bedeutung erreicht, und dass namentlich 
von jenen grossen Geschwülsten der Röhrenknochen, welche als 
Knochen- Aneurysmen beschrieben worden sind, bis jetzt auch 
noch nicht ein einziger Fall als wahres Aogiom bestimmt nach- 
gewiesen worden ist. Selbst der Fall einer kindskop^KrosseD pol- 
sirenden Geschwulst des Kopfes der Tibia, dessen Robin*) ge- 
denkt, erscheint zweifelhaft, denn der bewährte üntersucfaer giebt 
ausdrücklich an, dass die grossen Hohlräume, in denen sich das 
schon lange geronnene Blut beüuid, durch Knochenlamelleo oder 
Bpongiftee Substanz begrenzt waren, welche nur von einem ge- 
ringen Reste des Markgewebes ausgekleidet waren. Mindestens 
ebenso zweifelhalt sind aber auch jene Fälle von nicht palsi- 
renden, sackigen Blutgeschwfllsten an und in Knochen, wie sie 
namentlich Hodgson**) beschrieben hat; wahrscheinlich gehören 
sie sämmtlich der Sarkomreihe an. Trotzdem will ich die Mög- 
lichkeit nicht leugnen, dass auch hier Fälle vorkommen, welche 
den Angiomen näher stehen. Paul ***) fand bei einem 34jährigen 
Manne eine grosse diffuse pulsirende Geschwulst des rechten Ober- 
schenkels, besonders um den Trochanter major und das Hüft- 
gelenk; bei der Autopsie zeigte sich eine an vielen Stellen er- 
weichte Knochengeschwulst mit sehr reicher arterieller GeflBseot- 
wickelung im Knochen, aneurysmatische Ausdehnung der Schenkel- 
gefösee nod Erweiterung der kleineren Arterien zu dicken „athero- 
matösen" Stämmen. Listonf) entfernte eine Geschwulst, welche 
den ganzen Oberkiefer einnahm und durchweg ans erectilem Gewebe 



*) RobiD. Gai. mii. de Paris. 18&4. p. 34& 
") HodgBon a.a.O. S. 87. 

***) lI.J.PaDl. Die conaervative Chirurgie der Glieder. S. 401. (CaDetoU'i 
Jabreaber. f. Iö54. Bd. IV. S. 165.) 

t) LiBton. Praci Borgory. Und. 1846. p. 301. 



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OiTemOM Angioroe der RDocben. 375 

bestand ; das Antnun exiBtirtd nicht, doch schien die GeBohwolst 
nicht TOD da ausgegangen zu sein. Gross*) resecirte bei einem 
35j&hrigen Farmer einen Theil des Unterkiefers wegen einer 
orangegrosBen Geschwnlst, die seit 3 Jahren bemerkt war und 
vom Eckzahn bis zum mittleren Backzahn reichte. Sie bestand 
aoB einer einütchen Knocbenschale und eotbielt 3 rotbe, solide, 
adh&rente Coagata, deren gröastes TaubeneigrOsse erreichte. Be- 
sonders cbarakteristisch ist eine Beobachtung von Schuh**): 
Bei einem sonst gesunden 18jährigen Mädchen war seit einem 
Jabre eine eifOrmige, citronengroBse Geschwulst im Mittelliand- 
knochen des linken Kleinfingers eatetandeu, welche beim Druck 
Btellenweie wie Pei^ament knitterte. Die Hautvenen waren aus- 
gedehnt. Die Entfernung der Geschwulst mitaammt des Klein- 
fingers wurde unter geringer Blutung ausgeführt Es fand sich 
im Os metacarpi innerhalb einer nicht ganz Yollst&ndigen Knochen- 
schale ein auBgezeichnet cavemOses Gewebe, desBea unter ein- 
ander communicirende Bluträume ziemlich dünne, mehr bautartige 
Wandungen hatten und ziemlich gleichmässig bohnengross waren; 
kleine YerbindungBzweige führten zu den Venen. 

Der Ausgangspunkt für die üntersucher war vielfach eine 
Beobachtung von Lallemand ***), ioBofern der glückliche Erfolg 
der Behandlung für die AnBicht von der aneurysmatischen Natu 
deB Uebels Bpricht. Eb handelte Bich um einen 45jährigen Haan, 
dessen Anamnese eine sehr reiche pathologische Geschichte lieferte, 
biB sich endlich im Alter von 43 Jahren ein fixer Schmerz am 
Knie, bald nachher Pulsation und Geschwulst einstellte; der Aus- 
gangspnnkt war der Kopf der Tibia. Eb wurde die Art. emralis 
nnterbondeD und zwar mit so glänzendem Erfolge, dass der Kranke 
nach einigen Monaten als vollständig genesen angesehen werden 
konnte. Ganz ähnlich ist eine Beobachtong von Lagoutf): Bei 
einem Hanne bestand eine pulsirende Geschwulst der Tuberositas 
interna tibiae, welche bei CompresBion der A. femoralis anfhArte 
zu polsiren und so weit erschlaffte, dass man eine grosse Oeffnung 
im Knochen f&hlen konnte. Es wurde die Ligatur der Femoralis 



*) Sam. D. Gross. Elements of patb. anat Philad. 1846. p. 283. 
*■) Schuh. Wiener Hedicinal-Hille. 1863. S. 107. (Onrlt, Jahresbericht 
[Qr 1863. S. H im Archiv f. klin, Chir. Bd. V.) 

•**) Lallemand. Rupert giaii. par BrescheL 18S6. II. 3. p. 187. 
t) Lagont Oai. des Mp. 1859. p. 38. 



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376 FflDfDDdimiisigpt« Vorieann^;. 

gemacht; die Palsatioti und die spontanea Schmerzen Terachwaodeii, 
das Knie blieb in halber Flexion anchylotisch, nnd noch nach 
3 Jahren war kein Recidiv eingetreten. GewisB sind dies sehr 
bemerkenswerthe Fälle, aber anch eie sind Dicht ganz entschei- 
dend, da wir Aber den späteren Verlauf nichts wissen. Es ist 
dies um so mehr zn bedauern, als dadurch ihre Bedeutung nahexo 
aufgehoben wird. Denn auch Dupuytren*) unterband in einem 
ähnlichen Falle die Art. cruralis mit so groseem Erfolge, dass der 
Kranke das Spital geheilt verlassen konnte, indem statt der pal- 
sirendeo Geschwulst der Tibia nur noch eine kleine Erhöhnag 
ohne PnlsatioD übrig war. Allein 7 Jahre später kehrte der 
Kranke mit einer von Neuem gewachsenen Geschwulst zurfick, 
und Dupuytren sah sich zur Amputation genOthigt. Breschet 
selbst beschreibt die Geschwnlat als bestehend aus einer Reibe 
von Fächern, welche in der Substanz der Tibia lagen: einige 
enthielten Gallertmasse, andere eine gelbliche oder schwärzliche 
Substanz, und nur einige (quelques-nnes) „alhuminfiee Schichten, 
gebildet aas Blutgerinnsel, wie man sie in alten aoeurysmatischen 
Geschwülsten sieht." Injectionsmasse war in einige Bäume aus- 
getreten; in den meisten hatte sie nur die GelUssnetze gefüllt, 
welche die Auskleidungshaut der grossen Räume durchsetzten. 
Man sieht, diese Beschreibung passt mehr auf ein schaliges, mye- 
logenes Myxosarcoma, als auf ein Angiom. — 

Betrachten wir nun den weiteren Verlauf der äusseren 
Angiome, so halten wir uns hauptsächlich an die oberflichlichen, 
nnd nehmen nur insoweit auf die tieferen Räcksicht, als sie bei 
weiterem Umsichfropsen endlich auch die Oberfläche erreichen. 
Zuweilen reichen die Gefässerweiterungen bis in die Papillen hin- 
ein, welche sich zu kleinen, k!)mig hervortretenden Säcken aos- 
dehnen**). Die anfangs glatte Oberfläche wird daher etwas un- 
eben, in dem Maasse als die Geschwulst sich aber das Niveau der 
Haut erbebt. Nicht selten beginnt diese Flädie später zu nieseD, 
die Epidermis wird in Form kleiner Bläschen und Pusteln at^e- 
hoben, welche bersten und oberflächliche Erosionen oder ülce- 
rationen zurficklassen. Später, bald spontan, nach allerlei fluxio- 
nären Hyperämien, bald in Folge mechanischer Einwirkungen, 
treten Blutungen ein, welche eine solche Hohe erreichen können, 



*} Dapuftren a. m. 0. S. 33. Breschet R^rt. H. 3. p. 161. 
**) Verueaü. Qu. hebdom. 18». p.400. 



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Verlanf der Inuereo ovunfieen Anglome. 377 

dass dfts Leben der Kranken dadarch bedroht wird. Besonders inter- 
wsant Bind die menstrualen Fluxionen und Blntuogen, welche 
von vielen der besten Beobachter constatirt Bind (S. 320, 356). 
Allein twcb abgesehen von ihnen kommen mancherlei periodische 
Fluxionen vor, die sich bis jetzt um so weniger genau erklären 
laBsen, ale sie sich auch bei anderen Arten der Naevi zu finden 
scbeinui. So erwähnt Henoch*) den Fall eines 11jährigen 
M&dcheoB, welches auf der äusseren Fläche des rechten Ober- 
umes einen 2" langen und 1" breiten, nicht erhabenen, bläulich- 
grauen Naevua hatte; dieser erhob sich etwa alle 6—8 Wochen 
in seinem mittleren Tbeile etwas und fing ohne Veranlassung an, 
stark m eitern. Eine Angabe von Alibert, wo bei einem Manne 
Iwi jedem Mondwechsel eine Schwellung des Angioma stattgefunden 
haben soll, werde ich noch erwähnen. Nach dieser Richtung hin 
ist noch mancherlei durch Beobachtung festzustellen. Jedenfalls 
ist die Blutung das gefährlichfite Ereigniss, welches durch das 
Ängioin herbeigeftihrt werden kann. Allerdings sind die einzelnen 
Blutangen selten lebensgefährlich, aber ihre öftere Wiederholung 
ktmn doch eine sehr bedenkliche Oligämie herbeifähren, so dass 
gerade ans diesem Grunde das active Eingreifen des Arztes am 
bäoligBtea provoeirt wird. 

Nach voraufgegangen&n erosiven und hämorrhagischen Zu- 
fällen bedeckt sich die Oberfläche der Geschwulst öfters mit ein- 
trocknenden Plätteben und Schürfen; die Epidermis kann auch 
wuchern und grObere warzige Massen bilden**), welche der Stelle 
ein so fremdartiges Aussehen geben, dass der Verdacht einer 
krebsartigen Entartung dadurch berbeigeffibrt wird. Auch er- 
heben sich aas der wunden Fläche zuweilen „fungöse" Auswüchse, 
welche Besorgnis einflössen. Meist bleiben die wunden Stellen 
jedoch flach und eher vertieft. 

Gewöbolicfa geschieht bei den cavernösen Angiomen ein fort- 
schreitendes Wachsthum, zamal in der Fläche. Die Gefässe der 
Umgebung erweitern, verlängern und schlängeln sich mehr und 
mehr, die Krankheit kriecht gleichsam in den Wandungen der 
Aeete und Stämme weiter, während zugleich die Zahl der Gefässe 

*) Henoch u. Romberg. Kliaische Wabruehromigen □. BeobacbtungeD. 
Berlin. tSÖl. S. 223. Nach einer Mittheiluag des Ilru. Ilenocb war der 
NaevuB von einer Zone erweiterter kleiner Genäse amgeben, leigte dagegen 
anf der Fliehe nnr hie and da erweiterte Geßase. 

*•} Scbnb. FseudoplMiuen. 1861. S. ISO. IBM. S. 166. 



gii^osb/GoOt^lC 



378 Fflnfandi-wuiiigste VoriaMim. 

sich durch NenbilduDg vermehrt. Auch die ßlntr&ome im ImMm 
TergrOsseni eich mehr und mehr. Immer neue Theile des Gewebes 
schwinden unter diesen Yoi^&ngeii, bis snletzt aar noch ein loees 
Balkengenebe übrig ist, in welchem von den früheren Bestxod- 
tbeilen hfichstens etwas Bindegewebe und elastische Fasern znrück- 
bleiben. Eine gewisse Ruhe, ja ein l&ngeres Stationärwerden der 
Geschwulst wird durch die früher (S. 330) besproehene Ab- 
kapselung herbeigeführt, welche leider verh&ltnissmftBsig niebt 
sehr häufig ist. Ein definitiver Abschluss wird jedoch auch da- 
durch nicht gewonnen, da auch die Kapeel Gef&sse enthält nnd 
der angiomatflse Frozess sich später auf diese ausdehnen kann. 

Sehr selten ist ein völliges VerOden der Geschwulst, eine 
Art spontaner Atrophie. Es ist dieselbe Erscheinnng, die 
man in den freilich seltenen Fällen beobachtete, wo die Unter- 
bindung der zuführenden Arterien die Geschwulst direct tnm 
Schrumpfen brachte. Einen ausgezeichneten Fall der Art berichtet 
Bertherand *) von einem 4^ Monat« alten Kinde, dem er wegen 
einer grossen pulsirenden Geschwalbt, die sieh Tom Angenlide 
bis hinter die Kranznaht erstreckte, zuerst die Carotis extenia 
und dann die Carotis communis unterband. Die spontane Ver- 
ödung ift zuweilen abhängig von allgemeiner ErschSpfang. Lob- 
stein**) sah bei einem Neugebornen kleine rothe Flecke der 
Oberlippe, welche sich später ausdehnten und zusammenflössen; 
die Lippe schwoll an und nahm die Gestalt einer weichen, bläa- 
lichen Trompete an. Nach einiger Zeit wurde das Kind von 
einer chronischen, colliquativen Diarrhoe ergriffen, die Kräfte 
sanken, zugleich verkleinerte »ich die Gesehwulrt, nnd als das 
Kind im Alter von 9 Monaten starb, war die Geschwulst ver- 
schwunden. Die Lippe enthielt noch spongiüses Gewebe, aber 
kein Blut mehr. Anderemal ist der Grund der Atrophie nicht 
erkennbar, v. Ammon***) beobachtete einen angebomen pnl- 
Birenden Naevus bei einem Mädchen über dem linken Ohre, der 
im 2. Lebensjahre seine BSthe verlor, zasammenfiel und sit^ ab- 
flachte; nach 15 Jahren war kaum eine Spur des üebela zu be- 
merken. Moreanf) hat 3 Fälle spontaner Heilangea ooiwtatiTt; 



*) BertherftDd. Dnion med. 1860. T. VHL p. 263. 
**) Lobst ein. Trait^ d'anat path. 1829 l.l. p. 327. 
•••) T. fLütmoa a. a. 0. S. 134, 136. Taf. XXXIL Fig. 6. 
t) VidaL Traitö de path. ext Paris. 1M&. T. U. p. 187. 



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Spontoae Heilong csTernOaer Angiome. 379 

ich arwtiine nur den einen, wo bei eioem neagebornen Mädehen 
eiD kleiner Fleck in der Mittellinie der Stirn dicht am Haarrande 
bestand; im Alter von 8 Monaten fand sich eine Geschwulst von 
Form and Grosse des ersten Gliedes des Mittelfingers eines 
Erwaebsenen; mit 17 Jahren war sie gänzlich verschwanden. 
Gloqaet*) beobachtete bei einem jungen Mädchen die spontane 
Heilang wner erectilen Geschwulst der grossen Scbamlippe. Henry 
Taylor**) sab ein Kind mit einer angebornen Geschwulst des 
Kopfes, nahe am Scheitel; sie war wallnnssgroas, von schwam- 
miger Consistenz and bei der Gompression von schwirrendem 
GeRlhL Die Haut war etwas verfärbt über ihr; einige gewundene 
und deutlich palsirende Äeste der Temporaiis media von der 
Dicke einer Rabeofeder liefen za ihr. Es geschah nichts, und 
im Älter von 10 Monaten war Alles verschwanden. Anderemal 
bildet sich das Uebel zurück, hinterlässt aber gewisse Rückstände, 
sei 68 byperptastische Verdickungen der Haut oder der Unterhaut, 
sei es pigmenUtse Ver^buogen der Oberbaut Bouchut***) 
beschreibt einen solchen Rückstand bei einem 46jährigen Herrn, 
der mit einem haselnussgrossen Naevus zur Welt gekommen and 
nur durch das Widersb'eben seiner Matter im 10. Lebensjahre 
vor einer Operation bewahrt war, als einen flachen, schwarzen 
Fleck. - 

Die Natur der Vorgänge, welche hierbei stattfinden und welche 
an die freivnllige Obliteration der FOtalgeftsse erinnern, ist wenig 
stadirL Man könnte um so mehr versucht sein, dabei an Throm- 
bose zu denken, als die so häufige Bildung von Veneneteinen den 
Beweis liefert, dass in den Mascbenräumen spontane Gerinnungen 
des Blutes erfolgen. Indess ist darüber nichts weiter bekannt. 
Jedenfalls scheint der Prozess verschieden zn sein von der eigent- 
lichen Vernarbang, der fibrOsen Degeneration, welche 
gleichfallB zaweilen eintritt. Hier geschieht ähnlich, wie bei den 
tief^eifenden Strikturen der Hararfihre, eine Bildung von fibrOsem 
Bindegewebe, ofienbar von dem Balkenwerk ausf). In Folge der 
Retraction dieses Gewebes schrumpft die Geschwulst, die Hohl- 
räume Terkleinero sieh, and es entstehen bald einzelne, harte 



*} CloqDflt. Union m^d. 1852. No. 68. vgl. Honod, ebenduelbat 
••) Birkett. Gny's Hosp. Rap. 1861. Ser. 11. Vol. VII. p. 293. 
•*■} BoDchat k.ft.0. S. 962. 

t) Lttcke. Heis Arohiv. Bd. XXXIU. S. 386, 



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SSO KBnfigndiiniulgBt« TorlMB&g. 

Stellen, bald eine ausgedehnte schwielige Narbeobtldong. Dim« 
Vorgang i^t meiBt die Folge entzündlicher, Damentlich nlcerSBO' 
Znstände. Schon Wardrop*) beobachtete dies nach fouaerer 
ÄDwenduDg von Sublimat, und sowohl die Behandlung mit ober- 
flächlichen Aetzmitteln, als die mit Vaccine-Impfnng auf die telan- 
giektatiechen Stellen basirt anf dieser Erfohrang. Jedoch kommt 
Aehnliches auch spontan vor. Rayer**) sah es bei einem con- 
genitalen Naevus, der sich von der Schulter über den ganzen Ann 
bis zn der Mitte der letzten Fingerglieder erstreckte; 5 Wochen 
nach der Geburt entzündete er sich und begann zn nlceriren. 
Im Laufe von 2^ Monaten überzog die UIceration die ganze Fliehe 
und es bildete sich langsam, unter starker Retraction des ArnieB, 
eine grosse Narbe. Der Fall steht vielleicht dem einfachen Nutiis 
näher, als dem cavernüsen Angiom, indess ist im Verlaufe der 
Prozesse kein unterschied. 

Ein anderer Fall der Umbildung cavernöser Geschwfllste irt 
die GystenbilduQg. Schon Plenck (S. 311 Anm.) kannte das 
Vorkommen von Räumen mit gallertigem Inhalt in cavemüsen 
Naevi. Aber erst in der neuesten Zeit hat diese Verbiadnng di« 
allgemeine Aufmerksamkeit erregt, seitdem sich dann besondere 
Streitigkeiten über die Entstehung der Cysten und ihre Bezi^ong 
zn der Angiombildung überhaupt ankafipften (S. 323). Die vor- 
kommenden Cysten sind, wie schon Bell'**) wosste, zweierlei 
Art: Blutsäcke und Serumsäcke. Die ersteren sind von sehr 
verschiedener GrOsse und Gestalt; sie enthalten entweder flüssiges 
and frisches, oder verschiedentlich verändertes, namentlich zer- 
setztes, braunes oder schwärzliches Blut; ihre Wand ist vielfad 
ansgebuchtet und mit Trabekeln besetztf). Die letzteren dia^egeo 
sind meist kleiu, ausnahmsweise jedoch auch recht gross, mndlicb, 
prall, und mit gelblichem Serum gefüllt, dem gelegentlich zellise 
oder fettige Tb«ile beigemischt sind ; sie sind stets abgeechlosseQ 
und ohne Zusammenhang mit den Gefässen, während ersten. 



•) Wardrop. Med. chir. TranaRct. 1818. Vol. IX. p. 218. 
") Rajer. Traitd des mal&d. de U pem. Paris. 18S7. T. II. p.S» 
***) JofaQ Bell I. c p. 399. Ofteo in tbe coarse of thie diseue nrio» 
eacB are formed, which receive sometimea Berum and Bometimea blood^ ac- 
cording to tbe state of the tnmor, so that tumore of thia kind Bometnno 
burat like s ganglion or great salivary tumor, dischargiDg a tbiD seniB 
like ealiva. 

t) Schub. Fsendoplumen. 8. 17S. 



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CjBtiBclie DegeneratioD der Angtome. 881 

namentlich wo frisches Blut darin ist, in offener CommsnicatioD 
mit den Geßssen stehen. 

Verschiedene Autoren sind nach dem Vorgange von Holmes 
Goote geneigt, alt& diese Formen auf eine einzige Reihe zurQok- 
zafahren*): die GefiUsräame nfirden sich darnach mehr nnd mehr 
ausdehnen, endlich abschnüren und selbst&ndig werden, w&hrend 
das darin enthaltene Btut sich zersetzt und anflClat. Gerade ent- 
gegengesetzt ist die von Busch**) vertretene Ansicht, wonach 
überhaupt zuerst einfache Cysten entständen, die sich nach und 
nach durch Usur der Wandungen mit Gef&ssen in Verbindung 
eetzten. Nar wenige Autoren folgen dem Beispiele von Hawkins, 
der eine blosse Combination annimmt ***). 

Nach meiner Ueinung liegt der Fehler auch hier wieder in 
der Einseitigkeit der Menschen. Die FAÜe der Gombinationen, 
welche vorkommen können, ist so gross, dass jede JUflglichkeit 
gelegentlich realtsirt wird. Früher habe ich einen Fall erwähnt, 
den ich selbst beobachtete, wo eine Miscbgeschwulst der Wange, 
welche schnell aufbrach und blutete, neben einander angiomatöse, 
atheromatdse nnd sarkomat5se Abschnitte enthielt (Bd. II, S. 336); 
der angiomatfise Abschnitt bestand vorwiegend aus grosseren Blut- 
^cken, das Atherom umschloss eptdermoidale und fettige Bestand- 
theile. Gewiss liegt kein Gmnd vor, alle diese Theile auf eine 
einzige Entwickelungsreihe zurückzuführen. Laboulbönef) be- 
schreibt genauer einen von Laugier operirten Fall, wo von 
Geburt an ein rother Fleck an dem Augenlide bestanden hatte; 
allmählich hatte sich daraus eine beträchtliche Geschwulst gebildet, 
welche, als der Kranke ein Alter von 22 Jahren erreicht hatte, 
zuerst mit reisenden Einreibungen, dann mit dem Haarseil be- 
handelt and zuletzt exstirpirt wurde: es fanden sich neben Narben- 
gewebe zahlreiche kleine Cysten mit fettigem Inhalt. Dass diese 
Cysten ans abgeschnürten Tbeilen des Gefässapparates hervor- 



■) Holmes Ooot«. LoaiL mei. Gai. 1862. Vol.X. p.413. Bicker- 
■ teth. Bdinb. Hontblr Joarn. 16Ö3. Jane. Paget. Lect. od snre. ratb. 
Vol. IL p. 38, 384. Warmont et Veruenil. Q&z. hebd. 18S6. p. 398. 
CfDveilDier. Traite d'aaat. path. g^n^r. T. III. p. 489, 494. MnBBbanm 
a. a. 0. S. 681, Bryint Transaet. Patb. Soc VoL IX. p. 188. 
**) Onil. Bascb. Du nexn inter hTgromata etc. p. 6. 
*••) Caeaar Hawkins. Und. med. Üaz. Vol. XXXVIL p. 10S7. 
t) Labonlbäne. Snr le naevne en e^n^ral. Th^edeParis. 1864. p.36. 
fig.4-7. 



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882 PBafnndswaBiigBte Voritnms. 

gegangen eeien, ist mOgticb, aber bei der Natnr des Inhalts 
mindesteDB unwahrBcbeinlich. Mir Bcbeint ein bloeaes Combinar 
tionsverh&ltniss weit natfirlicber. Liegt aber ein Bolcbes vor, so 
kann immerhin unter besonderen Verb&ItniBBen sp&ter eine Hämor- 
rbagie in die Cyste oder selbst eine Communication mit GeOsseo 
eintreten. Lficke*) hat ein Paar Fftlle von Combination ange- 
borner Gystenhygrome des Halses mit cavernfiBer Bildung be- 
scbrieben, bei denen er es wahrscheinlich macht, dass die letztere 
erst in späterer Zeit aufgetreten ist. 

umgekehrt halte ich auch eine secnndäre Ab&cbnfimng tod 
Gel&ssr&nmen fQr mdglich , wie schon froher (Bd. I. S. 153) er- 
wähnt ist Ich habe selbst bei einem Experiment am Hunde 
eine derartige Blutoyste an der V. jugnlaris kfinstlich erwogt, 
die später, nachdem sie pnnktirt nnd mit Jod eingespritzt war, 
eine serOae Flüssigkeit enthielt**). Eine besonders starke Eot- 
wickelung der Klappen zwischen sackigen Ansbnchtnngen der 
Venen, wie sie Vernenil***) in einem Falle von congenitalem 
Naevna der Lendengegend gesehen hat, k&nnte die AbschnSroog 
sehr begünstigen. Jedenfalls ist eine allmählicb znnebmende Er- 
weiterung der Hohlräame in vielen cavernOsen Angiomen zn ver- 
folgen, zamal in jenen mehr venOsen, welche Phlebolithen ent- 
halten. Die Trabekelo verdünnen nnd verlängern sich, stellen- 
weis werden sie uenrirt, nnd es entstehen immer grossere Säcke, 
die jedoch noch mit den Gelassen commnniciren. Hannoirf) 
brachte diese secnndäre Erweiterung mit dem Auftreten von Bio- 
tnngen in der Art in Verbindung, dass er annahm, der Sack 
trete an die Stelle der nach der Blntnng wieder verschlossenes 
Oeflbung. Allein dasselbe geschieht aach an Geschwfilsten, die 
niemals geblutet haben. Dass nun aber ein derartiger Btnt- 
eack, wenn er vielfach insnltirt wird, sich endlich gegen die 
Gefösse hin schliessen nnd seinen Inhalt verändern kann, dafür 
bietet wohl das beste Beispiel ein Fall von John Bellff), 
den ich schon erwähnte (S. 355 — 356): im Lanfe der Jahre 

*) Lflcke m. ». 0. S. 330. Tgl. ancb Pttha, CusUtt'B Jthmber. Ar 
1869. Bd. IV. S. 811. 

**) Vircbow. Oesammelte AbhaoiU. S. 398, 301. 
***) Verneuil. Gm. bebdom. 1866. p. 400. 

t) MauDoir I. c. p. BO. 
tt) Jobn Bell 1. c. p, 417, 421. Tfaat tfaese vesiclea wer« generated bj 
Uie vesaela vbicb form tliis tnmor, is certain. 



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neberguig OTeniOser Angiome io Krebs. S83 

bildeten sich in dem polypös gewordenen ADgiom zuerst Blut- 
B&cke, die wiederholt and reicblicti Blat ergossen, und schliesslich 
eine grosse Cyste, die 3 Pfand klares Serum entleerte. Bell 
BchloBs daraas, dass die Bläschen und Säcke aus Blutgefässen 
hervorgehen. 

ImmeThin it^t diese Umwandlung, von der neuerlich Michel 
und Lflcke*) weitere Beispiele beigebracht haben, eine verhält- 
nissm&Bsig seltene, and es wird im einzelnen Falle einer sehr ge- 
nauen Nachweisnng bedürfen, ehe man cie zulassen darf. Bell**) 
selbst war vorsichtig genug, andere Blutcysteo, wie er einen Fall 
vom Halse beschreibt, nicht in dieselbe Kategorie zu setzen. Die 
Blatcysten***) des Halses (Haematocele colli Michauz) mOgen 
Euweilen in dieser Weise entstehen; eia genügender Gmnd, sie 
alle in gleicher Art tn erklären, liegt jedoch bis jetzt nicht vor. 
Schon bei den LympbaimciomeD werden wir auf ähnliche Verhält- 
nisse zurückkommen. — 

Einige Autoren haben auch die Frage erörtert, ob die eaver- 
nOse Geschwnhit in Krebs QbergeheP Hier muss ich zunächst 
darauf aufmerksam machen, dass zuweilen eine Combination 
des Angioms mit anderen GeschwQlHteo vorkommt, welche die 
Symptomatol<^e und Prognose verwirrt. Combinationen mit Eo- 
diondromen und Cystea habe ich schon früher erwähnt (S. 364, 381). 
Besonders merkwürdig ist ein von Schabf) mitgetheilter Fall. 
Ein 14jähriger Schüler trug seit seiner Kindheit ein Angiom, das 
sich von der äusseren Gegend der Mitte des Oberarmes nach 
ab- und vorwärts erstreckte und sich in eine 3 Zoll lang in 
der EUenbenge vorspringende, schlaffe, hyperplastische Hautfalte 
verlor. Ancb am Torderarm sassen zerstreut 3, über einen 
Quadratzoll grosse cavernOse Wucherungen, über denen die Haut 
sehr empfindlich war. Ausserdem hatte der junge Mensch gleich- 
Ealls seit vielen Jahren eine nnschmerzhafte Geschwulst, die la- 
letzt BtraoBseneigrosB geworden war, in der Mitte des Oberarmes, 
sowie eine sehr schmerzhafte eigrosse Geschwulst in der Achsel- 

*) Michel. Gas. mdd. de Strub. 1860. No. S. Lücke a.a.O. S. S87. 
••) Jobn Bell L c p. 856. 

*■*) Tietie. De tomoribas colli et thoncis quibosdam »ngninolentia. 
Dias, iarnnft. Berol. 1853. E. Garlt Die CjstengeecbwDlBte des Halses. 
Berlin. 1856. S. 349. Laroodelle. Des kystes du con. Dies, inaug. Ll^e. 
1866. p. 47. 

t) Sehnli. Wiraer m«d. Wocbeiucbr. 1861. Mo. 48-43. 



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3g4 PQDfDndiwmiiilgBte ToriawBg. 

hAhle gegen den Saaä. Abb LatiBBimna dorsi. Beide wurden ex- 
stirpirt. Die letztere enriee sich als Nenrom des N. radialis, die 
erstere als eine groBse Gallertgeschwntst, die Sehuh als Bfindel- 
krebs deutet, die jedoch wobi ein Myxom oder Myxosarkom vw. 
Nach 10 Monaten fand sieh in der Gegend der gT0B»ereD Ge- 
Bcbwutet ein Recidiv ; es wurde wieder operirt. Nach 3 Jahreo 
das zweite Recidiv. InzwiBchen hatte eich die caTemCse Hub« 
sehr vergr&gsert: sie war aber die Schulter gegen den Hals und 
über den Vorderarm bis zum Handgelenk fortgeechritten. Gleieh- 
seitig waren an unzähligen Stellen des Bauches, des Rfickeng 
und der Brust kleinere schwellbare Flecke von bl&nlioher Farbe 
erschienen. Die neue GeschwnlBt wurde exetirpirt: es fand sieb, 
daes der N. musculo-cutaneus in ihr verschwand, nacdidem seine 
Bündel durch die Geschwutstmasse auseinandergedräugt waren. 
Die cavernöse Geschwulst wuchs mittlerweile wieder weiter gegeo 
den Hals hin. Weiteres ist nicht bekannt, jedoch genügt das Vor- 
li^ende, um die interessante Combination des Angioma mit einer 
recidivirenden NervengeBchwalst, wahrscheinlich einem Myxom zi 
constatiren. 

Anders liegt aber die Frage, ob ein prim&i-es oayemfisei 
Angiom secnnd&r krebsig werden kann F Diese Frage ist früher, 
als die Lehre von dem Fungus haematodes noch nicht g^lbt 
war, vielfach falsch beantwortet worden. Je genauer man unter- 
sucht hat, um so mehr ist die Wahrscheinlichkeit einer derart^ea 
Degeneration in den Hintergrund getreten. Mir ist nur eine eioxige 
neuere Beobachtung bekannt, die von Lücke*), welche poeitit 
lautet: Ein 35j&hriger Mann hatte seit seinem 10. Jahre an 
der inneren Seite des unteren Drittheils vom Unterschenkel eine 
Geschwulst bemerkt, anf der von Zeit zu Zeit Pusteln entstanden, 
die schwer heilten; seit einigen Jahren war sie hervorgetreten 
und ulcerirt. Sie wurde exatirpirt, und es zeigte sich, dass di« 
tieferen Schichten, welche im subcataneo Fettgewebe lagen, ca- 
vemös, die oberen dagegen kankroid waren. 

Johannes Müller**) endlich hat ein Paar Fälle angefahrt, 
welche dafür sprechen würden, daes die cavemOseii GeschwtilBte 
selbst bösartig werden können. Einmal fand er in dem ampn- 



*) LDcke ft.a. 0. S.333. 
**) Joli. Hfiller. Archiv f. Anat, FhjB. d. wiu. Medieiii. 1 



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Maligne Angiome. 3g5 

arten Ann eines Franenzimmers eine HnekelgeschwulBt, „die fast 
gans aus sehr ansehnlichen Erweiternngen von erweichten filnt- 
geftssen und filutestravasaten bestand." Ein halbes Jahr später 
brachte ihm der behandelnde Arzt, Dr. Reich, aas dem Netz 
nnd anderen Unterleibsorganen der inzwischen geBtorbenen Person 
grosse Haesen von Nenbildnngen, bestehend ans ganz mit Blnt 
geffillten traobigen Erweiterungen der Blutgefitese Ton der Dicke 
einer Rabenfeder. Ein anderes Mal sah er Waltber') einem 
jnngen Manne zwei angebome Mattermäler am Unterschenkel ex- 
etirpiren; 2^ Jahre später starb der Kranke an Hämoptysis nnd 
es wurden in den Langen Knoten gefunden, die grOsstentheils 
ans erweiterton Blutgefässen bestanden. Müller war daher ge- 
neigt, eine bösartige Telangiektasie oder ein Carcinoma telan- 
giectodes b. cirsoides anzunehmen. 

Es ist sehr schwer, Aber diese F&lle ein ürtheil auszusprechen. 
Bestanden die Geschwülste wirklich nur aus erweiterten Gef&ssen, 
Bo waren sie keine Garcinome, sondern Angiome. Nach dem 
Verlauf erscheint es freilich wahrscheinlich, dass es Garcinome 
eder Sarkome waren, indess l&est sich darfiber nichts entscheiden. 
Andererseits giebt es allerdings multiple Angiome. Zuweilen 
bescbrSnkt sich die Hultiplicit&t auf ein einziges Gewebe, z. B. auf 
die Haut oder das Fettgewebe, wovon wir ja schon Beispiele genng 
aufgefBhrt haben. Anderemal finden eich gleichzeitig (S. 369, 372) 
an finsseren und inneren Theilen Angiome**), ohne dasa man sagen 
kann, die letzteren seien durch die ersteren hervoi^emfen nnd 
ständen lu ihnen in dem Verhältniss von Metastasen. Bitl- 
roth***) erwähnt allerdings eines Falles, wo „nach einer caver- 
nSsen Blatgesehwulst in der Wange sich gleiche Geschwalste in 
der Leber, in der Milz und in den Scbädelknochen ausbildeten" ; 
da er aber kein weiteres Detail beibringt, so muss ich vorläufig 
bezweifeln, ob die letzteren sich wirklich nach der ersteren ge- 
bildet haben. Ich halte deshalb daran fest, dass im Wesentlichen 
das caTernfise Angiom eine gutartige Bildung ist, deren Besei- 



*) Pfail. r. Walther. Joam. f. Ghiriii^e o. Angeaheilk. Bd. V. S. 261. 
••) Virchow. ArcbiT. Bd. VI. S. 545. GaBCoyen. Traosact. Path. 
Soe. Lond. ToL XI. p. 267. 

***) Billroth. Unteren cbnn gen Aber die Eotvickelnng der BlotgefXsae. 
8. 78. 



S& 



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386 F0nfandcwuixif;«t«.Tor1esiing. 

tigaog ohne Ge&hr metastatiecher Eroption erfolgen kann. Die 
Möglichkeit einer maligoen Degeneration zugestanden, mnss 
doch gesagt werden, dasa sie nur eine Aaenabme bildet. Die 
Prognose ist nnr trflb durch den progressiven, gleichBam 
fressenden Charakter des üebele, der ihm den Anschein 
eines infektiösen Leidens giebt. Jedoch mnss erst durch weitere 
Ontersocbungen dargethan werden, dass eine wirkliche Infektion 
Tpn Theil in Theil stattfindet. 

Nicht ganz selten kommt nach einer ExstirpatJon eine Repnl- 
Inlation des Uebels an der Narbe vor. Dies erkl&rt sieb in den 
meisten Fällen ans dem Rückbleiben gewisser Geschwnlsttheile 
oder wenigstens prädisponirter Gewebsst&cke, nnd eine wieder- 
holte Operation hilft auch darüber hinweg. Jedenfalls ist die 
Gefahr einer solchen RepuUulation nur bei diH'usen Formen er- 
heblich, und es ist daher um so weniger vorzoschreiben, bei 
Eistirpationen die Nachbarschaft jedesmal in grossem ümCuge 
mitabzutragen, als in manchen F&llen selbst da, wo im Kranken 
operirt wird, eine völlige Heilung zu Stande kommt. Dieffen- 
bach hat dafür gl&nzende Beispiele geliefert. Der Znstand der 
xn- und abführenden Gefässe ist dabei haupteächlich entscheidend; 
sind sie in grosBer AuBdehnung erweitert, so ist freilich der Rück- 
fall bei beschränkter Operation sehr wahrscheinlich. — 

Die Behandlung der cavernOsen Ängiome kann &8t nnr 
eine Ortliche sein. Denn obwohl, wie ich gezeigt habe, gewisse 
schwächende Allgemeinzustände anf den spontanen Rückgang der 
Angiome einen wohltbätigen Einfluss ausüben, so ist doch bis 
jetzt eine Nachahmung dieser Naturheilang durch analoge Methoden 
der Knnstheilnng nicht verBucht. Es dürfte sich dies in solchen 
Fällen vielleicht empfehlen, wo das Wachsthum der Geschwulst 
in eine spätere Lebenszeit f^llt; bei zarten Kindern l&sst eich 
wohl kaum ein derartiger Versuch wagen. Eigentlich kann daher 
überhaupt nnr die Wahl zwischen exspectativem Verhalten und 
activem Localvorgeben sein. Das erstere wird durch den Hin- 
blick auf zahlreiche Fälle von Station&rbleiben und selbst spon- 
tanem Rückgange der Geschwülste unterstätzt; es wird jedoch 
im einzelnen Falle seine natürliche Grenze finden in der Wahr- 
nehmung, dass die Geschwulst, sei es gegen die Tiefe, sei te 
gegen die Fläche, erheblich zu wachsen fortfährt, dass sie einen 
grobcavernOsen Charakter annimmt oder daaa sie pulsatil wird. 



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Bebftndlnng der ca*eniO«en Angiome. 387 

Treten gar Blutungen hinzu, so kann das aetive Vorgeben zn einer 
Indicatio vitalis werden. 

Das mildeste Mittel dafür ist die Compression, welche in 
mancheD Fällen mit grossem Erfolge geübt ist. Natfirlich kommt 
es dabei sehr wesentlich auf den Sitz der Geschwulst an. Befindet 
sie sich dicht Aber einer Knocbenanterlage, z. B. an der Stirn 
oder am Brastbein, oder liegt sie an einer frei hervorragenden 
Stelle, wie an einer Lippe, so l&sst sich die Gompression sehr 
beqaem ausüben. Ein Fall von Boy er*) zeigt, dasR selbst inter- 
mittirender Druck ausreicht: eine Mutter erzielte die Heilung 
einer grossen Geschwulst an der Oberlippe ihres Kindes, indem 
sie t&glicb 7 Stunden lang mit dem Daumen die CompressioD 
ausübte. 

N&cbstdeiD kommen die Terschiedensten Reiz- und Aetz- 
mittel. Die ersteren haben für die eigentlich cavemdse Ge- 
Bchvrulst eine geringere Bedeutung, sie für die einfachen Angiome 
(Telangiektasien). Indess babe ich schon firüher (S. 379) darauf 
hingewiesen, dass auch bei cavernösen Geschwülsten durch die 
Entzündong des Balkenwerkes bedeutende Retractionen erfolgen 
kennen. Ungleicb wirksamer dagegen ist die Kauterisation, welche 
bei oberflächlichen und wenig ausgedehnten Fällen mit Salpeter- 
oder Schwefelsäure, mit der Wiener Aetzpaste und ähnlichen 
ohenaischen Mitteln, bei tieferen und gr&sseren durch das Glüh- 
eisea oder die Galvanokaustik vorzunehmen ist. Indess hinter- 
lassen fast alle diese Einwirkungen Narben, welche leicht eine 
grosse Ausdehnung und eine unangenehme Gestalt annehmen, nnd 
sie sind daher nnr an solchen Stellen zulässig, wo weder die 
Entstellung, noch die Behinderung des Narbenzuges zu fürchten 
sind. Nur die Einführung ganz feiner und zugespitzter Glflheisen 
in das Innere der Geschwulst, wie sie Nussbaum**) durchgängig 
angewendet hat, vereinigt die Sicherheit des Erfolges mit einer 
geringen Narbenbitdnng. 

Die trennende Operation wnrde früher fiberwiegend hänfig 
dnreh die Unterbindung der Geschwulst ausgeführt. Man 
zog dieselbe vor, weil man die Blntnng bei der Excision fürchtete. 



•) Bojer. Trut^ des mal. chiinTg. Paris. 1814. T. II. p. 3< 
") Nassbanm a.a.O. S. UT». 



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3gg FflnfnndivMiigaU TorlMimg. 

ÄllaiD meist kann man doch nicht so lange warten, bis das onter- 
bnndene Stück spontan abKHt; man mnss rchliesslich »chneideo, 
und länget hat die Erfahrung*) gelehrt, dass dann trotz der 
Ligatur noeb recht starke Blutungen auftreten kßnneo. Erst seit 
White**) nahm mui die verbesserte und vielfach auch in nenerw 
Zeit ge&bte Methode an, eine Nadel mit doppeltem Faden durch 
die tfitte der Baaü der Geschwulst eu stossen, and dann jede 
H&lfte ßlr sich abzubinden. Es eignet sich diese Methode gani 
besonders fSr breit aufeitsende Geschwülste, deren Aasdehannf 
in die Tiefe sich nicht genau bestimmen Iftsst-, und welche mit 
erweiterten Arterien in anagedehnter Verbindung stehen. Etwas 
complicirter, jedoch noch sicherer ist die mehrfache fraetionirte 
Ligatur unter gleichzeitiger Anwendung von Nadeln, wie sie ias- 
besondere Rigal***) ausführt; hier werden mehrere Nadeln und 
zwischen ihnen Fäden dnrch die Sasis der Geschwulst gelegt, 
und dann die einzelnen Abschnitte dnrch ümlegung der F&den 
nm die Nadeln für sich abgeschnürt. 

Wesentlich verschieden davon ist die Ligatur der zufah- 
renden Arterien, welche namentlich seit den Erfolgen vod 
Travers und Dalrymple (S. 357) bei der Behandlung (ver- 
mutheter) Orbital-Angiome dnrch die Unterbindung der Carotis 
in Aufnahme kam. Bei genauer Prüfung ist der früher sehr hocb 
angeschlagene Werth dieser Methode sehr gesanken. Vollsttn- 
dige und dauerhafte Heilungen bei unzweifelhaften Angiomen sind 
wenige erzielt; ein gewisse'^ Stationftrwerden, auch wohl tbeilweise 
Rückbildungen waren h&nfiger, jedoch fehlen auch F&lle nicht, «o 
namentlich die Unterbindung der Carotis die schwersten Gefahren, 
ja selbst den Tod herbeigeführt hat. Die grosse Zahl der er- 
weiterten Collateralgefässe erklärt hinreichend das ungewühnlich 
häufige Fehlschlagen einer scheinbar so rationellen Methode. 

John Bell empfahl daher vor Allem die Excision oder 
Exstirpatioo der Geschvrülste, wobei der Sdinitt in einiger 
Entfernung von dem Geschwolstrande zu führen sei. Wiederholt 
spricht er seinen Grundsatz aus, die Geschwulst nicht eiotn- 
Bchneiden, sondern auszuschneiden: Mot to cnt into it, but est 



*) Dotzaner. Siebold's S»mrolunK seltner n. anieTleaeneT chir. Beol>- 
Rodolst. 1806. Bd. I. S. 161. Bd. II. Ttf. I. Fig. 1. 

••) Wardrop. Med. chir. Transact. 1818. Vol. IX. p. 215. 
***) Rig»l. Häm. de la soc. de thii. T. UI. p. 106. 



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BehuidluDg d«r c»Tent{!Mii ÄDgiome. 389 

it out*). MauDoir**) stbnmt ihm bei. Und in der That ist 
dieser Rath auch der beste gaweeen bis zu dem Augenblick, wo in 
dem Ecrasement linäaire von Chassaigoae eine Hettiode 
gefuaden wurde, welche die Gefahr der Blutung in ao erheblichem 
Haasse vermindert. Je nach der Form der Geächwulst, ihrer 
Grosse, ihrem Sitze wird bald die einEache Ezcieion, bald die 
Ecraeirung vorzuziehen sein. 

Dazu sind endlieh noch swei andere Hethodeo gekommen, 
beide beBtimmt, das Blut in den Gefässräumen zur Gerionang zu 
bringen: die Injektion coagnlirender Flfissigkeiteo und 
die Galvanokaustik. Beide sind mit entscheidendem Erfolge 
in Anwendung gebracht, and sie sind namentlich zu empfehlen 
bei sehr tiefgreifenden Angiomen von diffuser. Ausdehnung. Aber 
beide haben den Nachtheil, dass die Heilung sehr langsam vor 
sich geht, dass die Entzändungen zuweilen eine sehr grosse H9he 
and Yerbreitung erreichen, und dass hSuüg derbere RQckat&nde 
der Geschwulst zurückbleiben, welche spätere Messeroperationen 
nOtbig machen. Die Injektion wurde zuerst von Lloyd 1828 
mit Salpetersäure ausgeffihrt***); sie ist hauptsächlich in Anf- 
uahme gekommen, seitdem das Eisenchlorid dabei angewendet ist. 
Allein F&Ue von ausgedehnter Verjauchung, wie sie namentlich 
Lawrence erlebt hatf), machen dieses Mittel nicht unbedenk- 
lidi, wenn es sich um Theile handelt, wie das Gesicht, der Kopf 
oder der Hals, wo die Gefahr derartiger Prozesse eine besonders 
grosse nnd die darnach zurückbleibenden Narben leicht mit grossen 
Entstellungen verbunden sind. Die Galvanokaustik hat nicht 
minder oft sehr ausgedehnte Entzündungen im Gefolge, da die 
Schmelzung der entstandenen Gerinnsel alle ungflOBtigen Folgen 
der Thrombose nach sich ziehen kann. 

Ein einheitliches, f6r alle Fftlle vorzuziehendes Heilverfahren 
ist daher für die cavemftsen Angiome nicht anzugeben. Hehr 
als bei irgend einer anderen Geschwulstart hat der Chirurg 
die Besonderheiten des einzelnen Falles in Erw^nng zu ziehen 
nnd darnach sein Terfiahren einzurichten. Jede der angeführten 
Methoden kann unter umständen in Anwendung konunen und 

•) JohD Bell I.e. p. 899,431. 
••) U»ODoir 1. c p 88. 

•") T.rraL Arch. g^n^r. 1884. Sil. 11. T. VI. p. 209. 
t) Follin. Tniti ^Um. de path. ext T. I. p.83& 



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390 PDafundEDaniigste Vorlesong. 

gänstige Resultate liefern. Aus der Literatur ist eine BtatistiBehe 
Untenjucbung ul>er die beste Art des Vetfahrens schon deshalb 
nicht abzuleiten, weil die cavernOsen Aogiome mit den einfachen 
unter dem Kamen der erectilen meist zngammengeworfen sind. 
Aber, wenn eine Trennung auch mOgltch wäre, so wfirde doeh 
die Individualität der Fälle eine Verallgemeinerung der Grund- 
sätze ausschliessen. — 

Von den cavern&sen Angiomen der inneren Organe hibe 
ich vorzugsweise die der Leber untersucht*), weil sie sich am 
leichtesten der anatomischen fieobachtang darbieten; der Frequeui 
nach dürft« diese Form vielleicht überhaupt unter allen Angiomen 
in erster Linie stehen. Sangalli**) führt au, daas er sie unter 
1446 Autopsien 12 mal gesehen habe. Für die klinische Patho- 
logie bat sie fast gar kein Interesse. Denn ausser Schnh***) 
hat noch Niemand die Ansicht vertreten, dass eine eavernüse 
Geschwulst der Leber irgend welche Zufälle hervorgebracht oder 
irgend welche Schädlichkeiten ausgeübt hätte. Schnh giebt aller- 
dings an, dass schon öfters dnrch die Berstung cavemöser Ge- 
sehwülste in der Leber tOdtliche Blutungen berbeigefQhrt seien, 
und dass er selbst dicht geronnenes, von Blutfarbstoff gef^bteg 
Fibrin in Massen in dem zerquetschten und zerrissenen Gewebe 
des Schwammen und der Leber gesehen habe. Uir scheinen diese 
Angaben auf Verwechselungen zu beruhen; ich finde nirgends 
beweisende Thatsachen daf^r. Das cavernOse Angiom der Leber 
ist daher nur für die wissenschaftliche AafTassaog von Bedentung, 
und zwar um so mehr, als es die beste Gelegenheit zur Ver- 
gleichnng verscbiedener Exemplare unter einander bietet, da in 
derselben Leber öfters mehrere, in seltenen Fällen bis zu zehn, 
zwülf GeschwQlste der Art sich finden. Sie haben daher schon 
seit längerer Zeit die Aufmerksamkeit der Beobachter f) auf sich 



•) Virchow. Archir. Bd. VI. S. 527. 
") SsngftLIi I.e. p. 256. 
•") Schuh. Psenioplasmeo. Wien. 1854. S 169. 

t) CniTeilhier. Essai ernr l'anat. path. Paria. 1816. T. 11. p. 133. 
Trkit^ d'anaL path. $iair. T. 111. p. H90. Job. Fr. Heckel. Handb. der 
path.Aoat Leipz. 1818. Bd. 11. 1. S. 344. Rolf itanskv. Lohrb. der path. 
Anal. Wien. 18&Ö. Bd. 1. S. 206-207. Bd. 111. S. 261. H Haier. Beitn« 
zn der Lehre tod den BIutgetschwQlateD (Abdruck aas den Barichteo der 
natorf. GeBeilacb. la Freibarg i. Br.]. Kaaconnean-DufresDe. Pr^cis 
des maladiea da foie et da panur^as. Paria. 1866. p. 130. Frericha a.aO. 
S. 210. Taf. VI. FtErater. Uaudb. der path. Anat. 186S. Bd. U. S. 177. 



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GaTwnfaes Angiom der Lob«r. 391 

gezogen. Noch Otto*) hat sie fBr Fnngus haematodeB erklärt; 
alle neueren Beobachter sind darfiber einig, sie ala Typue der 
caveraöBen Geschwulst anzulassen. 

Ihre Erscheinung ist hOchst charakteristisch. Meist findet 
man kleinere, bis kir»chengrosee Knoten von dunkelblauer ¥&i- 
bung, die auf dea ersten Anblick, znmal auf Durchschnitten, 
wie Extravasate im Lebergewebe erscheinen. Ich möchte sogar 
glauben, dass manches, was als Extravasat beschrieben ist, hierher 
gehört. So schildert Fauconneau-Dafresae**), allerdings 
neben der erectilen Geschwulst, eine Apoplexie der Leber, von 
der icb wenigstens sagen muss, daes ich ihr keine bestimmte 
Stelle unter den mir vorgekommenen Leberaffectiooen einzuräumen 
weiss***). Bei genauerer Betrachtung solcher Bildungen erkennt 
man bald, dass ein deutlich cavernöses Maschenwerk die ganze 
Geschwulst durebBL-tzt, dessen Balken nach aussen in das Leber- 
gewebe übergehen, und dessen hr. ms. 
Hohlräume entweder mit äüB- 
sigem, ausdrückbarem, oder mit 
geronnenem Blute erfüllt sind. 
WSischt man das Blut aus, so 
bleibt ein fast rein weisses, ei- 
nem weichen Schwamm ähnli- 
ches Gewebe zuräek, welches 

die Lücke im Lebergewebe füllt. Bei grosseren Geschwfdsten ist 
ee sehr gewöhnlich, dass einzelne oder mehrere dichtere, stellen- 
weis auch wohl geradezu feste Stellen f) bald in der Mitte, bald 
auch mehr gegen den Umfang, in der Neubildung vorhanden sind, 
gegen welche die Balken, immer dichter werdend, zusammen- 
laofen, so dase strablige Zeichnungen erscheinen. 



Fig. 233. Angioma carerDos am JDCapaDlatam hepatie. Dogteicbe Maschen - 
r&Dme von meist randlicher Porm, sehr Verschieden dicke Bftllten, u eiotelnen 
SteU«n dichtere Bindegewebeknoten. Dorchechnitt von der Oberflftche der 
Leber aoe. Nalfirl. GrCsse. 

*) Otto. Lehrb. der path. Anat Berlin. 1830. Bd. I. 8. 819. 
••) Panconnean-Dufreane I.e. p. 129. 

***) Der einzige, einigermaaseen analoge Fall ist das Präparat No. 1909^ 
in Gnj'i Hospital Hosenm, welches nach dem Kataloge von einer öOjShrigen 
Wirteria stammt, die 6 Wochen vor ihrem Tode einen schweren Stoaa gegen 
die Lebergegend erlitten hatte. Ich habe jedoch auch hier Zweifel an der 
Richtigkeit der Angabe. 

t) Frerichs a.a.O. Taf. VL Fig. 3. 



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392 FfiQfandiTUsigBte Vorleanng. 

Die meiatea dieser Knoten liegen an der Peripherie des 
Organe, dicht unter der Kapsel, so dass sie schon von aussen 
erkennbar sind. Die Kapsel ist aji diesen Stellen zuweilen ver- 
dickt, zuweilen ganz unver^dert. Hanchmal erscheint die Stelle 
flach-rundlich erhaben, manchmal liegt sie unter dem Niveau der 
Oberfläche, manchmal endlich ist ihr Rand einge.-iUQken, die Mitte 
seicht gewölbt. Fast nie bilden die Geschw&lste stark hervor* 
ragende Knoten; nur ein 'einziges Mal sah ich eine in Form und 
Grosse eines Tauheneies am Lobulus Spigelii hervortretende Ge- 
schwulst, aber sie war eben nur prominent, weil sie den an sich 
aber die Fl&che des Organs hervortretenden Lobnlue Spigelii gasE 
und gu ersetzte. Auch KOlliker*) hat einmal diesen Lappen 
ganz umgewandelt gesehen. Am h&nflgsteo sind die Angiome an 
der oberen und vorderen Fläche, dem unteren Rande und der 
Nachbarschaft des Ligam. Suspensorium, doch kommen sie auch an 
der hinteren Fläche und nicht selten in der Mitte der Lappen vor. 
Grosse Knoten, besonders am unteren Rande, greifen zuweilen 
durch die ganze Dicke des Organs. 

Ihre GrOsse ist sehr wechselnd. Schuh**) giebt an, einmal 
die H&lfte der Leber davon befallen gegeben zu haben. Haier***) 
beschreibt eine Geschwulst von 4 Zoll Höhe und 1^ Zoll Brüte. 
Die grösste Geschwulst, die ich gesehen habef), hatte einen 
Durchmesser von 3,5—4 Cent. ; sie lag am unteren Umfange des 
Organs. Nächstdem kommt eine Geschwulst von 3,5 Cent Höbe 
und 2,5 Gent. Breite an der hiaterea Fläche der Leber ff). Im 
Ganzen geboren jedoch selbst wallnussgrosse Knoten schon zu 
den Seltenheiten. Andererseits giebt es nicht selten solche, welche 
nur die Grösse einer Erbse oder eines Hanfkoms besitzen. 

Bei den kleineren giebt es niemals eine scharfe Grenze gegen 
das benachbarte Lebergewebe hin. Haben sie eine beträchtlichere 
Grösse erlangt, dann kommt es oft vor, daes die Geschwulst 
sich von dem Nachbargewebe durch eine derbere bindegewebige 
Schicht oder Kapsel (S. 330) absetzt, and als ein scharf um- 
grenzter Knoten hervortritt. Diese Kapsel ist von durchtretenden 



*) KOlliker. WOrzb. Verb Bd lH. S. III. 
**) Subah. Pseudoplumen. S. 1(14. 
••*) Hkier «. ». 0. S. 170. 

t) Priparat No.56 vom Jahre 1867. Geacheok des Dr. Rieae. 
tt) Pripantt No. 63 vom Utn 1859. 



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CaveniOMa ADgimn d«r Leber. 393 

Geftseen Öfters siebfOrmig durchbrochen*). Das ist aber mehr eine 
EDtwickelungsdifferenz, als eine Artdifferenz oder ein Characte- 
risticHoi pathognomODicum für eine bestioimte Varietät. Denn kei- 
oeswegB ist die Kapselbildong genau an die Gröuse gebunden. 
Nicht blos bei den Ideinsten, BOodem auch bei den grOsäten der 
mir vorgekommenen Knoten vermisBte ich eine beütimmte Kapsel- 
bildnng, wahracheinlich deshalb, weil beide wachsende, „fressende" 
Bildungen darstellten. Ziemlich bestimmt entspricht aber die Form 
der Knoten der Kapselbildung Fast alle abgekapselten Knoten 
sind mehr oder weniger abgerundet; wenn sie im Innern der 
Leber sitien, erscheinen sie geradezu kugelig; wenn sie periphe- 
risch liegen, halbkugelig, so dass die freie Oberfläche ungefiLbr 
wie die Durchschnittsfl&che einer Kugel aussieht. 

Jedes Angiom der Leber erscheint deutlich als eine Sub- 
stitution eines gewiesen Abschnittes des Organs, nicht als eine 
Zwischenlagening, nicht adventitiell. Die kleinsten beginnen in 
det Mitte eines Acinns, den sie allmählich bei weiterem Wachs- 
thnm ersetzen. In gleicher Weise schreiten sie von Acinus zu 
Acinns fort, und so gross die Geschwulst auch wird, so entsteht 
dadnrch doch keine Volnmenszunahme der Leber. Immer geht 
n^ezu ebenso viel Lebergewebe zu Grunde, als das Angiom 
Ranni einnimmt. Von allen Theileo des Gewebes widerstehen 
eigentlich nur die grOgseren Ge^se, deren Lage zu der Geschwulst 
eine sehr verschiedene sein kann. Einzelne grossere Gewisse, 
namentlich Pfortaderäste, jedoch auch LebervenenäBte lassen sich 
bie mitten in die Geschwulstmaese verfolgen, aber gewöhnlich 
gehen sie entweder durch dieselbe hindurch, oder sie lOsen eich 
in feinere Aeste auf, die nicht mehr zu präpariren sind. Noch 
viel häufiger reichen die Geschwälste unmittelbar bis an Pfort- 
ader- oder Lebervenenstämme grosserer Art heran, so dass sie 
die Wand derselben unmittelbar berühren, aber fast niemals findet 
man unmittelbar an dieser Stelle eine Communication; meisten- 
tbeils gehen die Aeste, welche in die Geschwulst treten, schon 
eine Strecke weit vorher ab. Selbst bei den grOssten Formen 
bleibt dies Verhältniss in der Regel bestehen. Trotzdem liegen 
die Hohlräume der Geschwulst nicht unabhängig neben den Ge- 
lassen; vielmehr kann man sowohl von der Arteria hepatica, als 



•> H«Bchl. Mein Arcfai«. Bd. VIII. S. 136. 



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894 PanfuDdswMuigit« Vorl«raitg. 

aoch von der Vena portarnm nnd von der Veaa hepattea ans 
lojectionsmasBe in sie eintreibeii. 

Die HeinungBverschiedenheiten, welche über diesen Ponkt 
zwiecben Rokitansky und mir bestanden, habe ich echon frfiher 
(S. 521) erwähnt. Während ich den ZusuDmeahaag mit Arterien 
behauptete, liesti Rokitansky*) die cavernöse Geschwulst der 
Leber nur dem Veneosystem eiogeBchaltet sein. Ihre Anastomose 
werde durch sehr feine Venenreiser vermittelt; ursprünglich aber 
seien die Räume der Geschwulst von dem Geßsssystem getrennt 
Auch Frerichs**) konnte nur von der Pfortader Injectionsmasse 
in die Hohlräume eintreiben, während die in die Leberarterien 
gespritzte nur in die Geftsse der Balken gelangte. Diesen nega- 
tiven Ergebnissen stehen entgegen die positiven von mir nnd 
Rnd. Maier "•*), welche eine vollständige Fallung der Hohlräume 
von der Leberarterie aus nachweisen. Ich habe noch in der 
neuesten Zeit diese Injection in einem Falle wiederboltf), wo 
ganz kleine, zum Theil die Grenze eines Acinus nicht über- 
schreitende aagiomatftse Stellen vorhanden waren, und ich habe 
wiederum dasselbe Resultat gewonnen. Ich kann daher nur 
glauben, dass die erstgenannten Forscher deshalb zu keiner In- 
jection der Knoten gelangten, weil Blutgerinnsel die Fortbewegnng 
der Injectionsmasse binderten, wie ich das mehrmals an einzelnen, 
selbst grösseren Knoten solcher Lebern gesehen habe, an denen 
andere und auch kleinere Knoten sich ganz gut fülltui. Meiner 
ErfabruDg nach unterscheidet sich daher das Leber-Angiom in 
nichts von den äusseren cavemösen Geschwülsten. Es liegt an 
der Stelle des Capillarapparats, und erweiterte Arterien und Tenen, 
wenngleich kleine Aeste, gehen direct in die Hohlräume der 
Geschwulst Aber. 

Studirt mui die Entwickelongsgeschichte dieses Angioma, 
was am besten am Umfange desselben geschiehttt), so sieht 
man, dass die erste Bildung nicht mit einer Gefässerweiterung 
anlangt, sondern dass sie in der gewOhnlicbui Weise mit der 



*) RokitftDsky. Deber die Entwickelnng der KrebBgerDst«. 8.15,16. 
") FrerichB a, a. 0. 

•") Virchow. ArehiT. Bd. VI. S. 6«. R. Il»i«r a. a. 0. S. 166. 
t) Pripant No. 71 Tom Jahre 1866. 

tt) Vircbow. AichiT. Bd. VI. S. 63Ö. Sangalli L c. p. 3fi7. Tai. IV. 
fig.4. Pieiicbs a.a.O. S. 213. Tat VL Fig. a. B. Haisr a. a. a 8. 163- 



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EntwickeloDK der OTenifisen Angiome der Leber. 395 

Neubüdong eines granoIireiideD Bindegewebes beginnt. Erst in 
diesem Bindegewebe gestalten sich nachher mehr und mehr Ge- 
isse. Nirgends kann man das so beqnem verfolgen, wie an der 
Leber. An jeder noch wachBeoden Geschwulst bemerkt man im 
Umfange, wo sie an erkennbares Lebergewebe stftsBt, wie die 
Reihen der Leberzellen auseinanderweichen, indem sich zwischen 
ihnen, also interstitiell, eine reichlichere, mit vielen kleinen Kernen 
versehene Bindegewebsmasse entwickelt, unter deren Zunahme die 
Ijebenellen allmählich zu Grunde geben. Die Geschwulst beginnt 
also, wie eine interstitielle Hepatitis. Dieses Bindegewebe wird 
dichter, w&hrend es eine noch grossere Zahl von Kernen und 
Zellen zeigt; es bildet so eine Zone, welche als busondere Kapsel 
ersebeinen kann. Meist bemerkt man jedoch, wie die Gewisse sich 
darin allm&hlich erweitern nnd grössere Kanäle entstehen, welche, 
indem sie sieh schlängeln und zuweilen blindsackige Ausweitungen 
erlangen, sich mehr und mehr ausdehnen. Zwischen ihnen ist 
anfange*) noch eine gewisse Quantität von anderem Gewebe übrig; 



*) Id der letitea Zeit ist mir ein Fall TOTgekommen, in trelchem eich 
dieser ZasUnd l&nger erhalten hatte nnd die Geschwnlst daher mehr den 
U»bitos eines einbchAn Ängioms daibot. Bei einer ältlichen Fran , die 
flt>rigens zugleich eine sandige Epitbelialgeschwu Ist der Dura niäter nnd eio 
polypöses Uyom des Magens hatte, fand sich in der Leber eine mit breiter 
Buia ftD die Oberfläche reichende, auf dem Durcbechnitte grobkeilfOrmige 
Geechvalst, irelche nach Gonaiatenz nnd ÄassehcD «iel mebr einer fibrtSsea, 
als einer vaaculBren Bildnng glich. Sie fablte sieb nehmlich lon anseen 
gMiz hart an, sah granweiss ans, hatte eine fast schwielige, leicht unebene, 
platte Fläche nnd einen etvaa eingezogenen, ein wenig ans^ebnrhteten Rand. 
Beim Durthsch neiden fand das Messer einen erheblichen Widerstand. Es 
zeigte sich dann eine sehr scharf begrenzte, jedoch nicht abgekapselte, 
gleicbblls grauireiese, dichte Bildung, welche, ans einer massigen Entfernung 
betrachtet, ein fast gleichmissigee, schwieliges Ausgehen und beim ZufQhlen 
eine fast knorpelartige Birte darbot. Bei genauerer Betrachtung erkannte 
man schon vom blossen Auge kleine Löcher auf der Schnittdäche, an ein- 
zelnen Stellen so zahlreich, dass diese Stellen fein schwammig oder sieb- 
fAnnig erschienen. Das Ganze war 2 Cent, tief, an der Oberfläche 4,5 Gent 
lang nnd 2 Cent, breit, an der Spitze innen noi'h 5 Milüm. dick. Bei der 
mikroskopischen Dntersncbnng fand sich sehr reichliches Bindegewebe, in 
welchem an fielen Stellen die einzelnen Geisse sehr deutlich zu verfolgen 
waren. Alle hatten sehr starke Wandungen und ein massiges, hie nnd da 
ausgeweitetes Lumen, machten bedeutende Windungen und Schlängelungen, 
nod beeaBsen vielfach eine mit zahlreichen querliegcnden Kernen besetzte 
Media. Sie sowohl, als die Hohlräume waren leer, so dass der Zweifel ent- 
stehen konnte, ob sie Oberhaupt mit Blut gefflilt gewesen seien, indes» be- 
merke ich ausdrücklich, dass ebenso wenig ein anderer Inhalt in ihnen ent- 
halten war. An den Hohlräumen war die Wand schon nodentlicher; man 
konote narh aussen keine rechte Grenzen gegen das übrige Gewebe mehr 
erkennen. (Fripwat No. 1 *on Jahre 1867.) 



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396 FSüAindiwuiigite VorleraDg. 

nach nnd nach TerechwiDdet jedoch die Differenz der GdSsswand 
nod des interstitiellen Substrates (oder der Gef&sBBcheide); beide 
verschmelzeD zu einer gemeinschaftlichen Masee, die ja nach Um- 
ständen Scheidewand oder Balken wird, nnd wenn man nachher 
die Scheidewände eder Balken unterancht, welche die einselneo 
Räume trennen, so kann man nicht mehr sagen: dieser Theil 
gehört £U diesem und der zu jenem Geßse, und dazwischen ist 
interstitielles Gewebe, sondern der Balken erscheint wie eine 
Einheit, an dem man nicht mehr das, was zu jedem GefSase 
gehört, trennen kann. Innen liegt ein ganz feines, plattes Epithel, 
welches die Bäume auskleidet und oft sehr schwer nachzuweisen 
ist. Der Balken besteht aas einer bindegewebigen Hasse*), in 
welcher einzelne feine Bindegewebsetemente oder elastische Fasen 
zu sehen sind, and in ihm liegt eine gewisse, zuweilen sehr grosse 
Zahl von langen spindelförmigen organischen Hnskelfosem. Die 
Zusammensetzung dieser Balken bat demnach in der That die 
grösste Äehnlichkeit mit der Einrichtung der B^ken der Corpora 
cavemosa penis Sie enthalten Emährungsgeflsse , aber sie be- 
sitzen nicht jene Auswüchse oder Hohlkolbeo, auf welche Roki- 
tansky so grossen Werth legte. Maier und Frerichs stimmen 
mir darin bei, dass die letzteren nicht vorkommen ; was xa ihrer 
Annahme geführt hat, war wohl nur das täuschende Aussehen 
durchschnittener Balken, welche in einzelne Hohlräume mit schein- 
bar freien Enden hineinragen. Mit den Hohlkolbeo fällt jede Äehn- 
lichkeit mit krebsigen Bildungen hinweg. 

Die Cftere Coincidenz von cavernOsem Angiom und 
Krebs in derselben Leber ist für Rokitansky**) ein Beweis, 
dass beide GescbwulEtarten verwandt sind. Cruveilhier***) hat 
diesen Punkt schon im gegentheiligen Sinne besprochen, nnd ich 
kann ihm nur beitreten. Eine solche Combination kommt oft 
genug vorf), aber ist dies nicht sehr begreiflich, wenn man 
erwägt, dass die Leber besonders prädisponirt für beide Arten 
von Erkrankung ist? Ein weiterer Zusammenhang existirt nicht 
Dieselbe Prädisposition erklärt auch die Multiplicität der Angiome, 



*) POTBter. Atlu der mikroBk. pathol. Anatomie. Leipi. 1864. Tsf. IT. 
Fig. B. Sangalli 1. c. Tay. IV. ßg. 5. 

**) Rokitansky. Bntwickelnng der KrebBgerBste. S. IS. 
"•) CruTeilhier. Trsite d'anat path. giin^r. T. Ul. p. 890. 
t) Sftngalli 1. c p. 257. Faucono«aQ-Dufresne L c p. ISO. 



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CaTernOae Angioroe d«r Niereo und der Hili. 397 

welche zuweilen in grl^sserer Zahl in derselben Leber vorkommen. 
Dagegen ist ee gewiss ein grosser Unterschied zwischen Krebs 
und Aogiom, daes das letztere langsam und ohne alle Störungen 
wächst und die Function des Organs nicht beeinträchtigt. Es 
kapselt sich sp&ter ab, und ganze Abschnitte desselben schrumpfen, 
wie ich mehrmals gesehen habe, in feste, narbige Massen zb- 
sammen, heilen also offenbar. Böttcher*) hat es sogar wahr- 
scheinlich gemacht, dass eine Tollständige Umbildung der Ängiome 
in Narbeogewebe Torkommt — 

NSchst der Leber sind die Nieren am häufigsten unter 
den Unt«rleibsoi^anen der Sitz cavernOser Angiome. Schon 
Dupuytren**) hat sie gesehen; Rayer *•*) beschreibt zwei 
Fftlle davon, wo gleichzeitig in der Leber dieselbe YerSodernng 
vorkam. Letztere Combination traf auch ich ein paar Malf). 
Der von Rayer angezogene Fall von Baillieft) scheint mir 
sehr Eweifelhaft zu sein, dagegen dfirfte ein älteres Präparat im 
Gny's Hosp. Museamftf) hierher gebOren., Die „fungöse Eot- 
Wickelung des GapiUametzes" in der Schleimhaut des Nieren- 
beckens, die Lobstein'f) als möglicherweise erectil ansieht, 
eatapricbt wenigstens uicht dem gewöhnlichen Vorkommen. Dean 
der gewöhnliche Sitz des Ängioms an der Niere ist die Gortical* 
Substanz, und zwar die äusserste Oberfläche, dicht unter der 
Eapsel; sehr selten der peripherische Theil der Marksubstanz. 
Ich sah dort kirschkem- bis wallnussgrosse Knoten, meist ein- 
gekapselt, mit zum Theil sehr grossen Hohlräumen, die jedoch 
in einzelnen Fällen **-j-) durch sehr breites Zwischengewebe ge- 
trennt waren. Partielle Gerinnungen von Blut mit Pigment- 
Metamorphose fehlten nicht. 

Noch seltener ist das cavernOse Angiom an der Uilz***t). 
Die von mir gesehenen Fälle betrafen meist das Innere des 



*) A. Böttcher. Hein ArcbiT. Bd. XXVlll. S. 421. 
") CrnTeilhier. Ebbw sur l'anat. path. 1816. T. II. p. 133. 
••♦) Rayer. Traiti dea maladiea des reins. Parie. 1841. T. III. p. 612. 
PL XXVm. ßf. 5. PI. XU. fig. 8. 

+) Virchow. Archir. Bd. VI. S. 546. 
tt) Baillie. Anatomie des kraokh. Baues. S. 163. 
■Ht) Path. CaUl. of Gnj'a Hosp. Mna. No. 2059«. 
*t) Lobatei'n. Trait6 d'aaat path. T. I. p. 334. 
•*i) Priparat No. 118 tom Jahre 1865. 
***t) RokitaDsk*. Lehrb. der path. Auat Bd. UI. S. 303. Ffirster. 
Baadb. der path. Anat. Bd. U. S. 836. R. Haier a. a. 0. S. 169. Billrotb. 
M«in Archiv. Bd. TllL S. 2&L 



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g98 PSnfandsituitigate VoriatDng. 

Oi^iaos; die Geechwfilste erreii^teii selten die Oberfl&cbe. Gb 
Taren knglige, znweilen denüieh abgekapselte, mSssig dwbe 
Knoten mit groben Maschenr&nmen. In WOrzbnrg habe ich sie 
in einer Zusammenstellung von 271 Sectionen zweimal notirt, 
einmal bei einem 25jährigen Manne, das andere Mal bei einer 
62jährigen Fran. Im letzteren Falle war die vergrOBBerte Mili 
mit der Ümgebnng verwachsen nnd mit einer Reihe cavernöser 
Geschwülste durchsetzt, deren grftsste tanbeneigross. flaochmal 
haben sie einen sehr eigenthfimlicheD Bau, indem die Balken 
Bämmtlich gegen einen centralen Grundstock Eaeammenlaaren. So 
fand ich im Jahre 1S46 in Berlin bei einer 72jährigen Frau am 
vorderen Rande der normal grossen, ziemlich festen und trocknen 
Uilt einen kirschkemgrossen KOrper von sphärischer Gestalt, der 
in der Mitte eine weisse, fibrOse Stelle hatte, von der riogsnm 
Balken strahlig ausliefen, so dass das Bild einer blassrotheo 
Blumenkrone entstand; gegen die Peripherie lagen breite halb- 
koglige Abschnitte, wie auf dem Durchschnitt einer Orange — 
Ob jemals in solchen Fällen bei Lebzeiten fühlbare Pulaationen 
vorkommen, lasse ich dahin gestellt Die älteren Beobachtnngen*) 
&ber „pnlairende Milz", welche Bell zur Symptomatologie 
des Aneurysma per anastomosin heranzog, sind wohl kaum aaf 
Angiome zu deuten. 

Sehr selten ist das cavernOse Angiom am üterns, wenn 
man von den früher (S 195) besprochenen telangiektatiai^en 
Myomen absieht Bell**) berichtet aber eine eigrosse, pnlsi- 
rende und schmerzhafte Geschwulst, die bei einer 25jäfarigen Ftu 
zwischen Vagina und Rectum lag, die aber nicht znr analomischen 
Untersuchung kam. Ich habe ein einziges Mal eine kirschkem- 
grosse Geschwulst von rein cavemOsem Bau in der Substanz des 
üterns gefunden. Elob***) hat bei einer alten Fran eine Art 
von cavemOser, sehr grobmaschiger Bildung beobachtet, die er 
mit einer früheren Placentarstelle in Verbindung setzt. Was 
sonst von Gef^sgesch Wülsten berichtet wird, trifft meist nicht zn. 
Asbwellf) tadelt es mit Recht, dass däs Blumenkohlgew&chs 



*) N. Tolpins. Observationes medicM. Amste). 165S. p. UT. (Üb. II. 
cap. 28.) Lien Terb«ranB. 

") John Bell I.e. p. 407. 

***) Klob. Pftth. Anftt. dei weiblichen Sexnalorjine. Wien. 1861. S. 173. 
t) Ashwell. Lehib. der Knnkh. det weibL uwchlechta. Ans d. BngL 
von Holder. Stattg. 1853. S. 883. 



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Angiome d«B DigeetionsluiMk. 399 

YOn einigen als erectile Geecbwnlst aufgefaest Bei. Klob weist 
danaf faia, daes manche Fälle von Tumores vascnlosi als Placent&r- - 
polypen (Bd. I. S, 146) and als andere gefäsareiche Neubildungen 
SU denten sind. So bat auch Lebert*) unter dem Namen einer 
erectiten GeaebwnUt einen geftssreicben Polypen des Collum uteri 
beschrieben. 

Am Darmkanal sind Ängiome, wenn man von den später 
m besprechenden Hämorrhoiden und den telangiektatischen Po- 
lypen (S. 130) absiebt, überauR selten. Namentlich wahre caver- 
nOse Formen geboren zu den grjtssten Seltenheiten; ich habe sie 
nie gesehen. Ein Präparat im Gny's Hospital Museum**) soll in 
der Submacosa des Jejunum mehrere kleine Gefössgescbwülste 
zeigen, doch wird nicht gesagt, ob sie cavernOs waren. Einen 
Fall Yon Gascoyen, wo zugleich ein Angiom der Parotis bestand, 
habe ich schon (S. 369) erwähnt. 

Anders verhält es sich mit den Zugängen zum Digestions- 
kanal, namentlich mit den Organen der Mundhöhle. Wir 
haben sehon frfiher (S. 34S, 357) gesehen, dass die labialen nnd 
boccalen Angiome nicht selten bis auf die Schleimhaut des Mundes 
durchgreifen, nnd dass nameDtlicb die ersteren zuweilen primär 
gegen die Schleimhaut hin sich entwickeln. Von da kOnnen sie 
weit auf die NachbartbeJle, selbst bis auf die Zunge***) und den 
Gaumen fibergreifen. Alibertf) erzählt von einem 20jährigen 
Muine, welcher eine congenitale „varikOse" Geschwulst, die mit 
dem Mondwechsel jedesmal anschwoll, auf der Wange trug, dass 
dieselbe sich bis zur Nase, dem Jocbbogen und über den Unter- 
kiefer erstreckte; zugleich hatte die Zunge in der Mitte kleine 
bl&oliche Punkte, und die Uvula, das Velnm palati nnd die Ganmen- 
bögen waren eigenth&mlich geschwollen. Allein es giebt auch 
primäre Angiome der Mundhöhle. Schon Cruveitbier tf) er- 
wähnte einer erectilen Form der Epnlis; Warrenfff) hat sie 
genauer unter dem Namen der schwammigen Geschwulst (spongy 
tumonr of the gnms) beschrieben. Indess fehlt eine histologische 

•) Labert Tr»i« d'M»t. [wthoL T. I. p. 815. PI. XXVIII. flg. 5-9. 
•*) Pftthol. CmUlogne Mo. 1S19X>. 

"*) Phil. T. Walther. System der ChiTorgie. Berlin. 1833. S. 343. 
SchDh. Wiener med. WochenBchr. 1861. No. 48. 
t) Atibert. Noaol. nktnr. p. SS7. 
tt) OrnTeilhier. Ebbu anr l'anmt pftth. 1816. Vol. II. p. 144. 
ttt) Warten. Snig. obeeir. od tomonis. Bost 1848. p. 411. FL XU. 



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400 FtlnfondEVUiEigste VorlMvng. 

UaterBachnng, und da auch die (tewQbnlidie BarkomatfiM Epolis 
snweilen sehr gef&ssreich ist (Bd. IL S. 317), so mag hier «ohl 
eine Verwechselunf; vorliegen. Ich habe aueser dieser letxteren 
der einfachen Epulis granulana gedacht (Bd. II. S. 391), die gleich- 
falle einen teUngiektatiechen Charakter haben kann. So beschreibt 
James Salter *) eine vasculäre Geschwulst, die mit dem Z^o- 
Periost verbanden war und sehr leicht blutete. Auch die beiden 
F&Ile, welche Tomes**) durch Beetreuen mit Tannin heilte, waren 
gewiss nur einfache Granulotne. Sanrel***) stellt eine Epnlis 
Taecularifl s. erectilis auf, ohne Beweise geben zu können, und 
Vidal f) schildert vaticnl&re Genohwfilste des Unterkiefers, weldie 
wenigstens Eum Theil geradezu nialign waren. Verh&ltnissm&ssig 
am genauesten ist die Beschreibung von Craigie ft): eine stark 
erbsengrosse , deutlich pulHirende Geschwulst, in der ein unan- 
genehmes Gefühl von Bitze und Klopfen wahrgenommen wurde, 
sasB am Zahnfleische des Oberkiefers. 

Angiome der Zange werden mehrfach erwUint. Meist sind 
congenitale Naevi der Ausgangspunkt. Cookefff) Iftsst diese 
freilich allmählich von selbst verschwinden, und Brown *t) hil 
den Fall eines jungen MSdchens berichtet, bei dem nach einer 
l&ngeren Calomel-Behandlung die erdbeerartige GeRchwnlat an der 
Seite der Zunge verschvranden sein soll. Anderemal wachsen sie 
jedenfalls und erreichen eine solche GrOsse, dass, wie in dem 
von Reiche *"t) beobachteten Falle, die apfelgrosse schwaixbUne 
Zunge zum Monde heraushing. Lebert'**f) sah mehrere erectile 
Geschwülste an der Zange einer &lteren Fran, die sie seit ihrer 
Geburt trug. Langenbeck *tf) exstirpirte bei einer Frau eine 
cavemOse Geschwulst der Unterlippe, die sich anf den Rand 



') J. Salter. TranB»ct of the Path. Soc. Lond. Vol. XV. p. 117. 
PI. VI. fig. 8. 

*■) Tomes. Dental pbysfol. xaA surgery. Lond. 1848. p. 807. 
***) Saurel. Mäm. sur les tnmeurs dos geociveB. Paris et Honbi. 
18Ö8. p. 24. 

f) Vidal. Tnit^ de path. ext. Paria. 1846. T. 111. p. 671. 
tt) Craigie. Eleroeota of gener. and path. anat Edinb. 1848. p. 178. 
ttt) Th. Weeden Oooke. Od Cancer, ita allies and connterfeits. Loud. 
1866. p. 146. 

•f) Brown. The Uocet. 1838. Marcfa 30. 
"f) Reiche. Raat's Hagaiin. 1886. Bd. XLVI. 
•"+) Lebert. Trai« d'aoat. path. T. H. p. 149. 

*ft) Weisser. De lingnae Btmctnra patfaologica. Diaa. inang. BeroL 
1868. p.8ft. 



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Rftnala aDgiomatoea. 401 

nnd die Spitze der Zunge fortsetzte. Palletta*) machte die 
Autopsie eines gfinslich zahnloBen, hydropJschen Bauern, der seit 
3 Jahren eine Geschwulst der linken Zungenhälfte hemerkt hatte. 
Dieselbe reichte von der Spitze bis fast zur Basis, war von der 
gemeinsamen Haut Aberzogen und zeigte äusserlieh einen Haufen 
(acervns) verachluagener Varicen. Ans einer engen Oeffnung an 
der Seite floss reines Blut. In einer Nacht ging der Mann an 
einer Blutung zu Grunde. Es fand sich eine zellige (cavemDBe) 
Membran mit starken Querscheidewänden, an deren Bildung Fleiscb- 
fasem der H. hyo- und etylogloasus Theil nahmen. In den Uaschen- 
itomen war foet flüssiges Blut. 

Auch eine Form der Ranula**) ist auf Angiome zurückzu- 
fahren. P&tlettB***) tbeilt eine oßenbar hierher geh&rige Beob- 
acbtoDg mit: Eine 40jährige Frau hatte eine Froschgescbwnlst 
neben dem Freoalum lingnae; ein Chirurg schnitt sie ein und 
es erfo^^te eine Sstfindige Blatang. Später geschahen spontane 
Blotnngen aus einer TarikOsen YenenTerästelung, welche sich über 
die Geschwulst erstreckte. Es wurde nun ein neuer Einschnitt 
gemacht, wobei 6 Dnzen schwarzes Blut ausflössen; die Wunde 
begann zu heilen, aber am 16. Tage nachher traten Stiche in der 
Stelle auf, und 4 Wochen später recmdescirte die Geschwulst nnd 
breitete sich nnter dem Frennlnm nach der anderen Seite ans. 
Zugleich schwoll der mittlere Lappen der SebilddrQse nnd die 
Halsgegend unter dem Sternomastoideus. Dolbeauf) theilt eine 
Beobachtnng toh N61aton mit, wo bei einer 34jährigen Frau 
neben congenitalen erectilen Geschwülsten der Zungenwurzel und 
einer pulsirenden Geschwulst in der Gegend der Tbeiinng der 
Carotis unter der Zunge eine als einfache Ranula diagDOsticirte 
Geschwulst vorkam, die anter den Unterkiefer berTorragte. Man 
punktirte, es floss Blut aus nnd die Kranke starb 8 Tage später 
anter choleraartigeo Zufällea. Bei der Antopsie fand man eine 
erectile Geschwulst, die mit dem snbmaxülaren Tumor und mit 
der V. jugälaris communicirte. Da die Geschwalst am Halse ans 
einem mit der Carotis and Jngularis in Verbindung stehenden 

•) Pftll«tts. Ezercit MthoL Uediol. 1820. Vol. 1. p. 197. 
••) Dolbefto. Bnllet de 1» bog. »ntt, 18M. Oct. 
•••) Palletta 1. c. p, 19«. 
f> Dolbean. Coion taid. 18fi7. Ka. 117. p. 17& 

Vir«»*«, QMBkvUtta. lU. JK 



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403 POnfandswaniigate Torlwaog. 

Sacke bestand, der mit der SobmaxillargeschwalBt sidi vereiiugte, 
so hing die BOgeoaDnte Raoula gleichfalls damit zuBammeD. Ein 
anderer Fall kam bei einem 7 — Sjäbrigen Mädchen vor. Joeeph*) 
berichtet Aber eine enblinguale eavemJlse Geechwulat bei einer 
öOjäbrigen Fraa. 

Am Gaumen hat Blandin") bei einer 41j&brigeD Frto 
eine kleine, rothe und blutende Geschwnlst entfernt, die seit 
2 Jahren entstanden und mit einem dftnnen Stiel nahe hinter 
einer Alveole befestigt war. Ob ein von Heekren***) berichteter 
Fall von Blutgeachwolst am Ganmeogewölbe, wie Bell meint, ia 
diese Kategorie gehört, ist mir zweifelhaft Scarpaf) exstirpirte 
bei einem 47jShrigen Maane eine ^TarikfiBe BlntgeBOhwulBt" von 
EastaniengrOase, die seit frühcEter Kindheit als erbsengrOBse An< 
schwellang bemerkt war, vom Gaumen. Lebertft) scheint in 
den Unskeln des Gaomens eine erectile Geschwnlst gesehen n 
hatten. Wagnerfff) fand eine cavemA&e Geschwulst in der 
Bedeckung des harten Gaumens bei einem 4 Monate alten Kinde, 
welches ausserdem eine solche Geschwoltt am unteren Augenlide 
und eine dritte in der Tiefe der Wange hatte. Sie sassen sknunt- 
lieh auf der linken Seite. 

Vom Antrnm Highmori werden einselne Fälle anfjgefthit, 
die jedoch meist nicht ganz sicher festzustellen sind. Finest) 
beschreibt eine durch Injection von EisencbloridlOeong geheilte 
Geschwulst bei einem 26 jährigen Manne, der die erste Anschwel- 
lui^t einige Zeit, nachdem er sich den Gaumen beim Essen ver- 
brüht hatte, verspürte. Im Laufe eines halben Jahres hatte sieh 
der Oberkiefer so vergrOssert, dass Exophthalmos eintrat und die 
vordere Hälfte des GanmaDgewOlbes eine nussgroese Anschwellung 
zeigte, welche fluktuirte, keine Knocbendecke besase und beim 
Einstich 80 — 100 Gnnms. halbflüssiges, reines Blut entleerte. 



*) O.Josepb. QflubDrg'e Zflitecbr. Bd. Till. S. 821 (CaDstatt'i Jihra- 
boriebt f. 1851. Bd. IT. 8. 304J. 

•*) BUndin. Jonrn. de mäd. et d« chir. p»t. 1848. T. XIX. p. 160 Ccitin 
bd Sanrfll L c p. 26). 

*") Jobi Toa Heekren. Rare n. waDderbue Cbymrgiacb* d. 
kBnetlKe AnmerckuDgen. Hochdeutsch. NQrnb. 1676. S. S66. 
t) &. Scarpft. ÖM. des hOp. 1863. No. 60. 
ft) Lebert. Trut^ d'Mat path. T. I. p. 210. 
in) A. Wsgaer. KOnigsberger Hed. J&farb. 186». Bd. IL S. IIBl 
*t} Pines. Qu. des h&p. 1867.- No. 68. 



jvGoo'^lc 



CaTernOBe ÄDgiome des Angea. 403 

PattiBon*) unterband die Carotis wegen einer blutenden Ge- 
schwulst, welche das Antram stark ausgedehnt und das Ange 
vorgetrieben hatte, mit so glficklichem Erfolge, dass 2^ Jahre 
später kanm noch eine Abweichnng sn bemerken war. 

Am Ange giebt es ausser den schon erwähnten palpebralen 
(S. 350) nnd orbitalen (S. 357) Angiomen noch eine Reihe anderer, 
welche mehr die dem Bulbus angehftrigen Theile treffen. Zunächst 
die eonjnnctivalen, welche entweder, wie schon angefGhrt, 
eine weitere Verbreitnng der palpebralen darstellen, oder primär 
an der Conjunctiva bulbi sitzen. Die letzteren **) sind sehr selten 
nnd scheinen meist nicht über die Naevus-Stufe hinauszugehen, 
doeh werden auch Fälle grösserer Geschwuletbildung beschrieben. 
Eine Prädilectionsstelle scheint die Carnncula lacrimalis zn 
sein. Celinski*") beobachtete eine brombeeriftrmige, Teilchen- 
blaue Geschwulst dieser Gegend, welche fast das ganze Auge 
bedeckte nnd beinahe bis zum Munde herabreicbte. Von der 
Cornea erzählt der ältere Gräfef) einen Fall, wo ein eoge- 
nuinteB angebomes Staphylom bei einem Tjäbrigen- Mädchen eo 
gewachsen war, dass die Augenlider nicht geschlossen werden 
konnten. Da die vordere Angenkammer ganz frei war, so trug 
er die Geschwulst ab; sie bestand ans kleinen, in eich verwebten 
Gefässeo und milchweissen Ramifikationeo, die er fBr Lymph- 
gefässe mit geronnenem Inhalte nahm. Gräfe betrachtete auch 
das Stapfayloma scleroticae (Scarpa) als eine Telangiektasie der 
Sclerotica; Andereft) nannten den Zustand Girsophtbalmos und 
boLOgen ihn auf eine Yaricosität der Choroides. Obwohl man im 
Allgemeinen von dieser Anffaeaung zurfickgekommen ist,, so scheint 
68 doch nicht zweifelhaft, dass auch an den inneren Gebilden des 
Auges Angiome vorkommen. Schirmer f-f-f) hat einen Fall bei 
einem 86 jährigen Manne beschrieben, bei dem ausser zahlreichen 



■) Barns. Od the surg anitomj of the head and neck. Glaag. 1824. 
p. 464 (dtirt bei Mackensie, A pract treatiee on diaeaaea of the eye. 
LoDd. 1864. p. 71). 

•*)C. Gr&fe. Angiektaste S. 29. t. Ammou. Zeitschr. f. Opbthalmol. 
B4. V. S. B4. RoosbToeck. Cours d'ophth. Vol. I. p. SSS. 

*■*) *. AmmoD. Klia. DaratellDDg der Angenknokb. Berlia. 1838. Bd. IL 
Taf. LS. FiK. 10. 

t) C. Or&fe. Aogiektasie S. 30. 
■(4) Uimlj. Die Knnkb. n. Hisabil dangen des Aagea. Bd. I. S. 636. 
ttt) R. Sobiimer. Archiv f. OpbtbaJmoL 186a Bd. va 1. S. 119. Taf 1. 
Fig. 6. 



)vGoo<^lc 



401 FttefudiwMifgtte VoilMnng. 

Te]aDg{ektas)«D des Halses, der Brust und des Biaclies eine aefar 
UBgedehnte, fast das ganze Gesicht eiDnehmende Aogiombildang 
vorhanden war; die Ängeolider waren davon darehdrnngen, die 
Gonjnoctiva bnlbi ut kleinen Stellen afficirt, und in der Betiu 
fitaden sieb starke VaricoBit&ten der Venen. Scbnfa *) liefert eine 
specielle Beschreibung des nBlatBchwammes" der Choroides, 
wobei er besonders anf einen FaJl von Rosas znrQekgebt; in 
diesem ging die erbsengrosse Geachwalst von den Ciliarforts&tEea 
ans, drang in die vordere Augenkammer und wurde mit Erb^- 
tnng des Anges ausgeschnitten. Indeas fehlt eine genauere anato- 
mische Beschreibung. 

Von den Organen der Brust ist mir keine eintige suverUssigfl 
Beobachtung bekannt. Schuh**) spricht von filntschwftmmen 
der Lungen, jedoch finde ich darüber nii^nds beweisende An- 
gaben. Nur der Fall von Rokitansky ***) ist eu erw&hnen, wo 
multiple Bla^eeebw&lste in verschiedenen inneren Organen vor- 
kamen, und wo sowohl das Peritonaenm, als die Gostalpleuren 
mit bohnen- bis walloassgrosaen Knoten besetit waren, und sich 
anseerdem in einem Psoas, an den Adergeflecfaten und im Fett- 
gewebe an der Herzbasis einzelne derartige Bildungen fanden. — 

Die zweite Variet&t der Angiome, anf welche wir schon mehr- 
fach Racksicht'nehmen mussten, stellt jene Form dar, flir welche 
am meisten der tuerst von CarlGr&fef) gebrauchte Name der 
Telangiectasis passt. Zweckmässiger ist wohl die Bexeiehnong 
der einfachen Gefässgeschwulst (Angioma Simplex)- 
Am meisten ausgezeichnet finden wir sie in einer Art der soge- 
nannten Uiitterm&ler, der Naevi oder, wie man auch wohl pleo- 
nostisch sagt, Naevi materni, nebmlich in dem Naevus vascn- 
lOBuB oder telangieotodeB. So lange dieser Naevus ab ein- 
bcher besteht, besitzt er keinen cavemOsen Bau. Wir haben ji 
gesehen, daes nur ganz ausnahmsweise ein wahrhaft cavemOser 
Naevus von Geburt an vorhanden ist (S. 337), dass dagegoo sehr 
b&ufig aus einem ursprünglich einfachen telangiektatischen Naevui 
ein cavernOses Angiom hervorgeht. Wenn man daher auch sagen 
kann, die Telangiektasie bildet ein früheres Stadium der caver- 



*) Schuh. PBeudoplMmen. 8. 179. 
•*) Schuh. Ebendas. S. 164. 

***) RokitftDBbv. Bntwickelang der KrebegerOtt«. S. 16. 
f\ G. Grftffl. AngiektMi«. L«ips. 1818. 



gii^osb/GoOt^lC 



Naovi nterini. 405 

nttesn Gesehwolst, so ist do<^ schon um deswegen eine Sobeidong 
notbwendig, weil sehr häufig das zweite Stadium niemals erreicht 
wird, Bondem die Bildung in ihrer arsprfinglicbeD Einfochheit 
bestehen bleibt Nicht wenig hat sn der VerwirmtM!: der Aus- 
druck der ereotilen Gesehwulst beigetragen, der, wie gezeigt, nicht 
identisch mit cavernfiser Geschwulst iBt (S. 320). Denn auch die 
blosse Telangiektasie ist in einem gewissen Maasse schwellbar, 
erectlt; ihre Geisse ffillen sich und erweitem sich, während die 
Farbe eine dunklere wird und die Temperatur zunimmt. Es ist 
eine alte Erfahrung*), dass mit der wärmeren Jahreszeit bei vielen 
solcher Maler eine stärkere Anschwellung and ROthung stattfindet, 
und man bat daher fräher vielfach den Satz aufgestellt, dass die- 
jenigen M&ler, welche eine Aehnliohkeit mit Frachten (Himbeeren, 
Erdbeeren, Brombeeren, Granatäpfeln) haben, zu deijenigen Zeit 
„in BlfiUie** träten, . wo die entsprechenden Gewächse blfihten. 
Allein dieselbe Blflthe tritt aach ein bei geistigen and körper- 
lichen Aufregungen, bei Hemmungen der Cirkulation u. dgl. Es 
handelt stob also nur um gewisse congestive nnd fluxionäre 
Zustände, wie sie jeder geftssreiche Theil unter umständen er- 
f^ren kann. 

Ursprfinglich besieht sich der Ansdmck des Muttermales nur 
anf die wirklich angebornen, also zur Zeit der Geburt vorhandenen 
nod daher auch wohl Naevi uterini s. in utero oontracti**), 
Notae genitivae genannten Flecke (tacbes). Von ihnen ist es 
bekannt, dass ein alter Aberglaube sie auf gewisse Erregungen 
des mütterlichen Yorstellnogs- und BegehrungsvgrmOgens, sei es 
hervorgebracht durch lebhafte Sinneeeindrücke, sei es erzeig 
darch starke Gelfiste oder phantastische Bilder, bezieht. Man bat 
dies kurzweg als Versehen (französisch envies, von invideo) 
bezeichnet. Die neuere Wissenschaft hat diese Deutung einmOthJg 
zurfick gewiesen. Nicht nur stimmen die Thateachen schlecht zu 
einer soleben Beziehung, die offenbar eine viel grossere Frequenz 
und Mannioh&ltigkeit der Naevi motiviren würde, sondern es fehlt 
auch jedes Bedflrfoiss einer derartigen Deutung, sobald man sich 
überzeugt, dass die Vergleidiung der Naevi mit Erdbeeren oder 



*) StAlpmrt Tan der Wiel. Observat. nrioram rati. aoat. cfairDra:. 
Dt.li. 1. Obs. 86. Ltid. 1737. p. 383. Pleock I.e. p. 36. doL 
**) Stalpart van <l«r Wiet l c. p. 379. 



)vGoo<^lc 



406 POnfiiiidfwkiuigat« VoriesaDg- 

Kirseben eine gans &DBSerliche nnd oberflächliehe ist, velcbe einer 
tieferen Yergleichung der Objecto nicht Stand h&It. Za welch«! 
sonderbaren Krkl&rungen würde man kommen, wenn man alle 
Eigenthömlichkeiten der Naevi nach den äosseren Eindrflcken 
deuten wolltel Vidal*) erzählt, dass er bei einem 4 Monate 
alten Uädchen eine erectile Geschwulst an der Basis der rechten 
Brnsteeite vorn nnd eine zweite, ihr unmittelbar entsprechende 
hinten gesehen habe, und er fügt hinzu : Man bitte sagen können, 
es seien die Narben der Ein- und Anstrittsstelle einer Kugel, 
welche die Brust durchbohrt habe. 

Uan mnss aber wissen, dass viele sogenannte Naevt gar nicht 
congenital sind, sondern erst nach der Geburt, freilieh schon in 
den ersten Tagen und Monaten des Extranterinlebens, sich ent- 
wickeln, and dass andere Telangiektasien, die den Naevi in jeder 
Beziehung nahe stehen, gans späten Lebensaltern angeboren. Ich 
erinnere nur an die hämorrhoidalen Formen, welche von der 
Geschichte der Telangiektasien nicht füglich za trennen sind. F&r 
die wissenschaftlicbe Betrachtung hat es allerdings seine Vorzüge, 
die frühen und namentlich die congenitalen Formen, die susammen 
Naevi heissen, von den späten, tardiven zu sondern, aber ein 
durchgreifendes anatomisches ünterscheidungsmerkDial zwischen 
ihnen ist bis jetzt nicht bekannt. 

Die Geschichte der Naevi vasculosi knüpft sich ganz wesent- 
lich an die Haut und die sunitchat an sie, sowohl gegen die Tiere 
hin (Dnterhaut, Mnskeln), als in der Flfiche (Scbleimb&nte der 
äusseren Gegenden) anstossenden Theile. Nur Billroth **) giebt 
an, auch in Maskeln (Orbicularis oris et palpebrarum, Frontalis 
und Cormgator) derartige Veränderungen gesehen es haben, la 
Beziehung auf ihr Vorkommen habe ich wesentlich auf dasjenige in 
verweisen, was sehen bei den cavOTufisen Formen gesagt ist; die- 
selben Regionen, welche als Prädilectionssitze der cavemOsen Ap- 
giome aufgeführt sind, zeigen noch häuSger einfache Angiome***). 
Anch sind meiner Meinung nach dieselben Gesichtspunkte in Beiie- 
hung auf die urspr&ngliehen Entwickelungsst&rungen zntreffend. 



•) Vid«l. Trait^ de p»th. ext Pari». 1846. T. 11. p. 12X. 
**} Billroth. Unters. Ober die Eotw. der Blntgefisee. S. 70. 
**■) Lebert (ÄbbandlaDgen aus dem Gebiet der prakt Chirurgie. Berlin. 
184». S. 82) giebt eine Statistik von 38 angebornen Telangiektaiien. DaraiUr 
fallen 13 auf das m&aDlicbe, 26 auf das veibliche Gaachlecht, ud Mcb 



)vGoo<^lc 



ÄDgiomi linplex. 
rtt.»H. 



1> 



Dagegen besteht ein sehr erheblicher Unterschied in Bezie- 
hnng auf die äussere Erscheinung. In der Mehrzahl der Fälle 

d«n Re^onsD 6 ftiif die Obertippe, 4 anf die Waogeo, 3 aaf daa Obrl&ppchen, 
2 auf die Unterlippe, 3 »uf du Augeolid, 2 die Sum, 3 die Nue, je 1 die 
Schläfe, den Kieferwinkel, deo Gaameo, den Haie, 2 aaf die Brnit a. a. «. 
(Tgl. Lebert, TraiW d'anat. path. T. 1, p. 210). C. 0. Weber (Chirorg. 
ErfahrangeD a. Daters. S. 392) fand unter 36 arterielleii Telangiektaiien 6 an 
Stirn nnd SchUre, Ö an den ADgenliderD, 4 an den Waagen, 6 an der Unter- 
lippe, 2 am Halse, 1 an der Nase, 1 an der ObeHippe, 1 an der Weiche, 
1 »m Hinterbacken, 1 am Oberechenkel. 

Fig. 234. NaeTna vascnlosDs prominens (Angioma eiraplex congenitum) 
der Regio parotidea nnd BubmasillariB bei einem 11 Monate alten Kinde. 
Dereelbe bildet eine mäsBig hervorragende , flachrundlicbe Oeschwulst nm 
den linken Kieferninkel, welche auf die Wange nnd bis inr Scbl&fe, anf du 
lassere Obr und den Hals Qb^greift. In der Mitte ist die Haut mm Theil 
oberflichlicb nleerirt, lum Tbeil derber; im Umfange sieht man dunklere 
(blanrothe) Stellen, an denen schon mit blossem Ange kleine, blischenartige 
(rothe) Pnnkte hervortreten. Die Geecbn-ulst palsirt nicht, fllhlt sich liem- 
licb derb an ond scheint auf die Parotis Dberzu greifen. Eine iweite Stelle 
liegt unter dem Kinn, die Mittellinie Dberscbreitend , jedoch hauptsichlich 
linke, sie hat ähnliche Beschaffenheit, wie die erste. Kleinere TelangiektasieD 
' finden sich um den Hund , besonders an der Unterlippe ; einielue kommen 
snch am Zahnfleisch vor. Alle haben eine mehr venCse (Tarikfise) Beschaffen- 
b«it; obwohl nirgends grOsflere Venen aichtbar sind. 



)vGoo<^lc 



408 Fflnfandsmaiigste VorlMnng. 

haben die eiofachen Ängiome gar nichts Geeehwulstartigeg an 
sich; sie besitzen gewöhnlich eine überwiegend flächenartige Ade- 
breitnng, nnd verändern den Umfang der Theile so wenig, daES 
sie eben nur wie einfache Degenerationen, TransformattODea oder 
SubgtitntioneD der Gewebe, dagegen nicht wie Neubildungen oder 
Gewächse erscheinen. Nichtsdestoweniger findet auch bei ihnen 
eine wirkliche Neubildung und Vermebriing von GeKssen oder 
wenigstens von GeflieBelementen statt Diese Gefässe sind un- 
zweifelhaft weiter, ala die normalen, aber sie sind nicht durch 
blosse Ausdehnung ihrer Wandungen eotstaaden. 

Entsprechend ihrer mehr flftchenartigen, diffusen Ausdehnang 
Bind die eiofacheD Angiome fast nie scharf begrenzt Meist sieht 
man in ihrem umfange vereinzelte Gefässe, welche sich in der 
Nachbarschaft verlieren, indem ihr Durchmesser mit der zuoeh- 
menden Entfernung von dem Aogiom abnimmt. Diese Geßsse 
geben zuweilen der Bildung das Aassehen einer Spione mit 
langen FüBsen: Naevus araneus. Bei grosserer Ausbreitung 
verschwindet freilich dieses Verhalten der Nachbarschaft gegen 
die gleichmässig rothe Farbe der veränderten Fläche. Diese 
Farbe ist meist eine bläulichrotbe oder weinrothe: Naevus vi- 
nosns (täehe de vin), kann jedoch auch eine mehr hochrothe 
oder genauer hellrothe sein nnd das eigentliche Feuermal, 
Naevus flammeus bezeichnen. Indess folgt ans dieser Yer- 
Bchiedenbeit der Färbung keineswegs eine durchgreifende Ver- 
schiedenheit des Baues, namentlich nicht der Gegensatz einer 
venösen oder arteriellen Zusammensetzung. Je oberflfidilicher dia 
Gef&Bse des Angioms liegen, je mehr die Erkrankung bia in die 
Papillen der Haut reicht, um so mehr wird die Farbe heller; ist 
dagegen das Angiom von unveränderten Gutislageu bedeckt, durch 
welche das in den Geissen enthaltene Blut bindurchscheint, so 
wird die Farbe mehr bläulich. 

Die grossen diffusen Naevi finden sich am gewöhnlichsten am 
Gesicht nnd an den Extremitäten. Namentlich an den letzteren 
erreichen sie zuweilen eine solche GrQsse, dass sie die ganze 
Oberfläche eines Armes oder Beines überziehen. Alibert*) theilt 
onter dem Namen des Ecchymome cong^nial die Abbildong eines 
kleinen M&dcbens mit, bei dem beide Beine im höchsten Grade, 



*) Alibert. Nosologie utarelle. p.360. PI. E. 



jvGoo'^lc 



Nmthb rabcntanenB. 409 

die Arme in gwiDgerem, von amaranthfarbeneD Flecken einge- 
nommen waren, Sber welchen sich eine kleienartige, ranhe Ab- 
Bcbappang fand; andere Stetlen dee K<)rpers hatten eine roseo-, 
andere wieder eine sinnoberrothe Farbe. Selbst die Wangen 
waren leieht „ekchymosirt". Ray er*) beriditet den sehr merk- 
wfirdigen Fall eines 34jährigen Mannes, der an dem rechten Arm 
and Bein, sowie an der rechten H&lfte des Rumpfes sehr dichte 
und stellenweis zusammenfiiessende, weinrothe Flecke hatte, die 
unter dem Fingerdruck nicht schwanden und bei Anstrengungen, 
Erhitzung n. dgl. eine lebhaftere Farbe annahmen. Gleichzeitig 
waren die subcutanen Tenen der rediteo Seite sehr entwickelt, 
nnd auch die Mundschleimhaut zeigte, jedoch nur auf der rechten 
Seite, violettrothe Flecke. Die linke Hälfte des Körpers war 
äberall frei. — Auch am Gesicht nehmen diese Formen sehr oft 
die eine guize Seite ein und erstrecken sich vom Eieferrande bis 
zur Schl&fe, von der Nase. bis über das Ohr hinaus. 

Anf einen Theii dieser Form bezieht sich, wie schon erwähnt 
(S. 313), die Beschreibung, welche Schuh") von dem „lappigen" 
GefSsssohwamm geliefert hat, den er von der eigentlichen Telaogi- 
ektaeie trennt. Seine Beeehreibung geht wesentlich aus von dem 
Naevns sobcutaneus, der im Panniculus adiposus liegt nnd 
von dem man noch wieder zwei Unterarten unterscheiden kann: 
den Naevns telangieotodes simplex und den Naevns 
telangiectodea Hpomatodes***). Bei letzterem ist von 
vornherein eine hyperplastische Bildung des Fettgewebes vor- 
banden, welches später mOgUcherwetse nnter der GefässaDsbüdut^ 
verzehrt werden kann. Hier beschäftigt uns nur die Frage von 
dem Zustande der Gefässe, und in dieser Beziehung scheint ea 
in der Thai, daas die Entwickelnng insofern eine besondere ist^ 
als die meisten Fälle des oberflSchlichen Naevns, wenn sie eine 
grössere Ansbreitung erreichen, viel regelmässiger eine stärkere 
Entwickelnng bald der kleineren Arterien, bald der kleineren 
Venen erkennen lassen, wie das bei den tiefer sitzenden Naevi 



*•) Schuh. Zeitschr. Wiener Aerzte. 1853. Mai n. Juni. Psendopusmen 
1»M. S. 153, 169. 

*•*) V. Ammon. Die aDgeboioen chir. Kraukheiten. S. 185. Taf. ZZXII. 
Fig. 9a, 96, 18 n. 19. C. 0. Weber. HQller's Arcbir. 1851. S. 74. Taf. II. 
Fig. 1 — 3. Schuh. pMudoplasmen S. 180. 



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410 FOnfaDdiwaBsigste Vorleenng. 

der Fall ist, wo die Yerinderang m^r die eigentUcben Cq>illar«i 

trifft. Auch ist der subcutane Naevns viel häufiger wirklich ge- 
schwnlstartig ; er bildet daun eine siemlich scharf nmgreoxte, 
wenagleioh niemals durch eine besondere Kapiel umMblOBaeoe 
Büdnog, von der ans in ap&terer Zeit such noch w«tere Wei^- 
tfaeile, namentlich die Haut selbst ergriffen werden kfinnen. Im 
Allgemeinen schliesst sich die ErscheinuDg dieser Form an das 
Huttergewebe an, aus welchem sie hervorgeht, und da daa in 
der Regel das suhcatone Fett ist, vrelches in Lappea angeordnet 
ist, so hat auch der Naevns eine Art von lappigem Bau; ja man 
kann innerhalb der Lappes noch nieder kleinere Läppchen onter- 
Bcheiden, die eine gewisse Beziehung zu den Fettbl&schen zn haben 
und an deren Stelle getreten zu sein scheinen. 

Dieses Yerh&ltniss hat zu dem sonderbaren Irrthum Veru- 
lasBung gegeben, in welchen Schuh gefallen ist. W^Uirscheinlich 
trug dazu der Umstand bei, dass diese GeBcbwOlste, wenn ntan 
sie exBtirpirt, meistentheila ihr Blut verlieren, und dass mma dann 
an den Stellen, wo vorher gefüllte Gef&sse waren, kein Blut mehr 
sieht; auch geschiebt es sehr leicht, dass bei der feineren Prftpa- 
ration gewisse Bildungen, die, so lange sie mit Blat geföllt sind, 
ganz unverkennbar als Gefitese sich darstellen, als etwae anderes 
erscheinen. Vom blossen Auge betrachtet, sieht der Darchschnitt 
eines solchen blutleeren lappigen Angioms ganz drüsig ans: an 
der Stelle der gelben Fettläppchen liegen Lftppchen eines weiss- 
lichen oder blassrosigen, massig feuchten Gewebes, welche durdi 
sehwache Zöge von interstitiellem Bindegewebe unvollständ^ vm 
.einander geschieden werden. Daher hat Schub geglaubt, eine 
besondere Art von lobulärer Bildung zu sehen, in weldier nach 
seiner Ansicht aus den «nzelnen Fettcellen Alveolen, Hoblkolben 
nnd Schläuche würden, die späterbin neues Blut in sich ent- 
wickelten. Sangalii *), der die Kanäle mit MUcbkanilcben- ver- 
gleicht, schliesst sich ihm wenigstens insofern an, als er ans den- 
selben erst später Blutgefässe entstehen lässt. 

Ich habe dieee Ansicht schon früher**) vriderlegt. Wean 
man mikroskopische Durchschnitte solcher Geschwülste unter- 
sucht, so findet man in der That nicht selten darin runde Kürper, 



*) Sftngalli 1. c P.3M. 
••) Virehow. IjchiT. Bd.VI.8.6&a 



jvGoo'^lc 



411 

welche eine dieke Wand nnd ein helles Innere beBitzen, in deren 
Wand eine Menge von Kernen, gewöhnlich in mehrfacher Lage, 
?OThanden ist, und die anseehen wie Blasen. Oder man findet 
längere, mehr oder weniger dickwandige nnd mit einer mehr 
Btreifigen, kernreicben Wand versehene, eng gewundene, rftbren- 
fltnnige Gebilde. Schuh nannte diese Bestandtheile unter dem 
Dmeke der bekannten Theorie Rokitansky 's structurlose Blasen 
und Hohlkolben. Allein alle diese Körper sind nichts anderes als 
Qner- und Längsschnitte von GeAssen; wenn man genauer nach- 
eilt, so gehört zu jeder „Blase" ein Schlauch oder Kanal. Diese 
Kanäle aber liegen in der verschiedeneten Verwickelung neben 
einander. Nan ist allerdings nicht zu lei^nen, dass sehr viele 
von ihnen nicht die leiseste Äehnlichkeit mit dem gewöhnlichen 
AoBsehen der an diesen Orten vorkommenden Geftsse, nament- 
lich nicht mit dem der Capillaren haben; im Gegentheil, wenn 
man sie mit bekannten Bildungen vergleicht, so findet sich keine 
grossere Äehnlichkeit, als mit Schweissdrfieen. Mir selbst paesirte 
es, als ich zum ersten Male in meinem Leben eine solche Ge- 
schwulst ontersuehte, dass ich zu der Vorstellnng gelangte, eine 
ans einer hyperplastischen Wucherung von Sohweissdrflsen hervor- 
gegangene Geschwulst vor mir zu haben*), nnd ich mnsste recht 
sorgfältig unteTsuchen, ehe ich mich fiberzeugte, dass es sich nicht 
am Schweiasdrfisen, sondern um Gefässe handle. Ich bin bis jetzt 
überhaupt nicht so glucklich gewesen, eine wirkliche geschwulst- 
artige Hyperplasie der SchweissdrBsen zu finden; andere Autoren**) 
haben dergleichen allerdings beschrieben. Ich will mir nicht ao- 
maassen, die Richtigkeit ihrer Angaben sn bestreiten, aber nachdem 
Schuh, der doch die GeschwGlste im Leben gesehen hatte nnd 
der nicht zweifeln konnte, dass sie Blut führten, die Gef&sse für 
Btaaea nnd Hohlkolben gehalten hat, nadidem ferner Lotzbeck 
seine AngiUten gerade anf einen Fall von Naevus vascnlosos stättt 
nnd ein von Vernenil beschriebenes mnltilocul&res Cystoid des 
Halses in einzelnen Säcken eine blntige Flfiesigkeit enthielt, so 
meine ich, dass die Lehre von den Schweifisdrüsengesohwnlaten 
wohl einer besonderen Revision bedarf nnd dass spätere Beob- 



■) Virchow. ArchiT. Bd. VI. S. 561. 

**) Vernenil Ou. mii. de Puia. 1853. No. Ö3. p. SaS. Arch. ginir. 
18&«. Ocb p.441. Lotibeck. Main ArchiT. 18&9. Bd.XVL S. IfiO. 



gii^osb/GoOt^lC 



432 nDfutdnnuuigito TmImw«. 

achter ihre Beweisf&hnuig Tiel eorreotor werden fthreo mfiggea, 
wenn eie beweisen wollen, dass die Dinge, die sie vor sich hatten, 
wirkliche SchweiBsdr&Ben and nicht echweiBsdräsen&hnlidie Geftase 
waten. In den Angiomen kann man die Geftsse sehr wohl neben 
den Schweissdrüsen sehen. Freilich sind auch die Schweisadrüsen 
dabei nicht selten vei^rOssert und ihre Kan&le erweitert, aJ>er die 
GeÜsse machen ihre En&uet, Windungen nnd Schlingen nach obm 
hin und sie verästeln sich zuweilen bis an die Oberfl&che, unter- 
scheiden sieh also sehr bestimmt, aiich wenn sie leer sind, voa 
den stets einfachen nnd nach antea aufgewickelten SchweiBsdrOaea- 
Kan&len. Ausser den Schweissdrüsen nehmen zuweilen auch die 
Talgdr&sen und der epidermoidale üeberzug der Haarb&lge an der 
hyperplastischen Entwickelung Äntheil; ich habe partielle Aus- 
dehnungen der HaarbUge durch Anbfinfnngen junger Epideimoidal- 
zellen und bis bq 5 drüsenartige Anhänge an einem einzigen Balge 
gesehen*). 

Die sich TergrOssemden GeE&sse winden sich fortwihrend 
korkzieherf^rmig , ond es ist daher sehr schwer, ein einuloes 
Ge^s nach seioem ganzen Verlaufe anf einem Durchschnitt zu 
treffen; man bekommt oft nichts als Querschnitte, wo man immer 
nur Segmente der Gef&sse sieht, welche den Eindruck besonderer, 
für sich bestehMider Bildungen machen. Enthilt das Gefftss kein 
Blut, so kann es vorkommen, dass man Von dem Lumen fast 
gar nichts wahrnimmt; man erblickt nur eine scheinbare Blase, 
die aussieht, als wSre sie mit Kernen erfOIlt, und erst bei genauer 
Uoterfluchung siebt man, dass innen ein kleines, znsammuige- 
zogeaes Lumen befindlich und dass der scheinbare Inhalt der 
Blase vielmehr die dicke Wand selbst ist. Die GeAsse, nm die 
es sich hier handelt, sind jedoch fast nie gewfihntiche, einbüße 
Capillaren, sondern meistens Ean&le mit sehr dicker, gleichsam 
doppelter Wand, so dass man in Zweifel konunen kann, wohin 
man sie rechnen soll. Ich habe mich dahin ausgesprochen, dasa 
es hypertrophische (genauer ges:^, hyperplastisohe) 
Capillaren seien**), wenigstens GefiLsse, die an der Stelle der 
Capillaren li^en. Die meisten neueren Beobachter***) t 



*} Virchow. Archiv. Bd. Tl. S. N>3. S»Dg«lli 1. c. p. 363. G. 0. 
neber. Hein Archiv. Bd. XXIX. S. 90. 

•*) Virebow. Archiv. IBM. Bd. VI. S. 563. 
***) Robiu. Ou. mM. 1864. p.839. Billrotb. Oatmnchnaita «w 



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Angion» ahnplex hypeiplMticnm. 413 

dtrait fiberein. Indet« nftbern sich manche dieser Capillaren mehr 
dea Yeneo, andere mehr den Arterien, iDBofem die Lage der 
Kerne in den AusBeren Schichten bald mehr eine longitudinelle, 
bald mehr eine tranaversale wt. Jeden&lls finden eich gevlthn- 
lioh mehr&ehe Lagen von Wandschichten, jede verhältnisBrnfieeig 
kornreich, and daher mit dem Eindrucke des fortschreitenden 
Wachsthnme. Weber*) glaubt gefboden ta haben, dass die 
Büdnng neuer SeiteoSste mit der Erxengnng solider, kernreicher 
Knospen beginne, welche sieb B[Ater aoshOhlen. Jedenfalls mnsa 
man auch hier sehr vorBJchtig Bein, da BteUenweise, btindeaekige 
Ausdehnungen der Gef&eswand leicht den Eindruck solider Aus- 
wBchBe machen kfinnen. 

Manche, blos cutane Angiome stimmen in dieser fieziehung 
mit den subcutanen überein, und wir gewinnen so ein eigenes 
Gebiet, welches sich unter dem Namen des Angioma Simplex 
hyperplasticum von demjenigen unterscheiden iSsst, wo ver- 
dfinnte GeOsse Torherrscben. Jedoch deutet die Geschichte der 
ganz oberfl&chlichoQ Formen darauf hin, dass auch hier manche 
TersehiedeDbeiten an derselben GeBdtwuIst im Laufe der Zeit 
anftreteo. Noch Robin**) war der Ansicht, dass die Papillen 
der Haut- Btete nnbetbeil^ sind, iodess gilt dasselbe, was Bill- 
rotb***) von den Papillen der Mundschleimhaut geeeigt hat, 
auch ffir htthere Grade der Veränderung an den Hautpapülen: 
die GeAsse derselben nehmen an der Erweiterung und Hyper- 
plasie Antheil (S. 376). Sp&ter bilden sich nicht selten kleine, 
gans ober^hlich gelagerte nnd schon mit blossem Auge sicht- 
bare Sfickchen an den Gefässen, und gerade diese sind es, welche 
Bpfiter 80 leicht blnteo, weil ihre Wand nach nnd nach ver- 
dSnnt wird. 

Was den Verlauf der Geftese angeht, so ist derselbe, ab- 
geflehen von den Anssacknngen, ein Tielfacb geBohlängelter und 
gekrOmmterf). Änf" dflnnen Durchschnitten siebt man nnter dem 
Mikroskop v^hlreicbe Absebnitte dicht neben einander gelagerter 



I. T»f. I. Fig. 6. 
*) Weber a. a. 0. S. 91. Re. 6-10. 
**) Robio 1. c p.S80. 
*") Billroth ». ». 0. S. 78. T»r. V. Flg. S. 
f) T. Btrenspiniig. Beitiige loi Anatomie o. FatL dernMsacblicheD 
HMit üp«. 1U8. 8. 66. 



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414 FOufnikdiwuuctte Tftdwniig. 

Kaxiile, welche dannuiig gewanden sind*). Zwilchen ihnen liegt 
eine geringe Masse von trennendem Gewebe, in dem man ed- 
weilen noch deutliche Reste des alten Gewebes (Fettsellen, Binde- 
gewebe, Haare, Drflsen), bald in atrophischem, bald in hyper- 
plastischem Zustande antrifft, in dem dagegen anch ni<^t selten 
das alte Gewebe durch grumlirendes Bindegewebe nener Ent- 
stehung g&nzHch ersetzt iat. Dieses ist jedoch ganz uDwesraflich; 
man hat die Bedeutung der Zwischenlagen meiner Ansicht nach 
sehr überscb&tzt. Je mehr die Gefilsse zunehmen, um so m^r 
schwindet dieBes Zwiscbengewebe, und in höheren Graden beginnt 
dann die Confiuenz der Gefässe zu cavemösen R&umen, aomat 
wenn vorher zahlreiche aneuryamatisohe Erweiterungen entstanden 
waren. 

Diese Gefitsse erhalten ihren Zuflaes durch Arterien, welche 
ihreraeits nicht selten erweitert and deren Muskulatur sehr stark 
vermehrt, namentlich sehr kernreieh ist. Von ihnen gehen Aeste 
ab, die sich schnell weiter verzweigen und ein Capitlarnetz bilden, 
welches ganz ausserordentlich dicht ist, ao dass seine Zwischen- 
räume oft kleiner sind, als der Darehmeseer der GeOese**). 
Manchmal hat dasselbe rollst&ndig den Habitus eines Wunder^ 
netzes. Ans diesem Netz sammeln sich Tenen, welche in der 
Regel sehr weit, zuweilen geradezq varikOs sind. In einzelnen 
Fällen kommen aach an ihren Anf&ngen blasige Anseacknngen 
vor, aus denen ungleich engere Venen hervorgehen. 

In Beziehnng auf die schon erw&hnte (S- 405) Schwellbarkelt 
dieser Angiome ist noch ein besonderer Umstand zu erwihneo. 
Wenn die Absehwellnng in manchen Fällen imzweifelhaft aaf eine 
gevrisse Äctivitftt der Bestandtheile hinweist, so ist es wohl mög- 
lich, dass sie zum grossen Theil von der Muskulatur der zaf&h- 
reoden Arterien abhängig ist, und dass auch die Wandungen 
mancher der neuen Geftsse selbst mnskulOse Eigenschaften an- 
nehmen. Aber es ist gewiss nicht ohne Erheblichkeit, berror- 
zuheben, dass an, diesen SteUeo in der Begel dj^e kleines 
Maskeln der Haut, die Arrectores pilorum, in einer sehr 



*) G. Simon. Die HintkruikheitetL Berlin. 1861. S. 264. Taf.V. PIg.l. 
0. Wedl. Beitrfiee inr Fath. der BlDtgefisae. Abtb. IIL Taf. IV. Fig. IB. 
C. 0. Weber. Hein Archir. Bd. XXIX. Ttf I. Fig. 4. 

**) Lebert. Tnit^ d'anat patb. T. I. p. 318. PL XXVIL fig. 14. Bill- 
loth ft. a. 0. Taf. V. Fig. 8. Wedl «. a. 0. Tmf. UI. Fig. 14. 



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VuikOse Angiome. 415 

starken Entwiokelnag sich befinden, ja dus sie Koveilen so stu-k 
vergrOssert Bind*), dass darcb ihre Zusammenziebang mdglicher- 
weiee eine starke Einfienktmg der Hantfläche and eine Verklei- 
nernng der Geschwaiste, und umgekehrt bei ihrer Relaxation ein 
Nachläse mit Möglichkeit der Schwellung gegeben ist. Nach den 
Unteranohungen von Lebert") scheint anch eine stJlrkere Ent- 
Wickelung der Nerven TorsakommeD: er fand PrimitiTfasern 
von Vii» — ViM Miliim. Breite, Ton sehr dickem Neorilem um- 
geben. 

Verschieden von diesen einfachen Angiomen sind die in der 
neneren Zeit wohl etwas zu sehr vemacbl&Bsigten varikösen 
oder venDsen Formen, anf welche umgekehrt früher ein su 
grosses Gewicht gelegt worden ist Gerade die stark diffusen, 
sehr weit auBgebreiteten Telangiektasien sind wesentlich venös: 
die Erweiterung betrifft hauptsächlich die Wurzeln der Venen, 
w&hrend die Capillaren dabei wenig interessirt sind. Schneidet 
man in die Theile ein, so sieht man schon vom blossen Auge 
die kleinen VsneDSt&mme sehr deutlich erweitert, manchmal 



Fig. 286. TeUoeiectMia tadom (Angioma Tuicoanm simplex) faciei. 
Präparat No. 44 vom Jahre 1864. NatQrl. GrOgse nnd DatQrl. Injection. A die 
Oberfläche der Fascia temporalis mit den darauf ausgebreiteten GeßsBTer- 
xweignngen und dem telangiekta tischen Netz. B die innere Oberfllche aines 
HantstDckee vom Geaicbt: die kleinen Pnakte lauter Veaensäclcchen (Capillar- 
Varicen) darstellend. Von einem diffusen Naevua vinoans, de/ die ganie eine 
Gesichtab&lfte überzog. 

*) Virchow. Aichi«. Bd. VI. S. 552. C. 0. Weber. Hein ArcbiT. 
Bd, XXI2. 8. 90. 

*■) Lebert Abhaudl. aos dem Gebiete dei prakt Cbirnrgie. S. 81. 



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419 FdnfQiidtwftiulgste Yorlesnng. 

gleichfalls mit Varicoait&ten, manehmal jedoch gane gleichmieBig. 

Jedenfalla beginot das eigentliche Gebiet der Erkrankung erat da, 

wo die für das blosae Auge nur noch schwer za verfolgenden 

Wnraeln liegen. Hier erscheint, das Gewebe dicht roth pnnktirt, 

wie bei der dichtesten Purpura; man kOnnte manchmal glauben, 

es sei die Fliehe mit Blut besprengt worden. An manchen Stellen 

atrophirt das normale Gewebe unter dieser Ektasie. Vergrösseit 

^ man die 'Hieile auch nur m&ssig, 

so findet man die msnnichfaltigsten, 

theils seitlichen, thtOs rings nm das 

GeflsB reichenden, meist UDpaltftren 

Auseacknngen*), manche nnmittelbar 

ans st&rkeren Venen hervorgehend, 

andere mit ganz feinen Zweigen 

in Verbindung. Letztere schwellen 

dann wohl noch ein oder mehrere 

Male in gleicher oder in geringerer 

Weise an. Die Wandungen sind hier 

meist verdickt, und der Uebei^ang 

zu caveroftsen oder sackigen Bildungen durch Atrophie und Osnr 

der Wandungen ist selbst bei benachbarten Varicosit&ten nicht 

gewttbnlich. 

Macht man durch geh&rtete Objecte feine Darebschnitte, so 
sieht man die sonderbarsten Erscheinnagen. Ohne gerade be- 
trächtliche Verlängerung und Schlängelung sind manche Gef&sse 
in ihrem Verlanfe in eine Reihe hinter einander gelegener Sftcke 
verwandelt, deren Grösse ganz ausser Verh&Itniss zu der Weite 
der Gefftsse steht. W&hrend z. B. ein GefUss kaum die Dicke 
des AusfBhrungsganges einer Schweissdrüae hat, so besitzen ein- 
zelne seiner Erweiterungen den Durchmesser der Scbweissdrfise 
selbst Diese Sackbildung geschieht in allen Gewebslagen in 
gleicher Weise: in dem Fettgewebe ebenso, wie in dem Binde- 
gewebe dar Hant Nur gegen die Oberffikche hin pflegt ein aaf- 



Pig. S86. LoopeDTeigrOeseTDi^ einer kleioen Stelle idb der Torigen 
ZoichniiDg (f^g- 2S&.). M>D DDt«recheidet die feinen Gapillaren von den idb- 
gedehnten VeaeD, xn velchen die xnm Theil sehr unregelmSsiigen BlDtelcke 
eitlen, die ihrerseita direkt mit Capillaren inBkmmenh&ngeo. 

*) Wahrscheinlich gehOrt hierher eio ton Billrotn (a. a. 0. S. 77. 
Tal V. Fig. lö.) bei einem 70jäbrigen Maime b«obMhtetea Geflsunal von 
der Waage. 



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Naeine varicosus. 417 

iUliger üotersehied zq bestehen. Während in der Tiefe die Reiben 
der Säcke in nicht nnbeträchtlichen Entfernungen von einander 
liegen, so nähern sie sich gegen die Uautoberfläche einander, und 
dicht unter derselben bilden sie eine fast zusammenhängende 
Schicht grosserer Blasen, welche fast nur durch die zwischen 
Fig. ui. 



ihneo beranftretenden Haarbälge und Sehweissdrflsen, sowie durch 
schmale Streifen von Bindegewebe getrennt sind. Diese grossen 
Blauen sind bald ganz rund, bald l&oglicli eiförmig, bald schlingen- 
fOrmig gebogen, bald unregelmässig ausgebuchtet. Sie haben eine 
deutlich erkennbare, ziemlich starke, mehrfach geüchiühtete Wand, 
und Bind von dem Rete Malpighii noch durch eine schmale Binde- 
gewebslage geschieden. Eine besondere Beziehung der Geßiss- 
erweiterungen zu bestimmten Regionen habe ich nicht bemerkt; 
namentlich konnte ich weder zu den Schweissdrüsen und Haar- 
bälgeo, noch zu dem Fettgewebe ein besonderes Verhältniss wahr- 
nehmen. 



Fig. 3S7. DarchBchnitt der Kant und Unterbaut dea Gesichts bei Naevus 
Tinosas diffUBUB tFig. 235—236). Die an der Oberfläcbe hervortretenden Haare 
bezeicbn«!) di« ätellang der fiaarbaigf, an denea bie und da TalgdrDaeo ao- 
aitaeo; daiwiachen die Blntaficke. Nach der Tiefe sind letztere kleiner uod 

SltSrlicber, doch «erdeo sie im Panoicalus wieder lahlreicher. Alle Geßes- 
nrcbscbnitte sind durch schr&ge Scbraffirnng bezeichnet. Schwache Ver- 
grOaseraBg. 

VIrelia*, GiKftviliic UL 21 



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418 FQnfandiwftDiigit« VorlMnng. 

Diese Form findet eich nicht btos in der Haut selbst, sondern 
auch im Ünterhantgewebe und noch tiefer. Ich habe sie bei eiaem 
grossen Naevas (Fig. 235—237) der einen Geflichtsh&lfte von der 
Hant dnrch das Fett nnd die Muskeln bis unmittelbar aof dae 
Periost durcfagretren sehen. Die daran stossenden Scfaädelknochen, 
namentlich die Ala temporalie OBsis spbenoidis sab ganz blut- 
gesprenkelt aus, und die innere FIkche dieser Knochen, xumal 
in dem inneren Abschnitte der mittleren Scb&delgrabe, sowie die 
anstosseoden Theile der Dura mater liessen dieselben fleckigen, 
sehr dicht gelagerten Varicositäten erkennen, wie sie aassen ge- 
fuaden waren. Das Gehirn war frei. — Nur wenn die grosseren 
Yenen erheblich - mitbetheiligt sind, entstehen geschwulstartige 
Erhebungen der erkrankten Stellen über das Niveau der Nach- 
bartheilo; gewöhnlich ist es jedoch eine flache Form, die höchstens 
durch allerlei Wuchemngsprozesse der Oberhaut eine raube, un- 
ebene BeschafTenheit annimmt. 

Als Beispiel erwähne ich einen von ünger*) mitgetheilten 
Fall. Bei einem 7 monatlichen Einde war das Gesicht aufgedunsen 
und von varikösen Venen, die mit den Temporalvenen anastomo- 
sirten, durcheogen. Von diesen aus verbreitete sich eine dunkel- 
blaue, elastische, nicht pnlsirende Geschwulst über die Stirn, nnd 
bildete ein Mal, auf welchem ein dichtes GetUssnetz mit varikösen 
concentrischen Venen sichtbar war. Ein zweites Mal sass auf der 
rechten Wange und nmfasste das rechte Ohrläppchen und die 
Gegend des Zitzenfortsatzes. Ein drittes am Hinterkopf und 
Nacken sah wie ein viereckiges, aufgelockertes Polster aus; an 
jedein Winkel desselben lagen 4 „stnpend" ausgedehnte Venen, 
von welchen zn den in der Mitte befindlichen GefSssinseln Ver- 
zweigungen gingen. Zerstreut am Rumpf und den Extremitäten 
waren ausserdem zahllose, hin nnd wieder durch Venenzweige 
verbundene Maler, einzelne sogar auf der FuBSSohle, jedoch kleiner, 
Stern- oder punktförmig. Das Kind starb plötzlich an Laryngitis. 
Bei der Autopsie fand sich, daas fiberall zahllose Verästelungeo 
und -AnastomoseD von Venen vorhanden waren. — Scarpa") 
exstirpirte eine variköse Blutgescbwulst der Oberlippe bei einem 
jungen Edelmanne, der mit einem lividen, etwas prominenten 



*) K. Duger. Bmüige tat Klioik der Chirurgie. Leipi. 1SS8. n. L 
8. 116. 

*■) Soarpa. Gu. des bOp. 1862. No.50. p.l99. 



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Verlauf der einfachen Angiome. 419 

Fleek zur Welt gekommen war. Nach 20 Jahren hatte die Stelle 
die Grösse eines starken Hühnereies erreicht, sah violett schwärz- 
lieh ans, war unschmershaft und hatte an zwei Stellen Pnlsation, 
während sie sich im Debrigen wie ein CoDTOlut variköser Venen 
anfQhlte. Sie sass in der Dicke der Lippe; die Schleimhant war 
onr dnrch ein Koötchen aufgehoben. Bei angestrengten Bewe- 
gungen und heim Kanen schwoll sie stärker an. Zugleich zeigte 
die linke Seite des Ganmene, des Rachens und der Nase eine 
dunkle Farbe, war mit Varikosen Geissen übersäet und stellen- 
weise mit harten Knoten besetzt. Bei der fixstirpation spritzten 
zwei Arterien. Es ergab sieb, dass sie aas einem Baufen meist 
venOser, zusammengedrehter und durch zartes Zellgewebe ver- 
bandeoer Gef&sse bestand. — 

Sowohl das venöse (variköse), als das einfache Ängiom ist 
meiat angeboren oder kurz nach der Geburt entstanden. Aber 
äusseret selten ist es in dem umfange angeboren, in dem es 
nachher vorkommt Gewöhnlich findet man zuerst nur einzelne 
erweiterte Ge^se oder kleine, sehr begrenzte, rothe oder bläu- 
licfae Punkte, die sich dann otl sehr schnell ausbreiten und die 
mehr und mehr im Laufe des Lebens fortschreiten. So berichtet 
Uoger*) von einem Naevns, der bereits nach der Geburt am 
Hinterhaupt bemerkt war; derselbe war bei dem öjlbrigen Mädchen 
schon so ausgebreitet, dass er über die Schulter bis zur Achsel- 
höhle reichte. Man sah ein Yenengeflecht in Form eines Corpus 
pampiniforme und Mhlte auch in der Tiefe Knoten und Strenge, 
jedoch keine Pnlsation. (Durch Gompression unter Anwendung 
von Schwefelsäure- Waschungen, später Phosphor-Einreibungen ge- 
lang die völlige Heilung). 

Allerdings schreiten diese Formen meistentbeils nicht nnge- 
messen fort; ja es ist eine nicht geringe Zahl gut beobachteter 
Fälle vorhanden, wo man einen spontanen Rückgang der- 
selben gesehen hat, wo sie allmählich kleiner and kleiner wurden, 
und wo endlieh mit einer gewissen Atrophie der Stelle das Ganze 
verschwand. Nach Depaul") hat ein Drittheil der Kinder, 
welche in der Gliniqne d^accouchement zu Paris geboren werden, 



") DnKer a. a. 0. S. 135. 
") Labonlbeoe L c. p. St. 



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420 FOnfaodziTftDzigste VorlesoDg. 

venOBe Naevi, aber die Mehrzahl derselben verBchwindet m den 
ersten Tagen oder Monaten des Lebens. Aach in späterer Zeit 
geschieht das Nehmliche *), ähnlich wie bei cavernOsea AngiomeD. 
Diese Thatsache ist seit alter Zeit bekannt, und znm Tbeil stütit 
sieh die Lehre von den sympathetiBchrai Koren darauf. leli 
erinnere oamentlich an den Gebrauch, Speichel, warmes Blut, 
namentlich menBtrnales oder plaeentareB, auf sie einzureiben, 
oder die Hand eines Todten anzulegen **). Das einfache Exapek- 
tiren würde wahrseheiaUch dasselbe Ergebnies liefern. Schwäche- 
znstände scheinen, wie bei den cavemOsen Angiomen, die Rück- 
bildung sehr zu begünstigen. Birkett***) sah ein 10 Monate 
altes Kind, welches mit einem Pnrpurmal an der Schulter geiwreo 
war: dieses hatte sich so ausgedehnt, dass bst der ganze rechte 
Oberarm tief purpurroth aussah; die Veränderung griff Über die 
Schulter bis znr Brust berflber. An einzelnen Stellen war die 
Epidermis erodirt und hie und da bestand ein Anschein von Ver- 
Bchwärung. Eine Behandlung mit Bleiessig und Dnickverband 
hatte wenig Wirkung. Das Kind wurde nun von den Maaern und 
darnach vom Stickhusten befallen und kam auf das AensBerste 
herunter. Während dieser Zeit, wo die Mutter nur etwas milde 
Salbe und ein weisses Pulver, das ihr von einer alten Frau ge> 
geben war, anwandte, hatte sich das ganze Mal in eine trüb- 
weisse, narbenartige Masse verwandelt. In ganz ähnlicher Weise 
ging der Prozess bei einem anderen, von Hacon beobachteten 
Kinde zurück, welches an der Seite und der unteren Hälfte des 
Gesichts und an einem Theile des Nackens einen grossen sub- 
cutanen NaevuB hatte; während einer schweren Bronchitis heilte 
derselbe vollständig. — Manche künstliche Heilungen, namentlich 
die dnrch anhaltende CompresBioo herlieigef&brten, eigeben ähn- 
liche Resultate. 

Das histologische Detail dieser Vorgänge ist noch nicht be- 
kannt. Indess scheinen gewisse Verschiedenbeitea je nach der 
nrsprÜDglichen Zusammensetzung der Geschwulst zn bestehen. So 

*) Helfft. Prenu. VereioBiei