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Full text of "Die Kunstdenkmäler von Bayern; im Auftrag des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus"

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AKTES SCIENTIA VERITAS 




für die Inventarisation der Kunstdenktnäler Bayerns. 



I. Zweck des Inventars. Die Inventarisation hat den Zweck, den Gesamt- 
bestand des Königreichs an Kunstdenkmälem im weitesten Sinne wissenschaftlich fest- 
zustellen und zu beschreiben, dem Schutze und der Pflege dieser Denkmäler und 
damit der Kunst-, Landes- und Ortsgeschichte sowie der lebenden Kunst und der 
Heimatliebe zu dienen. 

II. Zeitliche Begrenzung. Die Inventarisation soll die Zeit vom 6. Jahr- 
hundert bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts umfassen. 

In besonderen Fällen kann auch über das 6. Jahrhundert zurückgegangen werden. 

III. Besitzverhältnisse. Die Inventarisation erstreckt sich auf die Denkmäler 
jeder Gattung im öffentlichen Besitz und auf die Baudenkmäler im Privatbesitz. Be- 
wegliche Denkmäler im Privatbesitz werden nur ausnahmsweise aufgenommen, z. B. 
wenn sie in kunstgeschichtlichem oder geschichtlichem Zusammenhang mit den Denk- 
mälern der Gegend von besonderem Interesse sind oder wenn sie mit dem Meister- 
namen bezeichnet sind. Öffentliche Sammlungen sind im großen und ganzen nicht 
zu inventarisieren ; es ist jedoch auf das für die Gegend besonders Wichtige hinzuweisen. 

IV. Gattungen der aufzunehmenden Denkmäler. Kirchliche und profane 
Kunstdenkmäler werden in gleicher Weise berücksichtigt. Der Begriff Kunstdenkmal 
ist dabei in weitestem Sinne zu nehmen. Ein bürgerliches Haus, ein Bauernhaus, ein 
Brunnenhaus oder Quellenhaus, eine alte Brücke, ein Wegkreuz, eine Martersäule etc. 
kann historisch, kunstgeschichtlich oder archäologisch von Interesse sein. 

V. Vollständigkeit des Inventars. Vollständigkeit muß im allgemeinen ange- 
strebt werden. Der Inventarisator hat zunächst zu fragen: Was ist das Objekt für 
die Kunst, für die Kunstgeschichte, Archäologie oder Geschichte wert? Er soll 
aber auch weiter fragen: Ist das Objekt für den Ort, für die I^andschail von Wert? 
Gar viele Bauten und andere Objekte haben nur rein lokale Bedeutung, bisweilen 
nur Wert als Staffage der LAndschaft. Es gilt, beim Volke durch die Berücksichtigung 
auch bescheidener Objekte die Wertschätzung des örtlichen Denkmälerbestandes zu 
wecken, die Liebe zu den heimatlichen Denkmälern rege zu erhalten. Es gilt auch, 
die typischen Landschaftsbilder der einzelnen Gegenden mit ihren uns lieb gewordenen, 
anheimelnden, so trefflich der Umgebung angepaßten und mit ihr verwachsenen Bauten 
durch kurze Würdigung und Betonung im Inventar zu schützen. 

Vor allem bei den Baudenkmälern in öffentlichem Besitz ist Vollständigkeit 
des Inventars notwendig. Ebenso bei den Burgen und Schlössern. Bei den bürger- 
lichen Wohnhäusern und den Bauernhäusern ist wenigstens das Typische des Ortes 
oder der Gegend ins Auge zu fassen. 

Bei den beweglichen Denkmälern kann vielfach nur eine Auswahl getroffen 
werden. Jedenfalls müssen aber Gegenstände von künstlerischem Werte , deren Er- 
haltung geboten ist, inventarisiert werden. Im allgemeinen gilt der Grundsatz: Je 
älter der Gegenstand ist, desto weniger darf seine Aufnahme der freien Wahl tiber- 
lassen bleiben. Mittelalterliche kirchliche Geräte und Gewänder werden z. B. aus- 
nahmslos aufzunehmen sein, kirchliche Geräte und liturgische Gewänder der Barock- 



und Rokokoperiode nur mit Beschränkung. Bei denjenigen Goldschmiedearbeiten der 
Barock- und Rokokoperiode, die nicht inventarisiert werden, empfiehlt es sich 
immerhin, die Beschauzeichen und Meistermarken zu notieren behufs kurzer Ver- 
wertung in der statistischen XTbersicht des Bezirkes. 

Bei wichtigeren Baudenkmälern ist auch der kurze Hinweis auf zerstörte, nicht 
mehr bestehende Objekte, z. B. Klöster, Kirchen, Burgen unter Angabe der Literatur 
erwünscht, soweit dies ohne wesentlichen Zeitaufwand möghch ist Bei beweglichen 
Denkmälern, die in der älteren Literatur angeführt werden, aber nicht mehr vor- 
handen sind, ist ebenfalls kurze Angabe angezeigt, eventuell mit Nachweis des 
jetzigen Aufbewahrungsortes. 

VI. Art der Bearbeitung und Beschreibung, i. Allgemeiner Grund- 
satz. Im allgemeinen gilt für die Bearbeitung der Grundsatz: Das Inventar ist nicht 
eine rein beschreibende Aufzählung, sondern eine wissenschaftliche Quellensammlung. 
Die Arbeit beruht auf gewissenhafter, wenn möglich selbständiger, wissenschaftlicher 
Untersuchung. Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung und eine erschöpfende 
Darstellung kann aber nicht beabsichtigt sein. Jedenfalls muß das Inventar für 
weitere Untersuchungen die nötige Orientierung und die entsprechenden Anhalts- 
punkte bieten. Die Arbeit soll gründlich, genau und sorgfaltig sein. 

2. Anordnung des Stoffes. Die Bearbeitung wie die Publikation erfolgt 
nach Regierungsbezirken und innerhalb dieser nach Bezirksämtern bezw. unmittelbaren 
Städten. Innerhalb der Bezirksämter hält sich das Inventar an die alphabetische 
Ortsfolge. 

Innerhalb eines Ortes werden zuerst die kirchlichen, dann die profanen Denk- 
mäler besprochen. Sind mehrere Kirchen an einem Ort, so geht derjenige Bau 
voraus, mit welchem die Anfange und die älteste Geschichte des Ortes verknüpft 
sind; das ist in der Regel die Hauptkirche. Bauliche Annexe, wie Kreuzgänge, 
Klostergebäude, Kapellen, werden bei der Kirche, zu der sie gehören, mit angeführt. 

Bei den profanen Denkmälern wird zunächst die Ortsbefestigimg und die 
Gesamtanlage des Ortes ins Auge gefaßt. Dann folgen die öffentlichen Gebäude, 
geordnet nach ihrer Bedeutung, Privathäuser, öffentliche Denkmäler, wie Brunnen, 
Denksäulen etc. 

3. Quellennachweise. Wie der Ausarbeitung der Beschreibung die Durch- 
sicht der Literatur vorausgeht, so wird am zweckmäßigsten dem Inventare des einzelnen 
Bezirkes, Ortes und Denkmals die Übersicht der Literatur vorangestellt Bei der 
Zusammenstellung der Literatur ist nicht bloß Rücksicht auf die kunstgeschichtliche, 
archäologische oder technische Literatur zu nehmen, sondern auch auf die rein orts- 
geschichüiche, soweit diese die Kunstdenkmäler erläutert. 

Archivalische Forschungen können gelegentlich gemacht werden, sollen aber 
nur insoweit zulässig sein, als hierdurch die Gesamtarbeit nicht aufgehalten wird. 

Alte Zeichnungen, Ansichten, Pläne, besonders auch alte Stadtpläne, sind im 
Anschluß an die Zusammenstellung der Schriftquellen zu nennen. 

Die Ortsgeschichte ist im Texte nur insoweit heranzuziehen, als sie zur Er 
läuterung einzelner Kunstdenkmäler oder des ganzen örtlichen Bestandes an 
solchen dient 

4. Beschreibung. Der Beschreibung eines Baudenkmals werden die bau- 
geschichtlichen Angaben vorausgeschickt. Bei kirchlichen Gebäuden ist womöglich 
der Titulus (Weihetitel) zu nennen , femer die Eigenschaft der Kirche (Pfarrkirche, 
Filialkirche, Nebenkirdie etc.), dann die Konfession. 

An die Baugeschichte schließt sich die Baubeschreibung. 

Für die Baubeschreibung soll das G. v. Bezoldsche System mit seiner klaren 
Auseinanderhaltung von Grundriß, Aufbau, Einzelformen, Äußerem vorbildlich sein. 
Bei Bauten mit langer Entwicklung folgt auf die Baubeschreibung eine baugeschicht- 
liche Anal3rse. Bei wichtigeren Bauten reiht sich eine knappe künstlerische und 
baugeschichtliche Würdigung an. 



Die Beschreibung der Ausstattung und Einrichtung geht von den bei der Wirkung 
des Innern am meisten mitsprechenden Denkmälern aus und schreitet der tJber- 
sichtlichkeit halber in der Regel in einer bestimmten Reihenfolge voran. Also etwa : 
Deckengemälde, Altäre, Sakramentshäuschen, Chorstühle, Sedilien, Kanzel, Orgel, 
Beichtstühle, Taufstein, Skulpturen und Gemälde, die nicht in Verbindung mit Altären 
stehen, Glasgemälde, Epitaphien, Grabsteine, kunstgewerbliche Gegenstände, wie Türen, 
Gitter, Leuchter, Ampeln etc. Kirchliche Geräte undParamente in der Sakristei. Glocken. 

Ausnahmen von dieser Reihenfolge können unter Umständen zweckdienlich 
sein. Bei Kirchen mit vielen Seitenkapellen kann es z. B. sich empfehlen, die Aus- 
stattung der einzelnen Kapellen zusammen zu behandeln. 

Es darf nicht vergessen werden, daß die Beschreibung der Denkmäler in Wort 
und Bild stets die Hauptsache des Inventars sein soll. 

Die Ausfiihrlichkeit der Beschreibung bemißt sich nach der Bedeutung des 
Denkmals. Bei der Baubeschreibung einer einfachen Dorfkirche ohne weiteres 
Interesse kann tmter Umständen die ungefähre Angabe der Entstehungszeit (z. B. spät- 
gotisch) und eventueller späterer Veränderungen genügen. Im allgemeinen muß die 
Beschreibung klar, übersichtlich und knapp im Ausdruck sein. Sie soll das Charakte- 
ristische betonen. Ausdrücke, wie »in der gewöhnlichen Anlage«, »in der üblichen 
Komposition«, etc. sollen, wenn keine weitere Erklärung beigegeben wird, ver- 
mieden werden. Denn die Ausdrücke »gewöhnlich«, »üblich« etc. bedeuten vielfach 
nur für den genauen Kenner der Denkmäler der einzelnen Gegend ein bestimmtes 
Schema. Für den femer Stehenden besagen sie nichts. Urteile, welche den Wert 
eines Denkmals herabsetzen, wie »unbedeutend«, »mittelmäßig« u. a., soUen möglichst 
vermieden werden. Dagegen sollen bedeutende Arbeiten als solche besonders be- 
zeichnet werden. 

Bei den inventarisierten Goldschmiedearbeiten sind die Beschauzeichen und 
Meistermarken sorgfaltig zu beachten. 

Restaurationen sollen womöglich erwähnt, ihre Ausdehnung kurz charakterisiert 
werden. Bei wichtigeren neueren Restaurationen ist auch die ai^führende oder 
leitende Kraft zu nennen. 

5. Behandlung der Inschriften. Mittelalterliche Inschriften können, so- 
feme sie historisch bedeutsam oder charakteristisch sind, wörtlich und in vollem 
Umfange mitgeteilt werden. Andere mittelalterliche Inschriften sollen summarisch 
verzeichnet werden. Für Inschriften aus späterer Zeit, insbesondere für Grab- 
inschriften, hat bei der Auswahl und Fassung eine größere Beschränkung einzutreten. 
Die Inschriften werden so weit als möglich mit ihren Abkürzungen wiedergegeben. 
Die Abkürzungen werden bei Bedarf nebenan in Klammem aufgelöst. Die Beisetzung 
der aufgelösten Jahreszahlen und Monatsdaten in Klammem empfiehlt sich in der 
Regel. Ergänzungen nicht mehr lesbarer Teile von Inschriften werden in eckigen 
Klammem [], Auflösungen oder erklärende Zusätze in mnden Klammem () bei- 
gegeben. Bei Inschriften vor dem 14. Jahrhundert empfiehlt sich Abbildung. Ab 
und zu werden auch gotische Majuskel- und Minuskelinschriflen als Proben dieser 
Schriftgattung abzubilden sein. Die Schriftart des Originals ist durch den ent- 
sprechenden technischen Ausdmck zu bezeichnen. 

Glockeninschriften, Bauinschriflen, Autorinschriflen werden aus allen Perioden 
womöglich stets im Wortlaut mitgeteilt Gibt man nachmittelalterliche Grabinschriften 
nicht im Wortlaut, so muß man doch nicht nur das Jahr, sondem auch den Tag 
des Todes im Interessse der genealogischen Forschung kopieren. 

6. Statistische Übersichten. Der Einzelbeschreibung der Orte jedes 
Bezirksamts gehen historisch-topographische Angaben voraus. Diese geben kurzen 
und knappen Aufschluß über Größe, Lage, Bodenbeschaffenheit, Vorkommen von 
Baumaterialien, Siedelungsverhältnisse, Stammeszugehörigkeit, Handels- und Verkehrs- 
verhältnisse, territorialgeschichtliche Entwicklung, kirchliche Entwicklung (insbesondere 
Diözesanverband). 



Auf das Denkmälehnventar der einzelnen Orte folgt am Schlüsse des Bezirks- 
amts die kunststatistische Übersicht In der kunststatistischen Übersicht sollen yor 
allem auch die Denkmälergruppen zusammenfassend charakterisiert, Schulzusammen- 
hänge und lokale Eigenarten beachtet, die kleinen Zentren lokaler Kunsttätigkeit 
angedeutet werden. Dabei können manche Notizen, die bei der Einzelbeschreibung 
wegbleiben mußten, verwertet werden. 

Zusammenfassende Behandlung in der Übersicht ist namentlich für die Denk- 
mäler volkstümlicher Kunst, wie Bauernhäuser etc., erwünscht Doch sind auch 
aus diesem Gebiete die wichtigeren Beispiele bei den einzelnen Orten anzuführen, 
vielleicht mit Hinweis auf die zusammenfassende Darstellung. 

7. Register. Am Schlüsse eines Regierungsbezirkes wird ein Ortsverzeichnis, 
Künstlerverzeichnis, ein spezifiziertes Sachregister beigegeben. 

VII. Abbildungen. Abbildungen sollen in möglichst großer Zahl gegeben 
werden. Dabei darf nicht nur das kunstgeschichtlich Wichtige berücksichtigt werden. 
Auch kleine, unscheinbare Denkmäler, in welchen sich die lokale Eigenart der 
Gegend oft mehr wiederspiegelt als in den größeren Denkmälern, sind hier gleich- 
mäßig zu beachten. All die kleinen Verschiedenheiten, die der Inventarisator 
z. B. beim Studium der Dorfkirchen im Grundriß (s. besonders die Turmstellung), 
im Aufbau und vor allem in den Einzelformen (z. B. Türformen, Maßwerke, 
Rippenprofile, Schlußsteine, Turmdächer, Turmfenster, Turmgliederung etc.) findet, 
sollen in typischen Beispielen im Bilde vorgeführt werden. Neben Grundriß, Schnitt 
und Einzelformen ist vor allem auch Außenansichten Beachtung zu schenken. Oft 
beruht der Wert des Baues, z. B. einer Dorf kirche, wesentlich auf der Silhouette des 
Äußeren. Oder die reizvolle Wirkung liegt im Verhältnis des Pkiues zu der Land- 
schaft, zu seiner Umgebung. 

Die Abbildungen sollen sich namentlich auch auf Profandenkmäler erstrecken. 
Stadttürme, Burgen, Häuser sind oft mehr den durch die Zeitbedürfnisse geforderten 
Veränderungen und der Verwitterung ausgesetzt als Kirchen, verdienen also schon 
aus diesem Grunde ein Festhalten im Bilde. Bei mittelalterlichen Wohnhäusern, Rat- 
häusern ist detaillierte Aufnahme, unter Umständen mit den Grundrissen der ein- 
zelnen Geschosse, mit Schnitten, Fassade etc., besonders erwünscht Wichtige, ver- 
steckt liegende Bauteile, z. B. alte, interessante Dachstühle, sind besonders zu be- 
rücksichtigen. 

Alte Ortsansichten, alte Pläne, auch Stadtpläne, können eine höchst erwünschte 
Beigabe sein. 

VIII. Karten. Jedem Bezirksamte wird eine Übersichtskarte seines Gebietes 
in geeignetem Maßstabe beigegeben. 

IX. Drucklegung. Lichtdrucke werden in der Regel auf Tafeln im Format 
des Textes im Text eingeschaltet Gegenstände aber, zu deren würdiger Wiedergabe 
ein größeres Format nötig ist, z. B. Interieurs großer Kirchen, große Flügelaltäre etc., 
werden in einem Ergänzungsatlas im Formate des Tafelwerkes von Oberbayem ver- 
einigt Der Ergänzungsatlas wird am Schlüsse eines Bandes oder eines Regierungs- 
bezirkes beigegeben. Er ist gesondert käuflich. Bauzeichnungen, wie Grundrisse, 
Schnitte etc., sollen der bequemen Benutzung halber in Klischeedruck stets im Texte 
eingeschaltet werden, wenn nötig auf eingefalteten Tafeln. 

X. Erscheinungsweise. In der Regel soll das Inventar eines einzelnen 
Bezirksamts — wenn die Raumverhältnisse es gestatten, mit der dazu gehörigen 
unmittell;)aren Stadt — ein in sich abgeschlossenes Heft bilden, mit eigenem Titelblatt, 
eigener Seitenzählung und eigenem Inhaltsverzeichnis. 

Die Hefte erscheinen gesondert und sind einzeln käuflich. 



DIE KUNSTDENKMÄLER 



DES 



KÖNIGREICHS Bayern 



^ 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



^ DES 



KÖNIGREICHS Bayern 



I 

HERAUSGEGEBEN IM AUFTRAGE. DES | 

I 

KGL. BAYER. STAATSMINISTERIUMS DES INNERN 
FÜR KIRCHEN- UND SCHUL-ANGELEGENHEITEN 



Zweiter Band 

REGIERUNGSBEZIRK 

Oberpfalz und Regensburg 

HERAUSGEGEBEN VON 

GEORG HAGER 



X BEZIRKSAMT KEMNATH 




MÜNCHEN 

DRUCK UND VERLAG VON R. OLDENBOITRG 

1907 



DIE 



KUNSTDENKMÄLER 



VON 



Oberpfalz & Regensburg 



Heft X 



BEZIRKSAMT 



KEMNATH 



BEARBEITET VON 

FELIX MADER 



MIT 8 TAFELN, 74 ABBILDUNGEN IM TEXT 
UND EINER KARTE 




MÜNCHEN 

DRUCK UND VERLAG VON R. OLDENBOURG 

1907 



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ALLE RECHTE VORBEHALTEN 



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Vorwort. 



Die Denkmälerinventarisation des Bezirksamts Kemnath hat Herr Bezirksamt- 
mann Friedrich Biondino mit regem Interesse unterstützt. Unser Dank gebührt 
ferner sämtlichen Herren Geistlichen, Lehrern und Bürgermeistern des Bezirks. 
Die Pfarrämter unterstützten uns, wo es möglich war, mit kunstgeschichtlichen Aus- 
zügen aus den Pfarrarchiven. Herrn Kooperator Alexius Schwab in Ebnath und 
Herrn Beneüziat Franz Lederer in Erbendorf verdanken wir photographische Auf- 
nahmen. 

Herr Graf Hugo von Walderdorff, Vorstand des Historischen Vereins ftir 
Oberpfalz und Regensburg, hat auch zu diesem Heft manch wertvollen Beitrag bei- 
gesteuert. 

In entgegenkommendster Weise haben die Arbeit gefördert der Kgl. Kämmerer, 
Herr Ludwig Frhr. v. Lindenfels auf Wolframshof, ebenso Herr Reichsrat Karl 
Frhr. V. Lindenfels auf Thumsenreuth, die Freiherren von Gemmingen, Podewils 
und Reitzenstein , Besitzer der Schlösser in Friedenfels, Wildenreuth und Reuth. 
Für die Erforschung der Geschichte des Weißenstein sind wir Herrn Franz Nothaft 
Frhrn. v. Weissenstein in St. Georgen (bei Dießen) zu besonderem Dank verpflichtet 

Dem Kgl. Bauamtmann in Weiden, Herrn Rudolf Laun, verdanken wir eine 
Anzahl photographischer Aufnahmen. 

Herr Direktor Ludwig Auer in Donauwörth hat von dem in seinem Besitze 
befindlichen Manuskripte von Lehrer Joseph Plass (f 3. Oktober 1898), Historisch- 
topographische Beschreibung der Oberpfalz, die Bände »Amtsgericht Erbendorfc und 
»Amtsgericht Kemnath« in freundlichster Weise überlassen. 

Herzlich zu danken haben wir außerdem für freundliche und stets bereitwillige 
Unterstützung den Herren: Dr. Franz Ludwig Baumann, Kgl. Reichsarchivdirektor 
in München, Dr. Joseph Breitenbach, Kreisarchivar in Amberg, Friedrich Strunz, 
Kreisbaurat in Regensburg, Geh. Rat Dr. Gg. Ritter von Laubmann, Direktor der 
Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München, Päpstlicher Hausprälat Dr. Frz. X. Leitner 
in Regensburg. 

Das Denkmälerinventar des Bezirksamts wurde unter Leitung des Unterzeich- 
neten ausgearbeitet von Herrn Dr. Felix Mader. Die Denkmäleraufnahme in Obem- 
dorf stammt von Herrn Dr. Friedrich Hermann Hofmann. 



VI 



Vorwort. 



Einen Teil der archivalischen Recherchen hat Herr Kreisarchivsekretär 
Dr. Joseph Knöpfler in Amberg übernommen. Von ihm ist auch der historische 
Teil der Einleitung in der Hauptsache verfaßt. 

Die Zeichnungen und photographischen Aufnahmen sind größtenteils von 
Architekt Professor Friedrich Karl Weysser in München hergestellt worden. Die 
Photographien für Fig. 36 u. 37 wurden von Herrn Bauamtmann Laun in Weiden, 
für Fig. 74 von Herrn Ludwig Frhr. v. Lindenfels auf Wolframshof zur Verfügung 
gestellt. Von Herrn Kooperator Schwab in Ebnath sind aufgenommen die Photo- 
graphien für Fig. 8, 9, 42, 55 ; von Herrn Benefiziat Lederer in Erbendorf stammt 
die Aufnahme für Fig. 1 1 ; von Herrn Dr. Felix Mader wurden aufgenommen die 
Photographien für Tafel VI und Fig. 7, 13, 14, 15, 43, 44, 46, 51, 70, 71, 73. Die 
Karte hat Katasterzeichner Otto Lindner verfertigt. 

Die Klischees sind von der Kunstanstalt Brend'amgur, Simhart & Co. in 
München ausgeführt worden. 

München, im Juni 1907. 



DR. GG. HAGER, 

Kgl. Konservator, 

Leiter des Bayerischen Nationalmuseums und des 

Kgl. Generalkonservatoriums der Kunstdenkmäler 

und Altertümer Bayerns. 



EINLEITUNG. 

Das Bezirksamt Kemnath hat einen Flächeninhalt von 464,049 qkm. Es zählt 
71 Gemeinden mit 313 Ortschaften, darunter zwei Städte: Erbendorf und Kemnath, 
und einen Markt: Waldeck. Die Einwohnerzahl betrug bei der Volkszählung 1905 
23157 Seelen. (Weitere Angaben im Ortschaftenverzeichnis des Königreichs Bayern, 
65. Heft d. Beiträge z. Statistik des Königreichs Bayern, herausgegeben vom Kgl. Bayer. 
Statistischen Bureau, München 1904, S. 846 ff. — Hans Braun, Statist. Amtshand- 
buch f. d. Regierungsbezirk Oberpfalz u. v. Regensburg, Regensburg 1903, S. 29 ff.) 

Das Bezirksamt grenzt östlich an das Bezirksamt Tirschenreuth, südlich an die 
Bezirksämter Neustadt a. W.-N. und Eschenbach, westlich an das Bezirksamt Bajnreuth 
(Oberfranken), nördlich an die Bezirksämter Bayreuth, Wunsiedel und Tirschenreuth. 

Der nördliche Teil des Gebietes gehört dem Fichtelgebirge an mit dem bis 
an die Fichtelnaab . vorgeschobenen Steinwald. Den Südosten beherrschen die ge- 
ringeren Erhebungen um den Hesserberg. Aus der ebenen Gegend im Südwesten 
um Kemnath erheben sich als charakteristische Punkte der Armesberg, von einer 
Wallfahrtskapelle bekrönt, und der Waldecker Schloßberg, der einst eine ausgedehnte, 
heute kaum mehr sichtbare Feste trug. Von Nordwesten nach Südosten wird das 
Bezirksamt von der Fichtelnaab durchschnitten. Ostlich wird es auch teilweise von 
der Waldnaab, südwestlich von der Heidenaab berührt. Die Gegend besitzt viele 
landschaftliche Reize, namentlich im romantischen Fichtelnaabtal. Auf der -Höhe 
des Rauhen Kulms, der an der Südgrenze liegt, entfaltet sich ein prächtiger Über- 
blick über das ganze Gebiet. (Vgl. A. Vierling, Erinnerungen aus der Oberpfalz, 
Weiden 1878, S. 114 ff.) 

Das Gestein teilt sich in Granit und Basalt. Der nutzbare Boden umfaßt 
44197 ha und zwar 19637 ha Wald, 2289 ha Hutungen, 387 ha Weide, 9067 ha 
Wiesen, 12 817 ha Acker- und Gartenland. (695 ha Od- und Unland.) 

Als Baustein wurde seit alter Zeit vorherrschend Granit verwendet, der in 
zahlreichen bedeutenden Steinbrüchen gewonnen wird. Daneben finden sich einige 
Ziegeleien. (Vgl. W. Götz, Geographisch - Historisches Handbuch von Bayern, 
München u. Leipzig, I^ [1903], 781 ff., wo Näheres über die Bodengestalt etc. des 
Bezirks.) Die mehrfach zu Epitaphien verarbeiteten Quarzwerkstücke dürften aus 
der Gegend von Weißenstadt (Oberfranken) stammen. (Vgl. die geologische Über- 
sichtskarte von Bayern bei C. W. Gümbel, Geologie von Bayern, Kassel II [1894].) 

Das Gebiet des heutigen Bezirksamts Kemnath gehörte zur Zeit der Gau- 
verfassung zum bayerischen Nordgau. Nach Herzog Tassilos III. Sturz durch Karl d. Gr. 
(788) und der Unterwerfung Bayerns unter die Frankenherrschaft wurde die Mark- 
Heft X. I 



4 X. B.-A. Kemnath. 

Waldeck in den Anteil Ruprechts L fiel Von 1347 — 53 regierten Ruprecht I. und 
ü. ihre Lande wieder gemeinsam. Die Burg Waldeck war indes mit dem Markte 
Pressath 131 7 von König Ludwig dem Landgrafen Ulrich von Leuchtenberg für 
seine Kriegsdienste vor Parkstein und später im Feldlager von Eßlingen um 2572 Pfund 
Regensburger Pfennige verpfändet worden (Gradl, Mon. Egrana, Nr. 652), tmd im selben 
Jahre hatte König Ludwig in dem Schiedsverträge mit seinem Bruder Rudolf diesem 
für die richtige Ausführung der schiedsrichterlichen Bestimmungen die Burg Waldeck 
nötigenfalls zu Pfand gesetzt (Quellen u. Erörterungen VI, 259). Die Verpfändung 
Waldecks an die Landgrafen, dessen frühere Herren, hatte schon bei Landgraf Ulrichs 
Tod (27. Nov. 1334) Schwierigkeiten im Gefolge, so daß ein Schiedsgericht zwischen 
den Landgrafen und den Pfalzgrafen eingesetzt werden mußte, das aber zu keiner Ent- 
scheidung kam. Auf 1347 war in der Sache ein neues Schiedsgericht nach Amberg 
einberufen worden. Der Spruch desselben ist nicht bekannt, fiel aber, wie die 
Folgezeit zeigt, jedenfalls zugunsten der Pfalzgrafen aus. (Wittmann, Landgrafen, 
S. 70). 1353 starb Rudolf II., und seine Brüder Ruprecht I. und II. teilten sein 
Erbe und auch ihre bisher gemeinsam besessenen Länder. In Ruprechts I. Anteil 
fiel auch wieder, wie bereits 1338, die Herrschaft Waldeck. Ein großer Teil der 
Verlassenschafl Rudolfs aber ging 1353 an Kaiser Karl IV. verloren, der verschiedene 
Forderungen an die Pfalzgrafen hatte, besonders wegen der Erlösung Ruprechts IL 
aus sächsischer Gefangenschaft. Im selben Jahre verschrieben die Pfalzgrafen 
Ruprecht I. und II. dafür dem Kaiser um 12000 Schock Prager Groschen ver-» 
schiedene Städte und Burgen auf dem Nordgau, darunter auch Waldeck (Koch u* 
Wille I, Nr. 2739). Waldeck war Eigentum Ruprechts I. und sein Bruder Ruprecht II. 
versprach ihm noch im selben Jahre, die für seine Befreiung verpfändeten Festen 
Waldeck und Hirschau zu lösen oder mit anderen Burgen zu widerlegen (a. a. O., Nr. 3001. 
— Emil Werunsky, Geschichte Kaiser Karl IV., Innsbruck II [1882], 360.) 1364 ver- 
gleicht sich Ruprecht mit den benachbarten Burggrafen von Nürnberg wegen der 
Grenzen der Grafschaft Waldeck. (Stillfried u. Märcker, Mon. Zoller, IV, Nr. XXXVI.) 

1368 wurde das sog. Kurpräzipuum geschaffen, d. h. ein Gebiet sowohl in der 
Kurpfalz als Oberpfalz, das stets bei der Kurwürde zu bleiben hatte. Dazu kam auch 
Waldeck mit der Stadt Kemnath. (Koch u. Wille I, Nr. 4230). 1390 starb Kur- 
fürst Ruprecht I. und ihm folgte sein Bruder Ruprecht II., der nun wieder Pfalz 
und Oberpfalz vereinigte. Diese Vereinigung dauerte bis 14 10, wo beim Tode des 
Kurfürsten Ruprecht III., deutschen Königs, seine Söhne wieder teilten. Die ganze 
Herrschaft Waldeck kam dabei an den neuen Kurfürsten Ludwig III. (14 10 — 36). 
(Den damaligen Besitzstand veranschaulicht am besten die Karte von Hugo Graf 
VON Walderdorff, Die Oberpfalz unter Pfalzgraf Johann, beigegeben der Abhand- 
lung von Christ. Häutle, Die Oberpfalz und ihre Regenten in den Jahren 1404 — 48,. 

vo. xxvn.) 

Wir unterbrechen hier die Darstellung der territorialen Entwicklung des Haupt* 
teiles unseres Gebietes und wenden uns dem kleineren, in der Südostecke des Be* 
zirkes um Erbendorf gelegenen Teile zu, der seine eigene Geschichte hat. 

Ln 12. Jahrhundert — die ältere Geschichte bedarf noch der Aufklärung — 
befindet sich dieser Gebietsteil in den Händen der Grafen von Sulzbach und zwar 



Einleitung. c 

gehörte er zur Herrschaft Parkstein. Mit dieser ging er nach dem Tode des letzten 
Sulzbacher Grafen, Gebhard II., 1188 durch Kauf in den Besitz Kaiser Friedrich 
Barbarossas über und teilte in der Folge die politischen Geschicke der Herrschaft 
Parkstein. Dieselben finden sich ausfuhrlich dargestellt in der Einleitung zu Heft IX, 
3.3 f., worauf wir verweisen. Eine kurze Ausnahme macht nur die 1281 erfolgte 
Verpfandung des Marktes Erbendorf an den Burggrafen Friedrich von Nürnberg 
durch König Rudolf (Stillfried u. Märcker, Mon. Zollerana II, Nr. CCXLVII. — 
Reg. Boic. IV, 157), die 1300 durch König Albrecht bestätigt wird. (Stillfried u. 
Märcker a. a. O., Nr. CCCCXXXVI. — Reg. Boic. IV, 717.) Unter der Regienmg 
Ludwigs des Bayern erscheint Erbendorf wieder bei der Herrschaft Parkstein-Weiden. 
Merkwürdigerweise wird Erbendorf im Vertrag von Pavia in Verbindung mit 
Waldeck, Pressath und Kemnath aufgezählt, also mit bayerischem allodialem Eigen- 
tume und nicht mit Parkstein- Weiden, die ausdrücklich hier als »maercht von dem 
riche« bezeichnet werden. (Quellen u. Eröterungen, VI, 300/1.) 1339 verpfändete 
Ludwig der Bayer Floß und Parkstein an König Johann von Böhmen (Erben-Emler, 
Regest. Boh. IV, Nr. 662), dessen Sohn Kaiser Karl IV. diese Herrschaften 1347 
an die Burggrafen Johann und Albrecht von Nürnberg weiterverpfändete. (Böhmer- 
Huber, Reg. Karl IV, Nr. 21.) Ob Erbendorf schon 1339 an Böhmen gekommen 
war, oder ob es Karl IV als ehemaliges Reichsgut eingezogen hat, ist nicht zu er- 
weisen. Sicher ist, daß Erbendorf später einen Bestandteil von Neuböhmen, jenen 
Besitzungen in der Oberpfalz, welche Karl IV. zum größten Teil als Pfand von den 
Pfalzgrafen in der Hand hatte und die er 1358 bzw. 1360 der Krone Böhmen in- 
korporierte, gebildet hat. Dies beweist ein Salbuch Karls IV. über diese ober- 
pfälzischen Besitzungen (Reichsarchiv, München, Altbayerische Salbücher, Nr. 32, 
fol. 38 — 41), wo sich beim Amte Parkstein-Weiden auch der »marcht zu Ermdorf« 
findet.1) Mit Parkstein blieb Erbendorf auch noch bei Böhmen, als 1373 Karl IV. die 
Herrschaft Floß dem Witteisbacher Otto, Markgrafen von Brandenburg, zurückgab. 
Am 14. Juni 1401 verpfändete König Wenzel von Böhmen dem Landgrafen von 
Leuchtenberg Parkstein-Weiden, die Landgrafen veräußerten ihr Recht aber an 
Herzog Ludwig den Gebarteten von Bayem-Ingolstadt. Dieser verlor 142 1 im Kriege 
mit den oberbayerischen Herzogen diese Herrschaft an Pfalzgraf Johann von Neun- 
burg und den Nürnberger Burggrafen Friedrich. (Riezler III, 257.) Als diese ihre 
Eroberungen 1427 teilten, wurde Floß und Parkstein beiden zu gleichen Teilen zu- 
gesprochen. (VO. XXVII, 29.) Diese Zweiteilung blieb bis 17 14 bestehen. (Vgl. 
Einleitung zu Heft IX, S. 5.) 

Außer den genannten zwei Gebietsteilen sind Besitzungen des Klosters Wald- 
sassen und die vielen zerstreuten Leuchtenbergischen Lehen zu erwähnen. 

Dem Kloster Waldsassen schenkten die Landgrafen von Leuchtenberg 1279 
die Dörfer Trevesen und Pilgramsreuth. (Witimann, Landgrafen II, 37.) 1281 traten 



*) Dieses Salhuch war bisher noch nicht als der Kanzlei Karls IV. entstammend bekannt. 
Ich habe gelegentlich einer genauen wissenschaftlichen Untersuchung des Archivales für die Archi- 
valische Zeitschrift^ deren Resultat ich bald bekannt zu geben hoffe, es als Salbuch Über Neu- 
böhmen konstatiert. Die Anlage desselben erfolgte auf Grund älterer, wahrscheinlich von den 
Pfalzgrafen überkommener Salbücher und zwar etwa um das Jahr 1368. J. Knöpf 1er. 



6 X. B.-A. Kemnath. 

sie demselben die Dörfer Bingarten und Zwergau ab. (Reg. Boic. IV, 164.) Wald- 
sassen verkaufte aber Trevesen, Bingarten und Zwergau 1353 an die Pfalz. (Koch 
u. Wille I, Nr. 2725.) Marquard der PuUenreuther überließ 1286 seine Rechte über 
Pullenreuth gegen ein Begräbnis dem Kloster Waldsassen. (Gradl, Mon. Egr., Nr. 373.) 

Als leuchtenbergische Lehen erscheinen Anzenberg, Bernstein, Ebnat (das 
halbe Dorf: leuchtenb. Lehensverzeichnis von 1390), Escheldorf (1252: Gradl, Mon. 
Egr., Nr. 222), Kaibitz (1390), Lienlas, Bingarten (1390), Siegritz, lliann, Unterbruck, 
Wolframshof. 

Brandenburgische Lehen waren ursprünglich Burggrub und Trautenberg. 

Unter dem Besitz des landsässigen Adels ragt derjenige der Nothäft, die 
seit Ausgang des 13. Jahrhunderts den Weißenstein innehatten, durch den weitesten 
Umfang hervor. 

Wie die ganze Oberpfalz wurde das Gebiet des heutigen Bezirksamts Kem- 
nath sowohl im kurpfalzischen wie in dem zu Parkstein gehörigen Anteil durch die 
Husiteneinfölle schwer heimgesucht. Der im ganzen Bezirk eifrig betriebene Berg- 
bau litt darunter sehr. Noch 14 13 zählte man im Amte Waldeck 30 Eisenhämmer. 
(Reitzenstein, Die Veste Reuth, S. 15 f) Vielleicht hängt es mit dem Husitenkriege 
zusammen, daß Erbendorf infolge des Niederganges im Bergbau zum Markt herab- 
sank. Nach 141 6 erscheint es als Stadt (Bavaria II, i, 481 u. Anm.). Erst im 
19. Jahrhundert wurde es wieder Stadt. 

Kehren wir zur Geschichte des zum Kurpräzipuum gehörigen Hauptbestand- 
teiles unseres Gebietes zurück. 

Als Pfalzgraf Friedrich, der seit 1449 für seinen Neffen Philipp die Vormund- 
schaft führte, 145 1 die Kurwürde annahm, erhielt er neben dem Kaiser und anderen 
Fürsten auch den Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg zum Gegner. 
Unser Gebiet, namentlich die Stadt Kemnath, waren der Hauptausgangspunkt der 
Feindseligkeiten gegen den Markgrafen. (Fessmaier, Staatsgeschichte der Oberpfalz, 
München I (1799), 88.) Aus Stadt Kemnath stammte auch des Kurfürsten gelehrter 
Hofkaplan und Chronist, Mathias von Kemnath (f 1476), Professor an der Universität 
Heidelberg. (Vgl. dessen Chronik in Quellen und Erörterungen U, i — 141. — 
Vgl. über ihn Wegele, Geschichte der deutschen Historiographie, München und 
Leipzig 1885, S. 44. Daselbst weitere Literatur. — Ottokar Lorenz, Deutsche 
Geschichtsquellen im Mittelalter, Berlin I (1886), 135; II, 406.) 1476 starb Fried- 
rich und hinterließ Kurpfalz seinem Adoptivsohn Philipp (1476 — 1508), der schon 
seit 1474 die Regierung des Kurpräzipuums in der Oberpfalz geführt hatte. Nach 
Ottos IL von Mosbach Tode 1499 erbte Philipp auch dessen Lande, so daß nun 
die ganze Oberpfalz, soweit sie in Händen der Pfalzgrafen gewesen war, mit Kur- 
pfalz vereinigt wurde. 

1483 hatte sich zwischen Kurfürst Philipp einerseits und dem Herzog Otto II. 
von Mosbach und dem Herzog Georg von Landshut andrerseits wegen der Amter 
Waldeck, Grafenwöhr, Vilseck und Parkstein-Weiden mit Erbendorf Streit erhoben. 
Es wurde daher am 17. Juni 1483 eine neue Grenzvermarkung vorgenommen, 
Darinn wurde auch vereinbart, daß von jetzt ab Weißenstein, Reuth und Trauten- 
berg der Herrschaft Waldeck, also der Kurpfalz zustehen, dagegen Herzog Otto 



Einleitung. . ^ 

und Georg als gemeinsamen Besitzern von Parkstein-Weiden zu dieser Herrschaft 
Altenstadt, Siegharts (= Siegritz), Thumsenreuth, Krummenaab, Grub und Wellen- 
reuth (= Wildenreuth) zugeteilt werden solle (Reichsarchiv München, Urkk. Grafen- 
wöhr, Landgericht, Fasz. i. — Kreisarchiv Amberg, Kopie, Urk. St. E. 1427.) 

Über die Schicksale des zum gemeinschaftlichen Amt Parkstein-Weiden gehörigen 
Teiles in unserem Gebiet in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts findet sich 
Näheres in der Einleitung zu Heft IX, S. 6 f. Infolge des Kölner Spruches kam 1 505 
der zuvor niederbayerische Halbteil des Amtes zur sog. Jungen Pfalz, zum neu- 
gebildeten Herzogtum Pfalz-Neuburg, also die Orte Erbendorf, Altenstadt, Thumsenreuth, 
Wildenreuth etc. Es ist demnach in der Folge zwischen einem kurpfalzischen und 
pfalzneuburgischen Halbteil dieser Herrschaft zu unterscheiden. Über die Besitz- 
veränderungen im pfalzneuburgischen Halbteil während des 16. Jahrhunderts vgl. 
Einleitung zu Heft IX, S. 8. 

Im Kurpräzipuum ist außer einer unwesentlichen Grenzregulierung mit Branden- 
burg-Kulmbach im Jahre 1536 (vgl. Oberpfölzisches Wochenblatt 1802, S. 295 ff.) kein 
politisches Ereignis zu melden, das außer den Rahmen der kurpfalzischen Geschichte 
fiele. Dagegen brachte das 16. Jahrhundert unserem ganzen Gebiet einschneidende Er- 
eignisse mit den wiederholten Religionswechsel, der von den Fürsten nach ihrem 
jeweiligen Bekenntnis durchgeführt wurde. (Vgl. dazu die Karte »Kirchliche Ein- 
teilung der kurpfälzischen Gebiete in der oberen Pfalz 1621 — 1648« von Hugo Graf 
VON Walderdorff, beigegeben der Abhandlung von Fr. Lippert, die Pfarreien und 
Schulen der Oberpfalz kurpfalzischen Anteils 162 1 — 1648, VO. LIII [1901]). 

Unter Kurfiirst Friedrich V. begann für die Oberpfalz die schwere Zeit des 
Dreißigjährigen Krieges. Nachdem der Kurfürst die Schlacht am weißen Berg am 
8. Nov. 1620 verloren hatte, wurde er in die Reichsacht erklärt und mit deren Voll- 
streckung für das Gebiet der Oberpfalz Herzog Maximilian L von Bayern beauftragt. 
1628 erhielt Maximilian vom Kaiser die Oberpfalz als Entschädigung für die erwach- 
senen Kriegskosten mit Ausnahme der pfalzneuburgischen Amter Parkstein-Weiden, 
Pleistein, also unser ganzes Gebiet, von der zu Parkstein gehörigen Gegend um 
Erbendorf abgesehen. 

Unter Maximilian erfolgte die Durchführung der Gegenreformation. Ver- 
schiedene protestantische Adelige zogen die Auswanderung vor (seit 1629). Des- 
gleichen war Herzog Wolfgang Wilhelm von Neuburg bei seinem Bruder August, 
der nach Philipp Ludwigs Tod 16 14 den neuburgischen Anteil am Amte Parkstein 
unter neuburgischer Oberhoheit erhalten hatte, für die Wiederherstellung der katho- 
lischen Religion tätig. 

Die schwersten Kriegsjahre für die Oberpfalz waren 1632 — 1634 und schließlich 
noch 1648. Am 12. März 1634 übergab Hauptmann Ronyer Kemnath nach kurzer 
Beschießung dem Herzog Bernhard von Weimar (VO. XLVII, 18 f.), doch wurde die 
Stadt schon am 27. August desselben Jahres vom General von der Wahl wieder 
zurückerobert. Auf seinem weiteren Zuge belagerte Bernhard von Weimar 1634 auch 
die Bergfeste Waldeck, aber ohne Erfolg. Dagegen mußte sich dieselbe am 
15. Juli 1648 dem sie belagernden Obersten Penzen von der Armee des Grafen 
Königsmark ergeben. Der Krieg hatte auch unserem Gebiete schwere Wunden 



8 X. B.-A. Kemnath. 

geschlagen, was die Kriegsunkosten beweisen, die sich nach amtlichen Aufzeichnungen 
im Landrichteramt Waldeck in der Zeit von 1628 — 49 auf 154 941 fl., beim Markte 
Waldeck allein auf 23186 fl., beim Kastenamt Kemnath auf 130300 fl. und bei der 
Stadt Kemnath auf 1 28 646 fl. beliefen. (Kreisarchiv Amberg, Dreißigjähr. Krieg, A. 4192.) 

Das Jahr 1648 brachte endlich den langersehnten Frieden. Wegen der Rege- 
lung der Verhältnisse im geteilten Amte Parkstein -Weiden gab es hinsichtlich des 
Normaljahres beim Friedenskongreß noch ernste Schwierigkeiten. Die Gegend um 
Erbendorf war 1649 wieder großenteils protestantisch. Man löste den Knoten, indem 
durch den Prager Vergleich vom 17. Juli 1652 der ehemals kurpfalzische Anteil an Floß 
und Parkstein Pfalz-Neuburg zugeteilt wurde. Doch blieb das Gebiet bis zur Erlegung der 
Entschädigungssumme von 200 000 fl im Pfandbesitz der Kurpfalz. (Riezler V, 653.) 
Im Kölner Vergleich von 1652 einigten sich sodann Herzog Philipp Wilhelm von 
Neuburg und Herzog Christian August von Sulzbach, der die ehemals neuburgische 
Hälfte von Floß und Parkstein inne hatte, auf das sog. Simultaneum, wonach eine 
und dieselbe Kirche sowohl den Katholiken wie den Protestanten zur Verfügung 
stand und beide Konfessionen Anteil am Kirchengute hatten. Philipp Wilhelm ver- 
zichtete dafür auf die Oberhoheitsrechte über den sulzbachischen Länderanteil. 

Mit Landgraf Maximilian Adam erlosch 1646 das Leuchtenberger Haus im 
Mannesstamm. Die Landgrafschaft und mit ihr auch die leuchtenbergischen Lehen 
in unserem Gebiete fielen an den bayerischen Herzog Albrecht VL, der eine Leuchten- 
bergerin zur Frau hatte. Er vertauschte aber die Landgrafschaft 1650 gegen die 
Grafschaft Haag seinem Bruder Kurfürst Maximilian, der sie seinem zweiten Sohne 
Maximilian Philipp verlieh. Dieser starb 1705 während des spanischen Erbfolge- 
krieges und der Kaiser verlieh dann die Landgrafschaft dem Fürsten von Lamberg. 
Nach dem Rastatter Frieden 17 14 kam sie an Kurfürst Max Emanuel zurück. 

1685 nach dem Aussterben der Simmerschen Linie fiel die Kurpfalz an Philipp 
Wilhelm von Neuburg, damit auch der noch im Pfandbesitz der Kurpfalz verbliebene 
Anteil am Amte Parkstein- Weiden. 17 14 löste Herzog Theodor von Sulzbach diesen 
Teil um 200000 fl ein. (VO. XV, 140.) Der Pflegamtssitz war in Parkstein; Erben- 
dorf hatte aber bis 1803 einen Richter. Damit war die jahrhundertlange Teilung des 
Gebietes Floß und Parkstein-Weiden unter zwei Herrscher beseitigt. 

Unser Gebiet war also um 17 14 geteilt zwischen Kurbayern, Sulzbach und 
Waldsaßen. 

1742 war die Kurpfalz an Herzog Karl Theodor von Sulzbach gefallen, der 
nach Kurfürst Max III. Josef Tode 1777 auch Kurfürst von Bayern wurde. In 
Amberg, Sulzbach und Neuburg waren Regierungen errichtet worden, wurden aber 1791 
in eine einzige Regierung zu Amberg zusammengezogen. 

Während der napoleonischen Kriege hatte auch unser Gebiet durch Truppen- 
durchzüge viel zu leiden. Bei Kastl wehrten am 26. August 1796 die Bürger von 
Kemnath und Bauern aus der Umgebung ein marodierendes Bataillon Franzosen 
erfolgreich ab. 

1799 starb Karl Theodor. Mit ihm erlosch das sulzbachische Haus. Pfalz- 
Bayern ging nun an Herzog Max IV. Josef von Zweibrücken-Birkenfeld über. Für 
die Oberpfalz wurde 1799 ^u Amberg eine Landesdirektion errichtet. 



Einleitung. g 

Bei der 1803 erfolgten Klosteraufhebung fielen auch die wenigen waldsassischen 
Besitzungen in unserem Gebiete an Bayern. 

Bei der 1808 durchgeführten Einteilung Bayerns in 15 Kreise kam unser 
Gebiet zum Naabkreis, bei der Neueinteilung in 9 Kreise 1810 zum Mainkreis, bei 
der Einteilung in 8 Kreise 1817 zum Obermainkreis und 1838 zum Kreis Oberpfalz 
und Regensburg. 

1803 erfolgte die Errichtung der Landgerichte in Bayern. Kemnath wurde 
Sitz eines Landgerichtes, das aus dem alten Landrichteramt Waldeck-Kemnath, von 
dem indes das Gebiet von Pressath an das neue Landgericht Eschenbach gegeben 
wurde, gebildet ward. Dagegen kam zu Kemnath auch Neustadt a. K., das in diesem 
Jahre von Preußen abgetreten worden war, später aber mit anderen Gemeinden 
Eschenbach zugeteilt wurde. Auch befanden sich im Landgerichte Kemnath noch 
27 Patrimonialgerichte. Erbendorf und das ehemals sulzbachische Gebiet unseres 
Bezirkes kam zum Landgericht Neustadt a. W.-N. 

1849 wurden 17 Gemeinden vom Landgericht Kemnath getrennt und daraus 
nebst 6 Gemeinden (darunter Erbendorf) vom Landgericht Neustadt a. W.-N., 6 Ge- 
meinden vom Landgericht Waldsaßen und i Gemeinde vom Landgericht Tirschen- 
reuth das Landgericht Erbendorf gebildet. Erbendorf wurde 1842 zur Stadt erhoben. 

Bei Errichtung der Bezirksämter 1862 wurde aus den Landgerichten (jetzigen 
Amtsgerichtsbezirken) Kemnath und Erbendorf das Bezirksamt Kemnath gebildet. 

In kirchlicher Beziehung gehörte das Gebiet stets zum Bistum Regensburg. Die 
protestantischen Pfarreien zählen zum Konsistorialbezirk Bayreuth. 



lo X. B.-A. Kemnath. 



LITERATUR. 

Die in Heft I, B.-A. Roding, S. 8 — 20, und in Heft IV, B.-A. Parsberg, S. 5 — 17 
gegebenen Literaturhinweise haben in der Hauptsache auch für das Bezirksamt 
Kemnath Geltung. Wir notieren außerdem: 

Zu I. Geschichte. Oberpfalzisches Statistisches Wochenblatt v. Dr. Bernard 
Jos. Schleis v. Löwenfeld, Sulzbach 1794 ff. — Th. B. Helfrecht, Ruinen und 
Alterthümer auf dem Fichtelgebirge, 1795. — Oesterreicher, Besitzungen des ehe- 
maligen Fürstbistums Bamberg im alten Herzogtume Bayern, Die geöffneten Archive, 
2. Jahrgang, 6. Heft, 1822/23. — Sigmund Ehrnth aller. Die Stadt Kemnath und 
die derselben zunächst liegenden Orte, Kemnath 1857. — Karl Brunner, Die wirt- 
schaftliche Lage des Herzogtums Sulzbach im Jahre 1765, Forschungen zur Geschichte 
Bayerns von Reinhardstöttner, VIL Bd., 1899, S. 301 — 309. — Albert Schmidt, 
Führer durch das Fichtelgebirge und den Steinwald, 3. Aufl., Wunsiedel 1904. — 
M. Doeberl, Entwickelungsgeschichte Bayerns, Bd. I, München 1906. 

Handschriftliche Ortsbeschreibungen, 1844/45 von den damaligen Ortslehrem 
verfaßt, besitzt der Hist. Verein von Oberpfalz und Regensburg von folgenden Orten : 
Ebnath, Erbendorf, Haidenaab, Hohenhard, Kaibitz, Kastl, Kemnath, Krummenaab, 
Kulmain, Mehlmeißl, Mockersdorf, Poppenreuth, Pullenreuth, Thumsenreuth, Trevesen, 

Wildenreuth, Wirbenz. Weitere spezielle ortsgeschichtliche Literatur ist bei den 
einzelnen Orten angegeben. 

Zu 6. Topographie und 7. Karten. Verzeichnuß deß gantzen Ambtß 
Walldeck in der Obern churfürstlichen Pfaltz gelegen, mit allen inligenden Schlössern 
Steten Marckthen Dorffern Müelen etc. durch mich Georgen Bayern deß Undern 
Ambts Vorsttmeister zu Pressat, Reichsarchiv München, Plansammlung Nr. 3278. 
(Die Ortsbilder der Karte sind bloße Typen.) — Grenzkarte zwischen Brandenburg 
und Amt Waldeck, Reichsarchiv München, Plansammlung Nr. 3277. (16. Jahrh.) — 
Gränitz District deß Gemeinschafft Ambts Barckstein und Weyden, wie solchs bey 
Auffrichtung deß Recess anno 1607 begangen unnd allso formirt worden, Reichs- 
archiv München, Plansammlung Nr. 3188. — Amt Parckstein, kopiert nach Karte 
Nr. 3188 von Gallus Wolfgang Dobmeyer, adjung. Hofbaumeister und Geometer 
1782, Reichsarchiv München, Plansammlung Nr. 3082. — Amt Parckstein, kopiert 
nach Karte Nr. 3188, 18. Jahrh., Reichsarchiv München, Plansammlung Nr. loio. — 
Taschenbuch für Freunde der vaterländischen Geschichte mit statistischen Notizen, 
zugleich Schematismus vom Ober -Main -Kreise (v. Heinritz), Baireuth 1823. — 
Adresse- und Hand-Buch für den Ober-Main-Kreis, 3 Teile, Baireuth 1819 — 182 1. — 
Bayerland XII (1901), 424 ff.; XIII (1902), 537 f. — Joseph Plass, Geschichtliche, 
geographische und statistische Darstellung der oberpfölzischen Amtsgerichtsbezirke 
Erbendorf und Kemnath. MS. im Besitze des Herrn Direktors L. Auer im Kas- 
sianeum in Donauw^örth. (Vgl. dazu J. Traber, Lehrer Joseph Plass, der Geschichts- 
schreiber der Oberpfalz. Eine Skizze seines Lebens und Wirkens, Donauwörth [1899]. 
— VO. LI, 315 — 322. — Bayerland 1899, S. 96; 1900, Nr. 9, zweites Blatt. — 
Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft VI, B.-A. Cham, Vorwort.) — - Statistische Be- 
schreibung der protestantischen Pfarreien im Königreich Bayern, Nürnberg 1898. 



Abkürzungen häufiger genannter Werke. II 

ABKÜRZUNGEN 

häufiger genannter Werke. 

Destouches, Statistik. — Jos. v. Destouches, Statistische Beschreibung der Oberpfalz, i. u. 2. Teil, 

Sulzbach 1809. 
DoEBERL, Markgrafschaft. — M. Doeberl, Die Markgrafschaft und die Markgrafen auf dem 

bayerischen Nordgau, Mttnchen 1894. 
Ehrnthaller» Kemnath. — Sigmund Ehrnthaller, Die Stadt Kemnath und die derselben 

zunächst liegenden Orte, Kemnath 1857. 
Götz. — Wilh. Götz, Geographisch -Historisches Handbuch von Bayern, i. Bd., München und 

Leipzig 1903. 
Gradl, Mon. Egrana. — Heinrich Gradl, Monumenta Egrana, i. Bd., Eger 1886. 
Hein RITZ, Taschenbuch. — Taschenbuch für Freunde der vaterländischen Geschichte, zugleich 

Schematismus vom Ober-Main-Kreise (v. Heinritz), Bayreuth 1823. 
Janner. — Ferdinand Janner, Geschichte der Bischöfe von Regensburg, 3 Bde., Regensburg 

1883— x886. 
Koch u, Wille. — A. Koch u. J. Wille, Regesten der Pfalzgrafen am Rhein, I, Innsbruck 1894. 
Krenner. — Fr. v. Krenner, Baierische Landtags-Handlungen in den Jahren 1429 — 1513, x8 Bde., 

München 1803 — 1805. 
Matrikel R. — Matrikel des Bistums Regensburg, Regensburg 1863. 
MB. — Monumenta Boica, München 1763 ff. 
Oberpfölzisches Wochenblatt. — Oberpfä'zisches Statistisches Wochenblatt, von Dr. Bernard Jos. 

Schleis v. Löwenfeld, Sulzbach, 1794 fr. 
Piper. — Otto Piper, Burgenkunde. Mit Burgenlexikon. 2. Aufl. München und Leipzig 1905 — 1906. 
Prot. Pfarrstatistik. — Statistische Beschreibung der protestantischen Pfarreien im Königreich Bayern, 

Nürnberg 1898. 
RiEZLER. — Sigmund Riezler, Geschichte Bayerns, 6 Bde., Gotha 1878— 1903. 
Reg. Boic. — Regesta sive rerum boicarum autographa, herausgeg. von K. H. v. Lang, M. Frhr. 

V. Freyberg und G. Tu. Rudhart, 13 Bde., München 1822 — 1854. 
Rosenberg. — M. Rosenberg, Der Goldschmiede Merkzeichen, Frankfurt a. M. 1890. 
Schön werth. — Fr. Schön werth. Aus der Oberpfalz, Sitten und Sagen, 3 Bde., Augsburg 

1857—1859. 
Sperl. — Aug. Sperl, Der oberpfälzische Adel und die Gegenreformation, Vierteljahrsschrift für 

Wappen-, Siegel- und Familienkunde, herausgeg. vom Verein Herold in Berlin, XXVIIL Jahrg. 

(1900), 339 ff. 
Pleickhard Stumpf. — Pleickhard Stumpf, Bayern. Ein geographisch-statistisch-historisches 

Handbuch des Königreichs Bayern, München 1852. 
VO. — Verhandlungen des Hist. Ver. von Oberp£Uz u. Regensburg, Bd. I — LVII, 1831 — 1906, 
WiLTMAiSTER. — JoH. Kaspar V. WiLTMAiSTER, Churpfälzische Chronik, Sulzbach 1783. 
Zech v. Lobming. — Nepomuk Felix Reichsgraf Zech von Lobming, Anzeige der in dem 

Churfürstenthume Baiern, Herzogthume der obern Pfalz, Landgrafschaft Leuchtenberg 

befindlichen Klöstern, Graf- und Herrschaften, HofmSrkten, Edelmannsitzen und LandsäOen> 

Gütern , München 1778. 

Zimmermann, Kalender. — Jos. Ant. Zimmermann, Chur-Bayrisch-Geistlicher Calender, V. Theil, 

Das Herzogthum der ObernPfaltz, München (1758). 



--J 



ALTEN STADT, 

VO. XIX, 246; XXXm, 60. — Oberpfälzisches Wochenblatt 1798, S. 151— 153, 
174 — 176. — Destouches, Statistik, S. 280. — Heinritz, Taschenbuch, S. 140. — 
Kreisarchiv Amberg, Landsassenakten Nr. 361. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10. (Fig. 10.) — 
Desgleichen auf den Kopien, vgl. S. 10. 

SIMULTANKIRCHE ST. VITUS. Nebenkirche der katholischen und Kirche, 
protestantischen Pfarrei Erbendorf. Matrikel R., S. 418. — Protestantische Pfarr- 
statistik, S. 247. 

1832 durch Brand beschädigt. 1839 — 1840 neu hergestellt. (Matrikel R.) 

Rechteckiger, ziemlich niedriger Bau ohne Chor. Giebel an der Ost- und 
Westseite. Weißdecke. Fenster rundbogig, wohl dem frühen 17. Jahrhundert ange- 
hörig. Kuppeldachreiter. Die Ansicht von 1607 (Fig. 10) läßt halbrunden Chor- 
schluß erkennen. Demnach wäre die jetzige Kirche nach 1607 entstanden. Das 
kleine schlitzartige Rundbogenfenster im Mittel der Ostwand bereitet dieser Annahme 
keine Schwierigkeit, da weitere Anhaltspunkte für romanischen Ursprung der Um- 
fassungsmauern nicht bestehen. 

Altar. (Tafel I.) Monstranzenförmlger Auf bau in reichster Akanthusschnitzerei. Altar. 
In der Mittelnische bemalte Holzfigur des hl. Vitus. Gut. Um 1500. (Erwähnt bei 
Niedermayer, Beilage zur Augsburger Postzeitung 1856, Nr. 142.) Ringsum auf mit 
Lambrequins geschmückten Sockeln die Brustbilder der übrigen dreizehn Nothelfer. 
Hinter der Vitusstatue die Inschriften: J, Faul Fichtacher Maler, Sigmund Windisch 
Bildhauer 1750, Ren, 183813g, (Sigmund Windisch, Schreiner und Bildhauer in Erben- 
dorf, geb. II. Febr, 1709 in Mockersdorf als Sohn des Johann Christoph Windisch, 
Organisten und Schullehrers dortselbst und seiner Frau Barbara, Tochter des Stadt- 
schreibers Ludwig Schepper zu Erbendorf, getraut 7. Oktober 1737 in Erbendorf, 
f ebenda am 9. Februar 1787, [Eintrag in der Sterbematrikel der katholischen Pfarrei: 
»D. Joannes Sigismundus Windisch, Sculptor et Scrinarius.«] — Die biographischen 
Mitteilungen verdanken wir Herrn Stadtpfarrer MAiER-Erbendorf nach Auszügen aus 
den Matrikeln.) 

Kanzel. Einfach, barock. 

Gegenüber großes Kruzifix. Holzschnitzwerk des 18. Jahrhunderts. 

Ziborium. Vergoldetes Messing. Fuß und Nodus rund. Kupa zylindrisch Ziborium, 
mit hohem, kegelförmigem Deckel. Silberne Engelköpfchen und Rosetten. 17. Jahr- 
hundert. Nachklang der Gotik. H. 33 cm, 

EHEM. LANDSASSENGUT. Besitzer im 15. und frühen 16. Jahrhundert Ehem. Land 
die Eglofsteiner. Seit 1781 zum Schloßgut Thumsenreuth der Freiherren von Linden- »*»»***»«"'• 
fels gehörig. (Über die sehr wechselvolle Besitzfolge im 17. und 18. Jahrhundert 
vgL Oberpfälzisches Wochenblatt 1798 a. a, O.) 



14 X. B.-A. Kemnith. 

Nach dem Brande von 1832 neu gebaut. Ein Nebengebäude in spätmittel- 
alterlichem Charakter. Wohl vom Jahre 1578. (Oberpfölzisches Wochenblatt 1798, 
S. 17 5-) 

In der Nähe des Schlosses unter hohen Linden FELDKAPELLE, Auf dem 
. Kokokkoaltärchen bemaltes Holzrelief der Geburt Christi. Nach 1500. Gut. 
H. ca. 70 cm, Br, ca. 50 cm. (Vgl. Niedermayer, Beilage zur Augsburger Post- 
zeitung 1856, Nr. 132.) 



ARMESBERG. 



KATH. WALLFAHRTSKIRCHE HL. DREIFALTIGKEIT. Filiale 
zu Kulmain. Matrikel R., S. 404. — Zimmermann, Kalender V, 187. — Die Wall- 
fahrtskirche auf dem Armesberge bei Stadt Kemnath. (Gebetbüchlein für Wallfahrer), 
Kemnath s. a. (um 1836). — Eurnth aller, Kemnath, S. 36 — 41. — Sulzbacher 



Kalender 1876, S. 70 — 74. — 0. Schmidt, Führer durch das Fichtelgebirge und den 
Steinwald, Wunsiedel 1904, S. 203. — R. v. Höfke, Die Wallfahrtskirche auf dem 
Armesberge bei Kemnath, Monatsblatt des Altertums Vereins zu Wien, i8g8, Nr. 2, 
S. 147 f. — Derselbe, Weiheraünzen, IV. Armesberg, Mitteilungen des Klubs der 
Münz- und Medaillen freunde in Wien, 1898, Nr. 93, S. 277—279. 

Urbar der Dreifaltigkeitskirche auf dem Armesberg 1678, MS. im Pfarrarchiv 
Kulmain. — , Urbarium Parochiae Culniainensis 1761, ebenda, S. 18—28. — Bericht 
des Pfarrers Joh. Christoph Arckbauer über die Dreifaltigkeits- und Michaelskirche 



Alienstadt 
Altar in der Simullankirche 
X. B.-A. Kemnalb 



Bernstein. I e 

auf dem Armesberg 1706, MS. ebenda. — Abschrift hievon 1781, ebenda. — Akten Waii fahrt» 
über den Bauplatz 1676, ebenda. kirche. 

Getuschte Ansicht im Urbar 1761, S. 20 und 29. — Ansicht (nach einem Amichtcn. 
Kupferstich im Besitz des Stiftes Lambach) bei Hüfke, Monatsblatt des Altertums- 
vereins zu Wien, S. 147 ; die nämliche bei demselben, Weihemünzen etc. (vgl. oben), 
S. 278. 

1677 — 1678 erbaute Pfarrer Christoph Arckhauer von Kulmain auf dem Gipfel 
des Armesberges eine Kapelle zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit. Ursprünglicher Plan 
drei Kapellen über dreipaßförmigem Grundriß mit drei Kuppeldächern. (Getuschte 
Ansicht im Urbar 1678, Titelblatt [Fig. i] und im Urbar 1761, S. 19.) Zur Aus- 
führung kam ein Rundbau mit Kuppeldach und offener Laterne. (Ansichten vgl. oben.) 
Als Maurermeister erscheinen Paul Steinbrecher und Blasius Reitter von Pressath, 
als Zimmermeister Johann Schenkl von Waltershof, als Faßmaler Maximilian Sattler 
von Kemnath. Johann Gordian Schelchshom von Regensburg liefert 1678 zwei Glocken. 

Am 22. Mai 18 19 Brand infolge eines Blitzschlages. Neubau mit Turm erst 
1836 vollendet. (Sulzbacher Kalender a. a. O., S. 73.J 

Klassizistische Rotunde mit vorgelegtem Westturm und östlich angefügter 
Sakristei. 

Bescheidener Barockaltar. 

Kelch. Silber, vergoldet. Kupa mit Überfang. Emailmedaillons (rot in rot) Kelch, 
aus dem Leiden Christi an Fuß und Kupa. Laub- und Bandwerk. Um 1730. Beschau- 
zeichen Eger. Meistermarke JMI* im Oval. 

ST. MICHAELSKAPELLE. Neben der Dreifaltigkeitskapelle erbaute Pfarrer Ehem. 
Arckhauer eine weitere, etwas tiefer gelegene Kapelle St. Michael de monte Gargano **** ** 
1705 — 1706. (Urbar 1761.) Sie verfiel allmählich und brannte 1841 gänzlich ab. 
(Sulzbacher Kalender, S. 74. — Ansicht im Urbar 1761, S. 29.) 



BERNSTEIN. 

VO. XXn, 302, 349; XXXIX, 16, 18; LI, 28. — MB. XXVII, 66. — Reg. 
Boic. II, 124; III, 382, 476; IV, 130, 565, 644; V, 28. — JoH. B. Brenner, Die 
Landgrafen von Leuchtenberg, Rothenburg a. T. 1834, S. 41, 45. — J. A. Lindner, 
Chronik des Marktes und Amtes Floß, Sulzbach 1850, S. 33. 

KATH. KIRCHE ST. NIKOLAUS. Filiale zu Windischeschenbach (B.-A. Kirche. 
Neustadt a. W.-N.). Matrikel R., S. 461. 

Baubeschreibung. (Westansicht Fig. 2. — Grundriß Fig. 3. — Emporen- Bau- 
schnitte Fig. 4.) Romanische Anlage. Der nicht eingezogene, dreiseitig geschlossene ^•<^*'«*»^"nK. 
Chor späterer Anbau. Im Chor Kappengewölbe. Schiff zu zwei Fensterachsen. Die 
Tonne mit Stichkappen auf Wandpilastern später eingezogen. Daran schließt sich 
gegen Westen ein doppelgeschossiger Raum, der sich im Erdgeschoß mit zwei Bogen 
gegen das Kirchenschiff öffnet. Die Unterwölbung des darüber befindlichen Ge- 
schosses zweijochig. Sie ruht auf einem Mittelpfeiler und Wandpfeilem. Runde 
Schildbögen und halbkreisförmige Gurtbögen gegen das Langhaus zu. Die Pfeiler 
haben Kämpfer aus Platte, schmaler und breiter Schräge. (Fig. 4.) Im Südjoch rohes 
Kreuzgratgewölbe, im Scheitel kesseiförmig. (Wohl neueren Datums an Stelle der 
ursprünglichen Wölbung. Die Stärke desselben beträgt nur ca. 20 cm.) Im West- 
joch beim späteren Stiegeneinbau herausgeschlagen. 



l6 X. fi.-A. Kenmath. 

Das Obergeschoß ist merkwürdigerweise gegen das Schiff zu voUständig 
geschlossen. Der Eingang zur vorgebauten hölzernen Empore in der NoTdecke 
modern. An der Südwand Kundbogenfensterchen ; vielleicht original. An der Nord- 
wand nindbogiger romanischer Eingang, jetzt vermauert. (Fig. 4.) Die Ost-, Süd- und 
Nordwand sind unter sich bündig und zeigen sorgfältiges romanisches Quaderwerk. 
(Höhe der Quadern 15— ao cm, l4nge 30 — 90 cm. An den Ecken Höhe bis 45 cm.) 



Dagegen ist die Westwand nur im Untergeschoß romanisch, im Obergeschoß mit 
Benutzung romanischer Quadern später neu aufgemauert Die Ost- und Westwand 
tragen Giebelaufmaueningea (auch an der Ostwand späteren Charakters), zwischen 
welche sich zwei Backsteinbögen spannen, auf denen der Turm ruht. 

Die Bedeutung des emporenartigen Westgeschosses ist nicht klar. Zwei roma- 
nische Kirchenbauten in Böhmen, die Pfarrkirche zu Podworow und die Kapelle zu 
Podwinetz besitzen ähnliche Emporräume, aber dieselben öffnen sich mittels gekup~ 
pelter Feosterchen gegen das Kirchenschiff. (Vgl. über dieselben Bernhakd Grueber, 
Mitteil. d. k. k. Zentralkommission, Bd. XVI [1871], S. CXXff., und Joseph Neu- 
wiRTH, Gesch. der christl. Kunst in Böhmen, Prag 1888, S. 219 ff. u. 229 ff. — VgL 
femer Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft I, B.-A. Roding, S. 46 f. [Fiiedersried.]) 
Bernstein besaß im hohen Mittelalter allerdings einen Edelsitz (vgl. das folgende). 



Bernstein. tf 

Wenn aber der Raum als Oratorium für die Herrschaft gedient hätte, worauf der Kirche. 
Nordeingang in Emporenhöhe gedeutet werden könnte, dann müßte eine Verbin- Waumpore, 
düng zwischen Empore und Kirche bestehen, die tatsächlich fehlt. Anderseits ließe 
sich vermuten, daß die Kirche einen die ganze Breite des Schiffes einnehmenden 



Westturm besaß. Da aber derartige Westtürme eine größere Mauerdicke zu besitzen 
pflegen, als die der Seitenmauern des Langhauses beträgt, so hat auch diese An- 
nahme ihre Bedenken. Endlich könnte in der Anlage eine Abart der mit profanen 
Obergeschossen versehenen Kapellen gesehen werden, welch letztere in der Ober- 
pfalz mehrfach vorkommen. (Vgl, Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft I, B.-A. Roding, 
S. 59 und die daselbst angeführten Beispiele; Heft IX, B.-A. Neustadt a. W..N., S. 153.) 

Die Quadertechnik der romanischen Mauern weist auf das fortgeschrittene 
12. Jahrhundert. Die Oberflüche der Quadern (Granit) ist sauber mit dem Fläch- 
eisen bearbeitet. 

Hochaltar. Gedrehte Säulen mit Weinlaub. Verkröpftes Gebälk mit ge- 1 
brochenem Giebel. Seitliche Ansätze mit Knorpelwerk und Engel kopfchen. Um 
1670. Altarbild neu. Schön geschnitztes Antependium um 1740. 



lg X. B.-A. KemnRth. 

Seitenaltar. Gefilligea Schnitzwerk um 1740. la der Mittelnische Statue; 
■ Maria de Victoria, Zwei Volutenstreben und Seitenranken mit Akanthus und Gittern. 
Im oberen Auszug Akanthusschnitzwerk und Gemälde. (Fig. 5.) 



FT*, j. Btnurria. Sdiieaj^or in dti Klr:Se. 

Kantet, li^at SeiteiuJtar gi^ijenüber, st'iu einlach. 

Stuhl »JOiren- tintliches üirocfc. 

Khem-Tjul'stein. ,bu-.ö ?<^.-fa*¥ei::::- IVkai-irtize Püduciv'-fs Fcvken^ Ar Ct.-t 
F-uhen bV.xri^cn. Granit. Am oL-^-ren Rand MPI.XXII und risir^u.-ri'jiuvtKie Ui<i-h;it 
in AnÜKi;-.:-uchswbirn. Nicht be<timn;:iAr. IVr <tc;n dient jcL:t aIs U\.-;:-»Lij*erv-,.-vkcn 



Bemitein. lO 

Monstranz. Vergoldetes Kupfer und Silber. Um das Gehäuse Akanthus- i 
kränz mit Putten. Am Fuß Engelköpfchen und Akanthusranken. Um 1710. 

Glocken, i. Umschrift: S MATHE VS S MARCVS S LVCAS S 10- < 
HANNES HANS STAIN isg2. Am Mantel Relief der Kreuzigung und Heim- 
suchung Maria. Außerdem ein Kranz von kleinen, schlecht ausgeprägten mythologi- 
schen Plaketten. Dchm. 0,80 m. — 2. Von Mathias Dival in Eger 1783. 



EHEM. EDELSITZ. Das leuchtenbergische Ministerialengeschlecht der 
Bemsteiner wird im 13. und 14. Jahrhundert vielfach genannt. (VO. XXXI, »67; ' 
XXXm, 8, 19. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. r57, 277, 285, 301, 305, 340, 459, 484, 531.) 
Seit ca. 1361 die Redwitzer. (VO. XXXIU, 15, 24, 25; LI, 35.) Um 1630 werden 
<lie Rochaw genannt. (Sverl, S. 432.) 1783 St. Marie Eglise. (Zech VON LouMiNC, 
S. tSi.) 1809 V. Grafenstein. {Destouches, Statistik, S. 380.) 

Von Gebäuden findet sich keine Spur mehr. Wohl schon frühzeitig ver- 
schwunden. Die Guter scheinen mit Krummennaab verbunden gewesen zu sein, da die 
Besitzfolge seit dem 17. Jahrhundert die gleichen Namen aufweist. (Vgl. Krummen- 
naab, S. 55.) 



X. B.-A. Kemnath. 




BURGGRUB. 



EHEM, LANDSASSENGUT. VO. XVII, 268; XVIII, 229; XXII, 469; 
XXIII, 311. — Oberpfalzisches Statistisches Wochenblatt 1798, S. 176, 184. — Dts- 
TOUCHES, Stutistik, S. z8o. — Bavaria II, i, 489. — Karl Frhr. v. Leoprechting, 
Des Freiherrn Alexander Sauerzapff und seines alten Geschlechtes Heimgang, München 
1861, S. 39, 49 ff- — Herm. Frhr. v. Reitzenstein-Relth, Geschichte der Familie 
von Reitzenstein, München I (1891), 303 ff. — Sperl, S. 403. — Kreisarchiv Am- 
berg, Landsassenakten Xr. 363 «. 392. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10 — desgleichen 
auf deren Kopien S. 10. 

Besitzer; vor 1373 Peter von Mylin (VO. XXXIII, 19); von 1373—1565 ein 
Zweig der Redwitz (ebenda, 122 f., 145); seit 1655 die Sauerzapf, welche 1861 mit 
Alexander v. Sauerzapf ausstarben. 

Einfacher, zweigeschossiger Landsitz auf mäßiger Anhöhe über der Fichtelnaab- 
Hufeisenförmige, kleine Anlage, 



DECHANTSEES. 



VO. Vni, 308. — MB. XXXVIa, 413, 600. — Reg. Boic. V, 203. — Zech 
v. LOB-MiNG, S. 181. — Destouches, Statistik, S. 170. — HErNRiTz, Taschenbuch, 
S. 141. ~ Bavaria II, i, 525. — Quellen u. Eröterungen VI, 200. — Kreisarchiv 
Amberg, Landsassenakten Nr. 365. 

KATH. KAPELLE HL. KREUZ. Zur Pfarrei Pullenreuth. Matrikel R., 



S. 408, — Zimmermann, Kalender V, 187. 

Erbaut um 1720 durch Maurermeister Mathias Weber von Kemnath. 
archiv Amberg, Amt Waldeck, Fasz. 159, A. 3272 [28. Mai 1733I). 



(Kreis- 



DeeluuitMe«. — Ebäiih. 31 

Kreuzfönnige Anlage mit dreiseitig geschlossenem Chor. Durchgehends Flach- Kapelle, 
decke. Über dem Chor Schindeldachreiter. (Ansicht Fig. 7.) 

Hochaltar. Rundgemälde der Kreuzigung in geschnitztem Akanthusrahmen. 
Flankiert von zwei Engeln. Um 1700. 

Zwei Seitenaltäre mit gedrehten Säulen und Knorpelwerk Schnitzereien. 
Um 1670. Am linken Seitenaltar bemalte Holzfiguren St. Petrus und Paulus. Hoiifigun 
Um 1530. H. 95 cm. Zu Seiten des Altarkreuzes bemalte Holzfigürchen 
St. Walburga und Heinrich. Um 1510. H. 55 cm. 

Eine Stuhlwange mit effektvoller Akanthusschnitzerei. Um 1690. 

Im linken Kreuzschiff Opferstock für Flachs mit Windrad. Selten. 

Neben der Kirche ehemalige KLAUSE. 

EHEM. LANDSASSENGUT. Im 17. Jahrhundert die Rambskopf. Später Ehe». Li 
Kloster Waldsassen, dem 1768 Landsa^senrechte erteilt werden. 1803 v. Waldenfels. '""'" 

Zweigeschossiger, langgestreckter Bau mit vorspringendem Mitteltrakt. Über 
dem Eingang Wappen von Waldsassen und i^gö. 

EBNATH. 

VO. XVU, 104; XVni, 244; LUI, 115; LTV, 187. — MB. XXVU, 44, 253. 
— ZiuuERMANN, Kalender V, i8q. — J. Go. Lori, Sammlung des baierischen Berg- 
rechts, München 1764, p. XXXIV, LXIX, CV, 115, 603, 6a8. — Wiltmaistek, 
S. 308. — Geographisch Statistisch-Topogra- 
phisches Lexikon von Bayern, Ulm I (1796}, 
529. — Destouches, Statistik, S. 171. — 
Heinritz, Taschenbuch, S. 177. — Bavaria 
II, 1, 405, 524. — WOrdinger, Kriegs- 
geschichte II, 232. — Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 90. — Derselbe, Geschichte des Eger- 
landes (bis 1437), Prag 1893, S. 49, 67, 69. — 
Sperl, S. 410 f. — Mathias Köcl, Die Be- 
kehrung der Oberpfalz unter Kurfilrst Maxi- 
milian L, Regensburg 1903, 1, 150; II, 122. — 
Kreisarchiv Amberg, Landsassenakten Nr, 369. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. ÄGI- Pf.„vi. 

DIUS. Matrikel R., S. 399. 

Um II 80 Weihe der ältesten Kirche. 
(MB. XXVn, 26. — Janner U, i8i.) Im 
Mittelalter zu Kulmain gehörig. 1664 selb- 
ständige Pfarrei. (Urbar der Wallfahrtskirche 
Armesberg [vgl. S, 14], S. 137.) Neubau der 
Kirche 1741 nach den Plänen des Amberger 
Maurermeisters Georg Diller. (Kreisarchiv 
Amberg, Waldeck und Kemnath, Fasz. CLXIV, 
A. 3510). Bau des Turmes 1800. 

Dreiseitig geschlossener, eingezogener 
Chor. Tonne mit Stichkappen. Schiff zu 1 
drei Fensterachsen mit Flachdecke. Sakristei ng. e. Ebutb. Taubiein in der prarrkircbi. 



X. B.'A. KemaUh. 

mit Oratorium südlich vom Chor. 
Turm mit Kuppeldach der West- 
fassade vorgelegt 

Hochaltar. 1753 durch den 
Schreinermeister Joh. Eckhmann 
von Kemnath (vgl. S. 42 f.) und den 
Bildhauer Joh. Gg. Veldt von 
Auerbach um 218 fl. gefertigt. 
Stattlicher Aufbau mit zwei glatten 
und zwei gewundenen Säulen. 
Altarblätter St. Ägidius und St. 
Georg (im oberen Auszug) von 
Joh. David Radius aus Oberröstau. 
Gut. Zwei Seiten figuren Petrus 
und Paulus, 

Zwei Settenaltare mit ge- 
wundenen Säulen. Laub- und 
Bandwerk, Um 1740, Das Altar- 
blatt des Frauen altares von Radius. 
Taufstein mit gebuckelter 
Schale und ornamentiertem Balu- 
sterfuß, Erste Hälfte des 17. Jahr- 
hunderts. Sandstein. (Fig. 8.) 

Zwei Beichtstühle mit rei- 
chen Schnitzereien. BCZ./757. Die 
Bilder in den Aufsätzen (St. Petrus 
und Magdalena) von Radius. 

Stuhlwangen. Barock, hand- 
werklich. (Von den Schreinern 
Joh. Wierl in Unterbruck und 
Ignaz Streckher in Kemnath.) 

Kreuzwegvon Radius. (J. D. 
Radius wird bei Nagler, KUnstler- 
lexikon XII, 188 kurz erwähnt.) 

An der Emporprüstung H o 1 z - 
figur St. Joseph und zwei Putten- 
engel. Barock.flolt. (DieKünstler- 
nachrichten verdanken wir Herrn 
1. Monimo. in d" Pfj>rkireht. Pfarrer Hupfer nach Aufzeich- 

nungen im Pfarrarchtv.) 
1 der Margaretha v. Altmannshausen, geb. von Rehlingen zu Horgau, 

r .™^hlin des lohann Ernst von Altmannshausen zu Neuenthan, Landrichters zu Waldeck, 
Gemahlmdesjohan ^^^^^ _ ^^^^^^^ ^^^ pf^„^ j^^^^^^^ g^^j, 

TAGET QVI VERBVM DEI FERVMh 

MA- 



Grabsteir 



\ '^^ HOC'SVB LAPIDE TAGET QVI VERBVM DEI FERVMNTER 

Zaedicavit mc xxv annis fastor bonvs a. r. jy. ma- 
AirfRfoAWNES stolljngolstadiensis boivsnatvsanno 

JdISxVIII XXVIII JAN yA^^^ AD ORTVM SOLIS OCCIDIT AD 
OCCASvllI FEBRVARIJ MDCLXXX Gußtafel. - Außen Grabstein 



"3 

des Hammermeisters Johann Ulli zu Ebnath, f 1618. Im Feld Engel mit zwei ptinfcir 
bürgerlichen Wappen. Handwerklich. Stark abgetreten, Quarz. H. 1,60 m. 

Monstranz. (Fig. 9.) Silber, teil vergoldet. Rokokomuschelwerk mit Ähren G«itc. 
und Weinlaub. Beschau zeichen Augsburg, Jahresbuchstabe N (1757 — 1759). Meister- 
marke PCM im Oval. Gutes Stück. Stiftung der Hirschberger. — Monstranz. 
Um das Gehäuse die Figuren St. Ägidius und Dionysius nebst farbigen Emailmedaillons 
mit Szenen aus dem Leiden Christi. Am Fuß Engelköpfchen und Akanthus. 
Um 1700. — Kelch. Silber, teil vergoldet. Rokokomuschel werk und Engel köpfchen. 
Kupa mit Uberfang, Stifterinschrift: Georg Carl Adam von Hirschberg 1753. Gut, 
Ohne Marken. — Kelch von gleicher Ausführung und Zeit. Ohne Marken. 

Glocke von Johann Erhard Kißner zu Stadtamhof 1776. — Die übrigen neu. 

SCHLOSS. Die Freiherren und Grafen von Hirschberg hatten die Hof- ScbioO. 
mark als Nachfolger der Kammerstein seit 1335 inne. Jetzt im Besitz der Fürsten 
von Kastell. 

Klassizistischer Bau des 19. Jahrhunderts. In Mitte des Dorfes gelegen. Ur- 
sprünglicher Sitz wohl auf dem Kirchberg gelegen. 

Über Sagen (Drei weiße Jungfrauen) vgl, Schö.vwerth II, 42z. 

ERBENDORF. 

VO. V, 4i8f.; VIII, 305f.; XVII, 92, 104; X.\, 197; XXII, 50, 102; XXIV, u«™«. 
15 f., 106; XXV, 98; XXVI, 416; XXXni, 33, 54, 59, 60, 120, 123; XXXV, 160; 
XXXVI, 42; XL, 82. — MB. II, S17; XXVII, 152; XXIXa, 515; XXXVIa, 422. 
424, 552, 600. — Reg. Boic. III, 273; IV, 717; V, ra8; VIII, 141. — Paulus 
Zeidler, Insignia urbium et vicorum superioris palatinatus electoralis in Bavaria, 
carmtnis genere diverso descripta, Regens- 
burg 1585. — Fr. X. Kropf, Historia Pro- TäfcZfcTal 
vinciae Societalis Jesu Germaniae superioris, 
Monachii IV (1746), 424. — J, A. Aetthen- 
KHOVER, Geschichte der Herzoge von Bayern, 
Regensburg 1767, S. 23, 178. — J. Gg. Lori, 
Sammlung des baierischen Bergrechts, Mün- 
chen 1764, p. XLVIU, LXX, 162 ff., 242 ff. — 
Geograph! sch-Statistisch-T opograph i sches Le- 
xikon von Bayern, Ulm I (1796), 563. — 
Churfiirstl. oberpfalzisches Wochenblatt vom 
Jahre 1802, Sulzbach, S. 298. — Destouches, 
Statistik, S. 27 z f. — v. Lipowskv, Nazional 
Garde Jahrbuch für das Königreich Baiem 
1814, S. 134. — Karl Hohn, Atlas von 

Bayern, Nomberg . 840, IV, 88. - ]. A. L»D. a.?*'..''^™ »."'«"L,, 

NER, Chronik des Marktes und Amtes Floß, im Rcichianhiv MiinciuD. 

Sulzbach 1850, S. 33. — Pleickhard Stumpf, 

S. 465. — Bavaria II, i, 480—484. — Heinrich Gradl, Die Chroniken der Stadt 
Eger, Frag 1884, Nr. 1211, 1216. — Ders., Mon. Egrana, Nr. 205, 221, 322, 328) 
517, 518. — Ders., Geschichte des Egerbndes (bis 1437), Prag 1893, S. 206, 231, 307. — 
Janner III, 149, 217, 340, 370, 623. — Quellen u. Erörterungen V, 222; VI, 300. — 



24 ^' B.-A. Kemnath. 

LUeimtur. DoEBERL, Markgrafschaft, S. 86. — Karl Brunner, Zur Geschichte des Bergbaues 
bei Erbendorf in der Oberpfalz, Forschungen zur Geschichte Bayerns von Reinhard- 
STÖTTNER, VII, Bd. (1899), S. 309 — 313. — Otto Rieder, Die pfalzneuburgische 
Landschaft, Neuburger Kollektaneenblatt 1900, S. 40. — Götz, S. 787. — W. Hastler, 
Geschichtliche Notizen der Stadt Erbendorf, MS. im Hist. Ver. O. 132. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10 (Fig. 10) — 
desgleichen auf deren Kopien, vgl. S. 10. 
Pfarrkirche. SIMULTANPFARRKIRCHE MARIA HIMMELFAHRT. Matrikel R., 

S. 417. — Prot. Pfarrstatistik, S. 247. 

Ludwig der Bayer verleiht das Patronat auf die Pfarrkirche zu Erbendorf 1 3 1 5 
(29. Mai) dem Kloster Michelfeld. (Ussermann, Episcopatus Bambergensis, 
St. Blasien 1802, S. 322; Cod. Prob. S. 191. — Roman Zirngibl, Ludwigs des 
Baiers Lebensgeschichte, Hist. Abhandlungen d. Kgl. Bayer. Akad. d. Wissensch., 
3. Bd. [1814], S. 93. — Janner III, 149.) 

Inschrift am ehemaligen Turm (jetzt Sakristei): AnP 1474 iccp Q) chori (viel- 
leicht = inceptio chort). Nach dem Brande von 1796 mit Benützung der Umfassungs- 
mauern des spätgotischen Chores neugebaut. (Kreisarchiv Amberg, Weiden, Fasz. 64, 
A. 131 2.) 1866 Neubau des Turmes. 1899 Restauration. 

Dreiseitig geschlossener, eingezogener Chor. Tonne mit Stichkappen. Lang- 
haus zu vier Fensterachsen. Spiegeldecke mit Stichkappen. Sakristei (im ehem. 
Turm) nördlich am Chor. Turm dem Chorhaupt vorgelegt. Zweimal abgestufte 
Strebepfeiler am Chor. 

Die Bemalung der Kirche vom Jahre 1899. 
Einrichtung. Hochaltar. Stattlicher Rokokoaufbau mit vier Säulen. Altarblatt neu. 

Guter Tabernakel mit Darstellung der Verkündigung in den Seitenteilen. (Der Altar 
stammt wohl aus der 1802 profanierten Franziskanerkirche in Kemnath. [Vgl. 
Ehrnthaller, S. 9]). 

Zwei Seitenaltäre bewegtes Rokoko mit Engelhermen. Altargemälde (das 
linke neu) und Seitenfiguren. Eingelegte Antependien. (Die beiden Altäre stammen 
lokaler Tradition zufolge aus der Kirche des Barbaraberges [B.-A. Eschenbach]. 
Vgl. Gg. Blössner, Die Äbte des oberpfölzischen Prämonstratenserklosters Speins- 
hart, Regensburg 1894, S. 72. — Für Barbaraberg arbeitete der Bildhauer Michael 
Luibl. [Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft I, B.-A. Roding, S. 74.] Die Ante- 
pendien gingen sicher aus der gleichen Werkstätte hervor wie die gleichartigen 
Antependien in Speinshart.) 

Kanzel einfaches,, gefälliges Rokoko. 

Beichtstühle und Orgel gleichfalls Rokokoarbeiten. (Die Beichtstühle 
stammen vom Barbaraberg, die Orgel aus der Franziskanerkirche zu Kemnath. 

[Ehrnthaller, S. 9.]) 

An der Südwand des Chores außen kleiner Grabstein. Inschrift: Adam H j 
vd Virich l\ll de got genad 1327, Granit. 30 : 30 cm. 
Geräte. Monstranz. Kupfer und Silber, teilvergoldet. Akanthuskranz um das Ge- 

häuse mit Christus, St. Anna, St. Germanus und Engelchen. Um 17 10. 

Kelch. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerkmotive mit Gittern und 
Blumenstücken. Ohne Marken. Um 1740. — Kelch. Silber, vergoldet. Gutes 
Rokokomuschelwerk. Beschauzeichen Augsburg mit Jahresbuchstaben V (17 71— 1773). 

Meistermarke oB '"^ Herz. 
Glocken. Glocken. Soweit zugänglich: i. Divall in Amberg 1796. — 2. Divall in Amberg. 



Erbendorf. 



»5 



EHEM. BEFESTIGTER FRIEDHOF. In einer Aufzeichnung Über den 
Brand von 1568 werden die abgebrannten zwei Türme und der iFriedhofumgang« ' 
erwähnt Die beiden Türme und der umgebende Graben waren noch 1880 zu 
sehen. (Mitteilung des Herrn Stadtpfarrers Maier.) 



KATH. LORETO-KAPELLE U. L. FRAU. Matrikel R., S. 418. — i 
j. Sparr£r, Die Loretokapelle zu Erbendorf, Kalender f. kath. Christen, Sulzbach, 1875, 
S. 66—68 (mit Abbild.) 

1745 — 1750 durch Pfarrer Joh. Michael Pfreimbter und den Gutsherrn Joh. 
Christoph von Weickmann auf Grötschenreuth (vgl. S. 28) erbaut. 1771 und 1796 
durch Brand zerstört. Zwischen 1844 und 1856 im gotischen Siil umgestaltet, 
(Sparrer a. a. O.) 

Modem gotischer Bau mit gleicher Einrichtung. 

Holzfigur des auferstandenen Heilandes. Bemalt. Um rsao. H. i m. 1 
(Erwähnt bei Niedermaver, Beilage zur Augsburger Postzeitung 1856, Nr. 141, 
S> 565.)- — Holzfigürchen St. Rupert, Dionys, Wolfgang und Emmeram. Barock. 
H. ca. 40 cm. 

Ziborium. Silber, teil vergoldet. Kupa mit Überfang. Laub- und Band- c 
werk mit Gittermotiven. Ohne Marken. — Kelch. Silber, vergoldet. Laub- und 



26 



X. B.-A. Kemnath. 



Bandwerkomament um 1740. Beschauzeichen E im Vierpaß. Meistermarke MM im 
Vierpaß. (Vgl. S. 46.) 
Kapelle. WINDISCHKAPELLE. Nach der Familie Windisch benannt (Vgl S. 13.) 

Malerisch an der Straße nach Reuth gelegen. (Fig. 11.) Kleine Barockkapelle mit 
einfachem Altärchen. 
Kreuzsteine. Nördlich und südlich vom Eingang je ein KREUZSTEIN. Beide stark 

eingesunken. 
Bildsäule. Auf dem Marktplatz BILDSÄULE mit Jahreszahl 77/0. Granit. Auf der 

Spitze des vierseitigen Pfeilers Statue der hl. Jungfrau mit Jesuskind. An den vier 
Seiten des Pfeilers Heiligenreliefs: St. Sebastian, Johannes v. Nepomuk, Antonius 
V. Padua und Michael. Handwerklich. H. ca. 4 m. 

Am Wirtshaus zum goldenen Adler schmiedeeiserner WIRTSSCHILD. 
Mehrfache Feuersbrünste (1568, 1686, 1771, 1796) haben den Bestand an 
älteren Häusern aufgezehrt. 
Kreuzsteine. An der Wegabzweigung nach Wetzldorf zwei KREUZSTEINE, von denen 

der eine die Jahreszahl 1681 trägt. 



FRIEDENFELS. 



VO. XV, 449; XXIV, 31; LIV, 188. — WiLTMAiSTER, S. 308. — Zech von 
LoBMiNG, S. 83. — Heinritz, Taschenbuch, S. 178. — Bavaria II, i, 488. — Sperl, 
S. 430. — Götz, S. 787. — A. Schmidt, Führer durch das Fichtelgebirge und den 
Steinwald, Wunsiedel 1904, S. 208 f. — Kreisarchiv Amberg, Landsassenakten 
Nr. 404 — 406. 
Kirche. KATH. KIRCHE MARIA EMPFÄNGNIS. Zur kath. Pfarrei Erbendorf. 

Matrikel R., S. 419. 

1787 Stiftung eines Benefiziums durch Max Cajetan Nothaft. (Matrikel R.) 
Kirche 1877 neugebaut. (Sulzbacher Kalender 1880, S. 84.) 

Einrichtung neu. 
Grabstein. Außeu am Chorhaupt Grabstein des Georg Rudolph Nothaft P'rhrn. von u. 

zu Weißenstein, geb. 14. Jan. 1660, f 28. Mai 17 14, und seiner Gemahlin Anna Sophie 
Barbara, geb. v. Sparneck, geb. 24. Oct. 1675, t 6- ^^^^ ^729. Quarz. Ehewappen. 
Geräte. Kelch. Kupfer und Silber. Sechspaßfuß und Vasennodus. Im Fuß Datum 

/öpj. — Kelch. Silber, vergoldet. Klassizistische Rosetten und Girlanden. 
Beschauzeichen Augsburg. Jahresbuchstabe A. (Der Stil ergibt für den Jahresbuch- 
staben 1 78 1 — 1 783. Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., 
S. 61.) Meistermarke ex 8. (Roseniberg, 365: Caspar Xaver Stipeldey.) 
Schloß. SCHLOSS. In einer Urkunde vom 8. November 1588 erwähnt Friedrich 

Sittig Nothaft das »Stein Wohnhaus«, das er zu Friedenfels erbaut habe. (Mitteilung 
des Hrn. Franz Nothaft Frhr. v. Weissenstein in St. Georgen.) Nachdem er 
161 7 ohne männliche Erben gestorben, wird sein Vetter Christoph Adam Nothaft 
zu Poppenreuth mit Friedenfels belehnt. Der Umfang des Gutes wird als »von 
Alters hergebracht« bezeichnet. (Reichsarchiv München, Nothaftsches Archiv, Fasz. 62, 
Nr. 1104. [Die Urkunde erwähnt, daß Friedrich Sittig 161 6 vermöge brüderlicher 
Erbteilung mit Friedenfels belehnt worden sei.]) 17 17 starb Johann Paul Nothaft 
als letzter der Weißensteiner Linie. Das Gut ging auf die Bodensteiner Linie über 
gegen die Ansprüche des Hauses Lobkowitz. Jetziger Besitzer Frhr. v. Gemmingen. 



i8i6 brannte das Schloß ab. Neubau wohl mit Benützung der Unifassungs- 
mauem und gewölbten Räume im Erdgeschoß. Über dem Eingang an der West- 
seite vom Boden. aufgehender Erker mit Wappen- und Maßwerkfries (Flg. 12). Der 



Fiiedufeli. Erk« 



Wappenfries zeigt wie an dem 1586 erbauten Thumsenreuther Erker den Stil der 
Renaissance, während der MaOwerkfries an der Spätgotik festhält. (Vgl. S. 77 u. Fig. 60.) 
Unter dem Schloß weitverzweigte, in den Felsen gehauene Keller aus der Erbauungszeit. 



38 X. B.-A. Kemnath. 

GÖPPMANNSBÜHL 

AM BERG. 

Edcisiix. ED EL SITZ. Destouches, Statistik, S. 164. — Heinritz, Taschenbuch, 

S. 141. — Bavaria II, i, 405, 525. — Stillfried u. Märcker, Monumenta Zollerana 
m, Nr. CLXVm; IV, Nr. CXLVIIL — Sperl, S. 426. 

Besitzer: im 14. Jahrhundert die Dandorfer; seit ca. 1470 die Streitberg; im 
17. Jahrhundert Rephun und Muffel v. Ermreuth; im 18. Jahrhundert Benkendorf und 
Flotow. Jetzt im Besitz des Hm. Majors v. Gernler. 

Ehemaliges Weiherhaus. Auf mäßiger Erhebung nördlich vom Dorf gelegen. 
Dreistöckiger, einfacher Bau. Am Portal doppeltes Paar von Ehewappen: i. Benken- 
dorf — Niklot 1723, — 2. Flotow — Benkendorf iy88. An der Hofeinfahrt Sandstein- 
wappen des Hans Christoph Muffel von Ermreuth und seiner Frau Barbara, geb. 
von Schimding mit Jahreszahl 1623. — An einem Nebengebäude Benkendorfwappen 
und 1776, 

GRÖTSCHENREUTH. 

Ehem. EHEM. EDELSITZ. MB. XXIXa, 515. — J. Gg. Lori, Sammlung des 

Edeisit«. baierischen Bergrechts, München 1764, S. 73. — Wiltmaister, S. 308. — Zech von 
LoBMiNG, S. 84. — Destouches, Statistik, S. 172. — Heinritz, Taschenbuch, S. 141. 
— Bavaria II, i, 487. — Sperl, S. 449. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. d. Nähere S. 10. — Desgleichen 
auf deren Kopien, vgl. S. 10. 

Besitzer: Auf die Steinhauser folgen von 1651 bis ins 19. Jahrhundert die 
Weickmann. 

Zweigeschossiger, oblonger Bau. Ganz einfach. Über der Türe Wappentafel 
mit Inschrift: Egidius Steinhauser vf Kretschenreuth vnd Fraunberg. Mechtild Stein- 
hauserin eine geborne von Freidenberg sein ehelich Hausfrau, 1611. Am Türsturz 1784, 
Auf einem Hügelvorsprung östlich über dem Dorf gelegen. 

GUTTENTHAU. 

Ehem. EHEM. EDELSITZ. VC. VIH, 304; XXVII, 431- — MB. XXXVIa, 421. 

Edeisit«. __ Wiltmaister, S. 308. — Zech von Lobming, S. 84. — Destouches, Statistik, 
S. 172. — Heinritz, Taschenbuch, S. 141. — Bavaria II, i, 525. 

Besitzer: Im 14. Jahrhundert die Zenger und Frankenberger, 1448 die Haide- 
naaber, seit 1650 die Lindenfels, 1706 die Spameck, 1727 Gravenreuth, seit 1760 
die Künsberg. Jetzt Bauernhof. 

Zweigeschossiger Bau des 18. Jahrhunderts mit Mansardendach. Ohne archi- 
tektonische Gliederung. Im Erdgeschoß profaniertes Oratorium. (Matrikel R., S. 406.) 

HAIDENAAB. 

VO. V, 419; LIII, 160. — Wiltmaister, S. 308. — Zech von Lobming, S. 84. — 
Destouches, Statistik, S. 173. — Heinritz, Taschenbuch, S. 139. — Stillfried und 
Märcker, Monumenta Zollerana III, Nr. CLXVIII. — Bavaria II, i, 525. — - Sperl, S. 406. 



Haidenaab. — Hohenhard. 



39 



KATH. KIRCHE ST. URSULA. Filiale zu Mockersdorf. Matrikel R., S. 406. 1 

Erbaut 1734 durch Georg Diller, Maurermeister von Amberg. Konkurrent 
Mathias Weber von Kemnath. (Kreisarchiv Amberg, Amt Waldeck, Fasz. 159, A. 327a.) 

Dreiseitig geschlossener, eingezogener Chor. Flachdecke. Turm südlich am 
Chor. Unten viereckig, oben achteckig mit Mansarden heim. Am Balkenwerk des 
Helmes die Jahreszahl ijgo. 

Drei Barockaltäre mit Säulen und gebrochenen Giebeln. Bilder und Seiten- 
iiguren. Der Hochaltar besitzt ein beachtenswertes Gemälde. 



EHEM. SCHLOSS. Die Herren von Haidenaab hatten hier ihren Stamm-i 
sitz. Ihnen folgten im 1 8. Jahrhundert die v. Schallem, v. Voithenberg, v, Stadler. 
Jetzt Bauernhof. 

Ehemaliges Weiherhaus. Sehr einfacher, kleiner Bau um 1700. 



HOHENHARD. 



KATH. KAPELLE ST. ANTONIUS V. PADUA. Zur Pfarrei Pullen- Kap. 11. 
reuth. Matrikel R., S. 408. 

Einsam unter Lindenbäumen auf weiter Flur gelegen. Über dem Eingang I77^- 

Dreiseitig geschlossener, eingezogener Chor mit Kappengewölbe. Flachgedecktes 
Schiff. Westlicher Kuppeldachreiter. Rokokoaltärchen. 

Bemalte Holzreliefs der Opferung Christi, eines Diakons und einer hl. Hoiiügm« 
Jungfrau. Um 1500. H. 60 cm. (Fig. 13 u. 14.) 



30 X. B.-A. Kemnith. 

HOPFAU. 

EHEM. HAMMERHAUS. VO. XVII, 155; UV, 186. — Jon. Gu. Low, 
""*■"" Sammlung des baJerischen Bergrechts, München 1864, S. 73. 

Miniaturaosichl auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10. — Desgleichen 
auf deren Kopien, vgl. S. 10. 

1387 ist Ruiger Heyer Hammermeister. Im 17. Jahrhundert die Münchmayr. 

Zweigeschossiger Bau mit polygonem Treppenturm an der südlichen Langseite. 
Gotisierende Fenstergewände, Spätzeil des 16. Jahrhunderts. (Ansicht Fig. 15.) 



KAIBITZ. 

EHEM. EDELSITZ. VO. XV, 13; XVII, 78, 307; LIV, 185. — Joh. 
Gg. Lori, Sammlung des baierischen Bergrechts, München 1764, S. 74. — Zech 
VON LoBMiNG, S. 86. — Uestolches, Statistik, S, 173. — Heinritz, Taschenbuch, 
S. 141. — Ehrnthaller, Kemnath, S. 51—54- — Bavaria H, i, 515. — Sperl, 

s. 38s f- 

Als Besitzer des leuchtenbergischen Lehens werden genannt: bis 1598 die 
Löneysen; im 17. Jahrhundert die Dietz, welche 1646 an Joh. Abel Mosen verkaufen; 
im 18. Jahrhundert Macolin, Haberlandt, Puseck, Lochner v. Hütienbach, denen im 
19. Jahrhundert die Hirschberg und Künsbcrg folgen. 

Hufeisenförmige Weiherhausanlage. Her Haupitrakt dreigeschossig mit Man- 
sardendach, die Seiienfliige! zweigeschossig. Trotz Fehlens weilerer architektonischer 



Kaibitz. — Kasll. 



Fif. ■}. Hoptau. ADiichl du ehEm. HunmErhUHi. 

Gliederung wirkungsvoller Bau. Über dem Portal Inschrift: Christian Adam Lochner 
ivn Hüitenbach und Amalia Lochntrin von Hüttenbach gebortte Gräfin von Holnstein 
aus Baiern Tjgs. Im Obergeschoß des Hauptflügels Hauskapelle. Altärchen 
in Weiß und Gold; Mischung von Rokoko und Klassizismus. Gut. In zwei Sälen 
klassizistische Ofen mit gelber Glasur. 

Außerhalb des Ortes gegen Osten kleine MARIENKAPELLE. {Vgl. über k*p 
sie Ehrnthallek, S. 53.) 

KASTL. 

VO. VIU, 304, 306; XVI, 35 ; XXV, 41, 94 ff-, loj, 107. 124; XXXIX, ai4f.; 
LUX, 161 ; LV, 67, 139. — MB. XXVII, 96; XXXVIa, 421, 598, 600. — Reg.Boic. II, 
354; IV, 206; V, 203; IX, 318. — Zimmermann, Kalender V, 189. — Ehrnthalleb, 
Kemnath, S. 54 — 59. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 205, 277. — Quellen und Erörte- 
rungen VI, 20O. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. MARGARETHA. Matrikel R., S. 402- Pf" 
1374 dem Kloster Speinshart inkorporiert. (VO. XXV, 41. — Janner II, 90; 
UI. 259i 407-) Über dem Westportal Bauinschrift: m" cccc guin^ua-^V) (= 1450). 
An der Nordseite des Turmes im zweiten Geschoß Steintafel; Inschrift: her Gorg 



32 X. B.-A. Kcmnaib. 

. " Sparenberger Pfarrer ht. (Flg. i6.) Wap- 

pen der Sparaberg und Kotzau. (Pfarrer 
Georg Sparoberger starb 1498. Vgl. 
seinen Grabstein S. 37.) Am Turm 
Restaurationsdaten ijSj und tjgs- (^as 
weitere Datum 14J7 unecht.) 

Baubeschreibung. Die Pfarr- 
kirche (Ostansicht Tafel II, Innenansicht 
gegen Westen Fig. 20. — Grundriß Tig. 1 7. 
— Längsschnitt Fig. 18. — Querschnitt 
Fig. .6 K»..i. srifio,i.«hrif. ^ Pf«Tki«:h«.üm.. F'g- 19- " DctaÜs Fig. 3\ u. a») ist eine 
dreischiffige, gewölbte Hallenanlage mit 
einschiffigem Chor. Achse von Chor und Schiff verschoben. Der eingezogetie Chor 
besitzt drei Langjoche und Schluß in drei .Achteckseiten. Das Langhaus hat vier 
Joche. Nördlich vom Chor die Sakristei. Nördlich am Langhaus (am zweiten Joch 
von Osten) der Turm. Südlich vom ersten und zweiten Joch des Langhauses 
springen zwei rechteckige Kapellen aus. Im Langhaus ruhen die Gewölbe auf 
Rundpfeilern, welche die drei Schiffe trennen, und auf den Umfassungsmauern, im 
Chor auf den Umfassungsmauern. Die Gewölbe sind im Chor und Mittelschiff des 
Langhauses Netzgewölbe, ebenso in den zwei Kapellen an der Südseite des Lang- 
hauses; in den Seitenschiffen Kreuzgewölbe. Einfache Hohlrippen. Im Chor an den 
Schnittpunkten der Rippen kleine Tellerchen, im Schluß Tellerstein mit Wappen 
der Sparaberg. Im Langhaus in samtlichen Jochen als Schlußstein abgerundeter 
Schild, mehrfach mit dem Wappen der Spamberg. In den ausspringenden Kapellen 



Tartschenschild mit dem Wappen der Ochs (in der östlichen Kapelle) und der 
Sparaberg (in der wesüichen KapeUe). (Fig. ii.) Die Gewölberippen des Chores 
rahen auf profilierten Wandkonsolen, im Langbaus entwachsen sie den Pfeilern bzw. 
Umfassungsmauern ohne Vermittlung. 



KmÜ. 33 

Im Westjoch der drei Langhausschiffe eine unterwölbte Empore, zu der im Pf«r 
südlichen Nebenschiff eine steinerne Treppe führt. Unterwölbung als Rippenkreuz- ' 
gewölbe gebildet. Im Mitteljoch als SchluQstein ein Schild. Die Empore ist mit 
einer steinernen Maßwerkbrüstung 
versehen. {Fig. so.) Die Brüstung 
im Mittelschiff wurde in der Barock- 
zeit entfernt und durch eine aus- 
gebauchte Holzbalustrade ersetzt. 
In neuerer Zeit kamen jedoch die 
in der Friedhofmauer befindlichen 
ursprünglichen Maßwerkstücke wieder 
an ihre alte Stelle. (Mitteilung des 
Pfarramtes.) Die Empore ist woh! 
als Altar- und Herrschaftsempore zu- 
gleich anzusprechen. Eine Früh- 
messe bestand schon im 15. Jahr- 
hundert. (Matrikel R., S. 402.) 

Fenster modern spitzbogig; am j 

Chor außen rundbogig (ursprünglich s 

spitzbogig und höher). J 

Das Portal an der Westseite * 

spitzbogig mit Stäben und Kehlen "" 

profiliert. An der Nordseite westlich J 

am Turm vermauerter lundbogiger |^ 

Eingang. ^ 

Außen am Chor Sockel mit _j 

Kehlung, Kaffgesims. Langhaus ohne 3 

Sockel und Gesimse. Turm vier- ^ 

geschossig. Schragsockel und Gurt- ^ 

gesimse. Schallöffnungen gekuppelt. ■* 

(Fig. 22.) Kuppeldach mit Laterne 
von 1787. 

An der Südseite des I^ng- 
hauses neben den Kapellen verwitter- 
tes Konsolchen mit figürlichemTräger. 
14. Jahrhundert. (?) 

Baugeschichtliche Ana- B«ue 

lyse. Der ältere Teil der Kirche " ' 

ist nach Ausweis des Baubefundes 
der Chor mit den anschließenden 
Stimmaue m der Schiffe. Daran 
schloß sich ein jedenfalls einschiffiges 
l.anghaus, dessen Achse schon da- 
mals der Chorachse gegenüber ver- 
schoben war. Der Verlauf der Mauern ist in der Sakristei wie in dem gegenüber- 
liegenden südlichen Requisitenraum deutlich zu sehen. Bei der Erweiterung des 
Langhauses zu drei Schiffen blieb sogar der Sockel, der ursprünglich Chor und 
Langhaus umlief, in den Ecken zwischen Chor und Langhaus und am Zusammenstoß 



34 X- B'-A. Kemnath. 

ifch«. der alten und neuen Stirnmauer bestehen. (Vgl, Grundriß Fig. 17.) Der Umstand, 
chicht- daß der Chor Sockel und Kaffgesims besitzt, welche beide beim Langhaus fehlen, 
läßt vermuten, daß zwischen der Erbauung beider eine größere Zwischenzeit besteht 
Es ist nicht unmöglich, daß der Chor in den Umfassungsmauem dem 14. Jahr- 
hundert angehört. Die Einwölbung mit Netzgewölben geschah aber sicher erst 



ng. ig. Kull. Qucnchol« da Pbrtkitctic. 

im 15. Jahrhundert, vielleicht gleichzeitig mit der Wölbung des Langhauses, wofür 
die stilistischen Details und das Sparabergwappen im Schluß sprechen. {Anläßlich 
von Bauarbeiten im Sommer 1907 wurden Fundamente einer ehemaligen Westmauer 
im dritten Joch des Langhauses [von Osten) gefunden, femer an der Südseite ein 
vermauerter gotischer Eingang unmittelbar neben den Kapellen gegen Westen.) 

Um Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte durch Konrad von Spamberg auf 
Woiframshof und seine Gemahlin Anna Ochs der Erweiterungsbau des Langhauses. 



36 X. B.-A. Kemnitli. 

pfiirkirchc. Gegen Süden wurden zwei Kapellen angefügt, gegen Norden die Seitenwand 

BmjcKhichi- weiter hinausgerückt. Gegen Westen fand jedenfalls eine Verlängerung statt. Die 

Wölbung, sowie die Erbauung der Westempore gebort wohl dieser Zeit an. Daher 



iimili 



PPCN 






SEITENSOHiFF 




allenthalben das Spamberg- bzw. Ochswappen. (Konrad Sparnberger erscheint 1430 
auf dem Sitz zu Wolframshof. [Reichsarchiv München, Leuchlenberger Lehenbuch Nr. 6, 
fol, 71.] Er stirbt um 1454. [Ebenda fol. 31z.] Seine Gemahlin Anna [genannt 
fo!, 31a] war nach Ausweis der Stifierwappen und des Grabsteins für ihren Sohn 
Lorenz [vgl. Fig. 24] eine geb. Ochs. — Vgl, auch S. 96.) 



Der mit dem Langhaus bündige Turm wurde mit diesem angelegt, erlebte Pfarr: 
aber den Ausbau erst unter dem Pfarrer Georg Sparnberger (f 1498), dem Sohne ^"v 
der Obigen, wie die Inschrifttafel am Turm ausweist. Für die eigenartige Stellung 



desselben besteht keine Erklärung. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die Ein- 
wölbung der Kirche erst unter Georg Sparnberger zur Vollendung kam. 

Die Sakristei Anbau des 17. Jahrhundert. 

Ausstattung. Modern gotisch. 



X. B -A. Kemnath. 



Taufstein, Granit mit Rokokomuschel werk. 

Stuhlwangeo. Derbes Barock um 1720. Brüstungswand des vordersten Stuhles 
rechts mit Herme npjlastem und gebrochenem Rahmenwerk. Spätes 17. Jahrhundert. 



Gratmein du Lonnt Spirnberjer, t '510, «n der Pfwrkirche. 

Über dem Westportal in modemer Nische Steinfigur des hl. Donatus. 18. Jahr- 
hundert. Gut. H. ca. 1,50 ra. 

Hinter dem Altar der Spamberg- bzw. Lindenfelskapelle Grabdenkmal. 
Inschrift: j4n»ti ißSy den 22. Juni in der nacht zwischen 11 und 12 Uhr verschied 
in Gott die Edel und ehren Tugendhafte Fraw Martha von Spamberg eine geborene 
von Truppach, ihres allers ji. Die andern Hausfraw Maria Salome von Spamberg 



Kastl. — Kemnath. 



39 



geborne von Rufstorff starb i6 j I f. Relief der Auferstehung Christi. 1 6 Wappen. Pfarrkirche. 
Das Denkmal ist durch den Altar verdeckt und zurzeit unzugänglich. (Die In- Grabsteine. 
Schrift verdanken wir Herrn Baron Ludwig von Lindenfels auf Wolframshof.) 

An der westlichen Turmwand außen Grabstein. (Fig. 23.) Umschrift: Aho ' 
dornt • m • cccclxxxxvtn • in • die • (con) versionis • pavli • Exvit • qvam • indvit • georgivs • 
Pastor • istic ■ Sparnberger • vestem - ade • hie • iacet • in pace, Flachrelief des Ver- 
storbenen in ganzer Figur, mit Kelch und priesterlichen Gewändern, Zu Füßen das 
Spambergwappen. Gute Arbeit. Quarz. H. 2,40 m, Br. 1,40 m. Mehrfach abgetreten. 
(Befand sich früher im Chor der Kirche.) (Georg Sparnberger besuchte seit 1447 
die Universität Heidelberg und erwarb sich daselbst 1449 ^^^ Grad eines baccalaurius 
artium. [Gustav Trepke, Die Matrikeln der Universität Heidelberg von 1386 bis 
1662, Heidelberg I (1884), 253.]) 

Daneben ander Mauer des Kirchenschiffes Grabstein. (Fig. 24.) Umschrift 
in gotischen Minuskeln : ano • dhi • m • ccccc • x • am • freitag • Ivcie • starb • der • edel • 
vnd vest • lorenz • sparnberger • vo • wolfartzhof • de - got - gäd. Im Feld vier Wappen : 
oben Ochs und Groß, unten Spamberg und Kotzau. Quarz. H. 1,90, Br. 1,05 m. 
(Über Lorenz Spamberger, den Bmder des Pfarrers Georg, vgl. Reichsarchiv München, 
Leuchtenberger Lehenbuch Nr. 6, fol. 312; Nr. 8, fol. 496.) 

Ebenda Grabstein der Maria Barbara Theresia von Windisch, geb. v. Schepper, 
f 6. Juli 1758. (Mutter des Schnitzers Sigmund Windisch, vgl. S. 13.) 

Die ehemalige FRIEDHOFKAPELLE in der Südostecke des Friedhofes Kapellen, 
profaniert und bewohnt. Mauerwerk noch mittelalterlich. (Vgl. Tafel IL) 

Die KAPELLE ST. WOLFGANG (VO. XXV, 102), in der Nordostecke 
des Friedhofes gelegen, steht nicht mehr. 

Vom ehemals BEFESTIGTEN FRIEDHOF hat sich die Umfassungs- Befestigter 
mauer in geringer Höhe erhalten. (Tafel II.) Gegen Osten eine Maulscharte. Friedhof. 
(Fig. 24.) 

Die beiden KAPELLEN St. Anna und St. Donatus außerhalb des Dorfes 1804 Kapellen, 
demoliert. (Ehrnthaller, S. 56 f.) 

KEMNATH. 

VO. VIU, 304; Xm, 112, 137; XV, 48, 107, 123; XVn, 104; XVIII, 156; Literatur. 

XIX, 173; XXII, 163, 203; XXIU, 379 f.; XXV, 64, 91; XXXIU, 41; U.U, 161 f.; 
LV, 139. — MB. IV, 342; VI, 105, 419; Vin, 205; XI, 47, 93, 94, XXXVIa, 421. — 
Reg. Boic. I, 61 ; IV, 658; V, 124; X, 268; XII, 83, 375 ; XIII, 333. — Paul Zeidler, 
Insignia urbium et vicorum superioris palatinatus electoralis in Bavaria, carminis 
genere diverso descripta, Regensburg 1585. — Matthäus Merian, Topographia 
Bavariae, 1644, S. 5, 27. — Theatri Europaei Continuatio III, .... durch Henricum 
Oräum Assenhaimiatem, Frankfurt 1644, S. 185. — M. Zacharias Theobaldus Junior, 
Caspari Bruschii redivivi. Gründliche Beschreibung des Fichtel-Berges, Nürnberg 
1683, S. 4 f. — Anton Wilhelm Ertel, Des Chur-Bayeri sehen Atlantis Erster Theil, 
Nürnberg 1705, S. 91. — Zimmermann, Kalender V, 179. — Wiltmaister, S. 311. — 
Geographisch Statistisch-Topographisches Lexikon von Bayern, Ulm II (1796), 33. — 
Destouches, Statistik, S. 166 f. — Lipowsky, Nazional Garde-Jahrbuch für das König- 
reich Baiem 181 5, S. 155. — Fink, Die geöflfneten Archive, Bamberg 1822/23, 
2. Jahrg., Heft 6, S. 157 flf. — Karl Hohn, Atlas von Bayern, Nürnberg 1840, IV, 28 f. — 



40 X. B.-A. Kemoath. 

. Sigmund Ehrnthaller, Die Stadt Kemnath, Kemnath 1857, — Pleickhard Stumpf, 
S. 480 f. ■ — Bavaria 11, i, 523 ff. — Janner 1, 449. — Quellen und Erörte- 
rungen VI, 300, — Heinrich Gbadl, Die Chroniken der Stadt Eger, Prag 1884, 
Nr, 403, 1028, 1029. ^ JOH.LüosHORN, Geschichte des Bistums Bamberg, München I 
(1886), 14a. — Heinrich Gradl, Geschichte des Egerlandes (bis 1437), Prag 1893, 
S. 49, 314, 315, 397. — B. Beck, Geschichte des Eisens, Braunschweig II (1893 — 95), 
689. — Koch 11. Wille I, Nr. 4230 — 4232, 6764. — Doeberl, Markgrafschaft, 
S. 47. — Cornelius Will, Die Einnahme von Stadt-Kemnath am iz. Mürz 1634, 
VO. XLVII, (1895), 1^32. ^ Fr. Lippert, Geschichte der Gegenreformation 
der Ober-Kurpfalz, Freiburg i. Br. 1901, S, 92 ff. — Bayerhind XIV (1903), 617 fF, — 



Götz, S. 784 f. — Mathias Högl, Die Bekehrung der Oberpfalz durch Kurfürst 
Maximilian, Regensburg I (1903), 33, 69 f.; II, iia. — Karl Staudinger, Geschichte 
des kurbayerischen Heeres, München I {1901), 204, 243 ; II (1904/05), 592, 61 1, 836, — 
Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft II, B.-A. Neunburg v. Wald, S. 7. 

Ansicht auf Karte Nr. 3277, vgl, das Nähere S. 10. (Fig. 25). — Stich bei 
Merian, Topographia Bavariae, 1644, (Fig, 36.) — Ansicht bei Ertel, Chur- Bayerischer 
Atlas, 1705, 

KATH. PFARRKIRCHE MARIA HIMMELFAHRT. Matrikel R., 
S. 411 — 412. — Ehrnthallkr, S. 4—8, 

Geschichtliches. Über dem Portal zum nördlichen Seitenschiff Bauin- 
schrift: Anno ■ d ■ M cccc ■ xlvtii {^= 1448), An der Brüstung der Westempore : 1506. 

1556 Einführung des protestantischen Kultus. 1626 Wiedereinführung des 
katholischen Kultus. (Ehrnthaller, S. 4.) 

Beim Stadtbrand von 1572 litt auch die Kirche Schaden, doch blieb die Wölbung 
nach Ausweis des heutigen Bestandes unversehrt. (Vgl. Ehrnthaller, S. 5 und 27.) 
i66q wird eine größere Reparatur gemeldet. (Ehrnthaller, S. 4 f.) 1848 wird der 



baufällig gewordene Turm abgetragen. 
Vollendung des neuen 1854. {Ehrn- 
THALLER, S. 3.) 1893 Restauration des 
Kirchen Innern. 

Baubeschreibung. (Grundriß 
Fig. 27. — Detail Fig. z8, — Innenansicht 
gegen Westen Tafel III.) Dreischiffige 
Hallenkirche, dreiseitig geschlossen ohne 
ausgeschiedenen Chor. In jedem Schiff 
sechs Joche. In den Seitenschiffen erleidet 
das östlichste durch den Schluß einen 
entsprechenden Abschnitt An das zweite 
Joch des südlichen Nebenschiffes von Osten 
schließt sich ein schmaler, kapellenaitiger 
Ausbau gegen Süden an und an diesen 
der Turm, der zugleich als Stadtturm dient. 
(Im Untergeschoß Durchfahrt,} Sakristei 
in gleicher Richtung nördlich der Kirche. 

Die Rippenkreuzgewölbe der drei 
Schiffe ruhen auf fiinf Paar Rundpfeilera 
und eben so vielen eingezogenen Wand- 
pfeilem. Die Rippen entwachsen den Pfei- 
lern ohne Vermittlung. Spitze, gefaste 
Scheidbögen. Die Schlußsteine durch- 
gehends platte Tellersteine, nur im nörd- 
lichen Nebenschiff finden sich zwei Tart- 
schenschilde, eine Rosette und ein Dreipaß. 

Im Westjoch der drei Schiffe unter- 
wölbte Empore, zu der von den Seiten- 
schiffen zwei steinerne Treppen führen. 
Unterwölbung durch drei Rippenkreuz- 
gewölbe. Schlußsteine : In der Mitte Schild, 
rechts glatter Tellerstein, links Rosette. 
Die steinerne Itrüstung beleben M aß werk - 
und Schildfelder. (Tafel HI.) 

Fenster spitzbogig, ohne Maßwerk, 
mit glatten Gewänden. 

Der Wandpfeiler zwischen dem zwei- 
ten und dritten Joch (von Osten) im süd- 
lichen Seitenschiff zeigt in der Höhe von 
ca. 2,5 m einen tiefen horizontalen Absatz, 
auf dem die Ansätze eines ehemals darauf 
befindlichen großen Steinbildwerkes erhalten 
sind. (Vgl. Tafel UI, Ecke links.) Gegen 
den Gewölbeanfang schließt der Pfeiler 
mit profiliertem Gesims und abgefasten 
Kanten. Anhaltspunkte für nähere Be- 
stimmung fehlen. 



42 



X. B.-A. Kemnath. 



Pfarrkirche. Zwei spitzbogigc Portale mit profilierten Gewänden führen an der Westseite 

in die beiden Nebenschiffe, ein gleiches neben der Sakristei ins nördliche Neben- 
schiff. Außerdem Kaffgesims und Sockel teilweise erhalten. 

Kunstgeschichtliche Würdigung. Die äußere Erscheinung der Kirche 
hat unter mehrfachen baulichen Restaurationen wesentlich gelitten. Dagegen bietet 
das Innere als Raumschöpfung beachtenswerte Vorzüge, namentlich die malerisch 
reizvolle Gestaltung der Westpartie mit ihrer gemauerten Empore. Hallenkirchen 




DURCM FAHRT 



Fig. 37. Kemnath. Grundriß der Pfarrkirche. 



finden sich, von Kastl abgesehen, auch nördlich von Kemnath wiederholt, so in 

Ludwigschorgast, Marktschorgast, Kupferberg, Redwitz. (Vgl. Gg. Dehio, Handbuch 

der deutschen Kunstdenkmäler, Bd. I, Mitteldeutschland, S. 187, 197, 259.) Ob und 

welcher Zusammenhang unter diesen Bauten besteht, müssen weitere Forschungen 

zeigen. 

Gewölbe- Gelegentlich der jüngsten Restauration wurden mehrfache Reste der ursprüng- 

bemaiung. jj^^jj^jj spätgotischen Gewölbebemalung (Rankenwerk) aufgefunden und teilweise 

wieder hergestellt. 

Altäre. Hochaltar. 1739 durch den Schreinermeister Johann Ekhmann gefertigt, 

durch den Maler Anton Wild gefaßt. (Ehrnthaller, S. 6.) Baldachinartiger Aufbau 



Kcmnalh. 



43 



mit sechs Säulen. I,aub- und Bandwerkomament. Altarbild Maria Himmelfahrt Pf«r(i 
(19. Jahrhundert.) Zu Seiten desselben holzgeschnitzte Heiligeniehefs in Medaillon- 
form. (Über Ekhmann vgl. S. ii.) 

Zu Seiten des Hochaltars zwei Seitenaltäre. 1694 bzw. 1695 errichtet. Man. 
(Ehrnthaller, S. 5 f) Gedrehte Säulen. Geschweifte und gebrochene Giebel. Im 
oberen Auszug je vier Säulchen. Am südlichen Holzfigur St. Anna Selbdritt, 
ara nördlichen Glasschrein mit den Reliquien des hl. Primian. (Über deren Ge- 
schichte vgl. Ehrnthallek, S. 5, — Abb. einer Weihemünze, Mitteilungen des 
Klubs der Münz- und Medaillen freunde in Wien, 1898, Nr. 93, S. 277.) 



H. DtR tMPORC 




PORTAL 
AN DER 

NORDsen 



Fig. 5 



Kemnalh. DetalLi i 



Seitenaltäre St. Sebastian und I-aurentius. 1690 konsekriert. (Ehrnthaller, 
S, 5,) Renaissancebauten um 1650 mit kannelierten Säulen, reichem Gebälk und 
gebrochenen Giebeln. (Fig. 29.) Altarbilder. Das am Sebastiansaltar Kopie des Altar- 
blattes von Hans von Aachen in der Sebastianskapelle der Michaelskirche in München. 
(Vgl. Kunstdenkmale von Oberbayem P, 1035.) 

Im nördlichen Seitenschiff Altar der schmerzhaften Mutter Gottes. 
(Fig. 30.) Effektvolles Barockwerk, mit dem dahinter befindlichen Fenster zusammen- 
komponiert. GroOe Kreuzigungsgruppe mit Johannes und Magdalena. (Soll aus 
der säkularisierten Franziskanerkirche stammen. [?) Vgl. Ehrnthaller, S. 5.) Gegen- 
über im südlichen Seitenschiff Altar des hl. Johannes von Nepomuk. Ro- 
kokomuschelwerk mit zwei Säulen. Altarbild. 

Kanzel und Orgel modern. (Vgl. zur Geschichte der älteren Kanzel und Eim 
Orgel Ehrnthaller, S. 6.) 

Taufstein neu. (Über den älteren Ehrnthaller, S. 6.) 

Kirchenstühle. Wangen mit Rokoko muschel werk. Etwas derb. 1753 
durch Schrein erme ister Johann Ekbraann gefertigt. (Ehrnthaller, S. 6.) 

Unter der Empore eiserne Abschlußgitter. Bestandteile des 17. und 
18. Jahrhunderts. 



44 ^- B.'A. Kemnalh. 

Grabsteine: i. Am Pfeiler beim I^urentiusaltar Epitaph. Inschrift: 
■ Aam> IJ7J venchid in Gott am Sonntag ESTO M/CHI senchlUh (!) der edle vnd 

Ernveste Christoff von Travtlen- 
berg Sein erste Hausfraw seliger 
war margareta ein Gebome von 
Kotzaw die ander so er -witbe ver- 
lassen Katarina ein Gebore vh 
Hirsperg Gott der Allmechtige ver- 
leihe Inne Ein frötiche vfferstevng. 
Auf ornamentierten Pilastern Auf- 
satz mit Volutengiebel. Im Feld 
kniet der Ritter betend vor dem 
Kreuze. Wappen der Trautenberg, 
Kotzau und Hirschberg. (Fig. 31.) 
Handwerkliche Schöpfung, mehr- 
fach verletzt. Spuren ehemaliger 
Bemal ung. Der Sockel fehlt, 
Sandstein. H. 2,7 m, Br. 1,35 m. 

— 2. Georg Joh. v. Rupprecht 
V. Kraspach und Pruck, Geistl. 
Rat und Dekan in Kemnath, 
t 3. Mai 1782, 6q Jahre alt. Kalk- 
stein mit Wappen. — 3. Franz 
Joseph Lothar Frhr. von Weickhl, 
Fähnrich im cCanoischen Regi- 
ment.', f 22. April 1734, i:^ Jahre 
alt. Quarz mit Wappen. — 3. Fran- 
ziska Josepha v. Zetwitz, geb. 
V. Bienau, Frau auf Schönreuth 
und Troglau, Witwe des Christoph 
Frdmann v. Zetwitz, f 2. April 
1734, 63 Jahre alt. Sandslein mit 
Ehewappen. (Samtliche Inschriften 
bei Khrnthallrb, S. 7.) 

Glocken, i. Umschrift : 
GOT SEI LOB IN DER HOEi^) 
FRID AVE ERDEN DEN 
MENSCHEN DI EINS G VE- 
TEN WILLENS SENi^) OREX 
GLORIE VENI CVM FACE 
HANS STAIN MDLXXIII. — 
HAINRICH RODER SPIST. 

— EAVLFS KRAVS CHRI- 

fig. .,. KcnDith- S.. S«ba«i>u.«ll« in d« Pfankifch... STOF FRAVHOLZ B J R. 

Zinnen- und Renaissancelaubfries. 
Am Rand des Mantels zartes Renaissancefries. Am Mantel zweimal Wappen von 
Kurpfalz und Kemnath. Dchm. 1,40 m. — 2. Umschrift: GOT SEI LOL 
MDLXXIII fVAR IC ff GEMACHT IN DER ZEIT DER NOT DAS £ INT 



DEN VATER LERNT DIE GEPOT HER GOT BBWAR VNS IN ALLER i 
NOT HANS STA/N AVE MARIA GRACIA PLENA ■ PAVLS KROVS ■ < 
Z ■ P- C FRAVNH. Dchm. 1,15 m. {Hans Stain war Bürger in Amberg. Kreis- 



archiv Amberg, Rep. 25, A. 3764. Er wird des Kurfürsten Meister genannt. .Vgl. 
über ihn S. 19 u. S. 65.) — 3. In der Nähe nicht zugängHch. Nach Ehrnthaller (S. 8) 
mit der Jahreszahl 1573 und der Inschrift: »Lobet Gott den Herrn«, femer den 
Namen Paulus Kraus und Weiß (?) versehen. Jedenfalls von Hans Stain gegossen. ^ 



46 X. B.-A. Kemnath. 

irrkirche. 4. Umschrift in Minuskeln. Spitzbogen fri es. Nicht zugänglich. Inschrift nach Ehrn- 
Giocken. THALLER: Avc Maria, gratia pUna und /J"^/. Wohl identisch mit der 1572 nach 
dem Brande von Kemnath aus Kloster Michelfeld dorthin geliehenen und 1603 
käuflich erworbenen Glocke. (Kreisarchiv Amberg, Rep. 25, A. 3764.) 



Epiaph d« Chri«oph von Trauttnbtrg, f '575. in d« Pfirrkirehf. 

G«i». Monstranz. Silber, teil vergoldet. Wirkungsvolle Rokokoformen. Um die 

Lunula Gott Vater unter Baldachin, Maria, Joseph und Anna. Marken: HM im 
Oval, 1756 und K im Vierpaß. 

Kelche, i- Silber, teil vergoldet. Breiter Akanthus mit Tulpen. Kupa mit 
Silberüberfang, woran Engelköpfchen. Um 1680. Marke: HJB im Queroval. (Wenn 
Beschau zeichen Augsburg zu ergänzen, Hans Jacob Ernst, f 1 703. Rosknberg, 288.) — 



kirche. 



Kemnath. ^y 

2. Silber, vergoldet. Reiche Treibarbeit. An Fuß und Kupa Putten mit Leidens- Pfarrkirche. 
Werkzeugen und Heiligenmedaillons. Um 1725. Marken: K in gestürztem Schild Geräte, 
und OZ im Herz. — 3. Silber, teilvergoldet. Am Fuß Engelköpfchen, Medaillon 
mit Salvator mundi und Stifterwappen. An der Kupa Medaillons in Silber : Christus 
an der Geißelsäule, Christus mit Ruten und Geißeln, Christus, das Kreuz tragend. 
Laub- und Bandwerkomamente. Stifter: Joh. Paul Weiß, Vierherr in Augsburg, 1736. 
Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke: Lamm mit Fahne. (?) — 4. Silber, ver- 
goldet. Rokokomuschel werk. Marken: MW in kombiniertem Doppeloval und Löwe (?), 
schreitend, im Schild. 

Opferkännchen. Silber. Barockformen. Marken: K in stehendem Oval 
und FMK im Queroval. — Desgleichen. Silber. Klassizistische Ornamente. Ohne 
Marken. 

Rauchfaß mit Schiffchen. Silber. Rokokoformen. Marken: K im Vier- 
paß (?) und ^^ im Dreipaß. 

Sechs Leuchter. Messing, versilbert. Reiche Akanthusranken und Engel- 
köpfchen. Um 17 IG. Gut. 

Vor dem Altar der schmerzhaften Mutter Gottes Lampe in Herzform von 
zwei Schwertern durchbohrt. Um 1730. 

KATH. FRIEDHOFKIRCHE ST. MARIA MAGDALENA. MatrikelR., Friedhof- 
S. 412. — Zimmermann, S. 181. 

1558 wurde der Gottesacker außer die Stadt verlegt laut Inschrift an der 
Kirchenmauer. 

Über dem Südportal Bauinschrift: Dieses Wercks Paumeister Gabriel Vischer, 
Darüber unterhalb des Dachgesimses Meisterinschrift: Diese Kirchen Ist Durch M: 
Sewolt Seitzen gemacht worden Anno Christi: 
1604, Mit Meisterzeichen. (Fig. 32.) 

In drei Seiten unregelmäßig geschlos- 
sen, ohne Choreinziehung. Südliche Schiff- 
wand zu vier Fensterachsen. Chorfenster 
spitzbogig mit Maßwerk. Langhausfenster 
teils spitz-, teils rundbogig, wohl ursprünglich ,...^ ^^ Kemnath. 

schon ohne Maßwerk. Spitzbogiges Portal Meiste«cichcn an der Fncdhofkirchc. 

in der Mitte der Südseite mit profiliertem 

Gewände. Ringsum Kaffgesims, das über dem Südportal emporsteigt. Ostlicher 

Kuppeldachreiter. (Ansicht Fig. 33.) 

Holzgetäfel. Bez. 1606, Rechteckfelder und profilierte Leisten. Mit Beschläg- 
omamenten bemalt. Einfach. 

Altar um 1750. Vier Säulen. Holzgeschnitzte Gruppe der Pietä. Einrichtung. 

Vor dem Altar Holzgitter mit Rokokoaufsatz. 

An der Westseite Olberg. Holzfiguren der Barockzeit. 

In den Fenstern südlich und nördlich vom Altar gemalte Wappen tafeln in Wappenscheiben 
Renaissanceädikulen. Südlich Wappen der Marschalk von Ebnet mit Inschrift: 
Amaly Notthafftin von weissenstein gebome Marschalkin von Ebnete anitz zu Kemnatt 
hatt diese zwey Fenster zur gedechtnus machen lassen 1606, Daneben Wappen der 
Vestenberg, Nördlich Nothaftwappen. Inschrift verkehrt eingesetzt. H. der Tafeln 
ca. 25 cm. Im nördlichen Emporfenster zwei Kabinettscheiben mit Porträt- 
köpfen. 




X. B.-A. KcniDkth. 



yif- 33- KcrODilh. Anuchl der Fiicdhofkiiche van OMcd. 

Grabsteine. Im Chor. i. Renaissanceädikula mit Relief der Auferstehung 
Christi. Darunter Doppelsockcl : oben der betende Stifter in bürgerlicher Ge- 
wandung und zerstörte Inschrift, unten unbekanntes Ehewappen. Sandstein. Hand- 
werklich. H. 2,00 m, Br. 0,95 m, — 2. Dorothea Weissin, f 22. Aug. 1590, 
i'/a Jahre alt. 8 Wappen. — 3, Melchior Marckhardt, Sladtschreiber zu Kemnath, 
f 15. Nov. 1577 und seine Ehefrau Ursula, — Im Schiff. 4. Mathes Reicholt, 
Bürgermeister zu Kemnath, f 27. April 1588. Magdalena Reicholt, geb. Tolhopfin, 
f I. Jan. 1572. Vor dem Kruzifix knien die sieben Töchter des Ehepaares. Kalk- 
stein. Handwerklich. — 5. Joh. Georg v. Stadler, Herr aut Haidenaab, geb. 
31. Juli 1701, t I. Dez. 1763. Kalkstein mit Wappen. (Die ganze Inschrift bei 
Ehrnthaller, S. 10.) — 6. .\m Nordportal links. Johann Michael Pelhamer, 
Gerichts- und Kastenamtsgegen schreib er zu Kemnath. Inschrift: 

Da ich Hier Sechs vnd dreißig Jahr 

in Krieg vnd Frid Grichtschreiber war 

Hab ans Lelzl Gricht im schreiben denkht 

Nun mir ein Vatter Vnser sehenckht! 

Und rieht Euch all Zum Grieht mit mir 

Gott Ma Cht E VCh keinen Brief DarfVer. 
(=s 1712). Im Feld der thronende Tod mit Inschrifttäfelchen: Decret au Leben 
6j Jahr tvm 24. Jun. 1645. — Befehl zu Sterben den 2/. Dez. 1712. etc. Kalk- 
stein. 57:90 cm. (Die ganze Inschrift bei Ehrnthaller, S. 9.) Darunter Weih- 
wasserkesscl in Form eines Totenkopfes mit Schlangen durch die Augenhöhlen. 
Originell. 



Kemnath. 40 

KATH. KALVARIENBERG-KIRCHE DES GEKREUZIGTEN 1 
HEILANDES. Matrikel R., S. 411. — Zimmermann, Kalender V, 181. — Ehrn- ^ 

THALLER, S. II — 13. 

Durch Maureimeister Lorenz Weber von Kemnath 1736 — 1737 erbaut, 1804 
geschlossen, 1830 dem kirchlichen Gebrauch zurückgegeben. 

Halbrund geschlossen, ohne Einziehung. Tonne mit Stichkappen. Sakristei 
südlich. Westlicher Kuppeldachreiter. Auf dem Altar handwerkliche Kreuzi- 
gungsgruppe. 

EHEM. GRABENKAPELLE, auch SCHMERZHAFTE MUTTER- t 
GOTTESKAPELLE genannt. Matrikel R,, S. 412. — Ehrnthaller, S. i3ff. ' 

Bau des 18. Jahrhunderts. 1765 verfertigt Schreinermeister Joh. Ekhraann einen 
neuen Altar. Fassung durch Maler Peter Weih. 1780 Vollendung der Ausstattung. 
(Chrono stich on bei Ehrnthaller [S. 13] irrtümlich mit 1581 aufgelöst.) Seit 1804 
profaniert, 

EHEM. FRANZISKANERKLOSTER. Matrikel R., 8.41^. — Zimmer- 
mann, Kalender V, 181. — P. Parthenius Minges, Geschichte der Franziskaner in 
Bayern, MUnchen 1896, S. 114, 124, 196. 

Grundriß und Ansicht (z. Hälfte des 18. Jahrhunderts), Reichsarchiv München, 
Plansammlung Nr. 9086 und 9087. 

Gegründet 1657. Abgebrannt am 4. Juli 1758 (Ehrnthaller, S. 8, 27, — 
VC. XXV, 94), Damach neu hergestellt. i8oj wurde das Kloster säkularisiert, 
jetzt Brauerei. 

KIRCHE seit 1802 profaniert. Dient als Scheune. Dreiseitig geschlossener, e 
eingezogener Chor mit Tonne und Stichkappen. Schiff flachgedeckt. Über die für 
andere Kirchen verwendeten Einrichtungsgegenstände vgl. S. 34 u. S. 43. 



5° 



X. B.-A. KemDslh. 



i ANLAGE UND BEFESTIGUNG DER STADT. Geschichtliches. 

' Die Befestigung von Kemnath dürfte im späten 14. Jahrhundert erfolgt sein. 1375 
. erscheint Kemnath als Stadt. (Reg. Boic. IX, 325.) Die erste Erwähnung der Be- 
festigung geschieht 1401. (König Rupprecht erlaubt die Stadtgräben auszubessern und 
mit Fischen zu besetzen [Reg. Boic. XI, 356)). 

1504 Eroberung durch die Markgräflichen im Landshuter Erbfolgekrieg. 
{WüRDiNGER, Kriegsgeschichte II, 23-j.) 

Die Befestigung wird i6zi als mit guten Gräben, Zwinger, doch ziemlich 
schlechter Mauer versehen bezeichnet. Im gleichen Jahr erfolgen unwesentliche 
Verstarkungsvorschläge. (Reichsarchiv München, Oberpfalz, A. 239. Mit Plan Nr. 7.) 



FENSTCR5ÄULE I STOCK 




eRDöE5CH0SS- 



Am 12. März 1634 Übergab Hauptmann Ronyer die Stadt nach kurzer Be- 
schießung dem Herzog Bernhard von Weimar. Die Beschädigung der Festungs- 
werke beschränkte sich auf eine Zwingerbresche. (VO. XLVII, 18 ff.) Auch die 
Wiedereroberung durch General Feldmarschall eutenant v. Wahl am 27. Aug. 1634 
geschah ohne nennenswerte Beschädigung der Befestigung. (Reichsarchiv München, 
Oberpfalz, Gerichtslit. Kemnath, A. 4 a.) 

Von den beiden Stadttoren wurde das westliche mit dem darüber befind- 
lichen »Krautturm« 1813 auf Anordnung der Regierung des Obermainkreises ab- 
getragen (Ehrnthaller, S. 3), 1848 auch der östliche Torturm, der zugleich als 
Pfarrturm diente (vgl. S. 41). 

Beschreibung. Der Grundriß der Stadt beschreibt annähernd die Form 
eines Rechteckes, (l.ageplan Fig. 34, Ansichten Fig. 25 u. Fig. 26). Die Haupt- 
straße, die zum Marktplatz sich erweitert, durchzieht die Stadt von Westen nach Osten 
und scheidet sie in zwei gleiche Hälften. 

In Mitte des Marktplatzes stand bis 1855 das Rathaus (Eh rnth aller, S. 3), 
wie bei zahlreichen anderen oberpfälzischen Städten. Die Pfarrkirche schheflt sich 



Kemnath. c i 

unmittelbar an das östliche Tor an, so daß Pfairturm und Torturra in eins ver- Apimem 

schmelzen konnten. "dli s'»di 

Der Mauerbering mit Zwinger und Graben läßt sich in seinem Verlauf noch Bachwibuii 

deutlich verfolgen, obwohl längere Stücke gänzlich verschwunden sind. Beim 



Pfarrhof, sowie südlich des östlichen Tores je ein Mauerturm erhalten. Malerische 
Partien. An der südlichen Stadtseite drei ZwingertUrme, jetzt bewohnt. 

Mauertechnik un sorgfältiges Bruchsteinwerk. Die erhaltenen Reste sind auf 
dem Stadtplan (Fig. 34) mit stärkeren Strichen kenntlich gemacht. 



5a X. B.-A. Kcmnalh. 

KGL. RENTAMT. Ehem. kurfürstliches Kastenamt. Vielfach erneuert. 
Vom alten Bestand erhallen westlich des Portales profilierte steinerne Fenster- 
gewände , im Obergeschoß auf gerauteten Sockeln. Das letzte Fenster im Erd- 
geschoß gegen Westen hat am Gewände Löwenköpfe und kurpfälzische Wappen. 
(Fig. 35.) Über dem Mittelfenster daselbst Wappen der Kurpfalz mit 1582 und 
Stein metzzeichen, Hausflur mit zwei Kreuzjochen. Hohlrippen. In den Schluß- 
steinen Wappen der Kurpfalz mit //7J und Meisterzeichen. (Fig. 35.) Daran westlich 
ein Saal mit vier Rippen kreuzj och en auf rundem Mittelpfeiler (jetzt Registratur). 
An den Wänden verlaufen die Rippen ohne Vermittlung. Schlußsteine mit kur- 
pfUlzischen Wappen und Meisterzeichen wie im Hausflur. (Fig. 35.) 

In einem Zimmer des Obergeschosses Fensteneilungssäule mit 162s und Stein- 
metzzeichen. (Fig. 35.) 

SPITAI.OEBAüDI- Zimmermann, Kalender V, 181. — Ehrnthaller, S. i8f. 

«575 durch Christoph Adam von Trautenberg in die ösdiche Vorstadt, wie 
häufig im Mittelalter, gestiftet. (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft VI, 



Fig. it:, .KeiDDalh. Wimhiuucbilde an Haui Nr. ui. 

B.-A, Cham, S. 31 f.) 1688 auf den jetzigen Platz in einer Seitengasse der Stadt 
transferiert. Darauf bezügliche Inschrifttafel in der Hauskapelle. (Über Christoph 
von Trautenberg vgl. S. 44.) 

WOHNHAUSER. Infolge mehrfacher Bninde (1572, 1848, 1854 [Zimmer- v 
MANN, S. 180. — Ehknthaller, S. 27]) größtenteils neu. Von älteren Häusern 
nennen wir; 

HAUS Nr. z6 am Marktplatz. (Fig. 36.) Volutengiebel. Gotisierende 
Fenstergewände. Füllungen mit flachen Stuck Ornamenten. (Über diese Art vgl. 
Kunstdenkmale von Oberbayem, S. 2830,} 

HAUSERGRUPPE mit Haus Nr. 139 und 140, ersteres mit Volutengiebel 
und Erker, letzleres mit einfachem Treppe ngicbel, (Fig. 37.) 

Der PFARRHOF bewahrt ebenfalls das Gepräge des späten 16. — 17. Jahr- 
hunderts. 

Zwei gute WIRTSHAUSSCHILDE bei Haus Nr. 111 (Fig. 38) ; ähnliche 
bei Haus Nr. 133 und 134. 

BILDSAULEN. Auf dem Marktplatz hohe steinerne Bildsäule des i 
hl. Sebastian mit Chronostichon am Sockel: DIVo sebastJaso MartykJ C/Ves 
saCraxt. {^= i7r4). (Weiteres Chronostichon bei Ehrnthaller, S. 22.) 

Am westlichen Zugang zur Stadt hohe steinerne Bildsäule des hl. Primian, 
1695 errichtet. (Zur Geschichte vgl. Ehrnthaller, S. 22.) 



54 ^* B.-A. Kemnath. 

Bildsäule. In der östlichen Vorstadt ehemals hohe steinerne Bildsäule mit der Gruppe 

des »Gnadenstuhles«. 1803 entfernt Die Gruppe steht jetzt im Garten des Gasthofes 
zur Post. Am Sockel 1732, (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft IX, 
B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 88.) 

KRUMMENAAB. 

vo. VI, 181; XVI, 35; xvn, 92, 269; xvm, 156; xxiv, 27; xxxm, 17, 

18, 52, 120. — Reg. Boic. IX, 46, 156, 182. — Oberpfalzisches Wochenblatt 1798, 
S. 250 f. — Krenner XII, 407. — Destouches, Statistik, S. 281. — Bavaria II, i, 484. 
Pfarrkirche. SI M U LT A N PF ARRKIRC H E MARIA HIMMELFAHRT. Kath. 

Pfarrsitz in Erbendorf, prot. Pfarrsitz in Thumsenreuth. Matrikel R., S. 419. — Prot. 
Pfarrstatistik, S. 254. 

Zwischen 1433 und 1459 wurde in Krummenaab eine eigene Pfarrei errichtet 
und die Kirche U. L. Frau geweiht. (R. u. H. v. Reitzenstein, Veste Reuth, S. 26. 
Vgl. Matrikel R., p. XXI [XXIV, Anm. a].) 1731 Restauration. (Matrikel R., S. 419.) 
Nach dem Brande von 1832 mit Benützung der gotischen Umfassungsmauern neu 
hergestellt. Turm 1832 neugebaut. 

Eingezogener, dreiseitig geschlossener Chor. Schiff zu zwei Fensterachsen. 
Tonne mit Stichkappen. Rechts vom Chor Sakristei, links Oratorium. Turm der 
Westfassade vorgelegt. Außen zweimal abgesetzte Strebepfeiler an Chor und Schiff. 
Die mittelalterliche Kirche war demnach auch im Schiff auf Wölbung angelegt. 
Fenster bis auf zwei spitzbogig. 

Hochaltar. Barock mit vier Säulen. Seitenfiguren Joachim und Anna. 
Um 1731, mit modemer Überarbeitung. Altarbild neu. 

Ein Seiten altar. Hübscher Barockbau um 1731. Vier Säulen. In der 
Nische Holzfigur des hl. Bernhard. 

An der Südwand des Chores Ölgemälde: Die Weltschöpfung. Gut. Erste 
Hälfte des 18. Jahrhunderts. 
Grmbsteine. An der Südwand des Chores Grabstein des Wolf Christoph von Trautenberg 

zu Reuth, t 25. April 1597, 42 Jahre alt. Im Feld Engel mit Kranz. 16 Ahnen- 
wappen. Handwerklich. Sehr abgetreten. Quarz. H. 2,05. — Unter der Empor- 
stiege weiterer Grabstein. Große Quarzplatte mit Wappen. Verdeckt und nicht 
bestimmbar. 
Gerate. Kclch dcs kath. Kultus. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Uberfang. 

Getriebene Medaillons mit Leidenswerkzeugen. Akanthus und Blumenstücke. Um 
17 IG. Am vasenförmigen Nodus Stifterwappen: Lindenfels und Raitenbach mit 
Inschrift: Karl Christian Ernst Anna Margaretha Sabina von Lindenfels geb, von 
Raitenbach. Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke JZ im Oval. (Rosenberg, 
292: Johann Zeckel.) 

Prot. Abendmahlskelch. Silber, vergoldet. Sechspaßfuß und Vasennodus. 
An der Kupa gravierter Kruzifixus. Am Fuß 1688 und Stifterwappen: Lindenfels 
und Giech. Meistermarke TZ im Oval. 

Glocken: i. Magnus Gabriel Reinburg in Amberg 1732. — 2. Neu. 
Grabstein. An der Nordmauer des Friedhofes Grabstein der Barbara Dümler, Kind 

des Pfarrers Johann Adam Dümler zu Krummenaab, f 20. Mai 1652, 21 Wochen alt. 
Mit Bildnis des Mädchens in ganzer Figur. Abgetreten und verletzt. Quarz. H. 1,10 m. 



Krnmmenaab. — Kulmain. ^^ 

EHEM. EDELSITZ. Die Krumnaber werden im 13. und frühen 14. Jahr- Ehem. 
hundert genannt. (MB. XXXVIa, 414, 605, 606.) Nach ihnen die Wild. (VO. XXXUI, e^«^»"^'- 
17, 18.) Seit 1382 die Nothaft. Ihnen folgten seit 1564 die Wisbeck. (Kreisarchiv 
Amberg, Urk. Nr. 832.) Im 17. Jahrhundert werden genannt: die Rochaw, Rindorf 
und Lindenfels; im 18. Jahrhundert St. Marie Eglise (seit 1725) und Grafenstein ; im 
19. Jahrhundert die Künsberg. 

Das einfache Schloß nunmehr mittels Anbauten zu einer Porzellanfabrik ein- 
gerichtet. Am Portal Ehewappen Lindenfels-Raitenbach. Um 1700. An einem 
Nebengebäude zweimal Ehewappen Lindenfels-Giech. Um 1680. 

KULMAIN. 

VO. vm, 304, 308; xvm, 244; xxxiii, 87; lui, 163; lv, 139. — mb. 

XXV, 80; XXVII, 152, 253, 263, 361; XXXVIa, 421, 599. — Wiltmaister, S. 307, 
308. — Zech von Lobming, S. 81. — Destouches, Statistik, S. 174. — Heinritz, 
Taschenbuch, S. 139. — Karl Hohn, Atlas von Bayern, Nürnberg 1840, IV, 78. — 
Abhandlgn. d. Hist. Kl. d. Kgl. Bayer. Akad. d. Wissensch., Bd. VI, i. Abt. (1850), S. 43. 
— Ehrnthaller, Kemnath, S. 33 — 36. — Bavaria II, i, 525 f. — Quellen und 
Erörterungen VI, 200; VIII, 151. — Janner I, 624; II, 181. — Sperl, S. 353, 354, 415. 

Urbarium Parochiae Culmainensis, 1761, MS. im Pfarrarchiv Kulmain. — Urbar 
der Dreifaltigkeitskirche auf dem Armesberg, 1678, MS. ebenda, S. 137 — 145, 
161 — 162. — Kreisarchiv Amberg, Landsassenakten Nr. 396. 

Zwei getuschte Ansichten im Urbar von 1761, S. 5 u. 6. 

KATH. PFARRKIRCHE MARIA HIMMELFAHRT. Matrikel R., S. 404. Pfarrkirche. 

1379 Inkorporation an Kloster Reichenbach. (MB. XXVII, 256. — Janner I, 
624.) 1703 wird ein Neubau gemeldet. (Urbar von 1761.) 1834 brannte die Kirche 
ab. Damach Neubau. (Matrikel R.) 

Eingezogener, rechteckiger Chor mit Tonne und Stichkappen. Im Schiff Tonne 
mit Stichkappen. Vier Fensterachsen. Wandpilaster. Sakristei südlich vom Chor. 
Turm mit Eingangshalle im Mittel der südlichen Langhausseite. 

Hochaltar. Imposantes klassizistisches Werk des frühen 19. Jahrhunderts. 
Stammt aus dem Dom zu Bamberg. (Ehrnthaller, S. 35.) 

Drei Seitenaltäre der gleichen Zeit. 

Kanzel. (Fig. 39.) Am Körper die symbolischen Gestalten von Glaube, Kanzel. 
Hoffnung und Liebe. Am Schalldeckel die Evangelistensymbole. Gut. Stammt aus 
Hollfeld, B.-A. Ebermannstadt. (Ehrnthaller, S. 35. — Vgl. die verwandte Kanzel 
in Wiefelsdorf, Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft V, B.-A. Burglengenfeld, S. 147.) 

Grabsteine. Im Pflaster, i. Große Quarzplatte mit Ehewappen Hirsch- Grabsteine, 
berg- /////. Jahreszahl 1583. Inschrift größtenteils verdeckt. — 2. Große Quarz- 
platte aus gleicher Zeit. Inschrift: Veit pfreimbder zv prvckh I j j j j, — 3. Hinter 
dem Altar im Boden kleiner Grabstein. Inschrift: A, M. S. P. V, P. G. M. V, W. 
ij68 (= Anna Maria Sophia Pfreimderin von Pruck, gebome Multzin von Waldau. 
[Eintrag im Pfarrarchiv].) — 4. An der Schiffwand rechts Grabstein. Maria Sophia 
V. Lemmingen, geb. Groß v. Trockau und ihre Söhne Heinrich Ludwig, Joseph und 
Ludwig stiften die Tafel dem Andenken ihres Vaters bzw. Gemahls 1696. (Dieser 
nicht genannt.) — 5. Außen. Grabstein des Ferdinand Graf Topor Morawitzky, 
Forstmeisters zu Kulmain, f 23. Dez. 1803. 



X. B.-A. Kemnitfa. 



MonstraDz. Silber, teil vergoldet. I^ub- und Band werkomamentc. Um das 
Gehäuse ein Silberkranz mit farbigen Emails aus dem Leiden Christi. Gut. Bez. 1741. 
Beschauzeichen K im Vierpaß, Meistermarke UK im Vierpaß. H. 0,80 m. — 



Kelche, i, Silber, vergoldet. Mit farbigen Emailmedaillons, Um 1670. Beschau- 
zeichen K im Vierpaß. Meistermarke ^^ im Dreipaß. — a. Silber, vergoldet, 
Kupa mit Uberfang. Breiter Akanthus, Engelsköpfchen und Tulpenmotive. Beschau- 



Kulmain. ej 

zeichen Augsburg. Meistermarke ^ in stehendem Oval. Um 1680. — 3. Silber, f 
teilvergoldet. Kupaüberfang, Breiter Akanthus mit Engelsköpfchen. In getriebenen ' 
Medaillons die Leidens werk zeuge. Meistermarke FB im Oval. Beschauzeichen fehlt. 
Um 1680. — 4. Silber, vergoldet Reicher, klassizistischer Schmuck. An Fuß und 
Kupa auf Perlmutter silhouetticrte (Jruppen aus dem l-eiden Christi in Silberfassung. 
Weiße und rote Steinchen, Beschauzeichen Augsburg. Jahresbuchstabe E, Meister- 



Aniicht i»ch Konc Kr. 31SS (von 1607) <R> Rcichurchiv München. 

marke OXS (= Caspar Xaver Stipeldey. Rosenberg, 365.) Aufschreibungen des 
Pfarrarchivs zufolge 1791 angeschafft. Demnach bestätigt sich unsere Vermutung 
(Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Hefl IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 61, 66, 87) über 
eine zweite Folge Augsburger Jahre sbuchstaben. (Buchstabe C der Meistermarke 
undeutlich; aber sowohl die Form der Marke wie der Stil des Kelches weisen be- 
stimmt auf den häufig vertretenen Meister.) 

Meßkännchen mit Teller, Silber. Rokokomuschel werk. Meistermarke 2 
im Herz. 

Zwölf Leuchter. Kupfer, versilbert. Ro kok omuschel werk. Bez. ^. M. V. 
PF. ijös i= Anna Maria von Pfreimd). 



58 X. B.-A. Keronalh. 

Kanontafelrahmcn von gleicher Arbeit. 

Meßbuchbeschlage. Silber. Klassizistisch. Beschauzeichen Augsburg. Jahres- 
buchstabe E. Marke mibIiAH im abgerundeten Rechteck. (Andreas Sebasti^i Mielach 
von Augsburg wird 1778 selbständiger Meister. [Mitteilung des Stadtarchivs Augsburg].) 

EDELSITZE KULMAIN AN DER KIRCH und KULMAIN- AM 
WEIHER. Den ersteren besaßen im Mittelalter die Haidenaber, später die Dan- 
dorfer, Pfreimder, Multzer und (Jobel; letzteren die Zirkendorfer, die Lemraingen, 
IJlgenau, Ponzelin. 

Das Schloß an der Kirche brannte 1834 ab. (Ansicht im Urbar von 1761, 
S. 40.) Das Schloß am Weiher sehr anspruchsloser Bau. (Ansicht a. a. O., S. 3g.) 

LEHEN. 

BURGSTALL. Wiltmaister, S. 308. —.Zech von Lobming, S. 86. — 
Destouches, Statistik, S. 175. — Heinretz, Taschenbuch, S. 141. — R. u. H. v. 
Reitzensteen, Geschichte der Veste Reuth, Bayreuth 1865, S. 3g f., 47. 



Miniaturansicht auf der Kane von 1607, vgl. das Nähere S, 10 (Fig. 40). — 
Desgleichen auf den Kopien, vyl, S. 10. 

1431 wird Konrad der Emiesreuther zu Lehen genannt. (VO. VI, 151.) Seit 
i486 die Streitberg, denen 1573 Heinrich von Trautenberg folgt. Seit 1640 die 
Benkendorf. Seit 1796 luni Schloßgut 'Hmnisenreuih gehörig. 



Lehen. — MehlmeisL — 

Am Rand des unmittelbar an das Dorf 
anschließenden Waldes nordwestlich von die- 
sem gelegen. Gänzlich von Wald bewachsen. 
Die ungefähr quadratische Anlage mit ringsum 
laufendem Graben läßt sich an den Erd- 
erhöhungen noch gut verfolgen. Aufgehendes 
Mauerwerk fehlt. Westlich schließt an den 
Wallgraben der Bergabhang. 

Auf dem Weg nach Bernstein steinerne 
BILDSÄULE. H. jm. (Fig. 41.) 

MEHLMEISL. 

VO. XVU, 92. — MB. XXXVIa, 423, 
601. — JoH. Gg. Lori, Sammlung des baieri- 
schen Bergrechts, München 1764, p. XXXIV, 
105, 116. — Quellen u. Erörterungen VI, 200. 

KATH. KIRCHE ST. JOHAN- 
NES BAPT. Zur Pfarrei Ebnath. Matrikel 
R., S. 399. 

Die Matrikel von 1433 bezeichnet Mehl- 
meisl als Pfarrsitz, die Kirche als zerstört, 
(Matrikel R., p. XXI. Vgl. LoRi, S. 1 16.) 

Erbaut 1815. Der Turm 1840. Infolge 
Neubaues zum Abbruch bestimmt. 

Einfaches Barockaltärchen. 

An der Unken Seite des Chores bemalte 
Holzfigur des hl. Christophorus. Charak- 
teristische Arbeit um 1500. H. 1,47 m. (Fig. 42.) 

Im Schiff Ölbild der hl. Anna nüt 
dem lesenden Marienkind. 18. Jahrhundert. 

MOCKERSDORF. 



Fig. 4>- HeUmciil. St. Chriu 



VO. XVI, 35;XVin, 169, i76;XXXIU, hompit m d« Kirche. 

87;LI, ii;LnLi63;LV, 139. — MB. XXVII 

152. — Reg. Boic. II, 354; IX, 53. — Zimmermann, Kalender V, 186. — Johann 
Nicolaus Apel, Der rauhe Kulm und seine Umgebungen, Baireuth 181 1, S. 40 — 43. 
— Bavaria 11, i, 526. — Mon. Zollerana III, Nr. CCCLVUI. — Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 205. — Janner III, 196, 601, 618. — Gradl, Geschichte des Egerlandes (bis 
1437), Prag 1893, S. 331. — Koch u. Wille I, Nr. 3349. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. MICHAEL. Matrikel R., S. 405. i 

1391 dem Domkapitel zu Regensburg inkorporiert. (Ried, Cod. Chronol. Dipl. 
Episc. Ratisb., S. 939. — Janner III, 326.) Von 1738^1746 Neubau der Kirche 
durch Johann Lösch, Stadtmaurerraeister von Neumarkt. (Kreisarchiv Amberg, Amt 
Waideck, Fasz. 1 58, A. 3238. Ebenda Riß des Joh. Lösch.) 



6o X. B -A. Kemnalh. 

Eingezogener Chor im Ostturm mit abgerundeten Ecken und Spiegeldecke. 
Schiff zu drei Fensterachsen mit Spiegeldecke und Stichkappen. Anschluß an den Chor, 
segmentförmig. Sakristei nördlich vom Chor. Turm mit Kuppeldach und Laterne, 



F^g. 43. Mockcndorf. [naenaniicht der PTankirchc. 

Reiche Innenausstattung. Die Wände beleben Pilaster, An der Decke in Chor 
; und Schiff vortreffliche Stukkierung: Schweifwerk, Gitter, Blumenvasen. Über 
dem Chorbogen plastische Putten mit Kartusche. Um 1750. (Fig. 43.) Im Schiff 
. großes Mittelgemälde: Die neun Engelchöre huldigen nach Besiegung Luzifers 
der hl. Dreifaltigkeit. Bewegte, dramatische Szene, auch ikonographisch interessant 
durch die Darstellung der neun Chöre: Die Seraphim kennzeichnet ein flammendes 
Herz, die Cherubim Erdkugel und Fernrohr, ein Purpurbaldachin die Throne u. s. f. 



In den Ecken der Decke die vier Evangelisten. Das Chorgemälde stellt das Rauch- i 
Opfer der 14 Ältesten nach Apokalypse Cp. V dar. Am Chorbogenl Maria und < 
Gabriel. Tüchtige Bilder von lebendiger Auffassung. Im Kolorit zuweilen Härten. 

Drei Rokokoaltäre mit gedrehten Säulen, Rokokomuschel werk, Vasen. 1 
Altarbilder. 

Orgel mit schönem Rokokogehäuse. 

Stuhlwangen. Bewegtes Rokokoschweifwerk. 

Taufstein mit Rokokodeckel. 

Kreuzweg. Klein, sehr dezent dem Raum angepaßt. Klassizistische Rähm- 
chen. Gematt 1823 von dem Maler Johann Wild in Kemnalh. (Aufzeichnung im 
Pfarrarchiv.) 

Sakristeischränke mit Rokokoschnitz werk. 

Grabstein des Johann Christoph Windisch, Lehrers in Mockersdorf, f 1731. 
(Vgl. über ihn S. 13 u. S. 69 f.) 

Kelche, i. Silber, vergoldet. Laub- und Bandwerkomament. Marken; K 13 ] 
und Doppel M im Schild. — 3. Silber, vergoldet. Rokokomuschelwerk. Marken 
undeutlich. 

Glocken, i. Umschrift: JV^ACff DER GEPVRD CHRISTI VNSERS < 
ERLÖSERS ZS5I JAR GOS MICH SEBOLD NIEDER PIXENMACHER 
ZV NVRNPERG EIR^^^. Wort- 
trennung durch ein ruhendes Lämmlein. 
Renaissanceblätterfries. Am Mantel 
zweimal Kreuzigungsgruppe. Dchm. 
1,10 m. (Über Sebold Hirder [sen, u. jun.] 
vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, 
HeftV, B.-A. Burglengenfeld. S. i8f.— 
Mitteilungen aus dem germanischen 
Nationalmuseum 1890, S. 71. — Th. 
Hamfe, Nürnberger Ratsverlässe etc., 
Wien und Leipzig I (1904), Nr. 3273, 
3286, 3345, 3552.) — 2. Umschrift zwi- 
schen Zinnen- und Spitzbogenfries in 
Minuskeln: ave maria gracia plena do- 
minvs iecvm benedUta. Worttrennung 
durch Glöckchen. Spätgotisch. Dchm. 
0,70 m. 

Im Garten des Pfarrhofes WAP- 
PENSTEIN. (Fig. 44-) Inschrift in 
gotischen Minuskeln: ///// toäes (?) 
hacker plebanus in mockersdorf 1 1 1 1 1 
m (?) arc/ (?) / / / /. Darunter Wappen 
derer von Obemdorf und daran gefügt 

Wappen des Pfarrers (eine Hacke). ^*y^m,'4Sa^^^ 

Sandstein, sehr verwittert. H. 1,10 m. ^ 

Der Stein war ursprünglich am Kasten- 
gebaude des Pfarrhofes angebracht 

(Apel, S, 141) und bezog sich die j^^^i_ ^^ 

Inschrift offenbar auf dessen Erbauung. Wapp« mtein >ani ehem. Zchcniktmcn. 



^^Ä. 

.^. ^ ^■» / i*^ 



X. B.-A. Kenntlb. 



Nach einer Abschrift vom Jahre 1769 lautet die Inschrift: 
hoc opus fecit Juri Jehes Hacker pitbanus in Meckersdorf 
anno ähi m cccc Ixxx tu {?). (Mitteilung des Herrn Hugo 
Graf v, Walderdorfk.) (Die Obemdorfer waren im Mittel- 
alter zu Mockersdorf und in der Umgebung begütert. Vgl. 
Genealogisches Taschenbuch der deutschen gräflichen Häuser 
auf das Jahr 183Ö, S. 367 f.) 

OBERBRUCK. 

Reg. Boic. V, 14a. — Zech von Lohming, S. 81. — 

Destouches, Statistik, S. 170. — Heinritz, Taschenbuch, 

S. 140. — Ehrnthallek, Kemnath, S. 42—44. — Prey, 

Bayrische Adels-Beschreibung, Cod. gerni. d. Kgl. Hof- und 

Staatsbibliothek München Nr. 2290, Tom. XIX, 368 fr. — 

Kreisarchiv Amberg, I^mdsassenakten Nr. 157, 314, 364. 

KATH. KIRCHE ST. HELENA. Nebenkirche zu Kulmain. Matrikel R., 

S. 404. — Urbar der Dreifaltigkeitskirche auf dem Armesberg 1678, MS, im Pfarr- 

archiv Kulmain, S. 165 — 171. — Urbarium Parochiä Culmainensis 1761, ebenda. 




S. I 



-18. 



Getuschte Ansicht im Urbar 1761, S. 15. 

Schon 1330 steht hier eine Kapelle der hl. Helena. Seit 1554 profaniert. 
(Urbar 1761, S. 13.) 1676 »nach itSjährlicher verwiiestung' wieder »von grundt« auf- 
geführt und benediziert (Urbar 1678, S. 138.) Wiederhersteller Hans Ludwig 
Pfreimder auf Brück im Weiher. {Urbar 1761, S. 13.) 



Oberbnick. 63 

An der südlichen Außenseite die Jahreszahlen 1320 (erneuert), 1615 und /öj ^. Kirchi 
(Grundriß Fig. 45. — Ansicht Fig. 46.) Nicht eingezogener halbrunder Chor mit 
gratigem Kreuzgewölbe auf derben, konsolcnartigen Ansätzen, Chorbogen stark ein- 
gezogen und sehr niedrig. Im Schiff Bretterdecke. Am Chor zwei Pfeiler mit Pult- 
abdachung und Sockel. Im Scheitel des Chores im Drillings bogen geschlossenes 
Fenster (Fig. 47), zu beiden Seiten Rechteckfenster mit gefastem Gewände. Am 
Schiff Rundbogenfenster. Portal an der Westseite rundbogig mit Fase. Giebel abge- 
wahnt. Kuppeldachreiter. 

Altar mit Säulen und Knorpel werk Verzierungen, Im Mittel holzgeschnitzte Aii»r. 
Gruppe der Pietä. Seitlich unter Volutenbaldachinen St. Laurentius und Helena, 
letztere handwerkliche Schnitzfigur um 1500. Am Gebälk Wappen der Pfreimder. 




Grabstein der Maria Amalia Pfreimder von Brück im Weiher auf Alten- 
steinreuth, geb, Bernklaw von Schönreuth, f 8. Mai 1736, 95 Jahre alt. 

Kelch. Silber, vergoldet. Sechspaßfuß und Vasen nodus. Am Fuß graviertes 1 
Wappen der Vogt von Rineck und /. W. V. V. R. Femer: t6j8 und Silbergewicht: 
28 Utk I qtl. (Geschenk des bambergischen Rittmeisters J. W. Vogt von Rineck. 
[Urbar 1678, S. 169.J) 

Glocken. 1. Ohne Inschrift und Verzierung. Die langgezogene Form weist « 
auf das ii.— 13. Jahrhundert. (Fig. 48.) (Vgl. die verwandte Glocke in Brunn, Kunst- 
denkmäler der Oberpfalz, Heft IV, B.-A. Parsberg, S. 57.} — 2, Von Thomas Bändl 
in Amberg. (Ohne Datum.) 

EHEM. EDELSITZE BRÜCK AM THURM und BRÜCK IM 
WEIHER. Hier finden wir seit dem 15. Jahrhundert das alte oberpfälzische Ge- ' 
schlecht der Pfreimder begütert. (Sperl, S. 353 ff. — Wiltmaister, S. 309.) Vgl. dazu 
das Pfreimdersche Epitaph in der Pfarrkirche in Neustadt a. Kulm, B,-A. Eschenbach. 
Über die weiteren Besitzer vgl. Bavaria II, i, 524. An Stelle der Edelsitze jetzt 
zwei Bauernhöfe. 

An der Straße nach Kulmain steinernes STANDBILD des hl. Johannes s 
V. Nep. Laut Inschrift am Sockel Stiftung des Johann Georg Bernhard Pfreimder 
von Brück im Weiher, kaiserl. Oberstlieutenant, 1740. Mit Wappen. 



OBERNDORF. 

MB. XXXVl a, 421. — Reg. Boic. II, 354; IV, 130. — Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 205, 248, 326, 340. 

KATH. KIRCHE ST. GEORG. Filiale von Kein nath. Matrikel R-, S. 41a. 

Ursprünglich Pfarrsitz für Kemnath. 1286 »Chunradus decanus in Obemdorfc 
Zeuge einer Waldsassener Urkunde. (Gradl, Mon, Egrana, Nr. 373.) 

Wenig eingezogener Chor im Ostlurm. Langhaus flachgedeckt. Sakristei 
nördlich am Chor (später). (GrundriO Fig. 49.) Im Chor Kreuzgewölbe mit Hohl- 
rippen und Tellerstein. Die Rippen ruhen auf fast wagerecht angeordneten Schilden 





(Fig. 50), diese mehrfach verletzt. An der Ostwand des Chores Spitzbogenfenster 
mit Nase. Die übrigen Fenster verändert. Chorbogen weit und spitz. Eingang von 
Westen und Süden. 

Außen sorgfältige San dsteinverblen düng, an der Westwand auch innen. Schichten- 
höhe 27 — 45 cm, Sockel um Chor und Langhaus. Turm mit achtseiligem Spitz- 
helm. An der Westseite der Sakristei eingemauerter Kopf (Fig. 50). Wohl 1 3. Jahr- 
hundert. 

Im Langhaus getäfelte Decke. Kassetten felder mit gemalten Akanthusranken. 
(Rot und blau auf weißem Grund.) Originell. 17. Jahrhundert. Die Malerei nicht 
in allen Feldern erhalten. 

Drei Altäre des frühen 18. Jahrhunderts mit Säulen und Seitenfiguren. Am 
Hochaltar gleichzeitiges Bild St. Georg, später übermalt. Auf den Seitenaltären in 
Glasschreinen die barocken Figuren Christus in der Ruh und die schmerzhafte 
Gottesmutter. Am Seitenaltar links an Stelle eines Tabernakels bemalte H o 1 z - 
figur der hl. Jungfrau. Sie sitzt auf dem Mond und häh mit beiden Händen das 
Kind, das auf ihrem Schöße steht und die Hände nach der Mutter ausbreitet. Originell. 
Um 1600. Mit Reminiszenzen an Figuren des frühen 16. Jahrhunderts. H. 0,50 m. 

Grabsteine, i. J. Adam Pfreimder von Brück am Thurm auf Altenstein reulh, 
t 26. Febr. 1715, 78 Jahre alt. Mit Wappen. — 2. Franz Emil Maria v. Thiboust, 
Obristwachtme ister des Crohbergischen (?) Kürassierregiments, f 10. Juni r753. — 
3. Joh. Jos. Anton Pfreimder von Brück, Herr auf Eisersdorf und Alten steinreuth, 
f »6. März 174a im 40. Jahr. — - 4. Ferdinand Karl Poschinger auf und zu Ober- 
anzenberg, f 26. Dezember 1784 im 64. Lebensjahr. Mit Wappen. — 5. Johannes 



Obcmdorf. — Popp«oreuih. — Premenreuth. 65 

Fleischmann, »Kunstreicher PappierergesöU« von Kaibitz, f 25. Mai 1796. — Ein Kirche. 
Obemdorfisches Epitaph an der Sakristei wurde gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts Grabsteine, 
mit Mörtel überwerfen, wie der Meßner zu Obemdorf, Michael Pschorer, unter dem 
17. Juli 1791 bezeugt. (Mitteilung des Herrn Hugo Graf v. Walderdorff.) (Obem- 
dorf war mittelalterlicher Sitz der noch blühenden Grafen von Obemdorf, welche 
aber den Sitz schon früh im 16. Jahrhundert verließen. Vgl. auch S. 61 f.) 

Glocken. Zweizeilige Umschrift in Frührenaissance-Majuskeln: SCHED- 
LI CHE WEDER V ER D REIB ICH VND DI DO TEN BEWA (I) ICH 
HANS STAIN 1587 GOS MICH GOT ZV LOB CLIN (}.) ICH FABIAN 
KONIGSDORFFER PFARRER HANNS DIE TZ CA SN ER (!) Z. K, M, 
Dchm. 0,84 m. (Über Hans Stain vgl. S. 19 u. 44 f.) — 2. Ohne Inschrift. Oben 
zwei Wulste. Am Mantel schwache Spuren einer rautenförmigen Verzierung. 
Dchm. 0,52 m, Höhe 0,40 m. 14. Jahrhundert. (Vgl. Kunstdenkmäler der Ober- 
pfalz, Heft I, B.-A. Roding, S. 50 u. 222; 'Fig. 30.) 

POPPENREUTH. 

VO. XXII, 5, 235, 302; XXXm, 13, 78. — Bavaria II, i, 488. — A. Schmidt, 
Führer durch das Fichtelgebirge und den Steinwald, Wunsiedel 1904, S. 208. — 
Kreisarchiv Amberg, Landsassenakten Nr. 404 — 406. 

KATH. KIRCHE MARIA HEIMSUCHUNG. Zur Pfarrei Walders- Kirche, 
hof (B.-A. Tirschenreuth). Matrikel R., S. 458. 

Zufolge der Inschrift über dem Eingang durch Johann Paul Nothaft, Freiherrn 
von Weißenstein, 17 17 erbaut. 

Schlichter Bau mit dreiseitig geschlossenem, eingezogenen Chor. Durchgehende 
Flachdecke. Westlicher Dachreiter. 

Hochaltar. Guter Aufbau mit zwei Säulen und Akanthusseitenranken. Einrichtung. 
Altarbild Maria Heimsuchung und zwei Seitenfiguren St. Magdalena und Barbara. 
Am Gebälk Wappen der Nothaft. Um 17 17. 

Seitenaltar links. Um das Bild des hl. Joh. v. Nep. reiche Akanthus- 
schnitzerei mit vier Engelputten. Ehewappen Nothaft -Sparneck. Gut. (Vgl. die 
Altäre in Reuth, S. 70.) 

EHEM. SCHLOSS. Poppenreuth ging 1365 von Waldsassen auf die Not- Ehem. Schloß, 
haft über. (Reg. Boic. IX, 125.) 1588, 22. Februar, kauft Christoph Nothaft zu 
Thumsenreuth Poppenreuth von Hans Adam von Waldenfels zu Poppenreuth, der 
das Gut 1552 von Hans Nothaft zu Thumsenreuth erworben hatte, zurück. (Reichs- 
archiv München, Nothaftsches Archiv, Urkk., Fasz. 49^, Nr. 896 u. Fasz. 54", Nr. q8o 
u. 981. — VO. XXXIII, 78.) In der Folge mit Friedenfels vereinigt. 

Ohne architektonische Bedeutung. 

PREMENREUTH. 

KATH. PFARR- UND WALLFAHRTSKIRCHE U. L. FRAU. Ma- Waiifahns- 
trikel R., S. 426. — R. u. H. v. Reitzenstein, Geschichte der Veste Reuth, Bayreuth »'»'«he. 
1865, S. 75 f. — J. Sparrer, die Pfarr- und Wallfahrtskirche Premenreuth, Kalender 
für kath. Christen, Sulzbach 1873, S. 68—70; 1883, S. 85—87. 

Heft X. 5 



66 X. B.-A. Kemnath. 

Waiifahrti- An Stelle einer 1600 errichteten Feldkapelle wurde 1772 — 1773 ein Kirchlein 

"^ *• gebaut, an dessen Stelle 1799 die gegenwärtige Kirche trat. 1843 "^^ ^^^^ Reno- 
vierungen. (Sparrer, 1873.) 

Eingezogener Chor von querrechteckiger Form mit abgerundeten Ecken. Das 
Schiff schließt segmentförmig an und besitzt an den Langseiten nach Süden und 
Norden ausbauchende halbrunde Kapellen, in denen die Seitenaltäre stehen. West- 
empore zu drei Jochen, deren Mittelpfeiler den eingebauten, über Bögen ruhenden 
Turm tragen. Rechts und links vom Chor offene, emporartige Oratorien. Im Chor 
und Schiff Spiegeldecke mit Stich kappen. Turm mit Kuppeldach. Am Turmportal 
Jahreszahl iSoo. 

Wandpilaster mit klassizistischen Kapitalen. An den Deckengurten Brokat- 
fullungen. 
Einrichuing. Hochaltar. Wirkungsvolles Barockwerk mit vier Säulen und zwei Seiten- 

figuren neben dem Wallfahrtsbild. Akanthusranken. Um 1710. Der schöne Taber- 
nakel Rokokoschnitzwerk. (Der Altar stammt lokaler Tradition zufolge aus einer 
Regensburger Kirche.) 

Zwei Seitenaltäre in elegantem Rokoko. 

Einfache Barockkanzel. 

Chorstühle und Oratorienbrüstungen mit Akanthusschnitzereien. 

Stuhlwangen und Beichtstühle einfaches Rokoko. 

Orgelgehäuse mit Akanthusranken bemalt. In der Mitte König David. 

Von der Decke hängt eine Madonna im Rosenkranz. 17. Jahrhundert. 

PULLENREUTH. 

VO. V, 382; Vm, 308; XVU, 93, 104; XXV, 41; XXXIU, 191 ff.; Lin, 164; 
LV, 139. — MB. XXVTI, 152; XXXVIa, 423, 424, 600. — Reg. Boic. II, 354; 
V, 203, 372; X, 99. — Zimmermann, Kalender V, 187. — Karl Hohn, Atlas von 
B;iyem, Nürnberg 1840, IV, 136. — Rivaria II, i, 405, 525. — Quellen und Er- 
örterungen VI, 200. — Gradl, Mon. Egrana, Nr. 205, 373, 654. 
PUrrkirche. KATH. PFARRKIRCHE ST. MARTIN. Matrikel R., S. 408. 

1433 wird die Kirche als von den Husiten zerstört bezeichnet. (Matrikel R., 
p. XXI."^ 1446 Vikariat, 1666 Expositur von Kemnath; 1687 wieder selbständige 
Pfarrei. 1751 Vollendung eines neuen Kirchenbaues durch Baumeister Georg 
Diller von Amberg, Konkurrent Georg Bauer, Maurermeister in Kulmain. (Kreis- 
archiv Amberg» .\mt Waldeck, Fasz. CLXX, A. 3710.) 

Dreiseitig geschlossener, eingezogener Chor. Tonne mit Stichkappen. Im 
Schiff Spiegeldecke. Turm nördlich, Sakristei südlich vom Chor. Turm mit Pyra- 
midendach. 

Im Chor Deckensremälde des 18. lahrhunderts. Erstickt und unkenntlich. 
Einrichtung. Hochaltar. B;ildachinartig angeordneter, tlotter Rokokobau mit vier Säulen 

und geschweiüen Streben. Altarbild St. Martinus. 

Rechter S e i t e n a 1 1 a r. Frührokoko mit Laub- und Bandwerk. Vier Säulen. 
Bild der 14 Nothelfer. Beachtenswert. Linker Seitenaltar modern. 

Kan/el. CtOilrehte S^iulen und Akanthusschnmck. In Muschelnischen die 
Fiizuren Christi und der Evangelisten, l'm 1710. 

Orcel. Gutes Rokokos ekiuse. 



PuUenreulh. — Ramlesreuih. 



67 



Holzgeschnitztes Kruzifix mit der - p 

schmerzhaften Mutter gegenüber der Kanzel. 
(Jroße Figuren. 18. Jahrhundert. 

Vespersedilien klassizistisch. 

Am Tauftisch bemahe Holzfigur 1 

der hl. Jungfrau mit Kind. Um 1500. 
Gut. H. 1,10 m. (Fig. 51.) 

Monstranz. Silber, teil vergoldet. ( 

Um die l.unula Gott Vater, Immakulata, 
Joseph und Martinus nebst Engelchen. 
Sehr wirkungsvolles Rokokowerk. Beschau- 
zeichen a im Oval. Meistermarke a im 
Herz. — Monstranz. Fuß vergoldetes 
Kupfer mit Akanthuslaub und Engcl- 
köpfchen. Gehäuse Silber, teil vergoldet. 
Um die Lunula Gott Vater, die Himmels- 
königin, l^urentius und Nikolaus. Beschau- 
zeichen undeutlich. Meistermarke CZ im 
Herz. — Kelche, i. Silber, teil vergoldet, 
mit Kiipaüberfang. F.mails mit Szenen aus 
dem leiden Christi (rot in rot). Laub- 
und Bandwerk. Beschauzeichen Eger. 
Meistermarke jmf im Oval. (Vgl, den 
Kelch in Armesberg S. 15.) — 2. Silber, 
vergoldet. Rokokomuschel werk. Gut. Be- 
schauzeichen A im Oval. Meistermarke z 
im Herz, wie an der Monstranz. 

Glocken, i, Umschrift in Minus- 1 

kein : sanctt dei omnes inlercedide (1) pro 
nobis. Zinnen- und Spitzbogenfries. Wort- 
trennung durch Sterne. Am Mantel zwei- 
mal Christus, Madonna mit Kind. David, ki^. 5.. Puiicnnuth 
Samson, Johannes d.T., Petrus, Johannes Ev., M«rieniLiiuc in d« Pfarrkirche, HoJi. 
Paulus, Erasmus, Leo d. <ir., Hieronymus, 

Nikolaus, Katharina, St. .\nna, nakter Jüngling (oder Knabe) mit Schwert (mytho' 
logische Plakette?). Dchm. 0,85 m. 16. Jahrhundert. — z. l.aut Inschrift in Würz- 
burg ij^o gegossen. Ohne Meistemamen. — 3. Joh. Georg Schelchshom zu Regens- 
burg 1653. — 4. (ilöckchen mit Zinnen- und Spitzbogenfries. Ohne Inschrift. 
15. — 16. Jahrhundert. 



RAMLESREUTH. 



Destouches, Statistik, S. 176. — Heinritz, Taschenbuch, S. 140, ^ Bavaria II, 
I, 525. — DoEBERL, Markgrafschaft, S. 47. — Franz HCitner, Beilrage zur Ge- 
schichte der Familie von Dandorf, Archiv für Geschichte und Altertumskunde von 
Oberfranken XX (1897), 233—248. — Sperl, S. 387. — Kreisarchiv Amberg, 
.Amt Waldeck, Fasz. 186, \. 4550. {Baurechnungen von 1692^1714, 1796 — 1818.) 

5' 



KATH. KAPELLE MARIA k, 

T R O S T. Zur Pfarrei Mockersdorf. 
Matrikel R-, S. 406. 

Erbaut 1846. 

Altärchen mit Marienbild. Volu- 
lenpilaster und zwei Seitenfiguren. Am 
Gebälk das Wappen des Bistums Regens- 
burg. Um 1650. (Der Altar stammt 
lokaler Tradition zufolge aus Regensburg. 

EHEM. LANDSASSENGUT. *^^h 

Als Besitzer werden die von Daodorf und 
Haidenaab genannt. Zuletzt Graf Mora- 
wizky, f i8zo. 

An Stelle des Herrensitzes ein 
neues Schulhaus. 

Im DorfFACHWERKHAUSER, F-. 

auch ganze Holzbauten. Sehr hübsch das 
Wirtshaus zum Hirschen mit Fachwerk- 
obergeschoß. 

REUTH 

BEI ERBENDORF. 

VO. V, »23; IX, 165' XVm, 231; 
XXVI, 212, 216; XXIX, 113; XXXIII, 
19. 51 f., 147- — MB. XXV, 418. — 

WiLTMAISTER, S. 309. — KrRKNER XII, 

467. — Heinritz, Taschenbuch, S. 142. 
— Bavaria II. i, 484 f. — R. u. H. v. 
Reitzenstein, Geschichte der Veste Reuth, 
Bayreuth 1865. ~ Hf.BMann Frhr. v. 
Reitzen5'J'E[n a. d. H. Reuth, Geschichte 
der Familie von Reitzenstein, München, 
L Teil, 1891. — Sperl, S. 451. — Frey, 
Bayrische Adls Beschreibung, Cod. germ. 
der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek Mün- 
chen Nr. 2290, Tom. XXV, 333 f. — 

Kreisarchiv Amberg, l,andsassenakten P'«- sj. Reuib. Kinzei m d« Kircht. 

Nr. 404 — 406. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. d. Nähere S. ro (Fig. 54) — a»! 
desgleichen auf deren Kopien, vgl. S. 10. 

KATH. KIRCHE ST. KATHARINA. Nebenkirche zu Premenreuth. Kir 
Matrikel R., S. 427. 

Erwähnt 1603, (Reitzenstein, Veste Reuth, S. 48.) 1678 fertigt der Schreiner 
Niklas Stainer zu Erbendorf eine neue Kanzel, Ein ungenannter Maler von Kemnath 
(vermutlich Maximilian Sattler [vgl. S. 15] führt verschiedene Faßarbeiten aus. (Kreis- 
archiv Amberg, Amt Waideck, 772/33, f. 15.) 1692 wird dem 'Schulmeister Christoph 



70 



X. B.-A. Kemnath. 



Kirche. Windisch zu Erbendorf (vgl. S. 13 und S. 61) ein Positiv zu 25 fl. abgekauft. (Kreis- 
archiv Amberg, Amt Waldeck, 50/1, f. 9 b.) 

Die jetzige Kirche 77/7 laut Baudatum am Portal neu errichtet. Ebenda 
Ehewappen Spameck-Perglas. 

Eingezogener, halbrunder Chor mit Tonne und Stichkappen. Schiff zu zwei 
Fensterachsen mit Tonne und Stichkappen. Sakristei nördlich vom Chor. Turm 
mit Kuppeldach der Westfassade vorgelegt. 

Im Schiff zwei Deckengemälde. Restauriert. 
Hochaltar. Hochaltar. Monstranzenförmiges Akan thusschnitzwerk ohne architektonische 

Gliederung umschließt zwei Bilder, wovon das Hauptbild neu. Tabernakel und 

Antependium neu im Stile des Ganzen. 
Prächtige Wirkung. (Fig. 52.) 

Nebenaltar. In der Art des 

Hochaltares mit Statue der Immakulata 

in Muschelnische. Vorzügliche Arbeit. 

iSS Ä(8N*^ l^w^W) A (Über diesen in der Oberpfalz und 

iSr V^'.^* jyniffein Böhmen häufigen Typus vgl. S. 13 und 

#) i llltfx^^-^:^^^^^^?''^^ Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft IV, 

B.-A. Parsberg, S. 254; Heft VIII, B.-A. 
Vohenstrauß, S. 134; Heft IX, B.-A. 
Neustadt a. W.-N., S. 116 f.) 
Kanxei. Y->-^>^^i^ ^'.. ^■"""-**-— •- Kauzel. Dem Seitenaltar gegen- 

über. Mit reichem Akanthusschmuck. 
An der Brijstung die Büstenreliefs der 

vier Evangelisten. Wolkensockel mit 
Engelköpfen. Auf dem Schalldeckel 
Engel. Gut. (Fig. 53.) 

Orgelgehäuse. Bewegte Barockformen. Akanthusranken und zwei musi- 
zierende Engel. Gut. 

Stuhl Wangen. Reiche Akanthusschnitzereien. 

Grabsteine, i. Hans Christoph Erdmann von Sparneck und Weißdorf auf 
Reuth, Guttenthau, Püchersreuth, Weyer und Kemnath, geb. 9. Jan. 1635, f ^S- Juli '7i3* 
Mit Wappen der Sparneck. H. 1,80, Br. 0,97 m. — 2. Anna Barbara von Spameck, 
geb. V. Gravenreut, geb. 13. Juni 1646, f 16. Febr. 1699. Mit Wappen der Gravenreut. 
Maße wie vorher. — 3. Johann Christian Ernst von Sparneck und Weißdorf, Herr 
auf Reuth, Rittmeister, geb. 19. Okt. 1682, f 9. Mai 1722. H. 1,65, Br. 0,80 m. 

Monstranz. Vergoldetes Kupfer und Silber. Klassizistisch. Weinlaub- 
kranz um das Gehäuse mit Madonna und Engelchen. 

Kelch. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Uberfang. Vasennodus. Um 1670. 
Beschauzeichen Regensburg. Meistermarke H im Rund. 
Schloß. SCHLOSS. Zum erstenmal 1337 als Besitz der Trautenberger genannt. 

1602 folgen auf die Trautenberger die Unruh, 1628 die von Spameck. Nach deren 
Aussterben 1744 Joh. Franz Wenzel Graf v. Kaiserstein, 1769 Graf Leopold 
V. Kolowrat. Seit 1772 im Besitze der Frhrn. v. Reitzenstein. (Reitzenstein, 
Geschichte der Feste Reuth, S. 13, 47, 67, 70.) 

Um 1550 Vergrößerung des ursprünglichen Baues durch Heinrich von Trauten- 
berg. (Vgl. Fig. 54) Um 1671 Reparaturen. 1722 brennt das Schloß ab. Gegen 
1800 abermaliger Umbau. (Reitzenstein a. a. O., S. 34, 57, 64, 77.) Seine heutige 




Fi«. 54. 



Reuth. Ansicht nach Karte Nr. 3x88 (von 1607) 
im Reichsarchiv München. 



Grabsteine. 



Reuth. — Riglasreuth. — Scbönremh. ^l 

Erscheinung beruht auf den Neubauten von 1905/06. Gewölbte Räume des Erd- Schloß, 
geschosses dem 17. — 18. Jahrhunderts angehörig. In einem Zimmer Supraporten 
mit Ansichten von Schloß Reuth, Premenreuth etc. Um 1800. In verschiedenen 
Räumen Ahnenporträts. 

Über Sagen (Vehmengericht und Weiße Frau) vgl. Schönwerth II, 420. 

RIGLASREUTH. 

VO. V, 418—420; VIII, 308; XVII, 230; LIV, 187. — MB. XXXVIa, 422, 
600. — Reg. Boic. V, 203; XII, 293. — Wiltmaister, S. 309. — Destouches, 
Statistik, S. 176. — Zech von Lobming, S. 89. — Heinritz, Taschenbuch, S. 142. — 
Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken (v. Hagen), VIII, 3. Heft 
(1862), 92. — Quellen und Erörterungen VI, 200. — Sperl, S. 422 f. 

KATH. KAPELLE ST. WOLFGANG. Zur Pfarrei PuUenreuth. Ma- Kapdie. 
trikel R., S. 408. 

Ganz einfacher Bau mit Flachdecke. 

Auf dem anspruchslosen Barockaltar fünf holzgeschnitzte Figuren Hoizfiguren. 
eines mittelalterlichen Schreinaltars : In der Mittelnische St. Wolfgang, I^urentius und 
Sebastian, zu selten der Altarsäulen St. Mauritius und Johannes Ev. Mauritius trägt 
Maximiliansrüstung mit Kuhmäulem. Gegen 1520. H. 1,25 m. Durch Fassung 
geschädigt. Am Altar kleiner Tabernakel mit Knorpelwerk. Um 1670. Gut. 

An der Seitenwand rechts bemalte Holzfigur des hl. Michael. Flottes Barock- 
werk. H. ca. 1,20 m. 

EHEM. SCHLOSS. Besitzer: vom 15. bis Mitte des 17. Jahrhunderts die Ehem. Schioü. 
Mengersreuther. Vom Ausgang des 17. bis ins 19. Jahrhundert die Brodreis. 

Das Schloß brannte 1849 *^* Klassizistischer Neubau. Jetzt Porstamt. 

SCHÖNREUTH. 

Wiltmaister, S. 309. — Zech von Lobming, S. 90. — Destouches, Statistik, 
S. 177. — Heinritz, Taschenbuch, S. 142. — Ehrnthaller, Kemnath, S. 50 f. — 
Bavaria II, i, 526. — Sperl, S. 416 f 

KATH. KAPELLE ST. SEBASTIAN. Zur Pfarrei Kemnath. Matrikel R., Kapelle. 
S. 413. 1694 und 1819 abgebrannt. 1844 Neubau mit Benutzung alten Mauerbestandes. 

Wenig eingezogener halbrunder Chor. Langhaus in der Tonne gewölbt. 

Altärchen um 1700. Einfach. Altarbild St. Sebastian. Kopie eines guten 
Originals. 

Im Pflaster Grabstein. Gänzlich abgetreten. Jahreszahl mcccclxxxttit (= 1484) Grabstein, 
erkennbar. Quarz. 2 m : 0,95 m. (Vgl. Ehrnthaller, S. 51.) 

EHEM. EDELGUTER OBER- und UNTERSCHONREUTH. Von Ehem. 
den Besitzern seien die v. Bemclau hervorgehoben. 1790 vereinigt durch Herrn ^deigutcr. 
V. Kammerloher. 

Schloß Oberschönreuth 1819 abgebrannt und nicht mehr aufgebaut. Unter- 
schönreuth ganz einfacher, dreistöckiger Bau um 1700. Jetzt Bauernhof. 

Vor dem Dorf an der Straße nach Kemnath WEGKAPELLE mit Stein- Wegkapeiie. 
Statue des hl. Johannes von Nep. Laut Inschrift Stiftung der Frau Ludmilla von 
Schimding, geb. von Mosen, 1734* 



X. B.-A. Kemnatb. 



SCHWARZENREUTH. 

B, EHEM. SCHLOSS. Wiltmaister, S. 309. 

Zum Hirsch bergischen SchloOgut in Ebnath gehörig. {Vgl S. 23.) Doppel- 
geschossiger Kau mit Giebeln an den Schmalseiten. An der östlichen l.angseite vom 



Boden aufgehender, erkerartiger Vorbau mit Kellereingang. Gotisierende Fenster- 
gewände. Haustüre und Kellereingang rundbogig. An letzterem die Jahreszahl löoj. 
(Fig. 5S-) 

Am Weg nach Ebnath Bildsäule des hl. Johannes von Nep. Sandstein. 
i8. Jahrhundert. 

SENKENDORF. 

Kleine Dorfkapelle. Die an einer Seitenwand befindliche HOLZCJE- 
SCHNITZTE GRUPPE der hl. drei Könige ging jüngst in den Besitz des Bayer. 
Nationalmuseums über. Krippenartige Anordnung. Der Mohr vollrund. Um 1490. 
Gut. H. 0,93 m. (Fig. 56.) (Vgl. Gc. Hager, Die Weihnachtskrippe, München 1902, 
S. 20 ff.) 

SIEGRITZ. 

VO. VI, 151; XXXIU, 51. — MB. XXV, 210. — Oberpfälzisches Wochen- 
blatt 1798, S. 318. — Krenner XII, 467. — Uestouches, Statistik, S. 383. — 
Heinritz, Taschenbuch, S. 142. — Bavaria II, 1, 487. — R. u. H. v. Revizenstein, 
Geschichte der Veste Reuth, Bayreuth 1865, S. 44, 51, — Kreisarchiv Amberg, Land- 
sassenakten Nr. 416. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10. Desgleichen 
auf deren Kopien, vgl. S. 10. 



Siegritz. 7 j 

KATH. KAPELLE ST. ANNA. Zur Pfarrei Erbendorf. Matrikel R., 1 

S. 419. 

1813 durch den Gutsherrn Joh. Nep. von Ibscher erbaut. (Matrikel R.) 
Außerhalb des Ortes im Feld gelegen. Bescheidener Bau mit dreiseitigem 

Schluß ohne Einziehung. Spiegeldecke mit Stichkappen. Kuppeldachreiter über dem 

Westgiebel. 

Einfaches Barockaltärchen. 



EHEM. EDELSITZ. Im 14. Jahrhundert sitzen hier zuerst die Pfreimder; Eh< 
nach ihnen die Streitberger bis gegen Schluß des 16, Jahrhunderts. Im 17. Jahrhundert 
die Steinhauser und Weickmann, denen im 18. Jahrhundert die von Schepper und 
Ibscher folgten. Im 19. Jahrhundert Ibscher und Kiinsberg. 

Dreistöckiger Bau des 18, Jahrhunderts. Jetzt Ruine, ohne Dach. Ringsam 
Graben, als Garten benutzt. 



X. It. A. Kemnath. 



Fig. !7. Thiimieiiniith. TympioDn TOm Denkmil d« Mutha HothafI in der Pfinkirchc. 

STEINBÜHL. 

BURGSTALL. Das Gut zu Steinbühl wird 1573 als freies Eigen des 
Traut enbergers zu Reuth bezeichnet. (R. u. H. v, Reitzenstein, Geschichte der 
Veste Reuth, Bayreuth 1865, S. 42.) Weitere Nachrichten fehlen. 

Nördlich am Dorf auf ebenem Terrain gelegen. Kleine, ungefähr quadratische 
Anlage für einen mit Graben und Schildmauer umgebenen Wohnturm. Aufgehendes 
Mauerwerk nicht mehr vorhanden, 

THUMSENREUTH. 

VO. XV, 48. 449; XVII, 9a, aia; XVIU, 156, 231, 334; XXIII, 259; XXIV, 
36; XXXIU, 5a. — Oberpfalzisches Wochenblatt 1798, S. 325*1"., 340 ff., 357 ff., 
366. — Krenner X, 319—325; XII, 44, 407. — Destouches, Statistik, S. 284. — 
Heinritz, Taschenbuch, S. 142. — Bavaria II, i, 486 f. — R. u. H. v. REtrzEN- 
STEiN, Geschichte der Veste Reuth, Bayreuth 1865, S. 20, 32, 34, 48 f., 52, 55. — 
Sperl, S. 414. — Kreisarchiv Amberg, Landsassen akten Nr. 423. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10. Desgleichen 
auf deren Kopien, vgl. S. 10. 

SIMULTANPFARRKIRCHE U.L.FRAU. Prot. Pfarrstatistik, S. 254. 
— Matrikel R., S. 419. 

1715 Erbauung des Turmes, der S.ikristei und der Oratorien und neue Chor- 
wölbung durch Maurermeister Joh. Leonhard Mayer von Neustadt a. W.-N. (Bau- 
akten im prot. Pfarrarchiv, Nr. XXVHL) 

Eingezogener Chor mit dreiseitigem Schluß. Tonne mit Stichkappen auf zwei Joche. 
Flachgedecktes Schiff zu drei Fensterachsen. Turm mit Kuppeldach dem Chorhaupt vor- 
gelegt. Südlich vom Chor die Sakristei mit Obergeschoß, nördlich Herrschafts Oratorien, 



Thumsenreuth 
Abendmahlskanne der prot. Gemeinde 



Thumsenreuth. -je 

Altar. 1725 durch den Bildhauer Johann Michael Dosser von Auerbach i 
verfertigt. (Akt XXVIII im prot. Pfarrarchiv. Ebenda Dossers Skizze von 1723. ' 
Mit Veränderungen ausgefiihrt.) Vier Säulen. Im Mittel Relief der Auferstehung 
Christi. Evangelisten sei tenfiguren. Oben Gott Vater, geschnitzt. Akanthuslaub. 
Am Gebälk Doppelwappen Lin- 
denfels und 1744. (Bezieht sich 
auf die Fassung, für die Job. 
Franz Lidtmann, Maler von Nab- 
burg, 1740 Voranschläge macht. 
[Pfarrarchiv a. a. ü.]) 

Kanzel. ijiSdurch Joh. 
Michael Dosser errichtet. (Pfarr- 
archiv a. a. O.) Am Korpus die 
vier Evangelisten, geschnitzt. 
Am Schalldeckel Doppelwappen 
Lindenfcls. Akanthuslaub mit 
Bandmotiven. 

Taufstein. Holz, mit 
Johannesfigur. 

An der Emporen brüst ung 
Gemälde auf Holztafel : 
Triumphzug der Bundeslade. 
Darüber Ehewappen Lindenfels- 
Trautenberg mit Inschrift: //anß 
Achats von Lindenfeh Maria 
Eva von Lindenfeh Geborne v. 
Trautenberg 1687. 

An der Nord wand des 
Langhauses Epitaph der am 
18. Oktober 1589 infolge eines 
Sturzes vom Pferde verstorbenen 
Martha Nothaft, geb. v. Secken- 
dorf Im Tympanon Darstellung 
des Unglücksfalles; im Hinter- 
grund das Schloß. (Fig. 57.) 
Im Mittel die Familie vor dem 
Gekreuzigten, darunter Wappen- 
sockel; Ehewappen Nothaft-Sek- 
kendorf. In den Ecken : Secken- 
dorf. Stein v. Altenstein, Reclien- 
berg, Knöringen. Umschrift in 
Versen mit Schilderung der Be- 
gebenheit. DieReliefs handwerk- 
lich. Quarz. H. 2,90, Br. 1,10 m. 

Geräte des prot. Kultus. 
Abendmahlsk eich, Silber, ver- 
goldet. Sechspaßfuß. Nodus mit 

runden Rotuli. In diesen drei Fig. 58. IhumKareuth. Mamtranr d« kath. PCirrei. 



^6 X. B.-A. Kcmnith. 

. emaillierle Wappen : Truchseß von Wezhausen, Kotzau, Mnutner (?), außerdem A und P. 
Schaft scchskantig mit gravierten Rosetten. Um 1600, — Abendmahlskanne. 
(Tafel IV.) Silber, teilvergoldet. Breiter, flacher Akanthus, Tulpen, Engels köpfchen. 



Am GcRiß einerseits Dame mit Fächer, anderseits Doppelwappen Lindenfels-Trauten- 
berg. Inschrift: Eva Barbara von Lindenfeh 1681. Am Fuß Silbergewicht: 3410t. 
H. 17 cm. Beschau zeichen K im Vierpaß. Meistermarke TZ im Oval. 



Thumsenreuih 
Grabstein des Pfarrers Laubmann an der Friedhofkapelle 



k. Kemnath 



Tbnmsenreulh. yy 

Geräte des kath. Kultus. Monstranz. (Fig. 58.) Vei^oldetes Alessing pr«. 
und Silber. Vierpaßfuß mit ausspringenden Ecken. Neben dem ovalen Gehäuse *""»' 
Säulentabernakel fiir zwei Figürchen : St, Ignatius und Franz Xaver (?), Über dem 
Gehäuse Baldachin mit durchbrochenem 
gotischen Kuppeldach. Interessante 
Mischung von Gotik und Renaissance, 
die nicht auf Kompilation zu beruhen 
scheint. H. 75 cm. Um Mitte des 
17. Jahrhunderts. {Die Strahlen scheibe 
spätere Beifügung.) ^ Kelch. Ver- 
goldet. Sechspaßfuß. Gedrückter 
Nodus mit rautenförmigen liegenden 
RotuU. Spates 16. oder frühes 17. Jahr- 
hundert, 

An der Friedhofkapellc Grab- 
stein des Pfarrers Thomas I^ubmann, 
f 16 / / und seiner Ehefrau Anna Con- 
cordia, geb. Hofmann von Bayreuth, 
f 27. April 1686. Mit Porträt des 
Pfarrers in ganzer Figur. Gute Arbeil. 
(Tafel V.) Quarz. H. 2 m, Br. i m. 
Am Rand unten rechts verletzt. 

SCHI.ÜSS. Den Thumsen- Sch 

reuthem folgten die Trautenberger als 
Besitzer, Im 15. und 16. Jahrhundert 
die Nothaft, Hans Nothaft trägt das 
Gut 1478 der Pfalz zu I^hen auf. 
(Kreisarchiv Amberg, Landsassen 423.) 
Von 1596 bis i66i rasch wechselnde 
Besiufolge. (Vgl. Bavaria a a. O.) 
Seit 1661 befindet sich Thumsenreuth 
im Besitz der Frei herrlichen Familie 
von Lindenfels. Gegenwärtiger Besitzer 
Karl Frhr. v. Lindenfels, Reichsrat der 
Krone Bayerns. 

Das heutige Schloß beruht im 
wesentlichen auf dem von Christoph 
Nothaft 1586 aufgeführten Bau, bei 
welchem ältere Mauerbestände und 
namentlich ein mittelalterlicher Turm 
mit einbezogen wurden. Das Schloß ist 
ein dreigeschossiger, rechteckiger Bau 
mit hohen Giebeln, An der Südwest- 

eckeeinturmartigerVorsprungmitüber p;,. fc. Thunnenreuth. Erktr »m SeWoO. 

Eck gestelltem Erker. (Fig, 59 u. 60.) Erk« 

Der Erker ruht auf reich protiherter Vorkragung und besitzt ein Wappen- und ein 
Maßwerkfries. Während am Wappenfries die gleichzeitige Renaissance sich aus- 
spricht, zeigt der MaGwerkfries noch völlig spätgotische Formen. (Vgl. die nämliche 



yg X. B.-A. Kemnath. 

Schloß. Erscheinung am Schloß zu Friedenfels, S. 27.) Eine Inschrift am Wappenfries be- 
zeichnet Christoph Nothaft von Weißenstein und seine beiden Hausfrauen, die erste 
eine geb. v. Biberen, die zweite eine Seckendorf, als Erbauer des Schlosses, 1586. 
Ein getreues Bild des Nothaftschen Baues gibt das Tympanonrelief auf dem Grab- 
denkmal der Martha Nothaft in der Pfarrkirche. (Fig. 57.) 

Am Haustor nach Osten die Jahreszahl 1662 und Ehewappen des Jobst Bern- 
hard von Lindenfels und der Anna, geb. von Künsberg. 1774 erfolgte laut Bau- 
inschrift (an der Nordseite) durch Joh. Christoph Heinrich Wilhelm Frhrn. v. Linden- 
fels eine gründliche Restauration. 

Die Innenräume sind mehrfach mit Rokokostukkaturen oder klassizistischen 
Wand- und Deckenmalereien ausgestattet. Etliche Rokokoöfen erhalten. Viele 
Ahnenporträte. 
Epitaph. Im Stiegenhaus altarähnliches Holzepitaph für Hans Kaspar von Linden- 

fels auf Nairitz, f 1634, und seine Familie. Christus am Kreuz mit der betenden 
Familie. Seitlich 16 Ahnen wappen. (Das Epitaph stammt aus der Pfarrkirche zu 
Birk [O.-Fr.l, wo Hans Kaspar als der Letzte der Nairitzer Linie begraben wurde.) 

TRAUTENBERG. 

VO. XVII, 106; XIX, 241; XXV, 39; XXXIII, 13, 52. (Über das Geschlecht 
der Trautenberger vgl. Register zu VO. [Bd. 1—40], S. 505.) — Reg. Boic. II, 354; 
V, 28; VII, 375. — WiLTMAiSTER, S. 309. — Destouches, Statistik, S. 178. — Zech 
VON LoBMiNG, S. 81. — Krenner XII, 467. — Heinritz, Taschenbuch, S. 142. — 
Bavaria II, i, 485. — Heinrich Gradl, Mon. Egrana, Nr. 301, 373, 459, 531, 503. 
— Herm. Frhr. v. Reitzenstein-Reuth , Geschichte der FamiUe von Reitzenstein, 
München I (1891), 303 ff. — Heinrich Gradl, Geschichte des Egerlandes (bis 1437), 
Prag 1893, S. 127, 172, 173, 206. — Sperl, S. 403. — Götz, S. 788. — Frey, 
Bayrische Adls Beschreibung, Cod. germ. d. Kgl. Hof- und Staatsbibliothek München 
Nr. 2290, Tom. XXV, 333 ff. — Kreisarchiv Amberg, Landsassenakten Nr. 424. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10 (Fig. 40). — 
Desgleichen auf deren Kopien, vgl. S. 10. 
Burgruine. BURGRUINE. Geschichtliches. Das uralte oberpfalzische Geschlecht 

der Trautenberger, das seit dem 13. Jahrhundert genannt wird (Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 205, 222. — VO. XXXI, 267), hatte hier seinen Stammsitz. 1387 besitzt es 
Peter Pfreimder. (VO. XXXI, 282; VI, 153.) Es folgen die Schütz von Leineck 
von 1444— 1556. (Bavaria a. a. O. — VO. XXXIII, 52.) Von 1597 bis ca. 1650 be- 
sassen das Gut die von der Grün. (Bavaria. — Vgl. Sperl, 403 f. — VO. XXU, 469.) 
Vom 18. Jahrhundert ab finden wir die Hirschberg als Besitzer. Sie verkauften 1849. 
Jetzt zum Schloßgut Thumsenreuth des Reichsrates Karl Frhrn. v. Lindenfels gehörig. 

Beschreibung. (Grundriß und Schnitt Fig. 61. — Ansicht Tafel VI.) Die 
Ruine liegt nordöstlich über dem heutigen Dorf Trautenberg in halber Bergeshöhe 
auf einer kleinen, vorspringenden Zunge, die nach drei Seiten steil abfallt. Kleine 
Anlage. Erhalten der tiefe Halsgraben gegen den Bergabhang und ein ca. 8 m 
langes Stück der Ring- bzw. Schildmauer. Sie besteht aus zwei aneinander gefügten 
Mauern, von denen die äußere 1,30 m, die innere 0,70 m stark ist. Füllmauerwerk 
mit unregelmäßig geschichtetem Mantel von Homblendegneis und Granit. Noch 
ca. 7 m hoch. In der Tonne gewölbter kleiner Keller, wohl später angelegt. Die 



Trauienberg 
sieht der Burgrui 



Traulenberg. — Trevesenhammer. 



79 



Burg wurde wohl infolge ihrer UnwohnUchkeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts ver- 
lassen (vgl. das Folgende) und zerfiel allmählich. Über eine feindliche Zerstörung 
bestehen keine Nachrichten. 

NEUES SCHLOSS. Im Dorf. Einfacher, zweigeschossiger Bau mit Walm- Eh. 
dach. Über der Türe Wappenstein mit Ehewappen von der Grün und Österreicher 
von Teublitz. Darüber HVDG (= Hans von der Grün) und SOVD {= Susanna 





Österreicher von Deublitz. [Reitzenstein a. a. O., S. 304]). Darunter Inschrift: Alü 
matt geschriben 1608 Jkar dises Hauß durch HVDG (= Hans von der Grün) erbauet 
war. Quarz. H. ca. 70 cm. — An einem Nebengebaude Wappen des Hans von 
der Grün mit Jahreszahl 161$ und Wappen der Hirschberg mit Jahreszahl ij6g. 

Kleine ORTSKAPELLE mit Schindeldachreiter. 1 



TREVESENHAMMER. 

EISENHAMMER. VC. V, 417, 420; XV, ii; LIV, 186. — Reg. Boic.Ei, 

IV, 98, 164; VIII, 266. — Zech von Lobming, S. 81, — Destouches, Staiistik, 
S. 177. — Heinritz, Taschenbuch, S. 141. — Bavaria II, 1, 488. — Gradl, Mon. 
Egrana, Nr. 347, 353. — Sperl, S. 440. — Kreisarchiv Amberg, Landsassen akten 
Nr. 425. 



go X. B.-A, Kemnath. 

T. Gegründet wahrscheinlich durch Kloster Waldsassen. (Gradl, Mon. Egrana, 332, 

— Reg. Boic. IV, 98; VIII, 166.) Hammerbesitzer im 17. Jahrhundert die Steinhauser 
und Schreyer; im 18. Jahrhundert die Ponzelin; im 19. Thoma und Sperl. 

Einfacher, klassizistischer Bau. Über dem Eingang Jahreszahl 1S2? und Wappen 
der Sperl. 

UNTERDRÜCK. 

EHEM. EDELSITZ. Wiltmaister, S. 309. — Zech von LoBMrNC, S. 88, 

' 91. — Destouches, Statistik, S. 178. — Heinritz, Taschenbuch, S. 142. — Bavaria 

II, I, 524. ^ Sperl, S. 427, 434. — Kreisarchiv Amberg, l^ndsassenakten Nr. 429. 



Die Inhaber des Leuchtenbergi sehen Lehens betr. vgl. Bavaria und Sperl. 

Einfacher Bau des 17. Jahrhunderts. Walmdach. Im zweiten Geschoß an der 
südlichen Langseite Erker. Die bossierten Torpfeiler Zutat des 18. Jahrhunderts. 
(Ansicht Fig. 62.) 

UNTERLIND. 

VO. LIV, 187. — J. Gg. I.ORI, Sammlung des balerischen Bergrechtes, München 
1764. p. XXXIV, CV, 603, 618. — Bavaria 11, i, 524- 

KATH. LORETOKIRCHE. Zur Pfarrei Fichtetberg (B.-A. Bayreuth). 
Matrikel R,, S. 400. 

Erbaut um 1686. (Matrikel R.) 

Rechteck mit Tonne ohne Fenster. Kuppe Idachreiter. 

Altar ohne Säulen mit Holzdraperie, Gewandengeln und Putten. Um 1740. 
Über dem Tabernakel die holzgeschnilzten Figürchen der hl. Ursula, Barbara, 
Margareta und Katharina, tiute Barockarbeiten. 



Unterlind. — Waldeck. 8l 

Kelch. Silber, teilvergoldet. Kupa mit Uberfang. Am Nodus Engels- Kirche, 
köpfchen. Breiter Akanthus. Am Fuß Stifterinschrift: löSj, J. E. F. V. A, (= Johann 
Ernst Freiherr von Altmannshausen). Beschauzeichen Augsburg. Meistermarke Ali 
im Oval. 

Epitaphien. (Gußeisen.) i. Anna Katharina Michlin, Bergschreiberin, 
f 1692. — 2. Joh. Philipp Michel, Bergschreiber, f 1700. — 3. Barbara Weinbergerin, 
Bergschreiberin, f ////. 

In einem Nebengebäude des ehemaligen Hammers STIFTERTAFEL, siiftcrtafei. 
Inschrift: Alß man Zelt IS47 Jahr den i^ May geborn war Thobias pauer der eltter 
difi gschlicht der Allzeit gehandeltt vf rieht vnd recht • Fritz Bauer zu ebnath war 
men vatter Ein Mobleysin i^on Schön/ elldt meine mutter • Alß man i^Sj schreiben thet • 
Anna Schmiedtlin von Redwitz ich mir erweit Zu einer Havßfrauen fünvar • mit 
welcher ich lebt j6 Jahr • 7vie man ißSj thet zehlen niederlindt zur Baustett thet ich 
erwehlen • diesen Hammer erbaue ten wir aufi den Grün dt daran Wir erlitten viel 
saurer stundt Nach christi geburt Alß zehlten wir Tausent sechshundert zehen vnd 
vier • zu Bauen difi Haufi ich thet fangen an • /// dem mir Gott mein Haififrau 
am den Ersten septembr schlief sie ein • Gott hat uns bescherdt neun kinderlein • 
kom her vnd schaff mir auch bald ruh denn ich bin satt der sorg vnd Müh vnnd gieb 
Gnad das All mein NacJikhomen difi Haufi besitzen mit ihren frommen Amen. 

Hiob ig cap. Ich weifi das mein erlöser lebet vnd er wird mich hernach aufi 
der erden auff wecken. H. 1,30, Br. 0,70 m. 

WALDECK. 

VO. XV, 107; XVII, 68, 92; XVIII, 278; XXII, 199, 235, 293; XXIV, 28; Literatur. 

XXV, 64; XXVI, 140; XXVII, loi; XXXIII, 41; L, 146. — MB. XXVII, 65; 
XXIXa, 309; XXXa, 242; XXXVIa, 421 — 424. — Reg. Boic. II, 354; III, 46, 320; 
IV, 126, 202, 258, 674; V, 368, 447; VI, 206; IX, 106; XIII, 333. — Paul Zeidler, 
Insignia urbium et vicorum superioris palatinatus electoralis in Bavaria, carminis 
genere diverso descripta, Regensburg 1585. — Theatri Europaei Continuatio III .. . 
durch Henricum Oräum Assenhaimiatem, Frankfurt 1644, S. 186. — Martin Zeiler, 
Geographische, Historische und Genealogische Beschreibung der Zehen des H. Rom. 
Teutschen Reichs Kreußen, Nürnberg 1694, S. 306. — Historischer und Politischer 
Merkurius, . . . Von dem Monat September des 1704 ten Jahrs, Nürnberg 1704, 
S. 1038 — 1042. — Zimmermann, Kalender V, 184 ff. — J. A. Aetienkhover, Ge- 
schichte der Herzoge von Bayern, Regensburg 1767, S. 196 ff. — Wiltmaister, 
S. 307—310. — Zech v. Lobminü, S. 92. — J. Th. B. Helfrecht, Ruinen, Alter- 
thümer und noch stehende Schlösser auf und an dem Fichtelgebirge, Hof 1795, 
S. 173. — Geographisch Statistisch-Topographisches Lexikon von Bayern, Ulm III 
(1797), 570. — Churfürstl. oberpfiilzisches Wochenblatt vom Jahre 1802, Sulzbach, 
S. 295 ff. — Destouches, Statistik, S. 168. — A. Fink, Beyträge zur Geschichte der 
Grafschaft Sulzbach, Zeitschrift für Baiern und die angränzenden Länder, 2. Jahrg., 
4 Bd., München 181 7, S. 133, 162. — Heinritz, Taschenbuch, S. 140. — Jon. Ferd. 
Huschberg, Geschichte des herzoglich und gräflichen Gesamt-Hauses Ortenburg, 
Sulzbach 1828, S. 79. — Karl Hohn, Atlas von Bayern, Nürnberg 1840, IV, 164. 
— Jos. v. Fink, Das Amt Waldeck unter Herzog Ludwig dem Strengen, VO. VIII 
(1844), 302 — 312. — Wutmann, Chronologische Darstellung der von den Pfalz- 
Heft X 6 



82 



X. 6.-A. Kemnath. 



Ansichten. 



Literatur, grafen etc. geraachten Erwerbungen, Ablindlgn. d. Hist. Kl. d. Kgi. Bayer. Akad. d. 
Wissensch., Bd. V, Abt. 2 (1849), S. 41. — Derselbe, Geschichte der Landgrafen 
von Leuchtenberg, ebenda, Bd. VI, Abt. i (1850), S. 14 ff., 23, 26, 42 ff., 53, 61. — 
MuFFAT, Das Bündnis des Adels und der Städte Oberbayerns etc. 13 15, ebenda 
Bd. VII (1855), S. 280, 285. — Plfjckhard Stumpf, S. 482. — Sechzehnter Bericht 
über das Wirken des hist. Vereins Bamberg (1853), S. 59. — Ehrnthaller, Kem- 
nath, S. 44 — 50. — Stillfrieü und Märcker, Monumenta Zollerana IV, Nr. XXXVI. 
— Gg. Brunner, Geschichte von Leuchtenberg, Weiden 1862, S. 17 f. — Bavaria II, 

I, 523 f. — R. u. H. v. Reitzenstein, Geschichte der Veste Reuth, Bayreuth 1865, 
S. 9 ff., 24, 51. — Quellen und Erörterungen VI, 259, 300. — Riezler I, 878; 

II, 389; III, 960. — Emil Werunskv, Geschichte Kaiser Karls IV, Innsbruck II 
(1882), 359 f. — Böhmer-Huber, Regesten des Kaiserreichs unter Karl IV, Nr. 1568, 
2574, 2740. — OiTO Kleemann, Die Grenzbefestigungen im Kurfürstentume Bayern 
zur Zeit des spanischen Erbfolge-Krieges, München 1885, S. 17 ff. — Joh. Looshorn, 
Geschichte des Bistums Bamberg, München II (1888), 175. — Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 205, 277, 339, 362, 373, 471, 503, 652. — Derselbe, Geschichte des Egerlandes 
(bis 1437), Prag 1893, S. 150, 314 f. — Koch und Wille I, Nr. 2739, 2740, 2942, 
3001, 3502, 3506, 3772, 4230—4232, 4942. — DoEBERL, Markgrafschaft, S. 58 f., 
63 ff., 85. — Götz, S. 786. — A. Schmidt, Führer durch das Fichtelgebirge und 
den Steinwald, Wunsiedel 1904, S. 204. — K. Staudinger, Geschichte des kur- 
bayerischen Heeres, München I (1901), 118, 234, 245 (vgl. Ortsregister S. 129*); 
II (1904), 611, 1071. — Piper, S. 729. 

Ansicht auf Karte Nr. 3277, vgl. das Nähere S. 10 (Fig. 64). — (Grundriß und 
zwei Ansichten von Christoph Zäriel, Baumeister in Waldsassen, Reichsarchiv 
München, Plan-Sammlung Nr. 3279. (Wohl 18. Jahrhundert.) (Tafel VIII.) — Grundriß, 
ebenda Nr. 2964. — Ansicht von Norden, 1704, Kupferstich i. Hist. u. Polit. Mer- 
curius 1704, S. 1032 (Fig. 65). — Kopie derselben, Heinritz, Taschenbuch, S. 140. — 
Ansicht von Süden, Ölbild bei Bürgermeister Karl Pöllath in Waldeck. Vor 1794. 

KATH. PFARRKIRCHE ST. JOHANNES V. NEP. Matrikel R., 
S. 413. — Zimmermann, Kalender V, 186. — Ehrnthaller, S. 48 f. 

Die mittelalterliche Pfarrkirche St. Ägydius, Filiale von Kastl, befand sich auf 
der Feste. 1674 Errichtung einer selbständigen Pfarrei. (VC). XXV, 103.) 17 11 
Bewilligung einer KoUektur zur Erbauung der Marktkirchc St. Anna. Die ehemalige 
Schloß- und Pfarrkirche St. Ägydius war bei Demolierung der Feste ruinös geworden. 
(Reichsarchiv München, Landgericht Waldeck, Nr. 18. — Bauakt im Kreisarchiv 
Amberg, Amt Wakleck, Fasz. CLXV, A. 3538.) 1794 brannte die Marktkirche mit 
dem Markt nieder. (Matrikel R., S. 413.) 

Franz Anton Reichsgraf Oexle von Friedenberg schenkt am 27. September 1794 
die ihm gehörige, V4 Stunde östUich von Waldeck >^im Höritz« gelegene Wallfahrts- 
kirche Sl Johann v. Nep. der Bürgerschaft. Der Markt wird um diese neugebaut 
(mit Aufgabe der ursprünglichen Lage am Südabhang des Schloßberges [vgl. Fig. 66]) 
und die Wallfahrtskirche zur Pfarrkirche erhoben. 

Erbaut 1731. Stiftertafel beim rechten Seitenaltar: Dise Cappel hat erbauen 
lassen und dotiert Herr Igftatius Freyherr von Otten Chur Mayntzisch- und Chur 
Bayrischer geheimer Raht, gesander zu Regenspurg Landrichter und Pfleger zu Wald- 
eck Kemfiath und Vichtelberg und dessen Frau Gemahlin Maria Euphrasia Freyin 
von Otten^ gebohrne Albrecht von Lautterburg Im May des Jahrs 17J1. 

Erweiterung 1738 (Matrikel R.). Turmbau 1821/22. 



Pfarrkirche. 



Geschichte. 



Fi«. 6] Waldcgl;. Inniniinsichl d,^r Pfairkirch«. 

Gegen Norden gerichtet. Eingezogener, langer Chor, außen halbrund, innen 
geradlinig geschlossen. Tonne mit Stichkappen auf zwei Ken sie räch sen. Schiff zu vier 
Fensterachsen mit Spiegeldecke und Stichkappen. Sakristei im halbrunden Chor- 
schluß. Turm dem I^nghaus südlich vorgelegt. 

In Chor und Schiff elegante Stukkierung im Stil des frühen Rokoko. ; 
1-aub- und Handwerk, Gitter, gemischt mit Rokokoschweifwerk. (Fig. 63.) An den 
Wänden Flachpilaster mit Mu seh el werk kapitellen. 



84 X. B.-A. Keinnath. 

Oeckenbilder. Im Chor: Die Verherrlichung des hl. Joh. v, Nep. Im 
■ Schiff fünf Bilder. Hauptgemälde: Joliannes vor dem König (Tafel VII). In den 
vier Eckbildern: Johannes predigt, hört die Beichte der Königin, wird mit Fackeln 
gebrannt, sein Leichnam wird aufgefunden, Flotte perspektivische Kompositionen. 
1904 restauriert. N'ach Ehrnthai.ler (S. 48) wurden die Gemälde und Stukkaturen 
durch die Gebrüder Asam gefertigt. Kine weitere Beurkundung für diese Nachricht 
wurde nicht gefunden. Die stilistischen Momente sind derselben günstig. 



Anuchl des SthlcHiM Dich K.irif Nr. 31177 im Reichiarchiv MÜncUen (16. Jahrhundert]. 

Drei gute Rokokoaltärc mit geschweiften Streben. Am linken Seitenaltar 
F.ngelhermen. 

Kanzel einfaches Rokoko. 

Orgelgehäuse barock. Gut. 

Kreuzweg mit Kokokorahmen. Beachtenswert. 

Geschnitztes Relief der vierzehn Nothelfer in Akanthusrahmen, H. ca. 
1,30 m. Um 1720. 

Kelche. Silber, vergoldet, i. Mit Laub- und Bandwerkornament. Beschau- 
zeichen Augsburg mit Jahresbuchstaben C (1737 — 1739)- Meistermarke 8D im Recht- 
eck. (Rosenberg, 361: Salomon Dreyer.) — 2. Mit Rokokoschweifwerk. Beschau- 
zeichen Augsburg mit Jahresbuchstaben T (1769—1771). Meistermarke undeutlich. 
~ 3. Akanthus mit Blumenkörben und Bandwerk. Um 1710. Ohne Marken. 

Glocke. 1787 von Dival in Amberg. 

BURGRUINE. Geschichtliches. Waldeck gehört zu den ältesten 
Burgen des bayerischen Nordgaues. Zum erstenmal wird es 1114 genannt (vgl. 
Einleitung S. 3) und zwar als Besitzung der Leuchtenbergcr. Indem wir bezüglich 
der politischen (ieschichte auf die Ausführungen in der Einleitung verweisen (S. 2 ff.), 
verzeichnen wir nachfolgende bau geschichtliche Ergänzungen. 



Wardeck 

Deckengemälde in der Platrkirche 



In einer 1270 zu Waldeck ausgestellten Leuchten berger Urkunde wird ein 
,Rupertus de supeiiori Castro' als Zeuge genannt. (MB. XXVII, 65.) Dieser Um- 
stand begründet die Annahme, daß schon die romanische Burg ein »Oberhaus», wie 
es später genannt wird, und eine tiefer gelegene Anlage besaß, dementsprechend 
vielleicht auch ein doppeltes Burglehen. (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, 
Heft VIII, B.-A. Vohenstrauß, S. 97 [Tannesberg]. — VO. XL, 136 ff.) 

Wohl noch im Laufe des 16. Jahrhunderts wurden die mittelalterlichen Be- 
festigungsbauten mit Wehranlagen fiir Feuergeschütze verstärkt und erweitert, wie 
aus der Abbildung Fig. 64 hervorgeht. 

Am 15. Juli 1648 mußte das Schloß nach zehntägiger Belagerung durch Königs- 
marks Obristen Penzen wegen Mangel an Besatzung übergeben werden. (Reichs- 
archiv München, Dreißigjähriger Krieg, Tom. 757, S. 143 ff-) 1634 hatte sich die 
Festung gegen Bernhard von Weimar gehalten. (Reitzenstein, Geschichte derVeste 
Reuth, S. 51. — VÜ. XV, 107.) 

Bis 1698 war das Schloß der Wohnsitz fiir den Landrichter des Amtes Waldeck. 
In diesem Jahre wurde derselbe nach Kemnath verlegt, (Ehrntaller, S. 45.) 

Im spanischen Erbfolgekrieg übergibt der Kommandant Santus Rametha die 
Feste nach zehnmonatlicher Belagerung und zweitägiger Beschießung an die Kaiser- 
lichen, am 14- September 1704. (Staudenger II, 107z. — Vgl. Hist. u. Polit. Mer- 
kurius a. a. O.) 

1707 werden das »Oberhaus«, die Ringmauern, der Pulverturm und die Ba- 
steien, zuletzt auch das aLanghaus« samt Ställen und Stadeln von den Nürnbergischen, 
Bayreuthischen und Bambergischen Truppen auf Veranlassung des «fränkischen« 

Landrichters Hcmmel zu Kemnat 
und des Lieutenants Gratiani 
demoliert. Die zwei Brunnen 
werden auf Bitten der Markt- 
bewohner erhalten. (Reichäarchiv 
München, Landgericht Waldeck, 
Nr. 18.) Der 1722 ausgeführten, 
wohl nur teilweisen Wiederher- 
stellung folgte 1769 der Verkauf 
an Private, womit die Vernach- 
lässigung der Gebäude begann. 
1794 verwandelte ein Brand die 
Reste des Schlosses mitsamt dem 
Marktflecken in Asche. (Ehrn- 

THALLER, S. 45 f.) 

Beschreibung. (Lageplan 
Fig. 66. — Grundriß und Schnitte 
Fig, 67, — Riß des Christoph 
n 65 w.id„k Zartel [vgl. S. 82], Tafel VIIL) 

Lagrpian d(r Burg- und MüFkiruinc nach drm Kauiierbim. Den Zärtelschen Rissen zufolge 

führte die Burgstraße von Osten 
her in die untere Burg. Durch ein doppeltes Tor (Nr. i u. z. — Auf Plan Nr. 2964 
[vgl. S. 82] »Unterthor«) gelangte man auf ^en untern Burghof. Gegen Süden lang- 
gestreckte Stallgebäude (Nr. 3), ebenso gegen Westen. Gegen Nordosten der 
Getreidekasten und die Kapelle (Nr. 5). Südwestlich ein runder Batterieturm mit 



1. DaD Ri 


' Ilndl^H 


•>. Der niJ 


10. Kinder 


11. wieder 


12. Die ae 


1.1. Die Pa 


14. Der sc 


Ih. Hiniler 




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/aldeck. 



87 



Zwinger (Nr. 7), ein weiterer gegen Nordwesten auf der »Steinglipent (Nr. 30). In Burg 
der Nähe desselben führte an den westlichen Stallgebäuden ein Tor in den »äußern '*"''' 
Vorhofi des »Oberhauses« (Nr. 31). Der Burgweg fiihne quer über den Vorhof und 
hatte nach Norden einen zweiten Ausgang, der am nördlichen Abhang des Berges 
zum Tale führt (Nr. 32). Starke Wehranlagen beherrschten hier den Zugang. {Auf 
PLin Nr. 2964 «Ober Thor«.) (Über die AnInge eines doppelten Zu- und Ausgangs 
vgl. Piper, S. z6z, 479-) 



Das >' Oberhaus«', das den Kern der mittelalterlichen Burg in sich schloß, 
erstreckte sich auf der höchsten Erhebung des nach allen Seiten steil abfallenden, 
schmalen Bergrückens in Form eines engen Trapezes von Osten nach Westen. Der 
Zugang erfolgt südlich neben dem Getreide kästen auf steinerner Stiege (Nr. 6), Der 
ringsum ^on hohen gezinnten Mauern umgebene »obere Platze hatte gegen Westen 
emcn Wohnbau mit Fürstenstube und zugehöriger Kammer, Herrenstube, Schreib- 
stube usw. Das Obergeschoß wurde durch einen Schnecken erreicht. (Nr. 14 — 17.) 
Im engsten Winkel gegen Osten Gefangnisse, davor ein runder Turm, welcher als 
der imit Quaterstuckhen zersprengte Thum« eingetragen ist, also zweifellos ein 
Rest des ursprünglichen Bergfrieds. (Nr. 9.) Davor gegen Süden die Gesindestube 
und Gesindehaus, gegen Norden die »Paustuben«. (Nr. 8 u. 13.) 

Gegen Norden und Westen lag dem Oberhaus ein Zwinger mit drei halbrunden 
Batterie türmen vor. (Nr. 20 — 22.) Hin vierter ganz runder Batterieturm schob sich 
östlich über den Bering vor, mit dem er .durch ^Stacheten unndt Außfellen« ver- 
bunden war, »zu Defentirn der Brust undt Stirnmauer.« (Nr. 24. — Auf PI. Nr, 1964 
wird er »Krisecker'^ genannt.) 

Heute sind von der ausgedehnten Feste nur mehr unbedeutende Mauerreste 
erhalten. Füllmauerwerk mit geschichteter Rasaltverkleidung, 



X. B. A. Kemnalh. 



WEISSENSTEIN. 



BURGRUINE. VO. VI, 151 ; VII, 303!.; XV, 48; XVII, 74, 97, 2^2, 267; 
XXIV, 36; XXV, 49, 134, 143, 153, 158, 160; XXXIII, 35, 78; Uli, 164; I-VII, 
167, iÖ9ff. — MB. XXVII, ZI, 33; XXXa, 117; XXXI a. 558. — Reg. Boic. I, 314; 



^^ 



Vll, 273; VIII, 5. — WiGiTLAUS Hund, Bayrisch Stammen -Buch, 2. Teil, Ingolstadt 
1586, S. 193 f. — Wii.TMAiSTER, S. 309. — J. Tli. U. Helkkecht, Ruinen, Alter- 
tiüimer und noch stehende SchRisser auf und an dem Kichtelgebirge, Hof 1795, 
S. 174 f. — Krenner X, 188. — Hetnkitz, Taschenbuch, S. 178. ^ K. Zapf, 
Wanderungen zu den Burgruinen des Fichtcigebirges, Hof 1836, S. 81 f. — Kakl 
Hohn, Atlas von Bayern, Nürnberg 1840, IV, 96. — Pleickhard Stu.mpc, S. 466. — 



Archiv f. Geschichte und Altenu ms künde von Oberfranken V (1852), a. Heft, S. 66. — 
Ravaria II, i, 487 f. — J. Sparber, Die ehemalige Schloßkapelle auf dem Weißen- 
stein, Sulzbacher Kalender 1880, S. 81—85. — Mittheilungen des Vereines für Ge- 
schichte der Deutschen in Böhmen, XXIV. Jahrgang (1885). S. 2a4f-; XXVI. Jahr- 
gang (1888), S. 27a f. — Heinrich Gbadl, Geschichte des Egerlandes, Prag 1893^ 
S. 127, 180, 184, 226, 229 f., 235. — Bayerland V (1894), 47' *"■ ~ ^^^ Streit 
um den Weißenstein zwischen der Abtei Waldsassen und den Herren v. Notliaft. 
Von V. Ö., Regensburger Anzeiger 1897, Nr. 392 und Illustriertes Extrablatt Nr. 53. 
— Sperl, S. 430. — GiJTZ, S. 78z, 788. — A. Schmidt, Führer durch das Fichtet- 
gebirge und den Steinwald, Wunsiedel 1904, S. 207 f. — Piper, S. 733. 



Stammen Beschreibung der Wol Edlen un<l Gestrengen auch Ritiermessigen f 
Thumier Geschlechts der Nothaflten vom Weissenstein und Bodenstain geschehen 
durch die Wol Edlen Herrn Insonderheit den Hoch Erwürdigen Wol Edlen und 
Gestrengen Herrn Ach atz Nothaffien vom Weissenstein zu Tann Hidstett und 
Klischbach, Thumbherrn des Hochstüffts Regenspurg und dann Herrn wolfgang 
Ereyman von und auf Hohen Randeckh Zu Ober und Nider Esingen Rom. Kay. 
May. gehaimen Kath u. Vice Cantzlern. Hernach durch Johann Sigmund Prechtl 
von Sittenbach aus des Geschlechts prieflichen Urkhunden in vielen augirt und ver- 
bessert Anno 1638. Originalexemplar im Besitz der Familie Nothaft. Zwei Kopien 
im Nothaftschen Archiv (Reichsarchiv München). — Kreisarchiv Amberg, Landsassen- 
akten Nr. 404 — 406. 

Abbildung auf einem Epitaph (Tafclgemäldc) des Hans Nothaft von Weißen- ■ 
stein von ca. 1566. Im Besitz des Hr. Franz Nothaft Frhm. v, Weißenstein in 
St. Georgen (bei Dießen.) — Abbildung bei IJradl, Geschichte des Egerltjndes, 
Prag 1893, S. 229. (Nach einer im Besitz der Familie Noihaft befindlichen Zeich- 
nung von 1790.) 

Geschichtliches. Die Wolfe von Weißenslein, wohl Le u cht enbergi sehe < 
Ministerialen, werden zuersi im 13. Jahrhundert genannt. (Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 326. — Brknner a, a. O., S. 41.) Seit ungefähr 1300 erscheinen als Besitzer des 
Weißenstein die im Egerland schon im 12. Jahrhundert auftretenden Nothaft und 
zwar im Rechtsstreit mit Kloster Waldsassen, (Gradi., Mon. Egrana, Nr. 474. — 
Ofele, Rerum Boicarum Scriptores, Aug. Vind. I [1763], 71). 



1339' am zj. Juli, bekennt AI brecht Nothaft von Weissenstein, Burggraf Johann Bur 
von Nürnberg habe ihn ennächtigt, die Burg Weissenstein su »pawen und bezzem« g™ 
wie er wolle. Dafür soll sie des Burggrafen offenes Haus sein, nur nicht gegen 
den Kaiser und nicht Tut den Kaiser gegen den Burggrafen. (Mon. ZoUerana III, 
Nr. LXm.) 

Der Streit mit Waldsassen wird 1365 endgiltig geregelt (Gradl, Geschichte 
des Egerlandes, S. 235) und der Weißenstein gab in der Folge einem Zweig der 
noch heute blühenden Nothaft, deren Geschlecht in der Geschichte der Oberpfalz 
durch ehrwürdiges Alter wie große Verdienste ausgezeichnet ist, den Namen. 



Fig. 71. WdUcniicin. Aniichl dfr BuTiniinf von NoidwoHn. 

Über die weiteren Geschicke der Burg im 14. und 15. Jahrhundert bestehen 
keine sicheren Nachrichten. Wohl ihrer Unwohnlichkeit halber wird sie um Mitte 
des 16. Jahrhunderts verlassen. Neben Thumsenreuth erscheint um diese Zeit auch 
Friedenfels als Sitz der Nothaft. (Vgl. S. 26.) 1559 war auf Weißenstein weder 
Torwart, Torknecht noch Wächter (Bavaria a. a. O., S. 488.) So zerfiel die Burg 
allmählich. 

Beschreibung. Die Burg, eine kleine Anlage, erhebt sich auf dem Rücken ife«i 
des Steinwaldes nordwestlich von Friedenfels. Die Abgelegenheit im dichten, unweg- 
samen Wald schützte sie mehr als die Lage des Burgstalles selbst, dessen Terrain 
nur Dach Südosten allmählich abfällt, während besonders nordwestlich und Südwest- 



9 2 X. B.-A. Kemnath. 

Burgruine. Hch ein ebcncs Angriffsfeld sich ausbreitet. (Grundriß und Profil Fig. 68 u. 69. — 
Beschreibung. Ansichten Fig. 70 und 71.) 

Auf dieser Seite befand sich der Zugang zur Burg. Ein breiter und tiefer 
Halsgraben trennt den Burgbering vom Hinterland. Von dem Baukomplex hat sich 
nur der Bergfried in einer Höhe von 5 m erhalten, außerdem ein Stück Ringmauer 
gegen Nordwesten und an der gleichen Stelle ein längerer Zug der Zwingermauer. 
Nach Süden zu läßt sich der Zug des Beringes noch verfolgen. 

Der Bergfried liegt auf einem innerhalb des Beringes sich erhebenden, ca. 15 m 
hohen Granitkamm, der von Westen nach Osten wie eine mächtige Schildmauer 
die Wohngebäude deckte, die nach Südosten gelegen waren. Der jetzt als Aus- 
sichtsturm dienende Bergfried hat in einer Höhe von ca. 3 m seinen Zugang. Dieser 
rechteckig, 1,50 m hoch, 0,70 m breit. Falz für die Türe. Lauf kanal für Balken- 
riegel erhalten. Außen am Fuß des Eingangs ein Podestkragstein für die Zugangs- 
treppe; der zweite abgebrochen. Der Bergfried beschreibt ein längliches, unregel- 
mäßiges Vieleck. Bestimmend für diese Anlage war die Gestaltung des Granit- 
kammes, auf dem der Bau sich erhebt. Füllmauem. Innen Verblendung mit 
quaderartig zugerichteten Granitsteinen von verschiedener Schichtenhöhe. Gleich- 
zeitige Auszwickungen. Außen Mantel von großen Quadern. Teilweise derb be- 
hauene Kopfquadem; teilweise Zangenlöcher. Auszwickungen. Technik nicht 
sorgfältig. 

Die Ringmauer weist Füllmauerwerk mit quaderartig zugerichteter Granit- 
verblendung, die Zwingermauer Bruchsteinmauerwerk auf. Sichtbar ist noch der 
Eingang zu einem Keller, sowie nicht mehr näher bestimmbare Mauerreste auf dem 
Rücken des Granitkammes. 

Von der Burgkapelle (vgl. über sie Sulzbacher Kalender 1880, S. 82) keine 
Spur erhalten. 

Die Mauertechnik läßt für die Erbauung des Bergfrieds und der Ringmauer 
die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts annehmen. Vielleicht erfolgte sie seit 1339. 
Älteres Material wieder benützt. Der Zwinger ist späteren Datums. Er wurde jeden- 
falls erst im 15. Jahrhundert hinzugefügt. 

Die Ruine gehört zum Schloßgut Friedenfels und wird sorgfaltig erhalten. 
Der allgemein zugängliche Bergfried bietet eine überraschend weite Fernsicht. 



WETZLDORF. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. d. Nähere S. 10, desgleichen 
auf den Kopien, vgl. S. 10. 

Kapelle. Kleine DORFKAPELLE mit geschindeltem Kuppcldachreiter. Altärchen 

um 17 IG mit Akanthusschnitzwerk. 

Bildsäule. Auf der höchsten Erhebung des Weges nach Erbendorf steinerne BILD- 

SÄULE. Auf hohem, rechteckigen Schaft Bildhäuschen mit Pyramidendach. 
Granit. H. 2,70 m. 



WILDENREUTH. 

VC). XXllI, zSjf.; XXX, 194; XXXIII, 17, 50, 52, 55. — MB. XXVI, 56. — 
Reg. Koic. IX, 227; X, 149. — Oberpfalzisches Wochenblatt 1798, S. 433 f. — 
Krknneh X, 407; XII, 43 f., 407; XIV, 69, 391. — Destouches, Statistik, S. 284. — 
Karl Hohn, Atlas von Bayern, Nürnberg 1840, IV, 167. — Gradl, Mon. Egrana, 
Nr. 45g, 576. — Prev, Bayrische Adls Beschreibung, Cod. germ. tl. Kgl. Hof- und 
Staatsbibliothek München, Nr. 2290, Tom. XXXIII, 50 ff. — Kreisarchiv Amberg, 
1 .andsassenakten Nr. 436. 

Miniaturansicht auf der Karte von 1607, vgl. das Nähere S. 10. — Desgleichen , 
auf deren Kopien, vgl. S. 10. — Ansicht des Schlosses vor dem Brande von 1851. 
Klei Stift Zeichnung im Besitz der freiherrl. Familie v. Podewils in Wüdenreuth. (Fig. 72.) 



SIMULTANl'FARRKIRCHK ST. JAKOB. Prot. Pfarrstatistik, S. 257. — r 
Matrikel R., S. 419. 

An der Nordseite der Turm wand die Jahreszahl 16^. 1808/10 Neubau. 
(Matrikel R.) 1851 brannte die Kirche ab. 

Eingezogener, halbrund geschlossener Chor. Das Schiff schließt segmen [förmig 
an. Tonne mit Stichkappen und Wan dpi last er. Turm der VVestfassade vorgelegt. 
Schal löffntingen kleeblattförmig. Helmdach. 

Einfacher Barockaltar mit zwei Säulen. Altarbild neu. 

Am Schalldetkel der kla.ssizis tischen Kanzel Ehewappen Podewils-l.indenfcls. 

Kronleuchter. Messing. .Mit Wappen der St. Marie Eglisc und Stiftungs- 
datum 15. Januar 172J. 

.\n der Südwand des Chores (Jrabstein (Fig. 73). Umschrift: Der wohl Edl < 
geborn gest: 11 mtinrest ff. Haiiii Ernst v. padttvfh uff wildlreilk din'sfurth peekhoff 
Leutenat ist g(b. Zu wUdlrfit d. ig Sepi : i6j8 Zwisch 4 u S "'"' ^ '■ ^^S wtlc/i : de 
2Ö Aiig. r66g hey Redwitz vor de Tbar v : 3 Chiir Barr. Heil' sckeim : Iwi : 4. u 



94 X- I)--A. Kemnath. 

jchc. s iihr N. Tag Erschossen worden, da er in dieser Bitterkeit geUbet 30. Jahr 48. Wochen 
[«Irin, ö Tag. — Also hat Gott die weit geliebt, das er seine eingebor Sohn gab. Joh. j. 
G.inzfigur des Ritters mit Streithammer. Vier Ahnenwappen. Quarz. Modem 
bemalt. H, 2,10, B. 1,07 m. 



SCHLOSS. Das alte oberpföl zische Geschlecht der Wild hatte hier seinen 
Stammsitz. (VO. XXXI, 167; XXXIII, 147.) Von ihnen wird das Gut 1461 der 
Pfalz zu Lehen aufgetragen. (Kreisarchiv Amberg, Landsassen 436.) Seit dem 
Erlöschen dieser Familie (i6ri) befindet sich die Hofmark im Besitze der Freiherren 
von Podewils. (Bavaria II, i, 489. — Nach VO. XXIII, 184 fand der Kauf am 
8. April 1610 statt.) 

Nach dem Brande von 1851 wurde das Schloß neu aufgebaut. 



Wiilieni. — WoUrainsliof. gg 

WIRBENZ. 

VO. XXXm, 9; LIII, 165. — MB. XXXVla, 42a, 599. — Hkrm. Frhr, 
V. Reitzenstein-Reuth, Geschichte der Familie von Reitzenstein, München 1 (1891), 298, 

PROTESTANTISCHE PFARRKIRCHE. Prot. Pfarrst.it ist ik, S. 157. P 

Neubau von 1903, 

Altar mit gedrehten, wein laubbesetzten Säulen. Seitenranken mit Akanthus- 
schnitzereien, in welchen die Figuren der vier Evangelisten. Abendmahlsgemälde. 

In der nördlichen Eingangshalle Grabstein des Hans Christoph Muffel von ( 
Ermreuth auf Göppmannsbühl, f (?) 1648. Inschrift mehrfach unleserlich. Ganzfigur 
des Ritters, Vier Ahnenwappen. Abgetreten. Quarz, H. ca. 1,70 m. (Vgl. Sperl, 
S. 426.) — In der südlichen Eingangshalle zugehöriger Grabstein der Barbara MutTel, 
geb. V. Schimding, mit Ganzfigur der Verstorbenen. Acht Ahnenwappen. Inschrift 
und Figur sehr abgetreten. Quarz. H. ca, 1,70 m. {Vgl. Göppmannsbühl S. z8.) 

Abendmahlskelch. Silber, vergoldet. Sechspaßfuß. Nodus mit Rotuli. ' 
Gotische Maßwerk Verzierungen. Am Fuß Jahreszahl ibij und Ehewappen Rebhuhn — 
Streitberg. Im Fuß: HANS SJGMVND REPHVN MARGARKTHA SEIN 
EHELICHE HAVSFRAV GEBORNE STREITBERGERIN VF GOP- 
MANSPVHL 1617. Marken : Hi, und c. 

Taufschüssel. Messing. Verkündigungsrehef umgeben von Minuskel- und ^ 
lilätterkreis. 16, Jahrhundert. 



WOLFRAMSHOF. 



SCHI. CSS. VO. XVIII, 344; XXV, 44; LV, loi, 103. — Wiltmaisteb, schiofl. 
S. 309. — Zech von Lobming, S. 93. — Destouches, Statistik, S. 179. — Heinritz, 
Taschenbuch, S. 142. — Bavaria II, i, 525, — Gg. Brunner, Geschichte von 



' 1999. Nach PhalDfiBphlc. 



o6 X. 13.- A. Kcmnath. 

Schloß. Leuchtenberg, Weiden 1862, S. 98. — Sperl, S. 419, 420. — Doeberl, Markgraf- 
Gcschichtc. schaft, S. 47. — Kieisarchiv Amberg, Landsassenakten Nr. 438. 

Die ,villa Wolframmesdorf' wird schon 1054 anläßlich einer Schenkung Kaiser 
Heinrichs IIL an einen gewissen Hartwich erwähnt. (MB. XII, 95. — Ernst Stein- 
DORFF, Jahrbücher des deutschen Reiches unter Heinrich IIL, Leipzig II [1881], 274.) 
In der Frühzeit des 15. Jahrhunderts Teilbesitzer die Ochs und Gotzfelder. (Reichs- 
archiv München, Leuchtenberger Lehenbuch Nr. i, fol. 10 und Nr. 3, fol. 10.) Seit 
1430 werden die Spamberger als Teillehen träger genannt. (Leuchtenberger Lehenbuch 
Nr. 6, fol. 40, 71.) 1448 treffen wir als Teilbesitzer die Redwitz, Ochs und Spam- 
berger (Lehenbuch Nr. 6, fol. 299. — VO. XXXIII, 41); 1499 die Spamberger und 
Steinhauser. (Lehenbuch Nr. 2, fol. 77 b und Register s. v. Wolframshof.) Die Spam- 
berger haben wir bereits als Erbauer der Kirche zu Kastl kennen gelernt. (Vgl. S. 34 ff.) 
Bis 161 7 hatten die Spamberger den Sitz inne und zwar seit dem 1 6. Jahrhundert 
anscheinend als Alleinbesitzer. (Lehenbuch Nr. 6, fol. 254; Nr. 7, fol. 316.) 161 7 er- 
wirbt Bernhard Sigmund von Löschwitz das Gut durch Kauf. Auf die Löschwitz 
folgten seit 1725 die Freiherren von Lindenfels. (Die historischen Notizen verdanken 
wir dem gegenwärtigen Besitzer Ludwig Frhr. v. Lindenfels, Kgl. Kämmerer.) 

Neubau mit Einbeziehung spätgotischer Baubestandteile. Ansicht des Schlosses 
vor dem 1899 erfolgten Neubau Fig. 74. Der polygone, erkerartige Anbau und 
die gotisierenden Fenstergewände erhalten. In den (lemächern Ahnenbildnisse. 



KUNSTSTATISTISCHE ÜBERSICHT. 

I. BAUKUNST. 

I. KIRCHLICHE BAUTEN. 

Aus der romanischen Periode ist nur eine Kirche mit späteren Veränderungen 
erhalten, die Kirche zu Bernstein. Der über einer doppeljochigen Unterwölbung 
ruhende, emporenartige Raum im Westen bietet eine ganz vereinzelte Erscheinung, 
für die eine sichere Erklärung zurzeit nicht besteht. Vermutlich stand die Anlage 
im Zusammenhang mit dem ehemals sich anschließenden Edelsitz. 

Die Gotik erstellte zwei kunstgeschichtlich bemerkenswerte Bauten in den 
Pfarrkirchen zu Kastl und Kemnath. In beiden Fällen handelt es sich um spät- 
gotische Hallenkirche von sehr anspruchsloser Außenerscheinung, aber malerisch 
reizvoller Innengestaltung. Beide besitzen ursprüngliche, gemauerte Westemporen 
mit Maßwerkbrüstungen. Einen bescheidenen spätgotischen Bau mit quadratischem 
Chor im Ostturm und flachgedecktem Langhaus bewahrt Obemdorf. Vom spät- 
gotischen Chor in Erbendorf und der auch im Langhaus auf Wölbung angelegten 
spätgotischen Kirche in Krummenaab stehen nur mehr die Umfassungsmauern. 

Ein Beispiel für die lange Dauer der gotischen Formensprache bietet die 
1604 entstandene Gottesackerkirche in Kemnath, und nicht minder die um Mitte 
des 17. Jahrhunderts in gotisierenden Formen restaurierte Kapelle von Oberbruck. 
Die Altenstädter Kirche, wohl aus der Frühzeit des 17. Jahrhunderts, muß hier 
gleichfalls genannt werden. 

Unter den durchweg bescheidenen Bauten des Barock und Rokoko müssen 
die Pfarrkirchen zu Mockersdorf und Waldeck, letztere ursprünglich eine Wallfahrts- 
kirche, an erster Stelle hervorgehoben werden, und zwar hauptsächlich wegen ihrer 
gefalligen Innenausstattung mit Stukkaturen im Stile des frühen Rokoko. Der Reiz 
stimmungsvoller landschaftlicher Lage ist der Wallfahrtskirche auf dem Armesberg 
sowie den Kapellen zu Dechantsees und Hohenhard eigen. Der Armesberg be- 
herrscht wie ein Wahrzeichen die umliegende Gegend und von seiner Kirche aus 
genießt man einen weitreichenden Femblick; intimere Züge beseelen das Bild der 
beiden Kapellen. 

Den kunstgeschichtlichen Zusammenhang der beiden spätgotischen Hallen- 
kirchen in Kemnath und Kastl festzustellen, muß weiteren Forschungen überlassen 
werden; auf die Häufigkeit von Hallenkirchen in den Gegenden nördlich von 
Kemnath haben wir bereits aufmerksam gemacht. (S. 42.) 

Als Kirchenbaumeister des 17. und 18. Jahrhunderts lernen wir kennen: 
1604 Meister Sebald Seitz an der Friedhof kirche zu Kemnath, Paulus Steinbrecher 
Heft X. 7 



98 X. B.-A. Kemnath. 

und Blasius Reiter von Pressath 1677 auf dem Armesberg. Der Amberger Bau- 
meister Georg Dill er baut 1734 die Kirche in Haidenaab, 1741 die in Ebnath und 
1751 die Pfarrkirche in Pullenreuth. Bei Haidenaab und Pullenreuth siegt er 
durch die Unterstützung der Amberger Regierung über die konkurrierenden ein- 
heimischen Maurermeister. Den Kirchenbau zu Mockersdorf fuhrt Joh. I-.ösch von 
Neumark (1738 — 46) auf. Nur in Dechantsees kommt der Kemnather Maurermeister 
Mathias Weber zur Geltung. 

2. PROFANE BAUTEN. 

Burgstalle finden sich in Lehen und Steinbühl. 

Unter den erhaltenen Burgruinen bewahrt nur Weißenstein und Trautenberg 
näher zu bestimmende Reste, aber auch nur in geringem Umfang: beide umweht 
poesievolle Romantik, namentlich den in tiefer Waldeinsamkeit verborgenen Weißen- 
stein, der uns von der mittelalterlichen Geschichte des mächtigen Geschlechtes der 
Nothaft erzählt. Waldeck dagegen, einst ein umfangreicher, in seinem Kern 
romanischer Bau, hat nur bedeutungslose Mauerreste aufzuweisen. 

Die Schloßbauten zu Friedenfels, Reuth, Thumsenreuth und Wolframshof be- 
wahren spätgotische Baubestandteile: die meisten Thumsenreuth und Wolframshof. 
Die mit Maßwerk- und Wappenfriesen geschmückten Erker in Friedenfels und 
Thumsenreuth weisen auf die gleiche Herkunft. Dem ausgehenden 16. Jahrhundert 
gehört das Hammerschloß in Hopfau mit seinem polygonen Treppenturm, dem 
frühen 17. Jahrhundert der für die Gegend charakteristische Eklelsitz in Schwarzen- 
reuth an. 

Das 18. Jahrhundert schuf die Edelsitze in Guttenthau und Kaibitz. 

Von bürgerlichen Gebäuden hat nur Kemnath im heutigen Rentamt spät- 
gotische Bestandteile gerettet. Außerdem besitzt Kemnath ein paar charakteristische 
Bürgerhäuser in der Art des späten 16. — 17. Jahrhunderts. Mehrfache Brände haben 
sowohl in Kemnath wie im zweitgrößten Ort des Gebietes, in Erbendorf, das Bürger- 
haus der Vorzeit beseitigt. 

Die mittelalterliche Befestigung von Kemnath mit Ringmauer, Zwinger und 
Mauertürmen hat sich teilweise erhalten, der befestigte Friedhof in Erbendorf da- 
gegen ist gänzlich, der in Kastl bis auf wenige Spuren verschwunden. 

In den Dörfern finden sich noch mehrfach Holzhäuser. An der Westgrenze 
des Gebietes macht sich bereits die fränkische Art des Fachwerkbaues geltend. 

II. PLASTIK. 

Von dem in Obemdorf als Spolie eingemauerten, wohl dem 13. Jahrhundert 
angehörigen Kopf abgesehen, ist das älteste Werk der Steinplastik der schöne 
spätgotische Grabstein des Pfarrers Georg Sparnberger (f 1498) in Kastl, der aus 
einer tüchtigen Werkstätte hervorging. Für Georgs Bruder Lorenz befindet sich 
ebenda ein Wappengrabstein. 

Die Renaissance zählt nur handwerkliche Leistungen mit dem Epitaph für 
Christoph von Trautenberg (f 1575) in der Pfarrkirche zu Kemnath und einem 



Kunststatistiscbe Übersicht. oo 

nicht bestimmbaren Epitaph in der dortigen Friedhofkirche aus ungefähr gleicher 
Zeit. Das Denkmal für die 1589 verstorbene Martha Nothaft in Thumsenreuth 
interessiert wegen der im T3rmpanon angebrachten Darstellung des damaligen 
Schloßbaues. 

Eine auffallend gute Schöpfung des 17. Jahrhunderts ist der Grabstein des 
Pfarrers Laubmann in Thumsenreuth (f um 1680), geringer die zwei Muffeischen 
Grabsteine in Wirbenz und der des Ernst von Podewils (f 1669) in Wildenreuth. 

Die mittelalterliche Holzplastik hat wenige, aber manch anziehende Schöpfung 
aufzuweisen. Sämtlich gehören sie der Spätgotik an. Bei der seelenvollen Gruppe 
der hl. drei Könige aus Senkendorf erinnert die Anordnung und teilweise auch die 
Technik an die Weihnachtskrippe. Als Entstehungszeit möchten wir die Jahre um 
1490 annehmen. Die würdevolle Madonna in PuUenreuth, der lebensvolle St. Christo- 
phorus in Mehlmeisl sind vortreffliche Arbeiten aus der Zeit um 1500. Die Reüef- 
figuren in Hohenhard und die Vitusstatue in Altenstadt reihen sich ihnen an. Um 
1520 mögen die Altarfiguren in Riglasreuth und Dechantsees entstanden sein. Die 
PuUenreuther Madonna und die Figuren in Hohenhard scheinen dem gleichen 
Schnitzer anzugehören. Das Fortleben gotischer Traditionen spricht aus der um 
1600 entstandenen sitzenden Madonna in Obemdorf. 

Aus der Barockzeit finden sich hübsche Figürchen in Erbendorf und 
Unterlind. 

III. MALEREI. 

Mittelalterliche Denkmäler fehlen ganz. 

Deckengemälde des 18. Jahrhunderts besitzen Mockersdorf und Waldeck. In 
beiden Fällen handelt es sich um bedeutende Leistungen. Der Vorrang gebührt 
dem Zyklus in Waldeck, dessen Zuteilung an die Asam berechtigt sein dürfte. 

Gute Altarbilder von dem bisher wenig bekannten Joh. David Radius finden 
sich in Ebnath. Zwei Altarbilder in Haidenaab und Krummenaab verdienen Be- 
achtung. Die einheimische Malerfamilie der Wild von Kemnath wird im 18. Jahr- 
hundert (Ehrnth ALLER, S. 6) uud noch 1823 mit dem Kreuzweg in Mockersdorf 
genannt. 

IV. KIRCHLICHE EINRICHTUNGSGEGENSTÄNDE. 

Die ältesten Altäre des Bezirks besitzt Kemnath im Sebastians- und Laurentius- 
altar der Pfarrkirche, Ramlesreuth, Oberbruck und Bernstein. Sie gehören der Zeit 
von 1650 — 1680 an. 

Barockaltäre vom Ende des 17. und aus den ersten Jahrzehnten des 18. Jahr- 
hunderts befinden sich in Kemnath, Wirbenz, Poppenreuth, Thumsenreuth, Bernstein, 
Obemdorf, Mockersdorf, Haidenaab, Ebnath. Von besonderem Interesse sind die 
Altäre in Reuth und Poppenreuth: prächtige Schnitzwerke im Akanthusstil des 
späteren Barock, ohne architektonische Formen, wie sie in der Oberpfalz mehrfach 
sich finden. (Vgl. Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft VIII, B.-A. Vohenstrauß, 
S. 134 und Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 165.) Wie lange diese Art in der 



IOC X. B.-A. Kemnath. 

Gegend sich erhielt, beweist der mit 1750 datierte, von dem Schnitzer Sigmund 
Windisch von Erbendorf verfertigte Altar in Altenstadt. 

Von den Altären des Rokoko nennen wir die zu Premenreuth, Erbendorf, 
Waldeck, PuUenreuth und Kemnath. Kulmain besitzt klassizistische Altäre. 

Voll den Kanzeln des Bezirks müssen die schöne Barockkanzel in Reuth und 
die mit trefflichem Figuren werk ausgestattete Kanzel in Kulmain, die an der Wende 
vom Rokoko zum Klassizismus steht, hervorgehoben werden. 

Kirchenstühle im Barockstil findet man in Reuth und Dechantsees, im Rokoko- 
stil in Mockersdorf und Kemnath. Die Beichtstühle in Ebnath und Erbendorf ver- 
dienen Beachtung. 

Gute Barockorgelgehäuse besitzen Reuth und Waldeck, solche des Rokoko 
PuUenreuth, Mockersdorf und Erbendorf. 

Der noch stark gotisierende Taufstein von 1572 in Bernstein und jener zu 
Ebnath aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts sind bemerkenswert. 

Einheitliche Kirchenausstattungen trifft man in Mockersdorf, Waldeck und 
Reuth. 

Von den Meistern, die auf dem Gebiet der Kirchenausstattung tätig waren, 
konnten wir außer dem schon genannten Sigmund Windisch von Erbendorf noch 
folgende konstatieren: Joh. Michael Dosser von Auerbach arbeitet 17 18 und 1725 
für Thumsenreuth ; der Schreinermeister Joh. Eckhmann von Kemnath 1739 und 1753 
für die Pfarrkirche zu Kemnath, 1753 auch für Ebnath; der Bildhauer Joh. Gg. Veldt 
von Auerbach 1753 für Ebnath. Der Kemnather Maler Maximilian Sattler (wohl 
nur Faßmaler) wird bei Armesberg 1678 und bei Reuth 1678 (vermutlich) genannt. 
(Vgl. über ihn Kunstdenkmäler der Oberpfalz, Heft IX, B.-A. Neustadt a. W.-N., S. 16.) 

V. GLOCKEN. 

Die älteste Glocke des Bezirkes findet sich in Oberbruck. Sie gehört dem 
12. — 13. Jahrhundert an, wie aus ihrer länglichen Form zu schließen. 

Dem 14. Jahrhundert entstammt eine Glocke zu Oberndorf mit Spuren rauten- 
förmiger Verzierung am Mantel. Spätgotische Glocken hängen in Mockersdorf und 
PuUenreuth. 

Von den Gießern des 16. Jahrhunderts ist Hans Stain von Amberg am häufig- 
sten vertreten. 1573 goß er drei Glocken für Kemnath, 1587 und 1592 je eine 
Glocke für Obemdorf und Bernstein. In Mockersdorf begegnen wir 1551 dem 
Nürnberger Büchsenmeister Sebald Hirder mit einer schönen Glocke. Eine nicht 
datierte Glocke dieser Zeit besitzt auch PuUenreuth. Ebenda befindet sich eine 
Glocke des Regensburger Meisters Joh. Georg Schelchshom vom Jahre 1653. 

Im 18. Jahrhundert begegnen zumeist Amberger Gießer: Magnus Gabriel Rein- 
burg 1732 in Krummenaab, Joh. (?) Divall 1787 — 1796 in Waldeck und Erbendorf, 
Thomas Bändl in Oberbruck. Daneben trifft man nur noch den Stadtamhofer Erhard 
Kißner 1776 in Ebnath, Mathias Divall von Eger 1783 in Bernstein und einen nicht 
genannten Würzburger Gießer 1790 in PuUenreuth. 



Kunststatistische Übersicht. loi 

VI. KIRCHLICHE GERÄTE. 

Den lange dauernden Nachklang der Gotik verkünden zwei Kelche in Thum- 
senreuth (um 1600) und der mit 161 7 datierte Abendmahlskelch in Wirbenz, femer 
die interessante Monstranz in Thumsenreuth aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. 
Hierher zählt auch das Ziborium in Altenstadt. 

Gute Goldschmiedearbeiten des Barock und Rokoko finden sich mehrfach. 
Den Beschauzeichen zufolge sind es Augsburger, Egerer und Regensburger Arbeiten. 
Wiederholt findet sich im Bezirk das Beschauzeichen K im Vierpaß (in Keranath, 
Kulmain, Mockersdorf, Thumsenreuth), das noch nicht bestimmt werden konnte. 

Von Meistern konnten die Augsburger Hans Jakob Ernst in Kemnath, Kaspar 
Xaver Stipeldey und Andreas Seb. Mielach in Kulmain, Joh. Zeckel in Krummenaab 
und Salomon Dreyer in Waldeck konstatiert werden. Eine prächtige Abendmahls- 
kanne (von 1681) befindet sich in Thumsenreuth, eine Messingtaufschüssel mit Relief 
der Verkündigung in Wirbenz. 

VII. SONSTIGE ALTERTÜMER. 

Steinkreuze, die wohl als Sühnekreuze zu deuten sind, finden sich bei Erben- 
dorf, eines mit der Jahreszahl 168 j. 

Weg- oder Martersäulen fanden wir bei Lehen und Wetzldorf. 

Über sporadisches Vorkommen von Totenbrettem in unserem Gebiet vgl. 
H. Heerwagen, Festschrift zum XVI. deutschen Geographentag in Nürnberg, Nürn- 
berg 1907, S. 173, 178. 

Als Gedenkstein an die Errichtung des pfarrlichen Kastengebäudes ist der 
dem 15. Jahrhundert angehörige Wappenstein in Mockersdorf anzusehen. 

Eine seltene Erscheinung bildet der Opferstock für Flachs in der Kirche zu 
Dechantsees. 



I. Ortsregister. 



(Die stärkeren Ziffern bezeichnen die zusammenhängende Beschreibung, die schwächeren gelegentliche Erwähnung.) 



Altenstadt 7, 13, 97, 99, 100, loi. 

Annesberg 14, 97, 98, 100. 

Bernstein 15, 97, 99. 100. 

Burggrub 6, 7, 20. 

Dechantsees 3, 20, 97, 99, 100, loi. 

Ebnath 21, 72, 98, 99, 100. 

Erbendorf 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 13, 23, 69, 70, 

97, 98, 99. 100. loi- 
Friedenfels 26, 65, 91, 98. 
Göppmannsbtthl am Berg 28, 95. 
Grötschenreuth 2$, 28. 
Guttenthau 28, 70, 98. 
Haidenaab 28, 48, 98, 99. 
Hohenhard 29, 97, 99. 
Ilopfau 30, 98. 
Kaibitz 2, 30, 98. 
Kastl 3, 31. 42, 82, 96, 97, 98. 
Kemnath 2, 3, 4, 6, 7, 9, 15, 22, 24, 30, 66, 

70, 97, 98, 99, 100, lOI. 
Krummenaab 7, 19, 54, 97, 99, 100. 
Kulmain 3, 21, 55, 100, 101. 
Lehen 58, 98, 10 1. 
Mehlmeisl 3, 50, 99. 

Mockersdorf 13, 50, 97, 98, 99, icx>, 101. 
Oberbruck 55, 62, 64, 97, 99, 100. 



Oberndorf 64, 97, 98, 99, 100. 

Poppenreuth 26, 65, 99. 

Premenreuth 65, 100. 

Pullenreuth 3, 6, 66, 98, 99, 100. 

Ramlesreuth 67, 99. 

Reuth bei Erbendorf 6, 54, 60, 74, 98, 99, 100. 

Riglasreuth 3, 71, 99. 

Schönreuth 44, 71. 

Schwarzenreulh 72, 98. 

Senkendorf 72, 99. 

Siegritz 2, 7, 72. 

Steinbühl 74, 98. 

Thumsenreuth 7, 13, 27, 58, 65, 74, 78, 9', 
98, 99, 101. 

Trautenberg 6, 78, 98. 

Trevesenhaminer 5, 6, 70. 

Unterbruck 80. 

Unterlind 80, 99. 
' Waldeck 2—4, 7, 81, 97. 98, 99. 'oo. 

Weißenstein 6, 88, 98. 

Wetzldorf 26, 02, 101. 
' Wildenreuth 7, 03, 99. 
' Wirbenz 05, 99, 101. 

Wolframshof 34, 39, 05, 98. 



IL Abbildungen im Text 



Seite 
Fig. I. Armesberg. Kirchenprojekt 1675. 
Nach der Tuschzeichnung im Urbar 
des Armesberges von 1678 im Pfarr- 
archiv Kulmain 14 

> 2. Bernstein. Ansicht der Kirche 

von Westen 16 

» 3. Bernstein. Grundriß der Kirche . 17 

> 4. Bernstein. Kirche, Emporenschnitte 17 

> 5. Bernstein. Marienaltar in der Kirche 18 

> 6. Bernstein. Ehem. Taufstein in der 

Kirche 19 



Seite 



Fig. 7. Dechantsees. Ansicht der hl. 

Kreuzkapelle mit ehem. Klause . . 20 

> 8. Ebnath. Taufstein in der Pfarr- 

kirche 21 

> 9. Ebnath. Monstranz in der Pfarr- 

kirche 22 

> 10. Erbendorf und Altenstadt. 

Ansicht nach Karte Nr. 3188 (von 
1607) im Reichsarchiv München . 23 
» II. Erbendorf. Ansicht der Windisch- 
kapelle 25 



Verzeichnisse. 



103 



Seite 
Fig. 12. F r i e d e n f c 1 s. Erker am Schloß 27 

13. Hohenhard. Relief6giiren in der 
Kapelle, Holz 29 

14. Hohenhard. Darstellnng Christi im 
Tempel. Holzrelief in der Kapelle 30 

15. Hopf au. Ansicht des ehem. 
Hammerhauses 31 

16. Kastl. Stifterinschrift am Pfarr- 
kirchenturm 32 

17. Kastl. Grundriß der Pfarrkirche . 32 

18. Kastl. Längsschnitt der Pfarr- 
kirche 33 

19. Kastl. Querschnitt der Pfarrkirche 34 

20. Kastl. Innenansicht der Pfarrkirche 
gegen Westen 35 

21. Kastl. Details an der Pfarrkirche 36 

22. Kastl. SchallöfTnungen am Turm 
der Pfarrkirche 36 

23. Kastl. Grabstein des Pfarrers Georg 
Sparnberger« f 1498, an der Pfarr- 
kirche 37 

24. Kastl. Grabstein des Lorenz Spam- 
berger, f 1510, an der Pfarrkirche 38 

25. Kemnath. Ansicht nach Karte 
Nr. 3277 im Reichsarchiv München 
(16. Jahrhundert) 40 

26. Kemnath. Ansicht von Merian, 
1644 41 

27. Kemnath. Grundriß der Pfarrkirche 42 

28. Kemnath. Details an der Pfarr- 
kirche 43 

29. Kemnath. St. Sebastiansaltar in der 
Pfarrkirche 44 

30. Kemnath. Altar der schmerzhaften 
Mutter Gottes in der Pfarrkirche . 45 

31. Kemnath. Epitaph des Christoph 
von Trautenberg, f 1575, in der 
Pfarrkirche 46 

32. Kemnath. Meisterzeichen an der 
Friedhofkirche 47 

33. Kemnath. Ansicht der Friedhof- 
kirche von Osten 48 

34. Kemnath. Lageplan nach dem 
Katasterblatt 49 

35. Kemnath. Rentamt. Details . . 50 

36. Kemnath. Haus Nr. 26 am Markt- 
platz 51 

37. Kemnath. Häusergruppe am Markt 52 

38. Kemnath. Wirtshausschilde an 
Haus Nr. iii 53 

» 39. Kulmain. Kanzel in der Pfarr- 
kirche 56 



> 41. 

» 42. 

» 43. 

» 44. 

> 45. 
» 46. 

> 47. 

> 48. 

> 49. 

> 50. 
» 51. 

» 52. 

» 53. 

> 54. 



Seite 
Fig.40. Lehen und Trautenberg. An- 
sicht nach Karte Nr. 3 188 (von 1607) 
im Reichsarchiv Manchen .... 57 

Lehen. Bildstock ...... 58 

Mehlmeisl. St. Christophorus. 

Holzfigur in der Kirche 59 

Mockersdorf. Innenansicht der 

Pfarrkirche 60 

Mockersdorf. Wappenstein vom 

ehem. Zehentkasten 61 

Oberbruck. Grundriß der Kirche 62 
Oberbruck. Ansicht der Kirche 

von Süden 62 

Oberbruck. Apsisfenster .... 63 

Oberbruck. Glocke 63 

Oberndorf. Grundriß der Kirche 64 
Obemdorf. Details an der Kirche 64 
PuUenreuth. Marienstatue in der 

Pfarrkirche, Holz 67 

Reuth. Hochaltar in der Kirche . 68 
Reuth. Kanzel in der Kirche . . 69 
Reuth. Ansicht nach Karte 
Nr. 3188 (von 1607) im Reichs- 
archiv München 70 

Schwarzenreuth. Ansicht des 

ehem. Schlosses 72 

Anbetung der drei Könige. Holz- 
gruppe aus der Kapelle in Senken- 
dorf, jetzt im Bayer. National- 
museum 73 

> 57. Thumsenreuth. Tympanon vom 
Denkmal der Martha Nothaft in der 
Pfarrkirche 74 

> 58. Thumsenreuth. Monstranz der kath. 
Pfarrei 75 

> 59. Thumsenreuth. Teilansicht des 
Schlosses 76 

y 60. Thumsenreuth. Erker am Schloß 77 

> 61. Trautenberg. Grundriß und 
Profile der Burgruine 79 

> 62. Unter brück. Ansicht des ehem. 
Schlosses 80 

> 63. Waldeck. Innenansicht der Pfarr- 
kirche 83 

i 64. Waldeck. Ansicht des Schlosses 
nach Karte Nr. 3277 im Reichs- 
archiv München (16. Jahrhundert) 84 

> 65. Waldeck. Beschießung der Feste 
1704. Nach dem Histor. u. Polit. 
Merkurius 1704 85 

> 66. Waldeck. Lageplan der Burg und 
Marktruine nach dem Katasterblatt 86 



> 55. 
» 56.