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Full text of "Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, im auftrage des Provinzialverbandes"

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HARVARD COLLEGE 
LIBRARY 




FROM THE BEQUBST OF 

CHARLES SUMNER 

CLASS OP 1830 

Senaicf jnm Massadtusetts 

FOR BOOKS BELAUNG TO 
FOUnCS AND HNB ABTS 



From the 



Fine Arts Library 

Fogg Art Museum 
Harvard University 




f/2P 




DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER 



RHEINPROVINZ 



2{*» 



DIE 



KUNSTDENK MÄLP:R 



DER 



RHEINPROVINZ 



IM AUFTRAGE DES PROVINZIALVERBANDES 



HERAUSGEGEBEN 
VON 

PAUL CLEMEN 



DRITl KR BAND 



i. 



DIE KUNSTDENKMÄLER DER STADT UND DES KREISES 

DÜSSELDORF 



^ 



DÜSSELDORF 
DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1894 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER STADT Uyn DES KREISES 



DÜSSRLDORl 



IM AUFTRAGE 



DES PROVINZIALVERBANDES DER RHEINPROVINZ 



HERAUSGEGEBEN 
VON 

PAUL CLRMh:N 



MIT 8 TAFELN UND 77 ABBILDUNGEN IM TEXT 



^ 



DUSSELDORF 

DRÜCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1894 



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ALLE RECHTE VORBEHALTEN 



VORBEMERKUNG. 

^^it der Beschreibung der Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düssel- 
dorf 'weiid.et sich die Denkmälerstatistik einem Boden zu, der das bevorzugte Arbeits- 
feld zvreier verdienter lokalhistorischer Vereine, des älteren Bergischen und des 
jüngeren Düsseldorfer Geschichtsvereines bildet. Waren die Denkmäler der Stadt 
Düsseldorf schon seit geraumer Zeit bekannt und beachtet, so blieben die monumen- 
talen Urkunden der reichen Geschichte des Landkreises auf dem Gebiete der kirch- 
lichen und der profanen Baukunst fast vergessen. Das vorliegende Heft sucht diese 
Lücken auszufüllen und die gesamte Kunstthätigkeit gleichmässig zu würdigen. Da 
das Programm der Denkmälerstatistik die Beschreibung der Kunstwerke des i9. Jahr- 
hunderts ausschliesst, so hat die Entwickelung der modernen Düsseldorfer Kunst natur- 
gemäss unberücksichtigt bleiben müssen. 

In erster Linie ist der Verfasser dem Düsseldorfer Geschichtsverein zu Danke 
verpflichtet, insbesondere dessen Vorsitzendem, dem Herrn Professor Dr. Karl Bone, 
und Herrn Heinrich Ferber, der seine ausgedehnten Kenntnisse mit rühmenswerter 
Liberalität in den Dienst des Unternehmens stellte und die Revision der ersten, die 
Stadt Düsseldorf betreffenden Bogen übernahm. Die Vorarbeiten wurden in der 
zu vorkommend sten Weise gefördert durch den Königlichen Landrat des Kreises 
Düsseldorf, Herrn Geheimen Regierungsrat von Kühlwetter, und den Oberbürger- 
meister der Stadt Düsseldorf, Herrn Geheimen Regierungsrat Lindemann. Der Be- 
arbeiter erfreute sich, wie schon so oft bisher, der liebenswürdigen Unterstützung und 
des Rates der Beamten des Geheimen Staatsarchives zu Düsseldorf, des Herrn Staats- 
archivars Geheimen Archivrates Dr. Harless, des hervorragendsten Kenners der Ber- 
gischen Geschichte, und des Herrn Archivassistenten Dr. Redlich. Die Vollständig- 
keit in der Zusammenstellung des historischen Materiales ist dem Entgegenkommen der 
Herren Peter Goering, Wilhelm Grevel und Max Pflaum in Düsseldorf zu 
danken, diG ihre reichen Privatbibliotheken bereitwilligst zur Verfügung stellten. 

Ausfuhrliche Mitteilungen über Ratingen verdankt der Verfasser dem Herrn 
Assessor Dr. H. Eschbach in Düsseldorf, den Herren Professor Oeder, Werner 
Dahl, Philipp Braun, Oskar Rautert in Düsseldorf wertvolle Zusammenstellungen 
über ihre Sammlungen; der Abschnitt über das Gewerbemuseum wurde von dem 
Direktor des Centralgewerbevereins für Rheinland und Westfalen, Herrn Frauberger, 
verfasst. Weiterhin ist der Unterzeichnete zum Dank verpflichtet Sr. Durchlaucht dem 



VI VORBEMERKUNG 

Fürsten Alfred von Hatzfeldt in Wien, dem Herrn Reichsgrafen Franz von Spee 
zu Heitorf, dem Herrn Reichsfreiherrn Leopold von Fürstenberg zu Hugenpoet, 
dem Herrn Reichsfreiherm Ignaz von Landsberg -Velen in Steinfurt, den Herren 
Beigeordneten Bürgermeister Beckers, Hofjuwelier Bloos, Kupferstecher Heitland, 
Architekt C. Pickel in Düsseldorf, Herrn Professor August Rincklake in Berlin, 
Herrn Domkapitular Schnütgen in Köln, Herrn Geheimen Regierungs- und Baurat 
Hasenjäger in Düsseldorf, Herrn Amtsgerichtsrat Strauven in Neuss, den Herren 
Rittergutsbesitzern Lantz in Lohaiisen, Pönsgen in Garath, Frau E. Pflaum, geb. 
Fahne, auf der Fahnenburg, dem herzoglich von Arenbergschen Rentmeister, Herrn 
Oberfr)rster Brück in Mickein, dem fürstlich von Hatzfeldtschen Rentmeister, Herrn 
Jansen in Kalkum, Herrn Dechanten Frank in Wittlaer, den Herren Pfarrern 
Crem er und Nottebaum in Düsseldorf, Dauzenberg und Fliedner in Kaiserswerth, 
Eitel in Mintard, Eschbach in Ratingen, Dr. Heinrichs in Bilk, Schlecht in 
Gerresheim, Herrn Hauptlehrer Hermanns und Herrn Hofgärtner Wesener in Ben- 
rath, Herrn Lehrer Otto Schell in Elberfeld. 

Die Abbildungen Nr. i, 3, 6, 9, i5, i6, 22, 24 — 26, 29, 33, 3S, 39, 41 — 43, 45, 
46, 48 — 5i, 55, 57, 58, 61 — 7i, 74, 76 sind nach Zeichnungen des Herrn Architekten 
Friedrich Pützer in Aachen angefertigt, Nr. 2 7, 28 nach Zeichnungen des Herm 
Landesbauinspektors Arntz in Köln, Nr. 34 — 37, 72 nach von Herm Baumeister 
Heinrich Wiethase in Köln (t), Nr. 59, 60 nach von Herm Professor August Rinck- 
lake in Berlin, Nr. 73 nach von Herm Architekten G. A. Fischer in Barmen, Nr. 7 
nach von Herm Architekten L. Becker in Mainz, Nr. 3i nach von Herm Hofgärtner 
Wesener in Benrath gütigst zur Verfügung gestellten Aufnahmen, Nr. 10 nach einer 
Zeichnung des Herm Notar Strauven (f), Nr. 12 nach einer Zeichnung des Herm 
Malers Grot -Johann (t), Nr. 8, 11, i7, 121 nach Aufnahmen des Photographen 
Schoenen in Düsseldorf, Nr. 3o nach einer Aufnahme des Photographen Kratz in 
Benrath, Nr. 4, 5, i3. i4, 32, 77 nach Aufnahmen des Verfassers, Nr. 52 — 54 und Tafel 
I — HI, V — Vin nach photographischen Aufnahmen der Kunstanstalt von B. Kühlen 
in ]\L-Gladbach. Die Karte hat Herr Landmesser Heinr. Künkler zu Bonn angefertigt 

Die Stadtverordnetenversammlung zu Düsseldorf imd der Kreisausschuss des 
Landkreises Düsseldorf haben mit Rücksicht auf den dauernden und vielseitigen Nutzen 
der Denkmälerstatistik namhafte Beträge zu den Kosten des vorliegenden Heftes 
bewilligt. 

Bonn, im April i894. 

PAUL CLEMEN. 



EINLEITUNG. 



Der Kreis Düsseldorf umfasst das östliche Uferland des Rheines von der 
Krümmung des Stromes bei Benrath an bis zum Laufe der Ruhr; seine Grenzen 
bilden im Norden der Kreis Essen, im Osten der Kreis Mettmann, im Süden der 
Kreis Solingen, gegenüber, auf dem linken Rheinufer, liegen die Kreise Krefeld und 
Neuss. Er umfasst, ausser der Stadt Düsseldorf, die mit 1 44 642 Einwohnern (i89o) 
unter selbständiger Verwaltung steht, die Städte Angermund, Gerresheim, Hilden, Kaisers- 
werth und Ratingen nebst 29 Landgemeinden und hat eine Einwohnerzahl (i89o) von 
6595o Seelen. 

Das von Buschwald und Sümpfen bedeckte, von mehreren Rheinarmen durch- 
schnittene Uferland mit den ostwärts sich aufbauenden Berghöhen befand sich am 
Beginn imserer Zeitrechnung im Besitz der Sigambrer, darnach wurde es von den 
Tenkterem eingenommen. Die enge Verbindung des rechtsrheinischen Landstreifens 
mit dem Römergebiete auf dem linken Stromufer bezeugt eine Fülle von Einzel- 
funden, "besonders die ausserordentlich grosse Zahl von Schalen aus terra sigillata; 
ein weitverzweigtes Strassennetz beweist schon für die ersten Jahrhunderte die inten- 
sive Kultur. Nachdem vom Ende des 3. Jahrhunderts ab die Römer über den Rhein 
zurückgedrängt waren, wird der Fluss wiederum die Grenze des unteren Germaniens. 
Jetzt häufen sich die Zeugnisse für die germanischen Ansiedelungen, umfangreiche 
Wallburgen und verstreute Gräberfelder, deren grösstes vom Kaiserhain über die Golz- 
heimer Haide hin sich erstreckte. 

Unter den Franken gehörte das Gebiet unseres Kreises zum Herzogtume Ri- 
puarien und bildete den grössten Teil des Keldagaues. Schon im 7. Jahrhundert 
wurde die Bekehrung der eingesessenen Franken zum Christentum unternommen 
durch den h. Suitbertus, der auf der Rheininsel, die später nach Friedrich Barbarossa 
Kaiserswerth getauft ward, das erste Kloster errichtete. Die sämtlichen Pfarren des ^ 

Bezirkes gehörten zum Neusser Dekanat, von dem erst Erzbischof Ferdinand (1612 
bis i65o) das Düsseldorfer Dekanat abtrennte. Am Ausgang des 10. Jahrhunderts 
steht der Keldagau wie der nördliche Ruhrgau unter den zu Aachen residierenden 
lothringischen Pfalzgrafen. Gegen das Ende des 12. Jahrhunderts treten dann an die 
Stdie der rheinischen Pfalzgrafen die Grafen vom Berge, die unterdessen im benach- 
barten Deutzer Gau als das kräftigste Edelgeschlecht des rheinischen Berglandes 
emporgekonunen waren. Um diese Zeit erscheint zum ersten Male, in einer Urkunde 
des Jahres 1 1 59, der Name des kleinen Ortes an der Mündung der Dassel, der später 
die Hauptstadt des Landes wurde: Düsseldorf. 

1 



i*« 



4 filKLElTUNG 

Der Zeitabschnitt vom Jahre looo bis zur Mitte des i3. Jahrhunderts bedeutet 
für den ehemaligen Keldagau eine hohe Blüteperiode des romanischen Kirchenbaues. 
Eine ganze Fülle kleiner, dreischiffiger, im Schema ziemlich eng verwandter Kirchen, 
zum grossen Teil von Kaiserswerth aus gegründet und von dessen Kirche auch bau- 
geschichtlich abhängend, wurde erricJitf^t. So liegen rund um Düsseldorf Bilk, Kalkum, 
Wittlaer, Mündelheim, Itter, Himmelgeist, Benrath, Hubbelrath, Erkrath und endlich 
die drei stattlicheren Bauten des Kreises, die Kirche von Hilden, der Ostchor von 
Kaiserswerth, und die Stiftskirche zu Gerresheim. Dieser langen Reihe entsprechen 
unter der Herrschaft der Gothik nur zwei Bauwerke, die Stiftskirche zu Düsseldorf 
und die Pfarrkirche zu Ratingen. 

Den Versuchen des mächtig aufstrebenden Kölner Erzstifts, die benachbarten 
Grafen und Herren in völliger Abhängigkeit zu ersticken, setzte erst die Schlacht bei 
Worringen im Jahre 1288 ein Ziel. Hier entschied das rechtzeitige Eingreifen des 
Grafen Adolph V. von dem Berge, der mit den Kölner Bürgern gemeinsam mit dem 
Herzog von Brabant und den Grafen von Jülich und Mark gegen den Erzbischof 
von Köln stritt, den Kampf. Der Sieg war zugleich der Anlass für das Aufblühen 
Düsseldorfs. Der Wunsch des Grafen, dem bergischen Hinterlande einen unmittel- 
baren Anschluss an den Rheinhandel zu schaffen, war bisher an dem Widerstände 
des Erzbischofs und der Kölner Kaufmannschaft gescheitert Jetzt benutzte Graf 
Adolph den günstigen Moment: noch im selben Jahre erhob er Düsseldorf unter Er- 
teilung schwerwiegender Privilegien zur Stadt. 

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte kam die Grafschaft Berg — im Jahre i348 — 
an das Herrscherhaus von Jülich, unter Herzog Adolph erfolgte endlich im Jahre i423 
die politische Vereinigung des Herzogtums Jülich mit Berg, die von da an bis 1801 
bestanden hat; Herzog Wilhelm HI. fügte für seinen Sohn noch Ravensberg, Kleve 
und Mark hinzu, so dass vom Jahre i52i die sämtlichen niederrheinischen Territorien 
mit Ausnahme von Geldern unter dem Scepter der ehemaligen Herren vom Bei^e 
vereinigt waren. 

Während über die Dynastie selbst das schwere Schicksal der vollständigen Ent- 
artung hereinbrach und der Geist ihrer beiden letzten Sprossen, der Herzöge Wil- 
helm des Reichen und Johann Wilhelm des Guten im Wahnsinn erlosch, blühte die 
Stadt Düsseldorf, die i5ii zur Landeshauptstadt geworden war, rasch auf. Die neue 
bauliche Entwicklung schloss sich den Formen der niederrheinischen Renaissance an, 
die in dem Ausbau des Schlosses und des Rathauses ihren Höhepunkt fand. Und 
während sich schon am politischen Himmel des Herzogtums die Gewitter zusammen- 
ballten, die Leiche des Jungherzoges in Rom moderte, der schwache Herzog haltlos 
zwischen politischen und religiösen Extremen hin und herschwankte, wurde die Hoch- 
zeit zwischen der leidenschaftlichen und männlich starken Jakobe von Baden und dem 
schwachsinnigen Thronerben, dem Urenkel der wahnsinnigen Johanna von Kastilien, 
mit überschwänglicher Pracht in Scene gesetzt. Die Hochzeitsfeier von i58S, die 



EINLEITUNG 3 

kräftigste Lebensäussenmg des Renaissancegeistes in den niederrheinischen Städten, 
bot zugleich die letzte glänzende Repräsentation des bergischen Herzogshofes. Schon 
nach wenig Jahren begannen die Streitigkeiten und inneren Befehdungen; Jakobe 
von Baden endete im Kerker; und als endlich im Jahre 1 6o9 mit dem wahnsinnigen 
Herzog der Hauptstamm des herzoglichen Hauses elendiglich einging, zogen die 
Stüraie des Jülich -bayrischen Erbfolgekrieges über das Land hin. Brandenburg und 
Pfialz- Neuburg stritten sich um die Erbfolge; der Schwiegersohn der ältesten Tochter 
des Herzogs Wilhelm, der Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg, und der Ge- 
mahl der zweiten Tochter des Herzogs, der Pfalzgraf von Neuburg, beanspruchten das 
Land, der letztere für seinen Sohn Wolfgang Wilhelm. Spanisch -österreichische und 
holländisch -französische Truppen wurden zu Hilfe gerufen, und um dem unerträg- 
lichen Zustande der Brandschatzungen und Plünderungszüge ein Ende zu machen, 
einigten sich 1624 die beiden streitenden Parteien zu Düsseldorf dahin, dass der Kur- 
fürst Kleve, Mark und Ravensberg, der Pfalzgraf Jülich, Berg und Ravenstein be- 
halten sollte. 

Die ersehnte Ruhe kam aber damit noch nicht. Wolfgang Wilhelm, wiewohl 
er im dreissigjährigen Kriege neutral blieb, konnte es doch nicht verhindern, dass 
seine Länder abwechselnd von schwedischen, kaiserlichen und französischen Truppen 
durchzogen wurden. Weitere Konflikte brachte die Kirchenpolitik Wolfgang Wilhelms, 
der 161 5 zur katholischen Kirche Übei;getreten war und mit dem Eifer des Neu- 
bekehrten seine katholische Gesiimung zu bethätigen strebte. Holländische und bran- 
denburgische Truppen übten dafür an den Katholiken Repressalien und erst der Ver- 
trag von Kleve, der am i9. September 1666 geschlossen ward und die Teilungsfrage 
endgültig zwischen den beiden streitenden Parteien entschied, brachte eine kurze 
Periode des Friedens, die nur i689 und i7o2 noch einmal jäh unterbrochen wurde. 
Beide Male koncentrierte sich der Streit um Kaiserswerth, das i7o2 fast ganz zer- 
stört wurde. 

Der ehrgeizige Philipp Wilhelm, der durchaus in der europäischen Politik eine 
grosse Rolle spielen wollte, hatte keine Zeit gefunden, sich der Verschönerung seiner 
Hauptstadt zu widmen. Nachdem ihm die deutsche Kaiserkrone und die polnische 
Königskrone entgangen, suchte er den Glanz seines Hauses wenigstens durch Familien- 
verbindungen gleich den Habsburgem zu erhöhen : seine älteste Tochter ward deutsche 
Kaiserin, eine zweite Königin von Portugal, eine dritte Königin von Spanien. In 
seinem Sohne erst, dem Kurfürsten Johann Wilhelm, erstand der Landeshauptstadt ihr 
fürstlichster Schutzherr. Der Vater, einer der feinstgebildeten Fürsten des damaligen 
Deutschlands, der französische Courtoisie mit deutschem Ernst verband — so rühmt 
ihn in seinen Memoiren Clarendon — , hatte den Erbprinzen i679 eine Rundreise an 
den europäischen Fürstenhöfen machen lassen. Mit dem Besuche Ludwigs XIV. in 
St Germain begaim er, um von dort aus erst nach Italien und nach Wien zu gehen. 
Ludwig XIV. blieb sein Ideal. In seinem Auftreten den Ständen gegenüber, seiner 



4 EINLEITUNG 

Anschauung von dem Lande als unerschöpflicher und geduldiger Steuerquelle lag ein gut 
Teil französischer Absolutismus. Und wie der Roi Soleil trat Johann Wilhelm nicht nur 
als Förderer und Mäcen den Künsten gegenüber, sondern zugleich als ihr eigentlichstes 
Ziel und ihr Inhalt: ihr Zweck war Verherrlichung seiner Person und seines Hofes. 

Im Jahre i69o vollzog sich die Vereinigung von Jülich -Berg mit Kurpfalz, aber 
der neue Kurfürst verlegte die Hofhaltung nach Düsseldorf, wiewohl die nieder- 
rheinischen Gebiete nur ein Nebenland des Kurstaates waren. Wäre die -Finanzlage 
des Staates damals eine günstigere gewesen, und hätten die Stände die geforderten 
Millionen bewilligen können und bewilligen wollen, so würde Düsseldorf jetzt eine 
Stadt sein, die mit Dresden und Würzburg in die Schränken treten könnte. In der 
Neustadt sollte sich am Rheine ein Riesenschloss erheben, ein kleines Versailles, mit 
breiten Freitreppen nach dem Strome zu, — der in den grössten Dimensionen aus- 
geführte Originalplan, den heute das historische Museum der Stadt bewahrt, ist das 
einzige, was von dem glänzenden Projekte auf ims gekommen ist. 

Dafür baute der Kurfürst die alte Residenz aus, führte im Lande zierliche 
Schlösschen auf, und vergrösserte seine Residenz fast um das Doppelte. Ein ganzer 
Hofstaat von italienischen und niederländischen Künstlern umgab ihn. Wie schon 
sein Grossvater Wolfgang Wilhelm hatte er italienische Architekten an sich gezogen. 
Im Brennpunkt der Künstlerkolonie standen zwei niederländische Künstler, Gabriel 
von Grupello und Adrian van der Werff. Um sie scharten sich Johann Franz Douven, 
Antonio Pellegrini, Domenico Zanetti und andere. Die dankbare Stadt war im vollen 
Rechte, wenn sie ihrem Jan Willem auf dem Sockel zu seinem Reiterstandbilde, 
Grupellos Meisterwerke, die ehrenden Beinamen gab : Erweiterer der Stadt, Gründer der 
Pinakothek. Sein kostbarstes Vermächtnis freilich, eben die Gemäldegallerie, die erste 
grosse derartige Sammlung in Deutschland, die aus den von den Ständen bewilligten 
Mitteln zusammengebracht worden war, konnte der Stadt nicht erhalten bleiben: sie 
wanderte im Jahre 1806 nach München, wo sie jetzt den Kern und Grundstock der 
alten Pinakothek bildet. 

Die kurze Glanzzeit unter Johann Wilhelm fand mit seinem Tode im Jahre 1 7 16 
ein rasches Ende, sein Nachfolger, Karl Philipp, blieb in dem pfälzischen Stamm- 
lande und liess, was sich von den Schöpfungen der künstlerischen Hofgesellschaft 
entführen liess, von Düsseldorf nach Mannheim und Neuburg bringen, erst unter 
seinem Erben Karl Theodor erwachte die alte Pracht wieder. Im Jahre i746 hielt 
der Kurfürst unter glänzenden Festlichkeiten den Einzug in seine zweite Hauptstadt 
Unter der Verwaltung des Grafen Goltstein erlangte Düsseldorf in der dreissigjährigen 
Friedenszeit eine neue Blüte auf allen Gebieten der wirtschaftlichen und geistigen 
Kultur. Durch die Anlage der Karisstadt wurde die Stadt um ein Viertel vergrössert 
Grundlagen für den höheren gelehrten Unterricht boten die Errichtung einer Rechts- 
schule, einer anatomischen Lehranstalt, der Landesbibliothek; um Friedrich Heinrich 
Jacobi sammelte sich in Pempelfort ein erlesener litterarischer und philosophischer 



EINLEITUNG 5 

Kreis. Endlich schuf der Kurfürst neben der Bildergallerie die Anstalt, die heute den 
glänzendsten Ruhmestitel der Stadt bildet, die Kunstakademie. 

Am Ende des i8. Jahrhunderts beginnt dann wieder eine Periode voll kriege- 
rischer Unruhen, voll jäher Wechsel in Verwaltung und Herrschaft. Im Jahre i794 
waren die französischen Revolutionstruppen durch die Niederlande bis zum Rheine 
vorgedrungen, nach dem fürchterlichen Bombardement der Stadt in der Nacht vom 
5. zum 6. Oktober, das das Schloss imd einen grossen Teil der Stadt in Brand setzte, 
ergossen sich die Franzosen plündernd in das bergische Land. Erst nach sieben 
Jahren, im Mai 1801, nach dem Frieden von Luneville, verliessen sie das rechte Rhein- 
ufer. Unterdessen war die Regentschaft i799 nach dem Tode des kinderlosen Kur- 
fürsten an den Herzog Max Joseph von Pfalz - Birkenfeld - Zweibrücken übergegangen, 
der durch den Apanagialrecess vom Jahre i8o3 seinem Schwager, dem Herzoge Wil- 
helm von Bayern aus dem Hause Pfalz -Birkenfeld -Gelnhausen, die Statthalterschaft 
im Herzogtum Berg übertrug. Das Herzogtum musste aber schon am i5. März 1806 
an Napoleon abgetreten werden, der es noch am selben Tage dem Prinzen Joachim 
Murat überwies; am i5. Juli 1808 ging das neue Grossherzogtum Berg wieder an Frank- 
reich über und blieb in dessen Besitz, bis im November 1 8 1 3 die ersten Truppen der 
Verbündeten in Düsseldorf einzogen. Durch den Wiener Congress wurde das Gross- 
herzogtum Berg an Preussen abgetreten, am 22. April 1816 wurde der Regierungs- 
bezirk Düsseldorf gebildet und im Jahre 1 848 die Oberbürgermeisterei der Stadt von 
der Verwaltung des Kreises abgetrennt. 

Unter den preussischen Herrschern begann nun für Düsseldorf eine neue reiche 
Zeit Mit ungeahnter Raschheit wuchsen ganze Stadtviertel neu empor, seit der ein- 
engende Ringwall gefallen und Düsseldorf durch den genialen Gartenkünstler Weyhe 
zur schönsten Stadt am deutschen Rhein umgeschaffen worden war. Der neue Rhein- 
hafen, die letzte Grossthat des unternehmenden Bürgersinnes Düsseldorfs, knüpft direkt 
wieder an den Plan des Gründers der Stadt, des Grafen Adolph V. an. Als Sitz der 
rheinischen Provinzialverwaltung hat die Stadt einen Teil ihrer alten Machtstellung als 
politisches Centrum des Niederrheins wieder erlangt. Die Kunstakademie, die unter 
Rrahe und Langer nur ein Scheinleben geführt, wie der Klassicismus, den sie lehrte, 
schnellte mit Peter von Cornelius hoch empor und wurde für eine kurze Spanne Zeit 
bestimmend für das Schicksal und den Werdegang der deutschen Malerei. Seit jener 
Epoche haben die Düsseldorfer in dem Konzert der deutschen Kunst eine laute 
Stimme, die sich nach den weichen Melodien der letzten Jahrzehnte in gesunder 
Kraft eben wieder zum trotzigen Rufen anschickt. 

Der Kreis Düsseldorf zerfällt in zwei deutlich sich scheidende Teile, den nie- 
deren westlichen Uferstreifen, dessen Alluvialboden aus Lehm, Thon, Sand und Ge- 
rolle im fortwährend raschen Wechsel der Mischung besteht, und dem östlichen höheren 
Teil Hier besteht der Abhang aus Diluvium, das sich östlich von Ratingen weit aus- 
breitet, dazwischen tritt der den hinteren Gebirgsstock bildende Lenneschiefer, im Nord- 



6 EINLEITUNG 

Osten der Verneuili- Schiefer des Ober- Devon zu Taga In den Mulden der Ge- 
birgs -Ausladungen findet sich neben dem vielfach benutzten Kalkstein nesterförmig 
Brauneisenstein, in der Ebene auch Raseneisenstein. Auch in der Ausnutzung des 
Bau - Materiales scheidet sich Vorder- und Hinterland. Während in dem östlichen 
Teile wie in den Kreisen Essen und Mettmann der Kohlensandstein und Kalkstein 
das übliche Material darstellte, bediente sich das Niederland fast ausschliesslich, zumal 
in der Blütezeit des romanischen Stiles, der Tuffsteine, für deren Beschaffung der 
Rhein einen bequemen und billigen Beförderungsweg abgab. 



LITTERATUR. 

I. Zusammenfassende Darstellungen. W. Teschenm acher, Annales 
Cliviae, Juliae, Montium, Marcae, Westphalicae, Ravensbergae, Geldriae et Zutpha- 
niae, Frankfurt und Leipzig i72i. — Chronika der durchlauchtigen hochgeborenen 
Fürsten und Herren zu Gülich, Cleve und Berge, darinnen ihr herrlicher und hoch- 
rühmlicher Anfang, Herkunft und Ursprung zu befinden, durch M., o. J. — J. Th. 
Brosius, Juliae Montiumque comitum marchionum et ducum annales, 3 Bde., Köln 
i73i. — A. Borheck, Archiv für die Geschichte, Erdbeschreibung, Staatskunde und 
Altertümer der deutschen Nieder - Rheinlande, Elberfeld 1 800. — Ders., Bibliothek für 
die Geschichte des niederrheinischen Deutschlands, Köln 1801. — Ders., Geschichte 
der Länder Cleve, Mark, Jülich, Berg und Ravensberg, Duisburg 1800. — Th. J. J. 
Lenzen, Bey träge zur Statistik des Herzogthums Berg, 2 Hefte, D. 1802. — Joe. 
Schmidt, Geschichte und Geographie des Herzogtums Berg und seiner Herrschaften, 
Krefeld i8o4. — Die preussische Rheinprovinz in drei Perioden ihrer Verwaltung, 
Köln 181 7. — Benzenberg, Über Pro vinzial -Verfassung mit besonderer Rücksicht 
auf die vier Länder Jülich, Cleve, Berg und Mark, Hamm 18 19. — Neigebaur, Dar- 
stellung der provisorischen Verwaltungen am Rhein vom J. 18 13 — 181 9, Köln 182 1. 

— J. A. Demian, Geographisch - statistische Darstellung der deutschen Rheinlande 
nach dem Bestände vom i. August 1820, Koblenz 1820. — W. Ritz, Urkunden und 
Abhandlungen zur Geschichte des Niederrheins, Aachen 1824. — J. W. Brewer, 
Vaterländische Chronik der preussischen Rheinprovinzen, Köln 1825. — F. A. Diester- 
WEG, Beschreibung der Preussischen Rheinprovinzen, Krefeld 1829. — v. Restorff, 
Topographisch - statistische Beschreibung der Preussischen Rheinprovinz, Berlin i83o. 

— F. E. V. Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in 
den Rheinlanden, Köln i833 — 1844, 12 Hefte. — J. F. Knapp, Regenten- und Volks- 
geschichte der Länder Cleve, Mark, Jülich, Berg und Ravensberg von Karl dem 
Grossen bis auf die Vereinigung mit der preussischen Monarchie, 3 Bde., Krefeld 
i836. — V. ViEBAHN, Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf, 
Düsseldorf i836. — Montanus, Die Vorzeit der Länder Cleve, Mark, Berg und West- 
falen, 3 Bde., Solingen i837. Dasselbe in wissenschaftl. Umarbeitung von W. v. Wald- 

6 



EINLEITUNG 7 

BRÜHL u. MoNTANUS, Elberfeld i87i. — E. Heinel, Geschichte der Herzogtümer 
Cleve, Jülich und Berg bis zur Vereinigung mit dem Kurfürstentum Brandenburg, 
Berlin i84i. — E. Hölterhoff, Vaterlandskunde, zunächst für die Preussische Rhein- 
provinz, Solingen i84i. — P. W. Mebus, Geographisch -statistische Beschreibung der 
Kgl. Preuss. Rheinprovinz, Elberfeld i84i. — Ders., Statistische Beschreibung der Kgl. 
Preuss. Rheinprovinz, Köln i845. — v. Mülmann, Statistik des Regierungsbezirks 
Düsseldorf, 2 Bde., Iserlohn i864 — 1867. — Statistik des Kreises Düsseldorf für die 
Jahre i859 — 1861, D. i864. — Jos. Strange, Beiträge zur Genealogie der adligen 
Geschlechter, 3 Bde., Köln i864 — 1869. — Versuch einer Geschichte der Industrie 
und des Handels in den niederrheinisch -westfälischen Provinzen des vormaligen 
Grossherzogtums Berg: Vaterländische Blätter, den Bewohnern des Niederrheins ge- 
widmet I, 18 14, S. 9i, i87. — A. Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und 
Beigischen Geschlechter, 2 Bde., Köln i848. — Ders., Geschichte der Westfälischen 
Geschlechter, Köln i858. — Ders., Die Dynasten, Freiherren und jetzigen Grafen von 
Bocholtz, 4 Bde. in 6 Abteilungen, Köln i856 — 1863. — Ders., Forschungen auf dem 
Gebiete der Rheinischen und Westfälischen Geschichte, 5 Bde. in 8 Abteilungen, 
Köln i864 — 1876. — Ders., Denkmale und Ahnentafeln in Rheinland und Westfalen, 
Köln i876 — 1883, 6 Bde. — Ders., Chroniken und Urkimdenbücher hervorragender 
Geschlechter, Stifter und Klöster, -Köln 1862 — 1880, 5 Bde. 

J. WüLFFiNG, Beschreibung der Vornehmen Handels -Städte Bergischen Landes 
(i729): Berg. Zs. XIX, S. 11 4. — Briefe eines reisenden Franzosen über den gegen- 
wärtigen Zustand der österreichischen Niederlande, aus dem Französischen von P. A. 
WiNKOPP, Leipzig i785. — J.W. Spitz, Das malerische und romantische Rheinland, 
Dusseldorf i838. — W. Füssli, Die wichtigsten Städte am Mittel- und Niederrhein, 
2 Bde., Zürich i842. — Topographisches Rheinpanorama von Schaff hausen bis zur 
Nordsee, mit Einleitung von E. Düller, Frankfurt i845. — Edw. Müller, Die Rhein- 
reise von Düsseldorf bis Basel, Berlin i852. — J. W. Appel und A. Henninger, Der 
Rhein und die Rheinlande von Köln bis ans Meer, Darmstadt i855. — K. Simrock, Das 
malerische und romantische Rheinland, Bonn i865. — E. Diethoff, Vom Rhein, 
Bilder und Geschichten aus alter und neuer Zeit, Leipzig i87i. — G. v. Amyntor, 
Peter Quidams Rheinfahrt, Stuttgart i878. — A. v. Haeften, Überblick über die 
Niederrheinisch -Westfälische Territorialgeschichte bis zum Anfang des i5. Jh.: Berg. 
Zs. II, S. i; III, S. 224. — L. Driesen, Fünf Bücher niederrheinischer Geschichte, 
ni. Geschichte der Grafschaft Berg von den ältesten Zeiten bis i3oo: WestfcLl. Zs. 
XV, S. loS. — Karl Kunze, Die politische Stellung der niederrheinischen Fürsten in 
den J. i3i4 — 1334, Göttingen 1886. — v. Woringen, Historische Darstellung der 
Bildung des vormaligen Herzogtums Berg: v. Ledebur, Allg. Archiv XVII, S. 3oS. 

2. Römisch-germanische Urgeschichte. H. S. van Alpen, Das frän- 
kische Rheinufer was es war und was es jetzt ist, Köln 1802. — A. C. Minola, Kurze 
Darstellung dessen, was sich unter den Römern .... Merkwürdiges am Rheinstrom 



8 EINLEITUNG 

ereignete, Köln 1816. — M. F. Essellen, Zur Geschichte der Kriege zwischen den 
Römern und Deutschen, Hamm 1862. — Ders., Geschichte der Sigambrer, Leipzig 
1868. — Jacob Schneider, Neue Beiträge zur alten Geschichte und Geographie der 
Rheinlande, Düsseldorf 1860 — i89o, Heft i — 14. Insbesondere Heft VI, Lokalforschun- 
gen über die alten Denkmäler des Kreises Düsseldorf (zugleich Düsseldorfer G)rmnasial- 
progranun 1 874) und Heft XIV, die alten Grenzwehren im Kreise Düsseldorf (Abdruck 
aus Bd. V. der Beiträge zur Geschichte des Niederrheins). — Ders., Die alten Heer- 
und Handelswege der Germanen, Römer und Franken im Deutschen Reiche, Düssel- 
dorf 1882— i89o, Heft 1—9. 

3. Zur Territorialgeschichte. W. Herchenbach u. H. A. Reuland, Ge- 
schichte des Limburger Erbfolgestreites. Die Schlacht bei Worringen und die Erhe- 
bung Düsseldorfs zur Stadt, D. i883. — Fr. Blumberger, Alt Düsseldorf I. Die nieder- 
rhein. Fehde bis zur Erhebung Düsseldorfs zur Stadt: Jahresbericht des Stadt Real- 
gymnasiums i884. — W. Crecelius, Der Geldrische Erbfolgekrieg zwischen Kaiser 
Karl V. und Herzog Wilhelm von Jülich, Berg und Cleve: Berg. Zs. XXIII, S. So. — 
Ders., Letzte Tage des Erbherzogs Karl Friedrich von Jülich, Berg und Cleve: Berg. 
Zs. XXIII, S. 166. — Steph. Pighius, Hercules prodicius seu principis iuventutis vita 
et peregrinatio, Antwerpen i587. — Die güldene Rose, so Sixtus V. der Herzogin 
Jacobe von Baden 10. Mai i587 ... zu Düsseldorf präsentieren lassen, Köln i588. — 
P. Leonardson, Merkwürdiges Aktenstück zur Geschichte der Herzogin Jakobe von 
Jülich, Cleve, Berg: Aschebergs Niederrhein. Blätter für Belehrung und Unterhaltung I, 
1801, S. 629. — Jakobe von Baden: Niederrheinischer Volkskalender, Wesel 1S60. — 
C. Trog, Jakobe von Baden: Rhein. -Westfäl. Hauskalender 1886 und Niederrhein. 
Volkskalender 1886. — K. W. Bouterwek, Originalien zur Regierungsgeschichte der 
Herzogin Jakobe: Berg. Zs. III, S. 352. — Rettung der Ehre und Unschuld der Jacobe 
von Baden: Historisches Portefeuille I, 2. Stück, i782. — Th. v. Haupt, Jacobe von 
Baden, Coblenz 1820. — Felix Stieve, Zur Geschichte der Herzogin Jakobe von 
Jülich: Berg. Zs. XIII, S. i. — Karl Unkel, Jakobe, Herzogin von Jülich und der 
Jülicher Regimentsstreit: Ann. h. V. N. LIV, S. 96. — E. K. u. F. C, Original -Denk- 
würdigkeiten eines Zeitgenossen am Hofe Johann Wilhelms III., D. i834. — W. Cre- 
celius, Urkundl. Beiträge zur Krankheitsgeschichte der Herzöge Wilhelm und Johann 
Wilhelm von Jülich, Cleve und Berg: Berg. Zs. XXIII, S. i. — E. v. Schaumburg, 
Original - Denkwürdigkeiten eines Zeitgenossen am Hofe Johann Wilhelms III, D. i834. 
— Ders., Die Jugendjahre Johann Wilhelms: Berg. Zs. V, S. 327. — Ders., Johann 
Wilhelm : Berg. Zs. VIII, S. i . — J. Bodler, Lebens- und Sterbenslauf weiland des 
Durchleucht. Fürsten Philipp Wilhelm Pfalzgraf bei Rhein, Dillingen i69o.. — W. Cre- 
celius, Zur Geschichte des Kurfürsten Karl Theodor von der Pfalz: Berg. Zs. XXVII, 
S. io7. — Pakenius, Hercules prodicius seu Carolus J. C. M. princeps in Johanne 
Wilhelmo comitate palatino Rheni nepote post saeculum redivivus, Köln i679. — 
Palatinae virtutis imago morti erepta mundo reddita et symbolis inclusa dum principi 

8 



EINLEITUNG 9 

Joanni Wilhelrao parentaret Carolus Philippus a. 1 7 1 6. — Carl Theodor, Churfürst von 
Pfalz -Bayern, wie er war und wie es wahr ist, Sulzbach 1828. — Franz Carion, 
Karl Theodor und seine Zeit, histor. Roman, Leipzig i858. — J. M. N. du Munt, 
Auf die Ankunft S. Kurfürstl. Durchlaucht zu Pfalzbayem im Herzogtum Berg i785. 

— Fr. W. Wokbr, Aus den Papieren des kurpfälzischen Ministers Agostino Steffani, 
Bischofs von Spezia i7o5 — i7o9, Publikation der Görres-Gesellschaft, Köln i885, S. 6. 

— Die . . in einer . . Beleuchtung brennende Liebe und Ehrfurcht als unsre Sonn, 
die sich so lang schien zu verbergen . . . das ist: Als Carl Theodor . . mit Marie 
Elisabeth Augusta . . . durch höchst -deroselben den i5. Okt. i746 beglückte Ankunft 
Düsseldorff erfreueten, . . . aufgeführte Ehren -Pforten wie auch sonst an den Häusern 
der Stadt angebrachten Sinn -Bilderen und Beyschriften zum Truck gebracht, D. i747. 

— Denkmal auf die fünfzigjährige Regierung und Vermählung des Durchlauchtigsten 
Fürsten und Herrn, Herrn Carl Theodor, Pfalzgrafen etc. . . ., München i79S. — Be- 
schreibung Derer Fürstlicher Güligscher Hochzeit, so im Jahr iS85 . . . zu Düssel- 
dorff mit grossen Freuden Fürstlichen Triumph und Herrligkeit gehalten worden war, 
D. i585. — Theod. Graminaeus, Spiegel der Vergenglichkeit dem Durchl. Fürsten 
. . Johan Wilhelmen Herzogen . . . zugeschrieben, hochloblicher Christmilter gedacht- 
nus Irer F. G. lieben Hern Vatters absterben vnd begrabnus zu verehren, D. i792. — 
[Ad. vom Kamp], Beschribung der Begrebnus weilandt des Durchleuchtigsten . . . 
Fürsten Johan Wilhelm, Hertzogen zu Gülich, Cleve und Berg den 3o. Okt. 1628, 
D. 1628 (mit 44 Kupfern). — Apotheosis Leopoldi I. Caesaris .... Leich - Begäng- 
nuss, so Ihro Chur-Fürstl. Durchlaucht Johannes Wilhelmus Pfalzgraff bey Rhein . . 
in gröster Eiffer beflissnister Magnificentz und reinister Condolentz celebrirt, D. i7o5. 

— Die Helden der Republik und Bürger und Bauern am Niederrhein in den letzten 
Jahren des vorigen Jh., vom Verfasser der deutschen Kokarde, Elberfeld i85i. — 
Rudolf Goecke, Das Grossherzogtum Berg unter Joachim Murat, Napoleon I. und 
Louis Napoleon 1806 — i8i3, Köln i877. 

4. Rechts- und Verfassungsgeschichte. Ordnung und Revision des ge- 
richtlichen Processes . . . ., Köln i556, Revisionen von i556, i562, i565, 1606, i635, 
i696, die letzte unter dem Titel: Gülich- und Bergische Rechts-, Lehen-, Gerichts- 
schreiber-, Brüchten-, Policey- und Reformations - Ordnung . . ., Düsseldorf i75i. Vgl. 
über die verschiedenen Ausgaben v. Kampi'z, Provincialrechte HI, S. 1 1 5 ; de Ludolff, 
Observationes forenses II, obs. 285; v. Gramer, Wetzlarische Nebenstunden IV, p. 161. 
~ Melchior Voets, Historia iuris civilis Juliacensium et Montensium, Köln 166 7 
(unter dem Pseudonym: Julius de Monte), i683, Düsseldorf i 693, i7i4, i729, i762. 

— Ders., Tractatus de iure revolutionis ad lucem ordinationis iudiciariae , letzte 

Ausg., D. i743. — C. G. Kylmann, Dissertatio inauguralis exhibens quasdam diffe- 
rentias iuris Romani et statutarii Julio - Montani, Duisburg i7o9. — Fr. Voswinckel, 
Mferentiae iuris communis et statutarii Juliae et Montium, Köln i732. — [Petrus 
AB Streithagen], Catalogus scriptorum Juliacensium, Leiden i643. — J. Chr. Schütz 



lO . EINLEITUNG 

Tractatio de usufructu consuetudinario Julio - Montensi, D. i73i. — K. J. Wiebeking, 
Beiträge zur Kur -Pfalzischen Staaten -Geschichte vom J. i772 — 1792, vorzüglich in 
Rücksicht des Herzogtums Jülich und Berg, Heidelberg i793. — Widerholung aller 
derjenigen Edikten und General -Verordtnungen, welche wegen der in beyden Herzog- 
thumben Gülich und Berg üblichen Steuer - Collectationen und darin einschlagender 
Materien vor und nach aussgegangen seynd, D. i7i5. — Fr. Alef, Dissert. de iuribus 
et praerogativis ducatuum Juliae et Montium, Heidelberg i7Sl (auch in seinen opus- 
culis p. 7773). — GoswiN Joseph de Buiningk, Tentamen historicum de ordinatio- 
nibus provincialibus Juliacensibus, Montensibus . . . ., Duisburg i794. — G. J. v. Knapp, 
Beiträge zur Jülich- und Bergischen Landesgeschichte oder Anleitung zur Kenntnis 
der Jülich- und Bergischen Lehne, i79i. — Fr. G. Schleicher, Abhandlung vom 
Ursprung und Eigenschaft der Gülich- und Bergischen Lehne, Elberfeld 1800. — 
C. A. Rennen, Bemerkungen Über das Bergische Landrecht, Düsseldorf i8o3. — 
Christian Sommer, Practischer Commentar über die Jülich -Bergische Rechts -Ord- 
nung mit Verbesserungsvorschlägen, Köln i8o4, L — J. J. Scotti, Sammlung der Ge- 
setze und Verordnungen in Jülich, Cleve und Berg von i475 — i8i5, 4 Teile, D. 1821 
bis 1822. — Theodor Corner, Abhandlung über den vorzüglichen Unterschied 
zwischen den ehemaligen Landesrechten .... von Köln, Jülich und Berg, Köln 1826. 

Decret imperial sur la conscription territoriale du grand-duche de Berg, D. i8o9. 

— Bulletin des lois du grand duche de Berg, Düsseldorf 18 10, 4 Bde. (dasselbe mit 
deutscher Übersetzung 6 Theile). — Bulletin des Grossherzogthums Berg, 18 10 — 1812. 

— Bornemann u. v. Daniel, Sammlung der für die Kgl. Preuss. Rheinprovinz ver- 
kündigten Gesetze und Verordnungen und Regierungsbeschlüsse aus der Zeit der 
französischen Oberherrschaft, 3 Theile. — Bergische Gesetzbulletins I — VIII, 5 Theüe. 

— Code Napoleon, Bergische Ausgabe, Düsseldorf 18 10. — Recueil des actes du 
gouvernement du grand duche de Berg, 1806 — i8o7, i. Theil. — Sammlung Gross- 
herzoglich Bergischer Verordnungen. — Grossherzogtum Berg, Gesetze, welche dem 
3. Nov. i8o9 vorhergehen. — v. Kamptz, Die Provincial- und statutarischen Rechte 
in der Preussischen Monarchie, Berlin 1828, III, S. ii4. — H. Altgelt, Sammlung 
der gesetzlichen Bestimmungen etc. des Elementar -Schulwesens im Regierungsbezirk 
Düsseldorf nebst historischer Einleitung über die Verwaltung des öffentlichen Unter- 
richts von i794 — i84o, D. l84i. — J. W. Beviter, Sammlung der bei den Gülich- und 
Bergischen Dikasterien entschiedenen Rechtsßille, merkwürdigen Edikte und Normal- 
verordnungen, 7 Bde., D. 1 796— 1 855. — A. Joesten, Sammlung der für den Regie- 
rungsbezirk Düsseldorf gültigen Polizeigesetze und Verordnungen, D. i844. — G. von 
Below, Die landständische Verfassung in Jülich und Berg bis zum J. i5ii: Berg. Zs. 
XXI, S. i73; XXII, S. i. — Ders., Geschichte der direkten Staatssteuem in Jülich 
und Berg bis zum geldrischen Erbfolgekriege: Berg. Zs. XXVI, S. i; XXVIII, S. i. — 
A. KoERNiCKE, Entstehung und Entwickelung der Bergischen Amtsverfassung bis zur 
Mitte des i4. Jh., Bonn i892. — Die älteren Drucke von bergischen Rechtsordnungen 

10 



EINLEITUNG I I 

u. a. aufgeführt bei L. Merländer, Buchdruck und Buchhandel in Düsseldorf: Ge- 
schichte der Stadt Düsseldorf 1888, S. 32 1 ; Beiträge zur Geschichte des Niederrheins IV, 
S. 5i; ausserdem im Katalog der Ausstellung zur Feier des 600jährigen Bestehens 
Düsseldorfs als Stadt, D. 1888, S. 44. 

Im übrigen zu vergleichen die Litteraturverzeichnisse zu Düsseldorf, Ratingen, 
Gerresheim, Kaiserswerth und zu den Kunstdenkmälem des Kreises Essen. 



ABKÜRZUNGEN 

für die häufiger genannten Werke. 

Lacombkt, ÜB. — Th. J. Lacomblet, Urkundenbuch fUr die Geschichte des Niederrheins, Düssel- 
dorf 1840—1857, 4 Bde. 

Binterim tl Mooren, E. K. — Binterim u. Mooren, Die alte und neae Erzdiöcese Köln, in Dekanate 
eingeteilt, Mainz 1828—1880, 2 Bde. Die 2. Aufl. unter dem Titel: Die Erzdiöcese Köln bis 
zur französischen Staatsumwälzung, bearbeitet von Alb. Mooren, I, Düsseldorf 1802. 

Binterim n. Mooren, D. C — Binterim u. Mooren, Rheinisch - westfälischer diplomatischer Codex 
Mainz 1830, 2 Bde. 

Ucomblet, Archiv. — Archiv für die Geschichte des Niederrheins I (18B2), II (1857), III (1860), 
IV (1868), V (1865), herausgegeben von Lacomblet, NF. I (1868), II (1870), herausgegeben 
von Harless. 

ß.J. —Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, I (1841)— XCIV (1898). 

Ann. h. V. N. — Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, I (1855)— LV (1892). 

Berg. Zs. — Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, I (1868)— XXVIII (1892). 

WeslfäL Zs. — [Westßllische] Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, 
I (1838)— LI (1893). 

Picks Ms. — Monatsschrift für rheinisch-westfalische Geschichtsforschung und Altertumskunde, heraus- 
gegeben von Richard Pick, I u. II (1875, 76). — Monatsschrift für die Geschichte Westdeutsch- 
lands, herausgegeben von dems., III (1877)— VII (1881). 

Wd. Zs. — Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst, herausgegeben von Ilettner und 
Lamprecht, I (1882)— X (1891), von Hettner u. Hansen, XI— XII (1898). 

Nrh. — Der Niederrhein. Wochenblatt für niederrheinische Geschichte und Altertumskunde, 1878, 
1879,' 1884— 1886. 

Nrh G. — Niederrheinischer Geschichtsfreund, I (1879)— VI (1884). 

Aiu'm Weerth, Kd. — £. aus'm Weerth, Kunstdenkmäler des christlichen Mittelalters in den Rhein- 
landen, Leipzig 1857—1868, 5 Bde. Tafeln und Text. 

Brambach, C. l. R. — W. Brambach, Corpus inscriptionem Rhenanarum, Elberfeld 1867. 

DOss. Mon. — Monatsschrift des Vereins für die Geschichte ^ und Altertumskunde von Düsseldorf 
und Umgegend, 1881, vgl. S. 17. 

Döst. Zs. — Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsvereins 1882-1888, vgl. S. 17. 

Dflss. Beitr. — Beilräg^e zur Geschichte des Niederrheins, Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichts- 
vereins I (1886)— VII (1898). 



wriv. 



STADT DUSSELDORF 




■j LiBbcrluikiichc. 



DÜSSELDORF. 

I. Quellen. 

I. Allgemeine Darstellungen. M. Merian, Topographia Westphaliae i6So, 
p. II. — J. WOlffing, Beschreibung der Vornehmen Handels-Stadte Bergischen j 
Laodes (i7a9): Berg. Zs. XIX, S. Il4, uo, i32. — J. Th. Brosius, Juliae Montiuraque 
comitum annales, 3 Bde., Köln i73i, p. U ff. — Geographisch -statistische Beschrei- 
bung der Stadt Düsseldorf: Weddigens Neues fortgesetztes Westpha lisch es Magazin I, 
i798, S. 3o. — M. J. Mertens, Geschichtliche Nachrichten über Düsseldorf bis zum 
Ende des i5. Jh., bei L. G. A. Martin, Wegweiser Düsseldorfs, i8i7, S. 64. — C. H. 
A. MiNDEL, Wegweiser Düsseldorfs oder Grundlage zur geographisch - statistisch - topo- 
graphisch-historischen Darstellung von Düsseldorf nach seinen früheren und derzeitigen 
Verhallnissen, D. i8i7. — J. F. Wilhelmi, Panorama von Düsseldorf und seinen Um- 
gebungen, D, i8i8. — Die Stadt Düsseldorf: Allgemeine Unterhaltungsblatter, Münster 
i8i9, S, io3, 3a9, 39i, 4ii. — Düsseldorf: Rheinisches Pfennig-Magazin von J. A. 
Becher, I, i83S, S. iS7. — Düsseldorf mit seinen Umgebungen, ein Wegweiser für 
Fremde und Einheimische, D. l84o. — J. W. Spitz, Wanderungen durch Düsseldorf 
und Ausflüge, D. i84o. — F. J. Kiefer, Nouvelle description de Dusseldorf et de 

i5 



l6 KREIS DÜSSELDORF 

Quellen SOS cnvifons, D. i84i. — W. FüssLi, Die wichtigsten Städte am Mittel- und Nieder- 
rhein, Leipzig i846, S. 543. — Carl Buchholz, Humoristische Reise -Skizzen eines 
wandernden Typographen, gesammelt auf einer Reise von Düsseldorf nach Weimar, 
Siegen 1862. — E. v. Schaümbürg, Historische Wanderung durch Düsseldorf, D. 1866. 

— W. Herchekbach, Fremdenführer für Düsseldorf und Umgebung, D. i869. — 
A. Hofacker, Führer durch Düsseldorf und Umgebung, D. i877. — Illustrierter Führer 
durch Düsseldorf und seine Umgebung, D. i878. — Hofacker, Stadtplan und Führer 
durch die Stadt Düsseldorf, D. 1881. — Fr. Blumberger, Alt- Düsseldorf. Die 
niederrheinische Fehde bis zur Erhebung Düsseldorfs zur Stadt. Jakobe von Baden. 
Beilage zum Jahresbericht des Stadt. Realgymnasiums zu Düsseldorf i883 u. i884. — 
Spaziergänge und Ausflüge in die nächste Umgebung von Düsseldorf, D. i889. — 
Freiherr JuL. v. d. Hart, Blätter aus Düsseldorfs Geschichte, D. i889. — H. Ferber, 
Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf I. u. II, D. i89o. — Karl 
Boxe, Düsseldorf und seine Umgebungen, Zürich i89o. — Karl Kollbach, Bilder 
vom Rhein, Köln i892, S. 379 mit Abb. — K. v. Angermund, Wanderungen in die 
Umgebung Düsseldorfs (Separatabdruck aus der Düsseid. Bürger -Zeitung), D. i892. — 

Ältere Reise- Chr. Riegel, Ausführliche und gründliche Beschreibung des ganzen Rheinstromes 
mit Karte und Kupfern, Nürnberg i69o. — Malerische Reise am Niederrhein, Nürn- 
berg i784. — Reize längs den Neder-Rhyn over het Loo . . tot Bon, Campen i785, 
p. 95. — Rhyn^is Feith, Vermaakelyke reizen door het grootste gedcelte van het 
duitsche ryk in den jaaren i782 en i783, Leyden i784, p. 8. — Reise auf dem Rhein 
von Andernach bis Düsseldorf, Koblenz i79o, S. 35o. — Georg Forster, An- 
sichten vom Niederrhein, Berlin i79i, I, S. 9o, Ii4, i63. — Malerische Rhein-Reise 
von Speyer bis Düsseldorf, aus dem Italienischen des Abbate de Bertola, Mann- 
heim i796. — Freiherr v. Wakkerbart, Rheinreise, Halberstadt i794, S. 336. — 
Bemerkungen über Düsseldorf und Elberfeld auf einer Reise von Köln nach Hamm, 
o. J. (um 1 795). — Freye Bemerkungen auf einer Reise in den Rheingegeaden, Leipzig 
i797. — Chr. Meyer, Ansichten einer Reise durch das Clevische und einen Teil 
des Holländischen über Crefeld, Düsseldorf imd Elbeifeld, i797. — Malerische An- 
sichten des Rheins von Mainz bis Düsseldorf, Frankfurt 1806. — Reise auf dem Rhein 
von Andernach bis Düsseldorf, Köln i8o9. — J. A. Klein, Rheinreise von Strassbuig 
bis Düsseldorf, Koblenz i839, S. 2 79. — J. L. Vecqueray, Der kunstsinnige Mentor 
am Rheine auf der Reise von Strassburg bis Düsseldorf, Coblenz i85o. 
inoere 2. Innere Geschichte. Wächter, Bericht über die Lage und Wünsche der Stadt 

Düsseldorf bei Beginn der Preuss. Herrschaft: im Düsseid. Adressbuch vom J. i892. — 
Herm. Goedsche, Erinnerungsblätter an die Jubelfeier der 2 5 jähr. Anwesenheit Ihrer 
Kd. Hoheiten des Prinzen und der Prinzessin Friedrich von Preussen in Düsseldorf am 
2. Febr. i846, D. i846. — W. Eissenbarth, Die Ereignisse am 9. und 10. Mai in 
Düsseldorf, D. i849. — W. Herchenbach, Düsseldorf und Umgebung in dem Revo- 
lutionsjahr i848 — 1849, D. 1880. — H. Ritter, Der Politische Struwwelpeter, ein Ver- 
such zu Deutschlands Einigung, D. i849. — T. J. Lenzen, Beiträge zur Geschichte 
von Düsseldorf: Niederrheinische Blätter für Belehrung und Unterhaltung I, Dortmund 
1801, S. io5. — P. F. J. Müller, Meine Ansicht der Geschichte Düsseldorfs, o. J. 

— H. Ritter, Zur Geschichte von Düsseldorf und Kaiserswerth, D. i855. — 26 Re- 
gesten von 1262 — 1494: Gengler, Codex iur. municip. I, p. 933. — W. Ritz, Urk., 
betr. die Rheinfähre zwischen Düsseldorf und Neuss: v. Ledebur, Allg. Archiv III, 
S. 7o. — Die Düsseldorfer Stadterhebungsurkunde: Berg. Zs. XVIII, S. i49. — Zur 
älteren Geschichte der Düsseldorfer Gemarkung: B. J. LXXXV, S. i47. — H. EscH- 

16 



DÜSSELDORF l7 

BACH, Urk. zur Geschichte der Stadt Düsseldorf: Düss. Beitr. IV, S. 93. — Ausfuhr- Quelle« 
liehe Geschichte der Stadt: Lacomblets Archiv III, S. i; IV, S. i; V. S. i. — Münzen 
Düsseldorfs: v. Ledebur, Allg. Archiv IX, S. 24[. — E. v. Schaumburg, Der Rhein- 
übeigang der Franzosen bei Düsseldorf am 6. Sept. i795: Zs. für preuss. Geschichte 
und Landeskunde XII, S. 463. — Kausen, Die Beziehungen Napoleons I. zu Düssel- 
dorf, Vortrag, D. 1882. — Redlich, Die Anwesenheit Napoleons I. in Düsseldorf im 
Jahre 1811, D. l892. — JoH. Hübsch, Der Ruhm der huldvollen Retter des beglückten 
Deutschlands, eine Cantate, D. i8i3. — Kurze Darstellung der Entstehung des Bergischen 
deutschen Theaters: Almanach für das Jahr i8o7, von C. A. Heusser, D. i8o7. — 
Grabbe, Das Theater zu Düsseldorf mit Rückblick auf die übrigen deutschen Schau- 
bühnen, D. i835. — J. J. Lenzen, Ursprüngliche Verfassung der im J. 1800 gestifteten 
Allgemeinen Armenpflege in Düsseldorf, D. 181 5. — A. Fahne, Die Düsseldorfer 
Schützen- und die Kölner Gewandzunft: Forschungen auf dem Gebiete der rheinischen 
und westfälischen Rechtsgeschichte, I, Köln i864. — Wünsche über die künftige Ein- 
richtung der Rhein -Schifffahrt von den Düsseldorfer Kaufleuten . . ., D. 18 16. 

3. Zeitschriften. Niederrheiniches Taschenbuch für Liebhaber des Schönen Zeitschriften 
und Guten, herausgegeben von Fr. Mohn i799, 1800, 1801, 1802, i8o3, i8o5. — 
Bergisches Taschenbuch, herausgegeben von W. Aschenberg i798, 1800, 1801, 1802» 
i8o3, i8o4, 1806, die letzten drei unter dem Titel: Taschenbuch für die Gegenden 
am Niederrh^in. 

Monatsschrift des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde von Düsseldorf 
und Umgegend, 1881, Nr. i — 6, herausgegeben von W. Herchenbach und C. Koenen. 
Darin C. Koenen, Die Sammlung des histor. Museums zu Düsseldorf S. 3, 11, 39. 

Zeitschrift des Düsseldorfer Geschichtsvereins, herausgeg. von W. Herchenbach, 
Jahrgang 1882, Nr. i — 6. Darin Beiträge zur Lebensgeschichte des Churfürsten Johann 
Wilhelm. I. W. Herchenbach, Gabriel von Grupello. II. Die Reiterstatue auf dem 
Gemüsemarkte Nr. i, S. i. III. Grupellos Lehrling Nr. 2, S. 16. IV. Inventarien des 
Churfürsten Nr. 3, S. 11; Nr. 4, S. 18. — Tönnies, Düsseldorfs periodische Presse vor 
100 Jahren Nr. 2, S. i. — Ad. Reiners, Johann Berteis aus Löwen Nr. 4, S, i ; Nr. 5, 
S.8; Nr. 6, S. i4. — Tönnies, Das öffentliche Fuhrwesen im alten Düsseldorf Nr. 5, 
S. I. — Urkunden und Aktenstücke, die Frauenklöster in Düsseldorf betreffend, 
Nr. 6, S. I. 

Jahrgang i883, Nr. i — 6. Darin Kohtz, Geschichte der Infanterie- und Artillerie- 
kaseme zu Düsseldorf Nr. i, S. i. — Tönnies, Buchdruck, Buch- und Kunsthandel 
zu Düsseldorf S. 49. — Ders., Die Docenten der juristischen Fakultät zu Düsseldorf 
S. 73. — Herchenbach, Ursprung der Erzbruderschaft des h. Rosenkranzes S. I23. 

— Ders., Düsseldorf als Festung S. 128. 

Beiträge zur Geschichte des Niederrheins. Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichts- 
vereins I (1886). H. Ferber, Die Schöffenfamilie Spede S. i. — A. Wedell, H. Heines 
Stammbaum mütterlicherseits S. 5. — Tönnies, Die kurpfälzischen Posten am Nieder- 
rhein S. i3. — H. Eschbach, Dr. Johannes Wier S. 57. — Th. Levin, Das Grab- 
denkmal des Herzogs Wilhelm in der Lambertuskirche S. i75. 

II (i887). Tönnies, Die alliierten Truppen vor und in Düsseldorf S. i. — 
L Merländer, Düsseldorfs älteste Zeitung S. 4i. — C. Binz, Wier oder Weyer? 
S.48. — H. Ferber, Urk. Beitr. zur Geschichte des Krankenwesens in Düsseldorf 
S. 100. — MiECK, Über scherzhafte Lokal- und Familennamen in Düsseldorf S. io4. 

— A. Wedell, Erneuerte Geleits- Konzession des Pfalzgrafen Karl Theodor für die 
Jülich und bergische Judenschaft S. iii. — Mieck, Zur Düsseldorfer Mundart S. i33. 

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KREIS DÜSSELDORF 



Quellen 



Verüissungv 
geschichte 



Kircheno 
geschichte 



Als Bd. III (1888) Geschichte der Stadt Düsseldorf in 12 AbhandL J. Schneider, 
Zur ältesten Geschichte des Stadt- und Landkreises Düsseldorf. — H. Forst, Poli- 
tische Geschichte des bergischen Landes. — H. Eschbach, Zur Verfassungsgeschichte 
der Stadt Düsseldorf. — L. Küpper, Geschichte der kathol. Gemeinde Düsseldorf. 

— A. Natorp, Geschichte der evangel. Gemeinde. — A. Wedell, Geschichte der 
jüdischen Gemeinde. — G. Kniffler, Entwickelung des Schulwesens. — E. Daelen, 
Zur Geschichte der bildenden Kunst — L. Merländer, Buchdruck und Buchhandel. 

— O. MoELLER, Die Baugeschichte von Düsseldorf. — G. Wimmer, Theater und 
Musik. — KoHTZ, Geschichte der militärischen Verhältnisse. — P. Schmitz, Handel 
und Industrie. 

IV (i889). J. Schneider, Die ältesten Wege mit ihren Denkmälern im Kreise 
Düsseldorf S. i. — G. Kniffler, Beitr. zur Geschichte des Schulwesens S. 11. — 
L. Merländer, Buchdruck und Buchhandel in Düsseldorf S. 5 1. — H. Eschbach, 
Urk. zur Geschichte der Stadt S. 93. — Ders., Urk. Beitr. zur Geschichte des Leprosen- 
wesens im Herzogtum Bei^ S. i5i. — Vorwerk, Norbert Burgmüller S. h58. — 
Wächter, Aktenstücke betr. Burgmüller S. 1 93. — Kohtz, Mitteilungen zur Geschichte 
des Bergischen Sicherheitscorps i782 — i8o9 S. i99. — Miscellen. 

V (i89o). J. Schneider, Die alten Grenzwehren im Kreise Düsseldorf S. i. — 
H. Eschbach, Urk. zur Geschichte der Stadt S. i5. — Miscellen. 

VI (i892). P. Eschbach, Ortsnamen des Kreises Düsseldorf S. i. — G. Bloos, 
Die Bürgermeister von Düsseldorf S. 20. — Wächter, Aus der Verwaltungsperiode 
des Grossherzogtums Berg S. i53. — Miscellen. 

VII (i893). H. Eschbach, Urk. zur Geschichte der Stadt Düsseldorf S.47. — 
G. Bloos, Die Rentmeister von Düsseldorf S. 63. — O. Redlich, Aktenstücke zur 
Geschichte des niederrheinischen Postwesens S. 261. — K. Bone, Die Distriktsnamen 
des Kreises Düsseldorf S. 354. — Miscellen. 

4. Verfassungsgeschichte. Stadtrecht von 1288: Niederrheinische Blätter I, 
S. 108; Benzenberg, Über Provinzialverfassung II, S. 11. — Ordnimg des . . hoff- 
gerichts zu Düsseldorf, sambt denen an gemeltem HofTgericht nach imd nach publi- 
eierten gemeinen Bescheiden, D. i684. — Polizei- und Taxordnung der Stadt Düssel- 
dorf von 1 7o6. — Kollmann, Zusanunenstellung der sämmtlichen für die Oberbürger- 
meisterei Düsseldorf gültigen Lokal -Polizei -Verordnungen, D. 1822. — Lokal -Verord- 
nungen der Stadt- und Sammtgemeinde Düsseldorf, 2 Hefte, D. 182? — i84i. — Polizei- 
Verordnung, betreff, die Bezeichnung der Strassen, Thore, öffentlichen Plätze, Werfte etc. 
und der Numerierung der Häuser Düsseldorfs nebst Plan, D. i858. 

5. Kirchengeschichte. C.v. Oven, Myconius und Korbach zu Düsseldorf im 
J. i527, Essen 182?. — Confessio et doctr. libri, quem patres Bergenses Concordiam vocant, 
i57S, mit Holzschnitten. — Religionsvergleich zwischen Fr. Wilhelmen, Marggraffen zu 
Brandenburg u. Ph. Wilhelmen, Pfalzgraffen bei Rhein, über das Religions-Kirchenwesen 
in denen Herzogtümern Jülich, Cleve, Berg, D. i674. — Gründlicher Bericht über das 
Kirchen- und Religionswesen in den Fürstentümern Gülich, Cleve, Berg und Grafschaften 
Marck und Ravensberg, D. i73S. — Darstellung wie die Stadt Düsseldorf bei der d(M 
im J. 1666 . . . herrschenden Pest ... zu Gott ihre Zuflucht . . . genommen habe, D. i797. 

— J. W. Janssen, Das pflichtmässige Andenken an würdige Religionslehrer, Predigt 
gehalten am 27. Jtmi 1802, nebst Notizen über die allmähliche Entstehung der refor- 
mierten Gemeinde zu Düsseldorf, D. 1802. — Geistliche Reden, gehalten bei dem 
200 jährigen Jubelfeste der Heiligsprechung der h. Theresia in der Karmeliten-Kloster- 
kirche zu Düsseldorf, D. 1823. -r- B. G. Bayerle, Die katholischen Kirchen Düasel- 



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DÜSSELDORF l9 

dorfs, D. i844. — J. F. Benzenberg, Vereinigungsurkunde der reform, und luther. Quellen 
Gemeinde zu Düsseldorf, D. i84o. — Düsseldorfs Trauer über den Tod des P. Ph. 
Schulten, D. i84o. — A. J. Binterim, Die Wünsche und Vorschläge der katholischen 
Geistlichkeit Düsseldorfs an den Erzbischof von Köln, D. i848. — Bücheler, Das 
Gasthaus der Stadt Düsseldorf oder das St Hubertus-Hospital, D. i849. — C. Krafft 
und W. Creceliüs, Beiträge zur Geschichte des Humanismus am Niederrhein und 
in Westfalen, Elberfeld i87o, I. — Festschrift zur Erinnerung ^n die Feier der Grund- 
steinlegung der evangelischen Kirche zu Düsseldorf, D. i875. — Urkundenbuch der 
evangelischen Gemeinde zu Düsseldorf, D. i875. — G. B. A. Natorp, Geschichte der 
evangelischen Gemeinde zu Düsseldorf, D. 1881. — Die Johanneskirche zu Düssel- 
dorf, D. i88t. — Düsseldorfensia aus Zinckgrefs Teutscher Nation Apophthegmata: 
Berg. Zs. X, S. 255. — Krebs, Zur Geschichte der Heiligtumsfahrten, Köln 1881. — 
K. Krafft, Die Stiftung der bergischen Provinzialsynode am 21. Juli i589 zu Neviges, 
Elberfeld i889. — Heinrich Thoelen, Die vier letzten Jesuiten Düsseldorfs, D. i89i. 

— Ders., Leben des P. Hermann Schönenbusch: Düsseldorfer Sonntagsblatt i89i, 
Nr. II. — J. Liebesleben, Düsseldorfs schönste Kirchhofs -Monumente, D. i83o. — 
J. F. Benzenberg, Ueber die Grabmonumente auf dem Düsseldorfer Kirchhofe, D. i844. 

— Adolf Kohut, Aus meiner rheinischen Studienmappe, D. i877 (darin Nr. X. Eine 
Wanderung durch die Kirchhöfe Düsseldorfs). 

6. Geschichte des gelehrten Unterrichts. Hemitheogonia, sive historia Unterrichts- 
poetica de gentium semi-diis, quam in aula publica electoralis ad Dussellam gymnasii '** 
anno mdccliv mense Junio explanabant . . . omati candidati, D. i754. — J. H. An- 

DREAE, De antiqua et illustri schola Düsseldorpiensi, Heidelberg i76i. — O. W. KoR- 
TÜM, Nachricht über das Gymnasium zu Düsseldorf im 16. Jh., D. 18 19. — J. Mon- 
HEiM, Die gelehrten Schulen zu Düsseldorf im 16. Jh., o. J. — Krafft, Die gelehrte 
Schule zu Düsseldorf: Programm der Realschule i853. — Widerlegung von Bayerle, 
Herzog Wilhelm IV. und die Reformation: Deutsche Volkshalle i853. — Franz 
Keinen, Die Städtische Realschule 1. Ordnung zu Düsseldorf nebst Geschichtlichem 
aus der Entwickelung des Realschulwesens überhaupt, D. i863. — Tönnies, Die 
Fakultätsstudien zu Düsseldorf von der Mitte des 16. bis zum Anfang des i9.Jh., 
ein Beitrag zur Geschichte des Unterrichtswesens in" Jülich - Berg I. Programm der 
höheren Bürgerschule zu Düsseldorf i884. — Ders., Die Docenten der juristi- 
schen Fakultät zu Düsseldorf: Düss. Zs. i883, S. 73. — Uellner, Zur Ge- 
schichte der städtischen Louisenschule und der mit ihr verbundenen Lehrerinnen- 
büdungsanstalt, Festschrift D. i887. — Festschrift zur 5ojährigen Gedenkfeier der am 
28. Mai i838 erfolgten Begründung des Realgymnasiums zu Düsseldorf, D. 1888. — 
Gustav Kniffler, Das Jesuiten-Gymnasium zu Düsseldorf, Programm des Kgl. Gym- 
nasiums D. i892. 

7. Kunst- und Künstlergeschichte. Ger. Jos. Karsch, Designation exacte Kimsigeschicht« 
des peintures precieuses, qui sont en grand norabre dans la galerie de la residence *"* 

de S. A. S. E. Palatine ä Dusseldorf, D. i7i9. Dasselbe deutsch: Ausführliche und 
gründliche Specification deren vortrefflichen und schätzbaren Gemälden . . — Catalogue 
des tableaux, qui se trouvent dans les galeries du palais de S. A. S. £. Palatine 
a Dusseldorf, Mannheim i76o. — Christian v. Mechels, Gallerie electorale de Dussel- 
dorf ou Catalogue raisonne et figure de ses tableaux, ouvrage compose . . . par de 
PiGAGE, avec 3o pL, i778. — Recueil des desseins, graves d'apres les fameux maitres, 
tires de la collection de Tacademie electorale Palatine des beaux arts ä Dussel- 
dorf, i78o. (2 Serien, jede zu 5o Bl.) — Recueil de 45 pieces, imitees k l'eau forte 

i9 



20 KREIS DÜSSELDORF 

Quellen d'aprcs Raym. LA Fage, tir6es de la collection de Tacademie electorale Palatine des 
beaux arts. — Descriptive catalogue of pictures from the Düsseldorf Gallery, London i793 
(mit Stichen von Val. Green). — Catalogue raisonne des tableaux de la galerie electo- 
rale de Dusseldorf, redige d*apres le catalogue raisonne et figure de Mr. N. de Pigage, 
D. i8o5. — Kurzgefasste Beschreibung der Düsseldorfer Gallerie: Fr. Mohns Nieder- 
rheinisches Taschenbuch für Liebhaber des Schönen und Guten i799, S. i8; 1800, 
S. 3o; 1801, S. 47; 1802, S. 61; i8o3, S. 34; i8o5, S. So, mit Stichen. — Fr. K. Gottl 
HiRSCHiNG, Nachrichten von sehenswürdigen Gemälden- und Kupferstichsammlungen 
. . in Deutschland, Erlangen i787, II, S. i9i. — v. Hagedorn, Betrachtungen über 
die Malerey S. 248, 473, 624, 746, 7So. — Heinze, Betrachtungen über einige Ge- 
mälde der Düsseldorfer Gallerie: Teutscher Merkur i777. — Beschreibung einer male- 
rischen Reise nach Köln, Bensberg und Düsseldorf: Teutscher Merkur i778, S. ii3. — 
Vermaaklyke reizen door het duitsche Ryck, Leiden i784, p. 5. — Reize längs den 
Neder-Rhyn, Campen i785, p. 95. — J. G. Lang, Reise an den Rhein, Coblenz 179o, 
II, S. 25g — 435. — W. FüssLi, Die wichtigsten Städte am Mittel- und Niederrhein, 
Zürich i843, II, S. 5i3. — v. Haupt, Die Düsseldorfer Gallerie, eine historische Dar- 
stellung des Ursprungs, der Vervollkommnung und Schicksale dieser Galerie, mit Ent- 
wicklung des Rechtes des Herzogthums Berg und der Stadt Düsseldorf insbesondere 
auf deren Wiederbesitz, D. 1818. — v. Scharff-Scharffenstein, Die ursprünglich 
Pfalz-Neuburgische Düsseldorfer Gemälde-Gallerie in München, Würzbuig i867. — 
A. V. Hardung, Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes, 
D. 1868. I. Kurfürst Herzog Johann Wilhelm und seine Zeit II. Zur Rechts- und 
Kunstgeschichte der Stiftung der Düsseldorfer Bilder-Gallerie. III. Zur Lösung der 
That- und Rechtsstreitfragen. Ober dieselbe Frage: Düsseldorfer Anzeiger 1866, 
Nr. i63, i72, i85, i87, i89, i98, 2o9, 210, 211, 2i4, 262; i867, Nr. 3, 3o, 3i, 67, 97,98, 
102, III, 112, 120, 126, i4i, i45, i49, i56, i67, 182; 1868, Nr. 28, i36, i45, i9i, i93, 
i96, 208, 2i9. — Düsseldorfer Zeitung i867, Nr. io9. — Crefelder Zeitung 1866, 
Nr. 2o9; 1868, Nr. i38, 2o4. — E. v. Schaumburg, Zur Charakteristik Johann Wil- 
helms und seiner Regierung, D. i869. — A. V. Hardung, Scherz und Ernst oder 
Kritik und Antikritik der neuesten Streitschrift des Obersten E. v. Schaumburg ,Zur 
Charakteristik Kurfürst Johann Wilhelms* und seiner Regierung, D. i869. — Hermann 
Schulze, Aus der Praxis des Staats- und Privatrechts, Leipzig 18 76. I. Die Eigen- 
tmnsansprüche der Krone Preussen an die früher in Düsseldorf befindlich gewesene 
Gemäldegallerie. — A. Fahne, Der Düsseldorfer Museumsbau (mit Geschichte der 
Gemäldegallerie von i7oo — i8o5), D. i876. — Woermann, Die ehemalige Düssel- 
dorfer Gemäldegallerie : Grenzboten 1881, S. i47. Dazu B. J. LXXII, S. 202. — v. S., 
Die ehemalige Gemäldegallerie in Düsseldorf: Köln. Ztg. 3. Sept 1888. 

Kunsuchuic H. Paris, Kreuz- und Quergedanken eines Dresdener Ignoranten vor den 

Düsseldorfer Bildern, Dresden i837. — A. Fahne, Die Düsseldorfer Malerschule in 
den J. i834 — 36, D. i837. — Ders., Meine Schrift „Die Düsseldorfer Malerschule** 
und ihre Gegner, D. i837. — J. J. Scotti, Der Kimstschule zu Düsseldorf, Leistungen 
in den J. i837 u. i838, D. i839. — Ders., Die Düsseldorfer Malerschule oder auch 
Kunstakademie in den J. 1.834, i835 u. i836, und auch vorher und nachher, D. i837. 
— Ders., Die Kunstschule zu Düsseldorf: Rhein. Provinzialblätter i835, Heft IV; 
i836, Heft III; i837, Heft III; i838, Heft III u. IV. — H. Püttmann, Die Düssel- 
dorfer Malerschule und ihre Leistung seit Errichtung des Kunstvereins im J. i829, 
Leipzig i839. — v. Uechtritz, Ein Blick in das Düsseldorfer Kunst- und Künstler- 
leben, 2 Bde., D. i839 — 4o. — R. Wiegmann, Die Kgl. Kunstakademie zu DOssel- 

ao 



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DÜSSELDORF 



21 



: Künstler 
geschieh te 



dorf, ihre Geschichte, Errichtung und Wirksamkeit und die Düsseldorfer Künstler, Quellen 
D. i856. — Strauven, Über künstlerisches Leben und Wirken in Düsseldorf bis zur 
Düsseldorfer Malerschule unter Direktor Schadow, D. 1862. — Hans Müller, 
Cornelius und Kaulbach in Düsseldorf: Deutsche Revue (ed. Fleischer) i89i. — 
M. Blanckarts, Die Kunstakademie zu Düsseldorf und die Düsseldorfer Schule: 
Unsere Zeit V, i869, i3. Heft, S. 39. — Ludw. Bund, Die Semisäcular-Feier der 
£[gl. Kunstakademie zu Düsseldorf in den Tagen des 22., 23. und 24. Juni i869, 
D. i87o. — Ernst Curtius, Rede am Jubiläum der Kgl. Kunstakademie zu Düssel- 
dorf, Berlin i869. — R. Woermann, Die alten und neuen Kunstakademien, Festrede, 
D. i879. — Ders., Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie, D. 1880. — Jahres- 
bericht über Lage und Wirksamkeit des Vereins der Düsseldorfer Künstler, D. i876. 

— Jahresberichte des Vereins der Düsseldorfer Künstler zu gegenseitiger Unterstützung 
und Hülfe, 47 Jahrgänge bis i892. — Jahresberichte des Kunstvereins für die Rhein- 
lande und Westfalen in Düsseldorf, von 1829 an. — Zur Feier des 5o jährigen Be- 
stehens des Kunstvereins, D. i879. — H. v. Rüstige, Düsseldorf und seine Kunst- 
akademie vor 5o Jahren: Kölnische Zeitung 188S. — A. v. Raczynski, Geschichte 
der neueren deutschen Kunst, I, Düsseldorf und das Rheinland, aus dem Französischen 
von F. H. V. Hagen, Berlin i836. — W. Camfhausen, Festspiel zur Semisäcular- 
Feier der Düsseldorfer Kunstakademie, D. i869. — Chronica de rebus Malkasta- 
niensibus, das ist Beschreybung derer fümehmbsten und denkwürdigsten Begebnuss 
und Geschichten, so sich im Künstler- Vereyn „Malkasten" arriviret vmd zugetragen 
haben, D. i873 (von W. Camphausen). — E. Schaumburg, Jacobi's Garten zu 
Pempelfort, Aachen i873. — W. Müller von Königswinter, Erzählungen eines 
Rhein-Chronisten, H. Aus Jacobi's Garten, Leipzig 186 1. — Aus dem Malkasten, 
D. i887. — Fr. Heinen, Bendemann's Wandgemälde in der Aula der Realschule zu 
Düsseldorf, D. 1866. — B. Höfling, Bildnisse Düsseldorfer Künstler, 9 Bl, D. i853. — 
Kunstgeschichtliche Briefe Düsseldorfer Künstler aus den letzten 25 Jahren, Leipzig 
i854. — M. Blanckarts, Düsseldorfer Künstler-Necrolog aus den letzten 10 Jahren, 
Stuttgart i877. — W. Camphausen, Festrede zur Enthüllung des Comeliusdenkmales 
und Festspiel im Malkasten, D. i879. — B. Endrulat, Das Comeliusdenkmal, D. i879. 

— H. Ferber, Zur Geschichte Düsseldorfer Künstler, D. i876. — Beschreibung der 
80. Geburtstagsfeier G. Schadow's, Berlin i884. 

8. Kataloge. Beschreibendes Verzeichnis der in der Stadt Gemälde-Samm- lUiaiog« 
liing zu Düsseldorf befindlichen Kunstwerke, D. i857. — Verzeichnis der in der 
Stadt Gemälde -Sammlung befindlichen Kunstwerke, D. 1881. — Katalog der Pro- 
viiuial- Gewerbeausstellung für Rheinland und Westfalen, D. i852. — Katalog der 
Ausstellung von älteren und neueren Meisterwerken mittelalterlicher Kunst zu Düssel- 
dorf, D. i869. — Verzeichnis der Kunstwerke auf der Ausstellung des Kunstvereins 
för die Rheinlande und Westfalen i844, i857, i858, 1868, i869, D. i872. — Officieller 
Katalog der Düsseldorfer Gewerbeausstellung 1880, D. 1880. — Otto Baisch, Die 
deutsche Kirnst auf der Düsseldorfer Ausstellung 1880, München 1880. — Ausstellung 
der kunstgewerblichen Alterthümer in Düsseldorf, D. 1880 (2 Auflagen). — Illustrierter 
Führer durch Düsseldorf und zur Gewerbe- und Kunstausstellung des Jahres 1880, 
D. 1880. — The English Visitor's guide to the Dusseldorf Exhibition 1880, London 
und Düsseldorf 1880. — A. Waechter, Humoristische Rundschau auf die Düssel- 
dorfer Gewerbeausstellung 1880, D. 1880. — Franz Bock, Wegweiser durch die 
Textilausstellung, D. i884. — Katalog der Ausstellung zur Feier des 600 jähr. Be- 
stehens Düsseldorfs als Stadt, D. 1888 (mit Nachtrag). — H. Pfannenschmid, Die 



21 



32 KREIS dOSSELDOKF 

Kgl. Landes- Bibliothek zu Düsseldorf seit ihrer Stiftung bis zur Gegenwart, Köln 
i87o. — Ckemans, Verzeichnis der alten Drucke und Urkunden, weiche sich in der 
Bibliothek des Gymnasiums zu Düsseldorf befinden, D. i878. — Katalog der Hand- 
bibliothek der Kgl. Regierung zu Düsseldorf, ü. i839. — Katalog der Bibliothek des 
Künstler -Vereins Malkasten, D. 1881. — Katalog der Bibliothek des Düsseldorfer Ge- 
schichtsvereins, D. [888. — Katalog der Bibliothek des Central-Gewerbe-Vereins in 
Düsseldorf, D. 1886. 

Handschriftl. Qu. Im Stadtarchiv: ISo Urk. (Originale und Kopien) von 
|382 ab (Rejjerlorium von Lacomblet). — Bruchstück eines Kopiars der stadtischen 
Privilegien von i384 — 1449. — Copeybuch der Urk. der Stadt und Sammtgemeinde 



Düsseldorf, [85i von Lacomblet zusammengestellt (mit 75 Urk. von ia88 — i85o). — 
Stadtrechnungen von i76o ab. — Magistratspro lokolle von l76o ab. — Fortifikations- 
rechnungen von i663 ab. 

Im Staatsarchiv! Urk. und Akten des Herzogtums Jülich-Betg mit vielfachen 
Beziehungen auf Düsseldorf (ausführlich verzeichnet bei Ilgen, Rhein. Archiv S. 2S). 

Im Historischen Museum: Urk. von ij86 ab (Ilgen S. t7i), weiterhin eine 
grössere Zahl Akten, ungeordnet (Inventarisierung bevorstehend). 

Die handschriftlichen Quellen zur Geschichte der einzelnen Gebäude sind bei 
diesen angeführt. 
I Ansichten und Pläne. Vgl. Katalog der Ausstellung zur Feier des öoojahr. 

Bestehens Düsseldorfs als Stadl, 1888, S. 11. 

I. Ansichten der Stadt bei Graminaeus, Beschreibung derer Fürstlicher Gülich- 
scher Hochzeit i585. Düsseldorf i585, Köln i587, a6,8xi8,8 cm, 11 El., darunter 
zwei Ansichten der Stadt vom Rheine aus. 



DÜSSELDORF 23 

2. Nachstiche hei Graminaeus, Spiegel und Abbildung der Vergenglichkeit Ansichten und 

3. Abconterfeytung unnd Description der Gelegenheit anno i6o4, Kopie, Original 
unbekannt, Eigentümer Herr Amtsgerichtsrat Strauven, Neuss. 

4. Ansicht der Stadt vor 16 1 4 (vor Erbauung der Citadelle), Radierung, 3i x i4,5 
cm, bez.: Düsseldorf (Exemplar im Historischen Museum Y 25). 

5. Kopie eines Grundrisses der Festung, gefertigt 1620 von dem Baumeister 
Antonio Serro oder Kraus (Stadtarchiv I, i, Nr. 3). 

6. Stich in Meissners Thesaurus 1623, i5,3xi2,2 cm, vom Rheine aus, vorn 
Dardanus und Daedalus. 

7. Plan der Citadelle von Düsseldorf, am 24. Nov. 1623 von Adolf v. Kamp an- 
gefertigt (Stadtarchiv I, 3, Nr. i). 

8. Matthaeus Merian, Topographia Westphaliae i65o, Ansicht vom Rheine, 
20X32 cm. Vgl. J. B. Engelmann, Der erneuerte Merian 1826, S. 38i. (Fig. i.) 

9. Ansicht vom Schloss und einem Teil der Stadt, künstlerisch aufgefasster Stich, 
18,5 XI 3,5 cm, i7.Jh., bez. oben: Düsseldorf. 

IG. Stich von /. C. Leopold nach F. B. Werner, Ansicht von der Rheinseite mit 
langer Legende, 27,3xi4,8cm, bez.: düsseldorpium. düsseldorff (Katalog Nr. 62). 

11. Stich nach derselben Vorlage, 28,5 xi 6,5 cm, bez.: f. b. werner del. 
A. GLÄSER FEC. MARX. ENGELBRECHT EXCUD. ; am linken Ufer Kartouche mit Kurhut 
und Emblemen des Handels (Katalog Nr. 63). 

1 2. Nachstich des letzteren, .Prospekt der Stadt Düsseldorf, 26,3 x 1 5 cm, Wien 
bei JoH. Kratschmer. 

i3. Gemälde von Jan van der Hey den in der Kgl. Gemäldegallerie Mauritshuis 
im Haag Nr. 4i; vom J. i667, mit Ansicht der Andreaskirche (Werner Dahl in den 
Düss. Beitr. VI, S. 181 mit Taf.). 

i4. Ansicht der Altstadt, Stich, I2,5x5 cm, im Processus criminalis der . . In- 
quisition zu Düsseldorf den 22. und 23. Febr. i7i2. 

i5. Ansicht vom Rhein bei Erich Philipp Ploennies, Topographia ducatus 
Montium, i7iS, Bl. 62, Doppelblatt (Berg. Zs. XIX, S. 81, Suppl.). 

16. Vier Tuschzeichnungen vom Anfang des 18. Jh. (Historisches Museum Y 21 
bis 24), Ansichten vom Rheine, von der .Berger Bastion, vom Flinger Thor, von der 
Citadelle und vom Rheine, die letzte Vorbild für Ploennies. 

i7. Erweiterung der Festung um i735, gutes Kostümbild von //. E, Beckers, 
i73S, 85x66 cm; Historisches Museum A Nr. 4 (Katalog Nr. 64). 

18. Düsseldorf, von der Hardt aus gesehen, Historisches Museum alte Nr. 75 
(Katalog Nr. 65). 

i9. Plan der Stadt und Festung Düsseldorf, wie solche ... i758 heftig beschossen 
wurde (Stadtarchiv I, i, Nr. 12). 

20. Plan du Bombardement de Dusseldorf d. 28. Juni i758. Stich nach Zeich- 
nung von F. W. de Baivr, 3o,5 x 45,5 cm. 

21. Plan de Dusseldorf, 28. Juni i758. Stich nach Zeichn. von Therhti, 23 x 35 cm. 

22. Plan der Festungswerke im ,Schauplatz des gegenwärtigen Kriegs durch 
accurate Plans von den wichtigsten Bataillen und Belagerungen*, Nürnberg i7S8, II, 
pl. 28, 3o,5,xi7,2 cm. 

23. Plan der Festimg im J. i764, Rekonstruktion bei E. v. Schaumburg, Histo- 
rische Wanderung durch Düsseldorf 1866. 

24. Plan von der Stadt mit dem i77o neu angelegten Hofgarten, vom J. i775 
(Stadtarchiv IV, Nr. 12). 

23 



a4 KREIS DÜSSELDORF 

Ansichten und 25. Prospckt der Kuifl. Durchl. Haubstatt Düsseldorf, Stich vom Rheine aus, 

bez.: p. MAASSEN fecit, um i78o. 

26. Ansicht Düsseldorfs von der Rheinseite, kolorierte Bleistiftzeichnung von 
i787 von Mr. d' Afferden (Katalog Nr. 72). 

27. Düsseldorf von den Francken beschossen den 7. Oktober 1 794, Aquarelle, 
43 X 6o cm, Historisches Museum (Katalog Nr. 73). 

28. Stich von i795, bez.: Düsseldorf ist die feste und volkreiche haupt- 
UND RESIDENZSTADT, 34 X i8,5 cm (Katalog Nr. 60). 

29. Specialaufhahme der Residenzstadt Düsseldorf vom J. i795, 8 Bl. und 9 kleine 
Kopien (Stadtarchiv I, i, Nr. 9). 

30. Bleistiftzeichnung der Stadt vor dem Bombardement von i79S, wahrscheinlich 
von F. B. Custodis. Eigentümer Herr Amtsgerichtsrat Strauven, Neuss (Katalog Nr. 74)« 

3 1. Passage du Rhin k Dusseldorf 6. Sept. 1 795, Stich nach dem Gemälde won Baume 
durch Cholet, 23,5 x 34,5 cm, aus der Gallerie historique zuVersailles Nr. 5 20 (Kat Nr, 75). 

32. Übergang der Franzosen am 6. Sept. i795, gez. von Swehach Desfontaines, 
gest. von Anton Klauber 181 7 (Katalog Nr. 76). 

33. Ansicht der Stadt von der Rheinseite, von C. A. Wizani u. Schreyer, in 
Freye Bemerkungen auf einer Reise in die Rheingegend, Leipzig i797 (Kat. Nr. 77). 

34. Zwei Pläne vor 1801 in der Kgl. Regierung in Düsseldorf. 

35. Plan der Befestigung bei T. J. Lenzen i. d. Niederrheinischen Blättern für 
Belehrung und Unterhaltung I, Dortmund 1801, S. io5. 

36. Ansicht der Stadt von Niederkassel aus, Aquarelle um 1800, Eigentümer 
Herr Amtsgerichtsrat Strauven, Neuss. 

37. Vue de Dusseldorf, Stahlstich von 180S, i7xiocm. 

38. Vue de la ville de Dusseldorf, Stahlstich von Himely nach Zeichnung von 
L. Bleuler, 29,5 X 20 cm. 

39. Vue de Dusseldorf, Kupferstich von Schnell nach Röttmann, 21,2x14 cm. 

40. Ansicht der Stadt vom Rheine aus, in Ansichten des Rheines, Frankfurt 1 8o5, 
S. 7o (Katalog Nr. 79). 

4i. Kupferstich von J. Ziegler nach Z. fanscha, 43,5 X 29 cm (Katalog Nr. 95). 

42. Grundriss, Düsseldorf mit seinen Umgebungen nach geschleiften Festungs- 
werken, gez. von Guffroi, gest. von W. Breitenstein i8o9, 49,5 x 38 cm. 

43. Einzug Napoleon's I. in Düsseldorf, Ölbild von Petersen 1812. Eigentümer 
Herr Graf Droste- Nesselrode zu Herten (Katalog Nr. 80). 

44. Einzug Napoleons in Düsseldorf, Aquarelle von Petersen, 64 x 44 cm. Histo- 
risches Museum. Damach Kupferstich, 5i,5x36cm, meist koloriert (Katalog Nr. 81). 

Die späteren Abbildungen verzeichnet in dem genannten Katalog S. i5 flf. und 
im Verzeichnis der im Histor. Museum der Stadt Düsseldorf befindlichen bildlichen 
Darstellungen S. 98. 

IL Römische und germanische Funde. 

Römische tt. Auf dem Tcrraiu der jetzigen Stadt, das von verschiedenen römischen Strassen 

Funde durchschnitten ward, ist eine ganze Reihe von Funden gemacht worden. So wurden 
in der Thalstrasse beim Häuserbau zwei verzierte Schüsseln von terra sigillata (Histor. 
Museum. — B. J. LXXI, S. i56. — Düss. Beitr. IV, S. 5), auf dem Alexanderplatze 
römische Anticaglien und Bronzefigürchen ausgegraben (Neue Beitr. VI, S. 7. — 
Geschichte der Stadt Düsseldorfs. 11). Kleiner römischer Fund i863 in der Richtung 
der verlängerten Friedrichstrasse gemacht (Fahne, Neue Beitr. zum limes S. 54). Funde 

24 



F 



DÜSSELDORF 



35 



in der Alten Stadt, verzeichnet bei Fahne a. a. O. S. 53. Im Schloss ehemals zwei 
römische Inschriften, jetzt in Mannheim (Fahne a. a. O. — Haug, Die römischen 
Denksteine des Grossh. Antiquariums zu Mannheim Nr. 82. — Brambach, C. I. R. 
Nr. 293, 294. — B. J. V, S. 24o). Ober römische Funde in Lierenfeld vgl. O. Rautert 
in den B. J. LXXXX, S. 202; Koenen im Korr.-Blatt der Wd. Zs. X, S. 7o. Fund- 
stücke im Histor. Museum und den Sammlungen Braun u. Rautert (s. u.). 

In Pempelfort ein germanischer Begräbnisplatz entdeckt (Nöggeraths Rhein. 
Provinzialblätter i834, II, S. i, 3. — Fahne, Die Dynasten von Bocholtz I, S. 246. 
— B. J. V, S. 4o6. — Düss. Beitr. IV, S. 2). Weitere Fundstücke von römischen Trink- 
bechern im Provinzialmuseum zu Bonn (B.J. LXXVI, S.76; LXXXVII, S. 66, 69. — 
Düss. Beitr. IV, S. 8). Fränkische Thongeßlsse bei Anlage der Lenartschen Ziegelei 
in der Friedrichstadt entdeckt (B. J. LXXXV, S. i53), eine germanische Steinwaffe 
1880 im Rhein gefunden (Bonn, Provinzialmuseum Inv. i5i2). Über germanische 
Funde in dem Tannenwäldchen vgl. B.J. LXXIV, S. i83. 

Ober die alten Strassen um Düsseldorf vgl. ausser Schneider, Lokalforschungen 
über die alten Denkmäler des Kreises Düsseldorf: Neue Beitr. VI, i874 (auch als 
Gymnasialprogramm i874) und Die ältesten Wege mit ihren Denkmälern im Kreise 
Düsseldorf: Düss. Beitr. IV, S. i mit Karte auch Const. Koenen, Zur älteren Ge- 
schichte der Düsseldorfer Gemarkung: B.J. LXXXV, S. i47. Dazu E. Hübner in den 
B. J. LXXXVIII, S. 65. 

III. Kirchliche Gebäude. 



Römische a. 

Germanische 

Funde 



Andreae* 
kir che 



Handschrift!. 
Quellen 



Geschichte 



ANDREASKIRCHE, ehemal. JESUITENKIRCHE. Fr. Reiffen- 
BERG, Historia soc- Jesu ad Rhenum inferiorem, Köln i764, p. 5i2, 5i5, 5i7, 598. — 
Catal. peison. et officior. provinciae soc. Jesu ad Rhenum inferiorem, i77o, p. i4. — 
G. Kxiffler, Das Jesuitengymnasium: Düsseldorfer Gymnasialprogramm i892. — 
Baterle S. 127— i69. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 83, 375. — Gurlitt, 
Geschichte des Barockstiles und des Rokoko in Deutschland S. 21. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv: io3 Urk. von 1621 — 1775 und Akten. 
— Kopiar A. 210 (vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 72). — In der Landesbibliothek: 
Hs. C. 44^ Archiviiun collegii societatis Jesu, 2 Bde. Pap. fol. (Ilgen S. i7o). 

Für die im J. i6i9 nach Düsseldorf gekommenen Jesuiten wurde 1622 durch 
den Herzog Wolfgang Wilhelm eine Kirche begonnen, die 1629 eingeweiht werden 
konnte. Hinter dem Hauptchore ward ein Mausoleum errichtet, das gleichfalls 1626 
vollendet war. Im J. i8o5 wurde dem Jesuitenkollegium das Gymnasium genommen, 
der letzte der Jesuiten starb i842. Die Kirche ward i84i in eine Pfarrkirche ver- 
wandelt Der Architekt war wahrscheinlich Deodat del Monte (Gurlitt S. 21). 

Dreischiffiger Hallenbau von 44 m Länge, i6,3om Breite. Die Gliederung der Be«chreibung 
Aussenmauem besteht nur in i,3o m breiten kräftigen Pilastem mit starken Basen über 
einem 75 cm vorspringenden, i,7om hohen Sockel von Hausteinquadem. Ein mäch- 
tiger Architrav mit derber, auf starke Schattenwirkung berechneter Profilierung schliesst 
die Seitenflächen ab. Über der einfachen Westfa^ade erhebt sich ein Giebelaufsatz 
mit flachem Giebeldach und geschweiften Seitenmauem. Die den Aufsatz umrahmenden 
PUaster setzen die die Westfa^ade gliedernden Pilaster in verjüngter Gestalt fort. 

Die Türme erheben sich zur Seite des Chores noch um zwei Stockwerke über 
die SeitenschiflTe. Ihre Seitenflächen werden von Pilastem mit jonischen Kapitalen 
eingefasst, über denen der besonders stark ausladende Architrav aufsetzt. Über dem 
Architrav sind die Türme ins Achteck übergeführt und tragen eine achtseitige zwiebel- 



Ltuserei 



35 



KREIS DÜSSELDORF 



Fig. 3. DUiieldori 



DÜSSELDORF 



27 



förmige Haube mit Mansardendächem und offener Laterne. Der Chorabschluss ist 
mit einem geschweiften kuppeiförmigen Dach überdeckt (Fig. 3). 

Das Innere ruht auf acht Pfeilern mit 96 cm hohen polygonalen Basen, die 
grosse korinthische Kapitale tragen, auf denen weitausladende, ausserordentlich reich 
profilierte, mit Zahnschnitt, Kamiesfries und Festons verzierte polygonale Kämpfer 
aufsetzen, von denen aus die Gurte und Rippen der Gewölbe gespannt sind und 
denen ähnlich gegliederte Kämpfer über den Pilastem an den Aussenmauem ent- 
sprechen. Die dem Mittelschiff zugewandte Seitenfläche des Pfeilers ist kannelliert, 
die übrigen drei Seiten sind marmoriert und mit einem Akanthusblattfries eingefasst. 
GuRUTT (a. a, O. S. 21) irrt, wenn er in S.Andreas einen ursprünglich gothischen 
Langhausbau erblickt, der späterhin umkleidet worden sei. Durch die Seitenschiffe 
ist eine Empore geführt, die im Westen im Bogen — die vorgekragten Teile durch 
Pendentifs gestützt — durch das Mittelschiff geleitet ist und ebenso über den im 
Osten an die Seitenschiffe sich anschliessenden Kapellen ihre Fortsetzung findet. Die 
Empore wird von Gewölben getragen, die durch Gurte getrennt sind, an den Aussen- 
mauem auf zweimal abgetreppten Halbpfeilem mit polygonalen Kämpfern, an den 
Hauptpfeilem auf entsprechenden Kämpfern, die nur um die den Seitenschiffen zu- 
gekehrten Seiten der Pfeiler verkröpft sind, aufruhen. 

Die unter den beiden Türmen gelegenen Kapellen mit den darüber befind- 
lichen Emporen sind in den Formen eines Seitenschiffjoches gestaltet, nur die Eck- 
pfeiler sind der grösseren Last entsprechend, die sie zu tragen bestimmt sind, stärker 
gehalten. Die Seitenschiffe sind durch Rundfenster im oberen Stock erhellt, im unteren 
durch Rundbogenfenster mit abgeschrägten Gewänden, die sich nach unten als Blenden 
fortsetzen. Der dreiseitig abgeschlossene Chor zeigt im Chorhaus an jeder Seite ein 
grosses langes rundbogiges Fenster, im Abschluss an den schrägen Seiten je ein kleineres. 

Die ganze Kirche ist im Inneren auf das reichste mit Stuck verziert, der in der 
Formensprache wie im Gedankeninhalt eine der glänzendsten Verkörperungen des 
rheinischen Jesuitenstiles darstellt (Taf I). Durch die Kannelluren der Pfeiler, die gleich- 
massige Verzierung der Gurte mit Kasetten und Rosetten, die Vergoldung der scharf- 
profilierten Ripp)en, die Ausschmückung der Schlufssteine mit grossen Kartouchen ist die 
architektonische Gliederung des Ganzen gewahrt. Die vier Kappen der Kreuzgewölbe 
sind mit je einer figürlichen Darstellung in Medaillonform, abwechselnd in ovalem 
oder achtseitigem Rahmen, die Zwickel mit Rosetten oder einfachen Ranken gefüllt. 

An der Decke des Mittelschiffes ist zunächst die Vorbereitung auf Christum dar- 
gestellt. Im Chorabschluss die Dreifaltigkeit, dann sind zwei Joche mit verschiedenen 
Engeln gefüllt, weiter sind die alttestamentarischen Patriarchen, einzelne Propheten, 
die vier Evangelisten, die Vorfahren und Verwandten Christi dargestellt. In den 
Seitenschiffen von Osten beginnend die Apostel und darnach heilige Päpste und 
Bischöfe. In der Ostwand des nördlichen Seitenschiffes findet sich in einem Medaillon 
die Büste des h. Ignatius, an der Südseite die des h. Franziskus Xaverius. An den 
Wölbungen unter den Emporen sind gleichfalls in jedem Joch je vier Heilige zur 
Darstellung gekommen und zwar links weibliche, rechts männliche Heilige, an der 
westlichen Schmalseite die vier grossen Kirchenväter. 

Die Kirche ist eines der besten Beispiele des rheinischen Jesuitenstiles, mit der 
Jesuitenkirche zu Köln im gleichen Jahr vollendet, zumal in der Choransicht höchst 
wirkungsvoll, ,das Ganze nicht eben bedeutend, aber doch von einer Grösse und 
barocken Wucht, welche das Ende der deutschen Renaissance und ihrer Zierarchi- 
tektur verkündet* (Gurlitt a. a. O.). 



AndreaS' 
kirche 

Inneres 



Dekoration 



Würdigung 



27 



KR£IS DÖSSELDORF 



Der den ganzen Chorabschluss ausfllllende Hochaltar (Taf. I) ist ein machtiger, 
überreich verzierter Aufbau, der mit den Seitenmauem durch Bögen mit Thüren ver- 
bunden ist, über deren Abschluss die Gestalten der hh. Ignatius, Aloysius, Franziskus 
Xaverius, Aloysius Gonzaga, die beiden äusseren knieend, aufgestellt sind. Ober 
einem vielgegliederten Untersatz erhebt sich auf sechs SSulen mit vergoldeten korin- 
thischen Kapitalen der hohe polygonale Architrav, der wieder den geschweiften, durch- 
brochenen Giebel trSgL Die 
Krönung bildet ein Gemälde 
der auffahrenden Madonna in 
ovalem Rahmen mit Strahlen- 
sonne, auf dem zwei eine Krone 
haltende Engel sitzen. Zur Seite 
knieen Engel, die auf den Vor- 
gang in der Mitte hinweisen, 
hinter ihnen S. Ignatius und 
S. Aloysius, als Abschluss zwei 
Urnen. Das Mittelfeld, das sich 
über dem mit einem Pelikan 
gekrönten Tabernakel öffnet, 
wird durch eine Draperie von 
purpurnem Sanunet abgeschlos- 
sen, hinter der ein älteres, dem 
l6.Jh. angehöriges lehensgrosses 
bemaltes Kruzifix sichtbar wird. 
In der Mitte auf hohem Aufsatz 
eine kleine Holzhgur der Ma< 
donna mit dem Kinde auf Erde 
und Halbmond zwischen zwei 
Engein, am oberen Abschluss 
das reich vergoldete kuritlrst- 
liche Wappen. 

Der linke Seitenaltar mit 
zwei Paaren gewundener Säulen 
enthalt als Mtttelbild die be- 
rühmte Madonna mit dem Jesus- 
kinde von Deger, im Aufeatz ein 
Brustbild des dorn engekrönten 
Christus. 
Der rechte Seitenaltar hat als Mittel bild den an der Geisselsaule gefesselten 
Christus von Hübnet, darüber ein Brustbild der Madonna, 

Kanzel, barockes sechsseitiges Gehäuse mit den Figuren Christi, Johannes d.T., 
Pauli und Andreae, an der Treppe gemalt die Gestalten der vier Evangelisten. Der 
Schalldeckel gekrönt mit der Gestalt des Erzengels Michael. 

Die Orgel ist in einem einfachen barocken Hoizgehäuse enthalten mit geringen 
Zierformen. 

Die den Chor abschliessende hölzerne geschweifte Komraunionbank ist in 
sieben Teilen abwechselnd mit Balustern imd reichgeschniuten barocken durch- 
brochenen Feldern verziert. 




r" 



DUSSELDORF 



29 



An den Wänden lebensgrosse H ol zfiguren von Heiligen und Aposteln. Zunächst 
an den Stimpfeilem des Chores unter nachgeahmten Stoffbaldachinen die stark be- 
wegten polychromierten Gestalten der hh. Ignatius und Franziskus Xaverius. Weiter 
an der rechten Seite die nur grau angestrichenen, an den Rändern vergoldeten Fi- 
guren von Johannes d. T., Paulus, Jakobus Major, Thomas, Jakobus Minor, Matthäus, 
Thaddaeus, Bamabas, Markus, Wolfgang, an der linken Seite Joseph, Petrus, Andreas, 
Philippus, Johannes, Bartholomaeus, Simon, Matthias, Lukas, Guilelmus (dieser und 
Wolfgang als die Patrone des Erbauers Wolfgang Wilhelm), neben dem Westportal 
Christus und Maria. 

Über dem Westausgang Büste (Fig. 4) des Herzogs Wolfgang Wilhelm von Stuck, 
gut modellierter Kopf in anschliessendem Wams mit spanischem Kragen und der Kette 
des goldenen Vliesses. Unterschrift: s. p. ac d. d. wolfgang Wilhelm d. g. c. p. 
R. N. j. c. ET M. D. ET TEMPLi FUNDATOR OBiiT ANNO i653. Brustbild desselben 
Herzogs auf Leinwand in der Sakristei. 

Gemälde der Kreuzigung Christi, in der Nordwand über dem ehemaligen Zugang 
zum Kloster eingelassen, mit halbrundem Abschluss, Leinwand, bedeutendes und wohl 
erhaltenes Bild aus der Schule von P. P. Rubens. Gegen den hellbeleuchteten Körper 
Christi, der das Haupt verscheidend nach oben wendet, wo über ihm in den Wolken 
Gottvater und die Taube des h. Geistes sichtbar werden, treten die verrenkten Körper 
der beiden Schacher zur Seite in tiefes Dunkel zurück. Am Fusse des Kreuzes knieen 
rechts Maria und Johannes, links, eine schöne, vornehme, jugendliche Gestalt, Maria 
Magdalena, die Arme ausgebreitet nach dem Herrn erhebend. 

An den Pfeilerstimen zur Seite des Chores zwei vortrefflich gearbeitete barocke 
schmiedeeiserne Wand leu cht er. 

Das nach Norden an die Andreaskirche angebaute zwölfseitige Mausoleum 
(Fig. 3) ist mit geschweiftem, zwölfseitigem Dach überdeckt und trägt ein zwölfseitiges 
Tüimchen mit ebensolcher geschweifter Haube. 

Das Innere ist sechsseitig und mit einer einfachen Kuppel überspannt, die Pfeiler 
treten nach Innen kräftig vor, in den Blenden zwischen ihnen ovale Fenster. 

In den Blenden sind, durch Gitter und Vorhänge abgesperrt, die Särge der 
Mitglieder des kurfürstlichen Hauses aufgestellt. Von künstlerischer Bedeutung nur der 
in der Mitte aufgestellte zinnerne Sarg des am S.Juni i7i6 verstorbenen Kurfürsten 
Johann Wilhelm mit gutem Bronzekruzifix, 75 cm hoch, der Tradition nach von Grupello, 
an der Vorderseite ein grosses vergoldetes Bronzerelief, mit dem Porträtmedaillon Johann 
Wilhelms in der Mitte, links in Medaillon das grosse kurfürstliche Wappen, rechts 
zwei Schiffe, die in den Hafen einfahren. Die lange Inschrift bei Bayerle S. i49. 

Weiterhin sind in dem Mausoleum beigesetzt Anna Katarina Konstantia, erste 
Gemahlin des Herzogs Philipp Wilhelm, t i65i, Herzog Wolfgang Wilhelm, t i653, 
Prinzessin Maria Adelheid Anna, t i656, Prinzessin Maria Sophia Elisabeth, f i658, 
Prinzessin Leopoldina Eleonora Josepha, t i693, und Prinz Friedrich Wilhelm, t i689. 
Die Inschriften vollständig bei Bayerle S. i45 — i5o. 

Der Schatz der Andreaskirche enthält eine grosse Anzahl von Silberarbeiten 
des i7. und i8. Jh., zum grössten Teil Geschenke der Bergischen Kurfürsten, sowie 
eine Auswahl kostbarer Paramente, die ersteren teilweise der Marianischen Bürger- 
oder der Marianischen Junggesellensodalität gehörig. Vgl. Katalog der Ausstellung 
zur Feier des 6oo jährigen Bestehens Düsseldorfs als Stadt i888 S. 76. 

I. Monstranz in Sonnenform, 73 cm hoch, von vergoldetem Silber, auf ovalem, 
geschweiftem, mit getriebenen Rokokoomamenten bedecktem Fuss. Um das Mittel- 



K ndreai- 
kirche 

Holzfiguren 



Büste 



Gemälde 



Leuchter 



MAusüleum 



Schatz 



29 



3o KREIS DÜSSELDORF 

Andrea«, mcdaillon befestigt verschiedene Schmuckstücke des i8. Jh., zwei Diamantbroschen, zwei 
Kreuze, zwei Broschen mit Emailmalerei, ein Halsband mit roten Steinen, angehängt 
acht vergoldete Medaillen, zwei ovale Medaillons mit Emailmalereien und ein Kreuz 
aus roten Steinen. 

2. Bronzenes Kruzifix, 4o cm hoch, eines der besten und am meisten durch- 
gearbeiteten Werke von Grupello, mit vortrefflich modelliertem Körper und ausdrucks- 
vollem, zurückgewendetem Kopfe. 

3. Silberne Madonnenstatue, im hoch, auf dem Halbmond und einer vergoK 
deten Erdkugel stehend, um die sich eine Schlange windet, in der Linken ein Scepter, 
in der Rechten das Kind tragend, das mit einem Kreuzstab den Kopf der Schlange 
durchstösst. Dazu ein grosser geschmackloser silberner Baldachin und ein Fuss von 
28 cm Höhe mit 24 Medaillen und einer Reihe gravierter Schilder bedeckt. Der 
Junggesellensodalität gehörig. 

4. Fünf silberne Statuen der hh. Andreas, Ignatius, Aloysius, Franziskus Borgias, 
Franziskus Xaverius, die letzten vier in Jesuitentracht, jede 9o cm hoch, mit gut 
durchgearbeiteten Köpfen. 

5. Silberne Madonnenstatuette, 60 cm hoch, um i7oo, getrieben über Holz- 
kem, in der Rechten das Scepter, in der Linken das bekleidete Kind tragend, den 
rechten Fuss auf den Halbmond setzend, um den sich die Schlange windet. Das 
Gewand mit einem gravierten Stoffmuster bedeckt. Hierzu ein grosser aus drei Teilen 
bestehender, zusammen 82 cm hoher Untersatz; auf dem Unterteil, der aus mit 
schwarzem Lack überzogenem Holz besteht und mit silbernen Arabesken belegt ist, 
3o vergoldete, teilweise sehr wertvolle Medaillen des 16. — 18 Jh. aufgeheftet. Der 
Männersodalität gehörig. 

6. Brustbild des h. Erentius, 60 cm hoch, von getriebenem Silberblech über 
Holzkern, auf der Brust ein ovales Medaillon mit zwei Reliquien, der edle feine Kopf 
mit lang herabfallendem Haar und scharfen Zügen leicht erhoben, im Haar einen 
Lorbeerkranz, in der Rechten die Märtyrerpalme. 

7. Silberner Kalvarienberg, 77 cm hoch, auf dem rechtwinkeligen Fuss die 
Inschrift: IesV MorIentI VIrgInI ConDoLentI eX Voto ponIt 

(i683) I. w. p. ET p., ein Geschenk des Kurfürsten Johann Wilhelm 

vom J. i683. Der gut modellierte Kruzifixus an dem hohen Kreuz, 

zur Seite in lebhafter Bewegung mit au%ewandtem Blick Maria "^ 

und Johannes. Marken: 

8. Kalvarienberg in Elfenbeinfiguren auf Sockel und Kreuz von imitiertem 
Ebenholz, das Kreuz 68 cm, Maria und Johannes je 35 cm hoch. Der Körper des 
Kruzifixus ist vortrefflich durchgebildet, die beiden seitlichen Figuren in faltenreiche 
Mäntel gehüllt, deren Zipfel über einen Arm geworfen sind, in pathetischer schmerz- 
licher Bewegung. 

9. Getriebenes silbernes Vor trage kreuz, 7ocm hoch, der Marianischen Bürger- 
sodalität gehörig, mit grosser unterer Kugel und mit Engelsköpfchen verzierten klee- 
blattförmigen Schlufsstücken. 

1 0. Getriebenes silbernes Vo rtragekreuz, 61 cm hoch, der Marianischen Jung- 
gesellensodalität gehörig, mit reichen Rokokoarabesken, die Kreuzesarme bedeckt, am 
Fusse ein Totenkopf, hier wie bei dem ebengenannten Kreuz der schlanke und edle 
Kruzifixus von grosser Schönheit. 

11. Vortragekreuz, 72 cm hoch, von Holz, mit silbernem Kruzifixus und 
silbernen Beschlägen der Eckstücke und der Kugel, inschriftlich vom J. i728. 

3o 



DÜSSELDORF 



3l 




12. Silbernes Kruzifix, 88 cm hoch, auf barockem, dreiseitigem Fuss. 

i3. Ewige Lampe, 86 cm hoch, von Silber getrieben, an einem silbernen Deckel 
mit vier Kettchen befestigt, ein riesiges rundes Geßlss von schönen Umrissen, mit 
ausgeschnittenen Arabesken, vier weit ausladenden weiblichen Halbfiguren, an deren 
Köpfen die Kettchen befestigt sind und einer Traube als unterem Abschluss. 

i4. Brustschild, von teilweise vergoldetem Silber getrieben, 2ixi8,5 cm, das 
Mittelfeld von zwei Engeln gehalten, darauf das Monogramm Christi 
in Granaten und Rubinen und die Umschrift: w. w. (Wolfgang Wil- 
helm) C. P. R. B. I. C. M. D. C. V. S. M. R. M. D. I. R. S. P. l6lO, am 

Fusse das kurfürstliche Wappen in Emailfarben. Marken: 

i5. Buchdeckel, aus vergoldetem Silber, i8,5 xi2 cm, mit reichen getriebenen 
Rokokoverzierungen, in der von einem Adler gekrönten vorderen Kartouche graviert 
das Wappen des Erzbischofs von Köln, auf der Rückseite die Embleme der geist- 
lichen und weltlichen Herrschaft. 

i6. Messbuch, in neuem Lederband mit silbernen Beschlägen vom J. i687, 
auf der Rückseite die Inschrift: maria anna josepha archidux austriae, auf der 
Vorderseite ihr Wappen. 

i7. Messbuch, von rotem (erneutem) Sammet, 32X44,5 cm, mit vortrefflich 
gearbeiteten, getriebenen und ciselierten Beschlägen von teilweise vergoldetem Silber, 
vom J. 1621. Auf der Vorderseite in der Mitte in reicher Kartouche Christus am 
Kreuz zwischen Maria imd Johannes. Umschrift: r. d. jacobus cambergh nove- 

SIEXS, PASTOR ET CANONICUS IN GERISHEIM DÜNG DEDIT COLEGIO SOCIETATIS JESU 

dusseldorp. hunc librum anno 1621. Auf den Eckstücken die vier Evangelisten. 
Auf der Rückseite in der Mitte die Auferstehung, auf den Eckstücken die vier Kirchen- 
väter. Künstlerisch das bedeutendste Stück des Schatzes. 

18. Silbervergoldetes Ciborium, 34 cm hoch, mit rundem, getriebenem Fuss und 
ausgeschnittenen Arabesken um die Kuppa. 

i9. Kelch, 26 cm hoch, von vergoldetem Silber, auf dem Fusse die Inschrift: 

DER KELG UNSER UEBE FRAWEN BRODERSCHAFT MARIA E REINIUNG DEREN HANT- 

WERCKS JUNGEN GESELLEN IN DÜSSELDORF i7i9. Mit reichen sccnischen Darstellungen 
in getriebener Arbeit, an der Kuppe Abendmahl und Fusswaschung. Der Junggesellen- 
sodalität gehörig. 

20. Rokokokelch, 29 cm hoch, von vergoldetem Silber, mit grossem Fuss und 
kleiner Kuppe. 

21. Kelch, 21,5 cm hoch, mit feinen barocken Ornamenten, aus dem i7.Jh., 
auf dem achtseitigen Fuss Embleme der Madonna und Christi mit Engelsköpfen ab- 
wechselnd. Marken: Anker und Schlange. (?) 

22. Kelch, 26 cm hoch, Ende des 18. Jh., mit einfachen Riefelungen. 

23. Ovale silberne Schale mit vergoldetem Rand und zwei 11 cm hohen Mess- 
pollen, mit den gravierten Wappen des Kurfürsten Johann Wilhelm und seiner Ge- 
mahlin Anna Maria Luise von Medicis. 

24. Zwei Messpollen, iS,S cm hoch, von Silber, 18. Jh. 

25. Elf kleine silberne Reliquiare des 18. Jh., von einfachen Formen, sechs in 
Sonnenform, fünf mit aufrechten Glascylindern, ohne besonderen Kunstwert. 

26. Achtundzwanzig silberne Leuchter des 18. Jh., von verschiedener Grösse, 
zwei der Junggesellen-, sechs der Männersodalität gehörig. 

2 7. Easel, von (erneutem) violettem, mit Gold durchwirktem Seidenstoff mit 
23 cm breiten Stäben, vom Ende des i7.Jh., die Stäbe mit schwerer goldener und 



Andreas 
k i r c h e 



Paramente 



3i 



32 KREIS DÜSSELDORF 

silberner Bouillonstickerei bedeckt, nicht in einzelnen Fäden, sondern mit spiralen- 
föiroig gewickelten und gerollten Kördeichen der verschiedensten Form bestickt. In 
das symetrische Muster sind grosse fünfzackige Kronen eingefügt 

a8. Hierzu zwei Dalmatiken mit nur 6 cm breiten Stäben, aber 3o cm breitem 
Querriegel mit derselben ausserordentlich reichen Bouillonstickerei bedeckt 

29. Kapelle, bestehend aus Kasel, zwei Dalmatiken, drei Manipeln, zwei Stolen, 
von rotem, ursprünglich ungemustertem {das Muster erst l88o eingepresst) Sammet, die 

Stäbe mit einem Muster von 
parallel laufenden, wellen- 
artigen, dicht gedrängten 
Gold ranken bedeckt 

3o. Zu der roten Kapelle 
gehörig ein Ante pendium, 
3 m breit, i,oS m hoch, von 
demselben roten Sammet- 
brokat, mit am oberen Rande 
hinlaufendem, 23 cm breiten 
Fries in goldener Bouillon- 
stickerei, durch eine dreimal 
geknüpfte Goldfranze abge- 
schlossen. In der Mitte das 
grosse Wappen des Kur- 
fürsten Max Emanuel von 
Bayern und seiner Gattin 
Theresia Kunigunde, von 
grünen, mit Gold bestickten 
Ranken umgeben. DerChor- 
mantel aus demselben Stoff 
mit breiten Stäben und 
grosser Kappe, dicht mit 
Stickerei bedeckt 

3i. Kapelle, von neuem 
grünemSammet, ursprünglich 
von grünem Seidenbrokat. 
Die Kasel mit 32 cm breiten 
Stäben, die wiederum mit 
starker Bouillonstickerei von 
gedrehten Gold- und Silber- 
kördelchen bedeckt sind. Die 
Einfassung und die gelblichen Goldkörd eichen in der Stickerei erneut Die Dalma- 
tiken mit schmalen Stäben, aber breiten Querriegeln in derselben Ausführung. 

32. Schwarze Kapelle, von neuem schwarzem Sammet, ursprünglich auf schwar- 
zem Seidenbrokat, mit breiler Bouillonstickerei von gewundenen Gold- und Silber- 
kördeichen, mit schönem breiten Abschluss am Hals (restauriert). Die beiden dazu 
gehörigen Dalmatiken überaus reich mit 7 cm breiten Stäben, die auch um den Hals- 
ahschluss herumgeführt sind und, 32 cm breiten Querriegeln und 32 cm breiten Arm- 
leisten, durchweg mit derselben schweren Stickerei bedeckt {Fig. S). 

32 



:c Kmel mit BouilLc, 



f 



DÜSSELDORF 33 

33. K as e 1 , von braunem Sammetbrokat mit vertieftem, silberdurchwirktem Grunde, Andreas, 
die 23 cm breiten Stäbe und die breite Randeinfassung in goldenem, flachem Plattstich, 

der Art, dass die Fäden über die ganzen Blätter gezogen sind. Das Muster wird durch 
Pflanzenranken gebildet, durch die einzelne geometrische Stäbe hindurchgezogen sind. 
Hierzu ein Kelchvelum, ein Manipel imd eine Stola in derselben reichen und schweren 
Ausfuhrung. 

34. Kasel, von rotem, mit horizontalen Goldfäden durchwehtem Seidenbrokat, 
durch von Goldfäden eingefasste Bänder in Zickzackform und kleine Blütenbüschel 
verziert, mit 24 cm breiten Stäben, die auf einfarbigem, rotem Seidenbrokat mit einem 
symmetrischen Muster von kräftigen, höchst wirkungsvollen Ranken in schwerster gol- 
dener und silberner Bouillonstickerei bedeckt sind, in durchweg ausgedrehten spiralen- 
fbraiigen Kördeichen. Hierzu zwei Dalmatiken mit denselben breiten Mittelriegeln 
we bei der violetten Kapelle, zwei Stolen und drei Manipeln. 

35. Kasel, von Purpursammet, die Stäbe wie der übrige Raum mit der schwersten 
Bouillonstickerei von Gold- und Silberfäden über untergelegten Wergpols terchen be- 
deckt Das Muster bilden nur wenig stilisierte symmetrische Blütenranken. Am unteren 
Rande die Zahl: i685. Hierzu Stola und Manipel mit derselben Stickerei. 

36. Antependium, von roter Seide, auf neuen Stoff aufgenäht, 3,o5 m breit, 
1,10 m hoch, bedeckt mit dichtgedrängten, äusserst sorgfältig ausgeführten goldenen 
und silbernen Ranken, zum Teil in Bouillonstickerei, in der Mitte die Zahl i687. 

37. Kelchvelum, von roter Seide, mit goldenen Ranken und Pailleten benäht, 
in der Mitte in Strahlensonne das Monogramm Jesu, Ende des i7.Jh. 

38. Kelchvelum, von roter Seide, mit reicher Bouillonstickerei und Pailleten 
besetzt, in der Mitte Medaillon mit dem Pelikan. 

39*. Kelchvelum, von orangefarbener Seide mit Silberstickerei und farbigen 
Blättern in Plattstich, in der Mitte der Pelikan, i7.Jh. 

KIRCHE DER BARMHERZIGEN SCHWESTERN. Bayerle S. 200 Kirche der 
bis 221. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 86. — Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i6. ^^SchiHtifr 

Das Karmelitessenkloster wurde durch Anna Maria von Knippenburg im J. i642 Geschichte 
hier gestiftet. An Stelle der alten Kirche wurde i7i2 ein Neubau errichtet; nachdem 
das Gewölbe schon i7i4 eingestürzt war, restauriert und i7i5 vollendet; i7i6 ward 
der Klosterbau beendet. Das Kloster wurde i8o3 aufgehoben, i83i wurde es den 
bannherzigen Schwestern des Cellitenordens eingeräumt, später den Kreuzschwestem 
übergeben. 

Die Kirche ist in Kreuzesform mit abgerundeten Armen aus Backsteinen er- Beschreibung 
richtet. Die Vierung bildet eine flache Kuppel, die Kreuzarme sind mit flachen Tonnen 
eingedeckt und durch gedrückte Gurte von der Vierung getrennt, die auf Pilastem 
mit jonischen Kapitalen und hohen Basen ruhen. Ein breites Krönungsgesims zieht 
sich rings durch das Innere. An der Westfa^ade ein Rokokoportal, darüber in einer 
Nische das Christuskind, zur Seite in Nischen die schlechten Barock figuren der Ma- 
donna und des h. Joseph. Nördlich von dem Chor befindet sich, durch starke Eisen- 
gitterfenster abgetrennt, ein Raum für die Nonnen. 

Stark verblichene Deckenmalereien vom Anfang des 18. Jh., am Rande nur Mniereien 
eine Architekturglied enmg nachahmend, in den vier seitlichen Feldern Engelsgruppen, 
in dem mittleren in den Ecken die thronenden vier Kirchenväter, im Mittelrund die 
Himmelfahrt Maria, unten knieend die h. Theresia. 

Die ganze Kirche hat die wirkungsvolle und gut zusammenstimmende Aus- 
stattung aus der i. H. des 18. Jh. bewahrt. 

8 
33 



34 



KREIS DÜSSELDORF 



Kirche der 

barmherzigen 

Schwestern 

Hochalmr 
Epitaph 



Parnmente 



Kelche 



Monstranz 



Garnison* 
Pfarrkirche 



Beschreibung 



A 



usseres 



Inneres 



Altar 



Pieta 



LambertuS' 
kirche 

Litterntur 



Hochaltar, grosser hölzerner Aufbau vom J. i732, in dem von je zwei Säulen 
und zwei Statuen flankierten Mittelfeld ein Holzkruzifix, darüber das Gemälde der 
Himmelfahrt Maria. 

Epitaph des am 26. Juli i73o verstorbenen Grafen Adrian von und zu Die- 
mantstein und der Gräfin Maria Elisabetha von Velbruck, t ^9. Febr. i74o. (Inschr. 
bei Bayerle S, 218.) 

Kapelle von rotem Sammet mit goldener Bouillonstickerei, der Chormantel 
mit besonders schönen Ornamenten; auf dem zugehörigen Antependium die Zahl i7oo. 

Chormantel von brauner Seide mit Silber durchwirkt, bedeckt mit breiten 
mit Pailletten besetzten Goldstickereien, kostbare mit Goldarabesken in Plattstich be- 
deckte Kappe, um i7oo. 

Kasel von weisser Seide mit Ranken und Blumen in Plattstich, 2. H. des i7. Jh. 

Breite geknüpfte Albenspitze des 18. Jh. 

Kelch, 24 cm hoch, 2. H. des i7.Jh. 

Kelch, 23 cm hoch, 18. Jh. 

Kelch, 26 cm hoch, 18. Jh. 

Monstranz vom J. i728, 59 cm hoch, mit den Marken N, IVVI und Löwe, an- 
gehängt elf Schaumünzen, eine mit falschen Brillanten besetzt. 

Grosse Sonnenmonstranz des 18. Jh., 69 cm hoch, mit Marke HW und 
4 Medaillen. 

GARNISON-PFARRKIRCHE (Bayerle S. i9o. — Geschichte der Stadt 
Düsseldorf S. 369) mit der Infanteriekaseme im J. i735 durch den Ingenieur Carrion 
errichtet im Auftrage Johann Wilhelms, ä fin que la piete et le culte divin ne soient 
obmis par le soldat, de qui l'exercice n'inspire d'ordinaire que la licence et le liberti- 
nage (Hs. des Raparini, Archiv der Fahnenburg p. i44). 

Die im Rokokostil erbaute Kirche ist ein kreuzförmiger Backsteinbau mit ab- 
gerundeten Kreuzarmen. Die in der Fluchtlinie der Kaserne stehende Fa^ade wird 
von zwei zweimal abgetreppten Pilastem mit jonischen Kapitalen flankiert, die den 
geschweiften Giebel tragen. Hauptportal mit einfacher Einrahmung, darüber zwischen 
zwei hohen rundbogigen Fenstern eine Nische für eine Figur. Auf dem geschieferten 
Dache ein übereck gestelltes vierseitiges Türmchen mit achtseitiger Haube und vier- 
seitiger Laterne. 

Im Inneren wird das Langhaus von einer ganz flachen Tonne überspannt, 
mit je einem Fenster zur Seite, die durch Pendentifs ins Achteck übergeführte Vierung 
mit einem Kuppelgewölbe von Holzverschalung. Über den durch je drei Fenster 
erhellten abgerundeten Kreuzesarmen ganz flache Halbkuppeln. Auf den Vienings- 
pfeilem mit vortretenden Pilastem, hohen attischen Basen und jonischen Kapitalen 
sitzt das schmale unter der Decke durch den ganzen Bau herumgeführte Krönungs- 
gesims auf. 

Hochaltar, schwerfälliger Auf bau mit sechs marmorierten Holzsäulen, in der 
Mitte gutes Altarbild von liienbach. 

Im nördlichen Seitenaltar kleine neu polychromierte Pieta des 16. Jh., 38 cm hoch. 

LAMBERTUSKIRCHE. Urk. über die Errichtung des Stifts : Vaterländische 
Blätter II, i8i5, S. i67. — Bayerle S. i — 126. — Lotz, Kunsttopographie I, S. i89. 

— aus'm Weerth, Kd. II, S. 46. — Otte, Handbuch der Kunstarchäologie II, S. 28S. 

— BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 2 76. — Zur Geschichte der Verehrung des 
h. Apollinaris in Düsseldorf: Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i4; Heimat i875, S. 55. — 
C. A. V. Kladt, Kurzgefasste Lebens- und Wundergeschichte des h. Apollinaris, Schutz- 



34 



DÜSSELDORF 



35 



Hnndschriftl. 
Quellen 



patrons der Stadt Düsseldorf, o. J. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 66, 36 1. — Lambertus- 
[F. G. Cremer], Einige Worte zur inneren Ausschmückung und Instandsetzung der 
St. Lambertuskirche zu Düsseldorf, D. i889. — Köln. Volksztg. 4. März i892. 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv (inventarisiert von H. Ferber): Urk. 
vom J. i3oo ab. — Unter den Hsn. bemerkenswert: Origo, progressus et augmentum 
Dussellanae huius ecclesiae collegiatae, 4®, i8 Bl, angehängt series decanorum, schola- 
sticorum etc. — Älteste Chronik des Stiftes vom Dechanten Thomas Wendelen, 
Pap., fol. 7 BL, mit dem J. i33S beginnend (Anfang fehlt), angehängt eine Chronik 
aus der Zeit des Dechanten Voetz mit Volkszählung vom J. i658, identisch mit dem 
Origo, progressus et augmentum. — Pergamentband mit dem Verzeichnis des Schatzes 
vom J. i5i I, bez.: Incipit registrum sive processus reliquiarum ecclesie collegiate gloriose 
semperque benedicte Dei genitricis et virginis Marie in Duysseldorp, mit alpha- 
betischem Register. Wilhelmus Cluntz Trol. scrivere me fieri fecit a. d. MV^XI. 
Darin Inventar vom J. i393: Folgen die monstrancien und reliquien wie dieselbe in 
dem alten menologio verzeichnet sindt. Weitere Inventare von i437 und aus dem 
i7. Jh. unter den Urk. 

Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 375 Urk. von 1288 — 1794. — Kopiar 
B iiSa— c, a 6i9 Bl. mit Urk. von 1288 ab, b 84 Bl. mit Ergänzungen hierzu, c i63 BL, 
zunächst ausführliches Inventar der clenodia vom J. i397 Bl. 1» — 7^, dann Urk. vom 
J. i393, Verzeichnis des Inhalts der capsa s. Apollinaris, s. Pancratii, S. Wyleyci, weiter 
Urk. des i5. Jh., Bl. i35» — i4i^ Inventar vom J. i437 in zwei Abschriften, am Schluss 
constitutiones et statuta capituli. — Hs. A. 65 Liber memoriarum, i5. Jh., Perg., Leder- 
band (vgl. Lacomblet, Arch. III, S. 126), A 66 Kalendarium, Perg. fol., i5. Jh., schöner 
Lederband mit Schliessen und Knöpfen. Über die Akten vgl. Ilgen, Rhein. Archiv 
S. 7i. Inventar des alten Stiftsarchives vom Canonicus Kegeljan vom J. i785 (zweite 
Abschrift im Pfarrarchiv). 

In der Kgl. Landesbibliothek zu Düsseldorf: Hs. £. 8^ Sammelband, 72 BL, 
i4. Jh., Bl. 67 : Statuta collegiate ecclesie Dusseldorpiensis. 

Im Staatsarchiv zu Münster: Urk. in der Kindlinger sehen Sammlung 
Bd. UV, am Ende. 

Eine Kirche zu Düsseldorf wird zuerst im J. ii59 erwähnt (Lacomblet, U B. 
IV, Nr. 627). Der älteste an Stelle der jetzigen Lambertuskirche liegende Bau war 
eine Kapelle, deren Fundamente im Chor bei Anlage eines Totenkellers noch zum 
Vorschein kamen (Pfarrarchiv, Origo Bl. 1*. — Bayerle S. i). 

Nachdem 1206 die Kapelle zur Pfarrkirche erhoben worden war, erfolgte am 
Ende des i3. Jh. durch Graf Adolph von Berg und seinen Bruder Wilhelm eine Er- 
weiterung der Kirche (Origo Bl. i*: ecciesiam ampliatam cum structura a modemo 
choro cum interiore navi et turri). 

Durch Graf Wilhelm wurde 1296, nachdem schon 1288 Papst Nikolaus IV. seine 
Erlaubnis hierzu erteilt hatte (Brosius, Annales II, p. 24), die Pfarrkirche in eine 
Kollegiatstiftskirche verwandelt (bestätigt i3o6 durch Erzbischof Heinrich IL von Köln: 
Lacomblet, UB. III, Nr. 39. — Vgl. Bayerle S. 4). Am Ende des i4.Jh. machte 
sich eine zweite Erweiterung der Kirche notwendig, mit der Vergrösserung des Stiftes 
(Brosius, Annales II, p. 35) Hess Herzog Wilhelm zugleich eine Vergrösserung der 
Kirche vornehmen, die von i37o — 1394 andauerte; die Mauern des Schiffes und 
Chores wurden durchbrochen und Seitenschiffe sowie ein Chorumgang angefügt, kurz 
darauf, i394, wurde südlich die Sakristei angebaut (Origo Bl. i^: A. i392 dux Wilhel- 
nms censetur structuram templi in circumferentiam quoad duo latera perfecisse cum 

35 



Münster 



Geschichte 



Älterer Bau 



Erweiterung 



sacristia. — Bayerle S. 7). Zwölf neue Altäre wurden errichtet, der Herzog gab 
dazu der Kirche einen besonderen Glanz durch die Sammlung kostbarer Reliquien 
(Ausführlich Baveri.e S. 9, 92. — Krebs, Zur Geschichte der Hciligthumsfahrten, 

Köln i88i, S. 3i. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 69, Anm. 2). Nach der 
Pulverexplosion vom J. i634 wurden die Fenster der Nordseite wiederhergestellt. 
Nach dem Brande vom J. iSlS (Baverle S. 93. — Der Niederrhein i884, S. 78} 
wurde die Turmhaube erneut. Seit dem J. i87o erfolgte in einzelnen Absatzen eine 



Restauration des Inneren und Äusseren, zuletzt unter der Leitung des Architekten 
Ludwig Becker in Mainz. 

Dreischiffige gothische Hallenkirche mit um den dreiseitigen Chor als Chor- 
umgang herurageführlen Seitenschiffen, im Lichten 4 1,80 m lang, !6,7o m breit, das 
Mittelschiff 9,iom breit. Die beiden Bauperioden des i3. und i4. Jh. treten schon 
durch das verschiedene Material sichtbar hervor: der altere Bau zeigt Tuffverblendung 
tlber Ziegelkem, der jüngere ist reiner Backsteinbau. 

Der aus Tuff aufgeführte, dem Mittelschiff vortretende fünfstöckige Westturm 
besitzt Eck verklammerung von Hausteinquadern. Das Erdgeschoss enthalt nach Westen 

36 



DÜSSELDORF 



37 



das einfache im Rundbogen geschlossene Portal mit horizontalem Sturz, das zweite Lambcrtus 
Geschoss ein dreiteiliges Portalfenster, das dritte und vierte je drei rundbogige Blenden, 
das letzte je zwei spitzbogige Doppelfenster mit Mittelsäule. Die achtseitige geschieferte 
schlanke Turmhaube ist mit kleinen Giebelchen versehen, auf die Ecken des Turmes 
sind vorgekragte achtseitige Türmchen gesetzt Die ganze Haube ist im Zimmerwerk 
etwas gewichen und hat eine leise Drehung nach Westen gemacht (Fig. i u. 6). 

Die Aussenarchitektur der Schiffe ist durchaus schmucklos. Die Westfa^aden Langhaus 
der Seitenschiffe zeigen je ein vermauertes Portal, im Giebel eine einfache spitzbogige 
Blende. Die Streben sind zweimal abgetreppt, unter den Sohlbänken der Fenster 
zieht sich eine Horizontallisene hin. Im Norden ist an die Kirche unter frühgothischer 
Halle der grosse Kalvarienberg in lebensgrossen überaus ausdrucksvollen Figuren vom 




j M I I I I I M [ 



Fig. 7. Düsseldorf. GrundcUs der Lambertuskirche. 

Bildhauer Retss angebaut. An seiner Stelle stand bis i883 der alte kurz vor i469 
errichtete aus neun lebensgrossen Figuren bestehende Kalvarienberg, der rücksichtslos 
beseitigt wurde. Der Verbleib der Reste ist unbekannt (vgl. C. L. Strauven, Der 
Kalvarienberg in der Altstadt, Düsseldorf t 883). Im Süden erhebt sich neben dem West- 
en, mit diesem durch ein Pendentif verbunden, der nur bis zur Höhe des ersten 
Stockwerkes aufgeführte, aus fünf Seiten des regelmässigen Achtecks konstruierte 
Treppenturm. An der Südwestecke des südlichen Seitenschiffes führt ein weiterer 
Treppenturm bis zur Dachhöhe empor. Der im Süden angefügte zweigeschossige 
Sakristeibau nimmt die Gliederung durch die Horizontallisene auf und zeigt über 
der ersten Fensterreihe eine zweite Lisene. Sein Dach trägt einen eigenen Dachreiter, 
nach Osten einen erkerartigen Mansardenbau mit gothischer Hausteingliederung, der 
zur feierlichen Schaustellung der Reliquien diente (Fig. 6). Nach Westen ist ein aus 
fünf Seiten des regelmässigen Achtecks konstruierter Treppenturm angebaut. 



37 



38 



KREIS DÜSSELDORF 



Lambertus' 
kirche 

Inneres 



Hochaltar 



Altäre 



Sakraments* 
häuschen 



Im Innern werden die Gewölbe von vierzehn Pfeilern auf i,5 m hohen Basen 
getragen, von denen die das Chorhaus umgebenden nur rechteckig gestaltet sind, das 
erste und dritte Paar von Westen aus achtseitig mit starken Vorlagen nach innen, 
das zweite Paar . einfach achtseitig. Nur das erste und dritte (den Hochchor ab- 
trennende) Paar sind durch Gurte verbunden. Die mit Hohlprofil versehenen Ge- 
wölberippen ruhen mit verschieden skulptierten Blattkapitälen auf schlanken Drei- 
viertelssäulen, die bis zum Boden herabgeführt sind. Im Chor sind die Gewölbe- 
kappen neben den Arkadenbögen tief gesenkt. Die Aussenmauem sind nur durch die 
unter den Sohlbänken der dreiteiligen, mit erneutem Masswerk versehenen Fenster 
hingezogene Horizontallisene belebt. Die Gewölbeschlufssteine sind im Chor mit 
skulptierten Rosetten, im Mittel- und Seitenschiff mit gemalten Wappen versehen. 
Die den Hochchor abschliessenden Schranken bestehen zwischen den ersten drei 
Pfeilerpaaren aus einfachen ungegliederten Mauern, im Chorabschluss aus einfach 
stilisierten gothischen schmiedeeisernen Gittern. 

Der Hochaltar, aus dem i8. Jh., 1823 erneut, trägt einen hohen Rokokoaufsatz; 
vor den beiden Pfeilern des Chorabschlusses je ein von drei gewundenen Säulen ge- 
tragener Architrav, darauf ein fackeltragender Engel — in der Mitte die Holzstatue der 
Madonna, darüber aufgehängt eine frei schwebende Krone. Zur Seite die Figuren der 
hh. Thomas und Apollinaris, Lambertus und Pankratius, vor dem Altar Antependium 
von Andreas Achenbach, Geschenk des Künstlers. 

Im Chorumgang vier weitere Rokokoaltäre. Der erste (von Süden her) enthält 
ein schlechtes Bild der Himmelfahrt, und ausser zwei barocken Aposteln als Ab- 
schluss eine Statue des h. Antonius aus dem iS.Jh. Der zweite Altar zeigt wertlose 
Rokokofiguren, der dritte birgt im Mittelfeld hinter Glas ein neu polychromiertes 
hölzernes aus der Kreuzherrenkirche stammendes Madonnenbild vom Anfang des 
i5. Jh., im hoch: die Madonna sitzt auf hohem, mit durchbrochener Lehne ver- 
sehenen Thron, in der Rechten das erhobene (erneute) Scepter, mit der Linken das 
auf ihrem linken Knie stehende Christuskind haltend, das mit langem Hemdchen 
bekleidet ist und in der Linken ein (erneutes) Scepter hält. Das Gesichtchen der 
Madonna zeigt den Kölnischen Typus mit weichen Wangen, spitzem Kinnbuckel und 
kleinem Mund (vgl. Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 67). Auf dem vierten Altar 
als Abschluss ein Holzbild des h. Martinus aus dem 16. Jh., zur Seite die 9o cm 
hohen Holzstatuetten der hh. Thomas imd Lambertus (?) vom Ende des iS.Jh. 

Das Sakramentshäuschen (Fig. 8. — aus'm Weerth, Kd. Taf. XXXI, i; II, 
S. 47. — Bayerle S. 26), das an der nördlichen Aussenseite des Hochchores bis zur 
Höhe des Gewölbes aufgeführt ist, ist durch seinen omamentalen Schmuck und seinen 
Figurenreichtum das bedeutendste spätgothische derartige Werk des Niederrheins, nach 
den Wappen gestiftet zwischen i475 und i479 von Herzog Wilhelm III (i475 — i5ii) 
und seiner Gemahlin Elisabeth (t i479). 

Das fünfseitige Gehäuse wird von einem fünfseitigen Sockel auf reich profiliertem 
Fuss getragen, dessen Kanten gewundene Säulen vortreten, aus zwei umeinander- 
geflochtenen Stämmen bestehend, von hockenden Löwen geschirmt, die in der 
äusseren Vorderpranke Schilde mit den Wappen der Stadt Düsseldorf, der Länder 
Jülich-Berg-Ravensberg und Nassau - Saarbrücken halten. Die vier freien Seiten des 
Sockels sind nischenartig ausgerundet und zeigen je eine (erneute) Heiligenfigur auf 
Konsole unter Baldachin, darüber je eine figürliche Scene in starkem Hochrelief: 
Adam und Eva im Paradies und nach dem Sündenfall, Christus am Ölberge, das 
Wunder des h. Hubertus. Das Gehäuse selbst zeigt an der Unterseite zwei Kehlen, 



38 



die mit &eigearbeitetem, 
gothischem Laubwerk ge- 
füllt sind, die obere mit 
menschlichen DrOleries 
veisehen. Die vier freien 
Seilen des Gehäuses sind 
mit vergoldetem, schmie- 
deeisemem Gitter ge- 
schlossen, das an den 
Rändern mit geschnitte- 
nem, vortrefflich gearbei- 
tetem Laubwerk verziert 
isL Die trennenden Pfei- 
ler, denen eine dünne 
Mittelsaule vortritt, zei- 
gen unter Baldachinen 
mit ge«-undenen Fialen 
auf voigekragten Laub- 
wcrkkonsolen je zwei (er- 
neute) Heiligenßgürchen. 
Die Gitterfelder selt>st 
rahmt eine tiefe Kehle 
ein, an den Seiten mit 
einfachem Laubwerk ge- 
füllt, in den beidea mitt- 
leren Feldern mit dem 
Baum Jesse verziert, der- 
art, dass in dem einen 
auf der unteren Sohlbank 
Jesse, auf der anderen 
Maria sitzL 

Über jedem Felde 
ein vorgeklagter dreisei- 
tiger Baldachin mit ba- 
rocken Krabben. Darüber 
erhebt sich in drei Stock- 
werken, ein jedes übereck 
wf das darunterbefind- 
liche gesetzt, der hohe 
und luftige Baldachin. Die 
Pfeiler sind durch Kiel- 
IJögen mit einander ver- 
bunden, das untere Ge- 
schoss ist mit gewunde- 
nem Laubwerk gefüllt Die 
alten Heiligenfigürchen, 
die in den beiden unteren 
Stockwerken den fünf- 



Fig S. Dlutldorr. Sukianu 



4o KREIS DÜSSELDORF 

Lambertus. scitigeii Mittelpfeiler umgeben, sind bis auf eines erhalten. Den Abschluss des Ganzen 
bildet ein Pelikan mit ausgebreiteten Flügeln. 
Chorstühle ChoTstühle, ohue Rücklehue, zweireihig, rechts hinten acht, vom sieben, links 

hinten neun, vom sieben Sitze, mit von Säulchen getragenen Armlehnen, die Miseri- 
kordien einfach mit Wappen, Tieren, Bauern, die hinteren Wände der ersten Reihe 
geriefelt. An den Wangenstücken nach Westen die Einzelfiguren des h. Laurentius 
und eines Bauern mit Narrenkappe, nach Osten zwei Engel, Johannes der Evangelist 
und S. Antonius, derbe Arbeit vom Ende des iS.Jh. 
Kanzel Rokokokanzcl, rundes Gehäuse mit den Medaillons der vier Kirchenväter, 

runder Schalldeckel. 
Mobiliar Bänke Und Beichtstühle mit leichten Rokokoomamenten. 

Taufstein Taufstciu, vou Sandstein in Kelchform, achtseitig, mit derbem kräftigem Mass- 

werk, Ende des iS.Jh. 
Skulpturen Sandstciufigur des h. Chris tophorus am zweiten nördlichen Pfeiler von Westen 

aus, die mächtige Gestalt in fast doppelter Lebensgrösse, mit der Linken auf einen 
Stamm gestützt, die Rechte in die Seite gestemmt, auf der rechten Schulter das Kind 
mit der Weltkugel, der bärtige Kopf von energischem Realismus erfüllt, ähnlich dem 
zu Kempen (Kunstdenkmäler d. Kr. Kempen S. 93) und Emmerich (Kunstdenkmäler 
d. Kr. Rees S. 44), kurz nach i5oo. An der Konsole ein von zwei reich gelockten 
schwebenden Engeln gehaltener Schild mit Hausmarke, darunter geriefelte Säule mit 
zierlichem Blattkapitäl. 

Kreuzigungsgruppe des i7. Jh., weiss überstrichen, in der Taufkapelle im 
linken Seitenschiffe, von Holz, in lebensgrossen Figuren. Im Chorumgang Holzfiguren 
von Christus, an die Säule gefesselt, und S. Nepomuk mit dem Engel, 18. Jh. 
Grabmal de» Grabmal dcs am 5. Jan. i592 gestorbenen Herzogs Wilhelm V. an der Ost- 

erzogs I e m ^^^^ ^^^ Kirchc (Taf. n, HI. — Th. Levin, Grabdenkmal des Herzogs Wilhelm : Düss. 
Beitr. I, S. i75; IV, S. 253). Das fast die Höhe des Gewölbes erreichende Monument ist 
aus schwarzem, weissem (für alles Figürliche), rotem (für Säulen), gelbem (für Obelisken 
und Seiteneinfassungen) und braunem Marmor gearbeitet und durch ein schmiede- 
eisernes Gitter mit vergoldeten Rosetten abgeschlossen. Auf vier Stufen von schwarzem 
Marmor, auf deren Ecken acht aus weissem Marmor gebildete Löwen als Schildhalter 
mit den Ahnenschilden des Herzogs hocken (die Wappen bei Levin S. 186, Berich- 
tigung Beitr. VI, S. i89), erhebt sich der Unterbau, dem der Sockel des sargähnlichen 
Sarkophages als Risalit vortritt. Auf dem Sarkophag liegt das lebensgrösse Bild des 
Herzogs, in voller, fein ciselierter Rüstung, in freier und ungezwungener Haltung auf 
dem rechten Arm aufgestützt, dessen Ellenbogen auf einem Kissen ruht. Der durch 
die kurze spanische Krause wirkungsvoll abgehobene fein gemeisselte Kopf mit dem 
kahlen Schädel, den tiefliegenden Augen und dem kurzgehaltenen Bart ist auf die 
rechte Hand gestützt und leicht nach oben gekehrt. Zu den" Füssen des Herzogs 
Visierhelm und Handschuhe. 

Über dem Unterbau ist eine Stellung von vier korinthischen Säulen angeordnet, 
welche die Verkröpfungen des aus Architrav, Fries und stark ausladendem Haupt- 
gesims bestehenden Gebälks tragen. Im Mittelfeld über dem Sockel zunächst in Kar- 
touche das volle herzogliche Wappen von Jülich -Kleve -Berg mit drei Turnierhelmen, 
von zwei Putten gehalten, darüber ein grosses im Halbrund abgeschlossenes Relief mit 
der Darstellung des jüngsten Gerichts, mit technischer Virtuosität stark malerisch be- 
handelt, die vordersten Figuren völlig frei herausgearbeitet, einige der Auferstandenen 
von wunderbarer Weichheit in der Behandlung des Nackten, mit weitem Horizont 

4o 



r 



Düsseldorf. Figuren vom Grabmale de^ Herzogs Wilhelm. 



DUSSELDORF 



4i 



In den Nebennischen zur Seite der Hauptnische sind die Figuren der vier Lambertu» 
Kardinaltugenden angebracht, von links nach rechts die Klugheit mit der Schlange, 
die Gerechtigkeit mit Schwert und Wage, die Tapferkeit mit einer durchbrochenen 
Säule, die Massigkeit mit zwei Gefässen (Taf. III). 

Der Giebelaufsatz des Denkmals zerfällt in zwei Stockwerke. Auf den durch 
die Verkröpfung der Attika gebildeten Sockeln erheben sich vier weitere allegorische 
Gestalten, links Glaube, rechts Liebe als Caritas, in der Mitte zwei weibliche Ge- 
stalten mit Grabscheit und Totenkopf, wohl den Tod und die Vergänglichkeit dar- 
stellend. Über dem halbrunden Abschluss des Mittelfeldes zwei geflügelte Viktorien 
mit Kranz und Palme, dazwischen eine Tafel mit dem Wahlspruch des Herzogs: 

IN DEO SPES MEA. 

Das oberste Stockwerk enthält zwischen zwei Hermen in der mittleren Nische 
die sitzende Gestalt der Hoffnung, auf den Abflachungen des durchbrochenen Giebels 
ruhen zwei Engel, die Krönung des Ganzen bildet die Gestalt des Auferstandenen. 

Ober dem Sarkophag die Hauptinschrift: illustriss. principi d. guilielmo Inschriften 

DUCI JULIAE CLIVIAE ET MONTIUM COMITI MARCAE ET RAVENSBURGI D. IN RAVEN- 
STEIN, PARENTI OPTIMO MERITO, QUI ANNO CHRISTI MDXVI KAL. AUG. NATUS VITAM 
USQUE AD ANNÜM MDXCII PRODUXIT, INEUNTE VIRILI AETATE OB DUCATUM GELDRIAE 
ET COMITATÜM ZUTPHANIAE DIFFICILLIMO BELLO CONTRA CAROLUM V. IMPERATOREM 
TANQÜAM DOMINUM BELGII IMPLICATUS, POST QUADRIENNIUM PAGE FACTA ET SERE- 
NISS. D. MARIA FERDINANDI ROM. REGIS ET POSTEA IMP. F. IN MATRIMONIUM DUCTA 
EADEMQUE IN COELUM PRAEMISSA CLIVISQUE TUMULATA, PLURIMIS TURBIS OB BELLA 
INTESTINA GERMANIAE ET VICINA BELGICUM ET COLONIENSE, CUM ANTEA PRO CON- 
SERVANDA PAGE PUBLICA IMPERII MULTOS SAEPE LABORES RE ET CONSILIO FELICITER 
SÜSCEPISSET, JACTATO TANDEM POSTQUAM LIII ANN. LAUDABILITER SUIS PRAEFUISSET, 
OMNIÜM DOLORE NON. JAN. SENIO CONFECTUS ANIMAM DEO OPT. MAX. PLACIDISSIME 
REDDIDIT. JOANNES GUILIELMUS UNICUS FILIUS ET HAERES MOERENS M. E. P. 

Links von der Gestalt des Herzogs die auf den Vater des Verstorbenen bezüg- 
liche Inschrift: illustriss. princeps d. Joannes joan. f. dux cliviae, comes marcae, 

DOMINUS IN RA VENSTEIN, ILLUSTRISS. D. GUILIELMUM, CUIUS MEMORIAE HOC POSI- 
TÜM UNICÜM FILIUM ET HAEREDEM DITIONUM SUARUM ANNO CHRISTI MDXXXIX. NON. 
FEB. CLIVIS MORIENS RELIQUIT. 

Rechts die auf die Mutter bezügliche Inschrift: illustriss. princeps d. maria 

GUILIEL. F. DUX JULIAE ET MONTIUM, COMITISSA RAVENSBURGI ILLUSTRISS. PRINCIPIS 
D. JOANNIS DUCIS CLIVIAE, COMITIS MARCAE ET DOMINI IN RAVENSTEIN CONIUNX 
DUCATUS SUOS ET COMITATÜM UNICO FILIO ILLUSTRISS. D. GUILIELMO ANNO MCI (für 
13 d) XLIII III. KAL. SEPTEM B. VITAM BUDERIACI CLAUDENS CESSIT ET TRI BUS ILLIS 
DÜCATIBUS CAETERISQUE DOMINUS PRINCIPEM ET DOMINUM NATUM DEDIT. 

Das Grabdenkmal ist in den Stilformen der italienischen Hochrenaissance errich- Würdigung 
tet, im Anschluss an das durch Andrea Sansovino festgestellte Schema des Triumph- 
bogens. Die Figuren, zumal die weiblichen Idealfiguren, sind von grosser Schönheit 
in der Linienführung. Die Gestalten haben einen auffallend kleinen und feinen Kopf, 
dabei weiche und breite Schultern, volle Hüften. In die Gewandung, durch die der 
Körper gut durchmodelliert ist, ist durch das Motiv des vor- oder zurückgesetzten 
Spielbeines reiche Mannigfaltigkeit gebracht. Die Falten sind im Interesse der deut- 
lichen Hauptumrisse zuweilen tief unterarbeitet. 

Als Künstler sind (nachdem schon in der ,Düsseld. Ztg.* vom 8. Jan. i838 Künstler 
hierauf hingewiesen war, vgl. Beitr. IV, S. 253) von Levin die Meister Gilles de Rivüre 
wnd Niccolo Pippi von Arras wahrscheinlich gemacht worden, die für den i575 in 
Rom verstorbenen Jungherzog Karl Friedrich in der Kirche S. Maria dell' Anima ein 



4i 



4l KREIS DÜSSELDORF 

prachtvolles Grabmal errichtet hatten (Beitr. I, S. i88. — Berg. Zs. XXIII, S. 166) 
Das Düsseldorfer Grabmal steht in der Einzelausführung dem Römischen Werke 
wenig nach und nähert sich nur in den Bewegungsmotiven der Figuren dem in 
Bartholomäus Spranger verkörperten Manierismus. 

Grabmal der Margaretha von Windeck (?), Grafin von Berg und Ravens- 
berg, t '384 {Fig. 9), die Tumba 2,3o m lang, 1,06 m breit, 86 cm hoch, die Seiten- 
flächen mit sechs und zwei nusen verzierten Spitzbogen, die Deckplatte an den Kanten 
abgeflacht, an der Vorderseite die Inschrift: misericordi.e i Parenti :, an der 
gegen überiiegenden Seite die Wappen von Jülich, Berg und Waldeck. 

Die 1,80 m lange Gestalt der Herzogin liegt langausgestreckt, den Körper in 
einen auf der Brust durch eine Vierpafssch Hesse gehefteten Mantel gehüllt, den Kopf 
von einer Rüschenhaube umgeben, die bis auf die Schultern fällt fJie Hände sind vor 

der Brust flach anein- 
ander gelegt, die Füsse 
gegen zwei Hündchen 
gestemmt 

Das Denkmal, die 
blaue Margareth ge- 
nannt, im 18. Jh. im 
nördlichen Seitenschiff 
eingemauert, war 1816 
verschwunden u. wurde 
l85i im Grabgewölbe 
des Mausoleums Her- 
ze^ Wilhelms IV. wie- 
der aufgefunden. Der 
Sockel war l7ii als 
Kreuzessock e I auf d em 
Friedhofe von Deren- 
dorf aufgestellt wor- 
den. Nach der hsl. 

Fig. 9. Dümldmf. ^, ., , „ 

G..bm.l der M.rB«eii« von wind«L in d« L,n,h„ra,ti,ch.. Chronik des Ewald 

Baichmann V. j. 1625 
und der Hs. Monumenta et sepulturae comitum et principum vom 18, Jh. ist Elisabeth 
von Waldeck dargestellt (zuletzt i388 genannt). So auch Strauven, Geschichte des 
Schlosses zu Düsseldorf S. i7. — Ann. h. V. N. XXV, S. 29l. Vgl, Joesten, Das restau- 
rierte Grabmal der Margaretha von Windeck in der Lambertuskirche, Düsseldorf i87i. 
Epitaph des Hermann von Hochsteden aus dunklem Granit, a,So m hoch 
{Bayerle S. 78), in reicher barocker Einrahmung, gekrönt von dem Alliancewappen 
der Hochsteden und Pranck, zur Seite die Ahnenaufschwörungen der beiden Gatten 
{je 16 Wappen). Inschrift in der Mitte : perillustri ac geneboso d. d. heruanno 

L. B. de hochsteden, DOMINO IN NIDERZIER ET VELDE ETC., SERENISSIMI PRINCIPIS 
ELECTORIS PALATINI CONSILIARIO INTIMO, CAMERARIO SUPREMO, AULAE MARESCHALLO, 
TOPARCHAE IN GREVENBRUCH ET GLADBACH, SERENISSIMAE ELECTRICIS FALATINAE 
SUPREMO AULAE PRAEFECTO, VITA FUNCTO DIE 4. MENSE AUG. ANNO 1686, ET PER- 
ILLUSTRI AC GENEROSAE D. D. SUSANNAE ELISABETHAE, BARONISSAE DE HOCHSTEDEN, 
NATAE BARONISSAE DE PRANCK IN PUX ET KOPPELSBACH, SAECULO DENATAE DIE 7. 
MENSE JAN. ANNO l638. 

43 



DÜSSELDORF 



43 



Epitaph der Maria Anna Klara von Bongardt, geb. von Blanckart (Bayerle Lambcrtui. 
S. 79), mit dem Wappen und der Ahnenaufschwörung der Blanckart. Inschrift: d. o. 

If. PERILLUSTRI AC GENEROSAE D. MARIAE ANNAE CLARAE NATAE L. B. DE BLANCKART 
EX ALSTORFF PERILLUSTRIS AC GENEROSI D. D. CAROLI LOTHARII L. B. DE BONGARDT 
DOMINI IN HEYDEN, BLIT, NOTBERG, BERGERHAUSEN QUONDAM CONIUGI, PERILLUSTRI 
AC GENEROSO D. D. CAROLO PHILIPPO L. B. DE HOCHSTEDEN, D. IN VELDE, BETGEN- 
HAUSEN, SECUNDO THORO lUNCTAE, DOMINAE TEMPORALI IN VELDENHAUSEN, OREY, 
GRANDVILLE, SERENISSIMAE ELECTRICIS PALATINAE AULAE PRAEFECTAE, DIE 24. MAII 
VITA FUNCTAE l7l7. 

Epitaph des am 8. März i685 verstorbenen Melchior Voetz im linken Seiten- 
schiff (Inschrift Bayerle S. 7 i ). 

Zwei Bilder der Rosenkranzbruderschaft an der Westwand des süd- Gemälde 
liehen Seitenschiffes, Holz, jedes dreiteilig, beide ganz übermalt. (Bayerle S. 88.) 
Auf dem ersten Maria, darunter der h. Dominikus und Papst Alexander VII., umgeben 
von Engeln mit Rosenkränzen. Links und rechts die herzogliche Familie mit ihrem 
Hofstaat dahinter je acht Päpste, Unterschrift links: Philip, wilh. pa. jul. cliv. et 

MONT. DUX JOANNES WILH. FILIUS; rechtS! AMELIA ELIS. MAGD. DUCISSA ELEONORA 

teresia MAGD. FiLiA. Auf dem Rahmen: renovatio et confirmatio archif. ss. 
ROSARii SUB PAPA ALEXANDRO VII. POSITA A. i679. Auf dem zweiten Maria mit 
Kind stehend auf dem Halbmond vor einem ausgespannten Teppich, den zwei auf den 
Seitenflügeln befindliche Engel halten, links und rechts der Herzog und die Herzogin 
mit Kindern und Gefolge knieend. Unterschrift links: Joannes hl jul. cliv. mont. 

DUX. WILHELMUS FIL. l528; rechts: MARIA jul. et mont. DUCISSA. ANNA AEMILIA 

FILIA i528. Überschrift: dis ist die broderschafft der freuden unser lever 

FRAUEN VOR SUSTEREN UND BROEDEREN DES ROSENKRANTZ REN0VATA A. l678. Über 

die Rosenkranzbruderschaft W. Herchenbach in der Düss. Zs. i883, S. I23. — 
Bayerle S. 88. — Ann. h. V. N. IX, S. 24i. 

Porträt des Wilhelmus Bont Wedanus s. Theol. doct. a. i6ii Marianae huius 
ecclesiae decanus, obiit i637, Kniestück, auf Holz. 

Über i634 zerstörte Glasgemälde vgl. Ann. h. V. N. XXVIII, S. 42. Gimgemäide 

Cyklus von zehn Ölgemälden, i675 der Lambertuskirche geschenkt, mit Dar- 
stellungen aus dem Leben des h. Apollinaris, in der Art des Johann Spilberg (Genaue 
Beschreibung mit den Inschriften in den Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i4). 

Wandmalereien. Strauven, Die Wandmalereien der hiesigen Lambertus- w^ndmiiiereien 
kirche, D. o. J. Bei den Restaurationsarbeiten im Inneren der Kirche wurde unter 
der Tünche die alte polychrome Ausstattung entdeckt, die aus zwei verschiedenen 
Perioden stammt: aus der Zeit von i37o — l4o8 und der Zeit von i45o — i48o. Das 
dekorative System war dieses: die Säulenschäfte wie die Gewölberippen dunkelrot ^ 
bemalt, mit schwarzer Einfassung, die Kapitale vergoldet, die Knäufe und Rosetten 
mit Wappenschildern auf hellblauem Grunde, aus der Zeit von i4o2 — i4o8 stammend. 
Aus der Zeit vor der Erweiterung im J. i394 stammen die Wandgemälde auf den ÄUere Periode 
Chorschranken, Einzelfiguren von männlichen und weiblichen Heiligen, deren Köpfe 
zum Teil bei dem Abbrechen der oberen Partien der alten Chormauem weggeschnitten 
worden sind. Erhalten sind im ganzen fünfzehn solcher Figuren, darunter nur sechs 
mit Köpfen, alle von grosser Einfachheit im Faltenwurf auf gelbem oder grünlichem, 
gemustertem Grunde (Fig. lo). 

Alle weiteren Wandgemälde gehören der 2. H. des iS.Jh. an. Es sind dies: Spatere Peiiode 
das Martyrium der h. Agatha an der äusseren nördlichen Chorwand, darüber drei 



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KREIS DÜSSELDORF 



Heilige zwischen zwei Söhnen, erkenntlich darunter der h. Bernhard und die h. Bem- 
hardine. Auf derselben Wand der h. Georg, den Drachen tötend. Im Südschiff der 
h. Severus mit Webergerät, zur Seite kniend die Meister der WeberzunfL Neben 
der Sakristeithür die Anbetung der h, drei Kßnige, dann das Martyrium des h. Reinold, 
die h. Margaretha, einen Drachen an der Kette führend, endlich das grössere, durch 
Professor Lauenstein restaurierte Bild der thronenden Madonna mit dem Christuskinde 
auf dem Schoss (Fig. u), ein feines und bedeutendes Werk der Kölnischen Schule. 
Auf breitem Kissenthron sitzt die Madonna in blauem Rock und rotem mit goldenen 
Granatäpfeln bestickten Obergewande. Über ihr sechs Engel, das erste Paar mit 
Musikinstrumenten, das zweite mit Büchern, das dritte mit Spruchbändern: gloria 
IN EXCELSis DEO — ET IN TERR.\ FAX HOMiNiBUS. Links Unten kniet der Stifter mit 
der Inschrift: sancta U.\ria ora pro nobis. An der äusseren südlichen Chorwand 
endlich noch zwei Martyrien von Heiligen und Fragmente einer Darstellung der Auf- 
erstehung. 
' Über der südlichen Eingangsthür befindet sich ein Bild der h. Wilgefortis oder 

Kümmernis (Fig. iz), die Heilige bärtig und langgewandet am Kreuze darstellend, zu 



Füssen des Altares knieend der Geiger, dem sie den goldenen Schuh zuwirft (K. F. 
Strauven in der , Düsseldorfer Ztg.' i869, Nr. 272, 29o. — Organ für christl. Kunst 
i87o, Nr. 5. — B. J. XLIX, S. 186). Die Vereinigung des bergischen Löwen mit den 
sächsischen Farben weist auf die Vermählung des Herzogs Gerhard IL mit Sophie 
von Sachsen-Lauenburg im J. i44i. Die Wandgemälde sind bis auf die thronende 
Madonna sämtlich mit Stoff überspannt und übertüncht worden. 

Farbige Kopien der Wandgemälde, von dem hochverdienten Düsseldorfer Ge- 
schichtsforscher, dem verstorbenen Herrn Notar Strauven mit grosser Sorgfalt her- 
gestellt, befinden sich im Besitze seines Sohnes, des Herrn Amt^erichtsrats Strauven 
in Neuss. 

Die Sakristei ist ein hoher mit drei Kreuzgewölben überdeckter Raum, dessen 
Rippen mit skulptierten Blattkaj)itälcn auf Dreiviertelssäulen ruhen. An der Nordseite 
drei tiefe Blenden (in der Aussenmauer der Kirche), unter den dreiteiligen Fenstern 
läuft eine Horizonlallisene mit breiter Abdeckung hin. 

Der über der Sakristei gelegene durch die enge Wendeltreppe im Westen zugäng- 
liche Kapitelsaal ist ein heller, durch die fast zum Boden reichenden hohen dreiteiligen 
Fenster mit reichem Licht versehener Saal mit denselben Blenden nach Norden und 
Dreiviertelssäulen, die auf polygonalen Kapitalen die hohlprofilicrten Rippen tragen. 



46 



KREIS DÜSSELDORF 



' grosse Haupt zeigt eine scharfkantige gerade Nase, grosse mandelförmige ehemals mit 
Eraail gefüllte Augen, niedere Stirn. Der kleine Schnurrbart, der leichte Backenbart 
und das eng an den Hinterkopf angedrückte Haar mit schematisch geriefelten kleinen 
Löckchen, Wangen und Hals sind flach behandelt Um den Fuss ein einfaches rc^- 
manisches Akanthusomament. Das Hinterhaupt öffnet sich und ist als Deckel mit 
Scharnier und (erneutem) Schlösschen befestigt. Der Guss zeigt im Inneren einige zu 
dünn geratene gepflasterte Stellen. Die Reliquien (Schädel teile) in rotseidenem Beutel, 
dabei ein Säckchen mit Erde von Golgatha. Vgl. Katalog der Ausstellung kunst- 

gewerbl. Altertümer in Düsseldorf 
1880, Nr. 6S9. 

2. Ostensorium, von vergol- 
detem Silber, Si cm hoch, in 
Monstranzenform, Mitte des iS.Jh. 
Der Fuss besteht aus Vierpass mit 
durchgeschobenem Quadrat, auf 
einem der Blatter das Jülich -Ber- 
gische Wappen. Zur Seite des Re- 
liquien des h. Laurentius enthalten- 
den Glascy linders Strebesysteme, 
über dem Baldachin der vierseitige 
Aufsatz mit einer Statuette des 
h. Laurentius unter derTurmhaube. 

3. Ostensorium, von vergold. 
Silber, 35,5 cm hoch, der Aufeatz 
mit Glascylinder und sechsseitigem 
Türmchen iS.Jh., der Fuss 18. Jh. 

4. Kleines höchst zierlich. Ost eo- 
sorium von Silber, i4 cm hoch, 
um 1 Soo, zur Seite des aufrechten 
Glascylinders Maria und Joseph, 
von freien und luftigen Formen, 
auf dem Fuss: c. m. 

5. Reliquiar,vergoldetesSilber, 
28 cm hoch, z9 cm langer liegen- 
der Cylinder, gitterförmig durch- 

™,nag™.»„: u.r «. .u»™..=,. ,= .,. ^™=cu..,T,;n=. brochcn mit Blattfries, Ende iS.Jh., 

auf rohem Fuss des 18. Jh. 

6. Reliquiar, vergoldetes Silber, 42 cm hoch, aus dem iS.Jh., auf schlankem 
Fuss, der Knauf mit vier Pasten, um ihn die Inschrift; reliquiae s. apollinaris 
MARTYR. EPISC. RAV, Zur Seite des aufrechtstehenden Glascylinders, über dem sich 
ein zweistöckiger Aufsatz erhebt, einfache, durch Gitter verbundene Streben. Katalog 
der Ausstellung kunstgewerbl. Altertümer in Düsseldorf 1880, Nr. 7o9. 

7. Reliquiar, Silber, 46 cm hoch, von i646, im 18. Jh. restauriert, auf einem goth. 
Formen nachahmenden Fuss mit der Inschrift: r. d. petrus Aldenhoven canonicus 
Htnus ECCLESiAE DONO DEDiT A. MDCXLVi und Undeutlichen Marken. Das Reliquien- 
gefäss bildet ein horizontaler Glascylinder, darüber unter Baldachin Madonnenstatuette. 

8. Reliquiar, Silber, 4o,S cm hoch, vom J. 16SS, aufrechtstehender Glascylinder, 
von zwei Säulen flankiert, auf rundem Fuss. Inschrift: SEREN. PRlNClPrs CONSilia- 



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|, 12. Dü««ldorf. 



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DÜSSELDORF 47 

RIUS QUAESTOR GENERALIS ET TELOMII SCRIBA ADOLPUUS BLAREM ET CATHARIHA Limbei 
RENSING HOC OPUS FIERl FECERUNT A. lÖSS. '"'^' 

9. Silbernes Armreliquiar, 39 cm hoch, vom J. iS9o, steife röhrenartige Hülse 
mit Glascylinder, schlecht graviert, als Abschluss die au^cstreckte Hand. Um den 
Fuss die Inschrift: brachium s. thomae apostoli a. iS9o. 

10. Kreuzreliquiar, Silber, aus dem l7.Jh., auf rundem, getriebenem Fuss, 
mit einem {gespnmgenen) Krystall 

in der Mitte, der eine Kreuzpar- 
titel enthalt Am Fuss die (altere) 
massive Figur des h. Apollinaris, an 
den drei kleeblattfOnnigen Enden 
Medaillons mit den hh. Lambertus, 
Pankratius, Wilei- . 
kus. Auf dem Fuss (> 
dieBeschauzeichen ^" 

11. Grosse Monstranz, von 
vergoldetem Silber, 98 cm hoch, 
eines der grössten und künstlerisch 
bedeutendsten Werke um iSoo, im 
J. 1662 der Lambertuskirche durch 
Philipp Wilhelm geschenkt, der sie 
von Gustav Adolf erhalten, durch 
den sie aus einer Kirche Böhmens 
enüührt war (Dflsseld. Beitr. VII, 
S.439). Der ganze Fuss im 18. Jh. 
erneut (mit drei gravierten Heili- 
geti%ireu und dem kurfürstlichen 
Wappen). 

Der Glascylinder ist von fei- 
nem Gitterwerk eingefasst und von 
di^peltem Strebesystem flankiert. 
Zwischen zwei Pfeilern erhebt sich 
auf gewundener Säule rechts die 
Gestalt der Madonna, links die (im 
18. Jh. erneute) Figur des h. Apolli- 
naris, mr Seite noch die kleineren 
FigQrchen der hh. Sebastian und 
Christophorus. Der Au&atz ist von 
der grOssten Freiheit in der Ver- 
wendung der spjätgothischen Zier- 
fomien, die Fialen sind zum Teil 
geschwungen, die Türmchen aus gewunden 
besteht aus geschnittenem Blattwerk. Übei 
des Auferstandenen. 



Roiraniichc Rdi 



:n Ästen geformt, die obere Kreuzblume 
dem sechsseitigen Baldachin die Gestalt 

12. Monstranz, 65 cm hoch, Ende des iS.Jh., von vergoldetem Silber, mit 
anDällig breitem Glascylinder und dünnen Streben, der Baldachin geschweift und ge- 
schuppt und durch ein Kruzifix abgeschlossen. Vgl. Katalog der Ausstellung kunst- 
gewerbl Altertümer in Düsseldorf 1880, Nr. 593». 



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KREIS DÜSSELDORF 



Lambertuf • 
kirche 



KäuDchen 



Schüssel 



Ciborium 



Kelche 



Becher 



Pokal 



Buchdeckel 



Abusub 



i3. Monstranz, 75 cm hoch, vom Anfang des i8. Jh., in Sonnenform, von 
Silber, mit sechs guten Medaillen behängt. Marken: Anker und B in quadratischer 
Umrahmung. 

i4. Rokokomonstranz, 65 cm hoch, Silber vergoldet, i8. Jh., in Sonnenform 
auf ovalem, getriebenem Fuss. Der Baldachin mit echten Steinen besetzt, als oberer 
Abschluss ein grosses Kreuz mit sieben unechten Steinen. An der Sonne befestigt 
sieben Medaillen, zwei mit reicher Renaissanceumrahmung und drei kleine Schmuck- 
stücke des i8. Jh., Beschauzeichen undeutlich. 

i5. Zwei Kännchen, ursprünglich als Messpollen, dann als Reliquiare dienend, 
i8,5 und i8cm hoch (Abb. aus'm Weerth, Kd. Taf. XXXI, 2; II, S. 47. ~ Chr. 
W. Schmidt, Kirchenmöbel und Utensilien Taf. 16 gut. — C. Becker und J. H. von 
Hefner -Alteneck, Kunstwerke und Gerätschaften, Ausgabe von i863, III, Taf. 56), 
das erste mit geschweiftem Krystallbauch, der Fuss und der Deckel in zierlichster 
durchbrochener Arbeit von Silber, teilweise vergoldet, als Henkel eine Schlange; das 
zweite einfacher. Eine ähnliche Arbeit in der St. Foillans- Pfarrkirche zu Aachen. 

16. Silberne ovale Taufschüssel, 54x47 cm, i7.Jh., getrieben, zum Teil ver- 
goldet, mit grossem, wirkungsvollem Herzomament. Dazu gehörige vergoldete Tauf- 
kanne, 5 1 cm hoch, von schönen Umrissen. 

i7. Ciborium, Silber vergoldet, i7.Jh., mit grossem Deckel . ^ — \ 

zwischen zwei flachen, durch vier Säulen getrennten Platten, mit J)]rT^ v!L ) 
einzelnen Heiligenfigürchen. Krönung fehlt Mit den Beschauzeichen 

18. Kelch» von vergoldetem Silber, 23 cm hoch, Mitte des i5. Jh., mit auf der 
Seite ä jour durchbrochenem Fuss von sechsseitiger Rose, Aufsatz, Schaft und Knaut 
mit reicher architektonischer Gliederung. Die Kuppe erneut. 

i9. Kelch, von vergoldetem Silber, 24,5- cm hoch, der mittlere Teil aus dem 
Anfang des 16. Jh., mit achtseitigem Knauf und achtseitigem Aufsatz mit kleinen 
Heiligenfigürchen, Kuppe und Fuss bei der Restauration vom J. i658 erneut 

20. Kelch, 22 cm hoch, vom Anfang des i7.Jh., in guten Renaissanceformen 
getrieben, im Aufbau noch den gothischen Charakter wahrend. 

21. Renaissancekelch, 22,5 cm hoch, Ende des 16. Jh., mit 
edlen Arabesken und Riemenornamenten in getriebener Arbeit, auf 
dem Fuss die Beschauzeichen 

22. Rokokokelch, 25 cm hoch, derb getrieben, mit den 
Beschauzeichen 

23. Zwei Trinkbecher, 18 cm hoch, von vergoldetem Silber 
getrieben, mit Buckeln, 16. Jh. Beschauzeichen 

24. Pokal, 29 cm hoch, von vergoldetem Silber, von schlanken Formen, ge- 
buckelt, 1 6. Jh. mit Marke P. S. 

25. Buchdeckel (Fig. i4), 29x39 cm, von vergoldetem Silber getrieben, edle 
Arbeit des i5.Jh., auf neuem rotem Sammet befestigt Im Mittelfeld die Krönung 
Maria: Christus neben der die Hände andächtig faltenden Madonna thronend setzt 
dieser die Krone auf das Haupt. Der Sockel mit Filigranornament. Die vier Eck- 
schliessen mit den vier gut stilisierten Evangelistensymbolen. Katalog der Ausstellung 
kunstgewerbl. Altertümer in Düsseldorf 1880, Nr. 969. 

26. Abtsstab von Kloster Altenberg, i,92 m lang, aus gediegenem Silber. Der 
aus drei Teilen bestehende durch Schraubenwindungen zusammengesetzte Stab mit 




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DÜSSELDORF 49 

schönen getriebenen Blattomamenten, abschliessend mit einem weit ausladenden durch l-«j 
iwd Puttenköpfe verzierten Knauf, ist eine edle Arbeit des 16. Jh., die i723 durch 
eine neue Windung gekrönt wurde. Diese besteht aus einer ziemhch rohen, mit 
dünnen geschnittenen Silberblattern versehenen Wulst, in der Mitte vor Strahlensonne 
die Kniefiguren der Madonna und des h. Bernhard. Am Knauf zwei Medaillons, 
von Granaten eingefasst, mit dem Altenberger Wappen und der Inschrift: memoria 

R. D. GODEFRIDI VET. MONTIS ABBATIS l723. 

2?. Kruzifix, von Holz mit Silberbeschlägen, 1,02 m hoch, der Fuss mit guten 1 
Omaraenlen, 1 7o6 v. Hermann 
Gerlac von Baten geschenkt 

i8. Sechs silberne Ro- i 

kokoleuchter, 7o cm hoch; 
sechs silberne Empireleuch- 
ler, 52 cm hoch. 

»9 Silb. Ampel, reich 
getrieben und durchbrochen, 
auf dem Körper die Inschrift: 

EX LEGATO D. PI-rTRI ALDEN- 
HOVEN CANONICI SENIORIS 
HUiUS ECCLESIAE I682. EX 
LEGATO DOMICELLzVE MAdDA- 
LESAE GYPENBUSCH 1682. 

3o. Kapelle von silber- p- 

durchwirktem Lyoner drap d'ar- 
gent aus dem i7.Jh., die Kasel 
mit iz cm breiten Stäben mit 
den kostbarsten Stickereien in 
Lasumianier und Plattstich, zu 
den grössten Meisterwerken 
der niederrheinischen unter bur- 
gundischem Einfluss stehenden 
Nadelmalerei der 2. H. des 
iS.Jh. gehörend, schöne edle 
Kompositionen, vortrefflich er- 
halten, leider im i7. Jh. be- 
schnitten. Auf dem Kreuz die *''» " Dü..=idorf. Gtuicb«=r Buchd«k.i in d« L.mb«i>..kiKh.. 
Verkündigung und der erste 

Tempelgang Mariens, zur Seite die seltene Darstellung: Maria wird durch den Engel 
gespeist und getränkt. Auf dem Stab der h. Joachim und die h, Anna und Maria 
Geburt. Vgl. Bock, Geschichte der liturgischen Gewander I, S. 2 7o. 

Zwei dazu gehörige Dalmatiken von demselben Stoff" mit den alten verschnitte- 
nen Stäben des iS.Jh. besetzt, die Ärmel besetzt mit Kölnischen Borden, die die 
Namen jhesus maria und die Wappen von Jülich-Berg und Sachsen - Lauen bürg 
enthalten (die Stifter darnach Gerhard von Jülich- Berg, i437— i47S, und Sophia von 
Sachsen - Lauen bürg, t t473), auf dem Querriegel dieselben Wappen, auf jedem der 
Längsstabe je drei Einzelfiguren in Lasurmanier appliziert, neben den Heiligen zweimal 
der Herzog. Vgl. Katalog der Ausstellung kunstgewerbl. Altertümer in Düsseldorf 18S0, 
Nr. 546, 547. 



So 



KREIS DÜSSELDORF 



LambertuS' 
k i r c h e 



Schreine 



Glocken 



3i. Kasel von Seidenstoff des i7.Jh. mit velourartig aufliegendem Dessin auf 
silberdurchwirktem Grund, Kreuz und Stab in Goldfäden eingestickt. Vgl. Katalog 
der Ausstellung kunstgewerbl. Altertümer in Düsseldorf 1880, Nr. 55i. 

32. Mitra von rotem Sammet mit schwerer silberner und goldener Bouillon- 
stickerei, zum Teil leicht mit blauer und grüner Seide lasiert, die Bänder mit alter 
Goldfranse, kostbare Arbeit des i7.Jh. 

33. Antependium von rotem Sammet, Ende des 16. Jh., in fünf Feldern mit 
dem wechselnden Wappen des Reichsadlers und des Kreuzes von Jerusalem bestickt, 
in Bouillonstickerei von Seide, nur von Goldkördeichen umgeben, in der Mitte Kreuz 
mit Dornenkrone, zur Seite viermal das grosse herzoglich Bergische Wappen. 

34. Rotsammetene Kasel mit goldener Bouillonstickerei, Kreuz von Silberstoff 
mit Goldranken des i7.Jh. 

35. Weilsseidenes Antependium mit goldener Bouillonstickerei und goldener 
Spitze, Ende des 18. Jh. 

Die drei folgenden Schreine werden hinter dem Hochaltar in einem vergitterten 
Schranke aufbewahrt. 

36. Schrein des h. Apollinaris, von vergoldetem Rotkupfer mit Silberbeschlägen, 
darauf ruhend der h. Apollinaris, in Silber getrieben und vergoldet, vorn in Email 
das Pfälzisch - Bergische Wappen, i665 vom Herzog Philipp Wilhelm geschenkt 
(Bayerle S. 69. — Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i4). 

37. Schrein des h. Willeicus, Lade von schwarzem Holz mit silbernen Be- 
schlägen, darauf die sitzende Figur des Heiligen mit Kelch und Buch, vergoldet, 
Ende des 18. Jh. 

38. Schrein des h. Pancratius, hölzerne Lade vom Ende des i5.Jh., in der 
Form einer einschiffigen Kirche mit Giebel, die einzelnen Felder mit Gemälden auf 
schwarzgrünem Grunde bedeckt (leider übel restauriert). Die Kanten vergoldet. Auf 
den Giebelseiten St. Georg mit dem Drachen und die Madonna mit dem Kinde, 
um dessen Hals ein Rosenkranz geschlungen ist (darnach wohl Stiftung der Rosen- 
kranzbrudef Schaft). Auf den Langseiten die zwölf Apostel, auf dem Deckel je zwei 
musicierende Engel. 

Glocken. Bayerle S. 112. Die grösste mit der Inschrift: t sanctissima et 

INDIVIDUA TRINITAS, SANCTORUM APOLLINARIS, PANCRATII ET WILLEYCI PRECIBÜS, 
QUORUM SANCTA CORPORA IN HAC ECCLESIA REPOSITA SUNT, PESTEM, FAMEM, BELLUM 
CUNCTAQUE PERICULA AB HAC CIVITATE CLEMENTER AVERTAT. FRANCISCUS ET PETRUS 

HEMONY ME FEC. ANNO i644, verziert mit den Figuren der drei Schutzpatrone. Im 
J. i893 umgegossen. Die vier übrigen Glocken 18 12 verkauft. Ihre Inschriften bei 
Bayerle S. 11 3. Die erste von i737 durch Christian Wilhelm Voigt, die zweite von 
1 643 durch Franz und Peter Hemony, die dritte von 1 7 1 7 durch Godfried Dinckelmeyer 
von Köln, die vierte von i756 durch Christian Wilhelm Voigt gegossen. Vgl. Baudri, 
Organ für christl. Kunst VIII, S. 224. 

Dafür befinden sich jetzt im Kirchturme drei aus Siegburg stammende Glocken. 
Die erste vom J. i647 mit der Inschrift: s. Michael archangele, defende nos in 

PRAELIO, NE PEREAMUS IN TREMENDO JUDICIO. BERTRAMUS A BEILLINGHAUSEN, ABBAS 
ET DOMINUS IN SIEGBURG, STRALEN, GULS, EVENHEIM ET WIESKIRCHEN, FUNDI FECIT 
A. MDCXLVII. 

Die zweite mit der Inschrift: praetiosa sunt thebaeorum martyrum Cor- 
pora S. MAURITII ET SOCIORUM EIUS, QUI SUB MAXIMIANO MORTEM DEBUERUNT SUS- 
CIPERE. BERTRAMUS A BEILLINGHAUSEN, ABBAS ET DOMINUS IN SIEGBURG, STRALEN, 



5o 



r 



DÜSSELDORF 



GULS, EWENHEIM ET WIESKIRCHEN, FUND! FECIT A. MDCXLVII. CLAUDIOS LAMIRAL, ■ 
ANTONIUS PARIS ME FECERUNT. 

Die dritte mit der Inschrift: anno sancte pater depelle, infringe, COERCB 

H»X IMBRES, TONITRU (so), DAEMONIS INSIDIAS. JOANNES A BACK IN BATTEREN, 
UBERAE IMPERIALIS ABBATIAE IN SIEGBÜRG PRAELATUS, D. TERRITORIALIS IBIDEM, 

STRALEKAE, GUtSAE, EWENHEIM ET WIESKIRCHEN, FUND! FECIT A. I661. 

Die Rosenkranzglocke aus der i. H. des i8. Jh. stammt aus der Kreuzherren- 
kirche. Inschrift: ex liberal! beneficentia serenissimae electricis elisabethae 

AUGUSIAE REFECTA CONFRATRIBUS ET SORORIBUS REVIXL CHRISTIAN WILHELM VOIGT. 

Die Uhrglocke vom J. i46i mit der Inschrift: coi.ligo patronos defensores 

OPE FEONOS: CHRISTOFORUM, THOMAM, LAMBERTUM, AP0L1NAREM: CUM-SUIS CERTIS 
COUPATRONIS SOCIARIS. ANNO DOMINI MCCCCLXII. 



Fif. IB. DdiKldnr. Aniictii der Mukirch« 

MAXKIRCHE, ehemal. FRANZISKANERKIRCHE. Bayerle S. i7o 
bis 189. - Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 87. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv 7.u Düsseldorf: Hs. A. i85. Chronica 
conv. Dflsaeldorp. fratrum minorum recollectorum i6So — 1693. 

Nachdem i65o die Franziskaner nach Düsseldorf gekommen waren, wurde i6S5 
mit dem Bau der alteren Kirche und des Klosters begonnen, die i659 und 1661 ein- 
geweiht worden sind. Im J. i734 wurde der erste Stein zum Neubau der Kirche 
gelegt, die i737 am 4. Okt. eingeweiht ward. Im J. i8o5 wurde sie, nachdem das 
Framiskanerkloster i8o3 aufgehoben worden, zur zweiten Pfarrkirche der Stadt erhoben. 

Dreischi ffiger Hallenbau von Backstein, im Lichten 46, 4o m lang, 18 m breit. 
Die Aussen architektur hat durch leichte Hausteingesimse und kräftigere cementierte 
Pflaster einige Gliederung erhalten. Die Westfaijade mit dem risatitartig vortretenden 
Miticiteil schliesst mit einem flachen Giebel ab, über dem sich der hübsche sechs- 
seitige geschieferte Dachreiter erhebt. In den Triglyphen des Architravs die Jahres- 
Mhl:'MDCCXXXVi." Ober dem von zwei Säulen mit korinthischen Kapitalen flankierten 
Poftal eine NiscUe mit der (neuen) Statue des h. Franziskus, darüber ein im Rund- 

5[ 



KREIS DÜSSELDORF 



Fi|. 16. DUiieMorl 



bogen geschlossenes 
Fenster m. geschweif- 
ter Haustei Dum rah- 
mung. Über dem Be- 
ginn des Chores sitzt 
auf dem geschweiften 
u. gebrochenen Dach 
noch ein zweites 
sechsseitiges olfenes 
Tünnchenauf(F, i5). 

Im Innern tragen 
vier Säulenpaare mit 
schönen polygonalen 
Basen und hohen 
jonischen Kapitalen, 
auf denen noch hohe 
würfelförmige mit ei- 
nem Kämpfer ge- 
krönte Gebälkstüclie 
aufsitzen, die flachen 
Gralgewölbe, die 
durch Gurte getrennt 
imd mit flachen leicht 

polychrom ierten 
Stuck arabesken be- 
deckt sind. Die 
Kirche ist nach Sü- 
den orientiert. Nach 
Osten zu je vier 
grosse rund bogige 
Fenster. Im Chor- 
haus auf beiden Sei- 
ten je ein gleiches 
Fenster. Die Pilaster 
im Chorabschluss 
zeigen den gleichen 
Kapitalschmuck wie 
die Säulen des Lang- 
hauses. An der West- 
wand entsprechen d. 
Fenstern grosse Blen- 
den mit Emporen. 
Die Sakristei mit Mit- 
telsäule u. vier Grat- 
gewölben. Vom Klo- 
ster nur ein Stück 
des Kreuzganges a. d. 
1 8.Jh. bemerkenswert. 



DÜSSELDORF 



53 



Zweireihige Rokokochorstühle ohne Rückwand mit hübsch geschnitzten 
Wangenstücken. 

Reichgeschnitzte Rokokokanzel mit Freitreppe und Baldachin. Die weitere 
Ausstattung der Kirche in den leichten und zart geschwungenen Formen des rheinischen 
Rokoko, die Sitzbankwangen kühn ausgeschweift. 

Bronzenes Adlerpult, 2 m hoch, .vom J. i449, aus der Abtei Altenberg stammend 
(Fig. 16. — Bayerle S. i87. — Chr. W. Schmidt, Kirchenmöbel u. Utensilien Taf. 25). 
Um den dreiseitigen Fuss die Inschrift: anno incarnacionis hoc conflatum lec- 

CIONIS M QUATER C ET Villi QUATER X FORE FATUR CONFECTUM VETERIS MONTIS 
JOH. CURAM GERENS NOMEN KODEKONEN FERENS HOC FIERI FACIENS. Der über dem 

mit Masswerk bedeckten einfach profilierten Unterbau sich erhebende Aufsatz ist auf 
jeder der drei Seiten von einem nasenbesetzten Spitzbogenfenster durchbrochen, über 
dem zwei Reihen von gothischen Vergitterungen sich hinziehen, an den Kanten Strebe- 
systeme. Der sechsseitige zinnengekrönte Mittelbau trägt eine Kugel, auf dem ein 
mächtiger prachtvoll stilisierter Adler sitzt, jede Feder einzeln durchgeführt, die Augen 
von Krystall eingesetzt Die Tragleiste für das Buch auf seinem Rücken stützt eine 
kleine hockende Hundefigur, die Krallen ruhen auf einer Art Fledermaus, deren aus- 
gebreitete Flügel genau erkennbar sind, während Kopf und Schwanz abgebrochen sind. 

Ähnliche Werke im Münster zu Aachen und in der Kirche zu Erkelenz (Abb. 
aus'm Weerth, Kd. Taf. XXXVIII, i4; XXXI, 11), in der Reinoldikirche zu Dort- 
mund (Statz u. Ungewitter, Gothisches Musterbuch Taf. i97, 4 — 9), in der Marien- 
kirche daselbst und in der Kirche zu Marienfeld, in den Kirchen St. Martin zu Hai 
\md St. Germain zu Tirlemont (Ysendyck, Documents classes de l'art dans les Pais- 
bas I, pl. 5. — L*art pour tous XXI, Nr. 533), in S. Severin in Köln, in S. Marco 
mid im Museo Correr zu Venedig. 

Alliancewappen des Kurfürsten Philipp Wilhelm und der Sophia Dorothea, 
von Holz, vergoldet, von zwei Löwen gehalten (im Kreuzgang). 

Die Sakristei mit Holzverkleidung und grossen Schränken, durch leichte und 
graziöse Ornamente ausgezeichnet, dazu ovale Medaillons mit den geschnitzten Halb- 
figuren der hh. Bonaventura, Peter von Siena und Antonius Franziskus. Bunte 
holländische Kacheln an den Wänden verstärken die gute Gesamtwirkung des Raumes. 

Kasel von burgundischem purpurroten Sammetbrokat auf glattem goldenen 
Gninde,"auf dem das Granatapfelmuster mit Früchten frises d'or stehen geblieben 
ist, in grossem Dessin, leider beschnitten, auf dem Kreuz der Kruzifixus mit Gott- 
>'ater, Maria, Johannes und vier Engeln, auf der Vorderseite zwei Heilige mit den 
Wappen des Herzogs Wilhelm von Jülich- Berg t i5ii und der Sibylle von Branden- 
burg t i524. — Dazu zwei Dalmatiken, auf den Stäben je drei Einzelfiguren von 
Heiligen, auf dem breiten Riegel ein schöngezeichneter Engel, in der Hand das 
Wappen des Herzogs haltend, auf der Rückseite das Wappen der Herzogin. 

Kasel von kostbarem und seltenem roten Sammetstoff, der Grund von parallelen 
Goldfäden durchzogen, mit in zarten Wellenlinien ausgeführtem Blattmuster. Die 
i3 cm breiten Stäbe enthalten übereinander die drei Einzelfiguren von Christus, 
S. Johannes dem Täufer und S. Peter, appliziert und in Plattstich ausgeführt, durchweg 
mit der Nadel modelliert. Auf der Rückseite die Madonna und der h. Benediktus. 
Das Prachtstück, das nach den Wappen ein Geschenk des Herzogs Reinhard zu 
Geldern und Jülich t i423 und seiner Gattin Maria v. Harcourt ist, ist ebenfalls 
beschnitten und verstümmelt. — Dazu zwei Dalmatiken von gut erhaltenem Stoff, 
auf den 6 cm breiten Stäben die hh. Paulus und Jakobus, Joseph und Andreas mit 



Maxkirche 
Aussbittung 



Adlerpult 



Wappen 



SakrUtei 



Pararaente 



53 



54 



KREIS DÜSSELDORF 



Ursuline- 
rinnenkirche 



Maxkirche denselben Wappen wie auf der Kasel. Beide Kapellen stammen ans Altenberg (Bock, 
Geschichte der liturgischen Gewänder I, S. 27o). 
Glocken Glocken. Die älteste, aus der Kreuzherrenkirche stammend, mit der Inschrift: 

SUB TUTELA ET PATROCINIIS SS. DONATI ODILIAE VII IDUS JUNII REPARATA. CHRISTIAN 

WILHELM VOGT IN DUSSELDORF ME FECiT. Die übrigen erst aas dem i9.Jh. 
Rochuskapelle ROCHUSKAPELLE in Pempelfort, im J. i667 geweiht (Berg. Zs. XII, S. 200) 

zur Danksagung wegen des Aufhörens der Pest; schmuckloser und unbe(leutender 
kreuzförmiger Backsteinbau mit geschweiftem Giebel und achtseitigem Dachreiter. 

URSULINERINNENKIRCHE. Bayerle S. 221. — Geschichte der Stadt 
Düsseldorf S. 88, 379. 

Die neue Kirche für die 1681 nach Düsseldorf gekommenen Ursulinerinnen 
wurde 1 7o2 erbaut. Schmucklose flach gedeckte Kapelle mit rundum laufender Empore. 

Altar in reizvollen Rokokoformen, weiss und gold. 

Kruzifix, 1,10 m hoch, Ende des i5. Jh., hart und steif mit gutem Kopf, neu 
bemalt. 

Paramente des i7.Jh., zumeist Stickereien der Schwester Maria Louise vom 
J. 1 680, Kasein in roter Seide, mit Blumen bestickt, in weisser Seide mit Darstellung 
der h. Familie; rotes Kelch velum mit Blumen, weisses mit Darstellung der Madonna 
und des Christkindes, der hh. Michael, Antonius, Augustinus ; Antependium, von roter 
Seide, 2,60 x i m, mit Ranken und Blumen in Plattstich und Bouillonstich. Vgl. 
Katalog der Ausstellung zur Feier des 6oojähr. Bestehens Düsseldorfs als Stadt S. 80. 

EVANGELISCHE (lutherische) KIRCHE. Geschichte der Stadt Düssel- 
dorf S. 378. 

Im J. i687 errichtet, Ziegelrohbau ohne Turm in deutscher Renaissance, das 
Innere mit Spalierstichbogengewölben und zwei Reihen Emporen auf Holzpfosten. 

Der Silberschatz des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde birgt eine 
Reihe einfacher älterer Werke aus dem i7.Jh., vor allem fünf silberne Taufschüsseln, 
drei datiert von 161 5, i659, i673, Abendmahlskannen und Kelche des i7. Jh., vgl. 
ausführlich Katalog der Ausstellung zur Feier des öoojähr. Bestehens Düsseldorfs als 
Stadt 1888, S. 81, Nr. 9o9— 93i. 



Altar 
Kruzifix 

Panmente 



ETanri 
Kirch 



eL 

e 



Silberschatz 



Ehemalige Klosteranlagen. 



Coelestine* 
rinnenkloitei 



Kloster 
Dütselthal 



COELESTINERINNENKLOSTER. Bayerle S. 67. — Geschichte der 
Stadt Düsseldorf S. 85. — Urk. von 1S82 — 1676 bei Ilgen, Rhein. Archiv S. 72. 

Das Kloster von 1688 — i69i erbaut, die Kirche i699 begonnen, i7oi vollendet; 
beide i794 bei dem Bombardement zerstört. 

Das ehemalige Kloster, Ratingerstrasse Nr. i3 dient jetzt als Städtisches Pflege- 
haus. Die Kirche, Nr. i7, jetzt Privathaus, zeigt äusserlich noch sechs Pilaster mit 
grossen jonischen Kapitalen. Im Pflegehaus barocke, derb polychromierte Madonna, 
sechs Nonnen mit ihrem Mantel deckend. 

KLOSTER DU SSE LT HA L. Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 354. — 
V. Mehring, Burgen, Klöster und Abteien im Rheinlande XI, S. i. — Düsselthal: 
Allgemeine Unterhaltungsblätter, Münster i83o, Nr. 4; i83i, Nr. 2. — W. Grevel, 
Overdyck: Rhein. -Westfäl. Ztg. 29. Okt. i893. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 25o Urk. von i467 
ab. Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 72. 



54 



DÜSSELDORF 



55 



Kurfürst Johann Wilhelm siedelte im J. i7o7 zu Düsselthal eine aus der Abtei 
Orval in Luxemburg hervorgegangene Niederlassung von Cisterciensermönchen an, die 
i7i4 zur Abtei erhoben wurde; die Klostergebäude entstanden in den nächsten Jahren. 

Von den Gebäuden ist nur der Thorbau vom J. 1 7 1 6 erhalten, mit zwei höheren 
nach aussen turmartigen Seitenflügeln ; über dem von Bossenquadem eingefassten Thor 
zwei Löwen als Wappenhalter, darüber eine Madonna. In der Bogenrundung eine 
Holzschnitzerei, darstellend den Stern über den Wassern. In gleichen Abständen 
rechts und links vor dem Thore vier gleiche Häuser für die Bauleute des Klosters 
mit je auf vier Pfeilern ruhender Vorhalle. 

KAPUZINERKLOSTER. Bayerle S. 63. — Geschichte der Stadt Düssel- 
dorf S. 38o. 

Die Kirche wurde von 1621 — 1624 erbaut, i67o daneben eine Kapelle der 
h. Anna errichtet; i7o6 wurde der neue Klosterbau begonnen. Das Kloster wurde 
i8o3 au%ehoben. 

KREUZHERRENKLOSTERKIRCHE. C. R. Hermans, Annales canon. 
f^guL S. Augustini ord. s. crucis, Herzogenbusch i858, I, p. 95; II, p. 547; III, p. 161. 

— Bayerle S. 23, 242. — Geschichte der Stadt Düsseldorfs. 67, 7o, 357, 363, mit Abb. 

— V. Schaumburg, Historische Wanderung S. i7. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv: 216 Urk. von i369 — 1793 und Akten, 
vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 72. — In der Landesbibliothek: Cod. B. 106 Henrici 
MiixiNGE sermones de sanctis, 1 5 Jh., mit Nachrichten über das wunderthätige Bild 
der Kapelle. 

Neben der Liebfrauenkapelle vor dem Liebfrauenthor wurde i443 durch die 
von Herzog Gerhard von Jülich- Berg nach Düsseldorf berufenen Kreuzherren eine 
Klosterkirche erbaut (nicht schon i399: Strauven, Die fürstlichen Mausoleen Düssel- 
dorfs S. 11. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 67). Das Hospital wurde bald 
verlegt, zuletzt (i772) nach der Neustadt, wo es noch jetzt besteht. Die Kapelle 
wurde 181 1 abgebrochen, die Kirche dient jetzt als Montierungsdepot. 

Zweischiffige Hallenkirche von Backstein mit hohen vorstehenden Giebeln und 
zweimal abgetreppten Strebepfeilern, von grosser Schmucklosigkeit in den Formen. 
Zwischen den beiden Chörchen im Osten eingebaut ein vierseitiges Türmchen, auf 
das zwei barocke Obergeschosse aufgesetzt sind mit ins Achteck übergeführter ge- 
schieferter Haube. In die Aussenmauem sind bei dem Umbau des Inneren neue 
Fenster eingebrochen, die alten hohen spitzbogigen Fensteröffnungen sind vermauert. 
Im Inneren fünf achteckige Pfeiler mit je zwei vorgelegten Diensten, welche ebenso 
wie die entsprechenden Dreiviertelssäulen der Wandpfeiler Blattkapitäle tragen. 

Inschriften von Grabsteinen in der Redinghoven sehen Sammlung XXIV, Bl. 200 
(München, Staatsbibliothek), darunter eine Kupferplatte mit dem Epitaph der i576 
verstorbenen Elisabeth vom Haus, weiter verschiedene Herren von Horst, Plettenberg, 
Nesselrat, Reuschenberg, Mettemich, Lützenradt, Landsberg. Vgl. auch Bayerle S. 87. 



Kloster 
Düsselthal 

Geschichte 



Reste 



KLapuiiner 
kloster 



Kreuzherr« n'< 
kUster 



Geschichte 



Beschreibung 



Inschriften 



IV. Weltliche Gebäude. 

STADTBEFESTIGUNGEN. Ausführlich W. Herchenbach, Düsseldorf als St.dt- 

r , 1 TN 1 befcstigungen 

mtung: Düss. Zs. i883, S. 128. — üttomar Moeller, Die Baugeschichte von Düssel- 
dorf: Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 35i. Vgl. Taf. IV. 

I. Periode bis zum Ende des i3. Jh. Die älteste Stadt (Urk. über die Stadt- Bis Ende des 

•^ ^ 13- Jh. 

erhebung: Lacomblet, U B. II, Nr. 846; vgl. I, S. 5oi, Anm. 2) bildete ein unregeU 



SS 



56 



KREIS DÜSSELDORF 



Bis Ende des 
14. Jh. 



1394— 1 580 



1560-1620 



Stadt- massiges Viereck, dessen Uramauerung auf dem rechten Ufer der Dussel vom Anfang 
der Krämerstrasse bis zur Liefergasse ging, dort nach der Altestadt umbog, von hier 
in schräger Richtung bis zur Ritterstrasse und von dort bis zum Rheine lief. Die 
Burg der bergischen Grafen lag ausserhalb der Gräben (Taf. IV, i). 

2. Periode bis zum Ende des i4. Jh. Im Laufe des i4. Jh. wurde die Stadt 
gegen Süden vergrössert, die Mühlenstrasse, die Kurze Strasse, die untere Bolkerstrasse 
und ein Teil des Burgplatzes wurden als ,neue Stadt* angebaut und wohl auch mit 
einer Mauer umzogen (Taf IV, 2). 

3. Periode von i394 — i55o. Durch Wilhelm I. wurde i394 der Platz zwischen 
Oberdüssel, Rhein und neuer Stadt den Bürgern zur Bebauung überwiesen: es ent- 
standen die Flinger-, Berger- und Rheinstr. (Lacomblet, U B. III, Nr. looi, ioo9). 

Der neue Mauerring führte im iS.Jh. von dem am Nordwestende der Stadt 
gelegenen Zollturme bis zu dem am Eiskeller im Nordosten liegenden Turme (die 
Fundamente im Eiskellerberg erhalten), von diesem nach dem Turme am Stadt- 
brückchen, w^eiter nach Südwesten bis zum Zusammenstoss der jetzigen Hafen- und 
Akademiestrasse, wo ursprünglich das Bergerthor stand, und endlich von da nach 
Nordwesten durch die Akademie- und Rheinstrasse nach dem Rheinthore. Die fünf 
Hauptthore waren Ratingerthor, Flingerthor, Bergerthor, Rheinthor, Zollthor. 

4. Periode von i55o — 1620. Im J. i6i4 begann der Pfalzgraf Wolfgang Wil- 
helm eine Erweiterung der Fortifikation, die 1621 fortgesetzt ward. Durch sie wurden 
die bisher als Wallgänge gebrauchten Neu- und Wallstrassen, sowie dar jetzige Fried- 
richsplatz geschaffen. Ausser den vier Bastionen am Eiskeller, am Mühlen plätzchen, 
am alten Flingerthore und am Bergerthore wurde die bereits i552 begonnene Cita- 
delle auf der Südwestseite der Stadt mit zwei Bastionen nach der Neustadt und einer 
Bastion am ehemaligen Hafen gegenüber dem Rheinörtchen ausgebaut. Bergerthor 
und Flingerthor wurden hinausgeschoben (Taf. IV, 3). 

5. Periode von 1620 — 1764. In der 2. H. des i7. Jh. wurden die Hafenstrasse, 
die Citadellstrasse, die Dammstrasse, im J. i7o9 die Neustadt angelegt Die gross- 
artigen, vom Kurfürst Johann Wilhelm geplanten Neubauten, darunter das Schloss in 
der Neustadt, kamen nicht zur Ausführung, dafür wurde die Festung durch die 
sogenannte ,Extension* erweitert, eine Linie, die an der Ecke der heutigen Königs- 
allee imd Königsstrasse bei den alten Festungswerken begann, bis zur Gegend der 
bisherigen Bahnhöfe lief und von da an bis zur Citadelle die Richtung nach dem 
Schwanenmarkt nahm (Taf. IV, 4). 

6. Periode von i764 — 1798. Unter der Leitung des Grafen Goltstein wurde 
die durch die Extension entbehrlich gewordene Front von der Flinger- bis zur Berger- 
bastion geschleift: auf der gewonnenen grossen Fläche konnte die Karlsstadt angelegt 
werden (Taf. IV, 5). 

7. Periode vom J. 1801 an. In diesem Zustande befanden sich die Befesti- 
gungen bis zum Friedensschlüsse von Luneville 1801, in dem die Schleifung der 
Festungswerke angeordnet wurde, die gegen 1811 durchgeführt war. Kurfürst Maxi- 
milian Joseph, der die hohe Bedeutung der Stadterweiterung erkannte, setzte eine 
besondere Kommission ein, an deren Spitze der Hofrat Jacobi stand. Im J. 1802 
beginnt der systematische und glänzende Ausbau des modernen Düsseldorf. 

Nachdem der alte Hofgarten zu Pempelfort schon i769 in eine öffentliche 
Promenade verwandelt worden war, erfolgte vom J. i8o3 ab durch Maximilian Friedrich 
Weyhe die Schöpfung des neuen Hofgartens auf dem durch die Schleifung der Festungs- 
werke gewonnenen Terrain, eine der schönsten und reizvollsten Gartenanlagen der 



1620-1764 



1764—1798 



Von 1801 ab 



Hofjg^ai ten 



56 



von 1280 bis i798. 

Ehe, E. FianziskaDerkirche. F. GimiMnpfarrkirche, 



DÜSSELDORF 57 

NeiaeiL Ausführlich O. Redoch und Fr. Hillebrecrt, Der Hofgarten zu Dussel- 
dwf, D. i893. 

Von den alteren Thoren ist nur noch eines, das BERGERTHOR am Beginn i 

der Bergerallee, erhalten {Soll das Bergerthor abgebrochen werden?; Generalanzeiger für 
Düsseldorf lo. Nov. i893). An der alten Bergerpforte Uess i6o9 Kurfürst Sigismund 
das Brandenburger Wappen anschlagen. Dieses alte Thor fiel bei der Verstärkung der 
Befestigungen um das J. i6zo; 
an ihrer Statt wurde am an- 
deren Ende der Citadellstrasse 
ein neues Thor errichtet, das 
i75i Idurch^Karl Theodor 
emeut wurde. Der plastische 
Schmuck wurde hierbei durch 
Balthasar Späth ausgeführt. 

Das Thor ist ein grosser 
zwebtDckigerBacksteinbau,rait 
einem mittleren Teil, der nach 
der Bergeraltee als Risalit vor- 
springt und zwei Seitenflügeln 
von je drei Achsen. Die mit 
flachen Tonnen Oberspannte 
Dnrchfahit erweitert sich in 
der Mitte zu einem runden 
kuppelartigen Raum m. Schiefs- 
schartenöffhungen in den Sei- 
len; in der Ostseite führt die 
Treppe in das obere Stock- 
werk. Der obere Aufbau zeigt 
nach der Bergerallee zu eine 
interessante Gliederung. Wah- 
rend nach der Citadellstrasse 
sich em einziges durchlaufen- 
des zweites Stockwerk erhebt, 
ist dies nach der entgegen- 
gesetzten Seite in drei Trakte 
Kriegt, denen über dem Risalit 
ein vierter sich ans chliessL Über 
der Durchfahrt liegt ein kleiner 

CemenÜerter Hof, nach dem Pi(. 17. Da>»ldorr. D» BeriRth« tod d<r Bäckerilnui. 

sich die Gefängniszellen öffnen. 

Die der alten Stadt, der Bäckerstrasse zugekehrte Fa^ade (Fig. i7) wird von 
einem in der Mitte im Halbrund ausladenden Hausteingesiras abgeschlossen. Über 
dem Portal, dessen Schlufsstein ein Löwenkopf bildet, über dem sich ein behelmtes 
Kriegerhaupt erhebt, zeigt der von zwei auf Konsolen gestellten Püastem eingerahmte 
Mittelteil einen wirkungsvollen plastischen Schmuck in Haustein. Zur Seite tics Mittel- 
fenstera bauen sich kriegerische Trophäen auf, die Krönung bilden zwei von dem 
Kurhut überragte Kartouchen mit den Medaillons c T (Carl Theodor) und E A (Elisa- 
heth Augusta). Unter dem Fenster die Inschrift: re/Edificatum mdccli. 

57 



58 KREIS DÜSSELDORF 

Die der Bergerallee zugekehrte Faijrade zeigt, ähnlich der Citadelle zu Wesel 
(Kunstdenkmaler d. Kr. Rees S. i43), eine kraftige Gliederung durch zwei starke, mit 
bossenartigen Querbändem durchzogene Pilaster aus riesigen Trachytquadem, die den 
hohen Architrav tragen. Ein flacher Giebel mit einem Rundfenster bildet den Ab- 
schluss. Darüber erhebt sich eine Attika, auf der, von Löwenkopf und Löwenklauen 
gehalten, ein plastisch gearbeitetes Tuch ausgespannt ist mit dem Chroniken: Ita 
sVbreXI pIe regnantIbVs VerIs patrIae parentIbVs serenIssIuIs CaroLo 
THEoDoRO ET eLIsabetha aVgVsta {i7Si). 

Der Bogenabschluss der Ausfahrt ist auf dieser Seite mit dem grossen bergischen 
Wappen darüber (die Klammem sind noch erhalten) ausgebrochen. Eine Zeichnung 
des Wappens befindet sich im Besitz des Herrn Amtsgerichts rats Strauven in Neuss. 



Fi(. IS. DOiHldorr. Gruodriii dei ib(<riuHicn Ridatttthaiei. 

Die übrigen Thore sind bei der Schleifung der Festungswerke niedergelegt 
r worden. Dem Bergerthor ähnlich war das RATINGER THOR, dessen Innen- 
fai^ade entsprechend der Aussenfa^ade des ersteren gegliedert war (Zeichnung von 
Custodis im Stadtarchiv, Mappe VI, Nr. 6 und im Historischen Museum; Abb. Ge- 
schichte der Stadt Düsseldorf S. 368). Das jetzige aus dem Anfang des Jh. stammende 
Thor besteht aus zwei fast quadratischen Hallenbauten im Schinkelschen Stile, mit 
grossen dorischen Säulen, Architrav mit Lorbeerkränzen in den Metopen und flachem 
Giebel, die ursprünglich durch ein grosses schmiedeeisernes Gitter verbunden waren. 
Der Grundriss des alten Thores (Fig. i8) zeichnete sich noch mehr als der des Berger- 
thores durch grosse Symmetrie der Anlage aus und kann als typisch für die gleich- 
zeitigen Befestigungen dienen. Abbildungen der alten Thore in der Geschichte der 
Stadt Düsseldorf S. 368 u. 369. 

SCHLOSS. K. Strauven, Geschichte des Schlosses zu Düsseldorf von seiner 
Gründung bis zum Brand am 20. März i873,- Düsseldorf i872. Dazu Ann. h. V. N. 

SS 



DÜSSELDORF 59 

XXV, S. 289. — H. Keussbn, Beitrag zur Baugeschichte des Düsseldorfer Schlosses: 
Beig. Zs. XXII, S. 148. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 362, 373. — Reise auf 
dem Rhein, Koblenz i79o, S. 36i. — Georg Forster, Ansichten vom Niederrhein, 
Berlin i79i, I, S. it4, l63. 

Die Burg wurde wohl schon vor 1160 gegründet: der älteste Teil A stand auf 
der Westseite des Platzes, den spater das Standehaus einnahm. Er bestand aus Sand- 
steioquadem mit Trachyt vermischt, dazu spätere Verstärkungen von Ziegelmauerwerk. 
Noch im i3.Jh. wurde ein zweiter Flügel B mit dem schweren runden Eckturme C an- 
gefflgt, der l499 ein weiteres Stockwerk erhielt. Im J. i392 bestand schon eine Schloss- 
kapelle (Strauven S. i3). Im iS.Jh. wurde dann parallel dera ältesten Teile der 
FlQgel D errichtet mit einem viereckigen Turme E, der die Mühlen- und Kurzestrasse, 
den Burg- und Marktplatz beherrschte. Noch im J. i4S6 wurde wohl an diesem Teile 



Fi(. 19. DOueldail. Gnuulrfii da SehlMHi in tS. Jh. 

gebaut (Berg, Zs. XXII, S. l48). Sein Unterbau bestand aus Basaltblöcken, deren 
Zwischenräume mit Ziegeln ausgefüllt waren. Bis zum Zollthor, dem früheren ,neuen 
Zollhaus', schon i442 genannt, liefen die Dienerwohnungen. 

Im J. i5io wurde der Flügel B ein Raub der Flammen. Wassenbergs Duis- 
Iwrger Chronik (Hs., vgl. Kunstdenkmäler d. St. Duisburg S. i3) berichtet Bl. 2o3*: 

In den jair iSio op den 23"" dach December brande die aide borch to Dussel- 
dorp gans äff, ende dair geschach groiten verderflichken schaeden. Dair verbranden 
myns alden heren van Gulich al syn silveren werck, al syn koisteliche kleider, voel 
geltz, manicherlei seirait van kisten, van kästen, van trisoren, van kiintoren, van bedden, 
van laicken etc. Ende dat wart versumpt: die koicken wolden dat speck des nachtes 
roicien ende hadden angelacht weickeldoim holt, ende dat ginck in der nacht aen, 
ende al, die op der borch waeren, sieipen altosamen ende solden oick altosamen doit 
verbrant sin, hedde ein borger gedaen in der stait, die des vuirs wys wart. 

59 



6o KREIS DÜSSELDORF 

Die Wiederherstellung nahm ein volles Jahrzehnt in Anspruch. Die nächste 

Erweiterung fand i538 statt. Gleichzeitig wurden Dach, Giebel, Tunnhauben in den 

Übergangsformen von der Gothik zur Frührenaissance errichtet. Abbildungen bei 

Gramikaeus, Beschreibung der Hochzeit des Herzogs Johann Wilhelm vom J. i585. 

1 Nach dem J. i634, als durch das Auffliegen des Pulverturmes auch die Gebäude 

des Schlosses arg beschädigt worden waren, erfolgte eine gründliche Reparatur. - Der 

Kurfürst Johann Wilhelm Hess weitere Umbauten nach i693 vornehmen und die Räume 

auf das Kostbarste ausstatten, im Hofe Uess er die Kolonnaden errichten. Das Gallerie- 

, gebäude wurde zur Aufnahme der 

• berühmten Gemaldegalleric des 

f .1 Herzogs errichtet 

1 Unter Karl Theodor erhielt dano 

das Schloss durch den Baumeister 
Noslhofen 1 75S eine wesentliche 
Umgestaltung: die Brustwehren des 
Daches wurden entfernt, auf den 
gothischen Bc^enslellungen wurde 
ein zu Wohnräumen für die Diener- 
schaft eingerichtetes viertes Ge- 
schoss und darüber ein neues 
schweres französisches Dach von 
drei Speicheigeschossen aufgeführt, 
den neuen Marstall baute i7So 
Nicolas de Pigage, der Architekt 
von Benrath (L. DussiEliX, Les 
artistes frant^ais ä l'etranger, Paris 
i856, p. 56). Bei dem Bombarde- 
ment vom J. i794 brannte das 
Schloss im Inneren aus, der nörd- 
liche Flügel B wurde bis auf den 
Grund zerstört. Der Wiederausbau 
erfolgte im i9.Jh. behufs Einrich- 
tung der für die Versammlung der 
Stande und für die Kunstakademie 
erforderlichen Räume. Der grosse 
Brand am 20. Mflrz i87; legte das 
Diiiiiidorr. Der Schiouiurm vor dir wicdcrbcrneUimc. ganze Schloss in Trümmer, das 

nicht wieder aufgebaut wurde. 
■" Unter den alten Zeichnungen des Schlosses bemerkenswert zwei kolorierte Feder- 

zeichnungen der Sammlung Guntrum im Histor, Museum, 48 x 33 und 64 k 34 cm, 
bez.: Seithen Prospekt des Churfürst liehen Residentz Schlosses nach dem Rhein zu 
sambl Durchschnitt zwischen der Gallerie und dem Schloss {Abb, Geschichte der 
Stadt Düsseldorf S. 377); Profil sambt Parade des Churfü retlichen Residentz Schloss 
wie man von seithen des Burgplatz herein kombt. Der Hof auf dem ältesten Öl- 
gemälde von Andreas Aehenbach (Sammlung Pflaum auf der Fahnenburg) und auf 
einer Aquarelle von Prof. Mildebrand (Histor. Museum). 

Der alte runde Schlossturm erhalten in zwei Aquarellen von Gross in Düssel- 
dorfer Privatbesitz {Katalog der Ausstellung zur Feier des öoojähr. Bestehens der 

60 



DÜSSELDORF 6l 

Stadt S. 18, Nr. ia6, ia7. — Abb. bei Wächter im Düsseid. Adressbuch voii"i892), 
in einer Zeichnung von Adolf Heinrich Richter vom J. i84o im Histor. Museum (Y. 39«) 
und in einer Zeichnung von L. Heitland im Histor. Museum, 18 x 42 cm (Abb. Fig. 20). 
Der Turm zeigt hier noch die Ansätze der Wölbungen der anstossenden Seitenflügel, 
die Bedachung des Turmes bestand ur- 
sprünglich in einer einfachen Spitzhaube, 
Ml deren Stelle i55j eine geschweifte 
Kuppel mit einer kleinen Laterne trat. 
Inj. ]344 wurde auf das mit Halbsaulen 
geschmücltte oberste Stockwerk eine von 
Friedrich Wilhelm IV. eigenhändig ent- 
worfene Laterne und Plattform aufge- 
setzt, die nach dem Brand von i873 

In dem Zimmer der scholasteria, 
in dem Herzog Wilhelm 1 S 1 1 starb, be- 
fand sich die Inschrift: lu jar unss 

HEERES UDXI UFF DE SESTES DACH DE 
UAVNTZ SEPIEMBRIS IST GESTORVEN DER 
DURCHLUCHTIGE HOICHGEBORNE FÜRST 
INT HEERE HER WILHELM HERTZOUG ZO 
GUTUGE, ZO DEM BERGHE, GRAVE ZO 
RAVEHSBERG, HEERE ZO HEYNSSBERG IND 
LEWESBERG ALLHV VN DIESER CAMERE 
YN S\TJS CAPELLANS HERREN JOHANS 
SIDECKEN VAN BOESSWICKE, CANONICHS 
DIESSER KVRCHEN, WONUNGE. GOT SV 
DER SELEN GNEDICH {BaYERLE S. 28. — 

Köln, Stadtarchiv, Farragines des Gele- 
Mius X, Bl. 268. — München, Staats- 
biU., Sammlung Redinghoven, Cod. 
gerai. iji3, Bl. XVII, Bl. 280). 

Der Riesenbau, den Kurfürst Jo- 
hann Wilhelm nach 1 7oo in der Neu- 
stadt plante, kam wegen Geldmangels 
nicht zu Stande. Der im Histor. Museum 
der Sladt aufbewahrte 2,25x3,3o m 
grosse Plan zeigt eines der ausgedehn- 
testen Schlossbauprojekte, einen gewal- 
ligen zweiflügeligen Bau mit Mittelrotunde. 

Iti der Mitte des Schlosshofes 
stand ütsprünglich eine Broncefontaine DUntldon. M.rinoriunutjoh(im.wiiiniinivonB«uB.giiniM. 
von QrupeUo. die durch Karl Philipp 

nach Schwetzingen gebracht und durch eine Marmorstatue Johann Wilhelms 
ersetzt wurde. Die Statue (Fig. 2l), jetzt auf neuem Sockel im Hofe hinter dem alten 
Galleriegebaude aufgestellt, ist ein Werk des Bildhauers Juliann BaHin^ärlgen vom 
J. i78o (Die Düsseldorfer Gallerie, D. 1818, S. |3), nicht Biiumgen (Strauven, Ge- 
scliiihte des Schk)S.ses zu Düsseldorf S. 33). Die Iebensgri>sse untersetzte Gestalt steht 
in voller Rüstung, die Linke in die Seite gestemmt, in pathetischer Haltung da. 

61 



6j KREIS DÜSSELDORF 

JÄGERHOF, ehemaliges Schloss Pempelfort. Reise auf dem Rhein von Ander- 
nach bis Düsseldorf, Koblenz i79o, S. 43a. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 38o. 
— C. GuRLiTT, Geschichte des Barockstiles und des Rokoko in Deutschland S 466, 

In Pempelfort bestand schon i7[3 ein weitgedehntes Jägerhaus, von dem nur 
der Marstall erhalten. Nach [7So wurde unter Karl Theodor, wahrscheinlich durch 
den Statthalter Grafen Goltstein, ein neues Schlflsschen in den vom Rokoko zum 
Klassicismus überführenden Formen der Pariser Schule erbaut, ahnlich wie Schloss 
Benrath (s. u,), das bis zum Ende des [8. Jh. den bergischen Oberjägermeistem zur Woh- 
nung diente. Seit i8lS königliches Eigentum und von der königlichen Regierung aus 
verwaltet. Unter dem Prinzen Friedrich von Preussen wurden i84S die Flügel ange- 
baut. Zuletzt bis i874 vom Fürsten Leopold von Hohenzollem als Erbprinzen bewohnt. 



Der dreistöckige Mittelbau, dem nach beiden Seiten ein Risalit mit abgerundeten 
Kanten vortritt, trägt ein gebrochenes Dach mit Mansarden. Über dem vorderen und 
hinteren Eingang ein zierliches schmiedeeisernes durchbrochenes Gelander mit dem 
Namenszuge c. t. An der Vorderseite in der Krönung zwischen zwei Löwen die 
Alliancewappen von Carl Theodor und Elisabeth Augusta. 

Der Hauptaufgang entstellt durch ein in der Mitte dieses Jh. vorgesetztes Glas- 
haus. Die zweistöckigen Flügel von sieben Achsen sind in den einfachsten Formen 
gehalten. 

Im Inneren liegt in der Mittelachse im Erdgeschoss die ovale Eingangshalle, 
dahinter der grosse Gartensaal, entsprechend ist die Gliederung des Hauptstockwerkes. 
Die Räume sind in der Mitte dieses Jh. neu ausgeschmückt worden. 

Im Gartensaal Bronzefigur Johann Wilhelms, i m lioch, die Linke eingestemmt, 
in der Rechten den Feldhermstab, ihm zur Seite ein Löwe (ähnlich der Marmorfigur 
S. 6i, Fig. il), auf einem hohen pyramidenförmig au&teigenden Sockel mit Trophäen, 

63 



DÜSSELDORF 63 

am Fusse ein gestürzter Feind, zur Seite zwei Löwen. Wahrscheinlich ein Bronze- 
guss Gnipillos und identisch mit einer der von Raparini (s. u. S. 65) erwähnten 
Pjiamiden. Ähnlich die Broozegruppe von Tilon du Ti/kl im Vorraum der Gallerie 
Mazarin in der Bibliotheque nationale zu Pains. 

An der Rückseite des Marstalles nach der Pempelforterstrasse zu drei grosse 
hölzerne Giebelfüllungen mit Jagderablemen (Fig. z3). Die eiste und dritte mit g 
Hiischen, Ebern und Hunden, in der Mitte eine Kartouche mit der Kette des Hubertus- 
ordens. Die zweite mit dem AUiancewappen und der Inschrift: f. f. anno mdccxiii 

srPREUO VENATORE JOAN. FRANC. L. B. DE WEICHS. Darunter : REST. SCHULENBURG 1 848. 

RATHAUS. In den J. iS7o— iS73 durch Meister Heinrich Tussmann von 
Duisburg erbaut (Staatsarchiv, Urk. 59, 60, 63, 65. — Düss. Beitr. IV, S. io3, Urlc 
9— (5). Der Renaissancebau wurde im J. i749 erneuert. Vgl. Ferber, Historische 
Wanderung II, S. 1. 

Ein dreistöckiger Backsteinbau, nach dem Marktplatze zu mit zwei geschweiften 1 
Giebeln, die mit kuppellosen Tünnchen besetzt sind. Zwischen den beiden Giebeln 
erhebt sich der aclitseitige fünfstöckige Treppenturm, der unter dem Dachrand mit 
einem nasenbesetzten spätgothi sehen Rundbogen fries abschliesst. 



Bei dem Umbau vom J. i749 wurden den Kanten des Treppenturms Pilaster vor- 
gestellt, die einzelnen' Geschosse durch Horizontallisenen getrennt. In der Mitte des 
dritten Geschosses wurde in einer Nische eine unschöne Statue der Justitia aufgestellt. 
Unter dieser — über dem i749 erbauten Portal — in zwei Blenden das Bergisch- 
Martisch-Klevische und das Düsseldorfer Wappen. Links neben dem Treppenturm 
wurde bei dem Umbau ein neues Portal angebaut mit einfacher Rokokogliederung. 
Der Balkon über dem Portal und das Portalfensler zeigen gute schmiedeeiserne, aber 
flachgehaltene Gitter mit dem von Löwen gehaltenen Wappen von Düsseldorf. Über 
dem Balkonfenster die Jahreszahl 1 749 und das Monogramm c. T. e. a. (Carolus 
Theodorus, Elisabeth Augusta). Westlich stösst ein schlichter dreistöckiger Trakt von 
sieben Achsen an, im Erdgeschoss ein vermauertes Portal mit interessantem schmiede- 
eisernen Gitter über dem Portalfenster, in Ranken von zwei Löwen gehalten die 
AUiancewappen von Karl Theodor und Elisabeth Augusta. 

Im rechten Winkel stösst, mit der Hauptfront dem Markte zugewandt, der 
Neubau des Rathauses an, nach Süden mit dem imponierenden, ganz aus Haustein 
aufgeführten, mit reichstem Skulpturen seh muck bedachten Turm abschliessend, dessen 
festliche Architektur seltsam mit dem Zuchthausstil des Hofes und des Durchganges 
kontrastiert An der Stelle des jetzigen Turmes stand ein antikisierender Bau mit einer 

63 



64 KREIS DÜSSELDORF 

von jontschen Säulen getragenen Tempel Vorhalle {Stich von R. Bodmer nach F. Massau, 
14 X 9 cm.), das alte Theater. 

Seine Fortsetzung findet dieser Flügel in einem niedrigeren und nüchternen 
dreistöckigen Trakt von sieben Aclisen, an der Ecke des Marktes und der Zollstrasse, 
mit einem einfachen Portal, auf dem Architrav zwei bronzene weibliche Idealbüsten 
des 1 8. Jh., angeblich von GrupcUo. 



1 



Fig. 24. bUiMldorf. Aniicht d« Ruthliu^i. 

Auf dem Po ti zeige bäude, dem ehemaligen Grupello 'sehen Hause, befand sich 
als Wahrzeichen eine angeblich den Giesserjungen Grupellos darstellende Sandsteinfigur 
(vgl. W. Herchenbach i. d. Düss. Zs. 1882, X, Nr. a, S. i7. — Heimat i877, S. i3i). 
Jetzt verschwunden. 

REITERSTATUE des Kurfürsten Johann Wilhelm auf dem Markte. 
Taf. V. — W. Herchenbach, Gabriel von Grupello: Düss. Zs. 1881, S. Si; l88a, 
S. 10. ^ Smets, Grupello: Düsseid. Kreisblatt i84o, Nr. aoo. — Geschichte der Stadt 
Düsseldorf S. 3o2. — Ferber, Historische Wanderung II, S. 5. — J. P. Lentzen, 
Über Grupello: Heiraatskunde i879, S. 43. Ausführliche Nachrichten über Grupello 



Düsseldorf. Eeiterstatue de, Kuifclcn Johann Wilhelm von Gru|>elk 



DÜSSELDORF 65 

und Abbildung seiner Werke bei Raparini, Le portrait du vrai merite (Hs. auf der Reiteratatue 
Fahnenburg), p. i46. Vgl. die Beschreibung des Frhm. v. Vohenstein vom J. i7o9 
in den Ann. h. V. N. XVIII, S. i7o. 

Das Werk wurde i7o3 begonnen, im Düsseldorfer Giesshause (im alten Theater) Geschichte 
gegossen, und i7ii aufgestellt Der Sockel trug ursprünglich die Inschrift: ser. joan. 
wiLH. BLECT. PALAT. ARTiUM PROTECTORi (Reize langs den Nederrh3m, Kampen 
i785. — Dagegen Denkwürd^er und nützlicher rheinischer Antiquarius, Frankfurt 
a. M. i744, S. 757). Der alte Sockel wurde im J. i83o durch einen neuen Granit- 
sockd vom Bildhauer Kamberger ersetzt, an dem einige mit pedantischer Steifheit aus- 
gerichtete, vergoldete, bronzene Palmzweige und Lorbeerkränze angeheftet sind. Er 
ttUgt an der Südseite die Inschrift: joanki guilelmo com. pal. rhen. s. r. i. ar- 

CHIDAP. et EL. BAV. JUL. CLIV. MONT. DÜCI PRINC. OPT. MERITO URBIS AMPLIFICA- 

TORi piNACOTHECAE FXJNDATORi. An der Nordseite: posuit grata civitas mdccxi. 

BASIS IKSTAÜRATA MDCCCXXX. 

Der Kurfürst, in voller Rüstung, über dem Panzer ein breites Ordensband und Beschreibung 
eine Kette, sitzt gerade und steif auf dem ruhig ausschreitenden, starken, breitbrustigen 
Pferde, das den edel geformten, verhältnismässig kleinen Kopf auf dem geschwungenen 
Halse leicht nach links wendet und den rechten Vorder- imd den linken Hinterfuss 
hebt Der nachschleppende starke Schweif dient dem Guss als dritte Stütze. Die 
Linke des Reiters hält den Zügel, die Rechte zur Seite gestreckt den Marschallstab, 
der von der Allongeperücke umwallte Kopf trägt die KurfUrstenkrone, die die Silhouette 
der Statue etwas stört Das Pferd ist, besonders an der Vorderseite, gut und mit viel Stu- 
dium durchgebildet, das Gesicht des Reiters dagegen auffallend flach und ausdruckslos. 

INFANTERIE-KASERNE (Kohtz, Geschichte der Infanterie- und Ar- Infanterie- 
tillerie-Kaseme zu Düsseldorf: Düss. Zs. i883, S. i. — Reise auf dem Rhein von 
Andernach bis Düsseldorf S. 355. — Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 379), i735 als 
Putzbau aufgeführt durch den Architekt Aloysius Bartolus (Hs. des Raparini p. i43) 
i77i durch Aufsetzen eines Stockwerkes vergrössert Der ausgedehnte nüchterne Bau 
erstreckt sich in gerader Linie 260 Schritt lang und wird nur durch drei vortretende 
Risalite, die durch sechs oder acht Pilaster belebt sind, einigermassen gegliedert Der 
Bau ist durch ein gewöhnliches flaches Ziegelsatteldach eingedeckt, nur die Dächer 
fiber den Risaliten sind gebrochen. Das anstossende niedere Wachgebäude mit 
fünf Bogen und Pila.stem, flach gedeckt 

Das ehemalige JESUITENKLOSTER, jetzt REGIERUNGSGEBÄUDE J«f^"i;j»' 
(Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 378), 1625 gegründet, schmuckloser dreigeschossiger 
Ziegelputzbau. Von bemerkenswerten alten Bauteilen nur erhalten neben der Andreas- 
kirche ein Rest des Treppenhauses mit Kreuzgewölben und auf Engelsköpfen ruhen- 
den Kämpfern. 

KUNSTAKADEMIE. Über ihre Gründung und Schicksale vgl. die oben S. i9 Kumt- 
angeführte Litteratur, über die Vorgeschichte Ann. h. V. N. XLII, S. i79. Der Neubau ■^"'**™'' 
wurde nach dem Brande des Schlosses in Angrifl" genommen und durch den Architekt 
Rifart i879 vollendet 

Die Kunstsammlungen verzeichnet von Theodor Levin in dem Repertorium SammiungeD 
der bei der Kgl. Kunst -Akademie zu Düsseldorf aufbewahrten Sammlungen, D. i883. 
Die Gemäldesammlung umfasst i65 Gemälde, darunter aus der ehemaligen Kurfürst). 
Galerie Simson und Delila von /. van Winghe und die Himmelfahrt Maria von 
Gubens, 161 4 gemalt, i7i6 erworben (ausftthrlich M. RoosES, Uoeuvre de P. P. Rubens 
^^» p. i7o, Nr. 385, pl. I23, mit Litt) 

5 
65 



66 KREIS DÜSSELDORF 

K.unst. Oen Stamm der Handzeichnimgen- und Kupferstichsammlung bildet die von 

■ kademie o * o 

Lambert Krähe bis 1 776 zusammengebrachte Sammlung. Vgl. FOssli, Niederrh. II, S.653. 

Miirinorbüsten Im Treppcnhause : Marmorbüste des Kurfttrsten Johann Wilhelm von 

Grupello, i,io hoch. Der Kurfürst in reich verziertem Panzer wendet das Haupt mit 
einer stolzen Bewegung leicht nach rechts. Die mächtige Allongeperücke fällt auf 
die Schultern und den durch die Ordenskette vom goldenen Vliess zusammengehaltenen 
Hermelinmantel herab, der als Draperie den einfachen Sockel umgiebt Auf dem 
hölzernen Sockel die Inschrift: dom. virtutum nobiscum. 

Marmorbüste der Kurfttrstin Maria Anna von Grupello, 1,12 m hoch. Der 
Kopf mit der gebogenen Nase, dem hochmütigen Mund und dem leicht zurück- 
weichenden Kinn erscheint durch den hohen Chignon noch verlängert, von dem ein 
langer Lockensträhn auf die linke Schulter herabsinkt. Um das leichte Untergewand 
ist mit breiter Spitzenkante und Krause der schwere von den Schultern halb herunter- 
geglittene Hermelinmantel geschwungen, der den Sockel halb verdeckt Auf dem 
Untersatz die Inschrift: a deo omnia. 

Prätidi* . Das PRÄSIDIALGEBÄUDE (Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 379) 

zwischen i76o und i766 zugleich mit dem i794 bei dem Bombardement nieder- 
gebrannten Marstall erbaut, ursprünglich Residenz genannt. Langgestreckter drei- 
stöckiger Bau mit vortretendem, von einem flachen Giebel abgeschlossenen Mittel- 
risalit, zur Seite des Risalits je sieben Achsen. Im Giebel die Jahreszahl i766, zwei 
Pferde auf Wolken, die Monogramme c t und e a (Carl Theodor und Elisabeth 
Augusta) und der Kurfürstenhut. Dieser auch als Krönung des vorgeschobenen in 
Hausteinarchitektur ausgeführten Portalbaues, über dem eigentlichen Eingang ein steif 
herabfallendes Löwenfell. 
Privathäuser PRI V AT H ÄU S E R. Von den gothischen Backsteinhäusem der Stadt ist keines 

thitdhcn ^Giebein unversehrt erhalten. Die Form des abgetreppten Staffelgiebels hält sich noch bis ins 

16. und i7.Jh.; gute charakteristische Beispiele dieser Art finden sich in dem Haus 
,Zur goldenen KroneS Altestadt i3, von 1626, dem Eckhaus am Burgplatz 16, dem 
Eckhaus der Bilkerstrasse nach dem Karlsplatz, genannt ,Im Spiegel^ von 162$, i8S7 
erneut, dem Hause ,Zum ChurfürstS Flingerstrasse 36, von 1627. Charakteristisch für 
das i7.Jh. ist die Stellung des Giebels nach der Strasse, die Schmalheit der Fa^ade 
bei ziemlich bedeutender Höhe, die grosse Zahl der dicht aneinander tretenden 
Fenster mit Steinkreuzen. Eine ganze Gruppe solcher Häuser findet sich in der 
Mühlenstrasse 16, 18, 20, 22, 28; die gegenüberliegenden vierstöckigen Häuser i5 und 
i7 haben noch die kleinen Scheiben bewahrt. Ähnliche Gruppen in der Kurze- 
strasse 9 (von i697), i4, 7, 6 und am Burgplatz 8 und 10, Flingerstrasse 36 — 44. 

Renaissance« Daneben kommen die geschweiften Giebel mit runden Abschlüssen, Voluten 

und Horizontalgesimsen vor. Gute Beispiele dieser Art sind die Häuser Ratinger- 
strasse 3o, die Bierbrauerei ,Zum jungen Bären', Ratingerstrasse 24, 8, hier mit Pilastem 
im Giebel und einem bärtigen Kopf im Abschluss, 5, weiter die Rathausapotheke am 
Marktplatz 7, mit Muschelgiebel und Voluten, die Häuser Flingerstrasse 55, 57, beide 
vornehmer im Aufbau und reicher im Giebelschmuck. Die Physiognomie der alten 
Stadt, zumal der Strassen um den Markt, wird aber am stärksten bestimmt durch die 

Rokokohauser mageren Formen des rheinischen Rokoko, mit denen zum Teil ganz äusserlich ältere 
Häuser verkleidet wurden. Gute Typen dieser Periode finden sich am Marktplatz 
und am Burgplatz, dann Bilkerstrasse 42, Flingerstrasse i. In dem Hause Altestadt i4, 
das über der Thür das AUiancewappen von Scheidt-Weschpfenning und von Teng- 
nagel trägt, findet sich im Erdgeschoss, im Spezereigeschäft von Peter Leven, eine 

66 



i 



DÜSSELDORF 67 

gut erhaltene Plafonddecke in Stuck, mit grossem, ornamentiertem Mittelmedaillon Privathäuner 
und Muschelmotiven, ohne figürlichen Schmuck (1880 in Nachbildung auf der Kunst- Stuckdecke 
und Gewerbeausstellung). Von den älteren Privathäusem bis zum J. 1800 nimmt 
keines durch architektonischen Schmuck einen besonderen Rang ein. Genaue An- 
gaben über fast alle älteren Häuser enthält H. Ferbers Historische Wanderung durch 
die alte Stadt Düsseldorf I u. IL 

V. Sammlungen. 

Das GEWERBE-MUSEUM, zur Zeit provisorisch Burgplatz 2, vom Mai i896 Gewerbe, 
ab voraussichtlich im eigenen Gebäude am Friedrichsplatz aufgestellt, wurde als Anstalt 
des Centralgewerbevereins für Rheinland und Westfalen 1882 begründet und im Mai 
i883 eröflfnet. Es enthält eine kimstge werbliche Fachbibliothek, 24 000 Vorbilder, eine 
Sammlung von Kunstblättern, Kupferstichen, Gypsabgüssen und ein aus i7ooo Ori- 
ginalg^enständen bestehendes Museum, in welchem alle kunstgewerblichen Zweige 
entsprechend vertreten sind, davon die Geflechte mit rund 100 Nummern, Gewebe 
mit 5ooo, Stickereien mit 1200, Spitzen mit 1000, Posamenterien mit 5 00, Teppiche 
mit 100, Bucheinbände und Lederarbeiten mit 600, Buntpapiere mit 4oo, Thonwaren, 
Fayencen, Porzellan und Glas mit 2000, Holz mit 1000, Eisen mit i5oo, Messing mit 
looo, Kupfer mit 4oo, Zinn mit 200, Bronze mit looo, Silber und Gold mit 5oo 
Nummern. 

Besonders beachtenswert die mittelalterliche Stoffsammlung, die persischen 
Sanunete und Goldbrokate, die orientalischen Manuscripte und Büchereinbände, die 
damascener Fayencen und der cyprische Goldschmuck. Ausserdem besitzt das Museum 
in der Eduard Böninger- Sammlung einen reichen Schatz von Vorbildern indischer» 
chinesischer und japanischer kunstgewerblicher Arbeiten und von seltenen ethnogra- 
phischen Gegenständen aus den Südseeinseln. 

Einzelne Teile sind abgebildet im Westdeutschen Gewerbeblatt, im Kunstgewerbe- 
blatt, in den SEEMANNschen Handbüchern: Adam, Der Bucheinband; Tina Frau- 
berger, Handbuch der Spitzenkunde und anderwärts. 

Von Druckschriften und Katalogen sind erschienen: Katalog frühchristlicher Druckschriften 
Textilfunde des Jahres 1886, D. 188 7 (von Fr. Bock). — Die Handwerker -Fortbil- 
dungsschulen (von Fr. Romberg), D. i885. — Wegweiser durch die Textilausstellung 
des Herrn Dr. Franz Bock, D. i884. — Wegweiser durch die Levantinische Aus- 
stellung des Herrn Dr. Franz Bock, D. i885. — Katalog der Ausstellung der auf der 
Orientreise des Direktors Frauberger erworbenen Gegenstände und Photographien, 
D. i89i. — Katalog der Textilausstellung: Orientalische Stoffe, D. i89i. Reich illu- 
strierte Kataloge der einzelnen Gruppen sollen bei der Eröffnung des Museums aus- 
gegeben werden (Mitteilungen des Herrn Direktors Frauberger). 

HISTORISCHES MUSEUM, im alten Galleriegebäude, dem von Johann HUtorischet 
Wilhelm umgebauten Ostflügel des Schlosses (vgl. o. S. 59). Das Museum enthält die 
grösste Zusammenstellung von Porträts der bergischen Herzöge und Kurfürsten sowie 
Darstellungen und Ansichten zur Geschichte des bergischen Landes und der Stadt 
Dösseidorf (ausführlich beschrieben im Verzeichnis der in dem Historischen Museum 
der Stadt Düsseldorf befindlichen bildlichen Darstellungen, 2. Aufl., D. i892), daneben 
eine bedeutende Sammlung von römischen, germanischen und fränkischen Funden an 
Thongefässen, Gläsern, Metallarbeiten; nächst dem Provinzialmuseum zu Bonn die 
grösste derartige Sammlung am Niederrhein, vor allem ausgezeichnet durch die vor- 
trefflichen Stücke der durch Vermächtnis an das Museum übergegangenen Sammlung 

67 



68 KREIS DÜSSELDORF 

Historisches Guntrum. Vgl. kuiz C. KoENEN, Die Sammlung des Historischen Museums: Düss. 

Mon. 1881, S. 3, II, 39. — Die Töpferstempel in den Düss. Beitr. VII, S. 233. 
Deckengemälde Der gTOSsc Hauptsaal, der ehemalige Antikensaal, enthält noch die alten 

Deckengemälde, von einem der italienischen Hofkünstler Johann Wilhelms aus- 
geführt Die Decke ist in drei Felder zerlegt In dem mittleren Medaillon vmrd die 
Kurfürstin Maria Anna nackt von Minerva in den Olymp eingeführt. Vor dem Thore 
sitzt eine andere Göttin, die ihr eine Krone entg^enstreckt Im ersten Felde die 
Kurfürstin von Minerva auf eine Bergeshöhe geleitet; Engel halten über ihr den Kur- 
hut; darüber schwebt ein Genius mit der Posaune. Im letzten Felde der Triumph 
der Kurfürstin, die auf Wolken emporschwebt, von Putten und allegorischen weib- 
lichen Gestalten umgeben. An der hinteren Wand sechs Gemälde mythologischen 
Inhalts, braun in braun, von G. / Karsch, 
R5m. u. frank. Die in diesem Saale aufgestellte Sammlung der römischen, germanischen und fränki- 

schen Altertümer harrt immer noch ihrer endgültigen Aufstellung und einer Katalogisie- 
rung. Im folgenden werden nur kurze Beschreibungen der einzelnen Gruppen gegeben. 

Schrank I. Krüge aus Grimlinghausen, Gläser, Fläschchen, Schalen aus terra 
sigillata, kleine Bronzefigürchen, darunter Knöchelspieler, zwei Löwen als Schildhalter, 
Palmbaum, Hippokamp, schwarze Krüge und Becher mit Eindrücken und weiss auf- 
gemalten Bezeichnungen, aus der Sammlung Guntrum. 

Schrank II, III, IV. Asberger Fund, grosse Reihe vortrefflich erhaltener Schalen, 
Kannen, Näpfchen, zum grössten Teil mit den feinen und sorgfältigen Profilen der 
zweiten Kaiserzeit, kleinere Gläser, Lampen, Bronzegegenstände, Ausguisschalen, Grab- 
funde von Neuss und Monterberg. Die Asberger Fundstücke verzeichnet bei F. Stolx- 
WERCK, Die altgermanische Niederlassung Asciburgium, Uerdingen i879. Vgl. Kunst- 
denkmäler d. Kr. Moers S. 9. 

Schrank V. Grabfimde aus Neuss, Xanten, Kirchberg, Andernach. 

Schrank Vi. Fränkische Töpfe und Urnen, mit eingestempelten Ornamenten, 
aus der Linneper Heide und vom Rhein bei Düsseldorf. 

Schrank VII. Spätere fränkische, der merowingischen und karolingischen Zeit 
angehörende Gefässe und frühmittelalterliche Gefässe mit WellfÖssen. 

Schrank IX. Gräberfunde von der Chemischen Fabrik bei Neuss, aus der 
Koenenschen Sammlung und von den Rautertschen Ausgrabungen des J. i879 her- 
rührend, Grabgefässe aus Gellep, meist blauschwarz in einfachen Formen, Glasume 
und Schalen, Urne aus Jurakalk, Grabfund von Norf bei Neuss, Fund in dem Nymphen- 
heiligtum bei Gohr. 

Römischer Grabfimd von dem Reckberg bei Neuss, von M,- Gladbach, grosse 
und prachtvolle römische Glasgefässe aus Neuss. 

Schrank X. Prähistorische Funde aus der Niederlassung Martinsberg bei Ander- 
nach, Pfeilspitzen, Hammer, Beile, Messer aus Hom und Feuerstein. 

Schrank XII. Schalen aus terra sigillata, die als germanische Grabumen gedient 
haben, gefunden bei Eller, eine bei dem Hofe Leuchtenberg bei Kaiserswerth. 

Schrank XIII. Germanische Kolossalume, 65 cm hoch, am Gut Holtschürchen 
am Kamp Heiligendunk zwischen Gerresheim und Erkrath i89o gefunden. Grosse 
germanische Grabumen von Rheindahlen. Germanische Grabumen aus dem Kaiser- 
hain, dem Tannenwäldchen auf der Golzheimer Heide und von Hilden. Germanische 
Grabume, Kopf aus gebranntem Thon und Lanzenspitze von Elten. Römische und 
germanische Grabfunde von Richrath und Immigrath, bronzene Arm- und Kop&inge 
aus der Golzheimer Heide. 

68 



DÜSSELDORF 69 

Vitrine 7. Germanische Steinwalfen aus der neolithischen Periode, bearbeitete Hi»toriichei 
Hirschgeweihe und Scherben von der alten Töpferei in Meckenheim. 

Vitrine ii. Bronzefund von Rheinberg, an der nach Xanten führenden Römer- 
strasse gefunden, Depositum des Herrn Bürgermeisters Meckel in Rheinberg: zwei 
Schalen, Kanne von ausgezeichnet schönen und edlen Formen, mit Medusenhaupt 
und Pferdekopf am Henkel und ein loser Henkel mit Widderkopf. 

Vitrine 22. Schöne und grosse Kollektion von Bronzegegenständen, Beschlägen, 
Spachteln, Schreibstiften, Spiegeln, Fibeln, Schlüsseln, Armringen, die römischen meist 
von Grimlinghausen und Geilep. 

Die mittelalterliche Sammlung ist unbedeutend. Die übrigen Räume enthalten 
die Bibliothek, das Archiv und die Sammlung an bildlichen Darstellungen. 

KÖNIGLICHE LANDESBIBLIOTHEK, auf der Stelle des Ostfiügels Li.nde. 
des alten Schlosses. Vgl. Pfaknenschmid, Die Königl. Landesbibliothek zu Düssel- 
dorf seit der Zeit ihrer Stiftung (März i77o) bis zur Gegenwart: Lacomblets Archiv 
NF. II, S. 373. — Wd. Zs. I, S. 4ii. — Ilgen, Rhein. Archiv S. i69. 

Die Bibliothek enthält eine Reihe kunstliistorisch wichtiger Bilderhandschriften, Bilder, 
aus den Klöstern des Niederrheins, vor allem Essen, Werden, Altenberg stammend. 
Angabe der hervorragendsten bei Lamprecht, Kunstgeschichtlich wichtige Hand- 
schriften des Mittel- und Niederrheins: B. J. LXXIV, S. i3o und Lamprecht, Initial- 
omamentik des 8. bis i3. Jh., Leipzig 1882. Eine ausführliche Beschreibung der Hand- 
schriften mit Lichtdrucktafeln und Textabbildungen wird in den ,Bilderhandschriften 
der Rheinprovinz' g^eben werden. Hier folgt nur eine kurze Charakteristik der ein- 
zelnen Codices. 

1. A. I und A. 2. Altes Testament, 2 Teile, foL, 11. Jh., aus S. Martin in 
Köln, mit grossen, schön geschwungenen sowie gebilderten Initialen. Lamprecht 
49 u. So, Initialom. 54 u. 55. 

2. A. 4. AltesTestament, Genesis, Josua, Richter, Könige, fol, 12. Jh., mit 
einfachen romanischen Initialen. 

3. A.,5. AltesTestament, i. Teil, fol., Anfang des i4.Jh., Bl. 6^ als grosses 
Zierblatt in Deckfarben, Initial J mit den sieben Schöpfungstagen. Lamprecht 160. 

4. A. IG. Evangeliar, 4^, 12. Jh., aus Altenberg, mit grossen Initialen und 
Kanonestafeln. 

5. A. i4. Paulinische Briefe, 4®, 9. Jh., Bl. ii9*> und 120* rohe braune 
Federzeichnungen Titus und Paulus darstellend. Katalog der Ausstellung kunst- 
gewerblicher Altertümer in Düsseldorf 1880, Nr. 4i5. 

6. B. i7. Traktat des Beda zu Markus und Heiligenleben, 4^, 12. Jh., 
aus Altenbeig, von dem Schreiber Byrcardus (Bl. I29*>), mit Initialen. 

7. B. 3i. Reden des h. Bernhard, 4^, Anfang des i4. Jh., mit gebilderten 
Initialen auf Goldgrund Bl. 23*, 5i», 94*>, i7o*; Bl. 122^ mit grossem allegorischen 
Gemälde, oben Auferstehung, imten Kreuzigung mit Maria, Johannes, Ecclesia und 
Synagoge. 

8. B. 5i. Traktate des Cassianus, 4®, der i. Teil Anfang des i4. Jh., der 
2. Teil 1 2. Jh., mit schönen Initialen. 

9. B. 67. Sammelband, 4®, Anfang des i3. Jh., aus Altenberg, Bl. i« Rede 
des Bischofs Eusebius über die Auferstehung, mit Bild des Eusebius; Bl. 4i^ Legende 
der hh. Barlam und Josaphat, mit grosser vorzüglicher Federzeichnung: Josaphat und 
Bariam; BL 83« Geschichte der sieben schlummernden Heiligen, mit einer grossen 
Slustration. Lamprecht 77. — Düsseldorfer Katalog 1880, Nr. 4 16. 

69 



7o KREIS DÜSSELDORF 

Landes. lo. B. ii3. Rabanus Maurus, de institutione clericorum, 4®, lo. Jh., aus 

Essen, mit zwei Federzeichnungen auf Bl. S* und 5^ in angelsächsischem Stile, publi- 
ziert i. d. Photogr. der Düsseldorfer Kunst- und Gewerbeaussteliung (Schoeningh, 
Münster i. W.) und von H. Otte i. d. B. J. LXXII, Taf. 4 u. 5. — Lamprecht 32. 
— A. Goldschmidt im Repertorium für Kunstwissenschaft XV, S. i67. — Katalog 
der Koblenzer Kunst- und Gewerbeausstellung i892, Nr. iS3. — Düsseldorfer Katalog 
i88o, Nr. 4i4. 

11. C. IG*. Heiligenleben, fol, Anfang des 12. Jh., aus Gross S. Martin in 
Köln, mit grossen Initialen, Bl. 25* Initial M mit den Medaillons von Christus, 
S. Martinus und dem Bettler. 

12. C. 26. Caesar von Heisterbach, Homilien und Dialoge, 4°, i3. Jh., mit 
einzelnen interessanten Bilderinitialen Bl. i«, i65*, 238 •. Lamprecht i34. 

i3. C. 27. Caesar von Heisterbach, Dialog über die Wundergeschichten, 
4^, i4. Jh., auf Bl. I* und 2* in reicher Rahmenverzierung zweimal Cäsarius, schreibend 
und knieend. Lamprecht i59. 

i4. C. 38. Rituale des Cistercienserordens, 4^, i5. Jh., aus Altenberg, mit 
Stammbaum der von Altenberg ausgegangenen Cistercienserkirchen. 

iS, C. 58. Breviar, 8®, i3. Jh., mit Kalendar und Bild der Verkündigung 
Maria. Düsseldorfer Katalog 1880, Nr. 4i7. — Lamprecht, Initialom. i36. 

16. C. 60. Breviar, 8®, i4. Jh., mit kleinen Initialen. 

i7. C. 63. Breviar, 8®, i5. Jh., mit Stemtafel, Bild der Verkündigung und 
grossem Initial £. 

18. D. I. Missale, 4^, Ende des 9. Jh. (um 87o), aus Essen, mit den nomina 
vivorum et defiinctorum der Abtei (Lacomblet, Archiv VI, S. 69). Die üblichen An- 
fangsinitialen des Missale auf 4o^ und 4i% die Initialen D(eus) auf Bl. 52 > und 67" 
von vornehmer Schönheit. Lamprecht i4, Initialorn. iS. — Archiv der Gesellschaft 
fOr ältere deutsche Geschichtskunde VI, S. 69. 

i9. D. 2. Missale, 4^, 10. Jh., aus Essen, mit Kalendar und Nekrologium, 
Bl. 26*» S. Gelasius und S. Gregorius in Federzeichnung, Bl. 27» Initial V und T, der 
letztere mit Kreuzigungsgruppe. Vgl. Lacomblet, Archiv I, S. 4. — Lamprecht 3o, 
Initialorn. 32. — Archiv d. G. f. ä. d. G. XI, S. 75o.* 

20. D. 3. Missale, 4^ vor 965, aus Essen, mit Kalendar. Bl. i7^ und i8" 
Dedikationsbild, links Kleriker, rechts zwei bartlose Könige mit Palmen. Bl. i9^ und 
20» Initial V und T mit Christus am Kreuz, Zeichnung unter angelsächsischem Ein- 
fluss. Lamprecht 3i, Initialorn. ZZ, 

21. D. 4. Missale, 4^, 11. Jh., Bl. 8* Initialen V undT, mit bärtigem Christus, 
neben ihm Ecclesia und Synagoge, feine hellbraune Federzeichnungen. Lamprecht 9i, 
Initialorn. 99. 

22. D. 6. Graduale, 4^ i3. Jh., aus Kloster Kamp, Bl. 2*, 54*, 63«, 65'> 
schöne Initialen. Lamprecht 12 9. 

23. D. 8. Graduale, 4®, i4. Jh., Initialen. 

24. D. IG. Graduale, i4. Jh., grosse gebilderte Initialen auf Bl. i*, 91^ i34* 

25. D. io*>. Gebetbuch, 8®, i5.Jh. (nach i463), reich illustriert, mit sauberen 
flandrischen Deckmalereien: nur Bl. i^ Maria Magdalena von besonderem Kunstwerte. 
Lamprecht 228. — Düsseldorfer Katalog 1880, Nr. 426. 

26. D. 12. Antiphonar, fol., Ende des i4. Jh., Kölnischen Ursprungs, mit 
grossen gebilderten Initialen, die mit ganzen Scenen und ausführlichen Beischriften 
gefüllt sind, ikonographisch wichtig. Bedeutendes Denkmal der Kölnischen Buchmalerei. 

7o 



DÜSSELDORF 7 1 

27. D. i3. Antiphonar, fol., Mitte des i5. Jh. BI.m« Initial E mit Baum L«ndcs. 
Jesse, BI. 3o\ i94* Bildennitialen. 

28. D. i5. Psalter, fol., i48o geschrieben durch Ftiedrich Hugenpoei in Werden, 
Initialen. 

29. D. 16. Antiphonar, fol., vom J. i483, Initialen in Gold mit Rankenwerk. 

30. D. i7. Antiphonar, fol., Mitte des i5. Jh., ähnlich D. i3, mit guten Bilder- 
initialen auf Bl. I*, 29«, ii7*, i77*. 

3i. D. i9. Antiphonar, fol., i5. Jh., aus Werden, Bl. i* Bildnis eines Abtes. 

32. D. 21. Antiphonar, fol., i486 geschrieben von Friedrich Hugenpoei, mit 
Bilderinitialen, Bl. i68» und i99*> in hellen Farben. 

33. D. 23. Antiphonar, fol., i487 geschrieben von Friedrich Hugenpoei, mit 
Bildennitialen, Bl. iio* ikonographisch interessant. 

34. D. 24. Antiphonar, fol., von Hugenpoei, obwohl nicht bezeichnet, mit 
Federzeichnungen. 

35. D. 27. Antiphonar, fol., von demselben, Initialen. 

36. D. 28. Antiphonar, fol., i5. Jh., Initialen. 

37. D. 29. Graduale, fol., Ende des i5. Jh., aus Werden, Initial Bl. 29. 

38. D. 32. Antiphonar, fol, Anfang des i6. Jh., mit breiten Einrahmungen, 
sehr reich verziert 

39. D. 33. Antiphonar, fol., geschrieben iS44 von F. Heinricus Kurien in 
Altenberg, reich verziert mit Initialen und kleinen bildlichen Darstellungen. 

40. D. 34. Antiphonar, fol, vom J. i544, Bl, i* das Altenberger Wappen, 
mit gutgezeichneten, aber manierierten Figuren. 

4i. D. 36. Antiphonar, fol., i6. Jh., aus Altenberg, mit Bilderinitialen. 

Ausser den Handschriften enthält die Landesbibliothek eine Reihe von kleinen Bromewerke 
Bronzewerken aus dem alten Schlosse. 

Statuette der Minerva, 33 cm hoch, aus unciselierter Bronze, Gusswerk von 
Grupello, Die gewappnete Göttin, das Haupt mit hohem Helm und Lorbeerkranz, 
steht vor einer Waflfentrophäe, der linke Arm ist leicht erhoben. 

Büste der KurfOrstin Maria Anna, Gemahlin des Johann Wilhelm, aus cise- 
lierter Bronze, 56 cm hoch, von Gtupello, auf einem 58 cm hohen geschweiften Sockel, 
der an der Vorderseite in Basrelief einen auf Wolken thronenden Genius zeigt, mit 
Posaune und Friedenspalme. Die Büste der Kurfürstin prächtig modelliert imd kühn 
drapiert, bedeutendes dekoratives Werk. 

Bronze figur des Paris, 35 cm hoch, nicht dseliert, von Grupello, nackte 
Jünglingsgestalt in weichen und ruhig fliessenden Linien. 

Bronze figur eines sitzenden Paris, 44 cm hoch, und einer ältlichen Gestalt, 
48 cm hoch, in genau der gleichen Haltung, minderwertige Schülerarbeiten, möglicher- 
weise aus der Gusshütte Grupellos, 

STAATSARCHIV. Über die Bestände vgl. v. Mülmann, Statistik I, S. 465. St.at.iirchiT 
— Harless, Entwicklungsgang des Kgl. Provinzialarchives zu Düsseldorf: Berg. Zs. 
III, S. 3oi. — Gachard, Les archives royales de Dussjsldorf, Brüssel i88i. Die auf 
das Herzogtum Berg bezüglichen Aktenstücke ausführlich verzeichnet bei Th. Ilgen, 
Rhein. Archiv, Ergänzungsheft II zur Wd. Zs. S. 25, 7i. 

A. 4. Lektionar von St. Trond in Belgien, Prov. Limburg, 8®, Ende des 12. Jh. Eii»iiierter 

-,, , t» o .f Buchdeckel 

Bl. p Initial J mit dem sitzenden Johannes, 2 * Kreuzigungsbild in kolorierter Feder- 
zeichnung. Der Deckel in Rotkupfer mit Emails (aus'm Webrth, Kd. Taf. XXXI, 4; 
11, S. 48. — Katalog der Ausstellung kunstgewerbl. Altertümer in Düsseldorf 1880, 

7i 



V 



72 



KREIS DÜSSELDORF 



Bilder; 
handtchriften 



smauarchiT Nr. 967». — Kraus, Die christlichen Inschriften der Rheinlande II, S. 3i7, Nr. ii). 
Auf der Vorderseite in der Mitte Darstellung des jüngsten Gerichts, Christus als 
Weltrichter auf dem Regenbogen, rechts die Inschrift: venite benedicti patris 
MEi, links DiscEDiTE A ME MAL^DiCTi IN IGNEM AETERNUM, über ihm zwei posäunen- 
blasende Engel, unter ihm die Gruppen der Seligen und Verdammten. Auf dem Rand 
Brustbilder der Apostel, in den Ecken die Evangelistensymbole. Das Mittelfeld und 
der Rahmen in Grubenemail, die Zwickel in Kupferblech getrieben. Auf der Rück- 
seite kleines emailliertes Medaillon mit der Taube des h. Greistes. 

A. i8. Chronik von S. Pantaleon in Köln, 4^, 12. Jh., aus S. Pantaleon. 
Über den Inhalt B. Simson in Lacomblets Archiv VII, S. i48. — Lamprecht, Ini- 
tialom. S. 3i, Nr. 116. — Ders. in den B. J. LXXIV, S. i39, Nr. 108. — Clemen, 
Porträtdarstellungen Karls des Grossen S. 325; Zs. des Aachener Geschichtsvereins 
XII, S. i39. Bl. 93 Zeichnung des h. Bruno und der Mathilde, Bl. i33« Bild des 
Bischofs Bruno und Medaillons der sächsischen Elaiser, Bl. i48^ imd i5o^ Stamm- 
bäume. Alte Kopien in der REDiNGHOVENschen Sammlung, München, Staatsbibliothek, 
Cod. germ. 22 13, Bd. XVII, BL 263. 

Urkunde der S. Lupusbruderschaft von Köln vom J. 1246 (bez. Köln, 
Domstift, Urk. 98) mit gemaltem Kopfstück, darstellend den h. Kunibert, den capella- 
rius und die Mitglieder der Lupusbruderschaft (Kopie vom J. i569 im Kopiar H des 
Domstiftes B. i7). Lamprecht in den B. J. LXXIV, S. i39, Nr. iio; Initialom. 11 9. 

A. ii4 — ii5. Missalen der Klever Hof kapeile, i5. Jh., mit sehr schönen 
Initialen imd Randbordüren. Archiv d. G. f. ä. d. G. XI, S. 758. —. Lajiprecht in 
den B. J. LXXIV, S. i4S, Nr. 2o7. 

Die SAMMLUNG DES HERRN PROFESSORS DE* KARL BONE, 
Kronprinzenstrasse 49, enthält einige tüchtige niederländische Bilder vom 16. — 18. Jh., 
Landschaften von /. Momper, /. Ruysdael, Waierioo, Genrebilder von MoUnaer und 
Brouwer, eine Limoger Emailplatte, Christus mit den Kindern darstellend, von P, Cour-- 
ley, zwei Kölner Porträts vom J. i586. 

SAMMLUNG DES HERRN PHILIPP BRAUN, Bismarckstrasse 33. 
Bedeutende Münzsammlung von etwa j2 5oo Stück, hauptsächlich römische Münzen 
in guten Exemplaren. Weiterhin eine reiche Kollektion römischer und germanischer 
Gefässe, Urnen, Becher, Gläser, Schalen, von Asberg, Gellep, Köln, Eller, Neuss, 
Grimlinghausen, Andernach, römische imd germanische Bronzegegenstände, Fibeln, 
Schmuck etc. Grosse Sammlung von Autographen imd Urkunden von i366 an. 

SAMMLUNG DES HERRN WERNER DAHL, Rosenstrasse 20, in den 
letzten 12 Jahren mit grossem Kunstsinn und auserlesenem Geschmack zusammen- 
gebracht und fast ausschliesslich aus holländischen Gemälden des i7. Jh. gebildet, nur 
anerkannt echte Bilder einschliessend (von Woermann und Bredius oft citiert). 

Ältere Werke histor. Stils. Zwei Bilder von C, Z. Moeyaert, Die Söhne 
Jakobs bringen ihrem Vater den blutigen Rock Josephs 1624 und Abraham erhält den 
Befehl, das Land Haran zu verlassen 1628. Dann Paulus Bor, Anbetung der drei 
Könige i64o; W, de Poorter, Achilles unter den Töchtern des Lykoraedes; Robert Gri^er, 
Diana und Kallisto; Rottenhammer u. Breughel, Die h. Familie unter dem Kirschenbaum. 

Genrebilder. Ein früher G, Terborch, Wachtstube mit Gefangenen; eine andere 
grosse Wachtstube von Pieter Potter i632; Kavaliere imd Dame von Pieter Codde; 
Kavaliere Trictrac spielend von A, J, Duck; Musikalische Gesellschaft von Pieter Quast; 
Knabe mit Mausefalle von Gerh. Dow; Alchymist von Th, Wyck, Dann ein sehr feiner 
kleiner /. M. Molenaer, Lustige Gesellschaft und ein Spiel im Freien von demselben. 



Sammlung 
Bone 



Sammlung 
Braun 



Sammlung 
Dahl 



Werke 

histor. Stils 



Genrebilder 



72 



DÜSSELDORF 



73 



Von Adrian von Osiade Frau mit Burschen und Mann unter Laube und Interieur mit Sammiuas 
Mann und Frau: von Isäac von Ostade eine Gesellschaft von Schmausenden und In- 
terieur mit Kartenspielem. Von Com, Bega das grösste bekannte Bild, Leben in einem 
Wirtshause; von P, de Bloot das Hauptwerk, Küche mit Stillleben. Von Jan Steen 
die Politiker. Weiter Egbert v. Heemskerk, Zechende Bauern; Thom, de Keyser, 
Mütterliche Sorgfalt; Adr, Brouwer, Kopf eines Mannes; Jan Hals, Mann auf der 
Guitarre und Weib auf der Flöte musizierend. Ein schlafender Mann mit dem Bier- 
kruge wohl auch von einem Sohne des Franz Hals, 

Porträts. Franz Hals, Kleines Bildnis des Predigers Tegularius von Haarlem, Porträts 
aus der mittleren Zeit des Künstlers; /. M, Miereveit, Porträt des schwedischen Ge- 
sandten Rudgersius; Porträt der Frau Gael von Patd Moreelse, Zwei Porträts von 
/ V. Ravesieyn; drei Porträts von Nicolaus Maes; Frauenporträt von /. A. Rotius 
i656; Kinderporträt von Albert Cuyp (mit Nr. 3o8 im Städelschen Institut zu Frank- 
furt a. M. aus einem grösseren Bilde herausgesägt). 

Unter den Bildern mit Darstellung von Tieren ist P, Wouvermann sehr TierbUder 
gut vertreten, weiterhin Barend Gael mit einem Pferdemarkt; Nie, Berchem mit Hirten- 
scene; W, Romyn, Abendlandschaft mit Herden; H, Mommers, Italienische Landschaft 
mit Hirten und Herden, von demselben ein hervorragendes holländisches Landschafts- 
bild mit Staffage von berittenen Jägern. Weiterhin Bilder von Jac, v, d, Does, C. Saft- 
leven, D. Wyntrack, A, v. Hoef, Palamedes, van der Stoffe, N. v, Ravesteyn^ J, Beer^ 
siraeten, G. Berckheyde, Th, Wyck, Jan Miei 

Landschaften. Jan Asselyn, frühes Bildchen; H. v, Averkamp, Winter- L«nd»ch«ften 
vergnügen auf dem Eise. Von Jan Both ein holländisches Motiv und eine glühende 
Abendlandschaft; von Jacob v. d. Gross zwei kleine Pendants und Heimziehende Herde 
am Abend; von Com, Decker Sommerlandschaft und Wohnung unter Bäumen am 
Kanal; von J, Decker Kanal mit hoher Brücke. Weiterhin vier vortreffliche Bilder 
von / van Goyen; von A, v, d, Neer Winterlicher Kanal und Brand bei Mondschein, 
ein Stück ersten Ranges; drei Bilder von P, Molyn; Flusslandschaft in Ruysdaelscher 
Stimmung von G, Dubois. Dann Gemälde von Raf, Camphuyzen, J, C, Droochsloot, 
Q. Molenaer, Franz de Momper, R. v, Vries, J, Vynck, D. Teniers, G. de Heusch, 
Emanuel Murant, C, Huysmans, Luc, v, Uden, 

Marinen. Glattes Wasser mit Schiffen, sehr gutes Bild von Bon, Peeters; Stilles 
Wasser mit dem alten Turm von Merwede von H, M, Sorgh i647. Femer Bilder 
von L, Backhuyzen, Wig, Vittinga i684, R. Zeeman. 

Stil lieben. Eine Reihe von Kapitalstücken: Jan de Heem, Arrangement von 
Früchten; Franz Snyders, Weidenkorb mit Obst, Affe und Katze zur Seite. Weiter- 
hin vertreten Jan van de Velde, J, v, Streeck, C, Mahn, Rachel Ruysch, Jan Fyt, 
S, Horst, Herrn, v. Steenwyck, J. Vonck, W, G, Ferguson, Bieter Potter. 

Ausserdem eine ausgewählte Sammlung von vortrefflichen modernen Bildern, in 
der Hauptsache der Düsseldorfer Schule angehörig (nach Mitteil, des Herrn Werner Dahl). 

Die SAMMLUNG DES HERRN MALERS PROFESSOR G. OEDER, s.mj«Ung 
Jakobistrasse lo, ist die bedeutendste deutsche Privatsammlung von altjapanischen 
Kunstwerken, durchweg nur ausgezeichnete Stücke vereinigend, vor allem Lackarbeiten, 
ältere Bronzen, wie auch Metallarbeiten aller Art, insbesondere interessante Schwert- 
teile von hervorragenden Meistern, femer Werke der Kunsttöpferei und eine ausge- 
dehnte Kollektion farbiger Holztafeldnicke und illustrierter Bücher von Moronobu an 
b» Hokusai und dessen Schule, meist in vorzüglichen Abzügen (zum Teil im J. i89o 
bei Ed. Schulte in Berlin ausgestellt). Ausserdem besitzt Herr Prof. Oeder eine An- 



Marinen 



Stillleben 



73 



74 KREIS DÜSSELDORF 

Sammlung zahl niederrheinischcr und holländischer Ballenschränke, Truhen, Schnitzereien (abge- 
bildet im Westdeutschen Gewerbeblatt I und II), sechs Gobelins, fünf französischen 
Ursprungs, wovon vier aus der Zeit Louis XVL, nach Kompositionen von Andraw, 
und ein Brüsseler gezeichnet: B in braunem Schild (Philipp Beharles)^ rechts in die 
Ecke: JAN leyniers, eine Anzahl charakteristischer Stilllebenbilder niederländischer 
Meister und ein kleines (verdorbenes) Porträt von B, de Bruyn, 

Spiumiung SAMMLUNG DES HERRN OSCAR RAUTERT, Marienstrasse i*. 

I. Münzsammlung, reiche Kollektion römischer Kaisermünzen in Grold, Silber und 
Bronze, von Gellep, Neuss, Grimlinghausen, Bonn, Andernach, Niederbiber. 

IL Sammlung antiker Funde. A. Palaeolithische Zeit. Steinmesser aus 
Hörn- und Feuerstein, durchbrochene und gespaltene Knochen vom Martinsberg bei 
Andernach; geschlagene Feuersteine, Pfeilspitzen etc. aus der Thayinger Höhle. 

B. Neolithische Zeit. Halsschmuck aus Muscheln und zwei Homsteinmesser, 
Fundort am Hinkelstein. Sammlung von Steinbeilen, Steinhämmem, Lanzenspitze aus 
Feuer-, Hom-, Sandstein, Serpentin, aus Norddeutschland; Fundstücke aus den Pfahl- 
bauten des Bodensees. 

C. Bronzezeit. Thongefösse, Kelte, Messer, Nadeln aus Heddesdorf, Mainz, 
Bacharach, Ochtendunk; f[inf Gefässe des Lausitzer Typus. 

D. Zeit der Römerherrschaft. Einheimische Gefässe und Fibeln von Bautzen, 
Aachen, Eller, von der Golzheimer Heide, von Pyrmont Römische Altertumsfunde 
aus allen Perioden der Kaiserzeit: Gefässe, Gläser, Lampen, Bronzen (Fibeln, Phalli, 
Löffel, Spachtel, Schüsseln, Nägel, Ringe, Ohrringe, armillae, Spiegel, lunulae); Gegen- 
stände aus Knochen (Stili, Nadeln, Catrunculi, Würfel); tesserulae, Perlen aus Thon; 
Lanzenspitzen, Schuhe für Brückenpfähle, Klammem, Nägel, Äxte aus Eisen, Augen- 
salbensteiu aus Thon (B. J. XC, S. 21 1), Schlu&stein eines Giebels mit einem Medusen- 
haupt, Teil eines mit Lorbeerblättern bedeckten Bogens aus Tuff, Ziegel, Wandputz 
mit Bemalung, Wasserleitungsrohre. Fundorte: Neuss, Grimlinghausen, Norf, Köln, 
Bonn, Andernach, Mayen, Bacharach, Bingen, Mainz, Lierenfeld, Oberbük. Stempel 
auf terra sigillata-Gefässen: miilvro, nonio, secvnd, vrbanvsf; auf terra nigra- 
Teller: catvlo; auf Lampen: evcarpi, comvnis, fortis, raecra, simius. 

E. Frühe fränkische Zeit. Gefässe, Gläser, Fibeln, Bronzen, Schnallen, Be- 
schläge etc., Waffen (Scramasaxe, Saxe, Franziskae, Lanzen- und Pfeilspitzen), Scheere, 
Zange, Kämme. Fundorte: Aachen, Köln, Lülsdorf, Kruft, Niedermendig, Andernach, 
Mülhofen, Engers, Kreuznach, Mainz, Berkach bei Gross -Gerau. 

F. Spätere fränkische Zeit Gefässe, Lampen, Fläschchen, Messer, Handwerks- 
zeug, aus Köln, Bonn, Meckenheim, Mainz. 

III. Scherbensammlung, i. Germanische Funde von Meckenheim, der Golz- 
heimer Heide, Rheinbrohl, Andernach, Bassenheim, der Kapelle zum guten Mann 
bei Urmitz, Heddesdorf, Mülhofen bei Engers, Langenlinsheim. 

2. Römische Thonerzeugnisse von Gellep, Neuss, Grimlinghausen, Köln, Boiih, 
Andernach, Heddesdorf, Niederberg, Mainz. Stempel: alt, ann, arvernici, bassi, 

BITV i 1 , OFCALVI, COSSILLVS, lECVN, OFNASCLINI, MINVTVS, NATIIISF, KAROAT, NORVS, 
OCCISO/^, OFPATRO, PILENV, OFPRIM, RECVLLVSF, VITA, OFVITA, VITAL, OFICVIRIL. 

3. Fränkische Thongefässe, frühe von Meckenheim, Andernach, Niedermendig, 
spätere von Meckenheim (B. J. XCIII, S. 261), aus der Brandschicht und der karo- 
lingischen Töpferei, Ruine Tomberg, Buig Hohenstein im Taunus, Lintorf. 

4. Spätmittelalterliche Gefässe und Scherben von Siegburg, Köln, Düsseldorf, 
Neuss, Bonn, Raeren (nach Mitteilungen des Herrn Rautert). 

74 



r 



BILK. 

RÖMISCHE UND GERMANISCHE RESTE, Schneider (Neue ßeitr. i 
XIV, S. II. — Ders. in DOss. Beitr. V. S. li) verzeidinet eine Landwehr (Nr. i6) 
vom Rheine über Oberbilk nach FÜngem, Warthügel zwischen Bahnhof und Dussel 
(vgl. die Schneider sehe Karte). 

Funde von Schalen von terra sigillata (B. J. LXII, S. i84. — Geschichte der 
Stadt Düsseldorf S. 1 1). 
Funde germanischerUr- 
neo (Fahne, Neue Beitr. 
lum limes S. 5 1 . — Dflss. 
Beitr. IV, S. a. 6). In 
Unlerbilk Aschenumen 
nebst GefcUsstücken aus 
terra Scilla ta, ausserdem 
ein Ring mit Onyx ge- 
fimden (B. J. XXXVI, 
S. 88). Auf dem Wege 
nach Flehe i85o ein 
römisches BronzestQck 
mit der Inschrift utere 
FELIX ausgegraben {Ge- 
schichte der Sl Düssel- 
dorf S. 1 1, Histor. Mu- 
seum. — Fahne in den 
Neuen Beitr. zum limes 
S.55 mit Abb.). Ein 
römischer Fund, l877 
lu Oberbilk gemacht, 
jetzt im Provinzialmu- 
seuiD zu Bonn (Fahne 
a.a.O. S.Sj). Auf dem 

Gebiete des chemali- Fi,.», bj*. A<uici.i o« p&rrki«!». 

gen Bilkerbusches in der 

Nahe der Erkratheistiasse römische GrSber entdeckt (Rautert in den B. J. LXXXX, 
S. ioi). Vgl, imter Düsseldorf S. »5 und unter Derendorf S. 78. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Martini). Binterim, Kurze 
Beschreibung der jetzigen Pfarrkirche zu Bilk mit ihren Gemälden, Düsseldorf o. J. 
— Binterim u. Mooren, E. K. I, S. i7S. — Preuss. Ztg. i8fio, Nr. loo. — Lotz, 
Kunsttopographie I, S. Si. — J. H. Kessel, Der selige Gerrich S. i9. — Lacomblets 
Archiv III, S. 21. — Baudri. Organ für christi. Kunst X, S. aa7. 

Der Ort schon 799 genannt (Lacoublet, UB. I, Nr. la: villa que dicitur Bilici). 
Ebe Kirche bestand hier schon im J. ioi9 (Lacohblet, UB.I, Nr. iS3). Der älteste 
Teil der Kirche stammt noch von diesem Bau. Um i aoo fand eine Erweiterung nach 
Osten statt, die Seitenschiffe wurden im iS.Jh. umgebaut und im i7.Jh. in Backstein 
roh erneut Im J. i86o durch Restauration entstellt {Preuss. Ztg. i86o, Nr. aoo) und 

75 



76 KREIS dOsseldorf 

erst i879 — 1881 durch die Architekten Rincklake und /icW wiederhergestellt. Hier- 
bei wurden die Seitenschilfe erneuert und das schwere GewOlbe in der Turmhalle 
eingespannt. 
: Dreischiffiger romanischer Tuffbau mit Westturm, 20, So m lang, io,9o m breit, 

der älteste Teil bis zum Triumphbogen li,4o m lang, 4,i2 m breit, Chor und Apsi» 
8,10 m lang. Die einzelnen Bauperioden sind noch genau erkennbar. Der älteste 
Bau kurz nach dem J. [000, dem Turm und Mittelschiff angehören, war wohl flach- 
gedeckt mit direkt anstossender Apsis (der Kampfer im Triumphbogen hat das Reiche 
Profil wie der der Turmhalle), zwei vermauerte .rundbogige Fenster im Obergadea 
erkennbar (Fig. jS). Der fünfetöckige leicht verjüngte Turm zeichnet sich durch be- 
sonders glückliche Verhaltnisse aus und ist der imposanteste des ganzen bergischen 
Landes. Im Erdgeschoss das dreimal abgetreppte Portal mit ganz einfachem Kämpfer. 
Vom zweiten ziun fünften Stock vermehrt sich die Zahl der Rundbogen im Rund- 
bogenfries, der die Vertikallisenen des Baues verbindet, von zwei bis fünf; ein jedes 

der Geschosse ist leicht 
eingerückt Im obersten 
Geschoss je zwei Rund- 
bogenfenster mit Mittel- 
säule, Würfelkapitäl und 
Kämpfer. Chor und Apsis 
mit Sakristei haben erst bei 
-. der Abtragung des Bodens 
den aufEallend hohenSockel 
I erhalten. Im Chor drei 
rundbogige Fenster mit 
Rundstab, in der durch 
Vertikallisenen und Rund- 
bogenfHcs nach Norden 
gegliederten Sakristei nach 
Osten ein Ruadfenster mit 

Fig. 3S. BHk. Ronuniaclic Kij^Olc in der Pturinrchi. Rundstab. Breites Dach- 

gesims mit Klötzchenfries. 

Im Inneren ist das Mittelschiff bei der Einwölbung mit zwei fast quadratischen 
und einem kürzeren Kreuzgewölbe bedeckt worden. Der Baumeister schob das störende 
schmälere Joch nach dem Turra hin. Die breiten Rippen sind nur leicht profiliert, 
in den Schildbögen sehr starke und klobige Rundstäbe, die mit den die Gurte vertre- 
tenden Querrippen auf starken Dreiviertelssäulen mit Knospen kapitalen, runder Deck- 
platte und Eckblattbasen aufruhen. Die Scheidemauem gegliedert durch Horizontal- 
lisenen und drei kleine, direkt unter dem Scheitel der Schildbögen gel^ene Fenster. 
Die vierseitigen Pfeiler wie die rundbogigen Arkaden ohne Gliederung und nur aus 
der Mauerstarke geschnitten. 

Im Chorhaus ruhen die breiten Rundstabrippen und die Rundstäbe der Schild- 
bögen auf vier Ecksäulen mit Kelchkapitälen und runden Deckplatten. In der innen 
dreiseitig geschlossenen, aussen runden Apsis an den Kanten vier Säulen aus weissem 
Sandstein, schwarz gestrichen, mit Knäufen, Eckblattbasen und durchweg sehr schön 
imd zart durchgeführten Blattkapitälen in Kelchform (Fig. 26), die Apsis ähnlich wie 
in Wittlaer und Kalkum (s. u.) belebt durch reich profilierte Rippen und RundstSbe. 
Die nach Norden anstossende Sakristei ist mit zwei Kreuzgewölben Überdeckt, ohne 

76 



DÜSSELDORF 77 

trennenden Gurt, mit breiten, scharf zugespitzten Rippen und Rundstäben in den K^thoi. 

niiM /•! «rMi ▼»• t • % Pfarrkirche 

Schfldbögeii; auf den sechs Säulen gute Knospenkapitäle. 

Deckengemälde. Neue Preuss. Ztg. 1860, Nr. 227. — Ausführlich Binterim DeckeDfemäide 
a. a. O. Die vier Gewölbefelder des Chorhauses enthielten interessante Malereien aus 
dem i3. Jh., i87S bei der Restauration durch /ok, G, Schmitz gänzlich verdorben. Im 
Östlichen Felde die Krönung Maria, im westlichen die Verkündigung, nach Norden 
und Süden je ein Rauchfass schwingender Engel. Diese allein haben in der stünni- 
schen Bew^^ung noch etwas den spätromanischen Duktus bewahrt. In der Lai- 
buDg des Triumphbogens sechs Medaillons mit der Darstellung der klugen und 
thörichten Jungfrauen in Halbfiguren, dazwischen gutes romanisches Ornament. Die 
Inschrift: i392 und j. v. w. (?) später hinzugefügt. 

LORETTOKAPELLE (Geschichte der Stadt Düsseldorf S. 378), bis i893 Loretto. 
Püarrkirche (tit. b. Mariae v.), im J. t686 durch Herzog Philipp Wilhelm errichtet Der *^* 
Halbzirkel nach Westen erst i739 durch Erzbischof imd Kurfürst Clemens August 
erbaut, i8f 2 zur Pfarrkirche eingerichtet Im J. i893 niedergelegt, um einem Neubau 
Platz zu machen. 

Auffälliger Barockbau mit hohen Pilastem, stark vorgekragtem Dachgesims und Beschreibung 
einer Art von Attika unter dem Dach, auf dem ein vierseitiger mit Zwiebelhaube ge- 
krönter Dachreiter aufeitzt Das Innere wird von vier sehr reich profilierten Pfeiler- 
paaren getragen, die drei gleich hohen Schiffe sind mit Kuppelgewölben Oberdeckt, der 
Altar steht vor dem im Osten sich erhebenden Turm, die Westseite ist im Halbkreis 
abgerundet Ober dem Westeingange das Bildnis des h. Joseph, zur Seite die Statuen 
der hh. Aloysius und Stanislaus. 

Taufstein, achtseitig, von Sandstein, in Kelchform, 16. Jh. Tau&tein 

Zwei silberne Weihrauchfässer vom Anfang des i7.Jh., /^T\ x' ^ Weihr»uchfÄMer 



von schönen graziösen und luftigen Formen, beide dreiteilig mit [ ^K ) I \9^ X \ 
Engebköpfen an den Henkeln. Beschauzeichen und Marken: Vi^ ^xL_Jl!.»--^ 

Ciborium, barock, 36 cm hoch, von vergoldetem Silber. Darauf aufgesetzt Ciborium 
Medaillons mit Emailmalereien, derbe Arbeiten um i7oo, alle in grober Silberfassung 
mit unechten Steinen. Marke: N und Löwe mit Anker. 

Monstranz, 56 cm hoch, barock, i855 renoviert, mit sechs Schaumünzen und Momtni» 
sieben Medaillons mit guten Emailmalereien. 

Kapelle von grünem golddurchwirkten Sammetbrokat (Kasel, zwei Dalmatiken, Parameme 
Manipel, Antependium), vorzüglich erhalten, mit dem prachtvoll ausgeführten kurfürst- 
lichen Wappen in Bouillonstickerei, i7.Jh. 

Kasel (mit Stola und Manipel) von schwerem roten filzartigen Stoff, bedeckt 
mit starker silberner Bouillonstickerei mit Pailleten; das Kreuz mit Goldstickerei in 
Plattstich und guter breiter Goldspitze, Ende des i7.Jh. 

Kasel (mit Stola und Manipel) von golddurchwirktem Seidenstoff des i7.Jh. 
n^it silbernen Arabesken. 

Glocke aus dem i3. Jh., 87 cm hoch, mit 1,06 m unterem Durchmesser, um den Glocke 
oberen Rand vier und drei Streifen, der untere breite Schlagrand sehr dünn, mit 
sechs Ringen, ohne Inschrift. 

DERENDORF. 

GERMANISCHE UND RÖMISCHE FUNDE. Das bedeutendste Gräber- Germanisch« 
fe/d des Kreises Düsseldorf zieht sich vom Kaiserhain über die Golzheimer Heide "' fubIiV 

77 



! 



78 



KREIS DÜSSELDORF 



Kathol. 
Pfarrkirche 

Geschichte 



Germanische hin, in der ncucstcn Zeit grosse Ausbeute an germanischen Grabumen (Schneider 
FundV * in den Neuen Beitr. VI, S. 9. — Picks Ms. I, S. 98, IV, S. i7, 5i5. — Geschichte 
der Stadt Düsseldorf S. 4. — Düss. Beitr. IV, S. 3. — Fahne, Neue Beitr. zum limes 
S. 5o. — Koenen im Korr.-BI. der Wd. Zs. X, S. 25. — The American Journal of 
archaeology i89i, p. 56o). Auf der Heide selbst eine Reihe römischer Münzen ge- 
funden. Die Fundstücke zum grössten Teil im Histor. Museum zu Düsseldorf, in den 
Sammlungen Rautert und Braun (s. o.). 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Barbarae). 
Der Ort im ii. Jh. zuerst genannt (Therenthorpe : Lacomblet, U B. I, Nr. 257), 
i384 in die städtische Freiheit zu Düsseldorf aufgenommen (Lacomblet, U B. III, 
Nr. 878). An Stelle einer älteren Kirche wurde i693 eine neue errichtet, ein niedriger 
Backsteinbau von malerischer Aussenwirkung mit höchst merkwürdiger Anordnung 
der Türme, zwei die Hauptfa^ade flankierend, der dritte Über dem Chor, innen drei- 

schiffig, mit Pfeilern und flachen Bögen, 

VIlIIKt MIllD(DE^Tv£H© flachgedeckt im Oiebel eine Blende mit 

Kruzinx, um die Türme Haustembalustra- 

®AT®ivi(H®®E s EVEs ^L^ 'j^Ttr r:^7'S: 

/►JI KiC+Elvr V / _>U^t«./\^^En.i 1889—1892 errichtet, ist ein dreischiffiger 

rfrnRM-BA51iVMNLi-M^7S[ 



Inichrift 



^/:GIN6-ETXM1>[iV-ViR61NVM 



Kirche vr^r 
unter einem Fenster eingemauert eine 
6o cm hohe, 5o cm breite, 9,5 cm dicke 
Sandsteinplatte (jetzt in der neuen Kirche) 
mit der imten stehenden Inschrift, die 
von der alten Kapelle zu Kirchholten 
oder Holthausen herrührt (über den Ort 
V. Mering, Geschichte der Burgen, Ritter- 
güter etc. in den Rheinlanden III, S. 69, Anm. 2), deren Materialien i693 zum Bau der 
Derendorfer Kirche verwendet wurden (H. Ferber i. d. Düss. Beitr. VII, S. 126, Anm. i). 
Die Inschrift lautet: viiii. kal. maii dedicatum est hoc oRatorium in honore 

S. CRUCIS ET S. MARIE PERPETUE VIRGINIS ET SANCTORUM APOSTOLORUM PETRI ET 
PAULI MARTIRUM GEORGII ADE^BERTI HEIMMERAMMI BLASII VINCENCII MAURORUM £1' 
S. CONFESSORUM MARTINI SEVERINI CUNIBERTI ET S. LUCIE VIRGINIS ET XI MILIUM 
VIRGINUM. 

Bei dem Abbruch ergab sich, dass die. Steinplatte auf der Rückseite eine 
römische Inschrift trug, der Stein aber, um die mittelalterliche Inschrift aufzimehmen, 
auf den Seiten behauen war. Am Kopfende ein zu drei Vierteilen erhaltenes 20 cm 
breites und 4 cnr vertieftes Porträtmedaillon en face, darunter eine Inschrift (K. Bone 
in den Düss. Beitr. VIII). Vgl. F. X. Kraus, Die christlichen Inschriften der Rhein- 
lande II, S. 288, Nr. 626. 

Die spätere Inschrift gehört nach der Verwandtschaft mit der zu Haan (La- 
COMBLETS Archiv II, S. igt) und der untergegangenen zu Duisburg (Kunstdenkmäler 
d. St. Duisburg S. 2?) dem 10. — 11. Jh. an. 



¥m 



78 



• • 



KREIS DUSSELDORF 




79 



ANGERMUND. 

SCHLOSS. Th. J. J. Lenzen, Beyträge zur Statistik des Herzogthums Berg, 
DOsseldoif iSoa, I, S. l8. — v. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 36*. — 
V. MOlmann, Statistik I, S. 398. — Geschichte: Lacomelcts Archiv IV, S. 379. — 
H. Ferber, Die Kellner zu Angermund: Düss. Beitr. IV, S. aSa; V, S. i63. — Deis., 
Rentbuch der Kellnere! Angermund: Düss. Beitr. V, S. nz. — Ders., Die Gemarken 



Flg. 37. Antcrmiiad. Andcbl der Bgci. 

im Amt Angermund: Düss. Beitr. VII, S. 67. — Ders., Die Rittergüter im Amt Anger- 
mund: Düss. Beitr. VII, S. loo.— Miscellen: Düss. Beitr. V, S. i6i. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: Urbare, Rent- und 
Heber^ister von i364 an in Hs. A, asT. Vgl. Lamprecht, Verzeichnis niederrh. Ur- 
barialien S. 43. Rechnungen des Amtes von i47S ab. Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 26. 

Im Gräflich von Speeschen Archiv zu Schloss Heitorf: Eigentliche Be- 
schreibimg des Angerfluss zwischen Angermundt und dem Hause Winkelhausen mit 
seinen Wiesen, i594 von JoH. Mercator, Karte mit alter Ansicht. — Briefschaften 
über die Kapelle zu Angermund {Inv. II, II, conv. III e). — Akten des iS.— i7.Jh., 
Einkünfte der Kellnerei, Steuerbuch (Inv. II, II, conv. XIII). 

Das Schloss wird schon unter den Erwerbungen des Erzbischofs Philipp von 
Heinsberg (ii67 — Ii9i) genannt (castrum Angermunt et curia adiacens: Mitteilungen 
aus dem Stadtarchiv von Köln XII, S. 54. Damach [ zza : Lacomblets Archiv IV, S. 379). 
Bei dem Vergleich im J. i347 erhalt Grafin Irmgard von Berg das Schloss (Lacomblet, 
ÜB. II, Nr. 3 13. — Kreuer, Akad. Beitr. IIL S. 94). Das Erzstift behält die 
Lehensherrlichkeit. Im J. i337 wird das Schloss von Graf Adolph von Berg seiner 



8l KREIS DÜSSELDORF 

Gemahlin zum Wittum ausgesetzt {Lacomblet, U B. III, Nr. 226, Anm.). Im i4. Jh. 
kommt die Kölnische Lehensoberhoheit in Vergessenheit. Noch einmal im J. i45o 
übergiebt Herzog Gerhard vonjülich und Berg sein I^nd Berg mit Angermund wiederum 
dem Erzstift Köln (Lacomblet, U B. IV, Nr. 294), aber der Erzbischof Ruprecht 
verzichtet i469 endgültig auf seine Ansprüche. Von der Mitte des iS.Jh. an ist es 
der Sitz der Herzoglichen Kellner (Rentmeister) bis zum J. iSoi. Der jetzige Eigen- 
tümer ist der Fürst Alfred von Hatzfeld. Die Burg dient zur Zeit als HofgebÄude 
und Föfsterwohnung. 

Das Schloss {Ansicht Fig. zl, Grundriss Fig. 38) bildet ein unregel massiges 
Oval. Es war von breiten Gräben umgeben, die jetzt sumpfartig erweitert sind. Der 



Fig. 38. Anccrmiiad. Gnindri» dtr Biir(. 

älteste nach Westen zu gelegene dreistöckige, aus mächtigen Bruchsteinmauem auf- 
geführte Hauptbau, an der Nordweslecke abgerundet, stammt im wesentlichen noch 
aus dem l3. Jh. Er besass ursprünglich romanische Doppelfenster, von denen eines 
vermauert mit MittelsJlule an der Ecke noch erhalten ist. Im Erdgeschoss nach dem 
Hofe zu schmale geradlinig geschlossene Fenster. An der Südecke die Ruinen eines 
Turmes und die Reste eines grossen Backsteintraktes. An den alten Mauerring sind 
niedrige Wirtschaftsgebäude angelehnt. Die Thorbefestigung mit dem vierseitigen 
Thorturm stammt erst aus dem 16. oder l7, Jh. Der dicht mit Epheu umwachsene 
graubraune Bau, von dem hohen roten Dach gekrönt, wirkt mitten in den saftigen 
Wiesen überaus malerisch. 

PFARRKIRCHE {tit. s. Agnetis). H. Ferber, Die Pfarre Angermund: Düss. 
Beitr. VI, S. I46. Die Kapelle zuerst l326 genannt (Düsseldorf, Staatsarchiv, Hs. 
A. 23, Bl. 399), i63o von den Holländern zerstört, i637 unter Johann ßertram von 

81 



BENRATH 



83 



Scheidt wieder neu erbaut (Archiv Heitorf, Inv. II, II, conv. III «). Im J. i7o3 von Pfarrkirche 
der Mutterkirche zu Kalkum abgetrennt und zur selbständigen Pfarrkirche erhoben 
(Staatsarchiv, Reg. Kaiserswerth 546). Eine neue Pfarrkirche wurde i87o durchs. Lange 
aus Köln erbaut 

Über eine LANDWEHR von Angermund zur Ruhr vgl. M. Wilms in den Landwehr 
B.J. LH, S. 6. — Th. V. Haupt in dem Beibl. zur Köln. Ztg. 1820, Nr. i5 und 16. 
— Zu den Schneider sehen Untersuchungen vgl. die Wilms sehen Berichtigungen, 
weiterhin Kunstdenkmäler d. St Duisburg S. i5. Die Landwehr erwähnt in einer 
Urk. vom J. i46o (Archiv Heitorf, Urk. Kesselsberg Nr. 5). 

BENRATH. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit s. Caeciliae). Binterim und K«thoi. 
Mooren, E. K. I, S. 280. — Strauven in der Berg. Zs. X, S. 72. Pfarrkirche 

Die älteste Kirche soll im J. ioo5 errichtet sein nach einer nicht mehr erhaltenen, Geschichte 
über der Chorthür befindlichen Inschrift (anno dni mv indict. iii. extructum est 
HOC EDiFiciUM CHORi (BiNTERiM u. MooREN a. a. O. Anzuzweifeln: mv vielleicht 
Lesefehler för mv«). Der jetzige Turm stammt erst aus dem Ende des 1 2. oder An- 
fing des i3. Jh. Das hässliche Langhaus wurde 1823 angebaut 

Dreistöckiger romanischer Turm von Tuff mit achtseitiger geschieferter Haube. Beschreibung 
Die Turmvorhalle mit je zwei rundbogigen Blenden und vermauerten Fenstern zur 
Seite. Im Erdgeschoss zweimal abgetrepptes leicht spitzbogiges Portal mit Rundstab, 
im zweiten Geschoss zwei spitzbogige Blenden, im dritten von Vertikallisenen, Rund- 
bogenfiries und rechtwinkligen Blenden eingerahmt je zwei Doppelfenster mit Mittelsäulen. 

Gothischer Taufst ein, i5. Jh., achtseitig, einfach, Anfang des 18. Jh. Tau&tein 

Madonna, aus weissem Marmor in Lebensgrösse, angeblich ein Werk Grupellos Sutue 
(Hermanns, Geschichte von Benrath S. 4o), i854 aus der Schlosskapelle hierher versetzt 

Glocken. Die erste vom i4. August i453 mit der Inschrift: cecilia heis ich. Glocken 

IN DE ERE GODT LUID ICH. MELCHER HERMAN VAN ALFTER GOUS MICH ANNO D. 
MCCCCUn IN VIGILIA ACCUMPCIONIS (so) MARIE. 

Die zweite vom 4. Juli i454 mit der Inschrift: maria heis ic. in de er godes 
Lüden ich. herman van Alfter gos mich anno mccccliiii des anderen dages 

NA VISITASIONIS (so) MARIE. 

SCHLOSS. Strauven, Historische Nachrichten über Benrath: Berg. Zs. X, Schiost 
S. 49. — Al. Hermanns, Geschichte von Benrath und Umgebung, Düsseldorf 1 889. 
Dazu Düss. Beitr. IV, S. 244. — Corn. Gurlitt, Geschichte des Barockstiles und 
der Rokoko in Deutschland S. 466 mit Abb. — R. Dohme, Barock- und Rokoko- 
architektur, Berlin i892, S. i mit 2 Tafeln. — Ders., Geschichte der deutschen Bau- 
kunst S. 379, 4i4. — Düss. III. Zeitung i89i, Nr. aS. — Eine ausführliche Publikation 
niit reichen Abbildungen von Herrn Halmhuber in Düsseldorf in Vorbereitung. 

Das älteste Schloss, der Sitz der Herren de Benrode, die 1222 zuerst erwähnt 1. b«u 
werden (München, Staatsbibliothek, Sammelband Redinghoven XLII, p. 255; 1224 bei 
Kremer, Akad. Beitr. II, S. 2S2), lag an der Stelle der jetzigen Kaserne und ging 
schon im i3. Jh. an die Grafen von Berg über, es diente im i5. Jh. mehrfach als 
Leibzucht und Wittum, aber auch als Pfandobjekt und wurde wahrscheinlich im 
dreissigjahrigen Kriege zerstört. 

Im J. 1660 überwies Pfalzgraf Philipp Wilhelm Benrath seiner Gemahlin, der Pfalz- 2. Bau 
gräfin Elisabeth Amalie Magdalena, die dort in den J. 1662 — 1666 ein neues Schloss 

6» 
83 



KREIS DÜSSELDORF 



errichten liess, das einige hundert Schritt hinter dem Jetzigen Bau mitten in dem 
langen Weiher 1^. 

Der neue Schlossbau litt indessen in Folge von Feuchtigkeit und Brand so, 
dass er bald unbewohnbar wurde. Kurfürst Karl Theodor liess daher das Schloss im 
Woher abbrechen und am Ende des Weihers im J. i75S ein neues Palais errichten, 
dessen Bau der einfallenden Kriegajahre des siebenjährigen und des Erbfolgekrieges 
halber gegen ao Jahre in Ansprach nahm und über 800000 Thaler kostete. Um die 
groesartigen projektierten Wasserwerke zu speisen, ward der Itterbach durch einen 
eigenen Kanal vom Kloster Noven nach dem Park geleitet. Das Schloss diente 
Karl Theodor und seiner Gemahlin als Sommeraufenthalt, nach ihm nur noch Joachim 
Muiat und dem Erbprinzen Leopold von Hohenzollem-Sigmaringen als Wohnung. 



Der Baumebter war Nicolaus de Pigage (i72i^i796), der Schöpfer des Mann- 
heimer Schlosses, der Schwetzinger Gartenanlagen und des russischen Hofes zu Frank- 
fiirt (GuRLlTT a. a. O. S. 463). Das Schloss ist Eigentum der Krone. 

Das Schloss ist ein einstöckiger villenartiger Bau mit hoher Freitreppe, flankiert b 
von zwei al^etrennten niedrigeren, im Halbrund geschlossenen Flügelbauten, die je 
loi Räume und im Inneren einen grossen Hof besitzen, um welchen längs des Ge- 
bäudes kleinere Säulengänge führen, gekrönt durch ein gebrochenes Dach mit Man- 
sarden. Den Flügeln treten zur Seite zwei kleine rechtwinkelige Nebengebäude mit je 
einem grossen von je zwei Pilastem flankierten Portal. Die vordere Schlossterrasse ist 
um drei Stufen erhöht, die Rampe mit geschweifter Zufahrt wiederum um neun Stufen. 
Ad den vier Ecken des Hauptbaues originelle steinerne Schilderhäuschen mit römischen 
Helmen in den Giebeln, mit Pyramiden als Aufsätzen. 

Der Hauptbau {Fig. «9 von vom, Fig. 3o von hinten, gute Abb. bei GuBLiTTf 
S. 465) ist in den Aussenformen von fast gesuchter Einfachheit. Der Grundriss zeigt 

85 



86 KREIS DÜSSELDORF 

Schioss ein Rechteck mit wenig vortretendem Mittelrisalit, kräftigen Seitenrisaliten und stark 
vortretendem hinteren Pavillon. Um den ganzen Bau herum zieht sich eine schmale, 
mit einem eisernen Geländer versehene Veranda. Die nur durch schmale Lisenen, 
an den Kanten durch Quademachahmung gegliederten Wände sind von den sehr 
hohen von Festons eingerahmten, mit Holzläden versehenen Fenstern durchbrochen. 
Das geschieferte Dach, von sehr interessantem Umriss, erhebt sich über einer mit 
Zinkblech verkleideten Attika erst steil, um dann in einer Welle umzubiegen und nach 
einem Absatz sich fast horizontal umzulegen. Die runden Mansardfenster zeigen eine 
schöne geschweifte Kartoucheneinrahmung. Der Risalit des Mittelbaues enthält drei 
von Festons eingerahmte Portale, im Architrav das Wappen Karl Theodors, von dem 
Kurhut überragt, zur Seite ruhende Löwen, mit denen Putten spielen. Als Aufsatz 
eine von zwei Putten gehaltene Uhr mit darüberfallendem Vorhang, an den Ecken 
Vasen mit je zwei Putten. 
Pavillons Die seitlichen Pavillons zeigen ausgeschweifte Seitenflächen und sind von ge- 

schweiften, an das Hauptdach angelehnten Kuppeldächern überragt. Über der mitt- 
leren Wandfläche ein Giebel mit kleiner Gruppe (im Osten Hirten mit Schaf, im 
Westen Pan), als Schlufsstein des Mittelfensters eine Gruppe von Musikinstrumenten, 
zur Seite auf grossen Konsolen je eine Büste. In den Seitenflächen liegen die Fenster 
in besonderen Nischen, in der Rundung durch eine Muschel verziert, mit einem 
Widderkopf als Sclilufsstein geschmückt. 

Der Pavillon der Rückseite, zu dem in zwei Absätzen eine Freitreppe von zwölf 
Stufen hinaufführt, enthält wiederum drei grosse mit Festons eingerahmte Thüren, als 
Giebelschmuck eine in der Silhouette höchst wirkungsvolle gut erhaltene Gruppe in 
Sandstein (alle freien Teile, Geweihe, Bogen, Guirlanden, in Blei ausgeführt). In der 
Mitte in königlicher Haltung auf den Bogen gestützt Diana, auf dem Wagen hinter 
ihr ein Putto mit Köcher, links ein von Hunden zerfleischter Hirsch, rechts ein zwei 
Hunde haltender Putto. An den zurückliegenden Ecken des Daches Putten mit Jagd- 
emblemen. Die hinter dem Schioss gelegene Terrasse ist mit sechs überlebensgrossen 
derben Sandsteinfiguren (Pan und Nymphen) auf festonverzierten Sockeln geschmückt. 
Inneres Im Inneren ist zunächst die Gestaltung des Grundrisses sehr bemerkenswert. 

In der mittleren Achse liegt das Vestibül und der runde Kuppelsaal, zur Seite zwei 
ovale Lichthöfe, um die sich die Gemächer der Flügel legen. Die grosse Kunst in 
der Raum Verteilung hegt darin, wie die nahezu achtzig Räume angeordnet sind, so 
dass von aussen her und für den flüchtigen Besucher des Inneren nur die Festräume 
sichtbar sind, während alle Neben- und Bedientenräume in dem äusserlich überhaupt 
nicht sichtbaren zweiten Stockwerk um die Lichthöfe gruppiert sind. Acht Treppen 
führen in das Obergeschoss hinauf, die mit schönem schmiedeeisernen Rokokogeländer 
versehene Haupttreppe rechts vom Vestibül. Das ganze Gebäude ist unterkellert. Nach 
den überaus kräftigen Gewölben und Säulen der Kellerräume, die sich selbst unter 
den Terrassen hinziehen, war möglicherweise ursprünglich ein grösserer Bau geplant 

Das Vestibül zeigt als Wandfüllungen in Stuck die vier Elemente, als Thür- 
füllungen die vier Jahreszeiten. Der dem Vestibül gegenüber gelegene runde Speise- 
saal enthält seine Wandgliederung durch acht Paare kannellierter Pilaster, zwischen 
die die Thüren und Spiegel treten; zwischen den zusammengehörigen Pflastern Putten 
mit Füllhörnern als Leuchterhalter. Die kassettierte und mit Rosetten geschmückte 
Kuppel öffnet sich mit zwei weitausladenden Kehlen, von denen die untere mit einem 
Geländer abschliesst, zu zwei weiteren Kuppel kr önungen, durch deren Bemalung eine 
gelungene perspektivische Wirkung hergesteUt ist. An der zweiten Kuppel im Rund 

86 



87 

herumgeführt der Jagdzug der Diana, in leicliten duftigen Tönen, die Zeichnung reich 
an Verkürzungen, darüber ein herabhüngender scliwerer Vorhang mit plastischen Putten, 
in der Krönungskuppel eine Aurora. In den Lunetten von Putten gehalten Porträt- 
Diedaillons und die Namenszüge c t. und e. a. (Carl Theodor und Elisabeth Augusta). 
An den Kuppelsaal schliessen sich rechts und links grosse und helle Räume an, 
links der Gesellschaftssaal, rechts der Audienzsaal, beide mit je fünf grossen Spiegeln 
und Lunettenbildem über der Thür, dazu mit prachtvollen Stuckomamenten, der erste 
mit einer grossen Deckenmalerei: Apollo mit den Musen, und Putten in den Eck- 
stücken, der zweite mit einem dreiteiligen Deckengemälde, Jupiter, Juno und Ceres 
darstellend. Die an den Schmalseiten gelegenen achtseitigen Zimmer zeichnen sich 



durch besonders gelungene Wandfüllungen und Holzschnitzereien aus; in den Lunetten 
reizvolle Putten, in den Medaillons der Decke Embleme der Schaferei, nach den 
äisseren Schmalseiten zu Blumenfenster. Üie einzelnen Räume enthalten in Wand- 
Wleidung, Deckend ekoralion, in geschnitzten und eingelegten Möbeln (die letzteren 
iiim Teil aus der Residenz der Fürstäbtissinnen zu Essen stammend) eine Fülle der 
besten Vorbilder des deutschen Rokoko (Proben und Details in der HALWHUBERschen 
ftiWi'kaiion). Unter den Möbeln sind einige kostbare Stücke mit vergoldeten Bronze- 
beschügen (zum Teil erneut) und andere, bei denen Boulearbeit und Marqueterie 
allein den glänzendsten Effekt hervorbrii^en. Neben deutschen Arbeiten im Stile 
des David Röntgen eine Reihe französischer Luxusg^enstande. Die Tapeten zum 
grösslen Teil (nach alten Mustern) erneut. 

87 



88 KREIS DÜSSELDORF 

Sc bloss Benrath ist nächst Schloss Brühl der bedeutendste Rokokobau am Rheine und 

WüJdlg"! J*^ übertrifft den Jägerhof zu Düsseldorf wie die Bonner Schlossanlagen weit durch seine 
köstlichen Details, in denen einzelne Ornamente bereits den beginnenden Klassizismus 
andeuten. Es ist ,ein fiir die Entwicklungsgeschichte besonders wichtiger Bau, weil 
sich in ihm die ersten Regungen der Wandlung des Geschmackes in Deutschland 
zeigen: Die innere Ausstattung ist ein ungemein graziöses Zwischenglied zwischen Ro- 
koko und Klassizismus* (Dohme, Geschichte der deutschen Baukunst S. 4i4). Bei 
der Beurteilimg des Baues darf man nicht übersehen, dass de Pigage eine ländliche 
Villa, einen Sommersitz, errichtete, und dass der Hauptbau nur ein Glied in der 
grossen, auch von ihm herrührenden Gartenkomposition bildete. 
Garten Der Garten (Grundriss Fig. 3i), eine ausgedehnte fast quadratische Anlage, 

umfasst 2 IG Morgen Waldbestand, 5o Morgen Wege und 22 Morgen Wasserfläche, 
von denen 1 1 Morgen auf das vordere Wasserbassin und 6 Morgen auf den hinteren 
langgestreckten Teich kommen. Bewunderungswürdig ist vor allem das Nivellement 
in den Wasserläufen: der Itterbach ist um den ganzen Park herumgeführt und fliesst 
dann durch Urdenbach ab. Der Garten wurde nach den Angaben von de Pigage 
unter der Leitung des Grafen Goltstein nach den Leno/re sehen Ideen hergestellt. 
Hinter dem neuen Schloss A zieht sich eine lange Wasserfläche, der ,SpiegelS hin. 
Zur Linken Hegt der französische Garten mit seinen Kaskadenbauten, Bassins, gerad- 
linigen Wegen, Blumenrabatten und Laubengängen, zur Rechten liegt der (abgesperrte) 
Blumengarten. Der eigentliche Park bildet ein Quadrat, welches zwei diagonale und 
zwei zu den Seiten senkrecht geführte Alleen in acht gleich grosse Quartiere teilen. 
Im gemeinsamen Mittelpunkte schneiden sich die Alleen. Auf weite Perspektiven 
ist besonderes Gewicht gelegt. Der Park wird sorgfältig und mit feinem Verständnis 
erhalten. Vgl. ausführlich Redlich, Hillebrecht und Wesener, Der Hofgarten zu 
Düsseldorf und der Schlosspark zu Benrath, Düsseldorf i893 mit Lichtdrucken. 
Älteres Schloss Der zweite durch Karl Theodor abgebrochene Bau war ^ ein im Barockstile 

errichtetes luftiges Halbschloss, das mitten in dem Weiher lag und durch auf Bogen 
ruhende Wandelgänge mit den offenen Flügeltürmen an den beiden Ufern verbunden 
war. Der Mittelbau selbst war fünfstöckig, durch Pilaster gegliedert und von zwei 
noch um zwei Stockwerke über das Dach sich erhebenden Türmen flankiert Nach 
der Vorderseite eine kleine Terrasse. Der Schlossbau war mit dem erhaltenen, jetzt 
als Orangerie und Kaserne dienenden Teil durch eine Fortsetzung des Wandelganges 
verbunden. Dieser Teil des älteren Schlosses (Fig. 3i B) bildet eine fast regelmässig 
quadratische Anlage, mit von zwei Türmchen flankiertem bossierten Hauptportal. 
Die Gebäude sind einfach zweistöckig wiederhergestellt, auf dem Mittelbau sitzt ein 
reizendes achtseitiges offenes Türmchen auf. Die in der äussersten Ecke des linken 
Seitenflügels nach Südwesten gelegene Kapelle ist vierseitig und enthält nüchterne 
Stuckleisten und Wandmalereien ohne Wert, auf dem Altar ein h. Nepomuk und das 
Orangerie kurfürstliche Wappen. Die Orangerie, die den nördlichen Flügel des ehemaligen Vor- 
schlosses einnimmt, enthält noch zwei Säle mit prächtigen Stuckdecken des i7. Jh. In 
dem ersten Saale in der Mitte Venus und Endymion, in den Ecken vier andere Liebes- 
abenteuer der Venus, dazwischen braun in braun Jagdscenen. In der Mitte ein schöner 
Kamin mit schwerem Stuckaufeatz und verblichenem Mittelbild. In dem zweiten Saal 
ist die Decke nur teilweise erhalten: mythologische Scenen, Kamin mit verblichenem 
Mittelbild. Auf der anderen Seite noch ein Saal erhalten mit einer süsslich barocken 
Darstellung der Himmelfahrt Maria im Mittelfeld der Decke. Weiterhin nur Reste 
der barocken Kamine. Die Decke ausgebrochen und i884 eiserne Träger eingezogen. 

88 



r 



ELLER — ERKRATH 



89 



Abbildungen des alten Hauptschlosses erhalten in einer Zeichnung bei Ploennies, 
Topographia ducatus Montium i7i5 Bl. 20* (Düsseldorf, Staatsarchiv, Hs. A. 3i), auf 
rwei Aquarellen im Besitz des Herrn Louis Leven zu Urdenbach und auf einem Por- 
trät Johann Wilhelms bei Herrn Amtsgerichtsrat Strauven in Neuss. Ursprünglicher 
Plan des Gartens im Besitz der Witwe Kürten zu Benrath. 



Schlosa 
Abbildungen 



EL-LER. 

RÖMISCHE FUNDE. Germanische Gräber zu beiden Seiten der Bahn. Römische 
Römische Schalen von terra sigillata (O. Rautert in der Düss. Mon. 1881, S. 20. — 
Kdenen in den DOss. Beitr. IV, S. 9). Römische Gefclsse ,auf dem Eickart' gefunden 
(KoENEN in den B. J. LXXV, S. i83), an der alten Heerstrasse, die bei Bilk über den 
Rhein führte. 

HAUS ELLER. v. Mering, Geschichte der Rittergütter, Burgen etc. in den Hau» Eiier 
Rheinlanden III, S. io3. — Lacomblets Archiv III, S. 21. — Thummermuth, Krumb- Qu««" 
Stab schleust niemand aus, Köln i738, S. 68. — v. Steinen, Westfälische Geschichte 
III, S. 5i8; IV, S. 1262. — V. Hottstein, Hoheit des teutschen Reichsadels I, S. 4i4. 
— J. Strange, Beitr. zur Genealogie der adligen Geschlechter III, S. 29; XI, S. 9o. — 
Fahne, Geschichte der Kökiischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter I, S. 9 1 . 

Handschriftl. Qu. Im Archiv zu Schloss Heitorf: B. I, Archiv Wanghe: In- 
ventar des Schlosses (Nr. 3), Briefschaften über Schloss und Schlosskapelle (Nr. 8), 
Rentenangelegenheiten (Nr. 9). 

Der Ort schon loSi genannt (Lacomblet, UB. I, Nr. 186). Das Haus, der Geschichte 
Stammsitz der Herren von Eller, ward durch diese i42o dem Bergischen Regentenhause 
zu Lehen aufgetragen. Es kam i448 an die von Quad, i476 an die von Einenberg, 
damach in raschem Wechsel an die von Plettenberg, wiederum an die von Quad, an 
die von Harff, von der Gracht, gen. von Wanghe. Im J. 1 7 1 1 wurde es von dem 
Landesßirsten angekauft. Bei der Versteigerung der landesfürstlichen Domänen 1823 
von dem Kandmerherm von Plessen erworben, der die neuen Gebäude aufführen 
Hess. Von dem alten Burghause blieb nur ein Turm stehen. Eine Kapelle auf dem Resie 
Hause (tit ss. Nicolai et Huberti) war schon i4o9 fundiert worden (Düsseldorf, Staats- 
Archiv, Hs. A. «3, Bl. 244»»). 

Zwischen Benrath und Eller ,an der alten Brücke' lag eine alte Gerichtsstätte. Genchustäue 
Das ,Thinghaus', in Fachwerk, mit spitzem Giebel, aus dem 16. oder i7. Jh. stammend, 
ist erhalten, dabei eine mächtige Linde. 

ERKRATH. 



GERMANISCHE FUNDE. Über die in der Nähe gelegene alte Burg und oermani.che 



die Funde im Neanderthale vgl. die Kunstdenkmäler d. Kr. Mettmann. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit decapitat. s. Johannis bapt). Vgl. 
BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 262, 279. 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv 46 Urk. von i498 ab. 

Der Ort wird 11 76 zuerst genannt (Urk. bei Kremer, Akad. Beitr. III, S. 54); 
die Kirche wurde um diese Zeit in der 2. H. des 12. Jh. erbaut, im i4. Jh. einge- 
wölbt. Im J. i7oo erhielt der Turm ein neues Portal und eine neue Haube. Die 



Funde 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Hnndschriftl. 
Quellen 

Geschichte 



89 



9o KREIS DÜSSELDORF 

Kirche wurde i883 durch dtii Architekten Tihshaus restauriert und durch dtjn Maler 
Ste/ms nach Angaben von Göbbels ausgemalt. 

Dreischififige Pfeilerbasilika, im Lichten i8,5o m lang, i3,So m breit, aus Bruch- 
steinen von Ruhrkohlen Sandstein, alle Profile und Lisenen aus Tuff. Der vortretende 
Westturm, der mit einer geschweiften und eingezogenen Zwiebelhaube abschliesst, ist 



FiE. 32. Eikttth. Inueru der liiihaliicfacn PCurkirchc. 

im obersten Geschoss auf jeder Seite durch drei von Vertikallisenen und Rundbc^en- 
fries eingerahmte Felder belebt, die je ein romanisches Doppelfenster mit Mittel- 
säule und Würfel kapitfll einschliessen. Das vier Joch lange Langhaus zeigt seine 
innere Gliederung auch ausserlich im Obergaden des Mittelschiffes wie an den Aussen- 
mauern der Seitenschiffe, hier durch grosse rundbogige Blenden, dort durch von Verti- 
kallisenen und Rundbogenfries eingerahmte Felder, die die einfachen Rundfenster 

9o 




GERRESHEIM 



9l 



Knthol. 
Pfarrkirche 



Inaeret 



Taiifstcin 



aufnehmen. Am Ostgiebel ein Zickzackfries. Die äussere Gliederung der Apsis be- 
sieht in Rundbogenfries mit drei Vertikallisenen. 

Die Wirkung des Inneren (Fig. 32) ist bedeutender als bei den meisten übrigen 
kleinen romanischen Kirchen des Kreises. Die gothischen Rippen der vier Joche des 
Mittelschiffes sitzen auf den alten romanischen Pfeilervorlagen auf; die Scheidemauem 
sind neu belebt durch die kleinen in den Gewänden leicht abgeflachten Rundfenster. 
Die schweren, massigen vierseitigen Pfeiler zeigen nur nach den Arkadenlaibungen zu 
einfach profilierte Kämpfer. In den Seitenschiffen flache Gratgewölbe mit Gurten und 
Schildbögen. Die Turmhalle, die sich mit einem Bogen von d^r Höhe des Triumph- 
bogens nach dem Mittelschiff öffnet, ist mit einem gothischen Kreuzgewölbe mit grossem 
Mittelring abgeschlossen, in einer Ecke ist der Treppenturm eingebaut. Das Chor- 
haus mit Kreuzgewölbe, die Rippen und Schildbögen auf Konsolen ruhend, die 
Apsis einfach halbrund. Südlich stösst, durch einen hohen Spitzbogen verbunden, die 
mit einem Kreuzgewölbe überdeckte gothische Seitenkapelle an, nördlich die Sakristei. 

Taufstein, i,o5 m hoch, aus schwarzem Granit, aus dem i3. Jh., grosses rundes 
Becken mit Rundbogenfries und vier Eckköpfen, auf kräftigem Mittelcylinder mit vier 
Ecksäulen. 

Rohes Steinrelief der Kreuzigung aus dem 16. Jh., mit der Unterschrift: hy 

IS GERICH NA RECHT, HI LIT DE HERR BY DE KNECHT. 

Schüssel von vergoldetem Silber mit in Silber getriebenem Haupt Johannis 
des Täufers, vortreffliches und edles Stück des 16. Jh, von feiner Behandlung des 
Bartes und der Haare, auf der Stirn ein Medaillon für Reliquien. Inschrift: sump- 

TIBUS ECCLESIAE ERCKRADENSIS EX TESTAMENT© CHRISTIANI LANGEN P. M. ACQUI- 

SITUS i7o5. 

Glocke von i454 mit der Inschrift: s. Johannes apostole dei ora pro nobis 

PECCATORIBUS. ANNO DOMINI MCCCCLIIII VI. KAL. MAIL MARIA HEIS ICH, IN DE ER 
GODS LUD ICH ALFTER GOIS MICH. 

HAUS GRÄFGENSTEIN (Griffgenstein), im i5. Jh. im Besitz der Herren 
vom Haus, darnach der Freiherren von der Horst, der Herren von Zweiffei. Der 
jetzige Besitzer ist der Reichsgraf Franz von Spee. Vgl. J. Strange, Beitr. I, S. 53. 

Das Haus besteht aus einem viereckigen, schwerfälligen, turmartigen Bau von 
vier Stockwerk Höhe, an das die Ökonomiegebäude stossen. Es war wahrscheinlich 
von Anfang an als bewohnbarer Wartturm geplant. 

HAUS BRÜGGE, einfaches, steinernes, zweistöckiges Wohnhaus mit grossen Hau» Brügge 
Fensteröffnungen, ursprünglich ganz von Wasser umgeben, mit steinerner Brücke. 



Relief 



Schüssel 



Glocke 



H^ut 
Grafgenstein 



GERRESHEIM. 

RÖMISCHE UND GERMANISCHE RESTE. Auf dem Ludenberg, Römi.che u. 

Germanische 

Südlich von der Stadt, im ,Schülerbusch* befand sich angeblich ein (seit der Rodung Reste 
verschwundener) Wallring (G. Pieper in der Heimatskunde i879, S. i7). An der 
Nord- und Südseite sind von den Gräben noch tiefe Einschnitte erhalten. Das 210 
Schritt lange Plateau ist heute mit Gestrüpp bedeckt (KESSELsche Mitteilungen). 

Auf dem Grafenberg, zwischen Düsseldorf und Gerresheim, der ursprünglich 
Godesberg hiess (HARLESS^in der Berg. Zs. VII, S. 2o5), wurden i847, i849 und i855 
am Lemmenhaus und vor allem in der Nähe der Fahnenburg durch Anton Fahne 
eine Menge römischer Gefässe und Urnen ausgegraben. Die Fundgegenstände im 



9i 



92 



KREIS DÜSSELDORF 



Strassen 



Römische u. Besitz dcs Herrn Pflaum auf der Fahnenburg (Abb. A. Fahne, Die Fahnenburg S. 69, 

GermAnische t-v t^- r^ o ' 

Reste 72. — Ders., Die Dynasten von Bocholtz I, S. 246. — Ders., Neue Beitr. zum limes 
S. 5o). Über die Gerresheimer Gegend zur Zeit der Römerherrschaft Fahne in den 
Ann. h. V. N. XXXIII, S. i95. 

Ungefähr i8oo Schritt nördlich i87i ein grösserer Begräbnisplatz aufgedeckt 
(Abb. von Fundstücken bei Fahne, Neue Beitr. S. S2. — Über germanische Gräber 
und fränkische GefUsse Koenen in der Wd. Zs. VI, S. 358. — Ders. in den B. J. 
LXXXV, S. i53. — Vgl. auch C. Menn, Über die Ausgrabungen altdeutscher Be- 
gräbnisumen bei Düsseldorf (an der Grafenberger Chaussee): Rhein. Provinzialblätter 
i834, I und II. — v. Zuccalmaglio, Die bergischen Heiden: Nöggeraths Provin- 
zialblätter i839, S. loo. — Düss. Beitr. IV, S. 4). An der Kaiserburg wurden beim 
Hausbau zwei steinerne Streitäxte gefunden (Schneider, Kreis Düsseldorf S. 10), ein 
fränkisches Grab wurde in Gerresheim bei der Kirche aufgedeckt, darin Knochen, 
Geföfsscherben, Lanzenspitze und kleine Bronzefigur. Eine Kolossalume i89o am 
Kamp Heiligendunk gefunden (s. o. S. 68 a, E.). 

In der Nähe der von Neuss über Hamm, Bilk, Lierenfeld nach Gerresheim 
führenden Römerstrasse, die kurz vor dem Ort unter dem Namen , Viehs trasse* be- 
kannt ist (Schneider, Neue Beitr. VI, S. 6), wurde 1881 ein römisches Grab mit einer 
Urne entdeckt (B. J. LXXI, S. i56). 

An Gerresheim vorbei führten zwei der ältesten Strassen des Kreises (Schneider 
in den Düss. Beitr. IV, S. 3 ; vgl. Karte) auf Ratingen zu. Die von Düsseldorf nörd- 
lich von Gerresheim vorüberführende Mettmannsche Landstrasse gehört gleichfalls zu 
den ältesten Strassenzügen des Bezirks (Schneider, Beitr. IV, S. 2). 

Ehemal. STIFTSKIRCHE, jetzige KATHOLISCHE PFARRKIRCHE 
(tit. s. Margarethae). Jon. Hub. Kessel, Der selige Gerrich, Stifter der Abtei Gerres- 
heim, Düsseldorf 1 87 7. — Ders., Die Stiftung der Abtei Gerresheim: Picks Ms. III, 
S. 24o, mit 5 Urk. — v. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 3 60. — v. Mül- 
MANN, Statistik I, S. 4i7. — E. Mummenhoff, Zur Geschichte der Stadt Gerresheim: 
Picks Ms. IV, S. 5i6. — Hahn u. v. Schaumburg, Kurze Geschichte der Abtei: 
Ann. h. V. N. XXXIII, S. i89, i92. — E. v. Schaumburg, Zur Geschichte des Stifts 
Gerresheim: Berg. Zs. XV, S. 29. — Harless, Urk. des Stiftes und der Stadt Gerres- 
heun: Berg. Zs. VI, S. 77. — W. Ritz, Urk. des Klosters von 87o — 1438: v. Lede- 
burs Allg. Archiv V, S. 298. ■— Urk. von i3i i— i56i : Berg. Zs. VI, S. 77. — J. Wülf- 
FiNGS Beschreibung Gerresheims vom J. i729: Berg. Zs. XIX, S. I24, i37. — Zur Ge- 
schichte des Stiftes: Berg. Zs. XV, S. 29. — Theod. Ray, Animae illustres Juliae, 
Cliviae et Montium p. i93. — Nachrichten zur Geschichte des Stiftes: v. Mering, 
Burgen, Abteien und Klöster im Rheinlande X, S. 11 4. — Lacomblets Archiv III, 
S. 20. — Nekrologium des Stifts Gerresheim: Lacomblets Archiv N F. I, S. 85; 
Heberegister ebenda S. in. — Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 11 3, 281. — aus'm 
Weerth, Kd. II, S. 48. — Lotz, Kunsttopographie I, S. 238. — Otte, Geschichte 
der romanischen Baukunst S. 397. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 382 Urk. von 873 
bis 1800, darunter eine beträchtliche Anzahl von Kaiserurkunden. Supplement i3o 
Urk. von 12 24 — i7i4. — Kopiar B. 116»—«, 3 Bde., 16. — 18 Jh. — Unter den Akten: 
Registrum redituum, memoriale et calendarium renov. per can. Gerr. Jon. Knipping, 
i4.Jh. (Reg. 387), Registrum a. i54o conscriptum (3 80), Gesammelte Nachrichten über 
Visitationen (385), Memorienbuch des Stiftes, Folioband, darin Verzeichnis der Para- 
mente und Reliquien vom J. i598 (393) (wird in der Sammlung rheinischer Inven- 



Stif tskirche 
Litteratur 



Handschriftl. 
Quellen 



92 



GERRESHEIU 93 

lare veröffentlicht), Testamente der Äbtissinnen {384), Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 79 Sii 
u. Bei?. Zs. XV, S. z9. — Kalendarium A. 67. Vgl. Lacomblets Archiv N F. I, S. 85. 
— Urkundenabschriften in dem Redi ng ho ven sehen Sammelbd. A. 23 Bl. 32? — 335. 
Ober die Urbare Lauprecht, Verzeichnis niederrheinischer Urbarialien S. lo, 53. 
Im Pfarrarchiv: 13 Urk. von i43o. — Visitationsprotokolle, Akten, Rechnungen. 



Im Stadtarchiv: Akten, Rechnungen der Stadt und des Gasthauses von 1625 
an, Steueranschlage des Amtes Mettmann von i72o an, Ordnung der Schuhmaclier- 
und Gerberzunft von i748, Verwaltungsakten. Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. i73. 

In der Staatsbibl. zu München: Privilegien des Stifts von i44o ab: Samm- 
lung Rkdinghoven, Cod. genn. 2213, Bd. V, Bl. 438; Altarfundationen ebenda Bd. VI, 
BI.3o4>», XXX, Bl. 64«; Verzeichnis des Archivs vom J. i585 mit Urk. von 929 an, 

93 



94 



KREIS DÜSSELDORF 



Ansichten 



Geschichte 
Stiftung 



Stiftskirche mit einer Reihe von Kaiserurkunden, weiterhin Inventar mit Angabe der bei Eröff- 
nung des Gerrichgrabes gefundenen Schätze, sowie der Wertsachen der Kirche, ebenda 
Bd. VI, Bl. 85. 

Ansichten, i. Handzeichnung von Ploennies, Topographia ducatus Montiura 
(Düsseldorf, Staatsarchiv, A. 3i) Bl. 65. Vgl. Berg. Zs. XVII, S. 8i, und Suppl. 

2. Vier Handzeichnungen der alten Stadt um i84o von Adolf Heinrich Richter 
im Histor. Museum zu Düsseldorf (Y. 39*). 

Ein Nonnenkloster zu Gerresheim wurde von Gericus, einem fränkischen Ritter 
im bergischen Lande (schon vor 82? erwähnt in der Traditiones Werthinenses: Berg. 
Zs. VI, S. 21) in der 2. H. des 9. Jh. auf seinem Herrenhofe gestiftet und erbaut und 
von dem Erzbischof Willibert zwischen 87o und 873 eingeweiht. Die erste Äbtissin 
war seine Tochter Regenbierg, die 873 dem Kloster weitere Schenkungen macht 
(Lacomblet, UB. I, Nr. 68. — Kessel S. 43, 182. — Ann. h. V. N. XXXI, S. 5o. 
— Über die richtige Datierung der Urk. S. 75). Die Kirche wird 882 als ecclesia 
Dei et s. Ypoliti genannt (Lacomblet, UB. I, Nr. 73,84). 

Im J. 9 1 7 schon wurde das Kloster durch die Ungarn in Brand gesteckt (Ann. 
h. V. N. XXVI, S. 334). Das erneuerte Kirchen- und Klostergebäude weiht im J. 97o 
der Erzbischof Gero von Köln (Lacomblet, UB. I, Nr. in); 976 wird der Kirche 
das Recht der Zollerhebung gesichert. 

Das Kloster wurde wahrscheinlich darnach aufs neue bei einem Einfall der 
Ungarn verwüstet, 992 versetzt Erzbischof Hermann I. die vertriebenen Nonnen in 
das Kloster der 11 000 Jungfrauen in Köln (Ann. h. V. N. XXVI, S.335; XXXI, 
S. 84. — Kessel S. 89, 102, i84). Das Kloster war schon damals in ein adeliges frei- 
Letzter Neubau weltliches Damenstift übergegangen. Zu Beginn des i3. Jh. machte sich ein vierter 
Neubau notwendig. Die jetzt stehende Kirche wurde im J. I236 vollendet (Kessel 
S. i4i nach einer in Abschrift erhaltenen Altanveiheinschrift). 

Im 16. Jh. geriet die Kirche allmählich in Verfall (Visitationsprotokolle Düssel- 
dorf, Staatsarchiv, Reg. 385. — Bericht von i574 bei v. Mering X, S. ii4); im i7.Jh. 
wurde die in der Mitte des Chores stehende Gericuskapelle abgebrochen, wohl eine 
Art Baldachin in der Art des in der Abteikirche zu Laach erhaltenen, und 1 669 auch 
die Tumba des Heiligen vom Chor entfernt (Kessel S. i56). Das Kloster wurde am 
22. März 1806 aufgehoben, die Kirche i8o9 der Gemeinde überwiesen an Stelle der 
alten unbrauchbar gewordenen, südlich von ihr gelegenen Pfarrkirche tit. s. Marga- 
rethae, die erst i892 gänzlich abgebrochen worden ist (vgl. über sie Kessel S. 66, i49). 
Sie war 11 42 eingeweiht worden. Inschrift (erhalten nur bei Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. 281. — Kessel S. 66, A. 2): anno mcxlii indictione iil xxil epacta 
vil idus januaril Die Stiftskirche wird seit i873 durch Heinrich Wiethase, seit i894 
durch Heinrich Renard restauriert. 

Dreischiffige Pfeilerbasilika mit KreuzschifF und achtseitigem Vierungsturm aus 
Tuff, 47,5o m lang, i9,5o m breit, das Querschiff 22,10 m lang, 8,7o m breit 

Der Westfagade tritt das zweistöckige, mit einem Giebel abschliessende Mittel- 
schiff risalitartig vor. Über einem 85 cm hohen, einfach profilierten Hausteinsockel, 
der um den ganzen Bau verkröpft ist, erhebt sich das Erdgeschoss mit dem grossen 
rundbogigen Portal. In den dreimal abgetreppten Gewänden je drei Säulen aus 
schwarzem Granit auf Eckblattbasen mit fein durchgeführten Blattkapitälen. Die Deck- 
platte wie der mittlere Knauf sind um alle Abtreppungen verkröpft. Über der Deck- 
platte setzen sich die Säulen in mit drei Ringen versehenen Rundstäben fort. Das 
Obergeschoss ist durch Vertikallisenen in drei Felder zerlegt und durch drei spitz- 



Verfall 



Aufhebung 



Beschreibung 



Westfngnde 



94 



GERRESMEIM 



95 



bogige schmale Fenster mit rechtwinkelig ansetzenden Gewänden belebt. Der Giebel Siiftskirche 
zeigt drei durch Yertikallisenen abgeteilte und durch aufsteigende Rundbogenfriese 
abgeschlossene Felder. Die westlichen Aussenmauern der Seitenschiffe enthalten eine 
grosse rundbogige Blende und ein (im nördlichen Seitenschiff vermauertes) aus der 
achtblätterigen Rose konstruiertes Fenster, darüber ein einfaches Rundfenster. An der 
Nordseite ist ein vierseitiger Treppenturm an das Mittelschiff angebaut. 



w M > I f I I I I r I t t ♦ T '*' 




Fig. 34. Gerresheim. Grundriu der Stiftskirche mit Kapitelthaus und Kreuzgang. 



Der Obergaden des Mittelschiffes ist durch Rundbogenfries unter dem Dach- 
gesims und Yertikallisenen gegliedert und durch drei Paare rundbogiger Fenster belebt. 

Die Seitenschiffe sind gleichfalls unter dem einfachen Dachgesims mit einem 
Rundbogenfries abgeschlossen. Die südliche Aussenmauer zeigt im zweiten Joch von 
Westen aus ein zweites Portal mit zweimal abgetreppten Gewänden, darin zwei Säulen 
mit Blattkapitälen und Mittelknauf, über der verkröpften Deckplatte als Rundstäbe 



Längsseiten 



9S 



96 KREIS dCsseldorp 

f mit drei Ringen for^esetzt, die Thüröffnung wie am Hauptportal mit horizontalem 
Sturz geschlossen. 

Das erste und dritte Joch zeigen je ein fanfteiliges Facherfenster, das vierte, 
mn^e und sechste je ein aus der achtblatterigen Rose konstruiertes, von einer runden 
Blende umschriebenes Rundfenster. Unter den Pultdächern hat der Obergaden des 



li lUlLLllLLl l M I UI I I L 

Fig. 33. Cenuhfin. Weiuuicbl der Slirukitche, Wen- und Nordiuicht d« K>p[|cUhiiiuu. 

Mittelschiffes verdeckte Wideriager gefunden; von einer Thür durchbrochene Quer- 
mauem, die im Verband aber nicht ab Strebebögen gedacht sind. 

An der Nordseite treten neben die beiden letzten östlichen Joche des Seiten- 
schiffes schmale Kapellen — die ersten zwei Joche zeigen die Fächerfenster, die letzten 
vier die achtblätterigen Rosen. 

Die Querarme und das Chorhaus setzen die Gliederung des Obergadens des 
Mittelschiffes fort und sind durch denselben Rundbogenfries abgeschlossen, der an 
den Giebeln mit Ausnahme des Ostgiebels an der einen Seite gestekt ist und auf- 

96 



GERRESHETM 



97 



Steigt. In den westlichen Mauern wie in den Seitenmauem des Chorhanses je ein rund- Stiftskirche 
bogiges Fenster, in den Giebelmauem zwischen zwei rundbogigen Fenstern drei in eine 
gemeinsame spitzbogige Blende eingebrochene Rundbogenfenster, in allen Giebeln drei 
Vierpassfenster. Die östliche Mauer zeigt eine durchlaufende Horizontallisene, darunter 
zwei Kragsteine, hier setzte ehemals das Dach der Sakristei an, das jetzt tiefer gelegt ist. 
Die südliche Sakristei ist durch grosse rundbogige Blenden gegliedert und durch 
zwei mit ausladendem Kleeblattbogen abgeschlossene Fenster erhellt. Die niedere 
halbninde Apsis ist unter einem reicheren Dachgesims mit zwei durchgeführten Rund- 




^i rrrrf i-^-f-^ 



£ 



^ 



Fig. 36. Gerresheim. Nordansicht der Stiftskirche und Querschnitt des Ksipitelshauses. 

Stäben durch fünf grosse rundbogige Blenden auf Hausteinvertikallisenen und fünf 
nmdbogige Fenster gegliedert, die in ihrem unteren Sechstel vermauert sind. Zur 
Unterstützung des Triumphbogens hat das Chorhaus an den östlichen Ecken Wider- 
lager mit starker Hausteinverklammerung erhalten. 

Der zweistöckige- achtseitige Vier ungs türm erhebt sich auf Pendentifs, denen vierungsturm 
aussen an den vier korrespondierenden quergestellten Mauern aufsteigende Sattel- 
dächer entsprechen. Die einzelnen Stockwerke sind durch Rundstabhorizontallisenen 
^^liedert, das obere schliesst mit einem reichen Gesims ab, das sich auch über den 
aufgesetzten flachen Giebelchen fortsetzt, es besteht aus einem Klötzchenfries und 



97 



98 KREIS nOSSELDORF 

i einen) mit ausgerundeten Schuppen bekleideten Fries. Alle Felder sind durch Rund- 
bogenfriese von je vier Rundbögen, die auf Konsölchen aufsitzen, abgeschlossen 
und von Vertikallisenen eingerahmt. Im unteren Stockwerk je ein Doppelfenster, die 
Bögen im Halbrund geschlossen und getragen von einer Mittelsäule mit Kelchkapital, 
die Umrahmung spitzbogig, zweimal abgetreppt und mit zwei durchgeführten Rund- 
staben. Im Oberstock ein dreiteiliges rundbogiges Fenster mit je zwei Paaren ge- 
kuppelter S;iulcn aus schwarzem Granit mit Knospenkapitalen, von einem Rundstab 
eingeschlossen, im Giebel ein einfaches Doppelfenster mit je einer Tragsäule. Die 



Turmhaube ist sechzehnseitig, die von den flachen Giebeln nach der aufsteigenden 
Haube geführten Satteldächer verleihen ihr eine reiche Gliederung. Die Schiefer- 
bedeckung ist durchweg erneut, alle Kanten mit Zinkblech verkleidet. Die Turmhaube 
ist erst bei der letzten Restauration an Stelle der früheren bedeutend niedrigeren auf- 
gesetzt worden. Die 9o cm starken Turmmauem ruhen nicht direkt auf den von 
einem Vierungspfeiler zum anderen geschlagenen Bügen, sondern auf l,8o m starken 
über diese gespannten auf jeder Seite um io cm vorstehenden zweiten Bftgen. 

Das Innere (Gnindriss Fig. 34, Ansicht Fig. 38) ist im Obergaden von sieben 
Jochen überspannt, dreien im Mittelschiff, einem im Chorhaus, dreien im Querhaus. 
Jedem der Mitlelsrhiftjochc entsprechen zwei in den Seitenschiffen. 



GERRK5HEIU 



Die Tast in Rundstabgestalt profilierten Rippen ruhen zusammen mit den in den siifn 
Schildb^en herumgeführten Rundstäben auf starken Dreiviertelssaulen, die den die 
Gurte tragenden Pfeilervorlagen zur Seite treten. Die mit aufsteigenden Akanthus- 




Fig. 31. GerrMheim. Innciunrichl 



blättern oder Knospen geschmückten Kapitale sind nebst ihrer Deckplatte gleichmassig 
um Halbpfeilcr und Säulen verkröpft. Nur das erste Hauptpfeilerpaar von Westen 
aus ist starker betont — das somit besonders abgeschlossene erste Joch ist gleichsam 



loö 



Kreis Düsseldorf 



Stifttkirche als wcstUche Vorhallc gekennzeichnet. Die Pfeiler zeigen hier eine doppelte Vorlage, 
in der Abtreppung läuft ein zweites Paar dünnerer Säulchen hernieder, die sich zur 
Seite des gleichfalls abgetreppten Gurtes als Rundstäbe mit fünf Ringen fortsetzen. 
Die Arkadenpfeiler sind ausserordentlich schmächtig und entbehren aller Gliede- 
rung, in den Laibungen selbst schliessen sie mit einem Kämpfer ab, der wohl in den 
Seitenschiffen, nicht aber im Mittelschiff um den ganzen Pfeiler geführt ist In die 
Arkadenbögen ist ein etwas eingerückter zweiter Spitzbogen mit etwas tiefer liegendem 
Scheitel eingeschoben. 

Scheidemauetn Die Scheid emaucm (Fig. 37) haben eine reiche Gliederung erhalten in einem 

durch die ganze Kirche einschliesslich des Chorhauses geführten Triforium, das 
indessen nur als architektonischer Schmuck auftritt und zum Laufgang schon seiner 
äusserst geringen Breite wegen nicht geeignet sein konnte. Auch sind die Pfeiler 
selbst nicht durchbrochen, nur von dem Dachstuhl über den Seitenschiffen fuhrt eine 
schmale Thür auf das Triforium. Es besteht in jedem Joch aus vier Bögen, ge- 
tragen von gekuppelten Säulen aus schwarzem Schiefer, mit aufsteigenden ungegliederten 
Kelchkapitälchen und gemeinsamer Deckplatte, an den Ecken von einfachen Säulchen. 
In den Bögen selbst laufen zwei Rundstäbe hin, die sich über den Deckplatten spiralisch 
aufrollen. Über dem Triforium je zwei Fenster von einem Rundstab umrahmt, mit 
stark abfallenden Sohlbänken. In den Seitenschiffen ruhen die Rippen, wie die Rund- 
stäbe der Schildbögen mit Knospenkapitälen, auf Dreiviertelssäulchen an den Haupt- 
pfeilem zur Seite der den Gurt tragenden Pfeilervorlagen, denen an den Aussen- 
mauem Halbpfeiler entsprechen. 
Krcuiarme In den Krcuzarmen läuft das Triforium an den Ost- und Westseiten" weiter, 

darüber erhebt sich je ein mit einem Rundstab (an der Westseite des nördlichen 
Querarmes fehlt dieser) eingerahmtes Rundbogenfenster. 

Im Gegensatz zum Langhaus, wo die Triforiumsbögen nur leise eingeknickt 
sind, macht sich hier der Spitzbogen noch mehr bemerklich. An den West- und 
Ostseiten ziehen. sich je drei Bögen hin, an den Süd- und Nordseiten ist das Trifo- 
rium in äusserst geschickter Weise zur Belebung des ganzen Giebels verwendet. An 
Stelle der kleinen Bögen treten drei grosse luftige weitgeschwungene Spitzbögen, der 
mittlere gestelzt, so dass sein Scheitel fast bis zum Gewölbescheitel reicht. Die hohen 
gekuppelten Säulen sind durch einen Ring geteilt, die Formen sind im übrigen die- 
selben wie bei den kleineren Bögen. Die drei Spitzbögen nehmen nur die Giebel- 
fenster in sich auf. 

An der Ostwand des südlichen Querarmes ist das Triforium geschickt in den 
Aufbau eines barocken Altares hineingezogen, an der Ostwand des nördlichen Quer- 
armes haben die beiden südlichen Bögen einem Durchgang zu dem ersten Stock des 
hier anstossenden Abteigebäudes weichen müssen. Die halbrunde Apsis des nörd- 
lichen Querarmes ist durch einen geschmacklosen hölzernen Altar aus den 5o er Jahren 
verdeckt. 
Chorhaus Das Chorhaus zeigt wiederum an den Längsseiten je drei Bögen des Trifo- 

riums, darüber je ein grosses rundbogiges, von einem Rundstab eingerahmtes Fenster 
mit stark abfallender Sohlbank. Die Wandflächen unter dem Triforium sind durch 
zwei leicht spitzbogige Blenden eingerahmt, in denen ein mit Ringen versehener Rund- 
stab hinläuft. 

Triumphbogen Der die Apsis abschliessende Triumphbogen ist wiederum wie der erste Gurt 

im westlichen Langschiff reicher gegliedert, der doppelten Pfeilervorlage entspricht ein 
abgetreppter Gurt, in dessen Kehlen Rundstäbe mit Ringen hinlaufen, die auf den 



100 



GERRESHEIM 101 

schwächeren Dreiviertelssäulen an den Pfeilervorlagen ruhen. Die Apsis ist durch s 
Rundstabrippen gegliedert, die mit skulptierten Knospenkapitälchen auf mit zwei 
Mittelringen versehenen Säulchen ruhen. Gleichzeitig setzen auf den Kapitälchen die 
Rundstäbe der Schildbögen auf. Die Rippen sind wie im Chorhaus und Querschiff 
auffallenderweise mit Rosettenmedaillons besetzt. 

Die Stiftskirche gehört der grossen Gruppe der niederrheinischen Kirchen im I 
Übergangsstile an — nächst deren Hauptdenkmälem, der Abteikirche zu Werden 
und der Quirinuskirche zu Neuss, ist sie das bedeutendste Werk dieser Gattung nörd- 
lich von Köln; ihr Vierungsturm nähert sich dem des Bonner Münsters. Beachtens- 
wert ist die geringe Betonung des Westportaics und der Westfa^ade; von grosser 
malerischer Schönheit ist die Choransicht. 

Hochaltar, hässitcher Rokokoaufbau vom Anfang des i9. Jh. 




ihcim.SRgmaiüiehE Alunneni 



Sudlicher Seitenaltar, die ganze Ostwand des südlichen Kreuzarmes ein- 
nehmend, grosser barocker Aufbau, mit Benutzung des Triforiums errichtet, dessen drei 
Bögen drei tiefere entsprechen, die Scenen aus der Lebensgeschichte des h. Petrus, 
in stumpfen Farben auf Holz gemalt, als Einrahmung dienen; in der Mitte der Tod 
des h. Petrus. Im Aufsatz eine barocke vergoldete Figur des Heiligen. Inschrift: 

D. O. M. ET S. PETRO R, D. BERNARDÜS SCHULTE.S RATINGENSIS NOSTRAE PRAKKOB. 

KCLESiAE SENIOR CANONicus pio ZELO posuiT A. [677. Restauriert i73o und i846. 
Der Hochaltar besitzt noch die alte romanische Mensa (Fig. 39. — aus'm 
Weerth, Kd. Taf, XXXI, 7. — Rohault de Fleury, La messe I, pl. 78, p. zzb) von 
verschiedenfarbigem Marmor, ein fast quadratischer Aufbau, Jede der drei Seiten ist 
in drei Felder zerlegt, mit fein gegliederten Kleeblattbögen abgeschlossen, die von Eck- 
säulchen mit Blattkapitalen gestützt werden. Die Hauptgliederung geben schlanke 
Säulchen aus dunklem Schiefer, die zugleich mit Knospenkapitälchen die Deckplatte 
tr^n. Von dem nördlichen Seitenaltar ist gleichfalls die einfachere Mensa erhalteni 
nur mit zwei vertieften Feldern an der Vorderseite. 



loa KREIS DÜSSELDORF 

Sakramentshausclien von Sandstein (al-s'm Weerth, Kd. Taf. XXXI, S), 
an der Nordseite des Chores, vom Ende des iS.Jh., fUnfseitig, von sehr schlanken 
und luftigen Formen, in dem Aufsatz mit übermässiger Betonung der vertikalen Glie- 
derung. Dem mit Ecksäulchen äusserst reich gegliederten Sockelpfeiler treten ge- 
wundene Säulen mit Mittelknauf zur Seite, die das Gehäuse selbst stützen. Uie drei 
freien Seiten desselben sind mit vollendet schönen schmiedeeisernen Gittern bedeckt, 
reich an spätgothischen Fischblas enmotiven. Den Eckpfeilern treten unter Baldachinen 
von durcheinandergeschobenen Eselsrücken Figllrchen von Heiligen vor, die ebenso 
wie die am Sockel befindlichen erneut sind. Alle Felder sind doppelt von Stäben 
eingerahmt. Über jedem der freien Felder erhebt sich ein vorgekragter dreiteiliger 
Baldachin, durch den zwei geschwungene 
Eselsrücken durchgezogen sind, die alle 
mit Kreuzblumen abschltessen. Der drei- 
stöckige von Fialen überwucherte Aufsatz 
schliesst mit einer Kreuzblume ab. 

Zur Seite ein Reliquienschrank 
mit einem freigearbeiteten, vorgekragten, 
steinernen Baldachin aus drei Eselsrücken 
bestehend, mit reichem Fialenaufeatz in 
der Art des Sakramentshäuschens. 

Barocke Kommunionbank und 
Kanzel, die letztere mit wirkungsvollem 
Baldachin und den Gestalten der vier 
Evangelisten am Gehäuse. 

Barocke Chorstühle vom J. i7o7, 
fünfsitzig auf jeder Seite, mit derber, aber 
sehr wirkungsvoller Schnitzerei, jedes Feld 
mit Arabesken erfüllt, alle Profile stark 
betont, die Sitze durch gewundene Säul- 
chen getrennt, ähnlich denen zu Werden 
{Kunstdenkmaler d. Kr. Essen S. 94). 

Sarkophag des h. Gericus, i mhoch, 
i,9o m lang, 68 cm breit (Fig. 4o}, von 
Sandstein, aus dem i4.Jh., ganz entspre- 
Fie. 40. G«r«iieiin. si.tkoph»B d« h. Gericu.. chenddemAlfridsarkophaginEssen{Kunst- 

denkmäler d. Kr. Essen S. 34, Fig. i5). 
An jeder der Längsseiten diu-ch sieben, an jeder der Schmalseiten durch zwei Bogen- 
stelluDgcn belebt, über denen sich krabbenbesetzte Wimperge erheben, die mit einer 
derben Kreuzblume abschliessen. Die Tumba kann mit der schon in einer Urkunde 
der Äbtissin Gertrud von Neukjrchen zwischen iiS4 und Ii87 (Kessel S. i9i) ge- 
nannten nicht identisch sein. 

Der Sarkophag stand ehemals in der Mitte des Chores in einem eigenen, i669 
abgebrochenen Kapellchen. Zuletzt geöfTnet im J. i873 (Kessel S. iTa). Die trans- 
latio Gerici im Nekrolog Villi. Kai. Octobr. (Lacomblets Archiv VI, S. 98), über 
seine Verehrung Kessel S. i36. 

Hölzerner Kronleuchter der Spätrenaissance um i6oo, mit zehn geschweiften 
Armen, reich verziertem Knauf mit geschnitzten Köpfen und geschwungenen, mit 
Büsten verzierten Rippen. 

loa 



'^ERRESHEIM 



ro3 




Madonaenleuchter, auf dreibeinigem schmiedeeisernen, i m hohen Fusü 
mit drei reich verzierten Armen eine 9o cm hohe hölzerne Madonnenstatuette auf 
dem Halbmond, schmal und zierlich, 2. H. des 1 5. Jh. 

Romanisches Kruzifix (Fig, 4i. — aus'm Weerth, Kd. Taf. XXXI, 6; II, 
S. 49. — Kölner Domblatt i843, Nr. 67), z m hoch, von Holz, vom ehemaligen Triumph- 
treuz, mit Resten der alten Bemalung, Ende des 1 z. Jh., schlanke Gestalt von sehr 
remen und edlen Formen mit langem Lendentuch und höchst charakteristischem auf 
die rechte Schulter gesenkten kleinen Kopf Arme abgebrochen, aber erhalten. 

Zwei Kopfreliquiare von Holz, in alter verblichener Bemalung und Vergol- 
dung, einen jugendlichen 
raännlichenundeinenweib- 
lichen Heiligen darstellend, 
Ende des iS.Jh., mit feiner 
Haarbehandlung. 

Lavabokessel aus 
Kupfer, mit Köpfen an den 
Ausflussröhren, 16. Jh. Ähn- 
liche Stücke im Register 
der Kungtdenkmaler Bd. I, 
S.S98. 

Reliquieasch rein, 
in Kirchenform, um izoo, 
mit Emails von Limoges, 
i9 cm hoch, S cm breit, 
iS cm lang (Abb, aus'm 
Weerth, Kd. Taf. XXXI, 
8; genau U, S. 49). Der 
Holztem ist mit vergolde- 
ten Rotkupferplatten be- 
deckt, die mit Gruben - 
schmelz gefüllt sind. Auf 
der Vorderseite in der 
Mitte Christus in der Man- 
dorla, zur Seite zwei Apo- 
stel, auf dem Dach ' ein 

EngelinMedaillonzwiSChen Fig. 41. Gerreihiim. RanunuichEi Kriuilii in dar Süfuklrchi. 

zwei Aposteln, auf den 

Giebebeiten wieder je ein Heiliger. Die Rückseite ist mit ornamentierten Feldern be- 
deckt, die mit je einem vierseitigen Stern gefüllt sind, der Grund ist durchw^ dunkel- 
blau, die Köpfe auf der Vorderseite sind plastisch. Angehängt zwei Medaillen des 
16. Jh. Ausführlich über die Gruppe verwandter Werke Darcel in der CoUection 
Spitzer I. p, loS. 

Monstranz (Taf. VHI, i), 7j cm hoch, vom Ende des i4.Jh., von vergoldetem 
Silber. Jedes Blatt des sechsleiligen Fusses ist dreifach ausgeschweift und mit Ranken 
^«deckt, indem der Grund leicht ausgestochen und graviert ist, jedes Feld mit drei 
Silberrosetten besetzt. Der sechsseitige Aufsatz ist durchbrochen. Um den Knauf, 
<ler vier Pasten mit Steinen trägt, läuft die Inschrift: cois Eleia (so) me fecit. Der 
mittlere Gtascylinder erhebt sich auf einem in Gestalt eines flachen Kegeis aufsteigen- 

io3 



KREIS DÜSSELDORF 



Siiftikitchci den Untersatz, der mit Rankenwerk besetzt ist und in vier Medaillons die silbernen 
Köpfe von weiblichen gekrönten Heiligen enthält. Zur Seite des Glascylinders ein 
doppeltes Strebesystem, mit den zierlichsten Heil ige ntigürchen geschmückt, links S. Hip- 
polytus, S. Katharina und S. Agnes, rechts S. Laurentius, S. Agnes und S. Sebastian. 
Unter den inneren Figuren je die Halbfigiu' eines Jünglings mit Spruchband. An dem 
Kuppelbaldachin befinden sich zwei Engelsfiguren mit den Passionsinstrumenten, an 
dem dreiteiligen Aufsatz selbst im Unterstock die Madonna und S. Hippolytus; die 
Krönung des ganzen bildet ein Kruzifixus. Die Monstranz ist mit wunderbarer Fein- 
heil und Präzision gearbeitet und steht zumal in den figürlichen Darstellungen, dann 
aber in der eigentümlichen Ornamentik des Fusses der von dem gleichen Meister 

gefertigten Ratinger Mon- 
stranz sehr nahe (s. u.), 

Monstranz,52cmhoch, 
von vergoldetem Silber, von 
äusserst schlanken und rei- 
nen Formen, aus der 3. H. 
des iS.Jh. Der Fuss eine 
sechsseitige Rose, in den 
durch Gitter mit dem Glas- 
cy linder verbundenen Stre- 
ben die Figürchen der hh. 
Hippolytus und Katharina, 
im Aufsatz, der mit einer 
zierlichen Fiale abschliesst, 
die Gestalt Christi. 
KiKqu»!.- Reliquienkäslchen, 

iS cm lang, 6,5 cm breit 
und hoch, mit Leinwand 
gefüttert, überzogen mit 
Seidenstoff des i4.Jh., der 
abwechselnd einen Löwen 
und ein Kreuz eingewebt 
enthält. Verschluss durch 
Knöpfe m. Seidenschnüren. 
Interessantes Stück, ähnlich 
:■ Hciirienhiiuchcn. deniinAnnoschreinzuSieg- 

burg erhaltenen Biichschen. 
Chormantel und Kasel von rotem Seidenstoff, um i7oo, doppelseitig mit Kreuz 
und Blumenranken bestickt. 

Blauseidene Kasel uro i7oo mit kostbarer breiter Silberspitze. 
Evangeliar des 10. Jh., mit Evangelisten bildem, Initialien und Zierblättem, 
derbe Arbeit (genauer in den Bilderhandscbriften der Rheinprovinz). Vgl. Lam- 
precht, Inilialomamentik Nr. 35. 
it KAPITELSHAUS, im Norden an die Stiftskirche anstossend und mit dieser 

gleichzeitig, von Tuff, zweistöckiger Bau, im Oberstock zum Teil noch mit den alten 
rundbogigen Fenstern (nach Westen zwei, nach Osten vier erhalten), in der oberen 
Hälfte mit einem Rundstab in den Gewänden, in beiden Giebelmauem drei Rund- 
fenster mit eingezeichnetem Vierpass. Von dem im Norden der Kirche gelegenen 

io4 



GERRESHEIM Io5 

Rreuzgang ist nur die im Kapitelshause selbst gelegene Ostseite erhalten, bestehend siiroi 
aus sechs Spitzbogen, von denen nur noch einer seinen vollen Schmuck bewahrt hat. 
In jedem Fenster uisprüngücli drei Bi^n, der mittlere gestelzt, auf zwei Paaren ge- 
koppelter Granitsaulchen mit schönen Knospen kapitälchen und ebensolchen Säutchen 
in den seitlichen Gewänden. Die Pfeiler vierseitig mit i m hoher Hausteinbasis, 
Kampfer nur nach den Laibungen zu, im Kreu^ang schöne Kreuzgewölbe mit Rund- 
staben in den Schildbögen, nach Osten auf Konsolen aufsetzend. Der Kreuzgang 
dient jetzt als Schuppen für Feuerwehrgerate. Um eine grosse Leiter imterzubringen, 
sind noch im J. i89i die Säulen aus einem Bogen herau^eschlagen und dessen Schluls- 
sleine ausgebrochen worden. In den Abbildungen Fig. 34, 3S und 36 sind die feh- 
lenden Teile des Kreuzganges ergänzt, das Kapitelshaus ist restauriert dargestellt 

Der alte Klosterhof lag gegenüber der Westseite der Stiftskirche. Das Herren- Klon 
haus wurde I z48 von 
der Äbtissin Christina 
ihreiD Ministerial, dem 
Amand von Hayerode, 
zu Lehen gegeben, 
oachdem es vorher im 
Besitz der Ritterfamilie 
von Hack aus Flingem 
gewesen ( Kessel S. 9 1 . 
— Picks Ms. III, 
S. 24z). Das Haus be- 
stand unter dem Na- 
men ,unter Leuffen' 
weiter. Von dem Hofe 
ist genau im Westen 
von der Kirche ein 
Fundament von riesi- 
gen Bruchsteinen, dar- 
unter erratische Blöcke 
von i,5o m Breite, 

eriialten, das angeb- -^ ' 7==-=»^.^ 

liebe ,Haus des seligen n«. 43. Gcrtahdin. Quuiaiiiof. 

Gerrich'. Eine unter- 
irdische Mauer aus TutT und Bruchstein zieht sich von hier nach der alten (abge- 
brochenen) Pfarrkirche S. Margaretha hin {Kessel S. io4. — Picks Ms. III, S. 249). 
Das alte Gerichlsz eichen des Hauses .unter Leuffen', ein Löwe in Granit, sehr ver- 
witterter, roh behauener Findling, wahrscheinlich aus dem i3.Jh., ist jetzt auf der Mauer 
eines Hauses südlich von der Kirche aufgestellt. Vgl. Kessel S. ioi. 

Von dem i335 gestifteten Franziscanessenkloster S. Katharinenbei^ {Akten Kio 
und Urk. bei Ilgen, Rliein. Archiv S. 79) sind nur die K loste rgebau de erhalten, die 
der Gemeinde gehören und das Bürgermeisteramt enthalten. Vgl. Berg. Zs. VI, S. So, 86. 

Romanisches Heiligenhauschen {Fig. 4a), nach Westen vor dem Ort {vor Htiiigeni 
dem ehemaligen Neusser Thor) gelegen, aus Granit, Anfang des i3. Jh., mit Cement 
restauriert, a,3o m hoch, i,4o m breit, 9o cm tief, bestehend aus einem Unterbau mit 
einer einfach profilierten Deckplatte, die wie eine Attarmensa konstruiert ist. darauf 
das Hauschen selbst, das mit einer weit vorgekragten Deckplatte abschliesst, die einen 

ro5 



To6 



KREIS DÜSSELDORF 



Quadenhof 



Wiruchaftshof 



Kloster hochinteressanten romanischen Blätterfries zeigt. Ein höchst beachtenswertes Werk, 
in Aufbau, Gliederung und Abschluss geradezu mustergültig. 

Steinernes gothisches Heiligenhäuschen des iS.Jh., die Nische von Spitz- 
bögen eingerahmt, vor dem südlichen Eingang der Stadt. 

QUADENHOF. Befestigtes Haus der Herren von Quad aus dem i5. Jh. Der 
jetzige Eigentümer ist Herr Ph. Ringel. 

Der Hauptbau (Fig. 43) ist ein malerischer dreistöckiger Backsteinbau, neben 
dem Burghaus zu Mintard (s. u.) von all den bergischen profanen Backsteinhäusem 
das einzige wohl erhaltene. Die Ostseite erhält ihren besonderen Schmuck durch 
zwei hohe direkt aus der Ostmauer aufwachsende Kamine, ein weiterer am Südgiebel. 
Von den alten schmalen langen Fenstern mit Hausteineinfassung und Hausteinpfosten 
sind an der Ostseite vier grosse erhalten, ausserdem dort ein alter Abort auf Krag- 
steinen. Das alte grosse Portal ist durch ein kleineres ersetzt, nur die über dem Ein- 
gang befindlichen Fenster mit Steinkreuzen sind alt, im Giebel ein Rundbogenfenster 
mit Kran. Auf dem Dach ein achtseitiger geschieferter Dachreiter des i7.Jh. mit 
geschweifter Haube, nach Norden und Süden dürftige Fachwerkhäuser angebaut. 
Ursprünglich ganz von Gräben umgeben und mit einer Zugbrücke versehen. 

Der nach Westen gelegene Wirtschaftshof ist ein langer zweistöckiger Back- 
stein- und Fach werkbau des 18. Jh., mit gebrochenem Mansardendach und pavillon- 
artigem Mittelbau, die Hauptfacjade dem Marktplatz zugekehrt, nach dem Quadenhof 
zu ein hübscher Erker. 

Glasmalereien vom J. i697 in dem Hause der Witwe F. Fenger am Markt- 
platze (Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i8). 

FAHNENBURG. A. Fahne, Die Fahnenburg und ihre Bildergallerie, 
Düsseldorf i873. 

Das zierliche Schlösschen am Abhänge des Grafenberges wurde i846 von 
Anton Fahne als Forsthaus erbaut und i858 umgebaut und vergrösser t. Der jetzige 
Besitzer ist Herr Buchhändler Pflaum in Düsseldorf. 
Archiv Das Schloss birgt zunächst die handschriftlichen Sammlungen Anton Fahnes, 

über hundert Bände mit Kollektaneen, Abschriften, Urkunden zur Geschichte des 
Niederrheins und Westfalens, daneben eine Reihe von Original-Handschriften, darunter 
die Schaff hausener Chronik von Johann Jakob Rueger, Abschrift vom J. i723; das 
Enchiridion Hildesiense continens elenchum historicum episcoporum von Joannes 
Chr. Rosenthal, vom J. i7i9, mit Verzeichnis des Hildesheimer Schatzes und Ab- 
bildungen seiner Hauptwerke; George Marie Raparini, Le portrait du vrai merite 
dans la personne ser. de mons. l'electeur palatin vom J. i7o9, Prachths. mit den Bio- 
graphien der am Hofe Johann Wilhelms beschäftigten Künstler, mit Abb. ihrer Werke. 

Die Gemäldesammlung, durch Anton Fahne zusammengebracht, nach der 
Zahl der Bilder (gegen 4oo) die grösste der niederrheinischen Privatsammlungen, 
war ursprünglich bestimmt, den Grundstock für eine städtische Gallerie in Düsseldorf 
zu bilden. Die Sammlung ist vor allem reich an Bildern des i7. und 18. Jh., für die 
rheinische Kunstgeschichte ist sie von Wichtigkeit durch die Werke der an dem 
Hofe Johann Wilhelms vereinigten italienischen und niederländischen Künstler. Die 
Gemälde sind von A. Fahne in einem ausführlichen Katalog (Die Bildergallerie zu 
Fahnenburg, Düsseldorf 18 73) genau beschrieben und zum Teil abgebildet. 

Hervorzuheben sind die folgenden Stücke (mit den Bezeichnungen des Kataloges). 

Porträts Unter den Porträts: Bildnisse des Malers Adrian van der WerfF und seiner 

Gattin woxi foL Franz van Douven (21 7, 218), in Oval. Bildnis des Kölner Buch- 



Gliismalereien 



P^ahnenburg 



Gemälde- 
sammlung 



106 



GERRKSHEIM lo7 

händlers Kaspar Keinpis von /. IV. Pottgiesser (i59). Brustbild einer Kölner Dame Fahnenburg 

von 77/. Pottgiesser (368). Diptychon mit den Porträts des Bürgermeisters von Aich 

und der Frau Margaretha Rink von Bartholomäus de Brtiyn (210). Bildnis des 

Kölnischen Erzbischofs Gebhard Truchsess von Waldburg vom J. i579 (237). Porträt 

Heinrichs III. von Frankreich nach Franz Clouet (225). Bildnis des Peter Paul 

Rubens im Greisenalter von Theodor van Thulden (24 1). Bildnis eines Malers von 

Pettr Mignard (24o). Porträt des Kurfürsten Johann Wilhelm von Peter van der 

Werff (i), von demselben Porträt des Bergischen Geheimrats von Kesseler (223). 

Bildnis einer alten Frau im Profil, angeblich der Mutter des Künstlers, von Rubens 

(244), ausgeführte Wiederholung der Skizze in der Münchener alten Pinakothek 

Nr. 792. Bildnis einer vornehmen Dame von M. /. Mirevelt (339). Männliches 

Bildnis von A. Cuyp (246). Weibliches Bildnis von /. B. Wenix (248). Weibliches 

Bildnis von Fr. v. Mieris (242). Porträt von Leopold I. (220), seiner Gemahlin (221), 

Prinz Engen (21 9), sämtlich von Jakob MicheL Weiterhin Porträts von A. Hondius, 

A. Gelder, G. G. Geldorp u. a. 

Unter den Bildern mit religiösem oder mythologischem Inhalt: Lot Reiigiöte und 
und seine Töchter von Gerard Honthorst (96), (gestochen von Joh. Gothard Müller)^^^ °°* 
von demselben Das liederliche Kleeblatt (284). Bacchus und drei Nymphen von 
Caspar von Everdingen (326). Vermählimg der h. Katharina mit dem Christkind, 
vielleicht von Comelis Comelissen von Harlem (118). Jüngstes Gericht, figurenreiches 
Bild von Bartholomäus Spranger (i44). Christus mit den hh. Augustinus, Dominikus, 
Franz von Paula, Franz von Assissi, von Giovanni Lanfranco vom J. [536 (285). Der 
Brand von Troja von Leonhard Bramer (377). Versuchung des h. Antonius von 
Peter Breughel dem Jüngeren (3o8). Trauer um den Leichnam Christi nach Ant. 
van Dyk (359). Der Katalog nennt weiterhin Bilder von Paris Bordone, Paolo Vero- 
nese, Jacob Jordaens, Egidius Sadeler, Anton Coypel, Ferdinand van Kessel, Jakob Stella, 
Eustache Le Sueur, Giulio Romano, 

Unter den Genrebildern: Hausandacht von Joh. Bapt. Greuze von i77o (367). Genrebilder 
Küche mit Köchin und Jäger von Adriaen von Utrecht (i93). Unterricht im Atelier 
von Goitfr. Schalken (81). Bejahrter Mann und Buhlerin von Hermann van der Myn (47). 
Ländliche Hochzeit von Peter Breughel dem Älteren. Affenküche von/?. Teniers (i97). 
Fröhliche Gesellschaft von J. M. Molenaer (299). 

Stil lieben von Jasper Geerardi, Jakob van Ess , W. Kl. Heda, J. Juncker, stiuieben 
Jan de Heem, J. Wenix, Verbruggen, A. Cuyp. 

Landschaften von Jacques d'Artois, C. J. Both, Jod. Momper, Nie. Berghem, Landschaften 
Canaletto, Ambrosius Broeghel, Johann Arnold, M. Hobbema, Ch. W. Hamilton. 

HAUS ROLAND. A. Fahne, Schloss Roland, seine Bildergallerie und h«ui Roland 
Kunstschätze, Köln i853. — v. Mering, Geschichte der Rittergüter, Burgen, Ab- 
teien etc. IV, S. 33 1. 

Das Haus wird schon i372 im Besitz der Herren von Radeland erwähnt, Ge»chichie 
i4o2 den Gebrüdem von Ulenbroich übertragen (Lacomblet, UB. IV, Nr. 9). Ein 
neues Schloss wurde unter dem Hofkammerdirektor Wilhelm von Lemmen durch 
einen venetianischen Architekten i696 — i7o6 erbaut und von Mitgliedern der Künstler- 
kolonie Johann Wilhelms ausgeschmückt, durch van der Myn, Pellegrini, Fischer, 
Schönjan. Das Schloss kam durch Heirat an die Freiherren von Ropertz, von diesen 
i8o4 durch Kauf an den Freiherm von Schell, i834 an Herrn Peter Stommel, i872 
an Herrn Freiherm Daniel von Diergardt. Es wurde i883 abgebrochen und durch 
einen Neubau von dem Baurat Oppler ersetzt. 

io7 



■ OB KREIS DOSSELDORP 

d Die Gemäldegallerie von Haus Roland bildet jetzt den Grundstock der Samm- 

lung der Fahnenbiirg. Ansicht aus der Vogelperspektive und Gmndriss des alten 
Schlusses im Besitz des Herrn Pflaum auf der Fahnenburg {s. o.). 

HAIN. 

FRÜHMITTELALTERLICHE ANLAGEN. Vgl, Picks Ms. IV, S.4i6. 
'■' Nördlich von dem Ickter Hof bei Hain Hegt eine grosse wohlerhaltene Erdbefestigung, 

Profil nach A-B. 



Pi(. 44. Erdter«tiguBg in IckMr Haf. 

bestehend aus einem mittleren Kegel, der von einem breiten Wall und doppelten 
Wassergräben umgeben wird. Fonn, Ausdehnung und Profile ergiebt die genaue 
Aufnahme (Fig. 44). Wie die Befestigung bei den Schwienumshöfen (Kunstdenk- 
mäler d. Kr. Rees S. 84) und bei Hünxe (Kunstdenkmäler d. Kr. Ruhrort S. 7o), 
ist die Wallburg wahrscheinlich eine germanisch -fränkische Anlage aus dem 4. — 8. Jh. 
Wie die Wallburg von Hünxe, bestand die Befestigung vom Ickter Hof wohl auch 
während des Mittelalters als Reduit fort; der Hof wird schon io9S als Werdener 
Stiftshof (Lacomblet, UB. IV, Nr. 6ii), als Besitztum der Stael von Holstein i387 
(Fahne, Geschlechter und Sitze, UB. III, S. 4i, Nr. Si) und [S82 (Fahne, Geschichte 
der Herren Stael von Holstein II, S. 4a, 218; III. S. 3o) erwähnt. Vgl. unter Rath. 

108 



HELTORF 



Io9 



HAUS HAIN (jetzt Karthäuserkloster). H. Ferber in den Beitr. VII, Haus H«in 
S. io5. Der Sitz war Jahrhunderte lang im Besitz der Ossenbroich. Von 1611 — 1623 
wurde das Haus durch Johann von Ossenbroich und seine Witwe umgebaut. Im 
Anfang des 18. Jh. sind die Freiherren von Mirbach und von Eynatten im Besitz, 
i7o9 ging es durch Kauf über an Johann Albert Grafen Schellart von Obbendorf, 
nach dem Tode des Adam Alexander Graf von Schellart i8o4 an Karl von Hymmen, 
von diesem i869 an die Karthäuserpatres von der Grande Chartreuse bei Grenoble, 
die von i869 — 1875 und i878 — i89i das Kloster ausbauen Hessen durch die Archi- 
tekten Rincklake und Pichat, Vgl. H. Faber, Unter den Karthäusern, eine Beschrei- 
bung der Karthause Hain bei Düsseldorf, Gladbach i89i. 

Das in der Mitte des symmetrischen neuen Baues erhaltene alte Schlösschen 
war ein zweistöckiger Backsteinbau mit rechtwinkelig anstossenden kurzen Seiten- 
flügeln und kleiner Freitreppe in der Mitte. 

In der durch edle Formen ausgezeichneten einschiffigen Klosterkirche Gemälde 
von /. Kehren und Molitor, im Vestiarium Malereien von Commans. 

Von älteren Kunstwerken nur zu nennen: 

Monstranz, i672 der alten Karthause in Köln geschenkt, 72 cm hoch, in 
Scheibenform, mit den hh. Bruno und Ursula, zwei Engeln und Gottvater. 

Kelch, silbervergoldet, 27,8 cm, um 1600, mit der Inschrift: nobilis anna 

CATHARINA ZEIGERIN FILIO SUD HUGONI ZEIGER CARTHUSIANO IN BUXHETM AD PRI- 

MiTiAS OFFERT, mit schÖnem getriebenen Fuss. Auf Fuss und Kuppa je drei ovale 
schöne farbige spätere Emailmalereien, aufgesetzt in einem Kranz unechter Steine. 



Altes 
Schlösschen 



Monstrant 



Kelch 



HELTORF. 



SCHLOSS. Notizen über die Inhaber des Hauses Heltorp: Jos. Strange, 
Beitr. zur Genealogie der adeligen Geschlechter XI, S. 62. — H. Ferber, Die Ritter- 
güter im Amt Angermund: Düss. Beitr. VII, S. io7. — Genealogie der Grafen vonSpee: 
Fahne, Geschichte der Kölnischen Geschlechter I, S. 4o3; II, S. i46; Die Dynasten 
von Bocholtz I, 2. H., S. 162, 262. 

Handschriftl. Qu. Das Gräflich von Speesche Archiv (Repertorium , aus- 
führlich, aber unzuverlässig von Strange, Ergänzungsrepertorium von Ferber) zer- 
fällt in 3 Abteilungen: I. Archiv der Grafen von Hillesheim. IL Briefschaften der 
Herren von Troistorp, von Scheidt, gen. Weschpfenning und der Herren und Grafen 
von Spee. III. Briefschaften des Rittersitzes Heitorf und seiner Appertinentien. 

Erste Abteilung. A. i. Archiv Hillesheim. Familienbriefschaften. 2. Gräflich 
von Hillesheimsche Korrespondenz. 3. Obligationen u. a. der Hillesheim. 4. Archiv 
Hatzfeld. 5. Archiv Reypoltzkirchen. 6. Inventar der Briefschaften der Herrschaft 
Gladbach. 7. Archiv Arendahl. 8. Rittersitze und Güter der Herren von Hillesheim 
(Cardenburg, Heimersheim, Weyerburg bei Sinzig, Caldenbom, Sommersberg, Sons- 
broich, Dahl, Berckum, Weype, Nörvenich, Niederbach). 9. Ritterschaftliche Sachen 
zum Archiv Hillesheim. B. 1. Archiv Wanghe. 2. Briefschaften über Rittersitz 
Schirpenbroich. 3. Briefschaften der Herren von Metternich zu Niederberg. C. Brief- 
schaften der Herren von Norprath zum Dickhoff. D. Urkunden verschiedener Familien. 
E. Miscellanea. 

Zweite Abteilung. I. Briefschaften der Herren von Troistorp zu Heitorf. II. Brief- 
schaften der Herren von Scheidt gen. Weschpfenning zu Heitorf. III. Stammbäume 



Schiost 



Archiv 



io9 



ItO KREIS DÜSSELDORF 

der Familie von Spee. IV. Patente für die Herren und Grafen von Spee. V. Akta 
über Ämter und Würden der Grafen von Spee. VI. Familien nach richten der Grafen 
von Spee. VII, Briefschaften über Häuser zu Düsseldorf und Bonn. 

Dritte Abteilung. I. Briefschaften des Hauses Heitorf. II. Briefschaften über 
das Gut in Hamm. III. Briefschaften über den Rittersitz zum Haus (vgl. u. unter 
Ratingen). IV. Akta über den Oberbuscher Kalkofen. 

Heitorf, im ii.Jh. zuerst genannt, war im Besitz der Herren von Heitori, 
deren erster, Otto, schon ii89 erscheint. Im J. i36o verkauft Ritter Adolf von Graf- 
schap das Haus dem Thomas von Lohusen, gen. von Troistorp (Inv. II, I, conv. II, i). 

Die Erblochter Maria von Troistorp brachte es iS69 an ihren Gemahl Wilhelm 
von Scheidt, gen, Weschpfenning. Durch dessen Enkelin Maria kam es an Friedrich 
Christian von Spee, der im J. i669 den Umbau des Schlosses begann. Zuerst wurde 
das Herrenhaus errichtet, i693 der neue Vorhof angefügt (Inv. III, I, Abt lo, conv. I, 



Fit. 49. Hellarr. Aniichi d« Schloiui 

1, i). Die Gallerie am Herrenhause wurde erst [748 aufgeführt, Laterne und Fronti- 
spice i787 aufgesetzt. In dem J. 1821 — i8z7 wurde der alte Bau durch einen Neu- 
bau von fl. T. !''reyse ersetzt. Jetziger Besitzer ist der Reichsgraf Franz von Spee. 

Das Herrenhaus ist ein nüchterner, schmuckloser, zweigeschossiger Bau, 
dessen künstlerische Wirkung auch durch den Anbau der turmartigen Bibliothek und 
der schönen romanischen von Vincenz S/n/: ausgeführten Kapelle nicht gewonnen hat. 

Die alte Vorburg (Fig. 45} zeigt das am Niederrhein übliche Schema von 
drei rechtwinkelig aneinanderstossenden niedrigen Trakten mit zweistöckigen Eck- 
türroen in Backsteinrohbau, überragt von geschieferter und geschweifter Haube mit 
grosser Kugel. Der mittlere Turm (Fig. 46) tritt wirkungsvoll vor die langgestreckte 
Fa^ade; das in Haustein ausgeführte Hauptportal, zu dem eine steinerne Brücke mit 
ehemaliger hölzerner Zugbrücke führt, ist von zwei Pilastem eingerahmt, die mit 
schweren wuchtigen Bossagen versehen und durch einen Architrav mit weit aus- 
ladendem Gesims abgeschlossen sind, über dem sich das von Spee- und von Loösche 
Wappen erhebt, darunter die Zahl iö96. 



Unter den verschiedenartigen Kunstschätzen, die das mit bequemer Pracht Schio 
au^estatlete Schloss birgt, sind hervorzuheben eine Kollektion zierlicher Bibelots des s.niniLur 
i7. u. i8.Jh. und eine Reihe geschnitzter und eingelegter Schranke. Aus der grossen 
Reihe der Famüienporträts der Speeschen und Hatzfeidschen Vorfahren (die letzteren 
aus Schloss Crotlorf) vom i6. — i9.Jh. sind hervorzuheben: das Brustbild einer Dame 
im spanischen Kragen von iS98, das Portrat des Friedrich Christian von Spee vom 
J. i63i. ein Portrat 
der Elisabet Amalie 
von der Gracht gen. 
Wanghe von van Dou- 
vm, zwei Bildnisse des 
Ministeis Hillesheim. 
Weiterhin ein Portrat 
Kaisers Friedrichs III. 
im Profil n. r., Kopie 
des i7.Jh. nach Origi- 
nal des i5., und ein 
Bildnis des Franz von 
Sickii^n a. d. 16. Jh. 

Das Schloss ent- G«iiii< 

halt ein kun.sthistori- 
sches Denkmal oms der 
neueren Zeit: die in 
dem grossen Saal an- 
gebrachten Fresken 
aus dem Leben Frie- 
drich Barbarossas, von 
i8i5— i8i9 vonÄär- 
mer, Müde, Lessing, 
Piüddemann ausge- 
führt, neben den Fres- 
ken in der Aula der 
Universität zu Bonn 
der erste Versuch in 

Nord deutschl and, 
die wiedererweckte 
Freskomalerei für mo- 
nomenlale Zwecke zu 

ver»'enden. Von Slür- Pi^^ ^^ Heitorf. vbonmm. 

'ner stammt die Ver- 

sithnung zwischen Kaiser und Papst, von Mücke die Unterwerfung Heinrichs des 
Löwen und die Unterwerfung der Mailänder, Lessing malte die Schlacht bei Iconium, 
Pläddtmann die Erstürmung von Iconium nach einer Komposition Lessings und den 
Tod Friedrich Barbarossas nach eigener Komposition. Vgl. Füssli, Die wichtigsten 
Städte am Mittel- und Niederrhein II, S. Sa7, 544, 593, 600, 6o4. 

SCHLOSS WINKELHAUSEN. H. Ferber, in den Düss. Beitr. VII, Schio 
S. ii9. Ursprünglich im Besitz der Herren von Winkelhausen, die schon 1288 
genannt werden. Die Freiin Johanna Maria von Winkelhausen brachte das Gut 



113 KREIS DÜSSELDORF 

Schioii i65S an ihren Gatten Amold Freiherm von Wachtendonk. Der jetzige Besitzer ist 
*''°^*"""""der Fürst von Hatzfeldt. 
B«jchr«ibons Von dem von doppelten Wallgraben umgebenen au^edehnten Rittergute ist 

nur der mittlere Trakt mit dem 1668 errichteten Hauptthorbau architektonisch von 
Interesse. Dieser lehnt sich, aus Backstein errichtet, an den Stumpf eines ehemaligen 
Turmes an. Einfaches barockes Portal mit starker Bossengliederung. Das alte in 
Fachwerk errichtete Wirtschaftsgebäude ist an der Südseite ganzlich erhalten. 
Ktpsiie In der Achse des Portals liegt ausserhalb der Graben die barocke Schloss- 

kapelle mit geschweiftem Backsteingiebel und Voluten, flachgedeckt, die Apsis halb- 
rund "gewölbt, jede der xwei Langseiten mit Rundbogenfenstem. 



HILDEN. 



*^' 






l L t l L l L 1 i 1 



FRÜHMITTELALTERI.ICHF. ANLAGEN. Vor Hilden, von dem 
Turm der evangelischen Kirche 8S0 ni entfernt, durchschnitten von dem Wege nach 
Punghaus, liegt ein grosses Erdwerk, dessen Lage, Ausdehnung und Form aus der 
Abbildung {Fig. 47) ersichtlich sind, von ovaler Gestalt, von zwei Wallen, nach Süden 
von drei Wallen umgelien. Vgl. J. Schneider, Der Heidenberg bei Hilden mit Auf- 
nahme: Picks Ms. I, S. 378. — Ders., Neue Beitr. VI, S. 10. — HeimaLskunde i879, 
S, 18. — A. Fahne, Neue Beitr. zum limes S. 45. — Bei^. Zs, XIV, S. 181. Von 
KoEXEN nach den bei der teilweisen Abtragung der Walle entdeckten Scherben ab früh- 
mittelalterlich (allsaclLsisch) bezeichnet (B.J. LXXXV, S. i49; LXXXVI, S. 2i9). — An 
der Römerstrasse am Fussc des Isabcrges wurde ein goldener Ring mit einem ge- 



HILDEN 



Il3 



Evangel. 
Pfarrkirch« 



Geschichte 



schnittenen Onyx gefunden (Pieper in Picks Ms. IV, S. 647. — Geschichte der Frühmiuci. 
Stadt Düsseldorf S. ii). Im J. i873 wurden nördlich Hilden Urnen gefunden, darin **^ ' " ***" 
kleinere Gefösse und Münzen (Düsseldorfer Volksblatt i873, 2 5. Nov.). Die Römer- 
strasse zwischen Köln und Dorsten war noch vor zwanzig Jahren in breitem Erdwall 
mit zwei Gräben erhalten (Fahne, Dynasten von Bocholtz I, S. 233). — Eine ger- 
manische Urne von Hilden im Histor. Museum zu Düsseldorf. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Restorff, Beschreibung der 
Rheinprovinz S. 374. — v. Mülmann, Statistik I, S. 42 5. — Lacomblet im Archiv für 
die Geschichte des Niederrheins II, S. loo. — Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 2 79. — 
J. H. Kessel, Der selige Gerrich S. 1 6. — Zur Geschichte der evangelischen Gemeinde 
i59i: Theologische Arbeiten aus dem rhein.-westßll. Predigerverein VIII, S. i39. — 
0. Moeller, Die evangelische Kirche zu Hilden: Zs. für Bauwesen XXX, i88o, 
S. 533, Taf. 69 im Atlas mit Aufnahme. 

Hilden, einer der zwölf Tafelhöfe der Kölner Bischöfe aiLS vorurkundlicher Zeit, 
ein altfränkischer Herrensitz mit Palatium, seit ii76 im Pfandbesitz der Grafen von 
Berg (Lacomblet, UB. I, Nr. 455. Vgl. weiter I, Nr. 468; III, Nr. 210, 73o, 822, 
9o2, 9o3, 948, 1008; IV, Nr. 63), besass schon im 9. Jh. eine Kirche, da deren Filial 
Haan bereits unter Erzbischof Wichfried (925 — 953) gegründet ward (Inschrift in 
L\coMBLETS Archiv II, S. 101. Vgl. Berg. Zs. IX, S. 233). 

Eine neue Kirche wurde 11 36 — nach der früher an der Aussenseite befind- 
lichen Inschrift (vgl. Moeller a. a. O.) — errichtet. Der Turm wurde im J. i696 neu 
aufgeftihrt. Im J. 1882 im Inneren restauriert, nachdem sie in den fünfziger Jahren 
äasserlich hergestellt war. 

Dreischiffige romanische Pfeilerbasilika mit Emporen, im Lichten 29,5o m lang, Beschreibung 
i4,io m breit, aus Tuff und Trachyt, der Turm von Kohlensandstein aus dem 
Neanderthale. 

Der ungegliederte dreistöckige, mit achtseitiger geschieferter Haube gekrönte 
Turm trägt in Eisenankem die Zahl i696 und zeigt im Oberstock an jeder Seite ein 
Doppelfenster mit zwei rohen gekuppelten Mittelpfosten. Der Obergaden des Mittel- 
schiffes mit Rundbogenfries, je drei VertikallLsenen an jeder Seite und je zwei Paaren 
rundbogiger Fenster. Die Aussenmauem der Seitenschiffe mit grossen rundbogigen 
Blenden, in die rundbogige von Rundstäben eingerahmte Fenster (für die Seitenschiffe) 
und darüber Vierpassfenster (für die Emporen) gebrochen sind. Am Ostgiebel des 
Mittelschiffes eine mit einem Rundstab eingerahmte Nische, zur Seite zwei einfache 
Vierpassfenster. Das Chorhaus unter dem reich profilierten Dachgesims wie am 
Mittelschiff mit Rundbogenfries und Vierpassfenstem nach Osten, Norden und Süden. 
Die südliche SeitenapsLs ist durch drei einfache Blenden von leichtgeknickten Rund- 
bogen gegliedert mit Klötzchen an den Bogenansätzen ; die Hauptapsis enthält in 
solchen drei rundbogige von Rundstäben eingerahmte Fenster. 

Im Inneren wird das Mittelschiff von zwei durch einen breiten Gurt getrenn- 
ten Kreuzgewölben ohne Rippen überspannt. Der Gurt wird von zwei starken Halb- 
säulen mit sorgfältig skulptierten Blattkapitälen und Eckblattbasen getragen. In den 
Ecken dienen den Graten und Schildbögen dünnere Dreiviertelssäulen als Träger, 
die mit Laubkapitälen geschmückt sind, an der Ostseite mit Vögeln, die den Kopf 
nach unten gesenkt halten. Die drei die Scheidemauem tragenden Pfeilerpaare zeigen 
eine niedrige Basis und einen schmalen aus Deckplatte, Kehle und Rundstab bestehen- 
den Kämpfer, der jedoch an dem mittelsten Pfeilerpaar nicht um die Innenseite 
verkröpfit ist. 

8 
Ii3 



Liisseres 



Innerei 



114 



KRBIS DÜSSELDORF 



Die Seitenschiffe sind mit je vier quadratischen Gratgewölben überspannt, durch 
Gurte getrennt, die an den Aussenmauem auf Halbpfeilem, an dem mittelsten Pfeiler- 
paar auf einer Vorlage, an den beiden übrigen auf Blattkonsolen aufsitzen. Ihr Licht 
erhalten die Seitenschiffe durch grosse rundbogige Fenster mit abgeschrägten Gewanden. 
Nach Osten schlössen an beide Seitenschiffe halbrunde Apsiden an, von denen nur die 
im Süden mit einem Mittelfenster erhalten ist, wahrend im Norden zu Beginn des !6.Jh. 
eine mit einem Kreuzgewölbe überspannte, durch stwei zweiteilige Fenster erhellte 
Sakristei angebaut wurde. 

Über den Seitenschiffen ziehen sich die Emporen hin, mit vier durch Gurte 
getrennten Gratgewölben, die Gurte und Grate ruhen an den Aussenmauem und dem 
mittieren Pfeilerpaar auf Vorlagen, an den übrigen Pfeilern auf Konsolen. Das Süssere 
Gewölbefeld geht in allen Jochen direkt in die nischenförmig ausgerundete Aussenmauer 
über, die durch die Vierpassfenster erhellt isl, ein aufRlIliges und seltenes Motiv, als 




Fi(. 4S. HUikT 



dessen Anlass der Wunsch, die Aussenmauem zu entlasten, angeschen werden niuss. An 
der Südseite nach Osten wiederum eine haibrande Apsis mit einem Vierpassfenster, an 
der Nordseitc hat diese der- über der Sakristei befindlichen ehemaligen Chorkammer 
weichen müssen. 

Nach dem Mittelschiffe ku öffnen sich die Emporen mit je vier Doppelbogen, 
die von einem gemeinsamen Kleeblattbogen überspannt werden. (Fig. 48.) Die etwas 
eingerückten Arkadenbögen setzen in den Laibungen der Bögen auf den nur in der 
Längsachse der Kirche die Pfeiler schmückenden Kämpfern auf und werden in der 
Mitte von Je einem Paar gekuppelter monolitlier Sauleu auf zwei Deckblattbasen mit 
zwei Akanthusbiattkapitalen unter gemeinsamer Deckplatte getragen. Die Scheide- 
mauem über den Emporen sind in jedem Bogen durch je zwei rundbogige Fenster 
mit sehr steil abfallenden Sohlbanken belebt. 

Über dem Triumphbogen befinden sich drei halbrunde Nischen, die mit den 
Hankierendcn dunklen monolithen Saulchen und den Blattkapitaich en in anmutiger 



HIMMELGEIST Il5 

Weise die Mauerfläche beleben. Das Chorhaus wird von einem Gratgewölbe über- Evangei. 
spannt, in den Ecken mit schmalen Eckpfeilern und leichten Kämpfern versehen, in "'chor 
den Aussenmauem mit je einem \on einer kreisrunden Blende umschriebenen Vier- 
passfenster. Die Apsis ist durch drei schmale rundbogige Fenster belichtet. 

Durch die schönen Verhältnisse der Innenarchitektur und die zierliche Durch- Würdigung 
fuhrung der omamentalen Teile nimmt die Kirche einen hohen künstlerischen Rang 
ein. Neben S. Ursula zu Köln, S.Johann zu Niederlahnstein, der Kirche zu Diet- 
kirchen ist sie eine der ersten Emjwrenbauten am Niederrhein (Dohme, Deutsche 
Baukunst S. 54). 

In der Sakristei: Totenschild mit dem Horstischen Wappen und der In- Toienschild 
Schrift: A. i648 den 7. martii ist selig in gott entschlaffen die hochedel- 

GEBOHRXE VIELEHR- UND TüGENTREICHE FRAUW WILHELMA SCHENCK VON NYDECKEN 
GEBOHRXE QUADT von WICKRADT zu CROSSEN, BULLESHEIM, FRAW ZUR HORST, ERB- 
SCHENKIN DES FÜRSTENTUMS BERG, LEHNFRAW ZU HILDEN UND HAEN. 

Im J. 1882 kamen Wandmalereien an der nördlichen Chorwand zum Vor- w.iiidmaierden 
schein, sechs in rötlicher Farbe gehaltene grosse Einzelfiguren, die nicht erhalten 
werden konnten (B.J. LXXV, S. 200). 

HAUS GARATH. v. Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter u. s. w. Haus G«r«ih 
XII, S. 9. Stammsitz der Herren von Garderode, seit der Mitte des 16. Jh. bis i776 
im Besitz der Grafen von Velbrück, später des Freiherm von Raitz zu Frenz. Jetzt 
im Besitz des Herrn Paul Pönsgen, der im J. i884 durch den Regierungsbaumeister 
Schleichet ein neues Herrenhaus mit prächtiger Halle errichten Hess. Von dem älteren 
Bau stammt nur ein ganz schlichter zweistöckiger Trakt mit dem anstossenden drei- 
stöckigen Thorbau, dessen breite Durchfahrt von Gratgewölben überspannt ist An 
dem älteren Bau das von Kyllmannsche und das von Velbrücksche Wappen, dar- 
unter die Inschrift : erbauvt durch den hogh. freyh. bernndt (?) von vebruck 

HR zu GARRADT und .... ESTERNNCH (?) UND DE HOCHGEB. FRAU SOPHIA FREYIN 
VON EIL ZUR HEIDE, BEIDE EHELEUT. 

HAUS HORST, v. Merino, Geschichte der Rittergüter, Burgen etc. in den Haus Hon 
Rheinlanden III, S. 112. — Thummermuth, Krumbstab schleust niemand aus, Köln 
1738, S. 68. 

Ursprünglich kurkölnisches Lehen und im Besitz des Geschlechtes von der Geschichte 
Horst kam es später an die Herren von Plettenberg, von Quad, die Schenke von 
Nideggen, weiterhin an die von der Reven und von Roperz. Jetziger Eigentümer ist 
Herr Ferdinand Lieven, Mitglied des Provinzialausschusses. 

Das alte Herrenhaus des i4.Jh. war ein rechteckiger Bau von Bruchstein mit Beschreibung 
einem Rundturm an der Nordwestecke; nach Süden und Westen schloss sich eine 
den Hof einschliessende Ringmauer an ihn an, die wieder von Gräben umgeben war, 
die an der Nord- und Ostseite noch völlig erhalten sind. Der neue Backsteinbau ist 
direkt auf die Ruinen des alten Hauses aufgesetzt. Der geräumige Wirtschaftshof 
mit Thorbau des 18. Jh. 

HIMMELGEIST. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. S. Nicolai). Binterim u. Mooren, K.thoi. 
EK. I, S. 280. — v. Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster ^^■"^»'<^*** 
in den Rheinlanden III, S. 74. Anm. 

Der Ort 9o4 zuerst genannt (Humilgire: Lacomblet, UB. I, Nr. 83. — Ann. Geschichte 
h. V. X. XXI, S. i92). Die Kirche im u.Jh. erbaut als dreischifl'ige Basilika mit 

ii5 



Il6 KREIS uOSSEtDORF 

drei Apsiden. Im J. Ii44 wird sie schon unter den Besitzungen des Frauenstit^es 
' Vilich genannt {Lacombi.ET, UB. I, Nr. 3So. Vgl, IV, Nr. 676. Urk. von iJ9a. — 
Heddebich, Dissertat. iuris et-cles. German. I, diss. X, p. 26S). 

Im I,aufe des ii. Jh. wurde ein quadratisches Chorhaus angebaut, im Anfang 
des i3.Jh. schon in den Formen des Übergangsstiles der massige Westturm errichtet 



dt. 49. Himmelgeiil. Oiuniielit dir k*thoirich«i Pft-rrkirehi. 

und zu einem Viertel in die alte Ba.silika eingebaut, gleidizeitig das Mittelschiff ein- 
gewfilbt. Die Kirche 1868 — 69 durch Aiigtisl Rimklnkt restauriert, der Turm i89i 
durch Caspar Pickel. 

Drciscliiffige romanische Pfeücrbasilikii von Tuff, die Sockel und Basen von 
Trjichjt, mit eingebautem Wustturm und drei Apsiden, im Lichten i3,9o m lang, 
6.9o m breit (Fig. 49). Der dreistfickige Westturm zeigt im Erdgeschoss nach Westen 

116 



HIMMELGhlST 1 1 7 

einen 65 cm vorspringenden Risalit mit dem kleeblattförmigen, von einem Rundstab Kmhoi. 
eingerahmten Hauptportal, die Thüröffnung selbst durch horizontalen Sturz geschlossen; 
das zweite Stockwerk ist durch zwei mit je zwei Rundbögen überspannte Blenden ge- 
gliedert, das dritte, durch Vertikallisenen und Rundbogen fries belebt, enthält auf 
jeder Seite je zwei romanische Doppelfenster mit einer Mittelsäule von blauem Schiefer 
— die Bögen zeigen schon leicht den Spitzbogen. 

Ober den Pultdächern der Seitenschiffe im untersten Turmgeschoss je ein kleines 
Rundfenster, ein zweites vermauert. Der Obergaden des Mittelschiffes, dessen Breite der 
Breite des Turmes entspricht, ist durch einen Rundbogenfries abgeschlossen und von zwei 
mit einem Rundstab eingerahmten romanischen Rundbogen fenstem durchbrochen. Der 
Obergaden zeigt direkt neben dem westlichen Fenster im Norden wie im Süden eine 
Vertikallisene, der letzte Rundbogen des Frieses ist durch die Turmmauer abgeschnitten. 

Das südliche Seitenschiff zeigt unter dem Dachgesims einen einfachen Klötzchen- 
fries und ist durch schmale Vertikallisenen gegliedert; vier in einen Kreis eingeschriebene 
Vierpassfenster erhellen es. Das nördliche Seitenschiff weist dieselben Fenster auf, aber 
an Stelle des Klötzchen frieses vier grosse nindbogige Blenden wie in Itter. 

Das bedeutend niedrigere und eingerückte Chorhaus, über dem sich der Giebel 
des Mittelschiffes mit drei Vierpassfenstem erhebt, ist durch Vertikallisenen und Rund- 
bügenfries gegliedert, an der Nordseite befindet sich ein von einem Rundstab einge- 
rahmtes kleeblattbogenförmiges Portal mit runder Thüröffnung und darüber gesetztem 
geradlinigen Giebel. 

Die Hauptapsis ist durch einen Rundbogen fries abgeschlossen und durch Vertikal- 
lisenen in drei Felder zerlegt, in die die rundbogigen Fenster treten ; die Nebenapsiden 
zeigen denselben Klötzchenfries wie das südliche Seitenschiff, die niirdliche nach Osten 
ein Vierpassfenster, die südliche ist durch einen Zwischenbau mit der frei errichteten 
Sakristei in Verbindung gesetzt. 

Im Inneren sind die drei Bauperioden deutlich erkennbar. Die Kirche war Innerei 
ursprünglich eine schwere Pfeilerbasilika mit flacher Mitteldecke und niedrigen mit 
Kreuzgewölben überspannten Seitenschiffen. Die drei Pfeilerpaare erheben sich auf 
rechtwinkeliger Grundlage und entbehren v()llig der Kapitale und Basen ; die schweren 
Arkadenbögen sind ungegliedert. Die Seitenschiffe sind von Gratgewölben überspannt, 
die durch Gurte getrennt sind, welche an den Pfeilern auf Vorlagen, an den Aussen- 
mauem auf schmalen Halbpfeilem ruhen mit einfacher Basis und aus Deckplatte und 
Schmiege bestehendem Kämpfer. 

Für den Einbau des Turmes wurden dicht neben dem westlichen Pfeilerpaar 
nach Westen zu schwere, um 75 cm in das Mittelschiff eingerückte Pfeiler aufgeführt» 
die sich an die alten Basilikapfeiler anlehnen, durch einen leichten Spitzbogen von 
der Höhe des Triumphbogens verbunden sind und die Ostmauer des Turmes tragen. 
Die Turmhalle ist mit einem Gewölbe bedeckt, dessen mit Rundstäben profilierte Rippen 
auf starken Dreiviertelssäulen ruhen. 

Der noch übrige Raum des Mittelschiffes wurde in zwei Hälften geteilt und 
diese mit Kreuzgewölben überdeckt, ohne bei dieser Einteilung auf die durch die Pfeiler 
gegebene Gliederung Rücksicht zu nehmen. Die rundstabprofilierten Rippen und die 
Rundstäbe der Schildbögen setzen auf Konsölchen auf, die mit Ausnahme einer ein- 
zigen, mit einem hockenden Figürchen verzierten, durch Blattkelche und Knospen 
dargestellt werden. 

Das aus dem 12. Jh. stammende Chorhaus zeigt die schlichtesten romanischen 
Formen — es ist von einem Klostergewölbe überspannt, dessen Grate zusammen mit 

Il7 



ii8 



KREIS DÜSSELDORF 



S« kramen ts« 
schrank 



Paramente 



Glocken 



Kathoi. den einfach profilierten Schildbogen mit Würfelkapitälen auf starken Dreiviertelssäulen 
mit Eckblattbasen ruhen. Die Gewände der Fenster in Chorhaus und Apsis sind leicht 
abgeschrägt. 

An der Nordseite der Apsis ein im i4. Jh. eingesetztes kleines Sakraraents- 
schränkchen mit roh skulptiertem Kopf darüber, ein zweites aus dem iS. Jh. daneben 
im Chorhaus. 

Chormantel aus kostbarem dunkelgrünen Sammetbrokrat mit Granatapfelmuster, 
dessen Dessin nur in den Umrissen aus dem Grunde ausgehoben ist, mit alter drei- 
farbiger, gelber, roter und grüner geknüpfter Franze, vom Anfang des i6.Jh., an Stelle 
der Stäbe Streifen von neuem roten Sammet. 

Chormantel aus weissem Seidenstoff mit roten und goldenen Blumen, i7. Jh. 

Drei Kasein des i8.Jh. in gemustertem Seidenstoff. 

Glocken. Heimatskunde i879, S. 24. — Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i3. 

Die älteste von i454 mit der Inschrift: ich bin gegossen in eer sancte 

NICOLAI UNDE MARIA MADALENA ANNO DOMINI MCCCCLDII IN DEM MEIGE. 

2. S. MARIA HEISCHE ICH, DIE LEBENDIGE BERUFFE ICH, DIE TODTEN BELEUTE 
ICH, DAS DONNERWETTER VERDREIBE ICH, GOTTFRID DINCKELMAEYER GOS MICH IN 
COLLEN l73o. 

3. S. JOSEPH HEISCHE ICH, DIE LEBENDIGE BERUFFE ICH, DIE TODTEN BELEUTE 
ICH, DAS DONNERWETTER VERDREIBE ICH, GOTFRIED DINCKELMAEYER GOS MICH IN 
COLLEN ANNO l73o. 

FROHNHOF. v. Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter III, S. 75. 

Den Frohnhof von Himmelgeist besass von 1 1 44 bis zur Säkularisation das Damenstift 
Vilich bei Bonn. Als das Stift infolge des Reichs - Deputations - Hauptschlusses i8o3 
an Nassau gekommen war, wurden dessen im Herzogtum Berg gelegenen Güter von 
dem Bergischen Domainenfiskus eingezogen und l8o6 der Frohnhof an den bayerischen 
Minister Freiherm Wilhelm von Hompesch - BoUheim verkauft. Im J. i835 ging er 
durch Kauf an das herzogliche Haus Arenberg über. 

SCHLOSS MICKELN. Das Schloss war von i4i8— 1632 im Besitz der 
Herren von der Capellen, von i632 — i68i im Besitz der Freiherren von Villich. Von 
diesen kam es an die Reichsgrafen von Nesselrode. Der Reichsgraf Franz Wilhelm 
von Nesselrode und Reichenstein in Herten übertrug es 1 7 74 seiner Gemahlin Maria 
Theresia, geb. Marquise von imd zu Hoensbroech, von der es i79S an ihren zweiten 
Gatten, den Freiherm von Hompesch kam. Am 1 7. Juni i835 verkaufte der Graf 
Wilhelm von Hompesch- Bollheim das Schloss an den Herzog Prosper Ludwig von 
Arenberg in Brüssel. Das alte Barockschloss brannte am 26. August i836 ab, das 
von i847 — 1849 durch den Bauinspektor Niehaus erbaute neue Schloss ist ein grosser 
rechtwinklicher Bau mit vier Stockwerken und fünf Fensteraxen in der HauptfronL 
Der jetzige Eigentümer ist der Herzog Engelbert von Arenberg. 



Frohnhof 



Schlois 
Mickein 



HOMBERG. 



K.ihoi. KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Jacobi mai.). 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv: Lagerbuch vom J. i84i mit kurzer 

Chronik. — Notamina vom Pastor Fr. Win. Jonen (i787 — 18 16). 
Geichichte Homberg wird schon io57 bei der Gründung von S. Georg in Köln diesem 

Kollegium übergeben (Süss, Geschichte der Erzbischöfe von Köln S. 65). Die Kirche 



118 



HOMBERG 



Il9 



wurde im ii. Jh. als dreischiffiger romanischer Bau errichtet, die Seitenschiffe wurden 
später wieder abgebrochen. Bei der Restauration im J. i849 eine neue flaclie Decke 
eingespannt, i8So der Verputz erneuert. 

Einschiffiger romanischer Bau mit vortretendem Westturm, das Langhaus im 
Lichten i4,9o m lang, 6,45 m breit, der Chor 7, 20 m lang, 4 m breit. Der fünfstöckige 
Turm ist aus grossen Rulirsandsteinblöcken aufgeführt und hat 8,80 m Seitenlänge. 
Im Erdgeschoss ein einfaches zweimal abgetrepptes Portal, im Oberstock nach vom 
drei romanische Doppelfenster, durch Vertikallisenen getrennt, nur zum Teil erhalten. 
Im Inneren des Turmes eine Vorhalle mit 4,6o m Seitenlänge, eingedeckt durch ein 
schweres Gratgewölbe mit Eckpfeilern und einfach profiliertem Kämpfer. Die Mauer- 
stärke an dem nach dem Langhaus zu sich öffnenden Bogen beträgt 2,25 m. 

Die alte Gliederung des Langhauses ist an der Südseite erhalten. Unten fünf 
vermauerte 2 m breite rundbogige Arkaden, die 9o cm breiten Pfeiler aus grossen Grau- 
wackeblöcken, die Bögen aus Tuff. Der Obergaden der Mauer aus Tuff, mit Back- 
stein geflickt, durch einfache Vertikallisenen belebt (solche auch an der Ostmauer des 
Lmghauses sichtbar), zwischen ihnen ein altes vermauertes rundbogiges Fenster er- 
halten. Im Inneren der Kirche tritt nur die erste ehemalige Arkade als Blende hervor. 
Das Langhaus zeigt nach Norden und Süden je drei später eingebrochene grosse rund- 
bogige Fenster. Das geradlinig geschlossene Chorhaus besass nach Norden und Osten 
je ein rundbogiges (jetzt vermauertes) Fenster, nach Süden jetzt zwei neue rundbogige 
Fenster. Im Norden stösst die vierseitige Sakristei an. Langhaus und Chor sind flach- 
gedeckt und neu polychromiert. 

Hochaltar mit Triptychon, Holz. Das Mittelbild, 1,28 m hoch, 85 cm breit, 
stellt die Schmerzensmutter mit den sieben Schwertern in der Brust dar, um sie in 
sieben Medaillons die sieben Leiden Maria von der Beschneidung bis zur Kreuz- 
abnahme. Auf dem linken Flügel steht der h. Georg, ganz gewappnet, in Landsknecht- 
tracht, auf dem rechten Flügel der h. Ludgerus mit Stab und Kirchenmodell. Auf 
den Aussenflügeln in Grisaillemalerei die Verkündigung. Tüchtiges niederrheinisches 
Werk um i53o, der Schule des Bartholomäus de Bruyn verwandt. Darüber äusserst 
geistreiche und vortrefflich durchgeführte spätgothische Krönung mit feinen und kecken 
Krabben, der mittlere Bogen durch einen Pelikan gekrönt. 

Auf dem nördlichen Seitenaltar ein zweites Triptychon, das Mittelbild i m 
hoch, 7o cm breit In der Mitte die Anbetung der drei Könige, vor der Madonna 
kniet ein einziger König, die beiden anderen auf den Innenseiten der Flügel. Auf 
den Aussenseiten links Christus die Geissein haltend und rechts der Stifter kniend. 
Inschrift links: ipse autem vulneratus est propter iniquitates nostras attritus 

PROPTER SCELERA NOSTRA. ISAYE LIII. RechtS : VULNERA QUESO BONE JESU COR MEUM 
LANCEA AMORIS TUI UT ALIUD NEQUE DESIDEREM QUAM TE PRO ME PASSUM (so). Dar- 
unter: MDCV. AETATis Lxvi. Auf dem Mittelfeld Wappen : Kelch mit Kreuz zwischen 
zwei Rosen, darüber H. H. 

Taufstein von Blaustein, 85 cm hoch, aus dem i3. Jh., schweres rundes Becken 
auf einem Fuss, der von einem für vier Ecksäulchen bestimmten Taufstein herrülirt 

Hölzerne Pieta, 65 cm hoch, Anfang des 16. Jh. 

Silberne Beschläge eines Messbuches von i72o in zierlichen Rokokoformen. 

Kupferner Lavabokessel des 16. Jh. 

Barocker Kelch, «7 cm hoch. 

Holländischer Kronleuchter, Gelbguss, 16. Jh., mit acht Armen, gekrönt vom 
Doppeladler. 



Kiithol. 
Pfarrkirche 



Beschreibung 



Altäre 



Tau&tein 

Piet« 

BeschlSfie 

Lavabokessel 

Kelch 
Kronleuchter 



ii9 



I20 KREIS DÜSSELDORF 

Ruth Ol. Glocken. Die grössere mit der Inschrift: friederich Christian Freiherr 

"oiocken*** ^^^ ^^^^ AMTMANN. GODTFRIDT NINGELGEN RICHTER. JOH^VNNES SCHOLLENBERG 
PASTOR. WILHELM ZU STEINBECK, GORGEN IN DER BRÜCKEN KIRCHMEISTER. WERNER 
SCHMEITZ KOSTER ANNO l658. JACOBUS HEIS ICH, ZU DER EHREN GOTTES LEUDE ICH. 
MATHIAS UND GODTFRIDT HELLING GOSSEN MICH. S. W. A. E. 

Die kleinere mit der Inschrift: s. maria heis ich, Mathias und godtfridt 

HELLING VON WUPPERFURTH GOSSEN MICH. JOHANNES SCHOLLENBERG PASTOR. FRI- 
DERICH CHRISTIAN VON SPEE AMTMANN. ARNOLD FRIDERICH VON UND ZU LANSBERG, 
GODTFRIDT NINGELGEN RICHTER. J. K. O. X. H. B. H. JANSEN W. O. GODTFRID GÖRTZ 
VICARIUS. WILHELM ZU STEINBECK, GORGEN IN DER BRÜCKEN KIRCHMEISTER. WERNER 
SCHMEITZ KOSTER. HEINRICH WITTER AUFM MEIERSBERG, PETER WITTERS, PAULUS 
SCHLIPPERT, A. KARP J. K. l658. 



HUBBELRATH. 



Germanische GERMANISCHE UND FRÜHMITTELALTERLICHE ANLAGEN. 

Auf dem höchsten Punkte bei Hubbelrath lag die Wallburg Burghövel, auf die vom 
Wirtshause Grunewald ein Fahrweg im Bogen zuführt Der Ringwall durch Rodung 
zerstört, nur auf der Höhe ein Erdaufwurf, nach Norden mit zirkelartigem Vorsprung. 
Bis i849 lag auf der Höhe ein Bauemhäuschen. Der Hügel hat 1800 Schritt Länge, 
1200 Schritt Breite an der Basis. A. Fahne, Die Freiherren von Hövel I, I, S. i5, 
vermutet hier die Burg Hurili des Grafen Adolf III. von Berg (vgl. Seibertz, Landes- 
und Rechtsgeschichte von Westfalen I, S. 47). 

Auf der Kibbenhaide, dem höchsten Punkte der Honschaft Metzkausen, liegt 
eine zweite Wallburg, auf der ein Kriegerdenkmal errichtet ist. Der aufgetragene Erd- 
grund ist noch deutlich erkennbar, die Wälle sind verschwimden. 

Kaihoi. KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Caeciliae). 

Handschriftl. Qu. Im Bürgermeisteramt: Handschriftl. Sammlungen des 
Kanonikus Kessel (t i89i in Aachen): Der Keldagau, Geschichte von Hubbelrath, 
vennischte Materialien und Hofgerichtsprotokolle vom J. 1 5 1 1 an, das Geschlecht 
Schuhes und sein ehemaliger Stammhof bei Hubbelrath. 
Geschichte Schou im J. 95o befand sich wohl in Hubbelrath eine Kapelle auf einem alten 

Herrenhof (Ennen u. Eckertz, Quellen zur Geschichte der Stadt Köln I, S. 464. — 
Ann. h. V. N. XXXI, S. 56), im 12. Jh. im Umzugs -Ordo der Kirche zu Gerresheim 
genannt (Kessel, Der h. Gerrich, Anhang). Im 12. Jh. fand ein Neubau aus Tufl 
statt, im J. 1686 >^'urde die baufällige Apsis abgetragen und durch einen neuen Chor 
ersetzt, im J. i722 die Sakristei angefügt. Ein Sturm wehte 1800 das Turmdach ab; 
1826 wurde der obere Turm teil erneut 
Beschreibung Einschiffiger romanischer Bau, der alte Teil 9,i5 m lang, 8,55 m breit, mit vor- 

tretendem Westturm. Der Turm vierstöckig, mit achtseitiger Haube, aus Ruhrkohlen - 
Sandstein, mit einfachem rundbogigen Portal, im vierten Stock je zwei rundbogige 
Doppelfenster mit von Knospenkapitäl gekrönter monolither Schiefersäule; die Bogen- 
laibungen wie das Dachgesims von Tuff. Die Turmhalle mit einem Gratgewölbe ein- 
gedeckt. Das Langhaus aussen gegliedert durch Vertikallisenen mit Rundbogenfries, 
nur an der Südseite ganz erhalten, Material: Ruhrkohlensandstein mit Tuff. An das 
geradlinig geschlossene Chorhaus nach Süden die Sakristei angebaut Langhaus und 
Chor sind flachgedeckt. 

120 



HUGENPOET 



121 



An der Nordseite ein lebensgrosser Kruzifixus von Holz, 16. Jh., daneben 
Petrus und Paulus in Relief. 

Glocken. Die älteste vom J. i44o mit der Inschrift: sancta celia (für Cecilia) 

HESCH ICH. HINRICH VRODERMAN GUS MICH. MOCCCCOXXXX®. 

Die zweite vom J. i5o2 mit der Inschrift: maria heische ich, in de ere godes 

LUDE ICH, den DUVEL VERDRIVEN ICH. ANNO DOMINI M^DOIIO. 



Kathol. 
Pfarrkirche 

Kruzifixus 

Glocken 



HUGENPOET. 



\ 



SCHLOSS. Über das Geschlecht von Nesselrode -Hugenpoet: A. Fahne, 
Forschungen auf dem Gebiete der rheinischen und westfälischen Geschichte II, 
Köln i864, S. 7 ff., .ausführlich. — Genealogie: A. Fahne, Geschichte der Kölnischen 
Geschlechter I, S. 180; Ders., Denkmale und Ahnentafeln II, S. i79; J. Strange, 
Beitr. zur Genealogie der adeligen Geschlechter VIII, S. i. — Geschichte der Familie 
Fürstenberg: A. Fahne, Geschichte der westfälischen Geschlechter, S. i67; Ders., 
Geschichte von hundert rheinischen .... Geschlechtem S. 61. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: von Hugenpoetsches 
Familenarchiv, i3o Urk. von 1260 — 1768. Unter den Akten Beschreibung des Haufses 
und Rittersitzes Hugenpoett sambt Appertinentien de 2. Okt. i756, Hs. in 4®. Vgl. 
Ilgen, Rhein. Archiv S. i5i. — Hof buch und Hofgedings- Protokoll von i5o8 — 1767, 
Descriptio des Hauses Hugenpoet i756, Genealogie der Hugenpoet (Werden, Reg. 
VII, B. 36). — Nachrichten über die von der Abtei Werden der Familie von Nessel- 
rode-Hugenpoet erteilten Belehnungen mit Hugenpoet und über Verpfändungen des 
Hauses von 1620— -1800 (Werden, Reg. VIII, B. 36). 

In der Staatsbibliothek zu München: Genealogie der Herren von Hugen- 
poet: REDiNGHOVENsche Sammlung, Cod. germ. 22 13, Bd. LIV, Bl. 72. 

In dem Archiv des Freiherm von Fürstenberg zu Borbeck: Nachrichten 
über die Häuser Hugenpoet und Horst (s. u.). Die Horster Urk. beginnend mit dem 
J. 1186; wichtig vor allem II, caps. 34, i, Tagebuch über den im J. i559 durch 
Rütger von Horst geschehenen Aasbau des Hauses Horst; II, caps. 34, 2 Akta Gene- 
ralia, Contrakte in Originalien i554 — iS67. 

Das Schloss Hugenpoet erscheint seit der Mitte des i3. Jh. im Besitz der Herren 
von Nesselrode unter dem Namen Nettlinghove. Das alte Burghaus wurde i478 ein- 
genommen und verbrannt. Die Reste des alten Rittersitzes waren noch im J. i756 
sichtbar. Die »Beschreibung des Haufses Hugenpoett* berichtet: ,Der Netteishof oder 
der alte rittersitz bestehet zur zeit in einem alten thurm und nebenwohnung fort in 
einem garten, dem so genannten hopfendamm, alles adelich frey, diese stück halten 
stark einen morgen, liegen auch rund herumb in einem Wassergraben und haben 
unter sich einen grossen weyer von einem morgen platz*. 

Ein neues Schloss wurde um i5oo einen Büchsenschuss von dem alten entfernt 
errichtet, das imj. i647 unter Johann Wilhelm von Nesselrode -Hugenpoet durch 
einen grossen Neubau ersetzt wurde, dessen Innenausstattung erst i696 vollendet 
war. Das Schloss wurde i83i von dem Freiherm von Maerken an den Freiherrn 
Friedrich Leopold von Fürstenberg verkauft. Der jetzige Besitzer ist der Reichs- 
freiherr Leopold von Fürstenberg, der das gründlich restaurierte Schloss zu seinem 
dauernden Wohnsitz eingerichtet hat. 



Schlosi 
Litteratur 



Handschriftl- 
Quellen 



Geschichte 



Neltelshof 



Neubau 



131 



133 KREIS DÜSSELDORF 

Das Schloss (Ansicht Fig. 5o, Grundriss Fig. 5i) zerfällt in drei Teile, das gani 
von Wasser umgebene , rechtwinklithe , von zwei quadratischen Türmen flankierte 
Herrenhaus, die innere und die äussere Vorburg, die beide im rechten Winkel anein- 
anderstossen und durchaus symmetrisch angelegt sind. Das Herrenhaus besitzt über 
einem hohen Sockel von Kohlensandstein zwei Geschosse in Backsteinbau, die durch- 
geführten HorizontaJlisenen, sowie die Einfassung der Fenster besteht wieder aus 
Kohtensandstein. Der Giebel, das Dachgesims mit dem Muschelfries und die Man- 
sarden sind bei dem letzten Umbau hergestellt worden. Die dreigeschossigen Eck- 
türme sind mit geschweiften Schieferhauben und aclitseitigen Laternen gekrönt. Das 
Herrenhaus ist mit dem ersten Vorhofe durch einen steinernen Bogen verbunden, von 
dem ehemals zum Hause selbst eine Zugbrücke führte. 

Die erste Vorburg besteht aus zwei langen zweistöckigen Trakten aus Bruch- 
stein von acht Aclisen, die Fenster mit S teink reuzen ; die Türme an den Ecken der 



Vorburg (nach der Eisenbahn zu) sind nie ausgebaut worden. Das Hauptportal der 
Vorburg ist von mächtiger Bossengliederung umgeben und eingerahmt von zwei 
Pilastem mit jonischen Kapitalen, die einen Architrav mit dem Wappen tragen. Die 
Brücke ehemals als Zugbrücke eingerichtet. 

Die zweite äussere Vorburg ist von einer Mauer mit kleinen Fenstern und 
Schiefsscharten umgeben und enthält an den Ecken zwei ursprünglich flachgewölbte 
Ecktürme. Das äussere Hauptportal mit dem Alliancewappen der Nesselrode-Winkel- 
haiLsen und der Inschrift: der wohledellgeborner johan wilmelh von nessel- 

RAD GENANDT HÖGENPOET, FÜRSTLICHER PFA LS -NEU BURGER HERR GEHEIMER RADT, 
CAEMMERER, LAND- CO MM 155 ARI US UND AMMANN ZUR BEYENBURG UND DEI (so) 
WOHLEDELLGEBORNE ANNA ELISABETH VON NESSELRAD GENANDT HÜGENPOET, GE- 
BORNE DOCHTER VON UND ZU WEINCKELH AUSSEN, MERLO, KALCUM UND MORR, HABBK 
DEISSEM BAEU GEBAUVET VOR SICH UNND IHRE ERBEN ANNO l647 DEN 1 7. JULIUS, 

Im Inneren ist die Vorhalle mit dem Treppenhause von besonderer Bedeutung. 
Die Wandbekleidungen bilden cannellierte Püaster mit flachen Bögen. Das Treppen- 



Hugenpoet, Gros 



hu<;f.np<>et 



haus selbst besteht aus schwarzem Mannor. Der Zugang guschieht durcli ein ganz 
freistehendes Portal. Der gescliweifte Giebel mit einer Kugel gekrönt, darunter das 
Wappen des Konstantin Erasmus Bertram von Hugenpoet und der Maria Ambro- 
siana von Virmond, am Architrav die Zahl i696. Die marmorene Balustrade ist um 
den ganzen hier sich öfihenden Oberstock herumgeführt und findet ihre Fortsetzung 
ab Treppengelander. Drei Rundsäulen, denen an den Wänden Halbsaulen ent- 
sprechen, tragen den Bau. In einem der Bögen nach dem Hofe zu kunstvolles 
Eisengitter mit der Zahl i696. 

Der Hauptschmuck der Säle des Erdgeschosses bilden die vier prachtvollen 
Kamine aus Haus Horst, in Baumberger Stein gearbeitet, aus dem J. iS77 und 
iS78, in Aufbau wie Ausführung die glänzendsten Werke der unter niederländischem 
Einflüsse stehenden Spätrenai&sance in den Rheinlanden und Westfalen. 

Der erste Kamin {Fig. Sz) besteht aus einem dreiteiligen Aufsatz, der auf 
zwei ausserordentlich 
schönen konsolenarti- 
gen Füssen ruht, mit 
Greifen u. Löwenköpfen 
verziert, in eine Löwen- 
klaue auslaufend, und 
auf den Seiten mit 
springenden Greifen in 
Relief verziert Der dar- 
über liegende Architrav 
dreiteilig, in der Mitte 
im Flachrelief die figu- 
renreiche Darstellung ei- 
ner Steinigung Stephani, 
zur Seite zwei andere 
biblische Scenen, an den 
Schmalseiten rechts Ise- 
bel von den Mauern 

Jerusalems gestürzt, links f'l- Sl- Hugenpoel. Gmndriii d« SchlojM). 

David und Sulamith (?). 

Der aber dem Architrav ruhende Aufsatz, durch Konsolen gestützt, ist an den Ecken 
durch vortretende kannelüerte Säulen, dazwischen durch Hermenkaryatiden gestützt. 
Im Mittelfeld die Klage um den toten Abel, die Körper in schönen sinnlich reizvollen 
Formen, rechts und links Nischen, links mit der Idealfigur der Hoffnung {?), rechts 
mit Moses. An den Schmalseiten Aaron und Judith, zwischen je zwei kanneliierten 
Säulen. Die Krönung mit zwei Voluten an der Seite und einer Kartouche in der Mitte, 
Der zweite, noch grössere Kamin (Taf. VI), in der Gesamtgliederung dem 
ersten wenig nachstehend, aber noch feiner in der Einzeldurchführung und pomp- 
hafter in der Ausstattung. Die beiden Füsse durch weibliche Hermen gebildet, die 
auf dem lockengeschmückten Haupt ein jonisches Kapital und darüber die reich- 
verzierte Konsole tragen, links die Zahl iS78, rechts die Buchstaben dnw. Der 
darüber lastende Architrav zeigt eine einzige lange Darstellung des Brandes einer Stadt 
(Trojas ?). In der Mitte ganz nackt Jupiter mit Schwert und Blitzesbündel, zwischen 
sdnen Füssen der Adler. Zur Linken Eroberung einer Stadt, Flucht der Bewohner 
in Kähnen, die Sieger sie zu Rosse verfolgend, im Hintergrunde in flachem Relief 

123 




KREIS l>ÜSSEI.DORK 



Reiter über eine Brücke licrziehend. Zur Rechten Brand einer Stadt, im Vorder- 
gründe zusammenstürzende und flüchtende Frauen, rechts Gruppen aus dem RafaeU 
sehen Brand des Borgo. An den Seiten in Hochrelief die nackten Gestalten von 
Merkur und Venus in entzückend weiclier Fleischbchandlung. An den Schmalseiten 
rechts Pyramus und Thisbe am Brunnen, links Urteil des Paris. Dem Aubatz tritt 
ein weit vorgek ragte r flacher Giebel vor, dessen Architrav von vier schönen je zu zwei 

_^ ^^'^ ^*^ durch 

Festons verbun- 
denenHermen ge- 
tragen wird. In 
der Mitte die Ge- 
stalt d. Curtius auf 
lebhaft sich auf- 
bäumendem Ross 
mit Schild und 
Schwert, im Begriff 
in den unter den 
Hufen des Pfer- 
des sich Öfl^nen- 
den Spalt hin ein- 
zusetzen. Zur Seite 
in Nischen zwi- 
schen flachen Pi- 
lastem die Gestal- 
ten des Mars und 
der Minerva. An 
den Schmabeiten 
rechts das Wap- 
pen von der Horst, 
links das Wappen 
von Palandt. Die 
Krönung mit dem 

Doppelwappen 
der von der Horst 
und von Palandt 
und der Zahl iS77, 
zwischen den sit- 
zenden Gestalten 
zweier gefesselter 
nackterMenschen. 
Der dritte Kamin (im Esszimmer) besteht nur aus einem breiten Architrav, 
von zwei grossen bocksfüssigen Faunen mit Fruchtkörben auf den Köpfen als Karya- 
tiden getragen. An den Schmalseiten je zwei AUiancewappen, von einem grösseren 
Wappencyklus stammend, wahrscheinlich von einer Ahnentafel der Mai^retha von 
der Horst, Erbin zu Horst, Gattin Bertrams von LoC zu Palsterkamp. 

Der vierte Kamin (ursprünglich in anderer Anordnung) zeigt im Architrav in 
vier Scenen die Geschichte vom barmherzigen Samariter, im flachen Giebelaufeati 
eine weibliche allegorische Figur, als Stützen zwei weibliche Karyatiden. 

134 



[. 51. Mu|. 



HUGENPOET laS 

Ein im Archiv zu Borbeck befindliches Heft in Fol., bez. : ,Diisses rechenbuch 
von alleihands teytschap und nottnifft tot meyne angefangene bow, vort von allen 
arbeitefolch und dachhuvem, wie nachbeschryben stat uysswyset, ist durcli mych 
den 10, Aprilis anno {iS)S9 irst angefangen über stein hauerarbeiten' enthält ausführ- 
liche Angaben über die bei dem Bau und der Ausschmückung von Haus Horst 
beschäftigten Arbeiter und Künstler (Bearbeitung und teilweise Pubhkation wünschens- 
wert). Genannt werden unter den Bildhauern Meister Henrych Oych von Kalkar 
und sein Sohn Wilhelm von Kaliar (i559), Henryck Vtrmeykken und sein Sohn 
Wilhelm (schreibt sich selbst Wyllem van Femucktn), der Meister der Kfilnet Rathaus- 
halle, Amdl Jansen oAex fohansen, Stadtmeyster der Stadt Amhem (lS58), Meister/o«/ 
de la Court (iS63, schreibt sich selbst /oös de Laconrl), als Verfertiger von hystorien, 
Benignus Campus von Collen (iS67). 

Die bedeutende im ^rdgeschoss und in den Räumen des eisten Stockwerkes 
aufgestellte Gemäldesammlung (früher auf Haus Borbeck) ist vor allem reich an 
guten Niederländern des 
i6. und i7.Jh. Die Be- 
leichnungen im folgen- 
den nach dem (hand- 
schriftlichen) Katalog. 

Unter den Eil- „^i 

dem religiösen und 
mythologischen In- 
haltes ein Triptychon, 
niederrheinisch umiSso, 
aus der Schule des Mei- 
steis voroTode derMaria. 
In der Mitte die Anbe- 
tung der Könige. In der 
un^benden Architektur 
feine Renaissance motive, 
rechts die Ruhe auf der 

Flucht, links die Anbe- Fig. 53. HugcDpa<(. ruKe >ur d« Fiuctu. 

tung des Kindes durch 

die Hirten. Grosses Gemaide der h. Sippe auf Holz, niederländisch, Anfang des 
i6. Jh., unter überladenem Renaissancebaldachin das Christkind zwischen Maria und 
Anna stehend, die Übrigen Familienmitglieder im Hintergrunde, vom reizende Gruppen 
spielender Kinder. Eine zweite h. Sippe von Michel Cocxie, in der Mitte das Kind 
liegend, von einer der Marien gehalten, die Madonna die Brust entblössend, vortreff- 
liches Stück mit schönen Frauenköpfen. Einzug Christi in Jerusalem, grosses nieder- 
ländisches Bild des 16. Jh., unter italienischem Einflüsse: Christus einen Abhang 
hinunlerreitend, Kinder mit Palmzweigen ihm entgegeneilend, im Grunde rechts in 
blaue Töne gekleidet die Stadt Jerusalem. Kleines niederländisches Kabinetstück 
mit der Ruhe auf der Flucht, die Madonna in langem weissen Mantel am Fusse 
eines Baumes sitzend, im Hintergrunde Joseph mit dem Esel. (Fig. 53.) Eine heilige 
Familie auf Holz von Franz Floris. Der Kampf der Amatekiter mit den Isrealiten* 
von Ollo van Veen. Joseph vor Potiphars Weib flüchtend von 7>an der Myn. Der 
*'erlorene Sohn von M. Ileemskerk, Holz, gutes Stück, vollbezeichnet 1 i5S9 mcAS 
INT. XV CAPITTEI.. MARTiNUS VAN HEGMSKERCK INVENIT : der Sohn auf dcu Kuieen 



laS 



IZ6 KREIS DÜSSELDORF 

vor seinem Vater, im Hintergrunde die Vorbereitung des Festes {Fig. 54). Die Spei- 
sung der Viertausend in grosser Landschaft von Jakob lie Wtt. Die Ehebrecherin vor 
Christus von Nikoias PoiiMin. Christi Höllenfahrt \i>n PUltr Breiighel <Um Jiingcrtn. Ein 
alter und ein junger Faun mit Tigern nach Ruhens. 

Unter den Porträts zu nennen das vortreffliche Bild eines Mathematikers, in 
greller Beleuchtung, in der linken Hand eine Rolle mit der Inschrift: i.a morte 
GUASTA DE GRAN D1S5EGNI, Art des Ribera. Bildnis eines alteren Mannes mit kur- 
zem grauen Bart und schwarzem Hut von einem Venetianer des l6. Jh. Portrat 
einer alten Dame im Lehnstuhl, mit einem Hündchen auf dem Schoss von Comeliui 
Vissclier. 



Unter den Genrebildern: ein guter Tcrboixh, zwei Knaben, denen ein 
Mädchen gegenübersteht, zusammen lesend. Plauderscene von Ant. Palamedes, vor- 
treffliches Stück, zehn Figuren in sorgfältig behandelter Toilette, feine Köpfe. 
Ein Concert champSire von Walkaii, links drei Musikanten, rechts eine Dame. 
Ein Leierkastenmann und ein musizierendes Mitdchen, Halbtiguren, Pendants von 
/ Zkk. Ein Flötenspieler von Caspar Netscher. Eine alte Frau mit der Laterne 
und eine alte Frau mit einem Knaben, zwei Nachlstücke in lebensgrossen Halb- 
figuren von G. Hontkorsl. Bauer vor der Kirche von Molenaer. Reiterlcampf von 
lioiir^gnott. 

Unter den Landschaften: Pferde an der Tranke von Kartl du larditi. 
Italienische Landschaft mit zwei Frauen, einem Hirten und Kühen als Staffage von 

iz6 



Niiolat Poiasin. Von demselben eine zweite Landschaft mit Burg und Felsen. Land- Schio. 
schafi mit Ruine und rastenden Jägern von /, F. v. Bloemen. Viehmarkt von A. Fr, 
Baudauiii. Weitere Stücke von Ifbitvermann, J. v. Breda, u. a. 

Unter den Stillleben; Blumenstücke von Sibilia Merian. Kücheninterieur Siiiiieb«i 
von Snyders. Vögel von WtenLx, u. a. 

ITTER. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tits. Huberti). v. Mehinc, Geschichte K.thoi 
der Rittergüter, Burgen IH, S. 76. — Binterim u. Moorek. E. K. II. S. iS9. Pf«rrkir. 

HandscKriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf; Urk. über das Patronat 
von i663 ab(Kaisers- 
»■erth, Reg. SSo). 

Die Kirche ist Ocichkh 

im 12. Jh. ab Kapelle 
erbaut worden. Indem 
liber valoris vom An- 
fang des i4.Jh. {Bin- 
terim u. Mooren, E. 
K. I, S. 36a) und der 
Urk. von i363 (Ur- 
kundL Widerlegung der 
von dem Adel der 
Lande Jülich, Cleve, 
Beig und Mark dem 
Forsten Staatskanzler 
überreichten Denk- 
schrift, i8i9. S. io3) 
noch nicht eruahnt. 
Die Errichtung der 

Pfarre fälltwahiBchein- -...^ ^ ..__ .^^^ g5~^_ -~^ ^ b^- , _ ^y 

lieh in die Zeit der er- 

... , Fig. SB. I(»r. Aniichl der kmibBÜKhcn PCiirkirch*. 

neuten Verelirung des 

h. Hubertus, nach i4)4 (Brosius, Ann. II, p. 54). Das Patronat besass die Abteikirche 

von Kaiserswerth. 

Im J. i86a die Kirche gründlich restauriert und verlängert, das Mittelschiff ein- 
gewOlbt, ein neues Jixh nach Osten angefügt, die Seitenschiffe neben diesem und dem 
Oiiirhaus weitergeführt, die Apsis hinausgeschobeii. Die kleine Apsis, mit der das 
lüdliche Seitenschiff ursprünglich abschltws, wurde nicht 'erneuert. 

DreLschiffige romanische Pfeilerbasilika (Fig. 55) mit vortretendem Westturm, üMehteibii 
ursprünglich im Mittelschiff flachgedeckt, der alte Bau 46,3 m lang, 3i,6 m breit, der 
neue Bau 68,3 m lang. Das Material ist Tuff, an den Aussenmauern der Schiffe Tuff 
and Backstein. 

Der dreistöckige, ganz aus Tuff bestehende, von achtseitiger geschieferter Haube imifm 
gekrönte Westturm ist im Untergeschoss, das nach Süden ein neues Portal zeigt, 
ungegliedert, in den beiden oberen Stockwerken durch schmale Vertikallisenen und 
Ruiidbogenfriese belebt, im obersten Geschoss durch je zwei r<)manis(he Di>ppelfenst<-'r 

137 . 



r~i~M« I - -" " 



128 KAISERSWERTH 

Kathoi. mit Mittelsäule. An der Westseite eingemauert ein rohskulptierter Christuskopf. Der 
Obergaden des Mittelschiffes mit kleinen Rundbogenfenstem und Vertikailisenen, die 
Aussenmauem der Seitenschiffe mit einfachen rundbogigen Blenden. Die ursprüng- 
lichen kleinen Fenster nach oben erweitert, so dass sie jetzt an den Blendbögen ab- 
schliessen. Im dritten südlichen Joch ein altes Portal mit Rundstab in den Gewänden. 
Die Schmalseiten der Seitenschiffe zeigen dieselbe grosse Blende, die (der alten nach- 
gebildete) Apsis ist durch Vertikailisenen und Rundbogenfries in drei Felder zerlegt. 
Inneres Der Eindruck des Inneren ist durch die schlecht eingefugten Gewölbe und 

die grosse Länge des Baues sehr beeinträchtigt. Die Pfeiler entbehren der Basen und 
zeigen einfache aus Schmiege und Deckplatte bestehende Kämpfer, die Arkadenbögen 
und Scheidemauem sind ungegliedert, die eingefügten gothischen Kreuzgewölbe ruhen 
auf Konsolen. Die Turmhalle ist noch mit dem alten Gratgewölbe überspannt und 
zeigt rundbogige Blenden an den Seiten. 
HauiEibroich HAUS ELBROICH. V. Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter etc. in 

den Rheinlanden III, S. 54, sehr ausführlich. — Lenzen, Statistik des Herzogtums 
Berg I, S. 9o. 

Allodialgut der Herren von Eller (s. o. S. 89), nach deren Aussterben es am 
Ende des i5. Jh. an den Landesherren, Herzog Wilhelm, kam, der es an Arnold von 
Spythe verlieh. Von diesem kam es i492 durch Kauf an die Herren von Retraedt 
(Stammtafel bei Strevesdorf, Arch. Colon, descriptio historico - poetica p. 80 und bei 
RoBEN.s, Ritterbürtiger Adel des Niederrheins, Aachen 1818, II, S. 375), i589 durch 
Kauf an die Herren von Neuhof, i679 an die Herren von der Horst, von diesen 
1802 an Karl Friedrich von Wendt, i8o4 an die Familie von Bertrab. Das jetzige 
Burghaus wurde um i69o von Georg von Neuhof erbaut. 

KAISERSWERTH. 

Litter»iur Aeg. Gelenius, Par SS. Suuibertus et Plectrudis post millenarium fere annum 

illustratum raeditatione historica, Köln i64o. — Ders., ClypetLs Suibertinus adversus 
iacula, quac in scriptorem S. Suiberti contorquentur, o. J. — Theodor Ray, Animac 
illustres Juliae, Cliviae, Montium, Marchiae, Neuburg i663, p. 36. — Justitia processionis 
palatinae super Caesaris insula vulgo Kaiserswerth et appertinentiis, Wetzlar i7io. — 
Gramer, De vetcrum Ripuariorum et praecipue eorum metropolis Coloniae statu civili 
et ecclesiastico p. 97. — Reize längs den Neder-Rhyn tot Bon, Campen i785, p. 9i. 
— J. J. Lenzen, Beiträge zur Statistik des Grossherzogtums Berg, Düsseldorf 1802, II, 
S. 9o. — Suitbertusbüchlein, Düsseldorf 1 849. — H. Ritter, Zur Geschichte von Düssel- 
dorf, nebst Beschreibung der Zerstörung und Belagerung von Kaiserswerth, Düsseldorf 
i855. — Lacomblet, Kaiserswerth: Archiv für die Geschichte des Niederrheins III, 
1860, S. 2. — Memorienbuch d. Kollegiatkirche ebenda S. 1 17. — Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. ii4. — Ann. h. V. N. IV, S. 338. — Chartular: Lacomblet, U B. II, p.VII, 
VIII. — Urk. vom J. 1292: Forschungen zur deutschen Geschichte XVI, S. 36o. — 
Zur Geschichte von Kaiserswerth während des siebenjährigen Krieges: Heimatskunde 
1880, S. i33. — Das Suitbertusstift: Nrh. G. 1881, S. 188. — Binterim, Denkwürdig, 
kciten V, i, S. 336. — K. W. Bouterwek, Swidbert, der Apostel des bergischen Landes, 
Elberfeld i859. — Ph. Heber, Die vorkarolingischen christlichen Glaubensboten am 
Rhein und deren Zeit, Frankfurt i858. — Leben des h. Bischofs Suibcrtus, Düsseldorf 
i845. — Rettberg, Kirchengeschichte Deutschlands II, S. 396, 46o, 524. — Seibertz, 

128 



KAISERSWERTH Ia9 

Landes- und RechLsgescIiichle des Herzogtums Westfalen I, S. 81. — J. H. Kessei-, 
Der selige Gemcli S. 18, 39, i4, i75, i96. — Edward v. At:. Zum ii75jährigen Jubi- 
läum des h. Suitbertus zu Kaisers wertli, Düsseldorf i892. — Von Bielirich nach Ant- 
werpen, eine freie Rheinfahrt, Düsseldorf i892, S. 60. — K. Boke, Verzeichnis der 
Bürgermeister etc. der Stadt Kaiserswerth : Dass. Beiir. \r, S, iS. — Vita S.Suibcrü auc- 
tore Marcellino presbiterf): Leibnitz, SS. rer. Brunsvic. II, ji. 222. Vgl. PotTHAST, BibUo- 
thecii hist. medii ae\i S. 897 unti Chevalier, Repertoire des sourccs historiques du 
moven-äge, p. 2i36. — W. Diekami-, Die Fälschung der vila S, Suidberti: Histor. 
Jahrbuch der Görresgesellschaft II, 1881, S. 27z. — Kpistola RLxfridi FrLsii ad S. Lud- 
geruin de S. Suibert.i: Surius,- Vitae SS. 1. Mart. — Ludgeri relatio de canonizatione 
S. S\iiberli: Leibnitz, SS. II, p. 243. — Radbodus, Sermo de S. Suiberto et eiusdem 
cannen allegoricum sive homilia de eodem: Actii SS. Boll. 1. Mart. I, p. 84 und Ma- 
BiLLON, Acta SS. ord. s. Bened. saec. III, i., p. 244. — Elogium s. Suiberti historicum: 



Fi(.9«. KmiursKrlhimJ.I«». 

Mabillon, Acta SS. ord. s. Bened. saec. III, 1, p. 239. — Henschen, De S. Sui- 
berto episc. Frisonum apostnlo Caesaris Werdae ad Rhenum comment. histor.: Acta SS. 
Boll. 1. Mart, I, p. 67. — Pafebroch, De S. Suiberto episc. commentatioi Acta SS. 
Bitll. 3o. April III., p. 802. — v. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinz S. 357. — 
V. MOlmann, Statistik I, S. 427. -^ K. v. Angermund, Wanderungen in der Um- 
gebung Düsseldorfs S. 26. 

Handschrift!. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 535 Urk. von 877 
bis i786 (5z6 Orig.), darunter eine Reihe Kaiser- und Pa]>sturkunden. 

An Hsn.: Memorienbuch des i4. Jh. (Lacomblets Archiv III, S. io9, ii7), mit 
Kalendarium, angeschlossen Marcellini vita Suitberti und der Traktat De esaltitione 
Suitberti, die legenda S. Quirini und Commendatio dcfunctorum i5. — 16. Jh. (A. 120). 
— Vita Suitberti und canonisatin, 16. Jh. (A. 121). — REDiNGHOVENsche Hs. A. 24, 
El. 353'» Nachriditen über die Stiftskirche und die (zerstörte) S. Georgskirche, Bl. 44» 
Praepositi ecciesiae s. Suiberti von 7i7— 1638 (Iflckenhafl). In A, 23 ßl. 369 — 388 
10 Urk. von 1181— 1437. 

129 



i3o 



KREIS DÜSSELDORF 



Hpndschrifil. 
Quellen 



München 



Ansichten und 
Pläne 



Stiftskirche 



Gründung 



Neubnu 



Abtragung des 
Westbnues 



Über die Akten vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 88. Darunter KapitularprotokoU- 
bücher von i657 — 1797. — Nachrichten über das Grab des h. Suitbertus 1626 — 1737. 

— Rechnungen über die Reparaturen von i639 und i644, über den Reparaturbau von 
i7o2 — i7o9, über die Verschönerung des Chores von i78i (Reg. 543^). 

In der Staatsbibliothek zu München: Urk. und Nachrichten in der Reding- 
HOVENschen Sammlung, Cod. germ. 221 3, Bd. V, Bl. 34 Kaiserurkunden von I293 an, 
Bl. 29 Urk. der Herzöge von Berg von i399 an; Bd. VI, Bl. 62 und 77 die ältesten 
Urk. von 877 an; Bd. XIV, Bl. 3o4 Urk. von 11 84 an. Die Privilegien im Bd. XXX, 
Bl. 620; die Inschriften im Bd. XVII, Bl. 96. 

Ansichten und Pläne, i. Stich, Ansicht vom Rheine, 18x10,7 cm., bez. oben 
keyserswerdt mit zwei Wappen bei Merian, Topographia archiep. Mogunt., Trevir. 
et Colon, p. 5o. Vgl. Fig. 56 und Th. J. J. Lenzen, Titelblatt. 

2. Zeichnung nach dem Merianschen Blatte, von S. Hülser, 1888, phot. von 
HöLTGEN, Düsseldorf. 

3. Stich, ,Die Eroberung der Haupt Vestung Kaiserswerth i7o2*, im Vordergrund 
die Belagerer, Umrahmung von Trophäen, bez.: paulus decker iun. inv. et dkl. 
jeremias wolff excud. g. stein sc. 

4. Ansicht vom Rhein, Kupferstich vom J. i767, i2Xi5 cm. 
STIFTSKIRCHE. Kölner Domblatt i844, Nr. iio.^— Baudris Organ für 

christl. Kunst III, i853, S. 69, 77 mit Taf. (Aufnahme vor der Restauration). — Fr. 
Bock, Die Stiftskirche zu Kaiserswerth: Köhier Domblatt i855, Nr. 12 7. 128. — Die 
Stiftskirche zu Kaiserswerth : Heimatskunde 1 880, S. 1 1 3. — Otte, Geschichte der 
romanischen Baukunst S. 56, 39 1. Dazu Aldenkirchen in den B. J. LV, S. 2i3. — 
Otte, Handbuch der Kunstarchäologie II, S. 72. — Lotz, Kunsttopographie I, S. 3 16. 

— aüs'm Weerth, Kd. II, S. 43. — Knackfuss, Deutsche Kunstgeschichte I, S. i32. 

Der Stifter der Abtei Kaiserswerth war der h. Suitbertus, einer der Genossen des 
h. Willibrord, der zu Anfang des 8. Jh. von Pipin von Heristal eine Rheininsel zum Ge- 
schenk erhielt, auf der er ein Kloster erbaute (Beda, Hist. ecclesiastica gentis Anglorura 
V, c. 12: insula Rheni, quae lingua eorum vocatiu* in littore; bezeugt in einer Urk. 
Kaiser Heinrichs vom J. 1 193: Lacomblet, UB. I, Nr. 54o. — Lacomblets Archiv III, 
S. 3). Im J. 877 nimmt es König Ludwig II. in seinen Schutz: monasterium quod 
est constructum in honore S. Petri principis apostolorum necnon et S. Suidberti con- 
fessoris Christi in loco qui dicitur Uuerid (Lacomblet, UB. I, Nr. 7i. Dazu Nr. 77). 

Um die Mitte des 11. Jh., wahrscheinlich unter Kaiser Heinrich III., der das 
Kloster reich mit Schenkungen bedachte, erfolgte ein vollständiger Neubau, der wohl 
schon io5o vollendet war (Lacomblet, UB. I, Nr. i83, i85, 186). Eine genaue 
urkundliche Nachricht liegt nicht vor, allein der Bau selbst weist gebieterisch auf diese 
Zeit hin. Die Kirche war eine dreischiffige Pfeilerbasilika mit flacher Decke, drei 
Apsiden und einem Westturm. 

Der Westturm wurde im J. 1243 aus fortifikatorischen Rücksichten durch den 
Burggrafen Gemandus abgetragen, damit bei der bevorstehenden Belagerung die Burg 
das ganze Terrain beherrschen könne. Hierauf weist die früher an der Westfa^ade 
befindliche Inschrift (jetzt entfernt, Bruchstücke an der Innenseite) in lateinischen 
Hexametern: anno domini mccxliii. 

HANC templi partem, credens mox affore martem, 
gernandus fregit turrimque iacere coegit, 

NE NIMIUM SURGENS ARCIS PRESSURA SIT URGENS, 
tempore TRANQUILLO REPARAT MELIORE LAPILLO. 



i3o 



KAISERSWERTH 



l3l 



Gemandus, der I249 vom König Wilhelm zum Burggrafen auf Lebenszeit er- Siiftskirch« 
nannt\rarde (Lacomblet, UB. II, Nr. 343), erfüllte sein Versprechen, nachdem wahr- ^'^ **** ^•"•*'** 
scheinlich bei der einjährigen Belagerung durch König Wilhelm 1248 die Burg arg 
mitgenommen worden (Urk. von 1249 bei Lacomblet a. a, O. — Cronica comitum: 
Seibertz, Quellen II, S. 2 1 3 — Chron. Ellenhardi : Mon. Germ. SS. XVII, p. 1 2 1 ) und der 
Chor als der der Angriffsseite zugewandte Teil zerstört worden war, wenigstens zum Teil. 

Der Ostteil wurde in den Formen des romanischen Übergangsstiles neu errichtet 
und war wahrscheinlich schon 1264 vollendet. In diesem Jahre erfolgte, wohl als 
Abschluss des Baues, die feierliche Übertragung der Reste der hh. Suitbertus und 
Willeicus (s. u.). Der Umstand, dass für den neuen Prachtschrein im neuen Chor 
eine von Anfang an geplante tiefe Kammer sich befindet, beweist die ungefähre 
Gleichzeitigkeit 

Schon in den J. i639 und 1 644, erfolgten kleinere Reparaturen (Düsseldorf, Staats- RefMraiuren 
archiv. Reg. Kaiserswerth 543*»). Die an der Südseite des Chores angebauten Seiten- 
kapellen b. Mariae v. und^ S. Mauritii wurden i644 abgerissen (Memorienbuch in 
Lacomblets Archiv III, S. 1 1 9 : A. 1 644 . . capellae b. Mariae v. et s. Mauritii iuxta 
templum nostrum ad partem meridionalem olim aedificatae vetustate detritae et 
difliculter reparabiles sunt dirutae). 

Bei der Belagerung und Beschiessung von Kaiserswerth im J. i7o2 (s. u. S. i4o) BetchiidiguBg 
wurde auch die Kirche sehr stark beschädigt. Die im nächsten Jahre in Angriff 
genommenen Restaurationsbauten dauerten von i7o3 — i7i7 (Düsseldorf, Staatsarchiv, 
Urk. Kaiserswerth Si7, 5i9, 52 1). Der Turmstumpf wurde erst i76S notdürftig wieder- 
hergesteUt (Urk. 528), i78i ein neuer Hochaltar errichtet und der Chor verschönert. 

Eine durchgreifende Restauration in den J. i87o — 1877 durch Professor August 
Rincklake in Berlin, unter der örtlichen Bauaufsicht von Architekt Pickel Hess den 
Bau in neuem Glänze wiedererstehen. Die Deckung der Kosten von 435 000 Mark 
ist fast ausschliesslich dem ausserordentlichen Eifer des Herrn Pfarrers Dauzenberg zu 
danken. Da ein einziger Westturm zu nahe an die Futtermauer des nach dem Rhein 
abfallenden Terrains gekommen wäre, wurden zwei mächtige Westtürme in den J. 
i87o — 1874 errichtet, die unvollendeten Chortürmchen i876 — 1877 ausgebaut. Die 
aus dem i7.Jh. stammende dünne Mauer, die den Westteil des Mittelschiffes, in dem 
die Glocken hingen, als eine Art von Wcsttunn abtrennte, wurde entfernt, die ver- 
mauerte nördliche Vorhalle (Fig. 59 G), in der nach Westen ein Raum für die Chor- 
knaben abgetrennt war, wiederhergestellt, das grosse aus dem Anfang des i8.Jh» 
stammende Abteigebäude, das im Norden an die Kirche anstiess, und sogar die 
Fenster im Obergaden des Mittelschiffes verdeckte, gänzHch entfernt. Im Ostteil 
^Tirden unter den Pultdächern der Seitenschiffe, um dem Mittelschiff grössere Festig- 
keit zu geben, verdeckte Strebebögen errichtet. Das Langhaus der Kirche wird durch 
Göbbels ausgemalt. 

Dreischiffige romanische Pfeilcrbasilika mit Querschiff und vier Türmen, im Beschreibung 
Lichten 68 m lang, 2 2,3o m breit. Das Querschiff 29,8o m lang, das Mittelschiff io,3o m 
breit, der Chor 22 m lang (Grundriss Fig. 59). 

Der West bau Ist zweistöckig und zeigt in der Mitte des Erdgeschosses das in 
den Formen des Obergangsstiles gehaltene Portal, der Bogen spitz, die Thüröffnung 
selbst mit horizontalem Sturz geschlossen, flankiert von zwei monolithen Säulen mit 
Blattkapitälen und Eckblattbasen, die sich über der Plinthe in einem mit drei Knäufen 
versehenen Rundstab fortsetzen. Über dem Bogen ein runder Stein mit einer Hand 
eingesetzt, die auf die ehemals hier befindliche Inschrift (s. o. S. i3o) wies. Das 



Leute 
Rette areüon 



Ä 



usseret 



Westbau 



9» 



l3l 



[32 KREIS DÜSSELDORF 

■ zweite Gcschnss ist durch Vertikal lisenen und Rundbngenfries belebt, die drei rund- 
bogige Fenster einsch Hessen. Der Giebel darüber zeigt zwei rundbogige Blenden und 
eine mittlere rundbogige Nische. 

Die von Rincklake erbauten mächtigen Westtürme ß und C erheben sich in 
vier Stockwerken Ober einem hohen Haustein sockel. Das zweite und dritte Geschoss 
sind durch Vertikalliscnen und Rundbogenfries gegliedert, das \'ierte zeigt an jeder 
Seite je zwei im Kleeblattbogen geschlossene romanische Doppelfenster mit gekup- 
jielten Mittelsüiilen. Eingedeckt durch je vier geschieferte Trapeze über Giebeln mit 
auftteigendem Rundb'igenfries. 

Das Mittelschiff zeigt im Obergaden an den Au-ssenseiten unter dem reich 
drofilierten Dachgesims einen Rundbogenfrics und im Langhaus auf jeder Seite je 



fünf von Rundstäben eingefasste rundbogige Fenster, die Seitenschiffe an der Nord- 
seite drei, an der Südseite vier in Kreise eingeschlossene Vier|)assfenster. An der 
Nonlseite ist hier neben dem nönlllchen Querarm die weit ausladende Sakristei H 
von der HiVhe des Seitenschiffes angebaut und durch drei Doppelfenster belichtet. 

Die Kreuzarme setzen die Gliederung des Mittelschiffes bis auf den hier 
fehlenden Rundbogenfries fort, dafür ist das Gesims noch reicher gestaltet, die West- 
seiten zeigen je zwei, die Nord- und Südseiten je drei rundbogige Fenster. Der Nord- 
giebel Ist durch eine einfache \on einem Rinidstab eingerahmte Nische belebt, 
wührend der Südgiebel drei kreisrunde Fenster zeigt. 

Dem nördlichen Querarm tritt eine reizvolle Vorhalle G vor (Fig. 58), die sich 
nach Westen an die angebaute Sakristei H lehnt, wahrend sie sich nach Osten mit 

i3i 



KAISEKSWEKTH l33 

einem grossen Rundbogen öffnet Nach Norden in der Mitte ein grosses dreiteiliges s 
Piirtal mit drei gleicli grossen Rundbögen, getragen ^'on zwei monolithen Säulen auf 
einfachen Basen mit weit ausladenden romanischen Akanthiiskapilülen und reich geglie- 
lierler Deckplatte. Zur Seite je ein dreiteiliges Fenster, von einem Kleeblattbogen 
eingefiisst, der mittlere Bogen gestelzt, die SUulchen auf Eckblatlbasen mit Blattkapi- 
lälen (die im Osten beide erneut). Die Vorhalle zeigt eine (erneute) flache Balken- 
decke auf Kragsteinen. Am Südgiebel des Querschiffes sieben grosse Kragsteme in der 
Mauer, die das Dach der i644 abgebrochenen Mauritius- und Marien kapeilen trugen. 

Der spätere Ostteil /.eichnet sich auch im Äusseren durch eine reichere Formen- 
s[)railie aus. Der Obergaden des Chorhauses ist durch einen kleineren Rundbogen- 
fries belebt und dur<.li Vertikallisenen in zwei Felder zerlegt, in jedem befindet siili 
ein Rundfenster. Die über die Kreuzanne hinaus verlängerten Seitenschiffe sind um 
i,5o m höher als die ents|)rechenden Teile im Westen des Querhauses, sie sind an 
den Aussenseilen belebt durch Vertikallisenen, Rundbogen friese, deren Bi'igen auf Btatt- 
kun.s<ilchen ruhen, und 
je zwei Fenster, deren 
uberec Teil fUcherfOrmig 
zur fünfblätterigen Rose 
auslädt imd von einem 
Rundbogen mit Rund- 
*tab eingerahmt ist. Nach 
Osten sind an diese ver- 
längerten Seitenschiffe 
aus fünfSeiten des regel- 
ma.ssigen Achtecks kon- 
slruierte Chörchen an- 
gebaut mit je vier rund- 
bogigen Fenstern. 

Der Hauptchor 
wird von zwei vierseiti- 
gen Türmchen mit Tra- Fi,, gg. K.i.,r.w.rih. Vorh.u. d.r siifukirche. 
peidächem Hankiert, die 

zur Seite des Chorhauses noch drei Stockwerke über dem Dachgesims aufsteigen (Fig. 59, 
E, F). Die drei oberen durch Pickel aufgeführten Geschosse sind gegliedert duR'h Rund- 
bt^enfries und Vertikallisenen, das oberste zeigt ein Doppelfenster mit Mittelsüule, von 
einem Kleeblattbogen umschrieben und unter dem AIjschlussgesims das auch an den 
Westlünnen angebrachte Motiv des Frieses von quadratischen Feldern. Die Giebel- 
chen zeigen ein abgetrepptes Mittelfeld mit Vierpassfenster in Rundstabmedaillon. 

Die fünf Felder des fünfseitigen Hauplchores werden durch Vertikallisenen ein- 
geralimt und unter dem Dachgesims durch eine Horizontallisene mit KlÖtzchenfHes 
abgeschlossen. In jedem Felde ein leicht spitzbogiges Fenster, in den Gewanden 
Säulen mit zwei Ringen, über dem einfachen Kapital als Rundstab fortgesetzt. 

Im Inneren zeigt der aUe westliche TeÜ überaus einfache Formen, die 
Grijssartigkeit der Verhältnisse, zumal des mächtigen Querschiffes mit den breiten 
Viemngsl>ögen, kommt bei dem Mangel jeglichen arcliiteklonischen Schmuckes um 
so mehr zur Gellung. 

Die Scheidemauern ruhen zwischen Vierungspfeiler und Westbau auf je drei 
einfallen schweren Pfeilern, auf hoher Basis mit Plinthe und zwei Wülsten, aber nur 

133 



KREIS DÜSSELDORF 




ng. S9. KaiHriwcnh. Gmndrio der Stifukirch«. 
I34 



in den Laibungen der Arkaden selbst mit einem Kämpfergesims. Die Arkadenbcigen sn 
selbst sind gänzlich ungegliedert, die li^lien Sciieidemauem nur durcli die Rundbijgen- 
fenster mit den stark abfallenden Gewanden belebt. Die Vierungspfeiler zeigen ebenso 
wie die Bogen, mit denen sich die Seitenschiffe nach den Kreujiarnien ciffnen, das 
gleiche einfache Kämpfergesims. Der ganze Westteit ist nie gewölbt gewesen und 
kiinnte bei den gr()ssen Dimensionen der Rüume auch nie dafür bestimmt sein. Die 
flache Balkendecke Lst bei der Restauration erneut und mit Deckenmalereien im Stile 
der Decke in S. Michael in Hildesheim versehen worden. Die nach Norden an- 
stijssende Sakristei H ist \on zwei, durch einen Gurt getrennten Gnitgewölben mit 
Schildbögen überspannt. Die beiden Ostmauem der Qucrarmc gehören nuch dem 
alteren Bau an; unter den aus Haustein gebildeten Rundbögen, die die alten Seiten- 
apsiden absclilüssen, wurden bei dem Umbau um laSo tiefere Bögen aus Backstein 
eingespannt. 

Der Ostteil zeigt im Gegensalz hierzu den ganzen reichen Schmuck des Üher- 
gsmgsstiles, zimial in der Fülle der Dienste und Kapital bildungcn. 



Fi|, 60. K*ii«>mnh. Lüagiiehiiill dtr Siifitkircht *u d«t Rciuurmian. 

Das Chorhaus liffnet sich nach den verlängerten Seitenschiffen mit zwei Spitz- 
bogen, die von einem Mittclpfeiler getragen werden. Die Rippen der beiden aus Tuff 
bestehenden Kreuzgew lilbe des Chorhauses ruhen ebenso wie die Schildbcigen mit 
skulptierten Knospen kapitalen auf starken Dreiviertelssaulchen, die über dem Kampfer 
des Mittelpfeilers auf einer Konsole aufsitzen, die aus Deckplatte, Blatterkranz und Kopf 
besteht, wahrend sie in den Ecken herabgeführt sind. In den Scheidemauem rund- 
bogige Blenden mit dem Rundfenster im Abschluss, 

In ganz eigenartiger Weise ist der Chorabschluss mit dem Chorhause in Ver- 
bindung gebracht. In den Ecken bei E und F waren hier die Mauern der beiden 
Osttürme nach innen zu maskieren; der Architekt erreichle dies, indem er zwischen 
den beiden Aussenmauem ein geknicktes schmales Tonn enge wcilbe spannte und dies 
zwischen zwei Triumphbogen stellte, von denen der im Westen mit einfachem Kampfer 
auf Pfeilervorlagen, der im Osten mit reichen Knospenkapitalen auf sehr starken Drei- 
^■iertelssäuien ruht Zum Überfluss wurde in die Tonne zwischen die beiden Triumph- 
bßgen, mit jenen durcli Schildbcigen verbunden, ein starker Rundstab eingespannt, der 
auf Knospen konsolen ruht. Nach dem nördlichen Turm öffnet sich eine Thür zur 
Wendeltreppe E; die Wand des südlichen enthalt die schrankartige Kammer F für 
den Suitbert usschrein mit als Rundbogen fortgesetzten Säulen in den Gewanden. 

i35 



l36 KRIilS DÜSSEI.ÜORF 

Stifiikitche Nunmelir kuuntc dw Chombschluss D seine Rippen stralilenfilnnig von der Mitte 

Chonbicbiiiu ^j^.,. Triumphbogens aussenden. Den einzelnen Ecken treten starke Pfeilerx-orlagen vor, 
um die je drei Dienste gruppiert sind, mit gemeinschaftlicher Basis, gemeinscliaftl icher 
polygonaler Deckplatte über den Knospenkapitälen und einem durchlaufenden Ring 
in der Mitte. Die beiden seitlichen Dienste setzen sich ebenso wie die Kanten der 
Vorlagen im Abschlussbogen als Rundstäbe fort. 

Die ^-erlHngerten Seitenschiffe sind mit Grat- 
gewölben überspannt, deren Grate wie die sie 
trennenden, die Gurte vertretenden Rundstabe 
auf Dreivierteissäuk'n mit stark übergeldappten 
Kniepenkapitälen ruhen. Die Schildbögen 
setzen jenen zur Seite auf dem Kämpfer der 
Pfeilervorli^en auf In den Seiten chörchen 
ruhen die mit Rundstabprofil versehenen Rippen 
mit den dünnen Rundstaben der Schildbögcn 
auf Dreiviertelssäulen, die mit Mittelknäufen und 
verschiedenen Knospenkapitalen versehen sind. 
WiiidiiuBE Von kunsthistorischer Bedeutung ist vor 

allem der flachgedeckte Westbau, der nelien 
dem Langhaus von S. Maria im Kapitel zu 
Köln die bedeutendste niederrheinische Pfeiler- 
basilika darstellt, von grosser Schlichtheit in 
den Formen und mächtigen Verhältnissen. Die 
malerische Wirkung des Ganzen ist im wesent- 
lichen erst durch den /{inciiaiesi:her\ Ausbau 
hervorgerufen, 
AluK Die drei Altäre im Übergangsstil sind 

Schöpfungen Rinctlaies. Im Mittelschiff und 
im Chorhaus zwei erst im i7.Jh. angelegte 
kellerartige mit Tonnen überspannte Grab- 
gewölbe. 
Sakr«meoii- An deT Nordseite des Chores ein dreiteiliger 

Sakramentsschrank, der ein ganzes Feld 
einnimmt, in Sandstein, vom Ende des iS.Jh. 
Auf dem in acht Felder zerlegten Unterbau 
der dreiteilige Gitterschrank, jedes Feld von 
einem mit Kreuzblumen geschmückten Kiel- 
bogen abgeschlossen, an den trennenden Pfei- 
le ■ 1. c i.^.'*J *■'' =..,.. l^n* ^'ier <lerb gemeisselte Heil igen figürchen. 
PiiciM Daneben eine einfache Piscina derselb. Zeit 
Epiitpbien Epitaphien des Kanonikus Friedrich Albert von Breugel, t i8. März l73i, und 

des Kanonikus Johann Ferdinand Edmund von Rochow, t »4. Okt. i776. 
Lcucbiv Schmiedeeiserner Standleuchter, 2,zom hoch (Fig. 6i), auf dreiteiligem Fuss, 

mit überreich mit Ranken und Spiralen verziertem Aufsatz, aus dem iS.Jh. Über ähn- 
liche Werke vgl. Kunstdenkmaler d. Kr. Kleve S. j3. 

Zwei 1,10 m hohe einfachere schmiedeeiserne Standleuchter derselben Zeit, 

Ehtnuiigc Allere Die REDiNGHOVENsche Hs. A. 24 im Düsseldorfer Staatsarchiv giebt- BI. SSS*» 

einen Grimdriss der Kirche mit Angabe der ehemaligen Altäre (eingezeichnet in den 

136 



r 



KAISERSWERTH 



l37 



Suitbertut' 
Schrein 



Giebel 



Gnindriss Fig. 59): i. AJtare s. Suiberti, 2. a. s. Johaniiis ev., 3. a. s. Nicolai, 4. a. s. Se- Stiftskirche 
bastiani, 5. a. s. Annae, 6. a. s. Petri, 7. a. s. Lucae et s. Barthulomaei, 8. a. s. Bar- 
barae, 9. a. s. Catharinae, 10. a. s. Michaelis, 11. a. s. Mauritii, 12. a. b. Mariae v. 
(in den abgebrochenen Kapeilen im Süden), i3. a. in sacristia in parvo sacello, i4. a. 
in bibliotheca (dem abgetrennten Joch im Südwesten). 

Suitbertusschrein (Taf. VII. — aus'm Weerth, Kd. Taf. XXX; II, S. 44. — 
Kellner Domblatt i844, S. 118. — Die St Suitbertustumha : Baudris Organ für christl. 
Kunst L S. 18. — Knackfuss, Deutsche Kunstgeschichte I, S. 426. — Kraus, Die 
christlichen Inschriften der Rheinlande II, S. 289, Nr. 62?). 

Schrein von vergoldetem Kupferblech über Eichenholzkem in Gestalt einer ein- 
schiffigen Kirche, auf jeder Seite mit sechs sitzenden Apostelgestalten. 

Die eine Giebelseite zeigt unter Kleeblattbogen in der Mitte die Gestalt des 
thronenden Suitbertus, in der Linken den Stern, in der Rechten den Bischofsstal), 
rechts die kleineren stehenden Figuren des Königs Pippin un<^ der h. Plectrudis. Über 
dem Kleeblattbogen in drei Halbkreisen die Halbfiguren von drei Engeln. Die Zwickel 
zwischen dem Bogen sind mit Email brun gefüllt Inschriften: Regina plecdrudis • 

SANCTUS SUIBERTUS • REX PlPPl(nUs). 

Auf der anderen Giebelseite in der Mitte das Sitzbild der thronenden Madomia, 
iiuf dem linken Knie das bekleidete Kind, in der Rechten einen Apfel, neben ihr 
stehend zwei kleinere heilige Frauen mit Büchsen in den Händen. 

Über dem Kleeblattlxigen, der in Grubenschmelz auf dunkelblauem Grunde 
tlie Inschrift trägt: ave maria ciratia plena dominus tecum, beneüicta tu in 
iiuuERiBus, in drei Halbkreisen die Gestalten Gottvaters und zweier Engel. Der 
Grund wiederum mit Email brun. 

Auf jeder der Längsseiten unter Kleeblattbögen die Gestalten von sechs sitzenden 
Aposteln, alle mit Büchern, einige noch durch besondere Symbole ausgezeichnet. Die 
*^^^gtjn, die in Grubenemail auf wechselnd dunkel- und hellblauem Grunde die Namen 
"t^r zwölf Apostel tragen — links SS. Petrus, Paulus, Bartholomeus, Andreas, Matheus, 
J^^hannes, rechts SS. Jacobus, Thomas, Sinu>n, Philippus, Matthias, Jacobus min. — , ruhen 
**ui je zwei romanischen, ornamentierten Säulchen mit Eckblattbasen und Kelchkapi- 
*"cn, hinter denen sich Streifen mit Email brun befinden. In den Zwickeln die ge- 
tnebenen Dreiviertelsfiguren von Engeln mit Büchern, Bandrollen oder Weihrauch- 
füssem in Hochrelief. 

Der Sockel und das Dachgesims zeigen auf der Schmiege denselben mit Stempeln 
umgeschlagenen Palmettenfries, während die Hauptplatte abwechselnd eine Emailtafel 
und eine Platte zeigt, die in reichstem, kunstvollstem Goldfiligran edle Steine enthält. 
^^ Emails mit wechselnden Mustern und nicht ganz reinen Farben sind in Gruben- 
schmelz ausgeführt, nur kleinere Blättchen in Zellenschmelz. Eines der Emails ist 
durch eine rohe Nachahmung ersetzt 

Der dachförmige Deckel zeigt acht getriebene Darstellungen in fiachem Basrelief, 
Imks die Verkündigung, Geburt, Anbetung der Könige, Darstellung im Tempel, rechts 
f aufe, Kreuzigung (erneut), Auferstehung, Himmelfahrt Den Abschluss des Firstes bildet 
eine schön stilisierte Weinranke mit grossen Trauben, gekrönt von fünf reich verzierten 
Knäufen mit Krystallkugeln, deren Aufsätze und Fassungen zum Teil erneut sind. 
Von den Blattfriesen, die die Giebelseiten zieren, ist nur der über der Madonna alt. 

Der Suitbertusschrein wurde im J. I264 vollendet — in diesem Jahre fand am 
6. Juli die feierliche Übertragung der Reliquien der hh. Suitbertus und Willeicus statt, die 
im Inneren des Schreines in einem einfachen hölzernen Kasten, in Seide eingewickelt. 



Läugsieiten 



Dach 



Inhalt 



l37 



i38 



KREIS DÜSSELDORF 



Stiftskirche ruhcn. Dahci liegen Bleitäfelchen mit den Inschriften in Unzialen: istae sunt re- 

LIQUIAE BEATI SWIBERTI CONFESSORIS, QUARUM FACTA EST HAEC TRANSLATIO A. D. 
MCCLXIV IN OCTAVA APOSTOLORUM PETRI ET PAULI TEMPORE URBANI PAPAE QUARTI. 
— ISTAE SUNT RELIQUIAE BEATI WILLEICI CONFF^SSORIS, QUAE EODEM TEMPORE SUNT 

TRANSLATAE (ein Bericht über die Eröffnung des Schreines im J. 1626 in Düsseldorf, 
Staatsarchiv, Reg. Kaiserswerth 543*. — Köln, Stadtarchiv, Farragines des Gelenius 
— Lacomblei's Archiv III, S. 112). 
Würdigung Der Schrein bildet den glänzenden Abschluss der durch die Tumba von Xanten 

eröffneten Reihe der niederrheinischen Schreine zu Aachen, Deutz, Köln, Siegburg. 
Er zeigt in Aufbau und Ornamentik ganz die Formen des I2i5 vollendeten Karls- 
schreines in Aachen. Steht so das Gerippe noch ganz unter romanischem Einfluss, so 
zeigen die Figuren schon den zartesten und reinsten frühgothischen Stil, die Gestalten 
des h. Suitbertus und der Madonna mahnen an gleichzeitige französische Skulpturen. 
Durch die Emails ist die Zugehörigkeit des Schreines zu der KtUner Gruppe gesichert. 

An der einen Giebelseite die geschnittenen K()pfe von Christus und Maria in 
lapis lazuli, daran befestigt eine dicke Goldkette mit i4 filigranverzierten Kapseln und 
12 Medaillen des 16. — 18. Jh. 
Vortranekrciwe Sübemes Vortragekrcuz, 52 cm hoch. Das Kreuz allein 4i cm hoch mit 

massivem Kruzifixus, auf den kleeblattförmigen Endstücken Medaillons mit den vier 
Evangelistensymbolen, am Fuss gravierter achtseitiger Knauf mit farbigen Gläsern an 
Stelle der Pasten. Vornehme und wirkungsvolle Arbeit vom Ende des iS.Jh. 

Kupfernes Vortragekreuz, 55 cm hoch, vom Ende des i5. Jh., auf den Kreuzes- 
enden in Vierpässen die Evangelistensymbole, neuer Kruzifixus. 
MoDütraiiz Zierliche silberne vergoldete Monstranz, 67 cm hoch, um i4oo, von feinen und 

luftigen Formen. Der Fuss aus der sechsseitigen Rose konstruiert, zur Seite des Glas- 
cy linders ein doppeltes Strebesystem mit je einer silbernen Heiligenfigur, in dem zwei- 
stöckigen fein abgestuften Aufsatz ein Madonnenbild. 
Kelche Kelch, von vergoldetem Silber, 23,8 cm hoch, vom J. i523, auf sechsseitiger 

Rose, die am Rande a jour durchbrochen und mit Rankenwerk durchflochten ist. 
In den Zwickeln verschnittene spätgothische Krabben, auf dem Fuss die Inschrift: 
arnoldus zwollensis coratus (so) anno domini mcccccxxiii. Auf dreien der Blätter 
graviert die Gestalten der hh. Petrus, Paulus und Suitbertus, auf den drei übrigen in 
massiven Figuren aufgelötet die Gruppe der h. Anna selbdritt, des h. Georg und eines 
weiteren Heiligen, über ihnen ein freigearbeitetes spätgothisches Rankenornament. Der 
Aufsatz ist mit reizvoller Burgenarchitektur verziert; der durchbrochene sechsseitige 
Knauf trägt in Emailpasten den Namen: jhesus. 

Gothischer Kelch, 18 cm hoch, Ende des i5.Jh., auf achtseitigem Stemfuss mit 
der Inschrift: orate pro wilhelmo de uchem decano quondam huius ecclesie. 

Barocker Kelch, 24,6 cm hoch, getrieben, mit der Inschrift: memento caspari 
hanxler burgravii castri caesaris insulae a. i647. 
Glocken Die Glocken yon i7o5 mit den Inschriften: i. mane meridie et vesperi 

ANNUNTIABO LAUDEM TUAM DOMINE. CAMPANA HAEC ANNO MDCCV FUSA ET BENE- 
DICTA IN HONOREM B. MARIAE V. ET SWIBERTI EPISCOPI. 

2. CAMPANA HAEC FUSA ANNO MDCCV BENEDICTA EST IN HONOREM S. WILLEICI 
CONFESSORIS. 

3. CAMPANA HAEC FUSA ANNO MDCCV BENEDICTA IN HONOREM GERTRUDIS 
VIRGINIS. 

Stifisgebäude Die älteren STIFTSGEBÄUDE waren vor I285 zum grössten Teil zu Grunde 

gegangen (domus et sepes canonicorum secata et destructa: Lacomblet, U B. II, 



i38 



KAISERS WERTH 1 39 

Nr. 8i5), die damals neugebauten bei dem Brande im J. i7o2 (s. u.). Das Abtei-Stifugebäude 
gebäude an der Nordseite der Kirche wurde 1 7o4 neu aufgeführt, der an die Kirche 
anstossende Teil J erst bei der letzten Restauration abgebrochen. 

Vor der Stadt befand sich auf dem Kreuzberge die alte PFARRKIRCHE au« 
von Kaiserswerth, im 12. Jh. gegründet von Rabrat presbiter (Eintragung im Nekro- 
logiumXIII. Kai. Maii: Lacomblets Archiv III, S. 122), 1236 zur Pfarrkirche erhoben 
(Lacomblet, U B. II, Nr. 1 17). Bei der Belagerung vom J. i689 gänzlich eingeäschert. 

Im J. i695 wurde der Pfarrbezirk in der Weise geteilt, dass die Dorfschaften 
Einbningen und Lohausen der Pfarrkirche von Kalkum, die zu Rath der Seelsorge 
des Rektors des dortigen Nonnenklosters überwiesen wurden (Düsseldorf, Staatsarchiv, 
Reg. Kaiserswerth 544). 

An der Südseite fand sich die Inschrift (Terwelp in den B. J. LXXII, S. 1 3o Inschrift 
nach der Rheinbrohler Hs.) : anno dominicae incarnationis 1200 albero laicus 

COMPARAVIT A CONRADO LEYEN ET FILIO EIUS HENRICO IN VURKELE VINEAM, QUAE 
DICITUR LIUCENSDALE lUXTA FONTEM, QUAE SOLVIT ANNUATIM AM AM VINI ET CON- 
TULIT EAM SANCTAE WALBURGI PRO REMEDIO ANIMAE SUAE ET UXORIS SUAE HILDE- 
GUNDIS ET PARENTUm' SUORUM AD NOCTURNUM LUMEN PRAESENTIS ECCLESIAE. AMEN. 

In der Unterstadt von Kaiserswerth befand sich ausserdem die S. GEORGS- s. Georgs- 
KIRCHE, ein romanischer Bau, io78 (oder 1088) gegründet von dem ii4o ver- 
storbenen Folradus presbyter (der Name auch im Nekrologium: Lacomblets Archiv 
III, S. 120). 

Ausführliche Nachricht hierüber giebt die REDiNGHOVENsche Hs. A. 24 des Beschreibung 
Staatsarchivs zu Düsseldorf Bl. 355«: Extra oppidum et insulam Caesaris situm est 
templum valde pulchrum arte et antiquitatis forma visendum, quod dicitur S. Georgii, 
estque insulae Caesareae ad orientem situm. Huius templi forma tota desumpta est 
ex aliquo terrae sanctae templo et inclusum est quadrangulari coemiterio ac muro, 
ita tarnen, ut murus iste ambiens ad occasum duas turres templi intra se compre- 
hendat, iuxta publicam viam etiam illa parte ambiri non possit. 

Die bei Redinghoven beigegebene Federzeichnung derWestfac^ade zeigt zwischen Fagade 
zwei fünfstöckigen Türmen einen Giebel mit Kleeblattbogenfenster, einfaches rund- 
bogiges Portal, darüber ein Bild des Salvators, zur Seite zwei ikonographisch wichtige 
Reliefs in etwa lebensgrossen Figuren, links zwei Figuren, die sich bei der Hand er- 
greifen, mit der Unterschrift: misericordia et veritas obviaverunt sibi, rechts 
zwei Figuren, die sich küssen, mit der Unterschrift: jusTrriA et fax oscülatae 
SUNT (aus Ps. 84). Darunter die Inschrift: has sibi virtutes semper discat quis- 
QUE recolendas. An der Südseite ebenso ein Bild des Salvators mit der Umschrift: 

FIAT lux! LUCIS ORIGO NOVAE TENEBROSO FULGET IN ORBE. 

Die REDiNGHOVENsche sowie die Rheinbrohler Hs. geben ausserdem die inter- Inschriften 
ßssanten langen Weihinschriften der Kirche vom J. io78 und zweier Altäre vom 
J. 1102 (abgedruckt B. J. LXXII, S. I29). 

KAPUZINERKLOSTER. K«puxiner 

In der Landesbibliothek zu Düsseldorf: Liber actorum Capucino — In- 
sulanonim, von i656 — 1686, fortgesetzt bis i835 (G. 10). 

Das Kloster wurde i649 gestiftet (Urk. in der Düss. Zs. III, S. 21. — Ann. h. 
V. N. XXVIII, S. 277, 279), die Kirche i672 erbaut, nach i7o2 restauriert. Ein- 
schiffiger schmuckloser Bau, an jeder Langseite mit vier grossen Fenstern, über- 
spannt mit einem Tonnengewölbe. Die Kirche steht leer; im Kloster ist das Bürger- 
meisteramt eingerichtet. 

139 



l4o KREIS DÜSSELDORF 

Burg BURG. Lacomblei-s Archiv III, S. 3. Weitere Litteratur oben S. 128. 

Geschichte Kaiserswerth, als unmittelbares geistliches Eigentum unter der Verwaltung der 

Pfalzgrafen, besass schon im 9. und 10. Jh. sein festes Haus, das wahrscheinlich durch 
Heinrich III., den mutmasslichen Erbauer der Abteikirche, der öfters hier weilte, ver- 
grössert ward. Hier fand 1062 die denkwürdige Entführung des jungen Heinrich IV. 
statt. Im J. iioi wird zum ersten Male ausdrücklich der Königshof genannt (Martene, 
Amplissima collectio I, p. 586: curtis nostra). 
Neubau von 1184 Eine neue Burg wurde durch Friedrich I. hier errichtet. Im J. 11 74 hatte er 

den Zoll von Thiel nach Kaiserswerth verlegt (Bondam, Charterboek II, p. 220), um 
für den Neubau die nötigen Mittel zu erhalten. Nach zehn Jahren, 11 84, war der 
Bau vollendet, wie zwei prunkende Inschriften verkündeten (s. u.), die eine auf der 
Rheinseite in vergoldeten Buchstaben, die andere am Eintritt zum Burghofe. Die 
Burg sollte einen Stützpunkt der königlichen Gewalt am Niederrhein darstellen, 
doch bildet sie bald für das bedrohte Erzstift Köln einen Stein des Anstosses. Im 
J. I i9o schon hatte Erzbischof Philipp von Heinsberg sich die Zollfreiheit fiir die Stätte 
des Erzbistums ausbedungen (Lacomblet, U B. I, Nr. 524, Bestätigungen Nr. 539, 562, 

II, Nr. i7, 4o, 48, 49, 5o). 

Belagerungen Im J. 1 2 1 5 wurde die Burg zum ersten Male durch Graf Adolph von Berg be- 

lagert und erobert (Lacomblet, U B. II, Nr. 5o. — Annal. Col. max. : Mon. Germ. 
SS. XVII, p. 82?), indem ein Aussenturm untergraben wurde. Hierdurch gewarnt, liess 
bei der nächsten Belagerung im J. )243 der Burggraf Gemandus den Turm der Stifts- 
kirche niederlegen, um von der .Burg aus den ganzen Umkreis frei zu beherrschen. 
König Wilhelm konnte sie erst nach fast einjähriger Belagerung einnehmen. Das 
Schloss scheint durch Gemandus verstärkt worden zu sein — früher nur als domus, 
wird es jetzt regelmässig als castrum angeführt. Eine angebliche Zerstörung durch 

Verp&ndungen Rudolpli vou Habsburg ist nur in später Quelle bezeugt (Cronica comitum : Seibertz, 
Quellen II, S. 21 3). Es bildet in den folgenden Jahren ein stetes Pfandobjekt. Im 
J. 1293 wird es durch König Adolph an Köln verpfändet (Lacomblet, UB. II, Nr. 937), 
schon 1298 muss es dem Ludwicus vicedomnus de Sunnenberch (Lodowicus miles 
dictus Perdous) entrbsen werden, der es widerrechtlich besetzt hält (Lacomblet, 
U B. II, Nr. 998, 1008), im J. i336 wird es durch Ludwig den Bayer an den Grafen 
Wilhelm von Jülich für 39 000 Gulden verpfändet (Lacomblet III, S. 348, Anm. 2), 
der es i368 wieder seinerseits mit dem Zolle, der Vogtei und dem Bauhofe an den 
Pfalzgrafen Ruprecht den Jüngeren für 5759372 Goldgulden verpfändet (Lacomblet 

III, Nr. 684), dieser i399 an den Grafen Adolph von Kleve für dieselbe Summe 
(LACOMBL]irr III, Nr. io65, 1066; IV, Nr. 22). Im J. i424 kommt Stadt und Burg mit 
dem Zolle durch Kauf von Gerhard von Kleve, Grafen von der Mark, für 100 000 
Gulden wieder an Köln (Lacomblet IV, Nr. 160. Vgl. 200, 239, 275, 279, 3o5), der 
Streit über Kaiserswerth zwischen Kleve und Köln wird erst i464 beendet (Lacom- 
blet IV, Nr. 328). Vgl. J. Hansen, Westfalen und Rheinland im i5.Jh. L S. 9*, 42*, 
i35*. — Deutsche Städtechroniken XX, S. 3i. Die Kölner Erzbischöfe blieben seit- 
dem im festen Besitz. Erzbischof Salentin baute es glänzend neu aus (castrum Kaisers- 
werth .... novis structuris ex fundamento splendide ornavit et auxit: Christ. Voigt 
ab Elspe, Delin. Westphal. bei Seibertz, Quellen III, S. i7i). 

Zerstörung Burg und Stadt hatten schon schwer zu leiden gehabt bei den Belagerungen 

und Beschiessungen der J. 1688 und i689 (H. Ritter, Zur Geschichte von Düsseldorf 
S. 22). Im J. i7o2 waren die Franzosen aufs neue die Herren der Stadt und wurden 
durch die Kaiserlichen Hülfsvölker eingeschlossen. Das Bombardement warf die Stadt 

i4o 



KAISERSWERTH l4l 

nieder, am iS. Juni kapitulierte die Besatzung (Ritter a. a. O. S. 3o. — Heimatskunde 
i88q. S. [2o. — Ann. h. V. N. XXXI, S. iS). Das Protokollbuch der Stadt von 1668 
eniliält die folgende Eintragung darüber: 

Anno l7oa auff Ostertag ist von den kayserlich hollandisch und sambtliche 
alliierten truppen diesse vestung Kayserswerth, welche von denen Franzosen besetzt 
gewessen, dergestalt belagert und bombardiert, dass sogar kein eintzig hauss, wegen 
das coniinuirliche unauslöschliche brennem oder bommen werffen verschont worden, 
sondern disse gantze Stadt und kirchen dei^estalt totaliter ruinirt und verdorben, dass 
bey menschen gedenck solche schwehre und neun wochen dawemde belagerung nit 
vorgefallen, alsso dass billige ursach haben kindskinder solchen äusseriichen schaden 
lu betrawem und zu beklagen. — - Demnächst ist nach eroberung diesser stadt gleich 
angefangen die pforten, mauern, bollwerke, bastionen und contrescarpen gesprengt, 
über ein hauffen geworffen und eingeworffen. Im selbigen jähr auff St. Laurentius- 
abendt (9. Aug.) ist hiessiger schlossthum, welcher gleichfalls ein Wunderwerk wegen 



starke und schönheith gewessen, von denen alliirten minirer untergraben und durch 
ilen gewalt und force des pulvers gantzlich in die luft gesprungen worden. 

Die Buig wurde gesprengt, die Aussenmauer nach dem Rhein zu blieb erhalten, 
nur die Innenmauer wurde ganzlich abgetragen, der grosse Turm wurde vollständig 
Wislött Die Festung wurde nach i7o2 geschleift, die letzten Gräben am Schloss erst 
1848 beseitigt. Stadt und Burg wurden i7i4 dem Kölner Erzstift wieder übergeben, 
^t i77i wurden sie von dem Kurfürsten Karl Theodor eingelöst. 

Der von der Pfalz Friedrichs I. erhaltene rechteckige Teil ist 5o,4o m lang und Reichrtibu» 
i7.3omtief. Abweichend von den mittel rheinischen höh enstau fischen Residenzen zu 
Gelnhausen, Münzenbeig, Wimpfen am Berge oder Setigenstadt ist die Burg von 
Kaiserswerth zunächst als Wehrbau gedacht und durch die Stärke der Mauern wie 
*lie eigentümliche Technik gleich interessant. Die Anlage teilt sie mit der der gleichen 
Zeit entstammenden Niederburg zu Rüdesheim {Krieg v. Hochfelden, Geschichte 
"tt Militflrarchitektur S. 3i2. — Otte, Geschichte der romanischen Baukunst 8.262). 

Die nördliche Aussenmauer ist unten 3,25, oben j,io m stark, die südliche 
oben 2,5o m, während die westliche Aussenmauer im Erdgeschoss die kolossale Dicke 
"on S,8o m besitzt. 



t43 KREIS DOSSELDORF 

Das Mauerwerk besteht in der Hauptsache aus mSchtigen länglichen Basalt- 
stücken, sieben- oder neonseitigen Pfeilern, die aufeinander geschichtet ihre Schmal- 
seiten trotzig wie Bossen nach Aussen kehren. An der Westseite nach Aussen zuerst 
vier Reihen grösster Basaltblöcke, jede Schicht 4o cm hoch, sodann sechs 3o cm 
hohe Reihen von gut in den Fugen verpassten genau rechtwinkligen Hausteinen von 
Drachenfelser Trachyt (vgl. die Inschrift u.), die obere etwas eingerückt, darnach 
wieder $2 Schichten von BasaltblOcken in grauer mit grobem Rheinkies vermischter 
Mörtclbettung. An den Ecken starke Quaderverklammerung. Zehn längliche Streifen 
dieser Quadern unregelmSssig abgegrenzt, aber in genau horizontaler Lagerung, 
durchschneiden den Mantel, Am Boden findet sich, 2o,5o m von der Nordwestecke 
aus, ein aus neun grossen Trachytb locken zusammengesetzter Bogen (für einen Kanal 
oder Gang, der unter den Sälen des Erdgeschosses hinführte), i6,io m von der 
Nordwestecke aus eine grosse eingesprengte Lücke, unter der ein paar grosse Basalt- 
blöcke aus der Mauer vorspringen, die einen Balkon trugen; der in den Gewänden 
mit Hausteinen verkleidete Durchgang in der Mauer i,4o m breit In der Entfernung 



von 1 2, So m von der Südwestecke findet sich ein grösseres, oben mit ausladendem 
Rundbogen geschlossenes Fenster. 

Das Innere (Ansicht Fig. 6z, Grundriss Fig. 63) enthält nebeneinander nach 
Westen vier grosse Räume, von denen die ersten drei mit Balkendecken überdachte 
Säle enthielten. Das Mauerwerk zeigt auch nach innen die Stirnen der Basaltblöcke, 
nur die Thüren sind von Hausteinen eingefasst. Der erste Saal A, n,7o m lang 
und 7,6o m breit, enthalt bei a eine i ,65 m breite Thür, deren Sturz fehlt. Dagegen ist 
das Portal zu dem bei b sich öffnenden i,to m breiten, 4,i5 m langen Gang erhalten, 
es zeigt einen horizontalen Sturz und darüber einen Entlastungsbogen aus Backsteinen, 
die im ganzen Bau eine auffallend grosse tafelförmige Gestalt haben. An der Nordscite 
befand sich der romanische Kamin, 2,8o m breit, von dem nur die den Bogen tragen- 
den einfach profilierten Kragsteine erhalten sind. Der über A gelegene Saal enthalt 
nach Norden zwei, nach Osten drei Fenster, nach Innen mit rundbogigen Blenden, 
die Bögen aus Backsteinen. 

Der 7,3o m lange, 7,io m breite Saal B enthalt nach Westen zwei Fenster, 
i,So m hoch, 4o cm breit, die Fensternischen sich innen zur Breite von 2,80 m er- 
weiternd. Die Kanten aus Hausteinen, die Bögen aus Backsteinen. Bei c eine 



KAISKRSWERTH l43 

i,S5 m breite Thür in t,9S m breiten Bogen, aus Backstein aufgemauert, mit ehemals 
horizontalem Sturz. 

Der Saal C, der dritte und grösste von allen, T2,7o m lang, zeigt nach We3ten 
drei jener grossen und tiefen Blenden, von einem Bogen aus Backsteinen in zwei 
Reihen überwölbt. Die drei Brtgen haben verschiedene Höhe und steigen nach 
Süden zu an, über ihnen in der Mauerstarke die zu den oberen Gemächern führende 
Treppe. Die Decke befand sich S,io m über dem Boden. Die mit Backsteinen aus- 
gekleideten 18 Löcher für die riesigen Tragbalken erhalten. Der darüber liegende 
Saal war mit gedrückten Backsteingewölben Überdeckt. 

Die Bestimmung des letzten Saales D ist nicht mehr völlig erkenntlich (Küche 
oder Treppenhaus). Nach Westen in der Mauer zwei a.So m tiefe Blenden, über 
denen sich wieder ein dritter grösserer Bogen mit einer Spannung von 6,3o m wölbt. 
Das Erdgeschoss wird quer durch einen t,9o m breiten Gang durchschnitten. In der 
Mitte erhebt steh ein 3,8o m hoher Treppenturm d, der sich noch über die Decke des 
oberen Saales fort- 
setzte. Eine zweite 
Wendeltreppe führte 
bei E in die oberen 
Räume. Die Säle des 
Obergeschosses ent- 
halten nach Westen 
sechs i,9o m hohe, 
4o cm breite mit 
Haustein eingefasste 
schmale Fenster. 

Im Schlosshofe 
sind die interessanten, 
auf den Bau bezügli- 
chen Inschrift- 
tafeln aufgestellt Zu- 
nächst in der Mitte ri^,^_ KnE«T««.i,. Di= ttur, „n, ri,.l« .u.. 
auf besonderem Auf- 
satz die nach der Zerstörung l7o3 nach Düsseldorf ins Schloss gebrachte, nach dessen 
Zerstörung i794 im Hofe des dermaligen Münzlokales aufgestellte, erst seit i849 wieder 
nach Kaiserswerth überführte Inschrift von der Rheinseite {in hypocausto maiori retro 
fomatem: B. J. LXXII, S. t3o) in 9 cm hohen, sorgsam gerundeten Kapitalen auf 
einer 2,65 m langen, So cm hohen Steinplatte: 

.\NNO AB INC.\RNATIONE DOMINI NOSTRI 

JESU CHRISTI MCLXXXim. 

HOC DECUS IM PER II CESAR FRIDER1CU5 ADAUXIT. 

JUSTICIAM STABILIKE VOLENS ET UT UNDIQUE PAX SIT. 

In der mittelsten Fensternische des Saales C eingemauert die Inschrift {nur 
ein i,i5 ?<o,38 m langes Stück erhalten): 

[Alcmari de] monte rui de rufe DR[aconis]. 
[Ostia pan]DO bonis nautjs simul AT[que colonis]. 
Die Inschrift, die Auskunft über das gebrauchte Material (Trachyt vom Drachen- 
fels) giebt, befand sich ad partera Rheni in turri Clivensi exterius. 

i43 



l44 KREIS DÜSSELDORF 

Die dritte ehemals über dem Portal zum Inneren (extra illud hypocaustum supra 
ianuam istius introilus) befindliche Inschrift (ein i,4o x o,46 m grosses Stück erhalten)'lautet : 
AB ANNO noMiNicE iNCARN [aüonLs MCLXXXIIII] 

luSTiciE CULTOR MALEFAC [ti providus ultor] 
cESAR AEMiRNANDAM KREDER [icus condidit aulam]. 
Vgl. über die Inschriften Baudris Organ für christl. Kunst I, S. i9. — Lacomblkts 
Archiv III, S. 8. — Terwelp in den B. J. LXXII, S. i3o. Alte Kopien vor allem in dem 
Codex des Pfarrarchives zu Rheinbrohl und in den REDiNOHOVENschen Hsn. zu München 
und Düsseldorf. Unvollständig bei HCpsch, Epigrammatographia, Köln 1801, II, p. i4, 
16; darnach bei Kraus, Die christl. Inschriften der Rheinlande II, S. i89, Nr, 618. 
■ Unter den den Kirchplatz umgebenden Baulichkeiten findet sich noch eines 

der alten KANONIKERHÄUSER vor, in den Formen des spatesten romani- 
schen Stiles um die Mitte des i3. Jh. (wahrscheinlich gleichzeitig mit dem Ostteil 

der Kirche) errichtet 
(Fig. 65), das jetzt als 

, Mann erpfl egehaus' 
dient und zum ka- 
tholischen Kranken- 
haus gehört. Es ist ein 
zweistockiger Bau aus 
TufT, der (später auf- 
gesetzte) Westgiebel 
at^treppt, mit breitem 
romanischen Gesims 
unter dem Dach. Der 
interessante Ostgiebel 
ist durch die Sorgfalt 
des Herrn Pfarrers 
Dauzenberg konser- 
viert; der früher an 
der Nordseite befind- 
liche Kamin konnte 
Fii. 6B K>iur>««rih. RoBuinich« Hiu.. leider nicht erhalten 

bleiben (zwei ver- 
mauerte Rimdbögen von ihm sichtbar). Der Ostgiebel enthalt zu oberst ein roma- 
nisches von einem Rundstab eingefasstes Doppelfenster, danmter zwei rechteckige, mit 
alten Enllastungsbögcn überspannte Fenster, im zweiten Stockwerk eine rundbogige 
Blende, in die ein Doppelfenster eingebrochen war, im Erdgeschoss ein im Kleeblatt- 
bogen geschlossenes Doppelfenster mit zweimal abgetreppten Gewänden (vgl. die Details 
auf Fig. 65. Alle drei Fenster schon früh mit Tuff vermauert). An der Südseile 
oben und unten je drei grosse neue Fenster, ausserdem im Erdgeschoss ein altes (ver- 
mauertes) im Kleeblattbogen geschlossenes Fenster. 

Im Osten des Kirchplalzes liegt ein zweites, jetzt auch zum katholischen Kranken- 
hause gehöriges ROMANISCHES HAUS, aus Tuff, mit Tuffgiebel nach Westen 
und zwei grossen Entlastungsbögen. 

Die meisten übrigen Gebäude der Stadt wurden erst nach dem grossen Bom- 
bardement vom J. i7oi errichtet. An dem länglich gestreckten Markt eine Reihe 
schmaler Häuser mit geschweiften Giebeln. 

144 



KALKUM 



145 



Der einzige erhaltene Renaissancebau von Interesse ist das am Ausgang der 
Marktstrasse nach dem Rheine erhaltene ZOLLHAUS vom J. i635, ein hoher drei- 
stöckiger Backsteinbau mit zwei geschweiften Giebeln, zwei Satteldächern und kleinem 
achtseitigen geschieferten Türmchen. An der Südostecke befand sich auf einer Konsole 
ehemals eine Statuette. 

HAUS LOHAUSEN. Das alte Stammhaus der Familie Lohausen (vgl. unten 
unter Kalkum) wurde i8o4 abgerissen und an seiner Stelle i8o5 ein einfacher zwei- 
stfMrkiger Neubau errichtet. Das in dem ausgedehnten Park gelegene Herrschaftshaus 
ist von dem Besitzer, Herrn Th. Lantz, mit solider Pracht ausgestattet 

In den Räumen des Erdgeschosses holländische und deutsche Schränke des 
i7. Jh., eine Gläsersammlung mit guten Stücken des i7. und i8. Jh., silberne Schale 
mit zwei Messpollen vom J. i639, Taufschüssel mit Kanne von i752, silbergetriebene 
Suppenterrine mit den Beschauzeichen b m und dreiblätteriger Rose. Porträt des 
Generalmajors Wilhelm von Lohausen -Kalkum vom J. i6i9, Kniestück. 

Bemerkenswert vor allem eine ausgedehnte historische Sammlung von Geweihen 
und Jagdbildem, darunter die Originalzeichnungen von Ridinger zu Thienemann, Die 
grossen Fährten, Abbildung der jagtbaren Thiere mit derselben angefügten Fährten und 
Spuhren, Augsburg i74o. 

KALKUM. 



Zollhaus 



Haus 

Lohausen 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Lamberti). Aldenkirchen in Kathoi. 
den B. J. LV, S. 2i3. — Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 261. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: Akten über die 
Pfarrkirche, i7 — 18. Jh. und den Reparaturbau von i762 (Reg. Kaiserswerth 546). 

Im Pfarrarchiv: Lagerbücher der Kirche von Kalkum von i52o und i579. 
— Heberegister der Kirche auf dem Kreuzberg i647 (s. o. S. i39). 

Die Kirche wurde in der i. H. des 12. Jh. erbaut. Die Patrone waren die Geschichte 
Herren von Kalkum, seit i443 die von Winkelhausen, seit i74o die von Hatzfeld. In 
den J. i762 — 68 ward die Kirche roh repariert, das Mittelschiff erhöht, in die Seiten- 
schiffe wurden grosse Fenster gebrochen. Zur Zeit durch Baumeister Th, Kremer in 
Köln gründlich restauriert. 

Dreischiffige romanische Pfeilerbasilika von Tuff, im Lichten 18 m lang, i4,6o m Beschreibung 
breit, mit eingebautem Westturm und drei Apsiden. Der Turm erhebt sich noch 
in zwei Stockwerken über das Mittelschiff, er zeigt nach Westen eine hohe Blende 
mit zwei (vermauerten) Rundbogenfenstern, das obere Stockwerk ist durch Rund- 
bogenfries und Vertikallisenen belebt, auf jeder Seite zwei Doppelfenster, die mono- 
lithen Mittelsäulen mit zierlichen Blattkapitälen und Eckblattbasen. Die Westfa9ade 
zur Seite des Portales, dem ein Windfang des 18. Jh. vortritt, mit je zwei Blenden 
verziert. Das kurze Mittelschiff enthält im Obergaden auf jeder Seite zwei kleine 
Fenster, jedes der Seitenschiffe je fünf grosse Rundbogenblenden, die kleinen Apsiden 
drei Rundbogenblenden und ein Fensterchen nach Osten, die Fenster der Hauptapsis 
vermauert. Das Chorhaus wie die Hauptapsis ist nur durch einfache vertikale Lisenen 
gegliedert, dazu ist das Profil des Dachgesimses einfacher als an den Nebenapsiden. 

Im Inneren ist das Mittelschiff von einem Kreuzgewölbe mit Schildbögen über- innere« 
deckt, in den Ecken Halbpfeiler, die in ein Drittel der Höhe mit einer Konsole 
abschliessen. Die beiden Arkadenpfeiler sind sehr stark, fast quadratisch im Grund- 
riss, ohne Basen und Kapitale, die Arkaden ganz ungegliedert. Die Turmhalle, durch 

10 
145 



l46 KREIS DÜSSELDORF 

ein Gratgewölbe überspannt, öffnet sich mit einem grossen Rundbogen nach dem 
Mittelschiff. In den Seitenschiffen auf beiden Seiten Vorlagen, die direkt in die die 
Gratgewölbe trennenden Gurte überführt sind. In den Seitenschiffen ursprünglich 
nur zwei kleine rundbogigc Fensterchen. Im Chorhaus nach Süden und Norden je 
ein {erweitertes) rundbc^ges Fenster. Hier wie in der Apsis an den Ecken derbe 
Ecksäulchen mit runden Kapitalen und Plinthen als Basen, die nach Westen gelegenen 
weggeschlagen und durch die Mauer unter ihnen schmale Durchgänge zu den als 
Sakristeien abgesperrten Seitenapsiden gebrochen. 

Madonna, Holz, 95 cm hoch, Anfang des i6. Jh., dürftig, weiss überpinselt. 

Wandgemälde. An dem Triumphbogen das jüngste Gericht, an dem Eck- 
pfeiler nordwesdich vom Chor die Visitatio. Auf beiden Seiten der Scheidemauern 



rig. 66. Kilkum. AulcliI du Kirchs. 

die zwölf Apostel in fast lebensgrossen Gestalten, Figuren der I. H. des iS.Jh., fast 
nur in der Rötelvorzeichnung erhalten. 

Epitaph des i6o9 verstorbenen Johann von Winckelhausen in schwarzem und 
weissem Marmor mit der Figur des vor einem Kruzifix knieendeu Kindes und der 
Inschrift: anno i6o9 den 28. januarii ist der woledler johan von winckel- 
hausen, SEINES ALTERS 4 JHAR 9 MONAT, IN DEN HERNN ENTSCHI.AFFEN. 

Grosser Renaissancegrabstein von Blaustein mit den Wappen der Ossen- 
bruch und Virmond und der Inschrift: anno 161 S den 29. aprilis ist der woledler 

GESTRENGER UND ERENTVESTER JOHAN VON UND ZU OSSENBROCH, HER ZU BLITTERS- 
WICH, AMTMAN ZU GREVENBROCH UND GLADBACH, IM GOT RELIGH UND CHRISTLICH 
ENTSCHLAFEN, DER SELEN GOT GNEDICH WIL SEIN. 

Vor der Kirche: Grabstein mit der Inschrift: a. i644 i3. decembris obiit 

ADOLPHUS PFEILSTICKER, FILIUS CELLARII IN ANGERMUNDT, AETATIS NOVEM h 
I46 



Glocken, i. deo optimo maximo, s. lamberto patrono hui 

Pfirrklrehc 



HOBILIS PAROCHIANI FlERl FECERUNT ANNO l653. LAUDATE DEUM IN 

SEHE soNANTi BUS. F. HEMONV ME FECiT. Mit dem Wappen der Generosa famJlia 
a Winckelhausen. 

2. DEO OPTIMO MAXIMO, S. JOANNI BAPTISTAE BENEFACTORES HUIUS ECCLESIAE 
FlERl FECERUNT ANNO l653. EGO VOX CtAMANTlS IN CAI.CHUM, DIRIGITE VIAM DOMINI. 

SCHLOSS. H. Ferber in den Düss. Beitr. VII, S. io3. — Über die Herren 
von Kalkum: Jos. Strange, Beitr. zur Genealogie und Geschichte der adligen Ge- 
srhlechter XI, S. 87. — E. v. Schaumburg, General Wilhelm von Kalkum: Berg. Zs. 
III, S. I. — Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Ge- 
schlechter I, S, 61; II, S. 23, 21 5. 

Handschrift!. Qu. Das Fürstlich von Hatzfeldtsche Archiv zu Kalkum ent- 
hält iS Hauptabteilungen mit gegen 1000 Pergamenturkunden (die älteste vom J. i34o). 



nur i4o vom J. I42l ab inventarisiert. I. Familienarchiv H atz feldt- Weiss weiler von 
l4?i an (Re|>ertorium vorhanden). Dabei die Metternic lisch en Prozessakten. II, III, 
IV. Urk. und Akten der Herrschaft Wildenbuig- Schönstein, Besitzung Merten (Re- 
penorium). V. Urk. und Akten über Schloss Kalkum. VI. Urk. und Akten über 
vetausserte Besitzungen der Linie Weissweiler. VII. Schuldenwesen der Linien Weiss- 
weiler, Werther-Schönstein und Crottorf. VIII. Urk. und Akten über die Trachen- 
berger und die fränkischen Besitzungen. IX. Urk. und Akten Über die frankischen 
Besitzungen und die Fideikommisskapitalien, über die Grafschaft Gleichen und die 
Kirchspiele Morsbach - Fisch bacli, ROmershagen, Zeppenfeld, Engers, Linningen. X, 
Allere Personalakten der herrschaftlichen Beamten, alle Inventare, Geschäftsjournale, 
Atten über Familien pro zesse. XI. Urk. und Akten über die Teilung des Fürstlich 
Dietrichsteinschen Nachlasses, die Güter Leipnik -Weisskirchen und sonstige zur Erb- 
iwrtion der Frau Fürstin Gabriele gehörige Objekte. XII. Archiv- Regi.stranden (Re- 
pertorium). XIII, XIV, XV. Kriegsarchiv des Grafen Melchior von Hatzfeldl t 16S8 

I47 



i48 



KREIS DÜSSELDORF 



Schloss 



Elberfeld 



München 



Geschichte 



Beschreibung 



Ausstattung 



(von 1625 — 1649, wichtig für die Geschichte des dreissigjährigen Krieges, gutes Re- 
pertorium vorhanden). Unter den Handschriften besonders wertvoll: Stammbuch des 
Hermann von Hatzfeldt -Werther -Schönstein vom J. iS99, bez.: Eigentliche und wahre 
bescreibung, wie und welcher gestalt die von Hatzfeldt an des heiligen reichs freyge 
herschafft Wildenberg komen ... iS99, mit Urk. vom J. i3o7 ab (Abschrift im Geh. 
Staatsarchiv zu Breslau). 

In der Bibliothek des Bergischen Geschichtsvereins zu Elberfeld: Alterthum, 
Alliancen und Gerechtsame derer Adelichen Familien von Calckum genandt Lohausen 
und Schlickum . . . von Reinhard Werner von Calckum i736, Hs. in fol., mit Urk. 
von i2o4 an, am Schluss Familienchronik von i4i6 ab mit Index. — Vgl. Berg. Zs. 
III, S. 2i7. — Ann. h. V. N. XVI, S. 20. 

In der Kgl. Staatsbibliothek zu München: Ausführliche Genealogie der Herren 
von Kalkum in der REDiNGHOVENschen Sammlung, Cod. germ. 221 3, Bd. LIV, Bl. 24. 

Kalkum, in der Honschaft gleichen Namens liegend, schon zwischen 887 und 
899 zuerst genannt, war der Sitz der Herren von Kalkum. Im J. 11 76 erscheint 
zuerst Wilhelm von Calecheim (Lacomblet, U B. I, Nr. 453). In der zweiten Kal- 
kumschen Fehde wurde i4o5 das Haus von den Kölnern verbrannt. 

Um i5oo finden wir das neuaufgebaute Haus im Besitz derer von Winkelhausen. 
Durch Heirat der Isabella Johanna Freiin von Winkelhausen (t i762) mit Edmund 
Graf von Hatzfeldt (t i757) kam es an die Hatzfeldt iDer jetzige Besitzer ist der 
Fürst von Hatzfeldt, Herr der Standesherrschaft Wildenburg- Schönstein, Graf zu 
Winkelhausen, Herr zu Kalkum und Crottorf. 

Das Schloss (Fig. 67) besteht aus vier rechtwinkelig aneinanderstossenden 
Flügeln, von sehr breiten Gräben umgeben, die sich um einen quadratischen Hof 
legen. Nur die Wirtschaftsgebäude, die an der Südwestecke ein vorgekragtes sechs- 
seitiges Türmchen enthalten, gehören dem älteren Bau an. Den Hauptzugang bildet 
von Norden eine auf vier Bogen ruhende Brücke. Der nach Westen gelegene drei- 
stöckige Hauptbau, dem ein um die Mitte dieses Jh. errichteter Risalit vortritt, gehört 
den Hatzfeldtschen Bauten vom Anfang dieses Jh. an. An den Ecken und neben 
der Hauptbrücke dreistöckige Türme mit einfach geschweiften Hauben und ein- 
stöckigen Türmchen. Das Hauptportal wird von Bossenquadem eingefasst, zur Seite 
noch die Öffnungen und Rollen für die Ketten der Zugbrücke, darüber das Winkel- 
hausensche Wappen in Kartouche. Über dem Portal nach der Parkseite das ganze 
Hatzfeldt -Weissweilersche Wappen. Der ganze Bau ist mit einem leuchtenden Rötel- 
anstrich überzogen. Die Gesamtanlage ist dieselbe wie in Hugenpoet, Heitorf, und 
den Häusern Graven und Nesselrode im Kreise Solingen. 

Die Ausstattung des Inneren ist ganz in der steifen Pracht der i. H. des 
i9. Jh. gehalten, hervorzuheben eine Reihe Porträts des 18. Jh. und einzelne kleine 
Holländer, darunter ein Ä". Molenaer von i65o und ein A. Verbruggen. 



LANDSBERG. 



Germanische 
Anlagen 



GERMANISCHE ANLAGEN. A. Fahne, Die Landwehr am Niederrhein : 
Berg. Zs. IV, S. i, 26. — Ders., Schloss Landsberg und die römische Landwehr: Berg. 
Zs. X, S. 116. — Ders., Die Landwehr von Velbert bis Schloss Landsberg: Berg. Zs. 
XIV, S. i37. Die Fortsetzung der durch den Kreis Essen sich hinziehenden Land- 
wehr (Kunstdenkmäler d. Kr. Essen S. 63. — Schneider, Lokaluntersuchungen im 



i48 



LANDSBERG l49 

Kreise Essen S. l) wendet sich von Landsberg längs der Höhen des linken Ruhrufers C 
nach Süden, am linLen Ufer des Baches Rosdeüe. Nach Fahne war Landsberg schon 
unter den Römern ein militärisch wichtiger Punkt; Spuren nicht nachweisbar. Etwa 
1000 Schritt vor dem Eingange zu der Erdzunge auf dem Landsberge neben dem 
.Howarth' genannten Gehöft lag nach ihm ein Wartturm. 

SCHLOSS. J. Strange, Beitr. zur Genealogie der adligen Geschlechter IX, 
S. 4. — Fahne, Geschichte der Kölnbchen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter l, 
S. j38, 467 (Berichtigung II, S. aSi); II, S. 83. — Ferber in den Diiss. Beitr. Vn, 
S. 110. — Urk. zur Geschichte des Geschlechts in der Berg. Zs. X, S, ii6; XIII, S. i98, 
i4o. — Abbildungen des Schlosses bei [J. A. Engels], Reise nach Werden, Duisburg 
i8i3. Titelstich; farbige Lithographie in der Dunckerschen Sammlung der Schlösser 
(Rheinprov. Nr. 5); Zeichnung von G. A. Fischer als Anhang zu Bd. XXII der Berg. Zs. 



Fig. 68. L>ndibcr(. Aniichl dci SchbiHi. 

Das SchlosH war Eigentum der Herren von dem Berge und wird I294 zuerst 
genannt (Berg. Zs. XIII, S. 228), im J. i3o3 erscheint zum erstenmale der Name des 
Geschlechtes (Düsseldorf. Staatsarchiv, Urk. Saarn 6), das seinen Ursprung von den 
MinbteriaJen und Biu-gmannen zu Landsberg herleitet. Die Herren von Landsbei^ 
sind Erbkammerer des Landes von dem Berge und führen zum Unterschiede von 
anderen Geschlechtern gleichen Namens den roten silbergegitterten Querbalken im 
goldenen Felde und auf dem Helme zwischen zwei grünen Zweigen einen springenden 
Fuchs. Im J. i4oi verpfändet Jungherzog Adolf das Schloss an Reynard von Lands- 
beig (Berg. Zs. XIII, S. z4o). Das freiherrliche Geschlecht erlosch im Anfang des 
18. Jh. mit Arnold von Landsberg im Mannesstamm. Durch Heirat der Erbtochter, 
Aiina Wilhelmine von Landsberg, mit dem Freiherm Sigismund von Bevem kam das 
Gut an die Familie von Bevem, i825 verkaufte es die verwitwete Freifrau von Bevem 

149 



l5o KREIS DCSSELDORF 

an den Freiherm Gerhard von Carnap, von dem es i837 der Reichs Freiherr Franz 
Engelbrecht Alexander von Landsberg -Velen zu Steinfurt kaufte. Der jetzige Eigen- 
tümer ist der Herr Reichsfreiherr Ignaz von Landsberg -Veien zu Steinfurt. 

Der älteste Teil des Schlosses {Fig. 68) bildet der nach den Berghöhen zu 
gelegene mächtige noch aus dem i3. Jh. stammende Bergfried {Fig. 69. — Grundriss 

Fig. 7o), ausKohlensandbruch- 
steinen aufgeführt, mit sehr 
starker Eckverklammerung, ge- 
krönt durch eine Backstein- 
brüstung auf vorgekragtem 
Rundbogen fri es mit Haustein- 
kragsteinen. An der dem Ein- 
gang zugewandten Ecke der 
Treppenturm, unten viereckig, 
dann mit Abfassung der Kan- 
ten in fünf Seiten des Acht- 
ecks übergeführt und mit 
einem eigenen Pyramiden- 
dach gekrönt. Der Bergfried 
selbst ist gekrönt durch eine 
vierseitige geschieferte Pyra- 
mide mit breiter Kehle hinter 
der Brüstung. Schmale Fenster 
mit Steinkreuzen in jedem der 
vier Stockwerke, das Erdge- 
schoss mit altem Kamin durch 
grosse Tonne eingewölbt. An 
den Turm, der schräg zur Er- 
möglichung der Flankenbe- 
streichung in die Befestigung 
hin eingesetzt ist, stösst der 
Thorbau des i7. Jh., zuunterst 
mit dem im Rundbc^en ge- 
schlossenen grossen Portal, 
■ darüber die Kapelle mit (er- 
neutem) gothischen Fenster. 
Über dem Portal das Wappen 
der Landsberg und der Me- 

Fig. W, Landiberr. Der Berifried. Schede, Uach dem Hofe ZU 

das Landsbeigsehe und Hatz- 
feldtsche Wappen mit der Inschrift: der wieder Erwerbung dieses Familiensitzes 
IM JAHRE l837 ZUM GEDÄCHTNISSE AUFGESTELLT. Die Übrigen Gebäude lehnen sich 
an die Wehrmauer an, die in langgezogenem Oval den Bergrücken einschliesst. Sie 
ist noch in der Höhe von 4 m erhalten und besteht aus Bruchsteinen, der Aufsatz 
mit Backsteinen geflickt. Auf der Ostseite ist noch der mit Scharten versehene Wehr- 
gang in der Mauerstärke erhalten. An den Thorbau lehnt sich an das eigentliche 
Herrenhaus, ein zweistöckiger Bau in den Formen der spätesten Renaissance mit ge- 
schweiftem und durch Horizontallisenen gegliedertem Giebel. Über dem einfachen 

i5o 



Renaissanceportat die Landsbei^-Meschedeschen Wappen und die Inschriß: arnoldt 

FRIDERICH VON LANSBERCH, OBRISTER UND CHURFUBSTLICHER COLNISCHER DROST, 
HARCRETA CATHARINA VON MESCHEDE GEBORNE VOM HAUS ALMEN ANNO l66S. 

Weiterhin ein nach innen voratehendes fünf Achsen langes zweistöckiges Gebäude 
mit dem gleichen Alliancewappen und der Inschrift: arnold frederich von lans- 

BERG, FÜRSTLICHER PFALS-NEUBURGSCHER BESTELTER OBRISTER LEUTENANT, MARGA- 
RETA CATARINA VON MESCHEDE GEBORNE VON HAUS ALMEN ANNO l66S. In dcr 

aussersten Ecke des Hofes nach der Ruhr hin ein dicht mit Epheu^und wildem 
Wein umwachsenes dreistöckiges TOrmchen, aus dem iS.Jh. stammend, aber nach 
der über der Thür befindlichen Inschrift: anno l639 DEN 3l. mertz im i7.Jh. erneut 
und mit einer achtseitigen geschweiften Schieferhaube bekleidet. Im Unterstock ein 
hübsches kleines Turmsifibchen, 
das vergitterte Fenster mit Stein- 
kreuz, überdeckt durch unregel- 
msssige Halbkuppel. Eine sehr 
enge Treppe fahrt in der Mauer- 
stärke herauf zum zweiten Stock, 
der zugleich von der Wehrmauer 
aus zugängig ist. Das oberste 
Geschoss enthält wieder ein klei- 
nes Zimmerchen mit einem un- 
regelmassigen Kreu^wölbe über 
einem völligen Rund. Zwischen 
den Eckturm und die Wohn- 
gebaude sind niedrige aus Back- 
steinen aufgeführte einstöckige 
Schuppen eingefügt, die sich mit 
sechs grossen Bögen nach dem 
Hofe zu öffnen. In der Mitte des 

Hofes der grosse Ziehbrunnen c ä' *" 

mit kleinem, unten aus Bruch- °' "" °" 

stein, darüber aus Backstein auf- "'■ ™ '—'"'«« Gtuodri« d« B.r«£ri.d». 

geführtem Rund türm. 

LINTORF. 

GERMANISCHE FUNDE. Über germanische Gräber bei Lintorf vgl. c. 
Geschichte der Stadt Düsseldorf S, 4. — Düss. Beitr. IV, S. i. — PicKs Ms. VII, 
S. i69. Frankische Gel^e bei Linnep zum Vorschein gekommen. Gräberfunde im 
Histor. Museum zu Düsseldorf und in der Sammlung Raittert. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Annae). Vgl. [Schmitz], Ge- 
schieht!. Kachrichten über Dntorf, seine kathol. Pfarre und Kirche, Düsseldorf i878. 

Eine Kapelle zu Lintorf bestand schon im ii.Jh., sie ward aber erst im i4.Jh. 
zur Pfarrkirche erhoben (bei Kessel, Urkundenbuch von Ratingen Nr. z7 im J. l36t 
ein plebanus von Lyntorp genannt; im liber valoris aber als Pfarre nicht aufgezählt: 
BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 261). Nach der Verwüstung durch die Pappenheimer 
im J. i63z renoviert. Die alte Kirche, ein einschiffiger romanischer Bau mit niedrigem 
Westturm, wurde l877 abgebrochen und durch einen Neubau von A. Lange ersetzt 



l52 



KREIS DÜSSELDORF 



Kathol. 
Pfurrkirche 

Glocken 



Haus Linnep 
Geschichte 



Beschreibung 



Kirche 



Glocken. Die älteste von i484 mit der Inschrift in gothischen Minuskeln: 

ICH ERE CODE IN MINEM SCHALLE. O MARIA BIDDE VOR UNS ALLE. MCCCCLXXXIIIL 

Die zweite von 1681 mit der Inschrift: JESUS, maria, anna. wilhelmus fel- 

DANUS PASTOR IN LINDORP ET DECANUS CHRIST. DÜSSELDORF. HER UNT HER GÜRGEN 
FEDERICUS BONIGE WOHNHAFTIG ZU LINTORFE. JOS. BOURLET ME FECIT 1681. 

Die dritte von i764 mit der Inschrift: aere fraCto soLIDas sCIt reDDere 
VIRES VoIgt (i764), non ego sI VoCIto obDVretIs CorDa fIDeLes (i764). 

HAUS LINNEP. H. Ferber in den Düss. Beitr. VII, S. in. Der Familien- 
stammsitz des Geschlechts von Linnep, das schon im ii.Jh. erscheint (io93 zuerst 
Wemerus de Linepe). Durch Heirat kam es i462 an Friedrich Grafen von Neuenar, 
i573 durch Heirat an Arnold Grafen von Bentheim-Tecklenburg, der es 1 582 dem 
Christoffel von Isselstein in Pfandnutzung gab. Im i8. Jh. folgten im Besitz der Graf 
von Wassenaer, der Freiherr von Hacke, der Hofrat Fuhr, der Amtmann Monschau, 
der Hofrat von Katz, die Herren von Hauer, die Familie Brügelmann, bis es i855 
durch Kauf in den Besitz des Reichsgrafen Ferdinand von Spee überging. Jetziger 
Eigentümer ist der Reichsgraf Hubertus von Spee. 

Das Schloss, dessen Pforten und Brücken i7io erneuert wurden, war i753 in 
so schlechtem Zustande, ,dass der inwendige Bau des Hauses und Rittersitzes aus 
Altertum und völliger Baulosigkeit leider schier ganz ein- und zusammengefallen war*. 
Der Neubau wurde durch den Hofrat von Katz i769 vollendet. Nach Nordwest 
wurde i873 ein neuer Trakt angesetzt. 

Der aus dem J. i769 (Inschrift mit dem Katzschen Wappen über dem Ein- 
gang) stammende Hauptbau ist dreistöckig, mit breitem Mittelrisalit versehen, und wird 
von einem leichtgeschweiften und gebrochenen, abgewalmten Dach gekrönt; eine Frei- 
treppe von fünfzehn Stufen mit geschweiftem Geländer führt zu dem Hauptportal 
empor. Der allein noch von dem alten Bau stammende aus Bruchsteinen aufgeführte 
runde Turm liegt genau in der Mitte hinter dem Hauptbau; nach Nordost zieht sich 
um den Turm im Halbkreis die halb abgebrochene Ringmauer. Hinter dem Schloss 
dehnt sich ein grosser, von mächtigen Buchen eingerahmter Teich, dessen Wasser in 
die Anger abfliesst. 

Die Vor bürg ist an der Süd- und Ostseite von Wassergräben umgeben; die 
aus Bruchsteinen aufgeführten Gebäude stammen aus den J. i79o, i837 und i873- 

Dem Eingange zur Vorburg gegenüber liegt die EVANGELISCHE KIRCHE, 
1682 gebaut, i768, i846, i89o renoviert, ein schlichter rechteckiger Saalbau mit vier- 
seitigem Dachreiter. 

MINTARD. 



Kathol. 
Pfarrkirche 

Geschichte 



Beschreibung 



K AT HOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Laurentii). Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. 25i; II, S. 384q. — Nrh. G. i883, S. 128. 

Die Kirche wird 874 zuerst genannt (Lacomblet, U B. I, Nr. 68). Eine zweite 
Kirche wurde in der i. H. des 11. Jh. errichtet, die i3o2 dem Stifte Gerresheim in- 
korporiert ward (Lacomblet, UB. III, Nr. 18), eine dritte im i4.Jh., eine vierte im 
J. 1660. Im J. i89o durch den Architekt G, A. Fischer in Barmen umgebaut und 
restauriert. 

Von dem zweiten Bau stammt der einfache vierstöckige romanische Turm, 
der bei dem Umbau des J. i89o einen wirkungsvollen Abschluss und durch die seit- 
lichen Anbauten eine malerische Gliederung erhalten hat Das rundbogige Portal ist 



l52 



MÜNDFXHEIM 



l53 



gänzlich erneuert Die mit einem Gratgewölbe überspannte Turmhalle öffnet sich mit 
einem grossen Rundbogen mit einfachem Kämpfer nach dem Mittelschiff. Das drei- 
schiflige Langhaus stammt aus dem J. 1660; das Mittelschiff besitzt ein hohes Tonnen- 
gewölbe in Holzkonstruktion mit Putz, die Seitenschiffe flache verputzte Decken. Die 
basenlosen Pfeiler schliessen mit einfachen Kämpfern ab. Der auf den Mauern des 
gothischen Baues errichtete Chor ist mit einem flachen Tonnengewölbe und einem 
Klostergewölbe überdeckt. 

Tauf stein, aus dem i3.Jh., von Namurer Blaustein, ohne Fuss, rundes Becken 
mit vier rohen Eckköpfen, die Zwischenfelder gegliedert durch je drei eingestochene 
Kreise. Über ähnliche Werke vgl. Kimstdenkmäler I, S. 16. 

Gemälde, Holz, niederrheinisch, l. H. des 16. Jh., abgeschliffen und verblasst 
(in der Sakristei), die Kreuzesflndung darstellend. 

Glocke mit weit ausladendem unteren dünnen Rand (vielfach ausgebrochen) 
und hohem Kegel, aus dem i3. Jh., ohne Inschrift. Eine zweite Glocke in der Turm- 
lucke, vom J. i437 (Inschrift ohne Gerüst nicht zu lesen). 

OKTOGON im Westen der Kirche, ähnlich dem zu Ginderich (Kunstdenk- 
mäler I, S. 2 73), inschriftlich vom J. i788, flachgedeckte Kapelle mit grossen rund- 
bogigen Öffnungen und schmalen Eckpilastern. Darin ein guter polychromierter Kruzi- 
fixus in Dreiviertellebensgrösse. 

BURG HAUS, westlich von der Kirche im Dorf an der Strasse gelegen, mäch- 
tiger zweistöckiger Bau des i5. Jh., ähnlich dem Quadenhof bei Gerresheim (s. o. S. 106), 
ursprünglich zum Schloss Landsberg gehörig. Die aus Bruchsteinen in unregelmässiger 
Lagerung aufgerichteten Mauern sind durch kleine, von Holzrahmen eingefasste Fenster 
durchbrochen. Nach Osten zu ein kleiner pfeilerartig vorspringender Ausbau. 



Kathol. 
PfArrkirche 



Tau&tein 



Gemilde 



Glocken 



Oktogon 



Burghaus 



MÜNDELHEIM. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Dionysii). Binterim u. Mooren, K.thoi. 
E. K. I, S. 277. — J. H. Kessel, Der selige Gerrich S. i7, 20, 57. — Aldenkirchen p^*"^»'^»»*' 
in den B. J. LV, S. 2i3. 

Der Ort wird io72 zuerst als Mundelincheim genannt (Lacomblet, U B. I, GMchicht« 
Nr. 216), die Pfarrkirche, um die Mitte des i3.Jh. neu erbaut, wird i3o8 dem Stifte 
Düsseldorf inkorporiert (Lacomblet, U B. III, Nr. 62. — Brosius, Ann. II, p. 28. — 
Kremer, Akad. Beitr. III, S. 253). In den J. i867 — 1868 restauriert. 

Drelschiffige Pfeilerbasilika von Tuff mit vortretendem Westturm, in den spätesten Beschreibung 
romanischen Formen, im Lichten 2i,4o m lang, i4,4o m breit. 

Der fünfstöckige, mit vierseitiger Haube versehene West türm ist in den beiden Äussere* 
unteren Stockwerken ungegliedert, aber mit Abdeckungen der Horizontallisenen ver- 
sehen, die drei oberen Geschosse sind auf jeder Seite durch Rundbogenfriese ein- 
geschlossen und durch Vertikallisenen in zwei Felder zerlegt, im obersten Geschoss 
zwei romanische Doppelfenster mit einfacher Mittelsäule. Im Erdgeschoss befindet 
sich das einfache Portal, von zwei Säulchen flankiert, die sich über den Knospen- 
kapitalen als Rundstab fortsetzen. Nach Süden ein neuer zweistöckiger Treppenturm 
angebaut. 

Der Obergaden des Mittelschiffes an jeder Seite mit je drei Vertikallisenen und 
wechselnden spitzbogigem und rundbogigem Abschluss (Rundbögen nur über den vier 
Fenstern). Die Aussenmauem der Seitenschiffe gegliedert durch je vier grosse Blenden, 



i53 



i54 



KREIS DÜSSELDORF 



Kathol. 
Pfarrkirche. 



Innerei 



Kronleuchter 



Glocken 



in einer ein Seitenportal, von Spitzbögen umschlossen, mit horizontalem Sturz auf zwei 
Säulchen, in den übrigen von Rundstäben eingefasste Rundbogenfenster. Das Chor- 
haus mit zwei Fenstern an jeder Seite setzt die Gliederung des Obergadens fort. Die 
Vierpässe im Ostgiebel des Mittelschiffes neu. 

Im Inneren ist das Mittelschiff von zwei Kreuzgewölben mit derbprofilierten 
Rippen überspannt, die durch einen Gurt getrennt und von Rundstäben in den Schild- 
bögen eingerahmt sind. Die Rippen und Rundstäbe ruhen in den Ecken auf starken 
Dreiviertelssäulen mit Eckblattbasen und skulptierten Kapitalen. Die Scheidemauem 
werden von drei Pfeilerpaaren getragen, denen an der Ost- und Westmauer Halb- 
pfeiler entsprechen. Die Kämpfer bestehen aus Deckplatte, Kehle und Rundstab, die 
Basen aus Plinthe und Pfühl. Dem mittelsten breiteren Pfeilerpaar tritt nach innen 
eine Vorlage vor mit einer starken Säule, auf der der Gurt aufsetzt, ihr zur Seite die 
den Ecksäulen entsprechenden Dreiviertelssäulen als Träger von Rundstäben und 
Rippen. Die Seitenschiffe sind mit vier Gratgewölben eingedeckt, durch Gurte ge- 
trennt, die an den Aussenmauem auf schmalen Vorlagen ruhen. An dem mittleren 
Pfeilerpaar entsprechen ihnen gleichfalls Vorlagen, an den beiden übrigen Kämpfer 
mit Knospcnkonsolen. Die Kapitale durchweg sehr sorgfältig gearbeitet, von grosser 
omamentaler Schönheit. Die Innenseite der westlichen Abschlussmauem der Seiten- 
schiffe ist mit einer Blendenstellung verziert, in der je eine von einem früheren roma- 
nischen Bau um i loo stammende Säule mit skulptiertem Würfelkapitäl und Basis ohne 
Eckblatt Platz gefunden hat. 

Die Turmhalle, die mit einem schweren Gratgewölbe überdeckt ist, öffnet sich 
mit einem breiten und massigen Bogen gegen das Mittelschiff. 

Das Chorhaus ist mit einem Kreuzgewölbe überdeckt, das Rundstabrippen und 
Rundstabschildbögen zeigt, die in den Ecken mit skulptierten Kapitalen auf Drei- 
viertelssäulen ruhen. Die Aussenwände sind durch zwei grosse rundbogige Blenden 
belebt, über denen sich zwei rundbogige Fenster mit abfallenden Sohlbänken befinden. 
Die Apsis wird durch drei kleine rundbogige Fenster erhellt. 

Kupferner Kronleuchter, um i5oo, mit acht und vier Armen, mit stehender 
Figur der Madonna. 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: bangte dionyse Patrone ora pro 

NOBIS. JOHAN HELPENSTEIN PASTOR IN MUNDELHBIM ANNO l643. Die ZWeitC VOn 1681. 



RATH. 



Frühmittel* 
nlterl. Anla;. 



FRÜHMITTELALTERLICHE ANLAGEN. Eine ganz ähnliche Anlage 
wie am Ickter Hof bei Hain (vgl. o. S. 108, Fig. 44) findet sich in der Gemeinde 
Rath bei den Bauernhöfen ,Alte Burg* und ,Grosse Burg*. Die Befestigung ,Grosse 
Burg* wird mit der am Ickter Hof in fast gerader Linie durch den Ketelbach ver- 
bunden. Sie besteht aus einem runden Mittelkegel, der ,Insel*, deren Höhe von der 
Sohle des Wallgrabens etwa i3 Fuss beträgt, auf der jetzt eine ziemlich alte zahme 
Kastanie steht. Der Graben hat noch 3 — 4 Fuss Tiefe, an der Seite des Hofes 
,Grosse Burg* (nach Nordosten) noch 7 — 8 Fuss Tiefe. An der Ostseite zieht sich um 
die ,Insel* ein hufeisenförmiger breiterer und flacherer Wall. Mauerreste sind nicht 
nachzuweisen. Die aus Basalt bestehenden Fundamente des Bauernhofes ,Alte Burg* 
deuten auf mittelalteriichen Ursprung. Vermutlich bildet die Befestigung ,Grosse Burg* 
die Südwestecke wie die Wallburg ,Ickter Hof* die Nordwestecke einer grösseren fast 



i54 



RATINGEN 



l55 



quadratischen Anlage, die sich im Norden über Haus Hain, den Schwarzen Graben, 
nach der Volkardey, im Süden von der , Alten Burg* über Röttgen nach dem Gater- 
hof hin ausdehnte (G. Pieper in der Heimatskunde i879, S. i7. — Mitteilungen des 
Herrn Pfarrers H. Fliedner in Kaiserswerth). 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (üt. dolorosae v. Mariae). Vom i4.Jh. 
an bis i689 diente die Kirche den Klosterschwestern vom 3. Orden des h. Franziskus 
als Klosterkirche, i689 — 1811 zugleich als Pfarrkirche, von 181 1 ab ausschliesslich als 
Pfarrkirche. Die mit ihr in Verbindung stehende Kapelle wurde i694 zu Ehren der 
Madonna durch Schenkung des Freiherm von Vittinghoff gen. Schell erbaut. Die 
Kirche wurde i87i abgebrochen und durch einen dreischiffigen gothischen Neubau von 
Rincklake ersetzt. 

Pieta, Holz, Anfang des 16. Jh., in halber Lebensgrösse auf dem südlichen 
Seitenaltar. 

RATINGEN. 



Frahmittel- 
alterl. Anlag. 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Pieta 



J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handels -Städte Bergischen Landes 
(i729): Berg. Zs. XIX, S. ii4, 121, i33. — JoH. Schmidt, Geographie und Geschichte 
des Herzogtums Berg, Aachen i8o4, S. 58. — v. Restorff, Beschreibung der Rhein- 
provinzen S. 356. — V. MüLMANN, Statistik I, S. 42i. — J. H. Kessel, Geschichte 
der Stadt Ratingen mit besonderer Berücksichtigung des ehemaligen Amtes Anger- 
mimd, Köln und Neuss i877, I. Urkundenbuch (weiteres nicht erschienen). Dazu 
B. J. LX, S. i48; Berg. Zs. XII, S. 259; v. Sybels Histor. Zs. LH, S. 359. — Privi- 
legien der Stadt: v. Ledebur, Allg. Archiv II, S. 61. — H. Eschbach, Die St. Se- 
bastianus- Bruderschaft in Ratingen: Düss. Beitr. II, S. 68. — Alte Ansicht bei Ploen- 
xiES, Topographia ducatus Montium (Düsseldorf, Staatsarchiv A. 3i) Bl. 65. Vgl. Berg. 
Zs. XVII, S. 81 u. Suppl. — Eine breit angelegte Geschichte der Stadt Ratingen von 
H. u. P. Eschbach befindet sich in Vorbereitung. 

Handschriftl. Qu. Im Stadtarchiv: i5o Urk. von 1276 an, davon 67 von 
Lacomblet inventarisiert, die wichtigeren publiziert von Kessel. Unter den Akten: 
Privilegien der Stadt, Stadtrechnungen, Verzeichnis der Erbbesitzer vom J. i358, Ver- 
zeichnis der Liegenschaften vom J. i539, Zunftbriefe, Verordnungen über die Bürger- 
wehr von i4oo ab, Ratsprotokolle vom J. i542 ab, weiterhin Zunftbriefe, Litteralien 
über das Gasthaus, die Pfarrkirche, die Klöster und Kapellen der Stadt, die Stadt- 
und Honschaftsmühlen (ausführlich Wd. Zs. I, S. 4ii). 

In der Kgl. Staatsbibliothek zu München: Cod. lat. ioo75, Calendarium cum 
multis notis ad historiam ecclesiae in Ratingen apud Düsseldorf pertinentibus, i3. Jh., 
foL, mit Zinsnotizen und Eintragungen vom i3. — 15. Jh. (vgl. Ilgen, Rhein. Archiv 
S. i78; Lamprecht, Verzeichnis niederrhein. Urbarialien S. 29). — In der Reding- 
HOVENschen Sammlung, Cod. germ. 22x3, Bd. V, Bl. 454* Zunftsordnungen von i446, 
i447, i458, i564, i567, i589; Bl. 475 Aufrichtung der Schützenbruderschaft vom J. i434. 

Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: Urk. und Akten aus Kessels Nachlasse, 
i892 erworben. 

Im Gräflich von Speeschen Archiv zu Heitorf: Eine Reihe wichtiger auf 
Ratingen und das Haus ,Zum Haus* bezüglicher Urk. (s. u.) — Steuermatrikeln der 
Stadt Ratingen vom J. i677 ab (Reg. III, III, Nr. XIV, conv. II u. III). 

Im Stadtarchiv zu Gerresheim: Urk., Akten und Handschriften aus Kessels 
Nachlasse, vom iS.Jh. ab, auf Ratingen bezüglich. 



Lituratur 



Handschriftl. 
Quellen 



München 



Düsseldorf 



Hehorf 



Gerresheim 



iSS 



i56 



KREIS DÜSSELDORF 



Kiithol. 
Pfnrrkirche 



Geschichte 



' Einselne 
Bauperioden 



Beschreibung 
Westturm 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. ss. ap. Petri et Pauli). Binterim u. 
Mooren, E. K. I, S. 277; II, S. 228. -- Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i7; XXXI, S. 201. 
— aus'm Weerth, Kd. II, S. 42. — Lotz, Kunsttopographie I, S. 5ii- — Otte, 
Handbuch der Kunstarchäologie II, S. 84. — Inventarien von i567 und i568 bei 
Kessel, U B. S. 368. 

Hand seh riftl. Qu. Im Pfarrarchiv: 9 Perg.-Urk. von i487 an. 

Die Kirche ist eine der ältesten Stiftungen des Bergischen Landes und wahr- 
scheinlich von Kaiserswerth aus gegründet. Sie wurde im J. 11 65 der Domprobstei 
zu Köln einverleibt (Lacomblet, U B. I, Nr. 4 10. — Kessel, U B. S. 6). Um diese 
Zeit entstand ein romanischer Neubau mit zwei Türmchen, der aber ein Jahrhundert 
später, bei dem grossen Brande des J. 1266, zum grossen Teil zerstört worden zu sein 
scheint. In den nächsten Jahren, während des raschen Aufblühens des Ortes (Ratingen 
wurde 1276 zur Stadt erhoben: Lacomblet, U B. II, Nr. 696. — Kessel, U B. S. i 1), 
wurde die Kirche im Übergangsstile nach Westen erweitert. Endlich wurde die Kirche 
im i4.Jh. mit Benützung der drei Türme in eine gothische Hallenkirche verwandelt. 
Am Ende des i5.Jh. machten sich grössere Reparaturen notwendig (i476 Notbauten 
erwähnt: Urk. im Stadtarchiv zu Gerresheim. — i484 Klage über den Verfall: Kessel, 
U B. S. i43). Um diese Zeit wurde die S. Annakapelle errichtet (urkimdlich i5o4 
zuerst erwähnt). Im J. i785 war das Dach gänzlich verfallen, so dass es über dem 
Hauptturm und über dem Langhaus (hier in einem einzigen Satteldach an Stelle der 
bisherigen drei Dächer) erneuert werden musste (Promemoria des Kölner Domprobsten 
vom 21. Dec. i785). Dem beabsichtigten Abbruch der beiden Osttürmchen widersetzte 
sich damals der Magistrat, ,indem das uralte Stadtsiegel die drei Thürme nachführte*. 
Im J. i892 wurde der Ostbau von den beiden Türmchen ab abgerissen und hier durch 
Heinrich Wiethase ein geräumiger Erweiterungsbau errichtet 

In Material und Formensprache lassen die älteren Teile der Kirche die ver- 
schiedenen Bauzeiten noch genau erkennen (in den Abbildungen, Fig. 72 Grundriss, 
Fig. 7i Südansicht, ist die Gestalt der Kirche vor dem J. i892 wiedergegeben). Die 
älteste romanische Kirche war ein dreischiffiger Bau aus Tuff mit zwei eingebauten 
Westtürmen. Von ihm sind die beiden Türme B und C und die Umfassungsmauern 
des Ostteiles erhalten. Diese Kirche wurde im i3.Jh. nach Westen verlängert und 
ihr ein mächtiger Westturm vorgesetzt. Bei dem Ausbau des Inneren zu einer go- 
thischen Hallenkirche wurden die beiden älteren Türme B und C mit grosser tech- 
nischer Geschicklichkeit derart unterfangen, dass ihre inneren Ecken auf zwei Säulen 
zu stehen kamen. Das Vorhandensein der Türme macht sich im Inneren nur durch 
ein näheres Zusammenrücken der Säulen bemerkbar. Der Westbau mit dem Turme 
besteht zum Unterschied von dem Ostteil aus Kohlensandstein, alle Profile aus Trachyt 

Der Westturm A erhebt sich auf einer Basis mit reich abgestuftem Sockelgesims 
und zeigt nach Westen im Unterstock das rundbogige romanische Portal mit zwei 
Säulen in den abgetreppten Gewänden, die sich über den zierlichen Blattkapitälen 
als Rundstäbe fortsetzen. Die eigentliche Thür ist durch einen horizontalen Sturz 
abgeschlossen, das Tympanon ungegliedert, das ganze Portal ist rechtwinkelig von 
Lisenen eingerahmt. Darüber zieht sich um den ganzen Turm ein Bogenfries in 
grossen Spitzbogen. Die Nord- und Südseite sind noch durch zwei Vertikallisenen 
in drei Felder zerlegt. Das zweite Stockwerk zeigt eine entsprechende Gliederung 
durch Vertikallisenen und denselben Spitzbogenfries, im dritten und vierten Geschoss 
ist jede Seite durch Vertikallisenen in drei Felder zerlegt und mit einem Rundbogen- 
fries abgeschlossen. In jedem Einzelfelde des vierten Stockwerkes ein dreiteiliges 



i56 



Fenster mit einer Säule in den Gewanden, die über dem das Kapital vertretenden 
Ring sich als Rundstab fortsetzt Der mittlere Bogen ist gestelzt und wird von zwei 
Saulchen mit zum Kilmpfer weit ausladenden Kelchkapitalen getragen. Die geschieferte. 



lingcn. SUdaniichl der kathoÜKhen P^rrkirche. 

ins Achteck übergeführte Haube vom J. i78S ist geschweift und eingeknickt, auf den 
Ecken erheben sich kleine mansardenartig vorgebaute vierseitige Türmchen. 

Die ersten beiden Joche des Langhauses sind aus Kohlensandstein aufgeführt, 
die Fenster, deren Masswerk herausgeschlagen und durch eiserne Rahmen ersetzt ist, 
sind mit Backsteinen eingefasst. Mit Ziegeln sind auch die zweimal abgetreppten 
Streben geflickt Im eraten Joch an der Südseite ein Purtal mit horizontalem Sturz. 

lS7 



l58 KREIS DÜSSELDORF 

Die eingebauten romanischen Türme sind fünfstöckig — in den unteren Stock- 
werken verputzt — jedes Geschoss in der einfachsten Weise durch schreiale Lisenen 
und Rundbogenfries gegliedert. Im Oberstock nach jeder Seite zwei zweiteilige Fenster. 
Im südlichen ist die geschieferte Haube ins Achteck übergeführt 

Um den aus Tuff ausgeführten Ostteil ist das gleiche unter den Sohlbanken der 
Fenster hinlaufende Gesims wie am Westbau verkröpft. Der um den Oslbau geführte 
Tuffsockel ist auf der Oberfläche cementiert. Die Fenster sind wie im Westen mit 
Backsteinen eingefasst, die Streben mit dem gleichen Material geflickt. Der Ostbau 
läuft in einen aus fünf Seiten des Achtecks konstruierten Hauptchor D aus, dem 
zwei rechteckig geschlossene Seitenchörchen zur Seite treten. Im ersten Joch nach 
dem südlichen Türmchen an der Südseite ein von zwei Säulen flankiertes romanisches 
Portal, mit horizontalem Sturz die Thüröfihung geschlossen- 

Nach Süden stiess die S. Annenkapelle F an (i89i beseitigt, in der Ansicht 
Fig. 7i weggelassen). Die an der Nordseite angebaute rechtwinkelige Sakristei E 



ist über einem Bruchsteinsockel aus Backsteinen aufgeführt, nach Osten mit Benutzung 
einer den alten Bau entstammenden TufTmauer. Nach Norden zwei einachsige Fenster, 
dazwischen eine spitzbogige Blende. 

Im Inneren öffnet sich die Turmhalle mit einem gedrückten Spitzbogen gegen 
das Mittelschiff, die Ostmauer des Turmes hat hier die Breite von z,3o m. Die Vor- 
halle selbst ist mit einem unregelmassigen Kuppelgewölbe überdeckt, in den Ecken 
kurze Säulen mit Kelch kapitalen. Durch die bedeutende Erhöhung des Bodens er- 
scheint die Vorhalle noch schwerer und massiger. 

Die nicht durch Gurte getrennten Kreuzgewölbe der Hallenkirche, deren 
Rippen einfaches Hohlprofil zeigen, ' ruhen auf fünf Säulenpaaren mit hohen Basen, 
denen je vier starke Dienste vortreten mit polygonalem Sockel und Kelcli kapital. Die 
Sockelgesimse sind um die ganze Säule herum verkröpfl, ebenso die Kapitale, die in 
der Kelchkehle höchst einfach und derb skulptierte gleichsam angeklebte überall 
wechselnde Blattreihen erhalten haben. An den nur durch eine Horizontallisene geglie- 
derten Aassenwänden entspricht den Diensten eine gleichstarke Drei viertel ssüule, an 

iS8 



v 



Gerresheim und Ratingen. Monstranzen. 



RATINGEN 



l59 



der Turmmauer setzen die schmalen reichprofilierten Arkadenbögen und die Rippen 
auf Konsolen auf. 

Die beiden Seitenchörchen, sowie die in der Längsachse der Kirche laufenden 
Umfassungsmauern des Hauptchores D sind durch zweiteilige Blenden mit Rund- 
stäben gegliedert. Im Hauptchor ausserdem zwei tiefere spitzbogige Blenden in der 
Fonii von Piscinen, die eine als Sakramentsschrank dienend. 

Die Sakristei E ist mit zwei Kreuzgewölben eingewölbt, deren Rippen in den 
Ecken auf Polygonalpfeilem (in der Südostecke durch eine Konsole ersetzt), an der 
Nordmauer auf einem einfachen Dienst, an der Südmauer auf einer Konsole ruhen. 

Kreuzigungsgruppe, lebensgross, von Holz, derbe und harte Arbeit des 
16. Jh., schlecht polychromiert, in der Vorhalle. 

Monstranz (Taf. VIII, 2. — aus'm Weerth, Kd. Taf. XXIX, II, S. 42. — 
Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i7. — Heimatskunde i879, S. 86), 89 cm hoch, aus ver- 
goldetem Silber,' vom J. i394, auf dem Fuss die Inschrift: bid vor den Priester de 

DIT CLEYNOYT AL UP BEREYT GEGEVEN HEET DESER SYNRE KYRKEN TG RATINGHEN 

TER EREN DES HEYLGEN SACRAMENTZ ANNO DOMINI Mcccxciiii. Gescheuk des nach- 
maligen Domprobstes Bruno, der um i394 Pfarrer in Ratingen war (Binterim, Denk- 
würdigkeiten VII, Teil III, S.373. — Harless in den B. J. LX, S. i48). 

Der hohe sechsseitige Fuss ist am Rande k jour mit grossen runden Öffnungen 
durchbrochen, jedes der sechs Blätter dreimal ausgeschweift und mit feinen vertieft 
gearbeiteten gothischen Rankenornamenten verziert, ausserdem mit drei aufgestifteten 
Silberrosetten. Der meisterhaft gearbeitete sechsseitige Aufsatz zeigt in den durch 
Streben getrennten Fensteröffnungen unter Zinnen je eine Halbfigur eines musizieren- 
den Jünglings. Der Schaft lädt zu einem runden Knauf mit vier Pasten aus, die mit 
(erneuten) Glasflüssen verziert sind, um den Knauf ein Silberband. 

Der Kelchfuss des Krystallcylinders ist mit verschnittenem Laubwerk verziert, 
zur Seite des Cylinders vier reiche Strebesysteme mit an ihn angelehnten Bögen, unter 
denen je ein gelockter Jüngling mit den Passionsinstrumenten steht. Nach aussen je 
ein posaunenblasender Jüngling. In den Türmchen zweimal ein König, zweimal eine 
königliche Jungfrau. 

Die Krönung erhebt sich in vier Stockwerken. Über dem mit Gitterwerk ab- 
geschlossenen Baldachin stehen im Kreise um die Krystallkuppel die zwölf Apostel 
mit ihren Symbolen. An den vier Pfeilern des Aufsatzes wieder je ein musizierender 
Jüngling. An den vier Seiten des ersten Geschosses die Figuren von S. Gereon, 
S. Katharina, S. Petrus, S. Helena unter vorgekragten, auf das reichste verzierten 
Baldachinen. Der in der reichsten Architekturgliederung sich erhebende Aufsatz 
schliesst mit einem (erneuten) Kruzifix ab. Die Monstranz ist die bedeutendste des 
i4.Jh. am ganzen Rhein und in der Behandlung der architektonischen Ornamentik 
wie der Figuren gleich bewunderungswürdig, wahrscheinlich von dem gleichen Meister 
Cois Eleia (?) gefertigt (wegen der übereinstimmenden Behandlung des Fusses) wie 
die im Aufbau übrigens abweichende Monstranz zu Gerresheim (s. o. S. io3). 

Zwei gothische Kelche, 16 und i7 cm hoch, iS.Jh. 

Ciborium, 4i cm hoch, i7.Jh., mit dem Beschauzeichen I (L?) S und nicht 
erkenntlicher Marke. 

Silberner Becher, 26 cm hoch, um 1600. 

Kasel von rotem Sammet mit Stäben von 1621. Auf Goldstoff ein Kreuz mit 
Christus, darüber Gottvater, am Fusse Maria und Johannes und die h. Anna selbdritt, 
die Figuren appliziert und in Lasurmanier ausgeführt, die Köpfe und das corpus in 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Sakristei 



Kreuzigung! • 
gruppe 

Monstranz 



Fuss 



Krönung 



Kelche 
Ciborium 

Becher 
Paramente 






iS9 



l6o KREIS DÜSSELDORF 

Kathoi. Seidenstoff. Zwei Wappen mit der Inschrift: eleisabet von der arck abdissa, anna 
VON der arck-broich anno 162 1. Auf der Vorderseite drei Heiligenfiguren (ver- 
schlissen). 

Kasel aus neuem violetten Stoff, auf den Stäben in Plattstich und Applikation 
Christus am Kreuz mit Gottvater, Maria und Elisabet, darunter: Christian cloüt 

RICHTER zu ANGERMOND UND LANDSBERC UND MECHTELT VON VELDERHOFF SEIN 
HAUSFRAW ANNO l6l7 D. 26. FEBR. 

Glocken Glocken von i498 und i523 mit den Inschriften: 

1. BENEDICAT ME DEUS, PATER CUSTODIAT ME DEUS FILIUS, PROTEGAT ME DEUS 
SPIRITUS SANCTUS. O MARIA MATER DEI MEMENTO NOSTRI. A. D. l498. JOHANNES 
DE VENLO CUM FRATRE SUO ME FECIT. 

2. SENT PETER IND PAUWELS HEISSCHEN ICH, IN DIE ERE GÖTZ LÜDDEN ICH, 
DEN BÖSEN GEIST VERDRIEVEN ICH, DIE LEBENDIGEN ROIFEN ICH, DIE DOIDEN BE- 
CLAGEN ICH. JOHANNES VAN NUYSS IND IGNAST SYN SON GOISSEN MICH A. D. l523. 

Ev.ngei. EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, im J. i667 begonnen, die Weiter- 

führung 1668 durch Pfalzgraf Philipp Wilhelm inhibiert, erst i683 — 1685 vollendet, 
einfacher rechtwinkeliger Saalbau aus Bruchsteinen mit dreistöckigem Backsteinturm, 
im Inneren i892 mit einer neuen rundum geführten hölzernen Empore versehen. 
Darin marmornes Epitaph des im J. i7o2 verstorbenen Wilhelm de Muralto. 

Kapeile HAUS ER KAPELLE, bei dem Haus ,zum Haus* gelegen, barocker Bau des 

i7.Jh. aus Bruchstein mit kleinem Glockentürmchen ohne Schelle. 

Heiligen. H EILIGEN H ÄUSC H EN vor der Stadt, inschriftlich vom T. i7o9, derber 

h&uschen . , -,. , . , , , - j ^ 

mit emem Giebel abgeschlossener Aufsatz auf einem mensaartigen Unterbau. 
Nicht erhaheoe Die Stadt besass Klöster und Niederlassungen der Beghinen, Minderbrüder, 

Anlagen __ .^ 

Karmeliter, Dominikaner, Augustiner, ausserdem eine Gasthauskapelle, eine Kreuz- 
kapelle vor dem Oberthor, eine Kapelle U. L. Fr. an der Heiden (vgl. Kessel, U B. 
S. 383 Index). 

befe^T^Ji en STADT BEFESTI GUNGEN. Die Anlage der Stadtbefestigungen begann 

Anlage sofort nach der Erhebung Ratingens zur Stadt im J. I276; im nächsten Jahr erhielt 
die Stadt zu diesem Zwecke eine Accise (Kessel, U B. II, S. i3). Von den Thor- 
burgen werden die porta Vowinkel (Düsseldorfer Thor) und porta superior (Oberthor) 
schon in dem Ratinger Stadtbuch von i362, die Lintorper porten i38o zuerst erwähnt 
(Kessel, U B. S. ZZ, 43). Durch diese Thorburgen war Lauf und Richtung der Mauer 
und des Stadtgrabens bestimmt: der Mauerring ist später nicht verändert worden. 
Vorstädte Die Vorstädtc, Oberdorf oder das Dorf, Bechern und Vohwinkel, die i4o5 

niedergebrannt worden waren (Koelhoffsche Chronik: Deutsche Städtechroniken XIV, 
S. 742), wurden im i5. Jh. neu aufgebaut, sie waren mit einem Graben umgeben, der 
im Gegensatz zum Stadtgraben der Dorfgraben genannt wird. Die Vorstädte Bechern 
und Vohwinkel wurden im dreissigjährigen Krieg zerstört, das Oberdorf besteht noch. 
Umbauten Im iS.Jh. wurde der Mauerring umgebaut, mit neuen Thoren und zum Teil 

mit neuen Türmen versehen. Zum Ausbau erhält die Stadt in den J. i4o3 und i442 
Accisen bewilligt (Kessel, U B. Nr. 5o u. 64). In der Stadtrechnung von i437 werden 
Bauarbeiten ,an den nyen werhusen ind anderen werhusen', sowie ,an der stat wercke* 
erwähnt. In der Stadtrechnung von i444 wird berichtet, dass ,wachhuyser' und »trapen 
an de wachhuyser* erbaut worden, es wird an dem ,porthuys an der Lyntorperportz* 
und an dem ,porthuys up dem dorpe' gearbeitet. Die Stadtrechnung von i46o be- 
richtet: ,In diesem i46o. iahr ist der kornsthum sambt beiliegender mauren gebawet*, 
die Stadtrechnung von i468 berichtet: ,In diesem jähr ist der torn zwischen der 

160 



Dösseidorfer und Beckemer (Bechemer)' portcn gezimmert'. Die Stadtrech nung er- 
wähnt weiter den kleinen tom, den kucklorn, den buessertom, den nuwen tom by 
der overporten, an denen gearbeitet wird. Die Stadtrechnung von i47i bemerkt: ,In 
diesem i47i. jähr ist der windmühlenthom femer gebawet'; die Stadtrechnung von 
i479 — i48o: ,In diesem jähr ist der thurm nächst der Lintorfer pfortzen, den man 
jetzt den trinsen-tom nennet, gebawet'. 

Im Anfang des i6. Jh. tritt eine neue Reparatur ein, im J. i5io heisst es, die 
Sladt sei ,an portzen, tomen ind gebuchten nederfellich ind abouwich worden'. Die 
Stadtbefestigung, die im i7.Jh. arg mitgenommen worden war (Kessel, UB. Nr. aSo), 
wurde erst i8o7 endgültig aufgegeben (Akten im Stadtarchiv zu Gerresheim). 

Der Mauerrtng bestand eigentlich aus drei parallel laufenden Mauern, die auf 
der Westseite noch fast vollständig erhalten sind. Zunächst laufen hier im Abstand 
von 2,5o m zwei Mauern hin, die innere So cm, die äussere 75 cm stark, deren 
Zwischenraum mit Steinen und Erde ausgefüllt ist, so dass hier ein nach beiden Seiten 
geschützter breiter Gang auf der Hrthe der Befestigung entstand. Vor der äusseren 



Fig. 73. Rutingn. Tilnnc der Studibefeaiiirung. 

Mauer liegt der 23 Schritt breite Zwinger, der wieder mit einer Mauer abschliesst. 
Dahinter liegt der ehemalige Stadtgraben, der Brandteich. Diese Anlage gleicht im 
wesentlichen der Befestigung von Zons (vgl. ausführlich in den Kunstdenkmälern d. Kr. 
Neuss), doch ist der Mauerring in der gleichen Form nicht um die ganze Stadt ge- 
führt An der Siidostseite ist der Raum zwischen beiden Hauern 4, So m breit, an 
der Nordseite kt nur noch eine einfache 75 cm breite, i,7o^z m hohe Mauer erhalten. 
Von den Mauertürmen sind noch drei erhalten (Fig. 73). Zunächst auf der 
Nordostseite der 8 m hohe aus gewaltigen Quadern bestehende ,dicke Turm' von einer 
ganz ausserordentlichen Starke, an der Ostseite findet sich in der Höhe von i,So m 
die mit_|rechtcck ige r Hausteineinfassung versehene Eingangspforte, die auf den hölzernen 
Wehrgang führte. Ein zweiter Rundlurm, der .kleine Turm', findet sich an der Süd- 
seite, nur Ö m hoch und aus kleineren Blöcken zusammengesetzt, die Mauer i,7o m 
stark. Im Erdgeschoss findet sich ein ehemals nur von oben zugängiges Kuppel- 
gewölbe, der alte Zugang befindet sich in der Hohe von 4 m über dem Erdboden. 
Endlich ist einer der viereckigen spateren Türme erhalten, der i4;i errichtete Win d- 
laühlenturm, der ursprünglich, wie noch in Oberwesel, Bacharach, Neuss u. s. w., nach 
innen offen war. Es ist jetzt in ihn ein kleiner sehr malerischer Fachwerkbau ein- 

II 

i6i 



[63 KREIS DÜSSELDORF 

gefugt. An der Südseite finden sich ausserdem noch zwei halbrunde Rondele in der 
Stadtmauer (bis i889 im Ganzen 3,7o m hoch, seitdem um 2 m abgetragen). 

RATHAUS, am Markte, ein mächtiger zweistöckiger aus Bruchsteinen errich- 
teter Bau mit starken Mauern und geschweiften und abgetreppten Giebeln, im J. i7Si 
restauriert (Jahreszahl am Giebel). An der Südwestecke eine Madonnenstatue des 
16 Jh. auf einer Konsole, an der Nordwestecke nur die Konsole erhalten. Im Sitzungs- 
saal die Brustbilder des Pfalzgrafen Karl Theodor und seiner Gemahlin, bez. ; a. wisse- 
LiNCK PiNXiT i766; dann das Porträt des Kurfürsten Johann Wilhelm in voller Rüstung 

bez.: WARDENBACH FECIT l7l7. 

HAUS ,ZUM HAUS', v. Mering, Geschichte der Rittergüter, Burgen u.s. w. 
in den Rheinlanden X, S. 89. — H. Ferber in den Beitr. VII, S. 106. — v. Steinen, 
Westfäl. Geschichte IV, S. 4i4. — J. Strange, Beitr. zur Genealogie der adeligen 
Geschlechter XI, S. 57. — Fahne, Geschichte der Kölnischen Geschlechter I, S. i42 ; 
II, S. 56. — Kessel, U B. S. 385. 



Slg. 74. Rilintoi. Haui .nun Kiui'. 

Handschriftl. Qu. Im Gräflich von Speeschen Archiv zu Heitorf: Urk. und 
Akten von l343 ab (Inv. III, III, I, conv. 1— 7, II. 1, III, 1, IV, V, i, 2). 

In der Kgl. Staatsbibliothek zu München: Genealogie des Geschlechtes in 
der REDlNGHOVENschen Sammlung, Cod. germ. 32i3, Bd. LIV, Bl. 75. 

Das Haus war der Stammsitz der Herren vom Haus (Huisse), die schon i393 
erscheinen. Um 1S68 kam das Gut durch Heitat an Dederich von der Horst, 168S 
durch Verkauf an Philipp Wilhelm Freiherm von Zweiffei für die Summe von aSooo 
Reichsthalem. Im J. i783 wurde das Haus durch Ambrosius Franz Reichsgraf von 
Spee käuflich erworben. Jetziger Besitzer ist der Reichsgraf Franz von Spee zu Heitorf. 

Die eigendiche Burg ist eine Anlage des !4.Jh., die am Ende des 16. Jh. um- 
gebaut ward, und gleich der Stadtbefestigung von Ratingen von grosser Regelmassig- 
keit, eine von Gräben umgebene rechtwinkelige Anlage mit einem Rundlurm in dreien 
der Ecken und einem übereck gestellten rechteckigen Thorturm in der vierten (Fig. 74. 
— Rekonstruktionszeichnung bei G. A. Fischer, Schloss Burg und andere Burgen 
des Rlieinlandes S. 48, Fig. 43). Der Thorturm, zu dem eine Brücke fahrt, ist drei- 
stöckig und mit einem einfachen Satteldach überdeckt, das Portal selbst ist vermauert 

l6i 



URDENBACH — WITTLAER l63 

Von den Rundtürmen ist nur der an der Südwestecke gelegene noch ganz erhalten Haus 
in der Höhe von drei Stockwerken mit der geschweiften und gebrochenen Haube des '*"" 
i6.Jh. Die beiden übrigen Rundtürme stehen ohne Dach da, der an der Südostecke 
gel^ene trägt eine grosse Bresche. Das anstossende Herrenhaus, von dem die Ost- 
und Nordmauer noch dem ältesten Bau angehören, während die übrigen Mauern in 
Fachwerk erneuert sind, zeigt an der Aussenseite noch vier der alten gothischen 
Fenster mit Steinkreuzen und in Eisenankem die Zahl i596. Rechtwinkelig an das 
Herrenhaus stösst ein langer einstöckiger Trakt mit Stallungen; diesem gegenüber liegt 
ein neu gebauter Pferdestall. In der Mitte des inneren Burghofes jetzt eine grosse 
Düngergrube. 

Die aus dem i6. Jh. stammende Vor bürg war ursprünglich gleichfalls von Mauern Vorburg 
und Gräben umgeben. Erhalten ist nur der Thorbau, das grosse rundbogige Portal, 
mit Scharten in dem von drei Steinkugeln gekrönten Aufsatz und zur Seite ein hoher 
dreistöckiger Bau mit sechsmal abgetrepptem Giebel. Die Abschlussmauer der Vor- 
burg nach Osten fehlt; an die übrigen Mauern sind neuere Wirtschaftsgebäude in 
Fachwerkbau angelehnt worden. 

URDENBACH. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. Die evangelische Gemeinde entstand Evangei. 
um i58o, war i596 selbständig (Al. Hermanns, Geschichte von Benrath S. 44), die 
Kirche wurde i69i erbaut. Saalbau aus Backstein mit flacher Holzdecke und kleinem 
vierseitigen geschieferten Dachreiter mit geschweiftem Helm. In den Fenstern in 
Glasmalerei zwölf bürgerliche Wappen von i694 und i695. 

WITTLAER. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Remigii). Aldenkirchen in K.thoi. 
den B. J. LV, S. 2i3. — Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 277. *" "° * 

Die Kirche, in der i. H. des 12. Jh. erbaut, wird schon 11 44 unter den Be- Geschichte 
Sitzungen des Frauenstiftes Vilich genannt (Lacomblet, U B. I, Nr. 35o). Sie war 
ursprünglich nur eine Kapelle auf dem Wittlaerer Hofe, erscheint aber Ende des 
i3. Jh. schon als Pfarrkirche (Urk. von 1292: Lacomblet, U B. IV, Nr. 676). Die 
Kirche, die i7o2 bei der Belagerung von Kaiserswerth beschädigt worden, wurde i7o8 
wiederhergestellt, die romanischen Fenster vergrössert, der Turm verunstaltet, ein 
Spritzenhäuschen angefügt. Von 1868 — i87i stilgerecht restauriert unter Leitung des 
Regierungsrates Krüger durch Vincenz Statz, der Turm erst i878 durch Schrey aus 
Duisburg. Die stark gewichenen Seitenschiffmauem wurden erneuert. 

Dreischiffige Pfeilerbasilika aus Tuff, im Lichten 25 m lang, i4,5o m breit. Der Beschreibung 
vierstöckige romanische Turm ist in den beiden unteren Geschossen ungegliedert ^"'"^ 
und zeigt nur im Erdgeschoss nach Westen ein einfaches romanisches Portal (erneut) 
mit zwei Säulen mit Würfel kapitalen in den Gewänden. Das dritte und vierte Stock- 
werk sind durch Vertikallisenen und Rundbogenfries gegliedert, im vierten Stock je 
zwei romanische Rundbogenfenster mit einfacher Mittelsäule und Würfelkapitäl. Unter 
der vierseitigen einfachen geschieferten Haube ein einfaches Gesims. 

Das Mittelschiff ist im Obergaden (Fig. 75) überaus reich gegliedert mit neun Äuueres 
rundbogigen Blenden, deren Bögen an den Ecken auf Vertikallisenen, dazwischen auf 

11» 
i63 



KREIS DÜSSELDORF 



Halbsäulchen mit verziertem Würfelkapital und weit ausladendem Kampfer ruhen, 
darin vier kleine nindbogige Fenster. 

Der Ostgiebel des Mittelschiffes ist durch Rundbogenfries und Vertikallisenen, 
in der Mitte durch eine rundbogige Nische verziert. Das Chorhaus ist in den Seiten- 
mauem einfach durch Rundbogenfries gegliedert, die Apsis durch drei grosse Blenden 



WITTLAER l6S 

belebt. Unter dem Dach zieht sich ein einfach aus doppelter Sclimiege und Rund- 
stab Zusammengesetzes Gesims hin. ' 

Im Inneren (Grundriss Fig. 76) bildet das breite Mittelschiff mit seiner flachen 
(erneuten) Balkendecke einen höchst wirkungsvollen grossen und hellen Raum, neben 
dem die niedrigen und schmalen Seitenschiffe sehr zurücktreten. Die Scheidemauem 
nihen auf vier Pfeilerpaaren mit niedrigen, nur aus einer PHnthe bestehenden Sockeln 
und den einfachsten Kämpfern. Die Scheidemauem sind nur durch eine Horizontal- 
lisene und die vier Rundfenster mit ausgeschrSgten Ge- 
winden gegliedert. Das vierte westliche Pfeilerpaar ist 
mit der westlichen Fa9ade durch eine dünnere_Mauer 
verbunden. Die Seitenschiffe sind mit gedrückten Grat- 
gewölben eingedeckt und von Gurtbügen und Schild- 
bögen eingerahmt. Die Fenster zeigen hier gleichfalls 
stark abfallende Sohlbänke. 

Die westliche, das Mittelschiff abschliessende Wand 
war wohl von Anfang an auf Farbenschmuck berechnet. 
Der niedrige Triumphbc^en ruht auf einem Kämpfer, 
der an der Schmiege mit einem früh romanischen Fries 
verziert ist. 

Das Chorhaus ist mit einem Kreuzgewölbe be- 
deckt, dessen Rippen ein auffällig breites, einfach zuge- 
spitztes Profil zeigen. In den Schildbögen laufen starke 
Rundstabe hin, die nebst den Rippen mit einem ein- 
fachen Kelchkapitäl auf einer Dreiviertelssäule mit Eck- 
blattbasis ruhen. In den Seitenwänden je ein rundbogiges 
Fenster. Die Apsis wird durch drei kleine romanische 
Fenster erhellt, über denen sich auf runden Konsölchen 
ruhende Rundstäbe als Schildbögen im Halbkreis hin- 
ziehen, die Konsolen sind mit der Mitte des die Apsis 
abschliessenden Rundstabes durch Rundstab rippen ver- 
bunden. 

Taufstein, von Namurer Blaustein, i m hoch, 
I m breit, achtseitiges Becken auf Mittelcylinder mit vier 
freistehenden Ecksäulen, vier korrespondierende Seiten 
des Beckens mit DreipSssen, die vier anderen mit scharf 
gemeisselten vorgekragten Köpfen unter Schuppenkronen 
verziert Eine der exaktesten Arbeitendes i4. Jh. dieser 
grossen Gruppe (Kunstdenkmäler I, S. i6. — Abb. aus'm 
Wkerth, Kd. Taf. XXIX, 8; II, S. 4j). 

Vortragkreuz, aus Roikupfer, 45 cm hoch, aus dem 12. Jh., auf rundem 
Knauf, mit langem streng stilisierten Kruzifixus, die Füsse nebeneinander auf einem 
Brett, mit der Krone auf den lang auf die Schultern fallenden Haaren und verzier- 
tem Gürtel, 

Silbernes Schützenzeichen (Fig. 77) der S. Sebastianusb ruderschaft um iSoo, s 
Kette mit Medaillon von geschnittenem Blattwerk um iSoo, in der Mitte S. Sebastian 
mit Pfeilen gespickt zwischen zwei gekreuzten Pfeilen, im Blattwerk Hirsche und Viigel, 
als Anhänger eine Annbrust und eine spatere massivsilberne Taube mit der Inschrift: 

SEBASTIANI DRUDERSCHAFDT ZU VITTFELDER UND l 

[65 



l66 KREIS DÜSSELDORF 

Kathoi. Glocken. Die älteste von i476 mit der Inschrift: s. remigius heit ych, to 

Pfarrkirche ^^^ DEYNSTE GODES ROP YCH, DEY DODEN BESCHREYE YCH, DEY LEVEDYGEN ERFROE 
Glocken ' ' 

YCH, DEN DONNER TOBRECK YCH. JOHAN VAN DORPMUNDE GOSS MYCH ANNO DOMINI 

MCCCCLXXVI. 

Die zweite von i779 mit der Inschrift: s. anna. j. esser pastor, p. h. blomen- 

KAMP VICARIUS, P. BLOM^N SCHEFFEN, J. P. JAEGERS, G. SCHMITZ KIRCHMEISTER 1 7 79. 
ME FUDIT JOHANN RUTGERUS VOIGT. 

Statue Im Garten der Kaplan ei: Barocke lebensgrosse Steinstatue des David oder 

Perseus, aus Kesselsberg stammend. 




i66 



KREIS DÜSSELDORF KARTE 



i^ 



30cc\ji 



H 

Kriis Düssddorr. 

T-i-T-T^T^T T^ T T T T T - 



renKKün*lerinBann.. 



I. Ortsregister. 



(Die stärkeren Ziffern bezeichnen die Stelle, wo über den Ort im Zusammenhnnge gehandelt wird ) 



Seite 

Aachen 74 

Alte Burg 154 

Andernach 68, 72, 74 

Angermund 81 

Asbeig , 68, 72, 74 

Bacharach 74 

Bassenheim 74 

Bcnrath 83 

Bilk 76, 89, 92 

Bilkerbuach 75 

Bingen 74 

Bonn 74 

Brügge 91 

Burghövel, Wallburg 120 

Derendorf 77 

Dorsten 113 

Düsseldorf 2, 15, 113 

Quellen 15 

Römische und germanische Funde . 24 

Kirchliche Gebäude 25 

Andreaskirche 25 

Kirche der barmh. Schwestern . . 33 

Gamisonpfarrkirche 34 

Lambertuskirche 34 

Maxkirche 5l 

Weitere Kirchen 54 

Klosteranlagen 54 

Weltliche Gebäude 55 

Stadtbefestigimgen 55 

Schloss 58 

Jägerhof 62 

Rathaus 63 

Sammlungen 67 

Eller 68, 72, 89 

Eller, Haus 89 

Elbroich, Haus 128 

Erkrath 89 

Fahnenburg 91, 106 

Flehe 75 

Flingem 75 



Seite 

Frohnhof bei Himmelgeist 118 

Garath, Haus 115 

GeUep 69, 72, 74 

Gerresheim 91 

Gladbach 68 

Gohr 68 

Golzheimer Heide 68, 74, 77 

Grafenberg . .91 

Gräfgenstein, Haus 91 

Grimlinghausen 68, 69, 74 

Grosse Burg 154 

Grunewald, Wirtshaus 120 

Hain 108 

Hain, Haus 109 

Hamm 92 

Haus zum Haus 162 

Heddesdorf 74 

Heitorf, Schloss 68. 92, 109 

Heidenberg bei Hilden 112 

Heiligendunk, Kamp 68, 92 

Hüden 68, 112 

Himmelgeist 115 

Homberg 118 

Horst, Haus bei Dorsten 123 

Horst, Haus bei Hilden 115 

Howarth, Gehöft 149 

Hubbelrath 120 

Hugenpoet 121 

Ickter Hof 108, 154 

Immigrath 68 

Isaberg 112 

Itter 127 

Kaiserburg 92 

Kaiserhain 77 

Kaiserswerth 3, 68, 128 

Kaiserswerth, Burg 140 

Kalkum 145 

Kalkum, Schloss 147 

Keldagau ' 1 

Kibbenheide 120 



l69 



i7o 



KREIS DÜSSELDORF 



Seite 

Kirchberg 68 

Köln 72, 74, 113 

Kreuznach 74 

Kruft 74 

Landsberg 149 

Landsberg, Schloss 149 

Langenlinsheim 74 

Lemmenhaus 91 

Leuchtenberg, Hof 68 

Lierenfeld 25, 74, 92 

Linnep 68, 152 

Lintorf 74, 151 

Lo hausen, Haus 145 

Ludenberg 91 

Luisdorf 74 

Mainz 74 

Meckenheim 69, 74 

Metzkausen, Honschaft 120 

Mickein, Schloss 118 

Mintard 152 

Mülhofen 74 

Mündelheim 153 

Neuss 68, 72, 74, 92 

Niederbiber 74 

Niedermendig 74 



Seite 

Norf 68, 74 

Oberbilk 74, 75 

Pempelfort 25, 54 

Quadenhof 106 

Rath 108, 154 

Ratingen 92, 155 

Raeren 74 

Rheinberg 69 

Rheinbrohl 74 

Rheindahlen 68 

Richrath 68 

Roland, Haus 107 

Schülerbusch 91 

Siegburg 74 

Tannenwäldchen 25 

Thinghaus 89 

Tomberg 74 

Unterbilk 75 

Urdenbach 163 

Urmitz 74 

Velbert 148 

Viehstrasse 92 

Winkelhausen, Schloss 111 

WitÜaer 163 

Xanten 68 



II. Sammlungen. 



Seite 
Düsseldorf. 

Gewerbemuseum 67 

Historisches Museum 67 

Königl. Landesbibliothek 69 

Staatsarchiv 71 

Sammlung Bone 72 

Sammlung Braun 72 

Sammlung Dahl 72 



Seite 

Sammlung Oe der 73 

Sammlung Rautert 74 

Fahnenburg, Sammlung Pflaum. . . . 102 

Heitorf, Sammlungen des Reichsgrafen von 
Spee 111 

Hugenpoet, Fürst enbergis che Gemälde- 
gallerie 121 

Lohausen, Sammlung Lantz 145 



III. Abbildungen im Text. 



Seite 
Fig. 1. Düsseldorf, Die Altstadt mit der 

Lambertuskirche 15 

Fig. 2. Düsseldorf im J. 1650 .... 22 
Fig. 3. Düsseldorf, Andreaskirche ... 26 
Fig. 4. Düsseldorf, Büste d. Herzogs Wolf- 
gang Wilhelm in der Andreaskirche 28 
Fig. 5. Düsseid., Andreaskirche, Schwarze 

Kasel mit Bouillonstickerei . . .32 



Seite 
Fig. 6. Düsseldorf, Lambertuskirche . . 36 
Fig. 7. Düsseldorf, Grundriss der Lam- 
bertuskirche 37 

Fig. 8. Düsseldorf, Sakramentshäuschen in 

der Lambertuskirche 39 

Fig. 9. Düsseldorf, Grabmal der Marga- 
retha von Windeck in der Lam- 
bertuskirche 42 



l7o 



VERZEICHNISSE 



l7l 



Seite 
Fig. 10. Düsseldorf, Wandmalereien an den 

Chorschranken d. Lambertuskirche 44 
Fig. 11. Düsseldorf, Wandgemälde in der 

Lambertuskirche 45 

Fig. 12. Düsseldorf, Wandgemälde der h. 

Kümmernis in der Lambertuskirche 46 
Fig. 13. Düsseldorf, Romanische Reliquien- 
büste in der Lambertuskirche . . 47 
Fig. 14. Düsseldorf, Getriebener Buchdeckel 

in der Lambertuskirche .... 49 
Fig. 15. Düsseldorf, Ansicht der Maxkirche 51 
Fig. 16. Düsseldorf, Adlerpult in der Max- 
kirche 52 

Fig. 17. Düsseldorf, Das Bergerthor von 

der Bäckerstrasse 57 

Fig. 18. Düsseldorf, Grundriss d. abgerisse- 
nen Ratingerthores 58 

Fig. 19. Düsseldorf, Grundriss d. Schlosses 

im 18.Jh 59 

Fig. 20. Düsseldorf, Der Schlossturm vor 

der Wiederherstellung .... 60 
Fig. 21. Düsseldorf, Marmorstatue Johann 

Wilhelms von Baumgärtgen . . 61 

Fig. 22. Düsseldorf, Jägerhof 62 

Fig. 23. Düsseldorf, Giebelfüllungen am alten 

Marstall des Jägerhofes .... 63 
Fig. 24. Düsseldorf, Ansicht des Rathauses 64 
Fig. 25. Bilk, Ansicht der Pfarrkirche . 75 
Fig. 26. Buk, Romanische Kapitale in der 

Pfarrkirche 76 

Fig. 27. Angermund, Ansicht der Burg 81 
Fig. 28. Angermtmd, Grundriss der Burg . 82 
Fig. 29. B e n r a t h , Hauptfa9ade d. Schlosses 84 
Fig. 30. Benrath, Hinterfront des Schlosses 85 
Fig. 31. Benrath, Grundriss d. Gartenanlage 87 
Fig. 32. Erkrath, Inneres der katholischen 

Pfarrkirche 90 

Fig. 33. Gerresheim, Ostansicht d. Stifts- 
kirche 93 

Fig. 34. Genresheim, Grundr. d. Stiftskirche 

mit Kapitelshaus imd Kreuzgang . 95 
Fig. 35. Gerresheim, Westansicht der Stifts- 
kirche, West- und Nordansicht des 

Kapitelshauses 96 

Fig. 36. Gerresheim, Nordansicht der Stifts- 
kirche und Querschnitt des Ka- 
pitelshauses . . 97 

Fig. 37. Gerresh., Längsschn. d. Stiftskirche 98 
Fig. 38. Gerresh., Innenans. d. Stiftskirche 99 
Fig. 39. Gerresheim, Roman. Altarmensa . 101 
Fig. 40. Gerresheim, Sarkophag d. h. Gericus 102 



Seite 
Fig. 41. Gerresheim, Romanisches Kruzifix 

in der Stiftskirche 103 

Fig. 42. Gerresheim, Romanisches Heiligen- 
häuschen 104 

Fig. 43. Gerresheim, Quadenhof .... 105 
Fig. 44. Hain, Erdbefestig, am Ickter Hof 108 
Fig. 45. Heitorf, Ansicht des Schlosses . 110 

Fig. 46. Heitorf, Thorturm 111 

Fig. 47. Hilden, Erdwerk 112 

Fig. 48. Hilden, Längsschnitt durch die 

evangelische Kirche 114 

Fig. 49. Himmelgeist, Ostansicht der 

katholischen Pfarrkirche . . . .116 
Fig. 50. H ugenpo et, Ansicht d. Schlosses 122 
Fig. 51. Hugenpoet, Grundriss d. Schlosses 123 

Fig. 52. Hugenpoet, Kamin 124 

Fig. 53. Hugenpoet, Ruhe auf der Flucht 125 
Fig. 54. Hugenpoet, Der verlorene Sohn von 

Märten Heemskerk 126 

Fig. 55. Itter, Ansicht der katholischen 

Pfarrkirche 127 

Fig. 56. Kaiserswerth im J. 1650 . . 129 
Fig. 57. Kaisersw., Ostansicht d. Stiftskirche 132 
Fig. 58. Kaisersw., Vorhalle der Stiftskirche 133 
Fig. 59. Kaisersw., Grundr. der Stiftskirche 134 
Fig. 60. Kaiserswerth, Längsschnitt d. Stifts- 
kirche vor der Restauration . . 135 
Fig. 61. Kaiserswerth, Schmiedeeis. Stand- 
leuchter 136 

Fig. 62. Kaiserswerth, Ostansicht der Burg 141 
Fig. 63. Kaiserswerth, Grundriss der Burg 142 
Fig. 64. Kaiserswerth, Die Burg v. Rhein aus 143 
Fig. 65. Kaiserswerth, Romanisches Haus . 144 
Fig. 66. Kalkum, Ansicht der Kirche . 146 
Fig. 67. Kalkum, Ansicht des Schlosses . 147 
Fig. 68. Landsberg, Ansicht d. Schlosses 149 
Fig. 69. Landsberg, Der Bergfried . . .150 
Fig. 70. Landsberg, Grundriss .... 151 
Flg. 71. Ratingen, Südansicht der kathol. 

Pfarrkirche 157 

Fig. 72. Ratingen, Grundriss der kathol. 

Pfarrkirche 158 

Fig. 73. Ratingen, Türme der Stadtbefesti- 
gung 161 

Fig. 74. Ratingen, Haus ,zum Haus' . .162 
Fig. 75. Wittlaer, Südansicht der kathol. 

P*farrkirche 164 

Fig. 76. Wittlaer, Grundriss der kathol. 

Pfarrkirche 164 

Fig. 77. Wittlaer, Schützenzeichen d. S. Se- 
bastianusbruderschaft 165 



i7i 



I72 



KREIS DÜSSELDORF 



IV. Tafeln. 



Tafel 


I. 




V 


Tafel 


II. 




\f 


Tafel 


III. 




\J 


Tafel 


IV. 



Seite 
Düsseldorf, Inneres der An- 
dreaskirche 27 

Düsseldorf, Grabmal des Herzogs 
Wilhelm in der Lambertuskirche 40 
Düsseldorf, Figuren vom Grab- 
male des Herzogs Wilhelm . . 40 
Düsseldorf, Erweiterung der Stadt 
von 1280 bis 1798 .... 56 



^ Seite 

Tafel V. Düsseldorf, Reiterstatue des Kur- 
fürsten Johann Wilhelm von Gni- 

pello 64 

Hugenpoet, Grosser Kamin . 123 
Kaiserswerth, Suitbertus- 

schrein 137 

Tafel VIII. Gerresheim und Ratingen, 

Monstranzen 159 



Tafel VI. 
Tafel VlI. 




l72 



Papier yon J. W. Zanders in B.Gladbach. 

Lichtdrucke yon B. Kühlen in M.Gladbach. 

Phototypien von Meisenbach, Rifparth & Co. in München. 

Autotypien von Angerer & Göschl in Wien. 

Druck von L. Schwann in Düsseldorf. 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER 



RHEINPROVINZ 



3?*» 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER 



RHEINPROVINZ 



IM AUFTRAGE DES PROVINZIALVERBANDES 



HERAUSGEGEBEN 
VON 

PAUL CLEMEN 



DRITTER BAND 

II. 

DIE KUNSTDENKMÄLER DER STÄDTE BARMEN. 

ELBERFELD, REMSCHEID 

UND DER KREISE 

LENNEP, METTMANN, SOLINGEN 



^ 



DÜSSELDORF 

DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1894 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER STÄDTE 



Barmen, Elberfeld, Remscheid 



UND DER KREISE 



Lennep, Mettmann, Solingen 



IM AUFTRAGE 



DES PROVINZIALVERBANDES DER RHEINPROVINZ 



HERAUSGEGEBEN 
VON 

PAUL CLEMEN 



MIT 5 TAFELN UND 65 ABBILDUNGEN IM TEXT 



^ 



DÜSSELDORF 
DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1894 



ALLE RECHTE VORBEHALTEN 



r 



VORBEMERKUNG. 

« 

Das vorliegende Heft umfasst die Kunstdenkmäler des grossen Industriebezirkes 
im Bergischen Hyiterlande und im Wupperthale. Die Städte unseres Gebietes sind 
nicht reich an älteren kirchlichen oder grösseren profanen Monumenten; um so grösserer 
Nachdruck ist dafür auf die Darstellung der bürgerlichen Baukunst und die Aufzählung 
der Privatbauten des i7. und i8. Jahrhunderts gelegt worden, deren charakteristische 
Formen von Jahr zu Jahr mehr verschwinden. 

Die Kreise Lennep, Mettraann, Solingen und die Städte Bannen, Elberfeld, 
Remscheid stellen das eigentliche Arbeitsfeld des Bergischen Geschichts Vereins dar. 
Dem Bergischen Geschichtsverein ist auch der Verfasser in erster Linie zu Danke 
verpflichtet, insbesondere seinem Vorsitzenden, Herrn Gymnasialdirektor Professor 
Scheibe in Elberfeld, Herrn Adolf Werth in Barmen, dem er manche Beiträge über 
Barmen verdankt, und dem unermüdlichen Bibliothekar des Vereins, Herrn Otto Schell 
in Elberfeld, der die Benutzung der Bibliothek in umfassendem Masse ermöglichte 
und seine eigenen Sammlungen zur Verfi\gung stellte. Die Vorarbeiten wurden in der 
zuvorkommendsten Weise gefördert durch den Oberbürgermeister von Elberfeld, Herrn 
Geheimen Regierungsrat Jaeger, und die Königlichen Landräte der Kreise Lennep, 
Mettmann, Solingen, die Herren Koenigs, Scherenberg, Moellenhoff. 

Für die Bearbeitung von Schloss Burg erfreute sich der Verfasser der liebens- 
würdigen Unterstützung des Herrn Julius Schumacher in Wermelskirchen, der auch 
die Benutzung der Oligschlägerschen Kollektaneen gestattete, und des Herrn Archi- 
tekten G. A. Fischer in Barmen, im Kreise Mettmann der Führung des Herrn 
Kommerzienrats Conze in Langenberg, im Kreise Solingen der Führung der Herren 
Albert Weyersberg und Redakteur Schi war a; der letztere übernahm auch freund- 
lichst die Revision des die Stadt Solingen betreffenden Abschnittes. 

Weiterhin ist der Unterzeichnete zu Dank verpflichtet den Herren Reichsgrat 
VON DER Schulenbürg zu Haus Oefte, Freiherr von Diergardt zu Morsbroich, 
Hauptmann E. von Oidtman in Spandau, Geheimen Archivrat Dr. Harless, Archiv- 
a.ssistent Dr. Redlich und H. Heegmann in Düsseldorf, Superintendent Ai!tgelt in 
Wülfrath, femer den Herren Pfarrern Boddenberg in Richrath, Bornefeld in Lüttring- 
hausen, Dellmann und Hessel in Wermelskirchen, Esser in Schlebusch, Kind in 
Rade vorm Wald, Richartzhagen in Gräfrath, Sandkaulen in Beyenburg, Schmeh- 
LiNG in Opladen, endlich Herrn Bürgermeister Langenfeld in Hückeswagen und 
Herrn Lehrer Holtmanns in Kronenberg. 



VI VORBEMERKUNG 

Die Abbildungen Nr. 3, 4, 7, 9, lo, 20— 23, 29, 35 — 38, 4i— 44, 46, 49 — 52, 
55 — 58, 63 — 65 sind nach Zeichnungen des Herrn Landbauinspektors Arntz in 
Köln, Nr. 39, 45, 54 nach Zeichnungen des Herrn Architekten Pützer in Aachen 
angefertigt; Nr. i, 2, 11, 12, i5 — 19, 26 — 28, 3o sowie Tafel II wurden von Herrn 
Architekten Fischer in Barmen in der zuvorkommendsten und dankenswertesten 
Weise zur Verfügung gestellt. Die Nrn. 3i, 33, 34 sind nach Aufnahmen des Herrn 
Otto Schell in Elberfeld, Nr. i3, i4, 25 nach den von Herrn Julius Schumacher 
in Wermelskirchen, Nr. 59, 60, 61 nach den von Herrn Albert Weyersberg in 
Solingen zur Verfügung gestellten Aufnahmen, Nr. 8, 24, 4o, 53, 62 nach Photogra- 
phien und Skizzen des Verfassers, Nr. 47 und 48 nach Aufnahmen des Herrn Hof- 
photographen Anselm Schmitz in Köln hergestellt. Die Tafeln I, IV, V entstanden 
in der Kunstanstalt von Römmler u. Jonas in Dresden, die Tafel III in der Kunst- 
anstalt von B. Kühlen in Gladbach. Die Karte hat Herr Landmesser Heinrich 
KüNKLER in Bonn angefertigt. 

In einsichtiger Würdigung der zahlreichen Vorteile, welche den Verwaltungen 
wie den Einwohnern aus der Beschreibung der Kunstdenkmäler erwachsen, haben die 
Vertretungen der Kreise Lennep und Solingen einen namhaften Beitrag zu den Kosten 
des Druckes dieses Heftes gespendet. 

Bonn, im Oktober i894. 

PAUL CLEMEN. 



EINLEITUNG. 



Das Gebiet der Städte Barmen, Elberfeld, Remscheid und der Kreise Lennep, 
Mettmann und Solingen umfasst den südöstlichen Teil des Regierungsbezirks Düssel- 
dorf zwischen Ruhr und Dhün und wird nördlich von dem Kreise Essen, westlich 
von dem Kreise Düsseldorf begrenzt, im Süden von dem zum Regierungsbezirke 
Köln gehörigen Kreise Wipperfürth, im Osten von den zur Provinz Westfalen ge- 
hörigen Kreisen Hattingen, Schwelm, Hagen, Altena. Es umfasst, ausser den Städten 
Bamien, die mit 1 1 6 1 44 ( 1 89o), Elberfeld, die mit 125 899, Remscheid, diemit4o37T 
Einwohnern unter selbständiger Verwaltung stehen, im Kreise Lennep die Städte Burg, 
Hückeswagen, Lennep, Lüttringhausen, Radevormwald, Ronsdorf, Wermelskirchen und 
vier Landgemeinden, im Kreise Mettmann die Städte Kronenberg, Langenberg, Mett- 
mann, Velbert, Wülfrath und sechs Landgemeinden, im Kreise Solingen die Städte 
Burscheid, Dorp, Gräfrath, Hitdorf, Höhscheid, Leichlingen, Merscheid, Neukirchen, 
Opladen, Solingen, Wald und elf Landgemeinden. Die Einwohnerzahl des Kreises 
Lennep betrug i89o 73o44 Einwohner, die des Kreises Mettmann 75442 Einwohner, 
die des Kreises Solingen I27 7i5 Einwohner. 

Zum Beginn unserer Zeitrechnung war das bergige Hinterland der Rheinebene 
wahrscheinlich von den Tenkterern und Hattuariem, dem nach der Versetzung der 
Sigambrer in die Ysselgegenden an der Wupper zurückgebliebenen Rest des Stammes 
besiedelt Die schluchtenreichen, mit undurchdringlichem Urwald bedeckten Höhen 
bildeten eine natürliche Grenzwehr gegen das Vordringen der Römer in das rechts- 
rheinische Germanien. So treffen wir auch nur selten auf vereinzelte und verschleppte 
römische Fundstücke, und von den allenthalben zerstreuten grossartigen Befestigungs- 
anlagen ist keine einzige mit Sicherheit in die ersten Jahrhunderte zurückzuführen und 
als römischen Ursprunges nachzuweisen. 

Seit die Franken die Herrschaft über die beiden Rheinufer erworben hatten, 
gehörte das ganze Gebiet zum Herzogtume Ripuarien. Der nördliche Streifen zwischen 
Ruhr und Wupper, wo die Hattuarier gesessen, bildete einen Teil des Keldagaues und 
stiess im Norden an den Ruhrgau, der ganze übrige Teil, südlich der Wupper, ge- 
hörte zum Deutzer Gau, der sich westwärts bis zum Rhein, nach Süden bis zur 
Agger erstreckte. 

Erst seit dem Anfang des 8. Jh. fand das Christentum im Keldagau Eingang. 

Die Christianisierung des Gebietes wurde von Kaiserswerth aus begonnen durch den 

h. Suitbertus, den seine Missionsreise auf dem „Heiligen weg", bei Heiligenhaus und 

Siebeneich vorüber, nach dem Wupperthale führte, als dessen Stiftungen die Legende 

1 
i73 



2 EINLEITUNG 

die Kirchen zu Wülfrath, Velbert, Sonnbom, Gruiten, Mettmann, Heiligenhaus nennt 
— um erst im 9. Jh. von zwei Punkten, von Werden und von Köln aus, vollendet 
zu werden. Erst aus dem 1 1 . Jh. stammen die ältesten Kirchenbauten, die sich im 
Lande erhalten haben und die jener grossen Gruppe kleiner engverwandter früh- 
romanischer Kirchen angehören, die für die erste Periode der Bauthätigkeit im ganzen 
bergischen Lande charakteristisch ist. Die Kirchen zu Gruiten, D abringhausen, Dussel, 
Wülfrath, Richrath, Monheim stehen in der vordersten Reihe. Die sämtlichen Kirchen 
des ehemaligen Keldagaues gehörten zum Neüsser, seit dem i7. Jh. zum Düsseldorfer 
Dekanat, die des Deutzer Gaues zum Deutzer Dekanat. Jetzt sind die katholischen 
Gemeinden des Landes dem Elberfelder und dem Solinger Dekanat unterstellt 

Im 1 2. Jh. erscheinen, nachdem die fränkische Gauverfassung sich allmählich auf- 
gelöst hatte, nebeneinander drei Edelgeschlechter, die an die Stelle der rheinischen 
Pfalzgrafen treten, die Grafen vom Berge und die Grafen von Hückeswagen südlich 
der Wupper, nördlich die Grafen von Hardenberg. Das erste Geschlecht ist es, das 
allmählich den Besitz der übrigen kleinen Dynasten verschlingt, zuerst, im J. 1260 die 
Grafschaft Hückeswagen, ein Jahrhundert später, im J. i355, die Herrschaft Harden- 
berg. Seit die siegreiche Schlacht von Worringen im J. 1288 die Grafschaft Berg ge- 
sichert und gefestigt hatte, musste das Streben der Landesherren naturgemäss darauf 
hinausgehen, die kleinen unter fremden Herren stehenden Enklaven an sich zu bringen. 
Im Thale der Wupper, von dichten Waldungen umgrenzt, lag mitten im bergischen 
Gebiet der Hof Elvervelde, einer von den zwölf Tafelhöfen der kölnischen Erz- 
bischöfe, die unter der besonderen Aufsicht des erzbischöflichen Stiftsvogtes standen. 
Das erbliche Schultheissenamt über den Hof lag in den Händen .der ritterlichen 
Familie, die nach ihm den Namen führte, seit i366 in den Händen einer märkischen 
Ritterfamilie Sobbe. Schon seit der Graf Engelbert von Berg im J. 11 76 den Burghof 
in Pfandbesitz übernommen hatte, übten die bergischen Grafen die vogteilichen Rechte 
über Elvervelde aus, aber erst in der ersten Hälfte des i5. Jh. nahm die Grundherr- 
lichkeit des Erzbischofs von Köln ein Ende und die Herrschaft Elberfeld , die von 
Kleve, Limburg und Berg gleichmässig umworben worden war, bildete seitdem ein 
bergisches Amt. 

In den ersten Jahrzehnten des 16. Jh. hatte die Macht der bergischen Herzöge 
ihren Höhepunkt erreicht. Seit dem J. i423 war das Herzogtum Jülich mit Berg ver- 
einigt, jetzt kamen noch Ravensberg, Kleve und Mark hinzu. Verlor auch das unser 
Gebiet darstellende Bergland dadurch an politischer Bedeutung, zumal seitdem die Her- 
zöge Düsseldorf zur Landeshauptstadt erhoben hatten, musste vor allem auch die 
bisherige Lieblingsresidenz, die Burg an der Wupper, in eine Linie mit den übrigen 
festen Sitzen des Herzogtums zurücktreten, so beginnt dafür eine neue wirtschaftliche 
und geistige Blüte des Wupperthales. 

Einen für die ganze geistige Kultur des bergischen Landes entscheidenden 
Umschwung brachte zunächst die Einführung der Reformation. Die neue religiöse 

£74 



EINLEITUNG 3 

Bewegimg hatte schon im dritten Jahrzehnt des i6. Jh. vor allem in Elberfeld, Lütt- 
ringhausen und Lennep warme Anhänger gewonnen. Adolf Ciarenbach, der Refor- 
mator des bergischen Landes, durchzog von seinem heimatlichen Sitze, dem Büscher- 
hofe bei Lüttringhausen, aus die benachbarten Orte. Im Gegensatz zu der landes- 
herrlichen Obrigkeit entwickelte sich jetzt die reformatorische Bewegung. Das grosse 
Industriegebiet des Hochplateaus scheidet sich jetzt scharf von dem Kreise Düssel- 
dorf und dem Unterlande des Kreises Solingen. In der Mitte des Jahrhunderts wird 
eine „gemischte Weise" des Gottesdienstes üblich, erst die erste reformierte Synode 
zu Neviges im J. i589 brachte eine grössere imd entschiedenere Klärung der Ver- 
hältnisse. Seitdem ist das bergische Land, sind vor allem die Städte an der Wupper 
eine Hochburg der evangelischen Kirche geblieben. Die starke Neigung zu den 
pietistischen Strömungen des i8. Jh. haben dem Bekenntnis und dem Kultus noch eine 
besondere lokale Färbung gegeben. 

Die Zeit des dreissigjährigen Krieges und des jülich-bayerischen Erbfolgekrieges 
legte fUr ein halbes Jahrhundert die neu erwachten geistigen und wirtschaftlichen 
Kräfte lahm. Von häufigen Durchmärschen der spanischen, holländischen, schwe- 
dischen, ligistischen und hessischen Truppen, kostspieligen Einquartierungen, Brand- 
schatzimgen und Räubereien blieb auch das bergische Land nicht verschont. Vor 
allem war es der. hessische General Rabenhaupt, dessen Hand schwer auf der Lenneper. 
Gegend lastete. Der aufblühenden Industrie war es zu danken, dass sich das Land 
rasch wieder erholte. 

Der älteste unter den bergischen Industriezweigen, die Montanindustrie, setzt 
schon im i3. Jh. ein. Die Kronenberger weissen Sensen und Futterklingen sind schon 
um i24o zur Zeit der Hansa hochberühmt. Ungezählte verlassene Pingenzüge und 
Frischschlackenhalden im Gebiet des jetzigen Kreises Lennep weisen auf eine frühe 
Entwickelung der Kleineisenindustrie. Remscheid und Solingen treten bald in die 
erste Linie. Im Remscheider Industriebezirk, um Remscheid, Kronenberg und Lüttring- 
hausen, werden Sensen, Sicheln und Stabeisen verfertigt, erst am Ende des i7. Jh. tritt 
die Fabrikation der unzähligen feineren Handwerkszeuge dafür ein. Der Solinger 
Industriebezirk daneben, mit der Hauptstadt Solingen und als Grenzorten Höhscheid, 
Dorp, Gräfrath, Wald, Merscheid, erwirbt sich durch die Klingenschmiederei und die 
Messerfabrik rasch Weltruhm. Das erste erhaltene Privilegium für die Klingenfabri- 
kanten vom J. i4oi erzählt schon von einer weitgehenden zünftigen Gliederung; in 
drei Bruderschaften sind die Arbeiter eingeordnet, an der Spitze einer jeden stehen 
drei Ratsleute und ein Vogt; späterhin bildet ein Sechserausschuss hier die erste 
Handelskammer. 

Aus dem Anfang des i6. Jh. stammen dann die ersten Nachrichten über die 
Entwickelung der Textilindustrie im Bergischen. Der bergische Löwe auf Gambündeln, 
das Siegel der Schöffen in dem Barmen vom J. i5i6, das jetzige Barmer Stadt- 
wappen, steht als Sinnbild Über der ganzen späteren Geschichte der Schwesterstädte 

1* 
i75 



4 EINLEITUNG 

Barmen und Elberfeld. Im i6. Jh. wird nun das Gambleichen für das obere Wupper- 
thal die Haupterwerbsquelle. Ein halbes Jahrhundert nach dem Privileg des Her- 
zogs Johann III., der im J. i52 7 den Städten Elberfeld und Barmen ein Monopol auf 
das Bleichen und Zwirnen des Games giebt, erfreut sich die bergische Industrie schon 
eines gewissen Rufes und eines grossen Absatzes im Auslande. Die Erschliessung 
des französischen Marktes im i7. Jh. bringt einen weiteren grossen Aufschwung. Im 
1 8. Jh. wird die Baumwolle hinzugezogen, die erste Flechtmaschine wird in Barmen 
erfunden, und endlich setzt jetzt im ganzen Bergischen Lande die Bettziechenmanu- 
faktur, die Floret- und Halbseidenmanufaktur, die Siamosenindustrie, zuletzt die 
Seidenindustrie ein, die im Laufe unseres Jahrhunderts einen ungeahnten Aufschwung 
nehmen sollte. Um 1 785 erhielt das Wupperthal das Geheimnis der Türkischrotfärberei. 

Alle diese günstigen Umstände vereinigten sich, um im Wupperthale und in den 
umliegenden Höhenstädten die rasche Ansammlung grosser Reichtümer zu befördern. 
Die Ausdehnung des Handelsgebietes auf ganz Europa, der überseeische Verkehr, 
das fortgesetzte Blicken auf die Bewegungen des Weltmarktes, gab den unternehmungs- 
lustigen bergischen Handelsherren und Fabrikanten des 1 8. Jh. frühzeitig eine gewisse 
Freiheit und Weltbürgerlichkeit. Die Steigerung der Ansprüche an eine behäbige und 
reiche Lebensführung rief im i8. Jh. auch eine grossartig gesteigerte Bauthätigkeit 
hervor. Der Typus des alten bergischen Hauses, des Fachwerkbaues mit Schiefer 
oder Schindelverkleidung, wurde beibehalten, aber die Giebelformen und die Thür- 
und Fenstereinrahmungen wurden reicher, reizvoller und zierlicher gestaltet. Das jähe 
Anwachsen der Bevölkerung, die sich im Wupperthal während des i8. Jh. allein ver- 
sechsfachte, bedingte zugleich die Errichtung einer grossen Anzahl neuer Kirchen. Die 
Strenge des reformierten Kultus verlangte die grösste Schlichtheit in Anlage und Aus- 
stattung, so entstanden jene nüchternen rechteckigen Bethäuser und Saalbauten, mit 
hölzernen Tonnengewölben überspannt, mit rundherumgeführten Emporen, und ein- 
fachem Aufbau von Kanzel und Orgel. Diese ernsten Kirchenbauten, deren Sil- 
houette nur durch die Zwiebelhauben, die offenen Laternen der Bekrönung einige 
Gliederung und Belebung erhält, und die geschweiften Giebel, die geschnitzten Portal- 
einfassungen und Freitreppen der reinlichen, weiss getünchten, mit grünen Läden 
prangenden herrschaftlichen Rokokohäuser bestimmen heute noch das Bild der meisten 
Städte im bergischen Oberlande. Nur auf den katholischen unteren Teil des Kreises 
Solingen griff diese frische Baubewegung nicht über, hier sind darum auch die älteren 
Kirchenanlagen noch in grösserer Zahl erhalten. 

Das Gebiet unserer Kreise teilte die wechselvollen Schicksale des ganzen Her- 
zogtums in den ersten beiden Jahrzehnten des i9.Jh. Der Herzog Max Joseph von 
Pfalz- Birkenfeld-Zweibrücken, der im J. i799 nach Karl Theodors Tode die Regierung 
angetreten, übertrug die Regentschaft schon i8o3 seinem Schwager und Vetter, dem 
Herzog Wilhelm von Bayern aus dem Hause Pfalz- Birkenfeld-Gelnhausen. Drei Jahre 
später musste der nunmehrige König von Bayern sein Land an Napoleon abtreten, 

i76 



EINLEITUNG 5 

der es seinem Schwager, dem Prinzen Joachim Murat überwies. Das neue Gross- 
herzogtum Berg fiel, als es Murat 1808 gegen Neapel und Sicilien vertauschte, an 
Frankreich zurück und blieb unter französischer Herrschaft, bis im J. 181 3 die Truppen 
der Verbündeten einzogen. Der Wiener Kongress brachte die Vereinigung des Gross- 
herzogtums mit Preussen; am 22. April 18 16 wurde der Regierungsbezirk Düsseldorf 
gebildet Der Kreis Mettmann war 1820 mit dem Kreise Elberfeld verschmolzen wor- 
den. Im J. 1 860 wurden Barmen und Elberfeld eigener Verwaltung unterstellt und der 
übrigbleibende Teil des Kreises Elberfeld als neuer Kreis Mettmann mit der Kreis- 
stadt Mettmann ausgeschieden. Die Stadt Remscheid wurde erst 1888 von dem 
Kreise Lennep abgetrennt. 

In geonostischer Beziehung gehört das Gebiet unserer Kreise dem rheinisch- 
westfälischen Grauwackengebirge an. Der eigentliche Gebirgsstock besteht im Kreise 
Mettmann aus dem dem Oberdevon angehörenden Vemeuilischiefer, in den Kreisen 
Lennep und Solingen fast ausschliesslich aus dem Lenneschiefer des Mitteldevon. 
Im Thale der Wupper um Elberfeld und Barmen, in der tief eingeschnittenen Thal- 
mulde von Elberfeld nach Gruiten zu und am Westabhang des Vemeuilischieferstockes 
im Norden, von Wülfrath bis Heiligenhaus, treten die dem Lenneschiefer unter- 
geordneten Kalklager zu Tage. Von Osten her schneidet in den Kreis Mettmann 
die Flötzleere mit einem spitzwinkligen Dreieck ein. Nur in den westlichen Teilen 
des Kreises Mettmann, von Mettmann und Wülfrath an, herrscht das Diluvium vor, 
das sich auch als schmaler Grenzstreifen mitten durch den Kreis Solingen zieht, den 
Lenneschiefer des Berglandes von dem Alluvium des Flachlandes scheidend. Der 
Kohlensandstein und der dunkelbraune Thonschiefer boten nur wenig brauchbares 
Material für eine grosse Bauthätigkeit. Auf Zierformen musste so in den meisten 
Fällen Verzicht geleistet werden; wo sie sich finden, bestehen sie aus Tuff, der 
von den Rheinhäfen her mühsam auf schlechten Wegen nach den bergigen Hinter- 
lande transportiert werden musste. 



LITTERATUR. 

I. Allgemeine Darstellungen und politische Geschichte. W. Teschen- 
MACHER, Annales Cliviae, Juliae, Montium, Marcae, Westphalicae , Rayensbergae, 
Geldriae et Zutphaniae, Frankfurt und Leipzig i72i. — J. Th. Brosius, Juliae Mon- 
tiumque comitum marchionum et ducum annales, 3 Bde., Köln i73i. — Zwei 
geographische Beschreibungen des Herzogtums Berg aus dem 1. Drittel des 18. Jh. 
I. Topographia ducatus Montani von E. Ph. Ploennies (i7i5). IL Beschreibung der 
vornehmen Handelsstädte und Flecken Bergischen Landes, von JoH. Wülffing (i729): 
Berg. Zs. XIX, S. 81 — i7o. — A. Borheck, Archiv für die Geschichte, Erdbeschrei- 
bung, Staatskunde imd Altertümer der deutschen Nieder- Rheinlande, Elberfeld 1800. 
— Ders., Geschichte der Länder Cleve, Mark, Jülich, Berg imd Ravensberg, Duisburg 

i77 



6 EINLEITUNG 

1800. — Th. J. J. Lenzen, Beyträge zur Statistik des Herzogtums Berg, 2 Hefte, 
Düsseldorf 1802. — Joh. Schmidt, Geschichte und Geographie des Herzogtums 
Berg und seiner Herrschaften, Krefeld i8o4. — Joh. Moritz Schwagers Bemerkungen 
auf einer Reise durch Westfalen bis an und über den Rhein, Leipzig i8o4. — J. A. 
Engels, Denkwürdigkeiten der Natur und Kunst ... in den königlich preussischen 
Niederrheinischen Provinzen, Elberfeld 18 19. — Die preussische Rheinprovinz in drei 
Perioden ihrer Verwaltung, Köln 181 7. — Benzenberg, Über Pro vinzial -Verfassung 
mit besonderer Rücksicht auf die vier Länder Jülich, Cleve, Berg und Mark, Hamm 
181 9. — Neigebaür, Darstellung der provisorischen Verwaltungen am Rhein vom 
J. i8i3 — i8i9, Köln 1821. — F. E. v. Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter, 
Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Köln i833 — 1844, 12 Hefte. — J. F. Knapp, 
Regenten- und Volksgeschichte der Länder Cleve, Mark, Jülich, Berg und Ravens- 
berg von Karl dem Grossen bis auf die Vereinigung mit der preussischen Monarchie, 
3 Bde., Krefeld i836. — Montanus, Die Vorzeit der Länder Cleve, Mark, Berg und 
Westfalen, 3 Bde., Solingen i837. — Dasselbe in wissenschaftl. Umarbeitung von 
W. V. Waldbrühl u. Montanus, Elberfeld i87i. — E. Heinel, Geschichte der 
Herzogtümer Cleve, Jülich und Berg bis zur Vereinigung mit dem Kurfürstentum 
Brandenburg, Berlin i84i. — E. Höi.terhoff, Vaterlandskunde, zunächst für die 
preussische Rheinprovinz, Solingen i84i. — Jos. Strange, Beiträge zur Genealogie der 
adligen Geschlechter, 9 Bde., Köln i864 bis i869. — A. Fahne, Geschichte der Kölni- 
schen, Jülichschen u. Bergischen Geschlechter, 2 Bde., Köln i848. — Ders., Geschichte 
der Westfälischen Geschlechter, Köln i858. — Ders., Die Dynasten, Freiherren und 
jetzigen Grafen von Bocholtz, 4 Bde. in 6 Abteilungen, Köln i856 — 1863. — Ders., 
Forschungen auf dem Gebiete der Rheinischen und Westfälischen Geschichte, 5 Bde. 
in 8 Abteilungen, Köln i864 — 1876. — Ders., Denkmale und Ahnentafeln in Rhein- 
land und Westfalen, Köln i876 — 1883, 6 Bde. — Ders., Chroniken und Urkundenbücher 
hervorragender Geschlechter, Stifter und Klöster, Köln 1862 — 1880, 5 Bde. — G. von 
Amyntor, Peter Quidams Rheinfahrt, Stuttgart i878. — A. v. Haeften, Überblick 
über die Niederrheinisch-Westfölische Territorialgeschichte bis zum Anfang des i5. Jh.: 
Berg. Zs. H, S. i; III, S. 224. — L. Driesen, Fünf Bücher niederrheinischer Ge- 
schichte. III. Geschichte der Grafschaft Berg von den ältesten Zeiten bis i3oo: 
Westf. Zs. XV, S. io5. — Karl Kunze, Die politische Stellung der niederrheinischen 
Fürsten in den J. i3i4 — 1334, Göttingen 1886. — v. Woringen, Historische Dar- 
stellung der Bildung des vormaligen Herzogtums Berg: v. Ledebur, Allgem. Archiv 
XVII, S. 3o5. — W. Crecelius, Der Geldrische Erbfolgestreit zwischen Kaiser Karl V. 
und Herzog Wilhelm von Jülich, Berg und Cleve (i538— 1543): Berg. Zs. XXIII, 
S. 5o. — K. J. WiEBEKiNG, Beiträge zur Kur -Pfalzischen Staatengeschichte vom 
J. 1 77 2 — 1 79 2, vorzüglich in Rücksicht des Herzogtums Jülich imd Berg, Heidelberg 
i793. — Chr. Jag. Kremer, Akademische Beiträge zur Jülich-Bergischen Geschichte, 
^ Bde., Mannheim i769 — i78i. — M.Jos. Mertens, Geschichtliche Nachrichten über 
Düsseldorf und über das Herzogtum Berg bis zum Ende des i5. Jh. in C. G. A. 

i78 



EINLEITUNG 7 

Martins Wegweiser Düsseldorfs, Düsseldorf i8i7, S. 64. — Die Helden der Republik 
und Bürger und Bauern am Niederrhein in den letzten Jahren des vorigen Jh., vom 
Verfasser der deutschen Kokarde, Elberfeld i85i. - Rudolf Goecke, Das Gross- 
herzogtum Berg unter Joachim Murat, Napoleon I. und Louis Napoleon 1806 — 181 3, 
Kohl i877. — Friedrich Spengler, Geschichte des Bergischen Landes, Barmen 
1868. — Arthur Koernicke, Entstehung und Entwickelung der Bergischen Amtsver- 
fassung bis zur Mitte des i4. Jh., Dissert. Bonn i892. Dazu Harless, in der Berg. 
Zs. XXIX, S. 279. — Georg von Below, Die landständische Verfassung in Jülich 
und Berg bis zum J. i5ii: Berg. Zs. XXT, S. i73; XXII, S. i. — W. Harless, Bei- 
träge zur Kenntnis der Vergangenheit des Bergischen Landes in Skizzen zur Geschichte 
vom Amt und Freiheit Hückeswagen, Düsseldorf i89o. Auch in der Berg. Zs. XXV 
S. I — 262. — Georg von Below, Geschichte der direkten Staatssteuem in Jülich und 
Berg bis zum geldrischen Erbfolgekriege: Berg. Zs. XXVI, S. i; XXVIII, S. 1; XXIX, 
S. I. — Wilhelm Crecelius, Beiträge zur Bergisch-Niederrheinischen Geschichte, 
Elberfeld i89i. Auch in der Berg. Zs. XXVII. 

2. Statistik. J. A. Demi an. Geographisch-statistische Darstellung der deut- 
schen Rheinlande nach dem Bestände vom i. August 1820, Koblenz 1820. — v. Restorff, 
Topographisch-statistische Beschreibung der preussischen Rheinprovinzen, Berlin i83o. 

— V. ViEBAHN, Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf, Düssel- 
dorf i835. — V. MüLMANN, Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf, 2 Bde., Iserlohn 
i864 — 186 7. — J. VosNACK und O. v. Czarnowsky, Der Kreis Lennep, topogra- 
phisch, statistisch, geschichtlich dargestellt, Remscheid i854. — Statistische Darstellung 
des Kreises Mettmann, nach amtlichen Quellen bearbeitet unter Leitung des König- 
lichen Landrats Freiherm von der Goltz, Langenberg i864. — J. F. Knapp, Ge- 
schichte, Statistik und Topographie der Städte Elberfeld und Barmen im Wupperthale, 
Barmen i835. — Statistische Darstellung des Stadtkreises Elberfeld, unter besonderer 
Berücksichtigung der Verhältnisse der J. i864 bis 186 7, Elberfeld i869. — Statistik des 
Stadtkreises und der Oberbürgermeisterei Barmen. Barmen i867. — W. Mebus, Versuch 
einer geographisch -statistischen Beschreibung des Kreises Solingen, Köln i83o. — 
Georg Freiherr VON Hauer, Statistische Darstellung des Kreises Solingen, Köln 1 83 2. 

— C. F. Melbeck, Statistische Darstellung des Kreises Solingen, Solingen 1860. — 
LüLSDORF, Zur Geschichte des Kreises Solingen, Bonn i865. 

3. Rechts- und Verfassungsgeschichte, v. Kamptz, Die Provinzial- und 
statutarischen Rechte in der preussischen Monarchie, Berlin 1828, III, S. 11 4, i36, 
166, 206. — J. F. Benzenberg, Über Provinzial- Verfassung mit besonderer Rücksicht 
auf die vier Länder Jülich, Cleve, Berg und Mark, Hemen i8i9, II. — J. J. Scotti 
Sammlung der Gesetze und Verordnungen, welche in den ehemaligen Herzogtümern 
Jülich, Cleve und Berg und in dem vormaligen Grossherzogtum Berg . . . ergangen 
sind (von i475 — i8i5), 4 Bde., Düsseldorf 1821 — 1822. — Gosw. Jos. de Buiningk, 
Tentamen historicum de ordinationibus provincialibus Juliacensibus, Montensibus nee 

i79 



8 EINLEITUNG 

non variis earundem editionibus, Duisburg i794. — Melchior Voetz, Historia iuris 
civilis Juliacensium et Montium, Köln i667 (5. Aufl. i762). — Chr. Sommer, Praktischer 
Kommentar über die Jülich- Bergische Rechtsordnung mit Verbesserungs vorschlagen, 
Köln i8o4. — Widerholung aller derjenigen Edikten und General - Verordtnungen, 
welche wegen der in beyden Herzogthumben Gülich und Berg üblichen Steuer-CoUec- 
tationen und darin einschlagender Materien vor und nach ausgegangen seynd, Düssel- 
dorf i7i5. — Fr. Alef, Dissert. de iuribus et praerogativis ducatuum Juliae et Montium, 
Heidelberg i75i (auch in seinen opusculis p. 7773). — G. J. v. KLnapp, Beiträge zur 
Jülich- und Bergischen Landesgeschichte oder Anleitung zur Kenntnis der Jülich- und 
Bergischen Lehne, i79i. — Fr. G. Schleicher, Abhandlung vom Ursprung und Eigen- 
schaft der Gülich- und Bergischen Lehne, Elberfeld iSoo. — C. A. Rennen, Bemer- 
kungen über das Bergische Landrecht, Düsseldorf i8o3. — Theodor Corner, Abhand- 
lung über den vorzüglichen Unterschied zwischen den ehemaligen Landesrechten .... 
von Köln, Jülich und Berg, Köln 1826. — O. Schell, Die alten Kirchenbücher im 
Landgerichtsbezirk Elberfeld: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen 
Geschichts- u. Altertumsvereins XL, i892, S. 102. 

4. Kirchengeschichte. J. P. Berg, Reformationsgeschichte der Länder 
Jülich, Cleve, Berg, Mark, Ravensberg, herausgegeben von Ludw. Tross, Hamm 1826.' 
— C. H. E. VON Oven, Über die Entstehung und Fortbildung des evangelischen 
Kultus in Jülich, Berg, Cleve und Mark, Essen 1828. — Ders., Die Presbyterial- und 
Synodalverfassung in Berg, Jülich und Mark, Essen 1829. — J. A. von Reckling- 
hausen. Reformationsgeschichte der Länder Jülich, Berg, Cleve, Meurs, Mark, West- 
falen, Bd. L und II, Elberfeld 18 18, Bd. III, herausgegeben von C. H. E. von Oven, 
Solingen i837. — Heinrich Heppe, Geschichte der evangelischen Kirche von Cleve- 
Mark und der Provinz Westfalen, Iserlohn i867. — K. W. Bouterwek, Die Reforma- 
tion im Wupperthale und Peter Los Anteil an derselben: Berg. Zs. IV, S. 273. — 
C. Krafft, Mitteilungen aus der niederrheinischen Reformationsgeschichte: Berg. Zs. 
VI, S. i93; IX, S. ii3. — C. Krafft und W. Crecelius, Beiträge zur Geschichte 
des Humanismus in Rheinland und Westfalen: Berg. Zs. XI, S. i. — A. W. Freiherr 
VON DER Goltz, Der Ceremonienstreit in Lennep und die damit zusammenhängen- 
den Zerwürfnisse in der Unterbergischen lutherischen Synode: Berg. Zs. XII, S. i; 
XIII, S. 20 7; XIV, S. I. — Max Lossen, Zur Geschichte des Laienkelches am Hofe 
des Herzogs Wilhelm von Jülich-Cleve-Berg: Berg. Zs. XIX, S. i. — Ed. Simons, Die 
älteste evangelische Gemeindearmenpflege, Bonn i894. 

5. Geschichte der Industrie. Nachricht von den Eisen- und Stahlfabriken 
im Herzogtum Berg, aufgesetzt im J. i78i : Deutsches Museum, Leipzig i783, I, S. 24. 
Berichtigung ebenda i784, I, S. 54. — C. Frohn, Ansichten der bergischen Industrie: 
Aschenbergs niederrheinische Blätter III, Dortmund i8o3, S. 534. — Eversmann, 
Übersicht der Eisen- und Stahl- Erzeugung auf Wasserwerken in den Ländern zwischen 
Lahn und Lippe, Dortmund 180 4. — Versuch einer Geschichte der Industrie und 

180 



^ 



EINLEITUNG 9 

des Handels in den niederrheinisch- westfälischen Provinzen des vormaligen Gross- 
herzogtums Berg: Vaterländische Blätter, den Bewohnern des Niederrheins gewidmet, I, 
i8i4, S. 9i, i87. — W. Gebhard, Bericht des Hofkammerrats Fr. H. Jacobi über 
die Industrie der Herzogtümer Jülich und Berg aus denj. i773 und i774: Berg. Zs. 
XVin, S. I. — Von der Verfassung der Tuchfabrik in der Herrschaft Lennep: 
J. W. Bewer, Sammlung einiger bei den Gülich- und Bergischen Dikasterien ent- 
schiedenen Rechtsfälle II, Düsseldorf 1 796, Nr. 47. — W. Crecelius und 

A. Werth, Urkunden zur Geschichte der Gamnahrung im Wupperthale: Berg. Zs. 
XVI, S. 73; XVII, S. ii. — A. v. Daniels, Abschilderung der Schwert- und Messer- 
fabriken in Solingen, Düsseldorf 1802. — R. Gronau, Geschichte der Solinger Klingen- 
industrie, Stuttgart i885. — Alphons Thun, Die Industrie am Niederrhein und ihre 
Arbeiter, II. Die Industrie des Bergischen Landes (Solingen, Remscheid und Elber- 
feld-Barmen) : Staats- und socialwissenschaftliche Forschungen, herausgegeben von 
G. Schmoller, II, 3. Heft, Leipzig i879. — W. Crecelius, Die Industrie im Wupper- 
thale: Berg. Zs. XXVII, S. i94. 

Im übrigen zu vergleichen die Litteraturverzeichnisse zu Elberfeld, Barmen, 
Burg, Lennep, Mettmann, Solingen und zu den Kunstdenkmälem des Kreises Düsseldorf. 



181 



lO EINLEITUNG 



ABKÜRZUNGEN 

für die häufiger genannten Werke. 

Lacomblet, ÜB. — Th. J. Lacomblet, Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins, DUssel- 
dorf 1840—1857, 4 Bde. 

Binterim n. Mooren, E. K. — Binterim u. Mooren, Die alte und neue Erzdiöcese Köln, in Dekanate 
eingeteilt, Mainz 1828 — 1880, 2 Bde. Die 2. Aufl. unter dem Titel: Die Erzdiöcese Köln bis 
zur französischen Staatsumwälzung, bearbeitet von Alb. Mooren, 2 Bde., Düsseldorf 1892 — 1899. 

Binterim u. Mooren, D. C. — Binterim u. Mooren, Rheinisch - westfälischer diplomatischer Codex, 
Mainz 1880, 2 Bde. 

V. Recklinghausen, Ref.-Gesch. — v. Recklinghausen, Reformationsgeschichle der Länder Jülich, 
Berg, Cleve, Meurs, Mark, Westfalen, Bd. I -III, 1818—1887. 

B. J. — Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, I (1841) — XCV (1894). 

Ann. h. V. N. — Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, I (1855) — LVII (1898). 

Berg. Zs. — Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, I (1868) — XXIX (1898). 

Berg. Mon. — Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins I (1894). 

VVestföl. Zs. — [Westfälische] Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, I (1838) 
bis LII (1894). 

Picks Ms. — Monatsschrift für rheinisch-westfälische Geschichtsforschung und Altertumskunde, heraus- 
gegeben von Richard Pick, I u. II (1875, 76). — Monatsschrift für die Geschichte Westdeutsch- 
lands, herausgegeben von dems., III (1877)— VII (1881). 

Wd. Zs. — Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst, herausgegeben von Hettner und 
Lamprecht, I (1882)— X (1891), von Hettner u. Hansen, XI— XIII (1894). 

Lacomblet, Archiv. — Archiv für die Geschichte des Niederrheins I (1882), II (1857), III (1860), 
IV (1863), V (1865), herausgegeben von Lacomblet, NF. 1(1868), 11(1870), herausgegeben 
von Harless. 

Nrh. — Der Niederrhein. Wochenblatt für niederrheinische Geschichte und Altertumskunde, 1878, 
1879, 1884—1886. 

Nrh. G. — Niederrheinischer Geschichtsfreund, I (1879)— VI (1884). 

Aus'm Weerth, Kd. — £. aus'm Weerth, Kunstdenkmäler des christlichen Mittelalters in den Rhein- 
landen, Leipzig 1857 — 1868, 5 Bde. Tafeln und Text. 

Brambach, C. I. R. — W. Brambach, Corpus inscriptionem Rhenanarum, Elberfeld 1867. 

V. Mering, G. d. B. — F. E. v. Mering, Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster 
in den Rheinlanden und den Provinzen Jülich, Cleve, Berg und Westfalen, 12 Hefte, 
Köln 1888—1861. 



Jl 



182 



r 



STÄDTE 



BARMEN, ELBERFELD, 

REMSCHEID. 






^ 



BARMEN. 

1. Allgemeine Darstellungen. E. Ph. Ploennies, Topographia ducatus Liticmtur 
Montani i7i5: Berg. Zs. XIX. S. 8i, 98. — J. Wülffing, Beschreibung der o.meihllge.. 
vornehmen Handelsstädte Bergischen Landes i729: Berg. Zs. XIX, S. ii4, I23, i35. 

— Statistik des Stadtkreises und der Oberbürgermeisterei Barmen, zusammengestellt 
mit besonderer Berücksichtigung der J. 1862, i863 und der Resultate der Volkszählung 
des J. i864 (mit ausführlicher histor. Einleitung), B. i867. Dazu v. Sybels historische 
Zs. XLV, S. 538. — Erster Nachtrag zur Statistik des Stadtkreises Barmen, die J. i865 
bis i867 umfassend, B. 1868. — V. P. Sonderland, Die Geschichte von Barmen im 
Wupperthale, Elberfeld 182 1. — Nachrichten von Barmen und den dahin gehörigen 
Ortschaften: Fabris Geographisches Magazin XIII, S. 88. — Jon. Wilh. Fischer, 
Beiträge zur Geschichte von Barmen, B. i833. — J, F. Knapp, Geschichte, Statistik 
und Topographie der Städte Elberfeld und Barmen im Wupperthale, B. i835. — 
W. Huthsteiner und C. Rocholl, Barmen in historischer, topographischer und statisti- 
scher Beziehung bis zum J. i84i, B. i84i. — W. Langewiesche, Elberfeld und Barmen, 
Beschreibung und Geschichte der Doppelstadt desWupperthales, B. i863. — Freiligrath 
und Schücking, Das malerische und romantische Westfalen S. 23o. — Leithaeuser, 
Barmen im siebenjährigen Kriege: Berg. Mon. I, S. 4o. — Fr. Fabri, Politische Er- 
eignisse des Sommers 1866, B. i867. — Chronolog. Übersicht der 800 jähr. Geschichte 
Barmens: Barmcr Ztg. i883, Nr. i5i (Jubiläumsnummer). — C. Lempens, Geschichte 
des Bergischen Landes in Verbindung mit einer Geschichte der Stadt Barmen, Elber- 
feld i89o. — Ad. Werth, Ober die Höfe im Werth zu Barmen: Berg. Zs. XVI, S. i33; 
XVII, S. 83. — W. Crecelius, Beiträge zur Geschichte Barmens: Berg. Zs. IL S. 3o5; 
IV, S. 212. — Ders., Zur Geschichte Barmens: Berg. Zs. XXVII, S. 259. — Ders., 
Genealogisches aus Barmen: Berg. Zs. XVI, S. i63. — v. Restorff, Beschreibung 
der Rheinprovinzen, S. 375. — v. Mülmann, Statistik I, S. 398. 

2. Kirchen- und Schulgeschichte. Ad. Werth, Die kirchlichen Ver- Kirchen- u 
hältnisse Barmens vor der Reformation: Festgabe für Crecelius S. i89. — Ders., *^ "****^ 
Gedenkblatt a. d. Jubelfeier des dreihundertjähr. Bestehens der reformierten Amts- 
schule in Barmen am 22. Aug. i873, B. i879. — v. Recklinghausen, Ref.-Geschichte 

II, S. 4o3; III, S. 16, 42, 4o8. — Ed. Demmer, Geschichte der Reformation am Nieder- 
rhein, Aachen i885, S. i34, 186. — W. Rogge, Die Gemeinde Wupperfeld, B. i877. 
Dazu C. Krafft i. d. Theolog. Arbeiten aus dem rheinisch-wissenschaftlichen Pre- 
digerverein IV, S. 126. — H. Thümmel, Geschichte der vereinigten Gemeinden Unter- 
barmen, B. i872. — Die Feier der vereinigten evangelischen Gemeinden von Unter- 
barmen, B. 1822. — G. Huyssen, Der Kirchentag in Barmen, Elberfeld 1860. — Zur 
Geschichte der evang.-luth. Gemeinde Wupperfeld in Barmen, B. 1882. — Gründungs- 
geschichte der reformierten Gemeinde zu Gemarke, B. i867. — Oskar Henke, Chronik 
des Gymnasiums zu Barmen, Festschrift zur Einweihung des neuen Gymnasialgebäudes, 
B. i89o. — Zur Geschichte des Städtischen Singvereins in Barmen, B. i877. — Die 

i85 



i4 



BARMEN 



Litteratur 



HandschrifcU 
Quellen 



Ansichten 



Kirchen 



Kirche 

zu Wichling- 

husen 



Kirche zu 
Wupperfeld 



Kanzel 



Glocken 



einzelnen bei den Einweihungen der Kirchen u. s. w. erschienenen Gedenkblätter (mit 
kirchenhistorischen Notizen) sämtlich verzeichnet im Katalog der Bibliothek des Ber- 
gischen Geschichts Vereins S. 29, Nr. 62. 

Handschrift 1. Qu. (ausführlich A. Werth in der Wd. Zs. I, S. 4 12). Im 
Stadtarchiv: Urkunden von i663 an, Akten des i7. und 18. Jh. (aufbewahrt in der 
Stadtbibliothek). — Akten des i7. und 18. Jh., verzeichnet von A. Werth in den 
Archiven der reformierten Gemeinde zu Gemarke, der lutherischen Gemeinde zu 
Wichlinghusen und Wupperfeld, der vereinigten evangelischen Gemeinden zu Unter- 
barmen. 

Ältere Ansichten, i. Lithographie nach Stietz von J. G. Schreiner^ 
49,5 X 34,5 cm, Ansicht des Barmer Thaies, von der Hardt aus. 

2. Plan der Stadtgemeinde Barmen im J. i76i, Zeichnung von/. H. Scklieper, 
in farbiger Lithographie nachgebildet von Hyll und Klein. 

3. Plan von Wupperfeld von F. W. Stagemeier, mit Ansicht, 35,4 x 28 cm. 

4. Ansicht von Unterbarmen bei Freiligrath u. Schücking a. a. O. S. 23o. 
Eine Anzahl weiterer Ansichten in der Sammlung des Bergischen Geschichts- 
vereins. 

Barmen besitzt, seit die i7io — i7i4 erbaute alte reformierte Kirche nieder- 
gerissen ist, nur noch zwei ältere Kirchen. 

Zunächst die alte LUTHERISCHE KIRCHE zu WICHLINGHUSEN, 
begonnen i742, aber erst im J. i745 vollendet, nachdem die Gemeinde bis i744 mit 
Schwelm vereinigt war, ein schmuckloser Bau ohne architektonische Bedeutung. Der 
rechteckige Saalbau, i7,5o m lang, ii,5o m breit, ist mit einer flachen Decke ver- 
sehen. Der viereckige Turm ist mit einer offenen achtseitigen Laterne gekrönt. Im 
Innern ein Predigtstuhl aus der Mitte des 18. Jh. in einfachen und derben Rokoko- 
formen. 

Als zweite die alte LUTHERISCHE KIRCHE zu WUPPERFELD. Die 
Gemeinde war bis i778 mit Schwelm vereinigt; zur Kirche wurde der Grundstein am 
24. März i779 gelegt, im August i78i eingeweiht. Schlichter rechtwinkliger Saalbau, 
27 m lang, 18 m breit, durch ein Tonnengewölbe überspannt, mit auf drei Seiten 
herumgeführter Empore; der Westturm mit geschweifter Haube und offener acht- 
seitiger Laterne. 

Kanzel, reich geschnitzter Rokokoaufbau von guten Formen, mit schönen und 
zierlichen Motiven, überragt von dem mächtigen, gleichfalls geschnitzten Schalldeckel. 
An Orgel imd Orgelbühne ähnliche Verzierungen. Hinter dem Altartisch ein grosses 
Oelgemälde von Kolbe^ vom J. 1822, darstellend Jesus und die Jünger in Emmaus. 

Die Glocken sind, die grösste i783, die beiden anderen i78i gegossen und 
tragen die Inschrift: me fudit Christian voigt duc. cliviae isselbürgensis. Auf 
der I. und 3. sind die Namen der Mitglieder des Konsistoriums von i783 und i78i 
verzeichnet, auf der 2. die Namen der Stifter der Gemeinde. Ausserdem die Inschriften : 

1. PSALM 67, 7 — 8. ES SEGNE UNS GOTT, UNSER GOTT, ES SEGNE UNS GOTT 
UND ALLE WELT FÜRCHTE IHN. 

DAS GANZE BARMEN BLÜH UND UNSERER GEMEINDE FEHLE ES 
AN GOTTES SEGEN UND AN SCHUTZ DES FÜRSTEN NIE, 
IHR FLOR UND WOHLSTAND STEIG MIT JEDEM SONNENSCHEINE, 
SIE wachs', besteh' und blüh', bis JESUS RICHTET, BLÜHE SIE. 

2. ERINNERE SIE, DASS SIE DEM FÜRSTEN UND DER OBRIGKEIT UNTERTHAN 
UND GEHORSAM SEIEN. 



186 



DER FÜRST CARL THEODOR, DEN WIR ALS VATER EHREN, 

DEM HERRN SEI DANK, DER IHN ZUM HERRSCHER UNS GEGEBEN, 
ER IST ES WERTH, DASS STETS, SO OFT WIR DIESE GLOCKEN HÖREN, 
GEBET ERSCHALLE FÜR SEINES SCEPTERS DAUER UND SEIN LEBEN. 

3. JAUCHZET GOTT MIT FRÖHLICHEM SCHALLE. 
f^OTT war's, der uns ZU DIESEM TEMPEL HALF NACH LANGEM STREBEN, 
ER GAB ZUM ZWEITEN GLOCKENGUSS AUCH GLCCK, 
ZU JAUCHZEN IHM MIT LAUTEM SCHALLE SEI JEDF.S HERZ REREIT, 
ER SCHENK UNS FERNER SEINEN VATERBLICK. 

Unler den PRIVATHÄUSERN Barmens ist der altere Typus des herrischen r 
Fachwerkhauses verhältnismässig wenig vertreten. Einer der ältesten Bauten ist hier 




Mutlitpliti 



der Gasthof ;^iini Schloss Benratli am Alten Markt, ein niedriges langgestrecktes Ge- 
bäude, dem ein Mittelrisalit vortritt, die Wände verputzt, die kleinen Fensler mit 
vielen kleinen Scheiben und Holzläden. Der Mittelgiebel über dem Risalit ist mit 
Holzschindeln verkleidet, aber ganz in der Musterung der Schieferplatten. In der 
Giebelecke selbst ein grosser Krahn. 

Ab Typus der einfachen Palrizierhauser vom Anfang des iS.Jh. kann das 
W. P. Wichelhausensche Haus am Marktplatz vom J. i7oi gelten (Fig. i). Die in 
der Mitte der Vorderseite gelegene Deck tritt in der Fat^ade als Risalit vor und ist 
durch einen besonderen Giebel abgeschlossen, zu dem Portal führt eine einfache 
Freitreppe empor. Direkt hinter der Diele liegt die Küche, zur Seite Offnen sich 
die ThOren zu den Wohnräumen, links liegen die Keller. Die Grundrissdisposition 

I87 



1 6 BARMEN 

Privathäuscr Zeigt die grossc Verwandtschaft dieser Klasse von Gebäuden mit dem westfälischen 
Bauernhaus. 

Rokokobsiuen Das Wichelhauseusche Haus vertritt den Übergang zu den Rokokobauten 

der Mitte des i8. Jh. In der i. H. dieses Jh. entwickelt sich der T3q)us des späteren 
bergischen Fachwerkhauses, der zu dem des älteren Fachwerkhauses teilweise in 
Gegensatz tritt. Die Grundrissdisposition und die Gliederung der Fa9ade, wie sie 
das Wichelhausensche Haus angab, wird beibehalten. Der horizontale Abschluss 
der Fenster und die einfache rechtwinkelige Profilierung der Gewände wird auf- 
gegeben; dafür treten die Spitzbogen und ein gedrückter geschweifter Flachbogen 
ein, und alle Profile werden reicher und mannigfaltiger behandelt, die Gewände vielfach 
abgestuft, in die Mitte des oberen Abschlusses tritt mit Vorliebe eine feingezeichnete 
Cartouche oder eine Arabeske. Die Fenster neben dem Portal rücken eng an dieses 
heran und werden lang und schmal, über dem Portal tritt gewöhnlich ein reichge- 
schnitztes durchbrochenes Oberlicht hinzu. Dazu kommt jetzt die grüne Farbe für 
die Holzjalousien auf, die zu den weissen Fenstereinrahmungen und der schwarz- 
blauen Schieferbekleidung einen anmutigen Kontrast bilden. 

Die Alleestrasse enthält eine ganze Anzahl von charakteristischen Vertretern 
dieser Gattung, einzelne wie Nr. ii7, mit originellem Giebelaufsatz. Als besonders 
regelmässige Anlage darf das Doppelhaus 180/182 in der Alleestrasse bezeichnet 
werden. Hier erhebt sich über der acht Axen langen Fa^ade ein breiter Mittelrisalit 
von vier Axen. In dem gebrochenen Dach entsprechen den unteren Fenstern 
zierliche Mansarden. Zwei Portale, je mit zwei schmalen Vorhallenfenstem zur Seite, 
öffnen sich nach der Strasse, Freitreppen führen zu ihnen empor. An dem Hause 
Alleestrasse i58 ist der Portalbau mit der etwas eingerückten Vorhalle ganz in Empire- 
formen gehalten. 

Herrschaftliche Die innere Stadt besitzt eine ganze Reihe von Bauten von herrschaftlichem 

Charakter, die doch die Einzelformen des Rokokohauses beibehalten haben. In der 
ornamentalen Behandlung der Oberlichter, der Thürumrahmungen, der Giebel- 
füllungen, der Thürflügel selbst, die eine grosse Anzahl guter und feiner kunstgewerb- 
licher Vorbilder geben, nehmen diese Bauten zum Teil eine hohe Stufe ein. Zwei 
der reichsten Häuser dieser Art finden sich in der Unterbömerstrasse Nr. 96 und 
Nr. 106. Das erste, vom J. i774, zeigt über dem Portal ein geschnitztes Oberlicht 
mit zierlicher Laterne, an den Kanten Eckpilaster mit Kapitalen, dazu nach der 
einen Schmalseite einen höchst originellen Ausbau für den Krahnen, der aus der 
Giebelluke hervorragt. Die Fenster — nicht als Flügel behandelt, sondern ganz in 
die Höhe zu schieben — sind im oberen Abschluss mit einer geschnitzten Blume 
verziert. Ähnliche Fenstereinrahmungen zeigt das Haus Nr. 106, an dem auch die 
Fenster selbst ganz unverändert geblieben sind, nur ist hier nicht das alte Portal 
erhalten. 

Sammlung des Die SAMMLUNG des Bergischen Geschichtsvereins, Lokalabteilung 

erg. esc.. *•"• ßg^j-jj^gj^^ begründet f869, provisorisch im Rathause aufgestellt, enthält Bilder, Ur- 
kunden, Proklamationen der Bergischen Landesherren, eine ziemlich vollständige 
Kollektion der Pläne und Ansichten von Barmen, endlich eine reichhaltige Zusammen- 
stellung zur Geschichte der Industrie des Wupperthales an alten und neuen Erzeug- 
nissen und an Akten und Urkunden, sowie Portraits von berühmten Männern aus 
Barmen und dem Wupperthale. Die Sammlungen sollen zusammen mit der des 
Barmer Kunstvereins in der Kaiser Wilhelm - Gedächtnishalle aufgestellt werden 
(Mitteilungen des Herrn Adolf Werth). 

188 



ELBERFELD I 7 



ELBERFELD. 

I. Allgemeine Darstellungen. E. Ph. Ploennies, Topographia ducatus Littemtur 
Montani i7i5: Berg. Zs. XIX, S. 8i, 97. — J. Wülffing, Beschreibung der vor- d^"«*";!«*;» 
nehmen Handelsstädte Bergischen Landes i729: Berg. Zs. XIX, S. ii4, 122, i34. — 
Ansichten einer Reise durch das Clevische und einen Teil des Holländischen über 
Crefeld, Düsseldorf und Elberfeld i794. — Bemerkungen über Düsseldorf und Elber- 
feld auf einer Reise von Köln nach Hamm o. Jahreszahl (um i795). — Vaterländische 
Bemerkungen, in der Einfalt seines Herzens gesammelt von Jacob Kirberg, E. i796. 
Dazu W. Crecelius, in der Berg. Zs. XXVII, S. 201. — Blick auf den Elberfelder 
Bezirk: Vaterländische Blätter, den Bewohnern des Niederrheins gewidmet I, 181 4, 
S. 200, 281; II, 181 5, S. 99. — A. Klebe, Reise auf dem Rhein, Frankfurt a. M. 
1806, S. 6o4. — Sakolnicki, Coup d*oeil sur le Canton d'Elberfeld, Paris 181 1. — 
Ders., Ereignisse der J. 18 18 und 18 19, E. 1820. — Brüning, Ereignisse der J. 1816 
und i7 in der Stadt Elberfeld, E. 18 18. — Ders., Elberfeld und seine bürgerliche Ver- 
fassimg vom i5. Jh. bis auf die neueste Zeit, E. i83o. — Ders., Die Gerichtsverfassung 
der Stadt und des Landgerichts Elberfeld vom 16. Jh. bis auf die neueste Zeit, E. i835. 

— Wächter, Korrespondenz des Provinzialrats Theremin über die Verwaltung der 
Stadt Elberfeld 1806 und i8o7: Berg. Zs. XXIII, S. 237. — J. F. Knapp, Geschichte, 
Statistik und Topographie der Städte Elberfeld und Barmen im Wupperthale, Barmen 
i835. — Annalen der Stadt Elberfeld von i8i4 bis i839 von Brüning und Carnap, 
9 Bde. — K. ScHULTZE, Elberfeld und seine Barrikaden, Meurs i847. — Al. Kurs, 
Elberfeld- Barmen: Braunschw^eiger Tageblatt i879, Nr. 239, Extrabeilage. — W. Fricke, 
Wupperthaler Novellen oder geschichtliche Erzählungen aus der Vorzeit Elberfelds 
und Barmens, 2 Bde., Barmen i885. — A. Sincerus, Ein Gang durchs Wupperthal 
in diesem Jh., Heilbronn 1886. — C. Lempens, Geschichte der Stadt Elberfeld von 
den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, E. 1888. — v. Restorff, Beschreibung der 
Rheinprovinzen S. 37 i. — v. Mülmann, Statistik I, S. 4i2. — K. Gh. Beltz, Elberfeld 
im Mai i849. Die demokratischen Bewegungen im Bergischen und der Grafschaft 
Mark, E. i849. — Die gro.sse Schlacht bei Reralingrode oder der Sieg der Bergischen 
Bauern über die Elberfelder Allerwelts -Barrikadenhelden am i7. Mai i849, Koblenz 
i849. — C. Hecker, Der Aufstand zu Elberfeld im Mai i849, E. i849. — Der Prozess 
gegen die Mai- Angeklagten in Elberfeld, E. i85o. — Karl Coutelle, Topographisch- 
statistische Darstellung, E. i853, Nachtrag vom J. i854. — W. Langewiesche, Elber- 
feld und Bannen, Geschichte dieser Doppelstadt des Wupperthales, Barmen i963. — 
F. Freiligrath und L. Schücking, Das malerische und romantische Westfalen S. 23 1. 

— Statistische Darstellung des Stadtkreises Elberfeld, unter besonderer Berücksichtigung 
der Verhältnisse der J. i864 — 1867, E. i869. Dazu v. Svbels Histor. Zs. XLV, 
S. 538. — W. Harless, Der erzbischöfliche Hof und die Burg Elvervelde bis zum 
i5. Jh.: Berg. Zs. I, S. 226. — Ders., Herrlichkeit, Amt und Freiheit Elberfeld vom 
i5. — 17. Jh.: Berg. Zs. I, S. 239. — Ders., Beiträge zur Geschichte Elberfelds: Berg. 
Zs. II, S. 2 73. — W. Crecelius, Die Verfälschung der Elberfelder und Bergischen 
Geschichte durch Aschenberg: Berg. Zs. I, S. 269. — Ders., Die alte Gerichtsstätte in 
Elberfeld: Berg. Zs. IV, S. 84. — Ders., Die ersten Juden in E.: Berg. Zs. VI, S. 181. 

— Ders., Weistum von E. : Berg. Zs. IX, S. 53. — Ders., Zur Geschichte des Wupper- 
thales: Berg. Zs. XXVII, S. i34. — Ed. Lucas, Urkunden zur Geschichte des Elber- 

i89 



i8 



ELBERFELD 



Kirchen- 
geschicht« 



Litte ratur fcldcr Buchdruckcrkunst : Festgabe für W. Crecelius S. 223. — v. Carnap, Zur Ge- 
schichte des Wupperthales : Berg. Zs. I, S. 54. — C. Pols, Am Kolk: Berg. Zs. VII, 
S. 3o7. — Eduard Aander -Heyden, Geschichte des Geschlechtes der Frhr. von 
Elverfeldt, im Auftrage des Gesamthauses herausgegeben, 3 Bde., Urkunden imd Re- 
gister, Elberfeld i883 und i886. — Schoenen, Über rheinisch -fränkische Dialekte 
und die Elberfelder Mundart: Programm der Realschule I. Ordnung zu Elberfeld 
i865 und i877. 

2, Kirchengeschichte. B. H. Vogt, Religionsprobe, wie dieselbe anfangs 
von dem . . Pastor zu Gotteswickershamm .... Schmidt verfasset, nachher von dem 
Pastor A. Spitzbart zu Elberfeld wieder aufgelegt, Berlin i754. — Ders., Religions- 
probe von den Elberfelder Bewegungen wegen des Büchleins von Anbetung der 
Heiligen und des römisch-katholischen Fegfeuers, Frankfurt i754. — C. H. E. v. Oven, 
Über die Entstehung und Fortbildung des evangelischen Kultus in Jülich, Berg und 
Mark, Essen 1828. — v. Recklinghausen, Ref.-Geschichte II, S. 342, 395; III, S. 3, 
4o6. — E. Demmer, Geschichte der Reformation am Niederrhein S. 4, 96. — H. Heppe, 
Zur Geschichte der Evangelischen Kirche Rheinlands und Westfalens I, S. 422. — 
A. S. Jaspis, Lebensbilder aus der früheren Vergangenheit der evangelisch - lutheri- 
schen Gemeinde zu Elberfeld, i852. — Ders., Feier des 5. Juli i852 bei der luthe- 
rischen Gemeinde in Elberfeld als des 1 00jährigen Jubiläums ihrer ersten Kirche, i852. 
— E. W. Krummacher, Lebensbild Gottfr. Dan. Krummachers, evang. ref. Pastors in 
Elberfeld von 1816 — 1837, E. 1880. — W. Leipoldt, H. E. Rauschenbusch, weiland 
Pastor der evangelisch-lutherischen Gemeinde Elberfeld in seinem Leben und Wirken, 
Barmen i84o. — Carl Pols, Die lutherische (Gemeinde in Elberfeld, E. 1868. — 
L. V. Rohden, Geschichte der Rheinischen Missionsgesellschaft, Barmen i856. — 
A. Frowein und K. Pols, Das erste gottesdienstliche Gebäude der Protestanten in 
Elberfeld: Berg. Zs. IX, S. i74. — W. Crecelius, Die kirchlichen Verhältnisse in 
der Freiheit Elberfeld vor der Reformation: Berg. Zs. I, S. 252. — Ders., Urkundliches 
über die Kirche zu Elberfeld: Berg. Zs. X, S. 161. — Ders., Zur Elberfelder Kirchen- 
geschichte: Berg. Zs. XXVII, S. 208. — J. Holtmanns, Die Veräusserung des Stein- 
becker Pastoratsgutes zu E.: Festgabe für W. Crecelius S. 216. — Die Elberfelder 
Allgemeine Armenanstalt: Aschenbergs Niederrheinisch- westfälische Blätter IV, i8o3, 
S. 7o5. — L. Scheibe, Zeittafel der Geschichte der Lateinschule imd des aus ihr 
hervorgegangenen Gymnasiums in Elberfeld mit einer Probe aus der Hist. narratio 
C. Sibelii, E. i893. — W. Harless, Zur Elberfelder Kirchen- und Gelehrtengeschichte: 
Berg. Zs. XXVIII, S. 2o7. — Die Feier des Sojährigen Jubiläums der Realschule I 
in Elberfeld 1880 und Festschrift hierzu. — Die weiteren Elberfeldensia, Programme, 
Kataloge, Statuten, Verwaltungsberichte, Denkschriften, Gelegenheitsblätter verzeichnet 
von O. Schell in dem Katalog der Bibliothek des Bergischen Geschichtsvereins 
S. i76, Nr. I— 159. 

Handschriftl. Qu. (ausführlich Wd. Zs. I, S. 4i3, Nr. in— Ii7). Im Stadt- 
archiv: 5 Urkunden von 16 10 an, Akten der Bürgerbücher u.a. aus dem i7. u. 18. Jh. 

Im Landgericht: Tauf-, Kopulations- und Sterberegister des Landgerichts- 
bezirks Elberfeld seit dem Ende des i7. Jh. (vgl. O. Schell in dem Korrespondenz- 
blatt des Gesamtvereins des deutschen Geschichts- und Altertumsvereins XL, i892, 
S. 102). 

Im Archiv der reformierten Gemeinde (aufbewahrt im Gemeinde-Armen- 
hause): Urkunden von i428 an (Abschrift der älteren in der Bibliothek des Bergischen 
Geschichts Vereins, die älteste gedruckt Berg. Zs. I, S. 253). 



Handuchriftl. 
Quellen 



i9o 



ELBERFELD l9 

Im Archiv der lutherischen Gemeinde: Urkunden von i695 an. Litteimur ' 

In der Bibliothek des Bergischen Geschichtsvereins zu Elberfeld: 
Urkunden und Akten zur Geschichte des Wupperthales (Wd. Zs. I, S. 4i4). Die Hand- 
schriften (i32 Nummern) verzeichnet von O. Schell im Katalog der Bibliothek des 
Bergischen Geschichtsvereins S. i58 — 166. Darunter Jon. Merken, Merkwürdige 
Schicksaale und sonderbahre Begebenheiten der berühmten Kauf- und Handelsstadt 
Elberfeld, geführt bis i78o (Hs. 24). — Annales Synodales Montenses od. Gedächtnis- 
rolle und Namenregister der Evangelisch-reformierten Prediger im Herzogtum Berg 
von JoH. Herm. Ovenius (i693 — 1749, vgl. v. Recklinghausen, Ref.-Geschichte I, 
S. 4io), (Hs. 62). — Chronik des Klosters Nazareth von 1616 — 1789 (Hs. 96). — 
Centuria prima ab anno 1 5 89 — 1689, Auszug aus den Akten der Synoden (Hs. i3o). 
— Elberfelder Kellnerei-Rechnung von i4o8 ab (Hs. 122). — Lagerbuch des Kirch- 
spiels E. von i644 (Hs. I24). — Elberfelder Zehntenliste von i648 ab, Gemarken- 
Umgangs -Visitation von i675, Amtsrechnung von i699 ab (Hs. I25, 126, 12?). — 
Handschriftl. Collektaneen von Oligschläger, Bouterwek, Cleff. Im Depositum 
des Vereins: Protokollbuch des Hofgerichts zu Elberfeld vom J. 1608, Elberfelder 
Verzichtbuch vom J. i573 (Hs.). 

Ansichten und Pläne, i. Grundriss von Amthaus, Kirche und Freiheit mit Aniichteu 
Umwallung, bezeichnet: Eigentlicher Augenschein und Ichnographischer Abriss des 
fürstlichen Bergschen Ambthaus Elverfeldt, won Johannes von der Waye i598, Kopie 
nach dem nicht nachweisbaren Originale. Damach die Rekonstruktionszeichnung (aus 
der Vogelperspektive) bei G. A. Fischer, Schloss Burg und andere Burgen des Rhein- 
landes S. 5i und Fig. 2. Die geschichtlichen Nachweise über die Burg bei Harless 
in der Berg. Zs. I, S. 226 und A ander- He yden, a. a. O. II, S. i3i. 

2. Vier Gemälde von i684, i687, i696, i74i im Rathaus (s. u. S. 23). Darnach 
Titelkupfer bei Brüning, Ereignisse des J. 1818 und i8i9, E. 1820. 

3. Wahre Vorstellung der berühmten Kauf und Handels Stad Elberfeld, wie 
dieselbe unter der gnädigsten Regierung des Churfürsten . . Carl Theodor . . sich 
presentiret, von /o/i. Merken i775, grosser Plan mit Ansicht aus der Vogelperspektive, 
unten langgestreckte Vedute, 65 '»'49,5 cm. Nachbildung bei Lempens, Geschichte 
von Elberfeld, Titelblatt. 

4. Zeichnung, 49x37 cm, im Besitz des Bergischen Geschichtsvereins, bezeichnet: 

ELVERFELDT IM PROSPEKT VON DER NÖRDLICHEN SEITE VOn /. H. Schlieper l76o. 

5. Stich nach P. T, Schoenian von B, R. Comte, Basel i79i, 5 o, 5X27 cm, Elber- 
feld von der Westseite darstellend. 

6. Kolorierter Stich in Punktiermanier, die Stadt von der Düsseldorferstrasse 
aus darstellend, 47,5x32 cm, 2. H. des 18. Jh. 

7. Ansicht der Stadt von der Hardt, Lithographie nach Stietz von/. G. Schreiner, 
49,6 X 34,5 cm. 

8. Zwei Lithographien vom J. i836 von A. Borum nach Andriessen, Ansichten 
vom Kierberge und von Westen, je 52X37 qm. 

9. Photographien bei W. Langewiesche, Elberfeld und Barmen, Barmen i863. 
Eine Sammlung von späteren Ansichten und Plänen in der Bibliothek des Bergischen 
Geschichtsvereins zu Elberfeld. 

FRÜHMITTELALTERLICHE ANLAGEN. Auf dem Engelnberg, an Frühmmciaiieri. 
der rechten Seite der Wupper und an der linken Seite des Mirkenbaches, befand 
sich ein Steinring (nach Pieper in der Heimatskunde i879, S. i9). Über die Fort- 
setzung der grossen Landwehr durch die Bezirke von Barmen und Elberfeld, vgl. 

i9i 



ELBERFELD 



I 

l 
t 



ELBERFELD 3 1 

Fahne in der Berg. Zs, IV, S. 3i; XIV, S. lS6. — Vgl. auch Fahne, Die Dynasten Fruhmi 
von Bochollz I. S. zSa. — W. Crecelius in der Berg. Zs. XXVII, S. 296. *"' 

Eine zweite Wallburg liegt im Burgholz bei Elberfeld auf einem nach dem w. 
Burgholzbach steil abfallenden Höhenrücken. Sie bildet ein schmalgezogenes Oval 
von ungefähr 9o Schritt Länge und i5 Schritt Breite. Die Urawallung ist fast ganz 
verwischt. Der Platü, der im Volksmund ,am Burggraben' heisst, ist von alten Eichen 
eingerahmt (Mitteilungen des Herrn O. Schell). 

REFORMIERTE R.fo, 

KIRCHE. ^^l 

In Elberfeld, das als einer 
der zwölf Tafelhöfe der köl- 
nischen Erzbischöfe schon 
1 176 erscheint {Lacomblet, 
ÜB. I, Nr. 455), bestand be- 
reits im 12. ]h. eine Kapelle; 
um i3oo wird eine Pfarr- 
kirche genannt (BinTERIM 
und MoOREX, E. K. I. S.261, 
278. — Berg. Zs. XIX, S. 
i3S). Im J. iSii w-urde an 
die alte Kirche ein gothi- 
scher Anbau angefügt (In- 
schrifts.u.). Die Reformation 
fand um iSSa Eingang. Da 
die Kirche im Normaljahr 
1624 in den Händen der 
Reformierten war, verblieb 
sie bei diesen. In dem 
grossen Brande am 22. Mai 
i687 brannte das Kirchen- 
gebäude (Ansicht der roma- 
nischen Kirche auf dem 
ersten Gemälde im Rathaus, 
s. u.) bis auf die Apsis. die 
sogenannte Chorkammer, ab. 
Am 6. April 1688 wurde der 
Grundstein zu einem Neu- 
bau gelegt; <ler Turm wurde 
i689 vollendet, die Kirche —_-_-_. 

am 22. Dezember i69o ein- ^.^3 ^^^^^^^^^ R,f„™i„,. Ki«h,. 

geweiht 

Von der ältesten Kirche des 12. Jh. stammt noch die halbrunde romanische Bejchr 
Apsis, im Lichten 6 m breit, 4,to m tief (Abb. bei Aander-Heyden, Geschichte des 
Geschlechtes von Elverfeldt III, Taf. 2), aus Kohlensandstein errichtet, aussen verputzt. 
Sie ist durch Vertikallisenen und Rundbogenfries gegliedert, durch drei rundbogige 
Fenster erhellt und dient jetzt als Sakristei. Das Innere bt mit einem schweren 
spateren Sterngewölbe mit tiefgeschnittenen Kappen überdeckt In der Sakristei eiD 
von der l687 abgebrannten Kirche stammender Stein mit der Inschrift; anno domihi 

i93 



MV<= UND XXr DIE VERO ALBINI ET 

S UARTYRUM (t2. Juni. — Un- 
richtige Deutung Berg. Zs. V, 
S. i35). ■ 

Das i69o vollendete Langhaus 
ist ein Saalbau mit je sechs PUa- 
stem unter einem Architrave und 
je fünf grossen nindbogigen Fen- 
stern an jeder Langscite. 

Im Inneren Tonnengewölbe, 
weit vorgebaute Empore, im Osten 
die [838 erneute Orgel, darunter 
der Abendmahlstisch und die vor- 
gekragte Kanzel mit rundem Schall- 
deckel, zu einem einzigen Aufbau 
vereinigt 

Der Dachstuht ruht nur durch 
seine eigene Schwere auf den oben 
noch r,3o m starken Mauern. Der 
dreistöckige Turm (Fig. 3) zeigt 
auf allen Seiten grosse durch alle 
drei Stockwerke durchlaufende 
rundbogige Blenden. An den Ecken 
nach Westen sind noch alte gothi- 
sche Konsolchen eingemauert. Die 
geschieferte Zwiebelhaube ist mit 
einer polygonalen Laterne gekrönt. 

Glocken. Alle drei mit der ge- 
meinsamen In.schrift: ME füdit 

CHRISTIAN VOIGT DUC. CLIVIAE 
ISSEL BURGEN SIS AO. |786. 

Die weiteren Inschriften lauten: 

1. ICH RUEE AN GESETZTEN TAGEN 
ZUM GOTTESDIENST UND VORS 

GERICHT, 

AUCH GROSSE NOT DIR .ANZU- 
SAGEN, 

VERACHTE MEINE STIMME NICHT. 

2. ICH GLOCKE TONE NUR, MEIN 

MUND 
IST ERZUNDMEINEZUNGE EISEN, 
DU ABER MIT VERNUNFT BE- 
GABT, 
SOLLST GOTT MIT LEIBUND SEELE 



, ICH RUFE LAUT GENUG, 
BEDENKE, WO ES HAFT; 
DASS MEINE STIMME OFT 
SO WF.NIG NUrZEN SCHAFFT. 



ELBERFELD 



23 



Inschrift 



R a t h M u s 
Gemälde 



LUTHERISCHE KIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. III, S. 3, Lutherische 
4o6. — Carl Pols, Am Kolk: Berg. Zs. VII, S. 3o7. ^''''^^ 

Die in der Kolkerstrasse gelegene Kirche, die i749 begonnen und im J. i752 Gcichichte 
vollendet und eingeweiht wurde, besteht aus einem rechteckigen Saalbau mit einem 
kräftigen vortretenden Turm, der mit auffälliger Materialvergeudung (Mauerstärke im 
Obergeschoss noch i,5o m) aufgeführt ist. Über dem Portal die Inschrift mdccxxxxix. 
CANT. I. MOSE CAP. 28. V. i7. JACOBI CAP. 1. V. 2 2. Zur Seite des sehr grossen Portal- 
fensters die Zahl i75o in Eisenankem; in der Glockenstube, dem obersten Geschoss, 
je zwei Rundfenster. Die in das Achteck übergeführte geschweifte Zwiebelhaube trägt 
eine malerische achtseitige Laterne, die wieder mit einem geschweiften Dach und weit 
ausladendem kegelförmigen Knauf abschliesst. Der Dachstuhl, mit unterbrochenem 
Kaiserstiel, zeigt eine Menge überflüssiger Verklammerungen (Fig. 4). 

Im Inneren eine alte Eichen holzta fei, zur Erinnerung an die Entstehung der 
Gemeinde (jetzt auf der Empore hinter der Kanzel angebracht), mit der Inschrift: 

DIE DEN HERRN FÜRCHTEN, HABEN KEINEN MANGEL AN IRGEND EINEM GUT. ANNO 
l69o DEN 2. JANÜARIUS. 

RATHAUS, in der Turmhofstrasse, in den dreissiger Jahren von Kremer in 
Aachen neuerbaut. Darin vier Ölgemälde, wonf. H. Schmit, 57 x 76 cm, mit An- 
sichten des alten Elberfeld von i684, i687, i696, i74i. Die Bilder tragen die Unter- 
schriften : I. DISS WAHR ELVERFELTT DIE SCHONE, 

GLEICH WIE TYRUS WOL BEKANTT, 

DIE DURCH HANDEL KRIGT ZU LOHNE, 

WAS MAN FINTT IN FREMDEN LANDT. 

DEINE KAUFFLEUTT TAGLICH BRACHTEN 

WAHREN, SILBER, GOLTT UND GELDT, 

WER DICH SACH, MUSS DICH GROSS ACHTEN, 

EY DU SCHÖNES ELVERFELTT. 

DU AUCH DEINEN GOTT KOMPT EHREN, 

DAN DU HATTES DESSEN WORT, 

DAS MAN TÄGLICH TÄHTE LEHREN, 

DASS ER HÄTT GOTT IMMER FORT. l684. 

2. ELBERFELTT BRANTE l687 DEN 22. MAY. 
ACH WAS BRINGT DER WINDT FÜR FLAMMEN, 
ACH, VERLOREN IST DAS RENNEN, 
WAS HÖR ICH VOR MORDGESCHREY. 
DIESSEN BRANDT SENT (iOTTS HANT, 
ACH SCHLAGH DOCH DIE HENDT ZUSAMMEN, 
KIRCH, SCHUL, HEUSSER FALLEN NIDER, 
LAUFET IHR LIEBE BÖRGEREY, 
ALLES STEHET HIE IM ELENDE, 
ACH ICH SEHE MEIN HAUSS SCHON BRENNEN, 
ACH MEIN GOTT HELLFF UNSS DOCH WIEDER. 

3. ELVERFELTT EY LASS NICHT SINCKEN 
HERTZ UND SIN, FASS NEUEN MUTH, 
GOTT LAST DEN DOCH NICHT VERTRINCKEN, 
DER GOTT SUCHT DASS HÖCHSTE GUDT. 
FANGE TAPFER AN ZU BAWEN 
DEINE HEUSSER, KIRCH UND SCHULL, 
DU MUST DEINEN GOTT VERTRAWEN, 
DER NOCH ALLES HAT DIE FÜLL, 



l95 



ELBERFELD 

DIESSEN WAHREN (lOTT, DES' EHRE, 
BITT IHM, DASS ER DICH BEWAHRE, 
DIENE IHM NACH DER RE[NE LEHRE, 
O GOTT WENDE ALLE GEFAHR. l696. 

4. ELVERFELDT IN ANNO [74l. 

EHRE GOTT, DER DICH ERHOBEN, 
BRING IHM LOB UND DANKBAHRKEIT, 
SONST FÄLST DU WIEDERUMB ZU BODEN 
UND LEIDST NOTH ZU ALLER ZEIT. 

J. H. SCHMIT, HALER 

Unter den ALTERN PRIVATHÄUSERN sind zwei Grappen zu 

Im Wupperthale liat sich der Typus des eigentlichen bergischen 1 

I reinsten und zugleich am reichsten entwickelt. Seine Kennzeichen bilden v 



Fig. 5. Etbnfcld, Dm Teich inwcbiriclie Hiui fn dir Mirkt. 

Fa eil werk bau. Vorkragung der Obergeschosse, Seh iefer\'erk leidung. Die einfacheren 
Bauten dieser Gattung geben heute noch den Dörfern und Flecken der Kreise 
Lennep und Mettmann ihr charakteristisches Gepräge. Der Fachwerkbau lässt die 
zwischen den- schwarzen Balken gelegenen Flachen leer, die verputzt und weiss 
getüncht werden. Die ganz mit Schiefer verkleideten Häuser sind verhältnismässig 
selten, öfter wird nur die Wetterseite, werden nur die Giebel oder der Oberstock 
mit dem Schieferbelag versehen. Dazu tritt, abwechselnd mit dem Schiefer, die Ver- 
kleidung durch Bretter in parallelen Lagen, oder durch Schindeln, die die Musterung 
der Schieferplatten nachahmen. 

Unter den älteren und stattlicheren Bauten dieser Gattung ist vor allem zu 
nennen das Teschemachersche Haus, aus dem Anfang des i8. Jh., ein lang- 
gestreckter zweistöckiger geschieferter Bau {Fig. 5), an der Rückseite mit einem 

i96 



EtBERFELÜ 25 

kleinen Anbau in Gestalt eines dreiseitigen Chörchens, unter besonderem Satteldach, p 
Die Höhe und Zahl der oberen Stockwerke ist hier verschieden, unter demselben 
Dach finden sich im ältesten Teil drei, im späteren zwei Geschosse. 

Wie das Teschem ach ersehe Haus macht, als Stammsitz einer zweiten und alten 
Familie Barmens, das Wülffingsche Haus in der Mirke auf eine besondere histo- 
rische Bedeutung Anspruch. Es ist ein zweistöckiger Fachwerkbau mit abgewalmtem 
Satteldach, aura Teil mit Schiefer, zum Teil mit Bretter Verschalung bekleidet, im 
Giebel der Oberstock vorgekragt, im J. i64o (Jahreszahl an zwei Wandschränken im 
Innern) errichtet, durch den 
Wechsel der Bekleidung einer 
der malerischsten Bauten 
des Wupperthales. 

Das von Carnap- 
sche Haus in der Mirke, 
vomj. 1601, ist ein regel- 
massiger Fachwerkbau von 
drei Stockwerken auf hohem 
gemauerten Unterbau, das 
letzte Geschoss nur an der 
Schmalseite vorgekragt An 
den Langseiten und im Gie- 
bel mit Schiefer verkleidet 
(Fig. 6). 

Ein verwandter Bau 
ist das Haus ,von dem 
Holz' bei Elberfeld, vom 
J. i676, dreistöckig, mit 
hohem Giebel, gleichfalls ab- 
wechseld mit Schiefer, mit 
Brettern und mit Schindeln 
verkleidet. SodanndasHaus 
,im eisernen Zaun' auf der 
Köln erStrasse, dreistöckig , 
die oberen Geschosse vorge- 
kragt, mit gekuppelten klei- 
nen Fenstern und in den 
oberen Geschossen schma- 
len langen Fenstern zur 

Seite der Thür. Unter den ^.^ ^ m«(M. d., .. c-r.-p.ch. h.u> ii. d« Mi-V.. 

abgebrochenen Bauten ist 

noch als besonders charakteristisch zu nennen die .Rattenburg*, an der Kölner- 
strasse gelten, an der Stelle, die jetzt durch das neuerbaute Gymnasium eingenommen 
wird. Der Bau bestand hier aus zwei unregelmässig zusammengefügten Fachwerk- 
bauten mit vorgekragtem Obergeschoss, der kleinere mit schmalen Schindeln bekleidet. 
In der Altstadt Elberfeld bt von diesen Bauten nur ein interessantes Stück erhalten, das 
angeblich älteste Haus, das den Brand von i687 überstanden, ein dreistöckiger Bau in der 
Schönegasse Nr. 6, mit sehr starken Mauern, einem Tonnengewölbe im Erdgeschoss 
und einem hohen Fachwerkgiebel von der Art des an der Rattenburg erwähnten. 

i97 



36 ELBERFELD 

=r Das alte im J. i699 vollendete lutherische Kirchhaus, das sich an diese Bauten 

anschloss, ohne kirchliche Formen zu besitzen, in der Aussenarchitektur dem Herren- 
haus zu Lüntenbeck (s. u. Sonnbom) ähnlich, mit drei TQrmchen gekrönt, musste 
i748 abgebrochen werden, um dem Neubau der Lutherischen Kirche Platz zu 
machen (s. o. S. 23). Kopie des Planes vom J. [697 erhalten in der Bibliothek des 
Bergischen Geschichts Vereins. 

Die zweite Gruppe wird durch die Rokokobauten des i8. Jh. gebildet. 
Die um die Mitte dieses Jh. eintretende Baulust hat die grösste Zahl der alteren ber- 
gischen Hauset zerstört. Die innerhalb weniger Jahrzehnte in Elberfeld neu empor- 
gewachsenen Strassen tra- 
gen im wesentlichen den- 
selben Charakter wie in 
Bannen, nur war bei der 
Enge und Winkligkeil der 
Strassen und GSsschen in 
den alten Stadtteilen sel- 
ten Gelegenheit zur brei- 
ten Entfaltung gegeben. 
Die Elberfelder Bauten 
dieser Gattung sind daher 
an Klarheit und Symme- 
trie im Aufbau und in 
Mannigfaltigkeit der Or- 
namente ärmer als die in 
Barmen. Die stattlichsten 
und vornehmsten Häuser, 
den obengenannten Bar- 
mcr Bauten (S. i6) am 
ehesten gleichkommend, 
finden sich inderHofauer- 
strasse. Die ThQreinrah- 
mungen zeigen hier die 
feinsten Rokokoformen, 
daneben finden sich Bau- 
ten, die dasEindrineen der 

Fig. 1, Elberfeld. KUiuthnui »n dir rErorminiin Kirche. ° 

klassicistischen Formen 
zeigen, die reiche Profilierung der Thü rein rahmung an dem Hause Berlinerstrasse 
Nr. zS ist schon in den Formen des reinsten Empirestiles gehalten. 

Grössere bürgerliche Bauten dieser Art, die sich vor allem durch die Länge 
der Fa(;aden auszeichnen, linden sich in der Nähe des Neumarktes. Als Typus der 
letzten, dem Ende des i8. Jh. schon angehörenden Anlagen, können die Hauser 
Wallstrasse Nr. 1 1 — 13 und Wallstrasse Nr. 7 gelten. Das erste, der Zweibrilcker Hof, 
ist ein dreistöckiger langgestreckter Bau von i3 Achsen, durchweg geschiefert, auf dem 
gebrochenen Dach die gleiche Zahl von Mansarden fenstern, die weissen Fenster- 
rahmen im oberen Abschluss mit kleinen Muschel rose tten und Rankenzieraten ge- 
schmückt. Das Haus Wallstrasse Nr. 7 ist dreistöckig, von 1 1 Achsen, in den Giebeln 
mit halben Rundfenstem, unter dem Dach ein Architrav mit hölzernen Konsolen, von 
Pilastem mit jonischen Kapitalen gestützt. Dieselben späten Formen des Empire zeigt 



ELBERFELD z7 

auch das von der Heydtsche Stammhaus, Kerstenplatz Nr. 6, dreistöckig, mit S Achsen p 
und Freitreppe, die Hauptfa^ade selbst erneut, nur die Seitenflachen noch geschiefert 
Eine der merkwürdig langgestreckten Anlagen findet sich noch in der Ecke von 
Funkenstrasse und Kerstenplatz (aus verschiedenen Häusern bestehend), zusammen 
mit la Achsen, Ober dem Eingang an der Ecke ein hübscher geschieferter Erker vor- 
gekragt Das ganz mit Schiefer verkleidete alte Aichamt, Berlinerstrasse Nr. 33, ist 
dreistöckig mit geschweiftem Giebel Über dem Mittelrisalit, die die Fa<;ade zerschnei- 
denden Pilaster und die Thürpfosten mit feiner und reicher Profilierung, in den Ecken 
mit kleinen geschnitzten Bou- 
quets. In dem dreistöckigen 
Nachbarhaus (vom J. i766) 
sind die alten Fenster nur 
zur Hälfte erhalten; der 
aufgesetzte geschweifte Gie- 
bel zeigt reiche Profilierung. 
Eines der stattlichsten Häuser 
dieser Art, das Haus der 
Familie de Landas, am Wall, 
an der Ecke der Mäuerchen- 
strasse, ein dreistöckiger ge- 
schieferter Bau von i774, ist 
i893 abgebrochen worden. 

Den Typus der klei- 
neren Bauten, die an den 
Eigentümlichkeiten des alten 
bergischen Hauses, vor allem 
der Vorkragung des Ober- 
geschosses, festhalten und 
dabei doch die Rokoko- 
formen aufnehmen, giebt das 
Küsterhaus (Fig. 7) am re- 
formierten Kirchplatz Nr. 1 1 
und l3 um i75o, aus zwei 
zusammen stossenden Fach- 
werkbaulen mit vorgekragten 

Obergeschossen bestehend, ''■«■ *■ «^"•"f«^- G,rr=uhMu.ch« in d.r K.Tp.u.«.. 

im Erdgeschoss mit Holz- 
verkleidung, die Thüren mit feinprofilierten Gewänden, die Oberlichter mit hübschen 
Schnitzereien. 

Die in den stilleren Stadigegenden in den nach der Hardt zu aufsteigenden 
Strassen gelegenen Hauser zeigen mehr den Villen charakter, liegen zum Teil getrennt 
und frei und sind durch Freitreppen ausgezeichnet. Der einfachste Typus dieser 
Bauten zeigt sich an der Lukasstrassc und der Kampstrassc. In Gartenhäusern und 
turmartigen Anbauten haben die Baumeister des l8. Jh. hier oft kleine Schmuckstücke 
aufgeführt, so in dem im Garten hinter dem Hause Kampstrasse Nr. 3o versteckt 
liegenden zierlichen Gartenhäuschen (Fig. 8), da.s in der Anordnung der schmalen 
Fenster zur Seite der Thür, der Einrahmung der Öflnungen, den Giebeln und der 
Schieferverkleidung als besonders charakteristisch gelten darf Weitere Beispiele dieser 

i99 



28 



REMSCHEID 



Privathäuser Gruppcn Vgl. untcn untcr Hückeswagen, Wermelskirchen, Solingen und in den Kunst- 
denkmälern des Kreises Mülheim a. d. Ruhr S. 4o. 

Die SAMMLUNG DES BERGISCHEN GESCHICHTSVEREINS 
umfasst zunächst eine Bibliothek von etwa 6000 Bänden (Katalog von O. Schell, 
Elberfeld i894), weiterhin eine grosse Sammlung von handschriftlichen Materialien 
(die wichtigsten verzeichnet oben S. i9), sodann eine Kollektion von circa 4ooo Por- 
traits, 5ooo Münzen, 35oo Siegelabdrücken, viele Karten, Pläne, Ansichten, sowie 
eine kleine Zusammenstellung von prähistorischen, römischen und fränkischen Alter- 
tümern, besonders Graburnen. 



Snmtnlunif 

des Berg. 

Geschichts* 

Vereins 



REMSCHEID. 



R V a n £ e I. 
Pfarrkirche 



Geschichte 



Littersilur Ploennies, Topographia ducatus Montani: Berg. Zs. XIX, S. 81, 106. — 

J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte i729: Berg. Zs. XIX, S. 1 14, 
128, i42. — V. Knapp, Geschichte, Statistik und Topographie der Städte Elberfeld 
und Barmen S. 353. — J. Vossnack und O. v. Czarnowsky, Kreis Lennep, Rem- 
scheid i854, S. 69. — V. Restorff, Beschreibung der Rhein pro vinzen S. 44o. — 
V. Mülmann, Statistik I, S. 445. — Alph. Thun, Die Industrie am Nieder- 
rlicin II, S. io9. — Führer und Heimatkunde des Stadtkreises Remscheid (mit 6 Abb. 
und einer Karte). R. i894. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. Binterim und Mooren, E. K. I, 
S. 439, 447; II, S. 235. — v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S. 55o. — W. Cre- 
celius, in der Berg. Zs. XIX, S. i42. 

In Remscheid bestand schon in der 2. H. des 1 2. Jh. eine Pfarrkirche, deren 
Patronat Graf Engelbert I. von Berg um 1182 dem von ihm gestifteten Johanniter- 
ordenshause zu Burg schenkte (bestätigt 1 2 1 7 : Lacomblet U B. II, Nr. 66). Die 
Pfarrkirche war dem Orden inkorporiert und wurde demgemäss vom Komthur zu 
Herrenstrunden bis zur Reformation stets an einen Priester desselben vergeben. Die 
Reformation fand schon iS48 Eingang. Die alte Kirche wurde i726 durch einen Neu- 
bau ersetzt, an den 1824 eine neue Sakristei angefügt wurde. 

Rechteckiger Saalbau, das Langhaus mit je drei grossen halbrunden Fenstern 
und von flacher Tonne überspannt, der Chor dreiseitig geschlossen. Der Turm vier- 
stöckig, aus Kohlensandbruchstein aufgeführt, die Horizontallisenen in Haustein. Das 
achtseitige geschweifte zwiebeiförmige Dach ist durch eine achtseitige Laterne mit 
Birnenhaube gekrönt. Über dem Portal in Eisenankern die Zahl i726. Im Inneren 
auf drei Seiten herumgeführt eine von Säulen getragene Empore, Orgel, Kanzel und 
Abendmahlstisch zu einer Gruppe vereinigt. 

Glocken Glocken. DEM DREIEINIGEN GOTTE ZUR EHRE, ZEIT DER REGIERUNG DES 

DURCHL. CHURF. HERRN HERRN CARL THEODOR, UND GOTT GEBE GESEGNETEN GE- 
BRAUCH DER EV. LUTH. GEMEINDE ZU REMSCHEID DURCH FREIWILLIGEN BEITRAG 
DERSELBEN UNTER DIRECTION DES JOH. PETER MALER PASTOR VERFERTIGET l764. 
MICH HAT GEGOSSEN CHRISTIAN WILHELM VOIGT DER VATTER UND CHRISTIAN VOIGT 
DER SOHN VON DREMMEN. 

Die zweite von 18 16, die dritte von t8o4. 



Beschreibung 



^ 



200 



KREIS LENNEP 




20l 



BEYENBURG. 

H. J. Koch, Steinhaus-Beyenburg im Wupperthale, Elberfeld i883. — E. Ph. Litteratur 
Ploennies, Topographia ducatus Montani i7i5: Berg. Zs. XIX, S. io6. — J. Wülf- 
FiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte Bergischen Landes: Berg. Zs. XIX, 
S. 126. — V. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 434. — Vossnack und 
V. CzARNOWSKY, Kreis Lennep S. 112. — W. Knahts, Geschichte der evangeUschen 
Gemeinde zu Beyenburg, Barmen i879. — Oligschläger, Die Mönche zu Beienburg: 
Berg. Zs. X, S. 34. — W. Crecelius, Beienburger Amtsrechnung von i593: Berg. Zs. 
II, S. 32 1. — Ders., Amtsrechnung von i466: Berg. Zs. IV, S. 216. — Ders., Die Ge- 
richte im Amte Beienburg: Berg. Zs. IX, S. 48. — A. Koernicke, Entstehung der 
Bergischen Amtsverfassung, S. 16. 

ÄLTERE BEFESTIGUNGSANLAGEN. H. Hengstenberg in der Berg. ÄUere 
Mon. I, S. 7o. Die grosse äUere Grenzwehr, die von Landsberg nach Velbert und «ninjen'* 
durch den Kreis Mettmann auf Barmen zuführt, die Fortsetzung der Grenzwehren 
aus dem Kreise Ruhrort und Essen, führt von Barmen her durch den Barmer und 
Merscheider Wald, läuft mitten durch den Hof , Konrads Wüste*, führt durch die 
Ohlscheider Mark und erreicht endlich den Ort Beyenburg, um den sie herumgeführt 
ist. Sie läuft von dort auf dem linken Ufer der Wupper nach Südosten. Von 
dem Orte Hengsten bis zum Orte ,In der Olle* ist sie noch sichtbar (von mir nicht ver- 
folgt). Bei dem letztgenannten Orte setzt sie in rechtem Winkel über die Wupper 
und steigt dann in der Richtung nach Südost auf dem linken Ufer des Spredeler- 
oder Oederbaches aufwärts. Von Sandhausen führt sie zur Ennepe, an deren linkem 
Ufer sie sich auf die Hollermühle an Blankenburg vorbei auf Hippenhäuschen zu 
zieht, wo sie die Lands trasse von Rade vorm walde nach Halver überschreitet (nach 
Berg. Zs. IV, S. 29. — H. J. Koch a. a. O. S. 99). Urk. des 18. Jh. über den Zug der 
Landwehr in der Berg. Zs. XIV, S. i56. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Mariae Magdalenae), ehemals KBthoi. 
Kirche des Kreuzbrüderklosters. — C. R. Hermans, Annales canon. regul. 
S. Augustini ord. s. crucis, Herzogenbusch i858, III, S. 573, 738. — v. Ledebur, 
Allgem. Archiv III, S. 253, 256. — Grundriss und Ansicht im Anhang zur Berg. 
Zs. XXVI. 

Handschriftl. Ou. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: iio Urk. von i3oobis Hundtchrifti. 
i6i3, Akten von i65o ab. Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. 61, i67. 

In der Staatsbibliothek zu München: Urk. vomj. I299ab in Abschriften in 
der REDiNGHOVENschen Sammlung, Cod. germ. 22i3,Bd. VI, Bl. 252. Ebenda Bd. XVII, 
Bl. 265: Inschriften der Grabsteine (dieselben Köln, Stadtarchiv, Farragines des 
Gelenius X, Bl. 75). 

Auf dem hochgelegenen Hofe zu Steinhaus, der schon 11 89 im Besitz der Geschichte 
Bergischen Grafen erscheint (Kremer, Akad. Beitr. III, S. 60), stiftete Graf Konrad 
von Berg 1298 ein Kloster der Kreuzbrüder, die erste Niederlassung dieser Kongre- 
gation in Deutschland (v. Ledebur, Allgem. Archiv III, S. 253). Im J. i3o2 schenkte 

2o3 



Gründung 



33 KREIS LEHMEP 

Graf Wilhelm von Berg Beienburg (montem vulgari nomine dictum Beienburg), den 
im Thale gelegenen von der Wupper umflossenen niedrigen Bergrücken, den Kreuz- 
brüdern und erteilte ihnen i3o4 die Erlaubnis, dort ein Kloster zu erbauen (Kremer, 
Akad. Beitr. in, ÜB. S. i36, 244). 

Ein vollständiger Neubau wurde am Ende des iS.Jh. ausgeföhrt, i485 wurde 
die Kirche, i497 das Kloster begonnen. In der 2. H. des i7. Jh. erhielt die Kirche, 
die schon 161S und i678 durch Brand beschädigt war, eine neue Ausstattung. Nach 
der Aufhebung des Klosters im J. iSo3 wurde die Kirche Prarrkirche. Im J. i8i9 musste 
sie durchweg restauriert werden. Weitere Restaurationen fanden i84i, 1862 und i875 
statt; die Ausmalung wurde [889 vollendet. 

Die Kirche ist ein einschiffiger, fünf Joch langer Bau aus Kohlensandstein, 
im Lichten 39 m lang und 9,4o m breit. Das Äussere erhält nur durch die dreimal 
abgetreppten Strebepfeiler, die an den Kanten Obereck gestellt sind, einige Gliederung. 



Auf dem steilen Satteldach ein neuer verzinkter sechsseidgei Dachreiter {errichtet im 
J. 1862). In der Westwand ein grosses vierteiliges Fenster mit altem Masswerk (Fisch- 
blasenmotiven), das zweiteilige Hauptportal, dem ein steinerner (ursprünglich nicht 
geplanter) 1862 angefügter Windfang vortritt, die doppelten Thüröffhungen mit Slab- 
werk eingefassL Der Giebel, der durch vier Horizontallisenen zerschnitten ist, wird 
von zwei (erneuten) Eckfialen flankiert. An der Westwand über dem Portal eine 
Tafel mit der Inschrift: 

ANNO DOMINI MCCCCLXXXV INCEPTA FUIT STRUCTURA HEC IN MARCIO tt- 

Im Inneren sitzen die scharfprofilierten Rippen der spätgothischen GewClbc 
auf einfachen polygonalen Konsolen auf. Auf der Südseite vier grosse dreiteilige 
Fenster mit altem Masswerk, zwei im Chor, das mittelste dort vermauert. Von dem 
ehemals im Norden anstossenden Kreuzgang sind die drei einzigen erhaltenen Joche, 
die mit Kreuzgewölben auf polygonalen Konsolen überdekt sind, durch Durchbrechung 
der nördlichen Aussenmauer zur Kirche gezogen, das so entstandene nördliche Seiten- 
schiff ist i87i erweitert und restauriert worden. 



BE VENBURG 33 

Hochaltar, mächtiger Barockaufbau von i698, flankirt von je drei gewundenen 
Säulen mit vergoldeten Kapitalen. Im Aufsatz eine Pieta, zu beiden Seiten des 
geschweiften Giebels S, Augustinus und S. Helena. Als Mittelbild Gemälde der 
Kreuzigung, Ende des i7.Jh., in goldenem Rahmen, mit gut studierter breiter Be- 
liandlung, von einem Nachahmer des Rubens. Antependium mit der Darstellung 
der Kreuzeserfindung und dem Wappen des Kurfürsten Johann Wilhelm. 

Der nördliche Seitenaltar enthält als Mittelgruppe zwischen drei Paaren 
gekuppelter Säulen eine Darstellung der Himmelfahrt der Maria. Im Aufsatz die 
Statuette eines Heiligen, zur Seite Christus und S. Augustinus, spStgothische Skulp- 
turen mit grossem eckigen Faltenwurf von früheren Altaren. Antependium mit Christus 
vor Maria Magdalena, dem gleichen Wappen und der Zahl i7[5. 

Der südliche Seitenaltar, gleichzeitig mit den beiden anderen Altären, ent- 
halt eine neue Mittelgruppe (die h. Familie), im Aufeatz eine Heiligenfigur, zur Seite 
die Madonna und einen heiligen Bischof, gleichfalls spätgothische Skulpturen. Ante- 



pendium mit der Darstellung der Aufdeckung der Reliquien der hh. Ida und Odilia 
durch den Bruder Novellan. 

Die Chorstühle stellten ein prachtiges Werk der Spatgothik dar, sind aber 
um i7oo umgeändert worden. Erhalten sind auf jeder Seite neun Sitze, sieben an 
den 5,7o m langen Langseiten, zwei an den Schmalseiten. Nur die Sitze selbst mit 
den Wangenstücken sind alt; die Rückwand wurde barock erneuert, aber die kleinen 
gothischen Halbfigürchen (dreizehn, je i8 cm hohe, auf jeder Seite, Apostel und 
Heilige darstellend) an ihr wieder befestigt. Auf den geschwungenen Wandungen 
der Sitze Knäufe, Krabben oder zusammen gekauerte Tiere und Menschen. Die 
Miserikordien sind als einfache Konsolen behandelt. Die Wangenstücite zeigen fein- 
gearbeitete schlanke Heiligenfiguren im Basrelief, im ganzen zwölf, an der Nordseite 
die hh. Agnes, Katharina, Barbara, Maria Magdalena, Helena und Laurentius, an der 
Südseite drei weibliche Heilige und drei Ordensleute. Kleinere Stücke von den alten 
Chorstühlen (mit Löwe und Pelikan) sind am Fusse der Kanzeltreppe und der 
Kommunionbank eingesetzt 

9o5 



34 



KREIS LENNEP 



Kflthol 
Pfarrkirche 

Orgel 



Kanzel 



Brich tstühle 
Gemälde 

Siandleuchter 



Wandgemälde 



Sakristei 



Paramente 

Kloster- 
gebäude 



Inschrift 



Krucifixus 



Orgel vom J. i694, schön gegliedertes dreiteiliges barockes Werk, gekrönt von 
einer vortrefflichen spätgothischen Figur der h. Katharina, in der Polychromierung 
erneut. Die Bühne zeigt rechts und links je vier durch gewundene Säulchen ge- 
trennte Felder mit reliefierten Füllungen. 

Kanzel, sechsseitiges Barockgehäuse mit sehr reichem Schmuck, gewundenen 
Säulchen an den Kanten und den Figuren der vier Evangelisten. An der Rückwand 
in einer Nische die Figur des h. Nepomuk, der Baldachin wird durch eine Figur 
des h. Michael gekrönt. 

Zwei zierliche Rokokobeichtstühle mit guten Füllungen. 

Gemälde, Holz, 2,12X1,56 m, den Gekreuzigten mit Maria und Johannes 
darstellend, niederrheinisch um i55o, sehr beschädigt. 

Schmiedeeiserner Standleuchter (Abb. aus'm Weerth, Kd. Taf. XLI, 10, lo"), 
hervorragend schönes Werk um i5oo, 2,20 m hoch. Zu oberst ein schönes Kopf- 
stück, in der Mitte ein Becken mit Kerzenhaltem , darunter ein Krahn für ein 
kupfernes Wasserbecken. 

Wandmalereien. B. J. LX, S. i5i. An der Nordwand wurden bei der Restau- 
ration handwerksmässig ausgeführte Malereien entdeckt, zwei Engel, die einen Teppich 
halten, und ein h. Sebastian. 

Die nach Osten an das nördliche Seitenschiff anstossende Sakristei, die aus 
einem Kreuzgewölbe und einem flach überdeckten Joch besteht, enthält einen vor- 
trefflichen Krucifixus, in Holz, i m hoch, um i5oo, ein von grossem und hartem 
Realismus erfülltes Werk mit leicht geneigtem Kopf und krampfhaft zusammenge- 
zogenen Gliedmassen. Ein h. Sebastian vom Ende des iS.Jh., 75 cm hoch. 

Zwei Kasein von geblümtem Seidenstoff aus dem Anfang des 18. Jh. 

Das anstossende KLOSTER GEBÄUDE, jetzt die Wohnung des Pfarrers, 
gehört in seiner südöstlichen Hälfte, bis zu der kleinen Gartenmauer, noch dem Bau 
von i485 an und zeigt im Erdgeschoss grosse spitzbogige, darüber einfache viereckige 
Fenster. Es enthält noch einen Teil des Kreuzganges, mit Gratgewölben und ein- 
fachen Konsolen, der sich an den jetzt zum Seitenschiff umgewandelten Teil anschliesst. 
An der nordöstlichen Ecke die Inschrift: anno domini mccccxcviio ultima marcii 
EST HEC DOMUS DEi INCEPTA. Die Übrigen Seiten des Kreuzganges wurden wahr- 
scheinlich schon im i7. Jh. abgebrochen. Der nördliche Teil des Klostergebäudes ist 
erst um i7oo entstanden und enthält eine alte schwerfällige barocke hölzerne Treppe. 

An der Beyenburger Brücke am Brauhause eingemauert ein Stein von der 
181 1 abgebrochenen Kapelle zu Steinhaus mit der Inschrift: anno domini mccccclxxii 
6. SEPTEMBRis (KocH a. a. O. S. 75). 

An dem Hause Nr. 2 5 in Beyenburg ein roher Krucifix, am Ende des i7.Jh., 
nach dem in der Sakristei befindlichen Exemplare (s. o.) gearbeitet. 



BURG. 



Frühmiitei FRÜHMITTELALTERLICHE BEFESTIGUNGEN. Oligschläger 

neVe's^ügungenin den B. J. V, S. 242. — Schneider in den B. J. XXXVI, S. 88. — Montanus in der 
Köln. Zeitung i854, Sept. — Pieper in der Heimatskunde i879, S. i9. 

Dem Orte Oberburg und der Mündung des Eschbachthaies gegenüber liegt 
jenseits der Wupper auf dem ,Kjiappen* eine ein unregelmässiges Rechteck bildende 
Wallburg, in der Mitte dieses Jh. noch als Steinring mit dreifacher Umwallung und 



206 



BURG 



35 



S c li 1 o s s 
Litterauir 



tiefen Gräben sichtbar; der Wall ist jetzt nur noch an dem waldigen Rande an der 
Ostseite erkennbar. 

SCHLOSS. Die Burg: Weddigens Neues fortgesetztes Westphälisches Ma- 
gazin I, i798, S. 4i. — VossNACK und v. Czarnowsky, Kreis Lennep S. i44. — 
V. Mering, Geschichte der Burgen IX, S. 38, 5i. — v. Restorff, Beschreibung der 
Rheinprovinzen S. 43i. — v. Mülmann, Statistik I, S. 4oo. — Montanus, Die Vor- 
zeit II, S. 35i. — Ders., Die Burg: Köhi. Zeitung Sept. i854. — Prisac, Die Schloss- 
ruine der altbergischen Grafen zu Burg: Kölner Domblatt i843, S. 68. — E. F. 
Mgoyer, Zur Geschichte der Edlen von dem Berge: Ledeburs Neues allgem. Archiv I, 
S. 8o. — Das Stammschloss der bergischen Grafen: Korrespondenzblatt des Gesamt- 
vereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine XII, S. 54. — W. Harless, 
Zur Geschichte des Schlosses Burg a. d. Wupper: Berg. Zs. XXIII, S. 249. — Ders., 
Zur Geschichte von Schloss Burg, bei Einweihung des Palas am 21. Oktober i89i. 
Barmen i89i. — Fr. Spengler, Geschichte des Bergischen Landes mit besonderer 
Berücksichtigung der Burg a. d. Wupper, Barmen 1888. — Schulte vom Brühl, 
Schloss Burg a. d. Wupper: Deutsche Schlösser und Burgen, Heft 9, Leipzig i89i. — 
G. A. Fischer, Schloss Burg und andere Burgen des Rheinlandes, Wort und Bild, 
Düsseldorf i89i. — Friedrich Storck, Aufruf zur Erhaltung der Schlossruine Burg 
a. d. Wupper, Elberfeld 1 89o. — Festspiel zum Besten des Wiederaufbaues von Schloss 
Burg, Remscheid i893. — Verhandlungsberichte über die i. — 8. Hauptversammlung 
des Vereins zur Erhaltung der Schlossruine zu Burg von i887 — 1893. — Adolf Werth, 
Zur Geschichte des Schlosses Burg, Festzeitung für den Bazar zum Besten von Schloss 
Burg, Lennep i892. — Ders., Das alte Bergische Residenzschloss zu Burg a. d. Wupper: 
Beiträge zur Geschichte des Niederrheins VIII, i894, S. 45. Dasselbe als Festschrift 
zur Eröffnung des Bergischen Landesmuseums den i. Juli i894. — A. Koernicke^ 
Entstehung der Bergischen Amtsverfassung, S. i7, 33. 

Abbildungen, i. Ansicht bei E. Ph. Ploennies, Topographia ducatus Mon- 
tani, (Düsseldorf, Staatsarchiv Hs. A. 3i) Bl. 73 (vgl. Berg. Zs. XIX, S. 99 und SuppL). 
— Darnach Fig. 1 1 . 

2. Ansicht von Schloss und Freiheit Burg, von M. J. Schräm, in Radiermanier, 
Düsseldorf i8o5. 

3. Ansichten und Risse von G. A. Fischer in den obengenannten Publikationen, 
Gedenkblätter zu den Stiftungsfesten etc., Zeichnungen bei Schulte vom Brühl. 
S. I, 16, 21, bei K. Kollbach, Bilder vom Rhein, Köln i892, S. 377 und a. a. O. 

Als Graf Adolph von Berg im J. 11 33 sein Stammschloss Berg a. d. Dhün einem 
Cistercienserkonvent, dem später in das Thal verlegten Kloster Altenberg übergab, 
machte sich für die bergischen Grafen das Bedürfnis nach einem neuen befestigten 
Sitze geltend. So entstand in den nächsten Jahren an der Wupper, bei der Ein- 
mündung des Eschbachthaies, die neue Burg (novus mons, novum castrum, novi 
montis castrum), die 1160 zuerst genannt wird (Lacomblet, UB. I, Nr. 4oi), gleich- 
zeitig mit der in ihr errichteten Kapelle des h. Pankratius. In den J. 12 18 — 1225 Ausbau i. 13. jh. 
wurde das Schloss durch Erzbischof Engelbert von Köln, der nach dem Tode seines 
Bruders Adolf III. von Berg die Regierung der Grafschaft übernommen hatte, aus- 
gebaut und vergrössert (Caesarius Heisterbacensis, Vita Engelberti II, 8: J. F. 
Boehmer, Fontes rer. german. II, p. 3 16). Das wehrhafte Schloss wurde durch ihn 
in eine glänzende Hofburg verwandelt; der Palas verdankt ihm seinen Ursprung. 

Während des i3. und i4. Jh. blieb die Burg die Hauf)tresidenz der Grafen von 
Berg und blieb dies auch noch, als Düsseldorf die eigentliche Hauptstadt des Landes 

2o7 



Abbildungen 



Geschichte 

> Gründung 
im 12. Jh. 



36 KREIS LENNEP 

■ geworden war. Seinen Rang als Lieb lingsaufenth alt der Landesherren verlor es erst, 
als die bergisclie Hauptlinie im Mannesstamme 1 5 1 1 mit Wilhelm IL erlosch. Seitdem 
sah das Schloss nur noch einmal fröhliches Schaugepränge : bei der Hochzeit der 
Tochter des Herzogs Johann HL, Sibilla, mit dem jungen Herzoge Johann Friedrich 
von Sachsen. 

Ein Umbau des Palas wurde in der 2, H. des i5. Jh., wahrscheinlich i48S, unter 
■ Herzog Wilhelm von Jülich-Berg vorgenommen (Mitteilungen des Obersten Freiherm 
von Hammerslein in Stralsund aus seinem Familienarchiv. — Rechnung des Reni- 
meisters Hermann von Hämmerstein vom J. i48S: Düsseldorf, Staatsarchiv, Jülich-Berg, 
Litt. C. 6). Der ,Saal' erhielt durch Meister Heinrich von Düsseldorf einen neuen 
Aufsatz — wahrscheinlich die jetzt wiederhergestellten Fach werkbauten — dann wurden 
die Fenster zum grossen Teil verändert. Gleichzeitig wurde der Palas nach Süden 



^i->^?S^l''*; 




Fi|. 11. ScUoii BuFi in J. 1715 n>ch der Zcichnuni toh E. Ph. Ploeani«. 

verlängert und dort eine neue Küche angefügt. Die Arbeiten erfolgten unter der 
Leitung des Thorwächters Johann von Steynen. 

Weitere Umbauten fanden dann im Laufe des l6. Jh. statt Dann wurde 
im J. iSaS {nicht iS78) an Stelle des alten Thorturmes ein neues Thorhaus errichtet 
(Jahreszahl am Eingang). Unter dem Amtmann von Scheid -Weschpfennig (i 573 bis 
i6o5} weitere Neubauten (vgl. v. Mering IX, S. 67.) 

Mit dem Beginn des J ül ich -Klev eschen Erbfolgekrieges setzt eine lange Leidens- 
zeit für Schloss Burg ein. Im J. i6l4 nahm der Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm das 
Schloss ein, im J. i64i eroberte es der kaiserliche Oberst Sparr. Als die kaiserliche 
Besatzung unter dem Obersten Heinrich von Plettenberg im J. i648 nach dem west- 
fälischen Friedensschlüsse abziehen musste, demolierte sie das ganze Schloss, „also 
dass nichts mehr unter Dach stehet als das hohe Gebew, so man von der Solinger 
seithen her siebet, neben der Kellnerey, so allein noch bewohnet und brauchbahr ist" 
(Harless in der Berg. Zs. XXIII, S. zSS). Das Schloss wurde erst nach i7oo in 



208 



38 



KREIS LENNEP 



Wiedemufbau 



Schioss „schöne Reparation gestellt" (s. Wülffing, Beschreibung der vornehmen Handels- 
städte i729: Berg. Zs. XIX, S. I27). 

Seitdem war das Schioss der Sitz der Kellner und Richter des bergischen 
Amtes Bornefeld bis zum J. i8o7. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurde die 
Burg, die in den Besitz des preussischen Fiskus übergegangen war, zu einer Decken- 
fabrik, dann zu einer Rossmühle und einer Wollspinnerei eingerichtet. Im J. i849 
Hess die Königliche Regierung das Eisen und Holzwerk vom Dach des Palas, der 
zuletzt als Scheune gedient hatte, abreissen und zum Bau des Landgerichtes in Elber- 
feld verwenden. Das Material wurde auf 75 preussische Thaler bewerthet. Im J. i85o 
war die ehrwürdige Veste nur ein „unförmliches unbequemes sogenanntes Schioss, von 
nur hie und da altertümlicher Bauart, umgeben von bröckeligen Mauern und halb- 
eingestürzten Warttürmen, zwischen welchen Gärten imd Baumpflanzungen kümmerlich 
gediehen" (Rütger und Vincenz Deycks, Erinnerungen, Münster i85i, S. 26). 

Der Wiederaufbau des Schlosses erfolgte durch den im J. i887 auf Anregung 
des Herrn Julius Schumacher in Wermelskirchen gegründeten Verein zur Erhaltung 
der Schlossruine zu Burg. Der Plan, das verfallene Stammschloss der alten Landes- 
fürsten als ein nationales Denkmal wiederaufzuführen, ward von dem bergischen Volke 
mit warmem Enthusiasmus begrüsst. Unterstützt von dem bergischen Geschichtsverein 
begann der Verein unter dem Vorsitz des verdienstvollen Herrn Schumacher, mit der 
lebhaften Unterstützung vor allem der Herren Landrat Koenigs in Lennep, Geh. 
Kommerzienrat A. Hardt in Lennep, M. Hasenclever in Ehringhausen, M. A. Mo- 
lineus und Ad. Werth in BarmÖn am 12. April i889 die Restaurationsarbeiten. Am 
i3. August i89o wurde der Thorbau, am 21. Oktober i89i der Palas, am 10. August 
i892 der Kapellenbau eingeweiht, der Südteil des Palas wurde im Sommer i894 voll- 
endet. Der Ausbau erfolgte nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten 
G. A. Fischer in Barmen. Die Pläne wurden nach genauer Untersuchung der er- 
haltenen Reste und nach Vornahme von sorgfältigen Ausgrabungen im engen Anschluss 
an die Ploenniessche Zeichnung vom J. i7i5 (Fig. 11 u. 12) festgestellt Die bis zum 
Sommer i894 aus freiwilligen Beiträgen des bergischen Volkes aufgebrachte Summe 
beläuft sich auf i3oooo Mark. 

Der untere grosse Saal im Palas dient Restaurationszwecken, der obere Festsaal 
und die Pankratiuskapelle sind bestimmt, in grossen Wandgemälden die Bergische Ge- 
schichte in ihren Hauptmoraenten vorzuführen, in den Übrigen Räumen, insbesondere 
den beiden Fachwerkaufbauten des Palas soll ein Museum Unterkunft finden, 
das in Porträts, Altertümern und sonstigen kulturhistorischen Merkwürdigkeiten die 
Geschichte des Landes und in ausgewählten Erzeugnissen die Entwicklung der hei- 
mischen Industrie vorführen soll. 

Die einzelnen Bauperioden sind an dem Schlosse (Ansicht Taf. I, Grundriss 

Die liauperioden r^^^ jjj noch heutc geuau ZU trennen. Zu scheiden sind vor allem drei Perioden: 

die Zeit der ersten Gründung von der Mitte des 12. Jh. bis zum J. 12 18, die Zeit des 

Umbaus unter Engelbert 12 18 — 1226, die Zeit der letzten Erweiterungen im i5. 

und 16. Jh. 

1. Periode AhuHch wie bei Schioss Broich a. d. Ruhr (Kunstdenkmäler d. Kr. Mülheim 

M.d.i2.jh. 1218^^ Ryj^^^ g 34^ 'Pj^f^^ ^-^ ^gjj^ ^jg Anlage von Burg die grösste Ähnlichkeit hat, 

bestand der erste Bau aus einer starken Ringmauer, die sich nach der Ostseite, 
der Angriffsseite, zur Schildmauer verstärkte, und an die nach Norden das ehemalige 
kleine Herrenhaus angelehnt war, und dem mittleren Bergfrid. Der eigentliche Burg- 
ring bildete eine befestigte Anlage für sich, doch waren schon im 1 2. Jh. die beiden 



Bestimmiing 



Reichrcibung 



210 



Vorhöfe in die Befestigung einbezogen. Wäre die untere Ringmauer nicht sofort bei 
der ereten Anlage errichtet oder projektiert worden, so hatte der eigentliche Burgring 
hart an den Westabhange errichtet werden müssen. Die dieser ältesten Anlage an- 
gehörigen Teile sind im Grundriss Taf. II tiefschwarz angegeben. 

Der Bergfrid (Taf II B), der bis zur Ausgrabung des J. 1888 von einem Schutt- 
kegel bedeckt war, steht noch in einer Höhe von 3,5 — 4 m aufrecht. Er besteht 
aus Kohlensandstein mit sehr starker Eckverklanimerung aus regelmässig behauenen 
Quadern ohne Bossen und Randschlag. Der Bergfried ist in zwei Abschnitten errichtet 
worden; mit der Anlage des eigentlichen Turmes wurde wohl der ganze Burgbau be- 
gonnen, gleichzeitig mit der Ring- und Schildmauer (die gleiche Bauzeit durch Überein- 
stimmung in Verband und Mörtel beglaubigt) wurde dann die westliche Vorlage angefügt. 
Der älteste Bergfrid, der wahr- , 
sehe in lieh in den un leren Ge- 
schossen Kuppel- oder Gratgewölbe 
enthielt, besass Mauern von un- 
gleicher Stärke, nach Osten von 
3,7o m, nach Norden von z,9om, 
nachSüden undWesten vonj,4om; 
derinnere Raum mass8,loX 7,60m. 
Durch die Erweiterung wurde er 
nachNordenund Westen auf 5, 8ora 
verstärkt und erhielt an der Nord- 
weslecke — als Unterbau eines 
viereckigen Treppen türmchens — 
eine doppelte Vorlage. 

Die Ringmauer besitzt an der 
Nordseite eine Breite von i,65 m 
und erweitert sich bei dem Über- 
gange in die Schildmauer bis zu 
4 m. In der Mitte der Schild- 
mauer befand sich genau nach 
Osten ein i9 m langer Aufsatz, 
der wahrscheinlich einen von zwei 
viereckigen Türmen flankierten p. ^ 

Aufbau trug (vgl. Die Rekonstruk- Schla» Burf. Ruodlut.n und Ringcnnuer vor der Remurilian. 

tionszeichnung Fig. 1 1). Hier führt 

in der Mauerstärke eine Treppe empor auf die Plattform. Vor dem Beginn der Re- 
staurationsarbeiten war die Schildmauer in der Höhe von a,7o m von dem Schloss- 
hof aus, von 5,So m vom Burggraben aus erhalten. Hinter dem mittleren Aufsatz 
geht die Schildmauer von einer Breite von 3 m wieder in eine solche von 1,80 m über, 
läuft im Süden hinter dem Kapellenbau fort und endet an dem Palas. 

Der westliche Teil der Ringmauer trägt einen Aufsatz aus dem 16. Jh., in dem 
fünf Fenster mit fünf Schiefsscharten abwechseln; der hölzerne Wehi^ang ist im 
J. 1888 erneuert worden. Der an der Nordwestecke gelegene runde Eckturm C, der 
nach dem Schlosshof zu abgeschrägt ist, zeigt im Erdgeschoss ein Kuppelgewölbe 
und über dem Wehrgang noch zwei erst im i5. Jh. aufgesetzte Stockwerke mit flachen 
Balkendecken, in dem einen ein steinerner Kamin mit Stabpro filierung (Ansicht des 
Turmes vor der Restauration Fig. l3). Die achtseitige Tunnhaube ist nach dem Hofe 



4o KREIS LENNEP 

mit SiTeben vorgekragt. An der Nordseite wiesen die Ausgrabungen das Vorhandensein 
eines grossen GeÖäudes, wahrscheinlich des ursprünglichen Herrenhauses, nach. Zu 
diesem Bau gehörten wohl die (jetzt im Museum aufbewahrten) feinen romanischen 
Kapitale und Basen. 

Der Umbau des Erzbischofe Engelbert veränderte den Charakter der Burg 
durchaus. Für die reiche Hofhaltung der Landesfürsten schuf er eine Hofburg, die 
ausgedehnte Festräume und ausreichende Wohnungen für die Dienerschaft und die 
Ministerialen enthalten sollte. Der alte Burgring war hierzu zu klein. Der westliche 
Teil der inneren Ringmauer wurde abgebrochen und hier der Palas errichtet (im Grund- 
riss Taf. II doppelt schraffiert}. Da auch dessen Westseite grosse Fenster erhielt und. 
nicht mehr Verteidigungszwecken dienen konnte, musste die westliche Verteidigungs- 
linie selbst bedeutend verstärkt werden. Die äussere Ringmauer, die den alten Vor- 
'hof in sich einschloss, erhielt in drei Türmen Stützpunkte und wurde wahrscheinlich 
durchweg erhöht. Gleichzeitig wurde die kompliricrte Thoranlage angelegt. 



Fi(. 14 Schlau Burf. D<r Pul« 'or da RuuunÜOD. 

Der Palas {Taf 11 A) war in seiner ursprünglichen Form ein mächtiger zwei- 
stöckiger Bau, der von der Südwestecke der alten Ringmauer bis zum Thorturra reichte 
und in beiden Geschossen durchgehende Festsäle enthielt Das ursprüngliche Material 
war Kohlensandstein; die Fenster und Thüren sind mit Tuff eingefassl. Der Mörtel der 
Engelbertischen Bauten zeichnet sich vor dem der früheren und späteren Bauten 
durch seine rote Färbung (Ziegelmehl zusatz) und sciTie sorgfältige Mischung mit feinem 
Sand aus. Vor dem Beginn der Restauration zeigte der Palas im Oberstock noch 
die grossen von leicht eingeknickten Spitzbogen in Tuifmauerung abgeschlossenen 
Fenster. Im Erdgeschoss waren die alten Fenster schon am Ende des i S. Jh. durch 
spätgothische, von Flachbogen überspannte Öffnungen ersetzt worden, die in der 
1. H. dieses Jh. verkleinert und mit neuen Rahmen und Eisengittern (bei der Ein- 
richtung zur Fabrik) versehen worden waren. In dieser Gestalt zeigt den Palas die 
Abbildung Fig. i4. 

Der unlere Saal des Palas ist im Stile der Erneuerung von i48o wieder- 
hergestellt worden. Die Fenster und Kreuze {nach beiden Seiten sechs), haben 



fff<«ö.-SSsi 



^m 



I 



Ks 



"^'4 '*■ 




Älteste Aolage dea 13. Jh. 

Neubauten dei Enbischofs 
' Engelbert 1218—1225. 
I ErweileniQgsbau des J. 1481 
I Neubau des J. 1528. 
I Anlagen nach dem J. 1700. 
i Projektierte Rekonstnikliani 
bauten. 



Schloss Burg an der Wuf 





der ganzen Anlage. 



BURG 



4l 



breite Einfassungen aus Tuff erhalten; die oberen Lichter sind in Kleeblattbogen 
geschlossen. Da die grosse Breite des Saales von vorn herein auf das ursprüngliche 
Vorhandensein von einer Reihe mittlerer Stützen wies, sind diese in Gestalt von vier 
achtseitigen Pfeilern wieder ergänzt worden, die den grossen Mittelbalken tragen. 

Im oberen Saal (Grundriss Fig. i5), der in den Formen des rheinischen Über- 
gangsstiles um I220 wiederhergestellt ist, ruhen auf diesen Pfeilern vier schlanke 
Säulen mit achtseitigen Basen und Blattkapitälen in Kelchform unter achtseitiger 
Deckplatte. Die Fenster sind hier genau nach den erhaltenen Resten wiederher- 
gestellt. In die abgetreppten Kanten sind Ecksäulchen gestellt mit Eckblattbasen 
und feingearbeiteten spätromanischen Kapitalen von wechselnder Gestalt. Der Bogen 
selbst ist durch einen Rundstab abgeschlossen. In den tiefen Fensterblenden sind 
steinerne Sitze angebracht. Nach der Hofseite zu (Fig. 1 5) wurden nur drei solcher 
Fenster und ein schmäleres halbiertes vorgefunden, nach der Aussenseite zu öffnet 
sich eine Reihe von sechs Fenstern. Nach der Hofseite ist ein grosser von einem 
auf zwei Säulen ruhenden Flachbogen getragener Kamin eingefügt. 

Dem Umbau vom Ende des i5. Jh. gehört der südliche Teil des Palas 
(Taf. II D) an, der in der Weise an jenen angefügt wurde, dass die alte Palasmauer 



Schloss 




Oberer Sani 



3. Periode 
15. Jh. 



Fig. 15. Schloss Burg. Grundriss des oberen Saales im Palas. 



von zwei Bogen durchbrochen wurde, die in der Mitte auf einem schweren vier- 
eckigen Pfeiler mit einfachem Kämpfer ruhen. Der Anbau, dessen Aussenmauem viel- 
fach gewichen waren, zeichnet sich durch schlechte Technik und groben blasenreichen 
Mörtel aus. In dem grossem der beiden Bögen sind an Stelle des mittleren Schlufs- 
steines zwei Pfosten mit eingefügten Eisenstäben eingesetzt. Hier führte von der 
unten eingerichteten Küche ein Kamin in das obere Stockwerk. Eine ganz ähnliche 
Küchenanlage findet sich im Sommerrefektorium zu Limburg a. d. Haardt (um 
i53o, vgl. W. Manchot, Kloster Limburg S. 79). Bei der Restauration sind die beiden 
Bögen in dem alten Material wiederhergestellt worden. Im oberen Geschoss ist das 
gleiche Motiv wiederholt worden, nur ist hier die Mittelstütze leichter gestaltet und an 
Stelle des schweren Pfeilers ein Bündel von vier gekuppelten Säulen getreten. In 
den an der Südecke gelegenen durch die genannten Bogen geteilten Sälen wie in 
den zwischen diesen und den Festsälen gelegenen Vorräumen ist die gleiche Fenster- 
stellung wie im übrigen Palas durchgeführt. 

Die Thor bürg (Taf. II E), die nach der in der Laibung des Thorbogens er- 
haltenen Jahreszahl im J. i528 neu aufgeführt wurde, stösst in einem stumpfen Winkel 
an den Palas an und ist an diesen nur angelehnt, nicht eingebunden. Der Bau ist drei- 
stöckig, von den schmalen Fenstern nach der Hofseite sind zwei vermauert. Nach 



4. Periode 
16. Jh. 



2l3 



42 



KREIS LENNEP 



Schloss 



RefltaurAtion 



Äussere 
Befestigung 

Nach Osien 



Nach Westen 



Osten musste bei der Restauration ein schlanker runder Treppenturm angefügt werden, 
der durch eine Wendeltreppe den Zugang zu den oberen Stockwerken vermittelt 
Der Aufsatz dieses Turmes ist als Fach werkbau in das Achteck übergeführt und mit 
einer achtseitigen Haube abgeschlossen. 

Der nach Osten rechtwinklig an den Palas anstossende Trakt (Fig. 12) ist im 
J. i892 auf den alten Fundamenten von Grund aus neu aufgeführt. Er enthält im 
oberen Geschoss die gewölbte Pankratiuskapelle, deren Chörchen erkerartig der Giebel- 
seite vortritt. In die Ecke zwischen den beiden Flügeln tritt eine grosse steinerne 
Freitreppe, die* von einer in frühgothischen Formen gehaltenen Bogenstellung über- 
spannt ist. An der Südseite ist in der Mauerstärke der Wehrgang (als Fortsetzung 
der Ringmauer) erneut, der sich nach aussen durch eine leichte, durch einen Rund- 
bogenfries vermittelte Vorkragung bemerklich macht. 

Der Palzis mit dem Thorbau hat bei der Restauration durch G. A. Fischer die auf 
derPloenniesschen Zeichnung (Fig. 1 1) deutlich sichtbaren Fachwerkaufsätze erhalten, die, 
in Eichenholzkonstruktion ausgeführt, die horizontalen Linien des Daches in anmutiger 
Weise unterbrechen und die Silhouette des ganzen Baues nach allen Richtungen hin 
zu einer höchst malerischen und reizvollen gestalten. Über den Nordteil des Palas 
ist ein zweistöckiger Fachwerkbau quer herübergelegt, der mit einem eigenen Walm- 
dach eingedeckt und an allen vier Ecken mit in das Achteck übergeführten Eck- 
türmchen verziert ist. Am Südende des Palas ist über dem um i48o angefügten Teile 
das auf der Ploenniesschen Zeichnung (Fig. 11) sichtbare Paar gekuppelter vierseitiger 
Türme mit achteckigen Hauben und ein spitzer Giebel wiederhergestellt. Dieselben 
Motive des Fachwerkbaues haben auch an dem Kapellenbau Verwendung gefunden, 
dessen oben durch einen kleinen dreieckigen Walm abgeschnittener Giebel über den 
festen Mauerkörper weit vorgekragt ist. 

Auf der Ostseite, der einzigen Angriffsseite, war die Burg durch eine dreifache 
Befestigungslinie geschützt. Zunächst zog sich am Eingang des Ortes Oberburg 
ein Graben quer über den Höhenrücken, der an der Nordostseite noch als 9,5o m 
breiter und 4 m tiefer Einschnitt erkennbar ist. Auf dem Bergrücken selbst ist er 
zugeschüttet. An der Kreuzung mit dem Burgweg stand das Oberthor. 

Der zweite Abschnitt wurde durch einen tiefen Graben gebildet, der sich von 
der am Südabhange gelegenen Wirtschaft von Bolongino (unter der Wirtschaft und 
deren Gartensaal durchführend) nach Nordwesten hinzog. Der Graben ist ii,5om, 
der dahinter nach Westen sich erhebende Wall 10 m breit und 4,5o m hoch. Der 
Wall selbst trug wahrscheinlich eine Mauer, die bei dem Haus ,im Turm* im Nord- 
osten mit einem Turm begann und im Süden mit dem Fuchsturm (identisch mit dem 
bei V. Mering IX, S. 47 genannten Kucksturm) am Fuchsloch, ,Voyssloch*, endete. 
Der Burgweg führte hier durch das Fuchsthor. 

Den dritten und letzten Abschnitt endlich bildete der i4,5o m breite, 6,20 m 
tief in den Fels eingesprengte Graben vor der Schildmauer, der noch wohl erhalten 
ist. Über eine Brücke führte hier der Weg zu dem eigentlichen Burgthor, dem Graben- 
thor, hinter dem sich ein dreiseitiges Vorwerk befand. Durch dieses und ein viertes, 
am Südende des Palas gelegenes Thor gelangte der Ankömmling endlich in den 
Zwinger und damit in den eigentlichen Burgring. 

Nach der Süd-, Nord- und Westseite, wo der Bergrücken jäh in das Thal ab- 
stürzt, bedurfte die Burg keiner so komplicierten Befestigung. Hier umschloss nur 
eine Ringmauer von massiger Stärke das Plateau. Die um den unteren Rand des 
im Süden gelegenen Steinbruches geführte Mauer ist nicht alt, sondern nur aus altem 



2l4 



BURG 43 

Material fast ohne Mörtel aufgeschichtet. Genau nach Westen befand sich für den 
im Zickzack hinaufführenden Fussweg von Unterburg ein Pförtchen. Ein zweiter 
Fusspfad führte neben dem an der Nordwestecke gelegenen, 1800 zum katholischen 
Pfarrhaus umgestalteten Tuim G herab. In halber Höhe befand sich bei dem Haus 
.am vmtersten Pörtzchen' ein letztes Thor. 

Die Bezeichnungen der einzelnen Fluren um das Schloss geben noch jetzt Auf- 
schluss Ober die ursprüngliche Bestimmung der Umgebung. Der zweite Äussere Graben 
heisst ,am Pohl', er fuhrt nach Norden zu der Flur ,in den Planken', nach Süden 
zu der , Hölle'. Hinter dem Graben heisst das Land ,auf der Treppe', dann ,im alten 
HoP, und endlich vor dem letzten Graben .auf der Mauer*. Das Land nordöstlich von 
diesem heisst der , Hofgarten'. Der Volksmund nennt den Raum zwischen dem zweiten 
und dritten Graben den .Turnierplatz'. Im äusseren Burgbering liegt eben so nach 
Westen an dem Pfarr- 
haus türm die Flur ,am 
Steinweg', an dem zwei- 
ten südlichen Thörchen 
dieser Seite die Flur ,am 
neuen Haus'. 

KATHOLISCHE 
PFARRKIRCHE (tit. 
S. Martini) in Ober- 
burg. Litteralur s. oben 
Seite 35. 

Handschriftl. Qu, 
Im Staatsarchiv zu 
Düsseldorf: Akten der 

Johanniterkommende 
Burg aus dem i7. und 18. 
Jh., über die Kirche und 
den Turmbau von i63i 
und i77i, über Streitig- 
keiten mit den Evan- 
gelischen. 

In der Kgl. Bibliothek zu München: Nachrichten in der REDlNGHovENSchen 
Sammlung, Cod. germ. i2i3, Bd. XXXI, S. 221. 

Die Kirche, innerhalb des Burgberinges gelegen, hängt eng mit dem Schlosse 
selbst zusammen. Engelbertl (1160 — ii89) hatte im inneren Beringe der Burg eine 
Kommende des Johanniterordens gegründet (Lacomblet, U B. II, Nr. 66, Urk. vom 
J. [2i7. Vgl. Harless in der Berg. Zs. XXIII, S. iSi.) Die von den Johannitern 
noch vor 1200 erbaute ecclesia b. Johannis wird 1228 zuerst genannt (Lacomblet, 
UB. II, Nr. iSS), die dem h. Pankratius geweihte eigentliche Schlosskapelle bestand 
neben ihr weiter {Urk. vom J, liSo: ecclesia s. Johannis et capella b. Pancratü in 
novo Castro: Lacomblet, UB. II, Nr. 74o). Im i7. Jh., nach der Zerstörung des 
J, i648, wurde der Westteil neu errichtet, im J. i77i der Turm neu aufgeführt. 

Im J. l36a wurde der Turm (Taf. II G) zwischen Palas und Burglehen der 
Johanniterkommende überwiesen (Lacomblet, UB. III, Nr. 6z9). Der Turm (auf der 
Fioenniesschen Zeichnung (Fig. 11) links als Abschluss der Gebäude des Ordens 
sichtbar) wurde im J. 1800 abgetragen und zum katholischen Pfarrhause umgestaltet. 

21S 



Flg. 16. Burs- Kulhaliichc Pbtrkirc 



44 KREIS LENNEP 

Die Bauten des 12. und des i7. J!i. sind deutlich zu scheiden (Ansicht der Kirche 
Fig. 16. Grundriss und Querschnitt Fig. i7). 

Der ähesten Kirche des [2. Jh. gehört noch der Ostteil an, ein 8,5o m im 
Lichten breiter Trakt, dem ein dreiseitiges Chörchen ohne Chorhaus vortritt. Durch 
den ganzen Ostteil zieht sich im Inneren eine romanische Säulenstellung. Auf einem 
niedrigen Sockel erheben sich 1,35 m hohe Säulchen aus blauschwarzem Marmor 
mit Eckblattbasen und feingemeisselten Blattkapitalen, die durch Bogen verbunden 
sind (Fig. [8 und i9}. Ganz ähnlich die Wanddekoration im Chorhaus der Kapelle 
der Pfalz zu Nimwegen. Im Chor ein grosses Ostfenster mit abfallender Sohlbank. 
Zur Seite des Chores je ein rundbogiges Fenster. 




Fig. 17. Bure. CrundH» und Qucrichnill dn kmholiichcn Pfatiklrcht. 

Der i6,7o m lange Westbau ist wie der Ostteil flachgedeckt und zeigt auf jeder 
Langseitc drei Fenster. Über dem Chörchen erhebt sich zur Hälfte eingebaut der von 
einem Drittel der Höhe ab geschieferte, mit ins Achteck übergeRlhrter Haube gekrönte 
schmucklose Turm. Im Norden ist die flachgedeckte mit einem Pultdach überdachte 
Sakristei angefügt. 

Taufstein des 12. Jh., von Granit, rundes schwerfälliges Becken auf Mittel- 
cylinder mit ehemals vier runden Eckkonsolen (zwei davon abgeschlagen). 
1 Kupfernes Weihrauchfass vom Ende des i5. Jh.,auf achtseitigem Steinfuss 

mit durchbrochenem Deckel. 

Kasel d. i7. Jh. von rotem, geblümtem Seidenstoff", mit farbigen Blumen und 
Ranken in sauberem, wohlerhaltenem Plattstich bestickt. 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: everardus petit me fecit a. i79o. 
Die zweite mit der Inschrift i sancte Joanne baptista ora pro nobis quem PRae- 

DICASTI SALVATOREM. SACRO ORDINI MELITENSI ERECTA A. l799. UE FUDIT STÖCKY. 



3lti 



BURG 45 

EVANGELISCHE KIRCHE. P. Leonardson, Kirchengeschichte der Frei- 
heit Burg: Aschenbergs niederrhein. Blätter Bd. III u. IV. — Vossnack u. v. Czar- 
NOWSüY, Kreis Lennep, S. iS7. — R. Pollmann, Die Einweihung der lutherischen 
Kirche in der Freiheit Burg vom 24. Juni i73S, Dortmund i735. — v. Mering, Ge- 



Fi(. 18. Bui£. RoDuniiche K>pii 



f 




xd 



schichte der Burgen IX, S. 63. — v. MOlmann, Statistik I, S. 4oo. — V. Reckling- 
HAUSEN, Ref.-Gesch. II, S. 567. — Randenburgh, Geschichte der evangelischen Ge- 
meinde zu Burg. 

Die Gemeinde trat um i553 zur Reformation über, bis iS93 diente die Kirche 
in Oberburg für den Gottesdienst. Die evangelische Kirche in Unterburg wurde erst 
173* — 1735 erbaut. Schmuckloser Saalbau mit kraftigem, viereckigem Turm. 

2l7 



1 



46 



KREIS LENNEP 



Evancrel. 
Kirche 

Glocken 



GUsgemäide 



Glocken, i. henricus et everardus petit me fecerunt novembri a. i787. 

2. MARIA HEISSEN ICH, IN GODES ERE LUDEN ICH, BOES WEDDER VERDRIEVEN ICH. 

PETER VAN echternach GOSS MICH i4i6. Letztere somit aus einer älteren Kirche 
stammend. 

Glasgemälde (v. Mering IX, S. 63), darstellend den Pfarrer Joh. Herrn. 
Asthahn (i637 — 1676) im Predigerhabit mit Federhut und Degen. Unterschrift: 

WER hier zur BURG WILL LEHREN, 

DER MUSS WISSEN, SICH WOHL ZU WEHREN: 

OBEN UND UNTEN, LINKS UND RECHTS, 

WIDER DEN TEUFEL UND SEINEN KNECHT, 

UND SOLCHES TREIBEN IMMERFORT, 

BIS DASS ER KOMMT ZUR HIMMELSPFORT. 



D ABRINGHAUSEN. 



Eva nget. 
Pfarrkirche 



Geschichte 



Beschreibung 



Glocken 



EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. 
II, S. 553. — Vossnack u. v. Czarnowsky, Kreis Lennep, S. i4o. 

Die Kirche ist eine der ältesten des bergischen Landes, die Reste am Turm 
stammen aus der Frühzeit des ii. Jh., als Pfarrkirche schon um i3oo erwähnt (Bin- 
TERiM u. Mooren, E. K. I, S. 439). Der Turm i748 erneut, das neue Langhaus 
1 783 — 1788 errichtet. 

Der jetzige Turm ist ein plumper Bau, von dem nur das Untergeschoss noch 
aus dem ii. Jh. stammt, der Bogen von der Turmhalle nach dem Langhaus erhalten. 
Das alte Portal war durch einen horizontalen Sturz abgeschlossen und von zwei 
Steinbalken zur Seite eingefasst. Der Sturz ist (zu zwei Dritteln) erhalten. Er zeigt 
die frühesten romanischen Formen, in der Mitte ein Rundmedaillon, darin in Hoch- 
relief das Lamm mit der Kreuzesfahne. Das Langhaus, i9,4o m lang, i3,95 m 
breit, mit holzverschaltem Tonnengewölbe und rundumgeführter Empore. 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: gottes ehr und christi lehr er- 
schalle IMMER mehr. joh. EMMINGHAUS AD 46 ANNOS PASTOR l7ll. GOTFRIT 
DINCKELMEYER GOSS MICH IN COLLEN A. D. l7ll. 

Die zweite mit einer Inschrift in unregelmässigen Majuskeln vom Ende des i3. Jh., 

t CHRISTE, MEA VOCE PRE CLADE TUERE FIDELES. 



DHÜNN. 



Evnngel. 
Pfarrkirche 



EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. 
II, S. 478. 

Handschrift 1. Qu. Im Pfarrarchiv Archivalien seit i77o, Catalogus pastorum 
von i59i an. 
Geschichte Der Ort wird zuerst ii89 genannt (Lacomblet, U B. I, Nr. S20), die Kirche 

zuerst um i3oo (Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 439). Die alte Kirche wurde im 
18. Jh. abgebrochen, ein Neubau am i3. August i77o begonnen und am i9. März i772 
eingeweiht. 
Beschreibung Schlichter rechteckiger Saalbau, von hölzernem Tonnengewölbe überdeckt, 

i4,55 m lang, io,55 m breit, der dreiseitige Chor als Sakristei abgetrennt. Die Kanzel 
direkt unter der Orgel angebracht, Empore rund herumgeführt. 



218 



HÜCKESWAGEN 



47 



Am Südportal die Inschriften links: haec aedes Sacra permissu caroli 

THEODORI SERENIS. ELECTORIS PALAT. I. D. EST EXSTRUCTA ANNO MDCCLXX. ECCLES. 
CAP. V. XI. I. BEWAHRE DEINEN FUSS WENN DU ZUM HAUSS GOTTES GEHEST UND 
KOMM DASS DU HORST. RechtS: D. B. H. WITFELDT H. T. ECCLESIAE DHUNN. PASTOR 
LAPIDEM FUNDAMENTALEM PIIS VOTIS AD DEUM MISSIS POSUIT DIE 9. APRIL. l77o. 
GEN. 28. XI. l7. HIE IST NICHT ANDERS DANN GOTTES HAUSS UND HIE IST DIE PFORT 
DES H. 



Evangel. 
Pfarrkirche 

Inschriften 



HÜCKESWAGEN. 



J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte Bergischen Landes 
i729: Berg. Zs. XIX, S. ii4, i27, i4o. — Geographisch-statistische Beschreibung der 
Stadt Hückeswagen: Weddigens Neues fortgesetztes Westphälisches Magazin I, i798 
S, 7i. — B. H. Vogt, Entwurf einer der evangel.-luther. Gemeine i. d. Flecken Hückes- 
wagen von denen Evangelisch-Reformierten daselbst . . . zugefügter imd mit völliger 
am 3. Sonntage des Advents i747 vorgenommener gewaltthätiger Zerstörung der 
Kirchenstühle, Kanzel . . . aufs höchste getriebenen Drangsal, Berlin i749. — J. J. Lenzen, 
Beyträge zur Statistik des Grossherzogtums Berg, Düsseldorf 1802, I, S. 38. — J. M. 
Schwager, Bemerkungen auf einer Reise durch Westfalen, Leipzig i8o4, S. 21 7. — 
W. Harless, Die Edlen von Hückeswagen: Festgabe für W. Crecelius 1881, S. i59. — 
Ders., Beiträge zur Kenntnis der Vergangenheit des bergischen Landes in Skizzen 
zur Geschichte von Amt und Freiheit Hückeswagen, Düsseldorf i89o. Auch in 
der Berg. Zs. XXV, S. i — 262. — Geschichte des Geschlechtes: Fahne, Geschichte der 
Kölnischen Geschlechter II, S. 67. — Der Kirchenstreit in Hückeswagen : Montanus, 
Die Vorzeit II, S. 79. — v. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 432. — 
V. MüLMANN, Statistik I, S. 426. — Vossnack u. v. Czarnowsky, Kreis Lennep, S. 126. 

Ältere Ansichten: i. Ansicht bei Ploennies, Topographia ducatus Mon- 
tani i7i5, Bl. 74, darnach als Beilage zur Berg. Zs. XX, Taf. I, und bei Harless, 
Beiträge, Taf. I. 

2. Älterer Linearplan der Burg in der Königl. Regierung zu Düsseldorf. 

3. Lithographie, Hückeswagen und seine Fabriken, von A. Karstein nach 
G. Freudenberg, um i85o. 

FRÜHMITTELALTERLICHE ANLAGEN. Über den Zug der grossen 
älteren Landwehr bei Hückeswagen vgl. Fahne in der Berg. Zs. IV, S. 29; aus- 
führlicher XIV, S. 162. Vgl. oben unter Elberfeld S. i9 und Beyenburg S. 3i. 

REFORMIERTE KIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S.472. — 
BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 438, 444; II, S. 235. — Harless, a. a. O. S. io9. 
— Bergische Volkszeitung vom 16. Februar 1880, Nr. 20. — Berg. Zs. XIV, S. S2. 

Auf dem Stammgut der Edlen von Hückeswagen bestand wahrscheinlich schon 
im 12. Jh. eine Kapelle, deren Patronat im i3. Jh. an das bergische Dynastenhaus kam 
(Harless a. a. O. S. i7). Sie wird im liber valoris noch als ,capella* genannt, be- 
stand aber nachweislich schon 1297 als Pfarrkirche (Urk. bei v. Ledebur, Allgem. Archiv 
für die Geschichtskunde des Preuss. Staates XV, S. i75. Urk. von i363 bei Lacom- 
blet, Archiv IV, S. i47). Die Kirche war der h. Katharina geweiht. Die Refor- 
mation war um i59o durchgeführt. Der simultane Gebrauch der Pfarrkirche bestand 
darnach bis i672, im J. i683 wurde die Schlosskapelle den Katholiken eingeräumt. 
Die älteste Kirche war um i5oo durch einen dreischiffigen spätgothischen Neubau 
ersetzt worden, der i5o6 eingeweiht ward. Da ihn ein Brand i76o stark beschädigt 



Littemiur 



Ansichten 



Prühmittel 

alterliche 

Anlagen 



Reformierte 
Kirche 



Geschichte 



2l9 



48 KREIS LENNEP 

• hatte, wurde er abgebrochen und an seiner Stelle i783— 1786 die jetzige Pfarrkirche 
errichtet. 

Schlicliter rechteckiger Saalbau mit vortretendem Westturm. Das Innere, durch 
je fünf grosse Fenster auf den Langseiten erhellt, ist mit einer gedrückten Tonne 
überspannt. Grosse Empore auf drei Seiten, an der vierten Seite Orgel, Kanzel und 
Abendmahlstisch. 

Die Inschriften von Grabsteinen des i6. Jh. aus HQckeswagen erhalten bei 
Gelenius, Farragines X, Bl. 8i (Köln, Stadtarchiv) und in der REDiNGHOVENschen 
Sammlung Cod. germ. 22 13, Bd. XVII, Bl. a66 (München, Staatsbibliothek). 

SCHLOSS. Ausführlich H.\rless a. a. O. S. 6, i5, 18, 39, 62, 63, 7o, i46. 
Vgl. die Litteratur oben, S, 47, 

In HUckeswagen, das io85 zuerst genannt wird (Lacomblet, U B, I, Nr. 235), 
befand sich die Stammburg der Edlen von Hückeswagen, deren erster, Graf Friedrich, 



schon ii38 erscheint (Lacomblet, U B. I, Nr. 3z8). Im J. 1260 verzichtet das Ge- 
schlecht endgültig auf alle Ansprüche an das Staramgut zu Gunsten der Grafin Mar- 
garetha von Berg (L.a.comblet, U B. II, Nr. 493 — Harless, S. 10). Im iS. Jh. war 
das Schloss wiederholt verpfändet, häufig waren die Amtmänner zugleich Pfand besitzer. 
Im J. i63i ward das Schloss und die Herrschaft durch den Kurfürsten Wolfgang 
Wilhelm dem Grafen Adam von Schwarzenberg übertragen (Harless S. 26), doch 
verzichtete dessen Sohn, der Fürst Johann Adolf, i675 wieder auf Hückeswagen. 
Unter pfillzbcher und bayrisch -bergisch er Verwaltung blieb das Schloss bis zum J. 1 806 
der Sitz des Amtmannes der bergischen Ämter Bomefeld und Hückeswagen. Das 
Schloss ist jetzt zur einen Hälfte im Besitz der Stadt Hückeswagen, zur anderen im 
Besitz der Witwe Ewald Johanny zu Wiesbaden. 

Das Schloss (Ansicht Fig. zo, Grundriss Fig. 21) besteht aus zwei beinahe 
rechtwinklig aneinanderstossenden Trakten, von denen der westliche mit dem runden 
Eckturm in den Umfassungsmauern noch einem Bau des i3. Jh. angehört; der Ost- 
flügel scheint im i7. Jh. emeul zu sein; hier gehören nur die machtigen und schweren 
mit flachen Tonnen überspannten Kellergewölbe einem alteren Bau an. 



hOckesWagen 49 

Der im Westen anstossende Eckturm, der Schelmen türm, ist jetzt in der 
Höhe des Dachgesimses des Hauptfiügels mit einem K^eldach gekrönt, erhob sich ' 
aber im 18. Jh., wie die Zeichnung bei Ploennies (s. o.) vom J. i7l5 ausweist, noch 
um zwei Stockwerke höher, trug einen rundum vorgekragten Aufsatz, auf dem ein 
der Form nach aus dem 16. Jh. stammendes, hohes, leicht geschweiftes und mit 
Mansardengiebelchen besetztes Kegeldach ruhte. Der Turm erhebt sich auf einem 
i,3o m hohen Sockei und zeigt die alten schmalen Fenster. 




[ 31. HUekcw*! 



Der Weslflügel (jetzt zum Bürgermeisteramt eingerichtet) ist dreistöckig und hat 
neue grosse Fensteröffnungen erhatten. Der in der Ecke des Hofes gelegene vier- 
eckige Turm ist mit einer niedrigen Pyramide und vierseitigem Aufsalz gekrimt, zeigt 
nach Westen übereinander drei kleine Rundfenster, nach Süden vier kleine recht- 
eckige Fenster, 

Der Ostflüge! enthalt den ,Saa!-, die Schlosskapelle, die i683 von der kalho- s.hio., 
lischen Gemeinde in Besitz genommen und Ende des 18. Jh.. wahrscheinlich nach dem 
Brand von l76o, umgebaut ward. Die Mauern sind noch l.i'' m stark. Seit die 
katholische Gemeinde 1882 ihre neue Pfarrkirche in Gcbraucli gen^iuunen, ist der 



331 



5o KREIS LENNEP 

Raum durch eine eingezogene Decke in zwei Säle zerl^ und dient oben als Fort- 
bildungsschule, unten als Turnsaal. Der anslossende rechteckige Kirchturm enthält 
im zweiten Stockwerk ein Gratgewölbe mit Schildbögen in den Ecken. 

Unter den alteren Privathäusern des i8. Jh., die den dem ganzen Kreise 
eigenen Typus zeigen, enthalten einzelne reizvolle Rokoko Verzierungen als Einrah- 
mungen derThüren und 
Fenster. DasHaus Nr. 45 
am Aufstieg zur Kirche 
zeigt zierliche Schnitze- 
reien in dem Oberlicht 
des geschweiften Por- 
tales, dem eine Laterne 
vortritt. Zur Seite die 
üblichen schmalen Fen- 
ster, vor der Thür eine 
kleine Freitreppe mit 
einer eisernen Bank 
(Fig. 12). Ein ilhnliches 
Haus an der Kölner 
Pforte erhalten. 

In der Nähe von 
Hückeswagen, in Bome- 
feld bei Born, finden 
sich drei der Ältesten 
Bauernhäuser des 
Kreises, zweistöckige 
Fachwerkbauten mit 
Strohdächern , an der 
Wetterseite mit Brettern 
oder Schiefer verkleidet, 
die Giebel ganz mit 
Brettern beschlagen. Die 
drei Häuser gewahren 
durch die kleinen mit 
PulUlachem eingedeck- 
ten Anbauten einen 
höchst malerischen An- 

Fig. 33. Hacktswigen. Pönal ein» Rolrokolinui». blick. 

LENNEP. 

Kurze Nachricht von der Stadt Lennep im Bergischeii: WEDDiGENsWestphalisches 
Magazin zur Geographie, Geschichte und SUtislik HI, i787, Heft i4, S. 347. — JOH. 
Jac. Fabritius, Wider Scheibler zu Lennep und aller seines Gleichen Lästern, Wüthen 
und Toben, Amsterdam l67o. — J. Wülffing, Beschreibung der vornehmen Handels- 
städte des Bergischen Landes (i729): Berg. Zs. XIX, S. ii4, ii9, l3i. — Daniel 
Christ. Francken, Progr. de urbis Lennepae antiquitate et dignitate, Lennep i73i, — 



LENNEP 



Sl 



J. J. Lenzen, Beyträge zur Statistik des Grossherzogtums Berg, Düsseldorf 1802, I, S. 39. 

— J. M. Schwager, Bemerkungen auf einer Reise durch Westfalen, Leipzig i8o4, S. 237. 

— Privilegien für die Stadt Lennep: v. Ledebur, Allgem. Archiv III, S. 79 und 
V. Mering, Geschichte der Burgen etc. im Rheinlande X, S. 98. — Crecelius, 
Lennepensia: Berg. Zs. XIII, S. 238. — v. d. Goltz, Der Ceremonienstreit in Lennep: 
Berg. Zs. XII, S. 1; XIII, S. 2o7; XIV, S. i. Dasselbe als Sonderabdrücke, Elber- 
feld i878. — J. A. Leis, Andenken der Kirchenlehre der evangelischen Gemeinde zu 
Lennep . . . nach der Reformation, Dortmund i764. — F. Vogt, Pastor in Lennep, 
Einkehr in sich selbst, Betrachtung der Sonn- und festtäglichen Evangelien, Lemgo 
i73i. — Wiesmann, Die Gedächtnisfeier des Bergischen Reformators Adolf Claren- 
bach, Lennep i83o. — v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S. 534. — Historische 
Nachrichten von der Stadt Lennep und deren Umgegend, Lennep i863. — J. F. Knapp, 
Geschichte, Statistik und Topographie der Städte Elberfeld und Barmen, Iserlohn 
i835, S. 349. — V. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 424. — v. Mül- 
mann, Statistik I, S. 434. — Vossnack und v. Czarnowsky, Kreis Lennep S. 59, i65. — 
Von der Verfassung der Tuchfabrik in der Herrschaft Lennep: J. W. Bewer, Samm- 
lung von Rechtsfällen, Düsseldorf i796, II, Nr. 47. — Karl vom Berg, Geschichte 
der evangelischen Gemeinde Lennep, ein Beitrag zur Lenneper Stadtgeschichte, 
Lennep i893. — Ders., Lenneper Münzen: Berg. Mon. I, S. i. — H. Hengstenberg 
in der Berg. Mon. I, S. 69. 

Handschriftl. Qu. Das Stadtarchiv (Ilgen, Rhein. Archiv S. i76) ist 
i746 bei dem Brande zu Grunde gegangen. In der Bürgermeisterei Civilstandsurk. 
erst von 18 11, Verwaltungssachen erst von i832 ab. — Chronik der Stadt seit i843 
von F. W. Ungewitter. 

In der Königl. Staatsbibliothek zu München: Privilegia der Stadt von I277, 
i325, i348, i39o, i437, i475, i5ii, i542, i57i, i573, i575 in der REDiNGHOVENschen 
Sammlung, Cod. germ. 22 13, Bd. V, Bl. 4o5. 

In der Königl. Bibliothek zu Berlin: Nachrichten über die Reformation in 
Lennep bei Teschenmacher, Annal. eccles. reformat. Cliviae, Juliae, Montium, Cod. 
Boruss. 40 21, p. 2o5, i io9. 

Im Archiv der evangelischen Gemeinde: Kirchenbuch von i678 mit Auf- 
zeichnungen des Pastors JoH. Scheibler (i654 — 1688). 

Im katholischen Pfarrarchiv: Geschichtliche Nachrichten über die Pfarre 
von i734. Über die Akten vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. i76. 

Ältere Ansichten: i. Städtebild bei Ploennies, Topographia ducatus Mon- 
tani, BI. 63 (Berg. Zs. XIX, S. 93, Suppl.). 

2. Ansicht von Lennep vom J. 1824, Lithographie. 

3. Lithographie ,Lennep und seine Fabriken' (um i85o) von H. Schutt nach 
G. Freudenberg. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. Lennep, das vor I276 zur Stadt 
erhoben worden war (Lacomblet, U B. II, Nr. 696; v. Mering, X, S. io7), besass 
noch um i3oo keine eigene Pfarrkirche (im liber valoris nur eine capella genannt: 
BiNTERiM und Mooren, E. K. I, S. 438). Eine solche entstand erst im Laufe des 
i4. Jh. Im J. i543 trat die Gemeinde zur Reformation über und nahm die alte 
Pfarrkirche ein (vom Berg S. 23), in der nur die Vikarie S. Katharinae katholisch 
blieb (vgl. auch die Designatio pastoratuum u. s. w. vom J. i676 bei Binterim u. Mooren, 
E. K. II, S. 238). Die Kirche, welche schon i563 und i64o bei den Bränden der 

4* 

223 



Litte» tur 



Handschriftl. 
Quellen 



Ansichten 



Eva ns^el. 
Pfarrkirche 

Geschichte 



52 KREIS LENNEP 

Stadt gelitten hatte, brannte i746 aufs neue bis auf den Turm nieder (Berg. Zs. XIV, 
S. 42) und wurde von i7So — 1756 neu erbaut. 

Die Kirche ist ein rechteckiger von eiuer flachen Tonne überspannter Saalbau 
mit je fünf grossen nindbogigen Fenstern an den Langseiten, nach Osten ist die zwei- 
stöckige Sakristei wie ein Chörchen angebaut. Am Giebel in Eisenankern die Zahl 

i7S3. Der fünfstöckige 



+ 



1 (Fig. 23) besteht 
1 den beiden unteren 
Stockwerken aus grossen 
rechteckigen Quadern 
von Kohlensandstein, in 
den beiden nächsten 
Geschossen nur an der 
Westseile aus solchen, 
an den übrigen Seilen 
aus Kohlensandbruch- 
stcinen, der Oberstock 
ganz aus solclien. Die 
beiden unteren Stock- 
werke, in denen in der 
Mauerstarke die Treppe 
emporfilhrt, stammen 
noch von dem alteren 
Bau. Die einzelnen 
Stockwerke sind etwas 
eingerückt, im obersten 
je zwei gr()sse Schall- 
löcher. An der West- 
seite ist der ganze Turm 
mit X förmigen Ankern 
besetzt. Im Erdgeschoss 
ein einfaches Portal mit 
von zwei Halbsäulen ge- 
tragenem Architrav. Der 
Turm ist mit einer ge- 
schweiften und geschie- 
ferten Haube gekrönt, 
die mit einer hübschen 
achtseit. Laterne endigt 

Flff. 23 l.e.intp. F..»i.gtliiclit Pfarrkirche. ' '*'*^^ durch den g;inzen 

Bau eine grosse und 
breite Empore. 
An der Ostseile erhebt sich über dem Allarlbch die in leichten und feinen 
Uokokoformen gehaltene schöne Kanzel mit weit ausladendem Baldachin, von zwei 
Säulen flankiert. Die Grund llliclien weiss, die Leisten und Profile vergoldet, direkt 
tiber dem Baldachin baut sich die durch schöne Verhältnisse ausgezeichnete Orgcl- 
bühne mit der Orgel auf (i89o erneut). 



LÜTTRINGHAUSEN 



53 



Gestickte Altardecke vom J. i655 mit den Wappen von Peter Hopmann 
und Helene Rolmanns. 

Ehemaliges MI NORITEN KLOSTER. Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv S. io9. 

Das Kloster wurde i64i gegründet (Berg. Zs. XHI, S. 2i5), die Klosterkirche 
i677 — 1696 erbaut. Die Kirche ist 1888 zu einer Fabrik des Herrn C. Mtihlinghaus 
eingerichtet; das anstossende schmucklose zweistöckige ehemalige Klostergebäude 
gehört Herrn Alb. Braselmann in Beyenburg. 

STADTBEFESTIGUNGEN. Die Stadtmauern, die nach I277 begonnen 
und durch Graf Dietrich von der Mark zum erstenmale zerstört worden waren 
(Kölner Jahrbücher: Deutsche Städtechroniken XIII, S. 84), wurden im 16. Jh. gründ- 
lich erneuert und ,mit newen pforthen, vurforthen und vilfeltig andere gehauen* ver- 
sehen (C. VOM Bkrg S. 3o). Die Befestigung wurde i64o bei der Erstürmung durch 
die Hessen zerstört. Geringe Reste der Stadtmauer sind in der Wallstrasse erhalten. 

Das ehemalige RATHAUS, nach dem Brande von i746 im J. i77i errichtet, 
ist ein dreistöckiger quadratischer Bau mit Pilastem an den Ecken, gedrückten Giebeln 
mit wertlosen holzgeschnitzten allegorischen Figuren und einer Freitreppe. Jetzt Eigen- 
tum des Herrn Ewald Engelmann. 



Evangel. 
Pfarrkirche 


Altardecke 


Minor! ten- 
kloster 



Stadt- 
befestiguiigen 



R n t h a 11 s 



LÜTTRINGHAUSEN. 

J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte: Berg. Zs. XIX, 
S. 125, 1 39. — F.W. Elbers (in Lüttringhausen), Predigten bei merkwürdigen Be- 
gebenheiten, Dortmund 1801. — Rheinisch -Westfäl. Anzeiger 1826, S. 2276; 1827, 
S. i39, 393, 4i7. — Hermann, Zs. für die Lande zwischen der Weser und Maas 1827, 
S. 656, 662; 1828, S. 125. — Knapp, Geschichte, Statistik und Topographie der Städte 
Elberfeld und Barmen S. 35 1. — Vossnack u. v. Czarnowsky, Kreis Lennep S. io9. 
— V. Mülmann, Statistik I, S. 435. — W. Creceliüs. Lüttringhausen im J. i55o: 
Berg. Zs. XI, S. 121. — A. Braselmann, Das Stadtwappen von Lüttringhausen: 
Berg. Mon. I, S. 24. 

EVANGELISCHE KIRCHE, v. Recklinghausen, Rcf.-Gesch. II, S. 545. 

Eine Kirche zu Lüttringhausen bestand schon um i3oo (Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. 438). Schon i56o wird ein erster lutherischer Priester genannt. Die alte 
Kirche brannte i733 ab; i734 — 1737 wurde eine neue errichtet. Das Langhaus ist 
ein einfacher Predigtsaal; der dreistöckige Turm zeigt über dem mit einem flachen 
Giebel geschlossenen Portal ein hohes rundbogiges Fenster und ist mit der gewöhn- 
lichen geschweiften Zwiebelhaube und der achtseitigen Laterne der bergischen Kirchen 
gekrönt. Auf der Spitze ein kunstvoll geschmiedetes grosses eisernes Kreuz. 

Im Inneren sind Kanzel und Orgel wie in Lennep, Rade vorm Wald u. a. a. O. 
mit guten Rokokoschnitzereien verziert und zu einem einzigen Aufbau vereinigt. 

Glocken. 

1. MAIOR EGO SURGO FLAMMIS MINITANTIBUS USTA 
PRINCIPIS AUXILIUM SUPPEDITANTE DEO. 

VIVAT ABHOC PLACIDE CAROLUS PHILIPPUS IN ANNOS 

NESTORIS ET TANDEM CAELICA SCEPTRA GERAT. 

JOH. HEINR. DINCKELMAEYER VON COLLEN GOS MICH ANNO l736. 

2. ALLES WAS ODEM HAT, LOBE DEN HERRN. HALLELUJA. LOBET IHN MIT 
HELLEN CIMBELN, LOBET IHN MIT WOHLKLINGENDEN CIMBELN. PSALM l5o, V. 5 U. 6. 
FRATRES CHRISTIANUS ET RÖTGERUS VOIGT ME FUDERUNT ANNO l77l 



LitterMtur 



Evnnj^el. 
Kirche 

Beschreibung 



Innere« 



Glocken 



225 



54 



KREIS LENNEP 



Cvangel. 
Kirche 



Inschriften 



3. AUSPICE DEO T. O. M. PASTORIBUS JOH. ALBERTO KLEIN ET JO. BOLENIO AEDI- 
LIBUS LUTHERO SPICKER ET LUTHERO MANNES: CUM AEDE SACRA ET UNIVERSO PAGO 
MISERE COMBUSTAS CAMPANAS QUATTUOR DIE JACOBO DICATA ANNO MDCCXXXIII 
NOVITER ET FELICITER PERQUAM ADAUCTAS FUDERUNT JO. HEINR. DINCKELMAEYER 
ET BARTHOLOM. GUNDERS COLONIENSES. LUTRINGHAUSAE ANNO MDCCXXXVI AES- 
TATE AD 

4. Die Uhrglocke mit dem Landes wappen und dem Namen joh.. heinr. din- 

CKELMAYER. 

Die Inschriften der von Wülffing (s. o.) erwähnten Grabdenkmäler der Grafen 
von Waldeck in der alten Pfarrkirche erhalten, Köln, Stadtarchiv, Farragines des 
Gelenius VIII, Bl. 76 und München, Staatsbibliothek, REDiNGHOVENSche Sammlung, 
Cod. germ. 22 13, Bd. XVII, Bl. 265. 



RADE VORM WALD. 



Litterntur 



Ansichten 



Ältere Be* 
festigungen 



Reforniierte 
Kirche 



Geschichte 



Beschreibung 



Lutherische 
K irche 



Ploennies, Topographia ducatus Montani i7i5: Berg. Zs. XIX, S. 81, 94. — 
J. Wülffing, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte i729: Berg. Zs. XIX, S. 1 14, 
121, 124. — V. Restorff, Beschreibung der Rhein pro vinzen S. 428. — J. H. Becker, 
Geschichte der Stadt Rade vorm Wald, Köln 1 864. — Vossnack und v. Czarnowsky , 
Kreis Lennep, S. 121. — v. Mülmann, Statistik I, S. 442. — J. J. Lenzen, Beyträge 
zur Statistik des Grossherzogtums Berg I, S. 38. — Paul Kind, Geschichte der 
evangel. -reform. Gemeinde Rade vorm Wald, R. i89i. 

Ältere Ansichten: 1. Ansicht bei Ploennies Bl. 66. 

2. Ansicht, Stich von Thelott nach P, Hürxihal 

3. Prospekt der Stadt vor und nach dem Brande 1802, von G, Rautenbach 
nach HürxthaL 

ÄLTERE BEFESTIGUNGSANLAGEN. Die ältere Landwehr (über 
ihre Richtung vgl. oben unter Beyenburg S. 3i) ist an manchen Stellen noch gut er- 
halten in Gestalt von drei parallelen, durch Gräben getrennten Wällen. Sie durch- 
schneidet die Landstrasse von Radevormwald nach Halver. Bericht mit Skizzen 
und Querprofilen am 12. Mai 1888 Q. Nr. 5327) der Königl. Regierung zu Düssel- 
dorf eingereicht. 

REFORMIERTE KIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S. 473. 
— Kind S. 78. 

Rade, das i363 zuerst unter den Städten der Grafschaft Berg aufgeführt wird 
(Lacomblet, Archiv IV, i48), hatte schon i3i6 (Urk. bei Becker S. 43) eine Pfarr- 
kirche (im liber valoris um i3oo noch nicht genannt). Bei dem Brande im J. i525 
ging die Kirche bis auf den Turm, bei dem Brande des J. i57i bis auf die Um- 
fassungsmauern zu Grunde. Die Gemeinde trat i59i zur Reformation über. Der 
Turm musste i683 und i699 repariert werden. Im J. 1802 brannte die ganze Stadt 
ab. Im J. i8o4 wurde die Kirche gänzlich neuerbaut. 

Schlichter rechteckiger Saalbau, mit flacher Tonne überspannt, mit je vier Fenstern 
auf der Langseite. Nach Osten zu Orgel und Kanzel in den spätesten Rokokoformen 
zu einem Aufbau vereinigt. Der vierstöckige Turm mit geschweiftem und einge- 
zogenem Zwiebeldach, gekrönt durch eine offene achtseitige Laterne. 

EVANGELISCH-LUTHERISCHE KIRCHE. Becker S. i47. Den 
Platz zur ersten eigenen Kirche erhielt die Gemeinde im J. i7o7. Die Kirche brannte 
1802 ab und wurde i8o4 neu errichtet. 



226 



RONSDORF 



55 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Saalbau mit je vier rundbogigen Fenstern auf den Langseiten; die von den Lutherisch« 
Holzfiguren des Königs David und zweier Engel gekrönte Orgel mit der ausge- 
schweiften Kanzel zu einem einzigen Aufbau vereinigt. Im Äusseren gänzlich schmucklos, 
der obere Teil des Giebels geschiefert, auf dem Satteldach kleiner Dachreiter mit 
Bimenhaube und achtseitige > Laterne. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE. Becker S. I24. Nachdem die alte 
Kirche von den Reformierten eingenommen, wurde erst i69i — 1697 eine eigene Kirche 
erbaut, die i783 abbrannte. Die i786 erneute Kirche überdauerte den Brand vom 
J. 1802, musste aber 1826 — 182? durch einen Neubau ersetzt werden. 

STADTBEFESTIGUNGEN. Die ältesten Stadtmauern, deren Türme und 
Thore nach den Bränden von i525 und i57i repariert worden waren, wurden i645 
und 1 646 durch die hessischen Truppen unter General Rabenhaupt und Oberst Plücker 
zerstört Die Mauern, die t69i noch in Trümmern lagen, wurden in geringerer Höhe 
wieder aufgeführt, nach dem Brande von 1802 aber nicht erneut und allmählich ab- 
gebrochen. Auf den Wällen und in den Gräben finden sich jetzt Gärten mit hübschen 
Gartenhäuschen — zwei darunter, achtseitig, mit geschweiften Thüren, den Herren 
Hoeller und Docrner gehörig, au.sge zeichnet durch zierliche Rokokoomamente. 



Stftdt» 
befestigungen 



RONSDORR 



Eva ngcl. 
Kirche 



J. W. Knevels, Geheimnis der Bosheit der Ellerianischen Sekten zu Ronsdorff Uucraiur 
im Grossherzogtum Berg, Marburg i75i. — Ders., Abscheuligkeiten der Ronsdorffer 
Kezzerey aus Urkunden historisch furge tragen, Frankfurt i75o. — RonsdorfTs gerechte 
Sache wider den General Synod der vier vereinigten Herzogtümer Jülich, Kleve, Berg 
und Mark, Düsseldorf i757. — Vossnack und v. Czarnowsky, Kreis Lennep, S. 99, 
108. — Knapp, Geschichte, Statistik und Topographie' von Elberfeld und Barmen, 
S. 36o. — V. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen, S. 42 7. — v. Mülmann, 
Statistik I, S. 448. — W. Wolf, Geschichte der Stadt Ronsdorf, ein Beitrag zur bergi- 
schen Landes- und Kirchengeschichte, Mülheim a. d. Ruhr 18S0. 

EVANGELISCHE KIRCHE, v. Reckltnghausen, Ref.-Gesch. II, S. 443. 

Der Ort, der noch i729 aus nur vier Bauernhöfen, dem Ronstorps-, Blombachs-, 
Königs- und Zandershof bestand, wuchs als Sitz der Sekte der EUerianer oder Zio- 
niten erst seit i737 empor. Die lutherische Kirche wurde i79o erbaut, i89o restauriert. 

Einfacher an den Ecken abgeschrägter, mit flacher Tonne überspannter Saalbau, 
auf jeder der Langseiten je fünf Fenster. Der vortretende Turm vierstöckig, gekrönt 
mit achtseitiger Haube, neu verankert. Schlichter Aufbau von Kanzel und Orgel. 

Die Glocken stammen sämtlich aus anderen Kirchen; die erste von i525 mit Glocken 
der Inschrift : o et alpha nos adiuva, rector celi nos exaudi. urbanus vocor. 
claes potgeiter orien ' ;|| dubbe (?) me fecerunt anno mod^xxvo. 

Die zweite und dritte von i696. Die zweite mit der Inschrift: promot. pastore 

M. JOHAN GEORG SYBELIO, PROVISORIBUS THEODOR SCHUTTE, JOHANN ADOLF FERNE- 
KORN, GEORG BODEKERN. ^EU GEGOSSEN l696. 

Die dritte mit der Inschrift: 

AEREA CLANGORE UT CUNCTOS CAMPANA SONORO 
IPSA LIGET PENITUS SIT SIBI SURDA, VOCAT. 
SIC ES (so) RECTA DOCENS ALIOS PERVERS A SEQUUTOS 
QUIQUE ALIIS SAPIENS NON SAPIT IPSE SIBI. ANNO l696. 



22? 



KREIS LENNEP 



SONNBORN. 

s REFORMIERTE KIRCHE. A. zur Niedem, Geschichte der reformierten 

Gemeinde zu Sonnbom a. d. Wupper, Langenberg: i887. — v. Reckli hg hausen, 
Ref.-Gesch. II, S. 4ii. 

Handschrift!. Qu. Im Archiv der Gemeinde Urkunden von i4ii an, Pro- 
tokolle des Konsistoriums von l59l an. Vgl. Wd. Zs. I, S. 4i4. 

Eine basilica in Sunnebninno wird schon 873 unter den Besitzungen des Stiftes 
Gerresheim genannt {Lacomblet, U B. I, Nr. 68. -— Kessel, Der selige Gcrrich, 
Düsseldorf i877, S. i8z), im liber valoris um l3oo (Binterim u. Mooren, E. K. I. 
S. 261, 379) als Pfarrkirche erwähnt. Das Patronat wurde im Anfange des i3. Jh. unter 
Erzbbchof Theodorich von Köln (iJo8 — iJl6) an das Kloster Grafrath abgetreten 
(Lacomblet, UB. II, Nr. 54). Patron war der h. Remigius. Die Kirche wurde um 
i55o von den Reformierten eingenommen. Das Langhaus wurde i836 — 38 in den 

nüchternsten Formen als 
Saalbau neu aufgeführt. Von 
der alten Kirche ist nur der 
schlichte viereckige mit vier- 
sei tigerHaube gekrön teTurm 
erhalten, wahrscheinlich aus 
) dem l5. Jh. stammend 
(O. Schell in der Berg, 
Mon. I, S. 3o). 
^ Glocken. Die erste von 
1 458 mit der Inschrift ; 

MARTINUS HEISS ICH, IK 
GOTTS IHRE LUDE ICH, ALE 
Fig. 24. Sonnbom. H.ui Liir.ienb«li, VON WIPPERFORDE GH015S 

MICH l458. 

Die zweite von l453 mit der Inschrift: maria heiss ich, IN GOTTS IHRE lüde 

ICH, HERRMANN VON (?) GHOIS5 MICH l453. 

HAUS LÜNTENBECK (vgl. C. Pithan, Schloss Lüntenbeck, historische 
Skizze aus dem Lande der Berge, Langenbei^ 1888) war ursprünglich ein Hof der 
Äbtissinnen von Gerresheim und befindet sich seit Anfang des Jh. in Privatbesitz; 
der jetzige Eigentümer ist Herr Roemer. Der versteckt im Thalkessel gelegene, teil- 
weise von Wasser umgebene Bau stammt in seiner jetzigen Form aus dem Ende 
des i7. Jh. Die einzelnen Gebäude gruppieren sich um einen fast quadratischen Hof 
Das rundbogige Thor ist durch steinerne Rokokovasen verziert, zur Seite erhebt sich 
ein kräftiger Eckturm. Im Hofe ist links, an die Wirtschaftsgebäude angeschlossen, 
ein älteres zweistöckiges Fachwerkhaus (aus dem Anfange des i7. Jh.) erhahen, mit 
hohem Dach, vorgekragtem Oberstock auf Absteifehölzem, Holzgiebel und Stein- 
unterbau. Das dem Hauptthor gegenübergelegene Herrenhaus ist ein schmucker 
zweistöckiger sechsachsiger Bau mit hohem abgewalmten Schieferdach (Ansicht von 
der Rückseite Fig. 24), zur Seite erhebt sich ein vierseitiger etwas vortretender Eck- 
turm, der mit einer achtseitigen geschweiften Haube abschliesst Der nach der Rück- 
seite sich anschliessende schmale Trakt ist durch einen kleinen vierseitigen Dachreiter 



WERMELSKIRCHEN 



57 



gekrönt In der südwestlichen Ecke des hinter dem Herrenhause gelegenen Gartens Lüntenbeck 
erhebt sich auf steinernem Unterbau ein zierliches Gartenhäuschen, bis zur halben 
Höhe ganz mit Holzschindeln verkleidet, mit Walmdach gekrönt, auf dem wieder 
eine zwiebeiförmige Spitze angebracht ist Die Fenster sind noch in der alten Fassung, 
mit kleinen Scheiben und hölzernen Läden erhalten. 

Von dem ehemaligen Rittersitze VARRESBECK, dem Sitze der Herren Varresbcck 
von Varresbeck (Fahne, Geschichte der Kölnischen Geschlechter II, S. i7i. — 
Crecelius in der Berg. Zs. IV, S. 24 1), seit i435 als freies Rittergut und zugleich 
in bürgerlichem Besitz erwähnt, ist nur noch ein stattliches Fachwerkhaus von der 
Gestalt der älteren Fach werk bauten in der Mirke (s. o. S. 23) erhalten, den Formen 
nach noch aus dem i7. Jh. stammend, mit abgewalmten Giebeln, ohne besonderen 
architektonischen Wert. 

WERMELSKIRCHEN. 



Hnndschrifd. 
Quellen 



J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte bergischen Landes Liueramr 
(i729): Berg. Zs. XIX, S. I29. — A. Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülichschen 
und Bergischen Geschlechter I, S. 449. — v. Restorff, Beschreibung der Rhein- 
provinzen S. 436. — V. Mering, Geschichte der Burgen IX, S. 62. — P. J. Heinrichs, 
Die Gründung Wermelskirchens um das J. 885, W. i885. — Dcrs., Geschichte der 
Stadt und der Stadtgemeinde Wermelskirchen, W. i892. — Hessel, Geschichte der 
Reformation der Gemeinde Wermelskirchen von i524 — 1674, W. i892. — Vossnack 
und V. CzARNOWSKY, Kreis Lennep S. i37. 

Handschrift 1. Qu. Im Pfarrarchiv: Chronik der Gemeinde vom Pfarrer 
Scheffen aus den J. i87o — 74. 

Im Besitz des Herrn Julius Schumacher: KoUektaneen von Franz Wilhelm 
Oligschläger (t i877, Nekrolog in der Berg. Zs. XVI, S. 25o), umfassende Samm- 
lung von Urkunden, Akten u. a. in Abschriften, Aufzeichnungen zur Geschichte des 
Bergischen Landes, insbesondere des Kreises Solingen, Aufnahmen der Landwehren, 
in über hundert Konvoluten. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. Eine Kirche — und zwar wie der 
erhaltene Turm beweist, eine ziemlich bedeutende Kirche — bestand schon um 1200, 
wird aber erst um i3oo in dem ältesten liber valoris zum erstenmale erwähnt (Wer-, 
moltzkirgen: Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 438. Vgl. Bd. II, S. 235). Sie war 
dem h. Bartholomäus geweiht, das Patronat besass das Kölner Andreasstift. Um 
i56o trat die Gemeinde zur Reformation über. Der Turm erhielt i765 eine neue 
Haube, das Langhaus, dessen alte Ausstattung 1662 beseitigt ward, wurde i838 abge- 
brochen und durch einen schlichten Saalbau ersetzt. 

Der mächtige vierstöckige romanische Turm, von 8,25 m im Geviert, besteht Turm 
aus Kohlensandstein, die Profile und Lisenen aus Hausteinen, die Füllung aus 
Bruchsteinen, vom letzten Drittel des dritten Stockes ab aussen mit Tuff ver- 
blendet. Die beiden unteren Stockwerke sind durch einen auf Konsölchen ruhenden 
Rundbogenfries und durch Vertikallisenen gegliedert. Das nach Westen zu gelegene, 
ganz aus Haustein hergestellte, dem Turm risalitartig vortretende Portal ist in den 
Gewänden dreimal abgestuft; die eigentliche Thüröffnung ist mit horizontalem Sturz 
geschlossen. Im dritten Stockwerk auf jeder Seite je zwei Kleeblattbogenblenden. 
Im vierten Geschoss auf jeder Seite je zwei grosse mit Rundbogenfries abgeschlossene 



Evangel. 
Pfarrkirche 

Geschichte 



229 



58 KREIS LENNEP 

Blenden, in die über einem rechteckigen Plattenfries (einem Kölner Motiv, das an 
St Aposteln, Gross St. Martin, S. Maria im Kapitol, S. Gereon vorkommt) je ein rund- 
bogiges Doppelfenster eingebrochen ist, von einem Rundstab eingerahmt. Die ge- 
kuppelten Schiefersäulen sind mit BUttkapilülen gekrönt und stehen unter gemein- 
samer Deckplatte, an drei Fenstern durch Hauste in pfosten ersetzt, bei einem vierten 
für das Zifferblatt ausgebrochen. Im Inneren Gratgewölbe erst im J. i76S eingesetzt, 
das alte Gratgewölbe darüber noch erhalten. Die uisprllnglich in der Mauerstarke 
emporführende Treppe ist mit Tuff versetzt 

Glocken. Die erste von iSi3 mit der Inschrift: ANNO domini mV xiii. 

MARIA HEISCHEN ICH, TZO DE DEINST GOTS ROIFFEN ICH, DE DODEN VERSCHRIEN 
ICH, DE GEWALT DER DUVEL VERDRIVEN ICH. 



Kig. 29. Der Wüitcnhor bc[ Wcrm^MiircheD. 

Die zweite von iSio mit der Inschrift: anno DOMlNt MV*= x. ST. bartolomaECS 

HEISSEN ICH, TZO DEM DEINST GOTB GEBRUCHT MICH, ALLE BOISE WEDER VERDRIWEN 
ICH, JOHANN VON ANDERNACH GOST MICH. 

Die Uhrglocke, unter einem kleinen Vordach aussen am Turm aufgehängt, 
trägt in spätromanischen Majuskeln des i3. Jh. die Inschrift: indico DIVINa dum 
PULSOR EGO cATERiNA. Die Glocke ist 7i cm hoch (davon die Krone i9 cm) und 
hat einen unteren Durchmesser von 62 cm. 

ÄLTERE BAUERNHÄUSER. In der Nähe von WermelskJrchen Hegen 
eine Reihe Bauernhäuser, die wie die bei Bornefeld (s. o. S. 2S) den ältesten 
Typus des Bergischen Hauses vorführen. Zunächst der Wüstenhof, aus zwei an- 
einanderstossenden Gebäuden bestehend, eine überaus malerische Anlage mit im First 
etwas eingeknickten Strohdachern, die Wunde Kum Teil mit vertikalen Brettern ver- 
kleidet Ein in der Nähe befindlicher Hof besteht ebenfalls aus zwei aneinandet- 

23o 



WERMELSKIRCHEN 59 

stossenden Trakten, von denen der eine, zweistöckige, mit Brettern verkleidet ist, Bauernhäuser 
während der andere einstöckige Fachwerkgiebel zeigt; beide sind mit tief herab- 
hängenden Strohdächern eingedeckt. Die Bergermühle bei Wermelskirchen ist ein 
reiner Fachwerkbau mit fünf Reihen horizontal gelagerter Balken übereinander. 

Das dem Bauer Vieth (Vorderhufe Nr. 59) gehörige Bauernhaus, ein einstöckiger 
Fachwerkbau mit Holzgiebel und Strohdach zeigt über der Thür auf einem Balken 
die Zahl anno i6o7 (jetzt in ioo7 verändert). 

Im Besitz des Herrn Julius Schumacher: Becken des alten Taufsteins aus 
der katholischen Pfarrkirche, aus der i. H. des i3. Jh., mit vier Eckköpfen und roh 
ausgeführten Reliefs (Tierfiguren), der am Niederrhein häufigen Gruppe angehörig, 
(Kunstdenkmäler des Kreises Kempen S. i6). 



^ 



23l 



KREIS METTMANN 



^ 



233 



DUSSEL. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit s. Maximini). Binterim und 
Mooren, E. K. I, S. z6i, 278; II, S. 2S3. — F. W. Oligschläger, Haus und Pfarre ' 
Dussel: Berg. Zs. XII, S. a36. ^ Geschichte der Pfarre von Ca. M. Esser im Anzeiger 
für die Erzdiöcese Köln vom i5. Mai i855. 

Handschrift!. Qu. Im Pfarrarchiv: Urkunden von 1493 an. — Kurze Ge- 
schichte der Pfarre. 

Die Kirche ist eine der alte- . - .- ^^- 

sten Stiftungen im Amte Solingen ^'- 

und gehört zu den sogenannten vier 
Kapellen (Dussel, Gruiten, Schöl- 
ler, Sonnbom), mit <lencn ein Ge- 
richtsbezirk verbunden war (La- 
coMBi.ET, Archiv I, S. 294). Das 
Patronat, welches das Stift S. Ge^ 
reon in Köln erworben hatte, 
führte Kur Inkorporation in das 
Kapitel. Die im Anfang des 1 z. Jh, 
erbaute Kirche wurde zuerst um 
i8S5 umgebaut, sodann von dem 
Architekten G. A. Fischer in den 
J. 1888—1889 nach Osten erweitert. 
Das Mittelschiff erhielt hierbei ein 
neues Gewölbe in Schwemm- 
steinen ; an Stelle des in den 
sechziger Jahren erneuten Tu nn es 
wurde ein neuer romanischer 
Turm aus Grauwacke und Back- 
stein errichtet. 

Die Kirche {die Aufnahme düimI. Ri« luniioiinhi Pf.rrkirci« »ot der BMiauniiion. ' 

Fig. 26 giebt den Zustand vor den 

Restaurationen wieder) war einer der frühesten romanischen Bauten des Kreises und in 
den strengen Formen der älteren Pfeil er basiliken aufgeführt. Sic schloss ursprüng- 
lich mit drei Apsiden nach Osten ab. Der bei dem Umbau stehen gebliebene Teil ist 
im Lichten 10, So m lang, 11,80 m breit. Das Material ist Kohlensandstein; die Hau- 
steinarbeiten bestehen aus Sandstein. Das Äussere ist gänzlich schmucklos, nur die 
Hauptapsis war durch grosse Blenden und einen R und bogen fr ies belebt. Der alte 
fünfstöckige Turm zeigte im Oberstock die üblichen Doppelfenster. 

Das Innere ist durch von Gurten getrennte Gratgewölbe überdeckt. Die 
Hauptpfeiler wie die Arkadenpfeilcr zeigen ganz einfache Profile. Die Arkaden sind 
auf beiden Seiten verschieden behandelt, nur auf der einen Seite (Fig. a7, 1) sind 
sie durch einen gemeinsamen Kundbogen cingefasst, wahrend dieser auf der anderen 

a35 



KREIS METTHAKIf 



Seite felilt, ausserdem lauft hier der Kämpfer 



' in der Laibung der Arkaden- 



Die angeblich früher am Turme befindliche Jahreszahl im beruht wahrschein- 
hch auf einer falschen Deutung von vier Etsenankem. 

EVANGELISCHE KIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. 11, S, 43i. 
Die Reformation hat vor 16 [z in Dussel Eingang gefunden. Als Kirche diente bis 
i874 ein altes, mit Schindeln bekleidetes, schiefergedecktes Haus hinter der katho- 
lischen Kirche mit vorgekragtem Dach, das in den J. i874 — 1376 durch einen statt- 
lichen Neubau ersetzt wurde. 
1 HAUS DUSSEL. Berg. 

Zs. V. S. 25^; XII, S, 236. 
— Strange, Beiträge I, 
S- 41 ; II, S. 49. Sitz der 
Herren von DUsset , die 
schon 1 298 erwähnt werden, 
seit dem 16, Jh. im Besitz 
der Herren von Diepen- 
bruch, der Herren von 
Mettemich, von Orsbeck, 
von Horchheim. Der jetzige 
Besitzer ist Herr W. Greef 
in Barmen, 

Die Anlage des Hauses 

ist eine fast quadratische. 
Der ganze Bau wird durch 
6 m breite mit Wasser ge- 
füllte Gräben eingeschlossen. 
Über die eine Brücke führt. 
Die die vordere Hälfte des 
eingeschlossenen Terrains 
einnehmende Vorburg mit 
den Wirthachaftsgebäuden 
stammt vom J. 1 786, das da- 
hinter gelegene Herrenhaus 
ist ein einfacher zweistöckiger 

■undriu der k«iholiKheii Phrrki.che ßgu VOn S Achsen mit Frei- 

j^^pp^ ^^j Walmdach. 



-# 



GRUITEN. 



ALTE KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (üt, s, Nicolai). 

Der Ort wird schon im 11. Jh. genannt (Lacomblet, U B, I, Nr, 2S7). In der 
2, H. des [ I, Jh. entstand eine Kirche, die noch im liber valoris um i3oo als .capella' 
aufgeführt wird (Binterim u, Mooren, E, K. I, S. 262). In den J, i877 — 79 wurde 
durch G. A. Fischer weiter nach Osten eine neue Kirche errichtet, da die alte bau- 
fällig geworden war und nicht mehr ausreichte. Die alte Kirche wurde im J. i894 
bis auf den Turm abgerissen, der als historisches Wahrzeichen erhalten blieb. 



a36 



6S 



Die aite Kirche {Aufnahme Fig. a8) stellt einen der frühesten romanischen 
Bauten des bergischen Landes dar. Die Grundrissausbildung ist von besonderem 
Interesse durch die starke Betonung des Turmes, der die volle Breite des einschif- 
figen Langhauses besitzt und in der Seitenansicht mit diesem im Verband ohne eine 
durchgefiihrte Trennungslinie hergestellt ist. Das alte Weslportal im Turm ist ver- 






mauert In dem oberen, im Gegensatze zu dem aus Kohlensandstein errichteten 
Hauptteil aus Tuff bestehenden Geschoss nach jeder Seite je zwei, von grossen rund- 
bogigen Blenden eingerahmte Doppelfenster mit Mittelsäule und Würfel kapital. 

Das Langhaus schliesst unter dem Dachgesims mit einem auf Klötzchen ruhenden 
Rundbogenfries ab. Nach Süden romanisches Portal mit einem Paar Säulen in den Ge- 
wänden, die sich hoch Über den Blattkapitälen als Rundstab fortsetzen, die eigentliche 
Thür durch horizontalen Sturz geschlossen. Chorhaus und Apsis j 

a37 



66 KREIS]^METTMANN 

Knthoi. schlichtem aus Rundstab und Schmiege bestehendem Dachgesims ab. An der Ostseite 
des Langhauses über dem Giebel des Chorhauses ein Fenster in Kreuzform. An 
Stelle der ursprünglichen kleinen rundbogigen Fenster sind nach Süden zwei grössere 
leicht spitzbogige Fenster eingebrochen. 

Inneres Im Inneren ist die Turmvorhalle mit einem Gratgewölbe überdeckt, dessen 

scharfprofilierte Schildbögen auf Eckkonsolen aufsitzen. Die Turmhalle öffnet sich 
nach dem Mittelschiflf in einem grossen Bogen. Der in der Laibung herumgeführte 
Kämpfer zeigt dasselbe reiche Profil (Fig. 28) wie die beiden Pfeilervorlagen, die den 
die zwei Kreuzjoche des Langhauses trennenden Gurt tragen. An der Nordseite 
führt in der Mauerstärke eine Treppe in dem Turm empor. Der Triumphbogen ist tief 
eingeschnitten, die Apsis als Halbkuppel gewölbt. 
Wundmaiereicn Reste vou Unbedeutenden Wandmalereien des i4. Jh. Im Chor Einzelfiguren 

von Heiligen, erkenntlich ein bärtiger Heiliger mit Schwert, im Schiff Anbetung der 
Könige und Geburt Christi. 

Glocke Die aus der alten Kirche stammende Glocke vom J. i52i ist jetzt in der 

neuen Pfarrkirche aufgehängt. Inschrift: sent Nicola ys heyssen ich, in de eir 

GODTES LUDEN ICH, DEN DUVEL FERDRYVEN ICH, DEN LEVENDYCHEN ROPPEN ICH, DE 
DODEN BECLAEN ICH, JOHAN VAN NUYS GOYS MYCH XV^XKI. 

Taufstein Der achtscitige, ganz formlose Taufstein des 12. Jh. auf dem Kirchhofe. 

Tabernakel Spätgothischcs Tabernakel von Sandstein im Chor, ganz einfach, mit schmiede- 

eisernem Thürchen geschlossen. 

Evangei. EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. 

II, S. 439. Die Reformation wurde i589 eingeführt; die Kirche, ein rechteckiger Saal- 
bau mit Walmdach und Dachreiter, wurde i72o errichtet. 

pfarrhau« Das PFARRHAUS ist ein Fach werkbau von i764. An der evangelischen 

Schule die Inschrift: thomas kolhagen. anno 1682 den i. September, ich frewe 

MICH DES das mir GEREDT IST DAS WIR WERDEN INS HAUS DES HERREN GEHEN 
WERDEN STEHEN IN DEINEN THOREN. 

HAAN. 

Prähistor. PRÄHISTORISCHE FUNDE. Bei Haan wurden in den Lehmschichten 

der Sandgruben wiederholt Funde von steinernen Waffen gemacht. Im J. i87o 
wurden vier Feuersteinäxte gefunden (im Besitz der Realschule zu Elberfeld), i844 
in der Sandgrube des Herrn Karl Memer ein weiteres Beil (im Besitz des Herrn 
Hermann Werer in Düsseldorf), 1 886 eine steinerne Pfeilspitze, im Besitze des Herrn 
Agenten Mühlenbach in Elberfeld (Akten im Landratsamte zu Vohwinkel). 

Evangc. EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, 

S. 465. — Die Pfarrei Haan im J. i55o: Berg. Zs. IX, S. 223. 

Geschichte Haan gehörte schon im i. Jahrtausend zu Hilden, einem der zwölf Tafelhöfe 

der Kölner Bischöfe (Kunstdenkmäler d. Kr. Düsseldorf S. 11 3). Ein Oratorium 
bestand hier schon unter dem Erzbischof Wichfried, der der Kölner Kirche von 925 
Ältere Kirche bis 953 vorstaud. Die dem hl. Kilian geweihte Pfarrkirche, wohl erst im ii. Jh. 
erbaut, wurde erst i863 abgebrochen und i864 durch einen Neubau ersetzt. Sie 
M'ar einschiffig, mit später angebautem Seitenschiff, und zeigte im Obergaden aussen 
die übliche Gliederung durch Rundbogenfries und Vertikallisenen, das Chorhaus war 
niedriger und etwas eingerückt, der dreistöckige Westturm zeigte im Obergeschoss 
je zwei Blenden mit Rundbogenfenstern. 

238 



HARDENBERG 



67 



Im Innern der neuen Kirche ist die aus der alten Kirche überführte Inschrift 
(vergl. Lacomblets Archiv II, S. loo), die aus der i. H. des lo. Jh. stammt, . einge- 
mauert Sie besteht aus einer 8oX48 cm grossen Kalksteinplatte in einem einfach 
profilierten Rahmen: 

A VENERABILI ARCHIEPISCOPO WICHFRIDO II. NONAS AUGUSTI DEDICATA EST 
HAEC ECCLESIA IN HONOREM SANCTORUM MARTYRUM CRISANTI ET DARIAE. ALEGERUS 

(Aiegerus ?) humilis diaconüs erexit hoc Oratorium. Die Inschrift steht der zu 
Duisburg (Kunstdenkmäler d. Kr. Duisburg S. 2?) und zu Derendorf (Kunstdenk- 
mäler d. Kr. Düsseldorf S. 78) am nächsten. 

Glocke mit der Inschrift: salvator mundi adiuva nos. sancta maria 
ora pro nobis i582. 



Evangel. 
Pfarrkirche 

Inschrift 



Glocke 



HARDENBERG. 



SCHLOSS. F. W. Bartsch, Chronologisch-statistische Darstellung der früheren 
Herrschaft Hardenberg, jetzigen Stadt Langenberg und Gemeinde Hardenberg bis 
Ende i86t, Langenberg i863. — L. Bender, Geschichte der vormaligen Herrschaft 
Hardenberg im Bergischen von der Urzeit bis zu ihrer Aufhebung, Langenberg i879. 
Dazu Berg. Zs. XV, S. 252 und Picks Ms. VI, S. 299. — Crecelius, Die Herren 
von Hardenberg: Berg. Zs. VIII, S. i93. — Genealogie bei A. Fahne, Geschichte der 
Herren Stael von Holstein S. 21 und A. Kobens, Der ritterbürtige landständische 
Adel des Grossherzogtums Niederrhein, Aachen 18 18, II, S. 244. — A. Koernicke, 
Entstehung der bergischen Amtsverfassung S. 18, 34. 

Handschriftl. Qu. Im Freiherrlich von Wendtschen Archiv zu Crassenstein 
(Westfalen): Archiv der ehemaligen Unterherrschaft Hardenberg (Wd. Zs. I, S. 4i5). 
— Im Staatsarchiv zu Düsseldorf nur acht Urkunden und Akten seit i757 (Ilgen, 
Rhein. Archiv S. i4o). — In der Bibliothek des Bergischen Geschichtsvereins zu 
Elberfeld: Genealogie der Familie Bemsau (Hs. 9). 

Das Schloss war der Sitz der Grafen von Hardenberg, die bereits 11 45 er- 
scheinen. Die Herrschaft blieb in ihrem Besitz, bis sie i355 von Heinrich von Harden- 
berg an den Grafen Gerhard von Berg verkauft ward (Lacomblet, U B. III, Nr. 548). 
Als bergisches Amt bestand sie von i355 — 1496. In diesem Jahre überliess Herzog 
Wilhelm von Jülich und Berg Schloss und Herrschaft erblich an Bertram von Gevertz- 
hain genannt von Lutzenrade (Lacomblet, U B. IV, Nr. 472. — Bender S. 29), der 
schon einige Jahre im Besitz des seit 1 38o wiederholt verpfändeten Schlosses gewesen. 
Als bergische Unterherrschaft bestand Hardenberg weiter bis 1811, bis zum J. i525 
im Besitz der Herren von Lutzenrade, bis i655 im Besitz deren von Bemsau, von i655 
bis i697 unter dem Regiment zweier Frauen, der Anna von Bemsau und der Isabella 
Margareta von Schaesberg, von i697 — 181 1 unter den Herren von Wendt. Die 
herrschaftlichen Rechte wurden den Wendt 181 1 genommen, das Schloss aber blieb 
im Besitz der Familie, die i877 mit Oswald Freiherm von Wendt ausstarb. Die jetzige 
Besitzerin ist seine Schwester, die Gräfin Leonie von Marchand-Anserabourg. 

Das Schloss wurde wahrscheinlich erst im i4. oder i5. Jh. im Thale erbaut, 
nachdem das alte Bergschloss aufgegeben war. Von Bertram von Gevertzhain wurde 
es vor i496 restauriert. Zwischen 1682 und t696 wurde das Schloss durch Isabella 
Margareta von Schaesberg gänzlich umgebaut. Die Thorbefestigungen wurden erst 
in unserem Jahrhundert abgebrochen. 



Schlots 
Litteratur 



Handschriftl. 
Quellen 



Geschichte 



239 



5* 



68 KREIS METTMANN 

Das Schloss (Ansicht Fig. a9. — Rekonstruktion szeichnung von G. A. Fischer, 
Schloss Burg und andere Burgen des Rheinlandes S. 46. — Berg. Zs. XXIV, S. i4o) be- 
steht aus Hauptburg und Vorburg. Der Hauptbau ist eine Anlage von grosser 
Regelmassigkeit; ein Quadrat, von zwei Gräben und einer quadratischen Mauer 
mit vier runden Ecktürmen umgeben. Der Mittelbau bestand bis zum Umbau der 
Frau von Schaesberg aus zwei rechtwinkelig aneinanderstossenden Trakten, die frei- 
gelassene vierte Ecke des Quadrates nahm ein rechteckiger Turm ein. Erst durch 
den genannten Umbau wurde der ganze Mittelbau in einen einzigen Würfel zusammen- 
gezogen. Die Absätze des alten Baues sind an den Dachgesimsen und an den 
Zwischenmauern des Inneren noch nachzuweisen. Der Hauptbau ist jetzt zwei- 
stöckig mit fünf Achsen und schliesst mit einem gebrochenen abgewalmten mit 
Reihen von Mansarden versehenen Dache ab. Über dem Portal das Schaesberg- 



Fig. 19. Hurdinbcrg. Auicht dn Schloii«. 

Bemsausche Alliancewappen mit der Inschrift: friderich arnold freyherr von 

SCHAESBERG, ISABELLA MARGARETHA GEBOHRNE FREYNNE VON EERNSAW, VERWITTIBTE 
FREYFRAW VON SCHAESBERG, HERR UND FRAW ZU HARDENBERG, SCHAESBERG, UERT- 

ZENiCH UND FRANCKESHOVEN. An dem halbrunden Abschluss des Portales die In- 
schriften links: friderich sigismund theodokus freyherr von schaesberg, herr 

zu HARDENBERG, SCHAESBERG, MERTZENICH UND FRANCKESHOVEN, THUMBHERR ZU 

OSNABRÜCK i696; rechts; Johann sigismund freyherr von schaesberg, des hoch- 
loblichen MALTHESERORDENS RITFER UND GENERALRECEPTOR IN NIEDER TEUTSCHEN- 
LANDE, CÜMMENTHEUR ZU VILINGEN UND HASSELT. 

Die vier Rundtürme des Mauerringes sind mit Kegeldächem eingedeckt und 
zeigen im Erdgeschoss einfache Scharten, darüber grössere rechteckige erneuerte Fenster. 
Die Türme waren ehemals nur von dem auf der Ringmauer aufsitzenden Wehrgang 
zugänglich. Die Vorburg besteht aus drei rechteckig aneinanderstossenden Trakten 
und war ehemals gleichfalls von Graben umgeben; die zu Wirtschaftszwecken dienenden 
zweistöckigen Gebäude sind i68o und 1693 (Jahreszahl in Eisenankem) errichtet. 

34o 



HEILIGENHAUS 



69 



Im Inneren Ahnenbilder der Herren von Bemsau und von Wendt. 

Die Reste der alten Burg Hardenberg befinden sich auf der Höhe über 
Neviges und sind im J. 1888 auf Veranlassung des Herrn Kommerzienrates Conze 
in Langenberg durch den Baumeister G. A. Fischer in Barmen ausgegraben worden 
(Fig. 3o). Die Burg bildete ein Quadrat mit abgerundeten Ecken von 45 m Durch- 
messer/ Um die ganze Anlage zog sich ein breiter Graben, der sich vor allem nach 
Norden, nach der Angriffsseite, verstärkte, nach Westen, wo das Terrain stark abßlllt, 
ganz fehlt. Der Zugang geschah von Osten her, hier befand sich ein Vorsprung im 
Mauerwerk, der wohl auf das Vorhandensein einer Thorbefestigung mit Zugbrücke 
weist. Nach der Angriffsseite hin 
erhob sich die — durch beson- 
dere Stärke ausgezeichnete — 
Schildmauer, an die die Haupt- 
gebäude angelehnt waren. Der 
in der Mitte gelegene viersei- 
tige Bergfrid misst 10 m im 
Geviert und besitzt 2,5o m 
starke Mauern. Hier besteht 
das Mauerwerk aus regel- 
mässigen rechtwinkligen Bossen- 
quadem mit Randbeschlag. Das 
übrige Mauerwerk besteht aus 
horizontal gelagerten Bruch- 
steinen von Grauwacke und 
Schiefer in grober gelblicher 
Mörtelbettung , vermischt mit 
vereinzelten Tuffbrocken. 




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Schloss 

Gemälde 

Alte Burg 



Fig. 30. Hardenberg. Grundriu des alten Schlosses. 



HEILIGENHAUS. 

ÄLTERE BEFESTIGUNGSANLAGEN. Das Herz der Honschaft 
Hetterscheid (zwischen Heiligenhaus und Isenbögel) ist fast ganz von bedeutenden 
Gräben und Wällen eingefasst und bildete im 1. Jahrtausend wahrscheinlich die 
grösste Befestigungsanlage im Bergischen. Die Wälle sind erkenntlich im Norden 
von Krehwinkel auf den Kothen ,am Scheid* zu (altes Gehöft, schon i498 erwähnt), 
von dort auf den ,Nassen Kamp* zu nach Süden; die Südgrenze läuft von dem Hof- 
gute , Abtsküche* (vormals Sommersitz der Äbte von Werden : vgl. Jacobs, Geschichte 
der Pfarreien im Gebiete von Werden S. 9o) auf Wordenbeck zu. Im Westen lehnt 
sich die Befestigung an die Heiligenhauser Landwehr an (Fahne in der Berg. Zs. IV, 
S. 28; XIV, S. i53. — Vgl. unten S. 83). Hettemscheid, ,villa Hestratescethe* zuerst 
847 genannt (Lacomblet, U B. I, Nr. 63), wird als Hattuarengrenze gedeutet. Ein 
Kothen in der Honschaft Velbert heisst noch ,Kattensiepen* (Kattengraben), ein 
Kothen eine Stunde vor Wülfrath ,Kattenhäuschen* (Berichte in den Akten des Land- 
ratsamtes zu Vohwinkel). 

KATHOLISCHE HUBERTUSKAPELLE. P. Jacobs, Geschichte der 
Pfarreien im Gebiete des ehemaligen Stiftes Werden a. d. Ruhr, Düsseldorf i893, S. 74. 
— Geschichte der katholischen Kapellengemeinde Heiligenhaus, Festschrift zur Feier 
ihres 26jährigen Bestehens am 16. November i884. 



Ältere 

Befestigungs. 

n n 1 a g e n 



Hubertus« 
kapelle 



24l 



7o KREIS METTMANN 

Hubertus. Die Gegend eis Hilinciueg wird schon 875 der Werdener Pfarre zugeteilt 

Ge*chichie (Crecelius, Traditiones Werdinenses: Berg. Zs. VI, S. 36). Eine Kirche wurde wahr- 
scheinlich erst im 12. Jh. erbaut. Sie ging im 16. Jh. an die Evangelischen über imd 
wurde um i785 abgebrochen. Eine neue katholische Kapelle wurde erst i859 er- 
richtet. 
Altar Barocker Altar, aus der i844 abgebrochenen Antoniuskapelle zu Oefte (s. u. 

S. 82) stammend, vom J. i67o, aus Marmor, mit einer Kreuzigungsgruppe und dem 
Wappen der Herren von Dalwigk. 

Erangci. EVANGELISCHE KIRCHE, (v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S. 43o: 

III, S. 25), i787 an Stelle der abgebrochenen älteren Kirche erbaut Nüchterner 
Saalbau mit West türm in Backstein. 

R e f o r mierte REFORMIERTEKIRCHE, i778 erbaut, rechtwinkliger Saalbau von Kohlen- 

sandstein, mit zwei Reihen Fenster übereinander, auf dem abgewalmten Satteldach 
ein vierseitiger Dachreiter. 

In dem anstossenden Pfarrhaus eine Rokokothür mit hübschen Schnitzereien. 



KRONENBERG. 

Littemtur J. WÜLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte i729: Berg. Zs. XIX, 

S. 128, i42. — Kronenbergs kirchliche Denkwürdigkeiten: Aschebergs Niederrheinische 
Blätter für Belehrung und Unterhaltung I, 1801, S. i7o. — v. Restorff, Beschrei- 
bung der Rheinprovinzen S. 382. — v. Mülmann, Statistik I, S. 432. — J. Holt- 
MANNS, A. Herold und C. Cassel, Chronik der Bürgermeisterei Kronenberg, Rem- 
scheid i877. Dazu Berg. Zs. XIV, S. 2 2 7. — Ders., Kronenbergs kirchliche Trennung 
von Elberfeld: Festgabe für W. Crecelius 1881, S. 216. — Ders., Kronenbergs Post- 
geschichte: Neue Kronenberger Zeitung 1888, Nr. 128 — 135. — Ders., Geschichte der 
Kronenberger Apotheke, Geschichte der Kronenberger höheren Schule, Kronenbergs 
Landeszugehörigkeit seit seinem i. Auftreten im 12. Jh., das Ende des Kronenberger 
Handwerkerprivilegiums vom J. 1 600 u. a., veröffentlicht in der Kronenberger Zeitung. 

Ältere Be. ÄLTERE BEFESTIGUNGEN. Auf dem Bergrücken, der sich zwischen 

ifungen jy^QQgi^j^^j^^ Müugstcn und Reinshagen erhebt, befinden sich die deutlichen Spuren 
einer Wall bürg, die besser als irgend eine andere der Befestigungsanlagen im 
Bergischen erhalten ist (Fig. 3i). An einer ziemlich steilen, mit dürftigem Gehölz 
bestandenen Berglehne, unweit der Kammhöhe, zieht sich die Wallburg als unregel- 
mässiges Viereck mit geradlinigen Grenzen hin. Die Seiten messen i75, 11 5, i54, 
65 Schritt. Der Wall ist nach ausen 2 — 2,5o m, nach innen o,5o — o,75 m hoch. 
Wahrscheinlich führte nur ein Eingang, hart an der einen Ecke, 4 m breit, in die 
Umwallung. Das Profil der Wälle ist durchweg dasselbe. Der heute kaum erkenn- 
bare Weg, der in Serpentinen zur Höhe führt, ist wohl noch der alte. Der schmale 
Graben, der das Viereck umzieht, ist noch deutlich als Spitzgraben zu erkennen, dazu 
sind die Wälle ziemlich gleichmässig gut erhalten, zumal an den scharf umbiegenden 
Ecken (nach Mitteilungen des Herrn O. Schell in Elberfeld). Vgl. Schell in dem 
Korr.-Bl. d. Wd. Zs. XIII, S. 72. 

Reformierte REFORMIERTE KIRCHE. V. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S. 4o6. 

Geschichte Kronenberg besass urkundlich seit i3i2 eine Kapelle, die von der Kirche in 

Elberfeld abhängig war und vom Vikarius des Katharinenaltares versehen wurde 

242 



LANGENBERG 



7l 



(Berg. Zs. I, S. 254; XIX, S. i42). Schon 
um i54o wird hier ein reformierter Geist- 
licher genannt Erst im Laufe des i6. Jh. 
wurde aus der Vikarie eine eigene Pfarr- 
stelle für Kronenberg. Erst 182 5 wurde 
Kronenberg völlig von Elberfeld getrennt. 
Die Kirche wurde i766 durch Peter Mos- 
blech aus Beyenburg neuerbaut, das Lang- 
haus wurde erst i77i, der Turm erst i776 
vollendet. Im J. i83o wurde der Turm, 
der früher zum Kirchenschiff gezogen war, 
durch eine Holzwand von diesem abgetrennt, 
1888 um 5 m erhöht. 

Schlichter Saalbau, im Lichten 24,5om 
lang, 18,22 m breit, mit grossen nmdbogigen 
Fenstern. An der Südseite in Eisenankem 
die Zahl i767. Der Turm trägt seit 1888 
eine neue geschweifte Haube mit achtseiti- 
ger Laterne. Über dem Ostgiebel der Kirche 
ein eiserner Posaunenengel mit der Inschrift: 

„ANNO l769 IST DIESER ENGEL VON DEN 
JUNGGESELLEN UND JUNFFERN ALHIER IM 
DORFF DER KIRCHEN VEREHRET." 




Reformierte 
Kirche 



-Ikfri- 



77Ä 



Thor 




Beschreibung 



Fig. 31. WaUburg bei MUngsten. 



LANGENBERG. 



festigungen 



J. WÜLFFING, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte i729: Berg. Zs. XIX, Litteraiur 
S. 128, i43. — F.W. Bartsch, Chronologisch-statistische Darstellung der früheren 
Herrschaft Hardenberg, jetzigen Stadt Langenberg . . ., Langenberg i863. — L. Bender, 
Geschichte der vormaligen Herrschaft Hardenberg, Langenberg i879, S. in, 23i, 328 
(ausführlich). — v. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 398. — v. Mül- 
MANN, Statistik I, S. 433. — W. Crecelius, Weistümer von Langenberg: Berg. 
Zs. IX, S. 221. — H. Heppe, Geschichte der evangelischen Gemeinden der Grafschaft 
Mark, Iserlohn i87o, S. 3io. 

ÄLTERE BEFESTIGUNGEN. Zwischen Hardenberg und Langenberg Ältere Be 
lag, vom Hardenberger Bach und vom Deilbach eingeschlossen, eine Wallburg, an 
die noch heute die Bauerschaft Wallmichrath, im 12. Jh. Walbrethincrothe oder Wal- 
beringrode (Rottung des Wallberings ?) erinnert (Berg. Zs. VI, S. 66). Wälle sind nicht 
mehr vorhanden. Über den Namen vgl. Bender, Geschichte von Hardenberg S. 3 
(Aufzeichnungen des Kanonikus Kessel t in Aachen). Über die Landwehr vgl. oben 
unter Heiligenhaus S. 69 und unten unter Velbert S. 83. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Ge- 
schichte II, S. 339, 4i3. 

Handschriftl. Qu. In der Bibliothek des Bergischen Gesch ich ts Vereins zu 
Elberfeld: Abriss vom gantzen Kirspell Langenberg und Windtrath (H. 18) vom 
J. i7i7 [von Johannes Bergmann, vgl. Bender S. 2 25]. — Im Pfarrarchiv: Akten 
seit i694. 



Evangel. 
Pfarrkirche 



Handschriftl. 
Quellen 



243 



7l KHEIS METTMANN 

Eine Kapelle zu Langenberg bestand schon um i3oo (Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. 261), die i4o6 zuerst als Pfarrkirche erwähnt wird (Urk. bei Bender 
S. i3o). Um i58o trat die Gemeinde zur Reformation über. Die alte bauftlllige 
Kirche wurde in der I. H. des 18. Jh. durch einen geraumigen Neubau von dem 
Architekten /. M. Moser ersetzt. Der Abbruch geschah iTaS. Das Langhaus wurde 
schon i726 vollendet, der Turm erst l7Si. 

Die auf dem höchsten Punkte des alten Ortes aufgeführte Kirche, zu der von 
Norden und Osten Freitreppen hinaufführen, besteht aus einem Saalbau mit drei- 
seitigem Abschluss und eingebautem vierstöckigen Westturm. Die Aussenseiten 
sind durch Pilaster und zwei Reihen Fenster übereinander gegliedert Am Turm, 



Fis. 33. LnsenlxtE. Kini«'. in der ennceUichen Phrrkirchc. 

auf dem ein achtseittger geschweifler sehr malerischer geschieferter Helm aufsitzt. 
befindet sich In Eisenankem die Zahl i737. 

Das Innere wird durch drei Paare dünner SSulen in drei Schiffe zerl^ die 
mit ganz gedrückten Kreuzgeweiben in Holzverschalung überdeckt sind, auf drei 
Seiten zieht sich durch die Kirche eine breite Empore. Am Triumphbogen die 
Zahl i7i6. 

Vor dem angefügten Chörchen erhebt sich der hohe Aufbau der Kanzel {Fig. 3a}, 
der einzige Schmuck der Kirche, in der kühnen Konstruktion charakteristisch fiir die 
reformierten Kirchen des bergbchen Landes (ähnlich in Neviges, s.u.). Diei73l von 
dem Langenberger Schreiner A. W. Beckmann gefertigte Anlage besteht aus dem auf 
einer gewundenen Säule völlig frei ruhenden sechsseitigen Gehäuse, dessen Seiten 
durch Pilaster mit Puttenköpfen belebt sind. Die Treppe steigt ziemlich steil frei 



METTMANN 



73 



Bvangel. 
Pfarrkirche 



Glocken 



empor, mündet aber nicht direkt auf die Kanzel, sondern auf einen dazwischen ein- 
gefugten Gang mit durchbrochenem Geländer, imter dem der Abendmahlstisch auf- 
gestellt ist. Der riesige sechsseitige von einem Posaunenengel gekrönte Schalldeckel 
hängt frei von der Mitte der Decke herab. 

Die Glocken von 1 73 7 mit den Inschriften: 

1. JOHANNES HERMANNUS LOHMAN ECCLESIAE LANGENBERGENSIS PASTOR SENIOR 
AETATIS LXIII MINISTRE (so) XXXVIIH. JOHANNES HENRICUS ROCHOL PASTOR ECCLESIAE 
LANGENBERGENSIS. PETRUS DIEDERICUS BOUERMAN, CHRISTI ANUS DULKEN, PETER 
TOH. RUDERHAUS, HENRICH TRAPMAN, DIEDERICH TWINGENBERG. GOS MICH CHRISTIAN 
WILHELM VOIGT MDCCXXXVIL 

2. HENRICUS WILHELM WÜSTER, PHILIP WILHELM PECKHAUS, JOHAN HENRICH 
NOCKEL KIRCHMEISTER. GOS MICH CHRISTIAN WILHELM VOIGT MDCCXXXVIL 

3. JOHANNES EBERHARDUS DULCKEN, GERHARD BRUCKHAUS, JOHANNES GIESEN- 
HAUS, JOHANNES WILHELMUS JUNGENHAUS. GOS MICH CHRISTIAN WILHELM VOIGT 
MDCCXXXVIL 

Die KAPELLE zu Windrath (Bender S. 23o), im J. 1682 neuerbaut; der Turm 
erst i753 — 54, im J. 1812 eingestürzt und in den nächsten Jahren vollständig neu 
aufgeführt. 

In dem ältesten Teil des Ortes eine Reihe hübscher alter FACHWERK- F.chwerk 
HÄUSER mit vorgekragtem Oberstock, so in der Hauptstrasse Nr. i5 die Gastwirt- 
schaft von Wilhelm Sauer, die Absteifungen des Obergeschosses geschweift und ab- 
gefasst; ein ähnliches Haus mit geschiefertem Giebel, grosser Vorhalle vom Ende des 
18. Jh. Hallerstrasse Nr. 6, ein einfaches Hallerstrasse Nr. i9. Ein besonders stattlicher 
Bau ist das Haus Wiemhof Nr. 43 (Buchdruckerei von Aug. Forsthoff), mit vor- 
gekragtem Oberstock und flachem Giebel. Hier führt eine grosse dreiteilige Frei- 
treppe mit vorspringendem Mittelrisalit zu der Thür, die sich auf die geräumige Vor- 
halle ößhet. 



Kapelle 
SU Windrath 



häuser 



METTMANN. 



J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte i729: Berg. Zs. XIX, 
S. 127, i4i. — J. J. Lenzen, Bey träge zur Statistik des Grossherzogtums Berg, Düssel- 
dorf 1802, I, S. 42. — J. M. Schwager, Bemerkungen auf einer Reise durch Westfalen, 
Leipzig i8o4, S. 85. — v. d. Goltz, Statistische Darstellung, S. 11. — v. Restorff, Be- 
schreibung der Rheinprovinzen S. 378. — v. Mülmann, Statistik I, S. 435. — W. Cre- 
CELius, Das Privilegium der Freiheit Mettmann: Berg. Zs. IV, S. 2 52. — A. Koer- 
nicke, Entstehung der bergischen Amts Verfassung S. i9. — Jon. Niezzen, Aus der 
Vorzeit der Gemeinde Mettmann: Berg. Mon. I, S. 59, 9o, 99. — A. Schell, Mis- 
cellen (Schöppenumgang, letztes Thor, Oelberg, Schelmenturm, katholischer Kirchplatz) : 
Berg. Mon. I, S. 62. — H. Hengstenberg in der Berg. Mon. I, S. 88. 

ÄLTERE BEFESTIGUNGSANLAGEN. Auf der schroff abfallenden, 
durch eine Einsattelung abgetrennten Spitze des zwischen der Dussel und dem Mett- 
mannerbach gelegenen Bergrückens, kurz vor der Mündung des Baches in die Dussel 
im Neanderthale liegt die grosse Wallbefestigung Alteburg, die ihren Namen nach 
dem in der Nordostecke gelegenen Bauernhof Alteburg erhalten hat (Grundrifsskizze 
nach Aufnahme von O, Schell Fig. 33, Profile Fig. 34), auch als Wallburg auf dem 
Blixberge, in der Hundskippe bekannt. Die Wallburg bildet ein längliches Viereck 
mit abgestumpften Ecken, das sich den Einbuchtungen des Plateaus anschliesst Der 



Litteratur 



Altere 

BefeBtiguns^S' 

anlngen 



245 



74 



KREIS METTMANN 



1 



Ältere 

Befestigungs- 

anlngen 



Doppelwall ist bis auf die Ostseite (hinter dem Bauemgehöft) wohl erhalten, an der 
Westseite zieht er sich quer über die lange felsige Spitze, in die der Höhenrücken 
ausläuft Der Wall besteht aus Erde mit grossen Findlingen und Bruchsteinen. Der 
Aussen wall liegt durchschnittlich mit seiner Sohle i5 — 20 Fuss tiefer als der erstere 
und geht überall in den Bergabhang über. „Früher fiel der Fluss an der Hundsklippe 
über einen Wall hinunter, der erst in der i. H. des i9. Jh. durch die Kalkbrüche 
beseitigt ward, so dass hier ein ziemlich tiefer Bergsee entstand, der durch die ein- 
fachsten Schleusenvorrichtungen noch erweitert und in das Befestigungssystem hinein- 
gezogen werden konnte. An der südwestlichen Seite bei A schweift der zweite Wall 
auf dem kürzeren breiten Bergvorsprung beträchtlich aus und endet plötzlich an 
einer ganz jähen Felsenkante, während der von Südosten kommende Zug des zweiten 






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Fig. 33. Wallburg im Nennderthal. Situntionsplan. 

Walles etwa i5 Fuss tiefer diesen Felsenvorsprung umzieht und bis über den breiteren 
Bergvorsprung läuft, so dass hier eigentlich eine dreifache Umwallung besteht" 
(Bongard, Das Neanderthal S. i9). Das eingeschlossene Terrain ist ein welliges Pla- 
teau von 18 Morgen Grundfläche, dessen längere Abdachung nach Süden, nach der 
Dussel, gerichtet ist. Der höchste Punkt des Walles ist bei B, das ist zugleich der 
einzige Punkt, an dem sich der Innenwall über die Innenfläche des Plateaus erhebt 
A. Fahne in der Berg. Zs. XIV, S. 182 mit unrichtigem Profil. — G. Pieper in der 
Heimatskunde i879, S. i7. — B. J. LIII, S. 294. — Bongard a. a. O. S. i9. — 
J. Schneider, Neue Beitr. IX, S. 10. — Schriftl. Mitteilungen des Herrn O. Schell 
in Elberfeld. — Bei den im Winter 1 877/78 auf Veranlassung des Herrn Kommerzien- 
rat Böddinghaus in Elberfeld unternommenen Ausgrabungen wurde der Steinkem der 
Wälle bloss gelegt; Funde, die einen Anhalt für die Datierung hätten geben können, 
wurden nicht gemacht 



246 



METTMANN 



75 



Handscliriftl. 
Quellen 



EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. C. Doll, Geschichte der evange- Evanirei. 
lischen Gemeinde Mettmann, M. 1880. Dazu Berg. Zs. XVIII, S. i63. — v. Reck- 
unghausen, Ref.-Gesch. II, S. 492; III, S. 3o. 

Handschrift!. Qu. Unter den reichen Akten des Pfarrarchives : ProtokoU- 
buch der Gemeinde mit kurzer Geschichte, begonnen 16 10 von dem Pfarrer Christian 
Villanus. 

Die Reformation fand iS46 Eingang, die Kirche wurde i774 — 1775 erbaut. 

Rechteckiger Saalbau, mit gedrückter holzverschalter Tonne überspannt, durch Beschreibung 
je drei Fenster an den Langseiten erhellt Der Turm dreistöckig aus Ruhrsandstein 
mit geschweifter Haube und achtseitiger Laterne. 

Der Vorhof, zu dem elf Stufen hinaufführen, schliesst mit einem vorzüglich 
gearbeiteten schmiedeeisernen Gitter ab (Taf. III). Die in den späten Rokokoformen 
um i775 gehaltene Arbeit besteht aus zwei Flügeln, den oberen Abschluss bilden 
zwei umgekehrte Füllhörner, aus denen prächtig ausgebildete Rosen herausfallen. 
Zur Seite zwei Steinpfeiler mit leichten Rokokoomamenten und Vasenaufsatz. 



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Gitter 




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Fig. 34. Wallburg im Nennderthnl. Profil. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (tit. s. Lamberti). Binterim und 
Mooren, E. K. I, S. 261, 279; II, S. 243. 

In Mettmann, das schon 9o4 genannt wird (Kremer, U B. III, Nr. 4. — La- 
COMBLET, ÜB. I, Nr. 83), bestand schon in der 2. H. des 12. Jh. eine Pfarrkirche, 
deren Patronat der Stiftskirche zu Kaiserswerth gehörte (Lacomblet, U B. I, Nr. 56 1). 

Das Hauptschiff der Kirche stürzte im J. i7o5 ein und wurde in den nächsten 
Jahren erneuert. Im J. 1881 wurde die Kirche bis auf den Turm abgebrochen und 
durch einen dreischiffigen geräumigen Neubau von G. A. Fischer aus Barmen ersetzt, 
der durch geschickte Einfügung von malerischen Türmchen den schweren alten 
Hauptturm mit dem Langhaus in glückliche Verbindimg zu bringen wusste. 

Der vierstöckige, aus Tuff aufgeführte aus der 2. H. des 12. Jh. stammende, 
mächtige Turm (Fig. 35) ist im Äusseren in den oberen Stockwerken in je drei 
Felder zerlegt, die durch Vertikallisenen und Rundbogenfries eingerahmt sind, letzterer 
im zweiten und dritten Stockwerk aus je vier, im vierten aus je fünf Bögen bestehend. 
Im obersten Geschoss je drei Doppelfenster mit Mittelsäule und Würfelkapitäl. Hohe 
achtseitige geschieferte Haube. Das grosse Westportal und der reizvolle Treppenturm 
im Süden sind neue Zuthaten. 



K Athol. 
Pfiirrkirche 

Geschichte 



Turm 



247 



76 KRFIS METTMANN 

Im Inneren ist die Turmhalle durch ein Gratgewölbe Oberdeckt und zeigt 
Eckpfeiler mit reich abgestuften Basen und Kämpfern. Die Turmhalle öffnet sich 
nach dem Langhaus mit einem zweimal abgetreppten Rundbogen. Darüber nach 
Osten eine rundbogige Blende in der Turmmauer. 

■ Taufstein (Fig. 36, vgl. Korrespondenzblatt des Gesamtvereins XII, S, 29), 
Ende des 12. Jh., in der Turmhalle, achtseitiges Becken mit vier Eckköpfen, unter 
denen aufgeklappte Akanthusblätter angebracht sind. Der Taufstein gehört zu der 

am ganzen Nieder- 
rhein häuhgen Gruppe 
mit vier Eckköpfen 
(Kunstdenkmäler des 
Kr. Kempen S. 16). 
Der Unterbau (Mittel- 
pfeiler mit vier Eck- 
säulclien) ist neu. 

Kupferner Lavabo- 
kessel des iS. Jh. mit 
zwei Köpfen an den 
Ausgussöffnungen. 

DreikupfemeAltar- 
leuchter des iS.Jh. 
mit Ringen. 

Sonnenmonstranz 
des 18. Jh. 

Kleines Ostensori- 
um des iS. Jh. auf 
sechsseitigem Fuss mit 
aufrecht stehendem 
Glascy linder. 

Die im J. 1663 in der 
Kirche vorfindlichen 
Inschriften von Grab- 
steinen, besonders der 
Herren von Eller, mit 
r^i5=^^g^^3^_^ °'""""-'="-i5 Abb. von filnf dersel- 

--%^^^^-"-_ "^~"!!S:>. ^^^ enthält die Re- 

■:-.:.--;=^ - -.^- DiNGHovENSche 

Fig. 35. Uciimaiin. Kiihoiiichc P&rikirche. Sammlung (München, 

Staatsbibliothek, Cod. 
germ. 22i3, Bd. XXIV, Bl. zi7). Der Altar ward 1S61 von Rudolf Helman, Kantor 
und Kanonikus von Kaiserswerlh, gestiftet. 

Glocken. Die erste von i429 mit der undeutlichen Inschrift: anno domini 

MCCCCXXIX. 5INTE LAMBERT HEITEN ICH, VUIR DAT KUND (?) LUEDER 

Die zweite von iSoS mit der Inschrift : anno milleno quingento ouintoquk. 

SUM BABTISATA NAM ANNA SUM VOCITATA. LAUDO DEUM VERUM, VOCO FLEBEM, 
CONGREGO CLERUM. 

Die dritte (Baudri, Organ für christl. Kunst VIII, S. aa4) mit der Inschrift: 

JESUS MARIA JOSEPH ET ST. LAMBFRTUS. JOANN. WILHELM JAGFELD JULIACENS. KX 
348 



ALTORFF PASTOR IN MET- 
MANN. ARNOLDUS FRIDERl- 
CUS L. B. AB HORST, SERE- 
NISSIMI ELECTORIS PALATINI 
CONSI LI ARTUS INTIMUS ET 
SATRAPA IN METTMANN HE- 
REDITARIUS IN HELLEN- 
BBOCH. JOANNES WIRICUS 
SIGISMUNDUS SCHWARZ SE- 
RENISSIMI ELECTORIS PALA- 
TINI CONSILIARIUS AULICUS 
ET IUDEX SATRAPIAE METT- 
MANNENSIS. COMMUNITATI 
SERVIO, A COM MUNITAT E 
REPAROR ET CONSERVOR. 
ANNO l7a7. GOTTFRIED DIN- 
CKELMAYER AUS CO ELLEN 
GOSS MICH l727. 

Die vierte nur mit der 
Inschrift: Gottfried din- 

CKELMAYER AUS CO ELLEN 
GOSS MICH l737. 

Die vor Mettmann 
{am Teich hinter dem Bahn- 
hof) gelegene MÜHLE ist 
ein interessanter butgarliger 
Bau des 18. Jh., zweistöckig 
mit fünf Achsen in den 
Längsseiten, drei in den 
Schmalseiten, in dem ge- 
brochenen Walmdach Mansarden, an der einen Ecke ein kräftiger mit vierseitigem 
Pyramidendach gekrönter Turm. 

NEVIGES. 

J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädter Berg. Zs. XIX, 
S. 128, i43. — V. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 397. — L. Bender, 
Geschichte der vormaligen Herrschaft Hardenberg, Langenberg i879, S. i7i ff. — 
K. Krafpt, Die Stiftung der bergischen Provinzialsynode vom 21. Juli !S89 zu 
Neviges, Elberfeld i889. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Recklinghaüsen, Ref.-Ge- 
schichte II, S. 4ig; III, S. 38. ' 

HandschriftI, Qu.: Im Pfarrarchiv: Urkundenbuch von Pastor Vowinckel 
(t i849), Urkunden von i448 — 1839 umfassend. 

Auf dem den Herren von Hardenberg zugehörigen Hofe Neviges, der erst i355 
an den Grafen Gerhard von Berg verkauft wurde (Lacombi.et, U B. III, Nr. 548) 
bestand schon 1220 eine Kapelle {Urkunde von 1220 bei Bender S. 3l8. — Vgl. 
BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 261: Nevegis capella), i39i wird hier eine Pfarr- 
kirche genannt {Düsseldorf, Staatsarchiv, Urk. Werden, Suppl. I, Nr. iS4). Die Re- 

249 



Fig. 36. Mctlnunn Tiul 



78 KREIS METTMANH 

fonnation fand iS7i Eingang. Die gothische, aus dem i5.jh. stammende Kirche hatte im 
J. i697 einen neuen Turm erhalten, im J. i74o machte sich ein Neubau des Langhauses 
nötig, der i746 abgeschlossen ward und bei dem nur das alte Chörchen erhalten blieb. 
Einfacher einschiffiger Bau von Kohlensandstein, im Westen dreistöckiger Turm 
mit schlichter geschweifter Haube, im Osten aus fünf Seiten des Achtecks konstruirtes 

Chörchen mit kleinen zwei- 
teiligen Fenstern (Fig. 37), 
Das Langhaus im Inneren 
mit hölzernem Tonnenge- 
wölbe, nach beiden Längs- 
seiten durch je drei zwei- 
teilige Fenster erhellt. Die 
Empore ist auf drei Seiten 
frei herumgeführt. Im Chor 
ist die sechsseitige Rokoko- 
kanzel aufgestellt, ein gro- 
sser hölzerner, weiss ange- 
strichener Aufbau mit grosser 
Freitreppe, deren Geländer 
m. durchbrochenen Schnitze- 
reien verziert ist. Der grosse 
sechsseitige Schalldecke! ist 
im Chorgewölbe frei aufge- 
hängt. 

Glocken, Die erste von 

i536 mit spätgolhischer 

Kante, dem Wappen von 

Köln und Münzabdrücken. 

, Inschrift: maria HErssCHEN 

ICH, ZO DEM DIENST GÖTZ 
BIDEN ICH, DONNER UND 
BLIXEN (so) VERDBIEVEN ICH, 
DE DODEN BESCHRIEN ICK. 
JOHAN VAN COLLEN GUIS 

MICH i536. 

Die zweite von i47S mit 
schöner Kante und dem ber- 
gischen Wappen in gutem Re- 
lief. Inschrift in gothischen 
Majuskeln: sancta mar- 

Fie. 37. Nevigei Evinteliichi Pfarrkirche. GRETA BYN YCH GENANT, 

GEBOREN VAN DEN HEYDEN. 
WAN ICH BOPE, SO KOMET TO HANT, DAT GY VAN GODE NYCHT ENSCHEYDEN. JOHAN 
VAN DORPMÜNDE GOYS MYCH MCCCCLXXV. 

Die dritte von i646 mit der Inschrift: herr gott dein wort GEStrengs und 

HEFTIGS KLINGS HELLER DAS EINIGS METAL. DURCHS FEUER BIN ICH GEFLOSSEN. 
DANIEL LONNER VON NUREMBURGH GOS MICH l646. 

FRANZISCANERKLOSTER. Bender S. 282- — L. H. Brandenberg, 
Geschichte des Wallfahrtsortes Hardenberg, Essen i83i. 

25o 



Die Kirche wurde i67o durch Frau Anna von Bemsau errichtet, i676 wurde Kto 
von ihr ein Kloster gestiftet, zu dem 1680 der Grundstein gelegt war, das aber erst °"' 
i697 vollendet ward, nachdem die Kirche durch ihr Gnadenbild ein besuchter Wall- 
fahrtsort geworden war. Die Kirche wurde schon iTaS erneut. 

Schlichter einschiffiger dreiseitig geschlossener Bau, an der Westfai^ade ein von Bachi 
zwei Pilastem eingerahmtes Hausteinportal mit der Jahreszahl iTsS, in einer Nische 
darüber eine (neue) Statue des h. Franziskus, der geschweifte Giebel mit Schiefer 
verkleidet. Um den ganzen Bau herum ist ein kräftiges Gebälk gefuhrt, das auf 
Pilastem mit jonischen Kapitalen ruht. An der Nordseite acht dreimal abgetreppte 
Streben. Auf dem Satteldache ein kleiner sechsseitiger offener Dachreiter (Fig. 38). 



Das Innere ist durch acht schmale Gratgewölbc mit tief eingeschnittenen 
Kappen eingewölbt, die trennenden Gurte ruhen auf Pilastem. Nach Süden sind 
durch einen Erweiterungsbau zwei Seitenschiffe angefügt, über dem ersteren ist eine 
Empore angebracht 

Die Ausstattung ist in den frühen Rokokoformen der i. H. des 18. Jh. ge- 
halten. Im Langschiff ist durch einen Lettner, an den sich zwei Seitenaltäre anlehnen, 
ein ziemlich grosser Chor abgetrennt. Die geschweiften Thüren des Lettners ent- 
halten feingezeichnete Füllungen. Die beiden Aitilre werden von je vier Marmor- 
säulen flankiert und von je drei massigen Figuren gekrönt. Der nördliche Altar, der 
mit einem Madonnenbild abschliessende Gnadcnaltar, bt über und über bedeckt mit 
Weihegeschenken, Schildern, Herzen, Kreuzen, Gliedern, Ketten, In der Mitte be- 
findet sich hinter einem guten vergoldeten Rokokogitter mit der Inschrift: Zuflucht 

35l 



8o 



KREIS METTMANN 



Kloster 



Orgelbahne 



Beichtstühle 
Kroaleuchter 

Hochaltar 



Chorstühle 



Totenschilde 

Fachwerk- 
häuser 



DER SÜNDER MARIA ABSQUE MACULA i75o in einer Strahlensonne das Gnadenbild, 
ein handtellergrosser Kupferstich des i7. Jh. mit der Darstellung der Madonna. 

Die im Westen gelegene Orgelbühne mit der Orgel zeigt ein vielfach ge- 
brochenes mannigfaltig profiliertes Gebälk, über der Brüstung erhebt sich ein frei- 
geschnitztes reiches Rankenwerk. 

Fünf hübsche Beichtstühle mit geschweiften Rokokoaufsätzen. 

Kronleuchter in Gelbguss des i6. Jh. mit zweimal sechs Armen, gekrönt von 
dem auf dem Adler sitzenden Jupiter mit dem Blitzbündel. 

Der abgeschlossene Chor wird von dem mächtigen Hochaltar beherrscht, 
in den von gekuppelten Säulen eingefasst ein Kreuzigungsbild eingelassen ist. Im 
Anschluss Gottvater, darüber eine Strahlensonne mit der Taube, zur Seite Engelsfiguren. 

Von Interesse sind die schweren noch barocken Chorstühle auf beiden Seiten 
des Chores, zweireihig, die hintere Reihe zu je zwölf, die vordere zu je sechs Sitzen. 
Die hohen Rückwände sind durch Pilaster gegliedert und durch Festons verziert; die 
geschweiften Armlehnen sind mit Engelsköpfchen versehen, die geschweiften Wangen- 
stücke reich geschnitzt, die Miserikordien dagegen einfach gehalten. Sehr bemerkens- 
wert sind die kräftigen Lesepulte, mit schweren Knäufen und Engelsköpfen am 
Fusse verziert, das Doppelpult gekrönt von einem geschweiften ausladenden Arm 
als Hebel zum Drehen des Pultes. 

An den Wänden eine Reihe Totenschilde der Herren von Wendt. 

Im alten Teile des Ortes eine Reihe hübscher alter bergischer FACHWERK- 
HÄUSER, zumal in den engen, steilen und winkeligen Gassen um die Kirche, mit 
leicht vorgekragten Obergeschossen (Fig. 37). Nahe der Kirche einige Häuser mit 
hübschen Rokokothüren, eine vom J. i786. 



OEFTE. 



Haus 



Handschrift!. 
Quellen 



Geschichte 



HAUS. Fahne, Geschichte der Kölnischen etc. Geschlechter I, S. 3io; 
II, S. io8. 

Hand sehr iftl. Qu.: Im Archiv zu Haus Oefte: Urk. zur Geschichte vonOefte 
und Tomberg vom J. 1 246 an (Repertorium von Prof. Daniel). — Tomberg-Flamers- 
heimer Lehenssachen. — Akten zur Geschichte des 3ojährigen Krieges etc. 

Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: Nachrichten über die Belehnungen von i344 
bis i7o6; Stammbäume der Herren von Eller und von Uhlenbroeck (Werden, Akta 
VII, B. 54). — Lehenssachen vom J. i424 ab, Verzeichnis der Besitzungen der 
Herren von Oefte vom J. i454, Karte der Gegend von Oefte und der Herrschaft 
Werden vom J. i567. 

Oefte, das schon im J. 844 genannt wird (uuiti: Lacomblet, U B. I, Nr. 58. 
Vgl. ebenda I, Nr. 64 imj. 848: silva que vocatur uuitherouuald), ist seit dem i3. Jh. 
im Besitz der Herren von Eller, die zu Oefte oder von Oefte genannt werden. Im 
J. i377 tragen die Gebrüder Engelbrecht und Heinrich von Oefte dem Erzbischof 
Friedrich III. von Köln ihre Burg zum Oflfenhause auf (Lacomblet, U B. III, Nr. 8oo). 
Von 1 454 bis i648 wechseln in den Belehnungen die Herren von Eller mit denen von 
Uhlenbroeck ab. Durch Heirat mit Gertrud von Eller kommt das Schloss an Dietrich 
Ottomar von Erwitte, durch Heirat mit dessen Tochter Maria Elisabeth Ursula an 
Ferdinand Wilhelm von Dornick. Es folgen im Besitz die von Winter zu Broms- 
kirchen, die von Dalwigk zu Lichtenfels, die Freiherren Vink auf Ostenwalde. Durch 



252 



OEFTE 8 I 

Heirat des Freifräuleins Charlotte Louise Emestine Vink mit dem Reichsgrafen Werner 
von der Schulenburg- Wolfsburg fiel die Herrschaft iSza an die Schulenburg. Jetziger 
Besitzer ist der Herr Reichsgraf Günther von der Schulenburg. 

Das Schloss (Fig. 39), das seit einigen Jahren nach den Angaben des Besitzers 
durch den Architekten Schorbach umgebaut wird, ist ein von Gräben umgebener 
zwebtöckiger Bau mit unterkellertem Unterbau. Der mächtige eingebaute Mittelturm 
springt der Hauptfac^ade risalitartig vor. Das oberste Stockwerk mit dem vorgekragten 



Zinnenkränze ist erst bei dem Umbau des J. 1888 aufgesetzt worden. Der Turm 
selbst hat hierbei drei romanische Doppelfenster mit würfet kapitälgeschmQckten Mittel- 
saulen erhalten. Der Hauptbau zeigt zur Seite des Turmes je fünf Achsen; die grossen 
Fenster entstammen einem Umbau vom Anfang dieses Jh. Die über den Graben 
führende Brücke mil der anstossenden Freitreppe ist erst im J. i842 errichtet worden. 
Reste des alten romanischen Schlosses aus dem 1 2. oder 1 3. Jh. finden sich noch 
in den unteren Teilen des nordwestlichen Flügels. Hier sind (in den Küchenräumen} 
zwei starke Säulen auf achtseitigen Basen mit schweren und rohen Kapitalen erhalten, 
die aus dem Rund in das Viereck überleiten; sie tragen Gratgewölbe mit ganz flachen 
und gedrückten Gurten. 

8 

a53 



Das Innere, von dem Besitzer mit feinem Geschmack im Slile der Frühgothik 
ausgestattet, entliält v<in alteren Kunstgegenständen eine Reihe guter Portrats, darunter 
ein Bildnis des General Wachtmeisters Freiherrn von Erwitte aus der i. H. des i7. Jh., 
ein Bildnis der bayrischen Prinzessin Theresa Clemens (so), ein Porträt des Herzogs 
Alba auf Kupfer. 

Über die Kapelle zum hl. Antonius in Oefte, die i455 (Arthiv Heitorf, Urk. 
Oefte 4) und i498 (Archiv Oefte, Urk, i42) zuerst erwähnt wird und die i844 abge- 
brochen wurde, vgl. ausführlich P. Jacobs, Geschichte der Pfarreien im Gebiete des 
ehemaligen Stiftes Werden a. d. Ruhr, Düsseldorf i893, S. 95. 

Ober den bei Oefte an der Ruhr gelegenen KATTENTURM vgl. Kunst- 
denkmaler d. Kr. Essen S. 66. 

SCHÖLLER. 






'^. 




fig. 40. Scholl«. Aniicht dci Schlouu und 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. Binterim u. Mooren, E. K. I, 
' S. 38; II, S. aS3. 

Die Kirche gehört zu den sogenannten vier Kapellen {vgl. oben S. 63) und be- 
stand schon um i3oo als Pfarrkirche {Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 261). Der 
Turm stammt aus dem 11. Jh., das Langhaus aus dem 18. Jh. 

Der romanische fünfstöckige Turm zeigt im obersten Geschoss je zwei Rund- 
bogenfenster, im Erdgeschoss ein in den Gewänden reich abgestuftes Portal , die 
ThüröfTnung durch horizontalen Sturz geschlossen, das Tympanon leer. Nach Westen 
sind zwei [,10 m breite Strebepfeiler vorgesetzt. Die Turmhalle ist durch ein Grat- 
gewölbe mit scharfen Profilen in den Schildbögen geschlossen. Der Boden rundum 
aufgeschüttet. Das Langhaus ist ein nüchterner Saalbau mit hölzerner Tonne, an 
den ein fiachgedecktes Chürchen angebaut ist 

Taufbecken aus Sandstein, achtseilig, 60 cm hoch, 75 cm im Durchmesser, 
i3. Jh., in der Vorhalle. 

Glocken. Die erste von iSii mit der Inschrift: sancte Johannes evangelista 

ORA PRO POPULO TUO. ANNO MCCCCCXll. CURI5TIANUS DUSTERWALT ME FECIT. 

Die zweite von iSi4 mit der Inschrift: anna heissen ich, jhesus marien denen 

ICH, DEN DUVEL VERDRIEVEN ICH. ANNO MCCCCCXIIII. JOHAN VON NUIS GOIS MICH. 

aS4 



VELBERT 83 

HAUS SCHÖLLER. A. Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Haus 
Bergischen Geschlechter I, S. 392; H, S. i3i. — O. Schell, Zur Geschichte von 
Schloss und Herrschaft Schöller: Berg. Mon. I, S. lo, i9, 73, 92. 

Zuerst 1265 genannt (Lacomblet, U B. II, Nr. 552), Sitz der Herren von Geschichte 
Schöller (gen. i3i4: Berg. Zs. XII, S. 246). Die letzte Erbin von Schöller, Mechtild 
Maria Margaretha (t i7o8), heiratete den Grafen Johann Friedrich von Schaesberg. 
Seitdem blieb die Herrschaft im Besitz der Schaesberg. Der jetzige Eigentümer ist 
der Herr Reichsgraf von Schaesberg -Tannheim zu Tannheim. 

Von dem alten Schloss, das durch einen fast quadratischen Mauerring einge- Beschreibung 
schlössen war, ist nur der in die eine Ecke gestellte, aus Kohlensandstein errichtete 
(restaurierte) Bergfrid erhalten, mit rechteckigem Grundriss und vierseitigem Pyra- 
midendach, an den nach Süden ein halbrunder mit flachem Dach abschliessender 
Treppen türm angebaut ist. Nach Osten schliesst sich das neue Pächterhaus an. Den 
ganzen Bergabhang nach Norden nehmen die zum Teil noch aus dem i8. Jh. stammen- 
den Wirtschaftsgebäude ein (Fig. 4o). 

VELBERT. 

ÄLTERE BEFESTIGUNGSANLAGEN. A.Fahne, Die Landwehr von Ältere 
Velbert bis Schloss Landsberg und von Barmen nach Hückeswagen: Berg. Zs. XIV, *«Via'gcn** 
S. i37 mit Aufnahmen. — J. Schneider, Lokaluntersuchungen über die alten Denk- 
mäler im Kr. Mettmann: Neue Beitr. zur alten Geschichte und Geographie der Rhein- 
lande IX, Düsseldorf 1 87 7, S. 9. — Akten und Aufnahmen im I^ndralsamt zuVohwinkel. 

Die Fortsetzung des Hauptzuges der grossen niederrheinischen Landwehr, die Lnndwehr 
die Kreise Ruhrort und Essen durchschneidet (Kunstdenkmäler d. Kr. Ruhrort S. 57, 
59, 69, d. Kr. Essen S. 63, 66), läuft von Schloss Landsberg (Kunstdenkmäler d. Kr. 
Düsseldorf S. i48. — Fahne in der Berg. Zs. IV, S. i ; X, S. 1 16) auf Velbert zu. Ihre 
Richtung wird bezeichnet durch die Höfe ,auf der Lantert* und ,in der Lantert* bei 
Klüppelholz, durch die Höfe ,gross und klein Lafert* in der Bürgermeisterei Wülfrath 
und das Gehöft ,an der Laafer* in der Honschaft Leubeck (Bürgermeisterei Velbert). 
Sie ist noch wohl erhalten i5o Schritt seitwärts von der Strasse von Velbert nach 
Heiligenhaus in der Länge von 4oo Schritt. Sie besteht hier aus einem einzigen 
8 m breiten und i m hohen Wall. Ein zweites i5o Schritt langes Stück führt steil ab- 
wärts in das Thal nach dem Hofe Mondschein zu. Hier i.st das Profil noch genauer 
erhalten. Die Landwehr bestand hier aus zwei Wällen, der grössere 5 m breit und 
I m hoch, der Graben dazwischen 4 m breit. Hinter dem Hofe Mondschein am 
Angerbach weitere Spuren. Ein wohl erhaltener dicht bewachsener Abschnitt auch an 
der Schule bei dem Hofe Fingscheid. Die Heiligenhäuser Landwehr wurde noch im 
i8. Jh. sorgfältig erhalten (Urk. in der Berg. Zs. XIV, S. i44). Über den Zug der 
Landwehr von Velbert nach Barmen vgl. Fahne in der Berg. Zs. IV, S. 29; XIV, 
S. i56 und oben unter Elberfeld S. i9. 

EVANGELISCHE KIRCHE. J. M. Schwager, Bemerkungen auf einer Ev.ngei. 
Reise durch Westfalen, Leipzig i8o4, S. 89. — v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, 
S. 427; III, S. 22. — V. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 392. — 
V. MüLMANN, Statistik I, S. 454. — G. A. Schneider, Der letzte Abend des i8. Jh., 
festlich gefeiert in der evangelisch-lutherischen Gemeinde zu Velbert, Essen i8oi. — 
P. Jacobs, Geschichte der Pfarreien im Gebiete des ehemaligen Stiftes Werden S. 68. 

255 



84 



KREIS METTMANN 



Evangel. 
Kirche 



Eine Kirche in Velbert (in villa Velbraht) besteht schon in der i . H. des 1 1 . Jh. 
(Urk. in der Berg. Zs. VII, S. 53), sie geht i599 in den vollständigen Besitz der 
Evangelischen über (Jacobs S. 72). 

Die neue Kirche wurde i765 begonnen und i769 vollendet. Rohbau in Kohlen- 
sandstein mit Eckverklammerung. Schlichter Saal mit dreiseitigem Abschluss, je drei 
grossen Fenstern an den Langseiten, ungegliederter Westturm mit einfacher acht- 
seitiger Haube. Über der Thür die Inschrift: deo sacrum. consummatum anno 

MDCCLXIX. 

WÜLFRATH. 



Evangel. 
Pfnrrkirche 



Geschichte 



Beschreibung 



E VAN GELISCHE PFARRKIRCHE. J. Wülffing, Beschreibung der vor- 
nehmen Handelsstädte: Berg. Zs. XIX, S. 128, i42. — v. Restorff, Beschreibung 
der Rheinprovinzen S. 387. — v. Mülmann, Statistik I, S. 46o. — v. Recklinghausen 
Ref.-Gesch. II, S. 42 2. — K. Krafft, Die Stiftung der bergischen Provinzialsynode 
am 21. Juli i589 zu Neviges, Elberfeld i889. 

Der Oft wird zuerst im 11. Jh. erwähnt (Wolzerothe: Lacomblet, U B. I, 
Nr. 2 57). Eine Kirche entstand hier im 11. Jh., die um i3oo zum erstenmale als 
Pfarrkirche genannt wird (Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 261. Darnach i369: 
Lacomblet, UB. III, Nr. 685), Die älteste Kirche war eine dreischiffige flachgedeckte 
romanische Pfeilerbasilika. Um i4oo wurde das Mittelschiff abgebrochen und durch 
einen gothischen Neubau ersetzt, am Ende des i5. Jh. musste ebenso das südliche 
Seitenschiff einem luftigen, auffallend hohen spätgothischen Bau weichen. Die Ge- 
meinde trat schon vor i559 zur Reformation über. Eine umfassende Restauration 
wird vorbereitet. 

Die Kirche ist ein dreischiffiger Bau mit vorgesetztem Westturm, im Lichten 
26,90 m lang und i4,6o m breit. Dem romanischen Bau, der aus Kohlensandstein 
bestand, gehören noch an : der Turm, das nördliche Seitenschiff, die Pfeiler und die 
nördliche Scheidemauer. Die gothischen Teile sind dagegen aus Grauwacke errichtet. 

Der Turm ist fünfstöckig, in den einzelnen Stockwerken etwas eingerückt, das 
oberste Geschoss enthält je zwei rundbogige Fenster. Die Turmhalle mit Kreuz- 
gewölbe auf Eckpfeilern. Das nördliche Seitenschiff ist flach gedeckt, die östliche 
in der Mauerstärke gelegene Apsis öffnet sich mit zweimal abgetrepptem Rundbogen 
und enthält in der Mitte eine schmale Blende. 

Die vier Pfeilerpaare sind nach dem Mittelschiff zu mit einer Vorlage und je 
zwei Diensten versehen, die auf polygonalen Basen ruhen und auf runden, von 
Ringen umzogenen Kapitalen eine gemeinsame Deckplatte tragen, über der die drei 
Rippen aufsetzen. Im Chor je ein Dienst als Träger der Rippen, ebenso je ein 
Dienst zur Seite des Triumphbogens. Die Scheidemauer nach dem nördlichen 
romanischen Schiff zu zeigt einfache grosse rundbogige Blenden (ehemals Fenster). 
Das südliche Seitenschiff ist um i m höher als das Mittelschiff; es ist mit Netz- 
gewölben, im Chorabschluss mit einem Stemgewölbe, versehen. Das Masswerk der 
Fenster im ganzen Bau im 1 8. Jh. herausgeschlagen. 



^ 



256 



KREIS SOLINGEN 



iA^ 



»57 



BAUMBERG. 



KATHOLISCHE KIRCHE (s. t. s. Dionysii). Eine Kapelle bestand zu 
Baumberg seit dem 12. Jh. Im J. i884 wurde durch den Franziskanerbruder Paschalis 
ein dreischiffiger Neubau errichtet ; 1 89 1 wurde die Kirche als Nebenkirche von Mon- 
heim abgezweigt. 

Von dem alten Bau steht nur noch der romanische Turm, dreistöckig, aus 
Tuff aufgeführt, mit 4,5o m breiten Seiten. Im obersten Geschoss Rundbogenfries und 
je zwei romanische Doppelfenster mit Knospenkapitälen. Das Portal erneut. An der 
Westseite eine barocke Kreuzigungsgruppe, Christus, Maria, Johannes, in derben, lebens- 
grossen Figuren angebracht. 

Glocken. Die grösste mit der Inschrift: s. dionisius heische ich, die leben- 
dige BERUFE ich, DIE TODTE BELEUTE ICH, DAS DONNERWETTER VERTREIBE ICH. 
PETER VON DER LEYEN DONO DEDIT. GOTFRID DINCKELMAEYER GOS MICH IN COLLEN 
ANNO l729. 

Die zweite von i429 mit der Inschrift: anno domini millesimo ccccxxix. 

JHESUS. MARIA. DIONISIUS. 



ICnthol. 
Kirche 



Turm 



Glocken 



BÜRGEL. 



Römische 
Anlagen 



A. Rein, Haus Bürgel, das römische Burungum nach Lage, Namen und Alter- LitterRtur 
tümem: Programm der höheren Stadtschule zu Krefeld i855. Dazu B. J. XXIII 
S. i4i und Ann. h. V. N. I, S. 3i3. — Zur Geschichte von Haus Bürgel: J. Strange, 
Beiträge zur Genealogie der adeligen Geschlechter IX, S. 33; XI, S. 96. Zur Ge- 
schichte der Herren von Bürgel ebenda III, S. 43; IV, S. 56; VIII, S. 64. — v. Me- 
rino, Geschichte der Burgen III, S. 100; XII, S. i. — Bürgel, Zons: Lacomblets 
Archiv II, S. 335. — W. Herchenbach, Haus Bürgel: Monatsschrift des Vereins für 
die Geschichte von Düsseldorf 1881, S. 3i. — Fahne in der Berg. Zs. XIV, S. i37. 

RÖMISCHE ANLAGEN. Ausser der oben genannten Litteratur Fiedler, 
Geschichten und Altertümer des unteren Germaniens S. 124. — Oligschläger in den 

B. J. V, S. 236. — Freudenfeld in den B. J. XII, S. i4o. — F. W. ScHxMIDT in 
den B. J. VII, S. i45 und XXXI, S. 9i. — J. Schneider in den B. J. LX, S. 11. ~ 

C. KoENEN, Zum Verständnis von Haus Bürgel: B. J. LXXXIX, S. 2i3. — A. Fahne, 
Geschichte der Dynasten von Bocholtz I, S. 243. 

In Bürgel ist das im Itinerarium Antonini zwischen Köln und Neuss genannte 
Burungum zu erblicken. Bürgel lag bis zum i3. Jh. auf dem linken Rheinufer: der 
Strom floss von Baumberg aus direkt auf Urdenbach zu; das alte Strombett ist als 
,alter Rhein* und .schmaler Rhein* noch erhalten. 

Die Reste des römischen Kastells werden zuerst von Brosius (Annales Juliae Kastcii 
Montiumque comitum, Köln i73i, praefatio ad lectores p. 3) erwähnt: praedium ... , 

praefert castelli Romani muros firmissimos, qui multis adhuc locis satis integri cae- 
mento tenacissimo consurgunt, turres habuit olim duodenas ad arcendam vim hostium. 



259 



88 



KREIS SOLINGEN 



dum ante biennium dominus comes {Bertramus Carolus de Nesselrode) aedificium 
arapliat, nummi plures aerei et argentei, Vespasianum, Traianum aliosque Caesares 
repraesentantes e terra sunt eruti diversique sarcophagi ibidem reperti meam senten- 
tiara confirmant, io quibus pulcherrimo Romano charactere leguntur inscriptiones an- 
tiquae . . . Die zwölf von Brosius erwähnten Türme sind nicht nachzuweisen, im 
J. i3z6 werden nur muri antiqui sive septa muronim antiquonim genannt (Lacomblet, 
ÜB. III, Nr. 212). 

Das Kastell (Grundriss Fig. 4i) bildete ein unregel massiges Viereck von 66, 8o, 
53 und 78 m Seitenlange. Die alten Mauem sind schon im Mittelalter wiederholt 

durchbrochen worden, bei der 
Errichtung des neuen Herren- 
hauses B im J. i837 sind die 
Mauem hier bis zur Tiefe von 
i3 Fuss gesprengt worden. Sie 
sind aber an der Ostseite des 
anstossenden Wirtschaftsgebäu- 
des, an der Südseite bis D und 
in der Aussenmauer des hier 
angebauten Schafstalles, hier in 
der Dicke von 8o cm, zum Teil 
erhalten, an der Westseite hinter 
deni765neuaufgef[lhrtenStallen 
nicht sicher nachzuweisen. 
Das erhaltene Mauerwerk 
" C — an der Südseite bis zur 
Höhe von 2, So m — besteht 
aus Bruchsteinen mit einzelnen 
TufTquadem in unregelm assiger 
Schichtung: wahrscheinlich nur 
der Kern der alten Mauer, 
während der Mantel zerstört 
ist (J. Schneider in den B. J, 
XXXIII, S. i69; Monatsschrift 
des Vereins tiir die Geschichte 
Fig. 41. BüTgti GruDdciii d» K»»iii. Düsseldorfs [881, S. 38, hält 

das Mauerwerk für fränkisch. 
Vgl. Picks Ms. I, S. 3oi). Das Nordthor befand sich wohl an der Stelle des jetzigen 
Nordthores C, das Südthor D ist gleichfalls erhalten, ebenso ist die Hälfte eines dritten 
Thores an der Ostseite nachzuweisen. An der Südseite sind in der Entfernung von 
i,4om zwei i,Som hohe Pfosten, 36 — 4ocm breit, aus grossen Tuffblöcken zusammen- 
gesetzt, eingemauert. Die hier befindlichen Schiefsscharten (beschrieben von Koehen 
in den B. J. LXXXIX, S. 21S) mittelalterlich. Westlich von dem Hofe sind weitere 
Fundamente zum Vorschein gekommen. Nachgrabungen wünschenswert. 

Am Portal C sind zwei römische Votivstcine eingemauert, im Garten vor dem 
Nordthore sind in den Anlagen zwei kleine Arae aufgestellt, ausserdem fünf ornamen- 
tierte römische Werkstücke, drei davon Fragmente eines schmalen Frieses, sowie der 
Steindeckel eines fränkischen Kinde rsarkophages mit eingefurchtem Saum und Kreuz 
mit langem Stab, Ein Matronenstein eingemauert an dem Westgiebel der Kapelle, 




■h^ 



BÖRtiEL 89 

Die Inschriften bei Brambach, C. I. R. Nr. 295—897, zwei Fragmente Nr. 298—299, »t 
woselbst die Angabe der alteren Litteratur, der eine Votivstein am Portal bei Koenen * 
in den B. J. LXXXIX, S. 218. 

HAUS BÜRGEL. Das Schloss (castnun in Burgela) wird schon ioi9 von Hh 
Erzbischof Heribert von Köln der Abtei Deutz überwiesen (Kremer, U B, HI, S. 16. ^' 
— Lacomblet, U B. I, Nr. i53); in der Bestatigungsurkunde vom J. ii47 wird auch 
bereits die Kirche genannt (castrum Bnrgele mm curte et ecclesia: Lacomblet, U B. I, 
Nr. 357). Die Ministerialen, die mit dem Hofe belehnt waren, nannten sich Herren 
von Bürgel (Fahne, Geschichte der Kölnischen Geschlechter I, S. i95). Noch i326 
tragt Winrich von Bürgel sein Schloss der Abtei Deutz auf (Lacomblet, U B. HI, 
Nr. 212), kurz darauf wird Heinrich Zoppe mit dem Haus belehnt, der es i359 an 
Reinhard Besendriesch verkauft. Es folgen im Besitz schon i378 die Herren von 
Kniprode {Lacomblet, U B. III, Nr. 8i4), darnach die Herren von Daun zu Broich, 
Seit der Mitte des i7. Jh. sind die Herren von Nesselrode im Besitz des Hauses 
(nicht erst nach dem Aussterben des Geschlechtes von Daun im J. 1682, vgl. die In- 
schrift unten). Der jetzige Eigentümer ist der Herr Graf Droste von Nesselrode zu 
Haus Herten bei Dorsten. 



Fi[. 43. Bilr(el. Aulchi du Hiiuei von NoidoiHn. 

Das Schloss {Grundriss Fig. 4i, Ansicht Fig. 4«) ist mit seinen Umfassungs- 1 
mauern auf den Fundamenten des römischen Kastells, zum Teil mit Benutzung der 
alten Mauern, errichtet. Von mittelalterlichen Bauwerken ist nur der übereck auf 
die Nordostecke gesetzte viereckige Turm erhalten, dreistöckig, durch ein niedriges 
■ Pyramidendach gekrönt, mit vermauerten Fensteröffnungen, im obersten Stockwerk eine 
Reihe von Kragsteinen, die ursprünglich einen hölzernen Wehrgang trugen. Das an- 
stossende Herrenhaus B wurde i837 neu aufgeführt. Die Ställe im Westen sind erst 
i765 errichtet (Jahreszahl in Eisenankem), die übrigen erst in der 1. H. unseres Jh. 
erneut. Im Herrenhaus befand sich bis l837 eine eiserne Kaminplatte mit der In- 
schrift (v. Mering a. a O, XII, S. 6) : piae memoriae optimorum parentum ber- 

TRAMI S. R, J. BARONIS DE NESSELRODE, DOMINI IN STEIN, EHRENSTEIN ET HERTEN, 
FERDINANDI ET MAXIMILIANI HENBICI F, ELECTOR. CONSII.IARII STATUS ET PER ANNOS 
LVllI LOCUM-TENENTIS VESTANI, DUCATUS MONTIUM CAMERARII ET MARESCHALLI HAE- 
REDITARII, ET LUCIAE COMIT. HATZFELDIAE, HAEREDIS BARONATUS TRACHENBERGI- 
ENSIS IN SILE5IA, TRANCISCUS BARO DE NESSELRODE, DOMINUS IN STEIN, LEOPOLDICAE 
S. AUG. CONSILIARIUS ET ANNA MARIA S. R. J. BARONIS DE WILICH IN RICHOLT ET 
WINNENDAL CONIUGES. ANNO 166I. 

261 



Die in der Mitte des 
Hofes gelegene MA- 
TERNUSKAPELLE 
entstand wahrscheinlich 
kurz voi II 47 (ii47und 
1 161 zuerst genannt: La- 
COMBLET, ÜB. I, Nt.3S7; 
IV, Nr. 6j8). Sie war bis 
in das l3.Jh. die Pfarr- 
kirche von Zons, ihr Pa- 
tronat kam i37i von der 
Abtei Deutz an die Abtei 
Brauweiler {Chron. Brun- 
wylrense ed. Eckertz : 
Ann. h. V. N. XVllI. 
S. 116. Vgl. Ennen in 
den Ann. h.V. N. XIII, 
S. 94). Im 18. Jh. innen 
_ _ _ neu dekoriert, nachdem 

B '(^l+l — 1\ nl *^^ dreiseitige Chörchen 

l"/; 1 ■ wahrscheinlichimi4. oder 

^■^ f~M iS.Jh. emeutworden.Die 

.^■■^MB.^Vp^EaM Kapelle dient nicht mehr 

Fig. 43. Biiroi. Miianuikipdig. zum Gottesdienste u. Steht 

leider ganz verwahrlost. 
Rechteckiger flachgedeckter Bau (Fig. 43), regelmässig aus Tuff errichtet, mit 
einzelnen grossen Tuffquadern, die Giebel aus Backsteinen aufgeführt. An der Süd- 
seite noch ein rundbogiges Fenster (vermauert), die im Flachbogen geschlossenen 

Fenster sowie das Portal 
entstammen erst dem 
18. Jh. Im Inneren nie- 
driger Triumphbogen, vor 
dem Chörchen grosse 
Allarmensa. Über dem 
, ChftrchenimOstgiebelcin 
rohskuiptierter mensch- 
licher Kopf eingemauert 
(ahnl. Köpfe B. J. XXI, 
S. i78). 

Taufst ein, romanisch, 
aus dem 12. Jh.. 78 cm 
hoch, aus Naniurer Blau- 
stein, rundes Becken von 
i,oS m Durchmesser mit 
vier Eckköpfen, die vier 
Felder verziert abwech- 
selnd mit Drachengestal- 
Fig. 44. BttTKci. Tiu&ieiD b der M>icrDuik>iKiie. ten in Flachrelief und 

162 



Rimdbogenfries. Jetzt auf einem einzigen Mittelcy linder aufgestellt, ursprünglich, nach Mmcr 
der Fonn des Fusses, mit vier EcksSulchen versehen (Fig. 44. — Vgl. Rein a. a. O. '"" 
S. 10, Anm. 6). Über die ganze Gruppe dieser Taufsteine vgl. Kunstdenkmäler d. Kr. 
Kempen S. i6. 

BÜRRIG. 

RÖMISCHE UND GERMANISCHE FUNDE. Auf der Höhe hinter Rö„.i., 
der Bahn nach Osten, im , Eisholz' (gerodetem Wald), wurden gennanische Grabumen, ' ",1%' 
grau, von bauchiger Form, gefunden, im J. i89o auch ein Geföss von terra sigillata 
(die Fundstücke verschleppt). Vgl. Schnei- 
der, Die alten Heer- und Handelsw^e IL 

KATHOLISCHE PFARR- K-it 

KIRCHE (s. t. invent. s. Stephani). *"''"'' 

V. Merino, G. d. B. XII, S. i4. — Kölner 
Domblatt i854, Nr. io8. 

Eine Kirche zu Bürrig wird schon 
ii6i genannt (Lacomblet, U B. IV, Nr, 
628), im Besitz der Abtei Deutz, von der 
129S das Patronat an die Grafen von Berg 
übergeht {Kremer, Akad. Beitr., U B. III, 
S. ai4). Die alte Kirche im J. i89i bis 
auf den Turm abgekrochen und durch einen 
Neubau von Rüdell u. Odenthal ersetzt. 

Der dreistöckige aus Tuff errichtete, Tür 

aus dem Ende des iz.fh. stammende ro- 
manische Turm, mit l,ro m starken Mau- 
ern, zeigt im zweiten und dritten Geschoss 
die übliche Gliederung durch Vertikallisenen 
und Rundbogen friese, im obersten Geschoss 1 

zudem je zwei Doppelfenster mit Mhtelsäule ; 

und Kelchkapital, die beiden rundbogigen ._. j-nirr 

Öffnungen innerhalb der gemeinsamen . -■—_■_ ^ 7:°^'^£frg 

Blende noch durch zwei weitere kleine Blen- -ö»^ -..-. "^^i 

den eingeschlossen. Das Portal (Fig. 45) Fi|. 49. bbtHi. Pdiui det luihoiiichtD p&rtklrch«. 
zeigt die feinen und reinen Formen des 

Obergangsstiles — in den Gewflnden SSulen, die sich über den schön gemeisselten 
Knospenkapitalen als Rundstab fortsetzen, die Thüröffnung durch horizontalen Sturz 
geschlossen, im Tympanon ein Kleeblattbogenfenster. 

Im Garten des Pfarrhauses: Taufstein, aus grauem Granit, iz.jh., 80 cm hoch, T.uh 
rundes Becken, mit 82 cm oberem Durchmesser und vier rohen Eckköpfen, die Seiten 
mit drei Rundmedaillons, zur gleichen Gruppe wie der von Biirgel (s, o.) gehörig. 

Glocken. Die erste von i383 mit der Inschrift: in Honore ueate marie giocI 

VIRGINIS ET SANCn STEPHANI ANNO DOMINI MCCCLXXXIII IN MAIO. 

Die zweite mit der Inschrift: sanct Stephan heischen ich, zo dem deinst 

GOT BOIFFEN ICH. D, ADOLPH NIPPEL DE LENEPE PASTOR HUIUS ECCI.ESIAE A, D. lS29. 

Die dritte mit der Inschrift: maria is der Name min, des uuis got gebenedit 

SIN A. D. lS29. 

363 



92 



KREIS SOLINGEN 



BURSCHEID. 



FrühmiUelalt. 
Anlügen 



Evnngel. 
Pfarrkirche 



Geschichte 



Beschreibung 



Ausstattung 



Kronleuchter 



Grabstein 



Glocken 



Haus Nieder 
landscheid 



Geschichte 



Boschreibung 



FRÜHMITTELALTERLICHE ANLAGEN. Über , altdeutsche* Befesti- 
gungswerke am Bache Eifche, unterhalb des Böckershammers, vgl, B. J. LIII, S. 293. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Mülmann, Statistik I, S. 4oi. — 
V. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S. 589. — Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 445. 
— V. Mering, G. d. B. X, S. 52. — Montanus, Die Vorzeit II, S. I27, 287. 

Die Kirche wurde im J. I287 durch Erzbischof Sifrid von Köln dem Gereons- 
stift einverleibt (Lacomblet, U B. IV, Nr. 675). Das Patronatsrecht des Stifts wurde 
erst i4i2 abgelöst. Die Reformation fand um i57o Eingang. Das Langhaus wurde 
i767 — 1769 neu aufgeführt, der alte Turm, der in das ii.Jh. zurückführte, i845 ab- 
gebrochen und i87i erneut. 

Das Langhaus ist ein einfacher Saalbau mit je drei grossen rundbogigen Fenstern 
an den Langseiten, über der einen Thür die Inschrift: sacrosanctae trinitati sa- 
CRUM ANNO i767, über der anderen: der h. Dreieinigkeit zu ehren anno i767. 

Orgel, Kanzel und Abendmahlstisch sind zu einem hübschen Rokoko- 
aufbau von guter Wirkung vereinigt. Die Orgelbühne ist etwas vorgekragt und ruht 
auf zwei Rundsäulen, das ausgeschweifte sechsseitige Gehäuse der Kanzel zeigt feine 
Eckverzierungen (Voluten) und zierliche Füllungen in Gold und Weiss, auf dem Schall- 
deckel ein Posaunenengel. An den übrigen drei Seiten des Schiffes ist eine auf elf 
Säulen ruhende hölzerne Empore hingeführt. Orgel und Kanzel stammen aus dem 
Kloster am Pützchen bei Bonn. 

Kronleuchter, aus dem Dom zu Altenberg stammend, aus Krystall, mit acht 
Armen, kunstvolles Werk aus der Mitte des i8.Jh. 

Grabstein des Joannes Thamerus pastor inspector (f i69o) und seiner Gattin 
Margaretha Beckers (t i673). 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: Johannes heischen ich, tzo dem 

deinst GÖTZ ROIFFEN ICH, DIE DOEDEN BECLAAEN ICH. HEINRICH VAN COELLEN 
GUIS MICH ANNO DOMINI l542 (?). 

Die zweite von i468 mit der Inschrift: maria heissen ich, in de ere gotz 

LUDEN ICH, HERMANN VON AL(fTE)r GOES MICH ANNO XIV^LKVIII (?). 

HAUSNIEDERLANDSCHEID. F. W. Oligschläger, Der Rittersitz 
Landscheid: Berg. Zs. X, S. 4i. — Über die Herren von Hall: Fahne, Geschichte 
der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter I, S. i3i; II, S. 53; von 
Mering, G. d. B. X, S. 4i. 

Das Haus befand sich im Besitz der Ritter Vlecke von Nesselrode, darnach 
der Herren von Hall. Das Burghaus, das durch die Franzosen im J. i7o2 wiederholt 
geplündert worden war, wurde von i7i8 — 1725 durch Ernst Bertram von Hall neu 
aufgeführt. Die jetzigen Eigentümer sind Herr Carl Liesendahl zu H auslandscheid 
und Frau Witwe Julius Dahlhaus in Wesseling. 

Das Burghaus ist ein schlichter zweistöckiger Bau von fünf Achsen, mit hohem 
malerischen Walmdach gekrönt, mit den Wirtschaftsgebäuden zur Seite. Der Vorhof 
ist von einer Mauer in zwei Hälften zerschnitten. In Eisenankern die Jahreszahl: 
ANNO i7i8. Über dem Portal das Hallsche Wappen, darüber: qVeCVnqVe nobIs 
ContrIbVIstI DoMIne (i725), darunter: ernestus bertram von hall ex op- 

HOVEN MARIA ANNA VON HOCHSTEDEN EX NIEDERZIER HANC ARCeM eX fVnDo 

posVerVnt (i725). 



264 



GRÄFRATH 



93 



GRÄFRATH. 



Handschriftl. 
Quellen 



J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte Bergischen Landes Litteratur 
i729: Berg. Zs. XIX, S. ii4, 127, i4i. — v. Restorff, Beschreibung der Rhein- 
pro\anzen S. 4o9. — v. Mülmann, Statistik I, S. 423. — Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. ui; II, S. 253. — W. Ritz, Privilegien des Klosters Gräfrath: v. Ledeburs 
Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des preussischen Staates XVIII, S. 239. 
— G. Pieper, Gräfrath, die Abtei und Stadt, i883. — Legende von der Übertragung 
der Reliquien nach Gräfrath: Heimatskunde i879, S. 29. — Einige Blätter aus der 
Geschichte der Abtei und des Ortes: ebenda S. 32, Nachtrag S. 69. — J. H. Kessel, 
Gräfrath im Bergischen als ehemaliger Wallfahrtsort, i886. — Hoogeweg, Das Schatz- 
buch von Gräfrath: Berg. Zs. XXIV, S. 85. — aus'm Weerth, Kd. Taf. XLI, i— 9; 
Text III, S. I. — Porschke, Beiträge zur Geschichte des früheren Amtes Solingen I, 
S. 4i; III, S. i33. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: i3o Urk. von ii85 
bis i75i. Aktenregistratur unbedeutend (Ilgen, Rhein. Archiv S. 8i). In der Reding- 
HOVENschen Hs. A. 23, Bl. 2 7o, 298, Urk. von i362 ab in Abschriften. Schatzbuch 
vom J. i492 (Berg. Zs. XXIV, S. 85. — Lamprecht, Verzeichnis niederrheinischer 
Urbarialien S. 42). 

In der Gymnasialbibliothek zu Koblenz: Statuten und Gesetz der geist- 
lichen Sustem zu Greverade, sent Augustinsorden (Hs. 232 in 4®). 

Im Pfarrarchiv: Urk. in Original von i5ii ab, in Abschrift von i425 ab. 
Miracula oder Zeugnisse über die durch die Reliquien der h. Katharina erzeugten 
Wunder. 

In der Staatsbibliothek zu München: In der REDiNGHOVENschen Samm- 
lung, Cod. germ. 221 3, Bd. XVI, Bl. 60» Aufzeichnungen über die Gründung, Bl. 63^ 
Hae sunt reliquiae que continentur in argentea ymagine b. Katherinae, Bl. 64* In- 
ventar des Schatzes (wird in der Sammlung rheinischer Inventare abgedruckt werden). 
Bd. XLIII, Bl. 98* Federzeichnungen der Grabdenkmäler des Grafen Adolph VI. von 
Berg (t 1296) und seiner Gemahlin Elisabeth von Geldern (t i3i3). 

Ehemalige KLOSTERKIRCHE, jetzige KATHOLISCHE PFARR-Kio.terkirchc 
KIRCHE (s. t. assumptionis b. Mariae v.). 

Auf dem dem Stift zu Vilich gehörigen Hofe Gräfrath (11 35 zuerst genannt: 
Lacomblet, U B. I, Nr. 32 1) stiftet 1 185 die Äbtissin Elisabeth von Vilich ein Nonnen- 
kloster, das später adeliges Fräuleinstift wurde (Lacomblet, U B. I, Nr. 497, 5o3. — 
Berg. Zs. XXII, S. 2x9, 23o). Die Kapelle zu Gräfrath wird deshalb dem Verband 
der Pfarrkirche zu Wald entzogen. Das Kloster besass seit dem J. 1 3o9 weitberühmte 
wunderthätige Reliquien der h. Katharina (H. J. Floss, Geschichtliche Nachrichten 
über die Aachener Heiligtümer S. i58, 39o). Die im Laufe des i3.Jh. errichtete 
Kirche brannte 1686 bis auf den Westbau ab. Redinghoven Bd. LVI, Bl. i9o* 
berichtet: „Anno 1686 d. 2 7. December ist durch eine in der freiheit entstandene 
feuersbrunst, dadurch die darinnen gelegene häusser meistentheils abgebrandt, das 
closter sambt der kirchen ausserhalb S. Catharinenaltar imd daran gestandener thüren 
abgebrendt." 

Die Kirche wurde i69o neu aufgeführt Die ausgebrannten Klostergebäude am 
Ende des i7.Jh. ganz abgebrochen und i7o4 ein neues Kloster, nördlich an die 
Kirche anstossend, errichtet (das ältere war um 25o Schritt nach Nordosten auf dem- 



Geschichte 



Neubau 



265 



94 KREIS SOLINGEN 

1» selben Höhenzuge gelegen). Bei der Säkularisation im J. i8o3 wurde die Ableikirche 
der katholischen Gemeinde Überwiesen. 

Die Kirche (Fig. 46) ist ein einschiffiger Bau von fünf Joch Länge, mit poly- 
gonalem Chorabschluss. Der dem i3,Jh. ungehörige Westbau besteht aus sorgfältig 
behauenen Quadern von Ruhrsandstein, das Langhaus ist in Bruchsteinen erneut. 
Die Westfa^ade zeigt eine merkwürdige Gliederung in zwei Stockwerken. Im Erd- 
geschoss nebeneinander zwei grosse spitzbogige Blenden, von denen die eine ein 
spitzbogiges Fensler mit Rundstab, die andere das grosse Portal aufnimmt, in den 
dreimal abgetreppten Gewänden mit je zwei Ecksäulen, über einer ein skulptierter 
Löwe, die Thüröffnung durch einen horizontalen Sturz geschlossen. Im Obergeschoss 
nebeneinander zwei schmälere spitzbogige Blenden, mit dünnen Ecksäulen, die als 
Rundstäbe über den frühgothischen Kapitalen weitergeführt sind. In beiden Blenden 
kleine spitzbogige Fenster. 

Bei dem Neubau des Langhauses im J. i69o wurden die zur Hälfte erhaltenen 
alten Mauern wieder benutzt. So sind zwischen den neuen einmal abgetreppten duTx;h 



kleine Giebelchen bekrönten Strebepfeilern, unter den neuen dreiteiligen Fenstern die 
alten Thüren und Fenster sichtbar, im zweiten Joch ein rundbogiges Portal, im dritten, 
vierten und fünften vier spitzbogige Fenster, i,io m breit, mit Tuff eingefasst, ver- 
mauert. Über dem reich profilierten Dachgesims erhebt sich das gebrochene Dach, 
auf dem im Westen ein achtseitiger Dachreiter mit ßirnenhaube sitzt. An der Ost- 
seite des Chores eine Blende mit der schlechten Figur der Madonna auf dem Halb- 
monde mit der Schlange, bez.: i69o. Nach Südosten stösst die achtseitige spatgothische 
Sakristei an, mit Strebepfeilern und ganz herumgeführtem Horizontalgesims. Im Innere» 
Stemgewölbe und zwei zweiteilige Fenster, die Rippen auf Diensten mit runden Kapi- 
talen ruhend. 

Im Inneren sind durch die nach innen gezogenen Strebepfeiler auf jeder Seite 
fünf grosse Blenden entstanden. Die Pfeiler sind mit einer mittleren Riefelung ver- 
sehen und durch grosse Kämpfer von antikisierender Gliederung gekrönt; die darüber 
aufsetzenden breiten Gurte zeigen in Stuck schlichte Rokokoornamente. 

Die innere Ausstattung zeigt den einheitlichen Charakter des ausartenden deut- 
schen Barock; vor allem der Schmuck des Chores mit den drei Altären ist von grosser 
malerischer und dekorativer Wirkung (Taf. IV). 

266 



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GRÄFRATH 



95 



Der Aufbau 0es Hochaltares erhebt sich über der schlichten Mensa bis zur Klosterkirche 
Decke, der geschwungene und ausgeschweifte Architrav wird rechts und links von je Hochaiwr 
drei marmorierten Holzsäulen mit vergoldeten Kapitalen getragen. Über dem von 
Engelfigürchen umschwebten Tabernakel vor einer Strahlensonne die auffahrende 
Madonna, ihr zur Seite zwei kleine Engel, links der h. Augustinus, rechts die h. Elisa- 
beth. Als Krönung eine Strahlensonne mit der Taube des h. Geistes, rechts Gott- 
vater, links Christus thronend, von Engelsköpfchen umgeben. Zur Seite des Hoch- 
altares steht links S. Josephus, rechts S. Johannes der Täufer. 

Die beiden Seitenaltäre sind schräg gestellt und erheben sich in luftigem und Seiten«itäre 
durchbrochenem Aufbau. Beide bestehen aus vier Säulen, die den doppelt geschweif- 
ten Architrav tragen, darüber ein mit hängenden Tüchern verzierter Baldachin, mit 
reizvollen pausbackigen Putten verziert. Im nördlichen Seitenaltar in der Mitte 
S. Georg, den Drachen tötend — das kleine Pferd auffallend misslungen — zur 
Seite die hh. Simeon und Anna. Im südlichen Seitenaltar in der Mitte S. Katharina, 
zur Seite zwei andere Heiligenfiguren. 

Kanzel von Holz, sechsseitiges Gehäuse auf einer Mittelsäule ruhend, von Kamel 
künstlerisch fein abgewogenen Verhältnissen. Über dem weitausladenden mit Arabesken 
verzierten Fusse erheben sich vor den vier freien Kanten die leidenschaftlich beweg- 
ten Sitzbilder der vier Evangelisten mit ihren Symbolen; die drei freien Seitenfelder 
sind mit Reliefscenen verziert, der sechsseitige geschweifte Baldachin wird wiederum 
von pausbackigen Engeln überragt. 

Sechs lebensgrosse barocke Holzfiguren der Madonna, des Engels mit dem Hoizfiguren 
kleinen Tobias, der hh. Aloysius, Agatha, Sebastian, Antonius. 

Die Orgel und Orgelbühne, sowie die Kommunionbank und das Gestühl gleich- 
falls in den Spätformen des deutschen Barock. 

Der Schatz der Pfarrkirche ist ausgezeichnet durch die grosse Menge von Schau 
Reliquiarien des i5. und 16. Jh., zumeist Geschenke der Herzöge von Berg und der 
Geschlechter der Umgegend. Vgl. aus'm Weerth, Kd. III, S. i. — Katalog der 
kunsthistorischen Ausstellung zu Köln i876, Nr. 547 — 55o, 58o, 584. — Photographien 
von Anselm Schmitz, Köln i894. 

1. Monstranz von vergoldetem Silber (Taf. V, 5. — aus'm Weerth, Kd. Monstranzen 
Taf. XLI, 2; III, S. i), 7o cm hoch, um i45o. Auf dem mit sauberen Gravuren be- 
deckten, aus der sechsseitigen Rose konstruierten Fuss erhebt sich der Schaft mit dem 
sechsseitigen Knauf. Zur Seite des Glascylinders zwei Strebesysteme, ein jedes mit 

je einem musizierenden Engel und einem Heiligen figürchen. Auf dem verbindenden 
Gitter je ein Engel mit den Passionswerkzeugen. Untersatz wie Baldachin des Cylinders 
sind mit grossen sechsblätterigen grün oder blau emaillierten Rosetten besetzt. In 
dem zierlich gearbeiteten Aufsatz die Statuette der Madonna, darüber zweimal die 
Halbfigur Christi, als Abschluss der Kruzifixus. 

2. Monstranz von vergoldetem Silber (Taf. V, 4. — aus'm Weerth, Kd. 
Taf. XLI, 3; III, S. 2), 59,5 cm hoch, vom Ende des iS.Jh. Der sechsseitige poly- 
gonale Fuss mit Gravuren und dem Wappen der Herren von Stryck (?). Der Knauf 
rund mit drei Pasten. Zur Seite des Glascylinders, dessen Untersatz die emaillierten 
Wappen der Kalkum-Lohausen, Bayerns und Geldems zieren, drei Strebepfeiler, die 
den runden Baldachin tragen, in dem Aufsatztürmchen die Figur eines Heiligen mit 
Buch und Kirchenmodell. 

3. Reliquienkreuz von vergoldetem Rotkupfer, 55 cm hoch (Taf. V, 2. — Reiiquienkreu« 
aus'm Weerth, Kd. Taf. XLI, i; III, S. i. — Katalog der kunsthistor. Ausstellung 



267 



96 KREIS SOLINGEN 

Klosterkirche ZU Köln i876, Ni. 584). Der Fuss, achtseitig länglich, ist mit breiten gravierten 
Arabesken auf gepuntztem Grunde bedeckt. Der Schaft achtseitig, der Knauf rund 
mit vier Pasten und der Inschrift: sancte cebastiane (so) ora pro nobis. Das 
Kreuz selbst enthält in der Mitte eine Partikel vom h. Kreuze, zur Seite und oben 
andere Reliquien in Medaillons, im unteren Schlufsstück einen grossen, prachtvollen, 
6 cm in Durchmesser habenden, aus Chalcedon geschnittenen Löwenkopf. An den 
vier Eckstücken die kleinen Figürchen von Christus, der Madonna und zwei Engeln. 
Der Rahmen mit freigearbeiteten Ranken. Die Rückseite mit ausserordentlich feinen 
in Punktiermanier hergestellten Gravuren, in der Mitte Christus am Kreuz, zur Seite 
die vier Evangelistensymbole, ganz im Kölnischen Charakter. Das Kreuz stammt von 
demselben Meister wie die grossen Monstranzen von Ratingen und Gerresheim, 
Cois Eleia? (vgl. Kunstdenkmäler d. Kr. Düsseldorf S. io3, i59, Taf. VIII). 

Ostentorien und 4. Osteusorium von vergoldetem Rotkupfer, 54 cm hoch, um i48o, mit vier- 

e iquiare seitigem Sternförmigen Fuss, der kegelförmige Glascylinder auf achtseitigem Untersatz 
mit zwei derben Strebepfeilern zur Seite, auf dem Kuppelbaldachin ein schweres 
Türmchen mit der Doppelfigur der h. Katharina. 

5. Ostensorium von vergoldetem Rotkupfer, 62,5 cm hoch, vom Anfang des 
16. Jh., mit rundem Fuss, zur Seite des breiten Glascylinders, der auf rotem Seiden- 
und Sammetfutter eine Reihe kleinerer Reliquien enthält, zwei Strebepfeiler, über dem 
runden Baldachin ein sechsseitiges Türmchen. 

6. Reliquiar (aus'm Weerth, Kd. Taf. XLI, 8), bauchiges Glasgefäss, 35,5 cm 
hoch, mit Streifen und Deckel von vergoldetem Rotkupfer, Öl von den Gebeinen der 
h. Katharina enthaltend. Der um die Flasche laufende Streifen ist mit zierlichen 
Rosetten bedeckt, auf dem sechsseitigen Deckel die Wappen von Nesselrode und 
Bürgel, als Krönung die Gestalt der h. Katharina. Das Geföss um i3oo (schon i3i3 
erwähnt), die Fassung aus der 2. H. des i5.Jh. 

7. Ostensorium von vergoldetem Silber, 35 cm hoch, aus der 2. H. des i5. Jh., 
mit aus der sechsblätterigen Rose konstruiertem gravierten Fuss, der sechsseitige Unterbau 
des Cylinders mit sechs kleinen emaillierten Heiligenbildchen, als Krönung ein Kruzifixus. 

8. Ostensorium von vergoldetem Silber, 35 cm hoch, Ende des i5. Jh. Der 
Fuss aus drei Blättern mit durchgeschobenem Dreieck bestehend, dreimal mit dem 
emaillierten Wappen des Geschlechts Aldenrath. Zur Seite des Glascylinders zwei 
Streben, vierseitiges Türmchen (aus'm Weerth, Kd. Taf. XLI, 5). 

9. Reliquiar von vergoldetem Rotkupfer, 44,5 cm hoch, Ende des i5. Jh. Auf 
dem achtseitigen Rosenfuss erheben sich die Reliquienbehälter in Gestalt dreier hori- 
zontal liegender Kästchen, zur Seite Strebepfeiler, als Krönung ein Glascylinder. Mit 
dem Wappen der Herren von Nesselrode und Birgeil. 

IG. Kleines Ostensorium, nur 11, 5 cm hoch, in Gestalt einer von zwei 
knieenden Engeln emporgehaltenen Monstranz, ausserordentlich fein gearbeitet, der 
Fuss grün emailliert (aus'm Weerth, Kd. Taf. XLI, 4), Ende des i5. Jh. 

II. Kleines Ostensorium, 3 o cm hoch, Ende des i5.Jh., in Monstranzenform, 
aus vergoldetem Rotkupfer, mit rundem Fuss und zierlichem Aufsatz mit Ecktürmchen 
(aus'm Weerth, Kd. Taf. XLI, 6). 

12., i3. Zwei silberne Ostensorien (Taf. V, i), 36,5 cm hoch, mit aufrechtem 
Glascylinder, auf den Pyramiden S. Katharina und S. Elisabeth, das Hauptstück aus 
dem i5.Jh., der Fuss aus dem 18. Jh. 

i4., i5. Zwei silberne Ostensorien (Taf. V, 3. — aus'm Weerth, Kd. Taf. 
XLI, 7), 29 cm hoch, auf sechsseitigem Stemfuss, mit aufrechtem Glascylinder, die 

268 



grAfrath 97 

eine Pyramide gekrünt voa einer kleinen Madonna in Silber, die andere von einer Kioim 

solchen in Eifenbein. 

i6. Silbernes Reliquiar auf sechsseitigem Fuss, die Reliquien in einer Krystall- 
kugel, über dieser eine sechsseitige Pyramide. 

l7. Reliquiar, 9 cm hoch, horizontaler Glascylinder auf vier silb. Füssen, iS. Jh. 

18., i9. Zwei Reliquientafeln von vergoldetem Rotkupfer, 4z cm breit, 53 cm Rtiiqu« 
hoch, in Gestalt eines Giebelfeldes. Der fünfseitige Raum ist mit einem Gitter von 



Fig. 47. Grtfrilh. KrUbEOlhiich* Rtliquienuhl im Schau itc Kloilnkircbi. 

Stäben überzogen, die ihn in fünfzig quadratische Felder zerl^en,,ein jedes durch 
einen Vierpass verziert. In der Spitze ein Medaillon mit einem Vierpass. Die Quer- 
stäbe sind an den Kreuzungspunkten mit grösseren geschliffenen Krystallen auf far- 
bigem Grunde verziert, der Rahmen mit ein wenig kleineren. Auf den horizontalen 
Bändern graviert die Namen der Heiligen, deren Reliquien die Tafel enthalt Die 
beiden Tafeln gehören dem Anfang des i4.Jh. an (Fig. 47). 

ao. Byzantinische Reliquientafel des la.Jh., i8x9,6 cm, von vergoldetem 
Silberblech über Holzkern, in der Mitte ausgeschnitten für die auf das Holz gemalte 
Figur der Madonna in blauem Gewände und braunem Mantel, Eingeschlossen in einen 
sonnenförmigen 46 cm hohen silbernen Reliquienbehälter des 18. Jh, (Fig. 48). 

7 
269 



KREIS SOLINGEN 



t zr Gothischer Kelch von vergoldetem Silber, 22,5 cm hoch, um iSoo. 

21. Silbernes Weihrauchschiffchen, 28 cm hoch, auf dem Deckel die massiven 
Figürchen der Madonna und der hh. Katharina und Augustinus. Inschrift: anno 

l657 DEN 26. JULIUS. 

23. Spätgothisches silbernes Weihrauchfass, um iSoo, das Becken rund mit 



vierseitigem Turmaufbau (Abb. 



LlTUbokUHl 

Kloucrscbludt 



s'M Weerth, Kd. Taf. XLI, 9). 

24. Zwei kleine spätgothische silberne Mess- 
pollen, je 12 cm hoch, auf sechsseitigem Fuss. 
Teller dazu aus dem 18. Jh. 

Kasel von gemustertem purpurnen Sammel- 
brokat mit Stab vom Anfang des 16. Jh. (be- 
schnitten), auf Goldgrand Christus am Kreuz 
mit Maria und Johannes, darüber das Wappen 
von Brandenburg. Auf der Vorderseite die drei 
Wappen der Nesselrode, der Bronckhorst-Baten- 
berg und der Birgeil. 

Kasel von gemustertem purpurnen Samniet- 
brokat mit beschnittenen Stäben vom Anfang 
des 16. Jh. Christus am Kreuz mit Einzelßguren 
von Heiligen. 

Messingener Lavabokessel des 16. Jh. 

Dasnördl, von der Kirche gelegene K loste r- 
gebaude vom J. i7o4 (vgl. oben S. 93) ist ein 
langgestreckter unschöner Bau, in der Mitte von 
neun Achsen, die seitlich vorspringenden Risa- 
lite von je drei Achsen. Das Dach gebrochen. 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. 
V. Recklinghausen, Ref.-Gesch. H, S.467. Die 
Reformation fand iS9i Eingang. Die Kirche 
(Fig. 46 links unten) ist ein rechtwinkeliger Bau, 
I nach dem Brand von 1686 in den J. i7i6 — i7iS 
neu errichtet, mit einem sechsseitigen Dachreiter 
in der Mitte des Walmdaches. 



LEICHLINGEN. 



J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen ■ Handelsstädte Bergischen Landes 
1729: Berg. Zs. XIX, S. ij9. — v. Mülmann, Statistik I, S. 433. — v. Restorff, Be- 
schreibung der Rhein Provinzen S. 423. — Zur Geschichte der evangelischeu Gemeinde 
in Leichlingen lS9i : Theologische Arbeiten aus dem rhein. wissenschaftlichen Prediger- 
verein VIII, S. i73. — v. Mering, G. d. B. IX, S. i47. — v. Rec klinghaus kn, 
Rei.-Gesch. II, S. 576. 

GERMANISCHE FUNDE. Im J. i87o wurden im Sandberg bei Leich- 
lingen an der Ostseite des Hügels 65 cm tief unter der Oberfläche germanische Urnen 
von röthlich braunem Thon, mit Asche und Knochen gefüllt, gefunden. Die Urnen 
sind im Besitz des Herrn Julius Pohlig zu Imbach bei Neukirchen (Akten im Land- 
ratsamt zu Solingen). 



LEICHLINGEN 99 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE. Handschriftl. Qu. Im Pfarr- Ev.ngei. 
archiv: Archivalien von i59i ab. — Armenbuch des Kirspels Leichlingk von 1622. 
— Taufbücher von i69o ab. — Geschichtliche Notizen über die evangelische Ge- 
meinde Leichlingen seit ihrer Gründung im J. i593. 

Die Kirche zu Leichlingen schenkt Erzbischof Heribert von Köln schon im Geschichte 
J. ioi9 an die Abtei Deutz (Kremer, U B. III, S. i5. — Lacomblet, U B. I, Nr. i53), 
als deren Besitz sie, nachdem Anno IL sie io74 an das Kunibertusstift geschenkt, 
1147 wieder bestätigt wird (Lacomblet, U B. I, Nr. 218, 357). Die Kirche wird 
im liber valoris um i3oo als Pfarrkirche aufgezählt (Binterim u. Mooren, E. K. I, 
S. 438). Die Gemeinde trat um i59o zur Reformation über. Die alte Kirche wurde 
im J. i753 abgebrochen und an ihrer Stelle von i753 — 1756 eine neue errichtet. 

Schlichter Saalbau von Bruchsteinen, mit drei grossen rundbogigen Fenstern Beschreibung 
auf jeder Langseite, nach Osten kleiner Chor mit abgeschrägten Kanten. Über dem 
Portal ein hübsches Oberlichtgitter, über der Südthür die Inschrift: soli deo gloria, 
MDCCLiii. Der dreistöckige romanische Kirchturm ist im J. i877 vorgesetzt worden. 

Im Inneren stammen Orgelbühne und Kanzel au3 dem J. i76o. Die Kanzel inneres 
ist eine vortreffliche Rokokoarbeit. Das auf zwei gewundenen Säulen ruhende sechs- 
seitige Gehäuse zeigt als Trennung der mit schöngeschwungenen Ornamenten gefüllten 
Felder Ecksäulen mit korinthischen Kapitalen, und ganz originelle Eckköpfe unter 
diesen, an Stelle von Putten weibliche Figuren unter Perrücken darstellend. Über 
dem sechsseitigen Baldachin ein freischwebender Engel. 

Gemälde, das Abendmahl darstellend, wertlose Arbeit um 1600, i,54 x 1,08 m^ Gemälde 

Holland. Kronleuchter in Gelbguss, a. d. i7. Jh., mit Jupiter auf dem Adler. Kronleuchter 

Eingelegtes Bibel pult auf dem Abendmahlstisch mit der Inschrift: peter Bibelpult 

HAS HAT MICH VEREHRT l772. 

Von den alten Glocken ist nur eine erhalten, ausgezeichnet durch eine schöne Glocken 
Renaissancekante und die Reliefs der Geisselung, Dornenkrönung, Kreuzigung und 
Kreuztragung. Inschrift: sanctus herebertus heisch ich, to dem deinst gots 

ROIFFEN ich. DU SUNDER BEKER DICH, SO GEITT DIR GOT SEIN EWEGERICH. DERICH 
VON COLLEM GUIS MICH ANNO l552. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Johannis bapt). Die i8o7 bis K.thoi. 
181 1 neuerbaute Kirche enthält eine sechsseitige Kanzel aus dem Ende des 18. Jh., 
mit schönem Rokokobaldachin, aus dem Jesuitenkloster in Düsseldorf stammend. Eine 
aus Siegburg stammende Schelle trägt die Inschrift: jhesus maria Johannes i5Si. 

Im Besitz des Herrn Pfarrers Schenck silbervergoldeter Pokal, 39 cm hoch, Pok«i 
vom Ende des 16. Jh. mit der späteren Inschrift auf dem Deckel: j. h. w. s. camerey 
ANNO i684. THOMAS STUTE CAMERARius. Auf Tundem Fuss und reichprofiliertem 
Schaft erhebt sich der Kelch, dessen Mantel in getriebener Arbeit mit drei Putten 
imd Fruchtkränzen verziert ist. Augsburger Arbeit mit dem gewöhnlichen Beschau- 
zeichen und der Marke M. R. 

SCHLOSS LEYENSIEFEN. v. Mering, G. d. B. IX, S. i48, 166. — schio.. 
O. Schell, Die Zoppesmur in der Gemeinde Leichlingen: Solinger Kreis- und In- *y*°"* 
telligenzblatt i892, Nr. i59, 160. 

Das Schloss ist der Stammsitz des Geschlechtes Zobbe, das schon 126S erwähnt Geschichte 
wird (Fahne, Forschungen III, S. i3). Im J. 1286 geht es durch Kauf an Graf 
Adolph V. von Berg über (Kremer, Akad. Beitr. HI, ÜB. S. i67). 

Die Burg lag auf einem Höhenzuge über dem Leysiefenbach, Die westliche Reste 
Spitze des Bergrückens war durch einen i5o Fuss langen, 3o Fuss tiefen Graben ab- 

7» 

27l 



loo 



KREIS SOLINGEN 



Schloss 
Nesselrode 



Geschichte 



Schloss geirennt. Von der Burg ist nur ein unter dem Namen ,Zobbesmauer* bekannter 

'C y n e e Mauerrest erhalten. Vor drei Jahrzehnten (Aufnahme und Aufzeichnungen von Olig- 

schläger) stiess an den 1 06 Fuss langen Mauerzug rechtwinkelig ein zweiter 48 Fuss 

langer an, der hart über dem tiefen südlichen Graben hinlief, der an der Sohle 

34 Fuss breit ist. 

SCHLOSS NESSELRODE. v. Mering, G. d. B. IX, S. 162. — J. Strange, 
Beitr. VIII, S. i. — Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen 
Geschlechter I, S. 3o2. — Ders., Geschichte der Kölnischen Geschlechter II, S. 100, 
232. — A. Robens, Der ritterbürtige landständische Adel des Grossherzogtums Nieder- 
rhein, Aachen 18 18, I, S. 68. 

Das Schloss ist der Stammsitz der Herren von Nesselrode, seit dem i3. Jh. im 
Besitz der Ritter Vlecke, die sich seitdem Vlecke von Nesselrode nennen. Durch 
Heirat kam es i5ii an die Ritter von Kettler. Frau Guda von Romberg, die Witwe 
des Wilhelm von Kettler, vermachte i632 das Schloss an ihre Schwester, die mit 
Johann von und zu Giesenberg vermählt war imd an ihren Bruder Bernd von Rom- 
berg. Dessen Hälfte gelangte durch Kauf an die Herren von Virmond und die 
Grafen von Nesselrode und Landskron; die Giesenbergsche Hälfte an die Herren 
von Erde und von Westerholt. Die beiden Hälften vereinigte Ludolph Friedrich 
Adolf von Bönen, der i779 den Namen von Westerholt und Giesenberg erhielt Der 
jetzige Besitzer ist der Herr Reichsgraf Otto von Westerholt -Giesenberg auf Schloss 
Westerholt bei Bucr in Westfalen. 

Von dem Schlosse ist nur noch die Vorburg erhalten, bestehend aus einem 
kräftigen Thorturm mit spitzbogiger überwölbter Durchfahrt, in der bis 1820 bewohnten 
Thorwächterw^ohnung noch alte Fenster mit Steinkreuzen. Nach innen stösst in 
einem halbrunden Türmchen die Wendeltreppe an. An den Thorturm schliesst sich 
eine Seite der alten Ringmauer an, früher in der nordöstlichen Ecke noch durch 
ein Türmchen geschützt. Die alten Ställe und Wirtschaftsgebäude brannten i847 
nieder, die Flügel des um i536 und 16 18 errichteten Burghauses sind wegen Bau- 
fälligkeit nach i85o abgetragen worden. 



Rette 



LÜTZENKIRCHEN. 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Skulptur 

Kronleuchter 

Glocken 



S. Anna- 
kapelle 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Maurini). 

Eine Pfarrkirche wird schon im J. 1220 genannt (Luzelinkirgen: Lacomblet, 
ÜB. I, Nr. 86. Darnach um i3oo: Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 439). Die alte 
Kirche i844 abgebrochen und durch einen einschiffigen Backsteinbau ersetzt. 

Gruppe der h. Anna selbdritt, Holz, bemalt, i7. Jh. 

Kristallener Kronleuchter aus dem 18. Jh. 

Glocken. Die erste von i69i mit der Inschrift: in honorem dei b. m. v. 

ANNAE ET JOSEPH EST HAEC CAMPANA CONSECRATA ANNO l69l. JOS. BOURLET VNO 
(für von) GULICH GOS MIC. 

Die zweite von i5i9 mit guten Reliefmedaillons der Kreuzigung und der Ma- 
donna und der Inschrift: sunte johan heissen ich, in de ere gots luden ich, 

DEN DUVEL VERDRYVEN ICH, DEN LEVENDICHEN ROEFFEN ICH, DE DODEN BECLAEN 
ICH, DONNERVEDER VENDEN (so) ICH. JAN VAN NUISSE GOIS MICH XV + IXX. 

S. ANNEN KAPELLE, oberhalb der Kirche, i698 aus Bruchsteinen und Back- 
steinen erbaut, einschiffig mit dreiseitigem Chor, über dem von zwei Pilastern einge- 



272 



rahmten Portal ein ovales Fenster, eingefasst von Palmenzweigen und zwei Engels- 
6guren. Zur Seite Nische mit Hausteineinrahmung, darin ein barockes Bild der 
h. Anna. Auf dem Dach ein kleiner sechsseitiger Dachreiter, das Innere flachgedeckt. 
Über der Thür die Inschrift: s. anna gratIa fLena aVIa ChrIstI et 
Mater DIVa VIrgInIs In hora eXItVs (tostrI ope tVa assIste nobIs {i698). 

MONHEIM. 

V. Mering, G. d. 
B. XI, S. ai; XII, S. 9. 
— J, j. Lenzen, Beytrage 
zur Statistik des Gross- 
herzogtums Berg, Düssel- 
dorf i8oi, S. i5. — JoH. 
Schmidt, Geographie u, 
Geschichte des Herzog- 
tums Bei^, Krefeld i8o4, 
S. 68. — Friedrich Pil- 
GRAM, Geschichte von 
Monheim : Rheinischer 
Bote i867 und 1868. — 
A, KoEK NICKE, Bergische 
Amts Verfassung S, 11, 36. 

ROM. FUNDE. 
Römische Münzen und 
Altertümer hier gefunden 
nach WiLHELMi, Pano- 
rama von Düsseldorf. — 
OuGSCHLÄGER in den 
B.J. V, S.236. Vgl. unter 
Büttel S. 87. 

KATH. PFARR- 
KIRCHE (s. t. s. Ge- ' 
reonis). Kölner Domblatt 
I8S4, Nr. 108. — BiNTE- 

RIU U. Mooren, £. K. I, Pig. 49. Monbam. Auid» d« kxhaliuh» PhcTkirchc. 

8. 280; II, S. 247. 

Handschrift!. Qu. Im Pfarrarchiv: Lagerbuch von i664. 

Eine Kirche zu Monheim entstand schon im 12. Jh. Um i3oo wird sie als 
Pfarrkirche aufgezahlt (Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 262). Das nördliche bau- 
fällige Seilenschiff wurde 181 7 abgebrochen und 1818 neu aufgeführt, ebenso das 
südliche zur Hälfte noch iSzS. Zur selben Zeit wurde der ganze Ostteil neu aufge- 
führt. Durch einen von Fram Statz projektierten Erweiterungsbau soll die Apsis 
noch um 2,20 m hinausgerückt werden. 

Die Kirche (Westansicht Fig. 49, Grundriss Fig. So) war eine dreischiffige roma- 
nische Pfeilerbasilika vom Ende des ii. Jh., mit Turm vom Ende des ij. Jh. Der 
alte Teil des Langhauses ist 18 m lang und i4,4o m breit, die Turmhalle hat im 



273 



I02 



KREIS SOLINGEN 



Kat hol. 
Pfarrkirche 



Westturm 



Langhaus 



Inneres 



Tabernakel 



Paramente 



Lichten 6, lom im Quadrat, der nach 1825 erneute Ostteil ist i3,5o m lang. Die 
alten Teile, der Turm, der Obergaden des Mittelschiffes und die untere Hälfte der 
Aussenmauer des südlichen Seitenschiffes bestehen aus Tuff, die neuen aus Bruchstein. 

Der dreistöckige, mit einer achtseitigen geschieferten Haube abgeschlossene 
West türm, der im Verhältnis zu dem niedrigen Langhaus kolossal und schwerfällig 
wirkt (Fig. 49), zeigt im Obergeschoss eine Gliederung durch Rundbogenfries und 
Vertikallisenen, dazu auffallend hohe Doppelfenster, im Spitzbogen geschlossen, aber 
von einer rundbogigen Blende eingerahmt, die Mittelsäule mit Würfelkapitäl und 
Kämpfer, Die spitzbogigen nasenbesetzten Blenden des zweiten Stockes haben ihre 
Gestalt erst bei der Restauration in der i. H. dieses Jh. erhalten. Ebenso ist das 
Turmportal erneut. In der Turmhalle ein Gratgewölbe mit Ecksäulen. 

Der Obergaden des Mittelschiffes ist durch Vertikallisenen und Rundbogen- 
friese in vier Felder zerlegt, die die einfachen Rundbogenfenster mit abgeschrägten 
Gewänden aufnehmen. Dieselbe Gliederung an den Aussenmauem der Seitenschiffe. 




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M I t M ♦ I > 



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Fig. 80. Monheim. Grundriss der katholischen Pfarrkirche. 



Im Inneren trennen vier Pfeilerpaare das Mittelschiff von den Seitenschiffen. 
Die Pfeiler haben einen fast quadratischen Grundriss mit niedriger Basis und ein- 
fachem Kämpfer nach der Bogenlaibung, die Arkaden sind ohne allen Schmuck. 
Nach den Seitenschiffen zu an den Pfeilern schmale Vorlagen, denen Halbpfeiler an 
den Aussenmauem der Seitenschiffe entsprechen. Das Mittelschiff war ursprünglich 
nicht auf Einwölbung berechnet, die alten Rundbogenfenster sind ohne Rücksicht 
auf die Jocheinteilung eingefügt. Die später eingespannten (erneuten) Gratgewölbe 
des Mittelschiffes sind durch Gurte getrennt, die auf Konsolen ruhen; der erste Gurt 
von Westen an gerechnet ist etwas tiefer gezogen als die anderen. Das erste Joch 
flachgedeckt (hier die Orgel eingefügt). 

Tabernakel, gothisch, vom Ende des i5. Jh., auf schlankem Halbpfeiler vor- 
gekragt, mit Baldachin und dreistöckigem fialenreichen Aufsatz. 

Kasel von rotem Sammetbrokat mit grossem Granatapfelmuster in vertiefter 
Zeichnung, besetzt mit guten Kölner Borden, darstellend auf der Vorderseite S. Ni- 
kolaus und S. Barbara, auf der Rückseite S. Gereon, S. Katharina und die Madonna. 

Kasel von (neuem) rotem Sammet mit aufgenähten Ranken mit Pailleten be- 
setzt. Auf dem Kreuz der Rückseite der Kruzifixus, darunter Maria, Magdalena und 



274 



MONHEIU lo3 

Johannes. Dazu zwei gestickte Wappen. Auf der Vorderseite in Plattstich drei derbe 
Einzel (iguren von Heiligen. 

Eine Reihe von Paramenten {Kasein und Chormäntel) aus geblümten Seiden- 
stoSen des i7. u. iS.Jh. 

Glocken. Die erste von i779 mit der Inschrift: InDIVIDVae tkInItatI 
patrI et fILIo BT spIrItVI sanCto pIe DICata, martinus et petrus legros 
r FECERüNT i779 und den Namen des Pastors, der Schöffen u. s. w. 



Die zweite mit der Inschrift: DIVae soCIetatI IesV MarIae Iosepho et 
sanCtIs trIbVs regIbVs obLata. altera sum numero, sed eodem munere 

FUNGOR. MART. ET PET. LEGROS FECERÜNT l779. 

Die dritte mit der Inschrift: paroChIae DekensorIbVs gereonI DIonIsIo 
CatharInae LaVrentIo et Donato VotIVa. concentu triplici canimus, prae- 

CONIA TRINO. MART. ET PET. LEGROS FECERÜNT |779. 

KAPELLE (s. t. b. Mariae v. dol.), am Nordende des Ortes auf dem Banndeich 
gelegen. Spatgothischer einschiffiger Backsteinbau, im dreiseitig geschlossenen Chor 
zweigeteilte Fenster, nach aussen zweimal abgetreppte Strebepfeiler mit Hausteinver- 
klammerung. Auf dem Dache ein sechsseitiger geschieferter Dachreiter. 

«75 



to4 KREIS 50LJNGEH 

Kapciu Madonnenstatue, i,iS m hoch, vom Ende des iS. Jh., auf dem linken Arm 

silutplur jgg nackte Kind haltend, polychrom iert, von gutem Faltenwurf. 

ccmxiiic Gemälde der Kreuzigung, Holz, i7.Jh., wertlos. 

Thormrm THORTURM. Der weithin sichtbare Bau ist der einzige Rest der dritten 

Befestigung, die Monheim erhalten. Der Ort war Jahrhunderte lang ein Streitobjekt 

zwischen Köln und Berg. Die erste nach I274 angelegte Befestigung (Brosiüs, 

Annales II, p. 22) musste Graf Adolf von Berg im Streit mit Erzbischof Siegfried von 

Köln schon 1282 niederlegen 
(Kölner Jahrbücher; Deutsche 
Städtechroniken XIII, III, S. 
645. — Chronica presulum et 
archiep. Colon, ed. Eckertz in 
den Ann. h. V. N. II, S. 212). 
Die von dem Grafen von Berg 
neu aufgeführte Befestigung 
musste 14 17 zum zweitenmale 
geschleift werden (Lacomblet, 
U B. IV, Nr. 99. — Deutsche 
Städtechroniken XIII, II, S. 62, 
III, u3. — KOERNiCKE, Berg. 
AmtsverfassungS.21). ImLaufe 
I I I _ des iS. Jh. erhielt dann Mon- 

l f X ^ heim seinen dritten Mauerring. 

Von den drei Thoren ist nur 

das eine erhalten. 

lochttJbuni Der Thorturm (Ansicht Fig. 

S I, Grundriss Fig. Sz), auch der 
„Schelmen türm" genannt (er 
diente lange Zeit als Gefängnis), 
ist ein mächtiger vierstöckiger 
Backsteinbau, der Oberstock 
vorgekragt auf Klötzchenfries 
(36 Klötzchen auf jeder Seite). 
In dem zweiten und dritten 
■ Geschoss spätgothische Fenster 
mit Steinbalken, im obersten 
Geschoss je ein Rundbogen- 
Fit, 93. MoDheim. Gnindriu dei ThorturniH. fenster Und zwci SchaTtcn. 
Im Erdgeschoss ein schweres 
Tonnengewölbe, darüber Balkendecken. Der anstossende Thorbau zeigt über der mit 
einer flachen Tonne überspannten Durchfahrt, die nach Aussen mit einem Spitz- 
bogen abschliessl, eine Nische mit einem Marienbilde, darüber die Thorwächter- 
wohnung, die mit dem Turm in Verbindung steht. 
G.iihof DerjetzigeGASTHOF ZUR POST ist ein grosses zweistöckiges Backsteinhaus 
mit geschweiftem, durch Horizontaliisenen gegliederten Giebel in den Formen des i7.Jh. 
voigtihor Der VOIGTSHOF am Südende des Ortes, jetzt im Besitz des Herrn Bürger- 
meisters Grein, hat eine eigene kleine aus dem i7.Jh. stammende schmucklose Ka- 
pelle neben dem Eingang. 

276 



NEUKIRCHEN 



io5 



NEUKIRCHEN. 



EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, 
S. 574. — V. Mering, G. d. B. IX, S. i9i. 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv: Inventar der im Kirchenarchiv befind- 
lichen Urkunden und Briefschaften vom Pfarrer Hundhausen i834. — Auszüge aus 
dem Kirchenarchiv von F. W. Oligschläger t835. — Kurze Chronik der Gemeinde 
und Pfarre in Annalenform von 1612 ab im Lagerbuch vom J. i696. 

Schon im Anfang des 1 2. Jh. bestand hier eine Kirche, die um 1 3oo als Pfarr- 
kirche erscheint (Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 439). Die Gemeinde trat 161 2 
zur Reformation über. Das Langhaus wurde von i78i — 1783 neu erbaut 

Der Turm der Kirche stammt noch von dem ältesten Bau des 12. Jh. und 
zeigt die frühesten romanischen Formen. Das Material ist Bruchstein, in den Bogen- 
laibungen Tuff. Jedes der drei Stockwerke ist etwas eingerückt, die beiden oberen 
Geschosse sind durch Vertikallisenen in je drei Felder zerlegt und durch Rundbogen- 
friese abgeschlossen, im obersten Geschoss im Mittelfelde ein Doppelfenster, die 
'trennende Säule mit Würfelkapitäl und weitausladendem Kämpfer. An der Süd- und 
Nordseite finden sich zur Seite des Doppelfensters kleine Rundfenster. Die Turm- 
halle, im Lithten 4,9o m im Quadrat, mit hohem Gratgewölbe auf reichgegliederten 
Konsolen, öffnet sich mit einem 2,80 m breiten Bogen nach dem Mittelschiff. Nach 
Süden und Norden hin noch kleine rundbogige Scharten mit abgeschrägten Gewänden. 

Das Langhaus ist ein schlichter Saalbau mit vorgekragtem Dach, die Sakristei 
als Chörchen an die eine Schmalseite angefügt. Das Innere ist durch eine flache 
Tonne überspannt und mit einer rundherumlaufenden Empore versehen. Nach Osten 
erheben sich Orgel und Kanzel, zu einem interessanten Rokokoaufbau vereinigt. 

Silbervergoldeter Kelch mit der Inschrift: petrus hartmann pastor zu neu- 

KIRCHEN ANNO l7oO. 

Glocken. Die grösste mit der Inschrift: omnia ad majorem dei gloriam. 

CAMPANA FUSA PETRO HARTMANN PASTORE IN NEUKIRCHEN AUG. CONFESS. ADDIC. 
STEPHANUS WIERTZ, GEORGEN SCHWIGANTZ BEYDE KIRCHMEISTER. ARTIFICE LAU- 
RENTIO WICKRAHT COLONIAE ANNO l673. 

Die kleinere, 76 cm hoch, aus dem i3. Jh., mit der Inschrift in 3 cm hohen 
Kapitalen: t maria t Lucas. Marcus, matheus. jhoannes (so), umgeben von einer 
kordelartigen Kante. 

Unter den älteren GEBÄUDEN zeigen manche den Typus des niederbergi- 
schen Hauses, so das „Hofackergut" (im Besitz des Herrn Ferdinand Hermanns zu 
Imbach) und das „Sassengut" (im Besitz des Herrn Albert Wolf zu Hüscheid). Ältere 
Hausinschriften verzeichnet von v. Mering a. a. O. IX, S. 2o5. Das an der Haupt- 
strasse gelegene Fachwerkhaus Nr. 46 vom J. i766 besitzt einen interessanten vor- 
gekragten erkerartigen Ausbau am Giebel. An dem Haus Nr. 39 eine derb ge- 
schnitzte Rokokothür. 

RITTERSITZ OPHOVEN. v. Mering, G. d. B. IX, S. i89. 

Stammsitz des Geschlechtes von Uphoven, darnach im Besitz der Herren von 
Hall, von Velbrück, seit dem Ende des 18. Jh. der Freiherren von Fürstenberg. Der 
jetzige Eigentümer ist der Herr Graf von Fürstenberg-Stamm heim. 

Von der ausgedehnten Anlage, die sich hart an der alten Heerstrasse von 
Bensberg nach Vorst zwischen Opladen und Neukirchen erhob, ist nur die Vor bürg 



Evangel. 
Pfarrkjirche 



Handschriftl. 
Quellen 



Geschichte 



Beschreibung 
Turm 



Langhaus 



Kelch 
Glocken 



Gebäude 



Rittersitz 
O p h o V e n 



Vorburg 



277 



lo6 KREIS SOLINGEN 

Ritteriitz erhalten. Das eigentliche Burghaus bildete die erst i83o abgebrochene, 200 Schritt 

p Oven ^^j^gj nach Westen gelegene Robertsburg oder Ruppertsburg. Das ganze Burgterrain 

ist noch von doppelten Wällen umgeben. Der innere 4 m breit und 1,80 m hoch, 

der äussere, durch einen 8 m breiten Graben getrennte, 4 m breit und i m hoch, 

dieser wieder durch einen 6 m breiten Graben geschützt. 

Die Vorburg besteht aus zwei rechtwinkelig aneinanderstossend6n Trakten und 
enthält ein altes Rundbogenportal; die Keller sind mit flachen Tonnengewölben über- 
deckt und zeigen i,i5 m starke Mauern. Nördlich davon erhob sich noch bis i83o 
ein viereckiger Wartturm. Der östliche Mauerring ist niedergelegt worden, die Fun- 
damente besitzen hier die Stärke von 2 m. 

OHLIGS. 

Germani.che GERMANISCHE FUNDE uud FRÜHMITTELALTERLICHE AN- 

LAGEN. In der Ohiigser und der Richrather Haide finden sich hinter den Krippen- 
bergen germanische Grabhügel, entsprechend denen bei Leichlingen und Immigrath. 
Sie sind zum grössten Teil bei Anlage des Waldes zerstört worden. 
Landwehr Von der grossen Wallburg bei Hilden (Kunstdenkmäler d. Kr. Düsseldorf S. 112, 

mit Abb.) zieht sich eine grosse Landwehr nach der Ortschaft Landwehr in süd- 
östlicher Richtung hin (Bürgermeisterei Höhscheid). 

Die Landwehr ist an dem Feldweg zwischen Ohligs und Richrath wohl er- 
halten. Sie durchschneidet die Sandberge, vom Wingartsberg angehend bis zum 
Krippenberg. Im Anfang besteht sie als ein einziger Wall, später als Hauptwall mit 
zwei kleineren und niedrigeren Seitenwällen. An dem Durchstich zwischen Hack- 
hausen und Hilden ist der Hauptwall in der Breite von 2 m und !,5o m Höhe er- 
halten, der nächste Graben 4 m breit, der zweite Wall i,5o m breit, der zweite Gra- 
ben 3 m, der dritte Wall i m breit. Jenseit des Weges nach Südwesten ist der 
Hauptwall in der Höhe von 2,3o m und der Breite von 2,5o m erhalten. Über die 
Landwehr, vor Rupelrath, den ,Fried* vgl. v. Mering, G. d. B. X, S. 72. Nach 
PoRSCHKE, Beitr. zur Geschichte des früheren Amtes Solingen I, S. 22, zog sich die 
Landwehr weiter zu einem Ringwall an der Stelle des jetzigen Ortes Wald. Vgl. 
auch Pieper in der Heimatskunde i879, S. 18. 
Riticr.itz RITTERSITZ CASPERSBROICH. W. Creceliüs in der Berg. Zs. X, 

S. 47. — Fahne, Denkmale des Geschlechtes Mumm I, S. 65. 

Handschriftl. Qu. In der Staatsbibliothek zu München: Genaue Genealogie 
der Bawyr von Casparsbroich in der Redinghoven sehen Sammlung, Cod. germ. 2 2x3, 
Bd. LIV, Bl. lob. 
Getchichtc Das Schloss wurde erst im 1 5. Jh. erbaut, wahrscheinlich von den Junkern von 

Pertzdorp, Portsdorf; den Namen führt es von Caspar von Portzdorf i44o — 1475 (im 
Erkundigungsbuch von i555 Krauhuserbroich genannt). Im J. i54o geht das Haus 
an den Edlen Johannes von Baur (Bawyr, Baveier) über, i684 durch Kauf an die 
Ritter von Bottlenberg, gen. Kessel. Durch die Heirat mit Mechtilde Marie Christine 
von Bottlenberg kam Caspersbroich an den Freiherm Conrad Steffen von Romberg, 
im J. i8o9 durch Kauf an den Freiherrn Georg von dem Busche-Ippenburg, von 
diesem schon i8io an Johann Adolf Holthausen, von dem das Gut i864 in den Be- 
sitz der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft überging. Der jetzige Eigentümer 
(seit i883) ist Herr H. Heegmann in Düsseldorf. 

278 



OPLADEN 



io7 



Der Bau des i5. Jh. war zur Hälfte aus Bruchsteinen, zur Hälfte in Fachwerk 
aufgeführt, Wände, Thüren und Treppen zeigten Füllungen mit reichen Holz- 
schnitzereien. Die Burg war ganz von Wasser umgeben und mit Zugbrücke und 
Schiefsscharten versehen. Im J. i732 Hess Johann Friedrich von Bottlenberg die 
äussere Ringmauer mit den Ecktürmen und das Hauptthor aufführen, an dem er 
sein Wappen anbrachte. Im J. i883 wurde der alte Bau unter Benutzung der von 
G, A. Fischer in Barmen aufgestellten Pläne durch den Regierungsbaumeister Bleich 
gänzlich umgebaut und erweitert. Das in dem malerischsten Teile des Itterbachthales 
gelegene, jetzt durch den 4o m hohen Eisenbahndamm der Strecke Elberfeld-Deutz 
ganz abgeschlossene Schlösschen birgt als Kern zwischen den reizvollen und zier- 
lichen Anbauten den alten Bau. Von der ältesten Ausstattung ist nur ein Kamin 
mit der Jahreszahl i472 erhalten, sowie eine mächtige eichene Wendeltreppe; die 
meisten Schnitzereien stammen erst aus dem Anfang des i8. Jh: (wohl vom J. i732)- 

HAUS HACK HAUSEN. Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülichschen 
und Bergischen Geschlechter I, S. 44; II, S. i5. — O. Schell im Solinger Kreis- 
Intelligen zbl. i894, Nr. i39, i5i. — E. Porschke im Ohligser Anz. i894, Nr. 94, 99, loi. 

Das Schloss wird als bergisches Haus zuerst i4i i genannt (Lacomblet, U B. IV, 
Nr. 68. — Vgl. Kremer, Akad. Beitr. II, S. 66. — Brosius, Ann. II, S. 54). Seit 
dem J. i5o7 ist es im Besitz der Herren von Bottlenberg, gen. Kessel. Im J. i772 
wird die stark in Verfall geratene Burg durch Stephan Adolph und Karl Abraham 
von Bottlenberg abgebrochen und an der alten Stelle ein neues Schloss erbaut. Im 
J. i8i8 geht es an den Freiherm Julius von dem Busche-Ippenburg über, von diesem 
an Herrn Leimgard in Borbeck, im J. i893 endlich durch Kauf an Herrn August 
von Recklinghausen in Köln und Herrn Richard Berg in Solingen. 

Das Schloss war ein interessantes zweistöckiges Rokokoschi Össchen, von Wasser 
umgeben. Nach dem Brande des J. i887 hat es nur a)s einstöckiger Bau erhalten 
werden können. Das Portal zeigt eine feingegliederte Einfassung durch Pilaster und 
einen geschweiften Giebel; die im Stichbogen geschlossenen Fenster sind mit den 
üblichen grünen Jalousien versehen. Über dem Eingang, von zwei Löwen gehalten, 
das Wappen der Herren von Bottlenberg. Von besonderer Schönheit sind die ge- 
triebenen Rokokoomamente des schmiedeeisernen Geländers der mit drei Bögen 
über das Wasser führenden Brücke. Von der Vorburg ist nur ein Trakt mit breiter 
Durchfahrt erhalten. Das runde Mausoleum des Schlosses, im Park, ist erst im J. 1 8o9 
errichtet und trägt die Inschriften v d b i (von dem Busche-Ippenburg) und v d b k 
(von dem Busche- Kessel). 



Ritteraitz 
Caspersbroich 

Neubauten 



Hau* 
Hackhausen 



Reste 



OPLADEN. 

V. Restorff, Beschreibung der Rheinprovinzen S. 4i8. — v. Mülmann, Sta- Litteratur 
tistik I, S. 44i. — V. Recklinghausen, Ref-Oesch. II, S. 524. — G. Erlenkötter, 
Drei Reformatoren der Heimat, Burscheid i863. — Fahne, Geschichte der Kölnischen, 
Jülichschen und Bergischen Geschlechter I, S. 3i4. — v. Mering, G. d. B. IX, S. i79. 

Handschriftl. Qu. Im Archiv zu Schloss Heitorf: Alte Gewohnheiten und 
Recht des Landes von dem Berge zu Opladen (Inv. II, II, conv. XII, 5). 

GERMANISCHE FUNDE. Nach einem Bericht im Beiblatt der Kölnischen Germanische 

W ■• w« ^ ^ 

Zeitung i834, 6. Juli wurden zwischen Opladen und Küppersteg germanische Grab- 
hügel entdeckt und geöffnet. 



279 



Io8 KREIS SOLINGEN 

K«thoi. KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Remigii). Eine Kirche wird 

zuerst im i3. Jh. genannt, Erzbischof Heinrich I. von Köln {122S — 1237) inkorporierte 
die Kirche dem Stift zu S. Gereon. Im J. i295 wird sie als Pfarrkirche erwähnt 
(Kremer, UB. III, S. 21 3). Der Ort wird i4i6 von den Kölnischen verbrannt 
(Kölner Jahrbücher: Deutsche Städtechroniken XIII, II, S. 57). Von 16 11 — 16 12 war 
die Kirche vorübergehend von den Reformierten eingenommen (v. Recklinghausen, 
Ref.-Gesch. II, S. 524). In den J. i788 — 1789 ward das Langhaus erneuert. Der 
alte Bau ist 1860 weggerissen und durch einen gothischen Neubau von Vincenz Siatz 
ersetzt worden. Der alte Turm war angeblich ,aus dem zehnten Jahrhundert, wenig- 
stens das untere Geschoss; das obere vielleicht aus dem dreizehnten* (v. Mering, 
G. d. B. IX, S. 182). Ein gothischer Wasserspeier von der alten Kirche im Provin- 
zialmuseum zu Bonn (Inv. 359o — 1885). 
Kjis«! Kasel von neuem roten Sammet, breite Stäbe vom Ende des i5. Jh. auf ge- 

mustertem Grund von gekreuzten Goldfäden. Halbfiguren von Heiligen, auf der 
Vorderseite die hh. Andreas, Matthäus, Bartholomäus, Thomas, Katharina, auf der 
Rückseite die hh. Petrus, Andreas, Jakobus maj., Paulus, Johannes, Simon, Thaddäus, 
Jakobus min. und die Madonna mit Gottvater. 

Frieden!- Vou dem FRIEDENSBERGER HOF oder Kotterhof, dem ehemaligen 

Rittersitz Friedensberg, seit dem i5. Jh. im Besitz der Herren von Quad, jetzt Eigen- 
tum des Herrn Julius Ulenberg in Düsseldorf, an der Wupper auf steil abfallendem 
Terrain gelegen, ist ein zweistöckiger Backsteinbau des i5. oder 16. Jh. mit achtmal 
abgetrepptem Giebel erhalten, nach Westen mit einem vorspringenden vierstöckigen 
Rundturm, der die Wendeltreppe aufnimmt und durch eine geschweifte Schieferhaube 
gekrönt wird. Im Inneren noch alte Balkendecken des i7. Jh. Die übrigen im Süden 
anstossenden Gebäude sind neueren Datums. Im Obergeschoss alte Truhen von 
i75i und i78i. 

Koe«chcnberg In dem nahen Bauernhof KG ESCHEN BERG ein i,75 m hohes steinernes 

Kruzifix des 18. Jh., auf dem dazu gehörigen Sockel (neben der Hundehütte) die In- 
schrift: JOHANNA WILHELMINA THEODORA VON STOLL NATA DE DULMAN l774. 

Wupperbrücke WU PPER B R ÜC KE, in den J. i73i~i732 erbaut, auf zwei Bögen ruhend, 

malerischer Bau, der eine ziemlich steile Steigung der Strasse bedingt. Auf dem mitt- 
leren Pfeiler Austritte, nach Norden die verwitterte Gestalt des h. Nepomuk. 

REUSRATH. 

Kaihoi. KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Barbarae). v. Mering, G. d. B. 

irc e ^^ g ^g^ ^^ — BiNTERIM U. MOOJIEN, E. K. II, S. 247. 

Handsciirifti. Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv: Status et proventus pastoratus in Reuss- 

* en raeth vom J. i7oo, Hs. in 4® mit kurzer Chronik in Annalenform und Urkunden in 
Abschriften vom J. i53o ab. — Kirchen- und Protokollbuch in Folio, darin die No- 
mina rectorum vom J. i636 ab. — Liber confraternitatis sub invocatione s. Barbarae 
V. et m. SS. Cornelii, Huberti, Antonii, Quirini, Sebastiani in parochia . . . s. Barbarae 
in Reusrath, von Winandus Krodt von i696; enthält die Eintragimg aller Brüder 
xmd Schwestern, darunter vieler Herzöge von Jülich und Berg vom J. i696 ab. Im 
selben Bande: Liber confraternitatis Jesu, Mariae, Josephi a. i74o erectae, geschrieben 
von D. Gerardus Pantzer. 

280 



r 



REUSRATH 



io9 



Glocken 



Evanirel. 
Kirche 



Die Kirche bestand als Kapelle schon im ii. Jh., das Langhaus wurde i79i Kathoi. 
neu aufgeführt; im J. i83o wurde Reusrath von Rheindorf abgetrennt. Gwhichte* 

Der dreistöckige Turm, viereckig mit 4,4o m Seitenlänge, gehört noch einem Turm 
romanischen Bau des ii.Jh. an. Er zeigt nach Westen ein schlichtes 1,20 m breites 
rundbogiges Portal, die Laibung mit Tuffsteinen, nach dem Langhaus zu einen 2,5 o m 
breiten Bogen. Der ganze Turm ist stark verankert und mit Reifen versehen. Im 
obersten Geschoss je ein Doppelfenster, die Mittelsäule mit einfachstem Würfelkapitäl 
und auffallend grosser eckblattloser Basis. Das Langhaus ist flachgedeckt mit je drei 
grossen Fenstern an den Langseiten. 

Glocken. Die erste 82 cm hoch, mit vier 18 cm hohen Ringhaltern und 9ocm 
unterem Durchmesser, der Mantel ganz ungegliedert, der Schlagrand nur leicht ge- 
riefelt, nach den Formen aus dem 1 2. Jh. stammend. 

Die zweite 76 cm hoch, mit vier i3 cm hohen Ringhaltem und 88 cm unterem 
Durchmesser, der Mantel schon weiter ausgebaucht, der Schlagrand ausladend und 
mit Band versehen, aus dem 1 3 Jh. 

Die kleinste Glocke aus dem iS.Jh. mit der schwer leserlichen Inschrift: ave 

MARIA GRATIA PLENA DOMINUS TECUM, BENEDICTA [tU in muHeribuS et] BENEDICTUS 
FRUCTUS VENTRIS TUI JHSE (so) .... 

E V ANG ELISCHEKIRCHE. V. Recklinghausen, Ref.-Gesch. II, S. 5 24, 5 7 9. 
Die Reformation fand i589 Eingang. Die Kirche wurde i794 — 1795 erbaut. Schlichter 
Saalbau, mit drei grossen rundbogigen Fenstern auf jeder Langseite, auf dem gebroche- 
nen, geschieferten Dach ein vierseitiger Dachreiter mit achtseitiger geschweifter Haube. 
Das Innere vor dreissig Jahren mit einer gedrückten hölzernen Tonne überspannt. 

Die Orgel, 1802 aus dem Kloster S. Maria ad gradus in Köln gekauft, ist ein 
hübscher Rokokoaufbau aus der Mitte des 18. Jh. mit 32 Registern und zwei Klaviaturen. 

Glocken, i. joh. herm. pilgram, joh. bert. hundhausen pastor, joh. 

PET. RÜTGERS, HENR. STADER, FRIED. FLÜGEL, THEOD. HENDRICHS, JOH. PET. SCHMITS, 
PET. JOH. WELTERSBACH CONSISTORIALEN, JOH. WILH. HERMANS, PETER JACOBS, BAU- 
DEPUTIRTE. ME FUDIT CHRISTIAN VOIGT DUC. CLIVIAE ISSELBURGENSIS l793. 

2. J. B. HUNDHAUSEN, P. T. H. BENNERT PASTOR, T. H. WELTERSBACH, W. FLÜGEL 
CONSISTO (so), JACOBS GEEZER, W. BENNERT, P. GIESE ARMENPROVISOR. RINKLER 
VON LEUN GOSS MICH ANNO l787. 

HAUS DÜCKENBURG. v. Mering, G. d. B. X, S. 79. Das Haus wird 
zu Anfang des i5.Jh. im Besitz des Johann Pieck erwähnt, seit der Mitte d. Jh. 
im Besitz der Herren von Etzbach, seit dem i7. Jh. im Besitz der Herren Spies von 
BüUesheim. Der jetzige Eigentümer ist der Herr Graf von Mirbach zu Harff. 

Die aus Vorburg und Herrenhaus bestehende Anlage war mit Gräben umgeben, 
die nach Nordwesten 55 Schritt breit sind. Um diese zog sich ein i,5o m hoher und 
4 m breiter Wall. Das zweistöckige Herrenhaus auf hohem Unterbau, mit abgewalmtem 
Dach und Fachwerkgiebeln, ruht auf den alten Fundamenten. Der Unterbau zeigt 
noch kleine Schlitzfenster. 

Unter den älteren HÄUSERN zeigen einige interessante Variationen des ge- Bauer nhäuaer 
meinsamen Typus des bergischen Hauses, so das Haus Nr. io3 an der Strasse nach 
Opladen (Fig. 53). Es ist ein zweistöckiger Fach werkbau, die Giebel mit Brettern 
verkleidet, vor dem ein Vorbau vorspringt, der von vier Holzpfeilem getragen wird. 
Die Pfeiler stehen auf einer schmalen Steinbrüstung; die Winkelhölzer und Absteife- 
balken sind an den Kanten abgefast. Im Giebel die Zahl i7i7, darüber die Buch- 
staben j. T. G. (durch die Riegelhölzer hergestellt). Über der Thür die Inschrift : 



Orgel 



Glocken 



Hkus 
Dückenberg 



281 



IIO KREIS SOUNGEN 

er GOTT SCHÜTZ UND SEGNE DIESSES HAUSS, 

LASS ALLES UNGLÜCK BLEIBEN DRAUS, 
GLÜCK UND HEYL LASS DARINEN SEIN, 
DIE SEI LOB, PREISS UND EHR ALLEIN. 
O HEILIGE DREYF ALTIG KEIT, 
BEHUT DISS HAUSS ZU JEDER ZEIT, 
FOR ALLEM UNFALL, WASSER UND FEUR, 
DAZU FÜR ALLEM ÜNGEBEUR. 
JOHANNES THERIÜ GORRESS SAMBT SEINEN KINDERN HAT GESETT DIESEN BAU. ANNO 
I7l7 DEN I4. JULL 



RHEINDORF. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Aldegundis). Binteriu u. 
Mooren, E. K. I, S. 442; II, S. 247. — Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der 
deutschen Geschichts- und Altertums vereine XII, S. 64. — Alte Ansicht von Wenzel 
Hollar, vgl. Ann. h. V. N. XXXIII, S. iVa. 

Eine Kirche zu Rheindorf bestand schon im J. 1 183 (Kremer, U B. III, S. 57, 
6o}. Im J. 1281 schenkten Ritter Manfred von Rheindorf und seine Gattin Christine 
das Patronat an die Abtei Altenberg (Lacomblet, U B. II, Nr. 748; vgl. Nr. S23). 
Das Langhaus wurde i787 neuerbauL 

381 



RHEINDORF 



Der dreistöckige Turm ist romanisch, aber im iS. Jh. umgeändert (Fig. 55). 
Damals wurde wahrscheinlich zugleich ein neues Langhaus angefügt, so dass das 
jetzige das dritte ist {die alten Kalkleisten vom Dachsluhl an der Oslseite des Turmes 
sichtbat). Die beiden unteren Geschosse des Turmes bestehen aus Bruchstein, das 
obere aus Backstein mit Eckverklammerung von Haust einquadem. Im obersten 
Stockwerk je drei grosse Blenden, in den seitlichen Doppelfenster mit Mittelsäule, 
Nach Westen hübsches Portal (Fig. 54), in den Gewänden mit Ecksäulen, die sich 
über den gothischen Eckkapitälen als Rundstab fortsetzen, das Tympanon leer, auf 



dem horizontalen Sturz die Jahreszahl 
bohlen mit Nägeln beschlagen. Nach 
dem Mittelschiff zu öffnet sich die 
Turmhalle mit einem grossen Rund- 
bogen, der verblasste Reste oma- 
mentaler Wandmalereien zeigt. In 
der Höhe des zweiten Stockwerkes 
ein Gratgewölbe eingespannt, kleine 
schlitzartige Fenster. 

Das Langhaus mit flacher 
Tonne überspannt, enthält drei Altäre 
und eine Kanzel in leichten und ge- 
fälligen Rokokoformen (weiss u. gold). 

Den Kirchhof umgiebt eine 
hohe Mauer, in die eine Reihe von 
Grabsteinen des i7. und i8. Jh. 
eingelassen ist, zum Teil mit grossen 
Kreuzigungsd arstellungen. 

Glocken. Die erste von i459 
mit der Inschrift: SANTA aldEGUN- 

DUIS (so) HEISSEN ICH, IN EIR GOTS 
LUDEN ICH, KR15TIAIN KLOIT DUIS- 
TERWALT GUISSEN MICH MCCCCLIX. 

Die zweite von iS45 mit der 
Inschrift: salvator mundi, o kex 

GLORIE CHRISTE, VENI CUM FACE. 
HINRICUS COLONIENSIS FUSIT ME 
A. D. lS4S. 



(i477). Alte ThOr von Eichen- 



Fi(. M. Rh([ii 



Forul der kolholi 



n P&rtkir 



Die dritte 1886 umgegossen, 
vorher mit der Inschrift: s. alde- 

GUNDIS. LAUDATE DOMINUM IN CYMBALIS BENESONANTIBUS. R. D. GODEFRIDUS 
KLEFGEN, l'ET. CAMERARIUS PATRON!. JOANNES ENGELS ET JACOBUS VOGELS, ANNA 
RICHARTZ COND. BUNGARTZ ET MARIA ANNA GERTRUDIS KNABEN COND. LINDENS. 
BARTHOLOMAEUS GUNDER GOS MICH IN COELLEN l749. 

HAUS RHEINDORF. Fahne, Geschichte der Kölnbchen, Jülichschen und 
Bergischen Geschlechter I, S. 69, i95; II, S. z4, 73, 2o3, 233. ' 

Das Schloss bestand wohl schon im i3. Jh., als ein festes Haus der bergischen 
Grafen (Urk. von 1261 bei Lacomblet, U B. II, Nr. S23). Das alte Schloss wurde 
i39o durch die Grafen von Kleve und Mark verbrannt (Kölner Jahrbücher: Deutsche 
Stadtechroniken XIII, II, S. 86). Später im BesiU der Herren von Katterbach, von 
Judden, von Cortenbach, von Wyhe. Der jetzige Eigentümer ist Herr Caspar von 
Heinsberg zu Wevelinghofen. 

z83 



Aniichi »OB SeWo« ■" 




idriM »o"> H"" R'»^'"''"'- 



RICHRATM tli 

Das Schloss (Ansicht Fig. 55 und 57, Grundriss Fig. S6), ein verputzter Back- h>d 
sleinbau, setzt sich aus verschiedenen Teilen zusammen. Der mittlere Hauplbau mit g^^^'i, 
dem steilen Dach gehört in der Anlage noch dem (S. oder i6. Jh., der nach Süden 
vorapringende mit einem gebrochenen und leicht geschweiften Dach abschliessende 
Risalit, sowie der lange Östliche Trakt gehören dem 18. Jh. an. Der Haupteingang 
befand sich ursprünglich im Norden. Hier führt eine Freitreppe zu einem stattlichen 
Portal, in dessen Achse ein 
Corridor in beiden Stockwerken 
das Haus durchschneidet. Der 
grosse mit starker Balkendecke 
überdeckte Flur enthalt noch 
zum Teil die alte Ausstattung, 
den machtigen Backofen, die 
eiserne Herdplatte, die Rokoko- 
uhr. In dem nördlichen Flügel 
des alten Baues befand sich 
ehemals ein grosser mit Stuck- 
leisten verzierter Festsaal C, 
jetzt zur Küche eingerichtet. 
Nach Osten zu ein grosser 
Wirtschaftshof, nach Süden ein 
vernachlässigtes Vorgärtchen 
mit Rokokovaaen auf den Por- 
talpfeilem. Die Silhouette des 
Baues ist durch die verschiede- 
nen Höhen und Dachformen 

der einzelnen Trakte zu einer Fi(. bt. h>ui Rhrindort Ton Oiic». 

höchst malerischen geworden. 



RICHRATH. 

GERMANISCHE FUNDE und FRÜHMITTELALTERLICHE AN- g 
LAGEN. Nördlich von Immigrath, ao Schritt von der Bahn im Busch eine Wall- 
burg, ,am Knochenberg*, oder ,alte Burg' genannt, ein ungefähr rechteckiger Hügel 
von 80 und 100 Schritt Seitenlange, mit Wall und versumpftem Graben umgeben. 
Die Steine vom Wall durch den Besitzer erst vor iS Jahren abgefahren. Vgl. Pieper 
in der Heimatskunde i879, S. [8. — In der Richrather Haide auf Ohiigs zu sind an 
verschiedenen Stellen germanische Grabhügel aufgedeckt worden. Vgl, Schneider 
in Picks Ms. II, S. i77. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Martini). Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. 262. 286. — J. H. Kessel, Der selige Gerrich S. 16, 20. 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv: Liber archivarius pastoratus Richrathensis 
pro infonaatione posteritati deserviens ab Hermanno Jacobo Ludovici ( 1 78o), Hs. in 
Fol. Pap., 34i S., darin Verzeichnis der pastores vom J. [S96ab, p. loi: Liber anna- 
lium sive rerum potissimum memorabili- & notabilium, quae in bis et quibusdam aliis 
terris contigerxmt, inceptus a. i77o, 

8 

28S 



Schon im ii.Jh. bestand zu Richrath eine Kirche, deren Patronat der Erz- 
bischof Konrad (242 dem Kölner Domkapitel schenkt (Lacomblet, UB. II, Nr. 275). 
Das Langhaus der alten Kirche wurde i79i abgebrochen und durch einen Neubau 
•r ersetzt Die alte Kirche war 

,einer unterirdischen Höhle 
gleich, die überaus dicken und 
einem Steinhaufen ähnlichen 
Pilaren nahmen einen grossen 
Platz ein' (Liber annaUum 

p. 261). 

Von der alten Kirche ist 
nur der romanische Turm 
erhalten (Fig. 58), aus Kohlen- 
sandsteinbruchsteinen in hori- 
zontaler Lagerung au^efuhrt, 
die wenig vortretenden Dse- 
nen aus Tuff. Nächst dem zu 
Buk {Kunstdenkmaler d. Kr. 
Düsseldorf S. 75) ist der Turm 
zu Richrath der älteste aus 
der grossen Gruppe der früh- 
romanischen Westtürme im 
Bergischen. Die drei oberen 
Stockwerke sind durch schmale 
Vertikallisenen in je drei Fel- 
der zerlegt, die durch Rund- 
bt^nfrieseabgeschlossensind. 
y In dem obersten niedrigen, 
etwas eingerückten Geschoss 
je drei Doppelfenster. Die 
Säulen auf Basen ohne Eck- 
'- blatt mit schlichten Würfel- 
kapitalen und weitaustadenden 
Kämpfern. In die Mitte der 
Turmhalle ist ein schwerer 
vierseitiger Pfeiler gesetzt, 
1,80 m hoch und i,4S m breit, 
der die vier unrege Imassigen 
Gratgewölbe der Halle tragt. 
Die Mauern besitzen die be- 
deutende Stärke von i,6S m. 
Nach Süden ein einfaches 
"" "" '' i,9o m hohes, 1,95 m breites 
rundbogjges Portal. Der Dachstuhl des achtseitigen Helmes wird von einem besonders 
dicken Kaiserstiel gelragen, der durch den ganzen Turm durchgeführt ist. 

Das Langhaus ist flachgedeckt; über der südlichen Eingangsthür die Inschrift: 
gLorIa In eXCeLsIs Deo et In terra paX hoMInIbVs bonae VoLVntatIs. 

H, L. L, P, (l7,92). 




SCHLEBUSCH Il5 

Die Ausstattung, drei Altäre, Kanzel, Orgelbühne, Kommunionbank, in derben Km hol. 

imd späten Rokokoformen, ohne Wert. AuMtottun 

Madonnenbildchen, Holz, 9o cm hoch, neu polychromiert, gute Kölnische Madonna 
Arbeit der Mitte des i5. Jh., ausgeschweifte Gestalt. 

Glocken. Die erste von i649 mit der Inschrift: ad laudem dei et usum Glocken 

ECCLESIAE IN RICHRADT BEATAE MARIAE VIRGINI DEDICATA REFUNDEBAR PASTORE 
R. D. LUDOVICO CRATZ PRAESBYTERO PATRINIS PRAENOBILI AC STRENUO D. D. CON- 
RADO GOMBRECHT DE ALDENBRUCK GENANDT VELBRUCK OBRISTWACHTM. ET D. JOANNE 
HERDINCK SATRAPIAE MONHEMENSIS PRAEFECTO. MARIA DICOR PER MAGISTRUM 
CLAUDI LAMIRAL ANNO l649. 

Die zweite von 1680 mit der Inschrift: haec campana pio in richrath La- 
bore S. MARTINI NOBILE NOMEN HABET. NOS ILLAM MARTINE TUO DICAMUS HONORI, 
QUIQUE ERAS PATRONUS SEMPER IDEMQUE MANES. haec PONEBAT ANTONIUS BOLTZ 
PRO TEMPORE PASTOR IN RICHRATH. W. P. F. F. VON VELBRUCK CONRADUS HOFF- 
GENS PRAETOR, LUDOVICUS STEIN DINGER. JOANNES BOURLT (für Bourlet) ME FECIT 
20. MAY 1680. 

Die dritte, 75 cm hoch, mit unterem Durchmesser von 95 cm, in den Formen 
des i5. Jh., ohne Inschrift. 

REINOLDIKAPELLE (v. Mering, G. d. B. X, S. 7o. — Porschke, Beitr. Rcinoidi. 
zur Geschichte des früheren Amtes Solingen I, S. 35) zu Rupelrath. Der Legende p« « 

nach schon im 9. Jh. gegründet, erst im i7. Jh. erwähnt, der alte Bau i7i8 abgebrochen 
und durch einen schlichten einschiffigen Neubau ersetzt. 

Glöckchen mit der Inschrift: die capeller klock nent man mich, zum oiöckchen 

LOBE GOTTES RUFFE ICH, SOENDER, BEKEHR DICH, GOTT IST GNEDIG. JOHAN NATHA- 
NAEL ORENCUS, ZEITLICHE KIRCHMEISTER ZU SOHLINGEN. BARTHOLOMAEUS GUNDER 
GOS MICH IN COELLEN A. l755. 

HAUS GRAVEN. Stammsitz der Herren von Grave, die i34i zuerst genannt Hhus Cmven 
werden (Lacomblet, U B. III, Nr. 363). Im 16. Jh. im Besitz der Herren von Over- 
heid, weiterhin derer von Bottlenberg, von Vellbrück, von Mirbach. Die Vorburg 
wurde i656 neu erbaut. Der jetzige Eigentümer ist der Herr Graf von Mirbach-Harff. 

Von dem Schloss ist nur die aus Bruchsteinen aufgeführte Vor bürg erhalten, Vorburg 
die nach der Art der niederrheinischen Wasserburgen aus drei rechtwinkelig aneinander- 
stossenden Trakten besteht, die von breiten Wassergräben umgeben sind. An den 
Ecken treten kräftige viereckige Türme etwas vor, die mit schlichten Pyramiden- 
dächem abschliessen. Über dem Haupteingang das Mirbachsche Wappen und die 
Jahreszahl i656. Von dem Herrenhaus, aus vier um einen quadratischen Hof ge- 
legenen Trakten errichtet, sind nur die Grundmauern erhalten. 



SCHLEBUSCH. 



GERMANISCHE GRÄBER. In der Entfernung von 2 km von Dünwald Gennmiische 
befinden sich auf der Schlebuscher Haide vier Langgräber von 45 m Länge. Aus- 
grabungen sind nicht vorgenommen (C. Rademacher in den Nachrichten über deutsche 
Altertumsfunde i894, 3. Heft, S. 43). 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Andreae). v. Restorff, Be- K.thoi. 
Schreibung der Rheinprovinzen S. 4i9. — Binterim u. Mooren, E. K. II, S. 245. 

Die Kirche ist ein dreischiffiger romanischer Neubau von Rüdell u. Ode?ithal, 
in den J. 1888 — i89o errichtet. 

287 



ii6 



KREIS SOLINGEN 



Knthol. 
Pfarrkirche 

Holzfigruren 

Glocken 



Gezelins- 
kapelle 



Haus 
Morsbroich 



Geschichte 



Beschreibung^ 



Herrenhaus 



Holz Figuren von Maria und Johannes, 9o cm hoch, i6. Jh., stark bewegt 
Glocken. Die erste mit der Inschrift: anna bin ich genannt, gottes gnade 

IST mir bekannt, zu der ehre GOTTES LÜDEN ICH. HERMANN VAN NÜIS UND 
HEINRICH VON AUERRAIDE GÜSSEN MICH VAN GEHEISCH JOANNES VAN SCHLEBUSCH, 
DAT SAGEN ICH A. D. l49l. 

Die zweite mit der Inschrift: maria heissen ich, zu der ehren gottes luden 

ICH. MEISTER HERMANN UND HEINRICH GÜSSEN MICH A. D. l49o. 

Die Uhrglocke mit der Inschrift: sanct Andreas heissen ich, körstgen 

VON ONKEL JUSS MICH A. D. l6o7. 

GEZELINSKAPELLE. v. Mering, G. d. B. III, S. 98: XI, S. 12. — 
J. H. Kessel, Der selige Gerrich S. 3i. — Theod. Ray, Animae illastres Juliae, 
Cliviae, Montium, Neuburg i663, p. i34. Die Kapelle wurde im i5. Jh. gegründet, 
im 1 7. Jh. durch den Ordenskomthur Heinrich von Reuschenberg auf Morsbroich er- 
neut. Einschiffiger Bau mit flachem Walmdach, niedrigem Chörchen und kleinem 
hölzernen Dachreiter ohne architektonischen Wert. 

HAUS MORSBROICH. v. Mering, G. d. B. XI, S. 12. — Fahne, Ge- 
schichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter I, S. 93, 2 74, 286; 
II, S. 96. 

Hand seh riftl. Qu. Im Freiherrlich von Diergardtschen Archiv zu Morsbroich: 
Urkunden von 1264, 1277, i3oo, i3o9, i333, i337 u. s. w. — Litteralien vom i7. Jh. 
ab (Wd. Zs. I, S. 4i5). 

Stammsitz der Ritter von Morsbroich, im J. i5i6 durch den Ritter Hans von 
Morsbroich und seine Hausfrau Anna dem deutschen Orden verkauft. Im J. i692 
erbaute der Komthur Freiherr von Nesselrode ein neues Haus (Inschrift s. u.). Der 
letzte Ordenskomthur der Balley Koblenz, der Freiherr von Roll, Hess im J. i774 
das alte Herrenhaus abbrechen und ein neues aufführen. Im J. i856 wurde das Gut 
von dem Freiherrn Friedrich Wilhelm von Diergardt erworben. Der jetzige Eigen- 
tümer ist der Freiherr F. von Diergardt, der in den J. i885 — 1887 durch den Baurat 
Pflaume in Köln an den alten Mittelbau zwei stattliche Flügel anfügen Hess und das 
Schloss durchweg erneuerte. 

Die ganze Anlage bildet ungefähr einen Halbkreis. Der Haupteinfahrt gegen- 
über liegt das Herrenhaus. Die Wirtschaftsgebäude ziehen sich auf beiden Seiten 
in stumpfen Winkeln aufeinanderstossend, um den Hof. An dem einen der niedrigen 
Wirtschaftsgebäude Wappen mit der Umschrift: G. A. j. c. bar. nesselrode ehres- 

HOVEN M. C. HR. F. SCHOVEN M. C. eVrOPA VnDIqVe BELLo fLaGRANTE Me 

eXstrVXIt (i692). 

Das ehemalige von dem Freiherm von Roll errichtete Herrenhaus bestand aus 
einem zweistöckigen Bau mit leicht geschweiftem und gebrochenen Dach in den 
spätesten Rokokoformen. Zur Seite des vorspringenden Risalites von drei Achsen 
auf jeder Seite noch zwei Achsen. Nur der Mittelrisalit war architektonisch etwas 
betont durch einen flachen Giebel und eine Freitreppe. Der Bau ist in dem neuen 
Schlosse vollständig erhalten, nur das Wappen im Giebel ist neu. . 



SOLINGEN. 



Littemtur 

Allgemeine q ^ 
Darstellungen ^^' 



E. Ph. Ploennies, Topographia ducatus Montani i7i5: Berg. Zs. XIX, S. 81, 
- J. WüLFFiNG, Beschreibung der vornehmen Handelsstädte i729: Berg. Zs. 



288 



SOLINGEN 



Il7 



XIX, S. II 4, 123, i36. — Geographisch-statistische Beschreibung der Stadt Solingen: 
Wkddigens Neues fortgesetztes Westfälisches Magazin I, i798, S. 39. — J.J.Lenzen, 
Bey träge zur Statistik des Grossherzogtums Berg, Düsseldorf 1802, S. 4i. — Joh. Schmidt, 
Geographie und Geschichte des Herzogtums Berg, Krefeld i8o4, S. 66. — C. Simons, 
Reise des Kronprinzen von Preussen durch Rheinland -Westfalen im Herbst i833, 
Iserlohn i834, S. 128. — W. Mebus, Geographisch-statistische Beschreibung des Kreises 
Solingen, Köln i83o. — G. v. Hauer, Statistische Darstellung des Kreises Solingen, 
Köln i832. — J. F. Knapp, Geschichte, Statistik und Topographie der Städte Elber- 
feld und Barmen, mit Bezugnahme auf Solingen, Barmen i835. — C. F. Melbeck, 
Statistische Darstellung des Kreises Solingen, S. 1860. — v. Restorff, Beschreibung 
der Rheinprpvinzen S. 4o7. — v. Mülmann, Statistik I, S. 45o. — Die Amtmänner 
von Solingen: v. Merino, G. d. B. IX, S. 67. — Albert Weyersberg u. M. Schiwara, 
Aus vergangenen Tagen: Solinger Kreis- und Intelligenzblatt i892, Nr. 7, 1 1, i3, 20, 25, 
32, 4o, 5o, 57, 95, I29, i46, i52, 272, 29o, 3o2; i893, Nr. 8, 18, 54, 88, 100, ii7, i4o, 
i76, 200, 206, 224, 254, 272, 295; i894, Nr. 23. — Albert Weyersberg, Chronik der 
Familie Weyersberg zu Solingen, Elberfeld i893. — G. Petzsch, Die Familien Pols 
in Solingen und Dresden: Neues Archiv für sächsische Geschichte und Altertums- 
kunde XV, i894, S. i69. 

Abraham Leunenschloss, Paropsis revelata, in sich haltende eine wahrhaftige 
Deduktion des verlauffs der wieder Abrahamum von Leunenschloss gehaltenen Kirchcn- 
Censur . . ., S. i677. — Bruchstück aus der Reformationsgeschichte der Stadt und des 
Kirchspiels Solingen (i58o — 1659): W. Aschenbergs Niederrheinisch - westfälische 
Blätter II, 1802, S. 7o6. — Friedrich Goebel, Hieronymus Banfius, weiland refor- 
mierter Pastor in Solingen (i6o3 — i6i3): Berg. Zs. XV, S. i9. — Der i3. August i832 
in Solingen, drei Predigten nebst einer geschichtlichen Einleitung, S. i832. — J. J. 
Kämmerling u. W. Vorster, Die Jubelfeier der Einweihung der vor 100 Jahren neu 
erbauten reformierten Kirche zu Solingen am 8. Sept. i837, S. i838. — Etwas von 
dem Glauben und Leben des J. G. W. Forstmann, Prediger in Solingen, S. i84o. — 
W, H. A. Hengstenberg, Geschichte der reformierten oder grösseren evangelischen 
Gemeinde zu Solingen und ihrer Besitzungen, S. i847. — Ders., Solingens Reformation, 
S. i852. — Ders., Reformations- und Kampfgeschichte von Solingen, Wald und Gräf- 
rath, S. i857. — G. Zürhellen, Predigt vom 12. Februar i855, als dem Tage der 
200jährigen Jubelfeier der kleinen evangelischen Gemeinde zu Solingen, nebst einigen 
geschichtlichen Bemerkungen, S. i855. — Crecelius, Zur Reformationsgeschichte von 
Solingen: Berg. Zs. VII, S. 186, 3 11. — Vergleich zwischen den Pfarrgenossen von 
Solingen und der Abtei Altenberg i546: Berg. Zs. VI, S. i87. — v. Recklinghausen, 
Ref -Gesch. II, S. 444; III, S. 4o7. 

Adam von Daniels, Vollständige Abschilderung der Schwert- und Messer- 
fabriken, fort sonstigen Stahl manufakturen in Sohlingen, Düsseldorf 1802; neuer Ab- 
druck 1808. — J. J. Lenzen, Über Fabrikation, Manufakturen und Handlung im 
Herzogtum Berg: Aschenbergs Bergisches Taschenbuch i798, S. i87. — Bemerkungen 
über die Verfertigung des Damascener Stahles : Grossherzoglich Bergisches Archiv 1 8 1 1 , 
Nr. 9, S. 58. — Rudolf Gronau, Geschichte der Solinger Klingenindustrie, Stutt- 
gart i885. Dazu Kunstgewerbeblatt II, S. 55. — F. J. Schirlitz, Die Fabrikation der 
Stahlwaaren . . . ., Weimar 1868. — Von der Gerichtsbarkeit der Handwerksvoigte 
in der Fabrik zu Sohlingen: J. W. Bewer, Sammlung einiger der bei den Gülich 
und Bergischen Dikasterien entschiedenen Rechtsfälle ... I, Düsseldorf i796, S. 98, 
III, i798, S. 93, i45. — Einzelne Verordnungen zur Geschichte der Industrie bei 



Litteratur 



Kirchen- 
geschieh te 



Geschichte 
der Industrie 



289 



ii8 



KREIS SOLINGEN 



Litterator 



Haodschriftl. 
Quellen 

Solingen 



München 



Ältere 
Ansichten 



Evangel. 
Kirche 

Geschichte 



V. Kamptz, Die Pro\'inzial- und statutarischen Rechte in der preusstschen Mon- 
archie, Berlin 1828, III, S. i84. — Landesherrliche Verordnung über die Einrichtung 
der Messerfabrik zu Solingen vom 18. Nov. 168 7 u. a.: Vaterländische Blätter, den 
Bewohnern des Xiederrheins gewidmet, Düsseldorf 18 14, I, 2. u. 3. Heft — Alphons 
Thun, Die Industrie am Niederrhein und ihre Arbeiter. II. Die Industrie des 
Bergischen Landes S. 5 — io5: G. Schmollers Staats- und socialwissenschaftliche 
Forschungen II, 3. Heft, Leipzig i879. — Ed. Porschke, Beitr. zur Geschichte des 
früheren Amtes Solingen. II. Die Stahl warenindustrie im Amte Solingen, Solingen i89o. 

Handschrift 1. Qu. Das Stadtarchiv zu Solingen zerfällt in drei Abteilungen, 
von denen die erste (A, Nr. i — 16) und letzte (C, von Nr. 122 an) auf dem Speicher 
des Rathauses ruhen, während die zweite (B, Nr. i7 — 121) neben dem Stadtratssaal 
aufgestellt ist. Repertorium der älteren Papiere von Oligschläger, angeschlossen 
ein übersichtliches Register der Artikel, über die im Archiv Nachrichten vorhanden 
sind. — A. Hebezettel von i745 ab. — B. Rechnungen und Hebezettel von der 
Mitte des 18. Jh. an, Stadtrechnungen von i739 an, Kriegskostenrechnungen von i793 
bis 1801 (IV, 53). — C. 269. Die wichtigsten Urk. u. Privilegien von i589 (gedruckt 
Berg. Zs. VII, S. 3 10), i596, 161 1, i673, i754. — C. 27o. Aufzeichnung von Peter 
Weyersberg von 1681 — 1695, über Accise u. a., Inventar, was der abgehende Bürger- 
meister seinem Nachfolger zu übergeben hat, etc. — C. 272. Älteste Stadtrechnung 
von i636 — 1638. — C. 275. Papiere der Solinger Schützengesellschaft vom J. i67o. 
— C. 4i4. Städtisches Grundbuch von 1688, mit den Vermessimgen von i684. — 
C. 4i5, 4i6. Grundbücher von i72o und i746 — 1748. — C. 4i8, 4i9. Bürgerverhörs- 
protokolle von i683 ab. 

In der Staatsbibliothek zu München: In der REDiNGHOVENschen Sammlung, 
Cod. germ. 22 13, Bd. XIII, Bl. i: Urk. von i374 und i523; Bd. V, Bl. 428*: Privile- 
gien von i4oo, i5i5, i596, 1623. 

Ältere Ansichten, i. Ansicht bei Merl\n, 32,2 x ig cm, bez. oben: ,solingenS 
mit den Türmen des Ohliger und des Kamper Thores (aufgenommen um i63o, vgl. 
Zeiller, Topographie des Westphälischen Kreises). 

2. Ansicht bei Ploennies (s. o.) i7i5 Bl. 16», wiedergegeben Suppl. zur Berg. 
Zs. XIX. 

3. Lithographie von Hermann & Barth nach J. H. Knotte, bez.: ,kreis- 

UND FABRIKSSTADT SOLINGEN l829', 45X28,5 Cm. 

4. Stahlstich, bez.: ,solingen*, i4,8xio cm, nach dem Gemälde von Verkäs 
gestochen von H. Winkler, aus der PAYNEschen Sammlung. 

5. Solingen aus der Vogelperspektive, 53,5x32 cm, um 1860, Lithographie von 
H. Wüsteneck. 

6. Lithographie von Joh. Wetzel nach H. A. Würz, bez. : ,kreis- und fabrik- 
stadt SOLINGEN', 47x3 1,5 cm. 

7. Lithographie von Vossnack mit i3 Detailansichten, 65x4o cm. 

8. Solingen von der Südseite mit 21 Detailansichten, 55,5x24 cm, Lithographie 
von Buschhaus & Schönenberg. 

EVANGELISCHE KIRCHE. Eine Pfarrkirche zu Solingen wird zuerst um 
i3oo im liber valoris genannt (Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 438). Die Kirche 
war entstanden auf dem Grunde des Frohnhofes, der den Herren von Solingen, 
später von Oefte, gehörte. Im J. i3S9 verkaufte Ritter Heinrich von Oefte sein Erbe 
,myt dem leynrecht der kyrghen zu Solingen* an den Grafen Gerhard von Berg 
(Lacomblet, üb. III, Nr. 596). Dessen Witwe Margaretha verkauft es i363 an die 



29o 



SOLINGEN Il9 

Abtei Altenberg, die sich die Kirche i399 inkorporierte (Berg. Zs. XIX, S. i36). Die Ev«ngei. 
Reformation war um i59o hier durchgeführt. 

Die alte Kirche, nach den Bränden von i53o und i58o renoviert (Ansicht bei Umbauten 
Merian um i63o, s. o.), wurde i732 bis auf den Turm abgebrochen und an ihrer 
Stelle durch /. M. Moser ein neues Langhaus errichtet, das erst i737 vollendet war. 
Der Turm wurde 1 5 23 errichtet, in den J. i785, i836 und i863 wiederhergestellt. An 
der Portalseite sind die Zahlen i523, i785, i863 angebracht. 

Das i885 — 1886 restaurierte Langhaus besteht aus einem rechteckigen Saal- Beschreibung 
bau mit vier durch Pilaster getrennten grossen, rundbogigen Fenstern auf jeder Lang- 
seite. Das rechteckige Chörchen (als Sakristei eingerichtet) ist zweistöckig und zeigt 
eine ähnliche Gliederung durch Pilaster. 

Das Innere ist durch drei Paare von Holzsäulen in drei Schiffe zerlegt. Auf 
drei Seiten eine rund herumgeführte hölzerne Empore. An der Ostseite auf zwei ge- 
wundenen Holzsäulen die Kanzel, auf dem Baldachin ein Posaunenengel. Ober der 
Kanzel an der Ostmauer die Zahl i734. 

Altarschrein, niederrheinisches Schnitzwerk um i5oo, i,35 m breit, 1,60 m Aiurschrein 
hoch, stark beschädigt. Die Flügel erst 1886 abhanden gekommen. Der abschliessende 
Baldachin ist nur noch auf einer Seite erhalten; der Hintergrund ist vergoldet. In 
der Mitte die Kreuzigung, von der nur die Reitergruppe und die zusammenbrechende 
Maria erhalten sind, rechts die Auferstehung, links die Frauen am Grabe. Der 
Schrein ist 1 893 dem Bergischen Landesmuseum auf Schloss Burg überwiesen worden. 

Silbervergoldeter Kelch, 21, 5 cm hoch, der aus der achtblätterigen Rose kon- Kelch 
struierte Fuss bedeckt mit graviertem spätgothischen Masswerk, auf einem der Blätter 
die Messe des h. Gregor; reicher Schaft und Knauf mit spätgothischen Motiven. In- 
schrift auf dem Fuss: i5i8. haben zeitige kirchenmeister johan dylcken und 

JOHAN HENCKELS LASSEN RENWEREN (so) l663. 

Silberne Taufschale von 1682. Tau&chaie 

Silberne Kommunionkanne von i732. Kommunion. 

kanne 

Hammer und Kelle, bei der Grundsteinlegung zur reformierten Kirche in Hammer u. Keii« 
Solingen i732 benutzt, kunstvoll gearbeitet, versilbert, mit buntseidenen Bandrosetten 
verziert. Der Hammer trägt die Inschrift : j. m. moser, architector (so), ope huius 

MALLEI IMPOSITUS FUIT CAP. ANG. TEMPLI RF. SOHL. DIE 23. JUNII A. D. l732. Auf 

der Kelle das Solinger Stadtwappen, die Jahreszahl t732 und die Inschrift: haec 

TRULLA USURPATA IMPOSITIONE CAP. ANGULI TEMPLI REF. SOHL. DIE 23. JUNII. 

Die Glocken sind 1861 — 1863 in Sieglar umgegossen worden. Die alten Glocken 
Glocken trugen die Inschriften: 

1. DERICH UND HEINRICH VON COELLEN GUISSEN MICH l585. SALVATOR MUNDI 
HEISCHEN ICH, TZOM DEINST GÖTZ ROIFFEN ICH, DE DOEDEN BECLAGEN ICH, DU SÜNDER 
BEKEIR DICH, SO GEIFFT DEIR GOT SEIN EWIGE RICH. LUTTER KLUBERGH BUMEISTER. 
JÜRGEN VOM KAMPE, WEILM WEIERSBERGH, BERNT OP DEM KAMPE, JOHANNES SOTER, 
CLEMENS TESSE, ALLE VEIR KERCHEMEISTER. 

2. LUCAS AM I. DER HERR HAT ANGESEN DE DEMUT SEINER MAGDE. SEHE 
VAN NU AN WERDEN MICH SELICH SPRECHEN ALLE GESCHLECHT. GERLACUS KATTER- 
BACH PASTOR l585. RUTGER NEIFF, BURGERMEISTER. JOHANN JASPER BUEISS. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Clementis). Eine römisch- K.thoi. 
katholische Gemeinde hatte sich während des dreissigj ährigen Krieges neugebildet, 
indem Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm 162? eine Jesuitenmission einrichtete. Die erste 

29l 



120 KREIS SOLINGEN 

Kirche wurde i7oi gebaut, erneuert im J. i8i7. Im J. i893 ist sie abgebrochen 
' worden, um einem Neubau Platz zu machen. 

Die Kanzel ein sechsseitiges Gehäuse mit gewundenen Ecksäulen, an der 
unteren Seite des Schalldeckels die Taube des heiligen Geistes. 

Kronleuchter des i7. Jh., Gelbguss, holländische Arbeit, gekrönt durch Ju- 
piter auf dem Adler. 

Glocken. Die ältere Glocke im Hauptturm trägt die Inschrift; sit semper 

LAUS DEO IN ORE MEO. S. CLEMENS, SEBASTIANUS, IGNATIUS ET XAVERIU5 GRATE 
PRO NOBIS. W. RINCKER VON LEUN GOSS MICH l78l. 

Die Glocke im Dachreiter trägt die Inschrift: ME fecit christianus cossek 

IN COELLEN ANNO l798. 

„ In Solingen ist eine grössere Anzahl älterer PRIVATHÄUSER des i8. Jh. 

erhalten, die den Typus des herrschaftlichen Rokokohauses in schlichteren Formen 
als die Häuser in Barmen und Elberfeld (s. o. S. 16 u. 26), aber bei ihrer freien 

Lage auch um so reiner 
vorführen. Die Häuser sind 
durchweg mit Schiefer be- 
kleidet, die Fachwerkbauten 
fehlen fast ganz. Durch Ein- 
fügung ausgezahnter Schie- 
ferplattchen ist oft ein reiz- 
volles Muster hergestellt, so 
an den HausemWestwali 47 
(Fig.5 9},an der fttiherenDin- 
gerschen Gastwirtschaft zu 
Weeg und an dem Schellen- 
bergschenHaus zu Glaube rg. 
Die Dächer sind zumeist 
gebrochen und abgewalmt. 
Durch besonderen Schmuck 
SeiintEu. scbiEfsiiickiriiduDg und Oberlicht ein« H.ujei Jim weimii. ausgezeichnet Sind die über 

der Fa9ade errichteten 
Giebel, deren oberer Abschluss durch leicht geschwungene und reich profilierte 
Baiken gebildet wird. Die Einrahmungen der Thüren und Fenster — die letzteren 
zumeist im Flachbogen oder leich^eschweiften Vorhangbogen geschlossen — zeigen 
feine und zierliche Stabprofile, die Krönung bildet zuweilen eine geschnitzte Kartouche, 
die Oberlichter der ThOren sind mit zierlichen durchbrochenen Schnitzereien gefallt, 
so in dem Hause Westwall 47, wo als Krönung des Portals ein Vogelnest angebracht 
iit (Fig. 59). Neben den schwarzblauen Grund der Schieferbekleidung treten die 
lichten Töne der weissen Fensterrahmen und der grünen Läden. 

Zwei der stattlichsten Bauten dieser Galtung sind auf der Kirschheide {Ge- 
meinde Höhscheidt), die , blaue' und die .weisse Seite' genannt Das erste Haus, im 
J. i77i von Peter Weyersberg erbaut, Herrn Friedrich Koch gehörig, frei in einem Park 
gelegen (Fig. 60), ganz mit Schiefer bekleidet, zweistöckig, zeigt in den Abschlüssen des 
vorderen Giebels, der Dachfenster und den Fenstereinrahmungen hübsche Rokoko- 
motive. Die Fenster sind mit den üblichen grünen Läden versehen und enthalten 
noch die alten kleinen Scheiben. Aus dem in der Mittelachse gelegenen unteren Flur 
führt eine breite Treppe mit geschnitztem und durchbrochenem Gelander auf den 

29a 



oberen Flur. Im Erdgeschoss einige hübsche Thüren und Stuckdecken mit einfachen f 
Leisten. Das gegenüberliegende zweistöckige Haus des Herrn August Neeff, die .weisse 
Seite' genannt, enthalt einen leicht vorspringenden Mittelrisalit, in dessen flachen 
Giebel ein Ovalfenster eingebrochen ist. Zu dem Hauptportal führen sieben Stufen 
hinauf Die Treppe mit grosser Raumverschwendung angelegt, ausgeschnittenes Ge- 
lander mit ganz schhchten Rokokoomamenten. 

In der Stadt Solingen selbst war das ehemalige Bergsche Haus {Kölnerstrasse 9 1), 
gegen (Tio gebaut, der charakteristischste Bau (Fig. 6i), zweistöckig, fünfachsig, der 



Fi|. eo. Solingen. BUuc Stile in der Kinchheide. 

Oberstock nur nach vom ein wenig vorgekragt. Die Fenster des Erdgeschosses mit 
geschweiften Einrahmungen, zur Seite der Thür die schmalen Flurfenster. Das Haus 
hat jüngst einem Neubau Platz machen müssen. Das ehemalige Weyersbergsche — 
jetzt MoTsbachsche — Haus (Kölnerstrasse 69), i764 erbaut, zeigt denselben Grund- 
riss und dieselbe Gliederung, die Fenster der Fa9ade leicht geschwungen, unter 
den Dachrinnen zierliche schmiedeeiserne Stützen. Das im ersten Stock liegende 
Hauptzimmer enthält eine gute Stuckdecke mit Festons und Medaillons, an den 
Ecken hübsche Fruchtstücke und Gruppen von Musikwerkzeugen. 

Den späteren Typus der schon unter dem Einfluss des Klassicismus stehenden 
Bauten zeigt das Haus Kölnerstrasse 67, dessen Fat^ade durch Pilaster gegliedert ist 
und mit einem Architrav abschliesst. 

»93 



131 KREIS SOLINGEN 

:r Zu Clauberg bei Solingen sind zwei ältere Häuser erhalten, das Schellen- 

bergsche und das Jagen bergsche, zugleich die Sitze alter Familien. Das Schellenbergsche 
Haus ist in den Formen reicher als die Bauten auf der Kirschheide und zeigt vor 
allem eine hübsche Freitreppe von sechs Stufen mit Seitenbänken, über dem Portal 
ein gutgeschnitztes Oberlicht. Die Thür selbst ist mit Schnitzereien {Löwenköpfen) 
verziert. Im Inneren schwere Balkendecken und Schiebefenster. Das Jagenber^che 
Haus (jetzt Restauration Rudolf Schwarz) ist einfacher, zweistöckig mit fünf Achsen 
und zeigt gleichfalls ein interessantes Portal mit Giebelabschluss, schmalen Flurfenstem 

und sechs halbrunden Stu- 
" fen. Wie die hier vorkom- 

mende Form der Oberlichter 
weiter festgehalten wurde, 
zeigen die Häuser Schlag- 
baumerstrasse Nr. ii und i8 
in den Solingen unmittelbar 
benachbarten Gemeinden 
Gräfrath und Wald. 

Von den einfachen älteren 
Bauten ist infolge der viel- 
fachen Feuersbrünste fast 
nichts erhalten. Das Deut- 
sche Haus an der Ecke der 
Kölner- und der Weyers- 
bergerstrasse, ,im Himmel' 
genannt, Eigentum des 
Herrn Louis Schivelbusch, 
ist ein dreistöckiger Bau mit 
zwei Giebeln vom J. i59i. 
Auf der Wetterfahne die 
Zahl i7i8. Das alte Bergi- 
sche Amtshaus, 1 7 iö neu ge- 
baut, in der oberen Kaiser- 
strasse neben einem der ehe- 
maligen Thore, der .neuen 
Pforte', ist ein schmuckloser 
einstöckiger Bau mit der 
Flg. 61. soiing«. Dh b«(«i.. h.u.. Inschrift, die die Jahreszahl 

1726 dreimal angiebt: 
IVDICIVM soLLIngense strVelatVr 
.satrai'Iae et patrIae 
sVb TVDICe Ioanne goDefrIDo heLLIng 

ET PRO kVtVrO NOTABIh 

teCta sVnt pro serenIssIMo 
Vt frVges bene ConserVentVr 
regIstratVra pro bono pVbLICo 

Vt aCta bene regIetre\tVr 

Caetera pro IVre et IVstIstIa 

ET Vi reI CorrIgantVr. 

394 



steinbOchel 



In dem Hause des Schneiders Bluefeld auf dem Kirchplatze ist eine volbtandigePii 
[ische Stube des l7.Jh, erhalten: Tisch, Stühle, Schrank, Uhr, Bilder, Gefässe u.a. ^"i 
Das Königskopfhaus, Johannisstrasse i3, besitzt einen Thürbalken vom J. l6o7. 



STEINBÜCHEL. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Nicolai de Myra). Die Kirche 
war ursprünglich Kapelle des gleichnamigen Rittersitzes. Erst zwischen l56o und i582 
winde sie in eine Pfarrkirche umgewandelt. Das Langhaus i787 al^ebrannt und neu 
aufgefllhrt. 

Der dreistöckige verputzte Turm mit je zwei einfachen Doppelfenstern im 
obersten Geschoss stammt noch aus dem 12. Jh. Das Langhaus ist ein rechtwinkeliger 
ilachgedeckter Bau, die Kanten nach Osten al^erundet. Die ganze Kirche ist im 



J. i793 mit einer Bruchsteinmauer umgeben worden, an die kleine Giebelhauschen 
mit den Reliefs der Stationen angelehnt sind {Fig. 62). 

RITTERSITZ STEINBÜCHEL. v. Mering, G. d. B. IX, S. 78. — ^ 
LOlsdorff, Der Rittersitz Steinbüchel: Berg. Zs. IL S. ilS. — Fahne, Geschichte 
der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter I, S. 4io. — Ders., For- 
schungen auf dem Gebiete der rheinischen und westfälischen Geschichte III, S. 37. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: Lehensaufschwörm^en 
n den Akten der Familie von Hugenpoet. 

Ursprünglich Sitz der Herren von Steinbüchel, die schon im 1 2. Jh. genannt 
werden. Das Haus kommt im i7. Jh. an die Herren von Diependahl, darnach an 
die Herren von Petersen. Im J. 1 724 wurde es an den Deutschordenslandkommandeur 
Freiherm von Droste verkauft. Der jetzige Eigentümer ist der Herr Kaiserliche 
Ministerialrat a. D. Alexander von Sybel zu Karlsruhe. 

Das Herrenhaus wurde i732 durch den Freiherm Jobst Mauritz von Droste 
neu aufgeführt Der westlich von der Kirche gelegene Bau ist zweistöckig mit abge- 
walmtem Satteldach, nach Osten mit vorgekragtem Obergeschoss, ehemals von Gräben 
umgetwn. 

395 



124 



KREIS SOLINGEN 



Kapelle Die KAPELLE zum h. Johannes von Nepomuk in der Ortschaft Fetten- 

henne bei Steinbüchel, i737 durch den Landkommandeur von Droste erbaut, ein- 
stöckiger flachgedeckter Backsteinbau, i8o4 repariert, i85o vergrössert, am Giebel das 
Wappen der Herren von Droste. 



VORST. 

Schioss SCHLOSS. V. Mering, G. d. B. IX, S. 92 — 146. 

Handschriftl. Qu. Im Besitz des Herrn Peter Göring zu Düsseldorf: 

Die Burg Forst und deren weitere Umgebung, Hs. in Fol. von Oligsclhläger. 
Geschichte Das Schloss War der Stammsitz der Herren von Forst, die zuerst 1 24o genannt 

werden. Im Anfang des i4. Jh. kam es an die Herren von Hökeshoven, in der 



Beschreibung 




Fig. 63. Schloss Vorst. Grundriss. 

2. H. d. Jh. an die Herren von Quad. Im J. i548 gelangte die Burg durch Heirat 
der Agnes von Quad mit Otto Schenk von Nideggen an die Schenk. Im Anfang 
des i7. Jh. durch Heirat an Wilhelm Dietrich von den Reven (f i639). Im Laufe 
des dreissigjährigen Krieges wurde die Burg durch die Hessen und Kaiserlichen 
wiederholt eingenommen; im J. i646 w-ard sie durch die Kaiserlichen unter dem 
Kommandanten Hans Grav neu befestigt. Am Ende des i7. Jh. ist das Schloss im 
Besitz der Freiherren von Velbrück, die im Mannesstamme i776 ausstarben. Das 
Schloss kam durch Heirat an den Freiherm Gerhard Joseph Wilhelm von Mirbach. 
Im J. i795 wurde es durch die Franzosen ausgebrannt. Ein neues Herrenhaus wurde 
erst i832 — 33 durch den Freiherrn Johann Wilhelm von Mirbach erbaut. Der jetzige 
Eigentümer ist der Herr Graf Ernst von Mirbach -Harff. 

Das Schloss (Grundriss Fig. 63) liegt auf der Spitze des zungenartigen Berg- 
rückens, der dem Aresberge gegenüber in die Wupper vorspringt, die seinen Fuss 
bespült: der Mauerring schlies.st sich der Form des Rückens an und bildet ein spitz- 
winkeliges Dreieck. Die Anlage gehört im wesentlichen dem i4. und i5. Jh. an. 

296 



VORST I sS 

Der Zugang geschieht nur von Westen her. Hier ist der Höhenzug von einem 
9 m breiten und noch 5 m tiefen Graben durchschnitten, dessen Wandungen sorgfaltig 
au%emauert sind. Bis zum J. 1800 führte eine Zugbrücke über ihn, seitdem eine ge- 
mauerte Brücke. Das spitzbogige a,6o m breite Portal zeigt noch die Öffnungen für die 
Ketten. Neben dem Eingang erhebt sich die tunuartige Wohnung des Thorwartes D. 

Im Schlosshof liegt nördhch das neue i83a — 1833 errichtete Herrenhaus, an 
das sich nach Westen Wirtschaftsgebäude anschliessen. In dem Neubau in der Mitte 
das Mirbachsche und Wolf- Mette michsche 
Wappen. Das erste Wappen zur Linken 
das gräflich Velbrücksche, darnach das von 
Revensche, das erste Wappen rechts das 
von Galensche, zuletzt das der Schenk von 
Nideggen. Im Süden liegt der älteste Teil 
um die beiden Rundtürme A und B. 

Der .dicke' Turm A mit kolossalen 
Mauern, der eigentliche Bergfrid, hat erst 
i773 sein Dach verloren. Der Zugang ge- 
schah ursprünglich durch eine aussen an- 
gebrachte Treppe, die zum ersten Stock 
führte, das Gewölbe des Erdgeschosses war 
eist von diesem aus zugänglich. Später 
ist zu ebener Erde eine Öffnung einge- 
brochen worden. Der kleine Turm B hatte 
ehemals in der Mauerstärke eine Treppe, 
die zu dem Umgang heraufführte. Von 
dem dazwischen liegenden Palas waren nur 
die Umfassungsmauern und die Reste eines 
Kamines erhalten; im J. i89l bt hier ein 
neuer Festsaal aufgeführt worden. Im 
Westen stösst an den dicken Turm ein spilz- 
bogiges Portal mit zweimal ausgekehlten 
Gewanden an, den Schlufsstein bildet ein 
Engel, der ein Wappenschild hält mit einem 
nach links schreitenden Ross (Fig. 64). In den 
Mauerrcsten des dahinter gelegenen Saales 
noch die alten Fenster mit Ecksitzen erhalten. 

Dem Palas gegenüber nach Norden „. ^ „ ,. „ „ ..=,.,., 

^ ^ Fig. M, Schlau Vom, Pönal im Schlouhaf. 

erhebt sich der viereckige Turm C, sein 

Inneres, mit einer Tonne überspannt, öffnet sich nach dem Schlosshof zu mit einem 
rundbogigen Portal, nach Aussen mit kleinen Fenstern. Eine 65 cm breite Treppe 
führt in der Mauerstarke auf die obere Terasse — die ganze Turmmauer besteht 
aus zwei getrennten Schalen. Die nach Westen anstossende Mauer zeigt nach beiden 
Seiten je zwei spitzbogige Öffnungen, nach dem Hofe zu die eine vermauert. 

Die Umfassungsmauer, die auf der Südseite i,3o m breit ist, folgt dem Zuge 
des Felsengrates. Nach Osten springt sie weit vor und umschliesst hier eine hohe 
Terasse, das rundbogige Thor, das von hier in den Schlosshof führt, ist neu. Nach 
Norden springen zwei viereckige Bastionen vor, die östliche mit den Fimdamenten 
eines Turmes. Ein Graben umzieht in weitem Bogen die äussere Mauer. 



KREIS SOLINGEN 



WALD. 

RÖMISCHE FUNDE. Im J. i869 ein römischer Goldring mit Gemme 
(Viktoria) gefunden, nach Köln verkauft Über einen Ringwall vgl. oben S. lo6, 

EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Mölmann, Sutistik I, S. 4SS. — 
■ V. Recklinghausen, Ref. -Gesch. II, S. 46i. — Binterim u. Mooren, E. K. I, S. i79. 

— PoRSCHKE, Beitr. zur Ge- 
schichte des früheren Amtes 
Solingen III, S. i53. — H. 
A. Hengstenberg, Reforma- 
tions- und Kampfe^eschichte 
von Solingen, Wald und Graf- 
rath, Solingen i857. 

Handschriftl. Qu, Im 
Pfarrarchivr Urk. von i34i, 
1482, 1484, iS94. 

Eine Kirche zu Wald wird 
schon im J- ioi9 durch Erz- 
bischof Heribert der Abtei 
Deutz geschenkt {Lacomblet. 
U B. I, Nr. i53. Bestätigt 
1147: Nr. 357). Zwischen 
i2o8 und I3i6 schenkt der 
Abt von Deutz die Pfarrkirche 
zu Wald dem Kloster Grat- 
rath, das seitdem die Kollation 
Rlr den Pastor hat, wahrend 
der Rittersitz Caspersbroich 
seit iSi7 diese fUr den Vikar 
besitzt. Die Kirche wurde 
schon um l54o von den Re- 
formierten eingenommen. Das 
Langhaus wurde i8l8 abge- 
rissen und an seiner Stelle 
durch den Architekten Fransen 
von Düsseldorf ein Neubau im 

Fig. W. Wild. Die erinteUiche Pbirkitche laD Weh«. Schinkelschen Stil errichtet 

Der kraftige romanische 
Turm (Fig. 65) stammt noch aus dem iz.Jh. Er ist dreistöckig, aussen ganz ver- 
putzt, und zeigt im Obergeschoss je zwei romanische Doppelfenster mit Kelchkapital. 
Eine achtseitige geschweifte Schieferhaube des l8,Jh. schliesst ihn ab. Die Turmhalle 
ist ein Quadrat von 4,3o m Seitenlänge, mit einem schweren alten Gratgewölbe über- 
deckt, in der Mauerstärke führt eine 56 cm breite Treppe empor. Auch das zweite 
Geschoss des Turmes ist mit einem Gratgewölbe überdeckt. 

Das Langhaus, im Inneren mit kassettierter Decke, mit doppelten in zwei 
Stockwerken übereinandergestellten Reihen von kannellierten Säulen, die im Schiff 
jonische, im Chor korinthische Kapitale haben, Ist von bedeutender Wirkung. 

398 



WIESDORF — WITZHELDEN 



127 



Im Garten des Herrn Max Kranen: F'ragment eines Taufsteins des 12. Jh., Evangei. 
1,10 in im Durchmesser, rundes Becken mit Eckköpfen, auf den Seitenflächen Drachen- Tnufticin 
darstellungen in Relief, von der am Niederrhein häufigen Form (Kunstdenkmäler 
d. Kr. Kempen S. 16. — Anzeiger des Germanischen Museums i89i, S. 79). 



isfi 



WIESDORF. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Antonii Eremitae). Binterim u. K«thoi. 
Mooren, E. K. II, S. 246. 

In dem 1264 zuerst genannten Ort (Lacomblet, U B. II, Nr. 546) bestand 
ursprünglich eine einschiffige Kapelle, im J. 1662 erneut, im J. i883 bis auf den Turm 
abgebrochen und durch einen einschiffigen Neubau ersetzt. Der Turm in Back- 
steinen mit roher Nachahmung romanischer Formen. 

Im Inneren Holzstatuetten der hh. Katharina und Sebastian, 85 cm hoch, aus Sutueuen 
dem i5. Jh. 

DOKTORBURG, ehemaliges Haus Büchel (Ober-Büchel). Vgl. v. Me- Doktorburg 
RING, G. d. B. XI, S. i4. 

Im Anfang des 16. Jh. im Besitz der Herren von Zellis, darnach der von Geschichte 
Omphal ; nach Jakob und Bernhard von Omphal, beide Doktoren der Rechte, erhielt 
die Burg ihren Namen. Am Ende d. Jh. im Besitz der Freiherren von Merode; der 
Landkomthur Freiherr von Merode Hess 1682 das neue Gebäude errichten. Der jetzige 
Eigentümer ist Herr Dr. Engels in Mülheim a. Rhein. 

Das Herrenhaus ist ein interessantes Werk der Spätrenaissance, ein zweistöckiger Beschreibung 
Bau mit steilem Walmdach, mit eingebautem sechsseitigen Türmchen, das sich über 
das Dach um ein Stockwerk erhebt und hier mit einem eingeknickten sechsseitigen 
Pyramidendach abschliesst. Die Fenster mit alten Steinkreuzen und kleinen Scheiben. 
Über dem Portal an der dem Hof zugekehrten Schmalseite in Muschel- und Voluten 
einrahmung das Merodesche Wappen von zwei Löwen gehalten mit der Unterschrift: 
EN VERTU GiST MA GLOIRE. An dem Türmchen vier Medaillons mit Reliefköpfen. 



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WITZHELDEN. 



EVANGELISCHE PFARRKIRCHE, v. Mering, G. d. B. X, S. 79. — 
V. Recklinghausen, Ref -Gesch. II, S. 572. — Binterim u. Mooren, E. K. II, S. 246. 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv: Annotationsbuch, darin der Anfang, Fort- 
setzung und (Gott gebe) glückliche Endigung des bey der Evangei. Luther. Gemeinde 
zu Witzhelden angefangenen neuen Kirchenbaues .... behandelt, von Pastor Poll- 
mann i767. — Lagerbuch der Kirche zu Witzhelden mit Chronik vom J. 182 1. 

Eine Kirche, dem h. Heinricus geweiht, bestand hier schon im 12. Jh., im Über 
valoris um i3oo wird sie als Pfarrkirche erwähnt (Binterim u. Mooren, E. K. I, 
S. 439). Die Reformation fand schon um i56o Eingang. Das Langhaus der Kirche 
w^urde i767 abgerissen und i768 — 1769 neu aufgeführt. 

Der Turm stammt noch von dem romanischen Bau des 12. Jh., er ist vier- 
stöckig, zeigt im Oberstock je zwei kleine rundbogige Fenster, in den Laibungen mit 
Tuffsteinen verblendet, und schliesst mit vierseitigem Pyramidendach ab (daher der 
Name ,Stubbeturm*). Die Turmhalle, 4,i5 m im Geviert messend, ist mit einem 



Evangei. 
Pfurrkirche 



Geschichto 



Turm 



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299 



128 



KREIS SOLINGEN 



Evangel. 
Pfarrkirche 



Totenschilde 



Glocken 



Bechhnusen 



schweren Gratgewölbe überspannt. Das Langhaus ist ein schlichter rechteckiger 
Saalbau mit je drei grossen rundbogigen Fenstern auf den Langseiten und hölzernem 
Tonnengewölbe. 

Totenschilde des Junkers Adam von Hücking (t i7o4) und der Charlotta 
Sophia von Hücking, geb. von Bawyr (t i74o). 

Glocken. Die erste von i45i mit den guten Relief bildern des sitzenden Christus 
und eines Heiligen und der Inschrift: jhesus maria heis ich, alle quäl verdrive 

ICH, IN SPE PERPETUAE SALUTIS A. D. MCCCCLI. 

Die zweite von i435 mit der Inschrift: sunt due campane hermanni . . . . 

DUM REXIT ECCLESIAM GOTSCHALCUS PRESBITER ISTAM. S. MAGDALENA CAMPANA 
VOCATA MARIA. A. D. MCCCCXXXV. 

B EG H HAUSEN, ehemaliger Rittersitz, im i5. Jh. den Herren von Quad, seit 
dem i7.Jh. den Herren von Hücking gehörig (v. Mering, G. d. B. X, S. 88), jetzt 
Bauernhof (Nr. 34.S), im Besitz des Herrn Richartz. Zweistöckiger Fachwerkbau, am 
Westgiebel halb mit Brettern, halb mit Schiefer verkleidet. Über der Thür die In- 
schrift: DJE HOCHWOHLGEBOHRENE FREYFRAU VERWITTIBTE VON HÜCKING GEBOHREN 
VON BAWYR UND IHRE SÄMPTLICHE KINDER HABEN DIESSES FREY ADLICHES HAUSS 
ANNO l720 GEBAUT. DEN I2.JULII HIEHIN GESETZT. DER HERR BEHÜTE UNSERN AUSS 
UND EINGANG VON NUN AN BIS IN EWIGKEIT. PSALM 121 V. 8. 




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KARTE 



129 



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Kart« 

der StAdte 

Barmen, ElberFeld, Remscheid 

und der Kreise 

Lennep,MeUmann, Solingen. 

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I. Ortsregister. 



(Die stärkeren Ziffern bezeichnen die Stelle, wo über den Ort im Zusnmmenhange gehandelt wird.) 



Seile 

Abtsküche, Hofgut 69 

Alteburg bei Mettmann 74 

Alteburg bei Richrath 113 

Altenberg 35 

Am Knochenberg, Wallburg 113 

Am Scheid, Kothen 69 

Auf der Lantert, Hof 83 

Barmen 2, 3, iil, 1», 31, 84 

Baumberg .87 

Bechhausen, Rittersitz .... . . 128 

Bergermühle 59 

Beyenburg Bl 

Blombachshof 55 

Bomefeld 50, 58 

Büchel, Haus 127 

Burg 34 

Bürgel 87 

Burgholz 31 

Bürrig 91 

Burscheid 1)2 

Caspersbroich, Haus 106 

Clauberg 120, 122 

Dabringhausen 46 

Dhünn 46 

Doktorburg 127 

Dückenburg, Haus 109 

Dünwald 115 

Dussel 63 

Dussel, Haus 64 

Eisholz 91 

Elberfeld 2, 3, 4, 17 

Engelnberg 19 

Fingscheid, Hof 83 

Fried 106 

Friedensberger Hof 108 

Gräfrath 3, 93, 122 

Graven, Haus 115 

Gross Lafert, Hof 83 

Gruiten 63, 64 



Seite 

Haan 66 

Hackhausen, Haus 107 

Halver 31, 54 

Hardenberg 67, 71 

Heiligenhaus 1, 69, 83 

Hetterscheid, Honschaft 69 

Hilden 66, 106 

Hippenhäuschen 31 

Hollermühle 31 

Hückeswagen 47 

Immigrath 106, 113 

In der Lantert, Hof 83 

In der Olle 31 

Isenbögel 69 

Kattenhäuschen, Kothen 70 

Kattensiepen, Kothen 69 

Kattenturm 82 

Kirschheide 120 

Klein Lafert. Hof 83 

Klüppelholz 83 

Königshof 65 

Konrads Wüste, Hof 31 

Köschenberg, Bauernhof 108 

Kotterhof 108 

Krippenberg 106 

Kronenberg 3, 70 

Küppersteg 107 

Landsberg *31, 83 

Landwehr 106 

Langenberg 71 

Leichlingen 98, 106 

Lennep 3, 50 

Leyensiefen, Schloss 99 

Lüntenbeck, Haus 56 

Lüttringhausen 3, 53 

Lützenkirchen 100 

Mettmann 73 

Mirke 24, 25 

Mondschein, Hof 83 

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l32 STÄDTE BARMEN, ELBERF., REMSCH.; KREISE LENNEP, METTMANN, SOLINGEN 



Seite 

Monheim 101 

Moosbach 70 

Morsbroich, Haus 116 

Müngsten 70 

Neanderthal 74 

Nesselrode, Schloss 100 

Neukirchen 106 

Neviges 77 

Niederlandscheid, Haus 92 

Oberburg 34 

Oefte 80 

Ohligs 106, 113 

Ohlscheider Mark 31 

Ophoven, Rittersitz 105 

Opladen 107 

Rade vorm Wald 31, 64 

Reinshagen 70 

Remscheid 3, 88 

Reusrath 108 

Rheindorf 110 

Rheindorf, Haus ... 111 

Richrath 116, 113 

Ronsdorf 66 

Ronstorpshof 55 

Rupelrath 106 



Seite 

Sandhausen 31 

Schlebusch 116 

Schöller 63, 82 

Schölier, Haus 83 

Solingen 3, 116 

Sonnbom 66, 63 

Steinbüchel 123 

Steinbüchel, Rittersitz 123 

Steinhaus 31 

Urdenbach 87 

Varresbeck, Haus 57 

Velbert 31, 83 

Voigtshof 104 

Vorst 124 

Wald 3, 106, 122, 126 

Wallmichrath, Bauerschaft 71 

Wermelskirchen 67 

Wichlinghusen 14 

Wiesdorf 127 

Windtrath 72. 73 

Witzhelden 127 

Wülfrath 83, 84 

Wupperfeld 14 

Wüstenhof 58 

Zandershof 55 



IL Sammlungen. 



Seite 
Barmen, Samml. des Berg. Geschichtsvereins 16 
Burg, Bergisches Landesmuseum .... 38 
Elberfeld, Samml. des Berg. Geschichtsvereins 28 



Sdtc 



Oefte, Sammlungen des Reichsgrafen von 

der Schulenburg 82 

Wermelskirchen, Sammlung Schumacher 57, 59 



in. Abbildungen im Text. 



Seite 

Fig. 1. Barmen, Das Wichelhaussche 

Haus am Marktplatz 15 

Fig. 2. Elberfeld, Die Burg am Ende 
des 16. Jh., Rekonstruktionszeich- 
nung von G. A. Fischer ... 20 

Fig. 3. Elberfeld, Reformierte Kirche 21 

Fig. 4. Elberfeld, Turm der lutherischen 

Kirche 22 

Fig. 5. Elberfeld, Das Teschemachersche 

Haus in der Mirke 24 

Flg. 6. Elberfeld, Das v. Camapsche Haus 

in der Mirke 25 



Seite 



Fig. 7. Elberfeld, Küsterhaus an der re- 
formierten Kirche 26 

Fig. 8. Elberfeld, Gartenhäuschen in der 

Kampstrasse 27 

Kreis Lennep. 

Fig. 9. Beyenburg, Ansicht der Kloster- 
kirche von Westen 32 

Fig. 10. Beyenburg, Ansicht des Klosters 

von Süden 33 

Fig. 11. Schloss Burg im J. 1715 nach 

der Zeichnung von E. Ph. Ploennies 36 



3o4 



VERZEICHNISSE 



l33 



Seite 
Fig, 12. Scliloss Burg, Rekonstruktionszeich- 
nung von G. A. Fischer ... 37 
Fig. 13. Schloss Burg, Rundturm und Ring- 
mauer vor der Restauration . 39 
Fig. 14. Schloss Burg, Der Palas vor der 

Restauration 40 

Fig. 15. Schloss Burg, Gnindriss des oberen 

Saales im Palas 41 

Fig. 16. Burg, Katholische Pfarrkirche . 43 
Fig. 17. Burg, Gnindriss imd Querschnitt 

der katholischen Pfarrkirche 44 

Fig. 18. Burg, Romanische Kapitale aus der 

katholischen Pfarrkirche .... 45 
Fig. 19. Burg, Säulenstellung im Chor der 

katholischen Pfarrkirche .... 45 
Fig. 20. Hückeswagen, Ansicht des 

Schlosses von Süden 48 

Fig. 21. Hückeswagen, Grundr. d. Schlosses 49 
Fig. 22. Hückeswagen, Portal eines Rokoko- 
hauses 50 

Fig. 23. Lennep, Evangelische Pfarrkirche 52 
Fig. 24. Sonnborn, Haus Lüntenbeck 56 

Fig. 25. Wermelskirchen,DerWüstenhof 58 

Kreis Mettmann. 

Fig. 26. Dussel, Die katholische Pfarr- 
kirche vor der Restauration . 63 

Fig< 27. Dussel, Querschnitt und Grundriss 
der katholischen Pfarrkirche vor 
der Restauration 64 

Fig. 28. Gruiten, Alte katholische Pfarr- 
kirche 65 

Fig. 29. Hardenberg, Ansichtd. Schlosses 68 

Fig. 30. Hardenberg, Grundriss des alten 

Schlosses 69 

Fig. 31. Kronenberg, Wallburg bei 

Müngsten 71 

Fig. 32. Langen berg, Kanzel in der 

evangelischen Pfarrkirche ... 72 

Fig. 33. Mettmann, Wallburg im Neander- 

thal. Situationsplan 74 

Fig. 34. Mettmann, Wallburg im Neander- 

thal. Profil 75 

Fig. 35. Mettmann, Katholische Pfarrkirche 76 

Fig. 36. Mettmann, Taufstein in der kathol. 

Pfarrkirche 77 



Seite 
Fig. 37. Nevig es. Evangelische Pfarrkirche 78 

Fig. 38. Neviges, Franziskanerklosterkirche 79 

Fig. 39. Schloss Oefte 81 

Fig. 40. Schöller, Ansicht des Schlosses 

und der Pfarrkirche 82 

Kreis Solingen. 

Fig. 41. Bürge 1, Grundriss des Kastells . 88 
Fig. 42. Bürgel, Ansicht des Hauses von 

Nordosten 89 

Fig. 43. Bürgel, Matemuskapelle .... 90 
Fig. 44. Bürgel, Taufstein in der Matemus- 
kapelle 90 

Fig. 45. Bürrig, Portal der kathol. Pfarr- 
kirche 91 

Fig. 46. G r ä f r a t h , Ansicht der Pfarrkirche 

von Südwesten 94 

Fig. 47. Gräfrath, Frühgothische Reliquien- 
tafel im Schatz der Klosterkirche 97 
Fig. 48. Gräfrath, Byzantinische Reliquien- 
tafel im Schatz der Klosterkirche 98 
Fig. 49. Monheim, Ansicht der kathol. 

Pfarrkirche 101 

Fig. 50. Monheim, Grundriss der kathol. 

Pfarrkirche 102 

Fig. 51. Monheim, Der Thorturm . 103 

Fig. 52. Monheim, Gmndriss d. Thorturmes 104 
Fig. 53. Reusrath, Bauemhaus . . . . 110 
Fig. 54. Rheindorf, Portal der kathol. 

Pfarrkirche 111 

Fig. 55. Rheindorf, Ansicht von Schloss und 

Kirche 112 

Fig. 56. Grundriss von Haus Rheindorf . 112 
Fig. 57. Haus Rheindorf von Osten. .113 

Fig. 58. Richrath, Ansicht und Grundriss 

des Turmes der Pfarrkirche . .114 
Fig. 59. Solingen, Schieferbekleidung und 

Oberlicht eines Hauses am Westwall 120 
Fig. 60. Solingen, Blaue Seite in der Kirsch- 
heide 121 

Fig. 61. Solingen, Das Bergsche Haus . .122 
Fig. 62. S t ei nbüc hei, Kathol. Pfarrkirche 123 
Fig. 63. Schloss Vorst, Gmndriss . .124 
Fig. 64. Schloss Vorst, Portal im Schlosshof 1 25 
Fig. 65. Wa 1 d , Die evangelische Pfarrkirche 

von Westen 126 



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l34 STÄDTE BARMEN, ELBERF., REMSCH.; KREISE LENNEP, METTMANN, 



SOLINGEN. 



IV. Tafeln. 



Tafel L 



Seite 



Schloss Burg an derWupper, 

Ansicht von Nordwesten ... 37 
Tafel II. Schloss Burg an derWupper, 

Grundriss der ganzen Anlage 41 

Tafel III. Mettmann, Schmfedeeisemes 

Rokokogitter 75 



1^ Seite 
Tafel IV. G r ä f r a t h , Chor der Kloster- 
kirche 95 

Tafel V. Gräfrath, Reliquiare und Mon- 
stranzen im Schatz der Kloster- 
kirche 97 




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Papier von J. W. Zanders in B.Gladbach. 

Lichldrncke von Kömmler u. Jonas in Dresden und B. Kühlen in M.Gladbach. 

Fhototypien von Meisenbach, Kiffarth & Co. in München. 

Autotypien von Angerer & GÖSCHL in Wien. 

Druck von L. Schwann in Dfisseldorf. 



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DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER 



RHEINPROVINZ 



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DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DER 



RHEINPROVINZ 



IM AUFTRAGE DES PROVINZIALVERBANDES 



HERAUSGEGEBEN 
VON 

PAUL CLEMEN 



DRITTER BAND 



m. 



DIE KUNSTDENKMÄLER DES KREISES NEUSS 



^ 



DÜSSELDORF 

DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1895 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



DES KREISES 



NEUSS 



IM AUFTRAGE 



DES PROVINZIALVERBANDES DER RHEINPROVINZ 



HERAUSGEGEBEN 
VON 

PAUL CLEMEN 



MIT f TAFELN UND 67 ABBILDUNGEN IM TEXT 



^ 



DÜSSELDORF 

DRUCK UND VERLAG VON L. SCHWANN 

1895 



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ALLE RECHTE VORBEHALTEN 



VORBEMERKUNG. 

Das Gebiet, das die Denkmälerstatistik mit der Beschreibung der Kunstdenk- 
mäler des Kreises Neuss betritt, ist für die Archäologie, die Provinzialgeschichte und 
die Kunstgeschichte kein unbekannter Boden. Insbesondere für die Stadt Neuss 
liegen eine Reihe wertvoller Untersuchungen vor, die Forschungen des letzten Historio- 
graphen der Stadt, Karl Tücking's, bilden auch für die entsprechenden Abschnitte 
unserer Darstellung die Grundlage. In der eingehenden Beschreibung aller profanen 
und kirchlichen Denkmäler der Stadt Neuss liegt naturgemäss die Hauptaufgabe 
dieses Heftes, daneben sucht es seinen Schwerpunkt in den Abschnitten über Knecht- 
steden und Zons, dessen bedeutende und merkwürdige Befestigungen hier zum ersten 
Male ihre Würdigung finden. 

Der Dank des Verfassers gebührt in erster Linie dem Herrn Redakteur 
Joseph Schmitz in Neuss, der seit dem Beginn der Bereisung des Kreises im 
Jahre i893 die Arbeiten mit unermüdlichem Eifer zu fördern bereit war. Die Revision 
der die Stadt Neuss betreffenden Abschnitte wurde von ihm und Herrn Gymnasial- 
direktor TüCKiNG in der liebenswürdigsten Weise übernommen. Die Vorarbeiten 
wurden wirksam gefördert durch das Entgegenkommen des Königlichen Landrates 
des Kreises Neuss, Herrn Freiherrn von Schorlemer. 

Über die von dem Provinzialmuseum zu Bonn unternommenen Ausgrabungen 
des Römerlagers bei Neuss wurde der Kommission für die Denkmälerstatistik durch 
den Direktor des Provinzialmuseums, Herrn Professor Dr. Klein, ein ausführlicher 
Bericht zur Verfügung gestellt, der auf Seite 53 — 62 wörtlich abgedruckt ist. Ein- 
gehende Mitteilungen über römische und fränkische Funde in und bei Neuss, ins- 
besondere über frühere Entdeckungen innerhalb der Stadt Neuss verdankt der 
Unterzeichnete Herrn Constantin Koenen in Neuss, der seine ausgedehnten Lokal- 
kenntnisse mit rühmenswerter Liberalität in den Dienst des Unternehmens stellte. 

Herrn Hauptmann E. von Uidtman in Spandau ist der Unterzeichnete für 
wertvolle Notizen über die Rittersitze des Kreises zu lebhaftem Danke verpflichtet. 
Bei den Aufnahmen und Untersuchungen in der Stadt Neuss erfreute sich der 
Bearbeiter der Unterstützung des Herrn Bürgermeisters Tilmann, des verstorbenen 
Herrn Oberpfarrers Juncker, des Herrn Stadtbaumeisters Thoma, des Herrn Regie- 
rungsbaumeisters Busch und des Herrn Amtsgerichtsrats Strauven, jetzt in Rem- 
scheid. Weiterhin gebührt der besondere Dank des Verfassers dem Herrn Freiherr 



VI VORBEMERKUNG 

VON DER Leyen - Bloemersheim ZU Haus Meer, dem verstorbenen Herrn Dr. med. 
Sels zu Neuss, Herrn Staatsarchivar Dr. Ilgen zu Münster, den Herren Dr. Ludwig 
Scheibler und Dr. Armin Tille in Bonn, dem Herrn Heinrich Werhahn zu 
Dyckhof, den Herren Dechant Heimbach zu Dormagen, Pfarrer Kluth zu Udes- 
heim, Schmitz zu Straberg, Savels zu Heerdt, Rumpen zu Nievenheim, Hacken- 
berg zu Kaarst, Dr. Kirschbaum zu Büderich, Pfarrverweser Koerner zu Zons. 

Die Abbildungen Nr. i, 2, 4, 12, i3, 32, 42—48, 5o— 53, 57, 59—62, 65—67 
sind nach Zeichnungen des Königlichen Landbauinspektors, jetzigen Dombaumeisters 
zu Strassburg, Herrn Arntz, angefertigt, Nr. 3, 5, 6, 11, i4, 16, i7, 21, 23, 2?, 29, 
33, 54, 55, 58, 63 nach Zeichnungen des Herrn Hugo Leven in Düsseldorf, Nr. 7—9 
und Tafel HI nach Aufnahmen des Herrn Const antin Koenen in Neuss, Nr. i5, 
18 — 20, 22 nach Aufnahmen des Herrn Architekten Heinrich Wiethase (f) in Köln, 
Nr. 35 — 4o und Tafel IV nach von Herrn Regierungsbaumeister Julius Busch in 
Neuss, Nr. 24 — 26 nach von Plerm Maler Joseph Renard in Kevelaer gütigst zur 
Verfügung gestellten Aufnahmen, Nr. 34 und 4i nach Aufnahmen der unter der 
Leitung des Herrn Geheimen Baurates Dr. Meydenbauer stehenden Messbildanstalt 
Die Tafel I ist nach einer Aquarellaufnahme der Herren Maler Ehrich und Döringer 
in Düsseldorf in der Kunstanstalt von B. Kühlen in M.- Gladbach hergestellt, die 
Lichtdrucke Tafel V — VH entstammen derselben Kunstanstalt. Die Karte hat Herr 
Landmesser Heinrich Künkler in Bonn angefertigt. 

Der Kreisausschuss des Kreises Neuss hat in Würdigung des dauernden Nutzens 
der vorliegenden Veröfientlichung einen nicht unerheblichen Beitrag zu den Kosten 
bewilligt. 

Bonn, im November i895. 

PAUL CLEMEN. 



EINLEITUNG. 



Der Kreis Neuss umfasst das westliche Uferland des Rheines von Büderich bis 
Dormagen; seine Grenzen bilden im Norden der Kreis Krefeld, im Westen die Kreise 
Gladbach und Grevenbroich, im Süden die zum Regierungsbezirk Köln gehörigen 
Kreise Köln (Land) und Bergheim; gegenüber, auf dem rechten Rheinufer, liegen die 
Kreise Düsseldorf und Solingen. Er umfasst die Stadt Neuss nebst 21 Landgemeinden 
und hat eine Einwohnerzahl (i89o) von 54588 Seelen. 

Das Gebiet des Kreises Neuss tritt zuerst um die Mitte des i . Jahrhunderts 
n. Chr. in die Geschichte ein. Damals erhob sich ungefähr an der Grenzlinie, die das 
Gebiet der Sigambrer von den Siedelungen der Ubier schied, auf einer leisen Boden- 
erhebung bei der Mündung der Erft in den Rhein, zwischen den jetzigen Orten 
Neuss und Grimlinghausen, ein römisches Standlager, das erst der sechzehnten, dann 
der sechsten Legion als Quartier diente, die festeste Stütze der Römerherrschaft am 
Rhein zwischen Köln und Xanten. Das Lager, das durch die Ausgrabungen der 
letzten Jahrzehnte in seinem ganzen Umfange wieder aufgedeckt worden ist, war schon 

während des Bataveraufstandes im Jahre 7o n. Chr. einmal zerstört, aber sofort wieder 

• 

aufgebaut worden. Im Laufe des dritten und vierten Jahrhunderts, als nur noch eine 
Ala im Lager stand, verlor der Platz allmählich seine Bedeutung. Dafür erscheint 
eine halbe Stunde weiter nördlich die civitas Novaesium, in die wahrscheinlich im 
4. Jahrhundert die Garnison von dem Standlager verlegt wurde. Bei dem Einbruch 
der Franken im Jahre 355 wird der Ort den Römern entrissen, vier Jahre später 
zwar noch einmal von Kaiser Julian zurückerobert und neu befestigt, aber um die 
Wende des Jahrhunderts werden die Römer für immer vom Niederrhein verdrängt, das 
alte römische Standlagei; verschwindet gänzlich und auf den Trümmern des römischen 
Neuss erhebt sich eine Niederlassung der Eroberer, deren Mittelpunkt der fränkische 
Salhof büdet 

Von dieser Zeit an gehört unser Gebiet zu dem fränkischen Herzogtume Ri- 
puarien und bildet den Hauptstock des Nievenheimergaues, an den sich sildlich'der 
Kölngau anschliesst. Um die Mitte des 9. Jahrhunderts entsteht unter den karolin- 
gischen Königen neben dem Salhof eine geistliche Kongregation, das spätere Quirinus- 
stift, das freilich seinen Namen erst seit dem 3o. April io5o führt, an dem in feier- 
licher Prozession die Reliquien des Heiligen, als Geschenk des Papstes Leo IX., in 
die Kirche gebracht wurden. Neuss war eine der ältesten Pfarreien der Kölner 
Diözese, ursprünglich der kirchlichen Gerichtsbarkeit des Dompropstes unterstellt, bald 
aber der Vorort eines eigenen Archidiakonates, das bis zur Gründung des Dekanats 

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3o9 



2 EINLEITUNG 

Düsseldorf im Jahre 1621 auch das angrenzende rechtsrheinische Gebiet umfasste. Zur 
Zeit decken sich die Grenze des Dekanates und des Landkreises Neuss. 

Die Schicksale, des Kreises sind eng verknüpft mit den wechselvollen Schicksalen 
seiner Hauptstadt Neuss, die nach der Zerstörung durch die Normannen im Jahre 881 
aus den Trümmern neu erstand. Kurz nach der Mitte des 1 1. Jahrhunderts finden 
wir Neuss im Besitz des Erzbistums Köln; der Erzbischof Anno giebt der Stadt eine 
freie Verfassung, die für die Entwicklung des bürgerlichen Lebens die Grundlage schafft. 
Um den ehemaligen Salhof, dessen Stelle jetzt die erzbischöfliche Burg einnimmt, und 
das Quirinusstift bildet sich rasch ein blühendes Gemeinwesen. 

Das 12. Jahrhundert sieht auch hier wie in der benachbarten Grafschaft Berg 
einen regen Baueifer. Die kleinen romanischen Pfarrkirchen zu Büderich, Büttgen, 
Dormagen, Gohr, gehören zu der grossen Gruppe romanischer Kirchen im Bergischen, 
die wohl zumeist durch das Vorbild der Kirche zu Kaiserswerth beeinflusst wurden. 
Um die Mitte des Jahrhunderts wächst in Knechtsteden der ernste Bau der Prämon- 
stratenserklosterkirche empor, baugeschichtlich ein Eindringling, der sächsische und 
kölnische Elemente in sich vereinigt. Erst am Beginn des nächsten Jahrhunderts wird 
dann das grösste Werk der ausgehenden romanischen Baukunst am Niederrhein, das 
Münster St. Quirin zu Neuss, in Angriff genommen — die individuellste und eigen- 
willigste Schöpfung des Übergangsstiles, ganz alleinstehend unter allen Kirchen des 
Rheinlandes durch den riesigen querschiffartigen Westbau, der dem stattlichen Turm 
als Unterbau dient Der Architekt der Kirche, der Meister Wolbero, ist einer der aus- 
•gezeichnetsten Künstler der Zeit. 

Was an Werken der Gpthik in dem gleichen Gebiet entstand, kann sich mit 
den romanischen Bauten in keiner Weise messen. Nur auf dem Felde der Profan- 
baukunst hat das 1 4. Jahrhundert etwas dem i3. Ebenbürtiges hinterlassen. In Zons, 
das bisher ein kleines Dorf gewesen, erbaute der Erzbischof Friedrich von Saarwerden 
im Jahre i372 eine Burg, die er Fridestrom nannte, und befestigte den Ort selbst mit 
starken Mauern und Türmen. Der ganze Mauerring, aus einem Guss geschaffen, giebt 
heute noch ein glänzendes Bild einer befestigten Anlage des ausgehenden 1 4. Jahr- 
hunderts und bildet das architektonisch wichtigste und zugleich malerischste Denkmal 
der Fortifikationskunst in der ganzen Rheinprovinz. 

Die Befestigung von Zons war nur eine Folge der Verlegung des Rheinzolles 
von Neuss nach Zons durch den Erzbischof, und diese Verlegung des Zolles bildete 
nur ein Glied in den Streitigkeiten zwischen der übermächtig und übermütig gewordenen 
Stadt und ihrem Herrn. Die Zwistigkeiten führten endlich zu dem Burgundischen 
Kriege und der denkwürdigen Belagerung der Stadt durch Karl den Kühnen, den 
Herzog von Burgund. Vom 29. Juli i474 bis zum 26. Juni i475 dauerte die Ein- 
schliessung, während deren die Stadt 56 Stürme des gewaltigsten Heerführers seiner 
Zeit abschlug, t>is sie endlich in der höchsten Not durch Kaiser Friedrich IH. entsetzt 
wurde. Diese heldenmütige Gegenwehr, die das ruhmreichste Kapitel in der Geschichte 

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EINLEITUNG 3 

von Neuss bildet, hatte nicht nur die Stadt gerettet; Neuss war zum Bollwerk des 
Erzbistums und des ganzen deutschen Reichs geworden und hatte dem weiteren Vor- 
dringen des Burgunderherzogs Halt geboten. Der Kaiser ehrte die Stadt, in An- 
betracht, „wie gar ritterlich imd manlich unser und des reichs lieben getreuen burger- 
meister, scheffen, rathe und gemeinde der statt Neuss den herzogen von Burgundi mit 
gewaldt widderstanden sein, desgleichen in langer tzeit nimmer erhört ist" — durch 
die Erteilung schätzbarer Privilegien: noch heute führt sie mit berechtigtem Stolz 
den zweiköpfigen kaiserlichen Adler im Wappen, den ihr Friedrich III. verlieh. Die 
auf dem Markt errichtete eherne Bildsäule des Kaisers, die das Gedächtnis der Belage- 
rung und der Entsetzung der Stadt verewigen sollte, ist am 6. Oktober i794 durch die 
Franzosen niedergeworfen worden und musste einem Freiheitsbaume Platz machen. 

Die erschöpfte Stadt erholte sich nur schwer von den Schäden, die ihr die Be- 
lagerung zugefügt hatte. Dreihundert Gebäude waren ein Raub der Flammen geworden, 
die Klöster vor den Thoren waren zerstört, von den Mauertürmen waren siebzehn 
niedergeworfen worden. Das flache Land war weithin verwüstet, die Dörfer waren 
verödet, die Kirchen verbrannt. Erst im Anfang des 1 6. Jahrhunderts kam für die 
Stadt eine Zeit der neuen wirtschaftlichen Blüte. Mit dem Ende des 1 6. Jahrhunderts 
aber beginnt eine fast zwei Jahrhunderte umfassende Periode, in der die Belagerungen, 
Besetzungen und Eroberungen einander folgten und den alten Wohlstand von Neuss 
gänzlich brachen. Hinter einander lasteten der Truchsessische Krieg, der dreissig- 
jährige Krieg, der zweite Raubkrieg Ludwig XIV. und der spanische Erbfolgekrieg 
mit ihren Schrecknissen auf der Stadt. 

Im Truchsessischen Kriege wurde die Stadt zuerst am ii. Mai i585 von dem 
Grafen Adolph von Neuenar, dem kühnen Parteigänger des abgesetzten Kurfürsten 
Gebhard Truchsess, erobert, um im nächsten Jahre, am lo. Juli, dem Kurfürsten Ernst 
von den Spaniern unter Alexander Famese, dem Herzog von Parma, zurückgewonnen 
zu werden. Die Befreier hausten noch fürchterlicher als die ersten Eroberer: mit der 
Besatzung wurde auch die Bürgerschaft niedergemetzelt; zuletzt wurde die Stadt in 
Brand gesteckt und fast gänzlich niedergebrannt. Nur wenige der älteren Häuser 
haben die grosse Feuersbrunst überstanden. Der Stich von Hogenberg, der den 
grossen Brand darstellt, trägt die Unterschrift: 

Nach dem Neus erobert war, 

Jamer, EUendt erhub sich dar, 

Die Stat geplündert, angezundt, 

Die Mannerr gdodt und eilend verwont, 

Was uberbleib in solcher Nodt, 

Mostens ir selbst rensonen vortt. 

O Neus wie gar bistu vei^ehn, 

Das nur weinig Huser in dir stehn. 

Die Armut der Stadt war so gross, dass sie aus eigenen Mitteln die öffentlichen 

Gebäude und die Befestigungen nicht wiederherstellen konnte. Der Kurfürst musste 

Kollekten im ganzen Lande gewähren, die volle zehn Jahre hindurch andauerten. 

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4 EINLEITUNG 

Am Ende des dreissigjährigen Krieges, im Jahre i642, wurde die Stadt nach, 
dreitägigem Widerstand von dem weimarisch -französischen Heere miter dem General 
Guebriant, der den kaiserlichen General Lamboy bei Kempen geschlagen hatte, ein- 
genommen und wurde nun der Hauptwafifenplatz der hessischen Truppen, die von 
hier aus ihre Streifzüge durch das kölnische Erzstift unternahmen. Neun Jahre 
hindurch hatte Neuss unter der hessischen Besatzung zu leiden, die erst im Jahre 
i65i abzog. 

Zwanzig Jahre später war Neuss das Hauptzeugamt und die Garnison der 
Franzosen, mit denen sich der Kurfürst Maximilian Heinrich gegen die Generalstaaten 
der Niederlande verbündet hatte. Unter dem Ingenieur Dufhus wurde die Stadt in 
eine starke Festung nach dem Vaubanschen System verwandelt, vor dem Oberthor 
eine Citadelle angelegt. Wieder wurde das flache Land verwüstet, wurden die Dörfer 
ausgeraubt — als der Kurfürst am 3i. Mai i672 bei Holzheim mit Ludwig XIV. 
zusammentraf, brach er in Thränen aus über die Verödung seines Gebietes. Hinter- 
einander hatte jetzt Neuss erst eine kurkölnische, dann eine französische, eine branden- 
burgische, eine holländische Garnison zu ertragen, bis der Frieden von Ryswick im 
Jahre i697 der Stadt eine kurze Ruhe schuf. 

Nach wenigen Jahren schon lag wieder eine französische Garnison in der Stadt 
Der spanische Erbfolgekrieg war ausgebrochen, wieder hatte der Kölner Kurfürst ein 
Bündnis mit den Franzosen geschlossen. Erst 1 7o3 zogen diese ab und machten einer 
preussischen Besatzung Platz, die bis zum Friedensschlüsse im Jahre i7i4 Neuss be- 
setzt hielt Der Reichtum der Stadt war vernichtet, ihr Handel lahm gelegt, das ganze 
1 8. Jahrhundert hindurch blieb sie eine einfache Landstadt, Ackerwirtschaft und Vieh- 
zucht bildeten die hauptsächlichsten Nahrungsquellen. 

Am 4. Oktober i794 zogen die Truppen der französischen Republik unter dem 
General Bemadotte in Neuss ein; zwei Tage später war das Kurfürstentum Köln 
zertrümmert. Bis zum Januar des Jahres i8i4 dauerte die Herrschaft der Franzosen. 
Am 1 4. Januar marschierten sie über Jülich ab, am nämlichen Tage ritten die ersten 
Kosacken in die Stadt ein. Durch zwei Jahre hindurch führte das provisorische 
Generalgouvernement die Verwaltung, mit dem Beginn des Jahres i8i6 traten die 
Königlichen Regierungen ein und Neuss wurde dem neugegründeten Regierungsbezirk 
Düsseldorf zugeteilt. 

Bis zum Zusammenbruch des Kurfürstentums Köln hatte das Gebiet des jetzigen 
Kreises Neuss sich aus Stücken der kölnischen Erbvogtei und der kölnischen Ämter 
Linn, Liedberg und Hülchrath zusammengesetzt. Zur Erbvogtei gehörten: Neuss mit 
Neusserfurth und Gnadenthal, Zons mit Heckhof und Stürzelberg, Horrem, Uedes- 
heim und Grimlinghausen; zum Amte Linn: Heerdt mit Niederkassel, Büderich mit 
Kloster Meer, Kaarst mit Lauvenburg und Maubis; zum Amte Liedberg: Holzheim; 
zum Amte Hülchrath: Nievenheim, Straberg, Hackenbroich, Knechtsteden, Rosellen, 
Norf, Glehn, Lüttgenglehn, Büttgen, Grefrath, Eppinghoven, Rommerskirchen mit GUI, 

3l2 



EINLEITUNG 5 

Vanikum, Sinsteden, Eckum, Nettesheim mit Anstel, Frixheim und Butzheim. Im 
Jahre i798 wurden die linksrheinischen Gebiete zum Roerdepartement vereinigt, Neuss 
wurde zum Arrondissement Krefeld geschlagen und bildete den Hauptort des gleich- 
namigen Kantons. Bei der Bildung des Regierungsbezirks Düsseldorf im Jahre 1816 
erhielt der Landkreis Neuss den ganzen ehemaligen Kanton Neuss, bestehend aus 
den Gemeinden Neuss, Grimlinghausen, Norf, Glehn, Büderich, Büttgen, Holzheim, 
Heerdt, Kaarst, Grefrath; dazu kamen von dem bis dahin zum Arrondissement Köln 
gehörigen Kanton Dormagen die Gemeinden Nettesheim, Dormagen, Zons, Nieven- 
heim und Rommerskirchen. Die Einteilung ist bis heute nicht verändert worden. 

Die ganze östliche Hälfte des Kreises besteht aus Alluvium, der Boden ist zum 
Teil erst vor wenig Jahrhunderten dem Rheine abgewonnen. Der Strom bespülte 
früher die Mauern von Neuss und wälzte seine Fluten hart hinter Zons vorbei — an 
dem Ecktürmchen der Zonser Befestigung sind noch die Rillen sichtbar, die durch die 
Seile der Schiffschlepper allmählich in den harten Stein gegraben worden sind. Noch 
früher, bis zum 1 3. Jahrhundert, floss der Rhein von Baumberg aus direkt auf Urden- 
bach zu, und Bürgel, das jetzt zum Kreise Solingen gehört, lag auf dem linken Rhein- 
ufer. Von Süden und von Westen her schneiden in dieses Gebiet drei Zungen von 
Diluvialbildungen, aus Lagen von Gerolle, Sand, Lehm und L^>ss bestehend, ein, die 
eine nördlich von der Erft bis Grefrath und Holzheim reichend, die beiden anderen 
südlich der Erft bis nach Sinsteden und Gohr ausgreifend und nur durch den Gilbach 
getrennt Hausteinbrüche sind im Kreise nirgends zu finden. Das Baumaterial, das 
hier zur Verwendung kam, war darum fremdes; in der Römerzeit Geschiebe, Tuff, 
Thonschiefer und Grauwacke; in der Periode der romanischen Baukunst zumeist Tuff, 
Trachyt und Basalt, die von dem mittleren Rheine beschafft wurden; vom 1 4. Jahr- 
hundert ab endlich herrscht auch hier wie in den nördlichen Kreisen fast ausschliess- 
lich der Backsteinbau. 



LITTERATUR. 

I. Allgemeine Darstellungen. M. Merian, Topographia archiepiscopatuum 
Moguntinensis, Trevirensis et Coloniensis, Frankfurt i646. — W. Teschenmacher, 
Annales Cliviae, Juliae, Montium, Marcae, Westphalicae, Ravensbergae, Geldriae et 
Zutphaniae, Frankfurt und Leipzig i72i. — J. Th. Brosius, Juliae Montiumque comi- 
tum marchionum et ducum annales, 3 Bde., Köln i73i. — A. Borheck, Archiv für 
die Geschichte, Erdbeschreibung, Staatskunde und Altertümer der deutschen Nieder- 
Rheinlande, Elberfeld 1800. — Ders., Bibliothek für die Geschichte des niederrheinischen 
Deutschlands, Köln 1801. — Ders., Geschichte der Länder Kleve, Mark, Jülich, Berg 
und Ravensberg, Duisburg 1800. — J. G. Dielhelm, Rheinischer Antiquarius, oder 
ausführliche Beschreibung des Rheinstroms . . ., Frankfurt i776. — F. E. v. Mering, 
Geschichte der Burgen, Rittergüter, Abteien und Klöster in den Rheinlanden, Köln 

3i3 



Cl EINLEITUNG 

i833 — 1844, 12 Hefte. — Jos. Strange, Beiträge zur Genealogie der adligen Ge- 
schlechter, 3 Bde., Köln i864— 1869. — A. Fahne, Geschichte der Kölnischen, Jülich- 
sehen und Bergischen Geschlechter, 2 Bde., Köln i848. — Ders., Geschichte der 
westfälischen Geschlechter, Köln i858. — Ders., Die Dynasten, Freiherren und jetzigen 
Grafen von Bocholtz, 4 Bde. in 6 Abteilungen, Köln i856 — 1863. ^- Ders., Forschungen 
auf dem Gebiete der rheinischen und westfälischen Geschichte, 5 Bde. in 8 Abteilungen, 
Köln i864 — 1876. — Ders., Denkmale und Ahnentafeln in Rheinland und Westfalen, 
Köln i876 — 1883, 6 Bde. — Ders., Chroniken und Urkundenbücher hervorragender 
Geschlechter, Stifter und Klöster, Köln 1862 — 1880, S Bde. 

Die preussische Rheinprovinz in drei Perioden ihrer Verwaltung, Köln 181 7. — 
Benzenberg, Über Provinzial -Verfassung mit besonderer Rücksicht auf die vier Länder 
Jülich, Cleve, Berg und Mark, Hamm 181 9. — Neigebaur, Darstellung der provi- 
sorischen Verwaltungen am Rhein vom Jahre 181 3 — 181 9, Köln 1821. ^- J. A. Demian, 
Geographisch -statistische Darstellung der deutschen Rheinlande nach dem Bestände 
vom I. August 1820, Koblenz 1820. — v. Restorff, Topographisch -statistische Be- 
schreibung, der preussischen Rheinprovinzen, Berlin i83o. — v. Viebahn, Statistik und 
Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf, Düsseldorf i836. — P. W. Mebus, 
Geographisch -statistische Beschreibung der Kgl. Preuss. Rheinprovinz, Elberfeld i84i. 

— Ders., Statistische Beschreibung der Kgl. Preuss. Rheinprovinz, Köln i845. — von 
M ULM ANN, Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf, 2 Bde., Iserlohn i864 — 186 7. 

— Mitteilungen über die Verwaltung des Kreises Neuss im Jahre i843. — Seul, 
Statistische Darstellung des Kreises Neuss, Neuss 1866. — F. J. Löhrer, Geschichte 
der Stadt Neuss von ihrer Gründung an bis jetzt, Neuss i84o. — K. TOckino, Ge- 
schichte der kirchlichen Einrichtungen in der Stadt Neuss, Neuss 1886 — i89o. — 
Ders., Geschichte der Stadt Neuss, Neuss i89i. 

2. Römisch-germanische Urgeschichte. H. S. van Alpen, Das fränkische 
Rheinufer, was es war und was es jetzt ist, Köln 1802. — A. C. Minola, Kurze Dar- 
stellung dessen, was sich unter den Römern Merkwürdiges am Rheinstrom er- 
eignete, Köln 18 16. — M. F. Essellen, Geschichte der Sigambrer, Leipzig 1868. — 
Jacob Schneider, Neue Beiträge zur alten Geschichte und Geographie der Rhein- 
lande, Düsseldorf 1860 — i89o, Heft i — 14. — Ders., Die alten Heer- und Handels- 
wege der Germanen, Römer und Franken im deutschen Reiche, Düsseldorf 1882 bis 
i89o, Heft i — 9. — A. Rein, Gelduba, das heutige Gellep oder Gelb, und die nächsten 
Rheinkastelle der Römer, Krefeld i85i. — Ders., Haus Bürgel, das römische Burun- 
gum nach Lage, Namen und Altertümern: Programm der höheren Stadtschule zu 
Krefeld i85S. — Ders., Die römischen Stationsorte und Strassen zwischen Colonia 
Agrippina und Burginatium, Krefeld i857. — F. Stollwerck, Die altgermanische 
Niederlassung und römischer Stationsort Asciburgium, Burgfeld -Asberg bei Moers, 
Ordingen i879. — T. Bergk, Zur Geschichte und Topographie der Rheinlande in 
römischer Zeit, Leipzig 1882. — A. G. W. Ramaer, Claudius Civilis in zijne worsteling 

3i4 



, EINLEITUNG / 

met de Romeinen: Ber. v. h. Historisch Genootschap te Utrecht II. ser. Bd. IL — 
G. EcKERTZ. Die Ausdehnung des fränkischen Ripuarlandes auf der linken Rhein- 
seite: Programm des Friedrich Wilhelm -Gymnasiums zu Köln i854. 

3. Zur Territorialgeschichte. Michael ab Isselt, De hello Colonicnsi 
libri quattuor, hoc est rerum ab electione Gebhardi Truchsesii in archiepiscopum 
Coloniensem gestarum enarratio, Köln i584. — Theatrum Europaeum, oder ausführ- 
liche und wahrhaftige Beschreibung aller und jeder denkwürdigen Geschichten, so 
sich hin und wieder in der Welt, fürnemblich aber in Europa und Teutschlanden, 
sowohl im Religion- als Profanwesen vom Jahre Christi 1 6 1 7 zugetragen hat, beschrieben 
durch JoH. Phil. Abelinum, Frankfurt 1 66a ff., 21 Bde. — Schauplatz des Krieges, 
aufgerichtet in den vereinigten Niederlanden durch die Waffen der Könige von Frank- 
reich und England, Kölnische und Münsterische Bischöfe, Amsterdam i675, 4 Bde. 

— W. Thummermuth, Krumstab schleust Niemandt auss; das ist: Documenta Stiffts 
Cölinischer Erb und Kunckel Lehen, i632. — Erb -Landts Vereinigung des Rheinischen 
Ertz- Stiffts Collen welche im Jahr Christi i463 auffgericht, und nachgehendts im Jahr 
i55o . . . ernewert, o. J. — Vollständige Sammlung deren die Verfassung des hohen 
Erzstifts Colin betreffender Stucken, mit denen benachbahrten hohen Landes -Herr- 
schaften geschlossener Concordaten und Verträgen, 2 Bde., Köln i772. — F. E. von 
Mering, Beiträge zur Geschichte der ehemaligen Churkölnischen und Alt -Stadt- 
kölnischen Verfassimg bis i798 als dem Einführungsjahre der französischen Gesetz- 
gebung, Köln l83o. — J. H. Hennes, Der Kampf um das Erzstift Köln zur Zeit der 
Kurfürsten Gebhard Truchsess und Ernst von Bayern, Köln i878. — M. Lossen, Der 
Kölnische Krieg, Vorgeschichte i56S — i58i. Gotha 1882. — F. E. von Mering und 
L. Reischert, Die Bischöfe und .Erzbischöfe von Köln, 2 Bde., Köln 1 84 2 — 1 844. 

— L. Ennen, Der spanische Erbfolgekrieg und der Kurfürst Joseph Clemens von 
Köln, Jena 1 85 1. — Ders., Frankreich und der Niederrhein, oder Geschichte von 
Stadt und Kurstaat Köln seit dem 3ojährigen Kriege bis zur französischen Occupation, 
Köln i855 — 18S6, 2 Bde. — E. P. E. Cronenberg, Geschichte der Erzdiözese Köln 
während der letzten 120 Jahre, Aachen 1882. 

Im übrigen zu vergleichen die Litteraturverzeichnisse zu Neuss, Dormagen, Zons 
und zu den Kunstdenkmälem des Kreises Düsseldorf. 



3i5 



8 EINLEITUNG 

ABKÜRZUNGEN 

für die häufiger genannten Werke. 

Lacomblet, ÜB. — Th. J. Lacomblet, Urkundenboch für die Geschichte des Niederrheins, Dttssel- 
dorf 1840—1857, 4 Bde. 

Binterim u. Mooren, E. K. — Binterim n. Mooren, Die alte und neue Erzdiöcese Köhi, in Dekanate 

eingeteilt, Mainz 1828—1890, 2 Bde. Die 2. Aufl. unter dem Titel: Die Erzdiöcese Köln bis 

. zur französischen Staatsumwälzung, bearbeitet von Alb. Mooren, 2 Bde., Düsseldorf 1892 — 1893. 

4 

Binterim u. Mooren, D. C. — Binterim u. Mooren, Rheinisch -westiÜlischer diplomatischer Codex, 
Mainz 1880, 2 Bde. 

V. Recklinghausen, Ref.-Gesch. — y. Recklinghausen, Reformationsgeschichie der Länder Jülich, 
Berg, Cleve, Meurs, Mark, Westfalen, Bd. I-III, 1818—1887. 

B. J. — Jahrbücher des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, I (1841) — XCVII (1895). 

Ann. h. V. N. — Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein, I (1855) — LIX (1895). 

Berg. Zs. — Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, I (1869) — XXX (1894). 

Berg. Mon. — Monatsschrift des Bergischen Geschichts Vereins, I (1894). 

Westföl. Zs. — [Westfälische] Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde, I (1888) 
bis LI! (1894). 

Picks Ms. — Monatsschrift für rheinisch-westfälische Geschichtsforschung und Altertumskunde, heraus, 
gegeben von Richard Pick, I u. II (1875, 76). — Monatsschrift für die Geschichte Westdeutsch- 
lands, herausgegeben von dems., 111(1877) — VII (1881). 

Wd. Zs. — Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst, herausgegeben von Hettner und 
. Lamprecht, I (1882) — X (1891), von Hettner u. Hansen, XI— XIII (1894). 

Lacomblet, Archiv. — Archiv für die Geschichte des Niederrheins, I (1882), II (1857), III (1860), 
IV (1868), V (1865), herausgegeben von Lacomblet, NF. I (1868), II (1870), herausgegeben 
von Harless. 

Nrh. — Der Niederrhein. Wochenblatt für niederrheinische Geschichte und Altertumskunde, 1878, 
1879, 1884—1886. 

Nrh, G. — Niederrheinischer Geschichtsfreund, I (1879) —VI (1884). 

Aus'm Weerth, Kd. — £. aus'm Weerth, Kunstdenkmäler des christlichen Mittelalters in den Rhein- 
landen, Leipzig 1857—1868, 5 Bde. Tafehi und Text. 

Brambach, C. I. R. — W. Brambach, Corpus inscriptionem Rhenanarum, Elberfeld 1867. 

V. Mering, G. d. B. — F. £. v. Mertng, Geschichte der Burgen, Ritlergüter, Abteien und Klöster 
in den Rheinlanden und den Provinzen Jtilich, Cleve, Berg und Westfalen, 12 Hefte, 
Köln 1888—1861. 




3l6 



BÜDERICH. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Mauritii). Seul, Kreis Neuss 
S. i7. — BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 261, 275. 

Der Ort wird zuerst im 11. Jh. erwähnt (Botreche: Lacomblet, UB. I, Nr. 257). 
Eine Kirche entstand kurz nach dem J. 1200 (in der Urk. von 1201 bei Lacomblet, 
UB. II, Nr. I noch nicht genannt, im über valoris um i3oo schon als Pfarrkirche auf- 
geführt). Das alte Langhaus wurde i837 abgebrochen und durch einen unschönen 
Backsteinbau ersetzt. Die Kirche brannte im J. i89i ab; das Langhaus wurde ganz 
abgebrochen, der interessante Turm allein zur Kennzeichnung der Stelle der alten 
Kirche erhalten. Der Neubau, nach Plänen des Architekten Ross in Köln ausgeführt, 
erhebt sich weiter westlich. 

Der von der alten Kirche stehen gebliebene mächtige vierstöckige aus Tuff 
aufgeführte Turm zeigt in den oberen drei Geschossen eine Gliederung durch Ver- 
tikallisenen, die einzelnen Felder sind im obersten Stockwerk durch einen Rundbogen- 
fries von fünf Bögen, im dritten durch einen solchen von zwei Bögen geschlossen; 
im obersten Stockwerk ausserdem je zwei romanische Doppelfenster. Das Erdgeschoss 
ist bei dem Umbau des J. i837 verändert, an Stelle des alten abgetreppten West- 
portales ist eine schwere rundbogige Einrahmung von Trachyt getreten; der alte 
niedrige halbrunde Bogen, der sich nach dem Mittelschiff zu öffnete, ist erhalten; das 
Gewölbe der Turmhalle ist ausgebrochen. 

Glocken in der neuen Kirche: Die grösste mit der Inschrift: ad gloriam 

SANCTISSIMAE TRINITATIS, B. MARIAE V. NEC NON S. MAURITII MARTYRIS PATRONI 
ECCLESIAE CONSECRATUM. LAUDATE DOMINUM IN CYMBALIS BENE SONANTIBUS. D. 
WILHELMO HELPENSTEIN PASTORE. H. H. A TRIER FRATRES ME FECERUNT A. D. l6S5. 

Die kleine mit der Inschrift: Joannes baptista. munif. rev. d. johanni 

INGENRAY DE HÜLS AB ATT. CAMPEN. JAN JOLHUIS ME FECIT l5S6. 



Kftthol. 
Pfnrrkirche 

Geschichte 



Turm 



Glocken 



BÜTTGEN. 



J. P. Lentzen, Über Büttgen und Kleinenbroich : Ann. h. V. N. XXVIII, 
S. 288. Ders. in der Heimatskunde i879, S. 11. — Weistümer: Lacomblets Archiv I, 
S. 280; II, S. 433; Heimatskunde 1880, S. iio. — Johann von Werth und Büttgen: 
Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i9. — Nrh. G. 1881, S. i43. — Über Henricus deFloribus: 
Nrh. i878, S. 42, I23. — Heimat i875, S. 11, 72. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Aldegundis). 

Der Ort wird schon 102 7 erwähnt (villa que dicitur Budecho: Lacomblet, 
UB. I, N>r. 162). Die Kirche wurde um die Mitte des 12. Jh. erbaut (die Jahreszahl 
II 77 am Turm ist späteren Ursprungs). Schon im Über valoris um i3oo wird die 
Kirche als Pfarrkirche erwähnt (Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 260, 272). Im 



Litterntur 



Kftthol. 
Pfarrkirche 

Geschichte 



3i7 



KREIS NEUSS 



I S. Jli. wurde ein gothischer Chor angefügt. Im Anfang des 1 7. Jh. erfuhr sie eine 
gründliche Wiederherstellung (Jahreszahlen i6oS und i6o7 siehe unten). Nach den 
Zerstörungen im dreissigjÄhrigen Krieg wurde die Kirche i644 wieder hei^estellt 
{Nrh. G. 1881, S. 143). Im J. i869 sind die Seitenschiffe ungeschickt nach Westen um 

je zwei Joche verlängert, 
so dass ihr Abschluss mit 
der Turmfi-ont in einer 
Ebene liegt. 

DreischiRige romani- 
sche Pfeilerbasilika mit 
Westturm, der romani- 
sche Teil l9,3o m lang, 
l3,8o m breit, das Mit- 
tebchiff allein 6,7o m 
breit, der gothische Chor 
io,So m lang. Der vier- 
stöckige, aus Tuff und 

Trachyt aufgeführte 
Turm (Fig. l) zeigt im 
Erdgeschoss das Portal 
in neuer Einfassung, zur 
Seite zwei Blenden; die 
Gliederung der drei 
oberen Stockwerke ist 
so abgestuft, dass die 
Blenden im zweiten 
Stockwerk mit einem, 
im dritten mit zwei, im 
vierten mit drei Rund- 
bögen geschlossen sind. 
Im obersten Geschoss 

je zwei romanische 
Doppelfenster. D erTurm 
zeigt im Inneren über 
der Turmhalle eine sehr 
interessante Anlage. Hier 
befindet sich eine aus 
dem Achteck konstruierte 
Kapelle, in deren acht 
Seiten je eine halbrunde 
Nische angebracht ist 
Den Kanten treten Drei- 
viertelssau len vor, die die Kuppel trugen. In der einen Ecke des Turmes führt eine Wendel- 
treppe von unten zu dieser Kapelle empor, in der entgegengesetzten führt sie weiter 
zu den oberen Stockwerken hinauf. Das Gewölbe dieses merkwürdigen Centralbaues ist 
seit dem J. 1 6o5 (Jahreszahl vor der vermauerten Öffnung aum Langhaus) weggeächlagen. 
Das Langhaus, dessen Material Tuff ist, ist im Äusseren ganz einfach be- 
handelt Der Obergaden des Mittelschiffes zeigt eine Gliederung durch Rundbogen- 

3i8 




Bailgtn 



üchl der Pbnkitc 



fries und Vertikallisenen, zwischen die die einfachen Rundbogenfenstcr treten; die 
Aussenmauem der Seitenschiffe sind nur durch grosse rundbogigc Blenden belebt, 
die die Fenster e in schli essen. 

Das auffällig breite flachgedeckte Mittelschiff ist von Anfang an nicht auf 
Wölbung berechnet gewesen. Der Obergaden ist nur durch die in unregelmflssigen 
Absätzen angebrachten rundbogigen Fenster durchbrochen, deren Gewände massig 
abgeschrägt sind. Die ftlnf Pfeilerpaare, die die Scheidemauem tragen, sind ganz 
einfach, an den Kanten stark abgeschrägt (wahrscheinhch bei einer spateren Restau- 
ration), ohne jede Basis und nur nach den Arkaden und den Seitenschiffen hin mit 
einfach profiliertem Kämpfer geziert. Die Seitenschiffe sind dagegen von Anfang an 
gewölbt gewesen. Die Gratgewölbe sind durch Gurte getrennt, an den Pfeilern wie 
an den Aussenmauem auf schwer- 
fälligen Dreiviertelssäuten ruhend, die 
ohne jeden Fuss aus dem Boden 
wachsen. Eine abweichende Behand- 
lung zeigen die drei letzten Joche des 
südlichen Seitenschiffes nach Osten; 
hier sind die Dreiviertelssaulchen 
schlanker, ruhen mit Eckblattbasen 
auf hohen Untersätzen und sind mit 
Wflrfelkapitälen gekrönt; ausserdem 
ist hier das Kampfergesims der Pfeiler 
nach den Seitenschiffen zu nicht 
weitergeführt 

Der gothische Chor, der aus 
Backstein und Tuff in wechseln- 
den Streifen aufgeführt ist, zeigt ^ 
im Äusseren doppelt abgetreppte ""' 
Strebepfeiler, um die das Kaffgesims 

herum verkröpfi ist Unter den l'_ ''■■"! 1 T — —i 1 p 1 'tat 

Fenstern Blenden in Hausteinein- j,, ^ 

rahmung. Der Chor ist innen mit BQuicd. Grundclu d« Kapetia in Tutb der Pr>riliirche. 

einem Kreuz- und einem Stemge- 

wölbe eingewölbt; dünne Dienste mit polygonalen Kapitalen, die grossen Fenster drei- 
teilig mit späten Masswerk formen. 

An der Südseite des Laughauses befindet sich am Obergaden des Mittelschiffes 
die Inschrift: anno domini iS93 was der goedert schril kierchmister. 

Barocker Hochaltar vom Anfang des i7. Jh., über zwei gewundenen Säulen 
ein durchbrochener Giebel; als Mittelstück ein Gemälde der Anbetung der Hirten, 
in der Höhe musizierende Engel. 

Steinerner Sakramentsschrank im Chor, mit der Inschrift: ecce panis 

ANGELORUH, CIBUS VERUS VIATORUM, NON MITTENDÜS CANIBUS l6o7. 

Hölzerne Gedächtnistafeln {vgl. Lentzen in der Monatsschrift des Vereins 
für die Geschichte und Altertumskunde von Düsseldorf I, S. 39) mit den folgenden 
Inschriften : 

[. ANNO 1S24 FREYDAGS DEN I. NOVEMBRIS IST IN GOTT ENTSCHLAFFEN DER 
WOLEDELVEST WILHELM LAUDOLFF, SEINE LEBZEIT GEWESENER GRAEFLICHER AMBT- 
MAN ZUR DICK. DER SEELEN SEY GOTT GNEDIGH. RENOVATÜM i7Sl. 

3l9 



12 



KREIS NEUSS 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Hügelkreuz 



2. DER HOCH WOLLGEBOHRENE HERR FRANZ WINAND RAITZ FREYHER VON FRENZ 
ZU SCHLENDERHAN, HERR ZU ODENKIRCHEN, BROG, KELLENBERG, CHRUMBACH UND 
STOMMELEN, ZEITHLEBENS GEWESENER PERSONATHER DER PFAARKIRCHEN ZU BÜTGKN, 
OBIIT ANNO I 721 DIE l7. APRIL. 

3. PLURIMUM REV. PERILLUSTRIS AC GRATIOSUS D. D. ARNOLDUS WOLFGANGUS 
BARO RAITZ DE FRENZ IN SCHLENDERHAN ET LIBERAE CAESAREAE BASILICAE AC 
REGIAE SEDIS B. M. V. AQUENSIS CANONICUS CAPITULARIS SUBSENIOR AC EQUESTRIS 
ECCLESIAE IN WIMPFEN CANONICUS CAPITULARIS SENIOR PERSONATISTAQUE IN BÜTT- 
GEN, AETATIS 75. R. L P. OBIIT ANNO l744 3o. JUNIL 

4. JOHAN GEORG FREYHER VON HATZFELD ZU HATZFELD, HER ZU WANSSUM 
SriCKARDT UND GRUNSCEID, FRANZÖSISCHER HAUBTMANN DES REGIMENT ELSASSE, 
OBIIT DEN l5. AUGUST 1 763, AETATIS 20. 

5. Ohne Namen mit dem Frentzschen Wappen, obiit i8. decem. i785. 
Hagelkreuz, Steinkreuz zwischen dem Felshof und Büttgen mit dem Wappen 
der Raitz von Frentz und der Inschrift: perillustris et generosus dominus fran- 

CISCUS WINANDUS LIBER BARO RAITZ DE FRENCE EX SCHLENDEREN, DOMINUS IN 

kleinenbroich ad maiorem dei gloriam ME erexit i7o5 (Ann. h. V. N. XXVIII, 
S. 29o. — Niederrhein i878, S. 20). 



DORMAGEN. 



Litteratur 



Römtcche 
Anlagen 

Durnomagus 



FundstUck« 



Seul, Kreis Neuss S. 18. — Prisac, Dormagen und seine nächste Umgebung: 
Lerschs Niederrheinisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst II, i844, S. 57. — 
Fiedler, Durnomagus oder Dormagen und dessen Denkmäler der Römerzeit: B. J. 
XXI, S. 29. Dazu B. J. XXIII, S. i45. 

RÖMISCHE ANLAGEN UND FUNDE. B. J. V, S. 239. — Minola, 
Kurze Übersicht S. 3i5. — F. W. Schmidt in den B. J. XXXI, S. 88. 

In Dormagen ist das römische Durnomagus zu erblicken, in dem Itinerarium 
Antonini als Station an der grossen Heerstrasse von Köln nach Xanten aufgeführt 
Nach dem Itinerar war es die Garnison einer Ala, wahrscheinlich standen aber auch 
vorübergehend andere Truppen hier. Durnomagus lag auf dem hohen linken Thal- 
rande des Rheins, der ehemals östlich hart an dem Orte vorbeifloss, südlich von dem 
jetzigen Orte Dormagen, „da wo sich unter dem Boden eine Menge römisches 
Gemäuer befindet und wo man in den letzten Jahren viele und zum Teil schöne 
römische Altertümer ausgegraben hat" (Schmidt a. a. O.). Nach einer späteren Notiz 
von Schmidt (a. a. O. S. 88, Anm. 94) lag es in der Mitte des jetzigen Ortes. „Ober- 
und unterhalb, noch im Orte selbst, sind die Gräber. Am Abhänge gegen den alten 
Rheinlauf hin (vgl. darüber Ann. h. V. N. VII, S. i42, i46, i5i) ist zwei bis drei Fuss 
unter der Erde eine vier Fuss dicke Mauer von Gusswerk." Die im Anfang unseres 
Jahrhunderts gemachten Funde in Dormagen und Umgebung befanden sich in der 
Sammlung Delhoven in Dormagen (vgl. über sie B. J. XXI, S. 42). 

Die Hauptstücke waren zwei Mithrasdenkmäler und das Bruchstück der Figur 
eines Isispriesters mit Inschriften, die 1821 bei Dormagen in einem ehemals bemalten 
unterirdischen Gemach von 10 Fuss Höhe, 10 Fuss Breite und 4o Fuss Länge nebst 
anderen Kultus -Altertümern gefunden worden waren (Dorow in Schorns Kunstblatt 
1821, Nr. 9o, S. 359. — Fiedler in den B. J. XXi, S. 45. -— K. B. Stark, Die 
Mithrassteine von Dormagen : B. J. XLVI, S. i ; Abb. Taf. I — IV, weiter LIII, S. 1 23 ff. 
— Die Inschriften bei Brambach, C. I. R. Nr. 285 — 285» mit Angabe der älteren 



320 



DORMAGEN 



l3 



Litteratur). Die weiteren in der Sammlung Delhoven befindlichen Dormagencr Fund- 
stücke bei Fiedler in den B. J. XXI, S. 54 — 56. Die Inschriften bei Brambach, 
C. L R. Nr. 286—289. Zu Nr. 28? »> vgl. B. J. LX, S. 81. Die Mithrasdenkmäler jetzt 
im Provinzialmuseum zu Bonn (Hettner, Katalog des rheinischen Museums vater- 
ländischer Altertümer Nr. 69, 7o). Über den in den Kirchturm eingemauerten Inschrift- 
stein vgl. unten. 

Nachgrabungen sind in neuerer Zeit nicht vorgenommen worden. Bei Neubauten 
werden noch häufig Scherben gefunden, so bei dem Neubau der Kirche i887 neben 
der südlichen Aussenmauer Gefksse und eine Schale aus terra sigillata. 

Von der Römerstrasse südlich Dormagen ist jede Spur verschwunden. Längs 
der i834 erhöhten Chaussee nach Worringen wurden viele römische Gräber gefunden 
(Schmidt in den B. J. XXXI, S. 88). Über den Lauf der Strasse J. Schneider in 
den B. J. LX, S. 7. — Ders., Die Heer- und Handelswege VIII. 

Fundstücke aus dieser Gegend befinden sich im historischen Museum zu Düssel- 
dorf und im Provinzialmuseum zu Bonn (i876 römische Gläser, 1880 ein römischer 
Grabfund, i889 eine Bronzefigur erworben. Vgl. B. J. LXXXVII, S.63; LXXXVIII, 
S. III, 112). 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE(s.t.s. Michaelis). Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. 260, 269. — Fiedler in den B. J. XXI, S. 42. — Kölner Domblatt 
i854, Nr. 108. 

Eine Kirche wurde am Ende des 12. Jh. aufgeführt, 12 74 wird sie dem Andreas- 
stift zu Köln einverleibt (Lacomblet, U B. II, Nr. 662). Der alte Bau wurde i887 
bis auf den Turm abgerissen und durch einen dreischiffigen Backsteinneubau von 
Franz Statz ersetzt. Die Kirche wurde dabei gedreht, sie ist jetzt nach Westen orientiert. 

Der romanische aus Tuff aufgeführte Turm ist fast ganz mit einem neuen 
Mantel versehen worden, das vierte Geschoss ist neu aufgesetzt. In dem dritten 
(dem ehemals letzten) Geschoss je zwei romanische Doppelfenster von Lisenen und 
Rundbogenfries eingefasst An der Nordseite des Turmes eingemauert eine römische 
Steinplatte mit der Inschrift : ivliae frapiae apriana roman h. (Gelenius, de ad- 
miranda magnitudine Coloniae, Köln i64S, p. 355. — B. J. XXI, S. 42. — Brambach, 
C. I. R. Nr. 284 mit weiterer Litteratur). 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: johan michelin geust mich anno i638. 

Die zweite mit der Inschrift: was ich nit kan, geb zuwersthan, van joseph 

michelin gegossen, des HERREN UNVERDROSEN. H. THOMAS WIRDS ORIUNDUS DE 
STOMMEL PASTOR IN DORMAGEN ANNO l638. 

Auf dem Kirchhof am Turm hölzernes Kreuz mit Kruzifix von i783 und der 
Inschrift: CRUx ss. missionis. o. p. n. s. s. ignati et francisce xaveri. eXaVDI 
pIe IesV preCes sVppLICantIVM. Auf dem Kirchhof 22 Grabsteine aus Sandstein 
in Kreuzesform aufgestellt, meist aus dem 18. Jh. stammend, darunter einer mit der 
Darstellung der Kreuzigung, einer mit der Madonna mit den sieben Schwertern in 
der Brust, einer mit den Kreuzigungswerkzeugen. 

Um Dormagen findet sich wie im ganzen südlichen Teile des Kreises Neuss, 
besonders nach Knechtsteden zu, eine grosse Anzahl von steinernen Kreuzen auf 
hohem Unterbau, meist mit einer Nische versehen, aus dem 18. Jh. stammend. Auf 
einem solchen an dem Feldwege zwischen Zons und Dormagen das Reliefbild des 
hl. Andreas, ein besonders grosses zwischen Dormagen und Horrem, eines an dem 
Eisenbahnübergang bei Hackenbroich, ein weiteres in Hackenbroich selbst, errichtet 
.i74i von Augustinus Vogt und Maigarechta (so) Schultes. In Horrem ein solches 



K öm {»che 
A nlagen 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Geschichte 



Turm 



Glocken 



Kirchhof 



Sleinkreuze 



321 



|4 KREIS NEUSS 

vom J. 1 733, zwischen Horrem und Delhoven, wo der Weg nach Hackenbroich ab- 
' geht, eines von i73i mit gusseisemem Kruzifixus. Drei weitere zwischen Knecht- 
steden und Dormagen. 

DYCKHOF. 

HAUS DYCKHOF. 

Handschr. Qu. Im Gräflich von Speeschen Archiv zu Schloss Heitorf 
(Kunstdenkm. d. Kr. Düsseldorfs. ioO)i C. Archiv der Herren von Norprath zu Dyckhof. 

Im Besitz des Herrn 
: '^- - f Heinrich Werhahn zu 

Dyckhof: Urkundensamm- 
lung und Hauschronik. 

Der Hof wird i393 zu- 
erst genannt im Besitz des 
Johann von der Heghe. 
Nach dessen SohnThys ist 
Diederich von Meckeren 
im Besitz des Hofes. Seine 
beiden Söhne Johann und 
Godert übergeben l47o den 
Hof dem Kloster Ewichbei 
Attendorn, aber noch im 
selben Jahre nehmen sie 
ihn zurück und verkaufen 
ihn i47a an die Eheleute 
Thönis und Margarete von 
Kurbeke. Von diesen geht 
er Ober an Johann von 
Norprath. Der vierte Be- 
sitzer, der i6S8 verstor- 
bene Johann von Norprath, 
war Generallieutenant und 
Gouverneur der kle vischen 
Lande. Sein Sohn Wolf- 
gang Günther (+ 1686) baut 
das alte Herrenhaus aufs 

neue aus. Von Franz Frie- 

W ^:,:^ — . jf^T " drichvonNorprathgehtder 

Fl,. 3. H.U. Dyckhor. Dyckhof l7oi an den Frei- 

herm Bemard von Bronk- 
horst über, der ihn i7i8 an das Kloster Meer gegen den Hof Walscheid vertauscht 
In dem Besitz des Klosters bleibt der Hof bis i8o4; nach der Aufhebung des 
Klosters wird er verkauft, zuerst an Henry Moynat, von dem ihn i8o7 Johaim An- 
dreas Werhahn erwirbt. Der jetzige Besitzer ist Herr Heinrich Werhahn. 

Das Herrenhaus (Ansicht Fig. 3) ist eine interessante rechteckige Anlage, 
von der der älteste Teil, der nach Norden gelegene kräftige würfelförmige Turm, aus 
dem i4. oder i5. Jh. stammt, im J. 1666 aber ganzlich umgebaut und mit einer neuen 

3» 



EPPINGHOVEN 



l5 



Haube versehen worden ist Im Erdgeschoss des zweistöckigen Turmbaues ein grosser Haui 
Saal mit horizontaler Balkendecke. Der phantastische Turmhelm (neu geschiefert) ist ^ 
zwiebeiförmig ausgebaucht und zweimal eingezogen und mit einer achtseitigen Laterne 
gekrönt; er erinnert auffällig an die mächtigen Helme des Aachener Rathauses, die 
nach dem Brande von i656 errichtet wurden. Das nach Süden anstossende zweistöckige 
Wohngebäude ist mit zwei Satteldächern eingedeckt und mit geschweiften und abgetrepp- 
ten Giebeln abgeschlossen. Nach Westen ein Portal mit barocker Umrahmung und durch- 
brochenem Giebel. Das ganze Herrenhaus war bis 1 89o rings von Gräben umgeben, 
1 89o ist auf der Südseite über einem Teil des Grabens eine Terrasse mit Betonboden 
errichtet. Der östliche Teil des malerischen Backsteinbaues ist leider vor Kurzem ver- 
putzt worden. Nach Westen stösst der grosse Wirtschaftshof an, an der Nordwestecke 
findet sich hier noch ein viereckiger Backsteinturm mit pyramidenförmigem Dach. 

Etwa IOC Schritt weiter nach Westen liegt in einem Erlengebüsch ein Hügel ÄUrre Rc»ic 
mit ziemlich ausgedehnten versumpften Gräben, auf dem (jetzt zerstörte) Fundamente 
gefunden worden sind. Wahrscheinlich lag hier das alte Niederdonk. 

EPPINGHOVEN. 

EHEMALIGES CISTERCIENSERINNENKLOSTER. Seul, Kreis Kio.ier 
Neuss S. i9. — Nrh, G. 1882, S. 8. 

Handschriftl. Qu. Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: 181 Urk. (102 Orig.) 
von 12 16 an. — Kopiar B. 9o* aus dem 16. Jh. — Akten vom i7. Jh. ab. Vgl. 
Ilgen, Rhein. Archiv S. 75. 

Im Freiherrlich von Geyr-Schweppenburgschen Archiv zu Haus Caen, Kreis 
Geldern (Kunstdenkmäler d. Kr. Geldern S. 76): Kopiar des Klosters Eppinghoven 
aus dem 1 8. Jh. 

Das Kloster wurde als Filialkloster der' Abtei Saarn 12 14 zu Karlesforst (Kaarst) Ge«chichte 
gegründet (Chronicon monasterii Compensis: Ann. h. V. N. XX, S. 2 79), aber schon 
nach wenigen Jahren nach Eppinghoven verlegt. Die Übersiedelung fand nach I23i 
(Lacomblet, U B. II, Nr. i75) und vor 1237 statt (in diesem Jahre genannt mona- 
sterium de aula S. Marie, quod dicitur Eppinchouen: Lacomblet, U B. II, Nr. 216. 
— Wd. Zs. IV, S. 4i3). Im J. i46S wurden unter der Äbtissin Margarctha von Over- 
dunk die Klostergebäude repariert (Ann. h. V. N. XX, S. 328). 

Im Burgundischen Kriege hatte das Kloster so gelitten, dass i475 die Äbtissin 
mit den Schwestern in dem benachbarten Kloster Gnadenthal eine Unterkunft suchen 
musste (Chron. mon. Camp, in den Ann. h. V. N. XX, S. 333 : tunc monasterium de 
Eppynchouen dampnificatum et oppressum fuit valde, tam in rapinis quam incendiis 
grangiarum, excisionibus nemorum, conculcationibus agrorum et bladorum). Mit Hülfe 
einer Kollekte wurden die Schäden teilweise beseitigt. 

Die Kirche imd das Abteigebäude wurden i695 unter der Äbtissin Agnes 
Dorothea Elisabeth von Landsberg erneuert; im 18. Jh. (i7io und i768) wurden die 
Wirtschaftsgebäude neu aufgeführt. Die Kirche wurde nach der Aufhebung des 
Klosters abgebrochen. Die jetzige Eigentümerin ist die Frau Baronin Arcadie von 
Eppinghoven zu Langenfeld bei Monheim. 

Von den Baulichkeiten ist zunächst das Abteigebäude erhalten, ein zwei- Abteigebäude 
stöckiger stattlicher Backsteinbau von i5 Achsen, die Fagade durch breite Pilaster mit 
jonischen Kapitalen und Basen von Haustein gegliedert, die das kräftige Dachgesims 



323 



Kisii.r tragen. Die zwischen den Pilastern gelegenen Felder sind tiefrot getüncht. Der 
Fa^ade tritt ein schmaler Mittelrisalit vor, in dem geschweiften Giebel ein Aufzugs- 
balken. Über dem hübsch profilierten Portal {Fig. 4) das Doppelwappen derer von 
Landsberg und von Meschede und die Inschrift: agnes Dorothea elisabetha de 

LANSBERG EX LANSBERG ABBATISSA IN EPPINGHOVEN ANNO l695, 

Thor Von der im iS.Jh. errichteten Umfassung ist noch das Süssere Thor erhalten. 

Es besteht aus einem mit einem nie- 
drigen Walmdach eingedeckten Bau. 
Der grosse Thorbogen wird von 
Pilastern mit jonischen Kapitalen 
flankiert, Über dem Architrav ein 
flacher Bogen mit dem Wappen der 
Randerath, von zwei Engeln gehal- 
ten. Über der kraftigen Einrahmung 
des Bogens die Statue der Madonna 
auf dem Halbmond mit derSchlangc. 
Auf dem Architrav die Inschrift: 

ANNA MaRGARETHA A RANDeRATH 

abbatIssa In eppInChoVen ponI 
feCIt (i7io). 
""«MuS^ ^^ ^^™ '^'^'^ Linken sich 

anschliessenden Wirtschaftsge- 
bäude auf der Hofseite ein Stein 
mit der Inschrift: lucretia ber- 

NARDINA DE GAXIGREBEN ABBA- 
TISSA ANNO 1 768 und dem Wappen 
der Äbtissin. Zur Seite zwei schOne 
steinerne Löwen des i4. oder 
l5.Jh. mit streng stilisierten Mäh- 
nen und erhobenen Köpfen ein- 
gemauert. 

Rechts vor dem äusseren Thor 

die stattliche Klosterraühle, ein 

zweistöckiger Bau des 18. Jh. von 

neun Achsen mit von einem flachen 

Flg. 4. EppingiioT«!!. Poiui dei AbKigtbiud«. Giebel überragten Mittelrisalit. 

GLEHN. 

K..h..i. KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Pancratü). Seül, Krtis Neuss 

S. i7. — BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. a6o, 27i. 

Der Ort erscheint zuerst ia38 (Lacoublet, ÜB. II, Nr. i35: Glene), die Kirche 
1276; in diesem Jahre schenkt Wilhelm von Jülich das Patronat an den Edelherm 
Wilhelm von Heipenstein (Lacomblet, U B. II, Nr. 69S). Die Gebrüder Wilhelm und 
Friedrich von Heipenstein verkaufen das Patronat i333 an das Domkapitel'zu Köln 
(Lacomblet, UB. III. Nr. 273. Vgl. Nr. 3io, 5oo). Die alte Kirche, die vier Altäre 
besass (Köln, Stadtarchiv, Farragines des Gelenius IX, Bl. 284), wurde 1868 — i87i 

3z4 



durch einen dreischißigen gothischen Backsteinbau von dem Architekten Nagthchmitit I 
in Köln ersetzt 

Taufstein des i3. Jh., randes steinernes Becken, mh Rundbogenfries und vier ^ 
groben Köpfen, auf MittelcyUnder (über die Gruppe der ähnlichen Taufsteine vgl. 
Kunstdenkmaler d. Kr. Kempen S. i6). 

SCHLOSS FLECKENHAUS oder HAUS GLEHN. Der Bau wurde im s 
J. i56o von Dietrich van der Baien gen. Fleck errichtet. Seine Tochter Margaretha bringt "' 
den Siti an ihren Gatten Hans Wilhelm von Efferen gen. Hall zu Disterich. Ihr Enkel, 
Graf Gerhard von EfTeren, verkauft das Schloss i663 an [ohann Wilhelm Roist vonWeers; 
Katharina Maria Roist von 
Weers (f i7S4) bringt es an ■ i 

ihren Gatten Kaspar Lud- r 

wig Freiherm von Lohausen 
(t i765). Die jetzige Besitze- 
rin ist Frau Witwe Franz 
Schütte. 

Interessanter Backstein- Bc 

bau mit Hausteinverkleidung 
in den Formen der hollan- 
dischen Renaissance, aus- 
gezeichnet durch die reiche 
plastische Verzierung. 

Das eigentliche Herren- 
haus, das von der Vorburg 
durch einen Graben getrennt 
ist, besteht aus zwei kurzen 
Trakten. An der dem kleinen 
Thorbau der Vorburg zuge- 
kehrten Ecke erhebt sich 
ein hoher dreistöckiger, mit 
Epheu umzogener Rundturm 
(Fig. 6), mit schön geschweif- 
ter geschieferter Zwiebel- 
haube abgeschlossen, gekrönt 

vonetnerhübschenschmiede- ^. ^ ^^^^^ ^^^^ FL«fctn(uui 

eisernen Wetterfahne. Unter 

dem Dachgesims zieht sich ein Fries von Medaillons und sodann ein gothischer mit 
Nasen besetzter Spitz bogen fri es hin. In dem obersten Geschoss schmale Fenster, ver- 
tiefte Medaillons und eine grosse Wappentafel mit dem Allianzwappen der van der Baien 
und derer von Frenz. Die einzelnen Geschosse werden durch einen breiten Fries ge- 
schieden. Die gleiche Hausteinarchitektur setzt sich auch an dem der Vorburg zugekehr- 
ten dreistöckigen Haupttrakt fort. Nach dem Garten zu tritt dem reich dekorierten 
Giebel ein viereckiger Treppenturm (Fig. S) vor, der mit einer geschweiften Haube ab- 
schliesst. Der Treppenturm ist von denselben bandartigen Friesen durchschnitten; über 
dem mit einem flachen Giebel abgeschlossenen Portal eine Wappentafel unter Muschel- 
giebel, von zwei SUutchen flankiert, mit dem oben erwähnten Alliancewappen und 
der Inschrift: disser BOV ist ahgelacht im jar do man Schrif anno iS6o, ist 

BESCHEHEN DURCH O. DIETHERICH VAN DER BALLEN GENANT FLECK UARGREIT VAN 

8 
3lS 



l8 K.REIS NEUSS 

FRENS MEIN EHEGEMAEL. Die dem Treppenlurm vorgesetzte Freitreppe ist erst i878 
. errichtet. An den Pfeilern, 

1 die die zum Herrenhaus 

führende Brücke flankie- 
ren, die Wappen der Lo- 
hausen und der Raitz- 
Frentz -Schlenderhan. 

HAUSSCHLICKUM, 
ursprünglich im Besitz der 
Herren von Schlickum, kam 
durch die Heirat der Anna 
Liveradis von Schlickum 
mit Reinhard Wilhelm von 
Lohausen (t iJn) an die 
Lohausen. Das Haus Ist 
ein schlichter zweistöckiger 
Backsteinbau aus dem 
iS. Jh., mit Mittelrisalit, 
über dem Portal von zwei 
Hunden gehalten das Lo- 
hausensche Wappen, Nach 
E. V. Schaumburg (Ann. 
h. V. N. XVI, S. ao) ist 
die Stelle eines alteren 
Hauses noch in einigen 
Gräben und Mauerreslen 
erkennbar. Vgl. auch Ann. 

Fig. 6. Glehn. SchiD» FlccLcahiui. Hiupliurm und Thaibno. h. V. N. XX, S. 397. 

GOHR. 

RÖMISCHE ANLAGEN UND FUNDE. Fiedler in den B. J. XXL 

S. 54. — Rein, Haus Bürgel S. **, 4i, — Pieper in der Heimatskunde i879, S. ai. — 
C. KoENEN in der Heimat i876, S. 63. — Ders, Das Nymphenheiligtum bei Gohr: 
B. J. LVIII, S. ao7. — Ders. in den B.J. LXIII, S. i68. Vgl. B.J. LXXV, S. 45. 
Im J. i849 wurden in dem Gohrer Bruche zwischen Gohr und Slraberg bei der 
Anlage eines Entwässerungsgrabens auf einer fa-st in der Mitte des Bruches — dera 
alten Rheinbett — gelegenen Insel unter drei dicken zu einem Dreieck zusammen- 
gefügten Brettern drei Votivsteine gefunden, ausserdem eine weibliche Statuette von 
gelbem Thon, aoo Kupfermünzen der Kaiserzeit, Pinienzapfen, eiserne Spitzen und 
Beschlüge {zur Verbindung der Balken einer Umzäunung). Nach den Votivsteinen 
{erst in der Sammlung Delhoven in Dormagen, vgl. oben S. la, jetzt im Proviniial- 
museum zu Bonn; Brambach, C. I. R. Nr. 29o— 192) hat man hierin ein den Nymphen 
geweihtes Heiligtum erblickt. Im J, i876 wurden durch den Verein von Altertums- 
freunden in den Rheinlanden unter der Aufsicht von Koenen Ausgrabungen unter- 
nommen, die aber ausser römischen Gefäfssch erben nichts zu Tage förderten. Über 
die Römerstrasse bei Gohr vgl. B.J. LXXIII, S. I. 

3z6 



GOHR 



l9 



Im Dorfteile ,Broich*, an der Stelle ,zur Burg', wurden i878 die 66 cm starken Römische 
Grundmauern zu einem vierseitigen Baue von 28 m Länge und 4,5 1 m Breite auf- Fränki«che*r b«u 
gedeckt, der an der gegen Osten gelegenen Langmauer eine Ausbiegung erkennen 
liess, die von einem halbkreisförmigen Vorsprunge herzurühren schien. In dem Mauer- 
werk fanden sich römische Hausteine und römisches Gussmauerwerk verwandt. In 
der Mitte des Gebäudes ward eine Brandschicht blossgelegl, die auf eine plötzliche 
Zerstörung deutet Neben dem Bauwerk wurden zwei menschliche Skelette gefunden, 
bei dem einen ein Sporn. Die Anlage war wahrscheinlich eine fränkische oder früh- 
mittelalterliche Warte mit Wächterwohnung (Koenen in den B. J. LXIII, S. i69). 
Einige Schritt nördlich der Kirche befand sich nach Pieper (Heimatskunde i879, S. 22) 
ein Hügel mit Wall und Graben umgeben — die Stelle hiess ,Bwrg Hosch*. Spuren 
sind nicht nachzuweisen. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Odiliae). Binterim u. Mooren, K^thoi. 

K K. I, S. 284. Pf.rrkirchc 

Eine Kirche entstand hier im Laufe des li. Jh. Im i7. Jh. wurde sie umgebaut Geschichte 
und alle drei Schiffe unter ein gemeinschaftliches tief herabgeführtes Dach gebracht. 
In den J. i89o — 1893 wurde der alte Bau durch den Regierungsbaumeister /w/. Bmch 
von Neuss restauriert und nach Westen erweitert. 

Die Kirche ist die älteste des Kreises Neuss und zeigt die frühesten Formen Beschreibung 
der flachgedeckten drcischiffigen Pfeilerbasilika. Kunstgeschichtlich merkwürdig ist 
besonders der gradlinig geschlossene Chor. Die alte Kirche war 12,61 m lang und 
ii,34m breit, das Chorhaus 4,9o m lang und 4,9o m breit. Das Material ist Tuff. 
Im Inneren ruhen die Scheidemauern auf vier schweren Pfeilerpaaren ohne alle 
Gliederung. Der Obcrgadcn ist nur durch je drei kleine rundbogige Fenster belebt. 
Die Aussenmauern der Seitenschiffe zeigen je fünf grössere rundbogige Fenster; das 
ehemals in der Mitte der Südseite befindliche rundbogige Portal ist vermauert. Die 
flachen Decken sind in der alten Höhe (7,34 m im Mittelschiff, 3,97 m in den 
Seitenschiffen) wiederhergestellt Das Chorhaus war durch ein im i7. Jh. eingefügtes 
Gewölbe abgeschlossen. Die Aussengliederung ist ganz einfach — am Langhaus als 
Dachgesims nur ein einfaches romanisches Gesims, am Chorhaus Vertikallisenen mit 
Rundbogenfries. 

Bei dem Umbau der J. i89o — 1893 wurde nach Westen ein Turm (bis dahin Umbnu 
besass die Kirche nur einen vierseitigen geschieferten Dachreiter) angesetzt und ihm 
zur Seite ein zweigeschossiges Querschiff errichtet, ausserdem wurde nach Westen eine 
Vorhalle vorgesetzt. 

Hochaltar, durchbrochener Aufbau des 18. Jh. mit vier Säulen in Weiss und Hochaltar 
Gold, als Abschluss eine Strahlensonne mit Engelsgestalten. 

Taufstein, i m hoch, in Blaustein, rundes Becken auf cylindrischera Fuss. Tauf«iein 
Der obere Rand mit Rundbogenfries und vier Köpfen verziert (vgl. Kunstdenkmäler 
d. Kr. Kempen S. 16). 

Holzfigur des h. Christophorus , 45 cm hoch, reizvolle kölnische Skulptur HoUfigur 
des 1 5. Jh. 

Paramente, Stäbe und Kreuz vom Ende des i5.Jh. mit dem Kruzifixus, Johannes Parameme 
und Maria, sehr beschädigt, in Zeichnung und Ausführung aber von ganz ausser- 
ordentlicher strenger Schönheit. 

In einem Heiligenhäuschen am Kirchhof Holzfigur der h. Barbara, in Drittel- Heiiigenhäu»chen 
lebensgrösse, vom Ende des 1 5. Jh. 

327 



20 



KREIS NEUSS 



GREFRATH. 



K n t h o 1. 
Pfarrkirche 



Glocken 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. inventionis s. Stephani). Seul, 
Kreis Neuss S. 1 7. — Tücking, Geschichte der kirchlichen Einrichtungen in Neuss S. 280. 

Die Kirche wird bereits 1260 als Pfarre erwähnt (Lacomblet, U B. II, Nr. 358) 
ebenso im liber valoris: Binterim u. Mooren, E. K. I, S. 260. Die alte, auf dem 
Kirchhof gelegene Kirche wurde i864 abgebrochen und an anderer Stelle dafür eine 
neue dreischiffige gothische Hallenkirche durch Vtncenz Statz errichtet. Eine kolorierte 
Zeichnung in der Sakristei zeigt die alte Kirche mit dreischiffigem Langhaus des 
16. oder i7. Jh. unter einem Satteldach mit eingebautem romanischen Turm. 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: laudo deum verum, plebem convoco, 

DIABOLUM FUGO. IN HONOREM E. (so) M. S. STEPHANI. JOHANNES DE TRIER ME FECTT 
ANNO l655. 

Die zweite mit der Inschrift: s. maria ora pro nobis. unter maria schütz 

STEHE ich, die TODTEN BETRAURE ICH, DIE LEBENDIGEN RUFE ICH, DAS UNGEWITTER 
VERTREIBE ICH, DER PFARRE GREFRATH DIENE ICH. JOHANNES FUCHS VON COLLEN 
GOSS MICH l743. 

Die dritte mit der Inschrift: jacobus claren in Collen goss mich anno i779, 

AD LAUDES DIVINAS VOCO VOS VICINOS. 



GRIMLINGHAUSEN. 



K ömischc 
Anlagen 



Zwwchenkastcll 
Reckberg 







.- ..'•5 •■•■»;..- 



■■*' 'Ä 



—^———— — ~ 



* , 









Fig. 7. Grimlinghuusen. Grundriss des römischen Kastells aut dem Reckberg. 



RÖMISCHE AN- 
LAGEN. Da das rö- 
mische Lager bei Grim- 
linghausen auf Neusser 
Flur liegt, sind sämtliche 
römische Funde bei Grim- 
linghausen im Zusammen- 
hang unter Neuss be- 
handelt 

Römisches Zwi- 
schenkastei! auf dem 
Reckberg (Mitteilungen 
von Herrn C. Koenen). 
Eine halbe Stunde ober- 
halb des Römerlagers, 
Flur B. 2 5i/ii2, auf den 
Sandhügeln des Reck- 
berges liegt das von C. 
Koenen aufgedeckte und 
untersuchte Zwischen- 
kastell (Grundriss Fig. 7. 
— Längsschnitt Fig. 8). 
Sein Grundriss bildet ein 
fast regelmässigesQuadrat 



328 



GRIMLIKGKAUSEN 9 1 

mit aufrundeten Ecken; die Seitenlängen betragen 32,78 — 34,7i — 33, 1 2 — 34,a3m. 
In jeder Ecke zwei nach Innen reichende und hier verschmälerte Mauerstrelfen. 
Das Ganze ist von einem Doppclspitzgraben umgeben, der bis dicht an die links- 
rheinische römische Uferstrasse reicht. Nach der Rheinstrasse hin ist das Haiipt- 
thor gerichtet mit 3 m breiter Ötfnung, an der gegenüberliegenden Seite nur eine 
55 cm breite Maueninterbrechung. Die Mauern sind sehr sorgfältig aus kleinen, gut 




zugehauenen Grauwackeslüclcen hergestellt, die durch steinharten Mörtel mit emander 
verbunden sind. Vgl. Koehen in den B. J. XCVI, S. 3Si. — O. Rautert m der 
Köln. Zeitung vom 6. Okt. i893. — Korrespondenzblatt der Wd. Zs. XU, S. aSS. 

Auf dem Reckberg unweit des Kastells wurden schon i844 durch Jaeger weitere 
n'imische Fundamente nachgewiesen, die Grundmauern einer römischen Villa nebst 
Brunnen und Wasserleitung (B. J. V, S. 4i5; vgl. B. J. XXXVIII, S. iS. Zuletzt 
KoENEN in den B. J. XCVI, S. 353). 

Römischer Wachtturm. Um iSo m nördlich 
von dem Zwischenkastell Reckberg, auf dem sogenannten 
zweiten Reckberg, dicht am römischen Rhein uferran de, 
43 m nordöstlich der linksrheinischen römbchen Ufer- 
strasse findet sich das Fundament eines römischen 
Wachtturmes von 4,9o m Seitenlange — das i m breite 
Mauerwerk aus Gusswerk hergestellt, auf einer Unter- 
lage von grobem mit Lehm verbundenem Geschiebe. 
Von O. Rautert biosgelegt {Heimatskunde i88o, S. 97). 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s, 
Cyriaci). Binterim u. Mooren, E. K. l, S. 282, — 
TOcKiNG, Geschichte der kirchlichen Einrichtungen in 
Neuss S. II, io3. — Seul, Kr Neuss S. 18. — Züccal- 
MACLio, Das Zeitlager bei Grimlinghausen und Eus- 
kirchen, Solingen i84i. 

Die Pfarre von Grimlinghausen (der Hof schon ri73 genannt: Lacomblet, 
ÜB. I, Nr. 445) erscheint erst nach dem Butgundischen Kriege an Stelle der von 
Quinheim (schon ii47 dort eine capelia genannt: Lacomblet, U B. I, Nr. 357; 12S0 
als parrochia Quinheim erwähnt: Lacomblet, UB. II, Nr. 358; vgl. auch Ann. h.V. N. I, 
S. 39; XV, S. 59), die mit dem gleichnamigen Hofe in diesem Kriege einging (i475 
am 12. Mai zerstört: TOcKitJG, Geschichte von Neuss S. 76); im J. [479 tritt der erste 
Pferrer de nova ecciesia auf. Das Kollationsrecht gehörte der Äbtbsin des Quirinus- 
stiftes zu Neuss. Eine neue Kirche, ein einschiffiger Backsteinbau, wurde in den 
sechziger Jahren durch den Baurat Weise von Neuss erbaut. 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: sanCto CykIaCo MartyrI eCCLesIae 
hVIVs fatroso ConseCbabar (i764). nobIs absIt gLorIarI nIsI In CrVCe 
DoMInI (i764). GAL. 6. 

3z9 



Tig. 9. 
Gi<m1liichsui*n. Funi 
■ WachUurn 



KREIS NEUSS 



Die zweite mit der Inschrift: DIVae VIrgInI MatrI InVIoLatae saCrarVnt 

PAROChIaLeS (1818). REFONDUE PAR LES FRERES ET NEVEU GAULARD. ORA PRO 

NOBis DIVa VIroo MarIa In CVnCtIs neCessItatIbVs (1828). 

In Grimlinghausen befand sich ein 
fürstliches JAGDHAUS, das wahr- 
scheinlich durch den Pfalzgrafen 
Philipp Wilhelm um 1660 erbaut 
worden war (zwei Erlasse von 1668 
und l673 sind von dort datiert). Seine 
Lage ist nicht nachzuweisen; mög- 
licherweise lag es an der Stelle des 
noch jetzt „Düsseldorfer Hof ge- 
nannten Bauerngutes. In der Jülich- 
schen Beschreibung von WelSER vom 
J. i723 (München, Staatsbibliothek, 
Cod. bav. i63S) findet sich eine kleine 
Ansicht des Schlosses (Fig. 10), die ein 
schlichtes GebSude von drei Trakten, 
umgeben von einem Zeltlager, zeigt 




tSnmln^^auß furfll3a^ßai4 



HACKENBROICH. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Catharinae). Seul, Kreb Neuss 
S. 18. ^ BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 260, 268. 

Eine Kirche entstand in Hackenbroich um die Wende des 11. Jh., das Patronat 
schenkt im J. iz68 Ludolf, Herr von Dyck, dem Deutschordenshause zu Koblenz 
(LacombLET, üb. II, Nr. 584, Anm. [). Eine Restauration der Kirche fand im 
J. i553 statt 

Im J. i865 wurde das alte Langhaus niedergelegt, so dass nur Ch&rchen und 
Turm stehen blieben, und zwischen beiden auf Kosten der Reichsfreiin Auguste 
Clementine von Geyr - Schweppenburg ein neues Schiff durch den Architekten 
NageUchmidt in Köln errichtet 

Der alte romanische vierstöckige Westturm besteht aus Tuff, nur das oberste 
Stockwerk mit zwei Rundbogenfenstem auf jeder Seite ist neu aus Backstein aufgesetzt 
worden. Der Turmkörper bt ganz ohne Gliederung, eine Reihe rundbogiger Fenster 
sind vermauert Die Turmhallc ist mit einem schweren und niedrigen Gratgewölbe 
eingedeckt Über dem (nicht ursprünglichen) horizontalen Sturz des Turmportala die 
Zahl iSS3. 

Das jetzt als Sakristei dienende romanbche, aus Tuff aufgeführte Chörchen 
besteht aus einem mit einem Kreuzgewölbe überspannten Chorhaus und der aussen 
halbrunden, innen dreiseitig polygonalen Apsb, die an der Aussenseite durch Lisenen 
und Rund bogen Iries gegliedert ist. In die Ecken des polygonalen Chorabschiusses 
treten im Inneren auf 1,10 m hohen an den Kanten abgefassten Untersätzen zierliche 
Säulen mit gutgearbeiteten Basen und Kapitalen, die die Rippen des Klostergewölbes 
aufoehmen. Zwischen ihnen drei romanische Fenster mit Rundstaben in den leicht 
geknickten Schildbögen. Die ganze Gliederung mit Tünche Oberschmiert. Im Chörchen 
noch die alte Altarmensa aus schwarzem Granit 



33o 



HACKEKBROICH »3 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: anno 1666 den 12. july bin gegossen 

ICH, CATHRINA HEISCHEN ICH, ZUM DIENST GOTTES RUFEN ICH, DIE TOUTEN I 
ICH, DU SUNDER, BEKERE DICH, SO GIBT DIR GOTT SEIN EWIG REICH. MEINE GE' 
SEIND GEWE55EN HERR HANS ADAM GÜLICH SCHOLTEIS UND GERARDUS SCHEPFER 
SCUEFFEN IN WORINGEN, MEINE GEVATTERSCHEN GIRDREUT KRAE UND ANNA ESSERS 
BEIDER ELTISTER SCHEFFEN HAUSFRAWEN. MEISTER GOERDT VON STUMMEL GOS MICH. 

Die zweite mit der Inschrift: recreo viventes, defunctos plango, maligno 
(so) PELLO, BONOS GREGO, CUR (so) suM TUDA CLARA. ANNO i63S, Am Schlagraiid: 

CLAUDIUS MICH ELI N. 

Die dritte von i5o9 mit der Inschrift: BIT VUR uns, heilge jouffrau. Agatha 

HEISCHEN ICH, IN DE ERE GÖTZ LUDEN ICH. ANNO DOMrNI MCCCCCIX. 






^! 



Fif. lt. But( Hickesbiaich. 



BURG. Die Burg war ursprünglich der Sitz der Herren de Bruce (Bintekim 
u. Mooren, E. K. I, S. a68). Im J. ij68 befindet sie sich im Besitz des Ludolf von 
Dyck {Lacomblet, UB. II, Nr. 584), bei einer Erbteilung im J. i33o wird sie dem 
Heinrich von Reifferscheid zugesprochen (Lacomblet, U B. III, Nr. i47. Vgl. Nr. 358), 
Im J. i348 bekennt Johann von Reifferscheid, die Burg vom Kölner Erz bischof Walram 
als Offenhaus zu Lehen empfangen zu haben {Lacomblet, U B. III, Nr. 46i). Durch 
Heirat kam die Burg i4o3 an Wilhelm Grafen zu Limburg, (435 durch Heirat an 
Gumprecht Grafen von Ncuenar. 

Als Erbvogt des Erzstiftes Köln besass im Truchsessischen Kriege der Graf 
Adolph von Neuenar das Schloss {Ennen, Geschichte der Stadt Köln V, S. 4oo), nach 
der Einnahme des Schlosses durch den Erzbischof Ernst wird lS88 der Graf Werner 
von Salm - Reifferscheid von neuem damit belehnt (Lacomblet, U B. IV, Nr. 59o). Der 
jetzige Eigentümer ist der Fürst Alfred zu Salm -Reifferscheid -Dyck zu Schloss Dyck. 

Von den älteren Anlagen ist Nichts erhalten. In ihrer jetzigen Gestalt stammt 
die Burg {Fig. ii) aus dem Anfang des i8. Jh. Der Zugang geschieht durch eine 

33 1 



24 



KREIS NEUSS 



Burg prächtige, 120 Schritt lange schnurgerade Buchenallee, deren Anfang flankiert ist von 
zwei achtseitigen turmartigen Gartenhäuschen, mit geschweiften Hauben abgeschlossen, 
das eine zur Linken ganz gerissen und baufällig. Das eigentliche Burghaus besteht 
aus einem ziemlich regelmässigen Rechteck, in dem die Wohngebäude die Südwestecke 
einnehmen, während die übrigen Seiten des Hofes von den Scheunen und Stallungen 
umschlossen werden. Die ganze Anlage ist von 3o Schritt breiten wassergefüllten 
Gräben und einem äusseren Wall umgeben. Der Thorbau (Fig. 11), auf den die 
Allee gerade zuführt, ist eine zierliche Anlage mit breiter Durchfahrt, durch ein hübsches 
geschweiftes Dach abgeschlossen, von zwei schlanken Pilastern flankiert, die mit eigenen 
gegliederten Dächelchen gekrönt sind. Über dem Portal von zwei Löwen gehalten 
das Wappen der Grafen von Salm-Reifferscheid-Dyck. 

Über den Graben führt jetzt eine steinerne Brücke. Neben dem Portal sind 
noch die Löcher für die Ketten der Zugbrücke sichtbar. Die niedrigen und engen 
Wohngebäude sind zum Teil in Fachwerk aufgeführt, an der Südwestecke ein vor- 
gekragter Erker, ein ähnlicher an der Westseite. 

HEERDT. 



Römische 
Funde 



Kathol. 
Pfarrkirche 



Geschichte 



Kansel 



Tsufstein 



Gemälde 



RÖMISCHE FUNDE. Über römische Funde vgl. J. Schneider in den 
B. J. XXXVI, S. 87 und LXI, S. 4. -~ Über die Römerstrasse B. J. LXVIII, S. 5. 

KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Benedicti). Seul, Kreis Neuss 
S. i7. — BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 26«, 275. — J. P. Lentzen, Zur älteren 
Geschichte des Kirchspiels Heerdt: General -Anzeiger für Düsseldorf und Umg^end 
i5. März und 26. April i89i. 

Handschriftl. Qu. Im Pfarrarchiv: Kirchenbuch von i6o7 — 1639. — Kirchen- 
buch vom J. l644, vorangeht: ,Ordnungs (so) für die kirch zu Herdt*, S. 83 — 174 Chronik 
von i65o ab, bis i7i9 weitergeführt, mit einzelnen interessanten Notizen zur Geschichte 
der Gegend. — Ein drittes Kirchenbuch vom J. i73o. 

Eine Kirche bestand in Heerdt schon im 1 2. Jh. Das Patronat besassen die 
Äbtissinnen von St. Quirin, denen schon io74 der Hof zu Heerdt gehörte. Im J. I298 
wird die Kirche zuerst als Pfarrkirche erwähnt (Lacomblet, UB. II, Nr. 10 11). Die 
alte Kirche wurde im J. i843 wegen Baufälligkeit niedergelegt und an ihrer Stelle 
i847 eine neue nach dem Plan des Stadtbaumeisters Freyse von Krefeld errichtet. Die 
Kirche ist ein dreischiffiger gothischer Hallenbau aus Backstein mit Bündelsäulen. 
Von der alten Ausstattung sind erhalten: 

Kanzel in unbemaltem Eichenholz, vom Ende des 16. Jh., auf einer kannelierten 
Säule ein sechsseitiges Gehäuse, jede Seite zerlegt in zwei Felder, darin die Hoch- 
relieffiguren Christi, der hh. Quirinus, Judas, Jakobus und der vier Evangelisten. 

Taufstein, 95 cm hoch, aus grauem Granit, Werk des 12. Jh. von der am 
Niederrhein häufigen Gruppe (Kimstdenkmäler d. Kr. Kempen S. 16). Das runde 
Becken mit vier Eckköpfen, um das ganze Becken ein gedrehtes Band als Ornament 
Zwischen den vier Köpfen in scharfem Relief i. Lamm mit Kreuznimbus und Kreuz- 
fahne, 2. geflügelter Drache mit Ringelschwanz, 3. u. 4. löwenartige Tiere mit Flossen- 
füssen, aus ihren Mäulem Ranken herauswachsend. Der Untersatz (Mittelcylinder 
mit vier Ecksäulen) neu. 

Gemälde des 16. Jh., S. Sebastian zwischen S. Quirinus und S. Katharina, 
ohne Wert. 



332 



HOLZHEIM — KAARST 



25 



Zwei spätgothische schmiedeeiserne Leuchterhalter des i5. Jh. auf vier Füssen, 
für fünf Kerzen eingerichtet. 

Zwei Paar gebuckelte Kupferleuchter des 16. Jh. 

Monstranz mit Inschrift: henricus von duren hat geben diesse mon- 
STRANTZ IN DIE FAHRKIRCH (so) ZU HEERDT ANNO i736. Beschauzeichen Und Marke: 
Löwe mit Anker (?) und R, 

Glocken. Ann. h. V. N. XXVI, S. 4i3. — Heimat i87S, S. 23. Die älteste 
mit dem Bilde des Gekreuzigten zwischen Johannes und Maria und der Inschrift: 

JHESUS UND SEINE MUTTER WEHRT SEIN DURCH MEINEN THON GEEHRT, WELCHEN 
ICH IN MIR VERMAG, DURCH DEN GOS JOHANN REUTTER ICH SAG ANNO l6l3. 

Die zweite (grössere) mit dem Bilde der Madonna und der Inschrift: deo uni 

ET TRINO AD HONOREM S. BENEDICTI ABBATIS PATRONI A. l637. PASTORE GODEFR. 
KESSELLIO. VIVOS VOCO, MORTUOS SEPELIO, TONITRUA PELLO. JOSEPHUS MICHELIN 
ET PETRUS DRON ME FECERUNT. 

Im KLOSTER (S. Josephshaus, i892 erbaut) neben der Kirche: Gutes hölzernes 
Sitzbild der Madonna aus dem i5. Jh., das fast ganz nackte sehr lebhafte Kind 
auf dem linken Knie. 



Kiithol. 
Pfurrkirche 

Leuchter 



Monstrani 



Glocken 



Kloster 



HOLZHEIM. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. ts. Martini). Binterim u. Mooren, 
E. K. I, S. 27 1. 

Der Ort wird bereits 801 genannt (Lacomblet, UB. I, Nr. 20). Um i3oo 
besteht hier nach dem über valoris schon eine Pfarrkirche. Die alte Kirche wurde 
in den vierziger Jahren abgebrochen und an ihrer Stelle eine neue errichtet, die den 
29. Juni i843 eingeweiht wurde. 

Glocken. Die erste mit der Inschrift: a. d. i399. maria vocor. defunctos 

PRODO. VIVOS VOCO. FILIUM APPELLO. IN HONOREM S. MARTINI. HENRICUS DE GERRES- 
UEIM ME FECIT. 

Die zweite mit der Inschrift: Barbara vocor. Johannes de hoerken me fecit 
A- D. i444. 



Kathol. 
Pfiirrkirche 



Glocken 



KAARST. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Martini ep.). Binterim u. 
Mooren, E. K. I, S. 272. 

Die Kirche wurde im 12. Jh. errichtet; im liber valoris um i3oo wird sie noch 
mit der von Willich verbunden unter einem Pfarrer erwähnt. Der jetzige Turm stammt 
aus dem 12. Jh., die nach Binterim u. Mooren a. a. O. hier befindliche, nicht mehr 
nachweisbare Inschrift mit der Zahl ioo7 würde auf einen älteren Bau hinweisen. 
Auch die ebendort erwähnte Inschrift an dem alten südlichen Seitenschiff mit der 
Zahl 1 146 (wohl das Erbauungsjahr der ganzen Kirche) ist nicht erhalten. Das Lang- 
haus wurde in der Mitte dieses Jahrhunderts abgebrochen und durch einen wenig 
gelungenen dreischiffigen Backsteinbau mit weitausladendem QuerschifT ersetzt. 

Der erhaltene romanische Turm ist aus Tuff aufgeführt, aber verputzt. In 
dem Erdgeschoss romanisches Portal mit Ecksäuich en, die von fein gearbeiteten Blatt- 
kapitälen gekrönt sind. Die äussere Umrahmung schon i763 erneut. Das zweite und 



Kathol. 
Pfarrkirche 

Geschichte 



Turm 



333 



z6 . KREIS NEUSS 

dritte Stockwerk zeigen eine Gliederung mit Vertikallisenen und Rund bogen fries, im 
obersten (dritten) Gcsclioss einfache rundbogige Fenster. 

Die Ausstattung zeigt die spätesten Rokokoformen. Bemerkenswert nur: 

Taufstein des i8. Jh. von schwarzem Marmor, darüber die Inschrift: quosamor 
CONIUNXIT, MORS SEP.\RARE NON POTlJiT. Der von BrNTERiM u. MooREN erwähnte 
Taufstein, rundes Becken mit vier Köpfen und Tierreliefs auf den Seitenflächen, ist 
nicht erhalten. 

Fünf hölzerne Heiligenfiguren des i7.Jh. 

Gemälde, Christus am Kreuz, aus der Mitte des i7.Jh. 

Fünf Leuchter von getriebenem Messing. 

Glocken. Die grössere mit der Inschrift: anno mcccclxxxiii suferaddb 

HENSE NOVEMBRIS SUM FACTA VENLO JOANNE (so). MARTINUS VOCOR IN CARST PATRO- 

NUS EXISTENS. 

Die kleinere mit der Inschrift: Joannes Petrus et henricus a trier fratres 

ME FECERUNT l6Sl. VIRCO MARIA VOCOR TURRIM TEMPLUMQÜE TUEBOR. 

bc Die KIRCHE des izi4 gestifteten, vor iz37 nach Eppinghoven verlegten 

Klosters (vgl. oben S. iS), welche zwischen Kaarst und Willich, in der Nälie des 



jetzigen Böckemer Hofes, lag, hiess die weisse Kirche und erhielt sich bis in das 
vorige Jahrhundert, wie sich aus den Kirchenrechnungen von Kaarst ergiebt, worin 
Reparaturkosten von Weissenkirchen verrechnet werden {Ann. h. V. N.II, S. 397). 

HAUS LAUVENBURG. Das Haus war der Stammsitz der Herren von 
Lauvenburg. Durch Heirat mit der Erbtochter Jutta von Lauvenburg kam es 147* 
an Wilhelm von Calcum gen. Lohausen. Im J. i487 wird Heinrich von Hemberich 
vom Kölner Erzbischof mit dem Gut belehnt; in dem Besitz der Herren von Hem- 
berich (Hemroerich) zu Rautenberg verblieb es sodann durch mehrere Generationen. 
Am Ende des i6. Jh. erwarb Heinrich von der Hoevelich, Amtmann zu Portz, das 
Gut Alt-Lauvenburg. Sein Enkel Freiherr Ferdinand von der Hoevelich, kurkölnischer 
Geheimer Rat, setzte 1680 den Freiherm Franz Karl von Frentz zu seinem Erben 
ein. Die jetzige Eigentümerin ist Frau Witwe Wilhelm Peltzer zu Kaarst 

Die Burg (Fig. 12) besteht aus der Vorbui^, die durch im rechten Winkel 
zusam mens tossende niedrige Wirtschaftsgebäude gebildet wird, und dem von besonderen 
Graben abgeschlossenen Herrenhaus. Das Herrenhaus ist ein überaus malerischer fast 
quadratischer Bau von zwei Stockwerken über einem hohen Unterbau, aus Backstein 
aufgeführt und verputzt, mit einem hohen und steilen Walmdach eingedeckt, das von 
vier schlanken Kaminen durchbrochen wird. Den vier Ecken treten kleine achtseitige 
Türmchen vor, mittels Pendentifs aus dem Viereck übergeführt und reit kleinen ge- 

334 



KNECHTSTEDEN 

schweiften Hauben eingedeckt. Die ^- — 

alten Fenster — hohe und schmale — ' /\. 

öflhungen mit mittleren horizon- _ / t^F 

talen Steinbalken — sind zum Teil 
verändert worden. Auf das Haupt- 
portal zu führt aus dem Wirt- 
schaftshofe eine Freitreppe (Fig. 1 3) 
in zwei Absatzen mit steinernen 
Balustraden, zur Seite des Portales 
zwei h(Kkende Löwen als Wappen- 
halter mit den Schildern der 
Hoevelich und der Schenck von 
Nideggen. Über dem Portal ein 
feingegiiederter dreiteiliger Etker; 
die untere Schräge mit schönem 
Renaissanceoma ment verziert. Im 
Inneren zieht sich in beiden Stock- 
werken durch die Mittelachse des 
Baues eine grosse Diele hin, die 
beiden Dielen sind durch die im 
Hintergrund liegende, mit weissen 
Stuckgewölben verzierte Treppe 
verbunden. Die obere Diele öffnet 
sich nach dem schon genannten 
Erker. In den einzelnen Räumen 
sind noch gute Balken- und ein- 
fache Stuckdecken mit Leistenver- 
zierung erhalten, in einem (ver- 
bauten) Raum des unteren Ge- 
schosses ein hübscher Renaissance- 
kamin aus schwarzem uud buntem 
Marmor. An Ausstattung^;egen- 
ständen sind nur ein altes LUster- 

weibchen des i6. Th. und einige „. ,, „ „ , ,. u 

Porträts a 



KNECHTSTEDEN. 

EHEMALIGE PRÄMONSTRATENSERABTEL 

Sacri et canonici ordinis Praemonstratensis annales, Nancy i734, II, p, 6. — 
pRiSAC in Lerschs Niederrheinischem Jahrbuch für Geschichte und Kunst i844, S. 6o. 

— Kölner Domblatt i844, Nr. 83; i8S4, Nr. io8; i86o, Nr. i88, i89. — Nachrichten 
über Klöster des Prämonstratenserordens, XV. Knechtsteden i Ann. h. V. N. 11, S. l78. 

— Mooren, Zur Geschichte der Abtei Knechtsteden: Ann. h. V. N. VH, S. 38. — 
Ann. h. V. N. IX, S. 3 1 1 . Vgl. weiter das Register Bd. XL, S. 37o. — Urkunden von 
Knechtsteden: v. Ledeburs Allgeraeines Archiv XL S. i53; Dess. Neues allgemeines 
Archiv III, S, 365. — Fr. Bock, Die Prämonstratenserkirche Knechtsteden : Baudris 

33S 



28 



KREIS NEUSS 



Abtei 



Handtchriftl 
Quellen 

Berlin 

Brüssel 



München 



Grefrnth 



Düsseldorf 



Kfiln 



Geschichte 



Erbauung der 
Kit che 



Organ für christliche Kunst X, S. 24 1. Äussere Ansicht ebenda XI, S. i33. — Nap. 
Weinhagen, Beschreibung der im Kreis Neuss am Niederrhein gelegenen Besitzungen 
des Herrn W. v. Hövel, Köln 1 860. — Raschdorff, Die Prämonstratenserabtei Knecht- 
steden: Erbkams Zeitschrift für Bauwesen XXIV, i874, S. 6f. Mit i7 Abb. im Text 
und grosser Aufnahme auf Tafel XVIII — XXI. — Choransicht im Reisealbum zur 
Erinnerung an den Rhein von Schülern der Berliner Bauakademie i865, Taf. XL — 
KuGLER, Geschichte der Baukunst II, S. 324. — Otte, Geschichte der romanischen 
Baukunst S. 323. — Ders., Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie II, S. 73. — 
Lübke, Geschichte der deutschen Kunst S. i67. — Dohme, Geschichte der deutschen 
Baukunst S. 64, 106, 126. — Dehio u. v. Bezold, Kirchl. Baukunst des Abendlandes II, 
Taf. i65, i; i7i,7; i75, 6; III, Taf. 354, i — 3. — Die Abteikirche und das Kloster 
Knechtsteden : Neuss - Grevenbroicher Zeitung i889, Nr. 162, 168, 180, 186, i92, 2o9, 
2 1 5. — Über die Restauration : Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit N F. XXVI, 
1879, S. 279; XXVIII, 1881, S. 62. — Korrespondenzblatt der Wd. Zs. I, S. 1 1; II, 
S. 8, i9. — Aufnahmen ausser den publicierten in der Königlichen Regierung zu 
Düsseldorf, im Denkmälerarchiv der Rheinprovinz in Bonn, im Besitz des Herrn Bau- 
rats Stubben in Köln und des Herrn Redakteurs J. Schmitz in Neuss. 

Handschriftl. Qu. In der Kgl. Bibl. zu Berlin: Cod. Boruss. 4^ 278, darin 
an vierter Stelle Chartularium Knechtsted ense, von Quix' Hand. 

In der Bibl. du roi zu Brüssel: Cod. lat. 8564 Series praepositorum et abba- 
tum Knechtstedensium, Hs. des 1 7. Jh. 

In der Staatsbibl. zu München: Ausführliche Regesten von 11 55 ab, die wich- 
tigsten Urkunden in Abschrift: REDiNGHOVENscher Sammelband Cod. germ. 221 3, 
Bd. XVII, S. 99. 

Im Pfarrarchiv zu Grefrath bei Kempen: Hs., enthaltend die Fundatio Knecht- 
stedensis, bis i78o fortgeführt, und den Catalogus fratrum, bis 1824 ergänzt (abgedruckt 
von Mooren in den Ann. h. V. N. VII, S. 38). 

Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: i63 Urk. von ii34 — 1756. — Kopiar (B. 9«) 
vom J. i72o. Vgl. Lacomblet, UB. I, Einleitung S. X. — Ilgen, Rhein. Archiv S. 89. 

In der Stadtbibliothek zu Köln: Abschriften von Urkunden von 11 54 ab in 
den Farragines des Gelenius IV, Bl. iio — 160. 

Auf dem Frohnhof von Knechtsteden, dem Erbgute Hugos von Sponheim, von 
diesem im J. ii3o der Kirche geschenkt, wurde im J. ii32 eine kleine Kirche (angusta 
et modica) und ein Kloster errichtet — auf den Rat des Erzbischofs Friedrich von 
Köln übergab der Erbauer es den Prämonstratensern. Nachdem Erzbischof Bruno II. 
von Köln 11 34 die Stiftung der Abtei bestätigt (Lacomblet, UB. I, Nr. 3i9) und 
das Kloster sich rasch vergrössert hatte, schritt man schon 1 1 38 zur Errichtung der 
jetzigen grossen Abteikirche. Der Schöpfer des Planes und der Erbauer der west- 
lichen Hälfte ist Christianus, bisher Schatzmeister des Andreasstiftes zu Köln (Ann. 
h. V. N. VII, S. 44. — Fund. Knechtst. : exstruxit . . . sanctuarium et testudinem eius ab 
utraque parte chori fornices eorum consummavit. Ausführlicher die Ann. Praemonstr.: 
sanctuarium, chorum et collaterales hinc inde alas, splendida testudine cameratum 
opus, bino confecit anno). 

Nach dem Tode des Christiajius wird die Kirche durch den Abt Hermann 
( 1 1 5o — 1 1 8 1 ) vollendet, nachdem der frühere Aachener Probst Albert sein ganzes Ver- 
mögen dem Kloster vermacht hatte. Er führt den Ostteil mit den drei Türmen auf, 
lässt die Glocken giessen und übernimmt die innere Ausschmückung (Fund. Knechtst, 
. . . ab ea parte, quam Christianus praepositus exstruxerat, usque ad finem perduxit: 



336 



J 



KNECHTSTEDEN 



29 



Abtei 



Zcritöruiig 



Neubauten 



Brand 



tres turres erexit, campanas conflari fecit et quidquid ad aediiicii splendorem facere 
posset procuravit. In hanc structuram impendit mille quingentas marcas). 

Im Burgundischen Kriege (i474 — 1477) ging auch Knechtsteden in Flammen 
auf. Der Abt Ludgenis von Monheim führte i477 die nach Köln geflohenen Mönche 
wieder zurück, baute das Kloster wieder auf und versah die Kirche mit einem neuen 
Dach : an Stelle der eingestürzten Ostapsis errichtete er den spätgothischen Chor. Der 
Abt Leonard Teweren (i6i9 — 1666), der grosse Erneuerer der Macht des Klosters, 
Hess wiederum ein neues Dach auf die Kirche setzea (Jahreszahl i63i am Nordgiebel 
vgl. unten), sein Nachfolger Peter Gillrath Hess sie ausschmücken. Unter dem Abt 
Heinrich Keuter (i769 — 1777) erhielt endlich die Kirche eine völlige Rokokoausstattung. 
Vor den andringenden Franzosen flohen im Oktober i794 Abt und Mönche. Die 
französischen Soldaten, unterstützt von den benachbarten Landleuten, zerstörten die 
innere Ausstattung der Kirche, zerschlugen den Hochaltar und die Orgel. Die Mönche 
kehrten zwar i79S zurück, aber am 7. September 1802 wurde das Kloster aufgehoben. 
Im J. i895 wurde das Kloster von den Vätern vom heiligen Geist wieder bezogen. 

Am 7. Juni i869 zerstörte ein grosser Brand die Klostergebäude vollständig und 
den Dachstuhl der Kirche. Im J. i87l wurden durch die Königliche Regierung die 
Dächer wiederhergestellt und weitere Sicherungsarbeiten für i689o Mark ausgeführt. 
Als im J. i878 ein weiteres Fortschreiten des Verfalls festgestellt wurde, bildete sich 
auf Anregung und unter dem Vorsitz des Herrn Landrats von Heinsberg in Neuss 
ein Knechtstedener Bauverein, der die Weiterführung der Restauration übernahm. Die Re«tauraüon 
Kirche ist nach dem Plane von Heinrich Wiethase in Köln im Äusseren gründlich 
restauriert worden, im Inneren sind die dem Einsturz drohenden Gewölbe, die Fenster, 
der Flurbelag neu hergestellt. Die bis i895 von dem Bauverein aufgewendeten Mittel 
belaufen sich auf 66180 Mark, hiervon sind 35575 Mark durch eine Lotterie auf- 
gebracht; 16000 Mark sind von Seiten der Provinzialverwaltung von i879 — 1887 
bewilligt worden. Neben diesem Verein wirkt der Verein zur Wiederherstellung der 
Kirche von Knechtsteden in Köln unter dem Vorsitze des Herrn Anton Scheben^ 
der sich vor allem mit der inneren Ausstattung der Kirche befasst und bis i895 ins- 
gesamt 65o8 Mark verausgabt hat. 

Die ABTEIKIRCHE ist eine doppelchörige Basilika des gebundenen roma- Abteikirche 
nischen Systems mit Stützen Wechsel. Der ganze Bau ist im Lichten 59,6o m lang und 
i8,7o m breit, das Querschiff" 25,8o m lang und 7,7o m breit. Das Material ist Tuff, die 
Mauerecken und die der Verwitterung zumeist ausgesetzten Teile bestehen aus Trachyt. 

In der Aussenarchitektur ist die Wcstapsis der schlichteste und strengste 
Teil der ganzen Anlage. Über dem 60 cm hohen Sockel erhebt sich die mit einem 
reichgegliederten Dachgesims abschliessende Mauer, die nur von drei in den Gewänden 
abgerundeten Rundbogenfenstem durchbrochen wird. An dem Giebel des Mittelschiffes 
darüber die Zahl Ii3i in Eisenankern (nicht ursprünglich). 

Das Langhaus ist gleichfalls in den einfachen Formen der i. H. des 12. Jh. 
gehalten. Der Obergaden des Mittelschiffes schliesst mit einem einfachen aus 
Kehle und Rundstab bestehenden Dachgesims ab, darunter zieht sich ein Rund- 
bogenfries hin, auf je sieben Rundbögen kommt eine Vertikallisene. Vier Paare von 
rundbogigen in den Gewänden zweimal abgetreppten Fenstern (das Profil der inneren 
Wandung abgerundet) beleben die Mauer. 

Die Aussenmauern der Seitenschiffe schliessen unter den Pultdächern mit 
einem ähnlichen Dachgesims ab, darunter zieht sich ein Rund bogen fries von fast 
dreifach grösserer Bogenspannung als am Mittelschiff hin; je der dritte Bogen wölbt 



Äusseres 
Westupsis 



Miuelschiff 



Seitcnschiflf« 



337 




-'4 






KNECHTSTEDE-J 




Fif. 19. KHchlilcdeii. GTundiiu der AbKikirchc. 



3» KREIS NEUSS 

t sich über einem der rundbogtgen, in den Gewänden zweimal abgetreppten Fenstern. 
Das Profil der inneren Wandung, bei der Restauration geradlinig ergänzt, war ursprüng- 
lich abgerundet, wie das fiber dem mittleren Portal zum Vorschein gekommene Fenster 
auswies. An der Nordseite waren bei der Einfügung des barocken Kreuzganges die 
Fenster vermauert, der Rund bogen fries abgeschl;igen worden. 

Der Südseite ist {Abb. Fig. i6, i 7. — Vgl. Fig. iS) das grosse in den Gewänden 
viermal abgetreppte Portal vorgesetzt, das direkt an die Aussenmauer, ohne einge* 
bunden zu werden, angelehnt wurde. Es wurde von zwei Pfeilern flankiert und war 
mit einem eigenen Dach eingedeckt (ehemaliger Zustand in der Zs. für Bauwesen 
XXIV, Taf. ao, i). Bei dessen Entfernung kamen dahinter der Rundbogen fries der 
Aussenmauer und ein (vermauertes) Fenster zum Vorschein. Das Portal zeigt in den 
Gewanden zwei Paare von aus schwarzem Basalt hergestellten Säulen, die in den 
Bögen als Rundstäbe fortgesetzt sind. Basen, Kapitale und Kampfer sind gemeinsam 



Fif. 16. Knechiiledin. SOdwtiuniichl der Abtcikiieh«, 

um die ganzen Gewände verkröpft ; um den inneren Bogen lauft ein vorzüglich 
ornamentierter Akanthusblattfries. Das für Bemalung bestimmte Tympanon tragt die 
Spuren einer aus dem 1 7. Jh. stammenden Malerei, das Lamm auf dem Buche mit 
den sieben Siegeln darstellend. 

An der Südseite zog sich ursprünglich ein Kreuzgang von neun Jochen hin. 
Die grossen runden Schildbögen desselben sind in dem Mauerkßrper der SeitenschiH- 
mauev noch erhalten. Bei der Einfügung des Siidportales in der i. H. des 12. Jh 
wurde der alte Kreuzgang abgebrochen und an seine Stelle ein neuer mit leicht 
zugespitzten Bögen von geringerer Spannung gesetzt, westlich von dem Portal vier, 
östlich zwei, wahrend die beiden östlichen Joche wahrscheinlich unverändert blieben. 

Das östliche Joch war ab kleine Kapelle ausgebaut, hier findet sich in der 
Langsmauer eine 7o cm tiefe Blende, in der östlich vorspringenden Aussenmauer des 
südlichen Querarms eine Apsis mit drei Bögen und Rundstäben in der Wölbung, beide 
Mauern von je einem kreisrunden Fenster durchbrochen. 

Eine grosse Anzahl der schönen romanischen Kapitale aus dem Kreuzgang wurden 
längere Zeit in der Sakristei nördlich der Kirche aufbewahrt (Abb. in der Zs. für Bau- 

34o - 



KNECHTSTEDEN 33 

wesen XXIV, Taf. Ji); die meisten sind jetzt in einem Park bei Königawinter auf- / 
gestellt. Einige der noch an Ort und Stelle erhaltenen abgebildet in Fig. 1 8. 

Weit reicher ist der Ostteil, das Querschiff mit dem Chor und den drei 
Türmen ausgestattet. Das Querschiff zeigt in seinen Aussenmauem eine Gliederung, 
die von der des Obergadens des Mittelschiffes durchaus abweicht. Den Abschluss bildet 
ein als Schmiege auch um die Giebelseiten verkröpftes Dachgesims, unter das ab- 
wechselnd vierseitige Diamantkonsölchen und Rundstabki>nsölchen treten. Über einem 
Hausteinhorizontalgesims durchbrechen nach Westen, Süden und Norden je zwei grosse 
rundbogige Fenster die Aussenmauem, die von grösseren rundbogigcn Blenden ein- 
geschlossen sind, der trennende Pilaster ist auf den Giebelseiten herabgeführt und 



Fi(, 17. Knechutcdm. Sadpotml dn AbtaiUrch*. 

dreimal al^etreppt. Der südliche Giebel ist nur durch drei rundbugige Blenden be- 
lebt, von denen die mittelste als Fensler durchgebrochen ist, darüber ein Rundfenster, 
der Nordgiebel durch eine grosse Rundblende mit darüb erhinlaufendem Stabprofil und 
Ecksäukhen, darüber ein Rundfenster. In Eisenankcm hier die Zahl i63i. Das Dach 
des Kreuzschiffes war ursprünglich um fast i m niedriger; an der Nordseite ist das 
alte Dachgesims, im inneren Uachraum sind die alten Dachanslltze erkennbar. 

Über den die Fenster einfassenden Blenden zieht sich im Rundbogen ein einen 
Tuffziegel starkes Stabprofil hin, das aber an dem südlichen Querarm abgeschlagen 
ist. Die an der Ostseite der Kreuzarme angebrachten Seitenapsiden sind abgebrochen, 
die Öffnungen vermauert, die Ansätze sind noch in dem Mauerwerk der anstossenden 
Türme erhalten, ebenso die Fundamente. Ihre Wiederherstellung ist für das Jahr i89S 
in Aussicht genommen. 

s 
341 



; Um die beiden in die Ecken zwischen die Kreuzarme und den Chor tretenden 

viereckigen Türme ist das Dachgesims der Kreuzarme als Klötzchenfrics mit darunter 
tretendem Rundbogen fries weitergeführt. Der Mauerkorper bis zur Hohe dieses 
Frieses ist in zwei Hälften geteilt Die Felder der oberen Hälfte werden von grossen 
mndbogigen Blenden belebt, ebenso die untere Hälfte an der Ostseite; an den Nord- 
und Südseilen, wo die anstossenden Seitenapsiden durch einen dreiseitigen Mauer- 
körper mit den Türmen verbunden waren, konnte nur eine kleine Blende Platz finden. 
Schmale Fenster erhellen die Türme; im südlichen liegt eine Treppe. Das über den 
Blenden hingeführte Stabprolil ist gleichfalls nur auf der 
Nordseile erhalten. 

Ober dem grossen Horizontalgesims erheben sich 
die Türme noch in drei Stockwerken. Das untere Feld 
und die beiden oberen zusammen sind durch Vertikal- 
liscnen und Rundbogen fries eingerahmt. Im ersten 
Gcschoss findet je ein Rund böge nfenster mit Elcksäuten 
und Rundstab, im zweiten je ein Doppelfenster mit 
Mittelsaule, im dritten finden je zwei kleinere Doppel- 
fenster mit Mittelsäule und einrahmendem Rundslab 
Platz. Über dem aus Schmiege, Kehle und Rundstab 
gebildeten Dachgesims erhebt sich d;is vierseitige Pyra* 
midendach. Die Türme sind in den oberen drei StiKk- 
werken leicht verjüngt. 

Der achtseitige Vi er ungs türm zeigt in jedem seiner 
acht, durch Rund bogen friese abgeschlossenen Seiten- 
fekler je ein grosses dreiteiliges romanisches Fenster, 
deren schlanke Saulchen Würfelkapitäle und weitaus- 
ladende Kämpfer tragen. Der Turm schloss ehemals 
mit acht Giebelchen ab, ein jedes durchbrochen von 
einem Doppelfenster mit Ecksäulchen und Rundstab. 
Nach dem Brande wurden die Spitzen der Giebel ge- 
kappt, die Zwickel mit Backsteinen ausgefüllt, auf den 
Turm wurde ein einfaches achtseitiges Pjramidendach 
gesetzt. Der Turm ruht mit vier grossen Bc^en auf 
den Vierungspfeilcm, die Überführung in das Achteck 
ist durch Pendentifs, aussen durch flache Abdeckungen 
vermittelt. 

Die Ostapsis, in der Aussenmauer in drei Ab- 
sätze zerlegt, setzte ursprünglich die Gliederung der 
: fori; der nach i477 errichtete spaigothische Chor ist ohne Vermittelung 
an das Chorhaus angefügt (Fig. 1 5). Nur die Aussenmauern des Chorhauses sind 
zum Teil in der alten Gestalt erhalten, freilich rücksichtslos durchbrochen von einem 
unschönen halbierten spaigothische n Fenster. Ober dem S m hohen Unterbau, der 
durch Pilaster gegliedert ist, zogen sich zwischen Pilastem rundbogigc Blenden hin 
mit Ecksäulen (vier der Basen erhalten), die die rundbogigen Fenster einrahmten. 
Am Chorhaus zeigen sich nach Süden und Westen in dem oberen Drittel des Mauer- 
kötpers Vierpassfenster. 

Die drei zweiteiligen spätgothischen Chorfensler durchbrechen die Aussenmauer 
ohne Rücksicht auf deren Gliederung; das Ostfenster tritt nicht einmal zwischen die 




Fig. 18. 



KNECHTSTEDEN 35 

beiden östlichen Aussenpilaster. Die Apsis war ursprünglich halbrund, mit einer / 
HalbkupfJel eingewölbt und durch drei grosse rundbogige Fenster erleuchtet {rekon- 
struiert in Fig. i9 und bei Dehio u. v. Bezold II, Taf, i7!, 7). 

Im Inneren wird das Mittelschiff durch vier quadratische Joche mit rippen- 
losen Kteu^ewölben gebildet, denen in den Seitenschiffen je zwei quadratische Joche 



Fig. 19. Kncchiiiedtn. Qucnchnlti dimli die AbidUrehe (die Apiid« in dar ilui Giiult nkaniinilsn). 

entsprechen. Die Hauptpfeiler sind auf quadratisclier Grundflache aufgefiihrt und 
treten nach dem Mittelschiff zu über die Scheidemauer hervor, so dass sie noch Ober 
den Arkaden bis zum Gewölbeansatz durchgeführt sind. Auf ihnen ruhen die die 
Mittelschiffgewölbe trennenden Gurte, über ihren Kanten steigen die Grate der Ge- 
wölbe auf. Den Hauptpfeilem treten nach allen vier Seiten kräftige Dienste vor, der 

9» 

343 



36 



KREIS NEUSS 



Abteikirche dem Mittclschiff zugckehrtc ist gleichfalls bis zum Gewölbeansatz durchgeführt und 
dort mit einem Würfelkapitäl gekrönt, setzt sich aber über dem hier um den ganzen 
Pfeiler verkröpflen Kämpfergesims als derber Rundstab in dem Gurt fort. Über dem 
durch das ganze Langhaus laufenden, aus zwei Rundstäben mit Kehle bestehenden 
Gurtgesims ist der Obergaden des Mittelschiffes nur durch je zwei Paare von rund- 
bogigen Fenstern belebt, mit leicht abgeschrägten Gewänden und sehr stark abfallenden 
Sohlbänken. Vgl. Fig. 2 1 ; das System des Mittelschiffes grösser bei Dehio u. v. Bezold II, 
Taf. i75, 6. 










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Fig. 20. Knechtsteden. Kapitale in der Abteikirche. 

Siüuen Die den Hauptpfeilern vortretenden Dienste sind auf allen Seiten von der 

gleichen Stärke und ohne Verjüngung. Sie besitzen sämtlich eigene Basen von ziem- 
lich steiler Form mit auffallend hohem unterem Wulst und mit Eckblättem, die letzteren 
in der verschiedenartigsten Form, als Blätter, Klötzchen, Kreuze u. s. w. gebildet. Nur 
die untere Schmiege ist um den ganzen Pfeiler verkröpft. Jeder der Dienste trägt 
ein Würfelkapitäl, zum Teil mit Stabwerkverzierung, durchflochtenen Bändern imd ein- 
gekerbten Blättern. Das reiche Kämpfergesims ist nach den Seitenschiffen zu um den 
ganzen Pfeiler verkröpft. Die Arkadenstützen sind von Westen nach Osten vorschreitend 
immer reicher, zierlicher und leichter gestaltet. Das erste westliche Paar bilden zwei 

344 



j 



KNECHTSTEDEN H 

Pfeiler auf genau quadratischer Grundfläche mit einfacher niedriger Basis und ein- i 
fächern Kampfer. Dann kommen auf attischen Basen otme Eckbiätter mit erhöhten 
Phnthen zwei nur wenig verjüngte kräftige Säulen mit wenig ausladenden Würfel- 
knpitälen. Das nächste Paar bilden zwei starker verjüngte Säulen auf 7o cm hoher 
Plinthc mit Basis, gekriint mit ziemlich weit ausladendem Würfelkapital. Das letzte 
Paar endlich bilden BOndel von je drei dünneren Säulen, jede etwa von der Starke 



Fig. 31. Kncchuiedcn. Inner« der Abltikirche. 

eines der Dienste, mit zusammengewachsenen Basen und Würfelkapitülen und gemein- 
schaftlicher niedriger abgeschrägter Plinthe sowie gemeinschaftlichem Kampfer. 

In den Seitenschiffen entspricht jeder Stütze eine Dreiviertelssüule, die wie 
die Dienste der Pfeiler mit Basis und Würfelkapital geschmückt sind. Nur zwischen 
dem dritten und vierten Joch der Nordseite findet sich an Stelle der Säule ein Halb- 
pfeiler. Die Aussenmauem der Seitenschiffe sind ohne Gliederung, die Gewände der 
Fenster sind leicht ausgeschrägt, die Sohlbänke stark abfallend. 

34S 



38 



KREIB NEUSS 



Abteikirche 
Querschiff* 



Vierung:spfetler 



Kreuzarme 



Das Querschiff und das Chorhaus bildeten ursprünglich vier Quadrate, die 
sämtlich durch Kuppeln überdeckt waren. Das Kuppelgewölbe über dem Chorhaus 
ist bei der Anlage des spätgothischen Chores beschnitten worden. Die Vierungskuppel 
setzt unmittelbar über den Schwibbogen auf, während die Kuppeln der Kreuzarme 
durch je vier Schildbögen vorbereitet sind. Nur die Vierungskuppel besitzt einen 
offenen Mittelring. 

Die Vierungspfeiler nehmen die Gliederung der Hauptpfeiler des Mittel- 
schiffes auf. Die beiden westlichen bestehen aus zwei durcheinandergeschobenen 
Rechtecken, die darüber aufgebauten die Vierung umgrenzenden Schwibbogen haben 
die Breite einer Pfeilerschmalseite. Jeder Schmalseite tritt ein starker Dienst vor, der 
sich in den Schwibbogen über dem um den ganzen Vierungspfeiler verkröpften 
Kämpfer nicht als Rundstab, wie im Langhaus, sondern als kantige Vorlage fortsetzt. 




O mm ' I t « I I ♦ » t t 



Hüuptapsit 



Fig. 22. Knechuteden. lüngsschnitt durch die Abteikirche. 

Die Kämpfer der Vierungspfeiler liegen 1,2 5 m tiefer als die Kämpfer der Hauptpfeiler 
im Langhause (vgl. den Längsschnitt Fig. 22). An dem westlichen Pfeilerpaar sind 
die Kapitale noch in einfacher Würfelform gehalten (Fig. 20), an den Ostpfeilem sind 
sie mit reichem Ornament überzogen, das Motiv der stilisierten Weinranke mit Trauben 
und Blättern variierend. 

Die Kreuz arme sind in der Innenarchitektur sehr einfach gehalten. An den 
Nord- und Südseiten ziehen sich zwischen den beiden Fenstern ungegliederte Pilaster 
vom Boden bis zum Gewölbe, ebenso an den Wests'eiten bis zu den Sohlbänken der 
Fenster. Nach den Ostwänden öffiieten sich die nach der Zerstörung des burgun- 
dischen Krieges abgebrochenen (i895 neu aufzuführenden) Seiten apsiden. Ein in der 
Höhe der Kämpfer angebrachtes Doppelfenster mit Mittelsäule und Würfelkapitäl er- 
leuchtet den Treppenaufgang in den viereckigen Ecktürmen. 

Die romanische Hauptapsis war ursprünglich im Inneren durch zierliche 
Säulen eingerahmt, die auf kräftigen Konsolen in der Höhe von 4,5o m ruhten und 



346 



KNECHTSTEDEN 39 

mit ornamentierten Kapitalen den Triumphbogen trugen. Die Säulen sind erhallen, a 
auf ihnen setzt jetzt der gestelzte gothische Spitzbogen auf. Der dreiseitig gesthlossene 
Chor ist in der der ausgehenden Gothik eigenen Formensprache gegliedert; die scharf- 
profilierten Rippen, zwischen denen 
die Kappen tief eingeschnitten sind, 
wachsen aus den auf Konsölchen auf- 
sitzenden Wandvorlagen heraus. Die 
Fenster sind zweiteilig mit schmalen 
Pfosten. 

Der Chor ist um fünf Stufen gegen 
das Querschiff erhiiht. Ursprünglich 
schloss er mit einem steinernen Lett- 
ner gegen die Vierung ab. An den 
(istlichen Vierungsp feilem finden sich 
noch dessen Ansätze : ein Pfeiler und 
zwei Ecksaulen mit reichen Blatt- 
kapitälen, die über einer gemeinsamen 
Deckplatte einen Aufbau tragen mit 
einem reich pru filierten Kronungs- 
gesims, das an seinem unteren Ende 
durch einen schönen Lüwenkopf ver- 
ziert ist. An dem südlichen Pfeiler 
ist auf der Deckplatte eine liegende 
Löwengestalt angebracht {Fig. 23, 20. 
— Vgl. Zs. für Bauwesen XXIV, 
Taf.i9, Fig.3; Taf. 20, Fig. lo). Die 
Säulenschäfte sind von schwarzem 
Marmor, die Kapitale von feinem 
gelblichen Kalkstein, sämtliche ande- 
ren Teile aus Trachyt. Der ganze 
Aufbau ist 2,80 m hoch. Nach dem 
Altarhause zu sind diese Ansätze un- 
geschickt ausgeschrotet und mit Kalk- 
mörtel verschmiert, unter dem die 
Ansätze von Arkaden sichtbar werden. 
Der Lettner ist wohl schon im 1 7. jh. 
abgebrochen worden, als der Chor er- 
weitert werden musste. An den west- 
lichen Vierungspfeilem sind Löcher 
sichtbar, die darauf hindeuten, dass 
die Vierung nach den Kreuzarmen zu 
durch ein Gitter abgeschlossen und 
in dieser Weise zu dem Chorhause 

hinzugezogen wurde. t\g. 33. Knechunden. Lcitnemn»» in der AbMikirche. 

Die Kirche zu Knechtsteden ist die 
bedeutendste der drei Kirchen des Pr;im<instratenserordens in den Rheinlanden (die 
beiden anderen Hambom und Steinfeld). Wie die vier Jahre später begonnene 
Klosterkirche zu Steinfcld war sie wahrscheinlich als Pfeilerbasilika projektiert, aber 

347 



4o KREIS NEUSS 

t nur das erste Joch von Westen aus wurde nach diesem Plane ausgeführt, schon im 
zweiten Jnch wurden die Arkadenpfeiler durch Säulen ersetzt. Der Knechtstedener 
Bau ist im Aufriss reicher, in den Verhältnissen glücklicher und wirkungsvoller als 
der Steinfeider; der Vierungsturm, der bei dem letzteren ganz verkümmert ist, ist hier 
bedeutend und dominierend ausgebaut. Seit die Kirche von St. Mauritius in Köln 
al^erisscn, ist unsere Abteikirclie das älteste Beispiel für die Verwendung des gebun- 
denen romanischen Systems am Niederrhein. Neben der Kirche zu Echtemach ist 
sie zudem die einzige in Westdeutschland, die den Stützen Wechsel zeigt. Die Wahl 
des Stützen wechseis ist hier oiTenbar zurückzuführen auf die enge Verbindung Knecht- 
stedcns mit der Heimat dieses Motivs, Obersachsen (Magdeburg). Als der Urheber des 
Planes ist der Meister Chiislian anzusehen. Der Plan wurde unter Hermann nicht auf- 
gegeben, sondern nur reicher ausgestaltet Von Westen nach Osten fortschreitend, ent- 
wickelt sich der Bau immer leichter und 
lebendiger. Die Entwicklung erfolgt im Äussc- 

■ *' ' ' ,' ' ' '' ' !""• j •* ren sprungweise — hier findet zwischen der 

Formensprache des Langhauses und der des 
QuerschiiTes ein wirklicher Einschnitt statt ^ 
I im Inneren ist sie durch die wecliselndc Form 

der Stützen und die gesteigerte Fülle des 
' Ornamentes frei und geistreich vorbereitet 

Bemerkenswert ist die Verwendung reiner 
Kuppelgewölbe (die verhältnismässig selten 
sind, ähnlich in der Marienkirche zu Dort- 
mund und in der Kirche zu Kirchlinde) im 
Ostteilc. Die Gruppierung des achtseitigen 
Turmes mit den beiden Viereckstürmen über 
— dem Ostteil war augenscheinlich der St. An- 

-■MHi^^^^^^H^B^^ dreaskirche zu Köln entlehnt (die Ecktürme 

seit dem Brand von iizo nur in den unle- 
I - ren Teilen erhalten), an dessen Stift der 

Meister Christian Schatzmeister gewesen war. 
Fig.w. KnBihmeden. Diuiiiiii«w.iiddiiior»iio«n, D'^ Aussenwirkung der Kirche ist zur Zeit 
nicht nur durch den gothischen Ostchor, 
sondern auch durch die ungeschickte Erneuerung der Dächer nicht unwesentlich be- 
einträchtigt. 

Die sämtlichen Wand- und Gewölbe flächen der Kirche waren im Inneren ver- 
putzt, alle aus Hausteinen bestehenden Architckturteile, Gesimse, Säulen, Pfeiler, 
Gurte, dagegen unverputzt, aber bemalt. Die Kirche zu Knechtsteden besitzt das 
früheste vollständige, nicht durch Restauration entstellte farbige romanische Dekora- 
tionssystem am Niederrhein. Dieses System ist für das 1 2. Jh. ebenso wichtig wie 
das Jüngst entdeckte von Boppard für den Anfang des i3. Jh. Die Dekoration war 
durchaus massvoll und beschränkte sich ausschliesslich (mit Ausnahme der Apsiden) 
auf die Architekturteile. Die Schlifte und Basen der Säulen waren nit gehalten, die 
Kapitale und Kampfer im Langhaus blau, die halbrunden Flächen der Würfel kapitale 
rot, die einrahmenden Stube und die geometrischen Verzierungen auf den Flächen 
gelb (golden), zum Teil waren in die Flächen hinein symmetrische Blumen und Ranken 
gemalt. Die obere Deckplatte war wiederum gelb (gnlden). Die ornamentierten Kapi- 
tale der Vierungspfeiler waren gelb (golden) auf schwarzblauem Grunde, 

348 



KNECHTSTEDEN 4l 

An dem Gurtgesims war die obere Platte vergoldet, der Rundstab darunter war , 
dunkelblau mit gelben Ranken bemalt (vgl. das Schema in der Zs. für Bauwesen 
XXIV, S. 7o und Fig. i4). 

In der Apsb des Westrhores ist ein grosses Wandgemälde erhalten (Tafel I). 
Die Laibung des die Halbkuppel abschliessenden Gurtes ist mit einem gewundenen 
Muschelmuster versehen, eingefasst von gelben und braunroten Bändern. Der Grund 
der Darstellung ist kobaltblau, von einem breiten grünen Rand eingefasst. In der 
Mitte erscheint in einer Mandorla (mit den Streifen grün- braun -weiss) Christus als Welt- 
richter mit Kreuznimbus, braunhaarig mit leichtem Bart, auf dem Regenbogen sitzend, 
in grünlichbrauner weissgesHumter Tunika und rotbraunem Mantel, mit der Linken 
ein Buch auf die Knice stützend, die Rechte mit zwei Fingern segnend erhebend. 
Zu seinen Füssen liegt die kleine 
Gestalt des Stifters (Christianus) in 
weissem Gewände. Von der Inschrift 
neben ihm sind nur noch geringe Reste 
übrig geblieben, die keinen Sinn er- 
geben. Um die Mandorla die vier Evan- 
gelistensymbole; Der Engel in weissem 
Gewände und grauem Mantel mit der 
Inschrift: liber generationis jesu 
CHRISTI. Der Löwe mit der Inschrift: 

INITIVM EVANGELII JESU CHRISTI, der 

Adler mit der Inschrift: IN Principio 
ERAT verbüm, der Stier mit der In- 
schrift: FÜIT IN DIEBUS HERODIS REGIS 
IVD. Am linken Rande steht etwas ge- 
bückt in grünem Gewände und hell- 
braungrauem Mantel die untersetzte 
Gestalt des Petrus, in der Linken ein 
Buch haltend, mit der Inschrift: 

S. PETRUS PRINCEPS APOSTOLORUM, ZUr 

Rechten, mit langem gelblichen Bart 

und braunrotem Haar, in der Rechten •''s- *■ K"«cbut=Jco. o<uiii i« w.addtkotMiooeii. 
ein Buch haltend, S. Paulus, bezeich- 
net s. PAULUS doctor GENTIUM. Unter der ganzen Darstellung die Inschrift: haiestas 

ATQ. FIGUBA CRISTI SIGNATUR PER QUEM MtJNDUS REPARATUR AM US. Es 

folgt ein Band mit Zickzack mustern {Fig. aS). Die drei Apsidenfenster sind durch 
einfache braunrote und gelbe Streifen eingerahmt. Zwischen ihnen die Gestalten von 
elf (so) Aposteln, in Gruppen zu zwei (Fig. 26) und dreimal drei, alle mit Büchern und 
zu einander in Beziehurig gesetzt. Das untere Band und der untere Abschluss neu. 
Die Technik besteht in Kalk färben malcrei mit Rötel vorzcichnung auf trockenem 
Grunde. Die Umrisse sind nach der Vollendung der Malerei meist in den Lokal- 
farben nachgezogen. Die Schatten sind nicht vertrieben, sondern mit Übernahme der 
Technik der Buchmalerei, in starken Linien derselben oder einer Komplementärfarbe 
angegeben; die Schatten von Weiss sind Grün oder Blau, von hellgrün dunkelgrün, 
von hellblau dunkelblau. Bei anderen Farben sind die ganzen Flächen in der dunkleren 
Farbe angelegt und auf sie Lichter aufgesetzt — weiss auf dunkeigraugrün, rot auf 
grau. Das Gemälde ist von kunsthistorischem Wert, als unmittelbare Vorstufe zu den 

349 



4» KREIS NEUSS 

5 Malereien vnn Schwar/rheindorf, Gegenüber dem freien und monumentalen Stil von 
Schwarzrlieindorf vertritt es eine strengere archaische Richtung. 

Die Ausstattung der Kirche war schon bei der Verwüstung im J. i79>( 
zerstört worden, die wieder zusammeiige brachten Ausstattungsgegenstände gingen zum 
Teil zu Grunde, als i869 bei dem grossen Brande die Kirche eiligst geräumt wurde. 
Erhalten: 

Der Taufstein, i m 
* hoch, rundes romanisches 

[^ Becken d. 1 2. jh. aus schwar- 

zem Granit {der Untersatz 
neu) auf cyl indrisch em Fass, 
am oberen Rande mit einem 
. merkwürdigen ausgezackten 

Zinnenfries versehen , ein 
gleicher als Band um den 
Fuss gelegt. 

Pieta, 1 m hoch, von 

Holz, aus dem i5.Jh., die 

Madonna sitzend den ganz 

■ • verkrüppelten Christuskörper 

: auf deniSchosse haltend, von 

abschreckender Hasslichkeit. 

Grabstein des Abtes 

,- Petrus Tevcrn (i678— 1698) 

J" im südlichen Kreuzarm mit 

; , der Inschrift : chronicon . . . 

['■ PETER TEVERN AßBAS ET 

[■ VICARIITS GENERALIS OBllT 

j^- MODO VIXIT IN AXE. 

j . Kirchengestühlaus 

dem j. 1655 mit einfachen 
Hausmarken (abg. Zs. für 
Bauwesen XXIV, S.77I. 

Die KLOSTERGE- 
BÄUDE waren bei der Stif- 
tung zunächst auch als Not- 
bauten aufgeführt worden 
^^^^-^^f^^^ ->■ ■ ^"^^^ !*■ . .i; yjijj \^-Qr(jen erst allmählich 

fig, 26. KBechuieden, ApoiieLfiium lui dtr w«ii>piii. durch reichere Bauten er- 

setzt Das Domiitorium 
konnte auf Kosten eines Goldschmiedes Aibert (nach den Ann. Praemonstr. identisch 
mit dem Probst Albert, vgl, oben S. 28) vollendet werden (dormitorium rustica arte 
structum, nobiiiori et commudiori aptavit ordini). Der Winterspeisesaal und die 
(.)ekonomtegebiLude (hyemale triciinium et granarium) konnten auf Kosten zweier 
Kr.lncr Bürger vollendet werden. 

Im BurguwJischen Kriege verbrannten die alten Klostergebaude. Der Abt 
Lutgerus von Monheim baute sie wieder auf (Ann, Praemonstr. II, p. 1 1 : mnn- 
asterium excitavit c ruinis}. Als im Luufe des i7.Jh, das Kloster seinen alten 

35o 



MEER 



43 



Kloster* 
gebäude 



Krciizgnng 



Reichtum wieder gewonnen hatte, begann man mit der Errichtung einer grossartigeren 
Anlage. Der Abt Peter Gillrath erbaute die abteiliche Residenz, den Kapitelssaal 
und eine Reihe anderer Gebäude, sein Nachfolger Peter Teveren das neue Dormi- 
torium. 

Die Gebäude (Ansicht Fig. i4) liegen seit dem grossen Brand von i869 ganz Beschreibung 
in Trümmeni. Eine Reihe von Gewölben und Mauern sind nachträglich zusammen- 
gestürzt, einzelne den Einsturz drohende Teile wurden i884 niedergelegt. Das Ganze 
bildete eine bedeutende barocke Anlage von ziemlich einheitlicher Gliederung im Aussen- 
bau, mit grossen im Stichbogen geschlossenen Fenstern, die durch hohe die ganze 
Aussenmauer durchschneidende Pilaster getrennt waren. Alle Trakte sind zweistöckige 
Backsteinbauten, die Gesimse und Einfassungen in Haustein. Nach dem Wirtschafts- 
hof ist noch ein grosses Portal mit dem Namenszug A. K. und einem Phantasie- 
wappen in Rokokoumrahmung erhalten. Im Norden der Kirche zog sich der ziem- 
lich grosse Kreuzgang hin (im Grundriss Fig. i5 schraffiert angegeben), mit einer 
inneren Seitenlänge von 25,8o m, der an die Stelle eines wahrscheinlich in spät- 
gothischer Zeit errichteten Kreuzganges getreten war. Im Ganzen sind demnach 
vier Kreuzgänge an der Kirche errichtet worden, zwei auf der Südseite, um ii4o und 
um 1180, zwei auf der Nordscite, nach i477 und im J. i773. Die letztere Zahl findet 
sich im Hofe angebracht. Der stattlichste Bau der ganzen Anlage war der Osttrakt. 
Hier lag, dem Chor der Kirche zunächst, die nach Osten mit einem Chörchen ver- 
sehene Sakristei, an die sich das zehn Achsen breite Refektorium anschloss. An 
dieses wieder stiess unmittelbar die sieben Achsen lange zweist()ckige Residenz des 
Abtes. Auf der Westseite des Kreuzganges lagen die Schlafräume für die Pilger und 
Gäste. (Alte Ansicht von i734 in den Annales ord. Praemonstr. II, Tafel zu p. 6, 
woselbst die Bezeichnung der einzelnen Baulichkeiten). 

Der 120 Schritt östlich von der Kirche gelegene THORBAU (Abb. Fig. i4), 
ist ein hübscher Backsteinbau auf hohem Untersatz, dessen hervortretende Glieder 
aus Haustein gebildet sind. Die Langseiten sind durch je vier Pilaster mit jonischen 
Kapitalen gegliedert, nach der Aussenseite ein über dem Mittelrisalit durchbrochener 
Giebel, in der Mitte eine Nische mit Voluten zur Seite und Muschelabschluss. Über 
dem Portal ein Schlussstein mit dem Wappen des Abtes Arnold Brever und der 
Inschrift: SOLI deo gloria. Auf dem gebrochenen Dach sitzen zwei kräftige Knäufe 
mit zierlichen schmiedeeisernen Wetterfahnen. 



T h o r b n 11 



MEER. 



RÖMISCHE FUNDE. Die römische Heerstrasse von Neuss nach Xanten 
führt dicht hinter Meer vorbei. Vgl. B. J. LXI, S. i. Beim Deichbau wurde 1888 
nördlich der Kirche ein Mittelerz des Caligula gefunden. 

KLOSTER. A. Miraeus, Ord. Praemonstr. chron., Köln 16 13, p. 5o. — Sacri 
et canonici ordinis Praemonstratensis annales, Nancy i736, II, S. i47. — Nachrichten 
über Klöster des Prämonstratenserordens : Ann. h. V. N. II, S. i85. — Binterim u. 
Mooren, E. K. I, S. 108. — H. Keussen, Das Frauenkloster Meer: Heimat i877, 
S. 127, i3o, i34, i37, i5o, i54, 162. — Das Zehntrecht der Abtei: Heimat i877, S. 83. 
— Kleine Chronik des Klosters i73i — 1749: Heimat i878, S. 38. ^ Macco, Beiträge 
zur Geschichte und Genealogie rheinischer Adelsfamilien I, S. i34. — H. Keussen, 
Das adlige Frauenkloster Meer bei Neuss. Zur Erinnerung an die vor 7oo Jahren voll- 



Römische 
Funde 



Kloster 
Litteratur 



35i 



44 KREIS tTEUSS 

zogenc Stiftung dieses Klosters, Krefeld iS56. — Urk. v. ii69: Berg. Zs. XXII, S. i77, 
— K. TücKiNG, Geschichte der kirchlichen Einrichtungen in Neuss S. 1 86. 

Handschrift!. Qu. Im Stiiatsarchiv zu Düsseldorf: .187 Urk, (236 Orig.) 
vfin ii66 — 1749. — Kopiar B. 93" und ^ iö46 durch den Nutnr Johann Scherff- 
HAüSEN angelegt, mit den Urk. von der Mitte des ii. Jh. an. Vgl Lacombi.et, UB. I, 
S. X: S. 287, Anm. I. — Akten vom i5. bis i8. Jh. Vgl. Fahne bei v. MOlmans, 
Statistik I, S. 479; Ii.ciEN, Rhein. Archiv S. ii3. 

Im katholischen Pfarrarchiv zu Krefeld: Nachrichten über die Verbindung von 
Krefeld mit Meer. 

In der Staatsbibliothek zu München: Nachricht über die Gründung im Rrding- 
HOVENSchcn Sammelband {Cod. gcrm. 22i3) Bd. XLII, Bl. aoS''; Kurze Chronik 
Bd. LXXVI, Bi. i97". 

In der Königlichen Bibliothek zu Berlin: Eccicsiae S. Laurentü in Meer obi- 
tuarium, conscriptum a. i675 (Cod. Bnrruss. quart. 333). 

Im Stadtarchiv zu Köln: De 
fundatione monasterii Meercn.sis in 
den Farragines des Gf.i.Enius XXX, 
BI. 345 (daraus in dem Reding- 
HOVEN sehen Sammelband A. 24, 
Bl. 453'' des Staatsarchivs zu 
Düsseldorf). 

In Meer lag auf einer von 

Wasserarmen umgebenenErhShung 

das castrum Mere, der Sitz der 

Grafen von Meer. Schon im J. 1 1 64 

wird in dem Schlosse eine Kapelle 

erwähnt {Lacomblet, U B. IV, 

Nr. 629: cappellula b. Laurcnlii, 

Fi«. 27. Me«. quc est in Castro meo videlicel 

Di. con.=n:.ch. Ki«i..ki.ch. ,.,ch ein« AbbUJuni! d« 17. Jh. Mere). Im J. 1166 vermach! 

Elisabeth von Randeralh ihrer 

Schwester, der GrHiin Hildegunde von Meer oder von Are, das Schloss, die es ihrer- 

sciU noch im selben Jahre der crzbischöf liehen Kirche übergab unter der Bedingmig- 

darauf ein Frauenklostcr 7u errichten (Lacomblet, U B. I, Nr. 4i4, 4iS). Nach einer 

anderen legend arischen Überlieferung war eine Grüfin Margarelha die Stifterin, nach 

Teschenmachf.r, Annaics p, 2t5 die Tochter, nach der Hs. der Origo ac gcnealogia 

Clivensium von i4S5 (Berlin, Kfinigl. Bibl., Man. Boruss. fol. 69 p. 63) die Gattin des 

Grafen Arnold von Kleve. 

Das Kloster wurde als PrUmonstratenser in ncnk Inster gcgrünilet und dem Magister 
Adalrich, Probst zu Steinfeld, unterstellt; Hildegimde ward die Priorin. Sehr bald nach 
der Gründung begann Hildegunde den Neubau des Klosters und der Kirche, die dem 
h. Laurentius und der h. Maria gewidmet wurde (schon ii65 wird an Stelle der 
cappellula eine eccicsia S. Laurenlü genannt: Lacomulet, UB. I, Nr.4i6). Der Turm 
wurde nach dem Muster der gleichnamigen Kirche in Ri)m erbaut (Vita b. Hildegimdis 
auctore Petro Rost: Acta Sanclonim I. Febr. p. 9i8). Im J. i32i wird durch Agnes 
von Schiinenbcrg und Minzcnberg der Kreuzgang neu gcwcilbt, in die Fenster des 
Chores der Kirche werden Gla.sgcmnfde mit figürlichen Darstellungen eingesetzt Die 
interessante ausführiiche Notiz in der Urk. von i3ai bei Lacomblet, U B. III, Nr. i8S: 

352 



MEER 45 

Agnes . . . suis curia, laboribus et espensis iKristnim ambitum nostri claustri 
honesta lestudine nuva adomavil, c|ue costabat quinquaginta et tres marchas braban- 
tinoruni denariorum, tribus hallensibus per quotibet denario computatis, cum tribus 
fenestrb pulchris et magnis pro commodo nostri conventus supra ambitum ante in- 
gressum nostri monasterii, quas etiam hec eadem fieri procuravit. Insuper, quod ex- 
celsius est et delectabiüus laude speciali, nostri cliori obumbracionem et deformitatem 
duobus fenestris lucentibus et speciosis varietate colorum depictis ymaginibus dei 
omnipotentis ac memorie sue passionis, nostre redemptionis et salutis, necnon ortna 
et perfectionis sue genitricis virginis singularis, stelle maris ac omnis dignitatis privi- 
legio specialis, simulque suorum sanctorum diversis ymaginibus diligenter ad oculorum 
tidelium intuitus delectabilius inpressis speciositate amabili prout corde gestavit fide 
non ficta decorari fecit et decoravit, que costabant viginti et quinque marchas monete 
supradicte. 



Hg. 28. Hniis Mctr. Aniichi •am Gurten. 

Im Truchsessiscben Kriege wurden i583 zuerst das Kloster geplündert, 1584 kmi 
die Kirche und Klostergebäude verbrannt. Erst nach lS93 wurde mit dem Wieder- 
aufbau begonnen {Annales Ord. Praemonstr. II, p, iSl. — Keussen S. 9i). Im dreissig- 
iährigen Kriege wurde das kaum wiederhergestellte Kloster durch die Franzosen unter 
dem Befehl des Grafen von Hubejart erstürmt und niedergebrannt. Unter der Priorin 
Agnes von Stirling begann der Neubau; i65o war der erste Teil des Klosters fertig, 
i65a der zur Kirche führende Anbau, r654 der Rest des Gebäudes und die Kirche. 
Noch im Laufe des i8. Jh. wurde ein weiterer Umbau der Kirche vorgenommen. Im 
J, i8o2 wurde das Kloster aufgehoben; das Kloster und die umliegenden Güter wurden 
i3o4 von der Familie von der Leyen für 6Sooo Reichsthalcr angekauft. Der jetzige 
Eigentümer ist der Freiherr Friedrich Ludwig Gustav von der Lej'en-Bloemersheim. 

Die Kirche des Klosters ist in der Mitte des Jahrhunderts ganzlich abgebrochen Bm< 
worden. Sie lag südlich von dem westlichen Flügel. Auf einem aus dem i7.Jh. * 
stammenden Gemälde im Besitz des Freiherrn von der Leyen erscheint die h. Hilde- 

353 



46 KREIS NEUSS 

Kioitcr gundis mit einem Kirchenmudell, diis eine getreue Wiedergabe des ältesten Baues zu 
bieten scheint (Fig. z7). Darnach war die Kirche ein dreischiffiger romanischer Bau 
mit grossem Querschiff, über das hinaus die Seitenschiffe verlängert waren, über der 
Westfai^ade erhob sich ein merkwürdiger breiter Mittetturm. Interessant ist die Glie- 
derung des QuerechiHes durch zwei Reihen grosser viereckiger Blenden, an den Giebel- 
seiten ohne Rund bogen fries. 

Uuiiwiii* Die eliemaligen Klostergebäude sind in den Jahren i864 — 1868 durch den 

Freiherm Friedrich von der Leyen - Bloemersheini umgebaut worden, Sie bestehen 
zur Zeit aus einem langen Mitteltrakte, dem ein breiter mit einem Giebel geschmückter 
Mittelrisalit vortritt. Hinter diesem befindet sich das grosse prächtige Treppenhaus, 
das die ganze Tiefe des Mittelbaues einnimmt und auch nach Norden nach dem 
Park zu vorspringt. In der Südwestecke befindet sich ein vierstöckiges mit hübscher 
Haube abgeschlossenes Türmchen (Fig. j9), dessen Wetterfahne die Zahl i664 trägt. 



Der anstf>ssende Südllügel ist dreistöckig und sieben Achsen lang. An ihn ist nach 
Westen hin ein weiterer dreistöckiger Trakt angefügt, der mit einem flachen Giebel 
abschliesst und dem eine grosse Terrasse vorgesetzt ist (Fig. 28). An der Treppe zu 
der Terrasse sind als die einzigen Überreste aus der ältesten Bauperiode die Vorder- 
teile zweier romanischer Löwen aus Stein aufgestellt. Der ursprünglich nach Norden 
sich anschliessende — wie der Taubenturm aus dem J. i664 stammende — Trakt ist 
1866 abgebrochen worden. 

Die Gemäldesammlung des Freiherm von der Leyen (vgl. Kunstdenkmäler 
d. Kr. Moers S. i4 unter Bloemersheim) weist gute Landschaften und Portrats auf; zu 
nennen ist ein feines Stück von Balthasar Denner, Porträt einer allen Frau in pelz- 
besetzter Haube. Von kunstgeschichtlichem Werte ist eine reiche Sammlung von Hand- 
zeichnungen und Aquarellen Düsseldorfer Künstler des i9. Jh., darunter besonders 
Lessing, BenJemann, Mintrop. 

354 



NETTESHEIM 



47 



NETTESHEIM. 



KATHOLISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Martini). Seul, Kreis Neuss 
S. i8. — BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. 289, 3io. 

Eine Pfarrkirche wird schon im J. il95 genannt (Lacomblet, U B. I, Nr. 55o). 
Im J. i5i5 wurde die Kirche bis auf den Turm neugebaut, im J. i858 wurde der Chor 
abgerissen und die Kirche um drei Joch nach Osten verlängert, i885 endlich wurde 
der alte Westteil erhöht und neugewölbt und die Seitenschiffe restauriert. 

Von dem ältesten Bau stammt der vierstöckige Westturm, der sich über einem 
hohen Sockel ohne Gliederung erhebt, bis zur Hälfte aus Tuff bestehend, im Erd- 
geschoss mit vereinzelten Basalten, in der Höhe aus Backstein. Im Obergeschoss je 
zwei rundbogige Doppelfenster, die mittlere Stütze als achtseitiger Pfeiler mit Kämpfer. 
Das romanische Westportal mit der darüber befindlichen Rose i87o eingesetzt. 

Der anstossende, i2,9o m lange, i7,6o m breite Teil des Langhauses stammt 
aus dem Bau des J. i5i5; das Material besteht aus wechselnden Tuff- und Ziegelstreifen; 
die Strebepfeiler sind zweimal abgetreppt. An dem nordwestlichen die Jahreszahl i5i5. 

Der ältere Teil ruht im Inneren auf zwei Paaren von Säulen und zwei Paaren 
von Halbsäulen auf 1,20 m hohen Basen. Die Säulen tragen einfache runde Kapitale, 
darüber setzen die ungegliederten Arkadenbögen auf. Die Seitenschiffe sind mit Kreuz- 
gewölben ohne Gurttrennung überspannt, die Rippen ruhen auf kleinen Konsölchen- 
Die Fenster dreiteilig mit Fischblasenmasswerk. Das Gewölbe des Mittelschiffes ist 
i885 erhöht worden; die Rippen sind entsprechend dem östlichen Anbau auf herab- 
geführte Dienste gesetzt, die Fenster des Obergadens neu eingesetzt worden. 

Rokokokanzel, gekrönt mit der Figur des h. Michael. 

Wertlose bemalte barocke Holzfiguren von Heiligen. 

Grabplatte aus Granit von dem Familiengrab der Herren von Anstell (Johann 
von Sigenhoven gen. Anstell t 6. Febr. i635, Anna von Krebs gen. Anstell t 21. Nov. 
1627, Johann Thimoteus zu Anstell t i4. Nov. i696). 

Barocker Kelch, 20 cm hoch, von vergoldetem Silber, mit der Inschrift: fron- 

HALFFEN ZU NETTESHEIM l637. 

Barocke Sonnenmonstranz, 60 cm hoch. 

Zwei kupferne Leuchter, 2? cm hoch, mit Knäufen. Am Fusse die Inschriften: 

MARTINUS SCHEURMAN UND CATARINA HUNTUMS EHELEUTH l663. 

Ein kupferner Leuchter, 23 cm hoch, mit Knäufen und Ringen, i5. Jh. 

Kupferner Lavabokessel des 16. Jh. mit zwei Ausgüssen. 

Kasel von grüner Seide, die Stäbe und Einfassungen aus prachtvollen Silber- 
spitzen bestehend, die ersteren i7,S cm breit, vom J. i7o2. 

Kapelle von orangefarbenem Seidenbrokat mit eingewebten Silberblumen, die 
Stäbe aus weisser Seide mit prachtvoller Bouillonstickerei bedeckt: Ranken, Blumen 
und Früchte; in der Mitte des Kreuzes in barocker Kartouche die Verkündigung in 
Seidenmalerei, die Gewänder in Plattstich. Am Fusse: anno i672. Die zugehörigen 
Dalmatiken mit ähnlichen Stäben von derselben Breite und den eingelassenen Brust- 
bildern zweier Bischöfe. 

Kasel von kostbarem gelben Seiden brokat mit Granatapfelmuster in purpur- 
farbener Zeichnung, auf den aufgesetzten Stäben Christus am Kreuz, Gottvater, Maria 
und Johannes, auf der Vorderseite drei Schilder mit den Leidenswerkzeugen Christi. 

Weitere Paramente in geblümtem Seidcnstofll' aus dem 18. Jh. 



Kathol. 
Pfarrkirche 

Geschichte 



Beschreibung 
Turm 



Langhaus 



Kamel 

Figuren 

Grabplatte 



Gefässe 

MojMtranc 
Leuchter 



Kessel 
Paramente 



355 



48 KREIS NEUSS 



NEUSS. 

Litteratur Littcratur. Martin Henriquez von Strevesdorff, Chronica Novesiensis, 

DameUunffen Beschreibung von Ursprung, Kriegen, Belagerungen, Geschichten der Stadt Neus, Köln 
i67o. — Wernerus Titianus, Annales Novesienses cd. Martene et Durand, Veterum 
scriptorum et monumentorum amplissima collectio, Paris i729, IV, p. 52 1 — 74o. — 
Chorographia Novesiensis oder historische Abhandlung vom Ursprünge, Anwachsen 
und heutigem Zustande der Stadt Neuss: Kurfürstlich Bonnscher Hofkalender i77o> 
i78o, i786. — C. Aldendorff, Beyträge zur Neusser Kronik, aus ächten Urkunden 
und bewehrten Schriftstellern gesammelt, Düsseldorf 1 785. — W. Prisac, Der Neusser 
Leben und Treiben auf dem grossen Gebiete der Weltgeschichte und im stillen 
Gehege christlicher Sitte, Bildung und Kunst, Düsseldorf i837. — An die Bewohner 
der Stadt Neuss nebst den Beilagen zu Prisacs Neusser Leben, 2 Hefte, o. J. — 
Fr. J. Loehrer, Geschichte der Stadt Neuss von ihrer Gründung an bis jetzt, Neuss 
i84o. Dazu Düntzer in den B. J. I, S. loo. — K. Tücking, Ge.schichte der Stadt 
Neuss, Düsseldorf i89i. — Ders., Geschichte der kirchlichen Einrichtungen in der 
Stadt Neuss, Neuss i886 — i89o (auch als Gymnasialprogramm erschienen). — Ders., 
Geschichte des Gymnasiums zu Neuss, verbunden mit einer Übersicht über die Ent- 
wickelung der dortigen Stifts- und Stadtschulen, Neuss i888. 

Braun u. Hogenberg, Contrafactur und Beschreibung der vornembster Statt 
der Welt, i576, II, S. 33. — M. Qüad von Kinckelbach, Teutscher Nation Herlig- 
keit, Köln i6o9, S. 294. — P. Bertius, Commentariorum Rerum Germanicarum 
libri III, Amsterdam i6i6, p. 62 7. — M. Merian, Topographia archiepiscopatuum 
Moguntinensis, Trevirensis et Coloniensis, i646, p. 5i. — Martin Henriquez von 
Strevesdorff, Archidioeceseos Coloniensis descriptio p. io4. — H. van Heustel u- 
VAN Ryn, Kcrkelijke historie en outheden der zeven vereenigde provincien, Leiden 
i726, V, p. 6o9. — J. H. Dielhelm, Rheinischer Antiquarius oder Ausführliche Be- 
schreibung des Rheinstroms von seinem Ursprung an, Frankfurt i776, S. 8i4. — Reise 
auf dem Rhein, Koblenz i79o, II, S. 339. — Historisch -geographische Beschreibung 
des Erzstifts Köln, Frankfurt i793, S. io5. — A. Klebe, Reise auf dem Rhein, Frank- 
furt a. M. i8o6, S. 583. — Al. Schreiber, Handbuch für Reisende auf dem Rhein, 
Heidelberg 1812, S. 34o. — Ders., Handbuch für Reisende am Rhein von Schaff- 
hausen bis Holland, Heidelberg 18 16, S. 352. — [Ladoucette], Voyage fait en i8i3 
et 18 14 dans le pays entre Meuse et Rhin, Paris 18 18, p. i46. — W. FOssli, Die 
wichtigsten Städte am Mittel- und Niederrhein, Zürich i843, S. 659. — W. H. Riehl, 
Wanderbuch, Stuttgart i869, S. 87. — K. Kollbach, Bilder vom Rhein, Köln i892, 
S. 387. 
Kriegsgeschichte Chronicon maguum Belgicum: Pistorius - Stru ve, Rerum Germanicarum scrip- 

tores in, p. i. Cardauns in den Chroniken der deutschen Städte XHI, S. 218. 
Dazu Lorenz, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter II, S. 48. — Dyt is dye 
historie van der Eirlicher Stat Nuys, wye dye strenglich beleegen gewest is van 
Hertzog Karll van Burgondien ind van Brabant, a. i474 [von Gh. Wierstraat], 
Köln i476 (bei Arnold Ter Hürnen) und i497 (bei Jon. Koelhoff). Die- 
selbe, herausgegeben von E. von Groote, Köln i855. Dieselbe in den Deutschen 
Städtechroniken XX, S. 479. — Novitates de Nussia in Rheno in mense Aprili in 
festivitatibus Pasce i495. Quid rerum hie agatur et qua ratione: Buder, Unge- 
druckte Nachrichten S. 5o3. — Th. E. Meinerich, Sprachliche Untersuchungen zu 

356 



NEUSS 49 

Chr. Wierstraats Chronik der Stadt Neuss, Diss. Leipzig 1886. — Em. von Rodt, Lineratur 
Die Feldzüge Karls des Kühnen, SchafFhausen i843, I, S. 243. — Lyncker, Die 
Belagerung von Neuss in den J. i474 u. i475: Zs. für hessische Geschichte und 
Landeskunde VI (i85i), Heft i. — C. A. H. Markgraf, De hello Burgundico a 
Carolo audace contra archiepiscopatum Coloniensem suscepto a. i474, Diss. Berlin 
i8S9. — K. TüCKiNG, Zur vierten Säkularfeier der heldenmütigen Verteidigung von 
Neuss im burgundischen Kriege: Jahresbericht des Gymnasiums zu Neuss i874. 

— Adolf Ulrich, Akten zum Neusser Kriege i472 — 1475: Ann. h. V. N. XLIX, 
S. I. — Zur Geschichte der Belagerung von Neuss: Mitteilungen aus dem Kölner 
Stadtarchiv VIII, S. i. — Die Belagerung im J. i475: Heimat i875, S. 98; Nrh. i878, 
S. 108. — Mitteilungen aus dem Frankfurter Stadtarchive. E. Wülcker, Urk. und 
Akten betr. die Belagerung der Stadt Neuss i474 — 1475, Frankfurt i877 (auch unter 
dem Titel: Neujahrsblatt des Vereins für Geschichte und Altertumskunde zu Frank- 
furt a. M. i877). — Blumberger, Quellenbeiträge zur Geschichte der Geschoss- und 
Kanonenkugelpost (bei Gelegenheit der Belagerung von Neuss) : Archiv für Post und 
Telegraphie 1886, Nr. i9. — Ferd. Schmitz, Der Neusser Krieg (i474 — 1475), 
Diss. Bonn i893. Ders. in den Rheinischen Geschichtsblättern II, S. i ff. — Briefe 
und Aktenstücke zur Geschichte der Herzöge von Mailand i452 — i5i3 ed. Chmel 
im Notizenblatt für Kunde österreichischer Geschichtsquellen VI, i856. — Zur Über- 
rumpelung der Stadt Neuss i585: Ann. h. V. N. XXXI, S. i7i. — Die Einnahme 
von Neuss durch Alexander Famese: Nrh. i878, S. 4o. — E. von Schaumburg, 
Die Schlacht auf der St. Tonis -Haide i7. Januar i642 und die Einnahme von 
Neuss: Ann. h. V. N. XXXVIII, S. 5o. — Michael Aitsinger, De leone Belgico 
eiusque topographica atque historica descriptione liber, i588, p. 375, 4o9, 4i f. — Ders., 
Recens historica renim intra sex menses in Europa gestarum relatio, Köln i592. — 
Baudart de Deynse, Les guerres de Nassau, Amsterdam 1616, p. i72, i84, 283, 453. 

— Ders., Afbeeldinghe ende Beschrijvinghe van alle de Veld-slagen, Belegeringen en 
andre notable geschiedenissen ghevallen in de Nederlanden geduerende d'oorloghe 
teghens den coningh van Spaengien, Amsterdam 16 16, p. 498, 529. — Lieuwe van 
AiTZEMA, Historien onses tyds beheizende saken van Staat en oorlogh, vorgevallen 
in en omtrent de vereenigde Nederlande, Amsterdam i685. — Viererley warhaflftige 
Zeitung, so sich in diesem i586. jar zugetragen hat .... von der Belagerung, Er- 
oberung, Plünderung und grosser Blutvergiessung, so sich in der Stad Neuss zuge- 
tragen, im Ertzstiffl Colin, Köln i586. — Min. Minucci, Lettera scritta al duca Ferdi- 
nando di Baviera sopia l'assalto e presa di Novesio, Mailand i586. — Warhaflflige 
Zeyttungen, von der Belegerung unnd eynemung der Statt Neuss inn Ertzstüffl Colin, 
Augsburg i586. — Warhaffle Historie von Erneuerung der Statt Neuss, Köln i586. 

von Kamptz, Die Provincial- und statutarischen Rechte in der preussischen 
Monarchie, Berlin 1828, III, S. 284. — Aus der Vorzeit von Neuss: Heimat i875, 
S. 76. — Entstehung des Namens der Stadt Neuss: Nrh. G. 1880, S. i43. Vgl. auch 
Arnold in den Wd. Zs. I, S. 8. — Die letzten Spuren des fränkischen Salhofes zu 
Neuss: Lacomblets Archiv II, S. 3i9. — Ritz, Urk. betr. die Rheinfähre zwischen 
Neuss und Düsseldorf: von Ledeburs Allgem. Archiv III, S. 7o. 

Handschriftl. Qu. Im Stadtarchiv zu Neuss in einem (restaurierten) gewölbten Handschrifu. 
Raum im ältesten Teile des Rathauses untergebracht: ii4 Urk. von i335 an, in sieben 
Pappkästen aufbewahrt (Inventar von Dr. R. Decker vom J. i878; weitere Urk. in 
den Aktenfascikeln verstreut). Altes Kopiar der städtischen Urk. vom J. i637, sorg- 
fältig, mit der Urk. von 12 54 beginnend, in zwei Exemplaren. — Die Akten sind 

357 



Quellen 



So KREIS NEUSS 

alphabetisch nach Slivhworten geordnet, Inventar darüber, bez. „Register aller Nach- 
richten, Documenten und Protokollen in dem Stadtarchiv" in zwei Exemplaren vor- 
handen. Unter den Handschriften hervorzuheben r die Privilegienb fleher (bez. S. i6), das 
Schöffenbuch von i494, die alten Kopienbücher; unter den Akten: Nachrichten über 
die Klöster, Innungen, geistliche Fundationen, Schuldbriefe von i4oo, Stadtrechnungen 
von i5o9 an, Brüchtenwesen, FahrT*-esen, Kontributionen, Hexenprozesse, Eine Samm- 
lung alter Karten von Neuss (K i'—'). — Registrum protocoUorum des Börgerme isterei - 
Gerichts vom J. i744 an. — Register Über die Landtags - Protokolle vom J. i54S an. 
— Rats Verhandlungen von iS3o — 1798 {in 32 Folianten). Vgl. Ilgen, Rhein. Archiv 
S. 177, i99. Über die weiteren handschriftl. Quellen vgl, unten. 



1 Ansichten und Pläne, i. Ansicht der Stadt aus der Vr^elperspektive, bez. 

rechts unten P P, unten zwei Kartouchen mit längerer Inschrift und Erklärung, 
43,5 X .J3,2 cm, aus Braun u. Hogenberg, Stadtebuch, i576, IV, p, 23. Vgl. Tafel II. 
Dieselbe Ansicht auch in einem roheren Nachstich von dergleichen Grosse vorhanden. 

2. Ansicht der Stadt vom Rheine, 45Xio,5 cm, bez. oben novesium vulgo 
NEus A, MDLXxv, ebenda II, p. 33. 

3. Ansicht der Stadt in Meissners Thesaurus, i4,5>7,2 cm. 

4. Einnahme von Neuss durch den Grafen von Alpen, Ansicht der Stadt mit 
Kriegsscenen, bez. oben !58S, Stich von Hogenberg (Nr. 85), 26X1 9,5 cm, unten 
Verse: ,der neüsser fre^-e menligkeit . . .' Auch bei Michael Aitsingek, De 
leone Belgico, i5ä8, p. 375. 

358 



1 Jahre i5;6. 



NEUSS 5 1 

5. Dasselbe verkleinert, i5,5Xi2 cm, unten lateinische Verse, bei Baudart van Ansichten und 

Dl3C 

Deynse, Afbeeldinghe ende beschrijvinghe van alle de Veld-slagen, belegeringen ... 
ghevallen in de Nederlanden, Amsterdam 1616, p. 499. 

6. Brand der Stadt im J. i586, Stich von Hogenberg (Nr. 102), 27,2X18,8 cm, 
Verse: ,nach dem neus erobert war . . .* Fig. 3o. Über die HoGENBERGschen 
Stiche vgl. F. Müller, Beredeneerde Beschrijving van Nederlandsche Historieplaten I. 
Vgl. oben S. 3. 

7. Ansicht der Belagerung am 26. Juli i586. Stich von Hogenberg (Nr. ioi)> 
27Xi9 cm, unten Verse: der prins von parma neus belegt . . . 

8. Ansicht derselben Belagenmg, Stich von Hogenberg, 27,5 Xi9 cm, bez. oben: 
neus sampt dem leger dess prinsen von PARMA, ohne die Verse bei Aitsinger, 
De leone Belgico p. 4o9. 

9. Dasselbe verkleinert, bez. oben: neuz, 1 5,8X12,2 cm, unten lateinische Verse : 
NOVESiUM dux parmensis cingebat acerbo, bei Baudart van Deynse, Afbeel- 
dinghe p. 53 1. 

10. Ansicht der Belagerung von Neuss durch die Spanier, im Vordergrund Lager 
und anstürmende Truppen, bez.: prise de nuys. r. de hooge fec, 32,8X27 cm. 

11. Ansicht des brennenden Neuss im J. i586, unten links Erklärung, Stich von 
Hogenberg, 2? X 18,8 cm, bei Aitsinger p. 4ii. 

12. Eroberung von Neuss im J. i587, grosse Radierung, 4oX27,6 cm, im Vorder- 
grund der Prinz von Parma, oben auf Spruchband: novesii expugnatio anno i587 
und lange Erläuterung. 

i3. Ansicht des Lagers des Grafen Moritz vor Neuss im J. 1610, Stich von 
Hogenberg (Nr. 376), 29,6X21 cm, bez. oben: verzeichnus, welcher gestalt 

GRAFF MORITZ .... GESTELT HAT. Unten VcrSC: GRAFF MORITZ DER BERÜHMT 
KRIEGSHELD .... 

i4. Heerschau des Grafen Moritz vor Neuss 16 10, bez.: neus, 26,5 Xi 9,2 cm, 
rohe Radierung. 

i5. Karte der Umgebung von Neuss, bez.: warhaftige deschription und 

BESCHREIBUNG DER STADT NEUS MITT BEILIGGENDE STETTEN, SCHLOSSER, DORFFER 

UND SCHANTZEN, 27Xi9 cm. Auch'bei Aitsinger, t)e leone Belgico p. 7o3. (Fig. 3i.) 

16. Karte der Umgebung von Neuss, mit Ansicht der Städte Neuss und Düssel- 
dorf, von 16 13, Federzeichnung, 58X43 cm, im Stadtarchiv zu Neuss, K 2". 

i7. u. 18. Zwei Kopien darnach, 63X42 und 54X42 cm, K 2« und K 2*». 

i9. Kleine Ansicht der Stadt aus der Vogelperspektive, i3X8,5 cm, bez. oben: 
neus; flüchtige Radierung. 

20. Ansicht der Stadt vom Rheine, i8,5Xi3,5 cm, im Vordergrunde Reiter neben 
seinem Pferd, bez. oben: neus, bei P. Bertius, Commentar. rer. Germanicarum libri 
tres, 16 16; III, p. 626. (Derselbe Stich in der Ausgabe von i632.) 

21. Karte der Umgebung von Neuss und Düsseldorf im i7. Jh. (Neuss, Stadt- 
archiv, K 2»), 54X5i cm. 

22. Ansicht der Stadt aus der Vogelperspektive, 33,5X21 cm, bei Merian, Topo- 
graphia archiepiscopatuum Moguntinensis, Trevirensis et Coloniensis, i646, p. 5i. 

23. Grober Holzschnitt des h. Quirinus, am Fusse Ansicht der Stadt Neuss 
von der Erft aus, 3iX36,5 cm. 

24. Gemälde des j7. Jh., darstellend den h. Quirinus, unten die Stadt Neuss, 
77x36 cm (Neuss, Altertumssammlung im Oberthor). 

359 



KREIS NEUSS 




NEUSS 53 

25. Glasscheibe mit Schaumsilbermalerei von 1660, darstellend den h. Quirinus Ao^chten und 
mit der Ansicht von Neuss (Aufbewahrungsort wie Nr. 24). 

26. Grundriss der Festung, bez. links oben: plan de la ville et citadelle 
DE NUis, 1 5,5X1 0,5 cm. 

27. u. 28. Gemälde des i7. Jh. im histor. Museum zu Brüssel (Gallerie links neben 
dem Oberlichtsaal), bez.: d beleg van nuysen, mit der Ansicht der Stadt aus der 
Vogelperspektive, umgeben von den Zelten der Belagerer, rechts oben: ons vrouwe 
DIE weent. Ein ähnliches Gemälde im Museum der Stadt Mecheln. 

29. Karte von Neuss und den Neusser Weiden, 58X47 cm, vom J. i765 (Neuss, 
Stadtarchiv, K 2«). 

30. Ansicht der Stadt vom Kanal aus, Stahlstich von Fesca nach Rehbock, 
1 5,8X9,5 cm. 

A. Römische Anlagen und Funde. 

Litteratur: Matth. Simon, Die ältesten Nachrichten von den Bewohnern des Litteraiur 
Rheinufers, Köln i833, S. i. — Rheinische Provinzialblätter i838, Beibl. zu Nr. 24. — 
A. Rein, Die römischen Stationsorte und Strassen zwischen Colonia Agrippina und 
Burginatium, Krefeld i8S7. Dazu J. Freudenberg in den B. J. XXVI, S. 181. — 
QüGSSECK, Ein Versuch, den Umfang des römischen Lagers Novesium in dem gegen- 
wärtigen Neuss nachzuweisen: Jahresbericht des Gymnasiums zu Neuss i869 — i87o. 

— A. Fahne, Die Dynasten von Bocholtz I, S. 248. — Jäger, Römische Altertümer 
bei Grimlinghausen und Neuss: B. J. II, S. 45; III, S. 125. — H. Düntzer in der 
Besprechung von Löhrers Geschichte der Stadt Neuss: B. J. I, S. 106. — E. Schmidt 
in den B. J. XXXI, S. 93. — Fr. Ritter, Gründung der Stadt Neuss im J. 69 unsrer 
Zeitrechnung: B. J. XXXII, S. i. — Ders., Birten und Mainz, Neuss und Trier im 
Batavischen Kriege: B. J. XXXIIl, S. 122. — Tücking, Geschichte der Stadt Neuss 
S. 3 flf. Dazu Koenen in den B. J. LXXXXII, S. 243. — C. Koenen, Lokal historische 
Beobachtungen bei den Grundarbeiten zu der Wasserleitung in Neuss: B. J. LXIX, 
S. 123. — Ders., Über vicus, civitas und castellum Nouaesium: B. J. LXXXIV, S. 261. 

— Ders., Zur Erforschung von Nouaesium: B. J. LXXXV, S. i65. — Ders., Das Ver- 
hältnis der Alteburg zu den Römerlagern von Köln, Bonn und Neuss: B. J. LXXXIX, 
S. 218. — E. HObner in den B. J. LXXXVIII, S. 64. 

I. Das römische Lager zwischen Neuss und Grimlinghausen. (Mit- RömUche« Luger 
leilungen des Direktors des Provinzialmuseums zu Bonn, Herrn Prof. Dr. Klein.) Das Getchichie 
Lager von Neuss wird zuerst erwähnt im Bataverkriege, als die dort liegende 16. Legion 
mit den übrigen Truppen der Provinz von dem Oberbefehlshaber Horde onius Flaccus 
imd seinem Legaten Dillius Vocula gegen das von den Batavern angegriffene Vetera 
geführt wurde. Als die mit der Verproviantierung verbundenen Schwierigkeiten und 
die Rücksicht auf eine nähere Verbindung mit den aus Italien erwarteten Verstär- 
kungen den Rückzug zum I^ger von Neuss veranlassten, entstand daselbst eine 
Meuterei, welche dem Hordeonius das Leben kostete. Im folgenden Frühjahr, 7o 
n. Chr., versuchte zwar Vocula noch einmal von Mainz aus, wohin er nach dem 
Tode des Hordeonius sich zurückgezogen hatte, Vetera zu retten, wurde aber aber- 
mals auf Neuss zurückgedrängt und im Lager von den durch Geld gewonnenen Sol- 
daten ebenfalls ermordet, das Lager selbst wurde zerstört und die 16. Legion nach 
Trier versetzt. Als nach der Thronbesteigung Vespasians durch Cerialis der Auf- 
stand niedergeschlagen wurde, erlebte auch das Neusser Lager wieder seinen Aufbau Wiederaufbau 
und zwar an seiner alten Stelle, wie dies aus den in seinem Bereiche gefundenen 

36i 



54 



KREIS NEUSS 



Römische 
Anlagen 



Untergang 



Aufdeckung 



Umfassungs- 
mauer 



SUdihor 



Wwdlhcrr 



Ziegeln der 6. Legion erhellt, von der wir wissen, dass sie nun die Besatzung bildete 
bis auf die Zeit des Hadrian, der sie nach Britannien schickte (C. I. L. VI, Nr. i549). 
Mit der in der Folgezeit eingetretenen Ruhe und Sicherung der Provinz scheint auch 
das Lager allmählich seine ursprüngliche Bedeutung eingebüsst zu haben; denn es 
wird nirgends mehr erwähnt, bis es im 4. Jh. zu dem Lager einer Reiterabteilung 
(ala) umgewandelt erscheint, von dem noch vereinzelte Reste nachweisbar sind. Mit 
Konstantin IL, der die Garnisonstädte anstatt der bisherigen Lager ins Leben rief, 
hat das Lager aufgehört zu existieren (Koenen in den B. }. LXXXIX, S. 218 if.), was 
durch die Münzfunde im Lagerbereiche vollständig bestätigt wird. Die Besatzung 
wurde nach Neuss verlegt und dieses zur befestigten Garnisonsstadt (civitas murata) 
erhoben. In den späteren Berichten erscheint es als Castellum und tritt als solches 
auch in die Geschichte des frühen Mittelalters ein. 

Jenes von Tacitus mehrfach erwähnte Lager der 16. und 6. Legion, dessen 
Lage früher vielfach innerhalb der Stadt Neuss gesucht, aber auf Grund mehrjähriger 
Untersuchungen von C. Koenen zuerst richtig bestimmt worden ist, ist in neuester 
Zeit seitens des Provinzialmuseums zu Bonn seit dem Jahre i887 aufgedeckt worden. 
Die Ausgrabungen sind unter der örtlichen Leitung von C. Koenen erfolgt Da die 
Liegenschaften nur für kurze Zeit gepachtet werden konnten, so mussten die aus- 
gehobenen Partieen nach genauer Vermessung wieder zugeworfen werden. Es liegt 
eine halbe Stunde südlich der Stadt Neuss zu beiden Seiten der nach Köln führen- 
den Provinzialstrasse auf einer zwischen dem linken Rhein- und Erftufer gelegenen 
sich bis zu 4i,5 m über N. erhebenden Bodenanschwellung, welche vor jeder Gefahr 
einer Überschwemmung durch Hochwasser völlig sicher ist. Das Lager (Grundriss 
Taf III) bildet ein 572 m langes imd 432 m breites Rechteck mit abgerundeten Ecken, 
so dass seine Länge um ein Drittel grösser als seine Breite ist. Sein Flächeninhalt 
beträgt 24 ha. Die stellenweise bis o,9o m unter der Erdoberfläche liegende U m - 
fassungsmauer, deren Fundament aus einem Füll werk von Rheingeschiebe und 
Lehm besteht, denen zuweilen Ziegelstücke und Tuffsteine zugesetzt sind, ist durch- 
schnittlich 1,20 m breit, an bedrohten Stellen, wie an der Nordecke, jedoch bis zu 
2,10 m erbreitert. Die Abrundung der Ecken ergiebt einen Radius von 3o m. Der 
Decumanus des Lagers liegt im rechten Winkel zur Kölner Provinzialstrasse, diese 
beim Kilometerstein 11, 5 durchschneidend. In geradliniger Verlängerung des Decu- 
manus liegt in der Mitte der hinteren Lagerflanke das Südthor, welches, da über die 
Frontrichtung des Lagers nicht wohl ein Zweifel obwalten kann, als Decumanthor zu 
bezeichnen ist. Es ist ein Doppelthor, dessen Eingänge eine lichte Weite von je 
2,5o m haben und durch drei hintereinander stehende 1,60 m breite Pfeiler vonein- 
ander getrennt werden. In demselben hat sich weder von einer gepflasterten, noch 
von einer macadamisierten Strasse eine Spur gefunden ; sie kann jedoch ausgebrochen 
sein. Flankiert ist das Thor von zwei 8 m breiten und 9 m tiefen Türmen, deren 
Mauern i,7o m stark sind und die im Innern Kiesböden haben. Die Fundamente 
bestehen aus Sandstein, während zur Ausschmückung Jurakalksteine gebraucht worden 
zu sein sclieincn, worauf die daselbst gefundenen Architekturstücke aus diesem Gestein 
hindeuten. Hinter den Turmfundaraenten kamen eine Latrinengrube und dahinter ein 
nicht mehr deutlich erkennbares, mit den hinteren Turmmauem paralleles Fundament 
von o,7o in Breite zu Tage, das vielleicht als Absperrung zu betrachten ist 

Das cntg(»gcngesctzte, dem Rheine zugewandte Nordthor harrt noch seiner Aus- 
V;rabunK. I hi^r.^vAx sind einzelne Teile des Ost- und des Westthores bereits aufgedeckt 
worden. Die- (irabungen haben indessen ergeben, dass eine völlige Aufklärung über 



362 



NEUSS 



S5 



die Bauart und die Abmessungen beider Thore schwerlich zu gewinnen sein wird, Römisch« 
weil ihre Mauern fast ganz vernichtet worden sind. Was von ihnen zu Tage gefördert " "^*' 
ist, spricht dafür, dass sie ebenso wie das Südthor Doppelthore gewesen sind und 
vielleicht auch dieselben Grössen Verhältnisse wie jenes aufgewiesen haben. Ausser 
diesen vier Thoren hat das Lager keine weiteren Eingänge gehabt. 

Von den in der Umfassungsmauer befindlichen Türmen ist der von dem linken MRuenürme 
Prinzipalthore etwa 3,5o m entfernte am besten erhalten: bei einer Tiefe von lo m 
und einer Breite von 4,5o m springt er um 3 m vor die Umfassungsmauer vor. Ein 
ähnlicher Turm, der jedoch um 6 m vorspringt, ist an der Südwestecke zu Tage ge- 
kommen. Der in gleicher Weise sein ehemaliges Vorhandensein bekundende Turm an 
der Südseite zeigte im Verfolg der inneren Umfassungsmauer zu einem weitläufigeren 
Anbau gehörende Fundamente, deren Zusammenhang nicht zu ermitteln war. End- 
lich kam an der Innenseite der Südosteke der Lagerumfassung ein 9 — ii m breiter, 
8 m tiefer trapezförmiger Turm zum Vorschein, der an der Westseite den Eingang 
hatte, aber sich nicht über die Umfassungsmauer hinaus erstreckte. 

Die Untersuchungen im Innern des Lagers, welche mit Rücksicht auf inneres 
die landwirtschaftlichen Interessen meistens nur in der späten Jahreszeit und oft mit 
Überwindung vieler und grosser Schwierigkeiten ausgeführt worden sind, haben hin- 
sichtlich der Festlegung der Mauerzüge der vorhandenen Gebäude im ganzen zu be- 
friedigenden Resultaten geführt, wenn man bedenkt, dass deren Trümmer das Stein- 
material für die Erbauung von Neuss und Grimlinghausen geliefert haben. Das ganze 
Lager wird durch die auf der Mitte des Cardo gelegene und in einer Breite von 7 m 
durch beide Seitenthore führende via principalis durchschnitten und in zwei ungleiche 
Hälften geteilt. Der vordere kleinere Teil, die Praetentura, wird in der Linie des 
Decumanus von der zur Porta praetoria, dem Nordthore, führenden Strasse, der via 
praetoria, welche ebenfalls eine Breite von 7 m hat, in zwei gleich grosse Teile geteilt. 

Vor dem Punkte, von dem man vermittelst eines Winkelkreuzes durch die 
Mitte der vier Lagerthore sehen konnte, also vor dem Schneidepunkt von Decumanus 
und Cardo, liegt der 572 ^ breite und i3 m lange Eingang zu dem die Mitte des 
ganzen Lagers einnehnl enden Hauptgebäude, dem Praetorium, dessen Mauern praetorium 
wegen des vorzüglichen Materials stellenweise bis in die Gruben hinab ausgebrochen 
sind. Er führt auf einen 32 m langen und 4o m breiten offenen Hofraum, den nach 
seinen Dimensionen und seiner baulichen Form bedeutendsten Raum des ganzen 
Lagers, welcher nach der Prinzipalstrasse zu rechts und links von einer Reihe Räume 
umgeben ist. An der südlichen Seite flankierten zwei mächtige Säulen, deren Unter- 
lagen gefunden wurden, den lo m breiten Eingang zu einer grossen Halle von 
44 m Länge und 12 m Breite mit einer monumentalen Säulenstellung, von 8 zu 
4 und 4 auf beiden Seiten vom Eingang gruppierten Säulen gebildet. Zwischen dem 
ersten und zweiten Pfeiler, etwa i m südwärts, fand sich ein kleiner Unterbau, 
vielleicht für das Postament einer Statue bestimmt. Aus der Halle gelangt man durch 
auf beiden Seiten befindliche Thüren zu dem durch einen breiten Gang geschiedenen 
hinteren Teile des ganzen Gebäudes mit einer Reihe durch ihre Grösse sich aus- 
zeichnenden Gemächer. Dieser Teil mit seiner nach dem Hofraum zwischen 2,9o 
und 3,20 m breiten Mauer liegt genau in der Mitte des ganzen Lagers. Viele Bruch- 
stücke von Säulen, Gesimsen, profilierten Werkstücken aus Jurakalk, welche hier 
zu Tage kamen, weisen auf eine reiche Ausstattung dieses Baues hin, welcher mit 
Einschluss des Hofes ein Quadrat von 9o m Seite bildete. Hof und Säulenhalle 
offenbarten Spuren von Estrich. Westlich von dem Hof findet sich, durch einen 3 m 



363 



56 KREIS NEUSS 

Römische breiten Gang getrennt, ein Flügel mit drei Reihen regelmässig verteilter Gemächer, 
" "**" während östlich an einen 5 m breiten Flur, dessen westliche Abschlussmauer Wand- 
pfeiler zeigt, sich ein ähnlich disponierter Flügel anschliesst. Leider konnte das Ge- 
bäude wegen der örtlichen Schwierigkeiten nicht vollständig untersucht werden. Die 
Hauptmauern, deren Stärke zwischen 1,2 5 und 0,80 m wechselt, bestehen in ihren 
Fundamenten durchweg aus Basalt und Quarziten, bei der nördlichen Abschlussraauer 
der Säulenhalle waren zerschlagene Architekturstücke aus Jurakalk hineingemischt, die 
vielleicht von dem im Bataveraufstand zerstörten Lager herrühren. Denn auch jenes 
ältere Lager mag schön ausgestattet gewesen sein, bezeichnet doch Vocula bei Tacitus 
(hist. 4,58) dasselbe als castra egregia. 

An den beiden Seiten und an seiner Rückseite ist das Praetorium von je einer 
9 m breiten Strasse begrenzt. 
Zweites Westlich vom Praetorium liegt ein zweites kolossales Gebäude von 82 m 

auptge au e Lä^g^ ^J^^J 7o m Breite, dessen Grundriss durch die zur Zeit im Gange befind- 
lichen Ausgrabungen im einzelnen festgestellt werden soll. Zunächst der Prinzipal- 
strasse zeigt sich ein im Lichten 2? m breiter und 42 m tiefer Säulen hof, in welchem 
noch der Rest eines Estrichbodens gefunden wurde und welcher nach der Strasse 
durch eine i,25 m breite Mauer abgeschlossen wird. Die in einem Abstand von 
2,80 bis 3 m von einander befindlichen Säulen fundamente sind i,9o m im Quadrat 
stark, während die aii der Südwand des anstossenden Gebäudes angelehnten Pfeiler 
3^/2 m von einander entfernt sind. Von diesem Gebäude, dessen innere Einteilung 
noch der Untersuchung bedarf, sind bloss die Kellerfundamente noch erhalten, deren 
Mauern an der Sohle 2,10 m breit sind; sie reichen 2,4o m tiefer als der Estrich der 
Säulenhalle und haben jedenfalls einen stärkeren Oberbau getragen. Auf der östlichen 
Seite und, wofern einzelne gefundene Maueransätze zu dem Schluss berechtigen, wahr- 
scheinlich auch auf der westlichen war das Gebäude von einer Reihe kleinerer Zimmer 
von verschiedener Grösse eingefasst. In dem zweiten der östlichen Reihe lag ein 
Estrichboden, um den herum an der Wand ein Viertelrundstab lief, ferner in der 
Westecke ein 55 cm im Geviert messender, von i4 cm langen und 5 cm breiten Ziegel- 
steinen eingefriedigter Raum, der vielleicht als Herd gedient hat. Unter und neben 
dem Gebäude wurden vier Kanäle blossgelegt. 

Westliche Unmittelbar neben diesem umfangreichen Gebäude in der Richtung auf Neuss 

zu wurden drei 74,25 m lange Trakte aufgedeckt, von denen der mittlere 24,4o m» 
die beiden anderen je 12 m Breite haben. Sie werden durch 5 m breite Gassen von- 
einander geschieden. Es lassen sich bei ihnen zwei Teile unterscheiden, ein vorderer 
von 24,25 m Länge und ein hinterer von 5o m Länge. Die Vorderflügel, soweit sie 
aufgedeckt sind, lassen jetzt schon das Vorhandensein mehrerer grösserer Räume er- 
kennen. Die Hinterflügel weisen die bei allen anderen Kasernements des Lagers 
wiederkehrende gleiche Raumeinteilung auf Sie bestehen aus drei Reihen hinterein- 
ander liegender Räume von 3,5 m Breite. Die vorderste nach den Gassen hin ge- 
legene Reihe von Räumen, welche eine Tiefe von 2,9o m haben, zeigt an dem Rande 
der Gassen Sockelsteine mit Zapfenlöchern für Holzpfosten, sowie Einschnitte für Balken, 
die offenbar zur Herstellung von Verschlagen gedient haben. Die dahinter liegende 
Zimmerreihe von 2,5o m Tiefe war jedenfalls für die Waffen bestimmt, während die 
vordere zur Unterbringung der Bagage u. s. w. gedient hat; der dritte 4,5o m tiefe 
Raum nahm die Mannschaften auf Die beiden äusseren Kasernen bargen je eine, 
die mittlere zwei Centurien. Zwischen den Hinterteilen der beiden Kasernen läuft 
ein i,5o m breiter Gang einher. Die Fundamente haben eine durchschnittliche Stärke 

364 



Kasernen 




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11 



Neuss. Das römische Lager nach dca^ 




te der Ausgrabungen im Jahre i89S. 



NEUSS 



57 



Römische 
Anlagen 



Östliche 
Kasernen 



Quersirnsse 



von 0,54 in und bestehen aus Basalt mit Rheingeschiebe, Tuffsteinbrocken und Grau- 
wacke vermischt, denen vereinzelt Ziegelstücke zugesellt sind. 

In gleicher Linie mit diesen Kasernen sind östlich vom Praetorium die hinteren 
Teile von vier Gebäuden, wohl ebenfalls Kasernen, blossgelegt worden. Zunächst 
dem Walle liegt ein einfacher Centurienbau, dann folgen zwei Doppelcenturienbauten. 
Ob die Ecke des daneben liegenden Gebäudes einem einfachen oder, wie Koenen 
vielleicht richtig vermutet, einem Doppelcenturienbau angehört, muss dahingestellt 
bleiben. Darauf kann, da für weitere Kasemenbauten bis zum Praetorium kein Raum 
vorhanden ist, zweifellos nur noch eine einfache Kaserne gefolgt sein. In dem öst- 
lichen Eckraum der zweiten Doppelkaserne fand sich ein durch ein Mäuerchen ab- 
gesonderter Raum, wahrscheinlich eine Latrine. Auch diese Kasernen, deren Vorder- 
flügel mit der Front nach der Prinzipalstra.sse gerichtet waren, sind durch Gassen getrennt. 

Hinter den bisher beschriebenen Bauten läuft eine das Lager von Westen nach 
Osten durchschneidende zweite Querstrasse von 9 m Breite her, in deren Mitte ein 
nach Südost gehender Kanal an mehreren Stellen beobachtet wurde, welcher seinen 
Inhalt in den grossen die Ostseite des Lagers entlang bis zum Rheinufer geführten 
Abfiusskanal entleerte. Jenseits dieser Querstrasse stossen wir östlich, zunächst der 
Umwallung, wiederum auf eine Gruppe von Kasernen, welche wahrscheinlich aus 
zwei Doppelkasernen mit je einer einfachen auf den beiden Seiten bestand. Es war 
bisher nur möglich, den nördlichen einfachen Centurienbau und einen grossen Teil 
der daran anst( »ssenden, durch eine Gasse getrennten Doppelkaseme aufzudecken. 
Beide Gebäude liegen mit ihren Längsseiten rechtwinkelig zu den vor ihnen nach 
der Prinzipalstra.sse hin errichteten Käsern ements und haben eine im ganzen mit den 
übrigen Ka.sernen bauten übereinstimmende Anordnung. Ihre Länge beträgt 73,5 m, 
die Breite bei der einfachen Kaserne 12 m, bei der Doppelkaserne 25 m; bei beiden 
liegt der Eingang in der Mitte der Ostseite. Der die Mannschaften beherbergende 
Flügel besteht, wie bei den l>isher beschriebenen Quartieren, aus drei Reihen von 
3,5 m breiten Kammern, von denen die hinteren 5 m, die vorderen bloss 3 m tief 
sind. In den beiden Vorderflügeln der Doppelkaserne beherrscht ein Raum die 
Disposition als wichtigster Teil der Anlage, wofür auch seine Ausstattung spricht; 
denn er hat einen aus hochkantig gestellten Ziegelsteinen von 0,1 45 m Länge, o,o7 m 
Breite und o,o5 m Dicke gebildeten ährenförmigen Estrichboden mit einem 0,80 m 
tiefen Bassin von 1,80 m Durchmesser, welches mit Ziegelsteinen ausgemauert ist. Auf- 
fallend ist, dass bloss in zweien der Mannschaftsräume, und zwar jedesmal in dem 
zweiten von Osten her, ein Estrichboden sich findet, während in allen übrigen der 
Fussboden von festgestampftem Kies gebildet wird. 

Westlich von diesen Kasernen kamen auf der Rückseite des Praetoriums, von 
diesem nur durch die oben erwähnte 9 m breite Querstrasse getrennt, Teile von zwei 
grossen Gebäuden zum Vorschein, deren Grundriss im einzelnen wegen thellweise 
vollständigen Ausbruches des Mauerwerks nur mangelhaft festgestellt werden konnte. 
Ihr Umfang bleibt noch durch Grabungen auf der westlichen und östlichen Seite zu 
ermitteln. Das unmittelbar hinter dem Praetorium aufgefundene Gebäude, welches 
eine Tiefe von 88 m hat, dürfte seiner Lage gemäss vielleicht für das Quaestorium Qucstorium 
anzusehen sein. In dem blossgelegten östlichen Flügel lässt sich nächst der auf die 
Prinzipalstrasse führenden Seitengasse ein Atrium, dessen Wände nach den im Schutte 
gefundenen Verputzstücken zu urteilen bemalt waren, und daran anschliessend ein 
grosser, teilweise mit Steinplatten belegter Raum erkennen, der nach Osten von einem 
4 m breiten mit Estrichboden versehenen Säulengange begrenzt ist. Die Mauern 



365 



58 



KREIS NKÜSS 



Römische 
AnIngen 



Hinterrir 
Lngerteil 



Südliche 
Kasernen 



haben eine durchschnittliche Breite von 0,60 — o,7o m, und reichen stellenweise bis zu 
i,7o m Tiefe. Das zu ihren Fundamenten verwandte Material ist hier Tuff- und auch 
Kalkstein. Eine 5 m breite Gasse trennt dies Gebäude von einem zweiten, anscheinend 
gleich langen und mit jenem parallel laufenden Bauwerk. Dieses zeigt zunächst der 
Gasse einen lang gestreckten Flügel mit nach der Gasse hin geöffneten 5 m breiten 
und 10 m tiefen Räumen, welche von einer durch die Mitte gehenden Quermauer in 
zwei Hälften geteilt werden. Einzelne dieser Quermauem werden unterbrochen durcli 
kesseiförmige mit Brandresten gefüllte Vertiefungen, welche ihre Fortsetzung in einer 
kanalartigen Rinne finden. Es liegt nahe, in ihnen Heiz Vorrichtungen zu sehen, wenn- 
gleich eine genügende Aufklärung nicht gewonnen werden konnte. Der andere, be- 
deutend grössere, durch einen 2 m breiten Gang getrennte Teil des Gebäudes, welcher 
höchst wahrscheinlich sich bis zu der vorbei führenden östlichen Seitengasse erstreckt 
hat, zeigt einen langen Trakt mit einer Reihe von 6 m tiefen Gemächern von an- 
scheinend verschiedener Breite. Eine gleiche Disposition scheint bei der gegenüber 
liegenden Ostseite der Anlage beliebt worden zu sein, so dass die Räume um einen 
grossen Hof auf beiden Seiten gruppiert waren. Spuren von ehemals hier vor- 
handenen Heizkanälen wurden beobachtet. Die mit Sorgfalt hergestellten Wände 
waren bemalt. Es fand sich eine Anzahl von feineren Wandverputzresten, die mit 
den verschiedensten Farben bemalt, neben Ornamenten in breiten und schmalen 
Streifen auch Blattwerk, Blumengewinde und Medaillons darstellten, dann auch eine 
auffallend grosse Menge von Ziegel fragmenten mit dem Stempel der 6. Legion. Dies, 
sowie der Umstand, dass innerhalb dieser Anlage auch mehrere Schmuck- und Toiletten- 
gegenstände sowie Ausrüstungsobjekte, darunter ein hübsch gearbeiteter Stachelsporn 
aus Bronze, zu Tage gefördert worden sind, weist darauf hin, dass sie zur Unter- 
bringung besser gestellter und zwar mit Pferden versehener Leute gedient hat. Der 
Gesamteindruck dieses Baukomplexes ist aber der, dass er eine weniger monuraen- 
mentale Bedeutung hatte. Übrigens lässt sich ein bestimmteres Urteil über seine Be- 
stimmung erst nach Vollendung der Ausgrabungen fällen. 

Nach dem südlichen Thore hin werden diese grossen Gebäude von einer 7 m 
breiten, mit der Prinzipalstrasse parallel laufenden Querstrasse begrenzt und somit die 
die Mitte des Lagers einnehmenden Bauten von dem hinteren Lagerteile getrennt. 
Dieser hintere Lagerteil wird durch eine auf die Linie des Decumanus gelegte Strasse 
in zwei gleich grosse Teile zerlegt. Ostlich von ihr liegt ein grosses Terrain, dessen 
Länge 58 m beträgt, während die Breite durch die bis jetzt geschehenen Grabungen 
bis auf 100 m hat verfolgt werden können, ohne einen Abschluss zu finden. Aller 
Wahrscheinlichkeit nach hat hier ein freier Platz gelegen, der eine Erklärung findet, 
wenn das zwischen ihm und dem Praetorium liegende Gebäude als das Quaestorium 
in Wirklichkeit gedeutet werden darf. Verfolgen wir die nach dem Südthor führende 
Strasse weiter, so stossen wir östlich derselben wieder auf zwei grössere Gruppen von 
Gebäuden, welche in Bezug auf ihre Anordnung den früher beschriebenen Kasernen- 
bauten gleichen. Zunächst eine von zwei einfachen Kasernen umgebene Doppel- 
kaseme, dann wieder eine einfache Kaserne, auf die zwei Doppelkasemen folgen, von 
denen die äusserste nach Osten gelegene nur zum Teil hat blossgelegt w^erden können, 
weil das sie bedeckende Feld nicht zugänglich war. Auch sie zerfallen wie die 
früheren in zwei Teile, von welchen der vordere bei den einfachen Bauten I2,5 m 
bei den Doppelbauten 25, 5o m breit ist. Die Länge, welche bei allen die gleiche 
ist, beträgt 75,5o m. Sie liegen von der Innenkante der Umfassungsmauer 32 m ent- 
fernt und sind voneinander durch Gassen getrennt, deren Breite innerhalb der Gruppen 



366 



NEUSS 59 

selbst zwischen 5,3o und 5,7o m wechselt, zwischen den beiden Gruppen aber 6,4o m Römische 
beträgt. Die Vorderflügel enthalten bei den kleineren Kasernen meist 6 — 7 ver- . " ■**" 
schieden grosse Räume, bei den Doppelkasemen je 20 — 22 Gemächer und tragen 
trotz verschieden tlicher Abweichungen doch eine gewisse Gleichheit und Regelmässig- 
keit in der Anlage zur Schau. Der Hinterflügel ist bei allen ebenso wie bei den 
früher erwähnten Kasernen dreiteilig, nämlich zuvorderst ein auf Holzpfosten, deren 
Sockelsteine zum grössten Teile noch vorhanden sind, ruhender 3, i o m breiter offener 
Raum, dahinter eine Reihe von kleinen Kammern, deren Tiefe 2,9o m beträgt, end- 
lich eine dritte Reihe 5,5o m tiefer Räume, von denen mehrere noch die Reste eines 
aus Ziegelplatten gebildeten Fussbodenbelages aufwiesen. Die Breite schwankt bei 
den Räumen beider Reihen zwischen 3,75 m und 4,25 m. 

Westlich von diesen Kasernen, geschieden durch die zum Südthore fuhrende 
Strasse, kamen die Anfänge eines noch nicht aufgedeckten Complexes von Gebäuden 
zu Tage, welche von der Wallstrasse bis zu der das Quaestorium von dem hinteren 
Lagerteile trennenden Strasse reichen und eine Länge von i37 m haben. Der Strasse 
entlang fanden sich eine Anzahl von viereckigen Steinwürfeln eingelassen, deren Ab- 
stand voneinander an den Stellen, wo sie noch alle erhalten sind, 3,5o m ausmacht. 
Hinter diesen liegen i4 nach der Strasse hin offene Räume, deren Mauern einen 
auf beiden Seiten vorspringenden pfeilerartigen Ansatz haben. Dann folgt eine zweite 
Reihe geschlossener Zimmer von 4 m Tiefe und durchschnittlich 7 m Breite, während 
an den beiden Ecken des langgestreckten Gebäudes vier grössere Räume mit zum 
Teil breiteren Grundmauern sich befunden zu haben scheinen, wofern aus der bis 
jetzt vollständig ausgegrabenen Südecke auf die gleiche Disposition der Nordecke 
geschlossen werden darf. Über Ausdehnung und Zweck des Gebäudes, das allem 
Anschein nach für Reiter bestimmt war, ist ein endgültiges Urteil erst nach dem Ab- 
schluss der Ausgrabungen zu erwarten. 

Ausser diesen Gebäuden sind auch im westlichen Teile des Lagers Fundamente 
von Kasernen blossgelegt worden, soweit die Felder zugänglich waren. Zunächst die 
fast gänzlich zerstörten Mauerreste der Hinterflügel von drei einfachen Kasernen- 
bauten. Daneben die Fundamente von zwei einfachen und einer Doppelkaserne von 
gleicher Bauart und Einrichtung. 

Kehren wir nun zur via principalis zurück, welche zur Hälfte unter der jetzigen Nördlicher 
von Köln nach Neuss führenden Provinzialstrasse liegt, so sind rechts und links von 
der nach dem Nordthor führenden Strasse und zwar hart an der Prinzipalstrasse 
Reste langgestreckter Gebäude entdeckt worden. Obgleich ihre Mauern, weil sich in 
die Provinzialstrasse hineinerstreckend, noch nicht verfolgt wurden, so scheinen sie 
dennoch eine mit den jenseits dieser Strasse in der Nähe des Westthores aus- 
gegrabenen Gebäuden übereinstimmende Bauart gehabt zu haben. Sie bestehen dar- 
nach jedesmal aus einer einzigen Reihe 9 m tiefer und durchschnittlich 5 — 6 m breiter, 
durch keine Zwischenwände geteilter magazinartiger Räume, welche nach der Strasse 
oflfen waren. Hinter ihnen liegt westlich von der von der Prinzipalstrasse nach dem 
Nordthor sich abzweigenden Strasse, durch einen etwa 3 m breiten Raum getrennt, ein 
quadratisches Gebäude von ca. 39 m Seite, dessen namentlich im Innern stark zer- 
störtes Mauerwerk die Disposition nicht erkennen Hess. In einem seiner zahlreichen 
grösseren und kleineren Zimmer fand sich ein Estrichboden mit mosaikartigen Ver. 
zierungen, wie auch sonst mehrfach Reste von besserem Fussbodenbelag zu Tage 
kamen; das davor liegende Gemach war eine Badestube. Zwei kleine Kanäle führten 
in den unter der grossen westlichen Strasse gelegenen Abflusskanal. Zwischen diesem 

367 



Lngeneii 



6o 



KREIS NEUSS 



R ö m i I c 1i e 
A nliigen 



Hsllenbiiu 
am OstwuUe 



Nördliche 
Knsernen 



Gebäude und der westlichen Umfassungsmauer liegen noch mindestens drei grössere, 
nach ihrem Umfang nt)ch nicht völlig festgestellte Bauten, in der Anlage wohl den 
oben beschriebenen gleichend und nach ihrer reicheren Ausstattung wohl zu Woh- 
nungen höherer Offiziere bestimmt Es fanden sich hier ausser Resten von feinen 
Thongeschirren ein mit einem Leopardenkopfe verzierter Griff, eine Gerätbekrönung 
in Gestalt eines Hahnes, eine runde Scheibe aus Bronze, auf der ein Adler eingra- 
viert ist, sowie ein springender, von Blitzen und Donnerkeilen umgebener Lowe aus 
getriebenem Bronzeblech (Teil eines Helmes). 

Auch östlich von der zum nördlichen Thore führenden Strasse sind Teile solcher 
Bauten entdeckt worden, deren Grundriss jedoch nicht festzustellen möglich war. Nur 
die nördliche und östliche Abschlussmauer eines Gebäudes mit einigen daran an- 
stossenden Zimmern gelang es aufzudecken, deren sorgfältigere Ausführung, schöne 
Estrichböden und zum Teil bemalte Wandverputzstücke es nahe legen, ihm dieselbe 
Bestimmung wie den auf der Westseite der Strasse angetrofienen Baulichkeiten zu- 
zusprechen. 

Von diesem Gebäude durch eine 6 m breite Gasse getrennt und auf allen 
Seiten von Gassen begrenzt, erscheint dann nach dem Ostwalle hin ein kolossaler 
Bau von 55 m Länge und 34 m Breite mit i m starken Mauern, dessen 3,5 m -breiter 
und von zwei 3,5 m im Geviert grossen Türmen flankierter Eingang nach Osten ge- 
richtet ist. Die jetzt den Eingang sperrende o,24 m starke Mauer, sowie die beiden 
schwachen Mäuerchen, die in der Richtung von Osten nach Westen, das eine beim 
Eingang, das andere an der Innenseite der dem Eingange gegenüber liegenden Um- 
fassungsmauer angetroffen worden sind, haben sich als Reste eines früheren Bau- 
werkes ergeben. Das Innere zeigt eine von 24 Säulen getragene Halle. In ihrer 
Mitte befindet sich ein lo m langes, 4,5o m breites und 3,2 5 m tiefes Bassin, welches 
unter den füllenden Erdmassen Zicgelstücke, Brand reste, Scherben von Gefässen und 
zerschlagene Werkstücke barg. In einem Abstände von 2,5 m liegt nach dem Ein- 
gange hin eine kreisförmige Cistcrne von i,4o m Durchmesser, welche gleichfalls mit 
Brandschutt und Ziegelstücken angefüllt war. In dem die Säulenhalle einschliessenden 
Gange kamen noch mehrfach die L^berreste eines aus o,32 m im Geviert grossen 
Ziegelplatten gebildeten Fussbodenbelages zum Vorschein. Die hier erwartete Aus- 
beute an Fundstücken war gering, nur schwarze und weisse Spielstein chen, Bruch- 
stücke einer verzierten Schale aus Terra sigillata, ein sägeförmiges Bronzeinstrument 
und einige Ziegelstücke mit dem Stempel VEX . EX . GER . INF und EX . GER . INF. 
Das Gebäude möchte wohl als die Schola des Lagers zu deuten sein. 

Nördlich hiervon liegen vier Kasernen, drei grössere und eine kleinere. Die 
kleinere, die am meisten nach Osten liegt, hat eine Länge von 36 m und konnte 
nur bis zu 6,5 m in ihrer Breite verfolgt werden. Sie enthält zwei Reihen von je 
8 Räumen, von denen diejenigen der inneren Reihe 3,5 m tief und 4 — 6 m breit sind. 
Die gleiche Breite haben auch die Zimmer der äusseren Reihe, während ihre Tiefe 
noch unaufgeklärt ist. Die drei nach dem Lagerinnem hin gelegenen grösseren Ge- 
bäude, deren jedes eine Länge von 33,5o m hat, erweisen sich als durch eine in der 
Mitte der Längsachse liegende Mauer in zwei gleiche Teile geschiedene Bauten, welche 
eine unter sich ziemlich .gleichartige Einteilung aufweisen. Zugleich lässt sich eine 
zweite Teilung in einen vorderen und hinteren Flügel erkennen, von denen dieser 
i9 m, jener 20 m Breite besitzt. Ihr Grundriss ähnelt dem der früher beschriebenen 
Kasernen, jedoch mit dem Unterschied, dass der hintere Flügel hier bedeutend ver- 
kürzt ist. Die Grössenverhältnisse der in dem vorderen Teile enthaltenen Zimmer 



368 



NEUSS 6l 

sind verschieden, während die des hinteren Flügels eine gewisse Regelraässigkeit zeigen. Römische 
Innerhalb der Räume wurden kesseiförmige Brandgruben für Heizzwecke und La- 
trinen aufgedeckt. Viele Räume hatten einen aus festgestampftem Kies bestehenden 
Fussboden. Die Stärke der Mauern schwankt zwischen o,35 und o,7o m. Die in 
diesen Gebäuden gemachten Fundstücke, darunter ein leider fragmentiertes Schälchen 
aus Sardonyx, Bruchstücke von buntfarbigen Glasgefössen, zwei schöne Buckel in 
durchbrochener Arbeit, eine Schnalle mit Silbereinlagen, Gewandnadeln und Leder- 
beschläge aus Bronze, Schwerter und Dolche von Eisen lassen in den Insassen dieser 
Quartiere höhere Offiziere vermuten. 

In gleicher Axe mit diesen Gebäuden, getrennt durch eine 7 m breite Quer- 
gusse, sind in der Nordostecke des Lagers die Hinterflügel von vier Kasernen an- 
getroffen worden, von denen eine für eine Centurie und drei für Doppelcenturien 
bestimmt waren. Ihre Anordnung ist die gleiche wie bei den übrigen Kasernements. 
Vor jeder erblicken wir einen auf Holzpfosten ruhenden, nach der Strasse offenen 
Vorraum, dahinter zwei Reihen von Räumen, von denen die der vorderen Reihen 
kleiner als die der hinteren sind imd in den Grössenverhältnissen untereinander über- 
einstimmen. Die der östlichen Flanke des Lagers zunächst gelegene Kaserne hat 
jedoch bloss je 1 1 Zellen von 4 m Breite und 3 m Tiefe. Von den für die Holzpfosten 
bestimmten Sockelsteinen wurden noch sehr viele an ihren Stellen vorgefunden; sie 
bestehen aus quadratischen Tuffblöcken mit Zapfenlöchern, zuweilen auch aus Resten 
alter Säulen oder aus Architekturstücken von älteren Gebäuden, welche einfach mit 
Zapfenlöchern versehen worden sind. Die daneben liegenden Doppelkasemen haben 
eine ganz gleiche Disposition: jede eine Vorhalle von 2,5 m Tiefe, dann zwei Reihen 
mit je 12 Kammern von 3,5 m Breite, welche in der vorderen Reihe 3 m, in der 
hinteren 4 m tief sind. Zwischen den zu einer Doppelkaseme verbundenen Flügeln 
endlich ein i,5 m breiter Gang, welcher bei der ersten Kaserne durch eine später 
eingefügte Sperrmauer abgeschlossen worden ist. Auch in vielen Zellen dieser Ge- 
bäude fanden sich Brandgruben, welche von Feuerstellen herrühren. Die hier ge- 
fundenen Objekte wie einfache Gewandnadeln und Beschlagstücke aus Bronze, Münzen 
und Ziegelfragmente passen zu dem Charakter dieser Quartiere. 

Für die Kommunikation innerhalb des Lagers sorgte eine Anzahl, nach be- Wege 
stimmten Grundsätzen angelegter Wege. Im inneren Umkreise des Lagers zieht sich 
rings um die Bauten desselben eine Strasse herum, welche an den Stellen, wo sie 
bislang zu untersuchen sich die Gelegenheit geboten hat, durchschnittlich eine Breite 
von 9,5 m zeigt. Eine zweite Strasse führt in einer Breite von 7 m, wie bereits früher 
bemerkt worden ist, von dem westlichen nach dem östlichen Thore und teilt das 
Lager in eine nördliche und eine südliche Hälfte. Von ihr ausgehend schneidet eine 
dritte grosse, in der Richtung nach dem Nordthor verlaufende, 7 m breite Strasse 
den nördlichen Lagerteil ebenfalls in zwei Hälften von gleichem Flächenumfang. End- 
lich durchqueren zwei andere, mit der Prinzipalstrasse parallel laufende Strassen den 
hinteren Teil des Lagers in seiner ganzen Breite, die eine von 9 m Breite im Rücken 
des Prätoriums, die andere von 7 m Breite vor den die Südseite des Lagers ein- 
nehmenden Kasemenbauten einhergehend, während eine vom Südthor kommende, 
den hinteren Lagerteil durchschneidende Strasse die Verbindung des Südthores mit 
der ersten grossen Querstrasse bewirkt. Ausserdem sind die einzelnen' Gebäude auf 
allen Seiten von Gassen begrenzt, deren Breite zwischen 5 und 6 m schwankt. 

Ein stark verzweigtes Kanalnetz vermittelte den Lagerinsassen die Zufuhr Kwuninetz 
und die Ableitung von Wasser. Da Quellen nicht im Lagerterrain vorhanden sind» 

369 



1 



62 KREIS NEUSS 

Römische SO muss der Wasserbedarf durch eine Leitung zugeführt worden sein, deren Rich- 
" "'^*" tung noch nicht aufgeklärt ist. Ein Kanal von i m lichter Weite begleitet die im 
Innern des Lagerwalles befindliche Strasse rings herum, er ist an einzelnen Stellen 
der Süd- und Westflanke, sowie an der Ostseite, wo er einen von Westen kommenden 
Zweigkanal aufnimmt, von der Provinzialstrasse an bis zu der Nordostecke aufgedeckt 
worden, wo er einen Abfluss nach dem Rheine entsendet Auf dieser Strecke, wo 
seine relativ bessere Erhaltung eine genauere Untersuchung ermöglichte, zeigt er auf 
eine Länge von i4o m ein Gefälle ^von i,55 m. Ein zweiter, sehr zerstörter Kanal 
kam unter der im Rücken des Prätoriums liegenden Strasse zum Vorschein; er scheint 
sich durch die ganze Breite des Lagers erstreckt zu haben; beobachtet wurde er an 
seinen beiden Enden, wo er in den erstgenannten Kanal mündet. Mit ihm in Ver- 
bindung steht wahrscheinlich ein dritter grösserer Kanal, welcher unter der das Prä- 
torium von dem westlich gelegenen grossen Gebäude trennenden Strasse liegt, aus 
dem er das Wasser mehrerer Seitenkanäle aufnimmt Er zieht sich dann nördlich 
der Provinzialstrasse, welche ihn überschreitet, zwischen den dort befindlichen Bauten 
hindurch, deren Wasser in mehreren Rinnen ebenfalls in ihn geleitet ist. Nach den 
bei dem westlichen und südlichen Thore gefundenen Einschnitten hat es den An- 
schein, als wenn auch diese grosse, das Lager in seiner Queraxc durchschneidende 
Strasse in ihrem ganzen Laufe von einem Kanal begleitet gewesen wäre. Endlich ist 
auch noch unter der den hintersten Teil des Lagers in zwei gleiche Hälften teilenden, 
zum Südthore führenden Strasse ein Kanal von ca. i m lichter Weite gefunden worden, 
welcher mit dem Aussenkanal in Verbindung gestanden zu haben scheint. Ein klarer 
Überblick über das Kanalsystem des Lagers wird erst nach vollständiger Freilegung 
des ganzen Lagers zu gewinnen sein. 
Spätere Dass an einer solch ausgedehnten Anlage im Laufe der Zeit leichte Ände- 

rungen, An- und Zubauten gemacht worden sind, liegt in der Natur der Sache. Wenn 
dieselben aber einen grösseren Umfang annehmen und mit der Zerstörung ganzer 
Teile zugleich verknüpft sind, dann müssen ganz besondere Verhältnisse hierzu Ver- 
anlassung gegeben haben. Solche beträchtliche Änderungen machen sich aber nament- 
lich in dem grossen Bautenkomplexe bemerklich, welcher nördlich und südlich der 
Provinzialstrasse die Mittelpartie des Lagers bildet Hier sind nicht bloss ganze Teile 
einzelner Bauten vernichtet, sondern auch einzelne Mauerzüge in scheinbar unerklär- 
licher Weise eingefügt, so dass kein rechtes Bild baulichen Zusammenschlusses entsteht. 
Diese Veränderungen des Grundrisses verdankt das Lager der Einrichtung des später 
in dasselbe hin eingebauten, in seinem Umfange bedeutend kleineren Alenlagers. Das- 
selbe umfasst ein Quadrat von i8o m Seite mit abgerundeten Ecken, dessen Mitte 
genau das Prätorium des alten Lagers bildete. Diesem Alenlager gehört die auf der 
Nordseite der Provinzialstrasse gefundene 1,75 m breite Mauer mit abgerundeter Ost- 
ecke und Stützpfeilern an der Innenseite an, femer der davor liegende i8 m breite 
Umfassungsgraben, welcher auch auf der Rückseite des Prätoriums wiederkehrt und 
dort die Zwischenmauern zweier grosser Bauten vernichtet hat Von ihm rühren 
endlich auch die zwischen den Mauerzügen des westlich vom Praetorium gelegenen 
grossen Gebäudes zu Tage getretenen Reste eines schmäleren Grabens her. 
Nov«e«iuin 2. Römischer Ort und Kastell Novaesium. Das innerhalb der jetzigen 

Stadt gelegene Kastell und die spätere römische civitas sind in ihren Grenzen, weil 
vollständig von der jetzigen Stadt bedeckt, naturgemäss nicht im gleichen Grade wie 
das Lager nachzuweisen. Die römischen Funde an Münzen und Gefäfsscherben be- 
ginnen hier mit der ersten Kaiserzeit, so dass sicher schon damals hier eine Nieder- 

37o 



NEUSS 63 

iassung bestanden haben muss. Die innerhalb des Kastellbezirkes befindlichen Römer- Römische 
gräber beginnen nach Mitteilungen von Koenen in der Flavierzeit und reichen bis 
zu Konstantin I. Seit dem 4. Jh., zumal seit der Aufgabe des grossen Lagers, erscheint 
dann an der Stelle der älteren Ansiedelung die civitas murata, die wohl bis zu der 
Zerstörung durch die Normannen im J. 880 bestand (Gesta Treverorum c. 27: Nort- 
manni . . . Niusa . . igne et ferro adnichilaverunt). 

Die Anlage (über die Entstehung des Kastells vgl. oben S. 54 und Koenen in Ausdehnung 
den B. J. LXXXIV, S. 261) ist mit einiger Wahrscheinlichkeit durch die Nachgra- 
bungen und Grundarbeiten der J. 18 79 und 1880 festzustellen möglich geworden. Der 
schwere Kiesdamm der Hauptstrasse (Ober- und Bücheistrasse) giebt wohl die Linie 
des decimanus maximus an, der bei dem Rathausthörchen sich abzweigende Weg die 
via principalis. Nach der Berechnung von Koenen bildete die ganze Anlage ein Recht- 
eck von 33o m Länge und i5o m Breite. Bei den Ausschachtungen für die Wasser- 
leitung 1880 sind weitere Strassen und über das ganze Bereich des Kastells zerstreut 
Reste römischen Mauerwerkes zum Vorschein gekommen. In der Hymgasse wurden 
u. a. bedeutende Fundamente eines ausgedehnten Römerbaues mit Badeeinrichtungen 
und anderen luxuriösen Vorkehrungen aufgedeckt. Römische Baumaterialien, zum Teil 
von dem als Steinbruch benutzten Lager, fanden sich bei den ältesten Anlagen in 
der ganzen Stadt ven^'andt (ausführlich Koenen in den B. J. LXIX, S. 128 — 138 und 
B. J. LXXXV, S. 166. Eingehende Berichte von Koenen in der Neusser Zeitung der 
J. i879 und 1880). Über die in der Brückstrasse südlich der Hospitalkirche entdeckte 
abgerundete Ostecke der inneren Wallstrasse des Kastells und die etwa 10 m nördlich 
davon angetroffenen Teile der Umfassungsmauer vgl. B. J. LXXXIV, S. 263. 

3. Gräberfunde. In dem Gebiet fast der ganzen Stadt Neuss wurden römische Gräberfunde 
Gräber in grosser Zahl entdeckt. Nach Mitteilungen von C. Koenen gestatten die '""*si'di ^" 
bisherigen Funde innerhalb der Stadt die Scheidung von vier Gräberfeldern. Das 
erste ist im Verfolg der römischen Uferstrasse, bei den Neubauten in der Glockhammcr- 
strasse, am Waisenhaus und in der Rheinstrasse festgestellt worden. Das zweite folgt 
einer römischen Seitenstrasse in der Linie vom Markte, Kriegerdenkmal, Spulen- und 
Salzgasse. Das dritte, bei dem überaus zahlreiche Brandgräber der Antoninen zeit auf- 
gedeckt wurden, reicht vom Markte aus den Büchel und die Niederstrasse entlang 
bis über den Bahnhof hinaus. Ein viertes zieht sich neben der Kapitelstrasse hin. 
Über die Ausgrabungen in der Nähe der Quirinuskirche vgl. B. J. V, S. 4o8, über die 
auf dem Münsterplatze i877 und i878 bei den Fundamen tierungsarbeiten für das 
Kriegerdenkmal gemachten Funde vgl. B. J. LXIII, S. 1 83 ; Picks Ms. III, S. 6o4. 
Über vereinzelte Funde am Zollthor vgl. B. J. V, S. 4o7, in der Hammthorstrasse bei 
dem sog. alten Armenhause: B. J. LXIX, S. 128. Über die Funde auf dem ausge- 
dehnten dritten Gräberfelde in der Niederstrasse vom J. i85S vgl. B. J. XXIII, S. i75; 
über die Funde vor dem Niederthor B. J. LXXV, S. i58; über die Funde von i877 
in der Krefelderstrasse B. J. LX, S. i67; über die Entdeckungen bei der Fundamen- 
tierung des neuen Stationsgebäudes i876 vgl. ausführlich Koenen in den B. J. LVII, 
S. 223. Weiterhin sind i878 Gräber in der Glockhammerstrasse, in der Brandga.sse, 
hinter der Erft in der Krefelderstrasse, an der Stelle des Streffingschen Hotels und 
der ehemalig Demmingschen und Klaphackschen Kunstgärtnerei entdeckt worden (B. J. 
LXIII, S. i83); 1882 zwischen Neustrasse, Rathausgässchen und Bücheistrasse (B. J. 
LXXIV, S. i93); i883 südlich vom Rathause (Korrespondenzblatt der Wd. Zs. II, 
S. 7i; vgl. weiter ebenda VI, S. 25o). Über die dem 2. — 4. Jh. angehörigen Gräber- 
felder vgl. Koenen in den B. J. LXXX, S. 237 und LXXXIV, S. 261. 

37i 



64 



KREIS NEUSS 



Römische 
A nlnsen 

Gräberfunde 

nusserhalb der 

Stadt 



Vorrömische 
Kunde 



Fränkische 
Gräber 



Ausserhalb des jetzigen Neuss sind nach Koenen drei grössere Gräberfelder 
nachzuweisen. Die ältesten und die jüngsten wurden südlich und südw^estlich des 
Oberthores gefunden. Bei dem St. Josephskrankenhaus wurde hier i847 ein Sarko- 
phag mit spätrömischen Thongefässen und ein altchristliches Goldglaskästchen entdeckt 
(ehemals im Besitz des Dr. Jäger in Neuss, verschwunden! Vgl. B. J. LXIII, S. io6, 
Taf. IV). Ein zweites Gräberfeld ist im Verfolg der von Holzheim nach dem ZolU 
thore führenden Römerstrasse bestimmt worden, ein drittes entlang der von Liedberg 
über Glehn nach dem Hammthor führenden Römerstrasse, 

Die Gräberfelder der Lagerbesatzung wurden nach Mitteilungen von 
C. Koenen ausserhalb der Mauern des Lagers und der canabae an der Römerstrasse 
entdeckt, zunächst an der Rheinstrasse, dann am Bergshäuschen in dem Winkel 
zwischen dem von Neuss über Bergshäuschen führenden mittleren Arm der Rhein- 
römerstrasse und der die Linie des decimanus verfolgenden Strasse. Ein weiteres 
Gräberfeld ist an einer Römerstrasse beobachtet worden, die in schräger Richtung 
vom sogenannten „krummen Bend** (einem bogenförmigen Rheinufereinschnitt zwischen 
der chemischen Fabrik von Vossen & Co. und dem Lager) nach der Stelle des mittleren 
Armes der Rheinstrasse fuhrt, wo dieser die Grünstrasse aufnimmt Weitere Gräber 
vereinzelt westlich und östlich von dem Lager. 

An der Kölnerstrasse südlich vom Oberthor wurden schon von i839 an und 
weiterhin von i84o — i84S mit Unterstützung des Königs Friedrich Wilhelm IV. 
durch Sanitätsrat Dr. Jäger Ausgrabungen veranstaltet (B. J. II, S. 45; III, S. I25), 
ebenso links an dem Wege von Neuss nach Bergshäuschen, in der Nähe der Römer- 
strasse, die von Grimlinghausen nach Zülpich führt (B. J. V, S. 4o7). Über spätere 
Funde in Gnadenthal bei Neuss, 200 Schritt von der Eisenbahnbrücke über die Erft 
vgl. Korrespondenzblatt der Wd. Zs. I, S. 35 und B. J. LXXIII, S. i7i. Im J. i873 
wurden auch vor dem Rheinthor bei der Ziegelei des Herrn Elfes römische Gräber 
entdeckt (B. J. LXIX, S. 128). 

Ausser den römischen wurden auch vorrömische Funde gemacht: Geßifs- 
sch erben südlich der chemischen Fabrik von Vossen & Co., westlich der Kölner Land- 
strasse (B. J. LXXX, S. 239) und 1862 bei Grimlinghausen im Rheingeschieb^, das 
jetzt im Bonner Provinzialmuseum befindliche 35,3 cm lange Jadeitbeil der Sammlung 
Guntrum. Vor dem Niederthore zwischen der Chaussee und der Hochstrasse w^urde 
ein Steinhammer der jüngeren neolitischen Zeit gefunden (im Besitz von C. Koenen). 
Beim Lehmstechen für den Selsschen Dampfringofen fanden sich zahlreiche gallische 
Bronzemünzen, vereinzelt auch innerhalb des Legionslagers. 

Fränkische Gräber wurden auf dem Münsterplatz (Koenen in den B. J. 
LXIII, S. 186) und zwischen der Krefelderstrasse und dem Eingang zum älteren 
Kirchhof aufgedeckt (Koenen in den B. J. LX, S. i67; Heimat i876, S. 56). 

In der Entfernung von i km südöstlich vom Oberthore, nach der Erftmündung 
hin, wurden kesseiförmige und runde brunnenartige oder rechteckige kellerförmige 
Gruben aufgedeckt, in Reihen von Norden nach Süden, mit römischen Brand- und 
Kulturresten angefüllt. Bei den Grund arbeiten zu dem Dampfringofen von Sels 
wurden dazu zahlreiche Trümmer sehr grosser Amphoren und alle Arten von römi- 
schen Gefässen sowie Münzen der ersten Kaiserzeit gefunden. 

Im Garten des Herrn J. Heinemann, dicht bei der in der Richtung des 
Bücheis führenden Römerstrasse wurden i879 die Reste einer römischen Kultusstätte 
entdeckt, zwei Stücke einer vierkantigen Säule von Jurakalk mit den Reliefbildem von 
Juno und Jupiter und eine kleine ara aus Sandstein (J. Asbach in den B. J. LXVI, 



372 



NEUSS 



65 



S. 77). Auf dem Gute des Herrn J. Leuchtenberg wurden i885 in einer Grube in 
i,7o m Tiefe ganze Karren römischer Dach- und Bekleidungsziegel gefunden (Kor- 
respondenzblatt der Wd. Zs. IV, S. Ii3), über weitere Funde ebendort vgl. Neusser 
Zeitung vom 23. Juni i892 (einzelne Fundstücke im Besitz des Herrn Leuchtenberg 
und in der städtischen Altertümersammlung). 

Die früher in und bei Neuss gemachten Funde sind teils in die Neusser 
Altertumssammlung (vgl. unten), teils in Privatsammlungen gekommen, vor allem in 
die ehemalige Sammlung Merlo in Köln, aus der sie in die Sammlung Ed. Herstatt 
ebenda übergingen (vgl. Hans Dütschke, Die antiken Denkmäler der Kölner Privat- 
sammlungen: B. J. LXI, S. 95), und in die ehemalige Sammlung Guntrum in Düssel- 
dorf, deren Hauptstücke sich im historischen Museum zu Düsseldorf befinden (Kunst- 
denkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf S. 67), sowie in die Sammlung 
Koenen in Neuss, jetzt gleichfalls im historischen Museum zu Düsseldorf befindlich. 
Die bei den Ausgrabungen des Bonner Provinzialmuseums gemachten Funde sind 
dem Provinzialmuseum einverleibt. Bei den älteren Funden ist die Fundstätte nicht 
mehr genau festzustellen. Vgl. im einzelnen noch über Lampen B. J. XXV, 
S. 26; LXIX, S. i34; LXXXVIH, S. 98, loi; Gefässe: B. J. LXXIV, S. i48: LXXXVI, 
S. 2i9; LXXXVn, S.i95; Gläser: B. J. LXIV, S. 125; LXXXV, S. 166; Gewichte: 
B.J. LXXXVm, S.ii5; XC,S. 2i,4o; Bronzegegenstände: B. J. HI, S. io7; XXXV, 
S.36; LXXXV, S.i67; XC, S. 36, 38, 37, 4o; Thonfiguren: B.J. LVII, S. 225; Salb- 
fläschchen: B.J. LHI, S. 3io; Münzen: B.J. IV, S. 202; Gemmen: B.J. XC, S. 21; 
Goldglaskästchen: B.J. LXIII, S. 106; Saugheber: B. J. LXI, S. i83; Würfel: B. J. XC, 
S. 22; Votivaltar: B.J. LXXX, S. 236; Töpferstempel: LXXXIX, S. 2, 23, 28, 3o, 35, 
42,48; XC, S. 43; Ziegelstempel: B.J. LXXXVIH, S. io9; Henkelinschriften: B.J. 
LXXXVIH, S. ii3; XC, S. 48. Zu vergleichen der Index zu B.J. LXV, S.i5o und 
XCI, S. i9i. Weiterhin im allgemeinen noch B.J. XXXVI, S. 28; Korrespondenz- 
blatt der Wd. Zs. IV, S. i4i ; VII, S. 225; VIII, S. 247; X, S. 2o3, 227, 296; XI, S. 49,* 
Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit N F. XXIX, S. 349; Heimat i875, S. 100; 
i876, S. 4; Heimatskunde i879, S. 43; Neusser Zeitung vom 25. April 1881, 4. Juni 
i883, I. April 1886, 5. August i89i, 23. Juni i892. Die bis i867 bekannten Inschriften 
verzeichnet bei Brambach, C. I. R. Nr. 261 — 283. 

Die grosse Römerstrasse, die nach dem Verlassen des Nordthores des römi- 
schen Lagers bei Neuss geradewegs auf das Oberthor zuführt, ist unter dem Pflaster 
der Hauptstrasse von Neuss, die vom Oberthor bis zum Niederthor läuft, als ein viel- 
fach über 5o cm starker Damm aus schwerem Rheinkies nachzuweisen (Koenen in 
den B.J. LXIX, S.126). 

Die mittlere Rheinstrasse verlässt vor dem Niederthore die Chaussee und führt 
als erhöhter Kiesweg als „hohe Strasse" auf Brühl zu, von wo aus sie wieder unter 
der Chaussee hinläuft (E. Schmidt in den B. J. XXXI, S. 85, 94). Südlich des Neusser 
Lagers ist die Strasse bis nach Machenscheid als Kiesdamm sichtbar (J. Schneider 
in den B. J. LX, S. 4). Vgl. weiterhin B. J. LXI, S. i ; LXIII, S. i85; LXVI, S. 5; 
LXXIII, S. 5; LXXVI, S. 25; LXXIX, S.12; LXXXI, S. 4. Die Strasse führt auf 
einer steinernen Bogenbrücke über die Erft; Reste der Pfeiler sind von Koenen etwas 
oberhalb der Mündung der Erft entdeckt worden. 

Über die von Neuss nach Zülpich führende Strasse vgl. Schmidt in den B. J. 
XXXI, S. 47. J. Schneider fand im J. 1866 „in der Nähe von Neuss" die Anlage 
in drei Wällen und vier Gräben wohl erhalten vor (B.J. XXXIX, S. i54). 

Bei dem Altwahlscheiderhof oberhalb Grimlinghausen liegt eine Schanze von 



Römische 
Anlagen 



Einzelfunde 



Strassen 



Schanze 



373 



66 



KREIS NEUSS 



Römische 
Anlagen 



Stiftskirche 
Litierniur 



Hnndschrifii. 
Quellen 

Neuss 



3o — 33 m Durchmesser, mit i5 m breitem, 4 m tiefem Graben, mit Mauerresten und 
in der Mitte einem kellerartigen Raum. Nach einer Nachgrabung Koenens ist sie 
karolingisch. 

B. Kirchliche Gebäude. 

EHEMALIGE STIFTSKIRCHE zu ST. QUIRIN, jetzige KATHO- 
LISCHE PFARRKIRCHE (s. t. s. Quirini). 

SuLPiCE BoissEREE, Denkmäler der Baukunst am Niederrhein, Taf. 5o — 52. — 
Kölner Domblatt i843, Nr. 7o; i844, Nr. 82; i854, Nr. iio. — Wilhelm Füssli, 
Die wichtigsten Städte am Mittel- und Niederrhein, Leipzig i846, S. 659. — B., Die 
St. Quirinuskirche zu Neuss: Baudris Organ für christl. Kunst II, S. 2o3; III, S. 29. 

— A. Springer, Baukunst des christlichen Mittelalters Taf. 16,6. — Schnaase, Ge- 
schichte der bildenden Künste V, S. 357. — F. N. M. Eyck van Zuylichem, Notices 
sur quelques eglises Romanes ä Maestrich t, Liege, Roermond et Neuss, Utrecht i867. 

— Der Dom zu Neuss: Illustrierte Zeitung i874, Nr. i597. — Kugler, Kleine Schrif- 
ten II, S. 2o5. — Förster, Denkmäler der Baukunst III, i, S. i3 mit 2 Taf. — 
Ders., Denkmäler deutscher Baukunst V, Taf. i3 — 16. — Lotz, Kunsttopographie 
Deutschlands I, S. 47o. — Abb. der Westfa^ade bei Chapuy et Ramee, Le moyen 
äge IV, pl. 36 1 und bei J. W. Spitz, Das malerische und romantische Rheinland, 
Düsseldorf i838, I, Taf V. — Ewerbeck, Architektonische Reiseskizzen Bl. 56. — 
Otte, Geschichte der romanischen Baukunst in Deutschland S. 208, 375. — Ders., 
Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie II, S. 81. — Dohme, Geschichte der 
deutschen Baukunst S. 126, 1 3 2. — Knackfuss, Deutsche Kunstgeschichte S. 200. — 
LüBKE, Geschichte der deutschen Kunst S. i75. — Freese, Die Entwicklung des 
christlichen Turmbaues, München 1888, S. 32. — W. H. Riehl, Wanderbuch S. 92. — 
Aldenkirchen, Die ältere St. Quirinuskirche in Neuss: B. J. LXXIV, S. 81, i94. — 
H. W. Brewer, Some churches in the neighbourhood of Cleves : Transactions of the 
Royal Institute of British architects new ser. VII, i89i, p. 3o5. — The Builder LVIII, 
p. 4 1 6. — Gilde de St. Thomas et de St. Luc, bulletin XXIV. Eglise Saint-Quirin ä Neuss. 

— BiNTERiM u. Mooren, E. K. I, S. io7. — Dehio u. v. Bezold, Die kirchl Baukunst 
des Abendlandes, Atlas III, Taf. 3 60, 2; Text S. 553, 582. — K. Tücking, Geschichte 
der kirchlichen Einrichtungen in der Stadt Neuss S. 5 (ebenso Gymnasialprogramm 
1886). — Ders., Geschichte der Stadt Neuss S. i5. — W. Effmann, Die St. Quirinus- 
kirche zu Neuss, Düsseldorf i89o. — Über die Restauration vgl. Seul, Statistische 
Darstellung des Kreises Neuss 1 863, S. 4 und Prüfers Archiv für kirchL Kunst I, S. 9o. 

Handschrift 1. Qu. Das Pfarrarchiv (aufgestellt in der Kirch enrendantur, 
in der alten Kaplanei) enthält Urkunden und Akten, geordnet nach den Sektionen 
I. Organisation und Verwaltung, II. Finanzen (darunter 3. Bauten und Reparaturen, 
12. Lagerbücher), III. Kultus (darunter 2. Mobiliar- und andere Kultusbedürfnisse), 
IV. Rechnungswesen, V. Varia. Inventar über die Archivalien vom J. i856; ältere 
Register über die Briefschaften aus dem Jahre i7i3 und i762 vorhanden (Fach XVI, 
i9i). — Lagerbuch, bez. Liber pastoratus Novesiensis per me Joannem Voetz, canoni- 
cum et pastorem conscriptus i675, fol. (Fach XVI, i9o). Neues Lagerbuch vom J. i843 
mit kurzer Geschichte der Kirche. — Urbar von 16 10, Hebebücher von i658 an. — 
Rechnungen von i725 an, Kapitelsprotokolle von 1666 an. 

Im Besitz der Familie Schräm zu Neuss: Um fangreiche Materialiensammlung 
zur Geschichte von Neuss, von J. H. Küpper, Pfarrer zu Grimlinghausen, zu Anfang 
dieses Jahrhunderts angelegt. Vgl. B. J. LXXX, S. 236. 



374 



NEUSS 



67 



Im Staatsarchiv zu Düsseldorf: i5o Urk., das erste Original von 1188. — Stiftskirche 
Akten bis i798, darunter Statuten des Stifts von i548, Buschordnung von i54i, Nach- Düsseldorf 
richten über Lehen und über bauliche Veränderungen in der Quirinuskirche. — Zwei 
Memorienbücher (bez. Stiftsakten 6a und 6 b) aus dem 16. u. i7. Jh. — Vgl. Ilgen, 
Rhein. Archiv S. 116. 

In der Königl. Bibliothek zu Berlin: Cod. Boruss. 4° 244: Der Ehrwürdigen BerUn 
Frauen Abtissen in Neuss als Waldtgrieffinnen des Herder Büschs Recht und Gerech- 
tigkeit, Hs. des 16. Jh. auf Pap. — Cod. Boruss. 4** 48 Neusser Chronik von i74i — 181 7. 

Im Britischen Museum zu London: Cod. Addit. i5456, Liber animarum seu London 
obituarium capituli monasterii S. Quirini Nussiensis renovatus i42i. Vgl. Neues Archiv 
der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde IV, S. 35 1. — Oesterley, Weg- 
weiser durch die Litteratur der Urkundensammlungen I, S. 393. 

Im Stadtarchiv zu Köln: fl. v. Strevesdorff, Geschichte des Stiftes Neuss, Köln 
mit Kopien der Urkunden, Nachrichten über Äbtissinnenwahl, Series abbatissarum, Ver- 
zeichnis der Einkünfte, Hs. des i7.Jh. (Hs. 25). — Fortsetzung zur Chronik Konrad 
Aldendorfs über den Truchsessischen Krieg, Hs. i42. Vgl. Mitteilungen aus dem 
Kölner Stadtarchiv XX, S. 81, 83. — Vereinzelte Nachrichten in den Farragines des 
Gelenius IX, Bl. 283", XV, Bl. 588«. — Einktinfteregister des 16. Jh., bez. Hs.24, vgl. 
Lamprecht, Verzeichnis niederrheinischer Urbarialien S. 5i. 

In der Staatsbibliothek zu München: Urkundenabschriften in der Reding- München 
hovenschen Sammlung, Cod. germ. 22 13, Bd. XV, Bl. i39; Auszüge aus einem Nekro- 
logium Bl. i44b, Bd. XVII, Bl. i7o. Urk. von 855 ab in Regesten. 



Baugeschichte. 

Die St. Quirinuskirche wurde wahrscheinlich um die Mitte des 9. Jh. errichtet. Geschichte 
Neben der auf dem Boden des fränkischen Salhofes gelegenen Marienkapelle, die als-^****'*^'""**""« 
die älteste christliche Kultusstätte in Neuss und zugleich als die erste Pfarrkirche galt 
und erst i586 zerstört wurde (Tücking, Kirchl. Einrichtungen S. 3, 57, 265. — Über 
ihre Fundamente vgl. Koenen in den B. J. LXXXV, S. 168), entstand um diese Zeit 
in Neuss eine Niederlassung von Benediktinerinnen, aus der das spätere Stift zu 
St. Quirin hervorging. Nach einer (nicht mehr vorhandenen) Inschrift tafel im Chor 
des Münsters, die am 28. Oktober i449 notariell aufgenommen wurde (Lacomblets 
Archiv II, S. 33 1), soll das Stift schon 825 von einem Grafen Eberhard, seiner Ge- 
mahlin Bertha und seinen Söhnen Luthard und Berengar, dem späteren Bischof von 
Toul, gegründet sein. 

Die Inschrift lautete nach der Abschrift von i449 wie folgt: anno incarna- 

TIONIS DOMINI DCCCXXV EVERARDUS COMES CLIVENSIS ET BERTHA UXOR SUA, NOBILIS 
MATRONA DE STIRPE KAROLI MAGNI REGIS, ET LUTHARDUS COMES, BERENGERUS EPIS- 
COPUS TULLENSIS, FILII EORUNDEM, CONSTITUERUNT DUAS CONGREGATIONES ECCLESIA- 
RUM, UNAM IN WISSCHEL ORDINIS CANONICORUM ET ALIAM IN NÜSSIA ORDINIS CANONI- 
CARUM SUB GUNTHERO ARCHIEPISCOPO COLONIENSI TEMPORE LUDOWICI REGIS FRAN- 
CORUM, QUI FUIT FILIUS LUDOWICI PII ET NEPOS KAROLI MAGNI, INDICTIONE TERTIA 

(Kraus, Christliche Inschriften der Rheinlande II, S. 335, Nr. 49. — Andere Lesart 
der Inschrift bei Teschenmacher, Ann. p. 2o5. Vgl. Löhrer, Geschichte der Stadt 
Neuss S. 39. — Tücking, Kirchliche Einrichtungen S. 5. — Kunstdenkmäler d. Kr. 
Kleve S. i52). Die Inschrift ist in dieser Form sicher unecht und späteren Datums, 
die Thatsache selbst aber wohl richtig, wenn (mit Lacomblet a. a. O. S. 32i) an- 
genommen wird, dass statt clivensis ursprünglich ceslensis stand und für 825 das 

375 



Gründungs* 
Inschrift 



6S KREIS NEUSS 

■ Jahr 855 eingesetzt wird. Diese Zahl findet sich als Gründungsjahr auch im Memo- 
rienbuch des Quirinusstiftes {LöHrek, Geschichte von Neuss S. 39, Anm. c). 

Lasst sich somit auch durch die historischen Zeugnisse die Thatsache der Grün- 
dung im 9. Jh. nicht völUg beweisen, so sprechen dafür doch verschiedene Anzeichen 
an dem Bauwerke selbst. Ab im J. i88[ der alte Zugang zur Krypta vom Mittel- 
schiff aus, der im i8. Jh. als Grab für die Äbtissin Louise von Loß benutzt und 
deshalb vermauert worden war, wieder geöffnet wurde, fand man o,49 m unter 
dem Flur der jetzigen Kirche die Reste eines reichen Fussbodenbelages in Platten- 
mosaik {opus alexandrinum) mit abwechselnd weissen, roten und schwarzen Platten, 
von dem aus Stufen zu dem gegen das Langhaus erhöhten Chorraum der alten 
Kirche hinaufführten (Aldenkirchen i. d. B. J. LXXIV, S. 86, Grundtiss das. Taf. V 



Fit. 33 Neu» Die Quirinmkitche »n üiideiien. 

und bei Effmann S. 5, Schnitt ebenda S. 6). Dieser Bodenbelag ist nach der ganzen 
Anlage früher als der Bau der in der Mitte des ii. Jh. errichteten Krypta und kann 
sehr wohl dem 9. Jh. angehören. Weiterhin befindet sich auf der Südempore als 
I Unterlage einer Säule eingemauert ein Memorienstein, o,97 m lang, o,48S m breit, mit 
der Inschrift: ii. JDS. APR. ob. alpeda, mit fächerförmigen Eck Verzierungen {Abb. in 
den B.J. LXXIV, Taf. V. — Effmann S. 3. — Vgl, Kraus, Christi. Inschriften der 
Rheinlande II, S. 286, Nr. 620), der nach dem Vergleich mit ähnlichen Steinen, zumal 
denen im Münster zu Bonn befindhchen (aus'm Weerth, Altchristliche Inschriftsteine 
in der Münsterkirche zu Bonn: B. J. XXXII, S. 1 14, Taf. IL — Ders. in der Fest- 
schrift zum internationalen Kongress für Altertumskunde und Geschichte 1868, VII, 
S. 5), in das 9. Jb. zu setzen ist, eine weitere monumentale Erinnerung an den alteren 
Bau, Endlich wurden unter dem obengenannten Bodenbelag am Eingang der Kri-pt;i 
zwei grosse, jetzt im Altcrtumsmuseum im Oberthor {s. u.) befindli<:he Amphoren 
aufgefunden, die gleichfalls der karolingischen Zeit zuzuweisen sind (Aldenkirchen 
in den B. J. LXXIV, S. 88 u. Taf. V. — Koesen in ß. J. LXXXI. S. 2j4. - Ders., 

316 



KEOSS 



69 



Umbau 
des U. Jh. 



Erbnuunfr 
der Krypta 



Zur karolingischen Keramik: Wd. Zs. VI, S. 354. — Ders., Geßlsskunde, S. 128, Stiftikirche 
Taf. XXI,i). 

Ein Erweiterungsbau und ein Umbau fand in der Mitte des 11. Jh. statt. Den 
Anlass bot wahrscheinlich die Überführung der Reliquien des h. Quirinus am 3o. April 
io5o, die der Äbtissin Gepa von ihrem Bruder, dem Papste Leo IX., bei ihrem 
Besuche in Rom zum Geschenk gemacht worden waren (Annal. Noves. bei Martene 
et Durand, Ampliss. collectio IV, p. 538. — Tücking, Kirchliche Einrichtungen S. 8). 
Zur Erinnerung hieran befand sich bis in das i7. Jh. in der Kirche auf der rechten 
Seite des Hochaltares versus meridiem supra ianuam die Inschrift: d. quirini alexan- 

DRO PP. TRAIANO IMP. AD CHRISTI FIDEM CONVERSI, ADRIANO CAES. SUB AURELIANO 
COMITE LINGUAE, MANUUM, PEDUM ET CAPITIS PRAECISIONE MARTIRIUM PASSI RELI- 
QUIAS V. D. GEPA ABBATISSA, LEONE IX. PP. CIRCA ANNUM SALUTIS lo5o ROMA NOVE- 
SIUM TRANSTULIT, QUIBUS ANNO l585 JOVIS 9. MAII BARBARICO CALVINISTARUM FURORE 
IN TERRAM PROIECTIS, BONAM ILLARUM PARTEM INCOLA QUIDAM NOVESIANUS EODEM 
DIE COIXECTAM ABBATISSAE ET CAPITULO TRADIDIT. DOMINUS CUSTODIT OSSA lUSTO- 

RUM PS. 33 (München, Staatsbibliothek, REDiNGHOVENsche Sammlung, Cod. germ. 221 3, 
Bd. XXXI, S. 556). 

Wohl um für den Schrein mit den Gebeinen des Heiligen, der bis i597 erhalten 
blieb (Tücking a. a. O. S. 9, 75), einen geeigneten Platz und zugleich um für den 
wachsenden Konvent Raum zu schaffen, wurde damals östlich an den alten karolin- 
gischen Bau eine geräumige fünfschiffige Krypta mit östlicher Apsis und über ihr ein 
Chor von den gleichen Dimensionen errichtet. 

Die alte Krypta ist in der jetzigen Krypta noch vollständig erhalten (vgl. u. S. 81). 
Der Umstand, dass die oben genannten Stufen, die aus der Vierung in das Lang- 
haus führen, bis auf den ältesten musivischen Boden hinab gehen, also vor der Bau- 
periode des i3. Jh. liegen, zwingt zu der Annahme eines Chores über der Krypta, zu 
dem jene Treppen den Zugang bildeten. Die Gestalt des Langhauses der älteren 
Kirche lässt sich noch heute nach dem Grundriss des jetzigen Baues vermuten. Der 
Grundriss zeigt so viele Unregelmässigkeiten und Seltsamkeiten, dass sie schwerlich als 
beabsichtigt angenommen werden können — sie finden aber ihre einfachste Erklärung, 
wenn man annimmt, dass das spätere Bauwerk genau an die Stelle einer älteren 
kürzeren flachgedeckten Pfeilerbasilika getreten ist (vgl. den Rekonstruktionsplan bei 
Effmann S. 34). Dass der Bau, der bis 1 2o9 stand, dem 9. Jh. noch angehörte, ist 
an sich wenig wahrscheinlich, einmal der bedeutenden Dimensionen wegen, sodann 
weil er kaum die Zerstörung durch die Normannen im J. 881 überdauert haben würde 
(Gesta Treverorum c. 27: Nortmanni . . . Niusa . . . igne et ferro adnichilaverunt. 
In den Annal. Fuldens. ad a. 881: Mon. Germ. SS. I, S. 394, ist Neuss nicht aus- 
drücklich erwähnt). 

Der ältere Bau war wahrscheinlich bei der Einnahme von Neuss durch Philipp 
von Schwaben im J. i2o5 zerstört worden. Am Dionysiustage (9. Oktober) des J. i2o9 
unter der Regierung der Äbtissin Sophia wurde der Grundstein zu dem Neubau durch 
den Meister Wolbero gelegt. Der im südlichen Seitenschiff der Kirche eingemauerte 
Inschriftstein (Abb. in den B. J. LXXIV, S. 81 und bei Effmann S. 8. — Lichtdruck 
bei HüFFER in den Ann. h. V. N. XLVI, S. 129) berichtet: anno incarnationis 

DOMINI MCCVIIII, PRIMO IMPERII ANNO OTTONIS, ADOLFO COLONIENSI EPISCOPO, SOPHIA 
ABBATISSA, MAGISTER WOLBERO POSUIT PRIMUM LAPIDEM FUNDAMENTI HUIUS TEMPLI 

IN DIE SANCTi DiONisii MARTiRis (vgl. TÜCKING, Kirchliche Einrichtungen S. i7. — 
Die Inschrift auch Köln, Stadtarchiv, Mus. Alfterianum XLVII, Bl. 87^ und München, 
Staatsbibliothek, REDiNGHOVENscher Sammelband Cod. germ. 221 3, Bd. XVII, BI. i7o. 



Neubau 
vom J. 1209 



Inschrift 



377 



7o 



KREIS NEUSS 



Spätere 
Schicksale 



Stiftskirche — Vgl. Kraus, Christliche Inschriften der Rheinlande II, S. 286, Nr. 621, wo weitere 
Litteratur). Der Sage nach soll der Neubau vierzehn Jahre gedauert haben: sieben 
Jahre baute Meister Wolbero in der Erde und sieben über der Erde (Löhrer, Ge- 
schichte von Neuss S. 62). 

Von dem älteren Bau blieb nur die Krypta erhalten; die Ostapsis wurde ab- 
gebrochen, die Krypta nach Osten verlängert und dort mit einer grösseren Apsis 
geschlossen, gleichzeitig wurde aber auch die südliche Seitenmauer der alten Krypta 
/ durchbrochen und hier eine Seitenconcha angelegt. Der Neubau griff über die Krypta 

nach allen Seiten hinaus, in der Anlage des Langhauses schloss er sich aber an die 
Dimensionen der älteren Basilika an. 

Im J. i496, in der Nacht zum 25. Juli, wurde der Westturm vom Blitz getroffen, 
das Dach des Turmes und der ganzen Kirche ging bis auf den östlichen Turmhelm 
in Flammen auf (Chronicon mon. Camp. ed. Keussen : Ann. h. V. N. XX, S. 349. — 
TüCKiNG, Kirchliche Einrichtungen S. 37). Da das Stift allein die Baukosten nicht 
tragen konnte, Hess es milde Beiträge einsammeln. Im J. i5i3 wurde auch das Dach 
des Ostturraes zerstört. Die Duisburger Chronik von Wassenberch (Chroniken "der 
deutschen Städte XXIV, S. 242) enthält die Notiz : In denselven jair op sunte^Gallen 
avent (i5. Oktober) yn der nacht, ende was op eynen sondach, was't eyn groyt on- 
gesturich weder van stercken wynden, wyllich wynt toe Nuysse die cappe van den 
kyrcktorn omsloich, ende veyl aver die abdye ende dair bleven doit 4 edell jonc- 
feren ende eyn kamermagt myt den ondercock ende eynen koickkenjongen. Die 
Dortmunder Chronik des Dietrich Westhoff (Chroniken der deutschen Städte XX, 
S. 397) berichtet abweichend: Dies jaers (i5i3) am 16. aprilis ist binnen Nues der 
kerktorm durch groet wintstorm nider geworpen by nacht tiden und heft ein junk- 
vrauw daselbst doet gevallen. (Dieselbe Nachricht mit anderem Datum in der Chronik 
Spormachers bei v. Steinen, Westphälische Geschichte IV, S. i45o und Brauweiler 
Chronik bei Eckertz, Fontes rer. Rhen. II, S. 3i3.) Bei der Erstürmung der Stadt 
durch den Herzog Alexan